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Über den Autor
Bruno Eberle
Bruno Eberle war 16 Jahre lang Mitglied des St.Galler Stadtparlaments. Er beobachtet und kommentiert Politik, insbesondere Wahlen, seit rund 45 Jahren.
Bruno Eberle war 16 Jahre lang Mitglied des St.Galler Stadtparlaments. Er beobachtet und kommentiert Politik, insbesondere Wahlen, seit rund 45 Jahren.
Vor Wahlen vergeuden Parteien viel Zeit und Energie mit völlig unnützen Diskussionen über die Listenplätze der Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei werden diese überschätzt.
Wie so oft ist dieses Thema aus Deutschland über die Grenze geschwappt. Aber die Wahlsysteme sind ziemlich verschieden und darum ist die Bedeutung des Listenplatzes ganz unterschiedlich.
Wenn in Deutschland eine Partei in einem Bundesland 7 Sitze gewinnt, sind die Kandidierenden 1 bis 7 gewählt, Nr. 8 und folgende nicht. Übrigens hat die Bürgerschaft dazu nichts zu sagen, die Partei bestimmt die Reihenfolge. Bei uns glauben viele Parteien, sie können mit einem oberen Listenplatz jemanden fördern. Aber die Bürgerschaft kann mit dem bekannten «kumulieren und panschieren» die Reihenfolge ziemlich durcheinander bringen.
Zwei Beispiele:
Bei den letzten Nationalratswahlen wurde im Kanton Zürich bei der SVP der bekannte Nationalrat Christoph Mörgeli auf Platz 2 gesetzt. Auf jener Liste war kein System erkennbar, ausser zuerst die Bisherigen und dann die Neuen. Herr Mörgeli war aber offenbar auch in den eigenen Reihen umstritten, fiel er doch auf Platz 20 beziehungsweise den 8. Ersatzrang zurück. Ein klares Verdikt der Wählerschaft.
Ein altes Beispiel aus dem Kanton St. Gallen. Bei den Kantonsratswahlen 1976 war Verena Zollinger beim Landesring im Bezirk St. Gallen aufgrund ihres Namens auf Platz 40 gesetzt. Am Schluss des Tages war sie auf ihrer Liste auf Platz 4 und gewählt. Den Ausschlag hat nicht ihr Name, sondern ihr Umfeld aus Beruf und privatem Leben gegeben.
Viel wichtiger als der Listenplatz ist der Bekanntheitsgrad aus bisheriger politischer Tätigkeit oder aus Beruf, Sport oder Kultur. Die Bürgerschaft ist durchaus im Stande oder sogar neugierig darauf, die diversen Listen durchzugehen und zu schauen, wen man kennt oder nicht und daraus folgend, wen man gerne im Parlament sehen würde.
Die Parteien versuchen immer wieder, «Spitzenkandidaten» zu küren. Beispielsweise jetzt die Grünen im Kanton St. Gallen. Franziska Ryser und Patrick Ziltener sind ohne Zweifel fähige Leute und haben viel für ihre Partei gearbeitet. Aber am Schluss wird sicher die frühere Nationalrätin Yvonne Gilli auf Platz 1 sein.
Es gibt kein «gerechtes» System der Reihenfolge auf einer Wahlliste. Aber ein vernünftiges, nämlich zuerst die Bisherigen und dann die Neuen in alphabetischer Reihenfolge. Alle Kandidierenden und die Parteiexponenten sollen ihre Energie besser für den Wahlkampf nutzen und viele Gespräche mit den Wählerinnen und Wählern führen und ihren Bekanntenkreis mit Telefon und E-mail zur Wahl motivieren.
Den Rest erledigt dann die Wählerschaft. Diese wird dann vielleicht nicht die «Besten und die Wägsten» wie im Staatskundebuch wählen, aber jene mit dem grössten Bekanntheitsgrad.
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