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Bargen – der nördlichste Grenzübergang der Schweiz
Vor fünfzig Jahren wurde in Bargen die neue Zollstelle an der Autostrasse N 4 eröffnet. Sie gilt als nördlichster Grenzübergang der Schweiz. Forum Z. hat diesen Ort besucht.
16.09.2019, Roman Dörr, Zollexperte, Zollinspektorat Pratteln
Zwischen den Erhebungen des Chapf und des Rietbuck liegt Bargen im Kanton Schaffhausen, das nördlichste Grenzdorf der Schweiz. Über Jahrhunderte wurde es von der Grenze, vom Zoll und vom Verkehr geprägt. Hier geht die schweizerische Autostrasse A 4 in die deutsche Bundesstrasse B 27 über.
Ein Dorf an der Grenze
Bargen war bereits im Neolithikum bevölkert. 884 n. Chr. wurde es erstmals als «Paragen» urkundlich erwähnt. Damals bestand diese Siedlung aus den Weilern Nieder- oder Unterbargen, sowie Mittel- und Oberbargen. 1049 wurde das Gebiet Besitz des Schaffhauser Klosters Allerheiligen. Von der Reformation bis 1798 nahm Schaffhausen in Bargen die Vogteirechte wahr. Zwischen 1787 und 1790 wurde der «Bargemer Steig» gebaut. Dieser befestigte Strassenabschnitt mit einer Steigung von 18 Prozent ersetzte den Karrenweg nach Bargen. Eine gefährliche Steilstrecke, die heute umfahren wird. Mit dem Bau der Autobahn zwischen 1964 und 1969 wurden Landschaft und Dorf zerschnitten.
Der Zoll in Bargen
Im 14. Jahrhundert übernahm Schaffhausen das vom Kloster Allerheiligen ausgeübte Zollrecht. In Niederbargen wurde eine erste Zollstelle in einem Bauern- oder Wirtshaus eingerichtet und einige «Zollstöcke» [Zolllager] betrieben. Die erhobenen Abgaben, etwa der Passier-, Wein- oder Mühlenzoll, bildeten den wirtschaftlichen Rückgrat der Stadt. Mit dem Beitritt zur Eidgenossenschaft, 1501, hatte Schaffhausen die Zollhoheit gegen die Habsburger und Fürstenberger abzusichern. Während der von Napoleon I. verhängten Kontinentalsperre musste die Grenze mit Landjägern [früher für Grenzwächter] besetzt werden. Diese waren dafür verantwortlich, dass alle Waren dem Schaffhauser Güterhof zur Verzollung zugeführt wurden. 1848 ging die kantonale Zollhoheit an die Eidgenossenschaft über. 1849 wurde der zweite Zollkreis geschaffen und die Zollstelle Bargen zur Hauptzollstätte erhoben. Nach mehrmaliger Verlegung fand sie von 1885 bis 1963 in einem einfachen Zollhaus mitten im Dorf eine Bleibe.
Während den beiden Weltkriegen blieb die Zollstrasse geschlossen. Im Oktober 1945 wurde sie für den Personenverkehr wieder geöffnet. Ab 1948 begann die Ein- und Ausfuhr von anfänglich einfachen Handelswaren, wie z. B. Schwarzwälder Stammholz. Mit dem wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands wurde das Warenspektrum kontinuierlich ausgeweitet. Einhergehend mit einer starken Verkehrsentwicklung vervielfachten sich zwischen 1957 und 1963 die Abfertigungen und die Einnahmen. Mit der wachsenden Bedeutung der Strasse Zürich – Donaueschingen – Stuttgart und dem Anschluss an das deutsche Autobahnnetz florierte das Zollamt Bargen. Zur Steigerung der Abfertigungskapazität nahm die Zollverwaltung 1954 für den Fahrzeugverkehr eine Baracke mit drei Schaltern in Betrieb. 1963 folgte ein Provisorium für die Verzollung von Handelswaren. Aber der Standort der Zollstelle, drei Kilometer von der Grenze entfernt, blieb unbefriedigend.
Der Bau der schweizerischen Autostrasse N 4 (heute A 4) und deren projektierten Verknüpfung mit der Europastrasse E 70 führten zur Verlegung der alten Zollanlage an den heutigen Standort. In der Märzsession 1965 bewilligten die eidgenössischen Räte den Neubau der Zollstelle Bargen. Wegen der schwierigen Topografie einigten sich die schweizerische und die deutsche Zollverwaltung auf örtlich getrennte Zollanlagen. So kam das neue Zollamt Bargen bei Oberbargen, zweieinhalb Kilometer von der Landesgrenze entfernt, zu stehen. Die deutsche Zollverwaltung baute ihre Anlage fünfhundert Meter weiter in Neuhaus (Gemeinde Blumberg, Baden-Württemberg).
Um den Bau der Nationalstrasse gänzlich auf Schweizerboden realisieren zu können, erfolgte 1966 ein Gebietsabtausch zwischen dem Kanton Schaffhausen und Baden-Württemberg. Am 14. April 1969 wurden die neue Zollanlage Bargen sowie die Autobahn feierlich eröffnet und in Betrieb genommen.
Die Zollstelle Bargen hoffte lange Zeit auf eine weitere Verkehrszunahme im Nord-/Süd-Verkehr. Weil Deutschland den Anschluss der Europastrasse E 70 über Singen nach Thayngen realisierte, verlor Bargen vorübergehend an Bedeutung.
Der Zoll startet durch
Heute ist Bargen eine Dienstabteilung des Zollinspektorats Schaffhausen. «Seitdem 2017 die Schliessung der Zollstelle Bargen abgewendet wurde, nehmen die Abfertigungszahlen stetig zu», erklärt der zuständige Abteilungsleiter Alex Flammer. «Nicht zuletzt, weil Bargen als Ausweichroute zur zeitweise überlasteten Strasse nach Thayngen genutzt wird.» Acht Verzollungsagenturen halten die fünf Zollmitarbeitenden auf Trab: Pro Jahr werden zirka 102'000 Lastwagen mit Pflanzen, Möbeln, Spielwaren und verschiedenen Industrieprodukten abgefertigt. Für die Kontrolle des Reiseverkehrs ist die Grenzwache ebenfalls vor Ort. «Ab dem 1. Oktober 2019 werden wir verstärkt dem Gedanken der gemeinsamen EZV folgen», ergänzt Flammer. «Mitarbeitende von Zoll und Grenzwache werden die Abfertigungen sowie die Kontrollen vermehrt zusammen vornehmen».