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Hans Frei(* 1868 Basel, † 1947 Riehen)
Jubiläumsbrunnen1925, Bronze
Die Riehener Zeitung publizierte am 30. Dezember 1925 einen Artikel mit der Überschrift: «Eine Frau wird entführt». Es handelte sich dabei um die Bronzefigur des Jubiläumsbrunnens von Hans Frei an der Einmündung der Burgstrasse in die Äussere Baslerstrasse. Kurz nach der Einweihung wird die auf 3000 CHF dotierte Brunnenfigur, die «schöne Frau», in der Nacht vom 24. auf den 25. März «gewaltsam weggerissen, sodass nur noch die Füsse auf dem Brunnen stehen geblieben sind.» Der Täter, ein begeisterter Kunstschlosser, der aus der psychiatrischen Klinik geflohen war, konnte nach neunmonatiger Suche festgenommen werden. Die Figur wurde unter seinem Bett gefunden und auf ihren rechtmässigen Platz zurückgebracht.
Die «schöne Frau», die eine so grosse Begeisterung erfahren hat, entstand anlässlich des 400-Jahr-Jubiläums der Vereinigung Riehens mit Basel. Zu diesem würdigen Anlass schlossen sich die Gemeinde Riehen, das Wasserwerk und der Verkehrsverein noch vor dem Fest 1923 zusammen und gaben einen Brunnen mit Bronzefigur beim Medailleur Hans Frei in Auftrag. Frei entwirft diesen auch Soldanella genannten Brunnen und schmückte ihn mit einer zierlichen Bronzefigur, die heute zu seinen besten Rundplastiken zählt. Dier Jubiläumsbrunnen wird der Bevölkerung 1925 geschenkt und bei der Tramhaltestelle Burgstrasse installiert. Soldanella bezeichnet die Alpenglöckchen und verweist auf das gleichnamige Café und Restaurant, das sich einst an der Burgstrasse 160 befand und im Jubiläumsjahr eröffnet wurde.
Bereits aus dem Tram der Linie 6 entdecken wir die Brunnenskulptur von Hans Frei. Eine entkleidete Frau mit erhobenen, sich vor der Sonne schützenden Händen, zeigt sich über einem Halbbrunnen in einer Rundbogennische. Das Körpergewicht wird nur vom linken Bein getragen. Dabei lässt sie ihre linke Hüfte keck aus der Senkrechten herausragen und das rechte Bein unbeschwert einen lockeren, spielerischen Schritt nach vorne gehen. Der Kontrapost, ein Gestaltungsmittel der Bildhauerei, das das Nebeneinander von Stand- und Spielbein zum Ausgleich der Gewichtsverhältnisse beschreibt, fand bereits in vielen Skulpturen der Kunstgeschichte grosse Beachtung. Das Spiel der Gewichtsverlagerung verleiht der zarten Frauenfigur eine dynamische Bewegung, die durch die schwungvoll-triumphierend nach oben gestreckten Hände unterstrichen wird. Die Haltung der Figur wird oft als «Hommage à Ferdinand Hodler» gelesen, der für Frei ein grosses Vorbild bei der Suche nach einem adäquaten Ausdruck von Gefühl und Empfindung war.
Hans Frei zeigte seine künstlerische Begabung bereits im Kindesalter. Später erlernte er das Handwerk eines Graveurs. 1899 heiratete Frei die jüngste Tochter des Gemeindepräsidenten, Emma Wenk. Seit 1908 besass der Künstler ein Atelier direkt bei der Tramhaltestelle Pfaffenloh, das er wenige Jahre später zum Wohnhaus erweiterte. Hier verstarb er 1947 nach langer, schwerer Krankheit. Bereits 1941 musste er seine Tätigkeit aufgrund eines Schlaganfalls und einer damit einhergehenden Lähmung aufgeben. Eines seiner letzten Werke war eine Gussmedaille mit dem Bildnis des einstigen Basler Landvogts von Riehen, Johann Rudolf Wettstein. Frei zählt bis heute zu den bedeutendsten Schweizer Medailleuren. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen; so 1900 an der Weltausstellung in Paris sowie 1911 und 1913 an der internationalen Kunstausstellung im Glaspalast München. Das Œuvre von Frei umfasst über 450 Medaillen und Plaketten für Jubiläen, Schützenfeste und andere Anlässe. Viele seiner Arbeiten schenkte er der Stadt Basel. Heute zieren seine Werke öffentliche Plätze, Sammlungen und Museen im In- und Ausland.