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Standschützen Oberwinterthur
Die Standschützen Oberwinterthur blicken auf eine lange und teilweise sehr bewegte Geschichte mit sonnigen und bisweilen auch düsteren Momenten zurück. Der Verein wurde 1866 gegründet. Derzeit zählt der Schützenverein rund 80 Mitglieder. Jung und Alt, Frau und Mann, Sportgewehr- und Ordonnanzgewehr-Schützen, vom Normalschützen bis zum Schweizermeister gehören dazu.
Es waren Heinrich Ehrensperger, Jakob Erb und Heinrich Schellenberg, die die Voraussetzungen schufen, dass am 25. November 1866 der „Schützenverein Oberi“, wie er damals hiess, gegründet wurde. Es ging damals streng zu und her. Für die obligatorischen Schiessübungen hatte jeder Teilnehmer für eine eigene Waffe zu sorgen und in Militärhosen zu erscheinen. Die Zeiger hatten für diesen Anlass ein paar rote Hosen anzuschaffen. Durch häufige Zielschiessübungen und andere militärische Übungen, namentlich Distanzschätzungen, wurde versucht die Mitglieder zu guten Schützen heranzubilden. Zum Eintritt in den Verein waren nur militärpflichtige Männer berechtigt. In der Vorstandsarbeit gab es ein auf und ab. In den ersten zwanzig Jahren gaben zehn Präsidenten den Ton an. Bereits 1882 wurde das Kantonale Schützenfest in Winterthur besucht.
Einer der Höhepunkte in den 1800er-Jahren war die Durchführung des Zentralschiessens in Oberi. Das OK bestand aus 69 Mann. Für das Fest waren unter den Mitgliedern und Dorfbewohnern 1‘420 Anteilscheine gezeichnet worden. Helfer, welche nicht zurzeit am Platz erschienen, bezahlten für jede Viertelstunde Verspätung Fr. 1.- Busse. Das Endergebnis des Festes ergab einen Reingewinn von Fr. 81.-, der zur Unterstützung von bedürftigen Kindern verwendet wurde.
Am 21. Mai 1904 fand eine Versammlung betreffend Schiessplatz statt. 1904 beantragte der Vorstand als Schiessplatz den bisherigen provisorischen Stand im Ohrbühl zu akzeptieren. Mehrere Mitglieder waren vom fraglichen Platz aber nicht befriedigt. Als Hauptnachteil wird seine dem Wind von allen Seiten ausgesetzte Lage bezeichnet und die Schusslinie von einer Strasse gekreuzt. Die Suche nach einem neuen Schiessplatz begann. Ganze fünf Jahre später kam der Raum Zinzikon ins Gespräch und ein Jahr später wurde der neue Stand eingeweiht. Er lag im freien Landwirtschaftsland hinter dem Weiler Zinzikon. Geschossen wurde an den Waldrand des Lindbergs. Ein erster öffentlicher Schiessanlass fand über das Wochenende des 28. Mai 1911 statt. 20‘000 Schuss wurden verschossen. 1912 wurde das Restaurant Freieck zum Stammlokal erkoren. 1932 kam die Fusion mit der 1902 gegründeten Schützengesellschaft Oberwinterthur. Der neue fusionierte Verein erhielt den Namen Standschützen Oberwinterthur. Vor der Gründung des Arbeiterschiessvereins gab es drei Schützenvereine im Dorf Oberwinterthur die sich konkurrenzierten. Mit der Fusion zu einem neuen Verein verfolgten die „Standschützen Oberwinterthur“ das Ziel die Schiesstätigkeit und Schützenkameradschaft der Freiwilligenschützen besser zu fördern und zu pflegen. Der Name Oberwinterthur sollte dabei besser nach Aussen getragen werden. Emil Bindschedler wurde der erste Präsident der Standschützen Oberwinterthur, diese Neugründung/Fusion wurde eingeleitet vom letzten Präsidenten der Schützengesellschaft Oberwinterthur, Adolf Ehrensperger.
1953 erfolgte eine Standerweiterung verbunden mit einer gründlichen Renovation. Die gesellschaftlichen Anlässe waren und sind seit je her ein grosser und wertvoller Teil der Aktivitäten des Standschützen-Vereins. So war es nicht erstaunlich, dass immer wieder der Wunsch nach einer Schützenstube in den Diskussionen auftauchte. Dieser Gedanken wurde verdrängt, vor allem auch wegen finanziellen Bedenken. Anfangs der 1960er-Jahre galt es plötzlich ernst. Anlass dazu gab ein Gespräch anlässlich einer Standinspektion vom 10. Februar 1961. Ernst Ackeret gab das Stichwort in die Runde. Nebst dem Schiessoffizier war auch Stadtrat Albert Schätti, der auch den städtischen Liegenschaften vorstand, mit dabei. Landfragen und Subventionen des Kantonalen Schützenvereins waren schnell gelöst und bereits im Herbst 1962 konnte die gemütliche Schützenstube in Betrieb genommen werden.
1963 holte sich eine Standschützen-Gruppe (Karabiner) erstmals in den Schweizer Hauptrunden das Kranzabzeichen. Und der Standschütze Hans Gmür wurde im selben Jahr mit dem Sturmgewehr 57 mit 267 Punkten Schweizermeister. Für den Final konnten sich die 22 besten Schützen qualifizieren. Das Programm auf Scheibe A5 war hart und musste ohne Pause durchgeschossen werden. Die Schützen aus Oberwinterthur waren stolz auf ihr Vereinsmitglied. 1965 kam ein nächster Grosserfolg. Am Eidgenössischen Feldschiessen nahmen aus Oberwinterthur 278 Schützen teil und erzielten 95 Kranz-Resultate sowie 140 Ehrenmeldungen. Diese gute Vereinsarbeit musste gefeiert werden. Das wurde ausgiebig getan, ein Jahr später an der 100 Jahr-Feier mit Fahnenweihe auf einem Festplatz beim Schiessstand.
Im Juni 1971 wird ein Kredit von 5 Mio. Franken zur Bauland-Erschliessung in Zinzikon und dem Bau einer Strasse vom Volk verworfen. Ein Ja hätte das Ende des Schiessstandes bedeutet. Jubel bei den Standschützen mit grosser Feier bis Mitternacht. Munitionspreis jetzt 31 Rappen (zum Vergleich 1966: 12 Rappen). Mit der stetigen Zunahme der Wohnbauten im Grossraum Zinzikon entstand der Druck den Schiessstand an diesem Ort aufzuheben. Widerstand fruchtete nicht. Am 6. Juni 1982 erfolgte der letzte „Chlapf von Zinzikon" durch Walter Hofmann. Die Schützen von Oberwinterthur zogen um in die Grossanlage im Ohrbühl. Die Schützenstube in Zinzikon blieb im Besitz der Standschützen und war weiterhin das Vereinslokal.
Die protokollarischen Aufzeichnungen im Jubiläumsbuch zum 150-Jahr-Jubiläum zeigen ein vielfältiges und auch sehr erfolgreiches Vereinsgeschehen auf. Höhepunkte festzuhalten ergäbe eine grosse Liste und sprengte diesen Artikel. Folgendes wollen wir aber festhalten. 1990 fand in Winterthur das Eidgenössische Schützenfest statt. Nebst der aktiven Mitarbeit nahmen die Standschützen aber auch am Schiessbetrieb teil und dies erfolgreich. Einen Gold-Lorbeerkranz durften sie mit nach Hause nehmen. Ein Jahr später folgte das nächste Jubiläumsfest: 125 Jahre Oberwinterthurer Schützenvereine mit Jubiläumsschiessen im Ohrbühl-Stand.
Marcel Ochsner, ein Meisterschütze aus dem Kreis der Standschützen, der ab 1999 Vereinspräsident wird, führte 1995 einen Nachwuchskurs für ambitionierte junge Matchschützen durch. Mit diesem Nachwuchskurs wurde ein wichtiges Fundament für die Zukunft gelegt, waren doch die meisten damaligen Teilnehmer Jahre später noch aktive und erfolgreiche Schützen und grosse Vereinsstützen. Etwas ganz spezielles wurde dazu noch erfunden: Wer beim Schiessen fluchte, musste 5 Franken in die Nachwuchskasse abliefern. Da die Schützen nicht immer Münz dabei hatten, erfand der Schreiberling eine „Fluchkarte“, mit der man 10 resp. 40 Flüche vorausbezahlte. Der Coach entwertete mit einem Billettknipser diese Karte.
Einen nach wie vor ungeschlagenen Rekord beim Match-Schiessen erreichen die Standschützen Kurt Maag (mit 588 Punkten), Werner Brazerol (588), Christof Carigiet (583) und Marcel Ochsner (578) im Jahr 2004 mit 2‘337 Punkten beim Standardgewehr 2-Stellungs-Schiessen. Ein Grund dazu war vielleicht das Training im Stand Witerig ausserhalb Winterthurs. Dort endet abends das Schiessen erst bei der Dämmerung! Ein weiterer Höhepunkt für die Vereinsgeschichte kam 2013 dazu. Die Standschützen holten am Final der Schweizerischen Sektionsmeisterschaft Bronze. Das Gleiche gelang ihnen auch eine Woche später am OMM-Final (Ostschweizer-Mannschaftsmeisterschaft). Die Junioren holten zudem im Nachwuchsfeld Gold. Mit Fug und Recht darf festgehalten werden dass der Verein lebt und blüht. Reicht es nochmals für 150 Jahre?