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In dieser Situation ist also die Rede von der ökologischen Krise eine Sache unserer Wahrnehmung und unseres Konsenses. Immerhin: Spätestens dann, wenn sich die Anzeichen mehren, dass wir daran sind unsere eigenen Lebensgrundlagen zu beeinträchtigen oder gar zu zerstören, können wir wohl kaum mehr die Idee einer Krise als blosses Sprachspiel auf die Seite schieben. Dryzek selbst ist klar der Meinung, dass es eine ökologische Krise gibt. Schon in der Einleitung sagt er:
During recent years human beings have, collectively, made great strides in their capabilities to eradicate both themselves and their fellow-creatures from the planet.116
Dryzek 1987: vii.
Und die internationale Staatengemeinschaft hat seit einiger Zeit ja auch begonnen, unter den Fittichen der UNO Erdgipfel zum Thema "Umwelt und Entwicklung" abzuhalten, den ersten 1972 in Stockholm, den zweiten 1982 in Nairobi und den bisher letzten 1992 in Rio de Janeiro.117
Siehe dazu, speziell zur Rio-Konferenz und zur Entwicklung danach, Luc Hens 1996. Eine Übersicht über die Agenda 21 und die anderen Abkommen von Rio findet sich in Michael Keating 1993.
In der Art und Weise, wie die Probleme an diesen Konferenzen diskutiert worden sind, spiegelt sich ein Wandel in deren Wahrnehmung. 1972 wurden die Umweltprobleme einfach als unbeabsichtigte Folge der Industrialisierung aufgefasst und entsprechend die Meinung geäussert, sie liessen sich mit wissenschaftlich-technischen Lösungen beheben. 1982 bestand bereits ein Bewusstsein dafür, dass die Probleme über den wissenschaftlich-technischen Bereich hinausgreifen und dass sozio-ökonomische Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. 1987 brachte die von der UNO eingesetzte World Commission on Environment and Development unter dem Vorsitz von Gro Harlem Brundtland den Bericht "Our Common Future" heraus.118
World Commission on Environment and Development 1987, der sog. "Brundtland-Bericht".
Seine Grundthese ist, dass die Umwelt- und die Entwicklungsproblematik nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können und dass Lösungen für beide Seiten in einem Konzept von nachhaltiger Entwicklung anzustreben sind. Die vielzitierte Definition der nachhaltigen Entwicklung lautet:
Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.119
World Commission on Environment and Development 1987: 43.
Allerdings ist dies eine recht einseitige und lückenhafte Umschreibung dessen, was nachhaltige Entwicklung bedeuten könnte oder sollte. An der Rio-Konferenz 1992 wurde dann in der Declaration on Environment and Development ein weitergehender Orientierungsrahmen formuliert, auf den sich sowohl Industrie- wie auch Entwicklungsländer einigen konnten,120
Wie Hens 1996: 85, betont, handelt es sich dabei aber um einen wegen Interessenkonflikten mit Schwierigkeiten erarbeiteten Kompromiss, der eine stark verwässerte Version der ursprünglich beabsichtigten "Earth Charter" darstellt.
und der sich u.a. auf die in Tab.4 aufgeführten Prinzipien abstützt. In der Folge haben verschiedene Länder Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung entwickelt. Auch für die Schweiz liegt ein Aktionsplan vor,121
Siehe Conseil du développement durable 1997 und das daraus abgeleitete Strategiepapier des Bundesrates 1997.
der aber relativ bescheiden daher kommt. Er ist "kein umfassender Massnahmenkatalog für alle Bereiche der Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Er konzentriert sich auf möglichst wenige umsetzbare Aktionen und soll die im Rahmen der Legislaturplanung bereits laufenden Aktivitäten stärken und ergänzen."122
Conseil du développement durable 1997: 1.