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Streifenkrankheit des Hafers
helminthosporiose de l'avoine (franz.); leaf blotch of oats (engl.)
Wissenschaftlicher Name:
Hauptfruchtform (Teleomorph = geschlechtliche Form): Pyrenophora avenae Ito et Kuribay
Nebenfruchtform (Anamorph = ungeschlechtliche Form): Drechslera avenae (Eidam) Scharif
Synonym: Helminthosporium avenae Eidam
Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Dothideomycetes, Pleosporomycetidae, Pleosporales, Pleosporaceae
Die Streifenkrankheit des Hafers ist weltweit verbreitet und ist in wärmeren Regionen eine häufige Blattfleckenkrankheiten des Hafers (Häni et al. 2008; Obst und Paul 1993). D. avenae wird mit dem Saatgut übertragen. Das Pilzmyzel im Samen infiziert den Keimling und verursacht bereits auf den ersten Blättern längliche Nekrosen. Später werden auch die oberen Blätter und die Rispen befallen. Der Befall im Keimlingsstadium ist wirtschaftlich gesehen von grösserer Bedeutung als die Ertragsverluste durch eine Blatterkrankung nach dem Schossen des Hafers. Die Verwendung von gesundem Z-Saatgut, eine Saatgutbeizung und die Förderung eines raschen Auflaufens des Hafers vermindert die Verbreitung der Krankheit.
Abb. 1. Streifenkrankheit des Hafers (Drechslera avenae)
Krankheitsbild
Mit D. avenae befallene Haferkeimlinge sterben vereinzelt bereits vor dem Auflaufen ab oder es entstehen auf den ersten Blättern nekrotische Längsstreifen. Befallene Jungpflanzen sind in der Entwicklung gehemmt, die Blätter sind oft verdreht und verkürzt (Obst und Paul 1993). Kranke Blätter verfärben sich zuerst gelb, dann rötlich bis braun. Später zeigen neu erscheinende Blätter zuerst punktförmige Aufhellungen, später länglich-ovale, rötlichbraune Flecken mit einem hellen Zentrum. Die streifenförmigen Nekrosen sind meistens von Blattnerven begrenzt.
Pathogen
Nebenfruchtform Drechslera avenae: Die braunen Konidienträger entstehen einzeln oder in Gruppen zu 2 bis 4 Trägern. Sie sind gerade oder gekrümmt, oft knieförmig geknickt und manchmal an der Basis geschwollen. Ihre Länge beträgt bis zu 350 µm und sie sind 8-11 µm dick (Ellis, 1971).
Die gelben bis olivbraunen Konidien wachsen einzeln oder gelegentlich in Ketten. Sie sind gerade, zylinderförmig und am Ende manchmal leicht zugespitzt. Die Konidien besitzen 1-9 Pseudosepten, sind 50-110 µm lang und 15-19 µm breit, das Hilum ist 4-6 µm breit (Ellis, 1971).
Abb. 2. Drechslera avenae: Konidien auf Konidienträgern
Abb. 3. Drechslera avenae: Konidienträger
Abb. 4. Konidien der Drechslera avenae
Lebenszyklus
D. avenae überlebt als Konidie oder als Myzel auf der Innenseite der Spelzen oder in der Fruchtwand des Haferkorns. Hier bleibt das Dauermyzel bis zu 10 Jahren lebensfähig (Obst und Paul 1993). Auf überwinternden Haferarten (z.B. Flughafer) kann der Blattfleckenerreger ebenfalls überwintern. Während der Samenkeimung infiziert der Pilz die Koleoptile und die ersten Blätter. Es kommt zur Ausbildung von nekrotischen Längsstreifen auf denen bei feuchter Witterung Konidien auf Konidienträgern gebildet werden. Die Konidien werden mit dem Wind auf gesunde Blätter verfrachtet und verursachen dort weitere Blattflecken. Die Hauptfruchtform mit Pseudothecien kommt in der Natur nur selten vor, so dass die Ascosporen für die Ausbreitung der Krankheit wohl nur eine geringe Bedeutung haben. Während der Haferblüte infizieren Konidien die Rispen, wo der Pilz in den Spelzen und Körnern bis zum nächsten Zyklus verbleibt.
Epidemiologie
Neue Pflanzen werden vor allem über den Samen befallen. Teilweise können Primärinfektionen aber auch von überwinternden Haferarten (u. a. Flughafer) ausgehen.
Eine erfolgreiche Ausbreitung des Blattfleckenerregers erfolgt unter folgenden klimatischen Bedingungen: Bodentemperaturen zwischen 6 und 10 °C und/oder trockene Böden während der Aussaat fördern die Keimlingsinfektion, da der Haferkeimling lange im empfindlichen Stadium bleibt. Während des Schossens wirken sich hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit positiv auf die Konidienbildung und die Ausbreitung des Parasiten aus.
Wirtsspektrum
Als Wirtspflanzen der Drechslera avenae gelten alle Haferarten, inklusive Flughafer und weitere Wildhaferarten (Obst und Paul 1993).
Bekämpfung
- Die Verwendung von Z-Saatgut aus gesunden Beständen ist die wichtigste vorbeugende Massnahme.
- Eine möglichst wenig anfällige Sorte wählen.
- Ein rasches Auflaufen der Saat durch eine geeignete Saatbettvorbereitung und eher flache Saat fördern.
- Während der ganzen Fruchtfolge den Flughafer bekämpfen.
- Eine Saatgutbeizung kann die Gefahr eines Befalls durch die Streifenkrankheit des Hafers vermindern.
Literatur
Ellis MB, 1971. Dematiaceus Hyphomycetes. Commenwealth Mycological Institute Kew, Surrey England: 608 p.
Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A, Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.
Obst A, Paul V, 1993. Krankheiten und Schädlinge des Getreides. Verlag Th. Mann: 184 S.