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Die Schweiz wird, wie viele andere Länder, häufig von Natur-Katastrophen heimgesucht. Daran mitschuldig sind oft menschliche Eingriffe in die Natur.Dieser Inhalt wurde am 02. Mai 2003 - 12:09 publiziert
Jetzt wird versucht, die Fehler zu beheben und übertrieben kanalisierte Flussläufe zu renaturieren. Doch nicht alles ist machbar.
Die Schweiz wird oft das "Wasserschloss Europas" genannt. Die Bezeichnung ist durchaus zutreffend, wenn man bedenkt, dass sich auf einem relativen kleinen Raum rund 262 Mrd. Kubikmeter Wasser befinden - gespeichert in Seen, Gletschern, Schneefeldern und dem Grundwasser.
Der enorme Wasserspeicher wird durch reichlich Niederschläge gespeist. 1460 Millimeter Niederschlag pro Jahr: Das ist doppelt so viel wie der europäische Durchschnitt.
Bevor das Wasser via Rhein, Rhone, Tessin, Inn oder Doubs die Schweiz Richtung Meere verlässt, bahnt es sich seinen Weg durch ein dichtes Geflecht von Bächen, Flüssen und Seen. Es handelt sich um ein komplexes und sensibles Wasserlaufsystem, das der Mensch über Jahrhunderte zu dominieren versucht hat - mit teilweise schwerwiegenden Konsequenzen.
Katastrophale Überschwemmungen
In einem bergigen Land wie der Schweiz kann nur ein kleiner Teil des Bodens für Landwirtschaft, Industrie und Siedlungen verwendet werden. Um den vorhandenen Raum möglichst optimal zu nutzen, hat man die Flussläufe kanalisiert.
Diese Eingriffe in die Natur schränkte jedoch die Bewegungsfreiheit des fliessenden Wassers stark ein. Und wurde somit zu einer potenziellen Gefahr für den Menschen: Wenn die künstlichen Dämme das Hochwasser nicht mehr halten können, kann dies verheerende Folgen haben.
In Anbetracht dieser Entwicklung kam man auch in der Schweiz zur Erkenntnis, dass sich der Umgang mit den Wasserressourcen ändern muss.
Risiken abwägen
"Man muss den Flüssen zurückgeben, was man ihnen genommen hat", meint Paolo Burlando, Professor für Wasserwirtschaft an der ETH Zürich. Momentan wird versucht, die baulichen Vorkehrungen gegen Hochwasser - sprich Dämme - möglichst einzuschränken. Ausserdem macht es Sinn, wenn in den potenziell gefährdeten Zonen Bauten stehen, die im Fall von Hochwasser die geringsten ökonomischen Schäden verursachen.
Die Überschwemmungen vom Jahr 2000 im Rhonetal haben beispielsweise einige Häuser stark geschädigt, die erst vor kurzem auf der Kegelzone von Zuflüssen gebaut wurden. "Das sind Risikobauten", sagt Burlando, "weil sie zu nahe an potenziellen Überschwemmungszonen stehen".
"Eine korrekte Raumplanung sieht vor, dass adäquate Zonen genutzt werden, je nach Wert der Bebauung", erklärt der Hydrologe. Die Schutz- und Eindämmungsbauten müssten überdies in einem Verhältnis zum potenziellen Schaden stehen, den man in Kauf nehmen wolle.
Zu berücksichtigen seien auch die positiven Seiten einer Ausbreitung des Wassers - am besten natürlich mit einer Renaturierung. Gebiete von temporärer Überflutung könnten die Hauptflutwelle bremsen und noch grössere Schäden vermeiden, betont Burlando.
Schwierige Renaturierung
In der Schweiz gibt es momentan eine Reihe von Projekten zur Renaturierung von Flussläufen. Diese reichen von Eingriffen bei kleinen Bächen bis zu grossen Projekten bei Flüssen wie der Rhone.
Bei den kleineren Interventionen versucht man, dem Flussbett seinen natürlichen Zustand zurückzugeben, in dem angebaute Steine oder Beton entfernt werden. Die Flussufer werden durch Weidengehölz wieder hergerichtet, das auch lange Überschwemmungen gut ertragen kann.
Die grossen Flussläufe hingegen will man durch ganze "Ausweichzonen" erweitern. Diese dienen einerseits als Abflussmöglichkeit bei Hochwasser, andererseits bilden sie auch ein natürliches Habitat für Tiere und Pflanzen.
"In diesem Fall sind die Interventionsmöglichkeiten sehr eingeschränkt", sagt Hydrologe Burlando. Grund: In einem bergigen Land wie der Schweiz gibt es in den extensiv genutzten Talsohlen wenig Ausweichmöglichkeiten. Man könne kaum ganze Dörfer oder Industrieanlagen versetzen.
Trotzdem könnte laut Burlando die Schweiz noch einige zusätzliche Schritte in Richtung eines integrierten Managements seiner Wasserbestände machen. Er hält es jedenfalls für falsch, das Problem der Überschwemmungen vom Problem der Wasserkraft zu trennen: "Es ist immer nötiger, eine globale und interdisziplinäre Vision zu haben."
swissinfo, Fabio Mariani
In Kürze
Über Jahrhunderte hat der Mensch Flussläufe korrigiert und begradigt, um Talsohlen und Schwemmland maximal nutzen zu können.
Wenn die Dämme nicht halten, können die Konsequenzen gravierend sein: Hochwasser, Überschwemmungen. Die jüngste Geschichte ist reich an solchen Natur-Katastrophen.
Heute versucht man, durch Renaturierung den Flüssen wieder mehr Lebensraum zuzugestehen und damit auch für Pflanzen und Tiere wieder mehr Platz zu schaffen. Doch die Möglichkeiten sind stark eingeschränkt.
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