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Raynald Droz weiss um das Bild, das die Öffentlichkeit von ihm hat. Bei unserem Besuch in Bern zeigt er sogleich das Feldbett in seinem Büro, in dem er nach langen Arbeitstagen manchmal schläft. Es ist in der Coronakrise zum Sinnbild für die Arbeitsmoral des Brigadiers geworden und fehlte in keinem Medienbericht über ihn. Der 54-Jährige war verantwortlich für den Armeeeinsatz in der Pandemie und wurde so etwas wie der heimliche Star der Krise. Das Bild des Berufsmilitärs, der um vier Uhr morgens aufsteht, um zu trainieren, und danach an der Medienkonferenz souverän in drei Sprachen spricht, prägte sich in der Öffentlichkeit ein. In unserem Gespräch, das an einem Stehtisch stattfindet, wirkt Droz gewohnt ruhig und zugleich engagiert. Man merkt: Dieser Mann lebt für seinen Job.
Sie waren kürzlich in den Ferien. Wie haben Sie sich erholt?
Meine Frau und ich sind in der Schweiz geblieben, bien entendu, und wie viele Romands haben wir die andere Seite des Röstigrabens besucht. Es waren ruhige Ferien: viel Sport, für meine Frau wahrscheinlich zu viel, für mich aber ist das Erholung.
Sie hatten Zeit, die intensiven vergangenen Monate zu verarbeiten. Wie fällt Ihre Bilanz des Armeeeinsatzes während der Pandemie aus?
Es war definitiv ein guter Einsatz. Wir haben, unter Druck vom In- und Ausland, die Leistung erbracht, die gefragt war. Der Auftrag lautete, maximal 8000 Angehörige der Armee zur Verfügung zu stellen, was fast die einzige Richtlinie war, die wir zu Beginn hatten. Hinzu kam, dass mit der Weiterentwicklung der Armee vor knapp zweieinhalb Jahren gewisse Dinge, wie beispielsweise das Bereitschaftssystem, die Miliz mit erhöhter Bereitschaft, aber auch das Kommando Operationen, neu eingeführt worden sind. Trotz dieser Neuerungen haben wir gezeigt, dass die Mobilisierung funktioniert. Wir haben bewiesen, dass das System einen lange andauernden Einsatz trägt.
Was war für Sie die schwierigste Situation?
Die schwierigste Situation war der Moment, als die Armee entschied, die Variante «All in Plus» der Chefin VBS zu empfehlen. Damals war die Lage so ernst, dass wir entschieden, alles einzusetzen, was wir im Sanitätsbereich hatten. Wir fragten uns: Und jetzt? Wie viele Soldaten rücken auch ein? Wir wussten ja nicht, wie viele der Aufgebotenen vielleicht selber vom Virus betroffen waren oder welche Auswirkungen dies für die Wirtschaft bedeutete, wenn alle diese Leute auf einmal eingezogen wurden. Als wir sahen, dass innerhalb weniger Stunden 80 Prozent der Aufgebotenen den entsprechenden Alarm bestätigten, war mindestens das erste Problem gelöst. Der zweite schwierige Moment folgte nach etwa drei Wochen.
«Während wir die Zusammenarbeit mit Polizei und Zollverwaltung schon trainiert hatten, war die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitssystem neu und musste sich zuerst einspielen.»
Da war der Einsatz schon in vollem Gang.
Wir sahen, dass wir die etwa 5000 Aufgebotenen nicht alle einsetzen konnten, da in der Zwischenzeit auch die verschiedenen zivilen Gesundheitsorganisationen ihre Leistungen auf die Bewältigung der Covidlage fokussiert hatten. Wir haben 300 Begehren für Einsätze in Spitälern erhalten, merkten aber bald, dass wir für diese Aufträge zu viele Leute hatten. Da mussten wir uns fragen: Halten wir diese in Bereitschaft – im Wissen um die Schwierigkeiten hinsichtlich der Motivation? Es ist schwierig für einen Kommandanten, Leute zu führen, die nicht eingesetzt werden. Es ging hierbei nur um die Unterstützung von Spitälern. Beim Grenzschutz, wo wir ebenfalls im Einsatz standen, hatten wir nie zu viele Leute. Während wir die Zusammenarbeit mit Polizei und Zollverwaltung schon trainiert hatten, war die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitssystem neu und musste sich zuerst einspielen. – Niemals zuvor hatten wir eine Übung im Gesundheitsbereich dieser Grössenordnung durchgeführt, weshalb wir auch keine Angaben über mögliche Bedürfnisse hatten.
Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Beeindruckt hat mich…