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Die Untersuchung der Rolle, die Steueroasen in Bezug auf Umwelt und Klima haben, stehe noch am Anfang, schreiben die Autoren. Dabei geht es nicht nur um Geld. Auch in der internationalen Fischerei kann es nützlich sein, die eigene Identität zu verheimlichen oder eine andere anzunehmen. Schiffsbesitzer bedienen sich dazu der Ausflaggung, die es dem Eigentümer erlaubt, sein Schiff unter anderer Flagge fahren zu lassen als der des Heimatlandes des Eigentümers (siehe Kasten). Das ermöglicht, strengen Regulierungen auszuweichen. Das Schiff hisst die Flagge eines Steuerparadieses. Wer wo wieviel Fisch fängt und an wen er verkauft, ist so schwer nachzuvollziehen.
Unter der Flagge des SteuerparadiesesMehr als 30 Prozent der kommerziellen Fischgründe sind überfischt. Einen grossen Anteil daran haben illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischereiaktivitäten, kurz IUU (illegal, unreported, unregulatet fishery). Zwischen 11 und 26 Millionen Tonnen illegal gefischten oder zumindest nicht gemeldeten Fangs werden schätzungsweise jedes Jahr aus den Meeren gezogen. Damit verbunden sind oft andere illegale Aktivitäten wie Bestechung, Betrug und Schmuggel.
Nur vier Prozent aller Schiffe weltweit sind in Steueroasen registriert. Ein grosser Anteil davon geht mindestens fragwürdigen Fischereiaktivitäten nach. 70 Prozent der Schiffe, die an IUU-Fischerei teilnehmen und einer Flagge zugeordnet werden können, fahren unter der Flagge einer Steueroase, fanden die Forscher anhand von Daten regionaler Behörden und der Interpol heraus. Die meisten davon sind in Belize und Panama registriert. Manchmal operierten Reedereien sogar mit zwei Registrierungen für dasselbe Schiff, eine für legale, eine für illegale Fischerei.
Gesetzesbrecher zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen, wird so schwierig und teuer. Die Länder, in denen die Schiffe registriert sind, haben oft laxe Vorschriften und kaum Mittel, illegalen Fischfang zu verhindern.
Dabei kommt auch eine andere Eigenschaft der Nahrungs- und Futtermittelindustrie zum Tragen: Produzenten, Verarbeiter und Händler operieren international. Hinter den Warenströmen stehen globale Netzwerke. Dahinter wiederum eine ganze Finanzierungsindustrie.
Regenwald, der durch die Bahamas verschwindetDas «wer» zumindest ist in Amazonien bekannt. Firmen, die dort grosse Regenwaldgebiete abholzen, um anschliessend in Monokultur Futtermittel anzubauen oder Rinder zu züchten, brauchen dafür meist externes Kapital, also Darlehen oder Vorauszahlungen. Die hinter der Zerstörung von Hunderten Quadratkilometern Regenwald stehenden Finanzströme sind bislang jedoch kaum beleuchtet worden. Ein guter Teil der Finanzierung dürfte über Steuerparadiese nach Brasilien gelangt sein.
Das schwedische Forscherteam nahm sich öffentlich zugängliche Daten der brasilianischen Zentralbank von Oktober 2000 bis August 2011 vor und prüfte alle Finanztransaktionen der neun Unternehmen, die im Bereich Sojaproduktion und Rinderzucht den grössten Marktanteil haben. Ein anderes Auswahlkriterium gab es nicht. Im untersuchten Zeitraum flossen 30 Milliarden Dollar an ausländischem Kapital an die betreffenden Unternehmen, 18 Milliarden davon über eine oder mehrere Steueroasen.
68 Prozent des ausländischen Kapitals, schätzen die Autoren der Studie, sei über Steueroasen an die ausgewählten Firmen gelangt. Das nachzuvollziehen, schreiben sie, sei nicht ganz einfach. Sie verdeutlichen es aber mit mehreren Beispielen. Für die Unternehmen hat der Weg über eine Steueroase mehrere Vorteile: Sie sparen Steuern und Gebühren, können sich über Subunternehmen selbst Darlehen vergeben, Profite verschieben und – nicht zuletzt – der Investor kann anonym bleiben.
Zu sagen, wofür genau die Gelder verwendet wurden, sei aufgrund fehlender Transparenz «unmöglich herauszufinden». Eine direkte Kausalität zwischen Finanztransfer aus Steueroasen und Landnutzung zu finden sei daher derzeit schwierig. Endgültige Beweise gibt es also (noch) nicht.