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Bergmolch - Triturus alpestris
Karpatenmolch - Triturus montandoni
Gelbbauchunke - Bombina variegata
Rotbauchunke - Bombina bombina
© 1989 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Die Entwicklung der Wirbeltiere hat ihren Ausgang im Wasser genommen. Dort hatte sich im Zeitalter des Devons (vor 395 bis 345 Millionen Jahren) in den Flüssen, Seen und Meeren ein grosser Reichtum an fischartigen Tierformen entwickelt, während das Festland einzig von primitiven Pflanzen und urtümlichen Gliedertieren bevölkert war. Der gegenseitige Konkurrenzdruck, unter dem jene frühen Fischartigen standen, scheint dann noch vor Ablauf des Devons einige von ihnen an Land «gedrängt» zu haben. Wie und unter welchen Umständen das geschah, wissen wir nicht genau. Denn obschon sich der Übergang vom Wasser zum Landleben über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren vollzogen haben muss, gibt es keine fossilen Nachweise von «Zwischenstadien.» Sicher ist nur, dass damals die ersten Uramphibien, die Vorläufer unserer heutigen «modernen» Amphibien, entstanden.
Nach dem Auftauchen der ersten Amphibien im späten Devon setzte eine rasche Entwicklung ein, die zu einer enormen Vielfalt amphibischer Lebewesen führte. Diese Uramphibien waren auf allen Festländern weit verbreitet und die vorherrschenden Landtiere jener Zeit. Jahrmillionen später bildeten sich aus ihnen die Reptilien heraus, welche ihre Blütezeit ja ebenfalls bereits hinter sich haben, und aus diesen dann wiederum die Säugetiere und die Vögel, welche heute auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung stehen.
Unter den frühen Amphibien gab es wahre Giganten: Der grösste war Mastodonsaurus
mit einer Schädellänge von 125 Zentimetern und einer Gesamtlänge von vermutlich über vier Metern. Dagegen erreichen die grössten heute lebenden Amphibien, die asiatischen Riesensalamander der Gattung Andrias
, nur eine vergleichsweise bescheidene Länge von 170 Zentimetern.
«Amphi-bios» bedeutet «Doppelleben»
Von den heute bekannten 40 000 Wirbeltieren zählen rund 4000 zu den Amphibien. Sie werden in drei Ordnungen unterteilt: die Schwanzlurche (Caudata oder Urodela), zu denen rund 360 Arten von Salamandern und Molchen gehören, die Froschlurche (Anura oder Salientia), welche aus etwa 3490 Arten von Fröschen, Kröten und Unken bestehen, und schliesslich die Blindwühlen (Gymnophiona oder Caecilia) mit etwa 160 Arten. Letztere sind gliedmassenlose, verborgen lebende tropische Wühltiere, die man leicht mit grossen Regenwürmern verwechseln könnte.
Mit wenigen Ausnahmen sind die modernen Amphibien auf Gedeih und Verderb an feuchte Lebensräume gebunden: Einerseits spielt sich ihre Kindheit im Wasser ab, andererseits vermag ihre wasserdurchlässige Haut den Körper nicht vor Austrocknung zu schützen. Die «zwiespältige» Natur dieser wasserabhängigen Landbewohner kommt im zoologischen Begriff «Amphibien» zum Ausdruck: Er leitet sich vom griechischen «amphi-bios» her, was mit «Doppelleben» übersetzt werden kann.
Die modernen Amphibien sind ferner ausnahmslos wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpassen. Auch dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass sie viele Landlebensräume nicht zu erobern vermochten, welche den höher entwickelten Reptilien, Säugetieren und Vögeln zugänglich sind.
Mannigfaltige Formen elterlicher Brutpflege
Von allen Wirbeltiere haben die Amphibien die vielfältigsten «Fortpflanzungs-Strategien» entwickelt. Besonders variantenreich sind ihre Methoden der Brutpflege, die vom völligen Fehlen jeglicher Betreuung der Nachkommenschaft bis hin zum Austragen der Kinder im Mutterleib reichen. Ein paar besonders «ideenreiche» Formen elterlicher Brutfürsorge sollen hier kurz angesprochen werden: Das Männchen der europäischen Geburtshelferkröte (Alystes obstetricans)
wickelt die Laichschnüre des Weibchens um seine Hinterbeine und schleppt sie zwei bis drei Wochen lang mit sich herum. Von Zeit zu Zeit befördert es sie zum Wasser, um sie feucht zu halten. Sobald die Keimlinge dann reif zum Schlüpfen sind, streift das Männchen den Laich in einem Gewässer ab.
Der in Neuseeland heimische Hamilton-Frosch (Leiopelma hamiltoni)
legt seine Eier an Land ab. Nach dem Schlüpfen kriechen die Larven auf den Rücken der Eltern und werden von diesen zum Wasser getragen - ein Vorgang, der manchmal mehrere Tage in Anspruch nimmt.
Ähnlich verfahren viele in Südamerika lebende Baumsteigerfrösche (Gattung Dendrobates
). Bei einigen davon deponieren die Weibchen ihre Larven einzeln im wassergefüllten Kelch epiphytischer Bromelien (baumbewohnende Ananasgewächse). In der Folge sucht das Weibchen jede dieser «Kinderstuben» in Abständen von ein bis zwei Wochen auf und legt als Nahrung für die Larve einige unbefruchtete Eier in den Kelch.
Beim südafrikanischen Grauen Laubfrosch (Chiromantis xerampelina)
schlagen jeweils mehrere Tiere gemeinsam im Geäst eines Savannenbaums die Sekrete der Weibchen zu einer schaumigen Masse und schaffen so ein feuchtes «Nest» für die Eier. Nach dem Schlüpfen verlassen die Larven das Schaumnest und lassen sich in eine darunterliegende, nur saisonal gefüllte Wasserstelle fallen. Dort vollenden sie dann ihre Entwicklung.
Die Männchen des südamerikanischen Darwin-Nasenfroschs (Rhinoderma darwini)
nehmen oft über 20 Larven in ihre Schallblasen auf und tragen sie an diesem sicheren Ort mit sich herum. Erst als fertige Fröschchen schlüpfen die Jungen dann wieder daraus hervor.
Bei der südamerikanischen Wabenkröte (Pipa pipa)
werden die Eier während einer purzelbaumartigen Bewegung des Paares befruchtet und gleichzeitig auf dem Rücken des Weibchens plaziert. Jedes Ei entwickelt sich dann dort in einer eigenen, wabenähnlichen Vertiefung. Erst nach etwa 100 Tagen verlassen die vollständig entwickelten Jungen ihre «Kapseln».
Bei den australischen Magenbrüterfröschen wiederum verschluckt das Weibchen etwa 20 befruchtete Eier. Diese reifen dann im Magen heran und werden später als Larven oder fertig entwickelte Frösche hervorgewürgt. Während dieser Zeit nimmt das Weibchen keine Nahrung zu sich, und ein Sekret, das die Larven erzeugen, unterdrückt die Produktion von Magensäure sowie die Darmtätigkeit beim Weibchen.
Bergmolch und Karpatenmolch
In der Tschechoslowakei, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, leben dreizehn Froschlurche und fünf Schwanzlurche, darunter der Bergmolch (Triturus alpestris)
und der Karpatenmolch (Triturus montandoni)
aus der Familie der Echten Salamander und Molche (Salamandridae).
Das Verbreitungsgebiet des Bergmolchs erstreckt sich von Frankreich ostwärts bis zur Ukraine und von Dänemark südwärts bis zum Balkan. Eine isolierte Population findet sich zudem in Nordspanien. Seinem Namen zum Trotz ist der Bergmolch keineswegs nur in Berggebieten anzutreffen, sondern kommt durchaus auch in den flachen Tiefländern Norddeutschlands und Dänemarks vor. Seine Bestandsdichte scheint aber in den höheren Lagen etwas grösser zu sein.
Bergmolche weisen im Durchschnitt eine Gesamtlänge von etwa zehn Zentimetern auf, wobei die Männchen im allgemeinen etwas kleiner sind als die Weibchen. Ihr Schwanz ist seitlich stark abgeflacht, ungefähr körperlang und deutlich gesäumt. Charakteristisch für den Bergmolch ist das kräftige, ungefleckte Orange der Körperunterseite, das sich stark vom Dunkelgrau der Körperoberseite absetzt. Im «Hochzeitskleid», also während der Fortpflanzungszeit, zeigt sich bei Männchen und Weibchen an den Flanken ein weissliches Band mit vielen schwarzen Tupfen und Flecken. Unterhalb dieses hellen Bandes erscheint besonders bei den Männchen noch ein weiteres, hellblaues Band.
Der Karpatenmolch ist von ähnlicher Grösse wie der Bergmolch, jedoch weit weniger auffällig gefärbt. Seine Heimat sind - wie der Name sagt - die osteuropäischen Karpaten. Dort bewohnt er vorzugsweise die mit kleineren Teichen und Tümpeln durchsetzten Laubwälder unterhalb 800 Meter ü.M.
Beide Molcharten sind für die Fortpflanzung, das heisst für die erfolgreiche Paarung, die Entwicklung der Eier und das Gedeihen der Larven, auf stehende Kleingewässer angewiesen. Wichtig ist aber auch das Umfeld dieser Gewässer, denn die erwachsenen Molche halten sich die meiste Zeit des Jahres an Land auf und benötigen genügend feuchte Unterschlüpfe, in denen sie sich tagsüber verbergen können, sowie eine reichhaltige Kleintierfauna, die ihnen als Nahrungsgrundlage dient.
Jeweils im Frühjahr - in höheren Lagen oft gleich nach der Schneeschmelze - finden sich die männlichen und die weiblichen Molche in ihren angestammten Laichgewässern zur Paarung ein. Diese spielt sich recht ungewöhnlich ab, denn die Eier werden zwar - wie bei den höher entwickelten Wirbeltieren - im Körper des Weibchens befruchtet; dem Männchen fehlt aber ein spezielles Begattungsorgan, um den Samen zur inneren Befruchtung überzuleiten. Die männlichen Molche legen darum ihren Samen in kleinen «Paketen» (sogenannten «Spermatophoren») für die Weibchen bereit, und diese nehmen sie dann mit ihrer Kloakenöffnung auf.
Ein komplexes Balzritual sorgt für die erfolgreiche Übergabe der Spermatophoren: Das Männchen stellt sich dem Weibchen gegenüber, fächelt mit dem Schwanz und verteilt dadurch chemische Stoffe im Wasser, welche die Paarungsbereitschaft des Weibchens fördern. Dann setzt das Männchen ein Samenpaket auf dem Grund des Gewässers ab, zieht sich etwas zurück und lockt das Weibchen genau an die Stelle, an der es das Paket mit seiner Kloake aufnehmen kann.
Das Weibchen heftet dann im April oder Mai insgesamt etwa 150 Eier einzeln an Wasserpflanzen. Die Larven schlüpfen zwei bis drei Wochen später und verwandeln sich im allgemeinen schon nach etwa drei Monaten zu erwachsenen Tieren. Die auffälligste äusserliche Veränderung, welche die Umwandlung der «Kinder» zu Erwachsenen mit sich bringt, ist die Rückbildung der federartigen äusseren Kiemen.
Gelbbauchunke und Rotbauchunke
Zu den dreizehn Froschlurchen, welche in der Tschechoslowakei vorkommen, zählen die Gelbbauchunke (Bombina variegata)
und die Rotbauchunke (Bombina bombina)
. Sie sind Vertreter der kleinen und recht urtümlichen Familie der Scheibenzüngler (Discoglossidae).
Aus der Vogelperspektive, also von oben gesehen, sind beide Unkenarten unscheinbare Tiere: braun bis grau gefärbt und kaum fünf Zentimeter lang. Vor dem gleichfarbigen Hintergrund einer schlammigen Pfütze sind sie vorzüglich getarnt, wenn sie da in typischer Haltung an der Wasseroberfläche «hängen» - die Augen knapp über dem Wasser, die Hinterbeine schräg nach hinten gestreckt. Wie ihr Name sagt, besitzen beide Unken jedoch eine sehr auffällige Bauchfärbung. Wir Menschen empfinden diese schwarzgelbe beziehungsweise schwarzrote Färbung als recht hübsch. Auf die meisten Fressfeinde der Unken wirkt sie hingegen «schrecklich», denn sie bedeutet: «Vorsicht, giftig!» Tatsächlich besitzen die beiden Froschlurche ein für viele Tiere ekel- und brechreizerregendes Hautsekret. Damit sie aber von vornherein in Ruhe gelassen werden, drehen sie sich bei Gefahr sofort auf den Rücken und zeigen ihren «wunderschön» farbigen Bauch.
Hinsichtlich ihrer Verbreitung grenzen die beiden Unkenarten einander weitgehend ab: Die Gelbbauchunke kommt hauptsächlich in Westeuropa vor und bevorzugt Hügel- und Berggebiete bis 1800 Meter ü.M. Die Rotbauchunke lebt vorwiegend in Mittel- und Osteuropa und könnte als «Tieflandunke» bezeichnet werden. An einigen Stellen Mitteleuropas überlappt das Verbreitungsgebiet der beiden Unken jedoch, und interessanterweise kann man dort viele Mischlinge finden. Mechanismen, welche bei den meisten wildlebenden Tieren eine Vermischung mit Artfremden verhindern (so vor allem Unterschiede im Körperbau und im Fortpflanzungsverhalten), scheinen also nicht zu bestehen. Dies zeigt, dass die beiden Arten sehr nah miteinander verwandt sind.
Gelbbauchunke und Rotbauchunke können sich zwei bis dreimal im Jahr fortpflanzen, wenn das Wetter günstig ist. Als Laichgewässer schätzen sie vegetationslose Tümpel mit lehmigem Boden. Aber auch flache und steinige Pfützen aller Art sind ihnen recht. Neue Laichgewässer werden rasch entdeckt. So sind beispielsweise in schattigen Wäldern wassergefüllte Wagenspuren beliebte Laichgründe. An allen diesen Kleingewässern herrscht im Sommer ein emsiges Kleintierleben, von Mücken- und Köcherfliegenlarven über Wasserschnecken und Wasserkäfer bis hin zu Kleinkrebsen, an denen sich die Unken gütlich tun.
Amphibien benötigen Feuchtgebiete
Wegen ihres ständigen Bedarfs an Feuchtigkeit sind die Amphibien sehr anfällig auf jegliche Veränderung im Wasserhaushalt ihres Lebensraums. Wo Bäche und Flüsse begradigt und Feuchtgebiete entwässert werden, wo Felder, Wiesen und Wälder zwecks Optimierung des Ertrags in maschinengerechte Produktionsflächen umgewandelt werden und wo Verkehrswege und Siedlungen gebaut werden, da erfolgt unweigerlich eine massive Schädigung der Amphibienpopulation. In vielen Regionen Europas sind daher die Amphibienbestände stark zurückgegangen und teilweise sogar ganz verschwunden. Sicherlich kennt jeder von uns aus seiner Kindheit reichhaltige Amphibienlebensräume, welche heute keinen einzigen Frosch oder Molch mehr beherbergen. Das besagt doch sehr viel!
Die Tschechoslowakei hat das Glück, von den vier vorgestellten Amphibienarten noch umfangreiche und blühende Populationen zu besitzen. Die Erhaltung der verbleibenden Feuchtgebiete, eine naturschonende Landwirtschafts- und Forstwirtschaftspraxis sowie wirksame und strikt vollzogene Natur- und Umweltschutzgesetze müssen aber dafür sorgen, dass der Fortbestand dieser urtümlichen Wirbeltierarten auch auf lange Sicht gewährleistet ist.
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