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Als Mitglieder der akademischen Jury des Essaywettbewerbs, bei dem fast 1000 junge Menschen aus aller Welt ihre Ideen zum Thema “Capital for Purpose” einreichten, hatten wir als Doktoranden des Lehrstuhls IWI3 die Gelegenheit das 49. St. Gallen Symposium zu besuchen. Das zweitägige Event, das am 9. und 10. Mai auf dem Campus der HSG stattfand, brachte über 200 junge Menschen (so genannte “Leaders of Tomorrow”) mit mehr als 600 “Leaders of Today” zusammen, darunter namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, wie Dominik Barton, Karin Keller-Sutter, Fatima Bhutto und den Geschichtsprofessor Niall Ferguson von der Stanford University.
Letzterer hielt gleich zu Beginn des Symposiums einen der wohl rhetorisch besten, aber auch kontroversesten Vorträge. In seiner Rede diskutiert er anhand von Daten aus seiner Forschung die Begriffe Kapitalismus und Sozialismus, sowie die Verschiebung der Einstellungen gegenüber diesen Begriffen. Dabei deckt er auf, dass insbesondere junge Amerikaner dem Begriff des Sozialismus deutlich positiver gegenüberstehen als ältere Generationen.
Doch was verstehen junge Menschen in den USA unter Sozialismus? Bohrt man tiefer nach, so Ferguson, entdeckt man, dass unter Sozialismus weniger das Gesellschaftssystem der Sowjetunion aus dem kalten Krieg verstanden wird, sondern damit insbesondere die Themen “Universal Healthcare” und “Free Tuition” verbunden werden. Beim Wort Sozialismus denken junge Amerikaner demnach eher an Länder wie Schweden und Norwegen als an die UDSSR. Klare Begrifflichkeiten sind deshalb wichtig. Ferguson warnt davor, den Sozialismus als politisches System zu verharmlosen und argumentiert, dass Umverteilungsfragen in einem demokratischen Entscheidungsprozess getroffen, und nicht zu einer Systemfrage zwischen Kapitalismus und Sozialismus erhoben werden sollten. Die entsprechende Passage seiner Rede findet sich ab Minute 26:20 im nachfolgenden Video.
Autor: Max Schacker