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Studien über die Wirksamkeit internetbasierter Therapien gibt es unterdessen einige. Dazu beigetragen hat der teilweise recht strukturierte Behandlungs- und Beratungsrahmen, der eine systematische Überprüfung erleichtert. Die Erreichbarkeit, der Einsatz und das Interesse der Nutzer für die Teilnahme an Studien konnten wiederholt als hoch eingeschätzt werden (Wagner, Maercker, 2011). Dies spiegelt eine hohe Bereitschaft der Teilnehmer wider, diese neue Therapieform zu nutzen. Zusammenfassend gelten heute folgende Erkenntnisse über die Wirksamkeit von internetbasierten Therapien:
In einer im Jahr 2010 an der Universität Zürich abgeschlossenen Therapieserie wurden dieselben kognitiv-verhaltenstherapeutischen Module den im selben Zeitraum zufällig zugeteilten Patienten einmal in einer konventionellen ambulanten Therapie und einmal in Form einer Internet-Therapie durch einen Therapeuten über das Internet dargeboten; beide Varianten wurden miteinander verglichen. Klienten beider Varianten wiesen nach Beendigung der Therapie eine statistisch signifikante Reduktion depressiver Symptome auf, und es zeigten sich keine Unterschiede in der Wirksamkeit der beiden Varianten.
Das Konzept, über das Internet bewährte kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapieelemente Menschen massgeschneidert anzubieten, die unter einer bestimmten psychischen Schwierigkeit leiden, stammt aus der mittlerweile verbreiteten internetbasierten Behandlung der posttraumatischer Belastungsstörung: Als Klassiker der Internet-Therapie gilt «Interapy». Das Konzept wurde von der Arbeitsgruppe von Alfred Lange an der Universität Amsterdam entwickelt (Wagner, Maercker, 2011). Das Interapy-Behandlungsangebot umfasst mittlerweile posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), sexuellen Missbrauch bei Adoleszenten, Essstörungen, Panikstörung, Burnout und Depression. Grundlage der Entwicklung von Interapy ist der Sachverhalt, dass Betroffene, die mithilfe strukturierter Schreibaufgaben mehrfach über traumatische Erlebnisse geschrieben hatten, deutlich weniger Traumasymptome aufwiesen als die Kontrollgruppe. Inzwischen wiesen auch Wirksamkeitsstudien dieser Internet-Therapie in deutscher Sprache hohe Behandlungseffekte nach (Knaevelsrud, Maercker, 2007).
In der normalen Sprechzimmertherapie spielen die Erscheinung des Therapeuten, seine physische Präsenz sowie die soziale und nonverbale Interaktion zwischen Patient und Therapeut eine zentrale Rolle – sie entscheidet auch über das Zustandekommen und Fortführen einer Therapie. In der Internet-Therapie findet in der Regel kein direkter therapeutischer Kontakt statt, sodass Patient und Therapeut nie miteinander sprechen oder sich sehen. Der Kontakt erfolgt ausschliesslich in Form von textlichen Rückmeldungen oder Schreibanleitungen und von Seiten des Therapeuten mit einem vier- bis fünfmal geringeren zeitlichen Aufwand als in einer Sprechzimmertherapie, während sich der Zeitaufwand der Patienten nicht unterscheidet.
Neben der Archivierbarkeit und der Möglichkeit für Patienten, ihren Therapieverlauf später nochmals zu verfolgen, ist die hohe Transparenz des Therapieprozesses in diesem Verfahren einzigartig und wahrscheinlich von Vorteil. Die Therapeuten arbeiten ihrerseits fast ausschliesslich ressourcenorientiert mit positiven, ermutigenden individuellen Rückmeldungen. Durch die zeitlich verschobene Kommunikation kann der Therapeut seine Antwort zunächst reflektieren und sorgfältig formulieren. Bei Schwierigkeiten kann er vor dem Antworten mit einem Supervisor Rücksprache halten.
Eine Reihe von Studien zum Thema internet-basierte Psychotherapie wurden bisher am Lehrstuhl für Psychopathologie und Klinische Intervention des Psychologischen Instituts, Universität Zürich für den deutschen Sprachraum evaluiert. Zur posttraumatischen Belastungsstörung wurde gezielt die therapeutische Beziehung im Internet untersucht (Knaevelsrud, Maercker, 2007). Die Resultate zeigten überraschenderweise, dass die therapeutische Beziehung im Internet sogar als besser eingeschätzt wurde als in vergleichbaren ähnlichen Face-to-face-Sprechzimmertherapien (Wagner, Maercker, 2011).
Dies sind Hinweise darauf, dass die therapeutische Kommunikation im Internet noch nicht genauer untersuchte Vorteile mit sich bringt, die den Therapieverlauf günstig beeinflussen können. Einer der Vorteile zeigt sich in einer erhöhten Offenheit, über schwierige Erlebnisse zu sprechen. Insbesondere auch für Opfer sexuellen Missbrauchs, die sich aus Schamgefühlen und Stigmatisierung nicht in eine Face-to-face-Sprechzimmertherapie begeben würden, bietet die Internet-Therapie eine wirksame Behandlungsoption.
Die Internet-Therapie gilt heute als niederschwelliges Versorgungsangebot für Hilfesuchende, die sonst aus geografischen, finanziellen, zeitlichen, persönlichen oder anderen Gründen keine Face-to-face-Therapie in Anspruch nehmen würden. Häufig ist die Verfügbarkeit eines Therapieplatzes aufgrund von Wartelisten oder in abgelegenen unterversorgten Gegenden wegen langer Reisezeiten erheblich erschwert.
Internet-Angebote bieten eine breitere, qualitativ hochstehende sowie spezifische therapeutische Unterstützung für Menschen, die Hilfe benötigen, sie aber aus verschiedenen Gründen nicht erhalten oder nicht in Anspruch nehmen. Deutliche Vorteile bietet die Internet-Therapie für Menschen mit einer dauerhaften oder vorübergehenden körperlichen Immobilität oder mit Problemen beim Sprechen.
Neben den Chancen einer Internet-Therapie wurden in Untersuchungen auch die Grenzen dieses Verfahrens offenbar. Ein rein textlich basierter Informationsaustausch zwischen Patient und Therapeut birgt ein erhöhtes Risiko, dass Geschriebenes falsch aufgefasst wird. Ein direktes Nachfragen ist aufgrund der zeitlich verzögerten Kommunikation nicht möglich. Das Schreiben über vielschichtige Erlebnisse und der schriftliche Ausdruck von Gefühlen und Gedanken können leicht missverstanden werden, und häufig wird der Irrtum nicht bemerkt. Diese neuen Anforderungen veranlassten die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP) bereits 2003, ein Kompetenzprofil der Psychologischen Online-BeraterInnen auszuarbeiten.