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Bienen gehören zu der Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera), die sich u.a. durch die vier durchsichtigen Flügel und bei den Weibchen durch eine Eiablageröhre am Hinterleibsende auszeichnen. Bei den Stechimmen – zu denen neben den Bienen auch einige Wespengruppen zählen – hat diese Legeröhre ihre Funktion verloren und wurde in einen mit einer Giftdrüse ausgestatteten Wehrstachel umgebildet. Dieser Stachel ist bei den allermeisten Bienen- und Wespenarten aber so schwach ausgebildet, dass er die menschliche Haut nicht durchdringen kann.
Unter ‘Wildbienen’ werden – als Abgrenzung zu der bei uns nur in menschlicher Obhut vorkommenden Honigbiene – alle frei vorkommenden Bienenarten, inklusive der Hummeln zusammengefasst. In ganz Deutschland gibt es ca. 540, in Baden-Württemberg ca. 462 Bienenarten. Viele Wildbienen sehen der Honigbiene nicht allzu ähnlich: Die Behaarung reicht von dicht fellartig bis nahezu fehlend, ihre Größe geht von 3 mm (Steppenbienen) bis zu 28 mm (Holzbienen) und in der Körper- und Haarfärbung herrschen zwar Brauntöne vor, doch gibt es auch tiefschwarze, goldene, feuerrote, gelbgestreifte oder metallisch blaugrüne Bienen.
Der Großteil der Bienen lebt solitär, d. h. ein einzelnes Weibchen versorgt ausschließlich selber die einigen Nachkommen. Einige Bienenarten nutzen auch gemeinsam ein Nest oder haben eine primitiv eusoziale Lebensweise, bei denen die Töchter der Frühjahrsgeneration im Nest bleiben und der Mutter bei der Aufzucht der zweiten Brut mit den Geschlechtstieren helfen. Bei den staatenbildungen Hummeln kommt es zusätzlich zu einer Arbeitsteilung zwischen Königin und Arbeiterinnen. Die Hummelvölker zerfallen dann im Herbst mit dem Auszug der neuen Geschlechtstiere, die als einzige Überwintern. Nur die hoch eusozialen Honigbienen überdauern den Winter als ganzes Volk. Deshalb legen sie auch Honigvorräte als Winternahrung an. Abgesehen von den Hummeln, die einige Honigtöpfe zum Überbrücken von Schlecht-Wetter-Phasen anlegen, machen Wildbienen keinen Honig.
Bei den meisten Wildbienenarten sterben die Flugtiere im Laufe der Vegetationsperiode. Überwintern tut ihre Brut, zumeist als Puppe oder schlupfbereites Vollinsekt. Im kommenden Frühjahr schlüpfen die Tiere zu Beginn ihrer artspezifischen Flugzeit. Da die Flugzeit vieler Arten nur zwei bis drei Monate beträgt und zumeist nur eine Generation pro Jahr auftritt, spricht man je nach jahreszeitlichem Auftreten von Frühjahrs-, Frühsommer- oder Spätsommerarten. Nach dem Schlupf verpaaren sich die Bienen und die Weibchen suchen nach einem geeigneten Nistplatz. Im Nest wird eine Brutzelle angelegt, diese mit Pollen und etwas Nektar gefüllt und abschließend mit einem Ei belegt und dann sofort verschlossen.
In ihrer Nistweise sind die Bienen hochgradig spezialisiert. Die Hälfte aller Arten gräbt Nester im Erdboden, wobei sie jeweils spezifische Ansprüche an das Nistsubstrat (Körnung, Bindigkeit, Vegetationsdichte, Exposition etc.) haben. Auch in der Anlageform der bis zu einen halben Meter tief gelegenen Brutzellen gibt es art- und gattungstypische Unterschiede.
Weitere 14 % der Bienenarten nisten in vorhandenen Hohlräumen, wobei die meisten Arten nur bestimmte Hohlraumtypen annehmen. Dies können z.B. leere Schneckenhäuser, hohle Pflanzenstengel, Pflanzengallen, Felsspalten, Käferfraßgänge im Totholz sein. Andere Bienen nagen sich Nistgänge in morsches Holz oder ins Mark dünner Pflanzenstengel (5 %) und einige mörteln ihre Nester sogar selber aus Lehm an Felsen (1 %). Ein Viertel der Bienenarten baut und versorgt selber keine Nester, sondern legt seine Eier in die Nester anderer Bienen. Diese sog. Kuckucksbienen sind in ihrem Verhalten und Auffinden der Wirtsnester auf eine einzige oder wenige nahe verwandte Wirtsarten spezialisiert.
So ersparen sich diese Parasiten die Nestanlage und das zeitaufwendige Sammeln der Larvennahrung. Da viele Bienen ihre Nester in unmittelbarer Nähe ihres Geburtsortes anlegen, kommt es oftmals zur Bildung von Nestaggregationen auf kleinem Raum. Dort können die Kuckucksbienen dann leicht mehrere Nester gleichzeitig kontrollieren und parasitieren. Dabei werden sie von den Nestbesitzerinnen nur selten gestört, denn ein Pollensammelflug dauert je nach Witterung, Blütenangebot und Bienenart zwischen einigen Minuten und weit über einer Stunde. Da für die Versorgung einer Brutzelle mehrere Pollensammelflüge notwendig sind, kann eine Biene im Normalfall höchstens eine Zelle pro Schön-Wetter-Tag anlegen. Bei schlechtem Wetter kann sich die Fertigstellung einer Zelle über viele Tage hinziehen. Da die Lebenszeit der einzelnen Tiere nur einige Wochen beträgt, können die Bienen maximal 20 Brutzellen anlegen. Bei langanhaltend schlechter Witterung oder geringem Blütenangebot kann sich der Bruterfolg schnell auf 2 – 5 Nachkommen reduzieren. Dies eine der niedrigsten Reproduktionsraten bei Insekten.
Bei der Nektaraufnahme, die primär der Eigenversorgung dient, sind die Bienen recht unspezifisch. Beim Sammeln des eiweißreichen Pollens, der ausschließlich als Larvennahrung dient, sind ca. ein Drittel der Arten auf eine einzige Pflanzengattung als Pollenlieferant spezialisiert (oligolektische Arten). So können sie aufgrund morphologischer Anpassungen und einer perfekten Handhabung eines Blütentypes diesen optimal nutzen. Unspezialisierte Bienen (polylektische Arten) müssen sich bei jedem Blütenanflug neu auf den jeweiligen Blütentyp einstellen. Nicht selten ist im Lebensraum einer oligolektischen Biene nur eine einzige geeignete Pflanzenart vertreten (z.B. Reseda, Echium, Bryonia, Knautia), mit deren Blüte das Auftreten der Spezialisten synchronisiert ist und an denen man dann die entsprechenden Arten ggf. schnell finden kann.
Entsprechend der Abhängigkeit von ihren spezifischen Nistrequisiten und ausreichenden Mengen an geeigneten Trachtpflanzen sind die meisten Bienenarten charakteristisch für bestimmte Lebensraumtypen und fehlen hingegen in vielen anderen.