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Malcolm Gladwell will in seinem neuen Buch Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht mit Vorurteilen über Erfolgsmenschen aufräumen. Er will zeigen, dass nicht herausragendes Talent allein zum Erfolg führt, sondern auch Glück und Zufall. Eine Einsicht, die für Jungunternehmer durchaus relevant ist.
Bill Gates muss ein Genie sein. Wie sonst sollte man sich seine Karriere erklären? Joe Flum, ein pummeliges aber brillantes Einwandererkind wird zu einem der mächtigsten Anwälte in New York. Die klassische Geschichte eines verschrobenen Genies, das dank seiner aussergewöhnlichen Begabung zu Macht, Ruhm und Ehre gelangt? Malcolm Gladwell will in seinem neuen Buch Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht (Affiliate-Link) seinen Protagonisten weder Begabung noch Ehrgeiz und Disziplin absprechen, aber deren Erfolgsgeschichten genauer betrachten und dem Leser aufzeigen, dass die Geschichten erfolgreicher Sportler, Musiker und Unternehmer massgeblich geprägt sind durch… die Kultur, die Familien und Freunde sowie das soziale Umfeld der Überflieger.
Glückspilz Bill Gates
Am Beispiel von Bill Gates erläutert Gladwell, wie wichtig es für eine Person ist, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Bill Gates hatte das Glück, in einer wohlhabenden Familie aufzuwachsen, die ihren Sprössling in eine Privatschule schickte, die kurz nach Bills Eintritt einen Computerclub gründete. Bill verbrachte so viel Zeit wie möglich an den Computern. Dank einer zufälligen Bekanntschaft bekam er die Möglichkeit, Programme einer Firma zu testen und im Gegenzug an den Wochenenden seine eigenen Programme auf den Rechnern der Firma zu testen. Die Firma ging zwar pleite, doch schnell fand sich ein anderes Unternehmen, das in einen ähnlichen Deal einwilligte. Bill selbst bezeichnet seinen Weg von den Anfängen bis zu Microsoft als eine „glückliche Verkettung von Ereignissen“.
Willensmensch Bill Gates
Natürlich brauchte Bill nicht nur Glück: Er packte die Chancen, die sich ihm boten beim Schopf. Er programmierte so viel er konnte. Als er Microsoft gründete, hatte er bereits über 10’000 Stunden Programmiererfahrung. Gladwell verweist auf Psychologen, die in den 1990er Jahren in Deutschland Studien durchführten, um herauszufinden, wie viel praktische Erfahrung eine Person sammeln muss, um herausragende Fähigkeiten auf dem entsprechenden Gebiet zu entwickeln. Die Forscher legten dar, dass Elitemusiker bis nach dem Studium mehr als 10’000 Stunden geübt hatten, gute Studenten 8000 und jene, die Musiklehrer wurden, nicht aber Profimusiker 4000 Stunden. Wer Erfolg haben will muss diszipliniert arbeiten. Das Genie, dem herausragende Fähigkeiten in den Schoss gelegt wurden, ist ein entzaubernswerter Mythos.
Erfolgs-Geschichten
Gladwell holt den Leser in die Geschichten seiner Protagonisten, will darstellen, dass diese Menschen nur zu „Überfliegern“ werden konnten, weil sie in eine Familie geboren wurden, die sie förderte; oder in einer Zeit des Umbruchs zur Welt kamen, die initiativen Menschen einzigartige Chancen bot. Er plädiert für eine vollständigere Darstellung von Erfolgsgeschichten, die nicht nur die Leistung und vermeintlich übermenschliche Talente der Erfolgreichen betont – besonders deutlich stellt er dies im letzten Kapitel des Buches anhand der Geschichte seiner eignen Familie dar.
Malcolm Gladwell zeigt dass Erfolg nicht das Werk eines Einzelnen allein sein kann, sondern genauso vom dessen Umfeld abhängt. Wer die Gunst der Stunde als Erfolgsfaktor begreift wird mit offeneren Augen durchs Leben gehen, Chancen eher als solche, Rückschläge nicht als vernichtende, selbstverschuldete Niederlagen begreifen – man kann auch einfach mal Pech haben –, sondern seinen Blick wieder nach Vorne richten, im Wissen, dass ein neuer Tag neues Glück bringen kann – eine für Jungunternehmer vielleicht triviale aber doch fundamental wichtige Einsicht.