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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte die Uniform der Kavallerie zum Prachtvollsten, was die Armee einem Wehrmann bieten konnte. Mitten in der momentanen Debatte zur drastischen Reduktion der Gesamtstärke der Streitkräfte mutet es sonderbar an, dass es in unserer Armee einst eine Waffengattung gab, die einen Helm nach populärem ausländischen Vorbild einführte, in der Hoffnung, mehr Rekruten anzulocken.
Der neue Tschako der Kavallerie wurde 1883 rechtzeitig zur Landesausstellung in Zürich an Rekruten ausgegeben. Visuell war diese neue Kopfbedeckung den damaligen preussischen Gardejäger-Tschakos bemerkenswert ähnlich, die Garnitur konnte ihre Paten nicht verleugnen. Mit dem Nachahmen populärer Vorbilder erhoffte man sich etwas mehr Zulauf für diese stets an Mannschaftsmangel leidende Waffengattung. Unser Dragonerkorporal der Solothurner Auszugs-Schwadron 14 um 1906 trägt diesen Tschako der Ordonnanz 1883/84, welcher bis in die 20er-Jahre in der Armee anzutreffen war. Der Pinsel obenauf ist schwarz, im Gegensatz zum Pinsel der Guiden, welcher weiss war. Das eidgenössische Kreuz im Stern zeigt die Schwadronnummer, während die Kantonskokarde auf der linken Seite, hier nicht zu sehen, unter der seitlichen Metallspange fixiert ist. Der Tschako besitzt zwar einen ledernen Kinnriemen, dennoch sieht man hier als Teil der Garnitur eine Ringkette, welche ebenfalls diese Funktion ausüben kann, jedoch überwiegend dekorativen Charakter hat.
Der Waffenrock in Dragonergrün hat einen karmesinroten Kragen und Vorstösse in derselben Farbe. Auf den Schultern sind silberfarbene Metallepauletten befestigt, am Vorderarm ist hier der weisse Doppelbalken als Gradabzeichen eines Korporals zu sehen. Die blaugrauen Reithosen weisen einen roten Vorstoss entlang der Seitennaht auf und sind an der Innenseite der Schenkel verstärkt. Die hohen Reitstiefel ergänzen die Uniform.
Der Lederbandulier, welcher mit dem Ceinturon verbunden ist, nimmt in zwei mal drei Taschen die Munition für den Kavalleriekarabiner der Ordonnanz 1905 auf. Wir sehen diese Waffe hier im seitlichen Sattelholster untergebracht. Dieser Karabiner mit Geradezugverschluss löste den Mannlicher-Kavalleriekarabiner der Ordonnanz 1893 ab. Hinten am Sattel ist der gerollte Kaput befestigt, während der Rest der Packung in den beiden Ledersacochen vor dem Reiter untergebracht ist.
Die geschulterte Blankwaffe unseres wackeren Solothurner Dragonerkorporals ist der Säbel der berittenen Mannschaft Ordonnanz 1896. Den Säbel führte die Kavallerie bis in die Jahre des Aktivdienstes, Ab 1943 mussten die stolzen Reiter ihn jedoch abgeben, von da an führten sie nur noch das vergleichsweise kümmerliche, aber zeitgemässere Bajonett für ihren Karabiner am Ceinturon.
Roger Rebmann – Rost und Grünspan