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Wir reden von «Rohstoffknappheit», aber der Begriff ist irreführend. Rohstoffe, insbesondere seltene, werden nicht knapp, sie verschwinden nicht einfach. Aber durch die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen, werden sie für uns unauffindbar. Wir gewinnen Rohstoffe aus Lagerstätten und dann verbrauchen wir sie. Wir vermischen sie mit anderen Stoffen und verteilen sie bei der Entsorgung in der Umwelt (siehe Abb. 1).
Das Konzept der «Kreislaufwirtschaft» wirkt dem entgegen und ist für die Schweiz als Rohstoffarmes Land von besonderer Bedeutung. Kreislaufwirtschaft betrachtet den gesamten Kreislauf: Von der Rohstoffgewinnung über das Design, die Produktion und die Distribution eines Produkts bis hin zu seiner möglichst langen Nutzungsphase und zum Recycling. Damit Produkte und Materialien in diesem Kreislauf verbleiben, braucht es ein Umdenken aller Akteure in dieser Kette (siehe Abb. 2).
Die wesentlichen Forderungen sind:
- Erhöhung der Nutzungs- und Lebensdauer von Produkten durch teilen, wiederverwerten, reparieren, wiederaufbereiten, recyclen.
- Weitestgehende stoffliche Verwertung von organischen Materialien durch kompostieren und vergären.
- Sammeln und Recyclen von Materialien und eliminieren von Schadstoffen
Gewichtung und Wirkung auf Geschäftsmodelle:
Eine verlängerte Nutzung von Produkten hat Vorrang vor dem Recycling, da letzteres mit hohem Einsatz an Energie, Wasser und Chemikalien verbunden ist. Eine verlängerte Nutzung von Produkten kann dabei zu neuen Geschäftsmodellen führen, in denen Reparaturdienstleistungen oder das Vermieten statt Verkaufen von Produkten in den Vordergrund rücken.
Beispiele von Kreislaufwirtschaft in der Schweiz (Angaben BAFU):
Bauwirtschaft:
Im Jahr 2018 wurden von 17.5. Mio. Tonnen Rückbaumaterialien wie Beton, Kies, Sand, Asphalt und Mauerwerk knapp 12 Mio. Tonnen wiederverwertet. Mehr als 5 Mio. Tonnen, insbesondere Mischabbruch, befanden sich noch nicht in einem Kreislauf.
Siedlungsabfälle:
Bei den Siedlungsabfällen wird etwas mehr als die Hälfte der Abfälle separat gesammelt und stofflich wiederverwertet. Der hohen Recyclingquote der Schweiz steht allerdings eine gewaltige Abfallmenge gegenüber. In kaum einem anderen Land fällt gemessen an der Wohnbevölkerung derart viel Siedlungsabfall an.
Weitere Aufgaben:
- Verbesserte Kreislaufwirtschaft bei Textilfasern, Baumaterialien, Kunststoffen und biogenen Abfällen.
- Bewusstseinsförderung der Konsumentinnen und Konsumenten zu nachhaltigem Konsumieren, längerer Nutzung sowie vermehrtem Teilen, Wiederverwenden, Reparieren und Recyclen von Produkten.
- Rolle im Wandel hin zu mehr Kreislaufwirtschaft bei Beschaffungsstellen der öffentlichen Hand sowie in der Privatwirtschaft.
Kreislaufwirtschaft im Ausland (Angaben BAFU):
Die Europäische Kommission hat im Jahr 2015 ein Paket zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Dabei spielt die Ökodesign-Richtlinie eine wichtige Rolle. Sie ist unter anderem die rechtliche Grundlage für Mindestanforderungen an Haushaltsgeräte, die den maximalen Energieverbrauch vorschreiben und verlangen, dass sich Geräte reparieren lassen.
Die für die Kreislaufwirtschaft relevanten Sektoren beschäftigten in der EU im Jahr 2016 über vier Millionen Arbeitnehmende. Der weltweite Markt für Kreislaufwirtschaft und Material- und Ressourceneffizienz ist in den letzten fünf Jahren um über zehn Prozent gewachsen. Damit wächst er schneller als der Weltmarkt als Ganzes.
Fazit:
Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft und der Abschied von linearen Produktionsabläufen stellt eine erhebliche Herausforderung für die Wirtschaft dar, ist aber unausweichlich. Andernfalls werden Produkte, wie wir sie heute als alltäglich kennen, nicht mehr herstellbar sein. «Kreislaufwirtschaft» ist also kein «grünes» Schlagwort, sondern vielmehr ein Konzept, das uns aus einer selbstverschuldeten Sackgasse führen kann. Jede Anstrengung dazu ist also von zukunftsweisender Bedeutung.
Mai 2021, Christian Grabski