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Abstract
Das Projekt Muse– Musse – Musseraum untersucht anhand von drei historisch sowie literarisch bedeutsamen Autoren, wie sich ein ‚Bruch’ in ihrem literarischen Werk je unterschiedlich niederschlägt. Mit Ausonius, Sidonius Apollinaris und Enea Silvio Piccolomini werden drei Autoren – der Spätantike und des Humanismus – ausgewählt, die aus politischen respektive religiösen Motiven einen biographischen ‚Bruch’ signalisieren und ihrliterarisches Werk entsprechend (re-)formulieren. Für die Werkanalyse der besagten Autoren wird in Muse– Musse – Musseraum für ein Vorgehenvotiert,das die Genannten unter dem Arbeitsbegriff ‚Autorenprofil’ sowohl in einem spezifischen literarischen und sozio-historischen Setting betrachtet. Dabei sollen Vorgaben einer biographistisch argumentierenden Forschung hinterfragt werden. Untersucht wird, wie programmatische Statements – bevorzugte Orte sind dabei Paratexte–im Werk bzw.in Werkteilen ausagiert, aber auch unterlaufen werden. Das literarische Œuvre, das als Musseraum definiert wird, wurde, so die Prämisse, von den drei ausgewählten Autor selbst und gezielt gestaltet.
Im Projekt Muse – Musse – Musseraum werden Instanzen der Literaturproduktion und wird der literarische Aktionsrahmen der drei Autoren betrachtet, wobei letzterer, der Musseraum, als poetischer Raum begriffen wird. Die im Titel angelegte Klimax ist insofern von Bedeutung, als ein ins Werk eingeschriebener ‚Bruch‘ über diesen Musseraum sichtbar gemacht, in seinen Spielarten begriffen und so auf Symptome einer Werkpolitik untersucht werden soll.
Für das Forschungsprojekt ist die Wahl der besagten Autoren zentral. Alle drei sind Christen, wobei Christsein für jeden von ihnen aufgrund ihrer Lebenszeit, ihrer Lebensumstände, ihres kulturellen Kontexts und ihrer Positionierung gegenüber der (paganen) literarischen Tradition jeweils anderes impliziert. Das Forschungsvorhaben wirft ein Licht auf die Zeitspanne vom ausgehenden vierten Jahrhundert (Ausonius) über das spätere fünfte Jahrhundert (Sidonius Apollinaris) auf eine Periode der institutionellen und kulturellen Festigung des Christentums. Für das 15. Jahrhundert fiel die Wahl auf Enea Silvio Piccolomini, poeta laureatus in einer höfischen Kultur, Konzilssekretär und schliesslich Papst. Die Entscheidung für diese drei exemplarischen Autoren will zu grundsätzlichen Aussagen über die Autoren, aber auch über die betreffenden Epochen führen. Dabei geht es darum, ein differenziertes Bild von Schreibstrategien und Werkkonfigurationen von Autoren der Spätantike und des Humanismus zu gewinnen, welche revisionistische literarische Praktiken eines Cicero, eines Ovid,später eines Augustinus oder auch eines Petrarca – um nur die wichtigsten Vorbildautoren zu nennen – zweifellos kannten und für ihre eigenen Ansprüche je unterschiedlich weiterverfolgten. Mit dem hier gewählten spezifischen, in der Forschung weniger beachteten Fokus Spätantike – Humanismus, der gegenüber dem Fokus ‚Klassische‘ Antike – Humanismus weniger untersucht ist, intendiert das Projekt, einen substantiellen Mehrwert zu generieren. Der Anschluss an Forschungsthemen zu aktuellen Fragen in den Literaturwissenschaften und den Geschichtswissenschaften ist bestens gegeben. Nicht weniger Gewinn wird für sozial-und kulturwissenschaftliche Forschungen erwartet, zumal die Studie epochenübergreifend strukturiert ist und auch vergleichende Aspekte berücksichtigen wird.