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„Je länger man ihm zuhörte, desto klarer wurde einem, dass diese Unfähigkeit, sich auszudrücken, aufs engste mit einer Unfähigkeit zu denken verknüpft war, und das heisst: vom Gesichtspunkt eines anderen Menschen aus zu denken. Verständigung mit Eichmann war unmöglich – nicht weil er log, sondern wil ihn der denkbar zuverlässigste Schutzwall gegen die Worte und Gegenwart anderer, und daher gegen die Wirklichkeit selbst umgab: absolute Phantasielosigkeit.“ (Hannah Arendt: Adolf Eichmann. Von der Banalität des Bösen, in: Merkur Nr. 186, August 1963)
Man könnte Hannah Arendts berühmten Bericht über den Eichmann-Prozesses als philosophisches Psychogramm eines Massenmörders bezeichnen. Sie beschrieb weniger die Taten als vielmehr die Person des Beschuldigten als radikale und zutiefst verstörende Herausforderung an die Vorstellung vom Menschen und der menschlichen Gesellschaft. Mit dieser Herausforderung fertig zu werden, war erst recht schwierig, da hier offenkundig kein dämonisches Monster, sondern ein höchst durchschnittlicher Spiesser zur Rechenschaft zu ziehen war.
Die zitierte Passage spiegelt einerseits diese abgrundtiefe Irritation, und sie gibt sich andererseits mit dem letzten Wort selbst eine überraschende Antwort: Eine totale Phantasielosigkeit ist es, was Eichmann überhaupt erst zum Massenmörder gemacht und ihm dann ermöglicht hat, als Massenmörder seine spiessige Normalität aufrecht zu erhalten.
Phantasie im Sinne von Vorstellungskraft (Imagination) taucht hier unvermittelt als Schlüsselwort auf für alles, was menschlich ist: Zuwendung, Offenheit, Verstehen, Einfühlung, Anteilnahme, Mitleid.