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Als Timm Thaler und dem Kolumnisten das Lachen verging
Vor 40 Jahren lief die TV-Serie «Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen». Der Kolumnist wäre zu gern mit dem Jungen mit dem unwiderstehlichen Lachen befreundet gewesen – bis ihm selber das Lachen verging.
Meine erste TV-Serie war «Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen». Ich war zwölf Jahre alt, als die Geschichte des 13-jährigen Timm 1979 erstmals im Fernsehen gezeigt wurde. Wenn heute im Radio die eingängige Titelmelodie von Christian Bruhn gespielt wird (was viel zu selten passiert), ist es wie eine Zeitmaschine. Sie versetzt mich zurück ins Wohnzimmer meiner Eltern.
Timm Thaler (gespielt von Thomas Ohrner) besitzt ein unwiderstehliches Lachen, deshalb verzeiht die Lehrerin dem Wuschelkopf auch fast jeden Streich. Baron de Lefouet, ein griesgrämiger Geschäftsmann, und sein Diener Anatol beobachten den Jungen und planen, ihm dieses Lachen abzukaufen.
Was hätte ich damals dafür gegeben, mit Timm befreundet zu sein. Mit ihm, dem liebenswertesten Teenager der TV-Geschichte. Die 13-teilige Weihnachtsserie brannte sich tief in mein Gedächtnis ein.
Der reichste Junge der Welt, der jede Wette gewinnt
Noch einmal zum Inhalt: Timms Vater ist Fluglehrer und kommt während eines Auftragsflugs für den Baron de Lefouet ums Leben. Weil Timm durch diesen Verlust sein Liebstes verloren hat, ist er nun leichter durch den hinterhältigen Geschäftsmann manipulierbar.
Und so kommt es, wie es kommen muss: Timm schlägt ein, geht einen Pakt mit dem Teufel ein – also: mit dem Baron. Dieser bekommt das Lachen, dafür wird Timm der reichste Junge der Welt, der jede Wette gewinnt.
Ich ging keinen Pakt mit dem Teufel an – das Lachen verging mir im Februar 1980 trotzdem. Und das kam so:
Immer am Montag, 17:45 Uhr, wurde eine neue Folge von «Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen» im Schweizer Farbfernsehen gezeigt. Ja, ich musste sage und schreibe jeweils sieben ganze Nächte und sieben ganze Tage warten, bis die Geschichte endlich weiterging. Schon das war nicht zum Lachen.
Aber es kam noch schlimmer, viel schlimmer: Ich sass also jeden Montag kurz vor sechs Uhr vor der Flimmerkiste und wartet auf Timm Thaler. Jeden? Nein, nur fast jeden. Denn ausgerechnet die 13. und letzte Folge konnte ich nicht schauen. Ja, an diesem Abend verging mir schlagartig das Lachen.
Kein Replay-TV, keinen Videorecorder
Man stelle sich mich als 12-jährigen Teenager vor: Da läuft im TV die allerletzte Folge der absoluten Lieblingsserie, und ich bin nicht zu Hause. Meine Welt wurde an diesem Abend ein grosses Stück trauriger. Denn damals, also vor 40 Jahren, gab es noch kein Replay-TV und keinen Videorecorder, zumindest unsere Familie besass keinen. Und das Internet wurde auch erst viele Jahre später erfunden.
Ich habe an diesem Montagabend im Februar 1980 ganz bitterlich geweint; auch weil ich wusste, dass ich mit grosser Wahrscheinlichkeit der einzige in unserer Klasse war, der nicht mitbekommen hatte, wie Timm in der letzten Folge sein Lachen vom Baron endlich wieder zurückgewinnt.
Irgendwann fand ich mein Lachen wieder, und Timm Thaler rückte langsam in den Hintergrund. Aber ganz vergessen habe ich ihn freilich nie. Es sollte noch über ein Jahrzehnt dauern, bis ich bei einem Freund endlich die letzte Folge «Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen» sehen konnte.
Ach, wie habe ich gelacht an diesem Abend.
Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.Den «Bötschi fragt» - Newsletter abonnieren