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• 1984 beginnt die Geschichte GameStops mit der Gründung von Babbage's
• GameStop geht als GME im Jahr 2002 an die New Yorker Börse
• 2021 ist GameStop in ein grosses Börsendrama verwickelt
GameStop ist kein Unternehmen wie jedes andere: Es hat die Sympathie seiner Kunden auf seiner Seite - dies ist spätestens seit dem Börsendrama Anfang 2021 deutlich. Die Geschichte und Kundenbindung des Unternehmens, das auf Rang 464 der Fortune 500 liegt, begann jedoch bereits in den 1980er-Jahren in Dallas, Texas.
GameStop "revolutioniert" im Jahr 2000 die Videospielindustrie
Dort wurde im Jahr 1984 der kleine Softwarehändler Babbage's eröffnet. Die Firma lief gut, übernahm Software Etc. und wurde in Babbage's Etc. LLC. umbenannt. 15 Jahre später wurde Babbage's Etc. LLC. an Barnes & Noble verkauft: Ein Unternehmen, welches Richard Fontaine, Dan DeMatteo und Len Riggio gehörte. Diese drei Männer gelten heute als GameStop-Gründer. Das von Barnes & Noble aufgekaufte Babbage's und Funco Inc. fusionierten noch im Jahr der Babbage's-Übernahme (1999) und änderten Angaben der GameStop-Firmenwebsite zufolge ein Jahr später, weiterhin unter der Führung der drei Barnes & Noble-Gründer, den Namen dieses Zusammenschlusses in GameStop. Auf der Website des Unternehmens wird weiter beschrieben, dass GameStop noch 2000 mit seinem einzigartigen Handelssystem die Videospielindustrie "revolutionierte".
Dies war offensichtlich erfolgreich: Schon zwei Jahre später vollzog GameStop als "GME" sein IPO an der New Yorker Börse.
Die 2000er-Jahre bei GameStop: Eine Übernahme nach der anderen
In den Folgejahren gab es viele Veränderungen bei dem frisch börsennotierten Unternehmen: 2004 trennte sich Barnes & Noble mit einem Verkauf von Firmenanteilen wieder von GameStop, die Firmengründer blieben jedoch. 2005 übernahm GameStop die Firma Electronic Boutique Games (EB Games) und wurde damit zu einem internationalen Konzern und gleichzeitig zum grössten Videospielhändler der Welt. 2008 folgte die Übernahme von Micromania, Frankreichs grösstem Händler für Videospiele.
Mit der Einführung eines Kundenbindungsprogramms sicherte sich GameStop 2010 bereits im ersten Jahr zehn Millionen Mitglieder und damit treue Kunden. Zudem wurde das digitale Angebot erweitert - unter anderem mit der Digitalisierung der Zeitschrift Game Informer. Ein Jahr später wurden erste digitale Spiele ins Angebot aufgenommen und bereits 2013 war Game Informer mit drei Millionen Abonnenten das grösste digitale Magazin der Welt und mit acht Millionen Abonnenten das achtgrösste Magazin überhaupt. Im selbem Jahr eröffnete GameStop ausserdem ein neues Segment, indem die Firma die beiden grössten zertifizierten Apple-Händler Simply Mac und Spring Mobile AT&T wireless aufkaufte.
2019 steigt GameStop in den eSport ein
2014 wurde das Geschäft mit Sammlerstücken und in Australien der erste Zing Pop Culture Laden eröffnet, 2015 wurde mit Geeknet Inc. ein weiteres grosses Unternehmen übernommen: Geeknet Inc. ist der Mutterkonzern des ersten Händlers für Gaming-Merchandise - aus der Übernahme entstand ThinkGeek und bereits 2016 wurde der erste ThinkGeek-Store in New York eröffnet. Ein weiteres Jahr später stieg GameStop mit seinen heute über 5'000 Geschäften in zehn Ländern auf ein neues Ladenkonzept um: Es werden nicht mehr nur Spiele in den Geschäften verkauft, sondern die Hälfte der Ladenfläche wird für die Merchandise-Produkte bereitgestellt. Auf seiner Website brüstet GameStop sich damit, seinen CO2-Verbrauch in den Jahren 2009 bis 2017 um 35 Prozent gesenkt zu haben und sich auch weiterhin für Umweltschutz, insbesondere für Recycling, einzusetzen.
2019 schliesslich machte GameStop einen weiteren Schritt und stieg in das Geschäft mit eSports ein, indem sich die Firma mit Complexity Gaming verpartnerte. Seit April 2019 leitet Ex-Victra-Chef George Sherman das Unternehmen mit seinen insgesamt rund 53'000 Angestellten und Firmensitz in Grapevine, Texas. Im Steuerjahr 2019 konnte GameStop Einnahmen im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar verzeichnen - und auch im Corona-Jahr 2020 gingen die Einnahmen durch die Decke.
Börsendrama 2021: GameStop-Anleger manipulieren den Aktienkurs
Durch die Medien ging der Name GameStop Anfang 2021, als sich Kleinanleger über die Social Media Plattform Reddit absprachen, den Wert des Unternehmens mit vermehrten Aktienkäufen zu steigern und so seinen Aktienkurs positiv zu beeinflussen. Hintergrund war die schiere Anzahl der durch am GameStop-Unternehmensmodell zweifelnden Hedgefonds gehaltenen Leerpositionen der GameStop-Aktie, die sogar die Anzahl der handelbaren Aktien übertraf. Der Plan war erfolgreich, jedoch in einem solchen Ausmass, dass nach kurzer Zeit mehrere Gratisbroker-Plattformen den Handel mit GameStop-Aktien zeitweise einstellten - sehr zum Missfallen der GameStop-Kleinaktionäre. So war es über Tage nicht möglich für Kleinanleger über die Broker-Apps Robinhood und Trade Republic weitere Anteilsscheine zu kaufen, lediglich der Verkauf wurde noch ermöglicht, was den Kurs der GME-Aktie wiederum rasant einbrechen liess. Grossinvestoren waren von der Handelsbeschränkung jedoch nicht betroffen. Das Börsendrama schaukelte sich so hoch, dass Netflix nun Berichten zufolge bereits eine Verfilmung plant.
Ende des ersten Quartals 2020 war der Gewinn des Unternehmens zwar im Jahresvergleich von 21,0 auf 80,5 Millionen Dollar gestiegen, der Gesamtumsatz jedoch um drei Prozent gesunken. Auch die rebellischen Kleinanleger sind nicht zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Börsendramas: Zwei der Reddit-Nutzer haben nun ein politisches Kommittee ("Super political Action - Super PAC") gegründet und setzen sich ebenso wie die Lobbygruppe "WeLikeTheStock.wtf" für Kleinanleger ein.
Olga Rogler / Redaktion finanzen.ch