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Zwei neue Atomreaktoren könnten dafür sorgen, dass in China bereits ab 2023 mehr waffenfähiges Plutonium produziert wird. Wissenschaftler auf der ganzen Welt sind besorgt.
Die kleine chinesische Insel Changbiao in der Provinz Fujian zieht derzeit die internationale Aufmerksamkeit auf sich. Dort werden zwei Atomreaktoren gebaut, die unter anderem dazu dienen könnten, Chinas Atomwaffenarsenal massiv auszubauen.
Forscher in aller Welt sind verunsichert, weil über den genauen Zweck der sogenannten Brüterreaktoren außerhalb der Volksrepublik nichts bekannt ist. Seit einigen Jahren hält das Land Informationen über seine eigenen Plutoniumbestände geheim.
Mehr Atomstrom für Chinas Atomwaffen?
Der erste der beiden Kernreaktoren soll 2023 ans Netz gehen, der zweite soll 2026 folgen. Was den Forschern Sorgen bereitet, ist die Verarbeitung von waffenfähigem Plutonium, die Teil des Betriebs sein soll. Das könnte Auswirkungen auf zukünftige Generationen von Chinas Atomwaffen haben.
Bei den beiden Kernreaktoren handelt es sich um Typen der Kategorie China Fast Reactor 600 (CFR-600), die als „Brüter“ dienen, also mehr Brennstoff produzieren, als sie durch Kernreaktionen verbrauchen. Genau das ist problematisch, denn die meisten Kernreaktoren zielen darauf ab, so viel wie möglich von ihrem Brennstoff zu verbrauchen und nicht mehr zu produzieren. Vor allem, wenn sie Plutonium produzieren, das leicht in Atomwaffen umgewandelt werden kann, schreibt 3 Popular Mechanics.
Keine Informationen über die Verwendung für Chinas Atomwaffen
Wie Al Jazeera 10 berichtet, weiß derzeit niemand außerhalb Chinas, ob das Plutonium, das in den Atomreaktoren, die in Changbiao gebaut werden, produziert wird, einer rein zivilen oder militärischen Nutzung dienen wird. Während es einerseits das Land seinem Ziel der Kohlenstoffneutralität für 2060 näher bringen und den eigenen Energiebedarf decken könnte, könnte gleichzeitig sehr schnell eine große Anzahl von nuklearen Sprengköpfen produziert werden.
Das Geheimnis um die neuen Atomreaktoren und ihr Potenzial für Chinas Atomwaffen entstand vor allem durch den Stopp der jährlichen, freiwilligen Informationen über den Bestand an zivilem Plutonium an die Internationale Atomenergiebehörde [IAEA] im Jahr 2017. Auch über die neuen Brüterreaktoren berichtet Al Jazeera bis zum heutigen Tag.
Der Ausbau von Chinas Atomwaffen wäre enorm
Nach Ansicht von Experten wie Frank von Hippel, Kernforschungsphysiker und Mitbegründer des Programms für Wissenschaft und globale Sicherheit an der Princeton University, ist es dieser Mangel an Transparenz, der international zunehmend Besorgnis erregt: „Das ist der Punkt, an dem es jetzt einzigartig ist“, erklärt von Hippel das Schweigen von Chian bezüglich des Plutoniums. Er sei besorgt, dass es einem doppelten Zweck dienen könnte.
Dass dies nicht ausgeschlossen werden kann, zeigt auch, dass solche Brutreaktoren deutlich teurer sind als andere Reaktoren, wenn es um die Energiegewinnung aus Atomkraft geht: „In Wirklichkeit ist es billiger, den Brennstoff nicht zu recyceln, als ihn zu recyceln. Ein einziger Brennstoffzyklus mit niedrig angereichertem Uran ist ein wirtschaftlicherer Ansatz“, sagte Nickolas Roth, Direktor des Nuclear Security Program beim Think Tank Stimson Center in Washington, DC
Es wird angenommen, dass Chinas Arsenal derzeit zwischen 300 und 350 nukleare Sprengköpfe enthält. Mit dem neu gewonnenen Plutonium könnte sich diese Zahl enorm erhöhen. Schätzungen gehen von 1270 zusätzlichen nuklearen Sprengköpfen durch das Programm bis 2030 aus, wie es in einem u.a. von Hippel erstellten Bericht heißt ( PDF 6 ).