Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/447

Die grundlegenden Komponenten jeder neuen Personalauswahl sind in der Regel die schriftlich eingereichten Bewerbungsunterlagen, die bei den Auswahlüberlegungen beigezogen werden. Dazu gehören:
- das Bewerbungsschreiben/Motivationsschreiben/Anschreiben
- der Lebenslauf mit/ohne Foto
- die Zeugnisse
- die Diplome
- eventuell zusätzlich eine Arbeitsprobe
«Das Motivationsschreiben/Anschreiben, respektive die gesamten schriftlichen Unterlagen zeigen Ihrem neuen Arbeitgeber schwarz auf weiss, wie Sie später arbeiten: ob sorgfältig oder nachlässig, organisiert oder chaotisch, verschnörkelt oder logisch.»
In den Foren im Internet taucht immer wieder die Frage auf, was der Unterschied zwischen Anschreiben, Motivationsschreiben und Bewerbungsschreiben ist. Im Duden werden die Begriffe unterschiedlich verwendet. In der Praxis in der Schweiz gibt es keinen klaren inhaltlichen Unterschied zwischen den Begriffen und sie werden oft als Synonyme verwendet. Diese Aussage wird unterstützt durch die von mir geführten Interviews und die Autoren der Literatur. Deutsche sowie die Literatur von deutschen Autoren benutzten meistens den Ausdruck Anschreiben, jedoch bei meiner Untersuchung benutzen Personaler mit schweizerdeutscher Herkunft, kein einziges Mal das Wort Anschreiben. Sie benutzten gleichmässig Bewerbungsschreiben und Motivationsschreiben.
Die Bedeutung des Motivationsschreibens ist subtil. Es sollte dem Lebenslauf einen persönlichen Rahmen geben und maximal eine A4-Seite lang sein. Zudem sollte es dem Personaler kurz und prägnant vermitteln, warum genau er/sie der/die geeignete Bewerber/in für den Job ist.
Das Motivationsschreiben sollte zu den folgenden Fragen eine Antwort geben:
- Wer bin ich?
- Was biete ich?
- Was können Sie von mir erwarten?
- Warum genau diese Firma?
Wie viel Zeit nimmt sich ein Personaler beim Vorliegen einer grossen Anzahl von Bewerbungen für die Erstsichtung der Bewerbungsunterlagen?
Im Durchschnitt nehmen sich die Personaler weniger als zehn Minuten Zeit pro Bewerber. In der Literatur gehen sie von gerade einmal 1.5 Minuten bis 2 Minuten aus. Für die Negativauswahl genügen mitunter weniger als 30 Sekunden, um aus dem Rennen zu fallen. Aus meiner Untersuchung sowie meiner Erfahrungen wurde generell gesagt, dass die Personaler wenig Zeit für die Erstentscheidung einsetzen. «In den ersten zwei bis drei Sätzen sehen wir die Tendenz, ob sie gut sind», «auf den ersten Blick, 15 Sekunden» und «1 Minute». Die Ausnahme ist der Personalvermittler, welcher sich mehr Zeit nimmt. Eine auf den ersten Blick offensichtliche negative Entscheidung wird näher überprüft. Total braucht er 5 Minuten und in vielen Fällen werden die Dossiers zusätzlich noch dem Partner gezeigt. Der Unterschied zwischen den Interviewten ist der Zeitdruck, denn die Rekruterin und der Personalvermittler haben die gleiche Aufgabe, «wir stehen natürlich auch unter Zeitdruck, da entscheidet häufig der erste Blick, wenn ich schon Rechtschreibefehler sehe […] Das müssen wir recht schnell entscheiden, ob wir weitermachen oder nicht».
Das Bewerbungsschreiben ist mehr als ein Begleitschreiben und wird von den Personalverantwortlichen gerne gelesen, da möchte der/die Personalverantwortliche die Beweggründe lesen und warum er/sie zur ausgeschriebenen Stelle passt. Dass die Bewerbenden zu diesem Zeitpunkt dies kaum realistisch einschätzen können, ist in diesem Moment nicht relevant. Wer mit den Worten «Sehr geehrte Damen und Herren» ein Motivationsschreiben anfängt, hat in vielen Fällen schon verloren, denn der/die Bewerbende hat sich nicht die Mühe genommen, herauszufinden, wer der Ansprechpartner ist. Die persönliche Anrede wird von 44% der Personalverantwortlichen als wichtig angesehen.
Quelle: Beat Jakob Coaching, Beratung & Training,
Masterarbeit zum Thema: «Im Wandel: Bewerbungscoaching für Stellensuchende ab 40»