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SRV-Ehrenmitglied Urs Fankhauser verstorben
Artikel - SRV-Ehrenmitglied Urs Fankhauser verstorben
Als ehemaliger Spitzenruderer und zweifacher Olympiateilnehmer sowie als langjähriger Rudersport-Funktionär war Urs Fankhauser über Jahrzehnte ein aktives, engagiertes und verdienstvolles Mitglied des Schweizer Ruderverbandes (SRV). 2015 wurde Urs Fankhauser die SRV-Ehrenmitgliedschaft für seine vielfältigen Verdienste verliehen.
Urs Fankhauser (3. August 1943 – 10. Januar 2018) ist zu seiner letzten Reise aufgebrochen. Er hat sich in sein Boot gesetzt und rudert mit kräftigen Schlägen dem letzten Ziel entgegen. Nach schwerer und tapfer ertragener Krankheit musste er seinen Widerstand gegen die Krebserkrankung aufgeben.
Seit 1962 drehte sich bei Urs Fankhauser vieles um den Rudersport. Als Junior lernte er den Rudersport kennen und war fasziniert davon, frühmorgens über den Vierwaldstättersee zu gleiten. Urs Fankhauser war Mitglied im Seeclub Luzern und im Seeclub Stansstad. Seine Begeisterung trieb ihn als aktiven Spitzenruderer zu Höchstleistungen und motivierte ihn später, dem Rudersport auch als Funktionär in vielfältiger Hinsicht zu dienen. Bereits in der Primarschule wurde dem schnell- und grossgewachsenen Schüler vom Schularzt empfohlen, mit dem Rudersport zu beginnen, um mit dem Rücken keine Probleme zu bekommen. Eine folgenschwere Empfehlung, welche das Leben von Urs Fankhauser prägen sollte. 24 Schweizer Meistertitel konnte Urs Fankhauser in seiner Aktivzeit auf dem Rotsee feiern. Teilnahmen an Regatten im In- und Ausland waren sein Ziel. Das harte Training war die logische Folge, um sportliche Höchstleistungen zu erzielen. Selektionen für mehrere Europa- und Weltmeisterschaften sowie für zwei Olympische Spiele waren die Highlights. Als 25jähriger nahm er an den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko teil. 1972 folgte die zweite Olympiateilnahme in München. An beiden Olympiaregatten erzielte Urs Fankhauser ein olympisches Diplom. Ebenfalls ein spezielles Highlight bildet ein Sieg an der gleichsam renommierten und prestigeträchtigen Henley Royal Regatta, datiert aus dem Jahr 1969.
Als Rudersport-Funktionär bekleidete Urs Fankhauser ganz unterschiedliche Ämter. Von 1976 bis 1988 war er Delegationschef Rudern, was heute der Funktion des Chefs Leistungssport entspricht. Unzählige Selektionsentscheide mussten gefällt werden, eine Position also, in der man sich nicht nur Freunde schafft. Schon früh erkannte Urs Fankhauser, dass der Leistungssport in der Schweiz reformiert werden musste, wenn man weiterhin Chancen auf Spitzenplatzierungen offen halten wollte. Als sportliches Highlight in seiner Zeit als Delegationschef darf sicherlich die WM-Goldmedaille 1982 an der Heim-WM auf dem Rotsee durch den Vierer ohne Steuermann mit Stephan Netzle, Jörg Weitnauer, Bruno Saile und Hans-Konrad Trümpler bezeichnet werden.
Der Rotsee als „roter Faden“
Der Rotsee wirkt im Leben und Wirken von Urs Fankhauser wie ein „roter Faden“. Er konnte alle vier bisherigen Weltmeisterschaften vor Ort miterleben und dies immer in einer anderen Rolle. 1962 bei der ersten Ruder-WM überhaupt war Urs Fankhauser einer der rund 45‘000 Zuschauer. 1974 ruderte er als Nationalmannschaftsmitglied selber auf dem Rotsee. 1982 war er der SRV-Leistungssportchef und 2001 wirkte er im WM-Organisationskomitee mit. Als Presse- und Medienchef im WM-Komitee des Regattavereins Luzern sorgte Urs Fankhauser über viele Jahre dafür, dass Journalisten aus dem In- und Ausland über die Rotsee-Regatten und die Schweizer Nationalmannschaft direkt vom Rotsee berichteten. Die engagierte, zuverlässige und fachkundige Arbeit hatte eine positive Ausstrahlung auf den Rudersport, das Organisationskomitee in Luzern und den Schweizerischen Ruderverband. Wie sehr ihm die Regattasport-Infrastrukturen am Herzen lagen, äusserte sich bei seiner Einsitznahme als Delegierter des Schweizerischen Ruderverbandes im Vorstand des Vereins Naturarena Rotsee im Jahre 2011. Mit viel persönlichem Engagement, Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit, Hartnäckigkeit und Geschick hat Urs Fankhauser wesentlich dazu beigetragen, dass die Rudersport-Infrastrukturen am Rotsee rundum erneuert werden konnten. „In erster Linie bin ich erleichtert, dass das neue Ruderzentrum rechtzeitig auf diese Saison fertiggestellt wurde und die Finanzierung gesichert ist“, kommentierte Urs Fankhauser im Jahr 2016, kurz nach der Eröffnung des neuen Ruderzentrums gegenüber der Luzerner Zeitung. Nachdem er seit 2005 auch als OK-Chef für die jährlichen Schweizer Meisterschaften amtete, erfüllte es ihn mit besonderem Stolz, 2016 auch eine Meisterschaftsregatta auf den neuen Infrastrukturen organisieren zu können. Seit dem Jahr 2005 amtete Urs Fankhauser zudem als Chef Regattawesen im Schweizerischen Ruderverband. Auch in dieser Funktion ist es ihm gelungen, Strukturen ins Regattawesen zu bringen, die Regatta-Informatik zu erneuern, jedes Jahr einen stabilen Regattakalender zu präsentieren, die Ausschreibungen zu vereinheitlichen und offen und neugierig zu bleiben für innovative Wettkampfformate oder sonstige Neuerungen.
Unzählige Besprechungen, Aktennotizen, Telefonate, E-Mails, Sitzungen, Augenscheine vor Ort und sonstige Abhaltungen zeugen von der grossen Schaffenskraft über Jahrzehnte von Urs Fankhauser. Der Schweizerische Ruderverband hat diese jahrelangen, zeitintensiven und von persönlichem Engagement geprägten Tätigkeiten 2015 mit der Verleihung der SRV-Ehrenmitgliedschaft honoriert. Eine Auszeichnung, die Urs Fankhauser sehr berührt hatte. Urs Fankhauser hat im Schweizerischen Ruderverband Spuren hinterlassen, sich immer in der Dienst der Sache gestellt und hartnäckig daran mitgearbeitet, den Schweizer Rudersport in eine gute Ausgangslage zu bringen. Dafür danken wir Urs Fankhauser zutiefst, hochachtungsvoll und herzlich. Wir werden ihm ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl und unser Beileid gehen an seine Frau Marianne und seinen Sohn Thomas sowie seine weiteren Angehörigen und Freunde.
Urs Fankhauser wird fehlen und hinterlässt eine schmerzhafte Lücke. Möge ihn gemäss der alten Ruderertradition ein dreifaches „Hipp, hipp – hurra!“ in die Ewigkeit begleiten.
Adieu und auf Wiedersehen, lieber Urs.
Christian Stofer, Direktor SRV
(Bild: Boris Bürgisser, Luzerner Zeitung)