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Es ist wie der Gang durch ein Gräberfeld. Ehemals grosse Hoffnungen liegen hier begraben: Boston-Scientific-Guidant, Wachovia-Golden West, Alcatel-Lucent - um nur ein paar der grössten Zusammenschlüsse der vergangenen zehn Jahre zu nennen. Seit 1. Januar 2000 gab es weltweit 316657 Übernahmen und Fusionen. Rund 87 pro Tag. Ihr Wert beläuft sich laut Datenanbieter Dealogic auf 25,2 Billionen Dollar, fast die Hälfte der jährlichen globalen Wirtschaftsleistung.
Chevron mit dem guten Timing
Seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 sind kaum noch Deals über die Bühne gegangen. 2010 allerdings soll das Geschäft wieder anlaufen. CEO und Aktionäre wären deshalb gut beraten, sich die Zusammenschlüsse der vergangenen zehn Jahre genau anzusehen. Denn die meisten enttäuschten. Stellvertretend sei hier nur der desaströse Megadeal zwischen AOL und Time Warner genannt. Doch es gibt auch einige Erfolgsgeschichten. Das richtige Timing hatte Chevron bei seiner Fusion mit Texaco. Am Beginn der Dekade stand Öl bei 27 Dollar pro Barrel, der Ölmarkt taumelte immer noch aufgrund der Megafusion von Exxon und Mobil im Jahr 1998. Als die Aktienmärkte 2000 dann zu schwanken begannen, kaufte Chevron für fast 39 Mrd Dollar Texaco.
Der Abschluss sicherte Chevron Ölnachschub, während die Preise weiter stiegen. Heute notiert die Chevron-Aktie 50% höher als vor der Fusion. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens hat sich inzwischen verdreifacht.
Die richtigen Manager waren in einer Dekade von Möchtegern-Kaisern Mangelware. Es gab nur zwei echte «Reichsgründer»: Edward Whitacre von AT&T und James Dimon von JP Morgan Chase. Whitacre wendete 140 Mrd Dollar auf, um ein nationales Telekommunikationsunternehmen zu bilden. Grösse zählt in diesem Geschäft, weshalb die Aktionäre den Zusammenschluss honorierten. In den vergangenen fünf Jahren sind AT&T-Aktien um 10% gestiegen, die vom Hauptrivalen Verizon dagegen um 20% gefallen. James Dimon wiederum war massgeblich beteiligt an der Bildung eines Bankenimperiums. Was im September 2000 - noch unter William Harrison - bei der Fusion mit Chase begann, wurde 2004 mit der Übernahme der Bank One fortgeführt. Seitdem hat JP Morgan Chase die New Yorker Bank Bear Stearns und Washington Mutual geschluckt, und die Anleger sind aktuell bereit, für jeden Dollar Gewinn des Instituts 34 Dollar zu zahlen.
Barclays kluger Schachzug
Das notwendige Glück hatte wohl Barclays bei der Übernahme von Lehman Brothers. Selbst wenn der Verbund noch wankt, war der Preis für die bankrotte Investmentbank unschlagbar. Im Chaos der Bankenkrise zahlte Barclays nur 1,75 Mrd Dollar für den Namen, die Angestellten, die Technologie und das Gebäude von Lehman Brothers. Im Rückblick könnte das vielleicht der Deal der Dekade werden.