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Das Nebeneinander von Turnen und Sport verlief nicht immer reibungslos. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, vor dem Ersten Weltkrieg, traten die neuen, modernen Sportarten in Konkurrenz zur « bürgerlichen » Turnbewegung, die in der Schweiz besonders gut etabliert war. Der Sport erscheint als eine Vielzahl von Tätigkeiten, die freier, spielerischer, spektakulärer und stärker an die industrielle Zivilisation gebunden sind. Gegen das Eindringen des Sports wehrten sich die Turner mit allerlei Thesen und Beispielen, welche die vermeintlich schädlichen Folgen heftiger oder extremer Sporttätigkeit für Körper und Psyche dokumentieren sollten. Diese Anschuldigen waren natürlich mit Erläuterungen zur Wohltat und zur Nützlichkeit des Turnens gekoppelt.
Der Beitrag schildert die Polemik gegen die sportlichen Exzesse und Extravaganzen, die vor allem zwei der beliebtesten Sportarten betrafen: den Fussball und den Radsport. Die Analyse beruht hauptsächlich auf den damaligen Ausführungen eines Tessiner Turnlehrers. In dieser regionalen Auseinandersetzung widerspiegelt sich exemplarisch die breite Debatte, die zur selben Zeit in Europa geführt wird. Mit Bezug auf Untersuchungen von Ärzten oder Pädagogen, warfen gewisse Turner dem Sport der sich durch den Leistungsdrang,
den Hang zum Spektakulären, dem Streben nach Vergnügen oder dem Willen, neue Gefühle zu erleben, auszeichnete grosse Defizite in moralischer und sozialer Hinsicht vor. Wenngleich diese Kritik wie ein Rückzugsgefecht für die hygienischen und patriotischen Tugenden des Turnens erscheint, so deutet sie doch auch auf die stets kontroversen Aspekte der Sporttätigkeiten hin.
(Übersetzung: Markus Lamprecht)