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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXII. (Nr. 36.) An Casulanus
VIII. 18.
„Warum“, so fragt er, „murren wir, daß dem höheren Herrn ein wohlgefälliges Opfer dargebracht wird, da der Geist danach verlangt und ein Engel es lobt?“ Hierbei führt er das Zeugnis des Engels an, der spricht: „Gut ist das Gebet mit Fasten und Almosengeben“1. Warum er sagt „dem höheren Herrn“, verstehe ich nicht, wenn es nicht etwa ein Schreibfehler ist, dessen Verbesserung dir entgangen ist. Unter einem dem Herrn wohlgefälligen Opfer will er also das Fasten verstanden wissen, als ob hier die Rede vom Fasten wäre und nicht vielmehr vom Sabbatfasten. Aber auch der Sonntag wird nicht ohne gottgefällige Opfer zugebracht, obwohl man nicht fastet. Er spürt der Sache weiter nach und bringt neue Zeugnisse bei, die mit der Sache, deren Verteidigung er übernommen hat, gar nichts zu tun haben. „Opfere“, so spricht er, „Gott das Opfer des Lobes“2, und will diese Stelle aus den heiligen Psalmen mit dem behandelten Gegenstand auf eine mir unerfindliche Weise in Verbindung bringen. „Fort also“, so ruft er aus, „mit den Mahlen von Blut und Trunkenheit, bei denen nicht Lobhymnen, die Gott gebühren, sondern auf Anregung des Teufels abscheuliche Lästerungen erschallen!“ O unbedachte Äußerung! Weil man also am Sonntag nicht fastet, so wird dem Herrn an diesem Tage kein Lobopfer dargebracht, sondern man hält ein Trinkgelage, wobei wilde Lästerungen auf Eingebung des Teufels erschallen. Da man dies nicht sagen darf, so möge er begreifen, daß an jener Stelle mit den Worten „Opfere Gott das Opfer des Lobes“ das Fasten nicht gemeint ist. Denn das Fasten wird an gewissen Tagen, vorzüglich an Festen nicht beobachtet, ein Lobopfer aber wird an allen Tagen von der auf dem ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche dargebracht. Sonst wären, was niemand, auch kein Wahnsinniger, geschweige ein Christ zu behaupten wagen würde, jene fünfzig Tage von Ostern bis Pfingsten, an denen nicht gefastet wird, nach seiner Meinung ohne Lobopfer, während doch in vielen Kirchen nur an diesen Tagen, in den meisten aber an allen Tagen Alleluja gesungen wird. Daß dieses Wort aber eine Lobpreisung enthält, weiß jeder Christ, sei er sonst auch noch so unwissend.
1: Tob. 12, 8.
2: Ps. 49, 14.