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Le bouveret
Am 23. November 1929 kann das neue Gebäude von Le Bouveret 131 Schüler aufnehmen.
Es sind siebzig Kinder mit Schwierigkeiten und einundsechzig Gehörlose. Der Zulauf ist gross und neue Klassen müssen eröffnet werden. Das neue Institut zählt 11 Klassen, davon 6 für Gehörlose, 4 für Kinder mit Schwierigkeiten und eine Haushaltsklasse für Mädchen im letzten Schuljahr.
Im November besuchen die Staatsräte das Institut von Le Bouveret, in Begleitung von Herrn Nicolas, Vertreter der Firma Philips in Sitten, mit der Absicht, Versuche mit Funkmikrophonen durchzuführen. Dabei sollen die Auswirkungen von Schallwellen auf die Bewohner geprüft werden. Vierzig Schüler bekommen einen Helm aufgesetzt und zum ersten Mal in ihrem Leben können sie ein Konzert mitverfolgen. Nach dem Konzert werden mit Übertragungsmikrofonen Versuche gemacht. Eine Lehrperson unterrichtet mit dem Mikrofon. Der Unterrichtsstoff wird von allen Schülern mit Helm sehr aufmerksam verfolgt. Es handelt sich um die ersten Untersuchungen dieser Art in der Schweiz. Die Direktion des Volksschuldepartements, dem das Institut von Le Bouveret untersteht, möchte die Radiophonie für alle Lektionen einführen. Die Versuche werden in grösserem Rahmen weitergeführt und zeigen überraschende Resultate. Staatsrat Walpen, der alles in seiner Macht Stehende veranlasst, um eine Weiterführung voranzutreiben, besucht das Institut Le Bouveret und ist von den erzielten Resultaten begeistert. Bewilligungen, das Institut zu besuchen, gehen nach London, Prag und Brüssel.
Im Dezember 1930 ist die Titelseite des «Nouvelliste» der Einweihung des Instituts gewidmet. Eine grosse Menschenmenge besucht diese Feier. Das Institut ist geschmückt und die Begrüssung wird von den Kindern vorgetragen.
Im Januar 1946 zählt das Institut 12 Klassen und 146 Kinder, davon 31 gehörlos. Der Besuch des «Schmutzli» im Dezember bringt einige Kinder zum Weinen.
Bald ist wieder eine Vergrösserung notwendig. 1951 muss man sogar fünfzig Kinder wegen Platzmangel ablehnen. 1954 wird ein Kredit für das Institut bewilligt.
Im Juni 1958, dank dem Architekten Mathey, wird das Gebäude umgestaltet. Ein weiteres Stockwerk wird gebaut. Die Räume werden gesegnet und eingeweiht. Zu diesem Anlass bereiten die Schüler eine Theateraufführung vor und die Feierlichkeiten werden mit einem Bankett abgeschlossen.
Dank dem Verkauf von viertausend Briefmarken, wird dem Institut Anfang 1959 ein Fernseher geschenkt.
Ein Presseartikel vom 23. März 1960, befasst sich mit «der Studie von Zahlen in Farbe» (farbigen Zahlenstäbchen). Diese Methode von Georges Cuisinaire wird in Le Bouveret mit Erfolg angewendet. Der Blick und die Berührung werden dabei genutzt, was zu schnellen Lernerfolgen bei den gehörlosen Kindern führt.
Am Samstag, 24. Oktober 1964 wird das 25-Jahr Jubiläum des Gehörlosenvereins Wallis im Institut gefeiert. Mehr als hundert Teilnehmer erweisen dem Präsidenten, Joseph Andereggen und den Schwestern des Instituts die Ehre. Eine grosse Theateraufführung mit gemimten Szenen findet statt.
Kurz nach Schuljahresbeginn, 1968, besuchen die Kinder eine Vorstellung des Zirkus Knie. Sie besitzen neues Schulmaterial: einen Bildschirm und Dias. Nach den Winterferien kommen einige Kinder mit Gelbsucht zurück und die Epidemie breitet sich im Institut aus. Zum Glück verläuft sie gut und nach Ostern können die Kinder wieder in die Schule zurück.
Im Mai wird vom ASAM (Verein gehörloser und blinder Menschen) ein Schreibwettbewerb veranstaltet und Francis Chatriand gewinnt diesen Wettbewerb im Alter von 15 Jahren für Le Bouveret.
Nach dem Tod von Direktor Fracheboud, im Dezember 1967, wird Staatsrat Marcel Gross sein Nachfolger.
1969 schaut man die erste Mondlandung am Fernsehen.
Die Knaben, welche das Institut verlassen, setzen, wenn möglich, ihre Ausbildung in Lausanne fort, in einem Lehrvorschulkurs für von Gehörlosigkeit betroffene Schüler. Die Mädchen können auch dorthin, müssen jedoch vorher die beiden Haushaltlehrgänge im Institut besuchen. Die Schüler vom Oberwallis bevorzugen eine Weiterbildung in der Deutschschweiz.
Im März 1980 organisiert das Institut ein Skilager in Anzère und einen Ausflug in den Jura für die Oberstufe. Die Anzahl Kinder ist rückläufig, bei Schuljahresbeginn im Herbst wird die Oberstufe in diejenige des Instituts in Freiburg integriert. Danach gibt es nur noch Klassen der Mittelstufe. Es muss für die schulische Zukunft eine Entscheidung getroffen werden. Dies ist das Ende des Instituts von Le Bouveret.
Das Gebäude gehört immer noch dem Wallis und wird seit 1986 an eine bekannte Hotelfachschule, das Hotelier Internat «César Ritz» vermietet.