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Halmfliegen (Chloropidae)
Deutsche und wissenschaftliche Namen:
- Fritfliege: Oscinella frit L.
- Gelbe Getreidehalmfliege: Chlorops pumilionis Bjerkander
- Brachfliege: Delia coarctata Fallen
Taxonomie: Arthropoda, Insecta, Diptera, Chloropidae
Weissährigkeit oder Gelbherzigkeit, Oscinie, Grass flies
Futtergräser, Getreide und Mais werden von zahlreichen phytophagen Fliegenarten befallen. Die häufigsten sind die beiden Halmfliegen Fritfliege und Gelbe Getreidehalmfliege sowie die Brachfliege. Die Bestimmung der verschiedenen Arten ist schwierig und kann weltweit nur von wenigen Spezialisten durchgeführt werden.
Halmfliegen durchlaufen einen vollständigen Entwicklungszyklus vom Ei über das Larven- und Puppenstadium zur adulten Fliege. Je nach Art und Klima bilden die Halmfliegen eine bis mehrere Generationen pro Jahr (die Fritfliege hat zum Beispiel in Mitteleuropa drei Generationen). Halmfliegen fressen im Halm oder an der Basis der Herzblätter und verursachen eine Weissährigkeit und die Gelbherzigkeit. Einige Arten sind auf wenige Wirtspflanzen spezialisiert. Andere, wie die Fritfliege, haben einen sehr grossen Wirtskreis.
Schadbild
Während des Sommers können in Grasbeständen, die zur Samengewinnung genutzt werden, einzelne weisse, verdorrte Ähren beobachtet werden. Dieses Symptom ist auch als Weissährigkeit oder Taubährigkeit bekannt (Abb. 1). Die Halme und Blätter der betroffenen Pflanze bleiben grün. Die Ähre lässt sich zudem leicht aus der Blattscheide ziehen. Auf der Höhe des obersten Knotens ist die Ähre durchgefressen. Dort sitzt der Schädling: eine Fliegenmade (Abb. 4). Neben der Made befinden sich haufenweise Milben, die sich von den Ausscheidungen der Made ernähren.
Ein Befall der Gräser im Herbst verursacht ein Vergilben der Herztriebe oder die sogenannte Gelbherzigkeit oder Herzblattvergilbung (Abb. 2). Der Trieb ist an der Basis durchgefressen, verfault und lässt sich leicht herausziehen (Abb. 3). An der Triebbasis befinden sich glasig-weiße Fliegenmaden. Verwechslungsmöglichkeit: Die Symptome gleichen einem Drahtwurmbefall.
Abb. 1. Weissährigkeit, verursacht durch Halmfliegen (Italienisches Raigras, = welsches Weidelgras, Lolium multiflorum)
Abb. 2. Gelbherzigkeit, verursacht durch Halmfliegen
Abb. 3. Gelbherzigkeit: Die Larven der Halmfliege fressen den Trieb an der Basis, so dass dieser sich leicht herausziehen lässt.
Schaderreger
Halmfliegen durchleben eine vollständige Entwicklung mit vier verschiedenen Stadien: Ei, Larve, Puppe und Imago (Erwachsenenstadium).
Fritfliegen: Die Eier der Fritfliege sind durchscheinend, glänzend, cremefarben, bohnenförmig und etwa 0.4 mm lang (Watschke et al. 1995). Die Maden (Larven) besitzen keine Gliedmassen und auch keine Kopfkapsel. Am vorderen Ende befinden sich schwarze Mundhaken mit denen die Larve das Pflanzengewebe raspelt (Abb. 5). Am Hinterleibsende sind zwei kleine Ausstülpungen sichtbar. Eine ausgewachsene Made ist etwa 3 mm lang. Die Puppen sind rötlich-braun, oval und 2 mm lang. Die adulten Tiere sind gewöhnliche schwarze Fliegen mit einer gelben oder weissen Zeichnung und etwa 2 mm lang.
Abb.4. Larven von Halmfliegen fressen im Inneren der Grashalme
Abb. 5. Larve einer Halmfliege im Inneren eines Grashalms, deutlich sichtbar sind die schwarzen Mundhaken am Kopf der Made.
Lebenszyklus der Fritfliege
Die Larven verbringen den Winter geschützt in den Blattscheiden der Gräser, wo sie sich einen kleinen Tunnel ausfressen. Die Quecke (Agropyron repens) mit ihren unterirdischen Ausläufern bietet den Fritfliegenlarven besonders günstige Lebensbedingungen während der Überwinterung (Roos, 1937). Auch abgestorbene Halme kommen als Überwinterungs-quartiere in Frage.
Im Frühling, sobald das Gras anfängt zu wachsen, beginnt auch die Made wieder zu fressen, was schon bald zum Absterben einzelner Grastriebe führen kann. Die Larven wachsen während einigen Wochen und entwickeln sich zur Zeit der Löwenzahnblüte in der Pflanze oder im Boden zu Puppen.
Die adulten Fliegen schlüpfen nach etwa einer bis zwei Wochen. Nach der Befruchtung legen die Weibchen die Eier vorwiegend auf die Blattscheiden von grossen spriessenden Gräsern wie Mais, Hafer oder Gerste ab. Die ausschlüpfenden Larven fressen sich bis zum Herzblatt durch und verpuppen sich nach einigen Wochen erneut. Aus den Puppen entstehen ab Juni die Fliegen der zweiten Generation, welche ihre Eier vor allem in die Rispen des Hafers ablegt. Aber auch spät- oder im zweiten Aufwuchs blühende Futtergräser können als Eiablageplatz dienen. Die Larven dringen in die Halme und fressen auf der Höhe des obersten Knotens im Inneren des Halmes (Abb. 4). Die Nährstoffzufuhr der Ähren wird unterbrochen, was zum Verbleichen der Ähre führt und die typische Weissährigkeit verursacht.
Die dritte Jahresgeneration fliegt im August bis September und legt die Eier an verschiedene Gräser ab. Während des Herbsts fressen die Larven am Grunde des Herzblatts. Dadurch wird dieses von der Pflanze getrennt, wird gelb und stirbt vorzeitig ab. Das so entstandene Krankheitsbild wird Gelbherzigkeit oder Herzblattvergilbung genannt.
Epidemiologie
Während des Winters kann lang andauernde Kälte zuerst die Junglarven, später auch die älteren Larven abtöten. Dadurch wird die Anzahl Fritfliegenlarven für das folgende Frühjahr reduziert (Roos, 1937).
Warme, trockene Witterung begünstigt die Entwicklung der Fritfliegen. Die Larven brauchen für ihre Entwicklung mindestens 7 °C (Raynal et al. 1989). Die Verpuppung im Frühjahr findet statt, sobald die Temperaturen über 11 °C steigen und die Imago ist erst ab 12 °C aktiv. Insgesamt braucht die Fritfliege für die Entwicklung vom Ei bis zur Fliege 420 Grad-Tage (Raynal et al. 1989). Das Larvenstadium dauert bei 18-20 °C 20 bis 30 Tage, das Puppenstadium 11 bis 13 Tage.
Niederschlag hat vor allem auf den Flug der Adulten einen stark negativen Einfluss.
Wirtsspektrum
Während des Sommers leben viele Fritfliegenlarven aus verschiedenen Generationen an unseren Futtergräsern. Fritfliegen sind polyphag und können etwa 60 Wirtsgräser wie Mais, Getreide (vor allem Hafer und Gerste), Quecke, Wiesenrispengras, Raigräser und Rotschwingel befallen.
Bekämpfung
Im Futterbau ist eine Bekämpfung in der Regel nicht nötig.
Im Ackerbau sollte die Quecke stets konsequent bekämpft werden. Auch sollte aufgelaufenes Ausfallgetreide vernichtet werden. Das Sommergetreide frühzeitig und das Wintergetreide hingegen nicht zu früh aussäen. Eine ausreichende Stickstoffdüngung bewirkt, dass das kritische Stadium zwischen Auflaufen und Bestockung schnell überwunden wird und bereits eingetretene Schäden bis zu einem gewissen Grad kompensiert werden.
Literatur
Raynal G, Gondran J, Bournoville R, Courtillot M, 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.
Roos K, 1937.Untersuchungen über die Fritfliege (Oscinella frit L.) und ihr Auftreten in verschiedenen Höhenlagen der Schweiz. Diss. ETH. doi:10.3929/ethz-a-000092390.
Watschke TL, Dernoeden PH, und Shetlar DJ, 1995. Managing Turfgrass Pests (Advances in Turfgrass Science), CRC Press Boca Raton, FL., 361 S.