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Gefäße,
prähistorische. Unter den
prähistorischen Altertümern nehmen die
Gefäße, insbesondere Thon
gefäße,
als oft fast einzige Reste mancher
Zeiten eine höchst wichtige
Stellung ein. Die ältesten
Gefäße, stellenweise allerdings
auch nur in kleinern Bruchstücken erhalten, sind Thon
gefäße, deren Vorhandensein sich bis in die Renntierzeit,
d. h. die Zeit, wo das
Renntier in Mitteleuropa heimisch war, nachweisen läßt, und nach deren Vorkommen oder Fehlen bei
Funden der
Renntierzeit man eine jüngere Renntierzeit, in welcher der
Mensch bereits verstand, Thon
gefäße zu fertigen, und
eine ältere unterscheidet, wo der
Mensch diese
Erfindung noch nicht gemacht hatte.
Ein so hervorragender und aus einer leicht bildsamen
Masse hergestellter Gebrauchsgegenstand wurde vielfach mit
Verzierungen
geschmückt, und dies ist ein weiterer
Grund für den
Prähistoriker, den Thonscherben besondere
Aufmerksamkeit zu widmen;
denn das
Ornament stellt eine Art handschriftlicher
Urkunde dar, welche uns über den Kulturzustand und
die Geschmacksrichtung des
Volkes, dem es angehört, Aufschluß gibt. Wenn auch die
Gleichheit der Benutzung, des
Materials
und der
Technik der Herstellung einen gleichartigen
Charakter des
Ornaments bedingt, so ist doch dem
Geschmack des einzelnen
Individuums bei der Herstellung eines
Gefäßes ein weiter Spielraum gelassen, der wieder durch die ihm
von seinen Vorfahren überlieferte Geschmacksrichtung und die auch seine Umgebung beherrschende
Sitte in
Schmuck und
Tracht
in einen bestimmt abgegrenzten Formenkreis eingeengt wird.
Letzterer ist einem
Stamm allein oder auch einigen andern verwandten
und benachbarten eigen, und dadurch wird es möglich, nach gewissen
Typen der Form und des
Ornaments der
Thon
gefäße auf die
Ausdehnung
[* 2] eines Stammesgebiets und auf die
Verwandtschaft räumlich und zeitlich entfernterer
Stämme
Schlüsse zu ziehen. Die Thon
gefäße bilden somit also auch ein wichtiges Unterstützungsmittel für die ethnologischen
Bestimmungen.
Die Masse, aus der die Gefäße gefertigt sind, ist verschiedenartig hergerichtet. Zum größten Teil und namentlich bei den Gefäßen der Steinzeit [* 3] ist der Thon mit grobem Quarzsand oder fein gestoßenen Granitbrocken gemengt, um das Zerreißen der Wandungen beim Trocknen des Thons und bei Feuereinwirkung zu vermeiden. In späterer Zeit, aber schon in der ältesten Metallzeit, [* 4] finden sich Gefäße aus einem ziemlich feinen Thon. In manchen Gegenden, z. B. im Gouvernement Perm, ist die Masse der Gefäße mit kleinen Muschelbrocken gemengt, und in Böhmen, [* 5] Mähren, Süddeutschland etc. ist dem Thon häufig eine größere Menge Graphit zugesetzt. Um die Rauhigkeiten, welche infolge dieser Beimengungen sich an der Oberfläche zeigen, zu beseitigen, ist dieselbe häufig mit einer dünnen Schicht feinen Thons überzogen und nachträglich mit Steinen oder Knochenwerkzeugen geglättet.
Die bei weitem größte Zahl der Gefäße ist aus freier Hand [* 6] gearbeitet. Erst die La Tène-Zeit zeigt die ersten Spuren des Gebrauchs der Töpferscheibe, die in der römischen Periode in dem römischen Reich unterworfenen Gebieten allgemein zur Anwendung kommt, während außerhalb derselben noch nach der alten Weise weiter gearbeitet wird. Erst zur Zeit der fränkischen Herrschaft dringt die Kenntnis und Anwendung der Töpferscheibe auch weiter vor. Die Sachsen [* 7] (besonders die Angelsachsen) bedienen sich noch mit der Hand geformter Gefäße bis vielleicht zur Karolingerzeit, und die Wenden scheinen ebenfalls erst mit der Ausdehnung des fränkischen Reichs die Töpferscheibe kennen gelernt zu haben, wie Technik und Ornamentik ihrer Gefäße andeuten. Bei Herstellung der alten Gefäße wurde zuerst eine den Boden bildende Platte geformt, um deren Rand dann ein dünner runder Thoncylinder gelegt wurde, den man an den Boden fest andrückte und durch Kneten dünner machte, bis er ungefähr die ¶
mehr
Stärke
[* 9] der dem Gefäß zu gebenden Wandung hatte; alsdann wurde ein neuer Thoncylinder aufgelegt, in gleicher Weise behandelt
und hierin fortgefahren, bis das Gefäß die erforderliche Höhe hatte. Manche
Gefäße, namentlich die kannenförmigen, sind
aus mehreren Teilen zusammengesetzt, von welchen ursprünglich jeder besonders geformt wurde. In Westpreußen
[* 10] wurden bis vor
kurzem noch Gefäße aus freier Hand hergestellt, und in Jütland geschieht dies zum Teil heute noch.
Die uns erhaltenen Gefäße sind sämtlich im Feuer gebrannt, wenn auch mehr oder minder stark, und zwar die hellen bei hellem, die schwarzen in Schmauchfeuer, wobei der Thon mit Ruß imprägniert wurde. Die Ornamente [* 11] sind entweder vertieft, oder plastisch aufgelegt, oder farbig aufgemalt. In der Steinzeit wurden teils lineare Zeichnungen mit einem Knochengriffel eingestochen und die auf diese Weise hergestellten Linien mit einer weißen Masse, Kalk oder Kreide, [* 12] ausgefüllt, teils aber auch durch Eindrücken von Haarschnüren die Linien hergestellt.
Die plastischen Ornamente bestehen in aufgelegten horizontalen, ringförmigen und bogenförmigen Leisten, in Knöpfen und Buckeln, welche zum Teil an die Form der Weiberbrust erinnern (Buckelurnen), oder es sind einzelne Teile des Gefäßes figürlich entwickelt, indem der obere Teil des Halses ein Gesicht [* 13] und der darauf passende Deckel eine Kopfbedeckung darstellt (Gesichtsurnen). Ja, sogar die Form von Häusern wurde manchen zur Aufnahme der verbrannten Gebeine dienenden Gefäßen gegeben (Hausurnen).
Die aufgemalten Ornamente bestehen, abgesehen von der Färbung der Wandungen durch Schwärzung in Rußfeuer, Beimengung oder Auftragung von Graphit, Auftragung weißer kreideartiger oder rötlicher ockerhaltiger Schichten, aus Linien und Figuren, welche rot auf weißem Grund, rot auf Graphitgrund, schwarz auf gelblichem oder rotem Grund angebracht sind. Es sind meist schraffierte Dreiecke, schachbrettartige Muster, senkrechte, gerade und Zickzacklinien und Kreise; [* 14] aber auch die [* 8] Figur des Triquetrums und sogar Tierfiguren kommen vor.
Die Formen der Gefäße sind sehr mannigfaltig. In der Steinzeit trifft man bereits Formen mit bauchigem, kugeligem
Körper und steilem, cylindrischem Halse, sogar kleinere, flaschenförmige Gefäße mit sehr engem Hals, daneben allerdings
auch einfachere mit weiter Öffnung und einfach becherförmige. In der Metallzeit und namentlich unter den Gefäßen des sogen.
Lausitzer Typus, die nach ihrem häufigsten Vorkommen in der Lausitz benannt sind, finden sich die mannigfaltigsten Formen:
einfache, runde, flache Untersätze und Deckel, kleine Teller mit reichverziertem Boden, schüssel- und napfförmige
Gefäße,
einhenkelige Schalen und Tassen, Kannen, Krüge,
[* 15] Räucher
gefäße, große, weitbauchige Urnen und Vorratsgefäße. Je nach der
Gebrauchsweise sind dieselben entweder ganz roh gehalten, oder sauber ornamentiert, gehenkelt und ungehenkelt.
In der La Tène-Periode werden die Thongefäße wieder einfacher, vielleicht weil Metall- und Holz
gefäße,
die uns aber aus dieser Zeit nicht erhalten sind, häufiger werden. Vorwiegend finden sich große, weitbauchige Gefäße
und napfförmige Deckelgefäße. In der römischen Periode finden wir in den ehemals römischen Provinzen natürlich eine große
Mannigfaltigkeit vorzüglich gearbeiteter Gefäße aus feinster Thonmasse und mit künstlerisch vollendeten
Dekorationen, in den nicht provinzialen Gebieten dagegen noch die in alter Weise gefertigten
Gefäße, aber von meistens sehr
einfachem Charakter.
Erst in der fränkisch-merowingischen Zeit zeigt sich wieder eine zum Teil sogar sehr reiche Verzierungsweise, während die Formen meist einfach sind und nur weitmundige und weitbauchige, terrinenähnliche Bildungen zeigen. Die eigentlich wendischen Gefäße sind höchst einfach, ohne Henkel, in Form von tiefen Schalen oder Bechern und zeigen meist ein mit einem Rastral hergestelltes horizontales Wellenornament (das sogen. Burgwallornament) oder einfache, horizontale Furchen oder gekreuzte Liniensysteme. Ihr Boden ist häufig mit einem Stempeleindruck versehen, der ein Hakenkreuz oder auch eine Hand oder ein vierspeichiges Rad darstellt.
Die verschiedenen Gefäßtypen haben nun auch ihre bestimmten Verbreitungsbezirke. So kommen die Gefäße der Steinzeit mit eingestochenem Ornament nur in Skandinavien und Nordwestdeutschland, hauptsächlich aber in dem Verbreitungsgebiet der Dolmen, die mit Schnurornament verzierten in Ungarn, [* 16] Böhmen, Sachsen, Thüringen, dann aber auch wieder sehr zahlreich in Großbritannien [* 17] und sporadisch in der Schweiz [* 18] und dem Gouvernement Perm vor. Hausurnen einer bestimmten Form finden sich in Dänemark [* 19] und auf Bornholm, bienenkorbförmige Hüttenurnen in der Priegnitz, eigentliche Hausurnen in der Provinz Sachsen in einem Umkreis, dessen Mittelpunkt die Stadt Aschersleben [* 20] zu bilden scheint, außerdem aber weit südlich in Italien [* 21] im alten Latium und Etrurien, Albano und Corneto.
Die Gefäße des sogen. Lausitzer Typus, deren charakteristischte Formen die sogen. Buckelurnen sind, erstrecken sich von Brandenburg [* 22] durch Posen [* 23] und Schlesien [* 24] bis nach Ungarn hinein. Vereinzelte wurden im Elsaß gefunden. Die Gesichtsurnen finden sich auf dem linken Weichselufer, in Westpreußen, Hinterpommern und Posen. Die von Schliemann in Hissarlik, dem alten Troja, [* 25] entdeckten sind nur der Idee nach ihnen verwandt, der Zeit und dem Formencharakter nach jedoch sehr verschieden, denn die nordischen Gesichtsurnen gehören der La Tène-Zeit an, während die trojanischen sehr viel älter sind.
Auf Cypern
[* 26] wurden auch ähnliche Gefäße gefunden, jedenfalls aber auch einer sehr alten Zeit angehörig.
Neben den Thongefäßen sind die Metallgefäße (Bronzegefäße) von hervorragender Bedeutung in der
prähistorischen Archäologie.
Sie kommen bereits in der ältesten Metallzeit vor und sind größtenteils Importartikel. Die ältesten Formen sind getrieben
oder aus dünn gehämmerten Blechen zusammengenietet. Besondere Wichtigkeit haben die Bronzecisten (manchmal
auch situlae genannt), horizontal gerippte, eimerförmige Gefäße mit einem oder zwei Henkeln, welche sehr häufig in Etrurien
gefunden sind, aber in größerer Zahl auch zu Hallstatt in Oberösterreich, Kärnten und vereinzelt auch in Ungarn, Böhmen,
Sachsen, Posen, Belgien
[* 27] und in der Gegend von Lübeck
[* 28] gefunden wurden.
Eigentlich eimerförmige Gefäße (situlae) kommen in Hallstatt und Mähren sehr häufig vor, vereinzelt auch in Ungarn, Böhmen, Westpreußen und Dänemark. In der La Tène-Zeit kommen eimerförmige Gefäße häufiger vor, am häufigsten jedoch in der römischen Zeit, wo dieselben denn auch nicht nur aus Bronze, [* 29] sondern nicht selten auch aus gediegenem Silber bestehen. Namentlich zeigt sich in der spätrömischen Zeit ein großer Reichtum an Gefäßen aus Edelmetallen, Silber und Gold, [* 30] wenngleich auch goldene Gefäße schon in der ältesten Metallzeit im Norden [* 31] vorkommen. Ein andres Material, das zur Gefäßbildung reichlich verwandt wurde, ist das Glas. [* 32] Perlen aus Glas lassen sich im Norden teilweise schon aus dem 3. und 4. Jahrh. v. Chr. nachweisen, aber ¶
mehr
Gefäße aus Glas finden sich erst zur Römerzeit. Die in dänischen Skelettgräbern aus dieser Zeit gefundenen zeigen eine außerordentlich hoch stehende Technik in der Färbung und Formengebung. Von den Römern hatten ihre Erben in der Herrschaft, die Franken, wahrscheinlich die Fabrikation des Glases überkommen, und so sehen wir denn auch in fränkischen Gräbern Glasgefäße sehr häufig. Endlich wurden auch Holzgefäße sehr viel benutzt. Die ältesten uns erhaltenen Holzgefäße sind die im Kopenhagener Museum aufbewahrten aus jütischen Grabhügeln der sogen. Bronzezeit, also ältesten Metallzeit.
Dieselben sind mit eingeschlagenen Zinnstiften verziert. Eine sehr reiche Ausbeute an mannigfaltigen Holzgefäßen lieferten die Moorfunde in Schleswig [* 34] und Dänemark. Dieselben gehören der spätrömischen Zeit, dem 2.-4. Jahrh. n. Chr., an und haben die Form von Bechern, Schöpfgefäßen und Töpfen. Sie sind aus Einem Stück geschnitzt. In der fränkischen Zeit kommen dann auch wieder Holzgefäße vor in Form von kleinen Eimern. Letztere waren, wie unsre heutigen Eimer, aus Stäben zusammengestellt und durch Metallreifen zusammengehalten.