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Moorböden speichern weltweit 30% des Bodenkohlenstoffs, obwohl sie nur 3% der Fläche ausmachen. Der hohe mittlere Wasserstand dieser Böden hemmt die Zersetzung des organischen Materials, so dass von einer permanenten Speicherung gesprochen werden kann. Zusätzlich binden Moore jährlich 150-250 Mio Tonnen CO2 aus der Atmosphäre – und dies bei intakten Mooren permanent. Die Kohlenstoffspeicher- und -senkenfunktion von Torfböden kehrt sich aber in ihr Gegenteil um, sobald ein Moor entwässert wird. Dann dringt Sauerstoff in den Torfboden ein und das organische Material beginnt sich zu zersetzen. Der Kohlenstoff entweicht in Form von CO2 in die Atmosphäre. Diese CO2-Emission kann nur gestoppt werden, indem die Torfböden wiedervernässt werden. Eine so verhinderte Emission kann zukünftig in der Schweiz auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt als CO2-Kompensation erworben werden.
Situation der Schweizer Hochmoore
Allein die entwässerten Hochmoore emittieren hierzulande jährlich rund 19‘400 t CO2 (bei einer Hochmoorfläche von 1500 ha (Ismail 2007) und den IPCC Standard-Emissionswerten für nährstoffarme Torfböden unter Grasland in der temperierten Klimazone von 5.3 t OC/ha/a). Zwar steht ein Grossteil der verbliebenen Hochmoore seit der Rothenthurm-Initiative vom Jahr 1987 unter Verfassungsschutz, doch ihr Schutz – also die Konservierung des Status Quo – reicht nicht aus, um die Mineralisierung und somit den CO2-Ausstoss zu unterbinden. Dies ist ausschliesslich mit einer Wiedervernässung der Torfböden zu erreichen. Die Kantone sind dazu angehalten „bei jeder sich bietenden Gelegenheit“ eine solche vorzunehmen. Jedoch fehlen nur allzu häufig die finanziellen Mittel dazu und somit bietet sich die Gelegenheit verhältnismässig selten. Folglich hat sich die Situation der Schweizer Moore in den letzten 30 Jahren nicht verbessert, sondern sich wegen der anhaltenden Mineralisierung verschlechtert.
CO2-Emission der Schweizer Hochmoore…
Der CO2-Ausstoss aus trockengelegten Hochmooren kann durch eine fachgerechte Wiedervernässung gestoppt und so die Speicherfunktion wiederhergestellt werden. Die Methanemission, die anfällt, wenn die für ein Hochmoor atypische Vegetation abstirbt und vergärt, kann durch langsames Anheben des Wasserspiegels klein gehalten werden. Wird durch die Wiedervernässung ein naturnaher Zustand des Moores erreicht, kann sich bereits nach wenigen Jahren ein erneutes Torfwachstum einstellen; damit ist auch die Funktion der Kohlenstoffsenke wiederhergestellt.
… und ihr Kompensationspotential
Diese verhinderte CO2-Emission kann als CO2-Kompensation genutzt werden. Das Kompensationspotential, also die Menge an CO2, welche durch eine Wiedervernässung vor der Emission bewahrt wird, lässt sich abschätzen, indem der Kohlenstoffgehalt der entwässerten Torfschicht betrachtet wird. Dieser wird durch Mineralisierung fortlaufend abgebaut. Damit gelangt im Laufe der Zeit sämtlicher gespeicherter Kohlenstoff in die Atmosphäre.
Wird ein Durchschnitt von 50 cm Entwässerungstiefe des Moores angenommen, so liegt das Kompensationspotential bei rund 1000 t CO2 Äquivalenten pro Hektar (bei einem Kohlenstoffgehalt von 0.056 t OC m3 (Gubler 2017)). Dies ist nicht die jährliche Emission, sondern die gesamte Menge an CO2, welche in die Atmosphäre entweichen wird, bis die entwässerte Torfschicht von 50 cm vollständig mineralisiert ist, was zwischen 50-100 Jahre dauern kann.
Renaturierungskosten und Kompensationspreis
Hochmoore sind meist kleinräumige Ökosysteme, teilweise sind sie schlecht zugänglich, verbuscht oder gar bewaldet. Eine Renaturierung ist anspruchsvoll und aufwändig: es braucht Erfahrung, Expertise, spezielle Maschinen und viel Arbeit. Entsprechend sind die Renaturierungskosten hoch. Sie liegen bei 78‘000 Franken pro Hektare (Kostenanalyse von 35 abgeschlossenen Renaturierungsprojekten in der Schweiz (Gubler 2015)). Um den Ausstoss einer Tonne CO2 zu verhindern, sind also 76 Franken nötig.
Investitionen in die Region
Eine Hochmoorrenaturierung führt nicht nur zu einer CO2-Reduktion und einer Aufwertung der Landschaft – auch regionalökonomisch sind positive Folgen zu erwarten. Denn Investitionen in die Hochmoorrenaturierung sind Investitionen in die Region: von den 78‘000 Franken Umsetzungskosten pro Hektar bleiben rund 60% in der Region. Holzer-, Bauarbeiten, Transporte etc. werden vom regionalen Gewerbe in Auftrag genommen.
Generierung von Expertise
Die Planung und Baubegleitung von Hochmoorrenaturierungen kann hingegen nur von spezialisierten Fachleuten geleistet werden. Die meisten Projekte werden von einigen wenigen Umweltbüros übernommen. Es ist anzunehmen, dass bei einer dauerhaften Zunahme von Renaturierungsprojekten auch mehr Personen und Büros die nötige Expertise entwickeln werden. Dies würde wiederum mehr Bauleitungen verfügbar machen und somit den Prozess zusätzlich beschleunigen.
Sieben auf einen Streich
Wer seine CO2-Emissionen mit einer Wiedervernässung eines Hochmoors kompensiert, unterbindet nicht nur einen langfristigen CO2-Ausstoss, sondern trägt auch dazu bei, dass wieder eine intakte Natur entsteht. Ein Hochmoor leistet unersetzbare Ökosystemdienstleistungen:
- Hochwasserspeicher: Torfmoose funktionieren wie riesige Schwämme, welche bei starken Niederschlägen mässigend auf die Hochwasserspitzen einwirken und somit den Abfluss regulieren.
- Kühlendes Mikroklima: Durch das gespeicherte Wasser hat ein Hochmoor eine kühlende Wirkung auf das Mikroklima der unmittelbaren Umgebung.
- Biodiversität: Ein Hochmoor ist ein Hotspot an Biodiversität. Die schwierigen Lebensbedingungen haben eine Vielzahl an Pflanzen hervorgebracht, welche mit speziellen Anpassungsstrategien im sauren Torfboden überleben. Zudem bietet es Lebensraum für Vögel, Insekten und Amphibien.
- Erholung: Für Menschen bietet ein Hochmoor einen einzigartigen Erholungsraum.
- Landschaftsbild: Hochmoore gehören in der Schweiz in das natürliche Landschaftsbild, welches durch Renaturierungen wieder diverser und abwechslungsreicher wird.
- Umweltarchiv: Ungestörte Hochmoorböden speichern nebst enormen Kohlenstoffvorkommen auch wichtige Informationen unserer Geschichte in Form von Schwermetallpartikeln, Pollen etc. Da der Nährstoffeintrag ausschliesslich über den Niederschlag erfolgt, sind Hochmoore in ihrer Funktion als Zeitzeugen einmalig.
Kontakt
Lena Gubler
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Zürcherstrasse 111
8903 Birmensdorf
Tel. 044 739 28 03, Email <email-pii>
|Wie kompensieren?

Wenn Sie Ihre CO2-Emissionen freiwillig zugunsten einer Hochmoorregeneration kompensieren möchten, dann können Sie dies zukünftig tun. Die Kompensationsorganisationen myclimate und South Pole Group bieten in Zukunft eine Kompensationsmöglichkeit in diesem Bereich an.Möchten Sie die Renaturierung eines Hochmoors in der Region unterstützen, in der Sie / Ihre Firma oder Organisation ansässig ist, um dann auch Ihre Kompensation vor Ort zu besichtigen?
Für genauere Informationen wenden Sie sich an: <email-pii>
oder an: <email-pii>.