Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03628.jsonl.gz/3144

Hat im
Gehänge des
Kilchenstocks und des
Bächikamm eine tiefe Nische ausgefressen und im
Linththal den mächtigen
Schuttkegel der sog.
Auengüter abgelagert, der vollständig angebaut und mit Bauernhöfen übersät ist.
Auf der
O.-Seite reichen vom
Piz Motana und
Piz da Chöglias ausgedehnte Schutthalden herunter. 2,3 km lang, Gesamtgefälle
19,4%. Das Thal verläuft in versteinerungsleeren «Engadinschiefern»,
sowie in mesozoischen Kalk- und Sandschiefern.
Ortsnamen im Bergland der Kantone Luzern,
Schwyz,
Bern,
Appenzell,
St. Gallen
etc. Bezeichnen ursprünglich den für den Unterhalt einer Kuh
notwendigen Abschnitt einer Alpweide. So kann z. B. eine 50 «Stösse» umfassende
Alp mit 50 Stück Grossvieh bezogen («bestossen») werden.
Kapelle und 1905 errichtetes Denkmal an die Schlacht am Stoss
in welcher die
Appenzeller im Verein mit dem
Grafen Rudolf von
Werdenberg die von Herzog Friedrich geführten Oesterreicher
in die Flucht schlugen.
Die Leute von
Appenzell Inner Roden wallfahren alljährlich zum Stoss, um hier
das Andenken an ihren ruhmreichen
Sieg zu feiern.
Prachtvolle Aussicht ins
Rheinthal und auf die Vorarlberger und Bündner
Alpen.
1300 m. NO.-Schulter des Fronalpstockes, sö. über Schwyz.
Fällt nordwärts mit steilen Fels-
und Waldhängen zur Muota (Suwarowbrücke) ab, während der S.-Hang die schönen Stossalpen (300 ha Fläche) mit Kurhaus und
Kapelle trägt.
Ausläufer des Mährenhorns, der sich bis zum Rand des
Triftgletschers hinzieht. Am N.-Hang des O.-Endes steht die private Windegghütte (1901 m), die vom S. A. C. zur Bequemlichkeit
der das Trittgebiet besuchenden Touristen gemietet worden ist.
Mehrere Zacken des Grates sind von dieser
Hütte aus durch das SchattigTriftthäli und über den Weissschiengletscher wahrscheinlich ziemlich leicht zu erklettern.
(Kt. Uri
und Graubünden).
2993, 2988 und 2890 m. Langer und scharfer Felsgrat in der Düssistockkette, der mit 800 bis 900 m
hohen Steilwänden ins Brunnithal abfällt und auf der zum Val Cavardiras sich abdachenden, weniger steilen
O.-Seite einige Firnflächen trägt. Oestl. über der Brunnialp. Wenig n. vom (höhern) N.-Gipfel gabelt sich der Grat und schliesst
die s. Ecke des Resti-Tschingelfirns ein, die bis dicht unter die Gratverzweigung hinaufreicht und gewöhnlich stark zerschrundet
ist.
entspringt nahe dem Gipfel der Berra auf der Alpweide La
Montagnetta, fliesst zuerst südwestwärts und biegt dann nach NW. ab, um unterhalb des Stald von links
in die Serbache zu münden.
Durchzieht grosse Waldungen und das Quartier Le Stoutz des Dorfes La Roche. Gefährliches Wildwasser,
das in La Roche schon oft Verheerungen angerichtet hat, so dass man in den letzten Jahren mit Beihilfe des Kantons Verbauungsarbeiten
durchgeführt hat.
Herren liegt vollständig im Dunkeln. Die von einem ehemaligen Pfarrer der benachbarten Kirche von Einigen, Eulogius
Kiburger († 1506), verfasste Strättlinger Chronik berichtet, dass schon 223 ein Graf Arnold von Strättligen die Kirche
zum Paradies in Einigen gestiftet habe. Die selbe Chronik lässt einen Rudolf von Strättligen 933 zum König
eines nicht genannten Reiches gewählt werden, bezeichnet ihn als Gemahl der Königin Bertha und nennt dieses Ehepaar als
Stifter von zwölf Töchterkirchen des Gotteshauses von Einigen, sowie der nahen Propstei Amsoldingen. An diesen fabelhaften
Berichten mag nur das Eine auf Wahrheit beruhen, dass das wahrscheinlich als Gründung der Strättliger entstandene
Gotteshaus von Einigen eine der ältesten Kultstätten des Oberlandes ist und dass diese Gegend von Spiez bis Strättligen
unzweifelhaft schon im ersten Jahrtausend der Sitz einer gewissen Kultur war.
Die alte Herrschaft Strättligen reichte von Wattenwil bis nach Leissigen, muss aber schon früh in Zerfall gekommen sein. Sie
umfasste Spiez, die gegenwärtige Gemeinde Strättligen, Thierachern, Forst, Pohleren und Blumenstein. Wahrscheinlich
gehörten die Strättliger zu den oberländischen Dynasten, deren Macht am Ende des 12. Jahrhunderts durch Berthold von Zähringen
gebrochen wurde. Ein Heinrich von Strättligen wird 1175 genannt. Ein Rudolf von Strättligen vergabte das Patronat der Kirche
von Obergurzelen dem Kloster Interlaken, ein Johann 1330 dasjenige von Leissigen dem nämlichen Stifte
und 1338 das SchlossSpiez an Johann von Bubenberg.
Ein Heinrich von Strättligen, entweder Heinrich II. (1250-1262) oder sein Sohn Heinrich III., war Minnesänger, von welchem
drei Lieder erhalten geblieben sind. Die Familie, von der ein Zweig Ende des 13. Jahrhunderts nach England
übersiedelte, starb nach 1350 aus. Die Burg Strättligen mit Thierachern und Wattenwil gelangte um diese Zeit an das HausBurgistein
und kam von diesem erbsweise an die Edlen Mönch von Mönchenstein, 1466 an die Bubenberg und von diesen an die May, welche 1594 die
Herrschaft der Stadt Bern verkauften.
Die Burg Strättligen mit der gegenwärtigen Gemeinde gleichen Namens kam an das Amt Thun und dann 1662 an das Amt Oberhofen,
bis im Jahr 1803 Oberhofen und Strättligen neuerdings dem Amt Thun angegliedert wurden. Das Wappen der Herrn von Strättligen,
im roten Felde ein schräg rechts gestellter goldener Pfeil, befindet sich auf der Wappentafel der Kirche
von Spiez, sowie in zwei Glasgemälden der Kirche von Blumenstein. Einzelfunde aus der Bronzezeit in Almendingen und Gwatt; am
Renzenbühl bei Buchholz hat man sehr interessante Gräber aus der Bronze- und La Tènezeit aufgedeckt.
Die bronzezeitlichen Gräber enthielten u. a. ein Bronzebeil mit inkrustierten Goldplättchen und einen
dreieckigen italischen Bronzedolch mit massivem Griff (gleich den Funden von Ringoldswil). In den La Tènegräbern kamen zahlreiche
Schmuckringe zum Vorschein. Römersiedelung in Almendingen. Nahe dem Burgturm ein Grab aus der ersten Germanenzeit mit eisernem
Dolch und einer Gürtelschnalle. Der die Häuser von Strättligen tragende Hügel, der das ehemalige Kanderthal
vom Thunersee trennt, besteht ausschliesslich aus Moränenmaterial. Durch diesen Hügel wurde 1711-1714 der Stollen gegraben,
der die Kander in den Thunersee ableiten sollte und seither durch die rasche Erosion dieses Flusses zur heutigen Schlucht umgewandelt
worden ist. 763: Scartilinga; 1175 und 1220: Stretelingen. Vergl. Baechtold, J. Die Strätlingerchronik.Frauenfeld 1877. - Mülinen, W. F. von. DieHerrenvon Strätlingen (in der Festgabe der Allgemeinen Geschichtsforschenden GesellschaftderSchweiz; dargeboten vom Historischen Verein des Kantons Bern).
Bern
1905.
Namen Mittelgrat bezeichnet, welche Benennung man heute auf den auch Strahlgrat geheissenen n. Abschnitt, der vom Strahleggpass
überschritten wird, beschränkt. Die von Wyss 1817 erwähnte «Strahleck»
ist einer der Gipfel des Kammes, kann aber nicht mehr bestimmt lokalisiert werden. Der auf der Siegfriedkarte unbenannte Punkt 3390 m
zwischen der Nassen Strahlegg (3488 m) und dem Punkt 3453 m bildet einen gut charakterisierten Gipfel
unmittelbar nö. über dem Finsteraarjoch.
Erste Ersteigungen: Punkt 3462 m im Jahr 1887, Punkt 3450 m im Jahr 1891, Gipfel 3488, 3390 und 3453 m von verschiedenen
Karawanen im Jahr 1890. Die Gipfel sind zur Mehrzahl von der Schwarzegghütte her in 4-5 Stunden ohne
grosse Schwierigkeiten zu erreichen und werden meist bei unsicherm Wetter erstiegen, wenn ein Angriff auf die benachbarten
Bergriesen nicht ratsam erscheint. Der ganze Kamm gehört der Zone der Serizitschiefer an, die das Protoginmassiv im S. von
der Gneiszone des Aarmassives im N. trennt.
Von Grindelwald aus erreicht man über die Bäregg und die Bänisegg in 4¼ Stunden zunächst die Schwarzegghütte (Nachtquartier)
und dann von hier über Schnee- und Eishalden und die Felsen von Gagg in 2¾ Stunden die Passhöhe. Abstieg
über eine schwierige, etwa 200 m hohe vereiste Felswand zum obersten Abschnitt des Strahleggfirns. Gegen Ende des Sommers
wird hier der Fels zuweilen aper, in welchem Falle sich dann der Abstieg ziemlich leicht gestaltet. Nach Ueberschreiten des
am Fuss dieser Wand sich öffnenden Felsschrundes folgt man dem prachtvolle Blicke auf die umrahmenden
Hochgipfel bietenden Strahleggfirn, dann bis zum Abschwung dem Finsteraargletscher und endlich dem Unteraargletscher (Passhöhe-Pavillon
Dollfus 3¾ Stunden), worauf man in weitern 2¾ Stunden die Grimsel erreicht.
Der Name Strahlegg scheint ursprünglich dem ganzen Kamm zwischen dem Grossen Lauteraarhorn und den Strahlegghörnern beigelegt
und erst nachträglich speziell auf den Pass bezogen worden zu sein. Altmann berichtet 1751 in seinem Versucheiner historischen und physischen Beschreibung der helvetischen Eisberge von einem alten Sennen, den er auf dem GrindelwaldEismeer angetroffen hatte, dass dieser bis auf eine Distanz von 8 Stunden in das Eisgebiet der S.-Flanke vorgedrungen
sei, aber kein dem Grindelwaldgletscher ähnliches Eisfeld angetroffen habe.
Gruner spricht in seinem Buch über Die Eisgebirge des Schweizerlandes (3 Teile. Bern
1760) ebenfalls von einem Hirten, dem es unter
grossen Schwierigkeiten geglückt sei, von Grindelwald über die Gletscher nach dem sog. Hasleland zu gelangen. Endlich erzählen
auch Johann Rudolf und Hieronymus Meyer 1812 von einer Sage unter den Hirten, wonach vor ungefähr hundert
Jahren ein gewisser Dr. Klaus über den Gletscher von Grindelwald nach der Grimsel vorgedrungen sei.
Die erste sichere Ueberschreitung des Strahleggpasses ist aber diejenige, die Dr. Joh. Rudolf Meyer aus Aarau im Jahr 1812 mit
den Führern Kaspar Huber und Arnold Abbühl von der Grimsel her ausgeführt hat. Am folgenden Tage (4. September)
drangen auch Dr. Thilo und Hieronymus Meyer bis zur Höhe des Passes vor, mussten dann aber wegen aufsteigenden Nebels zur
Grimsel zurückkehren. Im August 1828 und Januar 184 gelangte Prof. Hugi zweimal bis zur Passhöhe
hinauf. Gottlieb Studer überschritt 1839 die Alte Strahlegg, während der heute gebräuchliche Strahleggpass im Jahr 1810 von
Prof. L. Agassiz und seinen Begleitern E. Desor, H. Coulon und F. de Pourtalês, sowie J. Leuthold, J. Währen und 3 weitern
Führern vom Hôtel des Neuchâtelois aus nach Grindelwald überstiegen wurde. 1841 überschritt den Pass
die erste Dame, die Schottin M. Cowan (im Tragsessel),
mit ihrem Gatten und neun Führern. Von den weitern Begehungen ist
noch diejenige hervorzuheben, die A. W. Moore und H. Walker mit Melchior Anderegg, Christian Almer und Peter Bohren mitten
im Winter 1861 in Verbindung mit der Ueberschreitung des Finsteraarjoches ausgeführt haben. Vergl. Studer,
Gottlieb. UeberEisundSchnee. 2. Aufl. von A. Wäber und H. Dübi. Bd I, Bern
1896. - Coolidge, W. A. B. The BerneseOberland. (Conwayand Coolidge's climbers' guides).London 1904.
Aufstieg von Ried her über den Weg zum Kastlerjoch und den Gipfel des Hohgleifen
in 5½ Stunden. Am W.-Hang befinden sich in 1672 und 1866 m verlassene Bleigruben, die einst von Goppenstein aus betrieben
worden sind.
Schwarzenbergkopf (2872 m) trägt. Das Strahlhorn fällt nordwärts zum Allalingletscher, westwärts zum Adlergletscher, südwestwärts
zum Findelengletscher und ostwärts zum Schwarzenberggletscher ab. Die erste Besteigung fand über den leichten NW.-Grat zwischen 1853 und 1856 statt;
doch weiss man nicht von wem. Franz Andermatten und Jos. Vannez sollen zu diesen ersten Besteigern gehört
haben. Ueber die S.-Wand erstiegen das Strahlhorn 1872 A. P. Boyson und C. J. Penfold mit Franz Burgener und einem der Andermatten,
über den NO.-Grat im nämlichen Jahr George E. Foster mit Hans Baumann.
Der Gipfel ist zu einem beliebten Modeberg geworden und bietet einigermassen geübten Touristen auf den
beiden gewöhnlichen Anstiegsrouten (NW.-Grat oder S.-Flanke) nur geringe Schwierigkeiten. Aufstieg: von Zermatt her entweder
über den Gasthof auf der Fluhalp (Nachtquartier), den Adlerpass und den NW.-Grat in 8½ Stunden oder über Riffelberg, Schwarzberg-Weissthor
und die S.-Flanke in 11 Stunden;
Stœcke (Kt. Uri
und Graubünden).
2933 und 2910 m. Langgestreckter Felsrücken mit flach gewölbtem Gipfelplateau und
N.- und S.-Gipfel, in der Düssistockkette zwischen der Hagstäckenlücke (etwa 2830 m) und der Tschingellücke («Im Fad» der
Siegfriedkarte; etwa 2785 m), sowie ö. über dem Brunnithal und w. über Val Cavrein.
Erste Ersteigung 1904. Aufstieg
vom Hotel
S. A. C. im Maderanerthal über die Hütten von Hinterbalm in 5½ Stunden, oder auch von Alp Cavrein her.
Nicht besonders
schwierig.
Vergl. den Führer durch die UrnerAlpen des A. A. C. Zürich.
Bd I, 1905.
Ehemals Sitz eines Rittergeschlechtes, dessen
Burg verschwunden ist.
Die Edeln von Strass, die sich in der Folge in Frauenfeld niederliessen, besassen auch die Burgen Spiegelberg
und Wellenberg. 1340 und die nächstfolgenden Jahre erscheint in den Urkunden mehrfach ein Ritter Eberhard von Strass.
Der
letzte des Geschlechtes liegt in der Oberkirche bei Frauenfeld begraben, wo sein Grabheute noch zu sehen
ist.
Strass hat seinen Namen von der hier durchgehenden Römerstrasse Vitodurum (Ober Winterthur)-Ad Fines (Pfin).
Heimat des
Schulmannes Schuppli, gest. 1899 als Direktor der Mädchenschule in Bern.
1120 m. Burgruine, auf einer Anhöhe 6,7 km ssw.
Chur.
Ehemals Sitz eines Herrengeschlechtes, dem das ganze umliegende Gebiet, die sog. Herrschaft Strassberg, gehörte.
Seit
der Mitte des 13. Jahrhunderts auftretend, ist das Geschlecht entweder durch Aussterben oder Auswanderung schon 1353 verschwunden.
Es scheint, dass die Burg ein Lehen der Freiherren von Vaz war, die hier einen Zoll erhoben.
Früher nannten
sich die Sprecher von Bernegg nach der Burg «von Strassberg».
Von der im Schwabenkrieg zerstörten Burg stehen heute bloss
noch ein zerfallener Turm und einige Mauerreste.
Zusammen: 1671 Haushaltungen in 644 Häusern; 8090 Ew., wovon 4560 Katholiken und 3517 Reformierte. Die
Bevölkerungszahl hat sich seit 1850 (2200 Ew.) nahezu vervierfacht. Straubenzell ist hinsichtlich der Einwohnerzahl die
fünfte Gemeinde des Kantons. Viele der Bewohner arbeiten in den verschiedenen Geschäften der Stadt St. Gallen. Von industriellen
und gewerblichen Etablissementen und Betrieben in der Gemeinde Straubenzell selbst sind zu nennen: mehrere Stickfabriken
und zahlreiche Einzelmaschinen, 4 Bleichereien und Appreturen, 3 mechanische Werkstätten, 2 Maschinenfabriken,
Kunstmühle, Kartonfabrik, Petroleumlager, Baugeschäfte, 3 Bierbrauereien, Schleiferei, Elektrizitätswerk im Kubel. 4 grosse
Schulhäuser;
die ehemals konfessionell getrennten Schulen sind seit einigen Jahren vereinigt.
Grosses Gemeinde- und grosses
Armenhaus. Eine Menge wohltätige, gemeinnützige, politische und religiöse Vereine; Sparkassen und Volksbibliotheken. Viel
wird auch für das Armenwesen getan. Im W. und O. der Gemeinde liegen grössere Weier (Bild- und Burgweier), die im Winter
von den Schlittschuhläufern als Eisbahn benutzt werden. Im W. dehnt sich der kantonale und eidg. Exerzierplatz Breitfeld
aus, der sich noch weit in die Gemeinde Gossau hinein erstreckt. Zahlreiche Obstbäume und viel Wald.
Die Sitter wird von drei grossen und schönen Brücken überschritten. Längere Zeit beschränkte sich der Name Straubenzell
auf wenige Häuser am waldbewachsenen Berghang, wo heute die Häusergruppe Hofstätten steht. Hier befand sich schon im 10. Jahrhundert
die Zelle eines Klausners oder Waldbruders, an deren Stelle dann ein einer Familie Strub oder Straub
gehörendes Bauerngut trat, nach welchem später die ganze Gegend zwischen dem Wattbachtobel und der Sitter den Namen Straubenzell
erhielt.
Der ursprüngliche Sitz der Edelleute gleichen Namens, von denen 1167 ein Walter de Straubencelle urkundlich vorkommt, ist
nicht bekannt.
Sehr alte Ortschaften der Gemeinde sind Brucken, Kräzern, Hacken, Menzeln, Wilen und Sturzenegg.
Ums Jahr 1080 liess Abt Ulrich III. auf dem Hügel ob dem Sitterübergang eine Feste erstellen. 1085 siegte er hier im Kampf
gegen den GrafenDiethelm von Toggenburg, während Abt Ulrich IV. 1209 dem Bischof von Konstanz unterlag, an welches Ereignis
die KapelleSt. Barbara zu Bild erinnert.
Auf der Güpfi, dem ältesten Gebäude der Gemeinde, hausten die Edeln von Sturzenegg. Im Appenzellerkrieg hielten die obern
Höfe zu den Appenzellern. Auf dem HofWaldi baute Ratsherr Grübel von St. Gallen
1474 die Burg Waldeck, die später an die Abtei verkauft
und Sitz von deren Landeshofmeister wurde. 1525 nahm die Mehrzahl der Bewohner Straubenzells die Reformation
an, um dann aber wie das ganze Fürstenland unter Abt Diethelm wieder zum alten Glauben zurückzukehren.
Brucken oder Bruggen hat seinen Namen von einer alten Brücke über die Sitter und ist eine der ältesten Ortschaften der Gemeinde.
Hier befanden sich die uralte KapelleSt. Martin, sowie ein Armen- und Siechenhaus, das später zur Pilgerherberge
wurde. Bruggen war auch Amts- und Versammlungsort des Gerichtes Straubenzell. Seit 1404 eigene Pfarrei; erste Kirche 1600 erbaut,
1672-1682 erweitert und 1783 mit dem heutigen schönen Glockenturm versehen. 1566 baute Abt Bernhard die Papierfabrik
in der Kräzern.
Hauptmann Boppart erstellte 1642 das Schlösslein im HofHacken unterhalb der St. Wolfgangskapelle und 1680 in Schönenwegen
die KapelleNeuMariaEinsiedeln. Bis 1811 bildete die unten in der Tiefe der waldigen Sitterschlucht über den Fluss führende
hölzerne Brücke mit steil ansteigender Zufahrt das einzige Verkehrsmittel der wichtigen Handels- und
Heerstrasse von St. Gallen
nach Wil und ins Toggenburg einerseits, nach Zürich
andrerseits. 1811 wurde diese alte Brücke durch eine prächtige
zweibogige Steinbrücke von 177 m Länge und 25 m Höhe, die schönste Brücke der Ostschweiz, ersetzt.
Dazu kam dann 1856 die mächtige eiserne Gitterbrücke (168 m lang und 61 m hoch) der Bahnlinie Zürich-St.
Gallen. Von besonderm historischen Interesse ist die Burg Waldegg, die bis 1798 die Residenz der äbtischen Landeshofmeister,
in weltlichen Dingen die rechte Hand des Landesherren, war. Mit der Aufhebung des Klosters kam auch Waldegg samt seinen Gütern
an den Staat St. Gallen,
um 1825 an Private überzugehen, welche hier neue Gebäude für industrielle Etablissemente
erstellen liessen.
Zur Zeit befindet sich im Schloss ein Erziehungsinstitut. Dieser nö. Teil der Gemeinde gehört zur katholischen Dompfarrei
St. Gallen.
Die Ziegelbrennereien bei Schönenwegen und die Sitterwalke erscheinen schon frühzeitig als Besitz des Bauamtes St. Gallen.
Bei
der untern Ziegelhütte befand sich eine uralte Gerichtsstätte, wo die Reichsvögte des Thurgaues in ausserordentlichen Fällen
zu Gericht sassen. Auf dem nahen Hügel stand das Hochgericht. Unweit davon baute die Gemeinde Straubenzell 1841 ein Armenhaus.
Die zum Gericht Straubenzell gehörigen 41 Ortschaften und Höfe wurden 1803 zur politischen Gemeinde Straubenzell
vereinigt und dem Bezirk Rorschach angegliedert, von dem diese 1831 an den Bezirk Gossau überging. Fund von römischen Münzen
auf Haggen und im Hätterenwald. Die Letzi an der Kräzeren (Chrazarun) wird 1219 erwähnt. Vergl. Näf, Aug. Chronik der Denkwürdigkeitender Stadt und LandschaftSt. Gallen.St. Gallen
1850.