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Sobald sich der Focus wieder weg bewegt von Genf, Biden und Putin, wird nun rasch die Bundeshauptstadt Bern in den Brennpunkt rücken.
Bis Ende Juni 2021 will der Bundesrat zum Kampfjet den Typenentscheid zum neuen Kampfjet fällen. Denkbar ist, dass die VBS-Chefin, Bundesrätin Viola Amherd, ihren Antrag schon heute in einer Woche, am 23. Juni, vor das Kollegium bringt. Sollte der Bundesrat nicht dann entscheiden, böten sich Freitag, der 25. Juni, und nochmals Mittwoch, der 30. Juni, als Auffanglinien an. Auch mit letzterem Datum würde das VBS den festgelegten Zeitplan einhalten.
Politisch befinden sich die vier Bewerber – einer, der schwedische Hersteller Saab, wurde 2019 aussortiert – im Endkampf. Alle vier ringen entschlossen um den grossen Preis, der da lautet:
- den Verkauf von maximal 36 voll ausgestatteten und vier “nackten” Kampfjets im Betrag von höchstens sechs Milliarden Franken, vom Volk am 27. September 2020 bewilligt;
- das Prestige, das weltweit mit dem Sieg in einer neutralen Schweizer Evaluation verbunden ist > Schweizer Qualität, Präzision, Gründlichkeit > das hat global eine gute Reputation.
Umso intensiver werben die vier Bewerber bis zur Ziellinie. USP lautet das Zauberwort bei allen vieren, “ausgedeutscht”: unique selling proposition oder unique selling point; grob vereinfacht gut deutsch: das Argument, das der Konkurrent allein für sich beanspruchen kann; der Trumpf, den nur er spielen kann. In alphabetischer Reihenfolge sieht das wie folgt aus:
Airbus: der Eurofighter
Der Eurofighter Airbus ist das Produkt einer europäischen Kooperation, darunter auch Deutschland und Spanien, ergo Staaten, die in der Europäischen Union eine gewichtige Rolle spielen. Der Eurofighter Typhoon wird von etlichen Luftwaffen geflogen und bewährt sich auch im Krieg.
Airbus modernisiert das Flugzeug laufend. In Payerne stieg Airbus mit dem neuesten britischen Thyphoon ins Rennen, geflogen von Top-Piloten der angesehenen Royal Air Force. Das Argument, die Produktion laufe aus, wird entschärft: Die Bundeswehr bestellt eine neue Tranche des Eurofighter auf dem modernsten Stand.
Deutschland winkt überdies mit Vorteilen, die teils mit der Aviatik, teils mit dem Bahnverkehr zu tun haben. Dabei geht es um das Anflugregime in Zürich-Kloten und sogar um die Zugsverbindung von Zürich nach Stuttgart. AKK, Annegret Kramp-Karrenbauer, die deutsche Verteidigungsministerin, Partei- und Amtskollegin von Viola Amherd, setzt sich von Berlin aus für den Eurofighter ein.
Boeing: der F/A-18EF Super Hornet
Boeing, der zweitgrösste Aviatik-Hersteller der Welt, vertraut auf die mehr als drei Jahrzehnte andauernde gute Kooperation mit der Schweiz.
Seit der F/A-18CD beschafft und eingeführt wurde, verbindet die Schweizer Luftwaffe mit Boeing Vertrauen. Boeing bietet Gewähr für eine reibungslose Einführung auch des F/A-18EF, genannt Super Hornet. Die Schweizer Politik müsse an einem skandalfreien, sicheren Prozess interessiert sein; und Boeing habe den Rang als verlässlicher Partner unter Beweis gestellt.
Boeing entschärft auch die haltlose GSoA-Unterstellung, wonach bei amerikanischen Jets die CIA mitfliege. Die dreissig Jahre mit dem jetzigen F/A-18 bewiesen das Gegenteil.
Zum Jet selber: Boeing bietet den Super Hornet Block III an und nennt als Vorteile: Lange Dauer im Einsatzraum, ASEA-Radar, IRST Search & Track, Endmontage von 35 der 40 Maschinen in der Schweiz (RUAG), Offset-Kenntnisse aus langer Erfahrung, 60% der bestehenden Infrastruktur kann genutzt werden.
Am 15. Juni 2021 warb selbst Präsident Biden bei Bundespräsident Parmelain und Aussenminister Cassis für “exzellente” amerikanische Flugzeuge.
Dassault: der Rafale
Dassault liegt mit dem vielfach kriegserprobten Rafale im Rennen. Die Franzosen werben in einem umfassenden Vorgehen für ihr Produkt. Sie beziehen auch die Politik mit ein. Man muss wissen: Nur 55% der Evaluation bemessen sich an der Leistung des Jets selber, die anderen 45% betreffen Kooperation, Offset und andere weiche Faktoren.
Einen starken Trumpf sehen die Franzosen auch in ihrem Bestreben, bei BODLUV ihren Favoriten SAMP-T durchzubringen. Ein erklärtes Ziel unserer Luftwaffe lautet: die luft- und die bodengestützte Luftverteidigung seien optimal zu integrieren. In Frankreichs Argumentation würde das heissen: Rafale plus SAMP-T ergäbe die beste Lösung für die Schweiz.
Frankreich bietet weitere Vorteile an. Es handelt notabene rechtlich um ein Geschäft zwischen Staaten, nicht zwischen Firmen. Da wartet Paris mit weiteren Trumpfkarten auf: Training im nahen St. Dizier, enge Kooperation im Unterhalt, Fürsprache in Brüssel. Zudem liegt Dassault mit einem Gesamtpaket für rund 5,4 Milliarden günstig (allerdings schöpfen auch andere Bewerber den Rahmen von sechs Milliardennicht aus).
Zwischen den Ministerinnen Parly in Paris und Amherd in Bern besteht ein enges Verhältnis. Florence Parly warb im direkten Kontakt mit der VBS-Chefin für ihren Jet.
Lockheed Martin: der F-35 Lightning II
Lockheed Martin (LM), die grösste Flugzeugfirma der Welt, vertraut vorrangig auf das Produkt selber.
Der F-35 sei der einzige Jet, der auch 2060 gegen einen russischen Suchoi-57 noch bestehen könne. Die Lebensdauer der anderen Modelle gehe nicht so weit. Zudem sei der F-35 das einzige Stealth-Flugzeug der 5. Generation mit allen Vorzügen, die Maschinen des 21. Jahrhunderts aufwiesen.
Die texanische Firma ist überzeugt, für eine sehr lange Lebensdauer einen Spitzenjet zu einem günstigen Preis anzubieten. In Fort Worth seien die Auftragsbücher voll: Bis zu 4’000 F-35 würden hergestellt, was die Kosten enorm senke. 650 F-35 stünden bereits im Einsatz. Auch im Unterhalt sei vorgesehen, dass die Kunden von der grossen Zahl der zu betreibenden Maschinen profitieren würden.
Lockheed Martins Exponenten sind sicher: In der Evaluation habe der F-35 als modernstes Modell gut abgeschnitten. Generell warben ausser Präsident Biden auch der neue Verteidigungsminister, General Austin, und Aussenminister Blinken für die amerikanischen Flugzeuge.
Auch LM stellt dezidiert in Abrede, die Schweiz erleide durch das Pentagon oder die CIA irgendwelche Nachteile. Auch in den europäische Jets fliege Wissen und Können mit, das nur die amerikanische Aviatik-Industrie entwickelt habe. Viel Know-how sei einzig in den USA vorhanden.