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Alle fünf Jahre versammeln sich anlässlich der Internationalen Rallye der Madonna der Zentauren 1000 bis 1500 Motorradfahrer zu einer Art Pilgerfahrt; am Sonntag begeben sich die Fahrer auf ihren Töffs nach Freiburg, um in der Kathedrale St. Nikolaus den Segen zu erhalten. An der Spitze des Zugs befinden sich zehn Vertreter der teilnehmenden Nationen, die «ersten Zentauren» (Ehrentitel), die mit ihrer Maschine ausnahmsweise in die Kirche fahren dürfen, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Ähnlich wie die mittelalterlichen Ritter ihr Reittier segnen liessen, ersucht man heute die Madonna, bei Gott Fürbitte für Schutz auf den Strassen einzulegen. Glaubensakt oder Aberglaube? Nicht alle, die an der Sternfahrt teilnehmen, sind gläubig, doch alle achten die Tradition und schätzen die Feststimmung. Während des viertägigen Anlasses zögern die Freiburger nicht, Tracht zu tragen und ihr Töff zu schmücken. Zum Programm gehören Kantine, Musik und Schnupperfahrten in die Region. Für die Organisation ist der Auto-Moto-Club Le Mouret und Umgebung verantwortlich.
1943 hatte ein italienischer Apotheker und Töfffan die Idee, alle «Zentauren» der Welt zu versammeln. 1946 wurde der Moto Club international de la Madone des Centaures (MCIMC) gegründet. Im folgenden Jahr stellte ihm der Vatikan die Basilika von Castellazzo Bormida bei Alessandria zur Verfügung, deren Madonna zur Schutzheiligen der Motorradfahrer wurde. Auf einer jährlichen Rallye bitten diese um den Schutz der Muttergottes. 1947 bildete sich im Kanton Freiburg die Schweizer Sektion, präsidiert von einem Töfffahrer namens Thalmann. Aus unbekannten Gründen führte diese Sektion 1952 die erste Rallye der Madonna der Zentauren durch, die inzwischen 19 Mal im Freiburgerland stattfand, das letzte Mal 2010.
Laut der Ethnologin Magali Jenny, einer Spezialistin für Volksreligionen, ist «diese moderne Pilgerfahrt in Wirklichkeit weniger eine religiöse Geste als ein Brauch der Mikrogesellschaft der Töfffahrer».
Bemerkungen
Die Rallye der Madonna der Zentauren findet einmal jährlich in Italien in Castellazzo Bormida bei Alessandria und ein zweites Mal in einem der anderen betroffenen Länder statt: Frankreich, Belgien, Deutschland, Spanien, Schweiz.
In vergleichbarer Weise werden zu Saisonbeginn zahlreiche Fahrer und ihre Fahrzeuge gesegnet. Die am stärksten besuchte Töffsegnung der Schweiz findet Anfang Mai auf dem Simplon statt. Jährlich treffen hier mehrere Tausend Motorradfahrer zusammen.
Andere regionale Segnungen finden fast überall in der Schweiz und in Europa statt. Für Freiburg sind Montévraz, Treyvaux und Notre-Dame des Marches zu nennen.
RTS, 2010, 6'49'': Bénie soit ma moto!
Fotografien von Jacques Thévoz (Kantons- und Universitätsbibliothek).
Magali Jenny
Redaktion: Florence Bays
Übersetzung: Hubertus von Gemmingen