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Es ist bekannt, dass Leukämien, insbesondere die im Kindesalter vorherrschenden akuten Leukämien, durch radioaktive Strahlung induziert werden können. Ob allerdings die radioaktive Belastung nach Tschernobyl zu einem nachweisbaren Anstieg der Leukämieraten bei den betroffenen Kindern geführt hat, sollte in der nun vorliegenden Studie geklärt werden. Hierzu wurden in einer länderübergreifenden Analyse alle Fälle kindlicher Leukämien, die zwischen 1982 und 1998 in den am höchsten belasteten Gebieten Weissrusslands, Russlands und der Ukraine aufgetreten waren, in ihrem zeitlichen Verlauf betrachtet und mit den in den unbelasteten Gebieten Weissrusslands im gleichen Zeitraum verglichen. Der verwendete Datensatz ist, nach Angabe der Autoren, als Vollerhebung der Leukämiefälle in den Studienregionen zu betrachten.
Die Leukämieraten bei Kindern sowohl in den belasteten und den unbelasteten Gebieten, als auch im zeitlichen Verlauf vor und nach dem Reaktorunfall zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede. Dass kein Anstieg der Leukämieraten bei Kindern zu beobachten war, widerspricht jedoch nicht der Erkenntnis, dass akute Leukämien durch Strahlung induziert werden können. Legt man die bekannten Risikokoeffizienten, die mittlere Bevölkerung und die mittlere Bevölkerungsdosen zugrunde, kann man eine Abschätzung über die Anzahl der auf Grund der Strahlung erwarteten zusätzlichen Fälle treffen. Für die Jahre 1986 bis 1995 wären dies 11,1 zusätzlich erwartete Fälle, also 1,11 pro Jahr für die belasteten Gebiete. Es ist demnach nicht auszuschliessen, dass einzelne Leukämieerkrankungen durch die Strahlenexposition in der Folge des Tschernobyl Unfalls entstanden sind, diese Anzahl ist aber so klein, dass sie statistisch nicht ersichtlich ist.
An dieser Stelle ist auch ein Vergleich der mittleren Dosisbelastungen angezeigt: Der radioaktive Fallout durch Tschernobyl betrug für die Jahre 1986-1995 0,716 mSv/Jahr im Mittel in den belasteten Gebieten, total über die 10 Jahre 7,16 mSv. Die mittlere jährliche Gesamtbelastung in der Schweiz liegt bei 4 mSv/Jahr und der Jahresgrenzwert für beruflich strahlenexponierte Personen ist in der Schweiz auf 20 mSv gesetzt.
Da kein Anstieg der Leukämieraten bei Kindern zu beobachten war, ist - auf Grund des geringeren Risikos - ein Anstieg der Leukämieraten bei Erwachsenen extrem unwahrscheinlich. Das trifft auch auf die Häufigkeit solider Tumore zu. Eine Ausnahme bilden Schilddrüsentumore, für die nach Tschernobyl ein deutlicher Anstieg belegt ist. Die Autoren schliessen ihren Bericht mit den folgenden Worten: "Es ist dringend notwendig, der betroffenen Bevölkerung die aus der länderübergreifenden Analyse gewonnen gesicherten Ergebnisse über die Leukämieraten bei Kindern verständlich und glaubwürdig zu vermitteln. Dies wäre ein wesentlicher Beitrag, um die Ängste zu mildern, die auch heute noch das Leben vieler Betroffener bestimmen."
Quelle
D.S.