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Bohemian Rhapsody
Antje Weithaas — violin, soloist and artistic director
Antonin Dvorák (1841 – 1904)
Serenade für Streicher E-Dur op. 22
Antonin Dvorák
Serenade für Bläser d-Moll op. 44
Antonin Dvorák
Violinkonzert a-Moll op. 53
Europa 1875: Bizets Carmen wird in Paris uraufgeführt, in Prag Smetanas Moldau;
in Wien komponiert Brahms seine erste Symphonie, und Bayreuth fiebert der Premiere von Wagners Götterdämmerung entgegen.
In Wien erhält ein bescheidener böhmischer Musikant aus einfachen Verhältnissen ein Stipendium in der Höhe von 400 Gulden. Noch unbelastet vom später einsetzenden Weltruhm komponiert der damals 34-jährige Dvorák einige seiner schönsten kammermusikalischen Werke, darunter die Serenade in E-Dur für Streicher Opus 22, ein Konzentrat an Wohlklang und herrlichsten böhmischen Melodien. Im ganzen Stück ist die gute Laune des aufstrebenden Komponisten zu hören, der seine Themen in verschwenderischer Fülle über die fünf Sätze ausstreut. Dvorák lässt die Streicher mit samtigem Klang eine Wärme und Innigkeit entfalten, die selbst Grieg in seiner Holberg Suite (1884) und Tschaikowsky in seiner Serenade (1880) kaum überbieten werden.
Der italienische Kern des Wortes Serenade, Serenata stammt nicht etwa von sera (Abend) sondern von sereno, dem Begriff aus der Wetterkunde für einen heiteren, wolkenlosen Himmel. So leuchtend blau wie ein böhmischer Himmel strahlt Dvoráks Streicherserenade – ein wolkenloses Werk.
Der 36-jährige Dvorák hörte in Wien 1877 die Bläserserenaden von Mozart, was ihn dazu anregte, ebenfalls eine Serenade für Bläser zu komponieren. Die Serenade als Musikgattung gehörte damals zum Erbe der Wiener Klassik und erlebte nach Mitte des Jahrhunderts ihre Wiederentdeckung durch Bläserkapellen und philharmonische Vereinigungen. Wer Mozarts Bläserserenaden kennt, wird bald hören, dass sie Dvorák Vorbild standen. Die in nur 14 Tagen komponierte Serenade für Bläser ist von betörendem Klangreiz und strotzt geradezu vor Einfällen. Die Farbpalette changiert zwischen stilisierter böhmischer Dorfmusik, romantisch-träumerischen Tönen und archaisch herben Klängen. Das abschliessende Allegro Molto ist einer der grandiosesten Finalsätze, die Dvorák komponiert hat: ein volksmusikantisches Furioso, das vom einleitenden Unisono bis zur schmetternden Hornfanfare nie an Intensität nachlässt.
Von wolkenlos ins Düster-Tragische wechselt die Stimmung im Violinkonzert in a-Moll Opus 53, begonnen 1879, jedoch erst
vier Jahre später uraufgeführt. Eine komplizierte Entstehungs- geschichte ist der Uraufführung vorangegangen; zwischen Konzeption und Endfassung liegen mehrere Stadien der Über- arbeitung. Geschrieben wurde es ursprünglich für Joseph Joachim, den wichtigsten Deutschen Geiger seiner Zeit, der auch Brahms’ Violinkonzert mitkonzipiert und uraufgeführt hatte. Joachim hat dieses Konzert jedoch nicht uraufgeführt. Er machte gleich nach dem ersten Entwurf Änderungsvorschläge, und Dvorák nahm diese zum Anlass, das ganze Konzert umzuarbeiten; keinen Takt habe er behalten, wie er seinem Verleger Simrock damals schrieb.
Der Beginn dieses Konzertes zählt zu den schönsten Anfängen von Violinkonzerten: Im Gegensatz zu Brahms oder Tschaikowsky schenkt Dvorák dem Orchestertutti nur ein paar Takte (die an Beethovens Neunte erinnern, dem ersten symphonischen Werk, das Dvorák gehört hatte), bevor die Violine mit einem lyrischen Thema einsetzt und sich rasch in schwindelerregende Höhen schraubt. In gängigen Interpretationen mit grossem Orchester muss sich die Geige in Doppelgriffen und kraftaufwändigen Passagen gegen das Orchester behaupten. Dank der schlanken Besetzung der CAMERATA BERN wird sich Antje Weithaas eher dem musikalischen Ausdruck als dem klanglichen «Kampf» widmen können.
Anschliessend an dieses Konzert wird das Programm für eine CD- Produktion aufgenommen.