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Ferrari war drückend überlegen auf dem Nürburgring. Massa gewinnt einen WM-Punkt. Renault aber zwei.
Im achten Anlauf hat Sauber auf dem Nürburgring den ersten WM-Punkt gewonnen. Felipe Massa beendete das 60-Runden-Rennen als Sechster vor Nick Heidfeld.
Damit verschaffte sich das Schweizer Team wieder etwas Luft zwischen sich und Jordan. Auf Renault büsste es jedoch eine weitere Länge ein, denn Jenson Button wurde Fünfter hinter dem drückend überlegenen Ferrari-Duo Barrichello-Schumacher, Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) und Ralf Schumacher (Williams-BMW).
Massa vor Heidfeld
Nick Heidfeld ärgerte sich hinterher ein bisschen über sich selber: "Den einen Punkt verlor ich bereits am Start, als ich hinter Felipe zurückfiel. Danach versuchte ich zwar einige Male, mir eine günstige Gelegenheit zum Überholen zu verschaffen, kam aber nie nahe genug an ihn heran."
Felipe Massa hatte auf den ersten Metern nicht nur Heidfeld, sondern auch Mika Salo versetzt und stach als Neunter in die erste Kurve. "Wenn die Vibrationen, die der zweite Reifensatz verursachte, nicht gewesen wären, könnte ich von einem absolut problemlosen Rennen sprechen", sagte der junge Brasilianer.
Rennen ist nicht Qualifying
Im Qualifying hatte Ferrari gegen das am Samstag mit den Michelin-Reifen besser bediente BMW-Williams-Team eine Niederlage einstecken müssen. Im Rennen, das bei bedeutend kühleren Temperaturen stattfand, war schon nach wenigen Runden klar, dass gegen Barrichello und Schumacher und deren Bridgestone-Pneus kein Kraut gewachsen war.
Nicht einmal 15 Kilometer dauerte es, bis sich der Brasilianer und der Deutsche an der Spitze installiert hatten. In der Folge zogen sie so unwiderstehlich davon, dass Ralf Schumachers Rückstand auf seinen Bruder nach zehn Runden schon mehr als 17 Sekunden betrug. Der schlecht gestartete Pole-Position- Inhaber Juan Montoya war zu jenem Zeitpunkt Vierter.
Ein oder zwei Stopps?
Der Abstand der Verfolger nahm auch deshalb ungewöhnlich grosse Ausmasse an (35 Sekunden nach 22 Runden), weil die Ferrari-Fahrer mit einer Zwei-Stopp-Strategie ausgerückt waren und daher zu Beginn über bedeutend leichtere Wagen verfügten als die McLaren-Mercedes- und die BMW-Williams-Leute.
Zwei Zwischenhalte zum Nachtanken und Reifenwechsel hatte auch Renault für Button und Trulli geplant, wogegen Massa und Heidfeld mit den Sauber-Petronas nur einmal innezuhalten gedachten.
"Wir wussten, dass zwei Stopps eigentlich die bessere Variante war", sagte Peter Sauber. "Anderseits rechneten wir uns damit keine Chancen aus, gegen Renault bestehen zu können. Wir wählten daher eine Ein-Stopp-Taktik, die denn auch ganz gut funktionierte."
Dazu ist zu sagen, dass sich Massa und Heidfeld wahrscheinlich nicht nur an Button, sondern auch an Trulli die Zähne ausgebissen hätten, wenn der Italiener nicht in der 5. Runde neben die Piste geraten und dadurch vom 8. auf den 12. Platz zurückgefallen wäre.
Coulthard und Montoya schieden aus
Zu Beginn der 28. Runde kam es zu einer Kollision zwischen Montoya und Coulthard, die Sauber den Gewinn eines Punktes erst ermöglichted
Der zweite Teil des Rennens entbehrte weitgehend der Spannung. Auf der Zunge brannten nur noch die Fragen, ob es Ferrari wohl wagte, Barrichello wie sechs Wochen zuvor in Spielberg zurückzupfeifen wagen und ob es den Sauber-Fahrern wohl gelinge, Button und Trulli bei deren zweitem Boxenstopp noch abzufangen.
Die Antworten liessen nicht sehr lange auf sich warten: Schumacher blieb brav hinter seinem Teamkollegen, Buttons Vorsprung erwies sich als zu gross, und Trulli büsste in der Tat für seinen Abstecher ins Grüne.
Ferrari vor "Gericht"
Am Mittwoch tritt der Weltrat des Internationalen Automobil-Verbandes FIA in Paris zusammen. Zur Sprache wird auch der Fall Ferrari/Österreich kommen.
Wahrscheinlich wird das Team in irgend einer Form bestraft - nicht wegen der Ausgabe einer Stallorder, sondern wegen derer überaus plumpen Anwendung und wegen Verstössen gegen das Protokoll anlässlich der Siegerehrung auf dem Podest.
swissinfo und Agenturen