Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/2288

| Eusebius von Cäsarea († um 340) - Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum)

Buch III
5. Über den Osterstreit.
Es fand sich aber auch noch eine andere, äußerst schwere Krankheit von früher her vor, die schon seit langer Zeit die Kirchen beunruhigte, der Streit über das Osterfest; während nämlich die einen behaupteten, man müsse der Sitte der Juden folgen, sagten die andern, es zieme sich, genau die Zeit einzuhalten und nicht denen in die Irre nachzufolgen, die ferne der Gnade des Evangeliums stünden. Da also auch in dieser Frage schon seit langer Zeit die Völker allüberall gespalten waren und die göttlichen Satzungen derart in Verwirrung gerieten, daß bei ein und demselben Fest die Abweichung von der rechten Zeit den größten Zwiespalt unter denen hervorrief, die das Fest begingen, weil die einen sich in Fasten und Kasteiungen übten, während die andern ihre Zeit der Erholung und Muße widmeten: da konnte kein Mensch mehr eine Heilung für solches Unheil finden, weil der Streit beiden Parteien gleiche Aussichten bot; nur dem allmächtigen Gott war es leicht, auch hier Heilung zu schaffen, und seine Gaben zu vermitteln schien ihm unter allen Menschen auf Erden einzig Konstantin geeignet. Da dieser von dem eben Berichteten Kunde erhalten hatte und sah, daß sein Schreiben an die Alexandriner erfolglos sei, da ging er sorgfältig mit sich selber zu Rate und glaubte unter diesen Umständen einen andern Krieg gegen den unsichtbaren Feind führen zu müssen, der die Kirche in Verwirrung brachte.