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Neurofeedback
Neurofeedback basiert auf der Methode der Elektroenzephalographie (EEG), einer medizinischen Methode zur Diagnostik der elektrischen Hirnaktivität. Sie dient der Visualisierung und Veränderung bestimmter Gehirnwellen, welche erwiesenermassen in Zusammenhang mit verschiedenen Verhaltensmustern und psychischen Zuständen stehen. Therapeutisch eingesetzt wird Neurofeedback bei AD(H)S, Epilepsie, Autismus, Demenz, Migräne, Schlafstörungen, Angst- und Panikstörungen, Depressionen.
Frequenzbandtraining
Im Frequenzbandtraining – dem klassischen Neurofeedback – werden verschiedene Gehirnwellen abgeleitet und trainiert. Eine Veränderung der Hirnwelle in die erwünschte Richtung wird belohnt (Reward), der Feedbackstimulus (Video, Animation, Musik oder Spiel) läuft weiter. Eine Veränderung in die nicht gewünschte Richtung wird bestraft (Inhibit), der Feedbackstimulus stoppt. Der Therapeut findet heraus wie das Gehirn taktet und lässt dem Gehirn keine Wahl einen neuen Rhythmus anzunehmen. Ziel ist es das gewünschte Verhalten durch einen Anreiz zu verstärken und über Automatisierung dauerhaft beizubehalten.
SCP-Training
Eine schnelle, effektive und nachhaltige Variante des Neurofeedbacks ist die Selbstkontrolle der langsamen kortikalen Potenziale (Slow Cortical Potentials, SCP). Hierbei handelt es sich um sehr langsame elektrische Verschiebungen der Gehirnaktivität, welche über eine Animation (z.B. Blume) zurückgemeldet werden. Die Aktivierung des Gehirns erfolgt über eine Negativverschiebung (Blume geht auf). Dahingegen bewirkt eine Positivverschiebung den ‚Ruhemodus’ des Gehirns (Blume geht zu). Das SCP-Training führt zu einer Veränderung aller Frequenzen, da diese mittrainiert werden. Ziel des SCP-Trainings ist die Regulation der Aufmerksamkeit zur Energiebereitstellung für die Informationsverarbeitung.
Im Neurofeedback lernt das Gehirn über Belohnung unbewusst was es machen soll. Es wird konditioniert. Das kindliche Gehirn kann so in seiner Entwicklung angestossen, bzw. beschleunigt, das erwachsene Gehirn umfunktioniert werden. Es führt zu einer Verbesserung der Konzentration, Gedächtnisleistung, Motivation, mentalen Stabilität, motorischen Koordination und der Schlafqualität.
Viele Wege führen nach Rom! Ob Frequenzband-Training oder SCP-Training, das Verfahren ist insofern gleich, da es darauf beruht, Gehirnaktivität in Echtzeit zu messen und zurückzumelden. Sie unterscheiden sich nur darin, dass jeweils verschiedene Parameter des EEG verwendet werden.
TrainingsphasenIm Schnitt sind 30 bis 40 Sitzungen verteilt über einen längeren Zeitraum nötig.
In den ersten 10 Sitzungen, der Lernphase, kommt es unabhängig des gewählten Trainings zu einer Reorganisation innerhalb des Gehirns. Das Gehirn erkennt, was von ihm verlangt wird. In der Lernphase sollte pro Woche mindestens ein Training stattfinden, zwei sind ideal.
In der Automatisierungsphase (Sitzung 10-20) ist das zentrale Nervensystems bereits an die Trainings gewöhnt, die verbesserte neuronale Kommunikation ist jedoch noch nicht stabil, weshalb eine Sitzung pro Woche erforderlich ist. Von nun an sollte zusätzlich zu den Trainings mit einer Memokarte zuhause, in der Schule oder auf der Arbeit geübt werden. Die Memokarte erinnert das Gehirn an die Trainingssitzung und das Gelernte kann so in den Alltag übertragen werden (Transfereffekt). In dieser Phase sollte es bereits zu einer Symptomverbesserung kommen, häufig werden weniger Stimmungsschwankungen, besserer Schlaf und schnellere Erholung, längere Konzentration und bessere Selbstregulierung berichtet.
In der Stabilisierungsphase (weitere 10 bis 20 Sitzungen) hat sich das Gehirn strukturell verbessert, ab diesem Zeitpunkt, können die Trainings vierzehntägig oder monatlich stattfinden. Diese Sitzungen sind wesentlich um die neuen Vernetzungen dauerhaft zu sichern und das Gelernte in Alltagssituationen integrieren und beibehalten zu können.
Es empfiehlt sich Neurofeedback mit Biofeedback zu kombinieren, da sich die vorgängig gesteigerte parasympathische Aktivierung (Ruhezustand des vegetativen Nervensystems) günstig auf die Neurofeeback-Trainings auswirkt. Darüber hinaus trägt sie zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Daher wird Neurofeedback in der Praxis hirnwerk fast ausschliesslich kombiniert mit Biofeedback – meist dem Herzratenvariabilitäts-Training – angeboten, kann auf Wunsch aber auch weggelassen werden.