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«Wir sind geflüchtet, vor einem sogenannten Adolf», so beginnt die 83-jährige Annelies Kranz ihre Lebensgeschichte. Die Tochter eines Komikers und einer Sängerin kam als acht Monate altes Kind aus Bayern nach Vaduz. Dort habe sie fast die ganze Schulzeit verbracht.
Ich wurde strafversetzt, weil ich in der Sekundarschule ein Techtelmechtel mit einem älteren Jungen hatte.
In der Oberstufe verliebte sich Annelies Kranz. «Ich hatte ein Techtelmechtel», verrät sie flüsternd. Das habe dem Vater gar nicht gefallen. Deshalb habe sie das letzte Schuljahr in Rorschach im «Stella Maris» bei Menzinger Schwestern verbringen müssen.
Annelies Kranz kämpfte anschliessend darum, die Kantonsschule besuchen zu dürfen.
Frohes Studentinnenleben in Fribourg
Das Studium hat Annelies Kranz in Fribourg absolviert. «Es war die schönste Zeit in meinem Leben», schwärmt sie. Die Praktikas als Lehrerin seien das Beste überhaupt gewesen, auch wenn es vorallem mit den Freiburgern im Sensebezirk Sprachbarrieren gab.
Die Schüler haben mich nicht verstanden und ich sie auch nicht.
Der Traum als Primarlehrerin arbeiten zu dürfen platzte, als ihr Vater ihr das Hotel «Vaduzerhof» in Vaduz vermachte. Annelies Kranz wurde von heute auf morgen Hotelière. «Wenn schon, denn schon», dachte sich die junge Frau und eröffnete kurze Zeit später ein weiteres Hotel in Arosa.
Chur als Lebensmittelpunkt
Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte Annelies Kranz in Chur. Dort führte sie ein Restaurant und verkaufte Italienische Spezialitäten, die sie selber herstellte. «Die Leute standen vor unserem Feinkostladen und schauten zu, wie wir Pasta machten», erzählt sie lachend.
Kolumnen im Bündner Tagblatt
Zu dieser Zeit pflegte Annelies Kranz ihre Leidenschaft, das Schreiben. Sie veröffentlichte im Bündner Tagblatt Kolumnen. Diese sind erst vor Kurzem als Buch «Girlanden» veröffentlicht worden. Der Verleger schreibt dazu: «Neunundreissig brilliant pointierte Einsichten zu dem, was wir wirklich bekommen, wenn wir eigentlich gerade wieder einmal etwas ganz anderes vom Leben erwarten.»
«Girlanden» - ihr Buch
Als ihr das Lokal in Chur gekündet wurde zog Annelies Kranz zu ihrem Lebenspartner nach Rapperswil. Nur Rumzusitzen war nicht ihr Ding. Sie eröffnete kurz vor der Pensionierung noch ein Stellenvermittlungsbüro für Berufe im Gastgewerbe, das lange florierte.
An den Bodensee gekommen ist Annelies Kranz per Zufall. Eine Freundin habe erzählt, hier wäre es so schön und zudem preiswert zum Wohnen. So hätten sie sich eine Wohnung in Romanshorn gekauft und dort wunderbare Pensionsjahre verbracht.
Heute bewohnt Annelies Kranz im Alterswohnheim in Neukirch (Egnach) am Bodensee ein Zimmer. Ihr Lebenspartener wohnt im Zimmer nebenan. Auf dem Tisch in Annelies Kranz Zimmer stapeln sich Bücher. Auf dem Bürotisch steht ein Computer. «Ich schreibe auch für die Hauszeitung», erklärt die rüstige Rentnerin. Dafür hat sie sich extra noch mit dem Computer angefreundet und bedient diesen souverän.