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Ein Forschungsteam unserer Partnerorganisation icipe in Kenia hat in Moskitos eine Mikrobe gefunden, welche die Übertragung von Malaria verhindert. Führt diese Entdeckung zu einem wirksamen Mittel bei der Kontrolle dieser tödlichen Krankheit? Antworten von Dr. Jeremy Herren, der am icipe in Nairobi an der Mikrobe forscht.
Laura Angelstorf, Redaktorin
Herr Herren, sind Ihre Ergebnisse tatsächlich ein Durchbruch in der Malariaforschung?
Ja das sind sie in der Tat. Es ist ein Durchbruch, weil wir eine Mikrobe gefunden haben, die natürlicherweise in Mückenpopulationen vorkommt. Im Labor konnten wir zeigen, dass die Übertragung der Malaria von einer infizierten Mücke in fast 100% der Fälle verhindert wird. Vermutlich hat die Mikrobe bereits in einigen Gebieten eine Wirkung auf die Verbreitung der Malaria, aber wir müssen noch einen Weg finden, um die Verbreitung dieser Mikrobe zu erhöhen. Dann wird es möglich sein, sie in der Malariakontrolle einzusetzen.
Wie werden die Moskitos überhaupt mit der Mikrobe infiziert?
Wir haben herausgefunden, dass die Muttermücke die Mikrobe auf ihre Nachkommen überträgt. Bei Insekten ist dies ein recht häufiger Übertragungsweg. Die Kombination dieser beiden Erkenntnisse –dass die Muttermücke die Mikrobe an ihre Nachkommen weitergibt und dass die Mikrobe die Übertragung von Malaria vollständig blockiert – ermöglicht die Entwicklung einer nachhaltigen Methode zur Malariakontrolle.
Wäre die gezielte Verbreitung der Mikrobe bei der Malariakontrolle eine Option?
Genau das müssen wir jetzt untersuchen. Wenn die Reproduktionszahl weniger als 1 beträgt, also wenn jede infizierte Person im Schnitt weniger als einen weiteren Menschen ansteckt, wird die Krankheit eingedämmt. Wir müssen also herausfinden, wie viele Stechmücken mit der Mikrobe infiziert werden müssen, damit ein solches Szenario eintrifft. In einigen Gegenden könnte es durchaus ausreichen, wenn 40 bis 50% der Moskitopopulation mit der Mikrobe infiziert ist.
Weshalb versuchen wir nicht einfach, die Mücke selbst loszuwerden?
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies nicht funktioniert. Moskitos finden Überlebensstrategien, selbst gegen Insektizide. Ausserdem ist es meiner Meinung nach nicht möglich, eine Art loszuwerden, die sich über einen ganzen Kontinent ausbreitet.
Biovision unterstützt das icipe in ihrer Arbeit zur Malariakontrolle seit Jahren. Hat diese Unterstützung geholfen oder ist es notwendig, weiterhin in die Malariaforschung zu investieren?
Ein Grossteil der heutigen Forschung zielt darauf ab, bessere Wege zu finden, um die verschiedenen bekannten Methoden der Malariakontrolle zu kombinieren und diese damit effektiver einzusetzen. Der Überbegriff dafür ist integriertes Vektormanagement. Das ist der Schlüssel zur Kontrolle von Krankheiten. Unsere Forschung ist jedoch darauf ausgerichtet, neue Methoden zu entwickeln, da die bekannten Praktiken ihre Mängel haben. Wir suchen quasi nach neuen Werkzeugen für den Werkzeugkasten, damit wir die Malaria besser kontrollieren können. Aber auch unsere Erkenntnisse werden nicht alleine, sondern nur in Kombination mit verschiedenen anderen Instrumenten eingesetzt.
Was genau sind die nächsten Schritte in Ihrer Forschung?
Wir müssen noch nachweisen, dass wir einen Weg der Malariakontrolle gefunden haben, bei dem die Kosten im Verhältnis zum Nutzen stehen. Dazu müssen wir herausfinden, welche Bedingungen die Übertragung der Mikrobe begünstigen. Wir haben bereits einige interessante Anhaltspunkte ausfindig machen können: Wir wissen zum Beispiel, dass männliche Moskitos die Weibchen bei der Paarung infizieren können. Wir wissen auch, dass die Mikrobe in einem bestimmten Stadium wie eine Spore aussieht, was für die Verbreitung in der Umwelt nützlich sein könnte. Der nächste Schritt wird also darin bestehen, die Populationsniveaus und die Bedingungen für die Verbreitung zu untersuchen. Dann können wir berechnen, wie viele Moskitos tatsächlich freigesetzt werden müssen, die bereits mit der Mikrobe infiziert sind. Für diese Phase der Forschung sind wir aber noch auf der Suche nach Finanzierung.
Im Juni wird Biovision einen Bericht über die Finanzierung der agroökologischen Forschung für Entwicklung (AR4D) publizieren. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Es war schwierig, unser Projekt zu finanzieren. Da wir bislang noch keinen handfesten Beweis dafür haben, ob unsere Methode flächendeckend funktioniert, fällt unsere Forschung in die Kategorie der Grundlagenforschung. Es ist sehr schwierig in Afrika für diese Art Forschung finanzielle Mittel zu bekommen. Aber wir konnten nun das Konzept demonstrieren und hoffen, dass wir jetzt die Gelegenheit bekommen es in der Praxis zu testen.
Befürchten Sie, dass die Corona-Pandemie dazu führen könnte, dass die Finanzierung anderer Projekte in den Vordergrund rückt?
Einerseits ist es wichtig, dass die Gelder für präventive Massnahme eingesetzt werden oder der Aufrechterhaltung der Wirtschaft dienen. Andererseits glaube ich, dass nun das Bewusstsein für Infektionskrankheiten grösser geworden ist. Vielleicht wird die Finanzierung für Malariaforschung kurzfristig kleiner werden. Aber längerfristig sind die Menschen vermutlich eher dazu bereit, höhere Investitionen in die Gesundheitsforschung zu tätigen.