Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03560.jsonl.gz/1140

Seit Jahren behauptet die Wolfslobby, dass die meisten Schafe während der Sömmerung an Krankheiten und nicht durch Wölfe sterben. Diese Falschmeldung basiert auf der Fehlinterpretation einer Studie aus dem Jahr 2011 (Werder 2012). Wir haben darüber berichtet. Nun versuchen die Wolfsbefürworter, ihre Behauptung mit Daten aus der Tierverkehrsdatenbank (kurz TVD) zu untermauern, und verbreiten über die Medien, dass fünfmal mehr Schafe an Krankheiten etc. sterben als durch Wölfe. Was ist davon zu halten?
Nichts, es ist falsch. Die fachlich korrekte Auswertung und Interpretation der TVD-Zahlen zur Schafsömmerung für die Jahre 2020 bis 2023 zeigt, dass gesamtschweizerisch während der Sömmerung im Durchschnitt 4.6-mal mehr Schafe durch Wölfe als durch Krankheiten etc.verloren gehen. Pikanterweise führt auch eben gerade die obgenannte Studie von Werder zu diesem Schluss. Die von den NGO’s gesponserte Studie wird für sie zum Bumerang.
Welche TVD-Zahlen sind zur Schafsömmerung verfügbar?
Identitas betreibt die TVD im Auftrag des Bundes und erhebt seit 2020 auch Daten zu den Kleinwiederkäuern. Bei der Schafsömmerung wird beispielsweise erfasst, wie viele Schafe gesömmert werden und wie viele von ihnen während der Sömmerung verloren gehen. Die Verluste werden ohne Angabe der Ursache erfasst, d.h., aus den TVD Daten geht nicht hervor, warum ein Schaf auf der Alp verloren ging. Die Zahl ist lediglich die Summe der durch Wölfe und der durch Krankheiten etc. verlorenen Schafe.
Was sagen uns die TVD Zahlen?
Aus den beiden TVD-Werten – Anzahl gesömmerte Schafe und Anzahl Verluste – kann der jährliche Prozentsatz zu den Verlusten berechnet werden, siehe zweite Spalte der folgenden Tabelle 1. Dieser Prozentsatz liegt zwischen 3.1 und 3.81, und ist deutlich höher, als derjenige, den eine Studie aus dem Jahr 2011 gefunden hat (Werder 2012) . Werder kam zum Ergebnis, dass die Verluste auf unter ein Prozent sinken, wenn nur noch gesunde und fitte Schafe aufgetrieben werden, was heutzutage der Fall ist. Wir haben darüber berichtet, und gezeigt, dass ein Verlust von 0.6% heutzutage plausibel ist.
Im folgenden gehen wir davon aus, dass jedes Jahr 0.6% der gesömmerten Schafe wegen Krankheit etc. verloren gehen. Die Prozentualen Verluste durch Wölfe sind die Differenz zwischen den Werten der zweiten und der dritten Spalte. Teilt man den Prozentsatz des durch Wölfe verursachten Verlustes durch denjenigen durch Krankheit etc., so ergibt sich ein Quotient. Dieser gibt an, wieviel mal mehr Schafe während der Sömmerung pro Jahr verloren gehen, weil sie von Wölfen angegriffen werden.
2020 bis 2023 gingen in der Schweiz durschnittlich 4.6-mal mehr Schafe während der Sömmerung durch Wölfe verloren als durch Krankheiten etc.
Eine alternativen Herleitung, d.h. ohne Verwendung der TVD, ergab einen ähnlich hohen Wert, nämlich 4, siehe hier.
Im weiteren kann mit den Zahlen aus Tabelle 1 bestimmt werden, um welchen Faktor die effektiven Risszahlen höher liegen, als sie in der offiziellen Risstatistik ausgewiesen sind. Beispielsweise wurden in der offiziellen Rissstatistik von 2020 922 Risse publiziert, was 0.55 % Verlust durch Wölfe entspricht. Dividiert man den tatsächlich durch Wölfe verursachten Prozentsatz (siehe Werte V2 in Tabelle 1) durch den offiziellen Prozentsatz, so ergibt sich im Mittel der letzten vier Jahre ein Wert von 4.5.
Die effektiv von Wölfen verursachten Verluste sind im Schnitt 4.5-mal höher, als es die Behörden in der offiziellen Rissstatistik publizieren.
Die in der Statistik unterschlagenen Risse sind somit weitaus höher, als wir bisher angenommen haben. Warum das so ist, erläutern wir weiter unten.
Fazit
Den volkswirtschaftlichen Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe und dem grossen Leid von Menschen und Tieren steht kein einziger Vorteil gegenüber. Die Wolfslobby hat keine Fakten, Zahlen oder wissenschaftliche Beweise vorzuweisen, um den von ihnen behaupteten Nutzen der Wölfe in unserer Kulturlandschaft zu belegen. Es werden immerzu nur vage Behauptungen zur angeblichen Waldverjüngung, Erhöhung der Biodiversität oder Verbesserung der Wildtiergesundheit in die Welt gesetzt. Der Grund dafür ist: Es existieren keine wissenschaftlichen Beweise für die angeblichen Vorteile, und daher auch keine Zahlen! Wir haben die Fakten und Zahlen: Während der Sömmerung sterben 4.6-mal mehr Schafe, als wenn die Alpen wolflos wären. Die Wölfe massakrieren gesunde und fitte Schafe, und durch die Wolfshetzereien werden zusätzlich mehrere tausend Schafe traumatisiert und ihre Gesundheit geschädigt. Es gibt daher nur eine akzeptable Lösung:
Null Wölfe – Null Wolfsrisse –
4.6 mal weniger verlorene Schafe während der Sömmerung.
Besonders stossend: Seit Jahrzehnten bleiben die Schafhalter auf dem Grossteil der durch Wölfe verursachten Schäden sitzen. Auf einen anerkannten und damit entschädigten Riss kommen 3.5 Schafe, die nicht entschädigt werden, obwohl sie durch Wölfe während der Sömmerung verloren gingen! Der Staat spart sich durch den „Rissbschiss“ viel Geld und vertuscht das wahre Ausmass der Tierquälereien.
Wann handelt die Bauernlobby und beendet diese Menschen und Haustiere verachtenden Missstände? Wenn sie es wollen, können sie mit Hilfe der Bürgerlichen Mehrheit im Parlament den Schlamassel umgehend stoppen.
Warum sind die effektiven Risszahlen 4.5-mal höher, als es die Behörden in der offiziellen Rissstatistik publizieren?
Studien aus Frankreich haben gezeigt, dass nach einem Wolfsangriff je nach Terrain-Eigenschaften auf jeden gefundenen Riss zwischen 40 und 67% mehr Schafe dazukommen, die wegen dem Angriff verloren gingen (Seim 2001, Bacha et al 2007). Das entspricht einem Faktor von 1.4 bis 1.6. Dass sich mit unseren Berechnungen gegenüber den offiziellen Risszahlen ein Faktor von 4.5 ergibt, dürfte folgende Gründe haben:
1. Das Gelände der Schweizer Alpen ist vermutlich steiler bzw. gefährlicher, als das von den Franzosen untersuchte. Folglich gehen hier viel mehr Schafe verloren, wenn sie von Wölfen gehetzt werden.
2. In der Schweizer Rissstatistik bleiben nicht nur die nach einer Wolfshetze vermissten Tiere unberücksichtigt. Es werden auch viele weitere durch Wölfe verursachte Verluste nicht erfasst. Dazu gehören Risse ohne Ohrmarke, nicht gemeldete Risse, stark verweste oder genutzte Kadaver, verlorene Schafe nach Wolfsangriffen, die nicht als solche erkennbar waren 1), sowie alle falsch beurteilten Risse, für die fälschlicherweise Hunde oder Füchse verantwortlich gemacht wurden.
3. Wegen den Wölfen werden gealpte Schafe vermehrt in Nachtpferchen gehalten. Das führt zu einer Verschlechterung der Tiergesundheit und damit zu weiteren Verlusten. Stichworte: schlechter Ernährungszustand, Ansteckung mit Parasiten und Krankheiten wie Gemsblindheit, Lippengrind oder Klauenkrankheiten wie Moderhinke, Panaritien etc.
1) Wir gehen davon aus, dass sehr viele Schafe abstürzen und verloren gehen, weil sie zuvor von Wölfen gehetzt wurden, ohne dass der Angriff bemerkt wurde, weil kein gerissenes bzw. gebissenes Schaf gefunden wurde. Solche „bissfreien“ Verluste werden dann nicht den Wölfen zugeschrieben, sondern anderen Ursachen, wie einem Steinschlag etc.
Als Beispiel sei der Fall in der Surselva erwähnt. Der Absturz von 70 Schafen bzw. der Tod von 43 Schafen wurde von den Behörden offiziell nicht den dort anwesenden Wölfen zugeschrieben. Denn keines der abgestürzten Schafe wies Bisswunden auf. Wir sind uns aber sicher, dass Wölfe die Schafe in den Abgrund getrieben haben und dass die Behörden davon wissen. Unter anderem, weil zwei Wölfe des dort ansässigen Stagias-Rudels damals besendert waren. Dass sie Bescheid wussten, zeigt auch die Reaktion der Behörden: sie entschädigten die Tierhalter vollumfänglich für die Verluste, wie es bei Wolfsschäden üblich ist.
Referenzen
Bacha, S., Bataille, J.-F., and Garde, L. (2007), Indemnisation des pertes et evaluation des couts reels. In: ‘Loup – Elevage: s’ouvrir a` la complexite ́’. Actes du seminaire des 15 et 16 juin 2006. (Ed. L. Garde.) pp. 150–161.
Seim V., (2001), Elevage ovin et grands carnivores en Norvège, Rencontre européenne des éleveurs victimes des prédateurs, Nice, 8 septembre 2001, p. 21-25.
Werder, C., (2012), Abgänge / Verluste von Schafen während der Sömmerung, Alpfutur