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Die Kupferstecher und Lithografen Brupbacher in Wädenswil
Quelle: «Allgemeiner Anzeiger vom Zürichsee», 30. Oktober 1962 von Peter Ziegler
Die Kupferstecher und Lithographen Brupbacher beim «Hirschen»
Verwandte der Petschaftstecher und Graveure Brupbacher, welche auf dem «Buck» in Wädenswil arbeiteten, betätigten sich ebenfalls im Kunsthandwerk und wurden im 18. Jahrhundert als Zeichner und Kupferstecher und im 19. Jahrhundert als Lithographen über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt.
Die Stammlinie der Kupferstecher und Lithographen, welche seit der Mitte des 18. Jahrhunderts beim «Hirschen» in Wädenswil sesshaft waren, führt in der Ahnenreihe auf den 1674 geborenen Wachtmeister und Petschaftstecher Heinrich Brupbacher auf dem «Buck» zurück − der auch Stammvater der Graveure ist − und gliedert sich wie folgt:
Stammtafel Brupbacher.
Am 30. Mai 1759 verkaufte Leutnant Heinrich Schneider beim «Hirschen» dem Heinrich Brupbacher ab dem «Buck» ein mit einer Mauer umgebenes Stücklein Ausgelände «bey dem Hirzen» im Dorf Wädenswil, genannt «Raspermund» (Grundprotokoll 1759, S. 452). Auf diesem Grundstück, das auf drei Seiten an die Landstrasse und auf der vierten Seite an Färber Hans Eschmanns Behausung grenzte, baute Heinrich Brupbacher in der Folge ein eigenes, 36 Schuh langes, 34 Schuh breites und 41 Schuh hohes Haus. Am 22. März 1791 teilten die Söhne Johannes und Hans Heinrich Brupbacher, im Einverständnis ihres Vaters, dessen Vermögen an liegendem und fahrendem Gut. Sie kauften die fünf Schwestern aus und übernahmen dann ausser der Liegenschaft beim «Hirschen» (heutiges Haus Gerbestrasse 9 in der Ecke Schönenbergstrasse/Gerbestrasse) auch des Vaters Kramwaren und alle Aktiv- und Passivschulden.
Heinrich Brupbacher (1758–1835)
Der jüngere Sohn, Heinrich Brupbacher-Knabenhans, schuf sich als Zeichner, Schrift- und Kupferstecher einen bedeutenden Namen; er galt als einer der besten Schriftstecher der damaligen Zeit. In seiner Wohnung neben dem Gasthof zum Hirschen unterhielt Brupbacher einen kleinen Kunsthandel mit Verlag.
Haus Gerbestrasse 9, Sitz der Kupferstecher Brupbacher.
Er gab Schreibvorlagen, Umrisszeichungen und Landkärtchen heraus und Formulare aller Art, so etwa Taufscheine, Lehrlingsatteste und Zeugnisse. 1789 veröffentlichte er ein von ihm gestochenes Schreibvorlagebuch der Schreiblehrer J. J. und J. R. Roschli an der Kunstschule in Bern. Es besteht aus 42 Blättern und trägt den Titel «Vorschrift zum Nutzen der Bernischen Jugend, verfertigt durch Joh. Jac. Roschli, Schreibmeister an der Kunstschule Bern, gegraben durch Heinrich Brupbacher 1789». Vorübergehend war Brupbacher auch in Luzern als Medailleur tätig. 1793 und in den folgenden Jahren stach er eine «Karte des Zürichsees mit allen seinen Angrenzungen in seiner natürlichen Lage» und eine Reihe von farbigen Radierungen und Aquarellen von Zürichsee-Dörfern. Die aus 27 Blättern bestehende Serie von Zürichsee-Stichen verfertigte Brupbacher im Auftrag des Zürcher Verlegers Johannes Hofmeister (1721–1800). Die Stiche tragen daher den Vermerk «Cura Hofmeisterj, gravé par H. Brupbacher».
Heinrich Brupbacher: Blumen, 1830.
Heinrich Brupbacher, Formulare, zum Beispiel für Taufbriefe.
Heinrich Brupbacher: Gesellenbrief für einen Schreiner und Schiffer, 1789.
Schriftenbuch von J.J. Roschi mit Illustration von Heinrich Brupbacher.
Heinrich Brupbacher: Kupferstich von Uetikon 1794, das damals noch zur Landvogtei Wädenswil gehörte.
Hans Jakob Brupbacher-Blattmann (1792–1831)
Der älteste Sohn des Kupferstechers Heinrich Brupbacher, Hans Jakob, eröffnete im Jahre 1817 in seinem Haus unterhalb dem «Hirschen» eine Steindruckerei: die erste lithographische Anstalt im Kanton Zürich. Das Material und besonders die Steine stammten offenbar von Andreas Pecht, einem Bayern, der Anfang April 1815 seine bisher in Konstanz betriebene Steindruckerei nach Zürich und im Sommer des selben Jahres nach Wädenswil verlegt hatte, im Herbst 1815 aber wieder nach Konstanz zog, weil man seine lithographierten Kunstblätter − besonders die vier Ansichten vom Rigi-Kulm − in Wädenswil abgelehnt hatte.
Sittenrichter und Schulpfleger Hans Jakob Brupbachers Lithographie-Anstalt beim «Hirschen» erfreute sich wachsenden Zuspruchs. Der Unternehmer profitierte von der politischen Bewegung seiner Zeit und druckte Aufrufe, Petitionen und Erinnerungsblätter, so etwa ein Erinnerungsblatt an die grosse Teuerung und Hungersnot von 1816/17 oder den von Streuli, Steffan, Pfenninger und Billeter unterzeichneten Aufruf an die «lieben Cantonsmitbürger», datiert vom 25. Januar 1831. Brupbacher lithographierte auch Bildnisse, wie 1825 dasjenige des Wädenswiler Pfarrers Paul Philipp Bruch.
Hans Jakob Brupbacher: Porträt von Pfarrer Paul Philipp Bruch.
Die leistungsfähige Steindruckerei besorgte so dann Buchillustrationen und Titelblätter. Bekannt ist das Titelblatt zu Dr. J. H. Zuppingers «Leben, Taten und Schicksale Napoleon Bonapartes», zu einem Werk, das der Wädenswiler Zuppinger um 1827 bei Abraham Keller in Ebnat drucken liess. Aus der Wädenswiler Verlagsanstalt beim «Hirschen» gingen aber auch literarische Erzeugnisse hervor, so das Festgedicht für den Sängerverein am Zürichsee aus dem Jahre 1826 von J. J. Reithard, das Pfarrer Hans Rudolf Wirz, ohne Befragen des Verfassers, in 400 Abzügen hatte herstellen lassen. In der Folge verlegte sich Brupbacher mehr auf Kunstblätter und Akzidenzarbeiten. Ein bekanntes Blatt ist die von Gottlob Werner für seinen Verlag bei Brupbacher lithographierte «Landesversammlung Uster am 22. November 1830».
Hans Jakob Brupbacher: Ustertag von 1830.
Graveur Johann Jakob Brupbacher zur «Harmonie» war anscheinend an der Lithographie-Anstalt beim «Hirschen» beteiligt. An den Messen zu Zürich war er der Vertreter der «Lithographischen Anstalt», deren Musterbuch beispielsweise 1828 bei ihm auflag.
Johannes Brupbacher-Isler (1794–1859)
Seit dem Jahre 1832 gehörte die Liegenschaft unterhalb dem «Hirschen» welche jetzt die heutigen Wohnhäuser Ass.-Nr. 469 und 470 umfasste, dem Lithographen Johannes Brupbacher-Isler. Seine Lithographie-Anstalt wurde nach und nach konkurrenziert durch den Lithographen Allamand, der in den 1830er Jahren in Wädenswil eine Steindruckerei mit Verlag betrieb, und durch Robert Hermann (1818–1889), der um 1838 in Wädenswil eine Lithographie eröffnete. Johannes Brupbacher konnte sich jedoch erfolgreich behaupten und sein Geschäft dem Sohne
Johannes Brupbacher-Blattmann (1824–1867)
vererben. Dieser Jean Brupbacher, der an der Industrie- und Gewerbeausstellung vom 8. bis 22. Oktober 1865 im Dorfschulhaus sein Können mit «einem Tableau und einem Haargemälde» dokumentierte, war der letzte Lithograph aus dem Geschlechte der Brupbacher. Die Witwe Elisabeth Henriette Brupbacher, geborene Blattmann, verkaufte die lithographische Anstalt im Jahre 1867 an J. C. Brack, der sie kurz darauf, 1868, dem Lithographen Robert Hermann veräusserte.
Die Graveure Brupbacher zum «Holderbaum»
Mit den Graveuren auf dem «Buck» und den Lithographen beim «Hirschen» waren die Graveure Hans Heinrich Brupbacher-Alder (1783–1862) und Sohn Johann Jakob Karl verwandt, wie die folgende Stammlinie zeigt:
Stammtafel 2 Brupbacher.
Haus Holderbaum an der Eintrachtstrasse. Sitz der Graveure Brupbacher.
Graveur Heinrich Brupbacher-Alder
Brupbacher und Sohn waren ihrer exakten Arbeiten wegen ebenfalls weit über die Grenzen von Wädenswil hinaus bekannt. Sie empfahlen sich für alle Graveurarbeiten, nämlich für Gravuren in Gold, Silber, Stahl, Metall; für Siegel, Familienwappen, Handlungsstempel, Phantasiepetschaften; für Namen, Wappen und Schriften auf goldene Ringe oder Silbergeschirre. Unter den vielen hundert heute noch erhaltenen Siegelabdrücken aus der Werkstätte von Heinrich Brupbacher und Sohn zum «Holderbaum» finden sich Arbeiten, die angesehene Persönlichkeiten in Auftrag gaben, etwa Kantonsrat Blattmann zur «Hoffnung» in Wädenswil, Oberst Orelli in Zürich oder Oberst von Planta in Reichenau bei Chur. Man bediente aber nicht nur Private; man belieferte, wie die Graveure Brupbacher auf dem «Buck», auch Behörden, Militärstellen, Postämter und die aufkommenden Industriebetriebe, etwa Steiner & Gessner in Wädenswil, die Spinnerei an der Lorze, die Glashütte Landquart und unter den Gesellschaften die «Heilquellen-Gesellschaft St. Moritz».
Organisation des Betriebs
Von der Organisation des Betriebes im «Holderbaum» zeugen verschiedene Siegel-Musterbüchlein und die mit Einlegearbeiten verzierte grosse Schatulle für die Siegelkartons. An Werkzeugen und Material sind ausser Rohmessing, das die Brupbacher von Wieland &. Co. in Ulm bezogen hatten, vorhanden: viele Punzen, eine Goldwaage mit Gewichtsatz, ein einklappbarer Massstab mit Zentimeter- und Zolleinteilung, ein dreiteiliges, 20 Zentimeter langes Fernröhrchen, ein Kübelchen mit zylinderförmig ineinandergepassten Gewichten. In Wappenbüchern hielt man die einzelnen Wappenunterlagen fest; über den Verkehr mit der weit verzweigten Kundschaft des In- und Auslands schufen sich Brupbacher und Sohn im sauber angelegten Kassabuch, erhalten für die Jahre 1840 bis 1861, Klarheit.
Karl Brupbacher-Hauser (1813–1883)
Der 1813 geborene Karl Brupbacher, der mit seinem Vater Hans Heinrich zusammen die vielen Petschaften schuf, war mit Louise Caroline Hauser zum «Freihof» verheiratet. In späteren Jahren gab er den Beruf des Graveurs, der ihn nie ganz befriedigt hatte, auf. Im väterlichen Hause zum «Holderbaum» an der Eintrachtstrasse betrieb er fortan eine Eisenwarenhandlung en gros. Daneben führte er die Buchhaltung der Sparkassagesellschaft, deren Büro im «Holderbaum» installiert war.
Karl Brupbacher war ein begeisterter Militär. Seine Laufbahn führte ihn bis zum Obersten. Er avancierte 1834 zum zweiten Unterleutnant der Infanterie, 1836 zum ersten Unterleutnant, 1839 zum Oberleutnant, 1840 zum Aide-Major, 1843 zum Hauptmann der Auszüger Infanterie, 1847 zum Major und 1848 zum Oberstleutnant.