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Orgel
Die Orgel hat 61 Register und vier sogenannte «Transmissionen» (Register, die sowohl vom Manual als auch vom Pedal spielbar sind). Mit ca. 4’200 Pfeifen ist sie die grösste Orgel im Kanton Thurgau und am schweizerischen Bodenseeufer.
Neubau
Die Orgel der evangelischen Kirche Arbon wurde gleichzeitig mit dem Kirchengebäude erstellt und im November 1924 eingeweiht.
Die Firma Kuhn aus Männedorf schuf ein Instrument, das in den Abnahmeberichten der damaligen Experten in den höchsten Tönen gelobt wurde. Vor allen Dingen zeichnetesich die Orgel durch ihre vielen orchestralen Klangfarben aus: Flöten, Streicher, Trompeten, Clarinette, Oboe etc. waren in der Orgel zahlreich vorhanden. Auch durch ihre Grösse – sie ist die grösste Orgel im Kanton Thurgau und am schweizerischen Bodenseeufer – ist sie von grosser Bedeutung.
Revisionen 1958 und 1988
Wie vieles in der Kunst, Musik, Architektur, Mode etc. unterliegt auch der Orgelbau dem Zeitgeschmack. Im Laufe der Zeit war der orchestrale Klang der Orgel nicht mehr gefragt. Bereits in den 1930er Jahren wurde das Pfeifenwerk geändert. Vor allen Dingen bei der Revision in den Jahren 1956 bis 1958 hat die Orgel durch Abschneiden und Umstellen der Pfeifen viele ihrer schönsten Klangfarben verloren.
Bei der Orgelrevision von 1988 versuchte man bereits, sich wieder dem originalen symphonisch-orchestralen Klangbild des Instrumentes anzunähern. Einige der Arbeiten aus den 1950er Jahren wurden dabei korrigiert. Die Revisionen und die Pflege des Instrumentes wurden seit 1956 von Orgelbau Genf ausgeführt.
Revision 2020/2021
Nach fast 100-jährigem Betrieb der Orgel gab es viele Teile, die verschlissen waren. Zudem entsprach die Elektrifizierung der Orgel aus den 1950er Jahren nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards und wies laute Spielgeräusche auf. Tausende Membrane, Magnete und Kabel mit mehreren Kilometern Gesamtlänge mussten ersetzt werden. Ausserdem musste das Instrument von Dreck und Schimmel befreit werden.
Darüber hinaus wurden die entfernten Schwellwerksjalousien des Positivs originalgetreu wieder hergestellt. Ein neuer Spieltisch, der nun zur Optik des Instrumentes passt und für den/die Organisten/-in wieder klanggünstig in der Mitte der Empore steht, wurde neu angefertigt.
Dies waren sehr umfangreiche und kostspielige Arbeiten, die die evangelische Kirchgemeinde Arbon nach vielen Überlegungen in Angriff nahm und 2020/2021 von der renommierten Orgelbaufirma Rieger aus Schwarzach/Vorarlberg ausführen liess.
Die Arbeiten wurden unter der Leitung von Timo Allgäuer ausgeführt. Details der technischen Anlage wurden an die Stilistik des Arboner Instrumentes angepasst oder zum grössten Teil sogar exakt kopiert. Die Technik wird für die nächsten Jahrzehnte einen sehr zuverlässigen und sicheren Betrieb gewährleisten.
Die in der Orgelbauwerkstatt hergestellten Pfeifen, der neu hergestellte Spieltisch, die rekonstruierten Jalousien des Positiv-Schwellwerkes und die neuen Membrane fügen sich sehr gut in den alten Bestand der Orgel ein.
Verlorene Klänge
Zuletzt war der Klang der Orgel nüchtern, kalt, wenig poetisch und mitunter sehr grob. Vor allen Dingen das Positiv (II. Manual) hatte mit nur noch zwei von ehemals neun 16’- und 8’-Grundstimmen kein tragendes Fundament mehr.
Von Fachleuten angeregte klangliche Änderungen, die das orchestrale Klangbild der Orgel wiederherstellen würden, konnte die Kirchenvorsteherschaft nicht aufgreifen, da sie einen weiteren finanziellen Aufwand bedeutet hätten.
Aus diesem Grund entschloss sich die Musikkommission der Kirchgemeinde 2019 dazu, die finanziellen Mittel für eine (teilweise) klangliche Rekonstruktion der Orgel durch Spenden aufzubringen. In einer Spendenaktion unter dem Motto Verlorene Klänge kam durch Spenden von Privatpersonen, Firmen und Stiftungen nach nur elf Monaten die erstaunliche Summe von Fr. 120’000.- zusammen. Viele Personen entschieden sich dazu eine Pfeifenpatenschaft zu übernehmen, oder eine solche zu verschenken.
Wir danken allen Spenderinnen und Spendern von ganzem Herzen für Ihre grosszügigen Beiträge!
Mit den Spendengeldern konnten im Rahmen der Revision neun Register nach originalem Vorbild wieder hergestellt werden. Veränderte und – sowohl aus heutiger als auch historischer Sicht von 1924 – nicht passende Pfeifen wurden entfernt und die rekonstruierten Pfeifen an ihren originalen Platz gestellt.
Klanglich hat die Orgel enorm dazu gewonnen. Nun besitzt die Orgel wieder einen warmen, runden Klang mit einem gut tragenden Fundament. Auch verfügt die Orgel wieder über viele schöne und sich gut mischende Einzelfarben (Streicher, Flöten, Clarinette und Trompete), was vorher nicht mehr der Fall gewesen ist.
Die Orgel besitzt noch einige der in den 1950er und 1980er Jahren ausgetauschten Register, deren Klangqualität durch die Intonation aber erheblich verbessert werden konnte. Stilistisch überwiegen nun die romantisch-orchestralen Klangfarben der Erbauungszeit des Instrumentes. Intonateur Christian Metzler ist es gelungen, eine sehr schöne klangliche Einheit der alten und neuen Pfeifen und Register herzustellen.
Die Arbeiten an der Orgel der evangelischen Kirche Arbon wurden von der Orgelbaufirma Rieger ab August 2020 ausgeführt und im März 2021 fertiggestellt.
Sowohl die technischen, als auch die klanglichen Arbeiten zeugen von höchstem handwerklichen und künstlerischen Können.
Im Ostergottesdienst 2021 wurde die Orgel wieder eingeweiht. Neben Simon Menges an der Orgel musizierten sechs professionelle Sänger. Zu hören war die «Missa cum jubilo» von Maurice Duruflé.