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Regens und Professor der Theologie in Ingolstadt 1577–1582
Rektor am Jesuitenkolleg München 1582–1590
Rektor am Jesuitenkolleg Augsburg 1590–1594
Provinzial der Oberdeutschen Jesuitenprovinz 1594–1600
Superior der Jesuitenniederlassung Konstanz 1602−1604
Otto Eisenreich (auch Eysenreich geschrieben) wird um 1546 bei München, wahrscheinlich in Oberweilbach, geboren.[1] Er besucht mit 16 Jahren das Collegium Germanicum in Rom und erbittet 20-jährig, angeblich beim Jesuitengeneral Franz von Borja in Rom, den Eintritt in den Jesuitenorden.[2] Noviziat und Studien absolviert er für jesuitische Verhältnisse in kürzester Zeit, denn schon 1577 ist er Regens am kurz vorher neueröffneten Collegium Albertinum in Ingolstadt.[3] 1579 ist er bereits Professor der Theologie an der dortigen Universität. Gleichzeitig mit Eisenreich doziert auch der berühmte Jesuitentheologe Gregor von Valencia in Ingolstadt.[4] 1578 und 1579 erscheinen mehrere gemeinsame philosophische und theologische Werke.
1582 kommt Eisenreich als Rektor an das Kolleg in München.[5] Er ist sofort mit den ersten Planungen der neuen Jesuitenkirche St. Michael konfrontiert und begleitet im engen Kontakt mit Herzog Wilhelm von Bayern und dem Architekten Friedrich de Sustris die Bauvorbereitung und den Bau bis 1690. «Dank des rastlosen Eifers des P. Eysenreich und der nie ermüdenden Opferwilligkeit des Herzogs Wilhelms» sei der Bau zügig vorangeschritten, schreibt Joseph Braun. Vermutlich hat Eisenreich noch den verheerenden Turmeinsturz miterlebt, der den Bau um sieben Jahre verzögert.[6]
1590–1594 wechselt er ans Kolleg Augsburg, wieder als Rektor.[7] Als Provinzial der Oberdeutschen Provinz ist er nun mehrheitlich in München anwesend und leitet die Ordensprovinz während sieben Jahren.[8] Anschliessend vertritt er den Orden als Prokurator der Provinz in Rom. 1601 wird er in die seit 1592 bestehende Jesuitenniederlassung Konstanz berufen, wo er 1602 das Amt des Superiors übernimmt.
Schon als Provinzial ist er Partei in den Verhandlungen um die Eröffnung eines Jesuitenkollegs und einer Jesuitenschule in Konstanz. Seine Stellungnahme 1599 und 1600 zu finanziell ungenügend gesicherten Plänen zeigen ihn als Realisten. Mit dem Kollegbau dürfe sich die Gesellschaft Jesu finanziell nicht belasten. Er wehrt sich auch gegen die Leitung eines Seminars durch Jesuiten. Seine Vertrautheit mit der Konstanzer Problematik und seine Erfahrungen mit dem Kollegbau in München dürften der Grund für die Versetzung nach Konstanz sein. Tatsächlich gelingt es ihm, in Verhandlungen den Vorrang des Kollegs vor dem Seminar zu sichern und bei den schwäbischen Klöstern und der Reichsritterschaft finanzielle Unterstützung für das Kolleg und das Gymnasium zu erhalten. 1603 sind auch die Bauplätze den Jesuiten übertragen, sodass P. Otto Eisenreich 1604 trotz oder wegen noch immer laufenden Verhandlungen mit der Stadt und dem Domkapitel den Grundstein zum Kolleg legt. Für die Ausführung ist im gleichen Jahr Br. Stephan Huber aus dem Kolleg Landsberg eingetroffen. Im August 1604 ist Grundsteinlegung der Kirche durch den Fürstbischof Jakob Fugger.[9] Die Fertigstellung des dank seiner Eigenmächtigkeit[10] begonnenen Kollegs und auch die Grundsteinlegung des Gymnasiums 1607 findet ohne P. Otto Eisenreich statt. Er kommt schon 1605 ins Kolleg Landsberg, offenbar wegen seiner angeschlagenen Gesundheit, und stirbt dort am 4. Mai 1609.
Der Lebenslauf von P. Otto Eisenreich stellt mit seinen Stationen (Rom – Ingolstadt – München – Augsburg – München – Konstanz – Landsberg) den klassischen Verlauf eines vom Orden geschulten und dem Orden verpflichteten Jesuiten dar. Im straff zentralistisch geführten Orden entscheidet immer der Obere aufgrund der Qualifikation des Ordensangehörigen über Ort und Tätigkeit. Um zu enge Bindungen und Abhängigkeiten zu vermeiden, wird kein Jesuit über längere Zeit am gleichen Ort belassen. Der Erfolg, aber auch die umfangreiche Feindschaft verdankt der Orden diesen Strukturen.
Auch wenn noch sehr wenig über P. Otto Eisenreich bekannt ist, kann doch sein erfolgreiches Wirken für die Kollegbauten in München und Konstanz schon jetzt gewürdigt werden.
Pius Bieri 2014
Anmerkungen:
[1] Geburtsdatum 1546/49 nach Böhm, Biographisches Lexikon S. 96 f. Gemäss Gröber allerdings 1534. Für die weiteren Lebensdaten folge ich Gröber. Der Geburtsort wird von Gröber mit München, in anderen Quellen mit Weilbach angegeben. Es kann sich kaum um die Ortschaft Weilbach im kurmainzischen Franken handeln, sondern muss sich auf ein Weilbach in der Umgebung von München beziehen. «Ober Weilbach, Dorf in Oberbaiern, im Bistum Freisingen, Rentamt München, Landgericht Dachau und Gebiet Schwabhausen» schreibt Melchinger 1796 (Geographisches Statistisch=Topographisches Lexikon von Baiern) über den möglichen Geburtsort.
[2] Lebenslauf Eisenreich nach Gröber. Borja oder Borgia ist 1565–1572 Jesuitengeneral. Gleichzeitig mit Eisenreich sind 1564/66 auch die Brüder Philipp Eduard und Oktavianus Secundus Fugger, 1646 und 1649 geboren, im Collegium Germanicum. Beide Fugger-Söhne sind 1579 Hauptstifter der Jesuitenniederlassung Augsburg.
[3] Gründung des Kollegs Ingolstadt 1576, nachdem bereits 1549 drei Jesuiten an der Universität unterrichten.
[4] Gregor von Valencia SJ (1549–1603), 1564–1572 Studien und Noviziat in Salamanca. 1571–1573 in Rom. 1573–1575 Lizenziat und Doktorat in Dillingen. 1575–1592 Professor in Ingolstadt, wo er bis 1597 tätig ist. 1598–1603 ist er Professor am Collegium Romanum in Rom. Er stirbt in Neapel.
[5] Gründung des Kollegs München 1559. Neubau von Kolleg und Kirche 1583–1597.
[6] Der Turm stürzt am 10. Mai 1590 auf den bereits fertiggestellten Chor. Erst 1593 wird, nun mit einer neuen Planung, weitergebaut. 1597 ist Einweihung.
[7] Gründung des Kollegs Augsburg 1680, mit Hilfe der Familie Fugger, gegen erbitterten Widerstand des Rates und des Domkapitels.
[8] Die Oberdeutsche Jesuitenprovinz umfasst das Gebiet der Bistümer Eichstätt, Freising, Konstanz, Regensburg, Salzburg, Brixen, Trient, Basel, Chur, Lausanne und Sitten, dazu die Ajoie und das Tessin. Der Verwaltungsssitz, das Provinzialat, liegt in München. Der Provinzial leitet die Provinz für eine begrenzte Amtszeit.
[9] Jakob Fugger (1567–1626) ist 1604–1626 Fürstbischof in Konstanz. Er schenkt 1603, noch als Dompropst, das Bauland für das Gymnasium.
[10] Der Baubeginn wird als unverhofft («iustus tunc mendicare potestis») bezeichnet. Angesichts des nicht nur in Konstanz vorherrschenden Widerstandes gegen die Niederlassung von Jesuiten ist dieser vorzeitige Baubeginn offenbar die klügste Lösung. Denn Eisenreich weiss, dass der von Bischof und Äbten gewünschte Baubeginn mit dem Gymnasium ein Kolleg in Konstanz nur auf die lange Bank geschoben hätte.
|Pater Otto Eisenreich SJ (um 1546–1609)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|um 1546||Oberweilbach bei Dachau, Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Rektor in München und Augsburg, Superior in Konstanz||1582–1604|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|4. Mai 1609||Landsberg am Lech, Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Kurzbiografie|

P. Otto Eisenreich (Eysenreich) SJ ist Rektor am Kollegium München während der entscheidenden Planungs- und Bauphase der Jesuitenkirche Sankt Michael. Als Provinzial der grossen oberdeutschen Provinz (1594–1600) obliegt ihm auch die Kontrolle von Neuplanungen und deren Finanzierung. Dass er anschliessend an diese Amtszeit nach Konstanz versetzt wird, muss auf seiner bereits intensive Kenntnis der dortigen Kolleg- und Gymnasiumsplanung und seiner Münchner Erfahrung als Bauherr beim Bau von Kolleg und Michaelskirche beruhen. Er wird in der Folge auch zum eigentlichen Bauherren-Vertreter und Organisator des Neubaus in Konstanz.
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