Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/2462

Ein nicht erfüllbarer Traum von einer Weltraumschleuder
Das beständigste Hindernis, den nahen Weltraum zu besuchen und zu erforschen, sind die enormen Kosten des Raketenstarts von der Erdoberfläche aus. Jedes kg Fracht kostet 20 000$. Manche Ideen sind geäußert worden, diesen gewaltigen Aufwand zu mindern. Dann könnten Weltraumtourismus und der Besuch fremder Planeten alltäglicher werden. Eine Idee ist die einer überdimensionalen Schleuder. Sie könnte von unseren Vorfahren stammen, die kannten sich mit Steinschleudern aus.
Die Errichtung einer geostationären Start-Plattform über dem Äquator - sagen wir in einer Höhe von 50.000km - ist besonders verlockend. Die Rotation der Erde würde dann - noch viel besser als schon jetzt bei Raketenstarts nahe dem Äquator - ihren Beitrag zur Startgeschwindigkeit bei Weltraummissionen von dort aus leisten. Um geostationär zu bleiben, müsste die Station etwa mit mehreren an der Erdoberfläche fixierten Seilen auf Position gehalten werden. Besucher und Material könnten die Station sozusagen in einem "Aufzug" ereichen.
Das unlösbare Problem ist die zu geringe Zugfestigkeit aller (bisher bekannten) Werkstoffe, das Eigengewicht der Seile aufzunehmen. Hoffnungen konzentrieren sich derzeit auf Kohlenstoff-Nanoröhren mit möglichst wenig Fehlstellen im Kristallgitter (carbon nanotubes, CNTs) als Werkstoff. Eine Seillänge von mehr als 50.000 km stellt zu gewaltige Anforderungen an Material und Bautechnologie. Das Eigengewicht entstünde vor allem in den unteren Seillängen. Dort wäre die Zugbelastung zwar nicht so hoch doch in der Troposphäre müssten die Seile extremen Witterungsunbilden widerstehen. Die größte Zugbelastung der Seile bestünde am "Wendepunkt" in der Höhe von 36.000km. Dort in der Schwerelosigkeit würde vermutlich eine Zwischenstation errichtet werden. In dieser Höhe wären (die dort auch schwerelosen) Seile besonders dick. Seitlich betrachtet würden sie im unteren Bereich die Kontur des kopfstehenden Eifelturms annehmen, oberhalb vom Wendepunkt eher die des Empire State Buildings. Besucher hätten eine lange Reise vor sich - wären doch die Seile länger als der Erdumfang, was auch die gigantischen Ausmaße des Projekts verdeutlicht. Beim Aufstieg im Weltraumaufzug würden Fahrgäste sehen wie die Erde unter ihnen kleiner würde, am Ziel in der Plattform würde sie schließlich über ihren Köpfen schweben. Im Aufzug hätte sich "unten" nach "oben" gedreht. Kurz vor Erreichen der Plattform würden die Fahrgäste das Gefühl haben, nach unten zu fahren.
Ein unrealistischer Traum? Gewiss, doch mancher Traum hat in einer späteren Zeit eine überraschende Lösung gefunden. Und die Ausführung ist dann "moderner".
zum übergeordneten Text zur Inhaltsübersicht