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Geschichte des Haus zum Rüden
1348 beschlossen Bürgermeister, Rat und die Bürgerversammlung der Stadt Zürich auf Bitte aller Stadtadligen, den Gesellschaftern der Trinkstube in Lunkhofens Haus (heute Wettingerhäuser) das Münzhaus zu übergeben. Dieses befand sich an der Stelle des heutigen Rüden, gegenüber dem Haus zum Pflug. Die Gesellschafter mussten, um das Münzhaus zu bekommen, nach Anweisung des städtischen Baumeisters ein neues Erdgeschoss mauern, das auch der Stadt nützlich sein sollte. Dabei handelte es sich um eine offene Laubenhalle. Hingegen konnten die Trinkstubengesellen vom ersten Geschoss an das neue Haus nach ihrem Gutdünken gestalten. Eine neuere dendrochronologische Untersuchung hat gezeigt, dass das Holz für die Bodenbalken des ersten Geschosses, für das Fachwerk der Ostmauer sowie für die Balken der Innenkonstruktion des Tonnengewölbes des gotischen Saals zwischen 1344 und 1348 geschlagen wurde. Der Bau des Hauses fand demnach kurz nach 1348/49 statt.
Der Hausname zum Rüden erscheint erstmals 1358 beiläufig auf einer Zinsliste des Fraumünsters. Über das Haus erfahren wir während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wenig, ausser dass es auch als Unterkunft für Pilger diente. 1401 ist die Trinkstube der Herren zum Rüden belegt, die nahezu identisch mit der Constaffel war.
Das Haus mit seiner noch heute bestehenden hölzernen Tonnendecke diente auch als Rathaus, und zwar nicht nur, wenn dieses wegen Bauarbeiten nicht verfügbar war. 1399 ist der heutige gotische Saal sogar als Tagungsstätte des Rats der Zweihundert erwähnt und er diente dem Neubau des zweiten Zürcher Rathauses als Vorbild. Denn auch dieser Bau, der 1694-1699 durch das heutige Rathaus ersetzt wurde, wies eine Ratstube mit hölzerner Decke auf. Häufig empfing der Rat im Rüden eidgenössische und ausländische Gesandtschaften.
Über die baulichen Veränderungen im 14. und 15. Jahrhundert fehlen Informationen. Da der Durchgang unter dem Rüden lückenlos an den Fischmarkt und den Grünmarkt anschloss, erstaunt nicht, dass unter den laubenartigen Bögen Verkaufsläden entstanden sowie später ein Magazin. Die grösste Veränderung erfuhr das Haus während des Umbaus von 1659 bis 1664. Das zweite Geschoss und das Dachgeschoss wurden abgebrochen, der spätmittelalterliche Bau blieb nur noch bis auf die Scheitelhöhe des hölzernen Tonnengewölbes bestehen. Zum Neubau gehören die heutige Rüdenstube und der Constaffelsaal mit spätbarocken Stuckaturdecken sowie das dreibödige Dachgeschoss. Im 18. Jahrhundert führte Architekt und Baumeister David Morf mehrere Unterhaltsarbeiten und Renovationen durch. Im Jahr 1773 veranlasste die Adelige Gesellschaft einen erneuten Hausumbau. Die alte Decke im Rüdenstübli wurde im Stil des späten Rokoko neu gestaltet.
Während der Zeit der Helvetik (1798-1803) tagte die Munizipalität (Gemeindeversammlung) im Rüden, der nachher ins alleinige Eigentum der Adeligen Gesellschaft überging, da diese das Tenn (Erdgeschoss) von der ehemaligen, 1790 aufgelösten Constaffel gekauft hatte. Leitendes Gremium der Adeligen Gesellschaft war eine Verwaltungskommission, die sich mit der Vermögens- und Hausverwaltung beschäftigte. Das Haus wurde der Museums-gesellschaft vermietet, bis diese einen Neubau erstellte. Wegen der bevorstehenden Sanierung und Aufschüttung des heutigen Limmatquais bekundete die Stadt ein Kaufinteresse und auch die Constaffel versuchte den Rüden zu kaufen. Zu deren Enttäuschung stimmte die Adelige Gesellschaft 1868 dem Kaufangebot der Stadt zu, die im Hause Büros einrichtete und einen Teil dem Pestalozzianum vermietete. 1878 löste sich die Adelige Gesellschaft auf.
Schon 1887 beabsichtigten einige Mitglieder der 1899 als Verein konstituierten Constaffel, den Rüden wieder zu erwerben. Zu diesem Zwecke gründeten sie den Partizipiantenfonds, zu dessen Eröffnung der Industrielle Adolf Guyer-Zeller tausend Franken spendete. Erste Gespräche zwischen der Stadt und der Gesellschaft zur Constaffel fanden im Jahre 1924 statt. Die Stadt wollte das Haus renovieren und dann teilweise der Constaffel zur Verfügung stellen, sofern diese einen Betrag von 20‘000 Franken an die auf 315‘000 Franken berechneten Umbaukosten leiste. Nach erneuten Verhandlungen und nachdem die Stadt das Amtshaus V am Werdmühleplatz errichtet hatte, verkaufte die Stadt 1936 den Rüden an die Constaffel bzw. an die Genossenschaft zum Rüden. Diese musste sich verpflichten, auf der Limmatseite einen Arkadendurchgang zu errichten und der Öffentlichkeit Durchgangsrechte zu gewähren. Weiter musste sie das Haus renovieren und die beiden historisch wertvollen Geschosse als Zunftlokal und Gaststätte dem Publikum zugänglich machen. Ausserdem sicherte sich die Stadt das Vorkaufsrecht und eine Mitsprache bei den anstehenden und künftigen Umbauten. Wegen dieser Verpflichtungen reduzierte sich der Verkaufspreis auf 135‘000 Franken. Verantwortlicher Bauleiter war Architekt und Constaffler André Ammann. Bis heute erfolgten immer wieder kleinere und grössere Renovationen, wie der Einbau eines Liftes oder der Bau der Rüdenbar. Ein Raum im Erdgeschoss ist wie damals im späteren Mittelalter an ein Geschäft vermietet.