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Etwas im Schatten neben den Bestenlisten bei den Business Schools stehen die Rankings der am besten durchmischten, «divers zusammengesetzten» Einrichtungen. Bloomberg veröffentlicht regelmässig auch das Ranking der US-Business-Schools, die beim Diversity-Index ganz oben stehen. Nummer eins ist die Howard School in Washington D.C. Im Gesamtscore kommt sie in den USA lediglich auf Rang 40 – aber hier liegt sie ganz vorne. In den Top Ten stehen in diesem Ranking noch weitere sehr renommierte Einrichtungen, wie die NYU Stern und die MIT Sloan, die in den konventionellen Ranglisten ebenfalls Spitzenplätze einnehmen.
Um in diese Listen zu gelangen, sollte der Anteil der Männer unter 60 Prozent und der Anteil der Teilnehmenden mit weisser Hautfarbe unter 55 Prozent liegen. Von den europäischen Einrichtungen gelten das Insead in Paris, die ESCP in Madrid und die Warwick Business School in Grossbritannien als vergleichsweise divers.
Auch die akademische Forschung interessiert sich für das Thema. Denn berufliche Beziehungen ent- und bestehen oft auf der Basis von gemeinsamen Interessen, Sichtweisen und Themen. Diese wiederum entstehen in ähnlichen soziodemografischen Milieus. Eine 2017 im Berufsverband Academy of Management publizierte Untersuchung zeigte, dass der Wert sozialer Kontakte, die an Business Schools aufgebaut werden, steigt, wenn sich die Teilnehmenden nicht nur mit Gleichgesinnten, sondern auch mit Personen umgeben, die sie ansonsten wohl eher nicht treffen würden. Während MBA-Studierende aus den meistvertretenen Gruppen tendenziell ihresgleichen trafen, erwiesen sich die an Business Schools aufgebauten Netzwerke von Personen aus Minderheiten als vielschichtiger und unterschiedlicher, und auch der soziale Status lag etwas niedriger.
«Diversität ist unglaublich wichtig und bereichert jedes Team, jede Klasse, jedes Programm», bestätigt Petra Joerg, CEO von Rochester-Bern Executive Programs in Bern. «Heterogene Klassen bringen unterschiedliche Perspektiven und Denkweisen mit, wovon die ganze Gruppe profitieren kann.» Je diverser die Gruppe zusammengesetzt ist, desto mehr können die Studierenden voneinander lernen. «Und von den Peers lernen, das ist ein wichtiger Bestandteil eines jeden EMBA-Programms», so Joerg.
Facettenreiche Studentenschaft
Idealerweise bestehe die Diversität einer EMBA-Klasse aus verschiedenen Geschlechtern, Altersgruppen, Nationalitäten, Jahren an Arbeitserfahrung, Branchen und Funktionsbereichen. Bei Rochester-Bern liegt der Frauenanteil momentan bei 23 Prozent, 27 Prozent der Studierenden haben einen internationalen Hintergrund und auch die Führungserfahrung ist breit gefächert: Die Studierenden haben Funktionen in Bereichen wie General Management, Finanzen, Unternehmensentwicklung, Marketing/Sales, Engineering oder IT und kommen aus den Branchen Finanzdienstleistungen, Produktion, Transportwesen, Pharma, Energie und Telekom.
«In unserem EMBA-Programm arbeiten die Studierenden in gut durchmischten Teams», so Joerg. «Dies erlaubt vielseitige Perspektiven, beispielsweise wenn ein Team aus einem Ingenieur, einer IT-Beraterin, einem Arzt und einer Finanzmanagerin besteht.» Jede teilnehmende Person bringe ihr Knowhow und ihre Erfahrungswelt mit und zeige auch mal Schwächen. «Man lernt, besser zu kommunizieren, zu verhandeln, sich durchzusetzen, als Team optimale Ergebnisse zu erzielen und auch anderen den Lead zu geben», beobachtet Joerg.
«Im EMBA-Programm der IMD haben wir die Notwendigkeit erkannt, unsere Studentenschaft zu diversifizieren, um die globale Wirtschaftslandschaft widerzuspiegeln», sagt Vanina Farber, Elea-Professorin für Soziale Innovation und Dean des EMBA-Programms des IMD in Lausanne. «Zu diesem Zweck haben wir einen Stipendienfonds eingerichtet, der sich speziell an Kandidaten und Kandidatinnen aus dem globalen Süden richtet, sowie spezielle Stipendien zur Verbesserung der Vielfalt und zur Beseitigung des Geschlechterungleichgewichts.»
Es sei ein wichtiger erster Schritt, Menschen mit unterschiedlicher Herkunft in die Hochschule zu bringen, aber er garantiere nicht die genannten positiven Auswirkungen. «Es geht nicht nur um Zahlen», so Farber weiter. «Ohne ein angemessenes Management kann die Vielfalt auch zu Missverständnissen und Konflikten führen, die auf die gleichen unterschiedlichen kulturellen Normen, Werte oder Stile zurückzuführen sind.»
Vielfältige Teams benötigen mehr Zeit und Ressourcen für Teambuilding- und Integrationsmassnahmen. Am IMD arbeitet man zu Beginn an einem Kohortenbündnis, das die Werte der Klasse und die Art und Weise, wie man während des Programms arbeiten will, definiert. Farber: «Das Konzept des Fits ist auch im Rahmen eines EMBA-Programms von Bedeutung. Auch wenn es sich nicht unbedingt auf die kulturelle oder organisatorische Ausrichtung wie in der Unternehmenswelt bezieht, so kann der Fit in der akademischen Welt als gemeinsames Engagement für das Lernen, gegenseitigen Respekt und ein gemeinsames Verständnis der akademischen Ziele und Ethik angesehen werden.» Es sei wichtig, diese gemeinsame Grundlage zu schaffen, um sicherzustellen, dass die Lernreise konstruktiv und inklusiv bleibt und sie Verbindungen zwischen Gleichaltrigen fördert.
Bewusst gestalteter Balanceakt
Allerdings besteht laut Farber die Gefahr, dass eine zu starke Betonung des Fits den lebendigen Gedankenaustausch einschränkt und eine Echokammer ähnlicher Gedanken entsteht. «Umgekehrt kann eine sehr heterogene Gruppe ohne ein Gefühl des gegenseitigen Verständnisses Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit haben und den Lernprozess negativ beeinflussen», so Farber. «Es ist ein schwieriger und bewusster Balanceakt, der so gestaltet werden muss, dass der Erfolg über die unterschiedlichen Teilnehmerzahlen hinausgeht.»
Parallel zu neuen Weiterbildungsthemen entstehen neue Forschungsfragen. In den USA sammelt man bereits Daten zu den Effekten der Deglobalisierung: Der Handelsstreit mit China schlägt sich bereits bei den Teilnahmequoten von Studierenden aus China an US-Einrichtungen nieder. Profitieren könnten die europäischen Business Schools – wenn ihnen die Weltpolitik keine weiteren Steine in den Weg legt.