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von Dr. Kathrin Krause
Immer mehr wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass es globale Erwärmung gibt und welche schwerwiegenden Ursachen und Folgen sie hat. Die Zahl der Menschen jedoch, die globale Erwärmung für inexistent und die Berichterstattung für übertrieben halten oder das Phänomen als unabhängig von menschlichem Verhalten bewerten, ist jedoch ebenfalls ansteigend (bspw. Gallup Studie 2009, 2010). Wie entsteht dieser Gegensatz?
Dieser Frage sind Matthew Feinberg und Robb Willer von der University of California, Berkeley nachgegangen. Um den Effekten der Klimaerwärmung entgegenzuwirken, versuchen Umweltschutzorganisationen und Verbände, häufig durch das Aufzeigen von drastischen negativen Konsequenzen Unterstützung und Aktivität in der Öffentlichkeit zu erzielen, so die Beobachtung der Forscher. Die Forscher vermuten, dass gerade die düsteren Prognosen Skepsis erregen und bei den Angesprochenen zu Unsicherheit und Ängsten führen. Sie nehmen an, dass Informationen über die möglichen düsteren Folgen der Klimaerwärmung eine Bedrohung für den tief verankerten Glauben an eine gerechte, stabile und ordentliche Welt darstellen.
Feinberg und Willer beziehen sich auf Forschungsergebnisse zum so genannten Just-World-Belief, den starken Glauben an eine gerechte Welt, in der die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden. Wird dieser Glaube durch gegenteilige Informationen erschüttert, treten Abwehrmechanismen auf. Die bedrohliche Information wird heruntergespielt oder geleugnet, insbesondere von Personen mit stark ausgeprägten Glauben an eine gerechte Welt. Dies reduziert laut Feinberg und Willer den Willen, selbst gegen Klimaerwärmung aktiv zu werden.
Die Forscher führten zwei Studien durch, um diese Hypothesen zu prüfen. In der ersten Studie erhoben sie zunächst die Stärke des Glaubens an eine gerechte Welt der Studienteilnehmer. Im Anschluss gaben sie ihnen zwei unterschiedliche Arten von Informationen über Klimaerwärmung: Eine eher düstere, apokalyptische Information und eine eher positiv formulierte, lösungsorientierte Information. Im Anschluss erfragten sie die Skepsis ihrer Probanden gegenüber Klimaerwärmung. Die Ergebnisse der ersten Studie zeigten, dass, je stärker der Glaube an eine gerechte Welt war, die Probanden desto skeptischer gegenüber Klimaerwärmung waren – wenn die Information darüber besonders düster formuliert war. Für Teilnehmer in der lösungsorientiert formulierten Bedingung fanden die Forscher ein niedrigeres Niveau an Skepsis in Bezug auf Klimaerwärmung.
In der zweiten Studie manipulierten die Forscher den Glauben an eine gerechte Welt in einem Experiment. Sie untersuchten die Hypothese, dass Studienteilnehmer, die besonders auf den Glauben an eine gerechte Welt hin manipuliert wurden, Informationen zur Klimaerwärmung ablehnender gegenüberstünden. Die Manipulation erfolgte, indem allen Teilnehmern Sätze vorgelegt wurden, deren Wörter sie in die richtige Reihenfolge bringen mussten. In der «Gerechte Welt»-Bedingung erhielten die Teilnehmer Sätze wie «Die Welt ist sehr vorhersehbar», und «Gerechtigkeit wird immer siegen». In der «Ungerechte Welt»-Bedingung bildeten die Teilnehmer Sätze wie «Die Welt ist unvorhersehbar» und «Oft siegt Gerechtigkeit nicht». Im Anschluss an diese Aufgabe sahen die Teilnehmer ein sehr düster und negativ gezeichnetes Videos zum Thema Klimaerwärmung und beantworteten Fragebogen.
Es zeigte sich, dass diejenigen, die auf eine gerechte Weltsicht hin manipuliert wurden, Klimaerwärmung wesentlich skeptischer gegenüberstanden, als diejenigen, die auf eine ungerechte Weltsicht hin manipuliert wurden. Auch im Hinblick auf die Frage, ob sie gewillt seien, ihren Lebensstil zu verändern, um Klimaerwärmung zu reduzieren, zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den beiden Manipulationsbedingungen. Diejenigen, die eine «Gerechte Welt»-Manipulation erhalten hatten, waren weniger bereit, ihren Lebensstil zu verändern um Klimaerwärmung entgegenzuwirken, als diejenigen in der «Ungerechte Welt»-Manipulation. Als Erklärung dafür konnten die Forscher die erhöhte Skepsis gegenüber Klimaerwärmung in der «Gerechte Welt»-Bedingung ausmachen.
Feinberg und Willer schliessen, dass Informationen über Klimaerwärmung so formuliert werden sollten, dass sie den Glauben an eine gerechte Welt nicht erschüttern. Zusätzlich könnte die Reduzierung des Glaubens an eine gerechte Welt zu geringerer Skepsis gegenüber Klimaerwärmung führen.
Quelle:
Feinberg, M. & Willer, R. (2010). Apocalypse Soon?: Dire Messages Reduce Belief in Global Warming by Contradicting Just-World Beliefs. Psychological Science, 22, 34–38.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.