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«Das versprach ein totales Desaster!»: Ridley Scott im Interview bei Widescreen Online
Mit seinem neuen Film Robin Hood
will Regisseur Ridley Scott die Geschichte erzählen, wie Robin Hood überhaupt erst zu der Figur wurde, die wir kennen. Ein Gespräch über historische Fakten, die Konflikte mit Russell Crowe, die Vergleiche mit Gladiator und die Rückkehr zu alten Wirkungsstätten.
Mr. Scott, gleich als Erstes: Wie war die Arbeit mit Russell diesmal? Es gab viele Gerüchte über Auseinandersetzungen zwischen Ihnen beiden â¦
Ach, wissen Sie, Russell sagte dazu eines Tages zu mir: âIst das nicht unsere Art?â Und ich erwiderte: âIch denke, das ist sie, auch wenn wir es uns einfacher machen könnten.â Aber so ist unsere Zusammenarbeit schon immer gewesen. Sie müssen wissen, mit Russell zu arbeiten heiÃt, besser gut vorbereitet zu sein. Mein erstes Erlebnis mit ihm war beim Dreh von Gladiator und er saà da und sollte mir zuhören. Und ich hatte das Gefühl, er ignoriere mich, aber das stimmte gar nicht. Er hörte zu, und zwar sehr genau. Und daraus habe ich gelernt, auch ihm genau zuzuhören, denn Russell ist auÃergewöhnlich intelligent und sehr belesen, was all seine Rollen angeht, und hat immer gute Ideen einzubringen. Aber er ist einer, mit dem es nie einfach wird, auch nicht bei einer fünften Zusammenarbeit.
Zum Film: Was waren Ihre Motive für einen neuen Robin Hood?
Die Frage: Gab es Robin wirklich? Als ich gerade in einer Phase war, in der ich nicht wusste, was ich als Nächstes machen sollte, fragte mich Russell [Crowe]: âWärst du interessiert, einen Robin-Hood-Film zu drehen?â Vielleicht ist das so ein Männerding, aber meine Lauscher stellten sich sofort auf und ich erwiderte: âDas ist eine verdammt groÃartige Idee!â Die Geschichte von Robin Hood ist sicherlich Legende, aber was ist die Wahrheit dahinter? Existierte er oder ist er eine Erfindung? Wenn man sich anschaut, was bisher darüber gemacht wurde, darf man natürlich nicht allzu kritisch sein. Doch benötigte die Geschichte einen neuen Mantel? Definitiv. Und haben wir diesen erschaffen? Das haben wir. Ich würde es also eine Neuinterpretation der Legende von Robin nennen. Dieser Film erzählt, wie Robin zum Gesetzlosen wurde. Am Ende des Films ist er zu der Figur geworden, die wir kennen.
Das klingt, als biete die Story Stoff für eine Fortsetzung â¦
Na klar, das wäre möglich. Es wäre alles vorbereitet für ein Sequel â speziell die Ereignisse, die König John, den Bruder und Nachfolger von Richard Löwenherz, zwingen, 1215 die Magna Charta [ein âgroÃer Freibriefâ, der dem revoltierenden Adel verfassungsmäÃige Rechte zusprach und noch heute Teil der Gesetze des Vereinigten Königreichs ist; Anm. d. Red.] bei Runnymede zu besiegeln. Es ist groÃartig. Ich mochte diese historische Periode schon immer und die Unterzeichnung der Magna Charta war natürlich ein gewaltiges Ereignis. Es war das erste wahre Dokument, das einen König festnagelte und zwang, seinen Untertanen Zugeständnisse zu machen.
Flossen solche historische Fakten auch in die aktuelle Geschichte ein?
Ich finde, es ist immer fundierter, wenn man das macht. Bei Robin Hood fragt man sich ja unweigerlich: Warum ist der Sheriff von Nottingham so ein Fiesling? Warum ist König John diese miese Type? Niemand versteht die Ãkonomie und Politik und das alles. Man bekommt also eine Menge Geplänkel zu sehen und weiÃ, wer die Guten und wer die Bösen sind. Aber ich wollte immer wissen, wo die Ursprünge liegen. Zur Erklärung: Gladiator ist eine gute Parallele. Wir haben uns damals ausführlich mit den letzten Tagen der Regentschaft von Marcus Aurelius sowie mit seinem Sohn Commodus beschäftigt und haben ihnen den fiktiven Charakter des Maximus zur Seite gestellt. Und im Falle von Robin Hood haben wir Ãhnliches getan. Und ich fand, ein guter Ansatz war die Frage: Warum ist das Königreich in solcher Unordnung? Warum sind die Steuern so hoch? Weil das Land bankrott ist. Warum ist es bankrott? Weil Richard Löwenherz über zehn Jahre im Namen Gottes und des Kreuzes im Heiligen Land gekämpft hat. Er setzte alles Geld der Krone dafür ein und hinterlieà ein darniederliegendes Land. Das war ein guter Ansatz.
Und damit ein Weg, einige der Hauptfiguren einzuführen?
Genau. Du stöÃt so auf den frustrierten Bruder in Person von König John, der weder herausragend böse noch herausragend dumm ist. Seine Intensionen waren grundsätzlich korrekt. Und damit hast du einen groÃartigen Anfang, besonders, wenn du mit dem Tod eines Heroen wie Richard Löwenherz beginnen kannst. So beginnt der Film und man begegnet John, der mit dem bankrotten Land zu kämpfen hat. Er muss ein Land führen mit einer heimkehrenden Armee, Tausenden von Männern aus den Kreuzzügen, darunter Robin, die zurück nach England kommen und an ihr altes Leben anknüpfen wollen.
Sie haben in Pembrokeshire in Wales spektakuläre Schlachtensequenzen gedreht. Das muss ziemlich aufwendig gewesen sein â¦
Wir haben uns Mühe gegeben. Alles lief wie ein Uhrwerk, doch ich war sehr besorgt wegen der Szenen am Strand, wegen der See und der vielen Ritter in voller Rüstung mit Lanzen und Pferden und Landungsbooten. Das versprach ein totales Desaster, denn das Meer steht natürlich nicht für dich still. Die Waliser Küste ist zwar spektakulär, aber eben auch sehr flach, sodass die Gezeiten eine groÃe Rolle spielen. Und wenn es mal losgeht, ist das wie ein Blitzeinschlag und nichts ist zweimal in derselben Position. Wenn du also einmal âAction!â rufst, kommt das Landungsboot, schieÃen die Pferde heraus, zischen Pfeile umher ⦠Und wenn du âCut!â rufst, willst du das Landungsboot wieder zurückhaben, aber das geht nicht, denn es steckt im Sand fest und du musst warten, bis die Flut es wieder freigibt und du das Ganze neu drehen kannst.
Wie viele Kameras hatten Sie am Strand?
Damit das Ganze funktionierte, elf. Weil wir das Schlimmste befürchteten, hatten wir neun Tage für die Schlachtszene veranschlagt, und wir haben es auch in neun Tagen abgedreht. Das war bemerkenswert.
War das eine der schwerste... read more
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23:46, 2010-05-19
posted by Fabrice