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| Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

10.
Wer sah je eine ganze große Stadt so schreien und weinen? Wer hätte das Wehklagen und Weinen der Kinder aushalten können? Denn sie, die ein langes Leben liebten, hörten, daß ihr Leben abgekürzt worden sei. Wer hätte ferner vermocht, das Wehgeschrei der Greise zu ertragen? Denn sie, die das Grab und die Begrabenden liebten, hörten, daß die Stadt zugrunde gehen werde. Wer hätte das laute Jammern der Jünglinge ertragen können, die da sahen, daß ihre Hochzeitsgäste zu ihrem Tode geladen seien? Wer hätte das Wehklagen und Weinen der Bräute ertragen können, die, in ihren Brautgemächern sitzend, zu den Grüften der Erde geladen waren? Wer hätte sich der Tränen erwehren können, wenn er den König hätte weinen sehen, der geladen war, statt in den Königspalast zurückzukehren, in die Unterwelt hinabzusteigen? Er, der unter den Lebendigen König war, sollte unter den Toten Staub sein. Anstatt auf einem Prunkwagen einherzufahren, hatte er vernehmen müssen, daß seine Stadt zugrunde gehen werde. Anstatt sich seinen Schwelgereien und Lustbarkeiten hingeben zu können, hatte er vernehmen müssen, daß ihn der Tod verschlingen werde. Anstatt sich auf seinem Ruhebette ausstrecken zu können, war der König samt seiner Stadt plötzlich zu dem Abgrund des Strafgerichtes geladen worden.