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Peter C. Wagner beschreibt im Buch „Die Gaben des Geistes für den Gemeindeaufbau“ sehr gut diese Gefahr von Gabenprojektion. Er beschreibt diese Gefahr an seinem eigenen Erleben beim Lesen von Biografien. Christliche Biografien werden über Menschen geschrieben, die im Glauben besonders eindrückliche Dinge erlebt und geleistet haben. Wagner zeigt auf, dass diese Christen so aussergewöhnliches geleistet haben, weil sie ein besonders grosses Mass an Gaben erhalten haben und diese Gaben auch einsetzten.
Dieser Zusammenhang wird in den Biografien aber oft verschwiegen. Vielmehr wird betont, dass jeder Christ genau das gleiche erleben kann wie diese Helden des Glaubens, wenn er nur genug Hingabe und Liebe für Jesus hat. Wenn wir dann eine solche Biografie von Billy Graham, Georg Müller – oder wie unsere Helden des Glaubens auch heissen mögen – lesen, dann fühlen wir uns im Nachhinein eher elend als ermutigt. Bei mir stimmt doch etwas nicht, wenn ich nicht dasselbe erlebe wie diese Person. Wir werden Opfer der Gabenprojektion.
Wagner führt das Gleichnis der anvertrauten Talenten aus Matthäus 25, 14 – 30 als Beispiel an:
Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.
Gabenprojektion ist es, wenn der, der am Ende zehn Talente hatte zu dem mit den vier Talente spricht: „Wenn du unseren Meister mehr geliebt und dir mehr Mühe gegeben hättest, dann hättest auch du jetzt zehn und nicht nur vier Talente.“ Dabei würde dieser Knecht nicht mit einem Wort darauf eingehen, dass sie nicht beide die gleichen Voraussetzungen haben. Der eine hatte am Anfang fünf der andere nur zwei Talente.
Nicht jeder von uns hat die selben Gaben im selben Mass. Wir müssen nicht Rechenschaft darüber abgeben, dass wir nicht wie andere waren sondern darüber, was wir mit dem gemacht haben, was wir erhalten haben. Du wirst nie gefragt: „Wieso warst du nicht Billy Graham?“, sondern „wieso hast du DEINE Gaben nicht eingesetzt?“