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Tagesbericht vom 16.03.2002
Wasser scheint es hier genügend zu geben. Die Dörfer – resp. Siedlungen – befinden sich auf dem Hügel und nicht wie in wasserarmen Gegenden am Fluss, im Tal. Schafe, Kühe und Pferde dürfen wieder frei herumlaufen. Sicherheitssysteme, Alarmanlagen, Zäune und Mauern sind verschwunden. Die braucht es nur dort, wo Weisse hausen. In der Transkei gibt es wieder mit Stroh gedeckte Rundhütten. Diese sind jedoch meist verputzt und bunt gestrichen, haben Fenster und sind in Kombination mit kleineren Häusern europäischen Stils zusammengebaut. Wer Fantasie hat, baut sich gleich eine mit roten Ziegeln gedeckte 8-eckige ‚Hütte'. Günstiger im Preis dürften die mit Wellblech gedeckten 5-eckigen ‚Hütten' sein. Bäume sehen wir in dieser Weidelandschaft auf 850 Meter über Meer nur vereinzelt. Golfplätze gibt es in diesem Teil des Landes keine mehr; die südafrikanischen ‚Tiger Woods' müssen noch ein paar Jahre warten und momentan Ernie Els das Ruder überlassen. Die grossen Einkaufszentren sind ebenfalls verschwunden. In den grösseren Agglomerationen ist der Dorfladen an der Strasse noch ‚in'.
Krasser können die Unterschiede kaum sein, welche das Regime der Appartheit in Südafrika geschaffen hat (gemäss Brockhaus fast schlimmer, als das Sklaventum). An der Küste, an den schönen Platzen wohnen die Weissen in ihren Villas mit allem Komfort, streng bewacht von Schwarzen. Im Hinterland wohnen die Schwarzen in einem friedlichen, sympathischen Land von der Grösse der Schweiz ohne ständige Angst bestohlen zu werden und treiben Viehzucht und Ackerbau. Daran, dass sie nichts anderes können, ist die Appartheit schuld, da unter diesem Regime den Schwarzen sogar die Schule verwehrt wurde.
Port Edward, Liseli in Aktion
Wir fahren in ‚East London' ein. Es ist Samstag. Das Satellitentelephon läutet. Roman sendet uns eine Message. Die Stadt ist leer. Nach längerem hin- und herfahren finden wir ein Einkaufzentrum, welches offen hat. Wir parkieren Sir James auf der ‚weissen' Seite. Trotzdem - oder deshalb - werden wir sofort von Bettlern umringt. Wir kämpfen uns zum Laden durch. Frische Tomaten, zwei T-Bone Steaks ein paar Lamb-Chops, Brot und einige ‚Guetzli' für unterwegs und schon sind wir wieder 14.- CHF ärmer. Der Bettler wartet immer noch vor dem Auto. Wir kämpfen uns durch. Irgendjemand hat uns auf dem Satellitentelephon zu erreichen versucht. Wir sind zu spät. Schnell verlassen wir diesen Ort und fahren an den Rand der Stadt. Was sehen wir hier: den Super-Spar, das ‚weisse' Einkaufszentrum. Wir parkieren wiederum und versuchen erneut etwas Rohschinken einkaufen zu können. Doch vergeblich. Mit 100 Gramm Salami zu -.90 CHF verlassen wir den Laden, der den ‚Weissen' vorbehalten zu sein scheint.
Jetzt brauchen wir nur noch eine Übernachtungsmöglichkeit. Wir fahren dem Meer nach südwärts, Port Elizabeth zu. Kurz nach East London finden wir einen Campingplatz (Süd 33° 3' 53,4“ und Ost 27° 50' 24,3“). Er ist zwar sehr teuer, knapp 50 Rand oder umgerechnet 8.50 CHF die Nacht. Er liegt an einer Lagune hinter dem Meer. Hat sehr viel Land, so dass wir die anderen ‚Campinger' gar nicht sehen. Verfügt über alles was wir uns wünschen, so dass Liseli sogar auf die Idee kommt, die Bettwäsche von Sir James zu waschen, was inklusive Trocknen auch wieder 0.16 CHF kostet.
So braten wir am Grill über der Holzkohle, die wir vorgestern noch erstanden haben, die beiden armseligen T-Bones. Die Enten, die uns begrüsst haben, verschonen wir momentan noch. Die eingekauften Tomaten werden zu Salat verarbeitet mit Olivenöl und Balsamico-Essig. Dazu gibt es noch ein wenig Reis. Alles zusammen serviert mit Thomy Mayonnaise, Heinz Ketchup und Heinz Worcesterhire Sauce aus der Schweiz. Das nenn ich ein internationales Fastfood! So, und jetzt geht der Film ab: ‚True Crime' heisst der DVD, den wir uns zum Dessert anschauen werden. Gute Nacht.
Das gilt zumindest für Bobo. Weil heute ein so schöner Tag war, möchte er zu klassischer Musik, „Stundentanz“ von Bocchielli, einschlafen. Ihm gelingt dies problemlos. Irgendwann stelle ich den Computer mit der CD ab; das Schnarchen von Bobo kann ich leider nicht mit einem Knopfdruck abstellen. Doch dann schlafe auch ich ein.