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Der Wollige Schneeball (Viburnum lantana) lebt wenig beachtet an Waldrändern und in Hecken. Als Heilpflanze wurde er wenig genutzt, doch in der Gemmotherapie kommen seine besonderen Kräfte zum Tragen.
Der Wollige Schneeball wächst auf trockenen, steinigen Böden in lichten Wäldern, an Waldrändern und in sonnigen Hecken. Nasse Böden mag er nicht; mit Trockenheit hingegen kommt er gut zugange. Sein weitreichendes, flaches Wurzelsystem verankert ihn sicher, reagiert aber empfindlich auf Bodenverdichtung.
Der Strauch aus der Familie der Moschuskrautgewächse kann bis vier Meter hoch wachsen, bleibt aber meist kleiner. Die ovalen Blätter sind perfekt an Trockenheit angepasst: Sie sind dick und fest, oberseits runzlig, unterseits wollig behaart, mit markanten Blattadern. Zur Blütezeit im Mai und Juni zieren ihn halbkugelige Dolden mit weissen Blüten, aus denen goldene Staubfäden ragen. Der Amingeruch der Blüten ist für unsere Nasen eher unangenehm, zieht aber Schwebfliegen und Käfer an.
Die Früchte, die ein einzelnes Samenkorn enthalten, färben sich von grün über rot bis schwarz im reifen Zustand. Mit den weissen Blüten im Frühling, den orange-rot gefärbten Herbstblättern und den roten und schwarzen Früchten ist der Strauch ein Blickfang und wird deshalb gern in Gärten gepflanzt.
Die Früchte nähren 20 Vogelarten und Säugetiere, seine Blätter werden von Raupen verschiedener Schmetterlingsarten geschätzt. Das dichte Gewirr seiner Zweige bietet zudem einen guten Schutz für Vögel.
Alte Namen des Strauches sind «kleiner Mehlbaum», «Schiessbeerstrauch», «Schwindelbeere» oder «Schlingstrauch». Die jungen Zweige sind biegsam und elastisch, sie wurden früher für Schlingen und zum Flechten gebraucht. Ötzi – der berühmte Mann aus dem Eis – trug Pfeile und Bogen auf sich, wobei die Pfeilschäfte aus dem Holz des Wolligen Schneeballs gefertigt waren. Weil dessen Splintholz hart und zäh ist, wird es bis heute von traditionellen Bogenschützen verwendet. Die Wurzelrinde enthält einen klebrigen Schleim, der zum Vogelfang benutzt wurde.
Als Heilpflanze wurde der Wollige Schneeball nur sporadisch eingesetzt. In der Volksheilkunde bereitete man aus dem Blattaufguss eine Mundspülung, die bei Mund- und Rachenerkrankungen, aber auch zum Festigen lockerer Zähne eingesetzt wurde. Die Blätter in Lauge gesotten sollten graue Haare wieder dunkler und voller machen. Die unreifen roten Beeren wurden getrocknet und pulverisiert bei Durchfall verwendet.
Rinde, Blätter und Früchte enthalten einen harzartigen Bitterstoff. Weitere Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe, Flavone, Flavonoide, Iridoid-Glykoside, Cumarine und Diterpene.
In der Gemmotherapie werden die erwachenden Frühlingsknospen des Wolligen Schneeballs verwendet.
Es beruhigt das neurovegetative System, löst Spannungen und lindert damit einhergehende Beschwerden der Haut und des Atemsystems. Wolliger Schneeball hilft bei Stress, der «den Atem nimmt». Zudem wird das Mazerat auch als allgemeines Stärkungsmittel für die Lungen eingesetzt, oft kombiniert mit dem Knospenmazerat von Haselnuss.
Weiter hilft der Wollige Schneeball bei «Frozen Shoulder» und bei Periarthritis, einer entzündlichen, sehr schmerzhaften und einschränkenden Erkrankung des Schultergelenks. Und nicht zuletzt harmonisiert das Knospenmazerat die Schilddrüse und das Zusammenspiel mit der ihr übergeordneten Hypophyse bei Schilddrüsenüberfunktion (Morbus Basedow).