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Die Geschichte vom Poulet
Das Huhn gehört zu den ersten Tieren, die der Mensch zähmte als er sesshaft wurde und zwar bereits ca. 3000 vor Christus im Urwald. Die Idee der Hühnerzucht verlagerte sich zuerst nach China und wanderte dann wie viel Kulinarisches danach gegen Westen in Richtung Europa. Die Römer etablierten vor etwas mehr als 2000 Jahren die Aufzucht von Hühnern in ihren riesigen Ländereien.
Schon die Römer mochten Hühnerbraten
Den alten Römern schmeckten die Eier, sie mochten aber auch bereits den Hühnerbraten und zwar so richtig fett. Sie kastrierten Hähne und mästeten sie zu fetten Kapaunen. Hühnerfleisch war damals teurer als Entenfleisch und daher eher etwas für die Reichen.
Suppenhuhn und Eier
Hühnerbraten blieb auch danach jahrhundertelang eine Delikatesse, die der Oberklasse vorbehalten war. Das einfache Volk genoss die Eier der Hühner und selten ein Mal eine Hühnersuppe. Dies hing vorallem damit zusammen, dass man aus einem Huhn, das Eier gelegt hat eigentlich keinen zarten Hühnerbraten mehr machen kann, denn das Fleisch reifer Legehennen wird rasch zäh.
Masthuhnexplosion nach dem zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Landwirtschaft mit modernsten Mitteln industrialisiert. Der Fleischhunger war riesig. Da kam die Masthuhnzucht gerade recht. In kurzer Zeit konnten auf unkomplizierte Art unglaubliche Mengen an Fleisch produziert werden. Das merkte auch die sozialistische Regierung der DDR. Sie erfand den Broiler, das Brathähnchen für die Masse. Mit einem wöchentlichen Bratähnchen für fast jeden liess sich auch ein ansonsten eher karges Warenangebot in der DDR gut aushalten.
Aber auch in der BRD und in der Schweiz wurden gebratene Hühner ab den 50er Jahren immer populärer. In den 1970er Jahren kam bei uns das Poulet im Römertopf auf, in den Restaurants trat das Poulet im Körbchen seinen Siegeszug an. Zusammen mit den Pommes frites, wie die fritierten Kartoffeln in der Schweiz vornehm genannt werden, mauserte sich das Poulet im Chörbli zum langjährigen Hit aller Familienausflüge.
Brathähnchen oder Poulet, wie die gebratenen Hühner in der Schweiz genannt werden, verdrängten den traditionellen Sonntagsbraten und veränderten die Alltagsküche. Sie trugen massgeblich dazu bei, dass der Fleischkonsum bei uns deutlich anstieg.
Poulet kann mit den Fingern gegessen werden, das macht einen grossen Teil der Faszination dieser Fleischart aus. Das lustvolle Abnagen der Knochen gehört zu meinen behaglichsten Kindheitserinnerungen vom Familientisch.
Die dafür benötigten Hühner lebten in den 1970ern schon längst nicht mehr in Kleinverbänden auf den Bauernhöfen, sondern in spezialisierten industriellen Mastanlagen.
Bis 1992 waren dies enge Käfige, seither leben die Masthühner in Hallen, gefüttert werden sie vornehmlich mit importierten Futtermitteln.
Auch vom lange in der Ukraine zurückgehaltenen Weizen, endete ein erheblicher Teil in der Tiermast.
Moderne mehrstufige Masthalle
Rindleischkonsum stagniert, Pouletkonsum steigt an
Heute kommt der Fleischkonsum durch die Klimadebatte auch in der Schweiz unter Druck. Interessant ist jedoch, dass der Konsum 2021 gegenüber dem Vorjahr dennoch nochmals leicht angestiegen ist, besonders deutlich beim Geflügelfleisch.
Wir essen in der Schweiz immer mehr Geflügelfleisch.
Warum nur? Weil es einfacher zu kochen ist als Rindfleisch? Weil Hühner ein Massenprodukt sind mit weniger Individualität als Rinder? Weil es billiger ist als Rind- oder Schweinefleisch?
Weil wir denken, es sei gesünder als rote Fleischarten?
Bei den Hühnern zeigt sich unser seltsames Verhältnis zur Natur besonders klar
Auch Hühner sind Tiere mit Würde, aber bei den Masthähnchen werden beide Augen zugedrückt. Obwohl auf dem Frühstückstisch immer häufiger Eier aus Freilandhaltung zu finden sind, gilt das nicht für das Hühnerfleisch. Was als Pouletschenkel gegen den kleinen Hunger gegessen wird, kommt meist aus konventioneller Massentierhaltung. Bei den Legehennen werden aus naheliegenden Gründen nur Weibchen aufgezogen. Männliche Legehennenküken werden lebendig geschreddert.
Auch wenn dies längst bekannt ist, scheint dies die KonsumentInnen ebenso wenig zu kümmern wie die die bei weitem nicht tiergerechte Produktion von Masthähnchen.
Während nach einem Fernsehbeitrag über Büchsenravioli in den späten 70er Jahren der Konsum von Hero Ravioli in Tomatensauce aus der Büchse massiv zurück ging, ist beim Pouletkonsum trotz aller Aufklärung nichts dergleichen zu beobachten.
Anbieter von Natura Güggeli in seinem Verkaufswagen.
Die Lust am Brathuhn ist ungebrochen. Die Mast für ein fertiges Poulet dauert im Schnitt 38 Tage, werden männliche Küken aus Legerassen gemästet um ihnen den sofortigen Tod zu ersparen, dauert die Mast bei ihnen viermal so lange. Dies schlägt natürlich auch auf den Preis durch. Leider ist die Bereitschaft zu einem höheren Preis bei fairerer Produktion bei Pouletfleisch sehr tief.
Auch Suppenhühner werden in der Schweiz so gut wie gar nicht verkauft im Detailhandel. Ausgediente Bio Legehennen werden zu Biogas verarbeitet, obwohl man sie als Basis für trendige Ramensuppen brauchen könnte.
Die Preise sind jedoch so tief, dass sich auch dies nicht lohnt.
Bewusst einkaufen und mehr bezahlen
Aus heutiger Sicht ist der Fleischhunger nach dem zweiten Weltkrieg verständlich, gab es doch vorher lange Jahre mit einem beschränkten Lebensmittelangebot. Das hat sich aber massiv verändert. Noch nie gab es so viele verschiedene Lebensmittel zu kaufen wie heute.
Darunter gibt es auch viele pflanzliche Alternativen zu Pouletfleisch. Wir könnten also anders.
Und ähnlich wie bei den Ravioli aus der Büchse gibt es das Produkt auch weitaus besser produziert wie das was wir heute im Supermarkt finden.
Die Misere beim Hühnerfleisch liegt ja nicht bei den Produzenten allein, sondern sie liegt in erster Linie der Hand der Konsumenten. Sensibilität kann viel verändern, ein höherer Preis auch. Hühnerfleisch ist viel zu billig. Wer anständig produziertes Hühnerfleisch essen will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen als heute. Ich finde, ein gutes Brathähnchen ist ein weitaus höherer Preis wert. Probieren sie doch einmal ein Brathähnchen aus einer Zweinutzungsaufzucht. Ja, es kostet rund doppelt so viel wie ein traditionell gemästetes Tier, ja, es ist deutlich knochiger. Aber es hat einen unvergleichlich viel besseren markanteren Geschmack.