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Ramsey: Where’s Becky?
Rod: She’s taking a shit.
-Birdemic, 2010
Kurz gesagt; Birdemic ist der beste schlechteste Film, den ich je gesehen habe. Es ist eine wahre Herausforderung, Worte zu finden, die diesem Film gerecht werden. Deshalb möchte ich schon hier einmal dazu aufrufen, sich diesen Film anzusehen, trotz, aber auch gerade wegen der 1.8 Sterne Bewertung auf IMDB.
Der eine oder andere unter den Lesern mag den Film schon gesehen haben und genau wissen, was ich meine wenn ich sage, dass es schwer zu glauben ist, dass die so-schlecht-es-ist-schon-wieder-gut Qualität dieses Filmes keine Absicht war. Doch Quellen wie Wikipedia und das hinter den Kulissen Material lassen darauf schliessen, dass James Nguyen diesen Film tatsächlich mit der Absicht, eine würdige Hommage an den Hitchcock Film „Die Vögel“ zu machen, produziert hat. Dies macht dieses desaströse Meisterwerk für mich um so genüsslicher, da ich weiss, dass den Köpfen (bzw dem Kopf, Nguyen hat zugegeben, dass viele der Namen in den Credits frei erfunden sind) hinter Birdemic tatsächlich jegliche Kompetenz im Bereich Film fehlt. Es könnte sogar sein, dass man bei dem Versuch, einen Film, der absichtlich so schlecht und zugleich doch so unterhaltsam ist, zu machen, kläglich gescheitert wäre.
Doch lassen sie mich von vorne beginnen. Bereits das Intro ist zugleich das schlechteste und das beste Intro zu einem Film, an das ich mich erinnern kann. Die Musik besteht aus einer einzigen Strophe, die immer und immer wieder wiederholt wird, aber nicht so, dass der Rhythmus bestehen bleibt. Der 30 Sekunden Song endet, es folgt eine Pause und dann der selbe Song noch einmal. Das begleitende Bildmaterial besteht aus Panoramas auf das südkalifornische Meer und aus Rod in seinem Auto (beziehungsweise „ökologischen Hybrid Ford Mustang“). Hierbei gilt jedoch zu beachten, dass die Kameraführung so miserabel ist, dass die Sequenz schon lange die Schwelle zu einer unabsichtlichen Komödie überschritten hat (Um 30% geneigte Kamera, begleitet von Pans, bei denen das Subjekt aus dem Bild fährt und die Kamera versucht, hinterher zu eilen, gewürzt mit Drehorten, die so langweilig sind, dass es tatsächlich schwierig gewesen wäre, sie absichtlich zu finden, mit einem Dessert aus Credits von Menschen, die nur hinzugefügt wurden, um professioneller zu wirken in Arial). Sie sehen schon, es sind erst wenige Einstellungen vergangen und ich habe schon viel zu sagen. Ich werde in diesem Review nicht auf alles eingehen, da dies sonst länger brauchen würde, als ein Remake des Filmes zu Produzieren.
Am Anfang einer Review steht normalerweise eine kurze Zusammenfassung der Handlung, doch in diesem Fall ist es wirklich schwer, dies zu bewerkstelligen, denn es gibt keinen alles übergreifenden Plot. Es ist mehr eine Reihe von Stationen, die ohne jeglichen Zusammenhang in einer zufälligen Reihenfolge abgegangen werden. Die „Zusammenfassung“ könnte etwa so lauten: Rod (gespielt von Alan Bagh), dessen einzige Charaktereigenschaft es ist, 50% Rabatt auf einen Solarpanel-Verkauf in der höhe von 1 Million Dollar zu vergeben, trifft auf Nathalie, ein Victorias Secret Model, die Fotos im 1-hour Photo Shop machen lässt und deren Charakter sich auf ihr Aussehen beschränkt, und wird Multimillionär. Sie gehen zusammen zu ihrer Mutter, in ein Motel, ein thailändisches Restaurant, an ein Kürbisfestival und Rod kauft sich eine Solaranlage. Dies ist in etwa der Handlungsverlauf der ersten 45 Minuten dieses Filmes! Danach attackieren von einer Panoramaeinstellung auf die nächste Adler, die den Tönen zufolge eher Kamikaze-Propellerflieger mit Sprengladungen an Bord und von der visuellen Seite her ein Windows 95 Bildschirmschoner sein könnten (ich untertreibe hier mit der Absurdität noch deutlich, ich musste im Zug laut herauslachen, als diese Szene vorkam). Rod und Nathalie, die gerade eine Nacht in einem Schäbigen Motel verbracht haben (wie es sich für Millionäre gehört), um ihre „Sex ohne ein Kleidungsstück auszuziehen“-Szene zu absolvieren, flüchten bewaffnet mit Kleiderbügeln und liefern sich dabei ein Gefecht mit den Vögeln, das so schlecht ist, dass man es sehen musst, um es zu glauben. Der Plot nimmt von hier an eine Absurdität an, die sich kaum in Worte fassen lässt. Rod und Nathalie finden Kinder im Kofferraum und unter einem Auto, sie begegnen einem Baum-Umarmer mit Perücke, der von Berglöwen gejagt wird und in dessen Wald plötzlich ein „Waldbrand“ ausbricht, sie bezahlen 100 Dollar pro Gallone Benzin, sie befreien Passanten aus einem Bus, der anscheinend kugelsichere Scheiben hat, wobei die Passanten von den Vögeln mit einer grünen Flüssigkeit begossen werden, die sie zu einem der amüsantesten Todesszenen in der gesamten Geschichte des Kionfilmes zwingt, sie werden überfallen von einem alten Herrn, der ihren Benzinkanister nimmt, damit in die falsche Richtung davon läuft, von einem Vogel in den Hals gebissen wird und stirbt, doch statt den Kanister zu nehmen, lassen sie ihn stehen, doch das macht nichts da er sich im späteren Verlauf der Geschichte wieder in den Kofferraum ihres Wagens teleportiert hat. Sie essen mitten im freien Picknick, obwohl überall tödliche Adler fliegen und vieles, vieles mehr. Der Film endet damit, dass sie einen Wissenschaftler in der Pampa finden, der ihnen etwas von der Vogelgrippe erklärt. Danach kochen sie rohen, unentschuppten Fisch in einem gefundenen Topf, aus unerklärten Gründen tauchen weisse Tauben auf und die Adler fliegen in einer ca 5 äonen andauernden Einstellung davon. Das ist kein Scherz. Die Vögel fliegen auf das Meer hinaus und das war’s. Credits.
Allein der Plot dieses Filmes ist so absurd, dass es schon wieder gut ist. Und verstehen sie mich nicht falsch, Birdemic ist ein sehr unterhaltsamer Film, jedoch nicht weil er vom „Meister des romantischen Thrillers“ (Eine Aussage des Regisseurs selbst) gemacht wurde, sondern weil er die beste unabsichtliche Komödie der Welt ist.
Die erste Hälfte der „Geschichte“ scheint mir ein Versuch zu sein, die verschiedenen Figuren zu entwickeln. Von Vorteil dabei wäre, wenn diese tatsächlich eine Seele oder wenigstens eine einzige Charaktereigenschaft hätten. Man hätte ebenso ausgeschnittene Pappkartons aufstellen können, wobei dann die köstlich peinliche „Chemie“ zwischen den beiden Hauptfiguren verloren gehen würde (man beachte zum Beispiel, wie sie sich nicht trauen, sich zu berühren). Ausserdem hat diese erste Hälfte keinen einzigen Konflikt oder etwas, was daran erinnern könnte. Es ist eine dreiviertel Stunde mit Figuren, bei denen alles gut geht und mit Szenen, die keinerlei Auswirkungen auf das geschehen haben (beispielsweise die 5- Minütige Szene mit dem Solarpanelverkäufer, bei der sogar in einer tagelangen Einstellung erklärt wird, wo die Solaranlage denn genau installiert wird). Die Zweite Hälfte des Filmes wird dann in solch abrupter Weise eingeleitet, dass einem nichts übrig bleibt ausser schallendes Gelächter.
Abgesehen von dem amüsant miserablen Plot gibt es in Birdemic keinen einzigen Technischen Fehler, der nicht gemacht wurde, was dem Untertitel „Shock and Terror“ eine ganz neue Note verleiht. Da wäre beispielsweise der Ton, der bei jedem Bildwechsel auf einer anderen Lautstärke ist. Nguyen scheint den Begriff Foley zu kennen, denn die Schritte von Rod passen fast nie zu dem Untergrund, auf dem er sich bewegt, doch die Audio-Schnitte sind unüberhörbar grausam belustigend, einmal ganz abgesehen von dem nervtötenden Piepen der Adler.
Weiter geht es mit der zuvor schon erwähnten Kameraführung. Fast immer auf gleicher Höhe auf dem Stativ und mit möglichst vielen Pans lässt diese den Film eines Sechstklässlers oscarverdächtig aussehen. Ausserdem ist die Kamera in fast keiner einzigen Einstellung des Filmes wirklich gerade. Die Achsensprünge am Laufmeter, die immer zu tiefe oder zu hohe Quadrage und die unnötigen Froschperspektiven werfen in mir die Frage auf, ob Nguyen sich überhaupt bewusst war, dass an seinem Set auch ein Camcorder herumsteht. Erstaunlicherweise habe ich kein Mikrofon im Bild sehen können, was jedoch vermutlich damit zu tun hat, dass das interne Mikrofon der Kamera verwendet wurde.
Ein weiterer Punkt, über den es zu sprechen lohnt ist der Schnitt. Etwa 30% der Einstellungen in der ersten Hälfte des Filmes sind entweder doppelt so lang, wie sie sein sollten oder gar komplett Überflüssig. Beispielsweise sehen wir gleich zu Beginn wie Rod sein Haus Verlässt, in seinen Hybrid Mustang steigt, die Strasse herunter fährt, eine andere Strasse entlang fährt, an einer Tankstelle hält, tankt, wieder davon fährt, eine andere Strasse entlang fährt und schliesslich in einer unendlich langen Einstellung an seinem Ziel ankommt. Diese ganze 3 Minuten hätte Edgar Wright in weniger als 5 Sekunden erzählen können (leider übertreibe ich nicht). Establishing shots werden ebenfalls nur dann eingesetzt, wenn es sie nicht braucht und umgekehrt. Und dies in einer Länge, die einem jedes Mal zu einem nervösen Lachen zwingt, weil einfach nichts passiert.
Auf die Spezialeffekte möchte ich hier nicht zu fest eingehen, da man sie sehen muss, um es zu glauben.
Auch wenn „Birdemic: Shock and Terror“ auf jede erdenkliche Weise ein Fehlschlag ist, so möchte ich nicht generell davon abraten, diesen Film anzusehen. Für Zuschauer, die über Dinge lachen können, weil sie schlecht sind, ist dieser Film ein Festmahl. Als Dozent an einer Filmschule würde ich diesen Film verwenden, um meinen Studenten zu zeigen, wie es aussieht, wenn man fast jedes einzelne Detail falsch macht.
Eine Wertung in Zahlen zu vergeben ist mir hier völlig unmöglich. Als Kritiker wäre eine 1/10 Wertung völlig angebracht, doch daran gemessen, wie viel Spass ich hatte, als ich mir Birdemic angesehen habe, müsste er mindestens eine 9/10 bekommen.
Birdemic ist ein Film, den es anzusehen lohnt. Die beste Komödie seit Samurai Cop.