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Titel
Lehmann,
1) Karl Ernst Rudolf Heinrich, Historienmaler, geb. zu Kiel, Sohn des Hamburger Malers Leo L., von dem er den ersten Unterricht erhielt, kam nach Paris, wo er Schüler von Ingres wurde. Nachdem er 1835 mit seinem Debüt: Tobias und der Engel Raphael wie einigen nachfolgenden Bildern Glück gemacht hatte, besuchte er München, ging 1838 nach Italien, bildete sich durch das Studium der dortigen großen Meister und nahm Paris zu seinem Wohnsitz. Seine Bilder, historische und allegorische, sowie seine Porträte zeigen ein ungewöhnliches Talent, einen ausgesprochenen Sinn für die Anmut einer formvollendeten Erscheinung, ermangeln aber des tiefern Ausdrucks. Am besten gelingen ihm allegorische Darstellungen, wo der Mangel an innerm Leben weniger fühlbar und die geistvolle Komposition die Hauptsache ist. In dieser Weise schmückte er den Festsaal des Hôtel de Ville mit einer Reihe von Zwickelbildern, die den Verlauf der Kulturentwickelung der Menschheit darstellten (1852), ebenso den Justizpalast mit allegorischen, auf Recht und Rechtspflege bezüglichen Gestalten, den Thronsaal im Luxembourg, wo er an den beiden Schildbögen der Seitenwände eine halb allegorische, halb reale Schilderung der ganzen französischen Geschichte und Kultur zusammendrängte, ebenso seinen eignen Speisesaal. Zu seinen biblischen Bildern gehören außer dem erwähnten Tobias: die Tochter Jephthas, von eleganter Glätte der Ausführung (1836), die Heirat des Tobias (1837), die Wandmalereien in einer Kapelle der Kirche St. Merry (Ausgießung des Heiligen Geistes), die Himmelfahrt Mariä in der Kirche St. Louis en l'Ile, die Geißelung Christi in der Kirche St. Nicolas zu Boulogne, ein Jeremias u. a. Ganz dieselbe rein äußerliche Wirkung haben die mythologischen und die übrigen historischen und poetischen Darstellungen, z. B.: der Jammer der Okeaniden um den Prometheus (1850, Museum des Luxembourg), die Sirenen, Venus Anadyomene, der Fischer (nach Goethe, Museum in Carcassonne), der Tod Roberts des Starken (in Versailles), die meistens aus seiner frühern Zeit herstammen. Verhältnismäßig am charaktervollsten ist er in seinen vielen, auch noch in den letzten Jahren häufig gemalten Porträten, z. B.: Franz Liszt (1842), Baron Haußmann (1869), Frau Arsène Houssaye, Ponsard, Alphonse Karr, Erzbischof Darboy, Victor Cousin u. a. 1846 wurde er Ritter, 1853 Offizier der Ehrenlegion, 1864 Mitglied der Akademie der schönen Künste und 1875 Professor an derselben.
2) Rudolf, Genremaler, Bruder des vorigen, geb. zu Ottensen, ebenfalls Schüler seines Vaters wie seines ältern Bruders, Heinrich (s. 1), machte Reisen in Deutschland, verweilte längere Zeit in England und ließ sich in Rom nieder, wo er sich seit den 40er Jahren durch Bilder aus dem römischen Land- und Volksleben bekannt machte, welche bei einer brillanten Färbung die Schilderung der noch klassischen Schönheit des Volks bezwecken, es aber an Geist und Leben fehlen lassen, wie z. B.: die Spinnerin (1842), die Kornschwingerin, die Pilgerin in der Campagna (1845), die Feier der Segnung der Pontinischen Sümpfe durch Sixtus V. (1847, Museum in Lille), eine Karnevalsscene, die Sibylle, Graziella, früher Morgen in den Pontinischen Sümpfen, Ave Maria (1874), nach der Sitzung (1876) und viele Porträte. Seit 1866 lebt er wieder in London.