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Es war ein wunderschöner Frühlingsabend, Schiffe glitten majestätisch aus dem Hafen Richtung See, das Abendlicht tauchte die Gebäuden auf der anderen Seeseite in ein warmes Gelb, die Sonne schien schräg ins Foyer des KKL, malte weisse Kringel auf den schwarzen Boden, verfing sich für Sekundenbruchteile im Rot eines Schals, im Türkis eines Kleides, eigentlich nicht die richtige Stimmung, um sich zwei Totenmessen anhören zu gehen. Im Saal kam aber dann schnell eine gewisse Ernsthaftigkeit auf, wohl auch ausgelöst durch die Klänge der Orgel, welche dem Orchester beim Einstimmen half.
Was danach folgte, waren zwei Stunden puren Genusses. The King’s Consort und The Choir of The King’s Consort unter der Leitung von Robert King führte an diesem Abend das Requiem c-Moll MH 155 von Michael Haydn und das Requiem d-Moll KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart auf.
In nur zwei Wochen komponierte Johann Michael Haydn das Requiem in c im Dezember 1771 anlässlich des Todes seines ersten Salzburger Dienstherren, Fürsterzbischof Sigismund Graf Schrattenbach. Das Werk entstand aber auch unter dem Eindruck der persönlichen Trauer: Haydns einziges Kind, Aloisia Josepha, starb im Januar 1771 noch vor Vollendung des ersten Lebensjahres. W. A. Mozart seinerseits arbeitete an seinem Requiem bis kurz vor seinem Tod am 5. Dezember 1791. Er konnte das Werk nicht selber fertigstellen, es wurde unter anderem von seinem Schüler Franz Xaver Süssmayr vervollständigt. Haydn und Mozart waren Musiker-Kollegen und Freunde, Mozart stellte sich sogar dem Freund als Ghostwriter zur Verfügung, als dieser krankheitshalber einen Auftrag nicht ausführen konnte. So liest man dann auch häufig, dass Mozarts Requiem beeinflusst sei von Haydns Vertonung. Überhaupt ranken sich so einige Geschichten um die beiden Requiems.
Eine Analyse der beiden Werke würde mir als simple Musikgeniesserin nicht zustehen. Geniessen liess sich aber bereits bei den ersten Takten. Wie sich der Chor aus lediglich 26 Sängerinnen und Sängern langsam, Stimme um Stimme zuerst mit dem Orchester verwebte, um sich dann daraus herauszuheben, mit einer unglaublichen Präzision und Klangfarbe und einem wunderschönen Volumen war schlicht grossartig. Langsame, eindringliche, anklagende Passagen wechselten sich ab mit einer teilweise überraschenden Leichtigkeit, düster rhythmische Themen folgten auf weiche, eindringliche Partien, immer nuanciert, nie aufdringlich, nie schwülstig. Auch die Solisten überzeugten: Auch die Solisten überzeugten: Lenneke Ruiten Sopran (anstelle von Lucy Crowe), Diana Moore Alt (anstelle von Hilary Summers), Andrew Tortoise Tenor und David Wilson-Johnson Bass interpretierten die relativ kurzen Soli-Stellen souverän. Wunderschön auch wenn sie gegenseitig dieselben Themen aufnahmen, sie sich zu eigen machten, sie weiterspannen um sich am Ende wieder in wunderschönen Akkorden zu finden.
Der Abend war wie ein einziger, wunderschöner Klangteppich, eine perfekte Einheit zwischen Chor, Orchester und Solisten unter einer dezenten aber souveränen Führung des Dirigenten Robert King. Das begeisterte Publikum dankte es mit Bravo-Rufen und verliess den Saal unter dem Eindruck der letzten versöhnenden Akkorde „qui pius es“ – denn du bist reich
Text: Gabriela Bucher – Liechti, Bilder Lucerne Festival und Kings Consort