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Die vertrauten Kirchengestalten verschwinden – Teil 2
Teil 2: Kirchenaustritte nehmen weiter zu
- Die Zahl der Kirchenaustritte ist sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelisch-reformierten Kirche zwischen 2011/12 und 2015 in den meisten Kantonen gestiegen
- Anhaltend hoch sind die Kirchenaustritte beider Kirchen in den Kantonen Basel-Stadt, Solothurn und Aargau.
- Die Tendenz zunehmender Kirchenaustritte in der römisch-katholischen Kirche ist auch in Deutschland und Österreich feststellbar.
Zunahme der Kirchenaustritte
Grafik 4 und Grafik 5 geben einen Überblick über die kantonalen Kirchenaustritte pro 1000 Kirchenmitglieder der römisch-katholischen und der evangelisch-reformierten Kirche im Jahr 2011/12 und 2015. Die Kirchenaustrittsrate pro 1000 Kirchenmitglieder ist sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz zwischen 2011/12 und 2015 gestiegen. Besonders hoch liegen die Kirchenaustritte aus beiden Kirchen in der Kantonen Basel-Stadt, Solothurn und Aargau.
In der römisch-katholischen Kirche stieg die Austrittsrate pro 1000 Kirchenmitglieder in folgenden Kantonen zwischen den Jahren 2011/12 und 2015 stark an: in Basel-Stadt von 20.5 auf 30.6, in Schaffhausen von 9.6 auf 13.8 und in Appenzell Ausserrhoden von 6.3 auf 9.4. Mit Ausnahme des Kantons Jura sind in allen Kantonen die Kirchenaustritte während diesem Zeitraum gestiegen.
In der evangelisch-reformierten Kirche stieg die Austrittsrate pro 1000 Kirchenmitglieder in den Kantonen Basel-Stadt (von 25.6 auf 30.9), Aargau (von 13.4 auf 17.1), Luzern (von 9.9 auf 14.1) und Obwalden (von 6.0 auf 10.0) stark an. In allen Kantonen, mit Ausnahme von Nidwalden, ist die Austrittsrate in den letzten fünf Jahren gestiegen.
Die Kirchenaustrittsraten pro 1000 Kirchenmitglieder fallen in den einzelnen Kantonen unterschiedlich hoch aus und unterliegen jährlichen Schwankungen. Deshalb ist bei der Interpretation eine gewisse Vorsicht geboten. In den Jahren 2011/12 und 2015 lag zudem die Austrittsrate bei den Reformierten in vielen Kantonen etwas höher als bei den Katholiken.
Entwicklung der Kirchenaustritte in ausgewählten Kantonen ab dem Jahr 2000
Langzeitentwicklungen lassen sich nur für wenige Kantone nachzeichnen. Grafik 6 zeigt die Entwicklung der absoluten Kirchenaustrittszahlen der römisch-katholischen Kirche zwischen den Jahren 2000 bis 2015 in den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich.
Die Kantone Aargau und Zürich weisen die höchsten absoluten Austrittszahlen auf: In Zürich sind die Austritte gegenüber dem Jahr 2014 stark, nämlich um 585 gestiegen (im Jahr 2014 waren es 3’639 Austritte, im Jahr 2015 waren es 4’224 Austritte). Der Kanton Aargau verzeichnete im Jahr 2015 zwar 27 Kirchenaustritte weniger als im Jahr 2014 (im Jahr 2014 waren es 3’062 Austritte und im Jahr 2015 waren es 3’035 Austritte), er gehört aber schweizweit weiterhin zu den Kantonen mit den höchsten Austrittszahlen. Auch die Kantone St. Gallen und Luzern weisen deutlich höhere Austrittszahlen gegenüber dem Jahr 2014 auf. In Luzern sind die Austritte um 349 angestiegen (im Jahr 2014 waren es 1’639 Austritte und im Jahr 2015 waren es 1’988 Austritte) und im Kanton St. Gallen sind die Austrittszahlen um 336 gestiegen (im Jahr 2014 waren es 1’680 Austritte und im Jahr 2015 waren es 2’016 Austritte).
Zum konfessionellen Vergleich wird in Grafik 7 die Entwicklung der absoluten Kirchenaustrittszahlen der evangelisch-reformierten Kirche in den gleichen Kantonen und im gleichen Zeitraum dargestellt.
Die reformierten Landeskirchen der Kantone Aargau, Zürich und Bern-Jura-Solothurn weisen die höchsten absoluten Austrittszahlen auf. Der Kanton Aargau verzeichnet zwar 145 Austritte weniger als im Jahr 2014 (3’073 Austritte im Jahr 2014 und 2’928 Austritte im Jahr 2015), gehört aber nach wie vor zu den Kantonen mit den schweizweit höchsten Austrittszahlen. Die reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn haben gegenüber dem Jahr 2014 251 Austritte mehr zu verzeichnen (4’710 Austritte im Jahr 2014 und 4’961 Austritte im Jahr 2015) und im Kanton Zürich sind die Austrittszahlen um 449 gestiegen (3’832 Austritte im Jahr 2014 und 4’281 Austritte im Jahr 2015).
Gesamtschweizerisch lässt sich festhalten, dass die Zahl der Kirchenaustritte sowohl bei der römisch-katholischen als auch in der evangelisch-reformierten Kirche im Jahr 2015 in den meisten Kantonen gestiegen ist.
Kirchenaustritte in der römisch-katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum: Vergleich mit den Nachbarländern Deutschland und Österreich für die Jahre 2013 – 2015
Die Tendenz zunehmender Kirchenaustritte ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich feststellbar.
Grafik 8 zeigt die Kirchenaustritte pro 1000 Kirchenmitglieder der römisch-katholischen Kirche der drei deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die höchste Austrittsrate für die Jahre 2013, 2014 und 2015 verzeichnet das stark katholisch geprägte Österreich: Gut 10 von 1000 Kirchenmitgliedern treten pro Jahr aus der Kirche aus.
Die Austrittsrate in Deutschland ist 2014 stark angestiegen, von 7.4 auf 9.1 pro 1000 Kirchenmitglieder. Einen Einfluss auf diese stark angestiegene Zahl der Kirchenaustritte hatten Veränderungen im Verfahren des Einzugs der Kirchensteuern. Diese boten offenbar vielen einen konkreten Anlass zum Kirchenaustritt. Zwischen den Jahren 2014 und 2015 sank die Rate wieder auf 7.7 pro 1000 Kirchenmitglieder.
In der Schweiz ist über die ganze Zeitspanne eine Zunahme der Austrittszahlen feststellbar: Traten im Jahr 2013 8 von 1000 Kirchenmitgliedern aus, so sind es im Jahr 2015 fast 10 von 1000 Kirchenmitgliedern.
Die weiteren Teile der Kirchenstatistik, welche die Kirchenaustritte, die Christinnen und Christen mit Migrationshintergrund sowie die kirchlichen Trauungen beleuchten, werden über die nächsten Wochen aufgeschaltet. Wir halten Sie per Newsletter auf dem Laufenden.