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Russlands Ambitionen in der Arktis sind schon seit jeher gross gewesen. Denn ein wesentlicher Teil des Landes liegt über dem Polarkreis. Nicht nur wirtschaftlich und militärisch, sondern auch wissenschaftlich sind die arktischen Regionen wichtig. Besonders die Inselwelten wie Franz-Josef-Land sind schon seit jeher von grosser Bedeutung gewesen. Auf diesem Archipel wurde auch die erste sowjetische Forschungsstation, aufgebaut. Ein neuerschienenes Buch nimmt uns mit auf eine Zeitreise in diese Ära und erzählt von Freud, Leid, Leben und Liebe in der Arktis.
Herausgegeben von einem unabhängigen Experten zur sowjetischen Geschichte des Franz-Josef-Landes, ist dieser Band ein ganz besonderes Buch. Der nördlichste Archipel der europäischen Arktis kann nicht viel Literatur vorweisen. Abgesehen von klassischen Reiseberichten von Frederick G. Jackson und Anthony Fiala umfasst die Liste der spezifischen Monographien zu diesem Thema kaum mehr als vier Titel. 1930 fertigte der prominente norwegische Geologe Gunnar Horn zunächst sein umfassendes Werk „Franz-Josef-Land“ an. Fünfundsechzig Jahre vergingen danach, bis das Norwegische Polarinstitut eine Sammlung internationaler Studien unter demselben Titel veröffentlicht hatte. 2011 legte der russische Verlag „Paulsen“ eine gemeinsame Studie des wissenschaftlichen Teams der Arctic Marine Interdisciplinary Expedition vor, die sich den verschiedenen Besonderheiten von Franz-Josef-Land widmete. Schliesslich veröffentlichte der amerikanische Historiker P.J. Capelotti 2016 „The Greatest Show in the Arctic“ – eine brillante Studie über die frühen US-Erkundungen im Archipel.
Keines dieser Bücher hat die sowjetischen Aktivitäten auf den Inseln im Wesentlichen behandelt. Doch jetzt ist etwas erschienen, um diese Lücke zu füllen. Das Buch von Mitya Kiselev erzählt eine detaillierte und farbenfrohe Geschichte der russischen Anwesenheit im Franz-Josef-Land-Archipel durch die Geschichte eines einzigen Ortes – Tikhaya Bukhta (Ruhebucht) auf der Insel Gukera. Der Autor ist unabhängiger Gelehrter, professioneller Polarführer und ein grosser Fan der Polargeschichte. Die Erzählung beginnt mit der Entdeckung von Tikhaya Bukhta durch Frederick G. Jackson und geht durch die dramatischen Episoden der ersten Überwinterung an seinen Ufern, als das russische Team unter Georgy Sedov dort zehn Monate auf seiner vergeblichen Expedition zum Nordpol verbrachte. Mit der sowjetischen Einverleibung der Inseln im Jahr 1926 beschloss die Regierung Stalins, im Franz-Josef-Land-Archipel eine permanente Beobachtungseinrichtung haben zu wollen, die schliesslich in der Tikhaya Bukta errichtet wurde.
In den Jahren 1929-1960 war die kleine Siedlung der Dreh- und Angelpunkt der menschlichen Anwesenheit auf der abgelegenen Inselgruppe. Die Station leistete Pionierarbeit in vielen Aspekten der sowjetischen Polarforschung, wie Höhenwetterkunde, Tests der frühesten automatischen meteorologischen Geräte, Windenergieverbrauch und Beteiligung von Frauen an den Feldarbeiten in der Hocharktis. Die Station Tikhaya Bukhta, die fünfzig Jahre lang verlassen war, ist schliesslich in die Hände des russischen Arktis-Nationalparks gelangt und zu seiner saisonalen Basis und zu einer der Hauptattraktionen für Kreuzfahrtpassagiere geworden.
Das Buch ist die weltweit erste Studie, die sich genau auf die sowjetische Geschichte von Franz-Josef-Land konzentriert. Der Autor hat seltene Daten aus einer Vielzahl von Quellen gewonnen, darunter russischen Archiven, die von St. Petersburg bis Krasnojarsk verbreitet sind. Das Buch enthält neun Kapitel, fünfzehn Tabellen, drei Anhänge, über 150 Schwarz-Weiss-Abbildungen und fast 500 Literaturhinweise. Das Buch richtet sich an Polarhistoriker, Forscher sowie an ein allgemeines Publikum, das sich für die russische Arktis und ihre Geschichte interessiert.
|Titel:||The Outpost – Life and Love in Tikhaya Bukhta|
|Autor:||Dmitry „Mitya“ Kiselev|
|Sprache:||Englisch|
|EAN:||9785600027176|
|ISBN:||978-5-60002-717-6|
|Format:||Kartonierter Einband|
|Verlag:||Autor|
|Anzahl Seiten:||488|
|Größe: |
Gewicht:
|H229mm x B152mm x T26mm|
638 g
Dr. Michael Wenger, PolarJournal