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Bisher hatten wir im Iran alles mögliche gesehen – eines jedoch noch nicht: die Berge.
Zudem wollte Samuel seit dem Beginn dieser Reise ein Stückchen des Nachhausewegs zu Fuss machen und Nathalie wollte unbedingt einen Esel mieten. In den nächsten drei Tagen sollten alle Wünsche in Erfüllung gehen (streng genommen war es kein Esel sonder ein Maultier).
Noch in Teheran beschlossen wir, am selben Tag bis nach Gazor Chan zu kommen. Gazor Chan ist das Dörfchen gleich unterhalb der Festung Alamut. Diese Festung diente seit 1090 Hasan-i-Sabbah, dem Gründer der Assassinen, als Hauptsitz. Von dort aus wurden die politischen Attenttate der Assassinen (bei uns bekannt durch das Videospiel Assassin’s Creed) geplant und ausgeführt. Die Bezeichnung Assassinen verdienten sie sich wahrscheinlich durch den regelmässigen Konsum von Haschisch. Marco Polo beschreibt in seinen Reiseberichten, dass die Anhänger Hasan-i Sabbah’s in einen paradiesischen Garten gebracht wurden, in welchem sich verführerische Jungfrauen tummelten und Gras geraucht wurde. Anschliessend sollen die Jungs losgeschickt worden sein irgendwelche mächtige Politiker zu erdolchen und sich anschliessend zu ergeben, denn – so wurde ihnen gesagt – nur auf diese Weise könnten sie in den paradiesischen Garten zurückkehren. Wie viel Wahrheit an dieser Geschichte dran ist, weiss man nicht. Auf der Burg von Hassan-i Sabbah haben wir jedoch keinen paradiesischen Garten gesehen.
Nach Gazor Chan zu gelangen, erwies sich als nicht ganz so einfach wie ursprünglich gedacht. Zunächst nahmen wir den Zug von Teheran nach Qazvin. Dort versuchten wir an den Taxistand zu kommen, wo die Sammeltaxis nach Mo’allem Kelayeh fahren. Dort angekommen wollten uns ein paar nette junge Iraner für wenig Geld mitnehmen (um mit uns zu pläuderlen) und provozierten dadurch fast eine Schlägerei mit den Taxifahrern. Also nahmen wir friedliebenden Leute gezwungenermassen das Sammeltaxi. In Mo’allem Kelayeh (wo sich übrigens eine geheime Urananreicherungsanlage befinden soll – Samuel hält das für so realistisch, wie wenn in Mettlen eine geheime U-Boot Basis vermutet würde) beschlossen wir daher auf dem letzten Abschnitt bis nach Gazor Chan auf Taxifahrer ganz zu verzichten. Stattdessen verliessen wir uns auf die Freundlichkeit der Iraner, und versuchten unser Glück per Autostopp. Dieses Vorhaben war innerhalb von wenigen Minuten erfolgreich und so tuckerlten wir auf der Ladefläche eines Gemüsetransporters unserem Ziel entgegen.
Am nächsten Tag machten wir uns nach der Besichtigung der Assassinenburg nach Garmarud auf, wo wir mit Matthias und Manuel abgemacht hatten. Die beiden Zürcher hatten wir in Shiraz getroffen, wo sie unsere Sympathien mit zwei Packungen Blévita erkauften. Da wir dieselben Pläne hatten, beschlossen wir gemeinsam über das Elburs – Gebirge zu wandern. Zwei weitere erfreuliche Autostopp Erfahrungen später trafen wir in Garmarud auf die beiden und auf Ramazan, unseren Gastgeber und Maultier-Organisator.
Früh am nächsten Morgen packten wir unsere Rucksäcke auf das Maultier und marschierten los bergauf. Vorbei an Pichebon, wo wir eine kurze Pause einlegten weiter zur Passhöhe des Salambar Passes wo sich eine alte Karawanserei befindet. Auf der anderen Seite ging es den Pass wieder herunter bis nach Saldschanbar, wo wir leider nicht übernachten konnten, sodass wir noch ein Dorf weiter zotteln mussten bis nach Kulumlat.
In Kulumlat wurden wir freundlich willkommen geheissen. Das kleine Dorf besteht aus schätzungsweise zehn Lehmhütten und drei Familien. Die drei kleinen Dorfmädchen unterhielten uns den ganzen Abend (Schere-Stein-Papier existiert auch im entlegensten Dorf des Iran). Das Dörfchen liegt in einem Steilhang und hat weder Stromanschluss noch Strasse. Wir genossen diesen Abend fernab der Zivilisation und schliefen in unserem Lehmhüttchenmassenlager tief und fest.
Am letzten Tag unseres Ausfluges in den Elburs Bergen standen wir früh Morgens auf und verabschiedeten uns von unseren lieben Gastgebern (an deren Namen wir uns leider nicht erinnern können). So marschierten wir weiter der Schlucht entlang bis nach Maran, wo wir wieder auf die Strasse und ein bisschen Zivilisation (=Strom) stiessen. Von Maran ging es der Strasse entlang steil bergab bis nach Yuj. Dort verabschiedeten wir uns von Ali, dem Maultier und dem Esel (beide namenlos wie’s scheint) und genossen die spontane Gastfreundschaft von Esme für einige Stunden bevor wir ein Sammeltaxi nach Ramsar nahmen.