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Eins der wenigen Bücher, das mich wirklich berührt hat, ist Der Archipel Gulag (Alexander Solschenizyn). Darin schreibt der Autor, quasi in einer erweiterten Version von Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, sowohl seine eigenen Erlebnisse in den stalinistischen Straflagern als auch die von anderen Zeugen in einem wirklich erschütternden Bericht auf, wofür er auch den Literaturnobelpreis erhielt. Es gibt wirklich nur wenige Bücher, die ich nicht noch mal lesen würde, aber das ist eins davon, denn diese Erzählung möchte ich nicht noch einmal durchmachen. Schindlers Liste verhält sich zum Archipel so wie die Volksstimme zur NZZ, wenn ich das mal vergleichen sollte. Aber auch nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Was aber insbesondere in Deutschland kaum jemand verinnerlicht, weil es immer durch 1933-1945 überdeckt wird, ist, daß die stalinistischen Lager noch bis zum Tod Stalins 1953 offiziell bestanden. Hat wohl niemanden so richtig gestört, das Land war und ist groß und es war ja eine moralisch überlegene Siegermacht, halt mit einem anderen Diktator an der Spitze. Und das Konzentrationslagersystem wurde schon deutlich vor dem deutschen eingerichtet, es begann unter Lenin und wurde später durch Stalin perfektioniert. Die Verhaftungen waren ähnlich willkürlich wie unter der NS-Herrschaft, allerdings waren es doch eher Arbeitslager als Vernichtungslager, wobei Tote natürlich in Kauf genommen wurden.
Wie komme ich gerade auf den GULag? In der NZZ wurde gerade über eine Ausstellung berichtet, und zwar im Schiller-Museum in Weimar. Schade, daß ich die vermutlich nicht schaffe, aber ich glaube, die Bilder, die sich mir beim Lesen des Buchs eingebrannt haben, reichen aus. Unter genau einer Bedingung würde ich das Buch noch mal lesen: wenn ich es auf Russisch verstehe. Aber das kann noch dauern, erstmal sind wir jetzt noch eine junge Kollegin mehr im Französischkurs.