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Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen haben sich diese selber zugeschrieben.
...und Max läuft noch... (Teil 2)
Seit seinem allerersten Lauftraining im neuen Leben, wie Max es inzwischen stolz nannte, war wieder viel Gras vor dem schmucken Reihenhäuschen gewachsen. Sein Nachbar hatte sich vom ersten Schreck, den er durch den laufenden Max eingefangen hatte, erholt und stellte langsam aber sicher fest, dass Laufen die Kreativität unglaublich anregen musste: Immer wieder fand Max neue Ideen, wie er dem inzwischen langweilig gewordenen Rasenpflegen aus dem Weg gehen konnte. An einem lauen Frühlingstag steckte Max einen Holzstab mitten in die Wiese, knotete eine Schnur zwischen Rasenmäher und Stab und liess die Maschine, welche sich jetzt stur in immer kleiner werdenden Kreisen um den Stab vorarbeitete, laufen. Das ging alles gut, bis die ganze Schnur aufgewickelt war und der Mäher sich nach dem Abriss derselben den Weg durch das Tulpenbeet frei schnitt.
Max war nun immer öfters im nahen Wald anzutreffen. Der Neid seines unsportlichen Nachbarn wurde immer grösser, der Max' Bauchumfang immer kleiner. Während Max früher ärgerlich feststellte, dass das Bier im Keller schon wieder alle war, so war jetzt das grössere Problem, dass seine Frau mit dem Waschen seiner Sportgarderobe nicht mehr nachkam und er deswegen auch schon mal auf eine Trainingsrunde verzichten musste.
In seinem Kleiderschrank änderte sich die Kleiderordnung komplett: Auf der Ablage, welche sich auf optimalster Zugriffshöhe befand, wichen die Hemden seinen Baumwoll-Shirts und Turnhosen. In der Küche bekam der Shorley die Pole-Position und die Bierflaschen mussten mit einem Platz weit hinten in der Boxenstrasse vorlieb nehmen. Der Garten wurde des Öfteren sich selbst überlassen und seine trendigen, fast fünfzehnjährigen Retro-Turnschuhe (Jetzt kommt Max - Teil 1) bekamen den Platz auf dem kleinen roten Teppich, auf welchem früher nur die Timberlands stehen durften. Max war ein richtiger Läufer geworden.
Gut vier Wochen nach dem Abschied seines langjährigen Mottos "no sports" kam Max während einer seiner kleinen Laufrunden im Wald ins Gespräch mit einem anderen Jogger.
Sie vereinbarten, eine Runde zusammen zu laufen - und das war für Max wohl zuviel: Seine Motivation schrumpfte wie ein Frankfurter auf dem Grill. Nicht nur, dass der andere scheinbar ohne Anstrengung mitlaufen konnte, nein, der fand zusätzlich noch eine Menge Energie zum Quasseln und die Fachbegriffe sprudelten nur so aus seinem Mund: Funktionsfasern, Pronation, Regeneration, Superkompensation, Tapering, Ruhefrequenz, Windchill, Laktattoleranz, Schwellentempo, Spreizfuss, Aufsatzphase und Radikale.
Das war radikal zu viel für Max und seine vom Fernsehglotzen sowieso schon geschwächte Rumpfmuskulatur. Seine aufrechte Haltung liess nach und die schwerfälligen Schritte waren vergleichbar mit denen von Quasi-Modo. In Gedanken sah sich Max schon wieder beim Rasenmähen und beim Vor-der-Glotze-Hocken, als der andere zum letzen Rundumschlag ausholte: "Und noch einen Gratistipp: Diese vorchristlichen Turnschuhe kannst du dem Olympischen Museum vermachen. Du holst dir damit nur Probleme. Die sind absolut nicht mehr up-to-date. Wenn du laufen möchtest, musst du dir ein paar richtige Laufschuhe kaufen. Mit diesen kannst du, wenn's gut geht, noch den Rasen mähen!" - Das sass!
Er bedankte sich übertrieben höflich für den Tipp und nahm das erste Mal eine Abkürzung. Für heute hatte er vollends genug! Im Keller blieb der rote Teppich leer, die Schuhe flogen in die hinterste Ecke und landeten zwischen dem Gartenwerkzeug, dem Rasenmäher und dem Sack mit frischen Rasensamen.
Als er nach dem Duschen seine Kleiderordnung im Schrank auf den Vorkriegsstand bringen wollte, entdeckte er einen Briefumschlag. Er machte ihn verwundert auf und zog eine Karte heraus: "Gutschein für ein Paar Laufschuhe. Einzulösen innerhalb einer Woche. Dein Schatz!"
Die Kleiderordnung erfuhr keine Änderung und die alten Turnschlappen standen am nächsten Morgen wieder auf dem roten Teppich - wenigstens für ein paar Tage noch...