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Das Übersetzen von Texten in eine Fremdsprache ist eine sehr anspruchsvolle Übung, die nur dann Sinn macht, wenn unser Lernziel ist, in einer Fremdsprache komplexe Inhalte schriftlich zu vermitteln. Wer bloss Mails oder kurze Texte für den beruflichen Alltag verfassen muss, braucht sich nicht darum zu kümmern. In den meisten Fällen wird er/sie Textvorlagen anpassen, Chunks kombinieren oder elektronische Übersetzungen korrigieren. Das verlangt natürlich auch eine gewisse Gewandtheit, aber es ist sicher weniger aufwendig, als ganze Texte aus dem Nichts zu zaubern.
Das Internet hat aber unser Schreibverhalten verändert. Immer mehr Leute teilen ihr Wissen durch Blogs oder schreiben Texte für die eigene Webseite oder für die Webseite ihrer Firma. Viele beteiligen sich an Foren mit Beiträgen, die weit über kurze Mitteilungen hinausgehen. Deshalb brauchen wir manchmal bessere writing skills.
Wenn das Verfassen eines längeren Textes in der eigenen Muttersprache schon eine Herausforderung ist, werden wir zurückschrecken, in einer Fremdsprache zu schreiben. Als Trockenübung kann das sinngemässe Übersetzen dienen. Es handelt sich um eine flüssigere Version im Vergleich zum eigentlichen Übersetzen, das detailtreu sein sollte und alle Nuancen so wiedergeben sollte, dass nichts vom Quellentext verloren geht. Die sinngemässe Übersetzung ist eine kreativere Übung, wo wir die Freiheit geniessen, den Inhalt so wiederzugeben, wie wir wollen. Es reicht, die Informationen korrekt zu vermitteln.
Als Grundlage nehmen wir einen Text in unserer Muttersprache, der uns vom Thema her relativ vertraut ist. Artikel aus Zeitschriften sind gute Quellentexte, sowie Kapitel aus Handbüchern über Themen, die uns persönlich oder beruflich interessieren. Gewisse Passagen können wir auch nur knapp zusammenfassen oder die Schlüsselworte heraussuchen und sie als Basis für eine Umformulierung verwenden. Wir können so vorgehen, dass wir für jeden Abschnitt des Quellentextes einen Satz verfassen, der nur das Wesentliche wiedergibt. Alles «Überflüssige» wird ausser Acht gelassen. Eine weitere Möglichkeit ist, eine Mindmap des Quellentextes zu zeichnen, die alle Schlüsselworte und Kernaussagen verbindet. So erhalten wir eine schematische Darstellung des Inhaltes. Wir können dann alle Elemente logisch zusammenfügen und in unsere Worte fassen.
Mit einer solchen Übung fördern wir unsere Schreibgewandtheit, indem wir einen fremden Text als Grundlage benutzen. Für Menschen, die auch sonst gerne lesen und schreiben, ist es eine interessante Herausforderung; vor allem, wenn sie von Beruf wegen häufig Fachartikel in Fremdsprachen lesen (müssen). Für Studenten, die einen Studienaufenthalt planen, ist es sogar eine Notwendigkeit, sowie für alle, die irgendwann Berichte, Broschuren oder Artikel werden verfassen müssen. Und nicht zuletzt ist es die ideale Übung für Menschen, die gerne Inhalte weitergeben und sich freuen, es auch in einer Fremdsprache zu tun.