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Was machen wir, wenn wir morgen aufstehen und Kopfschmerzen spüren, weil wir heute Nacht viel Sekt, Rotwein oder Grappa getrunken haben? Pu Er Tee könnte unsere Sorgen lindern.
Nach chinesischer Medizin fördert der Pu Er die Verdauung, denn er stimuliert die Zusammenarbeit zwischen Magen und Milz. Das fördert den Kreislauf der Flüssigkeiten und hilft die übermäßige der Körperfeuchtigkeit zu entwässern. Damit könnte Giftstoff besser aus dem Körper transportiert werden. Durch die angeregte Harnbildung (diuretische Wirkung) könnte Gifte durch die Nieren schneller ausgeschieden werden.
In Taiwan wird Pu Er nach einer Fest vor dem Abfahrt ausgeschenkt, damit die Gäste noch unter dem Promille rauskommen…
Formosa 台灣 produziert Oolong Tee seit mind. 150 Jahren. Die ersten 120 Jahren wurde der Tee ausschließlich für Export bestimmt. Die Taiwanese hatten keine Chance ihren eigenen Tee zu kosten. Es war eine Zeit der Kolonialismus. Die letzten 20 Jahren verschwand der Formosa Oolong aufgrund des hohen Produktionskostens immer mehr von dem internationalen Markt, während die Insel und Inselbewohner eine steile Karriere mit Elektronik in der Globalisierung machten. Nun werden dem Inselbewohner nicht mehr den Geschmack des Formosa Oolongs vorenthalten und der Formosa Tee spielt auch nicht mehr eine wichtige Rolle in dem Welthandel.
Im 17. Jahrhundert wurde Formosa Tea bereits von Holländer nach Persien vermarktet. Damals war noch kein Oolong, sondern eine Art von wildem Tee. 1869 wurde der Formosa Oolong endlich in den Welthandel eingeführt – durch den umstrittenen englischen Händer John Dodd, der auch Opium an Chinesen verkaufte – direkt in die neue Welt. Dort wurde Formosa Oolong weltberühmt.
Nach dem Opiumkrieg (1895) wurde Taiwan japanisch. Meine Großeltern waren die besten Augenzeugen dieser Epoche. Sie sprachen Japanisch und gaben ihren Kindern japanischen Namen. In dieser Zeit wurde Taiwan hauptsächlich als Anbaugebiet für Schwarztee (Hong Cha), weil Japaner den Oolongtee als einen Konkurrent zu ihrem Sencha betrachteten.
Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm der im Bürgerkrieg gegen Kommunisten verlorene General Jian Jieshi 蒋介石 die Macht von Japanern. Nun wurde Formosa Schwarztee wieder Formosa Oolongtee. In den 50er und 60er Jahren war Taiwan eigentlich noch bekannt für Grüntee wie z. B. Ganpowder, Sencha und Lungjing etc. Der Bauchladen des taiwanesischen Teehändlers boten das an, was der Weltmarkt brauchte. Flexibel, einfallsreich und blitzschnell. Als der Exportmarkt in Taiwan zusammenbrach, überlebten nur die kleinen Teebauer, die von dem Export-Boom nicht profitierten und ihrer Tradition treu geblieben sind.
Bis zu dieser Epoche wurde der Formosa Tea hauptsächlich für Export und Devisen bestimmt. Der Geschmack des Formosa Teas war privilegiert.
Fancy Oolong ist das Produkt dieser Export-Geschichte.
Werbungen von Formosa Oolong in der japanischen Herrschaft-Periode (1895-1945)
Was für Tee passt zum Festessen? Man fragte mich häufig in letzen Tagen. Ich frage oft zurück, wann findet die Fest statt? Bist Du eher ein Typ, der friert oder Hitze im Körper spürt?
Diese Frage gleicht wie die Frage “ ist Grüntee gesund?“ Grüntee ist gesund, wenn er in richtiger Zeit und von einem richtigen Typ getrunken wird.
Wenn die Fest mittags stattfindet, möchte man vielleicht noch nach dem Essen etwas unternehmen. Es wäre natürlich erfrischend, einen Tasse Grüntee zu servieren. Wenn die Fest am Abend ist und Gäste entspannt nach Hause gehen möchte, wäre es abzuraten, einen Grüntee anzubeiten, ausser man möchte eine Nachtwanderung veranstalten! Wenn Du ein Typ bist, der eher Wärme bräuchte, wäre es abzuraten, häufig Grüntee im Winter zu nehmen. Ein Grüntee, der den Geist erfrischt, kühlt den Körper ab.
Es gibt keine Dogma im Tee. Es gibt keine pauschale Aussage. Jeder Mensch ist ein kleiner Kosmos und jedes Kosmos ist integriert in dem grossen Kosmos. Wenn draußen kalt und feucht ist, suchen wir Wärme und Licht. Wenn es heiß und sonnig ist, bevorzugen wir Kühle und Schatten.
Im Winter, wenn es neblich und grau ist, wäre ein duftender Jasmintee für die Seele. Kein Wunder, dass Jasmintee in China ein traditionelles Anti-Depressionsmittel ist. Morgens wenn man aufsteht, möchte man mit Energie aufgeladen werden – ein Dian Hong und Pu Er wäre die beste Energieboombe. Es gibt keinen Tee für jede Zeit und jeden Mensch. Jeder ist anders. Wichtig ist zu wissen, wer wir selbst sind und was uns gut tut. Nicht die Experte wissen, was wir brauchen, sondern unser Körper.
Zurück zum Festessen: ein Oolong wäre ein idealer Tee nach dem üppigen Festessen. Er fördert die Verdauung und regt Stoffwechsel an. Er wirkt sich neutral im unser System aus: kühlt uns weder ab, noch heizt uns an. Nach dem Alkohl Konsum wäre ein guter Pu Er sehr zu empfehlen, weil er dem Leber hilft, Gifte abzubauen.
Für Menschen, die im festlichen Familiesstress stecken und mit dem grauen Winter nicht klar kommen, kann ich nur Jasmintee empfehlen. Er tröstet.
Dian Hong
Leise rieselt der Schnee. Detlef, Ingrid und ich wollten unbedingt noch im alten Jahr zum Tee treffen. Im einsamen Dorf Bodman trafen wir uns heute morgens. Im schlichten Teeraum hing eine Schriftrolle von einem chinesischen Gedicht:
Jedes Jahr blühen ähnliche Blumen zu ähnlicher Zeit und am ähnlichen Ort,
年年岁岁花相似
während sich die Gesichter der Menschen jedes Jahr zu ähnlicher Zeit am ähnlichen Ort wechseln.
岁岁年年人不同
Letztes Jahr zu gleicher Zeit rieselte der Schnee ebenfalls wie heute. Detlef litt unter Nierenkolik, als wir uns zum Tee verabredeten. Heute kamen zusätzlich drei neue Gesichter aus Zürich und wir teilten gemeinsam eine Schale Tee.
Zuerst wurde Holzkohle-Zeremonie gemacht. Dann wurde einen dicken Tee geschlagen. Die Atmosphäre war konzentriert und wir schwiegen. Nur der Kessel summte. Und draußen rieselte der Schnee. Der verdickte Tee von leuchtendem Grün und die rot glühenden Holzkohle geben einen schroffen Kontrast zu der weißen Landschaft.
Besucher aus Zürich wollten im Tageslicht heimfahren und fürchteten vor von Schnee erschwerter Straße. Nach ihrem Aufbruch tranken wir noch zu dritt einen Usucha (einen dünnen Tee). Ingrid konnte sich nicht mehr vor Kommunikationsdrang verkneifen. Wir fingen an zu schwatzen. Der Teeraum wurde heiter und Detlef schüttelte seinen Kopf über die zwei klatschenden Tanten beim Tee.
Leise rieselte der Schnee auch vor Fünfhundertjahren. Als Teemeister Rikyu seine Teefreunde zu seinem Hütte einlud, sollte der Teeparty ohne Pomp und Steifheit gewesen sein. Man traf sich zu einem Tasse Tee, bescheiden und ungezwungen. Es ging um Menschen, Tee und Hier. Er plädierte, hiesiges Alltagsgeschirr zum Teezubehör zu verwandeln statt teuere angesehene Importwaren aus China zu werben. Tee muss seinen eigenen Wurzel in Japan einschlagen statt als eine Projektionsfläche der Sehnsüchte nach Außergewöhnlichem zu dienen. Nach Bemühungen von Rikyu 千利休 wurde der Tee, der einst aus China als Importwaren kam, ein Synonym der japanischen Kultur. Wie ist es mit Europa und Tee?
Usucha im Winter
Tee in Bodman
Heute kam Freundin Karin zu Besuch und wir tranken Pu Er Tee. Wir haben 3 verschiedene Pu Er Tees degustiert:
ein Aufguss von Pu Er aus den 80er Jahren aus Menghai,
ein Aufguss vom Grenzgebiet zwischen China und Vietnam, eine private Kreation von Teehändler Wang aus Taiwan, aus der Ernte von 1990, gepflückt aus wildwachsenden Teebäume und auf Kieferkohle getrocknet
und ein Aufguss von Simao, Ernte 1999, wilder Teebaum
Karin fing gleich an, von ihrer Kindheitserinnerungen zu erzählen. Sie erzählte von Wald, von Chalet und von Holzofen. Sie erzählte von ihren wenigen glücklichen sorgenlosen Momenten ihres Lebens. Sie strahlte, war briliant und sah schön aus.
Wir tranken die Tees und befanden uns plötzlich im Wald. Ja, es duftet nach Kiefer, es duftet nach Tannenspitzen und es duftet nach Erde!
Karin liebt den mit Kieferkohlen beheizten Pu Er. Er schmeckt nach Honig! Er erinnert uns an eine leichte Brise Kampfer-Duft. Herr Wang erzählte mir, dass diese Teebäume in einem Wald mit Kampfer zusammen wachsen. Die Duftnoten vermischen sich in unverwechselbarer Eigenart.
Ich liebe den alten Tee der 80er Jahre. Er sieht hell aus im Vergleich mit dem jungen 1999er. Er schmeckt nicht nach viel. Fast gar nichts – im Vergleich mit dem jungen. Er ist einfach da, einwenig dezent, klar und subtil. Literat und Qigong Meister Deng Shihai sagte, dass ältere Pu Ers nach gar nichts schmecken. Dieser Satz hat mich immer verwirrt. Nach gar nichts, wie denn? Pu Er ist doch stark und dominant. Heute nachmittags glaubte ich es zu verstehen.
Der junge Simao, dominant, wild und stark. Unvergesslich und unverwechselbar. So beeindruckend, dass wir ihn nicht mehr berühren wollten. Wir lassen ihn noch weiter reifen, meinten wir.
Wann treffen wir uns wieder, um diesen drei Pu Ers wieder in ihren weiteren Reifungsprozess zu begegnen? Oder meinen wir uns selbst, in einer Begegnung mit Pu Er widerspiegelt erkannt zu haben?
Teeblüte in Simao
Oft sehe ich Werbungen von Pu Er Tee, vor allem von Reformhaus. Dort wird er oft als ein roter Tee bezeichnet. Was ist eigentlich ein roter Tee? Was verstehen Chinese unter Schwarztee?
Der roter Tee heisst Schwarztee in Europa. In China bezeichnet man einen Tee als ein roter Tee, der 100% fermentiert ist und eine schöne rötliche Farbe und einen goldenen Rand an der Tasse aufweist. Man nennt ihn Schwarztee in Europa, weil die Farbe der trockenen Blätter dunkel aussieht.
Dagegen ist ein Schwarztee in China, einer der lang gelagert ist und dadurch eine dunkle Farbe gewinnt. Also ein Tee, der nachdunkelt. Ein Pu Er, der lang gelagert ist und eine dunkle Farbe aufweist, ist für Chinesen ein Schwarztee. Keineswegs ein roter Tee!!
Zu berühmten chinesischen Schwarztees ausser dem Pu Er zählen noch:
Cangwu Liu Bao Cha 苍梧六堡茶
Xiangjian 湘尖
Anhua Hei Cha 安化黑茶
Dies sind alles Teesorten, die gelagert werden müssen, um ein eigenartiges Aroma zu gewinnen.
Mit Bambusblätter verpackter Pu Er Tee – 7 Stücke
Pu Er Tee aus den 70er Jahren
Pu Er Tee kommt nicht aus der Stadt Pu Er, sondern aus dem Gebirge zwischen China und Vietnam. Ursprünglich, reines Wildnis. Pu Er ist der Ort, wo der Tee gehandelt wird.
Traditionell wird der Pu Er Tee zu verschiedener Formen gespresst. Zwei bekannte Formen in Westen sind Bing Cha – Fladen und Tuo Cha – ein Pilzkopf.
Tuo Cha ist aus der Ernte von Frühling. Sanft, leicht und zart. Bing Cha ist aus der Ernte von Herbst. Tippreich, aromatisch und voll. Bekanntester Anbauort und Fabrikation von Tuo Cha ist aus Xia Guang. Der Tuo Cha könnte oft eine bessere Qualität aufweisen als der Bing Cha. Bekanntester Bing Cha kommt aus Yibang 倚邦- und Yiwu 易武- Gebirge. Auch Menghai勐海, Simao思茅 sind bekannter Anbauort. (Früher war der Handel in der Hand von der chin. Regierung. Nun gibt es genügende private Unternehmer. Das Angebot ist vielfätiger geworden. Vielfalt bedeutet allerdings nicht immer Fortschritt…) Alle diese Tees nennen wir Pu Er Tee.
Der lose Pu Er ist oft ein künstlich veralteter Pu Er und hat wenig von Bedeutung. Während ein original junger Pu er volle weisse Tipps zeigt und aromatisch duftet, riecht ein „falscher“ Pu Er mufffig und nach Stall.
Bing Cha
Mini Tuo Cha