Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/2910

Diese Ausgabe ist für Browser ohne zureichende CSS-Unterstützung gedacht und richtet sich vor allem an Sehbehinderte. Alle Inhalte sind auch mit älteren Browsern voll nutzbar. Für eine grafisch ansprechendere Ansicht verwenden Sie aber bitte einen moder
Beginn Inhaltsbereich
Beginn Navigator
Ende Navigator
Das Ortsbild des Monats Juni ist eine stark gekürzte Version der Aufnahme aus dem ISOS-Band Aargau I von 1988, welche neu als pdf erhältlich ist.
Eine ganz spezielle Geschichte
Endingen liegt in einer Biegung des Surbtals, das an dieser Stelle im Osten durch einen sehr steilen Hang und im Westen durch eine weite Hügellandschaft geprägt ist. Verschiedene Funde aus prähistorischer Zeit deuten auf eine frühe Besiedlung der Gegend hin. Der Ortsname wurde in einer Schenkungsurkunde schon im 8. Jahrhundert und dann wieder im sogenannten Habsburger Urbar im 12. Jahrhundert erwähnt. Nach dem Ort nannten sich auch die Herren von Endingen, welche im 13. Jahrhundert eine kleine, längst verschwundene Wasserburg besassen. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bis im Jahre 1415 bei den Habsburgern und danach beim Landvogt der Grafschaft Baden. Bei der politischen Neuordnung von 1803 wurde Endingen dem Bezirk Zurzach zugeteilt.
Eine entscheidende Veränderung im Dorfleben bewirkte ein eidgenössischer Tagsatzungsbeschluss im Jahre 1736, als Endingen zusammen mit dem Nachbarsdorf Lengnau zum Niederlassungsort für Juden bestimmt wurde. Bis zur Einführung der Kultus- und Glaubensfreiheit in der Mitte des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Bevölkerung des Dorfes durch jüdische Einwanderer auf annähernd 2000 Menschen. Um die Jahrhundertwende sank nach dem Wegzug vieler Juden die Einwohnerzahl wiederum auf den Stand um 1800.
Im 19. Jahrhundert verzeichnete Endingen durch die jüdischen Zuwanderer eine aussergewöhnlich starke bauliche Erweiterung. Die Siegfriedkarte von 1881 zeigt diese, damals schon abgeschlossene Entwicklungsphase. Auffallend ist das dichte und feingliedrige Bebauungsmuster eines komplexen Haufendorfs mit stark verzweigtem Weg- und Strassennetz.
Doch Graswirtschaft, Acker- und Weinbau blieben bis weit ins 20. Jahrhundert die traditionelle Erwerbsquelle des Dorfes.
Der Ortskern
Da im 19. Jahrhundert vorwiegend Kleinbauernhäuser entstanden sind, lassen sich die auf das 17. und 18. Jahrhundert zurückgehenden Ortsteile mit den grossen Ackerbauernhäusern relativ gut erkennen.
Der ähnlich wie in Unterendingen quer in der Talsohle angelegte Bebauungsast (> 1) ist mit seinen traufständig gereihten, langen Bauernhäusern noch heute der bedeutendste Bereich der ältesten Dorfanlage. Insbesondere beeindruckt der östlich der alten Steinbrücke gelegene Teil mit gut erhaltener Bebauung und mehrheitlich intakten Zwischenbereichen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die neue Durchgangsstrasse in der Talsohle mitten durchs alte Dorf geführt, um den Anschluss an den Ortskern mit zentrumsbildenden Neubauten zu verbessern.
Die Erweiterungen des 19. Jahrhunderts (> 2, 3) befinden sich vor allem entlang der alten, am östlichen Seitenhang verlaufenden Durchgangsstrasse sowie im Talgrund beim oberen Brückenübergang. Die im Jahre 1845 errichtete Synagoge ist das baulich wichtigste Dokument dieser Entwicklungsphase.
Durch die vollständige Einbindung in die feingliedrige Bebauung mit eher kleinen und ärmlichen Wohnhäusern tritt der turmlose doch prägnante Einzelbau im gesamten Ortsbild allerdings wenig in Erscheinung. Der kaum veränderte Zustand der Bauten und Zwischenbereiche um die Synagoge versetzt den Betrachter unvermittelt in die Zeit des 19. Jahrhunderts.Durch die vollständige Einbindung in die feingliedrige Bebauung mit eher kleinen und ärmlichen Wohnhäusern tritt der turmlose doch prägnante Einzelbau im gesamten Ortsbild allerdings wenig in Erscheinung. Der kaum veränderte Zustand der Bauten und Zwischenbereiche um die Synagoge versetzt den Betrachter unvermittelt in die Zeit des 19. Jahrhunderts.
Der am gegenüberliegenden Flussufer in Hangfusslage situierte Dorfteil zeigt unter anderem bäuerliche Altbauten aus dem 17./18. Jahrhundert und spätere Mühlebauten. Die Flusslandschaft mit dem offenen Lauf der Surb bindet alle, durchwegs gut erhaltenen Ortsteile zu einer Ganzheit zusammen.
Eine dichte Reihe traufständiger Kleinbauernhäuser am Hang (> 3) begrenzt eindrücklich die alte, horizontal verlaufende Durchgangsstrasse. Der besonders gut erhaltenen Bauabschnitt im Süden zeigt eine lebendige Abfolge verschiedener Häuserfronten mit auskragenden Bauteilen und Treppenaufgängen.
Die Umgebungen
Im Gegensatz zur Altbebauung im Kern haben sich die an ihn angrenzenden Bereiche entscheidend verändert. Ausgedehnte Überbauungen beengen die historischen Ortsteile. Der als Ortsbildhintergrund bedeutsame östliche Hang ist heute weitgehend mit Einfamilienhäusern verbaut.
Intaktes Kulturland (> II) breitet sich bis zum talabwärts gelegenen Unterendingen und, talaufwärts erstreckt sich, in unmittelbarem Anschluss an die Altbebauung, die reizvoll sich verengende Flusslandschaft (> III) mit teils bewaldeten Seitenhängen.
Wir empfehlen
Wir bewerten
**/ Lagequalitäten
*** Räumliche Qualitäten
*** Architekturhistorische Qualitäten
Lagequalitäten
Das Dorf hat, trotz der landschaftlich reizvollen Flusslandschaft des Surbtals, wegen der Verbauungen grosser Teile der Umgebung nur noch bescheidene Lagequalitäten.
Räumliche Qualitäten
Beachtliche räumliche Qualitäten weist der Platz vor dem Hauptportal der Synagoge auf, den bescheidene Wohn- und Gewerbebauten klar definieren. Räumlich ebenfalls interessant sind die teils noch ausgeprägten bäuerlichen Strassen- und Gassenräume östlich der Surb und entlang der alten Durchgangsstrasse.
Architekturhistorische Qualitäten
Hohe architekturhistorische Qualitäten haben die ziemlich gut erhaltenen Ortsteile welche trotz unterschiedlicher Entstehungszeit und Bebauung zusammen eine interessante Ganzheit bilden.
Einen Zusatzwert verdient Endingen zusammen mit dem Nachbarort Lengnau als einmaliger jüdischer Niederlassungsort im 18./19. Jahrhundert mit gut dokumentierter Entwicklungsgeschichte und Synagoge als bedeutendstem Einzelobjekt.
Ende Inhaltsbereich