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Sommerhitze
Autor: Richard Gerd Bernrdy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland
Und es kam eine grosse Hitze über das Land ...
Sie dauerte viele Wochen.
Die Blätter an den Bäumen verloren ihr Grün und fielen herab.
Das Gras verdorrte, Wälder und Felder gerieten in Brand.
Auf den übrigen Feldern wuchs das Korn nur zögerlich und bildete kleine Körner aus, weil die Feuchtigkeit fehlte.
Die Vögel suchten das Wasser.
Nur die Äpfel gedeihten kräftig.
Und es zog eine grosse Müdigkeit in die Menschen ein.
Oft übermannte sie der Schlaf während des Tages.
Die Schaffner in den Bussen mussten sie an der Endstation wecken und auf die -Rückfahrt verweisen.
Das Leben verlangsamte sich merklich.
Auch die Autofahrer kämpften gegen die Mattigkeit an, sie aber fuhren gereizter, hupten mehr, übersahen Radfahrer und Fussgänger.
Wer konnte und wollte, suchte ein Schwimmbad, einen See, das Meer auf.
Und es gab nur noch ein Thema unter den Menschen: das Wetter.
Ist es der Klimawandel? Wann war es zuletzt so heiss?
Die Bauernverbände forderten Geld vom Staat wegen entgangener Einnahmen ihrer Mitglieder.
Selbst Wärmegewitter mit kurzen heftigen Regenschauern brachten keine Abkühlung.
Der Sand auf den Stränden war so heiss, dass Barfusslaufen nicht ratsam erschien. Sonnenbrände
und Hitzschläge nahmen zu. Alte, gesundheitlich schwache Menschen bekamen Atemnot und Herzprobleme.
Und schon wurde vom Jahrhundertsommer gesprochen.
Die Supermärkte vermeldeten Rekordumsätze bei Mineralwasser und Grillfleisch. Gekühlte Ware verbargen sie hinter langen herabhängenden Folien, die die Kälte nicht in die Läden ziehen liess. In den Hochhäusern staute sich die Wärme in den Wänden aus Beton, so dass die Temperaturen sich innerhalb wie ausserhalb nicht unterschieden.
Auch die Nächte brachten kaum Kühlung.
Und viele Menschen schwitzten und schwitzten.
Schweissflecken in den Achselhöhlen wurden toleriert.
Schweissfüsse konnten nicht verhindert werden
Manche, die wenig Gelegenheit hatten zu duschen, rochen streng.
Es wurde geraten, zum Schutze der Haut und gegen den Hautkrebs Sonnenschutzmittel in stärkerer Konzentration zu gebrauchen.
Und doch gab es Menschen, die fühlten sich pudelwohl.
Es waren diejenigen, die das ganze Jahr über froren.
Sie verstanden nicht, warum ihre Mitmenschen über die Wärme stöhnten.
Sie genossen die Wärme.
Eine glückliche Minderheit!
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