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Thomas Ruddy
Professor für internationale Beziehungen an der internationalen Webster University, Genf
In den Sechziger Jahren kam ich als amerikanischer Austauschschüler nach Österreich. Jetzt arbeite ich in der Schweiz als Hochschullehrer für internationale Handelspolitik. Dabei sind mir die Vorteile der Globalisierung offenkundig, die aus einer weltweiten Arbeitsteilung und dem Austausch von Importen und Exporten entstehen. Manche BevÖlkerungsgruppen profitieren von Importen, andere von Exporten. Oft ist es problematisch, die gegensätzlichen Standpunkte der beteiligten Gruppen miteinander zu versÖhnen.
Ein Berufskollege von mir, der die Verhandlungen der Schweiz bei der Welthandelsorganisation WTO geführt hat, betont als Beispiel, wie gegensätzlich der Standpunkt der "Pharma" in der Schweiz zu dem der "Farmers" gewesen ist. Die Schweizer Farmers müssten Importe zulassen, wenn die Schweizer Pharmaindustrie zahlungsfähige Kunden für ihre Exporte finden sollen.
Ähnlich müsste es, denke ich, mit den Exporten von Österreichischer Umwelttechnik aussehen: Wenn sich andere LÄnder den Kauf Österreichischer Exporte leisten sollen, EntwicklungslÄnder zum Beispiel, müssten sie die Kaufkraft dazu aus dem Verkauf von Gütern erzielen kÖnnen, die Österreich als Importe im Tausch nimmt. In der Theorie hat jeder der beteiligten Staaten die Pflicht, einen Konsens zwischen den Gewinnern und den Verlierern des Handels im eigenen Land herzustellen, gegebenenfalls unter Kompensation für die Verlierer.
In der Theorie sind ferner die komparativen Vorteile für Österreich wohl unter anderem in der Umwelttechnik zu finden, für die Entwicklungsländer dagegen in landswirtschaftlichen Produkten. Damit sind wir bei einem Phänomen, das die Globalisierung ergänzend begleitet, die Regionalisierung. Eine Region in diesem Sinne ist die Europäische Union, und wie die globale Wirtschaft bemüht sie sich ebenfalls um eine effizientere Integration der Volkswirtschaften ihrer Mitgliedsländer.
Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Fall Österreich? Erstens müsste man auf der EU-Ebene die Subventionen streichen, die ineffizient die europäischen Landwirte vor der ausländischen Konkurrenz schützen, weil sie die Entwicklungsländer schaden. In diese Richtung zielt eine Massnahme, die neulich im Bereich Zucker gemacht worden ist (Sugar subsidies, http://www.bbc.co.uk/worldservice/learningenglish/newsenglish/witn/2004/07/040716_sugar_subsidies.shtml).
Natürlich wäre es nicht sinnvoll – und erst recht nicht nachhaltig –, alle Lebensmittel aus anderen Regionen zu importieren. Das Gebot der Nachhaltigkeit sieht vor, zum Beispiel Gemüse von lokalen Bauernhöfen zu beziehen, als nahe liegende Quelle von Vitaminen.