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Auch 30 Jahre nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl befinden sich noch immer Reste des Brennstoffs im zerstörten Reaktorgebäude des Blocks 4. Mittelfristig sollen diese Abfälle innerhalb der Schutzmauern um den zerstörten Reaktor lagern. Aufgrund der Stilllegung der Blöcke 1 bis 3 steht die Inbetriebnahme eines neuen Zwischenlagers für abgebrannte Brennelemente im Zentrum.
Im Rahmen der Errichtung des neuen Sarkophags fallen gemäss ukrainischen Einschätzungen etwa 390 Tonnen feste radioaktive Abfälle sowie 280 Kubikmeter flüssige Abfälle an. Etwa 100‘000 Kubikmeter kontaminierter Boden sollen abgetragen werden. Diese Abfälle werden in oberirdische Zwischenlager transportiert.
Mit dem neuen Sarkophag, einer Schutzhülle um das zerstörte Reaktorgebäude, sollen der Block 4 und die dazugehörigen radioaktiven Abfälle für die nächsten 100 Jahre sicher eingeschlossen werden. Derzeit liegen keine Pläne vor, um diesen Block zurückzubauen oder zu sanieren. Mehr als 95 Prozent der Brennstoff-Masse befindet sich immer noch im Reaktorgebäude des Blocks 4.
Stilllegung der Blöcke 1 bis 3
Um die Sicherheit der Stilllegung der anderen drei Blöcke zu gewährleisten, soll eine neue Kernanlage zur Behandlung der abgebrannten Brennelemente in der Sperrzone errichtet werden. Im Zwischenlager „Interim Storage Facility 2“ sollen etwa 20‘000 Brennelemente über 100 Jahre trockengelagert werden.
Diese Brennelemente befinden sich derzeit in einem Nasslager auf dem Gelände oder in den Becken der drei Blöcke. Damit die Stilllegungsarbeiten beginnen können, muss eine zusätzliche Anlage bereitgestellt werden.
Das Trockenlager wird durch einen internationalen Fonds finanziert. Die Schweiz hat bereits mehr als 10 Millionen Franken einbezahlt. Eine Verstärkung des Nasslagers auf dem Gelände wird auch angestrebt.
Weitere Herausforderungen
Die Behandlung der flüssigen Abfälle auf dem Standort bleibt ein noch ungelöstes Problem. Um diese Abfälle aufzuarbeiten, soll eine neue Anlage entstehen. Sie soll auch die Transuranelemente entfernen.
Transuranelemente haben eine höhere Ordnungszahl als Uran (grösser als 92). Sie sind instabil und radioaktiv. Die Halbwertszeiten liegen zwischen Bruchteilen einer Sekunde und einigen 10 Mio. Jahren. Sie kommen in der Natur nicht oder nur in Spuren vor.
Die Kontamination des Grundwassers bleibt ein Problem. Nach dem Unfall wurden radioaktive Abfälle in Gruben gelagert. Wenn diese Gruben überflutet werden, besteht die Gefahr, dass Wasserquellen betroffen werden.
Die Internationale Atomenergieagentur IAEA betont, dass „die verbleibenden Zwischenlager für radioaktive Abfälle identifiziert werden und geeignet markiert werden sollen, um ein versehentliches Eindringen von Unbefugten zu vermeiden“.
Das ist der sechzehnte von sechzehn Teilen zur Geschichte des Unfalls Tschernobyl.