Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03577.jsonl.gz/258

Bill Ivy
( 1942 - 1969 )
Die Eltern eines Freundes von ihm waren Farmer und so bot sich für Bill und seinem Freund auch eine gute Möglichkeit, auf den Ländereien der Eltern seines Freundes "Motorsport" zu betreiben. Einen Führerschein besaß er aus Altersgründen noch nicht. Die Zeit jedoch lief für Bill. Er fand Arbeit bei einem Motorradhändler in seiner Heimatstadt Maidstone, dem Bill´s rennsportliches Talent nicht verborgen blieb. Von seinem Lohn konnte er sich auch bald ein eigenes Motorrad kaufen, denn er hatte inzwischen auch seinen Führerschein, der ihm Fahrten auf öffentlichen Straßen erlaubte. Mit einer ihm vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Itom 50 cc Super Sport Roadster und später einer zweizylindrigen Honda 125 mit Renn-Kit avancierte er zum ungekrönten König von Brands Hatch in den kleineren Klassen. In den großen Klassen hatte Derek Minter diesen Titel inne.
Keine Frage, ein solches Talent wie Bill Ivy blieb auch Frank Sheene, Barry Sheene´s Vater und einer der "Macher" im englischen Rennsport, nicht verborgen. Er sorgte im Frühjahr für Bills ersten Auslandsstart mit einer 250 cc Yamaha in Madrid. Ein schwerer Trainingsunfall mit Fußverletzungen schien schon das Ende des Abenteuer Madrid zu sein. Nicht so aber bei Bills unbändigen Kampfgeist. Frank Sheene erreichte, daß Bill als Letzter mit "Schiebehilfe" zum Rennen zugelassen werden sollte. Doch völlig überraschend wurde ihm diese Schiebehilfe zum Rennstart doch noch verwehrt. Das konnte aber Bills Tatendrang nicht bremsen. Nach qualvollen Mühen gelang es ihm letztlich doch noch, seine Yamaha ohne Hilfe in Gang zu setzen, nachdem das gesamte Feld schon aus seinen Augen entschwunden war. Er pflügte sich regelrecht durch das gesamte Feld hindurch und wurde am Ende mit einen tollen zweiten Platz belohnt. Ein typischer Ivy-Einsatz eben!
1965 dann bot ihm Tom Kirby, ein bekannter englischer Rennstallbesitzer, an, eine seiner schnellen Matchless G 50 zu fahren. Beim ersten Rennen auf diesen Motorrad, in Brands Hatch, schlug er den auf dieser Strecke für unschlagbar geltenden Derek Minter. Neun weitere Siege folgten, zusammen mit der Einsicht, die Zeit ist jetzt reif für eine Profikarriere.
Obwohl er den Kurs auf der Isle of Man nicht besonders mochte konnte er nicht nein sagen, als Yamaha ihm sowohl für die TT als auch für Assen einen Platz im Werksteam, neben Phil Read und Mike Duff, anbot. Leider reichte es aber für Ivy, bei 4 Starts auf der Insel, nur zu einer einzigen Zielankunft. Mit der Werks-Yamaha wurde er Siebenter in der Achtelliterklasse. Erfolgreicher verlief für Ivy die Nach-TT-Veranstaltung im Mallory-Park. Er gewann die 125 cc Klasse und wurde Zweiter hinter Redman mit der Werks-Honda auf seiner privaten 350 cc 7R AJS. Doch der Höhepunkt kam im Rennen der Halbliterklasse, als Ivy dem haushohen Favoriten Mike Hailwood auf der Werks-MV einen großartigen Kampf auf "Biegen und Brechen" lieferte - Ivy auf einer G50 wohlgemerkt. Hailwood verlangte danach von den Veranstaltern, daß auch Ivy als knapp Unterlegener die Ehrenrunde des Siegers mitfahren mußte - das war gleichzeitig auch der Beginn einer engen Freundschaft zwischen Hailwood und Ivy. Er war damit wohl endgültig im Kreis der Superstars angekommen.
Kurz vor Saisonende erhielt er dann überraschend einen Anruf von Yamaha, um den im Training gestürzten Mike Duff zu ersetzen und Phil Read Schützenhilfe zu leisten. Auf ging es also nach Japan. Nachdem Phil Read im Rennen gestürzt war, klassierte sich Ivy, hinter den beiden Honda-Werksfahrern Hailwood und Kasuya auf dem dritten Rang. Im Rennen der 125 cc Klasse wurde er dann Vierter, hinter dem Suzuki-As Hugh Anderson und den beiden Honda-Werks-Fahrern Luigi Taveri und Ralph Bryans. Als Zugabe trat er die Heimreise mit einen Yamaha - Werksvertrag in der Tasche an.
In seiner ersten kompletten Saison 1966 als Werksfahrer galt sein Augenmerk hauptsächlich der Achtelliterklasse. Am Ende der Saison sprang ein Vize - Weltmeistertitel hinter dem Honda - Werksfahrer Luigi Taveri heraus. Das Können und die Cleverness von Taveri und einige Stürze bei Nicht - WM - Rennen waren wohl die Ursache dafür, daß es "nur" ein zweiter Platz geworden war.
Nachdem Ende 1966 Honda den Rückzug aus der Achtelliterklasse bekanntgab und sowohl Taveri als auch Hugh Anderson ihren Ausstieg vom WM - Geschehen bekannt gaben, war die Frage für 1967 nur, welcher der beiden Yamaha - Werksfahrer den Titel erringen wird. Es war Bill Ivy, der sich damit einen lange gehegten Traum erfüllte und Weltmeister wurde. In der Viertelliterklasse war es noch einmal Honda mit dem unvergleichlichen Hailwood, die zu Titelehren kamen und dann sagten: das war es, auch in der Viertelliterklasse.
Ohne nennenswerte Konkurrenz lebte das Jahr 1968 nur von der Frage, wer der beiden Yamaha - Werksfahrer wird wohl die zwei zu vergebenden Titel in den Klassen bis 125cc und 250 cc erringen. Eine interne Vereinbarung sah vor, daß Read den WM-Kampf in der Achtelliterklasse für Yamaha erringen sollte und Ivy in der Viertelliterklasse.
Anfänglich durfte man auch annehmen, daß diese Vereinbarung funktionieren könnte. Doch mitte Saison gab urplötzlich Yamaha bekannt, daß zum Saisonende auch für sie Schluß sei mit den Werkseinsätzen. Sofort schrillten bei Phil Read die Alarmglocken. Da er in der Viertelliterklasse noch in Schlagdistanz zu Ivy lag, war fortan die getroffene Abmachung für ihn ein Muster ohne Wert. Beide mussten sich ja für 1969 ohnehin um einen neuen Arbeitgeber umsehen. Wozu dann noch an die getroffene Vereinbarung halten? So gelang es Phil Read, Bill Ivy regelrecht zu übertölpeln, zumal Ivy durch Sturzverletzungen ohnehin gehandicapt war. Doppelweltmeister 1968 also Phil Read und zweimal Vize Bill Ivy. Als letzter Versuch beim letzten Rennen folgte ein Protest von Ivy wegen eines angeblichen technischen Verstosses am Motorrad von Read, der aber brachte auch nicht den gewünschten Erfolg und der Teamgeist bei Yamaha war ohnehin "im Eimer".
Da sich Ivy für 1969 nicht mehr zurück in den Status eines Privatfahrers begeben wollte, hatte er ein Formel 2 Auto von Brabham gebucht. Wegen der hohen Ausgabe kam ihm ein Angebot von Jawa gerade recht, deren Maschinen in der 350 cc und 500 cc Klasse (Bild oben) in der WM zu testen und einzusetzen. Das Potenzial der bekannt schnellen Jawas war gar nicht so schlecht und es galt eigentlich nur, mit Ivy´s Hilfe, die vorhandenen "Kinderkrankheiten" auszumerzen, um in den Kampf gegen Agostini´s MV ernsthaft eingreifen zu können. Zwei zweite Plätze in der 350 cc Klasse bei den GPs von Deutschland und Holland, jeweils hinter Agostini, nährten die Hoffnung der tschechischen Ingenieure, daß da wohl noch mehr möglich sein sollte.
Doch dann kam der 12. Juli 1969, ein Samstag-Vormittag. Bill Ivy begab sich auf eine Trainingsrunde, nicht wissend, daß es seine letzte Runde werden sollte. Die Kunde vom tödlichen Unfall des kleinen Engländers ging wie ein Lauffeuer durch das Fahrerlager und um die Rennstrecke und schockte Fahrer wie Zuschauer gleichermaßen. Nie wurde die Ursache des Unfalls wirklich bekannt. Fakt ist, er war ein großartiger Fahrer und ist in die Annalen der Rennsportgeschichte als talentierter Fahrer und unbeugsamer Kämpfer eingegangen...
RS