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Auch Städte sind wertvolle Lebensräume
Es sind meist sehr anpassungsfähige Tierarten, die sich in Städte vorwagen und darin leben können. Gelegentlich siedeln sich aber auch seltene gefährdete Arten an. So brütet der Wanderfalke mittlerweile in Zürich und Basel. Der peilschnelle Vogeljäger lebt bestens von den gut genährten Stadttauben, und trägt so zu ihrer Bestandeskontrolle bei. Selbst Uhus können sich bei geeigneten Bedingungen in Städten niederlassen. Die grösste Eule Europas brütet seit mehreren Jahren in Hamburg. Städtische Gebiete, die viele und gut vernetzte Grünräume aufweisen, können eine überraschend reiche Artenvielfalt beherbergen.
Lärm und Licht sind besondere Aspekte, die von Stadttieren Anpassungen verlangen. Singvögel wie die Meisen singen lauter und in höherer Tonlage, wo der Verkehr dröhnt. Als würden sie „schreien“, heben sie sich so besser vom Hintergrundlärm ab. In Berlin zeigt sich, dass Nachtigallen an verkehrsintensiven Werktagen lauter singen als am ruhigeren Wochenende. Der Lärm in der Stadt beeinträchtigt aber nicht nur die Kommunikation der Vögel. Je nachdem, wann der morgendliche Straßenverkehr einsetzt, weckt er die gefiederten Stadtbewohner auch früher auf. Um dem grössten Lärm auszuweichen, beginnen diese früher zu singen. Im Zentrum von Leibzig begannen die Amseln bis zu fünf Stunden früher mit ihren Reviergesängen als im naturnahen Umland der Stadt, wie eine Studie zeigte. In Madrid sangen Haussperlinge und Einfarbstare umso früher, als Forscher mittels Lautsprecher den Verkehrslärm an bestimmten Straßen zeitlich vorverlegten. Andere Forscher fanden heraus, dass sich Blaumeisen-Männchen erfolgreicher verpaaren, wenn sie in der Nähe von Strassenlaternen leben. Die Beleuchtung veranlasste sie ebenfalls dazu, früher mit dem Singen zu beginnen, was die Aufmerksamkeit der Weibchen am ehesten auf sie zog. Rivalen in dunkleren Bereichen der City hatten das Nachsehen. Die Frage ist nur, ob die verkürzte Ruhezeit für die Vögel nicht auf Dauer gesundheitsschädlich ist. Nicht zuletzt sind Tiere im Siedlungsraum mit der Daueranwesenheit des Menschen konfrontiert. Stadttiere wie die Amseln oder Füchse erscheinen im Vergleich zu ihren waldbewohnenden Artgenossen auffallend zutraulich und ihre Fluchtdistanz ist geringer. Gegenüber Katzen, die ihnen tatsächlich gefährlich werden, haben Kleinvögel und Eidechsen indes keine Chance. In Quartieren, wo die Katzendichte sehr hoch ist, können eigentliche „Landschaften der Angst“ entstehen, die für diese Tiere im Extremfall unbewohnbar sind.
Besonders auch im Winter stehen die Städte bei Vögeln hoch im Kurs. Da im Winter die Temperaturen in der Stadt immer etwas höher ist als im Umland, steigen die Überlebenschancen. In harten Wintern finden sich in der Stadt viele Amseln, Stockenten und andere Vögel ein, denen es im zum Teil verschneiten oder gefrorenen Umland unwirtlich geworden ist.