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Der Tag des Herrn wird kommen! Den genauen Zeitpunkt wissen wir zwar nicht, aber es scheinen vorher noch gewisse Ereignisse in Erfüllung gehen zu müssen, bevor er kommen kann. Die folgenden Ausführungen sollen dazu dienen, erkennen zu können, wo wir heute in etwa angelangt sind.
Die ganze Bibel ist Prophetie. Wir finden in ihr immer wieder prophetische Vorschattungen, die uns Parallelen zum Geschehen in der Zukunft vor Augen stellen. So auch in der Geschichte Isaaks. Er war der verheissene Nachkomme Abrahams. In Isaak sollte die Nachkommenschaft Abrahams aufgebaut werden. Isaak war der Vater Jakobs. Jakob zeugte zwölf Söhne, von denen Israel nach soundsovielen Generationen entstanden ist. Das Volk Israel sollte so zahlreich werden wie die Sterne am Himmel. Nach dem Galaterbrief ist Isaak der Same auf Christus hin (Gal 3,16ff.). Besonders in der Opferung Isaaks sehen wir ein Bild auf den Erlöser Jesus Christus.
Isaaks Geschichte ist meines Erachtens von prophetischer Bedeutung in Bezug auf Israel und sein Leben weist einige erstaunliche Parallelen zur Geschichte Israels auf, und zwar bis auf den «Tag des Herrn» hin.
Schon im Leben Isaaks ereignete sich sozusagen ein «Tag des Herrn». Aber bis es dazu kam, waren gewisse Zwischenschritte nötig. Was auf dieser Wegstrecke geschah, das wollen wir nachfolgend behandeln und versuchen, es in die heutige Zeit zu übertragen. Als Grundlage dazu nehmen wir 1.Mose 26. Im ersten Vers dieses Kapitels heisst es: «Es kam aber eine Hungersnot in das Land, nach der vorherigen Hungersnot, die zu Abrahams Zeiten gewesen war. Und Isaak zog nach Gerar zu Abimelech, dem König der Philister.» Durch diese Hungersnot wurde Isaak ins Land der Philister getrieben.
Gerar lag wahrscheinlich an der Südgrenze «Palästinas» in der Nähe von Gaza. Es wird angenommen, dass die Philister aus Kreta stammten und irgendwann in das Gebiet von Gaza einwanderten (vgl. 1.Mo 10,14). Gaza war die bedeutendste von fünf Philisterstädten (Jos 13,3). Sie lag an der östlichen Mittelmeerküste, rund 80 km von Jerusalem entfernt. Damals gab es einen Philisterfürsten von Gaza. In der Apostelgeschichte wird auf Gaza und Jerusalem hingewiesen: «Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und wandere nach Süden auf der Strasse, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt; diese ist einsam» (Apg 8,26).
Das Wort «Palästina» bzw. «Palästinenser» steht heute noch in Bezug zu den Philistern. Israel wurde seinerzeit von den Römern unter dem König Hadrian im Jahre 135 n.Chr. in «Philistaea» bzw. «Philistäa» umbenannt, um damit den Namen Israel auszulöschen, «dass man seiner nicht mehr gedenke» (Ps 83,5). Auch Jerusalem erging es so. Es erhielt den Namen «Aelia Capitolina». Nicht zuletzt durch die englische Mandatszeit ist der Name «Palästina» wieder zu einem Begriff und gar zur offiziellen Bezeichnung für das Gebiet des Staates Israel geworden. Auch Teile von Jordanien, Syrien und des Libanon werden so benannt. Von Gottes Perspektive her, also biblisch gesehen, gibt es allerdings nur «Eretz Israel», das Land Israel. Aber im Allgemeinen wird für Israel der Name «Palästina» verwendet.
Ich erwähne das deshalb, weil die Namen «Palästina» bzw. «Palästinenser» heute wieder so aktuell sind. Genau wie damals zur Zeit Isaaks: Isaak hatte hautnah mit den damaligen «Palästinensern» zu tun, nämlich mit dem Philisterkönig Abimelech und seinem Volk. Es kam zu Auseinandersetzungen, die zum heutigen Geschehen im Nahen Osten tatsächliche Parallelen aufweisen und die uns aufhorchen lassen.
Es handelt sich beim Philisterland deutlich um das verheissene Land, das Gott Abraham und seinen Nachkommen zugesagt hat (1.Mo 12,7). So wohnte Abraham auch eine lange Zeit im Philisterland (1.Mo 21,34) und vorher in Gera (1.Mo 20,1). Unter Josua wurde dieses Gebiet dann eingenommen (Jos 13,3), wobei Gaza später dem Stamm Juda gegeben wurde (Jos 15,47; vgl. auch 2.Mo 15,14-18: das Lied der Kinder Israel). Gaza bedeutet = «Die starke Feste» und Gera = «Aufenthalt», «niederlassen», «wohnen», «sich aufhalten».
Wie schon erwähnt, sind die Begriffe Palästina, Palästinenser und in diesem Zusammenhang besonders auch der Gazastreifen, von höchster Aktualität. Der Gazastreifen ist zu einer «starken Festung» der Palästinenser geworden, und das obwohl es der Aufenthaltsort der Israeliten sein sollte.
Und so wie die Philister schon zur Zeit Josuas und in der Richterzeit nach aussen hin als kräftige, geschlossene Gruppe auftraten und es Israel immer und immer wieder sehr schwer machten (Jos 13,3; Ri 16,5.23.27; 1.Sam 5,8.11), so scheint es heute wieder der Fall zu sein.
Norbert Lieth