Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/3136

mehr
veranlaßt das Einfallen des Stangenschnabels in die Rasten der Nuß. Das nach innen zu vorspringende Ende der Stange wird beim Abdrücken aufwärts bewegt, der Schnabel tritt aus der Rast, die Schlagfeder dehnt sich aus und führt durch ihren starken Druck auf die Nuß das Vorschleudern des Hahns herbei. Letzterer schlägt mit dem Stein
[* 1] ^[Abb.: Fig. 8.]
gegen den aufgerichteten Arm des Pfanndeckels B, der «Batterie», wodurch in ähnlicher Weise wie beim Schnapphahnschloß die Entzündung der Pulverladung herbeigeführt wird. Das franz. Schloß verdrängte allmählich sämtliche andern Systeme, trotzdem es dem nachteiligen Einfluß des Regenwetters ausgesetzt war und den übelstand besaß, daß der Stein bald stumpf wurde.
An die Erfindung des Batterieschlosses reiht sich die des Bajonetts (s. d.). Mit Anfang des 18. Jahrh. kann die allgemeine Einführung der Bajonettflinte (wie anch der Papierpatrone) als durchgeführt angesehen werden. Die nun folgenden Bestrebungen richteten sich namentlich auf eine Steigerung der Feuergeschwindigkeit. Der 1730 auf Vorschlag des Fürsten Leopold von Dessau [* 2] im preuß. Heere eingeführte eiserne Ladestock gestattete ein erheblich rascheres Laden als der hölzerne, der öfters abbrach und dadurch die Gebrauchsfähigkeit der Schußwaffe zeitweise in Frage stellte.
Durch diese Erfindung war es der im raschen Laden vorzüglich ausgebildeten preuß. Infanterie möglich, 3-4 Schüsse in der Minute abzugeben. Bei dem Aufschütten des Pulvers auf die Pfanne ging ein Teil der Ladung verloren; auch war dieses Verfahren umständlich und zeitraubend. Zur Beseitigung dieser Nachteile bohrte man das Zündloch nicht mehr cylindrisch, sondern konisch, sodaß die weite Öffnung nach der Pulverkammer führte. Wurde nun bei geschlossener Pfanne das Pulver in den Lauf geschüttet, so lief dasselbe ohne weiteres auf die Pfanne, die nun nicht mehr beim Laden geöffnet zu werden brauchte. 1770 fand diese Einrichtung im preuß. Heere Annahme. Der bisherige Verschluß des schmiedeeisernen Laufs durch eine Schwanzschraube erfuhr durch die 1800 in England erfundene Patentschwanzschraube eine wesentliche Verbesserung. Da die Pulverkammer in der Schraube selbst angebracht war, wurde eine Durchbohrung des Laufs behufs Anbringung des Zündkanals entbehrlich.
Die Napoleonischen Kriege ließen den Hauptnachteil des Feuersteingewehrs, seine geringe Gebrauchsfähigkeit bei Regen und Wind mehrfach empfinden. Das Bestreben nach Abhilfe dieses Übelstandes führte zur Anwendung von Knallpräparaten, die 1786 entdeckt waren. Nachdem Egg
in England den empfindlichen Zündsatz in kleinen Kapseln [* 3] (Zündhütchen) untergebracht hatte, war die Grundlage zur Zündungsverbesserung gegeben. Das Batterieschloß ließ sich leicht für den Gebrauch der Zündhütchen einrichten: der Hahn [* 4] erhielt einen entsprechend veränderten Kopf und für das Hütchen eine besondere Auflage. Die Pfanne nebst Batterie fiel weg, der innere Schloßmechanismus wurde beibehalten. Die Vorteile der Perkussionszündung lagen namentlich in der Unabhängigkeit des Infanteriefeuers von der Witterung; außerdem erreichte man eine erhebliche Einschränkung der Gasentweichungen durch das Zündloch sowie der Versager. Dementsprechend wurde die Perkussion nicht nur bei Neuanfertigungen, sondern auch bei der Umänderung der Steinschloßgewehre eingeführt. Trotzdem war die Treffgenauigkeit des glatten Infanteriegewehrs infolge des großen zum Laden notwendigen Spielraums eine so geringe, daß der beste Schütze den schlechtesten wenig überbieten konnte.
Man kam deshalb schon gegen Ende des 15. Jahrh. auf den Gedanken, Züge (s. d.) in die Laufwände einzuschneiden. Nachdem durch das Dorngewehr (s. d.) von Thouvenin noch eine, nur vorübergehend eingeführte günstigere Einrichtung der Laufseele erstrebt war, wurden die weitern Verbesserungen durch Annahme eines andern Geschosses an Stelle der Rundkugel erreicht. (S. Geschoß, [* 5] Bd. 7, S. 904 b, und Miniégewehr.) Als mit den Zügen Langgeschosse angenommen wurden, erhielt man für die letztern unter Beibehalt des Kalibers von 17,5 bis 18,5 mm Gewichte von 40 bis 50 g. Da wegen des Rückstoßes des Gewehrs keine zu großen Ladungen gewählt werden durften, war die Geschoßgeschwindigkeit nur gering und die Flugbahn stark gekrümmt.
Dabei zwang das große Gewicht der einzelnen Patrone zu der Maßregel, entweder die Belastung des Soldaten zu vergrößern oder die Zahl der von dem Manne getragenen Patronen herabzusetzen. Bei der Aufstellung neuer gezogener Waffen [* 6] schritt man daher zu einer Verringerung des Kalibers. Während Österreich [* 7] und Süddeutschland 1858 bis zu dem sog. mittlern Kaliber (13,9 mm) herabgingen, setzte die Schweiz [* 8] allein für die M/51, 56 und 63 das Kaliber auf 10,5 mm fest. Bei letzterm hatte das Geschoß im Verhältnis zu seinem Querschnitt ein ziemlich großes Gewicht, trotzdem dasselbe absolut gering war.
Mit dem leichtern Geschoß konnte ein günstigeres Ladungsgewicht zur Anwendung kommen, das zugleich größere Geschoßgeschwindigkeiten lieferte. Die im engern Raum stärkere Gasspannung trug zum Wachsen der Geschwindigkeit und daher der Gestrecktheit der Bahn wesentlich bei. Gleichzeitig war ein erheblich geringeres Gewicht der Patrone erreicht. Mit dem Schweizer Gewehr M/63 war der Vorderlader auf der Höhe der erreichbaren Vollkommenheit angelangt. Gestrecktheit der Bahn, Treffgenauigkeit, Sicherheit der Zündung entsprachen hohen Anforderungen. Nur nach einer Richtung hin war dieses Gewehr, wie alle andern Vorderlader, dringend verbesserungsbedürftig: die Feuergeschwindigkeit blieb zu gering, ganz abgesehen davon, daß ein Laden im Knien, Liegen sehr erschwert war.
Daher ging aus dem Feldzuge 1866 ein Gewehr siegreich hervor, das in den letztgenannten beiden Beziehungen dem Vorderlader überlegen war, das preuß. Zündnadelgewehr (s. d.). Wenngleich sich die Geschichte der Hinterladung fast bis zu dem Ursprung der Feuerwaffe verfolgen läßt, so war ¶
1. Das preußische Zündnadelgewehr M/41, geschlossen.
2. 3. 4. Schloßteile zum preußischen Zündnadelgewehr M/41.
5. Das deutsche Infanteriegewehr 71.84; Schloß bei geöffnetem Gewehr zum Magazinfeuer gestellt.
6. Das deutsche Infanteriegewehr 71.84; das gespannte Schloß zum Magazinfeuer gestellt.
7. Das deutsche Infanteriegewehr 71.84; das gespannte Schloß, Mehrladevorrichtung abgestellt. ¶
1. Das Schweizer Repetiergewehr M/69, geschlossen und abgefeuert.
2. Das amerikanische Spencer-Gewehr, geöffnet.
3. Das österreichische Gewehr M/88, geöffnet.
4. Schloßgang des österreichischen Gewehrs M/88.
5. Das amerikanische Lee-Gewehr M/79, geöffnet. ¶
1. Durchschnitt des französischen Gewehrs M 86 kurz vor Beendigung des Öffnens.
2. Das französische Gewehr M/86 vollständig geöffnet, mit einer Patrone auf dem gehobenen Löffel.
3. Das geöffnete deutsche Gewehr 88 mit eingesetztem Patronenrahmen.
4. Das Schweizer Gewehr M/89, geöffnet. ¶
1. Schloß des Schweizer Gewehrs M/89.
2. Durchschnitt des Schlosses zum Schweizer Gewehr M/89.
3. Das englische Gewehr M/89, geöffnet (Längsschnitt).
4. Das englische Gewehr M/89, geöffnet (äußere Ansicht).
5. Gesamtansieht des englischen Gewehrs M/89.
6. Visier zum englischen Gewehr M/89. ¶
mehr
jahrhundertelang dieser Gedanke nirgends verwertet worden. Durch Kabinettsorder vom wurde in Preußen [* 14] die Herstellung des von Dreyse (s. d.) konstruierten «leichten Perkussionsgewehrs» angeordnet. Die Einrichtung des spätern M/41 war im wesentlichen folgende. (S. Tafel: Handfeuerwaffen [* 15] I, [* 13] Fig. 1-4.) Der Lauf mit 15,43 mm Kaliber und 4 Zügen, die auf 732 mm eine Drehung vollenden, endigt hinten mit einem Gewinde, auf das das Verschlußgehäuse a geschraubt ist.
Dieser Teil ist zur Bewegung des Verschlusses sowie zur Einlage der Patrone mit einem Längs- und Seitenschlitz versehen. Unten ist der zweckmäßig konstruierte Abzug befestigt. Der Verschluß wird von drei übereinander liegenden Hohlcylindern gebildet: Kammer (Verschlußkolben) b, Schlößchen c und Nadelbolzen e. Der vordere Teil der Kammer wird durch eine Wand abgeschlossen, in der das Nadelrohr zur richtigen Führung der Nadel eingeschraubt ist. Der hohle Teil um das Nadelrohr soll die Reste der verbrennbaren Patronenhülse aufnehmen.
Der hintere Kammerteil nimmt das Schlößchen c mit der Sperrfeder d auf und bietet letzterer sowohl beim Spannen wie Inruhsetzen den nötigen Stützpunkt. Für das Eintreten des Abzugsstollens ist in dem Kammerboden ein Ausschnitt bemerkbar. Das Schlößchen bewirkt mit der Kammer, Sperrfeder, Abzugsstollen und Nadelbolzen gemeinsam das Spannen der Spiralfeder und das Vorschnellen der Zündnadel f. Ebenso wie die Kammer zeigt auch das Schlößchen unten einen Einschnitt für den Eintritt des Abzugsstollens.
Die Spiralfeder lagert in der Bohrung des Schlößchens, an dessen hinterer Wand sie einen Stützpunkt findet. Ihr vorderes Widerlager bildet eine kreisförmige Verstärkung [* 16] (Teller) des Nadelbolzens. Die aus einem Messingschaft und einer Stahlnadel zusammengesetzte Zündnadel wird mit ihrem Gewinde in den Nadelbolzen eingeschraubt. Die Sperrfeder d hält den Nadelbolzen und die Spiralfeder im Schlößchen, sich selbst aber mittels der beiden hintern Nasen im Schlößchen fest.
Zum Laden muß zunächst das Schlößchen zurückgezogen werden. Nach einem Druck auf die Sperrfeder tritt ihre hintere Nase [* 17] aus einem Ausschnitt der Kammer, worauf sie nebst dem Schlößchen so weit zurückgezogen werden kann, bis die zweite Nase an der Kammerwand anstößt. Der Teller des Nadelbolzens gleitet mit seiner hintern Abschrägung über den Abzugsstollen. Durch Drehen des Kammerknopfs von rechts nach links wird seine Warze von der rechten Wand des Verschlußgehäuses entfernt und nach links vor den Hülsenausschnitt gebracht.
Der Verschluß kann nun zurückgezogen werden, wodurch das hintere Laufende geöffnet wird. Es folgt das Einlegen der Patrone und das Schieben derselben vorwärts in ihr Lager. [* 18] Zum Schließen wird die Kammer vorgeführt und rechts gelegt. Nunmehr hat man das Schlößchen so weit vorzuschieben, bis die hintere Sperrfedernase in den Ausschnitt der Kammer eingreift. Zieht man nun den Abzug zurück, so verliert der Teller seinen Halt, die Spiralfeder schleudert den Nadelbolzen mit der Zündnadel vor; letztere sticht in die Zündpille der Patrone und bewirkt die Entzündung der Ladung. Durch Zurückziehen der Sperrfeder läßt sich das Gewehr sichern. Die 40,7 g schwere Patrone besteht aus der Papierhülse, der Pulverladung, dem Zündspiegel und dem Geschoß. Letzteres wiegt 31 g und wird von dem Spiegel [* 19] durch die Züge geführt.
Wenngleich die Schußleistungen des Zündnadelgewehrs verhältnismäßig gering waren und viele Vorderlader aus den fünfziger Jahren dieselben wesentlich übertrafen, so kam doch den Leistungen der Waffe im Schnellfeuer kein Vorderlader gleich, wie die preuß. Waffe überdies den gewaltigen Vorteil besaß, daß sie in allen Körperlagen leicht zu bedienen war. Erst die Erfahrungen des Krieges 1866 zeigten, daß überall außerhalb Preußens [* 20] der Hinterlader unterschätzt worden war und daß eine schneller schießende, in jeder Deckung brauchbare Waffe selbst einer genauer, aber langsamer feuernden gegenüber taktisch überlegen bleibt.
Die nächste Folge war die allgemeine Einführung der Hinterladung. Um dieselbe schnell bewerkstelligen zu können, wurden die Vorderlader meist nach dem Klappensystem in Hinterlader umgewandelt. Dadurch, daß man an Stelle der Papierhülse metallene Patronenhülsen anwandte, wie solche in dem amerik. Kriege (1861-65) in größerm Umfange benutzt waren, wurde die Sicherheit gegen das Ausströmen der Pulvergase nach rückwärts erhöht (s. unten). Auch in Frankreich erstrebte man eine möglichst rasche Neubewaffnung mit Hinterladern, nahm indessen wegen Mangels einer fertigen Metallpatrone das Chassepotgewehr (s. d.) mit Papierpatrone an, bei dem der gasdichte Abschluß durch einen Kautschukring erreicht werden sollte.
Die Gestrecktheit der Flugbahn wurde durch ein kleines Kaliber (11 mm) vermehrt. Nach dem Vorgänge Frankreichs führten fast alle Staaten bei Aufstellung von Neumodellen das Kaliber 11 mm, zugleich aber die gasdichte Metallpatrone ein. Zu den Modellen dieser Art gehören u. a. das österr. Werndlgewehr M/67, bayr. Werdergewehr M/69, ital. Vetterligewehr M/70, engl. Henry-Martinigewehr M/71, niederländ. Beaumontgewehr M/71, russ. Berdangewehr M/71.
In Deutschland [* 21] blieb man dem schon bei dem Zündnadelgewehr in Anwendung gekommenen Kolbenverschluß treu, der heutzutage die Alleinherrschaft auf dem Gebiet der Handfeuerwaffen errungen hat. Der Hauptgegner dieses Systems, der Blockverschluß, der aus einem viereckigen Stück bestand, das zum Laden gesenkt, zum Schießen [* 22] gehoben wurde (Werder, Henry-Martini), hatte den Nachteil, daß er zum Einführen der Patrone in den Lauf einer Nachhilfe mit der Hand [* 23] bedürfte, was beim Kolbenverschluß wegfiel.
Wenn auch die Feuergeschwindigkeit des Kolbenverschlusses bei den Systemen der siebziger Jahre (Vetterli M/70, Mauser M/71, Beanmont M/71, Berdan M/71) durch Vereinfachung des Schlosses und durch Anbringung einer Selbstspannvorrichtung erheblich gewachsen war, so erschien es doch taktisch vorteilhaft, diese Feuergeschwindigkeit zunächst nur für gewisse Fälle des Gefechts noch wesentlich zu steigern. Diesem Streben geben die Repetiergewehre (s. d.) Ausdruck.
Obgleich aus frühern Jahrhunderten mehrfach Konstruktionen von Repetier- oder Magazinwaffen vorliegen, mußte ihre Kriegsbrauchbarkeit so lange bezweifelt werden, als sie Papierpatronen verwendeten. Es lag hierbei die Gefahr nahe, daß der Patronenvorrat bei dem wenig gasdichten Abschluß des Laufs zur Explosion gebracht würde, was schwere Beschädigungen des Schützen zur Folge haben mußte. Die Herstellung einigermaßen brauchbarer Metallpatronen blieb Vorbedingung zur Konstruktion eines kriegsbrauchbaren Mehrladegewehrs. Nachdem um 1860 in ¶