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Wie die Blockchain Geschäftsmodelle umkrempelt
Der feine Unterschied
Den Unterschied definiert der Blockchain-Experte Jan Seffinga von Deloitte Schweiz wie folgt: «Bei einer privaten Blockchain interagieren festgelegte Teilnehmer in einem Netzwerk von Computern. Ein oder mehrere autorisierte, zentrale Teilnehmer besitzen, verwalten und regulieren diese.» So wirken private Blockchains als entscheidender Baustein, um Geschäftsprozesse zu vereinfachen, zu automatisieren und deren Vertrauenswürdigkeit zu steigern. Dies spare Zeit und reduziere Kosten, meint Seffinga. Allerdings müssten sich, um diese Vorteile auf ganze Industrien auszuweiten und durch Netzwerkeffekte zu steigern, Unternehmen, Kunden und Lieferanten zu Konsortien zusammenschliessen. Entstehe so doch erst ein offenes Ökosystem, das den Nutzen der Blockchain vervielfache. «Finanzinstitute, Pharmaunternehmen und Fluggesellschaften sind nur drei Beispiele vieler Industrien in der Schweiz, die unter enormem Kostendruck stehen, um zum Beispiel die Einhaltung regulatorischer Vorschriften mit standfesten Daten zu unterzeichnen, und daher mit Blockchain-Technologie experimentieren.» Die öffentliche Blockchain liefert hingegen ein Netzwerk von Computern, auf das jedermann frei zugreifen kann.
Es gibt also keinen zentralen Verwalter und das Netzwerk reguliert sich selbst anhand des zugrunde liegenden Blockchain-Protokolls. Das legt die Prozesse und Abwicklungen der Blockchain-Datenbank fest und wird von der Mehrheit der Netzwerkteilnehmer bestimmt, wie Seffinga weiter ausführt. Anwendungen derartiger öffentlicher Blockchains seien hierzulande allerdings bisher kaum vorhanden. «Es gibt jedoch immer mehr Start-ups in der Schweiz, die sich dem Nutzen der von dieser Technologie abgeleiteten Plattformen stellen und ganze Industrien grundsätzlich auf den Kopf stellen wollen.» Als Beispiele verweist er auf die vielen Start-ups im «Crypto Valley Zug», deren Anwendungen inzwischen weit über den Handel mit einer einzelnen Kryptowährung hinausgehen.
Gut zu wissen
Vier Formen der Blockchain
Private Blockchains
Private Blockchains werden von einer einzelnen Organisation kontrolliert, die bestimmt, wer Informationen lesen, wer Transaktionen übermitteln und wer sich am Konsensprozess beteiligen darf. Da sie zu 100 Prozent zentralisiert sind, eignen sich private Blockchains zwar für Entwicklungs- und Testumgebungen, aber nicht für den produktiven Einsatz.
Halb private Blockchains
Halb private Blockchains werden von einem einzelnen Unternehmen betrieben, das jeweils Zugriffsrechte in Abhängigkeit von vorab festgelegten Kriterien vergibt. Wenn auch nicht komplett dezentralisiert, bietet dieser Typ einer zugangsbeschränkten Blockchain doch vielversprechende Einsatzmöglichkeiten insbesondere im B2B-Bereich und für Behörden.
Konsortium-Blockchains
In einer Konsortium-Blockchain wird der Konsensprozess von einer vorab ausgewählten Gruppe kontrolliert, beispielsweise einer Gruppe von Finanzinstituten. Das Recht, die Blockchain zu lesen und Transaktionen auszuführen, kann jedem oder nur den Teilnehmern gewährt werden. Diese Blockchains werden auch als zugangsbeschränkte Blockchains bezeichnet.
Öffentliche Blockchains
Eine öffentliche Blockchain kann von jedem gelesen und für Transaktionen genutzt werden. Auch am Konsensprozess kann sich jeder beteiligen. Sie werden daher als frei von Zugangsbeschränkungen empfunden. Jede Transaktion ist öffentlich, wobei die Transaktionsteilnehmer anonym bleiben können. Bitcoin und Ethereum sind bekannte Beispiele für öffentliche Blockchains.