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Beziehungen und hiermit auch der Weltkonkurrenz. In der Landwirtschaft machte sich die Inangriffnahme weiter amerikanischer und indischer Kulturflächen zum Anbau von Brotfrüchten besonders schwer geltend, weil sie mit einer großen Beschleunigung wie auch Verbilligung des Land- und Seetransports zusammenfiel. In der Großindustrie tritt hinzu die schon berührte Ausbreitung der Massenfabrikation mit ihrem steten Drängen nach Produktionserhöhung, durch welche naturgemäß die innere und äußere Konkurrenz an Intensität und Rücksichtslosigkeit immer mehr zunimmt. Daneben hat sich vielfach auf dem Warenmarkt eine illegitime Spekulation ausgebildet, welche, auch wo sie Preistreiberei anstrebt (Beispiel: der Kupferring von 1887/88), doch selbst schon den Rückschlag, d. h. den Preissturz, mit Notwendigkeit vorbereitet, wenn sie nicht etwa gar ein Interesse daran hat, durch direkte Baissebestrebungen den Preis zu werfen und dann den Preisdruck ebenso auszunutzen wie vorher die Preissteigerung selbst.
Alle diese in vorstehendem nur angedeuteten Produktions- und Umsatzverhältnisse auf dem Warenmarkt haben nach übereinstimmendem Urteil der Fachmänner einen besonders erheblichen Anteil an den starken Preisveränderungen der 70er und 80er Jahre gehabt. Darüber aber gehen die Meinungen auseinander, ob und wieweit auch die Verschiebungen auf dem Edelmetallmarkt, das sind die allgemeinen Geld- und Währungsverhältnisse, einen Einfluß auf die Preisgestaltung gehabt haben.
Hierüber sollen nur die wichtigsten dabei in Betracht kommenden thatsächlichen Umstände angeführt werden. Der Bedarf an Edelmetall überhaupt und namentlich zu Münzzwecken, d. h. der Geldbedarf im allgemeinen, ist seit Beginn der 70er Jahre infolge der außerordentlich vermehrten in- und ausländischen Warenumsätze sehr erheblich gestiegen, wenngleich die erhöhte Zirkulationsgeschwindigkeit des Geldes, ferner die fortgesetzte Ausbreitung und Vervollkommnung des Kreditsystems, insonderheit der Kreditumlaufsmittel, sowie die Ausbildung des spezifisch kaufmännischen Abrechnungsverkehrs zweifellos dieser Bedarfszunahme an gemünztem Geld entgegengewirkt haben.
Von weitgreifender Bedeutung war es nun, daß der Mehrbedarf an Edelmetall zu Münzzwecken nicht dem Gold [* 2] und Silber in gleichem Maße sich zugewendet hat, sondern nur die Nachfrage nach Gold sich erhöht, die nach Silber aber sich erheblich vermindert hat. Dieser Umstand hängt auf das engste mit den in den 70er Jahren eingetretenen Änderungen in den Währungsverhältnissen zusammen. Unter diesen seien hervorgehoben: der Übergang des Deutschen Reiches zur Goldwährung mittels der Gesetze vom und sowie die Einführung der Goldwährung in Dänemark, [* 3] Schweden [* 4] und Norwegen im J. 1872, ferner die in Holland in den Jahren 1875/76. Alles in allem ist der durch Währungsänderungen hervorgerufene Mehrbedarf an Gold von Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre auf über 4000 Mill. Mk. berechnet worden.
Dieser außerordentlich verstärkten Nachfrage nach Gold stand aber nicht eine steigende, sondern eine fortgesetzt sinkende Goldproduktion gegenüber. Ohne auf die ungewöhnlich großen Goldfunde in Kalifornien und Australien [* 5] während der 50er Jahre dieses Jahrhunderts zurückzugehen, betrug doch noch in den 60er Jahren die Goldproduktion der Erde durchschnittlich jährlich etwa 190,000 kg, an Wert also, das Pfund fein zu 1395 Mk. berechnet, rund 530 Mill. Mk. In den 70er Jahren betrug der Durchschnitt nur noch etwa 173,500 kg pro Jahr, was einem Werte von rund 480 Mill. Mk. jährlich entspricht.
Und ein weiteres rapides Sinken der Goldproduktion trat in den Jahren 1881-85 ein, indem dieselbe für die genannten fünf Jahre dem Werte nach nur mit resp. 443,414,403, 408 Mill. Mk. angesetzt wurde und auch 1886-88 noch nicht die Höhe wie in den 70er Jahren erreichte. Die umgekehrte Bewegung in Nachfrage und Angebots-, bez. Produktionsverhältnissen wie beim Golde wies das Silber auf. Der Minderbedarf an Silber zu Münzzwecken, der durch die Einführung der Goldwährung im Deutschen Reiche in den nordischen Staaten und Holland eingetreten war, konnte weder durch den Silberbedarf Ostasiens und speziell Indiens, noch durch die in der lateinischen Münzkonvention vereinigten Doppelwährungsländer (Frankreich, Italien, [* 6] Belgien, [* 7] Schweiz, [* 8] Griechenland), [* 9] noch endlich durch die Vereinigten Staaten [* 10] ausgeglichen werden, welch letztere allerdings im J. 1878 mittels der Bland Bill die im J. 1873 im Prinzip beschlossene Einführung der Goldwährung thatsächlich beseitigten und dem Silberdollar wieder die Kraft [* 11] eines gesetzlichen Zahlungsmittels verliehen.
Und dennoch wies die Silberproduktion der Erde fort und fort steigende Zahlen auf. Noch in den 60er Jahren betrug die gesamte Silberproduktion durchschnittlich jährlich nur etwa 1,22 Mill. kg; sie ist aber in den 70er Jahren, unbekümmert um die großen Silberquantitäten, welche in den neuen Goldwährungsländern frei wurden, schon auf durchschnittlich 2,21 Mill. kg gesteigert und in dem Jahrfünft 1881-85 auf durchschnittlich 2,86, in den Jahren 1886-88 gar auf 3,43 Mill. kg getrieben worden.
Dieses zwiefache Mißverhältnis, nämlich einerseits die steigende Goldnachfrage bei sinkender Goldproduktion und anderseits die verminderte Silbernachfrage bei gleichzeitig enorm gestiegener Silberproduktion, mußte naturgemäß das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber, die sogen. Wertrelation, sehr erheblich beeinflussen. In den 60er Jahren war dieses Verhältnis etwa 1:15½, also Gold 15½mal soviel wert wie Silber;
im Durchschnitt der 70er Jahre war die Wertrelation schon auf 1:16,9, in den Jahren 1881-85 noch weiterhin auf 1:18, 6 und 1886-88 sogar auf 20,4 verschoben, während neuestens, namentlich unter dem Einfluß der amerikanischen Silberbill vom Juli 1890 (s. d.), sich der Silberpreis etwas gehoben hat.
Wahrscheinlich sind aber alle vorgenannten Veränderungen auf Seite der Edelmetalle, bez. des Edelmetallgeldes nicht ohne einige Rückwirkung auch auf die allgemeine Preisgestaltung der Waren selbst geblieben, da bei der Preisbildung im ganzen doch jeweils der Gesamtwarenmasse ein bestimmter Gesamtvorrat an Metallgeld als mit preisbeeinflussend gegenübersteht, gleichviel, ob diese Preisbeeinflussung auch nur eine indirekte ist. Und wenn auch dem Geldwert selbst, richtiger dem Preise des Geldes, zweifellos eine hohe Konstanz [* 12] innewohnt, die sich zum großen Teil schon aus der gewaltigen Masse des Metallgeldvorrats erklärt (letzterer wurde bereits zu Anfang der 70er Jahre auf fast 11 Milliarden Mk. geschätzt), so sind doch so tiefgreifende Veränderungen in Nachfrage und Angebot der Edelmetalle auch für die Preisbildung auf dem Warenmarkt schwerlich ganz zu überwinden, nur daß der Grad ihres Einflusses nicht irgendwie genau feststellbar ist.
3) Schlußfolgerungen. Charakter und Bedeutung der allgemeinen Preisveränderungen in den 70er und 80er Jahren reichen über die regelmäßig beobachteten Wellenbewegungen der Preise gewiß hinaus und stellen eine ernstere, mit der Entwickelung der ¶
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Volkswirtschaft selbst, bez. mit der Ausdehnung [* 14] der landwirtschaftlichen und industriellen weltwirtschaftlichen Beziehungen zusammenhängende Erscheinung dar. Das wiederholt auftretende Übermaß des Angebots, bez. der Produktion kann wohl einigermaßen durch schützende Zollpolitik, durch Aufsuchung neuer Absatzgebiete und speziell durch Förderung der Kolonialpolitik, ferner durch Hebung [* 15] der Kaufkraft der breitesten Volksschichten gemindert werden, woneben auch die Währungsfrage fortwährend im Auge [* 16] zu behalten ist.
Aber ein ruhigeres, gleichmäßigeres Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot im allgemeinen und damit auch eine befriedigendere Gesamt-Preisgestaltung ist schwerlich ohne neue volkswirtschaftlich-organisatorische Bildungen zu erwarten. Ob nicht schon in den heutigen Kartellen (Koalitionen, Konventionen, Verkaufskontoren, Syndikaten) der Industrie ein Ansatz dazu oder doch ein instinktives Tasten danach vorhanden ist, kann nur die Folgezeit lehren. Die Wahrscheinlichkeit weist darauf hin, daß bis zur Ausbildung von korporativ gestalteten Betriebsgenossenschaften vorerst der freie Arbeitsvertrag eine festere und geregeltere Grundlage durch Schaffung von Arbeitervertretungen finden wird, womit sich auch die Einkommensverteilung, bez. die Kaufkraftverteilung weitaus günstiger gestalten dürfte.
Litteratur. In erster Linie sind zu nennen: Ad. Soetbeer, Materialien zur Erläuterung und Beurteilung der wirtschaftlichen Edelmetallverhältnisse und der Währungsfrage (2. Aufl., Berl. 1886), und Erw.
Nasse, Das Sinken der Warenpreise während der letzten 15 Jahre (in Conrads »Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik«, 1888, Bd. 17, S. 50-66 und S. 129-181).
Vgl. auch Arendt, Der Währungsstreit in Deutschland [* 17] (Berl. 1886);
J. ^[Julius] Wolf, Die gegenwärtige Wirtschaftskrisis (Tübingen [* 18] 1888);
Wasserrab, Preise und Krisen (Preisschrift, Stuttg. 1889).
Von ausländischen Stimmen sind besonders zu nennen: Goschen, Ansprache im Institute of Bankers, April 1883: On the probable results of an increase in the purchasing power of gold, und Robert Giffen, Essays in finance (2. Serie, Lond. 1886), worunter hervorzuheben: »Trade depression and low prices; Gold supply, the rate of discount and prices; The effects on trade of the supply of coinage« (vgl. dazu die Berichte der beiden in England zur Untersuchung der Wirtschaftsdepression und auch der Währungsfrage ernannten königlichen Kommissionen, insonderheit den Schlußbericht der erstern: »Final report of the Royal Commission appointed to inquire into the depression of trade and industry«, Lond. 1886);
Leroy-Beaulieu, La baisse des prix des marchandises, ses causes et ses effets (im »Économiste français«, 12. und
Siehe auch das amtliche italienische Quellenwerk »Movimento dei prezzi di alcuni generi alimentari dal 1862 al 1885« (Rom [* 19] 1886),
das amtliche »Statistische Jahrbuch für das Deutsche [* 20] Reich« (11. Jahrg., Berl. 1890). Die gesamte Litteratur ist angegeben in Soetbeers oben erwähnten »Materialien«, S. 81-98.