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Eine Kolumne von Mischa Peter, Swiss PGA Pro im Golfpark Holzhäusern.
Eigentlich ist es einfach, dachte ich. Ich legte mir einen Block Papier, einen Stift und vor allem einen Rechner auf den Tisch. Vor mir lag die letzte Ausgabe des Jahres 2018 von «Golf Digest» mit der Hot List, dem sogenannten «Who is who» der Schlägerszene. Nicht mit Fussball verwechseln bitte. Ich schlug die Seite auf, auf welcher die zuvor ausführlich getesteten Driver beschrieben werden. Meine Erwartungen an das, was ich dort lesen würde, waren enorm.
Da ich seit 1982 Golf spiele, bin ich noch mit dem richtigen Holzdriver bekannt. Ich traf den Ball. Mehrheitlich. Die ersten drei Jahre meiner Golfkarriere hatte ich zu lange Schläger, mit denen man heute vielleicht noch Tomatenstöcke stützen würde. Dann kam der erste Big Bertha Driver. Eine Revolution. Eine echte Revolution. Zusammen mit neuen Bällen, die nicht mehr mit einem langen Gummifaden aufgewickelt waren, erzielte man doch einen sehr markanten Distanzgewinn. Ob ich auch mehr auf dem Fairway lag, entzieht sich meinen Memoiren.
Als ich mit meinen Berechnungen fertig war, traute ich meinen Augen nicht. Wenn es stimmte, was die Hersteller in den letzten Jahren mit ihren Innovationen und teuren Technologien versprochen haben, müsste ich jetzt an einem Par 4 mit 430 Meter den Driver etwas kürzer fassen und dann den zweiten Ball mit einem Wedge 70 Meter zurück spielen, da mein Drive nun 500 Meter weit fliegt. Also: 1982 flog mein Ball 230 Meter. Das macht dann 37 mal sieben Meter länger, gibt + 259 Meter = 489 Meter. Dazu kommt dann noch der Roll.
Wenn meine Berechnungen stimmten – und ich habe alle Versprechen addiert und nichts ausgelassen – dann war ich jetzt nach jedem Jahr, bei jedem neuen Driver, zwischen vier und sieben Meter weiter, die Schlagfläche wurde um 23 Prozent grösser, der Spin um 18 Prozent reduziert, der Sweetspot um 21,7 Prozent verzeihender, das CG, also das Center of Gravity, acht Prozent tiefer, was den Abflugwinkel um 0,8 Prozent erhöht und ideal für mehr Länge war.
Ach ja, und ich kann jetzt meinen Driver auch zum Darts spielen verwenden aus 500 Metern Entfernung, da natürlich die Genauigkeit und die Streuung um sicher mindestens 201,9 Prozent verbessert wurden. Alles natürlich nur, wenn man den richtigen Ball dazu spielt.
Der Name sagt es: Golf-Industrie. Verständlich, dass die tausenden Mitarbeiter in den USA (die meisten davon legale Immigranten aus Mexiko) und die Ingenieure ihren Job behalten wollen. The show must go on. Aber am Schluss sind es immer noch Angebot und Nachfrage. Das heisst, der Spieler will länger schlagen, will gerader schlagen. Der am Anfang der Saison übermotivierte Golfer will sich beim Kauf eines neuen Schlägers belohnen oder anregen, sein Spiel zu verbessern. Oder aber der Driver hat den letzten «Lady’s» nicht überlebt und der Boden kam zu schnell zu nah. Auch möglich. Aber auch hier gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Glaube an die Technologie und das Marketing macht auch – oder vor allem – beim Golfer nicht Halt.
Deshalb empfehle ich jedem, der einen neuen Driver diese Saison kaufen will, ein Driver Fitting bei einem Fitter Ihres Vertrauens. Gehen Sie nicht unbedingt in einem Laden testen, auch wenn die auch so ein Gerät haben, welches den Ball misst und so. Gehen Sie am besten zu Ihrem Pro. Der weiss, was gut ist für Sie.
Zufrieden schiebe ich meinen Block auf die Seite, lege meinen Stift weg und lehne mich erleichtert zurück. Wenn das alles stimmt – und davon gehe ich aus –, dann habe ich jetzt viel Zeit gespart und muss nicht mehr auf die Driving Range. Mein Driver wird es schon richten. Ganz bestimmt.