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FondsGoetheanum: Die Bienen und wir
UNEP-Bericht zum Bienensterben
Der UNEP-Bericht (United Nations Environment Programme) hält fest: Die biologische Vielfalt von Bienen und Pflanzen reduziert sich derzeit alle zehn Jahre um bis zu 10 %. Der Rückgang an Bestäubern wird mit Besorgnis betrachtet. Der Erhalt der Biodiversität und die Sicherung von Erträgen sind gefährdet. Werden Pflanzen durch Tiere bestäubt, vermehren sich Wildpflanzen besser. Von diesen sind wieder andere Funktionen und Organismen im Naturhaushalt abhängig. So gilt für viele landwirtschaftliche Anbaukulturen, dass sich Ertrag und Qualität der Früchte durch Insektenbestäubung erheblich verbessern.
Die zum Teil enge, koevolutionäre Entwicklung von Bienen und Blüten hat dazu geführt, dass die Anatomie von Tier und Pflanze so aufeinander abgestimmt sind, dass kein anderes Tier diese Pflanze bestäuben kann. Der Verlust der Pflanze oder des Bestäubers zieht im Falle solch spezialisierter Arten den Verlust der jeweils angepassten Art nach sich. Der Wert der Leistung der Honigbienen wird auf bis zu 70 Milliarden Franken jährlich geschätzt.
Verluste weltweit, ausser in Australien
Der UNEP-Report gibt einen Überblick über die Situation in den unterschiedlichen Regionen der Erde.
• In Europa ist seit 1965 ein Rückgang an Wirtschaftsvölkern zu verzeichnen. Seit den späten 1990er Jahren gibt es Berichte über bislang unbekannte Schädigungen an den Bienenvölkern.
• In Nordamerika hat sich die Anzahl an Erwerbsvölkern in den letzten 50 Jahren halbiert. Das Phänomen des seit einigen Jahren auftretenden, durch viele Faktoren bedingten Bienensterbens wird in den USA mit dem Begriff «Colony Collapse Disorder» (CCD), «Völkerkollaps» bezeichnet. Zwischen 2006 und 2007 erlitten 29 % von 577 befragten Imkern Schäden durch CCD mit Völkerverlusten bis zu 75 %.
• In China kommt es seit einigen Jahren zu Völkerverlusten, die nicht eindeutig auf eine einzelne Ursache zurückzuführen sind.
• Auch für Japan werden Völkerveluste von bis zu 25 % gemeldet, deren Ursache nicht geklärt zu sein scheint.
• Australien hat bislang keinen Varroamilben-Befall. Das Land versucht, seine Bienenbestände durch strikte Vorschriften für die Quarantäne zu schützen. Derzeit gibt es dort keine Berichte über Völkerverluste.
• Aus Afrika sind nur Daten aus Ägypten verfügbar. Imker, deren Völker entlang des Nils stehen, berichten über Völkerkollaps-Symptome. In einem Versuch konnte gezeigt werden, dass die Symptome verschwanden, wenn die Bienenvölker an einen Ort gebracht wurden, der sich durch vielfältigere Vegetation auszeichnete.
Gründe für das Bienensterben
Als mögliche Gründe für den Rückgang der Bienen nennt der UNEP- Bericht:
• Zerstörung und Frag-mentierung von Lebensräumen
• Zunehmender Schädlingsdruck durch Parasiten und Ausbreitung eingeschleppter Krankheiten
• Luftverschmutzung durch Aerosole. Sie hemmt die sym-biotische Beziehung zwischen Bestäubern und Pflanzen. Obgleich tagaktive Insekten sich in erster Linie optisch orientieren, spielt auch der Geruchssinn bei der Orien-tierung von Bestäubern eine grosse Rolle.
• Elektromagnetische Felder, d.h. vor allem Strahlung von Mobilfunkantennen
Weitere Gründe sind Agrochemikalien. Sie können Bestäuber direkt schädigen oder töten und ihre Fortpflanzung negativ beeinflussen. Der Bericht nennt:
• Herbizide vernichten Nektar- und Pollenpflanzen und damit Futterquellen und Brutgelegenheiten für die Larven von Wildbienen, Schmetterlingen usw.
• Die wiederholte Exposition mit Pestiziden aus der Landwirtschaft oder mit solchen, die Imker im Kampf gegen Parasiten einsetzen, kann das Immunsystem der Bienen schwächen.
• Systemische Pestizide, vor allem die Neonicotinoide, gelangen nicht nur auf die Pflanze, sondern werden über Pflanzensäfte in alle Pflanzenteile transportiert. Behandelte Pflanzen werden zu chronischen Belastungsquellen für Nichtzielorganismen wie Bestäuber.
Bedeutung der Bienenhaltung
Auch auf die Bedeutung der Bienenhaltung geht der Report ein. Er nennt 29 bislang bekannte und zum Teil weit verbreitete Krankheiten, allen voran:
• Die aus Asien stammende Varroamilbe, die mittlerweile in ganz Europa und Nordamerika zu finden ist
• Nosema (Darmseuche)
• Die amerikanische Faulbrut
• Auch die von den Imkern im Kampf gegen Parasiten eingesetzten Insektizide können die Bienenvölker schwächen.
• Hinzu kommt die Bedeutung der Ernährung des Bienenvolkes. Proteinarmut in der Ernährung macht Bienenvölker anfälliger gegenüber Pestiziden und Völkerkollaps.
• Der Transport von Bienenvölkern (in den USA betragen die Distanzen oft Tausende von Kilometern)
• Das Aufteilen von Bienenvölkern in neue Volkseinheiten und die Selektion in der Züchtung
Was den Bienen hilft und sie schützt
Beiträge zum Schutz von Bestäubern sind laut UNEP:
• Die Sicherstellung einer ausreichenden landschaftlichen Vielfalt
• Die Unterstützung von Landwirten bei der Schaffung von Lebensräumen für Bestäuber
• Die Förderung einer landwirtschaftlichen Praxis, die auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide verzichtet und den Anbau von Nektar- und Pollenpflanzen fördert
Das UNEP macht deutlich, dass Bestäubung kein Service der Natur ist, den man künftig umsonst in ausreichender Qualität und Menge erhalten wird. Die Bestäuber müssen in ihrer Leistung unterstützt werden. Die Organisation ruft dazu auf, mehr für den Schutz und die Pflege von Wildbienen zu tun, da diese die Bestäubungsleistung von Honigbienen wesentlich unterstützen.
Der Bericht fordert, dass in die ökonomische Bewertung der landwirtschaftlichen Produktivität die Kosten für den Erhalt von Wildbienen und von Bienenvölkern mit einbezogen werden.