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Geschichte
des Stettfurter Gesangsvereine ab 1850
(Auszüge z.T. aus dem Festführer der
Fahnenweihe vom 5./6. März 1988)
Schon im vorletzten Jahrhundert ein
Gemischter Chor in Stettfurt:
Der am 5. November 1975 formell
gegründete
Gemischte Chor Stettfurt
ist nicht der erste, der diesen Namen
trägt. Soweit Chroniken und Protokolle zurückverfolgt werden
konnten, hatte schon im vorletzten Jahrhundert neben einem
Männerchor auch ein Gemischter Chor in unserem Dorfe gewirkt.
Am
"Jubelfest der evangelischen Kirchgemeinde" am 25. Juli1852 zur
Erinnerung an den Amtsantritt des ersten Pfarrers, namens Hans Jerg
Schulthess (Amtsantritt 19. März 1752), bereicherten sowohl ein
Männerchor wie ein Gemischter Chor den feierlichen Anlass in der
Kirche. Der Kirchenbau war sechs Jahre zuvor abgeschlossen worden,
aber erst nach unermüdlichem Bemühen der Stettfurter entschied die
hohe Obrigkeit am 10. Februar 1852 "dass ernannter Gmeind Stettfurt
bewilligt sein solle, eine eigene Pfarr auszurichten", umfassend
auch Köll, Stauden und Ruggenbühl. Der Nachmittag des "Jubelfestes"
war der Jugend gewidmet, wobei die Mitglieder beider Chöre im
Hintergrund im Einsatz waren.
Der Gründung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vor 600 Jahren sollte gemäss bundesrätlicher
Weisung in allen Gemeinden am 1. August 1891 mit Glockengeläute und
Höhenfeuern gedacht werden. Darüber berichtet die "Stettfurter
Chronik", dass die Stettfurter die "erste Eidgenössische
Bundesfeier….am 2. August auf Schloss Sonnenberg … mit Kindergesang
und Liedvorträgen des Gesangsvereins" beginnen. Ob es sich hier um
einen Gemischten oder einen Männerchor handelte, wird nicht gesagt.
Letzteres ist ebenfalls möglich, weil gemäss Protokoll der Kirchenvorsteherschaft vom 5. Juli der "hiesige Männerchor um
Mithilfe" an der kirchlichen Bundesfeier angegangen werden sollte.
In seiner Darstellung über "Eine thurgauische Wohngemeinde"
berichtete der damaligen Pfarrer, Dr. E. Hofmann, ebenfalls von
einem Männerchor. Auch andere Berichte deuten darauf hin.
Im ersten Protokoll des im Jahre 1905 erneut
gegründeten Männerchores Stettfurt ist dagegen von einem
eingegangenen Gemischten Chor die Rede: "Am Anfang dieses Jahres
wurden hier in Stettfurt Stimmen laut zur Gründung eines
Männerchores. Seit dem Eingehen des Gemischten Chores und später
immer mehr fühlten sich einige genötigt, sich diesem Thema zu
widmen und machten sich verschiedene Mitglieder, namentlich:
Heinrich Gamper, Fritz Gamper und Emil Hartmann auf die Suche nach
Mitgliedern."
"Unter gütiger Mitwirkung hiesiger Töchter"
Fortan schienen die Männer allein für das
gesangliche Leben in Stettfurt verantwortlich zu sein. Lediglich an
den "gesanglich-theatralischen Aufführungen" spielten die Töchter
mit. Über die Entschädigung für die "gütige Mitwirkung" steht in
einem Protokoll etwas weniger ehrerbietig: "Betreff der
mitspielenden drei Frauenzimmer wird beschlossen, es sei denselben
ein Geschenk im Betrag von 4 Franken zu entrichten…"
An der Abendunterhaltung vom Neujahrstage
1912 bestritt der "Männer- und der Töchterchor" ein anspruchsvolles
Konzert. Die beiden Chöre trugen ihre Lieder zum Teil getrennt und
zum Teil als Gemischter Chor vor. Ein Höhepunkt war zweifellos die
Bundesfeier 1917, an welcher der frühere Pfarrer und dannzumal
Regierungs- und Nationalrat, Dr. E. Hofmann, die Ansprache hielt.
"Die beiden Vereine brachten ein grösseres Programm mit 14 Nummern
zur Abwicklung. Die Nachfeier in der "Linde" verlief dann noch recht
gemütlich".
Der Töchterchor befand sich offenbar weiter
im Aufwind, wurde doch das Kirchenkonzert vom 14. April 1918 nicht
mehr vom Männer- und Töchterchor, sondern umgekehrt vom Töchter- und
Männerchor bestritten. An der vom Männerchor Konkordia, Wil,
"durchgeführten Vereinigung" am 31. August, ev. 19. September 1919,
warteten die Stettfurter Chöre mit je einem eigenen Vortrag auf. Die
ersten zwanziger Jahre mussten in gesanglicher Hinsicht sehr
erfolgreich und erfreulich gewesen sein. Aus den Protokollen des
Männerchors ist jedoch zu vermuten, dass später eine Wende eintrat.
Jedenfalls wirkten an der Orgelweihe in der Stettfurter Kirche am
24. Oktober 1937 ein Kinderchor und der Männerchor, aber kein
Frauenchor mehr mit.. Aber wo nötig, durften Frauen und Töchter
mindestens wieder "gütig mitwirken".
Neuer Anfang mit einem Frauen- und
Töchterchor
In der Niederschrift über seine Gründung im
Oktober 1943 und in späteren Protokollen wird nichts von einem
früheren Verein oder von noch verfügbaren Liederblättern erwähnt.
Gegenüber dem Männerchor, der gemäss Jahresbericht 1947 seine
Existenz "mangels geregeltem Interesse und Besuches der
Gesangsstunden stets fragwürdiger" sah, blühte der Frauen- und
Töchterchor rasch auf. Beide Chöre waren auf ihre Eigenständigkeit
bedacht. Doch fanden sie sich zum gemeinsamen Singen an den
Bundesfeiern und in der Kirche, so unter anderem auch am Gedenktag
zum "200-jährigen Bestehen der Kirchgemeinde Stettfurt" an Auffahrt
1952. Von der Freilichtfeier "Das Stettfurter Spiel" welche von rund
600 Zuschauern verfolgt wurde, steht im Jahresbericht des
Männerchors: "Es brauchte unsere ganze Aufmerksamkeit und eine
Engelsgeduld von unserem Dirigenten Alb. Graf, um die Lieder
einigermassen annehmbar vortragen zu können. Aber die Sache ging gut
und das Fest wurde ein voller Erfolg". Die Begeisterung über diesen
Anlass wird auch vom Frauenchor bestätigt, jedoch wird präzisiert:
"Und es waren auch unsere Frauen, die - als infolge eines
Klavierfehlers der zweite Choral zu scheitern drohte - plötzlich
wieder festen Boden unter den Füssen hatten und mit sicherer Führung
auch dem Männerchor wieder Sicherheit gaben. Es merkten nur die ganz
Hellhörigen etwas vom Schrecken, der einen Moment uns alle
erfasste".
Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb
Das Schicksal der beiden Chöre war in den
folgenden Jahren sehr wechselhaft. Beide harrten lange auf ihrer
Selbständigkeit. Man bemühte sich erst um Unterstützung beim andern
Chor, wenn wieder ein neuer Dirigent gesucht werden musste oder die
Zahl der Sängerinnen oder Sänger in einzelnen Stimmen nicht mehr für
ein alleiniges Auftreten reichte. Der Gedanke eines
Zusammenschlusses rückte näher, als Lehrer Hans Schmid ab 1962 beide
Chöre leitete. Dass vereinte Kräfte erfolgreicher sind, durften sie
am Jubiläum des Frauen- und Töchterchors im Februar 1969 und am
dreitägigen Fest "40 Jahre Musikverein, 30 Jahre Frauen- und
Töchterchor" erfahren. Als Hans Schmid anfangs 1975 in beiden Chören
den Dirigentenstab ablegte und man einen Nachfolger suchen musste,
reifte der Zusammenschluss.
Der Gemischte Chor Stettfurt wird geboren
Mit 23 Frauen und 15 Männern aus den zwei
Chören fand am 5. November 1975 die formelle Gründung des Gemischten
Chores Stettfurt statt. Einige dieser Gründungsmitglieder blieben
leider dem neuen Chor nicht lange treu. Als erster Präsident amtete
Max Schümperli. Berta Schaffer übernahm die Chorleitung, allerdings
eher gefälligkeitshalber und nur für einige Jahre. Unter ihrem Stab
sang der Chor u.a. an der Jubiläumsfeier "1150 Jahre Stettfurt" im
Spätsommer 1978, sowie an der Einweihung des Gemeindezentrums im
März 1979.
Die Ära Elisabeth Beusch-Rolli
An der Jahresversammlung vom 14. März 1980
konnte der Chor die neue Dirigentin, Elisabeth Beusch-Rolli,
begrüssen. Sie wusste sich dem Chor rasch anzupassen, ging aber ohne
Zögern daran, das Lieder-Repertoire schrittweise zu erneuern. Dabei
verstand sie es ausgezeichnet, anfänglich skeptische Sängerinnen und
Sänger auch für ungewohntes Liedgut zu gewinnen und gleichzeitig die
gesanglichen Ansprüche an den Chor zu steigern. Ebenfalls fehlten
ihr nie ideenreiche Einfälle, wenn es um die Gestaltung eines
Unterhaltungsabends ging. Diese wurden jeweilen unter ein bestimmtes
Thema gestellt, so: - De Jahres-Chreis macht sini Reis - Wozu die
Hast? So halt doch ein! - Reisen ist das beste Tuen - Mit Lied und
Tanz durchs ganze Land - Frohe Stunden in der Waldschenke - Über
Länder und Meere -. Ein Höhepunkt war die Fahnenweihe mit
Sängertreffen vom 5./6. März 1988. Als Abschluss ihres Wirkens
führte Elisabeth Beusch den Chor im Jahre 1991 ans Eidgenössische
Sängerfest nach Sursee!
Erfolge mit Jeannette Meier-Rechsteiner
Im Jahre 1991 war die Zeit gekommen für
einen Wechsel in der Chorleitung. Jeannette Meier-Rechsteiner,
Primar- und Flötenlehrerin aus Guntershausen, übernahm das Zepter.
Obwohl noch jung, konnte sie bereits eine beachtliche Erfahrung als
Chorleiterin vorweisen. Ganz der Förderung des gepflegten
Chorgesanges verpflichtet, führte sie den Chor mit Atmungs- und
Stimmbildungsübungen sowie dem konsequenten Training für eine gute
Aussprache auf ein beachtliches Niveau. Dank ihrer freundlichen
Beharrlichkeit und Disziplin durfte der Chor von regionalen und
kantonalen Sängertreffen bald mit Bestnoten nach Hause kehren!
Seit 1995 war der von der damaligen
Präsidentin Susi Tobler ins Leben gerufene "Brunch mit Gesang" ein
alle Jahre wiederkehrender Höhepunkt. Er gab der Dirigentin die
Gelegenheit, den Gästen musikalische Köstlichkeiten aus einem
mittlerweile breit gefächerten Repertoire zu präsentieren.
Jeanette Meier-Rechsteiner bildete sich
laufend weiter, unter anderem an der Musikhochschule in Luzern, um
dann ihr Wissen an junge Nachwuchsdirigenten im Kanton
weiterzugeben. Ebenfalls am Herzen lag und liegt ihr die
Verbandsarbeit. Sie ist Verbandsdirigentin des Hinterthurgauer
Sängerverbandes und Vizedirigentin des Kantonalgesangsverbandes.
Wiederum galt es, nach fast 20 Jahren sich
neu zu orientieren. Nach den grossen Stettfurter Feierlichkeiten und
mit der Organisation des Hinterthurgauer Sängertags Ende August 2009
erfolgte der Stabswechsel von Jeannette Meier-Rechsteiner zu Martin
Weber.
Mit Martin Weber auf zu neuen Ufern
Seit anfangs September 2009 war Martin Weber
unser Chorleiter. Wir genossen den frischen Wind, der ein
Dirigentenwechsel mit sich brachte!
Unser neuer Dirigent hatte sich "Grosses"
für unseren Chor vorgenommen - führte er uns doch Schritt für
Schritt und Probe für Probe in eine andere, uns wenig bekannte Welt
- in die Welt der geistlichen Musik! Dies stellte an uns Sängerinnen
und Sänger recht hohe Anforderungen. Martin Weber verstand es
ausgezeichnet, mit diszipliertem und effizientem Üben zum Ziel zu
kommen. Wir lernten viel dazu und trotzdem waren die Proben gewohnt
kurzweilig und von unbeschwerter Heiterkeit geprägt!
Mit der Aufführung der Messe in D, von
Antonin Dvorak, gelang ihm ein Höhepunkt in der Geschichte des
Stettfurter Chors. Dank seiner positiven Ausstrahlung wurden die
beiden Aufführungen für uns Sängerinnen und Sänger zu einem
entspannten und freudigen Singerlebnis!
Doch bald war Schluss - eine Überlastung
Martin Webers zeichnete sich ab und er musste schweren Herzens die
musikalische Leitung in andere Hände übergeben.
Von August 2011 bis Dezember 2014 probte Robert Matti mit uns.
Auszüge zum Teil aus dem Festführer der
Fahnenweihe mit Sängertreffen vom 5./6. März 1988, aufgezeichnet
durch Emanuel Dettwiler-Walther

Archiv
Jahrsversammlung 2018
Am 2. März hat der Gemischte Chor Stettfurt seine 43. Jahresversammlung durchgeführt.
Chorreise 2017
Wägital, Walensee (-Bühne), Tamina-schlucht, Rheintal und Appenzellerland
Turbulente Zeiten 2011
... das Kantonale, unser neuer Dirigent und die Chorreise nach Appenzell.
Chorreise zum Appenzeller Chorfest
"Appezöll stimmt aa"
Konzert 3. April & 22. Mai 2011
... zwischen Romantik und Moderne - Chorkonzert mit Orgel
Seniorennachmittag 2010
... trotz Regenwetter sonnige Laune am Seniorennachmittag
"Dällenbach Kari"
.... Chorreise 2010 zum Freilichspiel "Dällenbach Kari" in Thun und zu den Beatushöhlen