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8. Januar 1921.
haft ermittelter Leistungswerte der Maschinen und zuver lässig festgestellter Zeiten für die Vorarbeiten und Nebenarbeiten unbedingt notwendig. Die Wirtschaftlichkeit darf dabei keineswegs auf Kosten der Arbeiter gesucht werden; diese sollen ausreichende Arbeitzeiten zur Erzielung eines befriedigenden Verdienstes zugebilligt erhalten. Aber die Zerlegung der Bearbeitung in einzelne Operationen, die kritische Untersuchung der Bearbeitungsvorgänge, die Feststellung der an den Maschinen für die verschiedenen Arbeiten vorzunehmenden Vorbereitungsarbeiten sowie der unproduktiven Nebenarbeiten während der Bearbeitung, vor allem aber die Ermittlung und der Vergleich der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der einzeinen Bearbeitungsmaschinen, alle diese Feststellungen und Ueberlegungen bieten eine unerwartete Fundgrube für Hemmungen für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes.
Weil es bei Einzelfertigung im allgemeinen nicht möglich ist, eine bestimmte Drehbank oder Querhobelmaschine für eine bestimmte Arbeit bereit zu halten, muß der Meister eine gewisse Freiheit der Arbeitsverteilung innerhalb seines Gebietes baben. Es muß deshalb eine Arbeit zu dem ausgegebenen Stücklohn auf sämtlichen Bohrmaschinen, Stoßmaschinen oder Drehbänken einer Gruppe annähernd gleicher Maschinen gemacht werden können. Zu diesem Zweck müssen diese Maschinen die gleiche Leistungsfähigkeit haben, d h. möglichst gleiche Schnittgeschwindigkeiten, Vorschübe und Spanabnahmen zulassen. Wenn derartige Leistungskurven der Werkzeugmaschinen aufgenommen und verglichen werden, wird man erstaunt sein, wie vieles in einem recht gut aussehenden Werkzeugmaschinenpark in wirtschaftlicher Hinsicht verbesserungsbedürftig ist, und man wird dadurch die Erklärung finden, weshalb ab und zu sonst tüchtige Arbeiter mit manchen bereits als auskömmlich erprobten Stücklöhnen durchaus nicht zufrieden sind. Durch Mitschleppen unwirtschaftlich arbeitender Maschinen ist nicht nur der Akkordarbeiter benachteiligt, sondern auch das Werk, weil eine Maschine, an der der Arbeiter schlecht verdient, auch ihren Anlagewert schlecht verzinst und ihren Betriebskostenanteil schlecht rechtfertigt. ganz abgesehen davon, daß sie Ver anlassung zur Erhöhung der Stücklöhne sein wird, die dann auch für günstiger arbeitende Maschinen beansprucht werden.
Außerhalb der Werkstätten, für den Verkehr zwischen Gießerei, Schmiede, Werkstattgebäuden und Lagern sollte bei größer angelegten Werken stets zuerst die technische Durchführbarkeit und wirtschaftliche Möglichkeit einer Elektrohängebahn erwogen werden, weil diese größte Fahrgesch windigkeit gestattet, alle Bahngleise beliebig kreuzen kann und geringstes Bedienungspersonal erfordert. Wenn schon vor dem Krieg die an allen Gebäudeecken und Gleiskreuzungen aufgehaltenen und schwatzenden Transportkolonnen die unproduktiven Löhne stark vermehrten, so steigen bei den jetzigen Tarifen die Ausgaben für die stets unwirtschaftlichen Transporte mit Schmalspurwagen oder Handkarren und besonders für deren kaum kontrollierbare Aufenthalte und Behinderungen so gewaltig, daß damit viel Anlagekapital für technisch hochwertige Transportmittel verzinst und getilgt werden kann.
In Betrieben, die vorwiegend Einzelfertigung betreiben, ist also wesentlich mehr betriebstechnische Kleinarbeit zu leisten als bei ausgesprochener Massenfertigung. Es ist denkbar, daß in der Spezialfabrik ein fähiger Kopf die wirtschaftlichsten Bearbeitungsmaßnahmen für die verhältnismäßig wenigen Ausführungsformen vorschreibt, die Unterorgane anleitet und die in geregelten Bahnen laufende Fertigung überwacht; bei der Einzelfertigung im allgemeinen Maschinenund Apparatebau dagegen sind die Aufgaben so wechselnd und vielgestaltig, daß nicht nur ein selbständiges Einwirken der Unterorgane auf den Fabrikationsgang unentbehrlich ist, sondern daß auch ein im Verhältnis zum Umsatz wesentlich zahlreicheres Betriebspersonal erforderlich ist. Dieses Person al nach Können und Persönlichkeit richtig auszuwählen und die Betriebstellen mit zu wirtschaftlichem uud technischem Sehen veranlagten Fachleuten zu besetzen, ist wohl die vornehmste Aufgabe zur wirtschaftlichen Hebung eines Fabrikationsbetriebes. Die besten Betriebsanweisungen bleiben erfolglos, wenn nicht betriebstechnischer und wirtschaftlicher Geist die Betriebsorganisation erfüllt.
Deshalb muß am Schluß dieser Ausführungen nochmals darauf hingewiesen werden, daß bei der Heranbildung unseres Nachwuchses die betriebstechnischen und wirtschaftlichen Fragen mit erhöhtem Nachdruck behandelt werden müssen. An unsere technischen Schulen, besonders an unsere Hochschulen, ist die dringende Forderung zu richten, daß sie der Herstellungslehre größte Aufmerksamkeit widmen und daß sie ihren Schülern nicht nur theoretisches und konstruktives Wissen, sondern vornehmlich auch betriebstechnisches und wirtschaftliches Denken vermitteln. [308]
kennzeichnete allgemeine Teil von Angehörigen aller beteiligten Industrien besucht wird und im Anschluß hieran von Sonderfachleuten Vorträge und Uebungen für die Angehörigen bestimmter Gruppen, z. B. der Textil- und Papierindustrie, abgehalten werden.
Lehrgänge für Betriebsbeamte dürfen keine großen Vorkenntnisse voraussetzen, wenn ihr Zweck erfüllt werden soll. Von der wärmetechnischen Ausbildung der Betriebsbeamten ist diejenige der Wärmeingenieure zu unterscheiden, denen das vollkommene technische Rüstzeug zur Verfügung stehen soll. Immer mehr tritt das Bedürfnis hervor, daß unsere technischen Hoch- und Mittelschulen neben den im Lehrplan enthaltenen Einzelgebieten (Wärmetechnik, Dampfmaschinen, Dampfkessel, Verbrennungskraftmaschinen, Feuerungskunde, Laboratoriumunterricht) besondere Ueberblicke über das gesamte Gebiet der Wärmewirtschaft geben: an einige wiederholende und ergänzende Vorträge wissenschaftlicher Art aus der Wärmetechnik und dem Feuerungswesen sollten sich Vorträge und Uebungen anschließen, in denen an der Hand geschickt gewählter Beispiele die Möglichkeiten der wärmetechnischen Durchbildung industrieller Anlagen gezeigt und die wirtschaftlichen Erfolge nachgewiesen werden; Einrichtung und Durchführung der wärmetechnischen Betriebsüberwachung wären durch Vorträge und Uebungen zu erläutern und wärmetechnisch hervorragende Anlagen zu besichtigen. Zunächst würde es voraussichtlich genügen, wenn nur ein Teil unserer Hochschulen solche Kurse einführte.
Sg.
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Indem bei diesem Dock die Größe und Eigenart bestimmter Schiffsbauarten weitgehend berücksichtigt wurden, konnte die Pumparbeit verringert und mit Rücksicht auf die verhältnismäßig geringen. Quer- und Längsbeanspruchungen_an_Material gespart werden.
Sechskammerdock.")
Von von Klitzing, Hamburg.
Firmen beteiligt: Brückenbau Flender A. G., Benrath, mit 9 Docks von 600 bis 4200 t Hebekraft; Flensburger Schiffswerft, Flensburg, mit 1 Schwimmdock von 1400 t Hebekraft; Gutehoffnungshütte, Oberhausen, mit 2 Schwimmdocks von je 4200 t Hebekraft; Gesellschaft Harkort, Duisburg, mit 2 Schwimmdocks von je 4200 t Hebekraft.
Das von mir in Z. 1908 S. 1261 beschriebene Marineschwimmdock brachte schon wesentliche Fortschritte gegenüber den älteren Dockbauarten. Es bestanden aber immerhin noch die Mängel, daß die Hebekraft nicht ganz der Belastung angepaßt werden konnte und daß die Pumpanlage, in zwei Teilen an beiden Enden untergebracht, für den Antrieb der Verteilschieber verhältnismäßig lange Uebertragungsvorrichtungen nach dem Führerhaus erforderte.
Diese Nachteile sind bei der vorliegenden Bauart beseitigt. Das Dock hat, wie schon sein Name sagt, nur sechs Wasserzellen. Die Pumpanlage liegt in der Mitte des Docks. Die Hebekraft ist der Gewichtverteilung des Schiffes angepaßt. Die Einlaß-, Auslaß- und Verteilschieber liegen unmittelbar unter dem Führerhaus, so daß sie durch einfachen senkrechten Antrieb von hier aus betätigt werden können. Die Rohrleitung besteht aus nur 6 kurzen, geraden Rohren mit 2 Rohrkrümmern.
Wie aus Abb. 1 bis 6 zu entnehmen ist, besteht der untere Teil des Docks aus einem schmalen Mittelponton, der nur in der Mitte die volle Breite des Docks hat. Die vier an den Ecken liegenden Kasten sind nicht größer, als es die Längsstabilität erfordert. Dadurch ist es möglich, den Rauminhalt der Eckkasten so weit zu verringern, daß sie beim Senken leer bleiben und Lenzeinrichtungen nicht erfordern, Abb. 3. Die Querstabilität wird durch die in der Mitte liegenden Seitenkasten
1) Bestellungen auf Sonderabdrücke im Beiblatt des Textteiles.
ergänzt, in denen zugleich die Pumpanlage und die Rohrleitung untergebracht sind. Zwischen den mittleren und den Endseitenkasten sind oberhalb der Wasserlinie des gesenkten Docks Verbindungskasten angeordnet, die die Stabilität des Docks in dieser Lage verstärken und ihm Reserveverdrängung geben sollen.
F
Von einer genauen Beschreibung der Einrichtungen des Docks soll abgesehen werden, weil sie im wesentlichen bekannt und in dem beigegebenen Gesamtplan, Abb. 7 bis 10, eines der gelieferten 3000 t-Docks genügend erkenntlich sind. Erwähnt werden möge noch der Antrieb der Verteilschieber. Bei diesen sind die zur senkrechten Bewegung dienenden Schraubspindeln nicht, wie sonst üblich, am Schieber, sondern am Handradständer im Führerhaus angebracht. Dadurch
werden
sie für Schmierung und Instandhaltung leicht zugänglich und
田田电
Abb. 7 bis 10 3000 t-Dock.
12875
1
Der Kohlen mangel auf unsern Gasanstalten. Leuchtgas aus Ersatzstoffen. Entwicklung der Einrichtungen zur Leuchtgasherstellung. Die Heizung der Oefen. eines Gaswerks. Restlose Vergasung und Tieftemperaturverfahren.
Im städtischen Haushalt, sei er reich oder arm, ist das Gas ein unentbehrliches Hilfsmittel. Um so drückender wirkt sein Mangel. Diese Tatsache gibt den Gaswerken eine besondere Stellung. Sie können nicht wie andere Fabriken die Erzeugung, wenn es not tut, um Wochen hinausschieben und dann durch verstärkte Arbeit den Ausfall wieder wett machen, sondern müssen von Tag zu Tag den Gasverbrauch möglichst zu decken suchen. Der Gas werkleiter wird deshalb durch den seit langem bestehenden Mangel an Kohlen, denen er das Gas abgewinnen muß, sowie durch die häufige Minderwertigkeit der Kohlen) vor besonders schwere Sorgen gestellt.
Der Betriebszustand der Gaswerke ")
Die Beseitigung der Schwierigkeiten durch vermehrte Lieferung normaler Gaskohlen wird von den beteiligten Stellen angestrebt. Z. B. ist die Gaskohlenförderung an der Ruhr gegen 1914 verdoppelt worden). Ihre besondere Berechtigung erhalten diese Bestrebungen durch die Tatsache, daß kein Brennstoff besser ausgenutzt wird, als die Gaskohlen bei der Entgasung: Die Not der städtischen Bevölkerung wird durch ausreichende Gasversorgung gemildert; die Koks versorgung der Städte wird durch die eigene Gasanstalt ermöglicht; das Ammoniak und der Schwefel des Gases stellen nach entsprechender Verarbeitung auf schwefelsaures Ammoniak der Landwirtschaft ein unentbehrliches Düngemittel; der bei der trocknen Destillation der Koble erzielte Teer wandert in die chemische Industrie und beweist durch die daraus erzeugten wichtigen Stoffe (Arzneien, Farben, Treibmittel, Riechstoffe usw.) seine Unentbehrlichkeit.
Leuchtgas aus Ersatzstoffen.
Die Absicht, das Steinkohlengas durch Gas aus Holz- oder Braunkohlen teilweise zu ersetzen, findet ihre Grenzen in den damit verknüpften Schwierigkeiten und Kosten, vor allem aber in dem Umstand, daß hierbei gegenüber der Kohlenentgasung Brennstoff nicht erspart, sondern verschwendet wird. Menge und Güte der erzeugten Stoffe stehen denen der aus Gaskohlen gewonnenen wesentlich nach und lohnen die Entgasung nicht, wie folgender Vergleich zeigt:
Auf 29 cbm Kohlengas (0° C) von 5400 kcal oder auf 156000 kcal in Gasform sind etwa nötig
38 kg Dampf zusammen 120 kg feste Brennstoffe.
Erzeugt werden hierbei .
und 5 kg Teer, die als Brennstoff . ersetzen, mithin zurückgewonnen.
100 kg normale Gaskohlen
15 » Koks zur Ofenheizung
5 » Brennstoff
80 kg Koks. Der Brennstoffverbrauch beträgt also 120 80 40 kg auf 156000 kcal, oder 0,256 kg auf 1000 kcal im Kohlengas.
Es ist angenommen, daß Teer doppelt soviel wert ist als Koks, weil die Heizwirkung des Teeres etwa 50 vH höher ist als die von Koks und weil sich die chemische Energie des Teeres im Dieselmotor zu etwa 30 vH in mechanische überführen läßt, während von der chemischen Energie fester Brennstoffe in Dampfkesseln und Dampfmaschinen nur etwa 12 vH in mechanische umgewandelt werden können.
Dagegen wurden im Magdeburger Gaswerk 4) aus 100 kg Braunkohlen 16,6 cbm Braunkohlengas (0° C) von 3300 kcal Heizwert erhalten, oder 54780 kcal in Gasform. Gleichzeitig wurden 26,2 kg Koks erzeugt, wovon etwa 15 kg für die Heizung der Oefen und 5 kg für das Kesselhaus gerechnet seien. (Dies ist eine günstige Annahme, denn die grusigen Braunkohlenkoks sind für Generatorheizung nicht zu gebrauchen.) Es bleiben 6,2 kg Koks zum Verkauf übrig, neben 2 kg Teer, die als Brennstoff wiederum 4 kg Koks gleichgesetzt sein
1) Bestellzettel auf Sonderabdrücke im Beiblatt des Textteiles. 2) Vergl. E. Körting, Journal für Gasbel. u. Wasservers. 1917 S. 1. 3) Vergl. Lempelius, Journal für Gasbel. u. Wasservers. 1920 S. 386.
4) Vergl. Journal für Gasbel und Wasservers. 1920 S. 422 und ferner R. Geipert, Zur Entgasung von Braunkohleu und Holz, ebenda 1920 S. 792.
deutscher Ingenieure.
Die Wirtschaftlichkeit der Gewinnung von Wassergas. Nebenerzeugnisse. Gasreinigung. Dampfverbrauch
Wassergas-Erzeugung.
Auch der bekannte Ersatz des Kohlengases durch Wasser gas ist ein Behelf, der möglichst verlassen werden sollte, wenn es die Kohlenzufuhr irgend gestattet. Wohl wurde auch in der Vorkriegszeit Wassergas dem Kohlengase beigemischt, im wesentlichen aber zu dem Zwecke, die verschiedenen Heizwerte der einzelnen Kohlengase auszugleichen und dadurch stets ein Gas von gleichem Heizwert liefern zu können. Gleichbleibender Heizwert gewährt ein besonders gutes Arbeiten der Brennereinrichtungen. Das darüber hinaus erzeugte Wassergas bringt weder brennstoff- noch geldwirtschaftlich einen Vorteil. Auf 100 cbm Wassergas (0° C) von 2700 kcal oder auf 270000 kcal werden an normalen Koks verbraucht: im Generator 65 kg, für Dampf zum Generator 10 kg, für elektrischen Strom (2 kWb) 3 kg, zusammen 78 kg. Hierzu kommt der Feuerungsaufwand, der für die Förderung des Brennstoffes zur Wassergasanlage und für die Reinigung, Aufspeicherung und Verteilung des Wassergases nötig ist. Ist er nur ein Drittel so hoch, wie für das Kohlengas angenommen, so würde das auf 100 cbm Wassergas 6 kg ausmachen. Der gesamte Brennstoffaufwand beträgt dann fiir 100 cbm Wassergas 78 +684 kg oder 0,311 kg auf 1000 kcal im 21 v H mehr
0,311 -0,256 Wassergas. Dies sind 0,256 Brennstoff als für das Kohlengas.
Für den Verbrauch an Brennstoff ist es nach allem wesentlich günstiger, wenn die Gasanstalten reines Kohlengas und nicht Braunkohlengas oder Wassergas erzeugen. Bei der Kohlengaserzeugung liefern die Gasanstalten dem Markte viel Koks zurück, so daß die Erzeugung von Hüttenkoks und die Förderung von Magerkohlen ermäßigt werden können. Die Zentralheizungen werden dann mit den unentbehrlichen Koks durch die Gasanstalten versorgt; andernfalls müßte er von den Hüttenwerken bezogen werden. Dort wird er natürlich auch aus Steinkohlen gewonnen, die die Gaswerke mit gutem Recht für sich beanspruchen dürfen.
Die Entwicklung
der Einrichtungen zur Leuchtgasherstellung.
Das Kohlengas entsteht bekanntlich beim Erhitzen von Kohlen unter Luftabschluß. Diesem Zwecke dienen feuerfeste, von außen beheizte Gefäße, die je nach ihrer Größe als Retorten oder Kammern bezeichnet werden und in dem Ofenraum wagerecht, schräg oder senkrecht untergebracht sind. Einrichtung und Betrieb der benutzten Ofenanlage sind für die Wirtschaftlichkeit der Gaswerke wesentlich. Die älteste Ausführung sind wagerechte Retorten, die früher mit der Hand, später mit Maschinen beschickt und entleert wurden. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts kamen schräggelagerte Retorten auf und vor etwa 15 Jahren mit besonderem Erfolg die Buebschen Vertikalretorten 1). Diese Entwicklung brachte zunächst eine wesentlich verminderte und erleichterte Ofenhausarbeit, weil sich in die schräge und senkrechte Retorte die Kohlen bequemer und schneller einfüllen und die erzeugten Koks daraus leichter entleeren lassen, als es bei den wagerechten Retorten der Fall ist. Auch die Entgasungsergebnisse selbst verbesserten sich. Man hat sich zu erinnern, daß sich in den wagerechten und schrägen Retorten über der flach ausgebreiteten Kohlenschicht stets ein freier Raum befindet, über dem sich die glühende Decke der
1) s. Z. 1906 S. 198.
8. Januar 1921.
Teer aus schrägen Retorten
vH
3,7 8,5
47 2
12,7 | Destillate
1
22.3 528 100,0
20 bis 30
Teer aus senkrechten Retorten
3.7
17,0
14,8
27,5
37,0
100,0
VH
63,0 Destillate
1 bis 4
Die Beschaffenheit des Vertikalofente eres ermöglicht es, ihn ohne weiteres in Dieselmotoren zu verfeuern 2). Das Ausbringen an Teer in Vertikalöfen ist ebenso wie dasjenige an Ammoniak größer als in Horizontalretorten. Infolge der vollkommenen Füllung der Vertikalretorte können sich die Kohlen bei der Entgasung nicht blähen. Die senkrechte Retorte liefert deshalb aus denselben Kohlen Koks, die den Hüttenkoks kaum nachstehen. Nicht zu vergessen ist die willkommene Möglichkeit, neben Kohlengas auch Wassergas in der senkrechten Retorte mit dem Vorteil zu erzeugen, daß es darin schon entsteht, während die in derselben Retorte befindlichen Kohlen noch gasen. Das Verfahren verlangt daher nur einen bescheidenen Feuerungsaufwand und ist überdies bequem, da nur das zur Retorte führende Dampfventil zu öffnen ist, um die Wassergaserzeugung beginnen zu lassen 3). Seit einer Reihe von Jahren sind Bestrebungen im Gange, die Ofenhausarbeit nur auf den Tag zu verlegen. Man schuf zu diesem Zwecke statt der Retorten Kammern, wie sie zum Teil in den Kokereien üblich sind, mit so großem Kohleninhalt (bis zu 10 t), daß dieser 24 st zum Entgasen braucht. Auch diese Kammern sind wagerecht, schräg oder senkrecht angeordnet 1).
1
Bei sämtlichen vorerwähnten Oefen befinden sich die Kohlen während ihrer Entgasung in Ruhe. Es wurden aber auch senkrechte Entgasungsräume geschaffen, deren Ladung sich unausgesetzt bewegt. Die Kohlen rutschen am oberen Ende gleichmäßig schnell in die Retorte hinein, die erzeugten Koks werden durch eine am unteren Ende der Retorte angebrachte weitgängige Schnecke oder sonstige Vorrichtung gleichmäßig weggefördert. Die Oefen sind auf deutschen Gaswerken nur vereinzelt in Gebrauch. Ihre Leistung an Gas und die Beschaffenheit der entstehenden lockeren Koks sind allzu abhängig von der entgasten Kohlensorte.
Die Heizung der Oefen.
Diese lebhafte Entwicklung der Ofenarten verbürgt allein noch keinen Erfolg. Die Oefen müssen auch richtig beheizt werden. Ihre Leistung hängt wesentlich ab von der Höhe und Verteilung der Ofentemperatur. Richtig verteilte Hitze von richtiger Höhe führt einerseits zu besonders vorteilhaftem Zerfall der Kohlen, weshalb weniger Kohlen als sonst zu entgasen sind, anderseits wird im Verhältnis zur Menge der entgasten Kohlen weniger Brennstoff für die Feuerung verbraucht und ferner die Ofeneinmauerung geschont. In letzterer Hinsicht möchte ich darauf hinweisen, daß in dem von mir geleiteten Betriebe Vertikalretorten mit 3500 Feuertagen im Gange sind. Sonst rechnet man, zumal bei wagerechten und schrägen Retorten, nur mit einer Lebensdauer von 1200 bis 2000 Feuertagen. Der Vorteil sorgfältiger Hitzeverteilung ist also ein vielfacher.
Unter Ofentemperatur wird die Temperatur der Retortenwand verstanden; ihre Höhe und Verteilung wird nach der Helligkeit der Retorte mit bloßem Auge abgeschätzt und diese Schätzung zeitweise mit dem bekannten Wanner-Pyrometer nachgeprüft, was für die einzelne Messung wenige Sekunden beansprucht. Nicht zu verwechseln mit dieser Temperatur der Fläche ist die der Flamme, also der Feuergase. Sie ist
1) W. Allner, Journal für Gasbel. u. Wasservers. 1911 S. 1025. 2) Derselbe, ebenda.
3) R. Geipert, Journal für Gasbel. u. Wasservers. 1919 S 269. 4) Vergl. Z. 1919 S. 543.
:
für die Entgasung der Kohlen ohne Bedeutung, weil es ja hierfür nicht darauf ankommt, wie heiß die Feuergase sind, sondern nur darauf, wie hoch sie die Retorte erhitzen.
Zur Erzielung einer gleichmäßigen Ofentemperatur bedarf es bei gleichmäßigem Wärmeverbrauch gleichbleibender Wärmezufuhr. Diese wird bei den üblichen Generatoröfen erreicht, wenn Oberluftweite und Ofenzug sowie die Zusammensetzung der Rauchgase dieselben bleiben. Ich habe mich bemüht, in einem Schriftchen über den Betrieb von Generatoröfen1) die für die Bedienung der Oefen nötigen Kenntnisse leicht verständlich zusammenzustellen. Mit der Bücherweisheit freilich ist es nicht getan. Schon die wichtige Abschätzung der Ofentemperatur kann man sich theoretisch nicht aneignen. Hier nützt nur enge Fühlung mit dem Betrieb und verständiges Eingehen auf seine Wechselfälle, bei gleichzeitiger sorgfältiger Erziehung der Ofenaufseher. In dieser Hinsicht kann bei der Bedeutung der Entgasungsergebnisse und des Feuerungsverbrauchs gar nicht genug geschehen.
Die Erkenntnis von der Wichtigkeit einer ordentlichen Ofenheizung brachte für die Beheizungsart und ihre Einrichtung viele Vorschläge. Das frühere Rostfeuer wurde längst verlassen und durch die Generatorgasheizung ersetzt. Meist baut man die Generatoren unmittelbar an die Oefen an, um dadurch die Eigenwärme des aus Koks erzeugten Generatorgases, die über 20 vH von der Verbrennungswärme der Koks ausmacht, nicht verloren gehen zu lassen. Die für das Generatorgas nötige Verbrennungsluft wird dann durch die abziehenden Rauchgase in Rekuperatoren vorgewärmt. In einzelnen Werken ist man dazu übergegangen, das Generatorgas in Sammelgaserzeugera zu gewinnen, es zu kühlen und zu entstauben. Dann strömt es zu seiner Vorwärmung durch eine Rekuperation oder Regeneration. Sammelgaserzeuger werden meist mit Hilfe von Drehrosten entschlackt, die bei diesem Vorgang einen geringen Verlust von Brennstoff ermöglichen. Auch bei Einzelgeneratoren, die mit Planoder Treppenrosten
ausgestattet sind, läßt sich bei sorgfä!tiger Entschlackung hierfür vieles tun. Den Einfluß der in der Schlacke bleibenden Koks auf den Brennstoffverbrauch zeigt Abb. 1, der Koks mit 12 vH Asche zugrunde gelegt sind. Daraus berechnet sich z. B. für eine Schlacke mit 70 vH Asche und 30 vH brennbaren Teilen ein Verlust an Koks in der Schlacke von 12.30 70.0.88
VH 100
90
Verlust an Brennstof
80
70
60
50
40
30
20
10
0 10
20 30 40 50 60 70 80 90 100VH
Brennbares im Schlackenfall
Abb. 1. Einfluß der in der Schlacke bleibenden Koks auf den Brennstoffverbrauch.
5,84 vH der verfeuerten Koks 2). Nach den Vergleichen, die ich selbst bis jetzt austellen konnte, wird beim Zentralgaserzeuger an Arbeitslohn vielfach nichts gespart, weil der darin oft entstehende Schlackenwulst nur mühsam loszustoßen ist.