Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/21

Neue Arbeitswerkzeuge und steigende Anforderungen an die gebaute Umwelt haben die Berufe im Bauwesen immer wieder verändert und damit auch neue Tätigkeitsbilder und Berufsrollen geschaffen.
Im frühen Mittelalter steckte der Werkmeister als Mitglied von Bauhütten den Grundriss direkt auf dem Baufeld ab und liess Mauern nach Schablonen und Musterstücken errichten.
Mittelalterlicher Dombaumeister mit Zirkel. (Bild: Dictionnaire Raisonné de l'architecture Française du XIe au XVIe siècle, Eugène Viollet-Le-Duc, 1856)
Die ersten massstäblichen Pläne wurden erst im Jahre 1220 erstellt und erlaubten die detaillierte Darstellung des zu realisierenden Werkes in Grundriss und Ansicht.
Der Buchdruck und die damit zusammenhängende Verbreitung von Lehrbüchern und Bauanleitungen verstärkte die Arbeitsteilung im Bauwesen. Architekten sahen sich nun vermehrt auch als bildende Künstler. Mit der Ausführung wurden indessen Handwerker betraut, die in Zünften organisiert waren und oft als „Generalunternehmer“ wirkten.
Durch die Industrialisierung im 18. Jahrhundert und der Gründung der Technischen Hochschulen rückte die Konstruktion in den Vordergrund und wurde damit Grundlage für die Komposition der Gebäude. Die Trennung in zwei am Bau beteiligte Berufe, Architekt und Ingenieur, war eine Folge davon.
Die Erfindung des Desktop Computers und die dadurch möglich werdende breite Einführung des CADs (Computer Aided Design) in den Planungsbüros hatte zu Beginn der 1990er-Jahre einen weiteren Wandel zur Folge. Eine damit zusammenhängende Rationalisierung im Planzeichnen führte dazu, dass die Architekten die Pläne für die Realisation fortan weitestgehend selbst zeichneten. Der Beruf des Hochbauzeichners, als Ersteller von Ausführungsplänen, geriet deshalb stark unter Druck.
Steigende Anforderungen in den Bereichen Gebäudetechnik, Bauphysik und Nachhaltigkeit führten zu zusätzlichen Spezialisierungen in den Ingenieurdisziplinen. Heute sind neben dem Architekten oft bis zu zehn weitere Fachplaner an einem Bau beteiligt. Obwohl das CAD die Planproduktion rationalisierte, stagnierte trotzdem die Produktivität in der Planungsbranche oder ging zum Teil gar zurück.
Das klassische CAD als digitales Zeichenbrett hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt und ermöglicht heute das virtuelle dreidimensionale Modellieren von Bauten. BIM (Building Information Modelling) hat in der Planungswelt Einzug gehalten.
BIM Building Information Modelling (BIM) ist eine Planungsmethode im Bauwesen, die die Erzeugung und die Verwaltung von digitalen, virtuellen Darstellungen mitsamt den physikalischen und funktionalen Eigenschaften eines Bauwerks beinhaltet. Die Bauwerksmodelle stellen dabei eine Informationsdatenbank rund um das Bauwerk dar. Sie sind eine verlässliche Quelle für Entscheidungen während des gesamten Lebenszyklus, von der Strategischen Planung bis zum Rückbau. (Quelle: National Institute of Building Science. Washington DC, 2012)
BIM steigert mit den geeigneten Methoden, Prozessen und Organisationsformen die Qualität des Planungs- und Bauprozesses deutlich. Die Transparenz und Durchgängigkeit wird erhöht und führt damit auch zu fehlerfreieren und nachhaltigeren Bauten. BIM als Werkzeug in Kombination mit neuen Prozessen und Organisationsformen wird als VDC (Virtual Design and Construction) benannt.
BIM wird oft auch als eine disruptive Technologie bezeichnet. Die mit BIM zusammenhängenden Veränderungen in der Bauwelt lassen sich momentan nur schwer voraussagen und werden wohl unterschätzt. Es wird jedoch erwartet, dass die Auswirkungen auf die Berufsrollen und die Bauprozesse erheblich sein werden.