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Der Davis-Cup-Sieg Italiens am Sonntag geht nach der grossen Kontroverse um Novak Djokovic und das serbische Team fast unter. Wir spulen zurück.
Vor seinem Viertelfinalspiel am Donnerstag gegen Grossbritannien «weigerte» sich der Weltranglistenerste, wie es in mehreren Medien hiess, sich kurz vor dem Betreten des Platzes einer Dopingkontrolle zu unterziehen. Djokovic erklärte den Vorfall auf der Pressekonferenz nach seinem Sieg gegen Cameron Norrie und war sehr verärgert darüber, dass er nur «eineinhalb Stunden» vor dem Spiel um eine Dopingprobe – Blut- und Urinproben – gebeten wurde.
Es stimmt, der Serbe ist es nicht gewohnt, sich vor einem Spiel einer Dopingkontrolle zu unterziehen. Auf der ATP-Tour werden die Proben erst nach den Spielen entnommen. Im Davis Cup, der vom Internationalen Tennisverband (ITF) organisiert wird, gelten jedoch andere Regeln.
Novak Djokovic sollte das wissen, genauso wie seine serbischen Teamkollegen. «Während der Kapitänsbesprechung vor Beginn des Finalturniers wurden die Kapitäne darüber informiert, dass es Kontrollen geben kann, wahlweise vor oder nach einem Spiel», erinnert die französische Sportzeitung «L'Équipe». Die Wut des Weltranglistenersten ist daher nicht gerechtfertigt.
Es ist auch wahr, dass er das Recht hatte, den Test nach seinem Spiel zu verschieben. «Was man zuallererst sagen muss, ist, dass Djokovic den Test nicht abgelehnt hat», sagte die Internationale Agentur für die Integrität des Tennis (ITIA), die für die Kontrollen im Tennis zuständig ist, gegenüber «L'Équipe». Ein Mitglied der Davis-Cup-Organisation präzisierte in der gleichen Zeitung:
Mit anderen Worten: Novak Djokovic hat mit seiner Entscheidung, sich nach seinem Spiel kontrollieren zu lassen, nichts falsch gemacht. Trotzdem gibt es Stimmen, die sich über diesen Schritt empören. Eine davon ist Marc Madiot, der Leiter des Radsportteams Groupama-FDJ. Auf der Grundlage der Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) fordert er die Suspendierung des serbischen Tennisspielers:
Sportmediziner und Doping-Spezialist Jean-Pierre De Mondenard blies auf X (ehemals Twitter) mit einer Stellungnahme ins gleiche Horn: «Der Davis-Cup-Offizielle wollte mit der Entnahme der Spieler vor dem Spiel die Ineffizienz der Analyse nach der Anstrengung vermeiden», schreibt der Experte. Er geht sogar noch viel weiter und macht unangenehme Andeutungen für Djokovic:
In der Tenniswelt unterstützen die wenigen Akteure, die sich zu diesem Fall geäussert haben, den Serben in der Regel und verstehen seinen Wutausbruch. «Eineinhalb Stunden vor seinem Spiel getestet zu werden, das habe ich noch nie gehört. Ich will ihn nicht verteidigen, aber normalerweise finden die Tests nach dem Spiel statt. Ich finde das sogar abwegig», sagte der ehemalige Weltranglistenzehnte Arnaud Clément auf «Franceinfo».
Auch die ehemalige Spitzenspielerin Marion Bartoli verteidigt Djokovic in Bezug auf die Bedeutung der Routinen vor dem Spiel und behauptet, dass Kontrollen nach dem Spiel «eine einstimmige Regel» seien.
Novak Djokovic hat die wichtige Rolle von Dopingkontrollen betont und erklärte, dass er immer für Dopingkontrollen sei. «Für mich oder für alle anderen. Wenn man sie hundertmal machen muss, dann macht man sie hundertmal, kein Problem», sagte er und flehte: «Aber niemals vor einem Spiel!».
Es stellt sich die Frage, warum die Protokolle des Tennisverbands es den Spielern erlauben, Tests zu verschieben und die der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) keine Wahlmöglichkeit bieten. Und warum sind die Tests beim Davis Cup nicht dieselben wie bei der ATP-Tour? Ein bisschen mehr Kohärenz würde dem Tennis sicher guttun. Mindestens das Unverständnis und die Wut von Novak Djokovic könnten vermieden werden.
Es scheint sich gerade ein ungeschriebenes Gesetz zu entwickeln. Es lautet: Englische Teams gewinnen nur in ungeraden Jahren die Champions League.