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Trois crises de mutation. La «crise» contemporaine comparée à celle de la fin du XIXe siècle et à celle des années '30
Übersetzter Titel: Drei Anpassungskrisen: Die aktuelle Krise verglichen mit jener Ende des 19. Jahrhunderts und jener der 30er Jahre
Der Ausdruck «Krise» bezeichnet eine Phase langer Depression diese kann als eine der zwei Phasen eines Kondratieff-«Zyklus» gesehen werden; sie dauert 20-25 Jahre, so auch während den Zeitspannen von 1873-1895, 1920-1939, 1973). Lange Depressionen sind Momente der «Unordnung» und der Entstehung einer Produktionsordnung, also einer neuen Anordnung, die verschiedene Innovationen voraussetzt so auch eine erneuerte Weltanschauung) und die am Anfang einer Phase der langen Expansion steht.
1. DREI PRODUKTIONSORDNUNGEN, WELCHE DIE BASIS VON LANGEN EXPANSIONEN BILDEN
Jedem Ende einer Krise folgt die Ausarbeitung einer neuen Produktionsordnung die Phasen der langen Expansion: 1850-1873, 1895-1920, 1950-1973).
Die Grundcharakteristiken der Expansion der «glorreichen Dreissiger» 1950 bis 1973) haben sich während der Krise der 30er Jahre sowie im Krieg entwickelt. Es handelt sich hierbei weniger um eine «industrielle Revolution» als um eine radikale Umgestaltung des Akkumulationsmodus. Man hat die Gesamtheit der institutionellen Einrichtungen, die in der Folge die Gestaltung eines Massenkonsums und einer Massenproduktion ermöglicht haben, als fordistisch bezeichnet.
Nach den depressiven Jahren 1870-1895 leitet das Krisenende die Belle
Époque und nach dem Krieg die «goldenen Zwanziger» ein: eine lange Expansion 1895-1920), die sich auf der Basis einer «zweiten industriellen Revolution» entwickelt, während der Akkumulationsmodus durch die Bildung von Monopolen, die Einführung des Taylorismus und die Verstärkung der Position des Arbeitgebers gegenüber der des Arbeitnehmers, erschüttert wird. Während der Krieg von 1914-1918 eine Beschleunigung dieses Prozesses erlaubt, glauben die Regierungen nach seinem Ende, einen Schlussstrich unter die Kriegswirtschaft ziehen und zur Regulation durch die freie Marktwirtschaft zurückkehren zu können.
Die Expansionsphase des «schönen 19. Jahrhunderts» 1850-1873) spielt sich auf der Basis einer Produktionsordnung ab, die sich in Grossbritannien am Ende des 18. Jahrhunderts industrielle Revolution) gebildet und sich während der vorhergehenden Depression 1816-1850) entwickelt hat. Sie ist gekennzeichnet vom Fabrikensystem mit seinem konzentrierten Proletariat, seiner zentralisierten Führung und seinem «Dampfmaschinismus» ausserdem von einem weiterhin extensiven Akkumulationsmodus, einer Regulation durch die konkurrenzierenden, sich selbst regulierenden Märkte insbesondere des Arbeitsmarkts und den konjunkturellen Krisen sowie von einem von England dominierten Weltmarkt, der sich im Prozess der Liberalisierung befindet.
2. FUNKTIONSSTÖRUNG IN DER PRODUKTIONSORDNUNG UND ANPASSUNGSKRISE
Der Erfolg einer Produktionsordnung tendiert dazu, Widersprüche zu entwikkeln, die ihrerseits eine strukturelle Krise verursachen. Es lassen sich zwei Arten von strukturellen Krisen unterscheiden: die «klassische» Krise resultiert aus einer «Scherenentwicklung» der Arbeitsproduktivität und der Kosten; die «keynesianische» Krise ist auf die Schwäche der globalen Nachfrage zurückzuführen.
Die grosse Depression am Ende des 19. Jahrhunderts, besonders ihre grösste Krise von 1882-1884, erscheinen als im wesentlichen «klassisch»: die Erschöpfung der technologischen Basis, die Blockierung der Arbeitsintensivierung und der extensiven Akkumulation sowie die Erhöhung der Löhne sind die Ursachen des Abfalls der Profitraten vor dem Hintergrund von Preissenkungen.
Die grosse Krise der 30er Jahre verlief anders. Die Profitrate bleibt bis zum Vorabend der Krise hoch, und es ist der Rückgang der globalen Nachfrage, der die Profite einstürzen lässt. Die technologische Basis zeigt keine Ermüdungserscheinungen auf im Gegenteil wurden die Erneuerungen vom Ende des 19. Jahrhunderts durch den ersten Fordismus systematisiert), und während der Zeit der «Roaring Twenties» wächst in den Vereinigten Staaten die Produktivität um 6% pro Jahr. Die Krise ist eine «keynesianische» Absatzkrise, zurückzuführen auf das Stagnieren der Kaufkraft der Arbeitnehmer das Kräfteverhältnis ist dem konzentrierten Kapital vorteilhaft geblieben), das, beim Fehlen einer gesteuerten Regulationsform, eine schwache Investitionsrate zur Folge hat.
Ausserdem hat erstens das Wachstum des Profits eine Spekulationswelle bewirkt, die, als sie in einer Stimmung von Überverschuldung zusammenbricht, eine erhebliche Deflation auslöst. Zweitens wurde diese Deflation von der Politik, die in Grossbritannien und in Frankreich betrieben wurde, vorweggenommen.
Die lange Depression am Ende des 20. Jahrhunderts entwickelt sich in zwei Etappen: eine «klassischen Krise» gefolgt von einer «keynesianischen Krise».
Am Anfang der 70er Jahre erschöpft sich die technologische Basis des Fordismus und, mit ihr, das Wachstum der Produktivität, während die organisierten Arbeitnehmer, nach 20 Jahren Vollbeschäftigung, ihre Position verändert, Lohnerhöhungen erzielt und eine «Arbeitskrise» ausgelöst haben. Die Profitrate wird von diesen Faktoren blockiert, währenddem das Sicherheitsventil der Inflation schliesslich nicht mehr funktioniert. Es handelt sich also um eine «klassische Krise». Zu den hohen Profitraten zurückzukehren verlangte: 1. Die Schwächung der Position der Lohnabhängigen im Kräfteverhältnis mit dem Unternehmertum: die Arbeitslosigkeit erlaubte es, das Lohnwachstum zu brechen, die Gewerkschaftsstrukturen zu schwächen, die sozialen Errungenschaften in Frage zu stellen sowie die Flexibilität und die soziale Unsicherheit einzuführen; 2. Das Steigern der Produktivität der Arbeit: mit Hilfe einer Rationalisierung, einer Beseitigung der am wenigsten rentablen Unternehmen, einer Arbeitsintensivierung, massiver Entlassungen sowie des Zurückgreifens auf «labor saving»-Investitionen. Folglich kann wieder die gleiche Verteilungsrate des Mehrwerts eingeführt werden, die Anfang der 60er Jahre herrschte, und somit ist die «klassische Krise» beendet.
Aber darauffolgend zeichnet sich eine zweite Krise ab, eine keynesianische. Sie war schon in den 70er und 80er Jahren im Keim vorhanden, als die Transnationalisierung der Wirtschaft jedem Staat eine Politik aufgezwungen hat, die auf dem Kampf gegen die Inflation und auf einer Eindämmung der Löhne basierte, was eine Blockierung der inländischen Nachfrage und schliesslich der Investition zur Folge hatte. Da alle Staaten die gleiche Politik betrieben, musste die ausländische Nachfrage zwangsläufig nachlassen, und das Sparen tendierte dazu, die Investition zu übertreffen.
Aus spezifischen Gründen betrifft diese «keynesianische» Krise jedoch hauptsächlich Japan und Europa: Japan erlebt die deflationistischen Konsequenzen des Zusammenbruches einer Spekulationswelle, Frankreich und Deutschland erfahren die Konsequenzen einer überbewerteten Währung. Während der «keynesianischen» Krise führen diese beiden Länder ihre Politik weiter, die auf eine «klassische Krise» abgestimmt ist, obwohl letztere bereits zu Ende ist.
(Übersetzung: J. Schaufelbühl)
Erschienen in: traverse, 1997/1, S. 26.