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Die IT-Expertengruppe «Zerforschung» hat die öffentlich zugänglichen Corona-Tests von Novak Djokovic unter die Lupe genommen und neue Unregelmässigkeiten festgestellt.
In Zusammenarbeit mit dem «Spiegel» hat sich die Forschungsgruppe die Gerichtsdokumente detailliert unter die Lupe genommen. Vor allem die beiden von Djokovic vorgelegten PCR-Tests aus dem Dezember standen dabei im Zentrum des Interesses. In Serbien werden die Testergebnisse über ein staatliches Register verwaltet, die Webseite zeigt aber nur Teilinformationen des Papierzertifikats. Namen, Testergebnis und eine Prüfnummer sind einsehbar, der Zeitpunkt des Tests dagegen ist nicht zu finden. Es sei denn, man gehört einer IT-Expertengruppe an, die ihre Tricks auf Lager hat.
Wie die Gruppe «Zerforschung» ihren Follower auf Twitter erklärt, steht in der URL des QR-Codes von Djokovics Test «ein Code, der mit einem Unix-Timestamp beginnt». Ein solcher Unix-Timestamp repräsentiert einen Zeitpunkt, der angibt, wie viele Sekunden seit dem 1. Januar 1970 um Mitternacht vergangen sind. Am 11. Januar 2022 sind das ungefähr 1,6 Milliarden Sekunden, der entsprechende Code lautet dann beispielsweise: 1641903476.
Der Timestamp
Nimmt man die URLs von Djokovics Tests unter die Lupe, stimmen Timestamp und Datum beim negativen Test vom 22. Dezember überein. Beim positiven Test hingegen, der gemäss Djokovic am 16. Dezember gemacht wurde, ist in der URL aber ein Timestamp vom 26. Dezember.
Die zeitreisende Test-ID
Das ist aber nicht alles. Der erste Teil des sogenannten Bestätigungscode, welcher gemäss Zerforschung der Anzahl der zu diesem Zeitpunkt gemeldeten Tests in Serbien entspricht, ist beim positiven PCR-Testergebnis grösser als die Test-ID des negativen Tests. Das heisst mit anderen Worten: Der angeblich früher durchgeführte positive Test wurde erst später ins System eingetragen als der negative Test vom 22. Dezember.
Zudem fällt auf, dass sich die beiden Test-IDs von Djokovic nur um 50'000 unterscheiden. Im Zeitraum von 16. bis 22. Dezember wurden in Serbien aber rund 75'000 Tests durchgeführt. Viel besser passt es, wenn man die durchgeführten Tests zwischen dem 22. und dem 26. Dezember betrachtet. Die beläuft sich nämlich ungefähr auf 50'000.
Mehr zu Novak Djokovics «zeitreisenden PCR-Tests», wie sie die IT-Gruppe nennt, findest du hier.
Irritationen sorgen bereits zuvor für Wirbel
Bereits dem Journalisten Ben Rothenberg fallen einige Ungereimtheiten auf. Zum einen, weil der Serbe nach dem vermeintlich positiven Test an mehreren öffentlichen Anlässen auftaucht – ohne Maske. Zum anderen scheint auch der PCR-Test selbst nebulös.
Der QR-Code auf dem Dokument führt auf einer serbischen Seite zum Testergebnis. Wie mehrere Journalisten aufzeigen, zeigt es aber unterschiedliche Resultate an – mal fällt der Test negativ aus, mal positiv. Warum dies so ist, bleibt unklar. Für die Kritiker von Djokovic sicher ein weiterer Beweis, dass etwas nicht stimmt.
Und nicht nur der Test sorgt für Stirnrunzeln. Auch falsche Angaben auf einem Einreiseformular könnten nun noch eine Rolle spielen. So entspricht zumindest eine Angabe nicht der Wahrheit: Der in Monaco wohnhafte Djokovic war entgegen seiner Auskunft in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien auf Reisen gewesen und soll sich in Serbien und Spanien aufgehalten haben.
Falsche Angaben auf dem Einreiseformular werden als «schwerwiegendes Vergehen» bezeichnet. Mehr dazu hier.
Ein endgültiger Entscheid darüber, wie es mit Djokovic weitergehen soll, wird voraussichtlich am Mittwoch gefällt.