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Heute wurde vor möglichen starken Gewittern gewarnt. Da ich gerade Zeit habe prüfe ich heute, wie gut die Warnung war.
Tatsächlich entwickelten sich gegen Abend verbreitet Gewitter, die nach Nordosten zogen. Die stärkste Zelle zog vom Zürcher Oberland an den Bodensee. Als sie das Warngebiet erreichte, das war etwa bei Bütschwil, wurden in ihrem Kern erstmals Niederschalgsintensitäten von über 60 mm/h auf dem Radar angezeigt. In der Folge verstärkte sie sich nordöstlich weiterziehend und ab Uzwil war sie meiner Meinung nach warnwürdig, da sich der Bereich mit über 60 mm/h Intensität rasch vergrösserte. Ungefähr bei Egnach erreichte sie den Bodensee. Die Wetterstation Egnach mass 19 mm Niederschlag, die in nur 20 bis 30 Minuten zusammenkamen. Vereinzelt gab es auch stärkere Böen.
Der Starkregen war etwa das was ich erwartet hatte: Intensiv aber kurz. Dementsprechend kamen nicht mehr als 20 mm zusammen. Wieso war das meine Erwartung? Die Windgeschwindigkeit in etwa 3 Kilometern Höhe lag bei rund 40 kn (80 Km/h). Das bedeutet, dass die Zellen relativ schnell ziehen und sich nur kurz ausregnen. Grössere Mengen sind trotz hoher Intensitäten unwahrscheinlich. Grosse Intensitäten erwartete ich wegen dem hohen Feuchtigkeitsgehalt der Troposphäre: Eine Luftsäule mit einem Quadratmeter Breite bis an die Tropopause beinhaltete etwa 35 Kilogramm Wasserdampf. Das ist relativ viel und bedeutet, dass intensiver Niederschlag möglich ist.
Worüber ich derzeit noch nichts weiss ist, ob es Hagel gab. Bisher gab es noch keine Meldungen in den Medien. Erwartet hätte ich Körner mit 2 bis 3 Zentimeter Durchmesser aufgrund der mässigen Energie und der erhöhten Scherung. Mit 35 Knoten Windscherung zwischen 0 und 6 Kilometern Höhe hielt ich recht gut organisierte Zellen für wahrscheinlich, was bedeutet, dass langlebige Aufwinde entstehen, indenen der Hagel lange wachsen kann. Sonst wären die Energiewerte für Hagel über 1.5 Zentimeter eher untypisch. Was fehlten, waren ausgeprägte Trockenschichten, die die Hagelbildung unterstützen. Dies habe ich allerdings genau so erwaret.
Für Sturmböen gibt es grundsätzlich drei Auslöser: Gibt es in 1 bis 4 Kilometern Höhe starke Winde, können diese in einem Gewitter zum Boden umgeleitet werden. Meist werden sie dabei noch etwas verstärkt.
Eine andere Möglichkeit ist, dass die Wolkenuntergrenze hoch liegt, das bedeutet mehr als etwa 1.7 Kliometer über dem Boden. Fallender Niederschlag verdunstet teilweise oder im Extremfall ganz und dabei kühlt sich die Umgebungsluft ab. Die im Vergleich zu Warmluft spezifisch schwerere Kaltluft stürzt zu Boden und verursacht dort kräftige Böen.
Der letzte Auslöser ist eine starke Windzunahme mit der Höhe. Dann entstehen langlebige Gewitterzellen, die Auf- und Abwinde können sich gut entwickeln und werden intensiv. Folglich gibt es Sturmböen.
Heute waren alle Effekte gewissermassen beteiligt, aber alle nur schwach ausgeprägt. Die Wolkenuntergrenzen lagen bei 1 bis 1.5 Kilometern und somit konnte durch die Verdunstung nur ein wenig Wind entstehen. Dafür konnten die Höhenwinde heruntergemischt werden, weshalb es vereinzelt zu Sturmböen kam, wie erwartet. Auch die etwas langlebigeren Auf- und Abwinde dürften dazu beigetragen haben.