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Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura
Das Gymnasium an der Alpenstrasse in BielStadt Biel - Baustile - Gebäude - Schule und Bildung
Finanzierung und Entwurf
Eine wichtige Weiche für den Bau eines neuen Gymnasiums wurde in der Volksabstimmung vom 16. Dezember 1906 gestellt: Die Stimmberechtigten der Stadt Biel hiessen eine Kreditvorlage gut, in der auch die Finanzierung eines neuen Gymnasiums vorgesehen war. Das neue Gymnasialgebäudes sollte am Jägersteinweg (heute: Alpenstrasse) errichtet werden. Im Hinblick auf die Ausgestaltung des Schulhauses wurde im Jahr 1907 ein Wettbewerb ausgeschrieben. Das Archiktekturbüro Yonner & Grassi erhielt sowohl den zweiten Preis - ex aequo mit J. U. Debely - als auch den dritten Preis, den es mit Maurice Kuenzi teilte. Die Pläne der Wettbewerbsbeiträge dienten dem Stadtbauamt jedoch lediglich als Inspirationsquelle für einen eigenen Entwurf, der von Emil Moser ausgeführt wurde.
Eine moderne Konstruktion im Heimatstil
In den Jahren 1908 bis 1910 entstand hoch über der Seevorstadt ein Bildungstempel, der in vielen Bereichen Merkmale des Heimatstils aufweist: Asymmetrie in Fassade und Dachlandschaft, Mansartdach, kleinsprossige Fenster und gelber Putz, der an den in der Region verankerten Hauterivestein erinnerte. Die Bauweise jedoch war für die damalige Zeit sehr modern - die Bauunternehmung des Architekten August Haag errichtete eine armierte Betonkonstruktion nach Patent Hennebique. Das mit einem finanziellen Aufwand von 780 000 Franken vollendete Gebäude konnte am 23. April 1910 feierlich eingeweiht werden.
Der "Affenkasten" - und das goldene Haus
Der Stolz der Gemeinde Biel über die Verwirklichung des Gebäudes fand ihren Niederschlag in einer Giebelinschrift, die noch heute an der Ostfassade des Gymnasiums Alpenstrasse zu lesen ist: "Dieses Haus hat die Stadt Biel ihrer Jugend erbaut in den Jahren 1908-1910." Eine weitere Inschrift ergänzt: "Die Erziehung der Jünglinge ist die Grundlage des Gemeinwesens."
Weit unterhalb dieser Inschriften, im Eingangsbereich des Gymnasiums, hatte der bedeutende Schweizer Architekturplastiker Otto Kappeler mehrere Affenskulpturen geschaffen, die für den inoffiziellen Namen des Gebäudes ausschlaggebend wurden: Das stolze Gebäude wurde bald unter dem Namen "Affenkasten" bekannt. In den 1920er-Jahren wurde das Schulhaus auch "Das goldene Haus" genannt - in der Morgensonne schienen die Fensterscheiben wie pures Gold zu leuchten. Eine Lernumgebung mit viel Licht und Sonnenschein - auch das war ein Anliegen des Heimatstils.
Autor: Christoph Lörtscher / Quelle: Diverse 2010
Format: Inventar schützenswerter Objekte