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Mattli Hunger, Walser, aufgewachsen im Safiental:
«Der Glaspass war für die Safier während Jahrhunderten das Tor zur Aussenwelt. Die Ware wurde im Sommer mit dem Tragreff, ein Gestell aus Holz, welches auf dem Rücken getragen wurde von Tal zu Tal transportiert. Im Winter konnte der sehr steile Abstieg nach Safien mit dem Schlitten über die Schneefahrbahn überwunden werden. Damals besassen die Bauern von Safien Platz Wiesen auf Glas und mussten im Winter das Heu aus dem Stall ins Safiental hinunterziehen. Der Briefträger brachte die Post von Thusis über den Glaspass nach Safien und zwar am gleichen Tag zu Fuss hin und zurück. Bis in die Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts gingen die Safier mit ihrem Vieh noch über Glas auf den ‹Thusnermärt›.»
Während Jahrhunderten war der Glaspass die wichtigste Verbindungsroute für die Bewohner des Safientals. Regelmässig wanderten sie über den Glaspass nach Thusis, um sich Lebensmittel und andere Waren zu besorgen. Der Zins für das Kloster Cazis wurde über den Pass transportiert und am Markt in Thusis verkauften die Safier oftmals ihr Vieh. Im Winter wurden Schlitten für den Materialtransport genutzt, im Sommer kam das Tragreff, ein hölzernes Gestell auf dem Rücken, zum Einsatz. Mit Seilen und Knoten wurde die Ladung festgebunden, damit sie sicher am Zielort ankam. Der steile Aufstieg von Safien nach Innerglas, der wegen seinen vielen Kurven auch «Stägä» genannt wurde, nahm etwa 1 ½ Stunden in Anspruch. Lawinen, Murgänge und umgestürzte Bäume erschwerten das Passieren zusätzlich. 1501 übernahm Tschappina den Unterhalt des Weges. Dieser war aufwändig und führte immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Tschappina und Safien. Trotzdem war diese Route einfacher offenzuhalten als der Weg über den Safierberg nach Splügen im Süden des Safientals.
Bau der Strasse im Safiental
Der Glaspass verlor an Bedeutung als 1885 die Fahrbahn von Thalkirch nach Versam gebaut wurde und sich das Tal nach Norden öffnete. Die Fahrt mit der Postkutsche von Safien Platz nach Versam dauerte damals bei guten Wetterbedingungen vier bis fünf Stunden. Die Post, die früher mit dem Tragreff über den Glaspass gebracht wurde, konnte nun mit einer Kutsche bis nach Thalkirch geliefert werden. Erst im Winter 1953/54 wurde auch im Winter die Pferdekutsche durch ein Postauto ersetzt.