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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
19. Kapitel: Widersprüche in der Samenlehre
2.
Zweitens, behaupten sie, habe der Schöpfer nichts davon gewußt, daß in ihm der Same niedergelegt wurde, noch daß er in den Menschen etwas hineingesät habe. Doch diese leere und nichtige Behauptung kann auf keine Weise bewiesen werden. Wie hätte ihm jener Vorgang unbekannt bleiben können, wenn der Samen irgend eine Wesenheit oder eigene Beschaffenheit gehabt hätte? War er aber ohne Wesenheit und ohne Beschaffenheit und ein Nichts, dann blieb er ihm folgerichtig unbekannt. Was nämlich irgend eine eigene Bewegung oder Beschaffenheit, sei es Wärme oder Schnelligkeit oder Süßigkeit oder Unterschied in der Helligkeit irgendwie besitzt, das kann sich der Kenntnis der Menschen nicht entziehen, sobald es mit ihnen zusammentrifft, um wieviel weniger also dem Schöpfergotte dieses Weltalls, bei dem ja gerechterweise ihr Same unbekannt ist, da er weder irgend eine nützliche Eigenschaft noch irgend eine tätige Wesenheit besitzt und überhaupt gar nicht existiert. Hierauf bezieht sich denn wohl auch das Wort des Herrn: „Für jedes unnütze Wort, das die Menschen reden werden, werden sie am Tage des Gerichtes Rechenschaft ablegen“1 . Sie alle, die solche müßige Reden in die Ohren der Menschen einblasen, werden am Tage des Gerichtes erscheinen, um Rechenschaft über das abzulegen, was sie töricht vermutet und gegen Gott gelogen haben, daß sie nämlich wegen des Samens Wesenheit das geistige Pleroma erkannten, weil das Animalische sinnlicher Zuchtmittel bedürfe; der Demiurg aber, der diesen gesamten Samen von der Mutter in sich aufnahm, der habe all dieses nicht gewußt und keine Ahnung von dem gehabt, was sich auf das Pleroma bezog.
1: Mt. 12,36