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Einweihung des Spitals
Die Entwicklungen in der Industrie, der Gesellschaft und in der Medizin führten auch zum Bau von Spitälern. 1873 wurde das Kantonsspital St.Gallen gegründet. Es folgten Herisau (1879), Wattwil (1890), Flawil (1892), Uznach (1895) und Grabs (1907). Die Distanzen zwischen den einzelnen Nachbarspitälern entsprachen damit etwa der Tagesleistung eines pferdebespannten Krankentransportfuhrwerkes.
Die Ärzte waren zwar oft Initianten, nicht selten aber auch vehemente Gegner dieser Spitalprojekte. in Wattwil war es Dr. Huldreich Wälle, der den Wert eines Spitals für das Toggenburg und seine Bevölkerung erkannte. Durch seinen uneigennützigen Einsatz und seine Überzeugungsraft war er der ärztliche Pionier des Spitals und damit Gründungspartner von G.F. Anderegg.
Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass in Wattwil bereits nach Mitte des 19. Jahrhunderts an den Bau eines Spitals gedacht wurde. Doch erst das Legat von Georg Friedrich Anderegg war dann der Auslöser für die Realisierung dieses Vorhabens.
Dem «Bericht über die Gründung und den Bau des Krankenhauses Wattwil ist zu entnehmen:
„Am 13. Januar 1883 starb einer der hochherzigsten Männer Wattwils, Herr Nationalrat G.F. Ander-Egg im Bundt. Unter seinen zahlreichen Legaten, die sich gegen Fr. 200 000.00 beliefen, befand sich auch eine Vergabung von Fr. 20 000.00 zur Gründung eines Gemeindekrankenhauses in Wattwil. Das war der Grundstein. Schon am 25. Februar 1883 beschloss eine von der Sonntagsgesellschaft eingeladene Versammlung, nach Anhörung einer diesbezüglichen Vorlesung des Herrn Dr. Wälle, den Gemeinderat zu ersuchen, einleitende Schritte zur Erstellung eines Krankenhauses zu tun. Den 6. März 1883 konstituierte derselbe eine Kommission, bestehend aus Vertretern des Gemeinderates, der verschiedenen Krankenvereine, der Ortsgesundheitskommission und einigen Privaten; Präsident derselben war Herr Pfarrer Wild. Diese Kommission befasste sich in erster Linie namentlich mit statistischen Aufnahmen über die damaligen örtlichen Krankenverhältnisse, Bedürfnisse und Leistungen sowie auch über auswärtige Verhältnisse und Anstalten. Sie beschaffte sich Pläne und Kostenberechnungen der Krankenhäuser von Langenthal, Niederuzwil, Heiden, Trogen, Herisau, Appenzell etc. und besichtigte auch mehrere derselben. Nach Berücksichtigung aller Verhältnisse wurde der Bau eines Krankenhauses mit 30 Betten in Aussicht genommen.
Um auch die finanzielle Seite des Unternehmens zu fördern, wurden in allen Teilen unserer Gemeinde Sammlungen veranstaltet. Einen eifrigen Förderer fand die neue Schöpfung in der Person des Herrn Kantonsrat J. Staehelin im Bundt, welcher dem Krankenhaus im Ganzen die Summe von Fr. 17 000.- vergabte; durch weitere Schenkungen und Legate von Korporationen und Wohltätern in und ausser der Gemeinde wuchs der Fonds nach und nach zu einer beträchtlichen Höhe heran, sodass allen Ernstes an ein weiteres Vorgehen gedacht werden konnte. Es lag im Plane, allenfalls die Kuranstalt Rosengarten im Bundt anzukaufen und umzugestalten. Allein man überzeugte sich, dass das einzig zweckmässige ein allen Anforderungen entsprechender und nach praktischen Grundsätzen eingerichteter Neubau sei.
Damit der Betrieb des Krankenhauses eine sichere Basis erhalte, war es notwendig, mit verschiedenen Krankenvereinen zu unterhandeln. Es wurde in Aussicht genommen, die Krankenkassen der Gemeinde Wattwil in einen allgemeinen politischen Krankenverein zu verschmelzen, der aus einem obligatorischen und einem freiwilligen Teil hätte bestehen sollen. Dieses Projekt kam zwar nicht zu voller Verwirklichung; jedoch bildeten sich, gestützt auf dasselbe, der Gemeinde- Krankenversicherungsverband, dem Jedermann freiwillig beitreten kann, und die obligatorische Aufenthalterkrankenkasse, wie sie das kantonale Gesetz vom 19. Januar 1885 verlangt.“
Die Existenz solcher Krankenkassen war zur finanziellen Absicherung eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Spitalgründung. Im November 1886 ernannte der Gemeinderat eine siebenköpfige Studien- und Planungskommission unter dem Präsidium von Dr. H. Wälle. Zur Deckung von Betriebsdefiziten wurde ein Garantieverein gegründet.
Der Fonds war inzwischen samt Kollekten, Vereinsbeiträgen, Bazars etc. auf Fr. 120‘000.00 gewachsen. Deshalb konnte der Gemeinderat am 14. Oktober 1888 der Bürgerversammlung das Gutachten über den Bau des Krankenhauses vorlegen. Es wurde fast einstimmig angenommen.
Der Baubeginn erfolgte im Frühjahr 1889. Nach der Fertigstellung des Bauwerks fanden am 28./29. September 1890 die Tage der offenen Türe statt. Es soll ein grosses Volksfest mit einem gewaltigen Besucherstrom aus dem ganzen Toggenburg gegeben haben.
Am 5. Oktober 1890 konnte das Spital nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit feierlich eingeweiht werden. Es umfasste 24 Betten und wurde von zwei Krankenschwestern und einer Kandidatin des Instituts lngenbohl betreut. Zum Personal gehörten auch eine Küchenschwester, zwei Wärter und ein Hausknecht.
aus der Publikation: "Spital Wattwil 1890 bis 1990, 100 Jahre im Dienst der Region"