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Auszüge aus den SBB-Nachrichtenblättern 10/44 und 11/44
"Im Monat Oktober erfuhr unser elektrifiziertes Netz eine Erweiterung um weitere 47 km. Den elektrischen Betrieb erhielten neu die Strecken Herzogenbuchsee - Solothurn - Busswil (33,3 km) und Turgi - Koblenz (13,7 km).
(...) Die Strecke Turgi - Koblenz ist im Kreis III bereits die sechste "Kriegselektrifikation". Der erste Zug über die Strecke fuhr am 18. August 1859. Sie ist also bloss zwei Jahre jünger als die Strecke Herzogenbuchsee - Solothurn und musste ebenfalls recht lange auf ihre Modernisierung warten. Mit der Elektrifikation stossen die Bundesbahnen sozusagen in Neuland, indem sie durch die Zuleitung des Fahrstromes eine erste Voraussetzung herstellen für die Elektrifikation der unserer nördlichen Grenze entlang führenden Linien Stein/Säckingen - Koblenz - Eglisau, Bülach - Winterthur und Schaffhausen - Romanshorn (zusammen 135 km). Die Arbeiten für den Traktionswechsel auf der Strecke Koblenz -Stein/Säckingen sind bereits im Gang. Im Kreis III werden gegenwärtig noch Linien mit einer Gesamtlänge von 97 km mit Dampf betrieben. Die Elektrifikation aller dieser Linien, einschliesslich Herzogenbuchsee - Solothurn - Lyss, die einen verhältnismässig bescheidenen Verkehr aufweisen, würde sich rein vom Renditenstandpunkt aus niemals rechtfertigen. Sie stellt vielmehr ein Werk der Solidarität dar, wodurch die bedienten Landesgegenden von einer wegen Mangels an ausländischem Brennstoff Volk und Wirtschaft schwer treffenden Verschlechterung der Verkehrsverhältnisse bewahrt werden sollen.
Die einfachen topographischen Verhältnisse auf den beiden genannten neu elektrifizierten Linien bereiteten dem Umbau keine besonderen Schwierigkeiten, wohl aber, wie schon bei den früheren "Kriegselektrifikationen", die Materialbeschaffung in der heutigen Mangelwirtschaft. Auf diese besonderen Umstände, sowie auf die zusammen mit der Elektrifikation jeweilen gleichzeitig durchgeführten anderen Verbesserungen und Modernisierungen an den Betriebsanlagen haben wir bei anderer Gelegenheit hingewiesen. Hier dürften insbesondere folgende Neuerungen Interesse erwecken:
Sämtliche Stationen der beiden Linien erhalten als Ersatz für die primitiven Kurbelwerke ein neues kleines elektrisches Stellwerk, Bauart Signum AG., zur Fernbedienung der Lichtsignale und der Hauptweichen. In den Stationen Lüsslingen (Solothurn - Lyss), Siggenthal/Würenlingen, Döttingen/Klingnau und Koblenz (ein Freigabewerk) steht die neue Sicherungsanlage bereits im Dienst. Alle Einfahr-Vorsignale der Strecke Turgi - Koblenz besitzen nun die Einrichtung der automatischen Zugssicherung. In den Stationen Siggenthal/Würenlingen und Döttingen/Klingnau sind die Stationsgebäude umgebaut, ihre Betriebsräume erneuert und mit den neuzeitlichen normalisierten Büroeinrichtungen ausgestattet worden. In Turgi und Koblenz wird hieran noch gearbeitet.
Seit dem 2. Oktober verkehren auf der Strecke Herzogenbuchsee - Solothurn täglich 11 Zugspaare (vorher 6), Solothurn - Lyss ebenfalls 11 (vorher 7), also neu fast das Doppelte; seit dem 15. Oktober auf der Strecke Turgi - Koblenz 17 (vorher 16) Zugspaare. Nach Einführung des elektrischen Betriebes auf der Strecke Stein/Säckingen - Koblenz werden es 21 sein.
Der Kohlenverbrauch betrug auf den beiden Linien jährlich 4550 t im Wert von zusammen rund 620'000 Fr ."
Am 14. Oktober feierte das untere Aaretal die Einweihung des elektrischen Betriebes auf der Strecke Turgi - Koblenz. Der ordentliche elektrische Betrieb begann Sonntags darauf, dem 15. Oktober 1944.
Wir lassen hier eine Zeitung aus der beglückten Gegend und zwar "Die Botschaft" (Klingnau) vom 16. Oktober 1944 selber den grossen Freudentag und die Begeisterung der Bevölkerung schildern:
"Auf dem bekränzten Bahnhof Turgi besammelten sich die 220 geladenen Gäste um die mit den Schweizer- und Kantonswappen geschmückte Lokomotive.
Es war ein sonderbares Gefühl zu wissen, dass diese von weisser Kohle getriebene Maschine nun zum erstenmal Kurs in Richtung Norden nehmen und jene Gegend durcheilen wird, wo so viele elektrische Energie produziert wird. Die Musikgesellschaft Turgi gab diesem denkwürdigen Anlasse das feierliche Gepräge und eine Menge Volk hatte sich im Bahnhof Turgi eingefunden, um der "Elektrischen" ihre besten Wünsche auf die Jungfernfahrt mitzugeben. (...)
Auszug aus "Bahnhof Turgi im Wandel der Zeit"
David Kober, Ernst B. Leutwiler Verlag