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Erinnern Sie sich noch an die autonomen Fahrzeuge, die zwischen 2016 und 2018 durch die Stadt Sitten fuhren? Diese fahrerlosen Shuttles wurden weltweit getestet. Die technologischen und technischen Ergebnisse wurden umfassend erforscht. Der menschliche Faktor, also die Bediener/innen und Techniker/innen, wurde nur wenig dokumentiert. Jakub Mlynar, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Informatik der HES-SO Valais-Wallis, erhielt eine sehr ambitionierte Spark-Förderung von der Schweizerischen Nationalstiftung für Forschung. Er arbeitet in der Human-Centered Computing Group und beschäftigt sich mit der Mensch-Maschine-Interaktion. In einer Zeit, in der die Frage gestellt wird, ob Menschen durch künstliche Intelligenz ersetzt werden können, erscheint diese Art der Forschung unverzichtbar.
Automatisierte Fahrzeuge wurden als Technologie gelobt, die den Verkehr und die Organisation des städtischen Lebens tiefgreifend verändern kann. Zwischen 2016 und 2022 fanden laut Bundesamt für Strassen zehn Pilotversuche mit autonomen Fahrzeugen für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz statt. Obwohl die Pilotversuche sehr nützliche Ergebnisse liefern, geben Berichte und Publikationen meist wenig Aufschluss über das praktische Wissen und die qualifizierten Fähigkeiten, die die Teilnehmer/innen entwickelt haben. Tatsächlich lösten die Betreiber/innen und Techniker/innen, die die Tests auf der Strasse durchführten, technische und soziale Probleme und leiteten Fahrgäste oder andere Personen auf öffentlichen Strassen im Umgang mit den Shuttles an.
Das Spark-Projekt versucht, die identifizierten Lücken zu schliessen und die Einzelheiten dieses informellen Wissens und der Fertigkeiten zu untersuchen. Dieses Wissen, das von einer impliziten Ressource zu einem expliziten Thema übergeht, wird im Nachhinein von den ehemaligen Teilnehmer/innen an autonomen Fahrzeugtests gewonnen. Durch die Sammlung der «Mündlichen Geschichten» aus diesen Tests sollen die sozialen Implikationen automatisierter Mobilität und künstlicher Intelligenz erforscht werden, indem verstanden wird, wie ehemalige Teilnehmer/innen über die Organisation der Pilotversuche und ihre eigene Beteiligung an diesen Versuchen berichten.
Mit Hilfe zahlreicher Videoaufnahmen während der Tests werden die sozialen Interaktionen zwischen den Betreiber/innen und den Fahrgästen dokumentiert. Diese Aufnahmen zeigen auch, dass die Reichweite der Fahrzeuge relativ ist, da von den Betreiber/innen wichtige Arbeit geleistet wird, insbesondere um den Nutzern die Funktionsweise der Fahrzeuge verständlich zu machen. Daher werden Interviews mit Techniker/innen, Ingenieur/innen und Betreiber/innen durchgeführt, um die praktischen und sozialen Kenntnisse zusammenzutragen, die bei den bereits vor einigen Jahren durchgeführten Tests angewandt wurden. Ihr Gedächtnis wird durch die Betrachtung von Ausschnitten aus den Aufnahmen wiederbelebt, und ihre Erfahrungen werden die soziale Geschichte der Technik bereichern, um beispielsweise die erzielten Fortschritte zu vergleichen. Diese innovative Methodologie, die auf Erfahrungen basiert, die fünf Jahre oder älter sind, ermöglicht es, Forschungsfragen aus einem reflexiven und narrativen Blickwinkel zu betrachten. Diese mündliche Geschichte versucht, die Vergangenheit zu analysieren und zu verstehen, wie diese Erfahrung die gegenwärtige Identität und den Bezug der Befragten zu Technologien geformt hat. Die Spark-Finanzierung ist für weniger konventionelle und risikoreichere Projekte bestimmt. Wenn man über die Auswirkungen vergangener Mensch-Maschine-Interaktionen nachdenkt, kann man sich vorstellen, wie man es in der Zukunft besser machen kann. Remembering the future ist der Name für dieses Projekt.
Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist nicht technologischer, sondern menschlicher und sozialer Natur. Es geht darum, das Wissen vor dem Vergessen zu bewahren, es explizit und für alle Beteiligten zugänglich zu machen. Es geht darum, zu verstehen, wie die Fahrer/innen diese Tests mit autonomen Fahrzeugen im Hinblick auf die Arbeitsroutine durchführen. Das «Insiderwissen» wurde von den Menschen während des Tests erworben, aber es wurde mit Sicherheit nicht in die offiziellen Berichte aufgenommen. Entscheidend ist, zu verstehen, wie sich dieses Wissen entwickelt und verändert hat und wie es an die neuen Teilnehmer/innen weitergegeben und gelehrt wurde, die für diese Tests rekrutiert wurden. Dies wird dazu beitragen, Wissen zu formalisieren, von dem andere profitieren könnten. Unter anderem durch das Netzwerk SAAM (Swiss Association for Autonomous Mobility) und die öffentlichen Verkehrsbetriebe Bernmobil und PostAuto können die Ergebnisse geliefert und verwertet werden.