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Dolly erblickte am 5.Juli 1996 im Roslin Institute bei Edinburgh in Schottland die Welt. Das Lamm trug zunächst nur die schnöde Nummer 6LL3. Schliesslich wurde es nach der vollbusigen US-Countrysängerin Dolly Parton benannt, weil die zum Klonen verwendete Zelle aus dem Euter eines Schafes stammte.
Dolly war ein fundamentaler Durchbruch: Immer wieder neue Tierarten wurden geklont, riesige Summen flossen in die Forschung, um über das Klonen möglicherweise Heilmethoden für Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer zu entdecken. Skeptiker warnten vor einer Horrortechnik, mit der eines Tages geklonte Menschen in die Serienproduktion gehen könnten.
Die Technik, mit der Dolly geschaffen wurde, hat sich seitdem kaum weiterentwickelt. In weiten Bereichen entpuppte sie sich inzwischen als Sackgasse. In der regenerativen Medizin gelten andere Methoden als vielversprechender; als menschliche Fortpflanzungstechnik ist das Klonen weltweit tabu – und bei Tieren ist die Erfolgsrate eher gering.
Zudem scheinen Klone anfällig zu sein: So starb Dolly mit nur sechs Jahren an einer unheilbaren Lungenkrankheit, die sonst nur bei älteren Tieren auftritt.
In einem Bereich jedoch hat sich der mit dem Doppelgänger-Schaf beschrittene neue Pfad als erfolgversprechend erwiesen: Bei der Vervielfältigung preisgekrönter Zuchttiere. Da die Massenproduktion geklonter Tiere zu teuer und aufwändig wäre, setzt die Industrie eher auf das Klonen von Tieren mit ausserordentlichen Genen, die dann für genetisch hochwertigen Nachwuchs sorgen sollen.
Während in der EU das Klonen in der Landwirtschaft an strikte Zulassungsregeln gebunden ist und daher nicht praktiziert wird, hat sich in anderen Ländern inzwischen ein florierendes Geschäft entwickelt. Besonders gross ist der Boom in den USA, deren Zulassungsbehörde FDA schon 2009 befand, dass der Genuss geklonter Nutztiere absolut sicher sei. Es gibt dort nicht einmal eine Kennzeichnungspflicht für Klonfleisch oder -milch.
US-Unternehmen wie Cyagra oder ViaGen produzieren jährlich höchstens einige tausend Klontiere. Der im chinesischen Tianjin ansässige Konzern Boyalife dagegen will noch in diesem Jahr auf 100’000 Kühe kommen. Weit fortgeschritten ist bei Boyalife zudem die Planung zur Vervielfältigung besonders erfolgreicher Rennpferde, Haustiere oder Polizei-Spürhunde.
Der Konzern hat darüber hinaus angekündigt, gemeinsam mit seinem südkoreanischen Partner Sooam und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften an einer Verbesserung der Klontechnik für Primaten zu arbeiten, um geeignetere Versuchstiere für die Medizinforschung zu erzeugen.
Die Geschäfte mit geklonten Nutztieren haben durchaus Konsequenzen für den europäischen Verbraucher: Ohne Kennzeichnungspflicht können Fleisch oder Milch von Kühen mit Klon-Stammbaum durchaus auf dem EU-Markt landen, sagen EU-Vertreter. Nach Angaben von Verbraucherschutz-Sprecherin Pauline Constant haben die Käufer in dem Fall keine Chance, das Klon-Produkt zu erkennen und zu meiden.
Deshalb verlangte das Europa-Parlament im September ein weitreichendes Klonverbot. Es soll nicht nur für geklonte Tiere selbst gelten, sondern auch für deren Nachkommen. Verboten werden soll auch der Import von Produkten von Klonen wie etwa Milch sowie von Sperma und Eizellen geklonter Zuchttiere.
Ein Votum des Ministerrats steht noch aus, dieser konnte sich noch nicht zu einer einheitlichen Position durchringen. Entscheiden müssen dann Parlament und Ministerrat gemeinsam.
(SDA)