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Kérés Pavillon für die Serpentine Gallery
Diébédo Francis Kéré ist der 17. Architekt, der den alljährlichen Pavillon in den Kensington Gardens in London gestaltet. Ein Rundgang mit Giacomo Ortalli, Mitarbeiter an der Accademia di Architettura di Mendrisio und Korrespondent bei espazium.ch.
Seit 2000 beauftragen die Serpentine Galleries jedes Jahr einen international bekannten Architekten, ihren temporären Sommerpavillon in den Kensington Gardens in London zu gestalten. Ziel ist, der breiten Öffentlichkeit die zeitgenössische Architektur durch direkte Anschauung näherzubringen. Die jährliche Vergabe des Gestaltungsauftrags für den Serpentine Pavilion ist mittlerweile ein Fixpunkt im internationalen Kulturkalender.
In diesem Jahr ging der prestigeträchtige Auftrag an Diébédo Francis Kéré. Er ist der 17. Architekt und der erste Afrikaner, der den Pavillon gestaltet. Kéré, 1965 in Gando in Burkina Faso geboren, gründete 2005 das Architekturbüro Kéré Architecture in Berlin. Mit seiner innovativen Strategie, die traditionelle Materialien mit moderner Bautechnik verbindet, hat er bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, so etwa den Aga Khan Award, den BSI Swiss Architectural Award und den Schelling Architekturpreis. Seit 2013 hat Kéré eine Professur an der Accademia di Architettura in Mendrisio inne.
Der Sommerpavillon, der vom 23. Juni bis 8. Oktober 2017 für Besucher offen steht, hat ein grosses Dach aus Holzlamellen und lichtdurchlässiger Polycarbonat-Folie, das in der Mitte auf einer filigranen, in einem Betonblock verankerten Stahlstruktur ruht. Bei Regen wirkt das Dach wie ein Trichter: Das Wasser wird durch eine Öffnung zwischen den Stützen ins Innere des Pavillons geleitet und fällt dort als Wasserfall zu Boden. Dieser Effekt symbolisiert die Bedeutung des Wassers als grundlegende Ressource für Leben und Wohlstand.
Das Dach mit einem Durchmesser von rund 25 m scheint über vier gebogenen Wänden zu schweben. Zwischen den frei stehenden Wänden eröffnen sich mehrere Zugänge, über die die Besucher auch im Innern in Kontakt mit der Parkumgebung stehen. Die vom Dach losgelösten Wandelemente dienen als Windschutz, sorgen aber gleichzeitig im Innern für eine angenehme Luftzirkulation. Die Wände bestehen aus blauen, zu dreieckigen Modulen zusammengesetzten Holzblöcken, die nicht ganz bündig angeordnet sind und damit Ein- und Ausblicke ermöglichen. Je nach Licht- und Wetterverhältnissen erscheinen die Wände dadurch entweder als transparentes Gewebe oder als massive, undurchsichtige Mauer.
Form und Farbe des präzise und raffiniert gestalteten Pavillons fügen sich harmonisch in das umliegende Grün ein. Die kulturellen Bezugspunkte von Kéré äussern sich in der baumähnlichen Form des Pavillons: Wie in Burkina Faso, wo der Baum der Dorfgemeinschaft als schattiger Versammlungsort dient, schafft Kérés Serpentine Pavilion mitten in den Kensington Gardens mit experimentellen Mitteln einen allgemein zugänglichen Mikrokosmos der Begegnung und Gemeinschaft.
Weitere Beiträge zum Thema «Pavillon» gibt es im gleichnamigen E-Dossier.