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Als der Film nach kurzem Prolog beginnt, sind Jean de Carrouges (Matt Damon) und Jacques Le Gris (Adam Driver) noch Freunde. Wir befinden uns in Frankreich um 1380. Carrouges ist ein angesehener Ritter, bekannt für seine Tapferkeit und sein Geschick. Allerdings ist er auch ein sturer Mann, der auf dem Schlachtfeld Befehle missachtet und es gegenüber dem Herzog Pierre d’Alençon (Ben Affleck) an Demut fehlen lässt. Le Gris hingegen ist ein normannischer Junker, attraktiv, charmant, eloquent, belesen.
Mit seinen buchhalterischen Fähigkeiten und seinem skrupellosen Vorgehen gegenüber Schuldnern rettet er d’Alençon vor dem Ruin. Das führt dazu, dass d’Alençon den versprochenen Adelstitel und das versprochene Stück Land nicht Carrouges, sondern ihm gibt. Verärgert und verletzt zieht Carrouges gegen beide Männer vor Gericht, aus Freunden sind Rivalen geworden. Dann, nach einer Reise nach Paris im Jahr 1386, muss Carrouges erfahren, dass Le Gris seine wunderschöne Frau Marguerite de Thibouville (Jodie Comer) vergewaltigt hat. Der Fall geht vor Gericht. Doch Aussage steht gegen Aussage.
Die Handlung wird in drei Teilen aufgefächert, jeder reflektiert die Ereignisse aus der Perspektive der einzelnen Charaktere: des Mannes, des Vergewaltigers und der Frau. Das führt zu kleinen Verschiebungen und Nuancen im Geschehen, die erst am Schluss ein Gesamtbild ergeben. Geschrieben wurden die einzelnen Episoden von Matt Damon, Ben Affleck und Nicole Holofcener, die man als amerikanische Independent-Regisseurin kennt (Friends with Money, Enough Said). Anders als in Akira Kurosawas Meisterwerk Rashomon geht es den Autor*innen und dem Regisseur nicht so sehr um die Wahrheit, ihren Wert oder vielleicht die Unmöglichkeit, sie zu erkennen, sondern um die Konfrontation von männlicher und weiblicher Perspektive.
Während die erste Episode mit Carrouges einen Mann in den Mittelpunkt stellt, der sich mit seiner verletzten Ehre und seinem Unrechtsbewusstsein selbst im Weg steht, geht es Le Gris im zweiten Teil nur darum, seine Gewalttat zu vertuschen. Am wichtigsten und spannendsten ist darum die Sicht der Frau, der Gewalt angetan wurde. Nun muss sie in einer feudalen, ausschliesslich von Männern bestimmten Gesellschaft um Gerechtigkeit kämpfen. Ridley Scott ist dabei eindeutig auf Seiten der Frau – ihre Episode ist mit «Die Wahrheit» überschrieben. Allerdings ist die Gerichtsverhandlung eine Farce, Marguerite soll mit Vorurteilen, die Vergewaltigung provoziert zu haben, und medizinischen Fehldiagnosen («Von einer Vergewaltigung wird man nicht schwanger!») zum Schweigen gebracht werden.
So etwas wie ein mittelalterliches #MeToo ist so entstanden, in dem die Frau, unterstützt von ihrem Mann, ein Sexualdelikt öffentlich anklagt – zu jener Zeit nicht selbstverständlich. Doch weil sich vor Gericht die Wahrheit nicht finden lässt, kommt es – in dem absurden Aberglauben, dass der Verlierer, quasi als «Gottesurteil», seine Strafe verdient hat – zum Duell des Filmtitels.
Abgesehen von diesem Themenkomplex hat Ridley Scott, ähnlich wie Robin Hood oder Kingdom of Heaven, auch ein grandioses Ritterspektakel inszeniert, in dem sich im Nebel grosse Heere gegenüberstehen, die Schwerter klirren, die Pfeile schwirren, die Lanzen bersten und die Toten im Schlamm liegen. Das abschliessende Duell ist in seiner Unmittelbarkeit rau und brachial – zu töten und zu überleben ist anstrengend und eine Sache der Männer. Doch das letzte Bild des Films gehört der Frau. Sie hat ihren Frieden gefunden. Michael Ranze
START 14.10.2021 REGIE Ridley Scott BUCH Nicole Holofcener, Ben Affleck, Mat Damon VORLAGE Eric Jager KAMERA Dariusz Wolski SCHNITT Claire Simpson MUSIK Harry Gregson-Williams DARSTELLER*IN (ROLLE) Mat Damon (Sir Jean de Carrouges), Adam Driver (Jacques Le Gris), Jodie Comer (Marguerite de Carrouges), Ben Affleck (Pierre d'Alençon), Harriet Walter (Nicole de Carrouges) PRODUKTION 20th Century Fox, Pearl Street Films, Scott Free Productions, TSG Entertainment, USA 2021 DAUER 152 Min. VERLEIH Walt Disney
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