Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03182.jsonl.gz/1846

Das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandprodukt (BIP) werde wegen der Covid-Kredite zwar deutlich steigen, insgesamt gehe daraus aber keine Gefahr für das Bankensystem aus.
Zwar sei absehbar, dass nicht alle KMU, die Covid-Kredite aufgenommen hätten, diese auch vollumfänglich bedienen könnten, heisst es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie zum Finanzplatz Schweiz. Dank der staatlichen Bürgschaft sollten die Kreditverluste der Banken auf den Unternehmenskrediten aber beschränkt bleiben.
Die Gewinne der Banken werden bekanntlich nur beeinträchtigt, wenn Unternehmen Kredite von über 500'000 Franken ausfallen lassen, die der Bund nur bis zu 85 Prozent verbürgt.
Auch sonstige Zahlungsausfälle
Darüber hinaus könnte die durch die Corona-Krise ausgelöste Rezession zwar auch zu Zahlungsausfällen bei Unternehmen führen, die keine staatlich garantierten Kredite aufgenommen haben, heisst es weiter. So hätten nach früheren Rezessionen die notleidenden Kredite üblicherweise ebenfalls zugenommen. Das Ausmass des Anstiegs nach den diversen Konjunktureinbrüchen war in der Vergangenheit allerdings ziemlich unterschiedlich.
So hätten die Inlandbanken - nachdem die Spekulationsblase am Schweizer Immobilienmarkt Ende der 1980er-Jahre geplatzt ist - zwischen 1991 und 1996 8,5 Prozent ihrer Kreditportfolios abgeschrieben. Die Verluste konzentrierten sich auf die an Privathaushalte vergebene Hypotheken.
Nach der globalen Finanzkrise vor gut zehn Jahren stiegen die notleidenden Kredite ausgehend von 0,77 Prozent des Kredittotals (von Inlandkrediten) im Jahr 2007 hingegen auf lediglich 0,95 Prozent im Jahr 2008 bzw. 1,12 Prozent im Jahr 2009.
Die aktuelle Rezession dürfte gemäss Einschätzung der CS-Ökonomen zwar tiefer sein als gewisse Einbrüche der Nachkriegszeit, sie werde sich aber wohl auch als kurzlebiger erweisen. Zudem finanzierten Schweizer KMU ihre Investitionen vorzugsweise mit Eigenkapital, was darauf hindeute, dass ihre Bilanzen vor Beginn der Rezession in guter Verfassung gewesen seien.
"Auch wenn die Erholung von der Rezession nicht besonders schnell erfolgen sollte, rechnen wir mit nur moderaten Verlusten im Geschäft mit inländischen Unternehmenskrediten", schreiben die Ökonomen in der Studie.
Keine substanzielle Verluste im Hypothekengeschäft
Auch im anteilsmässig viel bedeutenderen Hypothekarkreditgeschäft rechnen die Ökonomen der zweitgrössten Schweizer Bank nicht mit deutlich steigenden Kreditausfällen. Die insgesamt im Inland vergebenen Kredite belaufen sich laut der Studie auf 170 Prozent des Schweizer BIP, wobei es sich bei 149 Prozent um Hypothekenkredite handele. Diese machten in den Aktiven der Schweizer Banken einen Anteil von rund 30 Prozent aus.
Es sei eher unwahrscheinlich, dass die Corona-Krise substanzielle Verluste im Hypothekengeschäft nach sich ziehen werde, schreiben die Ökonomen in der Studie. Ein Grossteil der Hypotheken (rund 75% des Totals) sei an private Schuldner vergeben. Weil zudem die Hypothekarzinsen extrem tief seien und Käufer mit niedrigerem Einkommen infolge der hohen Immobilienpreise und der verschärften Beleihungsregeln aus dem Markt gedrängt worden seien, sollten die Ausfälle in diesem Bereich minimal bleiben.
Und im Geschäftsimmobiliensegment setzten institutionelle Anleger bei der Finanzierung üblicherweise nur in beschränktem Umfang auf Fremdkapital. Zwar wiesen die Banken auch gegenüber diesem Segment ein gewisses Exposure auf, wobei die Risiken bei von der Pandemie stark betroffenen Detailhandels- und Hotelobjekten höher seien als bei anderen Branchen.
Unter dem Strich beschränktes Risiko
Allerdings zeichnen sie gemäss der Studie nur für 9 Prozent des Werts aller Geschäftsimmobilien in der Schweiz verantwortlich. Darüber hinaus liege die Belehnungsquote im Durchschnitt unter 66 Prozent, sodass die Banken hier einen gewissen Puffer hätten.
Und zu guter Letzt sei die Fremdfinanzierung in jenem Immobiliensegment mit dem höchsten Überangebot, nämlich bei den Mietobjekten, allgemein sehr niedrig, weil entsprechende Projekte in der Regel von grossen institutionellen Anlegern finanziert würden. "Unter dem Strich glauben wird daher, dass die Verluste im Zusammenhang mit Immobilien trotz der Schwere der Rezession eher beschränkt bleiben", heisst es in der Studie.
(AWP)