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Stimmts? Wer viel trainiert, der tut seiner Gesundheit was Gutes.
In meinem letzten Block Ultra-Running und gesundheitliche Probleme habe ich mich bereits mit dem Zusammenhang von Gesundheit und hohen Trainingsumfängen im Laufsport auseinandergesetzt. Das Fazit dort: Wer viel läuft, hat statistisch gesehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, gesünder als der Durchschnittsbürger zu sein. Grundsätzlich stimmt hier der Spruch Viel hilft viel sehr wohl. Trotzdem hält sich in der breiten Masse die Meinung, wer viel läuft, oder es grundsätzlich mit der Fitness übertreibt, der schädigt sich mehr, als Gutes für die eigene Gesundheit zu tun. Warum ist das so? Und, stimmt das überhaupt?
Ich sehe zwei Ursachen für dieses Verhalten:
- Die Leute hängen lieber bequem auf dem Sofa rum und rechtfertigen ihr eigenes Verhalten damit, dass sie das von Fitnessenthusiasten und Ausdauerfreaks schlechtreden.
- Informationen, die Punkt 1 unterstützen, werden aufgesaugt und mit grossem Elan unhinterfragt verbreitet.
Eine Informationsquelle dieser Art war der Beitrag Running and All-cause Mortality Risk – Is More Better auf einer Konferenz 2012 in San Francisco. Der auf vorläufigen Daten beruhende Beitrag hat stattliche 52’656 Probanden einbezogen und kommt zu der Schlussfolgerung: Running distances of 0.1-19.9 miles/week, speeds of 6-7 miles/hour, or frequencies of 2-5 days/week were associated with a lower risk of all-cause mortality, whereas higher mileage, faster paces, and more frequent running were not associated with better survival. Mit anderen Worten: moderates Lauftraining verringert die Sterblichkeit, wer mehr trainiert hat die gleiche Sterblichkeit wie Couchpotatoes. Zwar kommen die Teams um den Lead-Autor D.C. Lee später zu einer anderen Einsicht (z. B. in Running and Mortality: Is More Actually Worse?, erschienen 2016 in Mayo Clinic Proceedings: […] we should emphasize that “even a little is great” rather than debating whether “more is better or worse” from a public health perspective.), aber das gefällt den Couchpotatoes natürlich gar nicht, weshalb es gerne übersehen wird.
Ja, es stimmt: Aus gesundheitlicher Sicht gibt es kein Zuviel an Fitness
Zu der Tatsache, dass die ursprüngliche Aussage, zu viel Training sei schlecht, auf vorläufigen Daten beruhte und später von den Autoren relativiert wurde, gesellen sich neue Studien, die ein anderes Bild zeichnen. Eine Publikation dazu ist Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality Among Adults Undergoing Exercise Treadmill Testing, erschienen 2018 in JAMA Network Open. Hier wurden die Untersuchungsdaten von 122 ’007 Probanden ausgewertet, um die Frage nach dem Zusammenhang von kardiovaskulärer Fitness und Sterblichkeit zu klären.
Die Studie kommt meines Erachtens nach zu zwei interessanten Ergebnissen. Zum einen wird gezeigt, dass bessere Fitness (z. B. in der Form eines höherem VO2max) mit einer geringeren Sterblichkeit korreliert. Zusätzlich kommt die Studie aber noch zu dem Ergebnis, dass es für diesen Effekt keine Obergrenze gibt. Mit anderen Worten, je mehr Fitness, desto besser und zwar auch dann noch, wenn wir uns in die Extrembereiche von Elitesportlern vorwagen. Wörtlich kommt die Studie zu dem Schluss Increased CRF* was associated with reduced long-term mortality with no observed upper limit of benefit.
Mein Fazit
Für mich ist es natürlich nicht einfach unvoreingenommen solche Studien zu lesen und zu interpretieren. Es erscheint mir aber logisch und stimmt absolut mit meiner Erfahrung überein, dass die Personen, die sich mehr Bewegen und dadurch grundsätzlich fitter sind, auch die gesünderen sind und damit eine bessere Lebenserwartung haben. Allen Couchpotatos sei daher ans hoffentlich noch nicht vollständig verfettete Herz gelegt rauszugehen und sich zu bewegen. Es muss ja nicht gleich ein Marathon sein. Aber lasst in jedem Fall uns (Ultra-)Läufern und Ausdauersportlern den Spass an unseren Aktivitäten. Seien sie noch so extrem, sie sind deswegen noch lange nicht schädlich, im Gegenteil.
*) cardiorespiratory fitness