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Innerhalb des Themas Gesundheit konzentrieren wir uns auf die Suchtthematik, weil diese im Hinblick auf die Integration von besonderem Interesse ist. Einleitend wollen wir dennoch einige Daten zum allgemeinen Gesundheitszustand der Solothurner Bevölkerung aus dem Jahr 2002 vorstellen.
Insgesamt herrscht ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein. 83% bezeichnen den eigenen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Nach Body Mass Index sind allerdings rund 52% der Männer und 31% der Frauen übergewichtig, 11% der Bevölkerung sind stark übergewichtig. Knapp ein Viertel der Bevölkerung ist stark von Beschwerden wie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen oder Einschlafstörungen betroffen. 5% nehmen ärztliche Hilfe wegen psychischer Probleme in Anspruch. 14% geben an, mindestens einmal pro Woche ein Schmerzmittel einzunehmen, 7% ein Schlaf- oder Beruhigungsmittel.
Sucht ist keineswegs ein Phänomen, das nur bei Personengruppen am Rande der Gesellschaft vorkommt. Wenn der Blick über die illegalen Suchtmittel hinaus erweitert wird, sind Suchtformen in praktisch allen Bevölkerungskreisen verbreitet.
Deutlich wird dies beim Tabak- und Alkoholkonsum: 2002 gibt es im Kanton Solothurn rund 35’000 Raucher/innen, die mehr als 10 Zigaretten pro Tag konsumieren und rund 4’000 Personen konsumieren soviel Alkohol, dass ein hohes Risiko für eine Gesundheitsgefährdung besteht.
Für das Ausmass weiterer Suchtformen gibt es nur wenige Daten, doch eine aktuelle Studie zu den Suchtformen in der Schweiz [vgl. Spinatsch & Hofer 2004] erlaubt Schätzungen für den Kanton Solothurn (auf der Basis des Bevölkerungsanteils von 3.4%).
Nach dieser Berechnung rangiert Fettsucht nach dem Tabakkonsum an zweiter Stelle mit rund 15’500 Betroffenen. Tausende Personen sind auch von der Kaufsucht (9’000), vom Medikamentenmissbrauch (5’700), von der Arbeitssucht (3’800), von der Internetsucht (1’500) oder Spielsucht (1’500) betroffen.
Der geschätzte Konsum von illegalen Suchtmitteln ist deutlich seltener: 3’600 Personen konsumieren mindestens wöchentlich Cannabis, 700 Personen Heroin, 250 Personen Kokain und 50 Personen Ecstasy.
In den 1980er- und 1990er-Jahren hat sich die Suchthilfe in der Schweiz stark auf den Bereich der illegalen Drogen konzentriert. Dies trifft auch auf den Kanton Solothurn zu, welcher mit offenen Drogenszenen in den Städten Solothurn und Olten konfrontiert war. 1993 legte der Kanton mit dem Suchthilfegesetz die Basis für Massnahmen der Prävention, der Beratung und der Schadensminderung.
Heute haben sich die Prioritäten verschoben. Der Heroinkonsum ist zurückgegangen. Am meisten Personen mit Suchtkrankheit und damit verbundene volkswirtschaftliche Kosten verursachen der Tabakkonsum und der Alkoholmissbrauch [für den Alkohol, vgl. Jeanrenaud, Priez, Pellegrini, Chevrou-Séverac & Vitale 2003]. Aus fachlicher Sicht ist deshalb eine Suchthilfe, die sich fast ausschliesslich auf illegale Drogen konzentriert, nicht mehr angezeigt [vgl. Spinatsch & Hofer 2004].
Die Ausrichtung auf die Heroinproblematik bei der Beratung und Therapie von Suchtbetroffenen bedarf einer Korrektur. Die Herausforderung besteht darin, ein breiteres Beratungs- und Hilfsangebot aufzubauen, auch weil viele Personen unter einer Mehrfachsucht leiden [Interview mit Ambros Uchtenhagen, Sozialbericht, Kapitel Gesundheit mit Vertiefung Sucht]. Die Prävention muss vermehrt informieren, wo die Grenzen eines unschädlichen Konsums von Suchtmitteln liegen. Sie muss auf den Zusammenhang zwischen der Dosierung von Stoffen und gesundheitlichen Schädigungen hinweisen.
1992 gehen im Kanton Solothurn 28 Todesfälle auf illegalen Drogenkonsum zurück. Seit 1998 liegt die jährliche Zahl der Drogentoten unter fünf Personen (siehe Abbildung). Grund dafür ist auch der Rückgang des Heroinkonsums. Doch ebenso wichtig sind die Bemühungen um eine Verminderung gesundheitlicher Schäden, zum Beispiel durch die Abgabe von Injektionsmaterial – 2004 sind in den Städten Olten und Solothurn 97’000 Spritzen abgegeben worden – oder durch Substitutionsprogramme mit Methadon und Heroin, an denen 738 Personen teilnehmen.
Auch bei Neuinfektionen mit dem HIV-Virus sind Erfolge sichtbar. Heute spielt der Drogenkonsum eine viel geringere Rolle als am Anfang der 1990er-Jahre: die Zahl der Neuinfektionen durch Drogeninjektionen nahm seither schweizweit bis ins Jahr 2000 deutlich ab.
Dennoch muss die Schadensminderung auch in Zukunft ein Hauptanliegen der Suchthilfe bleiben. Denn die HIV-Infektionen durch Drogeninjektionen nehmen seit 2001 wieder leicht zu (2003: 131 Fälle in der Schweiz) und die Situation bei Infektionen mit Hepatitis C ist gravierend: 70% der Ansteckungen erfolgen durch den intravenösen Drogenkonsum.
Verwendete Literatur:
Spinatsch, Markus; Hofer, Silvia (2004). Eine neue Suchtpolitik für die Schweiz? Grundlagen und Materialien für eine verstärkte Integration der suchtpolitischen Aktivitäten des Bundes. Bericht zuhanden des Bundesamtes für Gesundheit. Bern: Dr. Markus Spinatsch, Beratung für Politik und Verwaltung.
Jeanrenaud, Claude; Priez, France; Pellegrini, Sonia; Chevrou-Séverac, Hélène; Vitale, Sarino (2003). Le coût social de l’abus d’alcool en Suisse. Neuchâtel: Université de Neuchâtel.