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Die Schweiz blickt auf den zweitwärmsten Sommer seit Messbeginn 1864 zurück. Er brachte drei ausgeprägte Hitzeperioden. Die Hitze setzte im Juni ungewöhnlich früh ein und erfasste auch die Monate Juli und August. Zur Hitze gesellte sich über längere Zeit ein massiver Regenmangel. Der wenige Regen liess Platz für viel Sonnenschein, was gebietsweise zum sonnigsten Sommer seit Messbeginn führte.
Die Sommerhitze 2022 erstreckte sich über alle drei Sommermonate. Im landesweiten Mittel wurde der zweitheisseste Juni, der viertheisseste Juli und schliesslich der zweitheisseste August seit Messbeginn 1864 registriert. Dies nach dem zweitwärmsten Mai seit Messbeginn.
Im landesweiten Mittel lag die Sommertemperatur 2,3 °C über der Norm 1991–2020. Nur der legendäre Hitzesommer 2003 brachte mit 3 °C über der Norm mehr Wärme. Der Rang zwei der Sommertemperatur wurde in allen Regionen der Schweiz verzeichnet.
Junihitze
Die erste Hitzeperiode setzte Mitte Juni ein. Spitzenreiter waren der Nordrand der Schweiz und die Regionen Neuenburg, Sion und Biasca mit über 36 °C. Die höchste gemessene Temperatur lieferte Beznau am Nordrand der Schweiz mit 36,9 °C. Knapp darunter lag Biasca im Tessin mit 36,6 °C. Das bisher höchste Schweizer Tagesmaximum für den Juni stammt aus der Basler Messreihe vom Juni 1947 mit ebenfalls 36,9 °C.
Lokale Rekordhitze
Neuchâtel erlebte die deutlich heisseste Juni-Dreitagesperiode seit Messbeginn 1864 mit einem mittleren Tagesmaximum von 34,6 °C. Der bisherige Juni-Rekord lag bei 32,9 °C (Hitzesommer 1947) bzw. bei 32,8 °C (Hitzesommer 2003).
Frühe Hitzeperiode
Die Hitzeperiode Mitte Juni kam auffallend früh (Abb. 2a und b). Die in Neuchâtel gemessene hohe Dreitageshitze zu einem so frühen Zeitpunkt im Jahr ist seltener als alle 25 Jahre zu erwarten. Abgesehen vom frühen Zeitpunkt stellte die Juni-Hitzeperiode jedoch nichts Einmaliges dar, trotz Rekordwerten oder rekordnahen Werten für den Monat Juni. Weit intensivere und länger andauernde Hitze kennt die Schweiz zum Beispiel aus den Jahren 2015, 2003, 1983 oder 1947.
Julihitze
Gegen Mitte Juli wurde die Schweiz von einer zweiten Hitzeperiode erfasst. Der 19. Juli war für weite Teile der Alpennordseite der heisseste Tag im Juli. Die Tageshöchstwerte stiegen nördlich der Alpen und im Wallis vielerorts auf 33 bis 35 °C. Lokal gab es auch 36 °C und mehr. Auf der Alpensüdseite lagen die höchsten Werte zwischen 33 und 34,5 °C.
Lange Hitzeperiode
Die Hitzeperiode im Juli, die besonders stark die West- und Südschweiz betraf, war hinsichtlich der Höchsttemperaturen nicht einzigartig. Was die Hitzeperiode aussergewöhnlich machte, war ihre Dauer vom 14. bis zum 26. Juli. Damit gehörte sie zu den längsten Hitzeperioden, die in der Schweiz je gemessen wurden. Lugano und Genf registrierten die zweitheisseste 14-Tagesperiode seit Messbeginn 1864. Eine vergleichbare anhaltende Hitze gab es bisher nur im Juli 2015 und im August 2003.
Augusthitze
Auf den Augustbeginn setzte die dritte Hitzeperiode ein. Die Alpensüdseite bekam die Hitzeperiode bereits in den letzten Julitagen zu spüren. Genf meldete am 4. August mit 38,3 °C den höchsten Wert des Schweizer Sommers 2022. Der höchste je gemessene Wert auf der Alpennordseite stammt ebenfalls von Genf. Er lag bei 39,7 °C und datiert vom 7. Juli 2015. Den absoluten Schweizer Rekord hält Grono auf der Alpensüdseite mit 41,5 °C, erreicht am 11. August 2003.
Viele Hitzetage
Die Phase der ganz hohen Temperaturwerte endete auf der Alpennordseite am 5. August und auf Alpensüdseite am 6. August 2022. Hitzetage mit 30 °C oder mehr stellten sich jedoch beidseits der Alpen auch anschliessend noch ein. Auch der extrem warme Mai brachte in der Schweiz vereinzelt Hitzetage. So stieg bis zum Sommerende die Gesamtzahl der Hitzetage lokal auf hohe Werte.
Genf verzeichnete 39 Hitzetage, Rang 2 seit Messbeginn 1864. Der Rekord stammt vom Hitzesommer 2003 mit 50 Hitzetagen. Lugano mit ebenso langer Messreihe meldete mit 37 Hitzetagen ebenfalls Rang 2. Der Hitzesommer 2003 lieferte hier 47 Hitzetage. In Sion mit Messbeginn 1958 gab es 48 Hitzetage. Das liegt knapp unter dem Rekord von 50 Hitzetagen im Hitzesommer 2003.
In Stabio im Südtessin wurde der Superrekord aus dem Jahr 2003 übertroffen. Waren es damals 57 Hitzetage, brachte das laufende Jahr bisher 59 Hitzetage. In allen übrigen Jahren seit Messbeginn 1981 blieb die Zahl der Hitzetage in Stabio unter 40.
Wenig Regen im Juli
Die sommerlichen Niederschlagssummen von Juni bis August blieben verbreitet unter der Norm 1991–2020. In einzelnen Regionen, vor allem in der Westschweiz, fielen weniger als 60 % der normalen Regenmengen, während die Alpensüdseite und die Ostschweiz gebietsweise 80 % der Norm oder mehr erhielten. Im Südtessin gab es aber auch tiefe Werte von weniger als 40 % der Norm 1991–2020.
Im Juni erreichten die Regenmengen in der Schweiz verbreitet zwischen 80 und 120 % der Norm 1991–2020. Gebietsweise gab es sogar 180 bis 190 % der Norm. Einzelne Messstandorte verzeichneten einen der nassesten Junimonate seit Messbeginn.
Der Juli brachte einigen Regionen der Schweiz weniger als 30 %, lokal auch weniger als 10 % der normalen Regenmengen. In der Region Genf war es einer der niederschlagsärmsten Julimonate seit Messbeginn. Im Waadtländer Jura wurde verbreitet der niederschlagsärmste Juli seit über 50 Jahren verzeichnet. Zusammen mit der hohen Temperatur und der damit verbundenen hohen Verdunstung ergab sich in dieser Region eine grosse Trockenheit . Auf der seit langer Zeit niederschlagsarmen Alpensüdseite bewegten sich die Julisummen meist zwischen 40 und 70 % der Norm. Die Ostalpen erhielten verbreitet 70 bis 80 %, lokal auch 90 % der Norm 1991–2020.
Im August blieben die Niederschlagsmengen vielerorts unter der Norm 1991–2020. In den meisten Landesteilen gab es einzelne Messstandorte mit weniger als 50 % der Norm. In Scuol im Unterengadin fiel weniger als 30 % der normalen Augustmenge. Vom 17. bis zum 19. August verzeichnete die Schweiz die erste Regenperiode seit Anfang Juli, die über mehrere Tage landesweit Niederschlag brachte.
Sonnenscheindauer im Rekordbereich
In mehreren Gebieten der Schweiz gehört der Sommer 2022 zu den sonnigsten in den verfügbaren homogenen Datenreihen. Ganz vorne liegt der Sommer 2022 an Messstandorten mit über 100-jährigen homogenen Datenreihen: In Basel und Genf ist Rang 1 bis 3, in Zürich Rang 2 bis 4 zu erwarten.
Auch an Messstandorten mit homogenen Daten ab 1959 bewegt sich die sommerliche Sonnenscheindauer 2022 im Rekordbereich. La Chaux-de-Fonds hat den Rang 1 bereits erreicht. Rang 1 oder 2 könnte es in Altdorf, Lugano, Neuchâtel und Luzern geben. In Locarno Monti und St. Gallen liegt der Erwartungsbereich zwischen Rang 1 und 4.
Neben dem Sommer 2022 waren in jüngster Zeit vor allem die Sommer 2018, 2015 und 2003 aussergewöhnlich sonnig.
Rekordhöhe der Nullgradgrenze
Der Hitzesommer 2022 trieb die Nullgradgrenze über der Schweiz auf die neue Rekordhöhe von 5184 m, erreicht am 25. Juli 2022. In den Hitzesommern 2015 und 2003 lag die maximale Höhe der Nullgradgrenze nicht im Bereich der zehn höchsten je gemessenen Werte. Messungen zur täglichen Höhe der Nullgradgrenze werden seit 1954 mit Ballonsondierungen durchgeführt.