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Engelsflügel? Lametta im Haar? Samichlausmütze? Im Dezember präsentieren sich Angestellte im Detailhandel oft mit weihnächtlich anmutenden Accessoires. Was dürfen Arbeitgeber verlangen?
In der Cafeteria meines Vertrauens, dort, wo ich jeden Morgen Kaffee trinke, präsentierten sich die Serviceangestellten heute in einem ungewohnten Look: Sie trugen eine rote Zipfelmütze mit sternchenverziertem weissem Pelzbesatz. Und sie machten nicht den Eindruck, als ob sie Spass daran hätten, mit dieser Kopfbedeckung an der dampfenden Kaffeemaschine zu stehen. Ganz bestimmt war das nicht ihre Idee. „Darf der Arbeitgeber von Ihnen verlangen, dass Sie während der Arbeit eine solche Kappe tragen?“, frage ich eine der Angestellten. „Ja natürlich darf er das“, sagt sie.
Doch stimmt das auch wirklich? Laut Sabrina Gremli-Gafner, Rechtsanwältin beim Kaufmännischen Verband, hat der Arbeitgeber (gemäss Art. 321d OR) ein Weisungsrecht, das sich nicht nur auf die Ausführung der Arbeit, sondern auch auf das Äussere der Arbeitnehmenden bezieht. Er kann ihnen deshalb vorschreiben, was für Kleider sie am Arbeitsplatz tragen müssen. Voraussetzung dafür aber ist, dass betriebliche Gründe – zum Beispiel regelmässige Kontakte mit der Kundschaft – dies rechtfertigen.
Dieses Weisungsrecht ist aber begrenzt durch das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers. „Sachlich nicht begründbare, offensichtlich schikanöse oder sexistische Weisungen müssen Arbeitnehmende nicht befolgen“, sagt Sabrina Gremli-Gafner. Ein Beispiel für eine sexistische Weisung wäre, wenn ein Arbeitgeber von der weiblichen Belegschaft verlangen würde, dass sie vor Ostern Hasenohren tragen muss.
Eine Verkleidung, welche sich auf Eigenheiten einer bestimmten Jahreszeit bezieht oder im Vorfeld bestimmter Festtage (Samichlaus, Weihnachten, Ostern, Ausverkauf, Halloween) zum Einsatz kommen soll, ist ohne Zustimmung der Arbeitnehmenden nicht möglich. Ausnahmen bilden lediglich Angestellte, welche ausdrücklich für eine künstlerische Darbietung engagiert werden oder Animationsaufgaben ausführen, welche eine Verkleidung voraussetzen. So zum Beispiel werden sich die als Engel verkleideten Frauen im Märlitram ganz bestimmt nicht über ihr Outfit beklagen können. Zwar kann auch im Rahmen eines gewöhnlichen Arbeitsvertrags vereinbart werden, dass zu gewissen Zeiten ein spezieller Dresscode gilt, ist arbeitsvertraglich aber nichts vereinbart, darf sich laut Sabrina Gremli-Gafner eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer weigern, eine saisonale Verkleidung zu akzeptieren. „Eine deswegen ausgesprochene fristlose Kündigung wäre ungerechtfertigt, eine ordentliche Kündigung missbräuchlich.“
Ausser in meiner Cafeteria werden in den nächsten Wochen auch im Detailhandel zahlreiche Angestellte mit weihnächtlichen Accessoires anzutreffen sein. Und als Konsumentin fragt man sich, was sich die Verantwortlichen in den Marketingabteilungen davon versprechen? Dass die Kundinnen und Kunden dadurch in vorweihnächtliche Wohlfühlstimmung geraten und deshalb mehr kaufen? Trinke ich wegen den Zipfelmützen jetzt zwei Tassen Kaffee am Morgen? Eben.