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Goliath
Regie: Dominik Locher
Darst.: Sven Schelker, Jasna Fritzi Bauer, José Barros, Michael Neuenschwander, Isabelle Menke, Tim Bettermann, Annina Euling, Bettina Stucky, Anna Schinz u.a.
David und Jessy sind ein verliebtes, junges Paar und leben in einer kleinen Wohnung in der Region von Obergösgen, mit Blick aufs AKW. David arbeitet im Büro, während sich Jessy als Maskenbildnerin beim Fernsehen bewirbt. Als sie ungewollt schwanger wird, stellt das ihre Liebe auf eine harte Probe. Während Jessy das Kind eigentlich möchte, reagiert David verstört auf die Aussicht, Vater zu werden. Seine Verunsicherung nimmt zu, als das Paar kurz darauf in der S-Bahn von einer Bande junger Schläger angegriffen wird und David nicht in der Lage ist, Jessy gegen die Übermacht der Gewalttäter zu schützen. Zwar ist Jessy nach dem Angriff nicht ernsthaft verletzt und ein Arzt kann auch die Unversehrtheit des werdenden Kindes bestätigen, doch David ist von da an nicht mehr derselbe. Wie wild beginnt er im Fitnesscenter an seinem Körper zu arbeiten; er will ein Muskelprotz werden, der es mit allen aufnehmen kann. Deshalb genügt ihm das tägliche Training bald nicht mehr; er beginnt, gefährliche Steroide zu spritzen, die ihm ein Dealer aus dem Trainingscenter besorgt. So verändert sich bei David nicht nur der Körper; er wird immer aggressiver und unberechenbarer und damit für Jessy zu einer Bedrohung. Der zweite Spielfilm von Dominik Locher («Tempo Girl») zeigt präzise und temporeich inszeniert ein im Schweizer Spielfilm eher wenig beachtetes Mittellandmilieu zwischen Lidl-Parkplatz und Kiesterrasse. Der gebürtige Aargauer ist der Ehemann von Lisa Brühlmann («Blue My Mind»), die hier auch in einer kleinen Nebenrolle erscheint und mit der er zwei kleine Kinder hat. Sein nach eigenem Bekunden autobiografisch gefärbter Film war am diesjährigen Filmfestival Locarno der einzige Schweizer Beitrag im Concorso internazionale und wurde stark beachtet. «Dominik Locher gehört zu einer neuen Generation von Cineasten, die nicht affirmativ Swissness zelebrieren, sondern sich kritisch und in rauer Bildsprache mit der Heimat auseinandersetzen. (…) Sein Film, der von einer Dringlichkeit ist, die man im Schweizer Kino so oft vermisst, spielt zwar im Mittelland, hat aber wenig Lokalkolorit. Er blickt in die Abgründe des Machotums, das im Zeitalter autoritärer Führer wie Trump, Putin und Erdoğan Konjunktur hat.» Christian Jungen, NZZ am Sonntag