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Die Geschichte vom Blues
Blues ist eine Musik- und Versform aus Amerika und vermischt Eigenschaften aus afrikanischer und europäischer Musik. Er entstand bei den afroamerikanischen Sklaven auf den Baumwollfeldern und ist die Grundlage für Rock und Pop.
Hintergründe
Die Spuren des Blues gehen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Der Grund für die Entstehung jedoch noch viel weiter: Es begann alles im 16. Jahrhundert mit der Einfuhr von Sklaven nach Amerika. Gerade der südliche Teil der heutigen USA holte besonders viele Afrikaner auf die grossen Baumwollplantagen, welche dort als billige Arbeitskräfte ausgenutzt zu wurden. Im 19. Jahrhundert begann man im Norden der USA über die Abschaffung der Sklaverei nachzudenken, während die Inhaber und Leiter der Baumwollplantagen im Süden überhaupt kein Interesse daran hatten, ihre Arbeitskräfte einfach weggeben zu müssen. Als Abraham Lincoln, welcher gegen die Sklaverei war, zum Präsidenten gewählt wurde, spalteten sich zunehmend Südstaaten ab und es kam 1861 zum Bürgerkrieg zwischen dem Plantagen-Süden und dem Städte-Norden. Das Ergebnis: Eine halbe Million Tote und der Süden kaputt. Es kam zur langsamen Wiedervereinigung und 1965 zum endgültigen Verbot der Sklaverei. Die Schwarzen sollten die gleichen Rechte kriegen wie die Weissen, doch bis das Gesetz auch im Süden anerkannt wurde, ging es lange und Rassismus ist noch heute ein Problem. Mit der Befreiung der Sklaven, wurden die einen zu Lohnarbeitern, andere wurden arbeitslos und zogen herum. Es zog viele in den Norden zu den Grossstädten, da sie sich dort ein besseres Leben erhofften.
Die Anfänge
Um die schwere Arbeit etwas zu erleichtern, sangen die Sklaven Arbeitslieder, sogenannte Worksongs. Meistens gab es einen Vorsänger, der einen Vers sang, und die anderen sangen nach. Den Musikstil brachten die Sklaven zum Teil aus ihrer Heimat Afrika mit, sie bauten aber auch zunehmend Eigenschaften der europäischen Musik (Amerikaner sind ja hauptsächlich eingewanderte Europäer) ein. Die Sklaven wurden zum Teil in den Religionsunterricht geschickt, wo sie Bekanntschaft mit Kirchenmusik machten, so kam später auch die berühmte Hammondorgel in den Blues. Der afrikanische Gesangsstil geht mehr in Richtung Sprechgesang und es wurde die Pentatonik und sog. Bluenotes gebraucht, das sind (für europäische Ohren schräg klingende) Töne, die nicht im europäischen Tonsystem verwendet wurden. Die Arbeiter (hauptsächlich die Männer) sangen über ihr Leid, sie liessen sich durch Erlebnisse inspirieren, durch ihren Alltag, die Arbeit, die unglückliche Liebe, Betrug, etc. Von den Worksongs leitete sich nicht nur der pessimistische Blues mit den vornehmlich traurigen Inhalten sondern auch der eher optimistische Negrospiritual und der Gospelsong ab, bei dem es um biblische Inhalte und gute Hoffnung geht.
Entwicklung
Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg griffen viele Blues-Musiker zur Gitarre, die zu dieser Zeit erst so richtig aufkam, vorher wurde Blues auf dem Banjo begleitet. Der Sänger sang seinen Vers und die Gitarre antwortete ihm, diese Form lässt sich noch heute im Blues beobachten. Anfangs wurde auf der Gitarre noch häufig offene Stimmungen gebraucht, häufig im Zusammenhang mit dem Bottleneck. Die Saitenstimmung, wie wir sie jetzt kennen (E, A, D, G, B, E) kam erst später auf.
Viele Blues-Musiker wie z.B Robert Johnson zogen von Ort zu Ort und spielten auf der Strasse und in sogenannten Juke Joints, kleine Lokale wo sie für ihren Auftritt dann etwas zu Essen bekamen.
Durch den schwarzen Komponisten wurde 1911-1914 die Blues-Musik zunehmend bekannter und 1920 wurde die erste Aufnahme mit gesungenem Blues aufgenommen. Als viele Schwarze gegen Norden in die Grossstädte zogen, begann sich der Blues auch in diese Richtung auszubreiten. In Chicago traf der Blues auf den Jazz (welcher übrigens die gleichen Wurzeln hat) und es wurden zunehmend Eigenschaften des Jazz in den Blues integriert. Die Erfindung der elektrisch verstärkten Gitarren machte auch vor dem Blues nicht halt und auch die Bands begannen, grösser zu werden. Piano, Bass, Schlagzeug, Blues Harp (diatonische Mundharmonika mit spezieller Spieltechnik) und später sogar Bläser hielten Einzug in die Blues-Bands. Musiker wie
Muddy Waters, Howlin’ Wolf und Elmore James, spielten sogenannten Delta Blues, welcher aus dem Süden in die Städte gebracht worden war. Dagegen brachten B. B. King und T-Bone Walker einen neuartigen Jazzgitarrenstil in den Blues ein. Anfangs 60er Jahre kam der Blues auch unter die Weissen und der Blues Harp-Spieler Paul Butterfield war einer der ersten weissen Blues-Musiker, der auch von den schwarzen als solcher akzeptiert wurde. Weisse Bands wie die Rolling Stones, die Yardbirds, John Mayall’s Bluesbreaker, Cream, Canned Heat und Fleetwood Mac nahmen Elemente des Blues sowie teilweise auch aus dem daraus entstandenen Rock & Roll in ihre Musik auf. Gitarristen wie Eric Clapton, Jimi Hendrix, und Jimmy Page entwickelten daraus einen rockigeren Stil, zunehmend auch mit verzerrtem E-Gitarrensound. Jüngere Bluesgitarristen wie Robert Cray und Stevie Ray Vaughan brachten frischen Wind in den Blues und machten ihn auch einem breiteren Publikum zugänglich. Auch der Originalblues wurde weiter gespielt von Leuten wie John Lee Hooker, Albert Collins, B. B. King, Buddy Guy, Otis Rush, Eric Clapton und Roy Buchanan. Nebst dem Blues, der heute noch gespielt wird, gibt es viele Weiterentwicklungen des Blues und dessen Wurzeln, die auch nicht ohne Bedeutung sind: Rock & Roll, Gospel, Jazz, R&B, …