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Grundriss des Tempels der Erde.
Albert Giesecke beschreibt auch das Innere des Tempels der Erde, soweit es sich aus dem Grundriss ergibt. Dieser war bereits in Wilhelm Spohrs Fidus-Werk enthalten und wurde, wie die Fassade auch, für das "Fidus-Heft" der Schönheit übernommen. Giesecke führt aus:
Im Innern liegt ein Hof mit Umgang und einem Wasserbecken, aus dem das Bild des "Herrn der Erde" aufragt. Zu diesem Kultbild gelangt man aber erst, nachdem man eine Reihe Säle und Hallen durchschritten hat, die den Lichthof umgeben, und diese Säle und Hallen stellen eine Art hohe Schulung der Bildung, der Heiligung und Reinigung dar, in denen die Seele erzogen werden soll, um das Kultbild mit reinen Sinnen zu schauen, und zwar wird diese Reinigung der Seele nicht allein durch Anschauen von Bilderwerken erzielt, sondern mehr noch durch die Stimmung, in die der Wandelnde durch die Farbe der Beleuchtung der einzelnen Räume versetzt wird. Nun durchwandeln aber die beiden Geschlechter ihren Entwicklungsgang auf getrennten Wegen und demgemäß auch hier sinnbildlich: in der Vorhalle sind ihnen das männliche und das weibliche Idealbild Wegweiser, die Farbabfolge der Räume ist zugleich Symbol für den Charakter der Geschlechter, die männliche Farbfolge geht von Schwefelgelb zu Gelbgrün — den Saal des Ehrgeizes — von da über Grün — die Halle des Willens — und Blaugrün — den Saal der Liebe zu Blau, der Halle der Ergebung, in der sich die beiden Geschlechter wieder sinnbildlich vereinigen, während indessen das Weib, dessen Grundfarbe Goldgelb ist, durch den Saal der Lust — in Goldrot — die Halle der Gefühle — in Rot — und den Saal der Sehnsucht in BIaurot gewandelt ist. Hier sehen sie einerseits die "Verrammelte Schwelle", mit der Kune der Tat darüber, über die nur Mysten und nicht die Adepten, um mich der altertümlichen Worte zu bedienen, durch die Kammer des Schweigens in das Allerheiligste treten dürfen, und andererseits die offene Tür, die zu dem bereits genannten Bilde des Herrn der Erde im Licht-Hofe des Tempels führt."
Begeistert urteilt Giesecke: "Wie erhaben und großartig ist dieser Tempelgedanke und wie fein ersonnen das Einzelne!"
- Albert Giesecke, "Fidus' Tempelkunst", in: Die Schönheit, 16. Jahrg., "Fidus-Heft", 1919/20, S. 44-46. Online
- Ebda., S. 46.
Letzte Änderung: 10. November 2020.