Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/2200

Durch Bejagung und die Zerstörung ihres Lebensraumes wurde das Verbreitungsgebiet der Braunbären stark eingeschränkt. In vielen Regionen sind Braunbären ausgestorben, in Großbritannien beispielsweise bereits im 10. Jahrhundert, in Deutschland und dem nordafrikanischen Atlasgebirge im 19. Jahrhundert, in Mexiko und weiten Teilen der USA im 20. Jahrhundert.
In West- und Mitteleuropa gibt es nur mehr isolierte Populationen, ebenso im Kernland der USA, wo sie nur mehr im nordwestlichen Landesteil leben. Auch in Südwestasien und Teilen Nord- und Osteuropas hat ihre Anzahl deutlich abgenommen. Größere Populationen gibt es noch in Alaska, dem westlichen Kanada und in Nordasien. Durch Auswilderung von Bären aus anderen Gebieten wird versucht, besonders gefährdete Gruppen wieder aufzustocken. Die weltweite Gesamtpopulation des Braunbären beläuft sich auf rund 185.000 bis 200.000 Tiere.
Mit der Einwanderung beziehungsweise Wiederansiedlung der Bären in Österreich ist auch die Frage nach der möglichen Etablierung einer Population in Deutschland wieder aktuell geworden. 2005 hatte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den Braunbären zum Tier des Jahres erklärt. Tatsächlich zeigte sich dann im Mai und Juni des Jahres 2006 erstmalig seit rund 170 Jahren wieder ein Braunbär in Deutschland: später in der Presse "Bruno" genannt, wanderte er wochenlang in der deutsch-österreichischen Grenzregion umher. "Bruno" riss einige Haustiere und war öfter in der Nähe menschlicher Siedlungen zu sehen. Daraufhin wurde das Tier zeitweilig zum Abschuss freigegeben, was jedoch auf Druck der Öffentlichkeit zunächst wieder zurückgezogen wurde. Die daraufhin erfolgten Versuche, den Bären lebend zu fangen, wurden nach drei erfolglosen Wochen eingestellt. Am 26. Juni wurde der Bär in der Nähe des Spitzingsees erschossen.
In Österreich waren die Bären ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Vereinzelt gab es in den 1950er- und 1960er-Jahren in Kärnten Nachweise von Bären, die aus dem damaligen Jugoslawien zugewandert waren. Im Jahr 1972 ließ sich ein junges männliches Tier in der Ötscher-Region im südwestlichen Niederösterreich nieder, in jener Gegend, in der die letzten Exemplare im 19. Jahrhundert geschossen worden waren. 1989 wurde in der Region ein aus Kroatien stammendes Weibchen ausgesetzt, und 1991 kamen drei Jungtiere zur Welt. Mit der Aussetzung zweier weiterer Tiere in den Jahren 1992 und 1993 wurde das Wiederansiedlungsprojekt fortgesetzt.
Seit 1998 wurden jedes Jahr Jungtiere gesichtet, vereinzelt kam es auch zu Zuwanderungen aus Slowenien, sodass heute eine kleine, aber stabile Population von 25 bis 30 Tieren besteht. Die meisten davon leben im niederösterreichisch Grenzgebiet, vorwiegend im Ötscher-Tormäuer Naturpark.
Trotz gelegentlicher Schäden an Haustieren und Bienenstöcken ist die Anwesenheit von Braunbären in Österreich heute von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert. Drei eigens beauftragte ?Bärenanwälte? sollen in Bärenregionen die Akzeptanz der Tiere fördern und bei der Klärung von Schadensfällen helfen.
2004 wurde das sogenannte "LIFE Nature Coop Projekt" ins Leben gerufen, das, von der EU unterstützt, versucht, im Alpenraum den Braunbären wieder anzusiedeln. Beteiligt sind die Länder Italien mit den Regionen Trentino und Friaul, Österreich mit Kärnten, Nordösterreich, Oberösterreich und [Steiermark, sowie Slowenien. Im Rahmen des Projektes sollen die im Alpenraum ansässigen Teilpopulationen des Braunbären zu einer sogenannten Metapopulation vernetzt werden, die es den Tieren ermöglichen soll, sich untereinander zu vermehren und selbstständig zu
Der letzte Abschuss eines Bären in der Schweiz erfolgte 1904 im Engadin. 1923 gab es noch einmal eine Sichtung. Eine Studie im Anschluss an das österreichische Wiederansiedlungsprojekt aus dem Jahr 1993 zeigte, dass es auch in der Schweiz geeignete Lebensräume für Bären gibt. Tatsächlich wanderte im Juli 2005 ein Bär aus dem italienischen Trentino ins Val Müstair ein. Dadurch wurden neue Diskussionen über die Möglichkeit einer Etablierung einer Schweizer Braunbär Population entfacht. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat ein "Konzept Bär" verfasst. Darin ist eine prinzipiell positive Grundeinstellung zur Wiederansiedlung der Braunbären unter Berücksichtigung aller möglichen Konsequenzen und Risiken (bis hin zum Abschuss besonders aggressiver Tiere) festgeschrieben.
Die größte europäische Population außerhalb Russlands lebt in Rumänien. Dort gibt es vor allem in den Waldgebieten der Karpaten noch eine vierstellige Zahl von Braunbären: man schätzt den heutigen Bestand auf 6.600 Tiere
In Italien gibt es zwei kleine Gruppen. Die Population im Naturpark Adamello im Trentino ist allerdings hochgradig gefährdet. Um die Bestände aufzustocken, wurden zwischen 1999 und 2002 zehn Tiere aus Slowenien dort ausgesiedelt. Die zweite Gruppe im Abruzzen-Nationalparkumfasst rund 70 Tiere.
In Frankreich leben rund 10 bis 20 Braunbären in den Pyrenäen die dortige Population stammt aber komplett von ausgewilderten Tieren ab. Früher gab es auch eine Population in den französischen Alpen, diese ist jedoch in den 1930er Jahren erloschen.
In Spanien gibt es rund 160 Tiere in drei Populationen. Schätzungsweise 140 Tiere leben im Naturpark Somiedo im Prinzipat Asturien,. Eine geringere Population (ca. 25 Tiere) existiert im selben Gebirge im Naturpark Saja| in der Provinz Kantabrien. Der Tierbestand in diesen beiden Regionen gilt als stabil, da es sich um unbewohnte Bergregionen ohne Durchgangsstrassen handelt. Die kleinste Population (etwa ein Dutzend Tiere) lebt in den Pyrenäen in einer Grenzregion zwischen Spanien und Frankreich.
In Nordeuropa gibt es in Finnland an die 900 und in Schweden noch grössere Bestände mit insgesamt ungefähr 2500 Tieren, in Norwegen leben in vereinzelten Gebieten 30 bis 50 Bären.
In Kroatien leben je nach Quelle zwischen 600 und 1000 Braunbären vorwiegend im Gorski Kotar und in der Lika. An den Hängen des Velebit- Bergmassives befindet sich das Bärenrefugium von Kuterevo.
In den Staaten der Balkanhalbinsel gibt es noch grössere Populationen, so leben in Slowenien 300 bis 500 Tiere, kleine Gruppen sind auch aus Albanien (250) und Mazedonien (90) bekannt. Über die jetzige Situation der Braunbären in Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro ist wenig bekannt, ältere Berichte gaben für Bosnien 1.200 und für Serbien 430 Bären an.
In Griechenland haben sich in den Rhodopen und im Epirus-Gebirge rund 100 Tiere halten können, in Bulgarien leben schätzungsweise 700 Tiere.
Der Bestand in den Ländern der früheren Sowjetunion wurde 1989 auf 130.000 Tiere geschätzt, durch illegale Bejagung und die Suche nach Bodenschätzen hat er vermutlich abgenommen. In Volksrepublik China| leben geschätzte 4000 bis 8000 Tiere, kleine Populationen gibt es auch in der Mongolei und auf der japanischen Insel Hokkaido. Für viele südwestasiatische Länder wie die Türkei oder den Iran gibt es keine genauen Daten, hier sind die Populationen aber ebenfalls vermutlich im Rückgang begriffen.