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Militärtelegraphie
(Kriegstelegraphie). Die optische Telegraphie hat sich besonders in den Kolonialarmeen außerordentlich bewährt, so daß dieselbe zur Zeit auch in verschiedenen Landarmeen größere Bedeutung erlangt, weil man vielfach von der Ansicht ausgeht, daß im Falle des Versagens der elektrischen Telegraphie eine Verständigung mittels eines sorgfältig vorbereiteten und gut bedienten, bei Tag und Nacht wirkenden Signalsystems ermöglicht werden muß, z. B. zwischen eingeschlossenen Festungen, und daß auch in Gefechten die Truppenteile sich sowohl untereinander als mit der Oberleitung jederzeitig verständigen müssen, da das Strecken von elektrischen Kabeln vielfach auf Schwierigkeiten stoßen wird.
In Frankreich legt man besondern Wert auf die Ausbildung der Infanterie und Kavallerie im Signalwesen, welches besonders im Vorpostendienst auf Entfernungen von über 600 m zur Anwendung kommen soll. In Italien [* 2] hat man die optische, aus Flaggen-, bez. Laternensignalen bestehenden Telegraphen [* 3] auch bei größern Friedensübungen zur Verständigung der Truppenteile mit gutem Erfolg benutzt und zwar unter gleichzeitiger Verwendung von Raketen- und Knallsignalen. In Nordamerika [* 4] ist die Verijsche Signalpistole eingeführt, welche bis auf Höhen von 100 m beim Herabfallen in verschiedenen Farben leuchtende und auf 25 km sichtbare Explosivgeschosse verfeuert. Außerdem sind die bei der Marine schon seit langer Zeit in Benutzung befindlichen, mittels einer Petroleumlampe oder mittels Magnesiumlichts bethätigten Lichtblitzapparate zu erwähnen, welche bis auf 50 km Entfernung wirken, und bei denen gleichfalls wie bei andern optischen Apparaten das Morsesystem zur Anwendung kommt.
Elektrische [* 5] Telegraphie. In Deutschland [* 6] ist durch die Errichtung einer 5. Kompanie beim Garde-Pionierbataillon für eine raschere Mobilmachung der Telegraphenabteilungen gesorgt worden. In Frankreich hat man 1889 das Telegraphenwesen durch die militärische Organisation der Staatstelegraphenverwaltung, durch gründlichere Vorbildung von Kavallerietelegraphisten, durch praktische Ausbildung der Feldtelegraphie in Algerien [* 7] und durch Telegraphenschulen wesentlich vervollkommt; für Telegraphie-, Luftschiffer- und Brieftaubenwesen ist im Generalstab eine besondere Abteilung gebildet, jeder Kavalleriedivision ist eine aus 36 reitenden Telegraphisten bestehende Abteilung überwiesen. In Österreich [* 8] sind 1889 die Eisenbahn- und Telegraphenkompanien verstärkt, desgleichen in Rußland, welches jetzt 17 Telegraphenparke sowie eine galvanische Kompanie besitzt, bei welcher sich auch die Luftschifferabteilung befindet.
Jeder Park zählt im Frieden 4 Offiziere, 54 Mann und führt etwa 69 km Leitungsmaterial mit sich (Kriegsstärke im ganzen 4335 Köpfe). Italien zählt 6 Telegraphenkompanien, außerdem für den optischen und Signaldienst eine Spezialkompanie. Besondern Wert hat man überall auf Beschaffung leichter, widerstandsfähiger Telegraphenkabel gelegt, dagegen die Verwendung von Telegraphenstangen mit blankem Draht [* 9] möglichst eingeschränkt. Das Gewicht für das Kilometer der neuartigen Kabel schwankt zwischen 22 und 37 kg, während für das Kilometer Vorpostenkabel (mit Hin- und Rückleitung) etwa 16 kg genügen.