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Die erfolglose Suche nach Erdöl
In Tuggen wurde von 1925 bis 1928 mit grossem finanziellem Aufwand nach dem schwarzen Gold gebohrt.
FRANZ STEINEGGER
Nachdem auch im Kanton Schwyz zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wälder zu einem grossen Teil abgeholzt waren, avancierten Kohle und Erdöl zu den wichtigsten Energieträgern. Der Erste Weltkrieg zeigte die Abhängigkeit vom Ausland auf. «Zwangsläufig stellte sich die Frage, ob nicht auch in der Schweiz Erdöl vorkommen könnte », erzählt Staatsarchivar Valentin Kessler in einem Beitrag in den Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz.
Der Zürcher Geologe Arnold Heim (1882–1965) hielt in einer Studie 1919 fest, dass sich auf schweizerischem Territorium Erdöl finden liesse. Die Frage war nur, wo die Lagerstätten liegen könnten.
Der bedeutendste Geologe warnte vor dem Misserfolg Eine vermutete Stelle befand sich in der Linthebene bei Tuggen. Anhaltspunkte lieferten ölund fetthaltige Überzüge in den Sümpfen und Gräben der alten Linthläufe, die, so mutmasste man, von Öllagern herstammen könnten. Zudem habe sich beim Bau der Rickenbahn das Grubengas so stark entwickelt, dass die Arbeiten teilweise hätten eingestellt werden müssen. Am 24. Juni 1924 erteilte der Kantonsrat der Firma Mineralien Schürf A.G. mit Sitz in Küssnacht die Konzession zur Ausbeutung von Erdölen aller Art im Kanton Schwyz.
Doch Albert Heim (1849– 1937), einer der bedeutendsten Geologen seiner Zeit und Vater des oben zitierten Arnold Heim, äusserte sich skeptisch und hinterfragte die Analysemethoden. «Man sucht Schätze an Stellen, wo der Geologe mit voller Bestimmtheit die Unmöglichkeit des Erfolges kennt», wird er am 17. April 1925 in der «Wochenchronik von Küssnacht» zitiert. Statt wissenschaftliche Kenner zu fragen, setze man lieber auf «Aberglaube, Unwissenheit und Unverständnis».
Pendler und Rutengänger legten die Bohrstelle fest Ungeachtet der geäusserten fachlichen Skepsis schritt man zur Tat und verliess sich bei der Festlegung der Bohrstelle auf zwei deutsche Rutengänger. Der eine «Rutler», Philipp Schwermully, ein ehemaliger Bohrmeister, diagnostizierte in der unteren Linthebene bei Tuggen eine Kreuzung von Öllinien. Er war es, welcher die genaue Bohrstelle schliesslich festlegte.
Anfang Juni 1925 wurde mit den Bohrarbeiten begonnen. Man trieb die Bohrkerne zwar weit vor, doch ohne Erfolg. «Im November 1926 teilte die Mineralien Schürf A.G. dem Regierungsrat mit, dass die Ölbohrungen in Tuggen bei einer Tiefe von 1090 Metern eingestellt würden, was allerdings Mitte Februar 1927 widerrufen wurde», hält Valentin Kessler in seinem Beitrag fest.
Denn in zirka 1200 Metern Tiefe «hätten sich nun triftige Anhaltspunkte gezeigt, die nicht jeder Hoffnung entbehrten», berichtete die Presse. Die fortgesetzte Bohrung förderte flüssiges paraffinhaltiges Öl zutage. Ein grosser Topf voll habe gesammelt werden können.
Es wurde bis in eine Tiefe von 1634 Metern gebohrt Obschon das Unterfangen immer teurer wurde, hielt das Ölfieber an, bis eine Bohrtiefe von 1634 Metern erreicht wurde. Am 15. Juli 1928 wurden die Bohrarbeiten mangels Aussicht auf Erfolg endgültig eingestellt. «Der Ölturm, das Wahrzeichen verschwundener Hoffnungen, wurde zusammen mit den übrigen Installationen abgebrochen », schreibt der «March-Anzeiger » am 25. September 1928.
Die Mineralien Schürf A.G. wurde liquidiert. «Die Kosten für den geplatzten Öltraum dürften beträchtlich gewesen sein», resümiert Valentin Kessler und zitiert die «Glarner Nachrichten»: «Nur schon bis Anfang 1928 habe das Unterfangen 1,5 Millionen Franken gekostet.» Kurt Guggenheim (1896– 1983) verarbeitete die Ölsuche bei Tuggen in seinem Roman «Riedland» 1938 literarisch. 1976 wurde «Riedland» im Auftrag des Schweizer Fernsehens verfilmt. An der einstigen Bohrstelle wurde um 1970 ein Baum gepflanzt.
«Der Ölturm, das Wahrzeichen verschwundener Hoffnungen», wurde im Sommer 1928 wieder abgebaut. An gleicher Stelle wurde später ein Baum gepflanzt.
Foto: Staatsarchiv Schwyz