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ODDO BHF AM: „Die andauernde Unsicherheit der Anleger scheint sich mit dem Sieg des Demokraten allmählich zu legen.
…Insbesondere die angekündigten verschärften Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die noch immer eine grosse Gefahr für die Wirtschaft darstellt, sorgten für Zuversicht an den Aktienmärkten.
Kursschwankungen, wie wir sie in den letzten Monaten beobachten konnten, dürften damit nun nachlassen. Schon unmittelbar nach der Wahl verbuchten Branchen, die von Bidens Vorhaben als neuem Präsidenten profitieren, Kursgewinne. Die Entwicklung dürfte auch weiterhin positiv sein. So dürfte die neue Gesundheitsagenda US-Pharma- und Gesundheitswerte steigen lassen. Erzeuger regenerativer Energien sowie Technologie-Unternehmen, welche sich diese Energien zu Nutze machen, sollten von Bidens Fokus auf alternative Energien und umweltfreundliche Technologien profitieren. Eine mögliche Erhöhung des Mindestlohns könnte sich positiv auf die Verbraucherausgaben der US-Bürger auswirken, was diversen Konsumgüteraktien zugutekommen könnte. Eine positive Reaktion der US-Techwerte dürfte hingegen weniger mit dem Sieg Bidens begründet sein, sondern damit, dass die Demokraten im Senat noch keine Mehrheit erreichen konnten. Unter republikanischer Mehrheit könnte der Senat Initiativen des zukünftigen Präsidenten, Unternehmenssteuern zu erhöhen oder Regulierungen zu verschärfen, blockieren. Von einer moderateren Handelspolitik könnten schliesslich Aktien aus Export-Sparten wie Auto, Industrie und Chemie profitieren. Die Hoffnung auf eine Besserung der Situation im Bereich der Strafzölle dürfte auch die europäischen und asiatischen Aktienmärkte treiben
Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind in der Wahlnacht um sechs Basispunkte von 0,88% auf 0,94% gestiegen.
Die Finanzpolitik in den USA wird vermutlich lockerer werden. Die Wall Street hofft auf ein weiteres Stimulus-Programm. Dies dürfte mit einem grösseren Angebot an Staatstiteln einhergehen, was zu fallenden Kursen und zu steigenden Renditen am Anleihemarkt führt. Angesichts der gestiegenen langfristigen Renditen ist die Renditekurve in den USA etwas steiler geworden.
Auch die Entwicklung des US-Dollars dürfte von der Zusammensetzung des Senats beeinflusst werden.
Als am Morgen nach der Wahl noch kein Ergebnis absehbar war, konnte der US-Dollar zunächst Kursgewinne verbuchen. Mit der steigenden Wahrscheinlichkeit für einen Sieg Bidens verlor die Leitwährung jedoch stetig an Wert.
Grundsätzlich dürfte die Ausgabenfreudigkeit der US-Regierung unter Biden grösser sein, was zu einer höheren Inflation und damit zu einer Belastung für den Dollar führen könnte. Mit einer republikanischen Mehrheit im Senat ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Biden seine Ausgaben-Pläne in vollem Masse umsetzten kann.
Dies könnte die US-Notenbank Fed dazu bewegen, den geringeren Einsatz der Fiskalpolitik mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik zu kompensieren, indem sie zum Beispiel ihre Anleihekäufe aufstockt und die realen Renditen weiterhin niedrig hält. Dies würde auch den US-Dollar belasten, da die Attraktivität gegenüber anderen Währungen für internationale Investoren damit sinken würde.“
Quelle: BondWorld.ch