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Die Aussenquartiere von Saga sind von einem Kanalsystem durchzogen. Ein Paradies für Frösche. Und zwar für riesige. Ihr Quaken hört sich an wie eine Mischung aus Muhen von Kühen und dem Hupen einer Lokomotive. Ich schlafe dementsprechend so mittel…
Dann fahre ich mit dem Zug nach Nagasaki. Der Name der Stadt wird immer mit dem zweiten Abwurf einer Atombombe im August 1945 verbunden bleiben. Die Eindrücke aus Hiroshima sind mir aber noch so nahe, dass ich nicht zu den Gedenkstätten fahre.
Ich bin bei früheren Reisen nach Asien darauf gestossen, dass Nagasaki lange das einzige Fenster Japans zur westlichen Welt war. Die niederländische VOC (vereinigte ostindische Compagnie) hatte hier auf der künstlich angelegten Insel Dejima im Hafen von Nagasaki ihre Niederlassung und auch die Chinesen hatten ein ihnen zugewiesenes Gebiet. Entsprechend lief praktisch der ganze Überseehandel Japans in den Jahren 1635 – 1854 über Nagasaki. Nach dem Verbot des Christentums 1635 waren die Portugiesen, die vorher mit Spanien den Handel dominiert hatten, in Japan nicht mehr geduldet. Die Konzession erhielten die protestantischen Niederländer, denen man eher zutraute, keine Mission zu betreiben.
Erst 220 Jahre später, 1854 verloren Dejima und Nagasaki ihre bisherige Bedeutung, weil die erzwungene Öffnung Japans auch die Öffnung anderer Häfen mit sich brachte.
Ich habe in letzter Zeit David Mitchells „The Thousand Autumns of Jacob de Zoet“ zu lesen begonnen. Er beschreibt das Leben auf Dejima anschaulich. Der Rowohlt-Verlag hat einen Blog dazu geführt.
Die Museen auf Dejima und das Museum für Geschichte und Kultur, die ich heute besuche, widmen sich schwergewichtig diesen 200 „goldenen Jahren“. Die Bibliothek der Diet (des japanischen Parlaments) hat zusammen mit der königlichen Bibliothek der Niederlande eine interessante Website mit vielen Quellen aus ihren Beständen gestaltet. Interessant ist auch ein Blick in die englische Wikipedia, die Rangaku beschreibt, die „Holländischen Studien“ bzw. das durch Japan zusammengetragene Wissen, das aus Kontakten zum Westen entstand.
Zwischen den Museumsbesuchen schlendere ich zum Hafen und staune nicht schlecht, dort ein Kriegsschiff mit der Flagge, die die japanischen Streitkräfte im 2. Weltkrieg benutzt haben, zu sehen. Offenbar wurde die Flagge von der Marine der japanischen Selbstverteidigungskräfte übernommen, was begreiflicherweise immer wieder zu Verstimmungen der benachbarten und unter dieser Flagge bekämpften und unterjochten Länder führt.
Im Auftreten unterscheiden sich die „Self Defense Forces“ in nichts von einer normalen Streitmacht, erst recht nicht im Budget. Im Moment sind die Regierungsparteien LDP und New Komeito daran, sich jeden Dienstag zu treffen und einen Konsens zu suchen, ob der japanische Verfassungsartikel, der Japan Militäreinsätze verbietet, auch anders interpretiert werden könne…
Im Gegensatz zu Dejima gibt es die damalige chinesische Niederlassung, die sich auf dem Festland befand und von der aus die Chinesen einen viel grösseren Spielraum, sich zu bewegen hatten, nicht mehr. Ein Chinatown mit einer recht grossen chinesischen Population existiert aber noch, Japanerinnen und Japaner schätzen Chinatown vor allem wegen des Essens. Der Einfluss Chinas auf Japan war aber kulturell sehr gross. Auch ein Konfuziustempel mit chinesischem Museum steht in Nagasaki. Man wird vor allem in den neuen Konfuzianismus eingeführt, in die Verbreitung der Lehre durch die Schüler von Konfuzius und dann die Ausbreitung nach Japan. Ihr sind verschiedene – leider nur japanisch beschriftete – Ausstellungsteile gewidmet. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Fähigsten (und nicht diejenigen mit der richtigen Abstammung oder den richtigen Beziehungen) gemäss der Lehre von Konfuzius Ämter im Staat übernehmen sollen. Vgl. zum japanischen Konfuzianismus auch eine Zusammenfassung von Klaus Antoni, Uni Tübingen)
Zurück in Saga holt mich Noriko wieder ab. Sie hat auch bereits gewaschen und gekocht – es ist mir nicht ganz Recht, mich so zu bewirten zu lassen. Wir unterhalten uns dank Google-Übersetzer gut und kommen auf Themen, die mir hier immer wieder begegnen: Gender Gap, Männer, die sich praktisch nicht um die Familie kümmern, enorm hohe Schul- und Studienkosten der Kinder, kaum Freiheiten. Life in Japan is very strict. Aber die Frauen, denen ich begegne sind stark, sie haben Lebensfreude und Schalk.