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| Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

12. Kapitel (29—31). Fulgentius lebt als einfacher Mönch in einem Kloster bei Junca.
Mitten in einem seichten Meerbusen, in nächster Nähe des Gestades von Junca, 1 zum größten Teil anstoßend an das Ufer von Bennefa, 2 liegt ein Kloster. Der enge Raum auf einer schmalen Klippe bietet keinen Platz für Gärten; man hat nicht einmal die bescheidene Bequemlichkeit, Holz oder Trinkwasser dort zu finden, sondern der notwendige Vorrat daran muß täglich auf kleinen Kähnen hinübergebracht werden. In diesem strengen Kloster wird die alte Zucht befolgt; die meisten [S. 79] Mönche führen dort ein heiliges Leben von ihrer Jugend bis ins höchste Greisenalter und üben in rühmenswerter Weise die ihrem heiligen Stand entsprechenden Werke. Dort versahen damals zwei hervorragende, hochverdiente Priester, die durch ihr makelloses Alter in hohem Ansehen standen, das Amt des Abtes. Niemals verließen sie das Kloster, sondern widmeten sich der Heranbildung vieler zu kirchlichen Würden geeigneter Männer.
In dieses Kloster also begab sich heimlich der heilige Fulgentius. Dort in der großen Gemeinschaft legte er die Würde als Abt nieder. In der Schar der Mönche glänzte er unter den übrigen durch seine außerordentliche Wissenschaft und geistliche Beredsamkeit; in bewundernswerter Demut und einzigartigem Gehorsam aber machte er sich zum Diener aller, eingedenk jenes Satzes im Evangelium, den unser Herr spricht: „Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat."3 Darum unterdrückte er alle Regungen seines eigenen Willens, widmete sich dem Fasten und Gebet, der Nachtwache und Enthaltsamkeit und schlug sich selbst mit den Lastern und weltlichen Begierden ganz und gar ans Kreuz. Freudig verrichtete er auch Handarbeiten. Er war ein geschickter Schreiber und flocht oftmals Fächer aus Palmenblättern; diese Beschäftigung hatte er bereits als Abt in seinem Kloster ausgeübt. Häufig beschäftigte er sich in seiner Zelle, auch vor den Mitbrüdern, mit geistlicher Lesung. So war er bei allen beliebt, geehrt und gern gesehen. Aber so große Freude nun in diesem Kloster herrschte, so plötzliche Trauer in seinem eigenen. Es freuten sich, die ihn aufgenommen, und es trauerten, die ihn verloren hatten. Ein neuer Wettstreit der Liebe erhob sich unter ihnen. Diese versuchten den neuen Mitbruder hartnäckig festzuhalten; jene aber baten flehentlich, ihnen den früheren Vater zurückzugeben. Die einen betrachteten seine Anwesenheit als eine Auszeichnung [S. 80] für ihr Kloster, die anderen empfanden seine Abwesenheit als einen Verlust.
1: Junca, heute Ounga, war eine Küstenstadt der Byzacena, nach Prokop neun Tagereisen von Karthago entfernt. Noch am Ende des 9. Jahrhunderts war die Stadt Sitz eines Bischofs.
2: Auch Bennefa, heute vielleicht Oglet Khefifa, war Bischofssitz. Zu den Teilnehmern am Religionsgespräch vom Jahre 484 gehörte Hortulanus, der Bischof von Bennefa.
3: Joh. 6, 38.