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| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

1. Buch
2. Kapitel: Begriff der Sachen und Zeichen
2. Jede Lehre hat Sachen oder Zeichen zu ihrem Gegenstand; die Sachen werden durch die Zeichen erlernt. Im eigentlichen Sinne habe ich Sachen jene Dinge genannt, die nicht angewendet werden, um etwas Bestimmtes zu bezeichnen, wie z. B. Holz, Stein, Tier u. dgl. Das gilt aber weder von jenem bestimmten Holz, das Moses, wie wir lesen, in bitteres Wasser warf, um es von Bitterkeit frei zu machen1, noch von jenem Stein, den Jakob unter sein Haupt legte2, noch von jenem Tier, das Abraham für seinen Sohn opferte3. Denn dies sind nur insofern Sachen, als sie zugleich auch Zeichen anderer Sachen sind. Es gibt aber auch andere Zeichen, die nur zur Bezeichnung eines Dinges dienen, wie z. B. die Wörter: es bedient sich ja niemand der Wörter zu einem andern Zweck, als um damit etwas zu bezeichnen. Daraus ist ersichtlich, was ich unter einem Zeichen verstehe: es sind jene Sachen, die angewendet werden, um irgend etwas zu bezeichnen. Daher ist jedes Zeichen auch irgendwie eine Sache; denn was keine Sache ist, das ist ganz und gar nichts: aber nicht jede Sache ist auch ein Zeichen. Nach dieser Abteilung in Sachen und Zeichen werde ich jedesmal so von den Sachen reden, daß sie ungeachtet der symbolischen Kraft einzelner Sachen die Einteilung nicht stören, nach der ich zuerst von den Sachen und dann von den Zeichen sprechen werde. Das wollen wir uns genau merken, daß wir jetzt an den Sachen nur ihr Wesen zu betrachten haben, nicht das, was sie, abgesehen von ihrer eigenen Natur, sonst noch bezeichnen können.
1: Exod. 15, 25.
2: Gen. 28, 11.
3: Ebd. 22, 13.