Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03263.jsonl.gz/1463

Nach einem winterlichen Start in die vergangene Woche stiegen die Temperaturen markant an. Mit schwachen Niederschlägen und starker Bewölkung gelangte viel Wärme in die Schneedecke. Dadurch nahm die Anzahl Gleitschneelawinen deutlich zu. Zudem gab es einige Lawinenauslösungen in flächigen Schwachschichten etwas tiefer Schneedecke, am Samstag gleich mehrere davon in der Region Davos.
Zu Wochenbeginn stand am Dienstag, 23. Januar mit Neuschnee bis in mittlere Lagen die Gefahr von trockenen Lawinen im Vordergrund. Die Schneefallgrenze sank rasch auf rund 1000 m (Abbildung 1). Danach fiel bis in die Nacht auf Samstag, 27.1. wiederholt Niederschlag, nicht in grossen Mengen, aber mit anhaltend sehr hoher Schneefallgrenze. Diese stieg in der Nacht auf Mittwoch, 24. Januar vorübergehend auf 2700 m an. Lokal wurden am westlichen Alpennordhang sogar Regenspuren auf 3000 m beobachtet. Diese hohe Schneefallgrenze lässt sich aus den Messungen an den automatischen Stationen nicht nachvollziehen und wird in Abbildung 1 unterschätzt. Erst gegen Ende des Niederschlags sank die Schneefallgrenze in der Nacht auf Samstag, 27.1. auf 1500 m ab.
Die Niederschlagsmengen, welche bis in hohe Lagen als Regen fielen, waren im Westen recht bescheiden. Am zentralen und östlichen Alpennordhang und in Nordbünden fielen in mittleren Lagen aber verbreitet 15 bis 30 mm Regen in die Schneedecke. Darüber war von entsprechenden Mengen in Zentimetern Neuschnee auszugehen. Bis zum Niederschlagsende in der Nacht auf Samstag, 27. Januar fielen damit am zentralen und östlichen Nordhang und in Nordbünden oberhalb von rund 2400 m in Summe verbreitet 30 bis 50 cm Schnee (Abbildung 2). Während der Woche blies der West bis Nordwind oft stark, in der Höhe zeitweise auch stürmisch. Am Samstag flaute der Wind ab.
Nasse Lawinen
Rein aufgrund der Niederschlagsmengen war vor allem am westlichen Alpennordhang nicht von einem starken Anstieg der Aktivität von Gleitschneelawinen auszugehen. Daher wurde dort während der ganzen Woche vor mässiger Gefahr (Stufe 2) von Gleitschneelawinen gewarnt. Im Osten wurde mit den grösseren Regenmengen am Donnerstag, 25. Januar vor erheblicher Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen (Stufe 3) gewarnt.
Im Nachhinein betrachtet, wurde die Gefahr vor allem im Westen und allgemein in ihrer Dauer unterschätzt. Durch die mangelnde Abstrahlung, die milden Temperaturen und den Regen gelangte viel Wärme in die Schneedecke, was die Gleitschneelawinenaktivität steigerte. Vom 24. bis zum 26. Januar wurden zahlreiche spontane Nass- und Gleitschneelawinen beobachtet. Am meisten Aktivität wurde am Nördlichen Alpenkamm und in Nordbünden registriert (vgl. Abbildungen 3 und 4).
Trockene Lawinen
Mitte Januar wurde verbreitet eine ungünstige Altschneeoberfläche eingeschneit. In der dritten Januarwoche wurde diese vor allem im Westen eingeschneit, was dort gebietsweise zu vielen Lawinenabgängen führte, vgl. Blog vom 19. Januar. Im Osten fiel in dieser Periode nur wenig Schnee und Lawinen waren in dieser Phase dort eher klein, vgl. Blog vom Blog vom 22. Januar. Mit dem Neu- und Triebschnee dieser Berichtswoche (Abbildung 2) stieg die Lawinengefahr in den östlichen Gebieten des Nördlichen Alpenkamm, in Nordbünden und im nördlichen Unterengadin an und war bis am Freitag, 26. Januar mit erheblich (Stufe 3), am Samstag, 27. Januar mit mässig (Stufe 2) prognostiziert.
Einige Lawinenauslösungen am Freitag, 26. Januar, besonders aber am Samstag, 27. Januar im Gebiet Klosters/Davos und im nördlichen Unterengadin haben gezeigt, dass Lawinen auch in den oben beschriebenen Schwachschichten ausgelöst werden, flächig anreissen und teils gross werden konnten (Abbildungen 5 und 6). Dies vor allem oberhalb von rund 2700 m. Rückblickend war die Lawinengefahr auch am Samstag, 27. Januar in den Gebieten Prättigau, Davos, nördliches Unterengadin in diesen Höhenlagen erheblich (Stufe 3), was in der Prognose für Sonntag, 28. Januar dann angepasst wurde (vgl. Gefahrenentwicklung unten).
Am Mittwoch, 24. Januar ereignete sich im Gebiet La Dotse (Orsière, VS) an einem Westhang auf rund 2300 m ein Lawinenunfall mit zwei erfassten Personen, wobei eine Person tödlich verunglückte. Am Samstag, 27. Januar wurden aus den Gebieten Prättigau/Davos fünf Lawinen gemeldet, die durch Personen ausgelöst wurden, wobei alle glimpflich verliefen (Meldungen bis Redaktionsschluss).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.