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Christiania kennt man als kleines buntes Gebiet inmitten der Stadt Kopenhagen. Die Bewohner sind bekannt für ihre alternative Lebensform und ihre liberale Einstellung gegenüber Politik und Gesellschaft. Entstanden ist der autonome Bezirk nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die leerstehenden Militärbarracken in der Stadt boten eine gute Wohnmöglichkeit für Menschen auf der Suche nach günstigen Plätzen. 1971 riefen die Bewohner schliesslich den Freistaat, auf dänisch Fristad, Christiania aus. Ziel war es, die Regeln für das Zusammenleben eigenständig zu bestimmen. Manche Gesetze, unter anderem die Erlaubnis zum Konsum von weichen Drogen, unterschieden sich dabei von denen des Staates. Seither hat das Gebiet zahlreiche Menschen angezogen, die eine freizügigere und tolerantere Lebensweise suchten.
Schlechte Nachrichten
In den letzten Jahren ist allerdings mehrfach negativ über Christiania berichtet worden. Der Freistaat hatte Schwierigkeiten mit dem Handel von harten Drogen. Es kam zu Beschlüssen seitens der dänischen Regierung, einige Praktiken nicht mehr länger tolerieren zu können. Darunter fiel auch der Entscheid der Regierung, den Konsum weicher Drogen im Gebiet nicht mehr so offen zu dulden. Die Beschlüsse führten zu Streiks seitens der Bewohner von Christiania. 2007 kam es zum Polizeieingriff. Wie hat sich Christiania durch die Restriktionen und Widerstände der letzten Jahren verändert? Seit der Entstehung des Freistaates ist im Gebiet viel passiert. Wie jedes Gebiet hat sich auch Christiania mit der Zeit verändert.
Zu Besuch im Fristad Christiania
Christiania ist berühmt für sein Eingangstor. Auf zwei Totempfählen gestützt thront ein rotes Schild mit dem Namen des Freistaats. Es gilt bereits als Logo und Touristenattraktion und befindet sich auf dem Stadtplan in Kleinform als Sehenswürdigkeit für Touristen. Im Zentrum stehen alte Militärbarracken, die mit viel Farbe und einigen kuriosen Ideen in bunte Kunstwerke verwandelt worden sind. Menschen stehen um brennende Tonnen herum. Um diese Jahreszeit ist es ruhig im Viertel. In den Gebäuden befinden sich Restaurants, Zentren, Wohnungen. Verzierte Mauern, Skulpturen, und selbstgebastelte Schilder zieren den Weg durch das Viertel. Der Bezirk ist autofrei. Die Menschen kommen auf Fahrrädern entgegen. Manch einer wird von mehreren Hunden verfolgt. An einer Strassenecke ist ein offenes Häuschen mit Kleidern zum Tausch gefüllt. Überall sind die Wände besprayt oder mit Veranstaltungsplakaten tapeziert. Christiania scheint nach wie vor eine friedliche Hippiekommune zu sein.
Sehenswürdigkeit Christiania
Allerdings ist Christiania mittlerweile nicht mehr nur das. Weiter im Innern des Freistaats sind Hinweisschilder aufgestellt. Besucher werden gebeten, das Fotografieren fortan zu unterlassen. Daneben stehen Stände mit Souvenirs für Touristen. Vorbeigehend an Batiktüchern und handgemachten Kettchen drängt sich die Frage auf, ob Christiania wohl bald Eintritt verlangen darf. Die Hippiekommune wird täglich rege besucht. Beim Herumschlendern trifft man auf andere Touristen. Das Wohngebiet verändert sich dadurch zu einer Touristenattraktion.
Alles beim Alten?
Bisher reagieren die Bewohner darauf, indem sie sich den Touristen feilboten. Der freie Lebensstil wird weiter proklamiert. Menschen, die im Leben Schwierigkeiten mit Suchtmitteln haben, finden hier einen neuen Zugang. Das Denken ist nach wie vor liberal und das Gebiet entwickelt sich weiter. Neben den Militärkasernen stehen Einfamilienhäuschen mit moderner Einrichtung. Obwohl nach dem Regierungswechsel der Drogenkonsum weniger toleriert wird, scheint sich hier nichts geändert zu haben.
Ob es die Bewohner tatsächlich freut, dass sie eine Sehenswürdigkeit geworden sind und ob sie ihren Lebensstil trotz allem nicht vermarkten wollen, wird sich wohl in den nächsten Jahren noch zeigen. Christiania bleibt aber mit Sicherheit eine Sehenswürdigkeit der anderen Art im normalen Kopenhagener Städtetrip.