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Schadstoffbelastung zwischen Visp und Niedergesteln - Neue Ergebnisse
Die Schadstoffbelastung zwischen Visp und Niedergesteln Neue Ergebnisse Die Schadstoffuntersuchungen zwischen Visp und Niedergesteln gehen weiter. Sie führten zum Nachweis einer Quecksilber-Belastung bei Raron, auf der Südseite der Kantonsstrasse, sowie einer Belastung des Grundwassers durch 1,4-Dioxan talabwärts von Visp.
Fortgesetzte Untersuchungen zur Quecksilberbelastung im Boden
Im Rahmen der laufenden Untersuchungen der Böden zwischen Visp und Niedergesteln werden gegenwärtig auch die beiden Campingplätze in Turtig, südlich der Kantonsstrasse, analysiert, mit den folgenden Zwischenergebnissen: von 93 Proben wiesen 62 keine Belastung auf (<0.5 mg/kg), 24 zeigten eine Belastung zwischen 0.5 und 2 mg/kg, 3 eine Belastung zwischen 2 bis 5 mg/kg und deren 4 eine Belastung zwischen 5 bis 11 mg/kg. Zur Erinnerung: der von der Altlasten-Verordnung vorgegebene Sanierungswert liegt bei 5 mg/kg. Die Betreiber der Campingplätze wurden vorsorglich gebeten, darauf zu achten, dass an den Stellen mit mehr als 2 mg/kg keine Zelte mehr aufgestellt werden und diese auch nicht als Spielplätze genutzt werden. Genauere Informationen werden folgen, sobald die von der Lonza beauftragten Ingenieurbüros die Untersuchungen abgeschlossen und der Dienststelle für Umweltschutz (DUS) den diesbezüglichen Bericht vorgelegt haben.
Bei den laufenden Untersuchungen hat sich auch die Belastung der Wiesen unmittelbar westlich der Lonza, welche im Eigentum der Lonza sind, bestätigt. Die Lonza hat ihren Pächter angewiesen, die Böden in Kanalnähe mit einer Quecksilber-Konzentration über dem Sanierungswert (20 mg/kg für landwirtschaftliche Nutzung) nicht zu bewirtschaften.
Belastung des Grundwassers durch 1,4-Dioxan
Im Rahmen der Grundwasserüberwachung, die der Kanton anlässlich des Baus der Autobahn A9 eingerichtet hat, wurden im Grundwasser, in der Nähe der Abwasserreinigungsanlage Visp, 1,4-Dioxan-Belastungen von 770 und 530 µg/l nachgewiesen. Nach Erhalt dieser Ergebnisse führten die Dienststelle für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (DVSV) und die DUS erneute Analysen durch und nahmen Kontakt mit den Bundesämtern auf, um Massnahmen für das weitere Vorgehen festzulegen. Die neuen Ergebnisse bestätigen eine Belastung des Grundwassers talabwärts von Visp.
Erste Abklärungen im Trinkwasser durch die DVSV haben erhöhte Werte in zwei privaten Brunnen der Region ergeben (34 und 18 µg/l), welche dem Trinkwassernetz der Gemeinde Visp nicht angeschlossen sind. Die Gemeinde Visp hat für die betroffenen Bewohner die notwendigen Massnahmen sofort eingeleitet und versorgt diese nun mit Trinkwasser aus dem Gemeindenetz. Das Trinkwassernetz der Gemeinde ist von der Belastung nicht betroffen. Die DVSV trifft im Moment weitere Abklärungen betreffend den 1,4 -Dioxangehalt in Trinkwasserbrunnen entlang der Rhone.
Es wurden auch Analysen im Grundwasser entlang der Rhone durchgeführt, mit Ergebnissen zwischen <0.05 und 1.7 µg/Liter. Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit den Werten, die im Rahmen der Grundwasserüberwachung NAQUA an anderen Orten in der Schweiz festgestellt wurden: 2012 lagen diese für Grundwasser, das von versickerndem Flusswasser gespeist wird, zwischen <0.05 et 1.5 µg/Liter.
Da die Lonza AG in ihrer Produktion 1,4-Dioxan einsetzt, verlangte die DUS von der Firma, dass sie systematische Kontrollen durchführt und die Einleitung von 1,4- Dioxan in das Abwasser reduziert. Ausserdem wurde die Lonza im Rahmen der von der DUS gemäss Altlasten-Verordnung angeordneten technischen Untersuchungen verpflichtet, den Grundwasser-Schadstoffquellen auf ihrem Werkgelände nachzugehen.
Die betroffenen Dienststellen führen zurzeit weitere Untersuchungen durch.
Allgemeine Informationen zu 1,4-Dioxan und den geltenden Normen
1,4-Dioxan ist eine farblose, und sehr gut wasserlösliche, organische Substanz. Trotz des ähnlichen Namens, hat 1,4-Dioxan nichts mit den Dioxinen zu tun. 1,4- Dioxan ist ein sehr vielseitig verwendbares Lösungsmittel, das etwa zur Herstellung von Farben und Lacken, Waschmitteln und Reinigungswirkstoffen, Kosmetika, Insektiziden und Herbiziden etc. eingesetzt wird. 1,4-Dioxan wird auch als Stabilisator für chlorierte Lösungsmittel verwendet. Vom Internationalen Krebsforschungszentrum (IARC) wird 1,4-Dioxan der Kategorie 2B zugeordnet Die schweizerische Gesetzgebung kennt keinen Grenzwert für 1,4-Dioxan, weder im Trinkwasser, noch im Grundwasser oder im Abwasser.
Die WHO empfahl 2005 einen spezifischen Grenzwert von 50 µg/Liter für das Trinkwasser. Auf der Grundlage neuerer toxikologischer Erkenntnisse empfahl das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am 29. April 2014, Wasserfassungen mit 1,4-Dioxan-Konzentrationen von über 6.6 µg/Liter zu schliessen und für Wasserfassungen mit Konzentrationen ab 0.66 µg/Liter nach verhältnismässigen Lösungen zu suchen.
Die den chemischen Betrieben 2010 erteilten Bewilligungen, die bis 31. Dezember 2015 gültig sind, legen keinen spezifischen Grenzwert für 1,4-Dioxan im Abwasser fest. In Einklang mit der kantonalen Richtlinie vom 24. Juni 2008 über Mikroverunreinigungen sehen die Bewilligungen für "übrige Substanzen" (d. h. für Substanzen, für welche die Bewilligung keinen Grenzwert festlegt) vor, dass die Unternehmen in eigener Verantwortung eine Prioritätenliste erstellen und dafür sorgen, dass die eingeleiteten Frachten höchstens so gross sein dürfen, dass die Konzentrationen nach Verdünnung in der Rhone unterhalb des Grenzwertes für Trinkwasser und den PNEC-Werten («Predicted No-Effect Concentration») für den aquatischen Lebensraum liegen.