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Gewöhnliche Wegwarte - Cichorium intybus
Gewöhnliche Wegwarte (syn. Gemeine Wegwarte, Wilde Zichorie, Zichorie)
VORKOMMEN
Heimisch ist die Gemeine Wegwarte vor allem in Europa, Westasien und Nordwestafrika. In Afrika, Nord- und Südamerika wurde die Pflanze eingeschleppt. Bei uns ist die Wegwarte eine Pionierpflanze und wächst deshalb gerne auf trockenen Rasen, an Wegrändem, in Äckern und auf Schuttplätzen, gerne in Nachbarschaft von Schafgarbe, Steinklee oder Karden. Die Wegwarte blüht lange bis in den Herbst hinein. An einer Pflanze blühen immer nur ein paar Köpfchen.
MERKMALE
Die Gemeine Wegwarte wird 30 - 130 cm hoch. Der steife, kantige, aufrechte Stengel ist sparrig verzweigt. Die gestielten unteren Blätter sind gezähnt oder auch tiefer in dreieckige Lappen geteilt. Die oberen, ungestielten Blätter sind stengelumfassend. Die Blütenköpfchen stehen in Gruppen zu zweit oder dritt in den oberen Blattachseln. Die leuchtendblauen Blüten sind alle in eine fünfzähnige Zunge ausgezogen. Die Frucht trägt keine Haarkrone, sondern nur einen Ring zerschlitzter Schuppen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Cichorii folia et radix (syn. Folia et Radix Intybi);
Cichorienblätter und Wurzeln (syn. Gemeine Wegwartenblätter und
Wurzeln, Zichorienblätter und Wurzeln).
2. Cichorii radix (syn. Radix Cichorii, Radix Intybi); Wegwartenwurzel (syn. Zichorienwurzel), die getrocknete Wurzel von Cichorium intybus.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Cichorii folia et radix
Sesquiterpenlactone: Sowohl in Kraut und Wurzel der getrockneten Pflanze wurden kleine Mengen Lactucin und Lactucopikrin nachgewiesen. Die anderen, in der frischen Wurzel enthaltenen Sesquiterpenlactone konnten in getrocknetem Pflanzenmaterial nicht gefunden werden.
Zimtsäurederivate: In der Wurzel wurde Isochlorogensäure gefunden. Die in den frischen Blättern vorkommenden Phenylpropansäureester sind wohl auch in der Droge vorhanden.
Flavonoide: Die Blätter sind nach älteren Untersuchungen Apigenin, Apigenin-7-O-L-arabinosid, Luteolin-7-O-glucosid, Quercitrin und Hyperosid enthalten. In einer neueren Untersuchung konnte jedoch nur das Vorkommen von Hyperosid bestätigt werden.
Im Weiteren wuden gefunden (siehe Links) Aesculetin, Aesculin, Cichoriin, Umbelliferon, Scopoletin und 6,7-Dihydroxycumarin und weitere Sesquiterpenlactone und deren Glykoside.
2. Cichorii radix -
Sesquiterpenlactone: siehe Cichorii folia et radix (Wegwartenblätter und Wurzeln). In den frischen Wurzel wurden die Guajanolidglucoside Cichoriosid B und Crepidiasid B und Eudesmanolidderivate gefunden.
Das aus den getrockneten Wurzeln isolierte und als Intybin bezeichnete bittere „Protokatechuderivat" ist vermutlich identisch mit dem Lactucopikrin. Die Wurzel enthält viel Inulin.
PHARMAKOLOGIE
Die schwach choleretische Wirkung wird den Sesquiterpenlactonen und den Guajanoliden zugeschrieben.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen für beide Drogen (Kommission E):
- Wirkungen: schwach choleretisch
- Anwendungsgebiete: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden.
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere bitterschmeckende Zubereitungen zum Einnehmen.
- Gegenanzeigen: Allergie gegenüber Wegwarte und anderen Korbblütler. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit einem Arzt anzuwenden.
- Nebenwirkungen: In seltenen Fällen können allergische Hautreaktionen auftreten.
- Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
Vom HMPC wurde die Wegwartenwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Volkstümliche Anwendungen:
Vor allem für die Appetitanregung (ganze Pflanze) und die Stimulierung der Sekretion von Verdauungssäften. Bei der Appetit- und Verdauungsanregung dürften die bitteren Guajanolide wirksam sein. Bei anderen Anwendungsgebieten ist die Wirksamkeit wenig belegt.
In der ayurvedische Medizin wird die Wegwarte als Arzneimittel für die Leber verwendet, meist in Kombination mit Schwarzem Nachtschatten, Senna und Schafgarbe.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
- Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Mittlere Tagesdosis: 3 g Droge; Zubereitungen entsprechend.
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere bitterschmeckende Zubereitungen zum Einnehmen.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - keine Bearbeitung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
HOMÖOPATHIE
Cichorium intybus, die frischen, unterirdischen Teile.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen der Leber, der Galle und der Bauchspeicheldrüse.
WEGWARTE IM GARTEN
Die Wegwarte benötigt einen vollsonnigen Standort mit einem trockenen und eher nährstoffreichen Boden. Wie ihr Name schon sagt, kommt die Wegwarte gerne am Wegrand und auf kiesigen Stellen im Garten vor. Vorgezogene Pflanzen sind in jeder Kräutergärtnerei zu finden. Wer nicht möchte, dass sich die Wegwarte selbst aussät, sollte verblühte Blüten regelmässig entfernen. Die Wegwarte muss während des Winters nicht geschützt werden und braucht auch sonst nur wenig Pflege. Geeignete Begleiter im Garten sind z.B. Kamille, Mohn, Schafgarbe, Johanniskraut und Steinklee.
SONSTIGES
Schon seit Jahrhunderten werden bestimmte Formen der Wegwarte auch als Salat und Viehfutter angebaut. Als Salat kommen nur solche Sorten in Frage, die wenig Bitterstoffe enthalten. Man nimmt hierzu die länglichen, grundständigen Blätter des ersten Jahres. Sie kommen auch als Chicorée, meist aus Belgien, zu uns. Geröstet ist die dicke, fleischige Wurzel ein altbekannter Zusatz oder Ersatz für den Bohnenkaffee.
Letzte Änderung: 29.01.2017 / © W. Arnold