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Die Vermögen der Milliardäre sind im vergangenen Jahr weltweit um 12% gestiegen, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung 11% an Vermögen verliert. Dies geht aus dem neuesten Oxfam-Bericht hervor.
Dabei sind insbesondere weibliche Personen stark von Armut betroffen. Im weltweiten Durchschnitt besitzen Männer 50% mehr Vermögen als Frauen. Zudem beziehen Frauen durchschnittlich einen um einen Viertel niedrigeren Gehalt als Männer.
Diese geschlechterspezifische Ungleichheit in den Vermögen und Einkommen zeigt sich gerade auch in den Projektländern von Horyzon. So stellten die Studienautoren fest, dass beispielsweise in Bangladesch die Frauen nur zwischen 20-30% des Vermögens besitzen. Dazu kommt, dass hier die Männer sechs Mal mehr Land besitzen als Frauen.
Vor allem Frauen leisten Pflegearbeit
Auch in Kolumbien, einem anderen Horyzon-Projektland, sind die Frauen massiv benachteiligt. Untersuchungen von Oxfam haben gezeigt, dass hier Frauen 14 Stunden am Tag arbeiten um dann anschliessend, beispielsweise aufgrund kranker Angehöriger, noch Pflegeverantwortung wahrnehmen zu müssen. Des Weiteren legt eine andere Studie dar, dass arme Frauen aus ländlichen Gebieten gar fünfmal mehr Pflegearbeit leisten als Männer. Diese unbezahlte Arbeit benachteiligt die Frauen in vielerlei Hinsicht:
- So schädigen die viele Arbeit und der Stress ihre Gesundheit
- Die Pflegeverantwortung limitiert sowohl ihre Möglichkeiten bezahlte Arbeit zu finden, als auch sich am politischen und gesellschaftlichen Leben zu beteiligen.
- Dies führt wiederum dazu, dass sie sich keine Arbeitserfahrung aneignen können, um damit in Führungspositionen zu gelangen. Zudem führt der Ausschluss aus dem politischen Prozess zu einer Marginalisierung innerhalb der Gesellschaft.
- Die Bildung der Mädchen, welche aus der Schule genommen werden, um zu Hause zu helfen, leidet. Währenddessen können die Brüder der Mädchen ihre Ausbildung fortsetzen.
Doch was wäre zu tun, um die Ungleichheit zu verringern oder zumindest das Auseinanderklaffen der Schere zu stoppen? Mittel zur Bekämpfung der Armut wären öffentliche Angebote in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung. Angebote, welche jedoch in vielen Ländern stark unterfinanziert sind oder stark unter politischem Druck stehen. Wichtig wäre, gemäss Oxfam, daher eine stärkere und effektivere Besteuerung von Konzernen und Vermögenden.
Kritik am Oxfam-Bericht
Mit der alljährlichen Veröffentlichung des Oxfam-Berichtes werden immer wieder auch Vorwürfe an der Methodik des Berichts laut. Kritiker des Berichts bemängeln insbesondere, dass die Daten von Oxfam nicht richtig erfasst und dann vereinfacht werden. Doch gemäss Oxfam trifft diese Kritik nicht zu. Gemäss der Datengrundlage könnte zwar ein mitteleuropäischer Hochschulabsolvent, der einen lukrativen Job hat, aber mit einem Studentendarlehen verschuldet ist, als arm gezählt werden. Doch selbst, wenn man aus der Rechnung das ärmste Zehntel der Bevölkerung rausrechnen würde, um diese Verzerrung zu korrigieren, das Resultat bliebe in der Tendenz dasselbe.
Auch den Vorwurf, Oxfam ignoriere, dass immer mehr Menschen den Ausstieg aus der Armut schaffen, weist die NGO von sich. Oxfam betont regelmässig– so auch dieses Jahr-, dass die extreme Form der Armut weltweit immer mehr zurückgehe. Jedoch stellen die Autoren fest, dass sich dieser Trend zunehmend abschwächt und wesentlich mehr Menschen aus der Armut befreit werden könnten, wenn sie ebenfalls so vom wirtschaftlichen Erfolg profitiert hätten wie die Reichsten.