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26. April 1986, 01:24 Uhr – Super-GAU in Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl. Eine Explosion liess den Reaktor und das Gebäude bersten. Radioaktives Material flog buchstäblich in die Luft.
Mein letzter Bericht aus Tschernobyl ist dem Fotografen Igor Kostin gewidmet. Er schoss das erste Bild vom havarierten Reaktor in Block 4 des AKW. Kostin wurde am 26. April 1986 beim Mittagessen in Kiew von einem befreundeten Helikopterpiloten kontaktiert mit der Nachricht, dass in Tschernobyl ein grösserer Unfall passiert sein soll. Offizielle Nachrichten vom Unfall gab es zu diesem Zeitpunkt und noch tagelang nicht. Kostin flog mit dem Piloten zum AKW und schoss aus der Luft die ersten Bilder- ohne Genehmigung. Er erzählte nachher, dass beide Kameras nach einer Serie von Bildern ihren Dienst versagten. Ebenso seien alle Filme durch die Strahlung überbelichtet worden und die Abzüge waren darum schwarz bis auf ein einziges Bild (siehe rechts). Er sandte das Bild seiner Agentur Novosti, die es aber auf Weisung von oben 5 Tage nicht veröffentlichte, mit der Begründung, es sei illegal aufgenommen worden.
Kostin und der Pilot blieben von der Strahlung mehr oder weniger unversehrt. Er starb mit 76 Jahren 2015 bei einem Autounfall in Kiew.
Das Bild zeigt das zerstörte Reaktorgebäude. Man sieht das offene Dach und das in die Luft gesprengte Material rund um das Gebäude. Wie später ermittelt wurde, war es eine Explosion infolge Überdruck und keine Explosion aufgrund einer unkontrollierten Kettenreaktion wie bei einer Atombombe. Da wäre der Schaden wile grösser und vom AKW nichts mehr übrig gewesen. Die Explosion wurde durch eine Fehlmanipulation des Personals herbeigeführt, begünstigt durch die Konstruktionsart des Reaktors (Siedewasser-Druckröhrenreaktor RBMK-1000).
Der Beton, der Graphit im Reaktor, Stahlteile und sonstiges Zeugs wurden in die Luft geschleudert und teilweise pulverisiert. Der Staub wurde vom Wind in 1500 Meter Höhe bis über Weissrussland nach Skandinavien und später nach Mitteleuropa getragen. Die grösseren Brocken fiel rund um das Gelände herunter, sie wurden in den ersten Tagen durch die Feuerwehr zusammengeräumt und in das offene Reaktorloch geschmissen. Dabei verstrahlten sich 28 Feuerwehrleute, die innert weniger Tage starben. Weitere Todesopfer aufgrund der Verstrahlung gab es nicht, obwohl total bis 500’000 Arbeiter, sog. «Liquidatoren», in den Jahren nach dem Desaster das Gelände weiträumig (in der 30km-Zone) von Fallout befreiten. Über die Spätopfer der Verstrahlung weiss man nicht viel, bzw., wurde nie etwas Offizielles bekannt. Inoffizielle Schätzungen gehen von 3’000 Betroffenen aus.