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Adrian Michael trifft Mireille Diel
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30. Januar 2023 – Von Zollikon über Tokio, London und Barcelona nach Freiburg im Breisgau: Mireille Diel hat auf ihrer turbulenten Reise als Fotomodell, Schauspielerin, Malerin und Mutter die Sonnen- und Schattenseiten des Lebens kennengelernt. (1 Kommentar)
30. Januar 2023 – Von Zollikon über Tokio, London und Barcelona nach Freiburg im Breisgau: Mireille Diel hat auf ihrer turbulenten Reise als Fotomodell, Schauspielerin, Malerin und Mutter die Sonnen- und Schattenseiten des Lebens kennengelernt.
Mireille kam im April 1979 neu in meine 6. Klasse. Wegen einer grossen Hüftoperation hatte sie viel Schulstoff verpasst und repetierte deshalb bei mir. Da sie vor allem die Mädchen schon kannte, lebte sie sich schnell ein. Ich habe sie eher als ruhiges Kind in Erinnerung. Sie schrieb und zeichnete hervorragend, Mathe hingegen war nicht so ihr Gebiet. Ich glaube, sie wurde von mehr als einem Buben etwas angehimmelt, ging aber, soweit ich das beurteilen konnte, nicht weiter auf deren Annäherungsversuche ein.
Zusammen mit ihrer deutschen Mutter und ihren drei Schwestern wuchs sie in der Nähe der Waldburg auf. Nach der 6. Klasse habe ich sie wie viele andere auch aus den Augen verloren. Irgendwann erzählte mir dann jemand, dass sie Fotomodell in Tokio sei. Viele Jahre später habe ich sie an einer Klassenzusammenkunft wieder getroffen.
Als ich sie vor knapp einem Jahr für diesen Beitrag anfragte, sagte sie sofort zu. Sie schrieb ihre Geschichte selber auf, was für sie, so erklärte sie es mir, auch eine Art Aufarbeitung ihres nicht immer einfachen Lebenswegs gewesen sei. Das folgende Porträt entstand also auf der Basis dieses Textes und verschiedener Gespräche in Freiburg.
Beachtliche Karriere als Fotomodell
Nach der Sekundarschule verbrachte Mireille zuerst ein Jahr als Au-pair in Menton, um besser Französisch zu lernen. Dann begann ihre beachtliche Karriere als Teenager-Fotomodell. Da sie zuvor noch an einem Rezitations-Wettbewerb von 350 Jugendlichen den zweiten Platz belegt hatte, ermunterte man sie dort, Schauspielunterricht zu nehmen – ein Rat, den sie gerne befolgte.
Während dieser Zeit nahm sie auch an einem professionellen Laufstegkurs teil, danach wurde sie von der renommierten Zürcher Modellagentur «Fotogen» mit 16 als eine der Jüngsten unter Vertrag genommen. Sie wurde von mehreren Schweizer Firmen gebucht, unter anderem auch von Bally.
Kurz darauf der nächste Schritt: Als 17-Jährige unterschrieb Mireille mit ihrer Mutter im Grandhotel Dolder einen Vertrag mit der japanischen Modellagentur «Satoru». Es folgten mehrere Jahre mit Reisen um die halbe Welt – mit viel Arbeit und viel Erfolg, aber auch mit menschlichen Enttäuschungen.
Am Anfang stand ein mehrmonatiger Aufenthalt in Tokio, wo sie täglich für Werbung aller Art vor der Kamera stand. Dazu gehörten TV-Spots, Titelbilder von Zeitschriften und Plakate, die überall in der Stadt zu sehen waren.
Ein aufregendes Leben
Sie traf bekannte Leute aus der Musikszene wie Spandau Ballet, Police, Iggy Pop und andere, aufregend war dieses Leben für den Teenager, hektisch und anstrengend. Sie verdiente hervorragend, die Yen-Noten stapelten sich in ihrem Zimmer wie in einem Mafiafilm.
Dann verliebte sie sich in einen Musiker und zog mit ihm für ein halbes Jahr nach London. Zu ihren Bekannten gehörten jetzt Stars wie Duran Duran oder Annie Lennox, mit der sie sich über die neuesten Videos unterhielt.
Mit 19 entschied sie sich, erneut nach Tokio zu fliegen: Das Leben in London war ihr zu teuer geworden. Nach vier Monaten in Japan, mit Zwischenstopp in Hongkong und einer Woche Arbeit in Guam, ging es dann zusammen mit einer englischen Modelfreundin für zwei Wochen nach Bangkok zum Entspannen.
Da die Freundin zu gross war, um als Model für japanische Firmen zu arbeiten, nahm Mireille sie mit nach Zürich. Das sei ein paar Monate einigermassen gut gegangen, erinnert sie sich. Ihre stolze Gage von rund 1000 Franken pro Tag wendete sie, gutmütig wie sie war, für ihre Freundin auf. Gleichzeitig unterstützte sie ihre alleinstehende Mutter in Zollikon. Stattliche Beträge gingen neben Reisekosten auch für Vergnügungen wie teure Restaurantbesuche drauf. Es sei halt niemand dagewesen, der ihr diesbezüglich «auf die Finger geschaut» habe…
Trauriges Video mit Shakin Stevens
Zurück in London folgte eine schwierige Zeit: Es kam zur Trennung von Freund und Freundin – die Beiden hatten sie hintergangen. Etwas Gutes hatte der Schmerz: Eine Modellagentur suchte ein Mädchen mit echtem Liebeskummer. In einem grossen Casting wurde sie für ein Video ausgewählt, in dem sie auf einem Schloss ausserhalb Londons für Shakin Stevens’ Song «A Letter To You» dessen in einem Turm eingesperrte Verehrerin spielt.
Den Sänger hat sie als «nett» in Erinnerung, hin und wieder habe man sich zum Smalltalk getroffen. Mehr Kontakt hatte sie mit seinen Kindern im Primarschulalter, mit denen sie sich in den Drehpausen unterhielt. Von der Gage kaufte sie sich das Rückflugticket nach Zürich. Ausgebrannt und enttäuscht entschloss sie sich, der Modebranche den Rücken zu kehren.
Bald darauf lernte sie in Zürich einen jungen Kunstmaler kennen und begann ebenfalls zu malen. «Ein wenig später und ein wenig verknallt» hatten sie ihre erste Ausstellung im Hotel Splendid in der Zürcher Altstadt. Sie hängten 33 Bilder im Kleinformat in einem Zimmer auf und luden 33 Gäste ein. Der lustige Abend wurde zu einem Erfolg; sie konnten die meisten Bilder verkaufen.
Neuanfang in Cadaqués
Einige Monate später schlug ihr der Malerfreund vor, nach Cadaqués zu fahren, ein damals noch kleines malerisches Fischerdorf in Katalonien nahe der französischen Grenze, wo Salvador Dalí gelebt hatte. In Cadaqués, Barcelona und Zürich nahm sie an diversen Ausstellungen teil. Ihre Bilder verkauften sich gut. Dann wiederholte sich die Geschichte. Die Beziehung mit dem Maler zerbrach nach zwei Jahren: Er hatte sie wiederholt betrogen. Der Maler reiste ab, Mireille blieb.
1990 traf sie Carlos Laguna de Lamo, einen Spanier aus Kastilien-La Mancha. Er arbeitete in einem Restaurant, war ein talentierter Maler, spielte Keyboard in einer katalanischen Band – und wurde der Vater ihrer zwei Töchter Ariana (*1991) und Lena (*1993). Da beide Kinder in Zürich zur Welt kamen, lebte die Familie zwischenzeitlich wieder in Mireilles alter Heimat. Carlos hielt es jedoch nie länger aus in der Schweiz, es war ihm zu kalt, zu fremd. Mireille versuchte ihn zu überzeugen, aber er wollte nicht weg von der Gastronomie in Cadaqués, obwohl sie andere Möglichkeiten gehabt hätten.
Beide Eltern verloren
Es folgten schwierige Jahre in Cadaqués, in denen sie alleine mit ihren kleinen Kindern klarkommen musste, Carlos war wenig präsent. 1996 erkrankte ihre Mutter schwer und starb ein Jahr später. Der Verlust traf Mireille heftig, hatte sie doch sehr an ihr gehangen.
Ihr Vater, der deutsche Literat Bertold Diel, war nach Berlin gezogen. Einmal besuchte sie ihn mit den Mädchen in den Sommerferien. Jene Zeit am Prenzlauerberg hat sie als «Kunst, Kultur und naturgetränkt» in guter Erinnerung, mit Ausflügen in den Tiergarten oder zum Wannsee, meist in Begleitung von einem seiner Malerfreunde. Ein paar Jahre später war sie nochmals bei ihm. Er starb 2001. Mireille fühlte sich «lange sehr verloren». Sie sagt heute: «Auch wenn wir uns nicht sehr oft sahen, waren meine Eltern die wichtigsten Menschen für mich. Vor allem Mama fehlte mir sehr!»
Nach sieben Jahren wollte sie sich von Carlos trennen und mit den Kindern nach Zürich zurückkehren. Da sie aber nie daran gedacht hatte, als deutsche Staatsbürgerin ihre Niederlassung C zu erneuern («Bürokratie war nie meins») und ihre Bewilligung abgelaufen war, blieb ihr eine dauerhafte Rückkehr in die Schweiz verwehrt.
Wieder folgten unruhige Jahre. Mireille wohnte mit ihren Kindern in Barcelona, mal hier, mal dort, geriet an falsche Freunde, wurde ausgenutzt. Mehrere ihrer Bilder und fast alle Aufnahmen aus ihrer Zeit als Model und weitere Andenken fielen einem Wohnungsbrand zum Opfer. Immerhin konnte sie ein Jahr lang in einer Agentur als Model-Scout arbeiten.
Die zunehmenden Schmerzen in der Hüfte überspielte sie lange mit Tabletten, aber schliesslich konnten ihre Schwestern sie 2006 überzeugen, nach Freiburg im Breisgau zu ziehen, um sich dort operieren zu lassen. Freiburg war schon damals eine lebendige Stadt mit einem vielfältigen Angebot auch im künstlerischen Bereich. Dazu erleichtert die Nähe zur Schweiz einen Besuch ihrer Schwestern.
Die Mädchen zogen zu ihrem Vater in ein Dorf in der Nähe von Cadaqués, Mireille hat sie jahrelang nicht gesehen. Carlos habe seine Aufgabe als Vater aber gut wahrgenommen, sagt sie heute, beide Töchter seien «etwas geworden». Wenn Papa bezüglich Lenas Hausaufgaben nicht weiterwusste, half die grosse Schwester.
Vereint in Freiburg im Breisgau
In Freiburg erhielt sie eine Wohnung der Stadt und konnte mit zwei Operationen endlich ihre Hüfte richten lassen. 2011 kam ihre ältere Tochter Ariana nach Freiburg, fünf Jahre später auch Lena. Ariana hat Romanistik und Kunstgeschichte studiert, heute arbeitet sie als Assistentin in einer Firma, die Entwicklungsprojekte in Südamerika und Afrika fördert.
Lena hat ein Diplom der Kunstakademie Karlsruhe und studiert heute am «Institute Art Gender Nature» in Basel für den Master of Fine Arts. Beide haben gut Deutsch gelernt. Mit ihrer Mutter unterhalten sie sich in einem lustigen Gemisch aus Spanisch und Deutsch.
Heute geht es Mireille gut. Sie lebt von Gelegenheitsaufträgen seitens der Stadt Freiburg, wird zusätzlich von ihren Schwestern und Freunden aus der Schweiz unterstützt, sie malt und unterstützt ihrerseits ihre beiden Töchter. Eine Ausstellung mit ihren Bildern wäre schön, sagt sie.
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Wow, vielen Dank für diese tollen Geschichten rund um Zollikon!