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Aus drei Richtungen bläst der Wind ein neues Interview von der Westküste Kanadas nach Europa. Warum der Nordwind nich bläst und weiteres über einen eigentümlich blinden Flecken Crafbierland im Gespräch mit Braumeister Brent Mills von der Four Winds Brewing Company.
>> Interview in English is here.
Welches Ihrer Biere hättest du dem Bierjäger Michael Jackson serviert?
Wahrscheinlich dasjenige Bier, welches ich selber am meisten trinke: La Maison. Es ist ein belgisches [Bière du table] Saison mit Roggen, Weizen und Hafer. Wir gären es mit wilder Sac trois-Hefe und Mosaic. Es ist ein einzigartiges Bier, erfrischend und geschmackvoll mit 4,5% ABV, was auch schön ist.
Eines ist mir aufgefallen, als ich deine Ecke von British Columbia bereiste: Es gab viele Biere mit geringem Alkoholgehalt. Was ist der Grund dafür?
Ich glaube nicht, dass wir eine grosse Tradition von Bieren mit geringem Alkoholgehalt haben – oder von Bier generell. Craft Bier ist ziemlich neu in British Columbia.
Ich kann nicht für andere Brauereien sprechen, aber für mich als Verbraucher und Brauer: Ich trinke gerne mehr als nur ein paar Biere. Und wenn die super stark sind, bin ich irgendwann betrunken. Es ist nichts Verwerfliches daran, sich hin und wieder etwas zu beschwippsen, aber nicht jeden Tag. Wir brauen also ein paar Biere mit niedrigem Alkoholgehalt, die regelmässiger konsumiert werden können, ohne dass sie dich gleich in den Abgrund reissen.
In einem Video-Interview auf YouTube hast du erzählt, dass ihr über 50 verschiedene Biere pro Jahr braut. Das Video ist bereits ein paar Jahre alt. Sind es jetzt bis zu 50 pro Monat?
Nee, es sind immer noch circa 50 verschiedene Biere pro Jahr, mit unterschiedlichen Chargengrössen. Wir haben jederzeit etwa 15 verschiedene Biere, die wir in unserem Taproom ausschenken.
Welches Bier bezahlt eure Rechnungen?
Wir sind in dieser Hinsicht ziemlich einzigartig: Die meisten Brauereien haben ein Bier, welches am meisten produziert und konsumiert wird. Das haben wir zwar auch irgendwie mit unserem IPA, also unser Standard-Westcoast-IPA. Das Bier ist aber lediglich 15% von unserer Produktion. Es gibt also eine gleichmässige Verteilung über alle unsere regulären Biere, und dazu kommen noch die limitierten Biere. Wir haben auch Verschiebungen von Jahr zu Jahr: Ein Bier wie La Maison machte früher zwei Prozent unserer Produktion aus und liegt jetzt bei bis zu 10 Prozent. Und das Bier hat Fahrt aufgenommen: Die Menschen wollen mehr davon.
Würdest du dich langweilen, wenn du nur 20 statt 50 Bier brauen könntest?
In der Vergangenheit, wahrscheinlich ja. Aber jetzt, wo wir gewachsen sind, finde ich Ruhe in der Einfachheit. Zwanzig Biere wären ein Segen.
Bei dem Entscheid hast du ein Mitspracherecht.
Ja, das habe ich, aber die Verbraucher sind halt angefixt.
Haben die Kunden mehr Freude an den limitierten oder den regulären Bieren?
An beiden. Es gibt ein Segment der Bier-Community, das sein Bier gefunden hat, es liebt und es die ganze Zeit trinkt. Und dann ist da noch ein Teil der Community, der immer auf der Suche nach etwas Neuem ist. Wenn wir ein neues Bier herausbringen, wollen sie es kaufen. Und wenn eine andere Brauerei ein neues Bier herausbringt, werden sie das kaufen. Ich könnte nicht sagen, wie viel Prozent der Community von dem einen und dem anderen ist, aber es gibt definitiv eine Menge Aufregung, wenn wir ein neues Bier herausbringen.
Was unterscheidet Four Winds von anderen Brauereien?
Das ist eine Frage, die oft gestellt wird und auf die ich nicht wirklich eine Antwort habe. Ich würde nicht sagen, dass es an uns etwas Superspezifisches gibt. Die eine Sache, auf die wir stolz sind, ist, dass wir uns nie mit etwas zufriedengeben. Wenn man versucht ist zu sagen „das ist gut genug“, bedeutet das eigentlich, dass man es verbessern sollte. Bis heute modifizieren wir die Rezepturen der Biere, die wir seit fünf Jahren brauen; durch Verfahren und Zutaten passen wir die Biere kontinuierlich an.
Das kann für den Verbraucher frustrierend sein, wenn er sich mit einem Geschmack angefreundet hat und sich dieser weiterentwickelt. Wir haben aber nie versucht, vom ursprünglichen Geschmack abzuweichen, wir haben nur versucht, diesen zu verbessern.
Wir nehmen auch keine Abkürzungen. Wenn etwas auf eine Weise getan werden muss, doch es gäbe einen Weg, das billiger und schneller zu machen, bei dem aber die Qualität nicht stimmt, werden wir den ganzen Weg gehen, ein bisschen mehr Geld ausgeben oder sogar ein bisschen mehr Stress für uns selbst verursachen.
Glaubst du, das wird ewig so weitergehen oder wird es einige Rezepte geben, die irgendwann für fertig erklärt werden.
Das hoffe ich.
Ich denke gerade an unser IPA, das wir kontinuierlich modifiziert haben. Ich denke, es zeigt sich von seiner besten Seite, aber ich denke immer noch, dass es besser sein könnte. Und wenn man einen Schluck von dem Bier, das wir jetzt produzieren, und dem Bier, das wir vor fünf Jahren produziert haben, nehmen würde, wäre es nicht so anders, aber es würde nach höherer Qualität schmecken.
Also, ich weiss nicht. Ich kann nicht sagen, dass wir uns je auf ein Rezept einigen werden. Selbst wenn wir einen Punkt erreichen, an dem wir denken „Okay, das ist es jetzt. Das schmeckt jetzt genau so, wie wir das immer wollten“. Irgendwann werden wir sagen: „Okay, bringen wir es auf das nächste Level.“
Welches kommt am nächsten daran heran, dass ihr es nicht mehr anpassen wollt, wenn auch nur vorübergehend?
Also, ich möchte nicht sagen, dass alle unsere Biere immer und ständig angepasst werden. Unser Saison ist zum Beispiel eines, das wir seit Beginn fast immer genauso wie heute gebraut haben.
Neben dir arbeiten auch deine Brüder und dein Vater im Geschäft. Wie teilt ihr die Verantwortung untereinander auf?
Meine Rolle ist die des Braumeisters, also bin ich für die Produktion verantwortlich. Mit mir kümmert sich ein Team von 12 Mitarbeitern um die gesamte Bierproduktion. Mein Bruder Adam ist verantwortlich für Vertrieb und Marketing. Er kümmert sich darum, welche Biere wohin gehen und was als nächstes bezüglich unserer Brand passiert. Mein Vater ist der Präsident, also kümmert er sich um die Finanzen. Und dann habe ich noch einen weiteren Bruder, Sean, der Teil des Verpackungsteams ist und eine grosse Rolle in dieser Abteilung spielt.
Wie viele Personen insgesamt?
Wir haben mit uns vier angefangen und sind jetzt 43.
Wie fühlt es sich an, der General einer 43-köpfigen Armee zu sein?
Zum Glück haben wir ein tolles Management, oder um bei der Armeeterminologie zu bleiben, Leutnants, die die Anführer ihrer eigenen Teams sind. Und im Allgemeinen ist jeder Mitarbeiter grossartig.
Ich hätte mir das nie vorgestellt, damals als wir angefangen haben. Und damals war ich definitiv nicht daran interessiert, in dieser Grössenordnung zu operieren. Aber im Laufe der Jahre habe ich es akzeptiert und schätze es. Und finde das Gute und Positive daran, eine grosse Produktion zu haben.
Wann werdet ihr 50 Mitarbeiter erreichen?
Schwer zu sagen, aber wahrscheinlich im Sommer.
Werden es jemals 100 sein?
Ich könnte mir das durchaus vorstellen, ja; wahrscheinlich in ein paar Jahren. Wir haben vor, eine neue Brauerei zu bauen. Das sind immer noch erst Pläne. Aber dann würden wir wohl 100 Leute beschäftigen.
Wie hoch ist euer Produktionsvolumen?
Wir brauen 5.000 Liter pro Tag, sechs Tage die Woche. Aber wir verlängern auf sieben Tagen, was uns auf 35.000 Liter pro Woche bringt. Wir haben 2017 11.000 HL gebraut und wollen 2018 etwa 15.000HL produzieren.
Auf dem Weg zu 43 Mitarbeitenden habt ihr sicher viel gelernt. Was sinddeiner Meinung nach die grössten Herausforderungen, wenn es auf 100 zugeht?
Die richtigen Mitarbeiter zu finden, wird immer ein Kampf sein, aber es ist etwas, womit wir ziemlich viel Glück hatten.
Wenn wir in der Produktion jemanden einstellen, passiert dies in der Regel, indem wir sicherstellen, dass die Person zu unserer Kultur passt und eine gute Arbeitsmoral hat. Wir versuchen herauszufinden, welche Art von Person ein Kandidat ausserhalb der Arbeit ist und ich versuche herauszufinden, ob er so effizient arbeiten kann wie wir. Dann gibt es meist eine Probezeit, bevor wir jemanden fix einstellen, und wenn es für keinen von uns passt, trennen sich unsere Wege. Wir wollen deren und unsere Zeit nicht verschwenden.
Bierfreaks oder Bierkenner sprechen dem Beruf des Bierbrauers einen gewissen romantischen Glanz zu. Wie würdest du ihn beschreiben?
Wenn es um die kommerzielle Produktion geht, ist es nicht super romantisch. Es ist harte Arbeit. Es braucht viel Geduld und Entschlossenheit. Und es frisst viele Stunden.
Deine selbstgebrauten Biere, mit denen du glücklich bist, auf ein kommerzielles Produktionsvolumen zu bringen, ist nicht so einfach. Eine professionelle Brauerei steht unter grossem Druck. Die müssen sicherstellen, dass sie genügend Hefe gezüchtet haben, damit das Bier richtig gärt. Die müssen sicherstellen, dass die Gärung die richtige Temperatur hat. Es gibt viele verschiedene Variablen, welche Brauereien berücksichtigen müssen, oder das Bier wird nicht das Bier sein, das sie wollen. In einer Brauerei gibt es definitiv eine Menge Stress das zu erreichen.
Wie wichtig ist eine formale Ausbildung?
Ich mag eine formale Ausbildung, weil derart ausgebildete Personen ein grosses Verständnis dafür haben, wie Bier hergestellt und verpackt wird. Ich habe eine Ausbildung gemacht und bin dankbar dafür. Aber manchmal haben Menschen mit einer formalen Ausbildung vorgefertigte Vorstellungen, wie etwas gemacht werden soll. In Nordamerika ist jede Brauerei anders. Wenn jemand stur daran festhält, wie die Dinge in einer Brauerei gemacht werden sollten, und das in deiner Brauerei ändern will, wird es nicht funktionieren. Wir haben solche Erfahrungen gemacht.
Derzeit haben wir mehr Erfolg damit, Mitarbeitende selber auszubilden. Sie starten in einer Einstiegsposition, arbeiten hart und intelligent. Und wenn wir sie ausbilden, können sie Brauer werden und sind darin hervorragend.
Du warst früher Koch. Welche Stationen haben dich hierher gebracht?
Während ich in der Küche arbeitete, habe ich einige Jahre lang selbst gebraut, Bücher sowie Online-Medien gelesen und versucht, den Prozess so gut wie möglich zu verstehen. Ich wurde von R&B Brewing als Einsteiger eingestellt, für’s waschen und füllen von Fässern und dergleichen. Nach etwa sechs Monaten besuchte ich eine Brauerausbildung in Chicago am Siebels Institut. Als ich zurückkam, wurde ich bei R&B zum Brauer ausgebildet, wechselte in eine höhere Position und wurde nach etwa einem Jahr Produktionsleiter.
Meine Ausbildung hat mir definitiv die Oberhand über meinen Job und die Fähigkeit zum Produktionsleiter verschafft.
Abgesehen von dem, was du gerade aufgelistet hast, gab es noch etwas anderes, das ausschlaggebend war?
Ich war in der glücklichen Situation, dass ich Four Winds mit meiner Familie gründen konnte. In der Brauerei ist Kylo Hoy unser Hauptbrauer. Ohne Kylo wären wir nicht da, wo wir heute sind. Seine Kreativität und sein Verständnis, wie Bier hergestellt wird, ist unübertroffen.
Er ist einer der fleissigsten Menschen, der mir je begegnet ist. Ich kenne ihn seit der Highschool und er arbeitete früher auch in Küchen und war als Koch weit fortgeschrittener als ich. Er kam etwa drei Monate nach unserem Start und wir arbeiteten Seite an Seite, um verschiedene Biere zu kreieren und zu brauen. Seine Rolle konzentriert sich jetzt vor allem auf die Arbeit im Sudhaus und auf die Bierherstellung; wir machen es immer noch zusammen, aber er ist derjenige mit der Hand am Puls der Zeit.
Wie würden eure Biere schmecken, wenn ihr beide keinen Kochhintergrund hätten?
Schwer zu sagen. Ich denke, sie wären nicht so risikoreich. Wir würden wahrscheinlich an dem festhalten, was bereits einmal gemacht wurde. Heute haben wir grossen Respekt vor den Bieren, die in der Vergangenheit produziert wurden und Tradition haben, aber wir wollen sie auch zu unseren machen.
Der Prozess zur Herstellung eines eurer Biere, Operis, ist kompliziert. Ist das absichtlich so?
Es ist definitiv Absicht. Es wurde von einigen innovativen US-Brauereien inspiriert: Als ich in Chicago war, war einer der Jungs in meiner Klasse so ziemlich die Inspiration für dieses Bier. Er arbeitete in dieser Brauerei, die unterdessen geschlossen wurde, namens The Commons. Sie produzierten ein Bier namens Flamish Kiss. Mein Konzept war es, ein traditionelles belgisches Saison zu brauen, dieses in Weinfässer auszubauen und Bruxellensis brettanomyces hinzuzufügen, um dem Bier diesen grossen, wilden Funk zu verleihen. Wir begannen mit etwa sechs Fässern und haben jetzt einen 4000-Liter-Foeder sowie 30 Fässer. Das Programm wächst schnell.
Aber ich muss Shawn Respekt zollen, denn es war sein Flamish Kiss und dessen Geschmack, den wir anstrebten.
Ihr macht die Ostwind-Serie „Eurus“, die europäische Biersorten umfasst, die West-Serie „Zephyrus“, die hopfige Westcoast-Style Bier umfasst und schliesslich die Süd-Serie „Notus“, die Low-ABV-Biere umfasst. Gibt es auch einen Nordwind?
Nein, gibt es nicht.
Warum nicht?
Alles zu seiner Zeit.
Also gab es bereits Diskussionen über den Nordwind?
Der Nordwind liegt schon eine Weile auf dem Tisch. Aber wir haben nur die aktuelle Kapazität zur Verfügung, und was wir mit dem Nordwind machen wollen, sind starke, fassgelagerte Biere: Old Ales, Barley Wines, Imperial Stouts.
In einem früheren Interview hast du gesagt, dass euer Standort in Delta bequem sei, weil dieser sehr zentral ist. Als wir dorthin gingen, fühlte es sich an, als wäre es mitten im Nirgendwo.
[lacht] Ja, das stimmt ein kleines bisschen. Fraser Valley ist kein Reiseziel von Touristen, aber dort leben etwa 50 Prozent der Bevölkerung von Metropolitan Vancouver. Es dauert 30 Minuten, um entweder in Vancouver oder Fraser Valley zu sein – in dieser Hinsicht ist es eine ziemlich zentrale Lage.
Ihr seid von Ackerland umgeben.
Ja, wir arbeiten in einem Industriegebiet, umgeben von Ackerland und einem Fluss. Also, wenn es um Wohngegenden geht, gibt es diese hier nicht. Die Leute müssen hier hinfahren.
Als wir dort waren, waren viele Radfahrer da.
Das ist etwas, was wir gerne sehen, weil viele von uns auch sehr leidenschaftlich mit dem Rad fahren. Kylo und ich sind grosse Radfahrer.
Habt ihr jemals das umliegende Farmland in euer Bier integriert?
Noch nicht. Um uns herum wird alles Land verpachtet, so dass die Menschen dieses bewirtschaften immer wieder wechseln; es könnte sein, dass in dem einen Jahr die eine Person eine bestimmte Ernte anbaut und im folgenden Jahr eine andere Person etwas ganz anderes tut. Aber wir haben ein paar Bauern, mit denen wir uns regelmässig unterhalten, die unsere Küche mit Lebensmitteln versorgen. Ausserdem haben wir einige Früchte von lokalen Bauern gekauft, aber sie sind nicht in unserer Nähe.
Wenn ich dir zuhöre, wäre das aber etwas, das euch interessieren würde: Vom Bauernhof ins Glas.
Auf jeden Fall. Und mit der neuen Brauerei, wann immer das passiert, ist ein grosses Ziel von uns: das, was wir tun, mit dem Ackerland um uns herum zu kombinieren.
Somit werdet ihr die neue Brauerei in der gleichen Gegend bauen.
Hoffentlich. Es sei denn, wir finden keinen Ort.
Von eurem Standort ist es nur eine kurze Autofahrt zur US-Grenze. Bevor ich diese Gegend von British Columbia besuchte, erwartete ich eine beträchtliche Menge an US-Bieren und war dann überrascht, wie wenig es tatsächlich gab. Das ist keine Beschwerde, denn angesichts der Anzahl der tollen BC-Brauereien gibt es keinen Bedarf an US-Bieren. Aber wenn man bedenkt, wie nah die USA sind, finde ich es dennoch überraschend.
Wir selbst haben einige Verbindungen zu US-Brauereien, aber nicht so enge wie zu Brauereien in Kanada. Wir haben das Gefühl, dass es einfacher ist, an jemanden in Kanada heranzutreten.
Aber du hast Recht: Delta liegt im Grunde an der Grenze zu den USA. Südlich der Grenze liegt die Stadt Bellingham, die, glaube ich, die höchste Brauereidichte pro Kopf der USA hat. Kylo und ich waren letzten November dort und brauten ein Bier mit einer Brauerei namens Wander Brewing. Tolle Leute. Und generell ist das Bier in Bellingham hochwertig.
Aber um darauf zurückzukommen, weswegen es hier nicht zu viele US-Biere gibt: Das ist witzig, denn vor nicht allzu langer Zeit, als wir eröffnet haben, war es für die meisten Restaurants und Bars Standard, hauptsächlich amerikanisches Bier zu servieren. Nicht unbedingt, weil sie das wollten, sondern weil es nicht viele Brauereien in Vancouver oder British Columbia gab. Seit der Eröffnung der örtlichen Brauereien und dem Beginn der Herstellung von gutem Bier ist dieses viel billiger als importiertes Bier aus den USA; es ist etwa 50 Prozent günstiger. Heute sieht man entsprechend nicht mehr viele Restaurants und Bars, die amerikanisches Bier führen, weil die Kosten so hoch sind.
Du hast bereits Andeutungen gemacht: Wie beschreibst du die Bierszene oder -gemeinschaft in British Columbia, einerseits als Brauer aber auch als Konsument?
Ich finde beides äusserst beeindruckend! Als wir anfingen, war die Szene sehr klein und es gab nicht viele Lokale, in denen lokales Bier serviert wurde und es gab nicht viele lokale Bierveranstaltungen. Seit wir, vor ungefähr 10 Jahren, eröffnet haben, sind in Metro Vancouver etwa 50 Brauereien dazu gekommen, was ziemlich verrückt ist. Und in den Gebieten ausserhalb Vancouvers fand das gleiche Wachstum statt: Alle diese kleinen Städte, die im Bezirk verstreut sind, bekamen ihre eigene Brauerei. Die meisten Brauereien sind recht klein, aber der Qualitätsstandard ist dennoch hoch. Das ist toll zu sehen.
Ich denke, dass B.C. als Ganzes das Potenzial hat den grösseren Marktanteil zu haben, als Biere die in Massenproduktion hergestellt werden. Sie sind jedenfalls auf dem richtigen Weg und in ein paar Jahren werden mehr als 50 Prozent des Marktes lokales Bier sein.
Das war etwas, das mich am meisten beeindruckte, wie normal Craft-Bier in B.C. zu sein schien, wie es das allgemeine Bewusstsein durchdringt und über die abgegrenzte Craft-Bierblase hinausgeht.
Das ist tatsächlich ziemlich erstaunlich. Es gibt ein paar Dinge, die die Ursache dafür sind. Eine Sache ist, dass die Menschen in Vancouver lokale Unternehmen unterstützen wollen. Sie wollen dem Produkt, das sie kaufen, ein Gesicht geben. Und sie wollen etwas Einzigartiges ausprobieren. Craft-Bier erfüllt all diese Kriterien. Die andere Sache ist, und das wurde mir gerade erst vor Kurzem bewusst, dass das Massenbier in Kanada nicht gut ist. Es ist nicht so schrecklich wie der Ruf unter den Craft-Biertrinkern, aber es ist nicht so toll, wenn man an andere Massenbiere an anderen Orten der Welt denkt, etwa in Österreich oder Deutschland.
Ich war gerade in Japan und der Craft-Biermarkt dort ist sehr klein. Und ich meine, das liegt auch daran, weil ihre Massenbiere, Kirin und Asahi, ausgezeichnet sind. Wenn die Japaner ein ausgezeichnetes Produkt haben, das ohne Schwierigkeiten erhältlich ist, gibt es weniger Gründe dafür nach etwas anderem zu suchen. Und deshalb haben wir hier in Kanada, glaube ich, das Potenzial zu wachsen und zu wachsen und zu wachsen, denn das Bier, welches diese Massenproduzenten herstellen, ist unterdurchschnittlich.
Entsprechend schliesse ich daraus, dass das Wachstum der Anzahl Brauereien nachhaltig ist?
Wenn du ein qualitatives Bier braust, wirst du erfolgreich sein.
In der Schweiz ist nur Bier einer Brauerei aus British Columbia erhältlich. Kannst du erraten von welcher?
Wenn ich raten muss, vielleicht Steamworks?
Ja. Wie kommt es, dass du die Brauerei erraten konntest?
Ich wusste irgendwie, dass sie nach Europa exportieren. Der Besitzer, Eli Gershkovitch, ist, soweit ich weiss, ein Anwalt für geistiges Eigentum oder so etwas und er arbeitet häufig in Europa – oder er reist viel nach Europa und hat dort Freunde. Ich glaube, er wollte dort ein paar Biere an die Leute verkaufen, die er kennt, und dort für sein Produkt werben.
Warum keine andere Brauerei?
Ich denke, die Konkurrenz ist herausfordernd. Ich weiss, dass es viele Brauereien in B.C. gibt, die in Asien verkaufen. Der Weg ist direkter, schätze ich, weil man es einfach auf ein Boot stellen kann.
Länder wie die Schweiz konsumieren seit Jahrhunderten Bier. Es ist eine grosse Herausforderung, eine neue Brauerei aus Nordamerika einzuführen. Es bedarf einer Investition in die Aufklärung der Verbraucher: Warum sollte jemand dieses neue Bier einer Brauerei vorziehen, die seit 500 Jahren braut – und welche sicher köstlich sind?
Es gibt zwei Orte in Berlin, die unser Bier führen. Und das nicht, weil wir ihnen Bier liefern, sondern weil sie hierher kommen und es kaufen, weil sie ihre Wurzeln in Vancouver haben – was ziemlich cool ist.
Was mich auch überrascht ist, wie unterrepräsentiert Kanada und vor allem B.C. auf europäischen Festivals ist. Es gibt viele tolle Festivals, wobei Mikkellers Beer Celebration in Kopenhagen und Beavertowns Extravaganza in London hervorragen. Gemäss einem flüchtigen Blick auf die Teilnehmerliste ist keine kanadische Brauerei letztes Jahr bei Mikkeller vertreten und in bei Beavertown gab es zwei, wenn ich mich recht erinnere. Wenn man bedenkt, dass es auf diesen Festivals Brauereien aus allen möglichen Nationen gibt, und wenn man die Qualität der B.C. Biere bedenkt, passt das irgendwie nicht zusammen.
Das sind zwei Festivals, die ich definitiv im Auge habe, und ich habe die Leute von Beavertown getroffen. Wir waren im letzten Herbst am Festival in Bellwoods und Beavertown war auch dabei. Diese Typen waren fantastisch. Es war toll, sie kennenzulernen.
Sie können halt nur eine gewisse Anzahl Leute an ihr Festival einladen, aber vielleicht später einmal. Wir werden sehen. Ich meine, wir werden in Europa niemals Bier verkaufen können, naja, vielleicht eines Tages, aber zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht. Es würde aber Spass machen, den Markt auf internationaler Ebene kennenzulernen und ein paar tolle Biere zu trinken.
Du solltest rüberkommen. Ich kann dich den Leuten vorstellen. Auch die Schweiz würde sich freuen, dich zu empfangen. Warst du schon mal hier?
Nein, niemals, aber ich würde gerne die Schweiz besuchen. Vor ein paar Jahren war ich in Deutschland und Tschechien. Kylo und ich waren an der Braukon in Nürnberg. Wir besuchten zunächst München und fuhren dann weiter nach Nürnberg. Wir brachten unsere Fahrräder mit und wollten von Nürnberg nach Prag fahren – wir schafften ungefähr den halben Weg, doch dann fing es an zu schneien, also mussten wir einen Zug nehmen. Es war ziemlich fantastisch; ein schöner Teil der Welt. Das war das erste Mal, dass ich in Europa ausserhalb von Kopenhagen, war.r.
Welche fünf Biere würdest du jemandem empfehlen zu probieren, bevor er oder sie stirbt?
Rodenbach Grand Cru.
Frisches Pilsner Urquell aus den Höhlen der Brauerei.
War das der Höhepunkt der Reise, die du vorhin erwähnt hast?
Oh, ja! Es war eine Offenbarung. Für eine Brauerei, die Bier für die ganze Welt herstellt, der Tradition aber treu bleibt und Bier so produziert, wie sie es seit hundertzwanzig oder wie auch immer viele Jahren getan hat, ist einfach hervorragend.
Nun zu den anderen drei: Ich will mich nicht auf Raritäten beschränken, denn ich will, dass die Leute etwas ausprobieren, das für alle erhältlich ist.
Tilquin Gueuze.
Im Allgemeinen alles von Jester King.
Und das Karottenlambic von Mikkeller.