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China: Dieser Begriff weckt Erstaunen und Neugierde. Das riesige Land ist heute aus verschiedenen Gründen von grosser Aktualität. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war China für die
Heilsarmee ein Ort des Dienstes und der Evangelisation. Acht Schweizer Offiziere und Offizierinnen haben in China mit einer gesamten Dienstzeit von 100 Jahren gedient. Innerhalb der vier
Schweizer Ehepaare waren die Adjudanten U. und E. Briner unter den Pionieren.
Von 1916 bis 1954 hat die Heilsarmee in China gearbeitet. Das Heilsarmee-Territorium wurde dort 1918 offiziell mit dem Nationalen Hauptquartier in Peking errichtet. 1992 wurde dem Territorium der wirkliche Name gegeben: Territorium Nord-China.
1912 wird China nach dem Fall des kaiserlichen Regimes eine Republik. Im Oktober 1916 werden sechs Offiziere – darunter ein Schweizer Ehepaar, die Adjudanten Briner – geweiht, um die Arbeit der Heilsarmee dort zu beginnen. Im Dezember 1915 kommen sie in Peking an, wo es ihre wichtigste Aufgabe ist, die Sprache zu erlernen. Im Kriegsruf vom 11. März 1916 teilt Adjudant Ulrich Briner seine ersten Eindrücke bei seiner Ankunft in Peking wie folgt mit: „Wenn man wie wir in einem so riesigen Land mit dem Auftrag, es für Gott zu erobern, ankommt, ohne die Sprache des Volkes noch seine Sitten zu kennen, kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass es gleichbedeutend ist, den Ozean mit einem Löffel auszuschöpfen. Aber das Wort war für uns eine kostbare Ermutigung: ‚Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen‘, spricht der Herr.“
In den 1920er Jahren verstärken drei Schweizer Offiziersehepaare die Adjudanten, um dort während vieler Jahre zu dienen. Es sind Marcel und Olga Beney (in China 1924-1939), Pierre und Blanche Dorthe (1924-1950) und Albert und Madeleine Bovigny (1921-1928): drei Offiziersehepaare und ihre Kinder, die durch die Liebe zu diesem Volk und durch die Qualität ihres Dienstes die Geschichte der Heilsarmee in China mitgeprägt haben.
Wie an allen anderen Orten des Wirkens der Heilsarmee war „Suppe, Seife, Seelenheil“ das Leitmotiv der salutistischen Präsenz. Am 5. Juli 1916 findet die erste öffentliche Versammlung, von der
Heilsarmee gehalten, statt. Im April 1917 kommt Verstärkung an: dreissig Offiziere aus sechs verschiedenen Ländern. Nach dem Erlernen der Sprache stürzen sich diese Männer und Frauen in die
soziale Arbeit und in die Evangelisation: Verteilen von Nahrung, Mehl und Getreide, Kohle, Beherbergung von Kindern und Erwachsenen, Gefängnisbesuche und Versammlungen im Freien, wo eine
zahlreiche Bevölkerung die Salutisten während Stunden über ihren Glauben sprechen hören können.
Heilsarmee bedeutet auf Chinesisch The Saving World Army; eine Armee, die die Welt rettet, was für ein Programm! Im April 1918 feiert die Heilsarmee die erste Ausgabe der Heilsarmee-Zeitung auf Chinesisch: Chiu Shih Pao (Kriegsruf). 1922 zählt das Territorium 78 chinesische Offiziere.
Die erste soziale Tätigkeit findet im Anschluss an eine Überschwemmung statt, welche viele Menschen zur Flucht gezwungen hat. Die Heilsarmee hilft schnell und pragmatisch. Sie organisiert die Verteilung von Nahrung und Kleidern. Diese Solidarität prägt die Bevölkerung.
Die Errichtung zahlreicher Porridge Kitchen (Notküchen, welche von Dezember bis Februar geöffnet sind) trägt ebenfalls zum guten Ruf der Heilsarmee bei. Jeden Winter werden Tausende Schalen Haferbrei ausgeschenkt. In den fünf Porridge Kitchen der Heilsarmee in Peking werden 1924 insgesamt 266 967 Schalen Haferbrei abgegeben.
Die Eröffnung der Heilsarmee fand aufgrund eines Versprechens statt, das Bramwell Booth seinem Vater William in den letzten Tagen von dessen Leben gemacht hatte. Aber kein Anfang kann ohne Vorbereitung gemacht werden; während fast zehn Jahren vor der Ankunft der Pionier-Offiziere hatten sich mehrere Offiziere der Heilsarmee nach China begeben. 1905 verbrachte Kommissär George Railton dort zwei Monate. Es gab auch schon mehrere evangelisierende Organisationen vor Ort, eine davon die China Inland Mission (gegründet von Hudson Taylor).
Politische Unruhen und interne Konflikte hören nicht auf. Dazu kommen Hungersnöte, Krankheiten, Unwetter und harte Winter. Von 1937 bis 1945 bedeutet die japanische Besetzung eine tiefgreifende
Beeinträchtigung für die Salutisten in China. Heimatvertriebene Offiziere der Heilsarmee werden in Internierungslagern gefangengehalten. Die kommunistische Propaganda verstärkt sich. Die
chinesischen Offiziere und Salutisten werden zwischen ihren religiösen Überzeugungen und den Reformen, die ihr Land erschüttern, hin und her gerissen. 1949 wird die offizielle Regierung durch die
chinesische kommunistische Partei entmachtet und die Volksrepublik China ausgerufen. Schon vor und dann während diesen Ereignissen werden die Gebäude, die der Heilsarmee gehören, nach und nach
von den Behörden konfisziert. Die Ausländer müssen das Land verlassen. 1952 endet die Verbindung zur internationalen Heilsarmee. Es ist ein abruptes und schmerzliches Ende.
Auf der letzten Seite seines Buchs mit dem Titel Souvenirs de Chine (Erinnerungen an China) schreibt Marcel Beney: „Wenn Sie mich fragen: Welches ist die prägendste Erinnerung an Ihre fünfzehn Jahre, die Sie in China verbracht haben? Ich würde Ihnen antworten: Gott ist wunderbar. In ganz verschiedenen Situationen hat er uns nie verlassen.“
Majorin Corinne Gossauer-Peroz
Verantwortliche für Museum und Archiv der Heilsarmee