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Tintypes aus Amerika
Für die vom französischen Fotografen Adolphe Martin 1853 entwickelte Ferrotypie wurden in den Vereinigten Staaten ab 1856 verschiedene Patente angemeldet. Man nannte sie hier gemeinhin «Tintype». Mit diesem Direktpositiv-Verfahren erhielt man Unikate, dank einer lichtempfindlichen Schicht, die nicht auf eine Glasplatte, sondern auf ein schwarz oder braun lackiertes Metallblech aufgetragen wurde.
Das preiswerte Verfahren war insbesondere in den 1860er und 1870er Jahren gross in Mode und ermöglichte einem breiten Publikum den Zugang zur Porträtfotografie.
Es wurde ausgiebig von Wanderfotografen genutzt, die kleinformatige Porträtaufnahmen und auch Miniaturen herstellten, die in Broschen oder Kettenanhängern Platz fanden. Das Verfahren erfreute sich vor allem auf dem nordamerikanischen Kontinent grosser Beliebtheit, wo ihm seine Ähnlichkeit mit der luxuriösen Daguerreotypie besondere Anziehungskraft verlieh.
Die «Tintypes» von aussergewöhnlicher Grösse, die im Schweizer Kameramuseum ausgestellt sind, waren Teil einer umfangreichen Sammlung. Zusammengetragen hatte sie im Laufe der Jahre Jean-Louis Puechavy, ein in Amerika wohnhafter Franzose, der sich für die Fotografie des 19. Jahrhunderts begeistert. Die Aufnahmen widerspiegeln eine volkstümliche Verwendung der Ferrotypie und stellen eine Gesellschaft dar, die sich diese Abbildungen leisten konnte, da sie erschwinglicher waren als die Malerei oder die Daguerreotypie, die einer wohlhabenderen Bevölkerungsschicht vorbehalten waren. Die bisweilen streng anmutenden Bilder wurden in einigen Fällen mit erstaunlicher Natürlichkeit retuschiert und koloriert, präzise und sehr sparsam oder auch mit grösserer Unbefangenheit.