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Das Spotify des 19. Jahrhunderts
Als Musikdosen aus dem Waadtland der letzte Schrei waren.
Die Ortschaft Sainte-Croix im Waadtland war ein Epizentrum der frühen Musikdosenindustrie. Im Jahr 1865 eröffnet Charles Reuge eine Werkstatt, in der er Musik-Taschenuhren herstellt und verkauft. Zehn Jahre später entsteht die Firma Paillard SA, welche bis zu 600 Mitarbeiter(innen) beschäftigt. Das gleiche Unternehmen erzeugte später Radios, Hermes-Schreibmaschinen und die berühmten Kino- und Filmapparate der Marke Paillard-Bolex. Zeitweise arbeiten bis zu 1500 Leute in der Spieldosenindustrie. Auch die weltberühmten Plattenspieler der Firma Thorens haben ihren Ursprung in Sainte-Croix.
Die Ortschaft erlebt einen regelrechten Boom, und mehrere Waadtländer Firmen sind an den Weltausstellungen in Paris (1867), Philadelphia (1876) und Antwerpen (1885) vertreten. Als 1870 die Lochplatten-Musikdose erfunden wird, kommt man der späteren Schallplatte immer näher. Die Menschen sind fasziniert, als Thomas Edison 1877 das Grammofon erfindet. Aufgrund der Konkurrenz durch das Grammofon diversifiziert die Musikdosenindustrie in kleine Räderwerke für Spielzeuge und grosse Modelle für das Luxussegment. Als amerikanische Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg in ihre Heimat zurückkehren, verhelfen sie den Musikdosen zu erneuter Beliebtheit. Die kleinen Musikdosen und Singvögel stehen als Zeichen für den Sieg und den Beginn eines neuen Lebens. Heute hat sich die Produktion der kleinen Musikdosen nach Asien verlagert, das weltweite Luxussegment wird jedoch weiterhin von der Waadtländer Firma Reuge dominiert. Grosse Musikdosen werden teils zu Preisen eines Kleinwagens gehandelt.
Das Museum Cima (Centre International de la Mécanique d’Art) befindet sich in Sainte-Croix, im Kanton Waadt, in der Nähe Yverdons. Im Museum sind Musikdosen, Automaten, Singvögel, ein Zauberwald und andere Kuriositäten aus einer anderen Zeit ausgestellt. Ausserdem beherbergt es eine kleine Werkstatt für Kinder sowie einen kleinen Shop der Firma Reuge. Die Gegend verfügt über ein breites Kulturerbe im Bereich der mechanischen Kunst (Musikdosen, Automaten, Uhren) und anderer Gebiete. Die Museen Cima, Baud und das Musée des Arts et Sciences haben beschlossen, sich in einem einzigen Museum zusammenzuschliessen, um deren ausserordentliche Sammlungen aufzubewahren. Weil die Museen sehr klein sind, können sie teilweise nur auf Voranmeldung und in Kombination mit einer Führung besucht werden. Mehr Informationen zum Museum CIMA finden Sie hier.