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Die Geschwindigkeit und das Ausmass der globalen Klimaerwärmung übersteigen inzwischen fast alle wissenschaftlichen Prognosen. Während die Auswirkungen des Klimawandels überall sichtbar sind, sind es oft bereits gefährdete Bevölkerungsgruppen, einschliesslich Flüchtlinge und Aufnahmegemeinschaften, die die unmittelbarsten Auswirkungen zu spüren bekommen. Von Bangladesch bis zum Sudan, von Mittelamerika bis zur Sahelzone erweisen sich die Folgen des Klimawandels als neue Komponente bei Zwangsvertreibungen. Andrew Harper, der UNHCR-Sonderbeauftragte für das Klima, sagte kürzlich in einem Interview mit The Philanthropist:
« 90 Prozent der Flüchtlinge weltweit stammen aus Ländern, die an der Frontlinie des Klimawandels liegen »
Ein Beispiel für diese Veränderungen ist Bangladesch, ein kleines Land, in dem inzwischen fast eine Million Rohingya-Flüchtlinge leben. Das steigende Wasser und die heftigen Monsunregen werden von Jahr zu Jahr intensiver und reduzieren die für die Landwirtschaft verfügbaren Flächen. Dies verringert nicht nur die Möglichkeiten für die Flüchtlinge vor Ort, da landwirtschaftliche Flächen immer knapper werden, sondern übt auch zusätzlichen Druck auf die Aufnahmegemeinschaften aus, die sich die immer knapper werdenden Ressourcen mit immer mehr Menschen teilen müssen.
In den Wüstengebieten gewinnt die Trockenheit an Boden, wodurch der Zugang zu Trinkwasser schwieriger wird. Die Ernten werden immer kleiner, und das Zuchtvieh kämpft unter immer extremeren Bedingungen ums Überleben. Das zeigt die klimatische Situation vor allem in der Sahelzone, wo heftige Dürren und Überschwemmungen das Leben aller Bewohner erschweren. In einer Region mit mehr als 2 Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen führt der Klimawandel zu einer tiefgreifenden Destabilisierung der Gemeinschaften, die sich mit der Bedrohung durch bewaffnete Gruppen, die in der Region Unwesen treiben, auseinandersetzen müssen und nun auch nach neuen Arten suchen müssen, in ihrer Umgebung zu überleben.
Der Klimawandel wirkt wie ein Beschleuniger für bereits bestehende Krisen. Afghanistan zum Beispiel, ein Opfer von jahrzehntelangen Konflikten und Zwangsvertreibungen, sieht sich nun mit immer häufigeren Dürreperioden und Überschwemmungen konfrontiert, was zur Folge hat, dass einer ohnehin schon konfliktanfälligen Bevölkerung Nahrungsmittelknappheit drohen. In den vier Ecken der Welt wirkt sich die globale Klimaerwärmung auf die Gesellschaften aus, indem sie ihre Funktionsweise stört, mit der unmittelbaren Auswirkung, dass Zwangsvertreibungen zunehmen.
Zwar wurden sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene Massnahmen ergriffen, um diesen Auswirkungen entgegenzuwirken, doch die Dringlichkeit der Situation erfordert weitere Anstrengungen, wie uns Andrew Harper in Erinnerung ruft:
« Wir müssen erkennen, dass wir heute, egal wie ambitioniert wir sind, es reicht nicht, was wir heute machen. »
Andrew Harper, The Philanthropist, 30. Juni 2021
Nicht nur das Leben der Vertriebenen ist in grösserer Gefahr, sondern auch die Handlungsfähigkeit von UNHCR, der UN-Flüchtlingsorganisation, seine Arbeit zur Unterstützung der Bedürftigsten zu leisten. Zu Beginn dieses Jahres sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge Filippo Grandi:
« Wir müssen jetzt in die Vorsorge investieren, um den zukünftigen Schutzbedarf zu reduzieren und weitere klimabedingte Vertreibungen zu verhindern. Es ist keine Option, auf den Eintritt von Katastrophen zu warten, um zu reagieren. »
Möchten Sie mehr über die Auswirkungen des Klimawandels auf Flüchtlinge und die Arbeit von UNHCR erfahren? Besuchen Sie unsere dazugehörige Seite oder schauen Sie sich die interaktive Storymap von UNHCR an.