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Stausee von Emosson. (Photo: M. Doctor)
Methode
Die Niederschläge, die Sonnenscheindauer und in geringerem Ausmass auch die Temperatur gehören zu den wichtigsten Wetterparametern für Touristen. Für das ganze Wallis wurden diese Parameter für jeden Monat dieser Sommersaison mit dem dreissigjährigen Mittel (1981-2010) über 6 Messstationen von MeteoSchweiz verglichen. Es handelt sich um Zermatt (1638 m), Visp (640 m), Montana (1508 m), Sitten (482 m), Gross-Sankt-Bernhard (2472 m) und Aigle (381 m).
Dies erlaubt es, einen Wetterrückblick für die vergangene Saison im Wallis zu erstellen. Da das Wochenende (We)- und Feiertagwetter sich für das Tourismus besonders wichtig erweist, wurde ein Durchschnitt einzig für diese Tage und für jedes Parameter separat berechnet.
Anleitung zur Grafikinterpretation
Die Abweichungen (in %) der Niederschlagsmenge und Sonnenscheindauer zur Norm der Jahre 1981-2010 wurden in einer Grafik zusammengestellt. Wenn die Abweichungen der Niederschlagsmenge (bzw. der Sonnenscheindauer) negativ sind, erweist sich der betrachtete Monat im Vergleich zum langjährigen Mittel als zu trocken (bzw. zu trüb). Wenn die Abweichungen hingegen für beide positiv sind, deutet dies auf einen Niederschlags- sowie einen Sonnenüberschuss hin. Wenn positive Temperaturabweichungen (in Grad Celsius) aufgetreten sind, weist dies auf wärmeres Wetter als normal hin.
August 2015: Heiss mit lokal heftigen Gewittern an einzelnen Wochenenden
Ähnlich wie der Juni und Juli 2015, erwies sich August 2015 als wärmer als üblich. Somit erreichte die Wärmeabweichung für das ganze Wallis +1.3°C im Vergleich zum langjährigen Mittel 1981-2010 und sogar +2.3°C gegenüber dem Mittel 1961-1990. Die Abweichung war in allen Höhenlagen relativ homogen, jedoch etwas geringer im Ober- als im Unterwallis (Unterschied von 0.5°C).Sogenannte Hitzetage, mit Temperaturen von über 30°C, gab es im August 2015 in der Rhoneebene zwischen 11 und 13. Dies entspricht 6 bis 8 Hitzetage mehr im Vergleich zu einem durchschnittlichen August. Übrigens überstieg das Thermometer am 7. August in Sitten sogar 37°C.
Gemittelt über den ganzen Sommer (Juni, Juli und August) erlebte das Wallis, wie die ganze Schweiz, den zweit heissesten Sommer seit Messbeginn im 1864. Dies kann vor allem durch den ausserordentlich heissen Juli erklärt werden. Nur der speziell heisse Sommer 2003 war durch noch höhere Temperaturen gekennzeichnet.
Somit unterscheidet sich der August 2015 wesentlich vom August 2014. Vor einem Jahr erreichte das Wärmedefizit für das ganze Wallis 1.3°C, im Vergleich zum langjährigen Mittel 1981-2010 (anstelle eines WärmeÜBERSCHUSSES von 1.3°C im 2015). Erwähnenswert ist, dass dieser Überschuss im August 2015 im nordöstlichen Viertel der Schweiz sogar 2°C überschritt.
Die Hitze vom August 2015 war jedoch nicht so aussergewöhnlich wie diejenige vom Juli 2015 (mit einer Wärmeabweichung von 3.6°C im Vergleich zum Mittelwert 1981-2010).
Ausserdem fielen August 2009, 2011 und 2012 heisser aus, mit Wärmeüberschüssen um 3.5°C im Vergleich zum Mittelwert 1961-1990. Im August 2003 erreichte dieser Überschuss sogar 4.7°C.
Dem August 2015 fehlten lange Perioden von stabilen Hochdrucklagen (im Gegensatz zum Juli 2015 und den anderen oben erwähnten August-Monaten). Das erklärt, warum die positive Temperaturabweichung von diesem letzten Monat des Sommer 2015 geringer ausfiel, obwohl während der ersten zwei Wochen und gegen Monatsende ausserordentliche Hitze vorherrschte. Im Gegensatz dazu erwies sich die Periode vom 15. bis und mit 20. August als wolkenreich und kühl.
Das Ausbleiben von langen Perioden mit stabilen Hochdrucklagen erklärt auch, warum der August 2015 nicht speziell sonnenreich ausfiel. Somit war die Sonnenscheindauer vergleichbar mit dem langjährigen Mittel 1981-2010. Im Gegensatz dazu gab es für die anderen Monate dieses Sommers, als auch für die oben erwähnten, speziell heissen, Augustmonate, beträchtliche Sonnenscheindauerüberschüsse (etwa 15%, manchmal sogar über 20%). Im Vergleich zum Vorjahr (Sonnenscheindefizit von 15%), fiel August 2015 aber immer noch deutlich sonnenreicher aus.
Was den Niederschlag betrifft, so erwies sich dieser als deutlich überschüssig. Somit regnete es anderthalb Fach mehr als üblich. Erwähnenswert ist, dass der Niederschlag im Chablais defizitär ausfiel, währenddessen er im Zentralwallis überschüssig, im Oberwallis und den Penninischen Alpten sogar beträchtlich überschussig ausfiel. Dieses Phänomen wurde speziell durch die heftigen Gewitter, die sich in diesen Regionen in der Nacht vom 9. zum 10. August entluden, verursacht. Ausserdem regnete es ziemlich ergiebig vom 14. bis 16. August. Im Wallis beendeten diese Niederschläge die Trockenheit von Juni und Juli. Im Norden und Osten des Landes jedoch, blieb dieser August nochmals zu trocken.
Wenn man die Wetteranalyse nur auf die Wochenenden vom August 2015 beschränkt, erwies sich das Wetter deutlich unfreundlicher als wenn der ganze Monat berücksichtig wird. So gesehen war die Sonnenscheindauer defizitär (Defizit von 22%) und die Temperaturen weniger hoch (Temperaturabweichung von nur +0.8°C im Vergleich zum langjährigen Mittel 1981-2010). Das wichtigste Merkmal: die oben erwähnten Gewitter und Niederschläge konzentrierten sich auf die Wochenenden. Somit erreichten die kumulierten Niederschläge der Wochenende örtlich das Dreifach der Norm. Ausserdem fiel kein vollständiges Wochenende, mit der Ausnahme das letzten (29./30. August), sehr sonnig und stabil aus, im Gegensatz zu Juni und Juli. Vergleicht man nur die Wochenenden von August 2014 und 2015, so erwies sich 2014 sogar leicht sonnenreicher als derjenige vom 2015.
September 2015: Herbsteinfall spürbar
Nach einem Hitzesommer gab es einen Kälteeinbruch und der ganze September blieb insgesamt zu kühl. Er war für das ganze Wallis 1.0 Grad zu kühl im Vergleich zum Normwert 1981-2010. Das Wetter stellte genau am Ende des klimatologischen Sommers, d.h. zwischen dem 31. August und dem 1. September, um. Am 30. und 31. August erreichten die Höchsttemperaturen in Sitten noch 33 Grad - am 1. September nur noch 23 Grad. Im Ganzen gab es im September nur gerade 2 Sommertage (Höchsttemperaturen von mindestens 25°C), statt der üblichen 6 bis 7.
Das Wärmedefizit war in höheren Lagen deutlich ausgeprägter als in der Rhoneebene. Zum Beispiel überschritt es 1.5°C auf dem Grossen Sankt Bernhard, während es in Sitten sehr gering blieb. Erklärung: Die hohe Frequenz von Tiefs, die nur in höheren Lagen vorhanden sind (im meteorologischen Fachausdruck „Kaltlufttropfen“). Diese Art von Tief begünstigt die Bildung von Quellwolken in den Bergen, die manchmal sogar Schauer bringen, während die Sonne oft noch in den tieferen Lagen scheint. Eine weitere Erklärung ist die tiefe Frequenz von stabilen Hochdrucklagen ohne vorherrschenden Wind. Der Vergleich der täglichen Temperaturabweichungen zwischen tieferen und höheren Lagen beschildert das. Zum Beispiel waren die Wärmedefizite der Wochenenden vom 5./6. und 19./20. September (vorherrschende Nordwindlage), 2 bis 3 Mal grösser auf dem Grossen Sankt Bernhard Pass als in Sitten. Am Wochenende vom 12./13. September (vorherrschende Föhnlage), war es wärmer als üblich in Sitten oder Visp aber kälter als normal auf dem Grossen Sankt Bernhard Pass.
September 2015 unterscheidet sich vom gleichen Monat der 4 vergangenen Jahre. 2011 und 2014 fielen mit Wärmeüberschüssen von 2.0°C bzw. 1.2°C im Vergleich zum langjährigen Mittel 1981-2010 speziell warm aus. Die Temperaturabweichungen von September 2012 und 2013 betrugen 0.2°C bzw. 1.0°C. Man muss bis 2010 zurückgehen, um einen zu kühlen September (-0.3°C) zu finden, aber auch dieser war weniger kühl als der September 2015.
Die Sonnenscheindauer von September 2015 war leicht defizitär, ähnlich wie diejenige von September 2012. September 2015 unterscheidet sich jedoch von der überschüssigen Sonnenscheindauer des Septembers 2014 (+7%) und noch mehr von den sonnenreichen Monaten Juni und Juli 2015 (+19% im Juli).
Trotz kühlem und eher sonnenarmem Wetter erwies sich der September 2015 als niederschlagsarm. Somit regnete es nur zwei Drittel soviel wie üblich. Die Niederschlagsarmut war im Raum Sitten sogar besonders prekär (weniger als ein Drittel der normalen Niederschlagsmenge). Die meteorologische Erklärung dazu: Im Wallis brachten die Tiefs zwar Wolken, aber oft ohne grosse Niederschlagsmenge. Die starken Niederschläge konzentrierten sich oft auf das Genferseegebiet und das Tessin.
Der Vergleich der Anzahl Regentage zwischen der Rhoneebene und den Berglagen beweist nochmal die hohe Frequenz von Höhentiefs (oder Kaltlufttropfen wie oben erwähnt) Es regnete nur an 5 bis 6 Tagen im Rhonetal zwischen Sitten und Brig. Im Gegensatz dazu wurden in Ferienorten wie Morgins, Saas-Fee und Zermatt 13 bis 15 Tage gemessen und sogar 18 auf dem Grossen Sankt Bernhard. Dort wurden sogar 7 Tage mit einer Schneedecke von wenigstens 1 cm gemessen. Im September 2014 blieb der Schnee dort dagegen nie.
Zum Abschluss fiel das Wetter an den Wochenenden von September 2015 ähnlich kühl wie an den Werktagen aus. Es muss jedoch eine spezielle Tatsache vermerkt werden: Die Sonnenscheindauer und die Niederschläge waren an den Wochenenden überschüssig. Erklärung: Die Niederschläge fielen an den Wochenenden oft während der Nächte, während tagsüber die Sonne schien. Während der Wochenenden von September 2015 erwies sich somit das Wetter als freundlich obwohl relativ kühl.
Oktober 2015:Eher bewölkt, ziemlich kühl und trocken, aber mit freundlichen Wochenenden
Ähnlich wie der September 2015 erwies sich der Oktober 2015 als eher kühl und relativ sonnenarm aber auch ziemlich trocken. Im Wallis erreichte die Wärmeabweichung -0.3°C für Oktober 2015. Dieses Wärmedefizit ist zwar bescheiden, d.h. geringer als im September (Abweichung von -1.0°C), aber unterscheidet sich deutlich von den erheblichen Wärmeüberschüssen der gleichen Monate im 2013 und vor allem 2014.
Die Schweiz erlebte in obengenannten Jahren den fünften, beziehungsweise den viertwärmsten Oktober seit Messbeginn vor 150 Jahren. In Sitten, Genf und in den tieferen Lagen des Tessins war Oktober 2014 sogar auf dem Podest, entweder mit dem zweiten oder sogar ersten Rang seit Messbeginn im Jahr 1864. Im Wallis erreichten die Wärmeüberschüsse 2.3°C für Oktober 2014 und 2.0°C für Oktober 2013, was beträchtlich ist. Man muss bis ins 2011 zurückgehen, um ein leichtes Wärmedefizit für den Monat Oktober zu finden. Übrigens war dieses gleich hoch wie dasjenige von Oktober 2015 (Abweichung von -0.3°C). Mitte Oktober 2015 fliess Polarluft in den Alpenraum. Diese war vor allem für das leichte Wärmedefizit verantwortlich, während der“ goldene Oktober“ erst zum Monatsende kam.
Das Sonnenscheindefizit von Oktober 2015 war eher bescheiden; es lag bei 2%, was ähnlich als dasjenige vom September 2015 (4%) ist. Zwar unterscheidet es sich grundlegend vom sonnenreichen Oktober 2014 (Überschuss bei 10%), war aber weniger markant als in den gleichen Monaten im 2012 oder 2013. Da stiegen die Defizite über 10%. Am meisten ragt der Oktober 2011heraus mit stattlichen 30% Sonnenscheinüberschuss.
Im Oktober 2015 war die Bewölkung vor allem in mittleren Höhenlagen hartnäckig, insbesondere am Südhang der Berner Alpen und in der Ebene des Chablais. Ein Grund: Der Hochnebel floss häufiger als üblich ins Rhonetal. Er löste sich ziemlich rasch im Rhonetal, bergwärts von Martigny, auf, während er am Südhang der Berner Alpen bis 1500 bis 2200 M.ü.M hartnäckig hängen blieb. Im Meteorologie Jargon wird gesagt, dass der Hochnebel sich in flachen Quellwolken bei Konvektionwandelte um und breitete sich anschliessend aus. Im Gegensatz dazu gab es im Rhonetal, östlich von Martigny, sogar einen sehr leichten Wärmeüberschuss, weil die Wolken in der Nacht oft am Himmel hingen, was den Wärmeverlust durch Ausstrahlung verhinderte.
Ähnlich wie im Oktober 2014 war nur die letzte Woche von Oktober 2015 Hochdruckwetter bestimmt. Ansonsten waren die Wetterlagen oft relativ tiefdruckwetterbestimmt - die Störungen brachten vor allem Wolken aber nur wenig Regen. Deshalb blieben die Niederschläge im Oktober 2015 unterdurchschnittlich. Es regnete nur etwa drei Viertel soviel, wie üblich im Oktober. Das Südwallis war niederschlagsreicher als der übrige Kanton. Im Jahresvergleich fiel nur der Oktober 2014 noch trockener als dieses Jahr aus.
Zum Schluss, war das Wetter an den Wochenenden von Oktober 2015 deutlich freundlicher als dieses der Werktage. Die Sonnenscheindauer der Samstage und Sonntage lag 10% über der Norm (im Vergleich zu einem Defizit von 2% für alle Tage des Monats) und das Niederschlagsmanko war knapp dreimal ausgeprägter als dasjenige für den Monat insgesamt. Somit regnete es weniger als die Hälfte soviel wie üblich an den Wochenenden im Oktober 2015. Ausserdem zeigte sich die Wärmeabweichung an den freien Tagen sogar leicht positiv (+0.2°C) (im Vergleich zu einer leicht negativen Abweichung an den Werktagen).Am Wochenende vom 24./25. Oktober und am Samstag 31. Oktober fiel das Wetter besonders schön aus.