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In der Zange von Handelsblockaden und Gegenblockaden zwischen den Achsenmächten und den Allierten ist es der geschickten Handelsdiplomatie des damaligen Direktors der Handelsabteilung – Jean Hotz – zu verdanken, dass die Schweiz die Zeit des Krieges zu überleben vermochte.
Niemand hat sein Denkmal redlicher verdient als Jean Hotz, der Direktor der Handelsabteilung, das seinige in Nänikon. Nach Kaufmannsbrauch (DO UT DES, lateinisch für „ich gebe, damit du gibst“) konnte Hotz dank Guisans Réduitstrategie die schwierigen Verhandlungen mit den Blockademächten (England und seine Verbündeten) und den Gegenblockademächten (Deutschland und seine Verbündeten) so führen, dass die Schweiz zu überleben vermochte. Erpressungsversuchen und Zumutungen widerstand er mannhaft.
Geboren in Uster-Nänikon als Sohn einer Bauernfamilie, studierte Jean Hotz auf dem zweiten Bildungs-weg in Zürich, Genf und London Volkswirtschaft und Recht und wurde 1917 an der Universität Zürich promoviert. Von 1915 bis 1918 unterrichtete er an der Kantonsschule Zürich die Handelsfächer. 1922 wurde Hotz Mitarbeiter der Handelsabteilung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD) und stellvertretender Generalsekretär. 1928 wurde er zum Vizedirektor und 1935 schliesslich zum Direktor der Handelsabteilung des EVD ernannt. Durch diese Führungsposition war er massgeblich an der schweizerischen Aussenhandelspolitik während der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Zusammen mit Robert Kohli und Heinrich Homberger war Hotz Mitglied der ständigen Delegation für Wirtschaftsverhandlungen mit dem Ausland, die ab 1939 eine zentrale Rolle in den Aussenbeziehungen der Schweiz spielte, sowie Leiter von Wirtschaftsverhandlungen mit den kriegführenden Nationen. Die 2010 erschienene Biografie von Historiker und Publizist René Bondt schreibt: «Die Schweiz verdankt einem Bauernsohn das wirtschaftliche Überleben während des Zweiten Weltkrieges.» 1947 wurde er zum Minister ernannt.
Beispiel Verhandlungsthema: Umstrittene Öl- und Fettzuteilungen für die Seifenfabrikation
Aus London meldete sich der amerikanische Verbindungsoffizier mit dem britischen Ministerium für die wirtschaftliche Kriegsführung, James Somerville, gleichzeitig beim Staatssekretär mit einer Auslegeordnung über die Frage schweizerischer Rationen für Öle und Fette zum Zwecke der Seifenfabrikation.
Für den Fall einer normalen Zuteilungsquote für das zweite Quartal 1942 hätten sich die Schweizer auf folgende fünf Punkte verpflichtet:
1. Sonderzuteilung von je 1’000 Tonnen an Spitäler, Schulen und Armee einerseits, Hotels, Grosshaushalte, Wäschereien und so weiter andererseits. 2. Erhöhung der Rationen ab Mai, um die Rationen etwa so gross zu machen wie die Zuteilungsquote. 3. Exakte Bestandesaufnahme am Ende des laufenden Quartals und Verteilung von Importüberschüssen an den Handel und an die Konsumenten. 4.Vollständige Verteilung der Importe des 2. Quartals, um ein Anwachsen der Vorräte zu verhindern. 5. In Übereinstimmung mit der Armee Transport des grösstmöglichen, demnächst quantitativ zu erhebenden und zu meldenden Bestandes an Rohstoffen ins Réduit.
Die Schweizer Zusicherungen seien das Resultat alliierter Proteste gegen die für die Seifenproduktion vorgesehenen Öl- und Fettlager am Ende des Jahres 1941.
Die Schweizer seien also in der Lage gewesen, im Quartal von Januar bis März 1942 600 Tonnen Öle und Fette auf die Seite zu schaffen.
(Quelle: Stüssi-Lauterburg, Jürg, und Luginbühl, Hans, Freier Fels in brauner Brandung)
Unter dem Titel «Historische Hintergründe» präsentieren wir Ihnen hier jeden Monat Wissenswertes zur Geschichte hinter «3X HEIMATLAND». Zusammengestellt von Ralph Schumacher.