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Das Bündnis der bürgerlichen Parteien bei den Stadtratswahlen hätte Stefan Roth nach dem verpatzten ersten Wahlgang helfen sollen. Unsere Auswertung der Listenstimmen zeigt nun jedoch: Der Deal half vor allem Manuela Jost und Peter With.
Dass die Stadt Luzern mit Beat Züsli erstmals einen SP-Stadtpräsidenten hat, überraschte bei den städtischen Wahlen am Sonntag. Doch es gab noch eine weitere Siegerin vom Sonntag: GLP-Baudirektorin Manuela Jost wurde bravourös wieder in die Stadtregierung gewählt. Etwas weniger bravourös war das Resultat für den abgewählten Stadtpräsidenten Stefan Roth, der trotzdem wieder in die Stadtregierung gewählt wurde. Die Wahl verpasst hat SVP-Herausforderer Peter With. Wie sind diese Resultate zu erklären?
Hätte das gesamte Links-Grünliberale-Lager (mit 50,1 Prozent Wähleranteil bei den Parlamentswahlen am 1. Mai) im zweiten Wahlgang Manuela Jost gewählt, wäre sie nur auf 11’430 von insgesamt 22’814 Stimmen gekommen.
Jost erhielt jedoch 14’182 Stimmen. Sie hat also mindestens 2500 Fremdstimmen erhalten. Stimmen von Wählerinnen und Wählern also, welche am 1. Mai eine Partei wählten, die Manuela Jost nicht zur Wahl empfohlen haben. Vermutlich handelt es sich dabei um Wähler von CVP und FDP, die nicht auf die Empfehlung ihrer Parteien hörten.
Rudolf Schweizer gibt Gas
Wenn man annimmt, dass 32,4 Prozent der Wählenden vom Sonntag bei den Parlamentswahlen am 1. Mai FDP oder CVP gewählt haben (entsprechend dem Wähleranteil der beiden Parteien), heisst dies: Von den knapp 7500 Wählern der FDP und der CVP, die am Sonntag an die Urne gingen, wählten über ein Drittel Manuela Jost.
Es waren sogar eher mehr, denn das linke Lager hat Jost vermutlich nicht geschlossen unterstützt. 108 Stimmberechtigte legten leer ein, 427 Stimmen gingen an Personen, die nicht offiziell kandidiert hatten, und der parteilose Rudolf Schweizer erhielt 1782 Stimmen – mehr als dreimal so viele wie im ersten Wahlgang.
Grünliberale mobilisierten überdurchschnittlich
Im ersten Wahlgang legten rund die Hälfte aller Stimmenden eine vorgedruckte Liste unverändert ein, nun waren es bereits drei Viertel, das zeigt eine detaillierte Auswertung der Stadt Luzern, die zentralplus vorliegt. Diese unveränderten Listenstimmen lassen sich auf ihre Herkunft hin bestimmen: Wie viele Leute haben welche Liste eingeworfen?
Folgendes Bild zeigt sich dort: Die grüne Liste wurde von 14,3 Prozent der Stimmenden eingelegt (Wählerstärke der Grünen am 1. Mai: 14,7 Prozent), die SP-Liste von 23 Prozent (1. Mai: 27,4 Prozent), die GLP-Liste von 8,1 Prozent (1. Mai: 7,5 Prozent).
Auch SP-Wähler gingen fremd
Dass die «Wählerstärke» bei der Stichwahl etwas tiefer liegt als bei den Parlamentswahlen vom 1. Mai, ist normal, denn es gab hier auch parteiungebundene Listen, die ebenfalls Stimmen auf sich zogen («Eine Frau gehört in den Stadtrat» schnappte sich zum Beispiel 3 Prozent des Kuchens).
Dennoch kann man herauslesen: Die links-grünliberalen Wählerinnen und Wähler hielten sich deutlich besser an die Empfehlungen ihrer Parteien und wählten Manuela Jost. Die Grünliberalen konnten im zweiten Wahlgang gar besser mobilisieren als bei den Parlamentswahlen. Bei der SP hingegen gingen immerhin 16 Prozent der Wähler fremd, wählten also nicht die SP-Liste, die Manuela Jost vorschlug.
Unveränderte CVP-Liste war nicht beliebt
Doch in der Mitte waren die Wählerinnen noch weniger treu: Die unveränderte FDP-Liste holte nur 14,6 Prozent der Stimmen (1. Mai: 17,3 Prozent), die CVP-Liste gar miserable 9,9 Prozent der Stimmen (1. Mai: 15,1 Prozent). Auf diesen Listen war neben Stefan Roth auch Peter With aufgedruckt. Auch das zeigt: Jeder dritte CVP-Wähler wählte With nicht.
Folgsam waren hingegen die SVP-Wähler: 14,7 Prozent legten deren Liste ein, 15,1 Prozent waren es am 1. Mai. Sie waren also mit dem Wahlvorschlag ihrer Partei, With und Roth, grösstenteils zufrieden – anders als die CVP-Wählerschaft.
Dieses Bild bestätigt sich, wenn man nun auch noch die veränderten Wahlzettel und selbst ausgefüllten Listen ins Spiel bringt. Dort erhebt die Stadtkanzlei beim Auszählen der Stimmen nicht, welche Kombinationen gewählt wurden. Man kann also nicht genau sagen, wie viele Wähler Peter With von der CVP-Liste gestrichen haben.
Manche CVPler und FDPler boykottierten With
Aber auch hier kann man sich auf Indizien verlassen. Peter With erzielte insgesamt 8270 Stimmen, also rund 36 Prozent aller Stimmen. Hätten CVP-, FDP- und SVP-Wähler ihm geschlossen ihre Stimme gegeben, wie es die Parteien im Bündnis vorsahen, hätte er 47,5 Prozent aller Stimmen machen müssen.
Geht man davon aus, dass With sämtliche Stimmen seiner SVP-Wähler erhielt (15,1 Prozent), hat er von den Wählern der CVP und der FDP nur 21 Prozent der Stimmen erhalten, obwohl diese Parteien im Parlament 32 Prozent aller Wähler vertreten. Die bekannte Folgerung auch hier: Ein Drittel wählte With nicht.
Peter With profitierte vom «bürgerlichen Schulterschluss» …
Stefan Roth und Peter With machten auf unveränderten Listen je circa 7000 Stimmen. Das ist kein Zufall, waren sie doch praktisch auf den gleichen Listen vertreten. Dass schlussendlich Roth und nicht With gewählt wurde, hat er den veränderten Listen zu verdanken. Dort holte Roth 3561 Stimmen, With nur 1317. Das zeigt eine weitere Auswertung des Abstimmungsbüros.
Will heissen: Mehr Leute haben With von der bürgerlichen Liste gestrichen als Roth. Und mehr Leute haben zu Manuela Jost noch Stefan Roth gewählt statt Peter With. Dennoch profitierte vom «bürgerlichen Schulterschluss» vor allem Peter With: Er holte dank der CVP-Unterstützung einige Listenstimmen mehr, als er ohne sie geholt hätte. Und ein deutlich grösserer Anteil seiner Stimmen kamen von den unveränderten Listen, ohne sie hätte With schlechter abgeschnitten.
… Manuela Jost schadete er nicht
Manuela Jost hingegen scheint die mangelnde Unterstützung durch die CVP nicht geschadet zu haben. Sie holte sowohl von den unveränderten Listen (aus dem links-grünliberalen Lager) als auch von den veränderten Listen (aus dem bürgerlichen Lager) am meisten Stimmen. Auf fast 5000 der insgesamt gut 6000 veränderten Listen stand ihr Name. Sie machte damit wesentlich mehr Stimmen aus dem fremden Lager als Stefan Roth.
Fazit
Manuela Jost profitierte als Panaschierkönigin von der Allianz der CVP mit der SVP – sie verhalf ihr zu Stimmen von links. Auch SVP-Kandidat Peter With konnte von der Allianz mit CVP und FDP profitieren und einige Listenstimmen sammeln, die er sonst nicht geholt hätte. Stefan Roth hingegen ging beim Deal leer aus, denn ihm fehlten dadurch Stimmen von links der Mitte – wurde als Finanzdirektor aber trotzdem wiedergewählt. Wenn auch mit einem eher durchschnittlichen Resultat.