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Antidiabetikum reduziert Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen
Prävention Menschen mit einem Diabetes Typ 2 haben ein hohes Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu erkranken. Erstmals hat nun ein Antidiabetikum in einer entsprechenden Endpunktstudie eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos zeigen können.
Rund die Hälfte aller Menschen mit einem Diabetes stirbt an kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Neben der Senkung erhöhter Blutzuckerwerte gehört deshalb zu den wichtigsten Zielen in der Behandlung eines Typ-2-Diabetes, das Risiko für Krankheiten an Herz und Gefässen zu senken. Erstmals hat ein Antidiabetikum in einer entsprechenden Endpunktstudie eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos zeigen können.
Gelungen ist dies dem SGLT-2-Hemmer Empagliflozin (Jardiance). In der Empa-Reg-Outcome-Studie hatten Patienten, die Empagliflozin erhielten, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ein um 35 Prozent niedrigeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Empagliflozin ist in der Schweiz seit 2015 für die Behandlung von Typ-2-Diabetes in der Dosis von zehn Milligramm täglich zugelassen. Empagliflozin, welches in der Schweiz von Boehringer Ingelheim unter dem Produktenamen Jardiance für die Behandlung von Typ-2-Diabetes vermarktet wird, wurde in einer gross angelegten Studie entsprechend den Vorschriften der FDA und EMA auf kardiovaskuläre Risiken untersucht.
Die Empa-Reg-Outcome-Studie schloss ausschliesslich Typ-2-Diabetiker ein, die mit einem Herz-Kreislauf-Problem vorbelastet waren, also Hochrisikopatienten. Im Vergleich zur Basistherapie senkt Empagliflozin das Gesamtrisiko für Tod durch ein kardiovaskuläres Ereignis oder für einen nicht tödlichen Herzinfarkt beziehungsweise Hirnschlag beim Typ-2-Diabetiker insgesamt um 14 Prozent. Betrachtet man die wichtigsten sekundären Endpunkte, reduziert Empagliflozin zehn Milligramm das Risiko für Tod durch ein kardiovaskuläres Ereignis um 35 Prozent im Vergleich zur Basistherapie. Die Gesamtmortalität sinkt um 30 Prozent und das Risiko für Hospitalisierung aufgrund von Herzversagen um 38 Prozent.
Basierend auf den Studienergebnissen von Empa-Reg-Outcome wurde bei der Datenpräsentation folgendes Fazit gezogen: Würden 1000 Typ-2-Diabetiker mit hohem kardiovaskulärem Risiko über drei Jahre von einem Arzt mit Empagliflozin behandelt werden, so könnte der Arzt in dieser Zeit 25 Leben retten. Dr. Bernard Zinman, Leiter der Empa-Reg-Outcome-Studie sowie Direktor des Leadership Sinai Centre for Diabetes und Professor of Medicine an der University of Toronto in Kanada, fasst die Studie wie folgt zusammen: «In dieser Studie wurde gezeigt, dass Empagliflozin einen von drei kardiovaskulären Todesfällen verhindert.»
Verbesserung des kardiovaskulären Risikos bereits nach kurzer Zeit
Es ist bemerkenswert, dass die Verbesserung des kardiovaskulären Risikos bereits wenige Tage bis Monate nach Therapiebeginn eintritt. Dazu der Kardiologe PD Dr. med. Frank Enseleit vom Universitären Herzzentrum des Universitätsspitals Zürich: «Für mich als Kardiologe sind die erzielten Verbesserungen bei den Herz-Kreislauf-Risiken sehr eindrücklich. Meines Erachtens müssten diese Resultate Eingang in künftige Behandlungsempfehlungen für Typ-2-Diabetes finden.»
Nebst den gezeigten kardiovaskulären Effekten beim Typ-2-Diabetiker mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko bestätigt die Empa-Reg-Outcome-Studie die Wirksamkeit und Sicherheit von Empagliflozin: gute Kontrolle des Blutzuckers ohne Anstieg von gefährlichen Unterzuckerungen (Hypoglykämie) sowie Abnahme von Körpergewicht und Blutdruck.
Für Prof. Dr. med. Roger Lehmann von der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung des Universitätsspital Zürich bringt die Empa-Reg-Outcome-Studie die Diabetes-Therapie einen entscheidenden Schritt vorwärts: «Eine effektive Therapie des Typ-2-Diabetes muss nebst dem Blutzuckerspiegel auch andere wichtige Risikofaktoren einschliessen. Mit Empagliflozin haben wir nun einen Wirkstoff, der diese Faktoren verbessert und zusätzlich noch das Herz-Kreislauf-Risiko signifikant senkt.»
Genitalinfekte als häufigste unerwünschte Wirkung
Das in der Empa-Reg-Outcome-Studie beobachtete Nebenwirkungsprofil stimmt mit den bisherigen Studien überein. Die häufigste unerwünschte Wirkung dieser Medikamentenklasse sind Infekte des Genitalbereichs, diese hängen mit der erheblichen Glukoseausscheidung über den Urin zusammen. Es wird kein erhöhtes Risiko für Hypoglykämie, Ketoazidose oder Knochenbrüche beobachtet.