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«Planer» und «Macher»
Wir werden also zum Grossteil von Emotionen gesteuert. Bei genauer Betrachtung und nach gängiger Meinung von Psychologen arbeiten in unserem Gehirn zwei unabhängige Systeme: das Emotionssystem, das vorangehend beschrieben wurde, und sein rationaler Gegenspieler, auch bekannt als das reflektive oder das bewusste System. Dieser Teil denkt nach, analysiert und schaut in die Zukunft. Die unmittelbare Schlussfolgerung heisst: In unserem Gehirn wohnen zwei Seelen.
In den letzten Jahrzenten haben die Psychologen viel über diese beiden Systeme herausgefunden. Allerdings war sich die Menschheit dieser Spannung schon immer bewusst. Platon zum Beispiel sagte, wir hätten in unserem Kopf einen rationalen Wagenlenker, der ein wildes Pferd zügeln muss, das «sich auch mit Reitpeitsche und Stachelstock kaum bändigen lässt». Freud schrieb über das selbstsüchtige Es und das pflichtbewusste Über-Ich und über das Ich, das zwischen den beiden vermittelt. In jüngerer Zeit haben Verhaltensökonomen die beiden Systeme als «Planer» und «Macher» bezeichnet.
Ein wesentlich aussagekräftigeres Bild hat Jonathan Haidt gezeichnet. Er bezeichnet die emotionale Seite als einen Elefanten und die rationale Seite als seinen Reiter. Der Reiter, oben auf dem Elefanten, hält die Zügel und scheint der Lenker zu sein. Doch seine Kontrolle über den Elefanten ist unsicher, weil der Reiter im Vergleich zum Elefanten so klein ist. Jedes Mal, wenn sich der sechs Tonnen schwere Elefant und der Reiter uneinig sind, setzt sich der Elefant durch. Er, oder besser, unsere Emotionen sind stärker als unsere Ratio.
Basis für Veränderungen
Wenden wir diese Erkenntnisse nun auf unser Grundproblem an – nämlich: Wie lassen sich Veränderungen nachhaltig realisieren? Bedeutet das: Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir beide, Reiter und Elefant, in Einklang bringen. Nur wenn beide Teile ein gemeinsames Ziel verfolgen, kann der Mensch am Ende seine eignen Ziele oder die ihm vorgegebenen Ziele nachhaltig erreichen.
Beide Systeme auf einen einheitlichen Weg zu bringen und sich auf ein Ziel einzuschwören, verlangt Geduld und ein wenig Geschick. Und nicht zuletzt das Wissen um das Wie, das die Basis von erfolgreichen Veränderungen ist. Grundsätzlich gilt es drei Bereiche zu beachten:
1. Sie müssen das reflektive oder bewusste System ansprechen. Dies heisst: Sie müssen Ihrem Reiter den Weg weisen. Diesbezüglich haben sich folgende Massnahmen bewährt:
- Zeigen Sie das Ziel auf. Eine Veränderung ist einfacher, wenn man weiss, wohin der Weg führt und warum es sich lohnt, ihn zu beschreiten.
- Finden Sie heraus, was bisher funktioniert hat, und kopieren Sie es.
- Definieren Sie die entscheidenden Schritte. Denken Sie nicht nur an das grosse Bild, sondern überlegen Sie, was konkret zu tun ist.
2. Sprechen Sie Ihre Emotionen an, oder einfacher gesagt, motivieren Sie den Elefanten.
- Um eine Veränderung zu bewirken, reicht Wissen alleine nicht. Sorgen Sie dafür, dass die Menschen mit dem Herzen dabei sind.
- Verkleinern Sie das Ausmass der Veränderung: Brechen Sie die Veränderung auf so kleine Einheiten herunter, dass sie dem Elefanten keine Angst einjagen.
- Lassen Sie Ihre Mitarbeiter und Kollegen an ihren Aufgaben wachsen. Kultivieren Sie das Gefühl der Identität und unterstützen Sie damit das dynamische Selbstbild.
3. Ebnen Sie den Weg für einen Wandel, schaffen Sie eine Veränderungskultur:
- Wenn sich die Situation ändert, verändert sich das Verhalten. Verändern Sie also die Situation.
- Bilden Sie Gewohnheiten heraus: Wenn das Verhalten zur Gewohnheit wird, ist es «frei» – es belastet den Reiter nicht mehr. Finden Sie einen Weg, Gewohnheiten zu fördern.
- Mobilisieren Sie die Herde: Verhalten ist ansteckend.
Fazit
Der Mensch ist weitaus komplexer als gedacht. Allerdings kann man Veränderungsvorhaben positiv beeinflussen, wenn man die Rahmenbedingungen kennt. Grundsätzliche Garantien für einen Erfolg gibt es nicht, mit den richtigen Massnahmen zur richtigen Zeit lassen sich indessen die Grundsteine für eine erfolgreiche Veränderung legen.
Ob Sie als Einzelperson Ihre Ernährung umstellen möchten oder ganze Organisationen und Teams verändern – es geht immer um den Menschen, um das Individuum, und es gelten für beide Vorhaben die gleichen Regeln. Für nachhaltige Veränderungen müssen die rationale und die emotionale Seite in Einklang gebracht werden.
Oder anders gesagt: Sie müssen die emotionale Seite des Elefanten und die rationale Seite des Reiters erreichen. Nur wenn sich beide gemeinsam auf den Weg machen, können Sie Veränderungen erfolgreich herbeiführen.