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Mit 6: «Spiel mir das Lied vom Tod».
Der allererste Film, an den ich mich richtig erinnern kann, war der Sergio-Leone-Klassiker, und das kam so: Mein Vater sass unten im Fernsehkeller in seinem Sessel mit dem Rücken zur Tür, und ich war heimlich heruntergeschlichen. Im Fernseher wartete eine Gruppe Cowboys auf einen Zug. Es geschah: nichts. Ich weiss nicht, ob Sie den Film noch vor Augen haben, er ist brutal und wunderschön und nichts für Kinder, aber die ersten 40 Minuten passiert wirklich wenig. Ich dachte damals: Aha, so ist also Fernsehen. Natürlich verharrte ich trotzdem drei Stunden mit kalten Füssen auf der Türschwelle. Irgendwann tauchte eine Frau auf (Claudia Cardinale), und die Welt drehte sich. Es ist, wenn man bedenkt, dass ich sie bloss in einem Film gesehen hatte, besorgniserregend, wie oft und wie zärtlich ich in der Folgezeit an sie gedacht habe: Wo bist du? Mit wem? Denkst du manchmal an mich?
Mit 8: «The Sound of Music».
Der Film handelt von Marie (Julie Andrews), die bei der Trapp-Familie als Au-pair-Mädchen arbeitet und mit den Kindern singt. Ich liebte die kitschtriefende Story mit ihrem Geschlechterbild von vorgestern. Lauthals sang ich vor dem TV mit: «Doe, a deer, a female deer, ray, a drop of golden sun …», und wünschte mir, unser Au-pair-Mädchen sähe so aus wie Andrews oder könnte wenigstens so singen wie sie. Ich habe den Film sicher zehn Mal gesehen, immer zusammen mit meiner Schwester. Irgendwann seufzte sie und sagte: «Hör auf, du kannst nicht singen.» Ein Teil von mir ist seit diesem Tag nie wieder glücklich geworden.
Mit 12: «Dirty Dancing».
«That was the summer of 1963. When everybody called me Baby and it didn’t occur to me to mind. That was before President Kennedy was shot, before the Beatles came and I thought I’d never find a guy as great as dad …» Ich kann den kompletten Anfang des schaurig-schlechten Teeniefilms auswendig. Und, wenn ich ehrlich sein soll, auch Grossteile des Rests. Irgendwann wollte ich ihn nicht mehr sehen, ich wollte selber so einen Sommer erleben.
Mit 14: «Octopussy».
Mein Vater und ich telefonieren fast täglich miteinander. In den Gesprächen halten wir uns an einen erprobten Themendreiklang wie alternde Menschen an ein Geländer: Airport-Lounges, Vielfliegerkarten und James-Bond-Filme. Uns verbindet eine merkwürdige Schwäche für den britischen Geheimagenten. Der erste Bond, den wir gemeinsam sahen: «Octopussy».
Mit 16: «Reservoir Dogs».
Mit 16 war mein Lieblingsfilm noch immer «Terminator II», obwohl mir klar war: Das kann es nicht sein. Dann kam der Erstling von Quentin Tarantino. Instinktiv ahnte ich, dass dieser Film etwas Besonderes ist. Und dass ich es nicht bin. Meine Begeisterung galt nicht der Gewaltdarstellung. Es ging mir um die Dialoge, die Musik, den Look. Und um Tim Roth. Ein Loser, ein Anti-Mann mit schiefen Zähnen und schmalen Schultern, der am Ende kläglich stirbt und irgendwie doch alle überragt. Wenn der cool ist, dachte ich, dann bin ich es auch.
ist Autor und Journalist. Der Finne ist Vater einer Tochter und eines Sohnes, lebt in Biel und schreibt regelmässig für das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi und andere Schweizer Medien.