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Mit dem MG TF ist ein englischer Sportwagen gemeint und zwar im vorliegenden Fall jenes meist grüne, weisse, rote oder hellgelbe Modell, welches in den 1950er Jahren auch in die Schweiz exportiert wurde. Der Sportwagen war selbstverständlich ein rein britisches Erzeugnis, wird in der OGS aber erwähnt, weil Rolf Springer, mein langjähriger Kollege, den ich während der RS kennen gelernt hatte, dieses Fahrzeug im Jahre 1964 während eines ganzen Sommers an den Wochenenden benützen durfte und mich damit in Seebach abholte, von wo aus wir dann alle unsere Unternehmungen starteten.
Rolf Springer, der spätere Präsident des Kartklubs Seebach und Betreiber des Labors Springer an der Jungstrasse hatte eine Schwester namens Yvonne. Diese wiederum hatte einen Freund, welcher sich zu Beginn der 1960er Jahre einen gebrauchten, aber perfekt gepflegten MG zulegte und zwar ein offenes, grünes Sportwagen-Modell TF. Er tat dies wohl in der Absicht, damit den jungen, noch ledigen Damen in seinem Umfeld zu imponieren, aber auch, weil er gerne einen Sportwagen fuhr. Zu diesen Damen gehörte im Jahre 1964 auch Yvonne Springer. Ich weiss heute nicht mehr mit Sicherheit, wer der Besitzer des Wagens war. Rolf sprach damals einfach vom Freund seiner Schwester.
Da Rolf Springer seinen Geschäftswagen, einen Mercedes 190, mit seiner Schwester Yvonne teilen musste, kam es öfter mal vor, dass sie aus Platzgründen den grösseren Mercedes 190 benötigte und er dafür mit dem MG «vorlieb» nehmen musste. Rolf Springer hatte anfänglich natürlich nichts dagegen, da ihn der rassige Sportwagen mehr reizte als der behäbige Mercedes.
Leider verfügte dieser MG über eine technische Besonderheit, welche gewisse Tücken barg. Ohne detaillierte Kenntnisse dieses Wagens zu haben, schienen diese Tücken das Kühlsystems des Wagens zu betreffen, denn bei wärmerem Wetter und bei längerer Fahrt durch die Stadt, neigte er zum Überhitzen. Das Phänomen trat vor allem dann auf, wenn man länger in Kolonnen fuhr oder mehrmals hintereinander vor roten Ampeln warten musste. MG TF-Besitzer waren allerdings der Meinung, dass sie dieses Problem an ihren Wagen nie hatten und das Überhitzen eher fahrbedingt war.
So kam es, dass er an einem Samstag mit diesem grünen MG nach Seebach fuhr, um mich für eines seiner neuen Projekte abzuholen. Nachdem ich meine Verblüffung über den offenen Sportwagen einigermassen verdaut hatte, wollte Rolf mir und offenbar auch allen Passanten, an denen er mit dröhnendem Motor vorbei fuhr, zeigen, was in dem Wagen steckte. Daher fuhr er mit viel Geschick durch verwaiste Seitenstrassen und lauschige Innenhöfe über den Milchbuck in Richtung Stadtzentrum. Und damit begannen dann prompt die Probleme, denn die Nadel des Kühlwassertemperaturanzeigers wanderte langsam aber sicher immer mehr in Richtung roter Bereich. Und ausgerechnet jetzt standen die Ampeln eine nach der anderen auf rot, obwohl jetzt viel frischer Wind dringend nötig gewesen wäre.
Es war damals noch völlig unüblich, den Motor an einer Ampel abzustellen. Ganz im Gegenteil, man liess ihn laufen, damit man bei grün sofort losfahren konnte. Und genau dies vertrug der Motor bzw. sein Kühlsystem gar nicht.
Rolf Springer wurde nervös, denn Yvonnes Freund hatte ihn gewarnt, den Motor unbedingt abzustellen, bevor der Zeiger beim roten Bereich ankam. So kam es, dass er den MG bei der Sihlporte auf einem schattigen Parkplatz abstellen musste. Zwar stand der Motor nicht kurz vor der Explosion, aber das Kühlwasser kurz vor dem Siedepunkt. Es war also höchste Zeit, ihn etwas auskühlen zu lassen. Rolf erklärte mir dann, welches der technische Grund war, warum der Motor zum Überhitzen neigte, doch habe ich die Details längst vergessen.
Nach diesen Erklärungen blieb uns nichts anderes übrig, als sich ins nahe Restaurant «Katz» zu begeben und anständig zu tafeln. Grosszügig, wie Rolf stets war, lud er mich zu Russischen Eiern ein, ein damals sehr beliebtes Gericht, welches nicht alle Welt kostete. Das dauerte dann genügend lange, um dem Motor und vor allem dem Kühlwasser Gelegenheit zu geben, sich wieder etwas zu beruhigen. Nach etwas mehr als einer Stunde ging die Fahrt mit dem ausgekühlten Motor dann problemlos weiter. Wie ich inzwischen von einem gut unterrichteten MG-Fahrer hörte, soll dieses Kühlproblem nur paar einzelne Wagen betroffen haben und ziemlich rasch beseitigt worden sein. Warum Yvonnes Freund seinen MG nicht in seiner Garage anpassen liess, lässt sich heute nicht mehr sagen.
Die zahlreichen Ausfahrten mit dem offenen Sportwagen waren auch für mich als Beifahrer ein grosses Vergnügen und bleiben unvergessen.
Die Firma MG wurde 1923 in Oxford (England) gegründet. MG war das Kürzel für «Morris Garages». Der erste Geschäftsführer hiess Cecil Kimber (Wikipedia). Die Produktion des MG TF begann 1953 und endete bereits 1955. Der TF kostete damals Fr. 9'700.-- und hatte 63 PS, 1500 cm³ und eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 130 km/h. Es gibt vom MG TF immer noch viele Veteranenfahrzeuge. Gut erhaltene Exemplare waren Ende 2011 für Fr. 35'000.-- bis zu Fr. 60'000.-- zu erstehen. Der MG TF orientierte sich vom Aussehen und von der Technik her noch stark an früheren MG-Fahrzeugen, aber auch am Jaguar SS 100 von 1937, daher galt er bereits bei seinem Erscheinen 1953 als etwas nostalgisch. Die Fahrfreude aber war einmalig, vor allem beim Fahren ohne Verdeck.
Quellen: - OGS-eigene - Little Bristish Car Co. (Details zum Wagen und Fotos) - Tages-Anzeiger on line-Bericht vom 6.12.2011