Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03363.jsonl.gz/1351

Auf dem gut zweistündigen Weg von der Seeanlage bis zur Badi Feldmeilen wurde über Geschichte und Entwicklung, aber auch über Aktuelles informiert. Interessant war alles.
In den Gärten der Patrizierhäuser
Wer etwa ist sich noch bewusst, dass die heutige Seeanlage jahrhundertlang das kommerzielle und gesellschaftliche Zentrum von Meilen war? Dass bis 1930 hier die Wetzikon-Meilen-Bahn endete? Oder dass sich der Schiessstand bis 1854 vor der Meilemer Kirche befand? Warum das frühere Bezirksgebäude, «Pappeleheim» genannt, vor dem Dorfbach errichtet und wieder abgebrochen wurde oder wie der Ausbau des Fährverkehrs zu immer grösseren Ländeanlagen führte? Dass Meilen vor dem Ausbau des Strassennetzes ein bedeutender Umschlagplatz für Baumaterial war, wurde in Front des heute stillgelegten «Dampf-Greif-Krans» im ehemaligen Kibag-Areal erläutert.
Erwartungsgemäss auf besonderes Interesse stiessen die Patrizierhäuser. Für reich gewordene Stadtzürcher Familien war der Besitz von Gütern am See nicht nur eine Geldanlage, sondern auch die Chance zur «Stadtflucht», um den nachzwinglianischen Sittenauflagen in die «Lusthäuser» auf dem Land entfliehen zu können. Meilen war u.a. auch wegen der guten Lage für den Weinbau erste Wahl für einen Sitzentscheid. Dass Landsitze auch dem gesellschaftlichen Status dienten, erklärt den reichen Innenausbau der Sitze.
Erfreulicherweise durften die Teilnehmer die Gärten und Höfe der drei besuchten Patrizierhäuser betreten und konnten sich so noch besser das Leben am See in alter Zeit vorstellen. Dass im schattigen Garten der «Seehalde» die Familie Hirzel sogar flüssige Erfrischungen offerierte, wurde angesichts der sommerlichen Temperaturen sehr geschätzt.
Im «Horn» sitzt man auf Bauschutt
Einigermassen überrascht hat in der Hornanlage die Aussage, wonach diese anfangs des letzten Jahrhunderts als Deponie für Bauschutt und Kehricht aufgeschüttet wurde, diese Bewilligung seitens des Kantons aber mit der Pflicht zu Errichtung einer öffentlichen Anlage und eines Stücks Seeuferweg verbunden wurde. Ein im Rückblick sehr weiser Entscheid, ist doch die Hornanlage heute eine der schönsten und best genutzten Erholungszonen am Zürichsee und ist auch Standort eines Denkmals für den in Meilen gebürtigen Dichters des Schweizerpsalms, Leonhard Widmer.
Schlusspunkt mit Apéro in der Badi
Letzte Station des Bummels war in Feldmeilen der «grüne Hof» und der Standort der ehemaligen «Rosshaari». Dort, wo heute die Seegarage situiert ist, wurde bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts aus Pferde- und Kuhschwänzen der federnde Inhalt von Rosshaarmatratzen gefertigt, und während der Kriegsjahre wurde hier der Zuckerersatz «Tulsamin» und «Saccharin» hergestellt.
In der Badi Feldmeilen konnten sich die mit vielen Informationen über einen interessanten Teil von Meilen aufdatierten Dorfrundgänger beim reichhaltigen, von der Gemeinde Meilen gespendeten Apéro erholen.