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In Adelong folge ich dem Wegweiser nach einer alten Goldmine.
Einige Gebäude stammen noch aus der Zeit des Goldrausches und die nahegelegenen Gold-mühlenruinen von Adelong Falls sind von Bedeutung, da ein Grossteil der Goldminenaus-rüstung noch intakt ist.
Gold wurde ursprünglich 1852 in Adelong gefunden, wo am Adelong Creek Schwemmland abgebaut wurde. Die Gemeinde Adelong wurde bedeutend, als Wilham Willams 1857 Gold in grossen Mengen auf dem Charcoal Hill entdeckte. Die Entdeckung eröffnete viele Adern verborgenen Reichtums und als die Reefer-Erzmühle 1914 ihren Betrieb einstellte, hatten der Adelong Creek und die Hänge über 25 Tonnen Riff- und Schwemmgold mit einem Wert von mehr als 300 Millionen US-Dollar nach heutigen Massstäben geliefert. Weiter unten am Bach bei Grahamstown wurden weitere 26 Tonnen Gold registriert.
Aber auch bei der nächsten Abzweigung steht diese Tafel wieder. Was soll's! Das wird bestimmt zu schaffen sein, also fahre ich weiter.
Aber es dauert nicht lange und die Strasse wird wirklich eng. Nur gut dass heute Sonntag ist und es keine Trucks auf der Strasse hat.
Während länger als einer Stunde fahre ich über Berg und Tal und durch Wälder, der Snowy Mountain Road folgend.
15. September 2019, Lake Hume - Canberra
Vor mir liegen 6 Stunden Fahrt. Der Weg nach Canberra führt über die Snowy Mountains. Der schneller Weg würde über die Autobahn führen, aber das will ich nicht.
Die Snowy Mountains liegen im Südosten Austra-liens im Bundesstaat New South Wales, süd-westlich von Canberra. Sie gehören zu den Australischen Alpen, die wiederum Teil der Great Dividing Range sind, dem Küstengebirge, welches sich vom Norden Queenslands die Ostküste entlang bis nach Victoria zieht. Die höchsten Erhebungen ragen über die Waldgrenze hinaus. Mehrere Seen zeugen von mächtigen Gletschern, die während der Eiszeiten das Gebirge bedeckten. In den Snowy Mountains entspringen die Flüsse Snowy River und Murrumbidgee River, die einige der ältesten bekannten Organismen beherbergen.
Inzwischen bin ich fast allein auf der Strasse. Manchmal schrecke ich Kakadus auf die am Wegesrand sitzen.
Später biege ich dem Navi folgend ab und sehe eine Infotafel, die besagt, dass diese Strecke für Caravans nicht geeignet ist. Das bedeutet bestimmt, dass die Strasse später enger wird. Ein WoMo ist zwar kein Caravan, aber soll ich mich mit schlechten Strassen quälen? Nein, ich fahre auf der bisherigen Strasse weiter und will sehen, wo das Navi mich jetzt hinführt.
Ich bin müde als ich den verabredeten Camp-ground erreiche.
Aber gerade als ich aussteigen und zur Rezeption gehen will, bekomme ich ein WhatsApp von Rolf, worin er sagt, dass der Platz ausgebucht wäre und er zum EPIC Campground weitergefahren wäre.
Jetzt brauche ich zuerst eine Pause und einen Kaffee. Dann fahre ich nochmals durch die halbe Stadt - Canberra ist zum Glück eher klein und überschaubar.
Allmählich wird die Gegend wieder bewohnt und ich nähere mich der Grossstadt.
Aber auch dieser Platz ist fast voll. Er befindet sich hinter dem Sportstadion und den Ausstel-lungshallen und ist nur in der Zwischenzeit für Camper freigegeben. Bei der Einfahrt suchen wir das Office vergebens. Mangels freien Plätzen stellen Rolf und ich unsere WoMos auf einen abgesperrten Bereich.
16. September 2019, Canberra Tag 2
Um 8 Uhr kommt der Platzwart und meint, dass er für einen Campingclub abgesperrt habe. Wir dürfen aber bleiben und erkundigen uns noch nach dem Office.
Später, auf dem Weg zur Station der Light Rail (Schnellbahn) bezahlen wir noch im Office für die zwei Nächte, die wir hier bleiben wollen.
Nicht nur hier, aber hier ganz besonders fällt uns auf, dass die Strassen und Wege sauber sind. Keine Zigarette, keine Kaugummis, keine Sprayer-eien - nichts liegt am Boden. Auch entlang den Überlandstrasse ist kaum mal Müll zu sehen.
Warum funktioniert das bei uns nicht mehr?
Der erste Halt ist beim Canberra National Museum and Gallery.
Schon von weitem ist die gewagte Architektur zu sehen.
Auch im Inneren bestaune ich die unkonventionelle Architektur. Hier wurde dem Künstler Freie Hand gelassen.
Was aber auffällt ist, dass überall Abfalleimer stehen. Sogar im Bus und in der Bahn. Zuhause hat man die überall entfernt, weil sie Kosten verur-sachen - Eine hirnverbrannte Idee!!
Für umgerechnet 4 Fr. kaufen wir eine Tageskarte, welche fürs ganze Stadtnetz gültig ist.
Damit fahren wir bis zum Old Parliament und von dort weiter mit dem kostenlosen "Culture Loop".
Bis der Bus kommt, schlendern wir noch durch die nahegelegene Einkaufsstrasse und trinken Kaffee.
Dann steigen wir in den Bus. Wir beschliessen, einmal den ganzen Loop zu fahren, um danach entscheiden zu können, wo wir beim nächsten Loop aussteigen wollen. Die Fahrt dauert 50 Minuten und der Bus hält an 9 Stationen.
Der Innenhof offenbart viel Interessantes und Aussergewöhnliches. Der Boden ist in Länder und Kontinente aufgeteilt. Aber anstatt die Länder anzuschreiben, hat man entsprechende Aus-drücke verwendet: Heimat für die
Die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer Stunde müssen wir wieder draussen stehen, um mit dem Bus zum nächsten Stopp zu fahren.
Für dieses Museum würde auch ein Tag nicht reichen.
Wir sind beim New Parliament House. Das Old Parliament House haben wir nur beim Vorbeifahren gesehen.
Canberra ist eine Retortenstadt, dh. sie wurde auf dem Reisbrett geschaffen.
Das 1988 eröffnete Gebäude befindet sich im Stadtzentrum auf dem Capital Hill und bildet die Südspitze des Parliamentary Triangle. Der Bau des Gebäudes erforderte die Entfernung der oberen Hälfte des Hügels. Nachdem der Rohbau fertig-gestellt war, wurde dieser mit der zuvor entfernten Erde wieder überdeckt. Das Dach des Parlaments-gebäudes ist mit Rasen bewachsen. Am Fusse des Hügels befindet sich das Old Parliament House, das 61 Jahre lang als „Provisorium“ diente.
Als 1901 sechs britische Kolonien sich zum Australischen Bund zusammenschlossen, waren Melbourne und Sydney die zwei grössten Städte des Landes. Die Rivalität war so gross, dass keine der Städte es akzeptiert hätte, wenn die andere Hauptstadt geworden wäre. Artikel 125 der Verfassung Australiens legte schliesslich fest, dass irgendwo zwischen Melbourne und Sydney eine neue Hauptstadt gebaut werden sollte. Diese sollte nördlich des Murray River im Bundesstaat New South Wales liegen, jedoch mindestens 100 Meilen von Sydney entfernt. Bis zur Eröffnung des neuen Parlaments sollte Melbourne temporäre Hauptstadt sein.
1909 einigte sich das Parlament auf den Standort der neuen Hauptstadt, das heutige Canberra. Das Australian Capital Territory wurde geschaffen und 1913 begannen die Bauarbeiten. Doch der Erste Weltkrieg und wirtschaftliche Schwierigkeiten hatten grosse Verzögerungen zur Folge. Von 1901 bis 1927 tagte das Parlament im 1856 erbauten Parliament House in Melbourne, das als eines der schönsten öffentlichen Gebäude im Britischen Weltreich galt.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam die zuständige Planungsbehörde, das Federal Capital Advisory Committee zum Schluss, in Canberra ein „proviso-risches“ Parlamentsgebäude zu errichten, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren und die Zeit bis zum Bau eines „permanenten“ Gebäudes zu über-brücken. Das später als Old Parliament House bezeichnete Gebäude wurde in einem einfachen klassizistischen Stil erbaut und am 9. Mai 1927 durch den späteren König Georg VI. in Begleitung von Premierminister Stanley Bruce eröffnet. Das Parlament zog um und Canberra war nun offiziell die Hauptstadt Australiens.
Im Jahr 1978 beschloss die Regierung von Premierminister Malcolm Fraser den Bau des neuen Parlaments, denn das 61 Jahre alte „Provisorium“ war längst zu klein geworden. Den ausge-schriebenen Architekturwettbewerb gewann der US-Amerikaner Romaldo Giurgola. Sein Plan sah vor, den grössten Teil des Gebäudes im Innern des Capital Hill zu bauen und die Kuppe mit einer riesigen Fahnenstange zu krönen. Die sichtbare Fassade wurde so gestaltet, dass trotz des enormen Grössenunterschieds eine gewisse Ähnlichkeit zum Old Parliament House bestand.
Die Bauarbeiten begannen 1981. Das Gebäude sollte im Januar 1988 fertig sein, rechtzeitig zum 200-Jahre-Jubiläum der europäischen Besiedlung Australiens. Die Eröffnung verzögerte sich um fünf Monate und das Gebäude wurde schliesslich am 9. Mai 1988 durch Königin Elisabeth II. eingeweiht. Die ursprünglich auf 220 Millionen AUD veranschlagten Baukosten wurden massiv überschritten und betrugen am Ende über 1,1 Milliarden AUD (ca. 647 Millionen €). Damit ist das Parliament House das teuerste Gebäude Australiens überhaupt.
Über das Innere bin ich enttäuscht. Der Stil erinnert mich an die 50er Jahre und harmoniert nach meinem Empfinden nicht mit dem Äusseren.
Kaum haben wir uns im Parlamentssaal nieder-gelassen, ist die Debatte zu Ende und wir verlassen das Gebäude.
Der Boden vor dem Haupteingang ist mit farbigem Mosaik ausgelegt. Es symbolisiert das Volk der Aboriginies.
17. September 2019, Canberra - North Head
Heute morgen wollen wir noch das Australian War Memorial (AWM) besuchen, bevor wir weiterfahren. Es wurde uns sehr empfohlen.
Schon wieder ein Kriegsmuseum? - dachten wir. Aber wir haben ja die Zeit und wenn es nicht interessant ist fahren wir weiter.
Es sind noch ein paar Minuten bis 10 Uhr, dann werden wir eingelassen.
In der Eingangshalle gefällt mir das Bild eines indigenen Künstlers.
Wir schliessen uns einer Führung an und folgen den interessanten Erläuterungen der Führerin.
Das Museum selbst ist ein zweistöckiges Gebäude mit einem kreuzförmigen Grundriss, unterhalb und rund um den Innenhof mit dem Gedächtnisbereich. Das Gebäude ist im Stile der byzantinischen Architektur gehalten und weist durchwegs Art-déco-Verzierungen auf. Das obere Stockwerk ist hauptsächlich dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg gewidmet
Im Skulpturengarten auf der Westseite des Denk-mals stehen verschiedenartige Monumente.
Das Australien War Memorial besteht aus vier Elementen; der ANZAC Parade, einem Gedächtnis-bereich, einem Museum und einem Skulpturen-garten.
Das Museum ist unterhalb und rund um den Gedächtnisbereich, der Skulpturengarten auf der Grünfläche im Westen. Zwischen den beiden Flügeln liegt die Aircraft Hall, in der einige Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs ausgestellt werden.
Die Erläuterungen der Führerin sind in einem guten Englisch und somit auch gut zu verstehen. In den Säulengängen zu beiden Seiten des Innenhofes sind bronzene Tafel mit den Gefallenen Australiern des Ersten und Zweiten Weltkriegs angebracht.
Als Angehöriger kann man mit Hilfe eines Führers die Tafel des Gefallenen finden. Es ist Sitte, neben dem Namen ein rotes Poppie anzubringen.
Nach einer halben Stunde haben wir genug von den Kriegsschilderungen und ich setze mich mit Rolf von der Gruppe ab. Jetzt wollen wir vor allem die Flieger sehen.
In der Aircraft Hall werden wir fündig. Zuerst schauen wir gebannt auf einer Panoramaleinwand einen Film über eine Luftschlacht im WW I.
Es ist unglaublich mit wieviel technischem Raffin-essement dieser Film hergestellt wurde. Man glaubt die Schlacht würde über einem toben.
Dann wird es Zeit, Canberra zu verlassen. Heute wollen wir uns in North Head, einer kleinen Landzunge am Pazifik treffen. Die Beschreibung des Platzes ist idyllisch.
Unterwegs halte ich noch um einzukaufen.
Die Strasse führt bis auf 800 Meter hoch und danach steil bis auf Meereshöhe hinunter. Auf den Wiesen liegt Schnee. Das Aussenthermometer hat heute morgen 2.6° angezeigt. Vielerorts stehen auch bereits Bäume und Büsche in Blüte.
Für den Weg nach der Hauptstrasse bis zum Camp dauert es eine gefühlte Stunde - genauer 30 Minuten nach der Uhr. Aber der Weg ist anspruchs-voll. Zum einen sind es die Bäume und deren Äste die oft in den Weg ragen, zum anderen ist es die ausgewaschene Strasse.
Den Weg hierhin hätten wir uns sparen können. Der Zugang zum Strand ist vergittert, warum auch immer und zudem regnet es die ganze Nacht. Wir versinken fast im Sumpf.
18. September 2019, North Head - Sydney, Lane Cove
Kaum bin ich losgefahren, beginnt es wieder zu regnen.
Von der Landschaft sehe ich so gut wie nichts. Entweder ist es Gischt, die von den vorderen Fahrzeugen kommt, oder es ist Nebel. Entspre-chend anstrengend ist das Fahren.
Bei schlechten Sichtverhältnissen schaltet man hier das "Hazard Light" ein (Pannenlicht). An Strecken, die für Nebel berüchtigt sind, wird sogar mit Warnschildern darauf hingewiesen.
Hier sehe ich, dass das Entfernen von Schlangen aus Häusern ein Geschäft ist.
Um halb 2 erreiche ich den Holiday Park, am nörd-lichen Rand von Sydney gelegen.
Weil die Parkmöglichkeiten vor der Einfahrt sehr beschränkt sind, wird darauf hingewiesen, dass man nicht vor 2 Uhr anreisen soll.
Also warte ich noch eine halbe Stunde bis ich vorfahre.
Der Platz ist sehr nass, da es schon seit ein paar Tagen regnet und die Prognose für die nächsten Tage sieht auch nicht begeisternd aus.
Gut ist, dass ich das WoMo neben eine Betonplatte stellen kann und nicht im Schmutz ein- und aussteigen muss.
19. September 2019, Sydney, Tag 2
Bis zur Busstation sind es etwa 20 Minuten zu gehen. Vorher aber brauchen Rolf und ich noch jeder eine Opal-Karte, mit welcher wir den öffentlichen Verkehr benutzen können.
Nach 45 Minuten mit Bus und Metro erreichen wir den Circular Quay. Bereits kurz vorher, als wir über die Sydney Harbor Bridge fahren, ist die Skyline zu sehen.
Weil das Wetter unsicher ist, beschliessen wir zuerst das Power House Museum zu besuchen. Nach einer Viertelstunde entlang der George Street stehen wir davor.
Das Museum ist ein Anziehungspunkt für Schüler jeden Alters und aus den verschiedensten Regionen des Landes. Entsprechend laut ist es dann auch in einigen Bereichen der Ausstellung, besonders dort, wo es etwas auszuprobieren gibt.
Bereits in der Eingangshalle beginnt das zur Zeit dominierende Thema: Moon. In mehreren an-schliessenden Räumen wird schrittweise die Entwicklung der Raumfahrt beschrieben. Viele Exponate sind authentisch, so ein Stück Mond-gestein, aber auch ausgediente Baugruppen der früheren Raumstation Skylab.
Das Powerhouse Museum gilt als Australiens grösstes und bekanntestes Museum und beher-bergt Ausstellungsstücke zu zahlreichen Entde-ckungen und Erfindungen des menschlichen Geistes.
Auf etwa 20'000 m² werden 22 Dauer- und mehrere Sonderausstellungen gezeigt. Das Museum verfügt über Exponate zu Themen wie Geschichte, Wissenschaft, Technik, Design, Verkehr, Welt-raumforschung und Musik. Da bei der Erwerbung grösserer Sammlungen oft nur eine einzige Inventarnummer vergeben wurde, täuscht die Zählung mit etwa 385'000 Exemplaren. Die tat-sächliche Zahl wird auf mehr als eine Million Sammelobjekte geschätzt.
Bereits in der Eingangshalle beginnt das zur Zeit dominierende Ausstellungsthema: Moon.
In mehreren anschliessenden Räumen wird schritt-weise die Entwicklung der Raumfahrt gezeigt. Viele Exponate sind authentisch, so ein Stück Mond-gestein, aber auch ausgediente Baugruppen der früheren Raumstation Skylab.
Kennedys Vision von der ersten bemannten Mond-landung beflügelte Menschen auf der ganzen Welt – und war Teil seiner politische Strategie.
«Ich glaube, dass diese Nation sich dazu verpflich-ten sollte, noch vor dem Ende dieses Jahrzehnts das Ziel zu erreichen, einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn dann sicher wieder zur Erde zurückzubringen», sagte John F. Kennedy am 25. Mai1961 in einer Rede vor dem US-Kongress.
Während wir uns den Ausstellungsobjekten widmen, werden wir von einer Dame angesprochen. Sie informiert uns, dass hier um halb 12 eine Führung stattfinden würde.
Als wir zur Zeit dort eintreffen, realisieren wir, dass nur wir zwei uns dafür interessieren. Während 30 Minuten bekommen wir eine informative, aber anstrengende Privatführung.
Nach zwei Stunden haben wir genug gesehen und sind hungrig. Könnte man sich eine Woche Zeit nehmen, würde man der grossen Ausstellung gerecht werden. Raumfahrt ist nur eines der Themen. Sie geht quer durch alle Bereiche der Technik, von der Dampfmaschine bis zum Lunar Lander.
Mit einem kurzen aber unbefriedigenden Schnell-Imbiss stillen wir den Hunger und gehen zum Circular Quay zurück.
In diesen Grossstädten imponiert mir immer, wie alte, im Kolonialstil erbaute Gebäude mit modern-ster Architektur zusammen geht,
Dann trete ich durch den Bahnhof am Circular Quay auf die Wharf und bin von Anblick überwältigt.
Ein Leben lang sieht man die Bilder der Sydney Oper und verbindet Australien mit diesem Bild - und jetzt stehe ich leibhaftig davor.
Um die Oper möglichst von allen Seiten zu sehen, schauen wir uns nach einer Bootsfahrt um. Da entdecke ich, dass wir mit der Fähre nach Taronga direkt davor vorbei fahren und auf dem Rückweg nochmals - besser geht es nicht und erst noch mit der Opal Card..
Atemberaubend ist aber auch der Blick zurück auf die Sydney Harbor Bridge und auf die Skyline.
Zurück auf der Wharf wollen wir uns nach einer Führung durch die Oper erkundigen. Bereits gestern haben wir das Programm studiert und dabei festgestellt, dass zur Zeit noch keine grossen Opern aufgeführt werden. Vielleicht ergibt sich etwas, wenn wir im November zurückkehren um die WoMos zu verschiffen.
In einer Viertelstunde beginnt die nächste Führung. Die junge Frau führt uns schrittweise durch die verschiedenen Theater- und Konzert-säle. Leider darf man in den Sälen nicht foto-grafieren.
Das Opernhaus enthält fünf Theater mit insgesamt 5'541 Sitzplätzen: Die Concert Hall (Konzerthalle) mit 2'688 Sitzen, das Joan Sutherland Theatre (Operntheater) mit 1'547 Sitzen, das Drama Theatre mit 544 Sitzen, das Playhouse mit 398 Sitzen und das Studio Theatre mit 364 Sitzen. Insgesamt gibt es rund 100 Räume, darunter fünf Probestudios, ein Kino, 60 Umkleideräume, vier Restaurants, sechs Bars und zahlreiche Andenkenläden. Die Stromver-sorgung wäre ausreichend für eine Stadt mit 25'000 Einwohnern und umfasst 645 Kilometer an elek-trischen Kabeln, mit denen unter anderem über 6'000 Leuchten mit Strom versorgt werden.
Was mich ganz besonders erstaunt hat, sind die Dächer. Auf Bildern und aus der Ferne hatte ich den Eindruck, als wären das eine homogene Flächen. Aber wenn man davor steht sieht man, dass es einzelne Kacheln sind die auf den Unterbau aufgebracht wurden.
Auf Bildern und in Videos habe ich schon gesehen, dass die Kacheln von innen in unterschiedlichen Farben beleuchtet werden. Auch gibt es ein Licht-spiel, welches die Dächer so aussehen lässt, als ob sie sich auf- und zuschliessen würden.
Die Geschichte des verjagten Architekten
1918 wurde in Kopenhagen Jørn Utzon, der Sohn eines Yachtkonstrukteurs geboren. Es heisst, er sei kein guter Schüler gewesen, später wurde er wegen schlechter Noten sogar an der Offiziers-schule abgelehnt. 1937 begann er sein Architektur-studium, er arbeitete bei Architektur-Berühmtheiten wie Alvar Aalto und Frank Lloyd Wright. 1950 gründete er sein eigenes Büro und beschäftigte sich fast nur mit Wohnungsbau.
Das sollte sich 1957 schlagartig ändern: Als No-Name beteiligte er sich an einem internationalen Wettbewerb für das Opernhaus Sydney. 233 Vorschläge aus 28 Nationen wurden eingereicht. Aber sein Entwurf faszinierte die Jury am meisten: Sein Opernhaus war eine ausdrucksstarke, riesige Skulptur und brach mit dem allgemeinen Rationa-lismus des internationalen Architekturstils. Das war etwas völlig Neues, Bahnbrechendes, Visionäres in der damaligen Zeit! Und dabei erfüllte sein Entwurf noch nicht einmal die strengen Auflagen eines Wettbewerbsbeitrags – er hat offensichtlich nur eine recht grobe Skizze eingereicht. Die Entwurfs-zeichnung war mehr eine grobe Orientierung als ein umsetzbares Konzept.
1959 war Baubeginn. Die statischen Berechnungen erstellte der junge Ingenieur Ove Arup mit seinem Büro. Die Folgejahre waren Jahre der Neube-rechnung. Denn die anspruchsvolle Statik der gekrümmten Schalen des Daches – so wie sie der Erstentwurf vorsah – bereiteten grosse Probleme.
Der Ingenieur konnte diese Formen nicht berech-nen!
Die komplexe Geometrie des Daches wurde in sechs Jahren über zwölf Mal neu berechnet, mit Lochkarten gesteuerte Computer brauchten 18 Monate, um die Krümmungen und die Statik aller Dächer zu berechnen, 44 Zeichner waren mit rund 1'700 Planzeichnungen beschäftigt! Die ursprüngliche, flachere Figur der Oper wandelte sich in steilere, aufrechtere Dachhauben.
Was für ein Kostenfaktor! Eine regelrechte Kostenexplosion!
Es waren zunächst 3,5 Millionen Dollar veran-schlagt, als sie bei 57 Millionen Dollar angelangt waren, wurde die Reissleine gezogen. Utzon wurde aufgefordert, seine Pläne zu verschlanken. Aber er weigerte sich insbesondere, bei der Ausstattung Kompromisse zu machen. Das hatte ernste Konsequenzen: Utzon wurde 1966 durch die neue Regierung des Bundesstaates von News South Wales von dem Projekt ausgeschlossen. Utzon hat danach nie wieder australischen Boden betreten.
Australische Architekten und der Ingenieur Ove Arup brachten das Werk zu Ende: Die Dächer der Oper bestehen aus symmetrischen Beton-Schalenpaaren, die jeweiligen Hälften sind fächerartig gestaltet und liegen an nur einem Punkt auf. Sie haben alle die gleiche Krümmung als wären sie alle aus derselben Kugel herausgeschnitten worden. Die hintereinander liegenden Schalen stützen sich gegenseitig. 2007 wurde das Opernhaus übrigens zum UNESCO Welterbe ernannt.
Heute ziert ein von Utzon entworfener Wand-teppeich den Utzon Saal.
Am Ende der Tour bekommen wir den Hinweis, dass wenn wir unser Ticket heute beim Kauf von einer Aufführung vorweisen, wir einen Rabatt bekommen würden.
Darum studieren wir nochmals das Programm und beschliessen heute Abend ein Konzert von Lisa Ono zu besuchen.
Noch haben wir etwas Zeit um Abend zu essen.
Am Quay, mit einem wunderbaren Ausblick auf den Hafen geniessen wir ein schönes Stück Fleisch.
Bis das Konzert beginnt haben wir noch Zeit für die Skyline by Night.
Der ganze Vortrag wirkte verhalten, es kam erst bei einem chinesischen Lied Bewe-gung ins Publikum, einige sangen mit.
Lisa blieb während dem ganzen Vortrag auf ihrem Stuhl sitzen. Spätestens bei "Dancing Queen" hätte sie sich bewegen müssen.
Trotzdem, der Abend war ein Erfolg, nicht zuletzt auch weil ich die Concert Hall gesehen und fotografiert habe.
20. September 2019, Sydney, Tag 3
Morgens fahre ich zuerst zu einer Mercedes Werk-statt um einen Termin für das Problem mit der Auto-matik zu vereinbaren. Die Werkstatt, die auf Nutz-fahrzeuge spezialisiert ist, liegt etwa 40 km weg vom Camp.
Zuerst bietet man mir einen Termin auf Montag in einer Woche. Nachdem ich erkläre, dass ich auf der Durchreise bin, findet sich ein Termin für Freitag. Der ist aber ungünstig für mich, falls die Reparatur nicht in einem Tag fertig würde, müsste ich übers Wochenende in ein Hotel, und so findet man einen Termin in einer Woche, also am Donnerstag wo Werkstatt fahren kann.
Nachher fahre ich zurück in die Stadt, mit der Absicht, das WoMo tagsüber auf dem Parkplatz eines Shopping Centers abzustellen. Leider aber finde ich nichts passendes. Die Parkplätze sind in der Innenstadt immer unterirdisch und da komme ich nicht hinein.
Mit Glück finde ich der Strasse entlang einen zeitlich unbegrenzten Platz. Von da fahre ich mit der Bahn zum Circular Quay, wo ich mich mit Rolf treffe.
Direkt bei der Wharf 5 ist das Rossini Café. Es ist Mittag und wir sind hungrig. Wir setzen uns so, dass wir die Passanten beobachten können und bestellen Pizza Margherita. Sie schmeckt richtig gut - die beste Pizza bisher in Australien. Natürlich vom Italiener!
Das Wetter ist wieder viel besser als die Prognose versprach. Wir nutzen es und "steigen" auf den Sydney Tower.
Er misst 309 Meter bis zur Spitze und ist das höchste Gebäude in Sydney. Das Observation Deck mit der fantastischen Aussicht ist auf 260 Meter.
Über 1'504 Stufen kann man bis zuoberst hoch-steigen, leider aber nur einmal pro Jahr, am Sydney Tower Stair Challange.
Zuerst wird uns ein 4D-Film über den Tower und die Stadt gezeigt. Nach 5 Minuten geht es dann mit dem Lift in die 7. Etage, wo sich vor allem Restaurants befinden. Von hier aus geht es nochmals mit dem Lift bis auf 250 Meter hoch.
Wir treten aus dem Lift und vor uns breitet sich ein beeindruckender Blick aus. Mehr lässt sich dazu nicht sagen - einfach anschauen!
Heute ist der "Climate Friday for Future". Unter uns zieht eine Grossdemo durch die Strassen und über uns kreisen seit Mittag Helikopter, die das Geschehen beobachten.
Nachdem wir den Tower verlassen haben, stehen wir inmitten der friedlichen Demo. Aber nach und nach löst sie sich auf und die berittene Polizei hat nichts mehr zu tun.
Vor dem Apple Shop stehen die Leute Schlange. Sie alle wollen eines der neuesten iPhones erstehen.
Nach einem kleinen Bier denken wir, dass es genug für heute ist. Wir fahren mit der Metro bis Green Square, wo in der Nähe das WoMo steht.
21. September 2019, Sydney, Tag 4
Heute scheint das Wetter gut zu werden und darum entschliessen wir uns zu einer Stadttour mit dem Hop-On Hop-Off-Bus. Nach kurzer Fahrt steigen wir aus und gehen zum Fischmarkt.
Der Sydney Fish Market ist der drittgrösste Fisch-markt der Welt.
Er umfasst einen funktionierenden Fischereihafen, einen Fischgrosshandelsmarkt, einen Einzelhandel mit frischen Meeresfrüchten und eine Promenade im Freien für Besucher.
Im Inneren reihen sich viele Verkaufsstellen aneinander. Bei jeder gibt es auch Sitzgelegen-heiten für die, welche ihr Essen nicht im Freien einnehmen wollen. Draussen auf der Promenade wird man dauernd von den frechen Seemöven und von Ibissen belästigt.
Nachdem wir erst einmal alle Stände besichtigt und ich mich an den Meeresfrüchten erfreut habe (Rolf weniger!), suchen wir uns einen freien Sitzplatz.
In der Halle ist ein Gedränge und ein Lärm - gerade wie in China. Und tatsächlich ist es auch so, dass sich fast nur Asiaten hier durchdrängen, einem schubsen und sich dann hinsetzen. Falls noch Essensreste und deren Verpackung auf dem Tisch liegt weil noch nicht abgeräumt wurde, schieben sie es vom Tisch auf den Boden - wie in China!
Dann holt Rolf sich einen grillierten Baramundi, Nachdem er zurück ist suche ich mir etwas wonach es mich gelüstet.
Mit einem Octopus-Skewer (Spiess), einer Abalon Muschel und gebratenem Reis kehre ich an den Tisch zurück. Gerne hätte ich Rolf einen der kleinen Tintenfische abgegeben, aber er mag sie nicht.
Neben uns setzen sich zwei junge Frauen hin. Sie teilen sich 12 Austern und 3 Platten mit verschie-denen rohen Fischen - eine unglaubliche Menge. Es ist faszinierend, wie die zwei es sich schmecken lassen.
Noch haben wir nicht alles gesehen. Wir entdecken einen jungen Mann, der Austern öffnet.
Mit gekonntem Stich mit einem speziellen Austern-messer öffnet er die Auster, schneidet in der gleichen Bewegung den Muskel durch und legt das Innere auf die andere Schale und diese auf vorgefertigte Kunststoffplatten.
Ich habe schon oft davon gehört und sie auch gesehen. Jetzt will ich sie einmal probieren: Ich finde es ist nichts besonderes.
Das alles geht schneller als das Lesen dieser Beschreibung. Er braucht etwa 2-3 Sekunden pro Auster.
Nach zwei Stunden gehen wir zum Bus-Stopp zurück und setzen die City Tour fort.
Der nächste Ort ist Bondi Beach.
Bondi Beach ist einer der berühmtesten SträndeAustraliens und einer der bekanntesten Surfspots der Welt. Er liegt etwa sieben Kilometer östlich des Stadtzentrums.
65Hektar von Bondi Beach, darunter der Strand, die Gebäude des Surf Lifesaving Clubs, Pavillon, Park, Promenaden, Klippen und das Wasser des Ozeans zwischen Ben Buckler und Mackenzie’s Point wurden am 25. Januar 2008 in die Australian National Heritage List als nationales Denkmal eingetragen.
Damit trug die australische Regierung der Bedeutung des 1,5km langen Strandes für die Entwicklung der australischen Surfkultur und Entwicklung des Surf Lifesaving Movement Rechnung, das sich erstmals mit der Gründung eines Lifesaving Clubs, dem Bondi Surf Bathers’ Life Saving Club, im Jahr 1907 manifestierte. Von dort aus entwickelte sich diese Rettungsschwimmer-Bewegung in ganz Australien und in die Welt.
Dann führt die Fahrt zurück in die Stadt. Es ist inzwischen windig und kalt geworden und ich bin froh, bald aussteigen zu können.
Es wird häufiger als Wahrzeichen denn als Werbung angesehen. Kommerziell gilt es als die führende Plakatwand in Sydney und ist die grösste Plakatwand der südlichen Hemisphäre . Es wird allgemein, wenn auch fälschlicherweise, angenommen, dass es unter Denkmalschutz steht.
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