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Zwanzig Stunden in der Woche trainiert Sinan Rüegg, Brust, Crawl, Delfin und Kondition. Soeben ist er aus einem gut dreiwöchigen Training in Südafrika zurückgekehrt. Jetzt gilt es, den verpassten Schulstoff nachzuholen. Denn Sinan Rüegg, der Ende April 17 Jahre alt wird, besucht das Freie Gymnasium. «Nein, meine Schulkollegen sehen mich nicht als Star. Sie wünschen mir bei einem Rennen viel Glück, das ist alles.» Bisher hat Sinan sechs Jugendmeistertitel gewonnen, wohl dank eines aussergewöhnlich guten Wassergefühls, wie seine Trainer kommentieren. Am 1. April nimmt er an der Schweizer Vereinsmeisterschaft in Neuenburg teil und schwimmt mit ausgewachsenen Athleten um den Titel. «Wenn man neben einem Olympiateilnehmer startet, ist das schon ein besonderes Gefühl», sagt Sinan. In der Kategorie Lagen (abwechslungsweise Brust, Crawl und Delfin) ist Sinan heute «so spitze», dass er an der kommenden Jugendeuropameisterschaft in Israel einen Titel holen dürfte.
Wie bringt er Schule, Training und Privatleben unter einen Hut? «Mit einem guten Zeitmanagement sei das kein Problem. «Der Sport hilft mir, in der Schule diszipliniert und zielgerichtet zu arbeiten.» Aber ohne starken Willen wäre das nicht zu schaffen. Diesen starken Willen zeigte der Athlet schon in jungen Jahren. Als er nämlich in der vierten Klasse beim «Zürifisch» nur auf dem neunten Rang landete und nicht am Final teilnehmen konnte, ärgerte ihn das so sehr, dass er sich für einen Schwimmklub entschied. «Alle Finalisten waren in einem Klub, da wollte ich auch hin», erinnert sich Sinan. Ein Jahr später schaffte er es beim «Zürifisch» in den Final, obschon er zuvor kaum trainieren konnte, weil er den Arm gebrochen hatte. «Da hat es mich gepackt», erinnert sich Sinan. Doch im Schwimmklub holte er damals keine Lorbeeren. «Ich war ziemlich schlecht, meine Mitgliedschaft war gefährdet.» So entschloss er sich, «richtig zu trainieren». Er baute Kondition auf und ging viermal pro Woche zwei Stunden schwimmen. Vielleicht liege das in den Genen, sagt seine Mutter Claudia Ruggli, die in ihrer Jugend als Schwimmerin trainiert hatte. «Ja, mir bleibt wenig Freizeit, im Jahr habe ich nur etwa drei Wochen Ferien», sagt Sinan ohne einen Anflug von Bedauern. Denn Wettschwimmen ist für ihn auch eine Art Freizeit. Und er hat in seinen Eltern eine grosse Unterstützung. «Wir entlasten Sinan, wo es geht», sagt Vater Philipp Rüegg. In der Freizeit, die ihm nach Hausaufgaben und Lernen verbleibt, versinkt er am liebsten in die Welt der Computerspiele. «Wir spielen online unter Freunden.» Sinans jüngere Schwester Inci ist ebenfalls sportlich unterwegs – bereits auf einem guten Niveau im Tennis.