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Der Juli begann mit einem Paukenschlag. Am Morgen des 3. Julis öffnete der Himmel über Zürich die Schleusen, innert rund 4 Stunden fielen 55 mm Regen in Zürich-Witikon. Nicht ganz Zürich war von den Starkniederschlägen betroffen. Beispielsweise registrierte die Wetterstation der MeteoSchweiz am Flughafen Kloten nur 17 mm, in Richtung oberer Zürichsee in Wädenswil waren es nur 3 mm.
Die Starkniederschläge seit Juni haben das grosse Niederschlagsdefizit ausgeglichen.
Wetterdaten: MeteoSwiss und metheo
In der Stadt und Agglomeration gab es Überschwemmungen und kleine Erdrutsche, so war auch die Verbindungsstrasse zwischen Witikon und Dübendorf während mehreren Stunden gesperrt, weil ein See auf der Katzenschwanzstrasse neben dem Schulhaus Looren die Durchfahrt verhinderte. Grosse Wassermassen strömten vom Adlisberg und von den umliegenden Ackerböden in Richtung Sohle der Katzenschwanzstrasse. Kein einmaliges Ereignis, rund alle 5 Jahre verursachen Starkniederschläge solche Behinderungen in Witikon. Die hohe Intensität des Regens am 3. Juli 2012 war aber bemerkenswert. Zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr fielen teilweise 6 mm innerhalb von nur 10 Minuten. Solche intensiven Regenfälle waren nur möglich, weil über der Schweiz feuchtwarme und sehr instabil geschichtete Luft lag. In der Höhe wurde in den Morgenstunden mit einem Höhentrog aber deutlich kältere Luft aus Nordwesten herangeführt. Diese leichte Gegenstromlage sorgte für eine weitere Intensivierung der Niederschläge.
Das Ende der Trockenheit
Das Frühjahr 2012 wurde wie bereits vor einem Jahr durch eine ausgeprägte Trockenheit dominiert. Zwischen Mitte Januar und Mitte Mai fielen nur geringe Niederschlagsmengen, so dass ein Niederschlagsdefizit von rund 160 mm gegenüber einem durchschnittlichen Jahr aufklaffte. Mit vielen Niederschlagsereignissen im Mai wurde das Defizit zwar nicht mehr grösser, doch erst die Starkniederschläge in der ersten Junihälfte konnten die Reservoirs wieder auffüllen. Der Juni war dann mit knapp 200 mm Niederschlag der nasseste seit 1999. Auch der Juli ist mit den sintflutartigen Regenfällen zu Monatsbeginn auf guten Weg, nässer als üblicherweise auszufallen. Zumindest haben diese Regenfälle das Niederschlagsdefizit vorläufig ausbalanciert, die Trockenheit ist somit vom Tisch. In den letzten anderthalb Monaten fielen auf dem Zürichberg 330 mm Niederschlag anstelle der üblichen 170 mm. Doch nasses Wetter bedeutet nicht unbedingt trübes Wetter. Nachdem zwar die erste Junihälfte nur wenig Sonnenschein brachte, zeigte sich die Sonne in der zweiten Junihälfte regelmässig und schaffte es damit auf rund 200 Sonnenstunden im Juni, was rund 110 Prozent des Referenzwertes entspricht. Und auch die Temperaturen waren erneut überdurchschnittlich. Mit gemittelt 17,5 Grad war der diesjährige Juni sogar der wärmste seit 6 Jahren und mehr als 2 Grad übertemperiert.
Feuchte Sommer
Wenn über das zukünftige Schweizer Klima gesprochen wird, heisst es immer, dass die Sommer trockener und die Winter feuchter werden. Das zeigen auf jeden Fall die meisten Klimamodelle und diese Aussagen werden auch mit den Resultaten der Schweizer Klimaszenarien CH2011 gestützt. Jedoch ist dies eine Frage des Zeithorizontes. In den nächsten 10 bis 30 Jahren ist demnach nicht mit einer Veränderung der Niederschläge im Sommer zu rechnen. Erst danach werden die Sommer in Mitteleuropa deutlich trockener, so die Klimaszenarien aus CH2011. In den letzten Jahren und Jahrzehnten konnte sogar das Gegenteil beobachtet werden. In den letzten 30 Jahren wurden die Sommer, in einem Band zwischen den Walliser Alpen über die Zentralalpen nach Luzern, rund 10 bis 16 Prozent pro Dekade nässer. Auch in Zürich wurden die Monate Juni und Juli seit 1990 etwas feuchter. So fallen heute (Mittel der letzten 30 Jahre) durchschnittlich 130 mm im Juni und 124 mm im Juli. Nur der August wurde seit 1990 deutlich trockener und bringt heute im Schnitt noch 124 mm anstelle der 133 mm aus der Referenzperiode 1961 bis 1990. Wobei sich dieser Trend seit 2005 deutlich abschwächt. So brachten die letzten 6 Jahre eher wieder mehr Niederschläge in allen Sommermonaten. Die Sommerniederschläge unterliegen zurzeit, wie auch seit jeher, grossen Schwankungen. In den nächsten paar Jahrzehnten wird sich daran auch kaum etwas ändern. Bevor sich die Schweiz auf trockene und heisse Sommer freuen darf, dauert es also noch Jahre. Der Spass dürfte dann aber rasch vergehen, freuen wir uns also jetzt noch an dem, was wir haben.