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Von Schlangen und Leitern
Das indische Spiel Moksha Patam beschreibt auf hundert Feldern den Kreislauf des Werdens im Hinduismus. Der Name heisst aus dem Sanskrit übersetzt «Weg zur Erlösung» und ist Programm: Das Zielfeld, das zwei oder mehr Spielerinnen und Spieler würfelnd mit einer Spielfigur zu erreichen versuchen, heisst Moksha – Erlösung.
Im Spiel helfen moralisch gute Taten, symbolisiert durch Leitern, den Weg durch den Kreislauf der Wiedergeburten zu verringern. Moralisch schlechte Taten, symbolisiert durch Schlangen, führen zu zusätzlichen Wiedergeburten und verlängern den Weg zur Erlösung. Die Schlangen sind dabei in Überzahl. Das Spiel stellt somit den Kreislauf der Wiedergeburten innerhalb eines zyklischen Zeitverständnisses dar.
Die Erlösung ist im Hinduismus ein zentrales Element. Der Mensch kann sich erst aus dem Zyklus von Geburt, Tod und Wiedergeburt befreien, wenn der Impuls zur Wiedergeburt endet. Im Hinduismus heisst die Erlösung eben Moksha.
Moksha Patam diente übrigens als Vorlage für das britische Spiel «Snakes and Ladders», bei uns bekannt als Leiterlispiel. In der britischen Ausgabe wurden die indischen Moralvorstellungen durch viktorianische Vorstellungen von Gut und Schlecht ersetzt. Ausserdem wurde das Verhältnis zwischen Schlangen und Leitern ausgeglichen.
Wieder anders ist es hierzulande: In den meisten Schweizer Ausgaben wird auf Schlangen und Leitern und damit auf eine Moral verzichtet.