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Was gehen uns die Nibelungen an?
Kurs an der ZHdK, Master-Campus-Theater-CH
Hayat Erdogan, Olaf Knellessen
1. Teil: 21. - 22.11.2016
2. Teil: 09. - 10.01.2017
21. November 2016
Die Geschichte des Nibelungenliedes, des Nibelungenstoffes, dieses alten Stoffes, der im 19. Jahrhundert den Status eines Nationalepos erlangt, lässt sich auf mindestens 3 Ebenen als eine Geschichte der Aussetzungen erzählen. In diesem Kurs wollen wir der Spur der Aussetzungen als Denkform ausgehend von Hebbels Nibelungen auf 3 Ebenen folgen:
1. Rezeption, Tradierung & Kanonisierung
2. Mythos, Mythisierung & Mythologisierung
3. Mythos als Plot/Fabel/Handlung
Möglicherweise wurde der Kern der Nibelungen-Sage um den später zum Nationalhelden stilisierten Sigfried lange vor seiner Niederschrift im 13. Jahrhundert durch Epensänger tradiert. Dann nach und durch die erste Niederschrift stets neu interpretiert und neu bewertet. Upgegraded und dann wieder komplett downgegraded zum Stoff, der „nicht einen Schuss Pulver werth“ sei (vgl. Friedrich der Große), wiederentdeckt und rehabilitiert durch u.a. Goethe, zahlreich und in verschiedenen Künsten bearbeitet von u.a. Wagner, missbraucht im Nationalsozialismus und eine Zeit lang verboten, wieder ausgekramt und überschrieben von u.a. Jelinek.
Was erzählt uns diese Geschichte der Aussetzungen auf der Ebene der Rezeption? Welche Kräfte, Strategien, Bestandteile und Prozesse sind es, die einen Mythos begründen? Was wird hierbei ausgesetzt, und inwiefern entsteht durch und in der Dialektik von Aussetzungen und Archetypisierungen ein produktives Spannungsfeld? Und schließlich: Von welchen Aussetzungen handelt der Mythos und was erzählt uns das, wenn u.a. Gunther den/beim Vollzug des u.a. Geschlechtsaktes aussetzt?