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Der Verein "Schützengesellschaft Lenk" wurde im Jahre 2001 ins Leben gerufen und entstand durch Fusion aus den beiden ortsansässigen Vereinen "Feldschützen Lenk" (gegründet 1872) und der "Militärschützen Lenk" (gegründet 1924).
Der Verein bezweckt die Schiessfertigkeit seiner Mitglieder im Interesse der Landesverteidigung zu erhalten und weiter zu fördern. Ebenso wichtig erachtet der Verein die Förderung des sportlichen Schiessens, die Pflege guter Kameradschaft und vaterländischer Gesinnung.
Über die Fusion der beiden Vereine wurde während mehr als 2 Jahren intensiv diskutiert. Vor allem die älteren Mitglieder konnten sich zuerst nicht mit diesem Gedanken anfreunden. Am 24. November 2000 haben 46 Mitglieder aus den beiden bisherigen Vereinen an der Gründungsversammlung teilgenommen und der Fusion zugestimmt. Seit 2019 sind auch die Kleinkaliberschützen Teil der Schützengesellschaft Lenk.
Die Schützengesellschaft Lenk konnte nun in vielen Bereichen effizienter arbeiten, wie z.B. im Jungschützenwesen, Durchführung von Schiessanlässen, Besetzung des Vorstands usw.
Alle in bürgerlichen Ehren stehenden Schweizerinnen und Schweizer, ebenfalls Jugendliche, die im laufenden Jahr das 10. Altersjahr erreichen, können Mitglied des Vereins werden.
150 Jahre Feldschützengesellschaft Lenk
In wenigen Zeilen auf eineinhalb Jahrhunderte Vereinsgeschichte zurückzuschauen, heisst vieles ausser Acht lassen zu müssen. Darum wird hier vor allem ein Blick auf die Anfänge und besonderen Ereignisse geworfen. Im ersten Protokollbuch (1872–1949) wurde das Vereinsleben festgehalten: Kassenrevision, Verpachtung der Schützenwirtschaft, Teilnahme an Schützenfesten, Ausschiessen usw.
Am 17. Mai 1872 fand das Gründungsbot der Feldschützengesellschaft der Einwohnergemeinde Lenk in der Wirtschaft von Jakob Marggi statt, nachdem sich zuvor 70 Ortsbewohner als Schützen angemeldet hatten. Die Schiesstradition in Lenk war allerdings viel älter. So entstand bald nach 1818, als im Kanton Bern die Amtsschützengesellschaften gegründet wurden, auch eine Unterabteilung Lenk für diejenige im Obersimmental. Die Amtsschützengesellschaften wurden 1856 vom Kanton Bern ofiziell aufgelöst, sie bestanden aber in manchen Gemeinden als Schützengesellschaften weiter. Die Obersimmentaler bestand 1872 zwar nur noch auf dem Papier, hatte aber noch Vermögen, welches in der Folge unter den vier beteiligten Unterabteilungen Boltigen, Zweisimmen, Sankt Stefan und Lenk aufgeteilt wurde. Daneben gab es damals in Lenk noch eine Jägerschützengesellschaft. Am 26. April 1875 erkannte die zuständige Militärdirektion des Kantons die revidierten Statuten der Feldschützengesellschaft Lenk an, nachdem der Kanton sein Reglement über die Schützengesellschaften erneuert hatte. Die nächste Statutenrevision fand dann erst 1948 statt.
Die Feldschützengesellschaft nahm schnell Fahrt auf. Führte man noch im ersten Jahr vier Schiesstage und zwei Ausmärsche durch, so waren es im zweiten bereits sechs bei ebenfalls zwei Ausmärschen. 1872 lieh man sich bei der kantonalen Militärdirektion 25 Milbank Amsler Gewehre, für 1873 beantragte man 20 Vetterli Stutzen. Für die lokale Gastronomie war die junge Gesellschaft attraktiv, denn 1873 wurde das Schützenwirtschaft an den Meistbietenden, Jakob Zürcher, für 20 Fr. übertragen. In der Folge wurde sie jährlich neu ausgeschrieben und vergeben. Ebenfalls 1873 nahm man bereits am kantonalen Schützenfest in Zweisimmen teil, für das eine silberne Taschenuhr als Ehrengabe spendet wurde. Im Protokollbuch ist die regelmässige Teilnehme an Berner Kantonalschützenfesten dokumentiert.
Schon 1877 trat man dem kantonalen Schützenverein bei. Im gleichen Jahr ist von einer Baukommission für das Schützen- und Zeigerhaus die Rede. Möglicherweise betraf das jenes im Jahre 1873 beim Gemeinderat beantragte Schützenhaus. Damals beantragte man auch die Erstellung eines Schiessplatzes auf der Hohliebe. Im Protokoll von 1882 wird festgehalten, dass der Schützenwirt neben der Munitionslieferung auch das Schützenhaus in einem reinlichen Zustand zu halten hat. Im Juli 1885 findet einmal eine Versammlung im eigenen Schützenhaus statt.
Schon im Gründungsjahr schaffte sich die junge Schützengesellschaft «eine baumwollenen Vereinsfahne (weisses Kreuz im roten Feld)» an. Diese durfte jener Schütze aufbewahren, der die meisten Punkte beim Ausschiessen erreichte. Dieses Ausschiessen war zudem ein gesellschaftlicher Anlass, da der Schiesstag abends mit Tanz ausklang. 1879 muss die Fahne bei einem Brand zusammen mit der Koppel beschädigt worden sein, weshalb eine neue Fahne und Koppel für 200 Fr. angeschafft wurden. Im selben Jahr gewann man beim Frei- und Sektionswettschiessen in Zweisimmen einen Becher, welchen man gravieren und zusammen mit der neuen Fahne 1880 bei der Mobiliar versichern liess. Noch 1948 wurde sie benutzt und man war der Meinung, «dass die gute alte Fahne noch einige Jahre ihren Dienst leisten muss, bis wir genug Geld haben.»
1885 nimmt die Feldschützengesellschaft Lenk erstmals an einem Eidgenössischen Schützenfest teil, welches damals im Berner Kirchenfeld durchgeführt wurde. Neben Einzelschützen meldete man sich auch fürs Sektionswettschiessen an und spendete zudem eine Ehrengabe in Höhe von 50 Fr. Am 19. Juli früh um halb Fünf reiste man im Fuhrwerk nach Bern, bezog dort ein Massenquartier und reiste am 20. um acht Uhr abends wieder zurück. Zwecks gemeinsamen Auftretens wurde als Tenue beschlossen: «Hohe Binsenhüte mit Alpenrosen u. Edelweiss u. gelbes Moos und ferner schwarze Röcke». Die gemeinsame Bekleidung wurde bereits im Jahr darauf beim Frei- und Sektionswettschiessen in Zweisimmen abgeändert: «schwarze Filzhüte, dekoriert mit Edelweiss und weisstannenen Zweigen».
Am 20. Januar 1912 fand ein Winterschiessen zwischen englischen Kurgästen und Lenker Schützen statt, welches die Engländer klar mit 1'624 zu 200 Punkten gewannen. Daraufhin spendete der Engländer H. J. Smith den «Lenker Wintersport-Becher», um den alljährlich im Januar oder Februar zwischen den Lenker Schützen und den Kurgästen auf 300 Metern geschossen werden sollte. Auch im Januar 1913 gewannen die Engländer, diesmal mit 2'468 zu 262 Punkten. Zum Matchschiessen 1914 heisst es im Protokoll nur noch lapidar, dass es schon am 31. Dezember 1913 stattgefunden habe. Dann kam der Erste Weltkrieg dazwischen und die unsicheren Nachkriegsjahre, so dass erst wieder am 8. Januar 1927 ein Schützenmatch Lenk – England stattfinden konnte. Dabei scheint es dann geblieben zu sein. Im Sommer 1935 fragte ein Kurgast an, ob nicht ein Match zwischen den Kurgästen und Lenker Feldschützen stattfinden könnte, was vom Schützenbot bewilligt wurde. In den folgenden Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg ist immer wieder von einem «Gäste-Match» die Rede. Erst nach dem Krieg wird auf den 15. August 1948 wieder zu einem Gästeschiessen eingeladen. Aber auf den Aufruf in Hotels und Verkehrsbüro meldete sich nur ein einziger Gast, weshalb es abgesagt wurde.
Fürs Frühjahr 1921 planten die Feldschützen ein eigenes Ehr- und Freischiessen durchzuführen, hielten aber schon im Herbst 1920 fest, «sofern es die Verhältnisse auch wegen der Maul- und Klauenseuche erlauben» würden. Tatsächlich wurde das Schützenfest wegen dieser Viehseuche verschoben und dann im Dezember 1921 wegen den «Schwierigkeiten zur Durchführung solcher Schützenfeste in der gegenwärtig unsicheren Zeit» ganz abgesagt.
1933 traten die Feldschützen dem Mannenberg-Schützenverband als Stammsektion bei. Gleich beim ersten Mannenberg-Schiessen gewann man das Wanderfähnlein, für welches man dann ein Schäftchen zur Aufbewahrung gestiftete. 1934 konnte das bestätigt werden. In der Folge kam es aber zu einem Zerwürfnis mit der Schützengesellschaft Zweisimmen, weshalb man von einer weiteren Teilnahme absah.
Just am 31. August 1939, dem letzten Friedenstag, fand das Schützenbot statt. Posthalter Klopfenstein rief bei seinem Eintritt den Versammelten zu: «so, so, Manne, an die Gewehre», wobei sich die Teilnehmer beim Heimweg dachten: «Das Ausschiesset wird etwa anderswo abgehalten!» – genau, im Aktivdienst.
Bereits im August 1900 beschloss das Schützenbot die Gründung der Militärschützengesellschaft Lenk, wobei beide Schützengesellschaften den gleichen Vorstand haben und gemeinsame Kasse führen sollten. Dies änderte sich erst im Juni 1922, als die kantonale Militärdirektion eine Vereinigung der beiden Gesellschaften anregte, worauf hingegen das Schützenbot beschloss, beide Vereine zu trennen. 1933 wird ein Zusammengehen abgelehnt, was erst 2001 zustande kam, und woraus die heutige Schützengesellschaft Lenk entstand.
Peter Johannes Weber
Schweizer Schützenmuseum Bern