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Prekäre Situation im Métropole
Das Orchestre de Chambre de Lausanne (OCL) leidet an anhaltender, durch die Renovierung des Bel-Air-Komplexes verursachter Lärmeinwirkung. Die Salle Métropole selbst indessen hätte eine Instandsetzung zweifellos verdient.
Im Jahre 1931 vollendet, hat der Bel-Air-Turm seit der Planungsphase viel Polemik hervorgerufen. Denken Sie nur, ein Wolkenkratzer in Lausanne (66 Meter über dem Flon und 52 über dem Platz, der den Namen des Gebäudes trägt), der erste in der Schweiz, einer, der es noch dazu – was die Höhe angeht – mit der Kathedrale aufnehmen kann! Inmitten des Gebäudekomplexes, dessen Sinnbild der einst umstrittene Turm zu Babel ist, befanden sich unter anderem eine Brasserie sowie ein Cabaret, und auf den zwei obersten Etagen ein Teesalon mit einem unglaublichen Blick über die Stadt. Ausserdem ganz unten, auf der Höhe der Rue de Genève, das Kinotheater Métropole im Art-Déco-Stil, eingeweiht am 27. Dezember 1931. Ende der 50er Jahre ausschliesslich zum Kinosaal geworden, wurde es vor nunmehr 25 Jahren beinahe zum Mehrzweckraum umfunktioniert. Der Verein Musique Métropole (AMM) kämpfte fortan für den Erhalt des Saals und der Regierungsrat stufte den Saal im August 1992 gar als Denkmal ein. Im Dezember 1994 schliesslich gründete die Stadt Lausanne die Fondation Métropole. Ab 1995 mussten Renovationsarbeiten am Saal vorgenommen werden.
Laute Renovierung
Seit Sommer 2014 erfährt der Turm wichtige Renovationsarbeiten, deren Bauherr der Besitzer des Gebäudes ist, nämlich die Zurich Versicherung. Während im Saal gewisse Verbesserungen vorgenommen wurden (Logenplätze, neue Toiletten, Vergrösserung des Eingangsbereichs auf Höhe der Rue de Genève), ist das OCL als der eigentliche Hauptnutzer während der Saison 2014/15 in der Oper von Lausanne untergebracht worden. Doch dauert die Instandsetzung des Bel-Air-Turms, die mit der Wiedereröffnung des Saals hätte abgeschlossen sein sollen, noch immer an, was die gravierenden Schwierigkeiten in der Abstimmung zwischen dem OCL und den mit den Bauarbeiten beauftragten Firmen erklärt. Letztere wurden ebenso wie der Besitzer über Probenzeiten und Konzertdaten in Kenntnis gesetzt. Trotzdem sehen sich die einen wie die anderen auf unterschiedlichste Art und Weise durch Lärm beeinträchtigt. Das Orchester kann seit der Wiedereröffnung des Saals im vergangenen Oktober nicht mehr zu angemessenen Bedingungen arbeiten. Das ging so weit, dass am Mittwoch, den 24. Februar, sogar eine Aufnahmesitzung unterbrochen werden musste. Ein schwerer finanzieller Schaden (mehrere zehntausend Franken) und darüber hinaus auch noch ein Imageverlust! Was soll man da den Gastsolisten und Gastdirigenten sagen? Unter solchen Umständen arbeiten zu müssen, wird in ihnen nicht gerade die Lust wecken, wiederzukommen, und die Mundpropaganda dürfte mehr schlechte als rechte Werbung für das Lausanner Ensemble sein. Früher oder später wird sich die Frage nach Entschädigungszahlungen stellen, nicht nur hinsichtlich der geplatzten Aufnahme, sondern auch wegen der Beeinträchtigung der künstlerischen Arbeit und der eventuellen Rufschädigung des Orchesters. Vorerst scheinen sich die Verantwortlichen der Baustelle die Hände in Unschuld waschen zu wollen und sprechen sogar davon, dass andere Baustellen in nächster Umgebung für diese Unannehmlichkeiten schuldig seien… Wenn man bedenkt, wie viele Bauarbeiten in den vergangenen zwanzig Jahren um die Métropole herum stattgefunden haben, so wäre der Saal seit noch viel längerer Zeit für die Musiker praktisch unbenutzbar gewesen.
Gefährlicher Zwischenfall
Was den Imageverlust des Saals anbelangt, riskiert man viel. In einem Interview mit der Tageszeitung 24 heures äusserte sich Michael Drieberg, Generaldirektor von Live Music Production (Betreiber des Saals), beunruhigt über den Zustand des Métropole: «Es gebe mich nicht damit zufrieden, wenn man mir sagt, dass die auf das Plateau herabfallenden Wassertropfen für einen Saal, dessen elektrische Sicherungskästen veraltet sind, keine Gefahren darstellen.» Tatsächlich soll der Fussboden diesen Sommer wegen Wasserschäden erneuert und die gesamte Elektrik instandgesetzt werden. Es sieht jedoch so aus, als müssten die Wände und die Stuckatur gleich auch noch überprüft, wenn nicht gar erneuert werden… Am 5. April hat sich zwei Stunden vor einem Konzert des OCL, das dann annulliert werden musste, ein mehr als besorgniserregender Zwischenfall ereignet, der die Sicherheit auf dem Plateau gefährdete: Ein Block mit einer Seitenlänge von 10 Zentimetern, 5 Zentimetern Dicke und einem Gewicht von 150 bis 250 Gramm hatte sich von der Mauer gelöst und ist aus etwa 16 Metern Höhe herabgestürzt. Glücklicherweise befand sich in jenem Moment niemand auf der Bühne. Angesichts der Tatsache, dass die körperliche Unversehrtheit der Nutzer des Saals gefährdet ist, drängt sich die Frage auf, ob der Saal an sich denn nicht eine konsequentere Instandsetzung verdient hat. Und das OCL? Wird es sich gezwungen sehen, bis zum Ende der Bauarbeiten in freundlichere Gefilde zurückzukehren?