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flachen Steinbogen, welche häufig die ganze Front eines Hauses tragen und bei welchen sich die Kellereingänge befinden. Umsomehr diese Lauben den Personenverkehr aufnehmen, um so eigenartiger bleibt das Bild der Strasse selbst. In der Strassenmitte, wo unter grossen Steinplatten der Stadtbach läuft, der von Holligen her zur Stadt geleitet und hier in alle Gassen verteilt ist, sieht man lange Reihen von Karren, Haufen von Fässern und Kisten. Da die Häuser keine Einfahrten besitzen, ist ein Teil der Funktionen der Höfe hierher auf die offene Strasse verlegt. Beiden Laubenreihen entlang ziehen sich an den Markttagen die Marktstände. Der Markt ist in Bern seit alters nicht an einen besonderen Platz gefunden, er vollzieht sich in der ganzen Flucht der Hauptgassen der obern Stadt.
Das Gassenbild ist in der Perspektive abgeschlossen durch den breiten, in schönem Barokportal durchbrochenen Käfigturm, dessen schlanker Helm von vier kleineren Türmchen flankiert ist.
Vor ihm öffnet sich in die Quere die erste jener Unterbrechungen der innern Stadt, der Bärenplatz.
Auf diesen sonnigen Platz schaut von S. her die mächtige braune Kuppel des Mittelbaus des Bundeshauses. Dasselbe nimmt fast die ganze Südfront der oberen Stadt ein. Es besteht aus den drei zwischen 1851 und 1901 erbauten und untereinander verbundenen Renaissancepalästen, Westbau, Ostbau und Mittelbau. Die beiden Flügel treffen unter einem sehr stumpfen Winkel zum Mittelbau ein. Während von der Stadtseite auch nach den projektierten und zur Zeit vor sich gehenden Abräumungen der Blick auf das Gesamtgebäude nie ganz frei werden wird, zeigt sich die Südfront von dem Aarethal und den jenseitigen Höhen aus in einer Ausdehnung, die für das Stadtbild auf dieser Seite bestimmend wird.
Auf gewaltigen Stützmauern - die des Mittelbaues springt als Halbrund vor und entspricht so der rundgebogenen Südfaçade dieses Teils - erhebt sich der helle Steinbau mit seiner grossen Zahl schöngewölbter Fenster. Der von Friedr. Studer gebaute Westbau (1851-1855) ist von edler Einfachheit der Formen, der Mittelbau (Bauzeit 1895 bis 1902) zeigt mit reichem Prunke den Geist der Generation, die ihn schuf, der Ostbau gleicht dem Westbau, unterscheidet sich immerhin darin wesentlich von ihm, dass die Ruhe seiner Façaden unterbrochen ist durch die Vertiefung der Blockfugen. Prof. Auer hat den Ostbau 1890 erbaut und leitet noch die Vollendung des Ganzen im Mittelbau. Die Kuppel des Mittelbaus erreicht die Höhe von 60 m über dem Baugrund und ca. 100 m über der Sohle des Aarethals. Die Flucht der Gebäude ist annähernd 300 m lang.
Die Fortsetzung des Bärenplatzes nach N. heisst Waisenhausplatz. Derselbe schliesst sich mit einem ächt altbernischen Baue aus der Zeit kurz vor dem Uebergang, dem bürgerlichen Knabenwaisenhaus (1782). Mit seinem umgitterten Pappelhofe ist der schwere Bau unter seinem grossen, nach allen Seiten ausladenden Dache ein ins Kasernenhafte übersetzter Patrizierhof und ein gutes Bild altväterischer öffentlicher Fürsorge.
Unweit des Waisenhauses schauen noch zwei edle, neuere Renaissancebauten nach dem nördlichen Flügel des Aarethals hinaus. Dies sind das Naturhistorische und das Kunstmuseum, beide um 1880 erbaut. Unter dem letztern zieht sich der einzige noch erhaltene Teil der Stadtmauern die Halde hinunter bis zu einem Turme, der, dicht ans Wasser des Flusses gestellt, im Volksmund das «heimliche Gericht», genannt wird. Vor alters hiess er der Blutturm. In den Namen inneres und äusseres Bollwerk, welche zwei von hier zum Bahnhofplatz ziehende Strassen tragen, ist die Richtung und Lage der Stadtumwallung von ehedem noch erkennbar.
Vom Käfigturme führt die Marktgasse weiter stadtabwärts. Dies ist die farbenreichste der Gassen. Einige Zunfthäuser mit grossen Emblemen mischen sich unter die Bürgerhäuser, ohne die Einheit der Gasse zu unterbrechen. Hier tritt es am deutlichsten hervor, dass in Altbern wohl die Gassen, höchst selten jedoch das einzelne Haus individuelles Gepräge besitzen. Am untern Ende der Marktgasse setzen der Kornhausplatz und der Theaterplatz die zweite Queröffnung zusammen, eine Stelle, die nicht nur durch die beiden Hauptbrücken, die hier ansetzen, sondern auch durch die grosse Zahl der hier stehenden öffentlichen Gebäude hervorragt.
Das Kornhaus vor allem steht mit seiner mächtigen Hallenunterführung und den übrigen grossen Dimensionen als würdevoller Repräsentant des alten Bern da. Seine Erbauung fällt in die Jahre 1711-1716. Als Kinder des ausgehenden 18. Jahrhunderts erweisen sich die eleganten Rococofaçaden der Hauptwache und des früheren historischen Museums nahe dem viel zu engen Zugang zur Kirchenfeldbrücke. Vom Kornhaus verdeckt, erhebt sich an der Zeughausgasse die Französische Kirche, ehedem die Kirche des Prediger- oder Dominikanerklosters, ein ernster frühgotischer Bau; sie und die anstossenden übrigen Klostergebäude datieren als einzige Reste aus der Zeit vor dem grossen Brande Berns 1405. Bedeutende Teile dieses Komplexes wichen in neuerer Zeit dem Neubau des Stadttheaters, dessen Façade sich dicht an dem Eingange der Kornhausbrücke erhebt.
Als eigentliches Wahrzeichen der Stadt ragt am Eingang zur Kramgasse, und damit zur untern Stadt überhaupt, der Zeitglockenturm in die Lüfte, ein graziös-kraftvolles Bauwerk, das erst vor einigen Jahren durch Uebermalung neu zur Geltung gekommen ist. Das noch heutigen Tags gern angestaunte Uhrwerk mit dem Sceptermann, den Bären, dem Hahn und andern beweglichen Figuren entstammt der Technik des 16. Jahrhunderts. Vom Zeitglockenturm aus sind alle Strassen des Kantons vermessen worden. ¶
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Die untere, schmalere Stadthälfte «die untere Stadt» duckt sich in den Thalkessel des Halbinselendes hinein. Dieser älteste Stadtteil liegt vom Verkehre ziemlich entrückt und besitzt vorzugsweise den Charakter einer Altstadt.
In derselben sind die Laubengassen noch ausgesprochener als in der obern. Hier trifft man auch öfter auf bemalte Häuser, seltener auf solche mit Erkern. Der schönste derselben (aus dem Jahre 1515) ziert die Kesslergasse, durch die wir auf den Münsterplatz gelangen. Aus der Enge dieses Platzes und der benachbarten Gassen strebt das Münster beinahe überwältigend mit seinem Turm, der auf dieser Seite alles andere verdeckt, in die Höhe. Den bis zur höchsten Kreuzblume aus Stein aufgeführten Helm sieht man von fast allen Stellen der an Ausblicken so reichen Stadt in den Himmel ragen.
Der spätgothische Bau wurde 1421 von Matthäus Ensinger aus Ulm begonnen. Der über dem reichverzierten Hauptportal emporragende Turm wurde anfangs etwas zu gross angelegt und blieb, von einem stumpfen Dache bedeckt, in der Höhe der ersten Gallerie, wo das Viereck in das Achteck übergeht, jahrhundertelang unvollendet, bis in den Jahren 1891-1896 unter der Leitung von Prof. Beyer (Ulm) das Achteck und der Helm in möglichster Anlehnung an die gegebenen Verhältnisse ausgeführt wurden.
Dem alten Bauplane im vollen Umfange nachzukommen, gelang jedoch leider unserer Zeit nicht. Das Innere der Kirche ist mit seinen drei Schiffen und den leuchtenden Glasmalereien des Chores von dem vollen Reiz der gothischen Kunst in ihrer einfacheren Ausgestaltung. Auf der Südfront tauchen die Münstermauern in das Grün der Linden der Plattform. Dies ist ein aus der Tiefe des Thales im Rechteck aufgemauerter Platz, der eine köstliche Aussicht auf das Aarethal, die Kirchenfeldbrücke und die Alpen bietet. Hier steht das Standbild des Gründers der Stadt. Die Plattform ist 35 m über der Aare, die Spitze des Helmes des Münsters 100 m über der Plattform. Man muss diesen Aufbau von der Thalsohle aus sehen, um den vollen Eindruck der grossgeplanten Bauweise und den Reiz dieses Details des bernischen Stadtbildes zu empfinden.
Neben diesem Bilde schrumpft das ehemalige Barfüsser-Kloster und jetzige Universitätsgebäude, das dicht am Eingang der Kirchenfeldbrücke ebenso nach S. schaut, zum Idyll aus der guten alten Zeit zusammen. Den Blick auf die Altstadt von Süden her fesseln endlich die alten, kunstreich aufgemauerten, an Raum höchst bescheidenen Gärten und die wunderlichen, mit vielen Läubchen wie beklebten Hintenausfronten der Herrengasse.
Auf den nördlichen Aarethalflügel schaut das Rathaus hinunter. Seine Hauptfaçade geht freilich auf die enge Stadtseite. Es ist der einzige schöne Profanbau gothischen Stils, den Bern besitzt. Sein ins Einfache übersetztes Ebenbild hat es im Rathaus von Freiburg i/Ue.
Im untern Stadtende tritt in der Anlage insofern eine wichtige Veränderung ein, als hier nun auch die schmalen Gelände am Aareufer selbst überbaut sind. Bevor die Nideckbrücke existierte, öffneten sich alle Hauptstrassen auf den «Stalden», welcher sich, mit teilweise sehr alten, jetzt ziemlich vernachlässigten Häusern besetzt, nach der alten Nideckbrücke hinabwindet. Von dort nach rechts ziehen sich die Häuser des Quartiers Matte, welches von einem grossen, wasserreichen Industriekanal durchflossen ist. Dieses Quartier ist einerseits der Standort einer lebhaften Industriethätigkeit, andererseits seiner tiefen Lage und ungenügenden Bauart wegen nicht mit Unrecht ein Sorgenkind der Stadt.
Die Nideckkirche krönt mit ihrem schlanken, gothischen Turm und Helm den Aufbau dieses ältesten Teiles der Stadt Bern. Wandert man über die Nideckbrücke am altberühmten Bärengraben vorbei, in dessen feuchtschattiger Tiefe einige Familien des Wappenthieres seit 4 Jahrhunderten gehegt werden, auf einer der schön ansteigenden Strassen empor, so hat man, vom Aargauer- oder Muristalden sich rückwärts wendend, den ausgeprägtesten und reizvollsten Anblick der innern Stadt: Man blickt über das westwärts anschwellende Gewirr der hohen und breiten Dächer;
man sieht die Hauptgasse sich in die Stadt hinaufwinden, man erkennt die Turmprofile des Zeitglocken und Käfigturms;
vor den Kuppeln und platten Dächern der Bundeshäuser ragt der schön durchbrochene Helm des Münsterturmes hoch über alles andere an die Lüfte.
Die graue Stadt ist umfangen vom grünen Aarethal, über dessen Tiefe die Hochbrücken kühne Linien bilden.
Die Aussenquartiere Berns sind mannigfaltig, wie es die Oertlichkeiten und die ruckweise erfolgende bauliche Entwicklung mit sich brachten.
Rechts von der Aare sind zunächst die alten Villeggiaturbezirke Rabbenthal, Altenberg und Schosshalde. Während die beiden erstgenannten sich an den Sonnhalden des nördlichen Aarethalflügels ausbreiten, erklimmen die alten Landsitze und neuen kleineren Bürgerlandhäuser der Schosshalde die hügelreiche Höhe im Osten der Stadt. Hier liegt anmutig ¶