Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03474.jsonl.gz/1258

Die Rechte von Menschen mit Behinderungen werden international durch verschiedene Rahmenwerke anerkannt, darunter das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UNCRPD), das die Schweiz 2014 angenommen hat. Trotz dieser rechtlichen Errungenschaften weiss man vergleichsweise wenig über den langen und anhaltenden sozialen und politischen Kampf von Menschen mit Behinderungen und ihren Verbündeten. Diesem Desiderat widmet sich das Projekt «Disability Struggle (dis/strug)».
Ziel des Projekts ist es, die Behindertenrechtsbewegung in der Schweiz zwischen 1981 und 2022 historisch zu rekonstruieren und ethisch zu analysieren und zu verstehen. Die Behindertenrechtsbewegung wird oft als emanzipatorische soziale und politische Bewegung mit ethischen Zielen betrachtet. Eine gängige Annahme ist, dass sie aus dem Engagement von Einzelpersonen oder Gruppen in einem sozialen und politischen Kampf gegen empfundene Ungerechtigkeiten und für eine bessere Gesellschaft entstanden ist. Aber was genau die Ziele und die Motive dieser Kämpfe sind und wie sich individuelle Akteur:innen zu organisationalen und strukturellen Bedingungen, Möglichkeiten und Entwicklungen verhalten, ist weit weniger klar. Genau diesen Aspekten widmet sich das Projekt.
Das Projekt kombiniert Oral-History-Interviews mit der Analyse von Archivquellen, um zu verstehen, (1) wie die in der Behindertenrechtsbewegung Aktiven ihren sozialen und politischen Kampf konzeptualisierten, welche Ungerechtigkeiten sie erlebten und welche Visionen von einer besseren Gesellschaft sie hatten, (2) wie die Erfahrungen des Aufwachsens und Erwachsenwerdens den sozialen und politischen Kampf der Aktivist:innen im späteren Leben prägten und (3) wie dieser Kampf zu kollektivem sozialem und politischem Handeln führte.
Indem das Projekt die Stimmen der in der Behindertenrechtsbewegung Aktiven in den Vordergrund rückt, will es gängige Narrative und Interpretationen dieser Bewegung in Frage stellen und erweitern. Der erwartete Mehrwert des Projekts besteht darin, dass es einen substantiellen Beitrag zu einem differenzierteren Verständnis des sozialen und politischen Kampfes eines – aller Errungenschaften zum Trotz – immer noch marginalisierten Teils der Gesellschaft leistet.
Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds SNF gefördert und von Prof. Dr. Franziska Felder (Lehrstuhl Inklusion und Diversität) und Dr. Michèle Hofmann (Forschungsstelle historische und vergleichende Kindheits- und Jugendforschung) geleitet.
Laufzeit: August 2024 bis Juli 2028