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Zum ersten Mal seit 1956 wird der Spengler Cup nicht ausgetragen. Für den HCD ist der Ausfall von existenzieller Bedeutung. Die Zuschauerreinahmen aus dem Turnier sind grösser als die der gesamten Qualifikation. Ohne den Spengler Cup wäre der HCD bestenfalls ein hochalpines Langnau.
Kein Spengler Cup. Eigentlich undenkbar. Erst zum fünften Mal seit 1923 findet das Turnier nicht statt. 1939 und 1940 verhindert der Zweite Weltkrieg eine Austragung. 1949 werden nur Testspiele, aber kein Turnier veranstaltet und 1956 lässt sich der Anlass (Reise- und Hotelkosten für die ausländischen Teams) zum bisher einzigen Mal nicht finanzieren. Nun ist es die Virus-Krise, die das Hochamt unseres Hockeys in der Altjahrswoche verunmöglicht.
Im Laufe der 1980er Jahre und vor allem seit dem Wiederaufstieg von 1993 ist der Spengler Cup durch eine professionelle Vermarktung die «Geldmaschine» für den HCD geworden. HCD-Präsident Gaudenz Domenig sagt: «Ohne den Spengler Cup wären wir heute bestenfalls dort wo Ambri, Langnau oder Rapperswil-Jona stehen. Wir müssten ohne diesen Anlass unseren Klub komplett anders strukturieren.»
Der HCD wäre also ohne das Turnier bestenfalls ein hochalpines Langnau. Das Schicksal des EHC Arosa zeigt ja, dass es seit der Einführung der Playoffs (1986) und der damit verbundenen Professionalisierung des Hockeys nicht mehr möglich ist, an einem abgelegenen Ort wie Davos oder eben Arosa eine Spitzen-Mannschaft zu finanzieren: die Zuschauereinnahmen sind wegen der zu langen und im Winter oft mühseligen Anfahrtswege zu gering. Weniger Zuschauer pro Spiel hatten in der Qualifikation in den letzten Jahren nur die Rapperswil-Jona Lakers. Spieler nach Davos zu holen ist bei der exponierten geographischen Lage allerdings schwieriger (und teurer) als Spieler nach Rapperswil-Jona zu locken.
Erst der Spengler Cup ermöglicht es Davos, ein Spitzenteam zu finanzieren. Nur dank dem Spengler Cup ist der HCD auch im 21. Jahrhundert konkurrenzfähig und ist in Europa das einzige hochalpine Team, das dazu in der Lage ist, die nationale Meisterschaft zu gewinnen. Arosa hatte keinen Spengler Cup, keine «Geldmaschine». Im Frühjahr 1986 erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen der freiwillige Abstieg aus der NLA in die 1. Liga. Arosa spielt heute noch in der höchsten Amateurliga. 1985 hatte Arosa in der Meisterschaft hinter Davos noch den 2. Platz erreicht.
Einige Zahlen erklären die wirtschaftliche Bedeutung des Turniers. Welchen Anteil am HCD-Gesamtumsatz hat der Spengler Cup? «Mit elf Millionen mehr als ein Drittel» sagt Gaudenz Domenig. Und wie hoch ist der Gewinn aus dem Turnier? «Gut zwei Millionen». Nur zwei Millionen bei elf Millionen Umsatz? «Ich sagte ja gut zwei Millionen, mit der Betonung auf gut.»
Die Akzeptanz des Spengler Cups beim Publikum und den TV-Anstalten ist unbestritten. Inzwischen werden die Partien live sogar nach Nordamerika (Kanada) übertragen. Ausländische Teams in der Altjahrswoche nach Davos zu holen, ist bei den gedrängten Terminkalendern nicht ganz einfach. Aber selbst die europäischen Klubwettbewerbe (wie die Champions Hockey League) sind nie eine Konkurrenz geworden.
Der Spengler Cup hat seine Magie nicht verloren. Gaudenz Domenig sagt dazu: «Wenn ich sehe, wie seinerzeit bei der Eröffnung des neuen KHL-Stadions in Minsk in der Eingangshalle der im Vorjahr von Dynamo Minsk gewonnene Spengler Cup mit einer Ehrengarde präsentiert wurde, dann zeigt das, dass hier eben gerade die ursprüngliche Idee des Sports zelebriert wird: der freundschaftliche Wettkampf bei dem es nicht um Geld oder irgendetwas anderes geht, sondern um den sportlichen Wettkampf, das Spiel, das Fest.»
Gefahr droht dem Turnier in erster Linie von der Konkurrenz im Unterland. Die National League stellt ihren Spielbetrieb während des Spengler Cups ein und hat inzwischen durchgesetzt, dass der HCD pro Jahr rund 800'000 Franken als «Neid-Steuer» an die NL-Klubs abzuliefern hat, die nicht am Turnier teilnehmen. Diese Saison entfällt diese Steuer. Die Liga nützt die Altjahrswoche, um verschobene Spiele nachzuholen.
Die National League hat sich neu selbständig gemacht und als Aktiengesellschaft formiert. Der Verband, der die Gesamtinteressen unseres Hockeys schützen sollte – und damit auch den Spengler Cup – hat keinerlei Einflussmöglichkeiten mehr. Wie gross ist die Gefahr, dass die Klubs künftig die Altjahrswoche für Meisterschaftsspiele nützen werden? Gaudenz Domenig beruhigt: «Wir haben uns mit der Liga bereits darauf geeinigt, dass wir die gültige Regelung der Spengler-Cup-Pause um fünf Jahre zu den gleichen finanziellen Bedingungen verlängern.» Das bedeutet: weiterhin eine Spengler Cup-Pause der National League und als Entschädigung dafür die «Neid-Steuer».
Einen zweiten Ausfall des Turniers würde den HCD in der Existenz bedrohen. Gaudenz Domenig sagt: «Wenn wir zweimal hintereinander den Spengler Cup nicht durchführen können, dann wird es für uns bedrohlich und fast so schlimm wie eine weitere Saison mit Geisterspielen. Die Zuschauereinnahmen des Spengler Cups sind grösser als diejenigen der gesamten Qualifikation.»