Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03293.jsonl.gz/142

JJohann Georg wird 23. März 1682 als dritter Sohn und viertes von neun Kindern der Eheleute Hans Seitz (Seiz) und Barbara Mossauer im Ortsteil Lähn der Gemeinde Bichlbach geboren.[1] Das kleine Bergdorf an der Fernpassstrasse bei Reute im Tirol ist im 17. und 18. Jahrhundert Sitz einer Steinhauer- Maurer- und Zimmerleutezunft. Wie drei seiner sieben Brüder ergreift auch Johann Georg den Maurerberuf.[2] Über das erste Jahrzehnt seiner Tätigkeit nach Beendigung der Lehre fehlen Nachrichten. 1709 wird in der Schlossbau-Rechnung von Gaibach (Franken) ein Tiroler Maurergeselle erwähnt, der im Winter nicht in die Heimat zurückkehrt. Es muss sich bei dieser Nachricht um Johann Georg Seitz handeln, der an den laufenden Umbauarbeiten des Schönbornsitzes mitarbeitet. Denn um diese Zeit wird der Bauinspektor des Mainzer Kurfürsten und Bamberger Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn, Pater Nicolaus Loyson,[3] auf den Tiroler Maurer Seitz aufmerksam. 1711 erhält er deshalb von Rudolf Franz Erwein Reichsgraf von Schönborn für die Bauarbeiten am Familienschloss Wiesentheid eine Anstellung als Palier. Seitz wechselt jetzt den Wohnsitz nach Wiesentheid. Wenig später wird er hier als Werkmeister bezeichnet. In dieser Funktion ist er für die Bauvorbereitung, Ausführungsplanung und Durchführung von Neu- und Umbauten nach Konzepten des Paters Loyson zuständig. 1713 heiratet er Margaretha Christ aus Gaibach. Zwischen 1714 und 1728 werden dem Ehepaar in Wiesentheid neun Kinder geboren. Der 1717 geborene Johannes[4] arbeitet später im Baubüro von Balthasar Neumann und wird Hofbaumeister des Kurfürsten von Trier .
1721 begibt sich Johann Georg Seitz nach Bruchsal. Hier baut Kardinal und Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn seine neue Residenz und erreicht bei seinem Bruder in Wiesentheid, dass Werkmeister Seitz den Neubau leitet. Nach Planungen und Vorbereitungen auf der Grundlage eines Konzeptes des kurmainzischen Hofarchitekten und Oberstleutnants Maximilian von Welsch erstellt Seitz 1722 den nördlichen Flügel des Ehrenhofs und beginnt 1723 mit dem Aushub des südlichen Kirchenflügels. 40 Maurer aus Tirol sind hier beschäftigt. Im März muss Seitz für den Bau von Wohnhäusern für Hofangestellte nach Wiesentheid zurückkehren, die beiden Brüder Schönborn streiten sich um den gesuchten Baumeister.[5] Damian Hugo ist der Verlierer und nimmt anstelle von Seitz den Rastatter Hofbaumeister Johann Michael Ludwig Rohrer in seine Dienste. Auf der Baustelle in Rastatt bleibt Franz Seitz, der jüngere Bruder von Johann Georg, als Palier zurück.[6]
In Wiesentheid ist er Baumeister der Kirche St. Mauritius. Sie ist mit Sicherheit von ihm geplant, auch wenn angeblich Projekte des Würzburgers Balthasar Neumann schon vorher existieren. Diese sind aber nicht belegt. Die Ähnlichkeit der Kirche mit der Stiftskirche von Obertheres, von Joseph Greissing bis 1721 erbaut, ist derart gross, dass Seitz eher Greissing als Neumann zum Vorbild nimmt.
1729 wird der jüngere Bruder des Bruchsaler Prälaten, Franz Georg Reichsgraf von Schönborn Kurfürst in Trier. Er beruft Seitz von Wiesentheid nach Ehrenbreitstein und nimmt ihn 1733 als Kurfürstlich Trierischer Werkmeister in seine Dienste. Er überträgt ihm damit die Aufsicht über das gesamte Bauwesen des Kurstaates. Nur sechs Jahre später stirbt Johann Georg Seitz am 31. Dezember 1739 im Alter von 57 Jahren in Ehrenbreitstein. Seine Nachfolge in Kurtrier tritt der Sohn Johannes an, der sich später Seiz schreibt.
Pius Bieri 2011/2016
|Hirsch, Fritz: Bruchsal. Quellen zur Kunstgeschichte des Schlosses und der bischöflichen Residenzstadt, Heidelberg 1914.|
|Hemmerle, Bernhard: Johannes Seitz, Erbauer der Pfarrkirche St. Anna in Herschbach, Herschbach 2007.|
|Hemmerle Bernhard: Seitz, Johannes, in: BBKL Band XXVIX, Spalten 1352–1358, Nordhausen 2008.|
|Weisel, Heinrich: Der Wiesentheider Baumeister Johann Georg Seitz, der ein Tiroler war, in: Mainfränkisches Jahrbuch 62/2010.|
Anmerkungen:
[1] Die Korrektur des bisherigen Geburtsdatums 1689 verdanke ich den neuen Forschungen von Heinrich Weisel (Zeil a. Main), die auch zu weiteren Ergänzungen geführt haben.
[2] Die Brüder Kaspar (*1678), Johann Georg (*1682) Marx (*1686) und Franz (*1690) sind zwischen 1709 und 1733 in den Listen der «Bichlbacher Zunft der Steinhauer, Maurer und Zimmerleute» aufgeführt.
[3] P. SJ Nikolaus Loyson (1676–1720) aus Wingersheim im Elsass. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.
[4] Johannes Seitz (1717–1779), macht die Lehre beim Vater, tritt 1738 ins Baubüro von Balthasar Neumann ein, wird 1751 kurtrierscher Hofbaumeister. Zu ihm siehe den Wikipedia Beitrag https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Seiz.
[5] Die Schönbornhäuser an der Kanzleistrasse (1723–1729) und die Pfarrkirche St. Mauritius (1727–1732) sind Werke von Johann Georg Seitz. Er arbeitet, wie Rudolf Franz Erwein an seinen Bruder in Bruchsal berichtet, 1723 auch im Auftrag der Klöster Ebrach und Münsterschwarzach. Es müssen Arbeiten in Nachfolge des 1721 verstorbenen Würzburger Hofbaumeisters Joseph Greissing sein.
[6] Franz Seitz unterschreibt 1725 mit «Frantz Seitz, bürger und maurmeister in Filipsburg».
|Johann Georg Seitz (1682–1739)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum (Taufe)||Geburtsort||Land|
|23. März 1682||Bichlbach bei Reute||Tirol A|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Grafschaft Tirol||Augsburg|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|31. Dezember 1739||Ehrenbreitstein Koblenz||Rheinland-Pfalz D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Kurfürstentum Trier||Trier|
|Kurzbiografie|
|Johann Georg Seitz verdankt seine Laufbahn vom Maurer zum Baumeister-Architekten der Förderung von P. Nicolaus Loyson, dem Bauinspektor des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn. Vorerst als Palier und Werkmeister für die Bauten der Schönborn in Wiesentheid tätig, wird er 1721 zum Leiter der von Maximilian von Welsch geplanten Neubauten der Residenz in Bruchsal. Er kann hier aber nur kurze Zeit wirken, denn die Schönborn-Brüder streiten sich um den nun gesuchten Baumeister. Seitz ist 1723 bis 1733 in Wiesentheid als Baumeister tätig. Sein Hauptwerk ist die dortige Kirche nach dem Vorbild der Kirche Obertheres von Joseph Greissing, an deren Planung Balthasar Neumann vermutlich nicht beteiligt ist.|