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Claude Magnin (*1951)
"Passage", 1989/91
Granit, Plexiglas, Beton
Kantonsspital, Freiburg
(Foto: C. Liechti)
Der Freiburger Plastiker Claude Magnin gestaltete mit dieser Brunnenanlage in Form eines Torbogens einen künstlerischen Willkommensgruss vor dem Haupteingang des Kantonsspitals. Er schuf dazu eine Rampe aus Beton, benutzte Lehm zum Abdichten des Teichgrundes, sowie pakistanischen Granit für die Konstruktion des Bogens. Der Torbogen ist mit transparenten Plexiglasscheiben bestückt und steht inmitten einer stets animierten Wasserlandschaft, einem kleinen Ökosystem aus Erde, Pflanzen und Wasser. All diese Faktoren sind dem Wandel der Zeit, sowie den klimatischen Bedingungen der Jahreszeiten unterworfen. Ob man nun die Eisbildung auf dem Teich bei Minustemperaturen oder die Blütenvielfalt im Frühling bewundert, man findet stets ein Stück Natur inmitten der Betonlandschaft des Spitalareals. Am Besten lässt sich der Brunnen betrachten, wenn man auf der dafür vorgesehenen Rampe ins Innere des Teiches hinabsteigt.
Der Bogen inmitten der Anlage besteht aus einzelnen, der Länge nach zusammengefügten Granitquadern, die eine Art Durchgang oder Portal bilden. Die Plexiglasscheiben sind in der Mitte so geschnitten, dass sie eine menschliche Silhouette preisgeben (Kopf, Hals und Schultern). Durch den stetigen Wasserfluss, der vom Granitbogen wasserfallartig herunterrieselt, verfärben sich die Glasscheiben durch Kalkablagerungen und Algenbildung. Dabei wird akzentuiert, was normalerweise durch die Transparenz der Scheiben verborgen bleibt: Der Leerraum in der Form einer menschlichen Silhouette. Durch die Möglichkeit, die Plastik über eine Betonrampe zu betreten, wird der Betrachter frontal mit "seiner" Silhouette konfrontiert. Die Form, die durch die Umrisslinien des Plexiglases gegeben ist, bildet eine Art Projektionsfläche, in die sich jeder Betrachter hineindenken kann. So kann er sich selbst in seiner Vorstellung als Teil des Ganzen ins Kunstwerk integrieren.
Durch ihren Standort ist die Anlage sowohl physisch, wie auch symbolisch, eng mit dem Spital verbunden. Dieser Ort ist stets geprägt von Hoffnung und Verzweiflung, Freude und Leiden, Genesung oder Verschlechterung. Man weiss nie so recht, was einen beim Ein- und Austritt eines Spitals erwartet. Die Verwandlung, die wir beim Durchschreiten von einem Raum zum Nächsten, von einem Gemütszustand zum Nächsten durchleben, wird durch das Portal der Brunnenanlage thematisiert und durch ihren Namen, Passage, verdeutlicht. Dass die darin vorhandene Vegetation ihrem natürlichen Wachstum im Zyklus der Jahreszeiten überlassen ist, verweist auf die Lebenszyklen, die auch wir Menschen durchleben. (AW/bf)
Quelle: http://www.fribourgtourisme.ch/de/navpage-CultureArchFR-FribArtFR-123241.html (16.02.12, 11:10)
Fragen und Anregungen für den Unterricht
- Betrachte und beschreibe die einzelnen Elemente der Brunnenanlage.
- Was könnte dieser Bogen mit der Silhouette eines Menschen am Eingang zum Spital bedeuten? Liste mögliche Erklärungen auf.
- Thematisiere im Gestaltungsunterricht das Tor als symbolträchtiges Objekt.
- Behandle das Thema der menschlichen Silhouette. Zeichne Körperumrisse / Schattenwürfe mit Strassenkreiden auf den Pausenplatz. Benutze einen Hellraumprojektor, um die Schatten des menschlichen Körpers im Profil und in der Frontalansicht auf ein grosses, an die Wand geklebtes Papier abzuzeichnen. Schneide die Silhouetten aus. Versuche innerhalb der Klasse zu erraten, wessen Umrisse dargestellt sind. Was könnte man nun mit den Körperumrissen weiter inszenieren?