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Gäbe es Auszeichnungen für die originellsten Filmtitel, hätte THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT einen Preis schon mal auf sicher. Rund 12 Jahre liess sich Robert D. Krzykowski Zeit für sein Kinodebüt, bei dem er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor und Produzent waltete, und er landete nicht nur bei der Musik einen Coup, indem er seinen Wunschkomponisten Joe Kraemer, der schon seinen Kurzfilm ELSIE HOOPER vertont hatte, verpflichten konnte, sondern auch bei den visuellen Effekten. Dass sich für diese Altmeister Douglas Trumbull die Ehre gab, gleicht schon einem Ritterschlag.
Erzählt wird die Geschichte vom legendären Calvin Barr (Sam Elliott, in Rückblenden Aidan Turner), der im zweiten Weltkrieg damit beauftragt wurde, Adolf Hitler zu töten und nun aus dem Ruhestand geholt und auf einen mit einem tödlichen Virus infizierten Bigfoot angesetzt wird, der in den kanadischen Wäldern sein Unwesen treibt. Wer nun aber glaubt, es hier mit einer trashigen Angelegenheit tun zu haben (und wer würde dies angesichts des Titels nicht?), liegt tüchtig daneben, denn der Film ist weniger eine actionreiche, mit billigen Computereffekten überladene Heldensaga als vielmehr eine Charakterstudie über einen Mann, der zeitlebens darunter leidet, seine Seele an die Regierung verkauft zu haben und der den frühen Verlust seiner grossen Liebe nie überwinden konnte. Sam Elliot glänzt in der Rolle dieses alten Kauzes, der seine Verbitterung mit lakonischem Humor überspielt.
Auch Joe Kraemer ist sich dessen bewusst. Er lässt es zwar wo erforderlich ordentlich krachen wie beim martialischen «The Man who killed Hitler», der dramatischen Vorbereitung zur Bigfoot-Jagd in «One last Mission», dem actionbetonten «Chase trough the Forest» oder dem kakophonischen «And then the Bigfoot», aber die Schwerpunkte liegen im feinfühligen Bereich. Das zentrale, von Bach inspirierte und hauptsächlich vom Klavier getragene Thema für Barr, etwas altersmüde, wie in Gedanken und Erinnerungen versunken. Ein empfindsames Liebesthema, in «Letters from Home» zunächst spieldosenartig, dann von Streichern und Holzbläsern übernommen.
Diese beiden Themen sind ebenso Bestandteil von Barrs Gefühlswelt wie ein Suspense-Motiv, das in der philosophisch angehauchten «The Tent Sequence» durch den dezenten Einsatz eines Hackbretts das osteuropäische Setting berücksichtig, aber auch anderweitig für Spannung sorgt. Und ein weiteres, erstmals in «Brothers» zu vernehmendes, aufsteigendes Thema steht nicht nur für Barrs Verhältnis zu seinem deutlich jüngeren Bruder, sondern porträtiert auch eindrückliche Landschaften und zeugt in seinem fulminanten Auftritt in «Resolution» von Barrs Empathie selbst für eine vermeintliche Bestie, ist letzten Endes also ein weiteres Puzzleteil eines Mannes, der längst verloren gegangene, moralische Werte noch lebt.
So haben wir es denn hier mit einem sehr starken Orchesterwerk voller emotionaler Feinheiten zu tun, von einem Komponisten notabene, der zwar schon über 20 Jahre im Business ist, aber von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen noch nie gross punkten konnte. Wenn Kraemer mit THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT nun doch noch durchstarten könnte ‒ und der Score hat durchaus das Zeug dazu, ihm das zu ermöglichen ‒ wäre es ihm zu gönnen. Denn wer einen Film, von dem man es am wenigsten erwarten würde, mit einer thematisch so ansprechenden und passenden wie auch ‒ trotz nach Kraemers eigenen Aussagen von Herrmann, Shire, Goldsmith und Williams beeinflusst ‒ eigenständigen Musik auszustatten vermag, macht alles richtig und beweist viel Talent.
Andi, 1.7.2019
THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT
Joe Kraemer
La-La Land Records LLLCD1497
59:51 Min.
16 Tracks