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Anhaltendes Sommerwetter
Das Aussergewöhnliche am Juni 2017 war die anhaltend hohe Temperatur. Bereits die ersten drei Tage lieferten bei recht sonnigen Verhältnissen eine Tagesmitteltemperatur von 3 bis 4 Grad über der Norm 1981-2010. Eine kurze Entspannung mit Tagesmittelwerten unter der Norm brachte der Durchzug mehrerer Niederschlagszonen zwischen dem 4. und 7. Juni. Mit viel Sonnenschein stieg das Tagesmittel vom 11. bis am 13. Juni 5 bis 7 Grad über die Norm. Nach zwei gewittrigen Tagen am 14. und 15. setzte sich wieder sonniges Hochdruckwetter mit zunehmender Hitze durch. Während der Hitzewelle vom 19. bis am 24. Juni bewegte sich die Tagesmitteltemperatur 7 bis 10 Grad über der Norm. Das sonnige und heisse Wetter brachten sommerliche Hochdruckgebiete, welche sich vorwiegend vom Atlantik her nach Mitteleuropa ausdehnten. Vom 18. bis am 22. Juni installierte sich ein Hoch direkt über Mitteleuropa. Entlang seiner Westflanke floss heisse Afrikaluft nach Europa.
Mehr Wärme im Juni
Die Temperaturentwicklung in Abbildung 1 macht deutlich, dass der Monat Juni auf das 21. Jahrhundert hin markant wärmer geworden ist. Der Temperatursprung beträgt mehr als 1 Grad. Die farbigen Linien markieren die durchschnittliche Junitemperatur der 30-jährigen Normperioden (1871–1900: 10.5 °C; 1901–1930: 10.5 °C; 1931–1960: 11.1 °C; 1961–1990: 10.6 °C; 1981–2010: 11.8 °C). Die graue Kurve zeigt das 20-jährige gleitende Mittel.
Keine extreme Hitzewelle
Die Hitzewelle mit Tageshöchstwerten von 30 Grad und mehr setzte auf der Alpennordseite am 19. Juni ein und endete nach fünf Tagen am 23. Juni. Einzig in Genf gab es am 24. einen zusätzlichen Hitzetag. Auf der Alpensüdseite ging die Hitzewelle am 20. los und endete ebenfalls nach fünf Tagen am 24. Juni. Das mittlere Tagesmaximum über fünf Tage stiess nicht in den Rekordbereich vor. Auf der Alpennordseite erreichten die höchsten Werte 32 bis 33 Grad. Die Rekordwerte liegen bei 35 bis 37 Grad. Auf der Alpensüdseite bewegte sich das mittlere Tagesmaximum über fünf Tage zwischen 31 und 32 Grad. Die Rekordwerte liegen hier zwischen 34.5 und 35.5 Grad.
Rekordwarme Nacht
Vom 22. auf den 23. Juni registrierten einige Regionen der Schweiz die mildeste Nacht seit Beginn der automatischen Messungen im Jahr 1981. Aussergewöhnlich mild war die Nacht in der Ostschweiz. In Güttingen am Bodensee lag das Nachtminimum bei 25.2 Grad. Da wurde die Nacht zum Sommertag! Der alte Rekord wurde geradezu pulverisiert: In der bisher mildesten Nacht sank hier das Minimum auf 20.9 Grad (21./22.06.1998).
In Tänikon bei Winterthur und auf dem Zürichberg brachte die Nacht vom 22. auf den 23. Juni ein Minimum von 24.2 Grad. Der bisherige Rekord lag in Tänikon bei 20.3 Grad (14./15.081987) und auf dem Zürichberg bei 23 Grad (31.7./01.08.1983). Einen knappen neuen Rekord schaffte Neuchâtel mit einem Nachtminimum von 24.0 Grad. Im Hitzesommer 2003 gab es hier das bisher höchste Nachtminimum von 23.7 Grad (13./14. August 2003).
Noch wärmere Nächte sind möglich! Altdorf registrierte in der Föhnnacht auf den 1. August 1983 sagenhafte 26.9 Grad als Minimum. In Vaduz zeigte das Nachtminimum 26.5 Grad. Es waren wohl die mildesten Nächte in der Schweiz seit Beginn der kontinuierlichen Aufzeichnungen. Selbst die Messreihen auf der Alpensüdseite zeigen keine derart hohen Nachtminima.
Wärmster Junitag seit Messbeginn
An 21 Messstandorten verteilt über die ganze Schweiz wurde der 23. oder 24. Juni 2017 zum wärmsten Junitag seit Messbeginn. Für die Messstandorte Neuchâtel (Tagesmittel 27.7 Grad), Bern-Zollikofen (Tagesmittel 25.8 Grad) und Zürich-Fluntern (Tagesmittel 26.8 Grad) bedeutet das seit 1864, und für Luzern (Tagesmittel 27.2 Grad) seit 1871. Bei weiteren 11 der 21 Messstandorte reichen die Messreihen knapp 60 Jahre zurück.
In Luzern war der 24. Juni 2017 mit einem Tagesmittel von 27.2 Grad der viert heisseste Tag überhaupt seit 1871. Drei heissere Tage lieferte hier nur der Hitzejuli 2015 mit Tagesmitteln zwischen 27.6 und 28.0 Grad. Güttingen mit knapp 60 Messjahren registrierte am 23. Juni mit einem Tagesmittel von 27.7 Grad den heissesten Tag in der Messreihe.
Rekordregen im Tessin
Vom 24. auf den 25. Juni zogen aus Südwesten kräftige Gewitter über die Schweiz. Besonders heftig entluden sie sich über der Alpensüdseite. Lugano erhielt innerhalb einer Stunde eine Regenmenge von 81.5 mm. Das liegt weit über dem bisherigen Höchstwert von 63.8 mm vom 12. September 1994. Ein Stundenwert von 80 mm oder mehr wird am Messstandort Lugano über einen langen Zeitraum betrachtet seltener als alle 100 Jahre erwartet.
Am Messstandort Crana-Torricella fielen innerhalb von zehn Minuten 33.5 mm. Das Ereignis egalisiert den gesamtschweizerischen 10-Minuten-Rekordwert von 33.6 mm, gefallen am 29. August 2003 in Locarno-Monti. Der Juni 2017 lieferte also einen weiteren Schweizer Wetterrekord!
Vom 26. bis am 28. Juni zogen zwei weitere Niederschlagszonen über die Schweiz. Vor allem auf der Alpensüdseite regnete es dabei kräftig. Zusammen mit den kräftigen Regenfällen zum Monatsbeginn erhielt die Alpensüdseite und das Engadin verbreitet Niederschlagssummen deutlich über der Norm 1981–2010. Am Messstandort Lugano fiel bis zum 28. Juni die neue Junirekordsumme von 469 mm. Sie liegt weit über dem bisherigen Junirekord von 413.5 mm aus dem Jahr 1963. Nördlich der Alpen blieben die Junisummen hingegen vielerorts deutlich unter der Norm 1981–2010.
Sommerlinden und Schwarzer Holunder blühten früh
Der Schwarze Holunder blühte in der ersten Junihälfte in Höhenlagen oberhalb von 600 m ü. M. und ab dem 20. Juni oberhalb von 1200 m ü. M. Im Mittel fand die Blüte des Holunders rund eine Woche früher statt als im Durchschnitt der Jahre 1981–2010. An den Stationen über 1200 m betrug der Vorsprung jedoch fast zwei Wochen. Hier konnte die Entwicklung der Pflanzen besonders von der grossen Wärme im Juni profitieren. Die Sommerlinden blühten in den tiefen Lagen des Tessins schon Ende Mai, zwei bis vier Wochen früher als im Mittel. Auf der Alpennordseite konnten blühende Sommerlinden ab Anfang Juni beobachtet werden, 2 bis 14 Tage früher als im Mittel. Die Blüte der Margeriten ist eine Phase, die vom Flachland bis in die Berge beobachtet wird. Sie eignet sich deshalb gut, um einen linearen Höhengradienten zu berechnen. Mit zunehmender Höhe verspätete sich die Blüte der Margeriten in diesem Jahr um 3.1 Tage pro 100 Höhenmeter. Ende Mai und Anfang Juni blühten sie in den Bergen in Höhenlagen zwischen 1200 und 1800 m ü. M. mit einem Vorsprung von 10 Tagen auf das Mittel. Der Juni bot viele sonnige, trockene Tage, um in den Bergen die Heuernte einzubringen. Diese fand rund 9 Tage früher statt als im Durchschnitt der Jahre 1981–2010.
Der definitive Bericht zum Juni 2017 ist ab dem 11. Juli 2017 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.
Klimaberichte