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Atlantic City (1980)
Atlantic City, USA
Atlantic City (1980) Atlantic City, USA
Oder: Niedergang und Neubeginn
Atlantic City, nahe New York, hat anfangs der 80er Jahre zwei Gesichter: Casinos spriessen überall wie Pilze aus dem Boden und ersetzen Prunkbauten aus den guten alten Zeiten, die abgerissen oder gesprengt werden. Die Einwohner hausen in alten, baufälligen Appartments und leben vor sich hin, den alten Zeiten nachtrauernd. Hier leben auch die Casinoangestellte Sally (Susan Sarandon), die an der Austernbar bedient und sich allabendlich mit Zitrone den Fischgeruch vom Körper wäscht, der alternde Ganove Lou (Burt Lancaster) und die eigenwillige Grace (Kate Reid), die sich von Lou, der einst Laufbursche für ihren Mann war, bedienen lässt.
Sally bekommt unerwünschten Besuch von ihrer Schwester (Hollis McLaren), die mit Sallys Mann Dave (Robert Joy) durchgebrannt ist. Hochschwanger sucht sie bei Sally Unterschlupf, nicht wissend, dass Dave zuvor bei einer Drogenübergabe einen Packen Koks klaute. Damit will er in Atlantic City das grosse Geld machen, braucht aber einen Gehilfen und findet diesen schliesslich in Lou. Der fühlt sich mit dieser Aufgabe betraut endlich wieder wie ein Mensch. Als Dave von den bestohlenen Drogenhändlern ermordet wird, nimmt Lou die Sache alleine in die Hand und verkauft den Stoff unter Eigenregie.
Doch die Gangster sind Sally inzwischen auf der Spur, und Lou, der in Sally, die er seit langem durch sein Fenster beobachtet, eine Geliebte gefunden hat, muss sich entscheiden ob er den Mann stehen kann oder, wie bisher immer, den Schwanz einziehen und davonrennen soll.
DVD-Rating
Louis Malle schaffte 1980 eine grosse Überraschung, als sein Film Atlantic City in den fünf Hauptkategorien für den Oscar nominiert wurde: Bester Film, Regie, Hauptdarsteller, Hauptdarstellerin, Drehbuch. Burt Lancaster, der damals 67 Jahre alt war und Robert Mitchum ersetzte, spielt hier eine seiner ungewöhnlichsten Rollen. Als Kleinganove Lou, den die Zeit längst überholt hat, fristet er ein trauriges Dasein als Laufbursche für die Frau seines einstigen Bosses, der eine grosse Nummer im alten Atlantic City war. Er trauert dieser Zeit nach, hat sich gleichzeitig mit kleinen Lotteriegeschäften einen fragwürdigen Lebensunterhalt geschaffen.
Susan Sarandon, zu jener Zeit Lebensgefährtin des französischen Regisseurs, lebt als Sally ebenfalls ein desillusioniertes Leben. Sie träumt davon als Kartengeberin in Monte Carlo zu arbeiten, fristet aber ein Dasein als Austernverkäuferin in einem Casino. Mit aufgeschnittenen Zitronen wäscht sie sich nicht nur den Fischgeruch von der Haut, auch ihr trauriges Leben soll damit weggewischt werden.
Die Drogengeschichte, in die Lou zufällig reingerät und davon zu profitieren versucht, scheint Nebensache. Die traurigen und pessimistisch unnahbaren Bilder unterstreichen die Charakterstudie, die Malle hier zeigen will. Der Zerfall einer Stadt und mit ihr die Menschen und deren Schicksale stehen im Vordergrund. Atlantic City wirkt dabei aber merkwürdig befremdlich und irgendwie distanziert, zu keinem der Protagonisten findet man einen wirklichen Zugang.
Louis Malles Abgesang auf eine einst blühende Stadt, die zum Casinospielplatz umfunktioniert wird, ist ein spezieller, ja ein stellenweise kurioser Film, dessen Stimmung von Pessimismus und Ausweglosigkeit geprägt ist. So funktioniert Atlantic City denn auch nur, wenn man weder ein Ganovenstück noch einen Gamblerfilm erwartet, sondern sich auf ein intimes Charakterporträt einstellt. Dass Malle wenig Geld zur Verfügung hatte, ist dem Film allerdings deutlich anzusehen.
Extras: Gerade mal ein Originaltrailer ist als Extra erhalten, schade. In bedauerlicher Qualität sind Bild und Ton. Das Bild ist verschwommen, körnig und arg dunkel geraten. Die Tonspur besteht in den beiden enthaltenen Sprachen als dumpf klingende Monospur, wobei die Synchroversion klanglich besser wegkommt als das Original. Eine rundum enttäuschende DVD.
OutNow.CH:
27.04.2008 / pb
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