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Bereits in der Antike rankten sich zahlreiche Mythen um die Fortpflanzung der schlangenartigen Fische. Weil niemand laichende oder trächtige Aale fand, meinte Aristoteles, dass sie sich aus Würmern bilden, die wiederum spontan aus Morast entstehen.
Später glaubte man, dass Aale sich aus Schuppen von erwachsenen Tieren entwickeln, die sie an Steinen abreiben, aus Pferdeschweifen, Käfern, Süsskartoffeln oder von einem ähnlich aussehenden Fisch, den man «Aalmutter» nannte.
Schliesslich fand jedoch der Italiener Carlo Mondini 1777 unreife Eier in einem Aal, und seine Landsleute Giovanni Battista Grassi und Salvatore Calandruccio erkannten 1897, dass kleine Fische, die schon als neue Art beschrieben wurden, in Wirklichkeit Aallarven waren.
Der dänische Biologe Johannes Schmidt entdeckte schliesslich, dass die europäischen Aale über 5000 Kilometer durch den Atlantik schwimmen, um im Saragossameer südlich der Bermudainseln zu laichen. Wo die doppelt so grossen pazifischen Aale ihre Jungen zeugen, blieb aber weiterhin rätselhaft.
Aale verbringen ihr Erwachsenenleben im Süsswasser. Die tropischen Aale der Arten «Anguilla megastoma» und «Anguilla marmorata» zum Beispiel in dem Kratersee «Lake Letas» auf der Südpazifikinsel Gaua, die zum Inselstaat Vanuatu südlich von Australien gehört.
Der 100 Meter tiefe See wird von einem aktiven Vulkan mit Nährstoffen versorgt und ist voller Krevetten. Diese reiche Nahrungsquelle haben die Aale auch nötig, denn sie müssen sich für ihre lange Reise zu ihren Laichgebieten im Meer fettfressen. Sobald sie im Salzwasser sind, fressen sie nämlich nichts mehr.
Zum Laichen verlassen sie ihr Inselparadies und wandern ins Meer. Bereits auf der Insel erschweren ihnen gewaltige Schwierigkeiten den Weg. Zunächst müssen sie sich einen 120 Meter hohen Wasserfall hinabstürzen, dann in einem reissenden Fluss zum Meer schwimmen.
Dort warteten Robert Schabetsberger vom Fachbereich Zellbiologie der Universität Salzburg und seine Kollegen, um die Fische mit Satellitensendern zu markieren. Es gelang ihnen zwar selbst nicht, passende Aale zu fangen, doch die lokalen Fischer liessen sich durch ein «Kopfgeld» motivieren, welche an Land zu ziehen.
«Die erwachsenen Aale sind grösser als 1,3 Meter und haben ungefähr fünf bis sechs Kilogramm», erklärte Schabetsberger der Nachrichtenagentur APA. Mit drei chirurgischen Drähten wurden tischtennisballgrosse Sender an ihren Rücken befestigt. Sie sollten mehrere Monate lang während der Reise der Fische dort bleiben und sich dann ablösen, um ihre Aufzeichnungen an Satelliten zu senden.
Die Auswertungen dieser Daten verrieten den Forschern einige, wenn auch nicht alle Geheimnisse der Paarungs-Reise der pazifischen Aale. «Wir konnten nachweisen, dass die Aale während ihrer monatelangen Wanderung die Nächte in etwa 200 Metern Tiefe bei etwa 23 Grad Celsius verbringen, und sich nach Tagesanbruch in 800 Metern Tiefe und fünf Grad Celsius vermutlich vor Haien und anderen Raubfischen in Sicherheit bringen», so der Forscher.
Wie sie sich dabei orientieren, wisse niemand. «Sie haben einen Magnetsinn und einen sehr feinen Geruchssinn», so Schabetsberger, der seine Ergebnisse bereits 2013 im Fachjournal «Marine Ecology Progress Series» veröffentlicht hat. Es gäbe auch viele andere Möglichkeiten wie über Strömungen und polarisiertes Licht.
Die beiden untersuchten Aalarten trugen die Sender schliesslich 850 Kilometer weit nordwestlich des Aussetzungspunktes, wo sie offensichtlich ihre Laichgebiete haben. Diese sind wohl nicht strikt getrennt, denn sie mischen sich öfters und bilden Hybride.
Nach dem Laichen sterben die Altfische, und ihre skurril aussehenden, blattförmigen Larven werden von Meeresströmungen in Richtung der «Heimatinseln» ihrer Eltern zurückgetrieben, was nach Berechnungen mehr als ein halbes Jahr dauert.
Mit etwa sechs bis zwölf Monaten kommen also die Jungaale wieder zurück zu Inseln wie Gaua, wo der unüberwindbar anmutende 120 Meter hohe Wasserfall sie vom Kratersee trennt. Die Forscher konnten zu ihrem Erstaunen erstmals filmen, wie die kleinen Aale dort zu tausenden über die nassen steilen Felsen neben dem Wasserfall hinaufkletterten.
Aale sind beliebte Speisefische und wegen der hohen Fangraten, Gewässerverbauungen und -Verschmutzung teils stark gefährdet. Nur wenn man ihre Lebensweise und Biologie kennt, könne man sie effektiv schützen, betonte der Forscher. (SDA)Publiziert am 15.09.2015 | Aktualisiert am 15.09.2015