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Die neue Guggihütte
In kürzerer Frist, als erwartet wurde, konnte die Sektion Oberland die Schulden auf der im Jahre 1907 errichteten Kottalhütte abtragen und durfte deshalb mit einem gewissen Optimismus gleich an den Ersatz ihres zweiten Schmerzenskindes, der Guggihütte, denken. Wie im Rottal, so ist nun auch auf der Nordseite der Jungfrau seit den Siebzigerjahren die dritte Clubhütte erstanden; es sei auch hier das Sprichwort „ Aller guten Dinge sind drei " ein gutes Omen.
Im Jahrbuch, Band X, pag. 621, schrieb Herr Pfarrer Gerwer über die 1874 erstellte erste Hütte: „ Die Kosten belaufen sich auf nicht weniger als 1500 Franken, eine hohe Summe! Hat vielleicht nicht manche Hütte, die ja bei uns meist so einfach erstellt werden, so viel gekostet, so dürfen wir ohne Übertreibung sagen, daß auch nicht manche so gut gebaut ist und gegen jedes Unwetter so vollkommenen und behaglichen Schutz bieten wird wie die Guggihütte. " Wie schnell sich doch die Verhältnisse ändern! Schon in den Neunzigerjahren machte sich das Bedürfnis geltend, die Hütte zu verlegen, da sie aus Sparsamkeitsrücksichten mit der einen Seite an eine Felswand gebaut war und deshalb unter Feuchtigkeit litt. Doch wie im Rottal, so wurden auch hier beim zweiten Bau Fehler begangen; insbesondere waren es die zu kleinen Dimensionen, maß doch die Bodenfläche der Hütte von 1894 kaum neun Quadratmeter. Großes Raumbedürfnis war zwar nicht geboten, da die Besteigungen des Mönch und der Jungfrau von Norden, denen die Guggihütte dient, ihrer Schwierigkeit wegen nur selten unternommen werden. Ungünstigen Einfluß hatte das stete Vorrücken der Bergbahnen, die dem Hüttchen zuviel unerwünschten Besuch brachten, so daß die Ordnung meist zu wünschen übrig ließ. Der Plan eines Neubaues war denn auch unzertrennlich mit dem Wahlspruch „ Höher hinauf " verbunden. Zweifelte man früher an der Existenz eines Standortes höher oben, der zugleich als Ausgangspunkt für die Besteigung des Mönch wie der Jungfrau diente, so war solcher schon gefunden, bevor noch die Erstellung der Rottalhütte, die sich nicht länger hinausschieben ließ, begonnen war. Führer Jakob Müller in Gsteigwiler war es, der zuerst auf einen Bauplatz auf der Nordseite des Mönch in 2800 m Höhe aufmerksam machte, von dem aus der Abstieg zum Guggigletscher möglich ist.
Im Jahre 1908 wurde der Neubau von der Sektion beschlossen und sofort ein Subventionsgesuch an das Zentralkomitee eingereicht, das jedoch erst von der Delegiertenversammlung des Jahres 1909 genehmigt wurde. Das Fundament war damals bereits erstellt, so daß eine frühzeitige Vollendung des Baues im Vorsommer 1910 zu erwarten stand, hätte nicht das schlechte Wetter, das uns das berüchtigte Kometenjahr brachte, die Arbeiten ungemein verzögert, so daß die Einweihung erst am 7. August stattfinden konnte. Zimmermeister A. von Allmen aus Lauterbrunnen, der den Transport und Bau übernommen hatte, litt sehr unter der Unbill der Witterung, hätte er doch beinahe durch Ausgleiten auf den vereisten Felsen sein Leben eingebüßt. Wie bereits angedeutet, war auch für einen Neubau das Raumbedürfnis kein großes; zudem sah sich die Sektion genötigt, möglichst rationell zu bauen, da die Beschaffung der nötigen Geldmittel schwieriger war, als anfangs erwartet wurde. Mitglied Ernst Wälchli erstellte nun nach meinen Andeutungen einen Bauplan, der diesen Anforderungen entsprach und vielleicht andern Sektionen, die eine schlichte, billige Hütte bauen möchten, als Vorbild dienen wird. Die Ansicht der neuen Clubhütte im Clubhüttenalbum enthebt mich einer Baubeschreibung; ich bemerke nur, daß die Hütte bequem 14 Personen faßt, somit auf absehbare Zeit genügt. Die Kosten belaufen sich auf Fr. 6200, woran die Zentralkasse Fr. 2900 leistete, daneben wurden noch Fr. 250 für Wegverbesserung, Abstieg zum Guggigletscher, ausgelegt. Es sei auch hier den verschiedenen Subvenienten der wärmste Dank ausgesprochen; insbesondere sei auch des Personals der Jungfraubahn gedacht, das den Unternehmern in mancher Weise entgegenkam.
Stolz thront nun die neue, schmucke Guggihütte, wie wenige ihresgleichen, auf schmalem, hohem Felsgrat, scheinbar unnahbar von unten und doch so einladend für den Höherstrebenden und Ruhesuchenden. Möge sie nun im Verein mit der Rottalhütte, die beide die großartigsten Wege nach der hehren Jungfrau erschließen, recht lange Zeugnis ablegen von Jahren neuen Lebens und Impulses ihrer Erstellerin, der Sektion Oberland, die stolz darauf sein darf, diese beiden Schlüssel zur Königin der Berner Alpen die ihrigen zu nennen und neu vergoldet zu haben.
Fritz Beck ( Sektionen Oberaargau und Oberland ).