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Ein neues „wahres Märchen“:
Es war einmal ein gewisser Herr Kremer, der am 5. März 1512 in Flandern zur Welt kommt. Sein Vater ist Schuhmacher. Trotz der einfachen Herkunft kommt Herr Kremer durch seinen Onkel, einen Priester, zu einer guten Bildung. Er kann sogar an der Universität Löwen studieren. Doch das Gebiet, auf dem er schliesslich heimisch werden wird, ist weder die Theologie noch die Philiosophie, sondern die Geographie. Es ist das Zeitalter der Entdeckungen, daher besteht in Europa eine grosse Nachfrage nach Land- und Seekarten, die durch den Buchdruck neuerdings auch in grossen Auflagen hergestellt und verbreitet werden können. Zwischen 1535 und 1537 baut Herr Kremer zusammen mit zwei anderen Herren einen Erdglobus und einen Himmelsglobus. Wenig später veröffentlicht er sein erstes eigenes Werk – eine Karte des biblischen Palästina. Damit beginnt seine Karriere. Herr Kremer fabriziert Karten und Globen, deren Qualität und Präzision die Leute in Staunen versetzen. 1569 legt er sein Meisterwerk vor, eine Weltkarte aus 18 separaten Blättern. Herr Kremer entwickelt eine Methode, die bekanntlich kugelförmige Erde möglichst genau auf eine Fläche zu übertragen, die im Prinzip heute noch angewandt wird. Vom Schweizer Schulatlas bis zu den Weltraumkarten der NASA – ohne den Sohn eines flandrischen Schuhmachers, der übrigens während der Religionskriege als „Lutheraner“ drei Monate in Haft sitzt, sähe alles anders aus. Am 2. Dezember 1594 stirbt Herr Kremer in Duisburg (damals noch eine verschlafene Kleinstadt).
Er hiess Gerhard Kremer oder Krämer, legte sich jedoch, wie viele Gelehrte zu seiner Zeit, einen lateinischen „Künstlernamen“ zu: Gerhard Mercator. Jetzt bei buchplanet.ch: Der Weltbeschreiber von Nicholas Crane.