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InnoPark Schweiz AG ist eine von vielen Stellen, die im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) arbeitsmarktliche Massnahmen (AMM) umsetzen. Konkret geht es bei InnoPark darum, hoch qualifizierten Stellensuchenden den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das Programm dauert in der Regel sechs Monate und beruht auf vier Säulen. Die Teilnehmenden werden in Projektarbeit eingesetzt, auf den Stellensuchprozess vorbereitet, absolvieren eine auf ihre Bedürfnisse (und auf die Bedürfnisse des Marktes) ausgerichtete Weiterbildung und werden bei Bedarf individuell gecoacht. Die Erfolgsquote betrug im Jahre 2012 über 75%. [1]
Das heisst, dass Teilnehmende beim Verlassen des Programms von InnoPark mit einer Wahrscheinlichkeit von über drei Vierteln keine oder nur noch eine reduzierte Arbeitslosenentschädigung beziehen.
Wie viel kann die öffentliche Hand einsparen?
Zu Recht wird immer wieder die Frage der Wirksamkeit der arbeitsmarktlichen Massnahmen gestellt. Im Folgenden wird versucht, dieser Frage am Beispiel von InnoPark nachzugehen. Als Erstes wird gefragt, welche Ersparnisse bei der öffentlichen Hand anfallen, wenn Teilnehmende dank einer Massnahme früher aus der Arbeitslosigkeit herausfinden als ohne eine solche Massnahme. Dabei sind die Ersparnisse umso höher, je höher die (wegfallende) Arbeitslosenentschädigung ist und je grösser die zeitliche Differenz zwischen der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt mit oder ohne Massnahme beträgt (siehe Tabelle 3).
Bei InnoPark Schweiz AG konnten im Jahre 2012 330 Teilnehmende während der sechsmonatigen Dauer des Programms in den Arbeitsmarkt reintegriert werden.[2] Um die kumulierte Ersparnis zu ermitteln, wäre für jeden dieser 330 Stellensuchenden das für ihn zutreffende Feld in Tabelle 3 zu ermitteln; anschliessend müssten die 330 resultierenden Beträge zusammengezählt werden.
Wie viel Arbeitslosenentschädigung die erfolgreichen Teilnehmenden vor der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt bezogen hatten, kann wegen mangelnder öffentlich zugänglicher Daten nicht ausgesagt werden. Es ist zu vermuten, dass beim Seco diese Daten – allerdings auf gesamtschweizerischer Ebene und nicht pro Massnahme – vorhanden sind. Ein Zugriff auf diese Daten würde helfen, die Effizienz von AMM besser zu beurteilen. Wenn jeder Organisator von AMM diese Daten erheben würde (dies war bisher aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich), würde die Qualität der Beurteilung noch einmal steigen. Eine solche Erhebung könnte ohne weiteres auf anonymisierter Basis durchgeführt werden.
Die Frage, wie viel länger die erfolgreichen Stellensuchenden ohne ihre Teilnahme im InnoPark-Programm arbeitslos gewesen wären, kann nicht beantwortet werden, ist doch dieser Fall rein hypothetisch. Es ist aber zu vermuten, dass Stellensuchende, die vor Eintritt in eine Massnahme lange arbeitslos waren, schwer vermittelbar sind und somit ohne die Hilfe eines Programms noch weiter lange arbeitslos geblieben wären. Deshalb könnte die Länge der Arbeitslosigkeit eines Stellensuchenden vor Eintritt in eine Massnahme als Proxy für die vermutete weitere Länge der Arbeitslosigkeit ohne Hilfe eines Programms herangezogen werden.[3]
Aufgrund der schlechten Datenlage muss mit Annahmen gearbeitet werden. Hier wird die einfachste Konstellation einer Gleichverteilung der erfolgreichen 330 Teilnehmenden auf die 16 Felder in Tabelle 4 angenommen. Unter dieser Annahme würde sich bei früherer Wiedereingliederung von 330 Stellensuchenden in den Arbeitsmarkt dank AMM die Ersparnis der öffentlichen Hand wie folgt präsentieren:
Die Bruttoersparnisse – sie ergeben sich aus der Addition aller Felder in der Tabelle – würden damit für die öffentliche Hand rund 11,6 Mio. Franken betragen. InnoPark Schweiz AG hat im Jahr 2012 für den Bund einen Aufwand von ca. 5,1 Mio. Franken verursacht.[4] Damit wäre der direkte Nutzen von InnoPark für das Jahr 2012 auf etwa 6,5 Mio. Franken zu veranschlagen. Zu diesen direkten Ersparnissen kommen indirekte Ersparnisse in Form von höheren Steuern und Beiträgen an die Sozialversicherungen, die von den bisher Stellensuchenden künftig bezahlt werden. Zudem ist damit zu rechnen, dass dank der Reintegration in den Arbeitsmarkt viele durch die Arbeitslosigkeit bedingte Krankheiten, vor allem psychische Probleme, wegfallen. Insgesamt dürften die für InnoPark eingesetzten Gelder eine hoch rentable Investition darstellen.
Ansätze für ein wirksames Controlling
Am Beispiel einer einzigen Institution, die ungefähr 1% des Budgets für arbeitsmarktliche Massnahmen beansprucht, kann natürlich nicht auf die Wirksamkeit des gesamten Pakets geschlossen werden.[5]
Aus dem Beispiel lässt sich aber ableiten, in welche Richtung eine Wirkungsanalyse und ein wirksames Controlling der einzelnen Organisatoren gehen muss.
Neben der Erfolgsquote, die heute in allen Facetten erfasst und analysiert wird, müssten weitere Abklärungen erfolgen. So wäre wichtig zu wissen, wie viel Arbeitslosenunterstützung Stellensuchende während ihrer Teilnahme am Programm beziehen. Bei der Erhebung dieser Daten ist auf die Anforderungen des Datenschutzes zu achten.
Anspruchsvoll ist die Schätzung der Verkürzung der Arbeitslosigkeit durch eine AMM. Hierfür müsste festgestellt werden, um wie viel im Durchschnitt die Arbeitslosigkeit durch eine Teilnahme in einem Programm verkürzt worden ist. Für eine aussagekräftige Analyse genügt eine einfache Unterteilung in Stellensuchende mit und ohne Teilnahme in einem Programm nicht. Es müsste vielmehr bei jedem einzelnen Programm die Teilnehmergruppe im Programm mit einer Gruppe von Stellensuchenden verglichen werden, die ein möglichst ähnliches Profil aufweisen und nicht an einem Programm teilnahmen. Durch eine sorgfältige Auswahl der beiden Gruppen und eine Erhebung ihrer durchschnittlichen Verweildauer in der Arbeitslosigkeit liesse sich dann ein weiteres Element der Wirksamkeit der AMM eruieren.
Zusätzliche Datenerhebungen würden sich lohnen
Durch eine systematische Erhebung des Erfolgs der einzelnen Institutionen, die AMM umsetzen, und eine konsequente Politik, die sich an diesen Erfolgen orientiert, könnte die Wirksamkeit der Massnahmen vermutlich deutlich gesteigert werden.
Ein weiterer wichtiger Schritt wäre die Ermöglichung von Peer Reviews für Organisatoren arbeitsmarktlicher Massnahmen. Bisher konnten die Daten von Institutionen, die ein ähnliches Zielpublikum anvisieren, nur bruchstückhaft ermittelt werden. Mithilfe von aussagekräftigen Vergleichszahlen könnten Schwachstellen bei einzelnen Institutionen ermittelt und eliminiert werden. Neben den vom Seco erhobenen Kennzahlen wurde ein weiterer wichtiger Schritt mit der Einsetzung einer für alle Organisatoren gleichen Prüfgesellschaft getan. Durch die Einführung eines einheitlichen Prüfrasters können wichtige Vergleichszahlen erhoben, analysiert und zur Behebung von Schwachstellen eingesetzt werden. Der zusätzliche Aufwand durch die Erhebung und Beurteilung von Datenmaterial würde die Wirksamkeit von AMM objektivieren. Dies würde eine politisch relevante Aussage darüber erlauben, aber auch die Effizienz der Massnahmen und deren Organisation verbessern.
Die Beurteilung der Wirksamkeit der arbeitsmarktlichen Massnahmen des Bundes beruht auf Vermutungen. Aufgrund des Beispiels von InnoPark Schweiz ist davon auszugehen, dass einzelne Massnahmen dieser Art einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen in Form von Ersparnissen für die öffentlichen Hände erbringen. Ein wirksames Controlling der Organisatoren von AMM, das allerdings nicht einfache Zusatzerhebungen erfordern würde, wäre wohl geeignet, die Effizienz dieses Instruments deutlich zu erhöhen.
Durch eine systematische Erhebung des Erfolgs der einzelnen Institutionen, die AMM umsetzen, und eine konsequente Politik, die sich an diesen Erfolgen orientiert, könnte die Wirksamkeit der Massnahmen vermutlich deutlich gesteigert werden.
- Vgl. InnoPark Schweiz AG, Geschäftsbericht 2012, Winterthur 2013 Seite 11.
- Vgl. InnoPark Schweiz AG, Geschäftsbericht 2012, Winterthur 2013, Seite 11.
- Vermutlich wären beim Seco auch solche Daten greifbar.
- Vgl. InnoPark Schweiz AG, Geschäftsbericht 2012, Winterthur 2013, Seite 22.
- Im Jahre 2004 wurden vom Seco sechs Studien zur Wirksamkeit der AMM in Auftrag gegeben. Fünf der sechs Studien wurden in Die Volkswirtschaft 10-2006 vorgestellt, eine weitere in der Seco-Publikation Nr. 20, Bern 2007. Alle diese Studien beziehen sich auf die Wirksamkeit aller AMM. Hier wird dafür plädiert, die Wirksamkeit einzelner Programme systematisch zu untersuchen und auszuwerten.