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Die Affiche hätte eine volle Rod Laver Arena verdient gehabt, denn ab dem dritten Satz wurden die beiden Gladiatoren den Vorschuss-Lorbeeren voll und ganz gerecht. Tsitsipas, der in Melbourne mit seiner grossen Exil-Griechen-Gemeinde sowieso ein Publikumsliebling ist, hatte die ersten beiden Sätze völlig verschlafen.
Im Gegensatz zum letzten French Open, als er im Halbfinal gegen Novak Djokovic ebenfalls einen 0:2-Satzrückstand wettgemacht hatte, dann aber mit physischen Problemen eingebrochen war, zog er den Steigerungslauf diesmal durch. Nach 4:08 Stunden war es nicht der erfahrene Nadal, sondern der 22-jährige Tsitsipas, der mit einem spektakulären Rückhand-Winner zum 3:6, 2:6, 7:6 (7:4), 6:4, 7:5 den Sieg perfekt machte.
Ab dem dritten Durchgang war der zwölf Jahre ältere Spanier fast konstant in der Defensive. Der Aufschlag von Tsitsipas funktionierte plötzlich besser, und selbst in den langen Grundlinienduellen hielt er mehr als nur mit. «Er hat ab dem dritten Satz einen Sprung gemacht und auf sehr hohem Niveau gespielt», meinte Nadal anerkennend. «Das musst du auch erwarten von den Besten der Welt.» Er ärgerte sich lediglich etwas über einige unnötige Fehler zu Beginn des dritten Satzes und im Tiebreak. «Es war hart und eng, aber so ist Tennis.» Physisch habe er sich aber bis zum Schluss okay gefühlt, die Rückenprobleme, die ihn zu Beginn des Turniers noch geplagt hatten, seien kein Thema mehr.
Dennoch verlor er erst zum dritten Mal in seiner langen Karriere - nach dem Miami-Final 2005 gegen Roger Federer und der Partie am US Open 2015 gegen Fabio Fognini - eine Partie nach einer 2:0-Satzführung. Und er muss mindestens bis zum French Open warten, ehe er den Schweizer mit einem 21. Grand-Slam-Triumph überholen kann.
Spielen, nicht denken
Tsitsipas hingegen steht zum dritten Mal in seiner noch jungen Karriere in einem Grand-Slam-Halbfinal - nach dem Australian Open 2019 und dem French Open im letzten Herbst. Er habe nicht viel nachgedacht, erklärte der Grieche danach. «Spielen, nicht denken. Fast ein wenig wie im Nirwana.» Taktisch habe er ein wenig umgestellt und sich im dritten Satz etwas mehr Zeit genommen. Und vielleicht entscheidend: «Dieser Court weckt bei mir einfach sehr gute Emotionen.» Selbst ohne Zuschauer.
Für den Halbfinal am Freitag wird die Rod Laver Arena bis zur Hälfte gefüllt sein. Unterstützung wird Tsitsipas gegen Daniil Medwedew mit Sicherheit nötig haben. Dieser wahrte die russische Hierarchie mit einem 7:5, 6:3, 6:2-Sieg im Duell gegen Andrej Rublew (ATP 8).
Der Masters-Champion vom letzten November steht wie Tsitsipas zum dritten Mal nach dem US Open 2019 und 2020 in einem Grand-Slam-Halbfinal und wird am Montag neu die Nummer 3 der Weltrangliste sein. Medwedew ist der Mann der letzten Monate. Nach Turniersiegen in Paris-Bercy, bei den ATP Finals in London und - zusammen mit Rublew - dem ATP Cup ist er seit 19 Spielen ungeschlagen.