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Mit Technik aus dem Kinofilm «Herr der Ringe» beobachten Forscher Bienenschwärme, die ein neues Nest suchen. Dies zeigte der weltweit bekannte Bienenforscher Thomas D. Seeley am 5. Schafisheimer Bienensymposium. Und manchmal führen die Forscher die Honigbienen auch ganz bewusst in die Irre.
Nur wenige Wissenschafter haben eine so hohe Reputation und gleichzeitig eine so grosse Fan-Gemeinde, wie der amerikanische Bienenforscher Thomas D. Seeley. Sein neues Buch «Bienendemokratie» lobt die «Financial Times» als «das hinreissendste Wissenschaftsbuch des Jahres».
Für das 5. Schafisheimer Bienensymposium wurde Thomas D. Seeley aus den USA eingeflogen, wo er an der renommierten Cornell University lehrt. Über 230 Imker aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und sogar Tschechien nutzten die einmalige Chance, dem Verhaltensbiologen zuzuhören, wie Bienenschwärme ein neues Nest suchen und finden.
Wilde Honigbienen werden mit der Varromilbe alleine fertig
Thomas D. Seeley erforscht «seine» Honigbienen im Arnot Forest, 500 Kilometer nordwestlich von New York. Hier beobachtet Seeley seit 1978 neun wilde Bienenvölker, die auf einem zehn Quadratkilometer grossen Waldgebiet in etwa sechs Meter Höhe in natürlichen Baumhöhlen leben.
Diese wilden Honigbienen werden zwar auch von der Varroamilbe befallen, die 1987 erstmals in den USA nachgewiesen wurde und 1993 den Arnot Forrest erreichte. Durch die natürliche Selektion sind aber sehr starke Bienenvölker entstanden, welche die Varroapopulation auf tiefem Niveau halten.
«Bei einem Abstand von rund 850 Meter zwischen den wilden Bienenvölkern gibt es auch keinen Verflug, wie bei Bienenhäusern oder gruppenweise aufgestellten Bienenbeuten», erklärte Seeley. Dort landen nach jedem Flug 20 Prozent der mit Nektar «vollgetankten» Sammlerinnen im falschen Bienenstock. Bei zehn Flügen pro Tag sitzen am Abend 82 Prozent der Sammlerinnen im falschen Bienenstock - und bringen neue Varroamilben mit.
Die Bienenkönigin wird auf Diät gesetzt, damit sie fit wird zum Schwärmen
Erkenntnisse zur Varroa sind aber «nur» ein Nebenprodukt von Seeleys Forschungen. Er konzentriert sich auf das Phänomen des Bienenschwarms, mit dem sich das Volk durch Teilung vermehrt. Wenn es im Frühsommer auf seine maximale Grösse angewachsen ist, ziehen die Ammenbienen bis zu einem Dutzend neue Königinnen auf und setzen die alte Königin auf Diät.
Kaum ist die alte Königin wieder schlank und flugfähig, verlässt sie mit 10’000 Bienen das Nest. An einem Ast hängend wartet der Schwarm, während einige hundert Kundschafterinnen ein neues Nest suchen, das meist in einer Baumhöhle liegt.
In seinem Buch «Bienendemokratie» beschreibt Thomas D. Seeley anschaulich, wie sich die Kundschafterinnen in den folgenden Stunden auf den besten neuen Nistplatz einigen. Am Schafisheimer Bienensymposium konzentrierte er sich deshalb auf die Mechanismen, mit denen die Kundschafterinnen ihr Volk danach zum neuen Nest führen.
Kundschafter-Bienen tönen wie das Aufheulen eines Formel-1-Rennwagens
Wenn sich die Kundschafterinnen auf ein neues Nest geeinigt haben, fordern sie den Schwarm zum Abflug auf, indem sie mit der Flugmuskulatur in ihrem Brustkorb ein Pfeifen erzeugen. Das Team von Seeley installierte im Innern einer Schwarmtraube hochempfindliche Mikrofone, um dieses Pfeifen aufzunehmen.
«Mit den vielen Kabeln und den darübergebeugten Biologen sieht der Schwarm aus wie ein Patient auf der Intensivstation», lacht Seeley. Bei den Tonaufnahmen kam er aber aus dem Staunen nicht heraus: Das Pfeifen der Kundschafterinnen hört sich an, wie das Aufheulen eines Formel-1-Rennwagens am Start.
Neben Miniaturmikrofonen nutzen die Bienenforscher heute modernste Aufnahmetechniken aus Hollywood, um Bienenschwärme im Flug zu verfolgen. «Wir haben aus den Pixar Animation Studios hochauflösende Videokameras und raffinierte 3D-Simulationsprogramme erhalten, mit denen zuvor ‘Herr der Ringe" gefilmt wurde», freut sich Thomas D. Seeley.
So konnte das Team von Seeley beweisen, wie die Kundschafterinnen auf dem Flug zum neuen Bienenstock die Richtung vorgeben: Sie fliegen mit hohem Tempo knapp über den Schwarm und lassen sich immer wieder überholen, um dieses Flugmanöver zu wiederholen.
Zum Schluss gab Thomas D. Seeley schmunzelnd zu: «Bienenforscher sind manchmal wie kleine Buben». So warf einer seiner Kollegen eine Handvoll Kieselsteine quer zur Flugrichtung durch einen vorbeifliegenden Schwarm - und die Bienen folgten prompt den schnell vorbeifliegenden Kieselstein-«Kundschafterinnen» in die Irre. Die echten Kundschafterinnen hatten danach alle Mühe, den Schwarm wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Jürg Vollmer, Freier Journalist
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