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Niemand mag dem Schulhausabwart den Krebs gönnen. Sicher nicht. Aber das Urteil ist nicht nur ein Skandal, sondern erinnert auch an das 17. Jahrhundert und Galileo Galilei, als Richter darüber entschieden, was wissenschaftlich korrekt sei und was nicht.
Ich könnte hier lange über all die Studien und Metastudien mit Zehntausenden von Teilnehmenden schreiben, die keine Beweise dafür fanden, dass Glyphosat Krebs verursacht – und auch nicht von Monsanto finanziert wurden (die Links zu der wissenschaftlichen Literatur sind unten zu finden). Ich könnte auch darüber schreiben, dass Glyphosat das wahrscheinlich am wenigsten giftige Herbizid ist, weil das Enzym, das es in Pflanzen hemmt, bei Tieren gar nicht vorkommt.
Ich könnte auch über den einen Bericht schreiben – den IARC-Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO – der Glyphosat doch als gefährlich einstuft und umgehend von der wissenschaftlichen Welt zerpflückt wurde.
Tue ich aber nicht. Denn hier geht es um den inakzeptablen Umstand, dass Gerichte diktieren, was wissenschaftlich richtig ist. Und es geht darum, dass solch unhaltbare Urteile danach als Beweis für die Gefährlichkeit einer Substanz oder Technologie zitiert werden.
Dass Gerichte keine wissenschaftliche Kompetenz haben, sollte eigentlich seit Galileo bekannt sein. Damals zwang man den Wissenschaftler, seine Theorie, dass sich die Erde um die Sonne dreht – und nicht umgekehrt – zurückzuziehen. Völliger Quatsch, wie heute jedes Kind weiss.
Warum Richter und Anwälten in wissenschaftlichen Fragen nicht zu trauen ist? Nehmen wir an, Sie hätten Bauchschmerzen. Und Sie haben einen Verdacht: Ist es vielleicht vom vielen Kaffee, den Sie trinken? Würden sie einer Gruppe von erfahrenen Fachexperten, also Magen-Darm-Spezialisten, Röntgen-Spezialisten, Infektiologen, Ernährungsspezialisten und so weiter, damit beauftragen, den Grund der Magenschmerzen und die Therapie herauszufinden? Oder würden Sie zwei Anwälte diese Frage vor einem Richter klären lassen?
Die Wissenschaftler arbeiten monatelang an ihrem Befund. Die beiden Anwälte picken sich aus der Unzahl von wissenschaftlichen Fakten genau jene heraus, die für ihre Ziele dienlich sind. Der eine will die Schädlichkeit von Kaffee beweisen, der andere die Unschädlichkeit. Der Richter muss ohne weitere Recherchen innerhalb von Tagen entscheiden. Wem trauen Sie mehr?
Im Fall Glyphosat entschied das Gericht nach drei Tagen. Die Wissenschaft beforscht die Substanz und deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt seit 40 Jahren. Wem trauen Sie mehr?
Die Folge des Gerichtsurteils: Die Aktie der Firma Bayer sackte um 13 Prozent ab. Es warten noch zirka 4000 ähnliche Klagen auf eine richterliche Beurteilung. Man überlege sich mal, wer diese Anwälte bezahlt. Der Schulhausabwart hat sicher nicht das Geld dazu. Aber das Schlimmste an dem Urteil ist: Laien entscheiden über Experten, wissenschaftliche Befunde werden ignoriert.
Galileo Galilei soll beim Verlassen des Gerichtssaals gemurmelt haben: «Und sie bewegt sich doch.» Seine Fakten haben sich durchgesetzt. Und Fakten sind es, die hier zählen: bei higgs.
Literatur zu Glyphosat
Risiken für den Menschen
Regul Toxicol Pharmacol. 2000 Apr;31(2 Pt 1):117-65.
Safety evaluation and risk assessment of the herbicide Roundup and its active ingredient, glyphosate, for humans.
Williams GM1, Kroes R, Munro IC.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10854122
Glyphosat und Nicht-Krebs-Erkrankungen
Regul Toxicol Pharmacol. 2011 Nov;61(2):172-84. doi: 10.1016/j.yrtph.2011.07.006. Epub 2011 Jul 21.
Epidemiologic studies of glyphosate and non-cancer health outcomes: a review.
Mink PJ1, Mandel JS, Lundin JI, Sceurman BK.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21798302
Glyphosat und Krebs
Regul Toxicol Pharmacol. 2012 Aug;63(3):440-52. doi: 10.1016/j.yrtph.2012.05.012. Epub 2012 Jun 7.
Epidemiologic studies of glyphosate and cancer: a review.
Mink PJ1, Mandel JS, Sceurman BK, Lundin JI.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22683395
Krebs in der Landwirtschaft
Glyphosate Use and Cancer Incidence in the Agricultural Health Study
Gabriella Andreotti, Stella Koutros, Jonathan N Hofmann, Dale P Sandler, Jay H Lubin, Charles F Lynch, Catherine C Lerro, Anneclaire J De Roos, Christine G Parks, Michael C Alavanja.
JNCI: Journal of the National Cancer Institute, Volume 110, Issue 5, 1 May 2018, Pages 509–516,
https://doi.org/10.1093/jnci/djx233