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Enrique Beck war Lyriker und machte als Übersetzer des spanischen Lyrikers und Dramatikers Federico García Lorca dem deutschsprachigen Publikum dessen Gedichte und Theaterstücke zugänglich. Beck lebte von den 1960er-Jahren bis zu seinem Tod 1974 in Riehen.
Sohn des Carl Beck (Lehrer, Wirtschaftsprüfer) und der Hedwig, geborene Meyer. Heirat 1960 mit Ines Leuwen (Sängerin).
Enrique Beck wurde am 12. Februar 1904 in Köln geboren und wuchs als Einzelkind in Hannover auf. Nach der Lehre als Kaufmann arbeitete er in verschiedenen Druckereien und schrieb Theaterrezensionen. Ab 1927 war er als selbstständiger Werbeberater in Hannover, Köln und Berlin tätig.
Daneben war Beck politisch aktiv: Als Mitglied der Widerstandsorganisation Komitee für proletarische Einheit in Hannover drohte ihm nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten die Verhaftung. Er flüchtete 1933 in die Schweiz. Hier gewährte ihm die Fremdenpolizei jedoch kein Aufenthaltsrecht. Die Tochter des Konsuls der Spanischen Republik verhalf Beck zu einem Visum, das ihm 1934 die Weiterreise nach Barcelona ermöglichte.
In Barcelona arbeitete Beck zuerst als mobiler Zeitungsverkäufer, später vertrieb er an einem eigenen Verkaufsstand antifaschistische Literatur.
Damals lernte Beck die Gedichte des Lyrikers und Dramatikers Federico García Lorca kennen und begann, diese in die deutsche Sprache zu übertragen.
Im Juli 1936 brach der Spanische Bürgerkrieg aus. Beck stand als Mitglied des Internationalen Antifaschistischen Emigrantenkomitees (Comité Internacional de Emigrados Antifascistas Cidea) und der Anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT auf der Seite der Republikaner. Deshalb wurde er mehrmals inhaftiert. Die Bekanntschaft mit dem spanischen Innenminister, dem Sozialdemokraten Julián Zugazagoitia, verhalf ihm nach einem ersten missglückten Versuch 1937 im Februar 1938 zur Ausreise nach Frankreich. Von dort gelangte er 1938 zurück in die Schweiz, nach Zürich.
In Zürich publizierte die Verlagsbuchhandlung Stauffacher 1938 Becks erste Lorca Übersetzung. Im selben Sommer lernte er die Sängerin und Gesangspädagogin Ines Leuwen (1902–1976) kennen und zog wegen ihr nach Basel. Von der Fremdenpolizei erhielt er eine Toleranzbewilligung, wurde aber mit einem Arbeitsverbot belegt. Zahlreiche Persönlichkeiten, darunter Hermann Hesse (1877–1962) und André Gide (1869–1951), setzten sich mit Empfehlungsschreiben für die Erstreckung von Becks ‹Frist zur Ausreise aus der Schweiz› ein. Aufgrund des Arbeitsverbots war er auf finanzielle Unterstützung von Hilfswerken und Freunden angewiesen.
Neben der übersetzerischen Tätigkeit verfasste Beck auch eigene Gedichte. Seine erste Sammlung ‹Pairi Daëza› entstand 1941. Es folgten die Sammlungen ‹Melete u. Aoide› (1942), ‹Das offene Antlitz› (1943), ‹Mneme› (1944) und das Theaterstück ‹Ithaka›. Nur eine kleine Auswahl von Becks literarischem Werk wurde publiziert.
Erst 1950 erhielt Beck in der Schweiz das Arbeitsrecht. 1954 reichte er bei den Behörden Niedersachsens einen Antrag auf Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts während des Nationalsozialismus ein. Sein Schadenersatzanspruch wurde 1958 in zweiter Instanz gutgeheissen. 1957 hatte Beck in der Schweiz bereits einen ersten Antrag auf Einbürgerung gestellt. Dieser wurde von der Bundesanwaltschaft abgelehnt, da Beck verdächtigt wurde, mit dem Kommunismus zu sympathisieren. Zwei Jahre später wurde Beck schliesslich doch noch Basler Bürger. Nach seiner Einbürgerung zog er mit Ines Leuwen zusammen an den Klingentalgraben in Basel. Sie heirateten 1960.
Ende der 1960er-Jahre zog das Ehepaar nach Riehen an die Rauracherstrasse 42.
Francisco Lorca erklärte Beck am 15. Februar 1946 zum einzig zugelassenen deutschsprachigen Übersetzer des gesamten Werkes seines Bruders Federico García Lorca. Von der spanischen Exilregierung wurde Beck 1955 für seine Lorca-Übersetzungen mit dem Ritterkreuz des Befreiungsordens der spanischen Republik geehrt.
Becks Lorca-Übersetzungen gerieten spätestens ab 1955 in die Kritik. Der deutsche Schriftsteller Rolf Michaelis (1933–2013) bemängelte etwa, dass Beck die Übersetzungen durch eigene lyrische Interpretationen anreichere und so die Sprache Lorcas nicht korrekt erfasse. Darauf begann ein langjähriger Streit um die Übersetzungsrechte.
1970 zeichnete ihn das Land Niedersachsen für sein Werk als Übersetzer mit dem Grossen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens aus. Im Jahr darauf erkrankte Beck an Darmkrebs. Von der operativen Behandlung erholte er sich nicht. Enrique Beck starb am 16. September 1974 in Riehen. Er ist bestattet auf dem Friedhof am Hörnli.
Um Becks Übersetzungswerk und seine Lyrik weiter zu verbreiten und zu pflegen, gründete Ines Leuwen am 17. Juni 1976 die Heinrich Enrique Beck-Stiftung mit Sitz in Basel.
Der Insel Verlag (Suhrkamp) stellte 1998 den Vertrieb von Becks Übersetzungen ein. Die Heinrich Enrique Beck-Stiftung akzeptierte schliesslich – vor Ablauf des Exklusivrechts im Jahr 2006 – die Anfertigung von Neuübersetzungen.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 24.10.2022
Gedichte. Frankfurt am Main 1963.
Das offene Antlitz. Basel 1975 (nicht im Buchhandel).
Heinrich Enrique Beck-Stiftung (Hg.): Über Lorca–Aufsätze und Anmerkungen. In Zusammenarbeit mit Herbert Meier, Ernst Graber. Basel 1981.
Heinrich Enrique Beck-Stiftung (Hg.): Das offene Antlitz, Gedichte und Prosa. In Zusammenarbeit mit Herbert Meier, Ernst Graber. Küsnacht/Zürich 1982. Deutsche Übertragungen der Werke von Federico García Lorca.
Becks Übersetzungen wurden zum Teil in vielfacher Auflage und von verschiedenen Verlagshäusern publiziert. Im Folgenden wird eine Auswahl von Erstausgaben aufgeführt:
Gedichte. Stuttgart 1948.
Bluthochzeit. Wiesbaden 1952.
Die dramatischen Dichtungen. Wiesbaden 1954.
Yerma. Frankfurt am Main 1960.
Die Gedichte. Spanisch – Deutsch. Federico García Lorca. Hg. im Auftrag der Heinrich Enrique Beck-Stiftung, Basel, von Ernst Rudin et al. Göttingen 2008.
Sammlung biographischer Zeitungsausschnitte: 7 Zeitungsartikel.
Caluori, Reto: Enrique Beck. In: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz. Bd. 1. Zürich 2005. S. 140.
Rudin, Ernst: Der Dichter und sein Henker? Lorcas Lyrik und Theater in deutscher Übersetzung, 1938–1998. Kassel 2000.
Rudin-Bühlmann, Sibylle: Enrique Beck. Ein Leben für Garcia Lorca. Zürich 1993.
Spieler, Ulrike: Übersetzer zwischen Identität, Professionalität und Kulturalität: Heinrich Enrique Beck. Berlin 2014.