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Nach zwei Wintereinbrüchen in der ersten Novemberhälfte lag im Norden bis in mittlere Lagen eine geschlossene Schneedecke. In der zweiten Novemberhälfte führte eine lange, stationäre Südlage zu Starkniederschlägen im Süden. Durch die sehr milden Temperaturen und den Föhnsturm aperte der Schnee im Norden unterhalb von rund 2000 m weitgehend wieder aus. Mit anhaltendem Schneefall in der Höhe war die Lawinensituation im Süden zeitweise kritisch (Abbildung 1), mit grosser Lawinengefahr im Simplongebiet. Am letzten Novemberwochenende ereignete sich dort ein Lawinenunfall mit einer verletzten Person.
Der November war beides, kalt und warm (Abbildung 2) und im Durchschnitt rund ein halbes Grad wärmer als normal. Im Süden und Westen fiel bis zu 150% des normalen Novemberniederschlages (vgl. Klimabericht von Meteoschweiz). Die Föhnphase vom 20. bis 25. November war gemäss MeteoSchweiz die drittlängste seit Beginn der Aufzeichnungen. In der letzten Niederschlagsperiode des Novembers fiel im Süden teils über 2 m Schnee in hohen Lagen.
Der November begann in den Bergen sonnig und mild. In den ersten Tagen sank die Nullgradgrenze von 3000 m auf rund 2000 m (Abbildung 2), bevor in der Nacht auf den 5. November Niederschläge einsetzten.
5. bis 6. November: verbreitet Wintereinbruch bis in mittlere Lagen
Im Westen und Süden war es stark bewölkt mit Niederschlag. Der Wind wehte mässig bis stark aus Südwest. Im Osten war es mit Föhn zunächst noch trocken. Von Freitagabend, 4. November bis Sonntagabend, 6. November fielen oberhalb von rund 2200 m im westlichsten Unterwallis und vom Avers bis ins Berninagebiet: 40 bis 60 cm, in den übrigen Gebieten des Alpennordhanges, des Unterwallis und Graubündens sowie im östlichen Tessin 20 bis 40 cm Schnee. Im Oberwallis und im nordwestlichen Tessin fiel weniger als 20 cm Schnee. Die Schneefallgrenze sank dabei von 2200 m bis in tiefe Lagen.
In der Folge sank die Nullgradgrenze unter 1000 m und der Wind blies zeitweise stark aus Nord und verfrachtete den lockeren Schnee.
9. bis 12. November: Kräftiger Wintereinbruch im Norden, Schnee bis in tiefe Lagen
Im Süden gab es zeitweise Aufhellungen, sonst war es überall stark bewölkt. Mit starkem und zeitweise stürmischem West- bis Nordwestwind fiel oberhalb von 600 bis 1000 m Schnee. In den Gebieten am nördlichen Alpenkamm vom Trient bis ins Lötschental und von der Reuss bis in die Glarner Alpen fiel mit 80 bis 120 cm am meisten Schnee. Am übrigen westlichen und zentralen Alpennordhang, im übrigen westlichen und nördlichen Wallis und im Gotthardgebiet 60 bis 80 cm, im südlichen Oberwallis ohne Simplongebiet sowie in den Gebieten Flims, Calanda, Prättigau, Silvretta und Samnaun 40 bis 60 cm Schnee. Weiter südlich fielen weniger als 40 cm Schnee (Abbildung 3). In den Voralpen und im Jura fielen auf rund 1000 m 15 bis 30 cm Schnee.
Ab dem 12. November stiegen die Temperaturen wieder an und die Nullgradgrenze erreichte Mitte November fast 3000 m. Am 18. und 19. November fiel oberhalb von rund 2000 m verbreitet 10 bis 20 cm, ganz im Westen und im Süden lokal bis 40 cm Schnee. Starker Südwestwind und später stürmischer Südwind verfrachtete den Neuschnee und auch lockeren Altschnee in der Höhe (Abbildung 4).
20. bis 26. November: Anhaltende Südlage, zeitweise stürmischer Föhn, viel Neuschnee in hohen Lagen des Südens
In weiten Teilen der Schweiz war es meist bewölkt, einzig in den Föhngebieten gab es lokal kurze Aufhellungen, am meisten in den östlichen Alpen. Südlich der Alpen war es anhaltend trüb und nass. Die Schneefallgrenze lag am Alpensüdhang meist bei 1800 bis 2000 m, am Alpenhauptkamm und nördlich davon bei 2200 bis 2400 m. Am Oberwalliser Alpenhauptkamm, im nördlichen und mittleren Tessin sowie über das Misox bis ins Bergell kamen grosse Niederschlagsmengen zusammen. Im Simplongebiet und im westlichen Tessin fielen oberhalb von rund 2400 m 1 bis 2 m Schnee, lokal auch mehr (Abbildung 5). Am übrigen Oberwalliser Alpenhauptkamm fiel bis 1 m Schnee. In den angrenzenden Regionen nahmen die Niederschläge markant ab.
Am 21. November erreichte die Föhnlage im Alpenraum ihren Höhepunkt. Dabei wurden in den Föhntälern Böenspitzen von 80 bis 120 km/h erreicht. In den westlichen und zentralen Alpen wurden in Kammlagen oberhalb von rund 2000 m lokal orkanartige Windböen von 130 bis 170 km/h gemessen. Auch über den Jurakämmen wehte ein starker bis stürmischer Südwind. In den Föhntälern stiegen die Temperaturen teils über 20 Grad. Am 25. November endete die Föhnphase und die Niederschläge im Süden endeten in der Nacht zum 26. November. Vor allem der Neuschnee im Süden wurde verfrachtet und besonders an Nordhängen entstanden sehr grosse Triebschneeansammlungen.
Die letzten Novembertage waren von einer Hochdrucklage bestimmt, mit Hochnebel im Norden und meist sonnigen Verhältnissen in den Bergen. Der Wind wehte schwach bis mässig aus nördlichen Richtungen und die Nullgradgrenze sank bis Ende November unter 2000 m (Abbildung 2).
Anfang November lag an Südhängen nur im Hochgebirge Schnee. An Schattenhängen lag in hohen Lagen wenig Altschnee. Erst oberhalb von rund 2800 m bildete der Oktoberschnee an glatten Hängen und auf Gletschern zu Monatsbeginn eine geschlossene Schneedecke. Diese war an der Oberfläche oft kantig aufgebaut und locker. In der ersten Novemberhälfte wurde diese eingeschneit und war für den Rest des Monats die markanteste Schwachschicht für Lawinenauslösungen (Abbildung 6). Die Lawinengefahr war mit den wiederholten Schneefällen in Kombination mit dem Altschneeproblem gebietsweise über längere Zeit erheblich (Stufe 3) und erreichte am 25. November im Simplongebiet die Stufe gross (Stufe 4).
Auch die Gefahr von feuchte Lawinen und Gleitschneelawinen war zeitweise erhöht. Im Norden vor allem nach den Schneefällen Mitte November (Bildgalerie) und im Süden während und nach den Starkschneeniederschlägen ab 20. November (Abbildung 7).
Die Schneedecke, die sich in mittleren Lagen und auch im Jura bis Mitte November gebildet hatte, war nur von kurzem Bestand. Mit Föhn und Wärme in der zweiten Novemberhälfte aperte der Schnee unterhalb von rund 2000 m weitgehend wieder aus. Ende November lag die Schneegrenze an Nordhängen verbreitet bei 1800 bis 2000 m, an Südhängen rund 200 m höher. Auf 2500 m lag im nördlichen Wallis und am Walliser Alpenhauptkamm sowie am Alpensüdhang ohne Münstertal 50 bis 100 cm, im Simplongebiet bis 180 cm Schnee. Sonst lag verbreitet 20 bis 50 cm Schnee.
Am 4., 6., und 8. November wurde jeweils ein Textbulletin publiziert. Ab dem 9. November erschien das Lawinenbulletin täglich mit der Gefahrenkarte (Ausgabezeit 17 Uhr).
Am Sonntag, 20.11. lösten zwei Variantenfahrer im Gebiet Mittelallalin, Saas-Fee, VS an einem Nordosthang auf rund 3150 m eine Lawine im Triebschnee aus. Sie wurden dabei erfassst, aber nicht verschüttet.
Am Sonntag, 27.11. ereignete sich am Homattugletscher, Simplongebiet, VS ein Lawinenunfall. Dabei wurden drei Personen im Aufstieg erfasst, deren zwei teil- und eine ganzverschüttet waren. Eine Person wurde leicht verletzt. Dank Kameradenrettung wurden alle Personen rasch geborgen. Da viele Tourengänger im Gebiet waren, führte die organisierte Rettung von AirZermatt auf dem Lawinenkegel eine Sicherheitssuche mit Hunden durch. Ob die Lawine durch Personen und/oder durch einen Wächtenbruch ausgelöst wurde oder ob sie spontan abging ist im Nachhinein nicht eindeutig feststellbar. Der Anriss erfolgte südlich des Breithornpasses an einem Nordwesthang auf rund 3350 m und mit grosser Wahrscheinlichkeit im Altschnee (Abbildung 8).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.