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Reichsbischöfe standen an der Spitze von zwei Verwaltungen, jener für den weltlichen (Hochstift) und für den geistlichen Herrschaftsbereich (Diözese), der allerdings nicht unbedingt deckungsgleich war. Dieser Sachverhalt ist zwar bekannt, jedoch wissen wir nicht, wie sich diese beiden Bereiche auf die Herrschaft ausgewirkt haben. Die Befunde aus den intensiv untersuchten weltlichen Fürstentümer lassen sich nicht einfach übertragen. Offen ist etwa, wie das Verwaltungspersonal rekrutiert und eingesetzt wurde: Wurde das gleiche Personal genutzt? Konnte der Bischof etwa mehr auf Geistliche zurückgreifen, die über eine kirchliche Pfründe finanziert wurden? Unklar ist auch, wie sich der Herrschaftswechsel auswirkte, da nicht wie in einem Herzogtum der Sohn auf den Vater folgen konnte, sondern der neue Bischof gewählt wurde. Der Gewählte musste daher seine weltliche Herrschaft erst einmal durchsetzen und hierfür seinen Wählern Zugeständnisse machen. Aufgrund der grossen Bedeutung der Reichsbischöfe und ihrer Herrschaft im Verfassungsgefüge und im politisch-sozialen Kontext des spätmittelalterlichen Reiches erstaunt dieses Forschungsdefizit.
Das Projekt hat zum Ziel, die weltliche Verwaltung und Herrschaftspraxis in vergleichender Perspektive am Beispiel von vier geistlichen Fürstentümern zu untersuchen. Dies soll anhand von zwei Hypothesen geschehen. Die erste Hypothese geht davon aus, dass bischöfliche Verwaltungen Schnittfelder der spätmittelalterlichen Gesellschaft darstellten, weil sie «Treffpunkte» unterschiedlichster herrschaftlicher Akteure waren. Als zweite Hypothese soll überprüft werden, ob und inwiefern Hochstiftsverwaltungen als Vorbild für die Verwaltungen weltlicher Fürsten dienten.
Das Projekt schafft die Grundlage, die bischöfliche Herrschaft im Reich im Vergleich mit jener der weltlichen Reichsfürsten neu zu bewerten und bestehende Forschungen zu Staatsbildungsprozessen überprüfen zu können. Die Einbettung der Ergebnisse in europäische Zusammenhänge gestattet es, die besondere Rolle der Reichsbischöfe im Spätmittelalter herauszuarbeiten. Indem das Projekt die neuen Möglichkeiten der Digital History nutzt, kann die erstellte Online-Datenbank in alle Richtungen abgefragt und das Ergebnis in unterschiedlichsten Formen (u.a. Karten, Graphiken) dargestellt werden. Gleichzeitig wird die Verknüpfung mit anderen Forschungsprojekten ermöglicht und sichergestellt.