Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03097.jsonl.gz/140

Freitag
8. November 2019 –
Samstag
9. November 2019,
20:00 – 22:00 Uhr
 im Chilematt
100 Jahre Silja Walter - Theater «Jan der Idiot» & «Der Engel», organisiert von Kirchgemeinden
Sie ist die ältere Schwester von Otto F Walter und Tochter des Verlegers Walter, vor allem aber ist Silja Walter die wohl bekannteste Lyrikerin und geistliche Schriftstellerin im 20 Jahrhundert im deutschsprachigen Raum.
www.kloster-fahr.ch: Silja Walter wurde 1919 in Rickenbach bei Olten geboren. Sie studierte Literatur an der Universität Freiburg Schweiz und arbeitete später in der katholischen Jugendbewegung. 1948 trat sie ins Benediktinerinnenkloster Fahr ein, wo sie bis zu ihrem Tod im 2011 als Schwester Maria Hedwig lebte. Silja Walter war eine Schriftstellerin und Dichterin von ausserordentlicher Vitalität. Mit ihrem Werk erreichte sie hohes Ansehen, vor allem als Lyrikerin. Sie verfasste Hymnen, Lieder, meditative Betrachtungen und Prosa. Ihre Schauspiele stehen in der Tradition der geistlichen Volksstücke und Mysterienspiele. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen im Literatur- und Kulturbereich, unter anderem den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung, den Literaturpreis und den Kulturpreis der Stadt Zürich sowie den Kunstpreis des Kantons Solothurn.
Die Kirchgemeinden Steinhausen widmen Silja Walter ein ganzes Wochenende, unter anderem mit folgenden Schauspielen:
Freitag, 8. November: «Jan der Idiot»
Ausgangspunkt ist die Theaterprobe. Das Ensemble des Theater 58 probt eine zentrale Szene von Dostojewskis „Idiot“. Myschkin, Rogoschin und Nastassja, die drei Hauptdarsteller proben die Kreuztausch-Szene. Jan will die Rolle des „Myschkin“ nicht mehr spielen, da sie ihn überfordert. Er bricht durch sie indurch „wie durch Eis“. Jérôme, der Haltlose, spielt die Rolle des „Rogoschin“, will nun den Guten spielen. Jan soll „Rogoschin“, den Bösen spielen. Beide spielen nun die Rollen, die eigentlich nicht zu ihnen passen, und sie spielen sie glänzend.
Silja Walter zeigt überzeugend, dass das Gute und Böse in jedem Menschen angelegt ist. Das Stück endet tragisch und folgerichtig wie eine antike Tragödie. Mit der Ueberführung des Mörders wie ein Krimi, mit der Schuldübernahme durch den Reinen wie ein mittelalterliches Mysterienspiel. Silja Walter ist mit diesem Schauspiel über sich selbst hinausgewachsen. Ihre Bilder sind von grosser Gestaltungskraft, ihre Sprache ist wortgewaltig. Stille und Ausbrüche wechseln sich ab und nehmen das Publikum gefangen.
Samstag, 9. November: «Der Engel»
Die Zuschauer werden mit Flüchtlings- und aber auch mit „normalen“ Menschenproblemen konfrontiert und sollen daraus selber, für sich eine Antwort finden und Stellung beziehen. Der Engel ist überhaupt nicht zufrieden mit dem, was er ist, er will anders sein; ein Mensch werden! Eine Aufführung, die Themen unserer aktuellen Zeit aufgreift und zum eigenen Denken und Handeln herausfordert. Wir, die Gesellschaft, sind die Figuren.
Silja Walter versteht es, in Bildern, mit ihrer einzigartigen und wortgewaltigen Sprache und gewagten Einfällen die drei Themen miteinander zu verbinden und zu durchdringen. Ihr Einfallsreichtum kennt dabei keine Grenzen: von zart und lyrisch bis zu sprengend und radikal!