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Land:
Vanuatu
Koordinaten:
16.51°S, 168.35°E
Laufnummer Global Volcanism Program:
257050 (ex 0507-05)
Gipfelhöhe:
1413m
Kurzcharakteristik:
Stratovulkan
Von Vanuatu, der Inselrepublik im Südpazifik, die bis zum Jahr 1980 als britisch-französisches Kondominium den Namen Neue Hebriden trug, hört man hierzulande bloss selten. Neuigkeiten aus dieser abgelegenen Ecke erreichen uns meist nur, wenn dort tropische Wirbelstürme wüten, wie etwa im März 2015 der Zyklon Pam, oder wenn Vulkane spektakuläre Bilder liefern.
Vulkanologisch hat Vanuatu tatsächlich sehr viel zu bieten. Immerhin umfasst dieser Inselstaat, der sich über ein 1300 Kilometer langes Gebiet erstreckt und aus über 80 Inseln und Inselgruppen zusammensetzt, nicht weniger als 13 Lokalitäten, die in der Liste der aktiven Vulkane der Welt figurieren (also im Laufe der vergangenen 10000 Jahre tätig gewesen sind).
Eine dieser Lokalitäten ist die kleine Vulkaninsel Lopevi (oder Vanei Vollohulu im lokalen Sprachgebrauch). Sie findet sich zwischen den beiden grösseren Inseln Ambrym und Epi in der Provinz Malampa. Lopevi besteht eigentlich nur aus einem gleichmässig steil aus dem Meer aufragenden Vulkankegel, der an seiner übermeerisch sichtbaren Basis um die sieben Kilometer Durchmesser hat und eine Höhe von rund 1400 Metern erreicht.
Ziemlich genau quer durch die Insel zieht sich eine von Nordwesten nach Südosten verlaufende Spaltenzone, die mit markanten Gipfelkratern besetzt ist und von der sowohl Gipfel- als auch Flankeneruptionen ausgingen. Oft flossen dabei Lavaströme über die steilen, rutschgefährdeten Hänge bis zum Meer ab. Auch in neuerer Zeit war der Lopevi überaus rege tätig: Gemäss der Datenbank des Global Volcanism Program (GVP) verzeichnet dieser Vulkan seit 1863 rund dreissig Eruptionsphasen, viele davon mit einem relativ hohen Vulkanexplosivitätsindex (VEI) von 3.
Einen Ausbruch dieser Stärke («mässig bis gross») gab es letztmals im Juni 2003. Damals berichtete die Flugkontrolle in Port Vila – der auf der Insel Efaté gelegenen Hauptstadt Vanuatus – von bis zu 12 Kilometer hohen Aschenwolken, die über Lopevi aufstiegen, abdrifteten und benachbarte Inseln eindeckten. Auf Lopevi selbst hatte das keine schwerwiegenden Folgen, denn seit nunmehr 56 Jahren ist diese Insel nicht mehr dauerhaft besiedelt.
Ausschlaggebend war ein besonders heftiger und monatelang anhaltender Ausbruch gewesen, der am 10. Juli 1960 eingesetzt hatte. Strombolianische und vulcanianische Phasen wechselten sich ab, und die Eruptionen gingen mit Lavaförderung, starkem Ascheauswurf und dem Abgang von Glutlawinen einher. Platz, um diesen Gefahren auszuweichen, gab es auf Lopevi nicht. Deshalb floh die damals noch auf der Insel ansässige Bevölkerung auf benachbarte Inseln. Sie verblieb dort, denn schon zwischen 1963 und 1965 gab es erneut heftige Eruptionen auf Lopevi, ebenso in den darauffolgenden Jahren. Inzwischen scheinen aber zumindest zeitweise wieder Leute auf die Insel zurückzukehren, um Pflanzungen anzulegen, und angeblich blieb Lopevi auch Schauplatz für zeremonielle Rituale.
PS. Die verlässlichste Quelle über das vulkanische Geschehen in Vanuatu sind an sich die regelmässigen Bulletins des Vanuatu Geohazards Observatory. Über Lopevi gibt es aber offenbar nichts Aktuelles zu berichten, obwohl das Geschehen dort durchaus Auswirkungen haben kann auf andere, zum Teil dicht besiedelte Inseln in der näheren und weiteren Umgebung.
Empfohlener Link (Video vom 18. Juli 2009):