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Als Kaiserschnitt bezeichnet man eine chirurgische Entbindung. Dabei wird das Kind über einen Schnitt in der Bauchdecke aus dem Bauch der Mutter geholt. Man unterscheidet zwischen einem geplanten Kaiserschnitt und einem Notkaiserschnitt, einem sogenannten Notkaiserschnitt. Weltweit nimmt die Kaiserschnittrate zu, auch in der Schweiz entbinden bereits über ein Drittel der Frauen ihre Kinder per Kaiserschnitt.
Der Kaiserschnitt (Sectio caesarea, kurz Sectio) gehört mit zu den ältesten chirurgischen Eingriffen und ist auch bei Naturvölkern bekannt. Die Schnittentbindung wird durchgeführt, wenn eine normale Geburt nicht oder nur mit grossem Risiko möglich ist oder wenn die Schwangere dies ausdrücklich wünscht (Wunschkaiserschnitt).
Plinius der Ältere (23/24 n.Chr. bis 79 n.Chr.) führte die Bezeichnung auf Julius Caesar (100-44 v.Chr.) zurück, der durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kam. Man nimmt heute jedoch an, dass sich der Begriff der Sectio caesarea von dem lateinischen Verb caedere (schneiden) herleitet.
Inzwischen ist der Kaiserschnitt in allen entwickelten Ländern eine relativ risikoarme Routineoperation, die auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter hin durchgeführt wird (Wunschkaiserschnitt) oder wenn die normale Geburt für Mutter und Kind zu risikoreich ist.
Die Kaiserschnittrate liegt heutzutage in den meisten Ländern bei etwa 20 Prozent aller Geburten. Pro Land schwanken die Zahlen jedoch sehr. So kommen in einigen Gegenden Lateinamerikas rund 85 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. In der Schweiz kommt mittlerweile jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt – dieser Anteil war innerhalb von zehn Jahren leicht angestiegen und erreichte 2014 seinen Höchstwert (33,7 Prozent Kaiserschnittgeburten). 2017 sank er auf den Stand von 2007 (32,2 Prozent). Im europäischen Vergleich zählt die Schweiz zu den Ländern mit der höchsten Kaiserschnittrate und liegt knapp hinter Deutschland und Italien.
Wie es der Mutter nach dem Kaiserschnitt geht, ist sehr individuell. Zum einen kommt es darauf an, wie gut die Kaiserschnittnarbe verheilt und ob Komplikationen als Folge der Operation auftreten.
Ausserdem hängt die Verfassung der Mutter davon ab, ob der Kaiserschnitt geplant war oder überraschend durchgeführt werden musste.
Es ist aber trotz Kaiserschnitt beispielsweise möglich, das Baby zu stillen: Viele Mütter können ihr Kind anlegen, sobald sie den Operationssaal verlassen haben. Bei anderen setzt der Milcheinschuss erst nach einigen Tagen ein.
Das ist kein Problem für das Baby – auch Mütter, die normal entbunden haben, haben oft erst bis zu drei Tage später den Milcheinschuss. Auch die Bindung zwischen Mutter und Kind muss durch den Kaiserschnitt nicht leiden: In den meisten Fällen (wenn keine Vollnarkose nötig ist), kann die Mutter ihr Baby noch im OP für kurze Zeit im Arm halten.
Ein Kaiserschnitt kann geplant oder ungeplant erfolgen.
Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt können sein:
Auch eine Beckenendlage (Steisslage) kann einen Kaiserschnitt erforderlich machen. Es gibt aber auch Kliniken, in denen Kinder in der Steisslage auf normalem Weg zur Welt gebracht werden können. In einigen Fällen kann das Baby vor der Geburt auch über eine sogenannte äussere Wendung in die Schädellage gedreht werden. Ob eine dieser Möglichkeiten im individuellen Fall in Frage kommt, wird vom Frauenarzt im Vorfeld gründlich untersucht und entsprechend eingeschätzt.
Ein ungeplanter Kaiserschnitt kann notwendig werden bei:
Manche Indikationen, also Entscheidungsursachen, werden von den Ärzten unterschiedlich bewertet: So ist zum Beispiel die Steisslage für viele Gynäkologen ein Grund für einen Kaiserschnitt, besonders wenn es sich bei der werdenden Mutter um eine Erstgebärende handelt, während andere Ärzte in der gleichen Situation durchaus eine normale Geburt befürworten. Ähnliches gilt für Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften.
Die medizinische Notwendigkeit des Kaiserschnitts in Geburtssituationen, die eine Gefährdung für Mutter oder Kind darstellen, ist unbestritten. Immer öfter wird jedoch auch der Kaiserschnitt als Alternative zu einer natürlichen Geburt angeboten (Wunschkaiserschnitt). Die Vorteile sind in erster Linie bessere Planbarkeit für die Mutter und häufig niedrigere Kosten für die Kliniken. Durch einen Kaiserschnitt entstehen ausserdem bei der Geburt weniger Schmerzen – jedoch dauert es dafür länger, bis die Kaiserschnittnarbe verheilt und es kann zu Wundschmerzen und Komplikationen mit der Narbe, besonders in Folgeschwangerschaften, kommen.
Aufgrund der längeren Heilungsphase und der Wundschmerzen sollte ein Wunschkaiserschnitt ganz genau abgewogen werden.
Der Termin für einen geplanten Kaiserschnitt liegt in der Regel einige Tage vor dem errechneten natürlichen Geburtstermin (ET). In seltenen Fällen ist eine Vollnarkose nötig, meist wird jedoch nur regional betäubt, sodass Mutter und Baby weniger Belastungen ausgesetzt sind und die Mutter ihr Kind gleich nach dem Kaiserschnitt im Arm halten kann.
Zur regionalen Betäubung der unteren Körperhälfte stehen zwei ähnliche Verfahren zur Verfügung, die beide mittels eines sogenannten Kreuzstiches durchgeführt werden:
Bei beiden punktiert der Narkosearrzt (Anästhesist) nach einer örtlichen Betäubung den Rückenmarkkanal zwischen zwei Lendenwirbeln mit einer feinen Nadel. Über diese spritzt er ein örtliches Betäubungsmittel, ein sogenanntes Lokalanästhetikum, direkt in den Rückenmarkkanal.
Der Unterschied zwischen der PDA und der Spinalanästhesie besteht darin, in welche Schicht des Rückenmarkkanals das Medikament gelangt. Ausserdem legt der Arzt bei der PDA einen Zugang und fixiert diesen, sodass er auch während und nach der Operation mithilfe eines Pumpsystems das Lokalanästhetikum nachinjizieren kann. Bei der Spinalanästhesie verabreicht der Arzt das Schmerzmedikament ähnlich einer Spritze nur einmalig.
Die Regionalanästhesie betäubt das Operationsgebiet und beide Beine. Allerdings verspürt die Schwangere noch Druck- und Zugbewegungen, die durch den Kaiserschnitt entstehen. Insgesamt benötigt der Narkosearzt etwa 10 bis 15 Minuten Zeit, um die Anästhesie durchzuführen.
Sobald die Narkosewirkung eingetreten ist, werden ein Harnkatheter gelegt und die obere Schamregion (Bikinizone) rasiert. Anschliessend wird der Operationsbereich gewaschen und desinfiziert, meist eine Folie aufgeklebt und die Umgebung mit Tüchern abgedeckt. Im Bereich des Oberbauchs der Schwangeren wird ein Vorhang angebracht, um den sterilen vom unsterilen Bereich zu trennen.
In vielen Spitälern darf der Vater beim Kaiserschnitt anwesend sein.
Der Kaiserschnitt beginnt mit einem Unterbauchquerschnitt im Bereich der Bikinizone. Danach wird Schicht um Schicht möglichst stumpf, das heisst ohne Verwendung eines Messers, nur durch Aufdehnen gespalten (Methode nach Misgav-Ladach) und zuletzt die Gebärmutter eröffnet. Der Arzt hebt das Kind, möglichst mit dem Kopf voran, vorsichtig, aber schnell aus der Gebärmutter und übergibt es nach dem Durchtrennen der Nabelschnur der Hebamme. Bei einer lokalen Narkose kann die Mutter ihr Kind noch im OP-Saal begrüssen.
Anschliessend versorgen die Hebamme und, falls anwesend, der Kindsvater das Neugeborene, während der Gynäkologe die Nachgeburt (Plazenta) entnimmt und zuletzt die Gebärmutter sowie die Bauchdecken wieder sorgfältig verschliesst. Durch dieses schonende Operationsverfahren ist es meist nicht nötig, Drainagen (Plastikschläuche zum Ableiten des Wundsekrets) anzulegen.
Im Rahmen des Kaiserschnitts kann auf Wunsch der Mutter gleichzeitig eine Sterilisation erfolgen, wenn kein weiterer Kinderwunsch mehr besteht.
Die Entscheidung, ob ein Wunschkaiserschnitt gemacht werden soll, liegt letztendlich allein bei der werdenden Mutter und sollte von ihr von ganzem Herzen getroffen werden. Daher ist es für die Schwangere wichtig, alle Argumente für eine normale Geburt und für einen Kaiserschnitt entsprechend ihrer persönlichen Situation gegeneinander abzuwägen und kritisch zu überdenken.
Vor allem, wenn die Entscheidung für einen Kaiserschnitt erst unter der Geburt getroffen wird, können die Angst um ihr Kind sowie die unerwartete Operation und das fehlende oder negative Geburtserlebnis die Eltern und insbesondere die Mutter psychisch stark belasten. Auch hier sind ausführliche Gespräche mit Arzt oder Hebamme sehr wichtig, um Unklarheiten zu beseitigen und damit das Erlebte möglichst gut zu verarbeiten. Zusätzlich werden an verschiedenen Stellen, wie in Spitälern, in Hebammenzentren oder bei Psychologen, Kaiserschnittgruppen geführt, in denen Betroffene sich austauschen können.
Besonders an den ersten beiden Tagen nach einem Kaiserschnitt ist die Mutter durch die Bauchwunde oft noch nicht in der Lage, ihr Kind alleine zu versorgen. Sie ist auf die Hilfe von nahestehenden Personen oder Pflegefachpersonen angewiesen. Verlief der Kaiserschnitt komplikationslos, ist sie etwa nach dem dritten Tag mobiler. Spätestens nach einer Woche können Mutter und Kind gewöhnlich das Spital verlassen.
In der Folge eines Kaiserschnitts kann es zu typischen postoperativen Komplikationen kommen, wie beispielsweise:
Hinzu kommt die Gefahr einer Behinderung späterer Schwangerschaften bis hin zur Unfruchtbarkeit.
Seitens des Kindes kommt es nach einem Kaiserschnitt häufiger als bei einer normalen Geburt zu Atemstörungen durch das Verschlucken von Fruchtwasser in die Luftwege (Aspiration) .
Wenn die Mutter innerhalb eines Jahres nach dem Kaiserschnitt erneut schwanger wird, ist es wichtig, dass die Schwangerschaft intensiv ärztlich betreut wird, um rechtzeitig Komplikationen an der Narbe feststellen zu können. Ein erneuter Kaiserschnitt ist nicht zwingend nötig, nur weil die vorangehende Geburt per Kaiserschnitt erfolgte. Grundsätzlich raten Ärzte, höchstens drei Kinder per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen.