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Indes ist diese Begründung der römischen
Hierarchie erst später aufgekommen.
Ihre wahren Grundlagen liegen in den Umständen,
unter welchen sich die
christliche Kirche in dem Römerreich ausbreitete, und in der
Stellung, welche
Rom und seine
Bischöfe
dabei einzunehmen durch örtliche und zeitliche Verhältnisse veranlaßt und befähigt wurden.
Roms alter
Ruhm und seine überwiegende Weltstellung gingen auf die in
Rom frühzeitig entstandene Christengemeinde über, und hierzu
gesellten sich noch neue, kirchengeschichtlich bedingte Vorzüge.
Im ganzen windet sich die Geschichte der römischen Bischöfe ziemlich dürftig durch diese Jahrhunderte des Druckes; indes
erhoben doch einige unter ihnen, wie namentlich Viktor I., schon jetzt mit mehr oder minder Glück Ansprüche auf
einen kirchlichen Primat, und die zentrale Bedeutung Roms ward schon von Irenäus im Abendland anerkannt.
Die zweite Periode begreift die drei folgenden Jahrhunderte (300-600), von Silvester I. bis Gregor I.; sie ist die Zeit der weitern
Durchbildung der hierarchischen Ideen und ihrer praktischen Verwirklichung in einem großen Teil des Römerreichs
und bei mehreren germanischen Völkern. Wie der Übertritt des kaiserlichen Weltbeherrschers zur christlichen Kirche, so kam
auch die gleichzeitige Verlegung der kaiserlichen Residenz nach Konstantinopel
[* 27] dem römischen Patriarchen sehr zu statten, indem
sie ihn aus der dem Aufblühen seiner Macht nicht günstigen Atmosphäre der Hofluft befreite.
Bald war das Urteil des römischen Bischofs auch in Glaubensstreitigkeiten kaum mehr zu umgehen. Unter den
römischen Bischöfen finden wir keine spekulativen Köpfe, selbst nur wenige Gelehrte; desto mehr praktischen Takt und strenge
Konsequenz besaßen sie. Rom kehrte sich nie an Theorien, sondern hielt sich an das Bewährte, Sichere; was auf einer
allgemeinen Synode entschieden war, das war für Rom fast ausnahmslos Glaubensnorm,
und es hatte dabei fast immer den Ruhm der
Orthodoxie für sich.
Bei dem Eindringen der germanischen Stämme wußte der römische Bischof das ganze Gewicht geltend zu machen, wodurch jemals
geistliche Würde der Unkultur imponiert hat. Attilas Abzug von Rom, durch Leos d. Gr. Zureden bewirkt, galt
bald als Wunderbeweis für die päpstliche Macht. Den Goten gegenüber schloß sich das italienische Volk nur noch enger an den
einheimischen Machthaber an, der am sichersten gegen die fremden, dazu arianischen Eroberer Schutz verhieß.
Eine Einbuße an Ansehen erlitt der römische Stuhl erst infolge der Unterwerfung Italiens
[* 28] unter die oströmische
Herrschaft durch Belisar, so daß zu Ende des 6. Jahrh. der Papst seiner politischen Bedeutung nach
in der That nur Vasall des griechischen Kaisers und seines Stellvertreters, des Exarchen zu Ravenna, war. Mehr als einmal haben
byzantinische Kaiser, wie Justinian, über römische BischöfeGericht gehalten, Absetzungsurteile, Verbannungen
und andre Strafen ausgesprochen.
Trotzdem blieb man im Abendland daran gewöhnt, von Rom aus den ersten Rang in Anspruch nehmen zu hören; schon ein Dekret Valentinians
III. vom Jahr 445 hatte den dortigen Bischof für die letzte Instanz der Bischöfe erklärt und ihm den unbedingten Primat
zuerkannt. Ließ sich derselbe auch noch lange nicht faktisch durchführen, erhoben namentlich auch unter den abendländischen
Bischofsitzen die wichtigsten, wie Mailand,
[* 29] Ravenna, Aquileja, von Zeit zu Zeit gegen die Einmischung des Papstes in ihre Angelegenheiten
Protest, so überzeugte man sich doch immer allgemeiner davon, daß, wenn die Kirche eine Einheit bilden
solle, das dieselbe repräsentierende Oberhaupt in Rom residieren müsse (s. Hierarchie).
Manche Einzelheiten der Praxis verraten, zu welcher Bedeutsamkeit der apostolische Stuhl in dieser Periode nach und nach gelangte.
So drückt die Anstellung von Vikaren des römischen Bischofs in entlegenen Ländern die Idee aus, daß dort, wohin das päpstliche
Auge
[* 30] selbst nicht blicken könne, ein Vertreter dafür gehalten werden müsse. Ebenso wurde es jetzt schon als notwendig
angesehen, das bischöfliche Pallium
[* 31] von Rom zu holen. Die Päpste der zweiten Periode umfassen die folgenden 33 Namen:
Die beiden bedeutendsten Päpste in dieser Reihe sind unstreitig Leo I. (s. d.) und Gregor I. (s. d.), welche beide das Prädikat
»der Große« erhalten haben. Beide übersahen mit scharfem Blick ihre Zeiten und redeten gleichsam im Vorgefühl der künftigen
Papstwürde. Bezeichnend für die Praxis des christlichen Rom, welches sich als direkte Nachfolgerin der
heidnischen Weltherrscherin faßte, ist, daß beide auch den TitelPontifex maximus oder Summus pontifex
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