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Bild
Titel:
Milchler Franz Xaver Manser stirbt in Kroatien
Thema: Wirtschaft
Datum: 08.12.1913
Masse: 23,4 x 29,3 cm
Standort: Landesarchiv Appenzell Innerrhoden, M.03.02/B 5.2.03
Urheber/-in: Leichenbestattungs-Anstalt Ignaz Brückner, Opatija (Kroatien)
Beschreibung:
Todesanzeige für Franz Xaver Manser, "Sepplisseppes" (1838-1913) vom 8. Dezember 1913. Darunter Briefkopf der von ihm gegründeten kroatischen Molkereifirma "Franz Mansers Milchmeierei". Das Firmensignet befindet sich auf dem Schreiben, mit dem Mansers Sohn das Pfarramt Appenzell um die Ausstellung von Geburts- und Eheurkunden ersuchte, damit sein Vater in Kroatien begraben werden konnte.
Geschichte:
Franz Xaver Manser wurde am 30. Juli 1838 auf der Heimat "Rüedis" im Leimensteig oberhalb von Schlatt geboren. Am 3. Februar 1868 heiratete er in der Pfarrkirche Appenzell Anna Maria Franziska Josefa Stark. Der Ehe entsprangen fünf Kinder, ein Sohn und vier Töchter. Manser war einer der vielen Innerrhoder Bauernsöhne, welche hauptsächlich im Deutschen Reich, aber auch in den Gebieten der österreichisch-ungarischen Monarchie Molkereien eröffneten. Sie versorgten die wohlhabenden Bürgerfamilien in den Grossstädten und die vornehmen Gäste der Kurorte mit frischer Milch, Molke und anderen Milchprodukten. Die Schweizer Herkunft war gleichsam das Markenzeichen, welches für reine, unverfälschte Naturprodukte stand.
Franz Xaver Manser wanderte nach Abbazia in Kroation aus, welches damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Die heute Opatija genannte Stadt ist einer der ältesten Kurorte an der Ostküste der Adria. Entscheidenden Anteil am Aufschwung des dortigen Fremdenverkehrs hatte die österreichische Südbahngesellschaft, deren 1884 eröffnete Linie Wien - Rijeka an Opatija vorbeiführte. Im gleichen Jahr entstand mit dem heute noch bestehenden Hotel Kvarner eine erste Luxusherberge, der ein Jahr später mit dem Hotel Imperial ein zweites vornehmes Haus folgte. 1886 gründete Franz Xaver Manser seine Firma "Franz Mansers Milchmeierei", die auch in den benachbarten touristischen Ortschaften Voloska und Lovrana Filialen betrieb. Das Unternehmen scheint modern eingerichtet gewesen zu sein. Es verfügte bereits 1913 über zwei Telefonanschlüsse, einen in der Molkerei selbst und den zweiten in der Markthalle, wo wohl die Produkte vertrieben wurden. Auch ein Postcheckkonto hatte die Firma Manser eröffnet, eine Dienstleistung, über die zu jener Zeit meist nur grössere Industrie- und Handelsfirmen verfügten. Ein deutliches Zeichen für materiellen Wohlstand dürfen wir darin sehen, dass Manser im benachbarten Rijeka in einem Sanatorium verstarb, das unter der Leitung eines Medizin-Professors stand. Seine Familie wurde an der Adria richtig heimisch. Die vier Töchter waren alle mit österreichischen Männern verheiratet und hatten ihren Kindern zum Teil wienerische Namen wie "Pepperl" oder "Mizzi" gegeben. So kam es, dass die Mansers über beide Weltkriege hinaus in Kroatien blieben. Die Molkerei Manser bestand mindestens bis 1960. Dann verliert sich ihre Spur.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Signer, Jakob: Chronik der Appenzell Innerrhodischen Liegenschaften. In: Appenzellische Geschichtsblätter, Nr. 10, Oktober 1955
Neff, Karl. Dörig, Josef: Innerrhoder Schöttler, Milchkuranstalten und Broderieshändler im Ausland. In: Innerrhoder Geschichtsfreund Heft 8 (1961), S. 3-30
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