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«Ich funktionierte schon mein Kinderzimmer zum Laden um»
33 Fragen an Eric Laudet, Mitgründer des Startups Batmaid.com
Interview: met.
Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?
Das Unternehmertum faszinierte mich schon immer. Ich funktionierte sogar mein Kinderzimmer zu einem Laden um, in welchem meine Brüder allerlei Dinge kaufen konnten. Schon damals bewunderte ich die Unternehmer im Fernsehen, denn es bedeutete für mich, etwas Nützliches zu schaffen, von dem die Gesellschaft profitieren kann.
Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmals von vorne beginnen könnten?
Ich hätte früher anfangen sollen. Als Unternehmer lernt man unglaublich viel über sich selbst. Vielleicht wäre direkt nach der Handelsschule ein guter Zeitpunkt gewesen, ein Startup zu gründen, nur um diese Erfahrungen zu machen. Stattdessen wurde ich Trainee bei einem Rohstoff- Trader in Genf.
Wie wurden Sie von Ihren Lehrern eingeschätzt?
Die eine Hälfte meiner Lehrer empfand mich als Unruhestifter, die andere sah in mir ein strebsames Kind, das nichts dem Zufall überlassen wollte. Am Ende bin ich beides geworden: ein ambitionierter Unruhestifter.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Zu meiner Studienzeit habe ich den «Club Finance Paris» gegründet, eine Studentenvereinigung von Finanzklubs der Eliteschulen in Frankreich.
Ist die Management-Ausbildung auf der Höhe der Zeit? Und aufgrund welcher Erfahrungen glauben Sie, das beurteilen zu können?
Ein Startup braucht vor allem starke Gründer. Später braucht es dann hervorragend ausgebildete Mitarbeiter. Somit spielt die Managementausbildung eine wichtige Rolle - aber nur, wenn diese mit Praxis verbunden ist.
Wo würden Sie in der Führungsschulung andere Akzente setzen?
Wir geben unseren Mitarbeitern die Chance, sich auf den verschiedensten Gebieten zu beweisen. Zum Beispiel haben wir unser HR-Team zum Zürich-Marathon und zum Silvesterlauf geschickt. Es war nicht nur für das Sponsoring zuständig, sondern musste auch die Entsorgungskoordination des gesamten Events übernehmen. Die Aufgabenvielfalt und die damit verbundenen Erfahrungen sehe ich als effektive Management-Übungen, wenn man so will.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Meine Familie.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Sir Richard Branson.
Welches sind für Sie die wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Leidenschaft für sein Produkt. Ein Vorgesetzter muss seine Mitarbeiter für das Produkt oder den Service begeistern können. Er ist die Verkörperung seiner Marke und muss das Warum, die DNA seines Produktes, verstehen und kommunizieren können.
Welche Eigenschaften Ihrer Mitarbeitenden halten Sie für besonders wertvoll?
Unsere Mitarbeiter teilen drei zentrale Eigenschaften: Gewissenhaftigkeit, Proaktivität und Leidenschaft.
Was bringen Frauenquoten?
Ich fürchte mich eher vor zukünftigen Männerquoten. 99 Prozent unserer Putzkräfte sind Frauen. Vielleicht brauchten wir mehr Reinigungskurse für Männer. Im Allgemeinen bin ich aber gegen Quoten, da diese die Flexibilität von Firmen einschränken können.
Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?
Ich bin 31 Jahre alt, und unser Unternehmen ist noch sehr jung. Daher hatte ich bisher noch keine Zeit, meine Führungsprinzipien zu wechseln.
Die Berufswelt sei hektischer, belastender geworden, geht die Klage. Ihre Einschätzung?
Ich glaube an das Gegenteil. Mitarbeiter, die an der Sharing-Economy teilnehmen, verfügen über mehr Zeit und Flexibilität denn je. Dies ist auch ein zentraler Punkt in unserem Geschäftsmodell. Unser Algorithmus stellt nur die von unseren Mitarbeitenden als verfügbar gewählten Zeiten zur Verfügung. Somit haben sie die Möglichkeit zu wählen, wann und wo sie arbeiten wollen. Ich glaube, die Arbeitswelt muss sich anpassen!
Das Thema Nachhaltigkeit bewegt. Ihr Beitrag, heute und in Zukunft?
Für mich steht die wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit im Zentrum. Das heisst, ein faires Geschäft zu gründen und zu führen - ein Unternehmen, in dem alle Mitarbeiter mit ihren Löhnen, Arbeitsbedingungen und dem Arbeitsinhalt zufrieden sind. Ich glaube, dass dieses soziale Gleichgewicht in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.
Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?
Als Gründer eines Startups, welches in der ganzen Schweiz tätig ist, zeigt sich mir die Wirtschaftslage aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich habe einerseits Zugang zu hervorragenden Beratern nationaler Inkubatoren wie der KTI (Kommission für Technik und Innovation). Andererseits fehlt mir der Zugang zu Schweizer Kapital. In finanzieller Hinsicht ist Zürich nicht Berlin oder London, aber ein geeigneter Ort, um Ideen in der Schweiz zu prüfen, bevor man sich international ausrichtet.
Worüber haben Sie zuletzt gestritten?
Ich bedaure es, dass es der Schweiz im Moment nicht gelingt, die Integration von Flüchtlingen zu verbessern. Ich hoffe, dass unsere Plattform in den nächsten Jahren vielen zu Stellen verhelfen wird. Wir brauchen hierzu lediglich Unterstützung bei der Ausbildung und mehr Flexibilität bei den Arbeitsbewilligungen.
Was bedeutet Ihnen Geld?
Mit dem Einsatz von Geld kann man die Entwicklung unserer Gesellschaft mit beeinflussen, insbesondere wenn man in die Zukunft investiert und neue, spannende Stellen schafft.
Welches ist der Stellenwert sozialer Netzwerke für Sie, beruflich wie privat?
Beruflich könnte ich ohne Social Media nichts erreichen. Meine Internetplattform beschäftigt Mitarbeiter, welche jeden Tag unsere Präsenz auf Facebook, Twitter und Instagram optimieren und unsere Community unterhalten. Privat sind die sozialen Netzwerke zwar eine üble Zeitverschwendung, gleichzeitig aber auch eine tolle Möglichkeit, mit meinen internationalen Freunden in Kontakt zu bleiben.
Serviceklubs?
Ich bin Mitglied diverser Alumni- Netzwerke.
Hören Sie auf Ratschläge aus Ihrem privaten Umfeld?
Natürlich! Mein privates Umfeld hat mich schon oft dabei unterstützt, die richtige Perspektive zu finden.
Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl?
Ein verlässliches Bauchgefühl kommt erst mit harter Arbeit, viel Wissen und Erfahrung. Im Moment sehe ich es bei mir eher noch als Risiko.
Wo waren Sie jüngst in den Ferien?
Auf einem Segelboot mit meinen Eltern.
Wie gut kochen Sie?
Das hängt ganz von meinen Gästen ab.
Olympische Spiele, grosse Fussballturniere - sind das besondere Tage für Sie?
Olympische Spiele faszinieren mich, und diese schaue ich mir gern an - der Vielfalt des Sports wegen.
Was bringt Ihnen wirklich Erholung?
Ein 32-Kilometer-Lauf von Zürich nach Meilen und zurück, um 5 Uhr morgens.
Worüber können Sie sich ärgern?
Über jene, die nicht zu ihren Fehlern stehen oder diese nicht erkennen.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag?
13 Stunden - Startup-Modus halt.
Aus welchem Misserfolg haben Sie besonders viel gelernt?
Bevor ich mit Batmaid begann, verbrachte ich ein Jahr in verschiedenen afrikanischen Ländern, um landwirtschaftliche Projekte aufzubauen. Leider musste ich realisieren, dass, um eine erfolgreiche Firma zu gründen, das soziale Ökosystem das Wichtigste ist - sogar noch wichtiger als eine gute Umsetzung oder die Geschäftsidee selbst.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
An einem Kurs über digitale Technologie in Palo Alto (Kalifornien).
Welchem Satz misstrauen Sie besonders?
«Ich bin der Beste.»
Was missfällt Ihnen als Staatsbürger?
Ich wünschte, es gäbe hier bessere Geschäftsbedingungen für Unternehmen, insbesondere einen einfacheren Zugang zu Kapital. Heutzutage ist es für Internet-Startups fast unmöglich, in der Schweiz zwei Millionen Franken aufzutreiben. Dafür muss man leider ins Ausland, beispielsweise nach Berlin, gehen. Die Schweiz hätte das Potenzial, im digitalen Sektor erfolgreich zu werden. Ich hoffe sehr, dass die Initiative «Digital Zurich 2025» ein Erfolg wird.
Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?
Absolut. Ich glaube fest an die historisch verankerte Schweizer Anpassungsfähigkeit.
Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich hoffe, einige weitere Startups betreuen zu können.
ZUR PERSON
Eric Laudet, 31, ist seit November 2014 CFO des Startups Batmaid.com (Vanguard Internet S. A.), das er zusammen mit Andreas Schollin-Borg lanciert hat. Davor hatte er sich in einem Landwirtschaftsprojekt in Afrika engagiert, nachdem er als Rohstoff-Trader-Trainee bei Louis Dreyfus Commodities in Genf den Start ins Arbeitsleben absolviert hatte. Laudet, ledig, besitzt einen Master in Management von ESCP Europe. Batmaid ist eine Reservierungsplattform für Reinigungs- und Haushaltsdienste. Sie bietet einerseits die Auswahl von qualifiziertem, in der Nähe verfügbarem Haushaltspersonal und andererseits einen Treuhanddienst, der neue Angestellte gesetzlich anmeldet und versichert. In weniger als 60 Sekunden kann man sich eine vertrauenswürdige und angemeldete Haushaltshilfe buchen. Batmaid ist heute in der ganzen Schweiz mit gut 400 Putzkräften und 25 Mitarbeitenden tätig.