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Mara Corradini wird als Tochter des Industriellen Giacomo Corradini aus Sent und der Schönenwerderin Alice Bally in Neapel geboren und verbringt dort ihre Kindheit. Ihre künstlerische Ausbildung absolviert sie von 1902 bis 1913 in mehreren Instituten in Paris, München, Berlin, Weimar und in den Niederlanden und lebt danach abwechselnd in Sent und in Neapel. Während dieser Zeit unternimmt sie auch mehrere Reisen durch Europa und begleitet unter anderem ihren Vater ins ferne Tripolis. 1912 nimmt sie das erste Mal an der Biennale di Venezia teil. 1913 folgt ihre erste Einzelausstellung in der Londoner Doré Gallery. Aufgrund einer schweren Krankheit verbringt sie mehrere längere Aufenthalte im Zürcher Universitätsspital, wo sie sich ein Atelier einrichten kann. Trotz der gesundheitlichen Einschränkung nimmt sie drei weitere Male an der Biennale di Venezia teil. 1938 widmet ihr das Bündner Kunsthaus in Chur eine Übersichtsaustellung. Ihr Lebensende verbringt die Kosmopolitin zurückgezogen im Engadin.
Ein bedeutendes Konvolut des Teilnachlasses ist der ausgiebige Briefverkehr zwischen der Bündnerin und Kunstschaffenden aus ganz Europa sowie mit Freunden und Familie, insbesondere auch aus Italien. Einzelne Briefe und ein an sie adressiertes Widmungsgedicht von Rainer Maria Rilke zeugen von ihrer Bekanntschaft mit dem Dichter. Nachgewiesen ist auch ein Besuch Rilkes 1919 bei Corradini in der Klinik Theodosianum in Zürich. Corradini pflegt unter anderem Kontakt zu Sigismund Righini, Cuno Amiet, Augusto Giacometti, Edgar Vital und Gottardo Segantini. Des Weiteren geben Skizzenbücher Einblicke in ihre Arbeitsweise, Tagebücher dokumentieren ihr tägliches Leben und ihre vielen Reisen.
Der Teilnachlass von Mara Corradini gelangt über eine Spanne von 9 Jahren, 1991–2001, zu SIK-ISEA. Übergeben wird der Bestand von Paola Starace, der Nichte Corradinis und Herausgeberin der Monografie über die Künstlerin. Im Nachlass befinden sich auch viele Notizen von Starace und der Autorin der Publikation, Monica Naldi.
Insbesondere die Korrespondenz mit anderen Kunstschaffenden und Freunden zeigt eindrücklich, wie vernetzt Mara Corradini in ganz Europa ist. Sie sucht den Kontakt zu bekannten Persönlichkeiten und geniesst eine grosse Beliebtheit in den Kreisen der Modernisten Anfang des 20. Jahrhunderts. Mara Corradini kann zwischen 1910 und 1930 durchaus Erfolge feiern, nach ihrem Tod 1964 gerät sie jedoch schnell in Vergessenheit. Ihr Werk entspricht mehr dem Geschmack des 19. Jahrhunderts und kann nur schwer neben avantgardistischen Strömungen bestehen. Eine intensivere postume Auseinandersetzung mit Corradinis Schaffen bleibt, abgesehen von einer einzigen Publikation, aus.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 91
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Fiona Leu, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 26.08.2020