Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03109.jsonl.gz/872

Kennen Sie Joseph Frank?
Noch bis am 17. März ist in Wien die Joseph-Frank-Ausstellung zu sehen. An der Radetzkystrasse 5 wurde dafür eine ganze Wohnung mit den Werken von Joseph Frank eingerichtet: Möbel, Stoffe und Tapeten.
Er gilt als einer der wichtigsten schwedischen Designer. Joseph Frank wurde 1885 in der Nähe von Wien geboren, wanderte 1933 nach Schweden aus und bekam 1939 die schwedische Staatsbürgerschaft. Dort arbeitete er für die schwedische Firma Svenskt Tenn in enger Zusammenarbeit mit der Firmengründerin und Produzentin Estrid Ericsson. Über 2000 Entwürfe für Möbel und 160 Textildessins für Stoffe, Tapeten und Teppiche entwarf Joseph Frank für die Firma.
In jungen Jahren gehörte der Architekt Joseph Frank zu den wichtigen Wiener Modernisten, hat sich aber in den frühen 20er-Jahren davon abgewendet. Corbusier’s Credo «Das Haus ist eine Maschine» war nicht in seinem Sinn. Er war gegen puritanische Prinzipien, engagierte sich für den sozialen Wohnungsbau und vertrat den Siedlungsgedanken und nicht den kommunalen Wohnungsbau in Form von Superblocks wie viele seiner Kollegen. Er war unter anderem auch Lehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule und Gründungsmitglied des Wiener Werkbundes.
Mit 50 Jahren begann er, vertrieben von den Nazis, einen Neuanfang als Designer der noch heute bestehenden schwedischen Firma Svenskt Tenn.
Auch in Sachen Muster und Farben hat Joseph Frank anders und neu gedacht. In einer Zeit, als alle das Monochrome in der Einrichtung umsetzten, schrieb er: «Die monochrome Oberfläche wirkt unruhig, Muster aber haben einen beruhigenden Einfluss.» Der Designer und Architekt hatte einen freieren, natürlichen Stil. Für ihn bedeutete Modernismus auch Komfort, Wohnlichkeit und Farbe. Stahlrohrmöbel sah er als Bedrohung für die Menschheit. Auch wollte er Räume schaffen, die Leichtigkeit ausstrahlen, und gab seinen Schränken Beine, die den Übergang von Böden und Wänden sichtbar werden lassen, und den Stühlen durchbrochene Lehnen, damit überall eine gewisse Durchsicht auf Raum entstand.
Während des Zweiten Weltkriegs musste Joseph Frank nochmals flüchten, er ging nach Manhattan. Dort entstanden fantasievolle Textildessins, die frei wachsende Lebensbäume zeigen, üppige Früchte und Blumen, eine Art Grenzgang zwischen Fantasie und Realität. Auch der Stadtplan von Manhattan wurde als heute noch topmoderner dekorativer Stoff umgesetzt. Dieser Stoff sowie viele andere Stoffe und Tapeten sind heute noch Bestseller und werden in liebevoller Handarbeit von der Firma Svenskt Tenn produziert.
Die Frische und Leichtigkeit von Joseph Franks Design ist modern, attraktiv und typisch schwedisch geblieben.
Die so typische schwedische Leichtigkeit im Einrichtungsbereich ist modern und zeitlos, das beweisen die Werke von Joseph Frank.