Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03540.jsonl.gz/712

Das Osterfest ist gerade vorbei, da steht es schon wieder vor der Tür. Das kann nicht sein? Doch! Viele Christen feiern Ostern erst dieses Wochenende – die Orthodoxen. Die orthodoxe Kirche ist nach der katholischen und der evangelischen die drittgrößte christliche Glaubensgemeinschaft (Konfession).
Was ist die orthodoxe Kirche?
Die meisten Christen sind katholisch oder evangelisch getauft. In Russland, Griechenland und einigen anderen Ländern gehören sie aber überwiegend einer anderen Konfession an: Sie sind orthodox. Im Jahr 1054 trennten sich die orthodoxe und die römisch-katholische Kirche. Dafür gab es verschiedene Gründe: unterschiedliche Meinungen in Glaubensfragen, kulturelle Verschiedenheiten, Machtfragen und Politik.
Was unterscheidet die beiden Konfessionen heute?
Für die katholischen Christen gibt es ein Zentrum, Rom, und ein Oberhaupt, den Papst. Die Orthodoxen erkennen den Papst nicht als höchste Autorität an. Stattdessen stehen bei ihnen die sogenannten Patriarchen an der Spitze, die in bedeutenden Städten wie Istanbul oder Moskau sitzen.
Orthodoxe Kirchen sehen von innen ganz anders aus als die meisten evangelischen und katholischen Kirchen. Man findet in orthodoxen Kirchen viele goldverzierte Bilder von Heiligen oder Jesus. Diese Bilder nennt man Ikonen.
Was ist anders am orthodoxen Ostern?
Die Orthodoxen feiern Ostern oft an einem anderen Wochenende als die anderen Kirchen. Das liegt daran, dass sie sich bei ihren Festen an einem anderen Kalender orientieren: nicht am Gregorianischen, sondern am (älteren) Julianischen Kalender. Da das Jahr hier einige Tage später beginnt, verschieben sich auch die Feste.
Ostern wird in der orthodoxen Kirche viel größer gefeiert als Weihnachten. Meist verbringen die Leute Ostern bei ihren Familien. Orte, in denen ansonsten nur noch wenige Menschen wohnen, können dann richtig voll werden. Sieben Wochen vor Ostern beginnt die Fastenzeit. Wer mitfastet, verzichtet auf Fisch, Fleisch und Milchprodukte. In der Karwoche (der Woche vor Ostern) wird noch strenger gefastet. Manche verzichten ab Gründonnerstag zum Beispiel auf Öl. Viele fasten auch nur in der Karwoche – und einige machen überhaupt nicht mit.
Wie läuft die Karwoche ab?
In der Karwoche gibt es täglich Gottesdienste. Sie sind in der orthodoxen Kirche übrigens sehr lang. Vor allem an Gründonnerstag: Da dauert die Messe etwa vier Stunden. Es stört aber niemanden, wenn man später kommt oder zwischendurch rausgeht.
Vor Ostern gibt es in der Kirche verschiedene Rituale. An Gründonnerstag wird die Kreuzigung Jesu nachgestellt. Das Licht wird gelöscht und ein Kreuz durch die Kirche getragen. An Karfreitag wird bei einer Prozession der sogenannte „Epitaphios“ durch die Straßen getragen. Er soll das Grab Jesu darstellen.
An Karsamstag wird es dann in einigen Gemeinden laut: Alle klopfen auf Kirchenbänke, um an das Erdbeben vor der Auferstehung Jesu zu erinnern. In der Nacht geht es noch einmal in die Kirche. Um Mitternacht werden Osterkerzen angezündet und der Priester verkündet: „Christos anesti“ – Jesus ist auferstanden. Manchmal gibt es Feuerwerk.
Auch wenn der Gottesdienst damit nicht zu Ende ist, gehen dann viele Familien zum Osteressen nach Hause. Was vor allem für Kinder nicht fehlen darf: das Aneinanderschlagen gefärbter Eier. Es ist ein Wettbewerb: Derjenige, dessen Ei heil bleibt, gewinnt.
Wir wünschen allen orthodoxen Glaubensmitgliedern frohe Ostern!
Autor
Redaktion SOgenda
Kategorie
- Gewusst, dass…
Publiziert am
Webcode
www.sogenda.ch/PXFSwa