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In Entwicklungsländern gehen viele Kinder gar nicht oder nur wenige Jahre zur Schule. Das liegt oft an einem Mangel an Geld oder Chancen – aber auch an fehlender Motivation, sagt eine Studie. Gute Kinofilme könnten helfen.
Das Vorbild von Filmhelden kann nach einer aktuellen Studie bei Fans zu besseren Schulleistungen führen. Als «Versuchsobjekt» diente den Wissenschaftlern von der britischen Universität Oxford der Disney-Film «Queen of Katwe»: Er erzählt die wahre Geschichte der Uganderin Phiona Mutesi, die in ärmsten Verhältnissen aufwuchs, dennoch ihren Schulabschluss schaffte und Schachmeisterin wurde.
1500 ugandische Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahren wurden für die Studie ins Kino eingeladen, um entweder «Queen of Katwe» oder einen anderen Film anzuschauen. Bei den Schülern, die «Queen of Katwe» sahen, war die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Mathematik-Prüfungen bestehen, deutlich höher als bei der Vergleichsgruppe, wie die Autorin der Studie, Emma Riley, erklärte.
«Die Studie zeigt, dass eine andere Herangehensweise auch wirklich das Ergebnis verändern kann», sagte Riley. Zum einem hätten die Schüler das positive schulische Verhalten der Filmprotagonistin imitiert, heisst es in der Studie.
Zum anderen hätten die Erfahrungen der «Königin von Katwe» die Schüler in ihrem eigenen Glauben bestärkt, bestimmte Ziele erreichen zu können. Dies zeige, «wie wichtig es ist, die Motivation der Schüler in den Vordergrund zu stellen», sagte die Oxford-Doktorandin der Deutschen Presse-Agentur.
Von den 16- und 17-jährigen Schülern, die «Queen of Katwe» gesehen hatten, fielen der Studie zufolge nur 16 Prozent bei ihrer Mathe-Prüfung der Mittleren Reife durch. Von den Schülern, die den anderen Film gesehen hatten, waren es 27 Prozent. Die 18- und 19-Jährigen erzielten ähnliche Ergebnisse: Bei denjenigen, die «Queen of Katwe» gesehen hatten, war die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Studienplatz bekommen, um sechs Prozentpunkte höher.
«Erfolgserwartungen spielen bei der Motivation eine zentrale Rolle», erklärte Psychologin Bettina Hannover von der Freien Universität Berlin. Ein Mädchen, das in armen Verhältnissen aufwächst, habe womöglich keine grossen Erwartungen an seine Zukunft – und somit wenig Motivation, die Situation zu verändern.
Das könne sich unter anderem durch ein Vorbild oder ein positives Beispiel ändern – etwa die Schachspielerin aus Uganda. Es sei eindrucksvoll, dass eine Erfahrung wie ein Kinobesuch derart langfristige Auswirkungen haben könne, sagte Hannover über die Untersuchung aus Oxford.
Der Disney-Film erzählt eine aussergewöhnliche Geschichte: Die heute 21-jährige Phiona Mutesi wuchs in Katwe auf, einem Armenviertel der ugandischen Hauptstadt Kampala. Sie und ihre Geschwister mussten als Kinder die Schule verlassen, um Geld zu verdienen. Sie lebten mit ihrer alleinerziehenden Mutter zeitweise auf der Strasse.
Durch Zufall stiess Mutesi auf einen Trainer, der Kindern in dem Slum Schach beibrachte. Sie entpuppte sich als brillante Schachspielerin. Dank harter Arbeit, Disziplin und Unterstützung gewann Mutesi Turniere und machte ihren Schulabschluss – nun beginnt sie ein Studium in den USA.
Im ostafrikanischen Uganda leben laut Weltbank knapp 20 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Zwar gehen nach Angaben von UNICEF etwa vier Fünftel der Kinder in eine Grundschule. Doch eine weiterführende Schule besuchen demnach nur noch etwa 17 Prozent der Jugendlichen.
Gerade für Länder wie Uganda seien die Erkenntnisse der Studie wichtig, meinte Riley. «In Uganda und anderen Entwicklungsländern wird mehr auf die praktischen Aspekte fokussiert, zum Beispiel, ob Schüler genug Bücher haben – anstatt darauf, wie man die Kinder emotional und psychologisch motiviert.»
Verfasserin: Gioia Forster, dpa (sda/dpa)