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Jacob Rothschild, das Oberhaupt der historischen Banker-Familie, war auf der Suche nach einem Domizil für den Kurator eines Archivgebäudes in unmittelbarer Nähe zum Anwesen Waddesdon in Buckinghamshire, das 2011 eröffnet worden war. Im Zuge des Projekts «Flint House» realisierte das englische Architekturbüro Skene Catling de la Peña nicht nur eines, sondern gleich zwei Gebäude. Zur Konstruktion von Fassade und Wänden verwendeten die Architekten dabei ein ganz spezielles Material: Feuerstein. So erscheinen die beiden Bauten als ein spektakuläres Gesamtkunstwerk inmitten der rauen Landschaft im Südosten Englands.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde das Waddesdon-Anwesen in Buckinghamshire errichtet. Jacob Rothschild, der 4. Baron Rothschild, sammelte als wahrer Kunst- und Architekturliebhaber zahlreiche Stücke aus der modernen Kreativszene. 2011 wurde schliesslich ein zusätzliches Archivgebäude beim Waddesdon Manor errichtet. Mit der Absicht, ein Zuhause für den Kurator zu bauen, wandte er sich an das Londoner Architekturbüro Skene Catling de la Peña. Stattdessen entstanden gleich zwei Gebäude: Das 465 m² grosse Haupthaus verfügt über drei Schlafzimmer, einen Esssaal, Küche, Bibliothek und ein Arbeitszimmer. Das zweistöckige Nebengebäude mit 115 m² Fläche hingegen dient als Studio-Apartment. Die monolithischen Bauten mit ihrer dreieckigen Form – sie sind so errichtet, dass sie voneinander wegweisen – stechen eindrücklich aus der umgebenden Landschaft heraus.
Die Auffälligkeit der beiden Baukörper erklärt sich nicht nur durch die Wahl der Form, sondern auch durch die Fassade und spannenden architektonischen Spielereien. Zur Konstruktion wurde nämlich Feuerstein verwendet, der knotenförmig in Kreide-Gestein vorkommt – und in der modernen Architektur sonst eher selten eingesetzt wird. Er kommt in der Kreide-Gesteinspalte vor, die sich von Norfolk bis zu den Klippen von Dover zieht. Feuerstein ist ein Quarz, der verwandt ist mit Obsidian, Jaspis und Onyx. Er wurde bearbeitet und so nach Farben sortiert, dass die Fassade in sechs Abschnitte gegliedert scheint; zuunterst eine schwarze, zuoberst eine weisse Schicht.
Das Weiss des Feuerstein geht fliessend in die hellen Terrazzo-Ziegel über, die das Dach bilden und so angeordnet sind, dass sie Treppenstufen bilden, die zu Aussichtspunkten führen – von dort liefert sich dem Bewohner ein beeindruckendes Panorama.
Auch im Innern führten die Architekten die rohe Erscheinung des Baus weiter. Im Haupthaus, das durch seinen Grotto-Look besticht, verwendeten sie für die Wände unbearbeiteten und so knotenförmigen Feuerstein. Ein Wasserstrom zieht sich durch das Gebäude und reflektiert sich im Schwarz der Decke. Es sind weitere Details, die die Wirkung des Projekts unterstreichen und das Gesamtkunstwerk vervollständigen. Fürs Interieur wurden sorgfältig Möbel und Accessoires ausgewählt, die diesen Eindruck noch weiter verstärken. Leben in einem englischen Gesamtkunstwerk – das «Flint House» macht es möglich.
Photos: James Morris