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«Das Zeitgefühl hebt sich auf, man ist irgendwo anders»von Helen Lagger Bas Wiegers dirigiert bei Bühnen Bern die Oper «Sycorax» von Georg Friedrich Haas. Am Werk des kontroversen Komponisten faszinieren ihn Dissonanzen und die Sinnlichkeit.
«Das Zeitgefühl hebt sich auf, man ist irgendwo anders», so der Dirigent Bas Wiegers über die Wirkung der Musik von Georg Friedrich Haas. Haas erhielt von Bühnen Bern den Auftrag, die Oper «Sycorax» zu komponieren. In der Vidmar 1 wird sie nun uraufgeführt. Sycorax ist eine Figur aus Shakespeares «Der Sturm», eine Zauberin, die im Stück unsichtbar und stumm bleibt. Man weiss lediglich, dass sie eine mächtige Hexe ist und einen Sohn namens Caliban hat. Dieser ist Ureinwohner der Insel, auf welcher die Hauptfigur Prospero, Herzog von Mailand, strandet, und wird von letzterem misshandelt. Das Stück entstand zu Beginn des Kolonialismus. Wie stark Shakespeare diesen darin gewichtete, ist umstritten.
Eine Stimme für die Entmachtete
Die Oper «Sycorax» gibt nun der Hexe, die bei Shakespeare durch Unsichtbarkeit und Stummheit doppelt entmachtet bleibt, eine Stimme und erzählt von der Rückeroberung ihrer Souveränität. Die afroamerikanische Aktivistin und Schauspielerin Mollena Williams-Haas tritt in der Rolle von Sycorax als Erzählerin auf. Williams-Haas, im richtigen Leben die Frau des Komponisten, geht offen damit um, mit ihm in einer sadomasochistischen Beziehung zu leben. Der Dokumentarfilm «The Artist & the Pervert» von 2019 gibt Einblick in Leben und Schaffen des auch sonst medienwirksamen Paares.
Bas Wiegers dirigiert mit «Sycorax» bereits die zweite Oper von Haas. Der Holländer schwärmt von der Sinnlichkeit dieser Musik. Die Zusammenarbeit mit Regisseurin Giulia Giammona sei eng. Der in Bern beliebte Tenor Robin Adams tritt als Prospero auf. Wiegers stehen neben den Sänger*innen fünf Kontrabässe, vier Geigen, acht Celli und ein Chor zur Verfügung.
In seinem Podcast «The Treasure Hunt» blickt der Dirigent hinter die Kulissen, spricht über Harmonien oder diskutiert mit Mollena Williams-Haas über ihre Sicht auf die Titelfigur. «Die Komposition von Haas besticht mit dem unmerklichen Umstimmen der Instrumente und gelangt so über Dissonanzen zuletzt zu einer Harmonie, einer musikalischen Utopie», so Wiegers.