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Emma Graf, die Schülerin der damals so genannten Taubstummenanstalt in St.Gallen, hatte in einem ihrer Tagebucheinträge über einen Arzt aus Herisau geschrieben, der eine Maschine besitze, mit welcher er Hörbehinderte behandeln könne (vgl. Beitrag zum 29. Januar 1916). Derselbe Arzt taucht einige Monate später in einem Regierungsprotokoll erneut auf, und zwar mit einem Rekurs gegen das Werbeverbot für seine Heilmethode: Mit Zuschrift vom 19./20. vorigen Monats beschwert sich L. Peters in Herisau, holländischer patentierter Arzt, „Spezialist für Nasen-, Hals- und Ohrenkrankheiten“, gegen eine Verfügung der herwärtigen Sanitätskommission, womit die Aufnahme eines Inserates in die st.gallischen Zeitungen, mit der Empfehlung eines Heilverfahrens (Apparates) für Schwerhörige und Taubstumme – Behandlung mit der Sirène à Voyelles von Professor Dr. Marage in Paris, von der Académie de Médécine in Paris – untersagt worden ist. Beschwerdeführer stellt das Gesuch um Aufhebung dieses Verbotes im Interesse der Schwerhörigen und Taubstummen, denen, auch wenn sie sonst überall vergebens Heilung ihrer Leiden gesucht haben, bei Anwendung des empfohlenen Apparates durch Verbesserung, bezw. Erweckung des Gehörs, geholfen werden könne.
Die Sanitätskommission beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 11. dieses Monats Ablehnung der Beschwerde mit folgenden Ausführungen:
L. Peters sei nicht im Besitze des schweizerischen Diplomes als Arzt und deswegen gemäss Art. 5 des Sanitätsgesetzes zur Ausübung des ärztlichen Berufes nicht befugt. Es erscheine als geboten, dass die Behandlung eines so difficilen Organes, wie das Gehörorgan, nur solchen Personen anvertraut werde, die sich im Besitze des vorgeschriebenen Befähigungsausweises als Arzt befinden.
Das Inserat habe übrigens auf Grund von Art. 6. der Verordnung über Auskündigung und den Verkauf von Geheimmmitteln usw. vom 15. März 1901 (Gesetzessammlung Band VIII, Neue Folge, No 31), der unter anderem den Erlass von Verboten gegen schwindelhafte Anpreisung medizinischer Apparate vorsieht, untersagt werden müssen. Die Behandlung von Ohrenleiden mit der Sirène à Voyelles sei nach dem Urteil einer kompetenten Persönlichkeit (Professor Dr. Siebenmann in Basel) als schwindelhaft anzusehen. (Nr. 1666) Der Regierungsrat wies aufgrund dieser Stellungnahme der Sanitätskommission den Rekurs als unbegründet zurück. Die Taxe für die Behandlung des Falls betrug Fr. 10.-, zu bezahlen vom Rekurrenten.
Ausserdem befasste sich der Regierungsrat mit folgenden Themen:
Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916