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Wer von der Stadt Beauvoir-sur-Mer in Westfrankreich auf die Insel Noirmoutier fahren will, kann immer über eine klassische Brücke fahren – oder (fast immer) die Passage du Gois. Zumindest, wenn das Meer es zulässt, denn zwei Mal täglich steht diese Strasse unter Wasser.
Weil die Gezeiten zwischen Insel und Festland jede Menge Sand angehäuft haben, wurde bereits 1702 überprüft und bestätigt, dass Noirmoutier auch ohne Boot erreicht werden kann. Während der Französischen Revolution verschanzten sich Royalisten auf der Insel – und als revolutionäre Truppen über die Sandbank marschierten, wurden sie von der Flut erfasst.
Das kann heute nicht mehr passieren. Auf der Strecke gibt es drei Rettungsplattformen, falls mal jemand die Gezeiten nicht auf dem Zettel haben sollte. Bei Flut steht die Strasse zwei bis drei Meter unter Wasser – je nach Stärke können es aber weniger als ein Meter oder bis zu viereinhalb Meter Wassersäule sein.
Im 19. Jahrhundert wurden die Sandbänke mit Fundamenten fixiert, bevor dann 1924 eine Schotterstrasse angelegt und besagte Rettungsinseln gebaut wurden. Ausserdem wurden sechs Dalben mit Sprossen in den Boden gerammt. Das sind Baumstämme, mit denen normalerweise Fahrrinnen markiert werden und die hier als letzte Rettung vor der Flut dienen.
In den 30ern wurde die Strasse mit Platten belegt. Dass diese Massnahme vier Jahre in Anspruch nahm, liegt daran, dass pro Tag nur bei Ebbe für zwei Stunden gearbeitet werden konnte. Die Strasse wurde bis 1971 stark genutzt – das ist das Jahr, in dem die Alternativverbindung über eine Brücke möglich wurde.
Wenn du mal in der Gegend von Nantes bist, solltest du dir diese Besonderheit nicht entgehen lassen.
(phi)