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Die wenigsten, die sich ihre Haarpracht färben, wissen, dass dabei eine mehrstufige chemische Reaktion abläuft, die es in sich hat: Ein Entwickler, meist Wasserstoffperoxid, zerstört zunächst die natürliche Haarfarbe durch Oxidation. Anschließend wird eine Färbecreme aufgetragen, die in die gesamte Haarstruktur eindringt. Dieser chemische Prozess findet sowohl bei dauerhaften Färbungen (Colorationen), als auch bei Intensivtönungen statt. Letztere unterscheiden sich abgesehen von der langsamen Auswaschbarkeit der Farbe, kaum von Colorationen. In einem Test von Kassensturz erhielten 15 von 20 getesteten Produkten wegen heikler Inhaltsstoffe die Note ungenügend. Einzig Tönungen und natürliche Haarfärbemittel verändern die Haarstruktur nicht; die Farbe legt sich wie ein Film um das Haar und hält dadurch weniger lang.
Viele Colorationen und Intensivtönungen enthalten gesundheitsgefährdende Stoffe wie zum Beispiel Aromatische Amine. Dabei handelt es sich um organische Abkömmlinge (Derivate) des Ammoniaks. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Aromatische Amine das Risiko für Blasenkrebs signifikant erhöhen. Eine in der Zeitschrift American Journal of Public Health publizierte Studie zeigte zudem, dass Frauen, die sich die Haare über einen längeren Zeitraum färbten, eine um 50 % grössere Wahrscheinlichkeit besassen, an bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems zu erkranken. Zudem haben Forscher herausgefunden, dass einzelne Inhaltsstoffe bei Tieren fruchtschädigend wirken. Ob dies auch für menschliche Föten gilt, konnte bisher nicht eindeutig belegt werden.
„Aromatische Amine verdoppeln das Risiko für Blasenkrebs bereits nach rund 5 Jahren regelmässigem Haarefärben.“
Jürg Fäh, Facharzt für Allergologie
Aromatische Amine wie p-Phenylendiamin (PPD) und p-Toluylendiamin (PTD) gelten darüber hinaus als stark allergen und können starken Juckreiz, Rötungen, extreme Schwellungen der Haut und im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Allergien auslösen. „Hat man eine solche Kontaktallergie erst einmal entwickelt, besteht sie ein Leben lang“ bringt Professor Axel Schnuch vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken das Problem auf den Punkt. Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet, da ihre Haut noch dünner ist und die Chemikalien besser absorbiert.
Nach dem Tod eines Teenagers aufgrund eines allergischen Schocks durch chemische Haarfarbe, wurden in Deutschland chemische Haarfärbemittel für unter 16 Jährige verboten. Seit September 2011 müssen die Hersteller heikle Haarfärbeprodukte zudem mit einem Warnhinweis versehen. Auch in der Schweiz besteht eine entsprechende Verordnung des Bundesamts für Gesundheit (BAG); allerdings weiss hierzulande bisher kaum jemand davon.
Auch für die Umwelt sind Aromatische Amine gefährlich. Sie gelangen jedoch heute in den meisten Fällen direkt ins Abwasser. Dieses Problem haben die Behörden erkannt: Beim Bund läuft zurzeit die Vernehmlassung «Mikroverunreinigungen: Spezialfinanzierung für ARA-Ausbau», mit der die Gifte zukünftig aus dem Abwasser gefiltert werden können.
Das Gift auf dem Kopf muss nicht sein: Natürliche Färbemittel aus Pflanzen sind sowohl gesundheitlich, als auch ökologisch unbedenklich. Hauptbestandteil der meisten pflanzlichen Haarfarben ist Henna, ein Pulver aus den rot färbenden Blättern des Hennastrauchs. Henna ist praktisch nicht allergen. Als Mischung mit anderen natürlichen Färbemitteln wie zum Beispiel Baumnussschalen, Gelbwurz, Malvenblüten oder Rotholz, stehen eine ganze Palette an Farbtönen zur Auswahl. Der positive Nebeneffekt: Die natürliche Gerbsäure im Henna, schützt das Haar und verleiht Fülle und Glanz. Zwar waschen sich natürliche Haarfärbemittel schneller aus. Allerdings muss auch bei dauerhaften Haarfarben der Ansatz regelmässig nachgefärbt werden.
Vorsicht ist beim Kauf geboten: Vielfach werden konventionelle Produkte unter dem Deckmantel "Henna", "Bio" oder "Natur" verkauft. Garantiert schadstofffrei sind dagegen zertifizierte Naturkosmetik-Produkte.
Übrigens schadet es auch nicht, die natürliche Haarfarbe zu tragen. Diese passt meistens sowieso am besten zum Gesicht – und beim aktuellen Haarfärbeboom fällt man damit schon fast wieder auf!