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Gran Chaco: Problematik
Der Gran Chaco (ca. 1'000'000 km2) ist nach dem Amazonasbecken das grösste bewaldete Gebiet im Tiefland Südamerikas. Er hat ein subtropisches Klima und ist ein einzigartiges und fragiles Ökosystem aus Trockenwäldern und Savannen mit einer aussergewöhnlichen Artenvielfalt. Der Chaco ist auch Lebensraum indigener Völker (ca. 250.000 Personen): von Gruppen, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts sesshaft gemacht wurden und von Gruppen der Ayoreode, die noch ohne dauerhaften Kontakt mit der kolonisierenden Gesellschaft leben.
Sowohl das Leben und der Lebensraum indigener Völker, als auch die Artenvielfalt und das Klima im Chaco sind gegenwärtig akut durch die massive Abholzung für die extensive Viehwirtschaft und den Sojaanbau bedroht.
Paraguay zählt zu den Ländern mit der höchsten Abholzungsrate weltweit; in Lateinamerika ist es das Land mit der höchsten Entwaldung in den letzten 25 Jahren. Insgesamt wurden im paraguayischen Chaco bis zur Gegenwart 142.000 km2 abgeholzt. Gegenwärtig verliert der Chaco im Westen Paraguays 1.033 ha Wald pro Tag; im Norden Argentiniens werden 907 ha pro Tag und im Südosten Boliviens 119 ha pro Tag gerodet.
Die Konsequenzen der Abholzung und dieser sogenannten «Entwicklung» zeigen sich im Chaco bereits in ökologischer Hinsicht in der Zunahme und Verlängerung von Dürreperioden, Stürmen, dem Absinken des Grundwasserspiegels, der Bedrohung und dem Aussterben von Pflanzen- und Tierarten, der Verseuchung von Land, Wasser und Luft durch Pestizide und Agrochemikalien.
In sozialer Hinsicht ist eine Zunahme von Menschenrechtsverletzungen, sozialen Konflikten und Gewalt zu beobachten.
Ausgehend von multiplen Prozessen der Kolonisierung, durch die indigene Völker ohne Entschädigung enteignet wurden, hat sich im Chaco eine äusserst ungleiche Landverteilung etabliert, die die Grundlage wachsender sozialer Ungleichheit bildet. Während sich Siedler, Immigranten, nationale und internationale Konzerne grosse Ländereien angeeignet haben, verfügt nicht einmal die Hälfte indigener Gemeinschaften gegenwärtig über eigenes Land bzw. nur über einen Bruchteil ihrer Territorien, die sie bis in die 1930er Jahre bewohnten.
Trotz der Anerkennung indigener Rechte in der aktuellen paraguayischen Verfassung sehen sich indigene Völker wie die Ayoreo-Totobiegosode in der Realität mit ungelösten Landkonflikten und gewaltsamen Übergriffen konfrontiert. Der Staat ist per Gesetzgebung gleichzeitig sowohl zur Restitution von Land an indigene Gemeinschaften verpflichtet, als auch dazu, die gegenwärtigen Landbesitzer zu entschädigen. Da sich die Regierung jedoch in den Händen von grossen Landbesitzern und wohlhabenden Unternehmern befindet, fehlt der Wille zur Umsetzung, d.h. die erforderlichen Mittel für die Landrestitution werden nicht zur Verfügung gestellt und die Prozesse im korrupten Justizsystem über Jahrzehnte verschleppt.
Wegen der Enteignung, Verarmung und Diskriminierung brauchen indigene Gemeinschaften und Organisationen im Chaco eine permanente und starke Lobby, die Öffentlichkeitsarbeit leistet und sie bei der Vertretung ihrer Anliegen und Rechte auch finanziell unterstützt.
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