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Kamal S et al, HIV-infected patients’ beliefs about their chronic co-treatments in comparison with their combined antiretroviral therapy, HIV Medicine 2017, DOI: 10.1111/hiv.12542
Die meisten HIV-positiven Menschen nehmen ihre HIV-Medikamente sehr zuverlässig ein und zeigen somit eine gute Therapieadhärenz. Doch wie zuverlässig werden von den Betroffenen nicht-HIV Medikamente (sogenannte Co-Medikamente) wie Blutdrucktabetten, Diabetesmedikamente und Cholesterinsenker eingenommen? Um dieser Frage nachzugehen, haben Forscher aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS) Patienten darüber befragt, wie wichtig sie ihre Co-Medikamente gegenüber ihren HIV-Medikamenten werten. Die Forscher fanden heraus, dass HIV-infizierte Personen ihre Co-Medikamente als weniger wichtig erachten und deshalb auch häufiger vergessen im Vergleich zu ihren HIV-Medikamenten. Was wir daraus lernen sollten, lesen Sie weiter unten.
Um herauszufinden, wie HIV-positive Personen die Wichtigkeit ihrer Co-Medikamente im Vergleich zu ihrer HIV-Therapie einschätzen und wie gut die Therapieadhärenz gegenüber den Co-Medikamenten ist, haben die Forscher speziell entwickelte Fragebögen von 109 Patienten aus der SHCS ausgewertet. Die meisten Teilnehmenden waren männlich und das Durchschnittsalter betrug 56 Jahre. Von den Teilnehmenden gaben 83% an, ihre HIV-Medikamente regelmässig einzunehmen und nur 71% gaben an, ihre Co-Medikation regelmässig einzunehmen. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Die Teilnehmer gaben zudem an, dass sie ihre HIV-Medikamente als wichtiger erachten und weniger Bedenken hätten bezüglich Nebenwirkungen im Vergleich zu ihren Co-Medikamenten. Überraschenderweise waren Personen mit einem tiefen Bildungsgrad eher davon überzeugt, dass die Einnahme ihrer Co-Medikamente wichtig sei im Vergleich zu Teilnehmern mit einem hohen Bildungsgrad. Zudem zeigte sich, dass Personen mit einer hohen T-Helferzellenanzahl ihre Co-Medikamente als wichtiger erachten im Vergleich zu Personen mit einer tiefen T-Helferzellenanzahl.
Zusammengefasst fand die Studie heraus, dass HIV-positive Personen ihre HIV-Medikamente als wichtiger erachten im Vergleich zu ihren Co-Medikamenten. Dies hatte auch eine direkte Auswirkung auf die Therapieadhärenz: die Teilnehmenden der Umfrage nahmen ihre HIV-Medikamente zuverlässiger ein als ihre Co-Medikamente. Die Studie zeigt auf, dass es wichtig ist, dass HIV-Ärzte mit ihren Patienten nicht nur die Therapieadhärenz gegenüber den HIV-Medikamenten besprechen, sondern ihre Patienten auch über deren Meinung und Ängste gegenüber den Co-Medikamenten befragen. Da HIV-positiven Personen ein höheres Risiko für Herzkreislauferkrankungen haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, hat die zuverlässige Einnahme der Co-Medikamente wie Blutdrucktabletten oder Blutverdünner eine grosse Bedeutung zur Erhaltung der Gesundheit.
Kommentar Positivrat
David Haerry
Die HIV-Patienten sind wahre Weltmeister in der Therapietreue. Das zeigt sich auch in dieser Studie. Mit zunehmendem Alter kommen aber weitere Medikamente zur Therapie hinzu. Wir sollten eigentlich in der Lage sein, eine ähnliche Disziplin hinzukriegen wie mit der antiretroviralen Therapie. Langfristig wird sich das auszahlen.
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