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Craig Brewers (Hustle & Flow) jüngster Film, Black Snake Moan von 2007 ist eine unterhaltsame aber letztlich wenig überzeugend dargestellte Geschichte über den Süden der USA und über den Blues. Im Film figuriert der Blues dabei in einer ungewöhnlichen und sehenswerten Rolle. Der Film ist eine Hommage an den 2005 verstorbenen R. L. Brunside, dem der Film auch gewidmet ist.
Neben Samuel L. Jackson spielen Christian Ricci (manchen bekannt aus Sleepy Hollow) und Justin Timberlake die wichtigen Rollen, wobei der Film weitgehend ein Zweipersonenstück zwischen Jackson und Ricci ist.
Die Geschichte spielt irgendwo im Süden, und im Abspann erfährt man, dass der Film in Mississippi gedreht wurde. Der Plot ist, dass Samuel L. Jacksons Figur Lazarus, ein alternder Schwarzer ehemaliger Bluessänger und lokale Berühmtheit von seiner Frau verlassen wurde und alleine in einem Trailer wohnt. Die Figur von Ricci ist die Dorfschlampe Rae in diesem kleinen Südstaatennest, die als eine zwanghafte und getriebene Nymphomanin auftritt. Zu Beginn des Films allerdings benimmt sie sich nicht nymphoman, denn sie hat einen festen Freund, Ronnie, gespielt vom amerikanischen Multitalent, Ex-Brittney-Spears-Freund und Ex-Boygroup-Mitglied Justin Timberlake ('N Sync).
Timberlake geht in die Armee und er lässt seine Freundin trotz deren inständiger Bitte zurück. Sie weiss, dass sie ihre Dämonen nicht im Griff hat und tatsächlich ist Timberlakes Truck kaum um die Ecke gebogen, da verspürt sie bereits das Jucken zwischen den Beinen . Nach und nach versteht man, dass sie mit ihrem exzessiven Sexleben Erinnerungen an eine Vergewaltigung verdrängen will, und nachdem Timberlakes bester Freund sie halbtot schlägt (nicht ganz klar, wieso eigentlich) und auf der Strasse liegen lässt, findet Jackson die junge Frau und nimmt sie zu sich nach Hause. Er heilt sie von ihren Wunden, aber er erkennt, dass sie einen Dämon in sich drin sitzen hat, der sie zum Sex treibt. Mit grosser Geduld und eigener Enthaltsamkeit treibt er ihren Dämon aus. Zum Schluss kommt Timberlake aus der Armee zurück, wo sie ihn nicht aufgenommen haben, und er denkt, dass Jackson seine Freundin verführt habe. Als er ihn mit vorgehaltener Waffe bedroht, wird klar, dass es Jackson um die Bekämpfung eigener Dämonen geht, denn er kennt das Gift der zerstörerischen Eifersucht und hat es durch den Exorzismus an der jungen Frau überwunden. Glücklicherweise klärt sich alles wieder und zum Schluss heiraten die beiden Jungen und auch Jackson findet ein neues Glück.
Der Film ist also relativ dünn von der Story her, und das Happy Ending wirkt aufgesetzt. Wenn er ein tragisches Ende gefunden hätte, wäre der Film wohl eindrücklicher gewesen.
Aus der Sicht des Blues-Interessierten ist allerdings festzustellen, dass der Film einige interessante Details enthält. So ist generell die Feststellung interessant, dass der Blues verwendet wird, um einen Dämon auszutreiben (die Musik beruhigt die junge Frau, wenn sie sich kaum mehr in ihren Hosen halten kann) und damit bricht er mit dem Klischeebild des Blues als der Musik des Teufels. Die beruhigende und meditative Seite des Blues komt hier gut zum Ausdruck und gegenüber der modernen Welt stehen plötzlich Blues und Gospel in derselben Ecke.
Zudem gibt es einige schöne Szenen, in denen Jackson singt und Gitarre spielt. Er singt die drei Stücke „Just Like Bird Without a Feather", „Alice Mae" und „Black Snake Moan" (ursprünglich von Blind Lemon Jefferson von 1927) und wenn Jackson auch kein Sänger ist, so kriegt er doch eine anstandige Interpretation hin. Das erste genannte Stück ist eine Komposition von R.L. Burnside, der selbst ebenfalls einmal zu hören ist. Riccis Figur singt den Spiritual „This Little Light of Mine, I'm Gonna Let it Shine" zur Begleitung von Alvin Youngblood Hart. Im Abspann werden als weitere mitwirkente Musiker zudem erwähnt: Charlie Musselwhite, J.R. Kimborough, Jessie Mae Hemphill, The Black Keys und The Spirit of Memphis. Die Musik wurde produziert von Scott Bomar.
Alles in allem ist der fast zwei Stunden lange Film (116 Min) ganz unterhaltend, aber definitiv kein MUSS. Er lebt in erster Linie vom Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptdarstellern, und meiner Meinung nach ist Jackson auch hier überzeugend. Timberlake wollte mal sein Glück als Schauspieler versuchen, aber seine hohe und dünne Stimme ist definitiv für Gesang besser geeignet als für Sprechtext. Neben der etwas dürftigen Story ist ein grosses Problem des Films die unterschwellige Botschaft, dass ein aktives und ausschweifendes Sexleben zwangsläufig etwas mit der Verarbeitung eines Traumas zu tun haben muss. Dies mag für eine Kleinstadt in Mississippi gelten, aber es wird letztlich doch etwas leichtfertig mit dieser an sich dornenreichen Problematik umgegangen.
Wie sich die Amerikaner eben ein "böses Mädchen" vorstellen
Wie sagte schon John Lee Hooker so richtig? Blues is the Healer!
Rae an der Kette von Lazarus. Sie bleibt angekettet, bis sie ihre Dämonen niedergerungen hat.