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Die Spanier nennen ihn Caganer. Er ist lediglich zehn Zentimeter gross und trägt die traditionelle Kleidung eines katalanischen Bauern: weisses Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln, schwarze Hose, roter Gürtel, Schärpe und rote Mütze. Caganer bedeutet in der katalanischen Sprache so viel wie «kleiner Scheisser» und ist nicht nur ein Kosewort für Babys. Man findet die aus Durexina hergestellten Figuren in vielen spanischen Shops. Nur wer eine von ihnen in die Hand nimmt und dreht, sieht, dass der kleine Scheisser die Hosen heruntergelassen hat und sein Geschäft verrichtet. Ein ordentlicher Haufen türmt sich unter seinem nackten Hintern. Wer zum Teufel kauft solche Figuren? Und wo stellt man sie zu Hause auf?
In Katalonien platziert man sie in Weihnachtskrippen. Wer glaubt, die katholische Kirche würde Protest einlegen, täuscht sich. Sie sieht die Anwesenheit des Caganers bei der Geburt Jesu als Glücksbringer, denn die Figur düngt nicht nur die Erde (und lässt auf eine gute Ernte hoffen), sondern symbolisiert auch den ewigen Kreislauf der Natur. Der Caganer steht bzw. hockt für einen gesunden Körper, «menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!» (Iss gut, scheisse kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!).
Entstanden ist diese Krippenfigur wahrscheinlich im 16. Jahrhundert. Bei etlichen Kindern ist die Suche nach dem Caganer immer noch ähnlich beliebt wie die Suche nach den Ostereiern. Wo ist er in diesem Jahr versteckt? Zwischen Ochs und Esel oder unter einem Heuballen?
Den kleinen Scheisser gibts mittlerweile in Hunderten Variationen, mit den Köpfen von Prominenten aus Sport, Film, Geschichte und Politik. Wie alle christlichen Bräuche, von Halloween über Allerheiligen, Ostern, Santa Claus bis Weihnachten, liess sich auch der Caganer bestens kommerzialisieren. Da der Markt irgendwann gesättigt war, musste eine weitere Figur her. Sie kam in Form des Pixaners, ein urinierender Verwandter des Caganers. Und da «alle Menschen gleich geschaffen» sind, gibt es auch König Charles III. und den Papst als Caganer und selbst Maria, Josef, die Hirten und die drei Könige gehen mittlerweile in die Hocke und düngen in Katalonien den Boden weihnächtlicher Krippen.