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untergeordnete Rolle spielen. Die Verwandtschaft und Rangordnung der Götter, wie wir sie heute aus der «Mythologie» kennen, ist das Ergebnis einer späteren Lehre, die mehr von Dichtern als von den Priestern ausgebildet wurde. In Athen war, um nur an einem Beispiel das Verhältnis zu zeigen, nicht der «Vater der Götter», Zeus, sondern Pallas Athene Hauptgottheit. Auf kleinasiatischem Boden und den Inseln treffen wir vorwiegend weibliche Gottheiten - Aphrodite, Artemis, Hera -, welche dort vielfach Züge der semitischen Astarte aufweisen.
Diese kurze religionsgeschichtliche Bemerkung habe ich hier eingeschaltet, weil sie auch einige Erscheinungen in der Kunstentwicklung der verschiedenen Gebiete verständlich macht.
Tempelbau. Die ersten sicheren Zeugnisse für den griechischen Tempelbau stammen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Die Baukunst erscheint da bereits ziemlich entwickelt, es bestehen für Anlage und Bauweise feste Regeln. Was zwischen dieser Zeit und der mykenischen liegt, entzieht sich unserer Kenntnis, und es lassen sich über den Entwicklungsgang nur Vermutungen aufstellen.
Holzbau. Zweifellos ist die griechische Baukunst vom Holzbau ausgegangen. Die ganzen Formen des ältesten Stiles - des dorischen - weisen darauf hin, die Anlage des Daches, die Gliederung des Giebels, auch die Säule selbst. In manchen Einzelheiten seiner Gestaltung erinnert der altgriechische Tempel thatsächlich vielfach an das aus Holz gefügte nordische Bauernhaus. Begreiflicherweise blieb von diesen ältesten Holzbauten nichts erhalten, zumal schon im 7. Jahrhundert der Uebergang zum Steinbau sich vollzog. Eine teilweise Verwendung des Holzes, insbesondere für die Decke, fand aber noch längere Zeit statt.
Grundformen der Tempel. Mit zwei Hauptformen tritt der griechische Tempelbau in Erscheinung: dem sogenannten «Anten-Tempel» und dem «Peripteros» (Pteros = Umgang). Ob letzterer aus dem ersteren sich entwickelt hat oder eine selbständige Erfindung sei, darüber herrscht Streit. Für letztere Annahme trat namentlich Semper ein, und auch ich neige mich ihr zu, weil der Gedanke, das Dach eines langgestreckten Hauptbaues auf allen vier Seiten auf Säulen zu stützen, ja Baumeistern mit so ausgesprochenem Verständnis für schöne Maßverhältnisse, wie es die Griechen waren, nahe liegen mußte.
^[Abb.: Fig. 92. Zwei Metopen aus Selinunt.
Herkules und die Kerkopen.
Perseus und Medusa.] ¶
Antentempel. Beide Arten haben als Hauptteil die Zelle (Cella), den Raum für das Götterbild. Bei dem Antentempel ist die Zelle nahezu quadratisch; die beiden Seitenmauern sind verlängert und enden in Wandpfeilern - Anten - zwischen welchen Säulen stehen, welche das Gebälk des Giebels tragen.
Peripterostempel. Der Peripterostempel hat eine Zelle von längerer, rechteckiger Form, die zwei, bisweilen drei Räume enthielt, die eigentliche Cella als Heiligtum, eine Vorhalle (Pronaos) und einen Hinterraum (Opisthodomos), der als Schatzkammer oder «Sakristei» diente. Dieses Langhaus war auf allen Seiten von Säulenreihen umgeben; es ruhte auf einem Unterbau (Krepidoma, die obere Fläche desselben heißt Stylobat) mit hohen Stufen ringsum; an der Vorderseite waren dann noch Zwischenstufen eingelegt, welche den Aufgang gestatteten.
Abarten. Von beiden Hauptformen giebt es mehrere Abarten. Bisweilen wurden bei den Antentempeln auch auf der Rückseite die Seitenmauern verlängert, und zwischen diesen hinteren Anten Säulen gestellt (Doppelantentempel). In anderen Fällen sprangen die Anten nur wenig vor, und wurden vor den ganzen Bau vier Säulen gestellt (Prostylos). Dem Doppelantentempel entsprach der Amphiprostylos, welcher auch auf der Rückseite vier Säulen hatte.
Abarten des Peripterostempels sind der Pseudoperipteros, bei welchem die Säulen nicht frei rings um die Zelle standen, sondern als Halbsäulen an der Zellenmauer klebten; dann der Dipteros, der zwei Säulenreihen ringsum hatte. (Besondere Formen waren der Rund-Peripteros, bei welchem die Zelle kreisrund war, und der Monopteros, eine runde Säulenhalle ohne Zelle.)
Die Zelle. Die Zelle erhielt ihr Licht durch die Eingangsthür, es herrschte somit eine geheimnisvolle Dämmerung in dem Heiligtum. In der späteren Zeit, als man große Tempel baute, gab es solche, bei welchen das Mittelschiff ohne Decke war, so daß das Licht von oben hereinfiel. (Hypæthral-Tempel.) Diese Bauten enthielten im Innern zwei Reihen von Säulen, welche dünner waren, als die äußeren. Da durch diese Schlankheit das Maßverhältnis gestört worden wäre, so machte man sie niedriger, legte eine Zwischendecke über die Seitenschiffe und stellte eine zweite Säulenreihe auf, welche bis zur Hauptdecke reichte, so daß in diesen Seitenschiffen Obergeschosse entstanden.
Die Säule. Die geschilderten Grundformen des Tempelbaues stehen, wie gesagt, seit dem 7. Jahrhundert fest und erlitten in der Folge keine bemerkenswerte Abänderung. Die künstlerische Entwicklung vollzog sich an der Säule, welche allerdings ein ganz wesentliches Glied der Gesamtanlage war, besser gesagt, die ganze Eigenart des griechischen Tempels bestimmte. In der Gestaltung der Säule geben sich somit hauptsächlich die verschiedenen «Stile» kund.
^[Abb.: Fig. 93. Standbild eines Jünglings.
Der sog. Apoll von Tenea. München. (Nach Photographie von Bruckmann.) ¶