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Wussten Sie, dass es im Jahr 2014 alleine in den USA 25 Versuche feindlicher Übernahmen mit einem Gesamtvolumen von 290 Milliarden US-Dollar gab? Das macht einen Anteil von knapp 20 Prozent an allen Fusionen und Übernahmen des genannten Jahres aus – und war der höchste Wert seit der Jahrtausendwende.
Feindliche Übernahmen sind keine Seltenheit. Häufig sind es die erfolgreichen oder besonders spektakulär gescheiterten Übernahmeversuche, die an die Öffentlichkeit gelangen. Doch was bedeutet eine feindliche Übernahme? Und wie funktioniert sie?
Unter einer feindlichen Übernahme versteht man den Erwerb der Kapitalmehrheit eines Unternehmens, ohne dass der Investor den jeweiligen Vorstand, den Aufsichtsrat oder die Belegschaft im Vorfeld darüber informiert oder um Zustimmung gebeten hätte. Ein solcher Übernahmeversuch findet gegen den erklärten Willen von Management und Belegschaft des „angegriffenen“ Unternehmens statt.
Bei Aktiengesellschaften ist der Erwerb der Aktienmehrheit der Schlüssel zur Übernahme. Dazu wendet sich das Unternehmen, das die Übernahme plant, direkt an die Aktionäre des Übernahmekandidaten. Dieser Prozess geht schleichend vonstatten: Über einen längeren Zeitraum hinweg kauft der sogenannte „schwarze Ritter“ nach und nach mehr Aktien auf, um keine Aufmerksamkeit zu erregen und den Aktienkurs nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Wurde auf diese Weise ein größerer Anteil der Wertpapiere erworben, unterbreitet der Investor den verbliebenen Aktionären ein letztes Angebot. Dabei zahlt er in der Regel einen höheren als den an der Börse notierten Preis für jede noch im Umlauf befindliche Aktie.
Empfänglich für feindliche Übernahmen sind Aktiengesellschaften, bei denen sich das Kapital zu mehr als 50 Prozent im Streubesitz bei Kleinanlegern befindet – sich also nicht bei einigen wenigen Großaktionären ansammelt.
Während sogenannte Hostile Takeovers in den USA spätestens seit den 1980er-Jahren gang und gäbe sind, waren sie in Deutschland lange Zeit selten. Erst durch die hartnäckigen – und letztlich von Erfolg gekrönten – Versuche von Vodafone, das deutsche Traditionsunternehmen Mannesmann zu übernehmen, wurde das Thema in den Jahren 1999 und 2000 hierzulande einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Jahre zuvor hatten bereits Thyssen und Krupp eine ähnliche Auseinandersetzung, die zu Protesten der Belegschaft und zur einvernehmlichen Fusion führte.
Seitdem haben sich viele deutsche Konzerne und Unternehmen zu interessanten Übernahmekandidaten entwickelt. Grund dafür ist, dass viele der Firmen heute sehr viel besser dastehen als noch vor ein paar Jahren – etwa durch Verbesserungen der Eigenkapitalrenditen, Investitionen in Forschung und Entwicklung oder Schuldenabbau.
Eine feindliche Übernahme kann, muss aber nicht, mit negativen Folgen für das gekaufte Unternehmen verbunden sein. So kann es unter Umständen zum Abbau überschüssiger Kapazitäten, zum Abbau von Mitarbeitern und zu Standortschließungen kommen. Gerade Finanzinvestoren haben in der Regel ein hohes Interesse daran, gekaufte Unternehmen bzw. Unternehmensteile gewinnbringend wieder zu veräußern. Auch bei diesem Prozess können Arbeitsplätze verloren gehen.
Ein effektives Werkzeug gegen eine feindliche Übernahme ist ironischerweise eine feindliche Übernahme: Manche Unternehmen kaufen vor allem deshalb andere Firmen auf, um nicht selbst in das Visier von Kaufinteressenten zu gelangen. Der Gedanke dahinter: Durch die neue Schuldenlast eines Kredits verlieren potenzielle Investoren das Interesse.
Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Giftpille. So bezeichnen Börsenprofis eine Kapitalerhöhung, die den Übernahmepreis in die Höhe treibt und die Marktkapitalisierung erhöht. Auch ein Rückkauf eigener Aktien kann eine geeignete Strategie sein.
In manchen Fällen springt dem Übernahmekandidaten auch ein „weißer Ritter“ zur Seite. So geschehen etwa 2006, als das deutsche Pharmaunternehmen Merck die Schering Aktiengesellschaft aufkaufen wollte – und die Bayer AG eine feindliche Übernahme verhinderte. Aus der versuchten feindlichen wurde so letztlich eine freundliche Übernahme.
Generell muss konstatiert werden, dass Übernahmen und Fusionen ein zweischneidiges Schwert sind. Aus Sicht von Kleinaktionären sind insbesondere feindliche Übernahmeversuche häufig gerne gesehen, da sie den Aktienkurs stabilisieren oder sogar in die Höhe treiben. Außerdem gibt es in der Regel attraktive Kaufangebote durch den „schwarzen Ritter“. Scheitert die Übernahme jedoch, kann es zu erheblichen Kursverlusten kommen.
Für die Belegschaft des übernommenen Unternehmens stellt der Abbau redundant gewordener Stellen eine reale Gefahr dar. Zudem können Fusionen unabsehbare Folgen für beide Unternehmen haben: Der Zusammenschluss von DaimlerChrysler schickte die Aktie des Konzerns auf eine lange Talfahrt. Und bei der Bayer AG kam es nach der Übernahme von Schering zu einem weltweiten Stellenabbau. In beiden Fällen lag noch nicht einmal eine feindliche Übernahme vor.
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