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16. August 2008: Michael Phelps hat bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Grosses vor. Er will Mark Spitz' Rekord von sieben Goldmedaillen knacken. Es gelingt. Allerdings auf sehr dramatische Art und Weise.
Dass Michael Phelps in Peking der Mann ist, den es zu schlagen gilt, ist allen klar. Der Amerikaner dominierte schon in Athen 2004 mit sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen. Nun ist der 23-Jährige noch besser. Er gilt als Favorit in allen acht Wettbewerben, in welchen er sich gemeldet hat. Schafft er den Sweep, würde er den eigentlich für die Ewigkeit gedachten Rekord von Landsmann Mark Spitz knacken. Dieser dekorierte sich in München 1972 mit sieben olympischen Goldmedaillen.
Die Mission «Rekord» läuft unaufhaltsam. Phelps schnappt sich die ersten sechs Siege meist überragend. Jetzt steht der siebte Wettkampf an: 100m Delfin. Sein Hauptkonkurrent: Milorad Cavic aus Serbien.
Der Europäer scheint seinem Ruf als Partycrasher alle Ehre zu machen. Noch 20 Meter vor dem Ziel führt der Europäer und Phelps scheint geschlagen. Doch dann holt der Amerikaner auf. Cavic streckt sich kurz vor dem Ziel in Richtung der Anschlagplatte und wuchtet seine Arme nach vorne, Phelps daneben macht noch einen halben Extra-Delfinzug und schlägt wellenumtost an.
Es scheint, als wäre Cavic mit den Fingerkuppen vor Phelps an der Platte, doch auf der Anzeigetafel leuchtet auf: 1. Phelps 50,58, 2. Cavic 50,59. Die siebte Goldmedaille – und damit die Einstellung von Spitz' Rekord – ist Tatsache. Phelps jubelt für ihn untypisch wild.
Der serbische Verband aber, will sich nicht mit der Niederlage abfinden. Er bittet die FINA, den Internationalen Schwimmverband, um Prüfung. Die Serben berufen sich auf einen Fehler in der Zeitmessanlage. Doch Verband und Athlet müssen sich nach Analyse der Bilder geschlagen geben.
Um exakt 4,7 Millimeter sei der Amerikaner eher im Ziel gewesen, teilt FINA-Generaldirektor Cornel Marculescu mit und verkündet, dass es an der Funktionstüchtigkeit der Anlage keine Zweifel gebe. Zudem hätten zwei unabhängig voneinander arbeitende Systeme dasselbe Resultat aufgewiesen. Das sogenannte Backup-System habe ebenfalls 50,58 Sekunden für Phelps und 50,59 für Cavic angezeigt.
Auch Milorad Cavic findet sich später mit dem Gewinn der Silbermedaille ab. Auf seinem Blog erklärt der Serbe, dass er sehr zufrieden sei mit dem zweiten Rang. «Es ist nichts Falsches daran, gegen den grössten Schwimmer, den es je gegeben hat, zu verlieren.»
Alle wollen sich aber nicht mit der Niederlage abfinden. Im Internet kursieren schnell wilde Theorien. Kurz nach «Phelps' Niederlage» sei etwas passiert. Der offizielle Zeitmesser soll die Entscheidung manipuliert haben. Schliesslich sponsert Omega Phelps seit 2004. Weitere Geldgeber sollen Druck gemacht haben, dass der Amerikaner unbedingt den Rekord von Mark Spitz brechen und ihnen damit Millionen bescheren soll. Eine Aussage eines FINA-Offiziellen erhitzt zudem die Gemüter: «Phelps would have won the race no matter what.» (Phelps hätte das Rennen unter allen Umständen gewonnen.)
Die FINA veröffentlicht bald weitere Bilder des Anschlags von Phelps und Cavic. Es bleibt natürlich dabei: Die Sache ist sehr eng. So wird es wohl nie definitiv klar sein, wer das Rennen gewonnen hat. Die Unterwasserkameras schiessen pro Sekunde nur 25 bis 30 Bilder. Die Entscheidung um Sieg oder Niederlage fiel aber in weniger als einer Hundertstelsekunde.
Phelps holt nach der siebten, zum Abschluss der Spiele auch noch seine achte Goldmedaille in Peking. Vier weitere Siege in London und nochmals fünf Triumphe in Rio 2016 machen ihn mit 23 Goldmedaillen zum olympischen Superstar mit einem Rekord, der jetzt wohl endgültig für alle Ewigkeiten bleibt. Nach Rio 2016 tritt Phelps zurück.