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Ultravox: Vienna
«Es beginnt mit einem Trommelschlag, der wie ein menschliches Herz klingt, oder eher wie das Klappern von Fensterläden in einem leerstehenden Herrenhaus. Ein Synthesizer wimmert, während eine Stimme wie ein kalter Wind über die karge Kulisse weht. Sie schwelt noch eine Weile; dann, als Keyboards wie Sonnenstrahlen einfallen, bricht sie mit voller Wucht in einen Schrei aus, der an ein operatisches Melodrama grenzt, punktuell verziert von ein paar zarten Klaviernoten. Das Lied ist nichts weniger als selbstbewusste Erhabenheit und trauert auf düstere, bewegende Weise um einen tiefen Verlust.» (AJ Ramirez, übersetzt und leicht angepasst)
Der Song evoziert ein altes Wien, Zentraleuropa, Osteuropa. Wien als Gegenstück zu David Bowies Berlin. Synthpoppioniere waren besessen von der kalten, dekadenten teutonischen Welt und fantasierten sich selbst oder Liebesbeziehungen in sie hinein. Auf dieser Ebene funktioniert «Viennna». Man kriegt allerdings wie in einem Traum nur Andeutungen, die Stimmung überflutet alles. Keiner der Bandmitglieder kannten Wien aus eigener Anschauung. Dieses Wien war nichts als eine Fantasiewelt. Möglicherweise war diese Imagination gespeist vom Orson Welles Klassiker «Der dritte Mann». Die Musik borgte viel von Kraftwerk, aber verzichtete dabei auf die Synth-Arpeggios, durch welche die Kraftwerk-Musik stets nahe am Dancepop gebaut war. «Vienna» war kein Bisschen Dancepop, sondern funktionierte wie ein Gemälde oder eine alte Fotografie, vor der die Betrachter*innen erstaunt und verzaubert stehen bleiben, den Blick gefesselt auf die Statik, das Moment, das «punctum», von dem Roland Barthes sprach: «So ging ich die Photos meiner Mutter durch, einer Spur folgend, die in diesen Schrei mündete, mit dem jede Sprache endet: ‹Das ist es!› … ein jähes Erwachen, durch keinerlei ‹Ähnlichkeit› ausgelöst, das satori, wo Worte versagen, die seltene, vielleicht einzigartige Evidenz des ‹So, ja, so, und weiter nichts›.»
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