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Das traditionelle Sitzen kann mit einer Vielzahl an Beschwerden einhergehen. In diesem Fall spricht man auch von Sitzkrankheiten (engl: Sitting Disorders). Derzeit sind über 30 verschiedene Sitzkrankheiten bekannt.
Eine traditionelle Sitzhaltung kann die nachfolgend aufgeführten Folgen umfassen:
- Gewebedegeneration, Schmerzen, Schwächung der Rückenmuskulatur, zu flacher Atem, schlechte Darmtätigkeit und mangelnde Hirndurchblutung können auf eine schlechte Rückenhaltung und einen schlechten Gesundheitszustand des Rückens zurückgeführt werden.
- Rundschultern und ein hängender Kopf tragen zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich sowie zum sogenannten Repetitive Strain Injury Syndrom (Mausarm) bei.
- Ein unzureichender Lymph- und Blutkreislauf hat Auswirkungen auf den gesamten Körper. Hiermit gehen Schwellungen, Krampfadern, Müdigkeit und Trägheit einher.
- Zudem kann die Gesundheit des Darms geschwächt werden. Als Folge treten Hämorrhoiden, Verstopfung und Darmentzündungen auf. Zudem liegt eine schlechtere Immunabwehr vor, was im Ernstfall Krebs bedeuten kann.
- Ein 90-Grad-Winkel zwischen Hüft- sowie Kniegelenken beeinflusst die Gesundheit der Gelenke und beschleunigt beispielsweise Arthritis.
- Ferner konnten gesundheitliche Probleme im Genitalbereich nachgewiesen werden. Dies äußert sich in Genitalentzündungen bei Frauen und Erektionsstörungen und eine schlechtere Spermienqualität bei Männern.
- Aufgrund des Drucks des Sitzpolsters kann das innere Becken durch die Beckenöffnung hindurch beeinträchtigt werden. Daraus ergeben sich zahlreiche gesundheitliche Probleme. Auch Krebs kann auftreten.
- Mit einem herkömmlichen Bürostuhl lassen sich weiter entfernte Gegenstände durch ein träges Umherrollen nur schwerlich erreichen. Das vermindert die Produktivität.
- Ferner leidet die äußerliche Erscheinung des Sitzenden. Die Beine werden dicker, das Gesäß sieht platter aus und die Brust sackt ab.
Der 90/90-Grad-Winkel im Becken funktioniert nicht
Bei sitzenden Menschen ist der nach vorne gebeugte Rücken auffällig, was eher am Stuhl als am Sitzenden selbst liegt. Der Körper hat Schwierigkeiten, eigenständig im rechten Winkel in der Hüfte zu bleiben. Waagerechte Oberschenkel beim Sitzen führen dazu, dass das Becken nach hinten kippt. Dadurch krümmt er sich nach vorne. Die Rückenlehne wird nur verwendet, wenn sich Ermüdungserscheinungen im Rücken deutlich machen. Hauptsächliche Funktion der Rückenlehne ist es, die Jacke aufzuhängen. Sie besitzt in Bezug auf gutes und gesundes Sitzen keine Vorteile.
Inzwischen werden einige traditionelle Stühle „verbessert“. Dabei wurde lediglich die Sitzfläche etwas nach vorne gekippt, was jedoch nicht den Winkel im Becken vergrößert. Neben den durch einen zu kleinen Winkel ausgelösten Problemen hat der Sitzende das Gefühl, vom Stuhl zu rutschen. Zudem stört die Kleidung unangenehm im Schritt.
Das traditionelle Sitzen ist zudem mit weiteren Nachteilen verbunden:
- Eine Tischhöhe umfasst in der Regel zwischen 72 und 74 cm (28,3 – 29,1 inch), was zu niedrig ist, um selbst kurzzeitig im Stehen zu arbeiten.
- Durch die Rückenlehne wird ein herkömmlicher Stuhl unhandlich, schwer und teuer. Zudem benötigt er sehr viel Platz.
- Vor allem im Kundenservice ist das traditionelle Sitzen äußerst unvorteilhaft. Das verhindert, dass der Sitzende „auf Augenhöhe“ mit dem stehenden Kunden ein Gespräch führen kann.
- Probleme in den Gelenken der Wirbelsäule sind auf eine dauerhaft schlechte Rückenhaltung zurückzuführen. Die Folge sind Schmerzen und Störungen in anderen Teilen des Körpers.
- Äußerlich wird die Person durch das gekrümmte und zu tiefe Sitzen oft unansehnlich.
Vor allem Jugendliche sitzen sehr viel, was in naher Zukunft zu großen Problemen führen wird.
Für einen Großteil der Jugendlichen ist die Gefahr groß, früher oder später zu einem chronischen Rückenpatient zu werden. Eine im Jahr 1994 durchgeführte Studie fördert erschreckende Ergebnisse zutage: Über die Hälfte der 16-Jährigen weisen bereits erste Veränderungen in der Rückenstruktur auf. Dieser Wert hat wahrscheinlich noch zugenommen. So sind es heute wahrscheinlich 70 bis 80 %. Ein Grund ist, dass die Zeitspanne, in der wir sitzen, größer geworden ist. Zudem hat sich das durchschnittliche Körpergewicht deutlich erhöht. Ein Grund dafür ist, dass weniger Sport getrieben wird. Die Folge ist ein individuelles sowie nationales Gesundheitsproblem. Einer Generation, bestehend aus chronischen Rückenpatienten, die unter zahlreichen Sitzkrankheiten leidet, ist daher zu begegnen.
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