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Ana aus Brasilien
Ich heisse Ana, bin 32 Jahre alt und lebe seit 12 Jahren in Aarau. Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder.
Meine Mutter arbeitete als Näherin und mein Vater als Bauarbeiter. Unser Haus war nicht gross und gehörte der Stadt. Meine Eltern waren beide sehr streng zu mir, denn ich musste ein Vorbild für meine Brüder und Schwestern sein. Selten durfte ich spielen oder meine Freundinnen besuchen. Ich musste gehorchen und vor meinen Eltern Respekt haben. Zu meiner Mutter hatte ich eine gute Beziehung. Sie hat ja auch immer viel für uns gearbeitet. Mein Vater wollte der Boss sein und meine jüngeren Brüder auch. Das hat mich gestört.
Meine Grossmutter lebte in einem kleinen Dorf. Sie hatte viele Hühner und einen grossen Hund. Für uns Kinder machte sie Kuchen und Kompott, wenn wir auf Besuch waren. Ich durfte auch richtigen Kaffee bei ihr trinken. Dann habe ich mich sehr erwachsen gefühlt. Sie schenkte mir einmal eine Puppe. Ich habe sie Pamela genannt. Ich habe mit ihr gesprochen wie mit einer Freundin und mit ihr zusammen von Amerika geträumt.
Ich bin 8 Jahre zur Schule gegangen. Dort hat es mir gut gefallen. Ich war gut in Zeichnen und auch in den Sprachen hatte ich gute Noten. Mit 13 Jahren habe ich angefangen, zusätzlich als Hausmädchen zu arbeiten. Ich ging dann nur noch am Abend in die Schule. Ich konnte mich aber schlecht konzentrieren, weil ich ja schon den ganzen Tag gearbeitet hatte. Als dann meine Eltern das Geld für die Schuluniform und das Material nicht mehr bezahlen konnten, habe ich ganz aufgehört.
Mit 15 habe ich meinen Sohn Gilbert bekommen. Mein Freund und ich waren beide zu jung. Er hat mich dann wegen einer anderen Frau verlassen. Ich habe weiter bei meinen Eltern gelebt und gearbeitet. Meine Mutter hat auf den Kleinen aufgepasst, wenn ich nicht da war, und ihm lustige Stofftiere zum Spielen genäht. Ich werde nie vergessen, dass meine Eltern damals so gut zu mir waren!
Ich habe mit 17 Jahren meinen jetzigen Mann am Strand kennengelernt. Er war sehr nett und gefiel mir gut. Leider konnten wir nicht so gut miteinander sprechen. Wir hatten noch keine gemeinsame Sprache. Er hat mir später Briefe auf Französisch geschrieben, und jemand hat sie mir übersetzt. Dann ist er wieder gekommen und hat gefragt, ob ich mit ihm in die Schweiz gehen will. Ich habe überlegt und dann ja gesagt.
Es war Sommer, als ich in der Schweiz ankam. Zuerst habe ich ein bisschen Deutsch gelernt und als Putzfrau gearbeitet. Das Geld habe ich für Gilbert nach Brasilien geschickt. Manchmal konnte ich mit ihm telefonieren. Ich wollte ihn in die Schweiz holen, doch mein Ex-Freund in Brasilien hat einfach nein gesagt! Ich konnte nichts dagegen tun. Dann habe ich meine 2 Kinder hier in der Schweiz bekommen. Mein Mann verdient nicht so viel, deshalb will er nicht, dass Gilbert kommt. Das macht mich immer noch traurig.
Ich wünsche mir so sehr, dass meine Kinder alle zusammen sind, wir einander helfen und alle eine gute Ausbildung bekommen.