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Der Internationale Währungsfond (IWF) ruft zu einem neuen "Bretton Woods Moment" auf, der die Weltwirtschaft massgeblich verändern könnte. Georgiewa, Direktorin des IWF, spricht von gewaltigen Massnahmen, die hartes Geld wie Bitcoin zunehmend attraktiv machen könnte.
Letzte Woche veröffentlichte der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Rede der geschäftsführenden Direktorin des IWF in Washington, DC, Kristalina Georgiewa, mit dem Titel "A New Bretton Woods Moment". Die auf den ersten Blick wohlgemeinten Formulierungen der Vorsitzenden rufen auch Kritiker auf den Plan.
"Zusammenhalt aufgrund der Corona-Pandemie"
Kristalina Georgiewa sagt, dass Regierungen zusammenarbeiten müssen, um die Weltwirtschaft wieder zu stärken, nachdem sie dieses Jahr stark unter der Pandemie litt.
Der IWF sagt voraus, dass die Weltwirtschaft aufgrund der Coronakrise in diesem Jahr um 4,4% schrumpfen und bis zum nächsten Jahr 11 Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung verlieren wird.
"Wieder einmal stehen wir vor zwei gewaltigen Aufgaben: die Krise heute zu bekämpfen - und eine bessere Zukunft aufzubauen" – Kristalina Georgieva
Georgiewa ist der Meinung, dass sich die Regierungen an drei Imperative halten müssen, um die Weltwirtschaft zu retten. Erstens, die richtige Wirtschaftspolitik herausgeben; zweitens, in Menschen investieren; drittens, sich auf den Klimawandel konzentrieren. Unter Investition in Menschen versteht Georgiewa Investitionen in Gesundheitsversorgung, Schliessung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles und der Ausweitung des Internetzugangs in jeden Winkel der Welt.
Die Wirtschaftspolitik sollte auf die Bedürfnisse jedes Landes zugeschnitten sein, sagte sie. Sie drängt jedoch alle Länder auf, auf eine grössere Transparenz der Schulden, eine verstärkte Koordinierung der Gläubiger, sowie die Unterstützung des Privatsektors hinzuarbeiten.
Was die Notwendigkeit betrifft, den Klimawandel anzugehen, sagte Georgieva, dass sich die klimabedingten Katastrophen im letzten Jahrzehnt auf 1,3 Billionen Dollar summierten. Grüne Investitionen seien unerlässlich, ebenso wie höhere Kohlenstoffpreise. Null Emissionen bis 2050 sei ein gutes Ziel, das es anzustreben gelte, sagte sie.
Bretton-Woods-System
Das Bretton-Woods-System war eine gewaltige Veränderung im Weltwirtschaftssystem. Mit dem Abkommen von 1944 wurden zentralisierte Regeln für die Währungsführung zwischen Australien, Japan, den Vereinigten Staaten, Kanada und einer Reihe westeuropäischer Länder festgelegt. Im Grunde genommen befand sich die Weltwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Trümmerhaufen, so dass sich 730 Delegierte aus 44 alliierten Nationen in New Hampshire in einem Hotel namens Bretton Woods versammelten. (Die Gruppe wurde von dem britischen Vertreter John Maynard Keynes und dem Beamten des US-Finanzministeriums, Harry Dexter White, geleitet.) Historiker glauben, dass die geschlossene Sitzung in Bretton Woods das gesamte Finanzsystem der Welt zentralisierte.
Am letzten Tag des Treffens kodifizierten die Delegierten von Bretton Woods einen Regelkodex für das Weltfinanzsystem und beriefen sich auf die Weltbankgruppe und den IWF. Da die USA mehr als zwei Drittel des Weltgoldes kontrollierten, würde sich das System im Wesentlichen auf Gold und den US-Dollar stützen. Richard Nixon schockierte jedoch die Welt, als er im August 1971 den Goldanteil aus dem Bretton-Woods-Pakt herausnahm.
Sobald das Bretton-Woods-System in Betrieb war, kritisierte eine Reihe von Leuten den Plan und sagte, dass das Bretton-Woods-Treffen und die nachfolgenden Schöpfungen die weltweite Inflation förderten.
Neuer "Bretton Woods Moment" ruft Bedenken hervor
Georgiewa's Aussagen haben die Befürworter einer freien Marktwirtschaft besorgt. Die jetzt schon extrem lockere Geldpolitik würde mit der neuen Strategie des IWF zur zunehmenden Entwertung der Fiat-Währungen beitragen und die Schuldenberge der Regierungen rund um die Welt weiter erhöhen. Auch befürchten Kritiker, dass mit der angestrebten Zentralisierung eine grosse Veränderung und möglicherweise eine finanzielle Neuausrichtung bevorsteht. Der Umstand dass zukünftig Zentralbanken mit digitalem Geld (CBDCs) direkt in das Geschehen eingreifen könnten, lässt nebst dem befürchteten Kaufkraftverlust auch Bedenken um den Datenschutz aufkommen.
Auch ist der Zusammenhang zur Corona-Pandemie nicht für alle schlüssig. Einige Dinge, die Georgiewa in ihrem Plan erwähnt, haben wenig bis gar nichts mit der jüngsten Krise zu tun. Es wird dem IWF deshalb auch vorgeworfen, die Pandemie als Sündenbock für weitere Kreditexpansion und Inflation zu missbrauchen. Als Schutz vor der drohenden Geldentwertung könnten Gold, Bitcoin und andere im Angebot limitierte Vermögenswerte also zunehmend in den Fokus der Anleger treten.