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Die Palmenmotte im Tessin
Im Sommer 2023 wurde erstmals die Sichtung der Palmenmotte (Paysandisia archon) im Kanton Tessin verzeichnet. Die Palmenmotte stammt ursprünglich aus Südamerika. Sie hat sich während der letzten Jahre stark in Südeuropa ausgebreitet, wo sie eine erhebliche Bedrohung für die Palmen darstellt .
Die Larven der Palmenmotte bohren sich ins Herz der Palmen und fressen das innere Geweb. Die schwächt die Pflanzen und bringt sie in vielen Fällen zum Absterben. In Südeuropa werden verschiedenste kultivierte Palmenarten von der Palmenmotte befallen, sowie Populationen der Europäischen Zwergpalme (Chamaerops humilis), die im Mittelmeerraum heimisch ist und eine zentrale Rolle in den lokalen Ökosystemen einnimmt..
Das Auftreten der Palmenmotte wurde im Tessin bisher in Brissago, Ronco sopra Ascona und Lugano bestätigt. Die hohe lokale Befallsrate in Brissago legt nahe, dass der Falter wahrscheinlich schon vor einigen Jahren eingeführt wurde, aber lange unentdeckt blieb.
Die Einführung der Palmenmotte ins Tessin erfolgte wahrscheinlich aufgrund der Einfuhr von befallenen Zierpalmen und nicht durch eine natürliche Verbreitung (fliegende Falter) aus dem benachbarten Italien. Bisher wurden im Tessin die Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei), die Blaue Mexikanische Fächerpalme (Brahea armata), die Europäische Zwergpalme (C. humilis) und die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) von der Palmenmotte befallen. Alle Palmenarten (mit Ausnahme der Zwergpalmen der Gattung Chamaedorea), die klimatisch fürs Tessin geeignet sind, können potenzielle Wirte der Palmenmotte sein.
Folglich stellt die Palmenmotte im Tessin eine Bedrohung für alle kultivierten Palmen in Gärten und öffentlichen Parks dar. Zudem könnte die Palmenmotte Bestände der invasiven Chinesischen Hanfpalme (T. fortunei), die sich in den periurbanen Wäldern des Tessins ausbreitet, dezimieren.
Die adulte Palmenmotte kann leicht aufgrund ihres auffälligen Erscheinungsbildes identifiziert werden. Sie hat eine Flügelspannweite von 6 bis 11 cm und zeichnet sich durch ihre markante braune Färbung mit deutlichen weissen und orangefarbenen Flecken aus.
In gewissen Fällen können Sie die segmentierten Puppen der Palmenmotte in den Blattbasen vorfinden.
Die natürliche Verbreitung der Palmenmotte über kurze Entfernungen erfolgt meist durch Fliegen von einer Palme zur anderen, insbesondere während der Paarungs- und Eiablageaktivitäten (normalerweise von Mai bis September). Dies ermöglicht nur eine lokale Ausbreitung, da sie auf relativ kurze Entfernungen begrenzt ist. Die Einführung der Palmenmotte in eine neue Region erfolgt jedoch meist durch menschliche Aktivitäten, insbesondere durch den Handel mit Zierpalmen.
Aktuelles Ziel ist es, die Ausbreitung der Palmenmotte zu verlangsamen, um nicht-invasive Zierpalmenarten zu schützen, während wir auf die Entwicklung erfolgsversprechender Techniken und Produkte zur Bekämpfung der invasiven Palmenmotte warten. In der gegenwärtigen Situation im Kanton Tessin besteht der vielversprechendste Ansatz zur Kontrolle darin, die betroffenen Pflanzen zu entfernen. Zu diesem Zweck schlagen wir vor, die Palmen zu fällen und den oberen Teil in einem fest verschlossenen Beutel aufzubewahren, um das Entkommen von Larven oder adulten Motten zu verhindern. Das so eingepackte Material sollte sicher in der kantonalen Müllverbrennungsanlage (KVA) entsorgt werden.
Weitere mögliche Behandlungen (derzeit in der Schweiz nicht verfügbar):
Chemische Kontrolle: Da sich die Larven der Palmenmotte für einen langen Zeitraum in der Wirtspflanze verkriechen, scheint die Endotherapie (das Mittel wird ins innere der Pflanze gespritzt) der geeignetste Ansatz zur Bekämpfung zu sein, sofern ein wirksames Insektizid zur Verfügung steht. Zur Bekämpfung der Palmenmotte wurden bereits einige Insektizide und Behandlungstechniken getestet, darunter Blattsprays und Stamm-Injektionen. Obwohl einige dieser Mittel vielversprechende Ergebnisse gezeigt haben, gibt es derzeit keine sicher wirksame kommerziell verfügbaren Produkte.
Biologische Kontrolle: Die biologische Kontrolle stellt eine vielversprechende Alternative zur Bekämpfung der Palmenmotte dar. Pilzbasierte biozide Mittel und Nematoden (insbesondere Steinernema carpocapsae) sowie Parasitoide wie Trichogramma spp. wurden bisher als potenzielle biozide Mittel erforscht. Weitere Forschung ist jedoch nötig, um ihre Wirksamkeit und Ausbringung zu testen.
Der Lebenszyklus der Palmenmotte ist eng mit seinen Hauptwirten, den Palmen, verbunden. Die Larven, die das einzige Stadium dieses Falters sind, das Pflanzenschäden verursacht, ernähren sich hauptsächlich von jungem Pflanzengewebe in den Palmenherzen. Ihre Fressgewohnheiten schädigen die Wirtspflanze schwer, was zu Wachstumsverlust, zum Absterben von Blättern und schlussendlich zum Absterben der Palme führen kann. Zudem bilden die Larven Gänge im Stamm der Palmen, was Sekundärpathogenen den Eintritt ermöglicht, und die Palme zusätzlich schwächen kann. Die vollständige Larvenentwicklung dauert 10,5 bis 18,5 Monate, abhängig davon, ob sie einen jährlichen oder zweijährigen Zyklus verfolgt.
Sobald die Larven das neunte Larvenstadium erreicht haben, beginnen sie mit dem Bau eines Kokons aus Palmenfasern. Die Verpuppung dauert 35 bis 68 Tage. Die leeren Puppen bleiben nach der Metamorphose an den Blattbasen zurück. Adulte Palmenmottenfalter sind tagaktiv und fliegen während den sonnigsten Stunden des Tages. Bei Temperaturen unter 22°C sind sie inaktiv. Die Falter werden drei Stunden nach dem Schlüpfen fortpflanzungsfähig. Die Weibchen weisen meist ein monogames Verhalten auf. Die Partnerwahl des Falters erfolgt nicht über sexuelle Pheromone, sondern basiert auf visuellen und chemischen Signalen über kurze Entfernungen.
Weibchen wählen in der Regel nur eine Palmenkrone zur Eiablage aus und legen 1 bis 10 Eier pro Eiablageevent. Die Eiablageperiode findet während den wärmsten Stunden des Tages statt (zwischen 11:00 und 17:00 Uhr im Mittelmeergebiet) und dauert vier Tage, beginnend ab dem Tag der Paarung. Die Eier haben eine charakteristische reisförmige Form, sind weiss-rosa und etwa 4 mm lang. Da sie nicht klebrig sind, haften sie nicht an den Palmenblättern und werden in der Regel nahe beieinander abgelegt. Nach 12-21 Tagen schlüpfen die Larven.