Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03185.jsonl.gz/330

« ZurückWeiter »
gestillt, so wird das Auge mittelst einer trockenen Compresse vor den Einwirkungen der Lust und des Lichtes geschützt. Nach 5 bis 6 Tagen bedeckt sich die Wunde mit Eiter. Wenn nach der Operation einige Reste des Pterygiums zurückgeblieben sind, so muss die Eiterung durch das Einstreichen des Laudanum unterhalten werden, bis die Rückbleibsel verschrumpft oder abgestossen sind. Beer *) behauptet, dass nach zweckmässig geleisteter Hülfe niemals eine Spur, weder im weissen Theile des Auges noch auf der Hornhaut, zurückbleibe. Die Pinguecula wird durch Mercurialien, am sichersten aber durch das Messer entfernt.
Von der Encanthis fungosa.
Unter diesem Uebel versteht man den Substanz.wucher der Carunkel, entweder des Drüsenkörpers selbst, oder nur des Zellstoffs, welcher die einzelnen Körner verbindet. An dem innern Augenwinkel bemerkt man die durch die Wucherung der Carunkel gebildete Geschwulst, welche sich mehr oder weniger dem Zusammentreffen der Augenlieder widersetzt und Thränenträufeln verursacht. Der unterliegende Theil der Conjunctiva ist gewöhnlich leicht entzündet.
Nach der Natur, welche dieser Wucherung inwohot, verhält sich auch die Form; wir unterscheiden die einfache, die scirrhöse und die carcinomatöse Encanthis. Die einfache Encanthis hat gewöhnlich im Anfange des Bestehens ein körnichtes Ansehen, so dass die Carunkel die Form einer Maulbeere hat; zuweilen zeigt sie sich, wie in
*) Im a. W. S. 641. Scarpa (i. a. W. S. 383) sagt, dass
immer eine mehr oder weniger bemerkbare Narbe zırückbleibe. Die von mir beobachteten Fälle sprechen für Beer's Aussage.
mehrere Lappen zerrissen. Ist sie grösser, so behält nur ein Theil das granulirende Ansehen, während das Uebrige eine weissgraulichte, aschfarbige, mit Blutgefässen durchzogene Substanze bildet. In seltenen Fällen kann sie zur Grösse einer Faust gelangen. Wenn sie auf einer vorgerückten Stuffe sich befindet, so wird die angrenzende Conjunctiva der Augenlieder, gewöhnlich jene des untern; und des Augapfels mehr oder weniger wuchernd gefunden, so dass die Encanthis in Form zungenförmiger Wurzeln zur Cornea und zu den Augenliedern sich fortsetzt. Diese Fortsätze haben gewöhnlich nicht das granulirende, sondern vielmehr ein fettartiges Ansehen, Zuweilen erhebt sich die Encanthis mit einer schmalen Basis aufsitzend und gleichsam gestielt.
Die scirrhöse Encanthis stellt sich durch eine harle, ungleiche, schmerzlose, blassrothe Geschwulst dar. Ist die Geschwulst carcinomatöser Natur, so ist sie hart, bläulichtroth, äusserst schmerzhaft, und gewöhnlich aus dem scirrösen Zustande der Encanthis sich herausbildend; der Schmerz beschränkt sich nicht auf die Carunkel, sondern greift bis in die Schläfe, die Stirn und die Tiefe der Augengrube ein. Wenn ein offener Krebs vorhanden ist, so ist die geschwollene Carunkel mit einem äusserst schmerzhaften, schwammichten, leicht blutenden Geschwüre, das harte, aufgeworfene Ränder hat, und eine stinkende Jauche absondert, bedeckt. Die Ulceration ergreift die innere Commissur der Augenlieder und bewirkt Ectropium.
Die Encanthis verhindert die Aufnahme der Thränen durch die Thränenpünctchen, verursacht dadurch Thränenträufeln. Durch den anhaltenden Druck und die dadurch gesetzte Entzündung der Thränenpünctchen und Thränenkanälchen kann Obliteration derselben entstehen, wodurch das Thränenträufeln unheilbar wird. Bei der Encanthis carcinomatosa ist die Prognose höehst ungünstig, da sich das Uebel den Augenliedern, den unterliegenden Knochen schnell mittheilt.
Gewöhnlich ist die Encanthis fungosa der Ausgang der Encanthis inflammatoria. Defters wiederkehrende, hartnäckige Entzündungen der Carunkel, besonders wenn sie durch innere Ursachen bedingt und unterhalten, wenn sie das Symptom eines Leidens der Constitution sind, geben Anlass zur Bildung der careinomatösen Encanthis. · Das entstehende Uebel von gutartiger Natur wird durch adstringirende Wasser, durch das Bestreuen mit adstringirenden, gelind ätzenden Pulvern, z. B. mit Alaun, Zink vitriol etc., nach Beer durch das öftere Bestreichen mit Landanum nicht selten beseitigt. Weichen die schwammichten Excrescenzen diesen Mitteln nicht, oder hat das Uebel schon einen höheren Grad erreicht, so wird die Abtragung des entarteten Theiles vorgenommen. Mit der Pincette oder dem Häkchen wird das Wuchernde gefasst, emporgehoben und mit einer Hohlsehere ausgeschnitten. Die zu einer beträchtlicheren Grösse gereiste, eben so die scirrhöse Eacanthis ist weniger leicht zu entfernen. Sind Prolongationen vorhanden, so müssen sie, nachdem die Augenlieder ausgestülbt wurden, sorgfältig gelösst, und sammt der mit dem Häkchen gefassten Carunkel ausgeschnitten werden. Nach der Operation wird die Blutung durch Aufschlagen mit kaltem Wasser gestillt, und das Auge, bedeckt. Nach
7 bis 8 Tagen ist die Suppuration im Gange. Zeigt sich die Wunde schwammicht, so wird sie mit Alaun berührt, mit einer adstringirenden Auflösung gewaschen, in höherem Grade mit Höllenstein bedupft
. Die Exstirpation der carcinomatösen Carunkel hat selten einen günstigen Ausgang "); man muss sich mit einem palliativen Ver
*) Beer, im a. W. B. 2. S. 189.
fahren begnügen, wenn man nicht den zweideutigen Versuch zur Heilung durch Exstirpation des Augapfels und der in der Orbita befindlichen verdächtigen Parthicu machen wollte“). Hat die Encanthis eine schmale Basis, so kann sie durch die Ligatur weggebracht werden,
Von dem Oedema palpebrarum.
Die Augenlieder sind durch ihren lockern, schwammichten Bau zur Anhäufung der Säfte, dempach zum ödematösen Zustande geneigt. Das Oedem befällt gewöhnlich das obere Augenlied ; selten nimmt das untere daran Antheil. Es zeigt sich als eine bleiche, weiche, teigartige, unschmerzhafte Geschwulst, in welcher der Druck des Fingers eine Grube zurücklässt; man nennt diesen Zustand Oedema frigidum. Zuweilen ist die Wassergeschwulst geröthet, heiss , sehr empfindlich und verdient dann den Namen Oedema calidum. Durch die Wassergeschwulst wird die zur gehörigen Entblösung des Auges nöthige Entfernung der Augeulieder gehindert, und oft eine vorüber gehende Trichiasis gebildet
. Durch das längere Bestehen des ödematösen Zustandes könnte eine abnorme Prolongation der Haut sich bilden, welche ein Entropium, und ein Unvermögen, das abere Augenlied gehörig zu erheben, bedingen könnte.
Das Oedem erscheint als Symptom der Anasarca, zuweilen ist es durch einen auf die Wangen angebrachten Druck hervorgebracht, oder es zeigt sich in Folge einer erlittenen Quetschung der Augengegend. Vorzüglich muss hier jenes, welches als Ausgang der Entzündung sich zeigt, berücksichtiget werden.
Wird bei einer Blepharophthalmitis erysipelatosa, bei einer scarlatinösen oder morbillösen Entzündung des Auges die Hautthätig
1.) Scarpa, im a. W. 1. B. S. 403.
keit durch nasse Mittel, durch Zugluft etc. wäbrend des Abschuppungsprocesses gestört, so bildet sich gewöhnlich das Oedem. Erweichende Bähungen und Breiumschläge, besonders wenn sie auf den Augenliedern erkalten, führen nicht selten den ödematösen Zustand derselben herbei. Zuweilen bemerken wir das Entstehen desselben ohne wahrnehmbare Ursache.
Bei der Behandlung richte man sich nach der bestehenden Ursache. Das Oedem, welches Symptom der Anasarca ist, weicht, wenn diese entfernt wird; jenes, welches durch Druck verursacht wird, verschwindet bald nach aufgehobenem Drucke. Das Oedem von Quetschung herrührend, wie jenes, das durch erweichende Breiumschläge bewirkt wurde, verlangt die Anwendung geistiger Waschungen und spirituöser Umschläge. Das nach Entzündungen sich zeigende hat mehr oder weniger den Charakter des Oedema calidum; geistige Waschungen entzünden in diesem Falle die Haut und bewirken Excoriation, ohne das Uebel zu beseitigen. Warme, aromatische, mit Campber angeriebene Kräuterkissen, gelinde Friction mit Flanell, der mit Zucker, Mastix etc. durchräuchert wurde, entfernen hier am schnellsten das Uebel. Ist die Ursache unbekannt, so müssen aus den genannten Mitteln nach dem Reizvertrag des Theiles die geeigneten ausgewählt werden. Es ist in diesem Falle hartnäckig und kehrt zuweilen periodisch wieder. Oft bringt ein im Nacken gesetztes und in Eiterung erhaltenes Vesicans die beste Wirkung hervor. Der Aufenthalt in einer trockenen Luft, eine gesunde Nahrung, und der öftere Gebrauch der Abführmittel unterstützen die Wirkung der angegebenen Mittel kräftig.
Von dem Hydrophthalmo s. Wenn durch die grössere Ansammlung der Feuchtigkeiten des Auges der Augapfel seinen