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Silberwarenfabrik Wilhelm Binder, Schwäbisch Gmünd, vor 1907
Silber, getrieben
H. 30,4 cm
Inv. 1938.258.
Eltern wie auch Grosseltern von Fritz Staehelin (1846–1922) gehörten der Herrnhuter Brüdersozietät an, und die im Basler Elternhaus verkehrenden Missionare blieben nicht ohne Einfluss auf den Heranwachsenden. «In einer Versammlung, die er [ein in Jamaika tätiger Missionar, Jugendfreund des Vaters] auf unserem Sozietätssaale hielt, sprach er sein Bedauern aus, dass aus Basel, welches so viel für die Mission täte, so wenige sich entschlossen, Missionar zu werden.» Anstatt der für ihn vorgesehenen Kaufmannsausbildung schlug Fritz Staehelin die Missionslaufbahn ein und ging als Lehrer an die Missionsschule in Niesky östlich von Dresden, danach nach Gnadenfeld (Oberschlesien) und Peseux/NE. 1880 heiratete er Helene Sophie Clemens, Tochter des in Surinam verstorbenen Präses der Mission. Mit ihr zusammen wurde er in die Karibik gesandt, wo er ab 1882 in Surinam in der Stadtkirche tätig war. «Es war wahrlich nicht leicht, eine noch vor nicht langer Zeit zum grossen Teil aus dem Heidentum und der Sklaverei hervorgegangene Gemeine von siebenundzwanzigtausend, in der Stadt allein von achttausend Seelen in der richtigen Weise zu leiten, vor allem nicht leicht, darin die richtige Kirchenzucht auszuüben und die früher in der Sklaverei so zerrütteten ehelichen Verhältnisse in Ordnung zu bringen», berichtete er in seinem Lebensrückblick.
Einfuhr und Handel mit Sklaven waren seit 1826 verboten, die Sklaverei selbst wurde aber erst 1863 abgeschafft, so dass Fritz Staehelin die Verhältnisse noch immer unruhig vorfand. Bei einem Heimaturlaub 1890, den sie wegen ihrer angegriffenen Gesundheit erbeten hatten, starb seine Frau. Im folgenden Jahr heiratete er erneut, eine kurz zuvor aus dem Himalaya zurückgekehrte Missionarswitwe.
Mit ihr kehrt er 1892 nach Surinam zurück, zunächst als Vize-Präses, dann als Präses. Über eine Gelbfieber-Epidemie im Jahre 1902 schrieb er: «Das war eine der schwersten Zeiten, die ich in meiner ganzen Surinamer Tätigkeit habe erleben müssen. Ich war erst selber schwer krank und musste dann einen lieben Bruder nach dem andern erkranken und sterben sehen und viele auf dem Schmerzenslager besuchen und trösten.» 1905 suchten er und seine Frau um Rückkehr nach Europa nach, da die langen Jahre im tropischen Klima – er war 25, sie 15 Jahre in Surinam gewesen – an ihrer Gesundheit gezehrt hatten. «Die Missionsdirektion bewilligte unser Gesuch, und so nahmen wir denn Ende 1907 Abschied von unserer lieben Gemeine, die uns noch bis zum Schluss viel Liebe und Anhänglichkeit bewies und ihre Erkenntlichkeit in beschämender Weise durch ein prachtvolles Geschenk zum Ausdruck brachte.» Dieses prachtvolle Geschenk war eine kunstvoll geschriebene Urkunde und ein silberner Pokal. Der Pokal in modernen Jugendstilformen stammt nicht etwa aus Südamerika, sondern wurde wohl aus Deutschland mitgebracht; er wurde in Schwäbisch Gmünd, einem der Zentren deutscher Silberwarenproduktion, hergestellt. Vielleicht war das Abschiedsgeschenk von Herrnhut aus organisiert worden. Die eingravierte Inschrift «Haren eersten Bisschop F. Staehelin de Evangelische Broedergemeente in Suriname» verweist zum einen darauf, dass in Surinam Holländisch gesprochen wurde und zum anderen darauf, dass Fritz Staehelin seit 1899 Bischof der Herrnhuter Brüdergemeine war. Nach seiner Rückkehr nach Europa lebte er im Kreise dieser Brüdersozietät in Herrnhut (bei Görlitz/Sachsen) und verstarb 1922 bei einem Besuch in Basel.