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Da steht ein roter Renault Dauphine, ganz normal, wie ihn jeder kennt. Vielleicht etwas ungewöhnlich die knallrote Lackierung. Wir sahen dieses Fahrzeug in einem Museums-Depot, in dem zahlreiche Raritäten untergebracht sind. Da beachtet man einen Renault Dauphine eigentlich nicht, wäre da nicht der Schriftzug auf dem vorderen Kotflügel. KILOWATT steht da in Chromlettern geschrieben. Das wirft natürlich Fragen auf. Der Renault Dauphine ist ein französischer Kompaktwagen, von 1956 bis 1968 in unterschiedlichen Varianten gebaut. Es gab den Ondine (deutsch Nixe), eine ‚luxuriöse‘ Version, dann natürlich für die sportlicheren Fahrer den Gordini und für den Rennsport das Modell 1093, mit immerhin 49 PS. Das ist aber alles bestens bekannt. Aber ein Modell KILOWATT? Noch nie gehört davon.
Die Erklärung kam dann vom fachkundigen Personal. Renault hatte mit seinen Modellen in den USA eher mässigen Erfolg, wie so viele Europäer, und versuchte, mit dem Dauphine in den Markt einzusteigen. Das misslang gründlich, das Händlernetz war nicht professionell genug und die Ersatzteilversorgung war miserabel. So kann kein Autohersteller Erfolge verzeichnen, schon gar nicht in den USA, wo in den späten Fünfzigerjahren Grösse zählte, bei der Karosserie wie auch den Motoren. Man denke an die mächtigen Heckflossen von fast allen Herstellern und V8-Motoren mit mehreren Litern Inhalt. Da hatte es der kleine Dauphine aus dem fernen Frankreich wirklich schwer. Es wurde nach Lösungen gesucht und Renault fand in der Henney Motor Company einen Partner. Henney war früher im Kutschenbau tätig und baute auch viele Bestattungsfahrzeuge, vor allem auf Packard Chassis. Es kam zum Deal und Henney orderte 100 Renault Dauphine, ohne Antriebseinheit. Bei Henney wurden die Fahrzeuge dann mit einem Elektroantrieb ausgerüstet.
Es gab zwei Modellvarianten. 1959 waren alle Fahrzeuge mit 36 Volt-Elektromotoren ausgerüstet, gedacht für den innerstädtischen Betrieb. Die 18 2V-Batterien hatten aber zu wenig Kapazität und so rüstete man die späteren Modelle ab 1960 mit 12 6V-Batterien aus, die Reichweite stieg aber von 40 auf nur 60 Meilen. Dass das kein Erfolg war erklärt sich von selbst. Damals kostete der Liter Benzin in den USA ein paar Cent und auch bei hohem Konsum hatten die Fahrzeuge amerikanischer Provenienz ein Mehrfaches an Reichweite. Wer wollte sich also damals mit einem kleinen Elektrofahrzeug aus Europa herumschlagen. So blieb der Henney KILOWATT ein Exot und ging schon bald in Vergessenheit. Aber es gibt noch ein paar wenige Exemplare, die überlebt haben, wie das hier gezeigte Fahrzeug aus der Sammlung des PS.SPEICHER im deutschen Einbeck. All diejenigen, die im Elektrofahrzeug die Zukunft sehen müssen feststellen, dass es die Zukunft bereits in der Vergangenheit gab – aber bisher ohne wirklichen Erfolg, ausgenommen vielleicht Tesla.