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Eine neue Eiszeit kommt frühestens in 15 000 Jahren. Das belegen Klimaforschungen, an der Wissenschafter der Universität Bern beteiligt sind.
Voraussetzung ist allerdings, dass der Mensch der Natur nicht zu sehr dazwischen funkt.
Die Forschungsergebnisse resultieren aus der europäischen Eiskernbohrung "Epica" (European Project for Ice Coring in Antarctica) in der Antarktis, bei der bisher 2500 Meter tief in den Eisschild gebohrt worden ist.
Die Eiskerne "spiegeln 740'000 Jahre Klimageschichte wider", sagt AWI-Direktor Heinz Miller, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven zu einer Publikation im britischen Fachjournal "Nature".
Seit knapp einer Million Jahren lagern sich im Inlandeis Schneefälle in dünnen Eisschichten ab. Dies sei die längste kontinuierliche Klimaaufzeichnung auf Grundlage von Eiskernen, sagt Miller.
Die bisher längste Wärmeperiode
Insgesamt registrierten die Wissenschafter in dem Bereich je acht Eis- und Warmzeiten. Es sei noch unklar, ob der Einfluss des Menschen das Kommen der Eiszeit beschleunige.
Mit der seit 12'000 Jahren dauernden derzeitigen Warmzeit erlebt die Erde laut Miller voraussichtlich eine der längsten Warmperioden der vergangenen 420'000 Jahre.
Die vergangenen vier Zeiträume mit gemässigten Temperaturen waren demnach mit 12'000 bis 15'000 Jahren nur relativ kurz. Die kalten Perioden dauerten jeweils wesentlich länger.
Bohrung bis auf den steinigen Untergrund
Weitere 200'000 Jahre wollen die Forscher im kommenden Winter erkunden, wenn sie die letzten 100 Meter Eis über dem Felsuntergrund anbohren. Die Analyse der jeweils drei Meter langen Eiskerne wird voraussichtlich noch Jahre in Anspruch nehmen.
Die im Eis eingeschlossenen Klima-Informationen sind laut Miller wesentlich detaillierter als die Erkenntnisse, welche die Wissenschafter bei den bisherigen Bohrungen im Meeresboden fanden. Im Gegensatz zu den Bodenproben sind in den dünnen Eisschichten Spuren jener Gase gespeichert, die das Klimageschehen beeinflussen.
Höchster Wert seit 500'000 Jahren
Im Gegensatz zu den Bodenproben sind in den dünnen Eisschichten Spuren jener Gase gespeichert, die das Klimageschehen beeinflussen. Unter anderem entdeckten die Forscher, dass die Kohlendioxid-Konzentration der Atmosphäre in früheren Eiszeiten bei 200 ppm (Anteil pro eine Mio. Teile) und in Warmperioden bei 280 ppm lag.
Seit 1750 sei der Anteil dieses Treibhausgases durch menschlichen Einfluss auf 370 ppm gestiegen. Nach vorläufiger Analysen sei dies der höchste Wert der vergangenen 500'000 Jahre.
Welche Konsequenzen das für das Klima habe, könne den Eiskernen jedoch nicht entnommen werden, sagte Miller.
Uni Bern mit wichtigem Beitrag
An Epica beteiligt sind Forscher aus 10 europäischen Ländern, darunter auch Schweizer: Die Abteilung für Klima- und Umweltphysik am Physikalischen Institut der Universität Bern nimmt laut eigenen Angaben eine Schlüsselstellung im Projekt ein.
Die Berner Wissenschafter sind laut eigenen Angaben weltweit führend in der Bestimmung der Konzentration von Treibhausgasen in den polaren Eisbohrkernen.
Der Bohrkopf, der in der Antarktis Verwendung findet, wurde in Bern entworfen und gebaut; der Bohrturm wurde in Zusammenarbeit mit einer Berner Firma konstruiert.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
In der dicken Eisschicht der Antarktis ist das Klima längst vergangener Zeiten festgehalten.
Europäische Klimaforscher, darunter Wissenschafter der Universität Bern, haben bei ihren Eisanalysen bisher acht Eiszeiten und acht Warmzeiten innerhalb eines Zeitraums von 740'000 Jahren rekonstruiert.
Mit modernster Bohrtechnik ist es heute möglich, Eis aus 3000 Metern an die Oberfläche zu holen.
Finanziert wird das Projekt von der EU und den teilnehmenden Ländern. Der Schweizerische Nationalfonds hat dafür rund 2,8 Mio.Fr. aufgebracht.