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Finanzkompetenz kann effektiv über finanzielle Grundbildung verbessert werden. Eine neue Studie zeigt, dass finanzielle Grundbildung noch wirksamer ist, wenn in der finanziellen Grundbildung auch übliche Verhaltensfehler im Zusammenhang mit Finanzkompetenz thematisiert werden.
Der Zusammenhang zwischen geringer Finanzkompetenz und negativen Folgen wie Überschuldung oder eine tiefen Sparquote fürs Alter ist inzwischen gut dokumentiert. Eine Verbesserung der Finanzkompetenz ist daher wünschenswert und – wie viele Studien zum Thema gezeigt haben – über finanzielle Grundbildung auch effektiv möglich.
Reduktion von Verhaltensfehlern als zusätzliches Instrument der finanziellen Grundbildung
Basierend auf diesen Ergebnissen untersuchen zwei Forscher der belgischen Universität KU Leuven, Francisco Pitthan und Kristof de Witte, ob finanzielle Grundbildung noch effektiver gestaltet werden kann durch die Einbindung von Informationen zu sogenannten «behavioral biases» – zu Deutsch: Verhaltensfehlern.
Die Forscher argumentieren, dass Verhaltensfehler im Bereich der Kurzsichtigkeit (Myopia), wie z.B. das konstante Unterschätzen von Risiken in der Zukunft oder das Vernachlässigen von langen Zeithorizonten, mit tiefer Finanzkompetenz verbunden sind.
Sie stellen daher die Hypothese auf, dass die Reduktion solcher Verhaltensfehler auch die Finanzkompetenz verbessern sollte.
Der Test mit Hilfe einer randomisierten kontrollierten Studie
Um dies zu testen führen die Forscher eine randomisierte kontrollierte Studie an 42 belgischen Sekundarschulen durch. Sie nutzen ein computergestütztes Spiel, um Schüler:innen verschiedene Konzepte im Zusammenhang mit finanzieller Grundbildung, aber auch mit Verhaltensfehlern im Bereich der Kurzsichtigkeit, zu vermitteln.
Randomisiert kontrollierte Studien sind der Goldstandard in der Forschung, wenn es darum geht, herauszufinden, ob eine bestimmte Intervention oder ein Medikament effektiv ist. Dazu werden die rekrutierten Teilnehmenden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe – die Versuchsgruppe – nimmt an der Intervention teil, die andere – die Kontrollgruppe – nimmt nicht daran teil.
Ein Beispiel: Eine zufällig ausgewählte Gruppe von Schulen führt Kurse zur finanziellen Grundbildung ein (Versuchsgruppe), während Schulen in der ebenfalls zufällig ausgewählten Kontrollgruppe keine solchen Kurse durchführen.
Nach einer gewissen Zeit werden die beiden Gruppen miteinander verglichen. Sind die festgestellten Unterschiede genügend gross – ist z.B. die Finanzkompetenz in der Versuchsgruppe deutlich höher als in der Kontrollgruppe–, dann kann man daraus den Schluss ziehen, dass die Intervention eine Wirkung hat.
Für diese Schlussfolgerung ist entscheidend, dass die Teilnehmenden wirklich zufällig in Versuchs- und Kontrollgruppe eingeteilt wurden. Die zufällige Einteilung stellt nämlich sicher, dass sich die beiden Gruppen in allen möglichen Bereichen sehr ähnlich sind. Damit kann man ausschliessen, dass andere Faktoren die Intervention beeinflussen.
Grundbildung, die Verhaltensfehler berücksichtigt, zeigt positive Ergebnisse
Ihre Ergebnisse bestätigen einerseits die Erkenntnisse aus früheren Studien: Finanzielle Grundbildung hat einen positiven Effekt auf Finanzkompetenz. Darüber hinaus zeigen die Autoren aber auch, dass der Effekt auf die Finanzkompetenz noch grösser ist, wenn die finanzielle Grundbildung auch Verhaltensfehler im Bereich der Kurzsichtigkeit thematisiert. Insbesondere die zusätzlichen Informationen zu Verhaltensfehlern im Zusammenhang mit dem Vernachlässigen von langen Zeithorizonten führten im Experiment zu deutlich grösseren positiven Effekten auf die Finanzkompetenz.
Fazit
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass herkömmliche finanzielle Grundbildung durch das Einbinden von Information zu Verhaltensfehlern noch wirksamer gestaltet werden kann.
Mehr Eigenverantwortung bei der Altersvorsorge, immer kompliziertere Finanzprodukte, verbreiterter Zugang zu Krediten – gute Finanzkompetenz wird im heutigen Umfeld immer wichtiger. Eine neue Meta-Studie zeigt, dass finanzielle Grundbildung sehr erfolgreich darin ist, das dazu notwendige Finanzwissen zu erhöhen und Finanzentscheidungen zu verbessern.
Finanzkompetenz ist von grosser Bedeutung. Doch wie weit ist sie in der Bevölkerung verbreitet? Inwiefern können Bildungsprogramme die Finanzkompetenz verbessern?
Annamaria Lusardi, eine führende Forscherin auf dem Gebiet, gibt im Interview mit Pierre Weill Antworten auf diese und weitere Fragen.
Das Interview erschien im Januar 2020 in der NZZ am Sonntag. Wir geben es hier auszugsweise wieder.