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Der Biolandbau in der Schweiz hat seinen Ursprung in der anthroposophischen Bewegung. Inspiriert vom landwirtschaftlichen Kurs, den Rudolf Steiner 1924 hielt, begannen anfangs der 30er Jahre die ersten Bio-Bauern ihre Höfe nach der biologisch-dynamischen Anbaumethode zu bewirtschaften. Auch das Ehepaar Maria und Hans Müller sowie der Arzt Hans Peter Rusch lernten zuerst die biologisch-dynamische Wirtschaftweise kennen. Sie konnten aber auf Grund ihres Religionsverständnisses das anthroposophische Gedankengut nicht anerkennen und begründeten deshalb eine eigene Richtung, die organisch-biologische.
1976 begannen fünf bestehende Bio-Organisationen gemeinsame Basisrichtlinien für den Biolandbau zu erarbeiten. 1980 wurden die "Richtlinien für Verkaufsprodukte aus biologischem Anbau" verabschiedet und das Logo "Knospe" als Schutzmarke angemeldet. In diesem Zusammenhang musste 1981 ein Verein gegründet werden, der sich bald zur Vereinigung schweizerischer biologischer Landbauorganisationen VSBLO, der Dachorganisation aller Schweizer Biobauern, entwickelte und 1997 in Bio Suisse umbenannt wurde.
Die staatliche Anerkennung und somit auch die finanzielle Unterstützung des Biolandbaus begannen auf Kantonsebene. Auf Bundesebene erfolgte 1992 die formal-rechtliche Anerkennung mit der Aufnahme des biologischen Landbaus als förderungswürdige Produktionsform im Landwirtschaftsgesetz. Die erste Bio-Verordnung trat am 1. Januar 1998 in Kraft.
1993 führte Coop die ersten Naturaplan-Produkte ein mit einer grünen Knospen-Bio-Linie und einer blauen Linie für Fleisch und Eier aus tierfreundlicher Tierhaltung. Bioprodukte wurden lange vorwiegend über Direktvermarktung oder über den Biofachhandel abgesetzt. Mitte der 90er Jahre begann die Vermarktung in den Grossverteilern. 75 Prozent des Bio-Umsatzes von 1,2 Milliarden Franken wurden 2005 bei Coop und Migros gemacht. 2005 ist der Gesamt-Bio-Umsatz nach Jahren des Wachstums erstmals leicht zurückgegangen.
Aktuelle Debatten bei Bio Suisse sind betreffen die Reglementierungsdichte und die Weiterentwicklung der Bio Suisse-Richtlinien im Sinne einer Erweiterung mit sozialen und Fair Trade-Standards sowie die Erarbeitung von Marktgestaltungsmassnahmen zur Mengensteuerung, insbesondere der Eindämmung von Überproduktion bei Fleisch und Milch. Ferner stellt sich die Frage, wie ein Umsatz von 2 Milliarden Franken, den sich Bio Suisse als Fernziel gesetzt hat, erreicht werden kann. Als Möglichkeiten bieten sich etwa das Erschliessen von neuen Exportmärkten wie die USA oder die Umsetzung von neuen Bio-Supermarkt-Konzepten wie Yardo an.
In Deutschland zeichnet sich eine Biomarkt-Aufteilung in eine Billigproduktlinie und eine Qualitätsproduktlinie ab. Die Vermarktung von Bio-Produkten über Discount-Kanäle wie Aldi birgt Chancen und Risiken in sich. Die Chancen liegen bei einem Wachstum des Biomarktes, die Gefahren bei einer Verwässerung und Aushöhlung des Begriffes Bio.