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...die im Dunkeln sieht man nicht. Benjamin Bilses ungleicher Bruder: August Bilse 1828 bis 1909
Johann Carl August Bilse kam am 21. März 1828 zur Welt. Er war das jüngste von fünf Kindern von Gottlieb Benjamin und Anna Rosina Bilse. Zwei seiner Brüder, Johann Ernst Benjamin und Friedrich Ferdinand (geb. 1824), wurden wie er Musiker; Friedrich Ernst (geb. um 1819) wurde Gastwirt. Von seiner Schwester ist nichts weiteres bekannt.[1]
Die Bilses lebten in Schwarzvorwerk am Rande von Liegnitz, in der Glogauer Vorstadt, wo sie einen bescheidenen Gasthof mit Namen "Schwarzkretscham" betrieben. "Es muß vermutet werden", so schreibt Jochen Güntzel, "daß die Familie Bilse von dem kleinen Kretscham und der winzigen Landwirtschaft, die hier als "Kräuterei" bezeichnet wurde, kaum leben konnte. Wahrscheinlich hatten die Nachbarn, die als "Gärtner" und "Häusler" zu der untersten Schicht der ländlichen Bevölkerung zu zählen waren, kaum Geld. Unterhalb dieser sozialen Gruppe gab es nur noch die "Einlieger", die nicht einmal über ein eigenes Haus oder Gartenland verfügen konnten und völlig abhängig waren. Zudem war die wirtschaftliche Lage in Schlesien nach den napoleonischen Feldzügen und den Befreiungskriegen, in denen gerade die Schlesier große Opfer brachten, für viele Jahre sehr bedrückend. Hinzu kamen die häufigen Mißernten, Teuerungen und Überschwemmungen."[2]
Als August Bilse drei Jahre alt war, starb sein Vater[3]. Seine Frau Anna Rosina, eine geborene Stier, führte den Schwarzkretscham weiter. Ihr ältester Sohn, der 15jährige Johann Ernst Benjamin, wurde jetzt zu ihrer wichtigsten Stütze. Benjamin, ein ehrgeiziger und tüchtiger Junge, hatte im Jahr zuvor seine Lehre in der von Ernst Friedrich Scholz geleiteten Stadtpfeiferei von Liegnitz begonnen.
Die Liegnitzer Stadtpfeiferei befand sich damals, wie die Stadtmusiken und Stadtpfeifereien in anderen deutschen Städten auch, in einer Krise: Mit der schrittweisen Einführung der Gewerbefreiheit seit Beginn des 19. Jahrhunderts fielen die einstigen Privilegien, aber auch die Schranken, in denen sich die zunftmässig organisierten Stadtmusici bis dahin bewegt hatten, immer mehr dahin. Die kleinen, oft nur aus einem Meister, einem oder zwei Gesellen und ebenso vielen Lehrlingen bestehenden Stadtpfeifereien wurden immer seltener als Turmbläser oder im Kirchendienst, bei einem Fürstenbesuch oder einer Galgenreparatur und ähnlichen offiziellen Anlässen eingesetzt. Auch das Aufspielen bei Hochzeiten und anderen Tanzvergnügen, früher ein Privileg der zunftmässig organisierten Stadtpfeifer oder Stadtmusici[4], wie sie auch hiessen, war inzwischen auch anderen Musikern erlaubt. Zugleich wuchs das Interesse an den symphonischen und konzertanten Werken moderner Komponisten. Auch an kleineren Orten versuchte man entsprechende Aufführungen zu ermöglichen, indem man die lokalen Kräfte im Rahmen eines bürgerlichen Musikvereins oder auf andere Weise zusammenfasste. Man folgte damit dem Vorbild grösserer Städte, wo die Möglichkeiten solcher Privatinitiativen zwar grösser waren, wo man aber gleichfalls noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und teils weit darüber hinaus ohne ganzjährige, von der öffentlichen Hand (mit)-finanzierte Symphonieorchester auskommen musste. [5] In Liegnitz hatte der Steuerassessor Hampe schon 1809 einen „Verein zu den musikalischen Übungen" gegründet, der sogar Mozarts „Requiem" aufführte und Abonnementkonzerte veranstaltete."[6] Im Juni 1833 gab Immanuel Sauermann, Gesanglehrer an der königlichen Ritterakademie, „unterstützt von den verehrten Mitgliedern der Sing-Akademie und den geschätzten Dilettanten hieselbst, ein grosses Konzert in der Niederkirche (...) in welchem, außer mehreren Vocal- und Orgelsachen, das Requiem von Mozart vollständig aufgeführt wird." Doch hätte nach Meinung des Rezensenten des "Correspondent von und für Schlesien"[7] „die schöne Kirche noch gefüllter seyn „ können. Und in den 1830erjahren hatte die Liegnitzer Stadtpfeiferei unter der Leitung von Ernst Friedrich Scholz, dem Lehrmeister des jungen Benjamin Bilse, damit begonnen, abendliche Konzerte zu geben, wobei er, "zum Entsetzen der älteren Generation meist zum Schluß die Wiener Walzer eines Strauß und Lanner mit Schwung und Feuer" gespielt haben soll.[8]
Die Städte besoldeten zwar den Leiter der Stadtpfeiferei. Löhne für andere Musiker waren jedoch nicht vorgesehen. Solche musste der Leiter einer Stadtpfeiferei in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlen, was dazu führte, dass man weniger wichtige Stimmen aus Kostengründen gerne mit den Lehrlingen oder mit nebenberuflichen Musikern zu besetzen versuchte. Interessierte Liebhaber, die nachdem damaligen Sprachgebrauch als „Dilettanten" bezeichnet wurden, wirkten nur bei Oratorien- oder Benefizkonzerten mit. Auch in Bezug auf die Beschaffung von Noten und guten, den erhöhten Ansprüchen gewachsenen Instrumenten war auf städtische Hilfe kaum zu hoffen. Man wollte schöne Musik, aber kosten durfte die Sache möglichst nichts. Dafür mischte sich die Stadtverwaltung oft ein, wenn es um die Festsetzung von Eintrittspreisen für ein Konzert oder um zu entrichtende Saalgebühren und ähnliches ging. Ein Stadtmusicus musste also nicht nur ein guter Musiker, sondern auch ein tüchtiger Unternehmer und Chef sein, um sich in dieser Situation zu behaupten.
Als Lehrling wurde man nicht nur so bald wie möglich im Orchester eingesetzt; man spielte auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den umliegenden Dörfern oder den Häusern der Stadt. An besonderen Tagen konnten das schon einmal zwei, drei oder gar vier Auftritte in wechselnden Formationen sein: Morgens in der Kirche, am Nachmittag im Biergarten und - nach einem strammen Marsch über Land - abends noch bei einer Tanzerei im Nachbarort. Je nach Vermögen und Notwendigkeit spielte man dabei morgens die Geige, am Nachmittag die Flöte und am Abend das Cello. Auch dies war nötig, denn nur wenn jeder neben seinem Hauptinstrument mindestens noch zwei oder drei andere Instrumente einigermassen passabel zu spielen verstand, und nur wenn sich alle nach Kräften einsetzten, war die Kapelle eines Stadmusikus´ finanziell überlebensfähig.
Das war natürlich in vielerlei Hinsicht keine sehr befriedigende Ausbildungssituation, denn sie liess kaum Zeit für systematische Studien. Dies war natürlich besonders dort der Fall, wo eine Kapelle fast ausschliesslich mit Lehrlingen besetzt war, die vor allem Geld einspielen sollten. Aber eine musikalische Ausbildung, wie sie in wohlhabenderen Kreisen üblich war - Privatunterricht bei gediegenen Lehrern in einer grossen Stadt, Kunstreisen und jahrelanges Üben und Studieren , vielleicht auch der Besuch eines der damals im Entstehen begriffenen neuen Konservatorien - kam für die Kinder ärmerer Familien zu der Zeit nicht in Frage. Auch bei den Bilses fehlte dafür das Geld, und Benjamin wurde zuhause gebraucht. Man konnte nicht jahrelang auf ihn verzichten.
Immerhin: Bei guten Lehrmeistern - und Benjamins Lehrmeister scheint ein solcher gewesen zu sein - hatte diese nicht nur in Deutschland weit verbreitete Art der Ausbildung mit ihrer grossen Praxisnähe auch ihre Vorteile, und viele erfolgreiche Musiker des 19. Jahrhunderts haben ihre Laufbahn als Lehrlinge in einer Stadtpfeiferei begonnen.
Benjamin Bilses Lehrvertrag - ein Standardvertrag in jener Zeit - sah eine unentgeldliche fünfjährige Lehrzeit vor. Als Gegenleistung für die kostenlose Ausbildung sollte er anschliessend "weitere vier Jahre als Konditionsgeselle gegen Beköstigung und Unterkunft, jedoch ohne Lohn" in der Stadtpfeiferei verbleiben.[9] Während seiner Lehrzeit freundete Benjamin Bilse sich u. a. mit Eduard Seiler, dem nachmaligen Gründer der bekannten Liegnitzer Klavierfabrik Ed. Seiler, der ebenfalls bei Scholz in die Lehre ging, an. Mit ihm zog er öfter über Land, um in den Dörfern zum Tanz aufzuspielen. Er spielte überdies im Hausmusikkreis des Arztes Dr. Schmieder, "eines leidenschaftlichen Liebhabers der Tonkunst", der früher in Wien mehrmals mit Beethoven zusammengetroffen sein soll[10], und wurde auch in anderen Häusern bekannt. Die Stadtpfeiferei bot jungen Musikern wie Benjamin nicht nur eine musikalische Ausbildung. Sie bot einigen von ihnen auch die Gelegenheit, sozial aufzusteigen.
Im Laufe der Zeit entwickelte Benjamin Bilse sich zu einem guten, ja sehr guten Geiger. Er wurde mit allen die Führung eines Orchesters betreffenden Dingen vertraut. Er konnte dirigieren, konnte Stücke für unterschiedliche Besetzungen arrangieren und kannte einen Gutteil der damals gespielten Musik.
Gegen Ende der 1830er Jahre war Friedrich Ferdinand, ein anderer Bruder von August Bilse, ebenfalls als Lehrling in die Stadtpfeiferei eingetreten. Sein Hauptinstrument war das Cello. Obschon es keine Belege dafür gibt und wir überhaupt kaum etwas über das Leben der Familie Bilse wissen, können wir annehmen, dass die Musik im elterlichen "Schwarzkretscham" damals keine unwesentliche Rolle spielte, und dass auch August bald in das musikalische Treiben seiner älteren Brüder einbezogen wurde.
1842 ging Benjamin, mittlerweile 26jährig und in Liegnitz längst als guter Musiker bekannt, für ein Jahr zu Weiterbildung nach Wien. Ermöglicht wurde ihm dieser Aufenthalt offenbar durch ein Stipendium oder Darlehen zweier Liegnitzer Bürger, des Kaufmanns Johann Gottfried Baumgart und des Gutsbesitzers Ehrhart.[11] "In Wien spielte der junge Musiker in den vielbewunderten Kapellen von Josef Lanner und Johann Strauß (Vater) und war Schüler von Prof. Joseph Böhm, der als einer der bedeutendsten Violinlehrer seiner Zeit galt."[12] Ende 1842 kehrte er nach Liegnitz zurück und übernahm die Stelle seines früheren Brot- und Lehrherren Ernst Friedrich Scholz als neuer Leiter der Liegnitzer Stadtpfeiferei.
Nach der Konfirmation im April 1841 stellte sich für August Bilse die Frage der Berufswahl, und es scheint beinahe selbstverständlich, dass auch er eine Lehre bei der Stadtpfeiferei begann. Ob der noch nicht 14jährige August von der Idee begeistert war oder ob er vielleicht ganz andere Träume hatte, wissen wir nicht. Auch darüber, was er während seiner Lehrzeit getan und gelernt hat, liegen keine Angaben vor. Wir können allerdings vermuten, dass es dabei ähnlich wie bei seinem Bruder Benjamin zuging, also Ausbildung an einem Hauptinstrument - im Falle von August war es ebenfalls die Geige - und einigen Nebeninstrumenten; Noten- und Partiturlesen; Einführung ins Dirigieren; Kopieren von Orchesterstimmern, Anfertigung von Arrangements für unterschiedliche Besetzungen etc. etc.. Dazu kam wiederum der Orchesterdienst und die unverzichtbaren Extraauftritte als Violinsolist.
Insgesamt forderte der neue Leiter der Liegnitzer Stadtpfeiferei von seinen Leuten sehr viel mehr als sein Vorgänger, denn Benjamin Bilse war nicht nur jung und dynamisch; er war auch ehrgeizig und hartnäckig. Und er hatte ein Ziel: Er wollte seine kleine Kapelle in ein modernes Orchester verwandeln, ein Orchester, das man auch ausserhalb von Liegnitz kennen sollte! Es war ein ehrgeiziges Ziel, doch er erreichte es. 1844, als Liegnitz an die Eisenbahn angeschlossen wurde, komponierte Bilse zu dem Anlass nicht nur einen Galopp, den „„Liegnitz-Breslauer-Eisenbahn-Galopp". Er nützte das moderne Verkehrsmittel seither auch, um in anderen Städten zu gastieren. So hörte man die "Bilsesche Kapelle" immer öfter in Breslau, Görlitz, Dresden, Leipzig, Stettin oder Königsberg.[13] Die auf diesen Reisen erzielten Extraeinnahmen ermöglichten es ihm, seine Musiker so zu bezahlen, dass sie als qualifizierte Berufsmusiker ohne Nebenjobs von ihrer Tätigkeit in seiner Kapelle leben konnten. Sie erlaubten ihm auch die Errichtung eines Instituts zur Ausbildung des musikalischen Nachwuchses, wodurch die Qualität seines Orchesters einmal mehr stieg. Bilse intensivierte die Probearbeit und spielte neben Walzern und anderer Tanzmusik auch anspruchsvollere Werke. Da ihm daran lag, auch weniger betuchte Menschen mit dieser Musik in Kontakt zu bringen, hielt er die Eintrittspreise für seine Konzerte bewusst niedrig. Als er 1857 mit seinem Orchester erstmals einen ganzen Sommer lang in Warschau spielte, begann man auch ausserhalb Deutschlands auf Bilse aufmerksam zu werden.
August Bilse erlebte diese Entwicklung zuerst als Lehrling, dann als Angehöriger des Orchesters von Anfang an mit. Neben der Orchesterarbeit traten die drei Bilsebrüder auch oft in Kammermusikkonzerten auf. Dabei scheint man neben Quintetten und Septetten vor allem Quartette gespielt zu haben, wobei Benjamin die erste Geige, August die zweite Geige und Ferdinand das Cello spielte.[14] Benjamin Bilse empfahl solche kammermusikalischen Engagements auch seinen anderen Musikern und zwar, wie Jochen Güntzel feststellt, nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus pädagogischen Gründen.
Zu den reisenden Solisten, die mit der Bilse´schen Kapelle in Liegnitz konzertierten und die sicherlich auf den jungen August Bilse Eindruck machten, gehörten u. a. die Pianisten Michael-Angelo Russo (1844 und 1845), Antoni von Kontski (1851 und 1853), Emanuel Kania (1853), Karl Mächtig (1854), Amalie Neruda (1855) und der Cellist Oswald (1853). Einen besonders tiefen Eindruck dürften auf den jungen Violinisten die Geiger Heinrich Wilhelm Ernst (1846), Carl Müller (1846 und 1850), Jerome Louis Gulomy (1849 und 1850), Hugo Zahn (1850), Edmund Singer (1853), Jean Joseph Bott (1854), Henri Vieuxtemps (1854), Wilhelmine Neruda (1855), Ferdinand Laub (1856) und hinterlassen haben.
Zu den Geigern, die der junge August Bilse Tag für Tag in den Proben und in den Konzerten erleben konnte, und die – neben seinem Bruder Benjamin – für ihn Maßstab und künstlerisches Vorbild werden konnten, gehörten die Geiger Fischer (1845-1847), Heinrich Poenitz (1847-1849, „klare Auffassung der Tondichtung" und „zarte Bogenführung"), Ruckenschuh (1849), Bähr (1850), Robert Zerbe und Heider (1855). Mit diesen Künstlern wirkte August in Aufführungen von Kammermusikwerken, Doppel- und Quadrupelkonzerten mit. Im Herbst 1856 wurde der „Geigenkünstler" Muhlmann „neu engagirt". Vielleicht verliess er die Kapelle seines Bruders, weil er es nicht ertrug, dass dieser 1856 den „Geigenkünstler" Muhlmann („sein Bogenstrich ist sicher und markig, seine Intonation rein") engagirt hatte.[15]
August Bilse war offenbar ein ähnlich guter Geiger wie sein Bruder. In den 1850er Jahren trat er bei den Konzerten der "Bilse'schen Kapelle", wie die Liegnitzer Stadtpfeiferei inzwischen allgemein genannt wurde, verschiedentlich als Solist auf, und dies offenbar nicht ohne Erfolg. So schrieb der Berichterstatter des Liegnitzer Stadt-Blattes am 7. Januar 1852 anlässlich der 2. Sinfonie-Soirée, einer von Benjamin Bilse organisierten und geleiteten Konzertreihe u.a.: „Herr A. Bilse, jüngster Bruder des Herrn Concertgebers, spielte das fünfte Concert für die Violine von Ch. de Beriot mit anerkennenswerther Fertigkeit und feiner Nuancierung. Er wußte die großen Schwierigkeiten, deren das Stück viel hat, mit Leichtigkeit und Anstand zu überwinden und einzelne Passagen mit der Rapidität zu exekutiren, welche durchaus dominiren muß, wenn die Komposition ihre Wirkung nicht verfehlen soll. Den jungen Künstler erfreute der ungeheuchelste Beifall des zahlreichen Auditoriums."[16] Drei Jahre später spielte August Bilse Mendelssohns Violinkonzert in e-moll. Wieder lobte der Kritiker die Leistung des jungen Bilse. Mendelssohns Musik empfand er im Vergleich zu Beriots einfacher, vom legendären "Teufelsgeiger" Paganini inspirierten Musikalität jedoch als zu gekünstelt und zu anspruchsvoll für das Liegnitzer Publikum. So lesen wir: "Das von Herrn A, Bilse vorgetragene Mendelssohnsche Concert für die Violine dürfte (...) wohl nie den Gesammtbeifall eines aus heterogenen Elementen zusammengesetzten Auditoriums zu gewinnen im Stande sein. (...). Für die Erreichung dieses Zweckes ist das Stück aus zu sehr gekünstelten und gesuchten Fragmenten zusammengesetzt, so daß solches wohl den Musiker vom Fach, nicht aber den Laien zu fesseln im Stand ist. Herr A. Bilse hat indeß seinerseits die vielen in besagter Piece enthaltenen Schwierigkeiten mit lobenswerter Bravour überwunden, so daß ihm dafür und für sein gediegenes Spiel überhaupt - am Schlusse lebhafter allgemeiner Beifall zu Theil wurde."[17]
Ein Jahr später führte August Bilse Beriots 5. Violinkonzert erneut auf. Dabei ist der Berichterstatter noch zufriedener als im Vorjahr: "Wir fanden seinen Strich markiger und bewußter, seine ins Dasein geförderten Passagen, die mitunter höchst schwieriger Art waren, viel leichter, duftiger und bestimmter und die Verwendung von Licht und Schatten naturgetreuer. Der am Schlusse des Stückes ausgesprochene Beifall ist ihm daher auch gewiß aus der Seele eines jeden Hörers geflossen." [18]
Trotz seiner Erfolge als Orchestermusiker und als Violinsolist löste sich August Bilse 1856/57 von seinem Bruder und dessen Kapelle. Über seine Motive können wir nur spekulieren, da sich in den spärlichen, bis jetzt aufgefundenen Quellen keine direkten Hinweise dazu finden. Vielleicht litt August Bilse unter der Autorität seines energischen und ehrgeizigen Bruders, der ja nicht nur sein musikalischer Mentor und Lehrer gewesen war, sondern der nach dem frühen Tod des Vaters auch einen grossen Einfluss auf die Erziehung des um 12 Jahre jüngeren August gehabt hatte. Vielleicht spielten musikalische Differenzen eine Rolle. Möglicherweise war es auch ein mit Benjamins Zustimmung unternommener Versuch, das Bilsesche Imperium nach dem Vorbild der Brüder Strauss in Wien durch Gründung einer weiteren Kapelle auszuweiten. Was auch immer die Gründe waren: Benjamin Bilse vermisste seinen jüngeren Bruder anfänglich offenbar nicht nur als Musiker, sondern vielleicht noch mehr als persönlichen Vertrauten und Assistenten. So schreibt er am 22. September 1856 in einem Brief an den Hof-Musikalien-Händler Herrn G. Bock in Berlin: "Seit mein Bruder fort von mir ist, liegt mir die ganze Last allein auf dem Halse. Wenn ich der Kunst nicht mit Leib und Seele ergeben wäre, würde ich muthlos werden." [19]
Die eigene Karriere:
Breslau, Hamburg, Surinam, Boston 1857 bis 1878
August Bilse liess sich zunächst in dem rund 60 km von Liegnitz entfernten Breslau (heute Wrocław) nieder.[20] Er spielte mit seiner eigenen Kapelle "jeden Donnerstag nachmittag im Lokal des Wintergartens", einem Lokal, in dem auch Benjamin Bilse schon gespielt hat[21], und versuchte auch sonst, - wie es scheint nicht ohne Erfolg -, in der Stadt fuss zu fassen. 1860 bezeichnet Theobald John, der Breslauer Korrespondent der in Wien erscheinenden "Deutschen Musikzeitung" die Kapelle von August Bilse jedenfalls bereits als das zweitbeste Orchester der Stadt. Besser sei einzig die Theaterkapelle. Die kurz nach diesem Bericht eingegangene[22] "Musikgesellschaft Philharmonie" und die "Springersche Kapelle" seien dagegen entschieden schlechter. Ganz zufrieden ist Theobald Johns mit den Leistungen der Kapelle allerdings nicht: "Man kann den Leistungen des Orchesters im allgemeinen nichts anhaben; es wird nach Kräften redlich studiert, und geputzt, einzelne Instrumente haben sehr gute Vertreter; aber dem Ensemble mangelt Feinheit und Verständnis, und besonders in der Symphonie kommt es nicht selten vor, dass die Instrumente in ihrer gegenseitigen Wirkung nicht genau genug abgewogen sind. Dieser Fehler wird sich aber im Laufe der Zeit beseitigen lassen, wenn der Dirigent fortfährt, gerade in diesem Punkt grössere Mühe aufzuwenden." Fazit: "Das Streben ist gut, nur glaube Herr Bilse nicht schon alles erreicht zu haben - - in Ausübung einer Kunst darf man sich niemals selbst genügen wollen, wenn man fortschreiten will."[23]
Wie sein Bruder Benjamin und andere Musik-Direktoren der Zeit versuchte auch August Bilse, seinem Breslauer Publikum anspruchsvollere Kompositionen schmackhaft zu machen, indem er sie in seinen Programmen mit einfacherer Kost vermischte: So standen am 10. November 1860 beispielsweise "Vierlings Ouvertüre zu Maria Stuard (Opus 14) und die Jupitersymphonie" von Mozart sowie der 1. Satz von Schumanns Klavierkonzert (mit Carl Mächtig) und drei Schubertsche Lieder zu Texten von Schiller (mit Adelheid Günther) auf dem Programm. Das vom Schiller-Verein organisierte grosse Konzert war zum Leidwesen des Korrespondenten allerdings wider Erwarten schlecht besucht.[24] Ob August Bilse nun zu wenig "geputzt" und "studiert" hatte oder ob ein vorzeitiger Wintereinbruch das Publikum zu Hause hielt, der Hinweis zeigt, dass es auch damals nicht einfach war, sich im Kunstmarkt durchzusetzen.
Ganz harmonisch scheint die Beziehung zwischen Benjamin und August Bilse inzwischen nicht mehr gewesen zu sein, denn die "neue Berliner Musikzeitung" berichtet 1861, dass Benjamin Bilse in Breslau "allwöchentlich Donnerstag-Concerte im Liebich'schen Saale veranstalten" wolle. An den anderen Tagen werde sein jüngerer Bruder, Herr Musikdirektor A. Bilse, "wie bisher" konzertieren, "wenn er, durch dies Zwischenspiel veranlasst, nicht einen anderen Ort wählt."[25] Ein Jahr später lesen wir in der "Neuen Berliner Musikzeitung", dass August Bilse, "ein Bruder des rühmlichst bekannten Dirigenten und Componisten Benjamin Bilse" mit seiner Kapelle in Hamburg konzertiert.[26]
War es ein Verdrängungskampf? Eine Flucht vor dem übermächtigen Bruder, der dabei war, zum internationalen Star zu avancieren, der 1867 zusammen mit Johann Strauss an der Pariser Weltausstellung spielen und sich danach in Berlin niederlassen und dort zu einer nicht wegzudenkenden Institution des musikalischen Lebens der Stadt werden würde? Oder war es der einvernehmliche Versuch , das Bilse'sche Familienunternehmen auf weitere Städte auszuweiten? Wir wissen es nicht. Doch je erfolgreicher Benjamin Bilse ist, desto mehr scheint August Bilse aus dem Tritt zu geraten.
Zunächst taucht sein Name noch ab und zu auf: Bis 1864 lebt er vermutlich in Breslau, von wo aus er – dem Beispiel Benjamins folgend - diverse Konzertreisen unternimmt. Genauere Angaben dazu liegen bis heute nicht vor. In jenen Jahren dürfte er auch seine erste Frau, Ida Valeska Mimili, die Tochter des in Breslau verstorbenen "General Commissions- Secretarius" Felix Rasper und seiner Frau Ida, einer geborenen von Collani, kennengelernt haben. Wann die beiden heirateten, geht aus den verfügbaren Quellen nicht hervor. [27]
Dann in den späten 1860er Jahren, geschieht etwas unerwartetes: August Bilse und seine um sieben Jahre jüngere Frau beschliessen, Deutschland zu verlassen und nach Surinam auszuwandern. Dass dieser Entschluss im Umfeld der beiden für einige Aufregung gesorgt hat, können wir annehmen, denn weshalb sollte ein in seiner Heimat erfolgreicher Musiker wie August Bilse in diese irgendwo in Südamerika gelegene holländische Kolonie auswandern? Weshalb sich und seine Frau der Strapaze der langen Seereise unterziehen? Weshalb sich den Unbequemlichkeiten und Gefahren des Lebens in den Tropen aussetzen? Weshalb sich in einer holländischen Kolonie ansiedeln, von der viele sagten, sie sei im Niedergang begriffen?
Möglicherweise war der Entschluss, nach Surinam zu ziehen jedoch auch weniger abenteuerlich, wie er auf den ersten Blick erscheint, denn die Kolonien boten damaligen Auswanderern auch komfortable Arbeitsplätze und einen Lebensstil, den man sich zuhause in der Regel nicht leisten konnte. . Durch das Aufkommen moderner Dampfschiffe waren Atlantiküberquerungen in den 1860erjahren zudem nicht mehr so strapaziös und unberechenbar wie noch 20 oder 30 Jahre zuvor, und Paramaribo, die Hauptstadt Surinams, hatte keinen schlechten Ruf: "Situated on the left bank of the Surinam river, fourteen miles from its mouth. The approach to Paramaribo is rather pretty, the houses very white, and the grass and foliage very green (...).Paramaribo is a much cleaner town than Georgetown, or Barbadoes, and, as a residence, is much preferable. The climate is drier and more free from fever ; that is very much owing to its being fifteen miles up, instead of at the mouth of the river", hatte ein Reisender 1851 geschrieben[28], und einige Jahre später meinte ein anderer Besucher der Kolonie, Surinam sei Holland unter einem anderen Himmel, und Paramaribo sei Amsterdam in anderem Wasser.[29]
August Kappler, der über 40 Jahre lang in Surinam gelebt hatte, äussert sich ebenfalls sehr positiv über diese kleine Stadt an dem breiten Fluss, welcher der holländischen Kolonie ihren Namen gegeben hatte. Er lobt die Schönheit und Einfachheit der Häuser, die zahlreichen Kirchen und den Fleiss und die Geselligkeit der BewohnerInnen Paramaribos, die aus den Familien der holländischen Pflanzer, aus einigen Kolonialbeamten und aus unternehmenden Kaufleuten aus Holland und anderen europäischen Ländern sowie einer grossen Zahl von Herrenhutern bestand, welche sich um die Bildung und das Seelenheil der örtlichen Bevölkerung kümmerte. Diese bestand aus wenigen Indianern und aus den schwarzen SklavInnen und ihren Familien, die während Jahrhunderten die Grundlage des Wohlstandes der holländischen Kolonialherren gebildet hatten. Man hatte die Sklaverei erst 1863 abgeschafft, und als August und Ida Bilse sich entschlossen, ihr Glück in Surinam zu versuchen, befand man sich dort in einer zehnjährigen Übergangsfrist, während welcher die ehemaligen SklavInnen weiterhin für ihre früheren Herren arbeiten mussten. Erst ab 1873 sollten sie völlig frei sein. August Kappler schätzt, dass die ganze Bevölkerung der Stadt "vor der Emanzipation" sich "vielleicht auf 10 000 freie Personen belaufen mochte, wovon, das Militär mit einbegriffen, kaum 1 500 geborene Europäer waren."[30] Diese "Emanzipation" war ein umstrittenes Projekt, doch angesichts des sich verändernden Umfeldes hatte man sich schliesslich auch in Holland zu dem Schritt entschliessen müssen.
Vielleicht war es also weniger Abenteuerlust oder Verzweiflung, sondern ein verlockendes Stellenangebot und die Aussicht auf ein breites, noch nicht besetztes Betätigungsfeld, welches August Bilse und seine Frau damals zu ihrem ungewöhnlichen Entschluss bewogen. August Bilse wird in Mendels musikalischem Konversationslexikon von 1872 jedenfalls als "holländischer Musikmeister" in Surinam bezeichnet [31], und der bereits mehrfach erwähnte Kappler gibt einen Hinweis darauf, was August Bilse in Paramaribo getan haben könnte, wenn er schreibt: "Viel wird für Musik getan, beinahe in jedem besseren Hause ist ein Klavier und nicht selten werden gute Liebhaberkonzerte gehalten." Denkbar ist also, dass August Bilse sich in Paramaribo während einiger Jahre als Kapellmeister, Organisator von Konzerten und als Musiklehrer betätigte. Es ist denkbar, aber irgendwelche konkreten Hinweise auf solche oder andere Aktivitäten fehlen zur Zeit ebenso wie Hinweise darauf, wann und auf welchem Weg die Bilse's nach Surinam gelangt sind.[32] Die Tatsache, dass der Lexikonbeitrag über seinen Bruder Benjamin, in dem August Bilses Arbeit in Surinam erwähnt wird, 1872 erschienen ist, lässt immerhin annehmen, dass die Bilses sich spätestens seit 1871, möglicherweise aber auch schon seit der Mitte oder dem Ende der 1860er Jahre in Surinam aufgehalten haben.
Erst 1873 tauchen die Bilses wieder auf dem Radar der Zeit auf und zwar als Passagiere des Schiffes Elsie, auf welchem sie am 17. September von Surinam her kommend in den Vereinigten Staaten eintreffen. Dabei verzeichnen die einschlägigen Passagierlisten neben Ida und August Bilse ("occupation Musician") noch einen dreijährigen Sohn, dessen Vorname mit H angegeben wird.[33] Dieser Sohn, so weit wir wissen das erste Kind der Bilses, vielleicht ein Hermann oder ein Helmut, kam also um 1870 auf die Welt. Ob der kleine Bilse in Surinam oder vielleicht auf dem Weg in die Kolonie geboren wurde, wissen wir nicht.
In den Vereinigten Staaten liessen die Bilse's sich in Boston nieder, wo Ida Bilse knappe zwei Monate nach ihrer Ankunft einem weiteren Kind das Leben schenkte. Das Mädchen, meine Urgrossmutter, erhielt den Namen Anna Bernhardine Elisabeth.[34] Am 29. Juni 1876 kommt in Boston ein drittes Kind zur Welt, welches am 12. Juli auf den Namen Anna Auguste Valeska Bilse getauft wird.[35] Inzwischen war August Bilse beinahe 50, nicht nur vor 130 Jahren ein ziemliches Alter für einen Vater mit drei kleinen Kindern, von denen der älteste gerade einmal sechs Jahre alt war.
Recherchen darüber, wie die Bilse's in den USA ihren Lebensunterhalt bestritten haben und wie ihr Alltag aussah, sind bisher ergebnislos verlaufen. Meine Mutter, Annemarie Näf, sprach gelegentlich davon, dass August Bilse in den USA Konzerte gegeben habe und dabei auch mit seinen Kindern aufgetreten sei, doch genaueres wusste sie nicht und auch in den Papieren der Familie finden sich keine entsprechenden Hinweise. Unmöglich ist es nicht. 1877 oder 1878 könnte er mit dem Jungen und dem älteren Mädel tatsächlich ein wenig herumgereist sein. Der Junge war damals sieben oder acht und Elisabeth vier- oder fünfjährig. Ob es August Bilse gefallen hat, mit zwei Wunderkindern durch die USA zu tingeln und sie in deutschen Einwandererkreisen vorzuführen? Ich wage es zu bezweifeln, doch von etwas musste die junge Familie ja leben, umso mehr als sie keine Beziehungen in den USA hatten, auf die man sich hätte stützen können. Jedenfalls hatten sie keine Kontaktpersonen angegeben, als sie in Surinam an Bord der Elsie gingen. Immerhin: August Bilse war ein Bruder des Kapellmeisters Bilse, von dessen populären Konzerten im Berliner "Conzert-Haus an der Leipzigerstrasse" man auch in Boston gehört hatte.[36] Vielleicht war seine Situation also nicht ganz so prekär.
Während einer dieser Konzertreisen, so eine andere, in unserer Familie kursierende Geschichte, habe August Bilse in Washington Herrn Lu En Tschang, einen noch jungen Mitarbeiter der eben erst eröffneten chinesischen Gesandtschaft kennengelernt. Es war eine Begegnung, von deren Folgen noch die Rede sein wird.
Am Rande der Gesellschaft. Berlin 1879 bis 1909
Wovon auch immer August Bilse und seine Familie in Surinam und in den USA gelebt haben mögen: Wenn sie Europa mit der Hoffnung verlassen hatten, sich in der Fremde eine dauerhafte neue Existenz aufzubauen, so war diese Hoffnung wohl nur bedingt in Erfüllung gegangen, denn 1879 finden wir August und Ida Bilse mit ihren drei Kindern wieder in Deutschland. Sie liessen sich in Berlin nieder, wo sie zunächst an der im Südwesten der Stadt gelegenen Wilhelmstrasse wohnen. August's Bruder Benjamin, der Liegnitz 1867 endgültig verlassen hatte und seither mit seinem Orchester in Berlin lebte, war damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Vom Herbst bis zum Frühjahr spielte er im neu erbauten Berliner "Conzert-Haus" an der Leipzigerstrasse. Sein von ihm über Jahrzehnte herangebildetes Orchester, das als das „anerkannt beste und beliebteste"[37] der Residenz galt, genoss einen hervorragenden Ruf, und die "Bilse-Konzerte" waren aus dem künstlerischen und gesellschaftlichen Leben der Hauptstadt der 1870er und der frühen 1880er Jahre nicht wegzudenken. Im Sommer ging Bilse mit seinem Orchester weiterhin auf Tournee. Er spielte in Brüssel oder Amsterdam, in Warschau oder Pawlowsk bei St. Petersburg. 1882 kam es über einem solchen Engagement allerdings zum Bruch mit dem grössten Teil des Orchesters, welches die von Bilse mit Warschau für den Sommer ausgehandelten Bedingungen nicht akzeptieren wollte. 50 oder 54 Musiker - der Kern der späteren Berliner Philharmoniker - trennten sich als „vormals Bilse´sches Orchester" wegen unerfüllter„Gagenfragen"[38] von Bilse, um auf eigene Rechnung weiterzumachen. Bilse, damals 66jährig, liess sich durch diese Meuterei allerdings nicht beirren: Er stellte innerhalb kürzester Zeit ein neues Orchester zusammen und machte weiter. Erst drei Jahre später, am 30. April 1885, verabschiedete er sich mit einem letzten grossen Konzert von seinem Berliner Publikum und zog sich nach Liegnitz ins Privatleben zurück.
Seit er sich in Berlin niedergelassen hatte, hatte Benjamin Bilse mehr als 3.500 Konzerte[39] gegeben. Er hatte sein Publikum nicht nur mit den inzwischen akzeptierten "Klassikern" – Bach, Händel, Haydn oder Beethoven - verwöhnt, sondern ihm auch neuere, ja neueste Musik zugemutet: Berlioz, Brahms, Schumann, Raff, Tschaikowski oder Wagner. Benjamin Bilse hatte mit einigen der bekanntesten Virtuosen seiner Zeit zusammengearbeitet und in seinem Orchester spielten zahlreiche hochkarätige Musiker. Anlässlich seines Abschiedskonzertes hatten die Behörden Polizei im Saal verteilt, da man "Unruhen" befürchtete.[40] - Er hätte weitermachen können, doch vielleicht fühlte er sich den Anstrengungen seines Amtes, jeden Tag Proben, jeden Tag ein Konzert, gesundheitlich nicht mehr gewachsen. Vielleicht fühlte er, dass seine Zeit zu Ende ging. Ungeachtet seines Erfolges wirkte er, "der mehr als vier Jahrzehnte lang ein Orchester leitete und sich vom weisungsgebundenen Stadtmusicus zum freien Künstler entwickelt hatte", im Konzertbetrieb des ausgehenden 19. Jahrhunderts allmählich wie "ein Relikt aus alter Zeit". "Er stammte", so Jochen Güntzel dazu, "aus der sozialen Unterschicht, er konnte sich nicht - wie die jüngeren Dirigenten, - auf ein Studium bei Dozenten in einem der tonangebenden Konservatorien oder Akademien berufen. Kontakte mit berühmten Komponisten, aus deren Bemerkungen und Niederschriften die Musikgeschichtler wie die Bienen ihren Honig saugen, konnte er nicht pflegen, er gab praktisch an jedem Tag des Jahres ein Konzert, leitete selbst alle Proben und mußte sich als Orchesterunternehmer ständig um die kleinen und großen Probleme, die mit der Organisation eines Orchesters verbunden sind und für die den heutigen (subventionierten) Orchestern mehrere Dutzend Mitarbeiter zur Verfügung stehen, ganz allein kümmern."[41]
Einer der Musiker, die Benjamin Bilse seit seinen Anfängen in Liegnitz treu geblieben waren, war sein Bruder Ferdinand. Auch er hatte sich einmal von Benjamin trennen wollen, hatte sogar - wie damals üblich - zu einem hoch offiziellen Abschiedskonzert eingeladen, war dann jedoch bei seinem Bruder geblieben. 1885 zog auch er sich ins Privatleben zurück und verbrachte seine letzten Lebensjahre in Liegnitz.
Während sich seine älteren Brüder aus dem aktiven Geschäft zurückzogen, versuchte August Bilse sich als Musikdirektor und Musiklehrer in Berlin zu etablieren. Doch was vor allem Benjamin in so hohem Mass gelungen war, scheint August Bilse gründlich zu misslingen. 1884 führt ihn das Berliner Adressbuch zwar einmal als Inhaber einer an der Friedrichstrasse 212 bestehenden "Violin- und Klavierschule", und von 1884 bis 1889 scheint die Familie des Musikdirektors A. Bilse auch an dieser Adresse zu wohnen. Vor und nachher wohnen August Bilse und seine Familie jedoch beinahe jedes Jahr an einem anderen Ort: So finden wir in den Berliner Adressbüchern zwischen 1879 und 1884 vier verschiedene Adressen; im Jahr 1890 gibt es keinen Adresseintrag, ebenso in den Jahren 1894-1896 und 1902. In der übrigen Zeit scheinen die Bilses ihre Wohnung andauernd zu wechseln.[42] Das Berliner Adressbuch wirkt wie eine Chronik zunehmender Entwurzelung: 1891 Winterfeldt Platz, Zimmermann'sches Haus; 1892 Pallasstrasse 22; 1893 Neue Maassenstrasse 42; 1897 Belzigerstrasse 5 in Schöneberg, 1898 Hauptstrasse 142, wiederum in Schöneberg; 1899 Liebenwalderstrasse 52, Schöneberg und danach bis 1909 noch einmal sechs Adressen, alle im Zentrum Berlins oder in Berlin-Schöneberg, also recht nah beisammen, doch immer sind es neue Adressen. Ginge es um einen jungen Studenten, so wäre die Sache nicht weiter beunruhigend, aber hier geht es zuerst um eine fünfköpfige Familie und später um einen verwitweten alten Mann.
Das wenige, was wir sonst über die Ereignisse jener Zeit wissen verstärkt das Gefühl, dass August's letzte Jahre keine guten Jahre waren! Zunächst ist da der um 1870 geborene Sohn, sein Vorname war auf der Passagierliste des Dampfers Elsie mit "H" angegeben. Was wir von ihm wissen klingt verheissungsvoll: Er wurde Geiger wie sein Vater, und war mit 19 Jahren bereits "Dirigent an der Petersburger Hofoper", doch mit 22 Jahren starb er.[43] Ungefähr zur selben Zeit am 27. September 1892, starb auch seine Mutter Ida Valeska Mimili und zwar, wie die Eintragung im Sterberegister festhält im Alter von 57 Jahren, 6 Monaten und 3 Taagen. Danach heiratete August Bilse ein zweites mal. Wann dies war wissen wir nicht, aber vielleicht hat die Tatsache, dass August Bilse, gemäss den Angaben im Berliner Adressbuch, von 1894 bis 1896 nicht in Berlin lebte, mit seiner erneuten Verheiratung zu tun. August Bilse's zweite Frau, Valli von Degner, starb vor ihrem Mann. Mehr wissen wir von ihr und von dieser Ehe nicht. Die Tatsache, dass sie in den Papieren August Bilse's nur einmal erwähnt wird[44], lässt mich vermuten, dass die Ehe verhältnismässig kurz war, und dass August Bilse und Valli von Degner keine eigenen Kinder hatten, doch mit Sicherheit lässt sich dies nicht sagen.
1898 bahnt sich etwas an, was in einer durchschnittlichen bürgerlichen Familie im damaligen Deutschland nur eine Katastrophe sein konnte: August Bilse's ältere Tochter Elisabeth wurde schwanger und damit nicht genug: Der Vater des Kindes war ein Chinese.
Lu Wen Bin oder, so sein eingedeutschter Name, Werner Lu war drei oder vier Jahre jünger als Elisabeth. Er war in China aufgewachsen und weilte jetzt in Europa, um seine Erziehung hier abzurunden. Sein Vater, Lu En Tschang, war jener chinesische Botschaftsangestellte, den August Bilse 20 Jahre zuvor in den USA kennengelernt haben soll. Er arbeitete seit Herbst 1897 an der chinesischen Gesandtschaft in Berlin[45] und hatte sich vermutlich bei August Bilse gemeldet, um die alte Bekanntschaft zu erneuern. Man traf sich, und dann war Elisabeth der exotischen Galanterie des jungen Chinesen erlegen. Doch jetzt, wo sie schwanger wurde, entzog sich der charmante Herr plötzlich seiner Verantwortung, und auch sein Vater wollte von einer Heirat, dem einzigen Ausweg aus der unglücklichen Situation, anfänglich vermutlich nichts wissen. Wir kennen die Einzelheiten der damaligen Auseinandersetzungen genauso wenig wie die Gedanken und Gefühle, die August Bilse umtrieben. Doch einfach war die Situation mit Sicherheit nicht: Nicht nur, dass seine Tochter ein uneheliches Kind bekommen würde! Chinesen waren in Westeuropa am Ende des 19. Jahrhunderts noch immer ein sehr seltener Anblick. Ihr eigentümliches Auftreten, ihre Kleider und die langen Zöpfe, die sie als Zeichen ihrer Loyalität gegenüber der Mantschudynastie trugen und tragen mussten, sowie ihre teils groteske Unkenntnis westlicher Sitten boten Stoff für zahlreiche Konflikte und Missverständnisse. [46]
Dazu kam der Umstand, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und den anderen in China engagierten westlichen Ländern und dem Reich der Mitte wegen des sogenannten "Boxeraufstands" damals wieder einmal äusserst angespannt waren. Die Situation war auf jeden Fall eine Überforderung, die auch bei August Bilse tiefe Spuren hinterlassen haben dürfte.
Am 20. Januar 1899 kam das Kind, ein Mädchen, zur Welt. Am 19. April 1899 - also beinahe drei Monate nach seiner Geburt - heirateten Elisabeth Bilse und Werner Lu vor dem Schöneberger Standesamt. Trauzeugen waren ein gewisser Paul Pophal und August Bilse. Werner Lu, dessen Beruf als "Student" angegeben ist, und Elisabeth, "ohne besonderen Beruf", wohnen offiziell bei August Bilse an der Grossgörschenstrasse 6 in Schöneberg. Am Tag nach ihrer Heirat, am 20. April 1899, erscheint die junge Mutter - jetzt Elisabeth Lu - erneut vor dem Schöneberger Standesbeamten, um die Geburt ihres inzwischen drei Monate alten Kindes Erna Mary Dö anzuzeigen. Sie kommt allein. Der Vater des Kindes ist nicht dabei. Er scheint sich aus der ganzen peinlichen Affäre sehr bald zurückgezogen zu haben. Ob das Paar überhaupt jemals zusammen gewohnt hat, wissen wir nicht.
Im Juni 1900 wird der deutsche Gesandte von Ketteler in Peking ermordet. Der deutsche Kaiser Wilhelm II reagiert äusserst gereizt. Er ruft zu einem Vergeltungsfeldzug auf, bei dem kein Pardon gegeben werde. Die Chinesen haben sich, so die allgemeine Auffassung in Deutschland, mit diesem brutalen Akt ausserhalb jeden Gesetzes gestellt. Die Bewunderung für die alte Kultur Chinas ist wie weggeblasen. Jetzt schreit man nach Rache und beschwört das Bild des hinterlistigen und treulosen Chinesen, den es zu bekämpfen gilt, wo und in welcher Form auch immer er auftritt. Die kleine Mary, die von ihrem Grossvater und ihrer Mutter aufgezogen wird, ist zu der Zeit anderthalb Jahre alt. Ihre Gesichtszüge zeigen deutlich, dass ihr Vater kein Europäer ist. Die vermutlich von Anfang an lediglich unter Druck geschlossene Ehe zwischen Elisabeth Bilse und Werner Lu wird irgendwann geschieden. Werner Lu's Vater, der chinesische Diplomat, wird - vielleicht aufgrund der politischen Konflikte - bereits im August 1900 nach Peking zurückgerufen und kehrt nicht mehr nach Deutschland zurück. Eventuell hat ihn sein Sohn begleitet, doch ist dieser nach ein paar Jahren wieder in Berlin, wo er 1906 in zweiter Ehe die aus Süddeutschland stammende Luise Franziska Baumann heiratet. 1908 wird Marys Halbschwester Charlotte geboren, die später eine international anerkannte Kennerin für ostasiatische Kunst werden wird. [47]
August Bilse, über 70jährig, erteilt Musikunterricht. Sein Hauptinstrument scheint jetzt das Klavier. Zu seinen Schülerinnen gehört auch seine Enkelin, die kleine Erna Mary Dö. Mary's Mutter ist kränklich. Sie litt an Schwindsucht.[48] Trotzdem auch sie zumindest teilweise einer Arbeit nachgeht, scheint das Geld knapp. August Bilse zieht mit Tochter und Enkelin weiterhin alle ein oder zwei Jahre in eine andere Wohnung: 1900 finden wir die drei an der Gross-Görschenstrasse 6, 1901 an der Bahnstrasse 38, 1903 bis 1904 an der Eberstrasse 14, dann 1905 bis 1907 an der Tempelhoferstrasse 14, 1908 an der Gutzkowstrasse 11 und 1909 wiederum an der Eberstrasse, doch diesmal nicht in Nr. 14 wie fünf Jahre zuvor, sondern in Nr. 44. 1902 ist er im Berliner Adressbuch nicht aufgeführt. Es könnte natürlich reine Lebenslust und überschäumende Neugier gewesen sein, die August Bilse auch jetzt noch von einer Wohnung zur andern ziehen lassen, aber wahrscheinlich ist dies nicht. Eher sind es Geldsorgen, die ihn bedrücken, vielleicht ist es eine schwierige Seite in seinem "Charakter", die dazu führt, dass er immer wieder weiterzieht; vielleicht trinkt er oder ist sonst auffällig. Die äusseren Anzeichen deuten jedenfalls nicht auf ein glückliches Alter.
Ganz anders ging es derweil seinem älteren Bruder Benjamin. Er lebte in behaglicher Ruhe in Liegnitz. Auch er war nach einem langen Arbeitsleben nicht wohlhabend, und Sorgen gab es auch in seinem Leben, so etwa, als der Mann seiner Tochter Ida Ende der 1880er Jahre plötzlich starb und diese als junge Witwe mit sechs kleinen Kindern allein zurückliess! Doch Benjamin war angesehen. Auch nach seinem Rückzug aus der aktiven Konzerttätigkeit war er noch zu Jubiläen nach Berlin gefahren und hatte sich feiern lassen. In Berlin hatte man ihn noch nicht vergessen. Als er im Oktober 1892 anlässlich des fünftausendsten Konzertes im Concerthaus nach Berlin gefahren war und selbst auswendig ein oder zwei Stücke dirigiert hatte, jubelten die Zuhörer wie früher. Und 1899, sein Bruder August musste sich in der Zeit Sorgen um seine Tochter Elisabeth und ihrem chinesischen Mann machen, ehrte die Stadt Liegnitz ihren berühmten Sohn, indem sie dem schönsten Platz der Stadt seinen Namen gab![49] Am 13. Juli 1902, drei Jahre nach dieser grossen Ehrung, starb Benjamin Bilse. August Bilse ist in diesem Jahr in den Berliner Adressbüchern nicht aufgeführt. Ob er damals in Liegnitz war, vielleicht sogar erwog, ganz nach dort zurückzukehren? Es ist möglich, doch wir wissen es nicht. Die Beziehungen zur Liegnitzer Verwandtschaft waren jedenfalls nicht ganz abgebrochen, denn in den folgenden Jahren ist die kleine Mary öfter zu Besuch in Liegnitz. Dabei scheint sich vor allem Tante Klara, eine Tochter Benjamin Bilses, die selber nie heiratete und keine Kinder hatte, um das Kind gekümmert zu haben. [50]
Am 29. Mai 1908 stirbt Marys Mutter in der Privatklinik von Dr. Heinsius. Sie wird am 2. Juni 1908 auf dem "Friedhof Nr. 1" in Berlin Schöneberg beigesetzt.[51] Der Herr, der den Todesfall am 30. Mai auf dem Schöneberger Standesamt meldete, ein gewisser Ingenieur Hintz, der im selben Haus wohnte, gab an, dass er "bei dem vorbezeichneten Sterbefall zugegen gewesen" sei. Der von der Verstorbenen geschiedene "Geschäftsleiter" Lu Wen Bin, sei, so Herr Hintzens weitere Mitteilung, "in unbekanntem Orte in China wohnhaft".[52] Man scheint nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen, dass Herr Lu sich in der Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach in Deutschland, ja vielleicht sogar in Berlin aufhält. Der Beruf der Verstorbenen wird mit "Geschäftsinhaberin" angegeben, und tatsächlich scheint sie ein "Atelier für Stickerei und Haarschmuck" geleitet zu haben. Merkwürdigerweise taucht dieses allerdings erst 1909 in den Adressbüchern auf. Es besteht unter ihrem Namen zunächst an der Maxstrasse in Schöneberg und danach bis 1915 an der Berliner Gneisenaustrasse.[53]
Als Elisabeth starb war sie vierunddreissigeinhalb Jahre alt. August war zwei Monate vorher achtzig geworden. Nach dem Tod der älteren Tochter scheint er ganz allein gewohnt zu haben. Weder von seiner zweiten Frau noch von Elisabeths jüngerer Schwester, seiner jüngsten Tochter, ist in den spärlichen Karten und Briefen aus seinem letzten Lebensjahr die Rede.[54] Es sind die einzigen persönlichen Dokumente August Bilse's, die wir kennen. Sie gingen vor allem an seine Enkelin, die seit dem Tod ihrer Mutter ganz bei Tante Klara in Liegnitz lebt. Es sind Zeugnisse eines einsamen und müden alten Mannes. "Bei mir geht", schreibt er der kleinen Mary fünf Wochen nach dem Tod ihrer Mutter, "ein Tag wie der andere dahin: Einsam, verlassen. Die einzigen und schönsten Freuden für mich sind, wenn Briefe aus Liegnitz kommen." Einen Monat später schreibt er seiner Enkelin, die seit dem 11. August 1908 in Liegnitz zur Schule geht: "Gott helfe dir, dass es dir auch dort gelingen möge, durch gutes Betragen, Aufmerksamkeit und Fleiss, dir die Liebe deiner Lehrer zu erwerben und zu erhalten. (...).(...). Noch um ein bisschen Liebe bittend grüsst dich dein treuer Grossvater."
August Bilse gibt immer noch Privatstunden. Es ist ein hart umkämpfter Markt, denn in Berlin wimmelt es von Musikern, die als Orchestermusiker keine Anstellung haben und sich durch Unterricht über Wasser zu halten versuchen.[55] Dabei geht es mit seiner Gesundheit allerdings "nicht sonderlich". Anfang September 1908 schreibt er seiner Enkelin: "Mittwoch d. 19. 8. war ich so krank, dass ich es nicht wagen konnte, nach Berlin zu fahren, um meinen Unterricht zu geben. Die Krankheit packte mich so plötzlich und unerwartet am Grabe Deiner seligen Mutter, dass ich mich mühsam, mit Aufbietung aller meiner noch vorhandenen Kräfte, nach Hause schleppen musste; so war es mir unmöglich, Nachricht über mein Ausbleiben zu geben. Annehmend, dass ich krank sein müsste, kam X[56] um sechs Uhr zu mir, mit dem Auftrage ihrer Eltern, mir Hilfe in jedem Falle anzubieten. Seit der Zeit nimmt X den Unterricht bei mir zuhause." Dann folgen, wie in all seinen Karten, Ermahnungen doch ja recht brav und fleissig zu sein, und am Ende wieder, wie ein Seufzer, die Hoffnung auf Post aus Liegnitz: "Das hilft mir doch 'immer etwas über die Einsamkeit hinweg."
Die letzte erhaltene Karte stammt vom 19. Januar 1909. Es sind Glückwünsche zu Marys zehntem Geburtstag. Ein Geschenk folge in einigen Tagen, "wenn ich noch leben sollte. Ich bin schwer krank." [57]
Zwei Monate später, am 16 März 1909, vormittags um sechs Uhr, starb August Bilse im Auguste-Victoria Krankenhaus in Schöneberg.[58]
Epilog
Nachzutragen wäre noch, dass die kleine Mary Lu, geborene Bilse, einige Jahre später zusammen mit ihrem Vater, dessen zweiter Frau und ihrer um zehn Jahre jüngeren Halbschwester Charlotte nach China zog. Werner Lu hatte sich in Liegnitz gemeldet, weil er, wie viele seiner Landsleute, nach dem Untergang des chinesischen Kaiserreiches Ende 1911 nicht länger im Westen bleiben konnte. Die kleine Patchwork-Familie reiste im Herbst 1912 via Sibirien nach China, wo Werner Lu, ein Repräsentant der in Ungnade gefallenen alten Oberschicht, sich zunächst mit einem unbedeutenden Posten bei der Banc of China irgendwoo im Landesinnern zufrieden geben musste. Mary besuchte damals, so die mündliche Überlieferung, ein von katholischen Nonnen geführtes Internat, wo sie - einziger Lichtblick für das heimatlos gewordene Mädchen - ihren Mitschülerinnen gelegentlich Klavierunterricht gab. 1921 kehrte sie mit ihrer Familie noch einmal nach Berlin zurück. Sie wollte Musikerin werden, Pianistin oder noch lieber Dirigentin. Sie belegte einige Kurse am Konservatorium der Musik, Opern- und Schauspielschule Klindworth-Scharwenka, doch als ihr Vater, der von der Banc of China für ein Jahr nach Deutschland geschickt worden war, nach China zurückkehrte, musste sie diese Pläne begraben, denn dass die mittlerweile 23jährige junge Frau allein in Berlin bleiben würde, kam nicht in Frage.
Im September 1924 heiratete Mary Lu in Peking Ernest Clémann, einen wesentlich älteren Kaufmann und Uhrmacher aus dem elsässischen Ilzach. Die beiden hatten 3 Kinder: Rose, meine Mutter Annemarie und Marthe. Nach dem überraschenden Tod ihres Mannes im Sommer 1932 übernahm Mary die Leitung seines Geschäftes, welches sie im Laufe der Zeit durch eine florierende Silberschmiede ergänzte.
Im Mai 1940 starb Werner Lu, der kurzfristige Schwiegersohn August Bilse's in Shanghai. Sieben Jahre später gingen die beiden älteren Töchter von Mary Clémann zum Studium nach Europa. Nach dem Einmarsch der kommunistischen Truppen in Peking im Januar 1949 und der Ausrufung der Volksrepublik China durch Mao Zedong am 1. Oktober desselben Jahres hoffte sie selbst zunächst, weiter in Peking bleiben zu können. Ihre Beziehungen zur "alten Heimat" waren nicht mehr gross. Der Kontakt mit der Liegnitzer Verwandtschaft war längst eingeschlafen. China und vor allem Peking mit seiner vielfältigen Ausländerkolonie waren ihre neue Heimat geworden. Als sie erkannte, dass im "neuen China" für sie kein Platz war, entschloss sie sich schweren Herzens, nach Europa zurückzukehren. Sie verliess China mit ihrer jüngsten Tochter im Mai 1951. Zu Beginn der 1970erjahre zog sie nach Basel, wo sie im Sommer 1977 starb.[59] Sie wohnte damals in unmittelbarer Nähe von uns; sie sass oft neben mir, wenn ich Klavier übte. Dabei erzählte sie mir hie und da von ihren ersten Klavierstunden bei ihrem Grossvater August Bilse und von dessen berühmter Musikerverwandtschaft.
[1] E-Mail von Jochen Georg Güntzel an den Verfasser vom 30.08.2010.- Nach dem Adreßbuch von Liegnitz wohnte 1888 Louise Bilse, vermutlich war dieses der Name der Schwester, Goldberger Straße 10.
[2]Güntzel, Jochen Georg: Benjamin Bilse als Kapellmeister in Liegnitz. In: Stepowski, Jaroslaw et al. (Hrsg.): Beiträge zur Musikgeschichte Schlesiens. Schröder Verlag, Bonn 1994, S.183 ff. und S. 185.
[3] Joh. Ernst Benjamin Bilse „B(ürger) u(nd) Gasthwirth auf dem Töpferberge", gest. 1831 (Akten Liebfrauenkirche Liegnitz, Staatsarchiv Liegnitz. In der Sterbeurkunde von August Bilse wurde der Name des Vaters fälschlicherweise mit „Gottlieb Benjamin Bilse" angegeben.
[4] Die Preise für die Hochzeitsmusiken wurden vom Magistrat der Stadt festgelegt. Die Preise wurden sowohl nach dem Stand der Zuhörer als nach der Anzahl der Musiker gestaffelt.
[5] Ihre Etablierung war abhängig von der Entstehung eines städtischen Bürgertums mit entsprechenden Mitteln und Interessen im Lauf des 19. Jahrhunderts. Davor hatte es Berufsorchester nur als fürstliche und königliche Hofkapellen gegeben. Sie dienten dem Leben an den Höfen und nicht dem öffentlichen Leben der Bevölkerung.
[6] Finke, Friedhelm: Aus dem Lebenslauf der Stadt Liegnitz. Skizzen zur Geschichte einer deutschen Stadt in Schlesien. Lorch Württ, 1986, S. 138.
[7] Herausgegeben. Von E. D´oench vom 26.Juni 1833.
[8] Güntzel, Jochen Georg: Benjamin Bilse als Kapellmeister in Liegnitz. In: Stepowski, Jaroslaw et al. (Hrsg.): Beiträge zur Musikgeschichte Schlesiens. Schröder Verlag, Bonn 1994, S.183 ff., S. 188. –
Nach dem einzigen Programm, das von einem „Concert im Rathskeller" am 8.Jan. 1842 ermittelt werden konnte, wurde die Ouvertüre zu „Czaar und Zimmermann" und die Ouvertüre d-moll von Kalliwoda, sowie drei Opernfragmente (Finale aus „Emma von Antiochia", Contre-Tanz aus „Die Hugenotten" und Arie aus „Zum treue Schäfer") aufgeführt. Zwischen diesen Stücken wurde der Cäcilien- Walzer von J. Strauß gespielt, den Abschluß bildeten ein Galopp und ein Walzer von J. Labitzky. Liegnitzer Stadt-Blatt 1842, Seite 7.
[9] Güntzel, Jochen Georg: Johann Ernst Benjamin Bilse 1816 - 1902. In: Mitteilungen der Benjamin Bilse Gesellschaft Nr. 15, August 2007.
[10] Finke, Friedhelm: Aus dem Lebenslauf der Stadt Liegnitz. Skizzen zur Geschichte einer deutschen Stadt in Schlesien. Lorch Württ 1986, S. 138.
[11] Ebenda . Nach einem Brief vom 24.Juni 1951 von Kurt Zimmer, einem Enkel Benjamin Bilses, wurde B. Bilse durch den Gutsbesitzer Erhard von Ober-Lobendau, Kreis Goldberg-Hainau, gefördert. Brief im Bilse-Archiv in Detmold.
[12] Güntzel, Jochen Georg: Johann Ernst Benjamin Bilse 1816 - 1902. In: Mitteilungen der Benjamin Bilse Gesellschaft Nr. 15, August 2007.
[13] Grotjahn, Rebecca, An der Spitze der musikalischen Bewegung – Die Reisen der Bilse'schen Kapelle. Mitteilungen der Benjamin Bilse Gesellschaft, 3. Jg., Sonderheft Nr. 6, Januar 2004.
[14] Vgl. Güntzel: Kammermusik in Liegnitz 1842 bis 1867, Entwurf. Kopie im Besitz des Verfassers.
[15] Jochen Georg Güntzel: Die Mitglieder der Bilse´schen Kapelle, unveröffentl. Manuskript. Bilsearchiv Detmold.
[16] Liegnitzer Stadt-Blatt (= LSB) 1852, Beilage zu No. 4.
[17] LSB 1855, 890.
[18] LSB 1856, Beil zu No. 8.
[19] Deutsche Staatsbibliothek, Abteilung Musik. Unter den Linden 8, Berlin.
Signatur: Mus. ep. Benjamin Bilse 24
[20] Jochen Güntzel vermutet, dass August Bilse von 1857/58 bis 1864 in Breslau gewirkt hat. - Vgl. Mitteilungen der Benjamin Bilse Gesellschaft Nr. 5, 3. Jg., Januar 2004.
[21] J. Güntzel schreibt dazu u.a.: "Eine ganz wichtige Rolle im Kultur- und Konzertleben von Breslau spielte der "Wintergarten" von Kroll von 1837, der jedoch 1845 einer Überschwemmung zum Opfer fiel. Die Wiedereröffnung des "Wintergartens" war am 18. Oct. 1845. Der neue Besitzer Max Wiedermann ließ "S t r a u ß Vater mit seiner Kapelle aus Wien zu 6 Concerten kommen, und führte dann den Liegnitzer B i l s e , damals noch jugendlich aufstrebender Aar, in Breslau ein....". – E-Mail von Jochen Güntzel an Martin Näf vom 4. Februar 2004. Zitat aus: Schlesische Provinzialblätter 73.Jg., NF, 1869, Seite 256 ff.
[22] Vgl. Deutsche Musik-Zeitung Jg. 1, Wien 1860, S. 366.
[23] Deutsche Musik-Zeitung Jg. 1, Nr. 3 vom 14. Januar 1860, S. 28-30, und 5, vom 28. Januar 1860, S. 38. - Die einzelnen Orchester werden im zweiten Teil des Berichts (Nr. 5, S. 38) besprochen. Dort findet sich auch das Zitat.
[24] Deutsche Musikzeitung, Wien, 2. März 1861, 2. Jg. Nr. 9, S. 71.
[25] Neue Berliner Musikzeitung, Jg. 15. S. 317 (1861)). - Zitat nach einem E-Mail von Jochen Georg Güntzel vom 19. Juli 2003.
[26] Neue Berliner Musikzeitung, Jg. 16. S. 252 (1862).
[27] Ida Valeska Mimili starb 57jährig am 27. September 1892. - Totenschein von Ida Bilse vom 28.09.1892. Kopie im Besitz des Verfassers. Dort finden sich auch die Angaben zu ihren Eltern.
[28] Sullivan, Edward Robert: Rambles and Scrambles in North and South America. London 1853, pp. 336-337 und 353-54.
[29] Palgrave, William Gifford: Dutch Guiana. London 1876, p. 35.
[30] Kappler, August: Leben und Reisen im tropischen Regenwald, Erlebnisse und Erfahrungen während eines 43jährigen Aufenthalts in Holländisch Guyana/Surinam 1836-1879. Herausgegeben und eingeleitet von Lars Martin Hoffmann; Edition Erdmann in der Marixverlag GmbH, Wiesbaden 2008, (Neuauflage der Ausgabe: Holländisch-Guiana; Erlebnisse und Erfahrungen während eines 34 jährigen Aufenthalts in der Kolonie Surinam. Stuttgart 1881).
[31] Mendels musikalisches Konversationslexikon, Berlin 1872, Bd. 2, S. 8.
[32] Anfragen beim holländischen Staatsarchiv und beim Nationalarchiv von Surinam blieben bis jetzt ebenso erfolglos wie die Suche nach entsprechenden Angaben in den online recherchierbaren Auswandererdatenbanken, die seit einigen Jahren im Internet zur Verfügung stehen oder die Suche nach Hinweisen auf August Bilse in dden beinahe tausend Seiten umfassenden Lebenserinnerungen des August Kappler und anderen in Frage kommenden Quellen.
[33] http://aad.archives.gov/aad/record-detail.jsp?dt[33] Sullivan, Edward Robert: Rambles and Scrambles in North and South America. London 1853, pp. 336-337 und 353-54.
[33] Palgrave, William Gifford: Dutch Guiana. London 1876, p. 35.
[33] August Kappler, Vgl. FN 30. (.......access to archival data bases, "germans to america", Manifest Identification Number 00012224).
[34] Kopie des Trauscheins von Anna Bernhardine Elisabeth Bilse und Werner Lu vom 19.4.1899, im Besitz des Verfassers. Im International Genealogical Index / NA heisst sie Lizzi Bilse.
[35] Eintrag im Kirchenbuch der Alt-Schöneberger Kirchengemeinde, später Berlin Schöneberg; Kopie im Besitz des Verfassers, sowie E-Mail von R. Bialk an Jochen Güntzel vom 2. Februar 2007, ebenfalls im Besitz des Verfassers. Im International Genealogical Index / NA heisst sie Babetta Augusta Valeska.
[36] Von den Initianten der Promenadenkonzerte des Boston Pops Symphony Orchestras wurden die Bilseschen Konzerte In Berlin 1885 explizit als ein wichtiges Vorbild für die neue Konzertreihe genannt: "The formula for the Boston Pops was unwittingly devised by Henry Lee Higginson, the founder of the Boston Symphony Orchestra. On July 11, 1885, Higginson gave the first Music Hall Promenade Concert, where the program consisted of "light music of the best class." He had based the program on garden concerts he attended as a student in Vienna, but it also borrowed heavily from the Promenade Concerts Benjamin Bilse conducted in Berlin, copying the style of opening with a light piece, moving to the heaviest composition on the program, and then concluding with another light number. It also had a medley of familiar numbers Bilse performed. Both the medleys and style of the program would provide the template for the Boston Pops." - Gefunden am 11.09.2010 auf http://www.youtube.com/artist?feature=watch&an= Boston+Pops+Orchestra+%26+John+Williams. - "In fact, the Boston Symphony explicitly promised that the Promenade Concerts would emulate those conducted in Berlin by Benjamin Bilse. The first program, conducted by Adolf Neuendorff, included a novelty number titled "An Evening with Bilse, which humorously tossed together scraps of Beethoven and Strauss, Wagner and Weber." – (http://www.bach-cantatas.com/Bio/Boston-Pops.htm, "Boston Pops Orchestra (Symphony Orchestra) - Short History").
[37] Annonce in der „Berliner Volkszeitung", zitiert nach Muck, Peter: Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester. Darstellung in Dokumenten. Erster Band : 1882-1922,Tutzing 1982, Seite 10.
[38] Ebenda, Seite 11.
[39] Benjamin Bilse gab mit seinem Orchester von 1847 bis 1867 in unregelmäßigen Abständen Gastkonzerte in Berlin. Im Concerthaus in der Leipziger Straße gab er von Dezember 1867 bis Ende April 1885 3.566 Konzerte. In der Saison 1872/73 gastierte in der neuerbauten „Passage" und in der Singakademie.
[40] Vgl. Güntzel, Jochen Georg: Johann Ernst Benjamin Bilse 1816 - 1902, in: Mitteilungen der Benjamin Bilse Gesellschaft Nr. 15, August 2007.
[41] Ebenda.
[42] Die Berliner Adressbücher der Jahre 1799 bis 1944 sind online recherchierbar unter: http://adressbuch.zlb.de/.
[43] Zitiert nach der Abschrift eines von meiner Mutter, Annemarie Näf, einer Urenkelin August Bilse's, verfassten Textes über ihre Ahnen. Der Text entstand vermutlich während ihrer Schulzeit in den 1930erjahren und befindet sich heute im Näf'schen Familienarchiv. Ihre Aussagen gehen mit Sicherheit auf entsprechende Erzählungen ihrer Mutter, Mary Clémann, meiner Grossmutter, zurück, die auch später öfter von diesem jung verstorbenen Onkel (es war streng genommen ihr Grossonkel) erzählte. - Konkretere Hinweise auf den jungen H. Bilse und seine (vielleicht von Benjamin vermittelte) Tätigkeit in St. Petersburg gibt es bis heute nicht.
[44] Der bisher einzige Hinweis auf diese zweite Ehe findet sich im standesamtlichen Eintrag zu August's Tod vom 16.3.1909 (in Kopie im Näf'schen Familienarchiv).
[45] Vgl. dazu die Angaben in den beiden E-Mails von Dr. Gerhard Keiper vom politischen Archiv des auswärtigen Amtes, vom 6. und 12. April 2010 an den Verfasser.
[46] Autobiographische Texte wie Han Suyins "Der grosse Traum" oder Otto Julius Bierbaums Erzählung "To-lu-to-lo oder Wie Emil Türke wurde" (http://gutenberg.spiegel.de/archiv/bierbaum/tolutolo/tolutolo.xml) vermitteln einen sehr lebendigen Eindruck darüber, wie schwierig Beziehungen dieser Art damals waren.
[47] Charlotte Lu wurde am 30. November 1908 in Berlin geboren. Sie heiratete in China Fritz Horstmann, mit dem sie vier Kinder hatte. In den 1930erjahren war sie Assistentin des bekannten Kunstsammlers Otto Burchard. Später zählte Charlotte Horstmann zu den renomiertesten Kennerinnen ostasiatischer Kunst und Antiquitäten. Sie starb am 1. Februar 2003 in New York. - Vgl. Charlotte Horstmann at ninety, byVictoria Horstmann, Collectors World January - February 1999, pp. 130-137; Charlotte Horstmann at eighty-two by Robert P. Piccus,, Twentieth-Century Evolution of Western Interest in Asian Art. Orientations Hon Kong Nov. 1990, P. 82-89; Peking in Days of Antiques Boom, by Jane Ram, South China Morning Post December 29th 1974
[48] Vgl. die Erinnerungen von Charlotte Horstmann, geb. Lu in Horstmann, Victoria: Charlotte Horstmann at ninety. Collectors World January - February 1999, pp. 130-137.
[49] Finke, Friedhelm: Aus dem Lebenslauf der Stadt Liegnitz. Skizzen zur Geschichte einer deutschen Stadt in Schlesien. Lorch Württ 1986, S. 69.
[50] Vgl. die Hinweise in den wenigen im Näf'schen Familienarchiv befindlichen Karten von Clara Bilse an Mary Lu aus den Jahren 1908 bis 1913.
[51] Angaben auf der Rechnung der "Garten- und Friedhofsverwaltung Berlin Schöneberg" vom 21. Sept. 1937 im Näf'schen Familienarchiv.
[52] Standesamt Schöneberg, 30. Mai 1908.
[53] Vgl. die Einträge in den Berliner Adressbüchern, online unter http://adressbuch.zlb.de/.
[54] Elisabeths 1876 in Boston geborene Schwester Anna Auguste Valeska Bilse wurde gemäss einem Eintrag in den Altschöneberger Kirchenbüchern am 18. September 1891 in der Altschöneberger Kirchengemeinde konfirmiert. Danach gibt es keine weiteren Hinweise mehr auf sie.
[55] Vgl. dazu u.a. Waltz, Heinrich, Die Lage der Orchestermusiker in Deutschland mit besonderer Berücksichtigung der Musikgeschäfte. Karlsruhe 1906. - Was Waltz als "Musikgeschäfte" bezeichnet sind Stadtpfeifereien oder deren als reines Erwerbsgeschäft betriebene Nachfolgeorganisationen, die durch die Ausbeutung ihrer Lehrlinge und die massenhafte Produktion schlechter Musiker wesentlich zur Entstehung eines "Musikerproletareats" beitrugen. Er schätzt die Zahl der grossenteils nicht ausreichend beschäftigten Musiker für Berlin um 1900 auf rund 3000.
[56] Unleserlicher Buchstabe.
[57] Die hier erwähnten Briefe befinden sich sämtlich im Näf'schen Familienarchiv.
[58] Eintrag im Register des Schöneberger Standesamts vom 17. März 1909.
[59] Vgl. die einschlägigen Dokumente im Näf'schen Familienarchiv.
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