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In den 60 Krankenzimmern konnten damals in Vindonissa bis zu 300 Legionäre medizinisch versorgt werden. Im Lagerspital (valetudinarium) behandelten die Militärärzte und Sanitäter Kampfverletzungen, Alltagskrankheiten und Arbeitsunfälle.
Nebst dem Spital haben die Römer auch den ersten Sanitätsdienst der Weltgeschichte erfunden. Das rund 4500 m2 grosse Lagerspital wurde im Jahr 1936 entdeckt. Zuerst in Holz und dann in Stein errichtet, lag es im Zentrum des Lagers direkt an einer der Lagerhauptstrassen (via decumana). Die Krankenzimmer waren beidseitig entlang eines Korridors um einen grossen Innenhof angeordnet. Das archäologisch untersuchte Areal des Lagerspitals ist heute vollständig überbaut.
Kräuter, Salben und Schriftrollen entdeckt
In den mobilen Marschlagern und vermutlich auch in der Frühzeit von Vindonissa waren die Soldaten in Zelten versorgt worden. Ein solches Feldlazarett ist aus Ziegenleder authentisch rekonstruiert und komplett ausgestattet worden. Chirurgische Instrumente, wie man sie in Vindonissa in grosser Zahl gefunden hat, sowie Kräuter, Salben oder Schriftrollen mit überlieferten Rezepten vermitteln im Behandlungszelt auf eindrückliche Weise, wie die römischen Ärzte operierten, schröpften und heilten. Im zweiten Zelt stehen drei Liegen. Hier erzählen drei Legionäre den Besuchern ihre ganz persönliche Krankheitsgeschichte.
Das Niveau der Heilkunst war gemessen an heutigen Massstäben hoch. Die Medizin verfolgte einen ganzheitlichen Ansatz und umfasste die Sparten Ernährungslehre, Pharmazie und Chirurgie. In Gesundheitsfragen spielten aber auch die Götter eine wichtige solle, so der Heilgott Aesculapius oder seine Tochter Hygieia: Auf beide schworen römische Ärzte (medici) den berühmten Eid des Hippokrates.
Das Lazarett ist mit Museumseintritt zugänglich.