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Mörgeli erhielt von Uni Hausaufgaben
Seit der Beurteilung durch seinen Chef musste der Professor Konzepte verfassen, um die Noten zu verbessern
Von Daniel Glaus
Bern Die Universität Zürich hat Christoph Mörgelis Kündigung beschlossen, noch bevor dessen direkt vorgesetzter Chef eine entscheidende Leistungsbeurteilung fertiggestellt hat. Das zeigen Dokumente, die die SonntagsZeitung einsehen konnte.
Gemäss Rektor Andreas Fischer hat die Universitätsleitung «Anfang Woche» entschieden, Mörgeli zu kündigen. Mörgelis Chef Flurin Condrau hat zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht abschliessend festgehalten, ob Mörgeli mehrere im Februar erteilte Sonderaufgaben zufriedenstellend erledigt hat oder nicht.
Am 10. Februar erhielt Mörgeli in einer Mitarbeiterbeurteilung zum ersten Mal nach 25 Jahren an der Uni Zürich keine «sehr guten» oder «guten» Noten mehr, sondern durchs Band «ungenügende» oder höchstens «genügende». Begründet wurde dies mit dem angeblich vernichtenden Expertengutachten über den Zustand von Museum und Sammlung sowie dem Akademischen Bericht 2011 von Condrau. Eine Kopie dieses Berichts ging erst vergangene Woche an Mörgeli.
Am 10. Februar erhielt Mörgeli zudem mehrere Aufträge. Ziel war, die nach Condraus Ansicht herrschenden Defizite im Medizinhistorischen Museum und in Mörgelis Lehr- und Forschungstätigkeit wettzumachen. Mit anderen Worten: Mörgeli sollte mit einer Art zusätzlicher Hausaufgaben wieder genügende Noten als Angestellter erreichen.
Mörgeli verfasste zwischen Februar und September über hundert Seiten für Condrau - konkret waren es vier Konzepte zur Verbesserung des Museums. Ausserdem hatte er Weiterbildungen zu besuchen. Bekannte sagen, Mörgeli habe sich «die Finger wund geschrieben». Das erste Konzept lieferte er im Mai ab.
Mörgeli hörte via Radio, dass er entlassen werden solle
Ob er mit der Zusatzarbeit zufrieden ist, teilte Condrau seinem Angestellten nie deutlich mit, wie Quellen aus Mörgelis Umfeld sagen. Condrau war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Vereinbart war, dass Condrau und Mörgeli die Arbeiten am Donnerstag, 20. September, besprechen. Tags darauf sollte mit Rektor Fischer diskutiert werden, ob Mörgelis Leistung nun genügend ist oder eine letzte Frist von sechs Monaten angesetzt wird.
Doch so weit kam es nicht. Bereits Montag oder Dienstag vergangener Woche wurde beschlossen, das Kündigungsverfahren einzuleiten.
Als der Termin am Donnerstag bevorstand, meldete sich Condrau bei Mörgeli - der vom Kündigungsbeschluss noch nichts wusste - und teilte ihm per E-Mail mit, das Treffen finde doch nicht statt. Man sehe sich ja am Freitag.
Ebenfalls am Donnerstag schloss Condrau die Beurteilung von Mörgelis Arbeiten ab. Das Dokument datiert von jenem 20. September. Über den Inhalt ist nichts bekannt. Offensichtlich wird aber, dass somit eine Grundlage der Kündigung erst beschlossen wurde, als die Entlassung bereits feststand. Es wäre überraschend, wenn Condrau Mörgelis Hausaufgaben nachträglich als genügend erklären würde.
Denn tags darauf teilte die Universität in einer Medienkonferenz mit, man wolle Mörgeli entlassen. Er selber hörte im Radio, dass er entlassen werden solle. Sein Rechtsanwalt wurde weniger als eine Stunde vor der Medienkonferenz orientiert. Ein Kurier überbrachte das Schreiben. Darin werden als Grund für die geplante Kündigung unbefriedendes Verhalten und mangelhafte Leistung angegeben. Mörgeli erhält den Brief wohl morgen Montag per Post. Offiziell ist er noch angestellt bei der Universität Zürich. Freigestellt ist er nicht. Rektor Fischer gab ihm bis kommenden Mittwoch Zeit, Stellung zu nehmen.
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Die Karriere von Christoph Mörgeli
1985
Christoph Mörgeli wird wissenschaftlicher Mitarbeiter am Medizinhistorischen Institut und Konservator des Medizinhistorischen Museums.
1999
Nach drei Jahren im Zürcher Kantonsrat wird Mörgeli zum Nationalrat gewählt. Zeitungskommentare sehen ihn bereits als Nachfolger von Christoph Blocher.
2001
Mörgeli wird zum Titularprofessor für Medizingeschichte an der Uni Zürich ernannt. Ab sofort muss er Lehrveranstaltungen anbieten - mit wenig Erfolg.
2004
Der damalige Institutsleiter Beat Rüttimann gibt Mörgeli eine gute Qualifikation.
2006
Der bis dato letzte Evaluationsbericht der Uni Zürich stellt dem Medizinhistorischen Museum ein gutes Zeugnis aus.
2008
Mörgeli fährt mit seinem Auto frontal in einen stehenden Lieferwagen und verunfallt schwer. Er hat Lähmungserscheinungen und muss am Rücken operiert werden.
2011
Prof. Flurin Condrau wird im Februar Leiter des Medizinhistorischen Instituts. Ein halbes Jahr später leitet er eine ausserordentliche Leistungsbeurteilung ein.
10. FEBRUAR 2012
Condrau hält Mörgeli in der Mitarbeiterbeurteilung die Schwachstellen vor. Sie vereinbaren Ziele und setzen eine neue Beurteilung für den 21. September an.
21. SEPTEMBER 2012
Das vereinbarte Treffen findet nicht statt. Die Uni teilt mit, sie wolle Christoph Mörgeli entlassen, eine Bewährungsfrist von sechs Monaten mache keinen Sinn mehr.
Publiziert am 23.09.2012