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Vannevar Bush thematisierte in seinem Aufsatz "As we may think" von 1945 die Probleme, die sich durch den ständigen Wissenszuwachs ergeben und wollte mit einer Maschine namens Memex (Memory Expander) das menschliche Gedächtnis und sein Assoziationsvermögen unterstützen und erweitern. Über assoziative Pfade, sogenannte "trails", sollten Beziehungen unter den Wissenseinheiten erstellt, und von den Lesern wieder zurückverfolgt werden können. Damit beinhaltete das Konzept von Memex bereits zentrale Funktionen der späteren Hypertextsysteme. Der Begriff Hypertext hat Ted Nelson 1965 geprägt. Ausgehend von Bush's Aufsatz "as we may think" stellte er in einem Vortrag 1972 die Idee vor, Textmodule miteinander zu verbinden, um assoziativen Denkprozessen Rechnung zu tragen. Bereits in den 60er Jahren begann er mit der Entwicklung des Systems XANADU. Das erste funktionstüchtige System jedoch entwickelte Douglas C. Engelbart 1963 an der Universität Standford mit dem vordergründigen Ziel, den Umgang mit Daten mittels technischer Hilfe zu erleichtern. Sein Hypertextsystem Augment war als Gedächtniserweiterungsmaschine gedacht, die verteilt arbeitenden Gruppen die Bearbeitung, Strukturierung und Verwaltung von Dokumenten erleichtern sollte. Ein erstes Hypertextsystem, welches die Grundlage für das World Wide Web bildete, wurde schliesslich 1989 von Tim Berners-Lee am Genfer Kernforschungszentrum CERN entwickelt. Dieses Hypertextsystem erlaubte das plattformunabhängige Erstellen, Aufrufen und Interpretieren mittels HTML formatierter Dokumente (Hypertext markup language), wobei verlinkte Dateien direkt über Verknüpfungsanzeiger aufgerufen werden können. Das World Wide Web besteht heute aus Texten, die auf Servern abgelegt und durch Verknüpfungen zu einem weltumspannenden Netz miteinander verbunden sind. Als zentrales Merkmal von Hypertexten gilt die nicht-lineare Organisationsform, indem die Daten in Textmodule unterteilt und über Links miteinander verknüpft sind. Die Struktur ist zwar durch den Autor festgelegt, erlaubt aber selektives Lesen in einer vom Rezipienten gewählten Abfolge. Nach Kuhlen besteht der Vorteil des Hypertexts gegenüber dem Text nicht in der Referenzierung - welche auch von den herkömmlichen Printmedien über Fußnoten, Anmerkungen und Verzeichnisse geleistet wird - sondern "in der festen Verdrahtung der Verweise und Verknüpfungen und damit in der Verfügbarkeit ohne Zeitverzug und ohne Nachschlagen" (Kuhlen 1991:1). Die Referenzierung ist dabei nicht nur Mehrwert, sondern für die modulare Struktur der Hypertexte konstituierend. (Zur Geschichte des Internet; zur Geschichte des Hypertexts vgl. Kuhlen 1991:66ff.; Storrer 2000: 222f.; zur Technik vgl. Runkehl/Schlobinski/Siever 1998: 9ff.,125ff.,155ff.; zur Linearität Storrer 2000: 227f.,239f., Kuhlen 1991:4f.; Bucher 1999: 10)

Um zu einzelnen Textmodulen zu gelangen bedarf es eines Zugriffsystems. Der Hyperlink ist sowohl für den inneren Zusammenhalt von Hypertexten als auch für die Vernetzung im World Wide Web zentral. Erst durch die funktionale Verknüpfung von Textmodulen durch die "Links" ist es möglich, Texte modular zu entwerfen und assoziativ miteinander zu verbinden. Ihnen gilt daher im Folgenden die Aufmerksamkeit.
Nach Kuhlen (1991) besteht ein Hypertextsystem aus drei Komponenten: der Produktionskomponente, womit ein Hypertext erstellt werden kann, der Hypertextbasis, gemeinhin bezeichnet als Hypertext, und der Nutzerkomponente, die den HTML-Quelltext in lesbarer und navigierbarer Form anzeigt. Eine Hypertextbasis kann man sich vorstellen "als Netzwerk (...), in dessen Knoten Objekte (Text, Grafik oder multimediales Material) und über dessen Kanten die vielfältigen inhaltlichen Beziehungen zwischen diesen Objekten dargestellt werden" (20f..). Die Knoten bezeichnet Kuhlen als informationelle Einheiten resp. als Informationseinheiten (80f.) und die Relationen oder Kanten als Hyperlinks. Die Absprungstellen und Zielpunkte als Elemente der Informationseinheiten nennt Kuhlen vorzugsweise " Verknüpfungsanzeiger und Verknüpfungszielpunkte" (108). Besonders hervorgehoben sei der Umstand, dass aus informationswissenschaftlicher Sicht nicht die Absprungstellen als Hyperlinks bezeichnet werden, wie das in der Alltagssprache üblich ist, sondern die Verbindungen zwischen Absprungstelle und Zielpunkt. Nach Kuhlen interessieren aber die Relationen kaum für sich, denn sie erlangen ihre Bedeutung aus den Inhalten der durch sie verknüpften Einheiten (102). Diese werden später bei der Typologisierung der Verknüpfungen miteinbezogen.
Grundsätzlich können alle Verknüpfungsanzeiger resp. Verknüpfungen nach oben beschriebenen Kriterien kategorisiert werden. Darüber hinaus nimmt Kuhlen noch weitere Unterscheidungen vor. Demnach lassen sich Hyperlinks unterteilen in typisierte Verknüpfungen, die einen semantischen Bezug zwischen Ausgangs- und Zielpunkt schaffen und den referenziellen Verknüpfungen, die kaum semantisch festgelegt sind und lediglich auf eine nicht weiter spezifizierte Referenz hinweisen. Darunter fallen Verknüpfungen wie "vorwärts", "rückwärts", "zum Anfang" etc., die primär der syntaktischen Verkettung dienen (Kuhlen 1991: 21).
vgl. Abbildung bei Kuhlen 1991:106, Vorschlag zur Typologisierung von Verknüpfungen
Aus semiotischer Perspektive kann zusammengefasst werden, dass Kuhlen die primär syntaktischen Links unter den referenziellen und die semantischen und pragmatischen Links unter den typisierten zusammenfasst. Fliessende Grenzen gibt es bei den Metaverknüpfungen, die sowohl syntaktisch (also referenziell) als auch semantisch (typisiert) genannt werden.

Bucher (1999) betrachtet Hyperlinks wie folgt: "Link L verknüpft A mit B im Hinblick auf C" (22f.). Mit L sind die Zeichen gemeint, die mittels "tags" im HTML-Quelltext als Verbindungselement ausgezeichnet sind. Das können Textkonstituenten unterschiedlicher Grösse (Wörter, Phrasen, Sätze, Abschnitte) oder auch Bildelemente sein. A bezeichnet die informationelle Einheit oder einen Teil davon als Absprungsstelle, die zu einem Zielpunkt B führt. C schliesslich kategorisiert die Verknüpfungsrealisation in Bezug auf die semantische, pragmatische oder syntaktische Ebene. Die Probleme, die sich bei der Erkennung der Links und der Navigation ergeben, bezeichnet Bucher als Identifikationsproblem (L), Referenzproblem (A), Fortsetzungsproblem (B) und Typisierungsproblem (C) (ebd.).
Zum Begriff der Verknüpfung ("Link"):
Verknüpfungsaspekte, Problemfragen, Problemtyp; Bucher 1999: 25
Je nachdem, ob nun die Linkdarstellung, die Absprungstelle, der Zielpunkt oder die Verknüpfungsrealisation betrachtet wird, können Hyperlinks unterschiedlich typisiert werden. Bucher redet daher von einer vierwertigen Relation der Hyperlinks. In der Folge wählt er einen pragmatischen Ansatz und untersucht insbesondere die verschiedenen Formen von Verknüpfungsrealisationen.
vgl. auch Mikrolokalität und Makrolokalität nach Georg Rehm
In seinem Aufsatz zum Textdesign von Hypertexten (1998: 86f.) beschreibt er,
inwiefern aus der Perspektive des Produzenten Texte in Hypertextbasen
überführt werden können. Demnach können vier Typen von
Modularisierungsverfahren eingesetzt werden: die Modularisierung nach
thematisch-inhaltlichen Gesichtspunkten, nach journalistischen Darstellungs- und
Handlungsformen, nach unterschiedlichen Perspektiven und nach allgemeinen
Kommunikationsprinzipien, z.B. in chronologischer oder hierarchischer Form.
Diese Segmentierungstypen sieht Bucher als Strategie zur Erzeugung kohärenter
Hypertexte und schlägt daher vor, sie zur Beschreibung von Grundformen der
Kohärenz zwischen informationellen Einheiten heranzuziehen und eine Einteilung
in thematisch-inhaltliche
(propositionale), funktionale (illokutionäre),
strategische (perlokutionäre),
perspektivische und
prinzipienorientierte
Relationen vorzunehmen. Demnach wären z.B. sensitive Überschriften oder
Textausdrücke thematisch-inhaltliche Verknüpfungen, während Symbole oder
Beschriftungen, wie "hier" oder "Fortsetzung",
illokutionäre Links darstellten. Unter "getypten Links" versteht
Bucher (1999: 24) wie auch Kuhlen (1991:114) jene Verknüpfungen, die sich
aufgrund ihrer Hinweise auf das Zieldokument typologisieren lassen.
Bucher wählt bewusst einen pragmatischen Ansatz in Abgrenzung zur vorrangigen Orientierung an propositionalen Texttheorien, die Kohärenz als semantische Relation zwischen einzelnen Propositionen auffassen (Bucher 1998: 87). Bei Kuhlen (1991) kritisiert er, dass sein Vorschlag zur Typologisierung der Relationen (106) nicht konsistent sei und der Vielfalt möglicher Handlungsmuster- und zusammenhänge zwischen kommunikativen Einheiten nicht Rechnung trage (ebd.).

Informationswissenschaftlich gesehen sind Hyperlinks die Kanten zwischen Knoten. Kuhlen (vgl. Kapitel 2.1) betont jedoch, dass die Relationen kaum an sich, sondern lediglich in Zusammenhang mit den verknüpften Inhalten interessieren (102). Die Typologie, die er vornimmt, bezieht sich daher auch nicht auf die Relationen zwischen Informationseinheiten, sondern a) auf die Absprungstellen, insofern sie typisiert sind oder nicht, und b) auf die Qualität der Zielpunkte. Seine Typologie richtet sich dabei nicht stringent nach linguistischen, sondern auch nach informations- und kognitionswissenschaftlichen Kriterien.
Bucher (vgl. Kapitel 2.2) fasst unter dem Phänomen Hyperlink sowohl die Verknüpfungsanzeiger und -ziele als auch ihre Verbindung zusammen und zieht zur Bestimmung der Hyperlinks auch die verknüpften Aspekte der informationellen Einheiten heran. Bucher redet daher von einer vierwertigen Relation der Hyperlinks, konzentriert sich aber in seinen weiteren Ausführungen auf die Verknüpfungsrealisation aus pragmatischer Sicht.
Was im Folgenden versucht werden soll, ist eine Beschreibung der Hyperlinks nach semiotischen und textlinguistischen Kriterien. Auch hier soll zunächst geklärt werden, was unter Hyperlink zu verstehen ist. Da nur ein Zeichen sein kann, was sinnlich wahrnehmbar ist (Linke/Nussbauer/Portmann 1996: 19) und sich daher nur semiotisch untersuchen lässt, was in irgendeiner Form wahrgenommen werden kann, scheint es angebracht, nicht die Relationen untersuchen zu wollen, sondern die sie bezeichnenden Zeichen. Es soll daher die Perspektive des Rezipienten eingenommen und gemäss dem Alltagsverständnis die Verknüpfungsanzeiger als Hyperlinks untersucht werden. Sollte also künftig von Hyperlink oder Link die Rede sein, so sind damit die Verknüpfungsanzeiger gemeint. Demgegenüber soll die Verbindung von Informationseinheiten Verknüpfung oder Relation genannt werden. Ausgehend von den Hyperlinks soll schliesslich versucht werden, die Relation zwischen Informationseinheiten zu beschreiben.

Die Zeichentheorie von Peirce unterscheidet drei Typen von Zeichen, die sich in der Art ihres Bezugs auf den durch sie bezeichneten Gegenstand unterscheiden. Er nennt sie Index, Ikon und Symbol. Ein Index (oder Symptom) steht in einem Folge-Verhältnis zum Bezeichneten, d.h. er lässt Rückschlüsse auf etwas anderes zu, wobei die Erkennung eines Index auf Erfahrungswissen beruht. Die Beziehung des Ikons zu seinem Bezeichneten beruht auf Ähnlichkeit, die das Bezeichnete im Zeichen erkennen lässt. Die Symbole stehen weder in einem kausalen Verhältnis zu ihrem Bezeichneten noch charakterisieren sie dieses, sondern werden per gesellschaftliche Konvention als Zeichen für ein Bezeichnetes bestimmt. Darunter fallen alle sprachlichen und abstrakten typografischen Zeichen. Um Symbole zu erkennen, müssen sie gelernt werden. Ob es sich bei einem Zeichen um ein Index, ein Ikon oder ein Symbol handelt, kann im Einzelfall nicht immer eindeutig bestimmt werden, da auch ein Index oder ein Symbol Züge eines Ikons in sich tragen, auch Ikone nicht immer aus sich heraus verständlich sind und letztlich jedes Zeichen auch als Index gelesen werden kann (vgl. Arroyabe 1982: 78ff.; Linke/Nussbaumer/Portmann 1996: 19ff.).
Verbalsprachliche Symbole, typografische Symbole und Ikonen können als Link fungieren, sofern sie im Quell-Text in einen Anker-Tag eingebettet sind (vgl. Typologie nach Bucher, Punkt 8 und 9). Gemeinsam ist allen Verknüpfungsanzeigern, dass sie - wie der Name schon sagt - eine Verknüpfung anzeigen. Funktional ist also jeder Verknüpfungsanzeiger ein Index. Semiotisch gesehen ist allerdings nicht das in Tags eingebettete Zeichen der Index, sondern lediglich die typografische Auszeichnung, die es als solchen erkennbar macht: Als Standard im Hypertextsystem vorgegeben ist die Unterstreichung bei verbalsprachlichen Symbolen und die Umrahmung bei Bildern. Wahlweise können diese Auszeichnungen vom Autor neu gewählt oder ganz unterdrückt werden. Wird auf eine Markierung verzichtet, ist die Veränderung des Cursors beim sogenannten 'Mouse-over' der einzige Hinweis darauf, dass es sich bei einem Zeichen um einen Hyperlink handelt. Bezeichnenderweise verwandelt sich der Cursor - sofern nicht anders programmiert - in eine zeigende Hand. Ein Verknüpfungsanzeiger ist also zunächst immer ein Zeichen, das sich als Ikon oder Symbol identifizieren lässt und darüber hinaus die Funktion und Bedeutung eines Index hat. Verknüpfungsanzeiger unterscheiden sich daher von anderen Zeichen durch die computergestützte funktionale Erweiterung, wobei semiotisch gesehen erst die typografische Auszeichnung ein Zeichen als Hyperlink hervorhebt.

Nach Morris besteht der Zeichenprozess im Wesentlichen aus drei Faktoren, nämlich "aus dem, was als Zeichen wirkt, aus dem, worauf das Zeichen referiert, und aus dem Effekt, der in irgendeinem Rezipienten ausgelöst wird und durch den die betreffende Sache ihm als Zeichen erscheint" (Morris 1972: 20). Diese drei Komponenten der Semiose nennt Morris Zeichenträger, Designat und Interpretant. Wird ein Zeichen durch einen Zeichenträger aktualisiert, so verweist sein Designat, das in seinem Wesen virtuell bleibt, auf ein Denotat, und damit auf das eigentlich Bezeichnete. Der Interpretant repräsentiert dabei das Designat in der Vorstellung des Interpreten. (Morris 1972: 53; vgl. auch Nagl 1992:30f.; Linke / Nussbaumer / Portmann 1996: 26; Arroyabe 1982: 74f.). Die Faktoren Zeichenträger, Designat und Interpretant sind voneinander abhängig, insofern sie nur auf Einzelaspekte eines Zeichenprozessen hinweisen (Morris 1972: 21). Allerdings können die Dimensionen dieses "semiotischen Dreiecks" gesondert untersucht werden. Dabei bezeichnet die Beziehung zwischen dem Zeichenträger und dem damit bezeichneten Gegenstand die semantische Dimension, die Beziehung zwischen Zeichen und dem Interpreten die pragmatische Dimension und die Relation der Zeichen zueinander und zu sich selbst die syntaktische Dimension. Das "Zeichen" bleibt jedoch ein "semiotischer Begriff, der weder innerhalb der Syntaktik noch der Semantik noch der Pragmatik allein definierbar ist" (Morris 1972: 26).
vgl. Abb. 3: Schema des semiotischen Dreiecks nach Morris 1972:94
Natürlich wird es sich in vielen Fällen um komplexe Zeichen handeln, und gemäss dem Referenzproblem, das auch schon Bucher (1999: 22f.) angesprochen hat, werden die umliegenden Zeichen zur Bestimmung des Hyperlinks herangezogen werden müssen, wenn diese Teil einer grösseren Einheit sein sollten (vgl. Kapitel 3.2.1).

"Die Semantik behandelt die Beziehung der Zeichen zu ihren Designaten und darum zu den Objekten, die sie denotieren oder denotieren können" (Morris 1972: 42.).
Die Grundidee des Hypertexts besteht darin, dass gedankliche Einheiten und ihre assoziativen Verknüpfungen mit diskreten auf dem Bildschirm dargestellten manipulierbaren Objekten korrespondieren (vgl. Jakobs 1998: 198). Eigentümlich am Hyperlink ist also, dass er Zeichen technisch unmittelbar mit anderen Zeichen verbindet, die durch Anklicken sofort in Erscheinung treten (Schmitz 1998:232). Nach Schmitz eröffnet sich so hinter dem Computerbildschirm eine dritte Dimension, ein unendlicher semiotischer Raum, durch den der Bildschirm tomographische Schnitte legt (ebd.).
Nach Dürscheid (2000) unterscheiden sich Links nicht nur in ihren Verknüpfungsrelationen gemäss Kuhlen (1991: 106), "sondern auch darin, dass sie unterschiedliche Funktionen im Text wahrnehmen" (66). Insbesondere jene Links, die Kuhlen assoziativ nennt (ebd.), sind zum einen Bedienungselemente und zum anderen syntaktisch-semantisch in den Text eingebunden. Solche Verknüpfungsanzeiger sind demnach nicht nur Symbole oder Ikonen mit einem aussersprachlichen Referenten, sondern weisen in ihrer Doppelfunktion als Index immer auch auf einen Referenten innerhalb der Hypertextbasis hin. Die Semantik eines Verknüpfungsanzeigers bekommt damit eine zweite Dimension. Der Prozess des Erkennens lässt sich dabei wie folgt vorstellen: In einem ersten Schritt wird der Hyperlink als Symbol oder Ikon erkannt und das Designat, das auf ein Denotat verweist, schlägt sich als Interpretant in der Vorstellung des Interpreten nieder. Ist der Hyperlink zudem explizit als solchen erkennbar, so werden zusätzliche Vorstellungen und Erwartungen aufgebaut. Dabei wird versucht, ausgehend vom Designat des Hyperlinks als Symbol oder Ikon auf das Designat des Hyperlinks als Index zu schliessen.
Im Weiteren soll untersucht werden, inwiefern der Hyperlink ausgehend von seinem Designat als Symbol oder Ikon Rückschlüsse auf sein Designat als Index zulässt.
Je nachdem, wie eindeutig ein Verknüpfungsanzeiger auf sein hypertextuelles Denotat hinweist, könnte er als "Index-Link", "charakterisierender Link" oder als "universeller Link" bezeichnet werden. Kuhlen (1991: 22) und Bucher (1999: 24) haben Links als typisiert bezeichnet, wenn sie Angaben über das Zieldokument enthalten und dadurch die Art der Verknüpfung bestimmen lassen.

"Unter "Pragmatik" verstehen wir die Wissenschaft von der Beziehung der Zeichen zu ihren Interpreten" (Morris 1972: 52).
Ein aktueller Bezug auf ein Bezeichnetes kann immer nur durch einen Zeichenbenützer hergestellt werden. Oder anders gesagt: "Ein Zeichen steht für etwas nur, wenn dieser Bezug von einem Zeichenbenützer aufgebaut wird" (Linke/Nussbaumer/Portmann 1996: 25). Im Folgenden soll untersucht werden, wie die Hyperlinks von Autoren eingesetzt und wie sie von Rezipienten benützt werden. Nach Kuhlen haben die Autoren von Hypertexten vor allem die Aufgabe, Informationseinheiten zu definieren, zu strukturieren und durch Relationen kohärent miteinander zu verbinden (Kuhlen 1991: 32ff.; vgl. auch Storrer 1999a: 43f.). Je besser die Hyperlinks und ihre Absicht erkennbar sind, desto besser kann der Rezipient sich orientieren und ist frei, sich für bestimmte Informationseinheiten zu entscheiden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Rezipient schon Erfahrungen mit Hypertexten gemacht hat und Links in ihren zunehmend konventionalisierten Erscheinungsformen als solche erkennt.
Im Kontext der Hyperlinks können diese Ausführungen geradezu wörtlich verstanden werden. Denn die Verwendung des Hyperlinks als Zeichenträger besteht nicht mehr nur im Schreiben und Lesen, sondern auch im Aktivieren, wobei die Umstände sehr direkt verändert werden. Zudem wird, wie im Kapitel zur semantischen Dimension bereits erwähnt (vgl. Kapitel <ip-pii>), mit der Aktivierung des Links die Semiose erst abgeschlossen, wenn der Bezug des Verknüpfungsanzeigers zum Bezeichneten im Hypertext vollständig hergestellt wird. Eigentümlich dabei ist, dass der Hyperlink nicht nur als Index auf ein Designat verweist, sondern bei seiner Aktivierung das hypertextuelle Denotat direkt aufruft. Wenn nach Aristoteles für das Zeichen die Formel "aliquid stat pro aliquo" gilt, so kann in diesen Fällen der Satz umgekehrt verstanden werden, insofern das Bezeichnete an die Stelle des Zeichens tritt. "Die 'Technologisierung des Wortes' (Ong 1987) und anderer Zeichen hat eine vor kurzem noch undenkbare neue Stufe erreicht. Technik ist ins Wort selbst eingewandert. Manche Stücke von Text und Bild dienen zugleich als Bedienungselement der semiotischen Universalmaschine Computer. Wir zeigen aufs Zeichen, und schon tut es, was es verspricht" (Schmitz 1998: 233f.). Zu recht redet Schmitz in diesem Zusammenhang von einer magisch erscheinenden Technik (ebd.).
Nach Morris (1972) geben pragmatische Regeln die Bedingungen an, die der Interpret erfüllen muss, um einen Zeichenträger als Zeichen von etwas verstehen zu können (59). "Entscheidend für die Link-Deutung ist es, dass der Nutzer aufgrund der Link-Gestaltung zutreffende Fortsetzungserwartungen entwickeln kann" (Bucher 1999: 24).
Pragmatisch relevant ist zudem der Umstand, dass der Hyperlink einlädt, die Aufmerksamkeit von der aktuellen Informationseinheit abzuwenden, um eine neue zu laden. Der Hyperlink zwingt damit zu einer Entscheidung, entweder dem Link zu folgen oder ihn zu ignorieren. Auch in diesem Zusammenhang erscheint eine Aussage von Morris in neuem Licht: "(...) die Vorwegnahme möglicher Konsequenzen einer Handlung durch die Produktion sprachlicher Zeichen wird zu einem Faktor, der die Handlung, die derartige Konsequenzen hat (oder zu haben scheint), verhindert oder auslöst" (62) .

"Syntaktik ist (...) die Untersuchung von Zeichen und Zeichenkombinationen, sofern sie syntaktischen Regeln unterworfen sind." (Morris 1972: 34.).
Es stellt sich also die Frage, inwiefern für Verknüpfungsanzeiger und ihre Beziehung zu anderen Zeichen syntaktische Regeln gelten. Durch Aktivierung der Absprungstelle wird das Zieldokument entweder anstelle des Ausgangsdokumentes, in diesem integriert oder parallel zu diesem angezeigt (vgl. Kapitel 2.1 Punkt 3, 4 und 5). In welcher Form die Anzeige erfolgt, kann allerdings nicht ausgehend vom Verknüpfungsanzeiger beurteilt werden und ist daher nicht semiotisch bestimmbar. Als einzige syntaktische Regel kann jedoch gelten, dass die Hyperlinks informationelle Einheiten oder Teile davon mit anderen informationellen Einheiten oder Teilen davon oder mit einer Stelle in derselben informationellen Einheit verbinden. Nun gibt es "Links", die vornehmlich dem Aufruf von informationellen Einheiten in einer bestimmten Abfolge dienen.
Man mag nun einwenden, dass der Bezug dieser Verknüpfungsanzeiger zum Zieldokument nicht durch ihre syntaktische sondern durch ihre semantische Dimension gegeben ist. Nach Morris existieren in der Sprache jedoch spezielle Zeichen,
Zum Teil lassen sich syntaktische Links, die primär der Navigation innerhalb und zwischen Informationseinheiten dienen, auch an ihrer Anordnung innerhalb einer Bildschirmseite erkennen, wenn sie am linken, rechten, oberen oder unteren Rand platziert und innerhalb eines solchen Navigationsframes möglicherweise dauerhaft verfügbar sind. Hierzu lassen sich auch die "Wegweiser" zählen, die in der Regel von Hypertextsystemen bereitgestellt werden.

Zuvor wurde versucht, durch die semiotische Bestimmung der Verknüpfungsanzeiger auf die Art der Verknüpfung zu schliessen. Im Folgenden wird untersucht, wie diese Zeichen in Zusammenhang mit den sie verknüpfenden Zeichen stehen. Bevor jedoch die Kohärenz von Hypertexten in der Texttiefenstruktur im Zusammenhang mit Verstehens- und Lernprozessen untersucht wird, sollen zunächst die Formen der Kohäsion analysiert werden. Es werden zunächst also jene Phänomene thematisiert, die sich als Zeichen auf der Textoberflächenstruktur der Hypertexte manifestieren. Die textlinguistische Analyse der Relation erfolgt daher erneut ausgehend von den Verknüpfungsanzeigern, wobei nun auch die verknüpften Informationseinheiten zur Bestimmung herangezogen werden.
Hier stellt sich erneut die Frage, ob für die Bestimmung des Hyperlink auch die umliegenden Zeichen in die Analyse miteinbezogen werden sollen. Bei reinen Linkzeichen z.B. ergibt sich ihre Bedeutung, die über jene des Index hinausgeht, ausschliesslich durch die vorangehenden Zeichen. Aber auch Wörter, die innerhalb eines Satzes aktiviert sind, lassen sich oft nur in dieser grösseren Einheit deuten. Und syntaktische Links, die primär der Navigation dienen und z.B. als Rubriken innerhalb eines Menüs fungieren, können unter Umständen nur im Kontext der ganzen Website interpretiert werden (vgl. lokale und globale Kohärenz bei Storrer 1999a: 42). Schliesslich werden Textmodule nicht immer kohärent verknüpft, sei es, dass der Autor zu wenig Kenntnisse besitzt, sei es, dass verwirrende Hyperlinks, die in ihrer Funktion den Erwartungen widersprechen, als Stilmittel eingesetzt werden. Das kann vor allem bei Hypertext-Literatur oder bei Bannerwerbung beobachtet werden (vgl. Runkehl/Schlobinski/Siever 1998: 194f.). Hypothetisch sei hier aber davon ausgegangen, dass Autoren Zeichen mit Bedacht verlinken und die Absprungstellen situativ verständlich anlegen wollen:
Wenn die Behauptung von Angelika Storrer (2000) stimmt, dass für den Hypertext kein neuer Textbegriff geschaffen werden muss, so sollten Begriffe der Textlinguistik auch auf den Hypertext anwendbar sein. Es soll nun also versucht werden, die verschiedenen Formen von Kohäsionsmittel auf die Hyperlinks resp. auf die Absprungstelle anzuwenden (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 1996: 215 ff.):
Verknüpfungsanzeiger und -zielpunkte können Rekurrenten, partielle Rekurrenten oder Substitutionen sein, indem sie das gleiche Textelement, Textelemente aus den gleichen Lexemverbänden, Synonyme oder Umschreibungen der Absprungs- und Zielstellen aufnehmen. Sofern im Zieldokument auf das gleiche ausersprachliche Objekt referenziert wird, kann bei inter- oder extrahypertextuellen Links immer auch von Substitution gesprochen werden, da ganze Informationseinheiten aufgerufen werden und der Mehrwert aus dem erweiterten Kontext resultiert. Primär syntaktische Links, wie "vor" und "zurück" können textlinguistisch als Pro-Formen bezeichnet werden, wobei auch typografische Symbole wie Pfeile diese Funktion übernehmen können. Konnektive sind weder bei intra- noch bei inter- und extrahypertextuellen Links wahrscheinlich, da Informationseinheiten kohärent und daher in sich abgeschlossen sein sollten. Konnektive, die im sprachlichen Alltagsverständnis als Kohäsionsmittel par excellence gelten, finden also für die Verbindung zwischen Textmodulen in Form von Hyperlinks keine Verwendung. Auch textdeiktische Ausdrücke sind lediglich innerhalb einer Informationseinheit oder als intrahypertextuelle Links denkbar, nicht aber als Verbindung zwischen verschiedenen Textmodulen (vgl. auch Dürscheid 2000: 66f.). Demgegenüber bietet die modulare Struktur eines Hypertextes die Möglichkeit, durch Verlinkung von Wissensdeixis das möglicherweise nicht vorhandene Hintergrundwissen in einer separaten Informationseinheit bereitzustellen, auf dass Zusatzinformationen je nach Vorwissen der Rezipienten individuell abgerufen werden können. Formen von Situationsdeixis kommen in Hypertexten häufig vor, da diese genuin aus dem Text hinaus auf eine aussersprachliche Realität verweisen. Diese Realität kann wiederum sprachlich sein in Form eines neuen Textmoduls ("mehr Informationen hier") oder aber in einer Aktion bestehen, die mittels eines Hyperlinks ausgeführt werden kann ("hier laden", "hier bestellen"). Situationsdeiktische Links finden sich also vor allem bei Online-Diensten und Suchmaschinen sowie bei Websites von Banken und Shopping Malls (vgl. auch Dürscheid 2000: 70f.). Ellipsen dürften wie Konnektive im Hypertext keine Verwendung finden, da dieser nicht linear strukturiert ist und anaphorische Verweise in einer Informationseinheit daher nicht zuverlässig auf eine vorangehende anknüpfen können. Denkbar sind allenfalls kataphorische Ellipsen in Form von Anrisstexten bei Online-Zeitungen, indem unabgeschlossene Sätze den Rezipienten zur Aktivierung des Links verleiten sollen. Explizite oder metakommunikative Textverknüpfungen sind in Hypertexten äusserst zentral: Sie beschreiben Sinn und Zweck einer Informationseinheit für ungeübte oder neue 'user' eines Hypertextes und geben im Falle einer Verknüpfung Angaben zum Zieldokument (getypte Links). Durch diese Meta- und Vorinformationen ist es dem Rezipienten möglich, über die weitere Rezeption einer Informationseinheit oder den Aufruf einer neuen zu entscheiden.

Während die Textoberflächenstruktur geprägt ist durch eine grundsätzlich lineare Natur, so kann die Texttiefenstruktur verstanden werden als mehrdimensionales Gefüge verschiedener Informationseinheiten, die in komplexer Weise miteinander verknüpft sind (Linke/Nussbaumer/Portmann 1996: 225). Das entspricht der Beschreibung des Hypertextes von Schmitz (1998: 232), wonach sich hinter dem Computerbildschirm eine dritte Dimension eröffnet. Es scheint daher folgerichtig, gerade jene textuellen Zusammenhänge zu untersuchen, die einen nicht-linearen Text in seiner Tiefenstruktur verbinden (vgl. Storrer 1999a:42ff.; Dürscheid 2000: 62f.). Entscheidend dafür ist allgemeines Wissen von und über Texte sowie allgemein sprachliches Wissen, um die konzeptuellen Zusammenhänge zwischen Texteinheiten zu erschliessen, wie sie z.B. durch Kausalität, Konzessivität, Konklusivität, Chronologie und Thema-Entwicklung gegeben sind. So teilt Kuhlen (1991: 106) die kohärenzbezogenen Hyperlinks auch nach ihrem argumentativen Zusammenhang (119ff.), ihrer rhetorischen Illokution und ihrem thematischen Progressionsmuster ein (106 ).
Objekt-Wissen und Handlungs-Wissen helfen zudem, ein sprachliches Produkt als kohärenten Text zu begreifen. Alltags- und Erfahrungswissen kann dabei ebenso massgebend sein, wie Bildungs- und Fachwissen beim Nachvollziehen eines Themas. Zum Beispiel bedarf es beim Verstehen von Hypertexten einer gewissen 'computer literacy' um Funktionen richtig zu interpretieren und von Fall zu Fall eine entsprechende Erwartungshaltung für den weiteren Verlauf aufzubauen. Die Benutzerschnittstelle eines Computers ist daher reich an bildlichen und sprachlichen Metaphern, um mittels Alltags- und Erfahrungswissen eine intuitive Bedienung zu ermöglichen (Reichertz 1999: 173ff.; Dürscheid 2000: 70; Storrer 1999b: 2). Ebenso beziehen sich Hypertexte auf voraussetzbares Objekt- und Handlungswissen bei den Rezipienten, z. B. beim Ausfüllen von Formularen, beim Suchen von Informationen und bei Zahlungen mit Kreditkarten. Denn das Wissen um Abläufe bei Literaturrecherchen in Bibliotheken, bei Bankgeschäften oder beim Einkaufen können für gewisse Funktionen der Hypertexte nutzbar gemacht werden. Umgekehrt ist ein Link in Form eines Warenkorbs oder eines Appells wie "in den Warenkorb legen" erst verständlich mit Hintergrund des frames oder scripts einer Einkaufssituation. Damit ist zugleich ein weiterer Aspekt angesprochen, nämlich die Funktion von Hypertexten. Denn Websites werden von Autoren in einer kommunikativen Absicht erstellt, wonach sie sich auch in ihrer Textsorte bestimmen lassen (Storrer 2000: 245). Somit können Funktionen innerhalb eines Hypertextes auch durch dessen übergeordnete Funktion identifiziert werden. So nennt Bucher (1999: 23), der zur Beschreibung von Verknüpfungen einen pragmatischen Ansatz wählt, explizit funktionale Relationen.

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