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Zuerst die gute Nachricht: Ab dem 1. Dezember habe ich jeweils 24 Tage lang kein Problem damit, die Jungmannschaft morgens aus ihren Betten zu kriegen. Das liegt an den Adventskalendern - und an der Tatsache, dass dieses Jahr auch der Jüngere begriffen hat, dass man jeden Morgen ein Törchen öffnet. (Und nicht, wie letztes Jahr, am Abend des 30. Novembers 24 Schöggeli innerhalb von fünfzehn Minuten runterschlingt und danach den gesamten Adventskalender-Inhalt auf den Kinderzimmerboden kotzt.) Sie haben dieses Jahr je zwei Kalender: den traditionellen mit Schoggi und einen von Lego. In Letzterem befindet sich jeden Tag ein Lego-Männchen oder ein paar Steine, die am Ende - also am 24. Dezember - eine StarWars-, respektive eine Mädchen-Winterlandschaft ergeben. Blöde Idee! Das Geschrei deswegen am Morgen - «ich finde das Teil von gestern nicht mehr!!!!!» - ist fast so schlimm wie das Klavier, das dieser Tage jeden Morgen pünktlich um sieben Uhr «Jingle Bells» spielt. Ich dachte erst, das sei irgend ein verrückter Advents-Hausgeist - bis ich merkte, dass es mein Sohn ist, der das arme Instrument traktiert. Vermutlich, um sich vom Lego-Advenstkalender-Frust zu erholen.
Vergangenes Wochenende planten wir also die erste Advents-Aktion: Haus dekorieren, Guetsli backen. Frohgemut stürmte der Nachwuchs den Keller - und schleppte alles an, was er da so fand: Fensterdekorationen, Lichterketten, Nikolausmützen, Schwimmringe, Surfbretter, Giesskannen, sowie eine Kartonschachtel voller Schwangerschafts-Klamotten, die bei mir irgendwas zwischen Schreikrampf und Brechreiz auslöste (wie konnte ich je im Leben so was anziehen?). Ich gab den beiden die Aufgabe, die Fensterscheiben mit Aufklebern zu verschönern, während ich alles Unnütze, das sie angeschleppt hatten, wieder im Keller verstaute. Und fragte mich bei meiner Rückkehr, ob ich tatsächlich von «Die Fensterscheibe» im Singular gesprochen hatte, oder ob es ihnen einfach zu mühsam war, die Sticker auf mehrere Scheiben zu verteilen. Nun denn, haben wir eben EIN Weihnachtsfenster… Auch die Sache mit dem Guetslibacken gestaltete sich weniger harmonisch als erhofft. Nach einem ersten Streit darüber, mit welcher Sorte wir beginnen, wollten natürlich beide den Teig auswallen. Ich fand es richtig clever von mir, beiden je ein Wallholz in die Hand zu drücken. Dabei hätte ich eigentlich wissen müssen, dass sie nach spätestens zwei Minuten damit aufeinander losgehen. Dass beim Ausstechen immer unbedingt beide gleichzeitig das gleiche Förmchen haben mussten, ist da kaum noch erwähnenswert. Dass sie einander die übelsten Beschimpfungen an den Kopf schmissen, ganz zu schweigen vom Guetsliteig, eigentlich auch nicht. Kurz und gut: Ich warf die beiden irgendwann aus der Küche, machte die Kekse allein fertig, und schluckte dabei so viel Teig, bis sie die Wut im Bauch auffrassen. Dass ich danach zwei Tage lang kaum mehr etwas runterbrachte, hat auch sein Gutes: Ich kann jetzt ohne schlechtes Gewissen MEINE selbst gebackenen Guetsli verschlingen. Das heisst, ich könnte - wenn sie meine Tochter nicht längst in der Schule an all ihre Freunde verteilt hätte.
Das grösste Thema für meine Kinder im Advent ist aber - wie könnte es anders sein - ihre Wunschliste für Weihnachten. Ich freue mich immer, wenn der Franz-Carl-Weber-Katalog im Briefkasten ist, dann habe ich nämlich mindestens für eine Stunde Ruhe. Junior setzt sich mit einem Kugelschreiber bewaffnet an sein Pult und kreuzt an - alles, ausser die Mädchensachen und die für Babys. Er wiederholt dieses Prozedere im Minimum drei Mal, für den Fall, dass er etwas vergessen hat. Ja, ich gebe es zu: Meine Kinder sind verwöhnt. Sie sind die einzigen Enkel ihrer Grosseltern, die einzigen Nichten und Neffen und auch Gottis und Göttis sind immer äusserst grosszügig. Gerade deshalb bin ich wirklich stolz auf meine Grosse, die sich zwar auch ihre «Monster-High-Barbiepuppen» und ihre Nintendo-Spiele wünscht, aber gerade von ihren Paten möchte sie jeweils am Liebsten, dass diese einen Tag mit ihr verbringen. Damit konnte der Kleine vergangenes Jahr noch recht wenig anfangen. Auf die Frage seines Gottis, ob er auch gern einen Tag zusammen mit ihr hätte, antwortete er trocken: «Nein. Ich will ein grosses Geschenk!» Da können wir dieses Jahr einen Fortschritt verzeichnen: Offenbar hat er gemerkt, dass es bei Erwachsenen recht gut ankommt, wenn man sich Zeit statt Materiellem wünscht. Auf die Frage seines Paten nach seinem Weihnachtswunsch meinte er: «Weisch, Götti, ich habe ja alles. Ich wünsche mir einen Ausflug mit dir.» Der Götti, entzückt, fragte: «Und wohin sollen wir gehen?» Und mein Siebenjähriger, wie aus der Pistole geschossen: «Zu Franz Carl Weber, und ich darf mir ein grosses Geschenk aussuchen!»