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Schon fast masochistisch ehrlich gibt sich Tabakmulti Philip Morris (die bekannteste Zigarettenmarke: Marlboro) in auffälligen Inseraten: «Zigarettenrauch enthält mehr als 4000 Chemikalien. Viele der Chemikalien sind Krebs erregend oder giftig.» Und weiter heisst es: «Die einzige Möglichkeit», seine Gesundheit nicht durch Rauchen zu ruinieren, bestehe darin, «das Rauchen aufzugeben oder gar nicht erst damit anzufangen».
Der Hintergrund dieser Charme-Offensive: Schadenersatzklagen von kranken Rauchern in den USA und Anti-Tabak-Kampagnen der Gesundheitsbehörden machen der Glimmstängelindustrie gehörig zu schaffen. Ist aus dem Saulus ein Paulus geworden?
«Die Tabakindustrie kann gar nicht mehr bestreiten, dass Rauchen Krebs verursacht», sagt Chung-Yol Lee, Vizedirektor des Bundesamts für Gesundheit. Und Michel Graf, der Direktor der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme, kritisiert: «Mit dieser Strategie schiebt die Tabakindustrie die Verantwortung für die gesundheitlichen Risiken des Rauchens auf die Raucher ab.» Marc Fritsch von Philip Morris entgegnet: «Wir stellen ein risikobehaftetes Produkt her, daher ist es für uns umso wichtiger, wie wir damit in der Vermarktung verantwortlich umgehen.»
Das Inserat erschien auch in der Zeitschrift «Facts». Damit hebt der Tabakriese den Werbeboykott auf, den er letzten November gegen das Nachrichtenmagazin verhängt hatte – als Reaktion auf einen kritischen Artikel über die Tabakindustrie.