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40 Jahre am Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf - CH
1969, am Ende meiner Ausbildung, wurde mir vorgeschlagen, beim ÖRK zu arbeiten. Ich war 23 Jahre alt.
Lukas Vischer, Direktor der Abteilung "Glaube und Verfassung", war mit Chiara Lubich zusammengetroffen und tief berührt von dem Potential ihres Charismas, hatte er - zusammen mit anderen Führungspersönlichkeiten - den Wunsch geäussert, eine Fokolarin im ÖRK zu haben, um die Beziehungen zu Chiara und der von ihr gegründeten Bewegung zu erleichtern.
Ich war begeistert und dachte, dass sich durch das Leben der Spiritualität der Einheit bald das “Ut Omnes” verwirklichen würde (vgl. Joh 17,21). Ich schrieb dies an Chiara, und sie antwortete sofort: "Langsam, langsam, Tersa, du musst nur lieben, du hast keine andere Verantwortung. Maria war nicht darum besorgt, aktiv zu sein, sondern darum, Jesus Raum und Sichtbarkeit durch ihre Liebe zu geben". Dieser Satz nahm mir alle meine Bedenken und begleitete mich all die 40 Jahre. Ich war und bin weder Theologin noch Expertin für Ökumene, aber Chiara hat nicht auf meine intellektuellen Fähigkeiten gezählt. Ihr genügte es "zu lieben".
Ich war zutiefst berührt von der Grosszügigkeit meiner Kolleginnen und Kollegen, die Jahre ihres Lebens der ökumenischen Bewegung widmeten und mit ihren Familien ihre Herkunftsländer, ihr kulturelles Leben, ihre Karriere verliessen, um sich im Dienst der 350 Kirchen, die Teil des ÖRK sind, für die Einheit in vielen Bereichen (Politik, Menschenrechte, Theologie usw.) einzusetzen. Für mich war es ein grosses Geschenk, mit so vielen verschiedenen Kulturen zusammenleben zu können und um die Welt zu reisen und Konferenzen zu organisieren.
Chiara wurde 1965 und dann noch einmal im Jahr 1982 an den ÖRK nach Genf eingeladen, um über ihr Charisma und die Spiritualität, die sich daraus ergab, zu sprechen. Der damalige Generalsekretär, Dr. Philip Potter, sagte unter anderem: "Sie, Chiara, haben einen einzigartigen ökumenischen Lebensstil”. Während Chiaras Rede fragte sie ein Mitglied des ÖRK, wie man diese Spiritualität im täglichen Leben leben könne, und Chiara schlug das Wort des Lebens vor (ein Satz aus dem Evangelium, den wir versuchen, jeden Monat im Alltag zu leben). Mehr als 120 Personen baten darum, es regelmässig zu erhalten, und es bildeten sich Gruppen, um die Erfahrungen des gelebten Evangeliums auszutauschen.
Die katholische Kirche ist aus verschiedenen institutionellen Gründen nicht Mitglied des ÖRK, aber es besteht eine intensive Zusammenarbeit, die viele Früchte gebracht hat. Ich habe viele Jahre lang in der Abteilung für die Beziehungen zwischen dem ÖRK und der katholischen Kirche gearbeitet: Es war ein echtes Privileg, diese tiefe Freundschaft und den gegenseitigen Respekt zu sehen, die beide bereichern. Ich erinnere mich an eine Konferenz in Thailand. Als ich dort ankam, war eine der ersten Fragen meines Direktors, ob ich mich erkundigt hatte, wo ich an der täglichen Messe teilnehmen konnte, und gemäss diesem Zeitplan wurde das Programm der Konferenz erstellt.
Im Jahr 2002 kehrte Chiara wieder zum ÖRK zurück. Um sich auf ihr Kommen vorzubereiten, traf der damalige Generalsekretär, Dr. Konrad Raiser, sie in Mollens im Wallis, wo Chiara im Urlaub war. Ich konnte als Übersetzerin anwesend sein. Ich war tief beeindruckt von Chiaras Zuhören und ihrem Interesse am ÖRK. Sie sprach auch von Jesus, dem Verlassenen (vgl. Mt 27,46), als dem Schlüssel zum Erreichen der Einheit. Dann fragte sie den Generalsekretär, welches Thema sie behandeln sollte, und machte zwei Vorschläge: "Eine Spiritualität der Einheit" oder "Die Einheit und der Verlassene Jesus, die Grundlage einer Spiritualität der Gemeinsamkeit". Dr. Raiser entschied sich ohne Zögern für den zweiten Vorschlag.
Die Zusammenarbeit zwischen dem ÖRK und der Fokolar-Bewegung hat sich in diesen Jahren durch die gegenseitige Teilnahme an verschiedenen Gelegenheiten intensiviert: Wirtschaft in Gemeinschaft in Rom, Vollversammlung de ÖRK in Brasilien in Porto Alegre, Zusammenarbeit mit jungen Menschen im politischen und theologischen Bereich, usw.
Für die nächste Generalversammlung, die 2022 in Deutschland stattfinden wird,, wurde der Beitrag der Bewegung zu folgendem Thema erbeten. "Die Liebe Christi bewegt die Welt zu Versöhnung und Einheit”.
Alle ökumenischen Interventionen von Chiara Lubich am Ökumenischen Rat der Kirchen, in der Reformierten Kathedrale in Genf, am Ökumenischen Institut in Bossey und bei der Ökumenischen Bischofsversammlung in Morges wurden in der Broschüre "Dialog ist Leben" veröffentlicht. (Neue Stadt 2007)