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Kunst
Zwischenmenschliche Abgründe
"The only thing left ist to draw from life, that inexhaustible source of material for art", so der Künstler selbst in einem seiner Strips aus dem April 1984. Der Tausendsassa Robert Crumb ist so beliebt, dass selbst seine Skizzenbücher reißenden Absatz finden. "The boolshit (sic!) is coming down heavy", wie er selbst sagt. Die vorliegende Ausgabe umfasst die Bände 7 und 8 der Schubererstausgabe und beinhaltet die Jahre 1982 bis 1989, in der Aline und Robert auch ihre kleine Tochter Sophie bekamen, die von Crumb natürlich zur Inspiration ("I don’t have any ideas anymore!",) für einige seiner eher harmlosen Comicstrips "missbraucht" wird. Wer befürchtet Crumbs typische Perversionen kämen im vorliegenden Band zu kurz, dem sei hier ein kurzer Abriss serviert, etwa die Liste der "Psychopathia Sexualis" einer gewissen Julie, die unter einem Porträt derselben minutiös ihre Liebesabenteuer auflistet.
American Way of Life in der Mangel
Viele seiner Strips beschäftigen sich auch mit typischen Alltagssituationen, etwa wenn Crumb "Dallas, Dynasty, Falcon Crest - it’s all the same ass-hole morality dull characters" porträtiert oder einfach nur "chamber commerce types" zeichnet und einen davon sagen lässt: "D’ja hear about the wreck this morning?" Eine Welt am Abgrund - sowohl moralisch als auch wirtschaftlich, vor allem aber zwischenmenschlich, so kritisiert Robert Crumb den American Way of Life, der selbst für die Scratchy Screwballs seine Tücken hat: "All I’m saying is, let’s look beyond ourselves at serious problems that face all of us." Auch ein Arbeitsloser macht sich Gedanken über seine Zukunft: "Maybe I should sell some more of my record collection? Arrgh!". Aber ein bisschen Deprivation hat ja wohl noch niemandem geschadet, oder? Mr. Hateful freut sich jedenfalls schon auf die Bombe der Russen, denn schlimmer kann es ohnehin nicht werden.
Kulturelle Referenzen
"I’m having pre-party anxiety", zeichnet sich der Künstler selbst und seine Generation in einem anderen Strip. Der Jugend fehlen einfach die kulturellen Referenzen, dozieren zwei ältere Herren und die Two Guys reden über Witze in Cartoons, von denen sie sich ohnehin nur die Punchlines (Pointen) merken könnten. Ein Bild zeigt einen kopflosen Mann in einem Flugzeugsitz, der seine elektronische Post checkt, ein anderes die Dämonen, die ihn immer anschauen, wenn er in der Badewanne liegt und auf die Zipfel einer alten gehäkelten Decke schaut. War das "The Morning after the Night before"? Robert Crumbs Skizzenbücher passen in jede Situation und sind ideal für vielbeschäftigte Menschen, die zwischendurch eine amüsante Abwechslung brauchen. Ein kurzes Schmökern ab und zu genügt und die Perspektiven öffnen sich wieder und aus dem Tunnelblick heraus erweitern sich die Pupillen für eine vielfältigere Wahrnehmung der Welt, oder wie Crumb es nennt: "Perception Management". "How glorious it is and also how painful to be an exception" , zitiert Robert Crumb an einer Stelle ein Graffiti einer prätentiösen Galerie.