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Der langjährige Marihuana-Konsum war in einer kleinen Fall-Kontroll-Studie in Neurology (2011; 76: 1153-1160) bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) mit signifikant schlechteren Resultaten in kognitiven Tests verbunden.
Einige MS-Kranke verwenden Marihuana, um Schmerzen zu lindern und Spastiken zu reduzieren.
Die Praxis ist in Deutschland illegal und der medizinische Wert unter Fachleuten umstritten. Jeder mögliche Vorteil müsse zudem sorgfältig gegen die möglichen Konsequenzen für die kognitive Leistungsfähigkeit abgewogen werden, erklärt die American Academy of Neurology in ihrer Pressemitteilung zu den Resultaten einer Studie aus Kanada.
Im Auftrag der dortigen Multiple Sclerosis Society untersuchte Anthony Feinstein von der Universität Toronto 50 MS-Patienten neuropsychologisch. Die Hälfte der Patienten bestand aus langjährigen Marihuana-Rauchern. Im Durchschnitt konsumierten die Probanden die Cannabis-Droge seit 26 Jahren: 18 Patienten erklärten, täglich Marihuana zu rauchen, 6 konsumierten die Droge einmal pro Woche, ein Patient durchschnittlich alle 2 Wochen.
Feinstein stellte bei seinen Untersuchungen fest, dass die kognitiven Fähigkeiten der Cannabis-Konsumenten signifikant gegenüber den Testresultaten der anderen Gruppe von 25 MS-Patienten abfielen, die niemals Marihuana geraucht hatten.
Diese Nicht-Konsumenten hatten das gleiche Alter und Geschlecht wie die Konsumenten. Auch Ausbildung, IQ vor der Diagnose sowie die Dauer und das Ausmaß der Behinderungen durch die multiple Sklerose waren in beiden Gruppen identisch, was bei Fall-Kontrollstudien eine wichtige Bedingung für einen fairen Vergleich ist.
Feinstein führte eine ganze Anzahl von Tests durch und in vielen blieben die Leistungen der Marihuana-Konsumenten deutlich hinter denen der Vergleichsgruppe zurück. In einem Test zur Denkgeschwindigkeit waren sie zu einem Drittel langsamer, schreibt Feinstein. Die Marihuana-Konsumenten wurden auch zweimal so häufig als kognitiv beeinträchtigt eingestuft, weil sie in zwei oder mehr Aspekten der Intelligenzleistungen Defizite zeigten.
Die Resultate sind für Feinstein auch deshalb beunruhigend, weil es bei 40 bis 60 Prozent der MS-Patienten krankheitsbedingt zu Schwierigkeiten der kognitiven Funktion komme. Dies sollten MS-Patienten nach Ansicht von Feinstein bedenken, wenn sie sich für den Konsum von Marihuana entscheiden.
Quellen:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45279/Multiple_Sklerose_Marihuana_beeintraechtigt_Kognition.htm
http://www.neurology.org/content/76/13/1153.abstract
Kommentar & Ergänzung:
Diese Studie basiert zwar auf einer kleinen Anzahl von Teilnehmenden. Trotzdem gibt sie meines Erachtens wichtige Hinweise.
Viele MS-Kranke empfinden eine deutliche Linderung ihrer Spastik-Beschwerden durch Marihuana bzw. Cannabis.
Siehe dazu auch:
Meiner Ansicht nach ist es sehr zu respektieren, wenn Multiple-Sklerose-Kranke ihre Spastik mit Cannabis / Marihuana lindern können und wollen. Und es müsste die Möglichkeit gewährt werden, diese Heilpflanze legal zu nutzen.
Die Studie aus Toronto zeigt allerdings, dass dabei Nutzen und Risiko gut abgewogen werden müssen. Das gilt auch für die erhöhte Psychose-Anfälligkeit, die vor allem bei Jugendlichen Cannabis-Konsumenten beobachtet wurde. Siehe:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch