Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/1181

Die meisten der Regeln in unsern heutigen griechischen Schulgrammatiken rühren von den alexandrinischen Grammatikern her,
viele der Ausnahmen von ihren Gegnern, den Grammatikern von Pergamon
[* 4] (in Kleinasien), welche die Anomalie,
[* 5] die Unregelmäßigkeit,
als höchstes Prinzip der Sprachbildung verfochten. Der lange fortdauernde Streit zwischen diesen beiden Richtungen führte
zu einer immer genauern und richtigern Formulierung der grammatischen Regeln und Ausnahmen und endlich
zur Errichtung eines festen grammatischen Gebäudes, welches geeignet war, auch auf die wissenschaftliche Darstellung andrer
Sprachenübertragen zu werden, was zunächst mit der lateinischen Sprache geschah.
Die Entzifferung der Hieroglyphen und Keilschriften, tieferes Eindringen in den Bau der schon von hebräischen und arabischen
Grammatikern fleißig durchforschten semitischen Sprachen, die besonders durch Missionäre vermittelte Kenntnis zahlloser andrer
Sprachen in allen Weltteilen und die freilich erst teilweise gelungene Gruppierung derselben in eine Reihe großer
Sprachstämme:
[* 12] dies alles gab dem Sprachstudium eine ganz neue Bedeutung und Tiefe und erhob die Grammátik, die ehedem
nur der Quälgeist der Schuljugend war, zum Rang einer Wissenschaft (s. Sprache u. Sprachwissenschaft).
Vgl. Vater, Litteratur
der Grammatiken, Lexika und Wörtersammlungen aller Sprachen der Erde (2. Aufl. von Jülg, Berl. 1847);
Trübner, Catalogue of dictionaries and grammars of the principal languages of the world (2. Aufl.,
Lond. 1882).