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Abgewickelt – Juli 2018
„Ist doch gerade“. Axel hält eine Schablone aus Starkfurnier an eine Reihe Holzklötze die im Verlauf einer bereits ausgebauten Spante im mittleren Bereich an MARABU’s innerer Bordwand festgeschraubt sind.
Ich schaue mir das von der gegenüberliegenden Seite an und bin der festen Überzeugung, dass ausser der Krümmung von oben-aussen nach unten-innen an der Leiste nichts „schräges“ dran ist. In entspanntem Zustand ohne die Biegung am Rumpf entlang erkenne ich dann, dass die bereits angepasste Schablone auf der Seite des Anschlags abgerundet ist.
Das muss mir der Bootsbaumeister jetzt genauer erklären und weist mich dafür noch auf eine weitere Besonderheit hin: auch die Klötze sind auf der Schablonenseite nicht im rechten Winkel zu den Planken geschnitten, sondern weisen eine leichte Schräge auf.
Da Josef Martin entschieden hat, die ursprünglich aus Stahl gefertigten Spanten in Holz auszutauschen, soll eine Methode eingesetzt werden, die das moderne Formverleimen von Furnierschichten sowie das früher beim Bau übliche Verfahren des Eindämpfens massiver Holzteile miteinander vereint: eine Abwicklung.
Dabei wird das neue Spant mit Hilfe des Anschlags aus exakt ausgerichteten Holzklötzen – zunächst mit einer Trennfolie – direkt im Schiff verleimt und nimmt damit an ihrer Position unmittelbar alle Verwindungen des strakenden Schiffsrumpfs auf. Spätere Anpassarbeiten mit dem Hobel entfallen weitestgehend, die sichtbaren Seiten der Spanten folgen elegant den Linien des Schiffes.
Die Rundungen der Schablone, die auf die zu verleimenden Furnierstreifen übertragen werden, entstehen durch die sich verjüngende Rumpfform an Bug und Heck. Je grösser die Differenz der Rumpfbreite zwischen zwei Nachbarspanten ist, desto deutlicher zeichnet sich in der 2-dimensionalen Sicht die Kurve ab – im mittleren Kielbereich kommt es zu einem S-förmigen Verlauf.
Erstaunt und bewundernd nehme ich zur Kenntnis, mit welch einfachen Mitteln die Bootsbauer den Anschlag für die Schablonen konstruieren bzw. positionieren. Kein Computerprogramm (wie z.B. beim Neubau des 75er Schärenkreuzers nach alten Estlander-Plänen) muss dafür die nötigen geodätischen Linien errechnen und auch der Mulitlinienlaser (der würde bei der kleinsten Bewegung eh nur rumwackeln) bleibt im Schrank.
Alles was Axel braucht, sind mehrere lange und gerade Richthölzer, einen Bleistift sowie ein gutes Auge. Zwei Latten werden in ungefähr 90° zueinander fixiert, dann die eine horizontal am Spantkopf, die andere vertikal am Spantfuss ausgerichtet.
Die zwei sich berührenden Kanten mittels einer seitlichen Peilung auf ihrer gesamten Länge miteinander in Deckung gebracht, projizieren eine imaginäre Gerade auf die Bordwand.
Auch die dritte Latte wird nun an dieser „Deckungskante“ ausgerichtet und wie ein Lineal nacheinander auf jeden der zuvor grob positionierten Anschläge aufgelegt. Sowohl exakte Lage als auch Schräge der Anschlaghölzer lassen sich damit genau anzeichnen.
Kompliziert und knifflig? Nein, das findet Axel gar nicht und grinst verschmitzt: Das sei doch einfache Geometrie und mit etwas Erfahrung und Geschick in einer viertel Stunde erledigt.