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Was mag «Mr. West» wohl im Schilde führen?
«Mr. West» bei der Raumplanung.
Typisches Besetzer-Outfit: Gelber Sweater und Tischtuch-Hemd.
Internationales Zeichen für ein besetztes Haus: Eine Klingel.
Lässt den nachdenklichen Typ raushängen: «Mr. West» bei Nacht und im Bademantel.
Verstösst gegen den Besetzerkodex: Flirt mit Konsumtempel-Angestellten.
Westside dreht Hausbesetzer-Doku
Der Einkaufstempel Westside überrascht mit einem kontroversen Kurzfilm über ein topaktuelles Thema: Hausbesetzer.
Damit hat niemand gerechnet: Das Westside geht unter die Filmemacher und schockt mit einer schrägen Kurzfilmreihe, die anscheinend das Leben von Hausbesetzer «Mr. West» (Vorname unbekannt) dokumentiert. Bereits in der ersten Folge «Mein Einzug» geht es zur Sache. «Mr. West» entert, mit Topfpflanze und Koffer in den Händen, die Liegenschaft, in der sich derzeit das Einkaufszentrum Westside befindet. «Mr. West» scheint von seiner neuen Errungenschaft beeindruckt zu sein. Es sei schon ein krasser Wechsel gewesen, als er hierher kam. Ob sich dieser Vergleich auf das Wifag-Areal oder das ehemalige Bordell am Lagerweg bezieht, ist unbekannt. Ob «Mr. West» an diesen Besetzungen beteiligt war, lässt der Film offen.
Die folgenden Szenen zeigen, wie «Mr. West» die Liegenschaft in Beschlag nimmt. Dabei spricht er über sein Leben als Hausbesetzer. Den idealen Wohnplatz zu finden, sei gar nicht so einfach. «Aber letztlich muss man sich einfach auf seinen Instinkt verlassen», sagt «Mr. West» mit einer Lässigkeit, die vermuten lässt, dass er bereits ein alter Hase im Besetzer-Business ist. Er hat sich inzwischen eine Wohnzone erstellt, sitzt auf seinem Sofa und erklärt, wie einfach es war, das Westside zu übernehmen. «Also man kann einfach hier vorbeikommen», sagt er und grinst in die Kamera.
Um der Öffentlichkeit zu zeigen, wer der neue Herr im Haus ist, bringt «Mr. West» völlig dreist eine Klingel, auf der sein Name steht, vor dem Westside an. Die Dokumentation zeigt so eindrücklich, wie niedrig der Sicherheitsstandard im Westside sein muss. Der Hausbesetzer kann frei agieren, ohne von Sicherheitskräften angegangen zu werden. Das scheint selbst «Mr. West» zu überraschen. «Eine so grosse Wohnung findest du nicht so einfach. Das sind 9000 Quadratmeter!»
Während in der ersten Hälfte der brisanten Doku auf Action gesetzt wird, kommt in der zweiten die feinfühlige Seite von «Mr. West» zum Vorschein. Zuerst will der Einzelkämpfer nicht so recht über seine Gefühle sprechen. «Einsam? Nein, ich fühle mich eigentlich nicht einsam», sagt er sichtlich irritiert über die Frage. Dann wird er aber doch noch weich. Am Abend, wenn alle gegangen sind, dann sei es zum Teil schon ein bisschen komisch, so alleine in diesem grossen Haus. Sein emotionaler Ausbruch ist aber nur von kurzer Dauer: «Man braucht nicht immer jemand anderes, um glücklich zu sein», sagt «Mr. West» trotzig.
Der erste Teil der Dokureihe endet mit einer Überraschung. «Mr. West» ist doch nicht so alleine, wie er glaubt. Er trifft auf eine Angestellte des Einkaufzentrums und kommt mit ihr ins Gespräch. Er herrscht sie an, was sie hier mache und macht unmissverständlich klar, dass er hier wohne. Doch die Angestellte scheint die ruppige Fassade von «Mr. West» zum Schmelzen zu bringen. Schliesslich verschwinden die beiden in Richtung seines Sofas.
Nach dem ersten Teil bleiben viele Fragen offen. Hat «Mr. West» gezielte Forderungen? Was sind seine Absichten? Wurden die Liegenschaftseigentümer bereits informiert? Bis anhin ist nur durchgesickert, dass ab Teil 2 jemand auftaucht, dem «Mr. West» ein Dorn im Auge ist. Ob das Westside geräumt wird oder es doch noch zu einem Happy End für «Mr. West» kommt, bleibt bis am 2. Juni ein Geheimnis. Dann soll der zweite Teil der Dokumentation erscheinen.