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Ich gebe zu, mich nie wirklich mit Jon Huntsmans Kandidatur für die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten beschäftigt zu haben. Obwohl er der mit Abstand attraktivste Bewerber bei den Konservativen war, wie der respektable dritte Platz in New Hampshire zeigt.
Während der «Spiegel» und andere ihm grosse Geschichten widmeten, sah ich ihn von Anfang an als Fussnote in einem einigermassen absurden Rennen. Huntsman trat als Moderater für eine Partei an, die es seit George W. Bush so nicht mehr gibt. Moderate Republikaner stehen heute unter Artenschutz.
Nachdem ich einmal in einem Restaurant in Manchester, New Hampshire, vergeblich auf den Kandidaten gewartet hatte, gab ich es auf, dem Kuriosum des Wahljahrs hinterher zu jagen. Dafür schien mir der Bürgerkrieg auf der Rechten so viel spannender zu sein.
Sicher, Huntsman hat eine interessante Biografie. Sohn eines Milliardärs, der in Utah als Gouverneur einen guten Job machte. Bevor Präsident Obama den fliessenden Mandarin-Sprecher zu seinem Botschafter in China machte.
Warum ihn ausgerechnet das qualifizieren soll, seinen ehemaligen Chef zu beerben, bleibt bis heute das Geheimnis des Mormonen, der nun seinen Glaubensbruder Mitt Romney unterstützt. Nicht nur wegen der Religion, sondern weil Mitt aus seiner Sicht der am meisten geerdete Kandidat auf der Rechten ist.
Während der Rest der Partei in geradezu paranoider Anti-Obama-Stimmung ist, hat Huntsman für den Präsidenten gearbeitet. Kein Wunder, dass er der Republikaner-Basis aus Christen-Fundis und Tea-Party-Republikanern viel zu moderat ist.
Huntsman konnte überhaupt nur weitermachen, weil sein vermögender Vater ihm Ressourcen bereitstellte. Entweder ist der Kandidat seit seiner enttäuschenden dritten Platz in New Hampshire selber zur Erkenntnis gelangt, aufzugeben, oder der Senior hat ihn zur Aufgabe gedrängt.
Vielleicht war es auch die bittere Erfahrung, in Umfragen hinter dem Satiriker Stephen Colbert zu liegen, was Huntsman zum Einlenken bewegt hat. Romney kann das nur helfen. Damit ist er einen grossen Schritt näher, South Carolina zu gewinnen. Eine aktuelle Umfrage von Insider Advantage sieht Mitt elf Punkte vorn.
Begeisterung kommt weiterhin nicht auf. Ein wahrlich merkwürdiges Rennen.