Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03306.jsonl.gz/2961

Fernand Schmutz, der vergessene «junge Wilde» Berner.
Hommage an Fernand Schmutz, Kunstmaler aus Bern
Die Familie Gilbert und Rosalie Schmutz zügeln 1941 mit dem erstgeborenen Sohn Francis Schmutz, geboren 1939 in Malleray, im Vallée de Tavannes im Berner Jura gelegen, nach Bern, weil der Vater als gelehrter Feinmechaniker eine Anstellung in der Waffenfabrik erhält.
1941 Geburt von Pierette Schmutz
1942 Geburt von Fernand Schmutz
Alle drei Geschwister leben im Lorrainequartier und absolvieren dort auch die Primarschule.
Fernand Schmutz macht eine Lehre als Schriftenmaler bei Fritz Zbinden, dem Bruder des Künstlers Emil Zbinden.
Besuch von Freikursen an der Kunstgewerbeschule in Bern, wo er mit den Lehrern Peter Stein und Adolf Mumprecht in die Kalligrafie eingeführt und mit der damaligen Kunstszene in Verbindung tritt.
Ab 1960 entstehen erste Zeichnungen und Versuche mit Acyl-Techniken.
1964 verbringt Fernand Schmutz ein Jahr in Tunesien.
1966 bis 1970 Studienaufenthalt in Kyoto. Einführung in die Praxis der Kalligrafie, Malerei und Holzschnitt. Er wird dabei von seinen Eltern und seiner Geschwistern finanziell Unterstützt.
Nach seiner Rückkehr wird Fernand Schmutz über Jahre vom Galeristen Werner Schindler durch Einzelausstellungen gefördert und arbeitet zeitweilig an Restaurationen von Wandbildern in der Klosterkirche in Einsiedeln.
Dort lernt er 1978 seine Frau kennen und zusammen gründen sie nach ihrer Heirat 1990 eine Galerie in Siselen, wo auch bald diverse Ausstellungen über sein gereiftes Werk stattfinden.
1997 entsteht eines seiner Hauptwerke in Form von vier Mappenwerken mit je acht mehrfarbig bedruckten Linolschnitten.
1997 Piazza Cavour
1998 Der Tempel der zehntausend Affen
1999 Die Karawanserei von El Bakaarah
2000 La Goutte d’or
Das spezielle an diesen Projekten war die vorherige Herausgabe von künstlerischen Aktien zur Vorfinanzierung des Mappenwerks für interessierte Käuferinnen und Käufer in Form von Linolschnitten, je als Unikat.
Dazwischen produziert Fernand eine grosse Anzahl zum Teil grossformatiger Malereien in Acryl sowie weiterhin Linolschnitte als Unikate.
2001 übersiedelt er in ein Atelier in Pontarlier FR, wo ihn sein Bruder öfter besucht und auch finanziell unterstützt, weil er trotz seines schlechten Gesundheitszustands weiterarbeitet.
2004 lässt sich seine langjährige Frau von ihm scheiden. Auf sich allein gestellt, nimmt er Kontakt mit einem Zürcher Bauinvestor in Bülach auf, der ihm anbietet, in angekauften alten Häusern Restaurationen durchzuführen. Er zieht nach Bülach. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich weiter, dennoch entstehen, als Spätwerk, einige interessante Acylbilder.
2007 zieht Fernand Schmutz in eine Wohnung nach Biel. Dort trifft ihn ein erneuter Schlag und er muss in das Altersheim «tilia» in Bern überführt werden. Trotz regelmässiger Besuche seines Bruders, der ihn gerne zu weiteren Arbeiten motivierte, entstehen in zehn Jahren nur noch drei kleine Farbstiftzeichnungen.
Am 22. April 2019 wird Fernand Schmutz wegen einer akuten Lungenentzündung notfallmässig in das Tiefenauspital in Bern überführt, wo Fernand am 28 April 2019 gestorben ist.
Am 5.Mai 2019 wird Fernand Schmutz unter Beisein von engen Familienmitgliedern und seinem treuen Freund und Künstler Jörg Grünig beigesetzt.