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Endlich würde sie sechzehn werden. Celeste stand völlig ausser Atem vor ihrer Mutter. „Bei was kann ich dir helfen?“ Die Mutter sagte sie solle die Dekoration aus dem Keller holen. Celeste willigte ein und machte sich auf den Weg nach unten. Als sie endlich die Kiste mit der Aufschrift „Geburtstagsdekoration“ fand, nahm sie diese vom Stapel runter und dabei fiel eine kleine Kiste zu Boden. Celeste hob diese auf und sah, dass darin wohl ihr Geschenk war. Aus lauter Neugier nahm sie den Deckel von der Kiste und schaute herein. Sie traute ihren Augen nicht. Ein graues Shirt mit einer Aufschrift lag zusammengefaltet in der kleinen Kiste. Sie nahm es sorgfältig heraus, um nachzuschauen, was sich darunter befand. Nichts. Celeste dachte sich, dass es eine Unverschämtheit war ihr nur ein T-Shirt zu schenken. Dabei wussten ihre Eltern doch wie sehr sie sich diese eine Uhr wünschte. Voller Zorn stampfte Celeste ins Wohnzimmer und warf die Kiste mit der Dekoration ihrer Mutter vor die Füsse. Sie nahm die Treppen in ihr Zimmer in den Angriff. Immer zwei auf einmal. So war sie schneller in ihrem Zimmer. Sie knallte die Tür zu und warf sich auf ihr Bett. „Was fällt denen eigentlich ein?! Sie wissen doch genau was ich haben wollte. Meine Eltern müssen auch immer alles ruinieren. Ich fasse es nicht!“, murmelte sie wütend vor sich hin. An diesem Abend verliess Celeste ihr Zimmer nicht mehr und schlief ein.
Celeste träumte. Von weit weg hörte sie eine zarte Frauenstimme ihren Namen rufen. Im nächsten Augenblick stand eine pummelige Gestalt vor ihr. Sie hatte schulterlange, rote Locken und trug ein blaues Kleid. Was Celeste aber mehr beeindruckte, waren die Flügel am Rücken der Frau. Sie war eine Fee. Das war Celeste klar. Die Frau streckte die Hand aus und nickte mit dem Kopf, so dass Celeste wie von selbst ihre Hand nahm. Sie wurde geblendet von hellem Licht und musste schliesslich ihre Augen schliessen. Als sie sie wieder öffnete, stand sie in einem Haus. Nein es war kein Haus. Es war vielmehr eine Hütte. Eine ziemlich kleine auch noch dazu. Auf dem Boden waren kleine Decken ausgebreitet. Am grossen Tisch sass eine Frau und fünf kleine Jungen. Sie assen einen gelben zähflüssigen Brei. Die Jungen wirkten sehr abgemagert und Celeste sah ihre Knochen durch die fein gebräunte Haut. Celeste bemerkte erst jetzt, dass einer der Jungen eine aus Stöcken geformte Krone trag. Sie schloss daraus, dass er wohl Geburtstag hatte. Eine Weile standen die Fee und Celeste einfach so da. Sie beobachteten die Familie bis die Kinder sich schlafen legten. „Bekommt der Junge denn kein Geschenk?“, fragt Celeste. Die Fee schüttelte ihren Kopf und antwortete: „Sein Geschenk waren die Trauben.“ Celeste erinnerte sich wieder wie der kleine Junge eine Hand voll Trauben ass. Sie nickte nur stumm und entschied sich dazu nicht weiter nachzufragen. Plötzlich war da wieder dieses helle Licht und die Fee verschwamm vor ihr.
Das Nächste, was Celeste hörte, war ihr Wecker. Sie musste zur Schule. Der Tag verlief wie jeder andere, doch der Traum liess Celeste einfach nicht los. Sie musste immer an die abgemagerten Jungen denken und sie bemitleidete sie. Am Abend liess sich Celeste in ihr Bett fallen und sie träumte wieder.
Diesmal war sie nicht allzu überrascht eine Fee vor ihr zu sehen. Diese war aber im Vergleich zu der Gestrigen dünner und trug ein rotes Kleid, welches ihr Gesicht, neben den hüftlangen schwarzen Haaren, bleich aussehen liess. Auch diese Fee streckte die Hand aus und Celeste ergriff sie abermals. Das helle Licht blendete Celeste erneut. Im nächsten Moment standen sie in einem riesigen Raum. Der Raum war gefüllt mit Stockbetten. Es waren mindestens dreissig Betten in dem Raum. Alle sahen gleich aus. Sie waren aus hellem Holz und die Bettdecken waren grün. Bis auf die Fee und Celeste war niemand in diesem Raum. Plötzlich hörte Celeste Fussstapfen und wenige Sekunden später waren an die fünfzig Kinder in diesem Raum. Ihre Kleider waren zerlumpt und ihre Blicke wirkten traurig. Celeste vermutete, dass sie sich in einem Kinderheim befand. Ein kleines Mädchen fiel ihr besonders auf. Sie strahlte über das ganze Gesicht und hielt eine kleine Plastiktüte in der Hand. Während sie diese stolz in die Höhe hielt, fingen alle anderen Kinder um sie herum an „Happy Birthday“ zu singen. Das kleine Mädchen hatte wohl Geburtstag. Als es wieder still war, fasste das Mädchen in die Tüte und zog einen roten Apfel hervor. Sie freute sich so sehr über den Apfel und Celeste verstand keineswegs warum. Die Fee und sie standen weiter da und schauten den Kindern beim Tanzen und Singen zu. Celeste begann zu verstehen warum sie das alles träumte und was die Feen ihr zeigen wollten. Sie hatte aber keine Zeit mehr nachzufragen, denn sie wurde wieder von ihrem Wecker geweckt.
Auch an diesem Tag konnte Celeste sich einfach nicht richtig konzentrieren. Sie musste immer wieder an das Mädchen und die anderen Kinder denken. Sie versuchte sich zu erklären, woher diese Feen kamen und warum sie gerade vor ihrem Geburtstag hier waren. Sie liess sich alles genau durch den Kopf gehen und kam zu dem Entschluss, dass sie sich gegenüber ihren Eltern nicht richtig verhalten hatte. Sie nahm sich vor, sich diese Nacht bei den Feen zu bedanken, denn sie hatte endlich realisiert, worum es hier ging. Sie machte sich bettfertig, legte sich in ihr Bett und schloss ihre Augen.
Eine weitere Fee tauchte vor ihr auf. Diese Fee war klein, dünn und war violett gekleidet. Sie hatte ihre blonden Haare zu einem Zopf geflochten und ihre grünen Augen strahlten. Celeste lächelte die Fee an und nahm ihre Hand. Das helle Licht umhüllte sie und sie standen in einem Haus. Das Haus kam Celeste sehr bekannt vor. Sie schaute sich um und war fest davon überzeugt, dass dies das Haus ihrer besten Freundin Stella war. Sie fragte sich, was sie hier bloss sollten. Celeste sah Stellas Mutter gerade den Tisch decken. Stella hatte am gleichen Tag Geburtstag wie Celeste und sie vermutete, es war in ihrem Traum schon einen Tag später. Auf einmal sah sie Stella die Treppen herunterkommen. Sie trug eines ihrer Designeroberteile und um ihren Hals trug sie die teure Kette, die sie sich so gewünscht hatte. Es schien alles perfekt, doch im nächsten Moment tauchte Stellas Vater auf. Die Eltern fingen an sich zu streiten und schrien einander an. Stella fing an zu weinen und Celeste wollte gerade auf sie zugehen, doch die Fee hielt sie zurück. Stella kauerte sich in eine Ecke und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Celeste wurde nun endgültig alles klar. Es ging an Geburtstagen keineswegs um materielle Geschenke. Was viel mehr zählt ist, dass man seine Familie und Freunde bei sich hat. Celeste schaute die Fee an und plötzlich standen die beiden wieder in dem hellerleuchteten Raum, wo alles begann. Alle drei Feen standen in einer Reihe und blickten Celeste an. „Ich habe es verstanden. Dank euch. Ich soll schätzen, was ich habe und es kommt nicht auf die materiellen Dinge an im Leben.“ Die Feen lächelten sie an. Celeste merkte, wie plötzlich alles zu Nebel wurde und hauchte ein leises „danke“.
Es war Samstagmorgen. Celestes Geburtstag. Sie stürmte die Treppen runter und fiel ihren Eltern um den Hals. Sie entschuldigte sich bei ihnen und schlüpfte in ihre Stiefel. Sie rannte den ganzen Weg bis zu Stella, klopfte an deren Tür. Als Stella die Tür öffnete, umarmten sich die beiden Geburtstagsmädchen und gratulierten sich. Celeste nahm Stellas Hand und auf dem Weg zu Celestes Haus erzählte sie ihr alles von ihren Träumen. Die beiden feierten einen wunderschönen Geburtstag zusammen mit ihren Familien. Celeste war den Feen unendlich dankbar und sie schwor sich, dass sie die drei nie mehr vergessen würde.