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Österreichische Alpenzeitung
Das in halbmonatlichen Heften erscheinende Organ des Österreichischen Alpenclubs ist eine vielseitige Zeitschrift. Sie enthält neben größeren und kleineren Aufsätzen touristischen und wissenschaftlichen Charakters in stehenden Rubriken: Tourenberichte, solche über Schutzhütten und Wegbauten, Führerwesen, Verkehrsnachrichten, Unglücksfälle, Personalnachrichten, interne Angelegenheiten, Vereinsnachrichten und zahlreiche Referate über Vereinspublikationen, Einzelwerke, Reisehandbücher und Führer, Bilderwerke, Kartenwerke, Reliefs und Panoramen. Ihre Lektüre ist also für einen alpinen Redaktor unentbehrlich und, wenn wir über eine gewisse Schärfe im Ausdruck der bergsteigenden Richtung dieses Clubs hinwegsehen, auch im ganzen erfreulich und wertvoll. Die größeren Arbeiten beginnen mit einem Aufsatz von Dr. Karl Blodig und Purtscheller, betitelt: Aus dem Berner Oberland; er schildert die im August 1898 von diesen beiden gemachten Touren. Die einzelnen Abschnitte sind von den Verfassern gezeichnet, was man jetzt nach Purtschellers frühem Tode um so mehr begrüßen wird, so das Große Wannehorn mit C. B., das Große und Hintere Fiescherhorn mit L. P., das Große Grünhorn mit C.B., das Gletscherhorn mit L. P. Beider Autoren Schreibweise ist ansprechend, aber Dr. Blodig wird es mir gewiß nicht übel nehmen, wenn ich der Purtschellers den Vorzug gebe, und auch diese Aufsätze aus seiner Feder als ein kostbares Vermächtnis betrachte. Purtscheller hat ferner zu diesem Jahrgang der Ö.A.Z. noch beigesteuert: Ein Tag in den Medelser-und Somvixer-Bergen. Es ist dies die Beschreibung einer Krafttour, die ihn allein am 8. September 1898 in einem Tage, von morgens 5 Uhr bis abends 7 Uhr, von Fuorns in der Val Medel über den Piz Cristallina, Piz Ufiern ( P. schreibt konsequent Uifern, aber das muß ein Versehen oder ein Druckfehler sein ), Cima Camadra, Piz Medel, Piz Valdraus, Piz Gaglianera, Piz Vial und Punkt 3145 nach Alp Motterascio in Val Luzzone brachte. Tags zuvor war er von Brigels über Disentis nach Fuorns gewandert und in den darauffolgenden Tagen bestieg er noch den Piz Terri und Pia Aul und ging durch das Lugnez nach Ilanz hinaus. Und das nach einer langen und schweren Sommercampagne! Ebenfalls sehr interessant sind die übrigen Erzählungen: Die Schüsselkarspitze im Wetterstein, von Franz Hörtnagel; die Südwand des Brandstein in der Hochschwabgruppe, von Hans Biendl; Seekopf und Monte Canale, Von Hans Wödl; von Norden auf den Zwölferkofel, von Emil und Adolf Witzenmann; in den Leoganger Steinbergen, von J. Gmelch; aus der östlichen Venedigergruppe, von Leon Treptow; Bergfahrten in den Vorarlberger Alpen, von Heinrich Schwaiger; das Fallbachkar in der Bettelwurfkette, von Dr. Wilhelm Hammer; aus der Fanisgruppe, von Günther Freiherr von Saar; die Rosengartengruppe über den Nordost-Grat, von Karl Berger; neue Touren in der Stefano-gruppe: I. Monte Poperra Valgrande ( WestgipfelII. Monte Crissin; III. Monte Brentone und Cresta Castellati ( OstspitzeIV. Cresta Castellati ( Westspitze ) und Monte Poperra Valgrande ( Ostgipfel ), von Lothar Patera. Diese Erzählungen betreffen lauter ungewöhnliche, zum Teil recht schwierige, und meist führerlos durchgeführte erste Touren. Ähnliches gilt auch von den kleineren Mitteilungen; Eine Überschreitung der Marmolata, von Hans Barth; auf Schneeschuhen quer durch die Hohen Tauern, von Günther Freiherr v. Saar; Ortler vom Hochjoch, von Edward Pichl; Skiterrain in den Ostalpen ( nicht graue Theorie ), von Dr. Heinrich Pfandl; der Villerspitzengrat, von Ludwig Prochaska; Beiträge zur Nomenklatur und touristischen Erschließung der südlichen Marmolatagruppe, von Alfred v. Radio-Radiis; eine Überschreitung des Totenkirchl, von Dr. Fritz Lantschner; eine gelungene und eine mißglückte Überschreitung des Fermedaturmes, von Eduard Garns und Karl Berger; aus der Schobergruppe, von Heinrich Reinhard; der Nordgrat des Groß Venedigers, von Alfred von Radio-Radiis. Ich übergehe die in der Hauptsache nicht zu mißbilligenden Artikel von H. Wödl und Eduard Wagner über den Glärnischhüttenstreit, da nach mehr als Jahresfrist, und da der Rechtsstreit beigelegt scheint, ein Eingehen auf die Polemik nichts mehr nützen kann, und den Geschäftsbericht des Ausschusses für 1898, dessen gute Resultate mich erfreuen, ebenso wie die von 1899, und erwähne noch die mit Plänen und Abbildungen begleitete Beschreibung der Erzherzog Johann-Hütte, von Gustav Schmidl; die sehr nützliche Zusammenstellung der neuen Touren in den Ostalpen von 1898 von Dr. Joseph Rosenthal, die ausführliche Anzeige von Hans Wödl über Beneschs Bergfahrten in den Grödner Dolomiten und zwei sehr warm geschriebene Nekrologe: Zur Erinnerung an Dr. Gustav Mönnichs und Dr. Reinhold Ehlert, von Prof. Sartorius, Freiherr von Waltershausen, und f Robert Hans Schmitt, von Hans Wödl. Ungern spreche ich von dem Artikel: Die Katastrophe an der Dent Blanche, von Willy Rickmer-Rickmers, dessen Ton nicht mich allein verletzt hat. Es ist niemand zu Pietät verpflichtet bei einem Fall, wo tadeln leichter fällt als verzeihen, und wenn ein Kritiker sich einbildet, durch schroffes Herauskehren der „ Verantwortlichkeiten " künftiges Unheil zu verhindern oder zu vermindern, so mag er es thun. Daß aber eine solche Katastrophe wesentlich dazu benutzt wird, über die höhere Moral des Führerlosgehens Belehrung zu spenden und schonungslos die Ehre eines Verunglückten zerrissen wird, der nie durch Prahlerei die Kritik herausgefordert hat und an einfältigen Zeitungsvergleichen so unschuldig wie möglich ist, kann ich nicht billigen. Es muß auch in der Beurteilung der Unglücksfälle in einem Sport die alte Spielregel gelten: Gleiches Maß für alle und keine Begünstigungen. Ich habe mich zu diesen freimütigen Äußerungen gedrängt gefühlt, und brauche kaum zu betonen, daß mich Mr. Jones persönlich nichts angeht. Als Illustrationen sind beigegeben oder im Text eingetragen: Die Schutzhausbauten auf der Adlersruhe, zwei photographische Aufnahmen von Gustav Schmidt, Zwölferkofel von Norden, gezeichnet von L. Muhry, Fallbachkar, Walder-kammspitze und Bettelwurf, Rosengartenspitze von Norden, alle drei gezeichnet von Dr. W. Hammer; das Schlafhaus der Erzherzog Johannhütte auf der Adlersruhe, zwei Konstruktionstafeln von Heinrich Köchlin, Val Travenanzes, Kartenskizze von Dr. Viktor Wolf-Glanvell. Sie erfüllen ihren Zweck, wenn auch die künstlerische Reproduktion nicht so fein ist wie in den Bildern des letzten Jahrgangs.
Redaktion.