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Stand der
Forschung auf dem Gebiet der geplanten Arbeit
Wie bereits
dargelegt ist auf dem Gebiet der systematischen Inventarisierung
kultur-historisch wichtiger Karten und Pläne auf nationaler Ebene so gut
wie nichts geschehen. Zwar gibt es einige Pionierleistungen, welche etwa
in diese Richtungen zielen, wie:
-
Kreisel, W. :
Grundlagen zu einem schweizerischen Kartenkatalog; 1949
-
Kreisel, W. :
Kleiner Atlas zu Gesamtkarten der Schweiz; 1951
-
Blumer, W. :
Die topographischen Karten des Kantons Glarus; 1950
-
Blumer, W. :
Bibliographie d. Gesamtkarten der Schweiz, von Anfang -1802; 1957
-
Grosjean, G. :
Kantonaler Karten- und Plankatalog Bern; 1960
Diese
Publikationen haben aber (neben ihrer unbestrittenen Nützlichkeit und
vielen Verdiensten) die folgenden Nachteile:
-
Sie richten
ihr Augenmerk nur auf einen einzigen Kartentyp (Gesamtkarten der
Schweiz), (Karten des Kantons Glarus).
-
Sie
verzeichnen nur gedruckte Karten (Kreisel, 1957).
-
Sie streben
Vollständigkeit an und können dadurch das einzelne Objekt
naturgemäss nur knapp beschreiben. Abbildungen - auch wichtigster
Karten - fehlen (Grosjean, 1960).
-
Sie geben
selbst bei Unikaten keine Standorte an (Blumer, 1950 und 1957).
-
Sie lassen
das Planmaterial völlig weg (Kreisel, Blumer).
-
Sie sind
alle in ihren Beschreibungen - was die wichtigen Objekte anlangt -
zu wenig erschöpfend, da sie wichtiges und weniger wichtiges
ungenügend differenzieren.
-
Sie sind, -
auf einen Nenner gebracht -, für andere Zweckbestimmungen angelegt
worden !
Stand der eigenen Forschung auf dem
Gebiet der geplanten Arbeit
Seit ich auf
dem Gebiet der Kartengeschichte tätig bin, sehe ich mich dauernd mit der
Notwendigkeit konfrontiert, Karten und Pläne (sowie auch Globen)
möglichst so zu erfassen, dass diese Kartenaufnahmen das Original bis zu
einem gewissen Grade ersetzen vermögen.
Vor etwa 30
Jahren habe ich zu diesem Zweck ein Karteninventarblatt entwickelt,
welches es mir in den vergangenen ca. 25 Jahren gestattet hat, alle
notwendigen Informationen über eine Karte oder einen Plan rasch und
lückenlos festzuhalten. Methode und Inventarblatt sind im Laufe von zwei
Jahrzehnten und anhand von hunderten von Karten und Plänen erprobt und
mit Fachkollegen diskutiert worden.
Anlässlich der
Präsentation der Forschungsprogramme des Geographischen Instituts der
Universität Zürich im Jahre 1981, konnte ich das "Karteninventar
Schweiz" zum erstenmal in einer Ausstellung der Allgemeinheit
vorstellen. Das Echo war sehr gross und überaus positiv.
Im Rahmen des
Kartenhistorischen Colloquiums in Bayreuth (18.-20. März 1982) konnte
ich mein Projekt nochmals einer weiteren Fachwelt (Kartenhistoriker des
deutschsprachigen Raumes) präsentieren. In der Diskussion und durch
Zuschriften wurde ich von der Brauchbarkeit, ja der Güte meines
Programmes überzeugt.
[Deutschland
besitzt bereits seit 1978 etwas ähnliches: "Kartendrucke von Deutschland
(bis 1815)". Dieses Inventar verzeichnet jedoch nur gedruckte Karten und
setzt keine Prioritäten bezüglich deren kulturhistorischem Wert. Zudem
ist der den Inventarblättern zugrunde liegende Schlüssel mnemotechnisch
fragwürdig.]
Mein damaliger
Bereicht hat seinen Niederschlag gefunden: "Der Plan eines
Karteninventars Schweiz und der Stand der Geschichte der Kartographie in
der Schweiz."
Ein Kredit des
Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen
Forschung, der mir vom 1. April 1985 über zwei Jahre hinweg gewährt
wurde, ergab, durch Einstellung eines Stellvertreters für 6
Wochenstunden, eine deutliche Entlastung vom Schuldienst. Die so
gewonnene Zeit wurde vollumfänglich zur Materialsammlung und
-Aufarbeitung benützt.
Über die
erzielten Resultate gibt mein Schlussbereicht vom 31. Januar 1988
detaillierte Auskünfte. Trotzdem sollen im folgenden die Ergebnisse kurz
rekapituliert werden:
-
Es wurden
einige hundert Inventarblätter in verschiedenen Stadien der
Bearbeitung angelegt, wobei - dies im Gegensatz zum ursprünglichen
Plan - eine "druckfertige Ausführung" zur Zeit nicht angestrebt
wird.
Die Gründe finden sich weiter unten unter "Detaillierter
Forschungsplan"
-
Es wurde
der zum "Karteninventar Schweiz" zugehörige Apparat aufgebaut,
bestehend aus Bibliotheken, Bibliographie, Faksimile-Katalog,
Personen-Katalog, Globen-Katalog. Alle Teile des Apparates zum
"Karteninventar Schweiz" sind zugleich selbstständige
Informationssysteme und werden bei Gelegenheit, unabhängig davon,
publiziert werden.
-
Die
Forschungsarbeiten in Archiven und Bibliotheken brachten mich in
Kontakt mit besonders seltenen und wichtigen Karten, für deren
Faksimilierung ich mich z.T. mit grossem Zeitaufwand einsetzte.
Zu erwähnen sind vor allem: "Sebastian Münsters Sonneninstrument und
die Deutschlandkarte von 1525" (Unikat, Universitätsbibliothek
Basel) und die schliesslich etwa 16 Originalzeichnungen der
"Topographischen Aufnahme des Kantons Zürich, 1843-1851" und der
"Topographischen Aufnahme des Kantons Schaffhausen durch Auer und
Müller, 1783-1848" (Archiv der Bundesanstalt für Landestopographie).
Anlässlich der Faksimilierung wurden diese Objekte wissenschaftlich
untersucht und dokumentiert.
-
Die
Publikationen meiner Tätigkeit durch den Nationalfonds, bzw. durch
das "Centre de documentation et d'information scientifique (CEDOS)"
brachte mir eine wahre Flut von Anfragen von Wissenschaftern und von
Laien ins Haus und so bin ich heute sozusagen gesamtschweizerisch
zur Anlaufstelle für kartengeschichtliche Fragen geworden. Mein
Korrespondenz-Journal verzeichnet seit dem 1. Januar 1990 über 780
Nummern (ein- und ausgehende Post und Telefongespräche).
-
Um diesem
enormen Interesse entgegenzukommen, gründeten vier Idealisten mit
mir zusammen eine Fachzeitschrift für Kartengeschichte,
CARTOGRAPHICA HELVETICA, die zweimal jährlich erscheint. Wir
arbeiten bereits an der 3. Nummer (Januar 1991) und das Echo ist
sehr gut.
Angefertigte Vorderseite des Inventarblattes zur Solothurner
Kantonskarte von 1796.
(Bild:
Bildarchiv Dürst, Zürich)
Detaillierter Forschungsplan
Nach dem
Auslaufen des oben erwähnten Forschungskredites vom 1. April 1985 bis
Ende März 1987 habe ich auf eine Bitte um die Fortsetzung des
Forschungskredites verzichtet. Dies aus zwei Gründen (Ausführliche
Darstellung im Schlussbericht).
-
Mein
Gesundheitszustand war allgemein unbefriedigend.
-
Es fehlte
mir zur Zeit der für die Weiterführung des Projektes notwendige
Hersteller, bzw. Verleger. Zwar war ich mit mehreren Verlegern im
Gespräch, doch war ihnen das "Karteninventar Schweiz" entweder
technisch zu aufwendig oder finanziell zu wenig ertragreich.
Nun habe ich
vor kurzem (Mitte September 1990) im Bundesamt für Landestopographie den
idealen Hersteller und eventuell auch Verleger gefunden.
Das Bundesamt
für Landestopographie wird also die Karten-Inventarblätter drucken und
"wenn sich niemand anders darum reisst" auch verlegen.
Dies bedeutet
für mich einen gewaltigen Zeitaufwand, da - in Zusammenarbeit mit dem
Hersteller - die Inventarblätter in einer Endredaktion in die
druckfertige Firm gebracht werden müssen. Die Inventarblätter stehen in
verschiedenen Stadien der Bearbeitung, da aus den folgenden Gründen
bislang eine "druckfertige Ausführung" nicht angestrebt wurde:
-
Gespräche
mit Druckereifachleuten ergaben, dass es nicht sinnvoll wäre, die
Inventarblätter druckfertig zu gestalten, da der Herausgeber -
gemäss seinen technischen Möglichkeiten, das Setz- und
Druckverfahren - selber bestimmen wird.
-
Da noch
nicht bekannt ist, welche technischen Mittel der Hersteller für die
Abbildungen einsetzen will, wurde bislang nur je eine
Orientierungsaufnahme beigelegt.
Aus den
erwähnten Gründen, sowie auch weiteren, die im Schlussbericht vom 31.
Januar 1988 dargelegt sind, ist es unumgänglich, dass die Endredaktion
der Karteninventar-Blätter erst kurz vor der Drucklegung stattfinden
muss.
In einer ersten
Phase werde ich mich mit dem designierten Abteilungsleiter des
Bundesamtes für Landestopographie über das organisatorische und Vorgehen
einigen müssen. Es werden Gespräche nötig sein über Aufgabentrennung,
Arbeitswege, graphische Gestaltung, Termine, Form der Anlieferung der
Vorlagen usw.
Da diese Phase für das gesamte weitere Vorgehen entscheidend ist, muss
ihr die nötige Zeit angemessen werden.
In der zweiten
Phase werden dann, nach Massgabe des technischen Ablaufs, in einer
Endredaktion die im "Rohzustand" vorliegenden Karteninventar-Blätter zur
Weiterverarbeitung im Bundesamt für Landestopographie vorbereitet, dort
druckfertig gestaltet, ausgedruckt und in Faszikeln zu 50 oder 100
Inventarblättern ausgerüstet.
Dabei scheint
mir enorm wichtig, dass das erste Faszikel möglichst viele verschiedene
Plan- und Kartentypen aus ebenfalls möglichst vielen Archiven und
Bibliotheken enthält; damit gleichsam das Publikationsprogramm
dokumentierend.
Als Verleger
käme m.E. am ehesten das Bundesamt für Landestopographie in Frage, das,
aus naheliegenden Gründen, auch über das adaequate Vertriebsnetz
verfügt.
Zeitplan für das
Gesamtprojekt
Obwohl sich die
erste Phase, d.h. diejenige der Arbeitsorganisation und des technischen
Vorgehens, im Zeitbedarf schlecht abschätzen lässt, hoffe ich damit bis
zum Beginn der eigentlichen Nationalfonds-Unterstützung (also vor dem 1.
April 1991) abschliessen zu können.
Alsdann wird an einigen, möglichst verschiedenen Karteninventar-Blättern
das redaktionelle und technische Prozedere durchexerziert werden müssen,
damit abschliessend - bei der im Ablauf routinemässig erfolgenden
Produktion - keine unliebsamen Überraschungen auftreten können.
Es ist
beabsichtigt bis Ende 1991 ein erstes Faszikel mit mindestens 50
Blättern herausgeben zu können und damit ebensoviele einzigartige oder
höchst seltene Pläne und Karten von nationalem Interesse in Wort und
Bild festzuhalten um sie so der Forschung zugänglich zu machen.
Für das Jahr
1992 würde ich mit 80 bis 100 Inventar-Blättern rechnen, wobei der
Umfang eines Faszikels (unter Berücksichtigung der Vertriebskosten) erst
noch festgelegt werden müsste (50 oder 100 Blätter).
Welche Karte wann und in welchem Faszikel dokumentiert werden soll, ist
- im Rahmen der Prioritäten, die durch den Stellenwert des Objektes
gegeben sind - Gegenstand der kurzfristigen Planung, die sich auf die
momentanen Möglichkeiten abstützen muss.
Die Bedeutung der geplanten
Arbeit
-
Das
"Karteninventar Schweiz" soll Karten- und Plan-Unikate von
nationalem Interesse, im Sinne des Kulturgüterschutzes, fachmännisch
festhalten und dadurch versichern, so dass im Falle ihres Verlustes
das Inventarblatt wesentliche Inhalte derselben wiedergeben könnte.
(Da der Vollfaksimile selbstredend die noch bessere Versicherung
eines wertvollen Plan- oder Kartenoriginals ist, ist - sozusagen als
Nebenprodukt des Karteninventars Schweiz - ein Faksimilekatalog
entstanden: Arthur Dürst: "Monumenta Chartographica Helvetiae. -
Neuauflagen, Faksimilierungen und Reproduktionen von alten Karten,
Plänen und Planveduten schweizerischer Gebiete und Orte von den
Anfängen bis 1900". Der Katalog ist nahezu publikationsreif).
-
Das
Karteninventar Schweiz soll es durch die Präzision der einzelnen
Karten-Aufnahmen (und durch die Abbildungen) ermöglichen, als
Forschungsgrundlagen erste Abklärungen zu erlauben, primäre
Erkenntnisse zu vermitteln und Vergleiche zu gestatten.
-
Das
Karteninventar Schweiz schont die kostbaren Originale, da in vielen
Fällen die Konsultation der Inventarblätter genügt um hängige Fragen
zu klären.
-
Das
Karteninventar Schweiz dient verschiedenen Wissenschaften, vorab
natürlich der Landes-, Regional- und Lokalgeschichts-forschung in
allen ihren Aspekten, dann auch der Geographie
(Kulturlandschaftsgenese), der Planung, der Heimatkunde und den
Schulen aller Stufen.
-
Das
Karteninventar Schweiz soll in seinen ersten Faszikeln Muster und
Lehrbeispiel sein, nach welchem Archive und Bibliotheken wie auch
einzelne Forscher, ihre wichtigsten Kartenbestände selber aufnehmen
können.
-
Fernziel
des Karteninventars Schweiz: Archive und Bibliotheken, die personell
in der Lage sind, ihre kostbaren Plan- und Kartenbestände auf
Karteninventar-Blättern aufzunehmen, senden diese an eine zentrale
Stelle zur Schlussredaktion und zum Druck.
-
Es ist
nicht vorgesehen, möglichst alle Karten auf diese arbeits-intensive
Weise zu inventarisieren. Für die meisten genügt eine einfache
Erfassung (analog der Katalogkarte für Bücher) vollauf.
Dieser Bericht
und die Vorstellung seines Projektes "Karteninventar Schweiz" verfasste
Arthur Dürst am 29. September 1990 zu Handen des Schweizerischen
Nationalfonds.
Das "Karteninventar Schweiz" ist bis heute, ausser zwei Probedrucken,
leider nicht im geplanten Umfang veröffentlicht worden.
Das Karten-Inventarblatt
Kurzvorstellung
des Projektes "Karteniventar Schweiz"
Karten-Inventarblatt
- Vorderseite
Karten-Inventarblatt
- Rückseite
Anleitung
zum Ausfüllen des Inventarblattes - Vorderseite
Anleitung
zum Ausfüllen des Inventarblattes - Rückseite
Provisorischer
Schlüssel der Abkürzungen zum Karteninventar
Beispiele erfasster Karten
Zürcher Hochwachtenkarte (17. Jahrhundert) - Vorderseite
Zürcher Hochwachtenkarte (17. Jahrhundert) - Rückseite
Prättigau-Karte (anonym von 1622)
- Vorderseite
Prättigau-Karte (anonym von 1622)
- Rückseite
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