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Interne Motivation zur Genesung
- 28. Oktober 2019 - Blog
Einer von vier Menschen ist im Laufe seines Lebens schlaganfallgefährdet (World Stroke Day-Kampagne 2019, in englischer Sprache).
Mit über 17 Millionen Schlaganfällen pro Jahr und sechs Millionen Todesfällen aufgrund dieser Erkrankung erleidet alle zwei Sekunden ein Mensch unabhängig von Alter oder Geschlecht einen Schlaganfall. Schlaganfälle treten jetzt häufiger auch bei jüngeren Menschen (Personen unter 50 Jahren) auf. Präventionsmassnahmen und die frühzeitige Erkennung der Schlaganfallsymptome helfen, die Überlebensrate zu verbessern und Behinderungen zu vermindern. Trotzdem leiden die meisten Menschen, die einen Schlaganfall erlitten und überlebt haben, weiterhin an einer Behinderung.
Diese Personen können von der Neurorehabilitation profitieren. Die Neurorehabilitation soll die Gehirnfunktion wiederherstellen, sodass eine Behinderung vermieden oder zumindest minimiert werden kann. Sie vergrössert dadurch die Unabhängigkeit von Krankenpflege oder anderen Hilfsmassnahmen und verbessert damit schlussendlich die Lebensqualität.
Durch einen Schlaganfall verändert sich gewöhnlich das Leben eines Patienten. Nach einem Schlaganfall ist oftmals die Beweglichkeit eingeschränkt, die Denk- und Argumentationsfähigkeit der Patienten leidet, und sie können sich schlechter ausdrücken. Aber der Schlaganfall selbst oder die Behinderung haben auch sekundäre Auswirkungen wie Depressionen, soziale oder finanzielle Schwierigkeiten, andere Krankheiten, z. B. bezüglich der Immobilität usw.
Die Neurorehabilitation konzentriert sich darauf, die Behinderung nach einem Schlaganfall so frühzeitig wie möglich zu reduzieren und sekundäre Folgen zu verhindern. Ein Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Neurorehabilitation ist die innere Motivation des Patienten. Prof. Dr. med. Andreas Luft erklärt in den folgenden Antworten ausführlicher, welche Rolle die Rehabilitation und die Motivation bei der Genesung von einem Schlaganfall spielen.
Inwiefern kann die persönliche Motivation zur Genesung eines Patienten beitragen?
«Einerseits ist die Unterstützung durch Pflegepersonen, Familienmitglieder und andere Patienten von Bedeutung. Die innere Motivation ist jedoch ein weiterer Aspekt der Genesung nach einem Schlaganfall. Es kann eine grosse Herausforderung darstellen, die Schwierigkeiten nach einem Schlaganfall mit Entschlossenheit und Engagement zu überwinden, aber es ist auch sehr wichtig. Es wurde festgestellt (2019), dass «eine höhere innere Motivation während der Neurorehabilitation zur stärkeren Verbesserung der Unabhängigkeit des Patienten (funktionale Selbständigkeitsmessung, FIM) beiträgt.»
Aus diesem Grund unternimmt unser interdisziplinäres Team zusammen mit der Patientin oder dem Patienten sowie den Familienangehörigen alles in seiner Macht Stehende, um dieses Ziel zu verfolgen. Ein wunderbares Beispiel für das Finden und Nutzen einer solchen inneren Motivation ist die bemerkenswerte Geschichte eines früheren cereneo-Patienten, der leidenschaftlich gern mit dem Kajak über die Schweizer Seen fuhr, aber der Bewegung, Gehen und Schlucken nach einem Schlaganfall erst wieder neu lernen musste. Mit Hilfe unseres medizinischen und therapeutischen Teams, einer intensiven Therapie und unglaublicher Hingabe schaffte er es wieder aufs Wasser. Das war wirklich eine Leistung!»
Verbessert die Rehabilitation das Behandlungsergebnis nach einem Schlaganfall tatsächlich?
«Ja, die Rehabilitation verbessert das Behandlungsergebnis nach einem Schlaganfall. Das konnte durch umfangreiche klinische Forschung in den vergangenen 20 Jahren nachgewiesen werden. Es muss beachtet werden, dass die Genesung nicht vorbestimmt ist, wie das durch die häufig zitierte «proportionale Genesungsregel» nahegelegt wird, die besagt, dass die Genesung bei massivem Ausgangsdefizit eingeschränkt ist. Unsere Untersuchung (2019) deutet darauf hin, dass «das Potenzial für die Genesung bei jedem einzelnen Patienten nicht vorbestimmt ist und mit der richtigen Therapie verbessert werden kann.»
«Die körperliche Rehabilitation sollte nicht auf ganz bestimmte, abgeschottete Ansätze beschränkt sein, sondern klar definierte, im Detail beschriebene, evidenzbasierte physische Behandlungen umfassen. Es gibt nicht den einen Ansatz, der bei der Unterstützung der Wiederherstellung von Funktionsfähigkeit und Mobilität nach einem Schlaganfall wirksamer (oder weniger wirksam) ist.» (Pollock et. al , 2014). Das bedeutet, Schlaganfallpatienten profitieren am meisten von einem personalisierten Therapieprogramm, das auf die neurologischen Defizite und weiteren Bedürfnisse einer Person zugeschnitten ist.»