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Andrea Simmen
Ich bin ein Opfer des Doppelpunkts
Frankfurter Verlagsanstalt, 1991
De: Andrea Simmen. Ich bin ein Opfer des Doppelpunkts. Frankfurter Verlagsanstalt, 1991
Als Heinrich begraben war, sein Kreuz beschriftet, der Grabstein im Auftrag und alle glücklich wie Engel den Notar anröchelte dieser hinter Zigarettenrauch aufschlussreiche Daten, Ortsnamen und sonstige testamentarische Trockenheiten hervor. Schwungvoll holte er zum vernichtenden Familienschlag aus und bestimmte mich gemäss fünfzehn Paragraphen, Fussnoten, Anmerkungen und Zitaten zum Testamentsvollstrecker. Da sassen sie meine Tanten, Onkels, Neffen, Katzen, Schwiegertöchter, eingeheiratete Autowascher. Kindermädchen geangelte Dozenten, schlechtdupierte Cousinen, angegraute Nebenvetter, frischgepuderte Enkel und stolze Jungfrauen. Wie sie schauten mit verkniffenen, hasserfüllten Augen, mit bebenden Nasenflügeln, zitternden blaugeäderten Fingern, wie sie schonungslos transpirierten, wie sie wie sie schwitzten in ihren Nylonsocken, haarig ätzend, saugut. Wie sie schon heissen, diese Gabis, Alberts, Röschen, Claudias, Fritzchens, Helmüther und Susis. Mit einem beschämend wirkenden Augenschlaflegeblick wich ich ihren mit Haut und Haaren zerrenden Fratzen aus, dachte an den wilden Oskar, der in Paris bissige Sätze über die Familie schrieb und trotzdem nicht sorglos leben konnte. Ein Schlüssel wurde mir ausgehändigt, und eine hübsche Cousine bändelte fachmännisch bei mir an.