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Verkehr und Verdienst bringenden Seitenthales liegt und zudem unter der Konkurrenz von Seiten von Bex und Monthey zu leiden hat, sind umso beschränkter, als 1822 die beiden benachbarten Orte Évionnaz und Vérossaz als selbständige Gemeinden von ihm losgelöst wurden. Zahlreiche Besucher ziehen dagegen das Gymnasium und die Wallfahrt an, ebenso seit 1863 die Zugänglichmachung der benachbarten Grotte aux Fées, deren Eintrittsgelder der Waisenanstalt zufliessen.
Die einstige Compagnie de la ligne d'Italie machte Saint Maurice zu einem namhaften Bahnhof mit Reparaturwerkstätten, musste aber 1873 liquidieren, worauf die Aufhebung der Werkstätten dem Handwerkerstand und den Kleingewerbetreibenden einen empfindlichen Schlag versetzte. Etwas mehr Geschäftsleben macht sich wieder geltend, seit man 1893 die benachbarten Festungsanlagen von Savatan und Dailly errichtete und seit der Bahnhof infolge des Simplondurchstiches neuerdings einen grossen Verkehr aufzuweisen beginnt.
Das Innere der Stadt hat übrigens jetzt den lange Zeit vorherrschenden verwahrlosten und traurigen Charakter einer einst blühenden und dann dem Zerfall entgegen gehenden Ortschaft verloren. Saint Maurice erhält von dem auf Boden der Gemeinde stehenden Werk im Bois Noir elektrisches Licht und hat eine aus dem See in der Grotte aux Fées hergeleitete Druckwasserversorgung. Zahlreich sind die natürlichen und historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihrer Umgebung.
Verschwunden sind im Laufe der Zeiten: die Sust (heute Theater), einst eine grosse Warenniederlage für den Verkehr über die Walliser Pässe;
das Siechenhaus;
die Münzstätte, wo man die früher im ganzen Wallis und den angrenzenden Gebieten gangbaren sog. St. Moritzermünzen (livres mauriçoises) schlug;
das Rektorat Saint Laurent etc. Bemerkenswerte Bauten sind heute noch die Abtei mit ihrer Basilika;
das Rathaus mit der Inschrift Christiana sum ab anno LVIII, die an die frühe Christianisierung des Ortes erinnert;
das um 1618 erbaute Kapuzinerkloster;
die alte Rhonebrücke und das Schloss.
Die Brücke soll schon von den Römern erstellt worden sein und stammt in ihrer heutigen Gestalt als mit einem einzigen Bogen über die Rhone von Fels zu Fels setzendes Bauwerk aus 1491; sie trug früher eine St. Theodulkapelle, die man 1847 abgetragen hat, und auf ihrem linksseitigen Uferpfeiler einen ebenfalls um die Mitte des 19. Jahrhunderts verschwundenen viereckigen Turm mit doppeltem Tor, der den Eingang ins Rhonethal verteidigte. Heute wird die Brücke sowohl auf der Walliser- wie auf der Waadtländerseite von einem Gendarmerieposten gehütet.
Der Walliser Posten ist im Schloss untergebracht, das vor dem W.-Eingang der Brücke auf dem Fels steht und bei dem sich die aus der Felsenge von Saint Maurice kommende Strasse des Rhonethales gabelt. Dieses schon seit 1150 genannte Schloss stammt in seiner heutigen Gestalt aus 1523, in welchem Jahr es auf Kosten der zwischen Saint Maurice und der Morge de Conthey wohnenden Niederwalliser neu erbaut worden ist, um von da bis zur französischen Revolution den Gouverneuren von Saint Maurice als Wohnsitz zu dienen. Es verwehrte jeglichen Zutritt in das Land Wallis. «Jede Nacht wurden die Schlüssel des Landes dem Gouverneur übergeben - und erst 1690 wurde die gegenwärtige nach Massongex führende Strasse durch Absprengen der Felswände eröffnet.» (F. O. Wolf).
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Feengrotte (Grotte aux Fées) im Felsen über dem Schloss, zu der ein durch Kastanien beschatteter guter Weg in mehreren Windungen hinaufführt. Endlich erwähnen wir auch noch die Einsiedelei von Notre Dame du Sex (513 m), ein mitten an der von der Terrasse von Vérossaz abfallenden Felswand auf einem Steingesimse klebendes Wallfahrtskirchlein, das man auf einem meist in den Fels gehauenen, schmalen und mit Stufen versehenen Weg erreicht. Im Engpass von Saint Maurice sieht man zu beiden Ufern des Flusses und auf den benachbarten Höhenpunkten Befestigungen, die 1831 von zehn Pionnierkompagnien unter dem Befehl des Hauptmannes Haag und unter der Leitung von Offizieren des eidgenössischen Geniestabes errichtet worden sind und seit 1893 durch die beiden modernen Festungsanlagen von Savatan und Dailly verstärkt werden, die im Kanton Waadt auf Vorschultern der Dent de Morcles in beträchtlicher Höhe stehen.
Da der Engpass oder die Klus von Saint Maurice zwischen die Falten der Dents du Midi und der Dents de Morcles eingeschnitten ist, kann man an den beidseitigen Wandungen den geologischen Aufbau dieser beiden Gebirgsstöcke gut erkennen. Besonders charakteristisch ist die SW.-Wand, an der man den durch die regelmässige Anordnung der Schichten so auffallenden Steilabbruch der Kalkbänke bemerkt. Es sind Neocomschichten, unter welchen weiter oben im Thal, bei Mauvoisin, Jurakalke und noch weiter oben, beim Wildbach von Saint Barthélemy, das krystalline Grundgebirge zu Tage tritt.
Ueber diesem Kalkmassiv liegt Flysch, aus dessen leicht verwitterbaren Gesteinen die Terrassenflächen von Vérossaz und Mex herausmodelliert worden sind, und zu oberst endlich folgt in verkehrter Lagerung nocheinmal Neocom, dessen Bänke im SW. die Dents du Midi und im NO. die Dents de Morcles aufbauen. (Vergl. den Art. Rhonethal). In den schwarzen Kalken des Tunnels durch die die Terrasse von Vérossaz tragende Neocomwand hat man Requienien gefunden, und die schiefrigen Schichten beim Eingang in die Grotte aux Fées liefern in Menge Toxaster complanatus, ein Leitfossil der Hauterivienstufe des Neocom.
Schon seit den ältesten Zeiten ist der Engpass bei Saint Maurice als die eigentliche Pforte des Wallis (Porta Vallesiae) erkannt und als solche auch entsprechend gewürdigt worden. So entstand in der freien Ebene unmittelbar oberhalb der Klus zwischen der Rhone und der senkrechten Felswand von Vérossaz, die beide der neuen Siedelung Schutz zu bieten in der Lage waren, die heutige Stadt Saint Maurice, der «Schlüssel zur bekanntesten und berühmtesten Völkerstrasse der alten Welt», d. h. derjenigen über den Mons Jovis oder Grossen St. Bernhard. Lange Zeit war deshalb die Geschichte des Klosters und der Ortschaft Saint Maurice zugleich diejenige des ganzen Wallis. Die keltischen Nantuaten hatten hier ihren Hauptort Agaunum, den die Römer nach der Eroberung des Landes in Tarnada oder Castrum Tarnadense umtauften, was aber nicht hinderte, dass der ältere Name neben dem jüngern im Gebrauche blieb und schliesslich der allein übliche wurde, bis der Ort die Bezeichnung ¶
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Saint Maurice erhielt. Nach dem von Sergius Galba im Jahr 54 v. Chr. bei Octodurum über die keltischen Ureinwohner der Gegend erfochtenen Sieg bauten die Römer den Ort im Engpass zu einer Festung aus. Sie fühlten sich hier so sicher, dass sie ihn «auch zur Grabstätte ihrer Toten erwählten und Priester und Priesterinnen anstellten, denen die Sorge um dieselben oblag. Dies erhellt aus zahlreichen Inschriften auf Grabsteinen aus jener Zeit, welche in den Mauern und im Fussboden der Abteikirche, in deren Turm, im Kloster selbst und dessen ehemaligen Kirchhofe angebracht wurden und noch vorhanden sind». Zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. sollte sich dann an diese Stelle eine neue Erinnerung an die Zeit der Römerherrschaft knüpfen, die zugleich für die ganze weitere Entwicklung des Ortes von ausschlaggebender Bedeutung geworden ist: die Hinrichtung der 6600 Mann der thebäischen Legion im Jahre 302. Als nämlich der Kaiser Maximian, der im Begriffe stand, mit seinem Heer von Gallien über Italien nach Afrika gegen die Mauren zu ziehen, vor dem Ueberschreiten des Jupiterberges (Grossen St. Bernhard) seinen Soldaten in der Ebene bei Martinach befahl, den Göttern Opfer darzubringen, weigerte sich die aus ägyptischen Christen bestehende sog. thebäische Legion, secunda Flavia Felix Thebaeorum, diesem Befehl Folge zu leisten und liess sich, durch das Beispiel ihrer Anführer Mauricius, Exuper und Candid aufgemuntert, für ihren Glauben durch Henkershand hinschlachten. (An dieses Ereignis erinnert die Märtyrerkapelle beim Waisenhaus Vérolliez).
«Von nah und fern eilten fromme Anachoreten herbei, um die Gebeine der heiligen Legion zu verehren», so dass bald eine Gemeinschaft entstand, für die Bischof Theodor I. von Octodurum um 381-390 ein erstes kleines Kloster, eine Basilika oder Kapelle, in der die Gebeine der Märtyrer aufbewahrt wurden, und eine Pilgerherberge erstellen liess. Der grösste Wohltäter des Klosters Agaunum war aber der Burgunderkönig Sigismund, der es neu erbauen und 517 durch den h. Avite, Erzbischof von Vienne, einweihen liess, indem er es zugleich reichlich beschenkte, so dass es bald ausgedehnten Besitz mit grossen Einkünften erlangte. «500 Mönche bewachten damals die Grabstätte der heiligen Märtyrer und sangen Tag und Nacht das Lob Gottes.» Nachdem Sigismund sich hatte verleiten lassen, seinen unschuldig verleumdeten Sohn Sigerich dem Tod durch Meuchelmord preiszugeben, zog er sich - seiner Untat bewusst - nach Agaunum zurück, um hier strenge Busse zu tun.
Seine Feinde und erbitterten Verwandten liessen ihm jedoch keine Ruhe, und der Frankenkönig Clodomir verfolgte ihn bis hierher, nahm ihn gefangen und liess ihn nach Orléans führen und dort zusammen mit seiner zweiten Gemahlin und seinen zwei Söhnen aus dieser Ehe hinrichten. Bei dieser Gelegenheit ging auch das Kloster, das dem unglücklichen König Schutz gewährt hatte, in Flammen auf. Drei Jahre später erhielt der Abt von Saint Maurice in Agaunum, wie man Kloster und Ortschaft seit dem Beginn des Mittelalters nannte, die Leichname ausgeliefert und liess sie an der Stelle begraben, wo jetzt die dem später heilig gesprochenen Sigismund geweihte Pfarrkirche steht.
«Die kaum entstandene, schnell berühmt gewordene Abtei hatte in den folgenden Jahrhunderten durch die häufigen Einfälle der Longobarden und während der Herrschaft der schwächlichen Frankenkönige viel zu leiden und geriet gänzlich in Zerfall.» Namentlich waren es die sog. Kommendatur-Aebte, d. h. fürstliche Oberherren, die das Kloster «wiederholt gründlich ruinierten». Es war von Karl dem Grossen auf seinen Zügen nach Italien öfters besucht und beschenkt worden, so u. a. mit einer mit Edelsteinen geschmückten goldenen Tafel.
Diese wurde von der Abtei 1147 gegen das Bagnesthal an Amadeus III. von Savoyen ausgetauscht, in Anerkennung dafür, dass dieser Fürst das Chorherrenstift 1128 reformiert und wieder autonom gemacht hatte, was ihm von Neuem eine Zeit der Blüte brachte. Es lag im Gebiet der Grafen von Savoyen, die um die Mitte des 12. Jahrhunderts die Stadt Saint Maurice zur freien Burgerschaft erhoben und von dieser Zeit an auch öfters zu ihrer Residenz erwählten. Die Vitztume der Stadt wurden vom Kloster ernannt, das sich mit den Grafen in die Oberhoheit über die Stadt teilte.
Nach dem berühmten Sieg der Patrioten des obern Wallis über den Grafen von Savoyen am der das untere Wallis bis nach Massongex von der Herrschaft Savoyens befreite, kam Saint Maurice an den Bischof von Sitten, der bis zur französischen Revolution einen Gouverneur hierher setzte. Nachher wurde der Ort Sitz des französischen Residenten im Wallis und unter Napoleon I. Hauptort eines Kreises des Département du Simplon. Die französische Revolution nahm der Abtei auch noch die letzten Reste (Bagnes und Salvan) ihres ehemals so umfassenden weltlichen Besitzes, liess ihr aber die Verwaltung und Einkünfte der unter ihr stehenden Pfarreien.
Die Abtei wird immer noch von etwa 50 regulierten Chorherren bewohnt, die die Vorschriften des h. Augustinus befolgen. Ein Teil versieht die der Abtei unterstehenden Pfarreien (so alle Pfarreien des Bezirkes Saint Maurice mit Ausnahme derjenigen von Massongex; die Pfarrei Choëx im Bezirk Monthey, diejenigen von Bagnes und Vollèges im Bezirk Entremont, die von Aigle und Lavey im Kanton Waadt und endlich die Propstei Vétroz im mittleren Wallis), ein anderer Teil besorgt die innere Verwaltung des Klosters, und wieder andere widmen sich dem Unterricht und wirken als Professoren an dem von uns schon früher genannten Gymnasium. Der Abt führt den Titel eines Grafen, ist seit 1840 durch ein Breve des Papstes Gregor XVI. zugleich auch Bischof von Bethlehem (in partibus) und übt die geistliche Gerichtshoheit über die drei Pfarreien Finhaut, Salvan und ¶