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Arbeiterkult, Freiheitsstatue oder doch Sinnbild einer verbohrten Gesellschaft? Über Jonathan Borofskys «Hammering Man» scheiden sich die Geister. Die Skulptur stört das kaum: Seit 25 Jahren geht sie gewissenhaft ihrer Arbeit auf dem Aeschenplatz nach.
Er ist der fleissigste Arbeiter von Basel: Seit 25 Jahren steht die 13,5 Meter hohe Skulptur des Amerikaners Jonathan Borofsky am Aeschenplatz und hämmert Tag und Nacht, ohne Unterlass. Die Figur, sinngemäss «Hammering Man» genannt, ist mittlerweile fester Bestandteil des Stadtbildes, auch wenn sein Standort zwischen Strasse und UBS-Sitz nicht sonderlich illuster ist.
Dabei fing alles ganz prächtig an: 1979 stellt Borofsky seinen ersten «Hammering Man» in der renommierten Paula Cooper Galerie in New York aus. Im Vorfeld fertigte er ausführliche Zeichnungen an – als Inspiration diente ihm ein Menschenkunde-Buch, das er seit seiner Jugend hatte. Im Laufe der Jahre entstanden weitere dieser Figuren – stets ohne Gesicht, ein Archetyp des Arbeiters, der mal laufend («Walking Man» in München), mal durchlöchert («Molecule Man» in Berlin) ausfiel.
Verstreut in der ganzen Welt
Während die anderen Mannsfiguren als Einzelstücke in ausgewählte Städte kamen, zerstreute sich der «Hammering Man»: Heute gibt es 12 Versionen, von Lillestrøm in Norwegen über Seoul bis hin zum texanischen Dallas bevölkern sie die ganze Welt.
Über die Botschaft des hämmernden Kolosses (der Basler «Hammering Man» ist acht Tonnen schwer) lässt sich streiten: Ein «überdimensionales Bild für die Betriebsamkeit der Welt» steht auf der Website von Basel Tourismus, Wikipedia bezeichnet ihn als eine Hommage an die Arbeiterklasse und der Basler Kunsthistoriker Dieter Koepplin dreht den Spiess um: Er versteht die Geschäftigkeit des «Hammering Man» nicht als noble Huldigung des Proletariats, sondern nennt sie «groteske Verbissenheit».
Kein Blick fürs Schöne
Letzteres passt gut zu einer Aussage Borofskys, in der er sich auf ein Problem bezieht, das ihn oft beschäftigte: «I often don’t see the beauty» – oftmals könne er die Schönheit seiner Umgebung nicht wahrnehmen, weil sein Kopf zu sehr damit beschäftigt sei, sich in komplexen Gedankengängen zu verlieren.
Und hier passt der «Hammering Man» gut ins Konzept: Er ist stets auf eine Sache fixiert, hängt ihr verbohrt und engstirnig an und verliert seinen Blick für äussere Zustände. Bei aller Verbortheit hat diese Geschäftigkeit aber auch was Beruhigendes: Egal was um ihn herum passiert, der hämmernde Mann wird immer da sein und gewissenhaft seine Arbeit ausführen.
Es sei denn die Mechanik macht nicht mehr mit: In den 25 Jahren seiner Basler Existenz hat der «Hammering Man» zweimal schlappgemacht, das letzte Mal im Dezember 2012, wegen eines beschädigten Kugellagers. Nicht gerade viel wenn man bedenkt, dass die Skulptur alle zwanzig Sekunden den Arm (mithilfe eines kleinen Motors) senkt, um den Hammer aufschlagen zu lassen – bei 25 Jahren Arbeit mit nur kleinen Unterbrüchen sind das immerhin über 39 Millionen Schläge.
Sanfte Bewegung dank Gegengewicht und kleinem Motor: Der Arm des Hammering Man geht seit 25 Jahren stetig auf und ab.
Rätselhafte Nummer
Nicht nur sein beweglicher Arm fällt sofort auf, ebenfalls sehr prominent ist die Nummer, die am Bein des «Hammering Man» angebracht ist. Die Vorstellung des Arbeiters als blosse Nummer in einer Reihe von Vielen drängt sich sofort auf – ist aber nicht in erster Linie die Absicht des Künstlers. Jonathan Borofsky versieht pedantisch die Mehrheit seiner Arbeiten mit siebenstelligen Nummern. Dieses «Counting» (das er teilweise exzessiv betrieb, indem er tagelang nichts Anderes machte, als weisse Blätter mit Nummern zu füllen) setzt der Künstler als Ablenkung gegen seine Gedanken ein, die wie der «Hammering Man» ununterbrochen arbeiten würden.
Seit 1989 Teil des Aeschenplatzes: Der Hammering Man.
Laut Borofsky geht es beim Zählen stets darum, die Balance zwischen den beiden Extremen der Freiheit (freies Nummerieren) und des strikten Zählens zu finden. Diese Verschränkung von Freiheit und extremer Konstanz passt gut zum «Hammering Man», in dessen hartnäckigen Schlägen stets auch etwas Meditatives steckt, eine befreiende Tüchtigkeit, ausgeführt vom hämmernden Ruhepol mitten in der Stadt.
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Alle Werke aus der Serie im Überblick: