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Das Wichtigste in Kürze
- IWF-Chefin soll fahrlässig entschieden haben und damit die Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht.
- Lagarde bekommt keine Strafe.
- Dem IWF droht nun eine neue Führungskrise. Das Urteil erschüttert Lagardes Glaubwürdigkeit.
Die IWF-Chefin hat nach dem Urteil eines Pariser Gerichts in ihrer Zeit als französische Finanzministerin fahrlässig im Amt gehandelt. Sie habe damit eine Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht. Der Gerichtshof der Republik sprach die 60-Jährige am Montag schuldig, verhängte aber keine Strafe. Sie selbst hatte beteuert, nach bestem Gewissen gehandelt zu haben.
Rund fünf Jahre nach dem Abgang des einstigen IWF-Direktors Dominique Strauss-Kahn wegen eines Sex-Skandals gerät nun auch seine Nachfolgerin in Bedrängnis. Der IWF kündigte an, sein Führungsgremium zusammenzurufen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Das Urteil erschüttert Lagardes Glaubwürdigkeit. Allerdings muss Lagarde nicht zwingend ihr Amt aufgeben.
Um diesen Fall geht es
- Lagarde stimmte 2007 einem Schiedsverfahren zu, um einen langwierigen und komplexen Rechtsstreit mit Ex-Minister und Geschäftsmann Bernard Tapie beizulegen.
- Die Schiedsmänner sprachen dem Unternehmer darauf mehr als 400 Millionen Euro zu. Das Geld sollte Schadenersatz sein, die Tapie 1992 beim Verkauf von Adidas-Anteilen entstanden sein sollen. Nach Tapies Ansicht wurde er vom staatlichen Institut Credit Lyonnais dazu gebracht, die Anteile deutlich unter Wert zu verkaufen.
- Lagarde wiederum verzichtete auf einen Einspruch. Das Gericht kreidet Lagarde an, diesen Einspruch nicht eingelegt zu haben.
- Inzwischen laufen Ermittlungen, weil es Verbindungen zwischen Tapie und einem der Schiedsleute gegeben haben soll. Der Schiedsspruch wurde deshalb bereits von Gerichten aufgehoben. Tapie (73) muss zudem die Entschädigung von rund 400 Millionen zurückzuzahlen.
Lagarde: Bestes Gewissen
Lagarde leitet den Weltwährungsfonds seit 2011 und gehört zu den mächtigsten Frauen der Welt. Sie hatte im Prozess beteuert, sie sei unschuldig und habe nach bestem Gewissen gehandelt. Sie war von 2007 bis 2011 unter Präsident Nicolas Sarkozy französische Wirtschafts- und Finanzministerin gewesen. Ihr drohten maximal bis zu ein Jahr Haft und 15'000 Euro Strafe.