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Gebendinger Ernst, Kunstturner, 1926-2017
1950, Turn-Weltmeisterschaft in Basel: Die Schweizer Turner gewannen den Mannschaftstitel und Ernst Gebendinger Gold in der Freiübung und im Pferdsprung. Somit gehörte der Winterthurer Gebendinger zu den herausragendsten Turnern dieser WM.
Ernst Gebendinger, geboren am 10. Februar 1926, wuchs im Hegifeldquartier auf und besuchte die Schulen in Hegi und Oberwinterthur. Vom Turnen war damals noch nicht die Rede. Sein Vater: „Die Schule ist wichtiger, vom Turnen kann man nicht leben“. Erst als siebzehnjähriger schloss er sich dem TV Hegi an. Sofort zeigte sich sein Talent. Er wetteiferte ja auch bereits seit einiger Zeit mit einem Nachbars-Bub und Sohn des früheren Weltmeisters August Güttinger, wer besser turnen kann. So lernten sie immer wieder neue Griffe und Übungen. 1943 kam es zur ersten Auszeichnung. Am Verbandsturntag holte sich Ernst Gebendinger den ersten Zweig. Ein Jahr später folgte in der Kategorie B der erste Sieg. Der grosse Wurf gelang am Zürcher Kantonalturnertag 1951 in der Kategorie A. Gebendinger gelang der Sieg über keinen geringeren als Jack Günthard.
Parallel zum Turnen stand aber auch die Berufsausbildung an. Ernst machte nach der Sekundarschule eine Lehre als Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik Jaeggli AG in Oberwinterthur und besuchte anschliessend die ein Jahr dauernde Textilfachschule in Zürich. Als Webermeister arbeitete er dann zwei Jahre in Kaltbrunn und acht Jahre wieder in Winterthur in der SIDI (Seidenstoffweberei AG). Ab 1964, lange nach seiner Turnkarriere nahm er eine Stelle beim Technikum Winterthur als technischer Assistent an. Das war seine Berufung und er blieb der Schule bis zu seiner Pensionierung treu.
Zurück zum Turnen: Diese sportliche Tätigkeit fand immer nur in der Freizeit, also neben der 100-prozentigen Arbeitstätigkeit statt. Die „Elite“ der Kunstturner der Winterthurer Turnvereine traf sich fast jeden Abend in einer Halle und übte. Man half, korrigierte und unterstütze sich gegenseitig. Daneben besuchte man schweizerische Kurse, natürlich über das freie Wochenende. Bald wurde das Talent Gebendinger entdeckt und in höhere Kurse aufgeboten. Diese mündeten dann in die Vorkurse für die Weltmeisterschaft 1950. Nach Auf und Ab in dieser Qualifikationszeit gelang Gebendinger in der zweiten Ausscheidung in Chiasso der Tagessieg und erreichte damit die Qualifikation zur WM-Mannschaft.
Vor 20'000 Zuschauern fand dann im Freien die WM 1950 in Basel statt. Es war ein 15-Kampf in folgenden Disziplinen: Hochsprung, Stabhochsprung und 100m-Lauf (je eine Wertung) sowie die eigentlichen Kunstturnersparten Baren, Reck, Ringe, Pferd, Freiübung und Pferdsprung (je zwei Wertungen, obligatorische und freie Übung). Die Schweiz mit Sepp Stalder, Walter Lehmann, Melchior Thalmann, Hans Eugster, Jack Günthard, Marcel Adatte, Ernst Gebendinger und Jean Tschabold wurden Weltmeister in der Mannschaft vor Finnland und Frankreich. In den Einzelwertungen gewann Ernst Gebendinger Gold (ex aequo mit Sepp Stalder) im Bodenturnen und Gold im Pferdsprung (Schere rückwärts über das 1.30 m hohe Pferd).
1952 folgte der nächste, leider nicht mehr so erfolgreiche Höhepunkt, Olympische Spiele in Helsinki. Die Russen brachen in die Phalanx der traditionellen Turnnationen ein und erreichten auf Anhieb Gold in der Mannschaftswertung. Die Schweiz gewann mit Sepp Stalder, Hans Eugster, Jean Tschabold, Jack Günthard, Melchior Thalmann, Ernst Gebendinger, Hans Schwarzentruber und Ernst Fivian Silber noch vor Finnland. In den Einzeldisziplinen holte sich Eugster Gold am Barren und Bronze an den Ringen, Stalder Silber am Reck und Bronze am Barren und Günthard Gold am Reck.
Zwei Jahre später stand wieder eine Weltmeisterschaft an. Doch es sollte anders kommen. An einer Ausscheidung für diese Teilnahme in Frauenfeld resultierten statt guten Noten ein Bänderriss und ein Meniskusschaden. Nach zwei Operationen war klar, für den Spitzenturnsport reichte es nicht mehr.
Ernst Gebendinger war ein ausgesprochener Schön- und Haltungsturner, der durch die Eleganz seiner Darbietungen glänzte. Gebendinger machte aus allen seinen Erfolgen kein grosses Aufheben. 1968 sagte er zu einem Journalisten: „Wissen Sie, sportlicher Ruhm verblasst rasch, das ist nicht die Hauptsache des Lebens!“
So hatte Ernst Gebendinger endlich auch Zeit für noch andere schöne Sachen der Welt. An einem Turnfest in Uster lernte er die Veltheimerin Leny Huber vom Stadt-TV Winterthur kennen. 1955 wurde geheiratet. Ihnen wurden zwei Töchter und ein Sohn geschenkt.
Dem Turnsport blieb er aber treu. So zum Beispiel 1955 bis 1959 als Oberturner beim Stadtturnverein und als Kursleiter. Und selbstverständlich turnte er weiter im Turnverein Hegi, den er auch präsidierte. Viele Jahre noch turnte er in der Männerriege Hegi und an weiteren Abenden spielte er Faustball und das weiterhin in bester gesundheitlicher und geistiger Verfassung.
2008: Ernst Gebendinger heute
Drei Goldmedaillen, eine Silbermedaille, unzählige Kränze und Ehrengaben belegen die stolzen Leistungen von Ernst Gebendinger an den Turngeräten. Er lebte noch immer zusammen mit seiner Frau in Oberwinterthur, bescheiden und guter Dinge. Selbstverständlich verfolgt er das Turngeschehen und den Spitzensport, wohl aber mit kritischer Distanz. Am 23. Mai 2017 ist Ernst Gebendinger im 91. Altersjahr verstorben.