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Der Rheinfall und die Stromschnellen unterhalb von Schaffhausen erzwangen das Umladen der Waren vom Wasserweg auf die Landstrasse. Verladestellen waren Schaffhausen oberhalb und das Schlösschen Wörth unterhalb des Rheinfalls.
Die Siedlung «Nuwenhusen» entstand dort, wo die Verbindungsstrasse (Salzstrasse) aufgrund der Topografie abbiegen musste und zum Warenumschlagplatz unterhalb des Rheinfalls hinunterführte. Diese Strasse, die Zentralstrasse, bildet noch heute das Rückgrat von Neuhausen am Rheinfall.
Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich das bescheidene Haufendorf Neuhausen am Rheinfall zur zweitgrössten Industriegemeinde des Kantons Schaffhausen.
(Auszug und Zitat mit freundlicher Genehmigung aus: «Neuhausen am Rheinfall - ein Dorfbild gestern und heute» von Robert Pfaff, erschienen bei Kuhn-Druck AG, Neuhausen am Rheinfall im Frühjahr 1996)
Siedlungsgeschichte
Vom Bauerndorf zur Industriegemeinde
Der Rheinfall und die Stromschnellen unterhalb von Schaffhausen erzwangen das Umladen der Waren vom Wasserweg auf die Landstrasse. Verladestellen waren Schaffhausen oberhalb und das Schlösschen Wörth unterhalb des Rheinfalls.
Das alte Bauerndorf
Bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte in allen Bereichen des Dorfes ländliches Leben vor. Dorfkern bildete der Sternenplatz und inmitten von Baumgärten gruppierte sich das Haufendorf. Zu Beginn des 19. Jahrhundert erreichte das Rebareal in Neuhausen seinen höchsten Stand. Der Weinbau bildete damals die wichtigste Einnahmequelle der Bevölkerung.
Die ausschliesslich ländliche Idylle änderte sich während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zwei sich auf die Dauer widerstrebende Tendenzen kennzeichnen die Zeit des ersten Wachstumsschubes.
Entwicklung zur Industriegemeinde
Der Anschluss an das Eisenbahnnetz in den Jahren 1857 und 1863 führte einerseits während vier Jahrzehnten vorübergehend zu einer Glanzzeit der Rheinfall-Hotellerie und förderte andererseits die Niederlassung von Industriebetrieben.
Der günstigen Möglichkeit wegen, die Wasserkraft am Rheinfall zu nutzen, siedelten sich in Neuhausen am Rheinfall zwei Unternehmen an, die sich zu Grossindustrien entwickelten:
1853 die Schweizerische Industrie-Gesellschaft Neuhausen (SIG) und 1888 die Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft Neuhausen (AIAG).
Im Interessenkonflikt zwischen Industrialisierung und Tourismus, der sich am Rheinfall früh abzeichnete, obsiegten die Anliegen der Industrie, in deren Wachstum Behörden und Bevölkerung eine gedeihliche Zukunft der Gemeinde erblickten. Um die Jahrhundertwende setzte der schnelle Zerfall der Hotellerie ein, während sich gleichzeitig weitere Firmen in Neuhausen ansiedelten, wie 1898 die Spielkartenfabrik AG Müller & Cie und 1909 die Internationale Verbandstoff-Fabrik Schaffhausen IVF.
Damit fand im Jahre 1910 ein Fünftel der berufstätigen Bevölkerung des Kantons Schaffhausen in Neuhausen am Rheinfall Beschäftigung. Die Gemeinde erlebte eine prozentuale Bevölkerungszunahme, die nur von wenigen anderen Orten in der Schweiz übertroffen wurde.
Diese sprunghafte Bevölkerungszunahme war nur wegen der Zuwanderung möglich, die zwei Drittel der Einwohner ausmachte. In den Jahren 1900 und 1910 betrug der Anteil der Ausländer 45 Prozent respektive 39 Prozent.
Als sichtbare Zeichen der schnell wachsenden Gemeinde um die Jahrhundertwende erinnern repräsentative Bauten (vergleiche historische Bauten).
Die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg
Im Zeichen der Hochkonjunktur setzte nach dem Zweiten Weltkrieg die zweite grosse Wachstumsphase der Gemeinde ein. Sie erreichte im Jahre 1969 ihren Höhepunkt mit der vorher und auch später nie mehr erreichten Höchstzahl von 12’251 Einwohnerinnen und Einwohnern (vergleiche Einwohnerstatistik). Durch dieses enorme Bevölkerungswachstum sah sich auch die öffentliche Hand veranlasst, die wichtigsten öffentlichen Bauprojekte (Schwimmbad Otterstall, Erschliessung Rhenania-Areal, Schiessanlage Langriet, Schulanlage Gemeindewiesen, Sanierung Ortszentrum, Altersheim Rabenfluh, Sportanlage Langriet in den Jahren 1952 - 1969) zu realisieren.
Optimistische Prophezeiungen von weiterem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum erfüllten sich jedoch nicht. Bedingt durch den sogenannten Pillenknick und eine erste Rezessionsphase nach 1973 reduzierte sich die Bevölkerung und von 1975 bis 1985 nahm auch die Zahl der Arbeitsplätze um rund 1'000 auf 4'100 ab.
Die neuste Zeit
Neuhausen am Rheinfall zeigte auch Ende des 20. Jahrhunderts in seiner Erwerbsstruktur das Bild einer Industriegemeinde mit einem Anteil von 48,5 % der Beschäftigten im Industriesektor (1998). Seit 1975 hat sich der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor von 30 auf 51,5 % erhöht, liegt aber immer noch stark hinter dem schweizerischen Mittel von 70,5 %.
Die Auswirkungen dieses Strukturwandels auf die Arbeitsplätze und die Finanzsituation der Gemeinde werden in jüngster Zeit durch vereinte Bemühungen von Behörden (Gemeinderat / Exekutive) und der kantonalen Wirtschaftsförderung wettgemacht.
Am Rheinweg hat sich mit den genannten Aktivitäten zusätzlich zum bestehenden Industrie- und Gewerbequartier Rundbuck eine «Meile» von Dienstleistungsanbietern und Gewerbetreibenden angesiedelt und im Industrieareal der SIG sind mit der Einweihung des Industrie- und Technozentrum’s im Jahr 2000 ebenfalls grundlegende Nutzungsänderungen eingeleitet worden.