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Ein Botanischer Garten beim Aeschenplatz? Die Gartenstrasse und der Parkweg sind Hinweise auf dessen Existenz. Davon zeugen ebenso noch ein paar Bäume sowie der ehemalige Polizeiposten am Aeschenplatz, das einstige Pförtnerhaus an der St. Jakobs-Strasse 6
Bauhin? «Kai Aahnig? Sein Name ziert ein unscheinbares Wegstück zwischen der Münchensteinerbrücke und dem Wolfgottesacker am Rand des St. Alban-Quartiers entlang den BLT-Tramlinien 10 und 11. Caspar Bauhin, ein prominenter Basler, hatte zwei Leidenschaften, die das heutige Basel noch prägen: Medizin und Botanik. Er stand in der angehenden Neuzeit mehrmals der Universität Basel als Rektor vor und errichtete 1589 den ersten Botanischen Garten der Universität Basel im Unteren Kollegium am Rheinsprung. Das ist nachweislich der älteste botanische Garten der Schweiz und Caspar Bahin war damit ihr erster Professor eines gemeinsamen Lehrstuhls. Das hatte während Jahrhunderten ganz praktische Gründe: Die Aufteilung war jahreszeitenbedingt. Der Sommer eignete sich für den Unterricht in Heilpflanzenkunde, der Winter für die Sektion von Leichen, da diese dann weniger schnell verwesten!
Mit der naturkundlichen und wissenschaftlichen Entwicklung war der botanische Garten die logische Konsequenz vorgängiger noch älterer und vor allem privater Gärten. Auch hatte es bereits in den nach der Reformation (1529) aufgehobenen Klöstern eigene Gärten gegeben. Die in Basel angefertigten Herbarien sowie Kräuterhandschriften und -druckschriften zeugen von einer langen Tradition der Beschäftigung mit der Botanik.
Doktorgarten bei Predigerkirche
1692 verlegte man den sogenannten «hortus medicus» oder «Doktorgarten» in den ehemaligen Klostergarten bei der Predigerkirche, allerdings ohne für geeignete Einrichtungen und Finanzmittel zu sorgen. Teils musste der Lehrstuhlinhaber aus eigener Tasche Geld zuschiessen, teils mussten die Promotionsgebühren herhalten. Der Gärtner erhielt nur unregelmässig einen Zuschuss und pflanzte anstelle medizinischer Kräuter nützliche Pflanzen für seinen eigenen Lebensunterhalt an. Die medizinische Fakultät beklagte 1765, der Garten «sei in einen sehr elenden und schlechten Zustand gerathen».
Die laufende städtebauliche Entwicklung Basels veränderte zunehmend das Gesicht der Rheinstadt. Für eine Stadterweiterung brauchte es deshalb neue Regelungen: 1859 wurde per Grossratsbeschluss das Gesetz über die Stadterweiterung verabschiedet, welches ab 1860 den Beginn der «Entfestigung», die bis 1879 dauerte, vorsah und das Ende für die Stadtmauern bedeutete. Auch andernorts wurde es eng und das schon etwas früher: Ein erneuter Umzug des «Doktorgarten» stand bevor. 1836/40 wurde der dritte Standort ausserhalb der Stadtmauern festgelegt – ein botanischer Garten in der Nähe des heutigen Aeschenplatzes. Grund war der Ausbau des Markgräflerhofs zum städtischen Spital.
Löfflerkarte von 1862
Hierbei lohnt ein Blick auf die damaligen Kartenwerke. Die Baaderkarte von 1836 zeigt noch keine Strukturen eines anstehenden Botanischen Gartens, derselbe Autor lässt dann 1842 erkennbare Rauten einzeichnen, die dem Botanischen Garten durchaus zuzurechnen sind. Auch auf der Karte des Grossherzogtums Baden von 1851 finden sich bloss leere Flächen. Der relevanteste Zugang schliesslich ist die Löfflerkarte von 1862. Auf dieser ist eine geplante Strasse eingezeichnet, die Gartenstrasse, die 1860 erstmals amtlich gemacht wird.
Der Parkweg, ein eindeutiger Hinweis auf das Bestehen des Botanischen Gartens, ist 1896 amtlich belegt! Zwei Jahre später, 1898, erfolgte dann der nächste Umzug zum heutigen Standort. Noch eine Nota zum schon damals grünen Basel: «Zur Luftverbesserung entwarf 1860 der Hofgärtner Karl von Effner einen rigorosen Begrünungsplan für die Stadt.» Von wegen Politik! Die Grünpromenade wurde dort angelegt, wo die alten Stadtmauern standen.*) Mit den neuen Parks verhinderte die Stadt hohe Kompensationszahlungen an den Kanton Basel-Landschaft, denn bei der Umwandlung von Festungsgebiet zu Bauland hätte Basel-Stadt dem neuen Kanton zwei Drittel des Erlöses abtreten müssen.
Gärtnerhaus wurde Polizeiposten
Vom Botanischen Garten an der Gartenstrasse – Geviert St. Jakobs-Strasse / Aeschengraben / Nauenstrasse (Parkweg) und Gartenstrasse – sind nur noch wenige Zeichen bzw. Bäume übriggeblieben. Die Grünflächen am Aeschengraben gehörten nicht dazu. Das einzige bauliche Souvenir (…) ist das ehemalige Pförtnerhaus und damit der Eingang zum Botanischen Garten an der St. Jakobs-Strasse 6 – ein schmuckes zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach. Es wurde 1866/67 vom damaligen Kantonsbaumeister Ludwig Calame als Verwaltungsgebäude und Gärtnerwohnung des botanischen Gartens errichtet. Nach dem Wegzug des Botanischen Gartens wurde hier ein Polizeiposten eingerichtet, der heute nur noch mit einer Gegensprechanlage ausgestattet ist (…). Vom Gewächshaus sind keine Spuren erhalten.
Angrenzend an dieses gab es für die Professoren der Botanik eine Wohnung. Ein weiteres Kleinod ist der 1893 errichtete Prachtbau an der Gartenstrasse 93 mit wahrscheinlichem Ulmenbestand rückseitig: der «Ulmenhof», hierfür zeichnen die Architekten Jakob Eduard Vischer-Sarasin und Eduard Fueter-Gelzer. Auch die Villa an der Gartenstrasse 78 ist noch während des Bestandes des Botanischen Gartens erbaut worden – hierfür zeichnete erneut Jakob Eduard Vischer-Sarasin: 1871 im Stil der Neorenaissance anfänglich errichtet, wurde diese 1917 im neubarocken Stil erweitert. Seit 1999/2000 unter Denkmalschutz. Daneben findet sich eine Blutbuche aus der Zeit des Botanischen Gartens. Der Baumbestand rechts des Wohngebäudes an der St. Jakobs-Strasse 8–12 könnte Bäume aus dieser Zeit haben (im aktuellen Baumkataster sind diese nicht notiert). Ein Verzeichnis der Pflanzenfülle, die einen Botanischen Garten auszeichnen, ist nichts abrufbar. Die Recherchen sogar bei amtlichen Stellen haben jedenfalls keine Ergebnisse eingebracht!
Das Geviert wird heute zu fast gleichen Teilen als Wohnraum und für Geschäftsaktivitäten genutzt. Die Bâloise spricht etwas vollmundig von einem Park in Bezug auf die neuen drei Geschosse, die am Parkweg entstehen. So bleiben schliesslich die beiden Strassenzüge übrig, die auf diesen einst grünen Teil Basels hinweisen: der Parkweg und die Gartenstrasse, an der ich aufgewachsen bin!
*) Für den Aeschengraben und die St. Alban-Anlage kann bei der Stadtgärtnerei ein Gehölzeführer bestellt werden.