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Schlingen den mit Lärchen- und Tannenwald bestandenen, 200 m hohen Hang bis zum obersten Thalboden des
Bergell hinunterzusteigen.
Die meisten der 16
Kehren können auf steilen Fusspfaden abgeschnitten werden. Von einer der oberen
Kehren dieser an schönen
Aussichtsstellen reichen Strasse zweigt ein
Pfad zum prächtigen
Wasserfall der vom Murettopass und Fornogletscher
kommenden
Orlegna ab. Als Passstrasse im engeren Sinn betrachtet man die 5 km lange Strecke zwischen
Capolago (dem obern Ende
des
Silsersees) und
Cavrile im obersten
Bergell, von der die Hälfte auf die
Kehren entfällt.
Von
Samaden bis Chiavenna ist die Poststrasse 55,5 km lang (bis MalojaKulm 23,8 km, von da bis
Castasegna
an der Landesgrenze gegen Italien 22 km und weiterhin bis Chiavenna 9,7 km). Mit
Samaden ist der Maloja im Sommer durch vier
und im Winter durch drei, mit Chiavenna das ganze Jahr durch zwei tägliche Postwagenkurse verbunden, die den Weg
Samaden-Chiavenna
im Sommer in 7½ und im Winter in 9 Stunden, den Weg
Chiavenna-Samaden Sommers und Winters in 9 Stunden
zurücklegen.
Seit Vollendung der Albulabahn ist
St. Moritz Ausgangspunkt der Post und damit deren Fahrt um 5,5 km abgekürzt. Lokalkurse,
die den
Pass nicht überschreiten, sind sowohl im
Bergell als im
Engadin eingerichtet. Da die Strasse über
den Maloja der kürzeste Weg vom
Ober Engadin nach den oberitalienischen
Seen ist, wird sie besonders im Sommer ausserordentlich
stark benutzt. Seit etwa 20 Jahren hat sich die Hochfläche von Maloja auch zu einem bedeutenden klimatischen Kurort entwickelt.
So finden wir hier etwas oberhalb des
Silsersees den monumentalen Bau des Kursaales Maloja mit prachtvollen
Parkanlagen, dann auf einem den Absturz ins
Bergell beherrschenden Felshügel das
SchlossBelvédère und zwischen diesen Beiden
noch eine Anzahl weiterer
Gasthöfe und Restaurationen, ferner
Villen, sowie eine katholische und eine anglikanische
Kapelle.
Als Fremdenort und Touristenzentrum ersten Ranges rivalisiert Maloja heute mit
St. Moritz und
Pontresina.
Während die Gemeinde
Stampa, zu der der Maloja politisch gehört, nur 445 ständige Ew. zählt, halten sich im Sommer auf
dem Maloja allein mehrere Hunderte ständiger Gäste und Tausende von Passanten auf. Diese Beliebtheit rechtfertigt sich
vollauf durch die reine und gesunde Luft, die Schönheit und Mannigfaltigkeit der umgebenden Landschaft
und die grosse Zahl von Spaziergängen, Ausflügen und Bergtouren.
Beim Erstellen der Parkanlagen auf Maloja hat man seit 1884 eine grosse Anzahl von Gletschermühlen entdeckt, die dann freigelegt
worden sind und die analogen Erscheinungen im Gletschergarten zu Luzern
sowohl an Zahl wie an abwechslungsreicher Gestaltung und
Grösse weit übertreffen. Wir finden hier oben als weitere
Zeugen glazialer Tätigkeit ferner noch prachtvolle Rundhöcker,
Gletscherschliffe, eine Menge von erratischen Blöcken und Moränen. Da die Gesteine, aus denen die beiden letztgenannten
Erscheinungen bestehen, aus dem
Muretto-Fornothal stammen, muss einst das ganze
Plateau des Maloja vom Fornogletscher bedeckt
gewesen sein. Es stimmt dies mit der schon früher (vergl. die Art. Graubünden,
Inn und
Maira) erörterten geologischen
Tatsache überein, dass die Wasserscheide zwischen dem
Inn und der
Maira einst weiter gegen SW., etwa hoch über dem heutigen
Vicosoprano, gelegen war. Damals bildeten die
Thäler von
Marozzo,
Albigna und
Muretto-Forno die obern Verzweigungen
des
Engadin, bis sie von der immer weiter nach NO. rückschreitenden Erosionsarbeit der wasserreichen und ein starkes Gefälle
aufweisenden
Maira schliesslich abgelenkt und vom
Inn abgeschnitten
¶
mehr
worden sind. Man kann heute vom Maloja aus auf beinahe ebenem Weg ins Murettothal gelangen und an dessen zum Piz della Margna
aufsteigendem Gehänge die alten Terrassen regelmässig gegen das Ober Engadin zu fallen sehen. Ferner wird die Orlegna bei
ihrem Austritt aus dem Murettothal nur durch einen niedrigen Moränenwall vom Silsersee getrennt; sie
muss, um zur Maira zu gelangen, an dieser Stelle in einem scharfen Knie umbiegen und ein tief eingeschnittenes Tobel durcheilen.
Als eine interessante Folgeerscheinung der tief gelegenen Wasserscheide am Maloja ist noch der sog. Malojawind zu erwähnen.
Während im Sommer bei schönem und warmem Wetter der Wind in allen grossen Thälern regelmässig tagsüber
thalaufwärts (Thalwind) und des Nachts thalauswärts (Bergwind) weht, fliesst die aufsteigende warme Luft des Bergell über
die Schwelle des Maloja hinüber und weht als Bergwind von 9-10 Uhr Morgens bis gegen Sonnenuntergang das Engadin abwärts.
Die gleiche Erscheinung beobachtet man übrigens auch in Davos, wo die warme Luft des Prätigaus den niedrigen
Wolfgangpass überschreitet und damit den das Thal des Landwassers tagsüber von oben nach unten durchziehenden Luftstrom
erzeugt. Es ist somit die Hochfläche des Maloja in mancherlei Hinsicht eine der interessantesten Landschaften der Schweiz.
Alle die erwähnten Eigentümlichkeiten der Lage, der geogenetischen Vorgänge, der klimatischen Verhältnisse
etc. finden sich anderswo kaum wieder auf einer so kleinen Fläche beisammen vor.
Ist nach dem Bezirk Inn
der flächengrösste Bezirk der Schweiz. Er grenzt im O. an den Bezirk Inn,
an Italien und den Bezirk Bernina,
im S. an Italien und den Bezirk Bernina,
im W. an Italien, im NW. an die Bezirke Hinterrhein und Albula
und im N. an den
Bezirk Ober Landquart. Gliedert sich geographisch und politisch in zwei deutlich voneinander verschiedene Landschaften. Immerhin
hält sich die politische Grenze nicht überall genau an die geographische Trennungslinie, indem der Kreis Bergell politisch
bis zur Mitte des Silsersees übergreift, während das Engadin geographisch bis zum Scheitel des Maloja
hinaufreicht.
Der Fluss des Ober Engadin ist der Inn,
der nach seinem Austritt aus dem Silsersee der Reihe nach den Silvaplaner-, Campfèrer- und
St. Moritzersee bildet und von rechts den Fexer-, Flaz- und Chamuerabach, von links den Beverin und Sulsannabach aufnimmt. Engadin
und Bergell werden zu beiden Seiten ihrer ganzen Länge nach von hohen Bergketten begleitet. Während das
schroff vom Maloja absteigende Bergell der Hauptsache nach eine gegen SW. gerichtete, tiefe und steilgeböschte Schlucht darstellt,
bildet das Ober Engadin eine nur schwach geneigte, breite Hochfläche.
Das vom Maloja bis Castasegna 16,6 km lange Bergell weist auf
dieser Strecke einen Höhenunterschied von 1129 m
auf, das 45 km lange Ober Engadin dagegen nur einen solchen von 200 m. Die Seitenthäler des Bergell sind kurz und steil, diejenigen
des Engadin dagegen (besonders auf der rechten Seite) lang und sanft ansteigend (rechts: Fexthal 10 km, Thal
von Pontresina 20 km, Val Chamuera 12 km lang; links: ValBeyer und Val Sulsanna 10-15 km lang). Die prachtvolle Hochgebirgswelt
dieses Bezirkes, die im Berninamassiv sich am schönsten entwickelt, zieht zahlreiche Fremde zu längerem oder vorübergehendem
Aufenthalt an. Dank der besonders im Ober Engadin ausserordentlich wichtigen Hotel- und Fremdenindustrie
hat die Zahl der Bewohner stark zugenommen. 1850: 4453;
1860: 4707;
1870: 5252;
1880: 5296;
1888: 5931;
1900: 7183 Ew. Während
der Feldbau im Ober Engadin nur wenig bedeutend ist, finden wir im untern Bergell Getreide- und Obstbau, sowie zahlreiche Kastanienwälder.
Nach dem Hotel Maloja Kulm
sind 1880-84 der monumentale Bau des Kursaales Maloja und nachher noch eine Reihe von andern Gasthöfen,
Restaurationen, Villen etc. erstellt worden.
Das ganze Jahr hindurch bewohnt.
Vor kurzem hat man hier auch eine Schule eingerichtet.
Heimat und Sommeraufenthalt des Malers Giovanni Segantini († 1899), der die Alpenwelt des Engadin mit Meisterhand auf die
Leinwand zu zaubern verstand und dem hier jetzt auch ein Denkmal errichtet worden ist.