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Seine Schulden trieben den Vater von Jayshree Chawre zur Verzweiflung. Immer mehr Baumwollbauern sind wissen nicht wie weiter. Er war Baumwollbauer in Yavatmal, Herz des indischen Baumwollanbaus. Ihr Vater war so hoch verschuldet, dass er keinen Ausweg mehr sah, erinnert sich Jayshree Chawre: «Er blieb bei einem Baum stehen und sagte meinem Bruder, er solle vorgehen. Dann trank er Gift und erhängte sich.» In seiner Verzweiflung war er nicht allein.
Schädlinge entwickelten Resistenzen
Mit sechs Millionen Tonnen jährlich ist Indien der grösste Baumwollproduzent der Welt. Weil immer mehr Schädlinge für Ernteausfälle sorgten, wendeten die Bauern immer mehr Pestizide an. Nach 2002 setzten Millionen von Baumwollbauern auf das teure genmanipulierte Saatgut von Monsanto - «bt-Baumwolle» genannt. Das enthaltene Gift sollte die Schädlinge töten. Doch bereits nach drei Jahren entwickelten die Schädlinge Resistenzen.
Früher kostete ein Paket mit konventionellem Baumwollsaatgut etwa hundert bis 150 Rupien, für die bt-Baumwolle sind es tausend Rupien.
Teures genmanipuliertes Saatgut
Das alte Saatgut ist unterdessen kaum mehr erhältlich. 95 Prozent der Baumwolle aus Indien ist heute deshalb genmanipuliert. Wie teuer das für die Bauern ist, erklärt der Bauernvertreter Dewnand Pawar: «Früher kostete ein Paket mit konventionellem Baumwollsaatgut etwa hundert bis 150 Rupien, für die bt-Baumwolle sind es tausend Rupien.» Ausbleibende Ernten, teures Saatgut: Kein Wunder sind viele Baumwollfamilien hoch verschuldet.
Unterschiedliche Standards für «Bio»-Baumwolle
Monsanto verteidigt Bt-Baumwolle
Den Saatgut-Multi Monsanto schreibt dazu, die Selbstmordrate bei indischen Bauern sei seit der Einführung der GVO-Pflanzen nicht gestiegen. In vielen Fällen hätten die Bauern damit höhere Einkommen und Erträge: «Indische Landwirte kalkulieren den Mehrertrag durch besseres Saatgut oder wirksamere Pflanzenschutzmittel mit dem dafür zu zahlenden höheren Preis. Diese Kaufentscheidung ist betriebswirtschaftlich begründet und liegt beim indischen Landwirt.»
Mangel an gentechfreiem Saatgut
Doch auch im Bioanbau, wo gentechnisch verändertes Saatgut verboten ist, beeinträchtigt es die Bauern. Gentechfreies Saatgut ist so rar, dass die Nachfrage nach Bio-Baumwolle damit nicht gedeckt werden kann. Als einer der wenigen unterstützt der Schweizer Biobaumwollhersteller Biore die Bauern in schwierigen Zeiten. Zudem entwickelt Biore eigenes Saatgut, das die Bauern selbst reproduzieren können. So sind sie unabhängiger.
Genmanipuliertes Saatgut bedrängt Biobaumwolle
Ein weiteres Problem ist die Verunreinigung entlang der Produktionskette, sagt Biore-Geschäftsführerin Christa Suter. Rückverfolgbarkeit und strenge Kontrollsysteme seien für ihre Glaubwürdigkeit unabdingbar. Indische Biobaumwolle entspreche aber derzeit nicht ihren Standards, bedauert Christa Suter: «Die indische Baumwolle hat im Moment Probleme mit der gentechnisch veränderten Baumwolle. Das akzeptieren wir nicht. So mussten wir schon Baumwolle als konventionelle Baumwolle weiterverkaufen.» Genmanipuliertes Saatgut setzt auch der Biobaumwolle ganz schön zu.