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Auszug aus dem Buch Die Welt der Reinkarnationslehre, 1999, ab Seite 25
Im Westen ist die Meinung noch weit verbreitet, die Lehre von der Reinkarnation gehöre ursprünglich ausschliesslich zur Vorstellungswelt der indischen Religionen und sei von dort nach Europa gekommen. Diese Meinung ist jedoch ein Irrtum und beruht zum einen auf Unkenntnis der abendländischen Geistesgeschichte, zum anderen auf Unkenntnis von Wesen und Aufgabe der Religion.
Die Lehre von der Reinkarnation ist kein Bestandteil der fernöstlichen Religionen, sie ist überhaupt kein Bestandteil irgendeiner Religion. Sie geht auf Erfahrung zurück.
Es gibt auch im Westen unzählige Menschen, die von der Existenz der Reinkarnation Kenntnis haben, viele sind in der Lage zu erfahren, dass sie schon früher und öfters ein Leben auf der Erde führten, und es gibt viele, die konkrete Erinnerungen an einstige Erdenleben haben.
Sie glauben nicht an die Reinkarnation, sie wissen, dass es sie gibt.
Dennoch scheint es, als würde die Lehre von der Reinkarnation immer mehr Menschen faszinieren, weil sie sich für eine fernöstliche Religion interessieren. Viele werden dabei auch auf die Reinkarnation aufmerksam.
Andere wiederum lassen sich wegen ihres christlichen Glaubens von einer Auseinandersetzung mit der Reinkarnationslehre abhalten, und etliche Christen zögern, die Tatsache der Reinkarnation zur Kenntnis zu nehmen. Ihr Glaube scheint von ihnen zu fordern, Abstand davon zu nehmen. Denn die Reinkarnation wird von vielen Vertretern des offiziellen Christentums nicht als Tatsache betrachtet, sondern für eine Glaubenslehre gehalten und ihre Existenz in Frage gestellt.
Der Glaube und die Reinkarnation
Eine Tatsache hat mit Glauben allerdings nichts zu tun. An eine Tatsache muss der Mensch nicht glauben, wie er - so meint er vielleicht - an Gott glauben muss, oder wie er - in einem anderen Sinne - glaubt, dass das Wetter morgen schön oder regnerisch sein wird. Tatsachen werden zur Kenntnis genommen. Und selbst dann, wenn niemand oder nur ein einziger Mensch um sie weiss, existieren sie.
Das Wissen um eine Tatsache setzt lediglich Erkenntnisvermögen, aber keinen Glauben voraus.
Für eine Tatsache kann es auch keine Alternative geben. Werden auf irgendeinem Forschungsgebiet verschiedene Theorien oder Arbeitshypothesen einander gegenübergestellt, so hat jeder Sachkundige die Wahl, aufgrund seiner Fachkenntnisse jene zu bevorzugen, die er für seine Zwecke als tauglich erachtet.
Bei der Auseinandersetzung mit der Reinkarnation hingegen steht nicht Hypothese gegen Hypothese oder Glaubenslehre gegen Glaubenslehre oder Weltvorstellung gegen Weltvorstellung.
Angesichts einer Tatsache stellt sich lediglich die Frage, ob jemand sie zur Kenntnis nehmen und einsehen kann oder nicht.
Auch die Tatsache der Reinkarnation bestand und besteht völlig unabhängig davon, ob jemand sie zur Kenntnis nimmt oder nicht, ob jemand sie für eine Tatsache oder für den Inhalt einer Glaubenslehre, für eine Spekulation oder für ein Phantasieprodukt hält.
Da sie keine Frage des Glaubens, sondern eine Frage der Erkenntnis und der inneren Erfahrung ist, ist sie auch in dem Fall vom religiösen Glauben unabhängig, wenn sie für den Bestandteil einer Religion gehalten wird. Es gibt viele Menschen, die um die Existenz der Reinkarnation wissen und an Gott nicht glauben, und es gibt viele Gottgläubige, die von der Reinkarnation nichts wissen oder nichts wissen wollen.
Die Reinkarnation gehört zum Weltbild und nicht zum religiösen Glauben. In ähnlicher Weise ist auch das Wissen, wonach die Erde um die Sonne und nicht die Sonne um die Erde kreist, ein Bestandteil eines Weltbildes, des heliozentrischen, es ist aber nicht der Glaubenssatz einer Religion, selbst wenn das geozentrische Weltbild von Vertretern des Christentums noch lange nach der Entdeckung des Kopernikus für eine sogar theologisch begründbare Glaubensansicht gehalten wurde.
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