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«Innovation durch Design»
«Die Suche nach neuen Materialien sowie die Einführung neuer Fertigungsverfahren sind seit jeher eng mit der Geschichte des Designs verbunden.»
Ein 3D-Drucker, eine digitale Zuschneidemaschine, einige Computer, das ist die erforderliche Ausstattung, die Christophe Guberan für seine Versuche benötigt. Alles begann mit etwas, das er als «aktive Materialien» bezeichnet. Dabei handelt es sich um Materialien, die er bestimmten Versuchen unterzogen hat, beispielsweise, indem er Papier mit Wasser und einem einfachen Drucker bedruckt hat. Das Papier nimmt eine bestimmte Form an und wird sozusagen lebendig, daher auch die Bezeichnung «aktives» Material. Hydro-Fold, das war der Name seines Bachelor-Projekts an der Ecal (Kantonale Kunstschule Lausanne), welches für eine grosse Resonanz sorgte. Seitdem entwickelt der Waadtländer Designer Fertigungsverfahren und innovative Materialien, indem er das Potenzial neuer Technologien wie z. B. des 3D-Drucks nutzt. Seine Arbeit, in deren Mittelpunkt die Forschung steht, stützt sich auf die Kooperation mit dem renommierten MIT (Massachusetts Institute of Technology), einem bekannten Bostoner Institut, das sich auf die Bereiche Wissenschaft und Technologie spezialisiert hat. Parallel entwickelt er weiterhin Forschungsprojekte für die Industrie und für verschiedene Marken.
Wir trafen Christophe Guberan in seinem lichtdurchfluteten Atelier, im Herzen eines grossen, ruhigen Parks in Lausanne, wenige Tage vor seiner Abreise nach Boston.
Patricia Lunghi: Wie sind Sie zum MIT gekommen?
Christophe Guberan: Als ich 2012 die Gelegenheit hatte, mein Hydro-Fold Projekt in Mailand vorzustellen, erschienen mehrere Artikel. Ein Professor des MIT ist auf meine Arbeit aufmerksam geworden und hat mich kontaktiert. Er lud mich ein, als selbstständiger Designer mit seinem Labor zusammenzuarbeiten. Heute unterrichte ich ein Semester an der Ecal und ein Semester am MIT, so habe ich die Möglichkeit, auf höchstem Niveau und im optimalen Kontext meiner Forschungstätigkeit nachzugehen.
PL: Erklären Sie uns das Hydro-Fold Projekt und die aktiven Materialien.
CG: Ich mag es, vorhandene Materialien und die Art und Weise, wie diese eingesetzt werden, neu zu überdenken, und das gilt auch für die einfachsten Materialien. Beispielsweise ist bekannt, dass Papier anfällig für Feuchtigkeit ist und mit Wasser reagiert. Doch wie können wir dieses Phänomen kontrollieren? Ich habe versucht, verschiedene Papiersorten mit Wasser zu beschichten, dabei habe ich entdeckt, dass ich, wenn ich eine bestimmte Faltung erreichen möchte, die quasi von selbst ihre Form annimmt, eine bestimmte Menge Wasser an einem bestimmten Punkt des Blattes aufbringen musste. Ich habe also versucht, zu drucken, indem ich das Wasser in die Druckerpatronen gefüllt habe. Ich habe festgestellt, dass sich das Blatt beim Trocknen zusammenzieht und wölbt, so dass Strukturen und Formen entstehen. Das gilt auch für Holz und Textilien. Das sind Materialien, die mich aufgrund der Tatsache faszinieren, dass sie sich von selbst verwandeln, aus einer flachen entsteht eine dreidimensionale Form.
Heute können wir Maschinen und Computer programmieren, was wir jedoch wirklich wollen, ist es, Materialien so zu programmieren, dass sie von selbst eine andere Form annehmen. Wir wissen, dass sich Holz von Natur aus wölbt, wenn es mit Wasser in Berührung kommt, die Idee besteht also darin, die Richtung der Holzfasern mithilfe neuer Maschinen kontrollieren zu können.
PL: Sie forschen viel an Materialien, aber interessieren Sie sich wirklich für den Gegenstand?
CG: Ja, ich liebe den Gegenstand! Ich versuche einfach, die Art und Weise in Frage zu stellen, wie wir ihn herstellen und konsumieren. Meiner Ansicht nach sind diese Aspekte eng mit der Produktion verknüpft. In meinem Konstruktionsbüro gibt es eine Abteilung, die sich ausschliesslich damit befasst, das Material und das industrielle Verfahren zu überdenken und neue Technologien einzusetzen. Zugleich ist es für mich wichtig, die praktische Herstellung des Gegenstandes nicht aus den Augen zu verlieren.
PL: Welche Techniken sind für Sie interessant?
CG: Die Eames haben ihre eigenen Techniken für die Arbeit mit Furniersperrholz entwickelt, das ist faszinierend. Auch wenn sich die Werkzeuge ändern, bin ich der Ansicht, dass ein gutes Design eine Verbindung mit der Produktion, dem Material und der Ästhetik haben muss. Für mich ist die 3D-Technologie Neuland, sie wird hauptsächlich von den Ingenieuren genutzt, was zu einer recht kühlen Ästhetik führt. Aber welche Ästhetik wollen wir mit dieser Technologie erreichen? Darüber hinaus ist für mich die Interaktion mit der Maschine und dem Material entscheidend, ich will nicht die ganze Zeit an meinem Computer sitzen und 3D-Zeichnungen erstellen.
PL: Sie sprechen viel von neuen Fertigungsverfahren, aber wie sehen Sie die Zukunft der Produktion?
CG: Heute – oder in naher Zukunft – wird die Produktion von Gegenständen vollständig umgekrempelt. Wie lange werden wir noch Gegenstände aus Kunststoffspritzguss aus China importieren? Künftig wird sich der Preis der Maschinen ändern und der kontinuierliche Arbeitsfluss mit dem 3D-Druck spielt eine wichtige Rolle. In unserem klassischen industriellen Produktionssystem stellen wir riesige Mengen her. Einer der Parameter der Vollautomatisierung und des 3D-Drucks – wir sprechen von «Digital Manufacturing» – ist die Möglichkeit, lokal zu produzieren, was im Gesundheitswesen bereits der Fall ist. Adidas prüft im Moment die Möglichkeit, regionale Produktionsfarmen einzuführen. In der Lebensmittelbranche sprechen wir viel vom regionalen Konsum, jedoch müssen wir auch bei der Herstellung von Gegenständen an den Begriff der Nähe denken.
PL: Können Sie uns das Konzept «neue Werkzeuge für neue Generationen» erklären?
CG: Es geht darum, zu verstehen, wie man die neuen Technologien in die Arbeit integriert und wie man diese als Kommunikationswerkzeug nutzt. Für mich ist es wichtig, dass die Menschen Zugang zu Informationen haben. Die neuen Medien sind eine weitere Möglichkeit, Informationen zu verbreiten: ich habe eine Idee, ich habe die Maschinen, um diese umzusetzen, ich erstelle einen Film, um den Prozess zu zeigen, und ich verbreite diesen Film über das Internet. So habe ich auch das Video gepostet, in dem das Bedrucken eines Papierblattes mit Wasser gezeigt wird, welches sich beim Trocknen in eine 3D-Struktur verwandelt. Diese Sequenz wurde auf zahlreichen Blogs und Websites übernommen, sie wurde von vielen gesehen, auch von den Marken, die mich für Forschungsprojekte kontaktiert haben. So wurde ein Professor des MIT auf mich aufmerksam. Und ich habe keine Angst vor Nachahmern, da alle meine Technologieprojekte mit dem MIT verbunden sind und unter den Schutz des geistigen Eigentums fallen.
PL: An welchen Projekten arbeiten Sie im Moment?
CG: Das Projekt Aktive Textilien bietet eine Alternative zur klassischen Schuhproduktion, und zwar über den 3D-Drucker, hier werden 3D-Druck und Textilien in einem Projekt kombiniert. Dieses Projekt hat mir verschiedene Kooperationen ermöglicht, vor allem mit der Designerin Camille Kunz für ein Projekt mit einer berühmten japanischen Modedesignerin. Ich arbeite an einem Prototyp eines Schuhs, der ebenfalls flach produziert wird, und es laufen mehrere andere Projekte, vor allem mit Sportartikelmarken. In diesem Gebiet gibt es ein enormes Entwicklungspotenzial, aber ich kann nicht mehr darüber erzählen oder die Marken nennen. Selbst wenn ich kein Modedesigner bin, gefällt mir die Arbeit an Projekten, Kleidungsstücken oder Schmuck, die mit dem Körper interagieren.
Christophe Guberan
Christophe Guberan ist ein 32-jähriger Produktdesigner mit Sitz in der Schweiz. Seine Arbeit ist das Ergebnis von Materialtests und Beobachtungen. Dieses Interesse begann bereits während des Studiums der Architekturzeichnung und wurde als Industriedesigner an der Ecole cantonale d’art de Lausanne ECAL weiter gepflegt.