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Joe Biden vor Wahlsieg
Bei Redaktionsschluss konnte die laufende Auszählung der Stimmen zur US-Präsidentschaftswahl noch keinen offiziellen Sieger ermitteln. Das Wahlergebnis ist nach historischen Massstäben zu diesem Zeitpunkt aber eigentlich schon sehr klar. Die Tatsache, dass sich Donald Trump am 4. November selbst zum Sieger erklärt hat, schaffte mit Absicht den damals nicht zutreffenden Eindruck eines knappen und noch offenen Wahlergebnisses. Wer das knappe Zwischenergebnis ungeprüft annahm, wurde von Trump bereits erfolgreich getäuscht. Der Weg ins Weisse Haus für Joe Biden führt über das Ergebnis in den Bundesstaaten Nevada, Pennsylvania, Georgia, Wisconsin, Michigan und Arizona. Dabei steht der Sieg von Biden in Wisconsin und Michigan so gut wie fest. Der vormalige Vizepräsident braucht bloss noch den aktuellen Vorsprung in Nevada über die Ziellinie bringen, um die uneinholbare Marke von 270 Stimmen zu erreichen. Dann wäre Biden nicht vom Ergebnis in Pennsylvania abhängig. Dort holt Biden gegenwärtig durch die Auszählung der brieflich abgegebenen Stimmen den Rückstand auf Donald Trump weiter auf. Es ist aber möglich, dass Biden auch in Pennsylvania, trotz aktuellem Rückstand, noch gewinnen kann.
Donald Trump mit unwürdigem Schauspiel
Trotz dieser klaren Ausgangslage hat der noch amtierende US-Präsident seine Anhänger durch haltlose Behauptungen über Unregelmässigkeiten bei der Auszählung der Stimmen mobilisiert. Dabei kam es zu unwürdigen und lächerlichen Protesten vor den Auszählungszentren in Detroit (Michigan) und Phoenix (Arizona). In Detroit waren die Rufe «Stop the count», in Phoenix hingegen waren die Rufe «Count my vote» zu hören. Dies natürlich deswegen, weil Trump hofft, in Nevada den Rückstand aufholen zu können, und weil in Michigan der Vorsprung Bidens weiter wächst und somit Trumps Anspruch auf eine Neuzählung wohl zunichtemachen wird.
Die überdrehte Inszenierung eines knappen Wahlausgangs spielt Donald Trump in die Hände. Dies legitimiert die verzweifelten Versuche Trumps, mit Ränkespielen allerart die vielleicht unausweichliche Niederlage zu verschleppen. Für das Ergebnis in Wisconsin hat Trump eine Neuzählung beantragt, obwohl ein Vorsprung von etwa 20 000 Stimmen kaum durch Fehler zustande kommen kann. Eine Neuzählung für Wisconsin wurde auch 2016 durch Hillary Clinton beantragt und hat nur eine unbedeutende Differenz zur ersten Zählung von etwa 350 Stimmen ergeben. Auch in den Bundesstaaten Georgia oder Nevada könnte es zu Neuzählungen kommen. Donald Trump kann die Stimmen so oft zählen lassen wie er will, er wird die Wahl nicht durch wiederholtes Auszählen gewinnen können. Er kann den Ablauf bis zur offiziellen Verkündung des aus unserer Sicht wahrscheinlicheren Siegers Joe Biden nur noch mit allen Mitteln verzögern.
Der Rechtsstaat schützt eben auch jene, die diesen Schutz zum Schaden rechtsstaatlicher Institutionen pervertieren. Diese Vorgänge beschmutzen die Würde der US-Demokratie und es bleibt zu hoffen, dass die Republikanische Partei bald noch deutlicher Stellung bezieht. Einzelne prominente Republikaner haben sich Trump bereits mutig in den Weg gestellt. In unseren weiteren Ausführungen gehen wir also von einem Sieg von Joe Biden aus, selbst wenn dies noch Zeit benötigen sollte. Dementsprechend richten wir unsere nachfolgenden Anlageempfehlungen aus.
Anlagethemen für Joe-Biden-Präsidentschaft
Die Finanzmärkte preisen bereits heute ein, dass ein weiteres Konjunkturpaket – zur Dämpfung der Folgen nach der Pandemie – die beiden Kammern des Parlaments erfolgreich durchlaufen wird. Vor der Wahl waren solche Bemühungen noch gescheitert. Ein solches Konjunkturpaket könnte zu Joe Bidens erster Bewährungsprobe werden. Und die bereits auf weit über 100 % der Wirtschaftsleistung gestiegene US-Staatsverschuldung dürfte sich entsprechend weiter deutlich erhöhen. Die ersten Folgen dieser Erwartung sind bereits sichtbar: So kam die Marktrendite der US-Treasuries unter Druck, der US-Dollar zeigte sich schwächer und die Edelmetalle tendierten stärker. Und dank der vom Markt erwarteten Liquiditätsschwemme spüren auch die Aktienbörsen deutlichen Rückenwind.
Welche Sektoren unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden profitieren
Nach der bevorstehenden fiskalischen Geldspritze sind weitere Unterstützungsprogramme durchaus möglich und dürften den US-Dollar zur Schwäche tendieren lassen. Ein schwächerer Greenback hat in erster Linie positive Auswirkungen auf die Edelmetalle, da diese in US-Dollar gehandelt werden. In zweiter Linie gilt dies auch für die Basismetalle sowie den Öl- und Gaspreis. Gleichzeitig erwarten wir, dass neben Edel- und Basismetallen auch die entsprechenden Bergbauaktien profitieren. Dazu gehören die Titel von Konzernen wie Agnico Eagle, Barrick Gold, Franco-Nevada, Newmont und Newcrest Mining. Mit Joe Biden im Weissen Haus erhöht sich gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass sich die internationalen Beziehungen wieder etwas beruhigen. Dies zum Vorteil von globalen Handels- respektive Logistikunternehmen wie Amazon, Apple, Cognizant Technologies und/oder Kühne+Nagel. Auch Aktien von Firmen aus dem Sektor alternative Energien verfügen über gute Kurschancen. Auch wenn hier gewisse Titel (u. a. Solar) im Wert bereits stark gestiegen sind. Unter Joe Biden dürfte auch das Thema Covid-19-Pandemie in den Fokus rücken. Dies dürfte das Interesse nach den typischen «Stay at home»-Unternehmen wie Netflix, Microsoft, Amazon, Apple und/oder Alphabet weiter verstärken.
Neues Anlagethema: Silber und Gold – in dieser Reihenfolge
Die Euphorie rund um die Edelmetalle seit dem letzten Hoch im August 2020 hat sich zuletzt wieder gelegt. Seit Januar 2000 legte der Goldpreis in US-Dollar bis heute rund 660 % zu, während der Silberpreis «nur» um 450 % kletterte. Seit Beginn 2016 sind die beiden Edelmetalle praktisch im Gleichklang unterwegs. Diese Situation könnte sich nun ändern und Silber eine eigentliche Renaissance erleben. Entsprechend lancieren wir Silber als neues Anlagethema.
Was heute für das Edelmetall Silber spricht
Die Underperformance von Silber seit dem Jahr 2020 beruht u. a. darauf, dass es sich aus Volatilitätsgründen nicht für Absicherungszwecke eignet. Rund 56 % des Angebots sind zudem von der Industrie nachgefragt, zuletzt mit stark steigender Tendenz aus der Solarindustrie. Ein starker Solarmarkt zieht in der Regel eine höhere Silbernachfrage nach sich. Seit dem Jahr 2000 vervielfachte sich neben der Nachfrage aus Indien (v. a. Schmuck) auch diejenige aus China (v. a. Solarindustrie). Dabei machen Solarinvestitionen inzwischen fast 20 % der industriellen Silbernachfrage und rund 10 % der gesamten Silbernachfrage aus. Für einen Nachfrageschub könnte zudem sorgen, dass Silber in der Natur im Verhältnis zu Gold 15- bis 19-mal mehr vorkommt, während das aktuelle Preisverhältnis von Gold zu Silber bei rund 80:1 notiert. Angebotsseitig nimmt seit dem Jahr 2015 die Silberförderung seitens des Bergbaus kontinuierlich ab. Gleichzeitig wird im Vergleich zu Gold deutlich weniger Silber rezykliert.
Was heute für das Edelmetall Gold spricht
Der Marktpreis von Gold und Silber wird jedoch nicht (nur) von den Faktoren Nachfrage und Angebot beeinflusst. Es gibt bei der Preisfindung auch einen hohen emotionalen Anteil. So wird insbesondere Gold in wirtschaftlich guten Zeiten als Schmuck und in unsicheren Zeiten als Absicherung gekauft. Letzteres führt dazu, dass die Nachfrage und das Angebot im Vergleich zu anderen Assets eine andere Charakteristik aufweisen. Die preisbildenden Faktoren bei Gold können somit auf die reale Marktrendite sowie das Vertrauen in die (eigene) Regierung reduziert werden. Da die Marktzinsen inzwischen auch in den USA die Nullgrenze erreicht haben und die Inflation (vorderhand) eher tief bleiben dürfte, spielt die reale Marktrendite gegenwärtig keine grosse Rolle. Bleibt noch der Faktor «Vertrauen in die eigene Regierung». In Pandemie-Zeiten ein interessantes Thema. Denn die aufkommenden Covid-19-Demonstrationen rund um das Thema Lockdowns zeigen ein schwindendes Vertrauen in die Regierungen an. Eine mögliche Folge ist, dass die Edelmetalle verstärkt den Weg in die Portfolios von Investoren finden dürften.
Unter Berücksichtigung der diversen Faktoren bestätigen wir unsere Prognose für den Goldpreis in Schweizer Franken von CHF 60 000 je Kilo. Das entspricht aktuell einem Aufwärtspotenzial von etwas mehr als 7 %. Um Währungsverluste zu vermeiden, empfehlen wir den Kauf eines ETF in Schweizer Franken, der den US-Dollar absichert. Damit kann auch in der eigenen Währung die fast vollständige USD-Performance der Edelmetalle realisiert werden.
Kurzfristig könnte die Volatilität an den Finanzmärkten, und auch bei den Edelmetallen, steigen. Wir empfehlen deshalb, die Investments in Silber und Gold zu erhöhen.
- Silber mag dabei eine höhere Volatilität aufweisen, das langfristige Aufwärtspotenzial ist jedoch höher.
- Da dieses mit einer Absicherung der US-Währung möglicherweise weiter erhöht werden kann, bevorzugen wir die währungsabgesicherten ETF-Versionen.
- Bei Investments in Silber gilt es zu beachten, dass eine physische Auslieferung bzw. ein Kauf auf dem Sammelkonto eine Mehrwertsteuerpflicht mit sich bringt.
- Für risikoaverse Investoren empfiehlt sich eher ein Investment in Gold.
- Als weitere Alternative können Einzelaktien aus dem Sektor in Betracht gezogen werden,
Vier Megatrends und Anlagethemen
Wir erwarten, dass unsere Anlageempfehlungen im Megatrend «Technischer Fortschritt» dank der beschleunigten Digitalisierung und hoher Innovationskraft in diesem Sektor weiterhin eine Outperformance erzielen. Auch der Megatrend «Demografischer Wandel» mit der zunehmenden Bedeutung der sogenannten Silver Economy und des Gesundheitsbereichs ist ungebrochen. Die Corona-Pandemie rückt Pharmaunternehmen in den Mittelpunkt. Gleichzeitig dürfte der Trend zu nachhaltigen Investments, angesichts der dringlichen Klimaprobleme, anhalten. Neu in den Fokus stellen wir unser Anlagethema Silber.
Angst ist kein guter Ratgeber
Wir raten an Aktienpositionen festzuhalten. Wir werden Sie dabei weiter laufend informieren. Für Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Dr. Sandro Merino
Chief Investment Officer
Erfahren Sie aus erster Hand die Einschätzungen unseres Chief Investment Officers, Dr. Sandro Merino, und überprüfen Sie Ihre Anlagestrategie mit Ihrer Kundenberaterin oder Ihrem Kundenberater.
Rechtliche Informationen
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