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Das Spektrum der Aufgaben in Irak hat sich für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in letzter Zeit stark verbreitert.Dieser Inhalt wurde am 05. Mai 2003 - 17:30 publiziert
Das IKRK war eine der wenigen Hilfs-Organisationen, die auch während des Krieges in der irakischen Hauptstadt Bagdad gearbeitet haben.
Jakob Kellenberger, der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), hat sich am Montag nach Bagdad begeben. Kellenberger will Jay Garner treffen, den Chef des US-Büros für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe.
Der IKRK-Präsident will mit Garner auch die derzeitige Lage im Irak, die rechtlichen Bedingungen, die Rolle und die Aufgaben des IKRK erörtern.
Klare Worte an die USA
Kellenberger hat die USA aufgerufen, ihren Pflichten als Besatzungsmacht in Irak nachzukommen und mehr für die Wiederherstellung der Sicherheit zu unternehmen.
Gemäss dem Völkerrecht habe eine Besatzungsmacht "klare Pflichten und Rechte", sagte Kellenberger am Dienstag vor dem geplanten Treffen mit dem US-Zivilverwalter Jay Garner in Bagdad. Zu den Pflichten gehörten die "Wiederherstellung von Recht und Ordnung, die Sicherstellung des Wohlergehens der Bevölkerung und der Schutz von lebenswichtigen Einrichtungen wie Spitälern".
Vorrang hat laut Kellenberger die Verbesserung der Sicherheitsbedingungen, "damit die Leute ihre Arbeit wieder aufnehmen und wieder ein normales Leben führen können".
Der IKRK-Präsident bekräftigte die Forderung nach einem Zugang für seine Organisation zu sämtlichen Kriegs- und anderen Gefangenen der USA und ihrer Verbündeten.
Der Rolle des IKRK
Der Zustand der irakischen Infrastruktur lässt immer noch sehr zu wünschen übrig. IKRK-Sprecher Florian Westphal beklagt gegenüber swissinfo nach wie vor Probleme in der medizinischen Versorgung, die von der mangelnden Wasser- und Stromversorgung mitgeprägt seien.
Als grösste Knacknuss schildert Westphal jedoch das Fehlen jeglicher Verwaltungsstruktur im öffentlichen Dienst. Viele im Gesundheitswesen tätigen Iraker arbeiten seit Beginn des Krieges ohne Lohn. Die Verteilung der Medikamente ist nicht gesichert und die Logistik, die ein Krankenhaus zum Funktionieren braucht, gibt es noch nicht wieder.
Fehlt der Lohn, plündert man
Auch in den anderen öffentlichen Diensten wie der Wasseraufbereitung, Abwasserhantierung und Müllabfuhr werden keine Gehälter bezahlt. Viele Angestellte kommen deshalb nicht mehr zur Arbeit. Dies führt wiederum zu Plünderungen und Vandalismus.
Das IKRK hilft vor allem im Versorgungsbereich und in jenen Spitälern, die noch mit Notstromaggregaten versorgt werden.
Vermittlung von Familienkontakten
Die Hilfe bei der Wiederherstellung von Familienkontakten nimmt bei den IKRK-Aktivitäten zunehmend mehr Raum ein. Es gebe enorm viele Anfragen von Irakern innerhalb und ausserhalb des Landes, meint Westphal.
Auf einer Internet-Seite des IKRK haben sich bislang über 6500 im Ausland weilende Iraker eingetragen, die nach Informationen über ihre Familienmitglieder im Irak suchen.
In Bagdad und Basra ermöglicht das IKRK Familien, mit Hilfe von Satellitentelefonen den Kontakt mit Verwandten im Ausland wieder herzustellen. Die humanitäre Organisation übermittelte zudem 400 Rotkreuzbotschaften von Kriegsgefangenen in Um Kasr an ihre Familien in Basra. Ausserdem schicken viele Menschen, die nach Angehörigen suchen, Briefe.
Florian Westphal: "Wenn man die Menschen auf der Strasse fragt, was sie denn am dringendsten brauchen, antworten die meisten: Ja, wir brauchen Wasser und Strom, wir brauchen Nahrungsmittel. Aber am wichtigsten ist den Menschen, Kontakt zu ihren vielfach zerstreuten Familien zu finden, um mitzuteilen zu können, dass sie noch leben."
Weite Zeitspanne
Die Anfragen betreffen jedoch nicht nur Menschen, die seit diesem Krieg vermisst werden. Das IKRK erhält auch Anfragen zu Personen, die während des letzten Golf-Krieges verschwunden sowie aus der ganzen Zeit der Herrschaft des Regimes von Saddam Hussein.
Eine weitere Aufgabe des IKRK sind Besuche bei Kriegsgefangenen und Zivilinternierten. Ausserdem nimmt das IKRK Berichte über Massengräber entgegen, überprüft diese und leitet sie dann an die Besatzungstruppen weiter, damit die möglichen Massengräber in einem ersten Schritt gesichert werden und eine spätere Identifizierung der Toten dort möglich wird.
Unabhängige Kontakte
IKRK-Sprecher Westphal berichtet weiter, dass regelmässige Kontakte zu den Besatzungstruppen bestehen. Das IKRK könne mit allen Personen Gespräche führen, die für seine Arbeit wichtig seien.
Das IKRK fungiert auch als Vermittler zwischen Besatzungstruppen und Behören, wenn z. B. Probleme mit der Wasserversorgung gelöst werden müssen.
Westphal will die Kontakte zu den Besatzern jedoch nicht als Zusammenarbeit beschreiben. Er betont nachdrücklich, dass das IKRK als von allen Konfliktparteien unabhängige und neutrale Organisation arbeite.
swissinfo, Etienne Strebel
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