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Portrait | Obere Mühle Dübendorf
Publiziert am 25. November 2020
Von der Mühle zum Siechenhaus
Den Quellen zufolge wird die Obere Mühle im Mittelalter 1368 zum ersten Mal erwähnt, als der edle Ritter von Breitenlandenberg ebendiese der holden Berta von Hünenberg als Erblehen verkaufte und bestimmt traurig seufzte: «Oh ich vîl armer! Verlorn ist diu müle.» Leider wurde nicht ermittelt, was sich auf dem Areal der heutigen Oberdorfstrasse 15 befand. Doch man kann davon ausgehen, dass es bereits zumindest ein grösseres Gebäude gab. Denn knapp 200 Jahre später, im Zuge der Reformation, ging die Mühle an das Siechenhaus an der Spanweid in Zürich über. Siechenhäuser waren Absonderungsstätten für Aussätzige. Lepra-Erkrankte wurden zum Schutz der Gesellschaft in solchen Institutionen untergebracht.
Kultur zieht ein
Ab 1572 wechselte der Gebäudekomplex mehrmals die Hand und gelangte in den Besitz verschiedener Familien, deren Erben zum Teil auch heute noch in Dübendorf leben. 1962 wurde die Mühle aus finanziellen Gründen stillgelegt und von der Stadt Dübendorf erworben und verpachtet. Danach nutzte die Stadt einige Räume als Materialmagazin und Aufenthalt für den Strassendienst. Bevor 1978 die Scheune in Flammen aufging, was den Gemeinderat Hans-Rudolf Baumberger und ein 7-köpfiges Komitee von Kulturschaffenden aus Dübendorf zu einer Initiative für die Nutzung der Oberen Mühle als Kultur- und Begegnungszentrum bewegte, bestand der Gebäudekomplex aus dem Haupthaus, der Senfmühle, der alten Schmitte, dem Ökonomiegebäude und der Scheune. Laut der 1985 vom Volk mit einer Zweidrittelmehrheit angenommenen Initiative «Für ein Kulturzentrum Obere Mühle» sollten diese Gebäude für das Kulturzentrum genutzt werden, doch im Laufe der Jahre brannten zusätzlich die alte Schmitte und das Ökonomiegebäude ab. Es entstand eine Leerstelle auf dem Areal, derer seither im Rahmen des jährlichen Kleinkunstfestivals «Chrüz und Quär» gedacht wird – ein Zirkuszelt mit einem Fassungsvermögen von 250 Personen wird aufgestellt.
30 Jahre Kulturprogramm
Nach der Annahme der Volksinitiative konnte die Obere Mühle 1990 eröffnet werden. Seither ist einiges geschehen. Drei Leiter haben bislang das Geschehen massgeblich geprägt: Philippe Rey (1990 – 2002), der grosse Projekte wie das «in guitar – Festival», die Lesereihe «Fünf um 5» oder die Weihnachtsausstellung in Gang setzte; Michel Good (2003 – 2007), der den Fokus vermehrt auf Eigenproduktionen legte, und Rolf Hiltebrand (seit 2007), der der Kleinkunst eine grosse Bühne bietet.
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