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Einfacher geht es kaum: Heilerde ist wohl das simpelste, günstigste und natürlichste Heilmittel überhaupt. Es besteht aus feinem Gestein, das reich an Mineralien ist. Regelmässig eingenommen gleicht Heilerde den Säure-Basen-Haushalt aus und stärkt die Darmflora.
Wenn sich beim Wandern gewaltige Gesteinsmassen unter meinen Füssen türmen, verspüre ich oft ein Gefühl der Ehrfurcht und Demut. Während die Menschen kommen und gehen, sind die Steine einfach da. Über Äonen. Sie haben Zeitgeschichte erlebt. In Rom oder auf der alten Splügenpassstrasse wünschte ich mir, Steine könnten sprechen und mir ihre Geschichten erzählen. Ein ganz besonderer Zeitzeuge ist das Heilgestein, das, modern verpackt, im Regal des Fachhandels steht. Heilerde, das wohl älteste Heilmittel überhaupt, hat ihren Ursprung in der Eiszeit. Während Millionen von Jahren entstand aus Gletschersand, der durch Wind und Regen in eine Flussmündung oder eine Vertiefung gewirbelt wurde, eine neue Art Gestein. Die einzelnen Körnchen legten sich im Laufe der Jahre schichtweise übereinander; sie verdichteten und verfestigten sich unter dem Einfluss von Wärme, Kälte und Wasser zu einem lockeren Sedimentgestein, dem Löss. Dessen durchschnittliche Korngrösse beträgt winzige 0,001 bis 0,05 Millimeter. Zum Vergleich: Sandkörner sind 0,063 bis 2 Millimeter gross. Die eiszeitlichen Lössablagerungen sind in gewissen Gebieten bis zu 30 Meter mächtig. Aus solchen Ablagerungen wird Gesteinspulver gewonnen, das später als Heilerde verkauft wird.
Im Gegensatz zur braunen Wald- und Gartenerde, die aus Pflanzenmaterial und Tieren besteht, bildet sich Heilerde aus Gesteinsmehl, Tonerde oder vulkanischer Erde. Sie ist somit ein Mineraliengemenge, das sich zum grössten Teil aus Quarz (Siliziumdioxid) zusammensetzt. Weitere Inhaltsstoffe sind Eisen, Kalium, Kalzium, Kobalt, Kupfer, Magnesium, Zink und viele weitere Mineralstoffe. Erst durch die Verdauung im Magen werden diese für den menschlichen Körper nutzbar.
Heilerde verfügt über ein äusserst grosses Saugvermögen; so bindet sie überschüssige Säuren im Magen sowie krankheitserregende Keime und Cholesterin im Darm. Das macht die Heilerde zu einem natürlichen und günstigen Heilmittel bei Magenbrennen und Reizdarm, zur Gesunderhaltung der Darmflora und zur Regulation der Blutfette.
Vielen Leuten ist die Heilerde ein Begriff. Doch die wenigsten wissen, was sie damit genau anfangen sollen. Das bewährte Heilmittel ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Vielleicht weil die Anwendung zu kompliziert scheint und die Informationen auf der Packung spärlich sind – und weil die Vorstellung, Steinpulver zu trinken, schlicht etwas eigenartig scheint. Diese Vorurteile werden dem Heilgestein jedoch nicht gerecht. Es lohnt sich, diesem Naturprodukt Aufmerksamkeit zu schenken.
Die wohl bekanntesten Heilerden sind Luvos, Aion A und Anliker Lehm. Luvos und Anliker Lehm unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Korngrössen und unterschiedliche Mineralstoffzusammensetzung. Aion A wird an einem Kraftort abgebaut: in der Emma Kunz Grotte in Würenlos, zwischen Zürich und Baden. Dort kommt enorm viel Energie aus dem Erdinneren; diese Kraft unterstützt die Wirkung des Muschelkalksteinpulvers. Die Grotte ist öffentlich. Man reserviert sich 30 Minuten Besuchszeit und kann in dieser halben Stunde die Energie der Grotte für sich allein geniessen.
Als natürliches Heilmittel darf Heilerde innerlich wie äusserlich verwendet werden. Die Informationen auf der Packung sind oft spärlich, weil die Gesteinspulver als Heilmittel registriert sind. Dadurch sind die Hersteller gesetzlich sehr eingeschränkt, was Produkteinformationen betrifft. Für die äusserliche Anwendung verwendet man Heilerdewasser, -brei und trockenes Heilerdepulver. Bei Rheuma, Sportverletzungen, Hautkrankheiten, Akne und allgemein bei Schmerzen kann die Heilerde trocken angewendet werden. Sogar Insektenstiche können mit trockener Heilerde eingerieben werden. Bei Halsentzündungen hilft Heilerde im Gurgelwasser oder ein Halswickel, der mit Heilerdewasser getränkt ist. Ein mit Heilerdewasser getränktes T-Shirt beruhigt die Haut bei Sonnenbrand. Für einen Brustwickel bei Husten oder einen Gelenkwickel bei Arthrose gibt man etwas warmes Wasser zum Heilgestein und streicht den Brei auf ein Tuch. Dieses legt man auf die Brust oder wickelt es um das schmerzende Gelenk. Bei Juckreiz im Bereich der Scheide kann etwas Heilerde, gemischt mit Mandelöl über Nacht im Intimbereich aufgetragen werden. Bei Akne hilft ein Pflaster, dessen Vlies mit etwas trockener Heilerde bestreut ist.
Sehr hilfreich ist Gesteinspulver auch als Heilmittel zum Einnehmen. Damit sich die Mineralstoffe gut lösen, lässt man die Heilerde über Nacht quellen, füllt das Glas am nächsten Tag mit warmem Wasser auf und trinkt das Gesteinswasser morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Zubettgehen langsam und schluckweise. Bei Magenbrennen oder saurem Aufstossen, ein Hautpanwendungsgebiet der Heilerde, dürfen gut auch mehrere Gläser Heilerdewasser über den Tag verteilt getrunken werden.
Es würde zu weit gehen, die Heilerde als Wunder- oder Allheilmittel zu bezeichnen. Es ist jedoch eines jener Heilmittel, die meiner Meinung nach in jeden Haushalt gehören. Sei es als Erste-Hilfe-Mittel bei Blessuren aller Art oder zur Gesunderhaltung des Körpers. Die regelmässige Einnahme von Heilerde sorgt für ein ausgewogenes Säure-Basen-Gleichgewicht und eine gesunde Darmflora. Und das wiederum sogt für körperliches Wohlbefinden, Stabilität und ein starkes Immunsystem.
Symbolisch betrachtet bringt Heilerde Erdenergie in den Körper. Und die kann unsere Gesellschaft gut gebrauchen, in diesen bewegten Zeiten, die wir erleben. Apropos Leben: So leblos Steine im Vergleich zu Pflanzen und Tieren auch wirken mögen, sie bilden und stabilisieren den Untergrund, und damit ist Lebendigkeit überhaupt erst möglich.
Zur Person
Sabine Hernie ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.
Fotos: Alex Spichale, zvg