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Die Barbe ist ein schwimmstarker Fisch der grösseren, rasch fliessenden und klaren Flussabschnitte. Sie ist namensgebend für die Barbenregion. Für ihren Lebenszyklus ist die Barbe angewiesen auf eine vielfältige Gewässerstruktur. Durch die Kanalisierung der Flüsse und den Bau von Wasserkraftwerken ist die Lebensraumvielfalt drastisch zurückgegangen und die Durchgängigkeit der Gewässer ist für die Fische erschwert oder gar unterbrochen worden. Darunter leidet auch die Barbe.
Lebensraum und Lebensweise
Die Barbe gehört zur Familie der Karpfenartigen (Cypriniden) und ist namensgebend für die Barbenregion, dem typischen Abschnitt im Mittellauf eines Fliessgewässers. So hat die Barbe in der Schweiz ihr hauptsächliches Verbreitungsgebiet im Rhein zwischen Bodensee und Basel, in der Birs, in der Wiese, im Einzugsgebiet der Aare, in der Glatt, Töss und Thur. Die Barbe wandert jedoch auch in Gewässerabschnitte oberhalb und unterhalb ein. Sie lebt in Gruppen in grösseren, rasch fliessenden, klaren und sauerstoffreichen Flussabschnitten, welche im Wechsel reich an flachen, stark strömenden Bereichen und tiefen, beruhigten Stellen sind. Dabei bevorzugt sie eine gut strukturierte Gewässersohle als Lebensraumqualität.
Mit dem unterständigen, mit vier Barteln besetzten Maul und dem kräftigen Körper mit abgeflachter Bauchpartie ist die Barbe an das Leben und die Nahrungssuche in stark strömenden, bodennahen Gewässerbereiche angepasst. Die Fische ernähren sich hauptsächlich von Wirbellosen wie Würmer, Schnecken, kleinen Muscheln, Kleinkrebsen und verschiedenen Insektenlarven. Barben ernähren sich auch pflanzlich und von Fischlaich, grössere Individuen fressen auch Fische. Früher wurden die Barben in der Schweiz als begehrte Speisefische intensiv befischt.
Weil Barben saisonal für Nahrungssuche, Überwinterung und das Ablaichen grössere Wanderungen weit über 100 km pro Monat zurücklegen (flussaufwärts zur Laichzeit im Frühling, flussabwärts im Herbst/Winter), wurden sie durch künstliche Querbauwerke und Wasserkraftwerke stark beeinträchtigt. Die Barben wandern oft in Schwärmen.
Als Kieslaicher sind sie angewiesen auf Kiesbänke mit starker Strömung. Die Tiere sind nach circa vier Jahren geschlechtsreif. Die Laichzeit dauert von Mai bis Juli und die Laichplätze liegen oft bei einmündenden Bächen. Die Weibchen kleben ihre Eier auf der kiesigen Gewässersohle fest und die Eier werden anschliessend von den Männchen befruchtet. Die befruchteten Eier werden mit der Strömung in das Kieslückensystem verfrachtet, wo nach etwa zwei Wochen die Fischlarven schlüpfen. Diese bleiben zunächst noch im Kieslückensystem verborgen, welches sie nach Aufzehren des Dottersacks verlassen. Als Larvenhabitate sind flach geneigte Uferpartien wichtig, denn diese Gewässerbereiche zeichnen sich durch geringe Wassertiefen und geringe Fliessgeschwindigkeiten aus, welche für die Entwicklung der Jungfische erforderlich sind.
Gefährdung und Förderung
Durch die Verbauung und Kanalisierung der grösseren Flüsse wurden die Strömungs- und damit die Lebensraumverhältnisse deutlich verändert. Vor allem der Bau von Wasserkraftwerken hat den Charakter dieser Gewässer von der Barbenregion mit starker Strömung und steinig-kiesiger Gewässersohle zur sogenannten Brachsmenregion mit schwacher Strömung und schlammigem und sandigem Gewässeruntergrund verändert. Die Verbauung der Fliessgewässer hat dazu geführt, dass die Lebensraumvielfalt deutlich abgenommen hat. Somit fehlen der Barbe Laichareale auf flach überströmten Kiesbänken. Auch grossräumige Uferabschnitte mit geringen Wassertiefen und Fliessgeschwindigkeiten wurden weitgehend zerstört, Lebensräume welche von den Jungfischen benötigt werden.
Unüberwindbare, künstliche Wanderhindernisse durch Querbauwerke (künstliche Schwellen, Wasserkraftwerke) verhindern die existentielle freie Fischwanderung flussaufwärts und -abwärts zu Laichplätzen und zum Wechsel zwischen Sommer- und Winterquartieren. Dabei gingen zusammenhängende Lebensräume für die Barbe und Wanderfische wie den Lachs (Salmo salar), den Aal (Anguilla anguilla) oder auch die Nase (Chondrostoma nasus) verloren.
Durch intensive Unterhaltsmassnahmen wird Gewässersohlenmaterial entnommen und Kiesbänke werden teilweise zerstört. Oft sind die Geschiebe- und Schwemmholzdynamik durch menschliche Eingriffe beeinträchtigt. Diese Prozesse sind jedoch die bedeutendsten strukturierenden Kräfte in Fliessgewässern, welche die benötigten Lebensräume für die Gewässerorganismen schaffen. Unnatürliche Sand- und Sedimenteinträge aus einmündenden Bächen und erhöhte Sandfrachten überdecken und verstopfen das für die Laichabgabe und den Aufwuchs der Nachkommen wichtige Kieslückensystem. In den vergangenen Jahren haben sich Meldungen von toten Barben und Barben mit starkem Parasitenbefall gehäuft.
Als prioritäre Aufgaben zur Förderung der Barbenpopulationen gelten die Bezeichnung von bedeutenden Wanderkorridoren, um anschliessend die Längsvernetzung zu erhalten oder wiederherzustellen. Bei Wasserkraftwerken soll die Entwicklung von Auf- und Abstiegshilfen für die Fische gefördert werden und eine Wirkungskontrolle zur Fischwanderung durchgeführt werden. Naturnahe Laich- und Jungfischhabitate müssen gezielt geschaffen werden.
Wissenschaftlicher Name: Flussbarbe, Barbus barbus
Verwandtschaft: In der Südschweiz sind mit der Hundsbarbe (Barbus caninus) und der Südbarbe (Barbus plebejus) zwei weitere Arten in der Gattung der Barben (Barbus) vertreten. In Süd- und Osteuropa kommen insgesamt weitere 10 Arten vor wie z.B. die Iberische Barbe (Barbus comizo), Türkische Barbe (Barbus cyclolepis), Griechische Barbe (Barbus graecus) u.a.
Gefährdungsstatus (IUCN): Global: LC = nicht gefährdet, Schweiz: NT = potenziell gefährdet
Gefährdungsstatus gemäss Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei (VBGF): 4 = potenziell gefährdet
Merkmal: Langgestreckter, schlanker Körper mit abgeflachter Bauchpartie. Lang ausgezogene Schnauze, unterständige Mundspalte mit 1 Paar Barteln am Mundwinkel und einem kürzeren Paar an der Oberlippe (Namensherkunft lateinisch: barba = Bart)
Körpergrösse: Maximal 70 cm
Gewicht: Maximal 12 kg
Alter: Maximal 15 Jahre
Verbreitung: West- und Mitteleuropa nördlich der Alpen und Pyrenäen bis ans Schwarze Meer. Die Barbe lebt in grösseren und rasch fliessenden Flüssen und bevorzugt gut strukturierte Gewässer mit sandigem oder kiesigem Untergrund. Auch grössere Seen werden besiedelt.
Tobias Walter, 2022