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Freiburger Kolloquium 2007
Die Tradition der SprichwÖrter und Exempla im Mittelalter
15. - 17. Oktober 2007

Die Tradition der Sprichwörter, gelehrter oder volkssprachlicher Art, stand im Mittelalter in enger Beziehung mit der Tradition der Exempla. Der Zusammenhang zwischen Exemplum und Sprichwort ist nicht unbedeutend, im Gegenteil, es handelt sich um eine verwandtschaftliche Beziehung: ein Sprichwort kann eine Erzählung hervorbringen und eine Erzählung kann ein Sprichwort generieren.
Diese beiden Traditionen haben alte und identische Wurzeln. Auf der einen Seite steckt in ihnen das Erbe der klassischen Antike und auf der anderen dasjenige der christlichen Literatur. Eine weitere Quelle sollte man nicht vernachlässigen: die volkssprachliche Tradition, die im Mittelalter einen Schatz an Sprichwörtern und populären Erzählungen lieferte.
Die Sammlungen von Sprichwörtern und Exempla waren in alphabetischer, logischer oder thematischer Reihenfolge geordnet. Für den mittelalterlichen Autor waren die Sprichwörter und Exempla Techniken im Dienst des Diskurses, und so wurden sie auch meistens gebraucht. In den politischen Texten, im speziellen in den Fürstenspiegeln, verdichteten und illustrierten sie die politische Theorie; in den historischen Texten dienten sie als ethische Modelle oder als eine Art der verdichteten Moral. Auch wenn die volkstümlichen Sprichwörter durch die Rhetorik-Handbücher verboten waren, so war ihre Anwendung in Predigten ebenso beliebt wie diejenige von Exempla. Sie hatten einen engen Bezug zur Ikonographie, zum Beispiel der Überlieferung der Aesopschen Fabeln. Man kann sagen, dass Erzählungen und Sprichwörter in allen mittelalterlichen Kulturen präsent waren.
Während des 20. Jahrhunderts hat sich die Untersuchung der Herkunft der Exempla und der Sprichwörter sehr stark weiterentwickelt. Dennoch wurden die beiden Traditionen oft getrennt behandelt. Das geplante Kolloquium versucht eine andere Herangehensweise in dem es das parallele Studium der beiden unternehmen möchte.
Welches Erbe hat der Westen von der arabischen Welt übernommen? Welche Veränderungen hat diese Tradition aufgrund ihrer Adaption an ein christliches Milieu erfahren? Welches waren die Produktionsorte der Überlieferung der Sprichwörter und der Exempla in Europa? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen den verschiedenen Regionen Europas? Welche gemeinsamen und welche spezifischen Sammlungen gibt es? Wie sah der Gebrauch dieser Sammlungen aus? Welchen Einfluss hatten sie auf die mittelalterliche Kultur? Diese fundamentalen Fragen scheinen besonders geeignet für ein interdisziplinäres Colloquium.
Hier finden sie einige Photos von der Tagung (klicken sie hier)