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Pavillon in Toronto: «Eine Ballon-Struktur als städtebauliche Intervention»
Vier ETH-Studenten gewinnen den internationalen Studentenwettbewerb für den «Award Pavilion» der Pan American Games 2015 in Toronto. Sie beantworten unsere drei Fragen zum Projekt.
Manuel Gross, Patrik Staub, Yannick Vorberg und Stefan Vetsch gewinnen den internationalen Studentenwettbewerb für den «Award Pavilion» der Pan American Games 2015 in Toronto. Die vier ETH-Studenten beantworten unsere drei Fragen.
Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Die Erfindung unseres Entwurfes liegt in der Neuinterpretation der Aufgabe. Diese lautete, einen Siegerehrungspavillon für die Pan Am Games 2015 in Toronto zu entwerfen. Der Pavillon sollte diese grosse Sportveranstaltung und die Stadt Toronto gebührend repräsentieren. Wir sahen in der Aufgabe vielmehr das Potential, die von einem Highway und den Zuggeleisen abgeschnittene Waterfront wieder an die Stadt anzubinden und die seit langem angestrebte Entwicklung des Areals zu lancieren. Unser Projekt ist mehr als nur ein Pavillon - es ist eine nachhaltige städtebauliche Intervention.
Ausserdem lautete eine Bedingung des Auslobers, möglichst viel Vinyl zu verwenden. Hierfür erfanden wir eine Ballon-Struktur, in welcher der Kunststoff eine statische Funktion übernimmt. Dies war uns wichtig, weil Vinyl in der Architektur hauptsächlich als Verkleidung angewendet wird. Wir wollten das Anwendungsfeld des Materials erweitern.
Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Das Projekt reagiert sehr stark darauf, da der Kontext für uns von grosser Bedeutung ist. Wir waren bemüht, die Erschliessungsprobleme des Grundstücks zu überwinden. Dies gelingt uns einerseits durch die Aufwertung der Unterführungen und der Strassen mit der Ballon-Struktur des Pavillons, andererseits durch die visuelle Verbindung mit der Umgebung, die wir durch die zusätzlich geplante Bar auf dem alten Silodach herstellen. Die ruhige und schöne Lage direkt am Wasser brachte uns zum Entschluss, eine ephemeres Dach zu entwerfen, welches die Ruhe des Ortes nicht stört.
Toronto leitet sich vom indianischen «tkaronto» ab, was soviel wie «Bäume am Wasser» heisst. Diese einfache Idee wollten wir umsetzen. Der Pavillon kann also als eine Ansammlung von Bäumen am Wasser gelesen werden, die sich bei der Bühne zu einem kleinen Wald zusammenschliessen. Das Dach erinnert aber auch an Schaum, was eine weitere Verbindung zum Wasser herstellt. Diese Mehrdeutigkeit war uns auch wichtig, denn Bilder verankern ein Projekt mit dem Ort und machen es lesbar.
Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Wir waren lange auf der Suche nach einer Struktur, die nur mit Vinyl herzustellen ist. Wir hofften dadurch eine Form zu finden, die sich direkt von diesem Material ableitet. Nach intensivem Suchen sind wir dann auf vinylbasierende Wetterballone gestossen, die mit Helium gefüllt unser Grundgerüst bilden.
2015 Pan American Games Award Pavilion
Internationaler Studentenwettbewerb für einen Pavillon in Toronto organisiert vom American Institute of Architecture Students. In der Jury sassen:
– Anirban Adhya, Assistant Professor, College of Architecture and Design, Lawrence Technological University
– Daniel Ling, Principal, Montgomery Sisam Architects Inc.
– Daniel Teramura, Partner, Moriyama & Teshima Architects
– Frank D. Nemeth, Vice President, Healthcare, HGA Architects and Engineers
– George Middleton, Owner, George Middleton & Associates, Inc.
– James N. Parakh, Senior Urban Designer, City Planning Division, City of Toronto
– Jamie Lee, Associate, WZMH Architects