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Sein Strand in Ostia sei einmal hundert Meter länger gewesen, stellt Massimo Muzzarelli fest. Er hat immer hier am Meer gelebt, gearbeitet und gesehen, wie dieser Strand dünner und dünner wurde.
Das Meer frisst sich regelrecht ins Land hinein, unterspült die Uferpromenade, aber auch die Umkleidekabinen für die Badegäste. «Die vorderste Reihe der Umkleidekabinen stürzte ins Wasser. Ihre Fundamente hatte ein Hochwasser vor etwa 20 Jahren weggespült.»
Muzzarelli hat also ein lebhaftes Interesse daran, dass sein Strand nicht weiter erodiert. Schon vor 25 Jahren begann er – unterstützt von der regionalen Verwaltung – den weggespülten Sand wieder aufzuschütten. «Im Meer vor Anzio, etwa 40 Kilometer weiter südlich, holte ein riesiges Baggerschiff Sand aus der Tiefe des Meeres und brachte es hierher. Tonnenweise.»
Etwa zwei oder drei Jahre hielt der Sand, doch dann hatte das Meer auch diesen wieder weggespült. Er musste nochmals Sand aufschütten lassen und nun steht eine dritte solche Aktion bevor.
Dass die Strände erodieren, sei zuerst ein Problem für die Umwelt, sagt Muzzarelli, aber auch eines für sein Portemonnaie. «Ich habe nur noch etwa die Hälfte der Kunden. Weil der Streifen Sand immer schmaler wird, haben immer weniger Sonnenschirme und Leute darauf Platz.»
Die Hälfte der Umkleidekabinen musste Muzzarelli bereits stilllegen. «Bald werden wir wie die Holländer Deiche bauen müssen, um unsere Küsten zu schützen», sagt er.
Professor Enzo Pranzini hat sein Büro in Florenz, in sicherer Entfernung von den erodierenden Stränden. Ostia sei der Hafen des antiken Roms gewesen. Was davon übriggeblieben ist, liegt heute mehrere Kilometer vom Meer entfernt im Landesinnern.
«Von der Zeit der Etrusker bis weit ins letzte Jahrhundert wuchsen die Strände und so das Land. Denn die Flüsse schwemmten viel Geröll und Sedimente ins Meer, die sich über die Jahrhunderte in Form von Sand an den Küsten ablagerten.»
Inzwischen hätten sich die Sedimente der Flüsse drastisch verringert. Hauptursache seien die Staumauern, mit denen man fast alle Flüsse mehrfach gebändigt habe. Hinter diesen Mauern, in den Stauseen, liege viel von dem Sand, der eigentlich ins Meer gehörte, erklärt Pranzini.
An vielen Orten habe zudem die Bauindustrie den verbleibenden Sand und Kies der Flüsse abgegraben. Zusätzlich lasse der Klimawandel den Meeresspiegel vielerorts steigen. Für unsere Strände ist das ein gefährliches Gemisch, sagt der Geologe. «Rund 40 Prozent aller italienischen Strände schwinden.»
Dass der Staat eingreift und die Küsten schützt, indem er Sand aufschütten oder Schutzmauern errichten lässt, findet Pranzini grundsätzlich gut. Trotzdem sei es ein Flickwerk, und die Erosion gehe weiter.
Längerfristig gebe es deshalb nur eine Lösung: «Wir müssen uns strategisch zurückziehen. Das heisst: Mehr Abstand halten zum Meer, und mittelfristig auch Strassen und Bahnlinien weiter ins Hinterland verlegen. Wir müssen lernen, mit erodierenden Stränden umzugehen.»