Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03637.jsonl.gz/219

Viacheslav Dinerchtein ist ein ungewöhnlich vielseitiger und vielseitig begabter Künstler. Er ist nicht nur seit Langem schon als versierter klassischer Bratschist bekannt, sondern hat sich auch in anderen Bereichen einen Namen gemacht, wobei insbesondere die Magie und die Fotografie hervorzuheben sind. Seine Philosophie basiert auf dem Gedanken, dass die Kunstform hinter die Kunst zurücktritt; Kunst verbindet die Menschen miteinander, schlägt Brücken und überdauert Epochen, Kulturen und ein einzelnes Menschenalter. Der eigentliche Schöpfungsakt und das Knüpfen dieses unsichtbaren Bands mit einer anderen Person sind das, was Dinerchtein antreibt: Ob er eine Sonate spielt, eine Landschaft fotografiert, einen wortwörtlich zauberhaften Moment mit seinem Publikum teilt oder einen Kuchen backt – für ihn sind all diese Dinge gleichwertig.
Dinerchteins Interesse für die Magie wurde schon früh geweckt; Zaubertricks, die sich mathematischer Prinzipien bedienen, Spiele, Puzzles sowie Werke von Jakow Perelman und Martin Gardner, die seine Eltern in rauen Mengen zur Verfügung stellten, blieben nicht ohne Wirkung. Nach und nach verlagerte sich sein Fokus auf Spielkarten, insbesondere auf teuflische Täuschungsmanöver und in der Unterwelt verbreitete Spielmethoden. Als er diese beherrschte, setzte er sie ein einziges Mal erfolgreich beim Blackjack mit echten Einsätzen ein: Danach schwor er, sich nie wieder zu versündigen. Ab Mitte 20 beschäftigte er sich dann eingehender mit Literatur zum Thema Hobbyzauberei. In dieser Zeit schloss er sich auch der hermetischen Gemeinschaft der Zauberkunst an, von denen ihn viele inspirierten; einige traf er auch persönlich, wie etwa Eugene Burger, den legendären Philosophen unter den Zauberern. Zur gleichen Zeit begann Dinerchtein damit, seine eigenen Vorstellungen von der Magie zu kultivieren, neue Techniken zu entwickeln und seinen eigenen Stil herauszuarbeiten.
Heute deckt Dinerchteins Repertoire ein breites Spektrum der Unterhaltungsmagie ab, von privaten Kartenkunst-Veranstaltungen bis hin zu Salon- und Bühnenpräsentationen. Er hat – in unterschiedlichen Rahmen und Rollen – auf drei Kontinenten das Publikum unter anderem in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Portugal, den USA, Singapur und Mexiko verblüfft und in Staunen versetzt. Wie ein Zuschauer unverzüglich bemerkte: „Ich habe immer gedacht ‚Sehen heisst Glauben‘ – aber das muss ich jetzt wohl überdenken!“
Bei seinen Auftritten behauptet Dinerchtein nicht, besondere, ungewöhnliche Fähigkeiten zu besitzen, aber er leugnet diese auch nicht. Zu seinen Methoden gehören möglicherweise Taschenspielertricks, Suggestion, Irreführung, Gedankenlesen, echte Zauberei, leichte Hypnose, Unterstützung aus einer anderen Welt und eine gewisse Portion Selbstinszenierung – oder auch nicht. Ganz sicher ist hingegen, dass die Augen der Zuschauer und seine Hände feste Bestandteile seiner Darbietung sind, wobei er Letztere dem Publikum zuliebe bewusst langsam bewegt.
Die Zuschauer werden direkt vor ihren Augen (Close-up) oder auf der Bühne Zeugen einer fast irritierenden Abfolge von „Wundern“, die dem gesunden Menschenverstand spotten und diesen untergraben. Wenn aber die Ratio erst einmal überwunden ist und keine vernünftige Erklärung mehr greift, dann endlich betritt das Publikum die Welt des Zauberers und lässt sich auf das credo quia absurdum (ich glaube, weil es unvernünftig ist) ein: Und das ist genau das, worum es geht.
Dinerchtein wurde in der weissrussischen Stadt Minsk in eine Familie von klassischen Musikern hinein geboren, wuchs in Mexiko auf und studierte in den USA, wo er an der Northwestern University (Chicago) den Doctor of Musical Arts verliehen bekam. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Zürich. Seine bevorzugte Freizeitgestaltung: Unternehmungen mit seinen Kindern, lesen, Schach und Magie unterrichten, Unternehmungen mit seinen Kindern, Kuchen backen, Sterne beobachten und Unternehmungen mit seinen Kindern.