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Keine Wasserknappheit
Ein Bericht der Regierung aus dem Jahr 2022 zeigt, dass im Kanton St.Gallen grundsätzlich genügend Wasser zur Verfügung steht. Der Bericht enthält eine Auslegeordnung von bestehenden Massnahmen, die dazu beitragen, eine Wasserknappheit zu vermeiden. Er schlägt sechs ergänzende Massnahmen vor.
Der Bericht zeigt wenige Defizite bei der Wasserversorgung, der landwirtschaftlichen Bewässerung und Beschneiung. Grösseren Handlungsbedarf ortet die Regierung bei Lebensräumen, die auf ausreichend Wasser angewiesen sind, wie kleine Gewässer oder Feuchtbiotope.
Der Frühling 2022 war der viertmildeste Frühling seit Messbeginn 1864. Darauf folgte der zweitwärmste Sommer nach dem Hitzesommer 2003. Diese Abschnitte waren nicht nur besonders warm, sondern auch niederschlagsarm.
Abfluss des Alpenrheins bei Diepoldsau
Textalternative zum Bild: Abfluss des Alpenrheins bei Diepoldsau; Tagesmittel 1984 bis 2019. Werte des Jahres 2022 sind provisorische Daten. Quelle: Eigene Darstellung AWE nach BAFU, Abt. Hydrologie - neues Fenster
Im Jahr 2022 sind im Alpenrhein rund 39'000 Liter pro Sekunde weniger abgeflossen als im Hitzesommer 2003. Dieses Wasser fehlte auch dem Bodensee. Der Pegelstand des Bodensees lag im Sommer 2022 etwa einen Meter unter den saisonal üblichen Werten. Gemäss den Klimaszenarien wird die verringerte Abflussmenge des Alpenrheins bis Ende des Jahrhunderts zum Normalfall.
Trockenperioden nehmen zu
Als Folge der Klimaerwärmung werden Trockenperioden häufiger. Im Frühling wurde der Fachstab «Trockenheit» nach dem Jahr 2018 ein weiteres Mal aktiviert. Darin sind Personen aus verschiedenen Verwaltungsstellen wie der Hydrometrie, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft oder Fischerei vertreten. Der Fachstab hat die Trockenheit wöchentlich beurteilt und ein Bulletin zur aktuellen Lage veröffentlicht.
Erkenntnisse bestätigen Bericht
Rückmeldungen und Auswertungen aus den Bereichen des Fachstabs «Trockenheit» bestätigen Erkenntnisse des Berichts zur langfristigen Sicherstellung der Wasserressourcen.
Die Erfahrungen bezüglich der öffentlichen Wasserversorgung im Jahr 2022 zeigten:
- Die Versorgung war sichergestellt.
- Dank der zunehmenden Vernetzung konnten sich Wasserversorgungen wo nötig gegenseitig aushelfen.
- Insbesondere Wasserversorgungen mit Seewasserzugang mussten/konnten anderen Wasserversorgungen aushelfen.
Die Erfahrungen im Jahr 2022 bestätigen die Beurteilung im Bericht zur langfristigen Sicherstellung der Wasserressourcen. Das Leitbild für die Wasserversorgung bildet zusammen mit dem Wasserversorgungsatlas eine Grundlage für die Sicherstellung der Versorgung. Im Koordinationsblatt «Wasserversorgungsanlagen» im kantonalen Richtplan sind die wichtigen Aufgaben und Vorhaben bezeichnet. Insbesondere die weitere Verbindung der Versorgungsgebiete ist bedeutsam und befindet sich auf gutem Weg.
Die Versorgung mit Trink-, Brauch- und Löschwasser ist Aufgabe der politischen Gemeinden. Die dazu erforderlichen Planungen werden regelmässig anhand der kantonalen Richtplanung überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Überwachung der Wasserqualität ist Sache der Träger der Wasserversorgungen und untersteht der Aufsicht durch die kantonalen Lebensmittelkontrollbehörden.
Generell besteht Bewässerungsbedarf vor allem für Spezialkulturen wie Gemüse, Kartoffeln und Beeren. Schwerpunktregionen sind Werdenberg und Rheintal. Hier gibt es grosse Grundwasservorkommen. Deshalb haben viele Betroffene nach dem Rekordsommer 2003 und in einem zweiten Schub nach dem Sommer 2018 ihr Wasser für die Bewässerung nicht mehr aus den Bächen, sondern aus dem Grundwasser genommen.
Die Erfahrungen bezüglich der Landwirtschaft im Jahr 2022 zeigen:
- Im Gegensatz zu anderen Regionen der Schweiz konnte im Kanton St.Gallen die Produktion immer aufrechterhalten werden.
- Es kam zu keinen Ernteausfällen, vor allem dank der Möglichkeit zur Bewässerung mit Grundwasser.
- Die Alpsaison wurde zum Teil früher beendet.
Die sehr positive Beurteilung im Bericht stimmt im Grundsatz mit den Erfahrungen des trockenen Sommers 2022 überein. Die Erfahrungen stärken die Bedeutung der Annahmen und Voraussetzungen des Berichts:
- Die St.Galler Landwirtschaft orientiert sich an den verfügbaren Wasserressourcen und reagiert auf die erwarteten klimatischen Veränderungen mit einem Arten- und Sortenumbau. Das bedeutet, dass weiterhin nur dort Kulturen mit hohem Wasserbedarf (Gemüse, Kartoffeln und Beeren) angebaut werden, wo genügend Wasser verfügbar ist.
- Grünland wird nicht bewässert. Lokale Ausnahmen sind dort möglich, wo die Ressourcen dies zulassen.
- Mit den Wasserressourcen wird schonend umgegangen. Die Möglichkeiten der Digitalisierung werden genutzt und es werden effiziente und sparsame Bewässerungstechniken eingesetzt.
- Die heutige Bewilligungspraxis für Wasserentnahmen wird fortgesetzt.
Bei der Erarbeitung des Berichts haben sich die Vertreter der Landwirtschaft im Projektaus-schuss, im Projektteam und in den Echoräumen, unter anderem der St.Galler Bauernverband, ausdrücklich zu diesen Rahmenbedingungen bekannt.
Der Hitzesommer 2022 hat gezeigt, dass auch im wasserreichen Rheintal die Grundwasservorkommen begrenzt sind und Nutzungskonflikte vermehrt auftreten. Die Effizienzsteigerung bei der Bewässerung muss künftig verstärkt beachtet werden.
Die Erfahrungen im Jahr 2022 bestätigen die negative Beurteilung im Bericht. Der Handlungsbedarf ist erkannt und wird insbesondere mit Massnahmen der Biodiversitätsstrategie und der Strategie zur Anpassung an den Klimawandel adressiert.
- Im Vergleich zum Sommer 2018 wurden die Gewässer wärmer und erreichten zum Teil Rekordtemperaturen, wie beispielsweise der Rhein mit bis zu 21 Grad.
- In der Thur starben Äschen aufgrund der hohen Wassertemperaturen.
- Viele Fische verendeten wegen zu hoher Wassertemperaturen. Abfischen und Umsiedeln war nicht immer möglich.
- Tiefe Grundwasserstände im Rheintal ermöglichten in der Folge weniger kalte Grundwasseraufstösse in die Giessen.
- Es wurden illegale Wasserentnahmen festgestellt.
Die «Langfristige Sicherstellung der Wasserressourcen im Kanton St.Gallen» unterstützt das Schwerpunktziel «16. Erhaltung natürliche Ressourcen und Lebensraum».