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Als einer der verkehrsreichsten Ströme der Welt unterliegt der Rhein zahlreichen Nutzungen wie z.B. Trinkwassergewinnung, Wasserkraftproduktion, Kühlwassergewinnung etc. Mit dem WWF-Projekt Lachs Comeback soll der Lachs in den Rhein zurückkehren.
Einzugsgebiet
Der Rhein ist ein 1230 km langer Strom, welcher am Vorderrhein beim Tomasee im Kanton Graubünden entspringt, die Schweiz in Basel verlässt, dann auf dem Staatsgebiet von Deutschland, Frankreich sowie den Niederlanden fliesst, wo er in Rotterdam in die Nordsee mündet. Ab dem Zusammenfluss der beiden Quellflüsse Vorderrhein und Hinterrhein wird der Rhein in die Abschnitte Alpenrhein, Bodensee, Hochrhein, Oberrhein, Mittelrhein, Niederrhein und Deltarhein gegliedert. In der Schweiz durchfliesst er auf einer Länge von 376 km die Kantone Graubünden, St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Zürich, Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt. Bedeutende Zuflüsse des Hochrheins zwischen Bodensee und Basel sind die Thur, Töss, Aare, Birs und Wiese. Mit allen Nebenflüssen hat der Rhein in der Schweiz ein Einzugsgebiet von 36'500 km².
Wirtschaftliche Bedeutung und Nutzung
Viele Städte nutzen das Rheinwasser zur Trinkwassergewinnung. Der Weinanbau ist ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Die Kraftwerke Hinterrhein und Vorderrhein produzieren mit Speicherseen elektrischen Strom, und am Hochrhein zwischen Bodensee und Basel werden elf Wasserkraftwerke betrieben. Die Kernkraftwerke Beznau und Leibstadt erwärmen mit dem Kühlwasser die Wassertemperatur des Rheins. Zudem ist der Rhein von der Mündung bis Basel schiffbar. Für die Chemie, die Kunststoffindustrie und die Ölraffinerien werden so Kohle und Erdölprodukte transportiert. Die Schweizerischen Rheinhäfen in Basel sind wichtigster Ort für den In- und Export der Schweiz.
Gewässerstruktur und Ufervegetation
Die Kanalisierung des Rheins auf grossen Abschnitten im 19./20. Jhd. hat erhebliche Auswirkungen auf die Ökologie des Flusses. Verbaute Ufer, eingeschränkte Überflutungsdynamik sowie die unzureichende Vernetzung zwischen Rhein und den verbliebenen Rheinauen führen dazu, dass Lebensräume vieler Auenarten und Aufwuchshabitate für Brütlinge und Jungfische verloren gegangen sind.
Die Ufer des Hochrheins sind natürlicherweise überwiegend steil, deshalb entwickelten sich hier nie ausgeprägte Begleitauen. Auenwälder existieren noch unterhalb von Diessenhofen und in den Auengebieten von nationaler Bedeutung bei den Mündungen der Biber, der Thur und der Töss. Von Naturufern gesäumte, frei fliessende Abschnitte bestehen zwischen Bodensee und der Aaremündung. Unterhalb Rheinfelden ist der Fluss weitgehend kanalisiert. Der Hochrhein ist aufgrund der Stauwehre geprägt durch reduzierte Fliessgeschwindigkeiten. Der Feststofftransport ist deshalb beeinträchtigt, und damit die Flussdynamik reduziert. Zehn der elf Kraftwerke am Hochrhein verfügen über Fischaufstiegshilfen, bei einigen Anlagen besteht jedoch noch Sanierungsbedarf. Flussabwärts sind sie aufgrund fehlender Fischabstiegsanlagen für Fische nur bedingt passierbar.
Fischfauna
Vor der Regulierung durch die Stauwehre konnte der Hochrhein vom Bodensee bis zur Aare-Mündung der Äschenregion zugeordnet werden, flussabwärts bis Basel zur Äschen-Barben-Übergangsregion.
Die Fischfauna des Hochrheins unterhalb des Bodensees wird durch Querbauten und die Staubereiche der Flusskraftwerke in mehrere Teilpopulationen zergliedert, wobei nur ein eingeschränkter Austausch möglich ist. Auf den längeren, naturnahen Abschnitten zwischen Bodensee und Aaremündung finden sich wichtige Lebensräume für bedrohte Fischarten wie Groppe, Äsche, Barbe, Nase, Schneider, Strömer und Trüsche. Auf diesen Strecken gibt es heute noch wichtige Äschenpopulationen von nationaler Bedeutung. Mit der Einmündung der Aare verändert sich der Flusscharakter, und der Flusslauf ist stark verbaut. Das künstliche Substrat bietet optimale Bedingungen für die invasiven Schwarzmundgrundeln. Am Hochrhein wurden im Zeitraum 2016 - 2019 insgesamt 29 Fischarten gefangen. Es dominierten Barbe und Alet, es folgten Schneider, Schwarzmundgrundel, Laube, Gründling, Nase, Rotauge und Egli.
Biologische Besonderheiten
Entlang des Vorder- und Hinterrheins und des Hochrheins bis Basel befinden sich zahlreiche Auengebiete von nationaler Bedeutung. Am Hochrhein sind dies die Auen Bibermüll, Eggrank-Thurspitz, Freienstein-Tössegg, Rietheim-Koblenz, die Auenreste Klingnauer Stausee, Rossgarten und Haumättli. In der Nähe von Basel gilt das Schutzgebiet Petite Camargue Alsacienne bei St. Louis als Rest der früheren Auenlandschaft. Ausflugstipp. Auch die Insel zwischen dem Altrhein und dem Grand Canal d’Alsace wurde ökologisch aufgewertet, und ein ehemaliges Rheingerinne wieder aktiviert. Ausflugstipp.
Revitalisierungsvorhaben
Seit über 10 Jahren setzt sich der WWF im Projekt Lachs Comeback zusammen mit Behörden und anderen Umwelt-Organisationen für die Rückkehr des Lachses im Rhein ein. Die Flussabschnitte am gesamten Rhein sollen für Gewässerorganismen wieder durchgängig gemacht werden. Bis 2027 müssen in Frankreich die Kraftwerke Rhinau, Marckolsheim und Vogelgrün fischgängig gemacht werden. Wiese, Birs, Ergolz, Aare, Limmat, Reuss, Thur, Töss und weitere Zuflüsse sollen vom Lachs wiederbevölkert werden können. Bei den Kraftwerken Birsfelden, Säckingen und Laufenburg sind Verbesserungen der Fischgängigkeit geplant. Oberhalb der Aaremündung wird beim Kraftwerk Reckingen die Fischaufstiegshilfe saniert, und beim Kraftwerk Rheinau ist die Sanierung der Restwasserstrecke fällig. Für die Wiederherstellung des Fischabstieges wurden Pilotprojekte gestartet, und für die Abwanderung des in der Schweiz vom Aussterben bedrohten Aals wurde für die Situation bei den Wasserkraftwerken am Hochrhein eine Studie erstellt.
Tobias Walter, 2022