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An einem Gespräch mit Holcim im September diskutierte ACTARES die an der Generalversammlung gestellten Fragen zu Problemen in Guatemala und Indien. CEO Bernard Fontana und Nachhaltigkeitsverantwortliche Ruksana Mirza konnten glaubwürdig darlegen, dass Holcim intensiv nach Lösungen sucht.
Die angesprochenen Probleme sind in Guatemala wie in Indien ziemlich komplex. Die Tatsache jedoch, dass der CEO selbst sich darum kümmert und sich für ein offenes Gespräch mehr als eine Stunde Zeit nimmt, weist darauf hin, dass Holcim ernsthaft um Lösungen bemüht ist. Zusammen mit zwei andern Geschäftsleitungsmitgliedern behandelt CEO Bernard Fontana mehrmals im Jahr solche Fragen.
Guatemala
Seit etwa sechs Jahren besteht das Projekt einer Zementfabrik und eines Steinbruchs in San Juan Sacatepéquez. Die ansässige Bevölkerung wurde nie dazu befragt, wie das heute international üblich wäre. Die Gegnerschaft ist gross, da durch den Zementstaub die dort wichtige Blumen- und Gemüseproduktion bedroht, wenn nicht verunmöglicht würde. Die sich friedlich wehrende Bevölkerung erntete Gewalt und Drohungen. Führende Leute wurden umgebracht oder unter fadenscheinigen Gründen inhaftiert.
Das Projekt ist blockiert. Die Bevölkerung hat nach Jahren der Gewalt jedes Vertrauen in Staat und Unternehmen verloren. Eine unabhängige Justiz oder Polizei gibt es nicht. Die Mehrheitsbesitzerin, eine einflussreiche guatemaltekische Familie, will das Projekt um jeden Preis durchdrücken. Holcim besitzt zurzeit nur 20 % am Unternehmen und kann gegen den Willen der Besitzerfamilie weder aussteigen noch ihren Anteil erhöhen. Die wenigen Möglichkeiten, Druck auszuüben, werden von Holcim genutzt. Ansonsten heisst es leider abwarten.
Indien
Schon bevor Holcim 2005 zwei Werke in Indien übernahm, bestanden Probleme mit langjährigen Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern. Sie wurden seit Jahren immer wieder angestellt, um Forderungen der Standortgemeinden zu erfüllen, und fordern berechtigterweise eine dauerhafte Anstellung.
Hauptproblem ist, dass viele dieser Beschäftigten gar nicht gebraucht würden. Diese Fabriken haben zwei bis drei Mal so viel Personal wie eine vergleichbare Fabrik in Europa. Einer der Lösungsversuche, erarbeitet mit der internationalen Gewerkschaft, scheiterte im Frühjahr 2012 daran, dass die verschiedenen Gewerkschaften nicht am gleichen Tisch sitzen wollten.
Begleitet von Ausbildungs- und Trainingsmassnahmen sollen in den kommenden Jahren je 10 bis 15 % der überzähligen Leute entlassen werden. Anfang 2012 veröffentlichte Holcim ein Position Paper on Contractors mit klaren und nachvollziehbaren Regeln für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter. Diese Richtlinien sind vorbildlich und bezeugen den Willen, die Probleme zu lösen.