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Schöne Zähne sind weiblich
Verschiedene massgebliche Grössen in Bezug auf die Proportionen der Zähne wurden bereits im zahnmedizinischen Schrifttum beschrieben. So gilt z. B. das Verhältnis von Länge zu Breite der mittleren Schneidezähne als zentrales Element eines durch den Betrachter als ästhetisch ansprechend empfundenen Erscheinungsbildes. Bei der Beschreibung des Verhältnisses der mittleren zu den seitlichen Schneidezähnen wird der „Goldene Schnitt“ kontrovers diskutiert. Eine hohe Symmetrie zwischen der rechten und linken Seite der Frontzähne scheint einen positiven Einfluss auf deren Attraktivität auszuüben. Zusätzlich scheint die Position der Frontzähne die ästhetische Erscheinung zu beeinflussen. Eine geschwungene, „flügelartige“ inzisale Stufe, ein ausgewogener Verlauf der Gingiva und das distale Winkelmerkmal der Schneidezähne werden ebenfalls als attraktiv empfunden. Im Gegensatz dazu gelten Diastema und eine negative inzisale Stufe als unattraktiv.
Diese Parameter wurden in der Vergangenheit meist einzeln und nicht als Gesamtheit analysiert. Heute wer- den dazu Computerprogramme zur Bildbearbeitung und -manipulation eingesetzt. In der vorliegenden Studie sollte die Wahrnehmung der Ästhetik der oberen Frontzähne anhand von durch digitales Imaging (Morphing- Technik) zusammengesetzten Bildern untersucht werden. Um die sechs zusammengesetzten Bilder zu generieren (je eines für das Geschlecht sowie die Gruppen „unzufrieden“, „durchschnittlich“ und „zufrieden“), wurden die Frontzähne von 320 Studenten fotografiert. Anschliessend erfolgte eine Beurteilung der sechs generierten Bilder in Bezug auf Attraktivität und Geschlecht durch 128 unabhängige Teilnehmer (Zahnärzte und Laien).
Die Bilder der Gruppen „durchschnittlich“ und „zufrieden“ wurden im Vergleich zu denen der Gruppe „unzufrieden“ signifikant häufiger als „attraktiv“ bewertet. Die als „attraktiv” bewerteten Bilder ordnete die Mehrzahl der Teilnehmer dem weiblichen Geschlecht zu (61 bis 85 %), während die „unattraktiven“ Bilder mehrheitlich dem männlichen Geschlecht zugeordnet wurden (85 bis 75 %). Die Teilnehmer waren nicht in der Lage, das korrekte Geschlecht zu bestimmen, bewerteten aber die Attraktivität als eindeutig weibliches Merkmal. Diese „Beeinflussung“ kann demnach bei der Wiederherstellung der oberen Frontzähne als Geschlechtsmerkmal verwendet werden.
Schlussfolgerungen: Die vorgestellte Morphing- Technik lässt sich für weitere Studien zur Bewertung der dentalen Erscheinung und Attraktivität einsetzen. Bei einer geplanten Versorgung der oberen Frontzähne können Parameter wie Zahnform, Grösse, Verhältnis Breite/Höhe und die Position individuell gewählt werden, um dadurch die Wahrnehmung des Geschlechts zu verstärken oder abzuschwächen.
Wolfart S, Lawrenz B, Schley JS, Kern M, Springer I. Composite images of upper front teeth-judgment of attractiveness and gender-specific correlation. J Esthet Restor Dent 2014;26:394-402.
Zahnverlust und Gedächtnisleistung
Erkrankungen des Kauapparates stellen auch heute noch signifikante Gesundheitsprobleme für die Bevölkerung dar. Karies und parodontale Erkrankungen sind dabei häufig auftretende chronische Zustände, die die Lebensqualität beeinträchtigen und einer oft lebenslangen, kostenintensiven Behandlung bedürfen. In der älteren Bevölkerung ist der Zahnverlust über die letzten Jahrzehnte stark zurückgegangen, aber immer noch relativ verbreitet. In einer kürzlich in England durchgeführten Umfrage waren 15 % der 65- bis 74-Jährigen, 30 % der 75- bis 84-Jährigen und 47 % der über 85-Jährigen zahnlos. Der Zahnverlust bei älteren Erwachsenen hat verschiedene Gründe, wobei Karies und fortgeschrittene parodontale Erkrankungen immer noch die Hauptursachen sind. In den letzten 20 Jahren ist der mögliche Zusammenhang zwischen oralen Erkrankungen und Morbidität bzw. Mortalität oft untersucht worden. Dabei wurde am häufigsten der Zusammenhang zwischen parodontaler Erkrankung und Risiken für einen Diabetes, kardiovaskuläre Erkran- kungen und die Mortalität bei Letzteren beschrieben.
Zahnverlust kann als ein frühzeitiges Anzeichen von „Altersschwäche“ bezeichnet werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen Zahnverlust und kognitiven Beeinträchtigungen sowie dem Auftreten von Demenz in der älteren Bevölkerung besteht. In der vorliegenden Studie sollte der Einfluss eines vollständigen Zahnverlustes (Zahnlosigkeit) auf die physische und kognitive Funktionalität über einen Zeitraum von 10 Jahren bei 3.166 über 60-jährigen Erwachsenen in England in einer longitudinalen Kohortenstudie untersucht werden.
Die Bewertung der kognitiven Funktion (Gedächtnis) erfolgte mit einem 10-Wörter-Erinnerungstest und die der physischen Funktion mittels der Gehgeschwindigkeit (m/s). Mit Hilfe verallgemeinerter Schätzungsgleichungen wurde der Zusammenhang zwischen der Zahnlosigkeit zu Beginn und sechs wiederholten Messungen der Gehgeschwindigkeit und der Gedächtnisleistung von 2002/03 bis 2012/13 beschrieben und an aufgezeichnete Parameter der Gesundheit angepasst.
Die zahnlosen Studienteilnehmer erinnerten sich im Durchschnitt an 0,88 weniger Wörter und waren 0,09 m/s langsamer als die bezahntenTeilnehmer. Der Effekt war in der Gruppe der 60- bis 74-Jährigen ausgeprägter als bei den über 75-Jährigen.
Schlussfolgerungen: Ein vollständiger Zahnverlust war bei älteren Erwachsenen in England mit einem Verlust an physischer und kognitiver Leistung verknüpft. Zahnverlust kann als ein möglicher Anhaltspunkt für eine beginnende Altersschwäche (Demenz) herangezogen werden.
Tsakos G, Watt RG, Rouxel PL, de Oliveira C, Demakakos P. Tooth loss associated with physical and cognitive decline in older adults. J Am Geriatr Soc 2015;63:91-99.