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Ein natürlicher und ganzheitlicher medizinischer Ansatz
Die Chiropraktik ist ein natürlicher und ganzheitlicher medizinischer Ansatz, der sich insbesondere mit der Diagnose, Behandlung, Prophylaxe und Rehabilitation von Funktionsstörungen und schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie deren biomechanischen und neurophysiologischen Auswirkungen beschäftigt. Wirbelsäule, Becken und die Gelenke der Extremitäten spielen eine zentrale Rolle bei der Diagnose und Therapie.
Die Chiropraktik ist eine Therapie für bestimmte funktionelle und schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparates und ihrer Auswirkungen auf andere, beispielsweise biomechanische und neurophysiologische Funktionen. Sie ermöglicht es, solche Erkrankungen zu diagnostizieren, zu behandeln und möglichst vor ihnen zu schützen.
Mehr als nur „mit der Hand tätig sein“!
Die Chiropraktik geht weit über die Behandlung mit den Händen hinaus, wie sich aus der Etymologie (des altgriechischen cheiro „Hand“ und praktikos „tätig sein“) ableiten lässt, sondern stellt einen ganzheitlichen Ansatz dar, bei dem der Patient zu einem Lebensstil angeleitet wird, der den Bedürfnissen seines Bewegungsapparates entspricht.
Lange Tradition, neueste Entwicklung
Basierend auf verbreiteten Praktiken der Antike, die im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten wiederentdeckt und wissenschaftlich begründet wurden, erfuhr die Chiropraktik erst Mitte des 20. Jahrhunderts Anerkennung in Europa und der Schweiz.
Schon die alten Chinesen, Ägypter, Griechen und Römer ...
Die Chiropraktik, wie wir sie kennen, ist nicht ganz so alt wie die Menschheit, aber die Behandlung von Gelenken ist es schon. Tatsächlich war diese Behandlungsmethode schon früh in China, Ägypten und Griechenland verbreitet. Bereits zur Zeit des römischen Kaiserreiches nutzte Galenos von Pergamon diese Therapie, um Gladiatoren wieder auf die Beine zu helfen.
Wissenschaftliche Grundlagen in den Vereinigten Staaten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Die wissenschaftliche Ära der Chiropraktik begann vor etwas mehr als einem Jahrhundert mit Daniel David Palmer (1845-1913). Während Louis Pasteur in Europa die Rolle bestimmter Mikroorganismen bei der Entstehung von Infektionskrankheiten erforschte, entdeckte D.D. Palmer im mittleren Westen der USA die Vorteile der manipulativen Korrektur bei Fehlstellungen von Wirbelkörpern wieder. Man weiss bis heute nicht, woher dieser Forscher sein Wissen hat, möglicherweise durch den Kontakt mit indischen Heilern. Er fand jedoch heraus, dass die Bedeutung der Wirbelsäule über ihre Funktion als Stütze des Körpers hinausgeht. Da sie den Übergang zwischen dem zentralen und dem peripheren Nervensystem bildet, spielt sie eine entscheidende Rolle für das gesundheitliche Gleichgewicht: Störungen an der Mechanik der Wirbelsäule können das neurologische System beeinträchtigen, und wenn die Wirbelsäule ihre Funktion nicht erfüllt, kommt es zu Störungen bei den vom Nervensystem übermittelten Informationen. Diese Theorie wurde von dem Sohn des Gründers, Bartlett Joshua Palmer (1882-1961) weiter vertieft. Ende des 19. Jahrhunderts etablieren die Palmers die Chiropraktik schliesslich in den Wissenschaften, indem sie in Davenport, im Bundesstaat Iowa, mit dem „Palmer College of Chiropractic“ das erste Forschungs- und Lehrinstitut gründeten.
Pionierrolle von Zürich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
In den 1920er Jahren zog es die ersten Schweizer über den Atlantik in die nüchternen Räume des Palmer College in den USA. Mit einem Abschluss in der Hand und wieder zurück in der Heimat betreuten die neuen Ärzte erfolgreich Patienten, bei denen die üblichen Behandlungen nicht angeschlagen hatten. Die Nachricht verbreitete sich und die Methode entwickelte sich so rasant, dass die Politiker trotz der Skepsis der damaligen Ärztevereinigung letztlich beschlossen, die Behandlungsmethode zuzulassen. Ein Chiropraktiker aus Luzern, der wegen der Ausübung seiner Heilkunst sogar zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, wurde mit einem triumphalen Empfang begrüsst, als er das Gefängnis verliess. Das nach einer leidenschaftlichen und bissigen Kampagne durchgeführte Initiativbegehren vom 22. Januar 1939 in Zürich ergab, dass die Chiropraktik zugelassen wurde. Danach wurde die Ausübung der Heilmethode nach und nach in anderen Kantonen erlaubt und verbreitete sich in der ganzen Schweiz. Am 5. Juli 1962 hatte schliesslich die mit 394’390 Unterschriften eingereichte Petition der Patientenvereinigung Pro Chiropraktik Erfolg und die Chiropraktik wurde als Krankenkassen-Pflichtleistung anerkannt.
Eine eigenständige Disziplin in der wissenschaftlichen Medizin
Die Chiropraktik ist eine eigenständige Disziplin der wissenschaftlichen Medizin, die hauptsächlich nicht-invasive und nicht-medikamentöse Behandlungen anwendet und dadurch einem modernen Ansatz im Gesundheitswesen entspricht. Der Chiropraktiker, beziehungsweise die Chiropraktikerin, verfügt über eine umfassende medizinische Ausbildung und Fachkompetenz in der Diagnose, in der manuellen Behandlung und der Prävention von Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates sowie der dadurch verursachten Beschwerden.
Ein staatlich anerkannter medizinischer Beruf
Die Chiropraktik ist eine der fünf universitären Disziplinen der Medizinwissenschaften, die seit dem 01.09.17 durch das Bundesgesetz über die Medizinalberufe (MedBG) anerkannt sind. Ebenso wie Ärzte und Zahnärzte tragen Chiropraktiker den Doktortitel und können von Patienten ohne Überweisung direkt konsultiert werden. Sie praktizieren selbstständig, stellen ihre Diagnose und verschreiben gegebenenfalls zusätzliche Untersuchungen und Behandlungen. Ihre Leistungen werden von der Grundversicherung übernommen.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen können lokal in Form von Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Kontrakturen oder durch Fernwirkung in Form von Kopfschmerzen, Ausstrahlen von Schmerzen in den Gliedmassen usw. auftreten. Es wurden Fälle beobachtet, in denen innere Funktionen betroffen waren. Die chiropraktische Behandlung ist indiziert, wenn eine Störung der Haltung oder der Bewegung des menschlichen Körpers vorliegt. Diese Störung kann durch eine Krankheit oder einen Unfall verursacht sein oder altersbedingt auftreten, wovon wir alle betroffen sind.
Symptomatik
Die Chiropraktik behandelt natürlich auch punktuelle Beschwerden wie einen Hexenschuss, einen Bandscheibenvorfall, sofern er nicht chirurgisch behandelt werden muss, oder das häufig auftretende Schleudertrauma usw. Der Chiropraktiker, beziehungsweise die Chiropraktikerin, stellt dann die normale Funktion und Mobilität der Gelenke wieder her. Er/Sie setzt bei der Behandlung seine Hände ein und erreicht sein Ziel durch genau dosierten Druck auf das in seiner Funktion gestörte Gelenk. Um zu verstehen, was passiert, wenn ein Gelenk auf diese Weise behandelt wird, ist es wichtig, alle beteiligten „Komponenten“ und die ihnen zugewiesene Funktion zu kennen.
Wiederherstellung der Mobilität
Die chiropraktische Behandlung zielt unter anderem darauf ab, den Schmerzkreis durch die Wiederherstellung der Gelenkbeweglichkeit zu durchbrechen. Sie behebt die Störung im betroffenen Wirbelgelenk und vermindert dadurch den anormal erhöhten Fluss von Nervenimpulsen zum Rückenmark. Der betroffene Muskel erhält so wieder seine gewöhnliche Menge an Impulsen und seine Grundanspannung normalisiert sich. Dies verbessert die Muskelfunktion, reduziert die anormale Belastung und vermindert Reizungen und Entzündungen.
Das berühmte Knacken ...
Chiropraktiker verfügen über eine Vielzahl von manuellen Techniken, um Gelenkblockaden zu korrigieren und die Mobilität zu verbessern. Das Prinzip besteht darin, auf das Gelenk unter Beachtung seiner physiologischen Grenzen präzise und fein dosierte manuelle Impulse auszuüben, um die blockierten Kontaktflächen zu lösen und so die Beweglichkeit des Gelenkes wiederherzustellen und zu verbessern. Meistens entsteht bei der Behandlung ein knackendes Geräusch. Beeindruckend, aber schmerzfrei: Wenn die Blockade des Gelenkes gelöst wird, entsteht zwischen den beiden knöchernen Teilen ein Unterdruck, der dazu führt, dass bestimmte Bestandteile der Gelenkflüssigkeit in den gasförmigen Zustand übergehen. Diese „Gasbläschen“ zerplatzen und erzeugen das für die chiropraktische Behandlung typische Knacken. Die Behandlung zielt jedoch nicht nur auf eine Normalisierung der Gelenkfunktion ab, sondern soll auch eine Reflexwirkung auf das umgebende Gewebe (Muskeln, Sehnen, Nervensystem) ausüben.
Vielfältige Mittel
Das therapeutische Arsenal moderner Chiropraktiker ist jedoch nicht allein auf die Gelenkbehandlung beschränkt. Je nach Indikation werden verschiedene Methoden der Muskel- und Reflextherapie, der Gelenkmobilisation und der Kopfmassage sowie physiotherapeutische Massnahmen (kontrollierte Streckung, Ultraschall, Elektrotherapie, Kryotherapie) eingesetzt. Zur täglichen Praxis von Chiropraktikern gehört darüber hinaus die Verschreibung von orthopädischen Hilfsmitteln, Stützverbänden, gymnastischen Übungen, die Ernährungs- und Ergonomieberatung bis hin zur Anwendung von Akupunktur und Akupressur. Bei Bedarf verschreiben Chiropraktiker auch Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel (Analgetika, Entzündungshemmer).
Chiropraktiker haben in der Regel ein eigenes Röntgengerät, sie können aber auch externe Dienstleister mit den für die Stellung der Diagnose erforderlichen radiologischen oder labortechnischen Untersuchungen beauftragen.
Systematische Anamnese
Voraussetzung bei jeder Behandlung ist eine gründliche Anamnese. Neben den gängigen, orthopädischen, rheumatologischen und neurologischen Untersuchungsmethoden wendet die Chiropraktik auch spezifische Untersuchungsverfahren, wie z.B. die statische und dynamische Abtastung des Bewegungsapparates, an. Empfehlungen insbesondere bezüglich der Körperhaltung und zu gymnastischen Übungen sind Teil der Behandlung.
Wie jede Therapie hat auch die Chiropraktik ihre Grenzen, und das Wissen darüber (Kontraindikationen zur chiropraktischen Behandlung) ist integraler Bestandteil der klinischen Ausbildung.