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Das Schweizer Bildungssystem zeichnet sich nicht durch gerechte Chancen aus. Die Zuteilung zu unterschiedlichen Leistungs zügen benachteiligt insbesondere unter privilegierte Schüler*innen.
In vielen Ländern, aber auch in manchen Kantonen der lateinischen Schweiz, wird die Sekundarstufe I als Gesamtschule geführt. In der Deutschschweiz hingegen ist die geteilte Sekundarstufe nach wie vor das am weitesten verbreitete Modell: Beim Übertritt in die Sekundarstufe I werden die Schüler*innen auf der Basis ihres Leistungsniveaus einem von mehreren, hierarchisch gestuften Leistungszügen zugeteilt.
Der besuchte Schultyp hat nicht nur Auswirkungen auf die Berufsperspektiven Jugendlicher, sondern auch auf ihre schulischen Entwicklungsmöglichkeiten, ihre sozialen Kontakte und die gesellschaftliche Wertschätzung, die sie erfahren. Die Leistungszüge konstituieren nicht nur unterschiedliche, sondern vor allem unterschiedlich förderliche Lern- und Sozialisationsbedingungen. Damit ist die frühe Aufteilung der Schüler*innen in Leistungszüge einer der wesentlichen Gründe für die vergleichsweise tiefe Chancengleichheit im Schweizer Bildungssystem (Blumer 2016).
In der öffentlichen Wahrnehmung werden die Leistungszüge jedoch kaum hinterfragt. Nach wie vor herrscht die Meinung vor, dass die Aufteilung in Leistungszüge im Interesse aller Schüler*innen sei, nicht nur der positiv Selektierten. Nur in leistungshomogenen Lerngruppen, so die weit verbreitete Annahme, können Schüler*innen optimal gefördert werden. In unserem Beitrag hinterfragen wir diese Wahrnehmung kritisch und kontrastieren sie mit aktuellen Forschungsergebnissen sowie Aussagen von Schülern des tiefsten Leistungszugs.