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Geschichten von Menschen im Krisengebiet in Israel, an der Front und aus der Zivilgesellschaft. In dieser neuen tachles-Kolumne porträtiert die Autorin Menschen im Krisengebiet. Heute über Mirit und Ilan Regev, Maya und Itays Eltern, Herzliah.
Im obersten Stockwerk eines Wohnhauses in Herzlia befindet sich der Krisenstab von Familie Regev. Mirit und Ilan Regev, die Eltern von Maya (21) und Ilan (18), die beide vor mehr als zwei Wochen von der Hamas als Geiseln genommen wurden.
Die Tür öffnet sich und die Besucherin sieht sich einem Foto der beiden jungen Menschen gegenüber. Die Blicke der Schwester und des Bruders sind ernst. Sie scheinen von ihren jungen, unterbrochenen Leben zu erzählen. Das Foto wurde vor ihrer Geiselnahme aufgenommen. Auf dem Tisch vor dem Porträt der beiden Kinder haben Familienangehörige, Freunde und Freiwillige des Hamal (Krisenstab) Dutzende von Fotos von den Ferien der Regev-Kinder aufgestellt. Flugblätter und Poster sind vorbereitet und bereit, verteilt zu werden. Ilan, der Vater von Maya und Itay, breitet seine Arme weit aus und umarmt die Besucherin, die er gerade erst kennengelernt hat. Sein Gesicht ist freundlich, aber angespannt. Der Blick ist fiebrig und fragend. Ilan führt uns zu dem Sofa, auf dem Mirit, die Mutter der Kinder, sitzt. Sie streichelt mit gleichgültiger Hand den Hund der Familie. Etwa zehn weitere Besucher sind um die Eltern gruppiert. Menschlicher Schutz. Wenn Sorge, aber auch der Wunsch, zu beschützen, Geruch und Farbe haben, dann ist es das helle Grau dieser Wohnung, die von allem Überflüssigen befreit ist, von allem, was nicht dazu dient, den Kindern zu helfen, nach Hause zurückzukommen, und dieser beissende und hartnäckige Geruch von kaltem Tabak.
Eine Frau sitzt hinter Computerbildschirmen. Den Eltern und Besuchern werden Plastikgläser mit frischem Wasser angeboten. Wir haben 45 Minuten mit Mirit und Ilan, damit sie immer wieder von diesem 7. Oktober und den folgenden Tagen erzählen können, bevor sie Ihre Besprechung fortsetzen.
Mirit erzählt mit einfachen Worten von der schönen Reise, die sie mit ihren Kindern bis zum 6. Oktober in Mexiko unternommen hatte. "Wir kamen am 6. Oktober um 23 Uhr abends aus Mexiko zurück. Maya und Itay waren so glücklich. Wir wussten, dass sie sofort nach unserer Rückkehr in der Nacht in den Süden fahren wollten. Sie freuten sich so sehr auf das Tribe of Nova Festival. „Die erste israelische Ausgabe des brasilianischen Psytrance-Festivals Universo Paralello, eines der bekanntesten Festivals der Welt, wurde zum schlimmsten Anschlag in der Geschichte Israels.“
Kaum zu Hause angekommen, gibt Mirit ihrer Tochter die Autoschlüssel und wünscht ihr viel Spaß. Mirit geht zu Bett. "Wir waren so sicher, dass unsere Kinder in diesem Land sicher sind. Wir hatten keinen Grund, uns Sorgen zu machen, dachten wir". Ilan und Mirit leben getrennt, wohnen aber nahe beieinander und erziehen ihre Kinder gemeinsam.
In seiner Wohnung, die nur wenige Kilometer von Mirits Haus entfernt liegt, wird Ilan von Raketen-Detonationen geweckt. Er schaltet den Fernseher ein und ruft seine Kinder an, die ihn beruhigen. Alles ist in Ordnung, sagen sie: "Wir warten darauf, dass sich die Situation beruhigt, keine Sorge, Papa".
Gegen 8 Uhr morgens hält es Ilan nicht mehr auf seinem Platz. Er macht sich auf den Weg, um seine Kinder zu holen. Er fährt (mit offenem Fall) Richtung Süden. Er wird von einer Polizeisperre angehalten, die ihn nicht auf das Festivalgelände lässt. Er fährt zurück zum nächstgelegenen Krankenhaus, dem Krankenhaus Soroka. Die Kinder sind nicht dort... Ilan fühlt sich für kurze Zeit beruhigt. Die Nachrichten im Radio und im Fernsehen werden immer präziser. Das Wort Massaker taucht zwischen den immer alarmierenderen Nachrichten auf, die auch in den sozialen Netzwerken verbreitet werden.
Mirit ist inzwischen aufgewacht, benommen von den Nachrichten und dem Schock. Ein kleiner Film wurde ihr geschickt. Darin ist ihr Sohn Itay zu sehen, der mit auf dem Rücken gefesselten Händen in einem offenen Lieferwagen festgebunden ist. Unterdessen gelingt es Ilan, Maya zu erreichen. Es wird ihr letztes Gespräch seit der Entführung sein. Maya schreit: "Papa, sie schießen auf uns, sie werden uns töten, ich liebe dich, Papa". Ilan beschreibt die Angst- und Schmerzensschreie seiner Tochter. Nein, er beschreibt sie nicht, er erlebt sie wieder, immer wieder, wenn er davon erzählt.
Mirit erzählt von der Fassungslosigkeit, die sie in den drei Tagen nach der Entführung ergriff, von der Unfähigkeit, sich zu bewegen, zu schlafen, zu essen, zu atmen.
Die Freunde, die seither jeden Tag und jede Nacht zu den Regev-Eltern kommen, helfen ihnen, wieder zu Atem zu kommen. Sie kommen auch heute Abend. Keren, Kochav, und die Freunde der Kinder. Sie haben diesen "privaten" Krisenstab gegründet, eröffnet und sie leiten ihn: "So lange wie nötig, bis die Kinder und alle Geiseln zurück sind". Sie sind keine Kommunikationsprofis, aber sie lernen schnell und werden jeden Tag ein bisschen besser darin, sich Gehör zu verschaffen. Sie kontaktieren die Presse, bauen eine Website auf und senden Nachrichten an alle, die helfen könnten. "Wir müssen das Rote Kreuz direkt erreichen. Wir wollen mit allen in allen arabischen Ländern und anderswo verhandeln, damit sie uns helfen".
Mirit und Ilan erinnern sich, dass die Besucherin von außerhalb, aus Europa, kommt. "Glauben Sie, dass sie uns dort zuhören wollen?" Ein Hoffnungsschimmer leuchtet in ihren Augen auf, zerbrechlich wie ihr unterbrochenes Leben.