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REYL: Risikoreiche Anlagen hatten einen unruhigen Start ins Jahr: Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran trieb die Ölpreise in die Höhe. Diese Entwicklung könnte unsere Prognose für die asiatischen Märkte negativ beeinflussen
von Daryl Liew Head of Portfolio Management, REYL Singapore
Die meisten Länder Asiens sind Netto-Ölimporteure. Die höheren Energiepreise wirken sich nicht nur auf den eigenen Verbrauch aus, sondern führen auch zu einer Verschlechterung der Handelsbilanz. Zudem steigt die Inflation, wodurch die lokalen Währungen unter Verkaufsdruck geraten. Dies wiederum zwingt die asiatischen Zentralbanken dazu, die Zinsen auf einem höheren Niveau zu halten, als sie zur Stützung der Währung gerne hätten.
Vergleich mit dem saudischen Drohnenangriff vom September
Es gibt einen Grund, warum wir Asien für 2020 doch positiv sehen: Nach unserer Ansicht werden die Ölpreise zwar in einer gewisse Bandbreite schwanken aber nach oben hin begrenzt sein. Diese These muss vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten neu bewertet werden. In dieser Hinsicht könnte man sich an dem Drohnenangriff auf Saudi-Arabiens grösste Ölförderanlage Abiqaiq vom vergangenen September orientieren, der den Verlust von fünf Prozent des weltweiten Ölvorkommens bedeutete. Die Ölpreise stiegen in der unmittelbaren Zeit danach zunächst um über 20 Prozent. Die Preise reduzierten sich aber schnell wieder, als sich herausstellte, dass das weltweite Ölangebot ausreichte, um den Ausfall zu kompensieren. Ein Hauptgrund für die rasche Anpassung ist die Tatsache, dass die Entwicklung der Schieferindustrie in Nordamerika zu einer Diversifizierung des weltweiten Angebots geführt hat. Das hat dazu beigetragen, einen Puffer zur Stabilisierung der Energiepreise zu schaffen.
USA: Geringe Kriegslust
Daher ist die Schlüsselfrage, die es zu beantworten gilt: Wie viel schlimmer könnte der Konflikt zwischen den USA und dem Iran werden? Und könnte er die Ölversorgung im Nahen Osten für einen längeren Zeitraum wesentlich beeinträchtigen? Unserer Meinung nach würde dies nur dann eintreten, wenn ein umfassender militärischer Konflikt ausbricht und alle Exporte aus dem Persischen Golf gestoppt werden. Aus der Sicht der USA würde eine solche Eskalation eine Kehrtwende der derzeitigen politischen Richtung bedeuten. Diese besteht darin, die militärische Präsenz der USA in der Region zu verringern. Das Interesse der USA am Schutz der Ölvorkommen und der Aufrechterhaltung des Friedens im Nahen Osten hat in den letzten Jahren wohl nachgelassen, da die USA in Bezug auf die Energieversorgung autark geworden sind. Nach mehreren gescheiterten Kampagnen in der Region ist auch die Kriegslust der USA gering. Es würde einen mutigen Präsidenten brauchen, um in einem US-Präsidentschaftswahljahr in den Krieg zu ziehen, obwohl man bei Präsident Trump die Möglichkeit nicht völlig ausschliessen kann!
Auch der Iran will den Krieg vermeiden
Auch der Iran würde einen offenen Konflikt lieber vermeiden. Sein Vorgehen ist es, den Einfluss in der Region zu vergrössern indem in verschiedenen Nachbarländern Vertretungen errichtet werden, welche seine Mission erfüllen. Die Gründung und kontinuierliche Finanzierung der Hisbollah im Libanon ist nur ein Beispiel dafür, wie der Iran den so genannten “Schiitischen Halbmond” geschaffen hat. Könnte der Iran zu mehr Durchsetzungsvermögen gedrängt werden, wenn die inneren Unruhen aufgrund der Auswirkungen von Wirtschaftssanktionen zunehmen? Letztlich sind die Leader im Iran pragmatisch und erkennen, dass sie einen konventionellen Krieg gegen die USA und ihre Verbündeten nicht gewinnen können. Daher wird der Iran wahrscheinlich abwarten und weiterhin verdeckte Operationen durchführen, um seine Ziele zu erreichen.Dies alles bedeutet, dass die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zwar kurzfristig wahrscheinlich zurückgehen dürften – so wie im Falle von Brexit und dem Handelskrieg zwischen den USA und China. Dies ist jedoch lediglich eine Prozesspause und es ist sehr wahrscheinlich, dass der Konflikt in naher Zukunft wieder entzündet wird.
Immer noch positiv für Asien, aber selektiv
Die geringe Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Konflikts im Nahen Osten deutet darauf hin, dass die positiven Aussichten für Asien vorerst beibehalten werden können. Die Politik der Zentralbanken, die vermutlich begrenzte Stärke des Greenbacks, die Unterzeichnung des Phase-1-Handelsabkommens zwischen den USA und China und die moderate Verbesserung des globalen Wirtschaftswachstums sind allesamt positive Faktoren, die die asiatischen Märkte stützen werden. Anleger, die über das Risiko eines möglichen Ölpreisanstiegs besorgt sind, sollten jedoch bei ihrem Engagement selektiver vorgehen. Vermeiden sollten sie Investitionen in Länder wie Indien. Es ist das asiatische Land, das am stärksten von höheren Ölpreisen betroffen ist.
Quelle: AdvisorWorld.ch