Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03251.jsonl.gz/284

Manifestes Schielen, latentes Schielen, Lähmungsschielen
Manifestes Schielen (sichtbares Schielen / Strabismus / Heterotropie)
Das mainfeste Schielen ist häufig von blossem Auge erkennbar. Die Motorik (bewegungssteuernde Augenmuskulatur) ist nicht in der Lage die Schielstellung vollständig auszugleichen. Beim manifesten Schielen ist die Fixierlinie nur eines Auges auf den Fixationspunkt ausgerichtet. Das nicht fixierende Auge wird mehr oder weniger stark unterdrückt. Dreidimensionales Sehen ist entweder nicht oder nur in einem verminderten Mass möglich.
In einigen Fällen versuchen die Betroffenen die Schielstellung mit der Motorik zu verkleinern. Die kleinere Schielstellung wirkt kosmetisch günstiger, die Dauerbelastung der Motorik kann aber zu Anstrengungsbeschwerden und Kopfschmerzen führen. Dieser Schielwinkelanteil kann gemessen, mit prismatischen Gläsern korrigiert und nötigenfalls auch operativ behoben werden. Beschwerden werden somit reduziert oder ganz beseitigt. Falls noch eine einfache Form von räumlichem Sehen vorhanden ist, kann dieses gelegentlich noch etwas verbessert werden.
Bei totaler Unterdrückung eines Auges kann abgeklärt werden, ob eine kosmetische Schieloperation in Frage kommt. Räumliches Sehen wird nach der Operation nicht möglich sein, die Kosmetik wird aber erheblich verbessert.
Ein umgangsprachlich bezeichneter Silberblick (kleiner Schielwinkel) darf nicht verniedlicht und vernachlässigt werden. In solchen Fällen sind genaue Abklärungen erforderlich.
Vor einer Augenpflastertherapie muss sorgfältig abgeklärt werden, ob eine zusätzliche Prismenkorrektion nötig ist. Eine ausschliessliche Korrektion der Sehschärfe reicht in vielen Fällen nicht. Führt eine Schielstellung zu einer einseitigen Verschlechterung der Sehschärfe und wird eine Augenpflastertherapie ohne Korrektion des Schielwinkels durchgeführt, wird nicht der gewünschte Effekt erzielt, da die zugrunde liegende Ursache nicht behoben wurde.
Latentes Schielen (verstecktes Schielen, Heterophorie) (manchmal umgangssprachlich auch verdecktes Schielen genannt)
Das latente Schielen ist von blossem Auge nicht erkennbar. Der Schielwinkel wird mit der Motorik (bewegungssteuernde Augenmuskulatur) kompensiert. Meistens nur soweit, dass gerade kein Doppeltsehen entsteht. Der nicht motorisch kompensierte Winkelanteil wird durch die Sensorik (Bildauswertung) ausgeglichen. Dies führt jedoch häufig zu Wahrnehmungsproblemen, welche sich bei Nichtbeachtung der Problematik stark verfestigen können. Eine frühzeitige Erkennung ist daher sehr wichtig.
Bei grossen Winkeln kann das latente Schielen bei mangelnder Kompensationsenergie (z.B. bei Übermüdung) dekompensieren, dadurch sichtbar werden und Doppelbilder verursachen.
Latentes Schielen kann zu erheblichen Beschwerden führen. Hier nur einige davon: Augenermüdungen, anstrengendes Sehen, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, zeitweilige Doppelbilder, Leseunlust, Lernschwierigkeiten, Unruhe, Buchstabenverwechslungen, Zeilenverrutscher beim Lesen (bei vertikalem latenten Schielen)... Weitere Auswirkungen, siehe...
Messung des latenten Schielens:
Die üblichen Tests auf Sehschärfe und Stereosehen reichen nicht (Adleraugen genügen nicht, diese können sich auch streiten). Differenziertere Verfahren werden notwendig, um Störungen im Bereich der assoziierten Heterophorie, der sogenannten Winkelfehlsichtigkeit, zu analysieren.
Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus)
Durch Augenmuskellähmung verursachter Schielfehler. Bestand vor dem Auftreten der Augenmuskellähmung binokulares Einfachsehen, entstehen in den meisten Blickrichtungen Doppelbilder.
Mittels Prismenkorrektion kann in der Hauptblickrichtung binokulares Einfachsehen hergestellt werden. Eine Abklärung der Ursache für das Lähmungsschielen ist grundlegend wichtig bevor optometrische Massnahmen eingeleitet werden.