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Kunsthalle Bern
In den «Aufzeichnungen» erinnert sich Marcel Perincioli 1986:
«Bevor es die Kunsthalle gab, war es für die Berner Künstler außordentlich schwer gewesen, genügend Ausstellungsräume zu erhalten. Aus diesem Grunde veranstalteten die Künstler schon 1912 das grosse, fünf Tage und Nächte dauemde Fest «Pompeji» in der Städtischen Reitschule. Diese grossartige Veranstaltung brachte den stolzen Beitrag von 50.000 Franken ein, welcher den Grundstock für den Bau der Kunsthalle bildete. 1917 konnte endlich nach Überwindung vieler Schwierigkeiten, mit diesem Bau begonnen werden. In der Kriegszeit ein solches Wagnis einzugehen, war für die damals noch kleine Sektion eine grosse Tat und konnte nur mit Hilfe kunstinteressierter Freunde gelingen.
Rose Perincioli beim Kunsthallefest 1922
Weitere Künstlerfeste zur Geldbeschaffung folgten, und ich sehe noch meine damals junge Mutter, wie sie als prächtig gekleidete Zigeuner-Wahrsagerin dabei mithalf. Auch ein «Fest der Räuber» wurde durchgeführt, bei dem schrecklich kostümierten Künstler auf ihren pferdegezogenen Wagen, wild um sich schiessend durch die Gassen ratternd und so die Leute zum Besuch ihrer Veranstaltung animierten. Später wurde ein solches Fest im Kornhauskeller durchgeführt, bei welchem die Besucher mittels einer Rutsche in den Saal gelangten.
Kunstpreis der Stadt Bern
Nach Kriegsschluss erhielt ich von der Gewerbeschule die Aufforderung, sämtliche Modellierkurse zu übernehmen und somit eine vollamtliche, sichere Stelle anzutreten. Typisch für meine Frau war, dass sie lieber das Risiko einging, mit einem freischaffenden Bildhauer verheiratet zu sein als mit einem fixbesoldeten Gewerbeschullehrer.
Die Unsicherheit in meinem Beruf war natürlich sehr gross, aber der Einsatz um so intensiver, und er entsprach mehr unserer Lebensauffassung. Merkwürdigerweise ging es nach diesem Entschluss mit Aufträgen aufwärts. 1947 schrieb der Gemeinderat der Stadt Bern einen Kunstpreis zur Förderung der Maler und Bildhauer aus. Es wurde dabei jedes Jahr ein neues Thema gestellt, um die Künstler anzuregen, sich mit dieser Aufgabe auseinanderzusetzen. Zum Beispiel für die Bildhauer eine Komposition, das Tier, das Porträt oder der Sport, um nur einige zu nennen. Mir gefielen die gestellten Aufgaben, und ich beschäftigte mich eifrig mit diesen. Die Verleihung der Kunstpreise fand jeweils an den Weihnachtsausstellungen statt; deren Einsendungen bestimmten zum Teil ihr Bild.
Später wurde der Kunstpreis der Stadt Bern auf Wunsch der Bernischen Künstlerschaft aufgehoben, offenbar bedeuteten die gestellten Themen eine Einschränkung.»