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Bei den eidgenössischen Wahlen 1999 waren 35 Prozent aller Kandidierenden Frauen. In der Fernseh-Berichterstattung erhielten die Kandidatinnen jedoch durchschnittlich nur 18 Prozent Redezeit. Das müsse sich ändern: Die Präsidentin der Kommission für Frauenfragen stellt konkrete Forderungen an die Medien.
Mehrere hundert Stunden Vorwahl-Berichterstattung von den öffentlich-rechtlichen Fernseh-Sendern (SF DRS 1, TSR 1, TSI 1) sowie den privaten TV-Stationen Tele24, TV3 und TeleTicino wurden minutiös ausgewertet. Der Befund war klar: Die Kandidatinnen kamen selten zu Wort. Konkret erhielten die 35 Prozent Frauen, die für die Wahlen 1999 kandidierten, gesamthaft bloss 18 Prozent Rede-Anteil.
Romandie schneidet am besten ab
Das Erstaunliche an der Detail-Analyse: Zwischen den Sprachregionen zeigen sich markante Unterschiede: In der Romandie (TSR 1) liegt der Rede-Anteil der Frauen bei 29 Prozent, am Schluss der Rangliste sind TSI (der italienisch-sprachige Sender der SRG) und TV3 (11 Prozent bzw. 8 Prozent).
Radio-Stationen berücksichtigen Frauen mehr
Bei der Analyse der Radio-Berichterstattung (SR DRS, RSR, RSI) zeigt sich ein anderes Bild: Im Radio kamen die Frauen besser weg. Mit durchschnittlich 31 Prozent Rede-Anteil waren die Kandidatinnen da grundsätzlich angemessen vertreten. Auch hier ist übrigens das französisch-sprachige Radio (RSR) an der Spitze (37 Prozent).
Spezielle Wahl-Hürden für Frauen
Die Studie war im Auftrag von SRG idée suisse und der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen erstellt worden. Und in ihrer Bewertung der Resultate schlug die Präsidentin der Kommission, Nationalrätin Chiara Simoneschi-Cortesi, den Bogen zur unterdurchschnittlichen Präsenz der Frauen im Parlament: "Die Kandidatinnen treffen auf Hürden, die die Kandidaten nicht haben - die kleinere Präsenz in den Massen-Medien während des Wahlkampfes ist eine davon."
Journalistinnen wichtig
Die Medien seien nicht nur während des Wahlkampfes wichtig, so Simoneschi weiter. Und sicher seien nicht nur die Medien, sondern auch die Parteien gefordert, wenn es darum gehe, den Frauen den Zugang zu Wahlkampf-Plattformen zu ermöglichen. Doch es bleibe eben der Unterschied zwischen den verschiedenen Sendeketten. "Man könnte die Hypothese aufstellen, dass die Zahl der Journalistinnen da einen Einfluss auf haben könnte", so Simeneschi gegenüber swissinfo. Konkret: Bei TSR haben vor den Wahlen 1999 deutlich mehr Journalistinnen in der Berichterstattung mitgearbeitet als bei den anderen Fernseh-Sendern.
Künftig die Hälfte für die Frauen
Die Präsenz der Kandidatinnen hat sich von 1995 bis 1999 nicht gross verbessert, dies ein weiteres Resultat der Studie. Deshalb fordert die Präsidentin der Kommission für Frauenfragen nun konkrete Taten: Die Medien sollen sich selbst verpflichten, den Frauen im nächsten Wahlkampf mindestens einen gleichberechtigten Platz einzuräumen.
Eine solche generelle Frauenquote wird es jedoch bei der SRG idée suisse kaum geben, erklärte darauf Armin Walpen, Generaldirektor der SRG. Doch ihm gehe es allgemein nun primär darum, die Studien-Resultate und die Unterschiede nach Unternehmens-Einheiten zu analysieren und dann erst Massnahmen zu treffen.
Übrigens: 1999 waren 35 Prozent der Kandidierenden Frauen, der Rede-Anteil im Fernsehen betrug 18 Prozent. Bei den Gewählten schliesslich betrug der Frauen-Anteil im Nationalrat 23,5 Prozent, im Ständerat 19,6 Prozent.
Eva Herrmann