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Zu Savolainens ausgezeichnetem Roman «Farantheiner» (verlag die brotsuppe):
Von Claude Simon, der zunächst Maler war, hat man gesagt, er sei es auch als Literat geblieben. Von Patrick Savolainen, der hauptberuflich Grafiker ist, kann man das wohl kaum sagen. Obwohl Savolainen, 1988 in Malaga geboren, einen ähnlich eigenwilligen Umgang mit der Sprache pflegt wie Simon, schafft er in seinem Debütroman keine Bilder, sondern dekonstruiert sie. Zwar stellt er eine Handlung vor, aber statt sie zu inszenieren, inszeniert er auf ihrer Grundlage die Bedingungen des Erzählens.
Savolainens Roman basiert auf einem Plot, dem er auf eigenwillige Art immer wieder neu die Spannung nimmt. Was Coleridge im 19. Jahrhundert die «willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit» genannt hat, verhindert er, indem er Phrasen vorführt, die charakteristisch sind für Trivialromane – in immer wieder neuen Wendungen, bis zur Unkenntlichkeit wiederholt. Und wenn man von Claude Simon gesagt hat, seine Bücher ermöglichten dem Leser eine neue Art zu sehen, so lässt sich von «Farantheiner» durchaus behaupten, hier könne man das literarische Sprechen neu erlernen. (Laura Clavadetscher)
Ein Zitat aus dem Werk:
«Beim Betrachten dieses Punktes war es ihr, als dehnte er sich aus – indessen ohne sich zu vergrössern, und als flössen das unvermittelt Erlebte, aber auch Erinnerte und Erzählte in diesen Punkt hinein. Ohne sich zu verschieben, dehnte er sich weiter aus. Und so stürzten auch alle Bilder und Spiegelungen der vorhergegangenen und nächsten Tage und alle Gewissheiten und Möglichkeiten, davon zu sprechen, in diesen Punkt hinein. Alles war einerlei und darin verschieden. Sie brauchte nur davon zu erzählen.»
Fotos: Maurice Haas