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© Marcel Burkhardt
Die Krux beim Vögel zählen
Werden bei einem Monitoring die zu kontrollierenden Gebiete nicht zufällig ausgewählt oder nicht jedes Jahr begangen, so kann dies grosse Auswirkungen auf die Schätzung der Bestandsgrösse und -entwicklung einer Art haben.
Möchte man für ein artspezifisches Monitoring einen Nachweis erbringen, werden gerne die besten und erfolgversprechendsten Gebiete zuerst besucht. Schlechter zugängliche oder unregelmässig besetzte Standorte werden dagegen meist erst später oder gar nicht aufgesucht. Dies führt zu einer verzerrten und zu positiven Stichprobe an Standorten, was bei der Berechnung von Bestandstrends problematisch sein kann.
Dies war auch in einer neuen Studie der Fall, bei der Daten aus einem seit den 1960er-Jahren bestehenden Monitoring von Wanderfalken analysiert wurden. Das Gebiet umfasste den gesamten Jurabogen, wo zwischen 2000 und 2020 420 Niststandorte des Wanderfalken überwacht wurden, aber nicht alle Standorte konnten in allen Jahren besucht werden.
Um die Probleme der nicht-zufälligen Auswahl der Standorte bei den vorliegenden Daten zu lösen, wurden sogenannte «Bayesian occupancy models» eingesetzt, mit eindrücklichen Ergebnissen: Die Zählungen suggerierten eine Zunahme des Bestands, und erst die Modelle zeigten, dass die Population tatsächlich im Rückgang begriffen war.
Gerade Citizen-Science-Projekte sind anfällig auf eine solche nicht-zufällige Auswahl von Standorten, da die Freiwilligen verständlicherweise möglichst Gebiete kontrollieren möchten, in denen eine zu überwachende Art eher oder in grösserer Dichte vorkommt. Umso wichtiger ist es, bei der Datenerhebung eine zufällige Gebietsauswahl anzustreben oder andernfalls Modelle zur Korrektur zu verwenden, um eine bessere Schätzung der Bestandsentwicklung zu erhalten.
Kéry, M., G. Banderet, C. Müller, D. Pinaud, J. Savioz, H. Schmid, S. Werner & R. Monneret (2021): Spatiotemporal variation in postrecovery dynamics in a large Peregrine Falcon (Falco peregrinus) population in the Jura mountains 2000–2020. Ibis 156: 217–239. doi.org/10.1111/ibi.12999.