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Tja, da habe ich mich selber etwas unter Druck gesetzt. Seit ich hier letzte Woche über Textanfänge geschrieben habe, tue ich mich jetzt gerade schwer mit dem Einstieg in diesen Newsletter. Wie auch immer: Ich habe Sie aufgefordert, mir schöne erste Sätze zu schicken.
Ihre Reaktionen folgten auf dem Fuss. Sie haben mir nicht nur tolle Textanfänge zugesandt, sondern auch einige sehr schöne Anekdoten. Herzlichen Dank dafür! Hier eine kleine Auswahl:
- «Call me Ishmael» (Herman Melville, Moby Dick)
- «Reiten. Reiten. Reiten. Durch den Tag. Durch die Nacht. Durch den Tag. Reiten reiten reiten.» (Rilke, «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke»)
- «Dieser Roman ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt.» (Heinrich Spoerl, «Die Feuerzangenbowle»)
- «Tief ist der Brunnen der Vergangenheit, sollte man ihn nicht unergründlich nennen?» (Thomas Mann, «Joseph und seine Brüder»)
- «Den 20. ging Lenz durchs Gebirg.» (Georg Büchner, Lenz)
- «Wir liegen neun Kilometer hinter der Front.» (Erich Maria Remarque, «Im Westen nichts Neues»)
- «It was a dark and stormy night.» (Edward Bulwer-Lytton, «Paul Clifford»)
Ein Leser hat sich den Satz: «Der Irrsinn endet wohl nie» ausgedacht. Er passe so gut zu unserer Weltlage. Wohl wahr!
Und von einer Leserin kam diese hübsche Anekdote: «Mit Beginn eines Aufsatzes, Gedichts oder Artikels hatte ich als Schülerin schon immer Mühe. Ich rief dann immer vom Wohnzimmer aus zu meiner Mutter in der Küche: ‹Wie soll ich die Geschichte beginnen?› Sie lachte dann glucksend und rief zurück: ‹Versuch's mit ...... ›. Ihre Ideen wollten dann gar kein Ende nehmen und ich unterbrach sie lachend: ‹Hör auf, 3-4 Worte genügen mir›. Ich legte handschriftlich mit meinem Text los und mochte dann für meine 4-6 Seiten nicht mehr gestört werden. Als ich im Erwachsenenleben ziemlich schnell Schriftstücke abliefern musste, verflog ein Grinsen nicht mehr von meinem Gesicht: Ach meine Mommy! Dann konnte ich diese ‹Meisterleistung› allein bewerkstelligen. Es hat einfach eine Auftakt-Szene benötigt, um das Gedächtnis in Schwung zu bringen. Mit meinen minderjährigen Töchtern übten wir bei jedem Brunch am Sonntag immer wieder, Anfangssätze zu bilden anhand von Stichwörtern einer Geschichte. Wie mache ich meine Leser und Leserinnen neugierig? Anfang, Mitte, Schluss, roter Faden!»
So einfach ist das also. Wir werden es beherzigen!
Rückblick
Selbst eingefleischte Republikaner kommen nicht umhin, dieser Tage einen Blick nach Grossbritannien zu werfen, wo eine weitere königliche Hochzeit ansteht. Letzten Sonntag haben wir in unserem Gesellschafts-Teil ein Porträt von Meghan Markle publiziert, der jungen Frau, die am kommenden Samstag mit Prinz Harry vor den Altar tritt.
Sie sei ein Glücksfall für die Monarchie und überdies der personifizierte Zeitgeist, hiess es in dem Artikel. Auf der Frontseite lautete der Titel: «Rettet sie die Monarchie?» Die Überschrift hat in unserer Redaktionskonferenz harsche Kritik ausgelöst. Warum Rettung, fragte ein Kollege, das sei doch Blödsinn, die Monarchie in Grossbritannien sei alles andere als gefährdet. Im Gegenteil, fand er, so unbestritten wie heute sei sie schon lange nicht mehr gewesen.
Nun, der Kollege hat recht. Die Monarchie auf der Insel bedarf in der Tat nicht der Rettung. Aber wie fängt man einen solch kritischen Einwurf auf, ohne die Kollegen zu brüskieren, die sich die schöne Schlagzeile ausgedacht haben? «Das haben wir extra so gemacht», lautete meine spontane Reaktion, «um einen Kontrast zum nächsten Sonntag zu schaffen.» Warum wir einen solchen Kontrast brauchen, lesen Sie im Ausblick.
Ausblick
Ab nächstem Sonntag soll nämlich alles noch besser werden. Das ist natürlich weit übertrieben, aber immerhin: Die «NZZ am Sonntag» kommt ab 20. Mai in einem luftigeren Kleid daher. Wir haben die Zeitung etwas aufgeräumt. Besonders augenfällig wird die Veränderung auf der Frontseite sein. Und ja, auch im Innern der Zeitung gibt es ein paar kleinere Veränderungen, über die wir Sie zum Wochenende hin und am Sonntag in gedruckter und digitaler Form ausführlich unterrichten werden.
Aber keine Angst: Ihre Lesegewohnheiten müssen Sie deswegen nicht ändern. Wir haben aufgeräumt, ja, aber die Möbel sind alle noch am gleichen Ort. Es gibt keine Änderung der Bundabfolge und der Ressorts. Sie dürfen sich freuen. Und Sie dürfen mit uns gerne über Layout und Gestaltung diskutieren – zum Beispiel an der nächsten Leserkonferenz am 30. Mai. Zur Anmeldung geht es hier.
Diese Notiz ist ein Auszug aus dem NZZaS-Newsletter, den Sie hier abonnieren können.