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François Large, Vertreter von Caritas Luxembourg und Caritas Schweiz, erzählt von seinem schicksalshaften Besuch einer syrischen Familie in Beirut:
Im zweiten Stockwerk eines der heruntergekommenen Hochhäuser in einem dicht besiedelten Viertel von Beirut besuchten wir die Familie von Hussein und Hamidia. Mit ihren fünf Kindern zwischen 3-16 Jahren wohnten sie in einer zwei-Zimmer Wohnung in desolatem Zustand – die Wände waren voller Löcher und Altersspuren. Die Familie ist aus Syrien geflüchtet, ihre Wohnung zerstört und erst kürzlich haben sie vom Tod ihres Cousins erfahren, der bei einem Bombenangriff getötet wurde. Ein sehr altes, gebrauchtes Sofa, das von einer lokalen Hilfsorganisation gespendet wurde, sowie Matratzen, die tagsüber hochkant an den Seitenwänden lehnen, waren das Hab und Gut der Familie. Der sympathische, taubstumme Vater sass noch in seiner verschmutzen Kleidung da, nachdem er erfolglos versuchte Müll zu sammeln.
Mit dem Sammeln von Aluminium-Dosen versucht er seine Familie zu ernähren (15.000 libanesische Pounds = 10 US$ pro Sack von 15 Kg Aluminium-Dosen). Die ältesten Söhne fanden eine Arbeitsstelle als Aushelfer bei einer Reinigungsfirma und bei einem Elektroinstallateur. Hamidias jüngster Bruder trägt ebenfalls mit einem bescheidenen Gehalt als Aushilfsarbeiter zum monatlichen Familiengehalt von 300 US$ bei. Während wir eigentlich wissen wollten, ob das kürzlich gespendete Nahrungsmittelpaket die Not gemildert hatte, erfuhren wir von Frau Hamidia, dass sogleich der Vertreter des Eigentümers vorbeikomme, um sie aus der Wohnung zu verbannen. Sie konnten die Miete nicht weiter bezahlen. Mit Müh und Not versuchten sie ihr Sofa und die Matratzen zu verkaufen. Hamidia weinte, da sie nicht wusste, wo sie übernachten würden. Sie würde mit den zwei kleinsten Kindern versuchen bei einer Tante unterzukommen und die Männer würden wohl bei Freunden bleiben, meinte sie. Und, sie hoffe ab Mitte Juni ein bezahlbares Zimmer finden zu können.
Somit wurde dem Vertreter von Caritas Luxembourg/Schweiz nochmals deutlich, wie irakische und syrische Flüchtlinge, die regelmässig besucht werden, von Tag zu Tag in ärmere Verhältnisse rutschen während die Hilfen unzureichend bleiben. Eigentlich leben alleinstehende Mütter ohne Arbeit in noch prekäreren Verhältnissen. Dieser Besuch zeigte jedoch, wie unzureichend die Annahmen über die Anpassungsfähigkeit syrischer Flüchtlingsfamilien sind. Nun hofft Caritas auf breit angelegte Hilfsprogramme durch die Schweizer Regierung oder die Europäischen Kommission, um den Flüchtlingen angemessen und längerfristig helfen zu können. Es besteht die Hoffnung, dass die Kinder im Libanon zur Schule gehen können, anstatt als Tagelöhner eingesetzt zu werden, um die Mieten zu bezahlen.