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Einen bedeutsamen Entschluss fassten die beiden, nachdem sie die Internationale Kunstausstellung im Münchner Glaspalast gesehen hatten: Fasziniert von den französischen Meistern, verliessen die beiden 1888 Deutschland und begannen an der Académie Julian in Paris zu studieren. Dort teilten sie sich eine gemeinsame Unterkunft mit Atelier und kamen auch schon bald mit dem Schweizer Künstlerkreis um Max Leu und Hans Emmenegger in Kontakt. Im Laufe des Studiums an der Académie Julian merkte Amiet jedoch mehr und mehr, dass er «in eine Sackgasse geraten war», wie er es selbst beschreibt. «[...] als ich im vierten Pariser Studienjahr, da es so gar nicht mit mir vorwärtsgehen wollte, verloren durch die Strassen lungerte, gab mir der Ungar Poll den Rat: Geh zu Marie-Jeanne nach Pont-Aven...». Frustriert vom starren akademischen Unterricht beschloss Amiet den Rat des Malers Hugo Poll zu befolgen und von Paris in die Bretagne, nach Pont-Aven zu reisen.
Im Mai 1892 erreichte der 24-jährige Amiet das kleine Fischerdorf Pont-Aven. Wie viele andere Künstler damals wohnte auch er in der Pension von Marie-Jeanne Gloanec, einer bodenständigen, fröhlichen Bretonin um die fünfzig, die «ihre» Künstler wie eine Mutter bewirtschaftete und verpflegte. Obwohl es nur einige Monate waren, erwies sich für Amiet die Zeit in Pont-Aven als sehr fruchtbar. Durch das anregende Klima entwickelte er in dieser Zeit auch seine eigene Charakteristik. Er wandte sich von der akademischen Tonmalerei ab und begann mit reinen Farben zu malen, die er in betont konturierten Flächen oder in dicht nebeneinander gesetzten Strichen auf den Bildträger auftrug. «Dreizehn Monate konnte ich im schönen Pont-Aven verweilen und dann musste ich Frankreich verlassen, mein Frankreich, das ich herzlich liebte, das mich beherbergt hatte wie einen seiner Söhne, das mir freiwillig seine schöne Seele offenbarte durch die Kunst. Wenn auch mit leeren Taschen, so doch reich beschenkt mit Gütern höherer Art, kam ich jetzt in meine Heimat zurück».
Die «Prozession in Pont-Aven» gehört zu dem schmalen Werk, das während Amiets Aufenthalt in der Bretagne entstanden ist. Die interessante Darstellung einer traditionellen «Pardon», einem religiösen Umzug zu Ehren lokaler Heiliger, ist ohne seine Auseinandersetzung mit dem Werk seiner bretonischen Vorbilder, vorab Gauguin und Van Gogh, undenkbar. Die Farbe in dicken Strichen aufgetragen, das leuchtende Weiss der Trachtenhauben bewusst hingetupft, den Bildinhalt auf seine elementarsten Formen reduziert – so drückt Amiet seine ganz eigene und überraschend neue malerische Freiheit aus.