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Jedem Satz seinen Lead?
Im Deutschen geniessen wir grosse Freiheiten des Satzbaus. Das erlaubt es, einen Satz mit dem vermeintlich Wichtigsten beginnen zu lassen, ihm also einen Lead zu geben, wie es sich bei Zeitungsberichten gehört – aber nicht unbedingt bei Sätzen. Oft dient der eigenwillige Satzbau auch dem Anschluss ans zuvor Gesagte. Indessen muss jeder Satz für sich allein geniessbar sein. Einige Beispiele:
«Tatsächlich in den Siebzigern gegründet wurden die britischen Vibrators.» – Das mag noch angehen; im Satz zuvor gings um eine den Sechzigerjahren nachempfundene Band.
«Das Motto bis zur Wäsche ernst genommen hat derweil nur die Bar der Politikwissenschaftler.» – Hier entgleist der gleiche Bericht über ein Unifest; der Satz macht Mühe, nur schon weil unklar bleibt, ob andere Wissenschaftler das Motto überhaupt nicht ernst genommen haben oder bloss nicht «bis zur Wäsche» (was immer das heissen mag).
«Das gute Ergebnis der Gemeinderechnung hat zur Hälfte eine spendable Bürgerin verursacht.» – Vom Ergebnis verursachte Bürgerin? Den Satz so zu verstehen, ist zwar böswillig, aber jeder Anfang mit einem nicht erkennbaren Akkusativ erschwert das Verständnis.
© Daniel Goldstein