Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/118

Erste Spuren menschlicher Besiedlung weisen in die Steinzeit zurück. Auch die späteren Epochen sind durch Bodenfunde gut belegt. Die Anfänge des heutigen Dorfes - eine allemannische Gründung - mögen im frühen 6. Jahrhundert liegen. Die Ausbausiedlungen Muntwil, Müslen, Oberhard und Lindmühle dürften vom 9. bis 12. Jahrhundert entstanden sein. Als der berühmte Kreuzzugprediger Bernhard von Clairvaux 1146 für eine Nacht in Birmenstorf Herberge nahm, muss er den Kulturraum bereits in der uns vertrauten Form angetroffen haben.
Deutliche Gestalt gewinnt das Dorf für uns im 14. Jahrhundert. 1363 kaufte Königin Agnes von Ungarn, die Tochter des 1308 bei Windisch ermordeten deutschen Königs Albrecht, von den Trostbergern namhafte Grundrechte in Birmenstorf, dazu den Kirchensatz und die Niedere Gerichtsbarkeit (die Hohe lag beim Stein zu Baden) und vergabte alles Erworbene dem Kloster Königsfelden. Dank dieser Urkundengruppe und der um 1390 erstmals schriftlich festgehaltenen Offnung kennen wir fast alle Bauern jener Zeit. Zusammen mit den durch die Klosterverwaltung erstellten Güter- und Abgabeverzeichnissen lässt sich die Geschichte der meisten Bauernhöfe bis in die Neuzeit verfolgen. Mit der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen kam Birmenstorf 1415 zur Gemeinen Herrschaft der Grafschaft Baden und damit unter die Hoheit der Acht Orte.
Die Wirren der Reformation um 1530 und ihre Nachwirkungen haben das Dorfleben bis ins 20. Jahrhundert hinein geprägt. Die Dorfbevölkerung wandte sich zu einem Drittel dem neuen Glauben zu. Dieses Zahlenverhältnis hat sich durch alle Jahrhunderte bis heute erhalten. Die Dorfkirche diente als paritätisches Gotteshaus beider Konfessionen. Erst dem 20. Jahrhundert erschien dieser Zustand als nicht mehr zeitgemäss: 1935 wurde die katholische Kirche gebaut, 1936 die reformierte; vom alten Gotteshaus blieb der Chor mit dem geschlossenen Freskenzyklus von 1440 erhalten. Als Kinder der Kirche entstanden zwei Schulen, 1663 eine reformierte und 1664 eine katholische. Sie wurden erst 1896 zusammengelegt; das reformierte Schulhaus ging in Privatbesitz über, das katholische tut, mehrfach umgebaut, seinen Dienst noch heute.
Die Bevölkerung lebte fast ausschliesslich von der Landwirtschaft, Handwerk blieb Nebenerwerb. Der starke Bevölkerungszuwachs im 18. Jahrhundert führte zur Verarmung, und die Bürger wehrten sich nach Möglichkeit gegen fremden Zuzug. Dieser Widerstand lockerte sich erst gegen 1900, als die Maschinenindustrie in der Badener Gegend Fuss fasste. Sie kam der handwerklichen Begabung unserer Leute entgegen und bot nun auch den Nicht-Bauern ausreichenden Verdienst.
Der auswärtige Arbeitsplatz, damals noch eine Ausnahme, ist heute fast zur Regel geworden. Die Bürgerfamilien sind aber immer noch zahlreich vertreten (die Meier erstmals 1363 erwähnt, Schneider 1432, Zehnder 1479, Humbel 1508, Rey 1532, Biland 1647, Müller 1674, Würsch 1693, Zimmermann 1699, Bopp 1713, Notter auf Müslen 1775, Busslinger auf Oberhard 1837).
Der Landbau veränderte sich auch. Dem jahrhundertelang vorherrschenden Getreidebau folgt im 19. Jahrhundert eine vorwiegende Milchwirtschaft (Käsereigenossenschaft 1860). Diese wiederum wandelte sich zu den Betrieben unserer Zeit mit je hälftigem Futterbau/Ackerbau. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg begann in Birmenstorf eine Spezialisierung auf den gewerblichen Gemüsebau. Dem Dutzend Bauernbetriebe mit rund 300 Hektaren Fläche stehen zur Zeit fünf Gemüsebaubetriebe mit rund 100 Hektaren gegenüber.
Ausweitung im 18./19. Jahrhundert - einen Höchststand von 35 Hektaren. Dem landesweit verzeichneten Niedergang seit 1900 wurde mit einem Neubeginn auf reduzierter Fläche und reguliertem Areal von etwa 11 Hektaren begegnet (1935/38). Die Rebberge bedecken zur Zeit wieder ungefähr die gleiche Flurweite wie 1350.
Zeugen diese Übersichten von viel Unternehmergeist und Einsatz, so wollte die Gemeinde als Ganzes nicht recht gedeihen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg war es ihr möglich, vermehrt Mittel frei zu machen, gerade rechtzeitig und ausreichend, die drängenden Infrastrukturaufgaben der Reihe nach zu bewältigen. Dieser geschichtlichen Entwicklung verhalf ein Stoss von aussen zu anderer und verhängnisvollerer Gangart. Der Bau der Nationalstrasse 1967-1970 querte das Gemeindegebiet und zerschnitt mit der durchs Dorf gelegten Autobahn-Zubringerstrasse die in Jahrhunderten gewachsene Dorfsiedlung rücksichtslos.
aus: Max Rudolf, Birmenstorf, Verlag Effingerhof 1991
Obwohl in den letzten 15 Jahren die Einwohnerzahl um mehr als einen Drittel auf rund 2'400 Personen angewachsen ist, hat unser Dorf seinen ländlichen Charakter bewahrt. Die durch den Bevölkerungszuwachs bedingten, zusätzlichen Infrastrukturaufgaben wurden nach und nach und in Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten realisiert.
Der langfristige Bedarf an Schulräumlichkeiten in Birmenstorf konnte durch die im 1987 erbaute Mehrzweckhalle (Doppelturnhalle) und insbesondere durch das im Sommer 1994 eingeweihte neue Schulhaus an der Gemeindehausstrasse bereitgestellt werden. Die Schulraumplanung fand ihren derzeitigen Abschluss in der von der Gemeindeversammlung im Sommer 1999 beschlossenen und im Jahre 2001 fertiggestellten Aufstockung des Mehrzweckgebäudes (Feuerwehrlokal, Bauamtsmagazin und Kindergarten), mit welcher Platz für zwei weitere oder insgesamt 4 Kindergartenabteilungen geschaffen werden konnte.
Bis Ende 2004 werden die Stimmberechtigten darüber bestimmen können, ob im Rahmen der Regionalisierung der Oberstufe (REGOS) in Birmenstorf ab dem Schuljahr 2008/09 wieder eine Sekundarschule angeboten wird, oder ob die ganze Oberstufe (ab 6. Klasse) die Schulen in Baden besucht.
Mit dem Beitritt zum Abwasserverband Rehmatte und dem Anschluss an die gleichnamige Abwasserreini-gungsanlage Rehmatte im Sommer 1999, konnten die Weichen für eine zukunftsorientierte Abwasserbehandlung gestellt werden. Einige Zeit und grössere finanzielle Mittel wird die Sanierung des in die Jahre gekommenen Abwasserleitungsnetzes bean-spruchen. Diese Arbeiten werden über die nächsten Jahre hinweg systematisch angegangen
Aus Anlass der Jubiläumsfeierlichkeiten unseres Kantons blätterte Max Rudolf im Jahre 2003 für uns in der Dorfgeschichte in jene Gründungsjahre zurück. Dabei sollte nicht streng das Jahr 1803, sondern vielmehr der Zeitraum jener Jahrhundertwende den Rahmen für sechs kurze Berichte geben, die im Verlaufe des Jubiläums-Jahres im Gemeindebulletin erschienen waren.