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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

17. Buch
19. Vom 68. Psalm, worin der Unglaube und die Verstocktkeit der Juden dargetan wird.
Aber die Juden fügen sich den so klaren Zeugnissen dieser Weissagung durchaus nicht, auch nicht, nachdem die Dinge zu so greifbarer und bestimmter Wirklichkeit gebracht sind; doch damit erfüllt sich an ihnen nur, was in dem nächstfolgenden Psalm geschrieben steht. Dort ist nämlich ebenfalls vom Leiden Christi in seherischem Geiste und in Worten, die in Christi Mund gelegt werden, die Rede und wird unter anderem erwähnt1 : „Sie gaben mir zur Speise Galle, und in meinem Durste gaben sie mir Essig als Trunk“, was dann im Evangelium2 in die Erscheinung trat. Und sozusagen auf dieses Mahl und die ihm solcherweise dargebotenen Speisen hin erwidert er ihnen sogleich3 : „Ihr Tisch werde vor ihren Augen zur Mausfalle und zur Vergeltung und zum Anstoß; verdunkeln sollen sich ihre Augen, damit sie nicht sehen, und ihren Rücken mögest du krümmen auf immer“, und was weiter noch folgt und was alles nicht als Wunsch gemeint ist, sondern unter dem Schein des Anwünschens prophetische Ankündigungen darstellt. Was Wunder also, wenn sie nicht sehen, was vor aller Augen liegt, da ihre Augen verdunkelt sind, damit sie nicht sehen? Was Wunder, wenn sie zu den himmlischen Dingen nicht emporschauen, da ihr Rücken auf immer gekrümmt ist, so daß sie sich abwärts kehren zu den irdischen Dingen? Denn mit diesen Ausdrücken, die vom Leibe herübergenommen sind, werden Geistesgebrechen bezeichnet. Soviel über die Psalmen, d. i. über die Weissagung des Königs David, um Maß zu halten. Mögen die Leser, die die ganze davidische Weissagung kennen, Nachsicht üben und sich nicht darüber beschweren, wenn ich etwa Stellen übergangen habe, die nach ihrer Meinung oder auch tatsächlich beweiskräftiger gewesen wären.
1: Ps. 68, 22.
2: Matth. 27, 34; 48.
3: Ps. 68, 23 f.