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Geschichte
Von der Urgeschichte bis ins Frühmittelalter
Die prähistorische Zeit
Die Stadt Basel liegt am südlichen Rand der oberrheinischen Tiefebene, am Rheinknie zwischen den äussersten nördlichen Ausläufern
des Juras und dem südwestlichen Rand des Schwarzwaldes. Der Rhein sowie Birs, Wiese und Birsig haben die Topographie des heutigen
Stadtgebiets geprägt. Der Rhein war Transportweg und zeitweise auch Grenze.
Älteste Siedlungsfunde datieren aus dem Moustérien (Spitzschaber, Rehhagstrasse) und dem Magdalénien (Hechtliacker). Aus dem
Neolithikum stammen ein Grab der Glockenbecherkultur in Riehen sowie Streufunde in Kleinhüningen, Riehen und Bettingen. Zwischen
dem 4. und 2. Jt. v.Chr. legte der Rhein seinen Lauf im typ. Knie fest. Das rechte Ufer ist seit der Bronzezeit besiedelt. Die
späteren Siedlungsschwerpunkte sind bereits in der Bronze- und Eisenzeit belegt: das Kleinbasler Rheinufer, St. Alban,
B.-Gasfabrik, der Münsterhügel und St. Martin, wobei aus der Mittel- und Spätbronzezeit (1500-800 v.Chr.) vorwiegend Streufunde
ohne Siedlungsstrukturen sowie ein Depotfund (Elisabethenschanze) vorliegen. Einzelne frühlatènezeitl. Grabbeigaben (4. Jh. v.Chr.)
in Kleinbasel stehen isoliert zwischen der Spätbronze- und der Spätlatènezeit.
Die Spätlatènezeit (2.-1. Jahrhundert vor Christus)
Zu Beginn des historischen Zeitalters war die Region am südlichen Oberrhein von einer Bevölkerung bewohnt, die bei Caesar als
Rauriker überliefert ist. In Basel sind aus der Spätlatènezeit fünf Fundstellen, davon zwei bedeutende Siedlungen bekannt: Die
ältere Niederlassung Basel -Gasfabrik mit Gräberfeld (2. Jh.-1. Hälfte 1. Jh. v.Chr.) lag unbefestigt am linken Rheinufer.
Nachgewiesen sind Werkstätten und Importe aus römischen Gebieten (u.a. Weinamphoren). Gruben mit reichhaltigen Funden, u.a.
auch zahlreichen menschlichen Skelettteilen, lassen an rituelle Bestattungen denken. Die früher erwogene Identifizierung mit
Arialbin(n)um (Tabula Peutingeriana) wird heute ebenso in Frage gestellt wie das Jahr 58 v.Chr. -- das Jahr des Auszugs der
Helvetier und Rauriker sowie der Schlacht bei Bibracte -- als Zeitpunkt für die Auflassung von B.-Gasfabrik. Die jüngere Siedlung
wurde spätestens Mitte des 1. Jh. v.Chr. auf dem Münsterhügel angelegt und mit einem Murus Gallicus befestigt.
Die römische Zeit (15 vor Christus-400 nach Christus)
Strategische Interessen Caesars führten nach 50 v.Chr. zu einem Bündnis zwischen Rom und den keltischen Völkern unserer Gegend
und unter Munatius Plancus um 44/43 v.Chr. zur Gründung der Colonia Raurica, die gemäss Importfunden und voraugusteischen militär.
Fundobjekten wohl im Oppidum auf dem Münsterhügel zu lokalisieren ist. Die Romanisierung der Region setzte jedoch erst mit der
Neugründung der Kolonie Augusta Raurica unter Augustus um 15-10 v.Chr. ein. Der Münsterhügel wurde zur Militärstation und zum
Stützpunkt für die Germanenfeldzüge unter Drusus und Tiberius. Archäolog. belegt sind ein Graben (Bäumleingasse), ein Spitzgraben
(Augustinergasse) sowie Militärbauten und -funde unter dem Münster und an der Rittergasse. Während der Blütezeit von Augusta
Raurica (1.-3. Jh. n.Chr.) war der Münsterhügel nur dünn besiedelt, hauptsächl. im Bereich des südöstl. vorgelagerten Vicus.
Rechts des Rheins, im Gebiet der Gem. Riehen, lagen die Siedlung beim Landauer und der Tempel Pfaffenloh.
Ende des 3. Jh. wurde anlässlichen der Wiederbefestigung der Rhein-Donau-Linie auf dem Münsterhügel ein Kastell angelegt, das
verm. das ganze Plateau von 6 ha Fläche umschloss: Reste der Kastellmauer sind an der Rittergasse und im Schulhaus zur Mücke,
Strukturen der Innenbebauung verschiedenenorts erhalten. Die von Augusta Raurica ausgehenden Fernstrassen verliefen beidseits
des Rheins den Rändern der Talterrassen entlang. Der abseits gelegene Münsterhügel wurde über eine Nebenstrasse erschlossen.
Diese führte entlang dem Hügelfuss durch die Birsigniederung über eine Strassenstation beim heutigen Fischmarkt ins Elsass.
Die von der Birsigmündung in gerader Linie an der kelt. Siedlungsstelle B.-Gasfabrik vorbei zielende Strassenachse dürfte
bereits in vorröm. Zeit angelegt worden sein. An den Zufahrtsstrassen lagen Gräberfelder: Aeschenvorstadt (Kastellfriedhof),
St.-Alban-Vorstadt, St.-Johanns-Vorstadt, Totentanz.
Durch Ammianus Marcellinus ist B. für das Jahr 374 erstmals schriftl. bezeugt: "Valentiniano ... munimentum aedificanti prope
Basiliam, quod appellant accolae Robur...". Dieser spätröm. Burgus sicherte verm. einen Rheinübergang; zur Diskussion stehen
Fundamentreste am Reverenzgässlein und Befunde am Burgweg. In der Notitia Galliarum (390-413) ist B. als Civitas Basiliensium,
als Ort von erneut zentralörtl. Bedeutung, dem Castrum Rauracense (Kaiseraugst) gegenübergestellt.
Die alemannische und fränkische Zeit (5.-8. Jahrhundert)
Im 5. Jh. scheint die römische Bevölkerung im Kastellbereich weiter gesiedelt zu haben, wie Funde -- auch aus dem zugehörigen
Friedhof -- nahelegen. Die alemannische Landnahme rechts des Rheins ist belegt durch die Gräberfelder in Kleinhüningen
(5.-8. Jh.), am Gotterbarmweg (5.-6. Jh.) und bei St. Theodor (6.-8. Jh.). Der Geograph von Ravenna (um 700 oder bald nach 800)
führt Basel (Bazela) und Augst im alemann. Gebiet auf. Links des Rheins deutet das Gräberfeld Bernerring (2. Hälfte 6. Jh.)
auf fränk. Siedler hin. Im 6./7. Jh. wurde der Münsterhügel spärlichen Funden zufolge zeitweise aufgesucht, war jedoch kaum
dauernd bewohnt. Nach dem bereits für 343 und 346 überlieferten Bf. Iustinianus Rauricorum wird in der 1. Hälfte des 7. Jh.
ein Bf. von Augst/Kaiseraugst und B. (Basileae) namens Ragnacharius erwähnt. Die Nennung Basels in der Titulatur könnte für
eine Verlagerung des Bischofssitzes nach Basel sprechen ( Basel (Diözese) ). Das Patrozinium der Martinskirche am nordwestl.
Rand des Münsterhügels, einer der ältesten Kirchen der Stadt, lässt fränk. Präsenz vermuten; archäolog. konnte dies jedoch
bisher nicht bestätigt werden. Im 7. Jh. entstanden neue Siedlungsstrukturen (Grubenhäuser, "Webkeller") auf dem Münsterhügel.
Aus merowing. Zeit sind drei Goldmünzen bekannt, deren Prägung B. zugeschrieben wird, darunter der in der 1. Hälfte des 7. Jh.
geprägte Triens des Münzmeisters Gunso mit der ersten inschriftl. Namensnennung der Stadt: Basilia fit. In der 1. Hälfte des
8. Jh. (um 728) scheint das Bistum Strassburg B. einbezogen, ein Bistum B. nicht bestanden zu haben.
Wie in andern Städten verlagerte sich in B. im Früh Mittelalter die Besiedlung vom antiken Stadtkern in das Umfeld des röm.
Kastells, dies u.a. unter dem Einfluss der gewandelten Wirtschaftsweise (von Handel und Gewerbe hin zur Agrarwirtschaft) und
der politischen Organisation (kleinere, untereinander locker verbundene Personenverbände).
Die Anfänge der mittelalterlichen Stadt (8.-9. Jahrhundert)
Im Vertrag von Mersen (870) werden Basula und der dazugehörige Gau Basalchowa erwähnt. Die Reorganisation der Diözese B., die in
der 2. Hälfte des 8. Jh. von Bf. Baldobertus eingeleitet und von Waldo und Haito fortgesetzt wurde, setzte auch siedlungsmässig
Zeichen für einen Neubeginn. Haito baute an der Stelle "zerfallener Ruinen" (Reichenauer Inschrift) eine Kathedrale, verm. das
sogenannte Rundturm-Münster, und stiftete ein Ziborium. Siedlungsspuren aus dieser Zeit wurden in der südwestl.
Münsterplatz-Hälfte entdeckt (Grubenhäuser). Gräbergruppen aus dem 8.-9. Jh. vor der ehem. St. Ulrichskapelle, der zum Münster
gehörenden, ehem. Taufkapelle St. Johann sowie auf der Pfalz deuten auf versch. Begräbnisplätze hin. Am linken Rheinufer ist für
das 9. Jh. die Kirche Sankt Alban bezeugt. Am Kleinbasler Ufer stand verm. eine Holzkirche bei St. Theodor (drei beigabenlose
Plattengräber und Keramikscherben aus karoling. Zeit). Durch die Teilung des Frankenreichs im Vertrag von Verdun (843) wurde
Basel Grenzort des Mittelreichs. Erhalten sind Basler Münzprägungen aus der Zeit Ks. Lothars I. (840-855).
Siedlungsspuren sind, ausser wenigen Streufunden, kaum vorhanden, konkrete Rückschlüsse auf Wirtschafts- und
Gesellschaftsstrukturen dieser Zeit mangels archäolog. und hist. Quellen nicht möglich.
Texte vom Historischen Lexikon der Schweiz, Bern.
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