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Ein Leben passiert Revue. Ein Ende im Exil: Nach zwei Jahren im Gefängnis sucht der Dichter Oscar Wilde (Rupert Everett) sein Heil in Frankreich und Italien. (Frenetic Films)
Verurteilt, verdammt, verarmt
Der irische Dichter, Dramatiker und Kritiker Oscar Wilde war ein Dandy und Freigeist, eine Berühmtheit und Künstler. Er wurde von der Gesellschaft verteufelt – als Homosexueller und wegen «Unzucht» zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt – und ruiniert. Die viktorianische Gesellschaft ächtete ihn. Er floh nach Frankreich und starb 1900 in Paris mit 46 Jahren.
Der Schauspieler Rupert Everett («Die Insel der besonderen Kinder») schrieb das Drehbuch und übernahm die Hauptrolle. Er lässt die letzten Lebenspassagen Revue passieren. Wilde (Everett) liegt im Sterben und erinnert sich – an seine Verurteilung, seine vergebliche Aussöhnung mit seiner Frau Constance (Emily Watson), an seine Liebe zum Oxford-Studenten Robert «Robbie» Ross (Edwin Thomas), die Affäre mit dem Adeligen Alfred «Bosie» Douglas (Colin Morgan), die ihm quasi das Genick gebrochen hat, und an die Freundschaft mit Reggie Turner (Colin Firth).
Weder seine Eskapaden, Ausschweifungen, noch sein Lebensstil geben dem Drama Tiefe oder Kontur. Im Mittelpunkt stehen seine fatale Nonchalance und Selbstzerstörung, vor der ihn auch sein treuer Kumpan Robbie nicht retten konnte.
Everett konzentriert sich in seinem Spielfilmdebüt auf die letzte, tragische Lebensphase des emigrierten Autors. Er selbst hatte Wilde bereits im Bühnenstück «The Judas Kiss» (2014) gespielt. Der Filmtitel «The Happy Prince» bezieht sich auf eine Sammlung von Kunstmärchen (1888) und wird zum bitteren, ironischen Kommentar, wenn man es auf Wildes düsteres Ende im Exil bezieht – verarmt, «verbannt», verloren.
Die Quintessenz eines unglücklichen Lebens. Oscar Wilde war 1897 gesundheitlich schwer angeschlagen, als er aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er floh nach Paris und betrat nie wieder englischen Boden. Seine schriftstellerische Kraft versiegte, er lebte vom Nachlass seiner verstorbenen Frau Constance und verarmte. Der Film ist weder Hommage an Wilde noch akademische Biografie. Der Schauspieler Everett versucht in seinem Dichter-Drama, die Geissel einer bigotten, verknöcherten Gesellschaft und die Tragik eines homosexuellen Freigeistes zu beschreiben – mit einem exzellenten Ensemble. Gedreht wurde in der Normandie, Brüssel und Wallonien, in Bayern (Schloss im fränkischen Thurnau) und in Neapel. Die europäische Koproduktion kostete 10,5 Millionen Franken.
Belgien, Deutschland, Italien 2018
106 Minuten
Regie: Rupert Everett
Drehbuch: Rupert Everett
Kamera: John Conroy
Darsteller: Rupert Everett, Colin Firth, Emily Watson, Colin Morgan, Edwin Thomas
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