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Walter & Marianne Kaiser
14. Juni 1963: Europameisterschaft Professional Standard, Hamburg
tanz-Illustrierte Juli 1963
Auf einen Blick
1. Bill und Bobbie Irvine (England)
2. Vim Voeten und Jeanne Assman (Holland)
3. Siegfried und Anneliese Krehn (Düsseldorf)
4. Walter und Marianne Kaiser (Schweiz)
5. Herbert und Hilde Schöbel (Erlangen)
6. Ernst und Helga Fern (Düsseldorf)
Immer wieder die Irvines
In Hamburg sind sie auch wieder Europameister in den Standardtänzen geworden.
Immer wieder die Irvines! Auf allen Turnieren der Professionals schweben sie ihren Konkurrenten davon. Vor drei Jahren, als südafrikanisches Paar, kannte sie noch niemand. Heute blicken sie auf sieben Weltmeistertitel zurück. Sie sind das Rekordpaar unter allen Turniertänzern, von Amateuren und Profis bewundert.
Peter Eggleton / Brenda Winslade, die 1961 und 1962 noch ihre härtesten Widersacher in der englischen Schule waren, auf der Insel sogar meist vor ihnen placiert wurden, scheinen als letztes Paar vor ihrer Kunst zu kapitulieren. Verbreitete sich schon vor der Weltmeisterschaft 1963 in London das Gerücht, Eggleton habe seine Meldung nur deshalb zu spät abgegeben, weil er gar nicht die Absicht habe, gegen Irvines ins Feld zu ziehen, so verdichtete sich dieser Verdacht in Hamburg noch mehr. Trotz offener Türen waren sie zur Europameisterschaft 1963 der Professsionalpaare in den Standardtänzen nicht erschienen. Deshalb stand in der Festhalle Planten und Blomen der neue Meister von vornherein fest: Bill und Bobbie Irvine aus London. Auch die folgenden Paare schnitten wie erwartet ab: Vim Voeten und Jeanne Assman (Holland) als Zweite, Siegfried und Anneliese Krehn (Düsseldorf) als Dritte, Walter und Marianne Kaiser (Schweiz) als Vierte. Die Überraschung brachten Herbert und Hilde Schöbel (Erlangen), die - im Vorjahr in der Zwischenrunde verblieben - diesmal in die Endrunde kamen und vor Ernst und Helga Fern (Düsseldorf) den fünften Platz belegen konnten.
Als die Irvines 1960 und 1961 ihre ersten grossen Erfolge errangen, starteten sie noch für die Südafrikanische Union; denn Bill Irvine, in Schottland geboren, war als Gymnastiklehrer in die Union gegangen, hatte dort in Johannesburg seine heutige Frau kennengelernt und mit ihr zu trainieren begonnen. Ihre Trainer waren die bekanntesten Weltmeister aus jener Zeit, in der es noch keine offiziellen Weltmeisterschaften nach heutigem Reglement gab, die ersten, die nicht aus Europa kamen - das australische Paar Wells / Sissons, die sich in den 50er Jahren als Tanzlehrer in Südafrika niedergelassen hatten.
Wells / Sissons haben wohl die Grundlagen gelegt - aber ihren Erfolg haben die Irvines selbst entwickelt. Bill Irvine hat das Rätsel erst vor kurzem gelüftet: "Als ich die Technik des Turniertanzes studiert hatte, begann ich, alles, was man mir beigebracht und was ich mit meiner Frau hinzugelernt hatte, systematisch noch einmal nach jenen Gesetzen zu überarbeiten, die ich einst für meinen Beruf als Gymnastiklehrer lernen musste. Ich begann wieder von vorn, beschäftigte mich erneut mit meinen Kollegheften über den Körperbau, über die Funktionen der Muskeln, über Bewegungslehre, Ausgleichstraining und Schonung der Kräfte. Und dabei wurde mir klar, dass jede tänzerische Bewegung, die den natürlichen Bewegungsabläufen des Körpers nicht entspricht, weder harmonisch aussehen kann, noch jene Kraftreserven zu speichern erlaubt, die für das Durchstehen eines grossen Turniers erforderlich sind, wenn man in den letzten Runden noch viel leisten will. Beim gemeinsamen Durcharbeiten aller Tänze fanden wir ferner heraus, dass jeder von uns - meine Frau wie ich - allein tanzen muss, auch wenn wir in Paarhaltung gemeinsam zu tanzen scheinen.
Niemals sollte der eine Partner den anderen halten oder gar stützen - es sei denn, der andere habe einen Impuls nötig, um einen ganz bestimmten Effekt zu erreichen."
So haben zwei tänzerische Naturtalente die Bewegungsgesetze der Gymnastik mit den Erkenntnissen des Sportarztes verbunden und damit - das darf man ohne Einschränkung sagen - das höchste Mass an technischer Brillanz und an Harmonie aus Musik, Rhythmus und Stilistik in den klassischen Tänzen erreicht, das in der hohen Schule des Gesellschaftstanzes bisher gezeigt wurde.
Wer sie jedoch, weil sie heute vor allem als Turnier- und Schautanzpaar verpflichtet werden, als Artisten bezeichnet, tut ihnen unrecht. Freilich geben sie keinen Tanzunterricht im üblichen Sinn - sie lehren nicht mehr, wie einst in Südafrika, in Anfänger- oder Fortgeschrittenenkursen - ihr grosses Wissen um die Ursachen des Erfolges im Turniertanzen macht sie zu hervorragenden Lehrern ihres Fachs, ihr Lehrsaal ist überall dort, wo Fachleute und Hochleistungspaare in ihre Geheimnisse eindringen möchten.
So waren sie auch Fachlehrer bei der Internationalen Tanzlehrertagung in Bad Kissingen.