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Die Schweiz erlebte einen der wärmsten Augustmonate seit Messbeginn 1864. In der ersten Monatshälfte war eine längere, aber eher moderate Hitzewelle das dominierende Wetterelement. Weitere Hitzetage gab es in der zweiten Monatshälfte. Bis ins letzte Monatsdrittel blieben die Regenmengen in vielen Gebieten unterdurchschnittlich. Mit den massiven Regenfällen am Monatsende stieg jedoch die August-Niederschlagssumme verbreitet über die Norm.
Der August 2020 gehört mit einem landesweiten Mittel von 15,2 Grad Celsius oder 1,4 Grad Celsius über der Norm 1981−2010 zu den wärmsten Augustmonaten seit Messbeginn 1864. In Basel, Genf, Lugano und Locarno-Monti ist der dritt- bis fünftwärmste August seit Messbeginn zu erwarten.
Massiv wärmer war bisher nur der legendäre Hitzeaugust 2003 mit landesweit knapp 18 Grad Celsius. Er steht weit über allen bisherigen Augustmonaten. Der zweitwärmste August aus dem Jahr 1992 schaffte es auf knapp über 16 Grad Celsius.
Kräftige Erwärmung vor 30 Jahren
Gegen Ende der 1980-er Jahre hat sich der August in der Schweiz innert kurzer Zeit um rund 2 Grad Celsius von knapp über 12 Grad Celsius auf knapp über 14 Grad Celsius erwärmt. Vor und nach dieser schnellen Erwärmung ist kein wesentlicher langfristiger Trend zu wärmeren oder kühleren Verhältnissen zu beobachten. Die Augusterwärmung erfolgte also gleichsam in einem einzigen massiven Schub.
Heisser Monatsbeginn
Der August startete mit einem sehr heissen Bundesfeiertag. Die Tageshöchstwerte stiegen im Norden über 34 Grad Celsius, im Süden blieben sie knapp unter 34 Grad Celsius. Heiss blieb es auf der Alpensüdseite auch am 2. August mit Höchstwerten zwischen 30 und 32 Grad Celsius.
Kühles Intermezzo
Die Alpennordseite wurde bereits am 2. August von frischer Atlantikluft erreicht. Die beiden anschliessenden Tage waren in der ganzen Schweiz regnerisch und im Norden ausgesprochen kühl. Die Tageshöchstwerte bewegten sich hier verbreitet zwischen 17 und 19 Grad Celsius, im Süden zwischen 24 und 28 Grad Celsius.
Längere Hitzewelle
Mit dem Aufbau einer anhaltenden Hochdruckperiode ab dem 5. August kam das heisse Sommerwetter zurück. Auf der Alpensüdseite setzte ab dem 6. August, auf der Alpennordseite ab dem 7. August eine längere Hitzewelle ein. Die Periode mit täglichen Höchstwerten von 30 Grad Celsius und mehr dauerte je nach Region sechs bis sieben Tage. Die Temperaturspitzen stiegen beidseits der Alpen meist auf 32 bis 33 Grad Celsius, lokal auch über 34 Grad Celsius.
Die Hitze im Vergleich
Am intensivsten entwickelte sich die Hitze auf der Alpensüdseite sowie in der West- und Nordwestschweiz. Im Süden und in der Westschweiz brachte der August die zweite längere Hitzewelle des Sommers. Die erste setzte am 27. Juli ein und dauerte in der Westschweiz bis am 1., auf der Alpensüdseite bis am 2. August.
Im Vergleich mit den ausgeprägten Hitzewellen der vergangenen zwei Jahrzehnte war die Hitze im Sommer 2020 moderat und gebietsweise sogar gering, wie das Beispiel von Bern in Abbildung 2 zeigt. Herausragend ist die landesweit rund zweiwöchige extreme Hitzewelle vom August 2003 und auf der Alpensüdseite zusätzlich jene vom Juli 2015.
Gewitterluft
Vom 13. bis am 18. August war in der Schweiz überwiegend aus Südwesten zufliessende feuchtwarme Gewitterluft wetterbestimmend. Sie führte in mehreren Gebieten zu Gewittern mit kräftigen Niederschlägen, Hagel und Sturmböen. Einzig am 15. brachte ein flaches Zwischenhoch ruhige Verhältnisse.
Nochmals heiss
Nach einem Zwischenhoch und einer wenig aktiven Warmfront am 19. August folgten zwei weitere landesweite Hitzetage. Auf der Alpensüdseite hielt sich die Hitze vier Tage. Im Norden stiegen die Tageshöchstwerte verbreitet auf 31 bis 33 Grad Celsius, in der Genferseeregion auf 34 bis 35 Grad Celsius. Im Wallis gab es lokal 36 Grad Celsius. Im Süden lagen die Tageshöchstwerte zwischen 30 und 32 Grad Celsius.
Westströmung bringt Abkühlung
Nach dem Durchzug einer Kaltfront am 22. August mit etwas Regen im Norden und lokal kräftigen Gewitterregen im Süden, lag die Schweiz bis am 26. unter einer westlichen Höhenströmung am Nordrand des Azorenhochs. Bei recht sonnigen Verhältnissen sanken die Tageshöchstwerte auf der Alpennordseite bis am 24. verbreitet auf 22 bis 24 Grad Celsius. Im Schutze der Alpen blieb es auf der Alpensüdseite vorerst heiss mit Höchstwerten um 30 Grad Celsius. Erst ab dem 24. August gab es eine leichte Abkühlung mit Tageshöchstwerten unter der Hitzegrenze von 30 Grad Celsius.
Kräftiger Westwind
Angetrieben durch ein Sturmtief, das von England zur Ostsee zog, wurde die westliche Höhenströmung am 26. August kräftiger. Im Flachland der Alpennordseite gab es Westwindböen mit 40 bis 70 km/h, in Gipfellagen von 70 bis 100 km/h. Die Tageshöchsttemperatur stieg in der Genferseeregion, im Wallis und auf Alpensüdseite verbreitet wieder auf 28 bis 30 Grad Celsius.
Massive Regenfälle am Monatsende
Bis am 27. August blieben die Regenmengen in vielen Gebieten unterdurchschnittlich. Durchschnittliche oder überdurchschnittliche Mengen erhielten vor allem das Zentrum und der Nordrand der Schweiz.
Mit einer anhaltenden Südwestströmung floss vom 28. bis am 30. August 2020 warmfeuchte Mittelmeerluft zu Alpensüdseite. Am 28. und 29. August 2020 fielen im Tessin und in den angrenzenden Gebieten des Kantons Graubünden massive mit Gewittern durchsetzte Niederschläge. Am 29. und 30. August griffen die kräftigen Regenfälle auch auf den östlichen Alpennordhang über. Ursache für die Unwettersituation war ein kleines Tiefdruckgebiet, das sich vom Golf von Genua nordostwärts über die Alpen bewegte.
Durch die grossen Niederschlagsmengen stieg die Augustsumme innerhalb zweier Tage von verbreitet unterdurchschnittlich auf verbreitet deutlich überdurchschnittlich.
Viel Wasser im Süden
Auf der Alpensüdseite erreichten die 2-Tagessummen vom Morgen des 28. bis am Morgen des 30. August an einigen Messstandorten über 150 Millimeter, im Maggiagebiet lokal über 260 Millimeter. In den angrenzenden Gebieten von Nord- und Mittelbünden gab es 90 bis 140 Millimeter. An mehreren Messstandorten fiel damit innerhalb von zwei Tagen die Regenmenge eines durchschnittlichen Augustmonats. Deutlich weniger betroffen war das Mendrisiotto und das südliche Puschlav mit 2-Tagessummen von 40 bis knapp 100 Millimeter.
Gar nicht so selten
Im klimatologischen Vergleich waren die gefallenen 2-Tagessummen nicht ungewöhnlich. In vielen Regionen der Alpensüdseite sowie von Nord- und Mittelbünden sind die gemessenen Regenmengen häufiger als alle zehn Jahre, lokal alle 10 bis 25 Jahre zu erwarten.
So kräftig wie schon lange nicht mehr
Die Alpensüdseite ist sich sehr kräftige Niederschläge gewohnt. Trotzdem war die Intensität des Regens am 29. August 2020 lokal nicht alltäglich. Der Messstandort Cevio, der mitten im Hot Spot von regelmässig sehr kräftigen Regenfällen liegt, registrierte eine Tagessumme von 224,5 Millimeter.
Die letzten vergleichbaren Tagessummen fielen in Cevio vor mehr als 30 Jahren im legendären Unwetterjahr 1987. Damals fielen am 18. Juli 222,7 Millimeter und am 24. August 235,6 Millimeter. Seither lagen die höchsten jährlichen Tagessummen deutlich tiefer.
Weniger Wasser im Norden
Auf der Alpennordseite gab es vor allem am 29. und 30. August 2020 kräftige Niederschläge. Betroffen war hauptsächlich der östliche Alpennordhang mit 2-Tagessummen von 80 bis 100Millimeterund lokal 120 bis 135 Millimeter. Solche 2-Tagessummen fallen hier etwa alle drei bis fünf Jahre oder häufiger.
Fruchtreife des Schwarzen Holunders früher als normal
Im August und September reifen die Beeren des Schwarzen Holunders, in diesem Jahr im Schnitt 9 Tage früher als seit dem Beginn der Beobachtung im Jahr 1996. Im Tessin konnten reife Holunderbeeren schon ab Mitte Juli beobachtet werden und auf der Alpennordseite ab Ende Juli. Bei fast der Hälfte der Stationen lässt sich die Fruchtreife in die Klasse «sehr früh» einordnen, bei der anderen Hälfte jedoch in die Klasse «normal», dies vor allem an Standorten mit einer Fruchtreife nach Mitte August.
Für den Zeitpunkt der Fruchtreife spielt nicht nur die Sommertemperatur eine Rolle, sondern auch der Termin der Blüte. Der Schwarze Holunder blühte in diesem Jahr im Mai mit einem grossen Vorsprung von 17 Tagen auf das Mittel. Dieser Vorsprung ging nun bei der Fruchtreife zurück, da Juni und Juli an vielen Tagen nur mässige Sommerwärme brachten und sich die Sommerhitze erst ab Ende Juli richtig durchsetzte.
Reife Früchte wurden auch bei den Vogelbeeren beobachtet, an vielen Stationen sehr früh im Vergleich mit der Periode 1981−2010. Der Zeitpunkt ihrer Fruchtreife ist jedoch schwierig zu beobachten, weshalb die Beobachtungen recht stark streuen. Blühende Herbstzeitlosen wurden erst an ganz wenigen Standorten entdeckt.