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Ethische Beziehung der Menschen zu Natur und Wald
Darf ich mich vorstellen?
Conservator of Nature — Andreas Speich
Mein Beruf Forstingenieur ETH/SIA hat mich in viele Teile der Welt geführt.
Geboren wurde ich am 1. August 1939 in Aarau, als Bürger von Luchsingen/Glarus (Schweiz).
Nach dem Studium in Zürich konnte ich Im Auftrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft, von UNO Organisationen und im Rahmen von Projekten der Welt
Bank zum Schutz des Waldes und zur Vermehrung des Baumbestandes in weiten ländlichen Gebieten beitragen:
1967 bis 1972 in Rwanda Afrika. Später 1982 bis 1985 war ich als Berater des Kenya Forest
Departement für die Promotion des Bäume-Pflanzens aktiv und — ich meine — erfolgreich
Ich durfte dazu beitragen, dass viele hunderte von Millionen Bäume gepflanzt
worden sind.
In Rwanda wurden meine ersten Behühungen von 1967 für den effektiven Schutz des einst 1200 km2 grossen Nil-Quellwaldes Nyungwe d.h. des Akagera-Flusses
auf der über 2'000 m hohen Wasserscheide Nil-Kongo letztlich viele Jahre später erfreulich erfolgreich. Der Akagera-Fluss ist der längste und wichtigste Zufluss in den Viktoria-See, aus welchem der Weisse Nil entspringt. Seit 2004 sind 950 km2 des
Nyungwe-Waldes als Nationalpark geschützt: http://www.nyungwepark.com/
Eine wichtige Station war die Beratungstätigkeit für das weltweit erste World Bank funded Community
Forestry Project in Nepal (1977 - 1979).
Verschiedene kurze Berateraufträge haben mich von Haïti bis nach Indonesien, Nord-Pakistan, Frankreich, Polen, Tschechien, Marokko, Tansania, Äthiopien und in andere Länder gebracht.
Dazwischen war ich an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) tätig, die damals unter der Abkürzung EAFV bekannt war.
Von 1985 bis 1994 bekleidete ich das Amt des Stadtforstmeisters
von Zürich. Dort gelang es gegen starken, landesweiten Widerstand aus Försterkreisen den alten Buchen-Wirtschaftswald in das langfristig gesicherte Naturwald-Reservat Sihlwald zu verwandeln. Der Stadtrat
von Zürich, die Vereinigung Pronatura und die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften (SANU) haben das Projekt von Anfang an konsequent unterstützt. Das Naturwald-Reservat Sihlwald ist heute von der Eidgenossenschaft im Rahmen der National-Park-Gesezgebung
als "Naturerlebnispark" anerkannt und geniesst grosse Beliebtheit. Es ist das grösste Waldreservat im schweizerischen Mittelland.
Der Sihlwald ist Bestandteil des Wildnisparks Zürich (Link siehe unten). Er lädt in seiner weiten grünen
Stille zu erholsamem und bereicherndem kontemplativem Verweilen ein, als Kontrast und Ergänzung zum Leben in der nahen, nur 15 km nördlich pulsierenden Stadt Zürich.
1995 gründete ich ein kleines
Privatunternehmen "silvatur reisen" für ausgedehnte, komfortable und lehrreiche Gruppen-Rundreisen zu unbekannten, majestätischen Urwäldern und verborgenen kulturellen Schätzen in Osteuropa und Russland, von Istanbul
bis zur Kurischen Nehrung und Mazedonien bis russisch Karelien, Bialowieza, Beresinsky Zapoviednik, Vitebsk, Moskau, bis zum Baikalsee. Dieses von Anfang an erfolgreiche Unterfangen war für mich die schönste Tätigkeit von allen meinen
Arbeitsfeldern
1989 hatte ich in Bern die schweizerischen Hauptpreise für Naturschutz und Landschaftsschutz der Ford Foundation für das Projekt Sihlwald erhalten.
2013 durfte ich in Vaduz den Grossen
Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz, zusammen mit Prof. Dr. Hannes Knapp, für die Verdienste um den europäischen Buchenwald und für die Bemühung, ein werdendes Urwaldreserat zu begründen, entgegen nehmen. Der
grosse Sihlwald hat sich dank den im ihm innewohnenden Naturkräfte zu meiner grossen Freude gut erholt und entwickel sich allmählich wieder zu jenem Reichtem, der ihn seit Jartausenden belebt hatte.
Seit 2007 bin ich nicht mehr erwerbstätig.
ich wohtne seit 1965 zeitweise in Cannobio (Italien) am Lago Maggiore; aber wie man so schön sagt: Intellektuelle erreichen erst den Ruhestand, wenn das Denken Mühe bereitet.
ich stand als Berater dem Projekt Parco Nazionale
Locarnese zur Verfügung, das leider de lokalen Abstimmungen vom 10. Juni 2018, wie auch jenes vom Nationalpark Adula nicht überstand und ersatzlos "begraben" wurden ist. Der "Naturerlebnispark Sihlwald" ist somit der einzige neue Natiobalpark
in der Schweiz, der aus den kostspieligen und umfagreichen Behühungen der letzten Jahrzehten geschaffen werden konnte.
Seit August 2019 lebe ich in meinem neuen Heim auf der Sonnenterrase Beatenberg auf 1200 m.ü.M., wo ich der zunehmenden
Sommerhitze im Tiefland entfliehen kann.
Der bedrohliche Klimawandel hat mich vom "Mikro-Naturromantiker" zum "Makro-Erdschützer" werden lassen, denn die gesamte globale Biosphäre und gesamte Menschheit ist in hohem
Masse in Gefahr; deshakb habe ich 2015 meinen Klimaroman HESSZEIT veröffentlicht (Passagen Verlag Wien).
Ich bin nicht sehr zuversichtlich, dass die Mehrheit der zukünftigen Generationen in den nächsten eintausend Jahren noch erträgliche
Lebensbedingungen auf unserem Planeten vorfinden wird ....... doch die Hoffnung stirbt zuletzt
Andreas Speich
meine Adresse
CH-3803 Beatenberg BE Schweiz
Bei der Kirche 192a
Telefon +41 79 405 61 46
<email-pii>
Die grosse, alte Eiche "Rogolone" Quercus petrea bei Menaggio, seit 1922 der erste in Italien staatlich geschützte Baum.
8 Meter Stammumfang, 30 Meter hoch und 40 Meter Kronendurchmesser, knapp 300 Jahre alt
Ein Baumkronen-Brand in einem künstlichen und ohne Waldbrandschutz angelegten Nadelwald. Die Flammen sind bis zu 100 Meter hoch und erzeugen eine hunderte Kilometer lange Rauchfahne. Solche Brände treten zum Beispiel in Griechenland, andern Mittelländern, in Russland, den USA, Kanada und Südamerika immer häufiger auf. Konventionelle Waldfeuerwehren sind bei solchen Bränden oft machtlos
Waldbrand
Unheimlicher Klimawandel
Bild rechts: Waldbrand in Griechenland 2010, die Rehe flüchten vor der Hitze ins Flussbett
Besonders bewegt mich, dass die breite Bevölkerung, die Medien und die Politik die unheimliche Gefahr des Klimawandels nicht ausreichend zur Kenntnis nehmen will. Die Dimension und die Zeiträume des Klimawandels sind so gross,
das die menschliche Wahrnehmung leicht überfordert wird:
Die Ameise fürchtet sich nicht vor dem Elefanten, denn er ist schlicht zu gross für ihr kleines Blickfeld
Die
Treibhausgase in der Atmosphäre (CO2 und Methan) nehmen mit jedem Jahr noch rascher zu, als zuvor. Sie bewirken im Verlaufe von einigen Jahrzehnten oder höchstens hundert Jahren eine weltweite Klimasituation,
wie sie seit vielen hunnderttausenden von Jahren nie geherrschat hatte
Im Jahr 2017 werden die menschengemachten CO2-Emissionen rund 42 Gigatonnen pro Jahr betragen — und jedes folgende Jahr wahrscheilich noch mehr. Die Internationale Energie
Agentur (IEA) rechnet neuerdings mit jährlich 44 Gigatonnen bis zum Jahr 2020 und in den folgenden Jahren eine gegenüber heute +3.5°C bis +5.5°C höhere Durchschnittstemepratur der erdnahen Luft, regional und periodisch mit Extremen nach
oben und unten
Diese dramatische Änderung der Lebensbedingungen auf der Erde ist hoch brisant und scheint für über 1'000 Jahre irreversibel zu sein
Hitzeperioden, Kälteeinbrüche, grosse Tornados, lange sintflutartige
Starkregen, Felsstürze (auftauender Permafrost), Missernten, Wassermangel und grosse Waldbrände werden sich häufen. Die Eiskappen der Pole und die Gletscher schmelzen, Anstieg des Meeresniveaus, veränderte Meeresströmungen (z.b.
Golfstrom), Klimaflüchtlinge ....... weltweit
Die Ursache ist kristallklar, die Wirkung als Temperaturanstieg ist gut abschätzbar,
die Folgen sind vielfältige, jedoch sind sie in ihrem örtlich Auftreten und ihrem Ausmass mehrheitlich kaum voraussehbar
Wie sich die kontinuierlihe und Jahrhunderte anhaltende Erwärmung
der Biosphäre auf die Niederschläge genau auswirken wird, ist räumlich noch kaum voraussehbar. Die allmähliche Erwärmung der Ozeane erfolgt wegen der riesigen Wassermasse um viele Jahrzehnte verzögert gegenüber der Erwärmung
der Luft und der Erwärmung der Erdoberfläche. Die schon um Bruchteile eines Grades Celsius wärmeren Ozeane werden viel mehr Wasser verdunsten, als heute. Dieses Wasser kommt aus den Wolken als Niederschlag wieder auf die Erd- und Meeresoberfläche.
Es kann allenfalls bewirken, dass gewisse Trockengebiete wieder grün werden und/oder den Beginn einer neuen Vergletscherung auslösen. Jedenfalls wird die in den Ozeanen gespeicherte, zunehmend grössere Energiemenge zu heftigen Wetterereignissen
führen
Das ultimative Gebot ist jetzt und heute:
Verzicht auf alle CO2
- Quellen: Karbon-Energie (Kohle, Öl, Benzin, Gas, Bio- und Holzenergie), vollständige Umstellung auf Solarenergie, Geothermie und Windkraft, Optimierung der Wasserkraft
Solarenergie, Geothermie und Windkraft sind unerschöpfliche
Energiequellen, für jeden denkbaren Bedarf ausreichend und technisch ausreichend entwickelt. Einzig die Tiefen-Geothermie liess sich bis jetzt nur in Ausnahmefällen nutzen
Etwa 26% der gesamten globalen CO2-Emission stammt aus Vegetationsbränden
Ein Drittel davon ist von eigentlichen, höchst unerwünschten Waldbränden verursacht. Diese wären frühzeitig
löschbar. Es müsste eine international operierende, schnelle Luftflotte von modernen Waldbrand-Lösch-Flugzeugen vorhanden sein, die rasch an jeden Punkt der Erde gelangen kann. Die Forstdienste und Feuerwehren in brandgefährdeten Waldgebieten
der Erde sollten über ein modernes, intelligentes Waldbrand-Management verfügen, einschliesslich "prescribed fires"
Ich setze mich dafür ein, dass die Schweiz eine weltweit operierende Waldbrand - Task Force
schafft: "Swiss Air Fire Eagles"
Umfassendes 28-seitiges Dokument zu FOREST for CLIMATE, siehe:
http://www.pdf-ins-internet.de/wp-content/uploads/2014/allgemein/245/FOREST%20for%20CLIMATE.pdf
Es geht um die Zukunft aller Lebewesen auf der Erde, die alle durch die unaufhaltsam heran schleichende Klimakatastrophe existenziell bedroht sind
Die Schweiz ist global hoch vernetzt.
Unsere Wirtschaft ist in fragiler Abhängigkeit von der übrigen Welt. Die Klima-Eskalation wird uns nicht nur wegen des heimischen Wetters treffen, sondern vor allem wegen der wirtschaftlichen Verflechtung mit klimasensiben Weltregionen
Jetzt
können wir die Auswirkungen vielleicht noch mildern, aber je länger wir warten, desto grösser wird das Problem.
Sofortiges Handeln ist unabdingbar
Was
in deprimierender Weise noch fehlt, ist die Einsicht und der Wille, die Lebensbedingungen zukünftiger Generation erträglich zu gestalten !
Sende mir ein Mail mit deinen Ansichten zu diesen Fragen
Gerne sende
ich dir meine neuesten Texte und Studienergebnisse
zum Klimawandel
zur fragwürdigen Beschaffungsvorlage des Bundes/VBS für 22 unötige neue Kampfjets Gripen
zur Vison "Swiss Air Fire Eagles"
meinen Aufsatz "Patrimonium Alpinum" (publiziert in der Zeitschrift Natur + Mensch 3/2012)
meinen Aufsatz "Klimaschutz-Wald" (publiziert im Heft NATIONALPARK 1/2012)
Links:
http://www.pdf-ins-internet.de/wp-content/uploads/2014/allgemein/245/FOREST%20for%20CLIMATE.pdf
Konzept Globale Waldbrand Task Forces
http://www.proclim.ch
(Klimaportal der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften)
http://www.pronatura.ch
(früherer Name: Schweizerischer Naturschutzbund)
http://www.wildnispark.ch
(Sihlwald und Wildpark Langenberg bei Zürich)
http://www.iucn.org
(Internationalal Union of Conservation of Nature)
http://www.parconazionale.ch (Parco Nazionale Locarnese)
http://www.binding.li
(Binding Stiftung f. Natur- und Umweltschutz, Schaan)
http://www.european-environment-foundation.eu
http://www.virginearth.com
http://www.prima-klima-weltweit.de/index.php
mehr zum Thema Waldbrand, Klimawandel un die Kampfjets Gripen
folgt unten
Bunte Interessen und Fachkenntnisse
Meine Interessen und Fachkenntnisse sind bunt gemischt:
Ökologie im weitesten Sinne
Naturwälder, echte wilde unberührte Natur,
die Blumen am Wegrand und die Sterne in der Nacht
internationale Zusammenarbeit zwischen Industrieländern und der grossen anderen* Welt im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit und Permanenzfähigkeit**
*
es geziehmt sich nicht mehr von "Dritter Welt", "armen Staaten" oder "Entwicklungs-Ländern" zu sprechen
** das Wort "Nachhaltigkeit" ist leider verbraucht
Ich versuche die Welt nicht nur ökologisch,
ökonomisch, technisch, sondern auch ästhetisch und vor allem mit ethischem Fragezeichen zu verstehen
Obwohl ich im "grünen" Bereich tätig war oder noch bin, habe ich ein besonderes Flair für Technik verschiedenster Art
Komplexe
Organisationsaufgaben reizen mich besonderes:
Es gibt für fast alles einfache Lösungen, aber man findet diese nicht so leicht!
Musik
ist mein häufiger Begleiter und vesetzt mich in fröhliche oder melancholisch schöne Stimmung. Am liebsten habe ich die russischen Komponisten. Dmitri Shostakovich hat die tragischen, ironischen, heroischen und kontemplativen Facetten des
Lebens wunderbar in klangvollen Melodien und Rythmen ausgedrückt
Inspirierende Texte und Gedichte berühmter Dichter
Von der Seele
Hermann Hesse
aus Betrachtungen 1917,
aus Gesammelte Werke, Band 10, Suhrkamp 1970
Unrein und verzerrend ist der Blick des Wollens. Erst wo wir nichts begehren,
erst wo unser Schauen reine Betrachtung
wird, tut sich die Seele der Dinge auf, die Schönheit.
Wenn ich einen Wald beschaue, den ich kaufen, den ich pachten, den ich abholzen,
in dem ich jagen,
den ich mit einer Hypothek belasten will,
dann sehe ich nicht den Wald, sondern nur seine Beziehungen zu meinem Wollen, zu meinen Plänen und Sorgen, zu meinem Geldbeutel.
Dann besteht er aus Holz, ist jung oder alt, gesund oder krank.
Will ich aber nichts von ihm, blicke ich nur ‘gedankenlos‘ in seine grüne Tiefe,
dann erst ist er Wald, ist Natur und Gewächs, ist schön
Erich Fried
Was ist den Deutschen der Wald?
Ein ewig grünender Vorwand
Zur Definition von Geräuschen
Als Rauschen oder als Stille
Zum Hören des Schweigens
Sowie zur geselligen Freude
An seiner zwanglos befreienden Einsamkeit
Was ist den Deutschen der Wald?
Eine Deckung für Hochgefühle
Die anderwärts nicht mehr gedeckt sind
Und für die Vertiefung in äußerste
Innerlichkeit
Für stillen So-vor-sich-Hingang
Im Sinne der Suche nach nichts
Und des Forttragens aller Funde
Womöglich samt ihren Wurzeln
Was ist den Deutschen der Wald?
Ein Anlaß sich gelassen und verlassen zu fühlen
Und vor lauter Bäumen die Bäume nicht mehr zu sehen
Markierungen anzubringen
Und gegen wildernde Hunde
Todeswarnungen,
Die sie nicht lesen können
Was ist den Deutschen der Wald?
Eine Gelegenheit
Weg und Holzweg in ihm zu bahnen
Ihn kurz und klein zu schlagen
Dies als Schicksalsschlag zu empfinden
Und jeden Baum von Fall zu Fall zu bejahen:
Ihn äußerlich zu vernichten
Und innerlich neu zu errichten
Was ist den Deutschen der Wald?
Ein Grund in ihm zu lieben und in ihm zu schießen
Ihn tief ins Herz und für den Durchgang
zu schließen
In ihm geborgen die ganze Welt zu verneinen
Und sich in ihm oder mit ihm zu vereinen
Sein Schweigen
zu feiern in schallenden Chorgesängen
In ihm Fallen zu stellen und sich in ihm zu erhängen
Erich Fried,
1969: aus „Die Beine der grössten Lügen“, Berlin, S. 162, zitiert aus „Bäume“, Das Insel Taschenbuch der Gedichte und Prosa, ausgewählt von Gottfried Honnefelder, Insel Taschenbuch 1041, Frankfurt 1987
Naturbelassene Waldpartie im Sihlwald; schon zum Verwechseln ähnlich, wie ein echter, nie von Menschen gestörter Urwald
Die berühmte "Keeling-Kurve" für den CO2-Gehalt der Erdatmosphäre gemessen seit 1958 am Mauna Loa Observatorium auf Hawai in 3'397 m.ü.M.
Am 13. Mai 2013 durchbrach die Kurve erstmals die Marke von 400 ppm (parts per million) CO2. Allen bisherigen Klimakonferenzen zum Trotz wird diese fatale Kurve weiter zunehmend steiler ansteigen. Die direkte positive Korrelation von Treibhausgasen in der Atmosphäre und der Lufttemperatur ist seit langem schon unbestritten
Klima Prognose
Modernstes Waldbrand-Bekämpfungsflugzeg 'WATER BOMBER'
Beriev Be200-RR.
Das neue und weltbeste amphibische Waldbrand-Löschflugzeug aus Russland, Be-200RR (Rolls Royce Triebwerke, EADS zertifizert), kann in 14 Sekunden 12 Tonnen Wasser knapp über einer Wasseroberfläche schwebend auftanken und dieses in 0.8 Sekunden über einem Brandherd im Tiefflug abwerfen.
15 solcher "Water Bomber" würden jährlich gleichviel CO2 aus Waldbränden im nahen und fernen Ausland verhindern können, wie die Schweiz insgesamt verursacht durch alle Autos, Lastwagen, Busse, Traktoren, Flugzeuge, Heizungen und Zementfabriken in unserem Land
Klima-Eskalation beschleunigt sich dramatisch
2016 war global das wärmste Jahr seit Messbeginn. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist erstmals das ganze Jahr über 400 ppmV.
Die Klimaproblematik beschäftigt
hektische Konferenzen. Für eine effektive Lösung des Problems wird wenig unternommen. Es ist zu gross und zu teuer um sich im politischen Diskurs durchsetzen zu können.
Siehe: https://www.nasa.gov/feature/goddard/2016/climate-trends-continue-to-break-records
Vision 30 GW Pumpspeicherwerk
Vision Pumpspeicherwerke – keine Katastrophe
Andreas
Speich, Fritz Spinnler
Zusammenfassung
Die Klimagefahr ist ein beharrlich sich aufbauendes, unentrinnbares
globales Phänomen; so langsam, dass die Menschen sich nicht zum Handeln entschliessen können. 2060 dür- fen nur noch wenige Prozent fossiler Stoffe verbrannt werden. Die Energiestrategie 2050 des Bundes ist nicht zielführend. Eine prosperierende Schweiz
braucht ein Vielfaches der Elektrizität, welche unsere heutigen Wasserkraftanlagen erzeugen. Kernkraft bleibt noch auf lange Zeit unersetzlich. Das Energiepotenzial der MENA-Länder (Middle East & North Africa) und das ausgleichende Wasserreservoir der
Alpen sind überraschend gross. Jedoch fehlen die Rahmenbedingungen für die Langzeitinvestitionen. Unser Land kann einen wesentlichen Beitrag für die Abdeckung des Spitzenstrombedarfs durch neue Pumpspeicher-Kraftwerke liefern, beispielsweise durch ein 30-GW-Werk
in der östlichen Genfersee-Region (Lac de Lovenay), welches als Vision hier dargestellt ist.
Keine Klimakatastrophe
Katastrophen
sind unerwartete, grosse Er- eignisse, die plötzlich eintreten, viel Scha- den stiften und unvorhersehbar sind. Die Klimaeskalation ist zwar ein grosses Ereig- nis, droht viel Unheil zu verursachen, aber ist weder unerwartet noch plötzlich oder unvorhersehbar.
Also keine Katastrophe, sondern viel schlimmer: Ein unabänderli- ches, langsam und beharrlich sich aufbau- endes, unentrinnbares globales Phäno- men; so langsam, dass die Menschen sich nicht zum Handeln entschliessen können. Daraus werden wohl viele hintereinander
folgende Katastrophen unterschiedlichster Art zu erwarten sein. Das ist der Tenor einer wichtigen Publikation 1 zu diesem Thema, die im Dezember 2013 erschienen ist.
Als
Folge der Nuklearkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl sowie als Reaktion auf die schon lange bekannte Ge- fahr der Treibhausgase hat der Bundesrat
im September 2013 die Botschaft zum
ersten Massnahmenpaket der Energiestrate- gie 20502 verabschiedet und dem Parla- ment zur Beratung überwiesen. Der Ener- gieverbrauch 3 der
Schweiz von 882 PJ im Jahr 2012 soll bis 2050 auf 564 PJ4) ge- senkt werden, mit dann noch immer 47% fossiler Energie (Erdöl, Gas, Holz, usw). Beides ist unakzeptabel und in hohem Masse unverantwortlich.
Das Erste ist zu wenig und das Zweite viel zu viel. Wegen den enormen Emissionen von Treibhaus- gasen und der daraus folgenden tiefgrei- fenden Störung des Klimas sollten im Jahr 2050 fossile gasförmige und flüssige Koh- lenwasserstoffe sowie Kohle nur
noch als Rohstoffe der chemischen Industrie die- nen, keinesfalls mehr als Treibstoff, für die Erzeugung elektrischer Energie oder gar zu Heizzwecken. Holz darf nur noch in Aus- nahmefällen zu Energiezwecken dienen. Schweden hat bereits im Jahre 2011 be-
schlossen, die Treibhausgas-Emissionen bis im Jahr 2050 auf NULL zurückzufahren. Das könnte die Schweiz auch, wenn sie die Zeichen der Zeit erkennen würde.
Der
Grund ist dreifach:
-
Die Verbrennung von Erdöl, Gas und Kohle zerstört das Klimagleichgewicht
-
Die fossilen Karbonstoffe werden bald aufgebraucht
sein
-
Es gibt saubere und permanente Energiequellen, die sich auf lange Frist als wirtschaftlich erweisen werden und in schier unbegrenzter Menge vorhanden sind.
-
Sonne,
Wind und Geothermie sind nicht «erneuerbare Energien». Energie ist nicht «wiederherstellbar». Es handelt sich sprachlich und physikalisch-theoretisch richtig um saubere permanente Energie- quellen5; dazu gehört auch die Wasser- kraft.
-
Schwache Energiestrategie des Bundes
Die Strategie 2050 des Bundes ist nicht nur terminologisch, sondern auch konzeptio- nell entgleist. Für das
Jahr 2014 würden aus den Schätzungen des UVEK 6 eigentlich 824 PJ zu erwarten sein, schon 2012 waren es 6% mehr (882 PJ), Tendenz ver- mutlich leicht steigend. Wenn wir eine wirkungsvolle, konsequente
Energiepolitik betreiben, können wir im Jahr 2060 einen Verbrauch von nicht weniger als 700 PJ erwarten. Die Schweizer werden den Gürtel nicht enger schnallen wollen, jedoch einige wenige Prozente fossiler Treibstoffe und
weiterhin einen substanziellen Anteil Nuklearenergie dulden müssen. Das unvermeidliche Bevölkerungswachstum und der hoffentlich dann nicht verlorene Wohl- stand fordern auf lange Frist eine gute Energieversorgung. Die bisher bekann- ten Energieziele des
Bundes gewährleis- ten diese noch nicht. Dort sind als Teil der «Wende» unrealistische 4 TWh mehr Strom aus Wasserkraft postuliert. Das Parlament hat das populistische Instrument der KEV für Kleinstanlagen eingeführt.
Das verzerrt das Marktgefüge, schädigt die Landschaft und ist für eine ausreichende Stromversorgung untauglich.
James Hansen und die andern Autoren der erwähnten globalen Studie vom Dezember 2013 warnen, ohne Nuklearkraft werde das Klima unkontrollierbar und desaströs, selbst wenn die Karbonenergie sehr rasch penalisiert
würde. Die Nukleartechnologie ist trotz ihrem Gefah- renpotenzial nicht stehen geblieben. Flüs sigsalzreaktoren8, 9 sind in Entwicklung. Längerfristig wird der Verzicht auf Nuklearenergie denkbar,
aber «aussteigen» aus der Atomgefahr kann man keineswegs. Wir haben den radioaktiven Müll auf alle Ewigkeit und werden diesen nie los. Etwas mehr oder weniger davon macht keinen grossen Unterschied. Sehr gefährlich wäre es, wenn die Nukleartechnologie
stehen bleiben würde. Dann wüsste in hundert Jahren niemand mehr, wie mit dem vielen giftigen und radioaktiven Abfall umgegangen werden muss.
Gigantische Stromquellen
Es könnte
der Schweiz bis zum Jahr 2060 möglicherweise gelingen, die fossilen und fast alle nuklearen Energiequellen durch sauber erzeugte Elektrizität zu ersetzen. Bis dann sind gigantische zusätzliche Stromquellen zu erschliessen, und zwar etwa dreimal so viel,
wie heute alle einheimischen Wasserkraftanlagen liefern. 300% zusätzlichen Strom geben die Flüsse und Berge niemals her. Der Strom muss aus sauberen Solar- und Windanlagen mehrheitlich aus dem Ausland kommen, aus geografisch näheren Quellen als das Erdöl.
Wind- und Sonnenkraft sind sehr zuverlässige, nicht stochastisch auftretende Mengen, wohl aber tageszeitlich und je nach Wetterlage variable, im überlagerten Rhythmus von Jahreszeiten und Stunden. Solarinstallationen (Concentrating
Solar Power CSP) auf 3% der Fläche der Sahara sollen für den technischen Energiebedarf der ganzen Erdbevölkerung ausreichen. Um Europa mit sauberer Energie aus den MENA-Ländern zu versorgen, sind auf Jahrzehnte verteilt Investitionen von weit über 1000 Milliarden Euro erforderlich. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2012 sind in den Ländern der Europäischen Union 14.7 Millionen
neue Motorfahrzeuge im Wert von über 400 Milliarden Euro produziert worden. Die europäischen Volkswirtschaften könnten wohl die Kosten für eine saubere Energieversorgung aufbringen. Die Energiestrategie des Bundes sieht 67 Milliarden CHF für den Bau neuer
Kraftwerke bis 2035 vor. Neue Pumpspeicherwerke in Synergie mit dem Stromverbund Europa-MENA sind im Strategiebericht des Bundes nicht explizit erwähnt. Für 100 GW neue schweizerische Pumpspeicheranlagen wird wohl das Doppelte dieses Betrages zu veranschlagen
sein. Mit den Kosten für das HVDC-Supergrid und der Beteiligung an den Wind- und Solaranlagen im Mittelmeerraum wird vielleicht ein schweizerisches Gesamtbudget von 250 CHF Milliarden ausreichen.
Komplexes Systemdenken
Das Energie- und Klimaproblem kann nicht mit einfachen Rezepten gelöst werden. Komplexes Systemdenken ist gefragt mit vernetzten Optimierungszielen. Eines der Problemfelder
ist die Lagerung der gewonnenen Energie, um sie dann einzu- speisen, wenn die Menschen Strom brau- chen. Dazu ist die Schweiz noch schlecht gerüstet.
«The existing park of fully flexible hydropower plants has
been the reason why, despite good topographical and hydrological conditions, installed pumped storage capacity in Switzerland is relatively small»,
heisst es 2011 im Bericht der europäischen Union der Elektroindustrie
EURELECTRIC, der die Schweiz und 31 weitere Länder angehören. Die Schweiz muss und kann Pumpspeicher- kapazitäten in der Grössenordnung von mindestens 100 GW bereitstellen, ohne die Landschaft übermässig zu stören. Für den einheimischen
Bedarf sind davon vielleicht 20–40 GW nötig. Der Rest kann dem europäischen Stromverbund gegen gutes Geld verkauft werden. Es ist an der Zeit, sich in der Schweiz Gedanken zu machen, wie unser prosperierendes Land in Synergie und Solidarität mit den
europäischen Nachbarn die Zukunft lebbar machen kann. Die Rahmenbedingungen, um die Schweiz zur Strombatterie Europas werden zu lassen, stecken allerdings noch tief im Nebel. Sie lassen bis jetzt keine Massnahmen erkennen, welche die grossen, notwendigen
Investitionen auslösen könnten. Das müsste der Hauptgegenstand der Energiestrategie des Bundes sein.
Eine interessante Systementwicklung sind die Elektroautos; Tesla, BMW, Nissan u.a. setzen auf
abgasfreie Mobilität. Leider muss ein solches Auto derzeit etwa alle 200 bis 500 km an die Steckdose. Eine Fahrtunterbrechung von jeweils einer halben Stunde ist mühselig. Anders wäre es, wenn an Stromtankstellen das Batteriemodul innert zwei bis vier Minuten
auto- matisch ausgewechselt würde, ohne dass der Fahrer auszusteigen braucht. Battery-Swappng heisst dieses Konzept. Pro Personenwagen müssten dann vier Batterien vorhanden sein, eine im Wagen in Betrieb, eine an der Ladestation und zwei im weiträumigen
Batteriepool vorreserviert. Diese vielen Batterien ergeben eine enorme Speicherkapazität, welche zur Stabilisierung und Pufferung der Netze angezapft werden könnte. Bedingung wäre ein ein- heitliches Batteriemodul aller Fahrzeugmarken, Personenautos, Lastwagen
und Busse. Solche innovative Überlegungen fehlen in der Übersicht der UVEK-Energiestrategie.
Alpine Pumpspeicherwerke
Für die Schweiz muss das spezifische Thema der alpinen Pumpspeicherwerke
im Vordergrund stehen. Als Beispiel für ein solches Konzept wird in der Folge die Vision Lac de Lovenay–Lac Léman vorgestellt:
30 GW, Lac de Lovenay – Lac Léman bei St. Gingolph
Turbinen-Pumpen-Zentralen St. Gingolph La Clésette 64 sechsdüsige Pelton-Turbinen vertikalachsig mit 6-stufigen Zentrifugalpumpen, 468
MW pro Turbine, Produktion 37 m3/sec/Turbine Produktionsleistung 30 GW, 5 Std/Tag
Pumpleistung 25 GW, 7.6 Std./Tag
Δ Lac Léman 372 m, Niveauvarianz
± 74 mm/Tag
Wasserschloss Le Grammont
Pointe de la Chaumény Kote 1620/1800 m
Δ max 1780 – 372 =1403 m Stausee-Zentrale Δ min 1660 – 372 =1288 m Stausee-Zentrale 4 Druckstollen
ab Stausee, 2.3 km 12‰ , rund je ca. 10 m Ø, mit ca. 7.6 m/sec
4 × 4 Druckrohre ca. 52% Gefälle
Fluss total ca. 2378 m3/sec
Horizontaldistanz 2.4 km, schräg
2.8 km
Neuer Pumpspeichersee Lac de Lovenay
ca. 0.78 km2 Kote max. 1780 m
Grund 1630 m, ca. 60 Mio m3 nutzbar
Δ Lac de Lovenay Seespiegelvarianz ± 70 Meter/Tag Bogenstaumauer Nord ca. 163 m hoch, Krone ca. 710 m lang, Mauer West ca. 26 m, 130 m lang, Mauer Nordost ca. 6 m hoch, 100 m lang
Es gibt noch viele andere gleichartige Möglichkeiten, ähnlich dem seit 1977 bestehenden italienischen Werk Roncocavallo-Delio am Lago Maggiore (1.04 GW).
Dieses nutzt ausschliesslich die Wassermengen des grossen Voralpensees. Die von EURELECTRIC ange- sprochene Eignung der Schweiz bezieht sich nicht nur auf die hohen Berge, sondern auch auf die vielen Seen. In Europa hat manches andere Land ebenfalls hohe Bergtäler
mit Stauseen, aber keines verfügt über ähnlich viele, nahe und grosse natürliche Seen am Alpenrand. Das ist der doppelte Trumpf der Schweiz, um den man sie beneiden könnte. Die Vision Lac de Lovenay–Léman könnte ein solcher sein. Es wäre das
weltweit grösste reine Pumpspeicherwerk – ohne negativen Einfluss auf natürliche Fliessgewässer.
Aus den grössten, bestehenden, schweizerischen alpinen Stauseen könnte mit täglichem Wasseraustausch von nur
etwa 10% des Stauvolumens eine dreistellige Giga-Watt-Leistung elektrischer Spitzenenergie geliefert werden. Allerdings müsste man in einigen Fällen 30 bis 40 km lange, grosse Wassertunnels bauen, um die entfernten Stauanlagen mit den Voralpenseen zu verbinden.
Eleganter ist die Lösung nahe bei den grossen Seen mit neuen, kleinen Staubecken (40 bis 100 Mio. m3) auf 1300 bis 1800 m ü.M.
Im Verbund mit einem neuen
kleinen Stausee bloss 4 km südlich auf französischem Territorium (Lac d’Arvouin, 1800 m ü.M. 0.31 km2) oder sogar mit den bestehenden ca. 36 km entfernten Stauseen Lac d’Émosson
(1930 m) und Lac de Salanfe (1909 m) könnte in St. Gingolph flexibler produziert werden. Der Speichersee Lac de Lovenay würde dann nicht täglich zu drei Viertel ausgeschöpft.
Ein zweites, etwa 25 GW leisten- des, reines
Pumpspeicherwerk ist mit einem neuen Stausee Lac de Tanay (ca. 1500 m ü.M.) denkbar. Die Distanz bis La Clésette am Lac Léman beträgt nur 4.6 km. Aber hier werden wohl Tourismus und Na- turschutz Einsprache erheben.
Ein
drittes, kombiniertes Pump- speicherwerk mit 25 GW Spitzenproduk- tion wäre zwischen Lac de Hongrin und Veytaux am Lac Léman realisierbar (Distanz 9.2 km). Die Verdoppelung der bishe-rigen Pumpspeicherleistung auf 0.48 GW ist im Bau und wird im Jahre 2015
den Betrieb aufnehmen. Um gut fünfzigmal mehr, d.h. 25 GW Spitzenstrom erzeugen zu kön- nen, müsste der heutige Lac de Hongrin 45 m höher auf neu 1300 m ü.M. gestaut werden.
Einwändegegen Pumpspeicher
Einwände gegen den Bau sehr grosser Pumpspeicherkapazitäten wird es viele geben. Die tägliche Niveauschwankung des Lac Léman würde bei einer
installier- ten Produktionsleistung von rund 30 GW immerhin ± 7.4 cm pro Tag betragen. Diese nur am späten Abend sichtbare, kurzzei- tige Verringerung des Seeniveaus kann aber kaum zu ernsthaften Bedenken An- lass sein. Mit der hohen Leistung der was-
sergekühlten Anlagen wird die Frage der Seetemperatur laut werden. Die Wärme- abgabe durch das Pumpspeicherwerk- Konzept Lac Lovenay in den See wird im Laufe eines Tages auf den ganzen See ver- teilt höchstens 0.003°C ausmachen und durch die natürliche
Auskühlung weitge- hend neutralisiert werden. Der Genfersee erneuert sich durch die natürlichen Zu- und Abflüsse alle elf Jahre. Die Wärmefrage ist nur im Nahbereich der Zentralen wichtig. Freilich könnte das durch die Generatoren erwärmte Kühlwasser
für lokale Fernheiz- netze zum Beispiel in Vevey und Montreux dienen.
Mit dem stundenweisen Ausstoss grosser Wassermassen aus den Turbinenkavernen wird das Strömungsbild im See verändert. Die kurzzeitige Spitzenmenge
von 2378 m3/sec im Konzept Lac de Lo- venay–Lac Léman ist gut das Doppelte der in den letzten dreissig Jahren gemessenen Hochwasserspitze des Hauptflusses aus dem Wallis. Die Messstation
liegt bei Vou- vry, Port du Scex, 6 km vor der Einmün- dung der Rhône in den Genfersee.
Die Verwirklichung grosser Speicherkapazitäten ist nicht ohne Eingriffe in die Landschaft möglich. Grosse Stromleitungen und
die im Freien stehenden Unterwerke werden störend wirken. Für den verlustarmen Transport grosser Strom- mengen über weite Distanzen kommen Höchstspannungs-Gleichstrom-Leitungen (HVDC) infrage. Solch eine grosse, 2000 km lange Freileitung ist kürzlich
in China gebaut worden. Mit ±800 kV DC und 6.4 GW gelangt der Strom vom Kraft- werk Xiangjiaba in die Industriemetropole Shanghai. Den vollen Betrieb wird das Werk im Jahr 2015 aufnehmen, dann die 21 Millionen städtische Bewohner versorgen und alte
Kohlekraftwerke ersetzen.
Höchstspannungs-Gleichstrom kann verkabelt, unterirdisch, in einem See oder auf dem Meeresgrund über grosse Distanzen gelangen. In Nordeuropa, zwischen England und Irland sowie
im Mittelmeer zwischen dem italienischen Festland, Sardinien und Griechenland bestehen sol- che Kabel. Neue sind bis nach Nordafrika geplant. Das 580 km lange einpolige Seekabel NorNed von Norwegen nach Holland hat mit ±450 kV DC und 0.7 GW im Jahr
2008 Weltrekorde gebrochen. Seekabel von ABB für ±300 kV/1.5 GW haben einen Aussendurchmesser von 155 mm. Um 100 GW zu transportieren, wären 67 parallele Kabel erforderlich, die in einem 25 m breiten Graben verlaufen könnten. Das ist ein Bruchteil
des Bauaufwandes für eine Autobahn. Kostengünstiger als Kabel sind Freileitungen, aber nicht landschaftsverträglich und unsicher gegen Wettereinflüsse. Anfang Februar 2014 hat ein Eisregen einen grossen Teil der Stromversorgung in Slowenien unterbrochen.
Über 100 000 Menschen waren während vielen Tagen ohne Elektrizität. Dort wird nun erwogen, das Hochspannungs-Stromnetz weitgehend zu verkabeln.
Strombatterie Schweiz
Technisch scheint eine respektable Strombatterie Schweiz durchaus möglich zu sein, und sie wird sich auf bewährte Tech- nologien verlassen können. Eine Alterna- tive ist nicht in Sicht. Die Hauptschwierigkeit wird
die Bereitstellung langfristig gebundener, grosser Finanzmittel sein. Die Rentabilität dieses Kapitals ist so lange ungewiss, bis die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas und der Import von Strom aus karbon-thermischen Anlagen verboten wird. Das ist die zentrale
Herausforderung der langfristigen Energiestrategie. Obwohl das derzeitige politische und behördliche Umfeld an solchen Überlegungen noch wenig Interesse zu zeigen scheint, könnte auf planerischer Ebene schon viel vorbereitet werden. Irgendwann wird
die Zeit für ein Umdenken reif. Leider können sich offenbar nur wenige Politiker, Demokraten und Beamte vorstellen, dass Erdöl, Gas und Kohle sowie Nuklearbrennstoff eine ausserordentlich hohe Energiedichte haben. Diese mit Solar- und Windstrom zu ersetzen,
braucht Anlagen in einer Dimension, welche die herkömmlichen Vorstellungen und Meinungen sprengt.
Heute ist der Widerstand gegen hydroelektrische Neubauten, Freileitungen, thermische Elektrizitätswerke
und Atomanlagen vonseiten der Natur- und Umweltschutzkreise sehr ernst zu nehmen.
Angesichts der in höchstem Masse beängstigenden globalen Entwicklung der Treibhausgase lässt sich vielleicht ein Kompromiss finden:
Verkabelungen und Verzicht auf die von den Bundesbehörden ins Auge gefasste (wenig effektive) Nutzung der letzten natürlich fliessenden Gewässer.
Die Realisierung von grossen Pumpspeicheranlagen kann der Energiezukunft der Schweiz,
unserer Stellung in Europa sowie der Bau-, Elektro- und Finanzwirtschaft ausgezeichnete Impulse geben. Dann wäre der Klimawandel nicht eine Katastrophe, sondern partiell ein schöner Segen.
Anschrift der Verfasser
Andreas Speich, dipl.
Ing. ETH, Spirenwaldstrasse 367, 3803 Beatenberg
<email-pii>, www.andreas-speich.ch
Fritz Spinnler, dipl. Ing. ETH, Rentäcker 5, CH-5507 Mellingen, <email-pii>
Energiewende
Wo der Wind weht – HYWIND-SWISS – schwimmende Windfarmen weit auf dem Meer.
Von Andreas Speich, Dipl. Ing. ETH/SIA
16. April 2020 <email-pii>
ca. 9’626 Zeichen
Wenn die
fossilen Energieträger wie Erdöl, Erdgas, Kohle und andere Treibhausgas verursachende Energiequellen wegen der Klima-Eskalation und die Kernenergie wegen ihrer Gefährlichkeit weitgehend substituiert werden sollen, sind neue Ressourcen wie Sonnenenergie-Kollektoren
und Windturbinen in sehr grosser Anzahl nötig. Dann könnte der gesamte Verkehr in der Schweiz elektrisch sein. Fast alle Gebäude würden mit Solarwärme geheizt. Heute stammen noch immer rund 90% des schweizerischen Energieverbrauchs
aus CO2 emittierenden fossilen Brenn- und Treibstoffen. Nach dem Konsumprinzip einschliesslich jenes bei der Herstellung von Importwaren im Ausland sowie des schweizerischen internationalen Luftverkehrs sind es ca. 23 Tonnen CO2 pro Einwohner,
somit schlechter als alle unsere Nachbarländer. Das UVEK kommuniziert nur nach dem Produktionsprinzip: 4.5 Tonnen CO2 pro Einwohner.
Elektrizität soll in Zukunft weltweit weitgehend mit Solar-Photovoltaik
und von Windanlagen erzeugt werden. Die schweizerische Energiebranche oder der Bund sollten sich bereits jetzt ein Gebiet von rund 1’500 km2 in geeignetenOffshore-Zonen mit Wassertiefen von 120 – 300 Metern sichern um dort grosse
schwimmende Windfarmen nach dem Vorbild von EQUINOR zu errichten sobald die Technik dieser Stromerzeugung fortgeschritten und der Finanzierungsmodus geklärt ist.
Dazu wäre
eine Machbarkeits- und Finanzierungsstudie für ein Konzept HYWIND-SWISS zu initiieren — mit Beteiligung verschiedener Partner wie ETH, BFE, Elektrizitätskonzerne, EQUINOR,
die französische staatliche Energieagentur ADEME und mit einem schweizerischen Bankenkonsortium.
Es sind schon viele Windturbinen im Innern anderer Länder sowie
an den Meeresküsten und in untiefen Küstengewässern vorhanden (Offshore). Diese stossen jedoch bald an räumliche Grenzen, weshalb neue Lösungen gesucht werden. Weltweit soll es bereits Windkraftanlagen mit einer Gesamtnennleistung
von 550 GW geben. Die Schweiz müsste sich, neben der lokalen Photovoltaik und den bestehenden Wasserkraftwerken aus etwa 3-5000 Windanlagen zu je 6 - 12 MW versorgen können um den heutigen Energiebedarf aus nuklearen oder kohlenstoffhaltigen Energieträgern
weitgehend zu ersetzen. Eine solche Anzahl Windturbinen im Inland oder im benachbarten Ausland on-shore zu erstellen ist völlig undenkbar. Es wäre in hohem Masse landschaftsstörend und leistungsmässig ineffektiv. Deshalb wird man aufs offene
Meer auszuweichen müssen zum Beispiel in den Golfe du Lion vor Marseille. Die Kosten der schweizerischen off-shore Turbinenanlagen würden dort grob geschätzt etwa 2 Millionen € pro MW betragen. Für 4’000 Turbinen mit je 8 MW
Leistung ist mit einem Investitionsvolumen von mindestens 64 Milliarden Fr. zu rechnen und nochmals mit etwa demselben Betrag für die Stromübertragung und das denkbare, grosse 30 GW Pumpspeicherwerk (Lovenay – St. Gingolph)7. Die
Investitionsphase für die HYWIND –SWISS-FARM würde etwa 25 Jahre dauern. Die Nutzungsdauer der Wind-Anlagen wäre ebenso lang. Daraus lassen sich schätzungsweise 4 Mrd. Fr. pro Jahr ableiten. Mit den Unterhaltskosten des Systems würde
der Preis pro KWh in die Schweiz übertragen etwa 0.17 Fr betragen. Etwas mehr als die heutigen Strompreise, siehe Tabelle auf Seite 4. Die Anlagekosten wären etwa vergleichbar mit jenen die der Bund jährlich für die heimische Landwirtschaft
ausgibt. Andere realistische Alternativen sind nicht in Sicht. Für diese grossen Anlagen wäre eine Nutzungs-Kooperation mit Frankreich sinnvoll.
Einer der Pioniere der Entwicklung von neuartigen, schwimmenden Windkraftanlagen
ist die staatliche Unternehmung EQUINOR ASA in Norwegen (früherStatoil bis zum Namenswechsel[2] im Mai 2018). Diese hat langjährige Erfahrung mit schwimmenden Bohrplattformen in tiefem Meerwasser. Starr im Meeresboden
fundierte Offshore-Anlagen sind nur bis in Wassertiefen von etwa 30 m möglich ansonsten wäre der Wellenschlag auf den Turbinenturm zu gross. Bereits seit 2007 hat u.a. EQUINOR mit schwimmenden Windturbinen experimentiert. Die erste Demonstrationsanlage
dieser Bauart mit 2.3 MW Nennleistung wurde im norwegischen Åmøy-Fjord bei Stavanger in Betrieb genommen (siehe Bild unten links). Auf dem zylindrischen turmförmigen Schwimmkörper mit 100 m Tiefgang und 5300 t Wasserverdrängung
ist auf 65 m Nabenhöhe eine Siemens-Turbine mit 82 m Durchmesser installiert. Sie hat Windstärken von bis zu 44 m/sec (158 km/h) und Wellenhöhen bis 19 m ohne nennenswerte Schäden ausgehalten.
Zitat von EQUINOR: “Hywind—the world’s leading floating offshore wind solution:
The ocean covers around 70% of the world’s surface and is an under-utilised resource for energy and economic growth.
Close to 80% of the resource potential is in deep waters. That’s ideal for Hywind, the leading solution for
floating offshore wind power, developed by EQUINOR”.
Aufbauend
auf dieser Erfahrung ist seit Oktober 2017 im Nordatlantik 25 km vor der schottischen Küste die EQUINOR-Windfarm Hywind mit 5 schwimmenden Plattformen im Betrieb mit Siemens-Turbinen von je 6 MW Nennleistung (siehe Bild auf Seite 2 oben). Hywind
hat sich in kurzer Zeit als erfolgreich und stabil erweisen und produzierte seit Inbetriebnahme etwa 65% der maximalen Nennleistung. Angeblich lag der Ertrag in der windreichen Winterzeit über den Erwartungen. Der Strom wird mit Tiefseekabeln ins küstennahe
schottische Elektrizitätsnetz eingespeist.
Der Wind auf offenem Meer ist stärker und steter als in Küstennähe. Im Vergleich zum Ertrag der neu errichteten Festland-Windkraftanlagen in Deutschland, mit 2200 Volllaststunden
ist der Stromertrag im Bereich der Nordsee etwa doppelt so gross, ca. 4400 Volllaststunden[3] pro Jahr. Die einzelnen Turbinenplattformen können sich im Rhythmus der Meereswellen bewegen und sind deshalb weit draussen
auf See nicht in gleicher Weise den harten Schlägen der von Stürmen gepeitschten Wellen und den grossen sich überschlagenden Brechern ausgesetzt, wie sie sich in Küstennähe aufbauen. Die schwimmenden Plattformen von Hywind
sind mit drei weit auseinanderliegenden Ankern an Stahltrossen flexibel fixiert. Die Ankerfundamente sind so konstruiert, dass sie sich selbständig in den lehmigen Meeresgrund einsenken. Die Anlage hat die vergangenen Stürme gut überstanden.
Sie soll Windgeschwindigkeiten von 120 km/h und über 8 Meter hohe Wellen problemlos ausgehalten haben.
Der Golf von Lion vor der südfranzösischen Küste hat einen bis 100 km breiten Kontinentalsockel von etwa
25’000 km2 mit Wassertiefen bis 300 m. Dieser scheint ein anderer günstiger Standort zu sein. Die französische staatliche Energieagentur ADEME[4] hat hier ein Projekt mit 4 schwimmenden Anlagen von je
6.2 MW. Im Jahr 2020 sollen sie den Betrieb aufnehmen können. Dieses Offshore-Gebiet liegt nicht im Bereich von wichtigen Vogelzugsrouten die gestört werden könnten. Die Zugvögel wählen meistens Routen über Landmassen (Italien,
Gibraltar, Bosporus) wo sie von der Thermik profitieren können. Über offener See gibt es solche Aufwinde kaum. Im Golf von Lion und im Nordatlantik ist die Gefahr Zugvögel zu erschlagen gering. An diesem Standort ist die Gefahr von funktionshemmender
Eisbildung an den Windanlagen klein.
EQUINOR schätzt, dass etwa 80% des weltweiten Windenergie-Potenzials der diversen Offshore-Konzepte eines Tages mit schwimmenden Anlagen erschlossen werden könnte. Bis 2050 ist eine Zunahme
auf weit über 100 GW denkbar und weiter steigend. Weltweit gibt es bereits über ein Dutzend unterschiedliche Konzepte von schwimmenden Windturbinen für Meerestiefen bis 300 m.
Die schweizerische Energiebranche und der Bund sollten sich bereits jetzt ein Gebiet von rund 1’500 km2 in geeignetenOffshore-Zonen mit Wassertiefen von 120 – 300 Metern sichern um dort grosse schwimmende Windfarmen nach
dem Vorbild von EQUINOR zu errichten sobald die Technik dieser Stromerzeugung fortgeschritten und der Finanzierungsmodus geklärt ist.
Der gesamte Festlandsockel unterliegt allerdings souveränen Rechten des Küstenstaates[5], ist jedoch nicht dessen Staatsgebiet. Die besten Gebiete rund um Europa werden bald von interessierten Unternehmen belegt sein. Aus dem südlichen Rand des Kontinentalsockels des Golf de Lion (Mittelmeer) sind es ca. 600
km Luftlinie bis in die Schweiz. Ein HVDC-Seekabel und eine anschliessende Freileitung würden auf dieser Strecke nur etwa 4 - 5% der Energie verlieren. Im Raum des Genfersees[6] gibt es hervorragende geografische Gegebenheiten
um mit einem Pumpspeicherwerk den Energiefluss zeitlich bedarfsgerecht in das nationale Netz einzuspeisen.
Die Agence de l’environnement et de la maîtrise de l’énergie (Ademe, France) prognostizierte bereits
2015 die Stromkosten von schwimmenden Windfarmen auf 0.11 € pro KWh gegenüber von 0.06 € für lokale Photovoltaik[7]. https://www.bloomberg.com/professional/blog/wind-and-sun-generate-cheaper-electricity-than-coal-and-gas/
sieht den Preis von Windkraft schon bei 0.028 – 0.035 US$/KWh. Freilich liegt in der Schweiz zumindest im Sommer noch ein grosses Potenzial von 30 - 40 GW an Photovoltaik brach[8] zu deren ganzjähriger Nutzung jedoch
ebenfalls grosse Speicheranlagen erforderlich wären. Mit den Übertragungskosten und der Speicherung werden die Stromkosten von einer grossen schwimmenden Windfarm HYWIND-SWISS im Golfe du Lion vor Marseille für den schweizerischen Konsumenten
möglicherweise auf 0.06 Fr./KWh sinken.
[2] https://www.equinor.com/en/what-we-do/hywind-where-the-wind-takes-us.html
[4] Agence de l’environnement et de la maîtrise de l’énergie (ADEME)
[5] Art. 77 Abs. 1 des Seerechtsübereinkommen der Vereinten
Nationen (SRÜ)
[6] Siehe: Speich, Andreas; Spinnler, Fritz; WEL 106. Jahrgang, 2014, Heft 3, S. 179-182
[8] Siehe: Nordmann, Roger:
Le plan solaire et le climat; 2019, Swissolar