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| Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

22. Kapitel (49—50). Die Ansicht des Fulgentius über das Wunder.
Sorgsam vermied der heilige Fulgentius stets die Ruhmsucht; für die ihm verliehenen Gnadengaben suchte er nicht Lob aus Menschenmund, sondern begnügte sich mit dem Zeugnis seines Gewissens und setzte sein Vertrauen einzig auf die Barmherzigkeit Gottes. Deshalb empfand er auch keine Freude daran, Wunder zu wirken, noch sehnte er sich danach, daß ihm diese Gnade verliehen werde. Wenn er aber einmal gebeten wurde, für Kranke und Leidende und von zeitlichen Nöten Be- [S. 100] drückte Gott anzuflehen, pflegte er folgendes demütige Bittgebet zu verrichten: „Gott, du weißt, was dem Heile unserer Seelen frommt. Möge also deine Erbarmung uns das schenken, was die Not uns bitten heißt, ohne daß das Heil der Seelen gehindert wird. Möge unser demütiges Gebet, wenn es uns zum Heile dient, Erhörung finden, sofern vor allem dein Wille erfüllt wird." Oft gewährte die Allmacht Gottes auf das Gebet des Bischofs reiche Gnaden; dieser aber schrieb nichts dem eigenen Verdienst zu, sondern lieber dem Glauben derer, für die er Erhörung fand; er pflegte zu sagen, diese Gnade sei nicht ihm, sondern ihnen gewährt worden.
Um uns aber nicht zu lange aufzuhalten, wollen wir einen seiner Aussprüche über die Wundertätigkeit hier einfügen. „Wunder", pflegte er zu sagen, „verleihen dem Menschen nicht Gerechtigkeit, sondern Berühmtheit unter den Menschen. Wer aber bei den Menschen Ansehen genießt, ohne gerecht zu sein, wird zur ewigen Strafe verdammt werden. Jener aber, der gerechtfertigt durch die Gnade der göttlichen Barmherzigkeit, als Gerechter vor dem Angesichte Gottes allein gelebt hat, wird dereinst, auch wenn er unter den Menschen nur wenig bekannt war, mit den seligen Freuden der Heiligen gekrönt werden."