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Wer sich in der Gemeinde Aarberg einbürgern lassen will, soll neu das Sprachniveau B2 mündlich und B1 schriftlich aufweisen. Das Sprachniveau B2 entspricht dabei dem Fremdsprachenniveau einer Matur. Die vorgelegte Anforderung stellt aus Sicht der Grünen Aarberg eine unverhältnismässige Erschwerung der Einbürgerung dar, welche den Ausländerinnen und Ausländern keinen fairen Zugang zur Staatsbürgerschaft mehr ermöglicht. Daher lehnen die Grünen Aarberg den Antrag ab.
2018 hat der Kanton Bern die Sprachhürde für Einbürgerungen erhöht. Im Kanton muss seither das Sprachniveau B1 mündlich und A2 schriftlich erreicht werden. In seiner Botschaft zur Gemeindeversammlung vom 6. Dezember 2018 schlägt der Gemeinderat von Aarberg vor, die Anforderungen eine Stufe über das kantonale Niveau zu heben.
Um die geforderten Sprachniveaus einordnen zu können, ist es nötig, einen genaueren Blick auf die Anforderungen in den einzelnen Stufen zu werfen: Die Sprachniveaus entstammen dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Wer Deutsch auf dem kantonal geforderten B1-Niveau beherrscht, kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äussern. Auf dieser Stufe kann man über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben sowie Pläne und Ansichten kurz begründen. Nach Ansicht der Grünen Aarberg ein ausreichend hohes Niveau für eine Integration ins tägliche Leben in der Gemeinde.
Die für Aarberg geforderte Stufe B2 entspricht dem Fremdsprachen Niveau einer Maturität. Wer Deutsch auf B2-Niveau beherrscht, kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen. Er kann sich spontan und fliessend verständigen, so dass ein Gespräch mit Muttersprachlern ohne grössere Anstrengung möglich ist. Wer sich nun an den eigenen Französischunterricht erinnert, kann in etwa einschätzen, wie schwierig dieses Niveau in einer Fremdsprache zu erreichen ist. Selbst für uns, so nahe an der Sprachgrenze zur französischen Schweiz.
Die Grünen Aarberg teilen die Ansicht des Gemeinderates, dass das Beherrschen der Sprache, die Verständigung, ein zentraler Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration darstellt. Die Konsequenz der vorgeschlagenen Regelung wäre aber, dass der Erwerb des Bürgerrechts vor allem für Personen ohne höhere Ausbildung kaum mehr erreichbar ist. Dies, selbst wenn diese seit vielen Jahren in der Schweiz wohnen, arbeiten und gut integriert sind. Bei der Beurteilung einer Einbürgerung geht es um Verständigung und nicht um Ausbildung. Die vorgelegte Anforderung an das Sprachniveau stellt aus Sicht der Grünen Aarberg eine unverhältnismässige Erschwerung der Einbürgerung dar, welche Ausländerinnen und Ausländern einen fairen Zugang zur Schweizer Staatsbürgerschaft verweigert.
Aus diesen Gründen lehnen die Grünen Aarberg den Vorschlag des Gemeinderats ab und empfehlen der Gemeindeversammlung, gegen die vorgelegte Anpassung der Reglements über die Einbürgerung zu stimmen.
René Cattin
Präsident Grüne Aarberg
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