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Ajoie wendet Spiel und Serie zum Ligaerhalt
Ajoies Trainer und Sportchef Julien Vauclair erlebt gegen den Swiss-League-Champion La Chaux-de-Fonds eine Achterbahn der Gefühle. Nach dem erhofften Happyend begibt sich Vauclair auf Trainersuche.
Ajoies Trainer und Sportchef Julien Vauclair erlebt gegen den Swiss-League-Champion La Chaux-de-Fonds eine Achterbahn der Gefühle. Nach dem erhofften Happyend begibt sich Vauclair auf Trainersuche.
Biels einstiger «Hockey-Gott» Kevin Schläpfer bezifferte einst den Alterungs-Prozess als Cheftrainer des Oberklassigen in den Ligaqualifikationen von 2009 und 2010 mit jeweils «zehn Jahren».
Mittlerweile spielt Schläpfers Sohn Elvis für Biel und greift mit den Seeländern nach dem Meistertitel. So weit dürfte es der HC Ajoie wohl auch in knapp eineinhalb Jahrzehnten nicht bringen. Immerhin darf sich der Underdog aber auf seine dritte Saison in der National League freuen.
Dafür durchlief Ajoies Trainer und Sportchef Julien Vauclair gegen den Swiss-League-Champion La Chaux-de-Fonds eine Gefühlsachterbahn. «Ich erlebte einen Stress wie noch nie zuvor in meinem Eishockey-Leben», resümiert Vauclair.
In der ersten Ligaqualifikation seit Beginn der Corona-Pandemie und der Liga-Expansion von 12 auf 14 Mannschaften lag Vauclairs Team nach Siegen 0:2 zurück und «es gab einige, die uns abschrieben und uns den absoluten Willen zum Ligaerhalt absprachen», betont die jurassische Eishockey-Legende.
Doppel-Belastung nicht mehr zu stemmen
18 Heimspiele in Folge hatte La Chaux-de-Fonds gewonnen, ehe Ajoie mit zwei Auswärtssiegen am Stück die Neuenburger in die Schranken wies. Mit einem fulminanten Finish vom 1:2 zum 3:2 in La Chaux-de-Fonds realisierte Ajoie am Ostermontag den vierten Erfolg in Serie. Und vermied eine Heim-Belle und somit den Maximal-Stresstest für Vauclair mit einem siebten Spiel.
Vauclair betont, dass er sich nun schnellstmöglich der Evaluierung des neuen Cheftrainers für die kommende National-League-Saison annehmen werde. «Denn eine solche Doppel-Belastung als Sportchef und Headcoach kann ich nicht mehr stemmen», sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Der langjährige Schweizer Nationalverteidiger mit NHL-Erfahrung war im Verlaufe der Saison wie schon im Vorjahr als Interimstrainer eingesprungen.
Gegentor als Weckruf
Er habe beträchtliche Familien-Zeit geopfert, «für diesen Sport, den ich liebe», betonte Vauclair. Auch Ajoies starker Goalie Tim Wolf bedankte sich bei seiner Partnerin für die Rückendeckung im privaten Bereich.
Und als Wolf den dramatischen Finish am Montag reflektierte, kam er zum Schluss: «Das späte 2:1 von La Chaux-de-Fonds hatten wir fast benötigt, um im Finish aufzudrehen. Wir wollten dann unbedingt das Zittern mit einem Spiel 7 vermeiden.»
Der 31-jährige Zürcher Keeper hat mit den Jurassiern in den letzten vier Saisons bereits den Aufstieg und Cupsieg miterlebt. Gegen La Chaux-de-Fonds sei der Druck aber immens gewesen. Denn es ging auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Die verlorene Playout-Serie gegen die SCL Tigers mit dem «Sudden Death» in Spiel 6 hatte Ajoie richtig weh getan. «Dies hatten wir zu Beginn der Auf-/Abstiegs-Playoffs noch nicht verdaut, denn wir spielten gegen Langnau sehr gut», gibt Wolf zu.
Doch das Overtime-Siegestor von Jordane Hauert in Spiel 3 der Ligaqualifikation erwies sich als Dosenöffner. Der nun abtretende Captain und Sohn des Präsidenten verkürzte die Serie mit jenem Siegtreffer auf 1:2. Der 36-jährige Hauert hob heraus, «dass wir Charakter haben in diesem Team. Jeder nahm seine Verantwortung wahr.»
Dies sieht auch Thibault Frossard (29) so, der in der Ligaqualifikation mit je drei Toren und Assists zum Topskorer der Jurassier avancierte. Der aus dem eigenen Nachwuchs stammende Stürmer war bereits beim Aufstieg von Ajoie vor zwei Jahren mit acht Toren und zehn Assists enorm wertvoll gewesen. Seit seinem Debüt für Ajoie in der zweithöchsten Spielklasse (2011/2012) war Frossard nur einmal noch kurz in der Fremde aktiv - im U20-Team von La Chaux-de-Fonds...
Carbis: «Waren zu ungestüm»
Genau wie bei Ajoie mit Hauert geht auch bei La Chaux-de-Fonds die Profi-Karriere des Captains zu Ende. Der Bündner Daniel Carbis (34) kehrt nach acht Jahren im Neuenburg in seine Heimat zurück. Dass er künftig für Arosa spielen wird, wie kolportiert wurde, schliesst er aus. «Ich kehre einfach nach Davos zurück. Meine Karriere als Profispieler ist aber beendet», sagt der frühere HCD-Flügelstürmer.
Dass das Ende der Ligaqualifikation mit einer so späten Gegen-Wende von Ajoie in Spiel 6 folgte, ist für Carbis schwer zu verdauen: «Wir haben vielleicht das beste Spiel dieser Serie gemacht. Dann waren wir drei, vier Minuten zu wenig gut organisiert, zu ungestüm.»
La Chaux-de-Fonds' Headcoach Louis Matte gestand ein, dass man da halt festgestellt hätte, weshalb Ajoie das National-League- und sie selbst das Swiss-League-Team gewesen seien.