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Nachbarrecht im Garten
Das Nachbarrecht soll es jedem Grundeigentümer ermöglichen, sein Eigentum so zu nutzen, dass sich daraus keine übermässigen Immissionen auf seinen Nachbarn ergeben. Wenn Pflanzen dies verunmöglichen, müssen sie unter Umständen zurückgeschnitten werden.
(mei) Im Nachbarrecht unterscheidet man bei Pflanzen zwischen materiellen Immissionen wie Nadeln oder Laub und negativen Immissionen wie Lichtentzug. Wurzeln und Äste, die vom Nachbargrundstück hinüberragen, bilden dagegen direkte Eingriffe. Falls der Nachbar oder die Nachbarin dadurch geschädigt wird, beispielsweise durch eine starke Beschattung, Feuchtigkeit, Lichtentzug oder Behinderung der Aussicht, steht ihm oder ihr – nach einer erfolglosen Reklamation beim Nachbarn – in den meisten Kantonen das so genannte Kapprecht zu. Das gleiche gilt für Obst, das auf das Nachbargrundstück fällt. Dies gehört folglich dem Nachbarn. Duldet dieser die in sein Grundstück hineinragenden Äste, hat er als Ausgleich das Recht, die Früchte zu pflücken und sich das Eigentum daran anzueignen (Anriesrecht). Achtung: Der herbstliche Laubfall gilt normalerweise nicht als übermässig. Nur bei ganz besonderen Verhältnissen (wenn beispielsweise das ganze Laub einer Parkanlage aufgrund der topografischen und der Windverhältnisse regelmässig im Kleingarten des Nachbarn landet) kann vom «Laub produzierenden» Nachbarn verlangt werden, dass er das Laub selber entsorge.
Sich schriftlich beschweren
Der Geschädigte sollte dabei mittels eingeschriebenen Briefs eine Beschwerde an den Nachbarn richten und ihm eine angemessene Frist für die Beseitigung der eindringenden Äste oder Wurzeln ansetzen. Die Frist muss die Vegetationszeit berücksichtigen, denn in der Regel dürfen Bäume und Sträucher nur von Oktober bis März zurückgeschnitten werden. Nur wenn der Nachbar nichts unternimmt, kommt dem Geschädigten selbst das Kapprecht zu. Dieser darf aber nicht selbst zur Gartenschere greifen, sondern muss eine Fachperson mit der Arbeit beauftragen.
Grenzabstände und Maximalhöhen
Die zulässigen Grenzabstände und Maximalhöhen von Pflanzen sowie der Anspruch auf die Beseitigung oder das Zurückschneiden der zu nahe an der Grenze stehenden Pflanzen sind in den kantonalen Einführungsgesetzen zum Zivilgesetzbuch geregelt. Im Kanton Bern müssen hochstämmige Bäume wie Eichen oder Pappeln mindestens fünf Meter, hochstämmige Obstbäume mindestens drei Meter von der March entfernt gepflanzt werden. Von der Maximalhöhe betroffen sind im Kanton Bern nur Pflanzen, die zu nahe an der March stehen; alle übrigen Bäume auf einem Grundstück dürfen in der Regel so hoch werden, wie sie wachsen.
Beseitigungsanspruch kann verjähren
Der Beseitigungsanspruch unterliegt in den meisten Kantonen einer Verjährung. Im Kanton Bern beispielsweise beträgt diese Frist fünf Jahre, im Kanton Solothurn drei Jahre. Weil es schwierig sein kann, zu beweisen, wie lange ein Baum schon steht, empfiehlt es sich, bei grossen Einwirkungen nicht zu lange zuzuwarten. Der Anspruch auf das Zurückschneiden auf die gesetzlich festgelegte Maximalhöhe bei Hecken, Sträuchern und Zierbäumen ist – zumindest im Kanton Bern – hingegen unverjährbar.
Zusätzliche Informationen
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