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Steinadler
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Steinadler
Aquila chrysaetos
Foto: Pixapay
Der Steinadler ist der «König der Lüfte». Er ist seit jeher ein Vogel, der dem Menschen Bewunderung abringt. Als Wappentier signalisiert er Stärke und Wachsamkeit, seine guten Augen sind sprichwörtlich. Er zählt zur Familie der «Habichtartigen». Die Zeiten der rücksichtslosen Verfolgung von grossen Beutegreifern, in denen Bartgeier, Luchs, Wolf und Braunbär ausgerottet wurden, hat er als einziger überstanden.
Gemäss der Schweizerischen Vogelwarte hat sich der Adlerbestand bis heute vollständig erholt, mittlerweile kommt der Steinadler wieder im gesamten Alpenraum vor. Aufgrund der verbesserten europäischen Situation gilt der Steinadler in der Schweiz inzwischen «nur» noch als «potenziell gefährdet» und konnte damit der Roten Liste «entfliegen». Dennoch ist es wichtig, ihn im Auge zu behalten, da der Bestand ohne Schutz- und Förderungsmassnahmen wieder einbrechen kann. Der Steinadler ist ein sogenannter Standvogel, zieht also nicht weg. Im Winter, wenn die Nahrung im Gebirge knapp ist, fliegt er oft in tieferen Lagen, wo er leichter an Nahrung kommt, welche vorwiegend aus Fallwild besteht. Im Winter gibt es in der Ostschweiz Einzelnachweise von jungen Steinadlern bis nach St. Gallen, wo er mit Suchflügen auf Nahrungssuche ist.
Aus einem Bericht von Gabriel Rüsch von 1835, geht hervor, dass 1731 in Teufen ein Steinadler geschossen wurde. Im Jahr 1953 wurde der Steinadler in der Schweiz unter Schutz gestellt. In der Schweiz gibt es heute zirka 350-360 Adlerpaare. Diese halten sich im gesamten Schweizer Alpen-, Voralpenraum und im südlichen Tessin sowie teilweise im Jura auf. Der Bestand an Steinadlern hat im Schweizer Alpenraum die Sättigungsgrenze praktisch erreicht. Die meisten ergiebigen Reviere sind besetzt. Das führt dazu, dass junge Adler am Rand des Verbreitungsgebietes (Voralpen, Jura, Sotto Ceneri) neue Lebensräume suchen. Beringte junge Adler aus der Schweiz wurden aber in den meisten Fällen weniger als 100 km von ihrem Geburtsort wieder gefunden. Die weitesten Fundorte liegen in der Nähe von Nizza und Salzburg.
Im Raum Alpstein – Toggenburg - Churfirsten gibt es zirka 15 - 20 Brutpaare. Mit einer Flügelspannweite von 190 cm bis 225 cm ist der Steinadler einer der imposantesten Greifvögel in den Alpen. Er hat eine Länge von 75-88 cm und ein Gewicht von ca. 2.8 kg bis 6,7 kg. Das Höchstalter, welches bei einem in Europa beringten Steinadler in Freiheit nachgewiesen wurde, liegt bei 32 Jahren. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt jedoch um einiges tiefer. Der Steinadler hat einen goldgelb getönten Kopf, der mit einem kräftigen Schnabel versehen ist. Eindrücklich sind seine langen und breiten Flügel. Jungvögel unterscheiden sich von Altvögeln durch ihre weissen Flügelflecken und der weissen Schwanzwurzel. Das Federkleid der Altvögel erlangen sie erst nach 5-, meist 6 Jahren, dann sind sie fast einfarbig dunkel. Das Weibchen ist grösser als das Männchen. In der Falkner Sprache werden bei den Greifvögeln die Männchen daher als «Terzel» und die Weibchen als «Weib» bezeichnet.
Das Steinadlerpaar baut seine Horste in Felsnischen meist im Bereich der Waldgrenze und in seltenen Fällen auch auf Bäumen. Diese Horste werden teilweise von Jahr zu Jahr wieder bezogen. Das Weibchen legt schon im März meist zwei Eier, wobei meist nur ein Jungvogel überlebt. Der heute mässige Bruterfolg ist die Folge, dass in der dichten Population viele unverpaarte Einzeladler die Revierpaare in Streitigkeiten verwickeln. Daher sind diese regelmässig vom Horst abwesend. Ein Steinadlerpaar beansprucht grosse Territorien, teilweise bis 100 km 2. In diesen Brutrevieren duldet es keine anderen Artgenossen.
Steinadler brüten ab Ende März. Die Brutdauer ist 42 – 43 Tage. Gemäss der Schweizerischen Vogelwarte sind Steinadlerbruten sehr störungsanfällig. Das Gelege muss fast pausenlos bebrütet werden, und Brutunterbrüche von mehr als einer Stunde sind problematisch. Auch nach dem Schlüpfen und bis ins Nestlingssalter von 2 – 3 Wochen reagieren die Adler sehr empfindlich auf Störungen. Die Jungen sind Nesthocker und müssen anfänglich gewärmt und regelmässig mit Futter versorgt werden. Kommt man einem Nestplatz zu nahe, so trauen sich die Adler nicht zum Horst, um die Jungen zu versorgen. Das Weibchen atzt (füttert) die Jungen, während das Männchen die Beute an den Horst bringt. In den ersten etwa 14 Tagen sind Jungadler blind und vollkommen auf die Fürsorge ihrer Eltern angewiesen. Die Jungvögel erreichen ihre Flugfähigkeit nach 74 – 80 Tagen. Ab Juni, mit dem Heranwachsen der Jungvögel, geht die Störungsanfälligkeit zurück. Deshalb ist Distanz halten sehr wichtig. Gemäss der Schweizerischen Vogelwarte gilt eine Distanz von mindestens 350 m zum besetzten Horst während der Bebrütungs- und der ersten 2 -3 Wochen der frühen Nestlings Phase als Minimum. Ein Steinadler hat eine etwa achtmal bessere Auflösung in der Netzhaut als wir Menschen. Ein Beobachter, der sich versteckt glaubt, wird von Steinadlern fast immer entdeckt.
Foto: Pixabay
Der Steinadler zählt mit Sperber und Habicht zu den «Grifftötern», die ihre Beute mit dem Klammergriff ihrer ausgeprägten Krallen töten. Er ernährt sich mehrheitlich von Murmeltieren, welche im Sommer etwa ¾ seiner Nahrung ausmachen, weiter von Raufusshühnern, Hasen, Füchsen, Kitzen von Gams- und Rehwild. Er kann Beute bis zu einem Gewicht von etwa 7 kg wegtragen. Dies ist das Maximum, bevorzugt werden Beutetiere mit einem Gewicht von 3 – 4 kg. Seine Nahrung erbeutet er, indem er auf einem Bergspitz auf der Lauer sitzt und seine Beute bis in eine Entfernung von über 3 km erspäht, oder er fliegt nahe über dem Boden und überrascht seine Beute im Fluge. Im Winter und Frühling ernährt er sich auch von Aas von verendeten Wildtieren.
Alpinisten und Berggänger können mit ihrem Verhalten sehr viel zum Erhalt des Steinadlers beitragen, indem sie wie oben beschrieben zu Horsten eine Mindestdistanz von 350 m halten und Kletterrouten nicht in Wänden durchführen in denen Adlerhorste festgestellt wurden.
Haben Sie Fragen zu anderen in unserer Region vorkommenden Vögeln, nutzen Sie die Homepage der Vogelwarte Sempach auf der alle in unserer Region lebenden Vögel und viele andere mehr im Detail beschrieben sind. vogelwarte.ch - Home
Ich danke für Frau Dr. Schibli, Herrn Jenny von der Vogelwarte Sempach und Urs Büchler Wildhüter oberers Toggenburg - Neckertal, für die fachliche Unterstützung bei der Verfassung dieses Artikels.
Felix Eberhard
Kantonaler Hegeobmann Patentjägerverein Appenzell-Ausserrhoden
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Den gesamten Bericht als PDF-Version finden Sie ab Seite 11 hier: Der Steinadler Clubnachrichten 202202 SAC SAENTIS