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Seine Bücher waren bis in die 1980er-Jahre Bestseller. Heute kennen ihn nur noch Eingeweihte und Leute aus dem konservativen Lager. Und dennoch haben seine Romane immer noch politische und geschichtliche Brisanz. Bücher wie «Halleluja – Die Geschichte der USA (1977)», «Mord an Apoll, Disteln für Hagen: Bestandsaufnahme der deutschen Seele (1966)», «Cäsar lässt grüssen – Die Geschichte der Römer (1971)», «Guten Abend, Herr Fernau» oder «Sprechen wir über Preussen – Die Geschichte der armen Leute (1981)» – um nur einige seiner Werke zu nennen – erreichten Auflagen weit über die hunderttausender Grenze hinweg. Er verstand es, Romane mit einem gewissen Witz und mit süffisanten Sprüchen, aber auf historisch-korrekte Art zu verfassen. Er zog nicht mit dem Zeitgeist mit. Im Gegenteil! Er kritisierte die Gesellschaftsentwicklung auf seine Art und brachte sie auf den Punkt – und zerriss sie, indem er sie entlarvte.
Joachim Fernau wurde am 11. September 1909 in Bromberg, damals noch zum Deutschen Reich gehörend, geboren. 1920 zieht die Familie nach Hirschberg in Schlesien. Nach dem Abitur im Jahr 1929 am evangelischen Humanistischen Gymnasium in Hirschberg studierte Fernau an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin Philosophie und Geschichte, ohne dabei ein Examen abzulegen. Danach arbeitete er als Volontär in Berlin als auf Sportreportagen spezialisierter freier Journalist, vor allem für den Ullstein-Verlag und für die Telegraphen-Union. In Berlin lernte Fernau seine spätere Frau, Gabriele Kerschensteiner, Enkelin des Pädagogen Georg Kerschensteiner, kennen. Die beiden heirateten 1943.
1939 wurde Fernau zum Wehrdienst einberufen. Zuerst gehörte er einem Polizei-Bataillon in Posen an. Anschliessend folgte die Abkommandierung zur Waffen-SS. Ab 1940 wurde er dann in der SS-Standarte Kurt Eggers (Propagandakompanie) für Fronteinsätze verwendet. Zunächst wurde er an die Ostfront abkommandiert. Ende 1943 wurde er nach Paris versetzt. Bis zum Kriegsende erreichte er den Rang eines Obersturmführers (Oberleutnant). Fernau war bekannt für seine Durchhalte- und Endsieg-Artikel, welche ihm in den 1960er-Jahren harscher Kritik und Angriffe von anderen Journalisten und «Persönlichkeiten des öffentlichen Gewissens» aussetzten.
Nach dem Krieg tauchte er, nach seinen eigenen Aussagen in «Halleluja – die Geschichte der USA», für kurze Zeit unter. 1949 erfolgte dann die sogenannte «Entnazifizierung» als «nicht belastet». In München arbeitete er dann als freier Schriftsteller und Journalist, um Geld zu verdienen. Zwischenzeitlich arbeitete er noch als Redakteur in Stuttgart.
1952 erschien «Deutschland, Deutschland über alles. Von Arminius bis Adenauer (1952)», sein meistverkauftes Buch. Trotz seiner konservativen Linie und dem Zeitgeist kritisch gegenüberstehend schaffte er es, trotz dem Verschwinden aus der öffentlichen Meinung, all seine Bücher zu Bestsellern zu machen. Die Gesamtauflage seiner Bücher in den 50er- bis 70er-Jahren lag bei mehr als zwei Millionen Exemplaren. Fernau veröffentlichte auch Bücher unter dem Pseudonym John Forster. In der zweiten Hälfte der 60er-Jahre geriet Fernau zunehmend unter Druck wegen seiner Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus.
Am 24. November 1988 verstarb Joachim Fernau in Florenz. Sein Grab befindet sich auf dem Bogenhausener Friedhof in München. Zeit seines Lebens betätigte er sich auch als Kunstsammler. Er hatte als Schüler Unterricht bei dem damals bedeutenden Berliner Kunstprofessor Hermann Sandkuhl. 1996 vermachte seine Witwe Gabriele Fernau die private Sammlung im Rahmen einer Schenkung der Klassik Stiftung Weimar. Dort wurden die Bilder nach und nach restauriert und im Weimarer Stadtschloss als «Sammlung Fernau» ausgestellt.