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Im Winter sinken nicht nur die Temperaturen, sondern bei vielen Menschen auch die Stimmung. Die Dunkelheit und Kälte halten Einzug, und das ewige Grau schlägt aufs Gemüt.
Herr Dr. med. Christian Imboden, EMBA, Ärztlicher Direktor und Vorsitzender der Klinikleitung, Privatklinik Wyss AG, Münchenbuchsee, erklärt, wie sich die Winterdepression vom Winterblues unterscheidet und was Sie dagegen tun können.
Was versteht man unter einer Winterdepression und ab wann ist es nicht einfach nur schlechte Laune?
Eine Winterdepression ist dadurch charakterisiert, dass Betroffene in den dunkleren Monaten (November bis Februar) an typischen Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und erhöhtem Schlafbedürfnis leiden. Des Weiteren steigert sich der Appetit mit Heisshunger auf Kohlenhydrate. Hinzu kommen weitere typische Symptome der Depression wie Freudlosigkeit, Konzentrationsstörungen, negative Zukunftsperspektiven und manchmal auch Suizidgedanken. Die Symptome erreichen denselben Schweregrad wie eine «normale» Depression, bilden sich aber im Frühjahr komplett zurück. Das heisst, die Erkrankung führt im Gegensatz zu schlechter Laune zu einer signifikanten Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Funktionsfähigkeit im Alltag Betroffener. Der Fachbegriff für Winterdepression ist SAD («Seasonal affective disorder»).
Wodurch unterscheidet sich die Winterdepression vom Winterblues?
Mit «Winterblues» wird eine schwächere Form der Winterdepression beschrieben, welche mit weniger stark ausgeprägten Symptomen einhergeht und die Kriterien für eine Depression nicht voll erfüllt – es kommt aber dennoch zu einem verschlechterten Wohlbefinden. Beim Winterblues ist in der Regel die Funktionsfähigkeit im Alltag nicht wesentlich beeinträchtigt.
Gibt es Unterschiede zwischen einer Winterdepression und einer Depression?
Die Symptomatik der Winterdepression ist typischerweise durch ein erhöhtes Schlafbedürfnis und eine Appetitsteigerung charakterisiert, wohingegen bei «normalen» Depressionen Appetit und Schlaf in beide Richtungen gestört sein können, aber häufiger eine Schlaflosigkeit und eine Appetitminderung auftreten. Zudem verschwindet die Symptomatik der Winterdepression im Frühjahr weitgehend, während die Symptome der Depression in der Regel jahreszeitunabhängig auftreten und meist mit Belastungen assoziiert sind. Auslösender Faktor bei der Winterdepression ist das Kürzerwerden der Tage während der Wintermonate und keine weiteren Belastungsfaktoren. Gleichzeitig gibt es aber auch Menschen, welche bei einer normalen Depression zusätzliche saisonale Schwankungen aufzeigen, sodass auch diese von einer Lichttherapie im Winter zusätzlich profitieren können.
Ab welchem Zeitpunkt ist es ratsam, sich professionelle Unterstützung zu holen?
Sobald die Symptomatik ein Ausmass hat, das sich auf die Funktionsfähigkeit auswirkt und/oder Suizidgedanken hinzukommen, sollte sicher professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Wie wird die Winterdepression behandelt?
Die Therapie der Wahl bei der Winterdepression ist die morgendliche Lichttherapie. Betroffene sollen jeden Morgen 30 Minuten vor einer Therapielampe mit 10 000 Lux sitzen. Diese sollte an allen Tagen angewandt werden und braucht ca. zwei Wochen, bis sich die volle Wirkung entfalten kann. Die Lichttherapie sollte Anfang November begonnen und bis Ende Februar fortgesetzt werden. Bei schwereren Formen der Winterdepression oder einem mangelnden Ansprechen auf eine Lichttherapie werden auch Antidepressiva eingesetzt.
Was raten Sie Personen, welche in den kalten Monaten oft mit schlechter Laune, Antriebslosigkeit und Erschöpfung zu kämpfen haben?
Der wichtigste Faktor für die Winterdepression ist das Tageslicht. So können also tägliche Aktivitäten draussen (bei Tageslicht) der Tendenz zu Winterdepressionen bereits entgegenwirken. Des Weiteren kann genügend körperliche Aktivität helfen, die Symptome zu bekämpfen. Falls das nicht ausreicht – auch beim Winterblues –, kann eine Lichttherapie hilfreich sein. Menschen mit einem zu tiefen Vitamin-D-Spiegel könnten zudem davon profitieren, wenn Vitamin D substituiert wird.
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.
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