Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03571.jsonl.gz/1214

Maßstab [* 2] = 1:60.000.
Zum Artikel »London«. ¶
mehr
ihrer Anfahrten 746,6 m lang, und ihre neun Korbbogen haben eine Weite von je 36,5 m. Die Eisenbahngitterbrücke bei Charing Croß nimmt die Stelle einer alten Hängebrücke ein. Auf sie folgt die 1862 von Page vollendete Westminsterbrücke, aus Stein und Eisen [* 4] aufgeführt, 352,6 m lang und 25,9 m breit, mit sieben Bogen, [* 5] deren mittlerer eine Spannweite von 36,5 m hat. Die alte, 1739-50 von einem Schweizer erbaute Brücke, [* 6] die zweite Londons, fiel ihr zum Opfer. Unter den obern Brücken [* 7] ist die Kettenbrücke bei Chelsea, 1857-58 erbaut, wohl die wichtigste. Sie ist 289,9 m lang, und die beiden Öffnungen sind jede 105,8 m weit. Der einst für ein Wunderwerk der Welt gehaltene Themsetunnel wird jetzt von einer Eisenbahn durchfahren; man hat aber einen kleinern Tunnel [* 8] (subway), für Personenverkehr, beim Tower gebaut und arbeitet an einem großen Tunnel, welcher Blackwall mit Greenwich verbinden wird.
[Straßen.]
Von den ungefähr 11,000 Straßen Londons, in einer Gesamtlänge von 3200 km (450 km mit Granit und 85 mit Holz [* 9] gepflastert, 22 asphaltiert und sämtlich mit guten Trottoirs versehen), können nur wenige in architektonischer Beziehung Anspruch auf Schönheit machen. Die Mehrzahl der Häuser ist aus Backsteinen aufgeführt, 2-3 Stockwerke hoch, zwei Fenster breit, ungetüncht und von Rauch geschwärzt. In den Geschäftsstraßen der City jedoch, in den wohlhabenden Stadtteilen des Westend und vielfach in den Vorstädten gestalten sich diese Verhältnisse günstiger, und namentlich in jüngster Zeit sind zahlreiche Bauten erstanden, welche einer jeden Stadt zur Zierde gereichen würden.
Unter sämtlichen Verkehrsadern Londons ist die ausgedehnte Straßenreihe, welche die Bank mit Westminster verbindet, die wichtigste und auch wohl die älteste. Als Cheapside (»Kaufstraße«) erstreckt sie sich von der Bank bis zur Paulskathedrale, nimmt dann den Namen Ludgate Hill an und geht an der Stelle des alten Ludthors in Fleet Street über. Bei Temple Bar, dem einstigen Stadtthor, an dessen Stelle ein Denkmal getreten ist, verlassen wir das Gebiet der City. Der Strand, mit zahlreichen Theatern, Speisewirtschaften und Kaufläden, bringt uns nach dem Trafalgar Square und Charing Croß, von wo die breite, Whitehall genannte und fast ganz von Regierungsgebäuden besetzte Straße nach den Parlamentsgebäuden führt.
Abermals von der Bank ausgehend, bringt uns die neue Queen Victoria [* 10] Street mit ihren stattlichen Geschäftshäusern auf den Themsedamm, der, teilweise mit städtischen Anlagen geziert, sich mit der Zeit zu einem Glanzpunkt Londons entwickeln wird. Die von Bäumen beschattete Northumberland Avenue verbindet den Themsedamm mit Charing Croß. Eine dritte Straßenreihe geht von der Paulskathedrale aus. Sie überschreitet auf hohem Viadukt das Thal [* 11] des ehemaligen Flüßchens Fleet und setzt sich als Holborn und Oxford [* 12] Street bis zum Hyde Park fort.
Unter den andern Straßen, welche von der Bank, dem Mittelpunkt der City, ihren Ausgangspunkt haben, sind zu erwähnen: Moorgate Street mit ihren Verlängerungen, der City Road etc., welche nördlich von Oxford Street nach dem weiten Westen führt;
die in nördlicher Richtung verlaufende Bishopsgate Street, die nach O. führende Whitechapel Road und King William Street,
welche zur
Londonbrücke führt und jenseit derselben sowohl in südlicher als in südöstlicher Richtung ihre Fortsetzung
findet.
Unter den von N. nach S. verlaufenden Straßen ist Regent Street die bedeutendste und überhaupt
eine der schönsten in
London. Sie wurde seit 1813 nach dem Entwurf von Nash nach einheitlichem Plan ausgeführt und verbindet Waterloo
[* 13] Place, wo die Denksäule des Herzogs von York steht, mit dem Regent's Park. Sie durchschneidet Oxford Street sowohl als
Piccadilly, Pall Mall (mit schönen Klubhäusern) und mündet beim Waterloo Place in St. James. Die neuern Straßendurchbrüche
erleichtern zwar den Verkehr, verschönern aber keineswegs die Stadt in dem gehofften Maß.
[Squares, Parke.]
Zahlreiche mit Gartenanlagen versehene Squares gereichen
London zur besondern Zierde. Die Mehrzahl derselben ist
Privateigentum und nur den Umwohnern zugänglich. Einige jedoch, wie der mit einem Denkmal Shakespeares
geschmückte Leicester
[* 14] Square, Soho Square und der bei den Parlamentsgebäuden und der Westminsterabtei gelegene Parlament Square,
stehen dem Publikum offen. Die bereits 1619 vom berühmten Architekten Inigo Jones angelegten Lincoln's Inn Fields, Eaton Square,
der aristokratische Belgrave Square und Russell Square sind die bedeutendsten unter diesen offenen Stellen
im Londoner Häusermeer.
Trafalgar Square hat keinen Baumwuchs, aber Springbrunnen, eine Nelsonsäule und andre Denkmäler. Smithfield (eigentlich Smoothfield,
»ebenes Feld«) in der City ist historisch merkwürdig als alter Turnierplatz und Hinrichtungsstätte. Nächst den Squares sind
es die großen öffentlichen Parke, deren frisches Grün das Auge
[* 15] erquickt, und die teilweise im Innern
der Stadt liegen. Sämtliche 42 Parke und öffentliche Gärten von
London umfassen einen Flächenraum von 1817 Hektar.
Den vornehmsten Rang unter ihnen nimmt die zusammenhängende Reihe des Westend Park ein, welche sich von der Nähe der Charing Croß ununterbrochen bis zur Vorstadt Kensington erstreckt und ein Areal von 319 Hektar hat. Dazu gehören St. James' Park mit der nach einem Ballspiel genannten Allee »The Mall«, Green Park, Hyde Park (157 Hektar) und die mit prächtigem Baumwuchs gezierten Kensington Gardens. Am Hyde Park Corner, wo Green und Hyde Park zusammenstoßen, steht ein Denkmal Wellingtons und im Park selbst, an der Stelle, welche das 1851er Ausstellungsgebäude [* 16] einnahm, ein großartiges Denkmal des Prinzen Albert (Albert Memorial).
Hyde Park ist Sammelplatz der vornehmen Welt, welcher hier in der Rotten Row (Route du roi) eine vorzügliche Reitbahn, in der Ladies' Mile oder dem Ring eine schöne Fahrbahn geboten wird. Regent's Park (191 Hektar) mit dem anstoßenden Primrose Hill Park (28 Hektar) liegt nördlich vom Hyde Park, und in noch größerer Entfernung vom Westend liegen Finsbury Park (47 Hektar), Victoria Park (107 Hektar) und West Ham Park (32 Hektar), letzterer im fernsten Osten. Auf dem südlichen Ufer liegen Battersea Park (101 Hektar), Kennington Park (10 Hektar), Southwark Park (25,5 Hektar) und Greenwich Park (70,3 Hektar).
Kleinere Gartenanlagen findet man in verschiedenen Teilen der Stadt, namentlich auf dem Themsedamm; auch die schönen Temple Gardens stehen dem Publikum zu gewissen Stunden offen. Diesen eigentlichen Parken schließen sich eine stattliche Reihe von Commons (Gemeindeweiden) an, unter welchen Hampstead Heath im N., Clapham Common im SO. und Blackheath (»die schwarze Heide«) bei Greenwich die bedeutendsten sind. In sämtlichen Parken findet man Spiel- und Turnplätze, und auch für das Baden [* 17] sind in einigen unter ihnen Vorrichtungen getroffen. Sie wirken außerdem belehrend durch die in ihnen gepflegten ausländischen, stets mit Namen versehenen Gewächse, und als ¶