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Es gibt diese Rüstungsprojekte. Und dann gibt es jene. Und dann gibt es den HS-30-Schützenpanzer.
Die Bundeswehr suchte nach dem 2. Weltkrieg nach einem Fahrzeug, das Ziele mit einer 20-mm-Maschinenkanone beschiessen, und gleichzeitig Soldaten absetzen konnte. Das Fahrzeug sollte nämlich Kampfpanzer unterstützen können. Darum wollte man den amerikanischen M113 nicht, ein sogenanntes «battle taxi».
Der französische Ingenieur ohne Ingenieurstudium, André Poniatkowski, stellte der Beschaffungskommission genau das vor, was die Bundeswehr wollte. Nachdem ein Modell aus Holz und Karton vorgeführt wurde, ging der Auftrag an eine Schweizer Firma, Hispano Suiza (Suisse), die zwar Lastwagen, einige Waffen und das legendäre Solex-Töffli, aber keine Panzerfahrzeuge herstellte und liess den HS-30 dann bei der britischen Tochter- und Partnerfirma herstellen – ohne Kenntnis und Billigung der deutschen Regierung.
Nach Änderungswünschen der Bundeswehr erhielt der HS-30 eine bessere Panzerung und wuchs auf mehr als 14 Tonnen an, obwohl der Motor nur für die ursprünglichen neun Tonnen konzipiert war. Die Insassen konnten nur aussteigen, wenn sie eine Dachluke öffneten und über die Seite absprangen – unter Beschuss eher nicht optimal – weswegen jeder moderne Schützenpanzer eine Hecktür hat. Und weil die Laufwerkfederung bei Geländefahrten oft beschädigt wurde, lag die praktisch nutzbare Höchstgeschwindigkeit zwischen 15 und 20 km/h – zu wenig, um die schnelleren Panzer zu begleiten. Dazu kam, dass Motorschäden nur in Werkstätten behoben werden konnten und nicht im Feld, weil die Bauteile nur von unten zugänglich waren. Die HS-30 war nun schwerer und langsamer als die amerikanische M113, welche die Bundeswehr damals ablehnte (und heute noch im Einsatz hat), und konnte nur die Hälfte an Infanteristen transportieren. Einziger Pluspunkt: Mit nur 1.85 m Höhe konnte das Fahrzeug Kuppen, Senken und Hügelzüge besser ausnutzen, um sich an gegnerische Stellungen anzuschleichen.
Als die Mängel offenbar wurden, reduzierte der Verteidigungsminister 1960 die Bestellung von 10’680 auf nur noch 2800 Stück. Hispano-Suiza wurde mit 40 Millionen Mark entschädigt, auch wenn in ihren Werken kein einziger HS 30 entstand. Die 2176 ausgelieferten Fahrzeuge wurden sehr schnell ausgemustert. Lediglich 20 konnten nach Peru verkauft werden.
Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Als eine parlamentarische Kommission die Beschaffung der HS-30 unter die Lupe nahm, wurden zahlreiche damit verknüpfte Schmiergeldzahlungen entdeckt. Ein CDU-Politiker, Empfänger von 300’000 Mark, verstarb 1957 in einem Armenkrankenhaus in Neapel, laut Totenschein an tropischer Malaria. Ein weiterer Begünstigter, ein Arzt, starb 1960 – zunächst durch Suizid, nach Exhumierung und nochmaliger Obduktion war es jedoch eine Ermordung. Ein dritter Mitwisser, ein ehemaliger CDU-Bürgermeister, wurde 1974 tot im Bodensee aufgefunden. Laut ihm diente der HS 30 lediglich als Deckgeschäft, um den 1957er Wahlkampf der CDU zu finanzieren.
Quellen: «HS 30» und «HS-30-Skandal» auf Wikipedia; basiert grossteils auf Artikel in «Der Spiegel» und «Die Zeit».