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Während in Sotschi die grosse Olympia-Sause steigt, schaut Chamonix 90 Jahre zurück. 1924 fanden in den Savoyer Alpen die ersten Winterspiele statt.
Es ist nicht so, dass es 1924 nicht auch Probleme gegeben hätte, wie sie 90 Jahre danach in Sotschi diskutiert werden. Die Deutschen wurden sechs Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht eingeladen nach Chamonix zur «Internationalen Wintersportwoche».
Erst zwei Jahre später wurde die Veranstaltung vom zögerlichen IOC rückwirkend als I. Olympische Winterspiele anerkannt. Im Vergleich zum Gigantismus in Russland war Chamonix verträumt und überschaubar – wie am Einmarsch der Athleten bei der Eröffnungsfeier unschwer zu erkennen ist.
Bildnummer: 14516545 Datum: 18.09.2000 Copyright: imago/United Archives InternationalThe first winter Olympic Games Winter Sports at Chamonix British competitors in the opening procession headed by their banner and union jack bearers 1924 PUBLICATIONx (Bild: Imago)
281 Männer und 13 Frauen gingen in Chamonix in 16 Wettbewerben an den Start – 90 Jahre später in Sotschi sind es rund 3000 Teilnehmer, an die 98 Medaillensätze vergeben werden.
Als erster Olympiasieger wurde am 26. Januar 1924 der 500-Meter-Eisschnellläufer Charles Jewtraw gefeiert, und im Eishockey gewann Kanada – mit 110:3 Toren aus fünf Spielen und einem 33:0 gegen die Schweiz.
Die Schweiz holte zweimal Gold: Im Viererbob (links die Engländer) erzielten Eduard Scherrer, Alfred und Heinrich Schläppi sowie Alfred Neveu eine Spitzengeschwindigkeit von 70,2 Stundenkilometern. Und im Patrouillenlauf, dem Vorgänger des Biathlons, gewann Oberleutnant Denis Vaucher.
Rund 13’000 Medienschaffende inklusive der Techniker sind in Sotschi akkreditiert. 88 Journalisten aus 14 Ländern waren es 1924 in Chamonix, und sie kabelten in ihre Redaktionsstuben, wie die Eisbahn unter freiem Himmel im Stade Olympique (siehe oben) von einem Föhnsturm in einen See verwandelt wurde und nach einem Wettersturz rechtzeitig wieder gefror.
Der Finne Clas Thunberg ging mit dreimal Gold, einmal Silber und Bronze im Eisschnelllauf als erfolgreichster Teilnehmer in die Bücher ein. Die elfjährige Sonja Henie wurde Letzte im Eiskunstlauf und später ein grosser Star. An den drei folgenden Winterspielen gewann die Norwegerin jeweils Gold und eroberte anschliessend Hollywood
(Bild: olympic.org)
Gekostet hat Chamonix 100 000 Francs – was, wenn die Umrechnung gemäss National Institute for Statistics and Economic Studies richtig ist – heute ungefähr 105’000 Schweizer Franken entsprechen würde. Nicht eingerechnet sind dabei die Baukosten, die in Sotschi mit circa 50 Milliarden Schweizer Franken veranschlagt werden.
Vielleicht ist das Äpfel mit Birnen verglichen, aber Chamonix hätte sie gerne noch mal gehabt, die Spiele – und kandidierte als Co-Austragungsort zusammen mit Annecy für 2018. Das südkoreanische Pyeongchang erhielt aber den Vorzug.