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Der Friedhof am Hörnli

Hörnliallee 70
Bus 31 - Friedhof am Hörnli
Bus 34 - Otto Wenk Platz / Rudolf Wackernagel Strasse
Die Suche nach einem neuen Begräbnisplatz
Der Basler Zentralfriedhof am Hörnli bildet derzeit den Abschluss der langen Entwicklung vom Kirchhof bin zum Gottesacker. Seine Wurzeln reichen drei Jahrzehnte vor seine Eröffnung zurück. Anfangs des 20. Jahrhunderts forderte der Basler Grosse Rat einen Bericht zur Situation bei den Bestattungen, die in den fünfzig Jahren zuvor wegen der rasant steigenden Einwohnerzahlen nicht mehr lange mit den bestehenden Friedhöfen zu bewältigen waren.
Die Gottesäcker Wolf, Kannenfeld, Horburg und Kleinhüningen hatten nicht die Kapazitäten, um der absehbare Zunahme der Bevölkerung und somit auch der Bestattungen zu begegnen. Folglich musste der Gedanke an einen weiteren Friedhof rechtzeitig aufgegriffen werden. Ein Problem war allerdings die Tatsache, dass für ein solches Vorhaben genügend geeigneter Boden für einen Bestattungsort von grossen Ausmassen gefunden werden musste.
Der Kanton Basel-Stadt verfügte über wenig brachliegendes Land, welches auf diese Weise genutzt werden konnte. Man konnte auch nicht ein beliebiges freies Grundstück zu diesem Zweck nutzen. Wichtig war nämlich auch die Beschaffenheit des Bodens, die einer schnellen Verwesung förderlich sein sollte. Eines der frühen Friedhofsprojekte war aus diesen Gründen nicht auf Basler Boden vorgesehen, sondern auf dem Ruchfeld, im Bann Münchensteins.
Das Portal des im Jahr 1932 eröffneten Gottesackers am Hörnli an der Hörnlialle 70. Die beiden mit Arkaden versehenen Gebäude beherbergen die Verwaltung des Friedhofs und eine Wohnung.
Das Projekt eines Waldfriedhofs in der Hard
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entstand das Projekt eines Gottesackers für Grossbasel mit einer Fläche von 27 Hektaren auf dem Ruchfeld. Zugleich wurde an einen Friedhof mit 15 Hektaren im Bereich des Landauerhofs gedacht, der wiederum den Bedarf Kleinbasels hätte decken sollen. Der Gottesacker auf dem Ruchfeld scheiterte letzendlich daran, dass Basel sich nicht mit den Grundbesitzern des Areals auf Baselbieter Boden einigen konnte.
Einem Vorstoss von Basel-Stadt bei den Amtsstellen von Basel-Landschaft, die Besitzer des nötigen Bodens zu enteignen war auch kein Erfolg beschieden. So musste man erneut auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück im Raum Basel gehen. Wiederum wurde man im Kanton Basel-Landschaft fündig - im Hardwald. Dort fasste man einen 60 Hektaren grossen Waldfriedhof ins Auge, der die Verstorbenen von ganz Basel hätte aufnehmen können.
Der Hardwald gehörte der Bürgergemeinde Basel und die Grundstücke in der Nachbarschaft waren in Besitz der Christoph Merian Stiftung. Mit diesen Grundeigentümern waren keine Hindernisse zu erwarten. Jedoch lag das Areal auch auf dem Gebiet der Gemeinden Muttenz und Birsfelden, die dem Projekt zu Beginn zugestimmt hatten. Später änderten sie jedoch ihre Meinung, so dass die Stadt im Februar 1917 wieder am Anfang stand.
Am Fuss des Grenzacher Horns
Es hätte die Möglichkeit späterer Verhandlungen gegeben. Basel zog es aber vor, das Projekt des Waldfriedhofs in der Hard fallen zu lassen, um nach anderen Möglichkeiten zu suchen. Nun fiel der Blick auf ein geeignetes Areal am Fuss des Grenzacher Horns im Bann der Gemeinde Riehen, also auf dem Territorium des Kantons Basel-Stadt. Man schrieb nunmehr das Jahr 1919, und die Regierung sah dringenden Handlungsbedarf in der Friedhofsfrage.
Man hatte hochgerechnet, dass Basel zwischen 1969 und 1979 zirka 250'000 bis 300'000 Einwohner haben werde (effektiv zählte Basel 1979 210'264 Einwohner). Bei einer Ruhezeit von 20 Jahren kam man zum Schluss, dass ein Friedhof mit 60'000 Gräbern erforderlich sei. Der Grosse Rat gab 1919 sein Einverständnis zum Projekt eines Zentralfriedhofs auf dem Areal welches als "Hörnli" bekannt war. 1922 wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben.
In der Jury sassen der Hochbauinspektor Theodor Hünerwadel (1864-1956), der Zürcher Architekt Werner Pfister (1884-1950), dessen Kollegen, Martin Risch (1880-1961) aus Chur, der Basler Architekt Fritz Stehlin (1861-1923) und der Stadtgärtner Eduard Schill (1863-1935). Den Wettbewerb gewann 1923 das Projekt "sic transit gloria mundi" der Architekten Franz Bräuning (1888-1974) und Hans Leu (1897-1954) und dem Gartenbauer Ernst Klingelfuss (1878-1938).
Das beschlossene Projekt - ein Kompromiss
Die Mischung aus einer symmetrischen Anlage im klassischen Sinne, auf Terrassen mit natürlichen Partien an den Hängen stiess auf Gefallen. Die Jury lobte die Feinfühligkeit die dem Entwurf der Anlage zugrunde läge, war andererseits unglücklich mit dessen räumlicher Gestaltung. Das zweitplatzierte Projekt "Advent" der Basler Architekten Rudolf Suter (1871-1932) und Otto Burckhardt (1872-1952) wies wiederum die gewünschten Elemente auf.
Der südliche der beiden Hauptbauten im Herz des Friedhofs in der Abteilung 5. In diesem Gebäude sind heute das Krematorium und ein Bestattungsmuseum untergebracht. Man beachte die monumentale Wirkung der grossen Freitreppe.
Bei diesem Projekt gefiel der Jury vor allem die "sehr schön durchgeführte Hauptachse". Dafür vermochte man dem Äusseren der Gebäude wenig abzugewinnen. Dieses Schwanken zwischen zwei Projekten führte dazu, dass man das ganze Vorhaben den beteiligten Gestaltern des erst- und zweiprämierten Projekts übertrug. Es sollte das Beste aus den beiden Projekten in einem Werk vereinigt werden. Bald regte sich Kritik.
Junge Basler Künstler und Nachwuchsarchitekten waren mit dem Resultat unzufrieden, und gelangten im Mai 1923 mit einer entsprechenden Eingabe an den Regierungsrat. Die Kritiker bemängelten, dass das Projekt dem Sinn eines Gottesackers wenig entspräche. Das kritisierte Architektenteam entgegnete den Vorhaltungen dass die Kritiken an den Plänen vorschnell seien, da das endgültige Projekt noch gar nicht vollendet vorliegen würde.
Zugleich konterten die Angegriffenen mit der gehässigen Frage, mit welchen Leistungen sich die Kritiker denn überhaupt die Kompetenz erarbeitet hätten, von sich behaupten zu können dass sie das Projekt besser umsetzen würden? Die Sticheleien blieben ein Intermezzo. Der Grosse Rat hiess das bereinigte Projekt des Basler Zentralfriedhofs am Hörnli 1925 gut. Im Oktober 1926 begannen die über fünf Jahre dauernden Bauarbeiten.
Römische Mauern und das Elend der Arbeiter
Für die umfangreichen Arbeiten wurden grossteils Arbeitslose eingesetzt. Dieses Konzept stand unter keinem guten Stern. Viele dieser Leute kamen aus anderen Berufen und waren schwerer körperliche Arbeit nicht gewachsen. Bei schlechtem Wetter ruhte die Arbeit, und der krage Stundenlohn von Franken 1.35 fiel aus. So hatten die Arbeiter zuweilen weniger Geld, als wenn sie vollkommen einkommenslos von sozialer Unterstützung hätten leben müssen.
Auf der Baustelle herrschte zudem ein gereiztes Klima, denn Verzögerungen gefährdeten den Zeitplan. Doch es musste weiter vorangehen. Bei den Arbeiten kamen Spuren einer schon zuvor bekannten antiken Besiedlung an den Tag. Interessant ist der Hinweis auf einen Urnenfund am Kohlisteig um 1840. Weitere römische Ascheurnen wurden 1925/26 auf dem Hörnli-Areal gefunden. Das Gelände wurde offenbar schon in der Antike zufälligerweise für Bestattungen genutzt.
Im Jahr 2003 kamen dort wo der Kohlisteg auf den Otto-Wenk-Platz trifft unter einer Baumwurzel Reste von römischer Keramik aus der mittleren Kaiserzeit (1./2. Jahrhundert) ans Licht. Auf der Höhe der Liegenschaft Hörnliallee 83 hatte man vier Jahre zuvor in einem neu ausgehobenen Leitungsgraben Keramiksplitter gefunden. Als man 1981 in der Abteilung 10 des Friedhofs ein neues Kindergrab aushob, stiess man in 1,7 Metern Tiefe auf Mauerteile.
Reste eines römischen Gutshofes entdeckte man im Umfeld des späteren Friedhofs schon 1850/51, und in der Zeit zwischen 1911 und 1917 kamen immer mehr Spuren zutage. So überraschten die Funde im weiteren 20. und 21. Jahrhundert nicht weiter. Bereits in den frühen 20er Jahren wurden im Gebiet Landauerhof römische Mauerreste näher untersucht. Auf dem Areal des künftigen Friedhofes lancierte Kantonsingenieur Karl Moor 1922 eine Grabung.
Diebische Ausgräber
Die vom Staat mit 2000 Franken finanzierte Ausgrabung folgte jenen Spuren, die schon um 1911 auf die Existenz eines antiken Gebäudekomplexes deuteten. Mit Schwerpunkt im Raum des heutigen Hauptportals des Friedhofs an der Hörnliallee, wurden die Grundmauern einer umfangreichen Villa mit umliegenden Partien eines zugehörigen Gutshofes freigelegt. Zwei anfänglich angestellte Ausgraber sollten zu einem Problem werden.
Der Urnenhof in der Abteilung 1 am Kohlisteig. Der Bau erinnert an das Atrium (Hof) einer römischen Villa und soll an den antiken Gebäudekomplex erinnern, dessen Reste beim Bau des Gottesackers auf dem Areal zutage traten.
Sie steckten Fundstücke wie etwa Münzen oder eine Statuette des Mars in die eigene Tasche, in der Absicht sie später zu verkaufen. Das Vorhaben misslang. Das diebische Duo flog auf, und Basel blieb der Mars vom Hörnli erhalten. Andere römische Fundstücke vom Hörnliareal hatten übrigens schon früher den Weg in skrupellose Hände gefunden. Ein Acker in jenem Gebiet gehörte dem Schmied Bohny von der Rebgasse in Kleinbasel.
Dieser stiess Mitte des 19. Jahrhunderts vermutlich auf die Reste des Bodens eines römischen Hypokaust. Bohny brach davon heraus was ihm nützlich erschien, um damit seine Schmiede in Kleinbasel zu pflastern. Die grossflächigen Erdarbeiten am Friedhof ab 1926 brachten nun den stattlichen Gebäudekomplex erneut den Tag. Eine Konservierung im Sinne eines historischen Baudenkmals war jedoch unmöglich, denn der Bau des Friedhofs hatte Priorität.
Ein Friedhof der Superlative
Noch heute ruhen die Bestatteten in den Abteilungen 1 und 2 des Basler Zentralfriedhofs am Hörnli dort wo einst um die Villa, den Getreidespeicher oder den Hypokaust antikes Leben war. Bis in die jüngste Zeit kommen, wie erwähnt, immer wieder römische Kleinfunde auf dem Hörnli ans Licht. Im Laufe der mehrjährigen Arbeiten wurden 192'000 Kubikmeter Aushub per Bagger bewegt, während 115'000 Kubikmeter von Hand geschaufelt wurden.
Auf den Terrassen mit Blick auf das Rheinknie entstanden Grabfelder die durch Grünbepflanzungen gleichsam eingerahmt wie voneinander getrennt wurden. 43'000 Hainbuchen wurden gepflanzt. Ferner belebten 16'000 Eiben, 12'000 Buchssträucher, 9000 Rottannen und 600 Linden den neuen Gottesacker. Die Gebäude entstanden in einem strengen Neoklassizismus. Besonders die beiden zentralen Hauptgebäude weisen eine monumentale Ausstrahlung auf.
Diese Ausstrahlung wird die durch eine breite Freitreppe zur Terrasse, auf der die Bauwerke stehen noch gesteigert. Eine Fachzeitschrift für Architektur lobte die Bauten als "...gemässigt klassisch, nicht pompös, nicht aufdringlich...". Nach heutigen Maßstäben höchst bemerkenswert ist die Tatsache dass das Budget von 7,23 Millionen Franken nicht überschritten wurde. Ein Vorgang der in unseren Tagen geradezu exotisch anmutet.
Das Krematorium auf dem Hörnli
Der neue Friedhof wies ein Krematorium auf, welche das erste von Basel auf dem 1931 geschlossenen Gottesacker Horburg in Kleinbasel ablöste. Das Krematorium auf dem Hörnli wurde 1984 komplett saniert, da es unter anderem lufthygienisch nicht mehr auf dem neusten Stand war. Es entsprach den Baslerischen Neigungen in der Energiepolitik, dass man dieses Krematorium mit Erdgas und nicht wie üblich mit Strom unterhielt.
Im neuen Krematorium wurden innerhalb von 15 Jahren über 48'000 Einäscherungen vorgenommen. Dann waren die Öfen ausgebrannt und verlangten nach einer erneuten Aufmauerung. Schwerer wog aber die Erkenntnis, dass laut Messungen des Lufthygieneamts von 1994 die Öfen gemäss neuen Richtlinien von 1992 zuviel Quecksilber ausstiessen. 1999 wurde ein Versuchsofen mit Katalysator in Betrieb genommen, dem 2002 die übrigen Öfen folgten.
Am 22. Mai 1932 konnte die Basler Bevölkerung den fertigen Zentralfriedhof am Hörnli besichtigen. Bald fanden auch die ersten Bestattungen statt. Vorerst wurde mit den Abteilungen 2, 6, 9, 10 und 11 hauptsächlich die südliche Hälfte des Friedhofes belegt. Als die ersten Gräber auf dem Hörnli ausgehoben wurden, war der Basler Kulturhistoriker Jacob Burckhardt (1818-1897) seit nahezu 35 Jahren verstorben und ruhte auf dem Wolfgottesacker.
Das Grab Jacob Burckhardts im Ehrenhof in der Abteilung 5, hinter dem nördlichen Kapellentrakt. Es wurde 1936 vom Gottesacker Wolf hierher verlegt, und wäre um 1963 wegen eines Bauprojekts beinahe erneut verlegt worden.
Exkurs: Der Fall Jacob Burckhardt
Burckhardt hatte 1891 schriftlich festgehalten wie seine Beisetzung zu regeln sei. Er wünschte keinen Transport seiner Leiche, falls ihn ausserhalb von Basel das Zeitliche segne. Er habe Leichentransporte immer verabscheut. Man möge ihn in jenem Ort bestatten wo er sterbe. Er starb in Basel, also wurde er hier auf dem Gottesacker auf dem Wolf beerdigt. Er bat sich auch einen schlichten Grabstein aus, nur mit seinem Namen und den Lebensdaten.
Entgegen Jacob Burckhardts Wunsch, als Leiche nicht transportiert zu werden, ruht er heute auf dem Friedhof am Hörnli. Also nicht mehr auf dem Wolf wo er beigesetzt wurde. Bereits 1930 wurde offenbar durch die Witwe Bertha Stromboli-Rohr angeregt, Burckhardt zu exhumieren um ihn neu im Kreuzgang des Münsters beizusetzen, wo auch sein Vater ruhte. Kirchenratspräsident Alphons Koechlin wies dieses Ansinnen zurück.
Er verdeutlichte auch, dass die Frage einer Verlegung des Grabes von Burckhardt erst eine Frage sein könne, wenn der Gottesacker auf dem Wolf dereinst aufgehoben werde um eventuell den Schienen der Eisenbahn Platz zu machen. Ab 1936 wurden die allgemeinen Beisetzungen auf dem Gottesacker Wolf eingestellt. Nach Ablauf der letzten Ruhezeiten wäre er 1951 als Friedhof aufgehoben worden, womit die Räumung der Gräber drohte.
Burckhardt kommt aufs Hörnli
Damit wäre dann auch Jacob Burckhardts Grab verloren gewesen. Um dies zu verhindern wurde der Gedanke einer Verlegung wieder aktuell, allerdings nicht in den Kreuzgang sondern auf den Friedhof am Hörnli. Die bereits genannte Witwe Stromboli-Rohr übernahm die Kosten um die neue Grabstätte des von ihr so verehrten Toten würdig zu gestalten. Am 14. Oktober 1936 wurde Burckhardts Holzsarg vom Wolf aufs Hörnli überführt.
Man hätte Burckhardt gewiss ruhen lassen, und seinen Gebeinen den ihm so verhassten Leichentransport erspart, wenn man geahnt hätte dass der Gottesacker auf dem Wolf wenig später wieder für Bestattungen geöffnet wurde. Damit war nämlich folglich auch die Gefahr einer Aufhebung 1951 voererst gebannt. Die neue Ruhestätte des Toten, hinter den Kapellen der Abteilung 5 auf dem Hörnli, wurde etwas verklärend als "Ehrenhof" bezeichnet.
Ein solcher Ehrenhof im Kern des neuen Gottesackers war aber nie geplant. Es steht der Verdacht im Raum, dass mit dieser Bezeichnung eine nicht ganz glückliche Improvisation geschönt werden sollte. Allerdings war auch die Ruhe in diesem Ehrenhof nach einiger Zeit erneut gefährdet. 1951 wurde der Gottesacker Kannefeld aufgehoben. Dort ruhten die Prominenten Johann Jakob Bachofen (1815-1887) und Christian Friedrich Schönbein (1799-1868).
Erneut drohende Exhumierung Burckhardts
In einer Sitzung der Friedhofskommission wurde der Gedanken geäussert, die beiden in den Ehrenhof auf dem Hörnli zu Burckhardt zu verlegen. Ein Regierungsrat meinte dazu, dass der Ehrenhof ungeeignet sei denn er sähe eher aus wie ein Parkplatz. Man solle die Herren auf den Wolf verlegen. Eine andere Stimme forderte die Umgestaltung des Ehrenhofs, wozu man aber die sterblichen Überreste Burckhardts hätte erneut ausgraben müssen.
Schliesslich entschied man sich 1953 für eine Verlegung der Herren Bachofen und Schönbein auf den Wolf, und liess Burckhardt in Ruhe. Doch 1958 nahte das Projekt einer neuen Abdankungshalle auf dem Hörnli, in dessen Achse das Grab Burckhardts lag. Erneut erwog man während mehrerer Jahre, den Verblichenen, der das Herumkarren von Leichen so verabscheut hatte, auszugraben und zu verlegen. Wiederum kam der Münsterkreuzgang ins Spiel.
Erneut wehrte sich der Kirchenrat gegen die Nutzung des längst als Begräbnisplatz aufgehobenen Kreuzganges zu neuerlichen Bestattungen. Unverhofft blieb Burckhardts letzte Ruhe dann doch ungestört, denn das Bauprojekt einer neuen Abdankungshalle wurde 1964 zurückgestellt und nicht wieder aufgenommen. Ein anderes Projekt war indes schon ein Jahr zuvor auf dem Hörnli umgesetzt worden, der Ausbau der Abteilung 12.
Der Urnenfriedhof mit seinem Urnennischengebäude nach der Neugestaltung der Abteilung 12 beim Grenzacherweg. Das Problem des feuchten Bodens wurde mit einem wassersammelnden, von einer Brücke überspannten Teich elegant gelöst.
Neugestaltung der Abteilung 12
Die Abteilung 12 "Im finsteren Boden" (übrigens ein alter Flurname ohne Bezug zum Friedhof) beherbergt die Urnengräber kremierter Verstorbener. Der dortige Betonkomplex von 1960/63 kennzeichnet die Vollendung des Gottesackers nach seinem eigentlichen Konzept. Allerdings erwies sich das Gelände als unglückliche Wahl, denn der Finstere Boden hatte auch bei trockener Witterung einen mit Wasser stark durchzogenen Untergrund.
Die Folge dieser feuchten Bodenbeschaffenheit waren immer wieder auftretende Schäden an Treppen und Wegen. Stets aufs Neue sanken Grabsteine in der Abteilung 12 mit ihrer Hanglage um, und mussten neu gerichtet werden. Zudem waren schliesslich auch die Nischen im Urnengebäude weitgehend belegt, so dass sich allgemein eine Gesamtsanierung aufdrängte. 1995 wurde ein Wettbewerb zur Neugestaltung der Abteilung 12 ausgeschrieben.
Siegreich gingen die Landschaftsarchitekten Vetsch, Nipkow und Partner und die Architekten Eppler, Maraini und Schoop aus dem Wettbewerb hervor. Die Vorlage zur Sanierung und Umgestaltung ihren Plänen entsprechend wurde aber am 7. Januar 1998 vom Grossen Rat an den Regierungsrat zur Überarbeitung zurückgewiesen. Ein neues Konzept mit Änderungen bezüglich Natur- und Landschaftsschutz fand dann Zustimmung und wurde umgesetzt.
Mit dem Ablauf der letzten Ruhezeiten 1999 wurden 8500 Urnenreihengräber in der Abteilung 12 geräumt. Über dem Grenzacherweg entstand ein ein neues Urnennischengebäude von 109 Metern Länge und 4,9 Metern Höhe. Hinter dem Gebäude mit Raum für 900 Urnen erstreckt sich ein Hof der an einen Teich grenzt - ein Kunstgriff der das notwendige Ableiten des leidigen Wassers im Boden als ein gestalterisches Element der Anlage nutzt.
Die Urnennischenanlage von Ludwig Stocker
Neben der umgestalteten Abteilung 12 mit der im September 2002 eröffneten Anlage, sei auch die Urnennischenalage in der Abteilung 7 erwähnt. Gestaltet vom Basler Bildhauer Ludwig Stocker (geboren 1932), wurde sie im Oktober 1987 unter dem Beifall der staatlichen Kunstkreditkommission abgenommen. Geprägt von einer zentralen Skulptur und von raffiniert angelegten Wasserkanälen, atmet die Anlage gleichermassen den Esprit von Würde wie auch von Lebensbejahung.
Die Anlage, an der auch der Architekt Marc Olivier Mathez (geboren 1957) mitwirkte, konzipierte Stocker nach seiner eigenen Proportionslehre. Sie könnte als sein Opus magnum gelten. Die den Urnenwänden inne sitzende Majestät des Todes wird durch die Kanäle und Wasserspeier mit einem lebendigen Element bereichert. Das Wasser tritt hervor, fliesst und verschwindet wieder im Boden - der Kreislauf der Lebens inmitten eines Ortes der Vergänglichkeit.
Impression der Urnenischenanlage von Ludwig Stocker. Sie bildet am südlichen Ende der zentralen Achse des Gottesackers einen Kontrast zu den benachbarten Abteilungen 10 und 6, die zu den ersten 1932 eröffneten gehörten.
Prominente Verstorbene und das Bestattungsmuseum
Der Friedhof am Hörnli gilt als grösster Gottsacker der Schweiz. Auf ihm ruhen Prominente wie der namhafte Theologe Karl Barth (1886-1968), der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers (1883-1969), der Chemiker und Nobelpreisträger Paul Hermann Müller (1899-1965), der Basler Maler Alfred Heinrich Pellegrini (1881-1958), der populäre Lokalchronist Gustaf Adolf Wanner (1911-1984) oder auch die tragische Schriftstellerin Cècile Ines Loos (1883-1959).
Die "Sammlung Friedhof Hörnli" ist eines der wenigen Bestattungsmuseen Europas. Die 1994 gegründete Sammlung ist der Initiative des früheren passionierten Grabmachers Peter Galler zu verdanken. Er bewahrte seit Beginn seiner Laufbahn 1961 über Jahrzehnte Objekte rund um das Bestattungswesen sorgsam auf, und führt heute Besucher persönlich durch das Museum. Bestattet wird auch Galler dereinst auf dem Hörnli. Urne und Grab hat er sich bereits ausgesucht.
Zusammenfassung
Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass die bisher genutzten Friedhöfe dem steigenden Bevölkerungswachstum von Basel nicht mehr Rechnung trugen. Nach dem 1917 gescheiterten Projekt eines Waldfriedhofs in der Hard, wurde ein Friedhofsprojekt beim Grenzacher Horn weiter verfolgt. Man ging damals von einem Bedarf von 60'000 Gräbern aus. Im Dezember 1925 segnete der Grosse Rat den bereinigten Entwurf des Zentralfriedhofs am Hörnli ab.
Er entsprach teilweise dem siegreichen Wettbewerbsentwurf "sic transit gloria mundi" von Franz Bräuning, Hans Leu und dem Gartenbauer Ernst Klingelfuss. Doch flossen auch Elemente des zweitplatzierten Entwurfs "Advent" der Architekten Rudolf Suter und Otto Burckhardt ein. So vereinigten sich das Terrassenkonzept des ersteren mit dem Gedanken einer zentralen Hauptachse des letzteren. Im Oktober 1926 begannen die mehrjährigen Bauarbeiten am Gottesacker.
Man setzte zu einem grossen Teil Arbeitslose dafür ein, was verschiedene Probleme mit sich brachte. Während der Bauarbeiten wurden nicht nur die Reste eines römischen Gutshofes sondern auch Urnengräber aus der selben Epoche gefunden. Offenbar war der Ort bereits in der Spätantike als Bestattungsplatz genutzt worden. Der im Stil eines Atriums einer römischen Villa gestaltete Urnenhof der Abteilung 1 erinnert noch heute an die Vergangenheit des Areals.
Der Friedhof gliederte sich in zwei Terrassen und war an einer zentralen Mittelachse ausgerichtet. Es mussten 192'000 Kubikmeter Aushub per Bagger und 115'000 Kubikmeter von Hand bewegt werden. Zehntausende von Bäumen wurden auf dem Areal gepflanzt, und die Stadt schloss den Friedhof mit einer neuen Buslinie an das öffentliche Verkehrsnetz an. Im Mai 1932 konnte die Basler Bevölkerung den fertiggestellten Zentralfriedhof am Hörnli erstmals besichtigen.
Der im Budget von 7,23 Millionen Franken angelegte Friedhof wurde in den Jahrzehnten nach seiner Einweihung mehrfach ausgebaut. 1960/63 wurde ein bereits 1925 vorgesehener aber nicht ausgeführter Urnenfriedhof angelegt. Die Anlage "Im finsteren Boden" in der Abteilung 12 hebt sich als hoher Betonbau von den übrigen Gebäuden des Friedhofs entfremdend ab. 1998 wurden 8500 Urnenriehengräber aufgehoben um das Areal für eine Umgestaltung frei zu machen.
Im September 2002 konnte in der Abteilung 12 die neue Anlage mit ihrem 109 Meter langen Urnennischengebäude eingeweiht werden. Sie entstand nach Entwürfen der Landschaftsarchitekten Vetsch, Nipkow und Partner und der Architekten Eppler, Maraini und Schoop. Eine andere Urnennischenanlage in der Abteilung 7 war bereits 1987 eröffnet worden. Ludwig Stocker entwarf sie als eine Kombination aus Skulptur, Steinwänden und Wasserkanälen.
Auf dem Friedhof am Hörnli sind eine Reihe prominenter Personen beigesetzt. So der Kulturhistoriker Jacob Burckhardt, der Theologe Karl Barth, der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers, der Basler Maler Alfred Heinrich Pellegrini, der Lokalhistoriker Gustaf Adolf Wanner so wie die Schriftstellerin Cècile Ines Loos. Mit der 1994 gegründeten Sammlung Friedhof Hörnli verfügt der Gottesacker auch über eines der wenigen Bestattungsmuseen Europas.
Beitrag erstellt 04.03.07 / überarbeitet 12.11.13
Quellen:
Othmar Birkner, "Friedhof - Bestattungspark - Volksgarten", publiziert in Gärten in Basel, herausgegeben von der Öffentliche Basler Denkmalpflege, Basel, 1980, ISBN 3-85556, Seiten 46 bis 48
Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920: Basel, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 1986, Seite 165
Marcel Huwyler, "Sammler des Todes", publiziert im Migros Magazin Nr, 46, 13. November 2006, Seiten 6 bis 10 (zum Bestattungsmuseum)
Sybille Meyerat, "Der lange Weg zum Zentralfriedhof", publiziert in Am Ende des Weges blüht der Garten der Ewigkeit - 75 Jahre Friedhof am Hörnli, herausgegeben von Peter Gabriel / Franz Osswald, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel, 2007, ISBN 978-3-7245-1434-3, Seiten 40 bis 63
Rudolf Moosbrugger-Leu, Beitrag "Die Ur- und Frühgeschichte", publiziert in Riehen - Geschichte eines Dorfes, Verlag A. Schudel & Co AG, Riehen, 1972, ISBN 3-85895-721-6, Seiten 43 bis 76
Raymond Petignat, Beitrag "Das Hörnli - Park der Besinnung", publiziert im Basler Stadtbuch 1982, Christoph Merian Verlag, Basel, 1983, ISBN 3-85616-016-7, Seiten 167 bis 170
Marc Sieber, Beitrag "Jacob Burckhardts gestörte Grabesruhe", publiziert in Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 95, herausgegeben von der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1995, Seiten 191 bis 205
Basler Friedhöfe - Parkanlagen für die Toten und Lebenden, in BDinfo - Informationen des Baudepartementes Basel-Stadt, Nr. 2/2002
Übersichtsplan über die römischen Siedlungsstellen im Gemeindebann Riehen, im Jahresbericht 1985 der Archäologischen Bodenforschung, publiziert in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 86 (Nummer 2), Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1986, Seite 149
Meldung "Riehen, Hörnliallee 70 (Friedhof), 1987/44, im Fundbericht der Archäologischen Bodenforschung, im Jahresbericht 1987 der Archäologischen Bodenforschung, publiziert in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 88, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1988, Seiten 204 bis 205
Meldung "1999/17 Riehen, Hörnliallee 83 (A)", publiziert in Jahresbericht 1999 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel, 2000, ISBN 3-905098-29-6, ISSN 1424-4535, Seite 70
Meldung "2001/15 Riehen, Hörnliallee 70", publiziert in Jahresbericht 2001 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel, 2003, ISBN 3-905098-35-0, ISSN 1424-4535, Seite 69
Meldung "2003/40 Riehen, Kohlisteig (A)" so wie Anmerkung 60, publiziert im Jahresbericht 2003 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel, 2005, ISBN 3-905098-41-5, ISSN 1424-4535, Seiten 57 und 65
Medienmitteilung "Friedhof am Hörnli: Umgestaltung und Sanierung der Abteilung 12" des Regierungsrats vom 9. November 1999, publiziert im Internet unter http://pages.unibas.ch/rr-bs/medmit/rrbs/1999/11/rrbs-19991109-001.html (nicht mehr online)
Protokoll über die Abnahme der von Lugwig Stocker geschaffenen Urnennischenanlage in Abteilung 7, Süd, auf dem Friedhof am Hörnli vom 7. Oktober 1987, 11.00 Uhr