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Seit einigen Jahren ist Manchester United nicht mehr das, was es einmal war. Grund dafür sind nicht nur die Spieler, die auf dem Platz stehen, sondern auch ein irischer Geschäftsmann, zwei geldversessene Investoren und ein Pferd.
In England kursiert zurzeit das Gerücht, der Traditionsverein Manchester United könnte an den umstrittenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman verkauft werden. In Manchester würde man sich wohl trotz der Kritik am Prinzen darüber freuen, denn die aktuellen Besitzer haben dort kaum Freunde. Die Fans der «Red Devils» wünschen sich seit Jahren, dass der Klub neue Eigentümer findet. Seit 2005 gehört der Verein den Glazers, einer Investment-Familie aus den USA.
Angefangen hat alles mit einem Pferd. Der «Rock of Gibraltar» ist ein irisches Rennpferd, das kurz nach der Jahrtausendwende seine grössten Erfolge feierte. Es wird 2002 zum europäischen Pferd des Jahres gekürt und ist gleichzeitig Mittelpunkt eines Rechtsstreits zwischen Manchester Uniteds Trainer Sir Alex Ferguson und dem Hauptaktionär des Klubs, John Magnier. Die Frage, wer der Besitzer des Pferdes ist, klärt sich im März 2004, als Ferguson von Magnier 2,5 Millionen Pfund in Abfindungszahlungen erhält. Die einst freundschaftliche Beziehung der beiden leidet stark unter dem Gerichtsprozess.
Buchhalterische Tricks
Infolgedessen versucht Magnier den Erfolgstrainer Ferguson in Manchester loszuwerden. Der Vorstand des Vereins will dies jedoch mit allen Mitteln verhindern und begibt sich auf die Suche nach neuen Investoren, die dem einflussreichen Magnier die Stirn bieten können. Zur selben Zeit ist der Amerikaner Malcolm Glazer zusammen mit seinem Sohn Avram Glazer auf der Suche nach einem Investment im europäischen Fussball. Mit Hilfe des Investmentbankers Ed Woodward (der heutige Geschäftsführer bei Manchester United) steigt die Familie bei Manchester United ein.
Bereits im Mai 2005 haben sich die Glazers über 75% der Klubaktien erkauft und nehmen den Verein von der Börse. Ferguson bleibt Trainer.
Wieso sich die Anhänger der «Red Devils» nicht freuen? Weil sich durch die Übernahme bei Manchester United ein riesiger Schuldenberg anhäuft. Die Glazers bezahlen nämlich nur die ersten paar Prozent der Aktien aus der eigenen Tasche. Sobald sie genügend Macht besitzen, nehmen sie Darlehen auf, die durch das Vermögen des Klubs gesichert sind und bezahlen damit den Rest der Übernahme. Von den 800 Millionen Pfund, die der Verein kostet, ist nun ein grosser Teil in der Vereinsbuchhaltung unter «Verbindlichkeiten» zu finden. Der Klub, der so lange Schuldenfrei war, muss plötzlich über 130 Millionen Franken Zinsen pro Jahr bezahlen und steht am finanziellen Abgrund.
760 Millionen Franken Schulden
Die Fans gehen auf die Barrikaden und hartgesottene Gruppierungen gründen einen eigenen Verein, den F.C. United of Manchester. Am Erfolg ändert sich vorerst nichts, bis im Jahr 2009 ein gewisser Cristiano Ronaldo nach Real Madrid verkauft wird, damit der Verein nicht noch tiefer in die Schuldenfalle gerät. Ein Schlag, von dem sich der Klub nie richtig erholt hat, wie einige United-Fans behaupten.
2013 verlässt Sir Alex Ferguson den Verein und stürzt den englischen Rekordmeister auch in eine sportliche Krise. Zurzeit sind die Red Devils in der Premier League – die sie seit Fergusons Abgang nicht mehr gewinnen konnten – im achten Rang klassiert. Der Schuldenberg beträgt dem «Daily Mirror» nach 760 Millionen Franken. Durch Dividendenauszahlungen und kleineren Aktienverkäufen haben die Glazers alleine in den letzten zwei Jahren über 160 Millionen Franken verdient.
Trotzdem ist United immer noch einer der wertvollsten Klubs der Welt
Alles scheinen die Amerikaner jedoch nicht falsch zu machen. Das «Forbes Magazine» bewertet Manchester United derzeit auf 4,8 Milliarden Dollar – einiges mehr, als der Verein im Jahr 2005 wert war. Geschäftsführer Ed Woodward verglich den Klub einst mit einem Haus, in dem eine sehr reiche Person wohne, die immer noch reicher werde. Die Schulden des Vereins seien wie die Hypothek auf dieses Haus anzuschauen.
Die Anhänger der «Red Devils» würden ihm wohl gerne ans Herz legen, dass all das viele Geld vielleicht besser in eine Komplettsanierung des Hauses fliessen sollte, anstatt immer weiter in die eigene Tasche zu wirtschaften.