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Der ehemalige Eishockey-Crack aus Langnau im Emmental gehört zu den Senioren, die ihren Lebensabend in Thailand verbringen. In der Schweiz hatte René Wittwer bereits eine schweizerisch-thailändische Familie. Zusammen mit seiner jetzigen thailändischen Partnerin hat er seine Zelte definitiv im Süden Thailands aufgeschlagen.
Auf die Frage, weshalb ihr Vater vor knapp sechs Jahren nach Thailand ausgewandert sei, meint seine 24-jährige Tochter lakonisch: "Er hatte die Nase voll." Bei näherer Betrachtung der Umstände fällt die Antwort dann doch etwas differenzierter aus.
René Wittwer, gelernter Maurer und später Disponent im Baugewerbe, war als Jugendlicher und junger Mann vor allem eines, nämlich leidenschaftlicher Eishockeyspieler. Dank Talent und Trainingsfleiss stieg er zum gefragten Spitzenspieler im Eishockeydorf Langnau auf – der Emmentaler Hauptort hat seit 1946 ein Hockey-Team, das mehrheitlich in der höchsten Schweizer Spielklasse kämpft.
Sein Hobby konnte der heute 63-jährige Wittwer allerdings nie zum Metier machen. In den 1970er-Jahren gelang dies nur ganz wenigen. Michael "Michu" Horisberger, bester Langnauer Freund, erinnert sich lebhaft an damals, als sie zusammen – beide 19-jährig, beide in der Junioren-Nationalmannschaft – vom dörflichen Langnau ins mondäne Genf zogen, um bei Genève-Servette ihre Söldnerdienste zu verrichten.
Wittwer blieb zwei Saisons im Welschland, auch um sich sprachlich und beruflich weiterzubilden. Dann ging er als Spieler zurück zu Langnau. Ein Jahr vorher, 1976, war Langnau zum ersten und bis heute einzigen Mal Schweizer Meister geworden, leider ohne Wittwer.
Es folgten etliche Jahre als Spielertrainer in unteren Ligen und als Nachwuchstrainer seines Stammvereins. Dazwischen, jeweils in den Sommermonaten, spielte er recht erfolgreich Fussball und Tennis.
Ende der 1980er-Jahre schloss er seine 25-jährige Sportlerlaufbahn ab, die ihn zum modernen Nomaden gemacht hatte. Für Wittwer gab es keinen schmerzhaften Übergang von der Sportlerkarriere ins gewöhnliche Leben, weil er während seiner Aktivzeit stets gearbeitet und sich auch weitergebildet hatte.
Berufswelt und Familiengeschichten
Die berufliche Karriere, während und nach der sportlichen Laufbahn, war zunächst durch Stabilität, später durch rasche Veränderungen gekennzeichnet. Bei seinem ersten Arbeitgeber in Langnau, wo er 31 Jahre gearbeitet hatte, stieg er zum allseits geschätzten Werkstattchef auf.
Weil ihm die Entwicklung der Firma und die Nachfolgeregelung zu denken gaben, suchte er 2007 eine neue Herausforderung bei einer bekannten Firma der Baubranche. Als Werkmeister erlebte er dann, wie diese Firma in kurzer Zeit zweimal fusionierte, dies als Folge des laufenden Konzentrationsprozesses im Baugewerbe. Als qualifizierter Mitarbeiter waren seine Dienste auch während dieses Prozesses gefragt.
Sowohl im Sport als auch im Beruf wurde ihm nie gekündigt, vielmehr konnte er Veränderungen immer eigenständig gestalten. Noch sollte er sich aber während einigen Jahren als Disponent abrackern, sich fit und finanziell über Wasser halten, hauptsächlich um den Kindern ein guter Vater zu sein.
Nicht ganz linear verlief dagegen Wittwers Familiengeschichte. Aus erster Ehe, die bald geschieden wurde, gingen zwei Kinder hervor. Dann heiratete er eine junge Thailänderin, die zwei Kinder in die Ehe brachte. Dazu kam eine gemeinsame Tochter, heute 24-jährig, die ihren Vater liebt und versteht. Sie besucht ihn heute regelmässig in Thailand und spielt ihrerseits mit dem Gedanken, in nächster Zeit ins Land ihrer Mutter auszuwandern.
Turbulenzen innerhalb der Familie führten zum Zerwürfnis zwischen den Eheleuten. Nach der zweiten Scheidung blieben alle drei Kinder beim Vater, der sich hauptsächlich – alleinerziehend – um den Nachwuchs kümmerte. Die Mutter blieb mit den Kindern weiterhin in lockerem Kontakt.
Neuorientierung drängt sich auf
Mit der Zeit kam eine neue Partnerin namens Lek dazu. Nicht ganz zufälligerweise war auch sie aus dem fernen Thailand, wo sie aber wohnhaft blieb. Bald darauf plante Wittwer, seinem Leben nochmals eine Wende zu geben. Er dachte daran, sich vorzeitig pensionieren zu lassen und nach Thailand auszuwandern, sobald seine Tochter selbständig sein würde.
Bald einmal stand fest, dass die beiden ihre Zelte im touristischen Süden des Landes aufschlagen würden, dort wo ein Farang – thailändisch für Ausländer – nicht ganz entwurzelt dasteht, weil seinesgleichen öfters anzutreffen ist und auch die Beherrschung der Landessprache nicht absolute Voraussetzung zum Überleben ist.
Letztlich beeinflussten auch finanzielle Überlegungen den Entscheid. Ein durchschnittliches Rentnereinkommen inklusive Ersparnisse ermöglicht die Bestreitung des Lebensunterhalts in Thailand, auch für zwei oder drei Personen. Zwar gibt das kein Leben in Saus und Braus, aber immerhin ist ein solides Mittelstandsleben möglich.
Auf und davon
Gesagt, getan, die beiden mieteten sich ein schönes Haus in Bangsarayexterner Link in der Gegend von Pattaya, im Süden von Thailand. Zahlreiche Aufgaben im und um das Haus standen an, der grosse Garten sollte zur kleinen Plantage umgebaut werden, da seine Partnerin Gemüse, Früchte und Blumen auf dem lokalen Markt verkaufen wollte.
Nunmehr bestreiten sie seit fünf Jahren ihr Leben, das sich primär nicht an den vielen Highlights orientiert, die für Touristen konzipiert sind. Eigene Bedürfnisse und Interessen werden dabei mehr gewichtet.
Die Verbindung zur alten Heimat und zu den nahestehenden Leuten ist trotz grosser Distanz intensiv. Wittwer verfolgt das politische und kulturelle Geschehen in der Schweiz genauestens. Updates über die Online-Medien sowie persönliche Kontakte über Skype und Facebook gehören zum alltäglichen Tagesablauf.
Michu Horisberger findet, sein Freund "Rönu" sei über das Geschehen in der Schweiz besser orientiert als er. Er sei ein interessanter Brückenbauer zwischen alter und neuer Heimat, nicht zuletzt auch, weil er in regelmässigen Abständen über sein Leben in Thailand digital Bericht erstattet.
swissinfo.ch: Wie sieht ein ganz normaler Tag im Leben von René Wittwer aus?
R.W.: Das Schöne ist, dass ich gar nichts mehr tun muss, und trotzdem macht man sich Gedanken zum Tagesablauf. Nach dem Morgenessen sind ein bis zwei Stunden News aus aller Welt angesagt.
Dann, je nach Lust und Laune, zwei bis fünf Stunden Reparatur- und Gartenarbeiten. Anschliessend duschen und Siesta zu Hause oder am Strand. Nachtessen, Film schauen oder soziale Netzwerke checken.
Dazu kommen Hobbies wie Reisen, Fotografie, Fischen, Billard, Umgang mit Schlangen. Nicht zuletzt haben wir viele Besuche von Freunden und Verwandten, die wir gerne empfangen und die auch Zeit in Anspruch nehmen.
swissinfo.ch: Wie sieht der aktuelle Lebensinhalt aus, gibt es für Sie noch Herausforderungen?
R.W.: Arbeit als Lebensinhalt wie in der Schweiz gibt es nicht mehr. Unterhalt und Betrieb von Haus und Plantage gewährleisten mir Lebensqualität, die ich geniesse. Grosse Herausforderungen brauche ich nicht mehr, viele Menschen überschätzen sich dabei und fallen tief.
swissinfo.ch: Was tut ein ehemaliger Spitzensportler für seine Fitness? Gibt es noch sportliche Ziele?
R.W.: Im Vergleich zu andern bin ich noch ziemlich fit. Aber eine Arthrose verbietet es mir, Fussball oder Tennis zu spielen, wo ich früher neben dem Eishockey auch nicht so schlecht war.
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Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten, unter anderem zum Gastland und über dessen Politik, sind ausschliesslich jene der porträtierten Person und müssen sich nicht mit der Position von swissinfo.ch decken.
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