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War es etwa Zufall, dass letztes Jahr die Webzeitung der ETH Zürich und die Online-Ausgabe der Tageszeitung Blick auf die genau gleiche Idee kamen? Beide präsentierten sich aus Spargründen mit Schwarz-weissausgaben. Dass auf Farbe verzichtet wurde, hatte im 150-Jahr-Jubiläum der ETH auch den Zweck, die Redaktoren zu sachlichem Schreibstil zu verleiten. Genau umgekehrt macht es die NZZ, die auch um sachlichen Schreibstil ringen muss, seit sie Farbbilder nach einem Konzept einsetzt, das wohl auch einem 1. April-Scherz entstammt.
Über den Ursprung des Aprilscherzes gibt es mehr als 800 Theorien aus zahlreichen Ländern. Die Sitte, jemanden «in den April zu schicken», stammt wahrscheinlich aus Frankreich, wo König Karl der Neunte im Jahre 1564 den damaligen Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. Wer dem nicht folgen wollte, galt künftig als «April-Narr». Durch die Umstellung fielen am 1. April die Neujahrsgeschenke weg. Als Ersatz machte man künftig in Frankreich andere am 1. April mit wertlosen Geschenken zum Narren.
Möglicherweise wurde der Aprilscherz anno 1530 in deutschen Landen geboren. Beschloss damals doch der Augsburger Reichstag, zum 1. April 1540 das staatliche Münzwesen zu vereinheitlichen. Kurz vor dem Stichtag wurde der Termin indes vertagt – die Spekulanten ernteten Hohn und Spott.
«Glaubt nicht an die Lügen des losen Mädchens, sie will euch schicken in den April!» wird über Serpetta in Mozarts Gärtnerin der Liebe gesagt. Und Johann Wolfgang von Goethe wusste auch um die Bedeutung des 1. April, als er dichtete: «Willst du den März nicht ganz verlieren,/So lass nicht in April dich führen./Den ersten April musst überstehn,/Dann kann dir manches Guts geschehn.»
Ein Ursprung für den Aprilscherz könnte sein, dass der erste April als der Geburtstag von Judas Ischariot gilt. Judas gehörte zu den engsten Freunden von Jesus; er war dessen Jünger. Für Bestechungsgeld lieferte er Jesus den Obrigkeiten aus: durch eine Lüge und einen Kuss. Mit diesem Verrat des Judas begann der Prozess gegen Jesus, der ihn schliesslich ans Kreuz brachte.
Es gibt sogar April-Scherze, die der Nachwelt erhalten bleiben. Etwa jener des Felsberger Musikanten Peter Camastral, Gründer der Kapelle Bernina, der sich in seiner Freizeit auch der Kleinviehzucht widmet. Als Aprilscherz liess er sich mit einem Handörgeli und einem blökenden Schafbock fotografieren und lud auf den 1. April zum ersten Open-Konzert mit dem singenden Schafbock nach Felsberg ein. Den Schafbock gibt es nicht mehr, wohl aber die Vinyl-Schallplatte der Kapelle Bernina mit dem Schottisch drauf unter dem Titel «Der singende Schafbock».
«Am ersten April schickt man die Narren hin, wo man will», sagt der Volksmund. Das hat natürlich auch sehr viel mit Aberglauben zu tun. Deshalb ein guter Rat: Seien wir nicht abergläubisch – das bringt nur Unglück.
Stefan
Bühler
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