Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03574.jsonl.gz/1231

Die Rekonstruktion der ersten marinen Überflutung (Transgression) nach der Herzynischen Gebirgsbildung auf das Vindelizische Land, eine Hochzone, die das Germanische Becken im Norden von der Tethys im Süden trennte, hat die Geologen seit dem 18. Jahrhundert beschäftigt. Generell wird angenommen, dass der Bereich der heutigen Zentralschweiz am Südende des Germanischen Beckens lag und weiter südlich die Vindelizische Schwelle, eine Landfläche, lokalisiert war.
Die Klärung von Zeitpunkt und Richtung der marinen Überflutung setzt voraus, dass die ersten marinen Sedimente auf dem Kristallin der Zentralschweiz möglichst genau altersmässig datiert werden müssen. Die genaue Datierung der Sedimente erlaubt es sowohl Paläorelief wie auch Richtung der Transgression zu bestimmen.
Da marine Organismen in diesen Sedimenten fehlen wurde einerseits ein Referenzprofil in der Nordschweiz, die Bohrung Weiach, benutzt und andererseits Methoden wie die Sequenzanalyse, die Chemostratigraphie basierend auf stabilen Kohlenstoff-Isotopen und die Palynologie angewendet.
Das Referenz-Profil der Bohrung Weiach zeigt nun, dass die marine Transgression in der Nord-Schweiz gleichzeitig wie im Osten, der sog. Schlesischen Pforte, erfolgte und nicht wie bis anhin erst ein paar Millionen Jahre später. Dies könnte auch bedeuten, dass neben dem Durchlass im Osten gleichzeitig auch im Westen eine Verbindung zum Tethys-Ozean existierte. Im Raum Zentralschweiz sind die zugänglichen Lokalitäten, wie Scheidnössli, Limmernsee, Obersand und Val Punteglias im Detail sequenzstratigraphisch, chemostratigraphisch und palynologisch in Bearbeitung.