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Vergesslichkeit gehört zum Menschen. Die Geschwindigkeit, wie schnell wir etwas und wie viel wir vergessen, wird unter anderem vom Interesse, der Emotionalität der Erinnerung und der Wichtigkeit bestimmt, die wir der Information zuteil werden lassen. Klar ist, dass die geistige Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Lebensalter nachlässt. Neueste Studienresultate belegen, dass logisches Denken und das Gedächtnis schon ab 45 Jahren messbar nachlassen.
Bedeutung einer frühzeitigen Demenz-Diagnose
Dass sich die geistigen und körperlichen Fähigkeiten mit dem Älterwerden verändern, ist zwar völlig normal. Dennoch ist es wichtig, Warnzeichen einer möglichen Demenz- und Alzheimer-Erkrankung ernst zu nehmen. Je früher eine allfällige Diagnose gestellt werden kann, desto besser können sekundäre Demenzformen erfolgreich behandelt werden.
Frühzeitige therapeutische Massnahmen tragen ihren Teil dazu bei, Symptome und Fortschritt der Krankheit zu mildern. Die selbstständige Bewältigung des Alltags ist so länger möglich und die Lebensqualität höher. Früherkennung ermöglicht zudem eine bessere Lebensplanung.
Sieben Warnzeichen für Demenz
Das amerikanische National Institute on Aging hat sieben Warnzeichen formuliert, die auf eine beginnende Alzheimer-Erkrankung hinweisen können:
Eine Person...
- wiederholt immer wieder die gleiche Frage.
- erzählt immer wieder die gleiche, kurze Geschichte.
- weiss nicht mehr, wie bestimmte alltägliche Verrichtungen wie Kochen, Kartenspiel oder Handhabung der TV-Fernbedienung funktionieren.
- hat den sicheren Umgang mit Geld, Überweisungen, Rechnungen und ähnlichem verloren.
- findet viele Gegenstände nicht mehr oder sie legt sie an ungewöhnliche Plätze und verdächtigt andere Personen, den vermissten Gegenstand weggenommen zu haben.
- vernachlässigt anhaltend ihr Äusseres, bestreitet dies aber.
- antwortet auf Fragen, indem sie die ihr gestellte Frage wiederholt.
Für Menschen in der nahen Umgebung der betroffenen Person können dies Warnzeichen sein und ärztlicher Rat sollte eingeholt werden. Dies geschieht in der Regel zuerst bei der Hausärztin beziehungsweise beim Hausarzt, der die betroffene Person meist seit vielen Jahren kennt und Veränderungen der geistigen und funktionalen Fähigkeiten am besten einordnen kann. Die Vielzahl demenzieller Symptome und die Komplexität der Diagnostik erfordern in der Folge eine enge Kooperation zwischen Hausärztinnen beziehungsweise Hausärzten und Fachpersonen.
Therapie von Demenz
Wird die Diagnose Demenz oder Alzheimer gestellt, so besteht für die Betroffenen keine Hoffnung auf Heilung. Die Therapie beschränkt sich darauf die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Die Lebensqualität und Selbstbestimmtheit der Betroffenen soll so lange wie möglich erhalten werden. Es gibt die zwei Therapieansätze der medikamentösen und der nicht-medikamentösen Behandlung. In der Regel wird eine Kombination beider Ansätze gewählt.
Mini-Mental-Status-Test
Ein Beispiel eines gängigen Testverfahrens ist der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Er hat sich als zuverlässiges Hilfsmittel zur Erstbeurteilung eines Betroffenen und zur Kontrolle des Verlaufs erwiesen. Er erfasst Orientierung, Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Rechnen sowie sprachliche und konstruktive Fähigkeiten. Neben körperlichen und geistigen Untersuchungen dienen Laborbestimmungen und bildgebende Verfahren dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Sehr wichtig sind ausserdem persönliche Gespräche mit den Betroffenen und deren Umfeld.
Gedächtnis-Sprechstunden
In fast allen grösseren Städten gibt es Einrichtungen, die auf die Diagnose und Therapie von Demenz-Krankheiten spezialisiert sind – sogenannte Gedächtnis-Sprechstunden, Gedächtnis-Ambulanzen oder auch Memory-Kliniken.
Medikamentöse Therapie bei Demenz
Die Medikamente werden zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und manchmal auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt. Unter anderem erhöhen die verfügbaren Medikamente die chemischen Substanzen, welche Informationen von einer Gehirnzelle zur anderen transportieren. Medikamente gelangen ausserdem bei möglichen Begleiterkrankungen zum Einsatz.
Bei einer vaskulären Demenz können Medikamente eingesetzt werden, die das Blut verdünnen und damit dessen Fliessfähigkeit verbessern. Dadurch soll die Durchblutung des Gehirns verbessert werden. Die Wirkung von Arzneien ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
In der klinischen Anwendung hat sich gezeigt, dass einige Betroffene sehr gut auf die Medikamente ansprechen, andere überhaupt nicht. Um das geeignete Präparat zu finden, sollten Betroffene in regelmässigen Abständen neuropsychologisch untersucht werden. Dadurch kann man herausfinden, ob sich die Demenz verschlechtert hat und das Arzneimittel gegebenenfalls in der Dosierung angepasst oder ersetzt werden muss.
Neben den Medikamenten in Tablettenform stehen auch wirkstoffhaltige Pflaster zur Verfügung. Sie geben den Wirkstoff gleichmässig ab und erlauben eine höhere Dosierung bei gleichzeitig geringeren Nebenwirkungen. Da ein wesentliches Ziel der Behandlung darin besteht, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten, wirken beruhigende Medikamente, wie sie beispielsweise bei Schlafstörungen eingenommen werden, kontraproduktiv. Daher müssen Neben- und Wechselwirkungen der Arzneimittel unbedingt mit ärztlichem Fachpersonal abgeklärt werden.
Nicht-medikamentöse Therapie
Mit der nicht-medikamentösen Therapie sollen Demenzbetroffene geistig und körperlich entsprechend ihrer Vorlieben und Fähigkeiten gefordert werden. Zu den Tätigkeiten gehören Bewegungstherapien, Gedächtnistrainings, Beschäftigungen wie Mal- oder Kochtherapie und Spiele, aber auch Sprachtherapien.
Gedächtnistraining kann dazu beitragen, das Erinnerungsvermögen zu stabilisieren. Hierbei kann man Betroffenen beispielsweise Fotos von Verwandten zeigen oder Bilder von Gegenständen aus der gewohnten Umgebung. Durch die Biographiearbeit lässt sich herausfinden, welche Bedeutung verschiedene Verhaltensweisen für Menschen mit Demenz haben. Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens häufig Rituale, die ihr Handeln bestimmen. Dazu zählt beispielsweise das Glas Wein vor dem Schlafengehen. Je mehr dieser Handlungen bekannt sind, umso besser können sich Angehörige oder Pflegekräfte auf den Betroffenen einstellen.
Kommunikation ist für Demenzbetroffene ebenfalls wichtig. Zum einen wird dadurch der soziale Kontakt sichergestellt, der Betroffenen ein Gefühl der Geborgenheit gibt, zum anderen die Sprachfähigkeit geübt und erhalten. Wichtig dabei ist allerdings, dass man gegenüber Fehlern des Betroffenen nachsichtig ist. Da die kognitive Leistungsfähigkeit aufgrund der Erkrankung nachlässt, kommt es zu «Wortvergessen» oder Unzulänglichkeiten in der Artikulation.
Wer Menschen mit Demenz sehr direkt auf Fehler hinweist, sie gewissermassen belehrt, löst häufig Traurigkeit aus. Da Demenzbetroffene wissen, dass sie körperlich und geistig abbauen, leiden sie häufig an einer Depression. Um diese nicht zu verstärken, sollten Angehörige, Bekannte und Pflegepesonal über manche Schwächen hinwegsehen oder allenfalls vorsichtig Hinweise zur Verbesserung geben. Betroffene sollen das Gefühl haben, dass mit ihnen «auf Augenhöhe» gesprochen wird. Mehr dazu finden Sie im Artikel «Tipps für die Kommunikation mit Personen mit Demenz».
Weitere Therapieansätze sind die Basale Stimulation, bei der die Reizarmut von an Demenz erkrankten Personen verhindert werden soll, die Förderung des Wissens rund um die eigene Person und deren Beziehungsumfeld (Selbsterhaltungstherapie) sowie das Realitäts-Orientierungs-Training, das jedoch vor allem in einem frühen Stadium der Demenz erfolgversprechend ist. Um die Wahrnehmung von Demenzkranken zu schulen, können auch musisch-künstlerische Therapieansätze verfolgt werden. Hierzu zählen die Kunst-, Musik- und Tanztherapie. Welche Aktivitäten ausgeübt werden, hängt von den Interessen des Betroffenen und dem Stadium der Demenz ab.
In der Ergotherapie lassen sich die motorischen Fähigkeiten von Menschen mit Demenz trainieren. Ausserdem können sie ihre Körperwahrnehmung trainieren und gleichzeitig individuellen Interessen nachgehen, zumal in den Therapiesitzungen sehr unterschiedliche Übungen gemacht werden können, die persönliche Neigungen berücksichtigen (beispielsweise handwerkliche Arbeiten).
Neben den aktivierenden Behandlungsmethoden kann sich auch Entspannung positiv auf den Gesundheitszustand von Menschen mit Demenz auswirken. So lässt sich beispielsweise durch eine Aromatherapie eine Besserung von depressiven Stimmungen erzeugen, die bei Demenz häufig auftreten. Um keine unerwünschten Neben- oder Wechselwirkungen zu erzielen, sollten alle Massnahmen mit der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.