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Süddeutschland (wohl Nürnberg), Mitte 16. Jahrhundert oder 1. Hälfte 17. Jahrhundert
Bronze
H. 12,4 cm (17,7 cm mit Sockel), L. 15 cm
Inv. 1904.2302.
Der weibliche Windhund steht beobachtend, den Blick leicht nach oben gewendet in gespannter Haltung. Die Beine sind leicht voneinander versetzt. Den Schwanz hat die Hündin zwischen den Beinen eingezogen. Fein und detailliert ist die Anatomie des schlanken, fast mageren Tieres gebildet; bemerkenswert ist das ausgewogene Verhältnis von genauer Beobachtung und Stilisierung. Der abnehmbare Kopf und der Rumpf sind hohl und dünnwandig gegossen. Die gesondert als Vollguss ausgeführten Beine sind sorgfältig an den Körper angesetzt. Auf der Oberfläche sind feinste Feilspuren zu erkennen, die Schnauzhaare sind eingraviert. Das Charakteristikum des abnehmbaren Kopfes verbindet den Basler Windhund im Bestand der Bronzestatuetten mit einem Rehbock im Bayerischen Nationalmuseum in München (Bange 1949, S. 37). Dieser wird von Bange um 1530 datiert und nach Nürnberg lokalisiert. Der der Länge nach aus zwei Hälften gefertigte Rehbock, wird von Bange als Guss nach einem Goldschmiedemodell bezeichnet, wohingegen Weihrauch die beiden Tiere als Modelle für danach zu fertigende silberne Trinkgefässe ansieht (Weihrauch 1967, S. 287). Beide Tierfiguren werden von Weihrauch um die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert und ebenfalls nach Nürnberg lokalisiert. Im Gefolge der Menagerie am Sebaldusgrab werden vielleicht etwas zu eilfertig die Schöpfer eines grossen Teils der bronzenen Tierplastik jener Zeit in Nürnberg vermutet.
Offensichtlich ist hingegen, dass sich der Künstler der Basler Statuette auf Albrecht Dürer bezieht, indem er den am linken Bildrand stehenden Windhund auf dessen Eustachius-Stich von ca. 1501 (B. 57) in der allgemeinen Anlage zitiert (s. Abb). Die Gruppe der fünf Windhunde auf dem Stich scheint zeitgenössische und spätere Künstler ganz besonders fasziniert zu haben. So kopiert ein oberitalienischer Künstler bereits um 1510 auf einer in den Florentiner Uffizien bewahrten Zeichnung jenen Windhund, der auch der Bronze zugrunde liegt (Schoch 2002b, S. 436). Den zweiten Windhund von links auf dem Eustachius-Stich treffen wir im Werk Hans Holbeins d. J. wieder, nämlich an prominenter Stelle in der Anbetung der Könige auf dem rechten Flügel des Oberried-Altars (Kat. Basel 2006, S. 249–256). Die Bewunderung für Dürers Werke hielt das ganze 16. Jahrhundert hindurch unvermindert an und erlebte um 1600 einen Kulminationspunkt. Damals wurden auf dem Gebiet der Malerei, Grafik und Bildhauerei, Dürer kopierend, zitierend oder geistreich variierend, Kunstwerke von besonders kostbarer und raffinierter Machart geschaffen. Es ist zu überlegen, ob die Basler Hundestatuette mit ihrer fein geglätteten Oberfläche und den sorgfältig herausgearbeiteten Details nicht ein Produkt dieser sogenannten Dürer-Renaissance ist. CK (Die grosse Kunstkammer 2011, S. 342-343).