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Der Jubel in der Schweizer Provinz war wesentlich grösser als in den urbanen Zentren der Schweiz, den Metropolen Zürich, Basel und Genf-Lausanne. Von einer grossen Wahl sprach niemand.
Die beiden neu gewählten Schweizer Bundesrätinnen stellen sich als klassische Vertreterinnen der national orientierten B-Schweiz heraus, während die A-Schweiz der global orientierten Unternehmen und Organisationen mindestens vorläufig leer ausgeht.
Die Beurteilung des erneuerten Schweizer Bundesrates bringt deshalb ein klares Ergebnis hervor: eine 3 (befriedigend) für Anliegen der nationalen Politik, eine 4 (ungenügend) für Anliegen der internationalen Politik der Schweiz.
Ausschlaggebend dafür ist die Wahl der St.Gallerin Karin Keller-Sutter, die sich noch während der Kandidatur für den Bundesrat vom Rahmenabkommen mit der EU distanzierte.
Kein Wunder: Der Erste, welcher sie nach ihrer Wahl umarmen durfte, war Paul Rechsteiner, SP-Ständerat und langjähriger Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Die neue Mitte-Links-Koalition zwischen FDP und SP verzeichnete ihren ersten Erfolg.
Ohnehin ging es in diesen Ersatzwahlen, wie es die Berichterstattung der Medien bestätigt, mehr um eine Innerschweizer Form des Geschlechterkampfes, wo die Gender-Zugehörigkeit eine grössere Bedeutung erhielt, als sie es verdient.
Mit grosser Sicherheit ist dies auch die Folge der Aufmerksamkeit zahlreicher Journalistinnen, die, feministischen Anliegen geneigt, dem Gender-Faktor in der Politik eine übergrosse Bedeutung zumessen. Vielerorts lobten deshalb schreibende Frauen andere nur sprechende Frauen, weshalb der einst dominierende maskuline Faktor in diesem Wettbewerb keine Chance mehr hatte.
Neben dem Gender-Faktor war der Brückenbauer-Faktor das andere bedeutende Element dieser Wahlen. Keine Kandidatin wollte Fundamentales bieten, sondern Brücken zwischen den polarisierten Fundamenten schlagen.
Die beiden Verlierer waren Albert Rösti, der Präsident der SVP, der sich, ebenso wie Gerhard Pfister, der Präsident der CVP, für die Urnerin Heidi Z’graggen stark gemacht hatte. Ihre beiden Fraktionen entschieden sich für die vitalere, besser vernetzte und besser beratene Oberwalliserin Viola Amherd, die sich nach der Wahl sofort den Titel der Landesmutter zusprach.
Gegen diese zupackende Argumentation kam Heidi Z’graggen so wenig an wie schon zuvor die Basellandschaftlerin Elisabeth Schneider-Schneiter, die sich früh auf eine aussenpolitische Positionierung festgelegt hatte.
Und nun?
Die Schweiz ist im Begriff, was nicht alle glauben mögen, sich in Brüssel gewaltig den Kopf anzuschlagen, weil die EU stärker ist, als die Schweizer Öffentlichkeit dies wahrhaben möchte. Der Aberglaube, die EU samt Euro würden demnächst zusammen brechen, beflügelt auch den neuen feminisierten Bundesrat.
Als „Häuflein der sieben Aufrechten“ (Gottfried Keller), angeführt von der vaterländischen St.Gallerin Keller-Sutter, wollen die standhaften Eidgenossen beider Geschlechter nun der Welt den Meister zeigen.
Das ist „Le soleil trompeur“, wie es in einem einst berühmten russischen Film über die Stalin-Zeit hiess. Das schreckliche Ende naht, wohl rascher als erwartet.
Sind unsere Bundesräte, angeführt von Bundespräsident Ueli Maurer, international satisfaktionsfähig?
Vor uns liegen elf Monate grosser Wirren: Wahlen in Zürich und anderen Kantonen, im Herbst Neuwahlen in den National- und Ständerat. Die Grünen sind auf dem Sprung, die CVP von Gerhard Pfister unter die 10%-Grenze zu drücken. Die SVP sucht einen Weg, die 30%-Marke zu erreichen, oder besser noch zu übertreffen.
Der neue Bundesrat hat 8 bis 10 Monate Zeit, um seine Leistungsfähigkeit zu beweisen. Wenn dieses nicht gelingt, wenn „Not am Mann“ gemeldet wird, steht Bundespräsident Ueli Maurer für den Rücktritt zur Verfügung. Das wird die Stunde von Magdalena Martullo-Blocher sein, die, wie sie sagt „Nur in der Not das Land retten will.“ Diese Stunde wird rascher als erwartet kommen.