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«Milchhygiene» als Problem der öffentlichen Gesundheit. Zur Produktion von «gesunder» Milch in der Schweiz ab den 1950er Jahren.
Im Rahmen des gesundheitspolitischen Zieles, die Bevölkerung mit ausreichenden, ernährungswissenschaftlich sinnvollen und “sicheren” Lebensmitteln zu versorgen, wurden der Produktion und dem Konsum von Kuhmilch in der Schweiz im 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle zugesprochen. In den 1950er Jahren kam es vor dem Hintergrund eines neuen Milchregulativs auf Seiten der Ärzteschaft zu erneuten Diskussionen um die “Milchhygiene”, die als ein wichtiges Problem der öffentlichen Gesundheit verstanden wurde. Im Zentrum stand die Frage, wie eine “hygienisch einwandfreie” Milch produziert werden könne - das heisst, wie Milch von Kühen so zu gewinnen, herzustellen und zu behandeln ist, dass sie ohne Gesundheitsrisiko konsumiert werden kann.
Der Beitrag nimmt diese Debatte um Milchhygiene und die damit verbundenen Themen der öffentlichen Gesundheit (Übertragung von Krankheiten, Bakterien in Rohmilch, Rückstände von Antibiotika) als Ausgangspunkt für Überlegungen dazu, wie sich eine Geschichte der Kuhmilch in der Schweiz konzipieren liesse, welche sich für die verschiedenen Praktiken der Herstellung von gesunder Milch und das dafür notwendige Wissen interessiert. In den Blick geraten die konkrete Arbeit von Viehzüchtern und Veterinärmedizinern mit und an den Milchkühen, soziale und technische Praktiken wie zum Beispiel Melktechniken, Tests, und Laborkontrollen sowie die Produktion milchwirtschaftlichen Wissens an der ETH. Das Primat der Leistungssteigerung veränderte diese Praktiken und Wissensbestände in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark und involvierte Akteure verschiedener Disziplinen und Arbeitsbereiche. Der Perspektivenwechsel von der Konsum- auf die Produktionsseite soll auch ermöglichen, Milch als Gesundheitsrisiko und die Politik gesunder Milch jenseits ihrer öffentlichen Verhandlung und Vermarktung zu erforschen.