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Nach zahlreichen brisanten Enthüllungen steht die Plattform Wikileaks nun selber unter Beschuss. Fünf Monate nach seinem Ausstieg bei Wikileaks rechnet der ehemalige Sprecher Daniel Domscheit-Berg in einem Buch mit Gründer Julian Assange ab. Wikileaks wirft dem Aussteiger Sabotage vor.
Domscheit-Berg wollte sein Buch "Inside WikiLeaks" am Donnerstag in Berlin vorstellen. Unmittelbar zuvor hatte Wikileaks ihrem ehemaligen Mitarbeiter Sabotage vorgeworfen und rechtliche Schritte angekündigt.
Domscheit-Berg habe zugegeben, das zentrale System der Plattform für das Einreichen von Dokumenten beschädigt und Material gestohlen zu haben, hielt Wikileaks in einer im Internet veröffentlichten Erklärung fest. Diese Sabotage habe eine umfassende Erneuerung der Technik für das Einreichen von Dokumenten erforderlich gemacht.
3500 Dokumente entwendet
Domscheit-Berg rechtfertigte die Entwendung von rund 3500 bisher unveröffentlichten Dokumenten und der Software für das anonyme Einreichen von Dokumenten. Techniker von Wikileaks hätten kein Vertrauen mehr in Assange gehabt. "Das ist der Grund, warum einige Komponenten dem System entzogen wurden", sagte er.
Er habe vor seinem Ausstieg im September 2010 drei Wochen lang versucht, mit Assange eine sichere Übergabe der übernommenen Dokumente zu organisieren, sagte Domscheit-Berg. Dies sei nicht gelungen. "Daher haben wir uns entschlossen, dieses Material zwischenzulagern, bis eine sichere Übergabe gewährleistet ist."
Domscheit-Berg bedauerte, dass jetzt ein Anwalt eingeschaltet worden sei, und bekräftigte, dass er weiter zu einer Übergabe bereit sei.
Wikileaks hatte den Anwalt Johannes Eisenberg, Mitbegründer der Berliner "tageszeitung" (taz), beauftragt, "die Ansprüche von Herrn Assange und Wikileaks notfalls gerichtlich durchzusetzen", wie Eisenberg selber bekannt gab. Assange habe ihn "ferner gebeten, gegen die von Domscheit-Berg über Herrn Assange verbreiteten Verleumdungen vorzugehen."
Durchbruch dank Bank Julius Bär
In einem Kapitel seines Buchs thematisiert Domscheit-Berg die Enthüllungen der Geschäfte der Bank Julius Bär, wie aus einem Vorabdruck im "Tages-Anzeiger" vom Donnerstag hervorgeht. Der Fall hatte dem Portal 2008 zum Durchbruch verholfen.