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Auf den Kopf gefallen
Ich erwachte und schaute mich um. Wo war ich denn? Um mich herum lag Schnee. Er musste in den letzten Stunden gefallen sein. Einzelne Tierspuren waren im Mondlicht zu erkennen. In der Ferne begannen die Kirchglocken zu läuten. Konzentriert zählte ich die Stundenschläge. Es war acht Uhr. Hatte ich so lange geschlafen? Ich hob meinen Kopf und schaute mich um. Ich lag an einem Waldrand. Langsam erhob ich mich aus dem kalten Schnee. Mein Kopf schmerzte unheimlich fest, als wäre ich gerade aus zwanzig Metern Höhe gefallen. Ich vernahm leise Kinderstimmen durch den Wald dringen. Vielleicht konnten sie mir sagen wo ich war. Eilends lief ich in den Wald. Die Stimmen wurden lauter. Kurz darauf sah ich ein Licht, nein es waren sogar mehrere Lichter. Die Lichter bewegten sich nun nicht mehr, die Kinder waren stehen geblieben. Laut und deutlich sangen die Kinder: „Oh, du fröhliche, oh du selige.“ Ich wartete bis die Kinder fertig gesungen hatten, dann lief ich zu einem Jungen mit schwarzem Haar der wie alle anderen eine Laterne trug. Als er mich sah wich er drei Schritte zurück und stotterte: „Wwwas bbbbist du?“ „Mmhh das ist eine sehr gute Frage“, gab ich zur Antwort. Ich drehte mich um und sah direkt in mein Gesicht, das vom Glas einer alten Öllampe widergespiegelt wurde. Ich hatte eine kleine rote Zipfelmütze auf und einen grün, rot gestreiften Schal um, der zu meinem Mäntelchen passte. Ich hatte eine kleine Knubbel-Nase die vor Kälte ganz rot angelaufen war. Ich drehte mich wieder zu dem Jungen um. Er sah mich immer noch mit ehrfürchtigem Blick an. „Bist du ein Elf oder so was?“, fragte er mich mit eine Spur Neugierde in der Stimme. „Nein ich bin wohl eher ein Wichtel nehme ich an“, sagte ich und fummelte an meiner Zipfelmütze herum. „Ein Wichtel?“, sagte er und rieb sich mit den Fäusten die Augen, als würde er nicht glauben was da vor ihm stand. Ich nahm mir meine Zipfelmütze vom Kopf und begutachtete ein Zettelchen dass in der Mütze angebracht war. Darauf stand ein Name: „Hatschi“, las ich laut vor. „Gesundheit“, ertönte die Stimme des Jungens. Ich schaute ihn mit einem grossen Fragezeichen im Gesicht an. „Du hast geniesst und ich habe dir Gesundheit gesagt“, erwiderte er etwas unsicher da er nicht sicher war ob er meinen Blick richtig gedeutet hatte. „Nein, Hatschi ist der Name, der auf dem Zettelchen steht“, sagte ich. „Das muss dann wohl dein Name sein“, bemerkte er zu meinem Erstaunen relativ schnell. „Also meinen Namen weisst du jetzt, aber wie heisst du?“, sagte ich. „Mein Name ist Jonas“, antwortete er. Ich fragte ihn: „Jonas, hilfst du mir zurück zum Weihnachtsmann zu kommen?“ „Zum Weihnachtsmann, warum zum Weihnachtsmann?“, fragte er mich. „Weil Wichtel, wie jeder weiss, beim Weihnachtsmann arbeiten. Und nur schon die Tatsache, dass du das nicht wusstest reicht mir schon, um zu erkennen, dass du ein Dummkopf bist.“ Er antwortete empört: „Soll ich dir nun helfen oder kannst du einen Dummkopf wie mich nicht auf deiner Suche gebrauchen.“ „Okay, tut mir leid, aber hilfst du mir jetzt?“ „Natürlich, ich will den Weihnachtsmann sehen“, antwortete er begeistert. „Wir treffen uns um ein Uhr mittags beim Glockenturm“, sagte ich und lief davon. Ich hatte sehr kalt also suchte ich mir einen Ort wo ich mich aufwärmen konnte. Da heute Weihnachten war, wie mir wieder in Erinnerung gerufen wurde, als ich den grossen schön geschmückten Tannenbaum neben der Kirche sah, konnte ich mich in der Kirche aufwärmen, die für Weihnachtsbesucher offen stand. An der Wärme verging die Zeit wie im Flug und plötzlich ertönten die Kirchglocken. Es war nun ein Uhr mittags und ich lief nach draussen in den kalten Nebel, der das Dorf noch immer bedeckte. Jonas kam schon auf mich zugelaufen mit einem komischen Sack auf dem Rücken. „Hi, ich habe über Mittag alle Weihnachtsbücher gelesen die wir zu Hause hatten“, sagte er noch während er auf mich zukam. „Und, hast etwas gefunden“, sagte ich hastig. „Ja, allerdings. In allen Weihnachtsgeschichten wohnt der Weihnachtsmann am Nordpol“, sagte Jonas. „Und jetzt willst du zum Nordpol reisen oder was?!“, sagte ich ungläubig. „Jaaa, wieso nicht“, erwiderte er ruhig. Und als ich mir sicher war dass das kein Scherz war, erkannte ich den Sack auf seinem Rücken als einen vollgestopften Rucksack. „Na wenn du’s ernst meinst, auf zum Bahnhof“, sagte ich nun mit erfreuter Stimme da er es wirklich ernst meinte. Wir fuhren mit dem Zug nach Grönland und schnappten uns dort einen Geländewagen. „Kannst du Auto fahren?“, fragte ich Jonas. „Ja, ich kann das alles von meiner Mutter, aber ich komme nicht ans Gas- und Bremspedal“, sagte er. „Gut das kann ich übernehmen“, sagte ich. Es klappte alles ganz gut bis … „Achtung du musst bremsen da ist ein Wald. Da kommen wir mit dem Wagen nicht durch“, rief Jonas mir durch den Lärm zu, der vom Geländewagen aus ging. Ich trat auf die Bremse und keine Sekunde zu früh. Wir blieben wenige Zentimeter vom ersten Baum entfernt stehen. Wir stiegen aus und liefen in den Wald. Durch den Wald drangen leise Glöckchen. Als wir den Glöckchen immer näher kamen, sahen wir mehrere kleine Lichter, die aus kleinen Häusern schienen. „Das Weihnachtsdorf“, sagten ich und Jonas wie aus einem Munde. Im Dorf herrschte grosses Treiben. Kleine Geschöpfe die ich als Wichtel erkannte, brachten Rentiere in ihre Ställe und andere putzten den grossen roten Schlitten. „Der Weihnachtsmann“, sagte Jonas aufgeregt. Als der Weihnachtsmann mich sah, kam er hastig auf mich zugelaufen. „Hatschi, da bist du ja wieder. Ich habe erst gemerkt, dass du aus dem Schlitten gefallen bist, als ich hier landete“, sagte der Weihnachtsmann erfreut, da Hatschi wieder da war. „Wen hast du denn da mitgebracht?“, fügte er hinzu. „Hallo Herr Weihnachtsmann, ich bin Jonas und habe Hatschi auf seiner Reise begleitet und geholfen“, sagte Jonas hastig. „Aha, geholfen, so ist das. Hatschi du weisst doch was das bedeutet“, sagte der Weihnachtsmann. „Nein, was meinst du?“, fragte ich den Weihnachtsmann. Er bückte sich und flüsterte mir verschwörerisch ins Ohr. Ich kapierte und wendete mich Jonas zu. Ich sagte zu ihm: „Jonas, da du mir geholfen hast und ich mich dir gegenüber offenbart habe, bin ich, Hatschi, nun dein Wichtel.“ Jonas konnte sein Glück nicht fassen. Er hatte einen eigenen Wichtel, den nur er allein sehen konnte. Der Weihnachtsmann befahl den Wichteln den Schlitten erneut bereit zu machen. Er flog Jonas und mich im Handumdrehen zu Jonas nach Hause und ich feierte – nur sichtbar für Jonas – mit seiner Familie Weihnachten. Es war das schönste Weihnachtsfest, das ich je gefeiert habe.
N.R. Donzhausen