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Hochgradige Gliome
Glioblastom, anaplastisches Astrozytom und anaplastisches Oligodendrogliom
Das Glioblastom und das anaplastische Astrozytom sind die beiden häufigsten bösartigen hirneigenen Tumore. Das Glioblastom wird infolge seines aggressiven Verhaltens als WHO Grad IV bezeichnet. Das anaplastische Astrozytom ist nicht ganz so aggressiv und gilt als WHO Grad III Tumor. Diese Tumore entstehen meist im mittleren Alter (50-60 Jahre) aus Stützzellen des Gehirns und können überall im Gehirn auftreten.
Symptomatik
Diese schnellwachsenden Tumore stören das umliegende Hirngewebe und dessen normale Funktionen. Dadurch können, je nach Lokalisation des Tumors im Gehirn, unterschiedliche Beschwerden entstehen; so wird zum Beispiel ein Tumor in der Nähe zum Sprachzentrum zu Sprachproblemen, ein Tumor neben dem Bewegungszentrum jedoch zu Kraftverlust führen. Zudem können eher unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Bewusstseinsveränderung, Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit, Übelkeit und Erbrechen auftreten.
Behandlung
Chirurgie verbessert die Prognose
Der erste und wichtigste Schritt in der Behandlung ist die chirurgische Entfernung des Tumors (Resektion). Die radikale Entfernung des Tumors unter konsequenter Schonung des gesunden Gehirns führt zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose. Ist ein Tumor nicht entfernbar, so empfiehlt es sich, die Diagnose durch eine Biopsie zu sichern. Die Planung der Operation beginnt mit der genauen Darstellung des Tumors mittels MRI. Die Funktionen der benachbarten Hirnareale werden bestimmt, um das Vorgehen während der Operation zu optimieren. Das funktionelle MRI (fMRI) kann dabei wertvolle Informationen zur Lokalisation der Sprachfunktion und der Bewegungszentren liefern. MRI-basiertes Fibertracking zeigt zudem den genauen Verlauf wichtiger Nervenbahnen in der Tiefe des Gehirns auf.
Operation: Sicherheit durch Kontrolle
Diese Tumore infiltrieren das umliegende Gewebe und sind vor allem im Randbereich während der Operation kaum von gesundem Hirngewebe zu unterscheiden. Hier kommt die Neuronavigation zum Einsatz: Als intraoperatives «GPS» weist sie während der Operation den Weg, wobei das präoperativ durchgeführte MRI das individuelle «Kartenmaterial» liefert. Mit der moderne Technologie der Blaulichtfluoreszenz-Technik (5-ALA) kann der Tumor zudem im Randbereich zuverlässig identifiziert und entfernt werden.
Was kommt nach der Operation?
Maligne Gliome wachsen infiltrativ: Einzelne Tumorzellen haben den sichtbaren Tumoranteil verlassen, sind in das gesunde Hirngewebe eingedrungen und können auch durch eine radikale Tumorresektion nicht vollständig entfernt werden. Zur Bekämpfung dieser Zellen ist der Einsatz nicht-chirurgischer Nachbehandlungen sinnvoll. Der kombinierte Einsatz von Bestrahlung und Chemotherapie nach der Operation verbessert die Prognose zusätzlich. Nach der endgültigen feingeweblichen (histologischen) Beurteilung des entfernten Gewebes erarbeitet deshalb ein erfahrenes Spezialistenteam aus Neurochirurgen, Neuroonkologen, Radioonkologen und medizinischen Onkologen an der wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenz des Inselspitals den individuellen Therapieplan.
...und wenn der Tumor wiederkommt?
Chirurgie, Chemo- und Radiotherapie können den Tumor zwar zurückdrängen und dadurch das Überleben verlängern, trotzdem kann der Tumor nach Monaten oder Jahren wiederkommen (Rezidiv). Aus diesem Grund werden auch nach abgeschlossener Therapie regelmässige Kontrolluntersuchungen des Gehirns mittels MRI vorgenommen. Im Falle eines Rezidivs können so frühzeitig Therapieoptionen besprochen werden. Sowohl eine erneute Resektion wie auch moderne Wirkstoffe wie Avastin stehen für den Fall eines Rezidivs zum Einsatz bereit.
Erfahrungen am Inselspital
Die Neurochirurgie des Inselspitals ist auf dem Gebiet der Operationssicherheit führend. Um das Risiko eines bleibenden neurologischen Funktionsausfalles weiter zu vermindern, werden wichtige Funktionen des Gehirns während der Operation überwacht. Die Art der Überwachung wird individuell unter Berücksichtigung der benachbarten Hirnfunktionen festgelegt. Unter «Low Threshold Mapping» versteht man die vom Inselspital etablierte Kontrolle der Kraft während der Operation; sie trägt wesentlich zur Vermeidung von Lähmungen durch die Operation bei und erlaubt die sichere Entfernung von Tumoren auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Bewegungszentren und den Kraftbahnen. Sprachverständnis und Sehen können im Schlafzustand nicht kontrolliert werden. Um auch diese Funktionen des Gehirns während der Operation kontrollieren und schonen zu können, werden betroffene Patienten am Inselspital in einem speziellen Protokoll operiert: Während der Operation sind sie zeitweise wach und führen gemeinsam mit Neuropsychologen Tests durch. Dadurch tragen sie wesentlich zur schonenden und gleichzeitig möglichst radikalen Entfernung des Tumors bei.
Dank dem kombinierten Einsatz dieser einzelnen Technologien ist die Rate erfolgreicher radikaler Tumorentfernungen an der Klinik für Neurochirurgie des Inselspitals erwiesenermassen eine der höchsten weltweit.