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Der Adelige, Jacques-Barthélemy Micheli du Crest lebte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Genf, das damals noch eine vom Adel regierte Republik war. Du Crest gehörte zur städtischen Obrigkeit und wurde als Wissenschafter und Herausgeber der topographischen Karte „Geneva Civitas” (1726) geehrt. Seine Ehrbarkeit verspielte aber Micheli du Crest, als er 1730 den Bau der Stadtfestung harsch kritisierte. Er wurde seiner politischen Ämter enthoben und um seine Güter gebracht. Es blieb ihm nichts anderes übrig als zu fliehen. Dem herrschenden Adel waren wohl die demokratischen Ideen und allzu reformistischen Ansichten du Crests allgemein ein Dorn im Auge. In mehreren veröffentlichten Schriften kritisierte Micheli du Crest das Genfer Regierungssystem. Er forderte die Abkehr von der Oligarchie und die Gründung einer vom Volk regierten demokratischen Republik. Diese Forderungen riefen grosse Resonanz beim Volk hervor, so dass du Crest als „Aufwiegler gegen die Obrigkeit” verbannt und 1735 während seiner Abwesenheit sogar zum Tode verurteilt wurde. Er konnte nicht mehr nach Genf zurück und suchte so in Zürich, Bern, Basel und zeitweise auch in Paris Unterschlupf. In dieser Zeit verkehrte er mit berühmten Wissenschaftern wie dem Pariser Physiker Réaumur oder dem Basler Mathematiker Daniel Bernoulli und anderen.
Alpenpanorama von Micheli du Crest (1754), Faksimiledruck 1995.
Im Herbst 1746 wurde du Crest in Neuenburg verhaftet und zu lebenslänglicher Haft im Gefängnis des Schlosses Aarburg verurteilt. Das war eine grosse Demütigung für den Freigeist und begnadeten Wissenschafter du Crest. Im Rückblick ist die Inhaftierung der Beginn einer umfassenden geodätischen Arbeit, die die Vermessung der Schweiz zum Ziel hatte. In diesem Zusammenhang entstand im Aarburger Gefängnis das erste wissenschaftliche Alpenpanorama. Micheli du Crest versuchte die Höhen fern gelegener Alpengipfel von seinem Kerker aus zu bestimmen und kartographisch zu erfassen. Seine Pioniertat bestand darin, dass er die damals noch weitgehend unbekannte Bergwelt topographisch erschliessen wollte. Seine Messungen nahm du Crest auf Grund der ihm damals zur Verfügung stehenden Geräte und Hilfsmittel vor. Er stellte selbst einen Barometer her, um die Meereshöhe von Aarburg zu ermitteln. Für weitere Messungen konnte er Johann Jakob Brenner als Expeditionsleiter gewinnen, korrespondierte mit anderen Wissenschaftern wie Albrecht von Haller und erhielt dadurch wertvolle Informationen. Angesichts der Bedingungen, unter welchen er nur sehr eingeschränkt in seiner Zelle arbeiten konnte, schuf er ein bemerkenswertes Werk, das bis heute Experten zu erstaunen vermag. Dass einige Bergnamen falsch definiert wurden und fehlerhafte Referenzdaten das Panorama in seiner Realitätstreue verzerren, macht der Leistung Micheli du Crest keinen Abbruch.
Zur weiteren Vertiefung ist Martin Rickenbachers Studie zu empfehlen: Das Alpenpanorama von Micheli du Crest – Frucht eines Versuches zur Vermessung der Schweiz im Jahre 1754, die als Sonderheft Nr. 8 in der Reihe Cartographica Helvetica 1995 erschienen ist. In der Kartensammlung der ETH-Bibliothek ist das Heft und die Karte unter der Signatur: K 372 017 oder KA SCHW 112: 02, 8 zu finden.
Im Zusammenhang mit Gebirgsdarstellungen ist auch auf unseren ausgedehnten Panorama-Bestand und die Abendführung der Kartensammlung am 9. März 2010 hinzuweisen:
Abendführung zum Thema Kartographische Darstellungen von Gebirgen, 9. März, 18:15 Uhr, Treffpunkt Ausleihe der ETH-Bibliothek Zentrum, Stockwerk H.