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Für alle Eigenthümlichkeiten der Steinkohle, sowohl in Beziehung auf ihre Beschaffenheit, als auf ihr Vorkommen, findet nun Mohr die Erklärung in der Annahme, daß sie aus Tang- oder Fucus-Arten im Meere entstanden sei.*) Die schleimige, von der Structur der Gefäßpflanzen so verschiedene Beschaffenheit derselben erklärt die Structurlosigkeit der Kohle, die Menge der in ihnen enthaltenen Eiweißstoffe den großen Stickstoffgehalt. Eben so wenig Schwierigkeit findet Mohr in der Erklärung der Mächtigkeit und räumlichen Ausdehnung der Kohlenablagerungen. Er führt zahlreiche und interessante Beispiele für die riesenhafte Größe dieser Meergewächse auf, von denen unter anderen die schon von Cook als Riesentang (Fucus giganteus) gekannte Macrocystis pyrifera auf einem weit über 66 Fuß (21“) langen Stamme, 30 bis 40 Fuß (9" bis 12“) lange Aeste von der Dicke des Hauptstammes, und aus diesen Blätter von 7 bis 8 Fuß (2",2 bis 2“,5) Länge trägt, so daß die ganze Länge der Pflanze von Meyen auf 200 Fuß (63“) geschätzt wurde. Um die Massenhaftigkeit des Vorkommens dieser Fucus-Arten zu zeigen, weist Mohr besonders auf das sogenannte Sargassomeer hin: „Zwischen den Canarischen Inseln und Florida, mitten im Atlantischen Ocean, befindet sich eine solche schwimmende Tangwiese von etwa 40,000 Quadratmeilen (226,880,000 Hektaren) Fläche. Columbus durchschnitt einen Theil derselben und brauchte 14 Tage dazu. Es ist hier unter den eigenthümlichen Verhältnissen des Golfstromes eine Pflanze entstanden, der Beerentang, Sargassum bacciferum, welche sich auf der ganzen Erde nicht wiederfindet. Sie erreicht niemals das Land und muß ihr Leben und ihre Fortpflanzung schwimmend vollenden. Aehnliche ungeheure Anhäufungen sind an vielen anderen Stellen bekannt. Sie sind nach Mohr allein im Stande die Entstehung der Steinkohle zu erklären. Da sie jedes Jahr neu wachsen und sich scheinbar nicht vermehren, so müssen die abgelebten untergegangen sein.“ „Jede losgerissene Tangpflanze geräth in eine Meeresströmung und treibt nothwendig immer denselben Weg hin. Hier platzen endlich die Blasen, welche sie schwimmend erhielten, durch Fäulniß, die Pflanze sinkt unter, und dies wird nahezu immer an derselben Stelle geschehen“. . . . „Dann läßt sich leicht begreifen, wie die gesammten Flöze des Saarbrücker Beckens eine Mächtigkeit von 338 Fuß (106“) haben. . . . So lange Meer war, gab es auch Meerpflanzen, und sie mußten immer denselben Verlauf des Untergehens und Vermoderns nehmen. Kein Jahr vergeht jetzt, wo nicht neue Schichten von Steinkohlensubstanz abgesetzt werden. Es hat niemals eine geologische Steinkohlenzeit gegeben, oder es hat niemals eine Zeit gegeben, wo keine Steinkohlenbildung stattfand“. Auch die Einlagerung von Thonschichten zwischen reinen Kohlenflözen findet ihre Erklärung. „Durch das Versinken der Pflanzen im hohen Meere erklärt sich die Reinheit der Steinkohle, ihr geringer Gehalt an Asche. Sind große Flüsse in einiger Nähe, so ist auch erklärbar, wie die dünnen Schichten des Letten oder des Schieferthones hinein gerathen. Die
Trübung des Meeres durch Hochwasser und Schlamm von Flüssen reicht oft hundert Meilen ins Meer hinein. Hier versinkt der letzte und feinste Schlamm und bedeckt die Tanglager des vorigen Jahres mit einer dünnen parallelen Schicht. In der vollkommenen Ruhe des Meeres in großen Tiefen ist die Möglichkeit gegeben, daß diese Schichten ganz glatt, eben, gleich dick, immer aber aus dem feinsten Schlamme bestehend, sich auf so große Strecken ausdehnen können. . . . Aus den Flüssen können einzelne und auch viele Holzstämme ins Meer getrieben werden, wo sie endlich mit Wasser getränkt, senkrecht untersinken, weil die Wurzelenden specifisch schwerer sind, als die Kronen“. . . „Diese Stämme bilden, selbst wenn sie von den Moderstoffen der Tange ganz durchtränkt werden, keine Steinkohle, sondern Braunkohle in der Steinkohle.“ Die durch den Golfstrom an die Isländische Küste getriebenen Stämme tropischer Bäume zeigen, wie irrig es ist, aus den in den Steinkohlen gefundenen Baumstämmen einen Schluß auf die früheren klimatischen Verhältnisse der Gegend zu ziehen, wo sie gegenwärtig gefunden werden. Zur Unterstützung dieser Ansicht zieht endlich Mohr noch die Zusammensetzung des im Meerwasser enthaltenen Gasgemenges heran, indem er es mit ihr im Einklange findet, daß in Letzterem verhältnißmäßig weit mehr Kohlensäure und Sauerstoff enthalten sind, als in der atmosphärischen Luft. Auf dieselbe Menge Stickstoff bezogen, enthalten sie 9 pCt. mehr Sauerstoff, als der Absorption entspricht, und nahe zu 16 pCt. Kohlensäure statt 1,55 pCt. Den Sauerstoff liefern natürlich die Pflanzen des Meeres während ihres Wachsthums; die Kohlensäuremenge „ist der thatsächliche Beweis der noch immer und täglich vor sich gehenden Steinkohlenbildung“. Sie entsteht als Nebenproduct bei der Vermoderung der Pflanzen. „Erst sinken die frischen Tange unter dem sich mehrenden Drucke zusammen und lassen das natürliche Wasser austreten;
dann kommt eine Bildung von Wasser aus den Elementen,
dann eine lange dauernde Kohlensäure-Entbindung“. Den Schluß bildet eine lange Kohlenwasserstoffentwicklung, wie sie in unseren Bergwerken noch fortdauert und die erst mit dem
der Gase des Meerwassers wegen der Unlöslichkeit der Kohlenwasserstoffe ohne Einfluß.) Am Schlusse seiner Abhandlung spricht Mohr den die Kohlenflötze begleitenden Gesteinen, dem Kohlenkalke, dem Kohlensandsteine, jeden genetischen Zusammenhang mit der Bildung der Steinkohle ab. Sie sind „eben so wenig kohlenführend, als man den Tisch des Wechslers silberführend nenuen fann“. – Gegen die im Obigen angegebenen Ansichten Mohr's ist zuerst Hr. Lasard in einem Vortrage in der Generalversammlung des naturhistorischen Vereines für Rheinland und Westphalen zu Aachen im Juni 1865 aufgetreten (Correspondenzblatt dieses Vereines, S. 68). Mohr erwiderte hierauf in der Sitzung der niederrheinischen Gesellschaft für Natur und Heilkunde in Bonn am 4. August 1865 (Sitzungsbericht dieser Gesellschaft, S. 111). Eine ausführlichere Entgegnung hat Lasard in der Herbstversammlung des naturhistorischen Vereines für Rheinland und Westphalen am 9. October zu Bonn gebracht, an welche sich eine längere Debatte zwischen ihm und Mohr knüpfte, und woran sich Hr. Dr. Andrä durch Anführung von Argumenten gegen die Mohr'sche Ansicht anschloß (Correspondenzblatt des naturhistorischen Vereines für Rheinland und Westphalen, S. 101). Eine weitere Fortsetzung fand diese Debatte zwischen Hrn. Dr. Mohr und Andrä in der niederrheinischen Gesellschaft für Natur und Heilkunde in Bonn am 2. November (Sitzungsbericht dieses Vereines, S. 121). Wir wollen hier nicht über die einzelnen Vorträge und Erwiderungen Bericht erstatten; wir glauben unsere Leser besser über das Ergebniß der ganzen Debatte orientiren zu können, wenn wir den Verlauf der Discussion der einzelnen streitigen Punkte in den Hauptzügen getrennt behandeln.
1. Zur Vertheidigung der Ansicht, daß die Steinkohlen wie Braunkohlen und Torf entstanden sind, hat Lasard zunächst einige Belegstücke des schon in Bochum erwähnten, durch den Druck des Dünensandes in einen vollständig braunkohlenartigen Marstorf verwandelten Dünentorfes vorgelegt; er erinnert sodann an die Beschaffenheit der Kohlenflötze in der Steinkohlenformation Central-Rußlands, welche den Braunkohlen so ähnlich sind, daß sie sich nur „durch die anwesenden Pflanzenreste von Stigmaria, Lepidodendron und andere entschiedene Vertreter der Steinkohlenformation, wie nicht minder durch die geognostischen Lagerungsverhältnisse, als Zeitgenossen der wirklichen Steinkohlenperiode ausweisen, deren Vermoderung – wahrscheinlich durch nicht hinreichenden Druck loser und dünner Gesteinschichten – nicht vollständig bis zum Zustande der Steinkohlen vor sich gegangen ist“. * »
Besonderes Gewicht legt Lasard darauf, daß seit 1544 die größten Autoritäten auf dem Gebiete der Geologie die Uebereinstimmung zwischen der Bildung von Torf, Braunkohle und Steinkohle gelehrt haben. Daß die Mächtigkeit der Steinkohlenflötze mit dieser Ansicht nicht im Widerspruch stehe, sollen die in Irland nach Göppert’s Angaben vorkommenden 40 bis 50 Fuß (12“ bis 16“) mächtigen Torflager zeigen; daß das Vorkommen von Baumstämmen ein seltenes sei, findet er ebenfalls im Widerspruche mit den Angaben Göppert's. Derselbe sagt: „Wenn wir für die unbestimmt gebliebene, an zwei Beobachtungsorten angegebene Bezeichnung etwa die Zahl 10 und einige zu 5 annehmen, so ergiebt sich die bedeutende Summe von 277 Stämmen, welche man wirklich in aufrechter Stellung, theils auf den Kohlenlagern selbst, theils im Kohlensandsteine und Schieferthone in aufrechter Lage gefunden hat.“ Lasard fügt hinzu: „Seit jener Zeit, wo Göppert diese Worte schrieb, im Jahre 1846, hat sich die Kohlenausbeute fast in allen Ländern mehr als verdreifacht; wir dürfen deshalb, zumal bei der dem Gegenstande zugewendeten größeren Aufmerksamkeit gewiß annehmen, daß die Zahl der bekannt gewordenen aufrecht stehenden Baumstämme seitdem außerordentlich vermehrt ist.“
Mohr erblickt gerade in dieser von Lasard so hoch angeschlagenen Gegenwart der Baumstämme die größte Schwierigkeit für dessen Torftheorie. Er begreift nicht, wie Baumstämme von 3 Fuß (1“) Durchmesser in ein Torflager gerathen sollen, welches niemals in fließendem, sondern nur in stagnirendem Wasser sich bilden kann, während die tägliche Erfahrung beweist, daß sie noch heute aus dem Mississippi in das Atlantische Meer kommen und auch in Tangablagerungen sich einsenken können.
Lasard erwidert darauf, daß Mohr bei näherer Betrachtung in jedem Hochmoore vom Dache oder von den Rändern stammende, versunkene oder umgestürzte Bäume, oder gar die Spuren ehemaliger versumpfter Wälder gefunden haben würde. „Außer den alten abgebrochenen dürren Stämmen, Aesten, Wurzeln u. s. w., welche die höheren Pflanzen als Beisteuer zur Torfbildung stellen, nehmen auch ganze Bäume an derselben Theil, sei es, daß selbe durch den Wind umgeworfen werden oder durch die Schwere ihres Gewichtes in die weiche moderige Unterlage versinken. . . . Ueberschütten neue Sandoder Schlammmassen in Folge von Senkungen oder Hochwassern diese Movre, so werden natürlich die abbrechenden Zweige von den weichen schlammigen oder sandigen Massen eingeschlossen. Ein Theil der Bäume fällt um, der andere bleibt aufrecht stehen. Die weichen inneren Theile faulen aus und werden zur Torfbildung mit verwendet, während die härtere Rinde, mit Schlamm oder Sand ausgefüllt, in der auflagernden Schicht eingebettet und erhalten wird, oder zusammengedrückt ebenfalls, wenn auch weit langsamer, als die umschließende Masse, zu Torf vermodert.“ Hierfür liegen verschiedene Beispiele vor. «. Die Behauptung Mohr's, daß sich die Farnkräuter in den Steinkohlenschichten immer nur in zerstückeltem Zustande befinden, erklärt Lasard für ungegründet; er führt dagegen als schlagendsten Beweis einen noch vor Kurzem in Belgien aufgefundenen 4“ langen Farnkrautwedel an, den freilich Mohr . nachher als zu den Ausnahmefällen gehörig bezeichnet. Wenn nach Mohr die Wurzeln der Pflanzen fehlen sollen, stellt er diesem „die fast nur aus Wurzeln bestehenden Staarsteine“ entgegen und erinnert daran, daß nach Göppert’s Mittheilungen die Stigmarien nichts als die Wurzeln der Sigillarien sind, womit Beobachtungen von Lyell und von Logan übereinstimmen. ad 2. In seiner Erwiderung auf den ersten Vortrag des Hrn. Lasard hebt Mohr von Neuem hervor, daß die meilenweit zwischen den Kohlenflötzen eingelagerten dünnen Lettenschichten allein im Stande seien, die ganze alte Theorie der Steinkohlenbildung über den Haufen zu werfen. „Die Torfbildung schließt fließendes Wasser aus und gedeiht nur in stagnirendem. Die Torfpflanzen schwimmen lebend immer auf dem Wasser und sinken nur abgestorben unter. Wie konnte sich hier eine Lettenschicht bilden, oder bei dem neuen Wachsthume der Torfmoose unverletzt erhalten? Auch finden sich solche Lettenschichten niemals im Torfe, wie in der Steinkohle. . . . Daß diese Letten sehr weit vom Lande sich bildeten, beweist ihr sehr zartes Korn.“ Er fügt hinzu: „Der regelmäßige Wechsel paralleler Schichten von Steinkohlen und Schieferthon, der oft auf einem Fuß (0“,3) senkrechter Höhe mehrmals stattfindet, macht nach der Theorie der Landbildung ein vielmaliges Senken und Heben derselben Stelle nöthig, wovon wir auf der Erde kein Beispiel haben. Dabei ist aber der Zusammenhang und der Parallelismus der Schichten nicht im Geringsten gestört, was doch bei 30maligem Heben unmöglich ist. Es giebt aber Kohlenbecken, wo dieser Wechsel 150mal stattfindet, wo die Zwischenmittel 30 Fuß und 40 Fuß (9“ und 12“) Mächtigkeit haben. Das ist geradezu bei stagnirenden Wässern unmöglich.“ Lasard giebt zu, daß die Zwischenablagerung von Letten
Stromgeschwindigkeit des Flusses verschiedenen, Massen überlagert. Bei großer Stromgeschwindigkeit sind es Geschiebe und Sandmassen, welche zur Ablagerung gelangen; in dem verlangsamten Unterlaufe der Flüsse kommen aber nur Schlammmassen zum Absatze, die, zuerst sandigthoniger Natur, je näher zur Mündung, stets feiner und feiner werden, bis selbe endlich in den ganz feinen Schlickmassen ihren Abschluß erhalten. Aus ersteren gehen die sandigeren Schieferthone hervor, aus letzteren die feinen Lettenschichten von zartem Korn.“ Nach dem Verlaufe des Wassers kann in den zurückgebliebenen Wasserlachen die Torfbildung von Neuem stattfinden, und dieser Wechsel von mineralischen und vegetabilischen Absätzen muß sich so häufig wiederholen, daß es nicht
gebirge hieraus zu erklären. Aber auch das benachbarte Meer wird an diesen Vorgängen Antheil nehmen, und bei hereinbrechenden Sturmfluthen oder Senkungen der aus Modermassen entstehenden Erdschichten Ablagerungen von kalkigen oder mergeligen Massen mit Ueberresten von Meergeschöpfen verursachen, wie solche in den einzelnen Steinkohlenlagern Großbritanniens und Westphalens sich finden. Mohr stellt dagegen abermals in Abrede, daß auf solche Weise, d. h. durch Vermoderung von Landpflanzen, die in meilenweiter Erstreckung parallelen Kohlenflöze mit den zwischengelagerten, oft nur zolldicken Lettenschichten, wie sie in vielfacher Wiederholung, bei so verschiedener, oft so bedeutender Mächtigkeit, in den Steinkohlengruben sich gezeigt haben, entstehen konnten. Er hebt noch besonders hervor, daß auf einer umgestürzten und in Wasser eingetauchten Pflanzenvegetation keine andere wachsen kann, und die zölligen Lettenschichten von jeder darin wachsenden Pflanze zerstört werden und ihre glatte Oberfläche verlieren würden, und weist darauf hin, wie leicht alle diese Erscheinungen erklärt werden, wenn man annimmt, daß Meerespflanzen im Meere an einer anderen Stelle abgesetzt wurden. –
3. Auf die chemischen Argumente Mohr's geht Lasard bei seiner ersten Entgegnung nicht ein; in seinem zweiten Vortrage sucht er sie Schritt für Schritt zu widerlegen. Wenn Mohr zuerst, um die Unmöglichkeit der Bildung der Steinkohlen aus Landpflanzen zu beweisen, behauptet, daß Steinkohle ein ammoniakalisches Destillat gebe, während Braunkohle und Torf saure Destillate liefern, und hieraus folgert, daß erstere aus stickstoffreicheren Pflanzen gebildet sein müssen, so bezeichnet Lasard dies als eine durchaus irrige Ansicht. Er citirt Gmelin’s Handbuch der Chemie, wo im Allgemeinen ausgesagt ist, daß schwerer, dunkler, schwarzer Torf und die meisten Braunkohlen Ammoniakwasser und schwerer flüchtige Basen enthaltenden Theer liefern, während der leichtere, hellfarbige Torf und holzähnliche Braunkohlen saures wässeriges Destillat mit reichlichen Mengen von Essigsäure liefern. Da
gegen geben nach Gmelin verschiedene Steinkohlen auch ein saures Destillat. Hiermit stimmen neuere Mittheilungen von Bolley über ammoniakalische Destillate aus Braunkohlen und von Wittstein überein, der bei Untersuchung von verschiedenen Braunkohlen, unter denen sich selbst Lignite befanden, nur alkalische Destillate erhielt. Von fünf untersuchten Torfarten erhielt derselbe in vier Fällen ein ammoniakalisches und nur in einem Falle ein mäßig sauer reagirendes Destillat. Dem Umstande, daß bei der Vermoderung der Sauerstoffgehalt fortwährend abnimmt, ist es nach Lasard allein zuzuschreiben, wenn die am wenigsten zersetzten leichten Torfe und Braunkohlen ein saures Destillat liefern, während aus den
Steinkohlen ein vorwaltend ammoniakalisches Destillat gewon
nen wird. Lasard führt endlich Beispiele von Bestimmungen des Stickstoffgehaltes in Torf, Braunkohlen und Steinkohlen an, welche zeigen, daß die beiden Ersteren häufig mehr Stickstoff enthalten, als Letztere. Wir erwähnen hier, daß Stein in den Steinkohlen Sachsens durchschnittlich 0,20 bis 0,45 pCt. Stickstoff fand. Nach Lincken enthalten die Braunkohlen von Petschouing in Krain 2 pCt., von Schylthal in Siebenbürgen 1,2 pCt., von Grünlas in Böhmen 1,77 pCt., von Auckland in Neuseeland 1,15 pCt. Robert Hoffmann fand den Stickstoffgehalt in 6 verschiedenen Torfsorten von 0,734 bis 2,159. Mohr entgegnet hierauf nur dadurch, daß er daran erinnert, daß gegenwärtig alles Ammoniak im Handel von Steinkohlen stamme, aber kein Pfund von Braunkohlen oder Torf. Gegenüber dieser allgemeinen Thatsache legt er wenig Gewicht auf einzelne Beobachtungen. Gegen die Angabe Mohr's, daß seine Annahme der Bildung der Steinkohlen aus Meerpflanzen mit dem größeren Stickstoffgehalte der Steinkohlen übereinstimme, wendet darauf Dr. Andrä ein, daß der von Mohr behauptete größere Proteingehalt der Algen durchaus nicht festgestellt sei. Er zeigt durch eine dem Lehrbuche der Chemie von F. Schulze entnommene Vergleichung des Stickstoffgehaltes in verschiedenen Pflanzen, daß die Landflanzen hierin gegen die Meerpflanzen nicht zurückstehen. In der Sitzung der niederrheinischen Gesellschaft in Bonn am 2. November giebt Mohr zu, daß die frischen Tange ebenso, wie alle übrigen frischen Pflanzentheile, bei der Destillation ein saures Destillat geben. Die Fucuspflanzen des Meeres sind aber nach den Beobachtungen der Reisenden nicht nur vollständig mit niederen Thierformen bekleidet, sondern auch von unzähligen Arten bewohnt; so kommt es, daß Stücke von ihnen bei der trockenen Destillation, wie leicht durch einen Versuch nachzuweisen ist, von dem Stickstoffgehalte der thierischen Stoffe herrührendes Ammoniak liefern. „Da nun diese Thiere fest mit der Pflanze verbunden sind, so werden sie auch mit derselben verschüttet, und nach Auflösung ihrer Kalkschale durch Kohlensäure lassen sie den Stickstoffgehalt ihres Körpers in der Steinkohle sitzen.“ Die Fälle, wo bei der Destillation von Braunkohlen oder Torf ein ammoniakalisches Destillat erhalten ist, finden in ähnlichen Verhältnissen eine Erklärung (Mohr weist in dieser Beziehung auf die in Braunkohlen häufigen Fischabdrücke hin). Im Allgemeinen sei aber nicht einzusehen, wie auf dem Lande oder in Landwassern wachsende Pflanzen, oder gar Hochstämme, Rohre, Palmen, zu einem solchen Thierreichthume kommen sollten. Andrä macht dagegen geltend, daß sich auch mit den Süßwasser-Algen kolossale Massen von Infusorien vergesellschaftet fänden, deren Heimat besonders die Torfmoore wären, also auch hier diese Ursache der Entwickelung von Stickstoff vorhanden sei, daß Mohr also in diesem Punkte für seine Theorie keinen Anhalt finden könne. – 4. In seiner Entgegnung auf Lasard’s ersten Angriff hebt Mohr als eine besondere Stütze seiner Theorie den von Odling und Anderen in der Asche und dem Ruß der Steinkohlen nachgewiesenen Jodgehalt hervor, da das Jod nur im Meere und den darin wachsenden Pflanzen vorkomme.
Lasard spricht seine Verwunderung darüber aus, daß Mohr dieses als ein Argument für seine Hypothese aufführt, da das Vorkommen von Jod unlängst so häufig in Landund Süßwasserpflanzen, ja auch im Torfe von verschiedenen Fundorten constatirt worden sei.
Mohr erwidert hierauf, daß er die Gegenwart von Jod nur als eine Bestätigung seiner Ansicht betrachte. Würde es in den Steinkohlen nicht gefunden, „so bewiese dies nicht gegen seine frühere Gegenwart“; seine Anwesenheit aber sei bestätigend für ihre Abstammung aus Tangen, aus deren Aschen wir alles Jod erhalten, was überhaupt gewonnen werde.
5. Wenn Mohr einen anderen indirecten Beweis in der Zusammensetzung der im Meerwasser enthaltenen Gase findet, so stimmt ihm auch hierin Lasard nicht bei, indem er die größere Menge Kohlensäure von der im Meere enthaltenen Thierwelt ableitet, abgesehen von den auf dem Grunde des Meeres wohl anzunehmenden Kohlensäure-Exhalationen. Mohr antwortet darauf, daß, wenn sämmtlicher freier Sauerstoff durch die Respiration der Thiere verzehrt würde, die Meeresgase noch nahezu 10 pCt. mehr Kohlensäure enthalten, als sie unter dieser Annahme enthalten könnten. Dennoch findet es Lasard gewagt, hieraus Schlüsse auf die Bildung der Steinkohlen aus Meerpflanzen zu ziehen. –
6. Den von Mohr hervorgehobenen geringeren Aschengehalt der Steinkohlen erklärt Lasard für mit den Thatsachen in Widerspruch stehend. Im Verlaufe der Discussion dieses Punktes werden von Lasard zahlreiche Beispiele von aschenreichen Steinkohlen und aschenarmen Braunkohlen und Torf aufgeführt. Von Seiten Mohr's brauchen wir nur die folgenden Worte anzuführen, womit er seine Behauptung aufrecht erhält, daß die Steinkohlen im Allgemeinen aschenärmer sind, als die beiden anderen. „Jeder Heizer weiß dies aus Erfahrung. Einzelne Analysen der Extreme beweisen nichts. Asche kann auch als Flußschlamm mit den Tangen niederfallen, statt dazwischen als Letten zu liegen. Ein solcher geringer Aschengehalt, wie ganze Flöze ihn zeigen, kann nur bei Absätzen auf hohem Meere zu Stande kommen. Da aber die Steinkohlen durch fernere Vermoderung des Torfes entstehen sollen, so muß ja ihr procentischer Aschengehalt noch, steigen, und dennoch ist er in der Regel weit darunter.“
7. Die für die Steinkohlen charakteristische Eigenschaft, daß sie in der Hitze schmelzbar sind (oder wenigstens einmal im Zustande der Schmelzbarkeit waren), hat Mohr dahin gedeutet, daß die Pflanzen, aus welchen sie entstanden, in ihrer
Zusammensetzung sowohl, als in ihrer Structur, von denen verschieden waren, aus welchen Braunkohlen und Torf entstanden. Die Aeußerungen Lasard's über diesen Gegenstand, daß die Schmelzbarkeit vielleicht in einem späteren Stadium der Vermoderung auftreten könne, daß man die Braunkohlen ebenso wenig absolut unschmelzbar nennen könne, als alle Steinkohlen sich schmelzbar erweisen, brauchen wir nur kurz zu erwähnen, da später Andrä Versuche angestellt hat, um zu prüfen, ob die Behauptung Mohr's, daß Gefäßpflanzen keine schmelzbare Kohlen liefern können, gegründet sei. Er wählte dazu „Stammstücke und Stengelgebilde, welche im Schieferthone eingebettet waren, oder aus Sandsteinschichten herrührten, so daß die Stämme eine unmittelbare Berührung mit der eigentlichen Kohlenmasse nicht erfahren hatten“. Von einem Calamit von Essen, dessen Steinkern aus Sandstein bestand, blähte sich die Kohle stark auf und schmolz sehr leicht. Eine Stigmaria zeigte eine sich stark aufblähende und leicht schmelzbare Kohle, desgleichen eine Knorria aus einem Sandsteinbruche bei Bochum. Die Kohle einer Sigillaria von Saarbrücken schmolz nicht, dagegen eine aus dem Schieferthone Belgiens stammende, sehr deutlich erhaltene, in ausgezeichneter Weise. Daß diese Versuche lehren, daß aus Gefäßpflanzen Steinkohlensubstanz entstehen könne, hat Mohr zugegeben, diese sei trotzdem „deshalb noch keine Steinkohle“. 8. Wenn endlich Mohr seine Theorie besonders auf die Behauptung stützte, daß die Masse der Steinkohlen ganz structurlos sei und nach Göppert's Ausspruch weder in feiner Vertheilung unter dem Mikroskop, noch nach vorgängiger Vorbereitung mit Alkalien und Säuren die geringste Spur einer Faserung erkennen lasse, so hat Lasard dagegen eingewendet, daß jedem Geologen bekannt sei, wie an jeder beliebigen Probe von Steinkohlen mit Hülfe des Mikroskops, ja selbst mit dem bloßen Auge Spuren von Pflanzenstructur erkannt werden können, und daß gerade Göppert nicht nur die beste Methode aufgefunden hat, in den Steinkohlen die Reste der Pflanzenzellen nachzuweisen, sondern auch gerade ihm die umfassendsten Mittheilungen über diesen Gegenstand zu verdanken sind, während schon früher Hutton und Link genaue Beobachtungen darüber veröffentlicht haben. Link hat bei mehr als 20 Sorten Steinkohlen die auffallendsten Aehnlichkeiten in den erkennbaren Zellen mit Zellen von Linumer Torf gefunden; Göppert fand mittelst seiner Verbrennungsmethode selbst in der dichtesten schlesischen Steinkohle mit muscheligem Bruche stets Skelette von Pflanzenzellen und in der glänzend schwarzen Schaumburger Kohle Zellen von deutlich zu erkennender verschiedener Bildung. – 9. In Beziehung auf den letzten Satz, welchen wir aus Mohr’s Aufsatz angeführt haben, in welchem jeder Zusammenhang zwischen den Steinkohlen und den Gesteinen geleugnet wird, auf denen sie aufgelagert sind, führt Lasard an, daß die Steinkohlen der verschiedensten Formationen stets von Schieferthon, Sandstein, Kalkstein oder auch wohl von Conglomeraten begleitet sind. Diese können aber mit Ausnahme des Kalksteines nicht auf hoher See gebildet sein, während sie, wie schon oben ausgeführt ist, durch die Annahme einer Torfbildung in den Niederungen der Flüsse leicht erklärt werden. Mohr hat hierauf erwidert mit dem Vorwurfe, daß Lasard seinen Ausspruch, die Steinkohlen-Ablagerung habe kein Gesetz
Wie eignet man am Besten den in und für die Technik wirkenden Menschen nach den verschiedenen Standpunkten des Erfordernisses technische Bildung an?
Von Dr. Hermann Grothe, Docent für Chemie, Physik und Technologie, Fabrikbesitzer in Berlin.
Die Vorbildung für das höhere technische Studium*) ist es nicht allein, die uns am Herzen liegen muß, und die Ermittelung des besten Weges für diese Zwecke; sondern es steht die Frage überhaupt zu beantworten, „welche Bildung soll man den für die Technik überhaupt wirkenden Menschen geben; welche Menschen gehören diesem Kreise an, und was soll die Erweiterung, resp. Erhöhung der Kenntnisse derselben bezwecken!“ Machen wir uns zunächst klar, welche Menschen gehören hierher. Einmal sind es die wirklichen Arbeiter, die für Lohn vorgeschriebene, scharf abgegrenzte Arbeiten ausführen oder als noch selbstständigere Handwerker mit eigenen Mitteln ein kleines Gewerbe treiben, zu dessen Ausführung gewisse Fertigkeiten genügen. Als zweite Classe stellen sich uns Diejenigen dar, welche als Besitzende eine Fabrik führen, in welcher in größerem Maßstabe, sei es aus dem Rohstoffe heraus Fabricate gewonnen und gefertigt werden, sei es, daß sie halbfertige Producte in ihrer Bearbeitung vollenden (Appreturen z. B.). Die dritte Classe endlich begreift die der Technik Beflissenen, welche die schwierigeren und hohe wissenschaftliche Kenntniß erfordernden Arbeiten für die Technik auszuarbeiten und anzuordnen haben nach ihrer Gesetzmäßigkeit. Diese Classe muß nicht nur ein extensives, sondern vor Allem ein intensives Wissen sich angeeignet haben. Es sind Männer, die theils leitend die schwierigsten Operationen und Obliegenheiten der Technik zu lösen und den Weg der Lösung vorzuzeichnen haben, theils lehrend Andere, jüngere Kräfte diesem Stadium der Ausbildung entgegen zu führen bestimmt sind,-Männer, welche den für die Zwecke nöthigen, bestimmten höheren Wissenskreis vollständig beherrschen müssen, um bei günstigen und ungünstigen Zufällen nicht allein den Zusammenhang derselben einsehen zu können, sondern dieselben auch einerseits auszubeuten und andererseits abzuwenden und zu paralysiren verstehen. Diesen drei großen Classen aber entspricht für unsere Zeit mit ihrem rapiden Fortschritte eine Erhöhung der Bildung, aber, das sieht man klar, in verschiedenen Graden, und zu deren resp. Aneignung muß der Staat Gelegenheit bieten; prüfen wir, in wie weit das für jede Classe geschehen muß. In unserer Zeit regt sich gewaltig der Trieb, die Arbeiter, also die unterste Classe der Techniker im allgemeinsten
O
Sinne des Wortes, zu bilden. Ist dies Wort dabei richtig aufgefaßt worden und ist solche Bildung dem Arbeiter zuträglich? – Im Allgemeinen kann man antworten: „Ja“ und auch „Nein“. – Man hat das Wort Bildung leider meist so aufgefaßt, wie es die wirklich Gebildeteren auffassen! Das ist aber für den Kreis der Arbeiter nicht anpassend.
Dem Arbeiter ist das Meiste von dem, was wir auf Grund eines frühzeitig begonnenen, nach vielen Richtungen hin gepflegten und befestigten Erziehungs- und Bildungsganges in uns aufgenommen und was wir mit dem Worte Bildung benennen, geradezu unverständlich, weil demselben diese Erziehung eben gefehlt hat. Nun kommt man und erzählt diesen Leuten von allen möglichen Staatsverhältnissen, Chemie, Physik, Medicin, Geschichte, Rechtskunde u. s. w. Erstaunt hören sie anfangs zu. Ein Theil der Zuhörenden folgt weiter, weil es neu ist, was ihm hier gesagt, – er ahnt, daß es einen Kreis von Wissen giebt, der seinem Horizonte bisher verschlossen war; er beginnt über diese und jene Mittheilung, die er fester in sich aufnahm, ob richtig oder falsch – das weiß er nicht, – zu grübeln, sich Gedanken zu machen, Grübeleien – Gedanken fast immer ohne jedes Resultat – als etwa das, daß er sich beunruhigt, gequält, von der Natur zurückgesetzt fühlt. So beschwert sein Herz, sein Verstand, sein Kopf eine unfruchtbare Sehnsucht, welche bald beginnt, seine Thätigkeit, seine Arbeitskraft zu lähmen, eine Sehnsucht, die, weil sie auf Unverstandenem, ihm Unfaßlichen basirt, ihm dies Ersehnte nur schöner und viel vortheilbringender erscheinen läßt, als es wohl in Wirklichkeit ist. Daraus resultirt ein Zwitterding, Unsicherheit und Unbefriedigtheit, an seiner bisherigen gemessenen, bestimmten Thätigkeit nagend, sie zersplitternd; eine Lauheit, eine Unlust an seinem früheren Leben ist die Folge. So bei dem einen Theile.
Der andere Theil hört zu; da er aber das Meiste nicht verstehen kann, so ist sein Interesse schon bei den nächstfolgenden Redesätzen erstorben, und theilnahmlos erwartet er das Ende des Vortrages.
Im Grunde ist dieser letztere Theil noch glücklicher daran. Er gefährdet wenigstens seine Existenz nicht dadurch, daß er aus Gehörtem, aber ihm Unklaren, sich falsche Consequenzen bildet, denen er Erfolg für seine Thätigkeit beilegt, wodurch er die Stabilität seiner Arbeitskraft zerrüttet und sich selbst von Täuschung zu Täuschung führt. Wenige der Arbeiter ziehen aus solchen Vorträgen Nutzen, sehr Wenige!