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Mein Blogeintrag vom 27.10.2013 auf pferdeseiten.ch:
Ich mag es nicht Hilfsmittel oder Methoden im Reitsport automatisch zu verdammen. Was Hilfszügel betrifft ist dies auch so. Ich selber hatte jedoch noch keine Veranlassung bei Pferden, die ich aktiv auf ihrem Weg begleite, einen Hilfszügel welcher Art auch immer zu nutzen. Denn mit dem richtigen Aufbau des Trainings sind sie meiner Erfahrung nach schlicht überflüssig. Ausserdem widerstrebt es mir das Pferd in eine Position zu pressen, in der es nicht in der Lage ist wirklich zu lernen. Gerade gestern ist mir auf dem Weg zu meinem Pferd folgendes passiert. Ich fuhr mit dem Auto durch ein Dorf und 2 Reiter kamen mir von ihrem Ausritt entgegen. Die zweite Reiterin hatte ein zusätzliches Pferd an der Hand dabei. Dieses trug eine Zaum mit Trense und einen verschnallten Hilfszügel. Es handelte sich um eine sogenannte Longierhilfe, wie sie in einem bekannten Schweizer Pferdesporthaus zu kaufen ist. Ein dickeres weiches Seil, dass über den Rücken läuft, durch die Vorderbeine hindurch und dann in den Trensenringen eingeschnallt wird. Da ich vorbei gefahren bin konnte ich es mir nicht länger ansehen. Aber ich sah noch die Hals- und Kopfposition und die Mimik des Pferdes. Beides sprach Bände! Der Hilfszügel war definitiv zu kurz verschnallt, denn das Pferd lief hinter der senkrechten mit tiefer Kopfposition und der Gesichtsausdruck (Augen und Ohren) erzählte, dass es mit der Situation nicht besonders zufrieden war. Durch die Verschnallung in den Trensenringen hatte es sehr wahrscheinlich bereits einen unangemessenen Druck im Maul verspürt und versuchte nun sich so zu bewegen, dass dies nicht mehr passierte.
Ich sehe einen Hilfszügel nur dann als Hilfe an, wenn das Pferd nicht in eine Haltung gezwungenwird, es einen gesunden Bewegungsablauf entwickeln kann und wenn der Hilfszügel dem Pferd auch entsprechend nachgeben kann. Doch in voraussichtlich 90% der Fälle, vielleicht auch mehr, erfährt das Pferd dadurch Schmerz in verschiedensten Formen und es kann durch den entstehenden Stress nicht lernen. Ich bin der Meinung, dass nur eine gut geschulte Reiterhand dem Pferd in angemessenem Masse nachgeben und damit die Bewegung des Pferdes auf gesunde Weise formen kann.
Wer meint bei seinem Pferd einen Hilfszügel zu brauchen sollte sich erst fragen was eigentlich das Ziel ist und ob es nicht auch andere Wege dahin gibt. Einen Weg durch den das Pferd ohne Schmerz oder generellem Zwang lernt was wir von ihm möchten. Denn das Ziel eines jeden Hilfsmittels sollte es ja sein, dass man es an einem Punkt der Ausbildung nicht mehr braucht und natürlich, dass das Pferd davon biomechanisch gesehen positiv profitiert. Bei Hilfszügeln tritt dieser Punkt zu häufig nicht ein. Der Mensch sollte sich daher wieder bewusster sein, dass es bei der Ausbildung von Pferd und Reiter einfach keine Abkürzungen gibt!
Eine gute Ausbildung eines Reitpferdes braucht Zeit und damit meine ich nicht nur Wochen oder wenige Monate. Wer diese Zeit und Ruhe nicht hat sollte eher sich selbst hinterfragen als nach passenden Hilfsmitteln zu suchen.