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Shpresa aus dem Kosovo
Ich heisse Shpresa und bin 39 Jahre alt. Ich bin verheiratet, habe 3 Kinder und lebe seit 12 Jahren in der Schweiz.
Meine Mutter war oft krank. Ich habe ihr im Haushalt und im Garten geholfen. Putzen und Waschen hat keinen Spass gemacht. Aber die Hühner füttern, die Ziegen melken, Früchte und Gemüse ernten – das mochte ich gern! Ausser Öl, Mehl und Zucker mussten wir selten etwas kaufen. Wir haben gegessen, was im Garten wuchs, und waren immer gesund.
Im Herbst legten wir Vorräte für den Winter an. Ich und meine Brüder mussten Nüsse sammeln. Wenn wir diese den Grosseltern brachten, gab uns meine Grossmutter für jeden Sack Nüsse ein bisschen Geld. Unserer Mutter haben wir nichts davon erzählt.
Meine Brüder haben für das Geld Schokolade gekauft und sie sofort aufgegessen. Ich habe mein Geld in einer kleinen Blechbüchse unter meinem Bett versteckt und dann am Bajram-Fest für meinen Grossvater ein Stück Sucuk- Wurst und für meine Grossmutter ein Stück Seife gekauft. Das war unser Geheimnis – das Geld und die Geschenke.
Ich habe meine Grosseltern sehr geliebt, und es war sehr traurig, als sie beide im gleichen Jahr starben – mein Grossvater im Januar, meine Grossmutter im November. Ich bin aber froh, dass sie den Krieg nicht mehr erleben mussten. Die Schule war schwierig für mich. Mein Lehrer war nicht nett zu mir. Ich war immer müde und machte die Hausaufgaben oft nicht, weil ich ja meiner Mutter helfen musste. Sie meinte: «Die Schule ist nicht wichtig. Ich bin nur 4 Jahre in die Schule gegangen und trotzdem erwachsen geworden!»
Mein Vater war selten zu Hause, was schade ist. Er war stets grosszügig und lieb zu mir. Wenn ich etwas falsch machte, erklärte er mir ganz ruhig, was nicht gut war. Er fragte auch öfters, wie es mir geht, und erzählte mir Geschichten. Mit ihm konnte ich gut sprechen. Meine Mutter war immer nervös. Ich habe nie verstanden, warum sie so oft krank war.
Mein bester Freund war Bingo, unser kleiner weisser Hund. Manchmal bin ich mit ihm spazieren gegangen, ohne meine Mutter zu fragen. Wir sind auf den Hügel hinter dem Haus gestiegen und haben auf unser Haus und den Garten geschaut. Dann sind wir zu meinen Grosseltern gegangen. Wir haben Tee getrunken und Biskuits gegessen. Bingo hat einen Knochen bekommen.
Mit 15 Jahren bin ich von zu Hause weggegangen. Ich habe in Gjilan im Coiffeursalon meiner Tante gearbeitet und ein bisschen Geld verdient.
In Gjilan habe ich meinen späteren Mann, Fehmi, kennengelernt. 1990 haben wir geheiratet. Fehmi hat bald darauf seine Stelle verloren. Er ist dann in die Schweiz gegangen. Sein Cousin, der in Winterthur lebte, hatte eine Arbeit für ihn gefunden. Kurz vor dem Krieg bin ich mit unseren 2 Kindern zu ihm gezogen. Es war eine schwierige Zeit, doch wir waren auch glücklich, wieder eine ganze Familie zu sein. Hier ist auch unser drittes Kind geboren. Ich möchte, dass unsere Kinder eine glückliche Kindheit haben.