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Sechs Menschen, die in Frankreich freiwillig an einem Test für ein neues Medikament gegen Schmerzen teilgenommen haben, mussten ins Spital gebracht werden.
Pierre-Gilles Edan von der behandelnden Klinik in Rennes sagte, bei dem ersten Probanden, der bereits am Sonntag eingeliefert wurde, seien die Ärzte zunächst von einem Schlaganfall ausgegangen. «Sein Zustand hat sich sehr schnell verschlechtert, heute wurde er für hirntot erklärt.» Bei vier weiteren Patienten bestehe die Gefahr bleibender Nervenschäden. Ein sechster Versuchsteilnehmer hat zwar keine Symptome, ist aber zur Beobachtung im Spital.
Bei den Hospitalisierten handelt es sich um Männer im Alter zwischen 28 und 49 Jahren. Sie gehörten zu einer Gruppe, der das Medikament regelmässig verabreicht wurde. Es war ein Test der sogenannten Phase 1 - dabei wird der Wirkstoff, nachdem er an Tieren getestet wurde, gesunden Menschen verabreicht.
Insgesamt sollten an der Studie 128 Probanden zwischen 18 und 55 Jahren teilnehmen, von denen 90 den Wirkstoff bereits in verschiedenen Dosen einnahmen. Andere der freiwilligen Testpersonen bekamen ein Placebo. Welcher Wirkstoff zum Einsatz kam, blieb zunächst unklar. Aus Ermittlerkreisen verlautete, dass mit dem Medikament Schmerzen, aber auch Stimmungsschwankungen wie Angstzustände behandelt werden können.
Cannabis oder kein Cannabis?
Wie der französische TV-Sender iTELE berichtet, soll es sich um ein Mittel auf Cannabis-Basis handeln, das oral eingenommen wird. Das dementierte Gesundheitsministerin Marisol Touraine.
Die Regierung stufte das Unglück als als das schlimmste dieser Art in Frankreich ein. «Ich kenne keinen vergleichbaren Fall», sagte Touraine an einer Medienkonferenz in der bretonischen Hauptstadt Rennes.
Vorgenommen wurde die Studie bereits seit dem Sommer durch das Forschungszentrum Biotrial für das portugiesische Pharmaunternehmen Bial. Das vom Gesundheitsministerium zugelassene Labor stoppte seine Untersuchungen umgehend. Bial gehört zu den grössten Pharmagruppen Portugals. Der Konzern erklärte am Freitagabend, bei der Untersuchung seien alle «internationalen Praktiken» und geltenden Gesetzesvorgaben beachtet worden. Das Unternehmen zeigte sich bereit, bei den Ermittlungen umfassend zu kooperieren, um die Ursachen für den Zwischenfall zu klären.
Die Ermittlungen leitete die Staatsanwaltschaft in Paris wegen «fahrlässiger Körperverletzung» ein. Die Behörden ordneten ausserdem eine Durchsuchung des Labors an.
Derlei schlimme Pannen wie nun in Rennes geschehen äusserst selten. In einem vergleichbaren Fall waren 2006 in London sechs Männer nach der Teilnahme an einem Medikamententest auf der Intensivstation gelandet. Getestet wurde damals ein Wirkstoff, der gegen Krankheiten wie Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und verschiedene Krebsformen entwickelt worden war. (lex/noo/SDA)Publiziert am 15.01.2016 | Aktualisiert am 15.01.2016