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Geschichte
Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden verschiedene Projekte für die Stromerzeugung im Einzugsgebiet des Hinterrheins. 1942 bildete sich das Konsortium Kraftwerke Hinterrhein (KKH) zwecks Projektierung einer grossen Wasserkraftgruppe mit einem Speicher im Rheinwald. Aus politischen Gründen konnte dieser nicht realisiert werden. In der Folge wurde das heutige Projekt mit einem Kopfspeicher im italienischen Valle di Lei ausgearbeitet. Dazu wurde 1949 ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Italien abgeschlossen, der am 10. Dezember 1956 die Gründung der Kraftwerke Hinterrhein AG (KHR) ermöglichte. Bereits im Sommer 1956 waren die Vorarbeiten für den Bau der Werke – Sondierungen, Zufahrtsstrassen, Baustromleitungen usw. – in Angriff genommen worden. Im September 1963 – nach nur sechsjähriger Bauzeit – waren sämtliche Anlagen vollendet, und die KHR konnten den Vollbetrieb aufnehmen.
Der Bau der Kraftwerke Hinterrhein war nicht nur eines der grössten Schweizer Projekte der 50er- und 60er-Jahre, sondern auch eine beeindruckende Demonstration der Willensstärke und Leistungsfähigkeit der damaligen Zeit. Gebaut und ausgerüstet wurden von 1956 bis 1963 rund 37 Kilometer neue Strassen und Wege, 10 Seilbahnen, 13 Bachfassungen, fünf Staumauern, 59 km Stollen und Schächte, 3 Kraftwerkszentralen sowie fast 110 Kilometer Übertragungsleitungen. Auf dem Höhepunkt der Bauarbeiten (1959) waren auf den Baustellen 3390 Mann beschäftigt. Im Valle di Lei waren ausschliesslich Italiener im Einsatz, aber auch auf den Schweizer Baustellen rekrutierte sich die Mannschaft zu 80 Prozent aus italienischen Arbeitern.
Besondere Aufmerksamkeit wurde der Unfallverhütung geschenkt: Jeder Zwischenfall musste von der verantwortlichen Bauunternehmung genau dokumentiert werden. Diese Rapporte wurden von der Bauleitung analysiert, in Berichten zusammengefasst und an alle Unternehmer verteilt. Gemeinsam mit der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) wurden ausserdem Vorträge zur Unfallverhütung organisiert. Trotz all dieser Anstrengungen gab es auf den Baustellen auf Schweizer Seite rund 1500 Bagatellunfälle sowie 3000 schwerere Unfälle mit jeweils mehr als 3 Tagen Arbeitsunfähigkeit. Im Verlauf der rund achtjährigen Bauarbeiten kamen insgesamt 26 Personen ums Leben.