Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03295.jsonl.gz/426

Jagdtrophäen garantiert
Canned hunts = Abknallen in umzäunten Gehegen
Vor einigen Jahren erregte das Schicksal des schwarzen Nashorns Baixinha die Gemüter, weil ein norwegischer Jäger es für 60000 US-Dollar innerhalb einer Umzäunung in der Nähe von Johannesburg (Südafrika) abschiessen wollte. Nach Bekanntwerden dieses Vorhabens brach ein Proteststurm ohnegleichen los, und dadurch konnte das Tier schliesslich gerettet werden. Baixinha wurde im Juli 2002 in ein neues Zuhause gebracht, wo sie unter dem Schutz von SanWild1 in Ruhe den Rest ihres Lebens verbringen darf.
Im Gegensatz zu unzähligen anderen Tieren hatte die sanfte Baixinha Glück und wurde nicht denen vor die Flinten getrieben, die die nötigen finanziellen Mittel für ein solches Gemetzel aufbringen wollen. Das Interesse an dieser blutigen Freizeitbeschäftigung in Südafrika ist so gross, dass dort mittlerweile schon Raubkatzen als lebende Ziele speziell gezüchtet werden. In dieser besonders brutalen Industrie werden viele Tiere auf engem Raum gehalten, und die geborenen Welpen der Mutter sofort weggenommen, damit sie gleich wieder gedeckt werden kann. Ein extrem lukratives Geschäft.
|Erfahrungen eines Jägers mit canned hunts:

« Viele der Tiere stammen aus Zoos und Zirkussen und sind so zahm, dass sie vor der ‹Ernte› seelenruhig auf dich zukommen und dir die Hand lecken.»
Im letzten November schätzte man den «Vorrat» auf
2500 Raubkatzen, von denen 84 für eine Auktion in Hoopstad per
Katalog angeboten wurden, unter ihnen Jaguare, Bengaltiger,
Löwen und Löwinnen, bei denen eine Ultraschallaufnahme die
Trächtigkeit garantierte. Braune Löwen und Tiger darf man
für ca. 70000 US-Dollar erschiessen, weisse Löwen dagegen
sind teurer: Ein erwachsenes Tier wird für 165000 US-Dollar
freigegeben und darf nach abgeschlossenem Handel dann wie seine
Leidensgenossen, oft vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln, risikolos
innerhalb einer Umzäunung abgeknallt werden. Andere
Jagdtechniken bestehen darin, zahme Raubkatzen von Hunden hetzen zu
lassen und sie dann mit Pfeil und Bogen umzulegen.
Die Londoner Times meldete am 9. August 2003, dass in Südafrika erste Schritte zur Unterbindung dieser Scheusslichkeiten unternommen wurden, aber auf Seiten des Tierschutzes meldet man ernst zu nehmende Zweifel über den Erfolg dieser Initiativen an. Vielerorts wird vermutet, dass die südafrikanischen Regierungsstellen nur die weltweit aufgebrachte Kritik an dieser Praktik und nicht die lukrative Praktik selbst beenden wollen.
Aber nicht nur in Südafrika lockt garantiertes Jagdglück, sondern auch in Namibia, Zimbabwe und den Vereinigten Staaten, wo in engen Umzäunungen so manche zahme Grosskatze vergeblich versuchte, sich unter den geparkten Geländewagen zu verstecken, um so der Schlachtung zu entgehen.
Lästig gewordene exotische Haustiere, lebender Überschuss aus Zoos und Zirkussen, aber auch Importe wie asiatische Schafe, russische Wildschweine, Elche aus Skandinavien, seltene Antilopen aus arabischen Ländern und Indien und einheimische Tiere müssen die Gier der Wohlhabenden und Einflussreichen mit ihrem Leben bezahlen. Oft werden die Opfer bis zu ihrem langsamen Tod durch Zäune mit Pfeil und Bogen traktiert, damit ein Schuss in den Kopf nicht die Trophäe beschädigt.
In allen US-Staaten mühen Tierschützer sich ab, diese Grausamkeiten zu beenden, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Verboten oder reguliert sind canned hunts in Kalifornien, New Jersey, New York, Rhode Island, Texas, Wisconsin und Oregon (wo die striktesten Gesetze erlassen wurden). Pennsylvania dagegen ist das Eldorado der Anhänger dieser Jagden, die immer prestigeträchtiger werden. Selbst Präsident George Bush feierte seinen Sieg 1988 auf einer Canned-hunt-Ranch …
Herma Caelen
Fussnote:
1 The Sanwild Wildlife Trust, P.O. Box 418, Letsitele, 0885,
South Africa