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Plautilla Briccio war die einzige Baumeisterin des italienischen Barock, die eines ihrer Projekte realisieren konnte. Von ihrer einst eleganten Villa del Vascello auf dem römischen Gianicolohügel steht heute nur noch eine Mauer.
Die grosse Unbekannte
Die ungewöhnliche Geschichte dieser Frau (1616 bis 1705) erzählt die römische Schriftstellerin Melania Mazzucco in ihrem neuen Roman «L’architettrice», der gerade erschienen ist und in Italien für grosses Aufsehen sorgt.
Es ist die fiktive Geschichte einer Frau, von der nur sehr wenig bekannt ist. Wo genau sie ihr Handwerk erlernte, wie ihre Beziehungen zu den damals in Rom arbeitenden Architekturstars Bernini und Borromini waren, ist gänzlich unbekannt. Mazzucco ist es gelungen, in ihrem Roman Plautilla ein Gesicht zu geben.
Nur ihre Männer sind bekannt
Bekannte Figuren der römischen Geschichte sind Plautillas Vater, Giovanni Briccio, und ihr Freund und Geliebter, der Geistliche Elpidio Benedetti, und andere Männer, die im Leben der Architektin eine Rolle spielten und bei denen sie ihr Handwerk erlernte.
Doch die Frauen des italienischen Barock sind die grossen Unbekannten. Es sei denn, sie waren prominente Adlige oder Prostituierte, von denen es im barocken Rom Tausende gab.
Einige von ihnen wurden berühmt, reich und somit auch einflussreich am päpstlichen Hof. Doch von Frauen mit Berufen, die damals ausschliesslich Männern vorbehalten waren, wusste man lange nichts.
Ausnahme Petersdom
Vor einigen Jahren erschien eine Studie römischer Historikerinnern und Historiker, die, zum ersten Mal überhaupt, die Rolle von Frauen beim Bau der Peterskirche in Rom erforschten und eine erste Publikation zum Thema veröffentlichten («Le donne nel cantiere di San Pietro in Vaticano», herausgegeben von A. Di Sante und S. Turriziani, 2017).
Diese Studie verschiedener Autoren weist nach, dass auf der grössten römischen Baustelle zwischen dem 16. und 17. Jh. Frauen arbeiteten.
Roms Unternehmerinnen
Sie waren keine Baumeisterinnen wie Plautilla Briccio, die den Vorteil hatte, von einem französischen Diplomaten mit dem Bau einer Villa beauftragt zu werden.
Die Frauen, die für die Dombauhütte von Sankt Peter arbeiteten, waren allesamt Ehefrauen römischer Handwerksmeister, die verstarben. Ihre Frauen übernahmen in nicht wenigen Fällen die Unternehmen. Mit dem Segen der Kirche, die, wie historische Dokumente nachweisen, mit den Unternehmerinnen Geschäfte machten, ohne dass ein männlicher Vormund mitmischte.
Frauen wurden vergessen
Nur dank intensiver Archivarbeit im Vatikan kennt man heute die Viten dieser berufstätigen Frauen. Doch die Unternehmerinnen der römischen Dombauhütte wie auch die einzige Baumeisterin der Papststadt wurden noch zu Lebzeiten schnell vergessen.
In den männerdominierten Kreisen der barocken Architekten und Künstler waren sie, wenn überhaupt, nur geduldet. So wusste man Jahrhunderte lang auch nicht, wer die Villa del Vascello in Rom entworfen und errichtet hatte.