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Eine
Tessiner Stuckatorenfamilie des 17. und 18. Jahrhunderts[1]
Castelli oder de Castello, wie der Name in lateinisch abgefassten Kirchenbüchern auch geschrieben wird, ist ein verbreiteter Familienname im südlichen Tessin und im angrenzenden Oberitalien. Verschiedene Familienstämme wirken als Baumeister und Stuckateure ausserhalb ihrer engeren Heimat. Die meisten der bekannten Meister stammen aus Bissone und Melide. Die beiden Dörfer am Luganersee sind noch im 18. Jahrhundert mit einer Fähre verbunden. Der wohl berühmteste des Familienstamms Castelli-Brumini aus Bissone ist Francesco Castelli (1599–1667), der in Rom unter dem Namen Borromini Architekturgeschichte schreibt. Die Stuckateure und Baumeister mit Namen Castelli oder Castello, die im Norden der Alpen erwähnt werden, stammen meist aus Melide. Sie sind alle hier geboren. Sofern sie nicht eine Stelle am Fürstenhof, eine Familiengründung oder dringende Winterarbeiten zum Bleiben veranlasst, halten sie sich vom November bis März in ihrer Heimat auf.
1572 in Melide geboren, ist er schon vor 1600 unter dem Namen Castello in Salzburg und wird als Nachfolger von Andrea Bertoletti Hofbaumeister des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau (1587–1612). In Zusammenarbeit mit Giacomo Bertoletti,[2] dem aus Verna im Val d'Intelvi stammenden Sohn des verstorbenen Andrea, baut und stuckiert er 1597–1602 die Gabrielskapelle im Sebastianfriedhof als Mausoleum des Erzbischofs und stattet 1602 mehrere Prunkräume im Piano Nobile der Neuen Residenz aus. Er stirbt mit kaum 30 Jahren in Salzburg. Die Brüder Giovanni Antonio und Pietro errichten ihm ein Epitaph, das als Todestag den 23. Dezember 1602 nennt.[3] Seine wenigen bekannten Arbeiten in Salzburg, vollplastische und eingefärbte, hervorragend gearbeitete Stuckaturen, die er zudem noch mit Farbglassplittern fasst, weisen bereits in den Frühbarock.[4]
Pius Bieri 2011
Benutzte Literatur:
Döry, Ludwig Baron, Die Tätigkeit italienischer Stuckateure 1650–1750 im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland mit Ausnahme von Altbayern, Schwaben und der Oberpfalz, in: Arte e artisti dei laghi lombardi, Como 1964.
Koller, Manfred: Zur Herkunft der um 1600 in Salzburg tätigen Stukkateure, in: Barockberichte, Heft 5 und 6, Salzburg 1992.
Markl, Maria Hofmann und Maria Theresia: Castello, Elia, in Artisti Italiani Austria, 2005/2007 (siehe Weblink).
Links:
Historisches Lexikon de Schweiz.
Artisti Italiani Austria.
Anmerkungen:
[2] Giacomo Bertoletti ist einziger Sohn des 1596 verstorbenen Andrea. Er ist Schwager von Santino Solari, dem Salzburger Dombaumeister. Die Stuckateure aus dem nahe am Luganersee, aber bereits im Herzogtum Mailand gelegenen Val d'Intelvi kommen vor allem durch die Mitglieder der Familie Carlone zu grosser Berühmtheit.
[3] Die Erstellung erfolgt vielleicht im Winter 1604, wo Giovanni Antonio in Salzburg als unehelicher Vater eines Kindes eingetragen wird.
[4] Die Stuckmasse ist, typisch für die Castelli-Werkstatt, eine Dolomitkalk-Alabasterkorn-Mischung. Siehe zur Technik und auch zur Zerstörung durch (noch 1986) unsachgemässe Restaurierungen den Beitrag von Manfred Koller in: Barockberichte 5-6, Salzburg 1992. Ergänzend hält Oskar Emmenegger fest: «Es besteht noch immer die falsche Meinung, Stuck sei eine Masse aus Gips oder ein Gemisch aus Gips, Kalk und Sand. Die Stuckarbeiten der Comasken, Tessiner und Misoxer des 16., 17. und frühen 18. Jahrhunderts bestehen ausnahmslos nur aus Sumpfkalk und Sand». (Oskar Emmenegger, Roland Böhmer: Misoxer Baumeister, Zizers 2000)
|Elia Castello (1572–1602)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|1572||Melide||Tessin CH|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Eidgenössische Vogtei Lugano||Como|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|23. Dezember 1602||Salzburg||Salzburg A|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Fürstbistum Salzburg||Salzburg|
|Kurzbiografie|
|Elia Castello, wie er sich als Salzburger Hofbaumeister selbst nennt, stammt aus der weitverzweigten Baumeister- und Stuckateurensippe der Castelli. Der berühmteste ist der Wegbereiter des kurvierten Barock, Francesco Castelli detto Borromini. Dieser wird allerdings erst geboren, als Elia schon in Salzburg tätig ist. Obwohl er nur wenige Jahre dort tätig sein kann, hinterlässt er ein bemerkenswertes architektonisches und stuckplastisches Erbe, das schon in den Frühbarock weist. Die prachtvollen Stuckaturen der Salzburger Residenz in den Räumen um den Innenhof sprechen für sich.|