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Am 27. Juni 1954 wurde in einem von der CIA orchestrierten Putsch die demokratisch gewählte Regierung Guatemalas gestürzt. Es war eine der ersten grossen US-Geheimdienstaktionen in Lateinamerika. Der Staatsstreich gegen Jacobo Árbenz, dessen Vater aus dem zürcherischen Andelfingen nach Guatemala ausgewandert war, beschäftigte auch die Schweizer Diplomatie.
Hoffnungsvoller Neuanfang
Jacobo Árbenz Guzmán war 1951 zum Präsidenten Guatemalas gewählt worden. In seiner Antrittsrede habe Árbenz betont, er wolle Guatemala von einem «rückständigen Land mit feudalistischem Wirtschafssystem» in ein «modernes und kapitalistisches Land» umwandeln, berichtete Legationsrat Ernest Schlatter, den der Bundesrat an die Amtseinführung delegiert hatte. Die Tatsache, dass Árbenz den Einfluss der USA aus der Region zurückdrängen wollte, sah Schlatter als Chance für den schweizerischen Aussenhandel. Árbenz habe ihm gegenüber «seine sehr grosse Sympathie für unser Land und seinen Wunsch, die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen soviel wie nur möglich zu entwickeln», versichert (dodis.ch/8695, Original französisch).
Befreier oder Kommunist?
Árbenz' Projekt einer umfassenden Landreform brachte Guatemala in Konflikt mit dem mächtigen US-Nahrungsmittelkonzern United Fruit Company und der amerikanischen Regierung in Washington. Árbenz sei ein gefährlicher Kommunist, verbreiteten die US-Medien. Schweizer Beobachter wie August R. Lindt, Leiter der schweizerischen Delegation bei der UNO in New York, versuchten die Situation differenziert zu beurteilen (dodis.ch/9583, vgl. auch dodis.ch/9382). Pierre François Brügger, schweizerischer Gesandter in Caracas, brachte durchaus Verständnis auf für Árbenz' «nationalistische» Verstaatlichungspolitik angesichts der «draufgängerischen Methoden gewisser in Zentral- und Südamerika etablierte[n] amerikanische[n] Grossfirmen […] Jedermann wisse, dass die ‹United Fruit Co.› sich in Guatemala als allmächtiger Gewaltsherr aufgespielt habe» (dodis.ch/9332).
«Green light» aus Washington
Als schliesslich im Zuge des gewaltsamen Umsturzes vom Juni 1954 Árbenz aus Guatemala fliehen musste, wusste Lindt nach Bern zu berichten: Es «wird hier doch allgemein angenommen, dass Washington für den Beginn der Aktion das ‹green light› gegeben hat» (dodis.ch/9380). Zum Problem für Bern wurde die Affäre um Árbenz erstmals 1955, als dieser in die Schweiz einreiste und verlauten liess, er wolle für sich mit seiner Familie in der Heimat seines Vaters dauerhaft einrichten (dodis.ch/9378). Würde Guatemalas Ex-Präsident sich auf seine schweizerische Staatsangehörigkeit berufen, oder konnte der Bundesrat seine Niederlassung verhindern?
Ein unwillkommener Gast
In der Zwischenzeit hatte der Umsturz in Guatemala nämlich das Image der Schweiz in den USA beschädigt. Vorgehalten wurde dem Land, dass seine Rüstungsindustrie Waffen an die Regierung Árbenz geliefert hatte (dodis.ch/9326 und dodis.ch/9384). Auch die Schweizer Wurzeln des «Kommunisten» galten im Geiste der rigiden McCarthy-Ära als Makel (dodis.ch/9200). So zeigte sich Bern erleichtert, als der unwillkommene Gast das Land nach drei Monaten wieder verliess. Von 1967 bis 1969 wohnte Árbenz wieder in der Schweiz (dodis.ch/34070 und dodis.ch/34072). Seine Schweizer Staatsbürgerschaft forderte er als guatemaltekischer Patriot jedoch nie ein, nicht zuletzt, weil ihm dies eine Rückkehr in die Politik seines Landes verunmöglicht hätte. Árbenz starb 1971 unter ungeklärten Umständen im Exil in Mexiko.