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Die agrarökonomische Forschung verwendet eine Vielzahl von Methoden und Ansätzen, um bestehende und neue politische Massnahmen zu beurteilen. Dies ist die Grundlage für eine Agrarpolitik, die nachweislich etwas bewirkt, also evidenzbasiert ist.
Politikmassnahmen vor deren Einführung bewerten
Mit Ex-ante-Evaluierungen lassen sich die Kosten und der Nutzen von politischen Massnahmen beurteilen, bevor diese umgesetzt werden. Simulations- und Optimierungsmodelle, die das Verhalten von Betrieben, Sektoren und Märkten abbilden können, spielen dabei eine grosse Rolle. So verwendet Agroscope das Modell «SWISSland», das einzelne Betriebe abbildet und deren Verhalten auf Sektorebene zusammenfasst, als Standardinstrument für agrarpolitische Ex-ante-Evaluierungen in der Schweiz. Zunehmend werden auch Verhaltensexperimente zur Ex-ante-Politikevaluation eingesetzt. In diesen Experimenten darf ein Teil der mitmachenden Landwirtinnen und Landwirte eine zu evaluierende Massnahme auswählen, die Kontrollgruppe jedoch nicht. Der Vergleich beider Gruppen nach dem Experiment erlaubt es, die Wirksamkeit und Effizienz agrarpolitischer Massnahmen vor der Einführung auf nationaler Ebene zu bewerten und die zugrunde liegenden Verhaltensmechanismen aufzuzeigen.
Politikmassnahmen nach deren Einführung bewerten
Ex-post-Evaluierungen haben zum Ziel, die Wirkung und Zielerreichung von politischen Massnahmen nach deren Einführung zu bewerten. Sie liefern so die wissenschaftliche Grundlage, um bereits etablierte politische Massnahmen anzupassen, auszuweiten oder aufzugeben, und daraus für zukünftige Massnahmen zu lernen. Insbesondere ökonometrische Methoden sind dabei zentral und verwenden oft Daten von landwirtschaftlichen Betrieben: z.B. Zensus-, Buchhaltungs- oder Umfragedaten. Ziel ist es, die Wirkung einer agrarpolitischen Massnahme zu ermitteln, also z.B. ob Biodiversitätsbeiträge tatsächlich einen Effekt auf die Biodiversität haben.
Weitere bisher selten genutzte Ex-post-Evaluierungsmethoden umfassen systematische Literaturüberblicke, Meta-Analysen und Replikationsstudien. Auf Grundlage solcher Studien kann die wissenschaftliche Evidenz zu einer Fragestellung verbessert und bestehende Wissenslücken geschlossen werden.
Ein Daten- und Methodenmix ist wichtig
Generell sollte für Politikevaluierungen ein stärkerer Methoden- und Datenmix angestrebt werden. Vielfältige Ziele, Massnahmen und Fragestellungen der Agrarpolitik können oft nicht mit einer einzigen Methode allein umfassend analysiert werden. Die Kombinationsmöglichkeiten sind dabei vielfältig. Zum Beispiel lassen sich Ex-ante- und Ex-post-Studien oder auch quantitative und qualitative Methoden kombinieren. Die Methodenkombination erlaubt es den Forschenden, die Fragen nach dem «Wie» und «Warum» eingehender zu beantworten. Daten zu ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten auf Betriebsebene sind zentral, um die Wirkung agrarpolitischer Massnahmen umfassend bewerten zu können. Der Ausbau von bestehenden Monitoringsystemen und Datenerhebungen und die verbesserte Nutzung bestehender Datensätze, wie z.B. der Fernerkundung, ist daher anzustreben. Transparentes und zugängliches Wissen, also Open Science, kann massgeblich zu einem verbesserten Wissensstand beitragen und mithelfen, die Agrarpolitik noch effektiver zu gestalten.
Fazit und Empfehlungen
- Die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse ist die Grundlage für eine evidenzbasierte Agrarpolitik, die also nachweislich in der Praxis etwas bewirkt.
- Die Agrarökonomie verwendet eine Vielzahl wissenschaftlicher Methoden und Ansätze, um agrarpolitische Massnahmen vor (ex-ante) und/oder nach (ex-post) ihrer Einführung zu bewerten.
- Die Weiterentwicklung dieser Methoden und eine stärkere Kombination verschiedener Methoden, Ansätze und Datenquellen verbessert die Evaluation agrarpolitischer Massnahmen.
- Open Science, z.B. Open Data und Open Code, kann zu einem verbesserten Wissensstand beitragen und mithelfen, die Agrarpolitik noch effektiver zu gestalten.