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Die hauptsächlichen Merkmale der beiden Fussballnationen sind eine Konstanz mit Abstrichen (Niederlande) und eine Hochkonjunktur mit einer Goldenen Generation (Belgien). Wer von beiden an der EM-Endrunde stärker ist, wird man erst noch sehen.
Nach der landläufigen Meinung müsste Belgien seinen ersten grossen Titel jetzt einfahren, wohl spätestens in anderthalb Jahren an der Weltmeisterschaft in Katar.
Viele belgische Internationale spielen wichtige Rollen in renommierten Klubmannschaften. Goalie Thibaut Courtois sowie Kevin de Bruyne und Romelu Lukaku sind drei unter vielen mit wohlklingenden Namen. Auch Eden Hazard könnte zuvorderst in dieser Reihe stehen. Aber mit dem Wechsel von Chelsea zu Real Madrid im Sommer 2019 bekam seine Karriere eine Beule. Gerade jetzt ist der gut zwei Jahre jüngere Bruder Thorgan Hazard in der Nationalmannschaft unter Trainer Roberto Martinez höher im Kurs.
An der kritischen Altersgrenze
Die Träger der guten Namen werden älter. Zwölf zum Teil wichtige Spieler sind schon mehr als 30 Jahre alt oder werden heuer noch 30. Ob sie in den nächsten Jahren gleichwertig ersetzt werden können, ist nicht abzuschätzen. Deshalb täten die «Roten Teufel» gut daran, hier und jetzt zuzuschlagen - bevor auf die Goldene Generation eine Silberne folgt.
Man könnte den niederländischen Fussball als phänomenal gut bezeichnen. Ein Land, in dem rund drei- bis fünfmal weniger Menschen leben als in den grossen europäischen Fussballnationen Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und England, bringt eine dauerhaft wettbewerbsfähige Nationalmannschaft hervor und darüber hinaus Klubs wie Ajax Amsterdam, die sich im Europacup einen Namen geschaffen haben.
Die «Elftal», wie die niederländische Nationalmannschaft genannt wird, wurde 1988 mit unvergesslichen Auftritten von Ruud Gullit und insbesondere Marco van Basten in Deutschland Europameister. Für ein verhältnismässig kleine Nation ist dies allein ein schöner Erfolg. Dabei wäre noch sehr viel mehr möglich gewesen, denkt man nur an die knapp verlorenen WM-Finals 1974 und 1978. Im Final der WM 2010 in Südafrika vergab Arjen Robben in der zweiten Halbzeit die mit Abstand grösste Torchance des Spiels. Spanien siegte mit dem 1:0 in der 116. Minute.
7 Trainer in 7 Jahren
Trotz des dauerhaften relativen Erfolgs ist man im niederländischen Verband, dem «Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond», chronisch unzufrieden, einfach weil sich der grosse Erfolg, ein WM- oder ein EM-Titel, nicht mehr einstellen will. Seit dem Scheitern im WM-Halbfinal 2014 (gegen Argentinien im Penaltyschiessen) gaben sich sieben Nationaltrainer die Türfalle in die Hand. Zum einseitigen Vergleich: Nach dem Rücktritt von Helmut Schön nach der WM 1978 beschäftigte der Deutsche Fussballbund DFB ebenfalls sieben «Bundestrainer» - in einem Zeitraum von 43 Jahren bis heute.
Als «Bondscoach» wurden nicht selten Spielerpersönlichkeiten vergangener Jahrzehnte verpflichtet: Frank Rijkaard, Marco van Basten, Danny Blind, Ronald Koeman und der im Moment tätige Frank de Boer. Ab und zu fanden grosse Turniere ohne die Niederlande statt - zuletzt die EM 2016 und die WM 2018. Aber von den grossen Nationen haben nur die Deutschen nie eine Endrunde verpasst.
Van Dijks Absenz
Vielleicht schlagen die Niederländer gerade in diesen Wochen zu. Wie sie haben nur die Italiener und die Belgier die Gruppenphase mit lauter Siegen hinter sich gebracht. Die Defensive liess nur zwei Gegentore zu. Allerdings ist die Niederlande unter den Mitfavoriten die Mannschaft mit der wohl gewichtigsten Abwesenheit: Virgil van Dijk vom FC Liverpool gilt als der beste Verteidiger überhaupt. Ob und wie es sich auswirkt, wird man ab den Achtelfinals sehen.