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Letzten Freitag Abend habe ich seit meiner 8Q7-Aktivitäten endlich wieder einmal die Zeit gefunden, an die Station zu sitzen. Zuerst über QO-100, da ich unbedingt Daniel noch erreichen wollte, der unter 5VDE aus Togo QRV ist. Meine Erfahrungen aus 8Q7 kamen mir entgegen und ich brauchte nur ein Versuch und schon war ich (mit viel Glück) im Log.
Danach habe ich noch über einige LEO-Satelliten gearbeitet. Das ging recht flott, wobei ich zeitweise Mühe mit meinem 70cm Signal hatte.
Irgendwann stellte ich fest, dass der Rotor bei ca. 20 Grad Elevation hängen blieb und die Antennen nicht mehr nach unten führte. Zuerst dachte ich, dass mein 25 Jahr alter Rotor nach der Pause von 2 Wochen und die Temperatur bis zu -18 Grad nicht mehr ertrug.
Nachts um 01:00 Uhr flogen dann nochmals die CAS-4A und CAS-4b Satelliten über Europa. Zuerst waren die Signale wie gewohnt recht laut, vielen aber schlagartig ab.
Alle Anzeigen meiner Sensoren im Shack waren ok. Die Werte warten alle im Grünen Bereich. Ich war alleine auf dem Sat und konnte die Bake immer noch sehr gut hören. Also erhöhte ich die Sendeleistung auf 50 Watt. Mein Signal wurde nicht viel lauter. Ich war unsicher und schaltete die Endstufe mit 150 Watt dazu. Ausser eine S-Stufe mehr Signal, brachte sie nichts. Der Satellit war nur noch 5° über Horizont und mein Signal über CAS-4B, der nun 2000km weit weg war, kaum zu hören. Da rief eine spanische Station CQ mit sehr lautem Signal. Da wurde mir bewusst, dass irgendwas nicht stimmen konnte.
Ich ging ins Bett. Ich war zu müde, um hier noch weitere Forschungsarbeiten zu betreiben.
HB9WDE: "Deine Antenne erzeugt Bodenwellen"
Die Sonne stand schon sehr hoch, als ich am nächsten Morgen wieder aus dem Bett kroch. Schnurrstraks holte ich für mich und meine YL einen Kaffee. Daniela war bereits früh aufgestanden und hat sich um den Garten gekümmert. Als mich meine YL (HB9WDE) erblickte, meinte sie nur: "Du weisst schon, dass Deine Antenne am Boden liegt und Bodenwellen erzeugt?". Ungläubig schaute ich sie an - mein Denkapparat war noch nicht so ganz wach. Sie deutete in Richtung Satelliten-Antennen. Uiii, da erblickte ich das Malheur: Die 70cm X-Quad lag auf dem Boden.
Nun wusste ich, warum ich auf CAS-4B nur schwache Signale erzeugte. Aber hey: Die Antenne lag auf dem Boden und zeigte in Richtung Nord. Der Satellit war letzte Nacht im Osten unter gegangen. Zudem lag die Antenne vor einem Drahtzaun, der mit Efeu bewachsen ist. Und auf diese Weise habe ich über 2000km Distanz auf 70cm zurück gelegt? Wow! Die Antenne funktionierte prima und ich konnte so auch etwas Positives von Murphys besuch abgewinnen. (Hätte ich es sonst je versucht, auf diese Weise den Satelliten zu erreichen? - wer kommt den schon auf so eine Idee..)
Doch was ist passiert?
Zuerst entdeckte ich, dass die Schelle für die Halterung am Boom total verbogen und sogar Gerissen war. Da müssen also starke Kräfte vorhanden gewesen sein. Da ich glücklicherweise keine böse Nachbarn habe, konnte der Fehler eigentlich nur noch beim Installateur liegen. Also bei mir...
Nun habe ich mir die Situation genauer angeschaut und konnte die Ursache entdecken: Die Antennenleitung hat sich an der Relaisbox für die Polarisationsumschaltung beim Drehen der Antenne verhakt. Und das geht so: Die Phasenleitungen werden im grossen Bogen von den Antennenanschlüssen zu den Relaisboxen geführt. Dabei wird auf entsprechende Zugentlastung (bei der Box) geachtet. Um so höher die Elevation, umso grösser wird die Schlaufe der Antennenleitung. Als der Satellit wieder gegen Horizont sank, verhakte die Antennenleitung bei der Box. Dann drehte sich die Antenne noch im Azimuth und das reichte, um die Antenne, mit dem Drehmoment des Rotors und der Hebelwirkung der Leitung, vom Boom zu reissen. Dieses Risiko habe ich im Vorfeld zwar tatsächlich identifiziert. Aber anscheinend hat die Installation des Kabelbaums die vielen hundert Bewegungen im Monat nicht stand gehalten und ist nach unten gerutscht. Das konnte ich eindeutig feststellen.
Bei einer drehbaren Satellitenantennenanlage spielen unterschiedliche Hebelwirkungen mit. Die Kabelführung ist nicht ganz einfach. Einige OMs führen diese direkt am Boom der Antenne und am Querboom der Anlage entlang. Das geht tatsächlich, verfälscht aber die Polarisation. Durch meine zwangsläufige Kompromisslösung des Installationsort wirken bereits einige negative Faktoren auf das Strahlungsbild. Ich wollte nicht noch mehr Einfluss darauf nehmen. Daher habe ich die übliche Variante gewählt, die Kabel hinter den Antennen weg zu führen. Da meine Antennen nur in einer Höhe von 150cm über Grund installiert sind, kann ich auch keine grosszügige Kabelführung zusätzlich erlauben. Sonst scheuert der Mantel stets am Boden herum.
Neuinstallation
Die Schelle konnte ich nicht mehr Reparieren. Ausserdem hätte die Antenne ein Facelifting nötig. So alle 2-3 Jahre zerlege ich die Antenne und befreie sie von Schmutz, Moos und Algen. Allerdings habe ich schon seit Jahren ein zweites Set dieser X-Quads. Die 2m Antenne liegt allerdings noch bei Hans Peter, HB9EHP. Er benutzte sie für einen ARISS-Event. Die 70cm Antenne lag auch schon seit gut fünf Jahren in der Garage und war seit dem Einsatz an der Sternwarte Rotgrueb nie mehr im Einsatz. Sie ist praktisch noch im neuen Zustand. Schnell habe ich sie zusammengebaut.
Man erkennt auf dem Foto den Generationenunterschied dieser X-Quad.. Bei der älteren Version besteht das Strahler-Element noch aus genieteten Alu-Flachprofilen. Die neue Version wurde gestanzt und hat somit keine Kontaktstellen mehr, die durch Alterung schlecht werden könnte. Ansonsten konnte ich keine Unterschiede erkennen.
Da die Antenne nicht auf dem Dach installiert ist, sondern im Garten, war die Neuinstallation rasch vollendet. Die ersten QSOs sind bereits im Log. Mein Eindruck ist, dass die Signale leicht besser als vorher sind. Ein wenig optimieren muss ich allerdings noch. Die Führung der Antennenleitung ist nach wie vor nicht optimal und risikobehaftet. Da muss ich nochmals über die Bücher.