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Loco Escrito, was ist Ihre früheste Erinnerung?
Eine Art Spiel, das ich jeweils mit einem Elternteil spielte: Ich packte ihre Hand und drückte sie, sie drückten zurück, ich drückte wieder, bis einer keine Lust mehr hatte.
Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern da immer zu Ihnen gesagt?
«Sitz still!», «Hör auf reinzuschwatzen!» Sehr viel öfter als zu Hause bekam ich das allerdings in der Schule zu hören. Meine Eltern mussten öfter zum «Krisengipfel» antraben.
Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
«Coco» – Kokosnuss – abgeleitet von «Nicoco». Eine Wortspielerei mit meinem Vornamen Nicolas.
Als Sie 16 waren: Wie sah Ihr Zimmer aus?
Ich hatte einen begehbaren Kleiderschrank! Nicht dass ich wahnsinnig viele Klamotten gehabt hätte, aber er war sehr praktisch beim Zimmeraufräumen: Wandschranktür auf, Puff hineinschaufeln, Tür wieder zu.
Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ich hatte sogar schon einen Kindergartenschatz, Melanie. Von ihr bekam ich meinen ersten Kuss, in einer Betonröhre auf dem Spielplatz. In der ersten Klasse fand sie dann einen meiner Freunde besser, und ich hatte zwei Wochen lang Herzschmerz.
Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Das waren die alljährlichen Ferien bei der Familie in Kolumbien. Mein Grossvater hatte ein wunderschönes Haus mit einem grossartigen Garten mit Pool. Die Nachmittage dort und die Grillabende gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Das Haus ist übrigens immer noch im Besitz meiner Familie. Es wäre schön, wenn ich es irgendwann kaufen könnte.
Welche Musik hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
Die des kolumbianischen Musikers Carlos Vives. Dank ihm wusste ich immer, dass ich auch mit meiner eigenen Musik in erster Linie Lebensfreude vermitteln möchte.
Wie viele Tattoos haben Sie?
Ziemlich viele. Auf meiner Brust ist das Porträt meines Freundes Samir, der mit 19 ums Leben kam. Auf dem rechten Unterarm habe ich ein Porträt meiner Mutter, als sie ein kleines Mädchen war. Meine Tochter sieht ihr sehr ähnlich. Der linke Oberarm gehört Aisha, sie hat alle Motive ausgewählt: ein Schmetterling, eine Krone und eine Blume. Dann habe ich noch ein Kätzchen, ebenfalls für sie, und mein Loco-Escrito-Logo tätowiert. Mal schauen, was noch dazukommt.
Ihre peinlichste Modesünde?
Die blonden und blauen Strähnen in den Haaren mit etwa zehn Jahren waren wohl nur bedingt stylisch. Und die Glatze später auch.
Haben Sie Phobien?
Grundsätzlich nicht. Aber ich kann mich sehr gut in etwas hineinsteigern. Ich erinnere mich an ein «Drama», als ich für meine Mutter eine Hornisse fangen sollte und überzeugt war, dass sie mich auf jeden Fall stechen würde.
Das Kitschigste, was Sie je gemacht haben?
Ich bin Latino, für mich ist nichts kitschig! Es soll ja sogar Leute geben, die meine Musik für Kitsch halten (lacht).
Haben Sie nachts einen Traum, der immer wiederkommt?
Als Kind habe ich öfter geträumt, dass die Erde sich auflöst und ich davonrennen muss.
Welches Geräusch lieben Sie?
Das Atmen meiner Tochter, wenn sie schläft.
Welches hassen Sie?
Piepsen. Ich stelle die Parkhilfe im Auto immer aus, weil sie mehr stresst als hilft.
Bei welchem Thema haben Sie Ihre Meinung fundamental geändert?
Bei einigen. Wer sich weiterentwickelt, ändert zwingend auch mal seine Meinung. Zum Beispiel ist mir heute bewusster Konsum bei Lebensmitteln wichtig, früher fand ich das unnötig.
Für welche Eigenschaften bekommen Sie immer wieder Komplimente?
Für meine Ehrlichkeit und meine Offenheit. Ich kann nichts verstecken, man merkt mir an, wenn ich fröhlich oder traurig bin. Oder auch, wenn ich jemanden mag oder eben nicht.
Was war der unangenehmste Job, den Sie je hatten?
Ich jobbte mal in einem Callcenter. Der Umgang mit den Leuten dort war echt fragwürdig, sie wurden ausgenutzt und wegen Kleinigkeiten rausgeschmissen, obwohl sie den Job dringend brauchten. Furchtbar.
Haben Sie ein besonderes Talent, von dem niemand weiss?
Ich denke, ich habe einen guten Geschäftssinn, was für einen Künstler eher ungewöhnlich ist. Das beste Produkt nützt nichts, wenn mans nicht richtig verkaufen kann.
Wie sind Sie, wenn Sie betrunken sind?
Ich trinke höchstens mal einen Schluck Wein zum Anstossen.
Angenommen, Sie könnten Wunder vollbringen: Was ist Ihre erste Tat?
Alles hat seinen Grund, und jede Tat hat Konsequenzen. Deshalb wäre es vermutlich gar nicht sinnvoll, Wunder zu vollbringen.
Welchen Tag möchten Sie gern noch mal erleben?
Keinen. Das Leben ist einmalig.
Ihr liebstes Mundartwort?
Ich liebe «Schafseckel», weil es ein Schimpfwort ist, das trotzdem irgendwie herzig tönt.