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Ich reiste an die EM um den Gesamtweltcup zu gewinnen. Vor der EM lag ich mit 145 Punkten auf dem 2. Platz, der Rückstand auf den führenden Samuel Pökälä betrug 15 Punkte. Das teilweise steile Gelände würde mir allerdings viel mehr liegen als dem grossen kräftigen Finnen. Etwa 2 Wochen vor den Wettkämpfen erfuhr ich auf den Social Media Kanälen, dass Samuel vermutlich nicht nach Portugal reisen wird. Dies bestätigte sich 2 Tage vor dem ersten Wettkampf und vereinfachte die Aufgabe den Gesamtweltcup zu gewinnen immens. Für die Wertung würden von 6 Einzelrennen die besten 4 zählen, allerdings musste mindestens eine Klassierung von Portugal stammen. Unter normalen Umständen sollte mir folglich eine gute Platzierung reichen.
Für die Mitteldistanz wählte ich daher eine zurückhaltende Taktik. Ich wollte mit wenig Risiko sicher durch den Kurs navigieren und so zu einem Diplom oder mit etwas Glück aufs Podest fahren. Konkret bedeutete dies auf den ersten Posten viel Kartenkontakt zu haben, um mich an den Massstab zu gewöhnen und ins Rennen zu finden. Ich nahm mir vor präzis Karte zu lesen, da ich gerne zu stark generalisiere und Details übersehe. Ich wollte Quer-Routen nur mit einer Backup-Variante wählen und im Flachen bei ähnlicher Weg-Klassierung die direktere Variante wählen.
Wenn man die Grafik der Zwischenzeiten betrachtet kann man folgendes erkennen:
- Als einziger Athlet hatte ich ein hohes Tempo und eine super Konstanz. Ausser auf Posten 1 gab es keinen nennenswerten Zeitverlust.
- Hohes Tempo aber einige Fehler hatten Ludvik und Waldmann. Ludvik mit einem kaptialen zu Posten 3, Waldmann mit einigen kleineren, gefolgt von einer starken Schlussphase.
- Auch Medvedev gelang ein schneller Schlussteil, da er bei Posten 16 von mir eingeholt wurde uns sich erfolgreich ans Hinterrad gehängt hat. Auch sein Start war stark, bis Posten 5 lag er in Führung bevor er sie mir abgeben musste.
- Wie Ludvik machten auch Foliforov und Buzovkin einen grossem Fehler zu 3.
- Dem 3. platzierten Stransky gelang ein fehlerfreier Lauf, allerdings fehlte im der Speed.
Detailanalyse:
Hier ein Link zum 3drerun, dort kann man selber analysieren oder die leere Karte abrufen:
Zum ersten Posten wählte ich die langsamere Route. Ich übersah, dass ich auf dieser Variante 15m sinken würde und wählte sie, damit ich nicht wenden muss und da sie etwas kürzer schien. Ludvik war der schnellste auf der linken, etwa 30m kürzeren Route und verlor nach dem Wenden etwa 16“.
Zu Posten 3 stellte sich die Frage, ob man die einfache, sichere Route links wählt oder direkter eventuell sogar mehrmals quer fahren soll. Ich entschied mich meiner Taktik entsprechend für die direkteste Variante ohne lange Quer-Passage. Dass sich die kurze quer Abkürzung beim Posten 2 lohnen sollte, wusste ich vom Anfahren des Postens. Auch war ich gut vorbereitet um im Mittelteil die etwas direktere rechte Variante auf schmaleren Pfaden umzusetzen. Mir gelang hier die erste von 5 Bestzeiten. Bogar wählte eine waghalsige Querroute, Foliforov erwischte einen Weg zu früh und verlor rund 2 Minuten. Sein Rückstand auf Platz 2 betrug am Ende 1:55.
Zu 4 wählte ich die längere Route, damit ich beim Posten nicht wenden muss und verlor dadurch 9 Sekunden. Wenn man allerdings die Postenfolge 3-5 analysiert, erkennt man, dass sich der Umweg gelohnt hat. Im flachen Gelände kann das Wenden und Beschleunigen am Posten 10-15 Sekunden kosten, die dann auf der folgenden Verbindung anfallen.
6: Machado und Waldmann verloren auf Umfahrungsroute viel Zeit. Hier entschied ich gegen meine Taktik und wählte die Quer-Route ohne Backup-Option. Die alternative Umfahrung war so weit, dass das Risiko vertretbar schien. Als viertletzt startender sollte ich bei dichtem Wald von den Spuren der vor mir gestarteten Athleten profitieren können. Zudem sind Nasen in Portugal normalerweise besser begehbar als Mulden.
7: Ich wählte die schnellste Route vom Posten nach Nordosten weg. Jansson und Bettega verloren auf der linken Variante 20 Sekunden. Im zweiten Teil wäre es jedoch einige Sekunden schneller gewesen den Posten links herum anzufahren. Dadurch hätte man auch ein Wenden am Posten gegen einen enge Kurve tauschen können.
8: eine spannende Routenwahl, bei der ich lange unschlüssig blieb. Zuerst wollte ich die direkte Variante links wie beispielsweise Malsroos umsetzen, dachte dann aber, dass die Sackgasse-Variante (Medvedev) nur unwesentlich länger sei und sich aufgrund des höheren Asphalt-Anteils lohnen würde. Erst auf der Teerstrasse war der Kartenhalter dann ruhig genug um zu prüfen, ob meine geplante „Medvedev-Variante“ wirklich durchgehend ist.
9: Dallavalle und Laurila mit langsamerer und etwa 160m längerer Route.
9-11: Ludvik war in dieser Phase im Flow: nach 2 Bestzeiten zu 9 und 10 verlor Ludvik zu 11 fünf Sekunden gefolgt von 2 weiteren Bestzeiten. Meine Variante links zu 10 und rechts zu 11 war ähnlich schnell, allerdings verlor ich einige Sekunde bei Posten 11 wegen dem Wenden.
12: Ich sah die rechten 3 Optionen und entschied mich für die linkeste Variante. Rechts war mir zu weit und die mittlere zu heikel ohne wesentliche Einsparung an Distanz oder Steigung. Fuchs verlor als schnellster auf der direkten Variante 30 Sekunden. Malsroos verspielte hier mit seiner Fehlentscheidung 2 Minuten und einen Diplomrang.
13: Ich wählte die 200m längere Route links, wo man früh auf die Asphaltstrasse gelangte. Ohne Kartenkontroll-Stopp vor dem Aufstieg wäre ich ähnlich schnell wie Ludvik gewesen. Maiselis verfuhr sich im Dorf und verlor hier 2:10. Sein Rückstand auf den 6. Platz betrug schlussendlich 2:16.
13-15: Von Posten 14 wäre links wegfahren etwa 5“ schneller gewesen.
16: Fuchs zeigte, dass er schnell bergauf und bergab ist, fuhr auf der direkten Variante die schnellste Zeit und verlor rund 10“ auf die Bestzeit von Malsroos. Medvedev, der ebenfalls die direkte Variante wählte, stempelte Posten 16 gleichzeitig wie ich und hängte sich mir fortan in den Windschatten.
16-19: Es folgte eine Zuschauerpassage und ein einfacher Schlussteil. Glukhov machte eine Fehlentscheidung zu 19 und verlor auf der viel zu langen Umfahrungsroute 80“.
19-21: Auf der asphaltierten Umfahrungsvariante verlor Ludvik 30“.
21-Z: Auf den letzten beiden Posten gabs keine Routenwahlen mehr. Man musste nur die Route ohne jegliches Zögern perfekt ausführen und vollgas ins Ziel sprinten. Man sieht hier wie ähnlich schnell die Top-Athleten unterwegs waren. Von den GPS-Trägern verlor der 10. schnellste Maiselis lediglich 12“ auf den schnellsten Ludvik. Ich schätze, dass sich etwa weitere 5 Athleten, welche ohne GPS unterwegs waren, dazwischen einreihen würden.
Fazit:
Mir gelang beinahe eine perfekte Mitteldistanz und ich setze meine Taktik konsequent um. Die einzige Fehlentscheidung beging ich zum ersten Posten, wo ich 38“ auf die Bestzeit verlor. Dieser Zeitverlust kann jedoch relativiert werden: rund 10“ wurden wegen nicht erforderlichem Wenden auf den nächsten Posten eingeholt. Zudem startete ich bewusst nicht wie die Feuerwehr, um mich an den Massstab zu gewöhnen und ins Rennen zu finden. Dem Finnen, der zum ersten Posten diese Fabelzeit aufstellte, unterlief bereits beim 3. Posten ein Mispunch.
Nach Posten 1 war mein grösster Zeitverlust auf die Postenbestzeit 13“. Ich hatte das Rennen stets unter Kontrolle, ging kein unnötiges Risiko ein (direkte Route zu 12 und 16) und wählte im flachen Gelände die direktere Variante (3, 19 und 20).
Ich denke, dass ich in dieser Mitteldistanz in einer anderen Liga unterwegs war. Einzig Ludvik und Medvedev hätten mit einem saubereren Lauf in meine Nähe gelangen können.