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Einsatzorte
1944 - 1950: Frauenfeld TG
1950 - 1958: Emmenbrücke LU
1959 - 1966: Schöftland AG
1966 - 1983: Frauenfeld TG
1983 - 1988: Mitarbeiter bei «Mut zur Gemeinde»
1988 - 1992: Verweser in Schaffhausen-St. Johann
Im Gedenken an Pfarrer Eugen Brunner 1920 bis 2013
Menschen zum persönlichen Glauben ermutigt
24 Jahre hat Eugen Brunner als Pfarrer in der Kirchgemeinde Frauenfeld gewirkt. Es war ihm wichtig, dass die Menschen zum Beispiel in Hauskreisen einen Ort fanden, wo sie ihren persönlichen Glauben leben und mit andern teilen konnten.
Eugen Brunner stammte aus einer Zürcher Arbeiterfamilie. Nach seinem Theologiestudium in Zürich und Basel wurde er 1944 in Winterthur-Töss ordiniert. Von 1944 bis 1950 und von 1966 bis 1984 wirkte er als Pfarrer in Frauenfeld. Die Frauenfelder Pfarrjahre waren unterbrochen durch die Tätigkeit in Emmenbrücke/LU (1950 bis 1958) und Schöftland/AG (1959 bis 1966). 1958/59 unterbrach er seine Pfarrtätigkeit für ein Jahr und arbeitete als ungelernter Hilfsschlosser bei Escher-Wyss.
Ehefrau Ursula kämpfte für gerechten Handel
Seiner Ehefrau Ursula Brunner-Storz und ihm wurden acht Kinder geschenkt, denen er stets ein treu sorgender Vater war. Pfarrfrau Ursula Brunner wurde durch ihr politisches und entwicklungspolitisches Engagement bekannt. Als Frauenfelder «Bananenfrau» war sie die «Geburtshelferin» der Genossenschaft Gebana, die noch heute Bananen und andere Produkte aus der Dritten Welt zu fairen Bedingungen und Preisen vertreibt.
Ein früher Förderer der Hauskreisarbeit
Pfarrer Eugen Brunner war ein früher Förderer der Hauskreisarbeit in den Kirchgemeinden. Er kam 1973 in Kontakt mit der Bewegung «Mut zur Gemeinde», in der er zwei seiner dringlichen Anliegen verwirklicht fand: Die Gemeinschaft unter den Gläubigen und das Christuszeugnis der Laien. Von 1980 bis 1988 stellte er sich – über seine Pensionierung hinaus – vollamtlich in den Dienst von «Mut zur Gemeinde». Als Arbeitszweig des Christlichen Vereins Junger Menschen CVJM hat sich «Mut zur Gemeinde» in der Förderung der Hauskreis- und Laienarbeit und beim kirchlichen Gemeindeaufbau grosse und bleibende Verdienste erworben.
Im Umgang mit der Schwermut war ihm Luther ein Vorbild
Emil Brunner hat auch Bücher verfasst, in denen er aus seinem Leben als Pfarrer berichtet. Im Buch «Gottes Freund» findet sich zum Beispiel die Betrachtung «Sturmlichter», die Eugen Brunner als Mensch geschrieben hat, der die Höhen und Tiefen des Lebens erlebt hatte. In seiner Schwermut ist der Reformator Martin Luther für Eugen Brunner ein Vorbild gewesen: «Martin Luther wäre versunken im Sumpfe der Verzweiflung und der Schwermut, wenn er die sturmfesten Lichter nicht gehabt hätte. Wer mit Schwermut zu kämpfen hat, sollte sich von Luther beraten lassen. Er ist in der Hölle der Verzweiflung gewesen und gerade dort durch Gottes Sturmlichter ein froher Mensch geworden. Aber man muss fest zufassen. Man darf sich die festen Zusagen Gottes nicht durch „historische Erwägungen“ aus der Hand schlagen lassen. Das Gebot der Freude „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seist.“ (Josua 1, 9) und das Verbot der Angst „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott. Ich helfe dir, ja, ich mache dich stark, ja, ich halte dich mit meiner hilfreichen Rechten.“ (Jesaja 41, 10) sind freilich einst an ganz andere Menschen unter ganz anderen Umständen ergangen. Aber einmal mussten sie ja zum ersten Mal ausgesprochen werden, damit sie für immer gehört werden können. Zeiten und Menschen wandeln sich. Gott bleibt wie er ist. Darum kommt er mit seinen uralten Worten in unsere Not hinein. Wie Sturmlichter dürfen wir diese Worte in die Hand nehmen. Der Wind der Jahrtausende hat sie nicht auslöschen können. Auch mein kleines Leben wird in ihrem Licht bestehen.»
Bis in hohe Alter Besinnung gehalten
Der Frauenfelder Pfarrer Christoph Naegeli schreibt über Eugen Brunner, dass es wohl einerseits seine Liebenswürdigkeit und andererseits seine seelsorgerlichen Auslegungen gewesen seien, die Eugen Brunner zu einem unverwechselbaren Interpreten der biblischen Botschaft gemacht hätten. Noch bis kurz vor Weihnachten 2012 hatte Eugen Brunner im Kirchgemeindehaus in Frauenfeld jeden Samstag nach dem Glockenläuten um 16.00 Uhr eine «Besinnung auf den Sonntag» gehalten. In den früheren Jahren – so berichtet Christoph Naegeli – «setzte er sich noch selber ans Klavier, hörte er doch nicht nur gerne klassische Musik, sondern spielte er auch selber auf verschiedenen Instrumenten.»
In Frauenfeld ist er am 25. Februar 2013 im hohen Alter von 92 Jahren gestorben.
Ernst Ritzi, Aktuar des Evangelischen Kirchenrates des Kantons Thurgau