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Zeitungsbericht über das Hilfsprojekt „honlai“
BUCHACKERN. «honlai» ist Laotisch und bedeutet «sehr heiss». Es ist auch der Name des Hilfsprojekts von Jonas Tanner. Von Amriswil aus betreibt der gebürtige Buchackerer mit Freunden einen Onlinehandel für fair produzierte Waren aus Südostasien.
Als Jonas Tanner mit 24 zu einer Weltreise aufbrach, hatte er noch keinen konkreten Plan, wohin ihn diese führen würde. Nur das erste Ziel stand fest: Burma. Ein befreundetes burmesisch-schweizerisches Ehepaar erzählte Tanner von einem Kinderheim an der Grenze von Burma und Thailand, das von der Schwester des Mannes geleitet wird. Schliesslich verbrachte Tanner sechs Wochen dort und arbeitete im Kinderheim mit. «Ich war beeindruckt, wie die burmesischen Leiter trotz minimalster Mittel ihr Möglichstes gaben, um diesen Kindern zu helfen. Sie wollen etwas gegen die Not in ihrem Land tun und haben unabhängig von westlichem Einfluss eigene Projekte realisiert», sagt Tanner.
«Das Fischen lehren»
Von Thailand aus reiste Jonas Tanner weiter nach Laos. Dort lernte er einen Exilschweizer kennen, der eine Tee- sowie Seidenplantage führt. Über ihn kam er in Kontakt mit einem Elsässer Chirurgen, der ebenfalls Teeblätter und Seidenraupen in Laos züchtet, um sie anschliessend weiterzuverarbeiten. Beide arbeiten dabei mit der lokalen Bevölkerung zusammen. Ihre Mitarbeiter sind nur temporär zur Schulung bei ihnen angestellt.
Ziel ist, dass die aus der laotischen Landbevölkerung stammenden Frauen und Männer ihr auf den Plantagen erworbenes Wissen selbständig anwenden können.
Einen Solarofen gebaut
Jonas Tanner war vom Engagement der beiden Männer tief beeindruckt: «Das Erzählte und Gesehene trug ich bei mir, als ich nach einem Monat Aufenthalt in Laos die Grenze zu Kambodscha überschritt.» Dort erreichte ihn die Nachricht seines neuen Schweizer Bekannten, der jemanden für den Bau eines Solarofens suchte. Der gelernte Konstrukteur Jonas Tanner musste nicht lange überlegen und kehrte nach Laos zurück. Zusammen mit laotischen Arbeitern baute er drei Monate lang am Ofen, der zum Trocknen des Tees dient. Später stiess Tanners Kollege Simon Gadient zu ihnen, der von Leimbach her – via Transsibirische Eisenbahn – angereist war. Die beiden Thurgauer gewannen durch ihre Arbeit einen vertieften Einblick in das Projekt des Plantagenbesitzers: «Die Idee ist es, die Leute vor Ort das Fischen zu lehren und ihnen nicht einfach den fertigen Fisch zu liefern, wie dies andere Hilfsprojekte tun.» Zugleich sahen sie auch, dass der Exil-Schweizer und sein Elsässer Kollege ihre ganze Energie in ihre Unternehmen vor Ort investierten und dadurch kaum Zeit hatten, ihre Produkte einem grösseren Abnehmerkreis bekanntzumachen.
Zunächst nur ein Name
Als Tanner und Gadient schliesslich von Laos aus weiter nach Thailand reisten, festigte sich bei ihnen immer mehr der Plan, die Produkte der beiden Plantagenbesitzer in die Schweiz zu importieren und dort zu vermarkten. Vorerst hatten sie jedoch erst einen Namen für ihre Idee: «honlai». Denn das laotische Wort für «sehr heiss» war eines der ersten, welches die beiden jungen Männer während des schweisstreibenden Ofenbaus gelernt hatten.
Jonas Tanner ging an die Realisierung der Idee, als er von seiner eineinhalb Jahre dauernden Weltreise heimgekehrt war. Unterstützt wurde er dabei von seinem Reisekollegen Simon Gadient, der nach Kambodscha zurückgekehrt war, um dort als Informatiker zu arbeiten. Zunächst importierten sie zwei Sorten Tee. Mit der Zeit vergrösserte sich ihr Angebot um weitere Sorten sowie Seide aus Laos. Inzwischen importieren sie auch Kaffee aus einem Projekt in Thailand, das ebenfalls mit lokalen Bauern zusammenarbeitet.
Simon Gadient hat zudem ein Projekt in Kambodscha kennengelernt, das drogenabhängigen jungen Männern beim Entzug und beim Aufbau einer eigenen Zukunft hilft. Die zumeist aus den Slums der Hauptstadt Kambodschas stammenden Jugendlichen fertigen T-Shirts an und erhalten zugleich eine Schulbildung, die ihnen den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen soll. Die T-Shirts werden ebenfalls durch «honlai» vertrieben.
Der Verein ist gewachsen
Aus dem Zwei-Mann-Projekt ist inzwischen ein Verein geworden. Er zählt 20 Mitglieder, die zumeist aus dem Freundeskreis von Gadient und Tanner stammen. Diese unterstützen das Projekt tatkräftig und finanziell. Der gesamte Erlös kommt jenem burmesischen Kinderheim zugute, in dem Jonas Tanner zu Beginn seiner Weltreise arbeitete. «Es ist uns ein Anliegen, diesen Kindern eine Stimme zu geben und bestehende, von der lokalen Bevölkerung getragene Projekte zu fördern», erklärt Tanner. Deshalb hat ihr Verein auch angefangen, Patenschaften zu vermitteln. Dadurch konnten sie bis jetzt Unterstützung für 34 Kinder erreichen, denen durch die Spenden der Schulbesuch sowie Kleidung, Verpflegung und Unterkunft bezahlt wird.