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Angrenzend an den Gellertpark, entlang der ehemaligen Ausfallstrasse von Basel in Richtung Aarau, realisierten Luca Selva Architekten zwischen 2012 und 2015 eine Wohnbebauung. Der Umgang mit dem schützenswerten Baumbestand in der parkähnlichen Situation war dabei das zentrale Thema.
Das Grundstück liegt weit zurückversetzt an der Kante zu einem Abhang mit Sicht auf den „Dalbedych“. Der künstlich angelegte Abzweig der Birs versorgt als Kanal zum Beispiel die Papiermühle im St. Alban-Tal mit Wasserkraft. An einer grossen Eibe vorbei führt der geschwungene Weg über das Gelände zum Eingangsbereich. Dieser wird von stämmigen Eichenstützen getragen, die sich beim frei stehenden Gartenhaus wiederholen. Über eine Glastür gelangt man in die Eingangshalle, welche von der massiven Eichenholztreppe mit gerundeten Pfosten geprägt wird. An der Wand findet sich ein Geländer, welches von der für den Neubau abgerissenen Villa stammt und nun als Zitat von der ehemaligen Bebauung erzählt.
Der Kronen- und Wurzelbereich der schützenswerten Bäume auf dem Grundstück schränkte die bebaubare Fläche stark ein. Vermutlich deswegen schlugen (mit Ausnahme der Gewinner ) alle teilnehmenden Architekturbüros des damals durchgeführten Studienauftrags meist zwei oder sogar drei Neubauten vor. Luca Selva Architekten hingegen machten diese Einschränkung zum Thema ihres Entwurfes und schlugen ein einziges Bauvolumen vor. Aus der Situierung inmitten des schützenswerten Baumbestands und den entsprechend einzuhaltenden Abständen entstanden kreisförmige Einschnitte in das Polygon. Die dunkle, sich zurücknehmende Holzfassade wird durch die Geschossplatten aus Weissbeton strukturiert und vom Boden abgehoben. Dünne, schwarze Stützen deuten auf ein äußeres Volumen hin und bilden eine Art Filter um das Gebäude.
Während die äussere Gebäudeform organischen geformt wird, ist die innere Struktur orthogonal. Die durch die unterschiedliche Raumbildung entstandene Spannung zwischen der inneren und äusseren Struktur zeigt sich in den Räumen entlang der Fassade. Daniel Kurz beschreibt diese in seinem Artikel „Wohnhaus am Gellertpark“ in der Zeitschrift „werk, bauen + wohnen“ folgendermassen: „Die Räume selbst dagegen sind schwer zu fassen, sie entziehen sich dem Blick. Der konvexe Schwung der Aussenwand gibt dem Aussen den Vorrang über das Innen. Der bergende Charakter, den Räume auch haben können, fehlt diesen Wohnungen, es herrscht in ihnen vielmehr eine bewegte Unruhe.“
Tatsächlich sind die Räume nur schwer zu fassen. Durch die geschwungene Aussenwand ist es nicht möglich, den gesamten Raum zu überblicken. Der Nutzer muss sich durch den Raum bewegen und wechselt so immer wieder seinen Standpunkt und die Perspektive. Die Orientierung gilt klar dem Aussenraum und dem Blick in die Natur.
Der starke Bezug zum Park wird in allen Wohnungen thematisiert und schafft einen Mehrwert. Die Spannung zwischen der inneren und äusseren Struktur, sowie die dadurch entstehenden bewegten Räume, welche nicht direkt zu fassen sein mögen, lassen den Raum von unterschiedlichen Positionen anders erscheinen. Mit dem parkähnlichen Aussenraum als Gegenüber wird diese Unruhe entschärft und schafft eine behagliche Wohnatmosphäre.
Text: Marco Blecher / Architektur Basel
Pläne: Luca Selva Architekten ETH BSA SIA
Fotos: Yohan Zerdoun
Quellen: Daniel Kurz, Wohnhaus am Gellertpark, werk, bauen+wohnen, Ausgabe 5, 2016, Seite 76 ff.