Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03479.jsonl.gz/1288

von Oliver Kaftan
Rechten Ideologien liegen zwei Persönlichkeitseigenschaften zugrunde, wovon sich – vereinfacht ausgedrückt – die eine auf Unterwerfung, die andere auf Dominanz bezieht. „Unterwerfung“ meint hier, dass sich Menschen traditionellen kulturellen Normen unterwerfen, die Unterwerfung unter Autoritäten unkritisch befürworten und Aggressionen gegenüber Personen zeigen, welche Normen verletzen. „Dominanz“ dagegen ist der Wunsch nach gruppenbasierter Dominanz und Ungleichheit zwischen sozialen Gruppen. Sie zeigt sich also darin, dass man glaubt, gewisse Menschengruppen seien besser, wertvoller als andere.
In einer Vielzahl an Studien konnten Forscher bereits zeigen, dass Personen mit den zwei genannten Persönlichkeitseigenschaften eher die Diskriminierung und Ausbeutung von Mitgliedern sozialer Gruppen befürworten, mit welchen sie keine von einem „Wir-Gefühl“ geprägte soziale Beziehung verbindet (sog. Fremdgruppe). Ebenso ist belegt, dass Rechtswähler eher Tiere ausbeuten und Fleisch essen als linksorientierte Wähler. Bis anhin unbekannt war jedoch, weshalb dem so ist, was also der zugrunde liegende Mechanismus ist. Essen Rechtswähler Fleisch einfach lieber oder steckt mehr dahinter?
In ihrer Studie untersuchten Kristof Dhont und Gordon Hodson zwei Mechanismen. Erstens hegten sie die Vermutung, dass Fleisch konsumierende Menschen durch die stets wachsende Fremdgruppe der Vegetarier und Veganer eine Bedrohung traditioneller Normen und ihrer den Fleischkonsum stützenden Überzeugungen erleben. Je mehr also eine Person über die eingangs beschriebenen Eigenschaften „Unterwerfung“ und „Dominanz“ verfügt, umso negativer ist ihre Einstellung gegenüber den Vegetariern und Veganern bzw. umso stärker ist die wahrgenommene Bedrohung. Folglich möchte die Person die eigene soziale Gruppe („Fleischesser“) und damit auch sich selbst von der Fremdgruppe („Vegetariar/Veganer“) schützen. Dies wiederum kann sie tun, indem sie eine höhere Akzeptanz des Fleischkonsums und der Ausbeutung von Tieren zeigt.
Der zweite untersuchte Mechanismus beruht darauf, dass Personen, welche die Ungleichheit zwischen Menschen gutheissen, auch eher denken, Menschen seien höhergestellt als Tiere. Entsprechend, so die Annahme der Forscher, sei es auch naheliegender, dass Menschen mit dieser Auffassung Tiere ausbeuten und Fleisch konsumieren.
In zwei Umfragen bei insgesamt 740 Studienteilnehmern konnten die Forscher ihre Vermutungen bestätigen. Zwar fanden die Autoren in der zweiten Studie, dass Personen mit höheren Ausprägungen bei den beiden für rechtsorientierte Wähler charakteristischen Eigenschaften den Geschmack, das Aussehen und den Geruch von Fleisch lieber mögen als linksorientierte Wähler, aber dieser Einflussfaktor vermochte die beschriebenen Mechanismen nicht in Frage zu stellen.
Damit zeigt die Studie von Dhont und Hodson eindrücklich, dass unsere politischen Ansichten mitbestimmen, ob Fleisch auf unserem Teller landet oder nicht. Zu tun hat dies damit, wer wir sind, genauer: mit welchen sozialen Gruppen wir uns identifizieren und mit welchen nicht. Und welche psychologischen Prozesse dies bei uns in Gang setzt. Nicht zuletzt ist unsere Entscheidung für oder gegen Fleisch davon abhängig, ob wir glauben, manche Menschen seien besser und wertvoller als andere, zumal diese Meinung direkt unsere Auffassung des Tier-Mensch-Verhältnisses beeinflusst.
Literaturangaben:
Dhont, K., & Hodson, G. (2014). Why do right-wing adherents engage in more animal exploitation and meat consumption? Personality and Individual Differences, 64, 12-17.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
Verwendung und Vervielfältigung in jeder Form, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Autors.