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Die Arbeit mit dem Equalizer ist eine heikle Sache aber extrem notwendig. Hier kannst du viel kaputtmachen wenn du übertreibst aber es ist unbedingt notwendig für einen guten Mix.
Die einzelnen Signale im Mix sollten sich nicht gegenseitig überlagern, sondern sich zusammen zu einem ausgeglichenen Gesamtbild aufaddieren. Dazu sollte jedes Signal eine bestimmte Nische ausfüllen und mit keinem anderen Signal ins Gehege kommen, was insbesondere für den Frequenzverlauf einer Produktion gilt.
Ziel bei der Frequenzbearbeitung ist demnach nicht, dass jedes Signal im Einzelnen möglichst breit und fett klingt, sondern dass diese im Zusammenspiel gut klingen, sich also ergänzen, und so ein insgesamt breiter und voller Klang entsteht.
Dazu verteilen Sie die einzelnen Signale so über das Frequenzspektrum, dass jedes seinen eigenen Bereich hat!
Hast du beim produzieren sauber gearbeitet, so liegt bereits eine grundlegende Trennung der Frequenzen vor. Mittels Equalizer erledigen du jetzt die Feinarbeit
Das Ziel dabei ist die Frequenztrennung sämtlicher Einzelsignale, sprich das Beseitigen von Frequenzüberlagerungen.
Es müssen in einem Mix nicht alle Frequenzen eines Instruments in natürlicher Stärke vorhanden sein. Manche sind für ein funktionieren im Song wichtig, andere nicht, und diese können wir für eine bessere Transparenz und zur Vermeidung gegenseitiger Verdeckung absenken. Solche, die besonders wichtig sind, können wir hingegen betonten. Für diesen Zweck setzen wir einen Equalizer ein.
Hierzu ist es zunächst sinnvoll zu wissen, welche Frequenzen der jeweiligen Signale für den Mix überhaupt relevant sind. Jedes Signal soll ja einen bestimmten Frequenzbereich einnehmen. Dabei wäre es natürlich gut, wenn die einzelnen Signale genau den Bereich einnehmen, der auch typisch für das Signal ist und in dem es auch gut klingt!
Hörbereich des Menschen:
20 Hz - 250 Hz: Tiefen
250 Hz - 5.000 Hz: Mitten
5.000 Hz - 20.000 Hz: Höhen
Hörbereich Details (Pop Sound):
20-40 Hz - Tiefbass:
Bereich am unteren Ende des menschlichen Hörvermögens. Wird in Musikproduktionen oft komplett mit Filtern entfernt. Nicht allzu viele Instrumente dringen so weit nach unten: Zum Beispiel elektronische und akustische Bässe.
40-100 Hz - Sub-Bass, gefühlter Bass:
Hier befindet sich der Low-Kick, zuviel überwältigt den Mix. Wird von kleinen Lautsprechern nicht wiedergegeben. Bis 100 Hz sollte dann ausschließlich die Bassdrum sein, während der Bass im Bereich darüber liegt.
100-250 Hz - Bass:
Zwischen 100-200 Hz kann die Fülle des Basses angehoben, bzw. bei boomenden Sounds etwas zurückgenommen werden. Anhebungen hier können zu einem volleren Klang führen. Auf Frequenz-Überlagerungen mit dem Bass ist zu achten.
250-600 Hz - Untere Mitten:
Fülle, Vocals, Percussion / Der Pappsound einer Bassdrum befindet sich zumeist zwischen 300-400 Hz. Harmonieinstrumente wie tiefe Strings oder E-Piano, die meist halblinks oder rechts gepannt werden. In der Stereomitte sollte dieser Bereich der Stimme reserviert sein. Andere Instrumente hier ggf. absenken, gerade wenn diese undefinierten und dumpfen Klang haben.
600-4000 Hz - Mitten:
In diesem Bereich kann man schnell viel Brei produzieren. Bei 800 Hz kann man das nasale und billige eines Sounds reduzieren. Der Attack der meisten Percussions-Instrumente (und auch einiger anderer) befindet sich zwischen 2.000-4.000 Hz.
4.000-6.000 Hz - Präsenz:
In diesem Bereich kann man Vocals nach vorne bringen. Zu viel hiervon macht die Vocals aber kantig.
7.000 Hz - Sibilanz / Zischen:
In diesem Bereich befinden sich die ungewollten Zischlaute wie das „s“ oder „sch“.
8.000-20.000 Hz – Höhen:
In diesem Bereich kann den Instrumenten mehr Luft und Glanz vermacht werden. Viele Amateurmixe übertreiben aber genau diesen Effekt, Vorsicht ist geboten.
Hörbereich Details (elektronische Musik):
Lower Bass (20 bis 60 Hz)
Hier findet ihr nur sehr wenige Grundtöne von Instrumenten, dafür aber die Raumresonanzen! Dieser Frequenzbereich sollte mit einem Trittschallfilter bedämpft werden, wenn er nicht gebraucht wird (z. B. bei Vocal-Aufnahmen). Bei Techno-Produktionen / Four-to-the-Floor: kräftig boosten!
Zu viel: Sound wird schwammig und matschig,es entsteht kein klares Frequenzbild mehr.
Upper Bass (60 bis 250 Hz)
Viele Grundtöne tiefer Instrumente (zum Beispiel Bass, Bassdrum, Flügel (tiefe Lagen), Männerstimmen). Hier findet ihr die Kesselresonanzfrequenz der Bassdrum.
Zu viel: dröhniger Sound („boomy sound“)
Zu wenig: Mix klingt kraftlos
Lower Mid Range (250 Hz bis 2,5 kHz)
Grundtöne der meisten Instrumente; Veränderungen hört man in diesem Frequenzbereich sehr deutlich, da hier der gehörempfindlichste Bereich angesiedelt ist. Der Bassdrum-Kick liegt in diesem Frequenzbereich.
Zu viel: Telefon-Sound, Gehör ermüdet schnell
Upper Mid Range (2,5 kHz bis 5 kHz)
Viele Obertöne von Instrumenten; dieser Bereich ist wichtig für die Stimmenverständlichkeit; richtig ausgesteuert sorgt dieser Frequenzbereich für Brillanz und Durchsichtigkeit in der Mischung.
Zu viel: distanzierter dünner Klang
Zu wenig: Mischung klingt dumpf
Presence Range (5 bis 7 kHz)
Dieser Frequenzbereich ist wichtig für die Sprachverständlichkeit; hier befindet sich das Zischeln der Stimme; der De-Esser arbeitet in diesem Bereich; Presence Filter am Gitarren-Amp arbeiten auch in diesem Bereich; auch die Griffgeräusche der Akustikgitarre sind hier zu hören.
Zu viel: Mischung klingt stechend
Zu wenig: Mischung klingt dumpf
High End (7 bis 20 kHz)
In diesem Frequenzbereich findet ihr nur noch Obertöne von Instrumenten; Dieser Bereich sorgt für Atmosphäre und Klarheit; "Magische Frequenz" bei der Stimme: 12 kHz etwas raufziehen - das sorgt für Brillanz und Klarheit!
Zu viel: stechender Klang; Rauschen
Zu wenig: Der Mischung fehlt Klarheit und Atmosphäre.
Jetzt weisst du schon mal, in welchem Bereich die einzelnen Signale gut klingen und haben diese angehoben oder abgesenkt. Nur Verdeckungen beseitigt hast du dadurch noch nicht. Dies ist der nächste Schritt! Genau der Bereich, den du eben angehoben hast, sollte bei anderen Signalen abgesenkt werden, sofern diese hier auch Anteile besitzen. Auf diese Weise schaffst du Platz im Mix und verhinderst Frequenzüberlagerungen!
Ein sehr gutes Beispiel ist die Frequenztrennung von Bass und Bassdrum/Kick/Kickdrum. Diese liegen nämlich beide im Tiefenbereich und somit sehr nahe beieinander.
Die erste Überlegung hierbei ist, welches Instrument die tiefsten Frequenzen der Produktion einnehmen soll. Meist nimmt die Bassdrum/Kick/Kickdrum den untersten Bereich ein, während der Bass die darüber liegenden Frequenzen abdeckt. In diesem Fall spricht man auch davon, den Bass über die Bassdrum zu legen.
Im Bassbereich gibt es generell zwei Möglichkeiten:
Erste Möglichkeit:
Bassdrum/Kick/Kickdrum: 30 - 80 Hz
Bass: 80 - 200 Hz
Zweite Möglichkeit:
Bass: 30 - 80 Hz
Bassdrum/Kick/Kickdrum: 80 - 200 Hz
Bleiben wir bei dem Beispiel, dass du den Bass über die Bassdrum/Kick legen möchten. In dem Fall solltest du die Bassdrum/Kick/Kickdrum im Tiefbassbereich etwas anheben.
Der Bass hingegen sollte in dem Bereich nun gerade nicht vertreten sein, da es sonst zu Überlagerungen kommt. Senke daher genau die Frequenz beim Bass ab, die du bei der Bassdrum angehoben hast! Hast du die Bassdrum/Kick/Kickdrum z.B. bei 50 Hz angehoben, so senkst du den Bass bei 50 Hz ab!
Der Bass nimmt jetzt die Frequenzen darüber ein. Durchfahreauch hier das Spektrum mittels Sweeping ab etwa 90 Hz und heben den ermittelten Bereich an. Typisch ist hier eine Bearbeitung bei 100 bis 120 Hz. Senke die ermittelte Frequenz wiederum bei der Bassdrum/Kick/Kickdrum ab!
Wie du siehst gilt beim Einsatz des Equalizers das Prinzip des Gebens und Nehmens: Möchten du eine Frequenzbereich eines Signals anheben, sollte diese zunächst bei anderen Signalen absenken, um Platz zu schaffen!
Genauso wie bei Bass und Bassdrum/Kick/Kickdrum gehst du auch bei allen weiteren Signalen vor! Ermittle die charakteristischen Frequenzen jedes Signals mittels Sweeping und heben den gefundenen Bereich an, während du eben diese Frequenz bei anderen Signalen absenken, sofern diese hier ebenfalls Anteile aufweisen.