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Als ich für ein zweisemestriges Engagement als Deutschlehrer an der nordwalisischen Universität von Bangor angeheuert wurde, verbrachte ich die ersten Nächte meines Auslandabenteuers in einer "Horsebox". Mehr dazu sowie über den einzigen "Welsh Horseman" Chris und die Geschichte und Herkunft des "Welsh Mountain Pony" gibt es im folgenden Beitrag zu erfahren.
Heutige Reisebegeisterte beginnen ihre erste Nacht meist in einem vorreservierten Hotel oder einer Airbnb Unterkunft - die Leserinnen und Leser dieser Seite sicherlich bevorzugt mit möglichst vielen Pferdekontakten!
Ich wählte jedoch bewusst den etwas risikoreicheren, dafür abenteuerlichen Weg der Spontanität mit den damit verbundenen "pleasant surprises": denn die Gastfreundschaft der Waliser - ein Volk, welches sehr ähnliche Züge aufweist wie ihre Nachbarn aus Irland - liess nicht lange auf sich warten. Der Geheimtipp eines Freundes "Geh ins erste Pub!" erwies sich als goldrichtig. Schon nach kurzer Zeit und ein paar "Pints" wusste die ganze Pubbesucherschaft und der Pub "Landlord" um meine Suche nach einer simplen Übernachtungsmöglichkeit.
Nachdem alle offiziellen Bed and Breakfasts und kleineren Hotels dieses malerischen Küstendörfchens "Abberfraw" telefonisch abgeklappert waren (es gab deren zwei!) liess man mir verlauten, ich müsse bloss auf den "Horseman" warten. Der könne mir und meinem vierbeinigen Labrador "Janosch" garantiert eine Schlafgelegenheit anbieten.
Gesagt, getan, ich bestellte mir nochmals einen "Pint" und siehe da, der "Horseman" stand in der Türe, breitbeinig, unrasiert und selbstverständlich bereit, dem aus der fernen Schweiz Angereisten Asyl zu gewähren! Meine Herberge für die nächsten Tage sollte nun eine etwas ausrangierte, aber tadellos funktionierende "Horsebox" (siehe Foto) sein, mit einer einfachen Matratze und einem kleinen Kopfkissen. Was braucht "Mann" mehr?
Das dazugehörige Pferd leistete mir in diesen kurzen Julinächten keine Gesellschaft, denn es weidete auf den weiten Flächen in diesem Gebiet der Insel Anglesey. Was waren nun die Aufgaben des "Horsemans"? Es gibt in dieser Gegend ein sehr altes Gesetz, welches den Viehbesitzern die Möglichkeit erlaubt, ihre Tiere während den Wintermonaten frei laufen und grasen zu lassen. Da es dadurch auf den ein bis zwei Landstrassen zu glimpflichen Situationen mit herannahenden Fahrzeugen kommen kann, schiebt der "Horseman" sozusagen Wache und hält den Verkehr an oder weist die Tiere von der Strasse zurück auf die Weiden. Der Leser und die Leserin mögen sich fragen, wieso man denn nicht einfach einen Zaun hinstellt. Doch das hügelige Gelände, gepaart mit einer üppigen Dünenlandschaft (die sich jedes Jahr verändert), verlangen eine grosse Flexibilität in der Handhabung. Vielleicht ist es auch einfach eines dieser "alten Gesetze" oder "Dinge", die der Mensch als Gewohnheitstier noch zu bewahren versucht, in dieser sich rasant verändernden Welt...? Auf alle Fälle stellte ich bald fest, dass der "Horseman" eigentlich ein Philosoph war, und er bei einem "Cuppa" (Cup of tea) so manche Geschichte über dieses magische keltische Land auf Lager hatte. Ich denke immer wieder gerne an ihn zurück.
Nun schlagen wir eine kleine Brücke zum "Welsh Mountain Pony", denn dem besagten Reisenden (und Deutschlehrer, der sein Glück im Ausland versuchte!) gelang es, sein Lager nach einer Woche upzugraden in einen etwas komfortableren Wohnwagen! Bald gefolgt von einer wohligen, viktorianischen Unterkunft mit richtigem Bett im grösseren Küstenstädtchen "Beaumaris" (Englische Könige pflegten an ihrem Hofe Französisch zu sprechen!).
Zwischen den Unterrichtszeiten an der Universität nutzte ich die Chance, die wilden Gebirge rund um Nordwales zu entdecken (Fahrzeit von Manchester Flughafen circa zwei Stunden, Direktflüge ab Zürich Flughafen). Immer wieder begegnete ich auf meinen Streifzügen diesen freundlichen, ja fast handzahmen kleinen Ponies und es dauerte nicht lange, bis ein Farmer mich mit dem "Welsh Mountain Pony" vorstellte.
Es handelt sich hier um ein relativ kleines Pony (Stockmass bis zu 122cm), mit im Verhältnis zum Kopf grossen Augen und kleinen Ohren, was ihnen ein ziemlich freundliches Aussehen schenkt. Ausser Schecken sind alle Farben vertreten. Im Norden von Wales leben sie immer noch teils wild - und das seit über tausend Jahren. Die nach Grossbritannien marschierten Römer führten nach der Niederwerfung der letzten keltischen Stämme und deren mächtigen Druiden "Arabisches Blut" ein, welches mit den damaligen Keltischen Ponies eine neue kleinwüchsige und zugleich lebendige Rasse ergab. Diese stabilen und kräftigen Ponies leisteten während der Industrialisierung (vorallem in den Bergwerken) den Arbeitern grosse Hilfe.
Heute wird das "Welsh Mountain Pony" als ideales Einsteigerpony für Kinder benützt, denn es ist geduldig, gutmütig und nicht so eigensinnig wie andere Rassen.
Wer eine Reise nach Wales plant und eine gut geführte Tour buchen möchte, wendet sich an www.celticos.co.uk und fragt nach Alwyn. Er kennt die meisten Pferde- und Ponytrekkingangebote der Umgebung.
Für pferde- und ponybegeisterte Reisende empfehle ich den Besuch auf der offiziellen Homepage des Tourismusverbandes "Visit Wales" (http://www.visitwales.com/things-to-do/activities/horse-riding/pony-trekking-locations).
Fotos: Stephan Stirnimann (<email-pii> für mehr Infos zu Wales)
Links: www.celticos.uk.co / www.visitwales.com