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- Familie: Cordulegastridae – Quelljungfern
- Gattung: Cordulegaster – Quelljungfern
- Art: Cordulegaster bidentata (Selys, 1843)
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- DE: Gestreifte Quelljungfer
- FR: Cordulégastre bidenté
- IT: Cordulegaster bidentato, Guardaruscello collinare
- EN: Sombre Goldenring, Two-toothed Goldenring
Wissenswertes
Der Name bidentata kommt von zwei kleinen Zähnchen auf den Hinterleibsanhängen der männlichen Imagines. Cordulegaster bidentata ist ihrer Schwesterart Cordulegaster boltonii sehr ähnlich, sie ist aber deutlich seltener und bewohnt vor allem die quellnahen Bereiche von Bächen. Oft ist sie einfacher durch Exuvienfunde oder Larven als durch die Beobachtung von Imagines nachzuweisen.
MerkmaleGesamtlänge: Männchen 69-78 mm, Weibchen 74-83 mm (mit Legestachel)
Sehr gross. Augen grün, berühren sich nur in einem Punkt (Gattungsmerkmal). Stirn gelb mit dickem schwarzem Balken, Thorax und Abdomen schwarz mit gelber Zeichnung, S5-S8 mit nur je einem gelben Querstreifen, S2-S3/4 mit zwei Streifen. Hinterhauptsdreieck schwarz.
Männchen
Abdomen bei S3 tailliert, verbreitert bei S7-S8.
Weibchen
Abdomen überall etwa gleich breit. Langer, den Hinterleib überragender schwarzer Legestachel.
Jungtiere
Bereits kurz nach dem Schlupf selbe Merkmale wie Adulte, Augen blass braungrün.
Belegfoto
M/W: Sicht auf Abdomen, Hinterkopf.
Verbreitung
Cordulegaster bidentata kommt nur in Europa vor (Endemit). Sie ist vor allem in Mittel- und Südeuropa mit einigen grösseren, aber voneinander isolierten Populationen verbreitet. Das Verbreitungsgebiet reicht westlich bis zu den Pyrenäen, östlich zu den Karpaten und nördlich bis Norddeutschland.
In der Schweiz ist die Art ebenfalls weit verbreitet, in den Alpen jedoch weniger häufig. Die meisten Beobachtungen gelangen auf 400-800 m, die höchste mit Entwicklungsnachweis auf 1880 m.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Anfang Mai bis Ende Juni (Alpen: bis Mitte Juli)
Flugzeit: Mitte Juni bis Anfang August
Lebensraum
Cordulegaster bidentata besiedelt meist quellnahe Bereiche von Fliessgewässern (Quellbäche, Schlenken, Rinnsale, Hangdruckwasser). Die Gewässer befinden sich in Wäldern oder Hangrieden, sie sind wenig tief und haben eine geringe Wasserführung. Der Grund ist schlammig, sandig oder kiesig, oft mit kalkigen Ablagerungen und Flohkrebsen. In tiefen Lagen sind die Larvengewässer oft beschattet, in hohen Lagen voll besonnt.
Lebensweise Imagines
Beim Jungfernflug fliegen die Tiere weg vom Gewässer, die Reifung findet in Waldlichtungen, an besonnten Wegen, in Schneisen oder an Gehölzrändern statt. Oft wechseln sie dabei die Gewässer.
Auch geschlechtsreife Tiere fliegen häufig an andere Gewässer. Männchen patrouillieren entlang der Gewässer oder über der Vegetation auf der Suche nach Weibchen. Bei besonnten Gewässern setzen sie sich zwischendurch auf Halme. Die Partner finden sich am Gewässer, die Paarung findet meist in Bäumen statt.
Die Eiablage erfolgt ohne Männchen an versteckten Stellen. Dabei bohren die Weibchen im Flug mit senkrecht gehaltenem Abdomen die Eier in das Bodensubstrat. Oft hört man ein Eier legendes Weibchen bevor man es sieht.
Der Schlupf findet meist in der Nacht, in der Nähe des Gewässers an Uferpflanzen, im Moos, an Steinen oder weiter entfernt an Baumstämmen statt. Exuvien werden oft an Orten gefunden, wo später keine Imagines fliegen.
Lebensweise Larven
Cordulegaster bidentata überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert 4-6 Jahre. Larven leben im Bodensubstrat eingegraben, wobei meist nur die Augen und die Afteröffnung (zur Atmung) herausschauen. So lauern sie auf Beutetiere, wobei sie eine grosse Vorliebe für Flohkrebse haben. Im Winter graben sie sich in tiefere Lagen ein. In kleinen Bächen können sie gemeinsam mit Cordulegaster boltonii leben.
Larven sind in gewissen Gebieten einfacher nachzuweisen als Imagines. Sie können das ganze Jahr über mit einem Küchensieb aus dem Feinsediment ausgespült werden und sind zumindest im letzten Stadium gut bestimmbar (kräftiger Körperbau, kräftige und stark gezähnte Mandibeln und keine Seitendornen an S8 und S9).
Gefährdung und Schutz
Die Art ist in der Schweiz potenziell gefährdet (NT), da die Bestände regional zurückgegangen sind. Die Bestandesentwicklung ist allerdings schwierig abzuschätzen. Auch in Europa ist sie potenziell gefährdet.
Die Schweiz trägt für den Schutz dieses europäischen Endemiten mit seinem limitierten Verbreitungsgebiet eine beträchtliche Verantwortung. Gefährdungsursachen betreffen Veränderungen der Quellbereiche von Fliessgewässern (Aufstau, Eindolen, Versauerung, Verfüllen mit Forstabfall) sowie übermässiger Viehtritt und Verschilfung in Hangrieden.
Zum Schutz der Art sollen Veränderungen im Quellbereich von Fliessgewässern verhindert oder rückgängig gemacht werden (Reinigung zugeschütteter Quellen, Renaturierung eingedolter/gefasster Quellen und Bäche). Zudem soll die Pflege in Hangrieden angepasst werden (keine intensive Beweidung, regelmässige Pflegemahd).
- Rote Liste: NT - Potenziell gefährdet
- Nationale Priorität: 5 - Regionale Priorität
- NHV: -
Ähnliche Arten
Sehr ähnlich und im Flug kaum sicher zu unterscheiden ist die deutlich häufigere Schwesterart Cordulegaster boltonii. Auf Grund der schwarz-gelben Zeichnung kann sie zudem mit Arten der Familie Gomphidae verwechselt werden. Diese unterscheiden sich aber in der Lebensraumpräferenz, im Verhalten und in der gesamten Erscheinung deutlich von Vertretern der Gattung Cordulegaster.
Cordulegaster boltonii – Zweigestreifte Quelljungfer
Fliegt oft im selben Lebensraum und ist meist häufiger. Zudem kommt sie an grösseren Bächen, Flüssen und Kanälen vor.
M/W: Abdominalsegmente S5-S8 mit je zwei Querstreifen. Nur schwacher schwarzer Balken auf Stirn, Hinterhauptsdreieck gelb.
Gomphidae – Flussjungfern
Kommen eher an grösseren Flüssen oder auch Stillgewässern vor und meiden in der Regel schattige Bereiche. Bedeutend kleiner, scheu und unauffällig. Sitzen am Boden oder auf Warten, aber nie in hängender Position. Ihre Augen sind oft blau und stets deutlich voneinander getrennt (Familienmerkmal).