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Die Autolawine, die täglich die Tessiner Strassen verstopft, ist eines der grössten Probleme im hochmotorisierten Südkanton. Besonders geplagt ist die Magadino-Ebene. Auf dieser Achse hat der Autoverkehr im letzten Jahr wieder zugenommen.
Die Tessiner Regierung und auch das Parlament wollten das Problem lindern mit dem Einsatz von sogenannten «intelligenten Dosierungsampeln». Diese sollten anstelle der heutigen Kreisel den Verkehr verflüssigen. Gegen diese Ampeln aber ist mittlerweile ein regelrechter Kampf entbrannt, bis am Mittwoch läuft die Unterschriftensammlung für ein Referendum.
Überparteiliches Referendumskomitee
Der Tessiner CVP-Grossrat Marco Passalia ist ein erbitterter Gegner dieser neuen Ampeln, die den Verkehr weniger stocken lassen sollen. Er sammelt zusammen mit Kollegen aller politischer Couleur Unterschriften für eine Referendumsabstimmung.
«Unser Komitee heisst ‹Schluss mit der Geldverschwendung›. Rund 15 Millionen Franken wurden für diese Kreisel ausgegeben, die sollen jetzt durch Ampeln ersetzt werden – das ist reine Geldverschwendung», so Passalia.
Das ist reine Geldverschwendung.
Etwas mehr als drei Millionen Franken kosten diese Ampeln, die derart die Gemüter erhitzen. Diese verflüssigten den Verkehr und könnten dadurch die Fahrzeit der Automobilisten eindeutig verkürzen, begründet die Tessiner Regierung anhand von Studien.
Ampel-Gegner Marco Passalia widerspricht: «Die Studie geht von falschen Annahmen aus. Der Individualverkehr wird nicht weiter zunehmen, bald geht ja der Ceneri-Basistunnel auf, viele werden Zug fahren, der Autoverkehr wird abnehmen.» Ausserdem seien Kreisel sowieso sicherer als Ampeln.
«Fakten» gehen auseinander
Verkehrsminister Claudio Zali versucht seit Jahren, die Tessiner für den ÖV zu gewinnen. Er kann der Argumentationsweise der Ampel-Gegner nichts abgewinnen und sagt kurz und bündig: «Ich glaube, die Ampel-Gegner haben nicht den gleichen faktisch wissenschaftlichen Hintergrund, den wir haben. Unser Gutachten zeigt die Sinnhaftigkeit dieser Ampeln, mehr konnten wir nicht tun.»
Die Ampel-Gegner haben nicht den gleichen faktisch wissenschaftlichen Hintergrund, den wir haben.
Ampeln sind Verbote und die sind unbeliebt – auch oder besonders im Tessin. Hat dieser Widerstand möglicherweise einen mentalitätsspezifischen Hintergrund? «Nein», sagt CVP Grossrat Passalia, «dieses Referendum ist Ausdruck des gesunden Menschenverstandes.»
So gesehen wird also sehr wahrscheinlich das Tessiner Stimmvolk über eine Frage des «gesunden Menschenverstandes» entscheiden. Ausschlaggebend sind demnach – theoretisch zumindest – eher Fakten als Meinungen.