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Fantasyfilm
Philippinen 2005
Alternativer Titel Tales from the Enchanted Kingdom: Exodus
Regie Erik Matti
Drehbuch Dwight Gaston
Darsteller Ramon "Bong" Revilla Jr., Iya Villania, Benjie Paras, Aubrey Miles,
B.J. Forbes, Jay-R, Paolo Bediones, Long Mejia, Ramon Revilla, Mark Gil
Länge 102 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 12
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.||.|
© Text Marco,
molodezhnaja 22.5.06
© Bilder Star Records, Screenshots molodezhnaja
STORY
Der böse Elementar-Herrscher Haring Bagulbol (Jay-R) hat beinage die ganze Menschheit vernichtet oder versklavt. Die wenigen Überlebenden hausen in der unterirdischen Stadt Bantayan. Dort bekommt der Krieger Exodus (Ramon "Bong" Revilla Jr.) den Auftrag, die Menschen in den letzten Kampf gegen das Böse zu führen. Um Erfolg zu haben, muss er erst vier Elementargeister um sich versammeln: Den Zentaur Tayho (Benjie Paras), die Wasserfee Lin-Ay (Iya Villania), die Vampirsdame Bangkila (Aubrey Miles) und den Feuerzwerg Silab (BJ "Tolits" Forbes). Das Quintett marschiert danach in Richtung von Bagulbols Festung.
REVIEW
Fantasykino boomt auf den Philippinen: Nachdem 2005 bereits der Märchenfilm Mulawin: The Movie mit Pauken und Trompeten in die Kinos kam, lancierte Erik Matti (Gagamboy, Mano Po 2) Ende Jahr, rechtzeitig für das Metro Manila Film Festival, den nächsten Fantasy-Big-Budget-Streifen: "Exodus". Beim Festival räumte der 1.3 Millionen US-Dollar teure Streifen sechs Auszeichnungen ab, darunter jene für Effekte, Kamera und zweitbesten Film (nach Blue Moon). Tatsächlich ist "Exodus" eine Spur besser als Mulawin, weil Matti weniger auf CGI setzt und dafür mehr auf Modelle, Sets und Miniaturen. Zu sagen, dieser uninspirierte Mix aus "Conan", "Kull" und "Lord of the Rings" sei ein guter Film, dehnt den Begriff dann aber doch etwas zu stark.
Vielmehr ist es Fantasy-Kino auf Unterstufen-Niveau, näher dran an TV-Ware wie "Power Rangers", als an cineastischer Qualität. Die Tricks, die Matti viel zu exzessiv einsetzt, sind von schlechter Natur - das kann man verzeihen, weil die Kino-Tricktechnik auf den Philippinen nicht so weit fortgeschritten ist, wie in Hollywood. Doch warum dann so oft darauf zurückgreifen? Gerade im Einsatz "klassischer" Tricks zeigt Matti ja, dass es auch besser mit einfachen Mitteln geht. Ging es in Hollywood vor 20 Jahren ja auch. Immer dann, wenn "Exodus" auf diese Form der Tricktechnik zurückgreift, kommt ein wenig 80's-Feeling auf, was ihm durchaus Sympathiepunkte verleiht. Trash-Sympathiepunkte, wohl gemerkt. Denn man kann an dem Kasperletheater nichts wirklich ernst nehmen: Vom bierernsten Helden über die Saruman-Turm-inspirierte Festung des Schurken bis hin zu den ulkigen Elementar-Wesen - manchmal kann man sich ein unfreiwilliges Kichern nicht verklemmen.
Dabei täte gerade etwas Humor der Saga gut. Das zeigt sich etwa in den wenigen (absichtlich) witzigen Szenen, wie der, in der Lin-Ay eine Regenwolke über dem Kopf von Exodus platziert, bis er ihnen sagt, wohin ihre Reise geht. Weniger geglückt ist indes das Herumgealbere des Zentaurus Tayho, der von den Elementar-Helden die schlechteste Figur macht. Besser weg kommt Lin-Ay in ihrer pinken Robe und Vampirsfrau Bangkila mit ihren Mini-Flügeln. Auch eine Gattung macht der Bösewicht, gespielt vom knackigen R'n'B-Sänger Jay-R. Anstatt ihn unter einer Maske zu verstecken, hätte Matti seinen mit Adern übersäten Kopf mehr zur Geltung bringen sollen. In der ersten Szene sieht man ihn in schwarzem Material baden, das geronnenes Menschenblut sein könnte - in diesem Stil hätte ich mir mehr gewünscht: Ein muskulöser Fiesling, der im Blut badet - das hat gleichzeitig etwas Archaisches, Homoerotisches und Dekadentes. Leider bleibt davon nicht viel übrig und Jay-R reiht sich in die Serie der 08/15-Figuren ein.
Zu denen gehört auch der Held, gespielt vom nicht mehr ganz taufrischen "Bong" Revilla Jr. Die Revillas sind eine der grössten Schauspieldynastien der Philippinen und sowohl "Bong" wie auch sein Vater Ramon sind auch in der Politik tätig - vielleicht hätte es deshalb mehr Mut benötigt, "Bong" aus der Hauptrolle zu ekeln, denn er bleibt blass. In den Fights macht er in seiner Rüstung eine gute Figur, doch aus der Rolle holt er nichts heraus. Eigentlich auch kein Wunder, denn der Plot erlaubt keinerlei Charakterentwicklung: Es geht darum, dass er zur Aragorn-Königsfigur heranreift und die Elementargeister fängt, um mit ihnen gegen den Feind anzutreten. Film Ende. Wahrlich dünner Stoff, der vom Freizeitpark "Enchanted Kingdom" initiiert wurde. Ja, der Film wurde zum 10. Geburtstag dieses Parks in St. Rosa (Laguna) südlich von Manila gedreht und in den ersten Minuten weist ein CGI-Zauberer die Kinder im Park an, ihre Handys auszuschalten. Damit ist auch klar gemacht, an wen sich der Film primär richtet ...
Eine ganz moderate Empfehlung gibts dennoch für hartgesottene Fantasy-Freaks wie mich: Wie mutig Matti vorangeht und trotz mangelnder Tricktechnik seine "Vision" verwirklicht, verdient Anerkennung. Auch die Kameraarbeit ist für philippinische Verhältnisse stattlich. Mir gefielen weniger die exzessiven Fahrten durch die Sets, als die kleinen Tricks, etwa wenn der gegnerische Bogenschütze zielt und die Kamera bereits in seiner Schussbahn wegfährt. Nichts Besonderes für Hollywood-verwöhnte Augen, aber trotzdem nett. Und letztendlich sind einiger der Sets klasse. Aus Bagulbols Schloss hätte man mehr rausholen müssen, wenn schon Menschen in mehreren Shots gequält werden. Der apokalyptische Tower böte sich an für einen etwas blutigeren Film, in dem die Menschen auch wirklich in dieser maschinellen Welt gefoltert werden. Das Set gefällt trotzdem.
Noch besser ist die Stadt der Menschen, die primär aus Holz besteht. Mittendrin ein paar Köpfe, die aus Filmen von Terry Gilliam und Jean-Pierre Jeunet entsprungen scheinen - massgeblich "La cité des enfants perdus". Das passt zum Leitmotiv des Films: Lasst uns klauen, was uns gefällt, und Mainstream-tauglich wieder zusammensetzen. Wie erwähnt: Das reicht nicht für grosses Kino, vielleicht nicht einmal für gutes. Doch Fantasy-Fans mit niedriger Anspruchslimite kommen für 102 Minuten zeitweise auf ihre Kosten.
MEINE DVD
Philippinen, Code 0, NTSC
Letterboxed Widescreen
Tagalog 2.0 mit englischen Untertiteln.
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