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12.08.2016 Gesundheitskompetenz in der Schweiz: Studie zieht eine durchzogene Bilanz
Gesundheitskompetenz. Jede zehnte Person in der Schweiz verfügt über eine ausgezeichnete Gesundheits-kompetenz. Bei etwas mehr als einem Drittel der Bevölkerung ist sie ausreichend, bei rund 45 Prozent aber problematisch und bei 9 Prozent unzureichend. Dies sind die Resultate einer Studie, in der die Schweizer Bevölkerung auch mit derjenigen in acht EU-Ländern verglichen wurde.
Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Analysiert wurde die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in den drei Bereichen «Krankheitsbewältigung», «Krankheitsprävention» und «Gesundheitsförderung». Dabei zeigt sich, dass die Schweizer Wohnbevölkerung vor allem im Bereich der Krankheitsprävention Schwierigkeiten hat, Informationen zu verstehen und zu beurteilen. So sind zum Beispiel die Fragen, warum Impfungen nötig sind oder welche Impfungen eine Person braucht, für die Befragten schwierig zu beantworten. Ebenfalls fällt ihnen schwer zu entscheiden, ob man sich gegen Grippe impfen lassen sollte. Unsicherheiten bestehen auch bei Fragen rund um medizinische Vorsorgeuntersuchungen sowie in der Beurteilung, ob Informationen über Gesundheitsrisiken in den Medien vertrauenswürdig sind.
Im Bereich Krankheitsbewältigung fällt es der Schweizer Wohnbevölkerung – ähnlich wie den Befragten ausgewählter EU-Länder (Bulgarien, Spanien, Österreich, Deutschland, Griechenland, Polen, Irland, Niederlande) – eher schwer zu beurteilen, welches die Vor- und Nachteile einer Behandlung sind und wann eine zweite Meinung einer anderen Ärztin oder eines anderen Arztes eingeholt werden sollte.
Im Bereich Gesundheitsförderung hat die Schweizer Wohnbevölkerung Schwierigkeiten, Informationen darüber zu finden, wie die eigene Wohnumgebung gesundheitsförderlicher werden könnte sowie zu beurteilen, wie sich die eigene Wohnumgebung auf die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden auswirken kann. Mühe haben die Befragten auch, Informationen über politische Veränderungen herauszufinden, die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit haben könnten und schliesslich auch, Angaben auf Lebensmittelverpackungen zu verstehen. Diese Ergebnisse decken sich tendenziell mit denen der befragten EU-Länder.
Weniger Schwierigkeiten hat die Wohnbevölkerung im Bereich Krankheitsbewältigung damit, Anweisungen von Ärztinnen und Ärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern zu befolgen oder ihre Anleitungen zur Einnahme von Medikamenten zu verstehen. Weiter fällt es ihnen leicht, Warnungen vor gesundheitsschädlichem Verhalten zu verstehen sowie Informationen über Verhaltensmassnahmen zu finden, welche die Gesundheit fördern. Dies für den Bereich Krankheitsprävention bzw. Gesundheitsförderung.
Gut gebildete und finanziell bessergestellte Personen weisen eine höhere Gesundheitskompetenz auf. Personen, welche Mühe haben, Geld für Rechnungen generell, für Arztrechnungen oder für Medikamente aufzubringen, weisen eine tiefere Gesundheitskompetenz auf. Weiter besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz und sportlicher Aktivität: Personen, welche oft Sport treiben, haben eine höhere Gesundheitskompetenz. Ebenso verhält es sich bei Personen mit einer ambulanten Zusatzversicherung.
Frauen weisen eine leicht höhere Gesundheitskompetenz auf als Männer. Des Weiteren ist mit zunehmendem Alter tendenziell eine tiefere Gesundheitskompetenz festzustellen. Vor allem der Anteil an mangelhafter Gesundheitskompetenz ist bei Personen ab 76 Jahren am höchsten. Gleichzeitig ist bei dieser Alterskohorte jedoch auch der Anteil an ausgezeichneter Gesundheitskompetenz am höchsten. Während es bei den Jüngeren wenige Ausreisser nach oben oder unten gibt, öffnet sich die Schere demnach bei den Älteren. Die zusätzlich durchgeführte Befragung bei Personen mit Migrationshintergrund aus der Türkei und Portugal zeigt, dass die Gesundheitskompetenz nur teilweise durch den Migrationshintergrund beeinflusst wird.
Personen mit einer tieferen Gesundheitskompetenz sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Raucherinnen oder Raucher. Das lässt sich jedoch nicht auf den geringen bis moderaten Alkoholkonsum übertragen: Dieser ist bei einer höheren Gesundheitskompetenz tendenziell höher – was sich auch bei den Ergebnissen der HLS-EU-Studie zeigte. Der exzessive Alkoholkonsum sinkt hingegen mit zunehmender Gesundheitskompetenz.
Die Studie liefert auch Informationen dazu, inwiefern sich die Gesundheitskompetenz auf den Gesundheitszustand auswirkt und ob sie einen Einfluss darauf hat, wie viele medizinische Leistungen genutzt werden. Wie bei den Befragten der EU-Länder fühlen sich auch in der Schweiz Wohnende mit einer niedrigen Gesundheitskompetenz meist weniger gesund und haben häufiger ein länger andauerndes medizinisches Problem. Die Spitalaufenthalte nehmen mit zunehmender Gesundheitskompetenz ab.
Die Studie wurde vom Bundesamt für Gesundheit gemeinsam mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz im Herbst 2015 durchgeführt. Dabei wurde eine repräsentative Stichprobe der gesamten Schweizer Wohnbevölkerung sowie zusätzlich zwei Migrationsgruppen aus der Türkei und aus Portugal befragt. Für die Befragung wurde ein im Rahmen eines EU-Projektes (Health Literacy Survey, HLS-EU) entwickelter Fragebogen verwendet. In diesem Survey wurde zwischen 2009 und 2012 die Bevölkerung mehrerer EU-Länder zum Thema Gesundheitskompetenz befragt. Die Resultate der Schweizer Studie können somit mit derjenigen der EU-Länder verglichen werden. Der Datensatz der Schweizer Befragung steht für Forscherinnen und Forscher für weitere Auswertungen kostenlos zur Verfügung und kann beim Bundesamt für Gesundheit BAG unter angefordert werden