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Tee, Teestrauch - Camellia sinensis
Camellia sinensis (syn. Camellia asamica, C. bohea, C. chinensis, C. oleosa, C. thea, C. viridis, Thea bohea, T. cantonensis, T. chinensis, T. cochinchinensis, T. grandiflora, T. macrophylla, T. oleosa, T. parviflora, T. sinensis, T. stricta, T. viridis, Theaphylla assamica, T. cantonensis, T. lanceolata, T. laxa, T. viridis);
VORKOMMEN
Das Verbreitungsgebiet der Camellia sinensis-Varietäten reicht vom südlichen Japan und Korea über die Südhälfte Chinas bis ins nordöstliche Indien (C. sinensis var. assamica). Nach Süden ist Camellia sinensis noch weiter nach Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam verbreitet.
Sie wächst im Unterholz immergrüner Wälder. Wegen der langen Verwendung durch Menschen ist das natürliche Areal nicht mehr genau zu bestimmen.
Die Camellia sinensis-Varietäten gedeihen wild in subtropischem Monsunklima mit feuchten, heissen Sommern und relativ trockenen, kühlen Wintern.
MERKMALE
Die Camellia sinensis-Varietäten wachsen als immergrüne Sträucher oder kleine Bäume mit Wuchshöhen von 1 bis 5, selten auch bis zu 9 Meter. Die Rinde junger Zweige ist anfangs rötlich gefärbt und mit weissen Haaren besetzt, schnell wird sie jedoch kahl und färbt sich gelblich-grau. Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Von Oktober bis Februar erscheinen die Blüten einzeln oder zu dritt in den Blattachseln.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Theae folium (syn. Folia Theae, Folium Theae) -Teeblatt (syn. Tee), die Blätter des Teestrauches, die nach der Ernte einer Spezialbehandlung unterworfen wurden und regional unterschiedliche Produkte liefern.
- Schwarzer Tee, verwendet werden die angewelkten, gerollten Blätter, in denen das Enzym Phenoloxidase austreten und die Fermentation einleiten kann. Diese erfolgt bei den in dünner Schicht ausgebreiteten Blättern über einige Stunden bei hoher Luftfeuchtigkeit. Danach wird der Prozess mit Heissluft gestoppt und die Blätter werden getrocknet.
- Grüner Tee, die Blätter werden sofort nach der Ernte einer Hitzebehandlung unterzogen und anschliessend getrocknet. Dabei wird das Enzym Phenoloxidase inaktiviert, so dass die Blätter weitgehend grün bleiben.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Im Schwarzen Tee Methylxanthine wie Coffein (bis 4%), zum Teil an
Gerbstoffe gebunden, in geringer Menge Theophyllin und Theobromin;
Catechine, darunter Flavanole die bei der Fermentation zu Theaflavinen und Thearubigenenen oxidiert werden, und die verantwortlich für die Farbe und den Geschmack des Teeaufgusses sind, Flavonole und ihre Glykoside wie Kämpferol und Myricetin, oligomere Proanthocyanidine, Theanin; über 300 flüchtige Aromastoffe wie die Theaspirane, die für das erdige Aroma verantwortlich sind;
Aluminium- und Magnesiumverbindungen sowie Fluoride in bemerkenswerter Konzentration.
PHARMAKOLOGIE
Die wesentlichen Wirkungen des Coffeins sind:
- Anregung des Zentralnervensystems
- Erhöhung der Kontraktionskraft des Herzens
- Steigerung der Herzfrequenz (Pulssteigerung)
- Bronchialerweiterung (Bronchodilatation)
- schwach harntreibende (diuretische) Wirkung durch Hemmung der Rückresorption von Wasser aus dem Primärharn
- Wirkung auf Blutgefässe: auf Gefässe im Gehirn wirkt Coffein verengend, auf solche in der Peripherie erweiternd.
- eine geringfügige Erhöhung des Blutdrucks wird beschrieben. Anregung der Peristaltik des Darmes Hemmung der Muskelkontraktionen in den Wänden der weiblichen Eileiter und somit Behinderung der Passage von befruchteten Eizellen in die Gebärmutter, mit der möglichen Folge einer verzögerten Empfängnis der Frau.
- Förderung der Glycogenolyse und Lipolyse
Coffein hat zwar ein relativ breites Wirkungsspektrum, doch ist es in geringen Dosen in erster Linie ein Stimulans. Darunter versteht man im Allgemeinen eine Substanz mit anregender Wirkung auf die Psyche, die Antrieb sowie Konzentration steigert und Müdigkeitserscheinungen beseitigt. Es wird eine anregende von einer erregenden Wirkung des Coffeins unterschieden, wobei für letztere eine höhere Dosis erforderlich ist. Bei niedriger Dosierung tritt fast ausschliesslich die zentral anregende Wirkung des Coffeins hervor, es werden also vor allem psychische Grundfunktionen wie Antrieb und Stimmung beeinflusst. Durch eine höhere Dosis kommt es auch zu einer Anregung von Atemzentrum und Kreislauf.
ANWENDUNG
- Schwarzer Tee ist wegen seiner anregenden Wirkung und
seines hohen Gehalts an Coffein eher ein Genussmittel als ein
Arzneimittel. Die Anwendung auf Grund des Gerbstoffgehalts bei leichtem
Durchfall und verdorbenem Magen ist in der Volksheilkunde allgemein
bekannt. Nachgewiesen wurde auch eine Bakterien hemmende Wirkung auf
verschiedene Durchfallerreger. Der hohe Fluoridgehalt wirkt vorbeugend
gegen Karies und Osteoporose.
- Dem Grünen Tee werden weitere Wirkungen zugesprochen: Durch die unterschiedliche Behandlung des Ausgangsmaterials ist der Coffeingehalt niedriger (durchschnittlich bei 2,2%). Der Polyphenolgehalt ist aber deutlich höher, speziell das Epigallocatechingallat als vermutlich wichtigste Substanz hat im unfermentierten Tee sogar einen fünffachen Wert.
Untersuchungen weisen auf eine krebsvorbeugende und eine vor Herz- Kreislauf–Erkrankungen, wie Arteriosklerose schützende Wirkung hin, die vor allem auf das Potential dieser phenolischen Inhaltsstoffe des Grünen Tees als Radikalfänger zu wirken, zurückgeführt wird. Die Teemenge, die diese gesundheitlichen Wirkungen hervorrufen soll, wird unterschiedlich angegeben und liegt zwischen 4 und 10 Tassen pro Tag. Vor übertriebenen Erwartungen, mit Grünem Tee Krebsprophylaxe betreiben zu können, wird gewarnt. Endgültige Wirkungsnachweise stehen nämlich noch aus.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Als Teeaufguss und in vielen Fertigarzneimitteln.
Brühvorgang Kräftige Schwarztees werden fast immer mit sprudelnd siedendem Wasser aufgegossen; bei Grüntees und halbfermentierten Tees sowie feinen Schwarztees (First Flush Darjeelings etwa) können Temperaturen von 65 bis 90 °C bevorzugt werden, was die Inhaltsstoffe und den Geschmack besser erhält. Manche japanischen Grüntees werden mit nur 50° und auch darunter aufgebrüht.
STATUS
Schwarzer Tee und auch Grüntee werden als Lebensmittel eingestuft.
- Kommission E: - keine Bearbeitung
- ESCOP: - keine Bearbeitung
- HMPC: - keine Bearbeitung für Schwarztee; Grüntee wird als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
HOMÖOPATHIE
Thea sinensis HAB34, die getrockneten Zweigspitzen mit den jüngsten Blättern und Blüten.
Anwendungsgebiet: Magenschwäche, Herz- und Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen, Erregungszustände, Verstimmungszustände.
SONSTIGES
Nach Europa kam der Tee Anfang des 17. Jahrhunderts. Im Jahr 1610 brachte die Niederländische Ostindien-Kompanie per Schiff zum ersten Mal eine Ladung grünen Tee mit in die Niederlande. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt das europäische Monopol für den Handel mit Asien. Da sie keinen direkten Zugang zu China hatte, führte sie den Tee über Java ein. Ab 1637 nahm jedes holländische Schiff vom Handelsstützpunkt Batavia (heute Jakarta) aus einige Kisten chinesischen und japanischen Tee mit an Bord. 1644 lieferten die Holländer die ersten 100 Pfund Tee nach England aus. 1669 ging das Handelsmonopol an die Britische Ostindien-Kompanie, die bis 1833 das Monopol für den Chinahandel innehatte. Der Seeweg von Asien nach England dauerte damals rund sechs bis neun Monate, was die Qualität des Tees verminderte, der in muffigen Laderäumen gelagert wurde. Auf dem Landweg brachte Wassili Storkow 1618 erstmals Tee nach Russland als Geschenk für den Zaren. Der Weg führte über die Mongolei. Der so genannte Karawanentee galt als qualitativ hochwertiger als der per Schiff beförderte.
Letzte Änderung: 13.02.2017 / © W. Arnold