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Schlechter Scheidenschluss
Bildbeschreibung und Interpretation
Die Schamlippen dieser Kuh liegen nicht aneinander. Zwischen ihnen ist stattdessen ein Spalt von mehreren Zentimetern. Die Schleimhaut des Scheidenvorhofs ist sichtbar. Diese Kuh hat einen „schlechten Scheidenschluss“.
Normalerweise sind die Schamlippen vollständig geschlossen. Dies verhindert, dass Keime und Dreck in die Scheide und somit in den Genitaltrakt eindringen können.
In leichten Fällen tritt dieser schlechte Scheidenschluss hauptsächlich auf, wenn das Tier, wie in diesem Beispiel, liegt. In besonders schweren Fällen saugt die Scheide bei jedem Abliegen oder Aufstehen der Kuh laut hörbar Luft in den Geschlechtstrakt ein. Tierärzte sprechen dann von einer „Pneumovagina“. Da mit der Luft auch Umgebungskeime eingesogen werden, führt eine Pneumovagina häufig zur schlechten Fruchtbarkeit der Kuh, denn fast immer gelangen diese Keime dann auch bis in die Gebärmutter hinein. Brunstschleim, der Luftbläschen enthält, ist ein sicheres Anzeichen für eine Pneumovagina. Ein weiteres Problem: Da sich die Scheide wie ein Ballon mit der Luft aufbläst, kann der Besamende den Gebärmutterhals (Cervix) oft nur erschwert greifen. Kühe mit Pneumovagina sind rein technisch also nicht einfach zu besamen
Ursachen
Die Scheide ist ein faltiger Schlauch, dessen Wände einander eng anliegen. Sie verschliesst so den Genitaltrakts nach aussen. Auch die Schamlippen sind Teil dieses Verschluss-Systems. Bei schwachem Bindegewebe (z.B. einhergehend mit einer Senkscheide) oder nach Verletzungen mit entsprechender Vernarbung (z.B. nach einer Schwergeburt) schliessen Scheidenvorhof und die Schamlippen oft nicht mehr vollständig.
Häufig treten erste Anzeichen für einen schlechten Scheidenschluss wegen eines schwachen Bindegewebes an der liegenden Kuh auf – insbesondere in der Hochträchtigkeit, wenn das Kalb von innen auf das Scheidengewebe drückt. Ausserdem wird das Bindegewebe bei Kühen vor der Geburt durch den hormonellen Einfluss weich. Auch bei Kühen mit Eierstockszysten kann der anhaltende Östrogeneinfluss zu einem schlechten Scheidenschluss führen. Oft bessert sich dieser dann wieder, wenn die Zyste erfolgreich behandelt wurde. Im Gegensatz dazu, bleibt der schlechte Scheidenschluss bei Kühen mit Senkscheiden meist bestehen oder verschlimmert sich sogar mit der Zeit. Solche Kühe haben dann häufig gleichzeitig eine Urovagina (Harn in der Scheide) und eine Pneumovagina (Luft in der Scheide).
Ziel
Überprüfe ein Problemtier, das nicht tragend wird, während es liegt: Handelt es sich vielleicht um ein Tier mit schlechtem Scheidenschluss?
Massnahmen
Kühe mit schlechtem Scheidenschluss sind immer Problemtiere bzgl. der Fruchtbarkeit. Da sich die Bindegewebsschwäche vererben kann, stellt sich die Frage ob solche Tiere züchterisch weiterhin genutzt werden sollten. Entscheidest Du Dich dennoch für eine Besamung z.B. mit einem Maststier, kann der Besamungserfolg verbessert werden, wenn mit einer sanitarischen Überzugshülle gearbeitet wird. Berichte daher Deinem Besamer, wenn Dir aufgefallen ist, dass die zu besamende Kuh einen schlechten Scheidenschluss hat. Solltest Du zur Besamung nicht anwesend sein, schreib ihm diese Beobachtung unbedingt auf den Besamungsauftrag!