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Schon bei der ersten Untersuchung als Welpe wurde bei Kylo festgestellt, dass sich nur der linke Hoden im Hodensack befindet. Da der Hund sehr lebhaft ist, blieb vorerst unklar, ob der fehlende rechte Hoden in der Leistengegend unter der Haut liegt, oder ob er sich im Bauch befindet und deshalb nicht tastbar ist. Da ein sogenannt "kryptorchider" Hoden ein Gesundheitsrisiko für den Hund bedeutet, wird ein Termin zur Kastration vereinbart.
In Narkose ist in der Leistengegend kein Hoden tastbar. Im Ultraschall ist ersichtlich, dass das gesuchte Organ im hinteren Bereich der Bauchhöhle liegt. Nach Rücksprache mit den Besitzern wird eine Entfernung mittels Knopfloch-Chirurgie (laparoskopische Chirurgie) in Angriff genommen.
In die Bauchdecke werden nach steriler Vorbereitung zwei kleine Öffnungen geschnitten und zwei sogenannte "Ports" (Metallhülsen) eingesetzt. Zuerst wird über den einen Port die Bauchhöhle mit Kohlendioxid-Gas gefüllt, um eine gute Übersicht zu gewähren. Anschliessend wird eine kleine Kamera in die Bauchhöhle vorgeschoben und durch die andere Öffnung ein Instrument, mit dem der Hoden erfasst und an eine günstige Stelle bewegt werden kann. Anschliessend wird mit einem zweiten Gerät, welches gleichzeitig Gefässe veröden und durchschneiden kann, der Hoden von seiner Blutversorgung getrennt und anschliessend entfernt. Die kleinen Hautwunden werden verschlossen, danach wird der zweite Hoden mit der normalen Technik (Hautschnitt vor dem Hodensäckchen) entfernt. Der in der Bauchhöhle befindliche Hoden ist deutlich kleiner als derjenige, welcher im Hodensack lag.
Die Hoden werden beim ungeborenen Tier in der
Bauchhöhle angelegt. Gegen Ende der Trächtigkeit respektive in den ersten
Wochen nach der Geburt wandern sie dann durch den Leistenkanal aus der
Bauchhöhle in das Hodensäckchen des Welpen. So kann gewährleistet werden, dass sie kühlere Temperaturen als in der Bauchhöhle vorfinden, was für die Spermienproduktion notwendig sind. Bleibt der Hoden auf seinem Weg von der Bauchhöhle in den Hodensack irgendwo "stecken", spricht man von Hodenhochstand oder Kryptorchismus (griechisch "krypto" = verborgen, "Orchis" = Hoden). Je nach Lokalisation spricht man von inguinalem (im Leistenkanal) oder abdominalen (in der Bauchhöhle) Kryptorchismus. Kryptorchide Hoden stellen ein Gesundheitsrisiko dar, weil sie gegenüber einem normalen Hoden ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen und sich eine Hodentorsion (Verdrehen des Hodens) bilden kann. Entsprechend sollten sie entfernt werden. Da der Hodenhochstand vererbt werden kann, sollte mit betroffenen Rüden nicht gezüchtet werden. Die Spermienproduktion (nicht aber die Testosteronbildung) in einem kryptorchiden Hoden ist stark vermindert oder gar ganz unmöglich, entsprechend ist er auch viel kleiner als ein normaler Hoden. Die laparoskopische Entfernung hat gegenüber der konventionellen Methode den Vorteil, dass eine viel kleinere Öffnung in die Bauchhöhle geschnitten werden muss.
Eine skurrile Anekdote zum Thema aus der Humanmedizin: Wie beim Rüden ist auch beim Mann eine tiefere Temperatur als im Körperinnern notwendig, um eine normale Spermienbildung in den Hoden zu gewährleisten. Als Verhütungsmethode würde die Erhöhung der Umgebungstemperatur der Hoden durchaus funktionieren - entsprechend werden tatsächlich Geräte angeboten, welche zur Erhöhung der Hodentemperatur eingesetzt werden können.
© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet