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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Viertes Buch
17. Auch bei der Erschaffung des Menschen ist Gott nicht nur ein einziger.
Da also nach der Vollendung der Welt ihr Bewohner gebildet werden mußte, so erzählt von ihm der Bericht: „Und Gott sprach: wir wollen einen Menschen erschaffen nach unserem Bild und Gleichnis.”1 Und wiederum: „Und Gott schuf den Menschen; nach dem Bilde Gottes schuf er ihn.”2
Ich frage nun: möchtest du glauben, Gott habe das zu sich allein gesprochen, oder möchtest du annehmen, diese Aufforderung habe er nicht an sich, sondern an einen anderen gerichtet? Wenn du sagst, er sei allein gewesen, so wirst du durch sein eigenes Wort widerlegt: „Wir wollen einen Menschen erschaffen nach unserem Bild und Gleichnis.” Denn Gott hat nach unserer Auffassungsweise durch den Gesetzgeber gesprochen; er ließ nämlich die Erkenntnis seiner Taten uns zuteil werden, mit solchen Worten, deren Gebrauch er auch von uns gefordert hat.
Denn der Sohn Gottes, durch den alles erschaffen wurde, ist dadurch zutreffend bezeichnet worden, daß gesagt wurde: „Und Gott sprach, es werde ein Festes;” und daß weiterhin so fortgefahren wurde: „Und Gott schuf das Feste.”' Doch eben diese Sprechweise sollte nicht als leer und überflüssig gelten, wenn er [nämlich] zu sich selbst gesagt hatte, es geschehe, und er selbst wiederum habe geschaffen; denn was ist so unangemessen für den, der allein wäre [als dies], daß er es als von ihm zu erledigende Leistung bezeichnete, da es doch nur seines Willens bedurfte, daß es geschehe? Ganz ohne Frage wollte er von dieser Bezeichnung erkannt wissen, daß sie nicht allein auf ihn zu beziehen sei.
Dadurch daß er sagte: „Wir wollen den Menschen nach unserem Bild und Gleichnis erschaffen,” machte er durch die ausdrückliche Bestätigung der Gemeinschaft die Deutung der Einzigkeit unmöglich. Ein einzelner kann aber nicht für sich selbst irgendwie Gemeinschaft sein. Anderseits aber läßt die Einzigkeit eines Einzigen dieses nicht zu: „Wir wollen erschaffen”; noch auch sagt jemand „unser” zu einem, der ihm fremd ist. Wie jeder Ausdruck „wir wollen erschaffen” und „unser”, nicht duldet, daß er nur ein Vereinzelter und der gleiche sei, so bezeichnet er auch nicht jemanden, der von ihm unterschieden und ihm fremd ist. Ich frage entweder: wenn du von seiner Einzigkeit hörst, solltest du ihn dann nicht für einen und denselben halten? oder: wenn du hörst, daß er nicht einer und derselbe sei, würdest du annehmen, daß er vereinzelt sei? Im Vereinzelten wird er also als Vereinzelter erkannt; in dem, daß er nicht einer und derselbe ist, nicht als einziger. Dem Vereinzelten kommt also zu: ich will erschaffen, und mein; dem Nicht-vereinzelten aber: „wir wollen erschaffen”, und „unser”.
1: Gen 1,26
2: Gen 1,27