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Mit City assoziieren wir in der deutschen Sprache sicherlich Großstadt und noch viel mehr Teile der Innenstadt mit hoher Nutzungskonzentration. Wir verbinden mit diesem Begriff aber auch eine neuartige Urbanisierung mit rasanter Geschwindigkeit, die schon mit der im 18. Jahrhundert aufkommenden City of London ganze Stadtteile erfasste. Das Besondere und Herausfordernde an Wankdorfcity III ist vielleicht weniger die an unterschiedlichen Verkehrsknotenpunkten der Schweiz sich in den letzten Jahrzehnten entfesselte urbane Dynamik, als vielmehr die Vielschichtigkeit des Programms, die die schwer überwindbaren Verfestigungen von «Makro-« und «Mikrokosmos» einer Stadt aufzubrechen versucht.
Die «Bausteine“ des Plans von Rolf Mühlethaler sind mit den Schwarzplananalysen im Stil von Camillo Sitte nicht zu erfassen, die vorgeschlagene Kohärenz folgt nicht der berühmten Untersuchung Vom Block zur Zeile, Wandlungen der Stadtstruktur von Philippe Panerai, Jean Castex und Jean-Charles Depaule. Die morphologische Struktur ist in ihren Abmessungen zu tief für die Zeile und umgekehrt zu klein für einen Stadtblock, ihre Dimension mutiert in der Höhe laufend. Der Sinn für den Maßstab ist ebenso verblüffend wie die formale Kontrolle über alle Teile der angeblich aformalen und unkontrollierbaren Megaform.
Den Anspruch eines «Quartierbausteins» hat in der Architektur Anstrengungen hinterlassen, die ihre städtebauliche und typologische Kohärenz weniger im Dialog von Körper und Raum, von „solid“ und „void“ zu finden sucht, als in der Untersuchung von Entwicklungsverfahren, die ihrerseits wiederum ganz unterschiedlicher Natur sein können, die aber alle zur übergeordneten Entwicklungsthese der offenen Strukturen und den sozialen Interaktionen führen. Nur noch die vorgegebenen minimalen Wohnanteile in den Teilbereichen verweisen auf die alten Regeln einer lenkbaren Stadtentwicklung mittels eines Zonenplans.
Im Zentrum steht ein Plan, der nicht völlig abgetrennt von der Handlung und diese wiederum vom Ergebnis ist. Die Ideen zu den Dramaturgien und den Strukturen plädieren für Stadtvision, die die Stadt wieder als ein komplexes Gefüge räumlicher und zeitlicher Bezüge versteht und sich der venturianischen «Verpflichtung auf das schwierige Ganze» stellt.
Die Vision für ein Stück Stadt, die als Ort mit eigenständiger Identität verstanden und gelebt wird, bedingt das Schaffen und Zulassen von Differenzen. Differenzen, die in ihrem Spannungsfeld eine dramaturgische Bespielung der bestehenden und der im Richtplan definierten Strukturen, die nicht nur auf visueller, sondern insbesondere auf inhaltlicher Ebene eine Beziehung über die stark begrenzenden Verkehrstangenten hinaus schaffen. Eine feine Abstimmung zwischen Festlegen und dem Zulassen bildet die Grundlage für die Aneignung und Belebung der räumlichen Gesamtfigur auf ihren verschiedenen Ebenen. Ein Kultur- und Begegnungscenter in den Shedhallen dient als städtebaulicher Attraktor für eine Stadt, die sich von Mononutzungen distanziert und den Anspruch eines durchmischten und mit Impulsen von «Aussen» angereicherten Quartieres hat.
In Ergänzung zur soziokulturellen Nachhaltigkeit steht bei dieser Arbeit nebst der Untersuchung eines in der Struktur kohärenten Multiuse-Hauses auch die ökologische Nachhaltigkeit im Zentrum. Im Sinne der Entkarbonisierung des Bauens werden schlanke und ressourcenschonende Strukturen im Projekt vertieft untersucht.