Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03352.jsonl.gz/867

Inseln im Distrikt Camamu sind: “Ilha Grande“, “Barra Grande”, “Ilha do Campinho“ u.v.a.
Das kleine, 1561 von Jesuiten gegründete Städtchen “Camamu“, am Ufer des Rio Acarí, ist das Tor zur reizvollen Halbinsel “Maraú“, die der drittgrössten brasilianischen Meeresbucht, (nach der Allerheiligen – Bucht vor Salvador und der Guanabara-Bucht vor Rio de Janeiro), der “Baía de Camamu“ vorgelagert ist. Das Städtchen wurde einst, ähnlich wie Salvador, auf zwei Ebenen angelegt – einer Unter- und einer Oberstadt – oben befindet sich der historische Teil – eine Kirche, um die sich antike Gebäude aus der Kolonialzeit gruppieren, und unter anderem auch eine Aussichtsplattform, von der man die gesamte Bucht überblickt.
Der untere Teil wird vom offenen Markt und dem Hafen beherrscht, von dem aus man die einzelnen Inseln der Camamu-Bucht anfahren kann. Vom Tourismus noch wenig berührt, kann die Stadt mit einigen bescheidenen Pousadas und Restaurants aufwarten, aber für die meisten Besucher ist Camamu nur eine Durchgangsstation, sie ziehen es vor, sich an den herrlichen Stränden der Halbinsel “Maraú“ einzuquartieren oder in deren Zentrum “Barra Grande“ an ihrer Nordspitze.
Denn die interessantesten Sehenswürdigkeiten liegen in der Camamu-Bucht: Paradiesische Inseln, interessante Fischer-Siedlungen, herrliche Strände, Dendé- und Kokospalmen, Atlantischer Regenwald, Mangrove-Dschungel und saubere Flüsse. Ein Boot, beziehungsweise ein lokaler “Saveiro“ (mit Segel bestücktes, ganz aus Holz gefertigtes Schiff, das noch heute nach kolonialem Vorbild angefertigt wird), ist das beste Transportmittel in dieser Inselwelt. Allerdings kann man auch ein schnelleres Motorboot anmieten – aber selbst damit muss man sich Zeit nehmen, um die vielen attraktiven grossen und kleinen Inseln kennenzulernen. Wer die Zeit hat, der sollte sich mal “Barcelos do Sul” – die “Ilha do Tanque” – “Cajaíba“ – die “Ilha das Flores“ – die “Ilha Pequena“ und auch etwas abgelegene Sehenswürdigkeiten wie den “Rio Maraú“ und den Wasserfall “Cachoeira do Tremembé“ ansehen.
Ein paar der interessantesten Inseln haben wir hier kurz beschrieben: Die “Ilha Grande“ – sie ist die grösste Insel innerhalb der Camamu-Bucht, 1.500 Einwohner leben auf diesen vier Quadratkilometern. Hier gibt es einen Hafen und viele schöne Strände – wie “Enseada, Furado, Cantagalo, Taiti“ und “Caravelas“ – mit ruhigem, sauberem Wasser und einer bescheidenen Kiosk-Struktur. Der Strand “Prainha“, auf der Nordseite, präsentiert dem Besucher ein kinoreifes Landschaftsbild.
Nicht ein einziges Auto gibt’s auf der Insel – die “Strassen“ sind als Gehwege angelegt, um auf sich ihnen zu Fuss fortzubewegen. Und das ist auch die beste Methode, die Insel kennenzulernen. Es gibt hier ein paar Wochenendhäuser und einige Pousadas. Eine Kommune von Fischern lebt hinter einer Felsenbarriere, im Schatten von Obstbäumen – sie widmen sich ihren traditionellen Fangmethoden und der Herstellung von Kunsthandwerk.
Nur drei Kilometer von “Barra Grande” entfernt liegt die kleine “Ilha do Campinho“ mit einem Fischervölkchen. Sie ist bekannt durch das Haus, in dem einst der Autor des “Kleinen Prinzen“, Antoine de Saint-Exupéry, sich in den 30er Jahren vorübergehend niedergelassen hatte. Weil das Meer an dieser Stelle besonders tief ist, zog die Regierung in Erwägung, hier einen Industriehafen anzulegen – der dann aber (glücklicherweise) nach Ilhéus verlegt wurde. Mit ihrem sauberen, ruhigen Wasser, umgeben von Korallenriffen, ist “Campinho“ einer der besten Tauchplätze der Umgebung. Auch der Strand, der eine hufeisenförmige Bucht umgibt, ist fast einsam und ideal für Sonnenanbeter, die Ruhe suchen. Aber verpassen Sie auf keinen Fall das Mittagessen im Restaurant der “Dona Nonó“ – ein Gedicht!
Ein bisschen weiter rein in die Bucht – von “Barra Grande“ aus – erreicht man die Siedlung von “Sapinho“, einer kleinen Insel mit viel Mangrove-Dschungel. Der Besucher kann hier die verschiedensten Früchte direkt vom Baum pflücken: Mangos, Carambolas (Sternfrucht), Kakao, Cajus, Jenipapos, Araçás, und viele andere. Bescheidene Bars und rustikale Restaurants servieren gebratenen Fisch, Krebse, Krabben, Langusten und diverse “Moquecas“ (Eintopfgerichte), die mit Dendé-Palmöl und viel Pfeffer gewürzt sind – man kann sogar die Fische und Krustentiere noch lebend selbst aussuchen – dieses exotische Mittagessen sollte man nicht versäumen. Direkt vor der Siedlung, getrennt durch einen schmalen Meeresarm von nur 200 Metern Breite, liegt die winzige “Ilha do Goió“ – sie besitzt schöne, verlassene Strände, an denen man interessante Muscheln findet. Der Sand ist weiss und sehr fein, das Wasser ganz ruhig und warm.
Die “Ilha da Pedra Furada“ (Insel des durchbohrten Felsens) ist eine der berühmtesten Inselchen in der Bucht – sie liegt 30 Bootsminuten entfernt von “Barra Grande“ und 1 Stunde von “Camamu“ entfernt. Ihren kuriosen Namen hat sie von einem Felsen, in den die Erosion ein kreisrundes Loch gegraben hat. Die Natur präsentiert sich hier mit Mangroven, Atlantischem Regenwald, grossen Felsen, ruhigen Stränden und einem tiefblauen Meer. Die Insel ist so klein, dass man sie mühelos zu Fuss überqueren kann. Aber sie besitzt eine natürliche Süsswasserquelle und einen Strand mit kristallklarem Wasser. Obwohl in Privatbesitz, ist die Insel für Besucher geöffnet, und in der Hochsaison können diese die Spezialitäten eines einzigen Restaurants geniessen, das dann dem Publikum offensteht, welches durch die schönen Szenarien der kleinen Insel angelockt wird.
Wenn man “Cajaíba“ erreicht, hat man den Eindruck, sich in einem Dörfchen des Inlandes zu befinden, und nicht an der Küste – eine einzige Reihe sehr bescheidener, bunter Häuschen schart sich um die Kapelle zu Ehren des Heiligen Franz von Assisi. Er ist der Schutzheilige der Insel und wird im Monat Oktober mit einem ausgedehnten Fest geehrt – einer Messe, einer Prozession, gutem Essen und Trinken in den zahlreichen Kiosken entlang des Hafens – Gelegenheit zum Probieren der selbstgebrauten Fruchtliköre, Cachaças und lokalen Leckerbissen.
Eine Länge von acht Kilometern hat die dem Ort vorgelagerte “Ilha de Cajaíba“, an der Mündung des Rio Sergi – ein schmaler Wasserarm trennt sie vom Kontinent. Neben dem Bootsausflug, der einzig möglichen Art und Weise, die Insel zu erreichen, sollte man auch eine Wanderung auf ihr einplanen – besonders der Weg zu einem kleinen Privatstrand auf der gegenüberliegenden Seite lohnt sich bestimmt. Der dort liegende Gebäudekomplex aus der goldenen Zeit der Zuckerbarone ist in gutem Zustand. Er besteht aus dem Herrenhaus (Casa Grande), den Sklavenquartieren (Senzala), der eigentlichen Zuckerfabrik (Engenho) und Hunderten von Königspalmen.
Aus der Geschichte: Erstbesitzer war der dritte Generalgouverneur von Brasilien, Mem de Sá – 1584 quartierte sich dort Gabriel Soares ein, Historiker und als Fabrikleiter (Senhor do Engenho) berufen. Niemand hat jedoch für soviel Wirbel gesorgt und so vielen Legenden Stoff geliefert, wie der berüchtigte “Baron von Cajaíba“, der drei Jahrhunderte später das Anwesen übernahm. Bekannt und gefürchtet war er wegen der unbarmherzigen Behandlung aufsässiger Sklaven und seiner Feinde, die er noch lebend durch einen Schacht ins Meer werfen liess.
Tipp: Es empfiehlt sich, mit der “Secretaria de Turismo Municipal“ vor einem Inselbesuch Kontakt aufzunehmen, um ein Besuchs-Permit der Insel zu bekommen.
Eine weitere empfehlenswerte Insel ist die “Ilha do Quiepe“ – sie liegt vor der Einfahrt zur Camamu-Bucht im offenen Meer. Ihr Strand, begrenzt von einem ausgedehnten Palmenwald, ist umwerfend schön. Die Insel ist in Privatbesitz, deshalb ist eine Besuchserlaubnis unumgänglich.
So kommt man nach Camamu: Anflughafen Salvador – weiter 350 km auf dem Landweg in Richtung Süden.