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Eugen Cicero
geboren am 26.6.1940 in Klausenburg, Rumänien
gestorben am 5.12.1997 in Zürich, ZH, Schweiz
Eugen Cicero
Eugen Cicero (* 27. Juni 1940[1] in Klausenburg, Siebenbürgen, Rumänien; 5. Dezember 1997 in Zürich; eigentlich Eugen Ciceu) war ein klassisch ausgebildeter Jazz-Pianist. Berühmt wurde er mit seinen Jazz-Interpretationen und -Bearbeitungen von barocken, klassischen und romantischen Werken, die ihn schon zu Lebzeiten weltbekannt machten.
Auch seine Interpretationen von Jazzstandards würzte er stets mit Zitaten aus klassischen Werken, seine Fans schätzten ihn für seine unvergleichliche Virtuosität, seinen brillanten Tastenanschlag und eine herausragende Kreativität. Er spielte jedes Stück als Improvisation, und so war keine Aufführung mit einer anderen identisch, belegt durch mehr als 70 Einspielungen auf Tonträgern. 1976 erhielt er den Deutschen Schallplattenpreis für seine Bearbeitung von Kompositionen Franz Schuberts.
Leben
Eugen Cicero begann im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspielen, mit sechs gab er ein Mozart-Klavierkonzert mit dem Sinfonieorchester von Klausenburg. Im Alter von 14 Jahren beherrschte er die Klaviertechnik bereits vollkommen, wobei er von Anfang an improvisieren konnte. Seine Eltern, der Vater war orthodoxer Priester, seine Mutter ungarischer Abstammung eine professionelle Chorsängerin, unterstützten seine musikalische Ausbildung. Er bekam mit elf Jahren Unterricht bei Aurelia Cionca, einer der berühmtesten Pianistinnen Rumäniens, die ihre Ausbildung von einem Meisterschüler Franz Liszts erhalten hatte. Bei Ana Pitti erlernte er seinen herausragenden Anschlag. Später studierte er an der Hochschule in Bukarest, von der er jedoch wegen politischer Gründe im kommunistischen Rumänien verwiesen wurde. Zwei Jahre später wurde er wieder aufgenommen, und 1962 wurde er Hochschulprofessor für Musik.
Anfang der 1960er Jahre führte ihn eine Konzert-Tournee mit einer Jazz-Band nach Ost-Berlin, von wo aus er in den Westen der Stadt flüchtete. Charly Antolini ein Schlagzeuger von Weltruhm vermittelte ihn an die Plattenfirma SABA/MPS, wo in den nächsten Jahren sieben gemeinsame Einspielungen erfolgten. Von Berlin aus zog er weiter nach Westdeutschland und in die Schweiz, wobei er seine spätere Frau Lili kennenlernte. 1965 spielte er die LP Rokoko-Jazz ein, die weltweit über eine Million mal verkauft wurde.
1966 ging er wieder nach Berlin zurück und verbrachte hier einen wesentlichen Teil seines weiteren Lebens. Er spielte u. a. beim RIAS Tanzorchester (196571), später bei der SFB Big Band von Paul Kuhn, mit den Münchner Philharmonikern, dem Arrangeur und Big-Band-Leiter Peter Herbolzheimer und vielen anderen Größen des Jazz. 1970 wurde sein Sohn Roger Cicero geboren, der heute ebenfalls ein bekannter Jazzmusiker ist. Zehn Jahre später wurde die Ehe mit Lili geschieden. 1982 übersiedelte er in die Schweiz. Dort wurde er Vater einer Tochter. Bis zu seinem Tod 1997 trat er unzählige Male in Japan auf, wo er sein wohl enthusiastischstes Publikum hatte. Dort spielte er auch eine Reihe von Aufnahmen ein.
Musik und Persönlichkeit
Bei vielen seiner Kollegen war er wegen seiner Großzügigkeit sehr beliebt er teilte häufig seine Einnahmen mit finanziell weniger erfolgreichen Musikerkollegen.
Selbst von seinem privaten Umfeld wurden er und seine Musik selten richtig verstanden, die Presse wie auch die Promotion seiner Plattenfirma beschreibt seine Musik fälschlicherweise als Mischung von Jazz und Klassik Cicero zitierte hingegen aus der Klassik, so wie andere Künstler üblicherweise ihre Kollegen zitieren ein wichtiges Hauptmerkmal guter Solisten, das zeigen soll, ob und wie gut jemand den Jazz kennt.
Cicero verstand es, die klassischen Elemente nahtlos in sein Spiel einzubauen. Er konnte jederzeit vom triolisch-amerikanischen in barocken-klassischen Stil wechseln, ohne dass der Bogen verloren ging, geschweige denn ein stilistischer Bruch eintrat. Ein kleines, aber markantes Beispiel seiner Improvisationskunst ist seine ideenreiche Interpretation der Mozartschen Variationen über das Kinderlied Ah vous dirai je Maman (Morgen kommt der Weihnachtsmann).
Oft trat er als Solist auf, dank der klassischen Ausbildung auf höchstem virtuosen Niveau, seine linke Hand konnte eine ganze Band ersetzen. Der spieltechnische Unterschied zwischen rechter und linker Hand war bei ihm gänzlich aufgehoben was auf diesem Niveau wohl nur noch Art Tatum und Oscar Peterson zuwege brachten. Cicero bevorzugte jedoch das Spiel mit anderen Musikern. Legendär ist der Cicero-Lauf, eine Folge sehr schneller chromatisch-abfallender kleiner Terzen, die nur mit einer meist der rechten Hand gespielt werden und die Cicero oft als verbindendes Element bzw. Farbmuster zwischen zwei Themen einsetzte.
Vereinzelte Kritik erntete Eugen Cicero wegen seiner zeitweiligen Nähe zur sogenannten U-Musik etwa vergleichbar mit James Last, Paul Kuhn oder Erwin Lehn.[2] Cicero war ein Pionier und Meister des Crossover, lange bevor dieser Begriff Einzug in die Musiktheorie hielt.
Diskografie
Auszug aus über 70 Aufnahmen:
- Rokoko Jazz, 1965, mit Peter Witte am Bass und Charly Antolini am Schlagzeug
- Cicero's Chopin (1965)
- Balkan Rhapsodie (1970)
- Swinging Classics (1973) (Doppel-LP, einmal Liszt, einmal Tschaikowsky)
- Cicero Plays Schubert, 1975, mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Leitung von Jörg Faerber (Deutscher Schallplattenpreis)
- Piano Dreams, VÖ 2002, mit den Münchener Philharmonikern
- SoloPiano, 1978, Live-Konzert
- Swinging Piano Classics, 13. Dezember 1996, Live-Konzert aus Überlingen am Bodensee, mit Decebal Badila am Bass, seine letzte Aufnahme
Im Herbst 2006 erschienen als Wiederveröffentlichung folgende Alben:
- Ciceros Chopin Festival (1973)
- Cicero in London (1973)
- Eugen Cicero Plays Schubert (1975), Deutscher Schallplattenpreis
- Ciceros Concerto (1976)
- Eugen Cicero Piano Solo (1976)
- Dont Stop My Dreams (1984), bisher nicht in Deutschland veröffentlicht
- Whisper From Eternity (1988), bisher nicht in Deutschland veröffentlicht