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907-966. Königin Bertha ist die Gründerin des Klosters von Payerne, aus dem später unsere schöne Stiftskirche entstand.
Im zehnten Jahrhundert, in dem Bertha lebte, war unsere Region Teil des grossen transjuranischen Königreichs Burgund, in dem die Könige Kriege führten, um ihre Herrschaftsgebiete zu vergrössern und die Oberherrschaft über die andern zu gewinnen.
Rudolf II. ist zu jener Zeit König von Burgund und gehört ebenfalls zu den sich bekriegenden Herrschern. 918 greift er deutsche Gebiete an und kämpft gegen den mächtigen Herzog Burchard von Schwaben. Es ist ein harter Kampf, der schlussendlich damit endet, dass die beiden Widersacher ihre Waffen niederlegen und ein Bündnis schliessen. 921 wird dieses mit der Hochzeit von Rudolf II. und Bertha, die Tochter von Burchard dem Schwaben, konkrete Formen an.
Gemeinsam regieren beide in Italien in Pavia und Bertha schenkt dem König drei Nachkommen: Konrad (später "der Friedfertige" genannt), Adelheid (die spätere Kaiserin des deutschen Reiches) und Rudolf (der spätere Herrscher über das Elsass). 926 stirbt Rudolf in einer Schlacht gegen die Ungarn. Der zweite König von Italien, Hugo von Arles, wittert sofort die Vorteile, die sich für ihn aus dieser Situation ergeben könnte. Bertha, die mit den Kinder auf sich allein gestellt und Machtkämpfen und Intrigen am Hof ausgesetzt ist, sieht in ihm ihren Ritter ohne Furcht und Tadel. 937 wird geheiratet und Hugo hat fortan nur Augen für den Thronfolger, den kleinen Konrad, der zu dieser Zeit zwölf Jahre alt ist. Unmittelbar nach der eigenen Hochzeit verlobt er seinen Sohn Lothar mit Adelheid. Aber die kriegslustigen Könige dieser Zeit sind damit gar nicht einverstanden.
Otto I., König von Deutschland, erkennt die Gefahr einer Wiedervereinigung des Königreichs Italien und lässt Konrad entführen, der in der Folge als Gefangener am deutschen Hof aufwächst. Später heiratet Otto Adelheid, die Witwe von Lothar, und macht sie zur ersten Kaiserin des deutschen Reiches.
Und Bertha? In diesen unruhigen Zeiten beschliesst sie, sich in unserer Gegend niederzulassen. Obwohl Königin und unangefochtene Ehefrau von Hugo, entscheidet sie sich, dem Hof und den zahlreichen Konkubinen des Königs den Rücken zu kehren. Die in ihrem Stolz verletzte und verlassene Frau hofft, im Kloster von Payerne ihren Frieden und Ruhe zu finden. Der Krieg hat jedoch seine Verwüstungen hinterlassen und die Sarazenen, spanische Piraten und Plünderer, setzen der bäuerlichen Bevölkerung, die sich mehr schlecht als recht zur Wehr setzten können, ohne Unterlass zu. Bertha beschliesst also, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Sie bildet eine Armee, um die Sarazenen zu verjagen. Sie bittet die Benediktinermönche von Cluny um Hilfe, um das Kloster wiederaufzubauen und lehrt die Frauen das Spinnen, um die Wolle anschliessend zu verkaufen.
Die Legende der Königin Bertha entsteht in dieser Zeit, als sie auf ihrem Pferd ihr Land durchreitet, ihre Spindel tanzen lässt und ihre Wohltaten vollbringt. Bis heute sind zahlreiche Anekdoten rund um die Königin bekannt: «In den guten alten Zeiten, als die Königin Bertha… »
Der Legende nach lässt Bertha im Jahr 963, als sie ihr Ende nahen fühlt, ihre Tochter, die Kaiserin Adelheid, zu sich kommen. Sie teilt ihr mit, was in Zukunft mit dem Kloster in Payerne und all den anderen Klöstern, die sie errichten liess, geschehen soll.
Der berühmte letzte Wille der Königin Bertha, der wahrscheinlich von ihrer Tochter vollendet wurde, ist unsere wunderschöne Stiftskirche – das Testament einer Königin, der das Wohl ihrer Untertanen am Herzen lag!