Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03148.jsonl.gz/2574

Wir alle zerbrechen uns zuweilen den Kopf über die Frage: Tue ich das Richtige im Leben? Eine sehr berechtigte Frage. Denn wir haben viel Energie und Ressourcen zur Verfügung, die gut einzusetzen sich lohnt.
Der Achtsamkeitspionier Jon Kabat-Zinn stellt in einem Kapitel seines Buches "Im Alltag Ruhe finden" die Frage ins Zentrum, was denn unsere Aufgabe auf diesem Planeten ist. Für Lebenssituationen, wo uns tiefe Zweifel zusetzen, finde ich Kabat-Zinns Antworten sehr geeignet.
Geschildert wird der Fall des amerikanischen Architekten und Schriftstellers Richard Buckminster Fuller (1895-1983). Infolge geschäftlichen Scheiterns stand jener als junger Familienvater an der Schwelle zum Selbstmord. Statt sein Leben zu beenden, beschloss er jedoch, fortan so zu leben, als wäre er in jener Nacht gestorben. Buckminster Fuller sah sich von nun an als "Repräsentant des Universums". Fragte sich jede Stunde, was nur er tun könnte, was an Wichtigem ohne ihn nicht getan werden würde. Dies führte ihn u.a. zu wegweisenden wissenschaftlichen Annahmen bezüglich der Vernetztheit von Formen und Funktionen in der Natur, welche später von der Chemie bestätigt wurden.
Authentisch sein - jedes Original ist besser als seine Kopie
Kabat-Zinn flicht ein Zitat des amerikanischen Gründervaters Ralph Waldo Emerson in seinen Text ein:
"Beharre auf dir selbst; ahme niemals nach. Deine eigene Gabe kannst du jederzeit mit der gesammelten Kraft der Kultivierung eines ganzen Lebens darbieten; das angenommene Talent eines anderen aber gewährt dir nur einen unvorbereiteten halben Besitz ... Tue das, was dir zugewiesen ist, und du kannst nicht zu viel erhoffen, nicht zu viel wagen."
Buckminster Fuller widmete sich in seinem "zweiten", quasi geschenkten Leben radikal seiner Aufgabe auf dem Planeten. Dabei vertraute er voll auf sein Urteilsvermögen und lebte, da er mit seinen alten Illusionen abgeschlossen hatte, ohne ängstliche Selbst-Verhaftetheit. Das Gute entsprang für ihn nicht aus dem vergleichenden Bestreben, es besser zu machen als andere. Es entstand aus dem Streben nach dem Richtigen, dem Angemessenen und Passenden.
Und davon gab es - und gibt es, für uns alle - eigentlich nur eines, im Hier und Jetzt. Nämlich: Das Original. Das Original ist überzeugender, als jegliche Kopie es sein kann.
Die Creative-Writing-Lehrerin Dorothea Brande greift in ihrem sehr lesenswerten Klassiker "Schriftsteller werden" (1934) immer wieder das Thema Originalität und Authentisch-Sein auf. Sie rät selbst den blutigsten Anfängern des Autorenhandwerks, keinesfalls die grossen Vorbilder - heute wären das die Donna Leons, die Stephen Kings, die Jonas Lüschers - zu imitieren. Sie bringt auch auf den Punkt, warum Epigonen stets nur verlieren können:
"Weil die Männer und Frauen, die diesen (...) zum Vorbild dienen, sich aus einer grossen angeborenen Begabung heraus entwickeln, befinden sie sich natürlich in einem fortlaufenden Prozess des Wachstums und Wandels. Stil und Aufbau ändern sich bei ihnen ständig, und den armen Nachahmern bleibt dann nichts anderes übrig, als immerzu eigentlich bereits Veraltetes zu kopieren."
Wer nachahmt, hinkt dem Geschehen ständig nur hinterher.
Natürlich, auch für den Authentischen ist letztlich nicht klar, was er bewirken kann. Alles, was er tun kann, ist Sämchen zu säen. Was aus unseren tiefsten Handlungen erwachsen wird, wissen wir nicht. Wir können es gar nicht wissen.
Unser Lebenstil, unsere Leiden, unsere Zweifel
Sind Worte wie jene Emersons oder Brandes nicht mitfühlend und tröstlich für uns, die wir mitunter einem verunsicherten und ständig vergleichenden, auf Äusserlichkeit fixierten Lebensstil zum Opfer fallen? Die obgenannten Autor/innen reden uns diesbezüglich ins Gewissen. Sie sprechen uns auch aus der Seele, indem sie Leiden an Nichtigkeit und ständige Sorge ernstnehmen. Aber sie beziehen auch klar gegen die Maskeraden Position.
Wer das echte Leben, das Original, wählt, wird es wohl nicht einfacher haben als der Mitläufer - aber er hat dafür das Leben, welches ihm zugedacht ist.
Inspirationen für den Alltag
Was können wir, gemäss eigener Einschätzung und hoffentlich auch Wertschätzung, wirklich gut?
Dorothea Brande schlägt vor, unsere selbst verfassten Texte so lesen, als hätte sie ein Freund geschrieben. Wie die Texte zu beurteilen sind und was die weitere Bearbeitung lohnt, sollten wir mit der gleichen Haltung angehen.
Es ist ratsam, in grösseren Zusammenhängen zu denken. Als Verfasser dieses Blogposts kenne ich meine Funktion fürs Grössere nicht. Wie die Biene, die bloss Honig herstellen will, deren Handeln aber die Funktion erfüllt, Pflanzen zu bestäuben, habe ich keinen Einblick in den weiteren Sinnzusammenhang meines Beitrages. Wichtig ist deshalb: Um unsere Aufgabe aus einer breiten Perspektive zu sehen, sollten wir uns nicht mit "Ich" und den zugehörigen Vorstellungen identifizieren.
Lösen sollten wir uns auch von Vorbildern und Moderscheinungen. Es ist tausendmal besser, sich auf seine eigenen Quellen, auf seine eigenen Erfahrungen, auf seine eigenen Gedanken zu basieren. Holen Sie sich die Inspirationen aus Ihrem Tagesablauf, Ihrer Geschichte und Ihrem Umgang damit (egal, ob Ihre Storys nun wahr oder erfunden sind!), aus Ihrem Leiden, Ihrer Weisheit, Ihren Irrtümern, Ihrem Beziehungsnetz, Ihrer Ästhetik und Ihrem Stil.
Auf solche Weise können wir unseren Beitrag in einer Ganzheit und Lebendigkeit erbringen, welche ihresgleichen nie finden werden. Vorausgesetzt, wir nehmen unsere Aufgabe auf diesem Planeten an. Ja, hierbei ist in der Tat der Aspekt des Akzeptierens wichtig.
Halten wir inne, um zu fragen: "Ist, was ich tue, wirklich MEIN Beitrag auf dieser Welt, meine Aufgabe auf diesem Planeten?"
Bedenken wir: Was ist ein GUTER Beitrag? Doch sicher ein Beitrag, der Weisheit und Mitgefühl bei mir und allen anderen fördert. Ein Beitrag, bei welchem ich authentisch, mutig und gut zu mir selbst sein kann. Also MEIN Betrag.
Was war der persönliche Wendepunkt im Leben des Schreibenden? Dieser muss sich vor 14 Jahren, um meinen 30sten Geburtstag herum, ereignet haben. Es war an der Zeit, dass ich, als innerlich veranlagter Mensch, auch ein innerliches Leben wählte, in welchem es um Intuitionen und tiefe Zusammenhänge geht. Was war ich, was bin ich? Eher Mönch, Seelsorger, Dichter oder Philosoph? Eher Erfinder, Lehrer oder Unternehmer mit postmaterialistischer Ideologie? Oder von alledem ein bisschen?
Was ist die Quelle eines solchen Umbruchs? Schauen wir uns den Werdegang der Kreativitätslehrerin Julia Cameron an, welche in meinen Schreibangeboten aktuell eine Rolle spielt: "Not, nicht Tugend, steht am Anfang meiner Spiritualität", sagt Cameron. 1978, als sie Dreissig war, schwor sie dem Alkohol und den Drogen ab.
Geneigte Leserin, geneigter Leser: Was ist Ihre Not? Aber auch: Was macht Ihnen Freude? Womit können Sie Freude machen und Leiden lindern, bei sich selbst und bei Anderen? Womit tun Sie wirklich etwas, das Ihnen und Anderen gleichermassen guttut?
Mein Angebot
An diese Gedanken knüpfen meine Angebote im Bereich "Coaching" an. Die Devise lautet: Kräfte bündeln! Ich stehe dafür ein, Ihre Perle mit Ihnen reifen zu lassen und sie gemeinsam mit Ihnen zu bergen. Ihre Perle, ja, das ist auch Ihr Beitrag für die Welt.
"Achtsamkeit" kann helfen, um Erfahrungen von Wert und Aufschluss zu machen. Tief, bleibend, ehrlich, authentisch. Aktuell steht das Thema "Für sich selbst sorgen" im Vordergrund. Wer einen Beitrag leisten will, muss Selbstfürsorge "können".
Das Schreiben wiederum trägt bei zur Versprachlichung und hält Prozesse und Produkte fest. Stoffe sollen kommunizierbar, objektivierbar, teilbar gemacht werden. In meiner nächsten Schreibwerkstatt steht Julia Camerons Beitrag zum Kreativen Schreiben auf dem Plan. Es geht um die Hilfe, die dieses Schreiben für Spiritualität und kreative Deblockierung bietet. Das Motto hierbei: Jetzt tätig werden statt weiter zuwarten.