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Die Grossfamilie
In einer katholischen Grossfamilie wuchs Frau Keller mit sieben Geschwistern in der Gemeinde Sirnach auf. "Cilly", so wird sie von ihren Liebsten noch heute genannt, übernahm als älteste Tochter früh die Verantwortung für die ganze Familie, weil ihre Mutter unverhofft und leider viel zu früh verstarb. Der Vater und die Kinder wurden tagsüber von Haushälterinnen bei der täglichen Arbeit unterstützt.
Butterbrot mit Haarresten
Die Beziehung zwischen den unterschiedlichen Haushälterinnen und Frau Keller war hie und da wie ein "Katz-und-Maus-Spiel". Frau Kellers Ehemann Heiner erzählte uns im Gespräch eine eigenartige Anekdote, die Frau Keller immer wieder im Kreise der Familie zur Beziehung zwischen ihr und der einen Haushälterin erzählte. Eines Tages strich die damalige Dame nach einem "rencontre" mit Frau Keller, ihre frischgeschnittene Haarreste auf das weiche Butterbrot und zwang sie diese borstige Mahlzeit zu essen.
Es blieb anscheinend nicht die einzige Auseinandersetzung zwischen der Haushälterinnen und ihr. Ihre Tante und ihr Vater waren von der Idee überzeugt, dass sie in der Ferne den Weg zum katholischen Glauben finden wird. So kam es, dass Frau Keller fortan auf Wanderschaft ging. Zuerst absolvierte sie ein Volontariat in die Westschweiz, später fuhr sie für ein Jahr in den Süden Englands. Kaum aus Südengland zurück gekehrt, lernte sie im Ausgang ihren heutigen Ehemann Heiner kennen, ein reformierter Ostschweizer. Ihre Tante und der Vater waren nicht erfreut, als sie davon erfuhren, dass ihre Liebste sich in ein "Reformierter" verliebte. Für Frau Keller und ihr Ehemann war dies damals und auch später nie ein Thema. Der nächste Zwischenstopp absolvierte sie für drei Monate im ländlichen Langenbruck im Baselbiet. Dort arbeitete sie als Betreuerin in einem "Chinderhuus" und lernte ihre langjährige Freundin Helen kennen. Durch die Heirat zwischen Helen und Frau Kellers Bruder bekam die enge Freundschaft eine zusätzliche Dimension im Leben beider.
Südengland-Ostschweiz-Rom-Ostschweiz
Bevor Frau Keller als 22-jährige ihre Reise für 1 ½ Jahren nach Rom in Angriff nahm, war sie als Kindermädchen für zwei Monate bei einer englischen Familie in Davos engagiert. Später in Rom war sie bei einer Schweizer Familie aus Zürich zu Gast und sorgte für das Wohl deren Kinder. Mit einer weiteren Fremdsprache und vielen Eindrücke im Rucksack kehrte sie fix zurück in die Ostschweiz und übernahm fortan im Elternhaus die volle Verantwortung. Dies führte dazu, dass sie erst viel später eine Ausbildung als Gesundheitsberaterin absolvieren konnte.
Frau Keller heiratete ihr Heiner und wurde 1966 zum ersten Mal Mutter.
In der Freizeit engagierte sich die dreifache Mutter in unterschiedlichen Vereinen und war stets für ihre aufgestellte Art eine beliebte Kollegin. Mit einer Mitbewohnerin im Rüti war sie vor über 50 Jahren gemeinsam in der Damenriege. Die Verbundenheit beider Damen ist auch noch heute spürbar.
Die aktive Frau Keller turnte in der Damenriege, engagierte sich im Dorf bei den Altersnachmittage und nahm regelmässig an den Gesangsstunden teil.
"Die Bewegung und die Musik sind ihr Lebenselixier. Zum 50igsten Geburtstag schenkte ich ihr ein Schweizer Handörgeli." Heiner Keller
Noch heute spielt sie ab und dann den Bewohnerinnen und Bewohner ein Lied auf ihrer eigenen Handorgel vor und singt leidenschaftlich mit.
Apropos "Training": im Rüti wird regelmässig gesungen, getanzt, gespielt und geturnt. Dies hält nicht nur den Geist, den Körper und die Psyche fit, sondern verbindet die Menschen untereinander.
Seit Sommer 2021 ist Frau Kellers neues Zuhause das Pflege-Daheim Rüti und sie ist ein Teil der Grossfamilie. Mit ihrer aufgestellten Persönlichkeit hat sie sich schnell und gut im Kreise der Bewohnerinnen und Bewohner eingelebt und macht stets bei den Aktivitäten mit. Ihr Ehemann Heiner erzählt uns noch zum Abschluss des Gesprächs, dass ihr Lieblingsgericht "Speck mit Bohnen" ist und sie es früher mindestens einmal im Monat an einem Samstagmittag kochte. Im Winter wurde die Lieblingsmahlzeit gleichzeitig mit den Skifahrer Müller, Heinzer und Zurbriggen genossen, direkt vor dem Fernsehen, so wie es sich früher gehörte.