Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/988

||Zur Geschichte des Line Dance werden landauf, landab, allerlei Theorien zum Besten gegeben.Die meisten lesen sich wie folgt:

Als im 19. Jahrhundert die vielen europäischen Einwanderer nach Nordamerika kamen, brachten sie ihre verschiedenartigsten Volkstänze mit. Auf ihrer beschwerlichen Fahrt mit den Planwagen durch das Land legten sie immer wieder einmal Rasttage ein, bei denen sie dann ihre Musik spielten und tanzten. Die vielen verschiedenen Völker hatten unterschiedliche Tänze, die sich dann wahrscheinlich vermischten und sich zum heutigen Round- sowie Square-Dancing entwickelten....
Meist ist dann noch die Rede von Menuett, Quadrille, Contre Danse, Jigs, Reels und "Schottischen Clan Tänzen". Zu dieser Auflistung ließe sich vieles sagen - dass sie die Afrikanischen Einflüsse übersieht z.B - ich möchte hier auf derlei "Kleinigkeiten" aber verzichten. Allem was da nämlich so behauptet wird, fehlt das Wichtigste: Die Belegbarkeit!
Was sich belegen lässt, ist, dass es in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts im "Wilden Westen", z.B. in Wyatt Earps 'Tombstone', bürgerliche Tanzveranstaltungen und sogar Tanzlokale gab. Dort tanzte man die Tänze, die auch in Europa dieser Zeit modern waren. Besonders Rheinländer, Wiener Walzer und Polka.
Der erste Hinweis auf typisch amerikanischen Gesellschaftstanz ist der 'American Twostep' aus etwa jener Zeit. Um die Jahrhundertwende begann der Siegeszug des Jazz. Dann übernahm in den 1920ern George "Shorty" Snowdens 'Lindy Hop', der sich zum Swing mauserte. 'Be Bop' und 'Rockabilly' beherrschten die 50er Jahre.
In den Tanzhallen der Zeit fanden sich Gruppen junger Leute zusammen und tanzten nebeneinander kurze, wiederkehrende Schrittfolgen, wie den 'Elephant Walk' oder den 'Mashed Potatoe'. Ein besonders Highlight war die amerikanische TV-Sendung „American Bandstand“, die bereits seit 1952 wöchentlich die neuesten Tänze unter dem Namen „Line Dance“ verbreitete und kürzlich das 50-jährige Jubiläum feierte.
Einer der ältesten "modernen" Line Dances, der 'Electric Slide' wurde von Ric Silver im Jahre 1976 choreographiert zur Eröffnung der 'Vamps' Disco auf dem Broadway in New York.
Nun bleibt noch zu klären, wie es kommt, dass in den letzten knapp 25 Jahren Country Music und Line Dance nicht ohne einander auskommen mochten. 1980, als sich die Grenze zwischen Country und Pop zu verwischen begann, kam John Travolta mit dem Film "Urban Cowboy" heraus, der neuerlich eine Lawine ins Rollen brachte, diesmal mit der Mode, der Musik und den Tänzen im Western Stil. Jetzt stiegen die Medien darauf ein und förderten diesen Trend zusätzlich. Es war also der Crossover, die Angleichung von Country Music an die Pop Music, die es den Disco Tänzern möglich machte, sich Cowboy Hüte aufzusetzen und ihre gewohnten Line Dances zu poppiger gewordener "Country" Musik zu tanzen! 1993 gelang dieser Kombination von Country Pop und Disko-"Cowboys" der weltweite Durchbruch mit dem Hit "AckyBreakyHeart".
Gemeinsame Wurzeln von Line Dance und Country Music gibt es also nicht!
Es war ein "Marketing Trick" aus Nashville ihre Musik jünger und poppiger zu machen und mit den, schon aus Swing Zeiten bekannten, längst populären Line Dances zusammen zu bringen.
Wer des Englischen nicht mächtig ist, und die Frage trotzdem noch ein Wenig vertiefen möchte - hier ist eine Übersetzung eines sehr guten Artikels von David Powell zur Line Dance Geschichte Qelle: Mit freundlicher Genehmigung: Georg Kiesewetter aus Deutschland