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Vorbedeutung für die nahende Präsidentenwahl, bei der in der That der Republikaner Blaine seinem demokratischen Mitbewerber Grover Cleveland unterlag. Mit knapper Mehrheit gelang die Wahl Clevelands und damit der Sturz der Republikanischen Partei nach einer Herrschaft von 24 Jahren. Der Sieg der Demokratischen Partei bewies, daß die Nachwirkungen des Krieges denn doch endlich überwunden waren, und daß es wiederum möglich war, die ganze Union zur Führung der Bundesgeschäfte zuzulassen.
VII. Geschichte seit In seiner versöhnlichen Antrittsrede hob der neue Präsident Cleveland namentlich die Notwendigkeit einer Reform des Civildienstes hervor, und in der That suchte er der Beamtenkorruption möglichst zu steuern und eine tüchtige Verwaltung herzustellen. Ein 1886 von Cleveland bestätigtes Gesetz, wodurch die Nachfolge zur Präsidentschaft im Falle des Ablebens des Präsidenten und des Vicepräsidenten geregelt werden sollte, bestimmte, daß, falls die beiden obersten Beamten sterben oder aus andern Gründen an der Fortführung ihres Amtes verhindert sein sollten, die Kabinettsminister in einer bestimmten Reihenfolge zum Präsidentenamt berufen werden sollten, und daß derjenige Minister, der das Präsidentenamt übernähme, es bis zum Schluß des Termins bekleiden sollte. Die Indianerstämme, denen durch Verträge besondere Gebiete (Reservationen) angewiesen waren, wurden gegen die Viehzüchter geschützt, die sich um keine Grenzen [* 2] kümmerten und in die Indianergebiete eindrangen. Wo aber von den Indianern die Waffen [* 3] zum Aufstand ergriffen wurden, wie im Juli 1885 in Neumexiko, da wurde durch rasche Absendung von Truppen die Ruhe wiederhergestellt.
Die Arbeiterfrage wurde auch in den Vereinigten Staaten [* 4] immer schwieriger, und der Notstand in der Arbeiterbevölkerung nahm nie gekannte Dimensionen an. In der Stadt Neuyork [* 5] wurde in den ersten Wintermonaten 1885-86 die Zahl der Arbeitslosen auf etwa 75000 geschätzt, während sie sich in den Vereinigten Staaten insgesamt auf etwa 500000 belaufen mochte. Nachdem man durch das Antichinesengesetz die Konkurrenz der mongol. Rasse auszuschließen gesucht und zur Erreichung dieses Zwecks 1884 noch ein strenges Zusatzgesetz erlassen hatte (s. Chinesenfrage), führte der Notstand so weit, daß man durch strenge Handhabung der sog. Paupergesetze und durch das Verbot der Einführung kontraktlich angeworbener Arbeiter auch dem weitern Zufluß europ. Arbeitskräfte entgegen zu treten suchte, und daß man bereits von der Notwendigkeit einer allgemeinen gesetzlichen Suspension der Einwanderung sprach. In Chicago kam es 4. und zum blutigen Aufstand.
Mehrere Anarchisten, die Dynamitbomben geschleudert hatten, wurden verhaftet und sieben von ihnen von den Geschworenen des Mordes für schuldig erklärt und zum Tode verurteilt. Zwei wurden begnadigt, einer tötete sich selbst im Gefängnis, die andern vier wurden gehängt, trotzdem zahlreiche Petitionen um Begnadigung für sie eingegangen waren, darunter auch von den deutschen socialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Bebel, Singer, Liebknecht u. a.
Bei den erfolgten Wahlen für die Staatslegislaturen siegte in den meisten Staaten die Republikanische Partei, dagegen bestand das neu gewählte Repräsentantenhaus noch aus 167 Demokraten, 154 Republikanern und 3 Vertretern der Arbeiterpartei. Der Gesetzentwurf, der die Unterdrückung der in Utah herrschenden Vielweiberei zum Zweck hatte, wurde im Febr. 1887 von beiden Häusern des Kongresses angenommen. Danach wurde Vielweiberei als Verbrechen behandelt, Polygamisten des Stimmrechts beraubt, das Frauenwahlrecht in Utah abgeschafft und allen dortigen Wählern ein Eid auferlegt, daß sie den die Vielweiberei betreffenden Gesetzen Gehorsam leisten würden.
Der Senat verwarf 26. Jan. den Antrag einer Verfassungsänderung in der Richtung, daß den Frauen das Wahlrecht erteilt werden solle, mit 34 gegen 16 Stimmen, während die Gesetzgebung von Kansas den Frauen das Stimmrecht bei Gemeindewahlen einräumte und der dortige Gouverneur diesen Beschluß bestätigte. Die vom Kongreß angenommene Pensionsbill, deren Ausführung eine jährliche Mehrausgabe von vielen Millionen Dollars erforderte, belegte der Präsident mit seinem Veto.
Das wichtigste Gesetz dieser Sitzungsperiode war jedoch die sog. Interstate Commerce Act (s. d.) über Frachtsätze, Rückfrachtvergütungen u. s. w., die allerdings nur für solche Eisenbahnen Geltung hat, die durch das Gebiet von zwei oder mehrern Staaten führen. Seine Hauptaufmerksamkeit wandte Cleveland der Zollgesetzgebung zu, indem er die hohen Schutzzölle, die alljährlich einen sehr bedeutenden Überschuß ergaben, in seiner Botschaft an den Kongreß als eine «fehlerhafte, unbillige und unlogische Quelle [* 6] unnötiger Besteuerung» kennzeichnete und eine Herabsetzung der Einfuhrzölle namentlich für Rohmaterialien in Vorschlag brachte.
Ein dahingehender Gesetzentwurf wurde vom Repräsentantenhaus 1888 angenommen, kam aber im Senat nicht mehr zur Erledigung. Ebenso scheiterte im Senat ein Vertragsentwurf, der endlich die Streitigkeiten über die Fischereifrage (s. d.) mit Canada beendigen sollte. Dagegen wurde ein Gesetz erlassen, das im Widerspruch zu den mit China [* 7] geschlossenen Verträgen die Einwanderung von Chinesen völlig verbot. (S. Chinesenfrage.) Die dagegen erhobenen Vorstellungen Chinas blieben ohne Erfolg.
Am fand die neue Präsidentenwahl statt, zu der die Demokratische Partei Cleveland wieder als ihren Kandidaten nominiert hatte, während die Republikaner Benjamin Harrison (s. d.) aufstellten. Die strenge Durchführung der Civildienstreform und mehr noch seine Haltung in der Zolltariffrage hatte Cleveland manche Gegnerschaft zugezogen, und so kam es, daß er seinem Gegner mit 168 gegen 233 Elektorenstimmen unterlag.
Am trat der neue Präsident Harrison sein Amt an und erklärte in seiner ersten Botschaft an den Kongreß, daß er das Schutzzollsystem aufrecht zu erhalten gedenke. Die hervorragendste Persönlichkeit in Harrisons Kabinett war der Staatssekretär (Minister des Auswärtigen) Blaine (s. d.). Seinem Einfluß besonders war daher auch im Okt. 1889 der Zusammentritt eines Panamerikanischen Kongresses (s. d.) zuzuschreiben, der jedoch ohne große Resultate wieder auseinander ging.
Eine andere internationale Frage, bei der außer den Vereinigten Staaten noch Deutschland [* 8] und Großbritannien [* 9] beteiligt waren, betraf die Ordnung der Verhältnisse auf den Samoa-Inseln (s. d.). Eine im April bis Juni 1889 in Berlin [* 10] tagende Konferenz von Vertretern der beteiligten drei Staaten erklärte die Inseln für unabhängig und neutral und sprach den Angehörigen der drei Mächte gleiche Rechte zu. Eine ähnliche Tendenz wie der Panamerikanische Kongreß zeigte ¶
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auch das wichtigste Gesetz, das 1890 unter Harrisons Regierung zu stande kam, die nach ihrem Urheber benannte MacKinley-Bill (s. d.), ein neuer hochschutzzöllnerischer Tarif, der einen fast prohibitiven Charakter trug und bestimmt war, die Einfuhr aus Europa [* 12] möglichst zu beschränken und die Zolleinkünfte zu vermindern.
Neue Zwistigkeiten entstanden mit England, nachdem in der Fischereifrage kaum ein modus vivendi geschaffen war, über die Berechtigung des Robbenschlages im Beringmeer (s. d.); nach mehrjährigen Verhandlungen einigte man sich endlich dahin, die Angelegenheit einem internationalen Schiedsgericht zu unterbreiten, das 1893 in Paris [* 13] zusammentrat und dahin entschied, daß den Vereinigten Staaten nur innerhalb der gewöhnlichen Grenzen, drei Seemeilen vom Lande entfernt, das ausschließliche Schutz- und Eigentumsrecht auf die Robben [* 14] zustehe.
Unter den Gesetzen, die in der Wintersession 1890/91 zu stande kamen, ist eins erwähnenswert, das die Zahl der Mitglieder des Repräsentantenhauses auf 356 erhöhte, eine Folge der steigenden Bevölkerungszahl. Schon 1889 waren die Territorien Montana, Washington, [* 15] Nord- und Süddakota als Staaten in die Union aufgenommen worden, 1890 folgten Idaho und Wyoming, und nachdem allmählich auch der Widerstand der Mormonen (s. d.) gegen das Verbot der Polygamie gebrochen war, fanden auch die wiederholten Gesuche Utahs Gehör; [* 16] seine Aufnahme als Staat erfolgte 1891.
Zu den wichtigsten Angelegenheiten, die das Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten betreffen, gehört nächst der Zollpolitik auch die Silberfrage, da Nordamerika [* 17] als eins der am meisten Silber produzierenden Länder sehr empfindlich von dem Preissturz dieses Metalls betroffen wird. Vergebens hatte man durch große Silberkäufe von seiten des Staates (s. Blandbill) dem fortwährenden fallen des Silberpreises Einhalt zu thun gesucht; und auch eine 1892 auf Anregung der Vereinigten Staaten in Brüssel [* 18] tagende internationale Münzkonferenz hatte keine Abhilfe schaffen können.
Diese Mißstände sowie die drückend hohen Zölle riefen Unzufriedenheit gegen die herrschende Republikanische Partei hervor, so daß sie bei den Neuwahlen zum Repräsentantenhause eine vernichtende Niederlage erlitt und von den 356 Mandaten nur etwa 90 zu erringen vermochte. So konnte die Demokratische Partei mit gutem Mut der Präsidentenwahl des folgenden Jahres entgegensehen, zu der sie von neuem den frühern Präsidenten Cleveland nominierte, während auf seiten der Republikaner wieder Harrison kandidierte.
Die neu gebildete Volkspartei (Populist party) stellte als ihren Kandidaten Weaver auf. In der That wurde Cleveland im Nov. 1892 mit großer Majorität gewählt. Die kurze Zeit seiner Amtsführung gab Präsident Harrison noch Gelegenheit, die auf den Sandwichinseln ausgebrochene Empörung zu benutzen und über die neue Republik, wenn auch nur provisorisch, das Protektorat zu übernehmen. Als Cleveland 4. März sein Amt antrat, machte er jedoch sofort diesen Schritt seines Vorgängers rückgängig.
Dagegen eröffnete er 1. Mai die unter Harrison vorbereitete große «Columbische» Weltausstellung in Chicago, die Zeugnis ablegte von der großartigen Entwicklung der nordamerik. Industrie (s. Chicagoer Weltausstellung). Weniger erfreulich waren die Wirkungen, die das wirtschaftliche Daniederliegen infolge der Silberkrisis auf die Finanzen der Vereinigten Staaten hervorbrachte. War schon seit 1890 allmählich der Überschuß im Staatsschatz immer mehr gesunken, so daß er sich 1893 nur noch auf 2 Mill. Doll. belief, so zeigte das Budget 1894 zum erstenmal seit dem Bürgerkriege ein Deficit und zwar von 70 Mill. Infolge der großen Silberankäufe, die gemäß der Blandbill von 1878 und der Shermanbill von 1890 von den Vereinigten Staaten fortwährend gemacht wurden, war die Goldreserve des Schatzamtes derartig gesunken, daß Präsident Cleveland sich veranlaßt sah, den Kongreß auf den 7. Aug. zu einer außerordentlichen Sitzung zu berufen und die Aufhebung der Shermanbill zu beantragen.
Nach langen Debatten gab der Kongreß endlich seine Zustimmung. Während dieser Kämpfe war eine Handelskrisis hereingebrochen, wie sie die Vereinigten Staaten seit 1873 nicht erlebt hatten. Zahlreiche Banken, besonders im Süden und Westen, mußten den Bankrott erklären, und eine große Anzahl von Eisenbahngesellschaften sahen sich genötigt, ihre Zahlungen einzustellen. Im Gefolge dieser wirtschaftlichen Depression [* 19] entstanden eine Reihe von Streiks und eine Arbeitslosigkeit, die wieder Unruhen und Aufstände zur Folge hatten.
Ein Agitator Corey forderte im April 1894 alle Arbeitslosen auf, von allen Seiten nach Washington zu ziehen und dem Kongreß ihre Beschwerden vorzutragen. Sein Vorschlag wurde mit Beifall aufgenommen, und an verschiedenen Orten bemächtigten sich die Arbeitslosen der Eisenbahnzüge und mußten von den aufgebotenen Milizen mit Gewalt zur Ruhe gezwungen werden. Großartige Dimensionen nahm zu derselben Zeit ein Kohlenarbeiterstreik an, bei dem etwa 200000 Mann die Arbeit niederlegten. Er endigte mit einem Vergleich, bei dem die Arbeiter eine geringe Lohnerhöhung erzielten. Zu den ärgsten Ausschreitungen kam es im Juni und Juli bei einem Ausstand der Eisenbahnarbeiter. Weitgehende Verkehrsstörungen traten ein, da die Ausständigen den Abgang der Eisenbahnzüge gewaltsam hinderten; namentlich in Chicago und in Sacramento herrschte einige Tage völlige Anarchie, so daß der Belagerungszustand verhängt und die Aufständischen durch Militär zur Ordnung zurückgeführt werden mußten.
Während dieser tumultuarischen Vorgänge wurde auch im Kongreß ein heftiger Kampf um die Tarifreform ausgefochten. Im Jan. 1894 hatte der demokratische Abgeordnete Wilson dem Repräsentantenhause einen Zolltarifentwurf vorgelegt, der die MacKinley-Bill einer durchgehenden Revision unterwarf und eine große Anzahl von Rohstoffen, namentlich Wolle, Eisen, [* 20] Kohle und Holz, [* 21] auf die Freiliste setzte sowie eine Einkommensteuer in Vorschlag brachte. Der Entwurf wurde 1. Febr. vom Repräsentantenhause angenommen, stieß aber im Senat auf Widerstand, wo sich einige demokratische Senatoren den schutzzöllnerischen Republikanern anschlossen und die Tarifsätze für Eisen, Kohle und Zucker [* 22] sowie für Verschiedene andere Gegenstände wesentlich erhöhten, wenn auch der MacKinley-Tarif noch eine bedeutende Herabsetzung erfuhr. Nach langem Widerstreben nahm das Repräsentantenhaus den Entwurf endlich in der Fassung des Senats an, und wurde er Gesetz. Den heftigsten Widerstand fand das Einkommensteuergesetz, das als verfassungswidrig bekämpft wurde, und da der Oberste Gerichtshof (s. Supreme Court) im Mai ¶