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Das Dufour-Schulhaus / L' école Dufour 1885
Hermann Aegler (1874-1944)
Gründer und Direktor der «Aegler S. A., Uhrenfabrik Rolex»,
Schüler am Progymnasium Biel von 1885 bis 1890
Die Eltern
Jean und Anna Maria Aegler legen 1878 den Grundstein zu Rolex
Hermanns Eltern waren der in Krattigen geborene Uhrmacher Jean (Johannes) Aegler (25. 1. 1850-1.8.1891) und die Etablisseuse und Wirtin Anna Maria Ramser (24. 11. 1852-8. 12. 1925). Das Paar heiratete am 26. 7. 1873 in La Neuveville, zog im gleichen Jahr nach Biel und hatte 9 Kinder, die alle in Biel geboren wurden[40] :
Die Familie Aegler wohnte im Rot-Quartier in der Bieler Altstadt an der Burggasse 81 (*18), am Obergässli 23 (*9), und an der Obergasse 44 (*23), bevor sie ein
Zuhause am Rebberg finden sollten. [40/41]
*Neunummerierung ab 1890
Die Uhrenstadt Biel
Als sich Jean und Maria Aegler in Biel ansiedelten, galt die Stadt bereits als Hauptsitz der Berner Uhrenindustrie. Einige Jahre zuvor hatte der Stadtrat durch eine Initiative des politischen Flüchtlings Ernst Schüler beschlossen, ab dem 1. Januar 1849 alle Uhrmacher, die sich in Biel niederlassen, für drei Jahre nach der Wahl des Wohnsitzes vom Niederlassungsrecht und von allen Abgaben befreit werden sollten. Die erwartete Wirkung liess nicht lange auf sich warten. Ein mildes Klima gegenüber dem rauen Klima vom Juragebirge und die angenehme Lage in der Nähe des Sees förderten dieses Vorhaben. Ein weiterer Vorteil war, dass sich Biel durch die Eisenbahn mit allen Plätzen der Uhrenfabrikation verband. Zuerst wurde die Strecke Herzogenbuchsee-Biel 1857 eröffnet, dann folgten Biel-Neuenstadt 1860, Biel-Bern 1864 und die Jurabahn 1874.
«Keine Schweizer Manufaktur stellt eine Uhr komplett selbst her.»
Hermann Aegler [33]
Von 7 Uhrenarbeitern stieg die Zahl inert 20 Jahren auf mehr als 2000. Es begann mit 7 Uhrenarbeitern, die verschiedenen Teilen der Uhr herstellten, darunter ein Uhrenfabrikant, ein Steinsetzer, ein Zylindersetzer und ein Ankersetzer. Zur Ergänzung der Uhrenfabrikation entstanden viele mechanische Werkstätten: 20 Gehäusefabriken, 20 grosse Ateliers für Gravuren und Guillochage, eine renommierte Spiralfabrik, 2 Ateliers für Uhrensteine und 12 Zifferblattfabrikanten. Diese industrielle Entwickelung wurde mit der 1873 eröffneten Uhrmacherschule vervollständigt. In diesem Jahr befanden sich in Biel und Umgebung 75 Fabrikanten und 1500 Arbeiter. Der Uhrenfabrikant unterschied sich in zwei Klassen: a) «manufactures», wenn er die Rohwerke und die Bestandteile selber herstellte, oder b) «fabricants-établisseurs», wenn sie die Rohwerke und die Fournituren bei den Spezialfabriken einkaufen. Die Firma Aegler gehörte zur Klasse A. Zu den Uhrenfabrikanten zählten noch die Termineurs, die entweder allein oder mit wenig Personal Uhrwerke für Dritte zusammensetzen. Der Termineur bekam das Rohwerk und die passenden Bestandteile von einem Auftraggeber und fertigte dann die komplette Uhr an.
Bis in die 1870er Jahre wurden Rohwerke in Biel und Umgebung noch nicht fabriziert. Dies änderte sich erst mit dem Pioniergeist der Aeglers, die in ihrer 1878
gegründeten Firma Uhrenbestandteile herstellte. Die bernerische Gewerbestatistik von November 1889 erwähnt: «Ein einziger Bieler Betrieb produziert Uhrenbestandteile. Darin arbeiten 2
Produktionsleiter und 53 Angestellte, davon 7 Männer und 46 Frauen. In total 55 Personen.» Seit 1881 fand jeweils Dienstag auf dem «Bielerhof» gegenüber dem Bahnhof ein Uhrenmarkt statt, auf dem
sich Uhrmacher und Fabrikanten trafen. Sie kamen nicht nur vom Jurabogen, sondern auch von Deutschland, Österreich und England. Diese Börse wurde eingeführt, um den allgemeinen Interessen der
schweizerischen Uhrenindustrie eine Plattform zu bieten und entwickelte sich zu einer wichtigen Bieler Institution. Inserate vom Bulletin Financier International, einer Beilage der Revue
International von 1887, zeigten, das Jean Aegler (Spécialité de montres à remontoir perfectionnées) am Uhrenmarkt regelmässig teilnahm.
Das Haus am Rebberg
Der Weinbau vom Rebberggebiet war eine wichtige Einnahmequelle der Stadt Biel, bis mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Neuenstadt-Biel der Weinhandel zurückging. Die Weinbauern von Neuenstadt, Twann und Ligerz, die den qualitativ besseren Wein hatten, konnten nun ihre Produkte per Zug exportieren. 1844 verzeichnete Biel noch 3500 ha Rebfläche, 1874 waren es nur noch 1579 ha.[26] Im Rebberg standen damals kaum Häuser und niemand dachte daran, dass sich oberhalb Biels die Uhrenindustrie ansiedeln würde. Das markanteste Haus war das von Uhrenzeigerfabrikanten Gottlieb Pflieger-Schmid (1832-1898), der 1872 auf dem sogenannten «Steglirebe» am Magglingenweg ein Wohnhaus mit einem Atelier baute.[5] Es stand genau vor dem Findling Zwölfistein (12 Uhr Stein), der von Astrologen besonders geschätzt wurde . Am 8. Juli 1876 erschien im Tagblatt der Stadt Biel folgendes Inserat: «Zu vermieten: Auf 1. August das untere Stockwerk des Pflieger’schen Hauses im Rebberg. Auf nächsten November könnten die gegenwärtig noch von der Uhrmacherschule Biel benützten Ateliers teilweise oder ganz dazu gegeben werden.» Als Pflieger 1881 seine Liegenschaft versteigerte, beschrieb die Presse diese wie folgt: «Eine in schöner Lage im Rebberg zu Biel befindliche Besitzung, bestehend aus:
a) einem grossen, steinernen, zweistöckigen Wohnhaus und besteingerichteten Uhrmacheratelier;
b) einem dabeistehenden Waschhaus;
c) dem Sitz, Hof, Garten und Rebe von 12,46 Aren.
Durch die prachtvolle Lage und den komfortablen Bau dieser Besitzung eignet sich dieselbe zur Einrichtung jeden Gewerbes.»[7]
Ein verlockendes Angebot, dachte Johann Jakob Schmid und kaufte die Liegenschaft, auf welche auch Jean Aegler und Anna Maria Ramser aufmerksamen wurden, die 1878 die
Einzelfirma «Jean Aegler» gegründet hatten. Ab 1881 mieteten sie einige Räumlichkeiten, die den Kern des zukünftigen Rolex I Werkes bildete. Sie dienten gleichzeitig als Wohnung, Uhrenatelier und
ab Silvester 1885 als Wirtschaft «Zur Fernsicht». Damit riefen sie die später weltweit bekannte «Rolex Manufacture Montres Aegler S. A.» ins Leben. 1883 erfolgte der Eintrag ins Handelsregister
unter dem Firmennamen «J. Aegler». Das Unternehmen, das aus etwa 6 Mitarbeitern bestand, war einer der ersten Telefonabonnenten Biels, 1884 eingetragen als Aegler, J, Uhrenmacher, Rebberg
3.
Inserat von 1885 zur Eröffnung vom Wirtshaus zur Fernsicht.
Fertigungsprotokoll von Biel vom 17. April 1886.
Das Fertigungsprotokoll von Biel vom 17. April 1886 erwähnte, dass Jean Aegler von Johann Jakob Schmid das Wohnhaus mit Waschhaus, Hof, Garten und Rebe im Rebberg (vormals Magglingenweg) Nr. 3 und 3a kaufte. Diese Adresse erhielt später die Bezeichnung Höheweg 82 und 82a.[18] Inzwischen florierte das Geschäft, sodass Jean Aegler regelmässig Mitarbeiter suchte «nur zugelassen mit einem guten Zeugnis»: Polisseues für Silberschalen, einige Remonteurs auf kleine Stücke und mehrere Pivoteurs.
Spezialist für Damenuhren
Harry Borer, langjähriger Patron von Rolex Biel, im Neuen Bieler Jahrbuch 1979: «In Vorausahnung der zukünftigen Entwicklung in der Uhrenmode spezialisierte sich Jean Aegler auf die Herstellung kleiner Damenuhren. Zur damaligen Zeit trugen die Damen ihre Uhren an einem Kettchen oder einem Band um den Hals.»[1] Anna Maria Ramser stand dem Polissageatelier vor.
Kampf gegen die Überproduktion
In den 1880er Jahren war die Industriestadt Biel von einer Uhrenkrise gezeichnet. Um dem Problem Abhilfe zu schaffen, bildete Jean Aegler zusammen mit den Fabrikanten Henri Thalmann, Louis Müller, Fritz Huguenin und L. Girardin-Bourgeois ein Initiativkomitee. Das Ziel war eine Vereinigung der Arbeitgeber anzustreben, welche die Konkurrenz beseitigte, welche auf Kosten der Qualität der Ware den Arbeitslohn herabdrücken. Auch wollte man der Überproduktion entgegenwirken, durch die unverkäufliche Lager entstanden waren, was ein unverhältnismässiges Herabdrücken der Preise mit sich brachte.
Weltausstellung von Paris
Am der Weltausstellung von 1889 vertrat Uhrenfabrikant Jean Aegler mit der Nummer 157 die Schweizer Uhrenindustrie. Gezeigt wurden «Montres remontoires pour dames, mise à l’heure, au pendant, ou par une poussette, caliber spécial breveté. Patente suisse.»
1890 bis 1891 Präsident der «Fraternité de Bienne et environs»
In Biel wurde 1879 die Lebensversicherung «Fraternité de Bienne et environs» gegründet. Die Eintrittsgebühren wurden 1882 wie folgt festgelegt: von 18 bis 25 Jahren Fr. 2.-; von 25 bis 30 Jahren Fr. 5.-; von 30 bis 35 Jahren Fr. 7.-; von 35 bis 40 Jahren Fr. 10.-; von 40 bis 45 Jahren Fr. 15.-; von 45 bis 50 Jahren Fr. 20.-. Um die Bevölkerung für das Projekt zu gewinnen, fungierten die Mitglieder der Auskunftskommission als Quartierchefs. Diese stammten zum grossen Teil aus Zweigen der Uhrenindustrie. Jean Aegler übernahm anfangs das grüne Quartier (Rebberg), da vor 1890 die offizielle Quartiereinteilung der Stadt Biel in verschiedenen Farben erfolgte. 1890 wurde er Präsident der Gesellschaft. In diesem Jahr hob die Stadt Biel das System der farbigen Quartiereinteilung auf und es erfolgte eine Neunummerierung. Die Adresse von Jean Aeglers Wohnhaus und Wirtschaft lautete zuerst Rebberg 3 und nun Rebberg 9. Von 1879 bis 1883 hatte die «Fraternité» bereits 36,000 Franken an die Erben ihrer verstorbenen Mitglieder ausgezahlt. Als Präsident Jean Aegler 1891 starb, zählte die Gesellschaft mehr als 1600 Mitglieder
Leidenschaftlicher Bienenzüchter
Im Seeland war das Interesse der Bienenzucht derart angewachsen, dass die Imker sich zu einem Verband einigen konnten, um gemeinsam die Hebung der einheimischen Bienenzucht anzustreben. Jean Aegler unterstützte als Kassierer den «Verein Bernischer Bienenfreunde», der in seinem Haus die Versammlungen abhielt. Als Wirt vom Café Fernsicht amtete er auch als Vizepräsident im Bieler Wirteverein, der um die 65 Mitglieder verzeichnete. Nebenbei erzielte er als begeisterter Schütze auf Wettbewerben beindruckende Resultate. Er starb am 1. August 1891 im Alter von 41 ½ Jahren. Hermann Aegler vermachte 1921 aus dem Nachlass seines Vaters der Schützengesellschaft der Stadt Biel 22 wertvolle Schützenmedaillen.
Der Zwölfistein (Pierre de minuit/12 o'clock stone) - eine Kuriosität der Astronomie
Der Zwölfistein aus Montblanc-Granit befindet sich beim Höheweg 82a an der Nordseite der ehemaligen Uhrenfabrik Aegler. Der erratische Block liegt in einer Höhe von
480 Meter. Er ist 8,6 Meter lang, 4 Meter breit und 3 Meter hoch.[31] Eine Legende erzählt, der Teufel
wende ihn in jeder Quatembernacht, mit der ein Vierteljahr beginnt, beim Zwölfuhrschlag. Als ihm 1890 die Gefahr der Verwendung für Bauzwecke drohte, erwarb ihn am 13. 2. 1891 die Sektion Biel
des SAC mit Unterstützung der «Naturforschenden Gesellschaft Bern», versah ihn mit einer Inschrift und liess ihn ins Eigentum der Stadt Biel überführen. Es bestand damals die Absicht, vor dem
Stein, er lag noch mitten im Rebgelände, einen kleinen öffentlichen Platz mit einem Alpenzeiger zu schaffen, statt dessen wurde dann ein Fabrikgebäude erstellt.[15] Am 13. Januar 1948 wurde der Findling unter Naturschutz gestellt.[5] Der Forscher Hubert Matile vermutete seit Jahren, einige
Findlinge im Seeland seien astronomisch bedeutsam. Auf seine Veranlassung wurden im Sommer 1950 Messungen am «Zwölfistein» ausgeführt.[27] Hubert Matilde:
«Der Block weist bearbeitete Kanten auf; dieselbe zeigen genau nach Ost und West (Tag-und-Nacht-Gleiche) und nach den Orten der Sommer- und Wintersolstitien am Horizont, also nach den Auf- und
Untergängen am 21. Juni und 22. Dezember. Man hat es hier mit dem keltischen Sonnenmysterium zu tun.» [16]
Witwe Jean Aegler, Biels erste Uhrenfabrikantin
Anna Maria führte das Geschäft als Wirtin und Etablisseuse am 16. November 1891 unter dem Namen «Witwe Jean Aegler» fort. Unter ihrer Leitung waren mehrere Markennamen und Patente im Handelsregister vermerkt.
Nach dem frühen Tod von Ehemann Jean betreute sie 7 Kinder und lernte einen neuen Mann kennen und lieben. Am 27. 7. 1894 kam Ernst Wilhelm zur Welt.[43]
Der grosse Brand
Am 16. März 1897 weckte am 5 Uhr morgens Feueralarm die noch schlafende Bieler Bevölkerung. Das Läuten mit drei Glocken und Trommelschlag kündigte an, dass es im Stadtbezirk brannte. Im Rebberg ging das Haus zur Fernsicht der Witwe Aegler, in Flammen auf. Bald war der ganze Dachstuhl in Flammen, die sich wegen den grossen Holzvorräten rasend schnell ausbreiteten. Bei der hohen Lage des Hauses gestalteten sich die Löscharbeiten als schwierig. Lange Schlauchleitungen mussten gemacht und diejenige von der Quellgasse aus unter den Schienen durchgeführt werden; zudem hatten die Hydranten nicht genügend Druck. Das untere Stockwerk konnte zwar gerettet werden, der Dachstuhl und die Ateliers waren jedoch komplett abgebrannt. Glücklicherweise gelang es beinahe das gesamte Werkzeug und das Mobiliar in Sicherheit bringen. Feuer- und Wasserschaden waren gross und eine Anzahl Arbeiter verloren für längere Zeit ihre Arbeitsstelle.[3] Am April 1897 erhielt Witwe Aegler die Bewilligung für den Wiederaufbau ihres Wohn- und Wirtschaftsgebäudes.[14] Es erhielt 1911 einen Anbau und 1939 einen Dachausbau.
Markenzeichen «Rebberg»
1902 liess sie sich ein Taschenuhrgehäuse patentieren. 1903 liess sie den Namen «Rebberg» als Markenzeichen ins Handelsregister eintragen.
Neues Wohnhaus und Wiedereröffnung vom «Café Fernsicht»
Als weiteres Gebäude diente ab 1904 das von Corti frères für Witwe Ageler-Ramser und ihre beiden Söhne Hermann und Hans am Höheweg 81 erbaute Wohnhaus mit Uhrenladen, indem Anna Maria 1905 das «Café zur Fernsicht» (Bellevue) eröffnete. Das gepflegte, auf einer Stützmauer am Steilhang gelegene Haus mit Garten zeichnete sich durch eine prächtige Aussichtslage aus.[2] 1906 trat sie die Wirtschaft an die Haushälterin und Witwe Ida Estelle Ramseyer ab und das Uhrengeschäft übernahmen die Söhne Hermann und Hans Otto. Am 20. September 1909 verkaufte sie Haus und Restaurant. Anna Maria kümmerte sich in den letzten Jahren diskret wohltätigen Zwecken. Als sie in Zürich bei einer ihrer Töchter zu Besuch war, starb Biels erste Uhrenfabrikantin 1925 im Alter von 74 Jahren.
Hermann Aegler
Bieler Progymnasialschüler und Initiant von Klassenzusammenkünften
Hermann Aegler wurde am 24. 5. 1874 in Biel geboren. Von 1885 bis 1890 besuchte er das Progymnasium. In dieser Zeit hatte die Schule mit grossen Platzproblemen zu
kämpfen. Kurz vor seinem Austritt erlebte er noch den Umzug ins geräumige, renovierte Gebäude Dufour-West. Vom Aquarellist Robert Lanz (1864-1931) erhielt er Unterricht im Freihandzeichnen nach
plastischen Ornamenten nach der Natur unter Anwendung von Flachornamenten höherer Art. Sein Turnunterricht war geprägt von der Soldatenschule mit schwierigen Kombinationen in Frei- und
Stabübungen. Weitere Fächer waren Deutsch, Französisch, Englisch, Religion, Latein, Griechisch, Naturkunde, Geschichte, Mathematik und Singen. Direktor war der als streng geltende Jakob
Wyss.
Zu seinen Klassenkameraden zählten u. a. der bekannte Kupferstecher und Landestopograf Hermann Jungen aus Frutigen, der Bieler Buchhändler Ernst Kuhn (1874-1969), Kanzlist Hans Leuenberger, der Bieler Postdienstchef Emil Scheidegger, Gymnasiallehrer Emil Schmid, Prokurist Eugen Uhlmann, Buchhalter Herman Voirol und Arnold Zimmerli, Lehrer der Primarschule Biel und Bibliothekar der Stadtbibliothek Biel. Auch noch viele Jahre später hielt Aegler den Kontakt zu seinen Schulfreunden aufrecht. Entweder an den von ihm ins Leben gerufenen Klassenzusammenkünften oder er führte sie voll stolz durch seine Fabrikräume, um ihnen einen Begriff vom Werdegang der Präzisionsmarke Rolex zu verschaffen.[8] Nach seinem Aufenthalt im Progymnasium machte Hermann Aegler eine Lehre in einer Uhrenfabrik in La Côte-aux-Fées. Möglicherweise könnte es die 1874 gegründete Firma von Georges Piaget gewesen sein, welche Uhrwerkbestandteile in Heimarbeit herstellte. Nach dem Tod seines Vaters 1891 musste er sich unter der Mithilfe von Hans Otto um die Erziehung der jüngeren Geschwister kümmern. 1892 bildet er sich im «Kaufmännischen Verein» von Biel durch Kurse weiter. Später erlernte er in einer Uhrenfabrik in St. Immer die Fabrikation von Ankeruhren.
Produktion von eigenen Rohwerken
Harry Borer: «In den Jahren 1890 bis 1895 begann die Uhrenfabrik Aegler ihre Rohwerkteile (Ebauches) in ihren Werkstätten im ‹Rebberg› selber herzustellen und wurde
so zur sogenannten Uhrenmanufaktur. In diesen Jahren erwarb sich die junge Fabrik einen sehr guten Ruf als hoch spezialisierte Herstellerin kleiner Ankeruhren mit vorzüglichen
Eigenschaften.»[1] Aeglers Uhren finden unter der Namensbezeichnung «Rebberg» Absatz in Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Skandinavien,
Russland, Griechenland, Türkei und in Übersee. Anna Marie Aegler führte mittlerweile mit der Hilfe ihres ältesten Sohnes Hermann die Fabrikation weiter. 1902 erteilte die Firma «Witwe Aegler»
Prokura an Hermann. Später trat auch der jüngere Bruder Hans Otto, der ebenfalls im Progymnasium in Biel zur Schule ging, ins Geschäft.[6] Zusammen mit Hans
Otto wagte Hermann 1896 als erstes, die Damenuhren komplett auf mechanischen Weg herzustellen.[10]
Rohwerke – ein wenig bekannter Begriff
G. A. Berner, ehemaliger Direktor der Uhrmacherschule Biel: «Das Uhrwerk, die Uhr ohne die äussern Teile wie Schale, Zeiger, Zifferblatt usw., besteht im Wesentlichen aus folgenden fünf Hauptbestandteilen: dem Triebwerk (Motor), dem Räderwerk, dem Aufzugsmechanismus, dem Zeigerstellmechanismus und dem Regulator. Dieser Regulator, bestehend aus der Hemmung, der Unruh und dem Spiralfederchen, der ‹Seele der Uhr›, wird zuletzt eingebaut, und ohne ihn sprechen wir bei einem Uhrwerk von einem Rohwerk! Das Rohwerk ist also, grob gesagt, das Uhrwerk ohne die Reglage-Organe. Sie setzt sich zusammen aus dem Gerüst der Uhr, einer Metallplatte (Platine), die das Grundstück bildet, auf dem mittels Schrauben und Füssen die Brücken aufgebaut werden. Diese Brücken tragen den Namen des zu stützenden Rades, beispielsweise Federhausbrücke, Minutenradbrücke, Räderwerkbrücke, Ankerbrücke usw. Jede Welle (Achse) des Räderwerks, der Hemmung oder der Unruh besitzt an ihren Enden Drehzäpfchen, die sich in der Werkplatte und in den Brücken drehen. Bei den billigen Uhren drehen sich diese Zapfen direkt im Metall, was eine grosse Reibung und eine schnelle Abnützung zur Folge hat. Später besassen alle Qualitätsuhren eine bestimmte Anzahl Lagersteine. Die Dauerhaftigkeit und die geringe Reibung sind ihr Hauptzweck. In dieses Gerüst der Uhr wird das Triebwerk eingebaut. Die Triebkraft wird bei den Uhren durch eine im Federhaus eingeschlossene Feder geliefert. Eine Anzahl verzahnter Räder und Triebe, die ineinandergreifen, übertragen die Triebkraft der Feder über das Räderwerk und die Hemmung auf die Zeiger. Die Hemmung, sie gehört nicht mehr zum Rohwerk, sorgt dafür, dass die aufgerollte Feder nicht sofort wieder zurückschnellt, sondern dass die Kraft der Uhrfeder langsam und in einem bestimmten Rhythmus auf die Zeiger, die uns schliesslich die Zeit angeben, übertragen wird. Zum Rohwerk gehören schliesslich noch der Aufzugsmechanismus, das Zeigerwerk ohne die einzelnen Zeiger und der Zeigerstellmechanismus. So besteht das Rohwerk aus rund 40 Teilen, wozu noch die Schrauben und Schräubchen kommen, die das Ganze zusammenhalten.» [25]
Foto rechts: Hermann Aegler schuf 1902 das «Rolex»-Kaliber, welches dann in unveränderter Ausführung hergestellt wurde. Es waren Ankerwerke, deren gesamte Fabrikation auf dem Schablonensystem beruhte. Die Herstellung kleiner Ankerwerke, wie der 9"'- und später der 7"'-Werke nach dem Schablonensystem war eine besonders schwierige Aufgabe. Der hohe Grad der Auswechselbarkeit der Bestandteile erleichterte auch den Reparaturdienst. [9]
Ausbau der Fabrik zum «Rolex Werk I»
Die Aeglers begannen 1881 mit der Uhrmacherei in der Liegenschaft am Höheweg 82 (damals genannt Rebberg, Rebbergweg / Rue du Vinoble und Magglingenweg) und baute die Firma sukzessive zu einer grossen und als «Rolex» weltbekannten Fabrik aus. Gebäude 1 war ein Wohnhaus mit Atelier, erbaut 1872, nach einem Brand neu erstellt 1897. Dazu gehörte ein Hof mit Obstgarten und Bienenstand.
Die INSA beschreibt den Ausbau zu Werk I folgendermassen: «1896 folgte der Bau des Wohnhauses mit Uhrenatelier von Magri frères für Witwe Aegler. Erweiterung der Fabrikanlage 1897, 1898, 1907, 1911, 1912 und 1914 von Magri frères für Anna Maria, Hermann und Hans Aegler. Der Komplex der Walmdachbauten mit regelmässiger Durchfensterung ist geprägt von den 1912 und 1914 durch Römer & Fehlbaum vorgenommenen Umgestaltungen.»[19]
Am Höheweg 80 befinden sich zwei Reliefs mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethes «Iphigenie», «Wohl dem der seiner Väter gern gedenkt» und «Le travail est la vraie gloire de l’humanité».
1912 erfolgte der Bau der Kanalisationsleitung: Der vom Regierungsrat genehmigte Dienstbarkeitsbertrag für die Firma Aegler besagt, dass «Der Staat Bern, Besitzer vom Technikum, Eigentümer einer Kanalisationsleitung ist, die sich von der nordwestlichen Ecke des Gebäudes der ganzen westlichen Fassade entlang zieht und in der Quellgasse in die städtische Hauptleitung einmündet. Er räumt durch diesen Vertrag der Kollektivgesellschaft Aegler für ihre Liegenschaften (Höheweg 82, 82a) folgende Rechte ein:
1) Durchleitungsrecht der Kanalisation durch den Vorplatz und die Anlagen, von der Bahnlinie der S.B.B. bis zur Einmündung in die Kanalisationsleitung zum Technikum.
2) Recht zur Einmündung und zur Mitbenützung der Kanalisationsleitung des Technikums.
Diese Rechte erfolgen unter nachstehenden Bedingungen:
1) Die Firma Aegler hat bei der Einmündung ihrer Leitung in diejenige des Technikums einen Revisionsschacht mit Gussdeckel nach Weisung des Stadtbauamtes zu erstellen.
2) Sie bezahlt für das Durchleitungsrecht und die Mitbenützung der Kanalisation eine einmalige Entschädigung.
3) Die Unterhaltungskosten der Kanalisation von der nordwestlichen Ecke des Technikums bis in die städtische Hauptleitung in der Quellgasse sind von der Firma Aegler
und dem Staat Bern zu gleichen Teilen zu tragen.»[49]
1926 entstand ein weiterer Fabrik-Neubau von Gottfried Hirt-Suter aus Biel. Das Hoch- und Tiefbau-Unternehmen war unter anderem an den Bieler Bauobjekten der Gruen Watch Co., Uhrenschalenfabrik La Centrale, Fabrik Cadrans Métalliques S. A., Les fils de Fritz Huguenin, sowie an der Uhrenfabrik Silena (Büren an der Aare) beteiligt.[45]
Der Umbau des 1898 erbautes Wohn- und Geschäftshaus am Höheweg 78 erfolgte 1951, ein Fabrikanbau 1957. Im «78» befand sich später die Firma Micrometal, eine Tochtergesellschaft der Uhrenmanufaktur Rolex Biel. Sie entwickelte 1973 ein Fieberthermometer ohne Glas und Quecksilber und wurde dafür am internationalen Erfindersalon in Genf mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. 1982 brach man das Gebäude ab.
Bis 1972 war im Werk I die gesamte Produktion und Verwaltung untergebracht.
Das Bild zeigt das Rolex-Werk I mit den Jahreszahlen 1881, 1896-1912, 1914 und 1926.
Zwei Reliefs, eines mit Zitat von Johann Wolfgang von Goethes «Iphigenie», «Wohl dem der seiner Väter gern gedenkt» und «Le travail est la vraie gloire de
l’humanité» (Nr. 80). Die Rolex und Gruen, Aegler SA ohne Erweiterungsbau von 1926 (oben) und Gebäude von 1926 (unten rechts) mit weiteren Neubau.
Ehemaliges Rolex-Werk I, aufgenommen 2023. Bis 1972 war hier die gesamte Produktion und Verwaltung untergebracht.
Hausnummern: 72, 78, 78a, 80, 82, 82a und 86a.
Erfolgreiche Lancierung von Damenuhren
Bei Damen-Taschenuhren war die Gangleistung generell ein wunder Punkt gewesen. Da die Firma Aegler bereits zur Gründerzeit Damenuhren fabrizierte, konnte sie diesem Umstand ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Harry Borer: «Aegler war die erste Uhrenmanufaktur, welcher 1900 die industrielle Herstellung eines kleinen 11’’-Ankerwerkes gelang, das eine Ganggenauigkeit aufwies, wie sie sonst nur viel grösseren Uhren zu eigen war. Dieses Uhrwerk zeichnete sich ebenfalls durch einen sehr hohen Grad der Auswechselbarkeit seiner Bestandteile aus, was den Reparaturdienst ganz wesentlich erleichterte.»[1]
Zusammenarbeit mit Hans Wilsdorf als Generalvertreter der Aegler-Uhren
Harry Borer: «Dem aussergewöhnlichen technischen Wissen und herstellerischen Können der Firma Aegler in Biel und der kaufmännischen Begabung von Hans Wilsdorf ist 1905-1914 die Geburt der eigentlichen Rolex-Armbanduhr zu verdanken»[1] Hans Eberhard Wilhelm Wilsdorf kam in Kulmbach (Bayern) zur Welt. Er erzählte im Rolex Vademecum: «Am 22. März 1881 wurde ich als zweites dreier Kinder protestantischer Eltern geboren. Meine Mutter, und dann auch mein Vater, starben leider beide sehr früh, sodass ich mit zwölf Jahren schon Waise war. Man hatte uns in ein Institut untergebracht, wo wir eine gründliche Bildung erhielten. Mathematik und Sprachen zogen mich besonders an. Diese Neigung war es, die mich dazu trieb, in fremden Ländern zu reisen und zu arbeiten. 1900 begab ich mich nach La Chaux-de-Fonds, wo ich bei Cuno Korten für monatlich Fr. 80.- als Korrespondent für Englisch und als Angestellter für allgemeine Arbeiten tätig war. Dieses Unternehmen exportierte pro Jahr für mehr als eine Million Franken Uhren jeder Qualität, die nur zum kleinsten Teil durch das Unternehmen selbst hergestellt wurden. Hier hatte ich Gelegenheit, die Uhrenbranche, sowie sämtliche Arten von Uhren, die in der Schweiz und im Ausland hergestellt wurden, zu studieren. In La Chaux-de-Fonds erfuhr ich, dass Herr Hermann Aegler in Biel auf mechanischem Wege regelmässig Rohwerke für ein kleines Uhrwerk mit Ankerhemmung herstellte. Da dieses Werk befriedigte und zu einem erschwinglichen Preis hergestellt wurde, interessierte ich mich dafür und setzte mich mit dem Leiter des betreffenden Unternehmens in Verbindung, mit der Absicht, seine Fabrikate in England und anderswo zu verbreiten.»[4]
In einer Denkschrift an den Schweizerischen Uhrenfabrikantenverband, beschrieb Hans Wilsdorf seine Begegnung mit der Uhrenfabrik Aegler wie folgt: «Die Firma Aegler war die erste Uhrenfabrik, welche die Herstellung einer Uhr mit 11’’-Ankerwerk aufgezogen hat. Seit dem Gelingen dieser Neuheit, welche sich in der Folge von grösster Tragweite für die gesamte Uhrenindustrie erwiesen sollte, konnte die Zukunft der Armbanduhr als gesichert betrachtet werden. Während die grossen Uhrenfabriken während langer Jahre fortfuhren, sich der Herstellung der Taschenuhr zu widmen, sah Aegler voraus, welche Rolle der kleinen Ankeruhr als Armbanduhr zu spielen bestimmt war».[1] Hans Wilsdorf: «Zu jener Zeit war die Art, Uhren am Arm zu tragen, nicht nur noch nicht modern, nein, man lachte sogar darüber, weil man sie mit dem Begriff der Männlichkeit ganz einfach nicht vereinbar fand.»[4]
«Dass Frauen die Uhr am Handgelenk tragen, begreife ich.
Aber Männer sollten das nicht tun, denn sie haben doch viele Taschen.»
Redner an der Schmucksachen-Ausstellung im Grand Central Palace von New York, 1915.[34]
Heirat
1905 heiratete Hermann Aegler die von Adelboden stammende Emilie Sophie Pieren (17. Juli 1881-1960), wohnhaft in Reichenbach. Sie war die Tochter von Landwirt Friedrich Pieren und Emilie Sophie Trummer, beide von Adelboden.
Aeglers Ankeruhren erobern England
Im Mai 1905 gründete Hans Wilsdorf mit Alfred David im Hause Hatton Garden 83, E.C., London, seine eigene Firma für Uhrengrosshandel, mit dem Ziel, die kleinen Ankeruhren der Fabrik Aegler in Grossbritannien und dem damaligen britischen Empire einzuführen und als Neuheit eine vollständige, nur aus Armbanduhren bestehende Kollektion der britischen Kundschaft anzubieten. Hans Wilsdorf: «Nach der Gründung der Firma Wilsdorf & Davis begab ich mich nach Biel, wo ich Herr Aegler eine Bestellung, ausschliesslich für Armbanduhren, übergab, zweifellos der grösste Auftrag für Uhren dieser Art. Er belief sich auf mehrere Hunderttausende von Franken. Das war der Anfang meines Aufstieges, mit dem die Bieler Fabrik eng verknüpft war, denn jedes Jahr wiederholte ich mehrmals meine Besuche, zu denen ich fortwährend neue Ideen und persönliche Anregungen mitbrachte. So war es möglich, Hunderte von Modellen zu schaffen, die im gesamten britischen Reich und in den Ländern des Fernen Ostens Verbreitung fanden. Zuerst war es die Reiseuhr in Luxusleder, Portefeuilleuhr genannt, die ich 1905 in grossen Mengen verschiedenster Art und Ausführung verbreitete.»[4] 1907 richtete Hans Wilsdorf an der Rue Leopold Robert unter dem Firmennamen «Wilsdorf & David» eine Verkaufsstelle in La Chaux-de-Fonds ein und liess im Handelsregister die Marken «Lusitania», «Mauretania» und «The Eastern Watch» eintragen.
Les Fils de Jean Aegler, Fabrique Rebberg
1906 ging das Uhrenfabrikationsgeschäft der Witwe Maria Aegler-Ramser in den Besitz von Hermann und Hans Otto Aegler über, die es nun unter der Kollektivgesellschaft «Les Fils de Jean Aegler, Fabrique Rebberg» führten. Alleiniger Vertreter der Gesellschaft war Hermann Aegler.
Der Name Rolex
Um die Aegler-Uhren in England besser vermarkten zu können, wählte Hans Wilsdorf 1908 den Namen Rolex, den er sich am 2. Juli 1908 patentrechtlich eintragen liess. Hans Wilsdorf: «Um 1908 herum gehörte die Firma ‹Wilsdorf & Davis› zu den ersten Uhrenhandelsfirmen Englands. Ich fand daher, dass wir unserer Uhr einen Namen geben sollten, den man auf dem Zifferblatt anbringen konnte. Dies stand allerdings im Widerspruch zur englischen Tradition, denn schon im XVIII. Jahrhundert pflegten die grossen britischen Importgeschäfte ausschliesslich ihrer eigenen Namen auf das Zifferblatt oder das Uhrwerk zu setzen. Die Hindernisse schienen vorerst unüberwindbar; ich wusste aber, dass es für uns keine Zukunft geben würde, wenn es uns nicht gelänge, unsere Uhr unter ihrem eigenen Namen bekannt zu machen. Der erste Schritt gelang uns mit der Wahl des Namens selbst. Er war so kurz und dabei so einprägsam, dass daneben auf dem Zifferblatt auch der Name des englischen Uhrengeschäftes noch genügend Platz hatte. Was aber besonders wertvoll ist: ‹Rolex› tönt gut, ist leicht zu behalten und wird zudem in allen europäischen Sprachen gleich ausgesprochen. Trotz der glücklichen Wahl, die wir mit diesem Namen ‹Rolex› getroffen hatte, brauchte es zwanzig Jahre angestrengter Arbeit, um ihn durchzusetzen. Anfänglich wagte ich es, den Namen ‹Rolex› auf eine von sechs Uhren zu setzen, dann auf zwei, und später auf drei.»[4]
Die Armbanduhr
Samuel Guye, damaliger Direktor der Uhrmacherschule in La Chaux-de-Fonds: «In der Schweiz war die Armbanduhr keine Unbekannte, denn in einem Abrechnungsheft des Hauses Jaquet-Droz und Leschot in Genf wurde 1790 eine Uhr, die sich an einem Armband befestigen lässt erwähnt. Nitot, der Juwelier von Kaiser Napoleon I., entwarf 1806 eine Armbanduhr. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts hatte die mechanische Herstellung von Uhren solche Fortschritte gemacht, dass Manufakturen sich nicht scheuten, die Herstellung von kleinformatigen Ankeruhren für Damen in Angriff zu nehmen. 1886 produzierte die Fabrik Aegler S. A. in Biel das Kaliber dieses Typs. Die ersten Armbanduhren aus dem späten 18. Jahrhundert waren sehr allgemein in Vergessenheit geraten, und Hans Wilsdorf der 1905 die Mode der Armbanduhren einführte, tat dies in gutem Glauben als Neuheit ab.»[38] Durch den Schützengrabenkrieg gelangte die Uhr ans Handgelenk des Soldaten, die sich nach dem Krieg an diese neue Form des Tragens gewöhnt hatten. Dennoch war man der Armbanduhr gegenüber misstrauisch eingestellte, denn es fehlte ihnen vor allem an Qualität und Präzision. In den Uhrmacherzeitungen erhielten sie daher vernichtende Kritiken:
- Uhrmacher H. L.: «Wir können in der Armbanduhr einen Schrittmacher für die billige Taschenuhr erblicken, dessen wir Uhrmacher uns keineswegs zu freuen haben, denn in der Regel ist, besonders bei Damenuhren, die Ausstattung alles, die Werkqualität nichts. Die häufige Reparaturbedürftigkeit veranlasst doch vielleicht, dass wieder eine Umkehr zur alten Methode des Uhrentragens erfolgt, so dass die Armbanduhr in der Geschichte der Uhrmacherkunst später wieder nur eine Episode bedeutet, wie es in geringerem Masse bisher mit ihr immer der Fall war.»[39]
- Uhrmacher C. Josef Linnartz: «Man muss sich, wohl oder übel, zur Geschmacksrichtung Armbanduhr bequemen, will man nicht beim Verkauf üble Erfahrungen erleben. So hat mancher Kollege Jahre hindurch geglaubt, die Armbanduhren seien nur eine vorübergehende Mode; er hat deshalb lange Zeit keine solchen Uhren am Lager gehalten und den Kunden von dem Kauf derselben abgeraten.»[44]
Hermann Aegler und Hans Wilsdorf bewiesen 1910 das Gegenteil, als eine Rolex das weltweit erste Chronometerzertifikat für eine in Serie hergestellte Armbanduhr erhielt.
Auszeichnung vom Garantiebüro der Uhrmacherschule Biel
Im März 1878 wurde in der Uhrmacherschule Biel das Garantiebüro für Beobachtungen der Regulierung der Uhren (Bureau officiel de contrôle de la marche des montres de
Bienne) errichtet. Die Uhren wurden 8-15 Tage in zwei Lagen und abwechselnder Temperatur beobachtet und mit dem Regulator, den man täglich nach der vom Observatorium in Neuenburg mitgeteilten
Zeit richtete, verglichen. Je nach Resultat erhielten sie Gangscheine 1. und 2. Klasse. 1905 entschied sich die Uhrenindustrie zur Vereinheitlichung der Gangscheine der Garantiebüros Biel, La
Chaux-de-Fonds, Le Locle und St. Immer. Der Präzisionslevel wurde noch besser und die Gangscheine erhielten einen höheren Wert. Uhren die einen offiziellen Gangschein erhalten dürfen als
Chronometer bezeichnet werden. Aegler sollte für Wilsdorf nur Werke hervorragender Qualität produzieren und schickte eine 11linige Rolex-Damenankeruhr zur Prüfung ins Garantiebüro. Als Resultat
erhielt die Firma am 22. März 1910 den Gangschein erster Klasse.[11] Hans Wilsdorf: «Dies war die erste amtliche Anerkennung für Rolex.»[4]
Taschenuhren werden flacher
Ein neues Mittel, um die Taschenuhrenwerke noch flacher zu gestalten, liess sich die Uhrenfabrik 1910 durch das schweizerische Patent Nr. 47813 schützen. Das Prinzip beruhte auf dem Wegfall eines Zeigers und auf seinem Ersatz durch eine sich drehende Scheibe, auf welcher der betreffende Zeiger aufgemalt war. Die Anordnungen verhinderte das aneinander Hängenbleiben der Zeiger.
Neuer Name: «Les fils de Jean Aegler, Fabrique de montres Rebberg, Final & Rolex»
Die ehemalige Gründerfirma «J. Aegler», unbenannt in «Wwe. Jean Aegler», «Les fils de Jean Aegler», «Les fils de Jean Aegler Fabrique Rebberg», erhielt 1912 den neuen Namen: «Les fils de Jean Aegler, Fabrique de montres Rebberg, Final & Rolex» (Jean Aegler’s Söhne Rebberg- Final- & Rolex-Uhrenfabrik / The Sons of Jean Aegler Rebberg-Final- & Rolex Watch Co.). Standort Höheweg Nr. 82 und 82a. «Final» war ein 1909 eingetragener Markenname.
Umwandlung in eine Aktiengesellschaft
Am 1. Mai 1913 wurde als Nachfolger der bisherigen Firmen die Aktiengesellschaft «Aegler S. A.» gegründet. Die Direktion bestand aus Hermann und Hans Otto Aegler. Hermann Aegler trat verschiedene Verkaufsgesellschaften bei, die nur hochwertige Qualitätsuhren absetzten. Die Firma registrierte Markennamen wie «JA», «Rebberg», «Final», «Precision», «Marukoni».
Der kleinste Chronometer der Welt
Für das kleinste Chronometer der Welt wurde 1913 von der Sternwarte in Kew bei London ein Gangschein ausgestellt. Die winzige Uhr hat 9 Linien und einen Durchmesser von 21 mm. Während 31 aufeinander folgenden Tagen hielt sie den strengen Anforderungen der Sternwarte stand. Sie wurde in der Fabrik Aegler Söhne am Rebberg hergestellt und von Lüthi-Hirt in Biel reguliert. [12]
Ein eingespieltes Team
Die Zusammenarbeit zwischen Hans Wilsdorf und der Fabrik Aegler in Biel entwickelte sich in derart gutem Einvernehmen, dass 1913/14, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, nach einer Periode gegenseitigen Einspielens von 8 Jahren, die Firma Wilsdorf & Davis in London den Alleinvertrieb der Erzeugnisse der Fabrik Aegler für Grossbritannien und die Länder des britischen Empires erhielt. Hermann Aegler gab seine anderen britischen Kunden wie Fulda & David, Williamson und weitere auf. Schon den ersten Jahren des Zweigespannes Wilsdorf und Aegler war ein voller Erfolg beschieden. Die Entwicklung von Rolex nahm ihren Anfang.»[1]
Einfuhrzölle erschweren Uhrenhandel
Harry Borer: «Ungeachtet der anfänglich fast unüberwindbar scheinenden Hindernisse, welche der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zwischen den beiden Partnern in Biel und London von einem Tag auf den andern aufrichtete, gelang es Hermann Aegler und Hans Wilsdorf doch, diese Sperrmauern zu bezwingen.»[1] Der 1. Weltkrieg förderte den Bedarf an sogenannten Schützengraben-Armbanduhren, die von den Soldaten bevorzugt getragen wurden. Aegler und Wilsdorf lieferten robuste Uhren mit Schutzdeckeln, die mit einem Rebberg-Kaliber ausgestattet waren. Harry Bohrer: «Nach dem Weltkrieg von 1914 bis 1918 fanden sich die einzelnen Nationen in einem wirtschaftlich stark veränderten Klima wieder. Grossbritannien führte zum Teil sehr hohe Einfuhrzölle ein, besonders was alle als wirtschaftlich entbehrlich erachteten Einfuhrprodukte anbelangte. Diese Umstände zwangen Hans Wilsdorfs Firma in London dazu, einen grossen Teil ihrer Tätigkeit ausserhalb Grossbritanniens zu verlegen und in London nur noch die Bearbeitung des englischen Marktes zu belassen.»[1]
Hermann Aeglers Partner lässt sich in Biel nieder
Wilsdorf errichtete für seinen Uhrengrosshandel 1912 in Biel im Fabrikgässli 3b eine Zweigniederlassung namens «Wilsdorf & Davis». Da einige von Wilsdorfs Angestellten von London nach Biel umsiedelten, verbreitete sich zeitweise das Gerücht, die Firma gälte als britische Gefahr für die Schweizer Uhrenindustrie. Wilsdorf & Davis, Uhrenfabrikation Biel, trug 1914 im Handelsregister folgende Marken ein: «King George Lever», «Princess Royal Wristlet», «Prince of Wales Lever». Hans Wilsdorf: «In Biel waren Empfang und Kontrolle aller für London und anderweitig bestimmten Uhren zentralisiert. Nach und nach, als wir eine immer grössere Präzision unserer Fabrikate zu erreichen suchten, wurde die Kontrolle ständig schwieriger.»[4] 1916 eröffneten «Wilsdorf und Davis» in Biel für den Exporthandel die Aktiengesellschaft «Wilsdorf & Davis Export S. A.» an der Elfenaustrasse-Bahnhof 61. Wilsdorf betrieb Uhrenhandel in Kommission, führte sein Geschäft 1919 alleine weiter und zog zu Aegler an den Höheweg 82.
Mitglied vom Bieler Stadtrat von 1913 bis 1919
Ab 1913 vertrat Hermann Aegler beim Stadtrat die freisinnig-demokratische und jungfreisinnige Partei. An der Wiederwahl 1916 erhielt er 1683 Stimmen. Er trat am 8. Juli 1919 aus.
In der Kommission vom Elektrizitätswerk Biel von 1914 bis 1919
1914 wählte der Stadtrat Uhrenfabrikant Hermann Aegler in die Aufsichtskommission vom Elektrizitätswerk.
Schweizerische Landesausstellung
An der Schweizerischen Landesausstellung in Bern 1914 gewann die Firma Aegler S. A. in der Gruppe «Uhrmacherei, Bestandteile und Werkzeuge» eine goldene Medaille. An der Ausstellung zeigte sie Ring- und Kugelührchen kleinsten Kalibers, Armbandührchen und sonstige Damenuhren feiner Qualität, wie die ausgestellten Gangscheine belegten.
Aegler S. A. wird zur Uhrenfabrik Rolex
Hermann Aeglers Firma nahm 1914 den Namen «Aegler S. A. Uhrenfabrik Rolex /Aegler S. A. Fabrique de montres Rolex» an.
Neuer Weltrekord für Rolex-Damenuhr
Am 15. Juli 1914 erhielt Rolex nach 45-tägiger Prüfung in 5 Lagen und 3 Temperaturen als erste der Welt von der Sternwarte von Kew einen Sternwarten-Gangschein der Klasse «A» für eine 11linige Armbanduhr von 25 mm Durchmesser. Diese Prüfung war genau die gleiche wie für ein grosses Bord-Chronometer. Hans Wilsdorf: «Damit erlebten wir den grössten Erfolg.»[4]
Uhrmacher Fritz Schäfer vertreibt Aeglers Uhren
Trotz des Namenszusatzes Rolex blieb Aegler eine selbständige Firma, welche Rohwerke und Uhren für verschiedenste Kunden herstellte. Der Vertrieb dieser Uhren hatte die 1915 gegründete «Uhren-Handelsgesellschaft A.G.» in Biel unter der Leitung vom Basler Uhrmacher Fritz Schäfer (1879-1940), der sich seine Kenntnisse an der Uhrmacherschule Biel erworben hatte. Das Lokal befand sich an der Nidaugasse 31. Schäfer änderte den Namen 1919 in «Uhren-Industriegesellschaft/Watch Industry-Company». 1920 verlegte er den Firmensitz nach Genf und wurde in diesem Jahr in die Rolex Watch Co. Genf berufen. Zuletzt arbeitete er in leitender Stellung bei der Gruen Watch.[17]
Abschied von Hans Otto Aegler (1879-1918)
1918 zählte das mit 6 Arbeitern begonnene Geschäft 300 Mitarbeiter. Dies wurde möglich durch die Mithilfe von Hermanns Bruder Hans Otto. 1917 erlitt Hans einen Lungenriss und durch eine Krankheit zusätzlich geschwächt, verstarb am Januar 1918.[10]
Bieler Präzision und Genfer Geschmack
Mit der Gründung der Montres Rolex SA in Genf, die die Aktivitäten der Londoner Firma übernahm, wurde die Rolex zu einer Genfer Firma. Wilsdorf und Aegler spannten nun zusammen als «Montres Rolex SA» in Genf und «Manufacture des montres Rolex SA» in Biel. Hans Wilsdorf: «1919 gründete ich die Gesellschaft «Montres Rolex S. A.» in Genf in den Räumlichkeiten an der rue du Marché 18. Wir haben uns in Genf etabliert, weil wir unserer Fabrik in Biel ausschliesslich der Herstellung der Uhrwerke überlassen wollten, während wir in Genf unsere dem kultivierten Genfer Geschmack angepassten Modelle für die Gehäuse selbst schaffen.»[4] Harry Borer: «Biel befasst sich mit der Herstellung der Rolex-Uhrwerke, das heisst, mit der Herstellung der sogenannten Rohwerke und eines Teiles der anderen Uhrenbestandteile sowie mit deren Zusammensetzung und Fertigstellung. Genf hingegen obliegt Organisation und Direktion des weltweiten Verkaufes, des Marketings, der Reklame und des Kundendienstes und befasst sich im Weiteren mit dem Styling und der Herstellung der äusseren Teile der Uhr wie Schalen und Armbänder, dem Einschalen der Uhrwerke sowie mit den Schlusskontrollen. Forschung und Entwicklung neuer Uhrwerk-Kaliber sind eine Aufgabe, der Rolex-Genf und Rolex-Biel in ihren Forschungs- und Entwicklungsstätten in Biel und in Genf gemeinsam obliegen.»[1] Ein stillschweigendes, ungeschriebenes Abkommen verband die beiden rechtlich und finanziell voneinander unabhängigen Aktiengesellschaften, welche durch den Namen Rolex verbunden sind.
Der 1. industriell in Serie hergestellter Armbandchronometer der Welt
Hermann Aegler, welcher nach dem frühen Tod seines Bruders Hans die Fabrikation allein weiterführte, erkannte, dass mit einzelnen Präzisionsuhren den Kunden nicht gedient war. Er entschloss sich, amtlich geprüfte Armband-Chronometer in Serien herzustellen.[6] Harry Borer: «Gegen 1925 begann Rolex mit der Serienproduktion des rechteckigen Herrenkalibers «Rolex Prince». Sie wurde zum ersten Armband-Chronometer der Welt, welcher industriell in Serie hergestellt wurde. Dieses Uhrenkaliber erschloss der Marke Rolex zahlreiche Märkte. Zu diesem Zeitpunkt entstand die Tradition Rolex, einen Grossteil ihrer Uhrenproduktion der amtlichen Chronometerprüfung zu unterstellen und als Armband-Chronometer mit amtlichem Gangschein in den Verkauf zu bringen.»[1]
Kleines Uhrwerk erhält grosse Auszeichnung
Am 14. Juni 1925 erhielt Rolex in Kew das 1. Observatoriumsbulletin der Klasse «A», das jemals an einen so kleinen Chronometer (5 ¾" oval) vergeben wurde. Der Jahresbericht von Kew erwähnte diese Leistung folgendermassen: «Interessanterweise wurde ein Bulletin der Klasse ‹A› an Rolex, Genf, für ein kleines ovales Uhrwerk mit den Massen 13 mm X 23 mm verliehen. Dieses war das kleinste Uhrwerk, welches von der Sternwarte einen Gangschein der Klasse ‹A› in den letzten Jahren erhalten hatte.»[4]
Eine neue Regulierungsvorrichtung für Uhren mit Unruh
Im April 1925 ist von der «Aegler S. A., Rolex Watch Co.» in Biel ein Verfahren zur Regulierung von Unruh-Uhren veröffentlicht worden, das von den gewöhnlichen Methoden insofern vollkommen abweicht, als es die Luftreibung für die Zwecke der Feinstellung des Ganges verwertet.[13]
Aegler Aktiengesellschaft Fabrik der Rolex & Gruen Guild A. Uhren»
Die Gruen Watch wurde 1894 vom deutschen Uhrmacher Dietrich Gruen (1847-1911) in Columbus, Ohio, gegründet. Er bezog seine Uhren zuerst von Glashütte und der Firma
Aby & Landry aus Madretsch, die 1890 schloss. Gruen liess sich 1903 ebenfalls in Madretsch nieder. Die Gruen Aktiengesellschaft hatte ihr Produktionsgebäude an der Pianostrasse 55. 1912
registrierte sie zahlreiche Marken im Handelsregister: «Gruen», «Verythin», «Ultrahin», «Precision Verithin», «Gruen Precision». Die Firma Gruen handelte in dieser Zeit noch mit Taschenuhren und
verlegte 1919 ihren Sitz nach Biel. 1920 stellte sie in der Gemeinde den Antrag zur Errichtung eines dreistöckigen Fabrikgebäudes mit Direktorenwohnhaus am Höheweg. Am Montag, 24. Dezember 1923
konnte in dem imposanten Gebäude ab 8 Uhr morgens der Betrieb aufgenommen werden. Wilsdorf war mit Gruen befreundet. Aegler beteiligte sich an Gruen und änderte am 30. September 1925 seinen
Firmennamen «Aegler S. A. Rolex Watch Co.» in «Aegler Aktiengesellschaft Fabrik der Rolex & Gruen Guild A. Uhren». Im Handelsregister war der Standort Höheweg 82 eingetragen und es entstand
fälschlicherweise der Eindruck, Gruen sei eine Untermarke von Rolex. In einem Inserat von 1928 bewarb Gruen seine Uhren mit den Worten: «Der Beweis, dass Armbanduhren so genau wie Taschenuhren
reguliert werden können, lieferte die zur Gruen Uhr Gilde gehörende Uhrenfabrik Aegler in Biel. Sie hat innerhalb 10 Monate für 432 Armbanduhren amtliche Gangscheine erhalten. Es ist das erste
Mal, dass ein solches Resultat erzielt wurde.» So verwundert es kaum, wenn in den Gruen Uhren die gleichen Kaliber wie Rolex tickten.
Die «Aegler Aktiengesellschaft Fabrik der Rolex & Gruen Guild A. Uhren» am Hoeheweg 80 - 82.
Archiv Maurizio Zannol (Horlogerie Herrli, Biel)
Der Zusammenschluss der Union Horlogere A.-G., Biel,
mit der Gruen Gilde
Die Union Horlogere, Biel, und die Alpina, Deutsche Uhrmacher-Genossenschaft, Berlin, wollten eine eigene Fabrik. Es bestand die Absicht, eine enge Verbindung mit
Uhrenfabrikanten einzugehen, die gewillt waren, in Europa ihre Fabrikate nur an die beiden grossen Verkaufsorganisationen in Biel und Berlin abzusetzen. Als die Gruen Watch Makers Guild,
Cincinnati, U. S. A., deren Verkaufsorganisation in vieler Beziehung Ähnlichkeit mit der Alpina besitzt, Absatzgebiete für die Erzeugnisse der ihr angeschlossenen Fabriken auch in Europa suchte,
wurde der Gedanke einer Zusammenarbeit beider Firmen erwogen. Der Gruen Gilde, die über eine Anzahl Werk- und Gehäusefabriken verfügte, in denen sie Taschen- und Armbanduhren an verschiedenen
Orten der Schweiz herstellte, fehlte in Europa ebenso die Verkaufsorganisation wie der Alpina und der Union Horlogère die eigene Fabrikation. Im Frühjahr 1928 wurden die auf eine Zusammenarbeit
hinzielenden Abkommen und Fusionen gutgeheissen, und es fand 1929 die Verschmelzung der Union Horlogère AG, Biel, mit der Gruen Gilde unter der neuen Firma «Alpina Gruen Gilde Uhren A. G.» (Union
Horlogère) statt. Hermann Aegler wurde Mitglied vom Verwaltungsrat und dessen Vizepräsident. Gruen verkaufte seine Geschäftsanteile an Hermann Aegler, der 1931 die Bieler Alpina-Gruen Gilde Uhren
AG verliess. 1936 änderte er das Unternehmen «Aegler SA, Uhrenfabrik Rolex und Gruen Gilde» in «Manufacture des Montres Rolex, Aegler S. A.» ab.[20] 1973 zog
die Rolex Biel in das ehemalige Gebäude der Gruen Watch. Rolex, die den neuen Standort Werk II nannte, hatte zusammen mit dem Werk I am Höheweg 8000 Quadratmeter zur Verfügung.
Reise nach Amerika
1926 reiste Hermann Aegler nach Amerika um sich die dortigen Uhrenfabriken anzusehen.
Uhrengarantiebüros erhöhen die Qualitätsprüfung
Seit 1926 erteilten die offiziellen Büros für Gangprüfungen von Taschenuhren in Biel, La Chaux-de-Fonds, Le Locle und St.-Imier auch für Armbanduhren Gangscheine. Die Prüfung dieser Uhren erstreckt sich über einen Zeitraum von 15 Tagen. Die Armbanduhren, deren Gangergebnisse den halben Betrag der Grenzwerte zur Erlangung eines Gangscheines nicht überschritten, erhielten die Bemerkung «Besonders gute Gangerlebnisse» beziehungsweise in Biel die Bezeichnung «Sehr zufriedenstellend». In Biel wurden vom 1. Juli 1926 bis zum 31. Dezember 1927 insgesamt 623 Armbanduhren eingeliefert. Unter den erfolgreichen Armbanduhren befanden sich 288 Stück der Aegler S. A. in der Grösse von 10 ½ Linien und 135 Stück in der Grösse von 8 ¾ Linien; von den grösseren dieser Uhren erhielten 39 Gangscheine mit der Bezeichnung «Sehr zufriedenstellend».[21]
Erste patentierte wasserdichte Uhr und erste Uhr mit
Botschafter/in
Harry Borer: «Es war 1926, als Hans Wilsdorf und Montres Rolex SA in Genf die durch die Bieler Fabrik vollbrachten Erfindungen am Uhrwerk durch die Verwirklichung
der ersten, wirklich in jeder Beziehung wasserdichten Armbanduhrenschale ergänzten. Diese Uhrenschale erhielt in sinngemässer Weise den Namen «Oyster», was zu Deutsch «Auster» bedeutet. Die
«Oyster-Schale», welche das Uhrwerk wie einen hermetisch isolierenden Panzer umgibt, macht aus der Armbanduhr ein gutgeschütztes Präzisionsinstrument, sehr widerstandsfähig und sehr elegant
zugleich, das bei jeder Gelegenheit getragen werden kann.»[1] Um eine Uhr wasserdicht zu machen, waren drei Hauptprobleme zu lösen: 1. das vollkommen
abschliessende Glas, 2. der hermetische Verschluss des Gehäuses, patentiert von Wilsdorf am 21. September 1926 und 3. das Abdichten der Aufzugskrone, zum Patent am 18. Oktober 1926
angemeldet.[4] Hans Wilsdorf: «Erst 1927, als Rolex die auf meine Initiative hin geschaffene erste wasserdichte Uhr der Welt, die Rolex-Oyster, auf den Markt
brachte, setzte sich der Name Rolex endgültig durch, und wir konnten bekannt geben, dass inskünftig keine Uhr mehr geliefert würde, die nicht auf dem Zifferblatt, auf der Innenseite des Gehäuses
und auf dem Werk selbst unsere Marke trägt.»[4] Harry Borer: «Die «Oyster» wurde zum Hauptträger des Erfolges der «Rolex-Uhr», angefangen mit dem
Durchschwimmen des Ärmelkanals 1927 durch Miss Mercedes Gleitze mit einer «Rolex-Oyster» am Arm bis zu den Tiefseeexpeditionen von Professor Piccard.»[1] Die
wasserdichte Uhr führte zu einer vollständigen Umstellung der Schalenfabrikation in der Schweiz. Die Schalenfabriken mussten, neue, weitaus genauere Maschinen anschaffen. Millionen von Franken
wurden in der neuen Technik angelegt, und damit nahm auch die Maschinenindustrie einen grossen Aufschwung.[4]
Patentanmeldung 1927 für einen staubdichten Kronenaufzug für Uhren.
Hans Wilsdorf, Biel: «Bei dieser Neuerung ist die Krone auf einen im Gehäuse befestigten Gewindestutzen mit Linksgewinde aufgeschraubt. Um die Krone festzuhalten, wird eine mit der Aufziehwelle verbundene Buchse durch zwei Schrauben mit der Krone verbunden. Beim Aufziehen und beim Zeigerstellen wird die Krone gewissermassen abgeschraubt. Dabei wird vermittelst einer Spannfeder, die durch zwei Schrauben vom völligen Abschrauben gesicherte Krone, mit der Aufziehwelle in Verbindung gebracht und die Uhr in der bekannten Weise aufgezogen. Dann wird die Krone wieder linksgängig aufgeschraubt. Durch diese Einrichtung wird eine Abdichtung des Uhrwerks erzielt.»[28]
Die Sternwarte von Kew gibt Rolex den ersten Gangschein der Klasse «A»
Am 16. März 1927 erhielt Rolex den ersten Gangschein der Sternwarte Kew, Klasse «A» mit Note «Besonders gut» für einen rechteckigen Chronometer (24 x 15mm).[4]
Kundendienst
Die Firma Aegler beantwortete regelmässig Anfragen zur technischen Seite der Uhr. In einem Brief vom 22. Juni 1927 beantwortete die «Manufacture d’horlogerie Aegler, Rolex et Gruen, Guild A.» eine Anfrage der Filmzeitschrift «Le nouvel art cinèmatographique» im Zusammenhang mit dem Malteserkreuz, welches in den Kinoprojektoren verwendet wird: «Sehr geehrter Herr M. Noverre, Brest. Wir bestätigen Ihnen ihre Anfrage vom 16. Juni und haben uns mit der Frage des «umgekehrten Malteserkreuzmechanismus» befasst. Trotz unserer Nachforschungen haben wir keine Beschreibung dieses Mechanismus gefunden. Einen Uhrmacher erinnert dieser Mechanismus sofort an das «Malteserkreuz mit umgekehrten Elementen», wie Herr Jean Vaggione sagt, und da dieser Mechanismus vielleicht einzigartig in seiner Art ist, ist es schwierig, ihm einen Namen zu geben - unserer Meinung nach könnte man diesen Mechanismus sehr gut «umgekehrtes Malteserkreuz» oder auch nur engrenage spécial nennen.»[24]
Patentanmeldung von 1928 für eine Staub- und wasserdichtes Uhrgehäuse
«Das Gehäuse setzt sich zusammen aus einem Gehäusereifen mit Werkträger, einem Gehäuseboden und einem Glasreifen. Auf den Werkträger, der mit Aussengewinde versehen ist, wird der Gehäuseboden und der Glasreifen aufgeschraubt. Die festzuschraubenden Gehäuseteile haben einen vorstehenden Innenrand, welcher sich beim Zusammenschrauben gegen Werk und Zifferblatt legt und so die Uhr abdichtet. Eine besondere Kronenabdichtung ist nicht vorgesehen. Hans Wilsdorf, Biel (Schweiz).»
Sternwarte von Genf
Am 31. Mai 1928 erhielt Rolex einen erster Gangschein 1. Klasse für einen Chronometer 63 ¾ " (24 X 15 mm, rechteckig), ein Ergebnis, welches in der Kategorie «Bord-Chronometer» (altes Reglement) erreicht wurde.[32]
Sternwarte von Neuenburg
Am 11. März 1929 wurde Rolex ein erster Gangschein 1. Klasse übereicht, für einen Chronometer 6 ¾ " (24 X 15 mm, rechteckig).[32]
1929 wurde dem Kontrollbüro der Uhrmacherschule Biel 1143 Rolex-Uhren eingereicht, 1930 waren es bereits 3338, die alle ein sehr gutes Resultat aufweisen konnten. Regleur war J. Matile.
Vizepräsident vom Rebbergleist
1912 bildeten die Bewohner und Grundbesitzer des oberen und unteren Rebbergs unter dem Namen Rebbergleist eine Gesellschaft, welche die Entwicklung des ganzen Rebbergs im Auge hatte.[22] Auch Hermann Aegler setzte sich für diese Interessen ein und war um die 1930er Jahre Vizepräsident vom Rebbergleist. Dieser zählte um die 130 Mitglieder. Dem Höheweg, wo sich seine Fabrik befand, fehlten damals jegliche Verkehrsmittel. Erst 1928 stellte die Gemeinde für die Uhrenarbeiter von Montag bis Freitag Busse zur Verfügung, die vom Mühleplatz bis zum Eingang der Fabriken von Rolex und Gruen Watch fuhren. Ansonsten mussten die Bewohner ihre in der Stadt gemachten Einkäufe den Hang hinauf schleppen. Auf Initiative des Rebbergleistes führte 1930 die Stadtverwaltung an den Markttagen zwei Autokurse ein, damit mindestens den Frauen Gelegenheit geboten wurde, ihre Lasten bequemer heim zu transportieren. 1931 war das Projekt der Vogelsangstrasse ein Hauptanliegen. Sie musste einen grösseren Gemeindebeitrag zum Bau erhalten, was an der Generalversammlung rege diskutiert wurde. Aegler schilderte an der Sitzung einen interessanten Rückblick über die Entwicklung des Rebbergquartiers in der Vergangenheit. Die Verwirklichung der Vogelsangstrasse würde für das Quartier ein gewaltiger Vorteil sein.[23]
«Unsere Fabriken sind verpflichtet, jederzeit technische Verbesserungen vorzunehmen,
um mit der einheimischen Konkurrenz mithalten zu können, die immer auf der Suche
nach Neuheiten oder Fortschritten ist. Diese Verbesserungen haben in den letzten Jahren
radikale Veränderungen der Kaliber und Werkzeuge mit sich gebracht».
Hermann Aegler [33]
1. selbstaufziehende Armbanduhr von Emil Borer
Hans Wilsdorf: «Die logische Folge der Rolex-Oyster war die Schaffung der automatischen Uhr, deren Werk sich selbsttätig immer wieder von neuem aufzieht und einen ununterbrochenen Gang gewährleistet.»[4] Der Uhrenkonstrukteur Emil Borer, Sohn von Emma Aegler (die Schwester von Hermann Aegler), erfand 1931 den ersten störungs- und stossfrei arbeitenden Selbstaufzug für die mechanische Uhr. Harry Borer: «Das Werk dieser Uhr besass eine Schwungmasse, welche rundherum frei um ihre Befestigungsachse drehen konnte und dabei über einen sinnvollen Mechanismus die Uhrfeder aufzog. Dieses selbst aufziehende runde Uhrenkaliber erhielt den Namen «Rolex-Perpetual».[1] Hans Wilsdorf: «Eine wichtige Voraussetzung für diese Erfindung bildete die wasserdichte Uhr, denn nur in einem vollkommen hermetisch verschlossenen Gehäuse kann die automatische Uhr ungehindert und mit der gewünschten Regelmässigkeit funktionieren.»
Emil Borer (1898-1967)
Der in Biel geborene Emil Borer hatte schon früh seinen Vater verloren. Dieser heiratete 1897 Emma Rosa Aegler. Onkel Hermann Aegler wurde auf den Jungen aufmerksam. Er nahm ihn 1917, nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Uhrentechniker, als Mitarbeiter in das Unternehmen aufgenommen. Der Ingenieur und Konstrukteur entwickelte die Patente der automatischen Rolex von 1928, welche nach Erlöschen der automatischen 1948 weltweit übernommen wurden und forschte auf dem Gebiet der Spirale und Uhrenölung. 1931 wählte man Emil Borer zum Direktor von Rolex Biel.[29] Mit Hermanns Frau Emilie Aegler-Pieren gründete er eine eigene Personalfürsorgestiftung. Nach dem Tod von Hermann Aegler 1944 übernahm Emil Borer die technische, später die Gesamtdirektion der Bieler Manufaktur.
Schauspielerin Evelyn Laye
1931 bewarb die britische Schauspielerin und Sängerin Evelyn Laye (1900-1996) die Rolex Oyster, indem sie ihren Arm zusammen mit der Uhr in ein Goldfischglas streckte. In diesem Jahr erhielt Rolex 1938 Gangscheine, das waren 58 Prozent aller ausgestellten Gangscheine.
Garantiebüro Biel
1931 hatte das Büro 900 Rolex-Armbanduhren erfolgreich kontrolliert. Eine Taschenuhr erhielt den Gangschein 1. Klasse. Reguliert wurden die Uhren im Reglage-Atelier der Rolex Watch Co. Biel.
Sternwarte von Besançon
Am 31. Mai 1932 erhielt Rolex vom Observatorium von Besançon das 1. Bulletin 1. Klasse für einen Chronometer 6 ¾'' (24 mm. x 15 mm.) Damit erhielt die Firma an vier Observatorien in Kew, Genf, Neuchâtel und Besançon einen Gangschein 1. Klasse für ein kleinformatiges Armbandchronometer.[4]
Rolex am Mount Everets
1933 begleitete die Rolex Oyster den Piloten beim ersten Überflug des Mount Everest. Cathcart-Jones, Sieger des Wettfliegens von London nach Melbourne berichtete: «Die Rolex-Oyster-Armbanduhr, welche ich während meinem Rekordflug nach Australien trug, leitstete mir ausgezeichnete Dienste. Die Uhr wurde vor meinem Start genau gerichtet und blieb es während meiner Abwesenheit von England. Nach meiner Rückkehr zeigte die Uhr trotz der extremen klimatischen Variationen die genaue Zeit vom Observatorium von Greenwich an.»[30]
Hinter den Kulissen der Uhrenfabrik Rolex Biel. Reproduktion aus Die Berner Woche Nr. 11,1933
Sternwarte von Kew
Am 23. Juni 1934 erhielt Rolex ein erster Gangschein «A» für einen Rolex-Chronometer 16 ½ '' extra flach (2,8 mm).[32]
Sternwarte von Neuenburg
Die Sternwarte übereicht Rolex einen Gangschein 1. Klasse für einen Chronometer 16 ½ '' extra flach (2,8 mm).[32]
Jubiläum von König V.
1935 lieferte Rolex zum 25-jährigen Regierungsjubiläum von Englands König George V. (1835-1936) 500 Prince-Chronometer, die alle von Bieler Garantiebüro einen Gangschein und das Prädikat «besonders gut» erhielten. Rolex bewies damit die Möglichkeit, Armbanduhren in grossen Serien herzustellen, selbst innerhalb eines sehr kurzen, vorgeschriebenen Zeitraums (146 Tage).[4]
Garantiebüro Biel
Das Büro stellte im Jahr 1935 der Rolex 11 Gangscheine 1. Klasse für Taschenuhren aus. 675 Armbanduhren wurden erfolgreich kontrolliert.[35]
Namensänderung in «Manufacture des Montres Rolex, Aegler S. A.»
1936 änderte die Firma «Aegler SA, Uhrenfabrik Rolex und Gruen Gilde» ihren Namen in «Manufacture des Montres Rolex, Aegler S. A.». In den Verwaltungsrat wurde Emil Borer gewählt. 1937 erhielt die Uhren-Gangprüfungsstelle Biel von verschiedenen Fabrikanten 387 Armbanduhren zur Kontrolle. 216 wurden mit einer Auszeichnung versehen, darunter 117 der Firma «Aegler A. G., Rolex Watch Company». 1940 hatte der Verwaltungsrat das Bieler Büro wie folgt neu bestellt: Hermann Aegler in Biel als Präsident; Hans Wilsdorf in Genf als Vizepräsident und Emil Borer in Biel als Sekretär. 1941 wurde Hermann Aegler auch zum Präsident des Verwaltungsrates der Montres Rolex SA in Genf ernannt.
Tod von Hermann Aegler
Während er im Garten seine Bienen betreute, starb er am 23. 6. 1944 an einem Schlaganfall. Er machte Biel durch seine Qualitätsuhren weltweit bekannt. Etwa ein halbes Jahr später erhielt Rolex vom Garantiebüro Biel seinen 50‘000ten amtlichen Gangschein für Chronometer-Armbanduhren, ein in der Geschichte der Uhrenindustrie beachtliches Resultat.[4]
Hans Aegler (1905-1961), Mitglied vom Altstadtleist
Hans Aegler kam in Biel am 11. Februar 1905 als Sohn von Hans Otto Aegler (Bruder von Herrmann) und Martha Magdalena Klara geb. Probst zur Welt. Nach dem Schulaustritt absolvierte er eine Banklehre bei der Kantonalbank von Bern und begab sich darauf längere Zeit zur weiteren Ausbildung ins Ausland, so nach Deutschland, Schweden und Kanada. Als er wieder in seine Geburtsstadt zurückkam, trat er als Mitarbeiter in die «Manufacture des Montres Rolex, Aegler Société Anonyme» ein.[47] Nach dem Tod von Hermann Aegler 1944 wurde der bisherige Prokurist Hans Aegler in den Verwaltungsrat gewählt. Als Rolex-Botschafter zeigte er zahlreichen Besucher-Gruppen die «geheimen Räume» der Fabrik. Hans Aegler war ein eingefleischter Bieler der als tatkräftiges Mitglied in mehreren Vereinen wirkte. Als Anhänger des FC Biel unterstützte er den Fussballclub als zuverlässiger Kassierer. Er war Mitglied der Faschingszunft, vom Skiclub Biel und von der Taubenlochgesellschaft. Das Bild der Bieler Altstadt wurde durch seine Beteiligung im Altstadtleist mitgeprägt, wo er sich unter anderem als Kassenrevisor betätigte. Der für das Unterhaltungskomitee der Altstadtchilbi verantwortliche Hans Aegler, verstand es auch bei Regenwetter, ein tolles Programm zu bieten. Zu den Highlights gehörte das Armbrustschiessen. 1951 schrieb das Bieler Tagblatt: «Der Unterhaltungsminister der Chilbi, Hans Aegler, hatte auch diesmal wieder alle Vorbereitungen getroffen, dass sich die Besucher glänzend unterhalten konnten.»[48] Unerwartet starb er am 7. März 1961 auf seinem Gang zur Arbeit an einem Schlaganfall. Zum Andenken an den Verstorbenen wurde das Spiel Biel-Grasshoppers für eine Minute unterbrochen.
Die Aegler/Rolex-Uhrentour
Standort Höheweg
Aufnahme von 1976. Foto: Bildarchiv ETH Bibliothek Zürich, Stiftung Luftbild Schweiz. Fotograf: Swissair Photo AG. CC BY-SA 4.0
Harry-Borer-Weg
Der Urgrossvater von Harry Borer war Jean Aegler. Harry Borer trat 1961 in die «Manufacture des Montres Rolex SA Bienne» ein. 1967 übernahm er von seinem verstorbenen Vater Emil Borer (Onkel von Hermann Aegler) die Direktion der Firma. Unter seiner Leitung entwickelte sich Rolex Biel zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in der Region Biel und im Kanton Bern. 1972 wurde von der Rolex das Gebäude der Gruen Watch aufgekauft und es erhielt den Namen «Werk II». 1973 wurde es von Harry Borer eingeweiht. Eine Wasseruhr, welche Stunden und Minuten durch die Stellung von zwei Wasserstrahlen anzeigte, befand sich in der Eingangshalle. Ein kleiner Teil vom «Werk II» blieb weiterhin von Gruen besetzt.[37] 1994 weihte der Generaldirektor zwei Fabrikgebäude in Bözingen ein. Hatten Jean Aegler und seine Frau Anna Maria Ramser für ihr Uhrenatelier ein bescheidenes Budget zur Verfügung, standen Borer für die neuen Gebäude 200 Millionen Franken zur Verfügung. 1995 wurde er von der zweisprachigen Zeitung «Biel-Bienne» zum Bieler des Jahres gewählt. 2001 übergab er die Leitung an seine Tochter Franziska und den Vorsitz des Verwaltungsrats an Sohn Daniel. 2004 wurde Rolex Biel von Rolex Genf übernommen. 2012 wählte man Harry Borer zu Ehrenbürger der Stadt Biel. 2017 starb er mit 89 Jahren. 2020 beschloss der Gemeinderat, den Leubringenweg zwischen Höheweg und Dreiangelweg in «Harry-Borer-Weg» umzubenennen.
Rolex-Kollektion Harry Borer im Neuen Museum Biel
Dem Neuen Museum Biel (NMB) vermachte Dr. Harry Borer (1927-2018), ehemaliger Patron und Inhaber der Rolex Uhrenfabrik, eine wertvolle Sammlung an Rolex Uhren als Dauerleihgabe, die von der Familie Aegler hergestellt wurden. Damit machte Borer auf die Bedeutung und Entwicklung der regionalen Uhrenindustrie aufmerksam, mit welcher Rolex als Pionier des Armbanduhr-Chronometers beigetragen hat. Jean-Robert Probts erzählte 2016 in seinem Buch «Les Maîtres du Temps»: «Die von Harry Borer zusammengetragene Sammlung erzählt die Entwicklung der Rolex-Uhren im 20. Jahrhundert, von denen viele Modelle prestigeträchtige offizielle Zertifikate erhielten. Zu sehen sind die Oyster von 1926, die erste wasserdichte Uhr, deren Uhrwerk gegen Wasser und Staub geschützt war, die erste Automatikuhr Perpetual von 1931 und die Submariner, die ab 1953 Tiefseetaucher begeisterte.» [46]
Damenuhr Rebberg
Um 1910
Taschenuhr Rolex
1910er Jahre
Damenuhr Rolex, Kaliber Rebberg
1920er Jahre
Damenuhr Rolex, Kaliber Rebberg
1920er Jahre
Armbanduhr Rolex, Kaliber Rebberg
1920er Jahre
Rolex Precision
1930er Jahre
Philipp Wilhelm K.
Quelle/Sources: 1) Harry Borer, «Hundertjahrfeier der Manufacture des montres Rolex SA» in Neues Bieler Jahrbuch / Nouvelles Annales Biennoises, Biel 1979, S
91ff; 2) Kantonale Denkmalpflege Bern, Bauinventar der Stadt Biel, Biel 2003; - 3) «Brandausbruch» in Tagblatt der Stadt Biel, Biel, 17. 3. 1897, S. 4; - 4) Hans Wilsdorf, Willy Bosshard, Eugène
Jaquet, Alfred Chapuis, Das Rolex Jubiläums Vademecum Band I bis IV, Montres Rolex. S. A. Genf, Genf 1945, S. 3ff, Sammlung Zeitzentrum Grenchen; 5) Werner und Marcus Bourquin, Biel
Stadtgeschichtliches Lexikon, Büro Cortesi, Biel 1999; - 6) E. Bianchi: Wirtschaftsgeschichte von Biel-Bienne. Histoire économique de Bienne. Verlag H. Diriwächter, Zürich 1948, S. 216ff; - 7)
Der Bund, Bern, 11. 10. 1881, S.8; - 8) Fridolin, Bieler Tagblatt, Biel, 26. 6. 1944, S. 5; - 9) «Die Rolex-Uhr» in Deutsche Uhrmacherzeitung, Nr. 19, Berlin 1916, S. 261: - 10) «Hans Otto
Aegler» in Bieler Tagblatt, Biel, 19. 1. 1918, S. 2; - 11) Bieler Tagblatt, Biel, 25. März 1910; - 12) «Der kleinste Chronometer der Welt» in Bieler Tagblatt, Biel, 12. 3. 1913; - 13) Prof.
Dr.-Ing. H. Bock, «Eine neue Regulierungsvorrichtung für Uhren mit Unruh» in Deutsche Uhrmacherzeitung, Nr. 36, Berlin 1925, S. 720; - 14) Tagblatt der Stadt Biel, Biel, 23. 5. 1897, S. 4; - 15)
H. Itten, «Der Zwölfistein in Biel» in Naturforschende Gesellschaft Bern, Nr. 6, Bern 1949, S. 175; - 16) Hubert Matilde, «Prähistorisch bearbeitete Steine in der Gegend von Biel» in Jahrbuch der
Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Nr. 59, Basel 1976, S. 213; - 17) «Fritz Schäfer-Brenner» in Bieler Tagblatt, Biel, 25. 9. 1940, S. 3; - 18) Tagblatt der Stadt Biel,
Biel, 20. 4. 1886, S. 4; - 19) George Germann, Werner Stutz, INSA : Inventar der neueren Schweizer Architektur = Inventaire Suisse d'Architecture = Inventario Svizzero di Architettura : 1850-
1920,Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 3,1982, S. 80; - 20) «Der Zusammenschluss der Union Horlogere A.-G., Biel, mit der Gruen Gilde» in Deutsche Uhrmacherzeitung, Nr.
32, Berlin, 1929, S. 601; - 21) Deutsche Uhrmacherzeitung, Nr. 13, Berlin 1928, S 229f; - 22) «Rebbergleist» in Bieler Tagblatt, Biel, 19. 5. 1914, S. 3; - 23) «Rebbergleist Biel» in Bieler
Tagblatt, Biel, 16. 7. 1931; - 24) Maurice Noverre, «Pièces justificatives 1927» in Le nouvel art cinèmatographique, Brest, 15. 11. 1928, S. 15; - 25) G.-A. Berner, «Ebauche - ein vielgehörter
und wenig bekannter Begriff» in Die Schweizer Uhr, Sonderbeilage der Basler Nachrichten zu Nr. 261, 24. 6. 1952, Sammlung Schweizerisches Wirtschaftsarchiv der Universität Basel - 26) Werner
Bourquin, «Der ehemalige Bieler Rebberg» in Bieler Tagblatt, Biel, 23. 9. 1961, S. 20 - 27) Schweizerische Naturforschende Gesellschaft, Sektion für Astrophysik und Astronomie, Nr. 154, Basel,
1974, S. 84; - 28) Deutsche Uhrmacherzeitung, Nr. 7, Berlin 1927, S. 130; -29) ann, «Neue Produktionsstätte Rolex» in Bieler Tagblatt, Biel, 31. 10. 1973, S. 3; 30) Neue Erfolge unserer Bieler
Uhrenindustrie in Bieler Tagblatt, Biel, 5. 12. 1934, S. 3; 31) Schmalz, «Der Zwölfistein in Biel» in Bieler Tagblatt, 20. 1. 1948, S. 3; - 32) «Das goldene Blatt der Rolex Leistungen» in
Fédération Horlogère Suisse, Biel, 1846, S. 90); - 33) Hermann Aegler, L’Impartial, La Chaux-de-Fonds, 13. 1. 1934, S. 1 - 34) Schweizerisches Handelsamtsblatt Nr. 246, Bern 1915, S. 1419;
- 35) Rapport du Bureau officiel de contrôle de la marche des montres de Bienne, 1935; - 36) Werner Bourquin, «Hermann Aegler» in Bieler Tagblatt, Biel, 24. 6. 1944, S. 3; 37) ann, «Einweihung
der Rolex II» in Bieler Tagblatt, 26. 10. 1973, S. 3 ; - 38) Samuel Guye, «La montre-bracelet» in L'horlogerie - une tradition
helvétique, Editions patriotique S. A., Neuchâtel, 1948,S. 166ff- 39) H. L., Betrachtungen über die Armbanduhren in Die Uhrmacherkunst Nr. 16, Halle 1915, S. 146f; - 40) Einwohnerregister
der Stadt Biel, Stadtarchiv Biel, Sign. AB.62.1.133; - 41) Adresskalender der Stadt Biel 1868, Stadtarchiv Biel; - 42) Einwohnerregister der Stadt Biel, Stadtarchiv Biel, AB.62.1.92; - 43)
Einwohnerregister der Stadt Biel, Stadtarchiv Biel, AB.62.1.85; - 44) C. Josef Linnartz, Die Uhrmacherkunst, Nr. 12, Halle, 1923, S. 138; - 45)
Sammlung G. Hirt-Suter Biel, Stadtarchiv Biel, AB.4.0.11; - 46) Jean-Robert Probst, Les Maîtres du Temps, L’aventure horlogère de Genève à
Bàle, Éditions Cabedita, 2016, S. 91; 47) «Hans Aegler» in Bieler Tagblatt, Biel, 8. 3. 1961, S. 3; - 48) «Bieler Altstadtchilbi» in Bieler Tagblatt, 3. September 1951, S. 3; - 49)
Dienstbarkeitsvertrag (Kanalisationsleitung) zwischen dem Staat Bern und der Kollektivgesellschaft «Les fils de Jean Aegler, Fabrique Rebberg in Biel», betr. Liegenschaften «Höheweg» und
«Quellgasse» (Technikumsbesitzung) in Biel. Staatsarchiv Bern.
Postadresse: Altstadtleist Biel, Obergässli 11, 2502 Biel/Bienne. Lokal: Brunngasse 11, Tel. 032 323 42 84,
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