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wohl Basel
17. / 18. Jahrhundert
Obstholz, gedrechselt
H. 35,5 cm, B. und T. 62,5 cm
Inv. 1894.242.
Stütze für die ersten Schritte
Gehhilfen als Stütze und Schutz für die noch unsicher stehenden Kleinkinder sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon im Mittelalter sind Beispiele dieses Spezialmöbels mit drei oder vier Rollen bekannt. Da das Krabbeln von Kindern zu der Zeit als minderwertig galt, wurden Gestelle hergestellt, die den Kindern schon ab dem sechsten Monat ermöglichten, aufrecht zu stehen und zu gehen. Das Laufgestell konnte gar zum Charakteristikum des Kleinkindes in Darstellungen der vier Lebensabschnitte werden. Selbst das Jesuskind wird in einer Handschrift des 15. Jahrhunderts in einem Laufgestell dargestellt.
Es bewegt sich im häuslichen Ambiente der Tischlerwerkstatt des hl. Josephs hin zu seiner Mutter Maria, die am Webstuhl tätig ist.
Das Laufgestell ist aus gedrechselten mit Kerbmustern verzierten Stäben konstruiert. Diese bilden den weiten quadratischen Rahmen, auf dem der Stützring an schrägen Querstreben eingesetzt ist. Die Holzräder sind mit einem beweglichen Dorn in den Eckkugeln montiert, so dass sie sich nach allen Seiten drehen können. Das Kleinkind kann sich in diesem Ring stehend darauf abstützen. In anderen Ausführungen ähnlicher Laufgestelle ist der Ring gepolstert und mit Leder überzogen, so das Exemplar aus dem Besitz der Familie Burckhardt aus dem Segerhof (HMB Inv.Nr. 1932.1077.).
Dass solche Gehhilfen dem noch schwachen Knochenbau des Kleinkindes schadeten oder gar die Bildung seines Gleichgewichtssinnes verhinderten, wurde immer wieder betont; so im Jahre 1906 von Philipp Biedert: «Ganz zu verwerfen ist das sog. Gehstühlchen ... das Kind stösst bei seinen Vorwärtsbewegungen mit der Brust gegen diesen Ring, ... durch den es ... in seiner Atemtätigkeit behindert wird. Zudem nützt er dem Kinde insofern gar nichts, als es in ihm nie lernen wird, sein Gleichgewicht zu bewahren.»