Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03096.jsonl.gz/2854

Palm Springs: Mekka für «Mid-Century Modern»-Fans und Erholungsoase der Stars. Das Hollywood-Refugium Palm Springs erstrahlt im nostalgischen Glanz der Fünfziger. Die Attraktivität von Palm Springs am nordwestlichen Ende des Coachella Valley ist kein neues Phänomen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine Heilwiese für Lungenkranke, entwickelte sich die Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts zum verschlafenen Refugium Golfschläger schwingender Pensionäre und seit den 1930er Jahren zur winterlichen Sonnenbank berühmter Hollywood-Ikonen.
Am Pool mit Marilyn
Hier sonnten sich Hollywood-Legenden von Kirk Douglas bis Frank Sinatra. In Palm Springs amüsierten sich Komiker wie die Marx Brothers und Charlie Chaplin. John F. Kennedy übernachtete zufällig im selben Hotel wie Marilyn Monroe. Die Schauspielerin wurde einst am Pool eines Tennisclubs in Palm Springs entdeckt und die Stadtverwaltung leistete sich einen Ehrenbürgermeister namens Bob Hope, dem später der Cher-Ehemann Sonny Bono als gewählter Amtsinhaber folgte. Auch heute hat Palm Springs noch viele gut situierte Einwohner, die sich eines luxuriösen Lebensstils erfreuen. So ist die Wüstengemeinde beliebtes Wochenendziel städtischer Yuppies und Stars wie Nicole Kidman, Samuel L. Jackson, Kevin Spacey, Angelina Jolie und Brad Pitt. Und so wundert es nicht, dass, wenn sich Los Angeles am Freitagnachmittag ins Wochenende verabschiedet, sich der Verkehr aus dem Ballungsgebiet der Millionenmetropole hauptsächlich auf den nach Osten verlaufenden Interstates dickflüssig voranquält. Und viele der Wochenendurlauber haben das langgestreckte Coachella Valley zum Ziel, allen voran Palm Springs, denn es eignet sich bestens als Ausgangspunkt für Touren in die umliegenden Wüstenregionen und den Joshua Tree National Park.
Wer sich für die VIPs aus den guten alten goldenen Zeiten interessiert, informiert sich am besten auf dem Palm Springs Walk of Stars. Ähnlich wie auf dem Hollywood Walk of Fame sind entlang dem Canyon Drive, Tahquitz Canyon Way und Museum Drive mit in die Gehsteige eingelegten Marmorsteinen knapp 300 Berühmtheiten von Lauren Bacall, Rock Hudson, Catherine Deneuve bis Marlene Dietrich verewigt, die sich auf die eine oder andere Weise um Palm Springs verdient gemacht haben. In Bronze gegossen beobachtet hingegen Sonny Bono auf dem Rande eines Brunnens sitzend das Treiben auf dem South Palm Canyon Drive, zwischen Arnado und Bariston Road. Palm Springs ehrte den ehemaligen Kopf der Stadtverwaltung, der als Interpret von «I Got You Babe» international bekannt wurde, damit für sein Engagement für die Stadt. Der 1998 bei einem Skiunfall am Lake Tahoe ums Leben gekommene ehemalige Promibürgermeister legte grossen Wert darauf, die geruhsame Golfoase nicht zu sehr zu kommerzialisieren. Als Studenten Palm Springs für ihre berühmt-berüchtigten Spring-Break-Semesterferien auserwählten, verbot er die meist in unrühmliche Saufgelage ausufernden Festivitäten schlichtweg. Jedoch etablierte er auch das renommierte «Palm Springs International Film Festival», das jährlich Tausende in die Wüstenstadt zieht. Palm Springs ist eine schillernde Stadt, die stolz ist auf ihre Historie, aber auch ihre Toleranz und liberale Tradition. Dutzende spezieller Gay-Hotels und -Bars locken Wochenende für Wochenende reiche Städter in die Wüste.
Architektur-Mekka
In Palm Springs können Urlauber die ehemaligen Villen von Hollywood-Stars bewohnen oder besuchen und dabei auch hinter die Fassaden mancher Glamourehe schauen. Der Hort dafür ist die sogenannte Movie Colony. Cary Grant war einer der Ersten, die es nach Palm Springs zog, und ihm folgte eine bis heute nicht abreissende Schar Stars. Frank Sinatra und seine Freunde, die «Rat Pack», waren zusammen mit Superreichen wie Walt Disney ein werbewirksames Aushängeschild. In den fünfziger Jahren begannen sie, hier Häuser zu bauen, und verwandelten Palm Springs in eine bemerkenswerte Bauausstellung für moderne Architektur.
Das Ehepaar Kaufmann, das sich in Pennsylvania eines der berühmtesten Architekturdenkmäler der Moderne, das Wohnhaus «Falling Water» von Frank Lloyd Wright, hatte bauen lassen, beauftragte in Palm Springs Richard Neutra. Neutra baute ihnen ein Glashaus mit klaren, einfachen Linien und allen technischen Annehmlichkeiten. Noch heute ist dieses Haus eines der besten Beispiele des «kalifornischen Stils». Jahrelang residierte der Sänger Barry Manilow in diesem minimalen Kultobjekt der Mid-Century-Modern-Architektur. Zudem prägte die Architektur Frank Lloyd Wrights und des in der Schweiz geborenen Albert Frey bald die privaten Wohnsiedlungen von Palm Springs. Letzterer schuf zudem das am Palm Canyon Drive gelegene Visitors Center. Heute werden die einstigen Villen und Bungalows der Stars meist von Agenturen an Urlauber vermietet. Denn so manch einer möchte gerne einmal im Bett von Marilyn Monroe schlafen oder im gleichen Pool schwimmen wie Liz Taylor. Besonders beliebt ist das Haus von Dinah Shore mit acht Schlafzimmern und vielen Reliquien der 50er Jahre. Die blonde Südstaatenschönheit war in den fünfziger, sechziger, siebziger Jahren als TV-Entertainerin und Sängerin so populär wie Doris Day. Sie sang in ihrer Nachmittagsshow mit Frank Sinatra im Duett, spielte Golf wie ein Profi und lebte mit dem Westerndarsteller George Montgomery zusammen. Palm Springs benannte sogar eine Strasse nach seiner liebsten Einwohnerin. Ferien zu machen in solch einem Haus, ist wie eine Reise zurück in die Glanzzeiten Hollywoods. Die meisten Häuser wurden liebevoll renoviert, ganz im Stil der Zeit. Und fast jedes hält kleine Anekdoten und Geschichten bereit. Ein Riss im Waschbecken stammt von einer Champagner-Flasche, die Ava Gardner rasend vor Eifersucht nach Frank Sinatra warf, hinter einer Hecke trafen sich heimlich Dinah und Frank zum Stelldichein, und in diesem Pool wurde Norma Jean Baker entdeckt, die als Marilyn Monroe weltberühmt wurde. Und wenn im Garten vor Frank Sinatras palmengesäumter Villa die Stars-and-Stripes gehisst wurden, bedeutete das: «Tini Time! Come over!», Signal für die illustre Nachbarschaft, sich doch bitte herüberzubemühen, da die Martini-Cocktails fertig waren.
Zwischen Kleinstadtflair und Hollywood-Glamour
Mit neu entflammter Begeisterung für den Mid-Century-Stil erlebt dieses riesige Freilichtmuseum eine längst verdiente Renaissance. Die meisten der Ferienhäuser aus den Dreissiger- bis Sechzigerjahren sind noch heute im Originalzustand erhalten. Besonders beeindruckend ist Albert Freys Junggesellenbude auf einem Felsvorsprung über Palm Springs. Nur 70 Quadratmeter gross, aber um einen riesigen Felsbrocken herum gebaut, der genial in den Raum integriert wurde, und unter alldem liegt die Stadt. Das Haus steht heute jedoch unter Denkmalschutz und ist für Feriengäste leider nicht mehr offen. Dafür kann man jedoch beispielsweise in Elvis Presleys Honeymoon-Villa Urlaub machen. Das hat jedoch alles seinen Preis. Preiswerter sind hingegen die sogenannten Alexander-Bungalows: Das Vater-Sohn-Architektenteam George und Robert Alexander stellte in den Vierzigerjahren mit schlichten, preiswerten Häusern sicher, dass sich auch ganz normale Leute in der Oase eine schöne Zeit machen konnten. Klar, simpel, ohne Keller, dafür mit Autostellplätzen vor dem Haus.
2006 hat es Palm Springs nicht nur auf die Liste der zwölf erhaltenswerten Stätten Amerikas geschafft, sondern besinnt sich heute auch auf den stilvollen Luxus. Mit 117 Golfplätzen, 130 Hotels für jeden Geschmack und Geldbeutel, noch mehr Zweitvillen reicher Amerikaner, wöchentlichem Strassenfest und jährlich 360 Tage mit Sonnenschein lässt es sich perfekt darin schwelgen. Denn trotz Glamour, Geld und Luxus ist Palm Springs nicht laut, sondern beschaulich. Es gibt in der 45’000 Einwohner zählenden Stadt weder Hochhäuser noch riesige Einkaufszentren. Stattdessen herrscht gediegene Kleinstadt-Atmosphäre, in der man sich auf dem Golfplatz vergnügt oder am Pool relaxt. Palm Springs ist heute noch so gemütlich wie in den Fünfzigern. Und warm ist es. Zehn Grad wärmer als in Los Angeles – das muss man einfach grossartig finden, vor allem im Winter.
Nice to know
Von der Wüste in den Schnee
Vielleicht gleicht Palm Springs in vielem einer typischen amerikanischen Kleinstadt. Weit dagegen sind der Himmel und der Blick in die Wüstenlandschaft. Wer mag, kann mit einer modernen Seilbahn von Palm Springs auf 2700 Meter Höhe in die Berge des Naturschutzgebietes Mount San Jacinto hinauffahren. Von oben ist der Blick über Palm Springs und die Mojave-Wüste spektakulär. Man sollte sich allerdings warm anziehen, denn auf den Bergen ist es fast 20 Grad kälter als unten in der Wüste, im Winter und im Frühjahr liegt dort noch Schnee. Die Fahrt mit der Aerial Tramway ist fast so, als reise man in einer Viertelstunde von Kalifornien nach Alaska. So kann man auf dem Berg im Schnee spazierengehen, während im Tal und an den Hängen die Menschen ihre Pools geniessen.