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Die Entwicklung der Segel und Masten in der Finnklasse scheint eine never ending story zu sein.
Angefangen hat alles mit Holzmasten und Baumwoll-Segel im Jahr 1949. Ab 1969 wurden die ersten Aluminimum-Masten gefertigt, was durch die neue Härte der Masten auch die Nachfrage an formstabileren Segeln nach sich zog. Die ersten Dacron- Segel, hergestellt aus einer Polyester-Faser, getränkt in Harz, um die Langlebigkeit zu verlängern, wurden eingesetzt. 1993 war dann der Beginn einer neuen Ära bezüglich Masten und Segel. Carbon wurde im Masten-Bau eingesetzt was sie noch härter, jedoch weniger unentbehrlich machte. Heutzutage kann man einen Finn-Mast ohne grössere Probleme duplizieren, was bei einem Holzmast unvorstellbar war. Bei den Segeln setzte sich die Pionierarbeit von North Sails durch. Der weltführende Segelmacher entwickelte auch die ersten Folien-Finnsegel. Heute verwenden sämtliche Segelmacher Folien-Tuch zur Herstellung der Finnsegel.
Die grosse Herausforderung
Der Finn-Mast ist unverstagt, was einem kaum Trimmmöglichkeiten bezüglich der Biegung der Masten auf dem Wasser bietet. Je mehr Wind der Segler vorfindet, desto mehr biegt sich sein Rigg. Idealerweise würde man ein Rigg bei mehr Wind unter eine grössere Spannung setzen, um dem grösseren Druck entgegenwirken zu können. Das Gegenteil bei Leichtwind. Das heisst, dass der Finnsegler seinen Mast und das dazu passende Segel zu Beginn eines Wettkampftages bestimmen muss. Nun ist es aber äusserst selten, dass man während einem Wettkampftag immer die gleichen Bedingungen vorfindet. Also geht es darum, einen Mast inklusive Segel möglichst auf ein perfekt abgestimmtes Paket zu bringen. Dabei sind einige Faktoren des Seglers zu berücksichtigen. Das seglerische Niveau, sein Gewicht und die Fitness des Athleten. Dies ist der Grund, weshalb das Rigg eine enorme Bedeutung im Finnsegeln hat. Heutzutage haben Spitzensegler mehrere Mast/Segel Kombinationen zur Verfügung um dieser Schwierigkeit Rechnung zu tragen.
Wenn es auf Millimeter ankommt
Generell gilt, dass ein Segler mit einem Körpergewicht um die 100 kg ein härteres Rigg segelt als ein leichterer Athlet mit 90 kg. Dies aus dem einfachen Grund, weil ein schwererer Segler mit mehr Druck im Rigg zurechtkommt als ein leichterer. Einen grösseren Spielraum bieten die Segel. Diese werden auf die jeweiligen Mastbiegekurven (unter Berücksichtigung der achterlichen und seitlichen Biegung) hergestellt. Dabei kann ein Segel, welches die gleiche Mastkurve aufweist, etwas flacher in der Segelform gestaltet werden, was bei mehr Wind eingesetzt werden kann. Das gleiche gilt für die andere Richtung für wenig Wind. Da ein perfekt passendes Segel auf den Masten unumgänglich ist, wird beim führenden Segelmacher North Sails kein Aufwand gescheut. Es wird Software verwendet, welche im Americas Cup eingesetzt wird, um Segelformen zu analysieren (siehe Bild). Dabei werden die gegebenen Mittelbreiten der Finn-Segel bis zum letzten Millimeter aus-gereizt. Die Profiltiefen der Segel werden durch die Zusammenarbeit der Segeldesignspezialisten und den Athleten auf ihre Bedürfnisse bestimmt und hergestellt. Dadurch profitiert bei North Sails auch der weniger ambitionierte Segler, denn die jeweiligen gewonnenen Erkenntnisse fliessen direkt in die Produktion der neusten Generation von Segel ein.
Christoph Burger, 2014