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«Echo der Zeit»-Berichterstattung über die Afrika-Reise von Bundesrat Ignazio Cassis beanstandet
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Mit Ihrem Brief vom 22. Januar 2019 beanstandeten Sie die Berichterstattung über die Afrika-Reise von Bundesrat und Außenminister Ignazio Cassis im Januar 2019 durch das «Echo der Zeit» (Radio SRF)[1] und durch SRF News.[2] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
Leider blieb Ihre Eingabe durch einen Irrtum länger liegen. Ich möchte mich für die lange Wartezeit nochmals bei Ihnen entschuldigen.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Je sollicite votre avis concernant le traitement, par la SSR, d’une information ayant trait à un voyage effectué par le conseiller fédéral Ignazio Cassis en Afrique. La première étape du voyage, la visite d’une mine d’extraction de cuivre, a fait l’objet de commentaires critiques dans plusieurs médias en général et dans les organes de la SSR en particulier.
Les médias sont libres de commenter une actualité comme bon leur semble et ce n’est pas là l’objet de ma demande. Ce qui me gêne, en revanche, c’est la manière dont une interview du conseiller fédéral Cassis a été utilisée, voir manipulée, dans le but de créer la polémique autour de cette visite. Un journaliste peut-il interpréter à sa guise l’interview d’un consoeur pour étayer une thèse qu’il souhaite propager? L’interprétation faite dans le cas particulier et les conclusions tirées vous semblent-t-elles légitimes?
J’ai reconstitué ci-dessous le fil des événements et me tiens à votre disposition pour vous fournir, en cas de besoin, tout renseignement supplémentaire vous paraissant utile.
Acte 1: samedi, 12 janvier 2019
Interview à Echo der Zeit de CF Cassis au retour de son voyage en Afrique. Interview critique mais correcte rnême si les questions n'ont porté que sur la visite de la mine de cuivre alors qu'il avait été convenu que l'interview se ferait sur l'ensemble des trois pays visités.
Tweet
Nico le tta Ci m mino @ ... -12.01.19
Bundesrat #Cassis, der kritisierte Besuch bei #Glencore in Sambia, und die Sache mit den WHORichtwerten.@ignaziocassis nimmt Stellung, heute Abend im #EchoderZeit.
Acte 2: samedi 12 janvier 2019
Tweet sur SRF News qui annonce que CF Cassis répond aux critiques. Dans l'interview CF Cassis déclare notamment, en réponse à une question de la journaliste, <Wir haben mit lokalen NGOs über Emissionen gesprochen>. L'interview a lieu en Suisse, CF Cassis en parlant de NGO locales pense evidemment á des ONG zambiennes rencontrées par l'ambassadeur de Suisse dans la réqion.
Tweet
SRF News @srfnews -12.01.19 Aussenminister lgnazio Cassis stellt sich der Kritik an seinem Besuch einer Mine von Glencore in Sambia. <Wir waren nicht dort, eine Inspektion zu machen.>
Acte 3: dimanche 13 janvier et lundi 14 jaanvier 2019
Le journaliste Res Gehriger m'envoie des questions par e-mail à propos de l'interview de Echo der Zeit. II affirme que CF <Cassis a mentionné des ‚ONGs locales‘ qu'il a rencontrées a Mufulira.>
CF Cassis n'a jamais parlé d'ONG à Mufulira. Je lui réponds en lui indiquant les noms des ONG ainsi
que les personnes rencontrées par le DFAE dans le cadre de ce voyage. Ces ONG sont basées à
Lusaka, la capitale de la Zambie.
Acte 4: jeudi 17 janvier 2019, 17h36
M . Gehriger publie une news sur le site SRF . ch avec le titre suivant <Cassis hatte doch keinen
Kontakt mit lokalen NGO>. Il laisse entendre que CF Cassis n'a pas dit la vérité, II écrit notamment: <Ein Sprecher seines Departements EDA muss nun auf schriftliche Nachfrage von SRF eingestehen: Weder Bundesrat lgnazio Cassis noch seine Entourage hatten je Kontakt zu NGOs aus Mufulira . Mit Vertretern zweier NGOs aus der Hauptstadt Lusaka habe man im Vorfeld des Cassis-Besuchs aber tatsächlich gesprochen , heisst es beim EDA. Doch Lusaka ist 400 Kilometer Luftlinie von Mufulira entfernt.>
Le problème avec l ‘in terprétation faite par M . Gehriger est que personne n ' a jamais parlé de
rencontres avec des ONG de Mufulira . Dans l ' interview , M . Cassis a , de bonne foi , fait allusion
aux rencontres de son ambassadeur avec les ONG locales de Lusaka.
Acte 5: jeudi 17 janvier 2019, 19h00
SRF News publie le tweet suivant <Anders als behauptet, hatten weder #Cassis noch seine
Mitarbeiter Kontakt zu lokalen NGOs .. .>
Tweet
SRF News @srfnews · 19h Anders als behauptet, hatten weder Bundesrat #Cassis noch seine
Mitarbeiter Kontakt zu lokalen NGOs während des #GlencoreMinen-Besuchs in #Sambia.
Le ‚Anders als behauptet‘ laisse entendre que CF Cassis a menti.
Dénouement: vendredi 18 janvier 2019
Olivier Classen de Public Eye retweete la ‚news‘ de SRF avec le commentaire suivant : Wow,
@ignaziocassis hat dem SRFecho dreist ins Mikrofon gelogen!
Tweet
Public Eye a retweeté
Oliver Classen @Oliver_Clas ...Wow, @ignaziocassis hat dem #SRFecho dreist ins Mikrofon
gelogen! Wer so kommuniziert, schadet seinem Amt und dem Ansehen der Schweiz.
En vous remerciant d’avance de bien vouloir examiner ce cas, je vous prie de recevoir, cher Monsieur, mes salutations les meilleures.“
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für SRF News antwortete Herr Mark Livingston, Bereichsleiter Aktualität von SRF News:
«Besten Dank für die Gelegenheit, zur Beanstandung von Herrn X vom 22. Januar 2019 Stellung zu nehmen. Die Beanstandung bezieht sich auf einen Artikel der Redaktion SRF News, welcher am 17. Januar 2019 auf der SRF App und auf srf.ch/news publiziert worden ist. Gegenstand der Beanstandung scheint ebenso der durch SRF News abgesetzte Tweet vom 17. Januar, welcher den Beitrag auf diesem Social-Media-Kanal präsentiert.
Im Kern wirft der Beanstander SRF News vor, die Aussagen von Bundesrat Ignazio Cassis aus einem Interview mit der SRF-Radiosendung ‘Echo der Zeit’ vom 12. Januar falsch interpretiert zu haben und deshalb in den oben bezeichneten Publikationen vom 17. Januar BR Cassis eine Falschaussage zu unterstellen.
Diese Annahme seitens des Beanstanders weisen wir in aller Form zurück und begründen das wie folgt:
1. Im Radio-Interview mit BR Cassis vom 12. Januar 2019, das in der Sendung ‘Echo der Zeit» ausgestrahlt worden ist, findet sich folgende Passage gleich zu Beginn des Gespräches:
(Frage) Ich fragte Ignazio Cassis, wie er denn zu dieser positiven Einschätzung in Sachen WHO-Werte gekommen sei.
(Antwort BR Cassis) Ja, die Mine haben wir vor allem besucht aufgrund des Ausbildungszentrums für Lehrlinge. Die Firma Glencore zusammen mit einer kanadischen Firma First Quantum erworben hatte und der Staat ist ebenfalls beteiligt zu 10 Prozent. Für uns war von Interesse zu schauen, was in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Infrastruktur gemacht hatten und nachher haben wir natürlich die Mine auch ein bisschen besucht und gesehen auch, welche Modernisierung die Anlage gemacht hatte. Betreffend Emissionen haben wir nicht lange gesprochen, weil das war kein spezifisches Thema, wir haben aber natürlich gefragt, wie die Entwicklung gewesen sei, wir haben auch mit lokalen NGO darüber gesprochen und tatsächlich ist es so, dass es eine viel bessere Situation als vor 15 Jahren. Die Stossrichtung stimmt, natürlich ist es noch nicht 100 Prozent überall gut, das muss man natürlich schon sehen.
2. Aufgrund dieses massgebenden Ausschnittes ist klar: Die Antwort des Bundesrates bezieht sich auf einen Lokaltermin in Mufulira, nämlich die Besichtigung der Glencore-Anlage. ‘Lokale NGOs’ – die Wortwahl von BR Cassis – kann sich in dieser Antwort nur auf den Ort der Mine und des von BR Cassis beschriebenen Besuches beziehen, und dieser Ort ist Mufulira. Im ganzen Radio-Interview ist ausschliesslich von der Glencore-Mine in Mufulira die Rede. Dass die bundesrätliche Delegation auch in der weit entfernten Hauptstadt Lusaka weilte, wird nie angesprochen. Deshalb muss der Zuhörer davon ausgehen, dass mit ‘lokalen NGOs’ jene in Mufulira gemeint sind.
3. Der SRF-Reporter Res Gehriger hat im Nachgang des Radio-Interviews bei EDA-Sprecher X per Mail und mündlich nachgefragt, um welche ‘ONGs locales’ es sich handle, wann und wo genau man diese traf und wer dabei war. Gleichzeitig hat der SRF-Journalist Gehriger, welcher mehrmals für SRF vor Ort (Mufulira) war und über die Glencore-Mine berichtete, den Sekretär des Zusammenschlusses von 30 (!) lokalen NGOs kontaktiert. Es ist klar: Die Schweizer Delegation hat zu keinem Zeitpunkt Kontakt zu den lokalen NGOs gesucht.
4. Herr X selbst schreibt in seiner Mail vom 14. Januar 2019 an Gehriger, mit welchen NGOs das EDA bezüglich der Mopani-Mine in Kontakt stand. Zuerst aber stellte Herr X klar, dass BR Cassis selbst keinen Kontakt zu NGOs hatte und räumt damit ein mögliches Missverständnis aus dem Radiointerview ein. Das EDA hatte demnach mit zwei NGOs Kontakt. Beide NGOs sind in Lusaka (Hauptstadt, 400km entfernt) angesiedelt und nicht in Mufulira, bei der Mine. Bei beiden NGOs handelt es sich nicht um lokale Organisationen.
5. Es handelt sich bei beiden NGOs nicht nur nicht um lokale NGOs, sondern auch um solche, die sich in ihrer Arbeit gar nicht mit dem Kontext der Kritik auseinandersetzen, welche im Zusammenhang mit BR Cassis’ Besuch der Mine im Zentrum stand: die Umweltbelastung der Mine und deren Folgen für die lokale Bevölkerung. Eine der beiden NGOs (CTPD) bezeichnet sich selber als ‘Think Tank’, welcher sich auf den nationalen und internationalen Handel der sambischen Volkswirtschaft fokussiert sowie auf die Steuerpolitik. Die zweite NGO, ebenfalls in Lukasa und nicht in Mufulira ansässig, ist die weltweit tätige Christianaid aus Grossbritannien.
6. Korrekterweise also hat SRF News im beanstandeten Artikel darauf hingewiesen, dass weder BR Cassis noch ein anderer Mitarbeiter des EDAs im Zusammenhang mit dem bundesrätlichen Besuch der Glencore-Mine in Mufulira mit lokalen NGOs sprachen oder in Kontakt standen.
Dies hat Herr X in seiner schriftlichen Antwort auf die Anfrage von Res Gehriger auch bestätigt. Korrekterweise hat SRF News im beanstandeten Artikel aufgrund von Herrn Xs Antwort von Beginn weg auch ausgeführt, dass das EDA im Vorfeld des Besuches mit NGOs im Kontakt stand – allerdings eben nicht mit lokalen.
7. BR Cassis sagte im Radio-Interview auch:
<Das sind lokale NGO’s, die angehört wurden im Vorfeld der Vorbereitung durch unsere Botschaft dort, um auch von ihnen zu spüren und äh wir waren auch interessiert an ihren Aussagen und im Grossen und Ganzen stimmen die Aussagen überein mit den Aussagen von Glencore.>
Auch diese Aussage ist, gemäss den Recherchen von SRF bei den lokalen NGOs, nicht korrekt: Die Aussagen der lokalen NGOs stimmen nicht überein mit jenen von Glencore.
8. Die Präzision der bundesrätlichen Aussagen über die Glencore-Mine ist im Kontext des bundesrätlichen Besuches von besonderem Interesse: Unser SRF-News-Artikel vom 17. Januar folgte nämlich auf jene Artikel vom 10. und 11. Januar 2019 , welche eine vorhergehende Kommunikationspanne des EDA im Zusammenhang des Besuches thematisierten.[3]
Bereits in diesen beiden Beiträgen deckte SRF News eine grobe ‘Ungenauigkeit’ seitens der EDA-Kommunikation zu Ignazio Cassis’ Reise auf, welche schlicht als Falschinformation bezeichnet werden muss: In seinem Mediencommuniqué vom 08. Januar 2019 schrieb das EDA zur bundesrätlichen Reise nämlich, die Glencore-Mine halte die WHO-Schadstoffgrenzwerte ein. Diese Information an die Öffentlichkeit war falsch, wie Recherchen von SRF und der Internetplattform infosperber.ch aufdeckten. Das EDA hat die eigene Falschmeldung bezüglich WHO-Grenzwerten aufgrund der bezeichneten Artikel in demselben Mediencommunique einiges später (am 18. Januar 2019) online berichtigen müssen.[4]
9. Diesem eingestandenen Fehler des EDA – welcher nur dank der Arbeit der Journalisten überhaupt bekannt geworden ist – ging wiederum ein inzwischen als berühmt zu bezeichnender Tweet voraus, welcher über das Twitter-Konto von Ignazio Cassis am 07. Januar 2019 abgesetzt worden ist. Der Tweet löste mehrere Artikel in Schweizer Print- und Onlinezeitungen aus, weil dieser die Umweltprobleme der Glencore-Mine gänzlich verschwieg. Der Tweet wurde von etlichen journalistischen Publikationen sogar als PR (Basler Zeitung), ‘Imagekampagne für Glencore’ (Der Bund), ‘Imagekampagne’ (Tages-Anzeiger) oder ‘politische Propaganda’ (watson.ch) bezeichnet. ‘Glencore macht Cassis zur Werbefigur’ war im Blick zu lesen.
10. Jener Tweet von BR Ignazio Cassis, die falsche Angabe des EDA bezüglich der WHO-Grenzwerte und die bundesrätliche falsche Angabe, man habe mit lokalen NGOs darüber gesprochen, zeigen, dass das EDA im Kontext des Glencore-Besuches der Öffentlichkeit mehrfach unkorrekte Informationen vorsetzte.
Es ist Aufgabe des Journalismus, Informationen der Behörden zu hinterfragen. Erst recht ist es Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten, falsche Informationen seitens der Behörden richtig zu stellen. Das hat SRF News mit den beanstandeten Publikationen vom 17. Januar 2019 getan.
Wir bitten Sie daher, die Beanstandung vollumfänglich abzuweisen.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Berichterstattung. Nachdem ich nun alle Akten studiert und die Sendungen und Publikationen von SRF zur Kenntnis genommen habe, fällt es mir schwer, nur einen Kommentar zu SRF abzugeben und keinen zum Verhalten des Außenministers und seiner Kommunikationsabteilung. Denn der Quervergleich fällt eindeutig zugunsten von Radio und Fernsehen SRF aus: Hier Professionalität, dort Dilettantismus. Wie kann man eine Mine besuchen, die mehrheitlich Glencore gehört, ohne die seit Jahren vorgetragene Kritik an der Firma anzusprechen und auf die Abgas-Grenzwerte der WHO hinzuweisen sowie die Kritik an der Steuermoral zu thematisieren? Wie kann man nach dem Besuch euphorische Tweets absondern, die das Unternehmen dann für seine PR benutzt? Wie kann man im Zusammenhang mit einer Mine in Mufulira erwähnen, man habe auch lokale NGOs getroffen, aber solche in Lusaka meinen und auf Schweizer Seite nicht sich selber, sondern die Botschaft im Vorfeld? Alles war naiv und anschliessend verwedelnd und darauf korrekturbedürftig. SRF aber hat alles richtig gemacht. Es war richtig, die Verwedelungen und Unklarheiten klarzustellen. Und es war richtig aufzuzeigen, dass die Glencore-Mine halt die WHO-Grenzwerte noch immer überschreitet. Ich kann Ihre Beanstandung beim besten Willen nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
[3] https://www.srf.ch/news/international/glencore-mine-in-sambia-im-spital-mussten-kleinkinder-wegen-atemnot-behandelt-werden ; https://www.srf.ch/news/schweiz/umstrittene-mine-in-sambia-glencore-korrigiert-aussage-von-cassis-sprecher
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