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Liebe Musikfreunde
Jeder von euch, der einen Plattenspieler besitzt, kennt sie - diese labbrigen Filzmatten, welche auf den Plattentellern unserer Spieler liegen. Braucht es diese? Wozu dienen sie? Gibt es da was besseres?
Dieses Thema möchte ich in diesem Artikel behandeln. Wie auch bei unseren anderen Artikel möchte mich nicht in irgendwelchen technischen Details verlieren. Es soll einfach verständlich und nachvollziehbar sein!
Die Antwort auf diese Frage ist einfach und simpel. Matten haben mehrere Aufgabe zu erfüllen. Zum einen liegt die Schallplatte weich auf einer glatten Oberfläche, was Kratzer und somit Beschädigungen vermindert. Zum anderen soll die Matte Vibrationen vom Laufwerk, Lager und Chassis von der Platte fern halten.
Nicht jede Matte / jedes Material absorbiert im gleichen Ausmass. Als Spoiler vorab: allzu viel ist nicht immer gut!
Das Abspielen einer Schallplatte ist ein mechanischer Prozess. Der Motor (1) treibt den Plattenteller an, entweder mittels Riemen, Magnetantrieb oder Reibrad (primär bei alten Modellen). Der Plattenteller wiederum liegt auf einer Achse oder einem Subteller (2) auf. Diese Achse oder Subteller ruhen in einem (meist) Kugellager.
Durch die Rotation entstehen in diesem Lager Vibrationen, welche sich durch die Achse auf den Plattenteller und durch die Lagerhülse auf das Chassis des Gerätes übertragen. Auch der sich drehende Motor erzeugt eine Kraft auf den Teller oder die Achse, je nach Konstruktion des Spielers.
Tonabnehmer folgen den Ausschlägen der Rille einer Platte. Durch das Zusammenspiel von Magnet und Spule in der Tonzelle entsteht durch die Bewegung Strom - also die Musik.
Vibrationen der Platte, also kleine Bewegungen, werden ebenfalls von der Nadel erfasst und- Bingo!
Diese Frage lässt sich (bildlich gesprochen) ganz einfach mit einer Gegenfrage beantworten. Welchen Zweck haben Federungen und Stossdämpfer?
Die Matte auf dem Teller soll die Platte "ruhiger" halten. Vibrationen sollen durch die Matte geschluckt, also eliminiert werden. Dadurch bleibt die Schallplatte ruhiger, schwingt weniger mit was im Umkehrschluss die Nadel weniger ablenkt. Dadurch gelangen weniger "Fehler" auf den Tonabnehmer und somit auch nicht in die Musik.
Nun kommen wir zum Corpus Delicti. Die mitgelieferten Matten sind in den meisten Fällen aus billigem Filz. Dieser hat diverse Nachteile und sollte schnellst möglich gewechselt werden!
Matten gibt es wie Sand am Meer, die Angebote reichen von wenigen Franken bis hin zu absolutem High-End.
Zur Verwendung kommen verschiedene Materialien in verschiedenen Stärken (also die Dicke).
Diese Matten werden anstelle der originalen Filz oder Gummi Matten verwendet, also nicht gleichzeitig!
Eine Frage, die mir sehr häufig gestellt wird ist, welche Matte zu welchem Teller passt. Nun, nicht alles harmoniert mit allem. Ich habe mir mal einige der Matten von unserem Sortiment unter den Nagel, resp. die Nadel, gerissen und mit verschiedenen Plattenspielern getestet.
Zum einen wollte ich für den Test Geräte in unterschiedlichen Preisklassen, sowie mit unterschiedlichen Tellern verwenden. So standen folgende Geräte im Test:
Rega Planar 1 - Kunststoff Teller
Rega Planar 3 - Glas Teller
Gold Note Valore 425 Lite - MDF Teller
Gold Note Giglio - POM Teller
Luxman PD-151 - Massiver Aluminium Teller
Folgende Tonabnehmer waren beim Test montiert:
Rega Planar 1 - Rega Elys 2
Rega Planar 3 - Hana EH
Gold Note Valore 425 Lite - Gold Note Vasari Gold
Gold Note Giglio - Gold Note Donatello Gold
Luxman PD-151 - Gold Note Machiavelli Gold
Zum Test traten folgende Matten an:
Pro-Ject - Cork-It
Pro-Ject - Rubber-It
Pro-Ject - Leather-It
Simply Analog - Leather Mat
Gold Note - GEL Mat
Rowen - Silent Mat
Harmonix - TU-800 Million
Bei allen Matten handelt es sich um "Standardmasse" und sind einteilig.
Ich könnte euch jetzt hier die genaue Zusammensetzung jeder einzelnen Matte auflisten, aber ich denke, da ist niemandem geholfen. Da es schlussendlich um den Klang geht möchte ich euch die Matten hier kurz vorstellen. Zudem erfahrt ihr auch gleich, zu welchen Tellern diese passen. (Zusammengefasst)
Hergestellt aus natürlichem Kork.
Durchmesser 330mm
Dicke 1.5mm
Die Cork-It von Pro-Ject bietet sich als preiswerter Einsteiger für eine grosse Menge Plattenspieler an. Primär eingesetzt werden sollte diese auf leichten Metall-, Blech und Druckguss-Tellern. Auf dünnen Glastellern kann sie ebenfalls verwendet werden, ist aber nicht meine erste Wahl.
Da die Matte sehr dünn ist, benötigt es selten bis nie eine Anpassung am Tonabnehmer oder Tonarm in dessen Höhe. (Winkelversatz des Tonabnehmers)
In meinem Test macht diese Matte auf dem Planar 1 von Rega eine gute Figur.
Leider hat diese Matte in der Mitte keine Vertiefung für das Plattenlabel, was eher zu Unebenheiten führen kann.
Diese Matte kann zusätzlich mit Record-Clamps verwendet werden, dessen Gewicht nicht allzu hoch liegen.
Auf schweren, hochdämpfenden und massiven Tellern bietet diese Matte kaum Verbesserungen.
Die Musik wirkt durch diese Matte etwas ruhiger und weniger nervös. Geräusche von Lager nehmen etwas ab, die Musik gewinnt an Auflösung im Mitten- und Oberbereich, der Bass wird etwas kultivierter. (Auf den Tellern der Empfehlung oben)
Hergestellt aus Kork und Gummi Granulat
Durchmesser 330mm
Dicke 1.0mm und 3.0mm
Diese Matte erinnert mich im ersten Moment an HiFi Matten der 70er & 80er Jahre. Das Design ist in meinen Augen sehr altbacken, wobei sich das Design ja aus der Herstellung ergibt.
Diese Matte ist in zwei unterschiedlichen Dicken erhältlich. Die 1mm Version eignet sich in erster Linie für eher schwere Teller aus Metall oder Aluminium. Durch die geringe Dicke benötigt es kaum Anpassungen am Tonarm.
Die Ausführung mit 3mm bietet sich eher für leichtere Teller aus Glas und Metall an. Durch ihre Höhe muss ggf. der Tonarm des Spielers etwas angehoben werden, so dass es keine Winkelfehler der Nadel gibt.
Die 1mm Matte empfehle ich als verbesserte Version von der Cork-It vorallem zum Rega Planar 1, sowie dem Planar 3 und dem Luxman PD-151.
Die 3mm Matte bietet sich primär auf dem Planar 3 sowie dem Gold Note Valore 425 Lite an.