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Eugen Wüests Lebenswerk spiegelt sich
Eugen Wüest aus Wilihof spricht von einem Lebenswerk und meint die Jak-52. Dieses Flugzeug verspiegelte er. Das ist keineswegs einfach, aber er sieht sich nun doppelt.
Das Endprodukt, die Oberfläche des Flugzeugs, beeindruckt. Es spiegelt, glänzt und fühlt sich metallig an. Eugen Wüest arbeitet bereits so lange daran, dass er die Stunden gar nicht mehr zählt.
Ähnlich wie calvanisieren
Der Wilihofer Landwirt versucht, in einfachen Worten das Verfahren zu erklären: «Wir verspiegelten die Oberfläche in einer Art Calvanisierungs-Verfahren.» Beim Calvanisieren taucht man den Gegenstand in eine Flüssigkeit. Bei einem Flugzeug ist das jedoch nicht möglich. Deshalb: «Die Vorarbeit war wichtiger als das Verspiegeln an sich.« Das Schleifen und das Abdecken, um wasserdicht zu werden, zählt Eugen Wüest beispielsweise zu den Vorarbeiten. Zudem konstruierte er eine Spritzkabine. «Sie musste gebaut werden und funktioniert wie ein Schwimmbad», macht der 55-Jährige klar.
Spezialisten reisten an
Aus Deutschland holte er Hilfe. Zwei Spezialisten reisten nach Wilihof und unterstützten ihn. «Als ich sie anrief und fragte, ob sie mit diesem Verfahren auch Flugzeuge behandeln können, meinten sie zuerst, es handle sich um ein Modell», erzählt Eugen Wüest. Erst als er anfügte, dass er das Flugzeug in Teile zerlegen könne, willigten sie ein. Der Rumpf der Jak-52 mit Jahrgang 1983 ist nun verspiegelt. Die Flügel mit einer Spannweite von 9,5 Meter und Kleinteile folgen bald. Wie funktioniert nun das Verspiegeln? Zuerst brachte Eugen Wüest den «Primer», einen Grundlack, an die Oberfläche. Dann aktivierte ihn Eugen Wüest. Er beflammte ihn dazu, bis der Grundlack 60 Grad Celsius heiss wurde. Damit wurden die Teile im Grundlack negativ aufgeladen. Jetzt spritzten er und seine Helfer den Lack mit destilliertem Wasser und Aktivierungssalz ab. Die Dosis war 2 Gramm Salz pro Liter. Gleichzeitig spritzte jemand die eine Zwei-Komponenten-Chemie von Silber (wenig) und Natrium. «Der Grundlack nahm nur das auf, was er für die Reaktion brauchte», betont Wüest. Während der Aufsprüherei geschah die Verspiegelung, was aber keine Minute dauerte.
2 bis 3 Promille Tinte
Einige Zeit und genaues Schaffen erforderten danach das saubere Auswaschen und später das Föhnen, so dass kein «Schlergg» übrig blieb. Am Schluss spritzte Eugen Wüest zweimal einen Schutzlack auf die Oberfläche. Der erste war mit 2 bis 3 Promille Tinte eingefärbt, um den Effekt zu verstärken und den Gelbstich zu minimieren. Der zweite Schutzlack war härter als der erste. «Danach war der Rumpf versiegelt», freut sich Eugen Wüest im Schopf, wo es nun glänzt und spiegelt.
Er fliegt wie ein Engel
Im Rückblick gesteht der Jak-52-Besitzer: «Ich dachte nie, dass ein solcher Aufwand nötig wird. Meines Wissens ist es aber weltweit das erste Mal, dass ein Flugzeug verspiegelt wird.» Andere würden ihre Flugzeuge einmal in der Woche blank polieren. Der Effekt, der das Verspiegeln hervorzaubere, würden diese jedoch nicht erreichen, ist er überzeugt. «Der Aufwand war enorm, ich habe es durchgezogen», gratuliert sich der Wilihöfler selber. Beim Verspiegeln lernte Eugen Wüest sehr viel. Etwa, dass bei Autos das Verspiegeln nur weniger Prozente der Teile erlaubt sei. Wie das verspiegelte Gefährt dereinst in der Luft wirke und reagiere, wisse er jedoch nicht. Im Brustton seiner Überzeugung betont er jedoch: «Ich zweifle keine Sekunde, dass die Jak-52 wie ein Engel fliegen wird.» Keinen Augenblick habe er daran gedacht, es wäre besser, in dieser Zeit im Wald holzen zu gehen. «Das ist mein Lebenswerk.»
Jungfernflug im Frühling
Eugen Wüest gibt nun Vollgas, möchte in den kommenden Wochen die beiden Flügel und die Kleinteile verspiegeln und dann wahrscheinlich bei der Flying Ranch in Triengen die Teile zusammen montieren. Bevor er verspie(ge)lt in die Lüfte dreht, muss das Flugzeug zertifiziert werden. Dazu kommen extra Leute aus Littauen in die Schweiz. Dort wurde die Jak-52 zu sowjetrussischer Zeit hergestellt. «Es steht nichts mehr im Weg», blickt er der Abnahme positiv entgegen. Im Frühling oder im Sommer 2020 steht der Jungfernflug an.
Glänzende Augen
Am 8. August 2014 pochte sein Fliegerherz höher, denn er kaufte die Jak-52. Das ehemalige russische Schulungs- Flugzeug mit 9-Zylinder-Motor und 360 PS strandete in Deutschland. Bei einer Landung trug es verschiedene Schäden davon, die mittlerweile behoben sind. Ursprünglich wollte Eugen Wüest 2018 abheben, bis er im TV das Verspiegelungs-Verfahren entdeckte. «Ein teurer und langer Prozess setzte danach ein», blickt er zurück. Immer wenn er sich in der verspiegelten Jak-52 sieht, glänzen seine Augen. Wenn gar die pralle Sonne darauf scheine, werde der Effekt bestimmt noch beeindruckender als bisher mit künstlichem Licht.
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