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Israel gedenkt der Ermordung Jitzchak Rabins vor 25 Jahren
Jitzchak Rabin war am 4. November 1995 (nach jüdischem Kalender am 11. Cheschwan 5756) in Tel Aviv ermordet worden. Dieses Jahr fiel der 11. Cheschwan auf den 29. Oktober. In Israel werden Gedenkveranstaltungen und Feiertage stets nach dem Datum des hebräischen Kalenders abgehalten.
Jitzchak Rabin (73), damals Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger, hatte an jenem Abend an einer grossen Friedenskundgebung auf dem Platz der Könige Israels vor dem Rathaus in Tel Aviv teilgenommen und eine bewegende Rede gehalten. Der Platz trägt heute seinen Namen (auf Hebräisch Kikkar Rabin).
Die Veranstaltung stand unter dem Motto «Ja zum Frieden, Nein zur Gewalt». Die Kundgebung wurde abgehalten, um die Osloer Abkommen und den Friedensprozess zwischen der israelischen Regierung und PLO-Chef Yasser Arafat zu feiern, der von US-Präsident Bill Clinton vermittelt worden war.
Jigal Amir, ein damals 25-jähriger israelischer Jurastudent rechtsextremer, religiös-fanatischer Überzeugung, passte den Moment ab, als der Premierminister die Bühne verliess und zu seinem Auto geleitet wurde, und schoss auf ihn. Er wollte Rabins Tod, weil dieser den Frieden mit den Palästinensern anstrebte und dafür zu Kompromissen bereit war.
Rabin starb noch am selben Abend im Ichilov-Hospital in Tel Aviv. Er wurde auf dem Nationalfriedhof auf dem Herzlberg bestattet. Fünf Jahre später wurde auch seine Gattin Leah an derselben Stelle zur Ruhe gelegt. (Bild 2)
Gedenkfeiern zum 25. Todestag
Gedenkfeiern fanden am 25. Todestag in der Residenz des Präsidenten, in der Knesdset und am Grab Rabins in Jerualem sowie auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv statt.
Gedenkzeremonie in der Residenz des Präsidenten
In der Beit HaNassi, der Residenz des Präsidenten, fand die Ner Yitzhak memorial ceremony in Anwesenheit von Mitgliedern der Familie Rabin, des alternierenden Ministerpräsidenten und Verteidigungsministers Benny Gantz, des stellvertretenden Präsidenten des Obersten Gerichtshofs Chanan Melcer und des Vertreters des Ministers für Kultur und Sport Hili Tropper statt.
Er hätte sich gewünscht, dass die Feier zum 25. Jahrestag anders verlaufen wäre, sagte Gastgeber Rivlin, doch leider habe die Coronavirus-Pandemie solche Pläne behindert. So fand die Zeremonie auf einer Aussenterrasse mit minimaler Anwesenheit statt, während sie in den vergangenen Jahren viele von Rabins Familie, Anhängern und Freunden drinnen zusammengeführt hatte.
Zum ersten Mal reiste Rachel Jaakov, Rabins 95-jährige Schwester, nicht vom Kibbuz Manara nahe der libanesischen Grenze nach Jerusalem, um mit dem Rest der Familie an den Gedenkfeiern teilzunehmen. Ebenso fehlten die vielen Kinder aus Schulen, die nach Jitzchak Rabin benannt sind, mit Ausnahme von vier Jugendlichen, die zusammen mit Rivlin die Gedenkkerzen anzündeten.
«Ner Yitzhak, die Veranstaltung zur Eröffnung der offiziellen Gedenkveranstaltungen zur Ermordung von Premierminister Yitzhak Rabin ist ein Denkmal für die Zukunft, für die Generation, die Yitzhak nicht kannte», sagte Präsident Rivlin zu Beginn seiner Ausführungen. (Bild 3)
«Ich hoffe, ich wünsche mir jedes Jahr vor dieser Veranstaltung, dass wir uns einmal auf Jitzchaks bürgerliches Erbe konzentrieren können. Dieses Jahr habe ich beschlossen, dass ich, wie auch immer, darüber sprechen werde. Aber bevor ich dazu komme und wie jedes Jahr, wundere ich mich heute über die Seele dieses Landes, die Jitzchak so sehr geliebt hat. Über die Seele seines Volkes, die Seele der israelischen Demokratie, die robust ist, die wir aber nicht für selbstverständlich halten können. Jedes Jahr zünde ich Ner Yitzhak an und spüre, wie sehr der Boden draussen brennt. In diesem Jahr versammeln wir uns heute mehr denn je hier und ich befürchte, dass die Flammen in uns eine Gefahr für unser Zuhause darstellen, für alles. Der verabscheuungswürdige Mörder des Premierministers glaubte, er habe die Legitimität, auf seine Weise zu zerstören und die Existenz tiefer und schwerer politischer Meinungsverschiedenheiten in die Tat umzusetzen. Ich war in diesem politischen Streit auf der anderen Seite von Jitzchak Rabin. Es gab viele wie mich. Und die meisten von uns, die davon überzeugt waren, dass unser Weg richtig war, glaubten keinen Moment, stellten sich keinen Moment das schreckliche Szenario vor, zu dem die ideologische Debatte führen würde. (…)»
Weiter : Vollständige Rede, deutsche Übersetzung
Reuven Rivlin richtete zum letzten Mal in seiner Amtszeit eine Gedenkfeier für Rabin aus. Im Juli 2021 wird die siebenjährige Amtszeit des 10. Staatspräsidenten zu Ende gehen.
Plenarsitzung der Knesset
Die Knesset, das israelische Parlament, versammelte sich am Donnerstag zu einer Gedenkveranstaltung zum 25. Todestag Rabins, an der Präsident Reuven Rivlin, die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs Esther Hajut und Mitglieder der Rabin-Familie teilnahmen.
Parlamentspräsident («speaker») Jariv Levin (Bild 4) sagte: «Jitzchak Rabin war ein Kämpfer und ein Führer, der sein Leben der Sicherheit Israels, dem Staat Israel, widmete. Als Kämpfer und Befehlshaber beteiligte er sich an der Kampagne für die Gründung des Staates und später an der Kampagne zur Erhaltung seiner Existenz und zum Aufbau seiner schützenden Macht.
Als Stabschef im Sechs-Tage-Krieg führte er die IDF zu einer Kampagne, die das Gesicht des Landes und das Gesicht der Geschichte veränderte. Er führte die IDF zur Verwirklichung eines 2‘000 Jahre alten Traums – der Befreiung und Vereinigung Jerusalems. (…)»
Weiter: Knesset (englisch)
Netanjahu verglich 1995 mit 2020
Bei der Gedenkveranstaltung in der Knesset sprach auch Ministerpräsident Netanjahu. Er sorgte für Entrüstung der Opposition als er die Protestbewegung gegen sich selbst mit der damaligen Stimmung der Hetze vor dem Mord an Rabin 1995 verglich und sagte: «25 Jahre nach dem Mord an Rabin dauert das Aufhetzen zum Mord am Ministerpräsidenten und seiner Familie an und niemand sagt ein Wort».
Prime Minister Netanyahu: «25 years after Rabin's murder, there is explicit incitement to assassinate the prime minister and his family and almost nobody says anything»
(Knesset, 29.10.2020, englisch)
Dem Mord an Rabin war damals rechtsextreme Hetze gegen den Regierungschef vorangegangen. Netanjahu sei immer wieder vorgeworfen worden, damals zu dem politischen Klima beigetragen zu haben, in dem der Mord möglich wurde, ruft die Plattform Nau.ch in Erinnerung.
Kranzniederlegung an Rabins Grab
Auf dem Nationalfriedhof auf dem Herzlberg in Jerusalem legte Staatspräsident Reuven «Ruvi» Rivlin einen Kranz am Grab Rabins nieder (Bild 5).
Er sagte bei dieser Gedenkfeier: «Dies ist das 25. Jahr, in dem wir den Gedenktag für Jitzchak Rabin abhalten. Auch in diesem Jahr feiern wir den Tag der Erinnerung – trotz des Ausnahmezustands, in dem wir uns befinden, trotz der Einschränkungen, die uns das Coronavirus auferlegt. Trotzdem haben wir uns entschlossen, diesen wichtigen Tag zu markieren, da diese Gedenkzeremonien Glieder in der Kette sind, die uns an unser Volk bindet, die uns mit uns selbst, unserer Geschichte und unseren Wurzeln verbindet. Dies sind die Zeitpunkte, die uns Jahr für Jahr zusammenbringen, um zu trauern, zu reden und Bilanz zu ziehen. (…)»
Weiter : Vollständige Rede, deutsche Übersetzung
Israelis zünden 25.000 Kerzen zum Gedenken an
Am Abend versammelten sich auf dem Rabin-Platz im Zentrum Tel Avivs viele Menschen, um des 25 Jahrestages der Ermordung von Premierminister Jitzchak Rabin zu gedenken und ihn zu ehren. Sie zündeten 25‘000 Kerzen an. (Bilder 6 und 7)
Auf Tel Aviver Strassen fanden am Donnerstagabend jedoch auch mehrere Protestmärsche gegen den rechtskonservativen Regierungschef Benjamin Netanjahu statt. Hintergrund monatelanger Proteste sind Korruptionsvorwürfe gegen Netanjahu, dessen Prozess im Mai begonnen hatte.
Jitzchak Rabin: Soldat, Politiker und Friedensnobelpreisträger
Jitzchak Rabin, am 1. März 1922 in Jerusalem geboren, wurde 1941 für den Palmach rekrutiert, eine Eliteeinheit der Hagana, eine der damaligen zionistischen Untergrundorganisationen, die nach 1948 in die israelischen Streitkräfte (Zahal) überging. 1945 wurde er stellvertretender Befehlshaber der Palmach-Einheiten, die gegen die britischen Mandatstruppen kämpften. Hier war er etwa bei der Befreiung von Holocaust-Überlebenden beteiligt, die von den Briten in Lagern unter anderem auf Zypern interniert wurden.
Während des israelischen Unabhängigkeitskriegs befehligte Rabin 1948 bei den Kämpfen um Jerusalem die Harel Brigade[2] und kämpfte im Negev als Stellvertreter Jigal Allons, der Chef des südlichen Frontabschnittes war, gegen die Ägypter. Im Jahre 1949 handelte er als Delegierter der israelischen Waffenstillstandsdelegation auf Rhodos das Waffenstillstandsabkommen von 1949 mit Ägypten mit aus.
Von 1953 bis 1956 übernahm Rabin, inzwischen Generalmajor, die Leitung der Ausbildung der israelischen Armee. Seine erste Aufgabe auf dem neuen Posten bestand darin, eine Generalstabsakademie für die israelische Armee aufzubauen; danach wurde er Befehlshaber der Truppen an der syrischen Grenze Israels (Bild 8). Am 24. Januar 1961 wurde er zum stellvertretenden Generalstabschef und am 1. Januar 1964 als Nachfolger von Zvi Zur zum Generalstabschef (hebräisch רמטכ"ל, sprich: Ramatkal) von Zahal, der israelischen Armee ernannt. Unter seinem Kommando errang die Zahal einen umfassenden Sieg über Ägypten, Syrien und Jordanien im Sechstagekrieg. Nachdem die Altstadt von Jerusalem von Zahal erobert worden war, war Rabin einer der ersten, die die Altstadt besuchten. Ein weltweit berühmt gewordenes Bild zeigt ihn zusammen mit dem damaligen Verteidigungsminister Mosche Dajan und dem IDF-General Uzi Narkis beim Durchschreiten des Löwentors. (Bild 9)
Politiker
Im Dezember 1967 gab Rabin seinen Posten als Generalstabschef ab und widmete sich der Diplomatie und Politik. Er wurde im Februar 1968 als Botschafter in die Vereinigten Staaten entsandt und vertrat dort bis 1973 die Interessen Israels.
1973 wurde Rabin als Mitglied der Arbeitspartei in das israelische Parlament gewählt diente als Arbeitsminister unter Golda Meïr. Am 3. Juni 1974 löste er sie an der Spitze der Regierung ab. Menachem Begin löste ihn 1977 nach den Wahlen vom 17. Mai ab.
Als Schimon Peres 1984 die Leitung der Regierung übernahm, kam Rabin als Verteidigungsminister in dessen Kabinett. Auch nachdem 1986 Peres wieder durch Schamir abgelöst wurde, blieb Rabin bis 1990 Verteidigungsminister.
1992 wurde Rabin erneut Ministerpräsident Israels. Seinen Vorgänger Peres machte er zum Aussenminister; er selbst behielt das Verteidigungsministerium.
Friedensnobelpreisträger
Rabin war einer der Architekten des Friedensprozesses im Nahen Osten. 1994 erhielt er gemeinsam mit seinem damaligen Aussenminister Schimon Peres und dem damaligen Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, den Friedensnobelpreis.
(Wikipedia)
Understanding the true legacy of Yitzhak Rabin – opinion
Yitzhak Rabin insisted on defensible borders. He never entertained a return to the 1967 borders nor any territorial swaps
(The Jerusalem Post, 29.10.2020, englisch)
Remembering Israeli PM Yitzhak Rabin
Video, Israel, 29. 10. 2020, 4:26 Min., englisch
Heute vor 25 Jahren erlebte Israel mit der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak Rabin einen seiner schrecklichsten Momente.
Wir erinnern uns an das unerschütterliche Engagement von Premierminister Rabin für die Sicherheit Israels und seine Bereitschaft, allen Widrigkeiten zum Trotz Frieden zu schliessen. Möge sein Andenken ein Segen sein.
(RK)