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Die kleinen Parteien wurden vor den nationalen Wahlen überschätzt. Bei den kommenden regionalen Wahlen werden sie besser abschneiden.
Die Wahlen sind vorbei: Es ist Zeit für eine kleine Auswertung der Wahlprognosen, die uns die VertreterInnen der Schaffhauser Parteien vor den nationalen Wahlen zukommen liessen (siehe Lappi 7/September).
Die Nationalratswahlen boten keine Überraschung, das zeigen auch die Prognosen. Einzig Markus Bührer von den Jungfreisinnigen war der Auffassung, dass es einen Wechsel geben würde: Er glaubte, Christoph Schärrer (FDP) könnte Hans-Jürg Fehr (SP) den Sitz streitig machen, wovon er allerdings weit entfernt blieb. Bührer war es denn auch, der insgesamt am schlechtesten abschnitt und bei den Prognosen insgesamt um 49 Prozentpunkte daneben lag.
Das beste Gespür für das Wahlverhalten bewies Iren Eichenberger (ÖBS): Die Abweichungen vom tatsächlichen Ergebnis ergeben zusammengerechnet nur 16,4 Prozentpunkte, bei keiner Partei lag sie mehr als 4,5 Prozentpunkte daneben. Sie hatte den Vorteil, dass sie keine eigenen Parteimitglieder einschätzen musste, die bei anderen Parteien oft überschätzt wurden. Einzig Christian di Ronco und Theresia Derksen für die CVP (geschätzt: 4,5%; erhalten: 5,2%) und Werner Bächtold für die SP (32%; 32,3%) haben ihre eigene Partei unterschätzt. Bächtold, der mit einer totalen Abweichung von 25,6 Prozentpunkten den zweiten Platz im Gesamtklassement belegt, hat zudem die eigene Partei am präzisesten eingeschätzt.
Am schlechtesten hat Markus Bührer seine eigene Partei eingeschätzt: Die Kandidaten der Jungfreisinnigen erreichten 1,57 Prozent, Bührer hoffte auf 10 Prozent. Dass deren Mutterpartei, die FDP, bei den Wahlen schlecht abschneiden würde, ahnten Iren Eichenberger, Jonathan Vonäsch (Juso) und Samuel Erb (SVP). Das könnte auch einen Trend bei den Kantonsratswahlen vorwegnehmen: Die FDP und die Jungfreisinnigen könnten bei den Wahlen Sitzverluste hinnehmen müssen. Anders sieht es bei der SVP aus, die gegenüber den letzten Nationalratswahlen um fünf Prozent zulegen konnte. Ein noch besseres Resultat hat einzig Samuel Erb erwartet.
Besonders überschätzt wurden die kleinen Parteien: Von den Jungfreisinnigen erwarteten alle Parteien mehr Stimmenanteil und bei der JSVP wurden nur die Erwartungen von Di Ronco und Derksen übertroffen, bei den Jusos nur diejenigen von Iren Eichenberger.
Die Juso zeigte jedoch Potenzial für die anstehenden kantonalen und städtischen Wahlen und könnte in beiden Parlamenten einen Sitz machen. Gut sieht die Situation auch für die Alternative Liste aus, welche die JSVP und die CVP überholen könnte. Allgemein dürften die kleinen Parteien, die bei den nationalen Wahlen chancenlos blieben, im kommenden Wahlherbst aber besser abschneiden. Das lässt sich mit einem Blick auf vergangene Wahlen erhärten: Sie schneiden bei den kantonalen und städtischen Wahlen regelmässig besser ab. Die grossen Polparteien SP und SVP werden ihr Glanzresultat hingegen kaum wiederholen können.