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Die dokumentaristische Auseinandersetzung mit der Armee hat in der Schweiz Tradition. Seit die Institution wankt (und schlankt), sind filmische Versuche der Demaskierung und des Widerstandes jedoch seltener geworden: Mit der Entwicklung der Zeit und des Gegenstandes Armee ändern sich offenbar die Möglichkeiten und Interessen des filmischen Zugriffs.
«Gemachte Männer», die filmische Begleitung einer Sommer-Infanterie-Rekrutenschule, weist diesbezüglich zwei Hauptmerkmale auf. Einerseits bleibt der Blick offen: In einer chronologischen Abfolge sieht man typische Stationen und Situationen der Ausbildung, zentriert auf eine Gruppe von Rekruten, die sich sporadisch den Filmerinnen gegenüber äussern, zumeist aber im RS-Alltag gezeigt werden. Andererseits ist ein kritisches Interesse von Anfang an markiert - mit einem eingeblendeten Zitat von Erich Fromm, das dem Film als Motto dient: «Weshalb ist der Mensch so leicht bereit zu gehorchen, und weshalb fällt ihm der Ungehorsam so schwer?»
Das Verhalten der Jünglinge bei der Aushebung, beim Ausgemessen- und Eingekleidetwerden, zeigt an: Man kommt in eine völlig andere Welt. Bei vielen ist der «gute Wille» zu spüren, die Pflicht hinter sich zu bringen, indem man sie über sich ergehen lässt. Seitens der Ausbildner wird andererseits versucht, sich mit der Dimension der primär äusserlichen - allerdings ohne Konzessionen eingeforderten - Disziplin zufrieden zu geben. Die holprig formulierte Einführungsrede des zuständigen Obersten ist Ausdruck dieser stillschweigenden Vereinbarung: Gibst du mir dein Wohlverhalten, so lass ich dich in Ruh.
Im Laufe der Zeit normalisieren sich die geforderten Bewegungen des Ernstfall-Theaters - Umgang mit dem Vorgesetzten, Umgang mit der Waffe, Umgang mit dem Feind («Darf ich jetzt einen Kopfschuss abgeben?») -, während die Mimik klarmacht, dass es noch eine Innenwelt gibt. Diese wird in Gesprächssituationen gegenüber Dritten bzw. der Kamera relativ angstlos preisgegeben (ein Rekrut erzählt davon, wie er einmal nachts aufwachte in der Achtungstellung, im «Männli»). Die Institution hat dafür keine Verwendung, auch keine Wahrnehmung. Irgendwo im Grünen stellt ein institutioneller Seelsorger einer Gruppe von Rekruten die formelle und aussichtslose Frage nach Dingen, von denen sie geplagt werden: Schweigen im Walde, zementiert durch Übungsschüsse, die in der Nähe abgegeben werden.
«Gemachte Männer» erweist sich als geduldige filmische Zurkenntnisnahme einer in jedem Sinne durchschnittlichen heutigen RS-Situation. Das Lesen und Interpretieren, das Schlauwerden und Betroffensein wird durch den Film ermöglicht - nicht mehr und nicht weniger. Es ist ein sensibler Film, ohne scharf geschnittenes Gesicht, ohne jede «Dramatik» - sei es im Sinne emotional wirksamer Höhepunkte, ausgeschöpfter Porträts oder eigentlicher Ereignisse, die einen Kontrast zum Trott - dem gemeinsamen Nenner jeglichen militärischen und nicht militärischen Lebens - bilden könnten.