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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

46. Vortrag
2.
Unter der Türe verstehen wir Christus den Herrn, unter dem Hirten ebenfalls ihn; wen aber unter dem Türhüter? Die ersteren zwei hat er uns nämlich selbst erklärt, den Türhüter überließ er uns zu suchen. Und [S. 675] was sagt er vom Türhüter? „Diesem“, sagt er, „öffnet der Türhüter“. Wem öffnet er? Dem Hirten. Was öffnet er dem Hirten? Die Türe. Und wer ist die Türe? Der Hirt selbst. Wenn Christus der Herr nicht selbst erklärt, nicht selbst gesagt hätte: „Ich bin der Hirt“, und: „Ich bin die Türe“, würde dann wohl einer von uns zu sagen sich getrauen, daß Christus selbst sowohl der Hirt wie die Türe ist? Wenn er nämlich sagen würde: „Ich bin der Hirt“, und nicht sagen würde: „Ich bin die Türe“, so müßten wir wohl zu erforschen suchen, wer die Türe sei, und würden vielleicht, etwas anderes meinend, vor der Türe stehen bleiben. Seine Gnade und Barmherzigkeit hat uns erklärt, wer der Hirte sei, er hat sich selbst damit gemeint; er hat auch erklärt, wer die Türe sei, er hat sich damit wieder selbst gemeint; dem Türsteher nachzuforschen, hat er uns überlassen. Wen werden wir als den Türhüter erklären? Wen immer wir finden mögen, wir müssen uns hüten, ihn für größer zu halten als die Türe, weil der Türhüter in den Häusern der Menschen größer ist als die Türe. Denn der Türhüter wird der Türe, nicht die Türe dem Türhüter vorgezogen, weil der Türhüter die Türe, nicht die Türe den Türhüter bewacht. Ich wage nicht, jemand größer zu nennen als die Türe, denn ich habe bereits gehört, was die Türe ist, es ist mir nicht unbekannt, ich bin nicht auf meine eigene Vermutung angewiesen, es ist mir kein menschliches Meinen gestattet: Gott hat es gesagt, die Wahrheit hat es gesagt, es läßt sich nicht ändern, was der Unveränderliche gesagt hat.