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Der Winter kam mit den ergiebigen Schneefällen Ende Oktober sehr früh ins Land. Im darauffolgenden November war die kalte Jahreszeit aber kaum noch zu spüren. Die erste Dezemberhälfte brachte darauf mit Kälte und sehr viel Schnee ein richtiges Wintermärchen. War dies nur der Beginn eines langen, strengen Winters oder ist damit der Höhepunkt bereits erreicht?
Summierte Neuschneesummen der letzten Jahre in Zürich-Witikon 608 m.ü.NN. So viel Schnee bis Mitte Dezember gab es in den letzten 6 Jahren nie!
Deutlich früher als in anderen Jahren erfasste mit einer kräftigen Nordlage bereits am 27. Oktober 2012 polare Luft die Alpennordseite und löste dank Feuchtezufuhr aus dem Mittelmeerraum ergiebige Schneefälle aus, welche sogar über das Flachland eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Schneedecke legten. So rasch wie der Winter Ende Oktober kam, so schnell wurde er auch wieder aus dem Alpenraum verbannt, denn was danach kam, war erneut sehr mildes Novemberwetter. Nur wenige Tage später schossen die Temperaturen mit Südföhn in den Alpentälern wieder auf 21,5 Grad. Die Nullgradgrenze befand sich teils wieder bei 3000 Meter über Meer, wie MeteoSchweiz mitteilte. Um die Monatsmitte stellte sich die sehnlichst erwartete herbstliche Hochdrucklage ein mit Nebel im Flachland und milden und sonnigen Verhältnissen in den Bergen. Sogar auf dem Jungfraujoch, 3580 Meter über Meeresniveau, kletterte das Thermometer auf plus 3,2 Grad. Die Novembertemperaturen bewegten sich in den Berglagen 2 bis 3 Grad über der Norm der Jahre 1961 bis 1990. In der übrigen Schweiz war der Wärmeüberschuss mit 1,5 bis 2,5 Grad etwas kleiner. Somit gehört der November 2012 schweizweit zu den 10 wärmsten seit Messbeginn im Jahre 1864. Auf dem Zürichberg wurden anders als vor einem Jahr, als im November überhaupt kein Niederschlag fiel, leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen beobachtet. Zumindest zeigte sich die Sonne 64 Stunden in der Limmatstadt, was einem Plus von 10 Prozent entspricht.
Warmer Herbst
Der milde November lieferte dann auch den grössten Beitrag zum herbstlichen Temperaturüberschuss. Nachdem der September und Oktober nur marginal übertemperiert waren, resultierte am Ende des Herbsts doch ein Wärmeüberschuss von rund einem Grad in Zürich und bis 2,4 Grad in hohen Lagen. Praktisch in der gesamten Schweiz war der Herbst 2012 ausserdem zu nass. In Basel wurde beinahe die doppelte Niederschlagsmenge registriert. Im Flachland führte der zähe Nebel zudem auch zu einem kleinen Sonnenscheindefizit. Eine Ausnahme machte dieses Jahr Zürich, wo die Sonne sogar einige Überstunden machte. Wie jedes Jahr gehört auch die Blattverfärbung und der Blattfall zum Herbst. Generell fand die Verfärbung heuer mehrheitlich im normalen Zeitraum statt, wie MeteoSchweiz schreibt. Allerdings war die Streubreite sehr gross, so dass sich die Blätter in einigen Regionen sehr früh und an anderen Orten ausserordentlich spät verfärbten. Im Flachland verschiebt sich die Blattverfärbung tendenziell nach hinten. Auch der Blattfall rückt vor allem in höheren Lagen oberhalb von 1000 Meter nach hinten, so dass sich die Vegetationsperiode verlängert. Der grösste Effekt hat dabei aber die deutlich frühere Blütezeit im Frühling, welche in den letzten Jahre beobachtet werden konnte.
Massen von Schnee
Die ergiebigen Schneefälle und die Fröste in der ersten Dezemberhälfte haben auch die letzten Blätter von den Bäumen geholt und die Pflanzen in den Winterschlaf geschickt. Der erneute und definitive Wintereinbruch Anfang Dezember war sehr eindrücklich. Bis Mitte Dezember gab es auf dem Zürichberg an mindestens 10 Tagen Neuschnee und bereits am 10. Dezember summierten sich die Neuschneemengen auf einen Meter! Da die Schneedecke immer wieder komprimiert wurde und teilweise wegschmolz, lag die maximale Schneehöhe „nur“ bei 30 Zentimeter. Das bereits vor Dezembermitte (aufsummiert) einen Meter Neuschnee auf dem Zürichberg fällt, ist doch eher aussergewöhnlich. Im letzten Winter fielen über den ganzen Winter betrachtet nur gerade 60, noch ein Jahr früher 95 Zentimeter. Im Winter 2008/09 wurde die 1-Meter-Neuschnee-Marke erst im Februar, 2009/10 sogar erst im März überschritten. Über den gesamten Winter betrachtet war die Saison 2008/09 mit einer Neuschneesumme von 1 Meter 90 die schneereichste der letzten Jahre. Der diesjährige Winter könnte dieser Marke sehr nahe kommen, oder war die schneereiche erste Dezemberhälfte bereit der Höhepunkt des Winters?
Anfang oder Ende?
Wie bereits im letztjährigen Winter wurde die winterliche Kältewelle mit Schnee auch diesen Dezember von einem Aufspalten des polaren Wirbels (Vortex) über der Arktis ausgelöst. Forscherkreise diskutieren, ob das gehäufte Auftreten dieses Phänomens in den letzten Jahren mit der rasanten sommerlichen Eisschmelze am Nordpol zusammenhängt, welche im Frühwinter grosse Energieflüsse in die Atmosphäre über der Arktis verursachen und so diesen Wirbel stören. Fakt ist, dass die Winter der letzten Jahre (vier der letzten acht Winter waren leicht zu kalt) dem starken Erwärmungstrend etwas trotzen. Kalte Wintermonate können in jüngster Zeit zudem immer mit einer Störung dieses Arktischen Wirbels in Zusammenhang gebracht werden. Der arktische Wirbel bestimmt deshalb, ob nun auch der restliche Winter kalt sein und weitere Schneefälle bringen wird. Bereits letzte Woche setzte mit lebhaftem Südwestwetter Tauwetter ein und die Temperaturen stiegen in den Alpentäler bis 10 Grad, ein Zeichen dafür, dass sich die Strömung rund um den Nordpol erholt hat. Falls sie erneut zusammenbricht, schwappt die nächste Kältewelle in die Schweiz. Bleibt sie hingegen stabil, liegt der Höhepunkt des Winters bereits in der Vergangenheit.