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Hans Kohler hat in den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts die Seebacher Industriegeschichte mitgeprägt, indem er ein paar Jahre bei der Maschinebau AG arbeitete. Daher erscheint dieser Beitrag in der OGS-Seebach, auch wenn Hans Kohler vermutlich nie in Seebach selbst gewohnt hat. Im Adressbuch von Seebach von 1913 ist er jedenfalls nicht aufgeführt.
Er absolvierte zuerst ein Studium als Ingenieur, unter anderem auch an der ETH Zürich. Danach arbeitete er seit den 1890er Jahren in Norddeutschland in verschiedenen Stahlfabriken, aber auch bei «von Roll» in der Schweiz. Im 1908 gegründeten Stahlwerk Reinhold Becker in Willich im Süden von Krefeld NRW, blieb er rund drei Jahre. Danach kehrte er in die Schweiz zurück und nahm 1912 die Stelle eines Direktors bei der Seebacher Maschinenbau AG an. Hier besteht noch eine Unklarheit. Je nach Quelle wird das Gründungsjahr der Maschinenbau AG mit 1912 oder 1916 angegeben. Falls 1916 das richtige Datum wäre, dann bleibt unklar, wo Hans Kohler denn in Seebach gearbeitet hat. Er verblieb dort bis 1920. Doch schon zuvor, nämlich 1917 gründete er eine eigene Firma für Stahlhandel, nachdem er schon mehrmals privat Stahl importiert hatte und feststellte, dass sich dies rechnete. Der in Deutschland eingekaufte Stahl wurde per Bahn in die Schweiz transportiert. Er ermunterte auch die Firmeninhaber der Maschinenbau AG, sich ihren Stahl selber zu importieren, doch diesen erschien das zu gefährlich, da während des Krieges die Güterzüge in Deutschland immer wieder bombardiert wurden.
Während seiner Tätigkeit bei der Maschinenbau AG gelang es Hans Kohler dank seinen guten Kontakten zum Stahlwerk Reinhold Becker, von diesen 1918 die Rechte zum Bau der Becker-Kanone zu übernehmen, denn nach Kriegsende war es Deutschland verboten, Kanonen zu produzieren. Es handelte sich um Baurechte und nicht um Patente, da Preussen aus Geheimhaltungsgründen für Waffen keine Patente erteilte. Diese Kanone wurde bei Becker seit 1914 entwickelt. Es war eine automatische Kanone für 20 x 70 mm Geschosse, die auch als bewegliche Kanone in schwere Flugzeuge wie der AEG G-IVK eingebaut wurde. Am Boden wurde sie auf einem Dreibein gegen Panzer und Flugzeuge eingesetzt. Während des ersten Weltkrieges wurde sie ausschliesslich von Truppen des Deutschen Reichs eingesetzt.
Es war somit Hans Kohler, welcher dafür sorgte, dass der Transfer der Becker-Kanone in die Schweiz zustande kam. Unter seiner Leitung wurde die Kanone bei der Maschinenbau AG noch weiter entwickelt und 1919 zum Patent angemeldet. Da die Maschinenbau AG 1924 liquidiert wurde, gingen die Rechte an die Werkzeugmaschinenfabrik Örlikon, später Örlikon-Bührle, über, welche sie bis 1927 zur bekannten 20mm-Örlikon-Kanone weiter entwickelte.
Hans Kohler verliess die Maschinenbau AG im Jahre 1920, um sich nun ganz seiner schon 1917 gegründeten Firma «Hans Kohler Vertretungen» zu widmen. Es handelte sich um eine Handelsfirma, welche die Schweizer Industrie mit Werkstoffen und später auch mit Werkzeugmaschinen aus dem europäischen Ausland versorgte. 1945 wurde die Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und wuchs unter Hans E. Kohler zu einem mittelständischen Handelsunternehmen heran. Seit 1986 liegt die Leitung der Firma in dritter Generation bei Hans R. Kohler. Die Aktivitäten der Firma wurden in den letzten Jahren ganz auf den Edelstahlhandel ausgerichtet.
Quellen: - Hans R. Kohler (alle Hinweise zu seinem Grossvater) - Wikipedia (alle Hinweise zur Becker-Kanone und etliche Textteile) - http://www.kohler.ch/portrait/index.html (Firmengeschichte)