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Kurze Lebensskizze von Friedrich Alexander von Humboldt
Nachdem ich im elterlichen Hause eine sorgfältige Erziehung sowie den Unterricht durch die namhaftesten Gelehrten von Berlin hatte genießen dürfen, schloß ich meine Studien an den Universitäten von Göttingen und Frankfurt ab. Für das Finanzwesen bestimmt, verbrachte ich darauf ein Jahr an der Handelsakademie zu Hamburg, einer Ausbildungsstätte für Kaufleute sowie für Personen, die im Staatsdienst für Handel, Banken und Manufakturen zuständig sind. Glücklicherweise hatte mein erstes Werk über die Basalt-Berge am Rhein, wie wenig verdient auch, einen Erfolg, der den Leiter unseres Bergwesens, den Freiherrn von Heinitz, zu dem Wunsch veranlaßte, daß ich in seinem Departement tätig würde. Darauf unternahm ich eine Reise zur Mineralogie und Naturgeschichte durch Holland, England und Frankreich, unter der Leitung von Georg Forster, dem namhaften Naturforscher, der mit Kapitän Cook eine Weltreise gemacht hatte. Ihm verdanke ich den größten Teil der geringen Kenntnisse, die ich besitze. Nach meiner Rückkehr aus England widmete ich mich dem Studium der praktischen Bergwerkskunde zu Freiberg und im Harz. Nachdem ich diese und jene nützlichen Versuche zur Einsparung von Brennstoff beim Salzsieden unternommen und ein kleines Werk über diesen Gegenstand veröffentlicht hatte (inzwischen von Coquebert ins Französische übersetzt), sandte mich der König nach Polen und in das Innere Deutschlands, um die Salzminen von Wieliczka, Hallein und Berchtesgaden zu untersuchen. Die dort von mir gezeichneten Karten waren dienlich für die neuen Salzwerke von Magdeburg. Obwohl ich noch keine acht Monate im Dienst gewesen war, ernannte mich Seine Majestät bei der Anbindung der fränkischen Fürstentümer an die Krone zum Direktor der Bergwerke in jener Provinz, in der die Arbeiten seit einem Jahrhundert stillgestanden hatten. Ich blieb drei Jahre in diesem Fach beschäftigt, und meine Unternehmungen gelangen so glücklich, daß die Alaun-, Kobalt- und sogar die Goldminen von Goldkronach bald Vorteile für die Königliche Schatzkammer erbrachten.
Zufrieden mit diesem Fortschritt, entsandte man mich abermals nach Polen, um zu erkunden, welchen Nutzen man aus dem Gebirge der neuen Provinz, seitdem Südpreußen genannt, ziehen konnte. Zur gleichen Zeit entwarf ich einen Plan zur Verbesserung der Salzquellen an den Küsten der Ostsee. Während meines Aufenthaltes in den Gruben führte ich eine Reihe von gefährlichen Versuchen durch über die Mittel, unterirdische Gase weniger schädlich zu machen und erstickte Personen zu retten. Es gelang mir, eine neue antimephitische Lampe zu erfinden, die in keinem Gas erlischt, sowie eine Atemmaschine zu konstruieren; Instrumente, die auch bei militärischen Grubenarbeiten dienen können, wenn feindliche Geschütze sie behindern. Dieses Gerät erhielt die Genehmigung durch das Kriegsministerium, und seine Einfachheit war der Grund, weshalb man bald auch im Ausland davon Gebrauch machte.
Zu jener Zeit veröffentlichte ich auch ein botanisches Werk: Flora Fribergensis, die chemische Physiologie der Pflanzen, in verschiedene Sprachen übersetzt, sowie eine große Zahl von Abhandlungen zur Physik und Chemie, die zum Teil in französischen und englischen Zeitschriften erschienen. Nach meiner Rückkehr aus Polen verließ ich für geraume Zeit meinen Wohnsitz im Gebirge und schloß mich Herrn von Hardenberg bei einer politischen Mission an, mit der er vom König kurz vor dem Basler Frieden beauftragt worden war. Ich folgte ihm zu den an den Rheinufern liegenden Armeen in Holland und in der Schweiz. Dies gab mir die Gelegenheit, die hohe Gebirgskette der Alpen, Tirol, Savoyen und den übrigen Teil der Lombardei zu besuchen. Als im folgenden Jahr das französische Heer gegen das Frankenland zog, wurde ich in das Hauptquartier des Generals Moreau gesandt, um mit ihm über die Neutralität einiger Reichsfürsten zu verhandeln, die der König unter seinen Schutz genommen hatte.
Mit dem brennenden Verlangen, eine andere Weltgegend zu besuchen und sie mit Bezug auf die allgemeine Physik zu betrachten, nicht nur die Arten und Kennzeichen der Lebewesen (eine Übung, der man sich bisher allzu sehr gewidmet hatte), sondern auch den Einfluß der atmosphärischen Luft und ihrer chemischen Zusammensetzung auf die Lebewesen zu studieren, den Bau des Erdballs, die Beschaffenheit der Erdschichten in den am weitesten voneinander entfernten Ländern, mit einem Wort die großen Übereinstimmungen der Natur, wuchs in mir der Wunsch, den königlichen Dienst für einige Jahre zu verlassen und einen Teil meines Vermögens der Förderung der Wissenschaften zu widmen. Ich bat daher um meine Entlassung; aber Seine Majestät, anstatt mir diese zu gewähren, ernannte mich zum Oberbergrat, erhöhte mein Jahresgehalt und genehmigte eine Reise im Dienst der Naturgeschichte.
Da ich aus solch großer Entfernung meinem Vaterland keinen Dienst erweisen konnte, nahm ich das Jahresgehalt nicht an und dankte Seiner Majestät für die Gunst, die mir erwiesen wurde, weniger aufgrund meiner geringen Verdienste als in Anerkennung der Verdienste meines Vaters, der bis zu seinem Tod das achtungsvollste Vertrauen seines Fürsten besaß.
Um mich angemessen auszurüsten für eine Reise mit so vielfältigen Zwecken, stellte ich eine Auswahl an erlesenen astronomischen und physikalischen Instrumenten zusammen: zur genauen Bestimmung der astronomischen Lage der Orte, der Magnetkraft, der Abweichung der Kompaßnadel, der chemischen Zusammensetzung der Luft, ihrer Elastizität, Feuchtigkeit und Temperatur, ihrer elektrischen Ladung und Transparenz, der Farbe des Himmels, der Temperatur des Meeres in großer Tiefe usw. Da ich um diese Zeit eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht hatte bezüglich der Nervenflüssigkeit und der Art, wie man die Nerven durch chemische Einwirkung reizen kann (indem man ihre Reizbarkeit nach Belieben verringert oder erhöht), erkannte ich die Notwendigkeit, mich vor allem der Anatomie zu widmen. Dazu hielt ich mich für vier Monate an der Universität Jena auf und veröffentlichte ebendort die zwei Bände meiner Versuche zu den Nerven und dem chemischen Prozeß des Lebens: ein Werk, das auch in französischer Übersetzung erschien.
Von Jena ging ich nach Dresden und Wien, um dort die botanischen Schätze zu studieren und ein weiteres Mal das Innere von Italien zu besuchen. Die Unruhen in Rom brachten mich von dieser Absicht ab, und während ich mich in Salzburg aufhielt, fand ich eine neue Methode zur Analyse der atmosphärischen Luft, worüber ich zusammen mit Vauquelin eine Abhandlung veröffentlichte. Zu jener Zeit vollendete ich auch die Konstruktion meines neuen Barometers und eines Instruments, dem ich den Namen Anthracometer gab, da es die Menge an Kohlensäure (acide carbonique) in der atmosphärischen Luft anzeigt. Noch in der Hoffnung, bis nach Neapel gelangen zu können, reiste ich nach Frankreich ab, wo ich fünf Monate mit den Pariser Chemikern zusammenarbeitete. Bei dieser Gelegenheit las ich im Nationalinstitut verschiedene Abhandlungen vor, zu finden in den Annales de Chimie; und ich veröffentlichte zwei Werke: eines über die unterirdischen Gase und die Art, sie weniger schädlich zu machen; das andere über die Zerlegung der Luft.
Nach dem Beschluß des französischen Directoire, eine Reise um die Welt mit drei Schiffen unter dem Befehl von Kapitän Baudin durchführen zu lassen, wurde ich vom Minister der Marine gebeten, die Gelehrten, die diese Expedition begleiten sollten, bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Ich machte mich schon bereit, nach Havre abzureisen, als Geldmangel den Plan zunichte machte. Ich entschied daraufhin, mich nach Afrika zu begeben, um das Atlasgebirge zu untersuchen. Zwei Monate lang wartete ich in Marseille darauf, mich einschiffen zu können, doch eine Änderung der politischen Verhältnisse in Algier zwang mich, diesen Vorsatz aufzugeben, und ich begab mich auf diese Halbinsel, um den Schutz Seiner Katholischen Majestät für eine Reise nach Amerika zu erbitten, deren Gelingen die höchsten meiner Wünsche erfüllen würde.
Auf Ersuchen des sächsischen Gesandten, des Freiherrn von Forell, residierend am Madrider Hof, entwarf Herr von Humboldt diese Lebensskizze und stellte sie dem Gesandten zur Verfügung. Dieser, selbst ein gelehrter Mann, beeilte sich, die Bitte des Herrn von Humboldt zu erfüllen und die beschriebene Reise angesichts ihrer Bedeutung für die Naturwissenschaften, die Chemie und die Geologie dem Ministerium des Königs von Spanien vorzulegen: dieser, mit aufgeklärten freiheitlichen Anschauungen und dem steten Bestreben, die Wissenschaften zu fördern, erteilte eine Genehmigung, die seit der Expedition des Herrn de la Condamine ihresgleichen suchte.
Man fertigte zu diesem Zweck die präzisesten und für diesen vornehmen Reisenden ehrenvollsten Befehle an alle Vizekönige und Oberbefehlshaber der ausgedehnten Besitzungen Seiner Katholischen Majestät in jener neuen Erdhälfte aus. Versehen mit diesen königlichen Aufträgen und mit Empfehlungsschreiben aller Gelehrten und begleitet von den guten Wünschen aller, welche die wahren Ergebnisse seiner geplanten Reisen für die Geologie erwarteten und ihren Wert zu schätzen wußten, brach Herr von Humboldt nach La Coruña auf und reiste von dort Anfang Juni letzten Jahres auf einem Postschiff nach Havanna, mit der Absicht, sich weiter nach Mexiko zu begeben und zuerst den nördlichen Teil Amerikas zu durchfahren, um danach durch den Süden desselben Kontinents zu reisen und darauf über die Philippinischen Inseln nach Europa zurückzukehren, wozu er eine Zeit von drei oder vier Jahren brauchen wird. Seit seiner Abreise hat man bereits Briefe von ihm von Santa Cruz auf Teneriffa und sogar aus Cumaná empfangen. Einer seiner Freunde in Deutschland, Herr Goedeking in Bayreuth, hat neulich in einem hochdeutschen Literarischen Tagesblatt die beiden folgenden Briefe veröffentlicht.
Geschrieben von ihm selbst, in Spanien, im Mai 1799