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Sein Blick ging ins Leere, die Gesichtszüge waren entspannt, aus seinem Gesicht war nichts zu lesen, als er nach diesem dritten Satz gegen den Briten Cameron, den er mit 5:7 verloren hatte, auf seiner Bank sass: War Roger Federer beunruhigt? Stellte er sich die Frage, ob ihm das passieren könnte, was ihm vor drei Jahren gegen Kevin Anderson widerfahren war, als er eine 2:0-Satzführung noch verspielt hatte?
Oder machte er sich Sorgen, ob seine Knie, die er in den letzten Jahren drei Mal hatte operieren lassen müssen (1 Mal das linke, 2 Mal das rechte) halten würden?
Nichts davon, sagte Federer, nachdem er sich mit einem 6:4, 6:4, 5:7, 6:4 zum 18. Mal für die Wimbledon-Achtelfinals qualifizierte hatte. Dort trifft er am Montag auf den Italiener Lorenzo Sonego (26, ATP 27), der auf Rasen schon einen Titel, aber weniger Matches (13) gewonnen hat als Federer Titel (19), und gegen den er sich 2019 in der ersten Runde der French Open ohne Satzverlust durchgesetzt hatte.
Federer sagte: «Ich war innerlich leer, hatte keine Gedanken. Ich spürte die Ruhe und Gelassenheit und sah das grosse Bild. Vielleicht war es das erste Mal, dass ich mich so fühlte – mit mir im Reinen.» Unabhängig davon, dass er den dritten Satz verloren hatte. So wolle er sich fühlen – mit Klarheit im Kopf, ohne störende Gedanken.
Federer war mit vielen Fragezeichen ins Turnier gestartet, nun sagte er: «Wenn man wenig spielt und es nicht so läuft, wie man erwartet, beginnt sich jeder zu hinterfragen. Du nimmst dann jeden Punkt zu ernst. Man grübelt beim Seitenwechsel, statt dass man sich entspannt. Diese Zweifel kann man nur mit Siegen wegspielen. Deshalb bin ich sehr zufrieden, wie ich heute agiert habe. Die Ruhe, die ich gespürt und ausgestrahlt habe, war für mich eminent wichtig. Ich fühlte mich heute komplett anders als noch in der ersten Runde.» Dort war er mit 1:2 Sätzen hinten gelegen und hatte von der Aufgabe Adrian Mannarinos profitiert, der sich verletzt hatte.
Das Erreichen der zweiten Turnierwoche hatte Federer im Vorfeld als Minimalziel formuliert, nun sprach der achtfache Sieger (2003 bis 2007, 2009, 2012 und 2017) erstmals sogar vom Turniersieg, als er sagte: «Man kann Wimbledon nicht in der ersten Woche gewinnen, aber verlieren.» Er sei glücklich, wie er durchgekommen sei. «Ich fühle mich mental und körperlich gut.» Gedanken an seine Knie blendet er aus. «Natürlich horche ich zwischendurch in mein Knie rein.» Aber er habe abgemacht, dass ihn sein Team nicht mehr danach frage, wie es dem Knie gehe, «oder der Schulter, oder dem Rücken...» Roger Federer setzt die Scheuklappen auf.
Den spielfreien Sonntag verbringt er mit Training, mit – die Familie konnte ihn nicht nach Wimbledon begleiten – und mit Jassen mit Physiotherapeut Daniel Troxler und den Severin Lüthi und Ivan Ljubicic. Der Kroate habe das Jassen inzwischen gelernt. Statt in einem Mietshaus wohnt er in diesem Jahr in einem eine Autostunde entfernten Hotel in der Stadt und beschränkt seine Kontakte auf ein absolutes Minimum. Das Schlimmste wäre, wie die Britin Johanna Konta auszuscheiden, weil er enge Kontakte zu jemand positiv Getesteten gehabt hätte. «Deshalb bin ich im Auto alleine unterwegs, und im Team sind wir extrem vorsichtig.»