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Formative Beurteilung in Ehren, aber am Ende des Schuljahres steht eine Note im Zeugnis. Wie aber kommt diese Note zustande, wenn es keine Tests mehr gibt, in denen die Summe der Fehler die Bewertung bestimmt?
Die Zeugnisnote ist mehr als der Durchschnitt aller Tests. Sie ist ein Expertenurteil der Lehrperson, die Lernfortschritte beobachtet und Leistungen differenziert gewichtet. Die Zeugnisnote setzt sich dementsprechend aus folgenden Elementen zusammen:
- Prozessorientierte Beobachtungen: Sie eignen sich überall dort, wo Lernfortschritte nicht mit einer Lernkontrolle oder an einem Produkt überprüft werden. Dazu eignen sich Beobachtungsbogen, die in die Beurteilung der Sachkompetenz einfliessen (z.B. die Anwendung der Fremdsprache im Unterricht, in einer Gruppenarbeit oder beim Spielen). Im Online-Dossier finden Sie einen solchen Beurteilungsbogen.
- Formative Beurteilung von Produkten (Tâche/Task): Während des Lernprozesses erhalten die Schülerinnen und Schüler immer wieder Feedbacks zum entstehenden Produkt. Diese Feedbacks können mündlich oder schriftlich erfolgen. Das Produkt wird anhand eines Kriterienrasters beurteilt, das sich nach den Lernzielen richtet, und das den Schülerinen und Schülern bekannt ist. Mille feuilles, Clin d’oeil und New World enthalten solche Kriterienraster.
- Summative Evaluationen (Lernzielkontrollen): Sie dienen der Beurteilung mit einer Note. Pro Parcours oder Unit wird in der Regel nicht mehr als eine summative Evaluation durchgeführt. In den Lehrmitteln befindet sich in jedem Parcours bzw. in jeder Unit eine summative Evaluation. Lehrpersonen, die eigene Lernzielkontrollen erstellen, dienen sie als Vorlage. In den Broschüren zur Beurteilung finden Sie auch Hinweise für das Erstellen eigener Lernzielkontrollen (Primarstufe: S. 34; Sekundarstufe I: S. 60).
Die Zeugnisnote ist also nicht einfach der Durchschnitt aller Einzelleistungen. Sie ist vielmehr das Resultat einer differenzierten Beobachtungs- und Beurteilungskultur. Diese Form der Beurteilung reflektiert das ganze Fachwissen und die Erfahrung der Lehrperson. Sie erfordert gleichzeitig auch ein Umdenken, weil nicht mehr allein die Anzahl Fehler oder der Grad der Korrektheit die Note bestimmen. Vielmehr zählt, auf welche Ressourcen, die sie während des Lernprozesses aufgebaut haben, die Schülerinnen und Schüler zurückgreifen, um damit sprachlich kompetent handeln zu können. Das braucht etwas Übung. Aber mit diesen Beurteilungsmethoden wird das wichtigste Anliegen des Lehrplans erfasst: nämlich die Fähigkeit, die Fremdsprache immer selbstständiger zu gebrauchen.