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Das Wichtigste in Kürze
- Das Grounding war für das Land ein Schock.
Mit dem Untergang der renommierten Airline hatte hierzulande trotz der bekannten Probleme des Unternehmens niemand gerechnet. Und für viele verschwand mit dem Untergang der Swissair auch ein Stück Heimat.
Als bei der Nachfolgeairline Swiss Anfang 2020 wegen der Coronavirus-Krise Flugzeuge am Boden blieben, kamen bei vielen diese alten Bilder wieder hoch. Die Lufthansa-Tochter steht aber Anfang Herbst 2021 trotz den Auswirkungen der Pandemie stabil da.
Anders erging es ihrer Vorgängerin. Nach dem Grounding im Oktober war die Airline definitiv am Ende. Ihr Absturz hatte sich allerdings schon lange davor abgezeichnet.
Nach dem Nein der Schweizer zum Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) im Jahr 1992 hatte es sich der damalige Konzernchef Philippe Bruggisser zum Ziel gesetzt, viele kleine Fluggesellschaften zu übernehmen. 1997 wurde daher die Hunter-Strategie geboren, eine aggressive Kaufstrategie.
Denn das Nein zum EWR hatte ein bilaterales Luftverkehrsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) blockiert. Die Swissair hatte keinen freien Zugang mehr zum europäischen Markt und musste sich neu orientieren.
Mit der Übernahme von vielen kleinen, aber eben auch unrentablen Fluggesellschaften und dem Schmieden von Allianzen wollte Bruggisser die Swissair zu einer kritischen Grösse führen und das Problem des fehlenden Marktzugangs umgehen. Doch brachten der Swissair ihre Allianzen kein Glück.
Die Hunter-Strategie scheiterte kläglich. Bruggisser musste den Hut nehmen. Anfang 2001 übernahm für kurze Zeit Crossair-Besitzer Moritz Suter das Ruder der nationalen Airline.
Nach dem Rücktritt des gesamten Verwaltungsrates mit seinem Präsidenten Eric Honegger folgte Mario Corti. Aber auch der ehemalige Nestlé-Finanzchef konnte den Sinkflug nicht stoppen.
Corti wurde dabei vor allem von der Swissair-Hausbank UBS unter der Führung von Marcel Ospel unter Druck gesetzt. Corti sollte später Ospel für das Grounding verantwortlich machen. Die Terroranschläge in New York am 11. September 2001 waren für die Airline-Branche ein Schlag, der der Swissair schliesslich das Genick brach.
Corti versuchte danach zwar noch mit Hilfe des Bundes und dem Aufbau einer Auffanggesellschaft unter dem Dach der Crossair die Airline in der Luft zu halten. Am 29. September lehnte es der Bundesrat jedoch ab, eine finanzielle Garantie zu gewähren.
Am 1. Oktober übernahm die Crossair unter der Führung von André Dosé das Fluggeschäft der Swissair. Die SAirGroup, die SAirLines und Flightlease - die Betreibergesellschaften der Swissair - wurden in Nachlassstundung geschickt.
Diese Rettung kam aber zu spät. Am 2. Oktober kurz nach Mittag musste die Swissair den Flugbetrieb einstellen, weil ihr das Geld fehlte, um den Flugtreibstoff zu bezahlen. Rund 260 Maschinen und mit ihnen rund 19'000 Passagiere blieben an diesem Tag am Boden.
Es war ein Schock für die Nation, der den Bundesrat und die Banken zum Umdenken brachte. Mit einem Notkredit wurde ein reduzierter Flugbetrieb bereits am nächsten Tag wieder aufgenommen.
Am 1. April 2002 landete der letzte Linienflug aus Sao Paulo um 7.15 Uhr auf der Piste 16 des Flughafens Zürich-Kloten. Der Name Swissair war damit nach 71 Jahren definitiv Geschichte.
Die aus der ehemaligen Tochtergesellschaft Crossair entstandene neue Fluggesellschaft Swiss hob dafür ab. Schöpfer des neuen Auftritts war der kanadische Lifestyle-Spezialist Tyler Brûlé. Doch mit der neuen Marke waren die Probleme nicht einfach weg.
Überkapazitäten in der Airline-Branche, der Irakkrieg und die hohen Ölpreise zwangen in der Folge die neue Swiss ihre Flotte fast um die Hälfte zu reduzieren. Im März 2005 schliesslich übernahm die Lufthansa für den Preis von 339 Millionen Franken die nationale Airline.