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«Wer jemals einen Tritt zu versetzen gezwungen war und das mit der Vehemenz des eingedrillten Spickens tat, wird über die Wirkung so erstaunt wie zugleich dankbar darüber gewesen sein, zu den Könnern des Taktschritts zu zählen …» Mit diesen ironischen Worten beschrieb der Lyriker und Publizist Hans Schumacher einen der «praktischen Werte» des so ungeliebten Taktschrittes.
Diese Art des Gleichschrittes für das Defilee gelangte Ende des 19. Jahrhunderts aus Deutschland in die Schweiz. Es entstand, als helvetische Abart des preussischen Stechschritts, der Taktschritt. Da man in der Schweizer Milizarmee nicht soviel Zeit zur Verfügung hatte, um mit jungen Rekruten oder gestandenen Wehrmännern diesen Defilierschritt zu üben, fiel die einheimische Version der Paradegangart auch etwas milder aus. Allerdings gelangte der Taktschritt in Kriegszeiten zu besonderer Blüte. 1914-1918 wie auch 1939 – 1945 standen Wehrmänner derart lange unter den Waffen, dass etwa für das Drillen des Schrittes viel Zeit war. Naturgemäss erreichte folglich der Taktschritt in der Praxis höchste Perfektion in jenen Jahren, was den Veteranen dieser Aktivdienste auch lebhaft in Erinnerung blieb.
Unser Bild zeigt Wehrmänner des 1915 formierten Solothurner Füsilier-Bataillons 90 bei einer Defilierübung, den Blick nach rechts zurn (nicht sichtbaren) Kommandanten, der den Vorbeimarsch abnimmt, gewandt. Über die Ordonnanzhosen tragen sie hohe Wadenbinden, die während des Krieges auf Grund von Erfahrung der kriegführenden Armeen auch in der Schweiz eingeführt wurden. Die Männer sind mit der so genannten Gebirgsbluse bekleidet, die als Arbeits- und Wärmejacke getragen wurde und die man aus kurz geschnittenen blauen Kaputmänteln der Ordonnanz 1898 herstellte. Diese Art Bluse war noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg in unserer Armee zu sehen. Die Munition zu ihren Langgewehren 96/11 tragen die Wehrmänner in Munitionstaschen der Ordonnanz 1898 am Ceinturon, weiche von ledernen Gabeltragriemen 98 hosenträgerartig auf ihrer Höhe gehalten werden. Die Garnitur des Tschakos der Ordonnanz 1898 lässt über die Bataillonsnummer 90 zwei gekreuzte Langgewehre und die Solothurner Kantonskokarde erkennen, Der Pompön (seine Farbe bezeichnete die Kompanie) krönt den Helm.
Roger Rebmann, Rost und Grünspan, Basel