Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/178003

<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Teilt der Bundesrat die Einschätzung von Dr. Daniel Koch, Leiter Abteilung "Übertragbare Krankheiten" im Bundesamt für Gesundheit, dass der Rückgang der Biodiversität ein Risiko für die Gesundheit darstellt bzw. dass die Biodiversität ein wichtiger Faktor zur Förderung der Gesundheit ist?</p><p>2. Ist er auch der Meinung, dass die Biodiversität eine wichtige "Grundlage von naturstoffbasierten Arzneimitteln für die biomedizinische Forschung" (F. Petersen, Novartis) ist?</p><p>3. Ist er sich bewusst, dass der Verlust an Biodiversität, d. h. Verlust auch an genetischer Vielfalt, auf Kosten der Resistenz gegen Pathogene geht und aufgrund dieses offenkundigen Zusammenhangs zwischen Biodiversität und Gesundheit auch mit Blick auf das Projekt Star mit vermehrten Anstrengungen das Projekt Biodiversität zu verfolgen ist?</p><p>4. Welche Aktivitäten sieht er vor, um den Zusammenhang zwischen Gesundheit von Mensch und Tier und Erhalt der Biodiversität besser zu erforschen und die Erkenntnisse zu verbreiten?</p><p>5. Ist die Gesundheitspolitik einer der Sektoren, für welche im Aktionsplan Biodiversität Massnahmen enthalten sind? Wenn ja, welches sind diese Massnahmen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat hält in seinem Bericht "Umwelt Schweiz 2015" fest, dass der Verlust von Biodiversität auch deren Leistungen für den Menschen einschränken kann. Dies betrifft insbesondere Leistungen in den Bereichen Gesundheit und Wohlbefinden, wie z. B. die Sicherstellung sauberer Luft und sauberen Wassers, das Bereitstellen genetischer Ressourcen als Basis für die Produktion gesunder Nahrungsmittel und neuer Medikamente oder Erholungsleistungen durch Natur- und Kulturlandschaften. Auch die Strategie Biodiversität Schweiz des Bundesrates unterstreicht, dass die Biodiversität vielfältige Potenziale für die Gesundheitsvorsorge bietet.</p><p>2. Mit dem Erlass der Nagoya-Verordnung (SR 451.61) am 11. Dezember 2015 unterstützt der Bundesrat die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, die sich der genetischen oder biochemischen Zusammensetzung von Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen widmet.</p><p>3. In der Strategie Biodiversität Schweiz wird ausgeführt, dass eine hohe genetische Vielfalt es den Arten ermöglicht, sich besser an veränderte Umweltbedingungen anzupassen, z. B. an die Anwesenheit von Krankheitserregern. Besonders wertvoll ist die genetische Vielfalt bei Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Algen, Einzeller) und Organismen im Boden. Medikamente, beispielsweise die meisten Antibiotika, basieren auf der genetischen Vielfalt der Bodenlebewesen. Mit der nationalen Strategie Antibiotikaresistenzen (Star) wird die Zucht von gesunden, robusten und krankheitsresistenten Tieren unterstützt und damit die genetische Vielfalt zwischen und innerhalb von Arten landwirtschaftlicher Nutztiere gefördert. So sind z. B. verschiedene Schafrassen aufgrund ihrer genetischen Diversität unterschiedlich anfällig auf Erkrankungen (z. B. auf die Moderhinke).</p><p>4. In seinem Bericht Gesundheit 2020 anerkennt der Bundesrat die Umwelt als bestimmenden Faktor für den Gesundheitszustand der Menschen in unserem Land. Das Nationale Forschungsprogramm 72, "Antimikrobielle Resistenzen", geht Wissenslücken in diesem Bereich an. Im Rahmen von Star spielt auch die Biodiversität eine Rolle. Da die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Umwelt eng miteinander verbunden sind, wurde ein bereichsübergreifendes und vernetztes Vorgehen nach dem One-Health-Ansatz etabliert. Weiter beschloss der Bundesrat am 21. Mai 2014 einen nationalen Massnahmenplan für die Gesundheit der Bienen, welcher sich u. a. auf die Forschung zur Bekämpfung von Brut- und Honigbienenkrankheiten stützt. Die Gesundheit von Bienen und anderen Bestäubern kommt schliesslich auch dem Menschen zugute.</p><p>5. Leistungen der Biodiversität dienen grundsätzlich der Gesellschaft und Wirtschaft und somit auch der menschlichen Gesundheit. Massnahmen zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Schweiz nützen direkt auch der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Schweizer Bevölkerung. Zum einen sollen Massnahmen zum Erhalt der Vielfalt der Arten und der genetischen Vielfalt umgesetzt werden. Zum andern bietet die Natur gerade in den Siedlungsräumen Raum für Erholung oder Naturerlebnisse oder hilft beispielsweise, das Mikroklima in Städten zu regulieren, was sich wiederum positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen auswirken kann.</p>  Antwort des Bundesrates.