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Gerade im vergangenen Jubiläumsjahr sind nationale Identitätsbilder beschworen und zur Orientierung eingesetzt worden, als ob sie selbstverständlich, natürlich und seit je zur Schweiz gehörten. Die historische Kritik suchte in der Regel vom heutigen Erkenntnisstand her die «Wirklichkeit» des 13. und 14. Jahrhunderts darzustellen und deren Distanz aufzuzeigen zu den durch das Jubiläum 1291-1991 geförderten Vorstellungen von einer Gründung der Schweiz im Jahre 1291. Zu einer kritischen Hinterfragung der im Identitäts- und Traditionsbewusstsein gängigen Vorstellungen selbst ist es hingegen kaum gekommen. Die hier vorgelegte Analyse soll deutlich machen, wie sehr diese Identitätsbilder zeitbedingt sind.
Nichts hat die Bürger dieses Landes in den vergangenen hundert Jahren so stark miteinander verbunden wie der Glaube an den «Sonderfall Schweiz». Die Beiträge dieses Sammelbandes zeichnen nach, wie diese Vision entstanden ist, welche Funktionen sie erfüllte und welche Ausdrucksformen sie gefunden hat. Durch den Vergleich mit ausländischen und ausserkontinentalen Beispielen sollen die schweizerischen Erscheinungen in einen allgemeinen Zusammenhang gestellt werden.