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BlueOrchard : Schwellen und Entwicklungsländer haben ihre Widerstandsfähigkeit wiederholt unter Beweis gestellt trotz wiederkehrender Covid-19-Infektionen und aufkommender Inflationssorgen.
Von Michael Wehrle, Head Investment Solutions bei BlueOrchard
Das bedachte Eingreifen von Zentralbanken zur Steuerung der Inflation, und die steigenden Impfraten könnten jedoch zu einer vergleichsweise zügigeren Konjunkturerholung dieser Länder beitragen.
Die Volatilität an den Anleihemärkten wurde in der ersten Jahreshälfte überwiegend vom Anstieg der Renditen für US-Treasuries und der steigenden Inflation bestimmt, wohingegen die Volatilität des Credit-Spread-Niveaus geringer ausfiel. Dementsprechend fiel der durchschnittliche Spread für Schwellenländeranleihe mit BBB-Rating relativ eng aus – mit einer Spanne von 185 bis 210 Basispunkten. Im Gegensatz dazu stiegen die Zinssätze für US-Staatsanleihen deutlich an. Die Performance von Anleiheportfolios wurde daher eher durch das Durationsrisiko als durch das Kreditrisiko angetrieben.
Gemäss des IWF wird für 2021 ein Weltwirtschaftswachstum von sechs Prozent, und für 2022 von 4,9 Prozent prognostiziert. Die Weltwirtschaft hat sich im ersten Halbjahr 2021 schnell erholt. Dennoch können die zunehmenden Covid-19-Infektionen dazu führen, dass die Schritte in Richtung Normalisierung und die vollständige Erholung in einzelnen Ländern unterschiedlich ausfallen. Die Entwicklung im vergangenen halben Jahr hat jedoch gezeigt, dass sich sowohl Industrie- als auch Schwellen- und Entwicklungsländer trotz einer deutlichen Infektionswelle erneut erholen können. Diese Widerstandsfähigkeit und die steigenden Impfraten unterstützen die positiven Aussichten für Schwellen- und Entwicklungsländer. Länder wie beispielsweise Indien, welches von der 2. Welle der Pandemie aus gesundheitlicher Sicht besonders hart getroffen wurde, dürfte sich aufgrund der erwarteten weniger starken Einschränkungen der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte und dank gezielter struktureller Massnahmen der Zentralbank und Regierung weiter erholen.
Derzeit neigen die Zentralbanken dazu, ein bestimmtes Inflationsniveau zu akzeptieren, um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefährden. Daher wird ein mässiger Anstieg der Steilheit der Zinsstrukturkurve sowie ein höheres Inflationsniveau für wahrscheinlich gehalten. In den Schwellenländern zeigt sich, dass einige Zentralbanken bereits aggressiver auf die Inflationssorgen reagieren und die Zinssätze schneller anheben mit dem Risiko die wirtschaftliche Erholung zu verlangsamen. Dies ist beispielsweise in Brasilien, Russland und Ungarn der Fall. Doch dem Markt ist dieses Risiko bewusst. Eine klare Kommunikation der Zentralbanken über ihre Geldpolitik wird generell entscheidend sein.
Trotz der Risiken für die Weltwirtschaft, die sich aus der Covid-19-Delta-Variante, den Einschränkungen und dem teilweisen Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in den globalen Versorgungsketten sowie aus den möglichen Zinserhöhungen ergeben, wird weiterhin optimistisch eine globale Erholung erwartet. Für Impact- und Green-Bond-Portfolios gibt es mehr Chancen in Schwellenländeranleihen als in Anleihen aus Industrieländern.
Innerhalb der Schwellen und Entwicklungsländer werden aufgrund ihrer geringeren Zinssensitivität Anleihen mit höheren Renditen bevorzugt. Einen besonderen Fokus sollte dabei auf Länder und Sektoren gelegt werden, welche nicht übermässig abhängig sind von der aussergewöhnlichen Liquiditätslage in den Finanzmärkten wie derzeit beispielsweise Chile oder gewisse Länder in Osteuropa. Weiter sind Titel deren Bewertung vor allem auf unkorrelierten idiosynkratischen Risiken basiert gefragt. Eine bedachte Auswahl von Anleihen und eine Diversifizierung des Portfolios innerhalb des wachsenden Universums von Impact-, Social- und Green-Bonds sind jedoch nach wie vor wichtig, um die bestehenden Risiken zu adressieren.
Quelle: BONDWorld.ch