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Hansjörg Wyss: Binnen dreissig Sekunden war das Schwein tot
Lauenen BE, 9,5 Milliarden
Seine Residenz auf Vineyard Haven, einer Insel südlich von Boston, mag unlängst vielleicht einige Sturmschäden davongetragen haben – Hansjörg Wyss selbst schafft es indes immer wieder, Turbulenzen unbeschadet zu überstehen.
Vergangenes Jahr verkaufte Wyss sein Medizinaltechnikunternehmen Synthes für 21,3 Milliarden Franken an den US-Konzern Johnson & Johnson. Die Synthes und ihr Chef, der fast die Hälfte der Anteile besass, waren in den vergangenen Jahren gleich mehrfach ungut aufgefallen: Die Universität Bern lieferte sich einen Rechtsstreit um Patente mit der AO-Stiftung, aus der Synthes damals hervorging: Die AO wurde als Arbeitsgruppe für Osteosynthese 1958 von Schweizer Chirurgen gegründet, um neue Methoden voranzutreiben, Knochenbrüche zu flicken. Hansjörg Wyss stieg ins Geschäft ein, nachdem er einem der Chirurgen ein Flugzeug verkauft hatte, später etablierte er im Auftrag der AO einen Ableger in den USA, kaufte dessen Aktienmehrheit und nach und nach auch die Produktionsbetriebe für das Operationsmaterial und formte so den internationalen Konzern Synthes.
2009 geriet Synthes in den USA in die Schlagzeilen, als die Justizbehörden in Pennsylvania Synthes vorwarfen, das Knochenersatzmaterial für Wirbelsäulenoperationen Norian XR unzulässig vermarktet zu haben. Gemäss der US-Zeitschrift «Fortune» führte die Verwendung von Norian zu mehreren Todesfällen, laut dem Magazin soll es Wyss gewesen sein, der die Vermarktung des Produkts wider alle Warnungen von Partnern und Angestellten vorantrieb. Dies trotz Tierversuchen, bei denen ein Schwein binnen dreissig Sekunden nach der Injektion tot war und Labortests ergaben, dass es zur Gerinnselbildung kommt, sobald das Material in den Blutkreislauf gelangt. Die Synthes verkaufte die Tochterfirma Norian für rund zwanzig Millionen US-Dollar. Die Bussgelder, die im Vergleich mit der US-Regierung gezahlt werden mussten, waren nur geringfügig höher. Vier Synthes-Kaderleute wurden schlussendlich zu Gefängnisstrafen verurteilt, Wyss selbst kam bislang ungeschoren davon.
Öffentlich zeigt sich Hansjörg Wyss nur ungern. «Kein Mensch kennt mich. Und ich hoffe, dass das weiterhin so bleibt», sagte er 2010 der «Berner Zeitung», der er nur Auskunft gab, weil er seine Sicht zu einem Artikel über den erwähnten Patentstreit darlegen wollte. Natürlich spendet auch Hansjörg Wyss, zum Beispiel 125 Millionen Dollar für ein Institut in Harvard – die grösste Spende, die die Universität je von einer Privatperson bekam. Eine Million an die Together-Initiative wird Wyss wohl nicht spenden – er rief nie zurück.
Susi Stühlinger
Philippe Gaydoul: Lifestyle samt Luxussportswear
Küsnacht ZH, 1,25 Milliarden
Gut, gibt es Grossväter. Etwa Karl Schweri, den Gründer der Detailhandelsfirma Denner. In dessen Reich konnte sich Philippe Gaydoul (40) vom Verkaufsleiter über den Geschäftsführer zum Präsidenten hochdienen. Anfang 2007 verkaufte er Denner an die Migros und bekam zusammen mit seiner Mutter dafür eine runde Milliarde Franken. Damit lässt sich gut einkaufen. Aber nicht solche Billigware wie bei Denner. Nein, eher Luxusmarken. Die Trendschuhe Navyboot. Fogal, die feinen Strumpf- und Strickwaren. Jet Set, ein Label, das «für zukunftsweisenden Lifestyle in der Luxus-Sportswear» steht. Oder auch den Kursaal Arosa, der total umgebaut werden soll.
Diese Investitionen hat Gaydoul öfter mit seinem Freund Thomas Matter, dem SVP-Banker, getätigt. An dessen Neuer Helvetischer Bank ist er mit knapp zehn Prozent beteiligt. Bei den gemeinsamen Aktivitäten liefert Matter die Marktideologie, Gaydoul etwas mehr Geld und das Flair. Ab und an plustert auch er sich allerdings philosophisch auf. «Der Unternehmer unternimmt – er ist nicht nur Financier», beginnt die Website seiner Gaydoul Group, das Zitat ist fein säuberlich mit seinem Namen signiert.
Zusammen mit Matter erwarb er kürzlich einen Eishockeyklub, aber die Kloten Flyers wollen nicht recht abheben. Auch Navyboot ist finanziell aus dem Tritt geraten. Für ein paar Jahre im Rampenlicht wird sein Geld allerdings noch reichen.
Auch bis zum Redaktionsschluss gab es von Philippe Gaydoul keinen Rückruf.
Stefan Howald
Thomas Matter: Die Kriegskasse geäufnet
Meilen ZH, 150 Millionen
Das waren noch Zeiten, als die FDP die Wirtschaftshöhen besetzt hielt und im Rotary Club oder alternativ im Lions Club wichtige Geschäfte abgeschlossen wurden. Mittlerweile kommen die Wirtschaftsschwergewichte zunehmend aus der SVP.
Das waren noch Zeiten, als Unternehmertypen wie Peter Spuhler und Ulrich Giezendanner, die hie und da Dissens simulierten, die SVP repräsentierten. Mittlerweile ist alles ein bisschen jünger, schneller, radikaler geworden. Thomas Matter (46) ist Frontmann der neuen Wirtschaftsvertreter. Der Kampf um seine Bank Swissfirst, bei dem sich die Kannibalen gegenseitig um die eigenen Filetstücke balgten, hatte ihn vor ein paar Jahren zurückgeworfen. Nun hat er mit der Neuen Helvetischen Bank schon wieder die private und die Kriegskasse geäufnet.
Matter bildet das Scharnier zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen Reichtum und Ideologie. Er war führend am Kampf gegen die SP-Steuerinitiative beteiligt. Vernetzung bleibt alles. Neben der Beziehung zum Freund und Geschäftspartner Philippe Gaydoul pflegt er Kontakte zu Roger Köppel von der «Weltwoche» und zu Martin Spieler, der die «SonntagsZeitung» auf rechtsbürgerlichen Kurs gebracht hat. Der SVP beigetreten ist Matter erst vor zwei Jahren. Das Zürcher SVP-Volk hat ihn im Oktober 2011 zwar noch nicht als Nationalrat gewollt, aber immerhin ist er jetzt schon «Säckelmeister» der kantonalzürcherischen Partei. An der Together-Initiative hat Matter kein Interesse, wünscht ihr aber «viel Erfolg!».
Stefan Howald
Urs Schwarzenbach: Der Devisen- Olympiasieger
Küsnacht ZH, 1,25 Milliarden
Urs E. Schwarzenbach (64) ist kürzlich Olympiasieger geworden. Er kaufte sich den Sieg bei den Spielen in London. Der Schweizer Springreiter Steve Guerdat hat dort ein Pferd von Schwarzenbach geritten und wird von diesem finanziert.
In den Porträts über Urs E. Schwarzenbach taucht immer wieder auf: Wie er zu seinem Reichtum gekommen sei, wisse man nicht genau, etwas mit Devisen. 1976 gründete er eine eigene Devisenhandelsfirma, später spekulierte er gegen das britische Pfund, und Mitte der Neunziger war er Milliardär.
Das bekundet er unübersehbar. Insbesondere mit seinen Immobilien. Urs E. Schwarzenbach sammelt reale Hotels und Häuser, wie andere Liegenschaften beim Monopoly sammeln. Da ist der Landsitz Culham Court in der Nähe von Henley. Das Landgut Hambleden Estate in Buckinghamshire. Das von Norman Foster geplante Apartmenthaus «Chesa Futura» in St. Moritz. Ein luxuriöser Jagdsitz in Schottland. Ländereien in Australien. Beteiligt ist Schwarzenbach am St. Moritzer «Suvretta House» und am Dolder Grand Hotel, das er für 440 Millionen Franken umgebaut hat.
Dazu besitzt er eine Fluglinie, Helikopterlandeplätze, ein Poloteam, züchtet Spitzenpferde, sammelt Bilder, ist ein Wohltäter. Wie fasste er 2011 sein Lebensmotto zusammen? «Money is not important. You only have to have it.» In Küsnacht aber, wo ihn das Together-Team nach Angaben einer zuverlässigen Informantin suchte, scheint er grad nicht zu wohnen.
Stefan Howald
Tina Turner: Die Erleuchtung muss warten
Küsnacht ZH, 250 Millionen
Erwin Bach (56) lebt an der Seestrasse in Küsnacht, in einem Anwesen mit Seeanstoss und Türmchen. Bach gehört zu den wenigen Männern, die sich tüchtig reich fühlen dürfen, weil sie mit einer Frau zusammen sind, die viel Geld verdient hat: Tina Turner, dieser Tage 73 Jahre alt geworden. Ihr Ehemann, der Musiker Ike Turner, hatte sie berühmt gemacht – und misshandelt.
Nachdem sie sich 1976 von ihm getrennt hatte, stand sie vor dem Nichts. Bach half ihr zurück ins Business, war ihr Manager und Produzent. Seit vielen Jahren leben sie nun zusammen. Er soll ihr einmal einen Heiratsantrag gemacht haben, aber sie stieg nicht darauf ein. Wie viel Geld er besitzt, ist nicht bekannt. Sie verfügt über ein Vermögen von über 200 Millionen Franken.
Die beiden sind Mitte der neunziger Jahre in den Kanton Zürich gezogen. Das war günstig, weil sie dank Pauschalbesteuerung kaum Steuern zahlten. Vor drei Jahren wurde im Kanton eine Initiative der Alternativen Liste angenommen, die die Abschaffung der Pauschalbesteuerung einforderte. Seither zahlen Turner und Bach wie alle andern. Sie sind deswegen aber nicht weggezogen.
Turner bezeichnet sich selbst als Buddhistin, konsequenterweise müsste sie sich ganz von ihrem Reichtum trennen, führt doch nur Besitzlosigkeit zur Erleuchtung. Turner hat sich aber bislang nicht auf die Together-Initiative gemeldet. Möglich, dass sie sich gerade an ihrem Wohnsitz in Südfrankreich aufhält.
Susan Boos
In der Printausgabe finden Sie weitere Porträts von
Familie Bär, 550 Millionen Franken
Daniel Borer, 1,75 Milliarden
Martin Ebner, 550 Millionen
Bernie Ecclestone, 3,5 Milliarden
Walter Frey, 1,75 Milliarden
Familie Hirschmann, 1,25 Milliarden
Claus Hipp, 450 Millionen
Heidi Horten, 2,5 Milliarden
Konrad Hummler, 350 Millionen
Bruno Marazzi, 250 Millionen
Jürg Marquard, 450 Millionen
Daniel Maté, 2,5 Milliarden
Adriana und Marcel Ospel, 100 Millionen
Familie Ringier, 1,25 Milliarden
Nathaniel Rothschild, 1,25 Milliarden
Jacob Schmidheiny, 650 Millionen
Samuel Spreng, 250 Millionen
Peter Spuhler, 850 Millionen
Gennadi Timtschenko. 4,5 Milliarden