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Was geht im Kopf einer Sexpuppe ab? Martina Clavadetscher erzählt in «Die Erfindung des Ungehorsams» von künstlicher Intelligenz und stellt dabei drei Frauen ins Zentrum.
Martina Clavadetscher arbeitet als Autorin und Dramatikerin. Sie war Hausautorin am Luzerner Theater und 2017 mit ihrem Romandebüt «Knochenlieder» für den Schweizer Buchpreis nominiert.
Foto: Janine Schranz
Beine, Brüste und Arme hängen in einer Fabrik an Haken. Es sind chinesische Sexpuppen ohne Köpfe. Dort arbeitet Ling als Produktprüferin. Sie spricht mit den Puppen, sagt ihnen, sie müssen keine Angst haben: «Ich mache dich makellos». Sonst spricht sie nicht und lebt autistisch-alleine. Abends sitzt sie auf dem Sofa, mit einer Puppe neben sich, und schaut sich mit «Paradise Express» die immer gleiche chinesische Schnulze an.
Detailliert beschreibt Clavadetscher die künstlichen Frauenkörper, die keine Individualität zulassen. Geruchsfrei, sauber, ungiftig, sicher und dadurch: lebensecht. Jede Puppe, die nach ihrer «Gussgeburt» diese Kriterien erfüllt, ist eine gute Puppe. Parallel entwickeln die Programmierer die Sprachfunktion. Harmony, so heisst die künstliche Intelligenz, soll Small Talk zwischen den Puppen und ihren Besitzern ermöglichen.