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Seit sich Timmys Eltern getrennt haben, lebt er bei seiner Mama. Manchmal besucht er auch seinen Vater und dessen Partnerin, dort leben möchte er nicht, weil er „Mama nicht allein lassen will“. Seine Mama liegt meistens im Bett, hat Kopfschmerzen und ist traurig. Oma kümmert sich dann um Timmy und als er fragt, was mit Mama los und ob er schuld an ihrer Krankheit sei, erzählt sie ihm ein Märchen von einer neidischen Hexe, die einen Spiegel verzaubert hatte, damit alle Menschen die Welt als so hässlich empfanden wie sie selbst. Eines Tages entdeckte ein Mann, dass es sich nur um einen bösen Zauber handelte, woraufhin die Hexe den Spiegel in tausende Stücke zerschlug. Ein paar dieser Stücke schwirren bis heute in der Welt herum, und wenn einer dieser Splitter ins Auge eines Menschen fliegt, sieht er die Welt als hässlich und traurig an.
Timmys Mama kann sich bald gar nicht mehr um ihn kümmern und schließlich beschließt sie, sich helfen zu lassen. Sie fährt für einige Zeit in ein Krankenhaus und als sie zurück kommt, hat sie gelernt mit ihrer Krankheit umzugehen.
Timmys Mama erklärt ihm in einer Szene, dass die Geschichte vom verzauberten Spiegelsplitter ein Märchen ist, das aber eine ganz gute Erklärung für ihre Gefühle darstellt. Mich als feministische Leserin überzeugt das Märchen mit der bösen Hexe gar nicht, generell finde ich es nicht notwendig, Kindern Krankheiten wie eine Depression als Märchen verpackt zu erklären.
Gut und wichtig ist das Buch dennoch. Es zeigt auf, wie Kinder (psychisch) erkrankter Elternteile die Verantwortung für deren Erkrankung übernehmen wollen und dass sie davon befreit werden müssen. Für Kinder wichtig ist auch, dass besonders psychische Krankheiten meistens nicht einfach geheilt werden, sondern dass der betroffene Elternteil sich Hilfe holen und einen Umgang damit finden muss.
Brigitte Endres und Anna Karina Birkenstock: „Mama und der verhexte Spiegel. Ein Bilderbuch über Depression“ Aracari 2020, 32 S., 14,50 Euro, ab 4 Jahren