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«Gibt es eigentlich eine Schweizer Literatur?», fragt Elke Heidenreich und löst damit eine rege Diskussion aus. Stefan Zweifel erklärt, dass die Schweiz bereits im 19. Jahrhundert ein Umschlagplatz der Dichter und Denker war. Ivan Farron, Schriftsteller und Kritiker aus Lausanne, zückt ein Buch von Philippe Jaccottet, den er als typisch schweizerisch charakterisiert. Jaccottet kann Deutsch und hat Hölderlin und Musil ins Französische übersetzt. Und Fabio Pusterla – ein Dichter aus dem Tessin – hat Jaccottet wiederum auf Italienisch übersetzt.
Das sei eben auch typisch schweizerisch, sagt Paola Gilardi, Germanistin aus Mendrisio. Man habe diese grossen Kulturräume als Background, von denen man sich aber gleichzeitig abgrenzen müsse. Und bedingt durch die Vielsprachigkeit gebe es eine grosse Offenheit für formale Experimente, wahrscheinlich auch, weil der Markt sowieso sehr klein ist.
Bloss: «Die Schweizer schreiben nicht mehr über die Schweiz», sagt Ivan Farron. Die einzigen, die das heute noch tun, seien jene Literaten mit Migrationshintergrund. Das beste Beispiel sei Lukas Bärfuss‘ neuer Roman «Koala». Dass dieser in Thun angesiedelt sei, spiele im Roman keine Rolle.