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Es lebte einmal ein jähzorniger Ritter, der nichts und niemanden fürchtete. Gerne hätte er gewusst, was es mit dem Himmel und der Hölle auf sich hat, doch keine Antwort befriedigte ihn. Als er durch ein Dorf ritt, erzählten ihm die Leute, dass tief im Wald ein weiser Einsiedler lebte. «Diesen werde ich fragen», dachte er bei sich und machte sich auf den beschwerlichen Weg.
Beim alten Weisen angekommen trug der Ritter sein Anliegen vor. Der Eremit schien für den Fragenden keinerlei Interesse zu zeigen und erwiderte verächtlich: «Du bist bloss ein ungehobelter Dummkopf ohne jegliches Benehmen. So einfältig und ungepflegt, wie du daherkommst, werde ich nicht meine Zeit mit dir verschwenden!»
Der Ritter war tief in seiner Ehre getroffen. Er wurde rasend vor Wut, zog sein Schwert, hielt es dem Eremiten an die Kehle und schrie ihn an: «Für deine Unverschämtheit werde ich dir den Kopf abschlagen!» Der weise Alte liess sich nicht aus der Ruhe bringen und blickte sein Gegenüber eindringlich an. «Das», sagte er nach einer Weile, «ist die Hölle.»
Die Gelassenheit und Furchtlosigkeit des Alten beeindruckten den Ritter, und er liess sein Schwert sinken. Plötzlich bemerkte er die Güte im Blick des Eremiten, und sein Herz füllte sich mit Mitgefühl und Liebe. Er steckte sein Schwert wieder ein, verbeugte sich tief vor dem Weisen und dankte ihm für diese Einsicht. «Und das», sagte der Einsiedler, «ist der Himmel.»
«Reich Gottes» ist kein Ort, der hier oder dort zu finden wäre. Es ist vielmehr mitten unter uns, wenn wir zur Besinnung kommen, dem Mitgefühl in unseren Herzen Raum geben und danach zu leben beginnen.