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Bei einem langjährig unbehandelten Krampfaderleiden kommt es durch den fortwährenden Rückfluss des venösen Blutes im Bein zu Entzündungen der Venenwand und führt zu einem Übergreifen der Entzündungen auf das die Vene umgebende Gewebe. Die Entzündung setzt sich fort zum tiefen Venensystem, was über Verbindungsvenen eine tiefe Venenthrombose verursachen kann.
Venenentzündung – (Phlebitis)
Die Venenentzündung ist eine Erkrankung des oberflächlichen Venensystems, meist mit sogenannter Periphlebitis, einer entzündlichen Mitreaktion des Umgebungsgewebes mit lokaler schmerzhafter Verhärtung der Vene, Rötung und Überwärmung.
Formen der Venenentzündung
Varikophlebitis
die betroffene oberflächliche Vene ist schon als Krampfader umgeformt.
Thrombophlebitis
Der Innenraum der Vene ist durch geronnenes Blut verschlossen (thrombosiert).
Wann ist eine Behandlung notwendig?
Diese oberflächlichen Venenentzündungen (Phlebitiden) sind soweit nicht bedrohlich, solange sie nicht auf das tiefe Venensystem im Bereich der Mündung über die Leiste, Kniekehle und weitere Kurzschlussverbindungen (Perforans-Venen) auf das tiefe Venensystem übergreifen und zur tiefen Venenthrombose und eventuell einer Lungenembolie führen. Um dies aber ausschliessen zu können, ist immer eine genaue Untersuchung und Behandlung notwendig.
Die Therapie einer oberflächlichen Venenentzündung ist zunächst konservativ.
Hier werden lokal kühlende, abschwellende Massnahmen mit Gel, abschwellenden Medikamenten, Schmerzmitteln und Kompressionsverbänden angewandt. Bei Gefahr der Mitbeteiligung des tiefen Venensystems werden eine befristete Antikoagulation (Blutverdünnung) und eventuell operative Massnahmen notwendig. Diese dienen zur Unterbrechung des Übergangs des oberflächlichen zum tiefen Venensystem in Leiste und Kniekehle und eventuell gleichzeitig zur Entfernung vorhandener Krampfadern.
Offenes Bein
Es handelt sich um eine chronische Wunde infolge der chronischen venösen Insuffizienz, die trotz optimaler Kompressions-Therapie und modernen Wundauflagen innerhalb von 3 Monaten keine Tendenz zur Abheilung zeigt, bzw. im Zeitraum von 12 Monaten nicht abgeheilt ist.
Dieses Beingeschwür – «Ulcus cruris venosum» – kann bei allen chronischen Erkrankungen der Bein – und Beckenvenen auftreten, ebenso aus anderen Ursachen (z.B. bei der arteriellen Verschlusskrankheit, bei Bluthochdruck, Zuckererkrankung, Entzündung von Blutgefässen, Befall des Gewebes mit Bakterien, Viren und Pilzen, als Folge von Bestrahlung, Verbrennung , Erfrierung der Haut mit Narbenbildung, Verletzungen des Rückenmark mit Querschnittslähmung (Druckgeschwür) bis hin zum Geschwür als Ausdruck einer bösartigen Gewebeveränderung.
Therapie
Konservative Therapieform:
- Kompressionstherapie mit Kompressionsverbänden und adäquaten Kompressions-Strümpfen zur Reduktion der Wassereinlagerung ins Gewebe sowie mit dem Ziel, das venöse Blutvolumen zu reduzieren und die venöse Blutstromgeschwindigkeit zu optimieren mit Verminderung des venösen Rückfluss und Verbesserung der Mikrozirkulation.
- Wundbehandlung mit feuchten Wundauflagen zum Aufsaugen des Wundsekretes und Unterstützung des oberflächlichen Wundverschlusses („Epithelisierung“).Bei systemischer Infektion ist eventuell zusätzlich eine gezielte Antibiotika-Therapie notwendig.
- Am Wundgrund oder Wundrand kann eine Beschleunigung der Heilung durch Entfernung abgestorbenen Gewebes ( „Debridement“) mit chirurgischem Instrumentarium, aber auch Wasserstrahlskalpell, Enzymen oder mit dem sogenannten „Bio-Debridement“ hilfreich sein (d. h. kurzzeitiges Besetzen des Ulcus mit Larven der Schmeissfliege, die den Geschwürsbelag durch ihr Speichelsekret verflüssigen).
Operative Therapie
Die moderne Chirurgie des Ulcus cruris bietet ein grosses Spektrum von Behandlungsmethoden, insbesondere in Kombination angewandt. Die Möglichkeiten umfassen Abtragung von abgestorbenem Gewebe über Vakuumversiegelung, Operationen im tiefen Gewebe (Muskelfaszie) bis hin zu Hauttransplantationen.