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Zwischenstunde - Preise für Ramon Mäder (1c) und Jessica Thalmann (6d)
Die Wettbewerbsbeiträge von Ramon Mäder aus der Klasse 1c - Kategorie "Bild", 1. und 2. Klasse Langgymnasium - und Jessica Thalmann aus der Klasse 6d - Kategorie «Text», 3. und 4. Klasse Kurzzeitgymnasium, IMS, HMS, FMS bzw. 5. und 6. Klasse Langzeitgymnasium - sind beim Kreativ-Wettbewerb "Zwischenstunde" der Zürcher Mittelschulen prämiert worden.
Wir gratulieren herzlich zu den Auszeichnungen.
Das Bild zu diesem Beitrag ist ein Ausschnitt aus Ramon Mäders Zeichnung für den Wettbewerb. Der von Jessica Thalmann eingereichte Text ist unten wiedergegeben.
Die virtuelle Ausstellung aller Arbeiten ist über den Link am Ende dieser Seite zugänglich.
Jessica Thalmann: "Stundenglas"
Ich nippe an meinem lauwarmen Pfefferminztee mit zu viel Zucker. “Du?“ – “Mmh?“ Ich beobachte sein Profil, die hohe Stirn, unter der sich lange Wimpern hervorstrecken. Die leicht gebogene Nase. Das markante Kinn. Er hat die Augen geschlossen und den Kopf leicht an die Wand gelehnt. Ich würde am liebsten über seine von der Sonne rötlich bemalten Lippen streichen, aber ich traue mich nicht.
Ich stelle das Glas Tee ab. Tee, den ich eigentlich nicht gern habe. Er ist zu süss mit einem zu bitteren Nachgeschmack. Wie Kindermedizin. Oder wie dieser Moment. Der Strassenlärm dringt herauf zu uns, den beiden auf dem Balkon im vierten Stock auf den weiss-rostigen Metallstühlen. Er scheint vergessen zu haben, dass ich ihn angesprochen habe. Hat die Augen weiterhin geschlossen. Friedlich. Die Zeit scheint hier oben stillzustehen, während sich unter uns gestresste Menschen gegenseitig anhupen. Ich nippe wieder an meinem Tee. Versuche mein Gesicht nicht zu verziehen. Versuche mir einzureden, dass ich dieses bittersüsse Getränk gerne habe. Versuche mir diesen Moment einzuprägen. Ein Moment, von dem ich weiss, dass ich mich noch in Jahrzehnten daran erinnern werde. Dass ich dann aufseufzen und hoffentlich sagen können werde: “Weisst du noch? Damals, als wir beide bei dieser wunderbaren Tasse Tee bei dir romantisch auf dem Balkon sassen? Wir beide? Über dem Lärm der Stadt?“
Wir. Gibt es überhaupt dieses Wir? Was ist zwischen uns? Zwei Individuen? Sind wir schon ein Wir? Ich versuche den roten Nagellack von meinem grossen Zeh wegzuknibbeln. Winzige rote Nagellackstückchen, ja fast Körnchen, fallen durch den Terrassenspalt hinab in die Tiefe. Ich muss an das Rieseln des Sandes in einem Stundenglas denken. Die Zeit, die verstreicht, während auf diesen vier Quadratmetern die Zeit stillzustehen scheint.
Die Nagellackkörner, die hinabsegeln, während wir in der Schwebe zu sein scheinen. Nicht klar definiert haben, was wir sind. Ich hole tief Luft: “Du?“ Keine Antwort. Deine Gedanken scheinen weit weg zu verweilen. In Erinnerungen? In Zukunftsplänen? Denkst du, wie ich, ständig an dich? Oder denkst du etwa sogar an mich? Ich möchte einfach nur hier sitzen und an diesem scheusslichen Tee nippen, aber gleichzeitig fürchte ich mich auch davor, heute Abend wieder alleine die Strasse hinunterzulaufen, während die Sterne aufgehen. Mit diesem Gefühl von Zufriedenheit, weil wir eine weitere wunderschöne Erinnerung geschaffen haben, und mit einem Gefühl von Unsicherheit. Nach Hause zu laufen, während immer weniger Autos an mir vorbeifahren, der Strassenlärm weniger wird, und mich zu fragen: Was ist das hier? Mit dir?