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Topplatzierung nach Revanche an Chinesen – Schweizer Medaillen als Höhepunkte!
von Gabriel Christen
Nicolas Christen reiste mit sechs Kaderkollegen/Sportsoldaten und zwei Betreuern nach Moskau, wo die 33. Ausmarchung der CISM WM im Ringen stattfand. Die Wettbewerbe wurden in allen Kategorien, d.h. im Freistil, im griechisch-römischen Stil und bei den Frauen ausgetragen. Kämpfer und Kämpferinnen aus fast allen Kontinenten nahmen an diesem Militär-Grossanlass teil. Nach vielen, vielen Jahren gewannen Schweizer Ringer wieder Edelmetall.
Der Urner startete in der Gewichtsklasse bis 77 kg im griechisch-römischen Stil. Ihm wurde wie im Vorjahr Gelebaya Qing aus China zugelost. Mit dem Asiaten hatte Nicolas Christen noch eine Rechnung offen, denn im Vorjahr musste er sich mit 8:2 Punkten geschlagen geben. Der Schattdorfer nahm das Geschehen sofort in die eigenen Hände und konnte sich nach kurzer Kampfzeit mit einem Hüftwurf die ersten zwei Punkte gutschreiben lassen. Dieser Aktion liess er einen Durchdreher folgen, welcher nochmals zwei Punkte einbrachte. Mit einer 4:0 Punkteführung ging es in die Pause. Der Chinese versuchte sofort nach Wiederanpfiff den Rückstand zu verringern. Nicolas Christen verteidigte jedoch sehr gut, ja er konnte sogar einen Konter landen, welcher weitere zwei Punkte einbrachte. Nun hiess es, die klare Führung aktiv über die Zeit zu bringen, was ohne Probleme gelang. Der Schweizer gewann den ersten Kampf mit 6:0 Punkten, was ihm die Viertelfinalqualifikation einbrachte. Dort stand ihm der Finne Tero Halmesmäki gegenüber. Gegen den Nordländer stand der Schattdorfer auch schon auf der Matte. Im vergangenen Jahr konnte er ihn bei einem Turnier in Dänemark knapp nach Punkten besiegen. Die Finnen sind bekannt für körperbetontes Ringen und dass sie sehr kompakt stehen. Dies war von Beginn des Kampfes weg klar festzustellen, weshalb es auch nicht lange dauerte, bis ein Kämpfer eine Passivität, verbunden mit einem Punktverlust, aufgebrummt bekam. Dass es Nicolas Christen traf, war den Kampfrichtern nicht ganz klar, denn einer des Dreimannkampfgerichtes sah es anders, doch konnte er sich nicht durchsetzen. So ging der Finne mit 1:0 in Führung. Der weitere Verlauf des Kampfes war sehr ausgeglichen und der Ausgang offen. Der Finne konnte vor der Pause einen weiteren Punkt ergattern, weil der Urner mit einem Fuss die Kampfzone verlassen hatte. Die zweite Kampfhälfte glich der ersten aufs Haar. Beide fighteten auf Augenhöhe und es war wiederum der Finne, der einen weiteren Punkt wegen Passivität zugesprochen erhielt. Mit einer 0:3 Punkteniederlage lag es nun am Finnen, ob Nicolas Christen nochmals auf die Matte stehen konnte.
Im Halbfinal scheiterte der Nordländer aber klar am nachmaligen Weltmeister aus Aserbeidschan, konnte aber immerhin um die Bronzemedaille ringen. Und dort fightete Halmesmäki wiederum sehr körperbetont und konnte seinen Widersacher aus dem Iran, einer Ringerhochburg sondergleichen, mit zwei Passivitäten mit 2:0 Punkten besiegen und sich die Bronzemedaille umhängen lassen.
Fazit: Nicolas Christen konnte aus einer kompakten Verteidigung heraus offensive Akzente setzen und punkten. Die defensive Arbeit muss aber noch ‚offensiver’ gestaltet werden, um nicht mit Passivitätspunkten bestraft zu werden.
Der Schattdorfer klassierte sich mit dieser soliden Leistung im sehr guten 7. Schlussrang.
Rangliste Greco bis 77 kg (15 Teilnehmer)
1. Aserbeidschan
2. Russland
3. Finnland und Kasachstan
5. Iran und Weissrussland
7. Nicolas Christen, Schweiz
Nicolas Christen reiste mit seinen Greco-Kaderkollegen nach Abschluss der WM direkt von Moskau aus nach Stockholm, wo das Kader ein einwöchiges Trainingslager absolviert. Am kommenden Samstag startet er dann mit der Ringerriege Schattdorf an den Schweizermeisterschaften in Oberriet.
Silber und Bronze für die Schweiz im Greco und Freistil
Im griechisch-römischen Stil starteten noch zwei weitere Schweizer. Fabio Dietsche, Kriessern, verlor in der Gewichtsklasse bis 82 kg gegen den Vertreter aus Aserbeidschan und schied vorzeitig aus.
In der Gewichtsklasse bis 97 kg vertrat Damian von Euw, Brunnen, die Schweizerfarben. Im ersten Kampf überrumpelte er den Kasachen richtiggehend und schickte diesen mit 8:0 Punkten vorzeitig von der Matte. Im Halbfinal stand ihm ein Iraner gegenüber, welcher vorerst auch die offensiven Fähigkeiten des Schwyzers zu spüren bekam. Zwar konnte er im Verlaufe des Kampfes das Blatt wenden, doch der mit Urner Wurzeln versehene von Euw hielt den Kampf offen und konnte von einer Verwarnung des Iraners wegen verbotenes Fingerhaltens profitieren und mit dem Schlussresultat von 5:5 Punkten überraschend als Sieger vom Platz gehen. Im Final gegen den Vertreter Finnlands war leider nichts auszurichten, doch mit der Silbermedaille um den Hals durfte Damian von Euw erhobenen Hauptes nach Hause reisen.
Im Freistil starteten vier Schweizer. Marc Dietsche, Kriessern, und Samuel Scherrer, Willisau, mussten nach der Startniederlage gegen die Vertreter aus Aserbeidschan, bzw. Iran die Taschen wieder packen. Randy Vock, Freiamt, verlor den Auftaktkampf gegen den Mongolen, dem nachmaligen Weltmeister. Durch dessen Finalqualifikation konnte der Freiämter einen weiteren Kampf bestreiten. Leider ging auch dieser gegen den Vertreter aus dem Iran verloren.
Erfolgreicher machte es Stefan Reichmuth aus Willisau. Nach dem klaren Auftaktsieg gegen den Griechen ging es im zweiten Kampf bereits um den Finaleinzug. Den Aserbeidschaner kannte der Luzerner bereits, denn gegen ihn verlor er im letzten Jahr an der U23 EM knapp nach Punkten. Und auch dieses Mal gelang ein Sieg um Haaresbreite nicht. Reichmuth musste sich mit 3:2 Punkten geschlagen geben, konnte aber um Bronze kämpfen. In diesem Fight liess der Schweizer aber nichts anbrennen und schickte den Pakistaner vorzeitig unter die Dusche. Die Bronzemedaille war der verdiente Lohn für die Leistung Reichmuths.
Die beiden Betreuer Thomas Bucheli, Willisau, und Mario Baumgartner, Kriessern, durften sich mit den Ringern über die zwei Medaillen sehr freuen. Und die gesamte Ringerschweiz wie auch die Schweizer Armee, welche viele Kaderringer intensiv unterstützen, dürfen stolz sein über ihre Athleten und deren gezeigten Leistungen.