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Die Übernahmen in der Öl- und Erdgasbranche werden nach Einschätzung von Ernst & Young im laufenden Jahr zunehmen, da der Einbruch der Energiepreise die Finanzlage der Unternehmen schwächt. Dadurch seien sie gezwungen, niedrigere Bewertungen von Käufern zu akzeptieren, erklärte das Beratungsunternehmen.
Es werde "in Zeiten länger niedriger Preise mehr motivierte Verkäufer und einen stärkeren Konsens über die Bewertungen geben", hiess es in dem am Montag veröffentlichten EY-Bericht. "Die Konsolidierung wird von Überkapazität, intensivem Margendruck und allgemein schwacher Kapitalmärkte angetrieben."
Der Gesamtwert der Fusionen und Übernahmen in der Öl- und Gasbranche ging dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 380 Mrd. Dollar (rund 350 Mrd. Euro) zurück, während die Anzahl der Transaktionen um ein Drittel einbrach.
Volatilität sorgt für Zurückhaltung
Als sich der britische Ölkonzern Royal Dutch Shell im April 2015 BG Group geschnappt hatte und damit die grösste Akquisition in seiner Unternehmensgeschichte vollzog, rechneten Analysten in der Folge mit einer Übernahmewelle. Doch die Volatilität bei den Ölpreisen sorgte dafür, dass sich Käufer und Verkäufer nicht auf die Bewertungen einigen konnten.
"Der Aufschub von Transaktionen, bis sich die Preise wieder erhöhen und/oder weniger volatil werden, wird für viele Öl- und Gasfirmen keine gangbare Option mehr sein", schrieb EY. "Die Transaktionsvolumen sollten sich 2016 erhöhen."
OPEC-Strategie
In der Branche der Ölfelddienstleister schrumpfte die Anzahl der Fusionen und Übernahmen im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 193, wobei der Transaktionswert um etwa 63 Prozent absackte, geht aus dem Bericht hervor. Die Service-Unternehmen seien weniger attraktiv gewesen, da Ölproduzenten ihre Budgets für Bohrungen verringerten und Aufträge für Bohranlagen kündigten, hiess es zur Begründung.
Bei den Explorations- und Förderunternehmen im Öl- und Gassektor kamen mit 910 Geschäften 38 Prozent weniger zustande als im Vorjahr; wertmässig ergab sich in dem Bereich ein Minus von 19 Prozent.
Ölpreise im freien Fall
Die Ölpreise sind seit Mitte 2014 abgerutscht, weil das Angebotswachstum die Nachfrage übertraf. Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) pumpte unter der Führung des weltgrössten Ölexportlands Saudi-Arabien weiter Rohöl in den Markt, um angesichts einer steigenden Produktion in den Vereinigten Staaten und in Russland ihren Marktanteil zu verteidigen.
Vor diesem Hintergrund fielen die Preise im vergangenen Monat auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Rohöl der Sorte Brent, die globale Benchmark, hat sich seither wieder auf etwa 35 Dollar je Barrel erholt.
"Es war zwar schon immer schwierig, den Tiefpunkt vorherzusagen, doch 2015 herrschte die Auffassung vor, dass das Jahr 2016 hinsichtlich der Preisentwicklung und Finanzierung schwieriger sein wird", erklärte EY. "Man kann hoffen, dass im Jahr 2017 eine erste Erholung eintreten wird - wenn 2016 tatsächlich den Niedrigwasserpegel darstellt, kann in diesem Jahr eine Reihe opportunistischer Transaktionen erwartet werden, darunter vielleicht aus 2015 verschobene Geschäfte."
(Bloomberg)