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© Fränzi Korner
Der Lebensraum des hochspezialisierten Schneesperlings verändert sich derzeit dramatisch. Wir untersuchen, wie sich solche Veränderungen auf die Brutbiologie und Populationsdynamik auswirken und suchen nach möglichen Massnahmen, um die abnehmende Population zu stützen.
Der Schneesperling ist ökologisch und physiologisch an die rauen klimatischen Bedingungen im Hochgebirge angepasst. Er übernachtet in tiefen, windgeschützten Felsspalten und ernährt sich von fettreichen Pflanzensamen. Sein Nest enthält eine dicke Isolationsschicht aus trockenen Gräsern, die er mit Schneehuhnfedern oder Wolle auskleidet. Er legt seine Brut zeitlich so, dass die Jungenaufzucht mit der Schneeschmelze zusammenfällt. Entlang den schmelzenden Schneerändern findet er zahlreich energiereiche Schnakenlarven, die er den Jungen verfüttert. Aufgrund des Klimawandels hat sich die Schneeschmelze im Durchschnitt über die letzten 35 Jahre um 26 Tage verfrüht. Die veränderte Schneesituation hat Auswirkungen auf die Vegetation, womit sich die Nahrung selber wie auch die Erreichbarkeit der Nestlingsnahrung verändert.
Das Ziel ist, zu untersuchen, ob und wie sich solche Veränderungen auf die Populationsdynamik des Schneesperlings auswirken. Dabei sollen die drei wichtigsten Elemente der Populationsdynamik untersucht werden: Reproduktion, Überleben und Wanderungen. Insbesondere interessieren Zusammenhänge zwischen Schneesituation, Wetter und Habitat mit Gelegegrösse, Schlüpfrate sowie Wachstum und Überleben der Nestlinge. Die Untersuchung von saisonalen Unterschieden in der Überlebensrate und deren Zusammenhänge mit Umweltfaktoren erfordern es, markierte Individuen im Jahresverlauf zu verfolgen. In dieser ersten Projektphase werden eine Untersuchungspopulation aufgebaut und technische Möglichkeiten für die Messung der Überlebensraten sowie der räumlichen Aktivität dieser nicht einfach zu untersuchenden Art abgeklärt.
Analysen der langjährigen Datensätze, welche durch unsere freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgenommen worden sind, werden zeigen, wie Umweltfaktoren wie Schneebedeckung und Wetter mit dem Zeitpunkt der Brut korrelieren. Diese Analysen geben Hinweise auf mögliche Faktoren, welche der Schneesperling verwendet, um das Brutgeschehen zu initiieren. Daraus kann abgeschätzt werden, wie gut der Schneesperling auf Veränderungen in der Phänologie der Nestlingsnahrung reagieren kann. Zudem werden Populationsveränderungen mit Veränderungen in der Vegetation, dem Klima und der Landnutzung korreliert, um Hinweise auf mögliche für den Bestand relevante Faktoren zu erhalten.
Wachstum und Überleben der Nestlinge werden in Nistkastenpopulationen untersucht. Mittels Markierung durch Farbringe erhalten wir erste Informationen über Überlebensraten und Wanderungen.
Das Projekt möchte Licht darauf werfen, wie ein Hochalpen-Spezialist auf sich verändernde Umweltbedingungen reagiert. Es soll eine Abschätzung der zukünftigen Populationsentwicklung ermöglichen und mögliche Massnahmen zur Stützung der Population aufzeigen.
Von der europäischen Unterart des Schneesperlings brüten ca. 15 % in der Schweiz, womit die Schweiz eine grosse Verantwortung für den Schneesperling hat. Verschiedene Monitoringprojekte im In- und Ausland zeigen eine Abnahme des Schneesperlingsbestandes in den Alpen über die letzten Jahrzehnte. Mit dem Projekt nehmen wir die Verantwortung wahr, zu ermitteln, weshalb die Schneesperlingspopulation abnimmt, was sie benötigt, und wie es ihr in Zukunft gehen könnte.
Die ersten zwei Jahre Feldarbeit zeigten, dass die Fütterungsrate mit fortschreitender Schneeschmelze zunimmt und sich gleichzeitig die Nestlingsnahrung verändert. Während der Schneeschmelze werden hauptsächlich grosse Ladungen von Schnakenlarven gebracht, nach der Schneeschmelze hingegen kleinere Ladungen von einer Vielzahl von Insekten und deren Larven (Poster zum Herunterladen). Das Wachstum der Nestlinge unterschied sich deutlich zwischen den beiden Jahren, in denen auch der Zeitpunkt der Schneeschmelze stark unterschiedlich war. Das deutet darauf hin, dass der Zeitpunkt der Schneeschmelze wichtig für das Wachstum der Nestlinge sein könnte. Daten aus weiteren Jahren werden spezifischere Zusammenhänge zeigen.
Eine anonyme Stiftung