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- Eine Storchenexpertin mit Feingefühl und Strenge (Zürcher Oberländer)
- Rückblick auf das Storchenjahr 2020 - Region Nordwestschweiz
Die ungewöhnliche Reise des Senderstorches Porrentruy (Holger Schulz)
Der Zug von Porrentruy ist äusserst ungewöhnlich. Und zwar so verrückt, dass ich zuerst dachte, der Sender sei auf einem Fahrzeug rund um die Iberische Halbinsel transportiert worden:
Am 24.6.2017 wurde Porrentruy in der Schweiz als Nestling besendert. Der erste Herbstzug 2017 verlief anfangs noch „arttypisch“, durchs Rhonetal bis ans Mittelmeer. Von dort an jedoch ungewöhnlich ziemlich exakt entlang der spanischen Mittelmeerküste bis zur Deponie Los Barrios in der Südspitze Spaniens, Ankunft Anfang Oktober 2017. Zwei Wochen später Fortsetzung des Zuges rund um die Südspitze Spaniens und dann nach Norden entlang der Westküste bis zu den bekannten Deponien von Jerez, Dos Hermanas und Burgouillos. Ab 2.12.2017 ist der Vogel in Portugal und hält sich bis Mitte April auf der großen Deponie von Evora auf.
Von Mitte April 2018 bis Anfang Juni 2020 (mehr als 2 Jahre lang!) vagabundiert Porrentruy permanent an der gesamten portugiesischen Westküste auf und ab. In der ganzen Zeit weicht er nur für eine Woche im Oktober 2018 von diesem Muster ab und besucht die Mülldeponie Badajoz in der spanischen Extremadura.
Am 6.3.2020 beginnt Porrentruy den Zug Richtung Norden. Zuerst entlang der portugiesischen Nordküste, dann entlang der französischen Westküste bis La Rochelle. Die Bretagne schneidet er über Land ab (folgt also ausnahmsweise mal nicht ihrer Küstenlinie) und zieht dann entlang der Kanalküste durch Belgien und Holland bis nach Norddeutschland. Im Sommer vagabundiert der Vogel durch Schleswig-Holstein und den Norden Niedersachsens entlang der Elbe.
Ab Ende August macht er sich wieder auf den Zug nach Süden. Diesmal aber nicht entlang der Küste, sondern fast in einer geraden Linie, wie mit dem Lineal gezogen, von Norddeutschland bis zur Deponie von Madrid, wo er Anfang September 2020 ankommt und sich bis heute aufhält. Insgesamt 7 Tage hat er für diese Strecke benötigt.
Ein verrücktes Zugmuster, fast einmal entlang der Küsten um ganz Westeuropa und dann schnurstracks in gerader Linie mittendurch bis nach Madrid, wie ich es bei anderen Störchen noch nie gesehen. Ich kann mir nicht erklären, wie es zu dem eigenartigen Zugverlauf kam. Die üblichen Zugrouten hat Porrentruy fast während des gesamten Zuges hartnäckig ignoriert. Nur den höchsten Gipfeln der Pyrenäen ist er auf dem Weg nach Süden in einem sanften Bogen nach Westen knapp ausgewichen.