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Noch vor 1880 siedelte sich in Basel die Industrie an beiden Seiten des Rheins bis hin zur Klybeck-Insel an der Landesgrenze zu Frankreich an. Um 1900 zeigten sich bereits die ungefähren späteren Abmessungen des heutigen Klybeck-Areals. Zwischen dem quer zum Rhein liegenden, langgezogenen Horburg-Gottesacker und dem Erlenpark entlang des Rheinzuflusses Wiese schloss eine lockere Blockrandbebauung aus Industriebauten das erweiterte Klybeck-Areal gegen die Bahnlinie nach Kleinhüningen ab. Noch immer bildet das Baufeld an der Horburgstrasse 105 den westlichen architektonischen Auftakt. 1962 baute das Architekturbüro Burckhardt Architekten, heute Burckhardt+Partner, an der Ecke Mauerstrasse/Riehenring ein sehenswertes Lager- und Fabrikationsgebäude.
Auftakt und Abschluss
Das rechteckige Gebäude setzt mit seinen fast 38 m Höhe den Startpunkt für die dahinter folgenden Bebauungen. Es überragt die Nachbargebäude vis-à-vis an der Mauerstrasse. Zugleich fasst es die aus verschiedenen unterschiedlich hohen Einzelgebäuden bestehende Anlage mit einer starken Ecke zusammen. Das 9-geschossige Gebäude besteht aus vier normalhohen (3.50 m) und vier darüber liegenden überhohen (4.65 m) Obergeschossen. Im obersten Geschoss befand sich eine Kantine.
Die beiden Untergeschosse sind in ihrer Höhe leicht vermindert (2.80 m). Das Erdgeschoss bildet sowohl in der Grundrissanordnung als auch in der Fassadengestaltung die Ausnahme. Es dient zum An- und Abtransport von Waren und Gütern. Noch heute führt der Gleisbogen mit einigen Unterbrüchen vom Rhein quer durchs Klybeck-Areal bis hin zum Thomi + Franck-Gebäude. Ursprünglich erfolgte die Anlieferung über eine Drehscheibe und zwei weitere Geleise durchs Erdgeschoss des Lagergebäudes hindurch. Aus diesem Grund dürfte das Erdgeschoss als Hochparterre organisiert sein. Die Durch- und Anfahrt indes ist bodeneben.
Ausdruck und Architektur
Der Bau besteht aus einem Betonskelett mit 14 freien Stützen im Raum. Sie verfügen mit einem Querschnitt von 70 × 70 cm über gewaltige Abmessungen. Dies macht den frei bespiel- und nutzbaren Grundriss mit Rasterabständen von rund 7.90 m zum Riehenring und 4.90 m zur Mauerstrasse erst möglich. Der Fassade entlang lasten die 30 cm starken Decken auf rund 20 rechteckigen Stützen. Jene sind verschiedentlich in Wände eingebunden. Die Felder zwischen den Stützen sind wahlweise geschlossen oder befenstert.
Unterbrochen wird der freie Grundriss nur durch zwei primäre Warenlifte in der westlichen Gebäudehälfte. Beidseitig der Lifte sind die Decken für grosszügige Schächte zur Erschliessung mit verschiedenen Medien durchbrochen. An der Ost- und Westfassade befinden sich zwei von der Hauptfassade zurückversetzte Annexbauten mit zwei Treppenhäusern und zwei Personenaufzügen, zwei sekundären Warenaufzügen und Nebenräumen. Rückwärtig schliesst das Lagergebäude an einen bestehenden Bau an. Dieser ist sowohl im Grundriss als auch vertikal mehrfach gestaffelt. Im Gegensatz zu diesem sehr funktionalen und vermutlich nach technischen Abläufen geplanten Bau wirkt das Lagergebäude erhaben und leicht. Dieser Ausdruck wird hauptsächlich durch den hellen vorstehenden Fassadenraster transportiert. Dieser besteht aus horizontal auskragenden Platten und vertikal vorstehenden, betonierten Lamellen. Letztere unterteilen die Ostfassade in lang- und hochrechteckige Felder. Die liegenden Felder weisen eine zusätzliche Schicht an gläsernen, schräggestellten Lamellen auf. Sie verbergen eine dahinterliegende feingliedrige Fensterschicht.
Das achte Obergeschoss wird an der hintersten Fassadenschicht mit zusätzlichen Storen verschattet. In Kontrast zu den hellen Betonelementen und dem vielen Glas fungiert ein minimales Geländer aus schwarzem Stahl als äusserste Schicht. Der Raster der Nordfassade hingegen funktioniert ausschliesslich mit den minimalen Brüstungen ohne vorstehende Betonlamellen, jedoch ebenfalls mit schräggestellten Glaslamellen. Die überhohen oberen Geschosse sind mit einem zusätzlichen Oblichtband zum Fenster ausgestattet. In geschlossenen Flächen trifft man auf rot-orangen Klinker.
Kontext und Nachbarschaft
Das Lager- und Fabrikationsgebäude besetzt zwar architektonisch und städtebaulich einen wichtigen Platz, folgte zu seiner Zeit aber einer ganzen Reihe von ähnlichen Neubauten im gesamten Klybeck-Areal. Ungefähr zur selben Zeit, 1962-67, errichtete das Architekturbüro Suter + Suter das heutige Novartis-Hochhaus (Bau 125) an der Ecke Rhein/Dreirosenbrücke. Ebenfalls ein Betonskelettbau. Dieselben Architekten bauten 1965 einen mehrgeschossigen Laborbau an der Ecke Mauerstrasse/Klybeckstrasse, allerdings mit einem ausbetonierten Stahlskelett. Die Autoeinstellhalle für CIBA-Mitarbeitende von 1962/63 wurde mit der Technik von eingespannten Betondecken erstellt. Sucht man ausdrücklich nach Lagergebäuden im Klybeck-Areal, zeigt der Bau 26 hinter dem Verwaltungsgebäude der CIBA an der Klybeckstrasse deutlich den Fortschritt im Betonbau. 1939 waren für eine ähnliche Nutzung noch massive Pilzstützen in kleinerem Raster notwendig. In direkter Nachbarschaft zum Thomi + Franck-Gebäude wirken die Backsteinbauten 370 bis 375 von 1946 konstruktiv und in ihrer Wirkung wie aus einer anderen Zeit. Ohne grosse Veränderungen haben sich über alle Industriegebäude im Gebiet die relativ grossflächigen Fenster gehalten. Einerseits bringen sie genügend Licht in die meist tiefen Gebäude, andererseits verhalten sie sich im Falle eines Überdrucks infolge einer Explosion im Gegensatz zu den sehr starren Konstruktionen dynamisch. Beim Lagergebäude von Thomi + Franck dürfte neben der Belichtung aber vor allem der leichte Fassadenausdruck massgebend für die Anordnung gewesen sein.
Seit 1934 sind Senf und Mayonnaise mit «Thomy» beschriftet. Hans Thomi fusionierte seine Thomi-Fabrik in Langenthal 1930 mit H. Franck Söhne aus Basel und entwickelte vier Jahre später die wiederverschliessbare Aluminiumtube, wie sie heute in den Regalen steht. Seit 1951 wird die Mayonnaise industriell hergestellt. Der internationale Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit Sitz in Vevey und Cham übernahm ab 1971 grosse Teile der Firma. Seit 1997 gehört diese Nestlé.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Lager- und Fabrikationsgebäude Thomi + Franck
Adresse: Horburgstrasse 105, 4058 Basel
Architekten: Burckhardt Architekten
Bauzeit: 1962/1963-1967
Funktion: Lager- und Fabrikation
Fotos
– Armin Schärer / Architektur Basel
– Archiv Burckhardt+Partner Architekten
Quellen
– Huber D. (2014), Architekturführer Basel, Christoph Merian Verlag, Basel. ISBN: 978-3-85616-613-7
– Bärtschi H.P., Industriekultur beider Basel, Rotpunktverlag, Zürich. ISBN: 978-3-85869-623-6