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Schirmmacher/in
Die Schirmmacher[1], die ihr Handwerk zunächst in kleinen Werkstätten ausübten, gehörten aufgrund der Langlebigkeit der von ihnen hergestellten Produkten[2] einer zunächst eher schleppenden Branche mit geringem Absatz zu, die im Verlaufe des 19. Jahrhunderts expandierte. Alleine in der Stadt Zürich gab es in den 90er Jahren 38 Schirmgeschäfte. Heute hingegen kann man schweizweit eine einzige Schirmfabrik ausfindig machen und zwar die Firma Strotz AG mit Sitz in Utznach. Strotz AG stellt jährlich insgesamt eine halbe Million Schirme her. 99% davon werden allerdings seit Längerem in China produziert. In der Schweiz stellen die ca. 20 Mitarbeiter/innen der Strotz AG lediglich Qualitätsprodukte her.
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Bei der Produktion von Regenschirmen gehen sie meist wie folgt vor: Bevor die italienischen Stoffe über das in China hergestellte Schirmgestell genäht werden, erfolgt das Zuschneiden der vorgedruckten Dreiecke aus dem Stoff. Diese werden daraufhin mit dem Stanzmesser genauestens zugeschnitten und mit der Nähmaschine zusammengenäht. Darauf folgen die Herstellung des Schliessbändchens und des Druckknopfs sowie die Befestigung der kleinen Metallspitzen, in denen das Schirmgestellt befestigt wird. Dieses wird des Weiteren mit etwas Leim in den ausgebohrten Holzgriff eingesteckt. Fertig ist das Qualitätsprodukt der Luxusklasse, das sich sowohl bezüglich der Qualität als auch des Preises von den billigen Wegwerfschirmen aus China unterscheidet.
Geschichte
Der Ursprung des Schirms lässt sich nicht genau datieren. Die frühesten erhaltenen Darstellungen und Funde stammen aus dem orientalischen Raum um das Jahr 2000 v. Chr. Der Schirm jener Zeit bot nicht nur Schutz vor der Sonne sondern war zugleich ein Zeichen für weltliche und geistliche Macht. In vielen asiatischen Religionen fungiert der Schirm immer noch als Himmelssymbol und wird zu diesem Zwecke in prachtvoller Ausführung gefertigt. In China beispielsweise wurden Schirme bereits im 11. Jahrhundert v.Chr. aus Seide hergestellt und mit Edelsteinen sowie Perlen geschmückt.
In Europa gelangte der Schirm über die Perser zu den Griechen und etwas später war dieser auch bei den Römern als Alltagsgegenstand und als geistliches Würdezeichen in Gebrauch. Im Verlaufe des 18. Jahrhundert verlor der Schirm allerdings europaweit seinen geistlichen und weltlichen Symbolstatus und diente zunächst lediglich als Sonnenschutz. Vor dem Regen schützte man sich insbesondere in ländliche Gegenden noch bis im 19. Jahrhundert mittels Tüchern, Hauben und Hüten. Das „Regendach“ (so wurde es in der deutschsprachigen Schweiz zumeist genannt) war zu dieser Zeit noch kein Requisit für das Bürgertum und wurde zunächst von den Schirmgegnern als Zeichen des Sittenverfalls in aller Schärfe verurteilt. Trotz aller Vorbehalte erwies sich der Regenschirm als erstes bei den Adligen der Stadt Neuenburg seiner Nützlichkeit und bot zusätzlich die Möglichkeit, mit dem anfangs sehr teuren, schweren, plumpen, meist mit Wachstuch oder Ölpapier bezogenen Modeaccessoire auf seinen eigenen Reichtum aufmerksam zu machen.
Die Verwendung preiswerterer Materialien für Gestellt und Bezug machten Mitte des 18. Jahrhundert den ursprünglich im 17. Jahrhundert mit den französischen Hugenotten eingewanderten Luxusgegenstand in der Stadt Neuenburg zusehends populär. Zunehmend wurden sowohl die Bespannungsmaterialien (z.B. Leinwand bzw. Seide sowie Taft) als auch der Käuferkreis des Regenschirms vielfältiger. Der für gewöhnlich von französischen Händlern betriebene Schirmhandel (Sonnen- und Regenschirme) fand nunmehr nicht nur in der Stadt Neuenburg statt, sondern auch in den naheliegenden Orten der Stadt und auch in anderen Städten wurden zunehmend Schirme im Hausierhandel angeboten. Das Angebot an Schirmen stellte in der Schweiz nun dank den in Neuenburg niedergelassenen französischen Handwerkern nicht nur importierte und ausgebesserte Ware dar, sondern war zum Teil auch aus Eigenproduktion. Dazu wurden anfangs des 19. Jahrhunderts zahlreiche Werkzeuge eingesetzt. Neben einer Dreh- und Hobelbank waren unteranderem Hobeln, Sägen, Schneidzeug und diverse Zangen (Drahtzange, Halszange, Beisszange etc.) unverlässlich. Die Gestelle, die zumeist aus Stahl, Holz sowie Fischknochen waren, wurden im Gegensatz zu heute nicht als Halbfabrikate importiert, sondern von den Schirmmachern selbst gefertigt.
[1] Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Schirmmacherin.
[2] Die Schirme, die zu dieser Zeit hergestellt wurden, hatten zumeist einen gebogenen Griff und lange, stabile, aus Buchholz gearbeitete Stöcke, deren Ende durch eine Messingzwinge geschützt war. Zu Schirmbezügen wurden zumeist Baumwollstoffe und Seide verarbeitet. Stahl fand an Stelle von Fischbein und Rohr bei der Herstellung der Schirmschienen Einsatz.
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Literatur
Spary Christiane: Parasol- und Parapluimacher. Sozialhistorische Analyse eines regressiven Handwerks, Frankfurt am Main 1995.
www.tagblatt.ch → Die Schirmmacher, http://www.tagblatt.ch/ostschweiz-am-sonntag/leben/Die-Schirmmacher;art304178,3416233, abgerufen am 26.11.2017.
www.strotz.ch → abgerufen am 26.11.2017.
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