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Wohl gegen Ende der 1970er Jahre habe ich die Schallplatte «Ein neues Lied…» zum ersten Mal gehört. Darauf setzen sich Andreas Vollenweider und Orlando Valentini als Musiker sowie René Bardet als Rezitator mit Texten von Heinrich Heine auseinander. Eine Nummer heisst: «Aber ach! Jeder Zoll». Die Wendung bezieht sich auf Heines Seufzer auf dem Schlachtfeld von Marengo: «Aber ach! jeder Zoll, den die Menschheit weiterrückt, kostet Ströme Blutes; und ist das nicht etwas zu teuer? Ist das Leben des Individuums nicht vielleicht ebensoviel wert wie das des ganzen Geschlechtes?» Doch, antwortet er selber, denn jeder für sich «ist schon eine Welt, die mit ihm geboren wird und mit ihm stirbt, unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.» Dieser Gedanke hat mich seither begleitet und mit den Jahren wurde mir klar, dass das auch heisst, dass in jedem lebenden Menschen eine Weltgeschichte heranwächst. Ein starker Grund, Menschen mit ihren Geschichten ernst zu nehmen und ihnen zuzuhören, wenn sie erzählen mögen. So bin ich als Journalist aufs Porträt gekommen.
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• Ab 1982 verfasste ich für die WoZ als Reporter Sozialreportagen, die ins Zentrum eine mündliche Quelle stellten und damit auch als Porträt gelesen werden konnten. Im 1995 erschienenen Sammelband «Mit beiden Beinen im Boden» finden sich vor allem in den Teilen II und IV solche Texte.
• Parallel dazu porträtierte ich immer wieder Kulturschaffende, insbesondere SchriftstellerInnen, in den ersten Jahren vor allem literarisch schreibende Männer meiner Generation. Von ihnen habe ich im Gespräch massgeblich gelernt, dass meine Schreibposition im Grenzgebiet zwischen Journalismus und Literatur liegt.
• Zwischen 2003 und 2014 habe ich regelmässig Berufsporträts geschrieben. Die meisten für die Zeitung der Gewerkschaft Unia, Work. Formal war hier der Rahmen eng gesteckt (jeweils 6000 Zeichen mit Leerschlägen inkl. Personenkasten), und der Anspruch der Redaktion, «linken Boulevard» zu produzieren, führte manchmal zu grösseren redaktionellen Eingriffen. Die hier präsentierten Fassungen übernehmen diese Eingriffe nur dort, wo sie mich bei der Bearbeitung für die Textwerkstatt als Verbesserungen überzeugt haben. Die Texte stimmen deshalb oft nicht wörtlich mit den Druckversionen überein.
• Um 2009 stellte ich mir die Aufgabe, die Form der porträtzentrierten Sozialreportage weiterzuentwickeln und die soziale Realität von mehreren GesprächspartnerInnen à fond aufzuarbeiten und darzustellen. Entstanden sind vier Texte à plusminus 100'000 Zeichen, die im Band «Alles bestens, Herr Grütter» (2012) versammelt sind.
• Schliesslich wurde im Mai 2011 der Bericht zu einer bevorstehenden Ausstellung von Lilly Keller (1929-2018) im Kunsthaus Grenchen zum Ausgangspunkt für eine mehrjährige Zusammenarbeit mit der Künstlerin. Die in Gesprächen erarbeitete Darstellung von Leben und Werk erschien 2015: «Lilly Keller Künstlerin». (Der Buchtext samt mehreren verlinkten journalistischen Texten zum Thema finden sich im Archiv unter «Zeitgeschichtliches / Dossiers Kulturpolitisches»)
(8.2.2019)