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Sebastián Piñera war einer der reichsten Unternehmer Chiles, bevor er 2010 als der erste konservative Präsident des Landes nach der Pinochet-Diktatur gewählt wurde. Seine zweite Amtszeit von 2018 bis 2022 war überschattet von sozialen Protesten.
Der chilenische Ex-Präsident Sebastian Piñera ist am Dienstag Nachmittag bei einem Helikopterabsturz im Süden des Landes ums Leben gekommen. Der Absturz ereignete sich in der Gemeinde Lago Ranco, wo Piñera ein Ferienhaus besitzt. Der 74 Jahre alte ehemalige Staatschef habe den Helikopter inmitten schwerer Regenfälle selbst gesteuert. In der Nähe des Ufers des gleichnamigen Sees Lago Ranco sei das Fluggerät ins Wasser gestürzt.
Neben Piñera befanden sich laut Innenministerium noch drei weitere Personen an Bord, die nach dem Absturz das Ufer erreichen konnten und überlebten. Einsatzkräfte bargen die Leiche des Ex-Präsidenten aus dem Wasser. Gabriel Boric, sein Nachfolger im Präsidentenamt hat eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen und ein Staatsbegräbnis angeordnet.
Zahlreiche frühere und jetzige Präsidenten aus Lateinamerika bekundeten ihr Beileid. Die meisten kannte Piñera persönlich. Er war ab 2010 zweimal chilenischer Präsident mit einer vierjährigen Unterbrechung, in der die Sozialistin Michelle Bachelet seine Vorgängerin und Nachfolgerin im Präsidentenamt wurde.
Als Piñera 2010 antrat, war er der erste Präsident Chiles seit 1958, der an der Spitze einer Rechts-Mitte-Allianz ins Amt gewählt wurde. Der konservative Piñera hatte sich jedoch politisch auf die Mitte zubewegt und die Rolle des aufgeklärten Konservativen – nach Eigeneinschätzung sogar «Liberalen» – eingenommen. So akzeptierte der dem konservativen katholischen Opus-Dei-Orden nahestehende Piñera im Wahlkampf sogar gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und die Pille-danach für Vergewaltigungsopfer. Während seiner ersten Amtszeit von 2010 bis 2014 erlebte Chile ein starkes ökonomisches Wachstum. Die Arbeitslosigkeit sank auf historische Niedrigstwerte.
Piñeras zweite Amtszeit von 2018 bis 2022 dagegen stand unter keinem guten Stern. Sie war geprägt von Massenprotesten gegen seine Regierung, auf die Piñera hilflos reagierte. Mit seiner Empathielosigkeit stachelte er die Demonstrationen noch zusätzlich an. Er verhängte eine Ausgangssperre und schickte das Militär auf die Strasse. Das Land sei «im Krieg mit einem mächtigen, unerbittlichen Feind, der nichts und niemanden respektiert», sagte er. Dass es vor allem Chileninnen und Chilenen aller Alters- und Sozialklassen waren, die gegen die Regierung demonstrierten – das wurde dem Konservativen erst nach einigen Tagen klar. Kleinlaut ruderte Piñera zurück.
Um sich im Amt zu retten, kam er den Protestierenden entgegen, indem er ihnen eine neue Verfassung in Aussicht stellte. Dieser Versuch, per Votum eine neue Charta zu formulieren, ist Ende 2023 nach zahlreichen Abstimmungen endgültig gescheitert. Nun bleibt die alte, noch vom Diktator Pinochet eingesetzte Verfassung in Kraft.
In dem während seiner zweiten Amtszeit zunehmend gespaltenen Chile, wirkte Piñera, als einer der reichsten Unternehmer des Landes, abstammend aus einer alteingesessenen Politikerfamilie, wie aus einer anderen Zeit. Sein 37-jähriger Nachfolger Gabriel Boric verkörpert als ehemaliger Studentenführer im Präsidentenamt den politischen Stimmungswechsel Chiles der letzten Jahre.
Unternehmerisches Gespür bewies Piñera als er in den achtziger Jahren das erste Kreditkartenunternehmen Chiles aufbaute und damit den Grundstein für seinen Reichtum legte: Ihm gehörten Anteile an der Fluggesellschaft Lan, dem TV-Sender Chilevisión sowie dem Fussballverein Colo-Colo. Als er 1990 in die Politik einstieg, war er der jüngste Senator des Landes.