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Die Pfarrkirche in Mettmenschongau
Die neue Pfarrkirche (gelbe Kirche) und der Friedhof stehen sei 1924 in Mettmen-Schongau. Sie ist - ebenso wie die alte Kirche - dem Hl. Ulrich geweiht und feiert zusätzlich ein Titularfest an Maria Himmelfahrt. Sie wurde 2007 renoviert und teilweise umgebaut. So konnte sie den modernen Erfordernissen angepasst werden. Heute ist sie beliebt für Hochzeiten und Konzerte. Besondere Beachtung findet das beeindruckende Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof gleich hinter dem Kirchturm.
Die Pfarrkirche ist Bestand des "Kapellenweges Lindenberg". Mehr Informationen dazu gibt es im Flyer unten auf dieser Seite.

Pfarrkirche Schongau

Aus der Baugeschichte
Als Pfarrer Franz Sales Fessler am 9. November 1902 nach Schongau kam, gab es in Oberschongau eine alte Kirche aus dem Jahre 1700. Diese war veraltet und viel zu klein für die 767 Schongauer und Schongauerinnen. Zudem stand sie nicht in der Mitte der 4 Dörfer von Schongau. Pfarrer Fessler wollte bald eine neue Kirche bauen, aber die Schongauer wollten nicht.
In der Mitte der Gemeinde suchte der Pfarrer einen Bauplatz und liess sich diesen im Jahre 1911 vom Chorherr Kaspar Graf schenken. Der Bauplatz stand in Mettmen-Schongau. Bei Verwandten und Freunden sammelte Franz Fessler eifrig Geld für eine neue Kirche, und als er 100’000 Franken zusammen hatte, sagte er es den Schongauern. Diese verboten ihm, auswärts Bettelpredigten zu halten. Schliesslich seien die Schongauer Bauern wohlhabend. Da kaufte Pfarrer Fessler im November 1913 300'000 Backsteine, die gerade Aktion waren. Er liess sie an einem einzigen Tag von den Schongauer Bauern vom damaligen Bahnhof Fahrwangen gratis auf den Bauplatz in Mettmen bringen - mit Ross und Wagen natürlich.
Jetzt sahen auch die Schongauer ein, dass es ihr Pfarrer ernst meinte mit dem Kirchenbau. Sie beschlossen am 19. Oktober 1913, die Kirche in Mettmen zu bauen. Am 23. November 1913 wählten sie eine Baukommission, und wollten bereits eine Woche später - am 1. Dezember - mit dem Spatenstich ihre neue Kirche beginnen. Doch dann weiteten sich die Balkankriege zum 1. Weltkrieg aus (28. Juni 1914). Die Männer von Schongau mussten an die Grenze. Es fehlte an Geld und Arbeitskräften, um an den Kirchenbau zu denken. Als der Krieg mit dem 11. November 1918 offiziell zu Ende war, wurde alles teurer. 1918 kam eine grosse Grippe-Welle, 1920 eine Viehseuche und brachte Unheil über Haus und Stall.
Dann ging alles ziemlich schnell. Pfarrer Fessler legte eines Tages der Baukommission fixfertige Pläne von Kirche und Pfarrhaus vor. Arthur Betschon aus Baden hatte sie gezeichnet. Eine grosse Geldsammlung im Frühjahr 1922 leitete den Kirchenbau ein. Pfarrer Fessler zog von Haus zu Haus. Wer wollte, konnte ein Kirchenfenster schenken, oder ein Beichtstuhl, eine Glocke, ein Orgelregister oder gar eines der grossen Gemälde an der Kirchendecke. Die Leute machten jetzt wacker mit. Sogar aus Amerika kam eine Spende von 3000 Franken.
An Pfingsten (4. Juni) 1922 wurde an der Kirchenversammlung der Bau der Pfarrkirche einstimmig beschlossen. Am 9. Oktober 1922 wurde mit den Fundamenten begonnen. Die Arbeiten im Boden konnten am 23. Dezember beendet werden. Über den Winter wurden sie zugedeckt.
Am 29. April 1923 wurde der legendäre Grundstein gesetzt, in welchem neben zeitgenössischen Briefmarken, Münzen und Fotos auch einige Barthaare des Pfarrers ein Plätzchen finden. Zügig wurden die Mauern hochgezogen. Am 30. Juli war Aufrichte, am 15. November war auch der Kirchturm fertig gebaut.
Das Jahr 1924 stand ganz im Zeichen des Innenausbaus. Am 1. Oktober konnte das Gerüst in der Kirche entfernt werden, am 10. Oktober hielt der Kirchenchor die erste Probe und am 13. Oktober wird die Orgel eingebaut. Am 3. Dez. war Glockenweihe, tags darauf Glockenaufzug durch die Schuljugend. Der Pfarrer konnte es nicht lassen, am 22. Dezember das neue Pfarrhaus und die neue Pfarrkirche zu beziehen - vorerst mit einem „Notaltar“.
Nachdem der gottesdienstliche Betrieb bereits vor der Jahreswende endgültig aufgenommen worden war, wurde die Kirche im folgenden Jahr noch rechtens eingeweiht. Am 22. Februar 1925 wurde die Orgel eingesegnet. Und am 22. Juli fand dann die feierliche Weihe der Eingänge, des gesamten Kirchenraumes, des Taufsteins und der Altäre statt. Doch damit nicht genug der Feierlichkeiten: Am Weihetag selber feierte - wohl nicht ganz zufällig - Pfarrer Franz Sales Fessler sein silbernes Priesterjubiläum. Am folgenden Tag wurden 104 Buben und Mädchen gefirmt, ebenso eine 70-jährige Frau, die zum katholischen Glauben übergetreten war. Am 26. Juli feierte Martin Furrer von Rüdikon seinen Primizgottesdienst am neu geweihten Hochaltar.
1982 wird der Kirchturm sowie die Gebäudehülle aussen renoviert. Ein besonderes Aguenmerk schenkte man der Isolation. So wurde das ganze Deckengewölbe im Estrich mit einer doppelten Isolationsschicht überzogen. Die historischen Fenster wurden neu gefasst und doppelt verglast.
Im Jahr 2007 wurde der Kirchenraum innen renoviert. Wände und Decken wurden gereinigt, wo nötig ausgebessert und neu gestrichen. Die "Kinderbänke" im Vorderschiff wurden entfernt und durch eine grosszügige Liturgiezone ersetzt, die vom Obwaldner Künstler Hans-Peter Von Ah gestaltet wurde.
Schon gewusst:
• dass am Josefstag 1924 die Kirchenfenster eingesetzt wurden. Der 19. März wurde erst 1942 zum arbeitsfreien Feiertag - aus Dank für den unfallfreien Kirchenbau?
• dass als erstes am 24. Jan. 1925 gleich zwei Beerdigungen auf dem neuen Friedhof stattfanden: ein 38-jähriger Mann und ein 1 Tag altes Mädchen?
• dass sich bereits am 8. Januar 1925 zwei Glocken lösten und auf den Turmboden krachten?
|Kapellenweg Lindenberg Kirchen_Kapellen_Lindenberg.pdf (1256.2 kB)|