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Die Betreiber von Abfallverbrennungsanlagen in der Schweiz beabsichtigen, das aus ihren Schornsteinen austretende CO2 abzufangen und auf dem Meeresgrund zu speichern. Eine Idee, die den Grünen gefällt, die aber noch einige Hindernisse überwinden muss.Dieser Inhalt wurde am 30. Juli 2020 - 11:00 publiziert
"Die vorherige Generation schuf die Kanalisation zur Rückgewinnung und Reinigung der Abwässer (...) Unsere Generation muss ein ähnliches Netz für CO2 schaffen", schreibt der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) in einem Brief an die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, der vom Westschweizer Fernsehsender RTS veröffentlicht wurde.
Die Schweiz hat sich im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verpflichtet, ihre Emissionen drastisch zu reduzieren. Wie eine Reihe anderer Länder hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 eine Netto-Emissionsbilanz von Null zu erreichen. Nach Ansicht des VBSA wäre es daher "ökologisch und ökonomisch sinnvoll", die Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre zu verhindern und es dort, wo es in konzentrierter Form anfällt, abzufangen. Zum Beispiel in Abfallverbrennungsanlagen.
"Wir wollen Akteure der Energiewende sein", sagt Daniel Baillifard, Direktor der Abfallverbrennungsanlage Satom in Monthey (Wallis) gegenüber swissinfo.ch. Er beabsichtigt, seine Öfen mit einem CO2-Abscheidungssystem auszurüsten. Ein Pilotprojekt, das zusammen mit der Kehrichtverbrennungsanlage in Linth im Kanton Glarus in der ganzen Schweiz Schule machen könnte.
Was tun mit dem CO2?
Die 30 Verbrennungsanlagen, die sich in der Schweiz befinden, verarbeiten etwa 4 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr. Sie sind für rund 5% der Gesamtemissionen des Landes verantwortlich. Die Hälfte der aus den Kaminen austretenden Emissionen ist fossilen Ursprungs (z.B. Kunststoffabfälle), die andere Hälfte stammt aus Biomasse (Holz, Sperrmüll, Bauschutt etc.).
"Weil wir auch das von der Biomasse erzeugte CO2 auffangen, also Material, das in der Natur ohnehin abgebaut worden wäre, sind wir aus Sicht der Emissionen negativ, weil wir der Atmosphäre Gas entziehen", sagt Baillifard. Aber es stellt sich eine entscheidende Frage: Was soll man mit dem CO2 machen?
Für den VBSA ist die einzige praktikable Lösung die dauerhafte Lagerung in geologischen Lagerstätten. Also in den Tiefen der Erde.
Schweizer CO2 über Genua nach Norwegen
Eine definitive CO2-Speicherung in der Schweiz ist derzeit nicht möglich. Zunächst wäre laut VBSA eine detaillierte und systematische Analyse des Untergrundes erforderlich. Der Branchenverband hält es jedoch in zehn bis 20 Jahren für möglich, das Gas in Schweizer Salzwasser-Aquiferen in 800 bis 2500 Metern Tiefe sicher zu lagern. In der Zwischenzeit blickt er in Richtung Nordeuropa.
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Norwegen, das seit Ende der 1990er-Jahre CO2 aus alten Erdgasfeldern unter der Nordsee sichert, hat sich bereit erklärt, ab 2024 CO2 aus anderen Ländern aufzunehmen. Die Lagerkapazität im Meer wird auf 70 Milliarden Tonnen geschätzt, etwa das Zwanzigfache der jährlichen Emissionen der Europäischen Union.
Gemäss einer Machbarkeitsstudie des Labors für Nachhaltigkeit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (sus.lab) wäre der billigste Weg, das CO2 aus Schweizer Abfällen nach Norwegen zu transportieren, ein Pipelinenetz. Eine Chance, die das Werk von Monthey buchstäblich in der Hand hält.
"Wenige hundert Meter entfernt befindet sich die alte Raffinerie von Tamoil, die 2015 geschlossen wurde. Und vor allem gibt es den Auslass der Rhone-Ölpipeline, der jetzt ungenutzt ist", erklärt Baillifard. Die 242 km lange Pipeline verbindet das Wallis mit dem Hafen von Genua.
Von der italienischen Stadt aus würde das Schweizer CO2 per Schiff nach Norden transportiert werden. "Wir könnten zu einer Drehscheibe für die Sammlung von CO2 in der Schweiz mit Blick auf den Export werden", so der Direktor von Satom.
Eine politische, technologische und finanzielle Herausforderung
Der Bund hat bereits seine Unterstützung angekündigt und betont, dass die Abscheidung und Speicherung von CO2-Emissionen eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaziele spielen wird.
Um sein Projekt zu verwirklichen, muss Daniel Baillifard jedoch eine Reihe von Hindernissen überwinden. Erstens auf der politischen Ebene: "Wir brauchen Rechtsgrundlagen und internationale Abkommen, um die Abscheidung und den Transport von CO2 zu regeln, dessen Export derzeit verboten ist", erklärt er.
Dann ist da noch die technische Seite. Ähnliche Pilotprojekte wurden in Norwegen, Irland und Neuseeland gestartet, und 2017 ging in der Schweiz die weltweit erste Industrieanlage in Betrieb, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen und verwerten kann. Allerdings sei die Technologie "noch nicht ausgereift", sagt der Direktor von Satom. "Wir planen, 40 Millionen Franken zu investieren. Wir können uns nicht irren, wir brauchen Gewissheit."
Nicht zuletzt gibt es wirtschaftliche Fragen. Der Preis für den Transport und die Lagerung einer Tonne CO2 wird derzeit auf 340 Franken geschätzt, was zu viel ist, um die finanzielle Nachhaltigkeit zu gewährleisten. "Auch Zementfabriken und die chemische Industrie könnten sich beteiligen. Je mehr Anlagen an das CO2-Netz angeschlossen werden, desto niedriger wird der Preis sein", prognostiziert Baillifard.
Gefahr für das Meeres-Ökosystem
Die CO2-Abtrennung im grossen Massstab sei für die Erreichung der Klimaneutralität unabdingbar, sagt Bastien Girod, Präsident des VBSA und Parlamentarier der Grünen Partei der Schweiz.
Neben der Senkung des Verbrauchs, der Steigerung der Energieeffizienz und der Entwicklung erneuerbarer Energien müssen natürliche und technische Kohlenstoffsenken geschaffen werden, so die Grünen, die eine Netto-Null-Emissionsbilanz bereits für 2040 anstreben.
Skeptischer ist Georg Klingler von Greenpeace Schweiz im Interview mit RTS. "Es ist noch nicht bewiesen, dass das CO2, das wir in diese geologischen Schichten pumpen, tatsächlich dort bleibt. Wir können Lecks nicht ausschliessen. Ein CO2-Austritt ins Meer würde das marine Ökosystem gefährden", warnt er.
"Ein CO2-Austritt ins Meer würde das marine Ökosystem gefährden."End of insertion
Die Umweltschutzorganisation hält diese Technologie im Allgemeinen für zu energieintensiv und teuer. Es bestehe zudem das Risiko, dass sie als Vorwand benutzt werde, um weiterhin Kohle, Öl und Gas zu verbrennen.
Daniel Baillifard ist sich bewusst, dass sein Projekt zur CO2-Abscheidung nicht zu einer Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe beiträgt. "Es stört mich, das Spiel der Fossilindustrie zu spielen. Aber wir müssen realistisch sein: Der Wendepunkt wird nicht morgen kommen. Aber durch die Abscheidung und Sequestrierung von CO2 können wir den Übergang beschleunigen."
(Übertragung aus dem Italienischen: Sibilla Bondolfi)