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Die Berner Gemeinden Thun, Spiez, Steffisburg, Heimberg und Uetendorf erstrecken sich über ein Gebiet von 325 Hektaren. Bisher war die Kooperation und Koordination zwischen den Gemeinden gering. Das Agglomerationsprogramm Thun der ersten Generation enthält jedoch die Massnahme S2, die eine verstärkte Koordination der raumplanerischen Aufgaben zwischen den Agglomerationsgemeinden vorsieht. Mit der Aufnahme im regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK) Thun-Oberland West wurde dieser Auftrag behördenverbindlich. Konkret wurde die Festlegung von regionalen Arbeitsschwerpunkten und die Prüfung der Möglichkeit von innerregionalem Siedlungsflächenausgleich verlangt. Die Umsetzung wurde mit dem Modellvorhaben gestartet. Im Fokus stand die Sicherung von geeigneten Arbeitszonenreserven zur überkommunalen Entwicklung. Es sollte eine koordinierte Strategie von Raumplanung und Standortmarketing für Arbeitszonen in der Agglomeration erarbeitet werden. Ein Augenmerk galt auch dem Erhalt und Schutz von wertvollem Landwirtschaftsland. Getragen wurde das Modellvorhaben dabei von den Gemeinden Thun, Spiez, Steffisburg, Heimberg und Uetendorf, dem Kanton, den Organisationen Wirtschaftsraum Thun und Region Thun-Innertport und dem Bundesamt für Raumentwicklung ARE. Als Folge der Zusammenarbeit haben sich 2011, als erster Schritt in der Umsetzung des Modellvorhabens, der Wirtschaftsraum Thun und die Region Thun-Innertport zum Verein Entwicklungsraum Thun (ERT) zusammengeschlossen.
Potential für Umzonungen eher klein
Vor dem Beginn des von 2008 bis 2011 laufenden Modellvorhabens funktionierten die Raumplanung und das Standortmarketing aller Gemeinden getrennt. Ebenfalls war die Kooperation und Koordination zwischen den Gemeinden bisher nicht stark ausgeprägt und erst mit dem Agglomerationsprogramm und dem RGSK wurden regionale Ansätze erkennbar. Im Rahmen des Modellvorhabens konnte eine Entwicklungsstrategie - mit Fokus auf Umwelttechnologien - sowie eine Bezeichnung regional bedeutsamer Arbeitsplatzgebiete umgesetzt werden. Die Analyse der bestehenden Arbeitszonen hat ergeben, dass das Potential für eine Umlegung von Arbeitsplatzflächen eher gering ist, da kaum grössere, unverbaute Reserven zur Verfügung stehen und die spärlich vorhandenen Flächen in erster Linie lokalen Charakter haben. Aufgrund der fehlenden Reserven rückten Gebiete mit Verdichtungs- und Umstrukturierungspotential wie z.B. der kantonale Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Thun Nord in den Vordergrund. Den Gemeinden soll weiterhin ein beschränktes Entwicklungspotential an lokalen Arbeitsflächen, insbesondere für einheimisches Gewerbe, belassen und die gemeinsame Planung auf die regional bedeutenden Arbeitsplatzgebiete konzentriert werden.
Regional bedeutende Arbeitsplatzzonen eruiert
Die Gemeinden erarbeiteten im März 2010 einen Kriterienkatalog, was regional bedeutende Arbeitsplatzgebiete ausmacht und welche Zonen zum Nutzen der Region speziell gefördert werden sollen. Durch die Einbindung in das regionale Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept RGSK sind diese Zuweisungen behördenverbindlich geworden. An die Gemeinderäte der beteiligten Gemeinden wurden Anträge gestellt, welche die Entwicklung und das Flächenmanagement der regional bedeutenden Arbeitsplatzgebiete betrifft. So sollen die Gemeinden eine Organisation schaffen, die für die Entwicklung, das Management und das Marketing der bezeichneten Flächen verantwortlich ist. Ebenso sollen die Gemeinden darauf verzichten, für den lokalen Gebrauch Flächen auszuscheiden, die grösser als 8000 bis 12 000 Quadratmeter sind. Im Weiteren soll als flankierende Massnahme zum gemeindeübergreifenden Flächenmanagement ein Nutzen-Lastenausgleichssystem geprüft werden. Die Anträge wurden in allen beteiligten Gemeinderäten angenommen. Dadurch wurde eine verbindliche Grundlage für die Umsetzung geschaffen, die in die Zeit nach Abschluss des Modellvorhabens fällt.
Innovative Elemente für die Region Thun
Ein Erfolgsfaktor für das Projekt war der Wille zu einer regionalen Lösung. Durch die aktive Beteiligung von Vertretern der Gemeinderäte konnte ein solides Fundament gebildet werden, auf dem auch schwierige Themen offen behandelt werden konnten. Die Bildung eines regionalen Arbeitszonenpools, die Fusion der regionalen Wirtschaftsförderung und Regionalplanung, die koordinierte Strategie von Raumplanung und Standortmarketing für Arbeitszonen sowie die für später beabsichtigte Ausweitung auf die Wohnnutzung und die übrigen Agglomerationsgemeinden sind für die Region innovativ. Das mit dem Projektabschluss noch nicht eingelöste Versprechen des Nutzen-Lasten-ausgleichs wird mit mehreren Zusatzthemen - überkommunale Abstimmung von Siedlung und Verkehr sowie eine regionale landwirtschaftliche Planung - kompensiert und später am konkreten Fall eingelöst. Der Weg dorthin ist allerdings noch weit. Der Prozess ist jedoch bereits heute schweizweit beispielhaft.