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Was ist ein sinnvoller Zeilenumbruch?
Gehört er zu einer aussterbenden Spezies, unser Sprachpfleger? Denn ihn stört, wenn der Zeilenfall eines Titels nicht sprachlich-logischen Kriterien genügt. Was das bedeutet, legt er Ihnen sogleich dar.
Was spielt das heute noch für eine Rolle?, mögen viele denken. Wenn da beispielsweise folgender zweizeiliger Titel steht: Erleichterung über / (nächste Zeile:) Trumps Abwahl. Mich aber schmerzt es; die Logik des Satzbaus sollte auch im Titel sichtbar sein. «Mein» Zeilenumbruch sieht wie folgt aus: Erleichterung / über Trumps Abwahl. Denn die Präposition über gehört zu Trumps Abwahl und nicht zu Erleichterung.
Ein weiterer suboptimaler Zeilenumbruch zeigt das nächste Beispiel: Gefragt ist eine / neue Politik. Das Subjekt sollte nicht auseinandergerissen, sondern der Umbruch so ausgeführt werden: Gefragt ist / (wer oder was?) eine neue Politik. Ebenfalls zu vermeiden: Aktiengewinne trotz / unsicherem Wahlausgang.
Sprachlich Zusammengehörendes auf gleicher Zeile
Meistens ist da ein Subjekt, ihm folgt eine nähere Beschreibung. So gefällt es mir: Harter Machtkampf / um die Zukunft des libanesischen Volkes. Nicht optimal: Harter Machtkampf um die Zukunft / des libanesischen Volkes. Angehängte Genitive am richtigen Ort machen sich aber gut, wie in diesen Beispielen: Abgang / eines Diktators; Rückkehr / einer Diva.
Zwei Prinzipien prallen aufeinander
Dem rein Sprachlichen stehen oft die Gesetzmässigkeiten des Layouts gegenüber. (Zeitungs-)Layouter und andere Personen mit einem guten Auge mögen es nicht, wenn die erste Titelzeile so spärlich mit Buchstaben bepflanzt ist und die zweite so üppig. Die Zeilen sollten zwar wenn möglich nicht gleich lang sein, aber zu stark voneinander abweichen dürfen sie auch nicht.
Sinn und Schönheit haben Grenzen
Die Breite einer Zeitungsseite oder eines Plakats ist vorgegeben. Wenn eine Überschrift lauten würde Rat / eines erfahrenen einheimischen Politstrategen, so würde der Bogen überspannt, wenn man das kurze Wörtchen Rat allein auf der ersten Zeile stehen liesse – obwohl mit diesem Zeilenumbruch das Kriterium des sprachlich Zusammengehörenden erfüllt wäre.
Zu guter Letzt sind da noch das Handy, das Tablet und der Laptop. Auf jeder dieser Plattformen präsentiert sich der Zeilenfall unterschiedlich; Schriftgrösse, Laufweite und Zoom tun ihr Übriges. Kaum jemand – leider – sieht da in einem schlechten Zeilenumbruch noch einen Bruch mit dem gesunden Sprachempfinden.
Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute täglich journalistische Texte bei einer Tageszeitung.
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