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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Sechstes Buch
10.
Dann sagt Celsus: " Du siehst, wie Plato, wenn er auch bestimmt versichert hat, das höchste Gut lasse sich nicht mit Worten beschreiben, doch einen Grund dieser Schwierigkeiten angibt, damit man nicht glaube, er wolle einer Prüfung seiner Worte ausweichen; denn mit Worten zu beschreiben könnte vielleicht auch das Nichts sein." Weil Celsus dies vorbringt, um zu beweisen, dass man nicht einfach glauben, sondern "einen Grund für den Glauben angeben" müsse, so wollen auch wir einen Ausspruch des Paulus anführen, der dem "ohne Überlegung" Glaubenden Vorwürfe macht, da, wo er sagt: "außer ihr müßtet ohne Überlegung gläubig geworden sein"1 .
Es ist die Schuld des Celsus, wenn wir uns wiederholen; durch seine Wiederholungen zwingt er uns dazu. Nach den erwähnten Prahlereien, die er wie ein Marktschreier uns anzuhören gab, behauptet er: " Plato prahlt und lügt nicht, er sagt nicht, dass er eine neue Entdeckung mache, oder dass er vom Himmel gekommen sei und sie verkünde, sondern er bekennt, woher er dieses Wissen erhalten hat." Wenn man dem Celsus entgegentreten will, so könnte man hierauf bemerken, dass auch "Plato prahlt", wenn er im Timaios dem Zeus folgende Worte in den Mund legt: "Ihr Götter der Götter, deren Schöpfer und Vater ich bin" usw. Man kann dies verteidigen, weil es die Ansicht des Zeus ist, den Plato so sprechen läßt; aber warum soll dann derjenige, welcher den Sinn der Worte des Sohnes Gottes oder der Worte des Schöpfers bei den Propheten erforscht, nicht noch etwas mehr sagen können, als die Rede des Zeus im Timaios enthält? Denn das sichere Kennzeichen der Gottheit ist die Aussage über die Zukunft in einer Weise, welche außerhalb der menschlichen Natur liegt, und die so beschaffen ist, dass man nach dem Ausgang auf den Geist Gottes als den Urheber der Verkündigung schließen muß.
" Wir sagen also" nicht "zu einem jeden, der zu uns kommt":"Glaube zuerst, dass derjenige, den ich dir zeige, Gottes Sohn ist," sondern wir bringen an jeden Hörer die christliche Lehre so heran, wie es seinem Charakter und seiner Fassungskraft passend ist, da wir gelernt haben, "zu wissen, wie wir einem jeden antworten sollen"2 . Es gibt solche, die nichts weiter können, als sich zum Glauben hinwenden, und diesen verkündigen wir nur den Glauben; auf andere aber suchen wir nach Kräften mit Beweisen durch Frage und Antwort einzuwirken. "Wir sagen" aber gar nicht, was Celsus mit Spott erwähnt: " Glaube, dass derjenige, den ich dir zeige, Gottes Sohn ist, wenn er auch aufs schimpflichste gebunden oder aufs schmählichste bestraft worden ist, wenn er auch gestern und vorgestern sich vor den Augen aller in entehrendster Weise herumgetrieben hat"; Wir sagen auch nicht, " Gerade deshalb glaube um so mehr!" Denn wir bemühen uns, einen jeden dieser Punkte noch eingehender zu besprechen, als wir dies oben getan haben.
1: vgl. 1 Kor 15,2
2: vgl. Kol 4,6