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Forschungsprojekt Klimawandel
Forschungsprojekt von Prof. Ansgar Kahmen, Botanik
Ein Kran im Baselbieter Wald soll helfen die Auswirkungen des
Klimawandels zu erforschen
Wälder liefern mit ihren Ökosystemleistungen wie der Holzproduktion und der Kohlenstoffspeicherung, der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser, dem Erhalt von Biodiversität und der Bereitstellung von Naturräumen für die Erholung einen zentralen Beitrag zum Wohlergehen der Bevölkerung. In dieser Hinsicht ist eine der dringlichsten Fragen in der aktuellen Waldforschung, wie Wälder auf Klimaveränderungen reagieren und wie sich der Klimawandel auf Ökosystemleistungen von Wäldern auswirken wird. Insbesondere der im Kontext des Klimawandels prognostizierte Rückgang des Niederschlags stellt für mitteleuropäische und Schweizer Laubwälder der gemässigten Zone eine grosse Herausforderung dar. Neueste Studien schätzen, dass die Sommerniederschläge im Nordosten und Westen der Schweiz bis zum Jahr 2085 um bis zu 20% zurückgehen werden und dass klimatische Extremereignisse, wie zum Beispiel die Hitze- und Dürrewellen im Jahr 2003, 2015 und 2018, häufiger auftreten werden.
Um die Auswirkungen des Klimawandels auf Schweizer Wälder und die von ihnen erbrachtenÖkosystemleistungen vorhersagen und durch gezielte nachhaltige Bewirtschaftungsmassnahmen auffangen zu können, bedarf es eines fundierten ökologischen Wissens, wie mitteleuropäische Waldökosysteme auf den Klimawandel und insbesondere
auf zunehmende Trockenheit reagieren werden. Dieses grundlegende ökologische Wissen fehlt jedoch. So ist es zum Beispiel nicht geklärt, (i) welche einheimischen Baumarten besonders sensibel auf Trockenheit reagieren, (ii) ob ausgewachsene Bäume in der Lage sind, sich mit ihrem Metabolismus an Klimaveränderungen anzupassen, (iii) welche Auswirkungen Trockenheit auf die den Ökosystemleistungen zugrundeliegenden biogeochemischen Kreisläufe im Wald haben (Kohlenstoff-, Stickstoff-, und Wasser-Kreislauf zwischen Atmosphäre-Baum-Boden) und (iv) wie die gesamte Artengemeinschaft im Wald und die biologische Diversität auf verschiedenen trophischen Ebenen auf Trockenheit reagieren werden. Um die oben genannten Wissensdefizite zu beheben, hat die Universität Basel unter meiner Leitung seit 2017 einen neuen Forschungsstandort in einem ausgewachsenen Laub-Nadel-Mischwald aufgebaut. An diesem Standort wird aktuell ein einzigartiges Klimawandelexperiment errichtet, mit dem die Auswirkungen von Trockenheit auf europäische Waldökosysteme über einen Zeitraum von 20 Jahren erforscht werden soll. Im Zentrum des Experiments wurde im Frühjahr 2018 ein Kran installiert, der den Forschenden Zugang zu den Baumkronen gewährleistet. Das Experiment soll eine zentrale Rolle in der europäischen waldökologischen Forschung spielen. Es sollen fundamentale Wissenslücken in der Waldökologie geschlossen und eine wissenschaftliche Grundlage für die nachhaltige Bewirtschaftung von Schweizer Wäldern im Kontext des Klimawandels geschaffen werden.
Um dies zu gewährleisten, soll das beschriebene Projekt als eine Plattform für eine Vielzahl von botanischen, zoologischen, ökologischen und biogeochemischen Untersuchungen dienen. Gleichzeitig soll eine enge Verknüpfung zu angewandten Forschungsgebieten im Bereich der Forstwissenschaften und des Naturschutzes hergestellt werden. In der Schweiz und in Europa ist dieses Vorhaben und die dazugehörige Infrastruktur einzigartig.
Der Fonds zur Förderung von Lehre und Forschung der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel unterstützt das Forschungsprojekt. Insbesondere wurde 2018 mit den Mitteln des Fonds eine Krangondel angeschafft, um den Wissenschaftlern Zugang zu den Baumkronen zu verschaffen. Die Gondel dient jedoch nicht nur der Forschung, sondern wird auch aktiv in der Lehre eingesetzt. Die Basler Studierenden lernen die Faszination der Bäume und Wälder nun nicht mehr nur in den Hörsälen der Universität, sondern auch direkt in den Wipfeln des Baselbieter Waldes kennen.
Prof. Ansgar Kahmen