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Viridiana, die nach strengen katholischen Prinzipien lebt, wird von den Obdachlosen in keinster Weise ernst genommen, geschweige denn respektiert; man erklärt die Gönnerin für verrückt und mokiert sich über deren „hohe Ideale“.
Jorge hingegen, der aus den Ländereien möglichst viel Kapital schlagen will und sich an seinem neu erworbenen Wohlstand ergötzt, verkörpert den Typus des bourgeoisen „Neureichen“.
Buñuel gelingt es in seinem kammerspielartig inszenierten Film, grundlegende gesellschaftliche Konflikte in verdichteter Form darzustellen und der Lächerlichkeit preis zu geben – Viridiana scheitert bei dem Versuch, die Lebensverhältnisse und -ansichten der Obdachlosen nach christlichen Wertvorstellungen neu zu ordnen und gerät ausserdem mit Jorge, der wiederum seine eigenen Interessen durchzusetzen versucht, in Konflikt. Durch die Darstellung dieser Auseinandersetzungen, die in einem masslosen, vulgären Saufgelage gipfeln, verdeutlicht Buñuel die Weltfremdheit des Katholizismus‘.
Viridiana ist des Weiteren von einer beachtenswerten filmischen Virtuosität – zahlreiche denkwürdige, symbolische Bilder/ Szenen (ein brennender Dornenkranz, eine Katze, die eine Maus fängt, Anspielungen auf Da Vincis „Das letzte Abendmahl“ etc.) und ein Score, wie er zynischer nicht sein könnte (v.a. Händels „Hallelujah“) – die dem Film zusätzlich an Substanz verleiht.
Überdies nimmt sich der Regisseur, wie man es von ihm gewohnt ist, die Freiheit, die verschiedensten menschlichen Perversionen darzustellen und zahlreiche sexuelle Anspielungen in seinen Film einfliessen zu lassen…
Buñuel verarbeitet erneut Themen, die sein ganzes Schaffen durchziehen, doch erreicht er in stilistischer Hinsicht mit Viridiana einen Höhepunkt seiner Filmkarriere!
Mexiko, Spanien
1961-
90 min.
Regie: Luis Buñuel
Drehbuch: Julio Alejandro, Luis Buñuel, Benito Pérez Galdós
Darsteller: Silvia Pinal, Fernando Rey, Francisco Rabal
Produktion: Gustavo Alatriste
Musik: Gustavo Pittaluga
Kamera: José F. Aguayo
Schnitt: Pedro del Rey