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Die US-Bank Citigroup schlägt Alarm. Das Risiko einer weltweiten Rezession in den nächsten Jahren liege bei 55 Prozent, schreibt Citi-Chefvolkswirt Willem Buiter in einer Studie. Dauer und Ausmass der Rezession würden allerdings nur moderat sein, hiess es.
Anders als die globalen Flauten der letzten beiden Jahrzehnte, die von den USA ausgingen, werde diese durch ein Nachlassen der Nachfrage aus den Schwellenländern, vor allem China, ausgelöst werden. «Es sieht so aus, als stünde die Welt vor einem hohen und zunehmenden Risiko, in eine Rezession einzutreten, angeführt von den Schwellenländern und insbesondere China», schrieb Buiter.
Langsames China-Wachstum
Ein Grund zur Sorge sei, dass China in Wirklichkeit mit einer Rate wachse, die näher bei vier Prozent liege als am Regierungsziel von sieben Prozent für dieses Jahr, so der Ökonom. Zu einer leichten Rezession werde es wahrscheinlich kommen, wenn sich das Wachstum Mitte nächsten Jahres auf 2,5 Prozent abschwäche und dort verharre.
Andere Schwellenländer wie Brasilien, Südafrika oder Russland haben bereits Probleme; in Industrieländern verläuft die konjunkturelle Entwicklung lustlos und die Unternehmensgewinne sinken.
Buiter als Exot
Buiter vertritt gerne andere Ansichten als seine Kollegen. Ökonomen von Goldman Sachs Group und JPMorgan Chase spielen das Risiko herunter, das China für die reicheren Länder darstellt. Volkswirte von Société Generale erklärten diese Woche, sie bezifferten das Risiko einer neuen globalen Rezession auf nur zehn Prozent, weil das billige Öl einen Puffer gegen die Schwäche der Schwellenländer darstelle.
Im Falle Chinas sieht Buiter ein «hohes und rapide zunehmendes Risiko einer harten Landung» aufgrund von Überschusskapazitäten und Verschuldung in wichtigen Sektoren sowie Korrekturen an den Aktien- und Immobilienmärkten. Er befürchtet, dass die Antwort der Regierung auf die schwächelnde Nachfrage nicht ausreichen wird, weil die Verschuldung den Spielraum der Geldpolitik einschränke, auch wenn die Zentralbank die Zinsen und die Reserveanforderungen an die Banken senke.
Dollar als Hafen
China könne die entwickelten Volkswirtschaften über eine Abschwächung des Handels anstecken, schrieb Buiter. Auch wenn China einen Teil seiner ausländischen Vermögenswerte im Wert von sechs Billionen Dollar verkaufe, könne das an den internationalen Finanzmärkten für Aufruhr sorgen; der Dollar könne steigen, wenn die Investoren «sichere Häfen» ansteuern.
Eine Rezession 2016 lasse sich durch eine Lockerung der Geld- und Fiskalpolitik vermeiden, so Buiter. Jedoch gehe den reichen Ländern die Munition aus – entweder weil die Zinsen bereits am Tiefpunkt seien, oder weil die Politiker Instrumente nicht nutzen wollten. Sollten die amerikanische oder die britische Zentralbank die Zinsen bald anheben, könnten sie sie bis Ende nächsten Jahres wieder senken, erklärte der Ökonom.
Zins geldpolitisch unbrauchbar
«Heute ist der Zins als geldpolitisches Instrument in den meisten entwickelten Märkten unbrauchbar, und der haushaltspolitische Spielraum ist fast überall stärker eingeschränkt als 2008», schrieb er. Zwar sei eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008 mit einem depressionsähnlichen Einbruch beim weltweiten Bruttoinlandsprodukt unwahrscheinlich; jedoch warnt Buiter, dass sich der Ausblick verschlechtern werde, falls die Investoren wegen wachsender Staatsverschuldung plötzlich in Panik gerieten oder die Politik auf Protektionismus oder Währungsabwertungen zurückgreife.
«Ökonomen kündigen selten Rezessionen, Abschwünge, Erholungen oder Boomzeiten an, ausser wenn sie ihnen direkt ins Gesicht blicken», so Buiter. «Wir glauben, das könnte diesmal der Fall sein.»
(bloomberg/ise)