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Das Valmaggia ist mit einem Fünftel des gesamten Kantonsgebiets das grösste Tal im Tessin.
Vom Lago Maggiore aus dringt es tief in die Alpen ein. Das Gelände steigt vom Maggiadelta
(200 m ü. M.) auf ca. 40 km Luftlinie an bis zum 3200 m hohen Basodino mit seinem imposanten
Gletscher; der Höhenunterschied zwischen Talsohle und Gipfeln ist einer der grössten in
der Schweiz.
Der enge Eingang bei Ponte Brolla lässt die Weite des Tals im oberen Teil nicht ahnen. Dort teilt es sich in mehrere grosse Seitentäler, die sich ihrerseits in zahllose Nebentäler verzweigen.
Die vier wichtigsten Gebiete, jedes mit besonderen Merkmalen und von eigenem Reiz,
sind: das untere Valmaggia, das Rovanatal das Bavonatal und das Lavizzaratal.
Das heutige Relief entstand durch eine starke Gletschererosion während der Eiszeit.
Durch diese Erosion wurde das Tal tief eingeschnitten und das Gefälle der Flanken stark erhöht. So entstanden an einigen Stellen Felswände von mehreren hundert Metern Höhe. Über längere Strecken ist der Talboden auf der ganzer Breite von Geschiebe bedeckt, durch das sich der Fluss ständig neue Wege sucht. Flächen, die selten überflutet werden, sind mit einer üppigen Pioniervegetation bedeckt. Diese Landschaft ist zwar wirtschaftlich unproduktiv, aber von ungewöhnlichem Reiz.
Die unvorstellbare Gewalt der Natur zeigt sich bei starken Regenfällen, die Erdrutsche und
Verfrachtung grosser Geschiebemengen zur Folge haben.
Seit jeher hat sich der Mensch den harten Bedingungen der Landschaft anpassen müssen: Einige Dörfer entstanden auf Schuttkegeln, die sowohl Platz für die Landwirtschaft wie auch Schutz vor den Gefahren des Flusses und der Berge boten. Andere wurden an den Hängen gebaut, die durch eine Vielzahl von Terrassierungen intensiv genutzt wurden.
Ackerbau und Viehzucht erlaubten die Nutzung des ganzen Gebiets bis hinauf zu den unwegsamsten Bergwiesen. Die Subsistenzwirtschaft zwang zum vertikalen Nomadismus, d.h. vom Dorf über die Maiensässe bis zu den Alphütten an der Vegetationsgrenze.
Das harte und entbehrungsreiche Leben führte dazu, das die jüngere Generation auswanderte,
zunächst saisonweise in die europäischen Städte, ab Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem
nach Australien und Kalifornien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die abgelegensten Dörfer
durch die Landflucht weiter entvölkert.
Heute besteht eine starke Verflechtung zwischen dem Tal und der städtischen Agglomeration von Locarno, wo ein grosser Teil der Bevölkerung arbeitet. In einigen Gemeinden des unteren Maggiatals hat die Stadtnähe zu einem Bevölkerungszuwachs geführt. Das Tal selbst bietet wenig Arbeitsmöglichkeiten, da die landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes schwierig und der Abbau und die Verarbeitung des Gesteins wenig attraktiv sind. Das Tal zieht zwar immer mehr Touristen an, doch handelt es sich meist um Tagesausflügler. Weder diese noch die Besitzer von Zweitwohnungen bringen viel Verdienst.
Aufmerksamen Besucherinnen und Besuchern bietet das Valmaggia zahllose Möglichkeiten, eine grossartige, eindrucksvolle Natur kennen zu lernen und ein reiches, kulturelles Erbe sowie zahlreiche jahrhundertealte Spuren menschlichen Wirkens und Lebens zu entdecken.