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Der Sprachgebrauch im öffentlichen Raum von mehrsprachigen Städten steht im Zentrum dieses Dissertationsprojekts.
Die Daten werden nach einer Methode im Bereich der Linguistic-Landscape-Forschung erhoben. Untersucht werden zunächst drei Schweizer Städte, die sich an der Grenze zwischen den deutsch- und französischsprachigen Gebieten befinden und in denen sich die zwei grössten Sprachgemeinschaften der Schweiz in Kontakt befinden: Fribourg/Freiburg, Murten/Morat und Biel/Bienne. Diese drei Schweizer Städte sollen verglichen werden mit Aosta/Aoste und mit der Stadt Luxembourg/Lëtzebuerg/Luxemburg.
Gemeinsam haben diese Städte ihre Mehrsprachigkeit sowie die Präsenz des Französischen. Es gibt aber auch wichtige Unterschiede, namentlich in Bezug auf die Mehrheitsverhältnisse unter den Sprachgemeinschaften und auf die Sprachpolitik sowie auf die Bevölkerungszahlen.
Zudem wurden Daten in Aarau (als Beispiel einer einsprachigen Stadt) erhoben, die ebenfalls für Vergleiche zur Verfügung stehen werden.
Die untersuchten Stadtgebiete entsprechen jeweils den Gemeindegebieten innerhalb der aktuellen politischen Grenzen. Es werden also nicht ausschliesslich die urbanen Räume der Innenstädte betrachtet.
Vor Beginn der Datenerhebungen werden Strecken bestimmt, die wie ein Netz sämtliche Gebiete innerhalb der politischen Grenzen der untersuchten Gemeinden so regelmässig wie möglich abdecken sollen. Zur Datensammlung werden genau diese festgelegten Strecken begangen und dabei Schriften in möglichst gleichmässigen räumlichen Abständen fotografisch festgehalten. Die gleichmässige Verteilung der aufgenommenen Schriften ist das einzige Kriterium. Inhalte, Form oder Art der Schriften werden zunächst nicht berücksichtigt.
Diese Schriften – beispielsweise Strassen- oder Verkehrsschilder, aber auch Aushänge von Restaurants und Geschäften oder Werbeplakate – werden fotografiert und ihre Position mithilfe von Karten lokalisiert. Schriften, die sich in geringem Abstand zueinander befinden, werden als Analyseeinheiten betrachtet.
Sämtliche Analyseeinheiten werden kategorisiert, u.a. nach dem Kriterium der Ein- oder Mehrsprachigkeit, nach den enthaltenen Sprachen sowie nach ihrem Typ, das heisst top down für Einheiten, die von den Behörden erstellt wurden oder die mit dem öffentlichen Verkehr zusammenhängen und bottom up für inoffizielle oder private Einheiten.
Diese Daten werden zunächst die Grundlage sein für quantitative Analysen, wie beispielsweise Angaben zur Präsenz von ein- und mehrsprachigen Schriften (insbesondere auch in Bezug auf die Typen top down und bottom up) sowie zur Präsenz der betreffenden Sprachen.
Ein zweiter Teil der Untersuchungen soll dem qualitativen Ansatz gewidmet sein. Eine Auswahl von Einheiten wird in Bezug auf die grafische Darstellung der Mehrsprachigkeit und die Rolle der Übersetzung (oder ihrer Abwesenheit) betrachtet. Es sollen mögliche typische grafische Lösungen oder Übersetzungsstrategien im Kontext der mehrsprachigen Linguistic Landscape hervorgehoben werden.
Die Resultate der Untersuchungen werden zunächst getrennt nach den ausgewählten Städten vorgestellt und sollen in einem zweiten Schritt verglichen werden. Wir werden uns mit der Frage befassen, inwiefern sich der Kontakt der Sprachen in der Linguistic Landscape in den fünf mehrsprachigen Städten unterscheidet. Hier soll schliesslich auch die Frage nach der Kennzeichnung von Minderheiten- und Mehrheitssprachen in der geschriebenen Sprache im öffentlichen Raum behandelt werden.