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1. Projektantrag
Mit vorliegendem Gesuch wird ein Antrag auf eine (Teil-)Finanzierung des Buchprojekts „Der Kampf um das Schweizer Bankgeheimnis. Eine hundertjährige Dialektik von Kritik und Rechtfertigung“ gestellt.
Es wird damit erstmals eine historisch fundierte Aufarbeitung der jüngsten Finanzplatzgeschichte geleistet und gezeigt, weshalb die Schweiz ihr Bankgeheimnis gegenüber dem Ausland aufgeben mussten und warum die Schweizer Banken im Steuerstreit mit den USA bis dato über 6 Mrd. Dollar Busse bezahlen mussten.
Mit dem NZZ Libro Verlag hat der Autor einen renommierten Verlag gefunden, der das Buch voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2018 veröffentlichen wird. Der Verlag übernimmt die Kosten für die Produktion und die Vermarktung. Der Autor arbeitet ohne Auftraggeber. An einem allfälligen Gewinn des Verlags wird der Autor mit einem Anteil von 10 Prozent partizipieren können (voraussichtlich rund 3000 Franken). Der bisherige Arbeitsaufwand von 18 Monaten (April 2016 – Oktober 2016) geht zulasten des Autors, indem er ohne Entgelt und auf eigene Rechnung arbeitete und sich von seinen Ersparnissen finanzierte. Für diesen Aufwand sucht der Autor mit vorliegendem Gesuch eine finanzielle Unterstützung von CHF 60'000.- (20 Monate x 3000 CHF).
Gleichzeitig strebt der Autor mit der vorliegenden Arbeit ein Habilitationsverfahren an der Universität Zürich im Fach Kommunikationswissenschaft oder Soziologie an.
2. Inhalt des Buches
Die während eines Jahrhunderts aufgebaute Doktrin der Schweizer Banken lautete, das Bankgeheimnis sei nicht verhandelbar, das schweizerische Steuersystem sei allen anderen nicht nur technisch, sondern auch moralisch überlegen und Steuerhinterziehung sei als «Notwehrmassnahme» letztlich legitim, wie es der Bankier Konrad Hummler am pointiertesten ausdrückte. Die Schweizer Banken wussten um die pekuniären Vorteile dieses Systems. Sie konnten sich dagegen nicht vorstellen, was es bedeuten würde, davon Abschied zu nehmen, und insbesondere die Privatbanken alter Schule hatten sich nicht rechtzeitig damit beschäftigt, mit welchem Geschäftsmodell das Schwarzgeldgeschäft substituiert werden sollte. Und weil sie es nicht wussten, klammerten sie sich auch aus reiner Betriebslogik an das herkömmliche System und vertrauten auf die bewährte Unterstützung durch die Politik.
Die Schweiz hätte der EU im Rahmen der Verhandlungen über die Zinsbesteuerung in den Jahren 2002/2003 mit einer Aufhebung der Unterscheidung von Betrug und Hinterziehung entgegenkommen und den OECD‐Standard in der Steueramtshilfe übernehmen sollen. Viele aufgeschlossene Schweizer Bankiers sahen schon damals, dass diese Unterscheidung nicht aufrecht zu halten war. Die Schweiz hätte bei dieser Gelegenheit zudem mit Staaten insbesondere aus der EU Steueramnestien für das vom Finanzplatz verwaltete Schwarzgeld ausländischer Kunden aushandeln sollen, bevor sich die ausländischen Regierungen mit eigenen Mitteln (Whistleblower, Kauf von gestohlenen CD, verdeckten Ermittlungen, Razzien, Selbstanzeigen eingeschüchterter Kunden) Einblicke hinter die Mauern des Schweigens hatten verschaffen können. Doch mit der erneuten Eskalierung der Steuerkonflikte im Zuge der Finanzkrise ab 2008 war es zu spät; die Mauer des Schweigens erlitt einen Dammbruch und das Land wurde von einer gigantischen Menge an Schwarzgeldern überschwemmt, was die Schweiz schliesslich zur Übernahme des Automatischen Informationsaustausches (AIA) einlenken liess.
Das vorliegende Buch zeichnet detailliert und kenntnisreich nach, wie es so weit gekommen ist und rekonstruiert den grossen Bankgeheimniskonflikt der Schweiz mit dem Ausland aus einer doppelten Perspektive: Einerseits wird ereignisgeschichtlich aufgezeigt, wie der Konflikt in der Schweizer Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und wie sich im Konfliktverlauf Deutungen, Erwartungen und letztlich auch die Positionen in der Finanzplatzpolitik gewandelt haben. Andererseits wird dieser Paradigmenwechsel vom Schwarzgeldgeschäft zur Steuerkonformität konfrontiert mit Prozessen der Entscheidungsfindung der Schweizerischen Bankiervereinigung und des Bundesrats. Dabei wird aufgezeigt, wie Bund und Banken nach dem Doppelschlag vom Februar 2009 (Übergabe von UBS‐Daten an die USA) und März 2009 (Bekenntnis zum OECD‐Standard in der Steueramtshilfe) mit einer vorwärts gerichteten Strategie der Steuerkonformität die verbliebenen Reste des Bankgeheimnisses und die Abwendung des AIA zunächst noch zu verteidigen versuchten, in der Folge aber zu einem Umdenken gezwungen wurden und sich schliesslich als Speerspitze in der politischen Landschaft der Schweiz für eine rasche Einführung des automatischen Informationsaustausches einzusetzen beginnen. Das Buch zeigt schliesslich auch auf, wie sich in der neuen Welt der Steuertransparenz die USA als «neue Steueroase» für das Schwarzgeld ausländischer Kunden zu etablieren beginnt.
3. Argumentarium
• Das Buch bietet erstmals eine fundierte Analyse über den dramatischen Paradigmenwechsel, den die Schweiz im Kontext der Finanzkrise 2008 ergriff und in der Folge zur Preisgabe des steuerlichen Bankgeheimnisses gegenüber dem Ausland und zur Übernahme des automatischen Informationsaustausches führte.
• Anhand einer umfangreichen Quellenanalyse von fast 10'000 Zeitungsartikeln macht der Autor der Bankgeheimniskonflikt wie in einem Theaterstück lebendig und zeigt auf, wie der Jahrzehnte alte Schulterschluss zwischen den bürgerlichen Parteien und den Banken unter dem andauernden Belagerungszustand zu bröckeln beginnt.
• Der Bankgeheimniskonflikt versteht der Autor als ein exemplarisches Lehrstück, das aufzeigt, wie schwer sich die Schweiz noch immer tut in einer Welt, die sich seit 1989 fundamental verändert hat. Das Paradoxe an der Geschichte: Während die Schweiz 2018 erstmals in Rahmen des AIA mit dem Ausland Kundendaten austauscht, stimmt sie gleichzeitig über eine Volksinitiative ab, um das steuerliche Bankgeheimnis im Inland auf Verfassungsstufe zu heben.
• Geschrieben hat das Buch ein intimer Kenner des Schweizer Bankenplatzes, der an vorderster Front für die Strategie der Bankiervereinigung zwischen 2008 und 2016 tätig war, heute niemandem mehr verpflichtet ist und deshalb unabhängig und kritisch berichten kann.
• Spannende und nicht bekannte Hintergrundinformationen, die der Autor in vielen Interviews mit wichtigen Exponenten aus der Verwaltung, der Politik und den Banken in Erfahrung brachte, fliessen in den Text ein und sorgen für ein besseres Verständnis der hochkomplexen und dramatischen Vorgänge.
4. Kurzbiografie Autor
Stefan Tobler, geboren 1969, ist in Stans aufgewachsen und erlangte dort am Kollegium St. Fidelis die Maturität. Nach seinem Studium in Soziologie, Politikwissenschaft und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich und leitete verschiedene Projekte zur Reputationsdynamik wirtschaftlicher und politischer Organisationen. 2008 trat er in die Dienste der Schweizerischen Bankiervereinigung ein und war zunächst als Leiter Stab für die Geschäfte des Verwaltungsrats zuständig, ab 2011 als Leiter Strategieentwicklung für die Erarbeitung der strategischen Grundlagen zur Weiterentwicklung der Finanzplatzstrategie der SBVg. Nachdem er 2010 mit einer Dissertation über die Transnationalisierung nationaler Öffentlichkeit die Doktorwürde erlangte, schrieb er 2015 im Rahmen eines Nachdiplomstudiums in Applied History eine wirtschaftshistorische Diplomarbeit über die jüngste Geschichte zum Bankgeheimnis. Sein vorliegendes Buch bettet diese Arbeit in einengrösseren zeithistorischen Kontext ein.
Adresse des Autors:
Stefan Tobler
Kleinalbis 10
8045 Zürich
E-Mail: <email-pii>
Mobile: 079 446 84 19
5. Inhaltsverzeichnis Buch
Vorwort
Einleitung
Teil 1: Eine hundertjährige Dialektik von Kritik und Rechtfertigung (1910-2007)
1. Grundlagen des Konflikts: Steuerliches Bankgeheimnis und ein Geschäftsmodell mit Schwarzgeld
2. Die Etablierung der Schweiz als „safe haven“ in der Zwischenkriegszeit
3. Hochstilisierung des steuerlichen Bankgeheimnisses zum heiligen Gral im Kalten Krieg
4. Auf schiefer Bahn in der neue Weltordnung nach dem „Ende der Geschichte“
Teil 2: Der grosse Bankgeheimniskonflikt (2008-2013)
5. Doppelschlag gegen das „Flaggschiff der Steueroasen“
6. Strategie zur Rettung des Bankgeheimnisses
7. Verhandlungen aus dem Belagerungszustand
8. Resigniert am Ende des Rückzugsgefechts
9. Kapitulation und kollektives Lernen
Teil 3: Willkommen in der neuen Welt der Steuertransparenz (ab 2014)
10. Auf dem Weg in die neue AIA-Welt
11. Schlussbetrachtungen
Anhang
Bibliografie, Zeittafel, Glossar