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Etwas, das selbstverständlich sein sollte, gilt heute als sehr willkommene gute Nachricht, von denen es aus der Arktis nur noch wenige gibt: Fische in der Beaufort- und Tschuktschensee kommen bisher offenbar kaum mit Quecksilber und PFAS, den sogenannten «Ewigkeitschemikalien», in Berührung.
Subsistenz- und Freizeitfischer in Alaska können ihren Fang einigermaßen unbesorgt genießen, zumindest im Hinblick auf die Belastung mit PFAS, kurz für Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, und Quecksilber. Dies ergab eine Studie, in der die Schadstoffbelastung wichtiger Speisefische aus der Beaufort- und Tschuktschensee entlang Alaskas Nordküste untersucht wurde.
Das Forschungsteam bestehend aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Wildlife Conservation Society, der University of Alaska Fairbanks, dem U.S. National Park Service und vom Native Village of Kotzebue fand zwar Spuren verschiedener Chemikalien, allerdings in deutlich geringeren Konzentrationen als in anderen arktischen Regionen.
Bei PFAS handelt es sich um eine Vielzahl synthetischer Verbindungen, die in der Natur nicht abgebaut werden, weshalb sie auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet werden. Sie reichern sich weltweit in Ökosystemen und Lebewesen an und können schwere gesundheitliche Probleme hervorrufen, darunter Krebs und Schilddrüsenprobleme.
«Wenn diese Stoffe erst einmal ins Wasser gelangen, ist es so gut wie unmöglich, sie wieder herauszuholen, und sie können sich im Gewebe von Fischen und Wildtieren anreichern», sagt Kevin Fraley, Fischereiökologe bei der Wildlife Conservation Society (WCS) und Hauptautor der Studie, in einer Pressemitteilung der University of Alaska Fairbanks (UAF). «In Alaska essen wir so viele Lebensmittel aus der Wildnis, dass es eine ziemlich große Sache ist, zu sehen, wie viel davon da draußen ist.»
Im Rahmen mehrerer Langzeitforschungsprojekte der UAF und der WCS untersuchte das Forschungsteam das Muskelgewebe von Fischarten wie der Dolly-Varden-Forelle (Salvelinus malma), dem Weißlachs (Stenodus leucichthys), der Fernöstlichen Navaga (Eleginus gracilis, eine Dorschart) und anderen für Subsistenzfischer relevante Arten.
Die Fische stammen aus küstennahen Gewässern bei Prudhoe Bay und Kotzebue und wurden auf 24 PFAS-Verbindungen und Quecksilber untersucht. Die Dolly-Varden-Forellen waren in beiden Gebieten fast frei von Chemikalien, in einer Probe aus der Beaufortsee fanden die Forschenden sogar nur Spuren eines einzigen Schadstoffs. Coregonus nasus, aus der Ordnung der Lachsartigen, wies mit 2,8 Mikrogramm pro Kilogramm die höchsten Konzentrationen einer PFAS-Verbindung auf. Besonders wichtig: Auch die Quecksilberwerte waren niedrig.
Damit lagen alle analysierten Proben weit unter den Grenzwerten, die andere US-Bundesstaaten empfehlen und sich zwischen 9 und 47 Mikrogramm pro Kilogramm bewegen. In Alaska selbst existieren keine Gesundheitsrichtlinien für PFAS-Kontamination bei Fischen.
Die geringen Schadstoffkonzentrationen in Fischen gelten leider nicht für die gesamte Arktis. In der kanadischen und europäischen Arktis wurden in einigen Regionen PFAS-Werte in Fischen von mehr als 30 Mikrogramm pro Kilogramm festgestellt. Diese Konzentrationen überschreiten die europäischen Grenzwerte bei Weitem. Den Maximalwert für die Summe aller PFAS-Verbindungen in Fisch hat die Europäische Union auf 8 bzw. 45 Mikrogramm pro Kilogramm festgesetzt, je nachdem, um welche Fischart es sich handelt. Als gesamte tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI, Tolerable Weekly Intake), bei der bei lebenslanger Aufnahme keine gesundheitlichen Schäden auftreten sollen, gibt die EU 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht an.
PFAS und andere Schadstoffe verbreiten sich von Industrieregionen ausgehend weltweit über die Atmosphäre und Flüsse bis in die Polargebiete und entlegene Hochgebirgsregionen. Sie werden zum Beispiel in Feuerlöschschaum, Outdoorbekleidung und To-Go-Bechern eingesetzt.
Die Subsistenzfischerei trägt in Alaska in bedeutendem Umfang zur Ernährungssicherheit bei. Die in der Fachzeitschrift Environmental Toxicology and Chemistry veröffentlichten Studienergebnisse sind zwar einigermaßen beruhigend, aber Sicherheit versprechen sie nicht. Weltweit gibt es um die 10.000 verschiedene PFAS-Verbindungen und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Fische in Alaskas Arktis nicht mit anderen “Ewigkeitschemikalien” belastet sind.
Julia Hager, PolarJournal
Beitragsbild: Dolly-Varden-Forelle, Foto: Bering Sea National Preserve
Link zur Studie: Fraley, K.M., Hamman, C.R., Sutton, T.M., Robards, M.D., Jones, T. and Whiting, A. (2023), Per- and Polyfluoroalkyl Substances and Mercury in Arctic Alaska Coastal Fish of Subsistence Importance. Environ Toxicol Chem. https://doi.org/10.1002/etc.5717
Weitere Informationen zu PFAS auf der Hereon-Webseite PFAS Explorer (englisch): PFAS Explorer