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16.08.2022 - Die Schweiz feiert dieses Jahr 175 Jahre Eisenbahn. Die Investitionen in die Bahn sind grundsätzlich auf nationaler Ebene erfolgt. Aber es gab und gibt immer wieder Ausnahmen: In den Gründerzeiten der Bahn investierten die Nachbarländer in das schweizerische Bahnnetz, während heute die Schweiz Infrastrukturen im Ausland mitfinanziert, wenn diese im schweizerischen Interesse sind.
Vor 175 Jahren fuhr mit der «Spanisch-Brötli-Bahn» die erste Eisenbahn auf einer vollständig in der Schweiz liegenden Strecke. Erste Züge verkehrten aber bereits drei Jahre früher bis in die Schweiz, nämlich auf der Elsässerbahn, welche bis nach Basel führte. Der kurze Streckenabschnitt in der Schweiz wurde damals von der Compagnie du chemin de fer de Strasbourg à Bâle, einem französischen Bahnunternehmen geplant und finanziert. Dies war für die Gründerzeit nicht untypisch: Bis zur Verstaatlichung der wichtigsten Bahnen um 1900 wurden verschiedene Bahnstrecken in der Schweiz mit hohem privatem ausländischem Kapitalanteil finanziert. Bei Strecken, die für sie von strategischem Interesse waren, investierten die Nachbarländer auch direkt auf staatlicher Ebene in Infrastrukturen auf Schweizer Boden. Zu erwähnen sind dabei namentlich Deutschland und Italien, welche sich substanziell am Bau der Gotthardstrecke beteiligten (während später ein französisches Konsortium die Strecke am Lötschberg mitfinanzierte).
Schneller nach Paris und München
Die Schweiz lag damals im internationalen Vergleich beim Bahnausbau im Rückstand. Dank verschiedenen grossen Investitionen ist dies heute anders: Die Schweiz übertrifft bei der Dichte des Netzes und der Nutzung der Bahn die meisten anderen Länder. Auch bei den Investitionen ausserhalb der Landesgrenzen sind die Verhältnisse heute anders: Die Schweiz hat in den letzten Jahrzehnten verschiedentlich in den Bahnausbau in den Nachbarländern investiert, wenn dies in schweizerischem Interesse lag. Verschiedene derartige Investitionen erfolgten im Rahmen des Programms «Anschluss ans ausländische Eisenbahn-Hochleistungsnetz», welches 2005 vom Parlament beschlossen worden war. So beteiligte sich die Schweiz mit 100 Millionen Franken am Ausbau der TGV-Strecke Rhein-Rhone. Dadurch konnten die Fahrzeiten von Zürich und Basel nach Paris um eine halbe Stunde verkürzt werden. Dank der von der Schweiz mit 180 Millionen Franken unterstützten Reaktivierung der Strecke Bellegarde–Bourg-en-Bresse (Haut-Bugey) können Züge in gut drei Stunden von Genf nach Paris gelangen. In Deutschland beteiligt sich die Schweiz an den Ausbauten zwischen Lindau und Geltendorf, indem sie eine Vorfinanzierung von 50 Millionen Franken zur Verfügung stellte. Dank dem Ausbau sank die Fahrzeit zwischen Zürich und München ebenfalls um rund eine halbe Stunde.
Förderung der Verlagerungspolitik
Auch zur Förderung ihrer Verlagerungspolitik beteiligt sich die Schweiz verschiedentlich an Ausbauten in Ausland. In den 1980er Jahren leistete die Schweiz einen Beitrag von 60 Millionen Franken für den Bau des Monte-Olimpino-II-Bahntunnels, dank welcher der Güterverkehr die norditalienische Stadt Como umfahren kann. Der Tunnel ging 1990 in Betrieb und leistete einen wichtigen Beitrag dazu, dass der Nord-Süd-Güterverkehr vermehrt auf der Schiene abgewickelt werden kann. Weiter brachte die Eidgenossenschaft 120 Millionen Franken für den 2020 abgeschlossenen Ausbau der Luino-Linie zum 4-Meter-Korridor auf. Zusätzliche 148 Millionen fliessen bis 2028 nach Italien, damit auch auf der Strecke südlich des Simplon Züge mit 4-Meter-Ladungen Richtung Mailand verkehren können. Derzeit laufen zudem Verhandlungen mit Frankreich zur Aufwertung des linksrheinischen Güterverkehrskorridors.