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Tacones lejanos
Regie: Pedro Almodóvar
Darst.: Victoria Abril, Marisa Paredes, Miguel Bosé, Pedro Díez del Corral, Féodor Atkine, Anna Lizarán, Bibiana Fernández, Nacho Martínez, Miriam Díaz Aroca, Javier Bardem u.a.
15 Jahre hat Rebeca ihre Mutter Becky nicht mehr gesehen. Die egoistische Diva ging damals ohne ihre Tochter nach Mexiko, um dort ein grosser Star zu werden. Nun erwartet Rebeca ihre Mutter am Flughafen, doch das Wiedersehen steht unter unguten Vorzeichen: Die Tochter ist mit Manuel verheiratet, dem ehemaligen Liebhaber der Mutter, die Ehe ist allerdings bereits gescheitert. Rebeca pflegt eine Freundschaft mit einem Transvestiten, der sich «Femme Letal» nennt und in Madrid als Showgrösse bekannt ist. Sie kann ihre Mutter überreden, mit ihr und Manuel eine Show in Letals Travestieclub zu besuchen. Als Manuel einige Tage später erschossen aufgefunden wird, ist das erst der Anfang einer verrückt-bunten Mischung aus Melodrama und Thriller – gewissermassen eine Verbindung aus Douglas Sirks «Imitation of Life» und Hitchcocks «Stranger on a Train». Marisa Paredes und Victoria Abril als in Unheil verstricktes Mutter-Tochter-Paar bieten hier eine ihrer besten Performances in Almodóvars Universum, in dem sie bereits zuvor und vor allem danach noch öfters zu bewundern waren. Ryūichi Sakamotos markerschütternd-üppige Synthesizer-Streicherklänge erinnern bei aller Künstlichkeit an die Begleitmusik grosser Hollywood-Melodramen der 1950er-Jahre. Pia Horlacher schrieb seinerzeit in der NZZ: «Pedro Almodóvar, die Skandalnudel unter den europäischen Filmemachern der Postmoderne und gleichzeitig einer ihrer intellektuellsten Vertreter, könnte alle seine Filme ‹High Heels› – tacones lejanos – nennen. Denn der Stöckelschuh steht nicht nur als Metapher für die monströsen Weiblichkeitsattribute, mit denen der synthetische Mann sich seine synthetische Frau phantasiert, sondern auch als Instrument der frechen Rebellion gegen diese synthetischen Geschlechterrollen. Wo die Stöckelschuhe als Fessel an der Fessel des ewigen Weibes klappern, stapft Almodóvars neuer Mann, der Transvestit, auf ihnen spielerisch über die Grenzen seiner sexuellen Identität. Die Künstlichkeit der Norm, die sich als Natur ausgibt, zertrümmert Almodóvar wie ein unartiges Kind die gute Puppenstube, und aus den Trümmern setzt er eine Welt zusammen, in der Frauen- und Männerbilder verschmelzen.»