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Am 16. und 17. November 2017 führte die Bundeskanzlei im Auftrag des Bundesrates eine Strategische Führungsübung 2017 (SFU 17) durch. Das Thema der Übung war ein Terrorangriff auf die Schweiz. Die SFU 17 wurde in enger Kooperation mit dem Kanton Genf durchgeführt. Im Krisenszenario gab es Terroranschläge in Genf und auf das Kernkraftwerk Mühleberg sowie eine Geiselnahme im Gebäude der UNO in Genf.
Strategische Reflexion
Strategische Führungsübungen haben zwei Funktionen: Sie erlauben eine Reflexion in der Bundesverwaltung auf strategischer Ebene zu einer ausserordentlichen Lage, wobei vom Bundesrat klare Entscheidungen verlangt werden. Andererseits überprüft eine SFU die interdepartementale Koordination in einer komplexen Krise.
Das Szenario der SFU 17 beschrieb zeitlich gestaffelt einen Bombenalarm mit erfolgreicher Entschärfung des Sprengsatzes am Flughafen Genf, einen Terroranschlag mit vielen Toten und Verletzten im unterirdischen Bahnhof Eaux-Vives in Genf sowie eine erpresserische Geiselnahme in der UNO in Genf. Zudem wurde durch einen Sabotageakt die Stromversorgung des Kernkraftwerks (KKW) Mühleberg unterbrochen und so ein Störfall verursacht. Das Szenario schilderte Angriffe der fiktiven Terrororganisation Global Liberation Front (GLF) auf die Schweiz.
Anspruchsvoll war die gleichzeitige Bewältigung einer potenziellen radioaktiven Verstrahlung im Raum Bern, von Terroranschlägen in Genf und von einer anhaltenden Geiselnahme in der UNO in Genf.
Eine etwas andere Übung
Diese SFU war in mancherlei Art anders: Es gab keine vorbereitenden Veranstaltungen, in welchen die Teilnehmenden sich auf die Übung hätten vorbereiten können. Bekannt war allein das Datum mit einigen übungstechnischen Angaben. Vielleicht war es dann auch eine Neugier auf Unerwartetes oder die Motivation zum Üben durch die Übungsleiterin Bundespräsidentin (2017), Doris Leuthard, welche das Engagement schürten: Der Bundesrat kam im Laufe der Übung zu zwei ausserordentlichen Sitzungen zusammen und beschloss die Wiedereinführung der Grenzkontrollen und die Unterstützung der zivilen Behörden durch Angehörige der Armee.
Um 14.30 Uhr wandte sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga in Genf mit einem Statement ein erstes Mal an die Öffentlichkeit. Nach der ersten Bundesratssitzung fand die erste offizielle Medienkonferenz mit Bundespräsidentin Doris Leuthard in Bern statt. Während der Übung wurden tausende E-Mails von den Teilnehmenden in den verschiedenen Verwaltungseinheiten ausgetauscht, 26 Krisenstäbe waren im Einsatz, und die Beobachtenden lobten die „positiv ernsthafte“ Stimmung in den Krisenstäben.
Es war auch das erste Mal, dass eine SFU so eng zusammen mit einem Kanton, namentlich dem Kanton Genf durchgeführt wurde. Diese enge Zusammenarbeit mit dem Kanton Genf in der Vorbereitung und Durchführung der Übung erwies sich als besonders wertvoll, weil die Schnittstellen zwischen dem Kanton und dem Bund bei einem solchen Ereignis getestet werden konnten.
# hashtag Terror in Bern und Genf
Eine Premiere war auch der intensive Einbezug von Sozialen Medien: Ein Team simulierte auf einer Website die Social Media Community und forderte die Teilnehmenden zum Reagieren heraus. Ein Wirrwarr aus Emotionen, Gerüchten und Berichten von Augenzeugen wurde über die Übungswebsite geschaffen:
07:15 Der erste Post: @Tourdumonde: «Ruban de police et plusieurs policiers à #GeneveAeroport #GVA»
09:11 Die Terroristen kommunizieren auch über die Sozialen Medien: Bösartig melden sie: «GVA you got lucky today. YOUR TIME WILL COME. rainofFIRE»
14:30 @Alertswiss: Lage in #Mühleberg weiterhin stabil. Die UserInnen glauben’s nicht: @Ferdinandli_32: «Ich trinke kein Wasser mehr aus dem Hahn!»
05:04 Im Drehbuch wurde doch noch eine Geisel umgebracht. Die ganze Welt ist entsetzt! #FightTerror
Die Medienzelle bereitete für die SFU 17 fast 5‘000 Posts vor, ein Bruchteil, von dem, was in der Realität passieren würde, doch genug um eine die Medienwelt abzubilden.
Auswertung
Eine alte Metapher aus der Seefahrt besagt, dass man bei rauer See und schlechter Sicht fünf Dinge braucht: Die Kenntnis des eigenen Standortes, eine klare Bestimmung des anzusteuernden Zieles, einen funktionstüchtigen Kompass, zuverlässigen, stetigen Antrieb und natürlich erstklassige Kapitäne und Lotsen. So sind es dann auch oft die gleichen Führungsgrundsätze, die ein effektives Krisenmanagement auszeichnen.
Als für die Krisenbewältigung in der SFU 17 wirksames Instrument erwies sich die Einsetzung eines interdepartementalen Ad-hoc-Krisenstabs, welcher von der 2017 amtierenden Bundespräsidentin geleitet wurde und dem Schlüsselpersonen aller Departemente angehörten. Er trug dazu bei, die Informationen der verschiedenen Behörden zu vervollständigen und ihr Vorgehen aufeinander abzustimmen.
Bei den sich überschlagenden Ereignissen war es für die Teilnehmenden eine grosse Herausforderung, sich ein umfassendes und für die strategische Ebene zweckmässiges Bild der Krisenlage zu verschaffen. Zudem kam es aufgrund von Unklarheiten bei einzelnen Abläufen im Krisenmanagement zu Verzögerungen in der Entscheidfindung.
Nach der Übung ist vor der nächsten Übung
Die alle vier Jahre stattfindende SFU ist neu in der Planung wie auch in der Durchführung mit der Sicherheitsverbundsübung (SVU) verknüpft. Bis Ende Jahr sind die Departemente und die Bundeskanzlei nunmehr gefordert, die Empfehlungen aus der SFU 17 umzusetzen und sich für die im November 2019 stattfindende Sicherheitsverbundsübung (SVU 19) fit zu machen. Die SVU 19 wird auch dazu genutzt, auf operativer Ebene einzelne Aspekte zu der Übungsanlage der SFU 17 zu vertiefen.
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