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Es muss ein Zauberwerk sein, dieses Gestöber von gelben Blumenrüschen, das zu einer ganz unpassenden Zeit erscheint, früh im Januar nämlich, wenn die Schneeglöckchen erst widerwillig ihre weissen Spitzen zeigen; und jedes Jahr denke ich, dass die Erscheinung auch auf den Wink eines Zauberstabes wieder verschwinden wird, wenn ich einen Augenblick wegschaue. Aber die Blüten des so passend benannten Zaubernuss sind beständig, widerstehen stürmischen Winterwinden und eiskalten Februarnächten, und wenn sie schlussendlich doch verwelken, lassen sie winzige purpurrote Kelche zurück. Aus diesen wachsen im Verlauf des Sommers Früchte, zwei glänzende schwarze Samen in einer Kapsel, die sich im Herbst mit solcher Wucht öffnet, dass sie bis zu zehn Meter weit fliegen.
Obwohl in diesem Strauch ganz offensichtlich Zauberkräfte am Werk sind, stammt sein englischer Name – witch hazel – nicht von witch (Hexe), sondern vom altenglischen Wort wice, das so viel wie gefügig, nachgiebig oder biegsam bedeutet und auch in wicker (Rute) und weak (weich) zu finden ist. Der wych hazel war ursprünglich ein Synonym für die wych elm (Bergulme), vielleicht weil sich die Sprossen der beiden Pflanzen gleichen, und wurde dann von amerikanischen Kolonisten für den Hamamelis (was so viel wie „zusammen mit Früchten“ bedeutet und sich auf das gleichzeitige Auftreten von Blüten und reifenden Früchten aus dem Vorjahr bezieht) verwendet, den sie in der Neuen Welt entdeckten. Zwei der vier Spezies stammen aus Nordamerika, eine aus Japan und eine aus China.
Tatsächlich ist die Zaubernuss (Wich Hazel) nicht mit dem echten Hasel (Corylus) verwandt, sondern hat nur gewisse oberflächliche Ähnlichkeiten mit diesem. Aber so wie die Zweige des Hasels in Europa werden entsprechend geformte Zweige des Zauberhasels in Amerika als Wünschelruten zur Wassersuche benützt. Belege dafür, dass amerikanische Quidditch Teams den Zauberhasel für ihre Besenstiele verwenden, lassen sich allerdings nicht finden.
Zahlreich jeodch sind die Belege für die adstringierenden Eigenschaften von Rinde und Blätter des Zauberhasels. Bereits die Indianer wussten von den Heilkräften der Pflanze. Heute ist sie als Bestandteil vieler Gesundheitsprodukte, die bei einem breiten Spektrum von Problemen – von Insektenstichen und eingewachsene Zehennägel bis zu Ekzemen und Hämorrhoiden – helfen sollen.
Wenn die Blüten der Zaubernuss welken, knospen seine Blätter, und die elegante Gestalt des Strauches verschwindet in dem üppigen, wenn auch etwas unscheinbaren Laub. Erst im Herbst erinnert sich die Pflanze wieder ihrer Kräfte: Die Blätter färben sich leuchtend gelb und orange, und wenn sie herunterfallen, bedecken sie den Boden wie einen Teppich, bis der Wind oder ein Rechen sie wegwischt. Dann vergesse ich den Zauber in meinem Garten für ein, zwei Monate – und wenn er wieder erscheint, ist es, als sähe ich ihn zum ersten Mal.
© Gabrielle Alioth, 2017