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Das Ikonenfresko
an der Außenwand der Walter-Nigg-Bibliothek
Das Institut für Ökumenische Studien hat Haus auf dem Grundstück des Foyer St-Justin, Rte du Jura 11, 1700 Fribourg, gemietet, in dem anfänglich die Bibliothek des reformierten Pfarrers und Hagiographen Walter Nigg untergebracht war. Das Haus beherbergte die Gäste des Instituts und dient als Versammlungsraum für Sitzungen und kleinere Tagungen.
Im Sommer 2010 hat der rumänische Ikonenmaler Gabriel Solomon aus Cluj die Walter-Nigg-Bibliothek mit einem großen Ikonenfresko gestaltet. Nun entspricht der Bibliothek zu den Heiligen im Inneren des Hauses auch ein Bild der Gemeinschaft der Heiligen im Himmel und auf Erden an der Außenwand.
Dargestellt ist die Heilsgeschichte von der Vertreibung aus dem Paradies bis zum himmlischen Paradies. Im Zentrum steht die Gottesmutter Maria als lebenspendende Quelle, weil sie uns Christus, den Erlöser geschenkt hat. Aus diesem lebendigen Wasser schöpft die Gemeinschaft der Glaubenden, exemplarisch repräsentiert durch verschiedene Gestalten, die zum Leben und zur Sendung der Kirche gehören:
Auf der linken Seite:
- der heilige Bischof Nikolaus von Myra, Patron der Stadt Freiburg; er schöpft für den Kranken, der vor dem Brunnen liegt und das Wasser nicht aus eigener Kraft erreichen kann
- Bruder Niklaus von Flüe, Patron der Schweiz
- der hl. Sergij von Radonezh, der Begründer des russischen Mönchtums
hinter dem Fenster: Sergij Bulgakov (1871-1944), russischer Ökonom und Theologe, der die Gesamtgestalt der Darstellung durch seine Sophia-Theologie wesentlich inspiriert hat.
Auf der rechten Seite:
- die hl. Katharina von Alexandrien
- Platon
- Aristoteles
- der Kaiser, der nach der Legende die 50 besten Philosophen seines Reichs einladen ließ, um gegen Katharina zu disputieren; als sie die Christin nicht widerlegen konnten, ließ der Kaiser sie verbrennen und Katharina durch das Rad hinrichten. Auf der Fribourger Darstellung öffnet der Vertreter der öffentlichen Ordnung den Raum für den Disput über weltanschauliche Fragen. Der Blick des Kaisers ist auf das Lamm im Himmel gerichtet, den wahren Herrscher der Geschichte. Kaiser und Philosophen haben vor dem Geheimnis des Glaubens die Insignien ihrer Macht abgelegt.
Auf der Darstellung gibt es keine trennenden Mauern. Himmel und Erde wirken zusammen zum Heil der ganzen Schöpfung. Der obere Teil des Freskos nimmt die Motive der Offenbarung des Johannes auf, des letzten Buches der Bibel: Das Lamm repräsentiert Christus, der mit den Engeln und Heiligen für die Vollendung des Reiches Gottes im Neuen Jerusalem wirkt. Die Ikone der Sophia, der Weisheit Gottes, zeigt die Braut des Lammes, die erlöste Schöpfung, die im Heiligen Geist die Person gewordene Gemeinschaft der Erlösten darstellt.
Johannes der Täufer zur Linken der Sophia verkündet eine Botschaft aus den alttestamentlichen Weisheitsbüchern:
Sapientia aedificavit sibi domum,
excidit columnas septem.
Attingit a fine usque ad finem fortiter,
et disponit omnia suaviter.
Hanc amavi, et exquisivi a iuventute mea,
et quaesivi sponsam mihi eam assumere,
O reges populi, diligite sapientiam,
ut in perpetuum regnetis.
Quid est autem sapientia,
et quemadmodum facta sit referam,
et non abscondam a vobis sacramenta Dei,
sed ab initio nativitatis investigabo;
et ponam in lucem scientiam illius.
In deutscher Übersetzung
Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen. (Spr 9,1)
Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All. Sie habe ich geliebt und gesucht von Jugend auf, ich suchte sie als Braut heimzuführen. (Weish 8,1-2)
Ihr Fürsten der Völker, ehrt die Weisheit, damit ihr auf ewig herrscht.
Was die Weisheit ist und wie sie entstand, will ich verkünden, und will euch kein Geheimnis verbergen. Ich will ihre Spur vom Anfang der Schöpfung an verfolgen, ihre Kenntnis will ich verbreiten und nicht an der Wahrheit vorbeigehen (Weish 6,21-23).
Inzwischen ist die Walter-Nigg-Bibliothek als Buchbestand in die Räumlichkeiten der Universität umbezogen und im Raum 6115 des Gebäudes "Miséricorde" untergebracht.
Sie kann dort nach Anmeldung besucht werden: <email-pii>