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Vielerorts waren die Birnen im vergangenen Jahr beulig verformt und hatten im Fruchtfleisch steinharte Einschüsse. Diese trichterförmigen Vertiefungen oder gar höckerige Fruchtdeformationen können verschiedene Ursachen haben.
Bormangel durch Trockenheit
Eine Ursache für verunstaltete Früchte mit Buckeln, Einbuchtungen und Verkorkungen im Fleisch ist Bormangel. An walnussgrossen Früchten entstehen Einsenkungen mit grünlich-glasigen Stellen. Die Schale ist korkig und rissig. Die Früchte verformen sich unregelmässig; im Extremfall sind sie richtiggehend verkrüppelt. Im Fruchtfleisch findet man Nekrosen (Innenkork), und zwar auch nahe beim unregelmässig entwickelten Kerngehäuse (Unterschied zur Stippe).
Eine weitere Form des Bormangels ist der sogenannte «diffuse Kork». Die Früchte sind äusserlich nicht verkrüppelt, sondern zeigen im fortgeschrittenen Reifestadium – vor der Ernte – eine raue Oberfläche. Im Fruchtfleisch sind bräunliche Gewebepartien erkennbar.
Solche Mangelerscheinungen machen sich hauptsächlich in trockenen Jahren bemerkbar; das Bor wird nicht gelöst und kann nicht aufgenommen werden. Auf mangelhaft durchlüfteten und schlecht entwässerten Böden verstärkt sich das Schadbild. Ebenso wenn der pH-Wert im Boden zu hoch ist.
Wenn Bodentrockenheit der Grund für den Mangel ist, lässt sich durch Bewässerung die Verfügbarkeit des Bors im Boden erhöhen. Die Versorgung der Pflanzen mit Bor kann auch über Boden- und Blattdüngung ergänzt werden. Der «Beeren- und Obstdünger» von Hauert enthält eine Extraportion Bor. Mit der «Pflanzenkur» von Hauert kann Bor auch als Blattdüngung mit 5ml pro Liter Wasser über die Blätter appliziert werden.
Viröse Steinigkeit der Birne
Diese Viruskrankheit ist weltweit verbreitet; tritt aber bei uns recht selten auf. Befallen werden Birnund Quittenbäume. Bei sehr anfälligen Sorten, wie «Boscs Flaschenbirne» oder «Hardys Butterbirne» zeigen sich auf den Jungfrüchten schon bei Beginn ihrer Entwicklung die ersten Symptome in Form eingesunkener dunkelgrüner Flecken oder Ringe auf der Fruchtschale. Mit dem Fruchtwachstum verstärken sich diese Verkrüppelungserscheinungen; die Einsenkungen vertiefen sich und es entstehen deutliche Buckel.
Unter den Eindellungen und Buckeln ist das Gewebe im Fruchtfleisch braun-schwarz verfärbt. Es entstehen grössere Steinzellenkomplexe und verholzte oder nekrotische Gewebepartien. Die Fruchtschale ist aber äusserlich unverletzt. Die betroffenen Früchte sind wegen des harten Fleisches, das überdies einen bitteren Geschmack hat, nicht essbar. Die Sorte «Williams Christbirne» ist gegen diese Krankheit offenbar tolerant.
Wanzenstiche
Auch Schäden, die von Wanzenstichen verursacht wurden, können ein ähnliches Erscheinungsbild ergeben. Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) steht zurzeit im Zentrum des Interesses. Sie gehört zur Gruppe der Pentatomiden (Schild- oder Baumwanzen) und wurde anfangs dieses Jahrhunderts aus Asien eingeschleppt. Der älteste Nachweis stammt aus ZürichSeefeld aus dem Jahr 2004. Inzwischen hat sich das Insekt, das hierzulande noch ohne einen natürlichen Gegenspieler ist, stark ausbreiten können.
Erkennungsmerkmale ausgewachsener Tiere sind einmal der schwarzweisse Saum am Hinterleib, die fünf unterschiedlich ausgeprägten, weisslich-gelben Punkte hinter dem Halsschild und die Fühler mit schwarzen und weissen Abschnitten. Die Wanzen haben ein sehr grosses Spektrum an Futterpflanzen. Bevorzugt werden Arten aus der Familie der Rosengewächse, nebst Kernobst auch Kirsche, Nektarine und Pfirsich. Darüber hinaus werden auch Gemüse- und viele Zierpflanzen befallen: Hibiskus, Buddleja (Sommerflieder), Wicke, Hainbuche, Wilde Rebe, Felsenbirne, Esche und viele weitere. In Gurken-, Peperoni- oder Tomatenkulturen wurden bedeutende wirtschaftliche Schäden festgestellt.
Die grössten Schäden sind im Obstbau bisher an Birnen gefunden worden. Die Wanzen stechen die Früchte an und saugen Pflanzensaft. Durch den Speichel werden die Zellen an der Einstichstelle geschädigt, was zu einer Deformation der Früchte führt. Besonders bei frühem Befall – oft im oberen Kronenbereich – ist die Verformung der Früchte stark ausgeprägt. Dieses Erscheinungsbild ist jenem der Viruskrankheit ähnlich. Wenn die Früchte später angestochen werden, sind um die Einstichstelle eingesunkene Bereiche sichtbar. Die von Wanzenstichen hervorgerufenen «Steine» sind gelblich oder weiss, wogegen das harte Zellgewebe der von der virösen Steinigkeit befallenen Birnen braun oder schwärzlich ist.
Marmorierte Baumwanzen überwintern bevorzugt in Gebäuden oder in ihrer Nähe; man findet sie aber auch an geschützten Stellen wie beispielsweise unter Blachen, hinter Überwinterungsvlies oder in Blumenkisten. Wenn die Temperaturen 10–15°C erreichen, beginnen die ersten Tiere aktiv zu werden.
Nach einigen Wochen der Nahrungsaufnahme beginnt die Eiablage. Während der fünf Jugendstadien findet bereits eine intensive Saugtätigkeit an den Früchten statt. Adulte Tiere können fliegend grössere Distanzen zurücklegen und sich so weiter ausbreiten.
Einheimische Wanzenarten saugen ebenfalls an Früchten, sind aber im Vergleich zur vorgenannten Art von geringerer Bedeutung.
(Bilder: \<u>www.strickhof.ch\</u>, David Szalatnay, Fachstelle Obst)