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Dass Kleopatra in den Sog der Identitätspolitik geraten ist, amüsiert; überraschend ist es nicht. Der Kulturkampf hat längst den Film erreicht.
Mit der Dokumentarreihe «African Queens» möchte Produzentin Jada Pinkett Smith ein Licht auf die wichtigen afrikanischen Monarchinnen werfen. «Wir bekommen nicht oft die Gelegenheit, Geschichten über schwarze Königinnen zu sehen oder zu hören, und das war für mich wirklich wichtig [. . .], denn es gibt jede Menge davon.» (Wikipedia). Netflix zeigte bislang zwei Staffeln, die erste befasst sich mit Njinga, Königin von Ndongo und Matamba, die zweite mit Königin Kleopatra. Sie wird von der Britin Adele James verkörpert. Eine Kontroverse entspann sich darum, ob Kleopatra von einer dunkelhäutigen Schauspielerin gespielt werden sollte.
Wir haben zwei Lager. Die einen finden die Umsetzung mit James gelungen. Die Regisseurin der Doku, Tina Gharavi, fragt im Variety-Magazin: «Warum sollte Kleopatra keine ‹melanated sister› sein? Und warum wollen manche Menschen, dass Kleopatra weiss ist? Ihre Nähe zur Weissheit scheint ihr Wert zu verleihen, und für einige Ägypter scheint dies wirklich wichtig zu sein.» Und: «[. . .] Ich habe Ägypter gebeten, sich selbst als Afrikaner zu betrachten, und sie sind darüber wütend auf mich. Mir macht das nichts aus.» Kleopatras makedonisch-griechische Familie war seit 300 Jahren in Ägypten ansässig, so Gharavi; dass sie weiss war, sei eher unwahrscheinlich, so weiss wie Elizabeth Taylor sei sie sicher nicht gewesen. «Nach 300 Jahren können wir mit Sicherheit sagen, dass Kleopatra ägyptisch war.»
Trotz historischer Überlieferungen kann heute tatsächlich niemand wissen, wie Kleopatra genau aussah.
Die andere Seite argumentiert, dass Kleopatras makedonisch-griechische Abstammung gut dokumentiert sei, ihre Gesichtszüge entsprechend geprägt waren, wie auch auf Münzen, Porträts oder Statuen erkennbar – und die Filmemacher sich gegen diese Fakten stellen würden. Darum hat auch ein ägyptischer Anwalt Klage gegen Netflix erhoben. Der ehemalige ägyptische Antikenminister Zahi Hawass wandte ein, Kleopatra habe mediterrane Gesichtszüge gehabt; was da gezeigt werde, sei historisch inkorrekt.
Der Filmkritiker «Critical Drinker» erklärt auf Youtube, dass, gerade weil «Queen Cleopatra» nicht – wie der Elizabeth-Taylor-Film aus 1963 – Fiktion sei, sondern unter Dokumentation laufe, ein akkurater und unvoreingenommener Blick wichtig sei. Hier würden Hollywood-Aktivisten versuchen, die Realität zu verbiegen, «um sie als etwas zu zeigen, das sie nicht war. Anstatt wirklich vertieft nach Königinnen in Afrikas Subsahara-Staaten zu suchen, die einen grossen Impact auf die Weltgeschichte hatten, aber vielleicht nicht unbedingt Mainstream-Anziehungskraft besitzen, begnügte man sich damit, einfach Kleopatra zu nehmen.» Der Name bringe der Serie eben viel Aufmerksamkeit.
Trotz historischer Überlieferungen kann heute tatsächlich niemand wissen, wie Kleopatra genau aussah, wie gross sie war, welche Hautfarbe sie hatte und ob sie tatsächlich so schön war wie von manchen beschrieben – und ihre Nase so gross. Antike Schriftsteller gehen in ihren Schriften nicht auf ihre Hautfarbe ein, einen Hinweis auf ihre Körpergrösse allerdings gibt es in einer Beschreibung des griechischen Autors Plutarch: «. . . dass sie in einer übergrossen Sacktuchhülle in einer Herbstnacht des Jahres 48 v. Chr. in den Palast geschmuggelt wurde – was darauf hindeutet, dass sie zumindest petite war.» (University of Chicago).
Laut der angesehenen «Encylopedia Britannica» ist Kleopatra die Tochter von König Ptolemaios XII. , sie war die letzte Königin der makedonischen Dynastie, die Ägypten zwischen dem Tod von Alexander dem Grossen und der Annexion durch Rom im Jahr 30 v. Chr. regierte. «Kleopatra war makedonischer Abstammung und hatte wenig, wenn überhaupt, ägyptisches Blut. Allerdings schrieb der antike Autor Plutarch, dass sie als Einzige in ihrer Familie die Mühe auf sich nahm, Ägyptisch zu lernen, und sich aus politischen Gründen als die neue Isis bezeichnete.»
Klug war sie mit Sicherheit, auch verführungstechnisch gewandt, konnte sie doch die beiden mächtigsten Männer ihrer Epoche, Julius Cäsar und Marcus Antonius bezirzen, damit sie sie beim Ausbau ihres Reiches unterstützten. Wer nun die besseren Argumente hat, dürfen Sie selbst entscheiden.
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