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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch
5. Christus bewährt sich durch Wort und Tat als Sohn Gottes und des Menschen.
Der Eingeborene Gottes wurde also aus der Jungfrau als Mensch geboren. Er wollte in der Fülle der Zeiten1 in sich selbst den Menschen zu Gott erheben; und deswegen hat er gleichmäßig dieses Verfahren der Lehre der Evangelien innegehalten, daß er den Glauben an seine Gottessohnschaft verkünden und daß er zur Lehre seiner Menschensohnschaft mahnen ließ. Er sprach und tat als Mensch alles, was nur Gott zu eigen ist, er spricht und tut als Gott dann aber auch alles, was dem Menschen zukommt. So zwar, daß er in jeder der beiden Sprechweisen immer nur mit Hervorhebung seiner Menschheit und Gottheit gesprochen hat. Dennoch wies er nur auf den einen Gott als Vater hin; und er lehrte von sich, vermöge der Tatsächlichkeit der Geburt das Wesen des einen Gottes in sich zu haben. Er unterließ es aber auch nicht, sich Gott-Vater in der Ehrerweisung als Sohn und in der Stellung als Mensch unterzuordnen; denn jede Geburt weist zurück auf den Urheber, und alles Fleisch bekennt im Hinblick auf Gott sich als schwach.
Von hier aus bietet den Irrlehrern sich der Anlaß, die Schlichten und Unkundigen zu täuschen, indem sie lügnerisch behaupten, dasjenige sei gemäß der Schwäche [S. 71] des göttlichen Wesens ausgesagt, was von ihm hinsichtlich seiner Menschheit ausgesagt wird; und indem sie behaupten, das alles habe er von sich selber2 ausgesagt, da es ja einer und derselbe ist, der das alles sagt.
1: Gal. 4, 4.
2: von seinem göttlichen Wesen.