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V. Bündner Alpen
Drusenfluh, 2835 m. Neuer Weg durch das oberste Drittel der Südwand von der « Terrasse » weg. K. Fritz und H. Sohm, 9. September 1928.
Von der in der Strubichschen Beschreibung erwähnten Terrasse aus erblickt man westlich eine sehr steile, mächtige und auffallende Platte von etwa 30 Meter Höhe, deren oberes Ende von Überhängen überdacht und deren unterer Rand überhängend abbricht. Diese wird in äusserster Ausgesetztheit vom rechten unteren gegen das linke obere Ende bis unter eine Nische gequert, die man zuletzt über einen Überhang und anschliessende kleine Verschneidung gewinnt ( schwierig, in der Nische zwei Haken ). Schwer unter dem Überhang nach links um die Kante zu winzigem Stand auf sehr steiler, griffarmer Platte. 5—6 Meter weiter links springt eine Rippe aus der Platte vor, mit dieser eine kaminartige Verschneidung bildend. Mittels Seilquergang an der glatten Platte schief links abwärts zu schlechtem Stand, auf kleinem Klemmblock in der Verschneidung. In dieser etwa 6—7 Meter sehr schwer hinauf, bis wieder ein kleiner Klemmblock dürftigen Stand gewährt ( Hakensicherung ).
Von diesem Klemmblock mit Hilfe eines kleinen, schief in die Rippe eingeschnittenen Spaltes nach links um die Rippe auf ein kleines Köpfchen; hier ist die grösste Ausgesetztheit überwunden. Durch kurzen, glatten Kamin gerade hinauf und weiter auf eine steile Geröllterrasse am unteren Ende einer Steilschlucht. In dieser Schlucht in brüchigen Kaminen empor bis zu mächtigen Überhängen. Über eine auffallende, glatte Platte nach links um eine Kante in eine Parallelschlucht. In dieser wieder 50 Meter empor bis zu Überhängen; unter diesen oberhalb eines abgespaltenen Turmes auf Geröll etwa 40 Meter nach links und durch Kamine empor zum Gipfelgrat, den man eine schwache Seillänge nördlich der Südabstürze von Westen erreicht. Weiter leicht zum Gipfel. Äusserst schwierig und ausgesetzt. 36. Jahresbericht des Akadem. Alpenklub Innsbruck 1929.
Piz Flaig, zirka 3400 m. Leopold Landl, Eduard Brückner, Hans Schutovits und Karl Zehethofer. 13. Juli 1927. Dieser « Piz Flaig » ist ein Punkt im Hauptkamm P. 3 Morteratsch-Piz Misaun. Drei Grate stossen hier zusammen und bilden einen unkotierten hübschen Gipfel. Österr. Alpenzeitung, September 1929.
So sehr wir Flaigs Buch über die Schönheiten der Berninaberge achten, so lehnen wir Schweizer grundsätzlich im Einverständnis mit der Eidgenössischen Landestopographie in Bern solche Gipfeltaufen ab. Ganz abgesehen davon kämen Namen wie Coaz, Held, Grass und Klucker lange vor dem Namen Flaig. Will man Flaig ehren in dieser Weise, dann geziemt es sich, eine Spitze im Vorarlberg für ihn auszusuchen. Dort ist das Zentrum seiner Tätigkeit.
Piz Glttschaint, 3600 m. Erste Besteigung über die italienische Seite. Alfredo Corti und Bruno Sala. 7. September 1909. Rivista Mensile 1929, S. 83.
Cima di Vazzcda, 3308 m. Erste Ersteigung durch die Nordwestwand und über den Südwestgrat. Aldo Bonacossa und P. Orio. 26. Juni 1927. Alpine Journal 1928, S. 169.
Punta Bertoni, 2805 m ( Albigna ). Erste Besteigung über den Nordgrat und Begehung zum Pizzo Camerozzo, 2876 m. Vitale Bramani und Manilo Castiglioni. Rivista Mensile 1928, S. 400.
Punta d' Albigna, 2825 m. Erste Erkletterung des Südostgrates und erste Begehung Nordgrat-Südostgrat. Alfred Sommer. 6. September 1928.
Von der Albignahütte auf Route 53 c in die Lücke südöstlich der Punta d' Albigna. Der Grat wird über grosse Blöcke bis zum Anfang des Südgrates begangen. Letzterer führt hier fast senkrecht 30 m empor. Die Route ergibt sich durch folgende Punkte: Am Einstieg Platte mit Riss, der nach links führt; weiter oben zwei Plattenkeile, die vom Grat abstehen und weit voneinander herausragen; dann links ein Riss, der oben einige spärliche Griffe bietet, aber zuoberst durch einen losen Block gesperrt ist.
Vom Einstieg folgt man zuerst dem Plattenriss. Nun gilt es, den Plattenkeil zu erreichen, was sehr schwierig ist, denn die obere Kante liegt sehr hoch versteckt. Ausser diesem Keil ist kein Griff vorhanden. Wenn man die Kante erreicht hat, schwingt man sich hinauf und sitzt darauf. Dann richtet man sich auf, steht auf der höchsten, sehr scharfen Kante des Keiles und sucht den zweiten Keil zu erreichen. Sehr schwierig und exponiert. Nun steht man auch hier auf der Kante, so ist der Weiterweg durch einen Riss gegeben. Diesen Riss benützt man für das linke Bein und Arm. Mit dem rechten Bein und Arm sucht man Adhäsion an den glatten Wänden des Grates. So stemmt und rutscht man exponiert und schwierig hinauf bis unter einen losen Block. Dieser Block bietet dann einige Griffe zum Weiterkommen. Mit äusserster Vorsicht zieht man sich schwierig und äusserst exponiert über den hier im Riss eingeklemmten Block empor. Nun von da weiter dem Grat und einem Couloir folgend direkt zum Steinmann. Zirka 1 Stunde vom Einstieg.
Die Traversierung Nordgrat-Südostgrat ist folgende:
Man verfolgt Route 54 durch das Nordcouloir zum Gipfel. Von da steigt man direkt südlich des Steinmanns durch ein Couloir ab. Hierauf nach rechts auf den Grat, der durch einen Kopf nach Südosten überhängend markiert ist. Von diesem Kopf steigt man in eine enge Lücke ab und erreicht so den eingeklemmten Block ( Abseilstelle ). Durch Abseilen erreicht man in halber Höhe den obern Plattenkeil. Wenn das Seil zu kurz ist, um bis ganz unten zu gelangen, so befestigt man das Seil neuerdings am obern Keil und seilt sich bis zur Platte ab. Schwierig ( siehe auch Aufstieg ). Worauf man leicht die Lücke südöstlich der Punta erreicht.
NB. Ich möchte zwecks besserer Orientierung für spätere Besteigungen in diesem Gebiete vorschlagen, diese Lücke zu benennen, und zwar Bocchetta della Punta d' Albigna oder kürzer Bocchetta della Punta.
Passo di Trubinasca, 2746 m. Variante auf der Nordseite. Alfred Sommer. 12. August 1928.
Von Promontogno zur Alphütte auf Sassforà. Von hier anfangs auf gewöhnlichem Weg bis zur grossen Moräne rechts. Nun verfolgt man ohne Mühe diese bis zuoberst. Man hält nun Richtung Colle del Badile bis kurz unterhalb des Felsspornes, der vom Badile ( Punta St. Anna ) bis weit zum Gletscher hinunter reicht. Nun von da rechts, ungefähr Kurve 2340 verfolgen bis nahe zum Felsrücken des Piz Trubinasca ( Skimann ). Nun diesen Felsrücken sobald wie möglich umgehen, und man gelangt so auf den kleinen westlichen Gletscher. Diesen begeht man auch so hoch als möglich auf dem Plateau, wo fast keine Spalten vorhanden sind. Nach Traversierung desselben erreicht man einen zweiten Felsrücken ( Steinmann ). Nun kann man entweder den Felsrücken direkt über gute, aber steile Felsen erklettern und denselben einige Zeit verfolgen, worauf man in den Nordhang nach rechts quert und so das Schneecouloir erreicht, das zum Pass hinauf führt. Oder man steigt vom Steinmann wenig ab und überschreitet den Felsrücken kurz an seinem Ende über Blöcke. Nun zuerst links dem Felsrücken entlang über Blöcke und Schnee aufwärts Richtung der Felspyramide laut Route 131. Weiter oben hält man besser mehr rechts und kommt dann an den Vereinigungspunkt mit obiger Route. Etwas östlich des « S » des Wortes Passo di Trubinasca. Je nach den Schnee-resp. Eisverhältnissen im Couloir steigt man direkt empor, bei starker Vereisung geht man besser rechts in die Felsen. Auf der Südseite über einige kurze steile Felsabsätze, zuerst links, dann rechts halten, hinunter und weiter laut Route 131.
Piz Val della Neve, zirka 2600 m. Neuer Aufstieg durch die Südostwand und erste Überschreitung Südost-West. Alfred Sommer. 25. August 1928.
Von der Albignahütte auf Route 80 bis in die Mitte der Südostwand. Von da führt ein steiles Grasband nach rechts hinauf, das zum östlichen Ende der unter 80 erwähnten Terrasse führt. Von Anfang an geht es steil über Felsstufen und kurze Grasbänder hinauf. Ungefähr in der Hälfte ist ein grösserer Felsabsatz. Diesen umgeht man rechts leicht absteigend oder links durch einen steilen Riss. Weiter oben ist der Aufstieg gegeben, da man nur noch das Band zu verfolgen hat. Oberhalb ragen einige Felsplatten über die Wand hinaus, und rechts geht es in steilen Plattenwänden hinunter. Nach Erreichen der Terrasse betritt man den Grat und verfolgt diesen, weiter oben steile Absätze, bis zum Gipfel. 1 1/2 Stunden von der Hütte. Mittelschwer.
Für den Abstieg überklettert man die nun folgenden Gipfelzacken. Zur leichtern Überwindung und Sicherung über den ersten Absatz bis zur untern Gratkante benützt man mit Vorteil ein Seil. Vgl. « Die Alpen », 1925, S. 185.
Piz Spazzaealdera, 2474 m. Erste Begehung des Ostgrates und erste Überschreitung Ostgrat-Südgrat. Alfred Sommer. 7. September 1928.
Ago di Sciora, 3201 m. Varianten am Zugang zum Gipfelturm und am Gipfelturm. Alfred Sommer. 2. Oktober 1928.
a ) Von der Albignahütte Route 101 a zur Bocchetta dell'Ago verfolgen bis da, wo die grosse geneigte Platte beginnt. Vom Südende dieser Platte klettert man westlich, links, einen Kamin hinauf. Dieser Kamin ist links von einer Art Felsmauer bis weit hinauf begrenzt, und stellenweise ist die Rinne nach aussen geneigt. Diese verfolgt man in mittelschwerer, stellenweise exponierter Kletterei über einige Absätze hinauf, Richtung Gendarm links der Bocchetta dell' Ago, und gewinnt Route 101 a über einige kurze Bänder leicht rechts aufwärts. Wenn loser Schnee auf der grossen Platte liegt ( siehe Bemerkung im Clubführer, S. 124, 101 a ), so ist es ratsamer, diese Variante zu benützen.
b ) Man verfolgt Route a oder b bis da, wo sich der Riss auf eine kurze Strecke zum wirklichen Kamin vertieft und durch eine Art Felskeil in zwei Spalten getrennt wird. Kurz vor dieser Stelle befindet sich ganz rechts an der Südkante ein kurzer, aber sehr exponierter senkrechter Riss. Mittels eines Spreizschrittes und Seilsicherung gelangt man in den Riss und in schwieriger Kletterei auf den Grat. Diesen bis zur Platte des Gipfelturmes verfolgen.
Nun folgt eine sehr heikle Traverse über das ganze stark geneigte Felsstück nach Norden, links, worauf man die Route a auf einer kleinen Kanzel oberhalb des Kamins erreicht und nun weiter laut Clubführer. Sehr schwierig und nicht zu empfehlen.
Piz Balzetto, 2850 m. Erste Besteigung über den Süd-Südwestgrat und Überschreitung Südwest-Südost. Alfred Sommer. 3. Oktober 1928.
Von der Albignahütte verfolgt man Route 44 zum « Riciöl ». Von da gelangt man über Blöcke und Rasen ganz links haltend zum Anfang des Grates. Dieser Grat bildet eigentlich den Rand in der Fortsetzung zum Piz del Pal, 2624 m. Rechts von diesem Grat befindet sich ein langes Rasencouloir. Letzteres wird an seinem Anfang unter einem Felsblock durch begangen. Aber gleich auf der andern Seite des Felsblockes rechts hinauf. Nun bildet dieser Klotz als Brücke den Zugang zum Grat links. Diesen verfolgen und über plattige Felsen ( nicht zu viel links halten ) zu einem Riss in einem Übergang, diesen hinauf, dann ein schmales Band nach links zu einer Kanzel verfolgen. ( Steinmann mit Karte. ) Alsdann nach rechts und auf den Grat, der das Couloir links begrenzt. Nun in der Fallirne des untern Steinmanns hinauf, bis man eine zweite Kanzel erreicht. Von da, eine von der Wand abstehende Platte benützend, hinauf über eine zirka 3 m hohe Platte in eine kleine Nische. Nun scharf links einer schmalen Leiste über die untere Platte folgend ( siehe obenbis ans Ende.Von da Spreizschritt in einen Riss, auf den Riss, der vorher als Halt den Fingerspitzen diente, stehen und über die obere Platte nach rechts, Süden, traversieren. Hierauf auf die Kante und diese über bessere Felsen verfolgend zu Kanzel III ( Steinmann ). Von da wird der Grat schmal und etwas absteigend in eine Lücke verfolgt. Nun eine Platte zirka 2 m nach links traversieren, bis man zu einem steilen Riss gelangt. Jetzt fast senkrecht und exponiert diesen zirka 5 m langen Riss hinauf auf den Grat. Hier ist der Vereinigungspunkt mit dem Westgrat, der Richtung Albignahütte abfällt. Stets wird der Grat weiter verfolgt bis zum ersten grossen Gendarm. Hier wird der lange Grat das erstemal verlassen. Absteigend nach links zirka 8 m erreicht man eine grosse Platte. Nun gleich rechts in breitem Riss hinauf auf den Kopf der Platte.Von da in grossem Schritt in einen nur einige Zentimeter breiten Riss am Fuss des Gendarms. Dieser Riss nach rechts ( Gratseite ) hinauf direkt unter den Block ( schwierig ). Von da exponiert links hinauf zum Gipfel. Weiter die Gratkante verfolgend in eine kleine Lücke, über Platten, einige schmale Risse benützend direkt auf den nächsten Zacken. Wiederum in eine Lücke und in einem zirka 3 m hohen Riss steil zu den Gipfelfelsen und zum Steinmann.
Vom Gipfel absteigend, verlässt man den Ostgrat nie und erreicht über einige hohe Absätze die Lücke am Westfusse der grossen Zacke ( teilweise Route Rütter-Zuan ).
Diese wird über leichtere Felsen bis zum höchsten Punkt begangen. Einige Meter unterhalb und östlich des Gipfels erreicht man den Grat, der direkt in die Scharte zwischen den beiden Zacken führt. ( Es ist dies die im Clubführer unter 44 anfangs erwähnte Scharte. ) Zuerst ein kurzes Stück den Grat verfolgen, dann etwas rechts ( Süden ) absteigen und sehr steil über Bänder, Risse und Felsstufen möglichst nahe am Grat bleibend hinunter in die Lücke. Auf Route 44 absteigend, gelangt man auf das Plateau von « Riciöl » und auf dem Casnile-passweg zur Hütte. Mitteilungen von Alfred Sommer.
Badile, 3311 m. Nordkante ( 3. Besteigung ). Variante zum Wege L' Orsa-Roch im obern Drittel. P. Castricum und W. Weckerdt. 25. Juli 1927.
Die Sciorahütte wurde um 345 Uhr verlassen. Auch wir stiegen später das sehr brüchige Couloir hinauf. Steil war das nun folgende Schneefeld zum Grat, welchen wir um 615 Uhr erreichten. 645 Uhr begann die eigentliche Gratkletterei. Das Seil der italienischen Filmgesellschaft verleitete uns, in die Nordostflanke hinauszuqueren. Wir kehrten jedoch zum Grat zurück, welchen wir nun, den Rat L' Orsa und Roch befolgend, bis auf zirka 3000 m nicht mehr verliessen. Wir umgingen die nun kommenden Türme auf der Westseite und kletterten etwa 3 Seillängen steil aufwärts, nur wenig vom Grat entfernt. Nach Erreichen der Kante mussten wir nochmals westseitig umgehen, zirka 40 m. Sehr schwer war es, wieder auf den Grat zu kommen. Hier muss nun unsere Route etwas abweichen von dem Weg L' Orsa und Roch. Wir suchten das 10 m lange Band mit kleinem Kamin, fanden es aber nicht. Dagegen führte ein langes Band in die Nordostflanke hinaus ( allerdings sehr schmal ). Wir vermuteten, es sei jenes Band, welches von Risch und Zürcher gebraucht wurde. Dieses Band nun verfolgten wir ( sehr exponiert ) etwa 30 m. Nun über eine senkrechte Verschneidung 20 min die Höhe. Wir standen am Fuss einer sehr steilen Eis- und Schneerinne. In dieser hackten wir fast eine Stunde 40 m hinauf. Zuletzt wurde es ein ziemlich enger Spalt, durch welchen wir uns auf die Gratkante stemmten. Nun hatten wir gewonnenes Spiel, denn die Kante brauchte nicht mehr verlassen zu werden. Um 315 Uhr mittags erreichten wir den Gipfel. Mitteilung von P. Castricum.