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Es war ein Geschenk an den russischen Zaren Peter der Grosse: Ein Zimmer, praktisch nur aus edlem Bernstein. Bei der Belagerung von Leniangrad 1941 schafften es die Nazis nach
Königsberg. Seit 1944 fehlt vom Bernsteinzimmer aber jede Spur. Zuletzt wurde es in Stollen im deutschen Erzgebirge oder in Polen vermutet.
Bald nach seiner Krönung zum „König in Preußen“ 1701 ließ Friedrich I. (165 7—1713) für das Berliner Stadtschloss Wandverkleidungen aus Bernstein fertigen. Die Entwürfe dazu arbeitete sein Architekt und Baumeister Andreas Schlüter aus. Friedrichs Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm I. (1688—1740), der „Soldatenkönig“, schenkte das Bernsteinzimmer 1716 dem Zaren Peter dem Großen von Russland. Das Bernsteinzimmer wurde in den Katharinenpalast in Zarskoje selo bei St. Petersburg eingebaut. Dort blieb es, von den Besuchern als „achtes Weltwunder“ bezeichnet, mehr als zweihundert Jahre lang.
Der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion brachte die deutschen Truppen im September 1941 vor das damalige Leningrad. Im Katharinenpalast richteten sr’ch Offiziere ein, die hinter notdürftig angebrachten Tapeten schnell die Bernsteinvertäfelung entdeckten. Sie wurde ausgebaut und in 27 Kisten in das preußische Königsschloss nach Königsberg (heute Kaliningrad) transportiert. Dort wurde es in ein Zimmer eingebaut und dem Publikum gezeigt. 1944 wurde es wieder abgebaut und in Kisten wahrscheinlich im Schlosskeller gelagert.
Ende Januar wurde die deutsche Bevölkerung aus Königsberg evakuiert. In dem allgemeinen
Durcheinander wurde auch das Bernsteinzimmer verladen, ohne dass später jemand zu finden war, der den Abtransport beobachtet hatte. Seitdem ist das Kunstwerk verschollen. Überlegungen, dass es gar nicht weggeschafft worden ist, sondern bei einem sowjetischen Angriff verbrannt sei, werden von fast allen, die sich mit dem Thema beschäftigen, nicht ernst genommen. Immerhin wird es für möglich gehalten, dass es noch irgendwo in den verschütteten, aber noch existierenden Kellern des weiträumigen Schlosses zu finden sein könnte.
1997 tauchten in Deutschland ein Steinmosaik und eine Kommode auf, die eindeutig dem Bernsteinzimmer zugehörten. Sie wurden sogleich an Russland übergeben. Die Funde gaben den Theorien neuen Auftrieb, die von einem Transport des Zimmers in ein stillgelegtes Bergwerk im Erzgebirge wissen wollten.
Dort wird allerdings schon seit Jahren erfolglos nachgegraben. Andere Erklärungen für die
Existenz der beiden Teile laufen darauf hinaus, dass es während des Krieges, wenn Bomben auf
Königsberg fielen, immer Wieder Plünderungen durch Deutsche in den Schlossra’umen gegeben habe. Dabei seien die beiden Teile mitgenommen und dann mit den Flüchtlingstrecks in den Westen geschafft worden.
Die polnischen und sowjetischen Geheimdienste erhofften sich, wie 2009 bekannt wurde, vom preußischen NS-Gauleiter Erich Koch Informationen über den Verbleib der kostbaren Vertäfelungen. Gauleiter Koch war von einem polnischen Gericht wegen zahlreicher Mordtaten, die ihm nachgewiesen werden konnten, 1959 zum Tode verurteilt worden. Während in anderen Fällen verurteilte NS-Verbrecher in Polen immer schnell hingerichtet wurden, ließ man den Gauleiter am Leben.
Er starb erst 1986 im Gefängnis Barczewo (Wartenburg) in den Masuren. Der Grund dafür soll gewesen sein, dass er in seiner Funktion als höchster NS-Funktionär Preußens Bescheid gewusst haben muss, was mit dem Kunstwerk geschehen war. Er schwieg und nahm sein
Geheimnis, wenn er überhaupt eines hatte, mit ins Gefängnisgrab.
Als vereinbart wurde, die Glasfenster mit dem Leben des Antichrist nach Frankfurt an der Oder zurückzugeben, erklärte sich ein westdeutscher Gasimporteur bereit, mit mehreren Millionen Dollar die Fertigstellung der Kopie des Bernsteinzimmers zu unterstützen. Die russischen Restauratoren hatten an dem aufwändigen Werk schon seit Jahrzehnten gearbeitet. Jetzt konnte es endlich abgeschlossen werden.
2003 wurde die Kopie, die von Kennern als gleichwertig mit dem Original bezeichnet wird, im Katharinenpalast feierlich vorgestellt, in Anwesenheit des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und des russischen Präsidenten Wladimir Putin.