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Mata Amritanandamayi Mission
1981 «Amachi» Mata Amritanandamayi, «Mutter der unsterblichen Glückseligkeit», kurz: «Amma», eine junge indische Waise der heutigen Zeit, 1953 in einem Fischerdorf im südindischen Staat Kerala geboren, musste schon als Mädchen ihren kleineren Geschwistern die früh verstorbene Mutter ersetzen. Ihr Muttersein wurde so wahrscheinlich zur Rolle ihres Lebens, eine Rolle, die sie später mystisch ausweitete. Ungewöhnliche Verhaltensweisen und ekstatische Zustände brachten sie schon früh in Konflikt mit den Lebensanschauungen ihrer Umgebung. In den 60er Jahren hatte sie Visionen Krishnas, als dessen Medium sie zeitweise auftrat. Um auch den weiblichen Aspekt des Göttlichen zu verwirklichen, erlebte sie auch Visionen der «Universellen Mutter».
Mit 17 Jahren erreichte sie den Zustand, in dem alles als einzige göttliche Essenz wahrgenommen wird. In Erschliessung «des inneren Potentials der Seele» lehrt, heilt, tröstet und singt sie, teilweise in ekstatischem Zustand, für Menschen jeglicher Herkunft. Ein wichtiges Merkmal der Bewegung ist das in den letzten Jahren sich ausweitende soziale Engagement der Amma in Indien. Dank den vielen westlichen Schülern erweiterten sich die finanziellen Möglichkeiten der Amma, sie erstellt in Indien immer wieder neue Sozialwohnungen, Spitäler und Heime. Vor allem aber wurde das rituelle Umarmen der göttlichen Mutter zum eigentlichen Markenzeichen der Bewegung. I
n langen Kolonnen stehen Anhänger vor «Amma», um sich von ihr umarmen zu lassen. Amma umarmt stundenlang und mit kaum endender mütterlicher Freundlichkeit. Diese Umarmungen sind in mehrfacher Hinsicht bedeutungsvoll. Mata Amritanandamayi wirkt, im Unterschied zu anderen Meistern indischer Herkunft, weniger durch Lehren als vielmehr durch ihre Präsenz. Allein schon die Gegenwart von Amma könne die besuchende Person, so wurde versichert, in einen höheren Bewusstseinszustand erheben. Zudem hält Amma eine allzu frühe Einforderung des Gehorsams für ungeschickt: «Anfangs gibt ein Sadguru (vollkommener Meister) seinem Schüler keine strengen Anweisungen, sondern liebt ihn einfach nur. Er bindet ihn durch seine bedingungslose Liebe. Durch die Wirkung dieser Liebe verändert der Schüler sich allmählich und wird bereit, den Guru an seinen Vasanas oder geistigen Neigungen arbeiten zu lassen. Nach und nach beginnt der Guru den Schüler zu disziplinieren und seine Persönlichkeit durch strenge und doch liebevolle Anweisungen umzuformen.» Während dieser Umarmung zeigt sich die tiefe emotionale Bindung zwischen der gött- lichen Mutter und ihren «Kindern». Amma ist für viele, vor allem jugendliche Zeitgenossen, Mutterersatz. Andererseits ist Amma durchaus nicht nur zärtliche göttliche Mutter.
Manchmal tritt sie mit Kali-Krone auf. Sie ist auch Inkarnation der wilden schwarzen Göttin, die erlöst, indem sie zerstört. Im Ashram in Kerala sitzt Amma in ihrem Tempel regelmässig vor ihrer ikonographischen Entsprechung, einem Bild der Kali. Die liebevoll-gütige Mutter bekennt sich offen auch zu ihren dunklen Seiten. Kleine Ammapuppen, für teures Geld im Ashram erstanden, wirken angeblich schon durch ihre Präsenz Wunder und demonstrieren den grenzenlosen Amma-Glauben der Bewegung. Etwas von der dunklen Seite der göttlichen Mutter erahnt der Beobachter in ihren Weisungen. Ob der Schüler den Sinn der Weisungen einsieht, ist für die Notwendigkeit des Gehorsams unerheblich. Mata Amritanandamayi schreckt auch nicht davor zurück, Menschen, die ihr nicht gehorchen, mit Strafe zu drohen. Wie viele hinduistische Schulen gestattet auch die Mata Amritanandamayi Mission durchaus, dass ein Anhänger weiterhin in seiner gewohnten Umgebung lebt, statt sich einem Ashram anzuschliessen. Er lebt dann als Grhastha, als Haushälter, der seinen eigenen Haushalt führt.
Auch der Haushälter hat aber genaue Regeln zu befolgen, die dazu dienen sollen, ihn mehr und mehr aus dieser Welt herauszulösen. Die tägliche spirituelle Praxis, die Mata Amritanandamayi von ihren Schülern fordert, besteht aus zwei Elementen, dem Japa, dem Chanten des Mantras, das Amma ihren Schülern gibt, und der täglichen Meditation. Das Japa, als innerliches Singen des Mantras ausgeführt, soll möglichst alle täglichen Beschäftigungen begleiten: «Mantras führen uns an die Schwelle der Absoluten Realität». «Kinder, versucht bei der Arbeit immer euer Mantra zu rezitieren oder andächtige Lieder zu singen.» Das Japa dient aber auch der Kontrolle der Gedanken: «Kinder, Tausende und Abertausende von Gedanken ergiessen sich in unser Gemüt. Mantra Japa ist notwendig, um uns vor den Angriffen dieser Gedanken zu bewahren. Das Mantra ist ein Werkzeug, durch das unser Gemüt rein und zu einem Tempel Gottes wird.» «Durch Mantras verhindern wir, dass schlechte Gedanken in unser Gemüt eindringen.» Weil kritische Gedanken zumeist auch schlechte Gedanken sind, empfiehlt die Bewegung die vielerorts bekannte und verhängnisvoll wirksame Selbstindoktrination: Der Gläubige wiederholt Mantras, bis alle Zweifel in ihm verstummen.
Amma empfiehlt, täglich eine bestimmte Anzahl Mantras zu singen, zu deren Zählung eine Mala, eine rosenkranzartige Kette, dienlich ist. Zudem soll auch schriftlich gechantet werden: Jeden Tag ist eine Seite eines Buches mit Mantras zu füllen, eine Praxis, die auch Kindern nahegelegt werden soll. Meditationszeiten sind zweimal täglich zu halten: «Am Anfang genügt es, zweimal täglich zehn Minuten bis eine halbe Stunde zu meditieren – am besten morgens nach dem Aufwachen und bei Sonnenuntergang.» Diese Meditationszeiten sollte die ganze Familie gemeinsam verbringen, in einem speziell für diesen Zweck ausgeschiedenen Zimmer des Hauses. Wichtig im Rahmen dieser Meditationszeiten ist das Singen von Bhajans (gefühlsvolle Hymnen) und das Rezitieren der Namen des bevorzugten Gottes, etwa der Tausend Namen Devis.