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Jérôme Kuhn ist seit Anfang Dezember künstlerischer Leiter der Neuen Oper Freiburg. Er folgt auf seinen Freund Julien Chavaz, mit dem er einst die Opéra Louise aufbaute. Kuhn setzt auf Kontinuität. Er kann sich aber vorstellen, das Repertoire der NOF zu erweitern.
«Dass ich Juliens Nachfolger werde, war überhaupt nicht geplant», sagt Jérôme Kuhn. Seit Anfang Dezember ist er künstlerischer Leiter der Neuen Oper Freiburg (NOF). Er ist damit Nachfolger von Julien Chavaz, der Generalintendant am Theater Magdeburg wurde. Kuhn und Chavaz kennen sich gut: Einst gründeten sie zusammen die Opéra Louise. Diese fusionierte 2017 mit der Oper Freiburg zur Neuen Oper Freiburg. «Julien leistete eine riesige Arbeit», sagt Jérôme Kuhn. «Er leitete die NOF künstlerisch, war aber auch für die Administration zuständig. Eine Stelle mit dieser Doppelbelastung war für mich unvorstellbar.» Stattdessen sollten drei Frauen aus dem Team der NOF die Nachfolge von Chavaz übernehmen. Doch das Trio zog sich noch vor Amtsantritt zurück. Der Stiftungsrat der NOF reagierte: Zuerst engagierte er Leandro Suarez als Geschäftsführer. Anschliessend suchte der Stiftungsrat einen künstlerischen Leiter oder eine künstlerische Leiterin. «Diese Stelle ohne administrative Verantwortung konnte ich mir gut vorstellen.»
Am Anfang war das Theater
Jérôme Kuhn wuchs in Villars-sur-Glâne auf. Als Kind und Jugendlicher spielte er viel Klavier, war aber auch ein talentierter Fussballspieler. «Als Jugendlicher musste ich mich irgendwann entscheiden und setzte ganz auf die Musik.» Nach der Matura erwarb er an der Musikhochschule Freiburg das Diplom für Klavierunterricht und liess sich zum Gymnasiallehrer ausbilden. Nach einigen Erfahrungen als Klavierlehrer unterrichtet er seit einigen Jahren Musik am Kollegium Heilig Kreuz in Freiburg:
Ich schätze es, wenn ich mich mit dem Komponisten unterhalten kann.
Zur Oper kam er erst über das Ausprobieren: «Julien und ich spielten viele Jahre Theater. Und beide organisierten wir gerne. Deshalb sagte ich irgendwann zu ihm: Wir haben in unserem Freundeskreis talentierte Sängerinnen und Sänger. Wir könnten uns an einer Oper versuchen.» Daraus entstand die Inszenierung von Jacques Offenbachs «Monsieur Choufleuri restera chez lui le…», welche im Fri-Son aufgeführt wurde.
Aus diesem Projekt entwickelte sich die Opéra Louise. Weitere Inszenierungen folgten unter anderem in der Cardinal-Brauerei und dem Kraftwerk Magerau. Nach der Fusion zur NOF dirigierte Kuhn regelmässig Inszenierungen, war aber nur einer von verschiedenen Dirigenten. «Die NOF setzte von Anfang an auf verschiedene Dirigenten und Regisseure.»
Mehrere Standbeine
Neben der Oper und dem Schulunterricht hatte Kuhn noch weitere Standbeine: Seit 2017 dirigiert er das Ensemble Vocal Villars-sur-Glâne. Ausserdem arbeitete er mit verschiedenen Orchestern und produzierte Musik für Film und Werbung. «Das sind Gegensätze, die sich befruchten: Mache ich Filmmusik im Studio, stehe ich unter Druck und muss schnell Lösungen finden. Davon profitiere ich auch in der Chormusik oder im Orchestergraben.» Auch stilistisch lässt sich Kuhn nicht gerne festlegen:
Es kann sein, dass man im Equilibre künftig einmal eine Oper von Wagner oder Verdi sieht.
Er habe sicher eine Vorliebe für moderne und zeitgenössische Musik: «Ich schätze es, wenn ich mich mit den Komponisten unterhalten kann.» Als er für die NOF «The Importance of Being Earnest» erarbeitete, besuchte er Komponist Gerald Barry in Dublin. «Wir diskutierten einen ganzen Tag lang über das Stück.» Neben der modernen Musik möge er aber auch das Repertoire des 19. Jahrhunderts oder die Barockmusik.
Nischen als Stärken
Als künstlerischer Leiter der NOF setzt er auf Kontinuität. «Ich will die Arbeit von Julien weiterführen.» Die NOF habe sich erfolgreich einen Platz zwischen den grossen Opernhäusern in Bern und Lausanne erkämpft. «Diesen Platz will ich verteidigen.» Basis des Erfolgs seien spezielle Produktionen wie «The Importance of Being Earnest» oder «Der goldene Drachen», die nicht jedes Opernhaus auf dem Spielplan habe. «Es kann aber durchaus sein, dass man künftig im Equilibre auch einmal eine Oper von Wagner, Verdi oder auch Bizets ‹Carmen› sieht.»