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In meinem Artikel „Im Buchstaben ganz versunken schwindet alles heitre Licht, und der Schüler, wie betrunken, sieht den Wald vor Bäumen nicht“ habe ich ein Diagramm vorgestellt, das vereinzelte Fragen oder die „Baustellen“ eines Unternehmens in einen Gesamtzusammenhang setzen soll. Ich habe das Vorgehen von Loch, Solt und Bailey, den Gesamtzusammenhang aufzulösen und in Sub-Systeme zu zerlegen in Frage gestellt, weil es zu reduktionistisch ist1.
Ein sogenanntes „Causal Link Diagram“ (CLD) kann den Zusammenhang wieder herstellen. Natürlich liegt es nicht am Diagramm, sondern an der Anstrengung, die einzelnen Sub-Systeme und ihre gegenseitige Abhängigkeit zu identifizieren und darüber nachzudenken. Dieser Akt ist das eigentlich Verbindende. Am Besten macht man das in einer Gruppe, z.B. mit dem gesamten Geschäftsleitungteam. Ein Moderator, der Erfahrung in Modellierung hat, kann die Gruppe motivieren und ihr allzu Technisches abnehmen.
Es ist nicht so einfach, ein solches Diagramm anzufertigen, auch wenn es auf den ersten Blick trivial erscheint. Allein dieses einfache CLD beanspruchte mich über zwei Stunden. Man muss den Blick für das Wesentliche haben, um das Diagramm nicht zu überladen. Man muss einige Grundmuster kennen, wie z.B. Verzögerungen, Aging Chains, Climbing Hill, Flowting Goals2 oder die Senge Archetypen3. Stermans Buch hat fast 1000 Seiten, ist 4 cm dick und hat beinahe A4-Format. Wer modellieren will, muss seinen Inhalt vorzugsweise präsent halten….
Die Grössen „allgemeines Verständnis für das design win Geschäft“ und „Marktanteil für das Escend Produkt“ sogenannte Bestände. Sie nehmen zu, haben aber eine obere Schranke. Irgendeinmal kann das Verständnis nicht mehr weiter wachsen. Der Martanteil kann allenfalls den gesamten Markt einnehmen, aber nicht darüber hinaus wachsen. Solche Grössen können z.B. mit dem Senge Archetypus „Grenzen des Wachstums“ modelliert werden.
Stellen Sie sich ein „stilles“ Kapital vor, das zu einem bestimmten Satz verzinst wird. Der Zuwachs des Kapitals hängt also sowohl vom Zinssatz als auch vom aktuellen Betrag des Kapitals ab. Das sieht dann etwa so aus:
Alle Pfeile sind direkt proportional, d.h. Je grösser die Quelle, desto grösser das Ziel des Pfeils. Daher würde das Kapital ins Unendliche wachsen. Das kann aber nicht sein, denn das Geld auf dieser Erde ist beschränkt. Natürlich erreicht ein Kapital nie einen solchen Betrag, dass es alles Geld der Erde absaugen würde. Dafür müsste es mehere Tausend Jahre lange liegen bleiben, was nicht der Sinn des Geldes ist.
Aber für unsere Zwecke gehen wir nun mal davon aus, dass dieses Kapital nun tatsächlich beginnt, riesige Summen zu verschlingen. Dann würde die Bank Ihnen einen netten Brief schreiben und ankünden, dass sie den Zinssatz senken müssen. D.h. der Zinssatz hängt nun plötzlich vom Betrag des Kapitals ab und zwar umgekegrt proportional. Das lässt sich dann so darstellen:
Das „O“ beim Pfeil vom Kapital zum Zinssatz besagt, dass der Zinssatz sinkt, wenn das Kapital zunimmt (auch wenn dies nur dann der Fall ist, wenn das Kapital einen riesigen Betrag erreicht hat). Durch den unteren Kreis Kapital –> Wachstum –> Kapital wächst das Kapital zunächst an. Später – die zwei parallelen Striche im Pfeil zum Zinssatz weisen auf eine verzögerte Wirkung hin – bremst der obere Kreis das weitere Wachstum aus, so dass ein sogennanntes „logistisches Wachstum“ resultiert (s. z.B: Wikipeda)
Dasselbe geschieht mit dem Verständis und dem Marktanteil im ursprünglichen Diagramm. Natürlich ist ihr Wachstum in der Praxis nicht so glatt, wie es die Kurve in obiger Abbildung suggerieren will. Aber der Trend kann durch diese Kurve durchaus gemittelt werden.
Das war eine elementare Lektion in Modellierung (mit System Dynamics). Es mag eine Zeiterscheinung sein, dass gerade Entscheidungsträger glauben, sie hätten keine Zeit für etwas umfangreichere Methoden. Aber eine Methode, die etwas hergeben soll, hat nun mal einen gewissen Inhalt.
* Titel aus Friedrich Schelling, Ideen zu einer Philosophie der Natur, In: Bubner, Rüdiger (Hrsg.): Geschichte der Philosophie, Deutscher Idealismus, Schelling
1 Christoph H. Loch hat mit Michael E. Solt und Elaine M. Bailey . Diagnosing Unforeseeable Uncertainty in a New Venture. Journal of Product Innovation Management, Volume 25, Issue 1, pages 28–46, January 2008
2 Sterman, J. D. Business Dynamics – Systems Thinking and Modeling for a Complex World. McGraw-Hill, 2000
3 Addor, P. Dynamische Archetypen. anchor.ch, letzter Aufruf Januar 2012.