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“Once upon a time there was a brave young math teacher who almost got defeated by an integral.” Dass dieser Satz von Michael Brand stammt, kann man sich fast nicht vorstellen. Hat er doch sonst für jedes mathematische Problem mindestens drei Lösungen bereit. Nicht nur Lösungswege, sondern auch Mathematikwitze hat er einige auf Lager, stets gefolgt von dem Satz: «I shouldn’t do math jokes with non-mathematicians.”
Es ist der letzte Montagnachmittag vor den Weihnachtsferien. Ich treffe Michael Brand nach dem Unterricht im Zimmer N14 der EMS Schiers. Die EMS begleitet ihn schon eine ganze Weile, immerhin hat er selbst hier seine Gymnasialzeit absolviert. Wenig überraschend besuchte er einst das Schwerpunktfach Mathematik und Physik. Erstaunter bin ich jedoch, als er mir erzählt, dass er das Ergänzungsfach Wirtschaft und Recht wählte, welches es damals noch gab. Seine Klasse nahm damals sogar als einer der ersten Jahrgänge der EMS am YES-Projekt teil und sein selbst gegründetes Mini-Unternehmen stellte personalisierbare Uhren her, wie er mir stolz erklärt.
Nach bestandener Matura trat in den Militärdienst ein, wo er als ABC Unteroffizier tätig war. In dieser Zeit lernte er viele Freunde kennen, die sich ebenfalls für Mathematik interessieren und mit denen er bis heute gut befreundet ist.
Danach studierte er Mathematik an der ETH Zürich. Als er sich im Studium zwischen Physik und Geometrie entscheiden musste, entschied er sich für die Geometrie. Er erklärt, diese sei einfacher, weil man nur berechnen und nicht interpretieren muss.
Seine Masterarbeit im Bereich der Differenzialgeometrie schrieb er in Japan, wo er auch Japanisch lernte, unter anderem mit Hilfe von YouTube-Videos. Danach kehrte er zurück an die ETH und arbeitete dort als Assistent. Nach zwei Jahren kündigte er diesen Job und reiste für je drei Monate durch China und Japan, wo er seine erworbenen Sprachkenntnisse weiter vertiefen konnte.
Nach seiner Rückkehr bewarb er sich auf eine ausgeschriebene Stelle als Mathematiklehrer an der EMS Schiers. Er wurde trotz fehlender Didaktikausbildung eingestellt und so startete seine Lehrerkarriere. Nach einem Jahr wollte er diese aber eigentlich schon wieder beenden, hängte dann aber trotzdem noch ein weiteres Jahr an, weil ein anderer Lehrer freigestellt wurde. In diesem zweiten Jahr fand er schliesslich doch noch Freude an seiner neuen Arbeit und ist, wie wir heute wissen, auch dabeigeblieben. Die pädagogische Ausbildung hat er inzwischen übrigens nachgeholt.
Aktuell absolviert er neben seiner Lehrertätigkeit noch ein Informatikstudium. Einerseits um das neu geschaffene Grundlagenfach Informatik unterrichten zu können, andererseits aber auch, weil es ihn schon immer interessierte und er niemals aufhören will dazuzulernen, wie er selbst sagt.
In seiner Freizeit betreibt Michael Brand die Kampfsportart Kyusho Aiki Jutsu, bei welcher man mit bestimmten Druckpunkten arbeitet, um seine Gegner auszuschalten. Da er sich durch seine frühe Faszination für Japan schon als Kind für Kampfsport interessierte begann er schon im Primarschulalter mit Judo. Später erfuhr er in Bücher von Meistern, die ihre Gegner nur mit dem Berühren von Punkten in Ohnmacht fallen lassen. “Das kann ja wohl nicht sein”, dachte er sich, mit der Überzeugung, durch seine Gymnasialbildung ein gewisses biologisches Grundverständnis erlangt zu haben. Trotzdem entschied er sich an einem Seminar des finnischen Meisters Toni Kauhanen in Chur teilzunehmen. Bei diesem Seminar musste er dann allerdings feststellen, dass ihn seine Biologiekenntnisse getäuscht hatten und es sehr wohl möglich ist, Personen nur durch Berührungen ohnmächtig werden zu lassen. Trotz oder vielleicht auch wegen dieser Erschütterung seines biologischen Fachwissens, beschloss er, «das will ich auch können!» Fortan trainierte er mit einigen Freunden ein bis zweimal pro Woche in Chur und besuchte Kauhanens Summercamps in Finnland. Nur langsam machten sie Fortschritte und entschieden sich deshalb, ihr Training zu intensivieren; seither treffen sie sich mehrmals in der Woche und reisen dreimal im Jahr nach Finnland.
«Bis man etwas beherrscht dauert es mindestens zehn Jahre.» Diese Weisheit seines ehemaligen Mathematikprofessors bewahrheitete sich laut Herr Brand auch in der Kampfkunst: «Als ich das erste Mal das Gefühl hatte, ein gewisses Leistungsniveau erreicht zu haben, rechnete ich zurück und siehe da, es waren fast genau zehn Jahre.»
Wer ist also Michael Brand? Die meiner Meinung nach passendste Beschreibung, lieferte er gleich selbst, er sei «ein Mann mit zwei Leidenschaften; der Mathematik und der Kampfkunst» – ganz nach dem Motto «nicht viel, dafür intensiv».
Text: Carina, Bild: Michael Brand