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Am gestrigen Dienstag, 26. Juli 2022, war es endlich soweit: Kroatien konnte die Eröffnung der Pelješac-Brücke feiern. Die Extradosed-Brücke ist 2,4 Kilometer lang, 21 Meter breit und 55 Meter hoch; das Brückenkonzept umfasst eine vierspurige Strasse mit einer Fahrspur und einer Stoppspur auf jeder Seite. Sie führt von Brijesta, auf der Halbinsel Pelješac, hinüber nach Komarna, auf dem dalmatinischen Festland.
Warum ist die Eröffnung dieser Brücke wichtig? Weil sie damit den Süden Kroatiens oder genauer die Gespanschaft Dubrovnik-Neretva mit dem nördlichen Kroatien, in diesem Fall mit der Gespanschaft Split-Dalmatien, verbindet. Bislang war die Gespanschaft Dubrovnik-Neretva eine kroatische Exklave, getrennt vom nördlichen Kroatien durch einen schmalen Landstreifen, welcher zu Bosnien-Herzegowina gehört und den einzigen Meereszugang dieses Landes darstellt. Wer bislang von Dubrovnik in Richtung Split fuhr, musste somit auf einem kurzen Streckenabschnitt durch Bosnien fahren. Das war insofern problematisch, als Kroatien Teil der EU ist, Bosnien indes (noch) nicht.
Das Problem ist nun Vergangenheit: Die Brücke, deren Bau 2018 begann und welche von der chinesischen China Road & Bridge Corporation erstellt wurde, schliesst diese Lücke, oder genauer: Umfährt diesen Landstrich. Die Brücke war im Prinzip vor einem Jahr schon fertig, doch bis zur feierlichen Eröffnung wurden zuerst noch 12 Kilometer lange Zufahrtsstrassen in beide Richtungen auf beiden Seiten der Brücke sowie zwei Tunnel (0,5 km und 2,47 km), zwei kleinere Brücken (0,51 km und 0,008 km), ein Viadukt (0,16 km) und zwei Rastplätze erbaut. Noch in Planung ist eine 7,9 Kilometer lange Umgehungsstrasse um die berühmte Austernstadt Ston auf der Halbinsel Pelješac.
Der Direktor des Kroatischen Fremdenverkehrsamtes, Kristjan Staničić, erklärt: «Der Bau der Pelješac-Brücke ist eines der wichtigsten strategischen Projekte in der Geschichte Kroatiens, vor allem, wenn man weiss, dass der Bau den Süden Kroatiens mit dem Rest des Landes verbindet. Das bedeutet eine noch bessere Verkehrsanbindung von Dubrovnik, unserer touristischen Perle und einem der beliebtesten Reiseziele Kroatiens, sowie der gesamten Halbinsel Pelješac. Das Reisen durch diesen Teil des Landes wird von nun an viel praktischer und angenehmer sein, und wir sind besonders stolz darauf, dass die Brücke mit ihrem komplexen und einzigartigen Design den Blick auf die Maliston-Bucht auf interessante Weise verändert hat.»
Sturm- und windbedingte Probleme sind nicht zu erwarten, da die Brücke für Windstärken von 180 km/h ausgelegt ist. Unter der Brücke ist eine Durchfahrt für grosse Kreuzfahrtschiffe in Richtung Neum, der Hafenstadt im bosnischen Korridor, gewährleistet - ein Punkt, welcher den Bosniern sehr wichtig war. Die Gesamtinvestitionen in das Brückenprojekt belaufen sich auf 526 Millionen Euro, wobei der Anteil der EU-Mittel an der Finanzierung 357 Millionen Euro beträgt. Ein Ziel dieses Projekts bestand letztlich auch darin, den Zugang zur Region in Vorbereitung auf den Beitritt Kroatiens zum Schengen-Raum zu erleichtern.