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4 Wildrinder Kambodschas:
Wasserbüffel - Bubalus bubalis
© 1986 Markus Kappeler
Gaur - Bos gaurus
Banteng - Bos javanicus
Kouprey - Bos sauveli
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Kambodscha beherbergt vier der weltweit neun verschiedenen Wildrinderarten: den Wasserbüffel (Bubalus bubalis), den Gaur (Bos gaurus), den Banteng (Bos javanicus) und den Kouprey (Bos sauveli). Sie alle sind für den Menschen von besonderem Interesse, denn aus ihren Vorfahren sind zumindest für die asiatische Bevölkerung sehr bedeutungsvolle Hausrinder entstanden: Der Wilde Wasserbüffel ist der Bruder des gutmütigen Hauswasserbüffels, der die Pflüge durch die südostasiatischen Reisfelder zieht. Der Gaur ist der Vetter des Gayal, der in Assam, Bhutan und Burma als Opfertier eine grosse Rolle spielt. Der Banteng ist die Wildform des Balirinds, welches in Indonesien ein wichtiger Fleisch- und Milchlieferant ist. Und selbst der seltene, wenig bekannte Kouprey war vermutlich während der Khmerkultur vor 400 bis 500 Jahren vorübergehend zum Haustier geworden.
Während die domestizierten Rinderformen heute zu Tausenden im Dienst des Menschen stehen, werden die Bestände ihrer wildlebenden Verwandten immer weiter zurückgedrängt. Auf der Roten Liste der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) werden der Gaur und der Banteng als in ihrem Bestand gefährdet, der Wasserbüffel und der Kouprey als vom Aussterben bedroht eingestuft. Der Kouprey steht sogar seit geraumer Zeit auf der IUCN-Liste der 12 meistbedrohten Tierarten unseres Planeten.
Der nützliche Wasserbüffel
Wilde Wasserbüffel waren einst von Nordindien ostwärts bis nach Vietnam verbreitet. Heute ist die Art in freier Wildbahn beinahe ausgestorben. Einige wenige Restpopulationen gibt es noch in indischen Reservaten, ein paar weitere in Kambodscha, und etwa 40 Tiere überleben in Ostthailand.
Der Hauswasserbüffel ist wohl eines der nützlichsten Tiere, die vom Menschen je domestiziert worden sind. In Südostasien ist er zum Charaktertier der Reiskulturen geworden, da er sich besonders gut zum Bestellen der überfluteten Reisfelder eignet. Er zieht aber nicht nur den Pflug, sondern auch die schweren zweirädrigen Karren und liefert erst noch Fleisch und Milch. Es überrascht nicht, dass Wasserbüffel in vielen asiatischen Kulturen grosse Bedeutung erlangt haben. Sie sind ein Zeichen des Wohlstands für ihre Besitzer und sie werden oft als Opfertiere benützt, um den Segen der Götter zu erlangen oder die Geister der Ahnen zu besänftigen. Hauswasserbüffel sind heute über ganz Eurasien weit verbreitet. Man schätzt, dass es gegenwärtig mindestens 130 Millionen dieser friedfertigen Tiere gibt!
Die ursprünglichen Lebensräume des Wasserbüffels sind Sümpfe, feuchte Grasländer und Ueberschwemmungsgebiete entlang von Flüssen und an Seen. Hier finden die mächtigen Vegetarier reichlich Nahrung (Gräser, Kräuter, Sumpf- und Wasserpflanzen) sowie guten Schutz vor Feinden und genügend Suhlen, in denen sie sich so gerne wälzen. Sie weiden vornehmlich morgens und abends und verbringen die heissen Tagesstunden an schattigen Liegeplätzen oder in ihren kühlen Schlammbädern.
Wasserbüffel sind Herdentiere mit einem ausgeprägt geselligen Verhalten. Früher waren grosse Büffelherden von oftmals hundert und mehr Tieren häufig. Heute bestehen die wenigen verbleibenden Herden nur noch aus 10 bis 20 Tieren. Neben den gemischtgeschlechtlichen, von einem besonders kräftigen Bullen angeführten Herden werden auch einzelgängerische Bullen und kleinere Junggesellengruppen angetroffen.
In Kambodscha erfolgen die Paarungen hauptsächlich in den Monaten Oktober und November. Die Jungtiere kommen zehn Monate später, gegen Ende der Regenzeit, zur Welt. Sie werden sechs bis neun Monate lang gesäugt und erreichen die Geschlechtsreife in ihrem zweiten Lebensjahr. In freier Wildbahn können sie 20 bis 25 Jahre alt werden.
Wilde Wasserbüffel bewegen sich schneller und gewandter als ihre domestizierten Brüder. Sie sind auch erheblich angriffslustiger. Bei Begegnungen mit Tigern stellen sich die massigen Büffel Flanke an Flanke auf und bilden so eine wehrhafte Mauer, hinter der die jüngeren Tiere wirksam geschützt sind. Zieht sich ein Tiger nicht zurück, so gehen die Büffel gemeinsam gegen ihn vor und verjagen den Raubfeind.
Hauptursache des Niedergangs des Wasserbüffels in freier Wildbahn ist die Umwandlung seiner gewässernahen Lebensräume in Siedlungen und landwirtschaftliche Nutzflächen, welche in den letzten Jahrzehnten in grossem Stil erfolgt ist. Schädigend haben sich aber auch der Nahrungswettstreit mit domestizierten Wasserbüffeln sowie die von diesen übertragenen Viehseuchen (Rinderpest, Milzbrand, Maul und Klauenseuche) ausgewirkt.
Der mächtige Gaur
Gaure bevorzugen als Lebensraum lichte Wälder und Waldrandzonen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gräsern aller Art, nehmen aber auch Blätter, junge Triebe, Früchte und sogar Rinde von allerlei Sträuchern und Bäumen.
Gaure leben in Herden von 10 bis 40 Tieren. Daneben gibt es einzelgängerische Bullen und Junggesellengruppen. Während der Paarungszeit, die in Kambodscha von Dezember bis Januar dauert, schliessen sich die Einzelgängerbullen vorübergehend wieder den Herden an und tragen dann mit den Herdenbullen Kämpfe um die Weibchen aus.
Die Weibchen bringen nach einer Tragzeit von neun Monaten jeweils ein einzelnes Kalb zur Welt. Dieses vermag sich schon nach wenigen Minuten auf seinen Beinen aufzurichten und der Mutter nachzufolgen. Es ist sehr wichtig, dass das Neugeborene von Anbeginn mit der Herde Schritt halten kann, da es nur in der Gemeinschaft vor Fressfeinden sicher ist.
Bei Beunruhigung schnauben Gaure laut und stampfen dazu mit ihren Vorderläufen. Durch diese Signale werden die übrigen Herdenmitglieder alarmiert. Werden Gaure angegriffen, so nehmen sie im allgemeinen Reissaus. Sind sie jedoch verwundet oder fühlen sie sich in die Enge getrieben, so können sie den Spiess durchaus auch umdrehen und - unter Einsatz ihrer gefährlichen Stirnwaffen - ihrerseits den Widersacher angreifen. Ältere Bullen greifen mitunter Feinde oder Störenfriede auch ohne direkte Bedrohung an. Es liegen verbürgte Berichte vor, nach denen Tiger schon von Gauren aufgespiesst worden sind.
Der Gaur war einst über ganz Südostasien verbreitet gewesen - von Indien über Indochina bis nach Südchina und Malaysia. Heute sind die ehemals riesigen Bestände auf sehr wenige isolierte Restpopulationen zusammengeschrumpft. Die Ursachen hierfür sind hauptsächlich Waldrodungen, Zerstörung der lebensnotwendigen Minerallecken, übermässige Bejagung und Viehseuchen aller Art, welche von Hausrindern verbreitet werden. Der Gesamtbestand der Gaure dürfte nurmehr ein paar tausend Tiere betragen. Über die Situation des Gaurs in Kambodscha ist nichts Genaues bekannt. Wahrscheinlich ist er aber in ein paar jener Gebiete noch heimisch, welche in naher Zukunft zum Schutz des Koupreys als Reservate ausgewiesen werden sollen.
Mit einer Schulterhöhe von bis zu 213 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 1000 Kilogramm ist der Gaur das grösste lebende Wildrind der Erde. Ausserdem vermag er äusserst zähe Gräser wie z.B. Alang-Alang (Imperata cylindrica)
, welche von kaum einem anderen Tier gefressen werden, zu verwerten. Kreuzungen von Gauren mit Hausrindern könnten daher die Eigenschaften letzterer verbessern und die südostasiatische Rindfleischproduktion anheben. Es wäre also klug, der Erhaltung dieses Wildrinds besondere Beachtung zu schenken.
Der elegante Banteng
Bantengs gehören zweifellos zu den attraktivsten Wildrindern: Die Bullen sind kräftig schwarz gefärbt, die Kühe goldbraun. Tiere beiderlei Geschlechts tragen weisse «Stiefel» und besitzen einen auffälligen weissen «Spiegel» auf der Rückfläche der Hinterkeulen.
Wie der Gaur lebt auch der Banteng in nicht allzu dichten Wäldern und Waldrandzonen. Am frühen Morgen und am Abend sucht er zum Weiden offene Grasflächen auf. Gräser aller Art bilden den Hauptbestandteil seiner Nahrung. Daneben verzehrt er aber auch gerne Kräuter sowie die Blätter und Früchte verschiedenster Baum- und Straucharten.
Bantengs trinken grosse Mengen Wasser und sind daher auf eine ganzjährig zugängliche Wasserstelle in ihrem Lebensgebiet angewiesen. Wichtig für ihr Wohlbefinden sind ferner Lecken, an denen sie ihren Mineralbedarf decken können.
Bantengs leben in Herden, die sich aus einem erwachsenen Bullen, mehreren Kühen und deren Nachkommen zusammensetzen. Die Herdengrösse beträgt 25 und mehr Tiere. Die überzähligen Bullen leben einzelgängerisch oder bilden kleine Junggesellengruppen.
Die ursprüngliche Verbreitung des Bantengs erstreckt sich von Indochina bis nach Malaysia und auf die Inseln Borneo, Java und Bali. Die Bestände sind aber infolge enormen Lebensraumverlusts und massiver Bejagung durch die lokale Bevölkerung stark zurückgegangen. In Kambodscha überleben nur wenige Restbestände an der Grenze zu Laos, im Hügelland von Lomphat (Ostkambodscha) und im Angkor-Wat-Nationalpark.
Der unbekannte Kouprey
Der Kouprey wurde erst 1937 vom französischen Zoologen Achille Urbain entdeckt und ist damit eines der allerletzten Grosstiere, die der westlichen Wissenschaft bekannt wurden. Der Kouprey ist dermassen selten und scheu, dass er kaum je von Menschen gesehen, geschweige denn fotografiert worden ist. Auch befinden sich gegenwärtig weltweit keine Koupreys in Gefangenschaft.
Kouprey-Bullen sind schwarz oder dunkelbraun gefärbt; die erwachsenen Kühe und die jungen Bullen sind hellgrau. Wie beim Banteng weisen Koupreys beiderlei Geschlechts weisse «Stiefel» auf. Erwachsene Männchen besitzen eine ausgeprägte Wamme. Ihre Hörner sind zuerst nach vorn, dann aufwärts gebogen. Diejenigen der Weibchen sind leierförmig.
Koupreys kommen nur in den vier südostasiatischen Ländern Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam vor, wobei die weitaus grösste Population in Kambodscha lebt. Leider liegt das ohnehin enge Verbreitungsgebiet dieses Wildrinds genau im Zentrum der fortwährenden indochinesischen Kriegswirren. Da der Kouprey bereits vor dem Indochina-Konflikt als stark bedroht eingestuft worden war, wurde allgemein befürchtet, dass er die kriegerischen Unruhen nicht überleben würde. Wie man heute weiss, ist diese Befürchtung glücklicherweise nicht eingetroffen. Es werden nun in den genannten Ländern grosse Anstrengungen unternommen, die Art nachhaltig zu schützen.
Der Kouprey weidet gerne auf offenen, grasbestandenen Flächen, welche von Wald umsäumt sind. Im Wald sucht er Schutz vor der mittäglichen Hitze sowie vor Fressfeinden. In Kambodscha ist er vor allem in den tiefer gelegenen Hügelgebieten heimisch.
Koupreys leben in gemischtgeschlechtlichen Herden von 20 und mehr Tieren, welche im allgemeinen von einem alten Weibchen angeführt werden. Bei der Nahrungssuche spaltet sich die Herde oft in kleinere Gruppen auf.
Im Jahr 1951 wurde die Zahl der Koupreys in Kambodscha auf 1000 Tiere geschätzt. Zehn Jahre später waren infolge starker Bejagung der seltenen Hornträger nur noch ein paar hundert Individuen übrig. Im Lauf der sechziger und siebziger Jahre sind die Bestände dann noch weiter zurückgegangen und mancherorts gänzlich verschwunden. Man schätzt, dass kaum mehr als 100 Koupreys in Kambodscha übrig geblieben sind. Sie leben in verstreuten Restbeständen hauptsächlich noch im Preah-Vihea-Reservat, welches westlich des Mekongs an der Grenze zu Thailand und Laos liegt, sowie östlich des Mekongs in der bewaldeten Hügelzone entlang der Grenze zu Vietnam und Laos. Ein Teil dieser östlichen Herden stehen im Lomphat-Reservat unter Schutz.
Die drei indochinesischen Länder Kambodscha, Laos und Vietnam haben in der ersten Hälfte des Jahres 1986 ein Abkommen zur gemeinsamen Erhaltung des Koupreys unterzeichnet. Geplant ist unter anderem ein grenzüberschreitendes Reservat im Dreiländereck Kambodscha/Laos/Vietnam. Im übrigen hat der Kommandant der vietnamesischen Streitkräfte zugessichert, seine Truppen davon abzuhalten, weiterhin Koupreys zur Deckung ihres Fleischbedarfs zu erlegen. Auch die Roten Khmer, welche an der thailändisch-kambodschanischen Grenze leben und kämpfen, wollen zukünftig von der Bejagung dieses seltenen Wildrinds absehen.
Der Welt Natur Fonds (WWF) hat ein Langzeitprogramm zum Schutz des Koupreys ausgearbeitet, welches fachliche und finanzielle Hilfe bei der Errichtung und beim Unterhalt von Kouprey-Reservaten sowie ein Zuchtprojekt in Gefangenschaft vorsieht. Die verantwortlichen Kreise sind sich bewusst, dass ein solches Zuchtprojekt zwar zur Erhaltung dieses bedrohten Wildrinds beitragen mag, dass aber in erster Linie versucht werden muss, den Tieren das Überleben in ihren natürlichen Lebensräumen zu ermöglichen.
Naturschutz in Kambodscha
Trotz lange anhaltender Kriegswirren, welche sowohl der kambodschanischen Bevölkerung als auch der einheimischen Natur grossen Schaden zugefügt haben, verwendet die Regierung Kambodschas heute beachtliche Kräfte darauf, ein Netzwerk von Naturschutzgebieten im Land aufzubauen. Fünf Prozent der Landesfläche sollen dereinst unter gesetzlichem Schutz stehen. Damit will Kambodscha nicht allein den vier bedrängten Wildrinderarten eine bleibende Heimat schaffen, sondern mit ihnen noch vielen weiteren faszinierenden Lebewesen des indochinesischen Subkontinents.
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