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Mariella Mehr, 1947 in Zürich geboren, wird als jenisches Kind früh von ihrer Mutter getrennt und wächst als Opfer des sogenannten «Hilfswerks für die Kinder der Landstrasse» in Heimen, bei Pflegeeltern und in Erziehungsanstalten auf. Mehr erlebt ab ihren ersten Lebensjahren Misshandlungen, sexuelle Übergriffe und gynäkologische Zwangsuntersuchungen.
Mariella Mehr hat keine Ausbildung genossen, sie hat weder eine Lehre gemacht noch eine Universität besucht. Wissen und das Handwerk des Schreibens hat sie sich selbst durch exzessives Lesen beigebracht. Mehrs Texte werden im Magazin des Tagesanzeigers, in der Tat und in der Wochenzeitung WoZ veröffentlicht. Ihr erster Roman steinzeit erscheint 1981. In den nächsten Jahren folgen Gedichte und weitere Romane. Mit dem Theaterstück Kinder der Landstrasse zeigt sie eine performative Aufarbeitung ihrer Lebens- und Leidensgeschichte.
1986 fordert sie während einer Pressekonferenz der Pro Juventute vom damaligen Stiftungsratspräsidenten und Alt Bundesrat Rudolf Friedrich eine öffentliche Entschuldigung für die Machenschaften des «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse». Mehr legt mit dieser Aktion einen wichtigen Grundstein für die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels. Sie gilt als eine der wichtigsten Kritikerinnen der Pro Juventute und als Kämpferin für die Emanzipation und die Rechte der Jenischen.
1998 kann sie den Ehrendoktortitel der Universität Basel in Empfang nehmen. Für ihr Werk erhält sie zahlreiche Werkbeiträge und Literaturpreise von diversen Stiftungen und Städte. 2005 wird sie zu einem Aufenthalt als Writer-in-Recidence am Oberlin College in Oberlin Ohio, USA eingeladen.
Nachdem Mehr lange Zeit in der Toskana gelebt hat, wohnt sie seit Herbst 2013 wieder in der Schweiz und schreibt an neuen Werken.
www.mariellamehr.com
Mariella Mehr liest, eine Veranstaltung organisiert von lux&ludus
ONO Bern, 10. Januar 2015
2014 erhielt Mariella Mehr das «Weiterschreiben»-Stipendium der Stadt Bern. Am Samstag, 10. Januar 2015, war Mehr in einer Literaturveranstaltung im ONO in Bern zu Gast. Mehr las u.a. aus Daskind (1995) und Brandzauber (1998), den ersten zwei Bänden aus ihrer Trilogie über weibliche Gewalt. Im Anschluss führte Autorin Melinda Nadj Abonji ein Künstlerinnengespräch mit Mariella Mehr. Melinda Nadj Abonji ist eine ausgesprochene Kennerin von Mehrs Werk. Auf ihre Initiative wurde Angeklagt 2014 von SRF und dem Verlag Der Gesunde Menschenversand als Hörbuch produziert.
Melinda Nadj Abonji, 1968 geboren, stammt aus Becsej, Vojvodina. 1973 kam sie mit ihren Eltern in die Schweiz. Einer breiten Leserschaft ist sie durch Tauben fliegen (2010) auf bekannt. Der Roman wurde mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis 2010 ausgezeichnet. Nadj Abonji ist nicht nur Dichterin, sondern auch Musikerin und Textperformerin. Sie steht an Performances oft als Spoken Word Artist und Geigerin auf der Bühne, beispielsweise zusammen mit dem Rap-Lyriker und Beat Boxer Jurczok 1001. Nadj Abonji hatte zahlreiche Auftritte, etwa bei den Solothurner Literaturtagen, am Internationalen Literaturfestival in Berlin, am Literaturfestival Leukerbad und im Theater La Fourmi Luzern.
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