Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03298.jsonl.gz/1560

Neue, schützenswerte Ökosysteme wegen Gletscherschmelze
Wo Gletscher verschwunden sind, könnten neue, schützenswerte Ökosysteme entstehen. Diesen Schluss ziehen die Autoren einer Studie, die die Entwicklung der Gletscher bis ins Jahr 2100 untersucht. Laut den Fachleuten könnte sich die von Gletschern bedeckte Fläche bis 2100 halbieren.
Quelle: Nasa
Fragile Landschaft: Gletscher im Karakoram-Gebirgskette nördlich des Himalaja. Foto wurde von der Internationalen Raumstation in einer Umlaufbahn in 263 Meilen Höhe aufgenommen.
Mit dem Klimawandel halbiert sich die von Gletschern bedeckte Fläche bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Und dies wiederum dürfte zur Folge haben, dass sich auf dem vom Eis freigegebenen Grund bis zum Jahr 2100 neue Ökosysteme bilden. Dies ist das Resultat der Studie eines französisch-schweizerisches Forschungsteams zur Entwicklung der Gletscher und der schmelzenden Gebiete auf der Erde zwischen 2020 und 2100. - Nicht berücksichtigt wurden allerdings die Gletscher in der Arktis und der Antarktis, weil dort der Gletscherschmelze andere Prozesse zum Beispiel in den Alpen zu Grunde liegen.
Lebensraum für vom Klimawandel vertriebene Arten
Wie sich diese Veränderungen global auswirke, sei jedoch noch unbekannt, heisst es dazu in der Medienmitteilung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), die sich an der Studie beteiligte. Feststehen dürfte aber, dass das von den zurückziehenden Gletschern freigelegte Gelände denjenigen Arten einen neuen Lebensraum bieten könnte, die anderswo wegen der steigenden Temperaturen vertrieben worden sind. Die Studienautoren plädieren dafür die Zukunft dieser neuen Ökosysteme zu sichern und unter Schutz zu stellen.
Für ihre Studie verwendeten Matthias Huss von der WSL und Jean-Baptiste Bosson von der Naturschutzbehörde der Haute-Savoie in Frankreich ein globales Gletscherevolutions-Modell. Dieses kann auf der Grundlage von Gletscherumrissen, digitalen Höhenmodellen des unter den Gletschern liegenden Geländes und von Klimadaten die Reaktion jedes einzelnen Gletschers auf verschiedene Klimaszenarien bis 2100 prognostizieren.
Gletscherverlust bis 2040
Gemäss dem Modell wird der Gletscherverlust bei allen Klimaszenarien bis 2040 mit der gleichen Geschwindigkeit voranschreiten. Danach weichen die Schätzungen je nach der Entwicklung der globalen Emissionen voneinander ab: Bei einem Szenario mit hohen Emissionen könnte bis 2100 etwa die Hälfte der Gletscherfläche von 2020 verloren gehen. Bei einer Reduktion der globalen Emissionen verringert sich der Verlust um etwa ein Fünftel. (mai/mgt)
Entwicklung des Aletschgletschers bis ins Jahr 2100 (Video der ETH Zürich)