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Was hat die Königskobra aus Asien mit dem Weissrückengeier aus Afrika gemeinsam? Beiden wird Gift zum Verhängnis. Bei der Kobra ist es ihr eigenes, beim Geier fremdes. Auf der kürzlich aufdatierten roten Liste der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) wird der Bestand der beiden Arten als gefährdet bezeichnet.
Wegen des tödlichen Gifts wird die eigentlich nicht aggressive Schlange verfolgt und getötet. Begehrt ist die Königskobra in der chinesischen Medizin und wegen ihrer Haut bei Sammlern. Die landwirtschaftliche Expansion und Waldrodungen tragen zum Habitatsverlust bei. In den letzten 20 Jahren ist der Königskobra-Bestand um geschätzte 30 Prozent zurückgegangen.
Vergiftete Köder machen den Weissrückengeiern das Leben schwer. Der Bestand der am weitesten verbreiteten Geierart in Afrika ist aber noch durch weitere Faktoren bedroht. Dazu gehören das Vordringen der Landwirtschaft sowie der Rückgang wildlebender Huftiere, was weniger Aas als Nahrungsgrundlage für die Geier zur Folge hat. In Westafrika ging der Bestand dieser Geierart um 90 Prozent zurück. Die Population in Afrika wird auf 270’000 Vögel geschätzt.
Die Königskobra und der Weissrückengeier sind nur zwei von insgesamt 63’837 Arten, die die IUCN überwacht. 19’817 davon gelten als in ihrer Existenz gefährdet. Heute sind 41 Prozent der Amphibien, 33 Prozent der Korallen, 25 Prozent der Säugetiere, 13 Prozent der Vögel und 20 Prozent der Pflanzen bedroht.
Diese Zahlen beschreiben nicht die ganze Wirklichkeit. Die IUCN überblickt lediglich einen Bruchteil der heute rund 1,7 Millionen bekannten Arten. Wie es dem Rest geht, weiss niemand so richtig. Hinzu kommt, dass das aktuelle Wissen bescheiden ist, obwohl jedes Jahr rund 15’000 Arten neu beschrieben werden. Die gesamte Artenzahl aber wird auf 5 bis 15 Millionen geschätzt.
Forscher fordern mehr Geld, damit die IUCN weitere Artbestände erforschen kann. Heute wird ein grosser Teil der Arbeit von Freiwilligen geleistet. 60 Millionen Dollar wären nötig, um die bisher überprüfte Artenzahl zu verdreifachen. Noch fehlt ein edler Spender.