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Anstatt dem mündigen Eidgenossen selbst die Wahl zu überlassen, planen Bundesrat Alain Berset, Schweizer Lebensmittelproduzenten und Vertreter des Detailhandels quasi eine zwangserzieherische Massnahme zur Zuckerreduktion. Der zugesetzte Zucker, ein reines Naturprodukt, in Joghurts soll bis Ende 2018 um weitere 2,5 Prozent reduziert werden, jener in Frühstückcerealien um 5 Prozent und nach und nach durch Chemie ersetzt werden.
Anlässlich des zweiten Runden Tisches haben auch Aldi, Danone, Kellogg und Lidl die Erklärung unterzeichnet. Ersetzt werden soll der Zucker dann häufig durch chemische Süssstoffe wie Aspartam, Cyclamat oder auch die häufig als Stevia bezeichneten Steviolglycoside, um der chemischen Nahrungsmittelindustrie einen kräfigen Schub zu geben.
Im Sommer 2016 hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV eine erste Erhebung des Zuckergehalts in Joghurt und Frühstückscerealien durchgeführt. Die erhobenen Daten ergaben, dass Joghurts im Durchschnitt 17 g Zucker pro Becher (180 g) enthalten, Frühstückscerealien durchschnittlich 18 g Zucker pro 100g. Ende August dieses Jahres zeigten die Ergebnisse der zweiten Zuckergehaltserhebung, dass der durchschnittliche Gehalt an zugesetztem Zucker seither in den Joghurts um rund 3 Prozent gesunken ist, bei den Frühstückscerealien sogar um rund 5 Prozent. Die Daten zum Zuckergehalt werden jährlich erhoben, um die versprochene Reduktion des Zuckers und damit die Wirkung der Erklärung von Mailand zu überprüfen.
Parallel zur Zuckererhebung hat das BLV zwei Forschungsaufträge ausgeschrieben. Diese Arbeiten sollen Erkenntnisse bringen, um wie viel der Zuckergehalt in Joghurt und Cerealien reduziert werden kann, ohne dass dies wahrgenommen und die Qualität der Produkte vermindert wird. Die Ergebnisse der beiden Forschungsaufträge werden voraussichtlich bis 2019 vorliegen.
Macht Zucker wirklich dick?
Eines der Gesundheitsprobleme, für die Zucker besonders häufig verantwortlich gemacht wird, ist Übergewicht. Nachdem jahrzehntelang eine fettarme Ernährung propagiert wurde, sind jetzt kohlenhydratreduzierte „Low-Carb-Diäten“ buchstäblich in aller Munde. Dabei ist stets die Gesamtenergiezufuhr ausschlaggebend. Würden Kohlenhydrate weggelassen, aber dafür mehr Eiweiss und Fett verzehrt, bringt das nichts. Zudem haben Kohlenhydrate eine bessere Sättigungswirkung als Fett.