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dodis.ch/31347 Interne Notiz des Politischen Departements1
Schweizerische technische Hilfe für Peru. Tour d’horizon mit dem neuen Generalsekretär des Aussenministeriums, Botschafter Dr. Javier Pérez de Cuéllar2, Montag, 11. Juli 1966
1. Bundesprojekte
Ich gebe einen kurzen Überblick über die Entwicklung während des abgelaufenen Jahres und erwähne, dass die Budgetkürzungen eine gewisse Verzögerung in der Ausfertigung der Verträge gebracht haben, dass aber die praktische Durchführung der Projekte nicht darunter litt. Die Fortschritte seien erfreulich, die Aussichten gut, und es scheine zur Zeit, dass auch die Vertragsabschlüsse nun gefördert werden könnten.
Ich konstatiere, dass Herr Pérez gut orientiert ist und grosses Interesse zeigt. Er offeriert, uns bei allen Schwierigkeiten zu helfen. Ich vereinbare mit ihm, dass Herr Dr. Burri ihn in den nächsten Tagen aufsucht, um ihn im einzelnen über den heutigen Stand der Projekte, seine Probleme und seine Ideen für die nächste Zukunft zu orientieren. Sobald wir seine Hilfe oder seinen Rat beanspruchen müssen, zum Beispiel im Zusammenhang mit den Verträgen, würden wir uns dann gestatten, gemeinsam vorzusprechen. Dieses Vorgehen wurde vorgängig mit Herrn Dr. Burri abgesprochen und entspricht unseren Bedürfnissen und der Arbeitsweise der Beteiligten am besten. Die Botschaft bleibt für alles Wesentliche eingeschaltet, ohne dass der enge persönliche Kontakt zwischen Herrn Pérez und Herrn Burri, wie er schon in Bern bestand, gestört würde. Die gesellschaftlichen Beziehungen zu Dr. Pérez werde ich natürlich speziell pflegen.
Unmittelbar nach seiner Ankunft in Lima hat sich Herr Pérez mit dem Dossier Ayaviri befasst. Er sagte mir, dass er sehr beeindruckt gewesen sei vom Interesse von Herrn und Frau Bonvin und vom Einfluss und der Aktivität von Maître Roullet. Er habe auch einen guten Eindruck vom zukünftigen Leiter des Projektes, Herrn Fischer, erhalten.
Hier habe er konstatiert, dass die Kompetenzstreitigkeiten zwischen den drei Ministerien Landwirtschaft, Arbeit und Äusseres und gewisse Widerstände in den beiden Sachministerien die Angelegenheit ungebührlich verzögert habe. Die Schätzungskommission habe zwar kürzlich ihre Arbeit beendigt und habe festgestellt, dass San Juan einen Wert von 4 Mio. Soles habe. Nun behaupte aber das Landwirtschaftsministerium, dass sein Budget diesen Betrag nicht enthalte, während das Finanzministerium erkläre, es könne keine ausserordentlichen Gelder zuteilen, man müsse auf nächstes Jahr warten. Er, Pérez, finde das skandalös. Er betrachte es als persönliche Ehrensache, so rasch wie möglich eine Lösung zu finden4.
Am 13. Juli empfange der Präsident5 den Aussenminister6 und seine Mitarbeiter, und er werde den Fall dabei vortragen. Er werde sagen, die Schweiz habe Peru als Schwerpunkt für seine technische Hilfe ausgewählt, sei schon heute in vielen Projekten7 engagiert und habe nun für Ayaviri weitere 1,5 Mio. Franken Bundesgelder vorgesehen8. Wenn Peru nicht seinerseits seine Versprechungen und Verpflichtungen halte, würde in der Schweiz eine so grosse Enttäuschung ausgelöst, dass man die Hilfsbereitschaft der Schweiz aufs Spiel setzen würde. Peru müsse daher sofort die 4 Mio. Soles mobilisieren.
Bereits am Nachmittag des 13. Juli sagte mir der Protokollchef9, der ebenfalls an der Konferenz mit dem Präsidenten anwesend war, Herr Pérez habe tatsächlich mit ganz grossem Geschütz für Ayaviri gekämpft. Er habe den Präsidenten überzeugen können, dass man nicht wegen 4. Mio Soles die technische Hilfe der Schweiz gefährden dürfe. Herr Pérez habe den Auftrag erhalten, mit den zuständigen Ministerien eine sofortige Lösung zu finden.
Meine Bemerkungen: Ich habe mich selbstverständlich gehütet, den Eifer von Herrn Pérez irgendwie zu dämpfen. Wir brauchen diesen Eifer und müssen uns glücklich schätzen, dass wir nun in der peruanischen Verwaltung an massgebender Stelle einen so guten Anwalt haben. Ich bestätigte ihm auch noch ausdrücklich, dass es auch meines Erachtens in der Schweiz grosse Enttäuschung auslösen würde, wenn man nach all den Vorbereitungen für Ayaviri ein weiteres Jahr warten müsste mit der Unterzeichnung des Vertrages10.
Bei mir selber dachte ich aber, dass es natürlich auch seine Kehrseite hat, das Landwirtschafts- und Finanzministerium in dieser Weise zu forcieren. Von beiden hängen wir auch für unsere Regierungsprojekte ab, und den Präsidenten und den Gesamtkomplex der schweizerischen Hilfsbereitschaft kann man nicht zu oft als «Bölimann» brauchen. Dazu kommt, dass Herrn Fischers Aufgabe nicht leichter wird, wenn die verschiedenen Dienste des Landwirtschaftsministeriums von oben herab gezwungen werden, Mittel für den Kauf von San Juan frei zu machen und damit vielleicht andere Projekte zu kürzen, von denen sie mehr überzeugt sind.
Im Moment gibt es allerdings für Bern und für mich nichts anderes als Maître Roullet voll zu unterstützen. Später aber werden wir uns wieder darauf besinnen müssen, dass wir mit unseren Einflussmöglichkeiten haushalten müssen und dass alle Projekte, so auch die Regierungsprojekte, davon profitieren sollten. Ayaviri wird uns, bei allem Bestreben von Maître Roullet nach völliger Unabhängigkeit vom Bund, wohl immer wieder beschäftigen.
Ich berichte Herrn Pérez von meinem Besuch in Huariaca und meinem ausgezeichneten Eindruck des «PlanPestalozzi» und der Wirkung unseres Regierungsprojektes im Tale von Huariaca, das nun in Zusammenarbeit mit der Landreform durchgeführt werden soll. Es scheint mir, dass Herr Pérez dem Einsatz unserer Experten im Rahmen der grossen Regierungsaufgaben Landreform, SIPA und Bewässerungsanlagen (SanLorenzo und Arequipa) sehr sympathisch gegenübersteht.
4. Senati12
Ich orientierte Herrn Pérez über die Anfangsschwierigkeiten, die Verzögerungen des Projektes und die Enttäuschung der Experten. Die schwierigste Zeit scheint nun aber vorbei, da man heute weiss, dass am 1. August die Lehrlinge ihren allgemeinen Kurs beginnen und am 1. November unsere Experten mit ihren Spezialkursen starten können.
Die lange Anlaufszeit hat erlaubt, dass die ausländischen Experten und die peruanische Leitung des SENATI sich etwas aneinander gewöhnt und praktikable Kompromisse gefunden haben. Bei uns hat sich besonders günstig die Bildung eines beratenden Ausschusses der Schweizerkolonie (die Herren Helbling, Crochi und Reiser jun.) ausgewirkt, welcher unseren Experten beratend und vermittelnd zur Seite stand. Zur Zeit haben wir keine Hilfe nötig. Herr Pérez offerierte sich aber für alle Fälle, jederzeit einzugreifen, eventuell auch mit Direktor Romero, den er persönlich gut kennt – wie ich übrigens auch –, zu sprechen.
- 1
- Notiz (Kopie): E 2001(E) 1978/84 Bd. 909 (C.41.111). Verfasst von H. Hess. Kopien an A. R. Lindt, an die Abteilung für Politische Angelegenheiten des Politischen Departements und an K. Burri.↩
- 2
- Handschriftliche Marginalie: ex Ambassadeur à Berne.↩
- 3
- Zum Schweizer Projekt in Ayaviri vgl. den Bericht von O. Roullet vom August 1965, dodis.ch/31556.↩
- 4
- Zum Abschluss der Verhandlungen über den Projektvertrag für Ayaviri vgl. das Schreiben von H. Hess an A. R. Lindt vom 28. Oktober 1966, dodis.ch/31407.↩
- 7
- Über die landwirtschaftlichen Projekte der Schweiz in Peru vgl. die Berichte von G. Per rau - din vom November 1964, dodis.ch/31552 und von K. Burri vom 15. Februar 1965, dodis.ch/31352.↩
- 8
- Zu den Abkommen über die Entwicklungszusammenarbeit mit Peru vgl. DDS, Bd. 23, Dok. 134, dodis.ch/31350, das BR-Prot. vom 23. April 1965, dodis.ch/31348 und das BR-Prot. Nr. 1329 vom 17. Juli 1964, E 1004.1(-) 1000/9 Bd. 687.2.↩
- 10
- Vgl. Anm. 8.↩
- 11
- Zum Projekt Pestalozzidorf vgl. das Schreiben von R. Fässler an A. R. Lindt vom 9. September 1964, dodis.ch/31409.↩