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Die, die auf Versammlungen immer so vorlaut ist: Diesen Ruf erlangte Clara Zetkin rasch, als sie 1890 nach Stuttgart kam. Sie nahm an den vorwiegend von Männern besuchten sozialdemokratischen Treffen kein Blatt vor den Mund und wurde bald im ganzen Deutschen Reich zu Vorträgen eingeladen. Dabei hatte dieselbe Frau noch vor wenigen Jahren zum Vater ihrer beiden Söhne gesagt: «Ich kann doch keinen Vortrag halten!»
Selbstsicherheit, Mut und argumentative Stärke hatte Zetkin an verschiedenen Lebensorten gewonnen – Leipzig, Stuttgart und zuvor in Paris, wo die Feministin und Friedensaktivistin 1889 die Zweite Internationale der sozialistischen Arbeiterparteien mitbegründete. In einer neuen Biografie zeichnet Lou Zucker Zetkins politische Ansichten und Kämpfe ebenso nach wie alltägliche Freuden und Leiden. Zahlreiche Bilder und Originalzitate lassen Zetkins Leben und Denken, eingebettet in die Geschichte der sozialistischen Bewegung, greifbar werden. Das Leben der Familie in Paris war entbehrungsreich: Die Tage waren angefüllt mit Kinderbetreuung und Geldverdienen, politische und journalistische Arbeit gingen auf Kosten des Schlafs. Dennoch wurde Zetkin mit Reden und Artikeln zu einer der einflussreichsten Frauen in der deutschen Sozialdemokratie – trotz Widerständen auch innerhalb der Bewegung. So sagte eine Freundin aus Berlin, wo für Frauen noch ein grundsätzliches Versammlungsverbot bestand, zu Zetkin: «Es ist aber nicht nur die Polizei. Du weisst genau, dass die Genossen es uns auch nicht gerade einfach machen.» Wollten Zetkin und ihre Mitkämpferinnen etwa Frauenanliegen thematisieren, warf man ihnen Spaltungsabsichten vor; die Anwerbung neuer Parteimitglieder lag in Männerhand.
Clara Zetkin trug viel zu frauenpolitischen Erfolgen bei und war eine wichtige Organisatorin der ersten internationalen sozialistischen Frauenkonferenzen. Als grosse Enttäuschung erlebte sie die Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten im Jahr 1914 – gerade auch aus einer Frauenperspektive hatte sie doch alles daran gesetzt, ihre Antikriegshaltung durchzusetzen.