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Die Organisation
Gino Girolomoni wurde im Jahre 1946 in Isola del Piano, in den Marken, geboren und stammte aus einer Bauernfamilie. Schon früh verlor er seine Mutter und musste sich fortan um seinen Vater kümmern, dem es gesundheitlich nicht gut ging. Die Familie lebte in Armut und das Landleben war alles andere als einfach. Gino lernte dadurch aber auch die Werte der bäuerlichen Gesellschaft kennen, die ihn stark prägten. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz, bemühte er sich nach seiner Rückkehr, 1971, um ein öffentliches Amt in der Kommune. So wurde er denn im selben Jahr zum Bürgermeister der kleinen Gemeinde Isola del Piano. Als Bürgermeister hatte er sich das Ziel gesetzt einerseits die Ruinen des Klosters Montebello wieder instand zu setzen, die er schon als Kind von seinem Elternhaus aus stets im Blick gehabt hatte, andererseits wollte er die sozialen und kulturellen Bedingungen der bäuerlichen Gesellschaft neu aufwerten, da etliche Menschen aus der Region ihr Land verliessen und in den Städten ihr Glück suchten. Gino heiratete in den 1970er Jahren seine Weggefährtin Tullia, mit der er drei Kinder hatte. Mit ihr sowie mit sieben weiteren Dorfbewohnern gründete er 1977 die Genossenschaft Alce Nero (Schwarzer Elch). Dabei diente das Kloster Montebello als Sitz des neugegründeten Unternehmens. Ziel der Genossenschaft war es, durch die biologische Herstellung und den Verkauf dieser Produkte, die lokale Wirtschaft anzutreiben. Gino Girolomoni gelang es somit die Landflucht aufzuhalten und die Landwirte dazu zu bewegen, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen und sogar alte, verlassene Häuser wieder zu beziehen. In nur kurzer Zeit ergab sich für viele junge und ältere Bewohner von Isola del Piano und der Umgebung neue Arbeitsmöglichkeiten, wodurch die lokale Wirtschaft neu gestärkt wurde. Der Markenname wurde im Laufe der Zeit in Montebello geändert und 25 Jahre später, nach dem Tod des Gründers im Jahre 2012 zu seinen Ehren, in „Gino Girolomoni Cooperativa Agricola“ umgetauft. Heute wird die Arbeit der Kooperative hoch angesehen, denn sie leistet nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Bio-Wirtschaft in Italien und gilt damit als eine der wichtigsten Referenzen der italienischen Bio-Gemeinde.
Das Produkt
Die einzigartige Weizenart Graziella Ra wurde bei Ausgrabungen in Ägypten entdeckt und in den 1960er Jahren in Italien erstmals eingeführt bzw. angebaut. Ende der 70er Jahren wurde eine handvoll Samen durch Paride Allegri, dem ehemaligen Gärtner der Gemeinde Reggio Emilia, an seinen Freund Ivo Totti weitergegeben, der auf Montebello als Agronom und Lehrmeister fungierte. Die Namensgebung dieser Weizenart entstammt aus dem Namen Graziella, der Tochter des in Ägypten involvierten Archäologen, und aus Ra, dem Gott der Sonne im antiken Ägypten. Nach verschiedenen Schwierigkeiten gelang es, diese Weizenart auch in der Umgebung des Montebelloklosters anzubauen und für die Pastaherstellung zu verwenden. Heute wird die Graziella Ra-Sorte in den Hügeln um Montebello – in der Provinz Pesaro-Urbino – von eigenen Kooperativenmitgliedern angebaut. Die Weizensorte besitzt einen eher langen Produktionszyklus, wächst stark in die Höhe und ist durch lange Grannenhaare charakterisiert, dabei liegt der Ertrag bei maximal 2Tonnen/Hektar. Die Graziella Ra-Sorte ist reich an Eiweissen, Mineralsalzen und an Selen, einem essentiellen Spurenelement für Mensch und Tier. Eine weitere und wichtige Eigenschaft dieser Weizensorte ist auch, dass sie nie genetisch verändert wurde und somit Allergiker kaum anspricht.
Die Senatore Cappelli Weizensorte aus Hartweizengriess ist ebenfalls historischen Ursprungs und zeichnet sich dadurch aus, dass es sich dabei um die erste ausgewählte Weizensorte des „Weizengenies“ Nazareno Strampelli handelt. Diese Hartweizensorte trägt den Namen zu Ehren des abruzzischen Senators Raffaele Cappelli, einer der wichtigsten Förderer der Landwirtschaftsreform Italiens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Weizensorte wird heute durch die genossenschaftspartner der Gino Girolomoni Kooperative in den Hügeln der Marken biologisch angebaut und zu einer erlesenen Pasta verarbeitet. Senatore Cappelli ist eine Hartweizensorte mit hohem Eiweissgehalt, sie spriesst stark in die Höhe und ist wegen den damit verbundenen Risiken von Schäden durch Unwetter, im Besonderen durch Wind und Regen, nicht leicht anzubauen. Unter optimalen Wetterbedingungen und bei mildem Wetter können bis zu 2.3 Tonnen/Hektaren erzielt werden. Sie gilt einerseits als kostbare Weizensorte, weil sie einen hohen Proteingehalt besitzt und andererseits weil mehrere andere, heute noch angebaute Weizensorten von ihr abstammen.
Die Emmer-Weizensorte oder auch Zweikorn genannt ist eine der ältesten Getreidearten und wurde bereits 3’000 v.Chr. kultiviert. Der Emmer galt zur Zeit der Römer als der „Weizen von Rom“, verlor aber mit der Zeit an Bedeutung. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts stieg die Anbaufläche für Emmer im Mittelmeerraum wieder an. Die Weizensorte besitzt zwei Körner pro Ährchen, die fest von den Spelzen umschlossen sind, dabei kann das Getreide eine Höhe von bis 1.5m erreichen und gilt als durchaus resistente Sorte. Die daraus verarbeiteten Teigwaren bei Girolomoni werden ausschliesslich aus auserwähltem Emmer hergestellt, der durch Kooperativengenossen in den Hügeln Umbriens und der Marken nach streng biologischen Richtlinien angebaut wird. Dabei hat die Weizensorte besondere Ansprüche an die Bodenart dessen PH-Wert. Emmer ist besonders reich an Ballaststoffen, Eiweiss und Nährstoffen, die bei Girolomoni durch eine schonende Teigwarenherstellung (Trocknung bei niedrigen Temperaturen) auch im Endprodukt noch vorzufinden sind. Aus dem Triticum Dicoccum werden bei Girolomoni zwei verschiedene Sorten hergestellt, eine helle Pastasorte aus 100% Emmer-Mehl und eine Vollkornsorte aus 100% Emmer-Vollkornmehl.
Der Girolomoni Reis wird durch Kooperativengenossenschaften im Piemont angebaut. Die Bewässerung der Reisfelder erfolgt ausschliesslich durch Quellwasser. Bei den Reissorten handelt es sich um den hochqualitativen „Baldo“ und den „Carnaroli“, deren Bruchrate praktisch Null ist. Der Ribe- oder Baldo-Reis ist ein Mittel- bzw. Langkornreis und ist ein typischer, hochwertiger Risottoreis, der in Norditalien (Piemont & Lombardei) zuhause ist. Der Carnaroli ist hingegen ein grosskörniger Reis der Kategorie Superfino und wohl der beste unter den Risottosorten. Carnaroli wird für die Zubereitung von cremigen Risottos verwendet, die noch Al Dente – d.h. mit Biss – bleiben sollen. Dies wird durch seinen hohen Gehalt an Amylose bzw. der Stärke und damit durch seine Kochfestigkeit erreicht. Die Verarbeitung beider Reissorten übernimmt die Firma Riseria G. Martinotti in Vercelli, in der Region Piemont. Seit über einem Jahrhundert kümmert sich die Familie Martinotti um die Reisverarbeitung und gehört dadurch zu einem der renommiertesten Reisspezialisten Italiens. Dabei ist ca. 60% der Verarbeitung Bioreis. Die Zusammenarbeit mit der Kooperative Gino Girolomoni begann im Jahr 2011 und hat sich seitdem intensiviert. Girolomoni ist nicht nur durch die professionelle Verarbeitung und die hohe Qualitätssicherheit des Unternehmens beeindruckt, sondern auch von der nachhaltigen Verarbeitungskette, die bereits im Austausch mit den Reisproduzenden, d.h. im Anbau sichergestellt wird.
Der Couscous der Kooperative Girolomoni wird aus Vollkorn-Hartweizengriess der eigenen Zulieferer hergestellt. Dieser wird mit Salzwasser besprenkelt, so dass sich feuchte, tropfengrosse Klumpen bilden. Die Häufchen werden sodann maschinell zerrieben, zerkleinert und getrocknet. Der Couscous wird von der Firma BIA S.p.A. in Argenta, in der Provinz Ferrara (Emilia Romagna) hergestellt. Es handelt sich dabei um das erste Couscous-Verarbeitungsunternehmen überhaupt in Italien, das verschiedene Weizensorten für die Herstellung von Couscous nutzt. BIA S.p.A. wurde im Jahre 2004 gegründet, die aus einer Fusion mit der Teigwarenfabrik Bacchini Snc entstand und ihren Sitz vormals in Lavezzola, in der Provinz Ravenna hatte. Nach der Fusion wurde der neue Standort in Argenta bezogen, von wo aus Girolomoni weiterhin beliefert werden konnte. BIA S.p.A. produziert ca. 20% der totalen Couscous-Verarbeitung in Bioqualität und besitzt nebst der Bio-Zertifizierung auch eine IFS, BRC, ISO 9001 und eine Kosher-Zertifizierung.
Die Auswirkungen des fairen Handels