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evimed: Journal Club
Patientenansicht: Was heisst Hypertonie? Muss man sie behandeln?
Frage:Welche Perspektive haben Laien bezüglich arterieller Hypertonie und wie ist die Therapieadhärenz?
Hintergrund:
Studien haben gezeigt, dass zwei Drittel der Hypertoniker entweder nicht oder ungenügend behandelt sind. Es handelt sich häufig um eine absichtliche mangelnde Adhärenz. Verschiedene Patienteneinschulungsprogramme mit dem Ziel, die Therapieadhärenz zu fördern, waren erfolglos. Diese Arbeit synthetisiert die Ergebnisse von qualitativen Studien über Patientenverständnis und Patientenerfahrung mit arterieller Hypertonie und ihrer medikamentösem Behandlung. Sie untersucht ebenfalls, ob Patientenansichten sich im internationalen Bereich kulturell oder ethnisch unterscheiden.
Einschlusskriterien:
· Qualitative Befragungen (face to face interviews) oder Fokusgruppen bei Patienten mit unkomplizierter Hypertonie.
· Studien in peer-reviewed Zeitschriften.
Ausschlusskriterien:
· Studien bei Patienten mit Diabetes, etablierter kardiovaskulärer Krankheit oder Schwangerschaft-assoziierter Hypertonie.
· Telefonische Befragungen; quantitative Fragebögen.
Studiendesign und Methode:
Systematische Review und narrative Zusammenfassung von qualitativen Studien.
Datenquelle:
· Medline, Embase, the British Nursing Index, Social Policy and Practice, PsycInfo; bis Oktober 2011.
Resultat:
· 59 Papers mit 53 qualitativen Studien wurden eingeschlossen. Die Studien stammen aus 16 Ländern.
· Viele Patienten denken, dass Hypertonie vor allem durch Stress bedingt ist, und dass Hypertonie Symptome verursacht, insbesondere Kopfschmerzen, Schwindel, und Schweissausbrüche.
· Eine Mehrheit der Patienten reduzierte oder brach die Therapie selbstständig ab, ohne den Arzt zu konsultieren.
· Die Studienbeteiligten sind üblicherweise der Meinung, ihr Blutdruck würde sich mit dem Abklingen der Symptome oder in Abwesenheit von Stress spontan verbessern und erachten demzufolge eine Therapie als nicht nötig.
· Patienten mögen die Therapie und ihre Nebenwirkungen nicht, und befürchten abhängig zu werden.
· Diese Befunde sind über die verschiedenen Länder und Ethnien identisch.
· Patienten berichten externe Faktoren, welche die Therapieadhärenz verhindern: keine Zeit die Pille einzunehmen oder den Arzt zu besuchen, Geldmangel zum Medikamentenkauf, Konsultationskosten, Kosten einer gesunden Ernährung, keine Krankenversicherung, Vergesslichkeit.
· Vielen Patienten berichten über eine alternative Therapie (Akupunktur,…).
Kommentar:
· Die fehlende Therapieadhärenz ist häufig durch das Patientenverständnis über die Ursachen und Folgen von Hypertonie begründet. Patienten verlassen sich besonders auf Stress oder Symptome, um zu wissen, ob der Blutdruck erhöht ist.
· Diese Aussagen sind in den verschiedenen ethnischen und geographischen Gruppen bemerkenswert ähnlich. Spezifische kulturelle Einschulungen für individuelle ethnische Gruppen mit Bluthochdruck sind wahrscheinlich unnötig.
· Die Hälfte der Studien wurde in den USA durchgeführt, was möglicherweise einen Bias darstellt.
· Um die Therapieadhärenz zu verbessern, sollten Ärzte Ideen über Kausalität, Symptomenerfahrungen, Anliegen und Nebenwirkungsängste von Patienten besser verstehen und mit den Patienten besprechen.
Litteratur:
Marshall IJ, et al.: Lay perspectives on hypertension and drug adherence: systematic review of qualitative research. BMJ. 2012 Jul 9;345:e3953. doi: 10.1136/bmj.e3953.
Verfasser: Dr. med. Flore Huber-Geismann, 03.08.2012
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