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Geschichte: Der rote Brief

Hey. Ich habe lange nicht mehr geschrieben. Ich hatte zu viel mit der Schule zu tun. Heute habe ich mich an einen Geschichtenanfang gesetzt, der schon ziemlich lange bei mir rumlag, weil ich nicht wusste, was ich damit anfangen sollte.
Gedankenverloren starrte Lillias auf den Brief in ihrer Hand. Die Ränder waren abgegriffen, doch das Siegel war ungebrochen. So oft hatte sie ihn vom Regalbrett genommen, doch sie wagte nicht, ihn zu öffnen. Blutrot war er, und das schwarze Siegel starrte sie an wie ein Auge. Unheilvoll war er wie die Wolken eines aufziehenden Gewitters. Warum war er zu ihr gekommen?
Lillias warf einen Blick auf den Kamin. Wenn sie den Brief einfach ins Feuer warf, dann wäre sie ihn los. Sie trat zwei Schritte darauf zu und blieb unschlüssig stehen. Die Flammen zuckten hin und her wie rote Schlangen. Lillias sah einen hundertköpfigen Drachen, der mit unzähligen Mäulern nach dem Brief schnappte. Dann glaubte sie, eine Hand zu erkennen, die gierig ihre sich windenden Finger reckte. Unwillkürlich wich Lillias zurück. Der Brief in ihrer Hand starrte sie unverwandt an. Das Feuer knackte und flüsterte beschwörende Worte. Lillias spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Dann wandte sie sich ruckartig um und legte den Brief zurück auf das Regalbrett. Die Luft im Raum war plötzlich erdrückend schwer. Sie musste nach draußen. Ein Spaziergang in der Stadt würde sie auf andere Gedanken bringen. Sie spürte den Blick des Briefes in ihrem Rücken, als sie hastig, wie auf der Flucht, den Raum verließ.
Obwohl es schon Abend wurde, waren die Straßen geschäftig wie immer.
Eine überdachte Kutsche rumpelte über das Pflaster und schüttelte die feinen Herrschaften durch, die in ihren weiten Röcken aussahen wie aufgeplusterte Truthähne. Trotz der edlen Stoffe, in die sie sich hüllten, schienen sie kaum gesünder als die Menschen auf der Straße, die auseinanderstoben und sich an die Hauswände drückten, als der Wagen vorbeirollte. Als Lillias mit den Anderen zurückwich, glitt ihr Blick über die hohen, spitzen Fenster zum Himmel. Wie so oft wälzten sich dunkle Wolken über die schwarzen Dächer. Zu beiden Seiten der Straße verloren die schmutzigen Fassaden im diffusen, violetten Zwielicht des Abends ihre filigranen Details und verschmolzen zu zwei riesigen Mauern, die immer näher zusammenzurücken schienen und die Straße zwischen sich zerdrückten. Sie ließen nur einen schmalen Streifen Himmel zurück, einen Spalt, durch den hin und wieder ein Vogel entfliehen konnte.
Immer, wenn Lillias dort hinauf blickte, glaubte sie zu sehen, wie die gezackten Dächer sich endgültig über ihr schlossen und sie für immer auf der staubigen Straße einsperrten.
Ein zweiter Teil kommt auf jeden Fall noch, über mehr habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
1 mal bearbeitet. Zuletzt am 06.12.18 17:58.
Das erinnert mich total an Herr der Ringe - der Brief, der sie anstarrt und das flüsternde Feuer.
Ich mag die Beschreibung der Straßen und den Namen der Hauptfigur.
Bin gespannt, was du daraus machst!
Ich musste auch an Herr der Ringe denken. Zuerst habe ich sogar überlegt, ob der Brief sich irgendwie in ihrer Hand verändern könnte, als ob er einen eigenen Willen hätte, aber das erinnert dann zu sehr an den Ring. Also habe ich stattdessen das Feuer so gemacht...
Ich weiß auch noch nicht, was es mit dem Brief auf sich hat... Ich habe nur eine ganz grobe Idee - wobei, ich würde es kaum Idee nennen; es ist eher ein Gedanke, der noch nicht einmal vollständig geformt ist und von dem ich nicht weiß, ob er etwas taugt - kurz gesagt, ich habe keine Ahnung.
Der Name ist geklaut von einer (ehemaligen?) Broadway-Sängerin namens Lillias White. Sie sieht meiner Hauptfigur zwar überhaupt nicht ähnlich, aber ich mochte den Namen. Und es ist nicht so auffällig, wenn ich ihn benutze, weil er nicht ganz so außergewöhnlich ist wie zum Beispiel Willemijn.
Hey, ich brauche Hilfe: Ich brauche drei Namen, die entfernt Steampunk klingen, oder viktorianisch oder gotisch... Ich weiß noch nicht so genau, in welche Richtung ich will. Hat irgendjemand eine Idee?
Mortifer!
Morbofer!
Noctifer!
Naja, diese Namen sind viel zu episch, ich würde sie für wichtige Charaktere aufheben. Die drei Namen, die ich brauche, tauchen nur einmal auf. (Es sei denn, sie werden später in der Geschichte noch wichtig - das weiß ich noch nicht, weil der Rest der Geschichte noch nicht existiert, aber es ist unwahrscheinlich) Sie sind eigentlich nur da, um ein bisschen Kontext zu geben und noch ein bisschen mehr zu zeigen, dass die Geschichte nicht in einem modernen Setting spielt.
Außerdem wäre es seltsam, wenn diese drei Leute, die nichts miteinander zu tun haben, so ähnliche Namen tragen...
Sollen es eigentlich Frauen- oder Männernamen sein?
Ein Mann (Schmied, glaube ich), die anderen Beiden sind Familien.