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Schriftsteller und Forscher, Oliver Sacks war beides zugleich. Der gebürtige Brite brachte Lesern Menschen nahe, die aus dem Raster gefallen sind - und stellte zugleich die Normalität infrage. Auf sein Sterben hat er die Welt sorgfältig vorbereitet.
Mit überwältigender Offenheit schrieb Oliver Sacks vor kurzem über das Sterben. Der Tod sei «nicht länger ein abstraktes Konzept», schrieb er in der «New York Times», sondern «eine Gegenwart - eine allzu nahe, nicht zu verneinende Gegenwart».
Anfang des Jahres hatte der Hirnforscher erfahren, dass seine Leber von Metastasen befallen war, neun Jahre, nachdem man ihm einen Tumor am Auge entfernt hatte. Heute starb Sacks im Alter von 82 Jahren in New York, wie die «New York Times» unter Berufung auf Kate Edgar, Sacks' langjährige persönliche Mitarbeiterin, berichtete.
In den 1970er Jahren begann Sacks, populärwissenschaftliche Bücher zu verfassen über Menschen, die durch eine Krankheit aus dem Raster der Gesunden gefallen sind. «Ich schreibe Überlebensgeschichten», erklärte er einmal. «Geschichten davon, wie man mit diesen Krankheiten lebt.»
Erst in diesem Jahr ist seine Autobiografie «On the Move» erschienen - bis dahin war über den vielleicht bekanntesten Neurologen der Welt eher wenig bekannt. Sacks gab darin auf berührende Weise Einblick in sein langes, beruflich erfolgreiches und privat oft einsames Leben.
Als er sich beispielsweise als Jugendlicher im England der 50er Jahre im Elternhaus zu seinem Schwulsein bekannte, muss er sich von seiner eigenen Mutter anhören, dass er «ein Gräuel» sei: «Ich wünschte, du wärst nie geboren worden.»
Bald verliess er sein Elternhaus und England, um in Kanada und schliesslich in den USA sein Glück zu suchen. Dort lebte er bis zu seinem Tod. (sda/dpa)