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Erbaut aus Abbruchmaterial?
Über das Alter der Kapelle, von den Hellikern „Chäppeli“ genannt, gehen die Meinungen auseinander. Berücksichtigt man alle Vermutungen, so ist die Kapelle während der Zeit vom 16. bis etwa Mitte des 18. Jh. entstanden. Gemäss einer Sage handelt es sich um eine Votivkapelle. Der Volksmund berichtet von einer Rinderpest, der im Dorf alle Tiere mit Ausnahme eines Rindes zum Opfer fielen. Es gehörte einer Familie Meier. Man versprach die Errichtung einer dem Viehpatron Wendelin geweihten Kapelle, sollte das Tier überleben. Die Seuche verschonte das Rind und die Meiers erfüllten ihr Gelübde. Bekannt ist, dass in der Mitte des 18. Jh. die einzige Familie mit diesem Namen nahe der Kapelle wohnte. Und dass Menschen in Zeiten von Viehseuchen fromme Stiftungen gelobten, war in früheren Jahrhunderten nicht unüblich. Denkbar ist, dass für den Kapellenbau Abbruchmaterial der 1741 niedergerissenen gotischen Wegenstetter Pfarrkirche verwendet wurde. Angenommen wird zudem, dass einige Objekte der Kapellenausstattung aus dem abgebrochenen Gotteshaus stammen.
Bauern- und Viehheilige
Das „Chäppeli“ beherbergt mehrere Darstellungen von Heiligen, die für die bäuerliche Bevölkerung wichtige Fürbitter waren. Der Altaraufsatz zeigt den Kapellenpatron Wendelin und ein Bild des hl. Fridolin, des Gründers des Klosters Säckingen, das bis 1803 die Patronatsrechte über die Kirche Wegenstetten ausübte. Auf dem einfachen Gemälde findet sich daher eine Darstellung des Säckinger Münsters. Auch Fridolin galt in der Region als Bauern- und Viehpatron.
Einer aus dem 18. Jh. stammenden Wendelinsfigur liegt ein derb geschnitztes „lachendes Rind“ zu Füssen. Als man in den 1950er Jahren die Kapelle sanierte, fehlte der Kopf des Tieres. Man fand ihn in einem Haus unter dem Bett eines Knaben… Zu Fridolin und Wendelin gesellt sich ein dritter Bauernheiliger: Antonius der Einsiedler, „dr Säutoni“, Patron der Schweine. Das Tafelbild malte Mathias Wickhart 1720 in Einsiedeln. Derselbe thematisierte auf einem zweiten Bild das Rosenkranzgebet: Maria überreicht dem hl. Dominikus den Rosenkranz. In 15 kleinen Medaillons sind die Rosenkranzgeheimnisse dargestellt. Vermutlich handelt es sich bei den Gemälden um einen Auftrag der einst bedeutenden Wegenstetter Rosenkranzbruderschaft. Früher wurde in der Kapelle regelmässig der Rosenkranz gebetet, auch für schwer erkrankte Dorfbewohner. Zudem fanden Wendelinsandachten statt. Heute wird das „Chäppeli“ nur noch sehr selten benutzt. (lh)