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Halten wir im Jahre vier nach dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise fest: die Schweiz hat die Krise ohne grösseren Schaden überstanden. Zweifellos haben auch wir wirtschaftliche Rückschläge hinnehmen müssen. Doch die wirtschaftlichen Kennzahlen sind gut. Sie waren während der akuten Phase der Krise nicht so schlecht wie anfangs befürchtet, und heute sind sie sogar deutlich besser als jene anderer Industrieländer.
Verschuldung
Der Vergleich mit anderen Ländern bringt uns fast in Verlegenheit. Der Bund und die grosse Mehrheit der Kantone haben die Rechnungen für die Jahre 2008, 2009 und 2010 mit beruhigenden Ergebnissen abgeschlossen. Die öffentliche Verschuldung des Bundes hat sich verringert (von 122 Milliarden im Jahre 2008 auf 110 Milliarden im Jahre 2010), ebenso wie diejenige vieler Kantone. Die Eidgenössische Finanzverwaltung geht davon aus, dass die Gesamtverschuldungsquote des Staates (Bund, Kantone, Gemeinden) im kommenden Jahr auf knapp 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gesenkt werden kann.
Demgegenüber können wir täglich lesen, in welch betrüblicher finanzieller Lage sich viele andere europäische Staaten befinden. Was das Verhältnis von Verschuldung der öffentlichen Hand und BIP betrifft, so haben einige EU-Länder die 100-Prozent-Grenze durchbrochen, andere stehen kurz davor, diese Schwelle zu überschreiten. Kaum ein Land liegt unter 60 Prozent, was eigentlich der Maximalvorgabe entspräche, die die EU im ihrer Gemeinschaft zugrunde liegenden Vertrag von Maastricht festgelegt hat. Der Durchschnitt in der EU betrug im Jahr 2010 85 Prozent. Die beiden Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart haben nachgewiesen, dass eine klare Korrelation zwischen hohen Staatsschulden, die 90 Prozent des BIP übersteigen, und reduziertem wirtschaftlichem Wachstum besteht. Bei Schulden in dieser Höhe fressen Zinszahlungen einen Gutteil des Staatshaushalts auf. Einige Länder erreichen diesen Punkt wohl noch im Verlaufe des Jahres (Frankreich 81,7 Prozent, Deutschland 83,2 Prozent), andere haben ihn bereits im vergangenen Jahr überschritten (Portugal 93,0 Prozent, Irland 96,2 Prozent, Italien 118,9 Prozent, Griechenland 142,8 Prozent). Ein EU-Land – Griechenland – hat derweil bereits seinen ganzen Kredit verspielt und ist faktisch insolvent – Kredite erhält es auf dem Markt nur noch zu unerschwinglichen Bedingungen. Griechenland schwebt zwischen der Hoffnung auf partiellen Schuldenerlass und der Aussicht auf neue staatliche Hilfen in Milliardenhöhe – eine unangenehme, mitunter explosive Situation.
Arbeitslosigkeit
Analoge Relationen zu Ländern des Euroraumes kann die Schweiz auch hinsichtlich der Arbeitslosenquote vorweisen. Die Arbeitslosigkeit hierzulande liegt deutlich unter vier Prozent – eine Quote, die in anderen Ländern als Vollbeschäftigung durchgeht. Dies ist deutlich weniger als in den EU-Ländern (Durchschnitt EU 9,3 Prozent, Deutschland 6,0 Prozent, Frankreich 9,5 Prozent, Portugal 12,4 Prozent, Irland 14,0 Prozent, für Griechenland gibt Eurostat keine Zahlen mehr an), und die Tendenz deutet auf eine weitere Senkung hin. Unsere Wirtschaft hat in den letzten Jahren und Monaten Tausende neuer Arbeitsplätze geschaffen. Im Jahre 2008 haben wir erstmals die Zahl von 4 Millionen Arbeitsplätzen überschritten; Anfang 2011 standen wir bei 4,1 Millionen.
Kritiker mögen einwenden, dass diese Zahlen allein nichts da-r-über aussagen, in welchen Bereichen der Wirtschaft die neuen Arbeitsplätze geschaffen wurden – und unter welchen Bedingungen die Arbeitskräfte arbeiten müssen. Aber selbst wenn wir uns an andere Indikatoren halten, ist die Schweiz in einer beneidenswerten Verfassung: die relative Armut, die sich verglichen mit anderen Ländern ohnehin auf einem tiefen Niveau bewegt, hat sich weiter verringert. Der im Mai dieses Jahres publizierte statistische Sozialbericht bestätigt, dass das schweizerische System zur sozia-len Sicherung funktioniert – das Risiko zur «sozialen Ausgrenzung» wird als «gering» taxiert. Die Schweiz kennt kaum soziale Spannungen. Man demonstriert allenfalls gegen die Atomenergie, aber man geht nicht auf die Strasse, weil Hunderttausende arbeitslos sind und weil man sich seiner Zukunftsperspektiven beraubt fühlt.
Halten wir also fest: während das ursprünglich auf mehr Freiheit, Wettbewerb, Mobilität und Flexibilität gegründete amerikanische…