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Im Dezember 1857 freute man sich im Musikverein über ein "großartiges, echt kaiserliches Weihnachtsgeschenk". Kaiser Franz Joseph 1. hatte die Schleifung der alten Stadtmauern bewilligt und damit die Möglichkeit einer grossangelegten Stadterweiterung geschaffen.
Die Wiener Ringstrassenzeit begann. Neue Gebäude - darunter ein Opernhaus, Galerien und Museen - sollten nach kaiserlichem Ratschluss an der Ringstraße entstehen, und so machte man sich auch im Musikverein Hoffnung, endlich dem alten Musikvereinsgebäude zu entkommen.
Dieses Haus - in der Inneren Stadt, Tuchlauben Nr. 12, gelegen - war 1831 bezogen worden und enthielt den ersten wirklichen Konzertsaal Wiens. 700 Zuhörer fanden darin Platz - eine Dimension, die dem Publikumsansturm bald nicht mehr genügte.
Trotzdem war wieder einmal Geduld gefordert. Denn erst 1863 zeigte sich der Kaiser spendabel und überließ der Gesellschaft ein großes Areal vis-ä-vis der Karlskirche.
Theophil Hansen (1813-1891) machte sich mit Eifer ans Werk. Die Konkurrenz zur Hofoper beflügelte seine Phantasie und bestärkte ihn auf seinem Weg zu einem neuen Stil, hin zum "strengen Historismus".
Anders als die Architekten des frühen, romantischen Historismus - unter ihnen Sicardsburg und van der Nüll - setzte er sich mit der Baukunst der Hochrenaissance auseinander.
Und konsequent ging er weiter, liess sich von der "Neorenaissance" zurück zur klassischen Antike führen. Hier war Hansen buchstäblich zu Hause. Denn bevor der gebürtige Däne 1846 nach Wien gekommen war, hatte er acht Jahre lang in Athen studiert und auch als Architekt gewirkt.
Für die Aufführung "classischer Werke" hatte Hansen ein wahrhaft klassisches Ambiente geschaffen. Die Musikfreunde konnten stolz sein auf ihr neues Haus. Mit feierlicher Freude formulierten sie 1870, drei Jahre nach dem ersten Spatenstich, die Urkunde zur Schlußsteinlegung:
"Der Tonkunst in Schule und Meisterschaft geweiht, soll dies Haus sein und bleiben: ein Kunstwerk an sich, eine Heimat der Musik, eine Zierde der Stadt und des Reiches."