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In den vergangenen fünf Jahren wurden in der Schweiz jährlich zwischen rund 45'000 und fast 47'000 Tonnen PET in Umlauf gebracht. Über 80 Prozent dieser Menge wurde recycelt und unter anderem für Flaschen, Folien oder Textilien wiederverwendet.
Die Schweizer Verwertungsquote könne mit jener der umliegenden Länder mithalten oder sei sogar besser, sagt Stephanie Brauchli, Sprecherin von PET-Recycling Schweiz. Der Verein organisiert das PET-Recycling in der Schweiz; koordiniert beispielsweise die Sammelstellen und erhebt zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt Daten zum Recycling.
Das Problem unterschiedlicher Quoten
Die Effizienz von Recyclingsystemen kann länderübergreifend nur bedingt verglichen werden, da bei der Berechnung einzelner Quoten verschiedene Methoden angewendet werden. Wenn beim PET-Recycling in der Schweiz von einer Recyclingquote gesprochen wird, ist dabei die Verwertungsquote gemeint.
Die Verwertungsquote beschreibt das Verhältnis der in Verkehr gebrachten Gesamtmenge zur tatsächlich recycelten Materialmenge, also zur Menge des Rezyklats, welches zur erneuten Produktion von PET-Produkten verwendet werden kann.
Manche EU-Länder geben als Verwertungsquote die Sammelquote an. Das heisst, dass sie die in Verkehr gebrachte Menge mit der Menge des Sammelguts vergleichen. Je nach Sammelsystem, gewünschtem Sammelmaterial und Recyclingverfahren geht jedoch von der Sammlung bis zum fertigen Rezyklat über 10 Prozent Material verloren.
Eine weltweite Spitzenposition belege die Schweiz bei der Qualität und der Verwendung von recyceltem PET, dem sogenannten R-PET. So konnte im vergangenen Jahr der durchschnittliche Rezyklat-Anteil in Schweizer PET-Getränkeflaschen von rund 30 auf fast 40 Prozent gesteigert werden.
Bessere Qualität durch neues Verfahren
Massgeblich zur Steigerung des R-PET-Anteils in Schweizer Flaschen habe die Anlage der Poly Recycling AG im glarnerischen Bilten beigetragen, sagt Stephanie Brauchli. Die Anlage wurde im Frühjahr 2019 eröffnet und von den Betreibern als die modernste PET-Recycling-Anlage Europas bezeichnet.
Durch ein neues Verfahren habe die Qualität des Rezyklats verbessert werden können, sagt der Geschäftsführer der Poly Recycling AG, Casper van den Dungen. Unter anderem sei es gelungen, die Molekularstruktur des Rezyklats fast auf das Qualitätsniveau von Neumaterial zu bringen.
Während des Produktionsprozesses wird die Qualität des Granulats laufend überprüft. «Wir müssen für die Zukunft vorbereitet sein», sagt Van den Dungen. Durch mehrfaches recyceln könnten sich minimale Abweichungen im Material summieren, was dazu führen kann, dass die für Lebensmittelverpackungen erforderliche Qualität nicht mehr erreicht wird.
Für jede Farbe einen eigenen Kreislauf
Vor der Anlage der Firma Polyrecycling AG in Bilten türmen sich Ballen aus gepressten PET-Flaschen. Diese wurden in einem von drei Sortierzentren in der Schweiz kontrolliert und nach Farben sortiert. «Wir haben letztes Jahr damit begonnen, für jede Farbe einen eigenen Kreislauf aufzubauen», sagt Casper van den Dungen. Denn aus einer grünen oder einer braunen Flasche könne keine klare Flasche produziert werden.
Die Flaschen werden mit einem Förderband in die Recyclinganlage geführt und erneut auf Verunreinigungen und Fremdstoffe kontrolliert. So werden beispielsweise Aludosen oder Flaschen, welche nicht aus PET bestehen, aussortiert.
Anschliessend entfernt eine Maschine die Etiketten, welche aus einem Materialmix bestehen. Dieser kann derzeit noch nicht wiederverwertet werden und wird der Abfallverbrennung zugeführt.
Zusammen mit den farbigen Deckeln gelangen die Flaschen in eine Mühle, welche das Material zu sogenannten Flakes zerkleinert. Ein Wasserbad sorgt dann dafür, dass die Flaschenteilchen von den Deckelteilchen getrennt werden.
Da die Deckel aus Polyethylen bestehen und leichter sind als die PET-Teilchen, schwimmen sie auf der Wasseroberfläche, werden dort abgeschöpft und separat recycelt.
Die PET-Flakes werden nach dem Wasserbad getrocknet, erneut auf Verunreinigungen kontrolliert und anschliessend eingeschmolzen. Aus dem geschmolzenen Material wird schliesslich das Granulat gepresst. Dieses dient als Ausgangsmaterial für verschiedene PET-Produkte.
PET-Kreislauf weiter ausbauen
Technische Neuerungen in den Recyclinganlagen führen dazu, dass der PET-Recycling-Kreislauf in der Schweiz weiter optimiert wird. Gemäss Stephanie Brauchli vom Verein PET-Recycling Schweiz soll auch das Sammelstellennetz weiter ausgebaut werden. «Wir wollen es der Bevölkerung noch einfacher machen, dass sie ihre Flaschen korrekt entsorgen können», so Brauchli.
Schweizer PET-Recycling in Zahlen
- Gemäss PET-Recycling Schweiz werden hierzulande jedes Jahr 1,6 Milliarden PET-Flaschen abgefüllt.
- Die Verwertungsquote lag in den vergangenen Jahren konstant bei 82 oder 83 Prozent. Das heisst, dass rund vier von fünf Flaschen wiederverwertet werden.
- Für die Entsorgung gibt es schweizweit über 56'000 Sammelstellen.
- Der Anteil von recyceltem PET in Schweizer Flaschen liegt derzeit bei durchschnittlich fast 40 Prozent.
- 2019 kam die erste PET-Flasche auf den Markt, welche zu 100 Prozent aus Schweizer Recycling-PET besteht.
Dass der Recycling-Kreislauf beim PET dereinst vollständig geschlossen werden kann, und jede PET-Flasche zu 100 Prozent aus recyceltem Material besteht, sei jedoch utopisch. «Dazu bräuchten wir eine Sammelquote von 100 Prozent. Doch bei der Verarbeitung werden wir immer Verluste haben», sagt Brauchli. Ein realistisches Ziel sei, dass jede in der Schweiz produzierte PET-Flasche zu 60 Prozent aus wiederverwertetem Material besteht.
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