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25 Jahre hat Terry Gilliam gebraucht, um diesen Film auf die Beine zu stellen. Seine zwei Hauptdarsteller sind in dieser Zeit gestorben, John Hurt und Jean Rochefort.
Ihnen ist der Film gewidmet, in dem nun Jonathan Pryce und Adam Driver sich die Titelrollen teilen. Pryce ist Don Quixote, Adam Driver der Regisseur, der dafür verantwortlich ist. Terry Gilliam sind sie beide.
Holpriger Weg ins Kino
Der einstige Zusatz-Monty-Python Gilliam hatte dermassen viel Pech mit diesem Mammut-Projekt, dass es mehr Legenden dazu gibt, als Szenen im Film. Die Entstehungsgeschichte des Films füllt einen langen, tragischen Wikipedia-Eintrag, Link öffnet in einem neuen Fenster.
Selbst die Uraufführung im Mai dieses Jahres in Cannes wäre beinahe wieder geplatzt, hat doch der portugiesische Produzent Paulo Branco, der zeitweilig als Retter des Films aufgetreten ist, gegen die Aufführung und den Kinostart in Frankreich geklagt. Die Klage wurde rechtzeitig abgewiesen.
Auf dem klapprigen Pferd
Nun läuft der Film auch hierzulande an. Wie ist er geworden? Überraschend, ausufernd, verblüffend, aber auch ermüdend. Bisweilen urkomisch, dann wieder fantastisch, wie so oft bei Terry Gilliam.
Der Film ist viel fröhlicher, trauriger und liebevoller als viele seiner anderen Meister- und Halbmeisterwerke.
Adam Driver, als Alter Ego des Regisseurs, spielt den gefeierten Filmemacher Toby. Er lebt vor allem von Werbefilmen, versucht aber in Spanien einen neuen Don Quixote zu inszenieren. Mit einem alten Mann auf einem klapprigen Pferd, mit Windmühlen, einem dicken Sancho Panza und Stellan Skarsgård als Financier.
Don-Quixote-Film im Don-Quixote-Film
Doch der Dreh ist kompliziert. Nichts geht wie es soll, die Frau des Financiers stellt Toby nach, der Financier versucht, einen Deal mit einem russischen Wodka-Oligarchen an Land zu ziehen.
Beim Abendessen gerät Toby über einen fliegenden DVD-Händler an eine Schwarzkopie seines ersten grossen Studentenfilmprojektes: Einer Don-Quixote-Verfilmung, die er mit Freunden in einem kleinen spanischen Dorf gedreht hatte, mit dem Schuhmacher in der Titelrolle.
Von da an vermischen sich die Erinnerungen an den damaligen Dreh mit der Gegenwart und die beiden Ebenen wiederum mit der längst zur Legende gewordenen Cervantes-Welt.
Toby besucht das Dorf und stösst unter anderem auf den damaligen Schuhmacher, der sich mittlerweile tatsächlich für Don Quixote (Jonathan Pryce) hält und Toby zu seinem Sancho Panza macht.
Vergangenheit vs. Gegenwart
Natürlich fehlen weder der Gaul Rosinante noch die schöne Dulcinella. Denn auch die Unschuld der Tochter des Dorfwirtes hat Toby auf dem Gewissen. Er hat sie auf die Idee gebracht, Filmstar werden zu wollen. Das kam nicht gut.
Terry Gilliams Film ist eine weitverzweigte Tragikomödie, eine wilde Farce, die alles Mögliche reflektiert. Das Filmemachen an sich, die Romantik-Kritik des Cervantes, die Verantwortung des Künstlers und die Ernsthaftigkeit des Träumens – wie fast immer bei Terry Gilliam.
Träume sind grösser als ihre Umsetzung
Der Film ist zugleich stringenter und kompakter als seine letzten Projekte, ausserdem dichter und besser ausgestattet. Aber auch zuweilen ähnlich ermüdend und überdeutlich.
Wahrscheinlich spiegeln der Film sowie das Drehbuch auch den Umstand, dass die Träume immer grandioser sind, als ihre Umsetzung. Wenn einer 25 Jahre lang geträumt hat, kann die Umsetzung nicht alles umfassen.
Dafür ist erstaunlich und erfreulich viel übrig geblieben in dem, was jetzt «The Man Who Killed Don Quixote» ist: ein Terry-Gilliam-Film, der bleiben wird.
Kinostart: 13.9.2018