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Draussen Arbeitende kämpfen mit eiskalten Fingern und taube Fussspitzen setzen manchem Skiausflug, Schlittschuhvergnügen oder Winterspaziergang ein vorzeitiges Ende. Das ist zwar ärgerlich, hat aber eine sinnvolle Funktion: Es handelt sich um Warnsignale des Körpers, der aufgewärmt werden will.
Gefühllose Partien entstehen, wenn sich die Hautgefässe in den äusseren Körperregionen verengen, um den Blutfluss Richtung Rumpf zu lenken. Damit werden die inneren Organe und deren lebenswichtigen Funktionen vor einer Unterkühlung geschützt. Ein Aufenthalt an der Wärme, verbunden mit trockener Kleidung und dem Genuss eines zuckerhaltigen alkoholfreien Getränkes, ist bei solchen Symptomen genau das Richtige. Abhilfe schaffen kann auch ein warmes (nicht allzu heisses) Bad oder durchblutungsfördernde Aktivitäten. Massagen hingegen sind kontraproduktiv, weil sich das kalte Blut im ganzen Körper verteilt und dadurch Herz-Kreislaufstörungen auftreten können.
Empfindliche Haut
Bleibende Gewebeschäden enstehen, wenn die Durchblutung und die damit verbundene Sauerstoffversorgung über längere Zeit eingeschränkt wird. Eine Erfrierung 1. Grades ist vergleichbar mit einem Sonnenbrand: Die Hautoberfläche wird geschädigt, die Symptome klingen jedoch relativ rasch ab. Bei Erfrierungen 2. Grades sind die Gefässwände betroffen, aufgrund des austretenden Blutes bilden sich vorübergehende Blasen. Langfristige Folgen haben insbesondere Erfrierungen 3. Grades (auch Kälte- oder Frostbrand genannt), da sie das Absterben von Gewebe zur Folge haben. Weil das Blut über längere Zeit nicht in die Gefässe betroffener Zonen fliessen kann, tritt es über das Gewebe aus, das dadurch dunkel bis schwarz verfärbt wird. Alpinisten, die über längere Zeit extremen Wetterbedingungen ausgesetzt sind, haben oft mit solchen Erfrierungen zu kämpfen. Der bekannte Südtiroler Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner beispielsweise verlor infolge seiner Expedition zum neunthöchsten Gipfel der Welt, dem 8125 Meter hohen Nanga Parbat in Nordpakistan, sieben Zehen und drei Fingerkuppen. Allerdings war er dabei Temperaturen von bis zu –40 °C ausgesetzt.
Besondere Vorsichtsmassnahmen
Gefährlich kann Kälte jedoch auch bei Temperaturen sein, die über dem Gefrierpunkt liegen, insbesondere in Kombination mit Wind und Feuchtigkeit. Präventive Massnahmen wie geeignete Kleidung und der ausreichende Schutz empfindlicher Körperteile sind bereits bei Temperaturen unter 15 °C ratsam. Für Bauarbeiter, Fischer und andere im Freien oder in kühlen Innenräumen tätige Berufsgruppen gilt besondere Vorsicht, denn die Kälte hat Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Konzentration, wodurch das Unfallrisiko steigt. Weil der Körper von Kleinkindern noch nicht in der Lage ist, grosse Temperaturunterschiede auszugleichen, gehören sie genauso zu einer Risikogruppe wie ältere Menschen und Diabetiker, deren Durchblutung oft gestört ist. Wer unter Herz- und Kreislaufstörungen, rheumatischen Beschwerden oder Atemwegs- und Hauterkrankungen leidet, ist ebenfalls anfälliger für kältebedingte Schäden.
Vor Kälte zittern
Wie die Gefühllosigkeit ist auch das „Zittern vor Kälte“ eine kompensierende Massnahme unserers Körpers: Sinkt die Körpertemperatur unter 35 °C, zittern wir vor Kälte. Stoffwechsel und Herzschlag beschleunigen und erhöhen damit die Wärmebildung im Körperinnern über eine Stunde lang. In der Folge wird das Bewusstsein beeinträchtigt; oft treten Schläfrigkeit, Schwäche, Koordinations- und Sprechstörungen sowie eine fahle Hautfarbe auf.
Akute Gefahr für Gesundheit und Leben besteht, wenn die Körperkerntemperatur – d.h. die Temperatur von Herz, Gehirn, Lunge und anderen lebenswichtigen Organen – zu tief ist, um den Stoffwechsel gewährleisten zu können. Alkohol erweitert zwar kurzfristig die Blutgefässe, wodurch die äusseren Körperbereiche von einem Wärmeschub profitieren, allerdings auf Kosten der Kerntemperatur. Sinkt diese unter 28 °C, verliert der Mensch das Bewusstsein.
Allergisch gegen Kälte
Die Aussage «Ich bin allergisch gegen Kälte» mag in den meisten Fällen ein Scherz sein. Es gibt jedoch tatsächlich Menschen, die auf Kälte reagieren, als ob sie in ein Brennnesseln-Feld gefallen wären: mit juckenden Rötungen und Schwellungen auf der Haut. Die Kälteurtikaria ist eine Sonderform der Nesselsucht und ist für Betroffene auch im Sommer problematisch, weil ihr Körper beim Kontakt mit kalten Gegenständen und Nahrungsmitteln, Wasser oder Wind den Botenstoff Histamin freisetzt. Gelangen grosse Teile der Hautoberfläche in Kontakt mit Kälte, kann die Menge an freigesetztem Histamin zu erhöhtem Puls oder Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Atemnot und sogar zu Schockzuständen führen.
Die genauen Auslöser der Kälteurtikaria sind ungeklärt, meist verschwindet die Allergie nach fünf bis sieben Jahren wieder. In schlimmen Fällen kann eine Therapie mit Medikamenten notwendig sein. Für alle anderen gilt dasselbe wie für Nicht-Allergiker: Im Winter dick einpacken und sich gut vor der Kälte schützen.
Das schützt vor Kälte
- Kleidung aus Feuchtigkeit transportierenden Materialien hält die Haut trocken und schützt daher besser vor Kälte
- Zwiebellook: mehrere Kleider-Schichten übereinander tragen und die Anzahl Schichten den äusseren Bedingungen anpassen
- eine Kopfbedeckung, weil ein Grossteil der Körperwärme über den Kopf abgegeben wird
- Füsse, Gesicht, Ohren, und Hände schützen (Fäusthandschuhe sind von Vorteil)
- Exponierte Hautstellen mit fetthaltigen Crèmes einreiben
- Alkohol und Nikotin vermeiden
Autor: Nicole Demarmels
Fotograf: Oreste Vinciguerra (Illustrationen)