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Ergebnisse
Das Seminar «Skulptur in der Spätantike» (Sommersemester 1996 an der Universität Bern, Prof. Dr. Dietrich Willers) ging der Frage nach, in wie weit von einer römisch-griechischen Skulptur-Tradition bis ins späte 4. Jahrhundert hinein gesprochen werden darf. Exemplarisch wurden mehrere Beispiele von Skulptur-Überlieferungen aus dieser Zeit untersucht, ein herausragendes bildet die Skulpturengruppe der Hermen von Welschbillig.
Schlussfolgerungen im Hinblick auf das Seminarthema
Für die abschliessende Betrachtung finden wir die folgenden Ergebnisse aus dem bisher Dargestellten wichtig:
- Alle Indizien deuten auf eine Entstehung im letzten Viertel des 4. Jahrhundert;
- Für etliche Hermen, allerdings nicht für alle, konnte Wrede eine Kopientradition bis ins 4. Jahrhundert glaubhaft machen;
- Es sind Steinmetze und nicht Bildhauer, welche die Hermen gearbeitet haben;
- Ihre Aufstellung – integriert im Zaun um die Piscina und bemalt – war auf eine rein dekorative Wirkung ausgelegt;
- Es ergibt sich aus der Aufstellung und auch aus Ansatz zur Benennung der Hermenköpfe (Abbildung 11: Benennung der Hermen und ihre Anteile) kein tiefgründiges ikonographisches Programm.
Anteile der verschiedenen Kategorien von Hermen. Grafik: Lukas Wenger.
Vergleich mit der Hypothese von Hannestad
Dem Seminarthema zugrunde lag ein Werk von Niels Hannestad,1 der die behandelten Beispiele spätantiker Skulptur sichtet und versucht, sie neu zu bewerten. Die Lehrmeinung besagte bisher, dass im frühen dritten Jahrhundert die Produktion von Idealplastik im römischen Reich zusammenbricht. Begründet wird dies mit den Soldatenkaisern (keine Gesellschaft) und mit der ökonomischen Reichskrise (kein Geld). Die Grossplastik und damit auch die römisch-griechische Bildungstradition breche mit den Severern ab.
Allerdings dauert zum Beispiel die kleinformatige Plastik der Statuetten bis ins 4. Jahrhundert fort, und gewisse Gesellschaftsschichten leisten sich im 3. Jahrhundert monumentale Steinsarkophage mit plastischem Schmuck. Hannestad behauptet, die Ara Pacis sei spätantik repariert und retouchiert, und Funde vom Esquilin seien ebenfalls, aufgrund der epigraphischen Befunde, spätantik. Mit diesen Indizien und zahlreichen Beispielen postuliert er eine Tradition der Plastik ganz allgemein bis ans Ende des 4. Jahrhunderts.
Hannestad würdigt einige der Beispiel, die im Seminar im Sommersemester 1996 behandelt worden sind. Deshalb interessiert uns hier auch sein Kommentar zu den Hermen von Welschbillig:
Even in remote areas of the Empire, the nobility still had the desire to stick with and the capability to commission traditional sculptural schemes. In northern Gaul close to the modern City of Welschbillig and not far from Trier, a landowner of the late 4th century had his park adorned with a gallery of herms lining oblong water basin nearly 60 m long. About 112 herms cut in local limestone were originally erected, 71 of which were found during excavation. The herms feature a mixed gallery of Characters: the Olympian gods, Hercules, Satyrs and Putti, barbarians of various kinds, and portraits ranging from men of letters such as Socrates, Demosthenes, and Menander, to Hellenistic rulers and Roman emperors. Despite obviously provincial craftmanship, the style is pretty close to the ideals of the Theodosian Renaissance.
Hannestad nimmt in seinen wenigen Worten die Hermengalerie von Welschbillig als pauschales Beleg für seine Extremposition, ohne jedoch im Detail zu begründen. Weil er die Dissertation von Wrede etwas ungenau erfasst, hat er die Bedeutung der Hermengalerie zu wenig erkannt: Seine Hypothese der Kopientradition bis ins 4. Jahrhundert hätte er mit den Hermen aus der Region Trier bestens belegen können. Zudem: Nicht alle Hermen sind derart von «provincial craftmanship» wie er sagt.
1 Hannestad, Niels: Tradition in Late Antique Sculpture. Aarhus, 1994.