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Friederike
Kretzen Ich möchte mit
einem Zitat von Roland Barthes anfangen: «Der Roman liebt die Welt, weil er sie
umfasst und umarmt. Es gibt eine Grosszügigkeit des Romans, eine
nichtsentimentale, da mediatisierte Überschwenglichkeit.» Barthes benennt hier
etwas, was ich als die Schönheit eines Romans empfinde. Eine Schönheit, die mit
der Art und Weise zusammenhängt, wie ein Roman die Welt berührt. In deinen
Romanen geht es um so eine Schönheit. Kannst du mit dem Zitat etwas anfangen?
Perikles
Monioudis Ja, natürlich. Wir streben
ja alle nach Schönheit. Ich denke, sie ist der eigentliche Beweggrund eines
jeden Künstlers, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.
Schwierig, der Begriff der Schönheit.
Sehr breit, und doch absolut.
Für mich ist es neu, dass ich so
einen Begriff wage, aber es hat tatsächlich mit der Berührung von Welt in den
Worten zu tun.
Ja, völlig einverstanden.
Und diese Berührung sehe ich in
deinen Texten am Werk. Dieses Beschreibenwollen, seien es Gegenstände, seien es
Ansichten, seien es Städte, gefunden oder erfunden. Das meine ich mit «so etwas
wie die Schönheit wollen».
Unbedingt, ja. Was immer das heisst und wie immer
der Weg dahin aussieht.
Es ist kein festgelegterWeg.
Nein. Durchaus serpentinenreich. Manchmal sogar
zyklisch. Immer aber eine suchende Bewegung.
Das ist für mich besonders in deinem
letzten Buch «Land» deutlich geworden. Es ist durchdrungen von dieser Bewegung.
Es ist wie ein grosses Umkreisen der Welt, ein Immer-wieder-Abstossen und ein
Immer-wieder-Hingehen. Das verstehe ich als eine Form, die Welt zu berühren.
Und aus dieser Berührung kann sich Schönheit ergeben.
Schon als Gymnasiast habe ich Handbücher gesammelt
und gelesen; allerlei Bücher, die zur Berufsausbildung von Konditoren oder
Schreinern verwendet werden. Mich hat daran fasziniert, wie die Welt mit den
Händen angefasst wird. Später hat mich dann auch das geistige Anfassen fasziniert.
Mir sind noch immer beide Aspekte lieb.
Die Handwerklichkeit der Gedanken
sozusagen, in denen jeder Griff sitzt.
Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass «Land»
eine Dividende aus dieser sozusagen haptistischen Lektüre abwirft. Doch du hast
recht. Schon in meinen früheren Texten findet sich das Haptische, der Versuch,
die Welt über ihre Details wahrzunehmen. In «Land» ist dann auch die Art und
Weise wichtig, wie das geschieht. Ich kann als Schriftsteller nicht davon
absehen, wie ein Roman geschrieben ist. Wenn ich alles, was im Roman steht,
auch in einem zweiminütigen Telefongespräch hätte sagen können, dann wäre der
Roman sinnlos. Insofern ist der Aspekt der Schönheit im Formalen und des
Begreifens im doppelten Sinn – also des Be-greifens – zentral für mich.
Beides gehört eng zusammen.
Und die Unterscheidung ist sekundär. Sie ist beim
Schreiben selbst nicht präsent. Da ist nur der Anspruch der Schönheit und
gleichzeitig der tiefen Empfindung vorhanden – falls man das heute noch so
formulieren darf.
Da bin ich unbedingt dafür. Denn es
geht ja um Empfindung. Aber du hast schon recht. Heutzutage kann…