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Weltweit fahren fast doppelt so viele Fahrräder (130 Millionen) wie Autos (67 Millionen) auf den Strassen. Das beliebte Fortbewegungsmittel wird vor allem für kurze Strecken im Alltag genutzt, gewinnt jedoch auch in der Freizeit immer mehr an Bedeutung. Die Anfänge des modernen Fahrrads findet man im 19. Jahrhundert.
Geschichte des Fahrrads
Karl Friedrich Freiherr Drais erfand Anfang des 19. Jahrhunderts die sogenannte Draisine. Das Laufrad mit zwei Rädern gilt als Vorläufer des heutigen modernen Fahrrads. Bereits 1861 wurde das Laufrad um einen Tretkurbelantrieb erweitert, dadurch erreichte man höhere Geschwindigkeit. Noch schneller fuhr das Hochrad von Eugène Meyer von 1869 mit seinem gegenüber dem Hinterrad dreimal grösseren Vorderrad. Diese verwegene Konstruktion verschuldete aber immer wieder schwere Stürze.
Bald darauf erschien das heutige moderne Fahrrad auf der Bildfläche. John Kemp Sterley präsentierte im Jahr 1885 ein Gefährt mit Stahlrahmen, einer sinnvollen Anordnung der Bedienungselemente und gleich grossen Rädern. Diese Variante des Fahrrads glich spätestens 1888, als die Räder aus Vollgummi durch Luftreifen ersetzt wurden, dem heutigen immer mehr. Im Laufe des 20. Jahrhunderts kamen Kleinigkeiten wie die Freiluftnabe mit Rücktrittbremse, die Kettenschaltung oder die erste Schnellschaltung dazu.
Erst 1981 gab es wieder eine wesentliche Neuerung: Das Mountainbike wurde erfunden. Es sticht mit seiner fein abgestuften Gangschaltung, den breiten geländegängigen Reifen und dem leichten Rahmen heraus. Es ist besonders geeignet für Berg- und Geländefahrten.
Fahrräder mit elektrischer Unterstützung gehören zu den neusten Erfindungen in diesem Sektor. Die E-Bikes haben im letzten Jahrzehnt enorm an Zahl zugelegt und gehören heute zu vielen Haushalten selbstverständlich dazu.
Das Fahrrad war aber nicht immer ein weit verbreitetes Fortbewegungsmittel. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts galten die Fahrräder als massentauglich und konnten von vielen Personen gekauft werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg boomte allerdings ein anderes Verkehrsmittel: Das Auto. Das erneute Umsteigen der breiten Masse auf das Fahrrad in den 1980er Jahren war der Umweltbewegung geschuldet.
Das Fahrrad als Nachhaltiges Fortbewegungsmittel
Das Fahrrad hat viele Vorteile: Es hält fit, schont die Umwelt, schleust die Fahrenden an Staus vorbei, bedarf nur einer kleinen Abstellfläche und kostet wenig im Unterhalt. Doch wie sieht es eigentlich mit der Ökobilanz des Fahrrads aus?
Das „Velo“ verursacht im Gegensatz zu vielen anderen Transportmitteln bei der Benutzung keinen direkten CO2-Ausstoss. Jedoch entstehen bei der Herstellung und beim Transport in die Verkaufsländer einige Emissionen.
Die Rahmen der Fahrräder bestehen meist aus Aluminium oder Carbon. Sie werden oft in asiatischen Ländern hergestellt, unter schlechten Umwelt- und Menschenrechtsstandards. Etwas mehr als 50% aller Fahrräder stammen alleine aus China. Der anschliessende Transport in die Verkaufsländer erfolgt häufig mit dem Schiff. Die grossen Container-Frachter werden mit Schweröl betrieben und weisen daher grosse Emissionen auf, die dann aber – auf Grund der hohen Transportkapazität – das einzelne Fahrrad nur noch im geringen Mass belasten.
Bei Elektro-Fahrrädern kommt zusätzlich der Akku dazu. Dieser besteht unter anderem aus seltenen Erden und anderen Rohstoffen, die der Natur entnommen werden. Der Abbau führt zu Umweltzerstörung und gefährdet Flora und Fauna. Weiter muss berücksichtigt werden, dass der Akku jeweils wieder mit Strom aufgeladen wird. Hier ist der Strom-Mix eines Landes entscheidend. Zu je grösseren Anteilen dieser aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, desto mehr sinkt die Klimabilanz des Elektro-Fahrrads. Die Herstellung eines Akkus emittiert ca. so viel Kohlendioxid, wie 500 bis 1000 Kilometer Autofahrt. Hinzu kommt, dass die Akkus mit jedem Ladevorgang an Leistung einbüssen und nach einigen Jahren ersetzt werden müssen. Entsorgung und Recycling sind vielerorts in der Zwischenzeit geregelt.
Ebenfalls von Bedeutung ist die benötigte Infrastruktur: Fahrrad-Wege brauchen Asphalt und Baumaschinen. Die Umweltlast der Infrastruktur fällt allerdings im Vergleich zu Auto-Strassen eher gering aus.
Das Fahrrad ist trotz allem eine gute Alternative
Insgesamt bleibt das Fahrrad trotzdem ein Fortbewegungsmittel, das die Umwelt schont. Der nicht vorhandene CO2-Ausstoss und die Fortbewegung durch die eigene Muskelkraft sprechen klar für dieses Transportmittel. Durch lange Nutzungszyklen und regelmässige Reparaturen, das Recycling ausgedienter Akkus und anderer Elemente, das Aufladen der Akkus mit Ökostrom und den Kauf in der Schweiz hergestellter Fahrräder lässt sich zudem die Ökobilanz noch weiter verbessern.