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Geschichte
Das Haus Karl der Grosse hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Seit das Gebäude im 8. Jahrhundert in verschiedenen Schriften erstmals als «Karli» erwähnt wird, hat das Haus viele Besitzerwechsel, Renovationen und Umbauten erlebt.
Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert
Ursprünglich bestand Karl der Grosse aus drei Häusern: «zum Silberschild» an der Oberdorfstrasse 36 und «zum Goldenen Stern» an der Kirchgasse 12 und 14.
Bevor 1898 der Frauenverein den Goldenen Stern übernahm, erlebte das Haus vom Mittelalter bis Anfang des 20. Jahrhunderts viele Veränderungen. Zwischen 1200 und dem Ende der Reformation von 1517 wechselte neun Mal der Besitzer des Hauses. Danach gehörte es unter anderem dem Almosenamt und schliesslich dem Zürcher Frauenverein.
Das Haus zum Silberschild war von Mitte des 16. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert Sitz des Diakons am Grossmünster. Während dieser Zeit bewohnten verschiedene Persönlichkeiten das Haus, unter anderem Heinrich Waser, Bürgermeister von Zürich, und der Theologe Johann Heinrich Hottinger.
Das «Alkoholfreie Restaurant zu Karl dem Grossen»
Im Bestreben, die durch die Industrialisierung fortschreitende Alkoholsucht einzudämmen, schlossen sich 1894 Zürcher Frauen zum «Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl» zusammen. Die zuvor eingeführte Handels- und Gewerbefreiheit ermöglichte es ihnen, Kaffeestuben und -Hallen zu eröffnen. An verschiedenen Orten in Zürich hatte der Frauenverein bereits Kaffeestuben eröffnet; am 1. März 1898 öffnete das «Alkoholfreie Restaurant zu Karl dem Grossen» seine Türen.
Während mehr als 75 Jahren war Karl der Grosse in den Händen des Frauenvereins und erfreute sich lange grossem Erfolg. 1974 war der Verein aber wegen Liquiditätsproblemen gezwungen, die Liegenschaft abzustossen – Käuferin war die Stadt Zürich.
Seniorenzentrum Karl der Grosse
Der 1974 gewählten Stadträtin und Vorsteherin des Sozialdepartements Emilie Lieberherr blieb nicht verborgen, dass zu dieser Zeit in der Zürcher Altstadt viele Seniorinnen und Senioren wohnten. Deren Wohnungen wiesen aber oft gravierende Mängel auf: viele Bewohnerinnen und Bewohner hatten weder Warmwasser noch Waschküchen mit Waschmaschinen.
Aufgrund dieser Situation entschloss der Gemeinderat im Jahr 1981, aus Karl der Grosse ein Quartierseniorenzentrum zu machen. 1985 wurde das Seniorenzentrum Karl der Grosse eröffnet; die Leitung oblag Nina Sorgo. Zum Angebot des Zentrums gehörten nicht nur vielerlei Kurse und Aktivitäten für Senioren, sondern auch die bis heute bestehenden Alterswohnungen.
Zentrum für alle
Nach zehn Jahren als Seniorenzentrum erfuhr Karl der Grosse erneut eine Umstrukturierung. Durch die Verbesserung der finanziellen Lage der Senioren konzentrierte sich das Sozialdepartement auf eine andere Gruppe. Mangels Angebot, Räumen und Unterstützung für Jugendliche und Kinder beschloss der Stadtrat 1994 die Auflösung des Seniorenamtes. In der Folge wurden die Seniorenzentren in «Zentren für alle» umgewandelt.
Von 1995 bis 1997 leitete Elisabeth Schnellmann den «Karli» als ein solches «Zentrum für alle». In dieser Zeit wurde auch die Küche ausgebaut und das bis jetzt bestehende Restaurant eingerichtet.
Zukunftsfähige Soziokultur
Ab 2000 stand Karl der Grosse unter der Leitung von Fredi Murbach; Cornelia Jacomet leitete das vom Konzept «zukunftsfähige Soziokultur» geprägte Programm. Dieses Konzept basiert auf der Verankerung der Soziokultur in der Gemeindeverordnung von 1999. Das von Stadträtin Monika Stocker propagierte Motto «Weniger Konsum, mehr Engagement» priorisierte die Soziokultur als Unterstützung und Förderung von Eigeninitiative, Integration und Chancengleichheit.
Karl der Grosse wird zum Debattenhaus
In der Zeit nach 2010 befand sich das Haus auf intensiver Suche nach seiner zukünftigen Ausrichtung. Im Herbst 2013 hat Karl der Grosse ein neues Kapitel aufgeschlagen: Unter der Leitung von Christoph Schneider entwickelt es sich hin zu einem Debattenhaus und steht als Plattform für Auseinandersetzungen in Politik, Kultur und Gesellschaft. Das Angebot von Karl der Grosse beruht heute auf den drei gleich starken Pfeilern Programm (Veranstaltungen und Blog), Raummiete und Restaurant Karl.