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Menschheitsgeschichtlich ist die Ausklammerung von Stimmen recht jung, genauso wie ihre negative Qualifizierung als krankhaft. In religiösen Vorstellungswelten rechnet man unverkrampfter damit, dass jemand Stimmen hört, die andere nicht wahrnehmen.
Zudem sind sie – anders als Horrorfilme vermuten lassen – häufig positiv besetzt. Die bekanntesten Stimmenhörer der Bibel jedenfalls haben vor allem Gott gehört. Eine Auswahl der schönsten akustischen Gotteserfahrungen:
Genesis 12,1-3
«Und Gott sprach zu Abraham…» Mit einer Stimme beginnt die Geschichte Abrahams in der Tora, die auch im Alten Testament zu finden ist. Gott schickt den Nomaden los und verspricht ihm, dass seine Nachkommen ein grosses Volk werden. Auf ihn gehen die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zurück.
1. Könige 19,11-13
Der grosse alttestamentliche Prophet Elia wartet auf eine Gottesbegegnung: Da gibt es zuerst einen heftigen Sturmwind, der Felsen zerbricht, gefolgt von einem Erdbeben und einem Feuer. Erst danach ertönt ein sanftes Wehen und mit ihm die Stimme Gottes.
Jesaja 6
Die Propheten verstanden ihre Botschaften als unmittelbar von Gott erhalten und erzählten davon, wie sie die Stimme Gottes vernommen haben. Typisch hierfür sind die Formeln «Spruch Gottes» oder «so spricht Gott» in ihrer Verkündigung.
Dabei haben sie häufig nicht nur etwas gehört, sondern auch Dinge gesehen, die sonst niemand sieht. Bekannt ist zum Beispiel die Engelsvision von Jesaja, die im Sanctus der h-Moll-Messe wieder zu purem Klang wird.
Apostelgeschichte 9
Saulus stürzt als eifriger Christenverfolger wegen eines Lichtblitzes und verliert vorübergehend sein Augenlicht. Er hört eine Stimme, die ihn fragt: «Saul, Saul, was verfolgst du mich?» Damit beginnt seine Bekehrung zum grossen Apostel, oder eben sprichwörtlich «vom Saulus zum Paulus».
Augustinus
Der bedeutende Philosoph und Theologe Augustinus (354-430) vernahm in einer Sinnkrise immer wieder eine Kinderstimme, die ihm zurief «Nimm und lies!». Woraufhin er die Bibel aufschlug und sein Leben von Grund auf änderte.
Stimmen im Kopf
- Wer Stimmen hört, ist krank – so die gängige Vorstellung. Doch neuere Forschung versteht solche Symptome als Ressource.