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Seit 35 Jahren ist die Erforschung hochalpiner Wüstungsplätze ein Forschungsziel der schweizerischen Mittelalterarchäologie. Die Resultate der Untersuchungen präsentieren sich stark vereinfacht wie folgt: Bis ins 10. Jahrhundert wurden die Alpweiden von nomadisierenden Hirten aufgesucht, die mit ihren wohl ausschliesslich aus Schafen und Ziegen bestehenden Herden frei herumzogen.
Das im Hochmittelalter einsetzende Bevölkerungswachstum führte zu einem zunehmenden Nutzungsdruck, der die Hirten dazu zwang, sesshaft zu werden. Die ersten Alphütten wurden grösstenteils aus Stein gebaut – unter Einbezug von grossen Sturzblöcken, die als Rückwand dienten und Schutz vor Lawinen boten. Spätestens im 13. Jahrhundert tauchten die ersten noch kleinwüchsigen Rinder auf den Alpen auf. Die nun deutlich grösseren Hütten erhielten eine gut eingerichtete Feuerstelle zur Herstellung von Fettzieger.
Im 13. Jahrhundert stieg in den rasant wachsenden Städten der Bedarf an Lebensmitteln. Die Berglandwirtschaft stellte von der Subsistenz- auf eine rein exportorientierte Milch- und Fleischwirtschaft um. Es wurden grössere Kühe gezüchtet, die Milchverarbeitung auf die Produktion von haltbarem Hartkäse umgestellt. Erneut wurden die Hütten vergrössert und nun auch vermehrt aus Holz erbaut.
Die grosse Nachfrage nach Käse und Butter zwang die Bauern dazu, die anfallende Milch gemeinsam zu verarbeiten – sie gründeten Alpgenossenschaften. Diese Umstrukturierung lässt sich an den im 15./16. Jahrhundert erstellten Gebäuden gut nachweisen: Die ersten in die Hütten integrierten Ställe werden gebaut. Wegen der im frühen 16. Jahrhundert einsetzenden kleinen Eiszeit mussten die Sennen die höchst gelegene Stafel aufgeben.
Bild: Jakob Obrecht, Frenkendorf