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Unterhaltung
Unschuld als Waffe
Der 12-jährige Michael (Sean Nelson), genannt "Fresh", wächst in einem jener Viertel New Yorks auf, wo man Arbeit nur im Drogenhandel findet. Auch Michael betätigt sich als Kurier, aber möchte weiterhin die Schule besuchen, was zu einigen tragikomischen Szenen am Anfang des Films von Boaz Yakin führt, der jetzt bei Studiocanal auf BluRay und DVD mit vielen Extras herausgekommen ist. Die Schwester von Michael, Nichole (N’Bushe Wright), hängt wie so viele andere in seinem Viertel auch an der Nadel und besorgt sich ihren Stoff abwechselnd von James und Esteban (Giancarlo Esposito), wofür sie jeweils mit ihrem Körper bezahlt. Nachdem sie endgültig aus der Wohnung der gemeinsamen Pflegemutter auszieht, die neben Michael und Nichole noch zehn weitere Kinder versorgt, weiß Michael, dass er ihr Leben retten muss. Als der wildgewordene Jake dann bei einem Basketspiel einen Freund Michaels und ein Mädchen, in das er sich verliebt hat, erschießt, beschließt Michael dem allem ein Ende zu setzen und mit einem geschickten Schachzug aus dem Ghetto auszubrechen.
Waste of Time
Zwischen den einzelnen Szenen spielt Michael immer wieder mit seinem Vater Sam (Samuel L. Jackson) im Park Schach. Sam ist ein Bum-Homeless, tagsüber immer mit der Flasche am Zeitung lesen im Park, abends vor seinem Wohnwagen-Trailer in einer Baulücke auf einem Liegestuhl. Sam schwärmt immer noch von seiner Tochter Nichole, die, wenn sie das Zimmer betrat, die Sonne aufgehen ließ. Aber Sam hat aufgegeben, von seiner Frau und Michaels Mutter erfahren wir nichts, aber es ist klar, dass irgendetwas schreckliches Sam aus der Bahn geworfen hat. Aber immerhin bringt er seinem Sohn Michael das Schach spielen bei und auch die damit verbundene Lebensphilosophie: "Everything lost can be found again, except wasted time", sagt der Bum-Vater zu seinem Drogendealer-Sohn und der Zuschauer fragt sich, welche Konsequenzen dieses Motto bald haben wird. Bald ist Michael nämlich in einen zweiten Mord verwickelt, den an seinem Freund Chuckie, der sein Maul nicht halten kann.
Love of a Saint
In einfühlsamen poetischen Bildern erzählt Boaz Yakin vom Aufwachsen in einem Armenviertel in New York und zeigt, dass auch dort smarte Jungs wie Michael geboren werden, die einen Ausweg aus der Krise finden. Seine geschickt eingefädelte Intrige erinnert an das Schachspiel: auch hier müssen Bauern geopfert werden, damit die Könige leben können. "I ain’t give a shit, about the love of a motherfuckin’ saint", sagt Nichole über ihre Tante, so als wäre diese Liebe nichts wert, weil sie allen gilt. Aber Michael liebt Nichole und in einem genialen Showdown spielt er sich und sie frei.
Geniale schauspielerische Leistungen von Jackson und Esposito, eine Menge Schießereien, tolle Dialoge im New York Slang und ein Protagonist mit dem sich jeder identifizieren kann, zeichnen diesen erstklassigen Film aus, der brandaktuell Themen anspricht, die auch heute noch das Leben in den Großstädten der USA kennzeichnen. Ein brillantes Sozialdrama, das durch Charakter- und Milieustudien überzeugt und ein authentisches Feeling aufkommen lässt. "You’re a goddamn mothafucka, the only thing is, you’re so little, but one day you will be THE MAN", sagt ihm ein Pusher, als Michael mehr für seine Dienste verlangt. Er hat recht.