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Das Rennen der 24h von Le Mans gehört neben dem Indy500 der IndyCar-Series und dem Grand Prix de Monaco zu den drei grössten Rennen im Automobilsport. Wer den Motorsport etwas verfolgt, wird wissen, dass Ferrari letztes Jahr bei seiner Rückkehr in die Langstrecken Weltmeisterschaft die 100. Ausgabe der 24h von Le Mans gewonnen hat. Vielleicht hat der Schweizer Rennfahrer Fabio Scherer auch deshalb nicht die Anerkennung erhalten, die er eigentlich verdient hätte. In den ersten Stunden des Rennens fuhr ihm ein gegnerisches Auto in der Boxengasse über den Fuss. Die Folge waren drei gebrochene Mittelfussknochen. Dies konnte ihn jedoch nicht davon abhalten, drei mehrstündige Schichten im Auto zu verbringen und mit seinem Team den Sieg in der LMP2-Klasse einzufahren.
Vom Kartsport in die Langstrecken-WM
Scherers Karriere im Motorsport begann bereits als Kind. Schon früh absolvierte er seine ersten Runden im Kart. Sein Talent zeigte sich schon früh und wurde spätestens mit seinen beiden Schweizer Kart-Meistertiteln definitiv bestätigt. Der Wechsel in den Formelsport war 2016 der logische nächste Schritt. Scherer startete parallel in der deutschen sowie der italienischen Formel 4 Meisterschaft und feierte dabei einen Sieg. Im Jahr darauf erreichte er in deutschen Formel 4 den 5. Rang im Endklassement, wobei er sein Können gegen Fahrer wie Felipe Drugovich und Frederik Vesti, die heute als Testfahrer bei den Formel 1 Teams von Aston Martin und Mercedes fungieren, unter Beweis stellte.
2018 stieg er in die Formel 3 auf und verdiente sich dank einer schwierigen, aber trotzdem konstanten Saison mit Podiumsplatzierungen, einen Platz im neugeformten Junior Team, des Schweizer Formel 1 Rennstalls Sauber und ging 2019 erneut in der Formel 3 an den Start. Die Formel 3 fährt seit 2019 im Rahmen der Formel 1, das heisst, die F1-Teams sind bei den Rennen der F3 ebenfalls vor Ort, was den jungen Fahrern die Möglichkeit bietet, sich direkt vor Ort zu beweisen. Leider verlief die Saison entgegen den Vorstellungen und Erwartungen Scherers. Er erhielt vom Sauber Junior Team einen Platz in einem unerfahrenen F3-Team. Die Teams spielen eine entscheidende Rolle, die Autos richtig auf ihre jeweiligen Fahrer abzustimmen. Ein weniger erfahrenes Team hinkt in diesem Bereich den Dominatoren der Nachwuchsserien eindeutig hinterher. Scherer konnte sein Potenzial deshalb nur selten demonstrieren. Trotz der unglücklichen Situation konnte er den heutigen F1-Fahrer Logan Sargeant in der Gesamtwertung hinter sich lassen. Er verliess das Sauber Junior Team Ende Saison und startete 2020 in der DTM.
Nach einem vom Corona-Virus geprägtem Jahr in der DTM startete er 2021 in der Langstrecken WM für United Autosports USA in der LMP2-Klasse. Mit seinen beiden Teamkollegen Philip Hanson und Filipe Albuquerque gewann er zwei Rennen in seiner Klasse und schloss die Saison auf dem 5. Rang der LMP2 ab. 2022 und 2023 ging Scherer für das polnische Privatteam Inter Europol Competition erneut in der LMP2 an den Start, wobei speziell die Saison 2023 eindeutig als erfolgreich beschrieben werden darf.
Sieg bei den 24h von Le Mans
Die 24h von Le Mans sind ein Mehrklassen-Rennen. Das bedeutet, dass sich Autos mit verschiedener Leistung gleichzeitig auf der Strecke befinden. 2023 waren das die Hypercar-Klasse, die LMP2 und die LMGTE Am. Die Rennen finden vereinfacht gesagt klassenintern statt. Das heisst, die Autos der LMP2 verfolgen nicht das Ziel, die Hypercars zu schlagen, sondern konzentrieren sich auf die Gegner aus ihrer Klasse. Das Gleiche gilt für die anderen beiden Klassen.
Wie kam es also dazu, dass Fabio Scherer das Rennen mit drei gebrochenen Mittelfussknochen absolvieren musste? In der Langstrecken-WM werden Rennen über mindestens 6 Stunden gefahren. Jedes Auto wird dabei von drei Fahrern geteilt: Boxenstopps beinhalten also nicht nur Auftanken, Reifenwechsel und Reparaturen, sondern auch Fahrerwechsel. Bei solch einem Fahrerwechsel fuhr eine gegnerische Corvette unabsichtlich über Scherers linken Fuss, wobei er die drei erwähnten Knochenbrüche davontrug. Der linke Fuss ist in der Langstrecken-WM der Bremsfuss der Fahrer, der einen starken Druck auf die Bremse ausüben muss, um das Auto zu verlangsamen. Scherer verbrachte mit dem lädierten Fuss unglaubliche neun Stunden im Auto, ohne dass es seine Pace beeinträchtigte. Nicht nur sein Rennergebnis hing von seiner Leistung ab, sondern das des gesamten Teams, inklusive seiner Teamkollegen Jakub Śmiechowski und Albert Costa. Zu allem Überfluss fiel in der letzten Stunde des Rennens auch noch das Funksystem aus. Das Team konnte Scherer also keine Informationen zum Rennen, Auto oder sonst wichtigen Daten geben und er war komplett auf sich allein gestellt. Trotzdem erreichte das Team mit Scherer am Steuer als erstes Auto der LMP2-Klasse das Ziel. Trotz jeglicher Komplikationen haben sie die 100. Ausgabe des wohl prestigeträchtigsten Rennens im Motorsport gewonnen. Die Freude kannte keine Grenzen. Es wurden Freudentränen vergossen und Fabio Scherer wurde von der Motorsport-Community zum Helden des Rennens gekürt.
Die Saison 2023 schloss Scherer mit seinem Team von Inter Europol Competition dank konstanten Leistungen als Vize-Weltmeister seiner Klasse ab. Trotz des gemeinsamen Erfolges wird Scherer nächstes Jahr für ein anderes Team an den Start gehen. Er kehrt zu United Autosport USA zurück, bleibt der LMP2 aber weiterhin erhalten.
(bas)
Aber wieso erzähle ich Fabios Geschichte überhaupt?
Ich verfolge den Motorsport schon mein ganzes Leben lang. Das erste Mal gesehen habe ich Fabio in der F3 im Jahr 2019, als ich als Zuschauer das F1-Wochenende in Monza besucht habe. Auch auf der Kartbahn bin ich ihm schon begegnet und mal richtig zu erleben, wie viel schneller ein Profi fährt, als jemand wie ich, der nur zum Spass etwas Kart fährt, war für mich extrem beeindruckt. Dementsprechend habe ich mich sehr für ihn gefreut, als er trotz allen Strapazen die Ziellinie bei den 24h von Le Mans als erster überquert hatte.
Spontan hatte ich im Herbst 2023 die Idee fürs nächste Semester einen Dokumentarfilm mit Fabio zu drehen. In dem Film wollte ich die falsche Annahme, dass ja jeder Rennen fahren kann, man müsse bloss ins Auto sitzen, behandeln. Ich wollte in einem Film von maximal 15 Minuten dokumentieren, wie viel Training hinter den Kulissen stattfindet, um den extremen Fliehkräften im Auto standzuhalten und mehrere Stunden am Stück konstante, schnelle Rundenzeiten zu fahren.
Ich schrieb Fabio mit einer Direct Message auf Instagram an und schilderte kurz meine Idee, in der Hoffnung, dass er meine Nachricht lesen würde. Keine 48 Stunden später erhielt ich eine Antwort, in der er schrieb, dass ihm die Idee gefiele und wir dies gerne umsetzen können. Ein paar Tage später haben wir zusammen telefoniert, um uns kurz kennenzulernen und damit ich die Idee etwas genauer schildern konnte und er seine Gedanken und Ideen auch sofort einbringen konnte. Beim Telefonat erzählte er mir unter anderem, dass wenn unsere Zusammenarbeit passen würde, er Potenzial sähe, zusammen an seinem Social Media zu arbeiten, um dies mit spannenden Inhalten zu pushen. Ich bot ihm daraufhin an, dass wir statt dem Dokumentarfilm, den Fokus zuerst auf seine Kanäle legen können und den Film vielleicht in einem nächsten Schritt umsetzen könnten und auf das haben wir uns schlussendlich geeinigt.
Wir tauschten spontan erste Ideen aus und ich begann in den nächsten Wochen alle Ideen in einem Konzept zusammenzufassen. Fabio schickte mir in der Zwischenzeit seine Ideen, die ich ebenfalls ins Konzept implementierte. Dieses Konzept besprachen wir in einem Videocall noch vor Weihnachten. Mitte Januar werden wir uns in Engelberg treffen, um da erste Inhalte zu drehen. Wer das Konzept anschauen möchte, darf dies gerne hier machen: FabioScherer_SocialMedia_Konzept