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Liebeskummer ist vergänglich
Als ich kürzlich vor dem Schiefen Eck sass, setzte sich eine charmante Frau zu mir. Meine Kolumnen gefielen ihr sehr gut, sagte sie. Sie schneide alle aus und sammle sie. Aber ob ich nicht einmal etwas über Liebeskummer bringen könne. Ich liess meine Erfahrungen Revue passieren. Grauenhaft! Sofort schloss ich diese Hirnschublade wieder und versuchte an andere Dinge zu denken.
Auf meiner inneren Leinwand schimmerte das Wort «Diebeskummer» auf. Mit Dieben hatte ich schon schweren Kummer gehabt. In Los Angeles ist mir 1989 mein Auto gestohlen worden, mit allem, was ich hatte. Ich wollte zu einer Reise nach Las Vegas und ins Tal des Todes aufbrechen und vorher noch bei Marty Zulauf, einer Jugendfreundin meines Vaters, original polnische Würste mit Sauerkraut verschlingen. Den Wagen parkierte ich etwas entfernt und liess aus Versehen den Schlüssel im Schloss des Kofferraumdeckels stecken. Erst als ich satt war, dachte ich wieder an mein Auto. Ich wurde kurz zu Speedy Gonzales, aber der Wagen war nicht mehr da. Ich gab den Diebstahl zu Protokoll und bestellte einen Mietwagen. Ein paar Tage später meldete sich die Polizei. Mein Achtzylinder war gefunden worden, ausgeschlachtet und leer. Ob ich ihn der LA-Feuerwehr schenken wolle, fragte der Beamte. Die Entsorgung hätte zweihundert Dollar gekostet, und so stimmte ich halt zu. Es war ein Ford Mercury Montego mit Hardtop und der Kraft eines Zuchtbullen. Er hat mich von LA nach Miami und zurück getragen, zu Elvis' Graceland und durch einen Blizzard in Oklahoma.
Wenn ich heute im Burgund im Freien sitze, in der Nase bohre und ein Bier trinke, denke ich an jene Zeit zurück und freue mich. An die Frauen erinnere ich mich kaum.
Kolumne im Baslerstab vom 06.07.2001