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Landkarten sind Zeitzeugnisse.
Sie führen uns einerseits die Veränderungen einer Landschaft vor Augen, andrerseits lassen sie uns auch Rückschlüsse ziehen auf die Menschen, die diese Karten gezeichnet haben.
Die Gemeinde Wittnau ist in der glücklichen Lage, dass vom Bann-Plan, den der Geometer Fridolin Garnie im Jahre 1775 zeichnete, noch zwei Exemplare existieren. Der eine Plan liegt in Aarau im Staatsarchiv (P.01/0192), der andere - in traurigem, restaurierungsbedürftigem Zustand - im Wittnauer Gemeindearchiv. In anderen Gemeinden - z.B. Wölflinswil - ist von den ursprünglich zwei Plänen kein einziger mehr auffindbar.
Die Bannpläne des Fricktals entstanden zur Regierungszeit der Österreichischen Kaiserin Maria-Theresia und ihres Sohnes Joseph II. Den Anstoss zu dieser Kartierungsaktion gab eine Steuerreform, bei der Grundbesitzer gerechter zur Kasse gebeten werden sollten.
► Hier kann der ganze Plan als JPG-Datei heruntergeladen werden. (10,3 MB)
Vom Garnie-Plan wurde im 20. Jh. eine Kopie erstellt. Diese wird in der Zentralbibliothek Zürich aufbewahrt und kann als Pdf über e-manuscripta.ch heruntergeladen werden.
Über die Entstehung diese Plan-Kopie ist leider nichts bekannt. Auch den Zeichner und das genaue Entstehungsjahr kennen wir nicht.
Der Aarauer Seidenfabrikant Johann Rudolph Meyer war der Herausgeber des "Atlas Suisse", des ersten Kartenwerks der Schweiz, welches das gesamte Gebiet unseres Landes umfasste und auf wissenschaftlichen Triangulations-Vermessungen beruhet.
Das Blatt 2 des Atlasses zeigt auch das "Frikthal". Hier entdecken wir die Gemeinde "Weitnau".
Für eine vergrösserte Ansicht: Karte anklicken!
Die Aargauer Regierung beauftragte den preussischen Geografie-Ingenieur Michaelis, das ganze Kantonsgebiet im Massstab 1:25'000 abzubilden.
Anlass für diese Arbeit war die geplante gesamtschweizerische Karte im Massstab 1:100'000, die so genannte Dufourkarte.
Auf der Michaelis-Karte wurde das Landschaftsrelief mit Hilfe von Schraffen dargestellt.
Im Klosterarchiv Mariastein liegt ein Dorfplan von Wittnau. Das Wort "Plan" scheint fast etwas hoch gegriffen, denn denn die Zeichnung beruht nicht auf geometrischen Vermessungen, sondern ist eher eine Handskizze. So ist zum Beispiel der Abstand zwischen Hauptstrasse und Bach viel zu gross wiedergegeben.
Und trotzdem enthält die Zeichnung einiges an interessanten Informationen.
- Beim Pfarrhaus ist an der Hauptstrasse noch die grosse Pfarrscheune eingezeichnet.
- Der Plan zeigt den Standort verschiedener Wegkreuze: beim Käppeli, am oberen Kirchweg,
an der Strasse nach Rothenfluh. Am Dorfplatz stand ein Vorgänger-Kreuz desjenigen von
Greising, das noch heute steht. Ein weiteres, das heute nicht mehr existiert, gab es unterhalb
des Gisletehofes.
- Auch Flurnamen sind zu finden. Einige davon sind besonders interessant, weil sie bisher kaum
je genau lokalisiert werden konnten:
"Murken" bei den Häusern auf der rechten Bachseite im Oberdorf (Schmutz, Uebelmann und
Huber).
Der "Bühlrai" (heute als Bürlirai bekannt) ist genau eingetragen und hat auch die Variante
"Chäppelirai".
Dass die heutige Obere Gasse einst "Kothgaß" hiess, ist bekannt. Interessant ist, wie weit
draussen in Sundel der Name eingetragen ist.
Der Name "Eßlibach" war mir bisher nicht bekannt.
Mit einem Klick auf die Karte gelangen Sie zu weiteren Infos über die Seidenbandweberei.
Die schweren Fuhrwerke, welche Gips von der Gipsmühle Kienberg zur Bahnstation Frick brachten, beschädigten die Wittnauer Hauptstrasse andauernd (► Bild). Um diesem unhaltbaren Zustand abzuhelfen, kam schon Ende 19. Jh. die Idee einer elektrischen Strassenbahn auf. Dieses erste Projekt musste aber wegen Geldmangels aufgegeben werden.
Ein zweites Projekt wurde kostengünstiger geplant. Vorgesehen war nun, die Bahn mit zwei kleinen Dampflokomotiven zu betreiben.
Der unten stehende Plan zeigt die Linienführung der projektierten "Nebenbahn".
Der Bahnhof Wittnau wäre in der Gegend des heutigen Schulhauses gebaut worden.
Das zweite Bahnprojekt wurde bis ins Detail ausgearbeitet. Fahrpläne, Baupläne für die Bahnhöfe und Güterschuppen, alles war vorbereitet. Vom Streckenplan, der über 9 m misst, existieren noch mindestens zwei Exemplare, eines im Wittnauer Gemeindearchiv und eines im Staatsarchiv Aarau.
Zur Realisierung der schönen Pläne kam es nie, am Ende fehlte es wieder am Geld.
Ab 1870 gab der aus Zofingen stammende Armee-Generalstabs-Chef den "Topographischen Atlas der Schweiz" heraus. Die Karten der Jura- und Mittellandgebiete erschienen im Massstab 1:25'000, jene der Alpenregionen im Massstab 1:50'000.
Berg und Tal sind in den Siegfried-Karten mit Höhenkurven gezeichnet.
Die Kartenblätter wurden alle paar Jahrzehnte überholt und dienten als allgemeines Kartenwerk der Schweiz bis ca. 1950.
Der Gemeindebann von Wittnau ist zum grössten Teil auf dem Blatt 34, "Wölflinswil", zu finden.
Die nördlichsten Fluren kamen zum Blatt "Frick".
Haben Sie Unterschiede zwischen den beiden Kartenausgaben gefunden?
Vergleichen Sie die Linienführung der Verbindungsstrasse Wittnau - Wölflinswil.
Der Basler Geograf schrieb 1928 seine Habilitationsschrift "Der Aargauer Jura".
Um die Siedlungsformen der Juradörfer zu illustrieren, fügte er dem Artikel einige Dorfplänchen bei. Auch ein Wittnauer Plänchen ist dabei.
Ganz fehlerfrei scheint dieses nicht.
Immerhin gibt Vosseler aber auch einige interessante Informationen. So ist beispielsweise die im 19. Jahrhundert abgerissene Pfarrscheune beim Pfarrhaus noch eingezeichnet.
(Mit einem X markiert.)
Wohl etwa 1935 gab der Fricktaler Verkehrsverein eine Fricktal-Karte heraus, auf der die offiziellen Wanderwege eingezeichnet waren. Hergestellt wurde diese Karte im Massstab 1 : 50'000 von Kümmerly & Frey in Bern. Sie wurde in Buchhandlungen für Fr. 1.50 angeboten.
Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg verhalfen der Gemeinde Wittnau zuerst nicht sofort zum erhofften Aufschwung. Vom Kriegsende an bis 1970 blieb die Einwohnerzahl fast unverändert bei rund 750 Personen. Noch bevor ein Aufwärtstrend effektiv eintraf, machte man sich Mitte der 1960er-Jahre aber bereits riesige Hoffnungen, was die Entwicklung der Gemeinde betraf. Genährt wurden diese überschwänglichen Ideen durch den geplanten Autobahnbau und die Ansiedlung grosser Chemie-Firmen in Stein, Sisseln und Kaisten.
1966, bei den Vorarbeiten für den Wittnauer Zonenplan berechnete man die künftige Einwohnerzahl. Bei vollem Ausbau der Etappen 1 und 2 ging man von 1'900 bis 2'000 Einwohnern aus.
Grosse Gemeinden brauchen entsprechende Strassen. Darum gab die Gemeinde einem Planungsbüro den Auftrag, eine Umfahrungsstrasse zu projektieren. Der Plan von ca. 1970 liegt heute im Staatsarchiv. Das Projekt sah vor, von der Abzweigung an der Wölflinswilerstrasse her eine 7 m breite Landstrasse zu bauen, die durch die Eichmatt führt, nahe am Gisletenhof vorbei, durch den Leiber und dann über der Sagi-Grube Richtung Ei und Kienberg.
Von Seiten des Kantons wurde das Umfahrungsprojekt sehr kritisch betrachtet. Als bessere Alternative wurde der Innerortsausbau der Hauptstrasse angesehen. 1975 wurde das Projekt "Landstrasse Tt - Südliche Umfahrung Wittnau" endgültig versenkt.