Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03488.jsonl.gz/755

Lieber Hans-Peter, liebe Freunde,
ich beziehe mich auf folgende Frage von Hans-Peter:
==> was bedeutet "HSAN TETAGMENOI EIS ZWHN AIWNION" in Apg 13,48 ?
Apg 13,48 Als aber die aus den Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten, so viele ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.
Ich habe einen amerikanischen Freund namens Eddie, der bibl. Sprachen studiert hat, und mit dem ich mich sehr gut über Bibelgriechisch austauschen kann. Wir sind kürzlich auch schon auf Apg 13,48 gekommen (siehe seinen Kommentar dazu weiter unten). In Apg 13,48 heißt es vollständig: AKOUONTA DE TA EQNH ECAIRON KAI EDOXAZON TON LOGON TOU QEOU KAI EPISTEUSAN hOSOI HSAN TETAGMENOI EIS ZWHN AIWNION.
Als Übersetzung ist die Alte Luther in einem Punkt interessant: "Da es aber die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des HERRN und wurden gläubig, wie viele ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.". Was mir auffällt, ist, dass hier auch die Heiden Subjekt von EPISTEUSAN sind. Das Platzhalter-Es bzw. Scheinsubjekt, das manche Übersetzungen bemühen (und *es* glaubten, soviele etc.), ist m.E. etwas künstlich und unnötig. Die Heiden hörten, freuten sich und glaubten: Das ist die durch jeweils KAI nektierte Reihenfolge, die man nicht mit einem neuen Subjekt "es" aufbrechen sollte. Den Relativsatz, der mit hOSOI eingeleitet wird, als Subjekt zu EPISTEUSAN zu sehen, halte ich ebenfalls für unzutreffend (so Parsons, Acts - A Handbook on the Greek Text, S.270).
Das würde bedeuten, dass - wenn man TETAGMENOI als Passiv versteht (was jedoch nicht zwingend ist)-, die Bestimmung zum ewigen Leben sich auf bereits gläubige Heiden bezieht. hOSOI leitet ja einen Relativsatz ein, der die gläubigen Heiden näher beschreibt, nämlich als solche, die zum ewigen Leben bestimmt sind. Das wäre m.E. eine plausible Möglichkeit, wie man den Satz analysieren könnte.
Sehr interessant im Hinblick auf den Sinn von HSAN TETAGMENOI finde ich Prof. Jantzen/Jettel, der den Satz so verstanden hat: "Als die von den Völkern es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn. Und sie glaubten, so viele zum ewigen Leben eingestellt worden waren1.". Ich hätte hier nur eine kleine kosmetische Anmerkung und würde keinen neuen Satz nach EPISTEUSAN einleiten: "Verherrlichten [sie] das Wort des Herrn und glaubten, so viele zum ewigen Leben eingestellt worden waren".
Eine dritte alternative Sicht, die mir Eddie (s.o.) geliefert hat, würde ich Euch gerne im Original anführen (aus einer Email an mich):
"Peter,
Acts 13.48
Note TETAGMENOI is Middle Voice. Translated that would mean "they positioned themselves." This passage first states that the Jews rejected the word, and the Gentiles "positioned themselves" by responding positively toward the word. This verse is rather simple. Most people take this verb as Passive; that's when all kinds of strange reasoning takes place.
Translated: The Gentiles believed, having previously (HSAN TETAGMENOI form a pluperfect) positioned themselves (by responding positively to the word; the same word the Jews rejected) for eternal life.
Eddie"
Ich finde die Lösung, TETAGMENOI - wie Eddie - als Medium zu behandeln für plausibel. Die andere o.g. Möglichkeit wäre ein Passivum Divinum: Durch göttliche Bestimmung sind die Gläubigen zum ewigen Leben bestimmt.
Soviel zunächst einmal....
Andere Meinungen und Überzeugungen dazu sind jederzeit sehr willkommen.
Herzliche Grüße aus Ingolstadt/Oberbayern !
Peter