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Jerusalem bedeutet «Stadt des Friedens». Und doch wird seit Jahrhunderten um die Stadt gestritten und gekämpft. Jerusalem gilt als eine der ältesten Städte der Welt, es gibt Spuren von Siedlungen, die über 7000 Jahre alt sein sollen. Die Herrschaft über die Stadt hat oft gewechselt: Immer wieder wurde sie von neuen Herrschern erobert, seien es Stämme wie die Kanaanäer, der jüdische König David, islamische Kalifen oder die christlichen Kreuzfahrer. In der neueren Geschichte war Jerusalem Teil des osmanischen Reiches, kurz unter britischer Kontrolle und seit 1948 teilweise, seit 1967 ganz Teil des Staates Israel. Für die drei grossen monotheistischen Religionen ist Jerusalem von zentraler Bedeutung. Ein Überblick:
Warum Jerusalem für die Juden wichtig ist: Jerusalem wird oft die ewige Hauptstadt des Judentums genannt. Sie wird schon in Tora und Talmud erwähnt, und viele biblische Prophezeiungen richten sich auf Jerusalem. König David eroberte die Stadt etwa 1000 v.Chr. und machte sie zur Hauptstadt seines vereinigten Königreiches wie auch zum religiösen Mittelpunkt. Sein Sohn Salomo baute dort den ersten Tempel als Zentralheiligtum. Er wurde zum Wallfahrtszentrum für alle Israeliten.
Ein zweiter Tempelbau ebendort wurde im Jahre 70 von den Römern zerstört und die Juden aus der Stadt vertrieben. Heute steht nur noch die Tempelmauer, auch Klagemauer genannt. Viele Juden und Jüdinnen besuchen die Mauer und beten dort. Sie erinnern sich hier an ihre Geschichte und fühlen sich Gott besonders nahe. Darum ist Jerusalem bis heute der Mittelpunkt des Judentums. Alle Synagogen und jüdischen Gräber auf der ganzen Welt sind auf Jerusalem ausgerichtet, denn von dort wird auch die Ankunft des Messias erwartet.
Warum Jerusalem für die Muslime wichtig ist: Im Koran wird Jerusalem nie erwähnt. Trotzdem gilt sie als drittheiligste Stadt des Islam – nach Mekka und Medina. Auf Arabisch heisst die Stadt denn auch nicht Jerusalem, sondern al-Quds – das Heilige. Jerusalem gab zu Lebzeiten des Propheten Mohammeds auch die Gebetsrichtung vor, bevor sich die Muslime später nach Mekka ausrichteten. Im Koran heisst es, dass Mohammed in einer nächtlichen Reise von Mekka zu der «am weitesten entfernten Kultstätte» gereist ist. Von dort aus stieg er in den Himmel auf, wo er andere Propheten traf und das Gebet anleitete.
Dieser Ort der Himmelsreise wurde dann von islamischen Theologen als Jerusalem identifiziert, genauer als den Ort, wo noch heute die al-Aqsa-Moschee steht. Sie wurde auf dem Tempelberg gebaut, als Jerusalem unter islamischer Herrschaft stand. Deshalb ist der Tempelberg mit dem Felsendom und der al-Aqsa-Moschee für Muslime und Musliminnen ein besonders heiliger Ort.
Warum Jerusalem für die Christen wichtig ist: Juden und Christen teilen sich die jüdische Bibel, im Christentum oft Altes oder Erstes Testament genannt. Die jüdischen Propheten, die in Jerusalem wirkten, sind also auch für Christen und Christinnen von grosser Bedeutung. Zudem ist Jerusalem der Ort, wohin auch Jesus wallfahrte, wirkte und schliesslich gekreuzigt wurde. Jerusalem wird deshalb im Neuen Testament über 100-mal erwähnt.
Bis heute kann man die angeblichen Wirkungsstätten Jesu besuchen. Zentral ist dabei die Grabeskirche, wo Jesus der Legende nach begraben wurde. Dorthin führt die Via Dolorosa mit verschiedenen Kirchen und Leidensstationen Jesu.