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Streiten sich Eheleute vor dem Scheidungsrichter, so dreht sich der Streit erfahrungsgemäss um die Kinder und um das Geld. Was das Sorgerecht, Besuchsrecht und die Obhut der Kinder betrifft, so versucht der Richter, im Interesse der Kinder zu entscheiden, sofern sich die Eltern nicht selber zu einigen vermögen. Beim Geld hingegen wäre es Aufgabe des Richters, die Interessen von Mann und Frau gleichermassen zu berücksichtigen.
Häufig haben Männer keine Ahnung, wie viel sie nach der Scheidung abdrücken müssen. Und Frauen haben keine Ahnung, mit welcher finanzieller Unterstützung sie rechnen können.
Die Höhe der Alimente wird von drei Faktoren bestimmt: vom Einkommen des Mannes, von den Erwerbsmöglichkeiten der Frau sowie den Lebenshaltungskosten der beiden Partner. Drei konkrete Beispiele zeigen auf, wie sich die betroffenen Partner geeinigt haben oder wie der Richter entschieden hat. Sie stammen von Franz Stämpfli, Rechtsanwalt in Bern. Von den noch seltenen Fällen, bei welchen die Ex-Frau den Ex-Mann unterstützen muss, sehen wir hier ab.
1. Der Mann verdient gut, die Kinder sind ausgeflogen
Ausgangslage: Der 57-jährige Mann hat ein stattliches Einkommen. Inklusive der Erträge aus Zinsen und Dividenden beträgt es 16 000 Franken pro Monat. Die 55-jährige Frau hat drei mittlerweile ausgeflogene Kinder grossgezogen und betreut. Sie ist in all den Jahren keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen. Auf dem Arbeitsmarkt besteht kaum Aussicht auf eine Anstellung.
Berechnung: «Als Erstes hatten wir die Kosten der Partner aufgelistet, die sie verursachen, wenn sie den gewohnten Lebensstandard weiterführen», erklärt Franz Stämpfli. Danach kam der Mann auf 6095 und die Frau auf 5341 Franken pro Monat. Der Mann zahlt diesen Betrag bis zu seiner ordentlichen Pensionierung. Die Hälfte seines Pensionskassenguthabens erhält die Frau, die ihrerseits bei Erreichen des Pensionsalters den Lebensunterhalt mit der AHV-Rente und dem Pensionskassenkapital bestreiten muss.
2. Beide Ehegatten verdienen, Scheidung führt zum Fiasko
Ausgangslage: Der Mann verdient 4609 Franken im Monat. Die Frau kommt auf 2122 Franken. Sie betreut ein Kind im Alter von 14 Jahren im bisherigen gemeinsamen Haus.
Berechnung: Der Mann kann Wohnkosten von 1250, die Frau von 1858 Franken geltend machen. Addiert man die beiden Existenzminima, kommt man auf eine Summe von 7813 Franken; das ist mehr als das gemeinsame Einkommen von 6731 Franken. Das führt zu einem Manko beziehungsweise zu einer Differenz von 1082 Franken, welche die Frau alleine tragen muss. Daraus ergibt sich ein Kinderunterhalt zuzüglich Kinderzulage von 1013 Franken und ein Unterhaltsbeitrag von 517 Franken für die Frau. Mit der Unterhaltszahlung von insgesamt 1530 und dem Einkommen von 2122 Franken kommt also die Frau auf einen Betrag von 3652 Franken. Um auf das Existenzminimum von 4505 Franken zu kommen, fehlen ihr 853 Franken pro Monat. Sie kann trotz Unterhaltszahlungen ihr Existenzminimum nicht decken und wird auf Sozialhilfe angewiesen sein.
3. Scheidung treibt an den Rand des Existenzminimums
Ausgangslage: Der Vater zweier unterstützungspflichtiger Kinder verdient inklusive Kinderzulagen und 13. Monatslohn 7819 Franken; die Frau 1083 Franken. Das ergibt ein Gesamteinkommen von 8902 Franken.
Berechnung: Die Summe der Existenzminima beträgt 8765 Franken. Somit verbleibt ein Überschuss von 137 Franken pro Monat. Dieser wird zu zwei Dritteln der Ehefrau zugesprochen, weil sie die Kinder betreut. Die Dauer des Unterhaltsanspruchs richtet sich nach dem Alter der Kinder. Fixe Regeln gibt es nicht. Häufig geht man davon aus, dass eine Frau einer 50-prozentigen Erwerbstätigkeit nachgehen kann, sobald das jüngste Kind das 10. Altersjahr erreicht hat. Nach Ende der obligatorischen Schulzeit versiegt in manchen Fällen die Unterstützungspflicht für die erwerbstätige Mutter. Sie erhält dann bis zum 18. Altersjahr häufig nur noch die Kinderalimente, wobei auch diese Regel nicht einheitlich angewandt wird.
Fairer Schlussstrich?
«Traurig ist das Scheitern und die darauf folgenden Grabenkämpfe der einst Verliebten», sagt Franz Stämpfli. «Meine Erfahrung zeigt aber, dass nach der Phase des Streitens oftmals eine faire Auseinandersetzung möglich ist.»
Erschhienen in der BZ am 26 November 2013