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Eigentlich wollte der Schweizer Alpen Club (SAC) den Personenkult in den Bergen radikal unterbinden; zu diesem Zweck sollten die Hütten und Gipfel, die Namen von Personen trugen, umbenannt werden. Doch einige wenige konnten ihren angestammten Namen trotzdem behalten: Die Jenatschhütte ist eine davon. Warum?
Vielleicht weil Jürg Jenatsch ein Bündner war und mehr als nur 'irgendein' Bündner. Jürg Jenatsch war eine schillernde Persönlichkeit, die man mit Fug und Recht ganz unterschiedlich beurteilen kann. Paul Meinherz schreibt: "Er hat den alten Freistaat der Bündner eigenwillig aus der schwierigsten Lage herausgeführt, und die Bündner wären ganz gerne stolz auf diesen erzschlauen, tollkühn kämpfenden Politiker, der zum Wohle Alt Fry Rätiens die Höfe von Wien und Paris mit grossem Geschick gegeneinander ausspielte. Doch den Instrumenten, die er einsetzte fehlte der Wohlklang, sie tun einem immer noch weh: Mord, Verrat und masslose Machtgier."
Deshalb wohl erhielt Jürg Jenatsch nirgends ein Denkmal. Dafür widmeten sich ihm Künstler (zB Conrad Ferdinand Meyer, Hans Mohler oder Daniel Schmid). Möglicherweise sind sie seiner Eigenart näher gekommen, als die Historiker.
Und auch die Jenatschhütte sowie der Piz Jenatsch sind geblieben.
Die Chamanna Jenatsch wurde 1908 von der Sektion Bernina des Schweizer Alpen Clubs erbaut. 1931, 1949 und 1974 fanden jeweils Umbauten statt und 1993 wurde sie weitgehend neu gebaut.
Jürg Jenatsch - eine Kurzfassung des Geschehens
Der andere schweizerische Nationalheld neben Wilhelm Tell: Jenatsch kämpft für die Freiheit seines Landes.
- Jürg Jenatsch kämpft im Dreissigjährigen Krieg für die Befreiung Graubündens, das wegen seiner stategisch günstigen Lage von Spanien und Österreich bedroht wird.
- Er wirkt zunächst als protestantischer Pfarrer, wird aber durch die politischen Umstände dazu gebracht, sein Amt aufzugeben.
- Das mehrheitlich protestantische Graubünden setzt sich gegen die katholische Fraktion im Land zur Wehr, und Jenatsch wird in die Religionskonfilkte hineingezogen.
- Nach dem Tod seiner Frau wird er zum Anführer der aufständischen Bündner. Er tötet Pompejus Planta, das Oberhaupt der katholischen Fraktion.
- Damit zerstört er die Aussicht auf eine Beziehung zu seiner Jungendliebe Lucretia, der Tochter von Pompejus.
- Jürg Jenatsch kennt im Kampf für sein Vaterland kein Mass: Er verdingt sich als Söldner, erst bei den Schweden, dann in Venezien.
- Später versucht er, Bünden mithilfe des Herzogs Heinrich Rohan und im Bund mit Frankreich zu befreien.
- Als diese Pläne scheitern, macht er mit den Spaniern gemeinsame Sache. Graubündens Unabhängigkeit in den alten Grenzen wird schliesslich wiederhergestellt.
- Bei der Siegesfeier zu Jenatschs Triumpf nimmt Lucretia späte Rache und erschlägt ihn mit einem Beil.
"Jürg Jenatsch" ist der bekannteste Roman des Schweizer Dichters Conrad Ferdinand Meyer. Erzählt wird die Geschichte eines historischen Volkshelden aus Graubünden. inselverlag, 1988, 356 Seiten, Erstausgabe: 1876, Leipzig.
Der Autor setzt den Charakter des Helden aus vielen Puzzlestücken zusammen. Jeder Leser kann sich ein eigenes Bild des urwüchsigen Freiheitskämpfers machen. Meyer verdeutlicht in dem Roman seine Haltung, dass Politik und Moral unvereinbar sind.