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Der amerikanische Autor und Zeichner Will Eisner (1917-2005) gilt gemeinhin als Schöpfer des Begriffs Graphic Novel. Diese Bezeichnung setzte er 1978 auf das Cover seines Meisterwerks «A Contract with God» in der Hoffnung, dass es der Band so auch in die regulären Buchhandlungen schafft und schuf damit eine neue Kategorie, die sich bald grosser Beliebtheit erfreuen sollte.
Das französische Äquivalent, der Ausdruck roman graphique wird seit den Achtzigerjahren verwendet, um Arbeiten und Comics zu bezeichnen, die von den üblichen Produktionsstandards abweichen. Während bislang eine exakte Definition des roman graphique fehlt, ist es gerade dieses Fehlen von formalen Richtlinien, das ihn auszeichnet. Nonkonformität ist seine Regel, sowohl was Format und Layout angeht, als auch bezüglich seiner literarischen Ambitionen und eigenwilligen Geschichten.
Seit Hugo Pratts «Corto Maltese», Art Spiegelmans «Maus», Chris Wares «Jimmy Corrigan», Joe Saccos «Palästina» oder Marjane Satrapis «Persepolis» hat die Kunst der Graphic Novel in den letzten Jahrzehnten eine neue und grosse Leserschaft gefunden. Die Themen sind gewachsen und divers geworden und umfassen längst auch nicht-fiktionale Stoffe: von biographischen und autobiographischen Stoffen, über persönliche Erzählungen, Literaturadaptionen, Reportagen, Essays, imaginären Weltreisen – die experimentellen Möglichkeiten der Graphic Novel werden laufend erweitert.
Die von Thierry Groensteen kuratierte Ausstellung in der Fondation Jan Michalski in Montricher zeigt Originalzeichnungen und Sonderausgaben, sowie rund 200 frei verfügbare Graphic Novels und untersucht die Anfänge, Geschichte und die Entwicklung dieser eigenständigen literarischen Form von den Sechzigerjahren bis in die Gegenwart.