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Anna Calvi debütierte 2011 fulminant. Ihr Gitarrenspiel machte sprachlos, der Gesang überwältigte, die Songs begeisterten. Doch bald schon beschlich einen der Verdacht, dass hinter den ganzen Crescendi und Panoramen vielleicht gar keine Naturgewalt steckt, sondern eine Hochbegabte, die im unbedingten Willen zum Drama übers Ziel hinausschiesst. Fürs dritte Album hat sich die Engländerin, von einer EP mit David Byrne abgesehen, fünf Jahre Zeit gelassen. Noch immer zählt die Emphase zu Calvis bevorzugten Ausdrucksmitteln, aber sie muss sich nicht mehr dauernd in Extreme reinsteigern. Die Vorab-Single «Don’t Beat the Girl Out of My Boy» ist der gelungene Versuch, einen Popsong zu schreiben und verhandelt im Text (wie auch «As a Man» und «Chain») Geschlechterthemen wie auch ihre eigene «Gender Fluidity ». «Hunter» klingt subtiler, differenzierter und gelegentlich roher als seine Vorgänger. Die grossen Gesten sind noch da, aber gezielter eingesetzt, etwa wenn sich die angesammelte Spannung in «Indies or Paradies» in einem kurzen, wüsten Solo entlädt. «Hunter» ist kein einzigartiges Werk wie seinerzeit das Debüt. Anna Calvi bewegt sich hier näher an «gewöhnlicher» Popmusik – und entpuppt sich dadurch umso mehr als Ausnahmeerscheinung.
ash.
Link zum Label/Vertrieb: Irascible