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Eine motorisierte Teleskop-Montierung hat die Aufgabe, ein Teleskop zu tragen und die Erddrehung zu kompensieren. Ist das Teleskop einmal auf ein astronomisches Objekt gerichtet, so sorgt der Antriebsmotor dafür, dass das Teleskop der scheinbaren Bewegung des Objekts folgt. Doch jede motorisierte Montierung benötigt für die Langzeit-Astrofotografie eine Möglichkeit für Feinkorrekturen. Der periodische Fehler des Antriebsmotors, die atmosphärische Refraktion, Nachführfehler aufgrund einer nicht sauber ausgerichteten Montierung und ein Durchbiegen der Teleskopstruktur machen ständig kleinste Korrekturen in zwei zueinander senkrecht stehenden Achsen notwendig. Die notwendigen Korrekturen sind nicht direkt sichtbar, da das Teleskop für die Astrofotografie benötigt wird. Es gibt zwei Möglichkeiten, die drohenden Nachführfehler aufzuspüren und durch ständige Feinkorrekturen zu verhindern: Entweder man verwendet dazu ein separates Leitfernrohr, welches parallel zum eigentlichen Teleskop angebracht wird oder man verwendet ein so genanntes Off-Axis-System.
Ich habe mich für ein Off-Axis-System entschieden. Bei einem Dobson-Teleskop oder ganz allgemein bei Newton-Teleskopen ist eine Durchbiegung der Fernrohrstruktur während einer mehrminütigen oder mehrstündigen Belichtung kaum zu verhindern. Ein separates Leitfernrohr registriert nicht alle Verbiegungen und Bewegungen von optischen Komponenten, vor allem wenn mit sehr grossen Brennweiten gearbeitet wird (der 40 cm f/4.5-Dobson "Ninja" besitzt samt Komakorrektor 2070 mm Brennweite, der 40 cm f/5 Zambuto-Dobson 2300 mm). Zudem besteht die Gefahr, dass zwischen Hauptgerät und Leitfernrohr eine zusätzliche Relativbewegung aufgrund nicht genügend robuster Montage auftritt. Das Off-Axis-System lenkt einen kleinen Teil des vom Teleskop kommenden Lichtes auf eine separate CCD-Kamera um. Diese CCD-Kamera analysiert die Position eines Sterns ("Leitstern") in diesem Lichtbündel und schickt Korrektursignale an die Montierung.
Ich habe zunächst mit dem sehr wertigen Off-Axis-System TSOAG9-EOS gearbeitet. Es hat tadellos funktioniert, doch um Gewicht einzusparen, um etwas näher an den Komakorrektor gelangen zu können und um das Lösen der falschen Schrauben zu verhindern, bin ich auf den ebenfalls sauber verarbeiteten Lacerta Off-Axis-Guider für EOS-Kameras umgestiegen. Der Lacerta-Off-Axis-Guider wiegt 69 g statt 149 g, bringt die Kamera 2 mm näher an den Komakorrektor heran und hat weniger Verstellmöglichkeiten und damit weniger Schrauben, die in der Dunkelheit aus Versehen gelöst werden können. Beide Off-Axis-Systeme können beim Teleskop-Service in Deutschland bestellt werden.
Als Autoguider kam von Anfang an nur der Lacerta MGen Standalone-Autoguider aus Ungarn infrage. Er kann über die ST-4-Buchse die Äquatorial-Plattform ohne PC oder Laptop steuern und gleichzeitig die Kontrolle über die Canon EOS 450D übernehmen (Anzahl Belichtungen, Belichtungszeit, Pausenzeit zwischen Belichtungen, sowie Wartezeit nach dem Hochklappen des Kameraspiegels). Ein 7 Ah-Blei-Gel-Akku versorgt den MGen-Autoguider mit Strom, ein weiterer versorgt die Äquatorialplattform mit Energie.
Lichtstärkere Newton-Teleskope (f/5, f/4, f/3 etc.) leiden unter "Koma", einem Abbildungsfehler, der sich vor allem am Bildfeldrand bemerkbar macht. Während Sterne in der Bildmitte punktförmig abgebildet werden und damit nicht durch Koma beeinträchtigt sind, erscheinen Sterne zum Rand des Gesichtsfeldes hin wie kleine Kometen. Um diese ausseraxialen Bildfehler zu verhindern, wird ein Komakorrektor verwendet.
Zunächst verwendete ich den TeleVue Universal Paracorr PLU-1106 Koma-Korrektor. Leider kann dieser Korrektor nur fotografisch, nicht aber visuell verwendet werden. So ersetzte ich den Korrektor zwei Jahre später durch den neuen TeleVue Paracorr Typ-2 Komakorrektor VIP-2010, der sowohl visuell als auch fotografisch verwendet werden kann. Der VIP-2010 ist länger (80 mm statt 50 mm) und dennoch einen Hauch leichter (200 g anstelle von 204 g).
Bis ins Jahr 2012 habe ich für die Astrofotografie die Canon 20Da verwendet. Die Canon 20Da basierte auf der erfolgreichen Canon 20D. Sie wurde im Jahr 2005 lanciert und besass einen modifizierten Low-Pass-Filter mit gesteigerter Wasserstoff-Alpha-Empfindlichkeit. Zudem besass sie einen Live-View-Modus. Herzstück der Canon 20Da war ein 8 Megapixel APS-C-Sensor (15.0 x 22.5 mm) mit 6.4 Mikrometer Pixelgrösse. Die Kamera eignete sich hervorragend für Langzeit-Belichtungen des Nachthimmels. Leider machte sich beim Stacken (Überlagern) vieler Aufnahmen ein violettes Verstärkerglühen in den Bildecken bemerkbar, welches durch Bildbearbeitung nur schwer wegzubringen war - selbst bei einer grossen Sammlung von Dark Frames.
So schaffte ich mir im Jahr 2012 eine gebrauchte, astromodifizierte Canon EOS 450D an. Sie besitzt einen Baader BCF H-Alpha-Intensifier-Filter für eine erhöhte Wasserstoff-Alpha-Empfindlichkeit. Der 12 Megapixel APS-C-Sensor der Canon 450D misst 14.8 x 22.2 mm bei einer Pixelgrösse von 5.2 Mikrometern. Die Kamera zeigt keine Anzeichen von Verstärkerglühen und produziert weniger Rauschen als die Canon 20Da. Zudem ist die Canon 450D leichter (524 g statt 770 g).
Die Abb. 1 - Abb. 8 zeigen das aktuelle Guiding- / Imaging-Setup. Weiter unten auf dieser Seite sind Fotos des ursprünglichen, gut funktionierenden Setups zu finden, welches ich heute allerdings nicht mehr verwende.
Weiterlesen: Teil III: Der MGEN Autoguider