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In einem raren Interview äusserte sich Kornfeld nun zu dieser Beziehung. Er habe Gurlitt Anfang der 1980-er Jahre kennen gelernt, sagte Kornfeld gegenüber der Sendung "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens SRF am Mittwoch. Gurlitt habe angefragt, ob Kornfeld einige Werke entarteter Kunst in die Auktion aufnehmen würde.
Er sei nach München gereist und habe Gurlitt kennen gelernt. Daraufhin ist eine erste Auswahl an Grafikblättern zu Kornfeld gelangt, wie dieser im Interview erzählt. Kornfeld beschrieb den Deutschen als bescheiden und sehr höflich.
Er habe in München aber nie den ganzen Bestand sehen können, immer nur einzelne Werke. Von dem was man gesehen habe, seien die Werke in der Wohnung gut in Racks und Mappen aufbewahrt worden.
"Interessiert an Bern"
Gurlitt sei auch immer wieder in Bern gewesen. "Wir waren verschiedentlich im (Kunst-)Museum. Wir waren auch im Münster, in der Altstadt. Er war sehr interessiert an Bern", führte Kornfeld aus.
Der Deutsche Sammler habe jeweils den Erlös aus dem Verkäufen in Bern abgeholt. "Wir haben ihn meistens mit einem Check entschädigt oder ihn auch bar ausbezahlt", erinnerte sich Kornfeld. Aller Wahrscheinlichkeit nach habe Gurlitt mit diesen Erträgen ein Konto in Zürich eingerichtet. Alle paar Wochen sei er nach Zürich gereist und habe dann Geld abgeholt, um sein tägliches Leben zu bestreiten.
Dass Kornfeld einen nicht unwesentlichen Anteil an Gurlitts Testaments-Entscheid hatte, beurteilt der Berner Kunsthändler mit grosser Zurückhaltung. Er würde dies nicht überbetonen, sagte er im Interview. Gurlitt sei von Deutschland dermassen behandelt worden, dass er wohl primär im Kopf gehabt habe, dass seine Sammlung nicht dortbleiben sollte.
Das überraschende Vermächtnis an das Kunstmuseum Bern sei eine Konsequenz von Gurlitts Beziehungsnetz und von historischen Kontinuitäten, kamen die drei Berner Journalisten Oliver Meier, Michael Feller und Stefanie Christ in einem im März erschienenen Buch "Der Gurlitt-Komplex" zum Schluss.
Nicht nur der der Berner Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld und sein Vorgänger August Klipstein pflegten im 20. Jahrhundert enge Geschäftskontakte zur Familie Gurlitt, ebenso der Kunsthändler Roman Norbert Ketterer. Die Beziehungen von Gurlitt zur Schweiz und insbesondere zu Bern seien viel enger als bisher angenommen.
Werke in Bern zu sehen
Bei einer Polizeiaktion kamen 2012 in Gurlitts Wohnung rund 1500 Kunstwerke zum Vorschein. Viele davon waren Werke, die von den Nazis als "entartet" gebrandmarkt wurden. Die Polizei beschlagnahmte die Bilder.
Als der Vorfall publik wurde, überschlug sich die Weltpresse zunächst und sprach von milliardenschweren Kunstschätzen, die gefunden worden seien. Später wurden diese Zahlen deutlich nach unten korrigiert. Viele Werke der Sammlung sind Papierwerke, teure Ölgemälde gibt es nur wenige.
Zusammengetragen hatte die Werke Gurlitts Vater, ein von den Nationalsozialisten beauftragter Kunsthändler. Die Sammlung ist deshalb teilweise auch mit Raubkunstverdacht behaftet. Vor seinem Tod im Jahr 2014 vermachte Sohn Cornelius die historisch belastete Sammlung überraschend dem Kunstmuseum Bern. Seither wird die Herkunft der Bilder erforscht. Raubkunst soll an die rechtmässigen Besitzer oder deren Erben zurückgegeben werden.
Nach einem längeren Erbstreit mit Gurlitt-Verwandten wurde das Kunstmuseum Bern letzten Dezember als Alleinerbin bestätigt.
Bereits Anfang November wird eine Auswahl von Werken aus dem Gurlitt-Nachlass vom Kunstmuseum Bern an einer gemeinsamen Ausstellung mit der Bundeskunsthalle in Bonn der Öffentlichkeit präsentiert.