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Das vorliegende Heft enthält eine breite Palette von Themen. Im Jubiläumsjahr finden Sie in jeder Nummer Rückblenden in die früheren Artikel zu Fragen, die heute eine besondere Aktualität haben. In diesem Heft sind es zwei Artikel aus den Jahren 1918 und 1920 über «hysterisch erkrankte Kriegsgefangene» und «Kriegsneurosen» (Seite 90). Zwei Übersichtsartikel befassen sich mit der psychiatrischen Betreuung von traumatisierten Asylsuchenden und Flüchtlingen (S. 94 und S. 99). Im Originalartikel auf der Seite 107 werden die Erfahrungen mit dem Lausanner Programm «RESSORT» (RESeau de Soutien et d’Orientation vers le Travail) vorgestellt. Auch die Rubriken «Case report» (S. 113) und «Film analysis» (S. 123) sind der Aufmerksamkeit der interessierten Leserinnen und Leser sehr zu empfehlen.
Ich gestatte mir, einen Artikel hier hervorzuheben, an dem ich selbst ein wenig mitgearbeitet habe: Das kürzlich erschienene Buch von T. Köhler «Freud-Bashing. Vom Wert und Unwert der Anti-Freud-Literatur» war für die Redaktion der Anlass, Henry Zvi Lothane um einen Artikel zu bitten, in dem er auf das stets aktuelle Thema des «Freud Bashing» eingehen würde. Lothane trifft im hier vorliegenden Text die wichtige Unterscheidung zwischen «Bashing» und «Kritik». Durch Kritik an Freuds theoretischen Konzepten soll nicht die ganze Psychoanalyse mit ihren Anwendungen in Forschung, Lehre und Therapie aus der Welt geschafft werden. Die «Bashers» – ein schwer zu übersetzendes Wort: Vielleicht könnte man sagen: «Lästerer» – haben es, wie Lothane ausführt, darauf abgesehen, die Persönlichkeit Freuds in den Schmutz zu ziehen, Freud schlecht zu machen, und mit ihm auch die Psychoanalyse mit all ihren Anwendungen. Lothane geht differenzierend auf einige der Autoren ein, die in Köhlers Buch erwähnt werden, und ordnet sie den «Critics» oder den «Bashers» zu. Er trifft eine weitere Unterscheidung, die zur Erhellung der ganzen Problematik von Nutzen ist: Einerseits die Theorie, anderseits die Methode. Letztere zeichnet sich in der psychoanalytischen Therapie durch die Verwendung der Freien Assoziation aus, die sich im Bereich der Psychotherapie und in anderen Anwendungsgebieten nach wie vor bewährt. Da Freuds Theorien schon in ihrer Entstehungszeit in grossen Teilen spekulativ waren, was Freud als erster zugab, und da sich die Wissenschaft inzwischen weiterentwickelt hat, gibt es an ihnen vieles zu kritisieren, zu revidieren, abzulehnen oder beizubehalten, je nachdem, um welche Konzepte es sich handelt, und je nach dem Gebrauch, den heutige Anwender davon machen können.
Heutige Psychiater äussern sich oft dahingehend, dass, wer die Psychoanalyse vertrete, unzeitgemäss und unbrauchbar sei. Dies zeugt von einer beunruhigenden Missachtung des Geschichtlichen mit seiner grossen Bedeutung für die Wissenschaft. Man ist nicht schon ein blosser Traditionalist, wenn man von älteren Modellen, die man auf heutige Verhältnisse zuschneidet, Gebrauch macht.
Heutige Psychotherapeuten zehren samt und sonders von der Freudschen Psychoanalyse, auch wenn sie sich noch so sehr dagegen verwahren. Man denke nur an die kognitiv-behavioralen, psychodynamisch untermauerten Kurztherapien oder an gewisse Formen der Familientherapie, die zu den potentesten therapeutischen Verfahren nicht nur in der Psychiatrie, sondern überhaupt im gesamten Gebiet der Medizin gehören.
Im Interview von Kurt Studer mit Joachim Küchenhoff liest man: «Verbindlich geklärt ist überdies, dass sehr viele Menschen mit schweren, auch mit psychotischen Störungen von Psychotherapie profitieren. Daher ist es mir wichtig, dass es nicht bloss abgegrenzte Psychotherapiebereiche in den Institutionen gibt, sondern dass Psychotherapie überall zentral ist in der psychiatrischen Versorgung.»
Ein solches Interview könnte ein Anstoss sein, die Diskussionen über das Thema der Psychotherapie im wissenschaftlichen Betrieb stärker zu gewichten.
Korrespondenz:
Dr. med. Thomas von Salis
Facharzt für Kinderpsychiatrie und Psychotherapie
Postfach 620
CH-8702 Zollikon
thomas.vonsalis[at]hin.ch
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