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Das Mikrokreditprogramm wird von Roys Schwägerin Zariya, die in Hambantota wohnt, betreut und ist weiterhin ein Riesenerfolg. Zurzeit sind insgesamt 23 Kredite am Laufen. Darin enthalten ist ein zweiter Kredit für die glücklose Ziegenzüchterin, die ihre Raten bezahlt.
Nicht gerechnet ist der EINZIGE Ausfall, die Witwe, die plötzlich nicht mehr auffindbar war und laut ihren Verwandten in den Emiraten arbeitet.
Chammi ist nach wie vor die herausragendste Geschäftsfrau. Stolz hat sie uns ihren kleinen Laden vorgeführt und erzählt, dass sie eine Vergrösserung plant. Der Laden wird dadurch gerade mal ca. 2 Quadratmeter grösser, wird dann aber ein Schaufenster haben.
Der Vermieter sei einverstanden und würde auf drei Monatsmieten verzichten, da der Umbau seinen Laden aufwerten würde. Am Anfang sei es sehr harzig gelaufen, aber sie habe sich eine Kundschaft aufbauen können und müsse nun mindesten zwei Jahre an dem Standort bleiben, um sich einen Namen zu machen. Danach plane sie, näher in die Innenstadt zu ziehen. Mit unverhohlenem Stolz stellte sie uns den Herrenschneider vor, den sie hatte einstellen können.
Auch Monika, das taubstumme Mädchen, arbeitet nach wie vor bei ihr, von dem zweiten Mädchen habe sie sich trennen müssen, da es sich leider nicht habe verbessern können.
Neben dem Laden versorgt sie ihren alten Vater und ihre 8-jährige Nichte. Ihre Schwester habe eine Stelle in den Emiraten angenommen, weil sie zu Hause kein Auskommen habe. Bei all dieser Arbeit ist Chammi sehr schlank geworden.
Sie trat mit der Bitte an uns heran, ihren Kredit aufzustocken. Sie hat von den 50’000 Rupien bereits 38’ 000 zurückbezahlt, hat aber noch bei der Chamber of Commerce einen Kredit von 100’000, von dem sie 30’000 zurückbezahlen konnte.
Leider müsse sie den Kredit mit 13 % verzinsen und sie bat um die Aufstockung, um diesen Kredit zu tilgen und um von einer Fabrik vorgeschnittenes Material zu beziehen. Mit der Fertigung von Serienprodukten könnte sie ihre Mitarbeiter auch be-schäftigen, wenn die Auf-tragslage schlecht sei.
Wie immer bewies sich Michel als eiserner Hüter des Tsunami Kontos, liess sich aber dann doch erweichen, den Pool weiter aufzustocken, damit Roy Marso die Rs. 70’000 an Chammi auszahlen kann, um den teuren Kredit abzulösen. Auf die weiteren Rs. 18’000 für die Materialbeschaffung wird sie bis Dezember warten müssen, bis die Ratenzahlungen eingegangen sind. Zusammen mit den geschuldeten Rs. 12 000 wird sie damit auf ein Kreditvolumen von Rs. 100 000 kommen, umgerechnet ca. 1000 Schweizer Franken.
Das ist eine verhältnismässig hohe Summe, aber wir sind uns sicher, dass sie bei Chammi bestens angelegt sind.
Drei Frauen konnte bereits ein zweiter Kredit zur Verfügung gestellt werden, weil sie den ersten vollumfänglich zurückbezahlt hatten. Wir haben den Pool aufgestockt und in unserer Anwesenheit wurden sechs weitere Kredite ausgehändigt, zu meiner Freude auch ein Folgekredit an Sifany, die mit ihrer angeschafften Reismühle ein bescheidenes Einkommen für sich und ihre vier Kinder erwirtschaften konnte.
Von eben dieser Sifany berichtete uns Roy in einem E-Mail vor ca. vier Monaten. Sie könnte ihre älteste Tochter „in die Ehe geben“, hätte aber leider nicht die Mittel dazu. Dies ist in der Sri Lankischen Gesellschaft nicht als Betteln zu verstehen, sondern ist Usus. Es gibt hier so viele, die nichts haben, und einige wenige, die sehr viel haben. Es ist üblich, bei Heiraten, Beerdigungen und ähnlichem als Bittsteller an diese heranzutreten und bei gewährter Hilfe wird dies dem Gebenden als Verdienst im nächsten Leben angerechnet.
Den höchsten Verdienst, den ich mir fürs nächste Leben erarbeiten könnte, wäre, als Mann wiedergeboren zu werden!? An dieser Stelle stellen wir immer in den Vordergrund, dass unsere Hilfe nur Dank vieler Freunde in der Schweiz, die uns unterstützen, möglich ist – damit sich auch die Verdienste aufteilen: Wer möchte schon als Mann wiedergeboren werden?
Wir haben Roy gebeten, 200 Franken aus dem Rückzahlungspool zu übergeben – wir würden das Konto bei unserem Besuch wieder ausgleichen.
Der Beitrag hat sich ausbezahlt ! Das Haus war zu den Hochzeitsfeierlichkeiten innen und aussen mit einer etwas aufdringlichen Farbe neu gestrichen worden und neben einem schmucken Schwiegersohn stand auch ein brandneues Tuk-Tuk vor dem Haus.
Dieses Tuk-Tuk wird es möglich machen, dass die Familie endlich in ihr Haus in Siribopura ziehen kann, weil damit die jüngeren Geschwister zur Schule gebracht werden können. Dies war bis anhin nicht möglich, weil Sifany das Geld für die Transportkosten nicht hätte aufbringen können.
In der Zeitung las ich einen Bericht, dass in der nach dem Tsunami aus dem Boden gestampften Stadt Siribopura, 6 km landeinwärts von Hambantota, im Dezember dieses Jahres eine Schule für 1000 Schüler eröffnet werden soll. Wir haben weit und breit keine Baustelle gesehen und auch von anderer versprochener Infrastruktur war weit und breit nichts zu sehen!
Wir waren übrigens nicht die Einzigen, die das Konto ausgeglichen haben. Zariya bestätigte, dass säumige Zahler spätestens beim Bekanntwerden unserer Ankunft angerannt kämen um die fälligen Raten zu bezahlen.
Ein Beweis dafür, dass Hilfe teilweise nur gekoppelt mit Kontrolle funktioniert oder netter gesagt, dass die Leute unser Engagement honorieren.
Nicht ausser Acht zu lassen ist auch die Autorität, die Roy Marso in Hambantota geniesst.