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Selbstverständlich war es auch in Austin sein Ziel gewesen, als Erster ins Ziel zu kommen. Er wollte seinen neuerlichen Titelgewinn standesgemäss perfekt machen. Dass aus dem sechsten Sieg auf dem Circuit of the Americas nichts werden würde, hatte sich aber schon am Samstag nach dem Qualifying abgezeichnet. Für einmal war Hamilton nicht in der Lage, das Potenzial des Autos in vollem Umfang auszureizen.
Platz 5 in der Startaufstellung erwies sich als zu grosse Hypothek. Der Brite stiess zwar zu Beginn auf Kosten von Charles Leclerc und des kurz darauf mit gebrochener Radaufhängung ausgeschiedenen Sebastian Vettel in den Ferrari an die dritte Stelle vor. Und weil er seine Fahrt im Gegensatz zu Bottas und Max Verstappen zum Reifenwechsel nur einmal unterbrach, lag Hamilton zwischenzeitlich sogar in Führung. Doch der Gummiverschleiss am Mercedes war zu gross. Vier Runden vor Schluss musste Hamilton Bottas wieder passieren lassen. Der aus der Pole-Position gestartete Finne feierte seinen siebten Grand-Prix-Sieg, den vierten in diesem Jahr.
So knapp den elften Saisonsieg verpasst zu haben, wurmte Hamilton im Innersten natürlich schon. Am Ende machte sein Ehrgeiz aber logischerweise der uneingeschränkten Freude Platz. Der grossen Party stand nichts mehr im Weg. Der Rahmen dafür passte bestens. Wie vor vier Jahren konnte er sich in Austin als Weltmeister feiern lassen - auf einer seiner Lieblingsstrecken an einem für ihn besonderen Ort in dem Land, das längst zu seiner zweiten Heimat geworden ist und in dem er einen Grossteil seiner Zeit abseits des Berufsalltags verbringt.
In die USA wird Hamilton nicht nur als Privatmann zurückkehren, sondern weiterhin auch als Formel-1-Fahrer. In den vergangenen Tagen hat er bei jeder Gelegenheit immer wieder betont, dass für ihn das Ende der Karriere noch kein Thema ist. Dabei waren Michael Schumachers Rekordmarken an Grand-Prix-Siegen und WM-Titeln nicht das zentrale Thema. "Der Energielevel ist hoch genug, um noch mehrere Jahre dabei zu sein. Ich bin besessen von diesem Sport."
Es sei zwar auch für ihn schwierig, die Messlatte immer höher zu legen, "aber es gelingt mir immer wieder", sagt er. Als Grund dafür sieht Hamilton, "dass ich stets mehr investiert habe als andere". In der zu Ende gehenden Saison ortete Hamilton ein persönlich neues Niveau seiner Leistungen in den Rennen. "Das sieht man unter anderem daran, dass ich nur vier Pole-Positions geholt, aber zehn Grands Prix gewonnen habe." Auch sein taktisches Verständnis sei besser geworden.
Hamilton will auch in der neuen Epoche dabei sein, die in der übernächsten Saison eingeläutet wird. Der Reiz des Neuen und Unbekannten, den das komplett überarbeitete Reglement mit sich bringt, zieht auch ihn in den Bann. "In dieser neuen Ära will ich ein Pionier sein." Hamiltons Visionen werden sie bei Mercedes gerne hören. Der Engländer ist für seinen Arbeitgeber nicht nur Erfolgsgarant, sondern auch ein entscheidender Faktor in Bezug auf Stabilität. Beständigkeit wird nach den beschlossenen Umwälzungen in den Rahmenbedingungen für die Formel 1 der Zukunft zusätzlich an Bedeutung gewinnen.
Nichts zu feiern gab es in Austin wiederum für das Team Alfa Romeo. Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi mussten sich mit den Plätzen 12 und 14 zufrieden geben, womit die Equipe zum vierten Mal hintereinander leer ausging. In der Konstrukteure-Wertung blieb trotzdem alles beim Alten. Alfa Romeo liegt nach wie vor mit sieben Punkten Vorsprung vor dem amerikanischen Rennstall Haas auf Platz 8.
(sda)