Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03331.jsonl.gz/2163

In den letzten 100 Jahren sind nicht nur ein Teil des Wollenhofs (wo heute das Heimatwerk zuhause ist), der obere Mühlesteg (heute verbindet die Rudolf-Brun-Brücke die beiden Ufer) und die Häuser auf der Limmat verschwunden. Auch diverse Firmen, welche hier ansässig waren, mussten den Bauprojekten weichen. Hier eine Auflistung von Gebäudebeschriftungen, welche auf diesem Bild zu erkennen sind. (v.l.n.r.):
Koffer Taschenfabrikation Louis Woelfe
Städtisches Laboratorium
Pestalozzianum
Automobil-Garage, Garage-Reparaturen-Miete
Buchdruckerei J.Leemann
Aussteuer-Geschäft von W. Kolla
Anhand von diesem Vergleich kann man sich gut vorstellen, an welcher Stelle die alte Brücke (Baujahr 1689) früher das Bahnhofquai und die Papierwerd miteinander verbunden hatte. Ob der Kunstmaler auf Grund der Bekanngabe, dass die Brücke 1950 abgerissen wird, diese nochmals portraitierte, ist leider nicht bekannt.
Das Globusprovisorium, in dem heute die Coop Filiale eingemietet ist (links im Bild), wird voraussichtlich 2020 abgerissen.
Die „alte Börse“ wurde 1930 fertiggestellt und wurde als Handelsplatz betrieben, bis 1991 an der Sihl bei der Stauffacherbrücke ein Neubau erstellt wurde (dessen Börsentage auch bald gezählt sind, man zieht im 2017 in den Hardturmpark nach Zürich West).
Auf dem Bild von 1983 befindet sich noch ein Kiosk (Schmidt-Agence) in der Front des Eckrisalit, im inneren geht eine runde Treppe hoch. Links und rechts davon ist die rote Beschriftung des Restaurant Börse zu sehen. Das Restaurant wurde nach über 60-jährigem Bestehen im Jahr 2005 geschlossen. Kurze Zeit war das Hiltl während Ihres Umbaus provisorisch in den Räumlichkeiten untergebracht. Heute befindet sich hier ein Nespressoshop. Im Obergeschoss, wo früher das El Cubanito und der Club Alte Börse war, sind heute das Restaurant und der Club des Aura.
Das Kornhaus hatte grosse Bedeutung für die städtischen Behörden, da alles in die Stadt eingeführte Getreide nur dort weiterverkauft werden durfte und an Steuern gebunden war. Als die Grösse des ursprünglichen Kornhauses am Weinplatz nicht mehr ausreichte, wurde beschlossen weiter Flussaufwärts ein neues, grösseres zu errichten. 1620 waren die Bauarbeiten für das neue, dreistöckige Gebäude im Renaissancestil abgeschlossen, welches auf diesem Bild zu sehen ist. In den 1830er Jahren wurde dann das Zürcher Kaufhaus im Kornhaus untergebracht, und auf dem heutigen Sechseläutenplatz ein neues Kornhaus erstellt, welches 1867 zur Tonhalle umfunktioniert wurde und 1896 wieder abgerissen wurde. Den Abbruch des fast 280 Jahre alten Kornhauses vor dem Fraumünster versuchte man zu verhindern, da es viele als Gegenstück zum Rathaus auf der anderen Flussseite sahen. 1897 wurde das Gebäude aber trotzdem entfernt, da man einen direkten Blick auf die neu errichtete Fraumünsterpost schaffen wollte. Übrig geblieben sind nur noch zwei Bögen, über welche Boote das Gebäude befahren konnten. Zu beachten: das Rösslitram in der Bildmitte.
Die Stüssihofstatt wurde nach Rudolf Stüssi benannt. Zuvor hiess der Platz im Niederdorf lediglich Hofstatt. Stüssi war von 1430 bis zu seinem Tod während des alten Zürichkrieg 1443 der 13. Bürgermeister der Stadt Zürich. Gewohnt hatte er damals im Haus an der Stüssihofstatt 3, wo sich heute das Restaurant Blue Monkey befindet. Ob die Figur auf dem Brunnen im Zentrum des Platzes wirklich Rudolf Stüssi darstellt ist umstritten. Die Figur wurde 1575 errichtet. Noch viel früher, nämlich 1357, wurde das Haus erbaut, wo über Jahre das Franziskaner Hotel seine Gäste empfing. Das Hotel wurde 2013 geschlossen.
Ein Szene vom Sechseläutenplatz, als dieser gerade mal 2 Jahre so hiess (bis 1947 Tonhallenplatz). In bedrohlicher Schieflage steht er auf seinem Scheiterhaufen, der Böög aus dem Jahre 1949. Und doch blieb er oben stehen, bis zum bitteren Ende. Ein Jahr später vermochte er sich allerdings nicht mehr oben zu halten und stürzte zu Boden. Man warf Ihn danach ins offene Feuer zurück, wo dann doch noch sein Kopf explodierte und dem Sommer nichts mehr im Wege stand. Dieser Zwischenfall wiederholte sich dann nochmals in den Jahren 1960, 1993 und 1994.
Heute vor genau 30 Jahren, am 16. April 1986, stand Zürich unter Schock. Der damalige Chef der Zürcher Baupolizei Günther Tschanun (Jahrgang 1941) erschiesst an seinem Arbeitsort im Amthaus IV (in der Bildmitte) am frühen Morgen vier seiner Angestellten und verletzt einen Fünften schwer. Der bis heute schlimmste Amoklauf der Stadtgeschichte. Drei Wochen später wurde er im Burgund gefasst und später zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt (aber im Jahr 2000 vorzeitig entlassen). Das Motiv für die Tat war Mobbing (dieses Wort war damals allerdings noch nicht im Sprachgebrauch). Von vielen Leuten in der Bevölkerung wurde Tschanuns kaltblütige Tat gutgeheissen. Man spach davon, dass endlich jemand den Mut fasste, sich gegen diese täglichen Quälereien zu wehren. An einer Mauer in Zürich stand geschrieben: Tschanun hatte recht! Sogar Liebesbriefe mit Heiratsanträgen erreichten Ihn im Gefängnis. Heute lebt er mit geändertem Namen an einem unbekannten Ort.
Auf dem Foto von 1894 sieht man das damals kürzlich erbaute Gebäude mit der Adresse Bahnhofplatz 1. An dieser Adresse befindet sich heute unter anderem eine Filiale des Apple-Partners Data Quest. Gleich daneben steht noch das alte Haus des Cafe und Restaurant Du Nord (Waisenhausgasse 8), welches 1895 schliesslich abgetragen und an dessen Stelle der Neubau des Bahnhofplatz 2 und 3 erstellt wurde. Das „du Nord“ bezog auch den Neubau und führte dort über viele Jahr das „Grand Cafe du Nord“. Seit dem Jahr 2000 ist in den selben Lokalitäten im Erdgeschoss die Newsbar und im ersten Stock das Restaurant Au Gratin.
Wo früher einmal die Escherwiese war, wurde in den 60er Jahren eine provisorische Parkierungsebene mit über 300 Parkplätzen errichtet. Es passierte das, was mit einigen Provisorien in der Stadt Zürich schon geschehen ist: es wurde zu einem Providurium und blieb über 40 Jahre lang bestehen. Per Volksabstimmung wurde 1992 beschlossen, dass das Areal zum Bau eines Hotels reserviert wird. Am 3. Juni 2002 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, welche im Oktober 2004 beendet wurden. Der Hotelbauer wurde verpflichtet, die verlorenen Parkplätze von der alten Parkebene auch weiterhin zur Verfügung zu stellen. So entstand das Parkhaus Hyatt Park (267 Plätze).
Nachdem die alte Kaserne am Talacker abbrannte, wurde der schon geplante Bau der neuen Kaserne an der Sihl vorgezogen, welche 1876 bezugsbereit war. Gleich nebenan wurde 1901 die Polizeikaserne der KAPO fertiggestellt. 1937 wurde die letzte Kavallerie-Rekrutenschule durchgeführt (danach nur noch Infanterie). 1987 zog die Armee dann endgültig weg von der Stadt Zürich und bezog die neue Kaserne in Birmensdorf. Die alten Räumlichkeiten werden heute von der KAPO ZH genutzt, welche in naher Zukunft aber in ein neues Polizei-und Justizzentrum an der Hohlstrasse ziehen wird. Die Zukunft des Areals befindet sich momentan in der Projektphase. Die Gebäude sind aber denkmalgeschützt.