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30/10/2014
Während Roger Federer in Kalenderwoche 43 seinen 6. Titel bei seinem Heimturnier in Basel feiern konnte, fanden bei den Damen bereits die WTA Finals statt. Für dieses Saisonabschussturnier qualifizieren sich jeweils die acht besten Spielerinnen der Jahreswertung. Im Unterschied zu allen anderen Turnieren wird zunächst im Gruppenmodus gespielt: Zwei Gruppen à 4 Spielerinnen, danach geht es mit den Halbfinals im K.O.-System weiter. Die Auslosung führte zu den beiden folgenden Gruppen:
Gruppe rot: Serena Williams, Simona Halep, Ana Ivanovic, Eugenie Bouchard
Gruppe weiss: Maria Sharapova, Petra Kvitova, Agnieszka Radwanska, Caroline Wozniacki
Hochspannung bereits in der Gruppenphase, da es in beiden Gruppen sehr eng zu und her ging - eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse:
Gruppe rot:
Nachdem der Start der Weltnummer 1, Serena Williams, lange Zeit ungewiss war, aufgrund einer in Peking erlittenen Knieverletzung, zeigte sie sich im ersten Gruppenspiel gegen Ana Ivanovic gut erholt und bereit für die Titelverteidigung. Auch Simona Halep startete gut ins Turnier und gewann ihre Partie ebenfalls in zwei Sätzen.
Dann kam es zur denkwürdigen Partie zwischen den beiden. In gerade mal 65 Minuten deklassierte die Rumänin die Weltranglistenerste mit einem nie für möglich gehaltenen 6:0 und 6:2. In Satz 1 gewann Williams ganze 7 Punkte. Halep meinte danach, dass sie wohl die Partie ihres Lebens gespielt hätte, für Williams dagegen ein totales Debakel. Seit 1998 hatte sie nie mehr derart deutlich ein Tennismatch verloren. Während Halep nahezu alles gelang, war Serena an diesem Tag aus unerfindlichen Gründen nur ein Schatten ihrer selbst. Doch noch war nicht alles verloren, denn es wartete das abschliessende Gruppenspiel.
Am Tag darauf zeigte sich Serena denn auch gut erholt, gewann in zwei Sätzen gegen die junge Kanadierin Eugenie Bouchard und dankte danach ihrem Coach, der sie wieder aufrichten konnte und ihr den Glauben an ihre eigenen Stärken zurück gab. Vor dem abschliessenden Gruppenspiel zwischen Halep und Ivanovic war die Konstellation folgendermassen: Simona Halep stand mit zwei Siegen als Halbfinalistin bereits fest, Ivanovic benötigte einen 2-Satz-Sieg, bei allen anderen Spielausgängen würde Williams als Gruppenzweite ins Halbfinale einziehen. Nach hohem Rückstand (1:5) drehte Ivanovic Satz 1 und gewann im Tie-Break. Doch danach verlor sie den 2. Satz mit 3:6. Das 6:3 in Satz 3 war dann ein versöhnlicher Abschluss für die Serbin. Gewonnen und trotzdem ausgeschieden - so kann es beim Masters laufen.
Aufatmen dafür bei Serena Williams, welche zu Protokoll gab, dass sie die Rolle als Zuschauerin überhaupt nicht mochte, dem "Schicksal" gewissermassen ausgeliefert und tatenlos zusehen zu müssen, ob das Turnier für sie weitergehen würde.
Gruppe weiss:
Caroline Wozniacki bestätigte ihre ausgezeichnete Herbstform, welche sie u.a. auch ins Finale der US Open führte und gewann alle ihre Gruppenpartien. Gegen Sharapova ein über dreistündiger Thriller, gegen Kvitova und Radwanska ziemlich deutlich in zwei Sätzen. Die Dänin somit überlegene Gruppenerste. Eng wurde es dafür um Rang 2. Maria Sharapova verlor zwar ihre ersten beiden Partien, mit einem 2-Satz-Erfolg über Radwanska hätte es dennoch gereicht die Halbfinals zu erreichen. Und es sah gut aus für die Russin: Nach gewonnenem Startsatz führte sie in Satz 2 mit 5:1, vergab dann jedoch drei Matchbälle und gab die sichere Führung tatsächlich noch aus der Hand. Nach verlorenem Tie-Break war das Ausscheiden besiegelt, auch wenn sie sich in Satz 3 nicht hängen liess (etwas was Sharapova gar nicht kennt!) und die Partie noch gewann. Durch den Satzgewinn landete Radwanska auf Rang 2 - der Lohn für ein starkes Comeback in dieser Partie.
Halbfinals:
Simona Halep zeigte sich erneut in hervorragender Verfassung und gewann gegen Radwanksa deutlich mit 6:2, 6:2.
Dramatisch dagegen die Partie zwischen Williams und Wozniacki. Letztlich gewinnt Serena einmal mehr eine Partie auf Augenhöhe, insbesondere auch dank ihres legendären Kampfgeistes. Der dritte Satz endet im Tie-Break - Serena nutzt ihren vierten Matchball zum 8:6. Ein erbitterter Fight auf dem Platz, sehr gute Freundinnen ausserhalb des Platzes, welche in der Freizeit auch öfters etwas gemeinsam unternehmen - auch das gibt es auf der WTA-Tour :-)
Kleine Fussnote: Wozniacki wird in wenigen Tagen beim New York Marathon an den Start gehen!
Finale Simona Halep - Serena Williams:
Und so kommt es drei Tage nach dem Gruppenspiel, im Finale zur Neuauflage zwischen Simona Halep und Serena Williams. Zwei Dinge sind im Vorfeld eigentlich klar: Halep wird nicht ein zweites Mal ihre Partie des Lebens spielen ;-), Williams wird nicht mehr derart fehlerhaft agieren und im Finale eine ganz andere Gegnerin sein. Erwartet wird eine enge Partie...
Halep startet erneut gut ins Match und es gelingt ihr das erste Break zum 2:1. Serena kontert umgehend mit dem Re-Break. Doch ab diesem Zeitpunkt nimmt die Partie einen sehr einseitigen Verlauf, jedoch 180° in die andere Richtung als noch in der Gruppenphase. Letztlich gewinnt Serena Williams mit 6:3 und 6:0 und benötigt dafür nur 68 Minuten. Was für eine Revanche! Von einer Kanterniederlage zum Kantersieg gegen die gleiche Gegnerin innert weniger Tage und auf dem identischen Platz...
Ist es eine Überraschung, dass Williams den Final gewinnen konnte? - In keinster Weise, doch die Klarheit der beiden Ergebnisse ist absolut aussergewöhnlich. Es ist ein Beispiel dafür, dass sich über Nacht die Dinge grundlegend ändern können. An einem Tag fühlt man den Ball und spielt wie in Trance, an einem anderen fällt jeder Schlag schwer und die Sicherheit fehlt komplett. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass Serena Williams in einem Finale eine ganz andere Gegnerin ist. In ihrer Karriere hat sie bisher 22 Grand-Slam-Finals erreicht. Die Bilanz: 18 Siegen stehen nur 4 Niederlagen gegenüber. Zudem hat Williams aus der ersten Partie sicherlich sehr viel gelernt und trat mit einer anderen taktischen Marschroute an. So sagte Williams zu ihrer Gegnerin bei der Siegerehrung auf dem Platz: "You made me a better player." Gegenüber ihrer Gegnerin hatte sie zudem einen enormen Erfahrungsvorteil. Alles Faktoren, die als Erklärung herangezogen werden können und doch bleibt es spektakulär und sorgt für Verwunderung. Noch spezieller wird die Geschichte durch den Umstand, dass Williams erst durch die Schützenhilfe von Halep ins Halbfinale rutschte...
"You made me a better player." - alle Lesenden sind dazu eingeladen für sich zu überlegen, was das genau bedeutet, welche Einstellung darin zum Vorschein kommt.
Doppelkonkurrenz
Fast unbeachtet traten auch die acht besten Doppelpaarungen des Jahres in Singapur an, um die Masters-Champions auszuspielen. Im Gegensatz zur Einzelkonkurrenz gab es keine Gruppenspiele, sondern es wurde direkt mit den Viertelfinals begonnen. Auch hier ereignete sich Sonderbares:
Das Duo Cara Black/Sania Mirza gewann das Viertelfinale nach Abwehr eines Matchballs mit 6:3, 2:6 und 12:10 gegen Kops-Jones/Spears. Im Halbfinale wehrten sie gleich drei Matchbälle ab, um schlussendlich das Duo Srebotnik/Peschke mit 4:6, 7:5 und 11:9 niederzuringen.
Das Finale gegen die Vorjahressiegerinnen Hsieh/Peng sollte dann jedoch zu einer ganz einseitigen Partie werden. Black/Mirza, welche ihr letztes gemeinsames Turnier bestritten, setzten sich mit 6:1 und 6:0 durch. Zuvor blieben Hsieh/Peng in all ihren 12!!! Finalspielen siegreich, bevor die Serie im 13. Final jäh gestoppt wurde...