Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03467.jsonl.gz/261

Um die Jahre 1865/1870 kam der nachmalige Firmengründer Franz Zürcher als Pflasterjunge nach Zürich. Durch Fleiss und Ausdauer bildete sich der junge Gehilfe zum Maurer. Mit seinem Berufskollegen Franco Zanini, einem italienischen Maurer, ging er anno dazumal auf Wanderschaft, die sogenannte Walz. Die beiden Maurer suchten sich von Ort zu Ort Arbeit, blieben einige Wochen oder Monate, und zogen weiter.
Das Schicksal führte sie nach Einsiedeln und Trachslau, wo die dortige Viertelskirche im Bau war. Das war in den Jahren 1876 bis 1880. Wie es sich so ergeben kann, verliebte sich der junge Maurer in ein Trachslauermädchen: Franz Zürcher verheiratete sich mit Magdalena Bisig aus Trachslau und gründete eine eigene Familie – wie 1881 auch eine eigene Firma: Dies unter dem Namen Franz Zürcher, Maurer und Hafnergeschäft Trachslau.
Hauptsitz und Filialbetrieb
Der jungen Ehe entsprossen drei Söhne und drei Töchter. Wohn- und Geschäftssitz war das Moos in Trachslau. Als die drei Söhne zu jungen Maurern und Hafnern herangewachsen waren, weitete sich der Geschäftskreis aus, einerseits nach Einsiedeln, Alpthal, Unteriberg, Oberiberg, Schindellegi und Feusisberg, anderseits nach Ägeri, Rothenthurm, Sattel und Steinen. Der Sommer war ausgefüllt mit Arbeit an Häusern und Ställen. Im Winter verlagerte sich die Arbeit auf Ofensetzen, Kaminbau und Kaminfegerarbeiten.
Dank guter, genauer und solider Arbeit vergrößerte sich der Kundenkreis zusehends. Der Zeitaufwand für den Weg zum Arbeitsplatz wurde jedoch zu groß, und so gründete Franz Zürcher zusammen mit seinem Sohn Franz in Steinen eine Filiale; die Söhne Alois und Josef blieben in Trachslau.
Im Sommer 1914 verehelichte sich Alois Zürcher mit der aus Oberiberg stammenden Josefina Trütsch. Ab diesem Zeitpunkt übernahm er auch das Geschäft des Vaters. Er führte dies unter dem Namen Alois Zürcher, Maurer und Hafnergeschäft weiter. Die Familie vergrößerte sich mit vier Söhnen und einer Tochter. In Trachslau wurde es jedoch langsam zu eng, da sich die Arbeiten immer mehr in das Dorf Einsiedeln verlagerten.
Im Jahre 1920 kaufte Alois Zürcher an der damaligen Langrüti am Bach das alte Haus „Gächdach“; man riss dieses bis auf die Grundmauern nieder und erstellte ein neues Dreifamilienhaus. Dies an der späteren Wänibachstr. 14, wo sich heute noch Büro und Werkhof befindet.
Mit einem kleinen Magazin war man in der Nähe des Chärnehus eingemietet. 1930 konnte Alois Zürcher auf der Mühlematte von Ferno Kälin (ehemals Pilgerhof) ein Grundstück erwerben. Auf diesem baute man 1931 / 1932 ein eigenes Magazin.
Ausweitung des Einzugsgebietes
Die Arbeitsaufträge erhöhten sich zusehends. Die Belegschaft des Unternehmens rekrutierte sich hauptsächlich aus der eigenen Verwandtschaft und dem Bekanntenkreis von Dorf und Land. Doch nicht genug: Man musste schon damals Ausschau nach Saisonniers halten. Man fand sie in Österreich und Südtirol.
Vater Alois wagte sich mit den Jahren an immer größere Arbeiten heran. Zu jener Zeit auch noch mit einem kleinen Maschinenpark. So erstellte man 1932 auf der Ibergeregg das erste Passrestaurant und Hotel. Interessant nachzuvollziehen ist der damalige Arbeitsablauf: Am Montagmorgen belud man in aller Frühe einen der ersten Lastwagen des Klosterdorfes Einsiedeln mit Baumaterial und Velos und fuhr die Belegschaft auf die Ibergeregg. Bis am Samstagabend wurde durchgearbeitet. Übernachtet und verpflegt wurde in einer Alphütte. Am Samstagabend radelte die Belegschaft mit dem Velo nach Einsiedeln, wo anschließend noch das Material für den Montag präpariert werden musste. Sonntags war nach dem Pfarrgottesdienst Zahltag – in der Stube des Firmeninhabers! Somit musste von Samstag auf Sonntag der Wochenzahltag jedes einzelnen Arbeiters ausgerechnet werden, damit am Sonntag dann auch alle zufrieden waren.
Etzelwerk und EMD
Die Krisenzeit 1935 bis 1939 konnte das Geschäft mit Arbeiten für das Etzelwerk gut überbrücken. Sichere Aufträge waren neben verschiedenen Bachverbauungen auch einige Neuansiedelungen auf dem Altberg, dem Waldweg und in Willerzell. Der erste Umbau des Hotels Pfauen kann in jener Zeit als guter Auftrag für das damals einzige einheimische Baugeschäft.
Ein schwerer Schlag war dann 1939 der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Die älteren Söhne von Alois Zürcher, Franz und Anton sowie die ganze Belegschaft mussten zum Militär einrücken. Dank den Aufträgen des EMD in den Jahren 1941 bis 1945 beurlaubte man die Söhne und das Personal. So konnte sich die Firma wieder entwickeln. Der Firmenname lautete, Alois Zürcher & Söhne.
Nach dem Krieg kam die Zeit der Weiterbildung der Söhne Franz und Anton zum diplomierten Baumeister und diplomierten Hafnermeister. In der Nachkriegszeit regte sich die Bautätigkeit und auch die Konkurrenz. Bald einmal sah man sich genötigt, das Baugeschäft und den Ofenbau zu trennen. So entstanden zwei separate Firmen. Alois Zürcher Senior zog sich langsam aus dem Geschäft zurück, und Franz Zürcher folgte nach. Es entstand auch ein neuer Firmenname, Franz Zürcher & Co, Baugeschäft, Wänibachstr. 14 welcher bis Ende 1998 erhalten blieb.
Ende 20igstes, anfangs 21igstes Jahrhundert
Nach den plötzlichen Todesfall 1983 von Franz Zürcher sen. übernahm auf den 1. Januar 1984 sein Sohn Franz Zürcher die Firma. Mit einer Ausbildung zum Polier und Bauführer waren die Fähigkeiten für die Geschäftsführung so weit gegeben. Durch immer mehr Konkurrenz auf dem Platz Einsiedeln und wenig Bauobjekten musste die Mitarbeiterzahl stark gesenkt werden. Schweizer und Fremdarbeiter die altershalber pensioniert wurden oder nicht mehr aus der Fremde gekommen sind wurden nicht mehr ersetzt. Verschiedene Einsiedler Firmen haben in dieser Zeit aufgehört oder wurden verkauft und sind eliminiert worden.
1985 bis 1987 bildete sich Franz Zürcher jun. über die Wintermonate zum dipl. Baumeister weiter.
Auf den 1. Januar 1999 änderte man die Firma Franz Zürcher & Co. in die Franz Zürcher AG, Bauunternehmung.
Die letzten Jahre bis Heute sind geprägt durch viel Arbeit, einem ruinösen Preiskampf und einem Kampf um jede, oft auch kleine Arbeit. Die Firma blieb dem Hochbau treu. Viele private und öffentliche Arbeiten im Dorf und in den umliegenden Vierteln von Bennau, Trachslau, Alpthal – Brunni, Egg, Gross, Willerzell und Euthal, in Unteriberg, Oberiberg und Schindellegi zeugen heute von deren Qualität. Als Referenz und als Vorzeigeobjekt ist sicher die Bibliothek von Prof. Dr. Werner Oechslin, die eine Meisterleistung von Architektur und Baukunst darstellten zu nennen. Baustellen mit weiten Anfahrten über den Bezirksbereich hinaus werden möglichst nicht akquiriert. Diese Firmenpolitik können wir mit unserer Betriebsgrösse und unseren Qualitätsvorstellungen der auszuführenden Arbeiten vereinbaren.
Im Jahre 2004 trat Birchler Urs als Bauführer in unsere Firma ein um sich in den folgenden Jahren einzuarbeiten und den Fortbestand der Unternehmung in Zukunft zu erhalten.
Am 1. Juli 2020 übernehmen Urs Birchler und Andreas Schädler die Aktienmehrheit von Franz Zürcher und führen den Betrieb nach dem Motto „Qualität macht Freude“ weiter in die Zukunft.