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Ein typischer, emotionaler Frauenroman aus USA, bei dem die Themen Liebe, Partnerschaft, Familie, Kindererziehung im Vordergrund stehen. Eine perfekte Sommerlektüre für Romantikerinnen.
Der Roman hat 441 Seiten, die auf 44 Kapitel verteilt worden sind. Die Kapitel sind selten lang: manchmal nur 3-4 Seiten, manchmal sind es 28-30, meist aber in etwa 11-15 Seiten. Frau kann sich den Stoff also gut aufteilen.
Die Geschichte wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt, die sich aber am gleichen Ort abspielt. Fast jedes Kapitel springt zur jeweils anderen Zeit: Von heute auf dem Anwesen namens Peach Orchard Inn bei Nashville, Tennessee, zu der Zeit vom Sommer 1864 bis Sommer 1866 auf Peach Orchard Farm, wie es damals hieß.
In der Gegenwart treffen sich mehr oder weniger zufällig zwei junge Menschen, die vom Schicksal bisher nicht gerade verwöhnt wurden, jede(r) hat sein Päckchen zu tragen, und bilden eine Art Wohn- und Lebensgemeinschaft. Julia ist junge, hübsche Pensionsbetreiberin. Sie trauert um ihren vor Jahren verschwundenen achtjährigen Sohn. Eli, ein attraktiver, sympathischer junger Mann, ist neu in der Gegend. Er wurde aus dem Knast entlassen und erfuhr, dass seine damalige Freundin vor Kurzem verstorben war. Sie hinterließ ihm einen kleinen Jungen, seinen Sohn, um den Eli sich nun kümmern muss. Eli findet Arbeit bei Julia, da sie das alte Kutscherhaus, das zum Anwesen gehört, umbauen will. Alle drei wissen erst nicht so recht, wie sie miteinander umgehen sollen. Die Zeit aber heilt langsam aber sicher alte Wunden.
Um 1864 herrscht Bürgerkrieg auf dem nordamerikanischen Kontinent. Peach Orchard Farm wird von einem Trupp der Unionsarmee als Station für verwundete Soldaten benutzt. Die Herrin des Hauses, eine junge attraktive Frau namens Charlotte, eine Englanderin, und ihre Hausangestellten kümmern sich nach Kräften um die Verwundeten. Der eigentliche Besitzer der Farm, Charlottes Ehemann Edgar, ist alles andere als glücklich über die Zweckentfremdung seiner Farm, er hasst Yankees. Er ist ein grantiger Mann, der seit Jahren seine Frau schikaniert. Der Anführer des Trupps der Unionsarmee ist ein liebenswürdiger junge Mann Will, in den sich Charlotte verguckt. Nach dem Sommer 1864 schreibt sie ihm Liebesbriefe, die später in der Beziehung der jungen Leute in der Gegenwart eine große Rolle spielen.
Die Figuren fand ich recht gut, ihre Beweggründe klar und nachvollziehbar gezeichnet. Sie kommen einem fast vor, wie die Menschen, die es in der Tat gibt bzw. zu den Zeiten des Bürgerkriegs gab: Da haben wir in der Gegenwart den kleinen Alex, der kurz zuvor seine Mutter, dann eine weitere Bezugsperson, die ältere Tante, verliert und nun mit ihm unbekannten Vater zu einer fremden Frau ziehen muss. Da ist Eli, der plötzlich einen Sohn hat und nicht so recht weiß, was es bedeutet, ein Vater zu sein. Da ist Julia, die plötzlich einen fremdem Jungen und seinen Vater in ihrem Haus hat und versucht, mit der neuen Situation umgehen zu lernen. Am besten gefiel mir aber der alte Hund von Julia. Er wusste diese jungen Leute, die keine Ahnung hatten, wie sie zueinander finden, auf seine sanfte, einfühlsame Art zusammenzubringen. Trotz all dem blieb leider zwischen mir und den Figuren eine Kluft, die sich nicht verringern vermochte.
Nette Idee auch, dass Vergangenheit des Anwesens auf die Menschen in der Gegenwart ihren Einfluss nimmt.
An sich ist der Roman eine Verkettung zweier durch und durch romantischer Liebesgeschichten. Die Entstehung einer neuen patchwork Familie heute und einer verbotenen Liebe während des Bürgerkrieges im XIX Jh. sind bildhaft, mit all den gängigen Herzschmerzmomenten dargestellt worden. Die Unterdrückung der Frauen und der Arbeitssklaven sind hier auch großes Thema. Die damals herrschenden Kriegszustände: Elend, Krankheiten, Tod infolge der Verletzungen sind dabei ebenfalls gut präsent.
Und hier kommt der Hacken. Mir war leider das Ganze etwas konstruiert, als ob Schlüsselelemente der seichten romantischen Geschichten, die großen Anklang bei der breiten Leserschaft in der Vergangenheit gefunden hatten, für diesen Roman sorgfältig ausgesucht und, leicht abgewandelt, hier eingesetzt wurden. Daher kamen mir die Handlungswendungen, wie auch die Figuren, eher klischeehaft und flach, die Auflösung des Ganzen sehr vorausschaubar vor. Viele Hebel wurden gesetzt, um eine starke emotionale Bindung zu erzeugen: Eine junge trauernde Frau, ein kleiner, hilfloser Junge, der aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen wurde, auch eine ältere Frau, die nun im Krankenhaus liegt und es um ihre Gesundheit nicht zum Besten steht, uvm.
Hinzu kommt, dass alles, ob Beweggründe, die tatsächlichen und die evtl. infrage kommenden, die Emotionen und erst recht die Handlungen der Figuren bis ins Kleinste erklärt wurden, so, als ob selbständiges Denken bei der Leserschaft Mangelware wäre. Manches ist schlicht überzeichnet, was sich auch in der Sprache widerspiegelt: Hast du meinen Whiskey mitgebracht?, fragte er schroff und in schneidendem Ton. Manches ist... Sehen Sie selbst: Der Ansturm der Gefühle zwang ihn fast in die Knie. S. 431. Eli starrte sie gerührt an, ihm wurde ganz schwach angesichts der Schönheit ihrer Liebe und er fand keine Worte mehr. Also tat er das Einzige, was ihm blieb: Er küsste sie. S. 432. Wer Gefallen an solchen Dingen hat, wird sie in diesem Roman zuhauf finden.
Das mit Magnolien im Titel erscheint mir etwas gewollt. Auf jeder zweiten Seite ist von Pfirsichen in allen Speisevariationen samt dem Pfirsichtee die Rede. Da fragt man sich, warum Magnolien im Titel, da sie eher eine Randerscheinung sind? Originaltitel The Memory House passt zum Inhalt doch etwas besser.
Fazit: Eine oft ins Seichte abgleitende Sommerlektüre, die für breite Leserschaft geschrieben worden ist. Romantikerinnen, die Liebesgeschichten mit viel Herzschmerz mögen, werden hier auf jeden Fall gut bedient.
Ich schätze, der Roman wird ganz viele begeisterte Leserinnen finden. Das wünsche ich ihm.
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