Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/3922

Benjamin Engeli, Klavier
Paul K. Haug, Leitung
Programm
Jean Françaix
«Ouverture anacréontique»
Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 22 Es-Dur, KV 482
Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 94 G-Dur, Hob I:94
«Mit dem Paukenschlag»
Jean Françaix’ «Ouverture anacréontique» stammt aus dem Jahr 1978 und wurde am 22. Februar 1981 vom Westfälischen Sinfonieorchester Recklinghausen zu dessen 25-jährigem Bestehen uraufgeführt. Der Charakter der Ouvertüre entspricht dem Titel: Auf ihre fröhliche, galante Art ist sie ein vergleichsweise umfangreiches einsätziges Werk. In einer Anmerkung, die der Partitur angehängt ist, teilt der Komponist mit, er habe versucht, eine imaginäre Welt ohne Kriege darzustellen, in der alles zum Besten steht.
Schon seit frühester Kindheit lernte Wolfgang Amadeus Mozart virtuos mit dem Klavier umzugehen und hatte sich schnell zu einem ausgezeichneten Pianisten entwickelt. Es verwundert daher kaum, dass Mozarts Feder eine Fülle von Kompositionen für dieses Instrument hervorbrachte, darunter allein 27 Klavierkonzerte, die er grösstenteils für sich selbst schrieb. Das Klavierkonzert Nr. 22 in Es-Dur entstand während seiner Arbeit an «Le nozze di Figaro» im Dezember 1785 unter enormem Zeitdruck und wurde nur wenige Tage vor der Uraufführung fertiggestellt. Umso erstaunlicher sind daher die unerschöpfliche Fantasie und der besondere Nuancenreichtum, geprägt von einem meisterhaft ineinandergreifenden Wechselspiel zwischen Soloinstrument und Orchester.
Der grosse Paukenschlag in der friedlichen Klangwelt Joseph Haydns kommt nach sechzehn Takten leise säuselnder Dreiklangbehaglichkeit. Laut einer musikhistorischen Legende soll ihn Haydn in den langsamen zweiten Satz hineinkomponiert haben, um das träge Publikum aus seinem konzertanten Tiefschlaf zu wecken. Spottet er insgeheim über die musikalischen Belanglosigkeiten seiner frühklassisch-empfindsamen Kollegen? Oder tritt hier Haydns Selbstironie offen zutage? Als Komponist war er ein heimlicher Revolutionär: Sein Werk besitzt viel subversive Doppelbödigkeit, formale Komplexität und Geistesschärfe, mehr, als die Folgegeneration ihm vorerst zutraute.