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Über Norman Granz kann man denken (und sagen), was man will, doch eines ist unbestritten: Er hat Jazzmusiker zusammengebracht, die sonst kaum je zusammen aufgetreten wären, da sie eigentlich stilistisch aus anderen Welten kamen. Auch wenn nicht alle "Jazz at the Philharmonic"-Konzerte geschichtsträchtig waren, so setzten sie doch Meilensteine, wenn es um gegenseitige musikalische "Befruchtung" ging.
Dass Norman Granz Ella Fitzgerald, deren Manager er war, und Louis Armstrong, den von Fans und Presse nominierten "König des Jazz", nach einer kurzen Zusammenarbeit für Decca Records 1940 erneut zusammenbrachte, lag irgendwie auf der Hand. Dass er die beiden dann noch durch eines der besten Jazztrios, bestehend aus Oscar Peterson, Ray Brown und Herb Ellis ergänzte und als Sahnehäubchen noch die zu jener Zeit angesagtesten Schlagzeuger (Buddy Rich und Louie Bellson) dazugesellte, war perfekt.
Mit "Ella and Louis Again" liegt eine Sammlung von 30 Stücken des Great American Songbook vor, die ursprünglich in zwei verschiedenen Sessions aufgenommen und auf zwei separaten LPs/CDs veröffentlicht worden war: "Ella and Louis" wurde 1956 mit Buddy Rich, "Ella and Louis Again" im folgenden Jahr mit Louie Bellson aufgenommen. Wegen des grossen Erfolgs folgte dann 1958/59 noch das Album "Porgy and Bess", auf dem die beiden die erfolgreichsten Melodien aus der Oper von George und Ira Gershwin interpretieren.
König Louis
Interessanterweise bedingte sich Louis Armstrong für diese Zusammenarbeit diverse Entscheidungen aus, so die Wahl der aufzunehmenden Stücke, deren Aufbau (z.B. Trompetensoli), die Tonarten, in denen er singen und solieren wollte, sowie die definitive Auswahl, was am Schluss verwendet werden durfte.
Von der ersten Session wurden 11 Stücke veröffentlicht, von der zweiten entstand ein Doppelalbum mit 14 Stücken. Die Arrangements der ersten 11 Stücke sind meiner Ansicht nach etwas ausgewogener. Beide Stars sind zu gleichen Teilen beteiligt und ergänzen sich ideal: Ella mit 40 «on top of the game», frisch, swingend, die Liedertexte lebend, Louis mit 57 erfahren, routiniert, kratzbürstig-lieblich in seiner unvergleichlichen Art. Sein Trompetenspiel ist immer noch aussergewöhnlich, wenn auch nicht mehr gleich fulminant wie zu seinen besten Zeiten.
In der zweiten Runde spielt Armstrong nur noch auf 7 der 14 Stücke Trompete, auf vier Nummern ist er allein, während Ella drei Songs solo bestreitet, also eine Art Ella & Louis light.
Brillantes Peterson-Trio
Dass die Deluxe-Version von "Ella & Louis Again" dermassen erfreut, ist natürlich zum grossen Teil dem aussergewöhnlichen Oscar-Peterson-Trio zuzuschreiben, das zusammen mit dem jeweiligen Schlagzeuger unglaublich swingt, sich jedoch immer dezent im Hintergrund hält, nie dominant wirkt. Wenn man sich die Mühe nimmt, diesen "Hintergrund" genauer zu erhören, wächst die Bewunderung für diese Begleitmusiker nochmals: Mit welcher Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit sie z.B. die vielen Tonartwechsel vollziehen, um den unterschiedlichen Stimmlagen optimal gerecht zu werden, ist bewundernswert.
Songbook complete
Oft werden bei Interpretationen aus dem Great American Songbook, das vorwiegend aus Melodien von Musicals, Broadway Theatre und Musical Films besteht, die von Komponisten wie George Gershwin, Cole Porter, Irving Berlin, Jerome Kern, Harold Arlen, Johnny Mercer, Richard Rodgers stammen, nur die Hauptmelodien gesungen oder gespielt. Die oft langen Einleitungen zum Song, die jedoch sowohl textlich als auch musikalisch auf das, was kommt, vorbereiten, werden weggelassen. Nicht so bei "Ella & Louis Again": Sämtliche Intros werden in voller Länge interpretiert – super!
Fazit
Die Deluxe-Version von "Ella & Louis Again" gehört meiner Ansicht nach in jede seriöse Jazzsammlung, vereint sie doch Jazzgrössen erster Güte und beinhaltet eine Sammlung der bekanntesten Melodien des Great American Songbook. Auch wenn es Passagen gibt, die möglicherweise zu überbordend wirken – ich denke da z.B. an die Schlussphase von "Stompin’ at the Savoy" – ist die musikalische Qualität durchs Band weg hervorragend. Zudem ist "Ella & Louis Again" ein Zeitdokument von bleibendem Wert.