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Welchen Effekt haben Reflexionsübungen auf die Jobsuche?
Veröffentlicht am 11.01.2024 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
Hat die Auseinandersetzung mit dem persönlichen Wertesystem eine Auswirkung auf den Bewerbungsprozess? Eine Studie der ETH Zürich belegt genau dies: So erhöht es den Erfolg bei der Jobsuche, wenn man im Vorfeld über die eigenen Werte reflektiert.
Studie der ETH Zürich mit interessanten Ergebnissen
Eine aktuelle Studie, an der Forschende der ETH Zürich beteiligt waren, liefert interessante Ergebnisse: So verbessert sich die Chance auf einen Job allein dadurch, indem man sich fünfzehn Minuten lang mit den eigenen Werten beschäftigt und darüber einen kurzen Text schreibt. Arbeitssuchende erhalten mit dieser Reflexionsübung mehr Stellenangebote und der Bewerbungsprozess wird insgesamt gestrafft.
Die Tatsache, dass sich Arbeitssuchende damit beschäftigen, was für sie im Leben von Bedeutung ist, hat offenbar grosse Auswirkungen auf das Selbstvertrauen und den Bewerbungsprozess. Auch Menschen, die schon lange nach einer neuen Stelle suchen sowie ältere Bewerberinnen und Bewerber profitieren davon, sich mit ihren Wertvorstellungen auseinanderzusetzen.
Deutliche Unterschiede zur Kontrollgruppe
Der Aufbau der Studie war zweigeteilt. Zum einen gab es eine Gruppe von 532 Personen, die beim staatlichen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) der Stadt Zürich arbeitslos gemeldet waren. Weitere 334 Personen wurden online rekrutiert und waren zum Zeitpunkt des Experiments in Europa oder in den USA arbeitssuchend. Die Einteilung in die Gruppe derer, die sich fünfzehn Minuten lang intensiv mit den eigenen Werten auseinandersetzte beziehungsweise mit der Kontrollgruppe, die sich mit wenig wichtigen Werten beschäftigte, erfolgte nach dem Zufallsprinzip.
Die Teilnehmenden beider Gruppen erhielten eine Liste mit Werten (zum Beispiel Freude am Lernen, Sport und Fitness oder Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen), die nach ihrer persönlichen Bedeutung eingruppiert werden sollten. Aus den vorgeschlagenen dreizehn Werten sollten zwei oder drei Werte ausgewählt werden, die persönlich als besonders wichtig erachtet wurden. Die Kontrollgruppe beschäftigte sich mit Werten, die als am wenigsten wichtig eingeschätzt wurden.
Daraufhin wurden von beiden Gruppen im Zeitraum von zehn bis fünfzehn Minuten kurze Texte erstellt. Das Überraschende dieser Studie: Schon das kurze Beschäftigen mit dem persönlichen Wertesystem hat einen deutlichen Effekt auf den Bewerbungsprozess. Nach acht Wochen ist dieser Effekt zwar nicht mehr als signifikant einzustufen, doch kurzfristig zeigen sich sehr viele positive Effekte.
Die Wahrscheinlichkeit, eine neue Arbeitsstelle zu finden, steigt in den ersten vier Wochen nach diesem Experiment deutlich, und zwar um das Doppelte bis Dreifache im Vergleich zur Kontrollgruppe. Menschen, die in schwierigen und langwierigen Bewerbungsprozess häufig psychisch angespannt sind, stärken durch diese kurze Reflexionsübung den Glauben an die eigene Person.
Bessere Bewältigung des Bewerbungsprozesses durch Reflexionsübung
Man sollte nicht vergessen: Der Verlust eines Arbeitsplatzes schränkt nicht nur den finanziellen Spielraum ein. Es ist auch eine mentale Anstrengung, sich bei einem potenziellen neuen Arbeitgeber immer wieder neu beweisen zu müssen. Wenn ein kurzes Innehalten und das Beschäftigen mit persönlichen Wertvorstellungen erreichen, dass sich Arbeitssuchende nicht nur besser fühlen, sondern auch schneller eine Arbeit finden, kann der Teufelskreis von Arbeitslosigkeit bei vielen Menschen durchbrochen werden.