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Den grössten Applaus holte sich Belinda Bencic im Louis Armstrong Stadion einige Minuten nach dem mit einem Aufschlagwinner verwerteten Matchball ab. Die Zuschauer in der zweitgrössten Arena in Flushing Meadows folgten dem Aufruf des Platz-Interviewers und erhoben sich zu einer Standing Ovation für die Olympiasiegerin. Gerade in den USA haben die Erfolge im Zeichen der fünf Ringe einen hohen Stellenwert.
Bencic bestätigte später erneut, dass der Olympiasieg eine grosse Erleichterung gewesen sei. «Seit ich jung war, hatte ich relativ viel Erfolg, weswegen die Leute immer dachten, ich müsste einmal etwas Grosses gewinnen», sagte Bencic. Diesen in ihr schlummernden Traum habe sie sich mit dieser Goldmedaille nun erfüllt. «Das gibt einem ein beruhigendes Gefühl. Ich weiss nun, dass sich die ganze Karriere gelohnt hat.»
Bencic nimmt den Schwung mit
Den Schwung von Tokio nahm Bencic mit nach Nordamerika. Bereits in Cincinnati feierte sie drei Siege, ehe sie an Landsfrau Jil Teichmann scheiterte, in New York gelang ihr ein ähnlich souveräner Auftaktsieg wie vor zwei Jahren, als sie später in den Halbfinal vorstiess und damit ihr bislang bestes Grand-Slam-Resultat erzielte. Auch deshalb war für Bencic die Rückkehr nach New York eine besondere, nachdem sie vor einem Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf die Reise in die USA verzichtet hatte.
Eine Erklärung, warum das US Open ihr bislang erfolgreichstes Grand-Slam-Turnier ist, hat sie nicht. «Entweder man liebt oder man hasst New York. Die Stadt gibt dir Energie oder sie überwältigt dich.» Bencic schätzt das emsige und laute Treiben auf der riesigen Anlage im Stadtteil Queens, nach den diversen Turnieren ohne Publikum in diesem Jahr noch mehr als gewöhnlich. Ihr Lieblingsturnier bleibe aber Wimbledon.
Dass Bencic die Bedingungen liegen, stellte sie auch gegen Arantxa Rus unter Beweis. Die Niederländerin hatte zuvor 14 ihrer letzten 15 Partien gewonnen - allerdings auf tieferer Stufe. Vor allem mit ihrem Aufschlag überzeugte Bencic, die keinen einzigen Breakball abzuwehren hatte. «Er hat mich über Wasser gehalten.»
Ihr erster Auftritt verspricht einiges, denn auch die Aussichten für den weiteren Verlauf des Turniers sind gut. Gegen die Italienerin Martina Trevisan, die Nummer 106 der Welt, ist die Schweizerin erneut klar favorisiert. Der eher defensiv ausgerichteten Linkshänderin aus Florenz, die sich gegen die Einheimische Coco Vandeweghe (WTA 160) durchsetzte, stand Bencic auf der Tour allerdings noch nie gegenüber.
Aufwärtstrend bei Vögele
Im Gegensatz zu Bencic blieb Stefanie Vögele (WTA 128) gegen die erst 18-jährige Britin Emma Raducanu (WTA 150) ohne Chance, die 2. Runde zu erreichen. Die Aargauerin wehrte sich zwar nach Kräften und sechs Matchbälle ab, nach 78 Minuten musste sie sich der Achtelfinalistin von Wimbledon aber dennoch geschlagen geben.
Vögele war bereits in der Qualifikation gescheitert, rutschte aufgrund einiger Absagen aber als Lucky Loserin ins Hauptfeld nach. Trotz der neunten Erstrundenniederlage an einem Grand-Slam-Turnier in Serie zog Vögele eine positive Bilanz. Nach gesundheitlich schwierigen Monaten als Folge einer COVID-19-Erkrankung Ende des letzten Jahres war für die 31-Jährige aus Leuggern der Abstecher nach New York ein Schritt in die richtige Richtung.