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Entwicklung im Franchising Geschichte des Franchising
Ursprung des Franchise-Begriffs
Der Franchise-Begriff entstand im Frankreich des Mittelalters und bezeichnete die Befreiung von Zöllen und Steuern sowie den teilweisen Verzicht der Feudalherren auf Vasallendienste ihrer Untertanen. Später erwarben Handwerker und Kaufleute unter diesem Begriff die Genehmigung, Märkte oder Messen auf dem Boden der Feudalherren zu veranstalten. Im 17. und 18. Jahrhundert wandelte sich erstmals die Bedeutung zur Beschreibung von Privilegien, die der Staat an Einzelpersonen vergab. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb Franchising schließlich die Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung von Rechten Dritter.
Entstehung erster Franchisesysteme
In die Zeit der beginnenden Industrialisierung fällt auch die Entwicklung der ersten Franchisesysteme. So stattete die amerikanische "Singer Sewing Machine Company" fahrende Händler 1860 mit dem Recht aus, ihre Nähmaschinen auf eigene Rechnung und im eigenen Namen zu vertreiben. Das bis Mitte des 20. Jahrhunderts von einigen Automobil- und Getränkeherstellern genutzte Vertriebssystem wird heute als "Product Distribution Franchising" oder "Product and Tradename Franchising" bezeichnet. Bekanntestes Beispiel für diese Vorgehensweise ist die Lizenzvergabe des amerikanischen Getränke-Herstellers Coca-Cola, die das Abfüllen und den Vertrieb einer koffeinhaltigen Limonade unter einem einheitlichen Markennamen umfasst.
Entwicklung des modernen Franchising
Als Mutterland des modernen "Business Format Franchising" gelten die USA, wo der weltweite Siegeszug des modernen Franchising nach dem zweiten Weltkrieg begann. Im Gegensatz zu ihrer traditionellen Form geht das moderne Franchising über die Abtretung von Markenrechten und die Weitergabe von Know-how erheblich hinaus. Es umfasst ein umfangreiches Paket an erprobten Leistungen des Franchisegebers, die eine exakte Vervielfältigung eines erfolgreichen Systems ermöglichen. Als Gegenleistung für das zur Verfügung gestellte Know-how, die Abtretung von Rechten sowie die Unterstützung beim Aufbau und der Führung seines Betriebes verpflichtet sich der Franchisenehmer zur Zahlung von Gebühren. Zu den Erfindern des modernen Franchising zählt die Fast-Food-Kette McDonald's, die mittlerweise ein weltumspannendes Netz von mehr als 26.000 Restaurants besitzt. Bis auf geringfügige Abweichungen stimmen Design, Organisation und Produkte von McDonald's in allen Ländern überein.
Weltweiter Durchbruch des Franchising
In den sechziger Jahren erwies sich die unreflektierte Übertragung amerikanischer Franchisesysteme auf andere Kontinente und Staaten als zunehmend problematisch und nachteilig für eine schnelle Verbreitung des Franchising. Ihre Vorzüge konnten Franchisesysteme erst richtig zur Geltung bringen, als der enorme Konsumbedarf der Nachkriegszeit abflaute und die Kunden wieder wählerischer wurden.
In den 70er-Jahren gelang dem modernen Franchising auch in Europa der Durchbruch. Neuartige Systemanbieter schossen wie Pilze aus dem Boden und selbst Traditionsunternehmen gewannen durch Franchising wieder neuen Schwung, da sich das erprobte Leistungspaket eines professionellen Systemanbieters in Verbindung mit der Leistungsbereitschaft ausgewählter Existenzgründer als überaus erfolgreich erwies. Als Branchenschwerpunkt ist in der Pionierphase des europäischen Franchising der Einzelhandel und das Gaststättengewerbe auszumachen. Inzwischen ist das Konzept des Franchising in fast allen Ländern präsent und wird die Zahl der Franchisesysteme weltweit auf rund 17.000 geschätzt.
Zukunftsaussichten des Franchising
Mit der Entwicklung vom Verkäufer- zum Käufermarkt hat sich der Wettbewerb deutlich verschärft. Innovationen und Spezialisierungen erfordern zeitgemäße Vertriebsformen, wobei das Absatzsystem des Franchising bei der Vermarktung von Dienstleistungen sowie von erklärungs- und servicebedürftigen Produkten besonders erfolgreich ist. Moderne Franchisesysteme befinden sich in fast allen Branchen auf dem Vormarsch.
Aufgrund der für die Hersteller bestehenden Vorteile des Franchising gegenüber den traditionellen Vertriebsformen, die vom Hersteller über die Einschaltung von Großhandel/Einzelhandel oder eigene Verkaufsniederlassungen zum Endverbraucher verlaufen, wird der Anteil der Franchisesysteme am Einzelhandelsumsatz in den USA nach Prognosen des amerikanischen Handelsministeriums auf etwa 75% zunehmen. Einige Branchen wie Hotels und Restaurants, Groß- und Einzelhandel sowie Kurierdienste und Autovermietungen scheinen sich in besonderer Weise für Internationalisierungsstrategien zu eignen.
Mit der 1994 unter dem Namen "World Franchise Council" (WFC) beschlossenen Gründung eines Franchise-Weltverbandes durch die nationalen Verbände, dessen Sekretariat der Deutsche Franchise-Verband übernahm, soll eine weltweite Harmonisierung und Verbreitung des Franchising erreicht werden.
Nach Ansicht des amerikanischen Trendforschers John Naisbitt wird sich das Franchising zur weltweit vorherrschenden Vertriebsform entwickeln. Aufgrund der rasanten Veränderung zahlreicher Rahmenbedingungen steht jedoch auch dem Franchising ein dramatischer Anpassungsprozess bevor. Die Zukunft gehört jenen Franchisegebern, die sich als unternehmerische Avantgarde begreifen und die Chancen des Wandels zu nutzen wissen. Im Zuge einer Polarisierung werden sich die leistungsstarken Franchisegeber zu umfassenden Service-Zentralen für ihre Partner weiterentwickeln, während andere Franchisegeber ihren Leistungsumfang auf das Niveau von Lizenzsystemen reduzieren werden.
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