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So viele Stimmen wie noch nie ein Kandidat holte Ständerat Germann bei den letzten Wahlen. Je nachdem, wie man misst, liegt aber ein anderer Name vorn.
Von Zeno Geisseler
Hannes Germann (SVP) ist bei den Ständeratswahlen 2015 mit einem
bemerkenswerten Resultat wiedergewählt worden: Er erhielt 20 747 Stimmen, beinahe so viele, wie der Zweitplatzierte Thomas Minder und der Viertplatzierte Reto Dubach zusammen holten. Germann, der 2002 erstmals ins Stöckli gewählt wurde, hat damit seine früheren Wahlresultate deutlich übertroffen. Sein bisheriges Spitzenergebnis stammt aus dem Jahr 2007: 16 774 Stimmen machte er damals.
Esther Bührer (SP) verdrängt
Wie sieht Germanns Resultat im Vergleich mit früheren Wahlgängen und anderen Kandidierenden aus? Das Stadtarchiv Schaffhausen hat eine entsprechende Aufstellung der Schaffhauser Ständeratswahlen seit 1967 zusammengestellt. Daraus geht hervor, dass Germann eine wichtige Grenze überwunden hat: Mehr als 20 000 Stimmen, das hat noch nie eine Kandidatin oder ein Kandidat geschafft. Germann hat einen Rekord pulverisiert, der über 30 Jahre lang Bestand hatte: 1983 erhielt SP-Ständerätin Esther Bührer bei ihrer ersten Wiederwahl 19 184 Stimmen. Sie war wie Germann weit über ihre eigene Partei hinaus beliebt.
Auf den nächsten beiden Plätzen in der ewigen Bestenliste findet sich FDP-Mann Kurt Bächtold. Er holte 1975 18 662 Stimmen, und 1971 waren es 18 651. Auf dem fünftbesten Rang landet Konrad Graf von der BGB, der ebenfalls 1971 17 783-mal auf den Wahlzetteln aufgeschrieben wurde.
Um Germanns Resultat zu würdigen, reicht es aber nicht, bei der absoluten Zahl der Stimmen zu bleiben. So muss man auch berücksichtigen, dass bis 1971 bloss Männer wählen und gewählt werden konnten und somit die Zahl der Stimmberechtigten in früheren Jahren deutlich tiefer lag: Bei der letzten Wahl ohne Frauenbeteiligung, 1967, erhielten die drei Spitzenkandidaten zusammen 20 326 Stimmen, also weniger, als Germann 2015 im Alleingang holte.
Es wäre rein technisch bei der damaligen Wahl gar nicht möglich gewesen, dass ein Kandidat auf 20 000 Stimmen kommt, denn jeder Stimmbürger konnte auf seinem Wahlzettel zwar zwei Linien ausfüllen, er durfte aber der gleichen Person nicht zwei Stimmen geben. 1971, als erstmals auch die Frauen zugelassen wurden, wuchs der Wählerinnen- und Wählerpool erwartungsgemäss deutlich an. Nicht ganz 18 000 Frauen nahmen laut den SN vom 1. November 1971 an dieser Wahl teil, über 49 000 Stimmen holten die drei Spitzenkandidaten zusammen.
Anders gezählt, anderer Gewinner
Man kann noch weitere Faktoren für die Beurteilung heranziehen, namentlich den Anteil einer Kandidatin oder eines Kandidaten an den insgesamt abgegebenen Voten: 2015 entfielen 39,31 Prozent auf Germann. Dies ist ein gutes Resultat, aber nicht das beste unter den untersuchten Wahlen. Diese Ehre gebührt Kurt Bächtold in der Wahl von 1975: damals kam er auf 41,2 Prozent der Stimmen. Esther Bührer landet mit ihren 41,04 Prozent aus dem Jahr 1983 auf Rang zwei, den dritten Platz sichert sich Peter Briner mit 39,69 Prozent in der Wahl von 2003.
In den Zahlen findet sich übrigens noch ein versteckter Rekord: Zwar
war 2015 nicht das Jahr mit der höchsten Stimmbeteiligung, aber es war doch das Jahr mit den am meisten abgegebenen Stimmen. 52 779 gültige Voten wurden eingelegt. Knapp dahinter, mit 51 707 Stimmen, folgt der erste Wahlgang der Ständeratswahlen von 2011.