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Die arktische Winterzeit und damit die Zeit, in der das Meer mit Eis bedeckt ist, wird immer kürzer. Deshalb gelingt die Jagd auf ihre Hauptspeise die Robben, immer seltener. Eine Anpassung der Nahrungsquelle ist schwer, da die Tiere hochspezialisiert sind. Um zu überleben, müssen sie zunehmend Futter an Land suchen. Durch diese energiekostende Taktik werden die Eisbären kontinuierlich schwächer.
Über den Eisbären
Eisbären stammen von den sibirischen Braunbären ab. Sie leben in der Polarregion rund um den Nordpol und sind die grössten an Land lebenden Raubtiere. Pro Tag legen sie eine Strecke von über 70 Kilometer zurück. Die Bären leben als Einzelgänger und treffen sich nur in der Paarungszeit von März bis Juni. Nach 6,5 bis 8,5 Monaten gebärt das Weibchen ein bis vier (meist ein bis zwei) Jungtiere in einer Höhle. Die kleinen Nesthocker werden erst mit zwei Jahren selbständig. Deshalb ist die Fortpflanzungsrate der Eisbären sehr niedrig. Während der Jungenaufzucht fastet das Muttertier bis zu acht Monaten.
Männliche Eisbären werden bedeutend schwerer und auch grösser als die weiblichen Tiere. Ein Männchen kann von 300 bis zu 1'000 Kilogramm wiegen, wobei das Weibchen zwischen 150 und 250 kg wiegt. Beide Geschlechter haben ein dichtes Fell, welches weiss bis gelblich erscheint. Die hohlen und fast durchsichtigen Haare sind Licht-leitend. So können Eisbären mit ihrer dunklen Haut darunter Sonnenenergie absorbieren. Zudem besitzen sie eine bis zu zehn Zentimeter dicke, isolierende Speckschicht unter der Haut. Ausserdem haben die Bären eine Nickhaut, die die Augen wie eine Schutzbrille schützt. Mit ihrer ausgezeichneten Spürnase können sie Robben aus einem Kilometer Entfernung wittern – Kadaver riechen sie vermutlich aus über 30 km. Die Sehschärfe entspricht etwa der des Menschen; das Gehör ist etwas besser.
Die Eisbären sind die Top-Prädatoren in ihrem Lebensraum. Ihr Platz an der Spitze der Nahrungskette ist von entscheidender Bedeutung für das Ökosystem. Ihr Wegfall würde uns nicht nur eines faszinierenden, ikonischen Raubtiers berauben: Es hätte weitreichende destabilisierende Folgen für das ganze arktische Lebensnetz.
Eine neue Studie zu den Eisbären
Ein Forschungsteam der United States Geological Survey (USGS) hat nun untersucht, wie sehr der Klimawandel die Eisbären bedroht. Zwischen 2019 und 2022 haben sie 20 Eisbären in der arktischen Hudson Bay (Kanada) mit GPS-Trackern ausgestattet. Sie folgten ihnen während der eisfreien Zeit im August und September. So konnten die Forschenden beobachten, wie sich die Tiere verhielten.
In den Jahren 1979 bis 2015 hat sich die eisfreie Zeit in Hudson Bay um drei Wochen verlängert. Daraus folgt, dass die Eisbären im vergangenen Jahrzehnt etwa 130 Tage pro Jahr an Land verbrachten. Seit 1987 hat die Eisbärenpopulation in dieser Gegend um etwa 30 Prozent abgenommen.
Die Überlebungsstrategien der Eisbären
Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Bären verschiedene Strategien verfolgen, um die Sommerzeit zu überstehen:
- Jagd auf Vögel, Karibus und andere Tiere an Land
- Pflanzliche Ernährung (Beeren, Seetang, etc.)
- Futtersuche weit draussen im Meer
- Winterschlaf-ähnlicher Zustand, indem sie fasten und sich nur selten bewegen (vorwiegend männliche Tiere)
Welcher Strategie ein Eisbär folgte, war weitgehend unabhängig vom Alter, Körpergewicht und dem Geschlecht. Das, obwohl diese Faktoren mit dem Energiebedarf und -verbrauch des Tieres korrelieren. Zudem zeigen die Daten, dass nur ein Bär per Zufall einen Kadaver gefunden hat und damit sein Körpergewicht erhöhen konnte. Die anderen 19 Tiere nahmen innert der drei Wochen zwischen acht und 36 Kilogramm ab – im Schnitt ist das ein Kilo pro Tag.
Ihre Zukunft
Der Klimawandel schreitet weiter voran. Damit wird das Meereis immer früher im Jahr zurückgehen. Die Forschenden berichten daher, dass all diese Überlebensstrategien wohl nicht ausreichen werden, um das Überleben dieser Raubtierart zu sichern:
Keine der Strategien wird es Eisbären ermöglichen, über einen bestimmten Zeitraum hinaus an Land zu existieren. Sogar die Bären, die auf Nahrungssuche gingen, verloren im gleichen Maße an Körpergewicht wie diejenigen, die sich einfach hinlegten. Die terrestrische Nahrung brachte ihnen zwar einen gewissen energetischen Nutzen, aber letztendlich mussten die Bären mehr Energie aufwenden, um an diese Ressourcen zu gelangen.
- Charles Robbins, Co-Autor
Das Team ist sich sicher: Nur gezielte Schutzmassnahmen während der Sommermonate könnten die Eisbären vor dem Hungertod bewahren.