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"So wie kein Arzt eine Diagnose ohne Röntgenbild stellen sollte, würde ich keine Aktien kaufen, ohne vorher das Chartbild gesehen zu haben", sagt Professor Hank Pruden im Gespräch mit cash. Er ist Professor an der School of Business der Golden Gate University in San Francisco und unterrichtet seit über 20 Jahren Chartanalyse.
Der Charttechniker ist laut eigenen Angaben gut gefahren mit dieser Strategie. Während er früher das Traden liebte, sei er mit dem Alter aber in eine Art Buy-and-Hold-Strategie übergegangen mit einem speziellen Augenmerk auf das Timing. "Man muss erkennen, wann die Zittrigen aus dem Markt gehen und dann einsteigen. Und man muss erkennen, wann nur noch die Zittrigen kaufen und dann rausgehen", so Pruden.
Pruden fokussiert sich in seiner Analyse auf die drei wichtigsten US-Börsen, also den S&P 500, die Technologiebörse Nasdaq und den Dow Jones. Sein Fazit: "Wir befinden uns am Anfang der letzten Phase des Bullenmarkts". Dies ist die Phase, in der die Zittrigen beginnen, in den Markt einzutreten. Die Börsenhausse dauert nun seit 2009 an. Laut Pruden dürfte nun der Bär den Bullen bald ablösen. Und dies wird auch die europäischen Börsen und den Swiss Market Index mit nach unten ziehen.
Rechtzeitig den Ausgang erwischen
Doch wann wird dies passieren? Eine möglichst präzise Antwort auf diese Frage will jeder Anleger, um seine Gewinne rechtszeitig ins Trockene zu bringen. Doch nicht jeder erwischt pünktlich den Ausgang, auch nicht die Charttechniker. "Chartanalyse ist keine präzise Wissenschaft", so Pruden. Er meint, dass der Dow Jones bei rund 18500 Zählern eine heikle Zone betrete. Derzeit notiert der amerikanische Leitindex rund 10 Prozent tiefer.
Chartanalysten sagen, man könne mit der Analyse von Charts Wahrscheinlichkeitsaussagen über die künftigen Kursentwicklungen ableiten. Zu Prudens Lieblingsinstrumenten zählen unter anderem Point- & Figure oder Bar Charts. Letztere sind Charts, die den Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- und Tiefstkurs während einer bestimmten Zeitspanne anzeigen. Ein Bar-Chart enthält daher bedeutend mehr Informationen über Preisentwicklungen, als klassische Liniencharts. Eine Serie von höheren Schlusskursen impliziert eine bullishe, tiefere hingegen ein bearishe Markttendenz.
"The Trend is your friend"
Ein weiteres Trendinstrument ist die 200-Tage-Linie. Diese findet in der Charttechnik von jeher grosse Beachtung, schliesslich lautet die wohl wichtigste Regel der technischen Analyse: "The trend is your friend." Generell lässt sich sagen: Wenn der Kurs über der 200-Tage-Linie notiert, handelt es sich um einen Aufwärtstrend. Notiert der Kurs unterhalb der 200-Tage-Linie, droht ein Abwärtstrend.
Die 200-Tage-Linie glättet die Kursschwankungen von Aktien oder Indizes, um den Trend sichtbar zu machen. Dazu werden einfach die Schlusskurse der letzten 200 Tage addiert, um daraus einen Durchschnittswert zu errechnen.
Ein Aufwärtstrend sollte allerdings stets ein anziehendes Volumen aufweisen. Würde das Handelsvolumen in einem Aufwärtstrend abnehmen, sei dies ein starkes Indiz für eine Trendwende. Dies sei im aktuellen Umfeld noch nicht der Fall, aber der Privatanleger sei gut beraten, darauf sein Augenmerk zu legen, so Pruden.
Im cash-Video-Interview sagt Professor Pruden, was genau unter Chartanalyse zu verstehen ist und weshalb die Anwendung der Chartanalyse auch für den Privatanleger sinnvoll ist.
Professor Hank Pruden ist Professor an der School of Business der Golden Gate University in San Francisco (USA), wo er seit 20 Jahren unterrichtet. Seit über 20 Jahren investiert er auch privat nach dieser Methode.
Das Interview wurde am Rande einer Veranstaltung der Schweizer Chartanalystenvereinigung SAMT (Swiss Association of Market Technicians) geführt.