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Wie die UEFA am Sonntagabend bekannt gegeben hat, wird ab der Saison 2021/22 ein neuer Europacup-Wettbewerb eingeführt. Dieser soll die Europa League attraktiver machen und kleineren Klubs die Chance geben, auch mal international zu spielen. Eine gute Idee oder der nächste Schritt in die Übersättigung des Fussballs? Wir fühlen der Sache auf den Zahn.
Die Fakten zum neuen Wettbewerb
Bevor wir zur Analyse kommen, ob der neue Wettbewerb wirklich sinnvoll ist, werfen wir einen Blick auf die Fakten: Der neue Europacup wird vorerst den Arbeitstitel «Europa League 2» tragen.
Es werden 32 Teams in 8 Gruppen à 4 Mannschaften eingeteilt. Die Gruppensieger erreichen die Achtelfinals direkt, die Zweiten spielen gegen die Gruppendritten der «normalen» Europa League um die übrigen 8 Plätze in der Runde der letzten 16.
Der Gewinner des neuen Wettbewerbs qualifiziert sich für die Europa League in der darauffolgenden Saison. Wie bei ihrem Namensvetter wird die Europa League 2 ihre Spiele jeweils am Donnerstag austragen.
Pro: Die «normale» Europa League wird attraktiver, ...
... denn sie wird von 48 auf 32 Teams reduziert. Gut ist das vor allem auch für Schweizer Mannschaften, die so eine grössere Chance auf einen längeren Verbleib im Turnier haben, weil weniger Stolpersteine im Turnier sind. Kleinere Klubs kriegen zudem mit der Europa League 2 eine bessere Chance, sich auch mal für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Vielleicht schafft es dann auch der FC Luzern endlich wieder einmal in die Gruppenphase eines Europacups.
Die Zahl aller Vereine in den Europapokal-Wettbewerben erhöht sich von 80 auf 96 Teams. Die Einführung soll speziell Vereinen aus kleineren Fussball-Verbänden die Möglichkeit geben, sich ein Stück vom prall gefüllten Geld-Kuchen des europäischen Klub-Fussballs zu sichern, was die nationalen Ligen langfristig auch ausgeglichener machen könnte.
Die Fans können sich auf eine Finalwoche der drei UEFA-Wettbewerbe freuen, alle Endspiele werden in der gleichen Woche ausgetragen. Am Mittwoch der neue Wettbewerb, am Donnerstag die Europa League und am Samstag die Champions League.
Contra: Es droht eine Wettbewerbsverzerrung, ...
... denn für Grossklubs ist der neue Wettbewerb ein Fluch. Beispiel Manchester United: Der umsatzstärkste Klub der Welt liegt in der Premier League aktuell nur auf Platz 7. Wäre heute nicht Anfang Dezember 2018, sondern Mitte Mai 2021, würde sich United womöglich mit der aktuellen Tabellenplatzierung für die Europa League 2 qualifizieren.
Im Vergleich zum milliardenschweren Honigtopf Champions League ist der neue Wettbewerb höchstens ein Himbeer-Joghurt. Darauf kann ein Klub wie ManUtd getrost verzichten, zumal die Red Devils sich unter der Woche wohl lieber eine Auszeit gönnen, statt 6000 Kilometer in den Osten Kasachstans zu reisen. Dann beendet United die Saison wahrscheinlich lieber auf Platz 8, verzichtet auf den Europacup und hat in der darauffolgenden Saison ohne Dreifach-Belastung wieder bessere Chancen auf einen Platz in den Top 4, der zur Königsklasse berechtigt.
Da sich die Anzahl der Europacup-Spiele am Donnerstag um 25 Prozent erhöht, wird es für die Spiele des neuen Wettbewerbs höchstwahrscheinlich ziemlich ungünstige Anspielzeiten geben. Einige Partien sollen bereits um 16:30 angepfiffen werden. Nicht nur für die Fans klingt das wie ein schlechter Scherz. Auch für die Klubs werden diese Anspielzeiten zu einer noch grösseren Hürde, um ihre Tickets für die ohnehin schon unattraktiven Partien zu verkaufen.
Fazit: Erinnerungen an den UI Cup werden wach
Wer mag sich noch an den UEFA Intertoto Cup erinnern? Der Wettbewerb, besser bekannt als UI Cup, wurde bis 2009 ausgetragen und dann abgeschafft, weil er schlicht nicht attraktiv genug war. Deshalb wurde er auch «Strohhalm-Cup» oder «Trost-Cup» genannt. Es ist fraglich, ob sich der neue Wettbewerb besser etablieren kann als der UI Cup.
Für Klubs aus kleineren Fussballverbänden wie dem SFV ist die neue Europa League 2 aber durchaus attraktiv. Vor allem für Vereine wie Thun, Xamax oder Lugano, für die eine Europacup-Saison ein seltenes Highlight ist. Für Klubs aus grösseren Ligen wird sie jedoch mehr Fluch als Segen sein. Zu gewinnen gibt es schliesslich, abgesehen von etwas Kleingeld, nicht mehr als eine unbedeutende Trophäe und ein Ticket für die «normale» Europa League.