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Zum zweiten Mal erprobt Werner Zeindler eine äussert stilisierte Erzählform, die durch Aussparungen ebenso viel „Welt“ schaffen soll wie durch die eigentliche Artikulation. Im ersten Fall, einer Edgar A. Poe-Novelle, hielt der Text die Imagination des Zuschauers mit geheimnisvollen Andeutungen in Bewegung. Nun steht zunächst einmal ein Text von Werner Wollenberger aus dem Jahr 1957 fast nackt da, eine Weihnachtsgeschichte, die einen literarischen Wert kaum beanspruchen kann, die also vom Film gerettet werden muss. Liest man den Text, der — zusammen mit Bildern aus dem Film — im Pen- do-Verlag neu aufgelegt worden ist, kann man die Stellen genau lokalisieren, wo Wollenberger — mit Mitteln der Werbung — seinen Leser gleichzeitig in seiner Güte schmeichelte und ihn zu guten Taten zu überreden versuchte. Wollenberger stülpte sich Frömmigkeit und Menschlichkeit über wie in anderen Texten einen menschenverachtenden Zynismus.
Zeindler bleibt mit seinen (fast stummen) Bildern meist auf Distanz, hütet sich wohlweislich, die Sprache des Texts zu imitieren oder zu illustrieren. Wo die Bilder diesem zu nahe kommen, verfaulen sie sozusagen. In Tableaux, schrittweise, entsteht die Welt dieser Geschichte: Landschaftsbilder, Dorfbilder, weniger Menschenbilder; sehr oft sind diese durch dazwischengeschaltetes Dekor — Fenster vor allem — auf jene Distanz gerückt, die der Vorsatz einer gewissen Sachlichkeit verlangt.
Die siebenjährige Edith würde Weihnachten nicht mehr erleben, wenn Weihnachten wie immer Ende des Jahres gefeiert würde; sie ist unheilbar an Leukämie erkrankt, die Aerzte „geben“ ihr noch ein paar Wochen. Da verlegen die Eltern das Fest vor, und der Vater macht sich auf den Weg, die Dorfgenossen zu überreden, das gleiche zu tun, was gelingt: ein richtiges Weihnachtsfest.
Während Hans Michael Rehberg den Text liest, läuft also die Bildergeschichte ab. Text und Bild werden begleitet (nicht untermalt) von der Musik Pierre Favres, einem feinen Percussion- Gewebe. Dieses Gewebe ist das Netz unter Zeindlers diffizilem und gefühligem Hochseilakt.
Der Regisseur nennt die Story eine „zeitlose Geschichte“; vielleicht ist das eine Fehleinschätzung. Wollenberger hat sie in der und gegen die Zeit der beginnenden Hochkonjunktur geschrieben, als „gute Seele“ in den fünfziger Jahren. Da kann Zeindler dämpfen und distanzieren, so viel er will; den leicht süsslichen Geschmack bringt er einfach nicht ganz weg.