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Gibt man bei Google das Wort «Mutter» ein, erscheinen innert 0.67 Sekunden 207'000'000 Einträge. Dies darf wohl so gedeutet werden, dass Mütter ein Thema von allgemeinem Interesse sind. Sucht man nach einer Definition für den Begriff Mutter, findet man folgende Formulierung: «Als Mutter bezeichnet man eine Frau, die ein Kind geboren hat». Die Geburt eines Kindes stellt in unserer Vorstellung den Übergang dar, der aus einer Frau eine Mutter macht.
Doch was ist mit den Frauen, die ihr Kind durch eine Fehlgeburt verloren haben? Die zwar ein Kind empfangen und ein paar Wochen in ihrem Bauch «beherbergen» durften, es aber niemals im Arm halten konnten? Für diese Frauen haben wir keine Bezeichnung. Und wofür wir keinen Namen haben, darüber reden wir auch nicht…
Meine Klientin Fiona hat zahlreiche Fehlgeburten, Inseminationen und künstliche Befruchtungen hinter sich. Elf Mal hat sie Leben empfangen und elf Mal musste sie es wieder loslassen. Keines dieser Kinder konnte zur Welt kommen. Und obwohl sie mehrfach für kurze Zeit ein Kind in ihrem Bauch getragen hat und mehrere mühselige Auskratzungen und sowohl körperlich als auch emotional schmerzende Fehlgeburten erleben musste, ist sie heute kinderlos. Fiona gilt nicht als Mutter. Denn sie konnte keines dieser Kinder im herkömmlichen Sinne gebären.
Fiona steht mit ihrem Schicksal nicht alleine da. Fünfzig Prozent aller Schwangerschaften werden frühzeitig durch eine Fehlgeburt beendet. Wieviel Schmerz eine Fehlgeburt auslöst, ist sehr individuell. Frauen, die vor oder nach der Fehlgeburt ein weiteres Kind bekommen dürfen, können den Verlust meistens besser verkraften.
Aber was ist mit all den Frauen, die zwar Kinder gezeugt haben, diese aber nie bis zum Schluss der Schwangerschaft austragen konnten? Sie gehen vergessen. Niemand denkt daran, dass auch sie Mütter sind: Sie sind Mütter von Seelenkindern. Auf seelischer Ebene haben sie eines oder sogar mehrere Kinder. In ihrem Herzen sind sie Mütter geblieben, auch wenn die jeweilige Schwangerschaft ein vorzeitiges Ende fand.
In meiner Arbeit mit Familien ist es mir ein zentrales Anliegen, die Seelenkinder zu würdigen. Ich versuche es in die Welt hinaus zu schreien, dass die viel zu früh verstorbenen Kinder für immer ein Teil ihrer Familie bleiben und dass es für die Familien wichtig ist, diesen Kindern ihren Platz zu geben.
Dabei sollte man eines bedenken: Gerade in Familien, in denen es ausschliesslich Seelenkinder gibt, dürfen auch die Mamas und die Papas nicht vergessen werden. Denn Mutter oder Vater wird man, weil man ein Kind gezeugt hat. Nicht weil man ein Kind geboren hat. Durch den Akt der Zeugung entsteht eine energetische Verbindung zur Seele des Kindes. Diese Verbindung bleibt auch nach dem Tod des Kindes bestehen. Ganz einfach deswegen, weil jeder, der einmal Teil einer Familie war, dies auch nach seinem Tod noch bleibt. Man kann die energetische Zugehörigkeit zur Familie nicht verlieren. Doch wenn der Tod eintritt, noch bevor man den kleinen Menschen sehen, berühren oder liebkosen konnte, vergessen wir ihn oft. Und damit auch die Tatsache, dass er zwei Menschen zu Eltern gemacht hat.
Deswegen möchte ich allen Müttern von Seelenkindern einen lieben Gedanken senden und ihnen sagen:
Auch wenn du dein Kind heute nicht bei dir hast, seid ihr doch in Liebe verbunden und diese Liebe macht dich zur Mutter deines Kindes.
Dies ist nicht alleine meine Überzeugung. Sogar bei der Google Suche lässt sich eine entsprechende zweite Definition von Mutter finden: «Mutter ist, wer einem Kind Mutterliebe entgegenbringt.» Und die entsteht bekanntlich auch nicht erst bei der Geburt und endet niemals mit dem Tod...
Veranstaltungshinweise:
Vortrag: "Seelenkinder in die Familie integrieren"
Freitag, 23. August 2019, 19.30h - 21.30h, Die Quelle - Ort der Begegnung CH-3005 Bern
Ritual: "Die Seele hört nicht auf zu existieren - Abschiedsritual für verstorbene Kinder und Seelenkinder"
Freitag, 1. November 2019, 19.30h - 21.30h, Die Quelle - Ort der Begegnung CH-3005 Bern
Buch zum Thema:
Heim, Sereina: «Seelenkinder und wie sie in ihrer Familie wirken. Einfache Hilfe bei Einschlafproblemen, übermässigem Schreien, ADHS, Geschwisterstreit, u.v.m» München: Kösel Verlag, 2018.
Infos: www.sereinaheim.ch/mein-buch