Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03655.jsonl.gz/327

Der "Solothurner Frühling" oder die Geschichte einer Intervention.
Abstract
Sowohl im Feld der beruflichen Praxis als auch in der wissenschaftlichen Reflexion der Sozialen Arbeit melden sich vermehrt kritische Stimmen zu Wort: Im Berufsfeld ist es zum Beispiel die «KRISO», das «Forum für kritische Soziale Arbeit», das in der Schweiz die Praxis der heutigen Sozialen Arbeit hinterfragt (KRISO 2012). In der Wissenschaft sind es zum Beispiel Publikationen, die den Begriff der «Kritischen Sozialen Arbeit» im Titel tragen (Anhorn et al. 2012). Zwischen Praxis und Wissenschaft angesiedelt ist die Luzerner Erklärung der Schweizerischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (SGSA), welche die zu beobachtende «Transformation des Sozialen» kritisiert (Schweizerische Gesellschaft für Soziale Arbeit 2008).
Der Autor des folgenden Beitrags fühlt sich solchen Bestrebungen verbunden und stellt einen Konflikt um eine «andere», um eine kritische und politische Soziale Arbeit in der Schweiz dar. Es handelt sich um die Ereignisse, die sich vor genau 40 Jahren an der «Schule für Sozialarbeit Solothurn» (SSAS) zutrugen. Diese wurden von der Studentenschaft rückblickend als «Solothurner Frühling», von der Trägerschaft der Schule als «Krise» bezeichnet. Das Beispiel zeigt, wie eine Ausbildungsreform Eigendynamik entwickelte und zu einer Intervention der Trägerschaft der Schule und ihres katholisch-konservativen Umfelds führte. Ein Teil der Studentinnen und Dozentinnen versuchten, die kritischen und politischen Ansätze zu verteidigen, doch unterlagen sie der Gegenmacht der anderen Seite. Der Konflikt führt vor Augen, wie eine kritische und politische Soziale Arbeit mit Macht zurückgebunden wurde.