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Muss das so sein? Dies, wenn ich mich korrekt erinnere, meine exakte Reaktion auf das Punk IPA von Brewdog, welches ich vor 10 Jahren vor mir hatte. Zu dieser Zeit hatte ein Weizenbier auf der Barkarte noch einen gewissen Exklusivitäts-Charakter.
Ganz im Unterschied zu heute, wo Bierspezialitäten wie das IPA in aller Munde sind. Es gibt kaum eine Brauerei mit obergärigen Bieren, welche nicht mindestens eine Interpretation davon im Angebot hat. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen?
Zu den Ursprüngen des India Pale Ales hört man oft folgende Geschichte. Der Bierstil wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts von einem Brauer Namens Hodgson erfunden. Sein Bier war besonders stark und stark gehopft, dass es die lange Überfahrt in die indischen Kolonien überstand.
So erfolgreich Hodgson mit seinen Bieren (nicht zuletzt auch dank dem Standort seiner Brauerei und dank grosszügigen Krediten auf Bierlieferungen) auf dem Subkontinent auch gewesen sein mag, so ist dies nicht die gesamte Wahrheit.
Einerseits waren stärker gehopfte Biere für heissere Monate und Klimazonen schon lange bekannt. Andererseits verliessen nicht nur Pale Ales, sondern auch andere Bierstile die Docks Grossbritanniens.
Dazu kam, dass für die meisten Brauereien der lokale Markt und Nordamerika viel wichtiger waren als die Biertrinkerinnen und Biertrinker Indiens.
Gerade auch in London schienen die hellen, starken und hopfenbetonten Biere im 19. Jahrhundert den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Die Brauereien an den Hafenstädten konnten ihre Biere dank dem Ausbau des Eisenbahnnetzes bald auch günstiger in die Hauptstadt liefern, wo diese dann auch als India Pale Ale vermarktet wurden.
Später jedoch litt das IPA im Exportgeschäft zunehmend unter der Konkurrenz des untergärigen Lagerbieres. In Grossbritannien gewannen zudem leichtere Ales an Popularität, nicht zuletzt auch wegen der Einführung einer Biersteuer, die für alkoholstarke Biere wie das IPA einen Preisnachteil bedeuteten.
Das Comeback des Jahrhunderts
Doch der Aufstieg des IPAs in den letzten Jahren lässt sich eher mit dem Aufkommen der Craft Beer- und Home Brew-Bewegung in den USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, denn mit dem kolonialen Erbe Grossbritanniens erklären.
Die amerikanischen Brauer, die ihre ersten Batches nicht selten in den eigenen vier Wänden gebraut hatten, machten sich auf die Suche nach alten, von der breiten Masse längst vergessenen Bierkategorien. Für das IPA konnten sie sich etwa bei der Brauerei Ballantine in New Jersey orientieren, welche diesen Bierstil noch immer im Angebot hatte.
Bei diesen Bieren durfte der Hopfen mehr zur Geltung kommen. Dabei kam der Craft Beer-Szene gelegen, dass die Forschung bei der Entwicklung von speziellen, besonders aromatischen Hopfensorten grosse Fortschritte machte. Insbesondere der in den 60er-Jahren neu gezüchtete Cascade-Hopfen wurde von einer neuen Generation von amerikanischen Brauern mit Begeisterung aufgenommen.
Als erstes IPA der neuen Ära gilt das im Jahr 1975 gebraute Liberty Ale, welches ausschliesslich mit Cascade-Hopfen gebraut wurde. Doch erst acht Jahre später sollte die Yakima Brewing & Malting Company die Bezeichnung IPA zum ersten Mal in der neueren Biergeschichte für eines ihrer Biere (Grant’s IPA) verwenden.
In Europa begannen in den frühen 2000er-Jahren die ersten Experimente mit diesem Bierstil. In Grossbritannien machten unter anderem die Thornbridge Brewery mit ihrem Jaipur und Brewdog mit dem Punk IPA den Stil langsam salonfähig.
Bei uns in der Schweiz gehörten die Brauereien Trois Dames, Officina della Birra, Brasserie des Franches Montagnes und die Bier Factory zu den ersten, die sich dem Bierstil annahmen und dank denen das IPA auch einer breiteren Masse ausgeschenkt werden konnte.
Doch bis sich das IPA in den Schweizer Bars durchsetzen kann und zu dem Bierstil der Craft Beer-Bewegung wird, sollten weitere Jahre vergehen.
Denn man hatte die neuen Hopfensorten für das Aroma, den historischen Background für das Storytelling und die wachsende Craft Brewer-Szene, die zu haben war für Experimente. Was noch auf sich warten liess, war der Geschmack von Otto-Normal-Biertrinker. Viele mussten sich nämlich zuerst daran gewöhnen, dass Bier auch «so» schmecken konnte.
In den frühen 2010er-Jahren ging es dann richtig los. Immer mehr Brauereien wurden gegründet und früher oder später merkten auch die etablierten Brauereien, dass es sich durchaus lohnen kann, auf den neuen Superstar der Bierwelt zu setzen.
Drei Buchstaben als Verkaufsargument
Heute brauchen Bars und Brauereien schon gute Argumente, kein IPA im Sortiment zu führen. Doch die Auswahl ist mittlerweile so gross, dass man schnell mal den Überblick verliert. Gleichzeitig sind neue Sub-Kategorien entstanden und damit ein Initialwörter-Wirrwarr, welches die Sache auch für Bierinteressierte anspruchsvoll macht.
DIPA oder TIPA etwa steht für Double- oder Triple-IPAs, welche einen höheren Alkoholgehalt aufweisen. In die entgegengesetzte Richtung gehen Session IPAs mit einem Alkoholgehalt von nur ca. 4 Vol.-%.
West Coast oder East Coast IPA beziehen sich auf die Bierstile innerhalb der USA, wobei in den letzten Jahren insbesondere das New England IPA hüben wie drüben eine wachsende Anhängerschaft gewinnt. Dabei handelt es sich um ein naturtrübes (hazy), stark gehopftes, aber gleichzeitig weniger bitteres IPA.
Bei Red, Amber oder Black IPAs spielt das Malz, bei White oder Rye IPAs die Getreidesorte eine wichtigere Rolle. Bei Single Hop oder Green Hop IPAs, die oft auch noch mit den entsprechenden Hopfensorten ergänzt werden, steht der Hopfen im Zentrum. Weitere Spielarten des IPA sind alkoholfreie IPAs oder IPAs mit einer Säurenote.
Nicht mehr von India Pale Ale, sondern von India Pale Lager (IPL) sprechen einige Brauereien, wenn sie untergärige Biere einem Dry hopping (Hopfenstopfen) unterziehen. Diese Methode gehört bei den IPAs zum Standard und gibt ihm sein charakteristisch-intensives Hopfenaroma.