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Denkmäler als Interpretation von Geschichte
Diese Lektion beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die Errichtung eines Denkmals eine Interpretation historischer Ereignisse und eine normative Aussage darstellt. Sie betrachtet, welche Rolle Denkmäler bei der Interpretation von Geschichte und der Erinnerung von Ereignissen haben. Dazu wird in einem ersten Teil gezeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven auf dasselbe historische Ereignis sein können. Basierend auf dieser Erkenntnis stellt die Lektion dann die Frage nach der Deutungshoheit über die Geschichte.
Hintergründe
Eckdaten
Weitere Lehrplanbezüge:
- RZG 7.1: ausserschulische geschichtliche Bildungsorte
- RZG 8.1.3.d: zu aktuellen Problemen und Kontroversen Stellung beziehen, dabei persönliche Erfahrungen im schulischen und ausserschulischen Alltag einbeziehen und die Positionen begründen.
- Deutsch 2.B.1.i: sich eine eigene Meinung zu Aussagen und Wertvorstellungen aus Texten bilden und diese präsentieren.
Benötigtes Vorwissen:
- Grobe Kenntnisse zum 2. Weltkrieg und der Situation in der Schweiz
- Erstes Verständnis der Begriffe Sozialismus und Faschismus
Leitfrage
Wer soll über die Errichtung von Denkmälern entscheiden?
Ablauf
Dauer: 45–90 Minuten[1]
Einstieg mit Bild
Plenum
Material
- Mat. A: Bild des Denkmals für die Opfer vom 9.11.1932 (mit Inschrift; Foto von MHM55 auf Wikimedia Commons)
Hinweis
Das Bild dient als lockerer Einstieg ins Thema und soll durch Jahreszahl, Inschrift, Ort, Besonderheiten erste Hinweise geben. Die Lehrperson führt kurz ein und erklärt, worum es sich bei dem Fels auf dem Bild handelt.
Historischer Hintergrund
Einzelarbeit
Arbeitsauftrag
Lest den den Text durch und notiert euch Fragen. Achtet beim Lesen besonders auf die Entstehungsgeschichte des Denkmals und nicht auf dessen Aussage. Besprecht Fragen anschliessend im Plenum.
Material
- Mat. B: Einführungstext zum Denkmal für die Opfer vom 9. November 1932
- Mat. C: Ereignisse um das Denkmal für die Opfer vom 9. November 1932
Hinweis
Die Schüler*innen sollen Informationen aus dem Text entnehmen und so das Denkmal und seine Geschichte kennenlernen. Dieses ist dann Diskussionsgrundlage in den nächsten Abschnitten der Lektion. Insbesondere gilt es sicherzustellen, dass Schlüsselbegriffe verstanden wurden, ansonsten ist eine Erklärung durch die Lehrperson erforderlich.
Die unterschiedlichen Deutungen der Ereignisse vom 9. November 1932
Gruppenarbeit; anschliessend Sammeln im Plenum
Arbeitsauftrag
Ordnet die fünf genannten Zitate ein. Welche verschiedenen Ansichten zeigen sie über die Ereignisse von 1932?
Material
Zitate verschiedener Akteure:
- Mat. D.1: Auszug aus der Genfer Standesinitiative
- Mat. D.2: Zitat von Jacques Robert
- Mat. D.3: Auszug aus einem Artikel der NZZ von 1932
- Mat. D.4: Auszug aus dem Bericht der Rechtskommission des Nationalrats
- Mat. D.5: Einschätzung eines Historikers
Hinweis
Die Lehrperson bildet Gruppen, von denen jeweils jede ein Zitat bearbeitet.
Hier geht es insbesondere darum, den Inhalt und die Aussage der Zitate, auch bezüglich des Denkmals, zu verstehen, noch nicht um deren Bewertung.
Wer soll über die Errichtung von Denkmälern entscheiden?
Einzelarbeit oder Gruppenarbeit, geht über in die Besprechung im Plenum.
Arbeitsauftrag
Zunächst einzeln (oder in Gruppen) Gedanken zu den genannten Fragen notieren und diese dann im Plenum diskutieren. Auf die meisten Fragen gibt es keine richtige oder falsche Antwort. Die Diskussion sollte sich von Fragen zur Entstehungsgeschichte dieses Denkmals hin zu den allgemeineren Fragestellungen bewegen.
Material
- Mat. E: Fragebogen zum Denkmal
Falls notwendig oder gerade Unterrichtsthema: Weitere selbstständige Internetrecherche.
Hinweis
Die Schüler*innen sollen sich, ausgehend von diesem konkreten Fall, eine Meinung dazu bilden, wer Denkmäler errichten sollte und aus welchen Gründen. Zentral ist die Erkenntnis, dass damit eine Deutungshoheit über die erinnerten Ereignisse oder Personen einhergeht.
(Thematisch fliessender Übergang zur nachfolgenden Phase. Idealerweise entwickelt sich eine Diskussion aus der Besprechung der Fragen).
Was bedeutet «Deutungshoheit»?
Plenum
Arbeitsauftrag
Die Schüler*innen sollen ausgehend von ihren Gedanken und Ansichten eine Diskussion führen. Gerät diese ins Stocken, könnten folgende Fragen als Anregung dienen:
- Welche Rolle spielen Denkmäler bei der Interpretation von historischen Ereignissen und bei deren Erinnerung?
- Wie ändert sich der Blick auf diese Ereignisse und/oder das Denkmal an sich mit der Zeit?
- Entsteht eine Deutungshoheit über Geschichte durch das Errichten von Denkmälern? Oder sind diese im Gegenteil Ausdruck einer Deutungshoheit?
Hinweis
An dieser Stelle soll die Diskussion dann in eine grundsätzliche übergehen. Diese soll ein Bewusstsein dafür schaffen, dass mit der Entscheidung über das (Nicht-)Errichten von Denkmälern auch eine gewisse Deutungshoheit über die Geschichte einhergeht. Dazu gehört auch ein Verständnis dafür, dass historische Ereignisse unterschiedlich interpretiert werden können. Weiter kann angesprochen werden, dass es teilweise um sehr politische und kontrovers diskutierte Themen geht.
Am Schluss wird den Schüler*innen kurz Zeit gelassen, die eigenen Antworten nochmals durchzulesen und zu überlegen, ob die eigene Ansicht sich durch die Diskussion geändert hat.
Mögliche Frage als Hausaufgabe: Gibt es ein (historisches) Ereignis/eine Person, für welche eurer Meinung nach ein Denkmal errichtet werden sollte? Was müsste dieses spezielle Denkmals aussagen?
- Hintergrundtext «Der Pierre de Plainpalais»
- Hintergrundtext «Denkmäler: Lohnendes Thema in Geschichte und Politischer Bildung»
- Materialset zur Lektion
- Diese Lerneinheiten beschäftigt sich primär mit der heutigen Wahrnehmung des Denkmals. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen bietet sich eine Unterrichtseinheit der Universität Genf an: Séquence d’apprentissage sur la fusillade du 9 novembre 1932 à Genève.