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Manifest > Feminismus und Frieden
Feminismus und Frieden
Die Care-Arbeit, die von Frauen geleistet wird, ist für unsere Sicherheit elementar. Gleichzeitig sind es Frauen, die am stärksten unter den Folgen von Kriegen und Konflikten leiden. Nur mit einer feministischen Sicherheitspolitik können wir echten Frieden erreichen, der über die Abwesenheit von Krieg und Gewalt hinausgeht.
Schon seit einigen Jahren zeigt die Friedensforschung auf, dass geschlechtergerechte Staaten auch friedlichere Staaten sind. In der Politik wird die Einbindung der Geschlechterfrage in den Bereichen Frieden und Sicherheit allerdings noch oft als nebensächlich abgetan. Das, obwohl der UNO-Sicherheitsrat im Jahr 2000 mit der Resolution 1325 einen Grundstein für eine feministische Sicherheitspolitik gelegt hat. Diese betonte die wichtige Rolle, die Frauen in Friedens- und Sicherheitsprozessen spielen. Zudem wurde die Bedeutung der Gender-Balance in politischen Prozessen und Entscheidungsgremien als Basis für nachhaltigen Frieden anerkannt. Trotzdem sind Frauen in der Sicherheits- und Aussenpolitik gemäss dem SHEcurity Index, der die Repräsentation von Frauen von 2000-2021 in diesen Bereichen misst, untervertreten.
In derselben Resolution wird die Besorgnis geäussert, dass Frauen öfter in ihren Menschenrechten eingeschränkt werden und dass es nach wie vor nicht gelungen ist, diese Rechte und Freiheiten im Falle von Gewalt gegen Frauen zu schützen und zu fördern. 23 Jahre später ist Gewalt gegen Frauen weiterhin ein grosses gesellschaftliches Problem, das sich auf patriarchale Machtstrukturen zurückführen lässt. In diesem Zusammenhang sind Militarismus und Patriarchat eng miteinander verbunden und verstärken sich gegenseitig. Dabei ist Militarismus eng an klassische Ideale von Männlichkeit und Weiblichkeit verknüpft, wobei die männliche Identität stark mit dem Militär in Verbindung gebracht wird. So werden Eigenschaften wie Gewalttätigkeit, Aggressivität, Toughness oder Dominanz typischerweise mit Männlichkeit assoziiert. Weiblichkeit werden in diesem Kontext hingegen Attribute wie Schwäche oder Schutzbedürftigkeit zugeschrieben. So gelten in militarisierten Gesellschaften Aggression und Gewalt als legitime Wege der Konfliktlösung. Von dieser sind wiederum Frauen in besonders hohem Mass betroffen.
Bei einer feministischen Perspektive auf Sicherheit ist schliesslich ein zentraler Aspekt, dass Frauen bereits heute unerlässliche Arbeit für unsere Sicherheit leisten. Leider geniesst diese nach wie vor zu wenig Wertschätzung und Anerkennung. Dabei hat gerade die Corona-Pandemie schmerzlich aufgezeigt, dass Sicherheit über Militarismus hinausgeht. So sind zum Beispiel neben dem Katastrophenschutz und griffigen Massnahmen gegen die Klimakrise auch ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem fundamental für die Sicherheit der Menschen. Gerade in diesen Bereichen leisten vorwiegend Frauen einen Löwinnenanteil an bezahlter sowie unbezahlter Care-Arbeit. In der Schweiz beträgt der Wert der jährlich geleisteten, unbezahlten Care-Arbeit einen Wert von 242 Milliarden Franken. Trotzdem gehen die Milliarden, die zurzeit weltweit in die Militarisierung fliessen, oftmals genau zu Lasten dieser Bereiche. Während in der Schweiz das Armeebudget verdoppelt wurde und das VBS unablässig versucht, einen obligatorischen Informationstag für Frauen einzuführen, spart man ausgerechnet bei der AHV oder der Krippenfinanzierung. Auch der BICC Globale Militarisierungsindex zeigt auf, dass die Ausgaben militarisierter Staaten für den militärischen Sektor oft mit geringeren Ausgaben im sozialen, Bildungs- und Gesundheitsbereich einhergehen.
Aus diesen Gründen ist die GSoA überzeugt: Der beste Weg zur Sicherung eines nachhaltigen Friedens ist ein feministischer Ansatz, der die Rechte von marginalisierten Gruppen in den Mittelpunkt von politischen Entscheidungen stellt. Dabei setzt feministische Sicherheits- und Aussenpolitik auf ein inklusives Verständnis von Sicherheit und Frieden und integriert feministische, postkoloniale und antirassistische Perspektiven auf Krieg und Frieden. Sie stellt die Sicherheit von Menschen über die Sicherheit von Staaten und hat zum Ziel, eine Welt zu schaffen, in der alle Menschen ein würdevolles Leben führen können. Denn erst wenn alle frei sind von Unterdrückung und Gewalt, kann echter Frieden entstehen, der über die blosse Abwesenheit von Konflikten und Gewalt hinausgeht.
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