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Der Artikel wirft einen kritischen Blick auf die gegenwärtige Theorie und Praxis palliativer Versorgung (Palliative Care), auf ihren Umgang mit dem Sterben und mit Sterbenden und auf die zugrundeliegende Leitvorstellung von einem guten Sterben. Dabei wird Foucaults Begriff der Biomacht als Beschreibungs- und Deutungskategorie zu Rate gezogen. Weil mit Palliative Care das Anliegen verfolgt wird, ein gutes Sterben zu ermöglichen, sind vielfältige Kriterienkataloge und Messinstrumente entstanden, um die Behandlungen nach wissenschaftlichen Maßstäben zu planen und ihren Erfolg zu bestimmen. Im Lichte des Begriffs der Biomacht zeigen sich potenziell problematische Aspekte dieser Entwicklung, die im bioethischen Diskurs üblicherweise verborgen bleiben. Indem die Lebensqualität von Sterbenden verbessert und zu diesem Zweck nicht allein körperliche Beschwerden, sondern auch psychisches, soziales und spirituelles Leiden gelindert werden soll, verschreibt sich die Palliative Care-Bewegung in einer Weise der Steigerung des Lebens, die den Einzelnen überfordern kann und seinen eigentlichen Bedürfnissen womöglich nicht gerecht wird.