Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03324.jsonl.gz/2288

Radiologiefachmann am Kantonsspital Graubünden, Nationaltrainer, Ski-Crack und Schweiz-Amerikaner, der sich auf der Durchreise in seine heutige Frau verliebt hat und seither in der Schweiz lebt. Das Portrait von Christopher Winter.
Christopher (Chris) Winter ist leitender Radiologiefachmann am Kantonsspital Graubünden. Seine Mutter ist Schweizerin, sein Vater Amerikaner. Aufgewachsen ist er in New Hampshire im Nordosten der USA und hat in Boston studiert. Ein paar Jahre nach seinem Abschluss landete er in der Schweiz. «Ich wollte für einen Job nach Australien. Dafür wurden aber mindestens fünf Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt. Ich hatte deren vier.» Winter hatte in Boston einen Schweizer Kollegen kennengelernt, der mittlerweile in Zürich arbeitete und ihn einlud, in Zürich ein Jahr Zwischenhalt zu machen. So plante Winter, sein fehlendes Jahr Berufserfahrung in Zürich zu machen, um danach die Stelle in Australien antreten zu können. Aber erstens kommt es bekanntlich anders und zweitens als man denkt. Winter lernte an seinem ersten Arbeitstag in Zürich seine zukünftige Frau kennen.
Winter arbeitete zwanzig Jahre im Unispital Zürich. Erst als Fachmann für medizinisch-technische Radiologie und von 2002 bis 2016 als leitender Radiologiefachmann. Gewohnt haben Winter und seine Frau in Zürich, bis sie vor gut zehn Jahren nach Chur gezogen sind. «Meine Frau kommt aus Chur und für uns war klar, dass wir irgendwann entweder in die USA oder nach Chur gehen würden.» Erst wollten Winter und seine Frau in die USA ziehen. «Als dieser Gedanke langsam konkreter wurde, fanden die Anschläge vom 11. September statt und wir entschieden uns, vorerst nicht in die USA zu ziehen. Danach ergab es sich irgendwie nicht mehr.» Einige Jahre später kamen Winters Kinder ins schulpflichtige Alter und die Familie Winter musste sich entscheiden, wo sie sich niederlassen möchte. «So zogen wir in die Nähe der Familie meiner Frau und landeten in Chur.» Danach pendelte Winter für sieben Jahre zwischen Chur und Zürich, bis er 2016 ins Kantonsspital Graubünden wechselte. In der Zwischenzeit fühlt sich Winter hier in Chur auch sehr wohl und ist mit seiner Frau, zwei Töchtern und zwei Söhnen definitiv hier zuhause.
«Ich habe mit sechs Jahren begonnen, Football zu spielen.» In der kalten Jahreszeit fuhr Winter zusätzlich Skirennen und im Frühling spielte er jeweils Baseball. «Das ist in den USA nicht unüblich. Viele Kinder und Jugendliche sind sehr polysportiv unterwegs. Wenn überhaupt, legt man sich dann in der College-Zeit (Anm. d. Autors: im Alter ab 17 oder 18 Jahren) fest – vor allem, wenn man Ambitionen hat, den Sport beruflich auszuüben.» Solche Ambitionen hatte Winter im Football aber nicht. «Wenn, dann wäre das eher im Skisport der Fall gewesen. Im Football hätte ich schon nur des Körperbaus wegen wohl keine Chance auf eine Profikarriere gehabt.» Heute spielt American Football immer noch eine grosse Rolle in Winters Leben. 1999 begann er bei den Broncos – damals noch die «Landquart Broncos» – zu spielen. Nach deren freiwilligem Abstieg wechselte er als Spielertrainer zu den «Zürich Renegades», mit denen er fünf Mal den Schweizermeister-Titel holte. «Während dieser Zeit wurde ich ein paar Mal angefragt, ob ich die Schweizer Nationalmannschaft trainieren wolle. Ich wollte da aber nicht Spieletrainer bei einer Mannschaft und gleichzeitig Nationaltrainer sein, weshalb ich absagte.» Einige Zeit nach dem Umzug nach Chur wurde Winter bei den «Calanda Broncos» Trainer der U-13. «Als ich dann wieder angefragt wurde, sagte ich zu und bin seit 2014 Nationaltrainer.» Footballspieler seien auf der ganzen Welt ähnliche Typen. Egal, ob im Land des Superbowls – immerhin das grösste Sportereignis der Welt – oder in der Schweiz. «Als Footballer hat man den sogenannten 'Eggen ab'. Da spielen vom Arbeitslosen bis zum Arzt und Topbanker alle in einer Mannschaft, jeder übernimmt seine Aufgabe und das Team funktioniert. Das fasziniert mich.»
International sind nicht nur Winters Herkunft und Hobbys, sondern auch das Team, mit dem er am Kantonsspital arbeitet. Da arbeiten unter anderem Leute aus Kanada, Amerika, Holland, Neuseeland und Portugal. «Die Internationalität des Teams hängt auch mit der Ausbildung in meinem Spezialbereich zusammen. In der Schweiz werden Fachleute für medizinisch-technische Radiologie in allen drei Bereichen (Radiologie, Radio-Onkologie und Nuklearmedizin) ausgebildet. Die drei Bereiche unterscheiden sich ab einer gewissen Stufe jedoch relativ stark. In vielen Ländern ist die Ausbildung von Anfang an auf einen der drei Bereiche zugeschnitten.» «Natürlich gibt es Themen, die für alle drei Spezialisierungen wichtig sind. So zum Beispiel Anatomie, Physiologie und Strahlenschutz.» Je nachdem, ob man dann aber zum Beispiel Röntgenspezialist wird oder aber die Bestrahlung von Tumoren im Zentrum steht, sei auch die Ausbildung anders. Winter ist im Zentralvorstand der schweizerischen Vereinigung der Fachleute für medizinisch-technische Radiologie SVMTRA. Auch dort wird die Ausbildung von MTRA-Fachleuten analysiert und es werden Wege gesucht, wie die Ausbildung in den drei Bereichen des Berufsbildes optimiert werden kann. Der Beruf sei, auch aufgrund der medizinischen Entwicklung, mittlerweile zu komplex, als dass alles in einer zusammenfassenden Berufslehre richtig abgedeckt werden könne.
Auf die Frage, was ihm an seinem Job am besten gefalle, erwähnt Winter als allererstes die Interaktion mit Menschen. «Egal, ob mit Patienten, Physikern, Ärztinnen oder dem ganzen Staff. Die Kommunikation ist enorm wichtig und macht den Beruf auch noch spannender, als er es sowieso schon ist.» Es komme in seinem Alltag zu vielen tollen Begegnungen, was eine enorme Bereicherung sei. «Introvertiert sollte man nicht sein, wenn man diesen Beruf ausüben möchte». Ein Problem, das Chris Winter definitiv nicht hat.
Ein Multitalent: Christopher Winter spielt die Hauptrolle im Erklärvideo zur Strahlentherapie am KSGR:
Weitere Informationen zur Radio-Onkologie und Strahlentherapie finden Sie unter www.ksgr.ch/radio-onkologie