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Was versteht man unter „neuen erneuerbaren Energien“ (neE)?
Der Ausdruck „neue erneuerbare Energien“ (neE) umfasst alle nicht-traditionellen erneuerbaren Energiequellen: Jene, die neu genutzt werden, oder jene, die es zwar bereits gibt, die aber auf neue Art genutzt werden. Die derzeitige Energiewende ist insbesondere durch eine breite Nutzung dieser „neE“ gekennzeichnet.
Per Definition bezeichnet erneuerbare Energie einen Energieträger, der sich natürlicherweise regeneriert bzw. erneuert und dessen Erneuerungsprozess (z. B. das Wachstum der Bäume für das Holz) so rasch erfolgt, dass der Rohstoff im Rahmen des menschlichen Zeithorizonts als unerschöpflich eingestuft wird.
Die erneuerbaren Energien umfassen imWesentlichen die Sonnenstrahlung, Windenergie (Windkraft), Wasserkraft, Gezeitenenergie, die Wellenenergie, die Biomasse (insbesondere Holz), Tiefengeothermie und die natürlicherweise in der Umgebung (in der Luft, im Wasser und im Boden) vorhandene Wärme.
Es ist wichtig, die Begriffe „erneuerbar“ und „nachhaltig“ auseinanderzuhalten. Das schlechte Management einer erneuerbaren Ressource kann sehr wohl unnachhaltig sein. Wenn z. B. die Nutzung eines Rohstoffes viel schneller erfolgt, als er sich natürlicherweise erneuern kann, so kann er erschöpfen, obwohl er erneuerbar ist. Im Fall des Holzes entspricht eine solche Situation der Entwaldung.
Die erneuerbaren Energien unterscheiden sich grundlegend von nicht-erneuerbaren Energieträgern, die hunderte Millionen oder gar Milliarden von Jahren brauchen, um sich zu bilden, und deren derzeitige Lager mit ihrem Verbrauch unweigerlich zurückgehen. Das trifft auf fossile Energieträger (Erdöl, Kohle, Erdgas) und Kernbrennstoff (Uran) zu.
Seit Urzeiten und bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert hat sich die Menschheit für ihre Energiebedürfnisse im Wesentlichen damit begnügt, Biomasse (v. a. Holz) zu verbrennen. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts hat die Schweiz begonnen, die Wasserkraft zur Stromerzeugung zu nutzen. Diese zwei Energiequellen – Holz und Wasserkraft – stellen die sogenannten „traditionellen“ erneuerbaren Energien dar.
Alle anderen erneuerbaren Energiequellen werden als „neu“ betrachtet, weil sie bis heute nicht oder nur sehr wenig genutzt wurden. Es sei darauf hingewiesen, dass die Kleinwasserkraft, die alle Wasserkraftanlagen mit einer Leistung von weniger als 10 MW umfasst, ebenfalls als neue erneuerbare Energie betrachtet wird, obwohl sie schon stark genutzt wird [→ F57]. Dasselbe gilt für alle Formen von Biomasse ausser Holz (landwirtschaftliche Abfälle, Pflanzen die zu Energiezwecken kultiviert werden, Grünabfälle, Klärschlamm usw.) sowie für hochentwickelte Holzverwertungstechnologien (Pellets, Biotreibstoffe der 2. Generation aus Holzabfällen usw.).
Der Begriff „neue erneuerbare Energien“ ist also eine reine Vokabelfrage. Er wurde im Wesentlichen eingeführt, um im Rahmen von politischen Debatten die Unterscheidung zwischen traditionellen Energiequellen (die ohne Subventionen wirtschaftlich sind) und den neuen erneuerbaren Energiequellen (die für ihre Ausbreitung Subventionen brauchen) zu erleichtern.
Quellen
- Office fédéral de l'énergie (OFEN) (2019)
- Office fédéral de l'énergie (OFEN) (2019). Schweizerische statistik der erneuerbaren energien, ausgabe 2018.