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1. August 1976: Niki Lauda dominiert als Weltmeister die Formel-1-Saison. Doch beim GP auf dem Nürburgring, der als «grüne Hölle» bekannt ist, muss er durch die Feuerhölle und entkommt nur mit viel Glück dem Tod.
Niki Lauda, der akribische Arbeiter und Perfektionist ist auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. 1975 hat er erstmals die Formel-1-WM für sich entschieden. Auch im folgenden Jahr scheint der Österreicher im zuverlässigen und schnellen Ferrari 312T nicht aufzuhalten zu sein. Von den ersten neun Rennen gewinnt er fünf und fährt nur einmal nicht auf das Podest. In der WM-Wertung liegt der 27-Jährige deutlich voraus. Jetzt steht der GP von Deutschland, der zehnte von 16 Grand Prix, auf dem Programm.
Die Bedingungen am Nürburgring sind denkbar schwierig. Bis kurz vor dem Start regnete es. Die Fahrer sind sowieso nicht glücklich mit der Austragung des GP auf dem Nürburgring, da sie – insbesondere auch Lauda – erhebliche Sicherheitsbedenken haben. Dies nicht zuletzt deshalb, weil zuvor der GP von Grossbritannien nach einem Unfall, Neustart und späteren Disqualifikation von James Hunt im Chaos endet.
Im Rennen dauert es nur bis zur zweiten Runde, als das Unglück geschieht. Niki Lauda verliert bei Tempo 220 in einer Linkskurve die Kontrolle über seinen Ferrari. Der Bolide bricht nach rechts aus, Lauda prallt gegen eine Felswand und wird im Auto zurück auf die Strecke geschleudert. Dort wird der lichterloh brennende Wagen auch noch von Brett Lunger gerammt. TV-Bilder gibt es keine, da der Streckenabschnitt nicht abgedeckt wird. Aufnahmen macht lediglich ein Zuschauer. Warum es zum Unfall kommt, wird nie endgültig geklärt. Man vermutet einen Bruch des rechten hinteren Längslenkers.
Die Konkurrenten halten an und versuchen dem Österreicher zu helfen. Doch Brett Lunger, Guy Edwards und Harald Ertl kommen nicht an das Cockpit heran. Fast 200 Liter Benzin sorgen für ein Flammeninferno, das bei bis zu 800 Grad lodert. Lauda muss gemäss unterschiedlicher Quellen 30 bis 50 Sekunden in der Feuerhölle aushalten. Sein Helm ist vom Kopf gesprungen, er trägt einzig eine Kopfhaube, die zwar an einigen Stellen gegen Feuer schützt, aber nicht dort, wo eigentlich der Helm sitzen würde.
Endlich kann sich mit Arturo Merzario einer der Konkurrenten zu Lauda herankämpfen, öffnet die Sitzgurte und zieht den Fahrer aus dem Ferrari. Merzario erinnert sich 36 Jahre später an diese Augenblicke: «Als ich zum Auto lief, hörte ich Nikis Schreie. Als ich ankam, war er schon bewusstlos, hing leblos in den Gurten. Die waren von seinem verzweifelten Kampf gegen den Tod total verdreht. Als ich ihn frei bekam und rausziehen konnte, war er dann leicht wie eine Feder.»
Lauda fällt im Spital ins Koma und kämpft vier Tage gegen den Tod. Die Überlebenschancen sind gering. Neben üblen Verbrennungen erleidet er zwei Rippenbrüche und einen Jochbeinbruch. Schlimmer als die Verbrennungen ist seine verätzte Lunge, da der Pilot im Feuer giftige Gase einatmete.
Doch Laudas unbändiger Wille bringt ihn zurück. Er erwacht aus dem Koma und kämpft sich auf wundersame Weise zurück. Nur 42 Tage nach dem Horror-Crash startet er zum GP von Italien in Monza. Ein Kopfverband, das seither typische weggebrannte rechte Ohr und Schwellungen zeugen noch von seinem Unfall. Selbst sein Team rechnete nicht mit einer so schnellen Rückkehr und hatte bereits Carlos Reutemann als Ersatzfahrer gemeldet. Ferrari startet daher mit drei statt zwei Autos zum GP.
Nur zwei Rennen hat er verpasst, seinen Heim-GP und den Grand Prix von Holland. Die Ärzte geben am Donnerstagabend grünes Licht, am Freitag sitzt Lauda im Cockpit. Doch die Angst holt ihn ein und er bricht die erste Fahrt ab. Das Rennen bestreitet er dann aber trotzdem und fährt den sensationellen 4. Rang hinaus.
Lauda führt nach dem GP in Monza in der WM-Wertung noch immer mit 17 Zählern Vorsprung (Punkteverteilung: Die ersten sechs Plätze werden mit 9, 6, 4, 3, 2 und 1 Punkt belohnt). Lauda beendet den folgenden GP von Kanada auf Rang 8 und den GP der USA auf Platz 3. Da Konkurrent James Hunt zweimal gewinnt, liegt der Brite vor dem letzten Saisonrennen in Fuji nur noch drei Zähler hinter Lauda.
Am Renntag regnet es heftig und Nebel hängt über der Strecke. Nach Diskussionen entscheiden die Organisatoren das Rennen zu starten. Lauda tritt zwar an, fährt seinen Wagen aber nach der zweiten Runde in die Box und steigt aus. «Ich will mich nicht noch einmal umbringen», soll er den überraschten Mechanikern gesagt haben.
Hunt braucht damit den 4. Rang zum WM-Titel. Obwohl er kurz vor Schluss noch einmal zurückfällt, überholt er in den letzten Runden wieder einige Konkurrenten und beendet das Rennen auf Rang 3. Dass er Weltmeister ist, weiss er zu Beginn aber nicht. Da die Funkverbindung nicht funktionierte und im Regen die Rennkommissare die Übersicht verloren hatten.
Lauda holt sich den WM-Titel 1977 wieder und ein letztes Mal 1984. 1985 tritt er zurück. 1979 gründet er als Unternehmer die «Lauda Air», welche 2002 von den Austria Airlines übernommen wird. Lauda kehrt unter anderem als Berater in die Formel 1 zurück und besitzt heute Anteile am Mercedes-Team. Er leiht seine Stimme «The King» im Disney-Pixar-Film «Cars», ist als Experte bei RTL tätig und äussert immer wieder seine kritische Meinung zur Königsklasse.