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What if he remembers everything? What then?
Drehbuchautoren haben es manchmal schon sehr angenehm. Sie können sich einfach Versatzstücke aus unzähligen älteren (und neueren) Filmen aussuchen und durch leichte Veränderungen trotzdem den Eindruck entstehen lassen, dass eine frische Geschichte erzählt wird. Der Thriller «Unknown», der auf eine Romanvorlage basiert, verwendet vor allem umgedrehte Elemente aus «North by Northwest», «The Bourne Identity» und «The Tourist». Ein Wissenschaftler muss nach einem Unfall feststellen, dass ein anderer Mann seine Identität übernommen hat.
Dr. Martin Harris (Liam Neeson, «Chloe») ist eben gerade mit seiner bildhübschen Frau Elizabeth (January Jones) für eine Biotechnologie-Kongress in Berlin angekommen. Während Elizabeth gerade im Hotel Adlon Kempinski eincheckt, nimmt er sich ein Taxi, weil er am Flughafen einen Koffer vergessen hat. Auf der Oberbaumbrücke muss die Taxifahrerin Gina (Diane Kruger, «Inglourious Basterds», «Troy», «National Treasure: Book of Secrets») einem herunterfallenden Kühlschrank und einem Motorrad ausweichen und durchbricht das Brückengeländer. Im Fluss kann sie Harris gerade noch aus dem versinkenden Taxi retten, doch weil er sich den Kopf angeschlagen hat, erwacht er erst vier Tage später wieder im Krankenhaus.
Im Hotel findet er seine Frau an einem Empfang wieder, doch sie scheint ihn nicht mehr zu erkennen. Stattdessen stellt sie einen anderen Mann (Aidan Quinn, «The Eclipse») als ihren Ehemann vor. Da Harris keine Papiere vorweisen kann, wird er vom Sicherheitspersonal weggewiesen. Auch der Versuch, seine Identität im Labor von Professor Bressler (Sebastian Koch) zu klären, scheitert. Der andere Harris ist bereits dort und verfügt über die identischen Informationen wie Harris. Ziemlich verwirrt macht sich Harris auf die Suche nach Gina und unterhält zudem Unterstützung vom ehemaligen Stasi-Agenten Jürgen (Bruno Ganz, «Giulias Verschwinden»), der die relevante Frage stellt: «The question is why would they want to take your place?»
Die Bestandteile aus «Unknown» sind so vertraut, dass sich in beinahe jeder Szene eine Art Déjà-vu einstellt. Genau in dieser Zusammensetzung gab es diese Geschichte vielleicht noch nicht. Oder dann kann ich mich einfach nicht erinnern, in welchem Film ich sie gesehen habe. Das ist der Vorteil der Drehbuchautoren, die davon profitieren, dass sich die Eindrücke von früheren Filmen mit der Anzahl gesehener Filme immer stärker überlagern und sich die einzelnen Handlungsstränge allmählich unentwindbar ineinender verweben. «Unknown» eignet sich dadurch als ideales Rätsel, für dessen Lösung jede Szene einem anderen Film zugeordnet werden muss.
Das hört sich jetzt alles sehr negativ an, doch das Recycling von bekannten Einzelteilen hat auch durchaus positive Aspekte. Dadurch erhalten die Reaktionen der Figuren auf die Ereignisse und die Anordnung der Konstellationen mehr Bedeutung. Allzu analytisch sollte die Handlung jedoch nicht zerlegt werden, denn besonders der zentrale Bestandteil des vergessenen Koffers ergibt bei genauerer Betrachtung nur sehr wenig Sinn. Die Verwendung dieses Koffers lässt sich eigentlich nur aus Sicht der Filmemacher erklären, die diese Möglichkeit nutzen mussten, um das Rätsel des Films zwar nachvollziehbar, aber nicht wirklich glaubwürdig aufzulösen. So oder so ist die Zufälligkeit der Handlung bisweilen ein wenig störend.
Immerhin ist die formale Umsetzung des Stoffs über Täuschungen und Lügen durchwegs gelungen. Regisseur Jaume Collet-Serra versteht es, sowohl die Schauspieler als auch die Drehorte und die Action optimal in Szene zu setzen. Sehr elegant und verlockend darf sich vor allem die stets perfekt gestylte January Jones in diversen freizügigen Abendkleidern zeigen. Die teilweise atemlose Jagd durch Berlin dürfte vor allem Kennern der Stadt Freude bereiten. Die Autoverfolgungsjagd in der Friedrichstrasse wird zwar nicht gerade in die Filmgeschichte eingehen, aber für wirkungsvollen Nervenkitzel ist trotzdem gesorgt.
Fazit: «Unknown» ist eine grundsätzlich kurzweiliger und rasanter Action-Thriller, der einfach ein wenig zu viele vertraute Elemente verwendet.
Bewertung:
(Bilder: © Frenetic Films)
3 Kommentare to “«Unknown» von Jaume Collet-Serra”
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