Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/2570

Wenn die konservativen, d.h. nicht-operativen Therapien keine entscheidende Verbesserung der Kontinenz nach sich ziehen, sollte eine Operation als Therapie in Erwägung gezogen werden. Bei der Wahl der richtigen Form von Chirurgie müssen die Ursache der Inkontinenz, deren Ausprägung und die Erwartung bzw. der Wunsch des Patienten berücksichtigt werden.
Liegt der Grund der Inkontinenz in einem defekten Schliessmuskel, so kann der vorhandene Muskeldefekt vernäht werden (sog. Sphinkterrepair). Diese Operation wird meist bei jüngeren Patienten durchgeführt, typischerweise bei Schliessmuskelzerreissung nach Geburten. Diese Operation ist heikel und sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.
Eine neue Therapiealternative zum Sphinkterrepair ist die Injektion von Kollagen oder Silikon zur Verstärkung des Schliessmuskels. Diese Therapie kommt insbesondere bei leichtgradiger Inkontinenz bedingt durch eine Schädigung des Schliessmuskels zur Anwendung. Das Kollagen wird unter die Schleimhaut gespritzt, das Silikon zwischen den inneren und den äusseren Schliessmuskel.
Eine eigentliche Revolutionierung der Therapie der Stuhlinkontinenz erfolgte 1995 mit der Sakralen Nerven Stimulation (SNS). Bei dieser Therapie werden die für die Kontinenz wichtigen Beckenbodennerven mittels Strom stimuliert. Dies führt vor allem zu einer verbesserten Empfindlichkeit des Enddarmes, sodass der Stuhl früher bemerkt wird. Diese Stimulierung geschieht für den Patienten meist unbemerkt oder wird als feines Kribbeln im Bereich des Afters wahrgenommen.
Die Sakrale Nervenstimulation ist eine ambulante Operation mit einer Erfolgsrate von 85% - unabhängig von der Ursache der Stuhlinkontinenz!
Die Operation läuft in 2 Phasen ab, einer Testphase und einer permanenten Phase. In der Testphase wird zunächst der Beckenbodennerv im Bereich des Steissbeines mit einer Nadel lokalisiert, um dann eine feine Elektrode in die Nähe des Nervs einzubringen. Diese Operation geschieht in lokaler Betäubung und wird ambulant durchgeführt. Danach erfolgt eine vierzehntägige Testphase zur Beurteilung des Therapieerfolges. Wird in dieser Testphase eine Verbesserung der Beschwerden um mindestens 50% erreicht, erfolgt die Implantation einer kleinen Batterie (ähnlich einem Herzschrittmacher) unter die Haut des Gesässes.
Die Sakrale Nervenstimulation ist in lokaler Betäubung durchführbar!
Die Sakrale Nervenstimulation wird nur an spezialisierten Zentren angeboten und gehört heute zu den viel versprechensten Therapien der Stuhlinkontinenz! Andere Verfahren, wie der künstliche Schliessmuskel oder der künstliche Darmausgang, werden aufgrund des Erfolges der Sakralen Nervenstimulation praktisch nicht mehr durchgeführt.