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Ötzi: Wie ein Heiliger liegt er im ersten Stock des Museums, das eigens für ihn in Bozen im Südtirol eingerichtet wurde, hinter einer kleinen quadratischen Glasscheibe. Nur eine Besucherin, ein Besucher aufs Mal darf hineinschauen.
Seine Kammer soll möglichst die gleichen Bedingungen aufweisen, wie das Eis, in dem er über 5000 Jahre gelegen hatte – 1991 wurde er entdeckt. Minus sechs Grad Celsius, wenig Licht, in regelmässigen Abständen wird er befeuchtet, damit er nicht austrocknet. Es sei die am besten untersuchte Leiche der Welt, erklärt Museumsdirektorin Angelika Fleckinger, und für die Archäologie eine Sensation.
Tod von Ötzi bleibt ein Rätsel
«Es gibt natürlich ältere Mumien, aber keine ist so gut erhalten, wie der Mann aus dem Eis. Und hier haben wir einen Menschen, der direkt aus dem Leben gerissen worden ist. Nichts an dem Körper ist verändert, nicht so wie bei den ägyptischen Mumien, die man für das Jenseits aufwändig präpariert hat», sagt Fleckinger.
Der Tod von Ötzi bleibt allerdings bis heute ein Rätsel. Zwar haben Wissenschaftler zehn Jahre nach dem Fund in einer Röntgenaufnahme unter einem Schulterblatt eine Pfeilspitze entdeckt. Damit war klar, dass der Mann vor 5280 Jahren von hinten erschossen worden war. Aber warum?
Man realisiert, dass die Situation, die wir jetzt haben, unvergleichlich ist mit dem, was in den letzten 5250 Jahren geschehen ist.
Christian Pfister, emeritierter Professor für Klimageschichte an der Universität Bern, interessiert sich weniger für den Grund des Mordes als für die Tatsache, dass Ötzi überhaupt zum Vorschein kam.
Er beschreibt den Fund aus der fernen Vergangenheit als einen Weckruf für die Zukunft: «Man realisiert, dass die Situation, die wir jetzt haben, unvergleichlich ist mit dem, was in den letzten 5250 Jahren geschehen ist.»
Die Kühlphase wurde schlagartig unterbrochen – durch den menschengemachten Treibhaus-Effekt.
Der Klimatologe Heinz Wanner, ebenfalls ein früherer Professor der Universität Bern, ergänzt, dass die rasche Erwärmung des Klimas seit dem Ende des letzten Jahrhunderts nicht natürlich sei.
«Wir müssten eigentlich jetzt in einer extrem kühlen Phase stecken. Diese Kühlphase wurde aber seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schlagartig unterbrochen, durch den menschengemachten Treibhaus-Effekt.»
Auf Abkühlung des Klimas hoffen? «Naiv»
Zwar habe es in der Klimageschichte immer wieder Überraschungen gegeben, doch auf eine unerwartete Abkühlung des Klimas zu hoffen, wäre laut den beiden Forschern naiv. Heinz Wanner sagt: «Da sind die Modelle heute derart gut, dass Voraussagen wirklich möglich sind.»
«Ich habe grossen Respekt, fast ein bisschen Angst davor, auch für meine Enkel, dass Hitzewellen in der Form, wie sie letztes Jahr in Kanada aufgetreten sind, auch bei uns auftreten können», gibt er zu bedenken. Und wenn ein solches Ereignis auftritt, eine solche Hitzewelle, vielleicht unterbrochen durch starke Niederschläge, so sei das ein grosses Problem.
Über 5000 Jahre lag Ötzi im Eis, jetzt liegt er – ledern, braun, glänzend, den einen Arm über der Brust – in seinem Hightech-Sarg mit Guckloch. Sensoren sorgen dafür, dass das Klima demjenigen im ewigen Eis gleicht und sich möglichst nicht verändert. Dabei ist Ötzi eindrücklicher Beweis dafür, dass sich das Klima draussen derzeit so stark verändert wie wohl noch nie in der Geschichte.