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Unter dieser Rubrik präsentieren wir jeden Monat ein Werk unserer Bibliothek, das in ästhetischer, bibliografischer oder historischer Hinsicht einen besonderen Stellenwert besitzt
Das Exemplar unserer Bibliothek gehörte, wie zahlreiche andere Werke unseres Bestandes, Alexander Tschirch, was auch dessen Exlibris, aber auch die Widmungen des Autors bekunden. Es kam danach in die Bibliothek des Pharmazeutischen Instituts der Universität Bern und schliesslich in den Bestand der Historischen Bibliothek der Schweizer Pharmazie.
Carl Hartwich wurde am 26. März 1851 im damalig preussischen Tangermünde als Sohn eines Apothekers geboren. Nach der für die Zeit üblichen Lehr- und Konditionszeit studierte er in Berlin Botanik, Chemie und Pharmazie. Nach seinem Fachexamen als Apotheker 1879 übernahm er die väterliche Offizin, die er nach 12 Jahren verkaufte, um sich der Wissenschaft zu widmen. So kam er in die Schweiz und wurde 1892 an der Universität Bern unter der Leitung von Alexander Tschirch mit einer Arbeit mit dem Titel Beitrag zur Kenntnis der Strophanthus und einiger mit denselben verwandten Samen promoviert. Es folgte im selben Jahr eine steile akademische Karriere mit einer Habilitation an der ETH Zürich und ebenso in Zürich die Berufung als Professor für Pharmakognosie, Pharmazeutische Chemie und Toxikologie und Vorsteher des ein Jahr zuvor gegründeten Pharmazeutischen Instituts.
Wohl von seinem Doktorvater aber auch von Friedrich August Flückiger beeinflusst, beginnt Hartwich eine rege Tätigkeit als Autor von pharmazeutischen Studien, die vorwiegend die exotische Pflanzenwelt behandeln, eine Aktivität, die von der Gründung einer reichen pharmakognostischen Sammlung und von einigen botanischen Reisen begleitet wird. Viele Forschungen sind den Genussmitteln gewidmet, ein Gebiet, das der Zürcher Professor meisterte. Unsere Bibliothek ist reich an dessen Werken, und die ganze Welt ist vertreten, wie diese Datei zeigt.
So erstaunt es nicht, dass unser „Buch des Monats“ die Genussmittel behandelt, auch ein Gebiet, dass eine Stärke unserer Bibliothek darstellt.
Was bringt Hartwich?
Nicht nur eine Auflistung von Drogen, sondern einen offenen, breiten Blick über die Genussmittel der ganzen Welt.
· Die pharmazeutischen und pharmakologischen Elemente sind selbstverständlich vorhanden.
· Eine weitgehende Betrachtung des geschichtlichen Hintergrunds der einzelnen Mittel.
· Geografische Betrachtungen, die oft mit Karten ergänzt werden.
· Ethnografische Anblicke, mit zahlreichen Abbildungen.
Unser Buch des Monats zeugt von drei Hauptrichtungen der Pharmakognosie um 1900 und unserer Bibliothek: die Suche nach einem historischen Grundgerüst, nach ethnografischen und sozialen Elementen und die Lust nach der Ferne, das Erpicht Sein auf das Exotische. Es bildet ein wichtiges Zeugnis der pharmazeutischen Wissenschaften dieser Zeit und ist heute noch ein beachtliches Dokument für die Forschenden.
Literatur (Auswahl)
· Bähler, Andrea, Die akademische Ausbildung der Apotheker im Kanton Zürich bis 1990: die Entwicklung des Apothekerberufs von einer handwerklichen zu einer wissenschaftlichen Disziplin, Bern Liebefeld, 2013. IMG PH H 603.
· Flückiger, Friedrich August, Pharmakognosie des Pflanzenreiches, 3. Aufl. mit einem geschichtlichen Anhange, Berlin, 1891. IMG PH B 13.
· Kokoschka, Knut, Carl G. E. V. Hartwich (26.3.1851-25.2.1917): sein Beitrag zur Pharmakognosie, Pharmazie und Ethnomedizin im deutschen Sprachraum und sein Wirken an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, Berlin, 1989. IMG WZ 100 H337.
· Ledermann, François, Ruppen Sara, Burkhalter, Pia, Von Büchern und Menschen, Bern 2021. IMG PH N 115.
· Ruppen, Sara, Brauer und Apotheker – eine seltsame Personalunion: ein Beitrag zur pharmazeutischen Geschichte des Bieres, Stuttgart, 2020. IMG PH N 96.