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Marcel Gemperle v/o Orange, 12.03.1930 – 25.10.2021
30.10.2021 - Mario Vassalli v/o Woyzeck
Nachruf
Prof. Dr. med.
Marcel Gemperle v/o Orange
Kyburger, Neu-Romania, Fryburgia, Rotacher
12.03.1930 – 25.10.2021
Orange wurde am 21. März 1930 geboren. Er wuchs auf dem väterlichen Bauernhof in Wigoltingen TG auf, im Kreise von 9 Geschwistern. Dort besuchte er die Primarschule. Das Gymnasium absolvierte er am Kollegium St.Anton in Apppenzell, wo er 1950 die Matura nach Typus A, also mit Griechisch und Latein, bestand. Anschliessend wechselte er an die Universität Fribourg über, wie es sich damals für einen Katholiken geziemte. Dort bestand er 1951 das erste Prope und ein Jahr später das zweite. Für die Fortsetzung des Studiums wählte er die Universität Zürich. Er machte auch Auslandsemester in Wien und Marseille. In Zürich bestand er 1956 das medizinische Staatsexamen. Seine Berufstätigkeit begann er am Thurgauer-Spital Münsterlingen und setzte sie 1959 am Universitätsspital Zürich fort, wo er 1962 Oberarzt der zentralen Anästhesieabteilung wurde, als gelehriger Schüler von Prof. Hossli, der damals in Zürich die moderne Anästhesie entwickelte. Mit diesem Wissen wechselte Orange ans Kantonsspital Genf, wo er die Abteilung für Anästhesiologie auf- und ausbaute. 1963 wurde er in diesem Fache Chefarzt und unterrichtete an der Universität Genf, die ihm 1970 im Alter von 40 Jahren den Professorentitel verlieh. Bis zu seiner Pensionierung blieb er dieser Tätigkeit in Genf treu.
Orange hatte die Besonderheit, dass er immer sehr jung aussah. Einmal, als er längst Chefarzt und Professor war, erlebte er, dass ihn eine Patientin, die er am Spitalbett besuchte, vom Bett weisen wollte mit der Begründung, sie wolle vom Chef und nicht von einem Unter-Assistenten behandelt werden.
Im Jahre 1957 hatte sich Orange mit Geneviève Hébrard verehelicht. Er hatte sie während des französischen Auslandsemesters kennengelernt, und sie blieben beisammen, bis der Tod sie schied, also 64 Jahre lang. Geneviève war ebenfalls Spezialärztin für Anästhesiologie, und zwar am Kinderspital Genf. Aus Ihrer Ehe gingen 4 Kinder hervor. Die Familie erlitt ein schweres Schicksal, als die Söhne Dominik und Patrick im Alter von 20 und 19 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kamen. Sie waren beide erfolgreiche ETH-Studenten und hatten bereits erste Examina abgelegt.
Das Schweizer Militär wollte auf sicher gehen und teilte den angehenden Mediziner zur Rekrutenschule als Kavallerie-Soldat ein. Erst nachdem er mit Tieren umgehen konnte wurde er zu den Sanitätstruppen umgeteilt und beendete seine Milizkarriere als Oberleutnant.
Noch zur couleurstudentischen Laufbahn von Orange: Im Kollegium Appenzell trat er den Rotachern bei und bekleidete dort das Amt des Konseniors. In Fribourg wurde er vorerst Mitglied der Fryburgia, besann sich dann aber um und trat aus mir unbekannten Gründen in die Neu-Romania ein. In Zürich wurde er Kyburger und amtete hier als Konsenior und Ferienkommissär. 1958 trat er in den Altherrenverband der Kyburger ein. Orange war ein charmanter und feinfühliger Mann. Er war kein Hurra-Student. Sein Studium schloss er in kurzer Zeit ab. Seit seinem Umzug nach Genf nahm er nicht mehr am Verbindungsleben der Kyburger teil. Sein Lebensmittelpunkt war nicht mehr Zürich, sondern Genf. Hier wurde er rasch und engagiert im neuen Umfeld heimisch. Seine Interessen fokussierten sich fortan um sein neues Lebenszentrum.
Orange wurde im Familiengrab in Bossey F beigesetzt, wo schon seit 40 Jahren seine beiden verunglückten Söhne ruhen. Vater und Söhne sind jetzt im ewigen Frieden vereint. Das ewige Licht leuchte ihnen.