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Der Makropode, auch Paradiesfisch genannt, ist wegen seiner leuchtend roten und blauen Farben und seines interessanten Fortpflanzungsverhaltens ein populärer Aquarienfisch.
Aquariengrösse
Ähnlich wie beim Siamesischen Kampffisch sind auch männliche Makropoden untereinander aggressiv. Auch die Weibchen können von den Männchen stark bedrängt werden. Als soziale Tiere sollten Makropoden nie einzeln gehalten werden. Daher brauchen Makropoden grosse, sehr gut strukturierte Aquarien, in denen sie sich gut ausweichen können. Die Aquarien sollten mind. 200 Liter, besser aber 500 Liter fassen, wobei die Aquarienfläche wichtiger ist als die Höhe.
Wie weiter unten (Sozialleben) ausgeführt, können sie in Gefangenschaft eine stabile Hierarchie ausbilden, die aber nicht gestört werden sollte, hat sie sich einmal etabliert.
Einrichtung
Die Fische müssen einander ausweichen und sich zurückziehen können. Daher ist eine reiche Bepflanzung mit bis an die Oberfläche wachsenden Pflanzen und Schwimmpflanzen sowie Holz zu empfehlen, die notwendigen Sichtbarrieren und Verstecke bieten. Die Pflanzen an Wasseroberfläche werden für die Schaumnester genutzt.
Es braucht einen freien Zugang zur Oberfläche, damit die Fische Luft schöpfen können (Luftatmung), daher sollte man genügend Platz nach oben frei lassen, v.a. bei abgedeckten Aquarien.
Der Bodengrund sollte dunkel sein.
Für die Einrichtung sollten keine kalkhaltigen Steine verwendet werden, da diese die Wasserhärte erhöhen.
Die Beleuchtung sollte nicht zu hell sein, aber genügend für gutes Pflanzenwachstum.
Futter: Neben Trocken- bzw. Flockenfutter ist als Abwechslung Lebendfutter oder gefrorenes Futter (Mückenlarven, Wasserflöhe) zu empfehlen.
Wasserwerte: Gesamthärte 5 - 19°dGH, Temperatur 16°C - 26°C, pH 6.0 - 8.0
Vergesellschaftung: Makropoden können ruppig oder gar unverträglich sein gegenüber anderen Arten. Das Ausmass der Unverträglichkeit scheint jedoch von den einzelnen Individuen abhängig zu sein. In einem grossen, gut strukturierten Aquarium und sorgfältiger und aufmerksamer Pflege können Makropoden mit kleineren, robusten Arten vergesellschaftet werden.
Taxonomie
Der Makropode gehört zur Familie der Osphronemidae, die zur Unterordnung der Labyrinthfische (Anabantoidei) zugeordnet wird.
Merkmale
Paradiesfische werden ca. 8 bis 11cm gross. Ihre Grundfärbung ist braunrot mit blauen Querbändern. Die Schwanzflosse ist gegabelt, die Bauchflosse verlängert. Die Kiemendeckel besitzen am hinteren Rand auf der Höhe des Auges einen rötlich umrandeten dunkelblauen Fleck, den Opercularfleck, auf den der Artnamen opercularis verweist. Die Männchen sind kräftiger gefärbt und haben länger ausgezogene Flossen als die Weibchen (Pinter 1984; Racz 2021)
Verbreitung
Der Paradiesfisch stammt ursprünglich aus Südostasien. Er kommt in China im südlichen Yangtze, auf der Insel Hainan, in Nordvietnam und in Taiwan vor und stammt damit aus subtropischen und gemässigten Zonen. In Taiwan ist er wegen der Umweltverschmutzung und des Verlusts des Lebensraums selten geworden. Allerdings wurde der Paradiesfisch wie viele andere Aquarienfische freigesetzt und kommt daher auch ausserhalb seines natürlichen Verbreitungsgebiets vor (fishbase.org, Wang 1999).
Paradiesfische leben in stehenden oder langsam fliessenden Gewässern wie kleine, natürliche Teiche, kleinere Bäche Entwässerungsgräben, Reisfelder oder Sümpfen. Diese sind mit dichter Vegetation bewachsen, wobei in seinen Laichgebieten Schwimmpflanzen vorherrschen (Wang 1999, Haung 2006, Racz 2021).
Ihre Nahrung besteht natürlicherweise aus kleinen Wassertieren inklusive kleiner Fische (fishbase.org).
Als Larven und Jungfische leben Makropoden in Gruppen. Werden sie geschlechtsreif, werden sie aggressiver gegenüber den Artgenossen. Im Freiland mit genügend Platz können sie sich ausweichen. Im Aquarium mit beengten Platzverhältnissen hingegen können sie stabile Hierarchien ausbilden, die allerdings leicht gestört werden können und in sozialen Auseinandersetzungen neu ausgefochten werden müssen (Racz 2021).
Paradiesfische sind bekannt für ihr ritualisiertes Imponiergehabe. Es widerspiegelt den physiologischen Zustand eines Individuums (z. B. Fortpflanzung, sozialer Status oder Territorialität) und ist wichtig für die innerartliche Kommunikation.
Fortpflanzung
Hauptauslöser für die Fortpflanzung sind Temperatur und Tageslänge. Die Fortpflanzungsperiode fällt bei Makropoden in die Zeit des Monsuns von Mai bis Oktober. Der Höhepunkt fällt in die wärmsten Monate zwischen Mai und Juli.
Wie viele andere Arten der Familie der Labyrinthfische (Anabantidae) bauen auch Makropoden-Männchen Schaumnester. Um die Blasen zu bilden, schlucken sie an der Wasseroberfläche Luft und mischen diese mit Schleim, der vom Labyrinthorgan ausgeschieden wird. Damit sie diese Blasen fixieren und somit ein Nest bauen können, sind sie auf Schwimmpflanzen angewiesen.
Nachdem das Männchen ein Nest angelegt hat, nähert es sich dem Weibchen und präsentiert ihm seine Körperseite. Entweder nimmt das Weibchen die Einladung an und untersucht das Nest oder es wehrt das Männchen mehr oder weniger vehement ab. Beim Nest erfolgt die ritualisierte Paarung, bei der sich die beiden Tiere auf für Labyrinthfische typische Art umeinanderschlingen, und die mehrere Male wiederholt wird. Das Männchen sammelt die befruchteten Eier ein und deponiert sie im Schaumnest.
Die Eier sind mit ca. 0,8-0,9 mm Durchmesser klein und sehr leicht, da ihr Dotter einen grossen Öltropfen enthält. Daher steigen sich nach der Abgabe an die Wasseroberfläche. Die Öltröpfchen sind bis zu drei bis vier Tage nach der Befruchtung vorhanden so dass die Larven nicht absinken und im Schaumnest in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen bleiben.
Das Männchen bewacht die Larven, bis diese alt genug sind und selbständig Nahrung aufnehmen können.
Ab etwa fünf Monaten beginnen sich die Geschlechter zu unterscheiden. Die Weibchen entwickeln rundere Bäuche und werden mattsilbrig. Bei den Männchen verlängern sich die Rücken, After- und Schwanzflossen und intensivieren sich die Farbenkombinationen aus rot und blau. Mit sieben bis acht Monaten sind die Weibchen und Männchen voll entwickelt (alle Angaben aus Racz 2021).
Um mit einer sauerstoffarmen Umgebung zurechtzukommen, hat die Evolution die Entwicklung veränderter Atmungsstrukturen begünstigt wie Lungen, den Darm oder das Labyrinthorgan, dank dem die Labyrinthfische (Anabantoidae) in sauerstoffarmen Gewässern überleben können.
Es gibt gegen 1'000 Fischarten, bei denen Luftatmung vorkommt, darunter die Gruppe der Labyrinthfische. Sie umfasst ca. 137 Arten, die in Afrika und Südasien vorkommen. Sie besitzen alle erweiterte Kiemenhöhlen, in denen sich das sogenannte Labyrinthorgan befindet.
Dieses Organ ist eine komplexe, knöcherne Struktur, die mit einem dünnem, mit vielen Blutgefässen versehenen Atmungsepithel ausgekleidet ist. Es ermöglicht den Fischen, Sauerstoff aus der Luft zu gewinnen. Als morphophysiologische Spezialität hat es auch einen starken Einfluss auf das Verhalten, darunter das Territorial- und Balzverhalten sowie den Nestbau und die Brutpflege.
Um sich aus der Luft mit Sauerstoff zu versorgen, nimmt der Fisch mit dem Maul Luft auf. Diese wird ins Labyrinthorgan gedrückt, wo der in der Luft enthaltene Sauerstoff aufgenommen und dem Organismus zugeführt wird.
Insbesondere bei aggressiven Begegnungen nutzen die Männchen die Sauerstoffaufnahme über die Luft, da sie ihren Sauerstoffbedarf nicht mehr über die Kiemen decken können. Denn Drohen oder Kämpfen erhöht die Stoffwechselrate. Sie müssen daher häufiger an die Oberfläche schwimmen, um Luft zu holen.
Auch das Paarungsverhalten kostet Energie und braucht Sauerstoff. Da hilft es, wenn man zusätzlich über die Luft Sauerstoff aufnehmen kann.
Dieses Organ entwickelt sich erst mit dem Heranwachsen der Fische. Jungfische atmen noch durch die Kiemen (Tate 2017).
Ein Makropoden-Männchen baut ein Schaumnest.
Dieser Makropode zeigt eine Störung im Verhalten, eine sogenannte Stereotypie: Er schwimmt monoton hin- und her, gleichförmig und ohne von der Route abzuweichen. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass der Fisch mit dieser Haltung überfordert ist. Das Aquarium ist in keiner Weise den Bedürfnissen von Makropoden gemäss eingerichtet (siehe oben die Anregungen), und möglicherweise stimmt auch das soziale Umfeld nicht.