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Auf biblischen Spuren in der Negev-Wüste
40 Tage fastete Jesus nach den Berichten des Neuen Testaments in der Wüste, um schliesslich vom Satan versucht zu werden. Obwohl der Schauplatz dieser Begebenheit nicht näher beschrieben wird – in der Negev-Wüste in Israel lässt sich das Geschehen sehr gut vorstellen.
Der Süden Israels ist eine Region, deren Geschichte in mancher Hinsicht bis in biblische Zeit zurückreicht. Heute ist die Wüstenlandschaft des Negev wegen ihrer Vielfalt ein gerne besuchtes Ziel.
Von Wüste und blühenden Landschaften
Wie ein Keil schiebt sich das israelische Territorium im Süden des Landes zwischen das östlich angrenzende Jordanien und die sich westlich anschliessende, zu Ägypten gehörende Sinai-Halbinsel. Die Spitze des Gebietes endet am Roten Meer in der Hafenstadt Eilat, die gleichzeitig das Touristenzentrum der Region schlechthin ist und vor allem bei Tauchern einen herausragenden Ruf geniesst. Die Fläche des Keils wird fast vollständig von der Negev-Wüste ausgefüllt.
Mit rund 12’000 Quadratkilometern ist sie unter den Wüstengebieten der Erde eher ein Winzling – die Sahara bedeckt zum Beispiel fast neun Millionen Quadratkilometer –, dennoch macht sie etwa 60 % des israelischen Territoriums aus. Der Küstenstreifen an der Südspitze umfasst dabei gerade mal ein Dutzend Kilometer. Die prekäre geografische Lage des Landes wird an dieser Stelle besonders spürbar.
Im Norden und Westen präsentiert sich der Negev als eine vergleichsweise eintönige staubige Ebene. Die übrigen Teile der Wüste sind dagegen sehr viel abwechslungsreicher. Hier gibt es Gebirge, Täler und von der Erosion gebildete weite Kraterlandschaften. Der höchste Berg ist der Har Ramon am Westrand, der allerdings gerade einmal gut 1000 Meter misst.
In den Sommermonaten wird das Klima des Negev durch trockene Hitze bestimmt, im Frühjahr und Winter kann es aber durchaus zu ergiebigen Regenfällen kommen. Dann verwandeln sich ausgetrocknete Wadis binnen kürzester Zeit in reissende Bäche und die Wüste beginnt zu blühen. In diesen Wochen bedeckt mancherorts grünes Gras, das von Blumen rot und rosa übertupft ist, den Boden, und man hat nicht den Eindruck, in einer Wüste zu sein – ein wohltuender Anblick. Doch ebenso schnell, wie die Pracht gekommen ist, verschwindet sie auch wieder. Dann zeigt sich der Negev wieder in typischen Braun- und Ockertönen. Im Norden sind die Niederschläge dagegen so reichhaltig, dass hier sogar lockere Nadelwälder genügend Feuchtigkeit finden. Hier werden – dank künstlicher Bewässerung – auch grössere Flächen landwirtschaftlich genutzt.
Seit den Zeiten Abrahams bewohnt
Trotz der zum Teil unwirtlichen Rahmenbedingungen war die Region seit alters her von Menschen bewohnt. Nach der Genesis, dem ersten Buch der Bibel, hielt sich hier der Stammvater Abraham nach seinem Auszug aus Ägypten eine Zeitlang auf. In vorchristlicher Zeit gehörte das Gebiet zum Königreich der Edomiter, einem assyrischen Vasallenstaat, der ebenfalls in der Bibel erwähnt wird. Die Negev-Wüste war in der Antike vor allem wegen der Kupfervorkommen interessant.
Später führte die berühmte Weihrauchstrasse der Nabatäer durch die Wüstengegend. Sie verband die berühmte Stadt Petra mit den Häfen von Gaza, wo das kostbare Harz weiterverschifft wurde. Eindrucksvolle Reste nabatäischer Siedlungen finden sich noch an manchen Stellen im Negev, am eindrucksvollsten sind vielleicht die Ruinen von Avdat.
Nach den Nabatäern beherrschten Römer und Byzantiner die Gegend, später folgten Araber und Osmanen. Die Geschichte des Negev folgt den verschlungenen Pfaden des gesamten Nahen Ostens. Über die historischen Spuren hinaus ist die Negev-Wüste aber vor allem ein Landschaftserlebnis. Drei besonders lohnende Ziele wollen wir hier vorstellen.
Antike Kupferminen und bizarre Felsen im Timna-Nationalpark
Etwa 30 Kilometer nördlich von Eilat liegt der Nationalpark Timna. Es handelt sich um eine historische Kupferbergbau-Region, das Erz wurde hier bereits vor Jahrtausenden gewonnen. Die antiken Kupferminen können noch heute besichtigt und begangen werden. Im Umfeld der alten Minen förderten Ausgrabungen Gegenstände aus unterschiedlichen Kulturen und Epochen zutage – von den alten Ägyptern bis zu den späteren arabischen Eroberern.
Timna ist aber auch noch wegen seiner spektakulären Felsformationen interessant. Wind und Wasser setzten hier dem Sandstein besonders zu und bildeten im Verlauf vieler Jahrtausende markante Felsstrukturen. Die Säulen Salomos, pilzförmige Felsgebilde und Felsbögen, gehören zu den bemerkenswertesten Erscheinungen. Sie dienen auch als beliebte Kulisse für Konzert- und Tanzveranstaltungen, die hier im Sommer stattfinden. Die Gazellen und Steinböcke, die die Gegend durchstreifen, verleihen dem Nationalpark Timna dabei fast eine afrikanische Atmosphäre.
Der Ramon-Krater – eine Mondlandschaft
Einen ganz anderen Charakter besitzt der Machtesch Ramon oder Ramon-Krater. Der Name Krater ist insoweit irreführend, als es sich hier nicht um einen durch Vulkantätigkeit oder Meteoriteneinschlag gebildeten Talkessel handelt. Der Krater ist fast ausschliesslich ein Werk der Erosion, die hier besonders nachhaltig gewirkt hat. Nur an einigen wenigen Stellen gibt es auch Spuren früherer vulkanischer Aktivität.
Der Machtesch Ramon ist der weltweit grösste Erosionskrater. Er misst in der Länge rund 40 Kilometer, ist 2 bis 10 Kilometer breit und bis zu 500 Meter tief. An seinen Rändern fallen die Felsen oft schroff in die Tiefe ab. Von den Felskanten bieten sich spektakuläre Blicke auf das Kratergelände, das sich dem Betrachter in einer Mischung aus Gelb, Braun und Rot zeigt. Im Talkessel gibt es faktisch keine Vegetation, der Eindruck einer Mondlandschaft drängt sich unwillkürlich auf. Heute bildet der Ramon-Krater den grössten Nationalpark Israels – ein Gebiet von ganz eigenem Reiz und strenger Schönheit.
Avdat – nabatäisches Zentrum
Der Avdat-Nationalpark umfasst nur eine kleine Fläche rund um die Ruinen einer alten Nabatäerstadt. Diese wurde in der Antike auf einer strategisch günstigen Felsposition errichtet und auch in nach-nabatäischer Zeit noch von Römern und Byzantinern genutzt. Neben nabatäischen Resten sind hier daher auch römische und christliche Spuren erhalten. Zu den Naturattraktionen des Parks gehört ein tief in das Kalkgestein eingeschnittener Canyon, an dessen Boden ein natürliches Wasserbecken von einem kleinen Wasserfall gespeist wird. Es ist eine der wenigen Stellen in der Negev-Wüste, an der ganzjährig Wasser zu finden ist.
Wer den Park besucht, kann auch einen Abstecher zu dem nahegelegenen Kibbuz Sde Boker unternehmen. Das Wüstenkibbuz ist eines der bekanntesten Israels, verbrachte doch der Staatsgründer Ben-Gurion hier seine letzten Lebensjahre. Ein Museum und das Grab Ben-Gurions und seiner Frau erinnern an den Staatsmann.
Biblisches und mehr in Eilat
Wer nach so viel Wüste genug hat, kann seinen Aufenthalt in Eilat am Roten Meer ausklingen lassen. Die Stadt hat sich ganz auf Tourismus eingestellt und bietet eine entsprechende Infrastruktur. Dazu gehören selbstverständlich auch Badefreuden. Und wem nicht nach Schwimmen oder Tauchen zumute ist, kann die faszinierend bunte Unterwasserwelt des Roten Meeres trockenen Fusses im Eilat Coral World Underwater Observatory erleben.
Auch „Biblisches“ hat Eilat zu bieten. Der Vergnügungspark Kings City ist ganz auf Attraktionen mit Bezug zum Alten Testament eingestellt. Die Verbindung von Freizeitspass und Bibelthemen ist sicher nicht für jeden Geschmack etwas. Wer es ruhiger mag, kann den Ausblick auf das Rote Meer von einem der zahlreichen Cafés und Restaurants an der Strandpromenade von Eilat geniessen.
Oberstes Bild: © kavram – shutterstock.com