Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03450.jsonl.gz/1447

Neun Jahre war Jon Stewart nicht mehr bei der «Daily Show» zu sehen. Nun ist der amerikanische Comedian zurück bei der Late-Night-Show. Nachdem er sich vergangene Woche bei seinem Comeback Joe Biden und Donald Trump vorgeknöpft hatte, beschäftigte er sich jetzt mit Tucker Carlson.
Mit jenem Tucker Carlson, der kürzlich Wladimir Putin interviewte und der es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. Viel wurde über Carlsons Interview und seine Reise nach Moskau bereits geschrieben und diskutiert. Wahrscheinlich trafen aber nur wenige so ins Schwarze mit ihrer Analyse wie Jon Stewart am Montagabend.
Zunächst beschäftigte sich Stewart mit Carlsons Reportage aus einem Supermarkt in Russland. Dieser schwärmte davon, dass man Geld in den Einkaufswagen stecken muss. «Es ist gratis, aber es gibt einen Anreiz, den Wagen zurückzustellen und ihn nicht einfach in dein Obdachlosenheim zurückzubringen», so Carlson.
Stewarts Konter: «Ich weiss, das habe ich schon einmal gesagt. Aber du bist so ein A...» Und weiter: «Ich habe nicht realisiert, dass Amerikas Obdachlosenproblem ausschliesslich auf einfachen Zugang zu Einkaufswagen zurückzuführen ist.»
Nachdem Carlson das russische Brot und die praktischen Rolltreppen im Supermarkt gelobt hatte, sprach er über Geld. Der ganze Einkauf habe ihn nur 104 US-Dollar gekostet, sagte der ehemalige Fox-News-Moderator.
Eine Aussage, die Stewart auf keinen Fall so stehen lassen wollte. «104 US-Dollar für Lebensmittel klingt nach einem guten Deal», so Stewart. «Ausser du realisierst, dass Russen weniger als 200 US-Dollar pro Woche verdienen.» Das sei der Kontext, den ein Journalist eigentlich liefern müsste.
Darauf setzte Jon Stewart zu seiner Analyse an. «Hier ist die Wirklichkeit», so der Late-Night-Host. «Du weisst das alles. Denn du bist gar nicht so dumm, wie es dein Gesicht uns glauben lässt.»
Carlson habe es als Ziel, zu vermitteln, dass es gar keine grossen Unterschiede zwischen dem russischen und amerikanischen System gebe. Und wenn schon, sei das russische System vielleicht sogar ein bisschen besser.
«Die Frage ist, warum macht Tucker das?», so Stewart, der die Antwort sogleich mitlieferte. «Der alte Zivilisationskampf war Kommunismus gegen Kapitalismus. Russland war damals der Feind», sagte Stewart. «Aber jetzt denken sie, der neue Kampf sei woke gegen unwoke. Und in diesem Kampf ist Putin ein Alliierter der Rechten. Er ist ihr Freund. Unglücklicherweise ist er aber auch ein brutaler und rücksichtsloser Diktator. Deshalb beginnen sie die Amerikaner schon einmal an diesen Gedanken zu gewöhnen. Freiheit ist zwar schön, aber hast du schon einmal die russischen Einkaufswagen gesehen?»
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Jon Stewart mit Tucker Carlson anlegt. Im Jahr 2004 trat der Comedian in der CNN-Politsendung «Crossfire» auf und nahm die beiden Gastgeber Paul Begala und Tucker Carlson in die Mangel. Anstatt sein Buch zu promoten, kritisierte er die Sendung «Crossfire» von A bis Z.
Für Carlson sei dieser Moment so schmachvoll gewesen, dass er zum Abbruch der Show geführt habe, schrieb die «New York Times» später. Das Magazin «The Atlantic» vertrat die These, dass Stewarts Auftritt ein Wendepunkt in Carlsons Karriere war, der dazu führte, dass sich der Moderator neu erfand.
Vergleichbar etwa mit dem Moment, als sich Barack Obama Donald Trump beim Correspondents' Dinner vorknöpfte. Aber das ist eine andere Geschichte. (cma)
Nach propalästinensischen Demonstrationen auf dem Campus der Columbia University in New York hat ein Rabbi seine jüdischen Studierenden gewarnt. Wie mehrere US-Medien am Sonntagmittag (Ortszeit) übereinstimmend berichteten, schrieb Rabbi Elie Buechler: «Es schmerzt mich zutiefst, Ihnen sagen zu müssen, dass ich Ihnen dringend empfehle, so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren und dort zu bleiben, bis sich die Lage auf dem Campus und in der Umgebung dramatisch verbessert hat.»