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Sonderschau Mineralienmesse Zürich 2008: Kanton Bern
Das Thema der
48. Internationalen Mineralien- und Fossilienmesse Zürich 2008
hiess "Kostbarkeiten aus dem Kanton Bern"
Eine Ausstellung zum Thema Mineralien aus dem Kanton Bern kann nicht
vollständig sein - es wurde aber trotzdem versucht, ein Querschnitt durch
die vielfältigen Mineraliengesellschaften anhand von ausgezeichneten
Exponaten darzustellen. Ein grosser Teil der gezeigten Stücke entstammen
Privatsammlungen und sind somit normalerweise einem grösseren Publikum
kaum zugänglich.
Zur Geologie des Kanton Bern
von Felix Mattenberger
Auf den 5959 km2 des Kantons Bern, auf Höhen zwischen 401.5 m.ü.M. bei
Wynau und 4274 m.ü.M. auf dem Finsteraarhorn, findet man eine sehr
vielfältige Geologie. Das heutige Aussehen verdankt der Kanton Bern der
Plattentektonik. Das Zusammenstossen der Eurasischen mit der
Afrikanischen Platte führte zur Faltung des ganzen Alpenbogens.
Das dominierenste Element der Geologie des Kantons Bern sind die
Berneralpen als Untergruppe der Westalpen. Die Berner Hochalpen sind an
der südöstlichen Kantonsgrenze und bestehen als westlicher Teil des
Aarmassivs aus Zentralem Aaregranit (Grimselgebiet) und Gasterngranit,
sowie dazugehörigem Kristallin und Altkristallin (Gneis und Schiefer).
Nordwestlich anschliessend folgen als Kalkmantel verschiedene
Helvetische Decken im Bereich Wildhorn, Wildstrubel, Doldenhorn,
Schilthorn, Faulhorn und Meiringen. Vor dem Übergang zum Mittelland
finden sich noch die Voralpen als Penninische Decken (Gastlosen,
Simmen). Diese kann man sich vorstellen als nach Norden überkippte
Falten, die durch anschliessende Erosion von ihrer ursprünglichen
Umgebung getrennt wurden. Durch die Überdeckung des Mittellandes mit
Molasse (verfestigter, durch Flüsse transportierten und abgerundeten
Schutt aus den Alpen) wurde der seitliche Druck der Plattenkollision
ohne Faltung weitergeleitet. Erst im Berner Jura, nach Biel, haben sich
die Sedimentschichten wegen der dünner werdenden Überschichtung
auffalten können.
Die "Berner Hausberge" Eiger, Mönch und Jungfrau gehören tektonisch zum
Helvetikum. Die Gipfel von Mönch und Jungfrau und ihre südöstliche
Fortsetzung bestehen aus prämesozoischem, teils schwächer, teils stärker
metamorphem Altkristallin. Der Eigergipfel selbst und die nordwestlichen
Abhänge der drei Hausberge bestehen aus mesozoischen Sedimenten, also
hauptsächlich aus Kalk und wenig Mergel.
Die geologische Situation des Kantons Bern hat nicht nur für Mineralien-
und Fossiliensammler grosse Auswirkungen wie der spektakuläre Felssturz
am Eiger im Jahr 2006 zeigte. Bauwerke wie der Lötschbergbasistunnel
oder Staudämme und Stollensysteme für die Wasserkraft sind eine grosse
Herausforderung für Geologen. Auch die potentielle Gefährdung durch das
natürliche, radioaktive Gas Radon variiert stark durch den
unterschiedlichen geologischen Untergrund. Unterhalb der Grimsel
betreibt die NAGRA im Stollensystem der Kraftwerke Oberhasli einen
Versuchsstollen zu Forschungszwecken. Der hier gut zugängliche
Aaregranit ist ähnlich dem kristallinen Grundgebirge im Untergrund von
möglichen Endlagerstandorten in der Nordschweiz. Kalksteinbrüche, Kies-
und Tongruben liefern viele mineralische Rohstoffe. Nicht zum Sammeln,
aber zum Bestaunen sind diverse Saurierspuren im Faltenjura, z.B. bei La
Heutte oder Raimeux bei Moutier, sowie die eindrücklichen St.
Beatus-Höhlen am Thunersee. Und zum Schluss muss jeder und jede selber
entscheiden ob man das Geld auf die Bank bringt oder in Ferien
investiert, um im Napfgebiet Gold zu waschen.
Geologisch-tektonische Karte des Kantons Bern (Brüllhardt et al. 1981) mit Kantonsgrenze
Schöne Mineralien in der Sonderschau
Von Dr. Olivier Roth (Präsident Studienkreis Zürcher Mineraliensammler)
Wenn wir den Kanton Bern von Nordwest nach Südost durchstreifen,
begegnen wir immer wieder andere Gesteinen, die auch ihre typischen
Sammlerstücke an Fossilien oder Mineralien geliefert haben. Da es eine
grosse Vielfältigkeit an geologischen Formationen gibt, sind auch ganz
verschiedene Funde gemacht worden.
Im Nordwesten liegt der Berner Jura, in dem einerseits für den Jura
typische Fossilien (Ammoniten, Belemniten, Seelilien etc!),
andererseits auch erstklassige Mineralien wie schöner Calcit,
erstklassiger Coelestin und anderen Juramineralien (La Reuchenette)
gefunden wurden. Leider ist das Begehen des interessanten Steinbruchs
von La Reuchenette seit mehreren Jahren verboten.
Am Südfuss des Juras liegt das Mittelland mit Molassebecken in dem
normalerweise keine Mineralien oder Fossilien gefunden werden - es sei
denn, etwas hat den Transport via Bergsturz und Gletscher auf eine
Moräne im Tiefland heil überstanden. Allenfalls kann in diesen
Gebieten, insbesondere auch an den Westausläufern des Napf Flussgold
gefunden werden. Natürlich fallen Meteoriten überall - in diesem Gebiet
wurden mehrere Meteoriten gefunden. 1984 fiel ein besonderer
Eisenmeteorit am Twannberg.
Südlich des Molassebeckens heben sich die nördlichen Kalkalpen, die aus
den helvetischen Decken bestehen. Diese Kalke sind i.d.R. mineralogisch
relativ eintönig und wegen der Verfaltung dieser Gesteine sind auch gut
erhaltene Fossilien nur selten zu finden.
Ein paar Fundstellen in dieser geologischen Zone sind aber trotzdem
nennenswert. So fand man am Oltschichopf oberhalb Brienz wunderbare
grüne Fluorite und Calcite, die sogar eine Zeit lang bergmännisch
abgebaut wurden.
Wunderbare Calcitfunde wurden auch im Gasterntal (Kandertal) gemacht -
die Kristalle sind normalerweise spitzige Skalenoeder, die einen
orangebraunen Überzug von Eisenoxid aufweisen.
Fensterquarze, Szepterquarze und andere interessante Formen von
Bergkristall wurden in den Kalkalpen an vielen Stellen gefunden, so z.B.
im Kiental, Engstligenalp (ob Adelboden), Wetterhorn (östlich
Grindelwald) oder Rosenlaui (südl. Meiringen).
Perfekte Doppelender-Quarzgruppe aus Stollen der KWO (2008)
Im Südosten des Kantons Bern liegt schliesslich das Aarmassiv mit seinen
kristallinen Gesteinen (Granit, Gneise, metamorphe Schiefer). Zweifellos
gehören die hier gemachten Kristall- und Mineralienfunde zu den
bedeutendsten und berühmtesten, die aus dem Kanton Bern bekannt sind.
Wichtige Fundgebiete sind das Gauli- und Triftgebiet (südwestlich vom
Sustenpass) mit Quarzen (rel. häufig Fadenquarze), Anatas, Brookit,
Adular etc. An dieses Gebiet westlich angrenzend liegt die Zone Rotlaui
- Guttannen mit der bekannten Fundstelle "Kammegg". Hier wurden typische
Mineralien aus dem Amphibolit gefunden wie Amiant, Epidot, Titanit,
Quarz (teils wunderbare helle Gwindel) und Adular aber auch Scheelit in
für die Mineralart sehr grossen Kristallen konnten da gefördert werden.
Kluftbild mit eindrücklichen Schaustufen
Schliesslich ist das Granitgebiet Grimsel - Oberaar durch diverse
typische Alpinfunde weltberühmt geworden. So sind mehrere grosse Klüfte
am Zinggenstock bekannt: die Kristallfunde von 1719 und 1740 mit gegen
50t Quarzen. 1961 fanden die Gebrüder Rufibach eine Kluft mit
wunderbaren Rauchquarzen, Rosafluoriten und Calcit und ein paar Jahre
später fanden andere Strahler eine weitere Kluft mit beachtlichen
Rauchquarzen. Schliesslich wurde im ganzen Gebiet beim Vortrieb der
130km Stollen für die Kraftwerke Oberhasli immer wieder Kristallklüfte
angefahren. Ein weiterer Beitrag ist dem wohl bemerkenswertesten Fund
dieser Art gewidmet: Die geschützte Kluft an der Gerstenegg.
Von allen wichtigen Funden und Mineralien waren Vertreter in der
Sonderschau zu bewundern: eine reiche Palette an Formen und Farben, an
Glanz und Reflexen, an Kompositionen und Aufbau. Die Sonderschau zeigt
auch dieses Jahr beeindruckende Mineralien, die allermeisten davon sind
nicht öffentlich zugänglich - im Reiseführer würde stehen "ein Umweg
wert".
Folgende Leihgeber haben zum Erfolg der Sonderschau beigetragen:
Pius Birrer,
ETH-Zürich (Erdwissenschaftliche Sammlung und Ausstellung),
Peter Hablützel (Pierre Suisse),
Röbi Hauser,
Kurt Koch,
Naturhistorisches Museum Bern,
Kraftwerke Oberhasli (Grimselwelt.ch),
Thomas Pettke,
Anton Ruef,
Hans Rufibach (Kristella-Guttannen),
Angelo Tiraboschi,
Peter Von Bergen,
Beni Werner,
Kurt Widmer-Favri,
Alex Willener u.m.a.
Die Bilder:
Die folgenden Bilder stellen eine stattliche Auswahl einiger besonders eindrücklicher
Stufen dar - allerdings waren an der Ausstellung ca. 300 erstklassiger Stufen zu bewundern.
Legende:
L=Länge, B=Breite, H=Höhe, KL=Länge Kristall, BB=Bildbreite, F=Fundort.

Letzte Änderung dieser Seite: 11.10.2009 17:32:42
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