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Die deutsch-jüdische Bankiersfamilie Warburg hat ihre Wurzeln in Venedig, wo ihr frühster bekannter Vorfahre Anselmo Asher Levi Del Banco (1480-1532), ein wohlhabender Geldverleiher, lebte. Aufgrund der Diskriminierung der venezianischen Juden zog er mit seiner Familie ins Fürstentum Hessen. Dort wurde sein Sohn Simon Del Banco (1500-1566) als Geldverleiher tätig und nahm den deutschen Namen Cassel an. Später zog die Familie in die westfälische Stadt Warburg, in der viele Juden lebten. Dort übernahm die Familie schliesslich den Namen Warburg und war weiterhin als Geldverleiher tätig.
Warburg in Deutschland
1798 gründete Moses Marcus Warburg (1763-1830) die Familienbank M.M.Warburg & CO., die bis heute in Betrieb ist und sich zum grösstenteil noch immer im Besitz der Warburg Familie befindet. Die Bank wurde zu einer der grössten Banken Hamburgs, kam aber nie zu internationalem Einfluss. Die Bank war an Cum-Ex Geschäften beteiligt.
Die Warburgs und ihre Bank waren 1870 an der Gründung der Commerzbank beteiligt, die bis heute zu den grössten deutschen Banken gehört. Zu den Mitgründern der Bank gehörten auch die deutschen Bankiersfamilien Goldschmidt, Donner und Mendelssohn.
Seit Beginn des 19. Jahrhundert hatte sich in Hamburg eine Community aus britischen Geschäftsleuten gebildet, während sich in London eine aus Hamburger Geschäftsleuten bildete. Eine wichtige Rolle nahm dabei John Parish ein. Der Schotte emigrierte 1756 nach Hamburg und wurde dort als Kaufmann tätig. Er förderte den Handel zwischen Hamburg und England und er wurde zu einem der reichsten Männern der Welt. Seine Handelsbeziehungen nach England und Nordamerika eröffnete der Hamburger Elite neue Möglichkeiten zu diesen Ländern Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Die Schröder Familie aus der Hamburger Elite gründete 1818 in London die Schroders Bank, die im 19. Jahrhundert zu den grössten der Welt gehörte. Da die Warburgs zur Hamburger Elite gehörten, werden sie vermutlich zu der Zeit Kontakte zur angloamerikanischen Elite geknüpft haben. Fredrick Elias Warburg (1832–1899) war ein Mitgründer der Central London Railway, der ersten elektrischen Eisenbahn in London. Er war der erste bekannte Warburg, der in Grossbritannien aktiv war und seine Nachkommen waren Briten. Sein Enkel war der britische Verleger Fredric Warburg (1898-1981).
Albert Ballin (1857-1918) war ein Urenkel von Ester Warburg (1731-1772) und ein guter Freund von Max Moritz Warburg (1867-1946). Albert war Direktor der „Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“ (Hapag), die unter seiner Führung zur führenden deutschen Reederei wurde. Die Hapag wurde 1847 von der Hamburger Elite gegründet. Darunter war die Merck Familie vertreten, die vermutlich bis heute zu den mächtigsten deutschen Familien gehört. Der erste Direktor der Hapag war Adolph Godeffroy. Die hugenottische Godeffroy Familie waren im 19. Jahrhundert bedeutende Kaufleute und Reeder. Sie heiratete in die Familie von John Parish. Heute ist die Hapag Teil des deutschen Logistik- und Transportunternehmen Hapag-Lloyd, die immer noch zu den grössten Reedereien der Welt gehört.
Otto Warburg (1859-1938) war Mitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft und gehörte zu den Mitgründern des Kolonialwirtschaftlichen Komitees. Die beiden Organisationen setzten sich für deutsche Kolonialinteressen ein. Er war der dritte Präsident der Zionistischen Weltorganisation.
Der Politiker und Bankier Max Warburg (1867-1946) gehörte dem ersten Vorstand der 1925 gegründeten I.G. Farben an und war 1932 in 20 Aufsichtsräten vertreten. Die IG Farben war auf ihrem Höhepunkt das größte Unternehmen in Europa und das größte Chemie- und Pharmaunternehmen der Welt.
Der Bankier Eric Warburg (1900-1990) war Mitgründer der Atlantik-Brücke und des American Council on Germany. Beides sind einflussreiche Think Tanks, welche die Beziehungen zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Elite fördern. Zurzeit (stand 2019) ist ein Max Warburg im Vorstand der Atlantik-Brücke.
Warburg in den USA
Paul Warburg (1868-1932) war wohl der erste Warburg der in die US-Elite aufgenommen wurde. Er gilt als Hauptinitiator der 1913 gegründeten US-Zentralbank FED. Seine Mutter stammte aus der Oppenheim Familie, eine der einflussreichsten deutschen Bankiersfamilien. Er machte erst eine Bankenausbildung in Hamburg, dann eine in London bei der Bank „Samuel Montagu & Co“ und noch eine weitere in Paris. Während eines Aufenthalts in den USA heiratete er 1895 Nina Loeb, eine Tochter von Solomon Loeb, der ein Mitgründer der US-Bank „Kuhn, Loeb & Co.“ war, welche im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu den grössten Investmentbanken der Welt gehörte. Loeb stammte ebenfalls aus Deutschland. Die Familien Warburg und Löb kennen sich schon seit dem 17. Jahrhundert und hatten schon vorher untereinander geheiratet. Paul Warburg und sein Bruder Felix Warburg (1871-1937) sowie ihr Verwandter Siegmund G. Warburg (1902-1982) wurden Partner bei „Kuhn, Loeb & Co.“. 1977 wurde die Bank Teil von Lehman Brothers.
1913 gründete Paul Warburg zusammen mit Morgan, Rockefeller und anderen hohen Tieren der US-Elite die US-Zentralbank FED. Paul Warburg gehörte zu den Mitgründern des Council on Foreign Relations, welcher einer der einflussreichsten Think Tanks der Welt ist.
Eric Warburg (1900-1990) gründete 1939 in New York EM Warburg & Co.. Das Private-Equity-Unternehmen trägt heute den Namen Warburg Pincus und verwaltet ein Vermögen von 62 Milliarden Dollar. 2019 war es das 5. grösste Private-Equity-Unternehmen der Welt. Siegmund Warburg gründete 1946 in London die Investmentbank SG Warburg & Co., die seit 1995 zur Schweizer Bank UBS gehört.
Paul und Felix Warburg sowie Siegmund Warburg und sein gleichnamiger Sohn waren alle Mitglied der Pilgrims Society, ein angloamerikanisches Elitenetzwerk, das von der britischen Königsfamilie geführt wird. Siegmund Warburg besuchte das Bilderberg-Treffen.
Erwähnenswerte Heiraten
Die Warburg Familie hat in zahlreiche bedeutende jüdische Familien eingeheiratet. Wie bereits erwähnt, die Familien Oppenheim und Löb, aber noch viele weitere:
- Die Warburgs heirateten in den letzten 300 Jahren viermal Angehörige der Goldschmidt Familie, eine der führenden Bankiersfamilien im Deutschland des 19. Jahrhunderts.
- Sie heirateten zweimal in die Bankiersfamilie Schiff, welche ebenfalls in die Löb Familie heiratete. Mortimer Schiff war auch Partner der Bank Kuhn, Loeb & Co..
- Carola Warburg (1896-1987) heiratete in die Rothschild Familie.
- Daniel Rudolf Warburg (1804-1883) heiratete in die Beit Familie, welche in der deutschen Chemieindustrie tätig war sowie in der Diamant- und Goldförderung in Südafrika.
- Simon Elias Warburg (1760-1828) heiratete in die Henriques Familie, die zusammen mit anderen Sepharden zu den ersten bekannten Juden gehörten, die sich seit Anfang des 18. Jahrhunderts in der britischen Elite etablieren konnten.
- Die Warburgs heirateten auch in die Bankiersfamilien Dreyfus, Günzburg und Bondi.
Edward Warburgs (1908-1992) Frau hatte einen Sohn aus erster Ehe, der in die Mellon Familie heiratete. Edwards Tochter Daphne Warburg (*1949) heiratete in die Astor Familie. Mellon und Astor gehören zu den mächtigsten Familien der US-Elite (sind aber keine Juden).