Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03527.jsonl.gz/593

Freitag, 09.05.2014 / 08:51
Apple will Dr. Dres Kopfhörer - für 3 Milliarden
iPhone-Hersteller dürfte vor der grössten Übernahme der Firmengeschichte stehen.
Apple verhandelt Medienberichten über den Kauf des Musikspezialisten Beats für mehr als 3 Milliarden Dollar. Das vom Hip-Hop-Star Dr. Dre mitgegründete Unternehmen ist für seine Kopfhörer mit dem markanten roten "b" bekannt und hatte unlängst auch einen Streaming-Dienst für Musik gestartet. Die Übernahme könnte bereits kommende Woche verkündet werden, schrieb die 'Financial Times'
in der Nacht zu Freitag unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen.
Die Gespräche könnten aber auch noch scheitern, hiess es einschränkend. Die Zeitung nannte einen Preis von 3,2 Milliarden Dollar. Kurz darauf berichteten auch
das 'Wall Street Journal'
und die Finanz-Nachrichtenagentur 'Bloomberg'
über Verhandlungen. Apple und Beats äusserten sich nicht dazu.
Erst im September sicherte sich Beats eine Finanzierung in Höhe von 500 Millionen Dollar von der Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Bei dieser Investition wurde der Firmenwert auf lediglich 1 Milliarde Dollar beziffert. Apple könnte jetzt das Dreifache zahlen, obwohl das Unternehmen seit mindestens einer Dekade keine einzige Übernahme mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar gestemmt hat. "Das ist wirklich ein Rätsel", erklärte Branchenspezialist James McQuivey vom Beratungsunternehmen Forrester und verwies darauf, dass beide Firmen weitgehend die gleichen Kunden bedienen. "Entweder kauft man heute eine Firma, weil sie über eine einzigartige Technologie oder über eine besondere Kundengruppe verfügt." Beides sei jedoch hier auf den ersten Blick nicht der Fall.
Lukrativer Streaming-Markt
Dabei könnte es Apple gar nicht so sehr auf die Kopfhörer abgesehen haben, sondern vor allem auf den rasant wachsenden Markt für das Streamen von Musik aus dem Internet. Hier hat Apple bislang das Nachsehen und Beats ging Anfang des Jahres mit einem hochgelobten Dienst an den Start.
In Branchenkreisen wird seit längerem darüber gesprochen, dass Apple sein iTunes-Angebot mit einem Musik-Streaming-Dienst ergänzen will. iTunes revolutionierte die Musikindustrie mit dem Verkauf von Liedern im Internet und Apple startete vergangenes Jahr den werbebasierten Streaming-Dienst iRadio. Den Markt dominieren jedoch bislang andere Abo-Dienste wie etwa Pandora und Spotify. Kunden zahlen dort eine Grundgebühr und können sich dafür die gewünschte Musik anhören, ohne diese zu kaufen. Rund die Hälfte aller Smartphone-Besitzer nutzt ihr Gerät zum Musikhören - ein potenziell riesiger Markt. Deshalb bemühen sich auch Google und Amazon darum, einen profitablen Streaming-Dienst zu etablieren.
Der Rapper und Produzent Dr. Dre, der mit bürgerlichem Namen André Young heisst, gründete Beats Electronics 2006 zusammen mit Musikmanager Jimmy Iovine. Die Kopfhörer Beats by Dr. Dre verkauft das Unternehmen seit rund sechs Jahren. Die Kopfhörer sind vor allem bei jungen Leuten beliebt, kommen in Tests aber trotz ihres hohen Preises bei der Klangqualität eher schlecht weg. (sda/mim)