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Supercars, jene orgastisch teuren, sinnlos schnellen, aerodynamisch geformten Mittelmotor-Geschosse üben seit jeher einen besonderen Reiz aus. Für viele von uns verfliegt dieser Reiz nach Erreichen der Pubertät. Andere hingegen erliegen ihm ein Leben lang.
Wenn man zu letzterer Gruppe gehört, ist man von Vorteil erstens schwerreich und zweitens ein Playboy. Dies, weil ein solches Ding im Kauf und Unterhalt ungemein teuer ist, und man jeden «Meine Maybach Sonderanfertigung hat mich drei Zilliarden Franken gekostet!»-Spruch mit «Okay, machen wir ein Rennen?» kontern und danach schelmisch zur weiblichen Begleitung schielen kann.
Manche werden argumentieren, dass nichts «Ich habe den kleinsten Penis der Welt!» deutlicher aussagt, als mit einem Lamborghini Gallardo vorzufahren. Aber verkümmerte Geschlechtsteile sind eigentlich nicht das Thema.
Nein, das Thema ergibt sich aus der Tatsache, dass es seit der Geburt der Supercar-Klasse mit dem Lamborghini Miura anno 1966 offenbar immer wieder genügend vermögende Playboys gab, welche die Damenwelt mit einem fahrbaren Untersatz zu beeindrucken versuchten. Genug, um den Entwicklern von Ferrari, Aston Martin und Co. einen Business Case zu geben. Genug, dass einige gewiefte Entrepreneure auf den Zug aufsprangen und die Welt mit noch exotischeren, noch schnelleren Supercars als Lambo und Co. versorgten.
Letztere gingen fast allesamt pleite.
Für jeden Ferrari gibt es mindestens zehn bankrotte Firmen, die versuchten, Ferrari zu sein. Weshalb? Vermutlich, weil diese Firmen ebenfalls von vermögenden Playboys gegründet wurden, welche die Damenwelt ... okay, wir verallgemeinern. Aber richten wir doch unsere Aufmerksamkeit nun auf ein paar Beispiele grossartiger, leider untergegangener Supercar-Marken. Sehen und staunen Sie!
Über den Cizeta-Moroder muss man zwei Sachen wissen: Er hatte einen V16-Motor und vier (4!) aufklappbare Scheinwerfer. Eine Trumpfkarte in jeder Quartett-Meisterschaft! Ausserdem wichtig: Er entstand als Joint Venture zwischen Ingenieur Claudio Zampoli und Musikproduzent Giorgio Moroder. Ja. Der Giorgio Moroder, der Donna Summer produzierte. Alle mitsingen! Los!
Leider hatte die automobile Ambition Moroders eine kürzere Lebensdauer als die Karriere von Frau Summer - Cizeta musste nach nur vier Jahren 1995 Konkurs anmelden.
Der amerikanische Rennfahrer Carroll Shelby machte es in den Sechzigerjahren mit englischen Sportwagen vor: Man nehme einen grossen amerikanischen V8 und montiere ihn in ein handliches europäisches Chassis.
Anfangs der Siebziger machte der Argentinier Alejandro de Tomaso dasselbe mit italienischen Mittelmotor-Supercars. Legendär ist der Pantera, der von 1971 bis 1992 produziert wurde. Seither wurde die Firma hundertmal verkauft, aufgelöst und wieder aufgekauft. Der letzte bekannte Besitzer der Firma präsentierte 2011 einen neuen Prototypen (eine furchtbar langweilige Limousine) und wurde danach wegen Veruntreuung von EU-Subventionen verhaftet.
Der deutsche Hersteller verursachte erheblichen Aufruhr, als er 2004 mit dem Apollo auf den Markt drängte. Dies vor allem, weil seine Autos unglaublich schnell und zugleich unglaublich hässlich waren. Zudem wirkt der Satz «Hey Baby, soll ich dir mein Gumpert Apollo zeigen?» entschieden unsexy. Egal – die Fahrleistungen waren exorbitant.
Auf der Top Gear-Teststrecke hielt der Apollo ein Jahr lang den Streckenrekord, bis er vom Bugatti Veyron Super Sport um drei Hundertstel geschlagen wurde. 2013 stieg einer der Investoren aus dem Projekt aus und die Firma Gumpert war nicht mehr.
Streng genommen ist der DeLorean DMC-12 kein Supercar, denn der 2.8-Liter Renault-Motor, der gerade mal 150 PS lieferte, machten aus dem eleganten Gefährt mit Flügeltüren keine Rakete. Doch als Design-Ikone und Filmheld (Ist «Back to the Future» nicht der Beste Film aller Zeiten?) sucht er seinesgleichen. Konstrukteur John DeLorean setzte Herzblut ein, um sein Projekt über Wasser zu halten. Doch die Idee, mittels eines Drogendeals das nötige Kleingeld dafür zu beschaffen, war reichlich doof. DeLorean landete im Knast, die Firma beim Konkursrichter.
Happy End? Die Firma DMC Texas hat alle übriggebliebenen Fahrzeugkomponenten der Achtizigerjahre-Autos aufgekauft und baut nun komplett neukonstruierte und mechanisch modernisierte Autos. Und mit richtig satten 450-PS-Cadillac-Motoren. Auch eine Elektroversion soll es nun geben. Yay!
Vector Twin Turbo! Der Stolz von Ronald Reagans Amerika! Die Fertigung entsprach Luftfahrt-Standards. Die Autos sahen aus wie Türstopper. Der Doppelturbolader-Motor lieferte 1200 PS. Und Vector konnte keine der geäusserten Lieferversprechen halten. So um die 17 Stück wurden gebaut. Schlussendlich wurde die Firma von Lamborghini aufgekauft, weshalb das nächste Modell im Wesentlichen ein Diablo mit anderer Karosserie war. Mitte der Nuller-Jahre tauchte Vector wieder mit einem Wahnsinns-Versprechen auf: Der Veyron hat 1001 PS? Pah, wir haben 2000 PS! Ein «taktischer Düsenjäger für die Strasse» soll das neuste Modell sein. Auf der Homepage funktionieren keine der Links.
Der erste japanische Supercar, Jahrgang 1978. Er sah aus wie etwas aus Star Trek und hatte ... einen Datsun-Sechszylinder mit 150 PS. Leider bekam das Gefährt keine Strassenzulassung, weshalb Dome alles auf Spielzeugversionen setzte, mit deren Erlös sie Kapital sammelte, um in den Rennsport einzusteigen. Dies nicht ohne Erfolg. Dome war es, die Toyota in den Achtzigern fit für Le Mans machte.
Giotto Bizzarrini war einer von Ferraris Top-Ingenieuren. Er war es, der den ersten Lamborghini-V12 entwickelte. Danach beschloss er, selbst mal das Ruder in die Hand zu nehmen. Seine Autos mit grossen Corvette-V8-Motoren waren schnell auf der Strasse, aber nicht schnell genug auf der Rennstrecke. Ohne Rennerfolge wollte niemand seine Autos kaufen. Anfangs der Siebziger langte es noch für ein paar bizarre Konzeptautos (inklusive jenem, das wie ein Gürteltier aussah), bis die Marke klammheimlich verschwand.
Wiesmann punktete mit einem grossartigen Konzept: englisches Vintage-Styling mit deutscher Gründlichkeit und Zuverlässigkeit. Mit BMW-Komponenten gebaut, war der GT MF4 Clubsport ebenso schnell wie schön. Im Sommer 2013 meldete Wiesmann Konkurs an. Deutschland hat dadurch leider etwas von seiner ohnehin spärlich gesäten Exzentrik verloren.
Einen Preis für alle, die den Aixam-Mega kennen! Niemand? Schade, denn der Mega Track des französischen Konstrukteurs hatte das Zeug, das böseste Crossover-Auto aller Zeiten zu werden: 394 PS von einem V12-Mercedes-Motor, permanenter Vierradantrieb und eine zwischen 20 und 35-Zentimeter verstellbare Bodenfreiheit. Leider wollte das niemand Mitte der Neunziger und Aixam konzentrierte sich auf sein Kerngeschäft, Elektro-Nutzfahrzeuge aus Plastik.
Die englische Traditionsmarke TVR hat eine lange Geschichte von sinnlos schnellen, gefährlich übermotorisierten Sportwagen. Gewissermassen die britische Dodge Viper – nur halb so schwer und doppelt so laut. Und dies war wohl auch der Grund, weshalb TVR nie mit der Supercar-Elite mithalten konnte.
Kein noch so schön gefertigtes Lederinterieur konnte davon ablenken, dass diese Autos schlicht und einfach zu roh, zu wild, zu schnell waren, ja, das, und vielleicht auch die späteren Karosserie-Designs, die laut Jeremy Clarkson von «einem Wahnsinnigen und einem Mann mit einer Axt» entworfen wurden. Anfangs der Nuller-Jahre ging der Firma das Geld aus. Seither wurde sie von einem russischen Oligarchen wieder ins Leben gerufen ... und wieder fallen gelassen. Schade. Was für ein Auto!