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Die Schächtebilder, die um 1966 entstanden sind, haben ihren Ursprung in meinen Träumen. Ich war damals leicht mondsüchtig und hatte eine Serie von Träumen, die mich verfolgten.
Im Treppenhaus meines Elternhauses in Chur befindet sich ein geheimnisvolles Fenster, das in die Räumlichkeiten des neben unserem Hause stehenden Hotel 3 Könige führt und das zeitlebens mit einem düsteren braunen Vorhang verdeckt war. In meinen Träumen oder nächtlichen Wanderungen war dieses Fenster geöffnet, und in ein fahles gelbliches Licht getaucht sah ich riesige, unendlich tiefe Schächte.
Den Wänden entlang führten geländerlose, steile, halsbrecherische Holztreppen in diese gähnenden Abgründe. Seitdem ich diese imaginären Schlünde zeichne, blieb das Traumfenster endgültig verschlossen.
«Ein weiterer Ursprung meiner Phantasien war unser Keller. Den Zugang bildete eine alte, modrige, steinerne Wendeltreppe, die in einen gewölbeartigen Gang führte.»
Wie mir unser Nachbar, der Hotelbesitzer, erzählte, besass Chur zwei unterirdische Gänge, die sich vom bischöflichen Schloss unter dem Rebberg hindurch bis hinunter zur Stadt dahinzogen. Ein Teilstück dieses Ganges bildete unser Keller.
Der Fluchtgang vom Keller des Hotels zur Reichsgasse war früher offen, und wer es wagte, konnte ein ziemliches Stück hineingehen. Doch wegen Einsturzgefahr wurde er vor einiger Zeit zugemauert. Ich selbst sah immer nur diese verschlossene Pforte, was meine Phantasie unheimlich beflügelte.
In meinen Träumen hingegen waren diese Gänge geöffnet und führten in ein ungeheures Labyrinth, in dem alle möglichen Gefahren auf mich lauerten. Fast jeder Traum führte mich die Wendeltreppe hinab in diese magische Welt der Phantasie, die mich abschreckte und zugleich anzog.
Schacht Nr. 6, 2. Zustand (1968)
Schacht Nr. 7 (1966)