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HIV-Therapie: Nierenschaden vermeiden
Wer chronisch über viele Jahre Medikamente schlucken muss, will sicher sein, dass diese Medikamente nicht schaden. Ein neuer Risikoscore könnte helfen, Patienten mit höherem Risiko eines Nierenschadens durch HIV-Therapie zu erkennen.
Physiologischer Alterungsprozess
Mit dem älter werden, zeigen all unsere Organe eine langsam fortschreitende Einbusse ihrer Organ-Funktion. So auch die Niere. Die Nierenfunktion messen wir mit der Creatininklearance (Menge Plasma, welches unsere Niere pro Minute ganz von Creatinin befreien kann).
Nun wissen wir, dass die HIV-Infektion selbst, aber auch Medikamente, insbesondere Tenofovir (enthalten in Truvada, Atripla, Eviplera, Stribild) die Niere zusaätzlich schädigen können. Kann man nun voraussagen, welche Patienten besonderes gefährdet sind, wenn sie mit Tenofovir behandelt werden?
Risiko voraussagen
In einer gross angelegten Studie der Veterans Administration haben die Autoren nun anhang der Verlaufsdaten von über 20’000 HIV-Patienten untersucht, ob man mit einfachen Bestimmungen Patienten mit höherem Risiko für eine Nierenfunktionseinbusse identifizieren kann. Mit einem solchen „Risk-Score“ könnte man dein Einsatz von Tenofovir-haltigen gezielt einschränken auf Personen mit geringerem Risiko einer Nierenschädigung.
Ein einfacher Score
Wenn man das Risiko voraussagen will, sollte man dies möglichst mit einfachen Mitteln tun. Die Autoren haben dazu folgende Faktoren verwendet:
- Alter
- Blutdruck
- Tiefster je gemessner CD4 Wert (Helfer-Zellen)
- Eiweiss im Urin
- Blutzucker
- Blutfett (Triglyceride).
Mit diesen wenigen Paramtern ist es nun möglich, einen Score zu erstellen (Tabelle: CKD-Score), mit dem man das 5-jahres-Risiko einer Verminderung der Nierenfunktion (Clearance <60ml/‘) festellen kann, sei es mit oder ohne Tenofovir-Behandlung. Die Autoren haben anhand ihrer Beobachtung ausgerechnet, wie viele Behandlungen mit Tenofovir es braucht, um eine zusätzliche Verschlechterung der Nierenfunktion bei einem Patienten zu sehen. Für Patienten mit einem CKD-Score von 5 und grösser wird dabei das Risik schon deutlich relevant (1 Fall einer Verschlechterung auf ca 10-20 behandelte Patienten innert 5 Jahren).
Implementierung im klinischen Alltag noch vor uns
Bis eine solche Erkenntnis sich mal durchsetzt und die Wahl von Medikamenten tatsächlich von einem solchen Score abhängig gemacht wird, wird eine Zeit vergehen. Doch wir sollten die Medikamentensicherhet sehr aktiv angehen. Diese einfache Untersuchung ist eingentlich einfach umzusetzen und könnte sogar in unseren automatisierten Krankengeschichte-Systemen implementiert werden.