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Der Standort Genf des Pharma- und Chemiekonzerns Merck Serono wird geschlossen. Das Management hält an seinem im April angekündigten Entscheid fest, wie das Unternehmen mitteilte. Merck Serono habe keine Vorschläge der Mitarbeiter berücksichtigen können, die sich auf den Erhalt des Standortes in Genf bezogen, hiess es.
Das Unternehmen habe entschieden, dass sich diese Vorschläge nicht mit Absicht vereinbaren liessen, Doppelfunktionen abzubauen, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, schreibt das Unternehmen.
Verwaltungsratspräsident François Naef hingegen war um Optimismus bemüht: Er stellt sich nicht gegen den Vorschlag der Mitarbeitenden, in Genf einen Biotechnologie-Clusters aufzubauen. Dieser Vorschlag könne helfen, für einen Teil des Personals neue Arbeitsplätze zu beschaffen, sagte er.
Naef lehnte hingegen eine Aufstockung des Fonds ab, den Merck Serono für die Gründung neuer Unternehmen zur Verfügung stellt. Der vorgesehene Fonds über 30 Millionen Euro genüge, um die bisher von den Mitarbeitern vorgestellten Projekte aufzubauen, sagte Naef gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Task Force hatte mehr Geld für den Fonds gefordert.
«Können darüber diskutieren»
Die Führung von Merck Serono hatte sich bisher geweigert, sich an den Arbeiten der Task Force zu beteiligen, die nach der angekündigten Schliessung des Genfer Standortes eingesetzt worden war. Man bevorzuge bilaterale Gespräche, sagte Naef.
«Wir haben bilaterale Diskussionen mit den meisten Akteuren geführt, die in der Task Force vertreten sind. Das schien uns bei der Suche nach Lösungen nützlicher», erklärte Naef.
Sofern die Task Force Vorschläge hervorbringe, die in den Rahmen des 30-Millionen-Euro-Plans zur Gründung von Unternehmen passen, «können wir darüber diskutieren», sagte Naef weiter. In der Task Force vertreten sind unter anderen die Genfer Regierung, das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), die Kommission für Technologie und Innovation sowie die Angestellten von Merck Serono.
Mitarbeitenden sollen bis Ende Juli informiert werden
Allerdings gebe es Verbesserungen beim Sozialplan. So wurde beispielsweise das Vorruhestandsalter von 58 auf 56 gesenkt. Merck Serono biete den Mitarbeitern zudem Unterstützung bei der Gründung von neuen Unternehmen an. Auch würden Gespräche über Beschäftigungsmöglichkeiten für betroffene Mitarbeiter fortgesetzt.
Die Mitarbeitenden sollen bis Ende Juli über ihre persönliche Situation informiert werden. Der Standort Genf soll bis Mitte des Jahres 2013 geschlossen werden, der Standort Coinsins (VD) Ende 2014.
Merck Serono mit Hauptsitz im deutschen Darmstadt hatte im April angekündigt, von den 1250 Stellen in Genf 500 zu streichen und 750 nach Darmstadt, Boston und Peking zu verlagern. Zudem sollen im Kanton Waadt 80 Stellen abgebaut werden. Das Personal hatte dann drei Vorschläge ausgearbeitet, um einen Teil der Stellen in Genf zu erhalten.
«Die Leute sind sehr wütend»
Die Gewerkschaft Unia stellt derweil eine aufgebrachte Stimmung unter den Angestellten fest. Sie kündigte an, für den Erhalt der Arbeitsplätze und einen verbesserten Sozialplan zu kämpfen.
«Wir alle sind wütend über den Entscheid der Konzernleitung nach zwei Monaten mit Protesten und Verhandlungen», sagte der Regionalsekretär der Unia, Alessandro Pelizzari, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.
Man sei erstaunt, dass das Management nicht auf seinen Entscheid zurückgekommen sei, erklärte Pelizzari. «Noch erstaunter sind wir aber über die Weigerung der Konzernleitung, den Sozialplan signifikant zu verbessern.»
Die Unia werde nun ihre Bemühungen im Rahmen der Task Force fortsetzen, die Arbeitsplätze am Standort Genf zu erhalten, kündigte Pelizzari an. Auch das Kapitel Sozialplan sei noch nicht geschlossen.
«Die Leute sind sehr wütend. Kampfmassnahmen wie Streiktage werden an der Personalversammlung diskutiert werden», sagte der Gewerkschafter. An der Versammlung vom späteren Dienstagnachmittag werden die Angestellten über das weitere Vorgehen und einen allfälligen Streik am Mittwoch entscheiden.
(tno/chb/sda)