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Hochgeachteter Herr Bundesrath!
Gestern hatte ich, wie vorausgemeldet, Gelegenheit, mit den HH. Stehlin, Vigier1 & Peyer im Hof über die Frage Rücksprache zu nehmen, ob die Anordnung einer Eidg. Expertise betr. die Leistungen der Centraleuropäischen Gesellschaft2 vor der am 19. dß. beginnenden Bundesversammlung im Interesse der Gotthardbestrebungen sein dürfte. Es gab sich die einmüthige Ansicht Kund, es sei wünschbar, daß diese Maaßregel ergriffen werde.3 Erscheint es angezeigt, in der bevorstehenden Bundesversammlung auf Zurückziehung der | Conzessionsgenehmigung zu dringen, so kann wenigstens die Einrede nicht entgegengesetzt werden, es existire keine Expertise neusten Datums. Sollte es dagegen zweckmäßiger erscheinen, in der nächsten Bundesversammlung die Annullirung der Conzession Sillar nicht zu urgiren, so wird es nicht schwer sein, dieser Politik Statt zu geben, auch wenn eine neue Eidgenössische Expertise erhoben worden ist. Ich möchte Sie also ersuchen, die Vornahme einer Eidgenössischen Expertise noch vor der nächsten Bundesversammlung veranlassen zu wollen.4
Der Bericht, den Peyer im Hof über die Vorgänge im Tessin in der gestrigen Ausschußsitzung erstattet | hat5, ließ uns in einen Pfuhl von Verkommenheit des öffentlichen Lebens blicken, der als ein eigentlicher Schandfleck für die Schweiz bezeichnet werden muß.
Es ist Aussicht vorhanden, daß die Italienische commerzielle Commission noch diese Woche einen dem Gotthard günstigen Spruch thun & daß auch in Deutschland ein namhafter Schritt im Sinne unserer Bestrebungen gethan werden wird.6
Der Mont Cenis Tunnel ist im J. 1865 um 1200 Meter vorgerückt. Grattoni7, der die Arbeiten leitet, hat in seinen offiziellen Bericht an das Ministerium8 die Erklärung aufgenommen, es werde im J. 1871 die Locomotive durch den Mont Cenis Tunnel | fahren. Derselbe Grattoni, der competenteste Mann in der Materie der großen Tunnel, hat Koller gesagt, er glaube die Garantie für den Bau des Gotthardtunnels in 10 Jahren um 71 Millionen Franken übernehmen zu können. Grattoni hat in letzter Zeit einschlägige Versuche mit Gotthardgranit anstellen lassen.
Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter
Hochachtung von
Ihrem freundschaftlich ergebenen
Dr A Escher
Zürich
9. Febrr 1866.