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ACHTUNG FÄLSCHUNG!!! Aus gegebenem Anlass!! Seit Ende 2010 werden aus Osteuropa stammende WH-Splittermuster-Sachen angeboten, die fatalerweise den megaseltenen Druck mit den orangebraunen Füllflecken (ähnlicher Farbton wie Eichenlaub-Herbstfarbe) auf der helleren Seite zeigen und nicht wie üblich, die grasgrünen Füllflecken. Diese sind auch in der Literatur beschrieben, aber kaum aufzutreiben und Herkunft und Zweck werden divers diskutiert...bester Stoff für Betrüger also!!! Es dürften auf jeden Fall Zeltbahnen und Winterwende-Klamotten oder Schlupfjacken, Helmbezüge oder Mützen geben...bitte aufpassen!!! Die Metallteile der Repro-Zeltbahnen sind bei dieser Kopie aber aus Alu und nicht aus verzinktem Stahl, wie bei einer echten.
Hier ein Ratgeber zum Thema Splittertarnung. Zunächst sei hier gesagt, dass es sich wohl um die bekannteste erhaltene Tarnung der ehem. Deutschen Wehrmacht handelt. Aus diesem Stoff wurden bereits Anfang der 30iger Jahre die berühmten Dreieckszeltbahnen mit wendbarem Tarnmuster für alle Soldaten der Reichswehr und Wehrmacht hergestellt. Im Laufe des Krieges und des steigenden Bedarfs von Tarnmaterial wurde aus dem massenhaft vorhandenen Stoff diverse Kleidungsstücke genäht. (etwas befremdlich finde ich es deswegen, dass man viel öfter Sumpftarnklamotten als Originale angeboten bekommt, obwohl dieser Druck erst sehr viel später existierte) Am bekanntesten dürfte wohl der Helmbezug und die Wintertarnkombination sein (incl. Kopfhaube und Handschuhe). Darüberhinaus Tarnschlupfjacken, Feldmützen, Panzerjacken, Hosen, M-43iger Jacken usw..vieles vom Kompanieschneider...Hiervon Originale zu bekommen ist im Vergleich zu anderen Tarnungen relativ einfach, doch gibt es auch hier einige Regeln zu beachten. Zum Beispiel verfügte die Schweiz in den 30igern ebenfalls über ein fast identisches Splittermuster, mit dem einzigen Unterschied, es nur auf viereckigen Zeltbahnen zu verwenden. Diese war zwar wendbar, aber es bestand kein Farbunterschied zwischen den Seiten, wie bei der Wehrmacht und die grünen Flecken sind im schweizer Muster über gleichfarbige, grüne Striche untereinander verbunden (ich meine dabei nicht die üblichen Strichlein der Tarnung)
Das Wehrmachtmuster war deutlich zweifarbig, es gab eine grauere Seite und eine eher lehmgelbe Seite. Die Fleckenfarben waren dabei immer gleich: dunkelbraune Flächen, durchsetzt mit grünen, kleineren Fleckbereichen. Darübergedruckte Bereiche, mit den kleinen Strichlein, aus einem dunkleren Grünton. Dabei ist zu beachten, dass der "Vorhang" aus Strichlein nicht einheitlich über dem Stoff verteilt ist, sondern ganze Bereiche strichfrei bleiben. So verhält es sich mit allen Derivaten: Splitter-B der Luftwaffe, und Sumpftarnungen. Aufgrund des anderen Grüntons sind diese Strichlein auch auf den Grünen Flecken deutlich zu sehen, es ist nicht die gleiche Farbe!!! Wiederholungsrate: 50-56cm. Guter Stoff zeigt bei Nässe eine Versteifung, er wird also härter, da er sich zusammenzieht. Im trockenen Zustand sieht man im Gegenlicht kaum Poren. Schöpft man z.B. mit einem Helmbezug Wasser, würde unten kaum was "ausfließen" sondern nur stark tropfen.Vergleichbar, mit gut erhaltener oliver Bundeswehrzeltbahn...die kommt dem Original am nähesten in dem Verhalten und ist billig zu kriegen.
Hier im Vergleich von links nach rechts:
Links Originalzeltbahnausschnitt mit Identifizierungsfleck in der Mitte (sieht wie ein nach links springender Hase aus) die mittlere Zeltbahn zeigt den Tönungsunterschied der beiden Seiten, wenn auch nicht so deutlich wie bei der rechten. Der Spezialfleck ist am unteren Bildrand auch wieder zu sehen, nur springt er da nach rechts.
Die rechte Bahn ist in super Farben gedruckt, aber--- ein Repro!!, auf dem das Spezialfleckchen fehlt!! Der findet sich aber in der Regel auf jedem größeren Originalstück. Manchmal allerdings ist der Schnitt einer Jacke oder Hose ungünstig und man kann den Fleck nicht komplett erkennen.
Der Gag ist, dass alle Sumpftarnvarianten denselben Fleckverlauf haben wie die Splittertarnung, nur eben meist andere Farben haben und die Randübergänge verwischt sind und andere Farbzusammenstellung haben!!
hier seht ihr den Fleck auf einem Sumpf-43 einer Winterwendejacke: hüpft von links nach rechts Richtung rechtem Ärmelansatz...
Die Farben der Splittertarnung sind vielfältiger Natur, die Braunen Flecken können dunkelbraun bis rötlich erscheinen, die grünen hell bis dunkelgrün...alles möglich. Die Grundfarben sind auf der dunklen Seite ein Mittelgrauton, auf der anderen ein Lehmgelb.
Es ist anzumerken, dass die Anordnung und Form dieser Zeltbahnflecken zwar immer gleich war, aber die Flecken im Detail nicht unbedingt...so kann man z.B. den "Hasen" mal mit spitzer und mal mit breiter "Schnauze" finden...aber man erkennt immer den Hasen...Es kam auch vor, dass diverse Hersteller im Vergleiche zueinander, die Flecken in unterschiedlichen Größen druckten, also quasi Zoom-Effekte auftraten. Die Anordnung der Flecken zueinander war aber immer gleich
Neben der Wehrmachtsplittertarnung gab es noch eine Luftwaffenvariante oft als Splitter-B bezeichnet, die sich in den Farben unterscheidet und besonders darin, dass die Splitterflecken wesentlich zerklüfteter und kleiner sind!! Es ist wirklich ein ganz eigenes Muster, das lediglich von dem des Heeres inspiriert wurde!!! Daraus wurden offiziell Knochensäcke, Felddivisionstarnjacken und Helmbezüge geschneidert. Evtl. noch Feldmützen und diverse Kompanieschneiderstücke in Feldjackenform. Benutzt wurde das Muster also von Fallschirmjägern und infanteristisch eingesetzten Luftwaffen-Felddivisionen! Auch hier wurden die Flecken mit einem Strichmuster partiell überdruckt, die auch einen eigenen Grünton hatten also auf allen Bereichen sichtbar sind!!
hier zwei Felddivisionstarnjacken als Repros: links korrektes Luftwaffenmuster, rechts günstige Variante mit Pseudo-WH-Zeltbahnmuster...Hier ist zu bemerken, dass originale Felddivisionsjacken meist aus Fischgrät (HBT) oder Popelin (Zeltbahnstoff) hergestellt waren. Gabardine (das mit der Diagonalwebung) war eher die Ausnahme und vor allem bei den Sumpf-Mustern üblicher. Die rechte Jacke weist keine der Stoffeigenschaften von Originalen auf, erstens zu grob gewebt, zweitens auch kein HBT und ist nicht wasserabweisend. Das gilt auch für die Variante Sumpftarn des Herstellers. Schönes Reenact-Zeug aber nix für die Vitrine also.
Hier im Vergleich der Knochensack: links korrektes LW-Splitter, rechts WH-Splitter der Zeltbahn allerdings aus korrektem Musterdruck. wieder sieht man deutlich die wesentlich zerklüftetere LW-Musterung
Ich hab keine Ahnung ob es in echt auch Knochensäcke aus WH-Splitter gab, aber in der Regel waren die Beschaffungsämter unabhängig und somit sollte es nur selten zu Überschneidungen gekommen sein, was aber nicht heißt, dass es nicht möglich ist, aber eher ungewöhnlich. Einen Unterschied gibt es wohl aber doch, der bezieht sich jedoch auf Winterwendesachen: Die Luftwaffenjacken oder Hosen aus Sumpf oder Splitterstoff ware oft nicht auf weiß wendbar sondern gänzlich innen mit bläulichgrauem Satin (Speckseiten) ausgeschlagen. Wobei ich auch gleich darauf hinweisen darf, dass es aus dem Splitter B-Stoff keine Wintersachen gab. Bei der Art Kleidung bediente man sich komischerweise doch nur beim Heeresmuster.
Anmerkung: Eine spezielle Luftwaffen-Sumpftarnvariante, mit aufgelockerten Fleckrändern, konnte ich nirgends finden, auch wenn manche Literatur einige Stücke so identifizieren will.
Was es wohl aber gab, war eine Splittervariante im Luftwaffenmuster, die vertauschte Farben hatte, also ählich wie Sumpftarnung wirkt aber scharfe Kanten hat. Am Muster liegts jedenfalls nicht...das entsprach beim richtigen Sumpfmuster immer dem WH-Zeltbahnmuster, egal ob 44er oder 43 Sumpfvariante. Vielleicht gabs für die Luftwaffe mal andere Farbtöne, die das Heer nicht verwendete??? Konnte aber nichts dergleichen rauskriegen....
Bei allen hier gezeigten Tarnmustern können die Farbtöne durchaus variieren, aber im großen und ganzen sind die Töne gleichgeblieben. Es gab wohl aber auch Splitterdrucke die in Sumpftarnfarben realisiert wurden und es soll auch Zeltbahnen in Splitter gegeben haben, die statt grüne Flecken, Orangebraune hatten, wie bei den Herbstmustern der Waffen-SS-Tarnungen. Davon hab ich bisher nur Fälschungen gesehen, meist Zeltbahnen oder Kopfhauben. Erstens sau-selten, zweitens machten die Fälscher den Fehler die Grundtönung so wiederzugeben wie sie in der Literatur von einem zu lange gelagerten Kodak-Film mal abgedruckt wurde mit "lila-pink-Stich", man kennt das ja von alten Fotos, wenn die Filmkasette zu lange aufgehoben wurde bevor man sie entwickeln ließ!! Mr. Palinckx schreibt in seinem Buch, dass die Grundtönung auch dieser seltenen Variante grau war und eben nicht pink-grau! Es stimmt auch nicht, dass diese Planen für die SS oder die Tropen bestimmt waren, reiner Fehldruck oder Versuchsmuster!!Im Buch ist auch der einzige Knochensack abgebildet aus WH-Zeltahn-Splittermuster, eben genau in dieser rostbraunen-Variante. Eine belgische Firma stellte diese Druckvariante wohl im Krieg, in relativ geringer Stückzahl her. Ehrlich gesagt, halte ich auch den beschriebenen Knochensack für eine Nachkriegsarbeit oder Einzelstück...scheint nämlich der einzige zu sein, der immer wieder in der Literatur auftaucht, ebenso wie der in Erbsentarnung....
Abarten: Die Schweiz produzierte in den 40igern auch ein Splittermuster, das nahezu identisch ist mit dem WH-Muster, allerdings gabs nur rechteckige Zeltbahnen und Taschen für die Zeltstangen. Der Unterschied ist leicht zu erkennen: alle grünen Flecken innerhalb eines braunen großen Flecks, sind mit dünnen Stegen gleicher grüner Farbe verbunden...Daneben gab es noch ein französisches Splittermuster, das nahezu gleiche Farben wie das WH-Muster, aber deutlich andere Fleckenformen aufweist..es ist ein Zwischending zwischen WH-Zeltbahn und WL-Muster, diese wurden im Indochina-Krieg verwendet......Was ich hier noch gesehen habe ist das polnische Fallschirmjäger-Splittermuster aus den 50igern...als Original WH natürlich angeboten, weil die Jacken alt aussehen: Dieses hat aber deutliche Unterschiede zu WH-Muster: 1. die Grundfarbe ist ein helles Grüngrau, 2. Die braunen Musterflecken sind hier hellgrün und 3. Die kleineren grünen Flecken sind eigenartig Lilabräunlich, die Strichlein schwarzgrau...Es können Schlupfjacken oder Hosen auftauchen, die im Schnitt aber nichts mit WH-Sachen zu tun haben...selten ist das Zeug durchaus und auch sammelwürdig, aber hat nix mit original Wehrmacht zu tun und ist auch kein Spezialdruck, wie mancher behauptet....
Es gab wohl auch Versuche mit Wintertarnungen auf Splitterbasis. In der Literatur werden Drucke beschrieben, in denen nur die braunen Flecken mit dem Strichmuster auf weißem Stoff gedruckt wurden, nur für Winterklamotten aber die scheinen nur auf Versuchsmuster beschränkt gewesen zu sein...auch den Sumpf-43 Druck hat man so versucht, aber dann braun auf weiß.
Die Repro-Szene ist im Splittertarnbereich ziemlich gut geworden, und die Muster und Farben stimmen gut mit Originales überein, das macht die Identifikation "auf alt" getrimmter Stücke schwer, und macht klar dass es eben auch diese braune Variante leicht geben kann...ist ja nur der Austausch einer Farbe... Auf der anderen Seite sind die Preise für Splittertarnungen nicht im entferntesten so hoch wie bei anderen Tarnvarianten. Originale Zeltbahnen kriegt man so um die 50-100€. Wenn man mal eine hat, dann besitzt man auch eine gute Vorlage zum Vergleichen (Stoffqualität usw.) ideal wäre eine späte und eine frühe Ausführung. Weil der Stoff etwas lulliger und weicher wurde am Ende.
Das Splittermuster wurde für Schlupfjacken auch auf Fischgrät-Drillich-Stoff gedruckt, dieser wie gesagt, entsprach aber dem groben Kriegsstoff, der heute fast nicht mehr zu kriegen ist. Dies gilt auch für Sumpftarnschlupfjacken und Scharfschützenjacken mit Kapuze. Es handelte sich nicht immer um das regendichte Popeline, der Zeltbahnen und W-SS-Schlupfjacken. Kurioserweise sind wohl viele fabrikmäßig hergestellten Helmbezüge aus diagonalgewebtem Gabardine-Baumwollstoff gefertigt. Beim Schnitt ist die Besonderheit, dass diese Helmbezüge 5-Teilig sind, nicht dreiteilig wie bei der Waffen-SS. Aus Zeltbahn sind bei der Wehrmacht meist nur die feldmäßigen aus Reststoffen oder kaputten Zelten gefertigt.
Da ich so früh die erste negativ-Bewertung gekriegt habe, ist mir klar, dasse ein Ratgeber zum Thema Splittertarnung überfällig war...Danke!! Das ehrt mich!