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Der Zusammenhang mit der Architektur
Theoretisch ist die animierte Fassadengrafik ein erfolgversprechendes Gebiet. In der Praxis überzeugen aber nur wenigsten Projekte. Die Monitore entfalten zwar gestalterische Wirkung, ihr Zusammenhang mit der Architektur ist aber eher gering.
(… vorher) Jean Nouvel und Renzo Piano haben es beide schon versucht: Sie bauten grossen Screens in ihre Werke ein. Renzo Piano tat dies an der Hochhausfassade des Telekommunikationskonzerns KPN in Rotterdam, Jean Nouvel in Kopenhagen an der Konzerthalle des dänischen Rundfunks. So unterschiedlich die beiden Gestaltungsstrategien sind, so ähnlich sind sie sich doch in ihrem Scheitern ein Teil der Architektur zu werden:
Renzo Piano entwarf zusammen mit Studio Dumbar einen groben Monitor (22 x 41 Pixel). Dieser erstreckt sich über die ganze Nordostfassade der Hochhausscheibe und besteht aus einem Raster grüner Leuchpunkte mit einem Abstand von eineinhalb bis zwei Meter. Damit ist es möglich einfache Grafiken oder Animationen auszustrahlen: Man sieht beispielsweise eine Sanduhr ablaufen, eine laufende Figur oder einen fliegenden Vogel.
Jean Nouvel setzte in Dänemark nicht auf selbstleuchtende Pixel sondern auf Lichtstarke Projektoren. Die Fassade ist wortwörtlich eine Leinwand. Eine textile Membran umspannt ein formloses Konglomerat von Konzertsälen und bildet nach aussen die Form eines Würfels. Tagsüber zeigt sich die Fassade als einfache Textilfläche. Nachts ist das Volumen punktuell von innen heraus erleuchtet und wird von aussen mit Filmen und Lichtflächen bespielt. Die Inhalte der Filme drehen sich schwergewichtig um die Konzerte im Gebäudeinneren. Beide Monitorprojekte erzeugen nachts eine interessante Stimmung und ein erhebliches Mitteilungspotenzial. Aber was nützt dies der Architektur?
Zunächst fällt auf, dass die dargestellten Inhalte mit dem Bauwerk selbst wenig zu tun haben. Die Grafischen Animationen von Rotterdam können auf jedem beliebigen Monitor abgespielt werden. Sie sind in ihrer Abstraktion und Beziehungslosigkeit zum Ort gänzlich autonom.
Ähnliches lässt sich für das Konzerthaus in Dänemark feststellen. Zwar stellen die Projektionen Vorgänge im Inneren des Gebäudes dar und sind damit nicht ganz so ortsfremd, doch mit der Architektur besteht dennoch kein Zusammenhang. Denn ob sich hinter der Leinwand ein Gebäude befindet oder nicht, spielt für die Wirkung der Bilder keine Rolle. Die Projektionen beider Projekte mögen für sich genommen einen Ausdruck entfalten, aber sie tragen nichts zum Ausdruck der Architektur bei.
Bei Tageslicht wird die Zusammenhangslosigkeit von Monitoren und Architektur offensichtlich. Beide Bauten leiden dann an akuter Ausdrucksschwäche. Die durchscheinende Membran in Kopenhagen verliert jeglichen Gestaltungswillen und die ausgeschalteten Monitorpixel des Rotterdamer Hochhauses geben den Blick auf eine wenig inspirierende Rasterfassade frei. Ohne die grünen Pixelanimationen Pianos oder die mystisch, blaue Projektion Nouvels werden die Bauten zu fahlen Zeitgenossen.
Damit lässt sich auf der einen Seite festhalten, dass sich die Architekten bei den vorgestellten Projekten zu sehr auf die Wirkung der Monitore verlassen haben. Auf der anderen Seiten zeigt sich, dass Bild- und Filmdarstellungen nur schwer mit der Disziplin Architektur zusammengebracht werden können. Beide Projekte lösen die offensichtlichen Konflikte, die wir schon am Times Square (Das Flächenproblem) beobachtet haben, nicht auf.
Es lässt sich vermuten, dass stehende und bewegte Bilder ganz grundsätzlich kein Teil der Architektur sein können. (Weiter bei…)