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Aus der Königinnen-Trilogie Donizettis wollte es das Opernhaus Zürich wieder einmal mit „Maria Stuarda“ versuchen. Die Stimmen verzauberten, die Inszenierung weniger.
Die drei könglichen Heroinen „Anna Bolena“, „Maria Stuarda“ und „Roberto Devereux“ stammen aus der mittleren und späten Schaffensphase des Vielschreibers Gaetano Donizetti (1797-1848) und sind unauslöschlich mit Edita Gruberovas phänomenaler Gestaltung verbunden. Obwohl sie die Maria Stuarda in Zürich nie sang (es waren Maria Chiara und Adriana Maliponte (1984/85, beide unter Nello Santi) und Carmen Oprisanu (2002 unter Marcello Viotti), ist die Gruberova bis in die jüngsten Tage unübertroffen mit ihren ausufernden Pianissimi und den Silberfäden, mit denen sie die ausschwingenden Kantilenen verwob. Es braucht demnach für die beiden Kontrahentinnen - Maria, Köngin von Schottland, wie für die Elisabetta I., Königin von England - zwei Ausnahmekönnerinnen, die man in der Zürcher Neuinszenierung mit Diana Damrau und Serena Farnocchia auf hohem Niveau zu besetzen wusste. Allerhöchsten Ansprüchen konnten sie aber nicht ganz genügen.
Es wäre aber unfair, der Jahrhundertstimme Gruberova nachzutrauern. Für Diana Damrau war es ein Rollendebut, und dass das Publikum sie wie eine Königin feierte und von ihr selbst nach dem Schlussvorhang eine Bewährungslast abzufallen schien, zeigte ihre freudige Ausgelassenheit beim Schlussapplaus. In der Italienerin Serena Farnocchia hatte sie eine erfahrene, ebenbürtige Rivalin, und man darf davon ausgehen, dass die beiden in den folgenden Vorstellungen noch über sich hinauswachsen werden.
Auch David Alden, dem erfolgreichen amerikanischen Regisseur, gegenüber wäre es etwas unfair, seine Inszenierung in den Orkus zu wünschen, denn der Handlungsstrang der Oper verlangt einen ständigen Szenenwechsel, den man auf offener Bühne nur mit Kompromissen bewältigen kann. Kommt noch hinzu, dass er immer wieder eine grosse Chorschaft in den szenischen Ablauf einbinden muss. Dennoch: seit Verdis „Nabucco“ sinken die Choristen bei jedem Klageruf und Gebet in die Knie und robben händeringend an die Rampe. Diese billige emotionale Anbiederung muss ich nicht mehr haben. Und dass sich Maria Stuart zur Hinrichtung auf den Souffleurkasten legen muss, während der Scharfrichter mit der Axt ausholt, beraubt die Szene doch ihrer Glaubwürdigkeit. Und was soll die dilettantische Fechtszene? „Ich schwanke zwischen verschiedenen Realitäten, wenn ich inszeniere“, meint Alden im Programmheft dazu. Ja, der Schwank war teilweise sehr nahe.
Die erlesenen Roben und Kostüme sind von Gideon Davey, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet. Dass er als Engländer allerdings ein zerzaustes, struppiges Stück Garten über einen mit Kreuzquadern übersäten Parkettboden verschieben lässt, zeigt eine schwer zu goutierende Hilflosigkeit. Hinzu gesellt sich noch eine überdimensionierte Pferdeskulptur, die königlichen Glanz implizieren soll, was einen eher belustigt und an den Ausruf Richard III. erinnert: „Ein Königreich für ein Pferd!“
Das Schlimmste an dieser „Tragedia lirica“ ist aber das Libretto des gerade mal 19-jährigen Giuseppe Bardari. Es bezieht sich auf die Vorlage Schillers, ist aber intellektuell dermassen bieder und mit einer absehbaren Zuckerguss-Geschichte des Grafen Leicester (Pavol Breslik gab ihn etwas stentorhaft, weil leicht indisponiert), dass man sie nur den Zeitumständen geschuldet verzeihen kann.
Enrique Mazzola ist die musikalisch treibende und unermüdlich pulsierende Kraft am Dirigentenpult und die Philharmonia Zürich folgt ihm willig, wenn auch immer wieder eine Spur zu pausbäckig und rasch zu laut, was Solisten und Chor (Ernst Raffelsberger mit gewohnt zuverlässiger Einstudierung) zum Forcieren zwingt. In Nebenrollen ergänzen sich Nicolas Testé (Talbot), Andrzej Filonczyk (Cecil) und Hamida Kristofferson (Anna Kennedy) eindrücklich zu einem Fest der Stimmen, das letztlich dem Belcanto huldigt und die Kritikastereinwände verblassen lässt.
Weitere Vorstellungen: April 11, 14, 17, 20, 26, 29, Mai 2, 5, 9, 12