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Die Lehrerkonferenzen in der Schweiz wurden um ihr Gutachten über die Reformvorſchläge in der Orthographie angegangen. Hr. Dr. Bucher, der dieſelben geſammelt hat, erſtattet dem Zentralausſchuß des ſchweizeriſchen Lehrervereins Bericht darüber. Dieſes Aktenſtück gibt ein anſchauliches Bild von den Schwierigkeiten, mit der eine durchgreifende Reform in der Orthographie unvermeidbar zu kämpfen hat. Nach 57 eingelangten Gutachten haben ſich 1358 Lehrer perſönlich darüber ausgeſprochen, davon waren 1114 prinzipiell Zuſtimmende und 244 Verwerfende. Eine Reihe anderer Gutachten geben das Stimmenverhältniß nicht an. Aus dem Ganzen des Berichtes leuchtet hervor, daß man ziemlich allgemein mit dem Wunſche nach einer einfacheren und rationelleren Schreibweiſe einverſtanden wäre, daß man aber ſchon über den einzuſchlagenden Weg ſehr getheilter Anſicht iſt, und daß man in Bezug auf die Vorſchläge im Einzelnen noch ſehr weit von einer übereinſtimmenden Meinung entfernt iſt. Wer ſoll entſcheiden, welche Schreibweiſe die richtige und angemeſſene ſei? Wer ſoll entſcheiden über die Einführung einer neuen Orthographie? Das ſind Fragen, die vor Allem gelöſt werden müſſen. So lobenswerth wir es finden, wenn ſich die Lehrer gründlich mit den Fragen der Orthographie beſchäftigen, und ſo ſehr wir ihnen die Erleichterung einer vereinfachten Schreibweiſe gönnen möchten, ſo glauben wir doch nicht, daß den Lehrern als ſolchen der Entſcheid in dieſen Dingen zufalle. Eine durchgreifende Aenderung in der Orthographie hat auch ihre gewichtigen materiellen Folgen. Es iſt klar, daß vor Allem die Schulbücher, die zur Geltung gekommene Orthographie enthalten müſſen, daß mit der Einführung einer veränderten Orthographie eine Reviſion der geſammten Schulbücher vorgenommen werden muß. Wollte man die Orthographie der Willkür des einzelnen Lehrers anheimgeben, ſo würde daraus unzweifelhaft eine heilloſe Konfuſion hervorgehen. Es muß daher eine Autorität gefunden werden, die in Sachen zu ſtatuiren hat. Mehrheiten beliebiger Vereine kann dieſe Autorität nicht beigemeſſen werden. Sie ſoll vornehmlich auf wiſſenſchaftlicher Qualifikation beruhen. Es iſt nicht zu überſehen, daß der Bau einer Sprache und ſo auch ihre Orthographie nicht als etwas Willkürliches aufgefaßt werden darf, das man durch eine Abſtimmung wie bei einer politiſchen Meinungsäußerung beliebig geſtalten kann. Wir müſſen daher die Beſtrebungen der Lehrerſchaft für orthographiſche Reform, abgeſehen von dem ſubjektiven Gewinn, auf dem bisherigen Wege für durchaus erfolglos halten.