Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03152.jsonl.gz/2641

Das Neueste aus der Welt der Wissenschaft und Technik in Kurzform. Damit du weisst, wie der Roboter-Hase läuft.
Unterschiedliche Buntbarsch-Männchen wenden verschiedene Strategien an, um sich bei der Befruchtung der weiblichen Eizellen durchzusetzen. So sammeln die sogenannten Nestmännchen leere Schneckenhäuser, die sie den Weibchen als Bruthöhle zur Verfügung stellen. Winzige Schmarotzer, die Zwergmännchen, können sich hingegen am ablaichenden Weibchen vorbeischlängeln und in die Spitze des Schneckenhauses gelangen.
Dadurch haben die beiden Männchentypen ganz unterschiedliche Ausgangslagen, wenn es um die Befruchtung geht. Während das Nestmännchen seine Spermien nur im Eingang des Schneckenhauses abgeben kann, kann das Zwergmännchen die Eier innerhalb des Hauses befruchten. Seine Spermien brauchen daher nur einen viel kürzeren Weg zurückzulegen als die Keimzellen der Nestmännchen.
Eine Forschungsgruppe um Michael Taborsky vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern konnte nun zeigen, dass die Spermien der beiden Männchentypen ganz unterschiedliche Leistungen vollbringen. «Während die Keimzellen der Zwergmännchen am Anfang sehr schnell und zielgerichtet schwimmen, sind die Nestmännchen-Spermien im Vergleich dazu eher träge und weniger effizient im Verfolgen ihrer Schwimmrichtung», wird Taborsky in einer Mitteilung der Uni Bern zitiert.
Dies macht sich aber mit der Zeit bezahlt: Während die schnellen Spermien der kleineren Fische sehr bald ermüden und nach zwei bis drei Minuten ganz absterben, leben die Nestmännchen-Spermien wesentlich länger. Sie können also auch dann noch das Ei befruchten, wenn sie es nach dem langen Weg, den sie zurücklegen mussten, endlich erreichen, wie die Forscher im Fachjournal «Science Advances» berichten.
Entscheidend ist dabei die unterschiedliche Bauart der Spermienzellen. Die Köpfe der Keimzellen sind bei den Nestmännchen grösser, womit sie über mehr Energiereserven verfügen. Dies geht allerdings auf Kosten der Fortbewegung. Diese entgegengesetzte Spezialisierung der Spermien lässt sich gut mit der besonderen Art der Fortpflanzung der Tiere erklären.
(sda)
Und nun zu etwas ganz anderem:
Pestizide werden oft als mögliche Ursache für das Bienensterben genannt. Ein Mikrochip auf dem Rücken der Bienen soll Aufschluss darüber geben, wie sich Pflanzenschutzmittel-Rückstände auf den Bienenflug auswirken.
Forschende von Agroscope haben diese Methode entwickelt, um die Bienen in freier Natur untersuchen zu können. Damit wollen sie erhellen, welche Risiken die Insektizidrückstände auf Pflanzen für die Bienen tatsächlich bergen.
Also präparieren die Forschenden Futterlösungen mit Insektengift. Anschliessend messen sie, wie viele der Testbienen nach dem Fressen aus einem Umkreis von einem Kilometer Entfernung in den Bienenstock zurückkehren und wie lange sie dafür brauchen.
«Bienen, die mit der Umgebung vertraut sind, fliegen normalerweise direkt zum Stock zurück», erklärt Agroscope-Forscher Lukas Jeker im aktuellen Jahresbericht 2017 der Forschungsanstalt. Daher liefern die Rückkehrrate der Bienen und die Zeit, welche die Bienen für diesen Weg benötigen, wertvolle Informationen darüber, wie gut es den Tieren geht und ob sie sich noch orientieren können.
Verfolgt werden die Bewegungen der Tiere mithilfe der RFID-Technologie (Radio Frequency Identification). Diese kontaktlose Kommunikationstechnik wird den Bienen in Form eines 4,5 Milligramm schweren Mikrochips auf den Rücken geklebt. Wenn eine Biene das Lesegerät am Eingang zum Bienenstock passiert, werden die Daten vom Chip ausgelesen.
«Damit eine Biene ungehindert fliegen kann, muss der Datenträger präzise auf dem Rückenpanzer einer Biene fixiert werden, ohne die Flügel oder Flügelmuskulatur zu beeinträchtigen», schreibt der Ökotoxikologe im Jahresbericht weiter. Am besten eigne sich ein wenig Zahnzement zur Befestigung. «Es ist wichtig, dass die Bienen möglichst wenig gestresst und durch den Chip in ihrem Verhalten nicht beeinträchtigt werden.»
Erste Resultate haben gezeigt, dass das getestete Neonikotinoid die Rückkehrrate der Bienen bei der höchsten Dosis von einem Nanogramm pro Tier beeinträchtigt. Nur noch 60 Prozent der Bienen, die die höchste Dosis aufnahmen, flogen zum Bienenstock zurück. Diese Dosis ist laut Jeker aber eher unrealistisch.
Im Gegensatz dazu finden beim Test neun von zehn Bienen zum Bienenstock zurück, wenn sie unbehandelt oder lediglich der tiefen Dosis ausgesetzt waren. Ähnliche Resultate gab es in anderen Ländern.
Dies bedeutet, dass hohe Konzentrationen des Insektengifts die Bienen in ihrer Orientierung oder Flugfähigkeit beeinträchtigen. Die Frage sei, wie dieser Effekt sich auf eine ganze Bienenkolonie auswirkt.
(sda)
Und nun zu etwas ganz anderem:
Israelische Forscher haben in einer Höhle in den Jerusalemer Bergen einen gespaltenen Schädel und Knochen einer Hand gefunden. Sie deuten dies als frühesten Hinweis auf einen konkreten Fall von Blutrache unter Beduinen, wie die israelische Altertumsbehörde am Mittwoch mitteilte.
Die menschlichen Überreste sind nach Angaben der Forscher rund Tausend Jahre alt und stammen von einem 25 bis 40 Jahre alten Mann. Der Archäologe Professor Boaz Zissu von der Universität Bar Ilan bei Tel Aviv habe den Schädel und die Knochen gefunden, hiess es in der Mitteilung.
Gemeinsam mit Jossi Nagar von der Altertumsbehörde und dem Forensiker Chaim Cohen kam er zu dem Schluss, dass damals ein Auftragsmord verübt wurde. «Der Schädel wurde mit einem Schwerthieb in zwei Teile gespalten», erzählte Nagar.
Nach der Untersuchung gehe man sogar davon aus, dass es sich sogar um den weltweit ältesten nachgewiesenen Fall von Blutrache handle. Zum Beweis führte Nagar an, dass der Schädel aus dem 10. Jahrhundert stammte, «einem Zeitalter, in dem nur Beduinen in dieser dünn besiedelten Gegend lebten». Blutrache kam und kommt in verschiedenen Kulturen vor.
Die Befunde deuteten darauf hin, dass der Mann, dem der Schädel gehörte, schon vor seinem Tod mehrmals in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt war, sagte Nagar.
«Er hat zwei verheilte Schnitte im Schädel, die ihm mit einem Schwert beigebracht wurden und die von zwei älteren Vorfällen stammen», erklärte der Forscher. «Den letzten Vorfall hat er nicht überlebt, weil ihm der Kopf mit dem Schwert gespalten wurde.»
In der Höhle seien auch Knochen einer rechten Hand gefunden worden. Aus Texten aus dem 10. Jahrhundert gehe hervor, «dass Blutrache unter den Beduinen üblich war». Um einen Beweis für den ausgeführten Mord zu liefern, sei damals der Familie, die sich rächen wollte, der Schädel und die rechte Hand des Opfers gebracht worden. Die Fundstücke in der Höhle passten also dazu.
(sda/dpa)
Und nun zu etwas ganz anderem:
Es kommt selten vor, dass Wissenschaftler es begrüssen, wenn irgendwo eine Tierart verschwindet. Genau dies ist aber in Südgeorgien passiert: Dort gibt es seit etwa zwei Jahren keine Ratten mehr. Und die Forscher finden diese Tatsache nicht nur positiv, sie sind sogar schuld daran.
Die Ratten auf der unbewohnten Insel im Südatlantik waren nämlich eine Plage – nicht für die Menschen, sondern für zahlreiche, zum Teil sehr seltene Vogelarten. Einst sollen nach Schätzungen der Forscher bis zu 100 Millionen Vögel dort gelebt haben. Doch dann kamen die Ratten, möglicherweise schon mit dem ersten Schiff, das Südgeorgien anlief: 1675 entdeckte vermutlich der britische Kaufmann Anthony de la Roché* die 1400 Kilometer östlich von Argentinien gelegene Insel.
Seither verbreiteten sich die Nager unaufhaltsam über das Eiland und frassen Eier, Küken und zum Teil sogar erwachsene Vögel. Mehr als 90 Prozent der gesamten Vogelpopulation auf Südgeorgien verschwand. Die Lage wurde so ernst, dass die Artenschützer 2009 beschlossen, die Notbremse zu ziehen.
Der South Georgia Heritage Trust (SGHT) startete das bisher umfangreichste Rattenbekämpfungsprogramm der Geschichte. Per Helikopter wurden zwischen 2011 und 2015 tonnenweise Giftköder über der 3800 km2 grossen Insel abgeworfen. Jede Ratte sollte einen Köder abkriegen.
Dieser massive Gift-Feldzug gegen die Rattenpopulation war freilich nicht nur kostspielig, sondern verursachte auch Kollateralschäden: Neben den Nagern starben auch Vögel und andere Tiere. Dies führte zu Kritik am Projekt.
Ökologen betonten dagegen, der langfristige Nutzen der Aktion überwiege, falls die Rattenplage damit eliminiert werde. Jetzt, zwei Jahre nach dem Ende der Aktion, scheint es, dass dies tatsächlich gelungen ist: «Das Projekt ist ein voller Erfolg, die invasiven Nager wurden auf der gesamten Insel ausgerottet», sagte Mike Richardson vom SGHT. «In den vergangenen sechs Monaten haben wir nicht einen einzigen Hinweis auf eine Ratte entdeckt.»
Rattenfallen blieben leer, spezielle Spürhunde fanden nichts: Südgeorgien scheint in der Tat erstmals seit zweieinhalb Jahrhunderten wieder rattenfrei zu sein. Inzwischen haben sich laut den Forschern bereits wieder einige Vogelarten angesiedelt, die zuvor nur auf kleinen Nebeninseln überlebt hatten.
(dhr)
* In einer früheren Version des Artikels hiess es noch irrtümlich, der britische Seefahrer Thomas (sic) Cook habe Südgeorgien 1775 entdeckt.
Und nun zu etwas ganz anderem:
Der Maler Vincent van Gogh litt vermutlich an einer bipolaren Störung, die Schriftstellerin Virginia Woolf hörte Stimmen. Der Mathematiker John Nash, dessen Leben in «A Beautiful Mind» verfilmt wurde, hatte paranoide Schizophrenie. Und der Philosoph Friedrich Nietzsche starb in geistiger Umnachtung.
Viele berühmte kreative Persönlichkeiten hatten mit psychischen Krankheiten zu kämpfen. Zwischen Genie und Wahnsinn, so sagt die Küchenpsychologie, liegt nur ein schmaler Grat. Aber gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Kreativität und geistiger Gesundheit?
Laut einer neuen Studie, die unlängst im Fachmagazin «The British Journal of Psychiatry» veröffentlicht wurde, besteht ein solcher Zusammenhang tatsächlich. Für kreative Personen ist es demnach wahrscheinlicher, an Schizophrenie, einer bipolaren Störung oder Depression zu erkranken.
Auch frühere Studien haben bereits einen Zusammenhang zwischen Kreativität und psychischen Krankheiten gefunden. So kam eine Untersuchung vor drei Jahren zum Befund, dass bei kreativen Persönlichkeiten ein genetisch bedingtes erhöhtes Risiko für Schizophrenie oder bipolare Störungen besteht.
Während aber früheren Untersuchungen oft nur eine eng begrenzte Zahl von Testpersonen zur Verfügung standen, konnte die neue Studie die Krankenakten von ganz Schweden auswerten – was beinahe 4,5 Millionen Probanden entspricht.
Die Forscher verglichen darauf die Absolventen eines musisch ausgerichteten Studiums – etwa Musik oder Kunst – mit einer weniger kreativen Kontrollgruppe, darunter auch Absolventen von anderen Studienrichtungen wie Jus. Der erstaunliche Befund: Bei den «Kreativen» war die Wahrscheinlichkeit, dass sie wegen Schizophrenie in Behandlung kamen, um 90 Prozent höher. Bei bipolaren Störungen lag die Wahrscheinlichkeit um 62 Prozent höher und bei Deprerssionen um 39 Prozent.
Ein möglicher Grund für diese Korrelation könnte darin liegen, dass kreative Personen eher emotional instabil und deshalb anfälliger für psychische Erkrankungen sind. Der Studienautor James McCabe sagte dem Wissensmagazin «New Scientist», dass genetische Faktoren, die mit Kreativität zu tun haben, möglicherweise auch die geistige Gesundheit beeinflussen.
«Kreativität hat oft damit zu tun, Ideen oder Konzepte auf eine Art zu verbinden, die anderen Leuten nicht in den Sinn käme», sagte McCabe. «Aber das ist ähnlich, wie Wahnvorstellungen funktionieren – zum Beispiel dass eine Verbindung hergestellt wird zwischen den Kleidern, die jemand trägt, und einer Geheimdienst-Verschwörung.»
Und nun zu etwas ganz anderem:
Auf unserem Zentralgestirn gibt es riesige wirbelförmige Wellen, die sich entgegengesetzt zur Rotationsrichtung ausbreiten und Lebensdauern von mehreren Monaten haben. Die Wirbel hat ein Forscherteam unter Leitung des deutschen Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) und der Georg-August-Universität Göttingen entdeckt.
Die Wellen ähnelten denjenigen, die in der Erdatmosphäre das Wetter bestimmen, berichten die Forscher in der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift «Nature Astronomy».
In fast jeder Wetterkarte der nördlichen Erdhemisphäre finden sich sogenannte atmosphärische Rossby-Wellen als herausstechendes Merkmal, wie das MPS weiter erläuterte. Sie erscheinen gleichsam als Schleifen im Jetstream, der kalte Polarluft im Norden von wärmerer subtropischer Luft weiter südlich trennt. Manchmal erreichen diese Wellen die äquatorialen Regionen und können sogar das Wetter in Australien beeinflussen.
40 Jahre lang hatten Wissenschaftler über die Existenz solcher Wellen auch auf der Sonne spekuliert. Jetzt wurden sie erstmals eindeutig identifiziert und charakterisiert. Die solaren Rossby-Wellen sind nahe Verwandte der Rossby-Wellen, die auf der Erde in der Atmosphäre und den Ozeanen auftreten.
«Solare Rossby-Wellen haben sehr kleine Amplituden und Perioden von mehreren Monaten, sodass sie extrem schwer zu erkennen sind», erklärte Laurent Gizon, der Leiter des Forscherteams und Geschäftsführende Direktor des MPS. Die Studie erforderte deshalb mehrjährige hochpräzise Beobachtungen der Sonne.
«Insgesamt finden wir auf der Sonne grosse wirbelförmige Wellen, die sich entgegen der Rotation bewegen. Dass diese Wellen nur in den äquatorialen Regionen zu sehen sind, ist völlig unerwartet», betonte Gizon.
Die Wellenmuster sind über mehrere Monate stabil. Die Forscher konnten erstmals den Zusammenhang zwischen Frequenz und Wellenlänge der Wellen bestimmen und sie so eindeutig als Rossby-Wellen identifizieren.
«Solare Rossby-Wellen sind gigantisch, ihre Wellenlängen vergleichbar mit dem Sonnenradius», erklärte Gizon. Diese Wellen sind den Wissenschaftlern zufolge ein wesentlicher Bestandteil der inneren Dynamik unseres Zentralgestirns, weil sie zur Hälfte der kinetischen Energie der Sonne beitragen.
(sda/afp)
Und nun zu etwas ganz anderem:
Reden ist ziemlich kompliziert – das gilt nicht nur für den Inhalt, sondern auch für den physiologischen Vorgang. Dass dies so ist, zeigt ein Video, das derzeit im Internet rege geteilt wird. Zu sehen ist der Kopf von Dirk Voit, während er spricht – und zwar von innen.
Die Bilder stammen von einem Magnetresonanztomografen (MRT). Während der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in der Röhre lag und seinen Text sprach, scannte das Gerät scheibchenweise das Innere seines Kopfes. Am Computer entstand daraus ein Live-MRT, das im Bewegtbild zeigt, was in Mund und Rachen abläuft.
Voit erklärt, was wir sehen: Für jeden Vokal nimmt die Zunge eine andere Position ein, für jeden Konsonanten führt sie eine individuelle Bewegung aus. Wenn Voit schluckt, legt sich die Zunge an den Gaumen und schliesst so den Rachen für einen Moment luftdicht.
Möglich gemacht hat das Live-MRT der Göttinger Physiker Jens Frahm. Ihm und seinem Team ist es gelungen, die MRT-Technologie dermassen zu beschleunigen, dass zum ersten Mal überhaupt Aufnahmen in Echtzeit möglich wurden. Dafür wurde Frahm nun für den Europäischen Erfinderpreis nominiert.
(dhr)
Und nun zu etwas ganz anderem:
Demnächst startet der Horror-Film «The Meg» über einen ausgestorbenen Monsterhai namens «Megalodon». Der Zufall will, dass das Sauriermuseum Aathal jetzt die Ausstellung «Haie der Urzeit» eröffnet – mit dem weltweit am besten erhaltenen Skelett eines «Megalodons».
Im Vergleich zum «Megalodon» ist der Weisse Hai «Jaws» ein Kuscheltier: Das vor zwei Millionen Jahren ausgestorbene Urzeitmonster wurde fast 20 Meter lang und in sein Maul hätte locker ein Smart gepasst.
Fossile Haie sind extrem selten, sagt Hans-Jakob Siber, Gründer und Besitzer des Sauriermuseums Aathal. Denn Haie sind Knorpelfische und Knorpel zerfällt nach dem Tod sehr schnell. Haiskelette versteinern denn nur unter ganz seltenen Bedingungen. Die etwa 4,5 Meter lange Versteinerung eines Megalodons aus Peru, welche das Sauriermuseum als «Hailight» ab Donnerstag in einer Sonderausstellung zeigt, sei aus Forschersicht eine Sensation.
Im Vergleich zum lebenden Tier sei dieses Fossil aber dennoch eher «mickrig», sagt Siber. Um Besuchern einen besseren Eindruck zu geben, hat er deshalb einen animierten Kurzfilm drehen lassen. Gezeigt wird er in einem nachgebauten Aquarium. Der Zuschauer steht dabei in einer Art Grotte und guckt durchs Glas ins Meer hinaus. Zunächst schweben Seesterne und anderes Getier herum, bis – wamm – von hinten der «Riesenzahn» naht und sein Maul aufreisst.
Dass dieses Szenario einer der Schlüsselszenen von «The Meg» ähnelt, als ein kleines Mädchen in einem Unterwasserfenster den Monsterhai kommen sieht, sei Zufall, so Siber. Von der Hollywood-Produktion habe er erst im Februar erfahren, als die eigene Hai-Ausstellung bereits weit gediehen war.
Angeregt wurde diese nicht von Hollywood, sondern von Sibers Nachbar René Kindlimann, von Hause aus Ausstellungsgestalter und nebenbei ein gefragter Hai-Experte und Besitzer einer der weltweit vollständigsten Sammlungen von Haifossilien. 30 Jahre lang habe er Kindlimanns Sammlung wachsen sehen, sagt Siber. Um sie ins Sauriermuseum zu integrieren, dafür fehle der Platz, aber zumindest widmet er den Haien nun die diesjährige Sonderausstellung.
«Wir wollten die beste Ausstellung über fossile Haie machen, die es je gegeben hat, und ich glaube, das ist uns gelungen», sagt Siber. Zu sehen sind neben dem weltweit am besten erhaltenen Skelett eines «Megalodons» etwa zwei Dutzend Raritäten, welche die Evolution der Haie nachvollziehbar machen.
Ergiebige Fundstellen sind Peru und der Libanon, aber auch Solnhofen in Deutschland. Vor Jahrmillionen Jahren dürften also auch in unseren Breiten Haie gejagt haben.
Ausgestorben ist der «Megalodon» genannte Hai – der wissenschaftliche Name lautet anders und hat gerade vor kurzem wegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wieder geändert – zu einer Zeit, als die grossen Meeresräuber des Erdmittelalters, die Mosasaurier, Plesiosaurier und Pliosaurier längst verschwunden waren.
Den Haien eröffneten sich im Tertiär neue Nahrungsquellen in Gestalt der damals sich entwickelnden meeresbewohnenden Säugetiere. Haie wie der Megalodon profitierten von dieser Entwicklung und begannen eine enorme Grösse zu entwickeln: Mit 15 bis 18 Metern Länge waren sie gewaltige Jäger. Im Vergleich dazu erreichen die grössten Weissen Haie der heutigen Zeit mit 6 bis 8 Metern weit geringere Dimensionen.
Seit langem kursieren immer wieder Gerüchte, einzelne Exemplare des «Megalodons» hätten in den Tiefen der Meere bis heute überlebt – schliesslich sind 90 Prozent der Meere noch unerforscht. Auch der Film «The Meg» geht von dieser Legende aus.
Hans-Jakob Siber hält nicht viel davon. Dass einzelne Tiere bis heute überlebt haben, hält er für so gut wie unmöglich. Denn um sich fortzupflanzen, brauche es eine grosse Population, weil es sonst zu Inzucht und infolgedessen genetischen Krankheiten komme, welche die Population wieder dezimieren. Und eine grosse «Riesenzahn»-Population wäre nicht zwei Millionen Jahre unentdeckt geblieben.
Sollten wie damals in der Folge des Films «Jaws» Ängste auftauchen, von einem prähistorischen Monsterhai gefressen zu werden, so sind diese gänzlich unbegründet. Selbst Opfer «normaler» Haie sind selten. Jährlich werden um die 75 Menschen von Haien verletzt oder getötet. Zum Vergleich: Jährlich sterben etwa 150 Menschen an Verstopfung.
(Irene Widmer, sda)
Und nun zu etwas ganz anderem:
Einige Vogelarten stürzen sich mit hoher Geschwindigkeit in die Tiefe – die Ziele solch rasanter Flugmanöver können gänzlich unterschiedlich sein: Wanderfalken (Falco peregrinus) etwa erwischen dank ihrer extrem schnellen Sturzflüge auch Beutevögel, deren Flugmanöver eigentlich unberechenbar sind.
Costakolibris (Calypte costae) hingegen werben im Flug um Weibchen. Sie erzeugen dazu beim Herabstossen mit ihren Schwanzfedern einen hohen Ton und spreizen ihre Federn gezielt so, dass der Flugsound optimal beim Weibchen ankommt.
Die Gruppe um Robin Mills von der Universität Groningen (Niederlande) berichtet im Fachjournal «Plos Computational Biology», was sie über den Sturzflug des Wanderfalken bei der Jagd auf Stare (Sturnus vulgaris) herausgefunden hat. Frühere Untersuchen hatten bereits gezeigt, dass die pfeilschnellen Vögel ähnliche Manöver ausführen, wie menschengemachte Lenkflugkörper.
Die Forscher nutzten in ihrer jetzt vorgestellten Untersuchung Computermodelle, in denen sie zum einen die Flugbahnen des Falken variierten, zum anderen das Flugverhalten der Stare. Sie konnten im Geradeausflug, mit sanften oder unberechenbaren Manövern, wie häufigen und schnellen Richtungswechseln, fliegen.
Der Auswertung zufolge zahlen sich die riskanten Sturzflüge, bei denen die Vögel nach Angaben der Forscher eine Geschwindigkeit von mehr als 360 Kilometern pro Stunde erreichen können, besonders dann aus, wenn die Stare die Falken bereits bemerkt haben und eigentlich unberechenbare Ausweichmanöver ausführen. Die Falken selbst können dank des Sturzflugs aerodynamische Manöver fliegen, die die Chancen erhöhen, einen Star auch dann noch zu erbeuten.
Allerdings bringe der Sturzflug hohe Anforderungen an das Sehen und die Flugkontrolle mit sich, schreiben die Biologen: Nur wenn beides weitgehend fehlerfrei funktioniere, sei der Sturzflug die optimale Jagdstrategie.
Auch viele Kolibris rasen teils mit hoher Geschwindigkeit durch die Luft, allerdings eher um anzugeben: Die Männchen versuchen damit in der Paarungszeit, die Weibchen zu beeindrucken. Costakolibris, auch Veilchenkopfelfen genannt, erzeugen dabei Töne mit einer Frequenz von mehreren 1000 Hertz, und zwar hauptsächlich mit Hilfe ihrer Schwanzfedern.
Christopher Clark und Emily Mistick von der University of California in Riverside hatten bei der Beobachtung der waghalsigen Manöver festgestellt, dass die Kolibrimännchen dem Weibchen dabei weit weniger nahekommen als das bei verwandten Arten der Fall ist: nämlich nur auf fünf Meter statt auf einen halben oder einen Meter.
Bei Versuchen im Windkanal und mit der Hilfe «akustischer Kameras» entdeckten die Forscher, dass die Veilchenkopfelfen anders als andere Arten einige Schwanzfedern fast senkrecht zur Flugrichtung stellen. Dadurch erreiche das Fluggeräusch zu den Seiten hin den grössten Schalldruckpegel und die höchste Frequenz, berichten Clark und Mistick im Fachblatt «Current Biology».
Das Manöver ist also am besten einige Meter seitlich von der Flugbahn zu hören. Höhere Töne signalisierten höhere Geschwindigkeiten, die die Weibchen bevorzugen.
(sda/dpa)
Und nun zu etwas ganz anderem:
Zuerst war da eine Anfrage per Twitter. Dann ein Google-Dokument. Und jetzt ist ein Buch daraus geworden: «Furzt es?», so lautet der vielversprechende Titel auf Deutsch. Das «definitive Handbuch der animalischen Flatulenz», wie sich das Werk im Untertitel anpreist, verschafft uns lang ersehnte Antworten auf die Frage, welche Tiere furzen – und welche nicht.
Die Autoren Daniella Rabaiotti und Nick Caruso beantworten nicht nur diese drängende Frage bei rund 80 Tierarten, sie vermitteln auch sonst Wissenswertes über die tierische Verdauung. So erfahren wir, dass Blauwale – wer hätte das gedacht? – auch in dieser Hinsicht die Rangliste anführen. Ihre Winde sind die voluminösesten im Tierreich.
Hunde lassen ebenfalls Winde, wie jeder Hundebesitzer weiss, Kraken dagegen nicht. Vögel könnten furzen, tun es aber nicht. Ob Spinnen es tun, weiss noch niemand – hier braucht es mehr Forschung zum Thema. Heringe wiederum furzen über drei Oktaven hinweg, um miteinander zu kommunizieren.
Von Buchautorin Rabaiotti stammt übrigens die Twitter-Anfrage vor gut einem Jahr, die das Ganze ins Rollen brachte. Die Zoologin hatte unter dem Hashtag #Doesitfart einen US-Ökologen gefragt, ob Schlangen furzen können:
«‹Seufz›. Ja», lautete die kurze Antwort:
Damit war die Sache indes nicht gegessen. Unter dem erwähnten Hashtag sammelten sich alsbald eine Menge Anfragen zum Thema, so dass Wissenschaftler ein öffentlich zugängliches Google-Doc einrichteten, in dem die Flatulenzfähigkeit für eine ganze Reihe von Tierarten diskutiert und beantwortet wird.
Die Winde von Hauskatzen zum Beispiel werden dort als «still, aber tödlich» bezeichnet. Am schlimmsten aber sind dieser Liste zufolge die Fürze von Rotluchsen (nach dem Verzehr von Eichhörnchen) und Giraffen (auf «Gesichtshöhe» des durchschnittlichen Menschen). Inzwischen ist das Dokument um die Kategorien «Does it puke?» («kotzt es?») und «Does it sneeze?» («niest es?») erweitert worden.
(dhr)