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dodis.ch/43115
Der Vorsteher des Post- und Eisenbahndepartementes, L. Forrer
, an den schweizerischen Gesandten in Paris
, Ch. Lardy1
handschriftlich
Bern, 12. Juni 1909
Ich hatte die Absicht, Sie fortwährend auf dem Laufenden zu halten. Allein ich kam nicht dazu. Neben den laufenden Geschäften der Eisenbahn-, der Postund der Telegraphenabteilung, neben den steten Verhandlungen mit den Bernern und den SBB, neben den täglichen Instruktionsausarbeitungen musste ich auch weitere Leistungen verrichten, und am Abend war ich stets hundsmüde.
Die Sache ist seit vorgestern in Ordnung. Ich sende Ihnen alles, was gedruckt oder autographiert vorliegt, damit Sie den Gang der Angelegenheit ex post verfolgen können. Punkto Frasne-Vallorbe-Daillens-Bussigny-Renens/Morges habe ich Nichts beizufügen. Die Regierung der Waadt hatte vor einigen Wochen eine Eingabe an uns gerichtet, wir möchten die Frage offen lassen, ob, wenn Frankreich auf Vallorbe-Bussigny beharre, es nicht den Waadtländern gestattet werden solle, die Linie aus eigenen Mitteln zu erstellen. Wir erteilten aber unserer Delegation den Auftrag, das betreffende Begehren der Franzosen abzulehnen. Als die Sache in der Konferenz verhandelt wurde und unsere Leute ihre ablehnende Erklärung abgegeben und motiviert hatten, zog Hr. Laurent die Abschrift eines Berichts der Waadtländer an uns aus der Tasche und las daraus vor! Der Bundesrat hat nach Lausanne geschrieben, man möchte sich darüber erklären. Wir sind wirklich allgemach gut versehen; Alles erinnert mich an das, was ich über die schweizerischen Zustände im Winter 1797/98 gelesen habe.
Punkto Vallorbe-Bussigny hat man schliesslich, um an Bord zu kommen, eine möglichst wenig sagende Formel akzeptiert.
Was Genf anbetrifft, so haben sich die Franzosen vollständig demaskiert und wissen nun die Genfer, was sie an ihnen haben. Es ist interessant, die Entwicklung der Faucillefrage zu verfolgen. Beginnen wir mit dem Bautenminister Gauthier. Folgt das vereinbarte Konferenzprogramm vom Frühjahr 1908. Kommt die vorjährige Konferenz: «Quand le gouvernement français...». Auf die heurige Konferenz hin verlangten wir: «Le gouvernement français procédera dans la délai de... (mettons: 20) ans...». Frankreich lehnt diese Formel definitiv ab. Heute vor acht Tagen verlangten wir, nachdem unser Hauptantrag also beerdigt war, folgende Formel auf Insinuation Seitens Fazy und des Genfer Staatsrates hin: Wenn von dritter Seite das Geld zusammengebracht wird, so wird Frankreich seinerseits keine Schwierigkeiten machen und die Konzession oktroyieren. Herr Laurent reist nach Paris, um darüber Instruktionen zu holen. Nachdem man in Paris, jedenfalls nicht länger als eine halbe Minute, beraten, kommt er zurück und erklärt letzten Dienstag, dass die französische Regierung auch diese Formel definitiv ablehne.
Uns kanns ja auch recht sein. Die Hauptsache ist für uns der Rückkauf des Bahnhofes Genf nebst der Linie La Plaine-Genf. Die Genfer werden nun für uns kündigen, ohne weiter auf ihrer Bedingung zu beharren, dass vorerst die Faucille zugesichert sein müsse.
Was nun endlich Moutier-Granges anbetrifft, so haben Sie den Zeitungen entnehmen können, was da alles gegangen ist. Ich will Ihnen nur über die letzte Phase berichten.
Mir hatte der Ambassador stets gesagt, man sei in Paris damit einverstanden, dass von einer Fortsetzung ab Grenchen direkt über die Aare gegen Lyss zu nicht mehr weiter die Rede sein solle, nachdem ich in der Konferenz mit den beteiligten Kreisen bestimmt erklärt hatte, dass der Bundesrat nie eine Linie konzessionieren werde, welche Biel abfahre. Plötzlich, am Schlüsse der Konferenz, wehte wieder ein anderer Wind; das Prolongement Grenchen-Lyss müsse von uns doch zugestanden werden. Wir weigerten uns, selbst auf die Gefahr eines Bruches. Die Franzosen wünschten nun irgend eine Formel, die sie in Paris zeigen könnten. Endlich willigten wir ein, dass im procès verbal der Sache so Erwähnung getan werde: «Wenn die Verkehrszunahme derart ist, dass man an einen weiteren Raccourci (erster Raccourci = Münster-Grenchen) denken müsse, so werde l’étude... l’objet de négociations entre les deux gouvernements bilden.»
Abgesehen von dem Unsinn: «L’étude formera l’objet de négociations» ist die Formel so nichtssagend als möglich.
Wenn man Sie fragt, so können Sie sagen, man sei in Bern erfreut, dass der Vertrag zu Stande gekommen, da man grossen Wert darauf lege, mit den Franzosen auf gutem Fusse zu stehen, dass man aber mit Bezug auf die Faucille mehr erwartet hätte, nachdem die Franzosen es gewesen, besonders Herr Gauthier, die mit Ungestüm unsere Mithilfe zur Erstellung dieser Linie verlangt hätten.
Jetzt ists Va über 7 Uhr und kein Mensch mehr im Departement ausser mir. Ich kann Ihnen deshalb die Dokumente erst am Montag senden. Ich bitte sehr um Entschuldigung.
Ich kann den Brief nicht mehr revidieren, sehe fast nichts mehr, hats Fehler darin, so korrigieren Sie gefälligst selbst.