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Heinrich Stickelberger : Volkslieder von G. J. Kuhn
Es war gewiss ein anerkennenswerter Gedanke von dem Verfasser des hübschen Neujahrsblattes der Literarischen Gesellschaft Bern auf das Jahr 1910 über den Volksdichter Gottlieb Jakob Kuhn, über welches wir in diesem Jahrbuch Vol. XLVI, pag. 408—410 referiert haben, und von seinem jetzigen Verleger, dem Enkel des Volksdichters und Besitzer seines ganzen handschriftlichen Materials, die mundartlichen Volkslieder und Gedichte G. J. Kuhns mit einigen seines älteren Bruders Johann Rudolf und seines früh verstorbenen Freundes Franz Wäber in der Form und Auswahl, wie sie G. J. Kuhn selbst beliebt hatte, wieder unter das Volk zu bringen, wo nur wenige wirklich bekannt sind, und es ist sehr zu begrüßen, daß die Absicht besteht, auch die von G. J. Kuhn oder von F. Huber stammenden Melodien der in Musik gesetzten Volkslieder und Kühreihen in einem besonderen Heft diesem Textbuch folgen zu lassen. Aber da ich über G. J. Kuhn, und zum Teil auch über die beiden andern, die Leser dieses Jahrbuches hinreichend orientiert zu haben glaube, da ich ferner auch über einen auf dem gleichen Felde tätigen Mitarbeiter G. J. Kuhns, Joh. Rudolf Wyß den Jüngeren, in meiner Besprechung des Neujahrsblattes von Dr. R. Ischer auf das Jahr 1912 ( siehe Jahrbuch S.A.C. XL VII, pag. 322—323 ) das nötige gesagt habe, so kann ich mich jetzt wohl auf einen kurzen Hinweis des für uns vom alpinen Standpunkt interessantesten und allenfalls neuen in dieser neuesten Publikation beschränken. Als alpine Gedichte G. J. Kuhns, die zum Teil noch heute beliebt sind, hebe ich hervor: die Entstehung der Alpenrose, der Gemsjäger ( August 1805 ), das Märlein von der Teufelsbrücke ( Juni 1804 ), Kühreihen 1798 ( trotz dem Titel, aber wegen des Jahres ein „ politisch Lied " ), Kühreihen für die Oberländer ( Juli 1802 und 1805, von welchem Ähnliches gilt ), der Kilter, Sehnsucht nach der Heimat, der Geißreihen, Kühreihen zum Aufzug auf die Alp im Frühling ( 1818 ), Küher-Leben ( 1818 ), Kühreihen zur Abfahrt von der Alp im Herbst. Die Gedichte J. R. Kuhns, meist sozialen Inhalts, und die humoristischen und Liebeslieder Franz Wäbers wollen wir nur antönen; sie spielen, wie auch schon in den Originalauflagen, die Nebenrolle.Von Kuhns Vorrede zur zweiten Ausgabe, worin er sich über seine Stellung zum Volksliede in bezeichnender Weise ausspricht — ich hebe namentlich seine Selbstverteidigung des Hoscho Eisi! hervor —, ist das wesentliche abgedruckt und durch seine Anmerkungen und Worterklärungen lernen wir Kuhn als einen mit Bewußtsein arbeitenden Dialektdichter und über das Dilettieren hinaus begabten Dialekt- und Volkskundeforscher schätzen. Das nämliche beweist auch sein Verkehr mit dem Dekan Stalder, dem Verfasser des ersten schweizerischen Idiotikons, an welchen ein von 1815 stammendes launiges Gedicht hier abgedrukt ist. Das gut gedruckte und mit einem altmodischen Umschlag versehene Bnch von 186 Seiten ist mit dem Titelkupfer von Kuhns zweiter Auflage der Volkslieder und mit einer alten Vignette geschmückt. Beide sind nicht übel reproduziert, aber den Originalstichen von Hegi kommen doch die modernen Druckverfahren nach Photographien nicht gleich.Redaktion.