Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03662.jsonl.gz/1999

Filmische Meisterwerke werden nicht immer gleich als solche erkannt. Manchmal braucht es sogar Jahrzehnte, bis wir sie endlich zu würdigen wissen. Und oft ist der Weg bis zum Kultfilm ganz schön ungewöhnlich.
Ja, wie bewirbt man bloss einen Film, der sich mit dem Thema Konsumismus und Kapitalismus auseinandersetzt? Das Studio 20th Century Fox stand 1999 genau vor diesem Problem. Nachdem Regisseur David Fincher den Film den Produzenten vorgeführt hatte, fielen deren Reaktionen nämlich katastrophal aus.
Die Marketingverantwortlichen sahen kein Zielpublikum für den Film und suchten fieberhaft nach einer Möglichkeit, den Streifen effektiv zu vermarkten. Vor allem die explizite Gewaltdarstellung machte vielen Sorgen. Also wurde eine externe Marketingagentur beauftragt, einen Plan zu entwerfen.
Die Firma arbeitete eine Kampagne aus, deren Hauptmerkmal eine rosarote Seife sein sollte, in deren Oberfläche der Schriftzug «Fight Club» eingestanzt ist. Die Verantwortlichen bei 20th Century Fox taten diese Idee allerdings als schlechten Scherz ab.
Schlussendlich entschied man sich, «Fight Club» als Action-Streifen mit coolen Kampfszenen zu verkaufen. Das Studio investierte 20 Millionen US-Dollar in die Werbekampagne und bewarb den Film unter anderem im Fernsehen während einer Wrestling-Show. Regisseur David Fincher war darüber bestürzt, da diese Werbekampagne ein falsches Bild der Geschichte vermittelte. Die Quittung kam in Form von ausbleibendem Kinopublikum.
Glücklicherweise behielt David Fincher die kreative Kontrolle über die DVD-Veröffentlichung des Filmes. Er liess die Hülle exakt so gestalten, wie er sich das vorgestellt hatte. Ausserdem packte er grosszügig Bonusmaterial auf die DVD. Dieses beinhaltete unter anderem auch Clips aus der ursprünglichen Werbekampagne, die nie verwendet wurde.
Schlussendlich erschien der Film in zwei DVD-Editionen. Filmmagazine liebten sie und «Entertainment Weekly» kürte die Zwei-Disc-Edition sogar zur Must-Have-DVD des Jahres 2000. Dies alles führte dazu, dass die Verkaufszahlen rasant in die Höhe schnellten und 20th Century Fox schon bald nachproduzieren musste. In den ersten zehn Jahren konnten über sechs Millionen VHS- und DVD-Kopien verkauft werden, was den Film nicht nur weltbekannt machte, sondern ihn endlich auch in die Gewinnzone hievte.
Sie ist wohl eine der berühmtesten Eröffnungsszenen in einem Film: Jeff Bridges, der als Dude im Bademantel und Sandaletten durch einen Supermarkt schlendert, um die Milch für seinen geliebten White Russian zu kaufen. Bezahlen tut er natürlich mit einem Scheck über 69 Cent.
Doch 1998, als der Film in die Kinos kam, sah man das noch ganz anders. Der Film erhielt keineswegs nur positive Kritiken, sondern wurde eher durchmischt aufgenommen. Die Zeitschrift Variety beispielsweise nannte den Film «hohl und resonanzlos». Gleichzeitig wurde «The Big Lebowski» rasch von James Camerons «Titanic» aus den Kinosälen verdrängt.
Der US-amerikanische Journalist und Autor Oliver Benjamin, der die Geschichte des Films in- und auswendig kennt, sagte gegenüber der Zeitung «The Atlantic», dass «The Big Lebowski» seiner Zeit schlicht voraus war.
«Die US-Wirtschaft war damals im vollen Leistungsmodus und die Leute hatten Vertrauen in das politische und finanzielle System der USA. Niemand konnte etwas mit einem faulen Anti-Helden anfangen, zu dem man sogar in gewisser Weise aufsehen konnte. Jahre später war dieses Vertrauen dahin. Die Leute mussten ihr Verständnis von Erfolg und Heldentum neu definieren. Mehr Menschlichkeit, vielleicht sogar Spiritualität war gefragt – und der Dude war so etwas wie eine Idee davon, wie dieses neue Heldentum aussehen könnte.»
Einen weiteren Popularitätsschub bekam der Film nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Schnell machte im Internet die Botschaft die Runde, dass der Check, der der Dude im Film ausstellt, mit dem 11. September 1991 datiert war – also exakt zehn Jahre vor dem Anschlag. Plötzlich wollten alle diesen Film sehen, der scheinbar eine ominöse Verbindung zu einem der grössten Terroranschläge der Geschichte aufwies.
Als «Die Verurteilten» 1994 in die Kinos kam, interessierte sich niemand für den Film. Warum genau, weiss bis heute keiner. Eine beliebte Theorie ist, dass der englische Titel («The Shawshank Redemption») zu kompliziert war. Regisseur Frank Darabont hat dagegen seine ganz eigene Meinung, die er gegenüber Yahoo Movies erörterte:
Dass der Film dennoch Kult wurde, verdankt er einem glücklichen Umstand: Er war für den Oscar als bestes adaptiertes Drehbuch nominiert. Zwar gewann er die Trophäe nicht, doch zog er damit das Interesse des Publikums auf sich. Nach und nach stiegen die VHS-Verkäufe an und der Film wurde durch Mundpropaganda immer beliebter.
Schnell erkannte der Kabelsender «TNT» das grosse Potential des Films und kaufte die Senderechte. «Die Verurteilten» wurde von «TNT» als grosser Filmhit angepriesen und lief in den darauffolgenden Jahren regelmässig im Fernsehen. Die positive Botschaft des Films, die trotz einer aussichtslosen Lage Hoffnung vermittelt, begeisterte auch viele Promis. Vor allem Sportler erwähnten den Film als Inspirationsquelle, die ihnen half, auf dem Weg zu ihrer erfolgreichen Karriere durchzuhalten.
Als ab dem Jahr 2000 das Internet dann so richtig durchstartete, fand sich «Die Verurteilten» schnell in diversen Bestenlisten wieder. Inzwischen gilt der Film als eines der besten Werke des 20. Jahrhunderts. In der Internet Movie Database liefert er sich ein hartes Duell mit «Der Pate» um den ersten Platz bei den 250 besten Filmen aller Zeiten.
«Blade Runner» war ein Science-Fiction-Film, der 1982 eigentlich genau den Zeitgeist traf – so dachte zumindest das Studio. Doch die düstere Geschichte war den Verantwortlichen neben Streifen wie «Krieg der Sterne» dann doch zu schwer verständlich.
Kurzerhand schnitten sie den Film um, fügten eine Erzählstimme ein und machten aus dem Schluss ein Happy End. Das Ergebnis kam bei den Kritikern nicht sehr gut an. Vor allem aber das Publikum zeigte dem Film schnell die kalte Schulter. Zwar lobten die wenigen Zuschauer die atemberaubenden Bilder des Films, doch die philosophische Geschichte war ihnen meist unverständlich.
Die Konsequenz: Die Leute schauten sich lieber den familienfreundlichen «E.T. – Der Ausserirdische» oder den einfacher verständlichen Film «Das Ding aus einer anderen Welt» an, welche beide im gleichen Zeitraum anliefen.
Den Grundstein für den Kultstatus, den «Blade Runner» heute geniesst, legte das Studio erst 1992. Nach einem Jahrzehnt konnten sich die Verantwortlichen endlich dazu durchringen, den Film in seiner ursprünglichen Originalfassung zu veröffentlichen. Die als Director's Cut veröffentlichte Version begeisterte vor allem die Kritiker und führte dazu, dass die Verkäufe der «Blade Runner»-Videokassetten in die Höhe schossen.
2017 kam schliesslich die Fortsetzung «Blade Runner 2049» in die Kinos.
Die Tragikomödie basiert auf einer Kurzgeschichte von Philip Van Doren und ist auch heutzutage noch für viele der Weihnachtsfilm schlechthin. 1946 sah das aber noch ganz anders aus. Der Film bescherte dem Produktionsstudio einen Verlust von 525'000 US-Dollar und wurde daher als Flop abgeschrieben.
Woran das genau lag, kann nur spekuliert werden. Möglich ist, dass es an den gemischten Kritiken lag, welche der Film erhielt. So lobte die «New York Times» zwar die schauspielerische Leistung, fand den Film aber insgesamt unnötig sentimental, realitätsfern und unterstellte ihm gar ein illusorisches Lebenskonzept. Gleichzeitig geriet der Film – wegen seiner Kritik am Kapitalismus – ins Visier des FBI, was dazu geführt haben mag, dass die Leute ihn mieden.
Während der nächsten Jahre war der Film praktisch aus dem kollektiven Gedächtnis der Zuschauer verschwunden, bis 1974 das Copyright auslief. Warum dies geschah, ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass das Studio schlicht kein Interesse hatte, das Copyright zu verlängern, eine zweite unterstellt den Verantwortlichen einen Fehler beim Ausfüllen der Formulare innerhalb der nötigen Frist.
Das Ergebnis war, dass der Film ab 1974 plötzlich lizenzfrei gesendet werden konnte. Dies führte dazu, dass unzählige Fernsehstationen den Film ins Programm aufnahmen und ihn regelmässig zeigten. Spätestens in den 80er-Jahren hatte sich «Ist das Leben nicht schön?» in den USA zum beliebten Weihnachtsfilm gemausert und trat nun seinen Siegeszug rund um die Welt an.
Frank Capra sagte rückblickend gegenüber dem «Time Magazine»:
Übrigens: Der Film ist inzwischen nicht mehr gemeinfrei.