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Grüdungsdatum: September 1985
Fläche: 152.000 Hektar
Ökosystem: Cerrado, Caatinga und Reste des Atlantischen Regenwaldes
Relief: Hochebenen mit Felsengebirgen
Aktivitäten: Wanderungen, Pappel, Cascading, Canyoning, Kanutrips, Klettern, fotografisches Trekking und Umwelterziehung.
Ort: Bundesstaat Bahia – Orte Lençóis, Andaraí, Palmeiras, Ibicoara und Mucugê
Am Anfang des 18. Jahrhunderts invadierten Bandeirantes aus verschiedenen Teilen des Landes die Chapada Diamantina auf der Suche nach Gold und Diamanten, und gründeten damit eine erste Bevölkerung der Region. Die kontinuierliche Suche nach neuen Fundstätten enthüllte einen weiteren Aspekt der Chapada, ihr touristisches Potential.
Die verschiedenen indigenen Völker, welche einst die Chapada von prähistorischer Zeit an bewohnten, haben die Beweise ihrer Existenz in Fels- und Höhlenzeichnungen hinterlassen, aber auch in der Kultur der lokalen Bewohner finden sich uralte, historische Gebräuche, welche sich in ihrer Ernährung genauso erhalten haben wie in ihrer Religion – zum Beispiel im “Jaré“, einer Zeremonie, die afrikanische Kultur mit der indianischen mischt.
In der Chapada Diamantina finden sich viele endemische (nur dort vorkommende) Beispiele aus Fauna und Flora, wie zum Beispiel Orchideen und Bromelien, Kolibri-Spezies, Frösche und Fische – Arten von grossem wissenschaftlichen Wert, von denen einige noch nicht einmal katalogisiert worden sind.
Das Höhenrelief der Chapada ist eine Wasserscheide und verantwortlich für die Quellen der bedeutendsten Flüsse des Bundesstaates Bahia: der des Rio Paraguaçu und des Rio das Contas – neben weiteren Wasserläufen, welche sich in Richtung des São-Francisco-Beckens wenden.
Jedoch leidet dieses grossartige Szenario sehr unter den jährlich sich wiederholenden Abbrennungen, Abholzungen, illegaler Jagd und dem Verlust kultureller Werte. Der Schutz der Chapada Diamantina geht allerdings weit über die Verteidigung von Flora und Fauna hinaus. Unter anderem gehören dazu auch die Wartung und Kontrolle der Wasserversorgung der Stadt Salvador, wissenschaftliche Studien neuer Spezies, die Rettung des lokalen Kulturgutes und die Erhaltung ihres touristischen Potentials.
Obwohl man hinsichtlich der Fauna des Parks noch keine systematischen Aufzeichnungen gemacht hat, weiss man um die bemerkenswerte Vielfalt der Arten, welche in ihm leben. Die ersten Goldsucher, welche die Gebirge dieser Region durchstreiften, begegneten noch einem representativen Reichtum an Wildtieren. Jedoch im Lauf der Zeit verschwanden die grösseren Arten, wie Anta (Tapir), Tamanduá-bandeira (Grosser Ameisenbär) und Tatu-canastra (Gürteltier) aus der Gegend, weil sie von der Bevölkerung rücksichtslos bejagt wurden – dies war einer der Gründe für die Einrichtung des Nationalparks.
Das Jacaré-de-papo-amarelo (Brillenkaiman), die Onça-pintada (Jaguar), Capivara (Wasserschwein), Macaco- barbado (Roter Brüllaffe), Veado-campeiro (Hirschart), die Jiboia (Boa constrictor) und viele Vogelarten wurden in ihren Populationen durch illegale Jagd und Tierhandel über Jahre reduziert. Auf den Campos rupestres leben kleine und mittelgrosse Tiere, wie zum Beispiel der Mocó (Kerodon rupestris – Meerschweinchen), ein von den Jägern besonders verfolgtes Nagetier. Auf den Höhen der Serras lebt eine grosse Zahl verschiedener Vogelarten, inklusive ein endemischer Kolibri, der den volkstümlichen Namen “Gravatinha-vermelha“ (Rotes Gravättchen) trägt.
Die vegetative Decke des Nationalparks wird als “Refúgio Ecológico Montano“ (ökologisches Gebirgsrefugium) bezeichnet. Diese “Refugien“ trifft man im allgemeinen auf Höhen über 1.000 Metern an – typisch für sie ist eine rachitische, verholzte Vegetation, vorherrschend bestehend aus rupestren, sklerophylen oder Herbacea-Graminoiden (Steppenvegetation). Die gesamte Flora hier oben ist von sehr eigenem Charakter und wird immer wieder von Felsengebilden unterbrochen – sie bildet xerophytische Kommunen von niedrigem Wuchs, mit Blättern, deren morphophysiologische Fähigkeiten den Verlust von Wasser reduzieren. Die Flora der Campos Rupestres und der Campos Gerais gibt dem Park sein charakteristisches Gesicht mit einer grossen Anzahl von endemischen Pflanzen, wie den Orchideen, den Gravat´s (?) und den Sempre-vivas (Helichrysum bracteatum).
Auf den trockeneren Stellen des Sertão Baiano herrscht die typische Flora der Caatinga vor – wie zum Beispiel die Mandacaru (Säulenkaktus), der Umbuzeiro (Spondias tuberosa Arruda) und die Licuri-Palmen. Während in den feuchteren Gegenden und entlang der Wasserläufe der Galeriewald entwickelt hat.
Das Klima einer Region ist einer der bedeutendsten Faktoren für die Entwicklung ihrer Fauna und Flora, und im spezifischen Fall der Chapada Diamantina, mit ihrer Diversifikation von unterschiedlichen Höhen und Reliefs, spielen auch entsprechende Micro-Klimata eine Rolle. Ganz allgemein kann man das lokale Klima als tropisch-halbtrocken bezeichnen, mit regenreichen Sommern, die ein plötzliches Ansteigen der Flüsse provozieren. Der orientalische Teil der Chapada präsentiert die höchsten regionalen Niederschläge – dort erreicht der jährliche Mittelwert 1.200mm in der Gegend von Lençóis, auf 394m Höhe.
Es sind ihrer so viele in diesem interessanten Gebiet, dass man in Schwierigkeiten kommt, wenn man sie alle aufzählen wollte. Wir möchten an dieser Stelle nur einige davon aufzählen – und gleich dazu sagen, dass Sie als Besucher wenigstens eine Woche für sie Zeit haben sollten!
Grutas da Lapa und der Torrinha
In 65km Entfernung von Lençóis besitzt die Gruta da Lapa interne Salons von 32m Höhe und präsentiert prähistorische Felszeichnungen. Die in der Nähe befindliche Gruta da Torrinha ist besonders reich an Speliothemen (Höhlenornamenten).
Morro do Pái Inácio
Dieser Berg liegt in der Serra do Sincorá, zirka 28km weg von Lençóis. Er vermittelt dem Besucher eine der schönsten Aussichten über die Chapada Diamantina – ausserdem ein herrlicher Platz zum Erleben des spektakulären Sonnenuntergangs.
Cachoeira do Sossego und Ribeirão do Meio
Dieser Wasserfall Sossego schiesst mit dunklem Wasser aus einem Arenit-Felsen in 15m Höhe herab. Man erreicht ihn über einen Trail von 7km Länge zu Fuss. Unterwegs kommt man am Flüsschen Riberão do Meio vorbei – und kann von dort die spiegelglatte Felswand hinunterrutschen und in einem Wasserbecken eintauchen.
Gruta do Lapão
Eine der grössten, aus Quarz gebildeten Höhlen Brasiliens. Man kann sie von einem Ende zum andern auf trockenem Terrain durchqueren – 4,5km von Lençóis.
Marimbus
Man nennt das Gebiet auch “Pantanal“ (ein überschwemmtes Areal der Region). Es befindet sich am Rio Santo Antônio, präsentiert eine vielfältige Fauna und Flora – 18km von Lençóis.
Poço do Diabo
Der “Brunnen des Teufels“ liegt am Rio Mucugezinho, gleich hinter einem grossen Wasserfall von 40m Höhe. Es handelt sich dabei um einen Natur-Pool mit dunklem (eisenhaltigem) Wasser, ideal zum Baden – Entfernung von Lençóis 21km.
Cachoeira da Fumaça
Einer der höchsten Wasserfälle Brasiliens, 340 Meter! Sein Wasser fällt vor einer glatten, vertikalen Felswand herunter und bildet eine richtige Wolke aus Wasserdampf. Man kommt auf zweierlei Art dorthin: Für den Trail “oberhalb“ braucht man zirka zwei Stunden, in dem man den Berg ab dem Örtchen Capão erklettert. Für den Trail “unterhalb“ (einer der traditionellsten Wanderwege in der Chapada) braucht man als Mittelwert zirka drei Tage – und eine gute körperliche Kondition.
Cachoeira do Ramalho
Ein Wasserfall mit 110m Höhe, der vom Rio Paraíba gebildet wird – ideal für ein erfrischendes Bad! Man kann ihn auf einem Pfad von 7km Länge (ein Weg) erreichen. Unterwegs durchquert man einige rutschige Terrains, und ein Teil des Weges führt durch den Fluss.
Poço Encantado und Poço Azul
In einer Entfernung von zirka 130km von Lençóis sind sie die von Ökotouristen meist besuchten Attraktionen. Der “Poço Encantado“ (Verzauberte Grotte) hat seinen Namen von einem kuriosen Phänomen: Das durch eine Felsspalte in die wassergefüllte Grotte einfallende Licht gibt dem kristallklaren Wasser eine blau-transparente Tönung – man fühlt sich als Teil eines Märchenfilms. Im “Poço Azul“ (Blauer Brunnen), 40km weiter, erlebt man dasselbe Phänomen nochmal – hier kann man, darüber hinaus, ein erfrischendes Bad nehmen und sich von der Hitze des Sertão erfrischen.
- Man braucht eine gute Kondition, und sollte einen spezialisierten Guide unter Vertrag nehmen, der die Region kennt, wenn man Wanderungen in ihr unternehmen will.
- Man sollte wenigstens Grundkenntnisse von Erster Hilfe haben und einen guten Orientierungssinn für das wandern in der Natur mitbringen – und grundsätzlich nie alleine wandern.
- Im Gepäck sollten Sonnencreme mit starkem Filter, Schildkappen oder Hüte nicht fehlen, um bei der starken Sonneneinstrahlung Verbrennungen zu vermeiden.
- Nehmen Sie viel Wasser auf den Wanderungen mit, denn der Körper verbraucht viel Flüssigkeit unterwegs.
- Vermeiden Sie das Rauchen auf den Trails, damit Sie keine Brände verursachen. Jeglicher Müll, den Sie produzieren, sollten Sie sorgfältig wieder einsammeln und mit zurück nehmen.