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Volkszählung bei den Thunfischen
Tiere im Meer sind schwer zu zählen, da wir sie die meiste Zeit nicht sehen können. Der Ozeanologe Stewart Norman arbeitet an einem Projekt mit, das einen Überblick über die Thunfischpopulation im Meer rund um Südafrika verschaffen soll.
Der 28-jährige Ozeanologe Stewart Norman arbeitet als Berater in der südafrikanischen Fischereiindustrie und als Beobachter auf Fischerbooten. Daneben markiert er im Rahmen eines internationalen ICCAT-Projekts Thunfische in den südafrikanischen Gewässern beim Kap der guten Hoffnung.
Drei Thunfisch-Arten stehen auf dem Radar fürs Tagging: Yellowfin (Gelbflossen-Thunfisch), Bigeye und Skipjack. Der Bigeye ist der grösste der drei und kann bis zu 130 kg schwer werden. Die Fische werden markiert, damit man einen Überblick über Anzahl und Grösse der Tiere in der Population erhält und ihre Migrationsrouten, Lebensraumpräferenzen sowie ihr Jagd- und Fressverhalten besser versteht. Dadurch können die Thunfische hoffentlich langfristig in den Meeren erhalten bleiben.
Im Gegensatz zu Tieren an Land ist es schwierig zu sagen, wie viele Tiere im Meer leben, da wir sie die meiste Zeit nicht sehen. Oft werden die Zahlen der gefangenen Fische aus der Fischerei zusammengezählt, um rückblickend eine Aussage über die Fischbestände des Vorjahres zu machen. Dies gibt aber keine Auskunft über den jetzigen Bestand in den Meeren. Durch die Verwendung von „Tags“ hingegen kann man aktuellere Zahlen gewinnen.
„Beim Tagging soll der Fisch möglichst wenig gestresst und unverletzt ins Meer zurückgebracht werden.“
Zur Markierung der Fische werden verschiedene Tags verwendet: Einfache Stäbchen oder „Spaghetti-Tags“, aber auch chemische Marker, um das Wachstum der Fische zu studieren, und schliesslich Tags, die operativ eingesetzt werden müssen. Wenn der Fisch zu einem späteren Zeitpunkt gefangen wird, werden diese Tags wieder eingesammelt und ausgewertet. Wichtig beim Tagging ist, dass der Fisch so wenig wie möglich gestresst wird. Er wird mittels Angelruten vom Schiff aus gefangen und direkt an Bord gezogen, so dass die Zeit, in der der Fisch kämpft, möglichst kurz ist. An Bord wird er in eine Art Hängematte gelegt, und ein Schlauch im Maul des Fisches versorgt die Kiemen während des Markierungsprozesses mit Wasser. Wenn die Tags eingesetzt sind und der Fisch vermessen ist, wird er zurück ins Meer entlassen. Dieser Prozess dauert zwischen 30 Sekunden und 4 Minuten.
Die nun eingesetzten Tags speichern unterschiedliche Daten. Satelliten-Tags beispielsweise lösen sich nach einer programmierten Zeit vom Fisch und treiben an die Oberfläche. Dort angekommen senden sie die Daten an den Empfänger. Andere Tags müssen von den Fischern, die den markierten Fisch aus dem Wasser gezogen haben, an die Forscher retourniert werden.
„Spaghetti-Tag“
Ein „Spaghetti-Tag“ wird links neben der Rückenflosse des Thunfisches eingesetzt, während der Fisch vermessen wird. Der Fisch wird danach ins Wasser zurück gebracht. Wird der Thunfisch später von einem kommerziellen Fischerboot oder einem Hobbyfischer gefangen, muss er wiederum vermessen und der Fund des Tags gemeldet werden. So werden Daten über den Aufenthaltsort der Fische und ihr Wachstum gesammelt.
Chemischer Tag
Chemische Tags (z. B. Oxytetracyclin, auch als Antibiotikum verwendet) werden in den Fisch injiziert. Die Markierungslösung lagert sich in knöchernen Strukturen des Fisches ab; beim erneuten Fang werden diese analysiert, um das Wachstum des Fisches seit der Markierung und damit sein Alter zu bestimmen. Gleichzeitig mit dem chemischen Tag erhält der Fisch einen Spaghetti-Tag, der dem zukünftigen Fischer anzeigt, dass der Fang gemeldet und untersucht werden muss.
Interner elektronischer Archivierungs-Tag
Ein interner elektronischer Archivierungs-Tag wird dem Fisch – neben einem konventionellen Spaghetti-Tag – chirurgisch in die Körperhöhle eingesetzt. Er zeichnet während 600 Tagen Daten auf über die Vorlieben der Fische bezüglich Wassertiefe, Temperatur und Salzgehalt und protokolliert auch die Körpertemperatur des Fisches.
Satelliten-Pop-up-Archivierungs-Tag
Der Tag mit diesem komplizierten Namen wird chirurgisch so neben der Rückenflosse des Fisches fixiert, dass der Einfluss aufs Schwimmen minimiert wird. Der Tag sammelt Daten, bis er sich nach einer definierten Zeit vom Fisch löst und an die Oberfläche treibt. Position, Wassertiefe und Temperatur werden via Satellit an den Empfänger gesendet. Weitere Daten können gelesen werden, wenn der Tag geborgen wird.