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Die Bibel für Einsteiger
Es sollte eine Bibel in heutigem Deutsch geben, so leicht lesbar wie eine Zeitung. Mit diesem Wunsch bat im Jahr 1966 Pfarrer Hans-Ulrich Nübel von der Württembergischen Bibelanstalt Journalisten, das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. Theologen sollten dann die Übersetzung anhand des griechischen Textes prüfen. Vorbild für dieses Projekt war die im selben Jahr in den USA erschienene «Good News Bible». Die deutschen Übersetzer arbeiteten so schnell, dass ein Neues Testament mit dem Titel «Gute Nachricht für Sie − NT 68» bereits im Herbst 1967 erschien.
Mit Kirchensprache nicht mehr vertraut
Bei der Übersetzung wandte man ein neues Prinzip an, auch «funktional» oder «kommunikativ» genannt. Der amerikanische Sprachwissenschaftler und Pastor Eugene Nida begründete in den Fünfzigerjahren diese Methode zwischen wörtlicher und freier Übersetzung. Sie wendet sich an Leser, die mit der traditionellen Kirchensprache nicht mehr vertraut sind. Eine Bibelübersetzung sollte das Zielpublikum einbeziehen, nicht nur den Urtext, forderte Nida mit seiner Theorie.
Urs Joerg erlebte als junger Theologie-Student die Publikation der Guten Nachricht Bibel. «Die erste Ausgabe erschien in einem roten Einband wie die ‚Mao-Bibel’», erinnert er sich. Joerg ist Präsident der Basler Bibelgesellschaft und leitete von 1993 bis 2008 die Schweizerische Bibelgesellschaft als Generalsekretär. «In den Sechzigerjahren versuchte man die Bibel lesbarer zu machen», sagt Joerg. Neben der «Guten Nachricht» erschien schon 1965 in gleicher Absicht die Neu-Übersetzung des Theologen und Publizisten Jörg Zink. Oder ein Neues Testament mit Bildern.
Die beste Übersetzung gibt es nicht
«Die Gute Nachricht Bibel kam bei den Lesern gut an, bei den Wissenschaftlern stiess sie eher auf Ablehnung», sagt Urs Joerg und gibt zu bedenken: «Die beste Bibelübersetzung gibt es nicht. Jede Übersetzung ist eine Umsetzung mit einer bestimmten Färbung, die nicht dem Original entspricht.» Man müsse sich vielmehr überlegen, wer die Bibel lesen soll. Er sei nach wie vor von der Guten Nachricht überzeugt. «Ich empfehle sie zur Lektüre für Einsteiger. Es ist nicht sinnvoll, jemand, der zum ersten Mal die Bibel liest, die Zürcher Bibel zu geben. Vielen verleidet es möglicherweise gleich wieder.»
Erste interkonfessionelle Übersetzung
Die Gute Nachricht unterschied sich nicht nur sprachlich von den traditionellen Übersetzungen. Gemäss der Deutschen Bibelgesellschaft war sie zudem «die erste und bis heute einzige durchgehend interkonfessionelle deutsche Bibelübersetzung». Neben den evangelischen und katholischen Kirchen beteiligten sich auch die Freikirchen daran. Die Gute Nachricht habe den Vorteil, dass sie eine Neu-Übersetzung sei, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft, erklärt Urs Joerg. Diese sei unabhängiger in der Zusammenarbeit mit Partnern, anders als beispielsweise bei einer Revision der Luther-Bibel, wo die Kirche das letzte Wort habe.
Seit der Erstausgabe der Guten Nachricht ist das Alte Testament hinzugekommen und der ganze Text mehrmals überarbeitet worden. Auch das Konzept, die Bibel-Lektüre auf die Bedürfnisse des Publikums auszurichten, entwickelte die Deutsche Bibelgesellschaft weiter. Das spannendste Übersetzungs-Projekt sei zurzeit die Basisbibel, findet Urs Joerg. «Sie ist im knappen ‚Blickstil’ gehalten und in Zeilen aufgebaut. Jede Zeile ist eine Aussage.» Das Spannende daran sei, dass dies den Ursprachen der Bibel erstaunlich nahe komme.
Karin Müller, David Gysel, kirchenbote-online, 22. August 2018