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Ein neues Zeitalter für Kreative ist angebrochen. Wer profitiert? Fig. 1
Aufgrund der vielen «Pop-Kultur»-Referenzen und Begriffen in dieser Thesis steht hier ein Glossar für die am häufigsten gebrauchten Begriffe zur Verfügung.
Digital-Content = Videos, Kunst, Illustration, Audio welches im Internet publiziert wird.
Youtuber = Persönlichkeit, die auf der Plattform «Youtube» Videos publiziert und zu gewissen Teilen von den Werbeeinnahmen der Videos lebt. Diese Bezeichnung schliesst beide Geschlechter mitein.
Content-Creator = Sammelbegriff für Persönlichkeiten die auf Internet-Plattformen «Content» publizieren. Youtuber und Gaming-Journalisten gehören darunter. Diese Bezeichnung schliesst beide Geschlechter mitein.
Crowdfunding = Generierung von Finanzierung über eine grosse Anzahl an Leuten und Kleinbeträgen. Qu. 1
Tier = Eine Abstufung die eine bestimmte Hierarchie ergeben. Im Kontext dieser Thesis geht es um bezahlbare Pakete, die mit grösserem Umfang zu einem höheren Preis angeboten werden.
Die nachfolgende Arbeit befasst sich mit dem Crowdfunding-Konzept Patreon und dem Einfluss, der Patreon auf digitalen Content hat. Es wird beleuchtet, aus welchem Grund Patreon entstanden ist, welches Modell Patreon verfolgt und wie es Kreativen und Internet agierenden Persönlichkeiten hilft, mit ihrem kreativen Output ihren eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren. Die Frage ist: Wie hilft Patreon dabei, digitalen Content vielfältiger zu machen?
Es wird aufgezeigt, wie das System der Kostendeckung und Gewinnerwirtschaftung durch Werbeeinnahmen langsam aber sicher von einem System abgelöst wird, dass für mehr künstlerische Freiheit und finanzielle Unabhängigkeit sorgt. Welches sowohl den Dienstleistern wie auch den Konsumenten einen Mehrwert bietet. An drei Fallbeispielen wird gezeigt, um welche Art von Dienstleister es sich handeln könnte, was ihre Merkmale sind und was sie verbindet. Erfolg auf Patreon kennt kein Geheimrezept – aber dennoch gibt es gewisse Bedingungen, die erfüllt werden müssen.
Die beiden Systeme, die Finanzierung über Werbeeinnahmen und die Finanzierung über Patreon, werden einander gegenübergestellt und die Vor- und Nachteile des Systems Patreon beleuchtet. Denn kein System ist ohne Makel. Es soll aufgezeigt werden, wie sich die Dynamik der Systeme äussert und wie das System Patreon dafür sorgt, dass digitaler Content belebt wird.
Am Schluss dieser Arbeit soll zu einer Diskussion angeregt werden. Welche Vorteile bietet das System? Welche Nachteile hat es? Wo besteht der Mehrwert bei den Dienstleistern, wo bei den Unterstützern? Gibt es auch Vorteile für unbeteiligte Konsumenten?
Schlussendlich werden all diese Erkenntnisse in einem aufschlussreichen Fazit gebündelt.
Dieser Abschnitt befasst sich mit den Hintergründen der Crowdfunding-Plattform Patreon, wie sie funktioniert, wie man sie verwendet und aus welchem Grund sie entstanden ist. Am Ende dieses Kapitels soll nachvollzogen werden können welche Systeme Patreon zu verbessern versucht und wieso.
Die Startseite von Patreon Fig. 2
Bei der Gründung von Patreon und der Etablierung gibt es zwei richtungsweisende Aspekte. Zum einen sind da die wirtschaftlichen Aspekte. Der Fakt, dass vielen Content-Creators auf Youtube die Werbeeinnahmen eingebrochen sind, hat zu einer raschen Annahme des Systems geführt. Qu. 2 Zum anderen gibt es die persönlichen Gründe der Gründer, die in diesem Abschnitt näher erläutert werden. Patreon wurde von Sam Yam und Musiker Jack Conte gegründet. Jack Conte war Content-Creator auf Youtube und machte Musik-Videos. Seine Videos generierten zwischen 100-200 $ an Werbeeinnahmen, die ihm von Youtube ausbezahlt wurden. Er wollte das ändern, denn er empfand seine Videos waren mehr wert als 100 $. Er würde recht behalten: Nach dem Launch von Patreon verdiente Jack Conte mithilfe seiner Patrons gegen 1000 $ pro Video. Qu. 3
Wieso sind die Werbeeinnahmen von Youtubern (auch Content-Creator genannt, was im Verlauf dieser Thesis auch so benannt wird) eingebrochen? Alles begann im Februar 2017. Youtube installierte ein neues System, dass Content als «ad-friendly» bewertet… oder eben auch nicht. Die Werbung kann eingeschränkt werden (wenn der Content nur für eine bestimmte Altersgruppe sein soll) oder auch ganz verhindert werden. Dieses Konzept war vor allem in der Gaming-Szene auf Youtube zu spüren. Ego-Shooter, Horror-Games, Fluchen und Schreien – alles Dinge, die in diesem Setting vorkommen können, wurde von Youtube als «age-restricted» oder «inappropriate» bewertet. Trotz hunderttausenden Views waren die Einnahmen für ein Video plötzlich nicht mehr im Bereich mehrerer tausend Dollar, sondern vielleicht noch ein paar Hundert. Qu. 4 Content-Creators wurden vor ein Problem gestellt, dass so einfach nicht zu lösen war. Sollten sie ihren Content anpassen und damit ihre Konsumenten vergraulen? Das wäre wohl das Worst-Case-Szenario… oder sollten sie sich von Youtube abwenden und einem normalen Job nachgehen? Auch das würde die Konsumenten sicher vor den Kopf stossen. Lebensstile mussten angepasst, Content überarbeitet werden. Die UserInnen auf Youtube merkten schnell, dass etwas nicht stimmte… und sie mochten die Änderungen genauso wenig wie die Content-Creators. Qu. 5 Der Grund für diesen Schritt war schnell gefunden. Werbetreibende konnten nicht bestimmen oder beeinflussen, wo auf Youtube ihre Werbung veröffentlicht wird. Stellen wir uns mal vor, Coca-Cola erhält einen Einspieler auf einem Video, dass ganz klar dem amerikanischen «Alt-Right»-Gedankengut angehört (was sich oft Rassistisch und Nationalistisch äussert Qu. 6. Bezieht Coca-Cola nun politische Stellung? Natürlich nicht – aber ein Bezug wird dennoch geschaffen. Aus diesem Fakt heraus liefen die Werbetreibenden sturm und setzten Google und Youtube unter Druck. Druck, der zu diesem Schritt geführt hat.
Doch es gab einen Silberstreif am Horizont. Seit 2013 war Patreon schon im Geschäft… und man merkte schnell in welche Richtung es ging: steil nach oben. Youtube hat es Patreon ermöglicht, so schnell zu wachsen. Denn die Zahlen der Content-Creators, die sich nach einem alternativen Revenue-Modell umgesehen haben, stieg rapide an. Qu. 7 Qu. 8 Patreon ist mittlerweile etabliert und funktioniert. Das Modell Patreon wird auch von anderen Plattformen, wie Facebook und mittlerweile sogar Youtube, teilweise kopiert… und doch hat Patreon gute Zukunftsaussichten. Qu. 9
Die Geschäftsidee war einfach: Mitglieder der Community können sich auf Patreon anmelden und ihrem Content-Creator für erstellten Content einen Betrag zahlen, den sie als angemessen erachten. Sie können «Patrons» werden. Ein Begriff, der aus dem Kunstbereich stammt. Als Pablo Picasso oder andere bekannte Maler einen finanzstarken Mäzen hatten, die ihre Werke, ihr Leben, im Austausch gegen ihre Arbeit bezahlten. Qu. 10 Qu. 11
Patreon ermöglicht es einem Content-Creator, Abonnements einzurichten. Sogenannte Tiers, die er wiederum mit bestimmten Rewards anreichern kann, und eine Payment-Struktur hinterlegen.
Als Beispiel nehmen wir hier 1 $, 5 $ und 20 $. 1 $ ist das Grund-Tier. Nennen wir es einmal «Basis-Unterstützer-Tier». Ab diesem Moment bin ich Patron und erhalte Zugriff auf publizierte Artikel auf der Patreon-Seite, die ansonsten versteckt wären. 5 $ – wir nennen es mal das «Netter-Unterstützer-Tier». In diesem Tier erhalte ich die selben Vorteile wie im 1 $ Patron-Tier, aber zusätzlich sehe ich die Videos, die normalerweise auf Youtube publiziert würden, auf Patreon schon eine Woche früher. Im 20 $-Tier, wir nennen es mal «Top-Unterstützer-Tier», erhalte ich die Vorteile der beiden vorherigen Tiers, aber zusätzlich noch Zugriff auf einen Online-Chat, damit ich mich einmal in der Woche zu einer Fragerunde (auch Q&A genannt) mit dem Content-Creator treffen kann.
Wie man an dieser Ausführung schon sehen kann, ist es möglich auf Patreon «Patron-only-Content» zu veröffentlichen. So wird Patreon zu einer zweiten Plattform für den Content-Creator. Als Content-Creator habe ich die Möglichkeit zu wählen, ob ich meine Patron per Stück Content (zum beispiel ein Video oder ein Artikel) oder monatlich zahlen lassen möchte. Wenn ich mich für monatlich entscheide, muss ich gewisse Rahmenbedingungen festlegen, damit die Zahlung auch durch geht. Beispiel: Fünf Videos und zwei Artikel pro Monat – wenn erreicht, werden die Kreditkarten meiner Patrons Ende Monat belastet. Qu. 12
Wie verdient Patreon nun Geld? Gemäss eigenen Aussagen von Patreon, erhalten Sie 5 % der Einnahmen des Creators, sowie eine 5 % «Payment-fee». Heisst also 90 % des erwirtschafteten Revenues geht an den Content-Creator. Qu. 13 Nehmen wir als Beispiel einen Content-Creator der im Monat 1000 $ durch Patreon erhält. 900 $ erhält der Content-Creator jeden Monat, nach den Abzügen von Patreon. 100 $ erhält Patreon als Anbieter der Plattform. Ein gewisser Prozentsatz dieser 100 $ geht dann natürlich an Kreditkartenunternehmen oder andere Firmen, die die Zahlungsplattform zur Verfügung stellen. Der genaue Prozentsatz kann hier jedoch nicht festgestellt werden.
Die Tier-Struktur eines Content-Creators Fig. 3
Patreon entstand aus dem Bedarf, Content-Creators verschiedenster Couleur eine Plattform zu bieten, auf der sie für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden können. Das traditionelle System des durch Werbung generierten Einkommens, half einer Grosszahl von Content-Creators nicht, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Patreon wurde von zwei Jack Conte und Sam Yam im Jahr 2013 gegründet und besteht bis heute… und ist damit so erfolgreich, dass die «Grossen», wie Youtube und somit Google, den Erfolg nachahmen wollen. Mittlerweile hat auch Youtube ein «Unterstützer»-System, welches ähnlich funktioniert. Die Idee hinter dem Konzept kommt aus dem traditionellen Kunstbereich – ein Patronage, wie sie erfolgreiche Maler und bildende Künstler von wohlhabenden Gönnern erhielten.
Auf Patreon kann ich als Content-Creator verschiedene Tiers kreieren, um meine Unterstützer dazu zu bewegen, mir ihr Geld zu geben. Ein Konzept, dass in unserer heutigen, dynamischen Welt zahlreiche Unterstützer findet.
Digitaler-Contet ist so vielfältig wie noch nie. Auch dank Patreon? Fig. 4
Im nachfolgenden Kapitel soll aufgezeigt werden, wie konventionelle Systeme funktionieren und wie Patreon neue Möglichkeiten schafft. Somit soll nachvollzogen werden können wo mögliche Vorteile durch die Finanzierung durch Patreon entstehen.
Das traditionelle System im Youtube- und Web-Gaming-News-Bereich basiert auf Werbung. Diese Werbung wird wiederum per Klick abgerechnet und ergibt ein Revenue-System, das vor allem eine Kennzahl kennt: die Anzahl Klicks.
Eine Website die viele Klicks erhält und somit auf viele Pageviews kommt, verdient Geld durch den «Konsum» ihres Contents. Dabei steht nicht mehr der Content selber im Vordergrund, sondern die Tatsache, dass ein Werbebanner an den Browser des Endverbrauchers geliefert wurde. Somit ist der Gaming-Journalismus, der keine grossen anderen Einnahmequellen kennt, von anderen Firmen, die wiederum Werbung buchen, abhängig. Das Abo-Modell, welches im Print-Journalismus Verwendung findet, konnte im Gaming-Journalismus nie Fuss fassen und war deshalb keine Option. Die Werbung, die wiederum geschaltet wird, kommt, aufgrund des Nischeninteresses der Website-Besucher, aus der Branche über die berichtet wird.
So wird schnell ersichtlich, wo das Problem des traditionellen Systems liegt: Unabhängiger Journalismus ist unter diesen Bedingungen schwer – und das merken die Konsumenten tagtäglich. Die Qualität des Content ist nicht mehr König. Viel Material zu publizieren, das möglichst schnell und mit möglichst reisserischen Titeln, um die UserInnen zum draufklicken zu bewegen, ist das am weitesten verbreitete Geschäftsmodell.
Patreon hat für kreative Content-Creators auf Youtube (hier als Fokus – natürlich auch auf anderen Plattformen) die Finanzierung über Werbeeinnahmen ersetzt. Content-Creators (im Zusammenhang mit dieser Thesis Journalisten) müssen nicht mehr eine wirtschaftsfreundliche Meinung vertreten, um ihr Einkommen zu sichern. Das System Patreon erwirtschaftet Geld aus der Community – eine Community, die sich aktiv dazu bereit erklärt, ihren Content-Creator zu unterstützen. Weil sie vielleicht mit seiner Meinung einverstanden sind, oder seinen Content einfach interessant finden – den Content-Creator für einen Mehrwert halten. Das hat für den Content-Creator verschiedene Folgen: Die Wirtschaftlichkeit des Contents tritt in den Hintergrund. Klickraten, treten in den Hintergrund. Aber, und das ist der entscheidende Punkt: Die Qualität des Journalismus, seines Contents, verbessert sich – weil der Content-Creator das Bewusstsein hat, dass, solange er gute Arbeit macht, die Community bereit ist, weiterhin zu bezahlen. Der Content-Creator ist nicht mehr dazu verpflichtet, in möglichst kurzer Zeit viel Content zu produzieren, der dann zwangsläufig von minderer Qualität ist. Content-Creator können sich ihre eigenen Marksteine und Kennzahlen setzen, denen die UserInnen beim Erstellen ihres Abos zustimmen.
Hier wird eine Entschleunigung ersichtlich, die sich in der Qualität und der Vielfalt des Contents niederschlägt. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie ermöglicht dem Content-Creator, bessere Arbeit zu machen. Denn er muss nicht mehr mit dem selben Zeitdruck arbeiten. Was hier für eine Entschleunigung und «Ent-Dynamisierung» in seiner eigenen Arbeitsweise führt, sorgt gleichsam für eine Verbesserung im Content selbst. Er wird vielfältiger, vertiefter, interessanter. Es gibt mehr Content in besserer Qualität und grösserer Fülle und sorgt so für ein lebendiges Marktumfeld. Der direkte Draht zur Community des Creators sorgt für eine eigene Form der Dynamik. Der Content-Creator kann durch Patreon direkter und näher mit seinen Fans in Kontakt treten. Fans von denen er weiss, dass sie bereit sind für seine Arbeit zu bezahlen. Seine Arbeit hat für sie einen Wert – so erhält ihre Meinung auch mehr Wert beim Content-Creator. Ein reger Austausch kann stattfinden und als Patron fühlt man sich näher beim Content-Creator was für einen Mehrwert bei den Patrons sorgen kann.
Es geht aber noch weiter: «Werber-Freundlichkeit» steht als Synonym zu der Tatsache, dass politische Kommentare, Kraftausdrücke und Gewaltdarstellung und wirtschaftskritische Aussagen keinen Platz auf Online-Plattformen wie Youtube haben. Eine Unabhängigkeit von solchen Plattformen und ihren «Content-Policies» sorgt für vielfältigeren Content. Die Content-Policies von Youtube sind mittlerweile so verschärft, dass es schwer ist auf der Plattform noch als Werberfreundlich zu gelten. Patreon ist hier viel lockerer. Qu. 14 Qu. 15
Das System, welches auf Werbeeinnahmen setzt, basiert auf Klicks und Nutzerzahlen. Die Website (Youtube oder auch eine News-Website) wird für das Ausliefern von Werbebannern und Werbe-Einspielern an Betrachter bezahlt. Das heisst, dass das Werbe-System darauf basiert, möglichst viele Nutzer durch reisserische Titel auf möglichst viele Artikel oder Videos zu locken. Es entsteht eine Dynamik die auf Contentmenge setzt und so kurzlebigen, schlecht recherchierten Content bevorzugt.
Die Finanzierung über Patreon zeichnet sich durch eine Selbstbestimmung des Content-Creators aus, der seine «Versprechen» eine Dienstleistung zu erbringen einer Community vorstellt, die wiederum über die Webseite Patreon ihre Unterstützung geben können. Der Content-Creator gibt ein Versprechen, pro Monat eine gewisse Menge an Content zu produzieren. Die Unterstützer, Patrons genannt, verpflichten sich zu einer monatlichen Zahlung, wenn die Kennzahlen erreicht sind. Eine monatliche Abbuchung ermöglicht dem Content-Creator ein gesichertes Einkommen. Hier entscheiden keine Nutzerzahlen oder Anzahl Klicks, sondern der Content des Creators, der von seiner Community dafür bezahlt wird, seine Arbeit zu machen. Die einzige Zahl die ihn zu interessieren braucht ist die Anzahl seiner Patrons und die dadurch entstehenden monatlichen Einnahmen. Es ist eine Entschleunigung feststellbar, die auf direktem Weg die Qualität und Vielfalt des Contents positiv beeinflusst.
Folgendes Kapitel stellt die konventionelle Methode der Finanzierung durch Werbeeinnahmen Patreon gegenüber. Es soll der Zusammenhang aufgezeigt werden wie Patreon es ermöglicht eine grössere Vielfalt im Gaming-Journalismus-Bereich zu schaffen.
Die Vorteile des Systems Patreon sind mannigfaltig. So wird es möglich gemacht, dass ein Content-Creator die Chance bekommt, über Youtube ein gesichertes Grundeinkommen zu erwirtschaften, ohne von den strengen Regelungen von Youtube betroffen zu sein. Der Content-Creator kann seiner Leidenschaft nachgehen – und sofern es genug Unterstützer gibt, mehrheitlich davon leben. Dabei spielt es natürlich auf direktem Weg eine Rolle, wie beliebt die Dienstleistung des Content-Creators ist. In den Fallbeispielen werden erfolgreiche Content-Creator vorgestellt.
Kreative Arbeit gewinnt mehr an Wert und ist nicht so sehr von der Wirtschaft abhängig, wie es Werbeeinnahmen wären. Ebenso ist man als Content-Creator von Wirtschaftsinteresse unbeeinflusst und sorgt so für eine vielfältige, lebendige Content-Welt. Es findet eine Entschleunigung statt, die die Qualität des Contents positiv beeinflusst.
Als Unterstützer haben die Möglichkeit, für den Content zu bezahlen, der sie interessiert. Sie werden nicht mit Werbung belästigt, die sie ohnehin wenig interessiert und sie beim Konsum der Inhalte nur stören. Genauso haben Konsumenten eine viel grössere Auswahl an digitalen Inhalten, da ich auch Content geniessen kann, der von anderen Patrons unterstützt wird.
In der Welt von Patreon ist nicht alles rosig. Patreon steht auch in der Kritik. So können nur 2 % aller Content-Creators, die über Patreon Geld verdienen, ein Mindesteinkommen sichern. Wenn man nicht populär genug ist, bleiben die Patrons leider aus. Diese Linie ist, Stand 2017, bei 1160 $ Monatsgehalt angesetzt. Nur 2 % aller Content-Creator überschreiten diese Linie nach oben. Es werden bei Patreon gegenüber der Finanzierung durch Werbeeinnahmen viel weniger Konsumenten gebraucht – und doch ist es nötig auf sich aufmerksam zu machen.
Ein Grossteil der Content-Creator auf Patreon verdienen nur zwischen 1 $ und 100 $. Qu. 16 Klar ist, dass mit so einem Einkommen kein Lebensunterhalt verdient werden kann. Fakt ist aber auch, dass, wenn das Erstellen des Contents nur ein Hobby ist, zumindest etwas dazu verdient werden kann. Qu. 17
Da Patreon kein regulärer Arbeitgeber ist, sondern die angemeldeten Content-Creator nur dazu bemächtigt, «Crowdfunding» zu betreiben, gibt es auch keine Absicherung bei Krankheit oder Unfall. Es werden von Patreon keine Beiträge bezahlt – und so verstehen sich die angemeldeten Content-Creators als Einzelfirmen oder Kleinunternehmen.
Ebenso blieb Patreon auch nicht von Kontroversen verschont. Carl Benjamin, aka «Sargon of Akkard», wurde aufrund von anti-feministischem und rechtsextremen Äusserungen von Patreon verbannt. Bei Carl Benjamin handelt es sich um einen bekennenden Anti-Feministen und Content-Creator, der der sogenannten «Alt-Right»-Bewegung in Amerika angehört, bei denen solche Äusserungen keine Seltenheit sind. Andere Gesichter dieser Bewegung kritisierten auf diese «Verbannung» hin Patreon scharf. Qu. 18
Die Begebenheiten haben, einzeln betrachtet, keine grosse Wichtigkeit – was aber klar sichtbar wird ist, dass ein Ausschluss von der Plattform – aus welchem Grund auch immer – dafür verantwortlich sein kann, dass ein Content-Creator kein Einkommen mehr hat. Ein Fakt, der gegen Patreon spricht. Man ist Patreon als Content-Creator zu gewissen Teilen ausgeliefert, wenn man diesen Dienst nutzen möchte und unterwirft sich ihrem moralischen Code. Falls man das nicht tut, läuft man immer Risiko, seinen Platz auf der Plattform zu verlieren.
Bei Patreon findet eine direkte Entschleunigung statt, die man auch als «Ent-Dynamisierung» beschreiben könnte. Der Content-Creator ist nicht mehr direkt von der Content-Menge und der Anzahl Klicks abhängig. Was dabei direkt sichtbar wird, ist wie dieses System die Menge und Vielfalt an Content direkt beeinflusst.
Durch die Tier-Struktur der verschiedenen Abonnements, kann man als zukünftiger Patron ganz genau bewerten und für sich festlegen, wie viel man in einen Content-Creator «investieren» möchte. Als Content-Creator hat man wiederum direkten Einfluss auf den Content den man macht und den Abonnement-Tiers die man entwickelt, um seine Patrons zu höheren Beträgen zu bewegen.
Patreon geht aber noch weiter. Denn nicht nur Content-Creator und Patron profitieren in dieser Art des Systems – auch der unbeteiligte Konsument kann durch die Auswirkungen von Patreon auf ein viel breiteres Spektrum an Content zugreifen. Nischen, für die sich nur wenige Menschen interessieren, erhalten plötzlich mehr Gewicht, da wenige zahlungsstarke Patrons dafür sorgen können, dass ein Content-Creator seiner Leidenschaft nachgehen kann. Sei das vollumfänglich, hauptberuflich, oder als bezahltes Hobby. Ein Vergleich mit Mäzenen wäre an dieser Stelle angebracht, die schon im Mittelalter ihre Schützlinge förderten um Kunst und Literatur in Auftrag zu geben. Qu. 19
Ebenso entstehen andere positive Nebeneffekte, wenn der Content-Creator nicht mehr auf Werbung angewiesen ist. Der Verzicht auf Werbung im Content macht sich auch für Unbeteiligte bemerkbar. Es darf eher politisch Stellung bezogen werden. Gewalt-Darstellung, wie es oft in Video-Games der Fall ist, spielen keine Rolle mehr. Fluchen? Grundsätzlich Erlaubt. Es sorgt für eine vielfältigere Content-Landschaft. Es muss einfach im Rahmen der Community-Guidelines von Patreon geschehen, die viel lockerer sind als die von Youtube. Rassismus hat aber auch auf Patreon nichts zu suchen.
Die nachfolgenden Fallbeispiele präsentieren drei Gaming-Journalisten die durch Patreon befähigt werden ihrer Tätigkeit auf Youtube nachzugehen. Es sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt werden, die in direktem Bezug zu ihren Tätigkeiten stehen. Am Ende des Kapitels soll klar gemacht worden sein, dass die drei Fallbeispiele ohne Patreon wohl kaum hauptberuflich Content auf Youtube publizieren würden.
Um seine heutige Popularität zu verstehen muss man kurz in die Vergangenheit blicken. James Nicholas Stanton, wie Jim Sterling mit bürgerlichem Namen heisst, hat eine Karriere als Video-Game-Journalist gemacht. Er war «Review Editor» bei Destructoid und war Autor bei The Escapist. Im November 2014 hat er angekündigt, sich selbstständig zu machen und wollte diesen Schritt durch Patreon finanzieren. Ein Schritt, der ganz offensichtlich gelungen ist. Sein Markenzeichen ist seine sehr kritische Einstellung gegenüber grosser Gaming-Publisher und hat sich durch seine Kommentare sogar schon einmal eine Klage Qu. 20 eingefangen. Seine Art des Gaming-Journalismus’ hat ihm viele Follower auf Youtube eingebracht (882 000, Stand Dezember 2019) und einige Patrons auf Patreon (7159, Stand Dezember 2019). Mit Einnahmen durch Patreon von 13 173 $ im Monat ist er so finanziell abgesichert. Qu. 21 Wenn man bedenkt, dass er «nur» 1 $ will, um bei ihm Patron zu werden, ist es wichtig hervor zu heben, dass ein grosser Teil seiner Unterstützer freiwillig mehr Geld bezahlt.
Die «Jimquisition» ist ein Format in der Jim Sterling vordergründig Probleme in der Gaming-Industrie anspricht. Oft geht das Hand in Hand mit dem Aufdecken von unsauberem Firmen-Verhalten. Man kann davon ausgehen, dass die Art seines Contents, mit oft pointierten, nicht gerade kinderfreundlichen, Aussagen nicht ideal ist, um auf Youtube Geld zu verdienen. Ebenso ist er auch nicht für «Sponsored Content» attraktiv – ganz davon abgesehen, dass es seiner Einstellung «Corporate-Bullshit» gegenüber auch widersprechen würde (wie in mehreren Videos angedeutet). Er wird also einen grossen Anteil seines Einkommens direkt durch Patreon beziehen.
Die Youtube-Seite von Jim Sterling Fig. 5
Bellular, oder auch Michael Bell, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, ist ein Gaming-Youtuber der sich vor allem mit dem Thema «World of Warcraft» bekannt gemacht hat, mittlerweile aber auch allgemeine News aus der Gaming-Branche in einem Zweitkanal publiziert. Bellular ist schon einige Zeit bei Patreon, allerdings ist nicht genau festzustellen seit wann schon. Es ist aber anzunehmen, dass auch sein Wechsel zu Patreon der verminderten Einnahmen seines Youtube-Kanals zu schulden ist. Mit 529 000 Abonnenten auf seinem Hauptkanal und 162 000 auf seinem Nebenkanal, hätte er nach altem Youtube-Revenue-Modell ein gutes Einkommen gehabt. Bei 610 Patrons (Stand Dezember 2019) ist seine Anzahl an Unterstützern deutlich geringer als bei Jim Sterling, allerdings kann sich 8187 $ pro Monat trotzdem sehen lassen. Qu. 22 Seine Unterstützer sind zu grösseren monatlichen Donations bereit, wie es scheint. Allerdings ist anzumerken, dass Bellular deutlich mehr Tiers hat, die man wählen kann – und auch mehr Content und selbst physische Rewards, wie Pins und Postkarten, bietet, wenn man dazu bereit ist, mehr zu bezahlen.
Die Art seines Content kann man als Journalismus bezeichnen. Er geht allerdings deutlich neutraler und kinderfreundlicher vor als Jim Sterling und spricht deshalb auch eine andere Zielgruppe an.
Während man die beiden anderen Fallbeispiele eher als Einzelfirmen bezeichnen könnte, handelt es sich bei NoClip um eine kleine Firma. Ein Produktionsteam, um den Gaming-Journalisten Danny O'Dwyer, hat sich dem Thema Videospiel-Dokumentationen verschrieben. O'Dwyer wurde als Journalist bei GameSpot bekannt und wurde 2016 an den Game Awards als «Trending Gamer of the Year» nominiert.
2016 war auch das Gründungsjahr des Youtube-Channels Noclip, mit folgendem Versprechen:
«Gamers deserve our media that reflects our passions, a press that uses its access to tell stories about how games get made, the people who play them, and the ways in which they reflect our lives—stories that make us proud to be gamers.» Qu. 23
Seiner Meinung nach hat das traditionelle Revenue-Modell, in dem über Werbeeinnahmen Geld generiert wird, die Qualität des Gaming-Journalismus stark beeinträchtigt. Qu. 24 Reisserische Titel, um Clicks zu generieren, und die Art der Berichterstattung werden als Gründe dafür aufgeführt. Aus diesem Grund hat er sich schon bei der Gründung von NoClip dazu entschieden, auf das traditionelle Modell zu verzichten und stattdessen Geld über Crowdfunding, in diesem Fall Patreon, zu generieren. Stand Dezember 2019 verzeichnet die Patreon-Seite 4122 Patrons und generiert damit einen Umsatz von 21 642 $. Qu. 25 Und der Youtube-Kanal kann sich mit 445.000 Abonnenten ebenfalls sehen lassen. Der Content von NoClip dreht sich über Dokumentationen die in Kooperation mit Gaming-Studios und Publishern gedreht werden. In Ihnen wird der Entstehungsprozess eines Projekts dokumentiert, oder vergangene Titel genauer beleuchtet.
Die Präsentation von noClip auf Patreon Fig. 6
Was nach diesen Erläuterungen festgehalten werden kann ist, dass in allen drei Beispielen auf ein traditionelles Modell durch Werbeeinnahmen verzichtet wird. Stattdessen wird versucht, durch Interessierte in der Community und Fans, via Crowdfunding, zu einem Umsatz zu kommen, der zukünftige Projekte absichert. Bei allen drei Beispielen handelt es sich um journalistische Inhalte, die man heutzutage mit Print-Publikationen (Abo-Modell, Werbeeinnahmen-Hybrid), wie PC Gaming, GameInformer oder Gaming-Websites (Werbeeinnahmen-Modell), wie Kotaku, GameSpot oder Eurogamer vergleichen kann. Alle drei Fallbeispiele bedienen ihre eigene Form des Journalismus, können aber dennoch als Journalismus zusammengefasst werden. Was sie alle gemeinsam haben ist, dass sie eine Fanbase besitzen, die gewillt ist für ihren Content schon im Voraus zu zahlen. Diese Journalisten (oder Content-Dienstleister), haben sich ein gewisses Vertrauen verdient und werden aus diesem Grund auch tatkräftig von ihrer Community unterstützt. Sie alle hatten schon eine gewisse Web-Präsenz, bevor sie mit Patreon gestartet haben. Jim Sterling und Danny O'Dwyer waren zur Zeit als Gaming-Newsportale noch Magazine im Kiosk hatten bereits angesehene Gaming-Journalisten. Bellular hat sich mit seinem Youtube-Kanal schon einen Namen gemacht hat und dementsprechend eine grosse Fangemeinde.
Die drei Fallbeispiele zeigen eindrücklich, wie man sich in einer Nische, mit Hilfe von genügend Unterstützern, behaupten kann. Alle drei Fallbeispiele können auf einen stetigen Revenue-Stream vertrauen und sind nicht dazu verpflichtet, mit biegen und brechen eine grosse Menge an Leuten zu erreichen.
Alle drei haben gemeinsam, dass ihre Viewer-Zahlen und die Art ihres Contents nach heutigem System von Youtube nicht mehr ausreichend wären, um ihre Leidenschaft full-time zu betreiben. Alleine das führt schon zu einer interessanten Dynamik. Wenn man davon ausgeht, dass gewisse Arten von Content aussterben, weil die traditionellen Systeme nicht mehr ausreichend Möglichkeiten zur Gewinn-Generierung bieten, um diese Nischen am Leben zu erhalten. Alle drei Fallbeispiele hatten sich vor ihrem Erfolg auf Patreon schon einen Namen gemacht. Somit kann festgehalten werden, dass eine gewisse Fanbase sehr von Vorteil ist, um über Patreon erfolgreich zu sein.
In diesem Kapitel gezeigt werden, wie so eine Patreon-Kampagne funktioniert. Wie sie strukturiert ist und wo der direkte Mehrwert für den «Patron» liegt.
Als Unterstützer werden mir von einem Content-Creator gewisse Tiers angeboten, die direkt beeinflussen können, wie der Unterstützer mit dem Content-Creator interagiert. Als Beispiel nehmen wir die Patreon-Seite von NoClip.
Zitat: «$ 3 PER MONTH: Supporters get access to our patron-only discord and exclusive update posts on our docs and upcoming projects here on Patreon. Plus: Our sincere thanks for supporting our work.»Qu. 26
Zitat: «$ 5 PER MONTH: Insiders get access to all of our behind-the-scenes videos (filming around the world, working in the studio, updates), plus exclusive episodes of the Noclip Podcast every single month. Plus: Discord Access, Patron Posts, our sincere thanks!»Qu. 27
Zitat: «$ 10 PER MONTH: Join our crew to watch the documentaries days before they go public and get access to bonus scenes that didn't make it into the final cut. Plus: Behind-the-Scenes Video Library, Bonus Podcasts, Discord Access, Patron Posts, our sincere thanks!»Qu. 28
Zitat: «$ 30 PER MONTH:Immortalize your patronage by becoming a Noclip producer. Pledge at this tier, and your name will appear during the closing credits of our docs. Plus join us live for a Q&A every month. Plus: Early Access, Behind-the-Scenes Video Library, Bonus Scenes, Bonus Podcasts, Discord Access, Patron Posts, our love and thanks!»Qu. 29
Zitat: «$ 1337 PER MONTH: If you are an organization or studio that would like to support the work we do we offer this level which will cover most of our studio’s rent for a month. In return we’ll film a special thank you video for you or your team, give you a shout out on every podcast & stream we produce that month and add your name, headshot or logo to our studio's wall of benefactors. Plus: Your name in the credits, Monthly Live Q&A, Early Access, Behind-the-Scenes Video Library, Bonus Scenes, Bonus Podcasts, Discord Access, Patron Posts, our love and thanks!»Qu. 30
Wie man an diesem Beispiel deutlich sieht, erhält ein Patron eine Vielzahl an «Goodies», die es ihm ermöglichen noch tiefer mit dem Content des Anbieters zu interagieren. Man erhält also nicht nur den Content der ohnehin produziert wird, sondern dazu noch Bonus-Content, der den Preis zu rechtfertigen versucht.
Content-Creator erhalten die Möglichkeit sich vom konventionellen System loszusagen und ihre Zukunft in die Hände ihrer Fans zu legen. Zu gewissen Teilen wird der Zeitdruck gemindert und ermöglicht es so, dass sich ein Content-Creator mehr Zeit lassen kann, um qualitativ hochstehenden Content abzuliefern. Zusätzlich erhält der Content-Creator die Möglichkeit, eine tiefere Bindung zu seiner «Fanbase» aufzubauen, indem ihm durch Patreon ein direkter Link zu seinen treuesten Fans angeboten wird. Mithilfe der Tier-Struktur der Abonnements ist es dem Content-Creator möglich, produzierten Content, nur einer gewissen Anzahl seiner Patrons zur Verfügung zu stellen. Bonus-Content wie «Hinter den Kulissen» sind ein perfektes Beispiel dafür.
Auch für den unbeteiligten Konsumenten, der sich aus Patreon heraus hält, wird ein Mehrwert geschaffen. Durch die höhere Qualität und Vielfalt auf Youtube und anderen Plattformen, erhält er ein besseres Online-Erlebnis. Ein Content-Creator der über eine grosse Anzahl Patreon-Unterstützer verfügt, wird auch weiterhin Content produzieren und hat sich zu gewissen Teilen verpflichtet, regelmässig den versprochenen Content zu produzieren. So erhalte ich als unbeteiligter Konsument eine grössere, farbenfrohere Auswahl. Was man auch nicht ausser Acht lassen sollte ist, dass Content, der nicht Werberfreundlich produziert ist, eine grössere Vielfalt zulässt. Gewaltdarstellungen (wie in Ego-Shootern) politische Kommentare (damit ist nicht Extremismus gemeint – sondern vielmehr das beziehen von Stellung) und Kraftausdrücke sorgen für ein authentisches Erlebnis.
Nach der Beleuchtung aller Faktoren kann festgehalten werden, dass das System Patreon durchaus funktioniert und positive Spuren hinterlässt. Es findet eine Entschleunigung statt, die in unserer heutigen, über-dynamisierten Welt dafür sorgt, dass eine Einzelperson, ein Content-Creator, sich mehr Zeit lassen kann, um für gut recherchierten, qualitativ hochwertigen Content zu sorgen. Auch wenn nur 2 % aller auf Patreon angemeldeter Content-Creator ein Mindesteinkommen sichern können, so ist der Impact auf Digital-Content vor allem auf Youtube doch schon sehr stark spürbar. Mit Fokus auf die dargelegten Fallbeispiele kann man festhalten, dass diese Art des Contents mit den heutigen «Content-Policies» von Youtube keine Chance hätten, einen einigermassen anständigen «Revenue-Flow» zu generieren.
Die drei präsentierten Fallbeispiele wären auf Youtube schlicht nicht existent. Wenn man die Tausenden an Patrons befragen würde: ein schwerer Verlust. Patreon ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Content und dem Produzenten. Die abgestufte Finanzierungsstruktur der Plattform ermöglicht es, dass man als Unterstützer wählen kann, wieviel «Wert» diese Dienstleistung für einen selbst hat und wie tief diese Art von «Verbindung» gehen soll.
Egal ob auf harten Fakten basierend wie in dieser Thesis beleuchtet, oder auch im Gespräch mit Freunden und Geschäftskollegen: dass Patreon für lebendigeren Digital-Content sorgt, empfanden alle. Doch auch Patreon hat Nachteile – selbst auf Patreon ist das Recht auf «Free Speech» eingeschränkt, wie es heutzutage auf fast jeder Plattform der Fall ist. Wie positiv oder negativ diese «Content-Policies» sind, variiert jedoch, je nachdem wen man fragt. Und doch ermöglicht Patreon, die Content-Policies anderer Plattformen zu gewissen Teilen zu ignorieren. Was Youtube als werberfreundlich einschätzt und mit Einbussen bei Werbeeinnahmen sanktioniert, braucht einen durch Patreon unterstützten Content-Creator nicht zu interessieren, da er auf die Werbeeinnahmen nicht mehr angewiesen ist. All diese Aspekte zusammengefasst ergeben ein klares Bild und beantworten die gestellte Frage in dieser Thesis: Crowdfunding in der Form von Patreon ermöglicht mehr künstlerische Freiheit und eine finanzielle Unabhängikeit bei einem Content-Creator und belebt so Digital-Content nachhaltig.
Aufgrund der enormen Aktualität des Themas wurde auf ein herkömmliches Literaturverzeichnis verzichtet.
↑ Qu. 18 – businessinsider.com Benjamin Goggin, Crowdfunding platform Patreon defends itself from protests by 'intellectual dark web,' publishes slur-filled posts from banned YouTuber (Abrufdatum: 01. 12. 2019)