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WEISHEITSLEHRER
So wie man zum Erlernen des Schreinerhandwerkes einen Lehrmeister und zum Studium der Physik einen Professor braucht, benötigt man im Besonderen auf dem Weg zur höheren WAHRHEIT kompetentes WISSEN und Unterstützung durch einen Lehrer. Zwei der markantesten Botschafter des VEDANTA werden hier kurz vorgestellt: Adi Shankara, genannt Shankaracharya und Swami Vivekananda.
SHANKARACHARYA
der grosse Meister, religiöse Lehrer und Philosoph des Hinduismus, der von 788-820 n. Chr. gelebt hat,
machte Vedanta zum populärsten Philosophie-System.
Er systematisierte den Vedanta und integrierte die besten Teile von Samkhya, Yoga und Buddhismus in den Vedanta. Er hinterliess nach einem kurzen Leben, er starb als er erst 32 Jahre alt war, ein bedeutendes literarisches Erbe. Er schrieb nicht nur Kommentare zu den Vedanta-Sutras, zu den zehn wesentlichen Upanishaden und der Bhagavad-Gita. Er verfasste unter anderem auch das bekannte philosophische Werk «Das Kleinod der Unterscheidung», sowie Gedichte und Gebete.
Innerhalb des Vedanta gibt es mehrere Richtungen, von denen der Advaita-Vedanta heute die bedeutendste ist. Advaita-Vedanta — diese von Shankara vertretene Auslegung — sieht alle wahrgenommenen Unterschiede der phänomenalen Welt als unwirklich an. Alles was existiert ist nichts anderes als Brahman; doch Brahman hat keine Teile oder Unterschiede in sich. Die wahrgenommenen Unterschiede sind wie eine Fata Morgana.
«Das einzige Ziel des Gurus sollte sein
anderen zu helfen
und der einzige Wunsch
Wissen zu vermitteln.»
Adi Shankara
SWAMI VIVEKANANDA
Der indische Mystiker und Weisheitslehrer (1863-1902)
kann als lebende Verkörperung des Vedanta bezeichnet werden.
Er brachte dem ersten Weltkongress der Religionen in Chicago (1893) die Botschaft von der Einheit der Religionen. Durch ihn wuchs Vedanta von einer rein indischen Philosophie zu einer universellen spirituellen Sichtweise. Er legte den Nachdruck auf:
• Modernität — Vivekananda benutzte die Sprache der Wissenschaft, um vedantische Zusammenhänge zu erklären.
• Integration verschiedener Auffassungen — er erklärte diese als gültige Sichtweisen aus unterschiedlichen Standpunkten.
• Praktikabilität — er holte den Vedanta aus der Asketenecke und begann damit, dessen Prinzipien als Hilfe für den Alltag des Normalbürgers auszuarbeiten.
• Annahme der Herausforderungen des Westens — für die verkrustete indische Gesellschaft waren das westliche Ideal einer offenen Gesellschaft mit Chancengleichheit für alle und das Ideal eines rettenden Gottes, der sich mit den Armen, Kranken und Sündern solidarisiert, eine grosse Herausforderung. Vivekananda zeigte, dass diese Ideale in voller Übereinstimmung mit dem Vedanta sind.
Vivekananda betonte die Wichtigkeit eigener spiritueller Praxis und ermutigte jeden, die spirituelle Erfahrung in sich selbst zu entdecken. Die Methoden dafür gruppierte er zu vier prinzipiellen Wegen. Jeden dieser Wege nannte er Yoga. Sein Yoga-Konzept geht damit weit über das Konzept der klassischen Yoga-Philosophenschule hinaus.
«Wir sollten darauf achten,
dass der Lehrer nicht mit Hintergedanken lehrt,
um des Namens oder des Ansehens willen,
sondern nur aus Liebe, aus reiner Liebe zum Schüler.»
Swami Vivekananda
GLOSSAR
Bhagavad Gita – «Gesang des Herrn» oder «Gottes Lied», spirituelles Lehrgespräch
Brahman – das Höchste oder Absolute, Gott
Samkhya (oder Sankhya) – philosophisches System, das dem Weg des Yoga zugrunde liegt
Upanischaden – wörtl. «zu Füssen des Lehrers sitzen»; der esoterische Teil der Veden; auch Vedanta (Schluss der Veden) genannt