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1984
ist das Jahr, welches George Orwell für seinen Zukunftsroman gewählt hatte.
Ein totalitärer Überwachungsstaat, der eine gehorsame Arbeiter- und Sklavenklasse bewirtschaftet und ausbeutet.
Ganz so übel ist es in der Bank nicht!
Makrokosmos
Zur Bank kam ich 1981 oder 82 , weil ich Philosophie studiert hatte und man jemanden suchte, der das Rechenzentrums-Handbuch neu schreiben sollte.
Es gab eine Frauendisko in Zürich, wo ich donnerstags immer hinging, vor der Zeit mit Doris alleine, später auch mit ihr. Ich lernte eine Frau kennen, deren Mann wohl Rechenzentrumsleiter bei einer Bank war. Ich wurde sodann einmal eingeladen zum Kaffee und er dachte, ich solle doch bei der Bank anfangen, denn er könne sich gut vorstellen, dass ich die Fähigkeit hätte, so ein Handbuch zu schreiben.
Bis dato arbeitete ich in der Buchhaltung eines grossen Zürcher Auktionshauses.
Die Frau bekam Panik, dass ihr Mann erfahren könnte, dass sie heimlich in den Frauenclub ging. Ich schwor Stillschweigen.
Nun wir trafen sie allerdings jeweils donnerstags auf ihren geheimen Wegen. Das war zum einen Trudi, von der Reklamation, zum anderen ich selber und der Türsteher des Frauen-Clubs arbeitete bei der Datenverarbeitung der selben Bank.
Irgendwie wurde es eng für den Rechenzentrumsleiter, den wir allesamt nicht mochten, weil er seinen Betrieb führte wie ein Offizier in der Armee, nicht aber wie ein Mensch, der Wissen und Kompetenz hat. Er merkte, dass es da etwas gab, wovon er nichts wusste.
Ich nahm den Job an. Ich lernte alle Abteilungen des Rechenzentrums kennen, um das neue Handbuch schreiben zu können, musste ich verstehen, wie es strukturiert ist und wie es funktioniert. Nach einem Jahr war das Werk vollbracht, das war vor Indien.
PS Die Dame flog auf, der Rechenzentrumsleiter war blamiert. Er ging nach London, dort wurde von derselben Bank das Rechenzentrum neu aufgebaut. Sie durfte nicht mehr heimlich ausgehen und war streng kontrolliert von ihm. Ihre wenige Jahre später geborene Tochter nannte sie Corinne.
1984 in der Bank
Nach Indien kann ich mir meinen Wunscharbeitsplatz aussuchen, nachdem ich ja zuvor alle Abteilungen kennengelernt hatte.
Ich arbeite im Applikationssupport in der EDV und habe einen ziemlich interessanten Job. Dieses Platz habe ich mir ausgesucht, weil ich ausnahmslos alle in diesem Team schätzen gelernt hatte und weil man dort am öftesten lachte.
Hier der Versuch einer Erklärung, was unsere Aufgaben ist:
Wenn immer etwas nicht mehr läuft (Software) müssen wir das Programm anhalten oder zurückfahren, den Ort des Fehlers finden, die entsprechenden Programmierer aufbieten, das getestete neue Programm einbinden und den Betrieb mit dem neuen Programm wieder aufnehmen.
Erste PCs
Wir erhalten eines Tages die allerersten Personal Computer, das ist ein Bildschirm mit Tastatur, ein Gehäuse mit einem Floppydisk (360KB) und einer Harddisk mit 10 MB. So richtig etwas damit machen kann man nicht.
So kommt eines Tages Jan daher und sagt zu mir, ich solle mal die Datei Autoexec.bat löschen, dann hätte ich mehr Freude an dem Gerät. Gesagt getan. Und ich hatte meine helle Freude! Es ging nichts mehr.
Zur Schadensbekämpfung benötige ich mehrere Stunden und dank Jan, hatte ich in einem Tag gelernt, wie man DOS, das war das damalige Betriebssystem, programmiert und einen PC einrichtet, damit er läuft.
Mein Chef Peter nutzt seinen Arbeitsplatz dazu, eines der beiden Spielprogramme unentwegt zu spielen , man muss mit Raketen, die Raketen eines gegenüber fliegenden Angreifers abschiessen.
Ich versuche mit, von unseren Programmierern gebastelten Programmen, einen Texteditor zu nutzen, damit man Dokumente schreiben kann und es gibt dann auch die ersten Tabellen-Programme wie z.B. Lotus 123.
Alles ist sehr mühsam im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten.
Alltag
Mein Alltag besteht darin, morgens sehr früh von unserem Wohnort quer durch Zürich zu fahren. Wenn ich nicht vor 06.00 Uhr losfahre, komme ich in einen Stau, der mich bis zu 1-2 Stunden aufhält, mir bleibt also nicht anderes übrig, als vor dem Stau zu fahren und schon um 7.00 Uhr an meinem Arbeitsplatz zu sein. Wir arbeiten Gleitzeit, ein Tag hat 8,4 Stunden, so kann ich abends vor dem grossen Verkehr wieder nachhause fahren.
Von morgens bis abends sitzen wir vor unseren PC’s mit denen man nicht wirklich etwas machen kann. Wir warten auf eine Fehlermeldung, die uns von Trudi verkündet wird und dann geht die Hektik los. Je nachdem wo der Fehler auftritt, werden wir dann zusätzlich via Telefon angeschrien, weil es nicht schnell genug geht, das ist dann meist die Projektleiterin der Applikation Börse, wenn das passiert, brechen wir in schallendes Gelächter aus, nach Auflegen des Telefonhörers.
Wenn es blöd geht, gibt es Überstunden, weil niemand nachhause geht, bevor die Kiste nicht fehlerfrei läuft.
Das hier ist der Blick aus meinem Bürofenster.
Männer
Dieser Job und sein Umfeld ist absolut Männer-lastig. Wir sind insgesamt etwa vier Frauen im Rechenzentrum, das ist Trudi von der Reklamationsstelle, Silva, die mit mir im Team arbeitet, die Engländerin von der Datenbank und die Sekretärin des Rechenzentrumsleiters. Ich denke es sind circa 100 Männer um uns herum.
Ich fühle mich in diesem Umfeld wohl und es gibt meines Wissens keine oder kaum Belästigungen. Wenn jemand Geburtstag hat wird gefeiert und es hat ein paar Mitarbeiter in deren Schränken keine Akten sondern Weissweinflaschen lagern. Öfters mal gibt es regelrechte Besäufnisse und so manch einer scheint dem Alkohol etwas zu sehr zugetan zu sein.
Natürlich möchte ich jetzt in der Bank Karriere machen, es wird ja umstrukturiert, das kommt im nächsten Beitrag zur Sprache.
Zur Info: Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist gegeben. Ich verzichte auf genaue Namen und die genaue Bezeichnung der Bank.
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Auch über Kommentare zu meiner Erzählung würde ich mich sehr freuen 🙂