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Vor rund einem Jahr war der Genfer Staatsrat Pierre Maudet (FDP) dank eines respektablen Leistungsausweises gut positionierter Bundesratskandidat für die Nachfolge von Didier Burkhalter (NE). Er unterlag zwar dem Tessiner Ignazio Cassis, machte aber ein sehr respektables Resultat, das eine gute Plattform für weitere politische Weihen aufzeigte. Doch Maudets Bergfahrt in höhere Sphären kippte vor wenigen Monaten in eine abrupte Talfahrt, als bekannt wurde, dass er sich und seiner Familie eine Reise nach Abu Dhabi bezahlen liess. Prompt geriet er in die Fänge der Genfer Strafverfolgungsbehörden wegen Vorteilsannahme im Amt. Immer mehr in die Enge getrieben räumte er ein, gelogen zu haben und über die Bezahlung und den Ablauf dieser Reise nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Und in homöopathischen Dosen kamen immer weitere Unwahrheiten ans Licht, wie die von einem Hotel zu seinem vierzigsten Geburtstag offerierte Feier mit Krethi und Plethi, fremdbezahlte Parteibeiträge von jährlich 10 000 Franken und so weiter.
Politisch deutlich in Schräglage weigert sich Maudet beharrlich, von seinem Exekutivamt zurückzutreten. Er stellt sich legalistisch auf den Standpunkt, als Staatsrat gewählt zu sein, und ausserdem sei er bis heute in dieser Causa nicht verurteilt worden. Zugegebenermassen gilt für ihn auch die Unschuldsvermutung, doch er vergisst, dass er als Staatsrat gegenüber der Bevölkerung Vorbildfunktion hat, die mit Lügen und Vertuschen nicht vereinbar ist. Warum er dies nicht eingesteht, ist schwer zu begreifen, dürfte aber einen materiellen Hintergrund haben. Wenn er bis Mitte 2019 im Amt bleibt, steht ihm beim Abgang eine saftige Rente des Staates Genf zu. Wenn man seine materiellen Ansprüche mit seinem unethischen Verhalten als Exekutivperson aufwiegt, bleibt bei ehrlicher Betrachtung nur eine Antwort: «Ça suffit, Pierre Maudet. Partez!»