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Josef, oder Sepp wie ihn alle nannten, wurde am 14. Januar 1931 an der Helgengüetlistrasse 20 im Haus «Frohheim», Reussbühl, geboren. Wenn man von den damals eher einfachen Verhältnissen absieht, verbrachte Sepp eine sorglose und glückliche Zeit als Kind. Er besuchte von 1937 bis 1944 die Primarschule in Reussbühl. Bereits in seinen jungen Jahren spürte man seinen sportlichen Ehrgeiz. So organisierte er mit seinen Brüdern auf den wenig befahrenen Strassen und auf abgemähten Wiesen Fussballspiele und Wettkämpfe verschiedenster Art. Sepp genoss als Kind aber auch die ausgedehnten und schönen Velotouren, welche sein Vater mit ihm und seinen beiden Brüdern Alfons und Hanspeter häufig organisierte.
Im Alter von 12 Jahren musste er ins Kollegium Nuolen am oberen Zürichsee eintreten. An der von Patern geführten Schule galten besonders strenge Regeln. Den Tag verbrachte man mit Studium, Hausarbeiten und Beten bis spät in den Abend hinein. Eine Rückkehr zu seiner Familie war nur an hohen Feiertagen möglich. Das Ziel der 7-jährigen Schule waren die Matura, dann das Theologiestudium und schliesslich die Priesterweihe zu erreichen. Sepp litt während dieser Zeit an entsetzlichem Heimweh. Trotz einigen Ausrissversuchen biss er sich schliesslich durch und absolvierte im Jahr 1951 die Matura.
Nach reiflicher Überlegung entschied sich Sepp gegen ein Theologiestudium und trug sich in der Universität Freiburg ein. Von 1951 bis 1957 erwarb er das Sekundarlehrerdiplom und absolvierte danach das Philosophiestudium. Mit der Dissertation «Die Bildungsverhältnisse im Kanton Luzern» erlangte Sepp Sidler schliesslich den Doktortitel.
Trotz intensiver Studienzeit widmete sich Sepp in der knappen Freizeit seiner Passion – dem Laufsport. Dank eisernem Trainingswillen und viel Selbstdisziplin stieg er zur nationalen Spitze der Mittelstreckenläufer auf. Als Mitglied des BTV Luzern wurde er drei Mal Schweizer Meister über 5000 Meter. Schweizweite Berühmtheit erlangte Sepp auch mit seinen beiden Brüdern Alfons und Hanspeter in der Laufstaffel. Mit dem Schweizer-Meister-Titel im Jahr 1962 durchbrachen die drei Brüder gleich auch noch den Schweizer Rekord über 3 x 1000 Meter.
In den Jahren 1960 bis 1965 begannen für Sepp Sidler sehr schöne Jahre am Bodensee. In der Zeit als Gymnasiallehrer an der Internatsschule Schloss Glarisegg lernte er seine zukünftige Frau Hilda Kurmann aus Willisau kennen. Im Jahr 1963 heiratete Sepp schliesslich seine Hilda in der Pfarrkirche Reussbühl.
Die beiden zogen schliesslich nach Basel, wo Sepp während drei Jahren das Privatgymnasium Minerva leitete. In dieser Zeit kamen auch seine beiden Kinder Jacqueline (1966) und Peter (1967) zur Welt.
1968 gings noch einmal zurück an den schönen Bodensee, wo Sepp als Schul- und Heimleiter im Schloss Glarisegg zwei Jahre tätig war.
1970 bekam Sepp Sidler die Möglichkeit, die neu gegründete Kantonsschule Hochdorf als Rektor zu übernehmen. Diese Chance liess er sich nicht entgehen und zügelte mit seiner Familie nach Hochdorf. Zwei Jahre später durfte er stolz in das neue Einfamilienhaus an der Hengstweid in Hochdorf einziehen.
Ganze 24 Jahre hat Sepp Sidler die Kantonsschule Hochdorf als Rektor geführt. Er prägte während dieser Zeit die Kantonsschule Hochdorf wesentlich. Von seinen Lehrern und Schülern verlangte er zwar Leistung und Disziplin, behandelt sie aber stets fair und mit einer Brise Humor.
Sepp war ein ausgesprochenes Sprachgenie. Er beherrschte zahlreiche Fremdsprachen. Mit eisernem Willen erlernte er Russisch im Selbststudium. Diese Sprache unterrichtete er von 1994 bis1996 auch als Freifach an der Kantonsschule Beromünster. Die russische Kultur sowie das Land und die Leute Russlands faszinierten Sepp Sidler ohnehin stark. Für ihn war die Reise nach Russland in den Achtzigerjahren ein absolutes Highlight. Zudem präsidierte er lange Zeit die Gesellschaft für slavische Kultur.
Mit viel Herzblut war Sepp Sidler in den Neunzigerjahren als Chefredaktor des «Seetaler Bote» tätig. In dieser Zeit schrieb er als Autor die Bücher «Hundert Jahre Seetalbahn» und den Roman mit geschichtlichem Hintergrund «Schatten über dem Tal».
Drei Jahre nach seiner Pensionierung wurde Sepp im Jahr 1997 erstmals Grossvater, als sein Enkel Rian die Welt erblickte. Im Jahr 1999 kam sein zweites Enkelkind Erin zu Welt.
Im Jahr 2001 erlitt Sepp Sidler nach einem seiner täglichen Lauftrainings einen schweren Herzinfarkt. Nach einem 8-minütigen Herzstillstand konnte er nur mit viel Glück reanimiert werden. Sein Kurzzeitgedächtnis war durch den langen Herzstillstand leider beeinträchtigt.
Nach diesem einschneidenden Ereignis lernte man mehr und mehr auch den weichen «Kern» von Sepp Sidler kennen. Er liebte es, mit seinen vier Enkelkindern Schabernack zu treiben. In den Jahren 2002 und 2009 kamen nämlich noch seine beiden jüngsten Enkelkinder Nils und Maëlle dazu. Sie genossen die lustige, spielerische und liebevolle Art ihres Grossvaters sehr.
Mit zunehmendem Alter wurde das Gedächtnis und der Körper schwächer. Eine leichte Lungenentzündung schwächte Sepp so sehr, dass er vom Spital direkt ins Heim Rosenhügel überbracht wurde. Dort durfte Sepp am 14. Januar 2019 noch seinen 88. und letzten Geburtstag feiern. In der Nacht vom 26. auf den 27. Januar hörte sein Herz jedoch auf zu schlagen.
Lieber Sepp, Du wirst uns fehlen, aber wir werden Dich nie vergessen.