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„Weibliche“ Sicht auf imperiale Herrschaft
An der Seite der Mächtigen des Zarenreichs: Gab es eine „weibliche“ Sicht auf imperiale Herrschaft?
Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk, Basel
Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung imperialer Herrschaft bzw. die Konstruktion von Ich-Entwürfen, wie sie in autobiographischen Texten von Ehefrauen hochrangiger Würdenträger des späten Zarenreiches wie etwa Gouverneuren und Generalgouverneuren zum Ausdruck kommen. Bei diesen Frauen handelt es sich um Mitglieder der gebildeten und mobilen Reichselite, denen zwar eine eigene Karriere in der Reichsverwaltung verwehrt war, die an der Seite einflussreicher Männer des Zarenreichs jedoch differenzierten Einblick in die Strukturen autokratischer Machtausübung in den verschiedenen Regionen des Imperiums bekamen. Meist auf repräsentative Aufgaben der Herrschaft zurückgeworfen, nutzten zahlreiche dieser Frauen die eigene privilegierte Stellung, um in Tagebüchern oder Memoiren über ihren eigenen Lebensweg zu reflektieren. Ausgehend von Vorstudien zu den Erinnerungen von Varvara Duchovskaja (1854-1931), die in ihren Memoiren über ihre Lebensstationen im südlichen Kaukasus, Fernen Osten und Turkestan reflektiert, sollen autobiographische Schriften von Marija N. Kristi (1860-?), Aleksandra N. Obolenskaja (1861-1945) u. Varvara D. Komarova (1862-1942) nach Wahrnehmungsmustern imperialer Herrschaft und imperialer Räume sowie nach spezifisch weiblichen Ich-Entwürfen und autobiographischen Schreibkonventionen befragt werden.