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Das menschliche Gehör ist nicht so fein wie beispielsweise jenes der Fledermaus, es kann aber ein Durcheinander von Schallwellen (Geräuschen) unterscheiden von gleichmässig schwingenden Wellen (Tönen). Weil der Mensch zwei Ohren hat, kann er räumlich hören: Gelangt Schall nur wenige Millionstelsekunden schneller an ein Ohr als ans andere, erkennen wir, aus welcher Richtung das Geräusch kommt. Und schliesslich ist der Hörsinn, wie der Geruchssinn, mit dem limbischen System im Gehirn gekoppelt, weckt also Erinnerungen. Wer einen Song aus seiner Jugendzeit hört, fühlt sich möglicherweise wieder so beschwingt und glücklich wie damals.
So funktioniert Hören
Die Ohrmuscheln fangen die Schallwellen aus der Luft auf. Sie werden durch den Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Über die Hörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel gelangen die Vibrationen ins Innenohr, wo sie eine Flüssigkeit in Schwingung versetzen. Darüber werden mit Härchen besetze Sinneszellen aktiviert. Der Reiz wird an die Nervenfasern im Innenohr und dann zum Hörnerv weitergeleitet, der zum Gehirn verläuft. Er übermittelt die Schallempfindungen zum Hörzentrum im Gehirn. Hier setzt der Prozess des Verstehens ein: Die Schallempfindungen werden mit bestehenden Erinnerungen und Erfahrungen abgeglichen und in Sprache übersetzt.
Umfrage
Das absolute Gehör
Wer über ein perfektes oder absolutes Gehör verfügt, hat die Fähigkeit, gehörte Töne ganz exakt bestimmen und benennen zu können. Die meisten Musiker oder Musikliebhaber benötigen dazu einen bekannten Referenzton, Absoluthörer hingegen erkennen die Tonhöhe auf Anhieb, etwa so, wie andere Menschen eine Farbe erkennen.
Die Fähigkeit ist selten. Nur etwa einer unter 1000 bis 1500 Menschen besitzt ein absolutes Gehör. Die Zahlen schwanken je nach Quelle. Ausserdem ist sich die Wissenschaft nicht sicher, woher ein perfektes Gehör kommt. Klar ist nur, dass die Fähigkeit einen genetischen Ursprung hat. Laut einer Studie der Universität von Kalifornien verfügen Asiaten signifikant häufiger über ein absolutes Gehör als Mitglieder anderer Kulturkreise, selbst wenn sie nicht in Asien aufwachsen. Ob es allerdings ein Gen gibt, das ganz gezielt ein absolutes Gehör bildet, oder ob die genetische Veranlagung die Bildung eines solchen nur begünstigt, ist unklar.
Hyperakusis: Wenn alles zu laut ist
Wer unter einer Hyperakusis (aus griechisch «hyper» für «über» und «akuo» für «ich höre») leidet, nimmt alltägliche Geräusche wie Stimmen, Autos, Hundegebell oder Telefonklingeln als extrem laut wahr. Selbst wenn diese Geräusche eine normale Lautstärke haben, werden sie als schmerzhaft laut empfunden. Die Betroffenen können mit der Flut an Reizen und Informationen nicht mehr umgehen und reagieren häufig mit Angst oder sogar Panikattacken. Weitere Symptome sind unter anderem Herzrasen, Nervosität, Muskelverspannungen und Schlafstörungen. Um eine Hyperakusis zu behandeln, ist es wichtig, sich den Geräuschen zu stellen, etwa bei einer Rauschtherapie. Dabei lauschen Betroffene mehrere Stunden täglich einem Breitbandrauschen, das alle hörbaren Frequenzen abdeckt. So wird das Gehör desensibilisiert und wieder an Alltagsgeräusche gewöhnt.
Misophonie: Hass auf Geräusche
Neben der Hyperakusis gibt es auch die Misophonie (griechisch «miso» für «Hass» und «phoné» für «Ton»). Wer daran leidet, erträgt bestimmte Geräusche nicht. Meistens solche mit Wiederholungen und Mustern, etwa das Klicken eines Kugelschreibers, Kaugeräusche oder Husten und Niesen. Oft handelt es sich dabei um leise, normale Geräusche, die Nicht-Misophoniker häufig gar nicht wahrnehmen. Für Menschen mit Misophonie sind die Geräusche aber so unerträglich, dass sie ihre Aggression kaum unterdrücken können. Sie reagieren mit Wut und Panik.
- Quellen
Deutsche Tinnitus-Liga e. V., www.tinnitus-liga.de
René Donzé, Franziska Pfister (Hrsg.): «Die Kraft der Sinne. Wie wir sehen, hören, tasten, riechen, schmecken», Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2016
Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V., www.hno-aerzte-im-netz.de