Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/941

Schloss Charlottenfels
1846 hatte Heinrich Moser in Neuhausen am Rheinfall mehrere miteinander verbundene Grundstücke mit landwirtschaftlicher Nutzfläche, auf denen das Landgut «Schwanenfels» sowie das Siegrist’sche Häuschen standen, für sich kaufen lassen, insgesamt ca. 6,7 Hektaren. Der Industriepionier wusste bereits, wie er den neuen Besitz für seine Familie nutzen wollte. Schon 1847 hatte er entschieden, das Anwesen nach seiner Gattin «Charlottenfels» zu nennen, das er für sie als Witwensitz vorsah und ihr zu Eigentum überlassen würde. Er liess bereits die notwendigen Erdbewegungen und die Terrassierung vornehmen sowie eine bequeme Zufahrt und die Alleen und Lauben anlegen. Danach wurde in der ersten Hälfte 1850 mit dem Abriss des «Schwanenfels» begonnen.
Der Bau des Schlosses «Charlottenfels» stand jedoch unter keinem glücklichen Stern. Seine geliebte Gattin Charlotte verunglückte bei einer Kutschenausfahrt in Baden und verstarb als Folge davon am 10. Juli 1850 in Zürich. Trotz dieses einschneidenden Ereignisses hielt der Witwer an seinen ursprünglichen Plänen fest und liess bis zum traurigen Einzug der Familie 1854 nach seinen Ideen das Schloss Charlottenfels durch den berühmten Architekten Bernhard Simon errichten.
Schloss Charlottenfels präsentiert sich noch heute weitgehend unverändert. Es liegt auf einer Terrasse über einem steilen Felsenhang in einzigartiger Lage und besticht durch seine Eleganz und Einmaligkeit: zwei Galerien, an deren Ende jeweils ein doppelstöckiger Pavillon angebracht ist, umschliessen in Viertelkreis-Bogen die Hauptfassade des Gebäudes. Das Schloss ist mit architektonischen Komponenten der Renaissance ausgestattet und zeigt wenig überraschend in Teilen Ähnlichkeit mit Schlossbauten aus dem zaristischen Russland. Das Eingangsfoyer ist dem leicht zurückversetzten Mitteltrakt vorgebaut. Die hohen Fenster sind über die gesamte Fassade rundbogig angebracht und schliessen oben mit einer durchgehenden Balustrade ab. Ein ausgedehnt angelegter Garten breitet sich um den Haupttrakt vor der Prunkbaute aus.
Die Rückfassade ist einfacher gestaltet, und nur dessen Mitteltrakt wird durch drei rundbogige Fenster etwas herausgestrichen. Das Dach ist in Giebelform aufgebaut und präsentiert stolz in seiner Mitte das Moser-Wappen. Das Schloss beherbergt zudem einen grossen Gewölbekeller, von dem ein unterirdischer Stollen, einst als Fluchtpfad gedacht, bis hinunter auf die Verkehrsstrasse führt.
Das Hochparterre besteht aus hohen, geräumigen und repräsentativen Salons. Die Decke des «Salon Charlotte» (früher: «Salon Rouge») beispielsweise enthält reiche Stukkaturen, die in den Intarsien des Fussbodens gespiegelt werden, und der ehemalige Speisesaal ist eichenholzgetäfert. Sämtliche Türen sind stilvoll in Nussbaumholz und mit Messingbeschlägen gefertigt.
Das Obergeschoss ist zurückversetzt und in fünf Fenster in rechteckigem Format aufgeteilt. Bis weit ins erste Jahrzehnt dieses Milleniums ist es jeweils von Direktoren oder von höheren Kadern des Berufsbildungszentrums, oder aber von Mitgliedern des Lehrkörpers bewohnt worden. Seit 2009 hat sich nun langfristig die im selben Jahr errichtete Heinrich und Henri Moser Stiftung eingemietet, die Rechtsträgerin des Moser Familienmuseums Charlottenfels. Die Eröffnung des Museums erfolgte am 12. November 2010, dessen Erweiterung und Neukonzeptionierung am 28. November 2018.
Seit 2015 existiert im Rahmen der Publikationen der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK ein Kunstführer: «Landgut und Schloss Charlottenfels» (Autorinnen: Mandy Ranneberg und Nathalie Walter), der detailliert die Geschichte der verschiedenen Besitzer des Landguts sowie den Landsitz selbst beschreibt.