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in welchem das Kochen unter höherm Drucke, bei etwa 2 Atmosphären Spannung erfolgen kann, so gewährt dieser noch größere Sicherheit. Zur Desinfektion [* 2] von Wollstoffen, Bettdecken, Matratzen, Kissen u. dgl. ist eine trockne Erhitzung vorzuziehen. Die früher gebräuchliche Erhitzung durch direkte Feuerung war schwer zu regulieren und wurde später durch die viel gleichmäßigere Erhitzung mittels strömenden Dampfes ersetzt, der in den hohlen Wänden des kasten- oder cylinderförmigen Apparates cirkulierte.
Neuerdings läßt man den Dampf [* 3] mit den Gegenständen unmittelbar in Berührung treten, da der Dampf die Stoffe gut auflockert und das Eindringen der Wärme [* 4] beschleunigt. Eine Durchnässung vermeidet man hierbei durch vorheriges Anwärmen sowie nachträgliches Durchlüften mit heißer Luft. Ein nach diesem Princip hergestellter Desinfektionsapparat [* 5] ist der von Schimmel [* 6] & Comp. in Chemnitz. [* 7] Derselbe besteht aus einem zimmerartigen Raum, auf dessen Grund ein Rippenheizkörper und ein darüberliegendes mit feinen Öffnungen versehenes Dampfeinströmungsrohr angebracht sind.
Die zu desinfizierenden Gegenstände werden auf einem auf Schienen beweglichen Gestell hereingefahren, worauf die Thür luftdicht verschlossen wird. Nachdem die Gegenstände eine Zeit lang der durch den Heizkörper entwickelten trocknen Hitze ausgesetzt sind, läßt man den Dampf einströmen, der die Stoffe rasch durchdringt und sie auflockert, wodurch eine schnelle Durchhitzung erzielt wird. Nach Dampfabschluß läßt man wieder die trockne Hitze wirken.
Größere Städte sind jetzt zur Anlage von öffentlichen Desinfektionsanstalten geschritten, in denen gegen mäßiges Entgeld die Desinfektion von infizierten Gegenständen vorgenommen wird. Hierbei ist besonders darauf zu achten, daß bei dem ununterbrochenen Betrieb die bereits desinfizierten Gegenstände nicht mit den neu hinzukommenden durchseuchten in Berührung kommen, was dadurch erreicht wird, daß bei dem Apparat für Ein- und Ausbringen der Stoffe besondere Thüren angeordnet sind, die außerhalb des Apparates durch eine das ganze Zimmer durchziehende Wand getrennt sind, sodaß auch die mit dem Einbringen der durchseuchten Stoffe beschäftigten Beamten nicht mit denjenigen in Berührung treten, welche die Zurückbeförderung der gereinigten Gegenstände besorgen. Ein solcher getrennter Betrieb wird durch die Bauart der Desinfektionsapparate von Rietschel & Henneberg in Berlin [* 8] ermöglicht. Auch transportable Apparate hat man konstruiert, um den Transport einer größern Menge an einem Orte befindlicher durchseuchter Gegenstände zu umgehen.
Jeder Raum, in dem ein an ansteckenden Krankheiten Leidender verweilt hat, sollte nach dem Verlassen desselben einer Desinfektion unterzogen (desinfiziert) werden, ehe er wieder bewohnt wird. Hierzu eignen sich die gasigen Desinfektionsmittel am besten, wie Chlor, Brom, schweflige Säure, salpetrige Säure, von denen Chlor und schweflige Säure am leichtesten anwendbar sind. Nur begnüge man sich nicht damit, in dem betreffenden Raume eine leichte Räucherung mit diesen Gasen vorzunehmen, wodurch absolut nichts erreicht wird, sondern man entwickle diese Gase [* 9] in solchen Mengen, daß der Aufenthalt für Menschen während der Räucherung unmöglich gemacht wird, und lasse sie längere Zeit, etwa 24 Stunden lang, andauern. (S. Chlorräucherung.) Bromgas entwickelt man am besten nach dem Frankschen Verfahren aus mit flüssigem Brom getränkter Kieselgur, aus welcher das Brom an der Luft allmählich verdampft; für 1 cbm in Raum sind zur sichern Desinfektion 40 g Brom erforderlich.
Zur Desinfektion mit schwefliger Säure entzünde man Schwefel in einem eisernen Gefäß, [* 10] wobei für einen Raum von 120 cbm Inhalt etwa 2 kg Schwefel zu verwenden sind. Daß während der Durchräucheruug alle Thüren und Fenster des Raumes geschlossen zu halten sind, ist selbstverständlich. Will man im Krankenzimmer während des Verweilens des Patienten eine Desinfektion der Luft vornehmen, so sind die genannten Stoffe nicht verwendbar, wohl aber läßt sich der beabsichtigte Zweck durch Verbreitung von Carbolsäuredampf erreichen. Zu diesem Behufe stelle man chemisch reine Carbolsäure, auf einem flachen Teller ausgebreitet, an einen mäßig warmen Ort, z.B. in die Nähe des Ofens, wobei eine genügende Menge verdunstet, ohne dem Kranken nachteilig zu werden.
Die gefährlichsten Träger [* 11] der Ansteckungsstoffe sind in vielen Fällen die Auswürfe und Entleerungen der Kranken; werden diese ohne weiteres in die Aborte (s. d.) geschüttet, so können die bedenklichsten Folgen daraus entstehen. Die Krankheitsorganismen finden dort alles, was sie zu ihrer reichlichsten Vermehrung bedürfen: Feuchtigkeit, eine gewisse Wärme, zersetzbare organische Substanz in Fülle;
durch den in den Abfallschloten herrschenden Zug können sie durch alle Stockwerke des Hauses verbreitet werden. Es sollten daher die zur Aufnahme der Entleerungen bestimmten Gefäße stets vor dem Gebrauch bereits ein wirksames Desinfektionsmittel enthalten, um die Organismen sofort zu töten.
Von den mechan. Mitteln kommt hauptsächlich Erde, Asche und Torf in Frage. Erde hat eine sehr beharrliche reinigende Kraft, [* 12] kann deshalb mehrmals verwendet werden und liefert einen recht guten Dünger; allerdings sind große Mengen erforderlich, pro Jahr und Kopf an 1200 kg. Ahnliche Ergebnisse liefert Asche in Bezug auf Desinfektion und Dünger. Sie wird durch Sieben aus dem Kehricht genommen;
jedoch liefert der Hausverbrauch nicht die nötige Menge (etwa das Doppelte der Exkremente);
nur in Manchester [* 13] scheint die Asche für die Desinfektion auszureichen;
dort sind Aschenklosetts nach dem Tonnensystem in Brauch.
Bedeutend geringerer Verbrauch an Zusatz zu den Exkrementen ist notwendig bei Anwendung von Präparaten aus Torf. Torf liefert 80 Proz. Torfstreu und 20 Proz. feine Masse, Torfmull. Nach der Braunschweiger Norm ist nur ein Quantum von 55 kg Torfmull, welcher besondere Aufsauge- und Bindefähigkeit besitzt, für den Kopf und das Jahr ausreichend. Das Ergebnis der Desinfektion Torfmist, fast geruchlos, liefert Vorzugsweise für leichten Ackerboden einen guten Dünger.
Der Zusatz dieser Desinfektionsmittel geschieht entweder in Streuklosetts, in den Abtrittsgruben oder an den Sammelstellen außerhalb der Stadt, wo auch die Zubereitung des für landwirtschaftliche Zwecke wertvollen Fäkalienkomposts erfolgt.
Bedeutend intensiver, namentlich in Bezug auf die Zerstörung von Kleinlebewesen ist die Desinfektion mit chem. Mitteln, die auf flüssigem Wege erfolgt. Von den einfachen Mitteln verdienen wegen ihrer Billigkeit und Wirksamkeit den Vorzug Kupfervitriol und Carbolsäure; neuerdings werden auch das Creolin (s. d.), das Lysol (s. d.) sowie das Kresol (s. d.) zu dem gleichen Zweck empfohlen. Auch zwei ältere ¶
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Desinfektionsmittel sind durch die bakteriologische Forschung wieder zu größerm Ansehen gelangt, der frisch gelöschte gebrannte Kalk, die Kalkmilch, der an bakterientötender Kraft der Carbolsäure gleich kommt, vor ihr aber den Vorzug hat, daß er geruchlos, billiger und leichter zu beschaffen ist, und der Chlorkalk, [* 15] der selbst Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen abtötet, wenn er als dicker Brei mit ihnen in Berührung kommt. Als ein vorzügliches Desinfektionsmittel für Bett- und Leibwäsche u. dgl. hat sich die Kaliseife bewährt, welche schon in einer Auflösung von 1:5000 die Entwicklung der Milzbrandbacillen hemmt und in einer solchen von 1:1000 dieselbe vollständig aufhebt. Eine wirksame Kaliseifenlösung wird bereitet, indem man 15 g Kali- (grüne oder schwarze) Seife in 10 l lauwarmen Wassers auflöst. (S. Krankenwäsche.)
Von größter Bedeutung ist die Desinfektion bei chirurgischen Operationen und bei der Behandlung von Wunden geworden. Unsere Atmosphäre ist erfüllt von Spaltpilzen. Kommen diese mit einer offenen Wundfläche, mit einer Schnittfläche in Berührung, so haften sie dort, vermehren sich, bringen Entzündungen, Eiterungen, Blutvergiftungen hervor. Es ist daher ungemein wichtig, hier diese verderblichen Organismen, möglichst schon ehe sie zur Wirksamkeit gelangen konnten, zu vernichten, oder sie in ältern Wunden zu zerstören.
Ersteres geschieht bei der von Lister eingeführten antiseptischen Operationsmethode (s. Wunde), letzteres ist durch Umschläge und Waschungen mit wässerigen Lösungen von Carbolsäure, Salicylsäure, Thymol, Creolin, Lysol oder Quecksilbersublimat zu erreichen. Von den genannten Mitteln hat sich das Quecksilbersublimat als das weitaus stärkste und zuverlässigste Antiseptikum erwiesen; schon in einer Verdünnung von 1:1000000 beschränkt es das Wachstum der Spaltpilze merklich und in einer Lösung von 1:1000 tötet es sicher binnen wenigen, spätestens 10 Minuten auch die widerstandsfähigsten Keime der Mikroparasiten, weshalb es gegenwärtig als ein absolut sicheres Mittel zur Desinfektion der Wunden, der Verbände, der Hände und zahlreicher anderer Gegenstände allgemein Anwendung findet. In neuerer Zeit werden in der Chirurgie die Instrumente durch Kochen in 1 Proz. Sodalösung und die Verbandstoffe durch strömenden heißen Wasserdampf von 100 bis 130° keimfrei (aseptisch) gemacht.
Die meisten desinfizierenden Lösungen, wie z. B. besonders Sublimat und Carbolsäure, sind giftig, weshalb sie nur mit der erforderlichen Vorsicht zu verwenden sind. In der Wundbehandlung sind neuerdings auch das Jodoform, das Jodol, das Dermatol und das Diaphtherin mit günstigem Erfolge zur Verwendung gekommen. Auch die Geburtshilfe bedient sich der desinfizierenden Mittel mit bestem Erfolge zur Verhütung des Kindbettfiebers und anderer schwerer Infektionskrankheiten.
Gesetzliche Bestimmungen. In folgenden Fällen ist die Desinfektion reichsgesetzlich geordnet und deren Unterlassung unter Strafe gestellt:
1) Nach dem Reichsgesetze vom sind die Eisenbahnverwaltungen verpflichtet, Eisenbahnwagen und die zu denselben gehörigen Gerätschaften, in welchen Pferde, [* 16] Maultiere, Esel, Rindvieh, Schafe, [* 17] Ziegen oder Schweine [* 18] befördert worden sind, nach dem jedesmaligen Gebrauche zu desinfizieren, und es werden Vernachlässigungen an denjenigen Personen, welchen vermöge ihrer dienstlichen Stellung oder eines ihnen erteilten Auftrags die Anwendung, Ausführung oder Überwachung der Desinfektion obliegt, mit Geldstrafe bis zu 1000 M., und wenn infolge der Vernachlässigung Vieh von der Seuche ergriffen worden, mit Geldstrafe bis zu 3000 M. oder Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft.
2) Nach dem Reichsgesetze, betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom §. 27, kann im Falle der Seuchengefahr und für die Dauer derselben die Desinfektion der Ställe u. s. w. angeordnet werden, und es wird (§. 66, Nr. 4) die Zuwiderhandlung mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft bis 6 Wochen bestraft, deren geringster Betrag übrigens 50 M. oder 3 Wochen ist, wenn beabsichtigt war, sich oder einem andern einen Vermögensvorteil zu verschaffen oder einem andern Schaden zuzufügen.
Diese Strafen treten ein, auch wenn der Thäter keine Kenntnis von der erlassenen Anordnung hatte, sondern seine Unkenntnis fahrlässig verschuldet hatte. Wenn er aber wissentlich handelte, so wird er nach §. 328 des Deutschen Strafgesetzbuchs mit Gefängnis bis zu einem Jahre, und wenn infolge seiner Handlungsweise Vieh von der Seuche ergriffen worden, mit Gefängnis von 1 Monat bis zu 2 Jahren bestraft. Dieselbe Strafe tritt auch ein, wenn 3) die nach §. 2, Nr. 4 des Reichsgesetzes, betreffend Maßregeln gegen die Rinderpest, vom angeordnete Desinfektion unterlassen ist. Eine reichsgesetzliche Strafbestimmung für fahrlässige Zuwiderhandlung fehlt.
Über die Desinfektion von Schlachtfeldern s. Schlachtfelder.
Von der höchst umfangreichen, die Desinfektion betreffenden Litteratur sind hier vor allen hervorzuheben die zahlreichen Abhandlungen von Pettenkofer, insbesondere: Beziehungen der Luft zu Kleidung, Wohnung und Boden (4. Aufl., Braunschw. 1877), über den Wert der Gesundheit für eine Stadt (3. Aufl., ebd. 1877), und Was man gegen die Cholera thun kann (Münch. 1873);
ferner: Reichardt, Desinfektion und desinfizierende Mittel (2. Aufl., Stuttg. 1881);
R. A. Smith, Desinfectants and desinfection (Edinb. 1869);
Budd, Cholera and Disinfection (Bristol 1871);
Roth und Lex, Handbuch der Militär-Gesundheitspflege (3 Bde., Berl. 1872-77);
Virchow, Die Fortschritte der Kriegsheilkunde, besonders im Gebiete der Infektionskrankheiten (ebd. 1874);
Ferd. Fischer, Verwertung der städtischen und Industrie-Abfallstoffe (Lpz. 1875);
Rothe, Die Carbolsäure in der Medizin (Berl. 1875);
Wernich, Desinfektionslehre (2. Aufl., Wien [* 19] 1882);
Mitteilungen aus dem kaiserl. Gesundheitsamte (Berl. 1881 fg.);
Göldner, Anleitung zur Wohnungsdesinfektion (ebd. 1891);
Bornträger, Desinfektion (Lpz. 1893).