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Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Der jüngere Sohn sagte zu dem Vater: „Vater, gib mir den Anteil des Vermögens, der mir zukommt.“ Da teilte der Vater den Besitz unter sie. Wenige Tage darauf packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog fort in ein fernes Land. Das Weggehen des Sohnes ist verletzend, Ärgernis erregend und in radikalem Widerspruch zu den unantastbaren Überlieferungen jener Zeit. Der jüngere Sohn brachte damit unmissverständlich zum Ausdruck, dass er das Haus, in dem er geboren und aufgezogen wurde, ablehnt. Das Weggehen kann die Ablehnung der Wirklichkeit sein, ein Fliehen vor der Realität und letztlich vor Gott. Von Zuhause weggehen kann bedeuten, dass ich noch kein wirkliches Zuhause habe und erst lang und breit eines suchen muss. Von Zuhause weggehen kann auch bedeuten, dass ich die Wahrheit nicht achte. Die Wahrheit ist zum Beispiel die Stimme Gottes, die zu jedem Menschen reden möchte: „Ich liebe dich!“ Vom himmlischen Vater geliebt, kann ich „wandern im dunklen Tag, ich fürchte kein Unheil“. Vom himmlischen Vater geliebt, kann ich auch andere lieben. Ich habe umsonst empfangen und kann auch umsonst geben.
Henri Nouwen sagte: „Erst wenn ich den Mut habe, zu ergründen, was es heisst, das Zuhause zu verlassen, werde ich Heimkehr wirklich verstehen können.“ Das tat der jüngere Sohn und kehrte zum Vater zurück. Henri Nouwen sagte weiter: „Das Finden setzt das Verlieren voraus, die Heimkehr den Weggang… Mehr als alle anderen Geschichten des Evangeliums bringt das Gleichnis vom Verlorenen Sohn die Grenzenlosigkeit der erbarmenden Liebe Gottes zum Ausdruck.“
Ich bin überzeugt, dass die Kirche auch eine Aufgabe darin hat, dass Menschen ein Gefühl von Zuhause erleben können, die Liebe Gottes zu spüren und zu erfahren.
Markus Zogg, Sozialdiakon
Impulse für den Glauben - VII
- War der jüngere Sohn überdrüssig mit seinem Leben und wollte mal etwas anderes sehen? Was hat ihm der Vater oder sein älterer Bruder angetan?
- Welche Verluste habe ich in meinem Leben verkraften müssen? Gibt es etwas, das ich dadurch gefunden (evtl. sogar gewonnen) habe?
- Gab es in meinem Leben Momente, in denen ich vor Gott geflohen bin, dh. ihm den Rücken zugekehrt habe? Wie habe ich den Weg zurück zu Gott (dem Zuhause) wieder gefunden?
- Wie fühle ich mich in meiner jetzigen Lebenssituation? Fühle ich mich „Zuhause“ oder in der „Fremde“? Komme ich zurecht mit meiner aktuellen Lebenssituation?
- Höre ich die Stimme Gottes „Ich liebe dich!“ in meinem Herzen?
- Was habe ich in meinem Leben empfangen? Was habe ich an andere weitergegeben? Wem könnte ich in der nächsten Woche Liebe weitergeben?