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Alle, die sich für Naturschutz interessieren, sind sicher schon auf sie gestossen: Die Rote Liste der gefährdeten Arten. Auf dieser Liste werden alle Arten – Tiere und Pflanzen, inklusive der Pilze – aufgeführt, die besonders vom Aussterben bedroht sind und deshalb speziellen Schutz benötigen. Verantwortlich für die Herausgabe der Roten Liste ist die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature). Sie hat eine Reihe von Kriterien definiert, nach denen die Spezies einem Gefährdungsstatus zugeteilt werden. Trotz dieses ausgeklügelten Verfahrens ist die Einteilung für Experten nicht immer einfach.
Kriterien, um eine Art zu beurteilen
Die IUCN teilt die Arten in neun Kategorien ein, die anzeigen, wie nahe die Spezies am Aussterben steht. Die Kategorien reichen von „least concern“ (nicht gefährdet) bis hin zu „extinct“ (ausgestorben). Die Kriterien zur Beurteilung einer Art betreffen vor allem die Populationsgrösse und das Ausbreitungsgebiet der Art. Ist die Population plötzlich geschrumpft? Gibt es nur sehr wenige Individuen dieser Art? Kommt die Art nur auf einem kleinen Gebiet vor, das ständig kleiner wird? Um diese Fragen zu beantworten reicht es nicht aus, wenn man zum Beispiel einfach zählt, wie viele Tiere in einem Gebiet leben. Deshalb werden auch qualitative Analysen zu Hilfe gezogen, um das Aussterberisiko in der nächsten Zeit abschätzen zu können.
Die Einstufung ergibt dann eine relevante Richtlinie, um Schutzmassnahmen für die Spezies festzulegen.
Beispiel: Der Hektor Delfin
Auf der IUCN Roten Liste der bedrohten Arten ist der in Neuseeland endemische Hektor Delfin als „gefährdet“ eingestuft. Bei der Untersuchung dieser Art in 2008 haben Experten festgestellt, dass aufgrund von Beifang in Fischernetzen die Population im Verlauf von drei Tiergenerationen um mehr als 50 Prozent abnehmen wird. Ausserdem wurde nachgewiesen, dass der Hektor Delfin eine der kleinsten geografischen Ausbreitungen aller Delfine hat. Diese Tatsachen reichen aus, damit die Art als „gefährdet“ eingestuft wird und so zusätzlichen Schutz erhält. Dank dieser Erkenntnisse hat die Regierung Neuseelands zwei Schutzgebiete eingerichtet, um den Lebensraum dieser Delfine zu schützen.
Schwierigkeiten bei der Einstufung
Grosse Säugetiere wie der genannte Hektor Delfin sind leicht einzustufen, da eine solche Spezies meist gut erforscht ist. Dies ist aber nicht bei allen Arten so. Daher hat die IUCN neben den Kategorien, die direkt einen Gefährdungsstatus widerspiegeln, weitere Gruppen definiert für Arten, die nicht eingeschätzt werden konnten. Oftmals ist über eine Art nicht viel bekannt oder die Datenlage reicht nicht aus, um eine sinnvolle Einschätzung zu machen. So sind zum Beispiel in der Schweiz 46‘000 Arten bekannt aber nur 10‘000 davon untersucht. Von den untersuchten Arten befinden sich 35 Prozent auf der Roten Liste. Trotzdem fehlen vor allem bei wirbellosen Tieren und bei Pilzen Einschätzungen. Die IUCN hat aber vor, dies zu ändern: Bis 2020 wollen sie weltweit 160‘000 Arten untersucht haben. Zurzeit wurden knapp 80‘000 Arten ausgewertet, wovon 23‘000 vom Aussterben bedroht sind.
Man sieht also, dass viel Arbeit hinter solch einer Roten Liste steckt. Doch die Bemühungen haben ein klares Ziel: Den globalen Rückgang der Biodiversität zu stoppen. Gute Neuigkeiten, wie die Rückstufung von Arten wie dem Panda zeigen, dass die Mission Früchte trägt.