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Das Gebiet liegt im Nordwesten des Amazonasstroms, welches das Becken des oberen Rio Negro umfasst, dort, wo die Grenzlinie zwischen Brasilien und Kolumbien dem Umriss eines Hundekopfs gleicht, ist seit mindestens zweitausend Jahren von Eingeborenenvölkern besiedelt, die drei unterschiedlichen linguistischen Gruppen angehören: den Aruak, den Maku und den Tukano.
Trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede in der Sprache und ihrer Kultur, bilden die 27 Ethnien dieser Region – 22 davon innerhalb der brasilianischen Grenzen – eine gemeinsame Kulturszene, indem sie innerhalb eines weit gesteckten Rahmens Dinge des täglichen Bedarfs untereinander austauschen, und sich auch hinsichtlich ihrer materiellen Bedürfnisse, ihrer gesellschaftlichen Organisation und ihrer Vision von der Welt miteinander identifizieren. Also verfahren wir, wie beim „Parque Indígena do Xingu“ (siehe dort), indem wir im nachfolgenden Text die „Region Nordwest-Amazonas“ erst einmal als generelle Übersicht behandeln – mit allgemeinen Daten über dieses Gebiet – um dann die spezifischen Texte über die einzelnen, dort ansässigen Indianervölker anzuschliessen.
Ethnien der Region Nordwest-Amazonien:
Baniwa, Kuripako, Dow, Hupda, Nadöb, Yuhupde, Baré, Warekena, Arapaso, Bará, Barasana, Desana, Karapanã, Kubeo, Makuna, Mirity-tapuya, Pira-tapuya, Siriano, Tariana, Tukano, Tuyuca, Wanana, Tatuyo, Taiwano, Yuruti, Kakwa, Nukak (die fünf letzten leben nur in Kolumbien.
Wieviele sind es:
31.625 in Brasilien, 26.281 in Kolumbien und 7.290 in Venezuela (Daten vom Jahr 2000)
Sprachen:
Linguistische Familien Aruak, Tukano und Maku
Was die Fakten hinsichtlich ihrer geografischen Verbreitung, ihrer linguistischen Zugehörigkeit und ihrer Gesellschaftsordnung betrifft, so können wir die 22 Völker der Region Nordwest-Amazoniens in vier Gruppen aufteilen, die von uns in vier unterschiedlichen Rubriken behandelt werden:
1. Die Völker des Rio Uaupés
Verteilen sich über das Einzugsgebiet dieses Flusses und ein paar anderen Flussebenen der Nachbarschaft in südlicher Richtung. In ihrer Mehrheit sprechen sie Dialekte der Tukano-Oriental Sprache. Sie organisieren sich in exogamischen, patrilinearen Sippen (Gruppen aus Nachkommen eines gemeinsamen Vorfahren, die nicht untereinander heiraten): Arapaso, Bará, Barasana, Desana, Karapanã, Kubeo, Makuna, Miriti-tapuya, Pirá-tapuya, Siriano, Tariana, Tukano, Tuyuka, Wanano, Taiwano, Tatuyo, Yuruti (die letzten drei leben nur in Kolumbien).
2. Die Maku-Völker
Leben vorzugsweise in den Abschnitten zwischen zwei Flüssen im dichten Regenwald, etwa entlang einer imaginären Linie von Nordwest nach Südost – angefangen vom Rio Guaviare, in Kolumbien, bis hinunter zum Rio Japurá, in Brasilien – die das Becken des Rio Uaupés überquert. Sie organisieren sich in Wohngemeinschaften (von nahen Verwandten des Mannes und/oder der Frau) und regionalen Gesellschaften (einer Gruppe von benachbarten Häusern).
Sie sprechen Dialekte der Sprachfamilie Maku: Dow, Hupda, Nadöb, Yuhupde, Kakwa, Nukak (die zwei letzten leben nur in Kolumbien).
3. Die Völker des Rio Içana
Bewohner des Içana-Beckens und seiner Nebenflüsse Cuiari, Aiairi und Cubate.
Sie sprechen Dialekte der Aruak-Sprachfamilie. Sie organisieren sich ebenfalls in exogamischen, patrilinearen Sippen: Baniwa und Kuripako.
4. Die Völker des Rio Xié und des oberen Rio Negro
Bewohnen das Gebiet, in dem sich die Grenzen zwischen Brasilien, Venezuela und Kolumbien einander nähern. Ihre grosse Mehrheit spricht die “Lingua Geral Nheengatu“, die von den ersten Missionaren im 18. Jahrhundert eingeführt worden ist: Baré und Warekena (oder auch Werekena).
Lebensraum und Bevölkerung
Der bedeutendste Fluss, der die besagte Region durchquert, ist der Rio Negro, Zufluss des Amazonasstroms, der, bevor er die brasilianische Grenze überschreitet, “Guainía“ heisst – er trennt Kolumbien von Venezuela. An seinem Oberlauf nimmt er vom rechten Ufer her den Rio Içana und den Rio Uaupés auf (letzteren nennen sie in Kolumbien “Vaupés). Diese Region erfasst auch den Rio Apapóris und seine Nebenflüsse – fast über seine gesamte Länge ein Nebenfluss des kolumbianischen Caquetá – in den er mündet, nachdem er ein kleines Stück entlang der Grenze zu Brasilien geflossen ist. Von dort bis zu seiner Mündung heisst dann der Rio Caquetá, auf der brasilianischen Seite, Rio Japurá.
Das hydrografische Becken des Rio Içana hat seine Quellen auf der kolumbianischen Seite, aber kurz danach überquert der Fluss die brasilianische Grenze und fliesst weiter auf brasilianischem Territorium in südwestlicher Richtung. Die Länge des Rio Içana beträgt zirka 696 Kilometer. Die Länge des Rio Uaupés zirka 1.375 Kilometer. Nach dem Rio Branco ist der Uaupés der grösste Nebenfluss des Rio Negro, und er nimmt in seinem Verlauf andere grosse Flüsse, wie Tiquié, Papuri, Querari und Cuduiari auf. Oberhalb der Mündung des Rio Uaupés befindet sich ein Gebiet, welches vom Rio Xié und dem Oberlauf des Rio Negro bewässert wird.
Der grösste Teil der beschriebenen Region ist aufgeteilt in Indianer-Territorien und einen Nationalpark. Die gegenwärtige eingeborene Bevölkerung in dieser Region beläuft sich auf mindestens 90% der Gesamtbevölkerung, obwohl die mehr als zwei Jahrhunderte Kontakt und Handel zwischen den Eingeborenen und der brasilianischen Gesellschaft dazu geführt haben, dass viele Indianer zum unteren Rio Negro abgewandert sind – oder in die Städte Manaus und Belém – und viele Einwanderer aus anderen Gegenden sich ihrerseits am Oberen Rio Negro niedergelassen haben. Viele Nordestinos (aus dem Nordosten), Paraênses (aus dem Bundesstaat Pará) und Emigranten aus anderen Teilen Brasiliens finden sich heute in den wenigen urbanen Zentren dieser Region.
Im brasilianischen Teil leben die Ethnien des Oberen Rio Negro innerhalb von acht Indianer-Territorien (IT) – fünf davon rechtskräftig anerkannt und aneinander grenzend – zwei davon müssen noch anerkannt werden und eins befindet sich gerade im Status der Anerkennung. Diese ITs liegen in den Amazonien-Distrikten von São Gabriel da Cachoeira, Japurá und Santa Isabel.
|Registrierte Indianer-Territorien||Fläche (Km²|
|Oberer Rio Negro||79.993|
|Mittlerer Rio Negro I||17.761|
|Unterer Rio Negro II||3.162|
|Rio Apapóris||1.069|
|Rio Téa||4.118|
|Gesamt||106.103|
Man kann sagen, dass am oberen und mittleren Rio Negro gegenwärtig 732 Siedlungen existieren – angefangen von kleinen Camps, die manchmal nur von einem Paar oder einer Familie bewohnt werden, bis zu grossen Dorfgemeinschaften entlang der Flüsse dieser Region. Die Zählung der eingeborenen Bevölkerung des Gebiets ergab annähernd 31.000 Indianer, diese Zahl einbegreift jene, die in dem Ort São Gabriel da Cachoeira wohnen (zirka 8.000 im Jahr 1996) und in Santa Isabel (zirka 3.000 im Jahr 1996). Die Verteilung der indianischen Bevölkerung in der Region demonstriert die folgende Tabelle:
|Die einzelnen Regionen||Bevölkerung (*)|
|Rio Uaupés (inklusive Traíra)||9.290|
|Rio Içana||5.141|
|Rio Negro (Oberlauf) und Rio Xié||3.276|
|Rio Negro (Mittellauf)||14.839|
|Gesamt||31.625|
*Daten von 2000 – inklusive der nicht-indianischen Bevölkerung der Orte