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Grunzen, Hecheln, Schreien, Bellen, Brummen und Wimmern: Als Jane Goodall in den 1960er Jahren begann, die wilden Schimpansen von Gombe zu erforschen, fiel ihr rasch auf, dass die Tiere ihre komplexen Beziehungen zueinander auch mit Lauten steuern. Was sie bedeuten, an wen sie gerichtet sind und was Schimpansen- und Menschensprache gemeinsam haben, wird bis heute intensiv erforscht.
Eines vorneweg: Das Laut-Repertoire von Schimpansen ist eher klein. Es umfasst 13 Lauttypen, die allerdings vielfältig ausgeprägt sind und sich überlappen. Schon früh wurde erkannt, dass wilde Schimpansen Rufe in bestimmten Situationen von sich geben. Zum Beispiel, wenn sie Futter oder einen Feind entdecken, und im sozialen Kontext. Früh fiel auch auf: Männliche Schimpansen rufen häufiger als weibliche.
Schimpansen geben zum Beispiel sogenannte «Rough Grunts» (schroffes Grunzen) ab, wenn sie Futter finden. Sie machen damit andere Schimpansen auf begehrte Futterquellen aufmerksam. Variationen der Rufe beinhalten nicht nur Informationen über den Ort und die Begehrtheit des Futters, sondern auch über die vorhandene Menge und möglicherweise auch über den Futtertyp (zB «Feigen» oder «Früchte»).
Jenny und Sylvester, Bulindi – Uganda.
© BCCP
Die Forschenden schliessen aus, dass die Rufe den Schimpansen unwillkürlich entschlüpfen – etwa aus Freude oder Überraschung über ihren Fund. Denn Schimpansen rufen nur in rund 45-55% der Fälle, in denen sie Futter finden. Sie rufen vor allem dann, wenn Freunde oder Höherrangige in ihrer Nähe sind. Es liegt also nahe, dass sie einen gewissen Grad an Kontrolle über ihre Rufe haben und mit ihrer Hilfe willkürlich bestimmte Informationen an bestimmte Sozialpartner weitergeben, möglicherweise um die Beziehung mit ihnen zu festigen.
Schimpansen passen ihre Rufe den Ohren von Dritten an, die in der Nähe anwesend sind. Sehen sie sich etwa als Opfer einer Ungerechtigkeit – weil sie zum Beispiel geschlagen oder bedroht wurden – schreien sie laut. Dies mag in erster Linie ein Ausdruck von Schmerz oder Empörung sein, und in zweiter ein Signal an den Übeltäter. Doch sorgfältige Beobachtungen zeigten, dass Schimpansen länger schreien, wenn unbeteiligte höherrangige Freunde mithören. Dies wohl darum, weil diese potenziell helfen könnten, den Aggressor zu bestrafen – wenn sie denn wollten.
Zwei namenlose Schimpansen, Bugoma Wald – Uganda.
© Bugoma Primates
Schimpansen können schweigen: Dies demonstrieren tiefrangige Schimpansinnen, die ihren Kopulationsruf unterdrücken, wenn Höherrangige Zeuginnen der Kopulation werden könnten. Sind jedoch keine dominanten Weibchen in der Nähe, lassen sie ihrem Ruf während der Kopulation freien Lauf. Weibliche Schimpansen konkurrieren innerhalb ihrer Gruppe stark um die guten Beziehungen zu den Männern. Indem sie ihre sexuelle Aktivität verbergen, umgehen die tiefrangigen mögliche aggressive Übergriffe der höherrangigen.
Golden, Gombe – Tansania.
© Bill Wallauer
Schimpansen warnen sich mit Alarmrufen gegenseitig vor Gefahren – unter Umständen. Um die Kommunikation bei Gefahr genauer zu untersuchen, verwendeten die Forschenden im Budongo-Wald in Uganda eine Gummischlange, die sie an eine Stelle legten, wo kurz darauf die Schimpansen vorbeikamen. Sie beobacheten das Ruf-Verhalten eines Fokustiers ganz genau. Dies brachte zutage, dass Schimpansen bevorzugt Freunde über eine Gefahr informieren – und dazu neigen, die anderen im Dunkeln tappen zu lassen. Sind sie nämlich mit keinem der Tiere in der Untergruppe, mit der sie gerade unterwegs sind, besonders befreundet, geben sie nur selten Alarmrufe ab (und sie geben gar keine Rufe ab, wenn sie alleine sind).
Die Alarmrufe verändern sich ausserdem je nach Wissensstand der Freunde: Wenn diese noch nichts von der Gefahr wissen, also weder die Schlange gesehen noch einen Alarmruf gehört haben, gibt ein Schimpanse am ehesten einen Warnruf. Sind die anderen jedoch durch Rufe bereits vorgewarnt, rufen sie seltener. Sobald die anderen die Schlange gesehen haben, verstummen auch die Alarmrufe.
Gertrude, Wagaisa – Uganda.
© BCCP
Ein zentrales Merkmal der menschlichen Sprache ist, dass eine begrenzte Anzahl von Lauten flexibel zu Wörtern kombiniert und durch Kombination von Wörtern unendlich viele Sätze gebildet werden können. Durch dieses Merkmal hebt sich die menschliche Sprache stark von derjenigen der Schimpansen ab – soweit wir bis jetzt wissen.
Denn die Forschung hat bis jetzt den einzelnen Rufen von Schimpansen sehr viel Gewicht beigemessen, während die Abfolgen von Rufen weitgehend unerforscht blieben. In einer wegweisenden Studie, die früher in diesem Jahr erschienen ist, identifizierten die Forschenden nun erstmals 390 verschiedene, strukturierte Lautabfolgen aus 4826 Rufen, die wilde Schimpansen im Tai-Wald in Elfenbeinküste verwendeten. Strukturell sind diese Abfolgen ähnlich wie Sätze aufgebaut. Die meisten Laute, welche die Tiere einzeln verwendeten, kamen auch in Sequenzen aus zwei Einheiten vor, und diese wurden wiederum in Sequenzen aus drei Einheiten gefunden. Inwiefern diese Abfolgen eine vorhersehbare Bedeutung für die Schimpansen haben, ist bisher allerdings noch unbekannt.
Die Erforschung der Sprache der Schimpansen bleibt also auch in Zukunft höchst spannend!
Turwa, Gombe – Tansania.
© Bill Wallauer
Wissenschaftliche Literatur:
– Slocombe K. et al (2022) Chimpanzee vocal communication: what we know from the wild. Curr. Op. Behav. Sci 46.
– Girard Buttoz C. Et al (2022) Chimpanzees produce diverse vocal sequences with ordered and recombinatorial properties. Commun. Biol. 5