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blendendes Licht, während der Vorgang unten in einem köstlichen Halbdunkel sich abspielt, welches die glühende Farbenpracht der Gewandung nur noch stärker hervortreten läßt. Die Madonna ist als wahrhaft königliche Frau voll gütiger Freundlichkeit und vornehmer Würde aufgefaßt, menschlich zwar, aber als solche von höchster Schönheit.
Unter den sonstigen biblischen Darstellungen sind hervorzuheben das «jüngste Gericht» - ein Vorwurf, den er mehrfach behandelte - und der «Bethlehemitische Kindermord». Diese Stoffe gaben dem Meister Gelegenheit, seine vollendete Kunst in der Anordnung großer Gruppen und in der Veranschaulichung des Gefühlsausdrucks, wie er nach der persönlichen Eigenart verschieden sich darstellt, zu bekunden. Man beachte, wie mannigfach in dem letztgenannten Bilde der Schmerz und die Verzweiflung der Mutter sich äußert, von wortlos dumpfem Brüten bis zur rasenden Wut ist die ganze Tonleiter der Leidenschaftlichkeit dargestellt (Fig. 681).
Ungemein zahlreich sind die Darstellungen aus der antiken Götter- und Heldensage und die mit diesen verwandten «Allegorien», welche damals besonders beliebt waren. Diese Art, Begriffe und Gedanken durch Persönlichkeiten zu verkörpern, gestattet dem Künstler, seine Einbildungskraft frei walten zu lassen und dabei alle Seiten seines Könnens zu entfalten. In der «Amazonenschlacht» fesselt nicht nur die lebendige Bewegung in den Gruppen und die Mannigfaltigkeit in der Körperhaltung, sondern auch das Landschaftliche das Auge, während in dem «Raub der Töchter des Leukippos» die Behandlung des Fleisches ebenso wie jene der Tiere meisterlich ist (Fig. 682). Rein geschichtliche Vorgänge hat Rubens seltener gemalt; auch die für das Luxembourgpalais im Auftrage der Maria v. Medici hergestellten Geschichtsbilder sind eigentlich mehr «Allegorien» als eine wirklichkeitstreue Wiedergabe von Ereignissen. Der ausschließliche Zweck der geschichtlichen Gemälde war nach damaligen Anschauungen, den Auftraggeber zu verherrlichen und Räume zu schmücken; dazu konnte man «geschichtliche Wahrheit» nicht brauchen. Für den Künstler war dies freilich eine angenehme Erleichterung, er wurde durch den Stoff nicht gebunden, sondern konnte ihn unter rein malerischem Gesichtspunkte behandeln.
Der Wahrheit im besten Sinne des Wortes huldigte Rubens in seinen Ebenbildnissen und in den Landschaften. Von ersteren ist eine große Zahl vorhanden, durchwegs mit gleicher gewissenhafter Meisterschaft behandelt. Flüchtigkeiten, die sich in den Allegorien manchmal finden, gestattete er sich nicht, wo es sich nicht um Einfälle der Einbildungskraft, sondern um Wiedergabe des Lebens, um Wahrheit handelte. Die Ebenbildnisse zeichnen sich nicht nur durch die sichere Behandlung der äußerlichen Formen und durch die sorgfältige Verwertung der Farbentöne, sondern auch durch das eindringliche Erfassen der inneren Persönlichkeit aus; sie geben die ganze Erscheinung des Menschen in vollster Lebendigkeit. Mit besonderer Liebe sind die Bilder seiner Frauen gemalt; hier entwickelt er seine ganze blendende Farbenkunst, um den höchsten Reiz weiblicher Anmut zu schildern.
Nicht minder wahr empfunden und wiedergegeben erscheint die Natur in seinen Landschaften, in denen die «Stimmung» den Grundton abgiebt; das wechselnde Spiel des Lichtes und der Schatten, die Lufttönungen und der Glast des Bodens wird in einer Art behandelt, welche das innere Leben der Natur in wirkungsvollem Reiz zum Ausdruck bringt. Die scharfe Beobachtung alles Natürlichen zeigt sich vielleicht noch deutlicher in den Tierstücken, in denen Rubens an Richtigkeit und Lebenstreue alle seine Vorgänger übertrifft.
Wenn ich noch erwähne, daß er auch prächtige Sittenbilder - wie die Bauernkirmes und den Bauerntanz - geschaffen hat, so ist damit wohl zur Genüge erhärtet, daß Rubens alles, was malerisch darstellbar ist, beherrschte. Daß er auch auf die Baukunst einen Einfluß nahm, davon wurde bereits an früherer Stelle gesprochen; aber auch die Bildhauer schulten sich an seinen Werken, und die Kunst des Holzschnitts wie Kupferstichs der Niederlande verdankt ihm ihre Entwicklung zur Vollkommenheit in der Sicherheit der Zeichnung und der malerischen Wirkung. - Das Bild «Spaziergang im Garten» (Fig. 683) läßt die Vielseitigkeit des Meisters erkennen, es ist nicht nur eine Probe seiner Landschafts- und Ebenbildnismalerei, sondern auch seiner baukünstlerischen Gedanken. ¶
Rubens Kunstweise ist gründlich verschieden von jener des Cinquecento, die auf ruhige Schönheit, auf strenge Formensprache und Beschränkung in der Wahl der Mittel ausging. Sie giebt vielmehr alles ins Große gesteigert, das Leben in üppiger Kraft und Fülle, in blendender Pracht und mit stärkstem Reiz - sie ist eben aus der Zeit hervorgegangen und deren Geist in vollkommenster Weise entsprechend - kurz, die «Barockkunst» in ihrer höchsten und schönsten Vollendung.
Van Dyck. Unter den zahlreichen Schülern und Gehilfen, welche P. P. Rubens ausgebildet hatte, waren nicht wenige Begabte, die mit Geist und Geschick sich die Weise des Meisters aneigneten, allerdings aber auch viele, die sie blos nachahmten und «Manieristen» wurden. Letzteres war in noch höherem Grade der Fall bei einer Reihe von untergeordneten Malern zu Ende des 17. Jahrhunderts, namentlich bei jenen, die große Prunk- und Zierstücke lieferten. Zu einer hervorragenden, selbständigen Bedeutung gelangten dagegen zwei aus diesem Kreise: Anthonis van Dyck (1599-1641) und Frans Snyders (1579-1657), die beide Schüler des in der italienischen Richtung befangenen Hendrik van Balen gewesen und dann in Rubens Werkstatt gelangt waren. In der Zeit von 1617-22 finden wir van Dyck als Lieblingsgehilfen des Meisters thätig, dessen Wegen er gewissenhaft folgt.
Ein längerer Aufenthalt in Italien (1623-1626) reifte in ihm die selbständige Eigenart. Gleich Rubens hatte er hier zunächst die heimische Neigung zum Derben und Schwerfälligen abgelegt, die bei ihm noch stärker gewesen war, weil er für den Ausdruck des Kräftigen nicht jene zutreffende Form fand, wie der Meister, und daher ins Grobe geriet. Der Wandel war bei van Dyck aber noch gründlicher, denn er eignete sich eine gewählte Zierlichkeit und vornehme Feinheit an, welche ihn später zum bevorzugten Hofmaler werden ließ. Auf den Ton höfischer Lebensart, die er in Italien kennen gelernt hatte, stimmte er jetzt Gehaben und Erscheinung seiner Gestalten; jene mächtigen Züge von Leidenschaftlichkeit und Lebensschwungkraft, die bei Rubens sich finden, ersetzte er durch maßvoll gedämpfte Ausdrücke einer weichlichen Empfindsamkeit und mehr schauspielerischen Getragenheit. In der Farbengebung hatte van Dyck sich von den
^[Abb.: Fig. 685. Jordaens: Wie die Alten sungen, zwitschern die Jungen.
München, Pinakothek.] ¶