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Der heutige Blog-Post stammt von einer Freiwilligen, die während des Corona-Ausbruchs im kanthari Campus ‘gestrandet’ ist. Für sie offenbar nicht der schlechteste Ort, eingesperrt zu sein.
(Von Riya Orison)
Nachdem ich im vergangenen Jahr meinen Firmenjob aufgegeben hatte, suchte ich nach Möglichkeiten für ein Praktikum im sozialen Bereich.
Eine Freundin erwähnte kanthari, und ich bewarb mich sofort als Freiwillige, nur für zwei Monate. Gemeinsam mit meiner in Trivandrum lebenden Tante besuchte ich das Institut und nahm an einer Orientierung teil.
Da der kanthari-Kurs erst im Mai beginnen sollte, fragte mich Paul, ob ich während der Praktikumszeit auch bei der Säuberung des Vellayani Sees helfen wolle. Ich war sofort bereit, Wasser war schon immer mein Element!
Seit Februar war ich also Teil des Teams. Ich bekam einen eigenen Arbeitscomputer und ein riesiges Büro, ganz für mich alleine. Wer träumt nicht von einem Arbeitsplatz mit Blick auf den atemberaubend schönen Vellayani See, umgeben von üppig grünen Kokospalmen und saftigen Wiesen und farbenprächtigen Blumen.
Obwohl ich wirklich gerne in diesem Büro arbeite, sind unsere Abende im See mein liebster Zeitvertreib.
Paul, Sabriye und ich springen dann täglich in den See, um Lotuspflanzen an den Wurzeln herauszuziehen und anderes lilafarbendes Unkraut zu pflücken. Anfangs war ich ziemlich verwirrt, warum sie diese schönen Blumen herausnehmen. Später wurde mir klar, dass es sich um exotische Pflanzen handelt, die nicht in den See gehören. Sie beeinträchtigen das lokale Ökosystem, sorgen dafür, dass der See versumpft, dass das Wasser sich aufheizt und damit sauerstoffärmer wird. Fische sterben und die Vogelpopulation geht zurück.
Noch wird der See von einer Vielzahl von Vögeln besucht, wie z.B. Gelbbrust-Eisvögel, Störche, Kraniche, Wasserkrähen und viele andere. Die faszinierendsten Vögel für mich sind die Sumpfhühner mit ihren violett und türkis gefärbten Federn, roten Köpfen und Schnäbeln. Sie schreiten anmutig auf den dünnen Lotusblättern umher und versuchen die von uns frisch gerupften noch sehr zarten Lotuswurzeln zu stibitzen. Faule Vögel, muss ich sagen!
Der Höhepunkt der täglichen Seesäuberungen ist sicherlich der immer bezaubernde Sonnenuntergang und der farbige Abendhimmel.
Während man all diese Pracht in sich aufnimmt, verliert man leicht das Zeitgefühl. Unser Anhaltspunkt war früher, in Vor-Corona-Zeiten die Sirene, die von der Landwirtschaftsschule an der anderen Seite des Sees, punkt 18 Uhr zu uns herüberschallt. Aber jetzt, da die Studenten Covid-frei haben und die Schule geschlossen ist, gibt es die Sirene nicht mehr.
Da ich entschlossen bin, die Zeit so gut wie möglich zu nutzen, habe ich mir mal eben die Fähigkeit angeeignet, die Uhrzeit vom Himmel her abzulesen. So müssen das wohl unsere Vorfahren gemacht haben. Wenn also die Sonne das Blätterdach der Bäume am See berührt, ist es nach 18 Uhr, Zeit für uns, Pflanzen ans Ufer zu bringen.
Die Pflanzen zu pflücken ist einfach, sie auf riesige schwimmende Inseln zu stapeln und sie auf das ufer zu werfen, ist der schwierigere Teil.
Während Amber, einer unserer Hunde, an der Treppe steht und sehnsüchtig darauf wartet, dass wir rauskommen, beteiligt sich Charu, unser Labrador, an dem Spaß, indem er zu Sabriye hinüber schwimmt und einen Packen von Pflanzen zum Ufer schleppt. Da werden sie dann auch von Charu säuberlich auf dem bereits wachsenden Haufen entsorgt. Das ist definitiv für alle von uns ein gutes Muskeltraining.
Am Ende genehmigen wir uns noch ein kurzes Erfrischungsbad.
Vor der Ausganssperre hatten wir Freiwillige aus verschiedenen Bildungseinrichtungen und anderen Organisationen, die uns bei der Säuberung des Sees halfen. Heutzutage improvisieren wir und erfinden neue Wege, um die Arbeit zu erleichtern. Von Zeit zu Zeit erfindet Paul neue Hilfsmittel, um Hyazinten einzufangen und Lotuswurzeln schneller zu entfernen.
Von den vielen Erfindungen war allerdings erst eines erfolgreich, und wir haben es zur Gunst der Krise “Korona-berg 2020” genannt. (Pauls Familienname ist Kronenberg)
Die tief verdrahteten Lotuswurzeln herauszuholen, ist für viele eine schwierige Aufgabe, denn unter Wasser hat man keine Augen. Nicht aber für Sabriye, die sagt, es sei die perfekte Arbeit eines blinden. Der nackte Boden unter den Füßen gibt ihr die gleiche Freude und Befriedigung, die wir empfinden, wenn wir die geklärte Wasseroberfläche sehen.
Die Ausganssperre sollte ursprünglich 21 Tage dauern. Wir machten damals ein Bild vom Zustand des Vellayani Sees. Das Bild sollte dann Beweiss für unsere 21-tägige Arbeit sein
Jetzt, da die Sperre verlängert wird, bleiben wir dabei, denn der See eignet sich perfekt für “social” oder “Physical distancing”.
Entweder endet die Sperre irgenwann doch, oder es gibt einen sauberen See, da kommt nichts dazwischen.