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Wie wir an einem (un)moralischen Exzess erkranken können
José Brunner, Tel Aviv University
Vortrag am Kolloquium ZGW
Ein starker Schrecken oder ein Überschuss an Angst gelten als Auslöser posttraumatischer Störungen. Diese Gefühle sind nicht besonders moralisch geladen. Doch wenn man die eineinhalb Jahrhundert lange Geschichte posttraumatischer Störungen genauer unter die Lupe nimmt, erkennt man, dass deren Langwierigkeit oft auf einen Überschuss von Emotionen zurückgeführt wird, die entweder stark moralisch geladen sind, wie Ekel, Schuld und Scham, oder als unmoralisch gelten, wie Begehren, Neid und Wut.
Kurzbio:
José Brunner ist Professor Emeritus an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und am Cohn-Institut für die Geschichte und Philosophie der Wissenschaften der Universität Tel Aviv. Er ist Autor von mehr als hundert wissenschaftlichen Publikationen, darunter zwei Monographien, die auf Deutsch vorliegen: Psyche und Macht. Freud politisch lesen (Klett-Cotta, 2001) und Die Politik des Traumas. Gewalterfahrungen und psychisches Leid in den USA, in Deutschland und im Israel / Palästina-Konflikt (Suhrkamp, 2014). Derzeit arbeitet er an einer umfassenden Gesellschaftsgeschichte des Traumas. Im Herbst 2019 ist Brunner Gastprofessor am Zentrum Geschichte des Wissens.