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Ivermectin ist ein Antiparasitikum, welches oral unter anderem zur Behandlung von Krätze und bestimmten tropischen Parasitosen eingesetzt wird.
Sehr seltene Fälle von schweren Hautreaktionen wie Lyell- und Stevens-Johnson-Syndrom sind dokumentiert und in der Fachinformation der zugelassenen Spezialitäten aufgeführt.
Der Europäische Ausschuss für Pharmakovigilanz (PRAC) hat dieses Risiko kürzlich neu bewertet und empfiehlt die Aufnahme eines Warnhinweises in die Fachinformation und die Packungsbeilagen.
Angesichts des potenziell sehr schweren Charakters dieser Hautreaktionen sollte der Patient über die ersten Warnsignale gut informiert werden: grippeähnliches Syndrom, Augenbrennen, Symptome im Bereich von Nase, Hals und Ohren (z.B. Schluck-, Atembeschwerden, Stimmprobleme, verstopfte Nase, Ohrenschmerzen), Hautschmerzen.
Fast immer ist auch eine erosive Schädigung der Mund-, Bindehaut- oder Vaginalschleimhäute damit verbunden.
Die Hautbeschwerden beginnen mit erythematösen, makulopapulösen Läsionen, welche tendenziell konfluieren.
Innerhalb von Tagen, manchmal auch Stunden, treten bullöse Ablösungen auf, und die Epidermis löst sich in grossen Fetzen ab, sodass die Dermis freiliegt.
Bei Einnahme eines Medikaments, das ein Risiko für das Lyell- oder Stevens-Johnson-Syndrom birgt, sollten bei brennenden Augen, Halsschmerzen, Schmerzen im Mund oder in der Vagina und beim Auftreten von Blasen auf der Haut sofort ein Notarzt aufgesucht werden.
Das Lyell-Syndrom und das Stevens-Johnson-Syndrom unterscheiden sich durch die Grösse der betroffenen Körperoberfläche (> 30 % beim Lyell-Syndrom und < 10 % beim Stevens-Johnson-Syndrom). Die Mortalität liegt beim Stevens-Johnson-Syndrom bei 10 % und beim Lyell-Syndrom bei > 30 %.
Dieses Risiko ist bei der topischen Form von Ivermectin derzeit nicht bekannt.
Quellen:
Prescrire, Petit manuel des Troubles d’Origine Médicamenteuse, 3 ème édition, 2021, p53
CBIP, Folia Pharmacotherapeutica avril 2023, Ivermectine par voie orale et risque très rare de réactions cutanées graves
Syndrome de Lyell : rare mais grave, La Revue Prescrire, Infos-Patients, 426/2019/online