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Sie hat Generationen von Buchbindern und Buchkünstlerinnen geprägt: Hedi Kyle. Viele Male wurde sie gefragt, ob sie ein Buch über ihre Arbeiten schreiben würde. Im Herbst hat sie nun gemeinsam mit ihrer Tochter Ulla Warchol das lang erwartete Lehrbuch veröffentlicht: «In Falten gelegt».
Das erste selbst gefaltete Buch von Hedi Kyle war ein Flaggenbuch, bestehend aus einem einfachen Ziehharmonikafalz mit daran befestigten Seiten, die in zwei Richtungen abstanden. Damals wusste sie noch nicht, dass diese Konstruktion ihr Denken und Tun in den nächsten 40 Jahren bestimmen würde.
Hedi Kyle hatte seit Beginn einen besondern Zugang zum Medium Buch. Nach ihrer Ausbildung in Grafikdesign in der Werk-Kunst-Schule in Wiesbaden, emigrierte sie kurze Zeit später in die Vereinigten Staaten, wo das Buchbinden und Papierschöpfen gerade eine nie dagewesene Aufwertung erfuhr. Während sie im Atelier von Laura S. Young die klassischen Methoden des Buchbindens lernte, experimentierte sie im Center for Books Art mit ihren eigenen Ideen und Techniken. Sie lotete anhand verschiedener Falzmethoden die taktile, plastische Natur des Buches aus und zelebriert die Bauweise, während gleichzeitig auch der Inhalt eine neue, unkonventionelle Betrachtungsweise erfahren sollte. Später arbeitete sie als Konservatorin und war Gründungsmitglied des Book Preservation Center am New Yorker Botanischen Garten und Co-Autorin des Library Materials Preservation Manual, eines der ersten Bücher über die bibliothekarischen Konservierungsmethoden. Über diese Arbeit kam sie in Kontakt mit besonders gestaltete Bücher, die sie in ihrer Buchkunst zunehmend inspirierten:
«Diese Erfahrung hat mich auch gelehrt, dass durch wiederholendes Falten immer Potenzial vorhanden ist, neue Strukturen entstehen zu lassen. In meiner kreativen Arbeit experimentiere, wandle, konstruiere und verändere ich mit der Absicht, das Buch als mechanisches Objekt von außergewöhnlicher Vielfalt am Leben zu erhalten.»
Im Laufe ihrer Karriere als leitende Konservatorin der American Philosophical Society in Philadelphia und als Dozentin am Graduate Program for Book Arts and Printmaking der University of Arts hat Hedi Kyle eine ganze Generation von Konservatoren und Buchkünstlerinnen ausgebildet und beraten. Gerade das Unterrichten habe sie immer wieder angeregt, zu experimentieren und eigene Ideen voranzutreiben. So waren die alten Bücher sowie die Studentinnen und Studenten ihre grösste Inspirationsquelle.
Ihre Tochter Ulla Warchol verbrachte bereits als Kind viel Zeit im Atelier der Mutter. Die Fähigkeit ihrer Mutter etwas auseinander zunehmen und auf eine neue Art und Weise wieder zusammenzusetzen, hat Ulla Warchol nachhaltig beeinflusst:
Wenn man sich ein Objekt ansieht – ob es sich um ein Möbelstück, ein Kleidungsstück oder ein Gebäude handelt – stellt sich immer die Frage: Wie wurde das gemacht und: Wie würde ich es machen?
Diese Fragen beschäftigen Ulla Warchol auch als Architektin. Sie entwickelte einen multidisziplinären Ansatz für die Gestaltung von Gebäuden und experimentiert in ihren Arbeiten mit verschiedenen Materialien und Techniken.
Das Experimentieren, Innovativ-bleiben und Weiterdenken liegt den beiden Frauen also im Blut. So sehen sie ihr Buch «In Falten gelegt» und die darin gezeigten Projekte als Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Der Fantasie und dem Erfindungsgeist sind beim Papierfalten also keine Grenzen gesetzt.
Die Informationen stammen aus dem Buch «In Falten gelegt» sowie von der Website von Hedi Kyle und Ulla Warchol.