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Die Baustelle am Burgwiesplatz mit der neuen Fussgängerunterführung und den Stufen zum Bach. (14.11.2014). Bild: Herbert Frei
05.12.2014
Von Herbert Frei – Noch Ende des 19. Jahrhunderts war Hirslanden eine arme Vorortsgemeinde Zürichs. Lange lebte man hier, vor den Toren der Stadt, vom Rebbau und Gemüseanbau. Entlang des Wildbaches hatten sich schon früh allerhand Gewerbebetriebe, später auch Textilfabriken angesiedelt, welche die Wasserkraft nutzten. An den Abhängen des Adlisberges dehnten sich Rebberge bis zur Waldkuppe. Während sich die Nachbargemeinden seit der Jahrhundertmitte zu Wohngebieten des gehobenen Bürgertums entwickelt hatten, blieb das von der Stadt etwas weiter entfernte Hirslanden die Heimat des unteren Mittelstandes. Reich waren die Dorfbewohner nur an Kindern. Die Gemeinde war kaum in der Lage, die nötigen Schulhäuser zu bauen, noch weniger, eine zeitgemässe Trinkwasserversorgung oder Kanalisation. Kein Wunder befürwortete man die Eingemeindung in die nahe Stadt eifrig; sie wurde 1893 Wirklichkeit. Seither ist Hirslanden ein Quartier Zürichs.
Mit der Eingemeindung und dem Anschluss an die erste Strassenbahn 1894 nahm Hirslanden einen ungeahnten Aufschwung. Innerhalb der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich der Stadteil vom schäbigen Strassendorf zum attraktiven Wohnquartier. Die Rebberge mussten Villen, stattlichen Mehrfamilienhäusern und Gartenstadtsiedlungen weichen, deren Bewohner die attraktive Lage an den Südhängen des Adlisbergs schätzten. Noch heute wird Hirslanden geprägt von Bauten, die zwischen 1900 und dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, was viel zu seiner Wohnqualität beiträgt.
Dass Hirslanden einem Strassendorf entwachsen ist, lässt sich auch heute noch an den Quartierstrukturen ablesen. In vorstädtischen Zeiten lag Hirslanden an der Landstrasse nach Grüningen, einst Sitz einer Landvogtei. Erst 1874 wurde die Hirslanderstrasse in Forchstrasse umgetauft. Ein eigentlicher Mittelpunkt hat Hirslanden immer gefehlt. Aus historischer Sicht ist er am ehesten zwischen dem Restaurant «Wilder Mann» (1659 erstmals erwähnt) und dem «alten Schulhaus» (1829 erbaut) bei der Einfahrt der Sempacherstrasse zu suchen. Der Klusplatz, der ja weniger ein Platz als ein etwas unwirtlicher Verkehrsknotenpunkt ist, hat sich zu einer Art «Nebenzentrum» Hirslandens gemausert.
Mittlerweile scheint sich ein neuer Schwerpunkt zu entwickeln, wenngleich ganz am Rand der heutigen Quartiergrenzen (sie umfassten ursprünglich auch die Eierbrecht und den Balgrist): die Burgwies. Seit bei der Alten Mühle das Knechtenhaus in ein Quartiertreff umgebaut worden ist, Trammuseum und Migros in das ehemalige Tramdepot eingezogen sind und eine Filiale von Denner dem Postgebäude, aus dem leider die Post vor einigen Jahren ausgezogen ist, wieder neues Leben einhaucht, hat sich hier, am Einfallstor zum Naherholungsgebiet, eine Art Quartiermittelpunkt entwickelt. Zur Attraktivität trägt seit 30 Jahren auch das Restaurant Burgwies unter Leitung der Familie Lee bei. Zur Zeit wird der Burgwiesplatz umgebaut. Ende Jahr sind die Arbeiten im wesentlichen fertig, im Frühjahr folgen noch Feinbelag und Bäume. Der Quartierverein, der Quartiertreff, das Trammuseum und die Anstösser werden am 30. Mai 2015 den alt-neuen Platz mit einem grossen Fest gebührend feiern.
Herbert Frei ist Präsident QV Hirslanden
Die Baustelle am Burgwiesplatz mit der neuen Fussgängerunterführung und den Stufen zum Bach. (14.11.2014). Bild: Herbert Frei