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Der Begriff "Sekte" wird heute umgangssprachlich oft als Sammelbegriff für religiöse und pseudo-religiöse Gruppen, Psychokulte oder Guru-Bewegungen verwendet, die nicht zu den staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften gehören. Daß sich derartige Gruppen über die Kennzeichnung mit diesem negativ besetzten Begriff nicht gerade freuen, ist klar. Dies widerspricht ja dem positiven Selbstbild, das sie über sich verbreiten wollen. Daß sie ihn daher selbst nicht zur Charakterisierung ihrer Gruppe oder Organisation verwenden, überrascht ebenfalls niemanden.
Wodurch lassen sich dann aber diese Gruppen und Organisationen charakterisieren?
In der Fachliteratur werden "Sekten" durch folgende Merkmale definiert, die vor allem dann relevant sind, wenn mehrere von ihnen zusammentreffen:
- die Geschlossenheit der Gemeinschaft, die klaren Grenzen zwischen Anhängern und Außenstehenden, die normierte Lebenspraxis im Inneren;
- die abseitigen und/oder kulturell fremden Ideen, die nicht vermittelbaren Glaubenswelten und Lebensorientierungen, die fanatisch vertreten werden;
- die Konflikte mit der Umwelt, vor allem persönliche Konflikte mit Angehörigen von Mitgliedern und juristische Konflikte mit Behörden;
- die Abhängigkeit der Mitglieder von einer charismatischen Führungsfigur bzw. von einer Hierarchie, die Lehre und Praxis autoritär bestimmen.
Nicht übersehen sollte man in diesem Zusammenhang freilich, daß heute mit dem Negativ-Begriff "Sekte" oft vollkommen unterschiedliche Gruppen als mehr oder minder gleich "gefährlich" qualifiziert werden. Dieses Pauschalurteil ist - wie jedes Pauschalurteil - natürlich unzutreffend, eine differenzierte Betrachtungsweise ist notwendig. Deswegen spricht man auch immer häufiger von "Weltanschauungsgruppen".
aus: "Sekten - Wissen schützt", Broschüre des österreichischen Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, s.7f.