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Wenn man Blutspendern für jede Spende statt eines Lobs eine symbolische Summe überreicht, nimmt die Zahl der Blutspender ab. Denn die noble, altruistische Geste des Spendens hat sich in mühsame Arbeit für einen Hungerlohn verwandelt. Wenn man hingegen die Anreizsumme zu hoch ansetzt, fordert man Betrüger heraus. Und wer betrügt? «Jedermann», sagt Steven Levitt, «wenn der Ertrag stimmt und das Risiko gering ist, erwischt zu werden.» Betrug ist für Levitt ein hochgradig ökonomischer Vorgang: mehr für weniger zu bekommen.
Mit Erkenntnissen dieser Art hat es Levitt zu beträchtlichem Ansehen, einem Lehrstuhl an der University of Chicago und 2003 zur John-Bates-Clark-Medaille gebracht, die alle zwei Jahre an den besten US-Ökonomen unter vierzig verliehen wird.
Sein spektakulärster Coup war die Entdeckung, dass die Kriminalitätsrate in den USA in den neunziger Jahren zurückging, weil der Oberste Gerichtshof am 22. Januar 1973 die Abtreibung für das ganze Land legalisiert hatte; denn 17 Jahre später «fehlten» unter den Jugendlichen jene, die besonders anfällig für Kriminalität waren. Die Legalisierung hatte es auch werdenden Müttern aus der Unterschicht erlaubt, ihr unerwünschtes Kind abzutreiben.
Levitts Schlussfolgerungen beruhen stets auf rein statistischen Zusammenhängen. So auch, wenn er sich fragt, ob das Verhalten der Eltern für das spätere Wohlergehen der Kinder so wichtig ist. Das Ergebnis: Nein. Wichtig sind die Eltern durch das, was sie sind, aber nicht durch das, was sie tun. Der soziale Status des Elternhauses prägt die Entwicklungschancen der Kinder mehr als deren konkrete Bemühungen. Auch macht es keinen Unterschied, ob ein Kind in einer intakten Familie aufwächst oder mit einem allein erziehenden Elternteil, ob junge Mütter berufstätig sind oder nicht.
Wenn Sie wissen wollen, was Immobilienhändler mit dem Ku-Klux-Klan gemein haben, warum kleine Drogendealer überdurchschnittlich häufig im Hotel Mama leben oder warum bei der Taufe mit der Namensgebung wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden, dann sollten Sie dieses höchst amüsante Buch lesen. Es offenbart mehr handfeste ökonomische Zusammenhänge als eine ganze Bibliothek gelehrter Abhandlungen.
Steven D. Levitt, Stephen J. Dubner: Freakonomics
William Morrow Verlag, New York, 242 Seiten, Fr. 45.–