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„Windspiel“ setzt sich mit dem Buch „Kohelet“, bei Martin Luther „Prediger Salomo“, in der deutschen Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig und dem hebräischen Original auseinander. Dieser Text aus dem ersten Testament zog mich an, weil er auf formaler Ebene eine erstaunliche Offenheit aufweist. Die stilistisch vielschichtige Anlage tendiert kaum zur Eindeutigkeit. Vielmehr werden existentielle Fragen in ihren bohrenden Unannehmlichkeiten belassen, Widersprüche geschärft. Das führte zu einer Musik der Extreme, die auch zu den Rändern des klanglich noch Möglichen vordringt. Ich wollte nicht eine Interpretation liefern, vielmehr sollten in Abtastvorgängen unterschiedliche Wege der Annäherung entstehen. Textkomplexe werden in unterschiedliche Zusammenhänge gestellt, auf deutsch und hebräisch geflüstert, gesprochen und gesungen, teilweise in Schichten übereinander gelagert. So werden in Verbindung mit den Instrumenten Situationen unterschiedlicher Dichte und Verständlichkeit geschaffen, welche die Hörerinnen und Hörer zu eigenen Interpretationen anregen sollen.
Für jeden der vier Teile des Zyklus wählte ich eine andere Art der Textannäherung. In „entfernt“ (Teil I) soll sozusagen das ganze Buch anwesend sein, wie eine „Text-Skulptur“, die von verschiedenen Seiten und Betrachtern untersucht wird.
„Kerben“ (Teil II) ist eine rein instrumentale Verarbeitung. „Rad“ (Teil III) stellt das Gedicht über die Zeit aus dem 3. Kapitel des Buches ins Zentrum, die Sopranstimme rezitiert den Text.
„Gitter“ (Teil IV) entspricht konzeptionell dem ersten Teil, nur dass hier nicht Textmaterial, sondern musikalisches Material unterschiedlicher Ebenen übereinander gelagert und zusätzlich räumlich aufgeteilt wird. Die Instrumente werden zu „Predigern“ (bei Buber heisst es nicht „Prediger“, sondern „Versammler“), die aus allen Richtungen sprechen.