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Commencement (Abschlussfeier) an der Harvard Universität, Cambridge, Massachusetts, Mai 2022. (Bild: NYPost)
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Die Fakten: Harvard hat Amerikaner asiatischer Herkunft systematisch diskriminiert. Zu diesem Schluss kommt der Supreme Court. Warum das wichtig ist: Was ist schlimmer? Ehrlicher Rassismus oder Rassismus, der sich als Anti-Rassismus tarnt? Harvard hat Affirmative Action ad absurdum geführt. 2022 haben sich an der Harvard University, der ältesten und renommiertesten Universität Amerikas,
- 61 221 junge Menschen um einen Studienplatz am College beworben
- 1984 wurden angenommen. Das ist eine Quote von bloss 5 Prozent
Damit gilt Harvard als eines der elitärsten Colleges der Welt, weil niemand seine Studenten so wählerisch und mitleidlos aussucht. Niemand selektioniert brutaler. Wer in Harvard als Undergraduate zu studieren beginnt, kann sich also «von» schreiben, bevor er auch nur einen einzigen Kurs bestanden hat – zumal er die schwerste Prüfung bereits hinter sich hat. Das Aufnahmeverfahren:
- Das ist ein aufwendiger Prozess, es wird ein brillanter Essay erwartet, ein spektakulärer Lebenslauf, zwei Empfehlungsschreiben (möglichst beeindruckender Persönlichkeiten), ebenso ist ein längeres, härteres Interview zu überstehen
- Vor allen Dingen kommt es aber auf gute Noten im SAT an (Scholastic Assessment Test). Dabei handelt es sich um einen standardisierten, in ganz Amerika durchgeführten Test, wo sprachliche und mathematische Fähigkeiten abgefragt werden
Diese Noten, Scores genannt, reichen von 400 bis 1600. Wer 1600 Punkte macht, übertrifft Einstein, er ist ein Genie. Um sich in Harvard zu bewerben und sicher zu sein, dass das Dossier auch nur näher angeschaut wird, muss man mindestens eine Punktzahl von 1460 bis 1580 vorweisen – und auch dann ist es keineswegs ausgemacht, dass man hineinkommt. Andere führende Universitäten verlangen ähnliche Scores:
- MIT: 1510-1580
- Yale: 1460-1580
- Princeton: 1450-1570
Wenn Ihr Kind es dagegen bloss auf 1200 bringt, empfiehlt es sich, eine andere (und billigere) Universität ins Auge zu fassen.
- Wer etwa an die Alabama State University will, eine öffentliche Universität, muss bloss 1090 Punkte vorweisen
- Im Durchschnitt erreichen die jungen Amerikaner im SAT eine Punktzahl von 1050
Kurz, Eine Bewerbung in Harvard gleicht einem Griff nach den Sternen. Müsste man meinen. Doch die Bedingungen sind nicht für alle gleich. Dabei ergibt nichts einen grösseren Unterschied als die Rasse – in einem angeblich farbenblinden Land. Der Unsinn heisst Affirmative Action – ich habe gestern dessen Geschichte und Absichten erläutert. Eine Studie der Duke University zeigte kürzlich das Ausmass der Diskriminierung im Namen eines höheren («anti-rassistischen») Zweckes auf:
- Ein Amerikaner asiatischer Herkunft mit exzellenten Noten hatte eine 25-Prozent-Chance, von Harvard akzeptiert zu werden
- Reichte er dagegen die genau gleiche Bewerbung ein – mit den gleich hohen Noten, gab sich jedoch als Schwarzer aus, stieg seine Chance auf 95 Prozent
25 versus 95 Prozent – nur wegen der Hautfarbe. Wenn das nicht Rassismus ist, hat das Wort keine Bedeutung mehr. Seit den 1970er Jahren hat Harvard – und fast alle Universitäten des Landes – bestimmte Minderheiten, namentlich: Schwarze, Hispanics und Indianer, speziell zu fördern versucht, das Programm nannte sich Affirmative Action. Vergangene Woche hat der Supreme Court Affirmative Action als verfassungswidrig verboten. Es war ein Programm, das niemand wirklich schätzte. In diversen Umfragen gaben selbst Mehrheiten der Schwarzen an, es abzulehnen.
«Gesetze sind wie Würste», hat der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck einmal gesagt, «man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden.» Wenn man sich in die Innereien der Affirmative Action vertieft, ergeht es einem genau gleich. Es ist widerlich, was man hier entdeckt, vor allem vor dem Hintergrund, dass jene Admissions Officers, jene Zulassungsmetzger, noch meinten, sie handelten im Sinne einer gerechteren, besseren Gesellschaft. Wie war es möglich, dass unser Asiate aus der Duke-Studie, so viel besser abschnitt, wenn er sich als Schwarzer ausgab?
- Zum einen schraubte man (nicht nur in Harvard) die Anforderungen an den SAT etwas herunter, sobald es um einen Schwarzen ging. Selbst mit tieferen Scores wurden sie berücksichtigt, sie erhielten automatisch einen Discount
- Zum andern wurde ein «Personal Rating» eingeführt, um die «Persönlichkeit» eines Bewerbers zu bewerten, wobei Noten von 1 bis 6 vergeben wurden. 1 bedeutete «herausragender Charakter», 6 hiess «problematische persönliche Eigenschaften». Worauf sich dieses harte Urteil stützte, blieb das Geheimnis des Admissions Officers
Das Resultat dagegen war weniger geheim. Schwarze erwiesen sich sehr oft als «herausragende Persönlichkeiten», was ihre schlechteren Noten vergessen liess, während Asiaten leider, leider sehr häufig als «problematische Charaktere» eingestuft werden mussten. Mit anderen Worten, sie passten nicht wirklich zu Harvard. Sure.
- Wer hat nicht Angst vor der gelben Gefahr?
- Kann man den Schlitzaugen je trauen?
Es ist nötig, an diese alten, widerwärtigen rassistischen Wendungen zu erinnern – ohne Anführungszeichen, damit es weh tut. Denn es war nichts anderes als Rassismus, was Harvard betrieb, eine Universität, die sich sonst so viel darauf einbildet, «Diversity» und «Inclusion» hochzuschätzen.
- Schwarz war gut
- Gelb war schlecht
- Und das entschieden die Weissen (auch in Harvard sind die meisten Admissions Officers weiss)
1620 landete die Mayflower in Massachusetts und brachte eine Gruppe von Puritanern nach Amerika. Die strengen, tiefgläubigen, vielleicht etwas humorlosen Protestanten aus England wollten hier eine neue, vor allem eine gottgefälligere Welt aufbauen. In Europa hatte man sie nur verfolgt wie räudige Hunde. Ohne Pfarrer ging das natürlich nicht. Und so wurde schon 1636, bloss 16 Jahre später, eine Universität gegründet, die erste in der Neuen Welt, die schliesslich auch die beste werden sollte – um tüchtige reformierte Pfarrer heranzuziehen. Bald nannte man die Universität Harvard, weil ein John Harvard ihr eine erste grosse Spende hatte zukommen lassen. Unter anderem seine Bibliothek.
- «A City upon a Hill»
- «Eine Stadt auf dem Hügel» wollten die Puritaner in Neuengland bauen, nach dem Vorbild von Jesus (Mt 5, 14):
«Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben». Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Tag Markus Somm