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Tansania 2017
Eine Reise mit vielen Tieren, schönen Landschaften und grossen Gegensätzen
Prolog
Es ist Mai 2016. Wir treffen uns mit unseren Freunden Eliane und Armin. Die Beiden sind genauso Afrika angefressen wie wir. Im Laufe des Treffens kommt, wie immer, Afrika ins Gespräch. Bald schon fällt das Stichwort Tansania. Die Idee gemeinsam Tansania zu bereisen ist geboren. Ich stelle mich als Fahrer zur Verfügung, werde aber einstimmig abgelehnt. Sie bevorzugen einen einheimischen, deutschsprachigen Führer / Fahrer. Bald darauf beginnt die Detailplanung. Unsere Ideen schicken wir, wie immer, an das bewährte Düdder Reisebüro. Im Juni 2016 ist die Planung beendet. Die 17 tägige Reise steht. Die Organisation übernimmt das Büro Tanzania experience mit Sitz in Arusha. Nun geht die Warterei los. Dazwischen bereisen wir zwei noch Krotatien. Mehr dazu steht im Reisebricht in dieser Homepage.
Auszug aus Wikipedia
Tansania ist ein Staat in Ostafrika. Es liegt am indischen Ozean und grenzt an Kenia und Uganda im Norden, Ruanda, Burundi und die DR Kongo im Westen und Sambia, Malawi und Mosambik im Süden. Es ist seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich am 9. Dezember 1961 Mitgliedstaat des Commonwealth of Nations.
Das Land ist mit 49,3 Millionen Einwohnern (2013) das nach Bevölkerung sechstgrößte Land Afrikas. Hauptstadt des Staates ist Dodoma, Regierungssitz und größte Stadt ist jedoch die Küstenstadt Daressalam; weitere große Städte sind Mwanza, Arusha, Dodoma, Mbeya, Morogoro und Tanga.
Tanganjika (das Festlandgebiet mit der Insel Mafia umfassend) wurde 1961 von der Mandatsmacht Großbritannien unabhängig und verband sich 1964 mit Sansibar (Inseln Pemba und Unguja) zu Tansania, dessen Landesname aus Tanganjika, Sansibar sowie der Bezeichnung Azania zusammengesetzt ist. In Tansania werden etwa 125 Sprachen gesprochen, größtenteils Bantusprachen, aber auch nilotische und kuschitische Sprachen, Arabisch sowie indische Sprachen; Verkehrssprachen sind hingegen Swahili (Suaheli) und Englisch
11.10.2017
Endlich geht es los. Der Zug nach Zürich, geplante Abfahrt 19:04 Uhr, fährt mit 30 Minuten Verspätung ab. Kein Problem, wir übernachten in Zürich. Unser Flug geht erst am nächsten Morgen um Sieben Uhr. Nach einem Schlummertrunk gibt es ein paar Stunden Schlaf im Hotel STAY@Zürich Airport. Für eine Vorflugübernachtung sehr zu empfehlen.
12.10.2017
Wir fliegen mit der KLM nach Amsterdam. Nach einem kurzen Aufenthalt geht es weiter nach Arusha, Kilimandscharo Airport. Wir landen nach sehr bequemen Flügen, wir haben breitere Sitze mit mehr Sitzabstand gebucht, einigermassen pünktlich in Tansania. Es ist abends 20:00 Uhr. Wir haben die Sitzreihe 11 und sind deshalb unter den Ersten am Visaschalter. Die zwei mal 50 Dollar verschwinden sofort unter dem Pult. Es wird geschrieben. Listen werden gefüllt, dann werden die Pässe dem nächsten Beamten weitergereicht. Dort geht es weiter mit Stempeln und ausfüllen. Ein Foto wird gemacht. Die Fingerabdrücke werden abgenommen. Von weitem sehe ich wie die Erste unserer Reisetaschen auf dem Band erscheint. Auch das hat also geklappt. Denkste! Von uns kommt keine weitere Tasche, von unseren Freunden kommt gar keine Tasche. Nicht gut! Wir gehen zum Fundbüro. Dort ist unsere Misere schon bekannt. Die Formulare sind ausgefüllt. Unglaublich!! Sind wir denn nicht in Afrika? Von uns braucht es noch ein paar Angaben und schon können wir mit einem Viertel unseres Gepäcks das Flughafengebäude verlassen. Wir finden unseren Fahrer der uns in einer 40 minütigen Fahrt zur African view Lodge bringt. Er kennt unser Pech schon und will uns beruhigen. Wir sind aber gar nicht aufgeregt. Wir bleiben die ersten drei Nächte in dieser Lodge. Bis dann wird es die KLM schon schaffen, das fehlende Gepäck nachzuliefern. Bis dahin reicht der eine Koffer für uns alle. Wir achten beim Packen darauf, dass dringend benötigte Kleidungsstücke auf beide Koffer verteilt sind. Alsbald wird das WLAN gestartet. Wir erhalten per Mail und per Watsup die Mitteilung von der KLM, dass unser Gepäck morgen Abend in der Lodge eintreffen soll. Das gleiche erzählt uns die Reception der Lodge. Die hatten schon Kontakt mit dem Operator vor Ort. Wir genehmigen uns einen tollen Schluck, dann geht es ab ins Bett. Auspacken müssen wir ja nicht viel.
13.10.2017
Wir schlafen so einigermassen. Liegt wohl daran, dass wir den gestrigen Tag meist schlafend im Flugzeug verbracht haben. Die Lodge ist neu, dementsprechend gut im Schuss. Die Doppelhäuser sind rund um einen Pool angelegt. Das Ganze liegt in einem schönen Park. Wenn die Wolken es zulassen können wir die beiden Berühmtheiten Mount Meru und Kilimanjaro bewundern.
Das Frühstück wird serviert und schmeckt uns. Um halb Acht ist ein Briefing durch den Touroperator angesagt. Wir treffen eine junge Dame deutschen Ursprungs. Sie kommt vom Touroperator Tanzania experience. In ihrer Muttersprache gehen wir gemeinsam den schriftlichen Reiseplan durch. Den Zweck dieses Palavers bleibt mir bis Heute verborgen. Die Tipps wie man sich in nicht eingezäunten Camps benimmt, sind für uns Afrikakenner genau so überflüssig. Die Infos über das fehlende Gepäck sind auch nicht neu. Sei es wie es ist, nach einer guten halben Stunde treffen wir unseren Guide, der die nächsten 15 Tage mit uns Vieren verbringen wird. Daniel ist uns auf Anhieb sympathisch. Er hat während der letzten Zwischensaison Deutsch gelernt. Es ist ihm recht gut gelungen. Wir sprechen und verstehen alle die englische Sprache. Informationen über Kultur, Tierwelt und Grünzeug kriegen wir aber nicht alle Tage. Das Ganze in Englisch kann mit der Zeit recht mühsam werden. Deshalb haben wir uns für einen Deutsch sprechenden Führer entschieden. Schauen wir mal wie das wird. Es geht los mit Kultur. Wir fahren über relativ mühsame Strassen ein wenig den Mount Meru hoch zur Agape Women Group, einem Zusammenschluss lokaler Frauen. Dort werden wir herzlich begrüsst und mit gebratenen Kartoffeln und selbstgemachtem Kaffee verwöhnt. Andere Länder, andere Sitten. Mama Anna, die Chefin des Clans, ist eine sehr quirlige, lebhafte und herzliche Frau. Mit einem jungen Führer geht es dann ab in die umliegende Agrikultur Landschaft. Wir erfahren auf der zwei stündigen Wanderung viel über den Anbau von Gemüse und deren Verwertung. Der Staat hat auch hier die Finger drin. Die Bauern kämpfen um ihre Existenz. Das Land gehört der Regierung. Die Bauern dürfen es bewirtschaften. Als Gegenleistung müssen Sie dem Wald, der ebenfalls in Staatsbesitz ist, Sorge tragen. Aus dem Holz wird Papier hergestellt. Vom Gewinn haben die Leute selbstverständlich nichts. Zurück auf dem Hof werden wir mit einem feinen Mittagessen verwöhnt. Es gibt: Geschnezeltes Rindfleisch an einer Gemüsesauce, selbst angebautes Gemüse, einen Brei aus Kartoffeln und roten Bohnen, Maisbrei. Das alles ist traditionell zubereitet. Jetzt zeigen sie uns wie sie ihren Kaffee selber herstellen. Das geschieht mit einfachsten Mitteln. Zum Stampfen des Kaffees mit einem grossen Mörser wird gesungen und getanzt. Wir werden in traditionelle Kleider gesteckt und dürfen mitmachen. Es macht Spass und gibt einen guten Einblick in die Arbeitsweise. Alles wird von Hand gemacht. Für nichts gibt es Maschinen. Gekocht wird mit eigenem Biogas. Den Saft dazu liefern zwei eigene Kühe. Der Mist wird in einem Drucktank gefasst, das Gas wird via Leitung in die Küche geleitet. Dort stehen zwei Gasbrenner, auf denen wird gekocht. Die Küche ist sehr einfach eingerichtet. Zum Schluss werden die eigenen Produkte zum Kauf angeboten. Wir erstehen einen kleinen Laib Käse, den wir in den nächsten Tagen verzehren wollen. Die Rückfahrt zur Lodge ist genauso holprig wie die Hinfahrt. Den GT haben wir uns verdient. Das Nachtessen schmeckt gut. Bei einem Glas Wein lassen wir den Tag ausklingen. Das fehlende Gepäck sollte morgen Früh da sein.
14.10.2017
Der Gang an die Reception ist erfolgreich. Unser Gepäck steht vollumfänglich da. Um neun Uhr holt uns Daniel ab. Wir fahren in den nahegelegenen Arusha Nationalpark. Das Parkprozedere übernimmt Daniel. Es dauert eine halbe Stumde. In der Zeit loggen wir einen Cache. Im Park machen wir als erstes eine 1,5 stündige Wanderung mit einem Ranger. Dabei sehen wir Büffel, Giraffen, Warzenschweine und anderes Getier. Wir sind mittendrin. Sie lassen sich durch uns nicht stören und wir geniessen die ungewohnt nahen Begegnungen. Während der Fahrt zum Picknickplatz sehen wir Büffelherden Giraffen Wasserböcke und schon sind wir da. Er liegt schön angelegt an einem der Momela Lakes. Daniel hat sehr schmackhafte Lunchpakete dabei. Die Weiterfahrt zum Ngurdoto Krater ist eher langweilig. Auf der Rückfahrt zum Gate treffen wir auf eine Bande Bluemonkys. Macht Spass der Truppe zuzusehen. Nach der kurzen Rückfahrt zur Lodge gibt es den obligaten GT. Apero und Nachtessen, Schlummertrunk und ab in die Haja.
15.10.2017
Daniel holt uns um neun Uhr ab. Die gut drei stündige Fahrt zum Lake Manyara NP bewältigen wir ereignislos. Daniel fährt ruhig und sicher. Hält sich an die Tempolimiten. Die Polizei ist allgegenwärtig. Er schafft es, ohne von Ihnen nur einmal angehalten zu werden. Die übliche Prozedur beim Parkeingang, dauert auch hier eine halbe Stunde. Wir verdrücken unsere Lunchpakete. Für Armin und mich gibt es sogar ein kaltes Bier am Kiosk. Als erstes treffen wir auf Vögel. Es geht nur noch meterweise vorwärts. Immer sehen wir einen noch schöneren Vogel. Ich banne das Nötigste auf Film und hoffe, dass all die Vögel auf einmal davonfliegen. Die Fotoapparate klicken fast pausenlos.
Endlich geht es weiter zum Hippopool. Die Tiere schlafen dichtgedrängt im niedrigen Wasser. Das muss ja zum Streit kommen.
Etwas weiter treffen wir auf eine Gruppe Elefanten. Die Tiere sind absolut ruhig. Fressen ihr Grünzeug und kommen den Fahrzeugen immer näher. Mit etwa 5 Meter Abstand können wir zusehen, wie sie geschickt mit Rüssel und Zähnen die Rinde von dünnen Ästen lösen. Sowas konnten wir noch nie beobachten. Sowieso waren wir den Elefanten noch nie so nah. Ein eindrückliches Erlebniss.
Der Park ist sehr schön. Immer wieder öffnet sich der Busch, der Blick wird frei auf weite Ebenen und auf den Lake Manyara. Wir fahren ins Oremiti Camp. 13 freistehende Häuschen stehen zur Verfügung. Sie sind schön und zweckmässig eingerichtet. Alles ist sauber. Der Blick auf den fast trockenen See gefällt. Auch hier macht sich die Vogelwelt eindrücklich bemerkbar. Auf dem Weg zum Restaurant werden wir von einem Massai begleitet. Hyänen sollen im und ums Camp schleichen. Finden wir übertrieben, aber was soll‘s. Das Nachtessen schmeckt sehr gut. Unsere Freunde gehen mit dem Massai ein paar Minuten vor uns zurück ins Häuschen. Wir holen uns noch einen Absacker und machen uns alleine auf den Weg. Es passiert natürlich nichts.
16.10.2017
Wir schlafen sehr gut. Die Vogelwelt weckt uns bei Sonnenaufgang. So möchte ich immer geweckt werden. Das Frühstück ist reichhaltig und lecker. Es geht los ins Dorf Karatu zur Quadbikefahrt. Elisabeth kommt nicht mit. Sie braucht einen Ruhetag. Bis zum ATV Quadbike recreation Center fahren wir eine gute Stunde durch grüne Felder. Die ATV (All Terrain vehicles) stehen schon bereit. Wir erhalten eine Übergewand, Knie- und Ellbogen -Schoner und einen Helm. Der kurzen Einführung am Gerät und im Gelände lauschen wir aufmerksam. Für uns Alle ist es das erste Mal, wo wir auf so einem Fahrzeug sitzen. Nach einer kurzen Fotosession geht es los. Alle bewältigen den ausgewaschenen Weg bis zur Dorfstrasse sehr vorsichtig. Mit jedem Meter werden wir sicherer. Vor mir fährt die Eliane. Showtime pur. Eine Frau steht am Strassenrand. Eliane hebt kurz und lässig die linke Hand zum Gruss und schon landet die Freundin im Strassengraben. Nichts passiert, wir sind ja sehr langsam unterwegs. Nachdem der Rückwärtsgang gefunden ist, ist der Weg zurück auf die Strasse kein Problem mehr. Weiter geht’s, die Fahrt wird immer wieder kurz unterbrochen. Wir erhalten Infos über die Umgebung. Was wird angebaut, wie werden Ziegel hergestellt. Übrigens alles Handarbeit. Eine kurze Pause reicht für einen Schluck Wasser. Das Ganze läuft sehr gesittet und vorsichtig ab. Es wir nicht gerast. In den anfangs erhaltenen Unterlagen ist zwei Mal der Vermerk «it ist Not a Race» zu lesen. Um ein bisschen Action zu generieren, lass ich den Abstand zwischen Eliane und mir grösser werden und hole dann mit ein wenig grösserem Tempo wieder auf. Nach zwei Stunden ist die Fahrt zu Ende, wir sind zurück am Ausgangspunkt. Alle sind wohlauf. Es war ein ein einmaliges Erlebniss, mit dem Quad durch diese schöne Gegend zu fahren. Wir kriegen noch eine richtig gute Ofenpizza. Wirklich im Holzofen zubereitet. Ein Bier gibt’s auch dazu.
Die Rückfahrt zum GT ist wiederum kurzweilig. Auch der schmeckt wie immer sehr gut. Nun wir der Staub abgewaschen. Das Wasser fliesst ziemlich braun durch die Dusche. Wir haben abgemacht, dass wenn alle ohne Blessuren von diesem Abenteuer zurückkommen, leisten wir uns einen Schaumwein. Er schmeckt uns gut. Elisabeth hat, nach eigener Aussage, den Tag auf der Lodge so richtig genossen. Das Personal hat sie nach Strich und Faden verwöhnt. So nach Queen Elisabeth. Das Abendessen schmeckt vorzüglich.
17.10.2017
Leider können wir die Rechnung nicht, wie erwartet, mit Kreditkarte bezahlen. Das WLAN funktioniert nicht. Das dezimiert unsere Dollarvorräte stark. Mal sehen wie das rauskommt. Heute sitzen wir gute 8 Stunden im Auto. Es geht via Karatu und der Ngorongoro conservation aerea in die Serengeti. Die Durchfahrt kostet pro Person 70 Dollar. Die Strassen sind mehrheitlich übles Wellblech. Kurz vor unserem ersten Camp, dem Kati Kati in der Seroneraregion, treffen wir noch auf einen Leoparden im Baum. Zu sehen ist er fast nicht, trotzdem stehen ca. 15 Fahrzeuge rum. Kurz nach dieser Sichtung ist unser rechter Reifen hinten platt. Unser Guide macht sich sofort an die Arbeit. Regen ist in Sicht. Wir schauen interessiert zu wie er das halbe Gepäck ausladen muss um an den Wagenheber zu kommen. Unsere helfenden Hände hat er abgelehnt. Musste er wohl. In 30 Minuten ist das Rad gewechselt.
Die Fahrt zum. Camp ist nicht mehr weit. Wir werden freundlich empfangen. Die Zelte 4 und 5 werden durch uns in Beschlag genommen. Alles ist sauber und zweckmässig. Das Warmwasser für die Dusche muss bestellt werden. Hinter dem Haus hängt ein 30 Liter Sack. Der wird durch einen Mitarbeiter der Lodge mit sehr warmem Wasser gefüllt und hochgezogen. Wenn das Wasser nicht reicht, was bei mir als Zweitduscher der Fall war, ruft man einfach laut, more wather, innerhalb von zwei Minuten ist der Sack wieder gefüllt. Das Duschen kann weiter gehen. Der Grund für dieses Prozedere ist, es gibt kein Druckwasser, sprich keine Pumpe. Das Personal ist überaus freundlich und hilfsbereit. Sogar der Zucker im Kaffee wird umgerührt. Das Nachtessen wird serviert und schmeckt uns. Den Weg zurück, dürfen wir nur mit Begleitperson machen. Das Camp hat keinen Zaun, die Rufe der Hyänen sind nah. Die unverkennbaren Laute begleiten uns die ganze Nacht. Etwas weiter weg brüllt ein Löwe. Das ist genau das, was wir uns gewünscht haben. Auch darum lieben wir Afrika.
18.10.2017
Nach einem schmackhaften Frühstück, stellen wir uns unsere Lunchbox zusammen. Die Auswahl ist ausreichend. Der erste Gamedrive startet um 08:00 Uhr. Wir treffen auf die Migration der Gnus. Geschätzte 30'000 Tiere wandern gen Süden. Wir fahren mittendurch. Alle Bilder, die wir in Filmen und TV gesehen haben, verblassen. Es ist einfach nur gigantisch, diese Menge Gnus zu beobachten. Dieses Schauspiel werden wir sicher nie mehr vergessen.
Wir treffen Löwen mit ihren Jungen. Sogar die Väter sind in der Gruppe dabei. Haben wir bis jetzt nur sehr selten beobachten können.
Es folgt eine Geparden Mama mit ihrem Nachwuchs. Es ist nur noch ein Jungtier bei ihr. Die restlichen sind wohl dem Jagdtrieb und dem Hunger ihrer Jäger zum Opfer gefallen.
Den Lunch verzehren wir im Camp das zum Touristoffice gehört. Daniel lässt den kaputten Reifen flicken. Ich würde ein dermassen abgefahrenes Ding wegschmeissen. Aber hier kostet die Reparatur ja nicht soviel wie bei uns. Mit zwei mehr oder weniger tauglichen Reservereifen fahren wir gemütlich ins Camp zurück. Ein kleiner Teil der Migration läuft bei unserem Zelt vorbei. Das Geplärr der Gnus wir uns die ganze Nacht begleiten. Das Duschen bewältigen wir problemlos.
19.10.2017
Nach dem Frühstück fahren wir in unsere neue Unterkunft. Es geht vom Zentrum der Serengeti in den Norden ins Bologonya Camp. Zuerst aber kreuzen wir noch einmal die Migration der Gnus. Wir können uns kaum sattsehen an den tausenden von Tieren. Wir treffen, nebst anderem Getier, noch auf eine Löwin, die einen Teil der erlegten Babygiraffe durch die Gegend schleppt.
Die Fahrt zum Picknickplatz, nach etwa Streckenhälfte, verläuft dann mehr oder weniger ereignislos. Der Lunchplatz liegt bei einem Hippopool im Grumeti River. Etwa 30 Tiere liegen oder waten im Fluss, der hier ein Wiederwasser bildet. Ein Höllenlärm. Das Gegrunse ist weithin zu hören.
Auf der Weiterfahrt stoppt Daniel plötzlich abrupt. Am Strassenrand liegt ein Gepard. Er erhebt sich und macht sich mit elegantem Schritt vondannen. Wir können ihn gut beobachten. Einige schöne Bilder gibt es dazu.
Wir erfahren von Daniel, dass eine Brücke wegen Hochwasser gesperrt ist. Das bedeutet einen Umweg von einer Stunde. Also wird das Tempo merklich erhöht. Wir fahren dabei noch kurz zur gesperrten Brücke. Gucken was da los ist. Da möchte nicht mal ich drüberfahren. Das Wasser fliesst in einem Höllentempo ca. ein Meter hoch über die Wasserüberführung. Also geht’s weiter auf dem Umweg. Um halb sechs Uhr treffen wir im Camp ein und werden mit einem Drink herzlich empfangen. Wir erfahren, dass für uns alle Getränke, inkl. GT, inbegriffen sind. Das freut uns, da wir ja ein wenig knapp an Dollars sind. Leider ist die Gin Flasche nach unserem GT leer. Das ginge ja noch, es ist leider die Letzte! Die Zelte sind rasch bezogen. Die Einrichtung ist gleich wie im Kati Kati Camp. Einen Luxus haben wir, alle Geräte können im Zelt aufgeladen werden. Bei unseren Freunden im Nachbarzelt, funktioniert die WC Spühlung nicht. Sofort kommt jemand und beginnt mit der Reparatur. Soweit so gut, jetzt kommt im Badezimmer kein Wasser mehr. Es wird versprochen, dass das bis nach dem Nachtessen repariert sein wird. Wir gehen ins Apero. Das Nachtessen schmeckt uns. Nach dem obligaten Absacker geht’s zurück ins Zelt. Begleitet werden wir vom Wächter, der mit einem Gewehr bewaffnet ist. Es gibt in der Nähe Hippos und Löwen. Wir Vier finden das ganze Getue ein wenig übertrieben. Wer alle unsere Reiseberichte gelesen hat weiss, dass wir uns in der Wildniss Afrikas zu bewegen wissen. Selbstverständlich halten wir uns an die Weisungen. Zurück im Zelt stellen unsere Freunde, so richtig afrikalike fest, dass das Wasser im Bad zwar funktioniert, aber die WC Spühlung wieder nicht. Ihr Walkie Talkie, mit dem Begleitung oder Hilfe gerufen werden kann, ist nicht vorhanden. Ich kümmere mich darum und rufe mit meinem Funkgerät um Hilfe. Leider ist das Gegenstück schon abgestellt. Ich rufe zweimal laut Hallo. Eine Truppe, bestehend aus vier Leuten mit Taschenlampen und Gewehr, setzt sich in Richtung unserer Zelte in Bewegung. Eine Reparatur der einfachen Vorrichtung ist nicht möglich. Also werden die Reste der vergangenen Mahlzeiten, mit einem Kübel Wasser entfernt. Nach dem kurzen, afrikanischen Intermezzo, verziehen wir uns in die Zelt und schlafen, bei heftigem Regen, bald ein.
20.10.2017
Armin und Eliane ziehen um ins Zelt Nummer 2. Es gelingt der Staff nicht, die Reparatur zufriedenstellend zu erledigen. Dann fahren wir los Richtung Mara Fluss. Wir wollen mal live erleben wie die Gnus den Fluss überqueren. Unterwegs treffen wir auf eine wunderschöne Landschaft. Umgeben von Hügeln geht die Fahrt durch grüne Wiesen mit vielen Akazien. Wir treffen selbstverständlich auf Gnus. Elefanten kreuzen unseren Weg. Ein Löwe präsentiert sich im schönsten Sonnenlicht auf einem kleinen Hügel.
Kurze Zeit später treffen wir auf eine Hyäne mit Hörnern. Diese Sichtung gefällt uns besonders gut, wir kugeln uns vor Lachen. Nach knapp vier Stunden kommen wir zum Mara Fluss. Wir sehen sofort, dass auf der gegenüberliegenden Seite eine gross Herde sich daran macht, den Fluss zu queren. Wir schauen zu, wie sich die Tiere bis vorne an die Kante des Ufers wagen, wieder umdrehen und zurückgehen. Dieses Verhalten beobachten wir einige Zeit. Jetzt hat Daniel den richtigen Riecher. Ein paar Kilometer weiter flussabwärts, gibt es eine zweite Herde die den Fluss durchqueren will. Kurz bevor wir dort ankommen hört Daniel über Funk, dass die Querung dieser Herde beginnt. Mit einem kurzen Höllenritt treffen wir rechtzeitig ein. Es bietet sich uns ein Schauspiel sondergleichen. Die Gnus springen in den Fluss, kämpfen mit der Strömung und sind bald mal auf der anderen Seite, erklettern das Ufer und machen sich davon. Der Sound, der dieses Spektakel unterlegt, ist nicht zu beschreiben. Er ähnelt einem dumpfen, nicht enden wollenden Grollen. Das Ganze dauert rund 15 Minuten. Der Rest der Herde stoppt am Ufer, die Querung ist vorerst beendet. Auf unserer Seite stehen ein paar Jungtiere. Ihre Mütter haben es noch nicht geschafft, den Fluss zu überqueren. Sie rufen herzerweichend nach ihnen, drehen dann ab um der Herde zu folgen Ein paar Minuten später stehen sie wieder rufend am Ufer.
Wir fahren zu einem nahen Picknickplatz und widmen uns den Lunchpaketen. Überwältig vom Erlebten, mag keiner so recht essen. Das Gesprächsthema ist gegeben. Daniel kümmert das wenig, er futtert sich wie gewohnt, durch sein Essenspaket.
Dabei erzählt er uns, dass er in den acht Mal wo er hier war, eine Querung nur vier Mal miterleben durfte. Also haben wir unwahrscheinliches Glück gehabt und einen Guide, der die richtige Entscheidung getroffen hat. Selbstverständlich bedanken wir uns herzlich. Dieses Erlebniss werden wir unser Leben lang nicht mehr vergessen. Wir sind am zusammenpacken, da kommt neben uns ein anderes Safarifahrzeug. Die Tischdecke wird über der Motorhaube ausgebreitet. Es gibt richtige Teller und Besteck. Kartoffelsalat und warme Hühnerbeine werden ausgepackt und auf die Teller verteilt. Nix Lunchbox. Plötzlich ruft Daniel, alle einsteigen, es geht da unten wieder los. Beim Wegfahren können wir das Lachen nicht unterdrücken. Bei den Neuankömmlingen wird der Inhalt der Teller zurück in die Behälter geworfen. Teller und Besteck zusammengestellt. Die Decke kommt weg. Das alles dauert seine Zeit. Wir kommen zum Fluss, das Spektakel geht weiter. Ein paar Minuten später treffen unsere Picknicknachbarn ein. In dem Moment stockt die Überquerung wieder. Nichts passiert mehr. Schadenfreude ist doch eine der schönsten Freuden der Menschheit. Die Rückfahrt absolvieren wir zügiger. Dabei treffen wir auch die gleichen Tiere wieder. Der GT, der aus bekannten Gründen ein Glas Weisswein ist, haben wir uns, nach dem 8 stündigen Gamedrive, verdient. Das Nachtessen schmeckt wie immer. Bald verziehen wir uns in die Zelte.
21.10.2017
Heute gibt es einen gemütlichen Tag. Wir entscheiden uns einen Morgen und einen Nachmittagsdrive zu machen und den Lunch im Camp zu essen. Die Morgenfahrt führt uns bis etwa in die Hälfte bis zum Mara River. Hier sichten wir den Termitengepard. Das Gelächter will nicht enden. Wir treffen in etwa die gleichen Tiere wie gestern. Einige winken uns zu. Ich glaube die kennen uns schon. Spektakuläres passiert nicht.
Auf der Rückfahrt, etwa 2 Km vor dem Camp, sehen wir unten am Fluss ein Löwenpaar. Wir benutzen eine „Nebenstrasse“ um ihnen ein wenig näher zu kommen. Der Papa schreitet langsam auf die Mama zu und begrüsst sie mit einer kurzen Streicheleinheit. Die Löwin legt sich sofort auf den Rücken. Der Pasche geht ein paar Schritte weiter und legt sich hin. Noch keine Lust! Wir warten ein paar Minuten. Da sich nichts regt und der Lunch ruft, fährt Daniel die paar Meter auf den Hauptpad zurück. Dort angekommen hält er an und teilt uns mit, dass der hintere, rechte Reifen platt ist. Das kennen wir doch schon. Nur diesmal sind zwei Löwen in etwa 200 Meter Entfernung. Dazu, etwas näher, noch Elefanten. Ein wenig weiter weg Büffel. Es heisst für uns, Radwechsel inmitten von Drei der big Five. Daniel erklärt uns mit ernsten Worten, wie gefährlich die Situation ist. Trotzdem fragen Armin und ich ihn, ob wir ihm helfen können. Er nimmt die Hilfe an. Die Aufgaben werden verteilt. Die Frauen bleiben im Wagen, müssen die Tiere beobachten und uns sofort Bescheid geben, sollte sich eines von ihnen nähern. Wir müssen die Damen irgendwie beschäftigen, sonst schnorren sie uns ja doch nur drein. Wir steigen aus und wechseln gemeinsam das Rad. Jeder Blick zu den Mädels bestätigt uns, sie schauen nicht nach den Tieren, sondern gucken uns beim Radwechsel zu. Soviel Wert ist ihnen unser Leben. Wir wissen natürlich alle, dass uns in dieser Situation, wir entfernen uns nicht vom Fahrzeug, keine Gefahr droht. Es wird viel gelacht. Ich finde noch Zeit die Szenerie auf Film zu bannen. Nach 15 Minuten ist das Rad gewechselt.
Wir fahren zurück zum Camp. Eigentlich schwebt mir für das Mittagessen ein Wurst Käse Salat vor. Wohlwissend, dass es das nicht geben kann. Trotzdem werden wir überrascht. Es gibt doch tatsächlich sehr leckere Spaghetti Bolognese. Sowas wurde keinem von uns in Afrika je serviert, obschon wir doch schon einige Monate in Teilen dieses schönen Kontinents verbracht haben. Elisabeth und ich entschliessen uns, den Nachmittagsdrive auszulassen. Wir sind ein wenig übersättigt und freuen uns auf eine gemütliche Zeit. Zudem haben wir ja einen grossen Teil der Szenerie direkt vor uns. Kein Zaun trennt das Camp vom Park. Das Löwenpärchen liegt in etwa 500 Metern Entfernung auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, der unterhalb des Camps vorbeifliesst. Hippos, Elefanten, Büffel und Wasserböcke können wir vom Zelt aus beobachten. Unsere Freunde berichten uns von den Sichtungen der Nachmittagsfahrt. Nebst den übrigen Verdächtigen, nichts Neues. Wir geniessen das Nachtessen. Gegen 10:00 Uhr geht’s mit der bewaffneten Begleitung zurück ins Zelt. Wie jeden Abend wird noch die Wildcam installiert. Das Resultat wird nicht spektakulär sein.
22.10.2017
07:00 Frühstück, 08:00 Abfahrt. Es erwartet uns eine acht Stunden Fahrt zurück ins Camp Kati Kati. Um die lange Überfahrt ja nicht zu verkürzen, fährt Daniel einige Loops. Auch hier beweist er wieder sein gutes Gespühr für interessante Sichtungen. Wir treffen auf eine Löwenmama mit drei Jungen. Köstlich den Cups zuzuschauen. Der Liegeplatz der Familie ist für die Tiere ideal. Nachdem sich Mama hinter dem gefällten Baum, hinter dem sowas wie eine Höhle ist, hingelegt hat, folgen bald darauf die Drei nach. Nichts ist mehr zu sehen. Vielleicht würden sie gegen ein Trinkgeld wieder rauskommen. Wir versuchen es nicht.
Die Lunchpakete plündern wir mitten in der Serengeti, unter Gnus, Zebras und Warzenschweinen. Der Tisch, sprich Motorhaube, ist schon fast gedeckt, da erspäht Daniel in der Nähe eine kleine Büffelherde. Er meint, dass es besser wäre, nicht hier zu essen. Wir packen wieder zusammen. Dabei beobachte ich, wie sich die Herde im Galopp von uns entfernt und in einer Senke verschwindet. Vom geöffneten Dach aus kann ich sehen, wie der Galopp abgebremst wird und die Tiere sich gemütlich weiter von uns wegbewegen. Wir geniessen jetzt unseren Lunch. Selbstverständlich wird die Umgebung permanent beobachtet. Wir wollen ja nichts riskieren.
Wir besuchen noch einen Hippopool, sehen wie immer die Rücken der Tiere im Wasser und hören gelegentliches Grunzen. Den Gestank gibt’s noch dazu. Weiter beobachten wir eine Herde Elefanten mit Jungtieren. Sie bewegen sich in einem lichten Wald und geniessen das grüne Futter. Irgendwie mystisch, diese Begegnung. Alles ist friedlich und unaufgeregt.
Um 16:00 Uhr treffen wir im Camp ein und werden, wie alte Freunde, herzlich begrüsst. Wegen fehlendem GT entfällt der Ankunftsdrink. So können wir unsere knappen Devisen ein wenig schonen. Nach dem Apero geniessen wir das feine Nachtessen. Noch was zum Service. Es ist vor dem Servieren nicht bekannt, was es zu Essen gibt. Es wird eine Platte nach der Anderen zum Tisch gebracht. Der Entscheid ob man davon will oder nicht, fällt meistens nicht schwer. Nur wenn ich immer ja sagen würde, währe ich mit den 8 bis 10 verschiedenen Gerichten eindeutig überfordert. Spannend macht das Ganze, dass man nie weiss, was als nächstes kommt. Selbstverständlich kann jederzeit nachverlangt werden. So kann man gemachte Fehler wieder korrigieren. Dieser Service ist, in beiden von uns besuchten Camps, genau gleich. Gegen zehn Uhr geht es ins Zelt. Zwar mit Begleitung, aber ohne Waffe
23.10.2017
Der Gamedrive startet wie immer um 08:00 Uhr. Er beginnt mit Vögel fotografieren. Mir ahnt schlimmes.
Doch es kommt anders. Zuerst treffen wir auf einen Elefantenherde mit Jungtieren. Dann fahren wir zu einer Steinformation. Dort zeigt uns Daniel ca 10 Löwen, die auf oder in den Steinen liegen. Einen grossen Teil davon hätten wir wohl nie selber entdeckt.
Wir treffen auf ein weiteres Löwenrudel. Sehen einen Teil der Gnu Migration. Es sind tausende von Tieren. Zum Teil wird in Einerkolonne galoppiert. Andere gehen gemütlich ihres Weges.
Wir kommen zu einer grossen Akazie. Die ist voller Löwen. Nur die ganz kleinen tollen am Boden herum. Löwen auf einem Baum, das haben wir noch nie gesehen. Wir trauen unseren Augen nicht, aber es ist tatsächlich so.
Zuletzt sehen wir einen Leoparden, der auf einen Baum zuläuf. Das macht er doch sicher nicht grundlos. Kamera gezückt und schon springt er elegant auf den Baum und von dort weiter auf den obersten Ast. Er schaut sich um, was sucht er wohl?
Durch die vielen Sichtungen kommen wir zu spät zum Lunch ins Camp. Kein Problem, es gibt einen Teller bis zum Rand gefüllt mit leckeren Sachen. Wir kämpfen, schaffen es aber nicht Alle, den Teller zu leeren. Um 15:30 Uhr fahren wir nochmals Tiere gucken. Es geht ähnlich weiter wie am Morgen. Hier sind die üblichen Verdächtigen nicht Gnus, Antilopen, Zebras, sondern Löwen, Geparde und Leoparden. Die Dichte an diesen Tieren ist phänomenal. Wir treffen auch auf ganz seltene Tiere wie zum Beispiel den Leoparden Vogel oder den Astgeier. Spass inklusive. Das Nachtessen schmeckt wie immer. Ein Glas Rotwein garantiert uns einen guten Schlaf.
24.10.2017
Heute geht es zurück zum Ngorongoro Kraterrand in’s Pakulala Tented Camp. Ein kurzer Gamedrive am Morgen bringt wieder viele Sichtungen. Unter anderem eine Gruppe Geparden mit Jungtieren. Die Anzahl der Safarifahrzeuge übersteigt die Anzahl der Geparde um ein Vielfaches. In rund einer halben Stunde sind wir soweit vorgefahren, dass wir die Tiere aus der Nähe beobachten können. Die sonst so eleganten, schlanken Tiere sind vollgefressen. Sie können sich kaum bewegen. Stehen kurz auf, gehen ein paar Schritte und fallen wieder um. Die Körper sind richtig rund. Nichts Stromlinienförmiges mehr. Trotzdem ist um einiges mehr los als bei einem schlafenden Löwenrudel.
Wir treffen noch auf ein Hippo das friedlich frisches Gras in sich hineinschaufelt.
Nun folgt die Strecke zurück durch die Ngorongoro Conservation Area. Im Naturschutzgebiet dürfen Menschen, hier die Massai, wohnen, Nutztiere halten und weiden lassen. Im Nationalpark darf, ausser dem Personal für die touristische Infrastruktur, niemand wohnen. Nutztiere und Haustiere sind verboten. Einzige Ausnahme, die Nutz- oder Haustiere sind fein säuberlich zerschnitten. Als drittes gibt es noch das Wildschutzgebiet, darin darf, zusätzlich zu den Möglichkeiten im Naturschutzgebiet, mit dem nötigen Jagdschein gejagt werden. Die Strasse ist in einem chrottenschlechten Zustand. Es geht nur langsam vorwärts. In einem Ort an der B 144, Name weiss ich nicht mehr, halten wir bei einem Verkaufsstand für Souveniers und Bilder. Dort stehen Tische bereit, wir können unser Luchpaket vernichten. Ich finde die Idee gut. So kommen die Kunden zu den Verkäufern, mit dem zusätzlichen Service von Tisch und Stuhl, sowie sauberer Toilette. Den Rest der Lunchbox verschenken wir Vorort. Die Esswaren werden dankend angenommen. Gegen Abend erreichen wir das Camp. Die Zufahrt ist schmal, holprig und führt direkt auf den Kraterrand zu. Ein Stein liegt auf der Strasse, hier geht es nicht mehr weiter. Daniel stoppt den Wagen und innert Kürze sind wir umringt von einer Horde Männer. Sie lungern alle um unser Fahrzeug rum. Unsere Liebsten fühlen sich plötzlich unwohl. Das Ganze hat tatsächlich einen bedrohlichen Charakter. Es stellt sich rasch heraus, dass es sich dabei um das Empfangskomitee des Camps handelt. Dem Team fehlt einfach ein wenig Schulung. Man könnte ja auch ein freundliches Gesicht, im besten Fall mit einem Lächeln drin, machen. Wir werden schlussendlich doch noch freundlich begrüsst. Einige kümmern sich um unser Gepäck. Der Chef zeigt uns unsere Zelte, erklärt die Einrichtung. Mit ein paar Schritten erreichen wir den Kraterrand. Ein imposanter Ausblick präsentiert sich. Wir beeilen uns, ein paar Fotos zu machen. Es wird langsam dunkel. Jetzt folgt der übliche GT. Wir geniessen ihn, trotzdem es immer kälter wird. Wir befinden uns auf rund 2‘300 Meter über Meer. Jemand bringt uns wärmende Decken. Wir erkennen in dem Jemand eine hübsche Dame. Ein Zweite lernen wir später kennen. Für uns unüblich, dass Damen in solchen Camps arbeiten. In allen andern tented Camps ist das nicht so. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Der Tisch für das Nachtessen ist hübsch gedeckt. Als kleine Vorspeise gibt es ein sehr leckeres Pilztoast. Der Hauptgang ist eine Enttäuschung. Das kleine Fleischstück das serviert wird, wurde sicher schon ein paar Mal aufgewärmt. Mein Kauapparat kommt an seine Grenzen. Der Rest, na ja, so la la. Das Lagerfeuer brennt, wir setzen uns mit einem Glas Wein dazu. Bald darauf geht es Richtung Zelte. Überraschung, die Betten sind mit Wärmeflachen vorgewärmt.
25.10.2017
Heute ist Frühstück um sechs Uhr, Abfahrt um sieben Uhr. Wir wollen in den Ngorongoro Krater runter. Der Weg bis zum Eingang ist unspektakulär. Die Strasse wie immer in schlechtem Zustand. Das paper work, wie immer durch Daniel erledigt, dauert erstaunlicherweise nur 20 Minuten. Dann geht die Fahrt los runter in den Krater. Die ca. 500 Meter zum Kraterboden führen über eine steile Schotterstrasse. Die Aussicht ist gewaltig. Es geht im Schritttempo vorwärts.
Wir erreichen den Boden des Einbruchkraters am Rande der Serengeti. Die Ebene liegt in etwa auf 1‘700 Meter über Meer. Der Durchmesser liegt zwischen 17 und 21 Kilometer. Die Fläche beträgt 26‘400 Hektar. Es gibt einige kleine Erhöhungen. Die wenigen Seen sind mit Süsswasser oder Salzwasser gefüllt. Wir durchfahren einen Akazienwald. Diese Stimmung vor dem Einschlafen, macht jedes Schlafmittel überflüssig. Von weitem sehen wir ein paar schlafende Löwen. Wir treffen auf Hyänen mit Babys.
Plötzlich, unmittelbar neben der Strasse, eine kleine Katze. Wir schauen genauer hin. Es ist doch tatsächlich ein Caracal. Diese Katze ist uns bisher noch nie begegnet. Sie will die Strasse überqueren. Die Safarifahrzeuge versperren ihr den Weg. Dadurch können wir sie gut beobachten. Wir geniessen es.
Die üblichen Verdächtigen wandern ebenfalls durch den Krater.
Gegen 13.30 Uhr müssen wir den Krater verlassen. Wir haben ein Permit für einen halben Tag. Die Fahrt hoch zum Kraterrand führt über eine sehr steile, aber befestigte Strasse. Die Serpentinen sind eng. Die Aussicht wiederum grossartig.
Gegen 16:00 Uhr treffen wir im Tented Camp Maramboi ein. Ein grosses Camp. Wenn es voll ist, finden hier über 100 Personen Platz. Wir erhalten ein Doppelzelt in der hintersten Ecke. Das passt unseren Frauen nicht, wir haben eigentlich zwei Einzelzelte reserviert. Also alles zurück an den Anfang. Nach entsprechender Intervention werden uns hakuna matata und sehr freundlich zwei Einzelzelte zugewiesen. Alle sind zufrieden. Um sechs Uhr ist happy Hour. Alle Getränke sind offeriert. Der GT schmeckt wie immer. Die Tische stehen um einen schönen Pool. Es gibt keine Grenze zum Wildschutzgebiet. Die Tiere spazieren direkt vor uns durchs Gelände. Man findet sie auch im Camp, zwischen den Zelten. Zum Nachtessen wird ein Buffet hergerichtet, das absolut keine Wünsche offen lässt. Nebst kalten und warmen Speisen, wird eine vielfältige Auswahl an Zutaten im Wok frisch zubereitet. Es schmeckt. Wir trinken gemütlich noch ein Glas Wein. Die Zelte sind für uns, nach den einfachen Unterkünften der letzten Tage, sehr komfortabel. Wir müssen nicht nach mehr Wasser schreien. Es kommt beim Drehen der Armatur, einfach so aus der Brause. Da sich das Camp in einem Tierschutzgebiet befindet, sind wir auch hier umgeben von wilden Tieren. In der Nacht dürfen wir uns nur mit Begleitung bewegen.
26.10.2017
Nach einem umfangreichen Frühstück geht es in den Tarangire Nationalpark. Ein anderes Bild als in der Serengeti. Es ist trocken. Das Gras ist braun, nicht grün. Die Tiersichtungen sind weniger häufig. Trotzdem finden wir ein paar schlafende Löwen. Eine Gruppe Geparden zeigt sich aus der Ferne. Wir beobachten einen Leoparden der sich am Ufer eines trockenen Flusses, in einer Mulde hingelegt hat. Wir warten eine Stunde in der Hoffnung, dass er sich von dort wegbewegt. Er steht nur kurz auf, dreht sich um und legt sich wieder hin. Schade, fauler Kerl! Die übrigen Verdächtigen sind auch da und suchen nach Wasser und Essbarem.
Die Lunch Box leeren wir auf einem sehr schönen Picknickplatz. Er liegt oberhalb eines kleinen Tales. Der Tarangire River schlängelt sich durstig durch die trockene Landschaft. Viele Tiere nutzen das wenige Wasser. Nach einem Gruppenfoto mit Guide und Fahrzeug setzen wir den Gamedrive fort.
Es gibt keine spektakulären Sichtungen mehr. Um vier Uhr sind wir zurück im Camp. Der letzte Gamedrive ist Geschichte. Nach der happy hour widmen wir uns dem reichhaltigen Buffet. Heute gibt es Bray. Ein Glas Rotwein beschliesst den Abend. Alles ist ruhig und friedlich, wir schlafen gut.
27.10.2017
Heute Abend fliegen wir zurück nach Hause. Zuvor geniessen wir das Frühstück und das Camp bis zur checkout Time um 10:00 Uhr. Während der 3 stündige Fahrt nach Arusha staunen wir nochmals über das organisierte Chaos in den Dörfern entlang der Strasse. Der Verkehr hält sich in Grenzen. Überholt werden wir nur von Linienbussen die zwischen Arusha und Dar es Salam verkehren. Die fahren, mit ihren zum Teil sehr alten Fahrzeugen, wie die Irren. Einem Unfall begegnen wir nie.
Wir treffen im Rivertrees Country Inn ein. In dieser sehr schönen Anlage dürfen wir den Nachmittag verbringen. Ein light Dinner wird um 17:00 Uhr serviert. Um 18:00 Uhr holt uns der Fahrer von Tansania Experience ab. In rasanter Fahrt geht es zum Flughafen Kilimanjaro. Bereits am Eingang zum Flughafengebäude gibt es den ersten, umfangreichen Sicherheitscheck. In meiner Reisetasche fallen dem Beamten am Scanner einige Batterien auf. Ich muss die Tasche öffnen. Die Batterien werden als ungefährlich taxiert. Weiter geht es mit dem Ausfüllen eines Fragebogens. Ähnlich dem, den wir bei der Einreise ausfüllen mussten. Es wird wieder ein Foto gemacht. Die Fingerabdrücke werden uns erspart. Wir seien zu alt dafür. Bei der Einreise waren wir noch nicht zu alt. Also Vorsicht, in Tansania altert man schnell. Ein zweiter Sicherheitscheck führt direkt zum Gate Nr. 5 von 6. Da fallen die Batterien nicht auf, dafür muss ich mein Feuerzeug abgeben. Elisabeth hat auch eines dabei, es wird nicht entdeckt. Soviel zur Zuverlässigkeit der Kontrollen. Mehr ist nicht immer besser. Aber, wir sind in Afrika. Die Maschine hebt pünktlich ab. Der Stopover in Dar es Salam ist eher von der langweiligen Sorte. Gestört werden wir nur durch die Putzequipe. Pünktlich fliegen wir weiter und landen planmässig nach 8 Stunden in Amsterdam. Hier durchlaufen wir wieder einen Sicherheitscheck. Das Gepäck wird wie üblich durchleuchtet. Die Batterien fallen nicht auf. Auch unser letztes Feuerzeug passiert die Kontrolle unangefochten. Wir selbst werden durch einen Ganzkörperscanner geschleust. Gleich danach werden wir noch von Hand abgetastet. Ich empfinde das als eher unangenehm. Der Sinn dieser Abtasterei entzieht sich mir. Vermutlich trauen die ihrem Scanner nicht so ganz. Die automatische Passkontrolle hingegen, ist effizient und ohne Wartezeit. Die zwei Stunden Aufenthalt verbringen wir mit Shoppen und Kaffeetrinken. Der stündige Flug nach Zürich wird begleitet durch ein Getränk und ein Gebäck. Die Einreise ist problemlos. Die KLM hat es diesmal sogar geschafft, dass alle unsere Gepäckstücke ausgeliefert werden. Um 13:00 Uhr sind wir Zuhause.
Fazit
Tansania ist ein faszinierendes Land. Es gibt viel Armut. Die Nutztiere der Massai ausserhalb der Parks, sind praktisch am Verhungern. Platz wäre eigentlich genug vorhanden. Das Kapital der Massai sind eben die Kühe, Geissen und Schafe. Je mehr man davon hat, als desto reicher wird man eingestuft. Diese Leute begreifen nicht, dass hier weniger mehr wäre. Mit einem kleineren Tierbestand könnte das Vieh, mit dem zur Verfügung stehenden Land, ernährt und getränkt werden. Ich persönlich bin davon überzeugt, wenn den Massai mehr Land zur Verfügung gestellt würde, wäre dieses innert kurzer Zeit auch wieder übernutzt. Die Situation nicht besser als jetzt. Eine ganz andere Geschichte ist, dass man diesen Menschen überhaupt Land weggenommen hat. Diese Situation gibt es aber nicht nur in Tansania, sondern auch in ganz vielen andern Ländern dieser Welt. Im Gegensatz dazu, in den Nationalparks, eine reichhaltige Tierwelt. In der Serengeti ist sie geradezu grossartig. Dank natürlicher Regulation und der rieseigen Massenwanderung der Gnus, finden alle Tiere fast überall genug Nahrung und Wasser. Nirgendwo bisher haben wir eine solche Dichte von Tieren erlebt. Die Gamedrives verlaufen hier ganz anders. Es gibt fast keine Pausen. Eine Gattung Tiere folgt der Anderen. Löwen Geparde und Leoparden sind keine Seltenheit. Man trifft sie fast an jeder Ecke. Die einzigen Gattungen die wir nicht gesehen haben sind Löffelhunde und Nashörner. An das Rumgefahren werden konnte ich mich nie gewöhnen. Ich fühlte mich irgendwie unfrei. Als Selbstfahrer und mit Self-catering, möchte ich dieses Land trotzdem nicht bereisen. Die Einkaufsmöglichkeiten sind beschränkt. In den Teilen des Landes in denen wir uns bewegt haben, gibt es praktisch keine Einkaufscentren. Das Einkaufen in den vielen kleinen Geschäften, würde sich vermutlich als eher schwierig erweisen. Vom Zustand der Strassen her, wäre eine Selbstfahrer Reise sicher möglich. Ein gutes 4x4 Fahrzeug jedoch unabdingbar. Der Strassenzustand neben den wenigen Teerstrassen, ist generell sehr schlecht. Übernachtungen nur in Lodges oder tented Camps. Der administrative Aufwand als Selbstfahrer wäre mit Sicherheit immens. Wir haben mitbekommen, was unser Guide bei den jeweiligen Check-ins und Check-outs bei den Parks für ein paper work zu erledigen hatte. Unter einer Stunde geht das meistens nicht. Unser Guide Daniel, hat ein unglaubliches Gespür für die Tierwelt bewiesen. Viele Male hat er richtig reagiert und uns so immer einen guten, wenn nicht den besten Blick auf die Tiere ermöglicht. Sein fahrerisches Können lässt absolut keine Kritik zu. Sehr umsichtig und vorausschauend lenkt er das Fahrzeug über die schlechtesten Pads. Keine sinnlose, gefährliche Raserei, wie wir sie bei anderen Guides beobachten konnten. Die Deutschkenntnisse von Daniel genügten für uns vier. Bei Unklarheiten wechselten wir jeweils zu Englisch. Für Gäste die nur Deutsch sprechen, müsste er seine Kenntnisse noch verbessern. Ich glaube es war in dieser Hinsicht eine Win Win Situation. Wir haben von seinem Wissen über das Land und die Tierwelt sehr viel profitiert. Daniel konnte sicher seine Deutschkenntnisse erweitern. Diese Reise war bei weitestem die Teuerste, die wir je in Afrika gemacht haben. Sie war jeden Franken wert. Trotzdem werden wir nicht nach Tansania zurückkehren. Dieses schöne Land einmal zu bereisen genügt uns.
Übrigens, Unsere Afrikareise im Frühjahr 2018 ist schon geplant und fast fertig gebucht. Es geht nach Südafrika in verschiedene Parks und ins Weinland rund um Kapstadt.