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16.06.2019 Kiew-Cherkasy
Schon um sechs Uhr stehe ich auf und mache mich bereit. Ich packe, hole den Scooter hinter dem Haus hervor und fahre Richtung Cherkasy ab. In Browary lässt mich das Navi eine völlig sinnlose 12 km lange Runde drehen. Zudem hat es auf dieser Strecke Schlaglöcher ohne Ende. Ich fahre an Boryspil vorbei, tanke dort aber noch auf. Riesige Weizen- und Maisfelder säumen die Strasse. Ich komme durch Perejaslaw-Chmelnytskyj, dem Geburtsort von Scholem Aleichem. In Pishchane tanke ich nochmals auf, die Dame an der Kasse ist höchst unwillig, mir die kleine Menge Benzin, die ich benötige, zu geben – man muss ja immer im Voraus ein Depot hinterlegen und da sind meine 50 Griwna etwas gar wenig, meint sie. Eigentlich sei die Mindestmenge zwei Liter. Ueber einen Damm über den Dnjeper, der hier fast 10 km breit ist, gelange ich erst nach Panske, einer Ortschaft auf einem Dnjepr-Inselchen, wo ich kurz anhalte, dann nach Cherkasy hinein. Das Hostel XXL finde ich problemlos, auch den 14. Stock und ich klopfe an die Tür, ein alter Mann mit Bart, der sehr an Professor Mastronardi erinnert, öffnet und lädt mich sehr fröhlich ein, mein Bett zu beziehen. Gut, frische Leintücher kann man hier nicht erwarten. Dafür ist er sehr besorgt, dass es mir gut geht. Ich verstaue mein Gepäck und erkunde die Stadt Cherkasy (oder Tscherkassy). An einer Jugendstil-Apotheke vorbei komme ich zu einem Kriegsmonument, das in Google mit Generalu Momotu bezeichnet ist, es sind Schrifttafeln und ein Panzer. Eine hohe Säule dient als Denkmal für die Heavenly 100, oder ist es umgekehrt? Die Kirche ist – es ist Sonntag – gut besetzt und es findet ein Gottesdienst statt. Rechterhand ist das sowjetisch wirkende Krayeznavchy Muzey. Ich laufe zum „Hill of Fame“, wo eine grosse Statue einer Frau steht. Natürlich ist es ein sowjetisches Denkmal an den zweiten Weltkrieg. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf den Rose Valley Park (Dolina Troyand). Ich laufe nun zum Soborna Ploshchad. Eine Gedenktafel erinnert auf Deutsch an den Stadtingenieur Werner Schneidratus, verschweigt aber, dass er in Stalins Gefängnissen landete. Ich laufe zum Markt, durch die Fleischhalle, esse einen Döner und danach noch einen Hamburger, laufe über den Skver po Ulitsa Khreshchatik. Ein wunderschönes Jugendstilgebäude soll das Gebäude des ersten Tscherkassischen Bankinstituts gewesen sein. Leider wurde es durch einen gläsernen Anbau völlig verschandelt. Ich gelange noch bis zum Shherbyny Haus (Palats Odruzhen), dann kehre ich um und laufe die Khreshchatikstrasse wieder hinunter. In der Nummer 214 war früher das jüdische Gymnasium, heute heisst es Danil Narbut Schule. Ein weiteres Jugendstilgebäude, in einem völlig anderen Stil, ebenfalls mit vielen Türmchen, liegt neben Khreshchatik City, einem modernen Shoppingcenter. Am Taras Schwetschenko Museum hängt, wie könnte es anders sein, eine riesige Bronze mit dem schnauzbärtigen Antlitz des ukrainischen Nationaldichters. Ich laufe durch den Rose Valley Park und am Dnjepr-Ufer entlang, das mit Leuten vollgepackt ist, die baden und grillen. Und natürlich wie immer hier, unzählige Autos, die auf den Fusswegen fahren. So gelange ich zum White Lotus Tempel, eine recht grosse buddhistische Anlage. Beim Zurücklaufen durchquere ich den Dytyachyi Park (Kinderpark) und bis zum Sobornyi Park, in dessen Mitte die imposante St. Michaels-Kathedrale thront. Drinnen ist der Boden mit Heu bestreut und überall sind Aeste mit Laub angebracht, es scheint, als ob sie ihre Version des Laubhüttenfestes feiern. Ob das was mit Pfingsten zu tun hat? Vor der Kathedrale steht eine Kapelle, daneben eine Bronzestatue eines Geistlichen, der eine zerbrochene Glocke inspiziert. Beim Ausgang des Parks steht ein Denkmal für die Gefallenen des jetzigen Krieges, deren Bilder sind auf dem Kreuz eingraviert worden. In einem Supermarkt kaufe ich etwas Kefir für das Abendessen, dann kehre ich zurück ins Hostel. Dieses ist wie das letzte fast bis aufs letzte Bett belegt. Das besonders gut geratete Hostel in Dnipropetrovsk musste mir kurzfristig absagen, weil es einen Wasserschaden erlitten hat. So musste ich ganz kurzfristig etwas anderes buchen. Die schreiben mir bereits, dass man das Töffli nirgends parkieren könne, was ich nicht glaube, denn auf Google Street View sieht man parkierte Motorräder.