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In einem Artikel (NZZ vom 20.01.2007, Nr. 16, S. 27) berichtet S. Aiolfi unter dem Titel "Wurde die Novartis-Fusion richtig beurteilt? Publikumsumfragen von 1996/97 in der Retrospektive" über die neue Broschüre von WISO.
"Der im März 1996 angekündigte Zusammenschluss von Ciba und Sandoz zum neuen Konzern Novartis hatte in der Industrie- und in der Medienwelt hohe Wellen geschlagen. Doch wie reagierte die Schweizer Öffentlichkeit? Repräsentative Umfragen, die wenige Tage nach Bekanntgabe des Mergers, einen Monat später und dann erneut im Februar 1997 durchgeführt und anschliessend publiziert wurden, vermitteln einen Eindruck der Vorstellungen, die sich das
Wie sich zunächst herausstellte, war der allgemeine Informationsstand über die Transaktion trotz umfassenden Presseberichten eher lückenhaft. Zwar hatte man die Fusion zur Kenntnis genommen, aber es dauerte eine ganze Weile, bis etwa der Name Novartis verankert war. Über die Aktivitäten des neuen Konzerns wussten die Befragten ebenfalls kaum Bescheid. Und auch die für die Fusion angeführten Gründe waren in der kollektiven Wahrnehmung nur in Bruchstücken haften geblieben ("mehr Umsatz, mehr Gewinn"). Trotz diesem rudimentären Wissen wurden die Zukunftschancen des neuen Konzerns von den Befragten jedoch mehrheitlich als "gut" bis "sehr gut" bezeichnet.
Verzögerter Aufschwung
Das Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitut Dr. Schoch und Partner, das die Enquête vor zehn Jahren durchgeführt hatte, ist in einer neuen Studie* nun der Frage nachgegangen, wie weit die damaligen Einschätzungen mit den tatsächlich eingetretenen Entwicklungen übereinstimmen. Die Analyse ergab, dass die Befragten die Lage zum grossen Teil realistisch eingeschätzt hatten: So lagen sie etwa mit ihrer Voraussage richtig, zu den Gewinnern der Fusion werde das oberste Kader gehören. Auch die Prognose, dass die Aktionäre vom Handel profitieren würden, erwies sich als zutreffend. Dagegen wurde die düstere Ahnung, die Arbeitnehmer würden einen hohen Preis für die Fusion zu bezahlen haben, nur zeitweise bestätigt. Bis 2000 kam es tatsächlich zu einem Stellenabbau; in der Folge setzte aber eine Gegenbewegung ein, die sich bis heute fortgesetzt hat.
Die grundsätzliche Zuversicht, mit der die befragte Öffentlichkeit das Fusionsvorhaben beurteilte, erweist sich in der Retrospektive mithin als gerechtfertigt, wenngleich es allenthalben etwas dauerte, bis sich die erhofften Resultate einstellten. Die in der Studie im Detail nachgezeichnete betriebliche Entwicklung von Novartis seit 1996 zeigt, dass die fünf fetten Jahre erst zu Beginn dieses Dezenniums begonnen haben.
Begrenzte Aussagekraft
Unabhängig davon, ob die damals befragte Öffentlichkeit im Nachhinein nun recht behalten hat oder nicht, stellt sich für den Leser der Studie die Frage, was für Schlüsse aus dem Vorher-nachher-Vergleich gezogen werden können. Auch wenn der "Mann auf der Strasse" in seinen spontanen Einschätzungen die Entwicklung zum Teil so sah, wie sie sich später einstellte, werden ihn Industrieführer auch in Zukunft wohl kaum als Orakel beiziehen wollen. Etwas ergiebiger wäre die Erörterung der Frage gewesen, ob die Investoren, von denen man annimmt, dass sie besser informiert sind als eine Gruppe zufällig ausgewählter Zeitgenossen, taugliche Investitionsentscheide getroffen haben. Und aufschlussreich wäre es auch gewesen, zu wissen, ob die öffentliche Meinung zu Mega-Fusionen, die vor zehn Jahren noch von einer grundlegenden Skepsis geprägt war, nach den Erfahrungen von Novartis (oder auch UBS) eine Änderung erfahren hat. Darüber allerdings macht die Studie leider keine Aussagen".
Rolf Schoch: Novartis - 10 Jahre danach. Forschungsbericht. Bevölkerungsumfragen zur Mega-Fusion von Ciba und Sandoz 1996 im Lichte der seitherigen Entwicklung. WISO-Schriftenreihe, Horgen 2007.