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Gemäss Schätzungen sind in der Schweiz gegen 500 Unternehmen mit rund 10‘000 Mitarbeitenden in der Rohstoffbranche tätig. Diese umfasst, neben dem Handel insbesondere auch das Frachtgeschäft, die Handelsfinanzierung und die Inspektion und Warenprüfung. Die weitgehend aus dem Rohstoffhandel stammenden Einnahmen beliefen sich 2018 auf 33 Milliarden Franken und entsprachen rund 4,8 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP). Der Standort Schweiz ist weltweit einer der bedeutendsten Rohstoffhandelsplätze.
Der Grund für die bedeutende Stellung der Schweiz im weltweiten Rohstoffhandel liegt in der langen Tradition dieses Sektors und den für Unternehmen aller Sektoren günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese zeichnen sich durch stabile politische, ökonomische und rechtliche Institutionen, eine international konkurrenzfähige Unternehmensbesteuerung und eine prinzipienbasierte Regulierung aus. Neben weiteren Standortfaktoren (wie der Verfügbarkeit gutqualifizierter Arbeitskräfte oder der hohen Lebensqualität) tragen auch das hoch entwickelte, stabile Finanzsystem, und die hohe Dichte führender Unternehmen im Frachtgeschäft, in der Handelsfinanzierung sowie in der Inspektion und Warenprüfung zur Attraktivität des Rohstoffhandelsplatzes Schweiz bei.
Der Wirtschaftsstandort Schweiz steht auch in Bezug auf den Rohstoffsektor in einem starken internationalen Wettbewerb v.a. mit Singapur, Dubai (Vereinigte Arabische Emirate), China (insbesondere Hongkong), den USA, Großbritannien, Indien und den Niederlanden. Aufstrebende Standorte haben sich im Vergleich zur Schweiz in den Bereichen Besteuerung und regulatorisch bedingter Kosten besonders attraktiv positioniert. Somit ist die Schweiz herausgefordert, ihre günstigen Rahmenbedingungen zu erhalten und weiter zu stärken.
Mit der zunehmenden Bedeutung der Branche geht eine wachsende Verantwortung einher, u.a. in Bezug auf die Menschenrechte oder die Umweltsituation in rohstoffexportierenden Ländern, die Korruptionsbekämpfung sowie das Phänomen des „Rohstoff-Fluchs“ in Entwicklungsländern. Mit diesen Entwicklungen können auch Reputationsrisiken für die Schweiz verbunden sein, insbesondere wenn das Verhalten von in der Schweiz domizilierten Unternehmen den von der Schweiz vertretenen und unterstützten Positionen im Bereich der Entwicklungspolitik, Friedensförderung, Menschenrechte sowie Sozial- und Umweltstandards entgegenlaufen sollte.
Daher hat der Bundesrat 2015 ein Positionspapier und einen Aktionsplan 2015–2019 zur verantwortungsvollen Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility, CSR) veröffentlicht. Damit informiert er über seine Erwartungen an die Unternehmen und die Aktivitäten des Bundes in Bezug auf die CSR. Der Bundesrat erwartet von in der Schweiz ansässigen oder tätigen Unternehmen, dass sie ihre Verantwortung gemäss den international anerkannten CSR-Standards wie der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen bei ihrer gesamten Tätigkeit im In- und Ausland wahrnehmen. Im Januar 2020 hat der Bundesrat den revidierten CSR-Aktionsplan 2020–2023 genehmigt. Zwecks Förderung der CSR auf Unternehmensebene unterstützt der Bund die Ausarbeitung und Umsetzung von spezifischen Standards und Initiativen zur Förderung des nachhaltigen Rohstoffabbaus und -handels. Dazu gehört auch ein Leitfaden der OECD, der Unternehmen dabei unterstützt, dass sie nicht zu Konflikten oder zu Menschenrechtsverletzungen beitragen. Künftig soll noch stärker auf den Stakeholderdialog zwischen den Anspruchsgruppen und auf die Überprüfung der Umsetzung der CSR-Instrumente fokussiert werden.
Für den Bereich der Menschenrechte hat der Bundesrat am 9. Dezember 2016 einen Nationalen Aktionsplan für die Umsetzung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) verabschiedet. Die Schweiz gehört zu den ersten Ländern, die über eine solche Strategie zur Förderung der Kohärenz zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten und Menschenrechten verfügen. Im Januar 2020 hat er den revidierten NAP für 2020–2023 gutgeheissen. Neu sollen Instrumente zur Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltsprüfung und die Zusammenarbeit mit Multi-Stakeholder-Initiativen gefördert werden, die insbesondere KMU unterstützen.
Ende 2018 hat der Bund den ersten Leitfaden zur menschenrechtlichen Sorgfaltsprüfung spezifisch für Rohstoffhandelsunternehmen veröffentlicht.
Aufgrund des zunehmenden innen- und aussenpolitischen Bedeutung der Branche haben das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) sowie das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) eine interdepartementale „Plattform Rohstoffe" gegründet. In der Folge des 2013 veröffentlichten Grundlagenberichts Rohstoffe hat der Bundesrat im November 2018 einen neuen Bericht mit sechzehn Empfehlungen verabschiedet, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, die Integrität und Nachhaltigkeit und den Analysenrahmen, Dialog und die Koordination zu stärken. Er hat die interdepartementale „Plattform Rohstoffe“ beauftragt, die Umsetzung der Empfehlungen zu koordinieren und bis Ende 2020 Bericht zu erstatten.
Studien & Berichte
Rohstoffsektor Schweiz: Standortbestimmung und Perspektiven (PDF, 1 MB, 30.11.2018)Bericht des Bundesrates, 30.11.2018
Bericht des Bundesrates über Goldhandel und Verletzung der Menschenrechte (PDF, 559 kB, 14.11.2018)Bericht des Bundesrates vom 14.11.2018 in Erfüllung des Postulates 15.3877 Recordon vom 21.9.2015
Die Versorgung der Schweiz mit Seltenen Erden (PDF, 978 kB, 14.12.2018)Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulates 12.3475 Schneider-Schneiter vom 12.06.2012
Grundlagenbericht Rohstoffe (PDF, 1 MB, 27.03.2013)Bericht der interdepartementalen Plattform Rohstoffe an den Bundesrat
Medienmitteilungen
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Letzte Änderung 10.02.2020