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Die Zivilisation der Maya war im Vergleich zu Hochkulturen in den Amerikas (Azteken und Inka), aber auch zu jenen des fruchtbaren Halbmondes im Vorderen Orient einzigartig. Die Kultur der Maya war geprägt durch ihre Schrift, ihre Mathematik, ihre Kalender und ihre Berechnungen des Weltalls.
Die Logosyllabische Schrift (Kombination von Logogrammen und Silbenzeichen) der Maya war in den beiden Amerikas einzigartig. Leider haben die Spanier, angeleitet durch die Kirche, die Codices der Maya als Teufelswerk verbrennen lassen. Nur drei bzw. vier dieser Maya-Handschriften (Dresdner, Madrider und Pariser Kodex) konnten gerettet werden. Erst jetzt ist die Entzifferung der Zeichen in den Ruinen der Maya-Städte gelungen.
Das Zahlensystem der Maya war ein Positionssystem, das auf der Basis 20 und der Null beruhte.[1] Die Zahlen von 1 bis 19 waren «eine Kombination von Punkten und waagrechten Strichen mit einem Punkt für eine Einheit und einem Strich für fünf Einheiten». Die höheren Zahlen wurden durch Namen bezeichnet.
Mit ihrem Zahlensystem berechneten die Maya ihre drei Kalender. Aufgrund ihrer Berechnungen hatte ein Sonnenjahr 365,242 Tage. Die Genauigkeit dieses Kalenders übertraf den julianischen Kalender bei weitem. Auch der gregorianische Kalender konnte die Genauigkeit dieses Maya-Kalenders nicht erreichen. Der zweite Kalender war der religiöse Kalender mit 260 Tagen. Beide Kalender waren aufeinander abgestimmt.[2] Mit dem dritten Kalender, der die beiden anderen synchronisierte, bestimmten die Maya die verflossenen und die zukünftigen Jahrhunderte und ihre Zeitabschnitte.[3]
Mit ihrem Zahlensystem führten die Maya astronomische Berechnungen durch. Ihre Berechnungen über Mars, Jupiter, Merkur sowie Mond- und Sonnenfinsternisse waren genauer als jene in Europa zur Zeit der Renaissance.[4]
Sehr raffiniert war die Bewässerung ihrer Landwirtschaft. Das Wasser wurde in riesigen unterirdischen Zisternen gespeichert. und durch ein ausgeklügeltes System wurden die Felder bewässert.
Vasen der Maya
Die politischen und militärischen Beziehungen der Stadtstaaten in der klassischen Periode der Maya wiesen viel Gemeinsamkeiten mit dem alten Griechenland oder mit Italien zur Zeit der Renaissance auf.[5] Zwischen einzelnen Staaten entstanden immer wieder Abhängigkeiten. Schwächere Stadtstaaten wurden zu Vasallen mächtigerer Staaten. Immer wieder brachen Rivalitäten und Kämpfe zwischen den mächtigeren Staaten betreffend die Erweiterung ihres machtpolitischen Einflusses aus.
Bestimmt durch Rivalitäten und wegen des Einflusses der damaligen Grossmacht Teotihuacan in Zentralmexiko brach vor 561 n.Chr. ein Krieg zwischen den Städten Kaan und Mutal (dieser Staat hatte damals eine Bevölkerung von 80’000 Menschen) aus. Im Gegensatz zu früheren Zeiten sollte dieser Krieg aber über 100 Jahre dauern. Beide Staaten setzten immer wieder auch die militärische Schlagkraft ihrer Vasallenstaaten ein.[6]
Die Strategie von Kaan war darauf ausgerichtet, den Rivalen Mutal durch einen Ring von Vasallen und Alliierten wie eine Boa zu erwürgen.[7] Diese Strategie hätte beinahe zum Erfolg geführt. Die Milizstreitkräfte von Kaan überrannten am 29. April 562 Mutal. Der Herrscher von Kaan verzichtete entgegen den Regeln, einen Vasallenkönig über die eroberte Stadt einzusetzen. Dies war ein fataler Fehler. 620 n. Chr. gelang es einem früheren Herrscher wieder die Macht über Mutal zu erlangen. Jetzt setzte er alles daran, die frühere Machtstellung seiner Stadt wieder zu errichten. Nach und nach griff er die Vasallenstaaten von Kaan an.
Am 30. April 679 kam es zwischen den beiden Stadtstaaten zu einer ersten bedeutsamen Schlacht. Am 5. August 695 gelang es Mutal in der Entscheidungsschlacht, die Standarte des Schutzgottes von Kaan, ein Jaguar, zu erobern. Kaan sollte sich von dieser Niederlage nicht mehr erholen. Die Herrscher von Mutal konnten die Machtstellung ihres Stadtstaates nur noch weitere hundert Jahre aufrechterhalten. 869 ist für Mutal die letzte Stele bezeugt. In den nächsten hundert Jahren nahm die Bevölkerung in den südlichen Gebieten der Maya-Zivilisation um drei Viertel ab. Die Priesterschaft verlor bis 909 ihren Einfluss auf die Menschen. Die Maya-Zivilisation der südlichen Gebiete (südliches Yucatan und das heutige Guatemala) brach zusammen und hörte auf zu existieren.[8]
Die Vergangenheit
Was war genau geschehen? Die Bevölkerung der südlichen Gebiete hatte in den letzten Jahrhunderten ungebremst zugenommen. Für die Ernährung dieser Bevölkerung mussten die Erträge der Landwirtschaft gesteigert werden. Dies wiederum führte zu einer Übernutzung der Wasservorräte. Gleichzeitig traten immer wieder Dürreperioden auf. Durch den hundertjährigen Krieg konnte der Unterhalt und die Aufrechterhaltung der Zisternen und der Bewässerungssysteme nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln brach zusammen. Als Folge der ausbrechenden Hungersnöte und des Durstes starben Millionen von Maya. Die Überlebenden wanderten in das nördliche Yucatan ab und die Städte der klassischen Periode zerfielen.[9]
Mit Chichén Itza im nördlichen Yucatan setzte ab dem 9. Jahrhundert eine politische, militärische, wirtschaftliche und religiöse Renaissance der Maya ein. Im Gegensatz zur klassischen Periode wurden die neuen Machtzentren der Maya durch die blutrünstigen Gottheiten von Zentralmexiko und ihrer Menschenopfer bestimmt.[10]
[1] Wussing, H., unter Mitwirkung von H.-W. Alten und H. Wesemüller-Kock, 6000 Jahre Mathematik, Eine kulturgeschichtliche Zeitreise, Band 1, Von den Anfängen bis Leibnitz und Newton, Springer, Leipzig, 2009, S. 30.
[2] Wussing, H., S. 32.
[3] Mann, Ch, C., 1492, New Revelations of the Americas before Columbus, Vintage Books, New York, second edition, 2013, P. 409-414.
[4] Wussing, H., S. 33.
[5] Mann, Ch. C., P. 309.
[6] Mann, Ch. C., P. 309/310.
[7] Mann, Ch. C., P. 312.
[8] Mann, Ch. C., P. 316.
[9] Mann, Ch. C., P. 316
[10] Mann, Ch. C., P. 317/318.