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«Dissidenten der Arbeiterbewegung» nennt der Unrast-Verlag eine kleine Reihe, in der Texte von AussenseiterInnen publiziert werden, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Einer von denen, die unfreiwillig am Rande der linken Bewegungen standen, war der Niederländer Cajo Brendel. Brendel (1915 - 2007) war ein herausragender Vertreter des Rätekommunismus, jener Strömung, die den Leninismus marxistisch kritisierte und für die die bolschewistische Oktoberrevolution 1917 eine «bürgerliche Revolution ohne Bourgeoisie» war. Als Begründer der Zeitschrift «Daad en Gedachte» (Tat und Gedanke) analysierte er über Jahrzehnte hinweg Arbeiterkämpfe, Aufstände, revolutionäre Bewegungen und den sowjetischen Staatskapitalismus, in dem es immer Lohnarbeit gab und Arbeiterräte nur kurz die Macht hatten.
Der «Jakobiner Lenin», so Brendel, habe - anders als Karl Marx und Friedrich Engels - in der proletarischen Revolution nie die Chance einer grundlegenden gesellschaftlichen Umwälzung gesehen, bei der die Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum übergehen und die Arbeiterklasse allmählich aufgehoben wird. Für den Revolutionär habe die Essenz der Revolution vor allem in einer Umwandlung des bürgerlichen Staates in einen «proletarischen Staat» bestanden, schreibt Brendel, zitiert Lenins folgenschwere Behauptung, «ohne die Grossbanken wäre der Sozialismus nicht zu verwirklichen», und erinnert in einem seiner ausgezeichneten Beiträge an den Aufstand der ArbeiterInnen von Kronstadt. Die hatten sich 1921 der Neuen Ökonomischen Politik der neuen sowjetischen Machthaber widersetzt und wurden dafür von Lenins und Trotzkis Truppen massakriert.
Thesen zur chinesischen Revolution, Überlegungen zur Rätedemokratie, Interviews und Berichte über Streiks und Arbeitsalltag runden die Sammlung ab. Sie ist überaus lesenswert, auch wenn heute keine revolutionäre Situation, nicht einmal eine revolutionäre Stimmung herrscht. Aber man kann ja nie wissen.