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Patrick Fasel, 21.09.2016, Gotteronblog, Freiburger Nachrichten
Über den World Cup of Hockey
Der World Cup of Hockey soll wichtiger werden als das olympische Eishockeyturnier. Doch was hat er zu bieten?
Letzten Samstag hat der NHL World Cup of Hockey begonnen. Das Turnier ist der Nachfolger des früheren Canada Cups, der zwischen 1976 und 1991 fünf mal ausgetragen wurde. Seit 1996 heisst dieser nun World Cup of Hockey, doch seither fand er nur 2004 noch einmal statt. Dies ist also das dritte Turnier in 20 Jahren, und hat als Ziel wichtiger zu werden als das olympische Eishockeyturnier... Gary Bettmann, Commissioner der NHL, hat den Wettbewerb neu lanciert, leider mit ein paar ganz eigenartigen Ideen. Es nehmen nicht nur ausschliesslich Nationalteams teil: Nebst den sechs Grossen des Welteishockeys Kanada, Russland, Schweden, Finnland, Tschechien und den USA komplettieren zwei Hybrid-Teams das Teilnehmerfeld. Die eine Mannschaft ist das Team North America, eine Auswahl der besten U23-Spieler aus Kanada und den USA, die andere Mannschaft ist ein Potpourri aus dem übrigen Europa, denn Team Europe besteht aus den Restnationen des alten Kontinents, welche nicht ein eigenes Team stellen dürfen. Aus der Schweiz laufen Niederreiter, Streit, Josi und Sbisa fürs Team Europe auf, die weiteren Spieler kommen aus der Slowakei, Deutschland, Norwegen, Dänemark, Frankreich, Slowenien und Österreich. Der Trainer dieser Mannschaft ist ein alter Bekannter, der Star aus dem "der Schiri ist eine Wurst" Werbespot, Ralph Krueger.
Wie dies die Nordamerikaner oftmals machen, laden sie zu einer Meisterschaft ein oder küren den eigenen nationalen oder kontinentalen Meister kurzerhand zum Weltmeister. Ihr nationaler Baseballmeister gewinnt die World Series, bis 1982 gewann man in der NBA die World Championship Series. Und nun organisieren sie also einen World Cup und stellen mehr als eine Mannschaft pro Land auf. Ganz bitter ist dies (wieder mal) für die Nummern sieben und acht der Welt, die Schweiz und die Slowakei, die verständlicherweise nicht ganz so viele NHL-Spieler stellen, und deswegen geschickt umgangen werden. Des weiteren sind an diesem Weltcup 13 von 14 Schiedsrichtern Kanadier, ein Amerikaner darf als Linesman immerhin auf die blaue Linie schauen. Und nein, gemäss Nordamerikanern ist es unmöglich, dass Kanadier vielleicht ab und zu, sei es auch nur ein bisschen, für das Team Canada pfeifen. Ich denke da ganz spontan an die Finalserie des Canada Cups 1987.
Vor dem Turnier kam noch das Problem mit den Nationalhymnen auf. Wenn das junge Team North America spielt, werden sowohl die amerikanische als auch die kanadische gespielt. Und bei Europa? Um keinen der Spieler und keine der Restnationen zu verletzen, einigte man sich darauf, nichts abzuspielen. Gänzlich vergessen ging wohl der 4. Satz der neunten Symphonie Beethovens, Ode an die Freude, die Hymne der EU, im weiteren Sinne auch die Hymne Europas. Oder aber halt Marc-Antoine Charpentiers Präludium aus dem Te Deum (allen bekannt als die "Eurovisionshymne"). Aber mich fragt ja niemand.
Ok, genug kritisiert, denn das Sportliche ist top, das muss man zugeben. Leider nicht ganz "Best on Best", wie dies die Nordamerikaner projizieren, aber durchaus packend und es ist immerhin Eishockey aus der NHL, wenn man so will. Und die sechs Grossen Nationen stehen tatsächlich wie an Olympia mit ihrem bestmöglichen Kader auf dem Eis. Sport 1 überträgt jeweils ein Spiel pro Tag. Ich empfehle also das Einschalten ab 21 Uhr. Eine Warnung hätte ich trotzdem noch: Es gibt drei Powerbreaks, und die dauern jeweils zwei Minuten, ich weiss einige sind allergisch dagegen. Dafür aber tragen die Schiris eine Helmkamera, die dann auch die Torwiederholung zeigen. Irgendwie cool das Ganze. Amis halt.