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Unter Ischialgien versteht man Schmerzen im unteren Teil des Rückens (Lumbalgegend), die ins Bein und sogar bis in die Grosszehe ausstrahlen. Abzugrenzen ist die Ischialgie vom Hexenschuss, welcher nach ungünstigen Bewegungen durch die kleinen Gelenke zwischen den Rückenwirbeln zustande kommt.
Die Schmerzen werden durch eine Reizung des Ischiasnervs verursacht.
Risikofaktoren, die eine Ischialgie hervorrufen können:
Durch Einengung und Kompression des Ischiasnervs:
- Bandscheibenvorwölbung oder Bandscheibenvorfall
- Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
- Tumore im Bereich der Nervenwurzeln, z.B. Neurome (gutartige Nervengeschwulst)
- Skeletterkrankungen (z.B. Osteoporose = Knochenschwund), Abnutzung der Wirbelsäule
- Missbildungen, z.B. Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule)
- Schwangerschaft begünstigt eine Ischialgie
Durch entzündliche Reizung oder Verletzungen des Ischiasnervs
- Entzündungen, z.B. bei Rheuma, selten im Rahmen einer Gürtelrose
- Vergiftungen z.B. durch Blei , Thallium, DDT (Pflanzenschutzmittel)
- Als Komplikation bei Operationen oder Spritzen ins Gesäss
- Verletzungen (Wirbelbrüche, Prellungen)
Zur Diagnose von einem Ischias werden verschiedene Untersuchungen und Abklärungen durchgeführt. Dazu gehören unter anderem:
- Krankengeschichte unter Einbezug der Beschwerden
- Körperliche Untersuchung: Körperfehlhaltungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen, z.B. Ameisenlaufen, Taubheitsgefühl (neurologische Tests)
- Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule
- Bei Verdacht auf Bandscheibenbeteiligung Magnetresonanz-Tomographie (MRI)
- Zum Ausschluss entzündlicher Erkrankungen: Blutuntersuchungen, ev. Untersuchung der Hirn-Rückenmarkflüssigkeit (Liquorpunktion)
Wichtig für die Behandlungswahl ist die Abklärung der genauen Ursache der Beschwerden. Gelingt dies, kann die Krankheitsursache gezielt behandelt werden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Wichtig bei Schmerzen ist, dass nicht wahllos Schmerzmedikamente geschluckt werden. Diese können zu Dauerschmerzen oder in eine Abhängigkeit führen. Im akuten Stadium einer Ischialgie braucht es jedoch Schmerzmittel (sogenannte Rheumamittel, sie wirken entzündungshemmend).
Bei schmerzhaften Muskelverspannungen helfen Muskelentspannungsmittel (Muskelrelaxantien).
Bei chronischen Ischialgien können Antidepressiva oder Neuroleptika eingesetzt werden. Sie helfen, Abstand zu den Schmerzen zu bekommen. Dadurch können Schmerzmittel eingespart werden.
Therapeutische Schmerzblockaden
Eine wirksame Alternative zu Schmerzmitteln ist die Behandlung mit örtlichen Betäubungsmitteln. Einzelbetäubungen werden gespritzt und blockieren die Nervenwurzeln. Die Behandlung kann wiederholt werden mit dem Vorteil, dass keine Abhängigkeit entsteht.
Eine weitere Form der Schmerzblockade ist die Betäubung des Ischiasnervs im Bereich unterhalb des Gesässes. Vor der Betäubung wird die genaue Position des Nervs mittels elektrischer Nervenstimulation bestimmt.
In ganz hartnäckigen Fällen kann zur Vereinfachung der therapeutischen Schmerzblockade ein dünner Katheter im Rücken eingesetzt werden. So kann die lokale Betäubung wiederholt und schmerzlos durchgeführt werden.
Physikalische Massnahmen
Begleitend zu allen Therapieformen werden physikalische Massnahmen verordnet: Heilgymnastik, spezielle Rückentrainings, Fangoanwendungen, Bäder, Massagen, Wickel.
Weitere Massnahmen sind:
- Elektrostimulationen über die Haut
- In akuten Fällen helfen evtl. Kälteanwendungen
- Bei chronischen Beschwerden reagiert der Patient oft besser auf Wärmeapplikationen wie Rotlicht, Fangopackungen, warme Bäder
- Akupunktur
- Entspannungstechniken (z.B. autogenes Training) helfen, besser mit Schmerzen fertig zu werden
- Chronische Schmerzustände belasten die Seele. Oft braucht es eine psychologisch-psychotherapeutische Begleitung
- Gezieltes Rückentraining
- Ergonomische Arbeitsplätze
- Übergewicht reduzieren
- Sport: Schwimmen ist für belastete Körper ein guter Ausgleich, vor allem Rückenschwimmen. Auch dafür gibt es Fachleute, die einem zeigen können, wie man es richtig macht
Zur Vorbeugung gegen einen Ischias werden folgende Massnahmen empfohlen
- Gewicht halten oder reduzieren
- Kräftigung der Rückenmuskulatur, entlastet die Wirbelsäule
- Unnatürliche Körperhaltungen, die den Rücken belasten, vermeiden
- Seelische Verspannungen aufspüren und behandeln. Häufig schlagen sie sich als Muskelverspannungen im Rücken nieder