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FAQ zur Neurodermitis
Was ist die Ursache der Neurodermitis?
Bisher ist keine einheitliche Ursache der Erkrankung bekannt. Auf dem Boden einer genetisch bedingten Veranlagung kommt es durch individuell sehr unterschiedliche Umweltfaktoren zur Ausbildung der Neurodermitis. Unter den Umweltfaktoren spielt eine Nahrungsmittelallergie vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern vielfach eine Rolle (Kuhmilch, Ei, Soja- und Weizenmehl). Weitere mögliche Einflüsse sind Pollen, Tierhaare und Hausstaubmilben, die über allergische Mechanismen ein atopisches Ekzem auslösen, unterhalten oder akut verschlechtern können. Auch klimatische Faktoren können positive oder negative Auswirkungen haben.
Zusätzlich zeigen Neurodermitiker eine gestörte Barrierefunktion der Haut, was zu gehäuften entzündlichen Reaktionen führt.
Wie sehen die typischen Zeichen auf der Haut aus?
Die Haut des Neurodermitikers ist meist sehrtrocken und spröde. Das Ekzem äussert sich als stark juckende, gerötete, gelegentlich nässende, oft schuppende Hautveränderung (Bilder 1 und 2). Die Neurodermitis weist altersabhängige Unterschiede bezüglich Lokalisation auf: Im frühkindlichen Alter finden sich Hautausschläge zumeist im Gesicht (Bild 2) und am behaarten Kopf (Milchschorf) (Bild 1), während in der Kindheit vor allem die grossen Beugen (Kniekehlen, Ellenbeugen, Handgelenke) betroffen sind (Bilder 4 und 5). Die Ausprägung der Krankheit ist dabei sehr unterschiedlich: Von der "Minimalvariante" mit einzig "trockenen Wangen" bis zum stark entzündeten, ausgedehnten Ekzem mit Schuppung und Kratzspuren über einem grossen Teil des Körpers.
Juckreiz: Wie kommt der Juckreiz zustande?
Die Mechanismen der Juckreizentstehung bei der Neurodermitis sind auch heute noch nicht bekannt. An der Entstehung des Juckreizes ist u.a. auch das vegetative (vom Willen unabhängige) Nervensystem beteiligt. Auf den bei der Neurodermitis bestehenden Zusammenhang zwischen Nervensystem und Hauterkrankung deutet auch der Name, abgeleitet von Neuron (Nerv) und Dermatitis (entzündliche Hauterkrankung), hin.
Wie kann der Teufelskreis Jucken - Kratzen - Kratzwunden unterbrochen werden?
Unter dem starken Juckreiz leiden die Patienten, besonders die Kleinkinder, am meisten. Sie kratzen sich, die Folge sind Kratzwunden, die über Reparatur und Entzündung wiederum Juckreiz verursachen. Da bekannt ist, dass trockene Haut verstärkt juckt, soll über die Pflege mit fettenden Präparaten versucht werden, die gestörte Barriere wieder aufzubauen. Auch der zeitlich begrenzte Einsatz von Steroid-Crèmes und die Gabe von Antihistaminika können zur Juckreizlinderung beitragen. Alles, was den Juckreiz fördert, sollte anderseits vermieden werden. Säuglinge sollten Baumwollhandschuhe tragen, bei Kleinkindern ist es ratsam, die Fingernägel kurz zu schneiden.
Kann bestimmte Kleidung den Juckreiz verstärken?
Kleidung und Bettzeug sollten gut luftdurchlässig, nicht schweisstreibend und angenehm weich sein. Achtung: Zu warmes Anziehen verstärkt den Juckreiz! Direkt auf der Haut sollte grundsätzlich nur ungefärbte, kochfeste Baumwollwäsche getragen werden (Etiketten entfernen!). Den Kontakt mit synthetischem Nähfaden verhindert man durch das «verkehrte» Tragen (Innenseite nach aussen). Bei der Wäschepflege ist besonders auf gründliches Ausspülen der Waschmittelrückstände zu achten. Verzichten Sie auf Weichspüler und geben Sie statt dessen einen Schuss Essig ins letzte Spülwasser.
Spielen Infektionen eine Rolle?
Akute Schübe einer Neurodermitis sind regelmässig mit einer starken Zunahme gewisser Bakterien (Staphylokokken) gekoppelt. Die äusserliche Anwendung von Antiseptika oder Antibiotika wirkt dieser verstärkten Besiedelung entgegen. Solche Präparate können dadurch die symptomfreien Intervalle verlängern.
Können bestimmte Nahrungsmittel die Neurodermitis verschlimmern?
Bei nur etwa 10% der Patienten lassen sich Allergien auf Nahrungsbestandteile feststellen, bei Kleinkindern häufiger als bei Erwachsenen. Es ist individuell sehr unterschiedlich, ob und auf weiche Nahrungsmittel ein Patient besonders empfindlich reagiert; daher gibt es keine für alle Betroffenen gültige Verbotsliste bestimmter Nahrungsmittel.
Weil bei Neurodermitis der Zusammenhang von Ursache und Wirkung häufig nicht eindeutig zu erkennen ist, neigen manche Eltern zu übertriebener Vorsicht. So wird oft die Bedeutung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten überschätzt. Die Folge: Die Kinder richten sich nach Diätplänen, die oft eher schaden als nutzen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Neurodermitis keine Folge einer Nahrungsmittelallergie ist. Die meisten Neurodermitiker vertragen fast jedes Essen problemlos.
Von unspezifischen Auslassdiäten mit generellem Verbot von Ei- und Milchprodukten ist wegen der Gefahr von Mangelzuständen abzuraten. In jedem Fall muss man versuchen, durch genaue Beobachtung und anschliessende allergologische Auswertung herauszufinden, welche Nahrungsmittel zur Verschlimmerung des Hautzustandes führen und verstärkt Juckreiz auslösen. Meist reagiert der Neurodermitiker nur auf ein oder zwei Nahrungsmittel allergisch. Dazu können z.B. Milch, Eier und Nüsse gehören. Ihr Arzt verfügt heute über eine breite Palette von Möglichkeiten zur gezielten Abklärung.
Säuglinge, die eine hohe erbliche Belastung haben, sollten wenn immer möglich während 3-6 Monaten möglichst voll gestillt werden.