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Das Offizielle Kursbuch im Wandel der Zeit
Neu ist das Kursbuch 2018 für Bahnen, Schiffe und Seilbahnen in limitierter Auflage in einem kompakten Band erhältlich – zwar ohne Postauto- und Busverbindungen, dafür dreimal leichter als das Offizielle Kursbuch vorher. Neue Herausgeber sind die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr, Pro Bahn Schweiz und der Verkehrs-Club der Schweiz. Bruno Benz, pensionierter Mitarbeiter der Stämpfli AG, erläutert die Geschichte des Offiziellen Kursbuches der Schweiz, dessen Druck die SBB aus Nachfrage- und Kostengründen per 2018 eingestellt haben.
Als die Bern-Worb-Bahnen (heute RBS) 1898 ihren Betrieb aufnahmen, herrschten im Eisenbahnwesen unseres Landes chaotische Zustände. Die von privaten Gesellschaften gebauten Eisenbahnlinien standen zum Teil in Konkurrenz zueinander, was einzelne von ihnen in den Ruin trieb. 1898 sprach sich das Volk für die Verstaatlichung der wichtigsten Linien aus. Die Folge davon war 1902 die Gründung der Schweizerischen Bundesbahnen.
Das erste Kursbuch und seine Vorläufer
1905 kam im Verlag Stämpfli das erste Offizielle Kursbuch heraus, dessen Redaktion 1907 die Generaldirektion der SBB übernahm. Sein Vorläufer war der «Schweizer Conducteur», den die Stämpfli & Cie im Auftrag der Oberpostdirektion 1892 erstmals anbot. Noch älter ist der «Reisebegleiter für die Schweiz, Fahrtenplan der Schweizer Eisenbahnen, Posten und Dampfboote», der schon 1856 beim Zürcher Buchdrucker David Bürkli erschien. 1934 wechselte der Verlag des Kursbuches zu den SBB. Zum selben Zeitpunkt wurde ihm ein neues Konzept verpasst. Spezielle Ziffern machten es lesbarer, und die verschiedenen Transportarten erhielten eigene Papierfarben: Bahn weiss, Post gelb, Schiffe blau, Ausland rot und Erläuterungsseiten grün.
Auflagen und Umfang
Aufzeichnungen aus dem Jahr 1927 sprechen von einer Auflage von 28 000. 1950 war sie auf 160 000 Exemplare angestiegen. Am Ende der Bleisatzzeit, 1982, erreichte sie fast 400 000 Exemplare, und ab 1987 begann die Nachfrage zurückzugehen. Bereits 1960 zählte ein Kursbuch etwa 788 Seiten, 1980 waren es über 1000, und später entwickelte sich diese Zahl derart, dass man es in drei Teilen binden musste. Bis 1987 gab es zwei Ausgaben: Im Mai erschien der Sommer- und im Dezember der Winterfahrplan, davor Entwürfe und Vorentwürfe, die einer breiten Vernehmlassung dienten.
Der Arbeitsablauf
Die Redaktion der SBB vergrösserte die Seiten des letzten Kursbuches, schnitt die Ziffernspalten voneinander, klebte sie auf linierte grossformatige Blätter und trug die Änderungen von Hand ein. Anhand dieser Manuskripte wechselten die Setzer mit Ahlen und Pinzetten an speziell eingerichteten Arbeitsplätzen alles aus, was geändert werden musste. Die vorhandenen Sätze bestanden pro Seite aus nicht weniger als etwa 9000 Einzelteilen. Nach mehrmaligem Hin und Her der Korrekturabzüge zwischen Redaktion und Stämpfli stellte man galvanoplastische, später mit Kunststoff erzeugte Druckplatten her, denn ein Druck ab Satz wäre der hohen Auflagen wegen unmöglich gewesen. Auf zwölf Maschinen wurde im Zwei- und Dreischichtbetrieb gedruckt, davon arbeiteten ab den Fünfzigerjahren zwei nach dem Rotationsprinzip. Allerdings muss man sich vergegenwärtigen, dass die Stundenleistungen bescheiden waren. Zwei Neuanschaffungen stiessen noch 1964 nicht mehr als 4000 einseitig bedruckte Bogen aus. Erst 1970 kam eine erste Offset-Rotationsmaschine mit einer Stundenleistung von 7000 beidseitig bedruckten Bogen zum Einsatz.
Später Abschied vom Blei
Im Laufe der Siebzigerjahre hatte bei Stämpfli wie in allen Druckereien der Bleisatz ausgedient. Einzige Ausnahme war das Kursbuch. Zwar gab es schon 1970 erste Versuche, die Kursbuchseiten mithilfe von Lochkarten manuskriptlos herzustellen. Jedoch dauerte es zehn weitere Jahre, bis schliesslich 1982 das Ziel der Ganzseitenausgabe im Lichtsatz erreicht wurde. 1982 war auch die Geburtsstunde des Taktfahrplans der öffentlichen Verkehrsmittel, den sich heute kaum jemand mehr wegdenken könnte. Schliesslich richteten 1994 die beteiligten Transportunternehmen eigene Datenbanken ein, und der Druck und die Weiterverarbeitung wurden auf mehrere Betriebe verteilt.
Literarische Würdigung
Aus Sicht der Literaturkritik wird «eine ungewöhnliche Reinheit der Sprache» und eine «bestürzende Sachkenntnis des Verfassers» deutlich:
Bruno Benz, pensionierter Mitarbeiter der Stämpfli AG