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gewissen Zeiten häufen sich, ohne daß man die Ursache davon genau kennt, die Fälle von Darmkatarrh in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe
an, was man dann auf Rechnung des herrschenden Genius epidemicus bringt. Die epidemisch auftretende, entweder katarrhalische
oder diphtheritische Darmentzündung des Dickdarms bezeichnet man als Ruhr. Die akuteste und bösartigste, gleichfalls
teils katarrhalische, teils diphtheritische Form s. unter Cholera. Nur selten wird das Darmrohr in seiner ganzen Länge vom
Katarrh befallen; bald ist nur oder doch vorzugsweise der Dünndarm, bald vorzugsweise oder ausschließlich der Dickdarm, selten
bloß der Zwölffingerdarm davon ergriffen.
Die anatomischen Veränderungen, welche die Darmschleimhaut zeigt, bestehen beim akuten Katarrh in Rötung
und Schwellung der Schleimhaut, welche an ihrer Oberfläche mit einer ansehnlichen Schicht eines trüben und leicht abstreifbaren
Schleims überzogen ist. Dieser Schleim enthält massenhafte Cylinderepithelzellen, deren schnelle Bildung und Abstoßung zum
Wesen des Katarrhs gehört. Nicht selten findet man eine Schwellung der lymphatischen Gebilde, welche in der Schleimhaut
eingebettet sind, nämlich der solitären Lymphfollikel und der Peyerschen Drüsenhaufen.
Zumal bei kleinen Kindern erreicht die Schwellung der Lymphfollikel des Darms manchmal einen bedeutenden Umfang. Bei dem chronischen
Katarrh treten die Rötung und Schwellung der Schleimhaut mehr zurück, dagegen nimmt letztere häufig eine graue, schieferähnliche
Farbe an; das schleimige Sekret auf der Oberfläche ist spärlicher, aber zäher, von mehr glasigem Aussehen.
Nicht selten entstehen in den geschwollenen Lymphfollikeln Absceßbildungen (s. Darmgeschwüre). Bei ganz kleinen Kindern findet
man nach langwierigen, tödlich verlaufenden Darmkatarrhen oft weiter nichts als eine auffallende Blässe, Dünnheit und leichte
Zerreißbarkeit des Darmrohrs.
Dagegen ist der Katarrh des Dickdarms in der Regel mit kolikartigen kneipenden Schmerzen verbunden, die anfallsweise
eintreten und nach erfolgter Stuhlentleerung sich bessern. Die Kräfte und der Ernährungszustand des Patienten bleiben normal,
wenn die Ausleerungen nicht zu massenhaft und zu häufig sind. Verlieren aber die Ausleerungen das Aussehen und den Geruch
nach Kot, werden sie wässerig, dünnflüssig, farblos, und wiederholen sie sich sehr oft, so bewirken sie, zumal bei kleinen
Kindern, einen hohen Grad von Erschöpfung und
Abmagerung. Der Leib ist beim akuten Darmkatarrh zuweilen mäßig aufgetrieben,
und es entleeren sich mit dem Durchfall große Mengen übelriechender Gase.
[* 5] SchwereDarmkatarrhe gehen mit
Fieber einher. Setzt sich die Entzündung bis auf den Mastdarm fort, so sind beständiger Stuhldrang und schmerzhafte Gefühle
im After (Stuhlzwang) vorhanden. - Der chronische Darmkatarrh ist bei Erwachsenen gewöhnlich nicht von Durchfall begleitet,
im Gegenteil leiden die Kranken häufig an Stuhlverstopfung, die abgehenden Kotmassen sind aber in reichlichen
zähen Schleim eingehüllt. Es treten dabei leicht abnorme Zersetzungen des Darminhalts mit reichlicher Entwickelung stinkender
Gase, Auftreibung des Leibes, Oppressionsgefühl, Blähungen etc. ein. Die Kranken verlieren dabei die Kräfte, magern ab, haben
eine bleiche, schmutzig graugelbe Gesichtsfarbe. Sie bilden sich ein, an der Leber zu leiden, sind verstimmt und werden
von hypochondrischen und selbst melancholischen Stimmungen heimgesucht. Krankheitszustände dieser Art sind für den Patienten
wie für seinen Arzt überaus lästig und im ganzen schwer zu beseitigen, aber meist ohne besondere Gefahr.
Die kruppöse Darmentzündung kommt in ihrer reinen Form äußerst selten, am ehesten noch bei Vergiftungen mit ätzenden
Substanzen, zur Beobachtung. Sie ist öfters verbunden mit der diphtheritischen Darmentzündung. Diese betrifft bald den Dünndarm, bald den
Dickdarm oder beide Abschnitte zugleich. Sie entwickelt sich meist auf der Grundlage schwerer einfacher Darmentzündung, z. B.
epidemisch bei der als Ruhr bezeichneten Krankheit, bei Cholera, bei Darmschwindsucht, Kotstauungen, Einklemmungen etc.
Die Darmdiphtheritis beruht in einem Absterben der oberflächlichen Schleimhautschichten, welche dann abgestoßen werden und
Substanzverluste hinterlassen, die auf der Höhe der Falten zu liegen pflegen. Als Ursache sind Bakterienvegetationen zu betrachten.
Die Erscheinungen gleichen denen des heftigen akuten Katarrhs.
angegebenen Fleischsolution (vom Apotheker Mirus in Jena
[* 11] zu beziehen) zu erhalten suchen. Jedenfalls aber muß vorher noch
ein Versuch mit Mutter- oder Ammenmilch gemacht werden. Sind harte zurückgehaltene Kotmassen die Ursache des Katarrhs, so hat
die Kur mit einem Abführmittel zu beginnen, welches in gewissen Fällen häufig, fast täglich wiederholt
werden muß; auch kann durch Klystiere nachgeholfen werden. Gegen chronischen Darmkatarrh mit habitueller Stuhlverstopfung werden
die Belladonnapillen als außerordentlich wirksam gerühmt.
Häufig wird der Blinddarm oder Wurmfortsatz von dem vorhandenen Geschwür durchbohrt, dann tritt der Inhalt des Darms in den
Bauchfellsack über, und es entsteht eine allgemeine und fast ausnahmslos in kürzester Frist tödliche Unterleibsentzündung.
War vorher eine Verwachsung des Blinddarms mit seiner Umgebung eingetreten, so bilden sich in der Umgebung
des Blinddarms Jaucheherde, welche im glücklichen Fall durch die äußere Haut
[* 16] aufbrechen und sich entleeren, ohne daß notwendig
eine allgemeine Unterleibsentzündung eintreten müßte.
Diese letztern Fälle können zwar ausheilen, aber oft bedingen auch sie nach längerer Dauer durch allgemeine Erschöpfung
den Tod des Patienten. Diese Blinddarmentzündung (Typhlitis stercoralis) gibt sich zu erkennen durch eine
harte und schmerzhafte Geschwulst in der Gegend der rechten Darmbeinschaufel, welche nicht deutlich abgegrenzt ist. Es besteht
hartnäckige, wenn auch nicht absolute Stuhlverstopfung. Dazu kommt häufig Übelkeit, Würgen und Erbrechen von kotig riechenden
Massen (Heus), welche durch antiperistaltische Darmbewegungen in den Magen
[* 17] zurückgedrängt worden sind.
Die Geschwulst in der rechten Unterbauchgegend wird immer schmerzhafter, der Kranke kann selbst die leiseste Berührung dieser
Gegend kaum ertragen. Bessert sich die Krankheit, so geschieht es durch Entleerung größerer Mengen von übelriechenden Kotmassen
unter den heftigsten reißenden Schmerzen im Bauch.
[* 18] Schreitet die Krankheit aber fort, so stellen sich die
Erscheinungen einer Bauchfellentzündung (s. d.) ein. - Die Behandlung der Blinddarmentzündung führt nur dann zum Ziel, wenn
sie rechtzeitig eintritt und
umsichtig geleitet wird.
Ist der Fall noch frisch und noch kein Erbrechen vorhanden, so gebe man eine starke Dosis (2-3 Eßlöffel) Rizinusöl und suche
dadurch die Kotmassen zu entleeren. Gelingt dies nicht, tritt vielmehr Erbrechen hinzu, so sehe man davon
ab, den Stuhl durch Abführmittel zu erzwingen. Dann müssen große Mengen von warmem Wasser mit einem Zusatz von Honig oder
Öl durch eine Klistierspritze oder besser durch die Klysopompe in den Mastdarm eingebracht werden. Außerdem
setze man 10-20 Blutegel
[* 19] in die rechte Unterbauchgegend auf die dort befindliche Kotgeschwulst und unterhalte eine starke
Nachblutung.
Hierauf werden anhaltend feuchtwarme Umschläge auf die schmerzhafte Stelle des Unterleibes gelegt. Gegen die heftigen Schmerzen,
wenn sie nicht durch die Blutentziehung und die Kataplasmen beseitigt werden können, sowie gegen das Erbrechen
und bei drohender Gefahr der Perforation sind subkutane Einspritzungen einer Morphiumlösung anzuwenden. Eine etwa eintretende
Unterleibsentzündung ist nach den für diese gültigen Regeln zu behandeln. Bilden sich Abscesse in der Umgebung des Blinddarms,
so müssen dieselben mit dem Messer
[* 20] frühzeitig und ausgiebig eröffnet werden, um der Jauche den Ausfluß
[* 21] zu
verstatten. Selbst in Fällen der Genesung muß der Kranke auf das sorgfältigste beobachtet und behandelt werden. Die Kranken
erholen sich gewöhnlich nur sehr langsam von ihrem schweren Leiden.
[* 22] Überdies bleiben öfters schmerzhafte harte Partien im
Unterleib, ja sogar Knickungen und Verengerungen des Darmrohrs zurück.