Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03467.jsonl.gz/2459

Es ist schon länger bekannt, dass regelmäßiger Sport mit einem reduzierten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit verbunden ist. Regelmäßiger Sport kann auch positive Auswirkungen auf entzündliche Prozesse im Körper haben. Es ist jedoch weniger klar, welche Wirkmechanismen diesen Effekten zugrunde liegen.
Forscher des MHG (Massachusetts General Hospital) haben in einer aktuellen Studie [1] mehr Erkenntnisse darüber gewonnen. Auffallend an der Studie ist die Wirkung, die kurze Schübe intensiven Trainings auf im Körper zirkulierende Metaboliten haben können, die an Insulinresistenz, oxidativem Stress, Gefäßreaktivität, Entzündungsprozessen und Lebenserwartung beteiligt sind.
An der Studie nahmen 411 Teilnehmer im mittleren Alter teil. Das Durchschnittsalter betrug 53 Jahre und 8 Monate. Etwas mehr als die Hälfte (63 %) der Teilnehmer waren Frauen. Es wurde ein 12-minütiger kardiopulmonaler Belastungstest (Radfahren) durchgeführt. Den Teilnehmern wurde im Ruhezustand und zum Zeitpunkt der Spitzenleistung im Test Blut abgenommen. Anschließend wurden 588 verschiedene Metaboliten im Blut analysiert und sage und schreibe 502 davon zeigten eine Veränderung durch kurzzeitiges intensives Training.
Zu den beobachteten Veränderungen gehörten u. a. Marker der Insulinresistenz. So sank Glutamat um 29 % und Dimethylguanidino-Valeriansäure (DMGV) um 18 %. Es wurde auch ein 33-prozentiger Anstieg bei den Metaboliten gefunden, die mit der Fettverbrennung (Lipolyse) zusammenhängen. Außerdem wurde ein Anstieg der Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO) und eine Zunahme von braunem Fett festgestellt. Mehr Stickstoffmonoxid bewirkt eine Entspannung der Blutgefäße und braunes Fett wandelt Energie in Wärme um, so dass diese Energie nicht mehr als weißes Fett gespeichert werden kann. Die genannten Marker sind alle mit dem menschlichen Metabolom verknüpft und damit auf jeden Fall zum Beispiel für Typ-2-Diabetes und die Stoffwechselgesundheit des Herzens relevant.
Allerdings waren die Veränderungen, die der Sport bewirkte, nicht bei allen Teilnehmern gleich. Die Intensität der Spitzenleistung, das Geschlecht des Teilnehmers und der Body-Mass-Index (BMI) schienen eine Rolle zu spielen. So waren die Effekte bei Personen mit einem höheren BMI weniger ausgeprägt, vor allem was die Insulinsensitivität und die Marker für Diabetes betraf. Bei Frauen war die Wirkung auf bestimmte Stoffwechselmarker, die die Herzgesundheit schützen, größer als bei Männern.
Aus den Ergebnissen ihrer Studie schlossen die Wissenschaftler, dass kurzes, intensives Training bei einem großen Teil der Bevölkerung ein breites Spektrum von stoffwechselrelevanten Prozessen im Körper positiv beeinflusst. Dies, so die Wissenschaftler, ist unter anderem für die kardiovaskuläre Gesundheit und die Lebenserwartung relevant.
Ein körpergerechtes Training ist gesund. Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen, dass es die Stoffwechselgesundheit Ihrer Klienten positiv beeinflussen kann. Die Insulinempfindlichkeit kann für Ihren Klienten dabei von besonderem Interesse sein.
Bei einem höheren BMI ist aufgrund der Ergebnisse dieser Studie zu erwarten, dass Sport allein nicht ausreicht, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die Unterstützung der Stoffwechselgesundheit und insbesondere der Insulinsensitivität Ihres Klienten durch Interventionen in den Bereichen Ernährung, Häufigkeit der Mahlzeiten und intermittierendes Fasten kann dann zusätzlich erforderlich sein, um die Wirkung des Trainings zu optimieren.
[1] Nayor, M et.a. 2020. Metabolic Architecture of Acute Exercise Response in Middle-Aged Adults in the Community. Circulation 142:1905-24 https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.050281