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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Dreizehntes Buch
32. Überblick über die Werke Gottes.
Dank dir, o Herr! Wir sehen Himmel und Erde, sei dies nun die körperliche Schöpfung in ihrem oberen und unteren Teile oder die geistige und die körperliche Schöpfung; in der wunderbaren Ordnung dieser Teile, die in ihrer Gesamtheit die ganze Masse der Welt oder überhaupt die ganze Schöpfung bilden, sehen wir das Licht geschaffen und von der Finsternis geschieden. Wir sehen das Firmament des Himmels, sei es nun jener Hauptweltkörper1 zwischen den oberen geistigen und den unteren körperlichen Wassern oder der Luftraum, der ebenfalls Himmel genannt wird und in dein die Vögel des Himmels daherfliegen zwischen den Wassern, [S. 375] die als Wolken über ihnen dahinziehen und in klaren Nächten zu Tau werden, und denen, die schwer auf Erden dahinströmen. Wir sehen in den weiten Räumen des Meeres die Schönheit der gesammelten Wasser und das trockene Land, sei es nun bloß kahl oder bereits auch gestaltet, so daß es sichtbar und geordnet wurde, den Urgrund für Kräuter und Bäume. Wir sehen die Himmelslichter herniederleuchten, die Sonne dem Tage genügen, Mond und Sterne die Nacht erfreuen und all diese Zeichen die Zeiten bestimmen und anzeigen. Wir sehen überall eine gesegnete Natur, reich an Fischen, Tieren und Vögeln, wir sehen, daß die Schwere der Luft, die den Flug der Vögel trägt, aus der Ausdünstung des Wassers erwächst. Wir sehen die Oberfläche der Erde geschmückt mit Tieren und den Menschen, der nach deinem Bilde und Gleichnisse geschaffen ist und eben wegen dieses Bildes und Gleichnisses, d. h. kraft seiner Vernunft und seines Verstandes zum Herrn über alle unvernünftigen Tiere gesetzt ist. Und wie in seiner Seele eine Kraft wohnt, die durch Urteil herrscht, und eine andere, die sich in Gehorsam unterwirft, so ist auch für den Mann dem Körper nach das Weib erschaffen, das zwar dem Geiste nach mit ihm die gleiche vernünftige Erkenntnis besitzt, aber durch sein Geschlecht ihm unterworfen ist, wie der Trieb zum Handeln sich der Vernunft unterordnet, um von ihr die Befähigung zu empfangen, richtig zu handeln. Wir sehen, wie dies im einzelnen gut, wie aber alles in seiner Gesamtheit sehr gut ist.
1: Augustinus Retract. 2,6.