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Abschied in Raten vom 'Service public'?
Vom 7. Juni bis zum 31. Juli wird Swisscom über Wiederverkäufer wie etwa Green, Cybernet oder Solnet den Pilotbetrieb mit SDSL (Synchronous Digital Subscriber Line) aufnehmen. SDSL erlaubt im Gegensatz zum bekannten ADSL die gleichen Bandbreiten in beide Richtungen. Die Technologie kann deshalb mit Einschränkungen als Ersatz für die teuren Mietleitungen eingesetzt werden.
Ein Blick auf die Preise, die Swisscom Wholesale den Internet Service Providern (ISPs) anbietet, zeigt, dass der de-fakto-Monopolist im Gegensatz zum ADSL-Angebot je nach Region verschiedene Preise verlangt.
Die Swisscom Wholesale-Preise setzen sich aus einem Preis pro Datenvolumen und einem Preis pro Grund-Bandbreite zusammen. Der Preis für die transportierten Datenmenge ist nicht vom Standort des Kunden abhängig, kennt aber zwei Stufen, je nachdem ob die Verbindung mit einer oder zwei Telefonzentralen aufgebaut wird.
Der Preis für die Grund-Bandbreite kostet je nach Standort des Kunden mehr oder weniger. In der Tarifzone "City" (Basel, Bern, Genf, Glattbrugg, Lausanne, Lugano, Luzern, Zug, Zürich) verrechnet Swisscom deutlich weniger als in der Region "Rest". Swisscom-Reseller bezahlen in der Tarifzone "City" für 1200 Kbps/s (netto in beide Richtungen) 320 Franken pro Monat, in der Tarifzone "Rest" werden 450 Franken pro Monat fällig. Zwischen der günstigen "City" und dem "Rest" liegt ein Tarifkreis namens "Region" (Aarau, Biel, Chur, Freiburg, Neuenburg, Olten, Rapperswil, Sion, St. Gallen, Winterthur), wo 390 Franken pro Monat und Kunde fällig werden. (Alle Preise beziehen sich auf das Wholesale-Angebot für Reseller).
Ein Schuss ins Bein?
Die Swisscom und ihre Verbündeten haben in der Vergangenheit oft mit dem 'Service public' argumentiert, wenn es galt, die "Entbündelung"
der Kupferdraht-Anschlüsse in die Haushalte zu verhindern oder zu verzögern. Schliesslich stellt die ehemalige PTT Telefonkunden ihre Dienste zu den gleichen Preisen zur Verfügung, unabhängig davon, ob der Kunde nun auf einer Alp in Fideris oder an der Zürcher Bahnhofstrasse sitzt. Auch bei bei den schnellen Datenleitungen über ADSL werden die Preise nicht nach Standort der Kundschaft differenziert.
Mit der Einführung von SDSL rückt man nun von dieser Politik ab. Fast scheint es, als habe Swisscom sich mit der "Entbündelung", über die der Ständerat demnächst befinden muss, abgefunden und nehme die Entwicklung voraus. In der "liberalisierten" Telekommunikation bezahlen Konsumenten in Randregionen mehr als solche in Ballungszentren.
Swisscom-Sprecher Sepp Huber begründet die Differenzierung der SDSL-Preise nach Region allerdings anders. Die Konkurrenz sei als "Rosinenpicker" vor allem in den Ballungszentren aktiv. Würde Swisscom einen flächendeckenden Mischpreis verrechnen, so wäre das Angebot in den Zentren nicht konkurrenzfähig, so Huber. Ausserdem seien die Gestehungskosten in den Zentren (kurze Wege etc.) günstiger, argumentiert Swisscom. Tatsächlich hat Swisscom bereits bisher für Mietleitungen, die ab diesem Sommer vor allem durch SDSL-Verbindungen abgelöst werden, je nach Region ganz unterschiedliche Preise verrechnet.
Hubers Argumentation ist die innere Logik nicht abzusprechen. Trotzdem dürfte sich die helvetische Telekommunikations-Geldmaschine Swisscom bei den Ständeräten aus den Randregionen keine neuen Freunde gemacht haben. Höhere Kommunikationskosten sind einer der vielen Standortnachteile der Randregionen. (Christoph Hugenschmidt)