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Die Zusammensetzung des Blutes
„Blut ist ein ganz besonderer Saft“ hat einst Johann Wolfgang von Goethe geschrieben, ein Satz, der seither noch von Bedeutung gewonnen hat. Heute weiss man, dass Blut ein „flüssiges Organ“ ist -eines der wichtigsten und grössten überhaupt: Ein Erwachsener von 70 Kilogramm Körpergewicht hat etwa 5 -6 Liter Blut in seinem Kreislauf. 55 Prozent des Blutes bestehen aus dem gelblichen, flüssigen Plasma, 45 Prozent werden gebildet von den Blutzellen, also den roten und den weissen Blutkörperchen sowie den Plättchen.
Blutzellen
Die Blutzellen stellen den festen Bestandteil des Blutes dar. Sie werden nicht im Blut selber gebildet. Sie entwickeln sich im Knochenmark der Wirbelkörper, des Brustbeines und des Beckenkamms, beim Kind auch in den grossen Gliederknochen. Das ist also die gut geschützte „Brutstätte“ der Blutzellen. Die ausgewachsenen Zellen gelangen schliesslich ins Blut, wo sie ihren Aufgaben nachgehen.
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
Der Name „Erythrozyt“ stammt aus dem Griechischen und wir gebildet aus den Wortteilen „erythros“ (rot) und „zytos“ (Zelle). Die Erythrozyten geben dem Blut die rote Farbe. Sie enthalten den Farbstoff Hämoglobin. Rote Blutkörperchen sind scheibenförmige Gebilde, die sich stark verformen können, wenn sie sich durch enge Blutgefässe (Kapillaren) zwängen müssen. Die ausgewachsenen Erythrozyten besitzen keinen Zellkern. Sie stehen dem Organismus für etwa 100 bis 120 Tage zur Verfügung und werden dann in der Milz abgebaut. Um Sauerstoff aufnehmen zu können, sind die Erythrozyten mit einer konzentrierten Hämoglobinlösung gefüllt.
Bei bestimmten Belastungen und Krankheiten (starkes Rauchen, Zuckerkrankheit verlieren die roten Blutkörperchen ihre Fähigkeit, sich zu verformen: Die notwendige Durchblutung ist nicht mehr gewährleistet, die Gefässe verstopfen und Gewebe kann absterben (Racherbein, Herzinfarkt usw.).
Weisse Blutkörperchen (Leukozyten)
Auch hier hat der Name seinen Ursprung im Griechischen (leukos = weiss). „Weiss“ nennt man diese an sich farblosen Blutzellen deshalb, weil sie, abgetrennt von den übrigen Blutzellen, eine weisse Paste ergeben. Genau genommen handelt es sich bei den weissen Blutkörperchen um einen Sammelbegriff. Es sind nämlich drei Untergruppen zu Unterscheiden:
- Granulozyten
- Monozyten (Makrophagen)
- Lymphozyten
Granulozyten und Monozyten werden wie die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ausschliesslich im Knochenmark gebildet, Lymphozyten zusätzlich in den Lymphknoten und der Milz.
Die Granulozyten enthalten charakterische Zellkern-Körnchen, daher der Name Granulozyten der vom Lateinischen „granula“ (Körnchen) abgeleitet wird. Aktiv werden die Granulozyten, wenn eine Infektion oder Entzündung auftritt.
Die Monozyten sind die grössten weissen Blutzellen. Monozyten heissen sie, weil ihr Zellkern nur aus einem einzigen Kernteil besteht. Monozyten auch Makrophagen genannt, sind „Riesenfresszellen“, die herumliegende Krankheitserreger und tote Zellen auffressen und diese in ihrem innern verdauen.
Die Lymphozyten sind im Blut nur auf der Durchreise. Sie zirkulieren ebenfalls ständig im körper, sei es, dass sie in ihr Depot wandern, das heisst in die überall im körper verteilten Lymphknoten. Von diesen Lymphknoten aus sind die Lymphozyten für die Abwehr von Krankheitserregern tätig. Sie sind gleichsam das Zentrum des Immunsystems. Die Lymphozyten haben zwei wesentliche Aufgaben zu erfüllen:
- Sie bilden gegen Feind oder Angreifer gerichtete Antikörper (ein einziger Lymphozyt kann in einer Sekunde bis zu 2000 Antikörpermoleküle bilden).
- Sie haben ein Gedächtnis und können sich an die Erreger abgelaufener Infektionen erinnern. Dieses „Gedächtnis“ nützt man, um Menschen gegen bestimmte Erreger zu schützen, zum Beispiel durch Impfung.
Blutplättchen (Thrombozyten)
Ähnlich den Erythozyten sind Thrombozyten scheibenförmige Gebilde. Blutplättchensorgen dafür, dass das Blut innerhalb der Strombahn bleibt. Kleinste Verletzungen der Gefässe, sogar risse in der Gefässwand, werden sofort mit Thrombozyten „verklebt“. Bei diesem Vorgang der Blutstillung verlieren die Thrombozyten ihre Scheibenform: sie werden kugelig und bekommen eine stachelige Oberfläche. Eine Anhäufung von Bluttplättchen (mit Beimischung von Gerinnungseiweissen) nennt man Thrombus. Diese „Blutgerinnsel“ dürfen nicht zu gross werden, da sie sonst Blutgefässe verstopfen.
Blutplasma
Ohne Blutplasma könnten die festen Blutzellen nicht durch den Körper transportiert werden. Das Plasma bildet den flüssigen Teil des Blutes. Neben Wasser (90 Prozent) und Salzen enthält das Plasma Fette, Hormone und Eiweissstoffe.
Das mengenmässig wichtigste Plasmaeiweiss ist das Albumin. Sein Anteil an den Eiweissen beträgt 60 Prozent. Albumin hat die Aufgabe, zu verhindern, dass das Blut während der Zirkulation durch die engen, an sich wasserdurchlässigen Gefässe (Kapillaren) zu viel Wasser verliert und dickflüssig wird. Ausserdem transportiert Albumin verschiedene Blutbestandteile und Nährstoffe.
Die ebenfalls im Plasma enthaltenen Immunglobuline werden von den Lymphozyten gebildet. Immunglobuline sind die eigentlichen Antikörper, die zusammen mit weissen Blutkörperchen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielen. Die Abwehr wird verstärkt durch die verschiedenen Eiweisse des Komplementsystems.
Ferner befindet sich im Blutplasma ein System von mehreren Gerinnungsfaktoren, das gemeinsam mit den Blutplättchen für die Blutstillung verantwortlich ist.
Lässt man Blut oder Blutplasma gerinnen, so erhält man Blutserum, das sich vom Blutplasma vor allem durch das Fehlen des Gerinnungseiweiss „Fibrinogen“ unterscheidet.
Lipoproteine (Fetteiweisse), als weitere Bestandteile des Plasmas, transportieren die aus Nahrung und Chloresterin. Störungen im Haushalt der Lipoproteine können zu Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Hirnschlag führen.