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Doray, Sibylle
Sibylle Doray ist das Pseudonym von Gerda von Fellenberg (* 6.7.1926 in Hohenau, Nied.-Österreich; † 3. Dezember 2012 in Bern)
Mitglied im Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller Verein (BSV).
Persönlicher Beitrag
Was Sprache mir bedeutet?
Lange Zeit leben wir diejenige Person,
die Familie und Gesellschaft aus uns macht,
bevor unser zweites, drittes, unser unendliches Gesicht
aus rätselhaften Tiefen aufscheint und
in schmerzhaftem Prozess uns umgestaltet
zu etwas Neuem, Unbekannten - dann zu uns selbst.
Glücklich der, der diesen Prozess in Sprache formen
und einen Augenblick zu halten vermag.
(ca. 1994)
Leben
"Volks- und Hauptschule, Handelsschule Wien, Land- und Hauwirtschaftschule, Literatur- und Kunststudium (Hospitantin Universität Zürich, Schule des Schreibens München, AKAD Zürich u.a.)
Sekretärin, Familie, 4 Kinder.
Mitarbeit:
Lyrik, Arbeitsgemeinschaft Lyrik-Schublade, Zürich 1974
Lyrik, Orissa Publications, Düsseldorf 1974
Hörspiel und Lyrik, H.A. Herchen 1987 und 1988"
(Erpf/Traber: <<mutz>>, BSV 1989, S. 44)
"In meiner Heimat ist der Himmel blind
die Bäume stehen blicklos da,
beklommen nur die Amsel singt,
der Regen fällt, zerrinnt.
Die erste Strophe des titelgebenden Gedichts aus dem Lyrikband Der Himmel so weit (Nimrod, 2000) evoziert einen Zustand existenzieller Verlorenheit. In ihrer Autobiografie Blanka Kornschuh (2005) erzählt die gebürtige Österreicherin von ihrer kargen Kindheit im ländlichen Hohenau an der tschechischen Grenze, von der Flucht im letzten Kriegswinter und von der entbehrungsreichen Nachkriegszeit im zerbomten Wien. Es ist eine Geschichte von innerer und äusserer Heimatlosigkeit, verdunkelt durch den rätselhaften Tod des geliebten Vaters und durch die schwierige Beziehung zur abweisenden Mutter.
Ab 1951 lebte Gerda von Fellenberg in der Schweiz. Nach ihrer Heirat liess sich die Familie 1955 in Bern nieder. Ab Mitte der 70er-Jahre trat die vierfache Mutter in verschiedenen Lyrikanthologien in Erscheinung und veröffentlichte unter dem Pseudonym Sibylle Doray die Romane Ja und Nein und Die Randlosen. Stark autobiografisch inspiriert, erinnern sich in den beiden Werken die beiden Protagonistinnen an eine von Verlust und Aussenseitertum überschattete Jugend sowie an eine gescheiterte Ehe und das komplexe Verhältnis zu einem geistig behinderten Kind. 1990 erhielt Gerda von Fellenberg den Förderpreis der Literaturkommission der Stadt Bern. Ihr schmales Werk liest sich als beharrlicher Befreiungs- und Selbstverständigungsversuch.'Lange Zeit leben wir diejenige Person, die Familie und Gesellschaft aus uns macht,' notiert sie 1994 , 'bevor unser zweites, drittes, unser unendliches Gesicht aus rätselhaften Tiefen aufscheint und in schmerzhaftem Prozess uns umgestaltet zu etwas Neuem, Unbekannten - dann zu uns selbst.'
Anfang Dezember ist Gerda von Fellenberg 86-jährig in einem Berner Pflegeheim gestorben." (Quelle: Der kleine Bund, lex, 8. Dezember 2012, S. 39)