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Spaziert man über den Andreas-Platz, den „Andrese-Märt“, so bemerkt man anhand der in den Boden eingelassenen farbigen Bsetzisteine die Umrisse einer ehemaligen Kapelle. Es stand dort also eine dem heiligen Andreas geweihte Kapelle.
Der Andreasplatz mit Kirche, Zeichnung von Reinhard Keller (1790)
Wer war dieser Andreas? Andreas war der Bruder von Simon Petrus und wie Petrus von Beruf Fischer am See Genezareth. Die beiden Brüder folgten später Jesus Christus und gehörten dem Kreis der 12 Jünger an. Nach dem Tod von Christus reiste Andreas als Apostel bis nach Griechenland und verkündete unterwegs das Christentum. In Patras endete seine Tätigkeit; er wurde verhaftet und an ein schräges Holzkreuz geschlagen. Dermassen gekreuzigt erlitt er den Märtyrertod.
Das Schrägkreuz wird seither Andreaskreuz genannt. Die Schotten, denen Andreas als Schutzpatron gilt, haben das Andreaskreuz als ihr Wappen übernommen. Das schottische Andreaskreuz bildet in der Verschmelzung mit dem englischen Georgskreuz die „Union Jack“.
Zurück zum Andreas-Platz! Im untern Stadt-Teil, im Birsigtal, wurde im 11. Jahrhundert, gestiftet vom Bischof als Stadtherrn, die St. Andreaskapelle gebaut. Etwas später erhielt die Kapelle den Status einer Pfarrkirche mit Bestattungsrecht und Friedhof. Ende des 13. Jahrhunderts wurde sie dem oberhalb auf dem Hügel liegenden Petersstift übergeben.
Es ist anzunehmen, da Andreas auch der Schutzpatron der Fischer und Metzger war, dass die Kapelle vorerst diesen Berufen diente. Doch der Einfluss der Krämer vergrösserte sich in der untern Stadt. Aus Mitgliedern der Genossenschaft der Krämer bildete sich eine Laienbruderschaft, die verantwortlich war für die regelmässige Begehung kirchlicher Handlungen, für die Sorge von Armen und Kranken und für deren Grablegung.
Im 13./14. Jahrhundert, mit dem Entstehen des Zunftwesens, geriet die Andreaskapelle in den Einflussbereich der Safranzunft. Durch die Stiftung einer Krämerwitwe erhielt die Safranzunft das Vorschlagsrecht bei der Wahl des Kaplans. Ab dann war die Kapelle der Safranzunft vorbehalten. Die Laienbruderschaft der Andreaskapelle wurde zur St. Andreas-Bruderschaft der Safranzunft. Diese sorgte neben den andern Aufgaben auch für die Besoldung des Priesters.
Mit der Reformation und der Überführung kirchlichen Besitzes in privates Eigentum stand die Kapelle zuerst leer, dann wurde sie von der Safranzunft als Lagerhalle benutzt. Unter anderem wegen der Lagerung feuergefährlicher Stoffe, aber auch weil die Kapelle nicht mehr unterhalten wurde, erwirkten die umliegenden Anwohner 1792 den Abbruch des Gebäudes. Damit verschwand das älteste Wahrzeichen der Safranzunft. Es entstand dagegen ein freier Raum, der „Andrese Märt“.
1923 wurde von einigen Zunftbrüdern der Safranzunft die Idee der St. Andreas-Bruderschaft wieder aufgenommen. Diese Zunftbrüder waren unter der Leitung von Paul Koelner an Festspielen als Laienschauspieler aufgetreten und wollten nach dem Auslaufen der Spiele ihren entstandenen Freundeskreis beibehalten und festigen. Sie bildeten die neue St. Andreas-Bruderschaft. Sie fixierten die Mitgliederzahl auf maximal 24 Zunftbrüder und bestimmten, dass man sich nicht um Mitgliedschaft bewerben kann. Die Mitgliedschaft wird von der Bruderschaft angetragen. Wenn im Mittelalter die Laienbrüder der St. Andreas-Bruderschaft christlich-religiöse Pflichten übernommen hatten, so setzten sich die Brüder des 20. Jahrhunderts die Freundschaft unter Zunftbrüdern zum Ziel und bezwecken, das Zunftleben in geistiger und kultureller Beziehung zu fördern und zu unterstützen.
Seit 1923 geht die Bruderschaft, im Andenken an St. Andreas und die im Mittelalter tätigen Laienbrüder, dieser neuen Leitlinie nach und trifft sich einige Male pro Jahr zu einem kulturellen Anlass, einem „Mähli“ oder einem „Bummel“.
MGR 22.07.2004