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Mit dem Herzen sehen
In einer wunderbar mythisch anmutenden Landschaft von grandioser Schönheit und unendlicher Weite zieht ein blinder Meister des Saitenspiels von Dorf zu Dorf, um seine Balladen zu singen. Sein ganzes Leben hat er auf eine Hoffnung gebaut und von einer anderen Welt geträumt: Laut einer Weissagung soll er in dem Moment sehen können, da er 1000 Saiten seines Instruments zum Zerspringen gebracht hätte. Sein ebenfalls blinder Schüler will allerdings das Leben nicht auf eine Hoffnung bauen: Ihn bannt die Liebe zu einem schönen Mädchen, dem er unterwegs begegnet.
Während das Volk den alten Künstler wie einen Heiligen verehrt, erscheint der Besitzer der Kneipe am Gelben Fluss als Tempelstatue: Er ist der Mensch, der alles versteht, und zugleich der Gott, der selbst über den Tod regiert. Auch seine Frau lebt ausserhalb der Zeit: Sie braucht nicht zu wissen, woher sie kommt, und kann dem menschlichen Gehen und Kommen mit Lachen und Tränen begegnen.
Chen Kaige, einer der erfolgreichsten unter Chinas Regisseuren der fünften Generation, hat sein poesievolles Gleichnis im wahrsten Sinne zwischen Wasser und Wüste, Himmel und Erde angesiedelt: mit dem Hinweis darauf, dass das Herz viel mehr zu sehen vermag als die Augen. Gleichzeitig stellt der Film die Frage nach dem tiefsten Sinn der Kunst und des Daseins sowie nach der Notwendigkeit eines Ziels und eines Glaubens: Im Gegensatz zu den aufwühlenden Zweifeln des einsamen Meisters an der Erfüllung seines Lebens steht das Ende, an dem der Schüler allein und frei seinen eigenen Weg bestimmen kann