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Der WM-Titel in der Königsklasse schien auch heuer für den Überflieger Marc Marquez reserviert. Der sechsfache MotoGP-Weltmeister stürzte jedoch gleich beim ersten Saisonrennen Mitte Juli in Jerez schwer. Der 27-jährige Spanier erlitt dabei einen Bruch des rechten Oberarms, der Komplikationen nach sich zog. An die Titelverteidigung war nicht zu denken, Marquez' Renncomeback wird erst 2021 erfolgen.
Das Vakuum an der MotoGP-Spitze schien umgehend durch Fabio Quartararo gefüllt zu werden. Der 21-jährige Youngster aus Nizza gewann auf brillante Weise die ersten beiden Saisonrennen in Andalusien. Nach drei von 14 Grands Prix lag er in der Gesamtwertung weit voraus, so auch um nicht weniger als 48 Punkte vor dem damaligen WM-14. und nachmaligen Überraschungs-Weltmeister Joan Mir. Dessen zwei Ausfälle - je einer in Jerez und Brünn - sollte jedoch die einzigen Fehltritte bleiben.
Sieben Podestplätze seit Mitte August
Ab Mitte August und dem 2. Rang in Spielberg, seiner ersten Top-3-Platzierung in der obersten WM-Kategorie, reihte der mit 181 cm verhältnismässig grosse und 69 kg schwere Mallorquiner Topleistung an Topleistung. Ganz anders der oft ungestüm wirkende Yamaha-Fahrer Quartararo, der ausser im September beim GP von Katalonien, welchen er gewann, nie mehr auf dem Podest stand. Mitte Oktober, nach dem zehnten Saisonrennen, übernahm der 23-jährige Mir dank des 3. Platzes in Aragonien erstmals die WM-Führung - und gab diese nicht mehr ab.
Vor Wochenfrist, beim ersten von zwei Grands Prix in Valencia, krönte er seine Erfolgsserie mit dem ersten MotoGP-Triumph. Angesichts der 37 Punkte Vorsprung auf die ersten Verfolger konnte sich Mir in der Reprise auf dem gleichen Circuit eine zu jeder Zeit kontrollierte Fahrt zu Platz 7 problemlos leisten. Umso mehr, als Quartararo erneut patzte und ausschied. Zudem kam auch Mirs Landsmann und Suzuki-Teamkollege Alex Rins (4. Platz) nie in die Nähe des Tagessiegs.
Diesen holte sich vielmehr Franco Morbidelli (Yamaha), womit er in der Gesamtwertung in den 2. Rang vorstiess. Doch der Italiener, 2017 vor Tom Lüthi Moto2-Weltmeister geworden und 2018 dessen MotoGP-Teamkollege bei Marc VDS, kann mit 29 Punkten Rückstand Mir nicht mehr einholen (142:171). Beim letzten Saisonrennen, dem Grand Prix von Portugal in Portimao, sind maximal noch 25 Zähler zu gewinnen.
«Weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll»
Mir ist seit 2012 und der Einführung der Moto3-Klasse der erste Fahrer, der nach dem Titel in der untersten auch denjenigen in der obersten WM-Kategorie holt. Einzig in seiner einzigen Moto2-Saison (2018) blieben dem Spanier grössere Erfolge verwehrt. Doch WM-Rang 6 mit 155 Punkten (bei vier Podestplätzen) reichten zum MotoGP-Aufstieg bei Suzuki. Dieses Vertrauen in seine Fähigkeiten zahlte Mir nun dem japanischen Hersteller im Übermass zurück. Vor 20 Jahren hatte Suzuki mit dem US-Amerikaner Kenny Roberts Junior den letzten Weltmeister in der Königsklasse des Motorradrennsports, die damals noch unter 500 ccm firmierte, gestellt.
Es sei unglaublich, so Mir wenige Minuten nach Ende des Rennens und nach der Ehrenrunde vor komplett leeren Zuschauertribünen, die ohne Corona-Pandemie von wohl über 100'000 Fans bevölkert gewesen wären. «Mir fehlen etwas die Worte, um meine Emotionen zu beschreiben. Für diesen Titel habe ich mein ganzes Leben gekämpft.» Er verspüre deshalb gemischte Gefühle, so der vom krassen Aussenseiter zum sensationellen Champion gereifte Mallorquiner: «Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich brauche noch etwas Zeit, um mir darüber klar zu werden.»