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Der Bezirk liegt im Gebiet des n.
Jorat und zeigt in seinem Bodenbau viele Aehnlichkeit mit dem benachbarten Bezirk
Moudon.
Wird seiner ganzen Länge nach von der Broye
durchflossen, deren Thal bis
Granges ziemlich eng und tief eingeschnitten
ist. Von links münden die
Lembaz und
PetiteGlâne
in den Fluss, der auf dieser
Seite von einer Reihe von Terrassen (so z. B. der
von
Surpierre) begleitet wird. Der höchste Punkt des Bezirkes mit 794 m befindet sich rechts der Broye
bei
Rossens.
Von
Granges an werden die begleitenden Höhenzüge allmählig niedriger, und von Payerne an erhält das
Thal den Charakter einer breiten
Ebene, die links nur durch schwache Höhen vom
Neuenburgersee getrennt ist, während die rechtsseitigen
Rücken mit dem nördl.
Freiburger Hügelland verschmelzen. Das Thal der Broye
ist zwischen
Lucens und
Granges etwa
1,5 km und bei Payerne 2-3 km breit; es senkt sich auf eine Länge von 21,5 km von 480-440 m, d. h. um weniger als 20‰.
Der Bezirk umfasst etwa die Hälfte der
Ebene zwischen Payerne und dem
Murtensee.
Den Untergrund bilden Molassemergel und -sandstein. Das durch Alluvionen zum Teil wieder aufgefüllte
Thal der Broye
bietet dem Landmann einen ausgezeichneten Kulturboden. Der Bezirk gehört ganz zum Einzugsgebiet der Broye,
mit Ausnahme
des
Hanges von
Grandcour bis
Chevroux am
Neuenburgersee und eines dem Gebiet der
Mentue tributären kleinen Zipfels im SW. Die
Broye
bildet stellenweise die Grenze zwischen dem Bezirk und den Enklaven. Zuflüsse: von links die zum Teil
die Enklave
Surpierre durchfliessende und in
Granges mündende
Lembaz und die der
Broye parallel fliessende
PetiteGlâne,
die nur auf
drei kurzen Strecken (bei
Champtauroz und
Treytorrens, bei
Grandcour und bei
Missy) dem Bezirk angehört und wie die
Lembaz auf
den Höhen
¶
Bezirkshauptort ist die an der Broye
und etwa in der Mitte des Bezirkes gelegene Stadt Payerne. Nahe der Broye
finden sich daneben noch
die beiden grossen DörferGranges und Corcelles. Die Mehrzahl der übrigen Orte steht auf den das Thal,
die Ebene und die Seitenthälchen umrahmenden Höhenrücken. Im Allgemeinen herrscht Dorfsiedelung vor. 12453 Ew. in 1787 Häusern
und 2647 Haushaltungen; 11088 Reformierte, 1331 Katholiken und 34 Andere. 10943 Ew. sprechen französisch, 1261 deutsch, 228 italienisch
und 21 eine andere Sprache. 1850: 9994 Ew., 1880: 10753 Ew., 1900: 12453 Ew. Die raschere Zunahme der
vergangenen 20 Jahre ist zum grossen Teil den in Payerne neu eingeführten Industriezweigen zuzuschreiben. Die Mehrzahl der
Bewohner beschäftigt sich mit Landwirtschaft. An der mittleren und unteren Broye
wird in 11 Gemeinden auf einer
Fläche von 291 ha Tabak gepflanzt. Wein gedeiht nur in Chevroux und Payerne. Die produktive Bodenfläche verteilt sich auf
Die Industrie ist fast völlig auf den Hauptort Payerne, wo sie seit einigen Jahren einen grossen Aufschwung genommen hat,
und auf einige wenige andere Orte wie Corcelles, Granges etc. beschränkt. Am bedeutendsten sind in Payerne
die Fabrik für kondensierte Milch, Tabak- und Zigarrenfabriken, Fabrik für Musikinstrumente; Hutfabrikation, Webereien und
Spinnereien, Gerbereien, Ziegelei, Mühlen, eine grosse Backsteinfabrik (mit 80 Arbeitern), Branntweinbrennerei, Sägen, Mechanische
Schreinerei und Möbelfabrik. Sehr geschätztes Pökelfleisch. Mädchenpensionnate. In Corcelles eine Zigarrenfabrik, in Granges
grosse Mühlen, in Combremont le Petit eine Gerberei, in Henniez eine Ziegelei. Heilbad Henniez mit alkalischem
Säuerling.
Mit Neuenburg
steht die Stadt durch die Häfen von Estavayer und Chevroux in Verbindung. Postbureau zweiter Klasse,
Telegraph, Telephon. Die Gemeinde ist ziemlich umfangreich und umfasst 2280 ha Fläche. In ihrem s. Abschnitt liegen die
WeilerVers chez Perrin, Vers chez Savary und Étrambloz, die einen Teil ihrer Geschäfte selbständig verwalten.
Gemeinde: 534 Häuser, 5224 Ew., wovon 4216 Reformierte, 976 Katholiken und 32 Andere;
4198 Ew. sprechen französisch, 859 deutsch, 162 italienisch
und 5 eine andere Sprache.
Stadt mit Vororten: 438 Häuser, 4553 Ew. Gemeinde 1850: 3078 Ew., 1860: 3085, 1880: 3568, 1888: 3636 Ew.
Die rasche Zunahme seit 1880 ist der Einführung neuer Industriezweige zuzuschreiben. Reformierte Kirchgemeinde.
Je eine Kapelle der freikirchlichen Gemeinde und der deutschen Gemeinde. 1889 ist in einem Tour de la Reine Berthe geheissenen
alten Bauwerk auch eine katholische Kapelle eingerichtet worden. Rund um die Stadt führt eine Ringstrasse, die ohne Zweifel
den einstigen Mauern und Gräben folgt. Am Ausgang gegen Corcelles eine schöne, schattige Allee.
Südl. vor der Stadt steht an der Strasse nach Lausanne der Vorort Glatigny und links der Broye unterhalb der zweiten Brücke
der Vorort Vuary. Bemerkenswert das Stadthaus und zwei mit den Standbildern von Kriegern geschmückte Brunnen aus dem 16. Jahrhundert.
Ein 1905 eingeweihtes Denkmal des Generales Jomini. Die aus 1521 stammende Hauptbrücke ist 1868 in Eisen
neu erstellt worden. Eine oberhalb davon befindliche, 1856 erbaute zweite Brücke ist abgebrannt und 1887 neu erstellt worden.
Eine dritte Brücke endlich
¶
mehr
verbindet die Stadt mit Vuary. Payerne hat eine bemerkenswerte alte Kirche im romanischen Stil, die bis zur Reformation zum
Kloster gehörte und heute noch Abtskirche (Église abbatiale) heisst. Kirche und Kloster müssen in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts
unter Adelheid, der Tochter der Königin Bertha, und zu der Zeit, da St. Maiolus Abt von Cluny war, gestiftet
worden sein. Die Kirche zeigt den den Bauten der Cluniacenser eigenen Stil und ist in Form eines lateinischen Kreuzes erstellt.
Immerhin stammt der grössere Teil des Baues erst aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Der gotische Glockenturm steht an der
Stelle eines einstigen romanischen Turmes und datiert vermutlich aus dem 15. Jahrhundert, während sein
Spitztürmchen 1645 aufgebaut worden ist. Die Kirche ist eine der grössten der Schweiz und ist längs der Aussenfront 67 m
lang; das Schiff hat eine maximale Breite von 19 m und das Querschiff eine solche von 28 m. Das Längsschiff
verengert sich an seinem w. Ende, wo es mit der im 16. Jahrhundert durch einen massiven Bau ersetzten Tour deSaintMichel in
Verbindung stand, und ist in seinen Proportionen wenig regelmässig abgeteilt, so dass es ziemlich willkürlich und ohne
grosses Kunstverständnis erbaut worden zu sein scheint.
Aussen ist die Kirche sehr einfach gehalten, bildet aber ein durch ihre Masse imponierend wirkendes Bauwerk.
Besonders anziehend erscheint sie durch die Mannigfaltigkeit des verwendeten Baumateriales, das zum grössten Teil den Ruinen
zu Aventicum (Avenches) entstammt. Romanische Kapitäle und Fresken (solche auch in einer Seitenkapelle). Das Spitztürmchen
zeichnet sich durch elegante Bauart und grosse Höhe aus. Im Glockenturm hängen eine grosse und zwei
kleine Glocken, die zusammen mit denjenigen der Pfarrkirche ein schönes Geläute bilden.
Während der Zeit der Berner Oberhoheit fiel die Kirche in Ungnade: 1686 wurde sie von der Stadt an die Regierung abgetreten,
die sie zu einem Kornhaus umgestaltete. 1804 kam sie an die Stadt zurück und diente zunächst verschiedenen
Zwecken, so z. B. als Kaserne und dann bis zum Bau des neuen eidgenössischen Zeughauses an der Place d'Armes auch als Zeughaus.
Heute benutzt man das Erdgeschoss als Kornspeicher, während die übrigen Räume leer stehen. Man geht mit dem
Gedanken um, dieses Denkmal romanischer Kunst in der Schweiz würdig zu restaurieren. Bemerkenswert ist ferner noch der einstige
Kapitelsaal im Kloster, der jetzt als Keller und Lagerraum dient. Oestl. der alten Kirche steht die an Stelle einer einstigen
Kapelle etwa 1570 erbaute Pfarrkirche, die eine schöne Orgel besitzt und in der seit 1818 das Grabmal
der Königin Bertha sich befindet.
Payerne besass schon unter der BernerHerrschaft eine Lateinschule, die 1841 reorganisiert und in einem neuen Bau untergebracht
wurde. Nachdem ihr Bestehen in den politisch erregten Zeiten von 1845 gefährdet gewesen, nahm sie seit 1860 einen neuen
Aufschwung. Heute umfasst sie 5 Klassen Latein- und 4 Klassen Industrieschule. Eine 1855 gegründete
höhere Töchterschule. Neues Schulhaus. Ein aus 1869 datierendes Museum, das verschiedene einstige Privatsammlungen in sich
vereinigt; bemerkenswert ein Sattel, der einst der Königin Bertha gehört haben soll.
Eine 1869 eingerichtete Volksbibliothek mit 5000 Bänden und eine noch ältere religiöse Bibliothek.
In einem Hôpital genannten Gebäude hat man 1860 einen Theatersaal eingerichtet. Das Krankenhaus (1867) ist eines der besteingerichteten
im Kanton und hat 1885 ein schönes und geräumiges neues Gebäude bezogen. Eine Krippe. Eine 1872 gegründete
Korrektionsanstalt
(mit Ackerbaukolonie) ist in den letzten Jahren geschlossen worden. Der Kanton wird, sobald es der Stand
seiner Finanzen erlaubt, die kantonale Strafanstalt nach Payerne verlegen.
In Payerne gibt es zahlreiche Gesellschaften und Vereine, die sich den verschiedensten Zwecken widmen. Drei Zeitungen. Trotz
der intensiven industriellen Tätigkeit beschäftigen sich doch viele der Bewohner mit Landwirtschaft. Bedeutende Wochenmärkte.
Payerne ist eine der am meisten Tabak bauenden Gemeinden des Bezirkes, welchem Zweig der Landwirtschaft
hier 60 ha eingeräumt sind. Industrielle Betriebe: Fabrik für kondensierte Milch (Gesellschaft Nestlé), Filiale derjenigen
in Vevey, mit 200 Arbeitern und einem täglichen Verbrauch von 45000 Liter Milch;
4 Tabak- und Zigarrenfabriken, deren 1859 gegründete
erste seit 1870 einen grossen Aufschwung genommen hat und 300 Arbeiter beschäftigt, während die übrigen
drei zusammen 225 Arbeiter zählen;
eine Militärkäppi und -mützenfabrik, Musikinstrumentenfabrik, Spinnereien, Sägen, Gerbereien,
Mühlen, Ziegeleien, eine Backsteinfabrik, Branntweinbrennerei, Schreinerei, eine Möbelfabrik.
Altberühmt sind die Wurstwaren
von Payerne. Ein Bankgeschäft, die 1864 gegründete Banque populaire de la Broye; Agentur der Kantonalbank. Bezirksgericht.
Der Ueberlieferung nach soll Payerne von Marcus Dunnius Paternus, dem Duumvir der Kolonie Aventicum, im 2. Jahrhundert n. Chr.
gegründet worden sein, doch entbehrt diese Annahme jeder geschichtlichen Unterlage. Mehr Sicherheit bietet eine Angabe des
Kartulars von Lausanne (aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts), wonach Bischof Marius um 595 die Kirche von
Payerne zu Ehren Unserer Lieben Frauen gestiftet hätte. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts bestand in Payerne ein der Abtei
Baume bei Besançon unterstelltes Ordenshaus, das durch Vergabung von Seiten des Königs Rudolf I. von Burgund 904 an die Abtei
Gigny in der Freigrafschaft überging. Im 10. Jahrhundert tritt in den Urkunden der welschen Schweiz die
Königin Bertha auf, deren Andenken im Volk des Waadtlandes und besonders des Bezirkes Payerne immer noch fortlebt. 962 vergabte
diese Bertha, Witwe von Rudolf II., die Stadt Payerne mit ihrem gesamten Grundbesitz dem Abt des Klosters Cluny, St. Maiolus,
mit der Bestimmung, dass er hier ein Cluniacenserkloster erbaue.
Das Original dieser allgemein das Testament der Königin Bertha genannten Urkunde ist zwar verloren gegangen, doch werden
Abschriften davon im Freiburger und im Waadtländer Staatsarchiv aufbewahrt. König Konrad, der Sohn von Bertha, bestätigte
die Schenkung und fügte ihr neuen Grundbesitz und neue Rechte bei. Königin Bertha verbrachte auch einen
Teil ihres Lebens in Payerne, das damals Hauptstadt des transjuranischen Burgunderreiches war. Sie war eine sehr fromme Frau
und unermüdlich in ihren Bestrebungen zur Wohlfahrt der Untertanen; so liess sie z. B. Burgen und feste Türme errichten,
um das Land vor den Einfällen und Plünderungen der Sarazenen und Ungarn zu sichern.
Sie soll etwas vor 970 gestorben und wie König Konrad und sein Sohn Rudolf III., der letzte König Burgunds († 1032),
in Payerne begraben worden sein. 1033 liess sich sodann Kaiser Konrad der Salier in Payerne zum König von Burgund krönen.
Von da an ist die Geschichte der Stadt bis ins 13. Jahrhundert in Dunkel gehüllt. Bis 1220 war der deutsche
Kaiser Kastvogt des Klosters Payerne und liess dieses Amt durch die Herzoge von Zähringen verwalten. Dann erhoben sich hinsichtlich
dieser Kastvogtei zwischen den Herren von
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