Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/2754

Fronleichnam (französisch: fête du Corpus Christi, italienisch: Corpus Domini oder Corpus Christi) ist ein ausschliesslich katholisches Fest und wird daher lediglich in einigen Teilen der Schweiz gefeiert. Den Rang eines Feiertags nimmt das Fest in Appenzell Innerrhoden, Jura, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Tessin, Uri, Wallis und Zug ein. Hinzu kommen jedoch noch einige Gemeinden in anderen Kantonen. Das Datum orientiert sich an Ostern und Pfingsten und fällt auf den ersten Donnerstag nach Pfingstsonntag bzw. den 60. Tag nach Ostersonntag.
Fronleichnamsprozession: Präsentation der Hostie in einer eigens zu diesem Zweck geschaffenen Monstranz
Auf welcher Tradition basiert Fronleichnam?
Die Tradition von Fronleichnam lässt sich nicht auf die Bibel zurückführen. Auch der Ursprung ist eher jüngeren Datums und geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Die „Vorarbeit“ leistete das Dogma der Transsubstantiationslehre, die die gewandelte Hostie und den Wein als wahrhaften Leib und Blut Christi dominierte. Nachdem dies im Rahmen des vierten Laterankonzils 1215 festgelegt wurde, feierte man das Fest des leiblichen Vorhandenseins Christi während der Eucharistiefeier erstmals 1246 im Bistum Lüttich. Papst Urban IV. verankerte den Feiertag durch eine Bulle in der gesamten katholischen Welt und Papst Johannes XXII. bestimmte den Donnerstag nach Pfingsten als Datum.
Seit den 1960er Jahren wird Fronleichnam offiziell „Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi“ (Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi) genannt. Der aus dem Mittelhochdeutschen stammende Name trägt dem Rechnung und beinhaltet die Wörter „fron“ (dem Herrn zugehörig) und „leichnam“ (von lîcham = Leib).
Seine langjährige politische Bedeutung zog Fronleichnam durch die extreme Ablehnung durch Martin Luther. Diese verurteilten den Brauch in einer Schrift aus dem Jahr 1530 auf das Empfindlichste, sodass die Katholiken bald einen Weg fanden, um die Macht der Gegenreformation zu demonstrieren. Aus diesem Wunsch heraus wurden auch die zuvor nur vereinzelt stattfindenden Fronleichnamsprozessionen deutlich populärer. Vor allem das Konzil von Triest (1545-1563) förderte diese bis heute gepflegte Tradition.
Welche Bräuche kennzeichnen Fronleichnam in der Schweiz?
Die katholische Messe an Fronleichnam ist meist ein Hochamt und wird daher in besonderer Pracht zelebriert. Es folgt vielfach die Fronleichnamsprozession mit dem Präsentieren einer Hostie (des Allerheiligsten) in einer eigens zu diesem Zweck geschaffenen Monstranz. Hinzu kommt ein prunkvoller Baldachin, der den Himmel symbolisieren soll und die Monstranz vor Regen und Sonne schützt.
Für die Fronleichnamsprozession wird die Kirche verlassen und die Gemeinde zieht unter Gebeten und Gesängen durch die Strassen bzw. über die Felder. Besonders bekannt ist die Prozession von Erschmatt, einem Ortsteil von Leuk im Kanton Wallis.In Appenzell wird Fronleichnam als „Öse Herrgottstaag“ bezeichnet und geht mit Aufmärschen in der traditionellen Tracht einher. Besonders die Frauen prägen mit dem charakteristischen „Fältlirock“ das Bild, doch auch die anderen Teilnehmer tragen spezielle, meist historische, Kleidung. Im Lötschental sind es die Herrgottsgrenadiere, die in vielen Ortschaften mit ihren roten Uniformen aufmarschieren.