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Die im Verlauf von 40 Jahren vernichtete Fläche des Regenwaldes im brasilianischen Teil Amazoniens erreichte bis einschliesslich 2013 ein Ausmass von 762.979 Quadratkilometern. Das entspricht der dreifachen Grösse des Bundesstaates São Paulo oder 184 Millionen Fussballfeldern. Dies geht aus dem Lagebericht “O Futuro Climático da Amazônia“ (Die klimatische Zukunft Amazoniens) hervor, koordiniert vom Forscher Antônio Donato Nobre, vom “Centro de Ciência do Sistema Terrestre“ des Nationalen Instituts für Raumforschung (Inpe).
Der Bericht, veröffentlicht am Nachmittag des vergangenen Donnerstags (30.10.) in der “Sala Crisantempo“, in der Westzone von São Paulo, vereint verschiedene Studien der Region und richtet sich speziell an das Laienpublikum. Ziel der Wissenschaftler ist es, der breiten Öffentlichkeit den Zugang zu mehr als 200 Studien und wissenschaftlichen Artikeln zu ermöglichen, um damit die allgemeine Unkenntnis über die ambientalen Probleme zu verringern.
Antônio Nobre schätzt, dass die Besetzung Amazoniens bereits 42 Milliarden Bäume vernichtet hat, das bedeutet, mehr als 2.000 Bäume pro Minute, und ohne Unterbrechung, während eines Zeitraums von 40 Jahren. Und wenn man die Entwaldung mit der Degradierung des Waldes (dazu gehören grüne, aber unbenutzte Flächen) summiert, hat die Zerstörung Amazoniens inzwischen 2.062 Millionen Quadratkilometer erreicht.
Nach dem Bericht besteht nun das Risiko durch diese weitläufige Zerstörung, dass der Regenwald seine Kapazität zur Senkung des atmosphärischen Drucks verliert und seine Feuchtigkeit mittels der so genanten “Rios voadores“ (Luftströmungen) in andere Gebiete transportiert und dadurch in Amazonien die Trockenheit einleitet. Die Folgen für die Südostregion, besonders für den Bundesstaat São Paulo, der bereits eine lange Trockenheit erlebt, werden noch studiert, aber Nobre glaubt, das ein Teil davon die Folge der Zerstörung des Atlantischen Regenwaldes ist und der globalen Erwärmung.
“Wir befinden uns in der klimatischen Intensivstation“, bestätigt der Wissenschaftler, und er vergleicht das Klima-Problem mit einem Patienten, der in einem Hospital interniert ist. Nach Nobre ist es schwierig vorauszusehen, ob der Patient – in diesem Fall Amazonien – reagieren wird, obgleich es noch eine Lösung für das Problem gibt.
“Wenn man sich in der Intensivstation eines Krankenhauses befindet, weiss der Arzt dann, wann man sterben wird? Nein, er kann es nicht sagen. Es hängt vom jeweiligen Organismus ab und vielen weiteren Faktoren, der Arzt kann nur das tun, was in seiner Macht steht: informieren. Und was ich tue, ist genau das: Ich informiere über das ambientale Problem Amazoniens. Und ich glaube, dass es eine Lösung gibt:
Ab sofort null Waldzerstörung und Wiederaufforstung mit allen zur Verfügung stehenden Kräften und Mitteln. Jedoch zuvor die Anstrengung aller, um die Ignoranz jedes Einzelnen zu beenden“, sagte er mit Nachdruck.
Nach Meinung von Antônio Nobre sind die bisherigen Anstrengungen, die Waldzerstörung definitiv zu beenden, völlig unzureichend, zumal es höchste Zeit ist, auch den Prozess der Aufforstung dessen, was bisher zerstört wurde, einzuleiten. “Wir müssen Bäume an allen Orten pflanzen, nicht nur in Amazonien“, fordert der Forscher, und erinnert daran, dass es nicht nur Eukalyptusbäume sein dürfen, die man zur Zeit dazu verwendet, weil diese Spezies nicht besonders geeignet dafür ist, Regen zu bringen.
Nach seiner Meinung hat die Regierung eine grosse Aufgabe vor sich, diese Arbeit in die Tat umzusetzen, die in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, der Justiz, den verschiedenen NGOs und den Wissenschaftlern in Angriff genommen werden muss, um etwas zu wiederholen, was nach 2004 gemacht wurde, als Brasilien den Höhepunkt der Waldzerstörung erreicht hatte (27.700 km2). “Es ist möglich Übereinkünfte zu erzielen, und alle Sektoren werden davon profitieren“, forderte er auf.
Obgleich die Waldzerstörung in den letzten Jahren zurückgegangen ist, ist Brasilien immer noch der grösste Regenwaldvernichter der Welt, bestätigt Cláudio Amarantem von der NGO WWF Brasilien. “Nach den heute uns vorliegenden Daten, trotz aller Reduzierung, steht Brasilien immer noch an der Spitze der weltweiten Regenwaldvernichtung, obgleich es davon abhängt, wie man das misst. Brasilien reduziert seit zehn Jahren die Abholzung, während in den Andenstaaten sich der Amazonienteil in gegenläufigem Rhythmus bewegt: Dort nimmt die Waldvernichtung zu. Nach Brasilien, kommt Bolivien, Peru, Kolumbien, Venezuela und Ecuador (in dieser Reihenfolge) betreffs der Vernichtung ihres Regenwaldes“.
Nach Amarante steht die Kontrolle über die Waldzerstörung in Brasilien derzeit vor ihrer schwierigsten Phase: der Bekämpfung der kleinen Lichtungen durch Abholzung, so klein, dass sie vom Satelliten aus nicht bemerkt werden. “Bis jetzt war es möglich, die grossen, von oben leicht zu erkennenden illegalen Abholzungen zu verhindern. Jetzt gilt es, die kleinen Flecken der Waldzerstörung durch einzelne illegale Siedler zu verhindern“, bestätigte er.