Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/92659

<h2>SubmittedText<h2><p>Artikel 32 Absatz 2 KVG verlangt eine periodische Überprüfung der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit medizinischer Leistungen. Kann der Bundesrat darüber Auskunft geben, ob die Behandlungen eines zu hohen Cholesterinspiegels mit Statinen und anderen cholesterinsenkenden Medikamenten kürzlich unter den obenerwähnten Gesichtspunkten und nicht nur in Bezug auf Nebenwirkungen und potenzielle Gefahren überprüft wurden? Die gleiche Frage stellt sich auch bei Stents für Patienten, die nicht  unmittelbar einem Herzinfarkt ausgesetzt sind, bei den immer öfter verschriebenen Antidepressiva sowie bei anderen Störungen wie Depressionen und schweren Angstzuständen.</p><p>Vor diesem Hintergrund stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Liegen solche Daten und Auswertungen der letzten Zeit vor?</p><p>2. Falls nicht, ist der Bundesrat bereit, eine solche Überprüfung durchführen zu lassen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Nutzen von lipidsenkenden Präparaten oder von Antidepressiva scheint im Ausland nicht hinterfragt worden zu sein. Für Lipidsenker gibt es zahlreiche Studien über die Wirksamkeit der Präparate bezüglich Auftreten von klinisch relevanten Komplikationen von Kreislauferkrankungen wie Myokardinfarkt, Tod oder kardiologischen Eingriffen. Die Wirkung von Antidepressiva auf den Verlauf einer unipolaren Depression ist unter der Voraussetzung einer differenzierten Diagnostik und Therapieüberwachung nicht grundsätzlich infrage gestellt. Bei einzelnen Präparaten dieser Therapieklassen sind in letzter Zeit Fragen zur Wirksamkeit und Sicherheit aufgetaucht, ohne dass jedoch der Nutzen dieser Therapieklassen als Ganzes grundsätzlich in Zweifel gezogen worden wäre.</p><p>Stents der Herzkranzgefässe sind letztmals im Jahr 2004 von der Eidgenössischen Kommission für allgemeine Leistungen geprüft worden. Seither sind international zahlreiche weitere Studien über den Nutzen und die Risiken der Verwendung von Stents bei schwerer Erkrankung der Herzkranzgefässe und bei Herzinfarkt erschienen, sodass der Stellenwert der verschiedenen Therapieoptionen bei koronarer Herzkrankheit und Herzinfarkt je nach Art und Schwere der Krankheit und weiteren Eigenschaften der Patienten und Patientinnen bekannt sind. Gemäss Leitlinien der internationalen Fachgesellschaften stellen Stents in vielen Situationen nach wie vor eine unbestrittene Therapieoption dar.</p><p>Die nachgefragten Arzneimittel und Leistungen sind somit in der jüngsten Vergangenheit nicht speziell und im Detail überprüft worden, da ihr Nutzen in der wissenschaftlichen Literatur nicht grundsätzlich infrage gestellt worden ist.</p><p>2. Da zurzeit keine Hinweise bestehen, die den Nutzen von lipidsenkenden Medikamenten, koronaren Stents und Antidepressiva generell infrage stellen, und da der zweckmässige Einsatz von Medikamenten und medizinischen Leistungen im Einzelfall im Rahmen der Therapiefreiheit in der Verantwortung der Leistungserbringer (und insbesondere der Ärzteschaft) liegt, sieht der Bundesrat im jetzigen Zeitpunkt keinen Grund, eine spezielle Überprüfung dieser Leistungen zu veranlassen.</p>  Antwort des Bundesrates.