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Kann die Arbeit am Körper unsere geistige Verfassung ändern?
Yoga wird oft als Möglichkeit gesehen, den Körper zu entspannen und Stress abzubauen.
Aylin Karadayi, Yoga-Lehrerin im Yoga-Studio am Hottingerplatz, erklärt, wie das Ausüben von Asanas als persönliches Entwicklungswerkzeug Ihre Gedanken beeinflussen kann.
Reclined Virasana
Supta Virasana
Kategorie: Auf dem Boden liegend, Aufwärmer
Vorerst auf den Boden knien.
Die Knie sind in einer Linie mit der Leiste und bleiben zusammen. Mit einem Gurt lassen sich die Oberschenkel gut nach innen rotieren und so bleiben sie nahe beieinander.
Die Fersen umrahmen die äusseren Hüften, dabei sind die Zehen in einer Linie mit den Fersen, ohne nach innen oder aussen zu fallen. Der Bogen des unteren Fusses passt somit perfekt zur Kurve des Gesässes.
Unter die Lunge wird ein Block auf die mittlere Stufe gelegt, so dass sich die Brustwirbelsäule über den Block wölben kann, der Kopf wird auf den Boden gelegt.
Mit der rechten Hand umrahmen wir den linken Arm und verknoten die Arme zu Garudasana. Dabei versuchen wir die linke Hand ums Handgelenk des rechten Armes zu legen, so dass eine Vermählung von Hand zu Handgelenk entsteht.
Die rechte Hand wird dabei flach auf den Boden gepresst, sollte dies in der Distanz nicht reichen, kann man einen weiteren Block unter die Handfläche legen.
Der Kopf dreht sich zur Seite des oberen Armes, damit das Kinn perfekt in den Arm passt. Dabei einige Male schlucken um die Schilddrüse zu aktivieren.
Danach die Arme wechseln sowie die Richtung des Kopfs.
Sollten sich die Knie vom Boden heben, kann man Sandsäcke auf die Oberschenkel legen oder bei Schmerzen in den Knien die Beine alternativ ausstrecken, dabei die Oberschenkel nach wie vor nach innen rotieren und die Fersen im Boden verankern.
Wirkung:
- öffnet die Lunge und ermöglicht mehr Sauerstoffzufuhr
- erzeugt mehr Mobilität im unteren Körperbereich
- die Hauptöffnung der Rückbeuge liegt im oberen Bereich der Wirbelsäule
- dehnt die Bauchmuskulatur, die Oberschenkel, sowie den Psoas, die Knie und die Fersen
- stärkt die Bögen im Körper
- entlastet müde Beine
- verbessert die Verdauung
- hilft Symptome von Menstruationsbeschwerden zu verringern
- stimuliert die Schilddrüse
- Chakra im Fokus: Herz (Anahata) Chakra, Hals (Vishuddha) Chakra
In dieser Asana geht es für mich vor allem darum, das Herz freizulegen und dabei den Hals, sprich, das Stimmorgan, zu stimulieren. Wenn der Herzbereich geöffnet wird, dann kann die Sprache aus dem Bereich der Authentizität nach oben fliessen und der Ausdruck wird klar und ehrlich. Da man in dieser Asana auf dem Boden liegt, kann der Kopf unters Herz sinken, die Augen können nach innen versenkt werden, so dass ein interner Dialog entstehen kann. Die Arme sind vernetzt, was beide Körperseiten und beide Hemisphären miteinander verbindet, wir bilden neue Muster und Synapsen. Wir bilden einen guten Fit, wir sind in uns schlüssig, die Zunge am Gaumen, die Hand ums Handgelenk, das Kinn im Arm.
Headstand
Sirsasana
Kategorie: Inversion
Vorerst auf den Boden knien.
Unterarme auf den Boden legen und mit den Händen den jeweils entgegengesetzten Ellbogen fassen, dabei die Hände verschränken, die Handkanten und Unterarme in den Boden pressen. Hierbei entsteht ein Dreieck mit jeweils 60 Grad Winkeln von den Armen zu den Händen.
Den Kopf nun zu den Händen bringen und dabei die Kopfkrone, nicht den flachen Teil des Kopfes, sondern das Ende des Scheitels, auf den Boden legen. Dieser Punkt der Kopfkrone bildet auf der Zentralaxe, die durch uns hindurch verläuft, das andere Ende des Perineums.
Die Füsse stellen wir auf und laufen sie in einen kurzen Downdog, die Arme unverändert. Die Schultern sollten jetzt überhalb der Ellbogen sein.
Ein Bein nach dem andern anwinkeln oder mit beiden Beinen gerade hochkommen, bis die Beine in einer Linie mit dem Beckenboden in der Luft schweben. Das Perineum bildet nun die Antipode zur Kopfkrone. Die Oberschenkel gut nach innen rotieren und die Füsse nach oben stossen, während die Arme und Hände in den Boden pressen, so entsteht mehr Raum zwischen Ohren und Schultern, der Nacken sollte kein Falten haben und der Kopf trägt kaum Gewicht. Achtung, dass im unteren Rücken kein Hohlkreuz entsteht.
Wirkung:
- reversiert die Schwerkraft
- stimuliert die Zirbeldrüse, welche die Antenne bildet, die uns mit dem Kosmischen verbinden
- lehrt auch mal gedankenlos zu sein und den unteren Körper gegen die Schwerkraft zu heben
- Königsasana genannt
- kehrt den Blutfluss zum Kopf um, nährt die Zellen mit Sauerstoff, verjüngert
- vertieft und beruhigt die Atmung
- Chakra im Fokus: Drittes Auge (Ajna) Chakra, Krone (Sahasrara) Chakra
In dieser Asana steht für mich der Kopf im Zentrum. Es gibt mir Einsicht. Ich funktioniere in diesem Moment nicht so sehr übers Denken, sondern ich finde ein Zentrum, über welches ich mich aufrichte. Alle Balancen lehren mich Bescheidenheit, da ich nicht dieselbe Sicherheit habe, wie in meiner ersten Natur, auf meinen Beinen auf denen ich normalerweise stehen kann. Die Gedanken kreisen in einem Kopfstand kaum, sondern sie regeln sich, sie reihen sich gar förmlich, denn es geht darum Klarheit zu finden in der Asana und über diese hinaus sogar im eigenen Zustand. Die Einsicht kommt dadurch, dass man einen anderen Winkel der Situation erfasst und dies ist ein Gefühl der Neutralität. Erst durch diese kann ich mich befreien von eben noch aktuellen Repetitionen meiner eigenen Sichtweise. Ich kann mich in eine andere Lage, Perspektive versetzen und manipuliere sozusagen die Gegebenheiten. Was sich nie ändert ist mein Zentrum, lediglich der Umstand ändert sich.
Double Pigeon
Agnistambhasana
Kategorie: Sitzend, Hüften
Für diese Asana beginnt man in Dandasana, sitzend mit beiden Beinen nach vorne ausgestreckt. Die Krone des Kopfes ragt in Richtung Decke, die Brust nach oben gerichtet, die Schultern nach hinten.
Nun das rechte Bein in einen 90 Grad Winkel biegen, so dass die äussere Kante des gebogenen Beines auf der Matte ruht, parallel zur Mattenkante. Der rechte Fuss ist geflext und aktiv, so dass der Fuss lotrecht zum Schienbein verläuft. Danach das linke Bein zu 90 Grad anwinkeln und über das rechte Bein legen. Optimalerweise sind die Schienbeine parallel, Knie über Fersen und Fersen über Knie des jeweils entgegengesetzten Beines.
Vom zweiten Zehen zum Knie und zur Hüfte sollten drei 60 Grad Winkel zu sehen sein.
Indem man das Gesäss etwas weitet, wird der Fold erleichtert. Der Sitz sollte auf dem Perineum sein, nicht dem Schambein, nicht dem Steissbein. Falls dies nicht möglich ist, kann man zur Unterstützung auf eine Decke sitzen.
Danach die Seite wechseln.
Wirkung:
- untermauert das Fundament des Seins, was grundsätzlich alles unterhalb des Zwerchfells ist, die Basis, der Unterhalt
- kreiert eine grössere Spannbreite von Bewegung rund um das Hüftgelenk
- eignet sich gut für schwangere Frauen, um den Beckenboden zu stärken
- stimuliert die abdominalen Organe
- stärkt die Beine und Waden
- beruhigt den Geist
- entlastet von Ängsten, Anspannung und Stress
- Chakra im Fokus: Wurzel (Muladhara) Chakra, Sacral (Svadhisthana) Chakra
In dieser Asana geht es vor allem darum, sich mit dem Unangenehmen zu konfrontieren. Die Hüften lösen in uns allen ein Thema der Sorge, Wut oder Angst aus. Es sind sehr ursprüngliche Themen, die sich in den Hüften verborgen halten und genau diese gilt es anzugehen. Die Asana heisst nicht umsonst Scheiterhaufen, da es wohl darum geht, sich dem Alten zu stellen und diese Altlaster und habituellen Verfestigungen aufzubrechen oder etwa zu verbrennen. Erst die Repetition ermöglicht es, diese Asana mit mehr Weichheit zu praktizieren, denn es ist tatsächlich ein Abtragen von harten Schalen, die sich um das Wesentliche herum aufgebaut haben. Das Falten geschieht aus dem Hüftgelenk und ein sauberes Falten ermöglicht ein klares Entfalten, so dass man sich öffnet im Oberkörper, den Organen und schliesslich dem Rücken, mit Aussichten ins eigene Potential zu wachsen. Sind wir erstmal wortwörtlich entfaltet, so gibts Raum für Neues.
Twisted Straight Leg Lunge
Parivrtta Alanasana
Kategorie: Stehend, Twist
Den rechten Fuss nach vorne setzen und das Knie in einen rechten Winkel über dem Fussgelenk platzieren, dabei ist der Oberschenkelknochen parallel zum Boden. Der hintere Fuss ist in der Betonung auf dem Fussballen, so dass der Fersen 90 Grad über den Fussballen ragt, das Knie des hinteren Beines ist vom Boden entfernt, der Oberschenkel aktiviert.
Der Oberkörper ist in einem Lunge, so dass in der Wirbelsäule ein schönes Crescendo, respektive ein Bogen entsteht.
Den Torso verlängert man nun nach oben in die Länge und dreht sich dann um die eigene Achse in Richtung des rechten Beins, so dass der linke Arm den Oberschenkel des rechten Beins berührt. Vorzüglich kommen Armachsel des linken Armes und das Knie des rechten Beins in Verbindung. Wir organisieren uns so, dass die Hüften auf drei und neun Uhr gerichtet sind und der Oberkörper um 90 Grad drehen kann.
- Armvariation 1: den linken, unteren Arm anwinkeln und mit der Hand eine Faust bilden, während die rechte, obere Hand über die Faust gelegt werden kann, beide Ellbogen sind in einer Linie.
- Armvariation 2: Lder linke Arm wird ausgestreckt und die flache Hand wird auf den Boden gepresst, während der rechte Arm 180 Grad diametral entgegen in Richtung Decke zielt.
Danach die Seite wechseln.
Wirkung:
- ein tiefer Twist, der alle Organe von der Basis aufwärts neu nährt
- kreiert Stamina, Fundament und Stabilität in der Basis
- erzeugt viel Bewegung, Tragweite und Kapazität in der Mitte
- die Verbindung von Knie und Armachsel erleichtert den Twist
- die Nieren werden stimuliert und das Wasser im Körper kann sich bewegen
- spült die Giftstoffe und Reststoffe aus dem System
- verleiht mehr Vision zum hinteren Bereich des Umfangs
- ein Twist ist immer eine Vision um sich selbst herum
- man wird zu einer Revolution auf einem Spiess
- Chakra im Fokus: Wurzel (Muladhara) Chakra, Nabel (Manipura) Chakra
In dieser Asana geht es vor allem darum, Stabilität im Fundament aufzubauen. Ist das Grundgerüst einmal bodenständig und sicher, so kann im zweiten Stock des Körpers, dem gesamten Rumpf, mehr Bewegungsfreiheit entstehen. Wir können die Wirbelsäule in alle Richtungen biegen, so dass wir mehr vom Ganzen wahrnehmen können. Beim Twist gehen wir einmal diametral entgegengesetzt in die andere Richtung, so dass sich der Blick auf das Ungesehene richten kann. Wir verbinden Vergangenes mit Gegenwärtigem und Künftigem, die Zeit wird also sphärisch. Da meine Wirbelsäule von erster Natur her nicht leicht drehbar ist, gibt es mir insbesondere das Gefühl neue Möglichkeiten zu erlangen, in Twists noch viel bewusster als zum Beispiel in Folds oder Backbends, da ich alles einmal auswinden kann, wenn ich mich um die eigene Achse drehe und ich werde meiner eigenen Reichweite viel bewusster. Wenn ich meinen gesamten Umfang wahrnehme, dann weiss ich sowohl um meinen Platz in mir drin als auch im Aussen.
Im untersten Stock, meinen Füssen und Beinen, kreiere ich Stabilität, im 2. Stock, im Rumpf und den Armen, finde ich mehr Vermögen und im 3. Stock, meinem Kopf und meinen Augen, erlange ich Einsicht.
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