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Obschon seit vielen Jahren weltweit an einem Wirkstoff zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit geforscht wird, kann die Erkrankung bis heute nicht geheilt oder aufgehalten werden. Zurzeit werden mehr als 100 verschiedene Wirkstoffe in klinischen Studien getestet. Ein solcher Wirkstoff ist Lecanemab, der vom japanischen Pharmaunternehmen Eisai gemeinsam mit ihrer amerikanischen Partnerfirma Biogen erforscht wird. Am 6. Juli 2023 hat der Wirkstoff, welcher den Medikamentennamen Leqembi trägt, in den USA und am 18. September 2023 in Japan die vollständige Zulassung erhalten. Das Medikament wird nun im solothurnischen Luterbach in der Produktionsanlage von Biogen hergestellt.
Der Wirkstoff Lecanemab, der auch unter dem Namen BAN2401 bekannt ist, verfolgt das Ziel die zugrundliegende Biologie der Alzheimer-Krankheit zu verändern. Dadurch soll das Fortschreiten einer Erkrankung in einem frühen Stadium verlangsamt werden. Eine Heilung der Alzheimer-Krankheit ist jedoch auch mit diesem Wirkstoff nicht möglich.
Bei Lecanemab handelt es sich um einen humanisierten monoklonalen Antikörper, welcher mittels einer passiven Immunisierung seine Wirkung erzielt. Dabei zielt der Wirkstoff auf die für die Alzheimer-Krankheit charakteristischen Eiweissablagerungen im Gehirn ab. Dieses sogenannte Beta-Amyloid ist einer von zwei Eiweissstoffen, dessen Verklumpung und Ablagerung gemäss dem aktuellen Forschungsstand zu den möglichen Ursachen einer Erkrankung zählt.
Infusion alle zwei Wochen
Der Wirkstoff wurde in den letzten 10 Jahren in klinischen Studien mit mehreren hunderten Teilnehmenden erforscht. Zuletzt wurde die Wirksamkeit von Lecanemab in der klinischen Phase-III-Studie Clarity AD mit rund 1800 Menschen in einem frühen Stadium ihrer Alzheimer-Krankheit untersucht. Dabei haben die Studienteilnehmenden entweder Placebo oder Lecanemab (10 mg/kg) mittels zweiwöchentlicher intravenöser Infusion über einen Zeitraum von 18 Monaten erhalten. Um die Wirksamkeit des Wirkstoffes nachzuweisen, wurde während der Studie unter anderem der Schweregrad von kognitiven und funktionellen Beeinträchtigungen oder der Beta-Amyloid-Spiegel im Gehirn erhoben. Zusätzlich erfassten die Forschenden das Auftreten von Nebenwirkungen.
Ermutigende Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie sind ermutigend. Diese wurden am 29. November 2022 an einer internationalen Konferenz in San Francisco von den beiden Unternehmen Eisai und Biogen vorgestellt. Die Studienergebnisse zeigen, dass Lecanemab unter anderem den klinischen Abbau auf einer globalen kognitiven und funktionalen Skala um 27% nach 18 Monaten im Vergleich zu Placebo verringerte. Darüber hinaus wurde ein signifikanter Abbau von Beta-Amyloid nach Lecanemab im Vergleich zu Placebo nach 18 Monaten nachgewiesen.
Der Wirkstoff kann jedoch auch Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder Mikroblutungen hervorrufen. Diese lagen allerdings im Rahmen der Erwartungen des Pharmaunternehmens und traten weniger häufig auf als bei früheren ähnlichen Wirkstoffen.
Die ausführlichen Ergebnisse wurden ebenfalls in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift The New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Stand der Zulassung
Basierend auf den erfolgsversprechenden Studienergebnissen haben Eisai und Biogen in den USA eine Zulassung beantragt. Am 6. Januar 2023 hat die dafür zuständige Behörde Food and Drug Administration (FDA) die Zulassung für die USA vorläufig bewilligt und anschliessend am 6. Juli 2023 die vollständige Zulassung erteilt. Am 18. September 2023 wurde in Japan ebenfalls die Zulassung erteilt. Im Juni 2023 hat Eisai ebenfalls einen Zulassungsantrag beim schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic eingereicht. Die Entscheidung hinsichtlich einer Zulassung ist zum aktuellen Zeitpunkt noch offen.
Nichtmedikamentöse Interventionen bleiben wichtig
Bei einer Zulassung von Lecanemab werden zudem nur Menschen in einem frühen Stadium ihrer Alzheimer-Erkrankung davon profitieren können. Deshalb bleiben nichtmedikamentöse Interventionen weiterhin von zentraler Bedeutung, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu stabilisieren oder zu verbessern.
In einem Interview erklärt Dr. Ansgar Felbecker, Präsident der Swiss Memory Clinic, was das neue Mittel Lecanemab macht, warum man vorsichtig optimistisch sein kann und warum es gar nicht so schlecht ist, dass die Schweizerische Arzneimittelbehörde nicht ganz so schnell ist wie die Amerikanische. Das Interview mit Ansgar Felbecker dauert fast 20 Minuten und ist hier verfügbar.