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Pünderung oder Propaganda-Coup?
Etwas kontroverser diskutierte das Podium über den Schutz der Kulturgüter, der mit den im Westen breit verurteilten Plünderungen im Nationalmuseum in Bagdad plötzlich grosse Aufmerksamkeit erhielt.
Im Irak-Krieg seien klare internationale Regeln zum Kulturgüterschutz missachtet worden, sagte Professor Kurt Siehr, ehemaliger Ordinarius an der Universität Zürich und Experte für Kulturgüterschutz. «Der Krieg ist eine kulturhistorische Katastrophe», so Siehr. Schlimmer als der Verlust einzelner Objekte sei dabei die Zerstörung der Fundstätten, weil dadurch der historische Kontext verloren ginge, der es erlaubt, die einzelnen Gegenstände einzuordnen.
Die Plünderungen im Nationalmuseum seien ein riesiger Propaganda-Coup gewesen, meinte dagegen Ulrich Tilgner. Denn im Museum hätten sich sowieso nur Replika befunden. «Die grossen Raubzüge fanden vor 150 und 200 Jahren statt, als die Kolonialmächte die Kunstschätze in ihre Museen holten.» Provokativ fügte er hinzu: «Die Exponate der Ausstellung gehörten eigentlich in das Irakische Nationalmuseum».
Dem widersprach der Religionswissenschaftler Christoph Uehlinger, einer der Organisatoren der Ausstellung. Die Platten seien im Einverständnis mit der damaligen Regierung – dem osmanischen Reich – ausgegraben und in den Westen gebracht worden. Terry Waite stellte zudem die Frage, ob es verantwortungsbewusst sei, die Kunstschätze in Regionen zurückzugeben, in denen eine derart kritische Sicherheitslage herrsche.