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Was wir hier bereits kurz thematisiert haben, wurde nun auch durch die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates bestätigt: die Armee hat schwerwiegende Probleme, die sich negativ auf die Personalentwicklung auswirken. Der Blick auf die Kündigungen im Bereich Berufsmilitär spricht klare Worte:
2003: 14 Kündigungen
2004: 23 Kündigungen
2005: 34 Kündigungen
und im ersten Halbjahr 2006: bereits 32 Kündigungen
Der Bericht der Geschäftsprüfungskommission hält die Situation folgendermassen fest:
Insgesamt muss festgehalten werden, dass sich unter den Berufsmilitärs eine starke Demotivation breitgemacht hat, da sie sich zu wenig wertgeschätzt fühlen. Manche Berufsmilitärs sind nicht mehr bereit, das gegenwärtige System zu unterstützen, und einige haben der GPK-N auch offen gesagt, dass sie aktiv nach einer neuen Stelle suchen. Diese Unzufriedenheit erklärt sich durch das Zusammentreffen der verschiedenen oben erwähnten Elemente: die Müdigkeit auf Grund der Überlastung, die Einschränkungen hinsichtlich der Lebensqualität, der Mangel an klaren beruflichen Perspektiven sowie die Verschlechterung des Verhältnisses zwischen der Arbeitsbelastung und den dafür gebotenen Leistungen. Schliesslich belastet sie auch der Rückgang des Ansehens der Armee in der Gesellschaft, und sie beklagen einen Mangel an interner Kommunikation sowie mangelndes Zuhören seitens der Hierarchie.
Ein Grund für die verschlechternde Stellung der Berufsmilitär entspringt jedoch aus der politischen Seite bzw. kann die Schweizer Armee gar nicht stark beeinflussen: Spardruck. Mit der Armee XXI waren ursprünlich 4,2 Milliarden Franken projektiert, die aber dann auf 3,8 Milliarden Franken runtergekürzt wurden. Ein Teil des Geldes wurde durch Personalkürzungen und Kürzung der zusätzlichen Leistungen (Krankenkasse ist nicht mehr Bestandteil des Lohns) eingesparten. Das im Armeeleitbild XXI definierte Ziel, den Bestand an Berufsmilitär von 3300 auf 4000 zu erhöhen wurde aufgegeben (zur Zeit liegt der Bestand ca. bei 2100). Die Meinung, dass die Kürzung von projektierten 400 Millionen Franken ohne Konsequenzen möglich ist, können auch nur Politiker haben, bei denen es offensichtlich um ignorante Blindheit nicht mangelt. So beispielsweise hat Christoph Blocher vor gut einem Jahr an der “Chance Miliz” gegen Divisionär Baumann gegiftet: “…es gäbe auch noch die Option, dass gar keine Mittel zur Verfügung stünden.” Blochers Rezept: man müsse den Bestand der Armee wieder erhöhen, das Schwergewicht auf die Landesverteidigung legen, auf teure Hightech und Auslandeinsätze verzichten (siehe hier und hier). Mit der Ablehnung des Entwicklungsschritts 08/11 im Nationalrat ist Blocher seinem Ziel ein Schritt näher gekommen.
Was wir hier aber zu wenig thematisiert haben, sind die schlechten Bedingungen der Zeitmilitär:
Die von der GPK-N angehörten Zeitmilitärs sind der Meinung, dass ihre Gehaltsbedingungen den Verantwortlichkeiten, die sie hinsichtlich Führung, Material und Arbeitszeit übernehmen, nicht entsprechen. Ein Zeitmilitär, der Personal zu führen, mehrere Millionen Franken an Material zu verwalten und oft eine über sieben Tage verteilte wöchentliche Arbeitszeit von über 70 Stunden zu leisten hat, kann sich mit einem Gehalt von CHF 3’800 nicht zufrieden geben. Die Aufhebung der Übernahme der Krankenversicherung und die Erhöhung der Verpflegungsspesen bedeuten einen beträchtlichen finanziellen Verlust (bis zu 10% des Nettolohns). Viele Zeitmilitärs haben offenbar finanzielle Schwierigkeiten. Wie die Berufsmilitärs leiden die Zeitmilitärs zudem an Freizeitmangel sowie an einem eingeschränkten Privat- und Familienleben. (…) Die angehörten Zeitmilitärs beklagen, ihnen werde keine Laufbahnentwicklung angeboten, insbesondere in der Instruktion, wo viele Zeitmilitärs ihre Zukunft sähen. Die Zeitmilitärs sind über die Durchführung der Aufnahmeprüfungen für die militärische Karriere nicht informiert und stossen auf Schwierigkeiten, wenn es darum geht, die Qualifikationen zu erwerben, die ihnen den Zugang zu den Kaderschulen ermöglichen. Für Militärs, die 35 oder älter sind, ist diese Situation um so schlimmer. Die Zeitmilitärs haben das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken, und sind der Meinung, im zivilen Erwerbsleben, wo die Wiedereingliederung nach fünf Jahren «Isolation» als programmierter Misserfolg wahrgenommen wird, wenig Chancen zu haben. Ihre militärische Erfahrung würde im zivilen Sektor nur bei einer Bewerbung bei der Polizeischule oder im Security-Bereich geschätzt. Sie fühlen sich vom System «verraten» und geben ihrer Enttäuschung Ausdruck. Es gibt Zeitmilitärs, die es bereuen, eine dauerhafte Berufsstelle im Zivilleben verlassen zu haben.
Man muss in diesem Zusammenhang verstehen, dass die Ausbildung in der Armee XXI ohne Zeitmilitär (zur Zeit ca. 1000 Angestellte) schlicht und einfach nicht möglich wäre. Ich frage mich, mit welchem Bild diese Leute nach 5 Jahren befristetem Vertrag von der Armee weggehen und ob dies langfristig der Armee nicht einen grossen Schaden anrichten wird.
Ich werde im übrigen auch am nächsten Samstag bei “Chance Miliz” teilnehmen und anschliessend hier berichten.