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Nach 100 Metern betrug ihr Vorsprung bereits beinahe zwei Sekunden. Am Ende lag sie die halbe Ewigkeit von 11,38 Sekunden vor der zweitplatzierten Jazz Carlin aus Grossbritannien. Zum Vergleich: Die Differenz zwischen Carlin und der achtklassierten Sarah Kohler aus Deutschland belief sich auf 11,58 Sekunden.
Ledecky verbesserte den eigenen, im Januar in Austin erzielten Weltrekord um 1,89 Sekunden auf 8:04,79 Minuten. “Mein Ziel war 8:05 oder schneller zu schwimmen”, sagte Ledecky. Dass sie hier all ihre Ziele erreicht habe, sei nur ein Beleg für die Vision, die sie und Bruce (ihr Trainer Bruce Gemell) vor drei Jahren gehabt hätten. Es würde nicht erstaunen, wenn sie schon in naher Zukunft die Acht-Minuten-Marke unterbieten würde. Zuzutrauen ist es ihr allemal.
Bereits über 400 m Crawl hatte Ledecky einen Weltrekord erzielt. Da sie auch über 200 m Crawl nicht zu schlagen war, schaffte sie ein Triple, dass zuvor an Olympischen Spielen einzig ihre Landsfrau Debbie Meyer 1968 in Mexiko-City geschafft hatte. Da Ledecky in Rio de Janeiro auch mit der 4×200-m-Crawlstaffel triumphiert hat, ist sie nun bereits fünffache Olympiasiegerin. Dazu kommen neun Titel an Weltmeisterschaften. “Ich hatte eine Menge Spass in dieser Woche, nicht nur im Schwimmbecken. Die Erinnerungen hier bedeuten mir mehr als die Medaillen. Ich bin so stolz auf meine Teamkollegen und das, was wir hier erreicht haben.” Die Aussagen sagen vieles über den Charakter von Ledecky aus. Sie ist trotz ihrer Erfolge äusserst bescheiden geblieben.
Michael Phelps dagegen erlitt in seinem voraussichtlich letzten Einzelrennen der Karriere eine Niederlage. Nach dem Gewinn von vier Goldmedaillen in Rio wurde er über 100 m Delfin Zweiter.
Phelps, nach 50 Metern nur Sechster, musste sich mit 51,14 Sekunden um 75 Hundertstel Joseph Schooling aus Singapur geschlagen geben. Gleichzeitig wie der 31-jährige Amerikaner schlugen auch der Südafrikaner Chad le Clos und der Ungar Laszlo Cseh an. Drei Sportler auf einem Medaillenrang gab es noch nie bei olympischen Schwimm-Wettkämpfen. Schooling, der einen olympischen Rekord erreichte, schrieb mit seinem Sieg nationale Geschichte, sicherte er Singapur doch die erste Goldmedaille überhaupt an Olympischen Spielen.
Phelps verpasste es derweil, zum vierten Mal in Folge Olympiasieger über 100 m Delfin zu werden. Über 200 m Lagen war ihm dieses Kunststück als erstem Schwimmer überhaupt gelungen. Joe (Schooling) sei ein grossartiges Rennen geschwommen, zollte Phelps seinem Bezwinger Respekt. Der Vater eines drei Monate alten Sohnes war jedenfalls nicht unzufrieden mit seinem “speziellen” letzten Einzelrennen: “Ich kann mich nicht allzu sehr beklagen.” In der Nacht auf Sonntag erhält er in der 4×100-m-Lagenstaffel eine weitere Gelegenheit, seine 23. Goldmedaille an Olympischen Spielen zu gewinnen.
Eine unerwartete Niederlage setzte es auch für Katinka Hosszu über 200 m Rücken ab. Nach 150 Metern sah die 27-jährige Ungarin wie die sichere Siegerin aus, ehe die Amerikanerin Maya Dirado immer mehr aufkam und sich am Ende in 2:05,99 Minuten mit einer Winzigkeit von sechs Hundertstelsekunden durchsetzte. Nach ihren Erfolgen über 100 m Rücken sowie 200 und 400 m Lagen hätte Hosszu als einzige Schwimmerin in Rio de Janeiro vier Goldmedaillen in einer Einzeldisziplin holen können.
Das Rennen über 50 m Crawl bei den Männern entschied mit Anthony Ervin ebenfalls ein Amerikaner für sich. Der 35-jährige Ervin löste Phelps als ältesten Olympiasieger im Schwimmen über eine Einzelstrecke ab – und dies 16 Jahre nach seiner ersten Olympia-Goldmedaille in dieser Disziplin. Der Franzose Florent Manaudou, der Olympiasieger von 2012 und Weltmeister von 2015 über 50 Crawl, musste sich mit 21,41 um eine Hundertstelsekunde geschlagen geben.
(SDA)