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Medelserund Somvixerrhein. Der grösste dieser Bäche ist der Medelserrhein. Er entspringt auf Tessiner Boden und durchfliesst dort das Val Cadlimo, die oberste Stufe des Val Medels. Dieses ist von den eben genannten vier Thälern das einzige in mehreren Dörfern bewohnte. Die grössten Zuflusse des Vorderrheins sind der Glenner und die Rabiusa, beide fast ganz in den Bündnerschiefer eingeschnitten. Jener entsteht aus dem Vriner- und Valserrhein, von welchen der letztere bis zum Rheinwaldhorn (Lentagletscher) vordringt.
Der untere Glenner durchtobt eine enge, tiefe Schlucht, deren Wände grossenteils in stetig abrutschender Bewegung begriffen sind, während weiter oben auf den sanfter geneigten Terrassen, namentlich der linken Seite, zahlreiche Dörfer liegen. Die oft verheerend aus der Schlucht hervorbrechenden Schlammströme haben grosse Verbauungen bei Ilanz nötig gemacht. Noch grossartiger ist die Schlucht der Rabiusa aus dem Safienthal, die wie die Rheinschlucht in ihrem untersten Teil ebenfalls in die Flimser Bergsturzmasse eingeschnitten ist.
Hinterrhein.
In vielen Dingen einen Gegensatz zum Vorderrhein bildet der Hinterrhein, obwohl er auch verwandtschaftliche Züge zeigt. Zu diesen gehört, abgesehen von dem Beiden gemeinsamen alpinen Wildwassercharakter, vor allem der asymmetrische Bau ihrer Flussgebiete. Auch beim Hinterrhein sind die linksseitigen Zuflüsse nur ganz kurz, die rechtsseitigen aber lang und nach oben weitverzweigt. Die Asymmetrie ist hier sogar noch grösser als beim Vorderrhein, weil namentlich das Albulagebiet weit mehr verzweigt ist als das Gebiet des Glenner, des einzigen vorderrheinischen Gewässers, das hier in Betracht kommt.
Von den Gegensätzen zwischen Vorder- und Hinterrhein fallen namentlich diejenigen der Richtungs- und Gefällsverhältnisse auf. Das Vorderrheinthal ist ein reines Längsthal, das Hinterrheinthal setzt sich aus Längs- und Querthal zusammen, das erstere zeigt nur undeutlichen, das letztere in Rheinwald, Schams und Domleschg sehr ausgeprägten Stufenbau. Diese Gegensätze in Richtung und Gefälle zeigen sich auch bei den Zuflüssen. Bei denen des Vorderrheins herrscht mit wenigen Ausnahmen einheitliche Richtung und einheitliches Gefalle, nämlich die NO.-Richtung und das nach unten annähernd gleichmässig abnehmende, von Stufen selten unterbrochene Gefalle.
Beim Hinterrhein dagegen finden wir alle Richtungen von ONO. (Rheinwald) über N. (Val di Lei-Ferrera-Schams-Domleschg, Oberhalbstein), NW. (Albula und Seitenflüsse von Davos) bis SW. (Davos), und auch die Seitenthäler zeigen hier meist einen sehr deutlichen Stufenbau, so besonders in Ferrera-Avers, Oberhalbstein und Albulathal. So finden sich denn auch die berühmten grossen Schluchten Graubündens fast alle im Gebiet des Hinterrheins (Viamala, Rofna, Ferrera, Schyn, Stein ob Tiefenkastel, Bergünerstein, Züge).
Mündungsschluchten freilich finden wir auch so ziemlich bei allen Zuflüssen des Vorderrheins, wie übrigens auch im übrigen Bünden, im Tessin, Wallis etc. Der weiten Verzweigung des Hinterrheingebietes entspricht auch eine grössere geologische Mannigfaltigkeit. Da haben wir den Adulagneis in der Quellgegend des Hinterrheins, den Gneisporphyr der Rofna, den Granit vom Septimer bis zum Albulapass, die Gneise und krystallinen Schiefer vom Piz Kesch bis zum Flüelapass und in den Seitenthälern von Davos, den Gabbro, Serpentin und Grünschiefer (Diabastuff) im Oberhalbstein, den Verrucano und die Triaskalke in Davos, im mittlern und obern Albulathal und in den Splügner Dolomit- und Kalkbergen, den Bündnerschiefer im Domleschg, Schams, Rheinwald, Schyn und Oberhalbstein.
Auch die Lagerungs- und Dislokationsformen sind im Hinterrheingebiet mannigfaltiger als im Bündner Oberland. Hier herrscht fast durchweg, sowohl in den Zentralmassiven als in den Gebieten der Bündnerschiefer und der Glarner Doppelfalte, steile Aufrichtung mit SO.-Fallen der Schichten, in geringerm Mass auch Fächer- und Flachgewölbestruktur (im Medels- und Adulagebiet). In Mittelbünden dagegen finden wir die stockförmige Struktur der Julier- und Albulagranite, die Fächerstruktur im Gneis- und krystallinschieferigen Gebiet des Scaletta etc., die Flachgewölbestruktur im Adulamassiv, die nordwestl. überliegenden und überschobenen Falten des Triasgebietes von der Ducan- bis zur Strelakette, die zusammengestauchten, meist ebenfalls südöstl. fallenden Bündnerschiefer, das Aufbruch- und Klippengebiet des Oberhalbsteins und der Splügner Kalkberge. Das alles hat seinen Einfluss auch auf die Berg- und Thalformen, die in Mittelbünden ebenfalls viel mannigfaltiger sind als im Bündner Oberland. Formen wie z. B. die Ducankette, ¶
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Piz d'Aela und Tinzenhorn, Piz Platta, Piz Toissa und die Splügner Kalkberge sucht man im Oberland vergebens. Dagegen sind die Formen des Bündnerschiefers mit ihren breiten, relativ sanft geneigten Gehängen, gerundeten Rücken, Wildbachrunsen und Rutschgebieten beiden gemein. Doch wird der Hinterrhein durch diese Bündnerschiefer, in die er grösstenteils eingegraben ist, weit mehr getrübt als der Vorderrhein, und es gewährt an der Vereinigungsstelle der beiden Flüsse bei Reichenau das ungestüme Zusammenprallen der oft schwarzen Fluten des erstern mit den grünen Gewässern des letztern einen eigentümlichen Anblick. Auch zu Ueberschwemmungen neigt der Hinterrhein mehr als der Vorderrhein und auch das wiederum infolge seines vorherrschenden Verlaufs im Bündnerschiefer, der ihm bei andauernden Regengüssen aus zahlreichen Wildbachrunsen, vor allem aus der Nollaschlucht, gewaltige Schlamm- und Schuttmassen zuführt.
Betrachten wir nun noch in Kürze den Hinterrhein an sich. Er entspringt in dem weiten Eisrevier von Zapport, dem grössten des bündnerischen Rheingebiets, speziell am Paradiesgletscher, der Zunge des ausgedehnten Rheinwaldfirns. Kaum ist er hier in 2216 m aus dem Gletschertor getreten, so erhält er von rechts aus zwei steil niederhängenden Lappen die Abflüsse des Zapportgletschers, der zusammen mit dem Rheinwaldfirn den gewaltigen Gebirgszirkus vom Hochberghorn über das Rheinwaldhorn zum Marscholhorn, einen der grössten und schönsten der Schweiz, fast ganz in das blendendweisse Kleid moränenfreier Eismassen hüllt. Es ist dies ein Quellgebiet, das dasjenige des Vorderrheins an Hochgebirgspracht weit übertrifft und überhaupt zu den schönsten der Alpen gehört.
Der Hinterrhein durchbraust nun zwei kleine, rasch aufeinander folgende Schluchten, wovon die untere «Hölle» heisst, und erreicht schon nach 2 km den ebenen, wenn auch noch sehr schmalen Thalboden des Rheinwald in der Höhe von 1850 m. Mit stetigem, nach unten abnehmendem Gefälle (von im Mittel etwa 23‰) hält dieser Boden auf eine Länge von etwa 22 km an bis zum Eintritt in die Rofna (bei der Sufner Schmelze 1340 m), nur an zwei Stellen, zuerst unterhalb Hinterrhein und dann zwischen Splügen und Sufers, auf kurze Strecken etwas eingeengt. Durch dieses Längsthal schlängelt sich der Fluss, oft mehrarmig geteilt, meist durch seine eigenen Sand- und Kiesablagerungen. Die 5 Dörfer des Thales stehen alle auf den sanftansteigenden Halden der linken Seite. Die Seitenbäche sind alle noch sehr klein, aber schon hier kommt der längste, der Areuebach bei Nufenen, von rechts. Die oberste Thalstrecke liegt im Adulagneis, die Strecke von Hinterrhein bis Sufers im Bündnerschiefer.
Nun folgt die in Gneisporphyr eingeschnittene Rofnaschlucht und in ihr die Umbiegung des Thales nach N. Das Rofnagestein (nicht aber die Schlucht) reicht noch in das Becken von Schams bis nach Andeer hinunter. Dann folgt wieder Bündnerschiefer, der nun bis ans Ende des Hinterrheinthales anhält, so dass kein Zusammenhang zwischen Gesteinsmaterial und Thalform (Schlucht und Erweiterung) zu erkennen ist. Im Gneisporphyr liegen sowohl die Rofna als ein Teil des Schamserbeckens, im Bündnerschiefer die Enge der Viamala wie die Erweiterungen des Domleschg und des grössern Teils von Schams.
Dagegen bezeichnen die beiden Schluchten deutliche Stufen mit Stromschnellen, was durch folgende Gefällszahlen verdeutlicht werden mag: Gefälle des Hinterrheins im Rheinwald auf der 23 km langen Strecke vom Kaminboden (1714 m) bis zur alten Landbrücke am Eingang der Rofna (1318 m) 17‰ in dem von der Bärenburg (995 m) bis zur obersten Viamalabrücke (868 m) 7,25 km langen Schams 17-18‰, im Domleschg auf den 16,6 km von der Rheinbrücke bei Thusis (685 m) bis zur Mündung bei Reichenau (587 m) 6‰, dagegen auf den 4,7 km der Rofna (1318-995 m) 68-69‰ und auf den 5,55 km der Viamala (868-685 m) 33-34‰. In etwas abgerundeten Zahlen kann man die mittlere Höhe des Rheins im Rheinwald zu 1520 m, in Schams zu 930 m und im Domleschg zu 640 m angeben, so dass also in der Rofna ein Höhenunterschied von etwas über 300 m und in der Viamala ein solcher von gegen 200 m überwunden wird.
Rofna und Viamala zeigen alle Erscheinungen gewaltiger, sehr tief und eng eingeschnittener Erosionsschluchten mit ausserordentlich steilen, zum Teil senkrechten und überhängenden, bald glatten, bald gerippten und von seitlichen Rinnen gefurchten Wänden, mit Erosionskesseln, Vorsprüngen und Nischen, mit Gletscherschliffen und geglätteten Buckeln, welch' letztere beweisen, dass diese Schluchten schon von den Gletschern der Eiszeit angetroffen und benutzt wurden. Ja einzelne solcher, wie z. B. die Gletscherspuren, Reste von Grundmoränen bei der obersten Viamalabrücke, lassen erkennen, dass die Eiszeitgletscher diese Schluchten schon bis auf das Niveau der heutigen Strasse und selbst noch tiefer eingeschnitten vorfanden. An der eben genannten Stelle hat der Rhein sogar seine vorglaziale, bezw. interglaziale Tiefe noch nicht wieder erreicht, da er die dortige Grundmoräne noch nicht völlig durchzuschneiden vermocht hat. Doch fliesst er wieder so tief, dass er und die ihm zueilenden Wildbäche im Schams ihre frühern Ablagerungen (Rheinkies und seitliche Schuttkegel) nicht mehr erhöhen. Sie haben ¶