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Ricardo Henriques und Michel Vianin gehörten zu denen, die das Projekt R10R – Rehabilitation Dix Rhône – vorantrieben, ein 2016 begonnenes Grossprojekt zur Sanierung eine der beiden Gefällstufen des riesigen Kraftwerkkomplexes Grande Dixence. Erlebnisberichte.
Früher nutzten drei Gefällstufen das Wasser der Grande Dixence Staumauer, bevor es in die Rhône zurückfliesst. Die Stufe von Chandoline (ganz links) ist nicht mehr in Betrieb. R10R befasste sich mit der Sanierung der Stufe, die durch Fionnay verläuft und dann in die «Nendaz»-Anlage in Riddes mündet. (geodata © Swisstopo)

Um diese Anlage geht es
Das Kraftwerk Fionnay ist eine der drei Produktionsstätten der Grande Dixence. Von der Staumauer aus führt ein 9 km langer, sanft abfallender Stollen durch das Gebirge und leitet das Wasser bis nach Louvie oberhalb des Dorfes Fionnay (Val de Bagnes). Anschliessend stürzt das Wasser mit einem 73 %-Gefälle durch einen gepanzerten Druckschacht 1'100 Meter in die Tiefe. Am Ende des Druckschachts wandeln sechs Gruppen mit je zwei Peltonrädern diese Energie in Elektrizität um. Das Wasser fliesst dann in einer weiteren 12 km langen Leitung nach Péroua, 1'000 m oberhalb des Kraftwerks Nendaz, von wo es durch einen weiteren gepanzerten Druckschacht zu diesem zweiten Kraftwerk fällt, das zwischen Riddes und Aproz im Berg versteckt liegt. Danach wird das Wasser in die Rhone geleitet. Fionnay und Nendaz sind in Serie geschaltete Kraftwerke.
Wie lautete Ihr Auftrag auf dieser Grossbaustelle?
Ricardo Henriques (HRI): Ich war Projektleiter für die Revision eines Teils der Elemente, die das Wasser von der Grande Dixence Staumauer bis nach Fionnay und dann zum Kraftwerk Nendaz leiten: Primär- und Sekundärleitungen, Schieber, Belüftung usw.
Michel Vianin (VIM): Meine Aufgabe bestand darin, die Erneuerung, Sanierung und auch den Wiedereinbau von drei Schiebern mit einem Durchmesser von 3 Metern am Stolleneingang und an den Schachteingängen (Reserveschieber) zu leiten. In einer solchen Anlage spielen diese Schieber eine entscheidende Rolle. Wenn einer davon ausfällt, kommt die gesamte Gefällstufe zum Stillstand. Es gibt hier also keine Fehlertoleranz.
Was war die grösste Herausforderung?
HRI: Es zu schaffen, auf ein Pferd in vollem Galopp aufzuspringen, denn als ich 2020 zum Projekt stiess, ersetzte ich jemanden, der mittendrin weggegangen war. Bis dahin war ich Verkaufsingenieur bei HYDRO gewesen und übernahm nun die Leitung der Erneuerungsarbeiten des Korrosionsschutzes für die Fallschachtpanzerung. Eine echte Feuertaufe! (Lacht) Ein solches Projekt ist alles andere als einfach. Mit seinen komplexen Arbeitsbedingungen und dem für die Mitarbeitenden schwierigen Arbeitsumfeld, der vertraglich geforderten Null-Fehler-Qualität und den Überraschungen während des gesamten Projekts erforderte das Management sehr viel Zeit und Anstrengung.
VIM: Für mich war es die Steuerung des ständig variierenden und engen Zeitplans, gepaart mit dem Auftreten zahlreicher unvorhergesehener Ereignisse. Ursprünglich war die Wiedereinwasserung für den 1.1.2024 geplant, wurde dann aber um ein Jahr vorgezogen. Und es gab so viel Unvorhergesehenes, dass wir uns langsam fragten, ob uns da nicht ein böswilliger Geist dazwischenfunkte.
Ein besonderes Problem?
VIM: Davon gab es eine ganze Reihe! Zum Beispiel die Arbeiten bei Louvie im Val de Bagnes. Eine Untersuchung ergab, dass der Schieber ausgetauscht werden musste. Das ist dieses Teil, das einem Druck von 22 bar standhalten muss und dazu mehr als 50 Tonnen wiegt. Er musste erst beim Lieferanten zerlegt werden und danach mussten wir Wege finden, um die einzelnen Teile in die Kaverne von Louvie zu transportieren. Um dorthin zu gelangen, liessen wir eine Güterseilbahn bauen. Da das Gebiet aber lawinengefährdet ist, kam es vor, dass wir Lawinen erst auslösen lassen mussten, bevor wir zur Kaverne gelangen konnten.
HRI: Etwas Unvorhergesehenes, das das gesamte Projekt beeinflusste, war zweifellos die Entdeckung von Asbest in Proben der alten Schutzbeschichtung in Louvie. Einige weiteren Teilstücke enthielten auch andere giftige und längst verbotene Substanzen wie Blei oder PCB. Wir verbrachten also mehr als ein Jahr allein damit, die alten Leitungen zu sanieren und neue Korrosionsschutzbeschichtungen aufzutragen, die den aktuellen Vorschriften entsprechen.
Worauf sind Sie am Ende dieses Abenteuers besonders stolz?
HRI: Bis ganz zuletzt mussten wir in Louvie unvorhergesehene Ereignisse bewältigen. Dennoch blieben alle an den verschiedenen Projekten Beteiligten sehr engagiert und verdoppelten ihre Anstrengungen, um sicherzustellen, dass die Anlage so schnell wie möglich wieder in Betrieb gehen konnte. So haben die Kolleginnen und Kollegen nicht nur umfassende Kompetenz, sondern auch grosses Engagement und hohe Motivation bewiesen, insbesondere auch, als es darum ging, während der Weihnachtsfeiertage zu arbeiten. Ich bin daher sehr stolz darauf, dass ich an einem solchen Projekt teilnehmen konnte. Die Zusammenarbeit mit diesen Kolleginnen und Kollegen war eine echte Bereicherung.
VIM: Die grössten Herausforderungen sind auch mein grösster Stolz, denn wir haben sie gemeistert. Für jedes neu auftretende Problem musste schnell eine Lösung gefunden werden. Und für mich, der die meiste Zeit im Büro verbringt, war die Arbeit auf der Baustelle, die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in den Kraftwerken, ein echtes Vergnügen. Ich habe sehr kompetente und engagierte Menschen kennengelernt. Und ich habe bei diesem Projekt enorm viel gelernt.
Michel Vianin, Leiter der Schiebersanierungen, und Ricardo Henriques, Projektleiter, werden sich noch lange an dieses Mammutprojekt erinnern
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