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Hier nochmals eine Frau, die im Mittelalter in der heutigen Schweiz und in ganz Europa grossen Einfluss hatte: Adelheid von Burgund (931–999). Sie wurde wohl im savoyischen Königspalast in Orbe (VD) geboren. Erstmals historisch erwähnt wird Adelheid als sechsjährige Prinzessin, die in Colombier (NE) am Ufer des Neuenburgersees wohnte. Der Grund für die Erwähnung sind tragische Umstände: Adelheids Vater, König Rudolph II. von Burgund, starb 937. 888 war sein grosses Kerngebiet Savoyen mit dem heutigen Schweizer Mittelland, dem Wallis und der Franche-Comté (heute zu Frankreich) zu einem vielfältigen Königreich erweitert worden.
Konrad, Adelheids Bruder und Sohn von Rudolph II., war 937 noch zu jung um zu regieren. Otto, der König des Ostfrankenreichs, brachte Konrad als Geisel in seine Gewalt. Sein Ziel war es, so das Königreich Burgund zu annektieren. Denselben Einfall hatte auch Hugo, König von Norditalien. Er heiratete Bertha, die Witwe Rudolphs, und verheiratete dann 947 Adelheid mit seinem Sohn Lothar, als Adelheid 16 Jahre alt und ehefähig war. Als König Lothars Ehefrau wurde sie ebenfalls Königin von Italien. Lothar starb drei Jahre nach der Hochzeit. Berengar II, Herr von Ivrea, ein Nachkomme Karls des Grossen, versuchte nun, Adelheid zur Heirat zu zwingen, um so König von Italien zu werden. Sie weigerte sich. Berengar liess sie zusammen mit ihrer kleinen Tochter, ihrem Kaplan und einer Dienerin ins Gefängnis werfen. Sie gruben ein Loch in die Freiheit und flohen.
Otto, der König des Ostfrankenreichs, der in der Zwischenzeit den entführten Konrad von Savoyen als Vasallenkönig auf den Burgunderthron gesetzt hatte, heiratete Adelheid. Sie war nun ostfränkische Königin und Königin von Italien gleichzeitig. Die neue Königin förderte im Ostfrankenreich den mächtigen Mönchsorden von Cluny entscheidend. Dann liess sie in Pavia, in Payerne (VD) und in Seltz (Elsass) je ein Kloster bauen.
Durch die italienische Herrschaft hatte Adelheid einen starken Einfluss in der Lombardei, die ihr nun als Pforte zu Rom und zum Papst diente. Im Jahr 962 veranlasste sie den Papst, sie und ihren Gatten zu Kaiserin und Kaiser zu krönen. Sie machte so das ostfränkische Königreich zum legitimen Nachfolger des weströmischen Reiches. Aus der Prinzessin aus der heutigen Schweiz wurde so die mächtigste Frau in Europa.
Nach dem Tod ihres kaiserlichen Ehemannes 973 liess sie ihren Sohn, Otto II., zum Kaiser krönen. Als ihr Sohn zehn Jahre später ebenfalls starb, setzte sie ihren Enkel Otto III. an die Spitze des Kaiserreichs. Zweifellos ist sie die einzige Frau in der Geschichte, die drei Männer zu Kaisern gemacht hat.
Das Reich der Kaiserin Adelheid umfasste bei ihrem Tod 999 Savoyen mit der Westschweiz, das ostfränkische Reich mit Sachsen, Franken, Schwaben, Bayern und Kärnten sowie die Lombardei und den Vatikanstaat im Süden.
999 fühlte Adelheid den Tod nahen, und sie entschloss sich zur Rückkehr aus der Lombardei an den savoyischen Königshof in Orbe, der unterdessen Kaiserhof war. In Payerne soll sie allen Armen ein Goldstück geschenkt haben. Anschliessend besuchte Adelheid das Kloster St. Maurice (VS), dann St. Victor (GE) sowie die Kathedrale in Lausanne. Sie verbrachte jedoch nur einige Tage in Orbe. Dann reiste sie nach Seltz zurück, um dort zu sterben. Sie verschied dort am 16. Dezember 999. 1097 wurde Kaiserin Adelheid heiliggesprochen.
Otto und seine Ehefrauen Edgitha (rechts) und Adelheid (links) (Abbildung im Sächsischen Stammbuch von 1576)
In Deutschland und im Elsass kennt man die “schweizerische” Kaiserin Adelheid aus Colombier gut, doch in der Schweizer Geschichte kommt sie nicht vor. Dem müsste abgeholfen werden.