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Personensuche durch den Namen
Auf dieser Seite wird der Gegenstand der Personenforschung mittels Namen kurz erklärt und danach anhand von vier Personen übersichtlich illustriert. Es handelt sich dabei um die Titelfiguren Gotschalgk von der Sachsen und Hartungen Gernot, sowie um die Urkundenzeugen Georg von Helle und Jorge Schraube. Diese im Urteilsbrief genannten Personen werden einzeln aufgelistet und eine kurze Übersicht über die Informationen gegeben, welche sich mit Hilfe der Namen und grober Recherche ergeben haben. Es gilt dabei zu beachten, dass dies keine streng systematische und vertiefte Vorgehensweise darstellen soll, sondern lediglich als Einführung in die Thematik bzw. in die Untersuchung der genannten Individuen dienen soll.
Booleschen Operatoren können helfen
Im 21. Jahrhundert ist die erste logische Vorgehensweise zur Erforschung jeglicher Themen das Suchen im Internet via Suchmaschine. Zur Einschränkung der Suche bieten sich verschiedene Eingabemöglichkeiten an, welche die Aufgabe eines Booleschen Operatoren erfüllen können. Die einfachsten Booleschen Operatoren beinhalten das Generieren einer Schnittstelle (UND), das Ausschliessen einer Datenmenge (NICHT), das Miteinbeziehen verschiedener Resultate (ODER) sowie die Suche nach Prä- bzw. Suffixen (*). Für genaue Resultate kann die Suchleiste somit – auch kombiniert – alle Commands enthalten. So können verschiedene Namensschreibweisen effizienter gesucht werden, z.B.: "Gottschalk ODER Gotschalgk ODER Gottschalk UND Sachse* ODER Sachsa NICHT Thomas". Trotz der Nützlichkeit jener Booleschen Operatoren gilt hier zu beachten, dass die Resultate nicht immer einhundert Prozent korrekt sind und dass gewisse Browser verschiedene Commands erfordern, beispielsweise das Minuszeichen (-) oder der englische Begriff (NOT) anstelle von "NICHT".
Das oben dargestellte Beispiel demonstriert übrigens gleich eine der ersten Schwierigkeiten: Die Schreibart des Namens.
Einerseits existierten im Mittelalter noch keine normierten Rechtschreiberegeln – was sich auf Namen übertragen konnte – andererseits werden teilweise Personen nur mit ihren Beinamen genannt oder latinisiert geschrieben. So konnte "Gotschalgk" auch "Gottschalck" bzw. "Sachsen" auch "Sachsa" geschrieben werden. Schreibvarianten für "Schraube" sind u.a. "Schrub", wobei "Jorge" mit "Georg" oder sogar "Georgius" gleichzusetzen ist. Von Helle erhielt noch zu Lebzeiten den Beinamen "(Dr.) Pfeffer".
In diesem konkreten Falle wären die (modern) normierten Namen folgende:
Gotschalgk von der Sachsen = Gottschalk von der Sachsen
Hartungen Gernot = Hartung Gernot
Georg von Helle = Georg von Helle
Jorge Schraube = Georg Schraub
Bestimmte Websites für die Recherche
Nebst der primitiveren Suche via Suchleiste können auch gezielt Websites durchsucht werden, welche potenziell Informationen zur Person enthalten. Die Websites sind nach abgedeckter Zeit, Region, Thematik etc. zu gebrauchen. So ist es weniger Sinnvoll, für eine Person aus dem HRR eine Schweizer Enzyklopädie zu beziehen – ausser die Person hatte eine starke Verbindung zur Eidgenossenschaft.
Im Falle eines gerichtlichen Dokumentes aus dem HRR, wie hier, sind somit hauptsächlich deutsche Enzyklopädien zu gebrauchen. Die Bezeichnung zweier als "bede doctores" verweist zudem auf mögliche Einträge in Verzeichnissen von Akademikern.
Nebst Sammelwerken existieren noch weitere brauchbare Websites. Davon ist Google Books eine der nützlichsten Sammlungen von Quellenmaterial und Literatur, welche einfach und schnell durchsucht werden kann. Bei Google Books handelt es sich um eine Sammlung von retrodigitalisierten Büchern, insgesamt ca. 40 Millionen Titel in über 400 Sprachen.[4] Die Sammlung beinhaltet auch eine erstaunliche Anzahl Werke von vor 1800, weshalb sie sich auch für Recherche zur Frühen Neuzeit eignet. Mit Google Books eng verwandt ist auch der Google Ngram View. Bei Ngram handelt es sich um eine Suchmaschine, welche die prozentuale Nennung eines gesuchten Wortes innerhalb von Google Books als Graph darstellt.[5] Auch wenn Ngram bis 1500 gebraucht werden kann, der optimale Zeitrahmen ist bis ca. 1800. Andere Filter beinhalten die Sprachregion oder Veränderungen in der Skala.
Die konkreten Suchbeispiele
Georg Schraub
Der in der Quelle genannte Jorge Schraube wird die erste Person der kurzen Recherche sein. Dies vor allem darum, weil Schraube den Titel eines "Doctores" trug, was zu einer Verewigung in den Verzeichnissen hätte führen können. Zur Vereinfachung der Suche ist es vorerst sinnvoll, nach Georg Schraub* zu suchen. Der Vorname Georg stellt üblicherweise die Tauffrom von "Jorg(e)" dar. Ein erstes Resultat mit der einfachen Suche erhält man im "Verzeichnis der Professorinnen und Professoren der Universität Mainz 1477-1973" von Gutenberg Biographics. Nicht nur werden dort die wichtigsten Lebensdaten aufgelistet, sondern es wird auch eine kleine Auswahl an Literatur über die Person gegeben.[6] Ebenfalls nützlich sind die Angaben zu Namensvariationen sowie zu verschiedenen Aufenthaltsorten, welche zukünftige Untersuchungen eingrenzen könnten. Mit dem CERL Thesaurus erhält man dieselben Resultate.[7]
Neben den genannten Verzeichnissen existieren auch noch weitere, eines davon ist das Repertorium Academicum Germanicum, kurz RAG. Das RAG enthält über 60'000 Einträge zu Personen mit akademischem Hintergrund, mehrheitlich von deutschen Universitäten. Über eine Suchleiste kann auch dort nach "Georg Schraub" gesucht werden. Der (einzige) Treffer bietet erneut viele Informationen über die Person, inklusive eines genau datierten und verorteten Lebenslaufs, welcher sogar auf einer Karte dargestellt werden kann.[8] Insbesondere diese Darstellungsmöglichkeit verleiht der mit Nodegoat erstellten Website besonderen Reiz.
Georg von Helle
Die einfache Suche nach dem zweiten "doctores", Georg von Helle, führt direkt zu einem Eintrag auf der Website Deutsche Biographie, welcher die Lebensdaten und den Beruf aufzeigt.[9] Der Eintrag ist direkt mit dem CERL Thesaurus verlinkt, aus welchem einige der Daten zitiert werden. Die RAG Datenbank enthält ebenfalls einen Eintrag zu Georg von Helle. [10] Auch dieser Eintrag ist – so wie bei Georg Schraub – sehr detailliert und erlaubt mittels Karte den Lebenslauf übersichtlich zu verfolgen. Erstaunlich sind zudem die Verwandtschaftsangaben, welche andere Personen mit Georg von Helle verknüpfen. Dort sticht der Beiname (von) Pfeffer erneut ins Auge, wurde dieser doch auch für andere Mitglieder der Familie gebraucht. Somit lässt sich in der kurzen Suche erkennen, dass von Helle nicht nur selbst eine wichtige Person war, sondern auch in Verwandtschaft mit wichtigen Personen stand.
Gottschalk von der Sachsen
Erreichte man bei Georg Schraub und Georg von Helle noch zügig passende Resultate, wird die Suche zu Gottschalk von der Sachsen schon schwieriger. Dabei ist die erste Schwierigkeit, dass bei der einfachen Suche die ersten Resultate einem Gottschalk von Orbais (z. T. eben auch "von der Sachsen") gewidmet sind. Dieser hat sogar einen Wikipedia-Eintrag, welcher jedoch die Lebensdaten von ca. 803 bis ca. 869 datiert, wodurch es sich also nicht um den Gesuchten handeln kann (das Urteil stammt schliesslich von 1485).[11]
Setzt man die einfache Suche fort, stösst man auf einen Eintrag auf Ancestry, einer Plattform, welche für die genealogische Forschung erstellt wurde. Hier ist nun Vorsicht geboten, denn Ancestry ist weder Peer-reviewed, noch mit einem Fussnotenapparat ausgestattet. Der volle Zugang kann auch erst mit einem Konto erreicht werden. Und dennoch: der Eintrag bietet einen möglichen Anhaltspunkt, vor allem da die Lebensdaten auf 1465-1543 festgelegt wurden und als Geburtsort Erfurt genannt wird, was zum Urteilsbrief passen würde.[12] Trotz diesem Umstand liefert auch die Suche mit den Jahreszahlen keinen weiteren Erfolg. So bietet auch der CERL Thesaurus keine Ergebnisse. Nur RAG enthält einen – jedoch sehr dürftigen – Eintrag zu "Gottschalk von Sachsen". Dieser wird dem Adel zugeteilt und 1469 als an der Universität Basel immatrikuliert angegeben.[13] Hier fallen jedoch Ungereimtheiten bei den Jahreszahlen auf, ist es doch nur schwer vorstellbar, dass Gottschalk mit vier Jahren immatrikuliert wurde. Am meisten Sinn macht hier, dass es sich um seinen Vater handelt, welcher auf Ancestry als Gottschalk Zum Ring Von Der Sachsen genannt wird. Um diese Theorie zu bestätigen oder zu negieren, mangelt es momentan an weiteren Informationen.
Diese Zwickmühle bedarf einem Strategiewechsel. Da es bei der Suche nach dem standardisierten Namen eine Vielzahl von Resultaten zum Gottschalk von 803-869 gibt, rentiert die Suche mit dem ursprünglich angegebenen Namen Gotschalgk. Die neuen Resultate passen erneut besser ins Bild.
Einerseits stösst man auf eine Leseprobe eines Buches, welches den Pilger Hans von Waltenheim als Subjekt hat.[14] In den Abschnitten wird dessen Bekanntschaft mit Gottschalk öfters erwähnt. Ebenfalls viele Ergebnisse erhält man mit der Stichwortsuche im Archivportal Thüringen, welches eine Übersicht zu den städtischen Urkunden zur Verfügung stellt. Auch hier tauchen einige Namensvariationen von Gottschalk von der Sachsen auf.[15] Nun sind auch hier – wie ebenfalls beim Pilgerbericht – die Jahreszahlen ein Indiz dafür, dass es sich vermutlich um den Vater Gottschalk handelt.
Hartung Gernot
Mangels befriedigender Ergebnisse zu Gottschalk von der Sachsen ist es nur sinnvoll, mit Hartung Gernot weiterzufahren. Gernot, wie Gottschalk, stellt sich bei der einfachen Suche als harte Nuss heraus, existieren doch keine Einträge. Auch das RAG und der Thesaurus können nicht aushelfen.
Eine zu Beginn erwähnte Option kommt hier zum Zuge: Google Books. Diese Suchmaschine spuckt bei der Suche nach dem Namen diverse Befunde aus. Einige der Befunde ergeben auch, dass sich Gernot ebenfalls Gernod schreiben lässt. Auch wenn dies keinen neuen Erfolg bei der Suche im Thesaurus oder auf RAG erbringt, ermöglicht es weitere Einträge auf Google Books aufzufinden. Spannende Befunde sind nicht nur jene, welche finanzielle Angelegenheiten ausführen, sondern ebenfalls zwei zusätzliche Nennungen Gernots.
Einerseits findet man via Google Books einen Rechtsspruch des Stadtgerichts, welcher zudem Gottschalk von der Sachse erwähnt. Dieser "Rechtsspruch in Berufungssache" steht in direktem Zusammenhang mit der Quelle des Urteilsbriefes.[16] Diese Erkenntnis liefert zwar nicht alle Antworten, würde ungeachtet dessen aber weitere Forschung zum Gegenstand der Quelle ermöglichen.
In eine ganz andere Dimension wird der Gegenstand dagegen mit anderen Befunden gebracht. Es stellt sich heraus, dass sich ein Gelehrter und Astrologe – wenn auch ein eher unbekannter – Ende des 15. Jahrhunderts vor dem Inquisitoren Jakob Sprenger verteidigen musste. Der Name des Astrologen: Hartung Gernod.[17] Ob es sich hierbei wirklich um denselben Hartung Gernod handelt, gelte es weiter abzuklären. Dies würde den Rahmen dieser Einführung in die Personenforschung jedoch sprengen.
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[4] https://www.blog.google/products/search/15-years-google-books/
[5] https://books.google.com/ngrams
[6] http://gutenberg-biographics.ub.uni-mainz.de/personen/register/eintrag/s/georg-schraub.html
[7] https://data.cerl.org/thesaurus/cnp02268486
[8] https://resource.database.rag-online.org/ngZP6C476ZR2iovZtZSo5Xls
[9] https://www.deutsche-biographie.de/pnd129031542.html
[10] https://database.rag-online.org/viewer.p/1/4/object/46-2218178
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Gottschalk_von_Orbais
[12] https://www.ancestry.ca/genealogy/records/gottschalk-von-der-sachsen-24-1vwrg8h
[13] https://resource.database.rag-online.org/ngEU1D779FM5ntaSyEXtpCqZ
[14] Auszug aus: Birte Krüger, Klaus Krüger (Hrsg.): Ich, Hans von Waltheym. Bericht über eine Pilgerreise im Jahr 1474 von Halle in die Provence (= Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte. Band 21). Halle 2014, PDF-Leseprobe: https://www.stadtgeschichte-halle.de/images/alte-bilder/publik/leseprobe_krueger_hans_von_waltheym_ds.pdf.
[15] https://www.archive-in-thueringen.de/de/findbuch/view/searchterm/stadtarchiv/submit/submit/page/42/searchall/stadtarchiv/bestand/27377/
[16 ] A.L.J. Michelsen: Rechtsdenkmale aus Thüringen, Jena 1863, S. 363. https://books.google.ch/books?id=p101AQAAMAAJ&pg=PA363&dq#v=onepage&q&f=false, Zugriff: 06.07.2022.
[17] Siehe z.B. Christian Hillen et al. Geschichte in Köln 66 (2019): Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte, https://books.google.ch/books?id=LEDCDwAAQBAJ&pg, S. 119.