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Jedes Jahr werden Millionen von Menschen aufgrund von Naturkatastrophen vertrieben. Von 2008 bis 2014 waren es weltweit 184 Millionen Menschen ‒ das sind 26 Millionen pro Jahr oder ein Individuum pro Sekunde, welche aufgrund von Überflutungen, Orkanen, Erdbeben, Dürren und anderen Naturkatastrophen ihr Zuhause verlassen mussten. Die meisten der Vertriebenen finden Zuflucht im eigenen Land, andere aber fliehen über die Landesgrenzen. Angesichts des Klimawandels drohen diese Zahlen künftig noch zu steigen. Massnahmen zum Schutz der betroffenen Menschen fehlen dabei auf nationaler und internationaler Ebene oftmals oder sind unzureichend.
Möglichkeiten, wie diese Lücke gefüllt werden kann, zeigt die «Agenda zum Schutz der aufgrund von Katastrophen und Folgen des Klimawandels über Grenzen hinweg Vertriebenen» auf, welche an der Abschlusskonferenz der Nansen Initiative am 12. und 13. Oktober 2015 von hochrangigen Regierungsvertreterinnen und –vertretern, regionalen und internationalen Organisationen sowie Experten und Expertinnen aus der ganzen Welt diskutiert wird. Laut der Agenda müssten beispielsweise präventive Massnahmen in den Herkunftsländern der Vertriebenen gestärkt werden. Dazu gehören unter anderem die Erarbeitung von Notfallszenarien für den Katastrophenfall wie auch die geplante Umsiedlungen von Menschen in gefährdeten Gebieten, welche zum Beispiel in Küstennähe oder kleinen Inselstaaten leben und vom steigenden Meeresspiegel bedroht sind.
Unterstützt wurde der dreijährige Konsultationsprozess, welcher auf Initiative der Schweiz und Norwegen lanciert wurde, von einer Gruppe direkt betroffener bzw. interessierter Staaten: Bangladesch, Costa Rica und Mexiko sowie Australien, Deutschland, Kenia und die Philippinen. Fachlich begleitet wurde die Initiative vom Schweizer Menschenrechtsexperten Walter Kälin, der als Gesandter der Präsidentschaft der Nansen Initiative den Konsultationsprozess leitete.
„Die Konsultationen in den meist betroffenen Regionen haben bestätigt, dass grenzüberschreitende Vertreibung infolge von Naturkatastrophen ein reales Problem darstellt“, sagte Walter Kälin. Gleichzeitig hätten die Konsultationen eine bedeutende regionale Diversität aufgezeigt, was die Art der Naturgefahren und die möglichen Lösungsansätze anbelangt. Entsprechend gilt, dass es keine einheitliche Lösung gibt, sondern dass regionale Ansätze nötig seien.
Die Agenda hält auch fest, dass zu einem umfassenden und kohärenten Lösungsansatz, Massnahmen zur Verminderung der Gefährdung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Naturkatastrophen vor Ort, Migrationsmöglichkeiten, geplante Umsiedlung aus gefährdeten Zonen sowie der Schutz von intern Vertriebenen nötig sind.
Nur mit einem solchen breit angesetzten Ansatz könne der Schutz der Betroffenen verbessert werden, unterstrich Bundesrat Didier Burkhalter in seiner Eröffnungsrede: „Die Agenda ist auch eine Einladung, von den Erfahrungen anderer zu lernen, bestehende Massnahmen auszubauen sowie verstärkt zusammen zu arbeiten – auch im Sinne der internationalen Solidarität.“
Die Schweiz wird sich auch nach dem Abschluss der Nansen Initiative in ihrer heutigen Form für das Thema einsetzen. So besteht beispielsweise die Absicht, eine Staatengruppe aufzubauen, welche die Arbeit der Nansen Initiative zur Thematik fortführt und die Umsetzung der Schutzagenda vorantreibt. Die Schweiz wird sich in einer solchen Staatengruppe aktiv engagieren. Zudem arbeitet sie darauf hin, dass die Zusammenarbeit der internationalen Organisationen in den relevanten Themenbereichen gestärkt wird.
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