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Jaramana, einige Kilometer südöstlich von Damaskus gelegen, hat eine lange Tradition in der Aufnahme von Flüchtlingen. Die ersten kamen aus Palästina, gefolgt von Menschen aus dem Irak. Seit Beginn des Krieges 2011 suchen Syrierinnen und Syrier aus dem ganzen Land hier Zuflucht. Die Bevölkerung von Jaramana hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Tag für Tag kommen sie hier an, und der Flüchtlingsstrom scheint kein Ende zu nehmen. Ganze Familien suchen Schutz, Dorfbevölkerungen oder alle Einwohnerinnen und Einwohner von Quartieren, die oft nur wenige Kilometer entfernt sind und in denen die Kämpfe zwischen der syrischen Armee und den Rebellen oder islamistischen Kämpfern das Leben zur Hölle machen.
Für den Vorort, wo traditionell Drusen und Christen wohnen, ist das Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften des Landes nichts Ungewöhnliches. Zwar kam es auch hier schon mehrmals zu tödlichen Attentaten, bisher jedoch blieb Jaramana von den Kampfhandlungen und Bombardierungen relativ verschont. Je nach Kriegsverlauf war die Vorstadt mehr oder weniger eingeschlossen von aktiven Kampfgebieten.
In einer kleinen Seitenstrasse, abseits von der Hauptverkehrsader von Jaramana, liegt das Büro von Caritas Syrien. Rund 5000 Familien sind hier registriert und beziehen punktuelle Hilfe in Form von Gutscheinen über 25'000 oder 40'000 syrischen Pfund (zwischen 50 und 80 Franken). Mit diesem Geld können die Familien Kleider, Putzmittel, Decken und Nahrung kaufen (keine Zigaretten und keine Kosmetikprodukte). Mit bestimmten Geschäften konnten Vereinbarungen über Preisnachlässe abgeschlossen werden. «Der Gutschein lässt den Menschen die Wahl. Sie wissen selbst am besten was sie brauchen», erklärt uns Dr. Louis Kawa, der Direktor des Büros. Vor dem Krieg befand sich an diesem Ort eine medizinische
Ambulanz, die Dr. Kawa, ein ausgebildeter Chirurg mit Spezialisierung in Orthopädie und inzwischen in Rente, leitet. Seit Kriegsbeginn hilft der Arzt Menschen, die auf der Flucht oft alles verloren.
Zwischen zwei Stromausfällen erläutert uns Dr. Kawa die Situation: «Tag für Tag klopfen neue Hilfesuchende an unsere Tür. Menschen, die gestern noch ein Haus, eine Familie und Arbeit hatten und von heute auf morgen alles verloren. Was sie haben ist Hunger, und sie bitten um Hilfe», seufzt der Arzt.
Bild ganz oben links: Über den Dächern von Jaramana. (c) Alexandra Wey/Caritas Schweiz.
Bild oben rechts: Dr. Louis Kawa. (c) Alexandra Wey/Caritas Schweiz.
Text: Fabrice Boulé, Verantwortlicher Kommunikation Suisse Romande bei Caritas Schweiz