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Die Schlösser der Loire – eine einzigartige Kulturlandschaft
Kaum eine Region Europas weist eine solche Dichte an Schlössern und Burgen auf wie der Bereich der Loire und ihrer Nebenflüsse zwischen Orléans und Angers. Ferien in diesem Teil Frankreichs ermöglichen eine einzigartige Entdeckungsreise in eine glanzvolle Vergangenheit.
Ein bisschen wirkt die Schlösserlandschaft dabei wie ein gigantisches Museum für Architektur. Denn in den Bauten spiegeln sich fast alle Epochen der europäischen Baugeschichte seit dem Mittelalter wider.
Von Grenzfestungen und Adelssitzen
Die Loire ist mit über 1000 Kilometern Länge der grösste französische Fluss mit Mündung in den Atlantik. Er entspringt weit im Süden Frankreichs mitten im Zentralmassiv, bahnt sich dann über weite Strecken den Weg nach Norden, um im Umfeld von Orléans eine jähe Wendung nach Westen zu vollziehen, die den weiteren Flusslauf prägt. Hier beginnt der besonders malerische Teil des Tals der Loire, das die Kulisse der Schlösserlandschaft bildet.
Rund 400 Schlösser und Burgen finden sich in diesem Abschnitt der Loire und ihrer Zuflüsse. Diese einmalige Konzentration hat einen Grund. Im Hundertjährigen Krieg bildete der Fluss zeitweise die Grenze zwischen dem englisch beherrschten Teil Frankreichs und dem französischen Kerngebiet. Daher entstanden hier zur Grenzsicherung zahlreiche Burgen und Befestigungsanlagen. Nach dem Ende des Krieges verloren sie ihre Funktion und verfielen.
Auf ihren Ruinen errichteten französische Adlige, die sich wegen der Schönheit des Loire-Tals gerne hier niederliessen, in der Folge Schlösser. Im 15. und 16. Jahrhundert bildete die Region das politische Zentrum Frankreichs. Es war das Zeitalter der Loire-Könige. Sie residierten lieber in diesem Teil ihres Landes als in Paris.
Französische Wiege der Renaissance
Erst 1528 kehrten die Könige und ihr Hofstaat in die Hauptstadt zurück. Die Loire-Schlösser erlebten danach einen Bedeutungsverlust. Dennoch blieben sie als Jagdschlösser und Sommersitze weiter bewohnt und wurden im Zeitablauf auch verändert und erweitert. So kommt es, dass neben dem in der Blütezeit vorherrschenden Renaissance-Stil auch viele weitere Stilrichtungen späterer Epochen Spuren hinterlassen haben. Barock, Rokoko, klassizistische und historistische Bauelemente sind vielerorts zu finden. Das herausragende architektonische Erbe bildete den Anlass, wichtige Abschnitte des Loire-Tals im Jahre 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe zu erklären.
Typische Merkmale vieler Loire-Schlösser sind Renaissance-Gestaltungen in Form von Galerien und Loggien, Türmen, Erkern und Kaminen. An etlichen Bauten macht sich unübersehbar italienischer Einfluss bemerkbar. Vielerorts spielt Wasser als Umrahmung eine wichtige Rolle. Manches Schloss war Schauplatz dramatischer Ereignisse, die mal mehr Episode blieben, gelegentlich aber auch weitreichende politische Folgen hatten.
Herausragende Beispiele
Einer der imposantesten Bauten ist zweifelsohne Schloss Chambord östlich von Blois. Das riesige Schloss mit über 400 Zimmern und fast einer gleichen Anzahl Kaminen diente König Franz I. als Jagdsitz und kompensierte seine Niederlage bei einer römisch-deutschen Kaiserwahl. Schloss Chambord mit seiner üppigen Ausstattung bildete damals ein Problem für die französischen Staatsfinanzen. Nichtsdestoweniger ist es heute fast so etwas wie das Sinnbild für die Loire-Schlösser.
Architektonisch weniger geschlossen, aber politisch bedeutender ist Schloss Blois. Die Könige Ludwig XII. und Franz I. erwählten es zu ihrer Hauptresidenz. Ausgehend von einer ursprünglichen Burganlage wurde das Schloss immer wieder umgebaut und erweitert. Daher präsentiert es Besuchern heute unterschiedliche Stile von der Renaissance bis zum Barock.
Äusserst reizvoll zeigt sich Schloss Chenonceau am Nebenfluss Cher. Hier spielt Wasser eine architektonische Hauptrolle. Das Wasserschloss steht auf einer brückenartigen Galerie über dem Fluss, in dem sich die Architektur spiegelt. Zu den berühmten Bewohnerinnern gehörte unter anderem die berüchtigte Katharina von Medici. Bautechnisch handelt es sich um eine der elegantesten und ästhetischsten Schloss-Kompositionen im Bereich der Loire.
Trutzig und wuchtig, mehr als Wasserburg wirkt dagegen Schloss Sully-sur-Loire. Hier lässt sich besonders gut die Umwandlung von einer ursprünglichen Festungsanlage in einen repräsentativen Adelssitz der Renaissance studieren. Ein weiteres Beispiel für eine noch gut erkennbare Burganlage ist das von einem Wassergraben umgebene Schloss Ainay-le-Vieil, das südlichste der Loire-Schlösser.
Schlösser auf dem Fluss entdecken
Die Liste sehenswürdiger Bauten liesse sich lang fortsetzen. Jeder Reisende, der das Loire-Tal besucht, muss zwangsläufig eine Auswahl treffen und sich auf einige Objekte konzentrieren. Eine ideale Möglichkeit, die Sehenswürdigkeiten der Loire zu entdecken, ist eine Flusskreuzfahrt. Allerdings ist der relativ flache Fluss nur zwischen der Atlantikmündung und Nantes für grössere Schiffe befahrbar. Weiter landeinwärts gibt es Angebote mit kleineren Hotelbooten oder einem gemieteten Hausboot als Alternative.
Das Flusstal bietet natürlich auch wunderbare Möglichkeiten für die Fortbewegung mit dem Rad. Die touristische Infrastruktur im Loire-Tal ist sehr gut ausgebaut, so dass es genügend Angebote für Übernachtungen gibt. Es ist daher einfach möglich, eine Reise selbst zu organisieren und auf Reiseveranstalter zu verzichten. Die Schlösser der Loire sind eines der schönsten Ziele, die Frankreich zu bieten hat. Ein Besuch lohnt sich.
Oberstes Bild: Schloss Chambord östlich von Blois (© Hélène Rival, Wikimedia, GNU)