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Um die Grosse (Rhinolophus ferrumequinum) und Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) und insbesondere auch ihre Wochenstubenquartiere zu schützen, wurde vor rund 20 Jahren ein Nationales Schutz- und Monitoringprogramm entwickelt. Im Rahmen dieses Projekts werden die Kolonien jährlich kontrolliert und die maximale Anzahl adulter Tiere erfasst.
Ein Blick zurück zeigt, dass sich in den ersten 10 Jahren des Monitoring der Bestand der Kleinen Hufeisennase von ca. 1’500 Tiere kontinuierlich auf teilweise über 3'200 Tiere erhöht hat. Seit 2012 halten sich die Zählungen, mit leichten Schwankungen, auf diesem Niveau. Man darf also von einer positiven Entwicklung sprechen, die darauf hindeutet, dass sich der Bestand der anfänglichen Restpopulation erholt hat.
In den zwei Wochenstuben der Grossen Hufeisennase, welche im Rahmen des Monitoring kontrolliert werden, konnten 2021 rund 200 erwachsene Tiere erfasst werden. Während die rund 190 Grossen Hufeisennasen im Kanton Graubünden eine kopfstarke Kolonie bilden, welche zu den wichtigsten in ganz Mitteleuropa gehört, finden sich in der Wochenstube im Kanton Aargau jährlich nur 5-10 Weibchen ein. Die Entwicklung dieser Kolonie ist trotz Fördermassnahmen im Lebensraum leider rückläufig.
Um sicher zu stellen, dass sich die Bestände der Grossen und Kleinen Hufeisennasen weiterhin positiv entwickeln, müssen die verbleibenden Wochenstubenkolonien erhalten und die Jagdlebensräume sowie die Flugkorridore geschützt werden.
Die Kleine Hufeisennase, welche zu den kleinsten einheimischen Fledermausarten gehört, ist gemäss der Roten Liste Schweiz stark gefährdet. Mitte des 20. Jahrhunderts erlitt diese Fledermausart in der Schweiz wie auch in ganz Europa als Folge des damals weit verbreiteten DDT-Einsatzes massive Bestandeseinbrüche. Dank dem Verbot dieses Pestizids könnten sich die Bestände langsam wieder erholen. Doch noch immer stehen die Populationen durch den Mangel an Quartieren sowie Lebensraumverlust stark unter Druck. Gegenwärtig sind in der Schweiz rund 80 Wochenstubenkolonien der Kleinen Hufeisennase bekannt, welche sich auf die Kantone Graubünden (rund 40% des Gesamtbestandes), Obwalden und Bern (Region Tuner- und Brienzersee) konzentrieren. Der Gesamtbestand in den Wochenstuben beträgt rund 5‘300 adulte Tiere.
Zu den seltensten einheimischen Säugetierarten gehört die Grosse Hufeisennase. Sie gilt in der Schweiz als vom Aussterben bedroht. Anfang des letzten Jahrhunderts war sie noch weit verbreitet, doch der Rückgang des Nahrungsangebots (infolge Insektizide) sowie der Einsatz von giftigen Holzschutzmitteln in den Dachstöcken hatten einen starken negativen Einfluss auf die Bestände. Gegenwärtig sind in der gesamten Schweiz nur noch 4 Wochenstubenkolonien (Graubünden, Wallis, Aargau) mit insgesamt knapp 250 Weibchen bekannt.
Die Grosse und Kleine Hufeisennase sind mit ihrem charakteristischen Nasenaufsatz gut von anderen einheimischen Fledermausarten zu unterscheiden. Ihre Quartiere befinden sich vorzugsweise in warmen, ungestörten Dachstöcken, wo die Weibchen im Sommer ihre Jungtiere aufziehen. Diese Wahl des Verstecks macht die Grosse und Kleine Hufeisennase vom Menschen abhängig und einen Schutz ihrer Quartiere unerlässlich.
Beide Hufeisennasen-Arten ziehen sich in der kalten Jahreszeit zum Winterschlaf in Höhlen zurück. Sie sind darauf angewiesen, dass diese kühl, feucht und insbesondere störungsfrei sind. Als Stellvertreterin für eine grosse Zahl von Tierarten, die ebenfalls auf solche geschützte und frostfreie Rückzugsorte angewiesen sind, wurde die Kleine Hufeisennase von der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (SGH) zum «Höhlentier des Jahres 2022» gewählt. Mit dieser Wahl will die SGH darauf hinweisen, dass bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht.