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Eine vernachlässigte Region
Peru verzeichnete von 2002 bis 2013 über die höchste wirtschaftliche Wachstumsrate Lateinamerikas (über 6 % pro Jahr) und eine der längsten Wachstumsphasen weltweit.
2014 fiel allerdings die Wachstumsrate auf etwa 2.5 % zurück; die Gründe liegen in den gefallenen Weltmarktpreisen für Rohstoffe sowie ungünstigen klimatischen Bedingungen, welche vor allem die Entwicklung der Fischindustrie beeinträchtigten. Für die nächsten Jahre wird Peru aber wieder ein solides Wachstum von 4 % diagnostiziert. Aufgrund seines gewachsenen Pro-Kopf-Einkommens gilt Peru heute nicht mehr als Entwicklungsland, sondern gehört mittlerweile zur Gruppe der sogenannten Schwellenländer (Middle Income Countries).
Das wirtschaftliche Wachstum kam aber bei weitem nicht allen im gleichen Umfang zugute. Die Ungleichheit in Peru ist nach wie vor gross, Einkommen und Vermögen extrem ungleich verteilt.
In den städtischen Gebieten hat sich zwar die Kluft zwischen Arm und Reich verringert, die Ungleichheit in den ländlichen Gebieten hingegen hat sich nur unwesentlich verändert. Nach wie vor sind die Armutsraten in den Anden und im Amazonasgebiet höher als im übrigen Peru. Der Anteil der Bevölkerung in extremer Armut macht zwar nur 3 % der Gesamtbevölkerung aus, aber 80 % davon leben in den ländlichen Gebieten.
Dazu kommen ethnische und genderbezogene Ungleichheiten. Ein Viertel der Bevölkerung Perus gehört zur indigenen Bevölkerung, welche fast ausschliesslich in den Anden und im Amazonas beheimatet ist. Indigene Haushalte sind im Durchschnitt ärmer als nicht-indigene (31% zu 18 %); dieses Verhältnis hat sich in den letzten Jahren verschlechtert.
Auch wenn die Armut in den letzten Jahren abgenommen hat und die Mittelklasse gewachsen ist – es ist eine äusserst fragile Entwicklung. Gerade die untere Mittelklasse reagiert besonders empfindlich auf Änderungen in ihrem Umfeld. Preiserhöhungen bei Produkten des täglichen Bedarfs oder unerwartete Folgen des Klimawandels lässt sie rasch wieder unter die Armutsgrenze fallen.