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Pfarrer Martin Fontana
Die Theologische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Pfarrer Martin Fontana. Sie würdigt damit sein über 50jähriges Engagement für eine sprachlich aktuelle und bibelwissenschaftlich zuverlässige Übersetzung der Bibel aus dem Urtext (Hebräisch, Aramäisch, Altgriechisch) ins Surselvische.
Martin Fontana wurde am 1. Januar 1934 in Flims geboren. Hier war sein Vater Gian Fontana Reallehrer und bekannt als rätoromanischer Schriftsteller. Nach dem Besuch der Kantonsschule Chur studierte Martin Fontana Theologie, Religionswissenschaft und alte Sprachen an den Universitäten Zürich, Berlin, Marburg a/L. und Basel. Seine Abschlussprüfungen offenbarten bereits die ausgezeichneten Kenntnisse vor allem in der alttestamentlichen Wissenschaft (Arbeit über den Propheten Amos). Nach der Ordination und Aufnahme in die Evangelisch-rätische Synode (Flims 1958) war Fontana Pfarrer in den rätoromanischen Gemeinden Castrisch und Riein (1958–1969), anschliessend bis zu seiner Pensionierung in Felsberg.
Fontana war das Engagement für die rätoromanische Sprache in die Wiege gelegt. Wie sein Vater engagierte er sich für die Renania (rätoromanische Sprachvereinigung der reformierten Sur- und Sutselva) und war 1980–2000 Redaktor des Calender per mintga gi. Als muttersprachlicher Rätoromane war es ihm aber auch ein besonderes Anliegen, die Bibel aus dem Urtext in einer sprachlich aktuellen und bibelwissenschaftlich zuverlässigen Form ins Surselvische zu übersetzen. Vor allem das Alte Testament lag in keiner sprachlich aktuellen Version mehr vor; die letzte Übersetzung stammte aus dem Jahre 1718. So begrüsste er die Bemühungen von Pfarrer Peter Paul Cadonau (1891–1972), der für die Übersetzung des Neuen Testaments ins Surselvische den Ehrendoktor der Universität Basel erhalten hat, auch das Alte Testament in Angriff zu nehmen. Er hatte als junger Pfarrer die ersten Übersetzungsentwürfe Cadonaus zum Alten Testament aufgrund des hebräischen Urtextes redigiert und eine Auswahl der für den kirchlichen Gebrauch wichtigsten alttestamentlichen Texte zusammen mit Cadonau herausgegeben (Chur 1967).
Fontana engagiert sich neben der Pfarramtsarbeit in der von Pfarrer Gion Martin Pelican (gest. 2012) ins Leben gerufenen ökumenischen Übersetzungskommission. Über die Jahre haben die Mitglieder dieser Kommission geändert – nur Martin Fontana ist immer noch dabei und engagiert sich seit über 50 Jahren für den Abschluss der Übersetzung der Bibel ins Surselvische. Nach dem Neuen Testament (1988) sind unterdessen die prophetischen Bücher (2004), die Psalmen (2010) und die poetischen Bücher (2014) erschienen.
Neben seinem Engagement für die Übersetzung der Bibel ins Surselvische hat Fontana, der heute wieder in Flims wohnt, vor allem Lyrik geschrieben. Von ihm sind erschienen: „Sinzurs agl ur“ (1999), „Ei para l’alva“ (2001) und „Denter las alas“ (2018). Einige seiner Gedichte sind als Lieder vertont, u.a. von Gion Antoni Derungs, Christian Gamboni und Gion Balzer Casanova.