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Das gesamte Schaffen von Germaine Richier ist auf den Menschen ausgerichtet. Die Künstlerin selbst prägte den Satz: «Allein das Menschliche zählt.» Schaut man jedoch ihre Werke und deren Titel genauer an, müsste man korrekterweise schreiben: Allein das Menschliche und die Natur zählen.
Germaine Richier (1902–1959), die aus der Provence stammt und zeitlebens mit ihr verbunden blieb, hatte bereits als Kind eine grosse Sammlung an Insekten, vorwiegend Heuschrecken. Später, als erwachsene Frau und Künstlerin, studierte sie deren Morphologie und liess sich von ihren bizarren Formen inspirieren. So auch bei der grossen bronzenen Skulptur «Die Heuschrecke» aus den Jahren 1955/56, die ein weibliches Wesen in der Hocke zeigt, mit dünnen Beinchen und angewinkelten Armen, kurz vor dem Absprung. Halb Mensch, halb Tier ist auch «Die Fledermaus», 1946. Besonders schön an dieser Figur ist der angedeutete Körper und die durchwirkten Flügel. Die goldene Patina lässt viel mehr an einen Götterboten denken als an die grauen Fledermäuse, auf die sich die Skulptur bezieht.
Germaine Richier gehört zu den grossen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sie studiert in Paris im Atelier Bourdelle. Hier lernt sie Alberto Giacometti kennen sowie ihren zukünftigen Mann, den Zürcher Bildhauer Otto Charles Bänninger. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bleibt Germaine Richier in Zürich, wo sie ihre Pariser Freunde Giacometti, Marino Marini, Hans Arp, Le Corbusier und Fritz Wotruba wieder trifft.
Das Werk von Germaine Richier ist auch heute noch schwer einzuordnen. Für manche zählt sie mit ihren figürlichen Skulpturen mit den Rissen und Verdrahtungen zu den Vertreterinnen des Existenzialismus. Die Künstlerin selbst fühlte sich jedoch auch dem Surrealismus verpflichtet.
Die erste grosse Retrospektive in der Schweiz umfasst 60 bedeutende Plastiken sowie zahlreiche grafische Arbeiten.
Kunstmuseum Bern
Bis 6. 4., Di 10–21, Mi–So 10–17 Uhr, Tel. 031 328 09 44
www.kunstmuseumbern.ch