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Immer wieder müssen sich JournalistInnen ihre Unabhängigkeit neu erkämpfen. Ruth Weiss erinnert sich an ihre Anfänge in Salisbury, dem heutigen Harare.
Bei meinem Besuch bei Peter Duminy, einst stellvertretender Chefredaktor der Johannesburger «Financial Mail», der in Plettenberg an Südafrikas Wildküste seinen Ruhestand verlebt, erinnern wir uns an vergangene Zeiten.
1966 hatte Peter mich mit meinem kaum drei Monate alten Sohn im VW-Käfer von Südafrika über die Grenzstadt Beit Bridge nach Salisbury, dem heutigen Harare, gefahren. Die SiedlerInnenregierung Rhodesiens, des heutigen Simbabwes, hatte kurz zuvor die Unabhängigkeit des Landes erklärt.
Bereits kurz nach meiner Ankunft begab ich mich wieder ausser Landes, um mit George Palmer zu telefonieren – dem Chefredaktor der «Financial Mail», der mich nach Salisbury geschickt hatte. «Ich habe einen Primeur», sagte ich ihm, «ich weiss, wie die rhodesische Regierung die ihr auferlegten internationalen Sanktionen umgeht.» «Bist du bereit, das zu schreiben?», fragte er. Und ich antwortete: «Ja, wenn du bereit bist, es zu drucken.»
Er war es. Und so schrieb ich jede Woche in meiner Rubrik «Rhodesien Roundup» mindestens eine Geschichte dazu. Sehr zum Ärger von Ian Smith’ Regime, das die «Financial Mail» immer wieder verbot. Ich schützte meine Quellen, wurde aber nach zwei Jahren ausgewiesen – was mich nicht störte, da mir aufgrund meiner Berichte bereits ein Job beim Londoner «Guardian» angeboten wurde.
Unabhängigkeit unerwünscht
Auch andere Zeitungen litten unter Zensur. So veröffentlichte der «Rhodesian Herald» damals monatelang die Zeitung genau so, wie sie aus dem Zensurbüro kam: mit halben Überschriften und leeren Spalten – bis die Regierung ihr das verbot.
Auch unter Simbabwes heutigem Präsidenten Robert Mugabe ist scharfe Zensur an der Tagesordnung, leben JournalistInnen gefährlich. Sie riskieren es, von der regierungstreuen Polizei angegriffen zu werden oder in Mugabes lebensgefährlichen Gefängnissen inhaftiert zu werden. Zudem gibt es keine ausländischen KorrespondentInnen im Land, obwohl BBC und CNN kürzlich wieder Zulassungen erhielten.
Dass unabhängige Zeitungen unerwünscht sind, musste auch der Simbabwer Unternehmer Trevor Ncube feststellen, dem die südafrikanische Zeitung «Mail & Guardian» gehört. Genauso wie Wilf Mbanga, der seinen in Britannien hergestellten «Zimbabwean weekly» ins Land schickt: Die Veröffentlichung von Ncubes geplanter Tageszeitung wird immerzu verhindert, und Mbanga muss horrende Steuern bezahlen, um seine Zeitung im Land verkaufen zu dürfen.
In Südafrika ist die «Financial Mail», die 1959 von der Londoner «Financial Times» gegründet wurde, mittlerweile zu einer unbedeutenden Stimme verkommen – wie manch andere einst angesehene Zeitung des Landes. Dafür sind neue Zeitschriften wie «Mail & Guardian» wichtig geworden, aber auch junge JournalistInnen wie Ferial Haffajee, Chefredaktorin des progressiven «City Press». Die 42-jährige Haffajee nahm wie ich letzten Monat als Referentin an einem Mediensymposium in Sambia teil. Dort erklärte sie, dass eine Zeitung in Südafrika auch überleben könne, ohne Kompromisse einzugehen und warnte vor einem um sich greifenden «Scheckbuchjournalismus», bei dem Informationen und Geschichten exklusiv verkauft werden. Kompromisslosigkeit, sagte Haffajee, gehöre zu den Werten, die sie während der Apartheid lernte.
Zensur gibt es in Südafrika keine. Allerdings beschwert sich die Regierungspartei ANC über die Presse, der sie vorwirft, ihr feindlich gesinnt zu sein. Die Presse weist diese Anschuldigung von sich: Sie greife die Regierung nicht an, sondern übe berechtigte Kritik.
«Obszön und unsambisch»
Es war interessant, in Johannesburg alte Freunde zum Lunch zu treffen. So etwa Allister Sparks, Ende der siebziger Jahre Chefredaktor der damals renommierten «Rand Daily Mail», und Hugh Lewin, der wegen Sabotageakten gegen das Apartheidregime sieben Jahre im Gefängnis gesessen hatte und der danach zwanzig Jahre im Exil lebte. Mit Hugh bildete ich in den achtziger Jahren in Harare angehende JournalistInnen aus, nachdem ich zuvor in Sambia Journalismus unterrichtet hatte und dort zur gleichen Zeit als Korrespondentin der «Financial Times» arbeitete.
In Sambia herrscht heute uneingeschränkte Medienfreiheit. Wie lange noch, ist allerdings ungewiss. Das Parlament debattiert derzeit über ein Gesetz, das JournalistInnen zur «Selbstkontrolle» verpflichten will. Präsident Rupiah Banda erklärte mir, dies sei nötig, und erwähnte einen laufenden Prozess, in dem es um die Veröffentlichung von Bildern geht, die er für «obszön» und «unsambisch» hält: Auf diesen Bildern ist eine Geburt auf der Strasse vor einer Klinik zu sehen, deren Personal sich im Streik befand. Allerdings bot die Veröffentlichung der Bilder der Regierung wohl eher einen Vorwand, die Zeitung für ihre regierungskritische Berichterstattung zu bestrafen.
Der dritte bei unserem Lunch in Johannesburg war Moeletsi Mbeki, der jüngere Bruder von Thabo Mbeki, der bis 2008 Präsident Südafrikas war. Der Unternehmer, Journalist, Analytiker und politische Kommentator Moeletsi gehörte zu den schärfsten Kritikern der Politik seines Bruders. In seinem neuen Buch «Architects of Poverty» klagt er Afrikas «unproduktive» Elite an, die nichts für die Entwicklung ihrer Länder tue. Das Buch erregte in Südafrika grosses Aufsehen. Inzwischen arbeitet Moeletsi bereits daran, ein Projekt historisch aufzuarbeiten, bei dem wir zusammen mit einem mittlerweile verstorbenen Kollegen in Harare in den späten achtziger Jahren versucht hatten, weisse und schwarze SüdafrikanerInnen heimlich an einen Tisch zu bringen.
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