Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03101.jsonl.gz/1027

2007 wiesen die Informatikplattformen der beiden grössten Kantonalbanken Erneuerungsbedarf auf. Mit einem Joint Venture unter dem Namen ZUVA, für Zurich-Vaudoise, setzten sich die Zürcher Kantonalbank und die Banque Cantonale Vaudoise (BCV) das Ziel, Betriebs- und Investitionskosten für beide Partner zu senken. 2011 sollte die Dienstleistungsgesellschaft mit 1050 Mitarbeitenden in Zürich und 250 in Lausanne live gehen. Um alle Produkte und Prozesse zu erfassen, wurden 21 thematische Arbeitsgruppen definiert, die alle Bereiche der beiden Banken abdeckten, wie Risiko-Management, Vertriebskanäle, Personal usw.
Handschlag über den Röstigraben
Warum alleine, wenn zwei das gleiche Problem haben? Da beide IT-Infrastrukturen ein Update brauchten, schlossen sich im April 2007 mit der Zürcher Kantonalbank und der Banque Cantonale Vaudoise zwei Kantonalbanken zusammen, um ein eigenes Dienstleistungszentrum mit über 1000 Mitarbeitenden zu schaffen. Es war das bis dahin grösste Joint-Venture-Projekt der Zürcher Kantonalbank. Was wurde aus dem (Ad)venture?
Koordinative Herkulesaufgabe
Bereits 2007 schrieb die Personalzeitung, dass es sich bei ZUVA nicht um ein Projekt der Geschäftseinheit Logistik handle, sondern um ein Grossprojekt, das die ganze Zürcher Kantonalbank tangieren werde. Darüber war man sich von Anfang an klar. Die Zusammenarbeit über den Röstigraben war von Pioniergeist und Kooperationsbereitschaft geprägt. Mitarbeitende der BCV besuchten über verschiedene Einheiten hinweg ihre Zürcher Kollegen und umgekehrt. Deutsch- und Französischkenntnisse wurden auf beiden Seiten mit Sprachkursen aufgebessert. Gut schweizerisch fanden viele Sitzungen in Bern, der geographischen Mitte, statt. Gesprochen wurde jedoch oft englisch. 2008 eruierte man 250 Impacts, das heisst Themen, bei denen die Systeme oder Prozesse noch nicht kongruent waren. Man hoffte, für 90 Prozent dieser Fälle, eine rasche Entscheidung über die nötigen Anpassungen in Zürich oder Lausanne treffen zu können.
Projekt gescheitert, Know-how gewonnen
Trotz der guten Zusammenarbeit «platzte» Ende August 2008 der Traum von ZUVA, wie der Tages-Anzeiger titelte. Die Planungsphase hatte gezeigt, dass der Umbau der IT-Plattform der Zürcher Kantonalbank zu Gunsten einer Mandantenfähigkeit mehrerer Banken länger gedauert hätte, als mit der BCV vereinbart worden war, und wesentlich teurer geworden wäre. Zudem hatte sich gezeigt, dass die Geschäftsprozesse der beiden Institute im Detail zu unterschiedlich und damit für Synergien im IT-Bereich nicht ausreichend waren. Das Pressecommuniqué umschrieb die Situation folgendermassen: «Diese Verzögerung hätte einen erheblichen finanziellen Mehraufwand verursacht und wäre mit einiger Ungewissheit über den erfolgreichen Projektabschluss verbunden gewesen.» Pragmatisch stellten sich die Partner den neuen Realitäten und entschieden gemeinsam, die Vision vom Dienstleistungszentrum aufzugeben. Die BCV nutzte weiterhin ihre angestammte Plattform, und die Zürcher Kantonalbank entwickelte ihre alleine weiter.
Doch, auch wenn das gemeinsame Dienstleistungszentrum nicht realisiert wurde, blieb das erarbeitete Know-how innerhalb des Kantonalbanken-Verbands erhalten, und bis heute gibt es noch freundschaftliche Kontakte zwischen ehemaligen Projektmitgliedern.
Titelbild: Handschlag für ein gemeinsames Dienstleistungszentrum von Zürcher Kantonalbank und Banque Cantonale Vaudoise.