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Der zweite Gegenstand der Tagesordnung ift der Vortrag über das
Civil- Ingenieurwesen in Deutschland. Berichterstatter Hr. R. R. Werner aus Berlin: ,,M. . Die Stellung der Givil- Ingenieure in Deutschland betreffend wurden auf der Hauptversammlung in Breslau 1865 drei Fragen gestellt, und wurde durch Beschluß der Vorstand ermächtigt, dies jelben zur Diøcussion (ähnlich wie andere Fragen) an die Bezirksvereine zu überweisen.
Drei Bezirfevereine, der Aachener, der Breslauer und der oberschlesische, haben Berichte über die gefaßten Beschlüsse eingesendet.
Die Berathungen eines vierten, des Berliner Bezirksvereines haben zu einem Statutenentwurfe geführt, betreffend die Bildung eines Vereine deutscher Gibil-ingenieure" ale Zweigverein im Maihefte dieses Jahres, S. 296).
Die drei Fragen, über deren Beantwortung ich hier zu referiren die Ehre Habe, find folgende:
I. Durch welche Mittel kann der deutsche Civil- Ingenieur
zu der Anerkennung gelangen, welche beispielsweise der
englische Civil - Ingenieur in England genießt? II. Rann der Verein deutscher Ingenieure etwas zur Hebung
der Stellung der Civil-Ingenieure thun? III. Welche geschäftliche Normen find in allgemein gewerbs
lichen Interesse dem Civil - Ingenieur zu einpfehlen? Un ausführlichsten geht der Aachener Bezirksverein auf die erste Frage im Folgenden ein:
w , Die Mittel, dem deutschen Civil-Ingenieur zu der Anerkennung zu berhelfen, weldie beispieloweise der englische CivilIngenieur in England findet, können nur von ihm selbst ergriffen werden. Ein Eingreifen von anderer Seite erscheint fogar dem Wesen des Institutes widersprechend, da es in freier Thätigkeit von der einen Seite und freier Benußung derselben von der anderen Seite begründet ist. Nur auf dieser Grundlage fortbauend kann das Institut sich weiter entwickeln, und jede Nachhülfe von anderer Seite muß nothwendig diese Freiheit beschränken. Weil eine solche Nachbülfe nicht ohne Unterschied einem Jeden, welcher fich CivilIngenieur nennt, zu Theil werden kann, würde fte nämlich zu= nacist den Nachweis einer Qualification erfordern, welcher entweder nur bezüglich eines stattgefundenen beftimmten Ausbildungsgangeš, oder bezüglich der bei einem solchen oder bei frei gewählter Ausbildungeweise erworbenen Kenntniffe geliefert werden könnte. Ersterer Nachweis bedingte eine so große Beschränkung der Augbildung, daß davon wohl nicht die Rede sein fann; Lesterer fönnte nur in einer Prüfung bestehen, welche entweder bei einer dazu eingesegten Staatsbehörde, oder bei einem polytechnischen Institute, oder bei einem Ausschusse der Corporation der Sivil - Ingenieure abzulegen wäre. Das Erste ist nicht zu empfehlen, weil es wieder zur Stellung zahlreicher, nictit Jedem nothwendig, fondern Vielen lediglich beschränkend erscheinender Vorbedingungen, auch zur Concefsionsertheilung und damit verbundenen Uebelständen führt; der legte Weg ist zur Zeit unausführbar, weil er ein bereits erlangtes großes Ansehen und moralische Macht erfordert, also dasjenige vorausset, im dessen Erreichung es fids bei der vorliegenden Frage bandelt. Es bliebe also nur der zweite Modus der Prüfung, nämlich bei einem polytechnischen Institute übrig, welcher in derjenigen Weise, wie sie bei Erörterung der Principien der Organisation polytechnischer Schulen besprochen ist, geschehen könnte, also and in den freien Willen eines jeden gestellt sein müßte. Aber auch eine foldie Prüfung würde ben Zwect nur in geringem Grade erreichen, denn sie würde nur bezüglich der wissenschaftlichen Befähigung, nicht aber bezüglich der nicht immer damit vereinten praktischen, um die 68 ftdy hier eigentlich handelt, eine Gewähr geben. Aus diesem Grunde würde ein Theil des industriellen Publicums keine größere Sicherheit in der abgelegten Prüfung cines Civil-Ingenieurs finden, ein Theil der Leşteren aber eine unnöthige Besdıränkung und Hemmung feiner Thätigkeit, und Beides um so mehr, als immer Fälle vorkommen werden, daß in dem einen oder anderen, vielleicht ganz beschränkten Zweige der Technik, eine Persönlichkeit ohne große allgemeine Ausbildung, durch längere Erfahrung größere Lüchtigkeit zeigt oder aud, durch Verwendung aller seiner Fähigkeiten auf dieses beschränkte Gebiet fich erwerben kann, als ein in allgemeiner Ausbildung viel höher stehender und in allen anderen Zweigen der Technik viel befähigterer Ingenieur. Es kann auch nicht angemessen erscheinen, durch Be
schränkung der Prüfungen auf ganz beschränkte Gebiete der Technik nach dem Wunsche des Untragenden und ebenso beschränkte Anerkennung einer Qualification diesen Uebelstand zu vermeiden.
Wenn hiernach die Hebung der Stellung der Civil-Ingenieure durch diese selbst und namentlich durch von ihnen zu beweisende Befähigung, Zuverlässtgkeit, Pünktlichkeit und richtiges Benehnen gegen bas industrielle Publicum bewirkt werden muß, und eine Nachülfe von anderer Seite schwer oder gar nicht ausführbar erideint, so muß ferner auch noch eine solche Nadyhülfe als nidt nothwendig bezeichnet werden. Nicht allein der Nugen, welchen die Givil Ingenieure dem induftriellen Pus Glicum leiften können, ist diesem genügend bekannt, sondern auch das Bedürfniß ihrer Hülfe anerkannt. Es handelt sich also niir darum, diesen Bedürfnisse zu genügen, und dies muß das Streben der Civil-Ingenieure fein, bei bessen beharrs lichem Verfolgen das Institut nothwendig zu der gewünschten Anerkennung gelangen muß. Wenn wir hierin noch gegen England zurückstehen, so liegt hierbei der Grund eines Theiles in der früheren Entwicklung der gesammten Industrie daselbst, dadurch früher hervorgetretener Nothwendigkeit und deshalb früher eingetretener Ihátigkeit der Civil-Ingenieure; anderen Theiles aber auch darin, daß für viele Fälle unsere Staatseinrichtungen für die Befriedigung des Bedürfnisses in ausgedehnter Weise geforgt haben. Bei denselben fand das Publicum z. B. in den verschiedensten Zweigen der Architektur, des Berg- und Hüttenwesens u. 4. vollständig ausgebildete und qualificirte Beamte, deren Hülfe e8 fich verschaffen konnte und im vollsten Maße genügte, un Civil- Ingenieure unnöthig zu machen. Die Anerkennung, welche der Civil-Ingenieur in England findet, wird dem unserigen nicht fehlen, sobald sich die Industrie bei uns zur selben Höhe gehoben hat, und die Arbeitstheilung so reit fortgeschritten ist, wie Gort."
Wenn somit der Aachener Bezirkevercin ale äußerliche Nachhülfe nur das Prüfungs- und Concessionswesen in Betracht geBogen und all theils unnöthig, theile schädlich erkannt hat, To deinen die anderen Vereine Eramina und darauf gegründete Privilegien als Förderungsmittel gar nicht einmal der Erwägung werty gehalten zu haben. Sie treten aber nicht ausschließlich negiren auf; der oberschlesische Bezirkøberein stellt geiviffe Grundregeln auf: wie der Civil-Ingenieur fein und wirken foll
, und der Breslauer und Berliner Bezirksverein betrachten das Vereinewesen als Hebung&mittel für Ausübung des Civil-Ingenieurs berufe. Der Berliner Bezirksverein hatte beschlossen, daß voriges Jahr in Alerisbad die Gründung eines Vereines auf seine Statuten in Anregung gebracht werden solle; der Breslauer Bezirk&verein sagt dagegen, daß der deutsche Civil - Ingenieur nicht erwarten darf, durch Staatóhülfe zur Anerkennung beim Publicum zu ge langen, sondern dieselbe nur in der Association erreichen kann (wie es der in Berlin gegründete Verein anstrebt)"".
Die vielfachen und eingehenden Berathungen des Berliner Bezirksvercings haben einer größeren Anzahl von Mitgliedern die Anregung gegeben, fenen Verein zu gründen: vodie Genossendaft preußischer Sivil-ngenieure"".
Ich will von den Statuten derselben nur diejenigen Paritgraphen anführen, welche sich über den Zweck der Genossenschaft aussprechen und erklären, was der Beruf eines Civil- Inges nieurs ist:
S. 2. 3wccf der Genossenschaft. Der Zweck der Ges nossensehaft ist die Wahrnehmung und die Förderung aller derjenigen Interessen, welche geeignet sind, die gesellschaftliche und gewerbliche Bedeutung des Standes al Civil - Ingenieur in der Beurtheilung des Publicumg und der Behörden zu heben.
Der Beruf des Civil- Ingenieurs umfaßt den Entwurf, die Veranschlagung, die Berechnung und die Ausführung technischer Anlagen oder einzelner Gegenstände zum gewerblichen Betriebe für fremde Rechnung, sowie die Beschaffung der dazu nöthigen Maschinen und Geräthe, auch die Abgabe bon sachverftändigen Gutachten und Rathschlägen.
S. 3. Aufnahme in die Genossenschaft. Die Aufs nahme in die Genoffenschaft soll ein Anerkenntniß der Facha genossen aussprechen, daß der Aufgenommene sowohl die allgemein wissenschaftliche Vorbildung, als auch die theoretisch-technischen Kenntnisse und die praktische Befähigung befißt, um den Beruf eines Civil- Ingenieurs mit Erfolg auszuüben.
Die Aufnahme sol, so lange als eine Staatsprüfung für die Au&übung des Berufes als Civil- Ingenieur noch nicht vorges fchrieben ist, dem Publicum und den Behörden gegenüber diejenige Garantie bieten, welche in anderen Berufázweigen durch eine Staatsprüfung erlangt wird.
S. 4.' Å ufnahmebedingungen. Die Aufnahme in die Genossenschaft ist bei dem Ehrenrathe *), welcher aus 7 Mitgliedern der Genossenschaft besteht, nachzusuchen.
Der die Aufnahme Suchende hat vor diesem Ehrenrathe seine allgemein wissenschaftliche, sowie seine theoretisch-tednische Vorbilbung durch Vorlegung von Zeugnissen oder in einer anderen, dem Ehrenrathe genügend cricheinenden Form nadyzuweisen; ferner hat derselbe ficy Darüber auszuweisen, daß er mindestens 5 Jahre lang Arbeiten, welche in den Berufskreis des Civil- Ingenieure fallen (S. 2), mit Erfolg ausgeführt hat, und daß er zur Zeit, in welcher er die Aufnahme nachsucht, den Beruf als Civil-Ingenieur
außüht. **
Der obersolesische Bezirksverein empfiehlt zur Beantwortung der ersten Frage Folgendes:
1,1) Vefolgung des Principes der generellen Arbeitstheilung. Gründli:tes Einarbeiten des Ginzelnen in Specialfädjer, deren Studium betreffs Bau, mehr noch aber betreffes Betrieb, Fähigkeit, das Entworfene bis in die Details auszuführen und das Ausgeführte kaufmännisch und technisch zu betreiben, d. 6. die den Zeitverhältnissen entsprechende Rentabilität der gemachten Anlage Documentiren.
2) Vor Annahme eines Auftrages fich über die Fähigkeit, denselben auch genügend durchzuführen, bewußt zu sein.
3) Der Civil- Ingenieur fol nicht der Agent einzelner Fabrifen fein; streng aber gerecht foll er ihre Fabricate beurtheilen, ihnen unparteiisd; Rath ertheilen und, durch seine Erfahrung befähigt, soll er den Maschinenfabricanten und anderen Gewerbetreibenden Aufklärung über ziveifelhafte Fragen oder Neuerungen nicht vorenthalten..
4) Der' Civil- Ingenieur soll Mitteløperson zwischen Bauherrn und Fabricant sein und dem Bauherrn speciell gegenüber soll er Gewährsmann für zweckmäßige Anlage sein.""
Die zweite Frage: Kann der Verein deutscher Ingenieure etwas zur Hebung der Stellung der Civil- Ingenieure thun?"" ist dem Aadener Beschluffe nach zu verneinen, ,, a eine Anerkennung einzelner Leistungen in der Vereinschrift oder gar Empfehlung, wenn sie nicht wegen der Sadie, fondern wegen der Person geschähe, zu leicht auf das Gebiet der Reclamen hinüberstreifen oder wenigstens diesen Schein aufkommen lassen wrürde.""
Der Breslauer Bezirkøverein ist der Ansicht, daß der Verein deutsdyer Ingenieure durch Verbreitung des Verständnisses für die Stellung der Civil-Ingenieure in der Presse viel beitragen kann, damit die Thätigkeit des Civil - Ingenieurs ale nüßlich und berechtigt anerkannt werde.
Die in Berlin gebildete Vereinigung von Civil- Ingenieuren Tei direct vom Vereine deutscher Ingenieure zu stüßen, falls diefelbe fich den Vereine in irgend einer paffenben Form, ß. B. ale Zweigverein anschlösse.""
Den Anschluß dieser Genossenschaft an den Verein deutscher Ingenicure würde auch ich für nüßlich halten. Zudem find die Mitglieder derselben mit einer Ausnahme Vereinsmitglieder.
Auch der oberschlesische Bezirksverein spricht die Uebergeugung aus, daß der Verein deutscher Ingenicure zur Sebung der Stellung der Civil-Ingenicure beitragen kann und zwar:
,,1) Durd) die Prefie Belehrung des gewerbetreibenden Pus blicums über die Nothwendigkeit und den Nugen des Institutes der Civil - Ingenieure.
2) Durc Antrag bei den Regierungen, betreffe Diätenfrage, Sachverständigengebühren, Bezahlung von Entwürfen, Anschlägen und gerichtlichen Taren die Civil-Ingenieure den geprüften Baumeistern gleichzustellen.""
In directem Gegensaße zu der Aachener Verneinung steht der Statutenentwurf des Berliner Bezirksvereines. Nach demselben soll gewissermaßen innerhalb des Vereines deutscher Ingenieure ein Civil- Ingenieurverein gegründet werden, welcher ein Bezirksverein ist, seine Versammlungen mit denen des Hauptvercines verbindet, und in der Zeitschrift ein Organ, wie jeder andere Bezirksverein, besikt.
In Beziehung auf die dritte Frage: ,, welche geschäftlichen Normen in allgemein gewerblichen Interesse dem Civil- Ingenieur zu empfehlen sind ?"" hält der Aachener Bezirksverein jede Ema pfehlung, audy im Interesse der Civil - Ingenieure felbft für nicht angemessen, indem es sich bei der Thätigkeit der Legteren um die Befriedigung von Bedürfnissen de gewerblichen Publicum handelt, welche nach Ort, Zeit und Person so verschieden sein müssen, daß dem freien Ermessen und der Vereinbarung beider Theile in jedem einzelnen Falle die Wahl des Besten zu überlassen ift.
Der Breslauer Bezirksverein findet ebenfalls, daß die geschäftlichen Normen der freien Vereinbarung selbst überlaffen bleiben müssen.
Der oberschlesis de Bezirkøverein beantwortet diese Frage nicht direct, sondern erklärt anstatt dessen, daß die freie Concurrenz der beste Hebel und Regulator zugleich für die Hebung des In= stitutes der Civil-Ingenieure ist. Zu empfehlen fei: Unabhängig von gezwungenen Vereinen, selbstthätiger, reeller und kaufe männischer Betrieb des Geschäftes.
Der $. 5 des Berliner Statutenentwurfes nimmt dem ganz entgegen die Beobachtung gewisser Geschäftsnormen für geboten an.
Ich erinnere nur an einen der Paragraphen, wonach gewisse Geschäftenormen, namentlid, die wichtigeren über das Mein und Dein, über die Einnahmen, welche der Civil-Ingenieur aus feinem Berufe zieht, festgestellt find. In dem Berliner Bezirksvereine ist die Frage besonders ausführlid; ventilirt worden, von wem der Civil- Ingenieur seine Provision oder welche sonstige Einnahmen er beziehen soll; ob von dem Fabricanten und dem Auftraggeber, dem Consumenten gleichzeitig, wie es ja in vielen Fällen vorkommt, daß er hier Provision und dort Procente nimmt, oder ob es nicht am Ende der Ehrbarkeit des Berufes des Civil- Ingenieurs entsprechender wäre, nur von einer Seite Procente zu nehmen. Da wurde denn beschlossen, daß es zu empfehlen, als Bebingung zu stellen sei, daß der Civil-Ingenieur nur vom Auftraggeber, bom Consumenten, Procente beziehe, es sei denn, daß eine andere Abmachung besonders bestehe, also mit Wissen des Lieferanten oder Fabricanten, mit welchem er es zu tun hat.
Es liegt auf der Hand, daß ich solcher geschäftlichen Normen noch viele andere discutiren und ventiliren lassen. Meine persöns liche Ansicht ist die, daß es wohl gerechtfertigt wäre, wenn gewiffe Normen vereinbart würden, ohne daß fie aber gerade für den Einzelnen bindend wären. Es würde eine solche Vereinbarung mehr nur als ein Rath gelten, wie auch in anderen Beruf&zweigen, 3. B. im faufmännischen, gewisse Normen festgestellt sind, welche fich als sehr zweckmäßig erweijen, ohne daß fie für den speciellen Fall bindend find.
Sie sehen, m. H., die Ansichten gehen noch fast gänzlich auseinander, und es wird sich ein einheitlicher Beschluß aus dem Materiale, welches ich Ihnen hier gegeben habe, nicht gut entwickeln lassen.
Hr. Dittmar aus Eschweiler: Es wäre vortheilhafter ge= wesen, die Genossenschaft preußischer Civil- Ingenieure als eine Genossenschaft deutscher Givil-ingenieure zu begründen. Troßdem dürfe der Ingenieurverein dieser Genossenschaft eine Unterstüßung nicht versagen, da in ihr der erste Schritt zur Hebung des Standes zu betrachten sei.
Hr. Guler aus Kaiserslautern spricht sich in demselben Sinne, wie Hr. Dittmar, gegen die Bezcichnung: Genossenschaft preuBifcher Civil-Ingenieure aus.
Auf eine Anfrage des Hrn. Perele aus Berlin giebt
Hr. Werner aus Berlin die Gründe an, welche die Ges nossenschaft bestimmt hatten, fich, wie geschehen, zu nennen: Zweck des Vereines sei es u. A., die staatlichen Einrichtungen, welche dem Civil- Ingenieurftande hindernd entgegenstehen, zu beseitigen, und zwar fönne dies nur durch Verhandlungen mit den staatlichen Behörden, vor Allem der preußisdhen, geschehen. Namentlich manche Stellen, welche heute noch von staatlid, conceffionirten Baumeistern, Wegebaumeistern, Straßenbaumeistern, Wasserbaumeistern, einges nommen werden, gebühren eigentlich den Ingenieuren. Der CivilIngenieur hat bis jeßt nicht einmal das Recht, wenn er einen Dampfkessel einmauern will, die Zeichnung gültig zu unterschreiben. Diese und ähnliche Mißftände zu beseitigen, sei Aufgabe der Genoffensdaft, und hierzu habe sich dieselbe wegen der preußisden Behörden, an welche fie fich vielfach zu wenden haben wird, Genossenschaft preußisdier Civil-Ingenieure genannt.
Nebner bemerkt übrigens, daß er selbst bei den Herathungen zur Constituirung jener Genossenschaft gegen diese Ansicht aufgee treten, aber in der Minorität geblieben sei.
*) Der Ehrenrath, von welchem jährlich ein Mitglied ausscheidet, und durch Neus oder Wiederwahl ersegt wird, ist eine Commission, welche außer der Vorbereitung zur Aufnahme noch andere Obliegen. heiten hat.
Hiermit ist die Discussion geschlossen, und geht die Verfamna lung zu dem folgenden Gegenstande der Tagesordnung über: Bericht über den Antrag von Hrn. Grebenau, betreffend die Niederlegung einer Commiffion zur Prüfung seiner deutschen Bearbeitung der Humphreys Abbotschen Theorie der Bewegung
des Wassers in Flüssen und Canälen. Berichterstatter Hr. Dr. Grashof aus Carlsrube: ,M. 6. Durd) cinc Notiz in 4. Hefte des laufenden Jahrganges unserer Zeitschrift habe ich mitgetheilt, daß Hr. Orebena u ein Eremplar feiner jüngst erschienenen deutschen Bearbeitung der Humphrey 8Abbot'schen Theorie der Bewegung des Wassers in Flußbetten dem Vereine zur Verfügung gestellt habe mit der Bitte, diese nene sogenannte Experimentaltheorie durch eine Commission prüfen und das Ergebniß seiner Zeit durch die Vereinszeitschrift veröffentlichen lassen zu wollen. Das Originalwerk, unter der Autorität des nordamerikanischen Kriegødepartements, Bureau der topographischen Ingenieure, im Jahre 1861 in Philadelphia erschienen, beruht auf einer außerordentlich großen Zahl von Messungen, , welche am Miffiffippt und einigen seiner Nebenflüsse während eines Zeitraumes von 10 Jahren auf Beschluß des Congresses der Vereinigten Staaten zunächst in der Absicht unternommen wurden, das zweckmäßigste System von Wasserbauten festzustellen, wodurch die fehr ausgedehnten, zur Zeit" periodisden ieberswemmungen und Verwüstungen ausgeseşten Niederungen des Miffèffippithales geschüßt und für die Cultur gewonnen werden möchten.
Ich hatte gehofft, mit dem Studium des umfangreidjen Werkes, welches auch die biaherigen hydraulischen Arbeiten unseres Continents gewissenhaft und sorgfältig berücksichtigt, bis zu unserer Versammlung so weit fertig zu werden, daß ich Ihnen ein spes cielleres Referat darüber vorlegen könnte. Ich bin jedoch nicht im Stande bazu gewesen, und muß id) mich deshalb für jest darauf beschränken, mein Urtheil dahin abzugeben, daß trop mandier Lücken und trobbem namentlich zunächst dadurch die so geheimnißvolle rationelle Theorie der Wasserbewegung kaunt gefördert erscheint, dennoch das Werk als wesentlich Epoche madjend in der Hydraulik anzuerkennen und auc) Threr Beachtung bringend zu empfehlen ift, theils wegen der darin enthaltenen wichtigen neuen empirischen Chatsachen und Formeln, theile wegen des dadurch gebotenen, außerordentlich reichen Materiales zu einer späteren rationellen Erklärung und Begründung der durch Beobachtung gefundenen Gefeße. Ich behalte mir vor, ein mehr eingehendes Referat für die Zeitschrift zu liefern, wobei id; namentlich ver: suchen will, die empirischen Formein fo viel als möglid, mit einer rationellen Entwickelung in Verbindung zu bringen. Sobald dies geschchen sein wird, soll das Eremplar anderen Vereinsmitgliedern zu mehr technisder Beurtheilung anheimgestellt werden.
Ich glaube aber, daß hierauf die Thätigkeit dee Vereines im Ganzen fidy wird beschränken müffen, d. h. auf die Empfehlung des rebenau'schen Werkes zu cingchender Prüfung und auf die Herleihung seiner Zeitschrift behufe umfassender Erörterung der betreffenden Fragen; denn die Bildung einer Commission mit der Aufgabe, durd; Versuche im Großen die neuen Thatsachen zu prüfen und eventuell zu ergänzen, würde Mittel erfordern, welche zur Zeit über die Kräfte des Vereines hinausgehen. Mein Antrag geht deshalb dahin:
der Verein wolle die deutsche Bearbeitung des Humphrey 8 Abbot'schen Werkes durch Hrn. Grebenau als vera dienstlich anerkennen, dasselbe zur Berücksichtigung und Prüfung dringend empfehlen und zur Mittheilung betreffender Arbeiten feine Zeitschrift in umfassender Weise
zur Verfügung stellen.“. Der Antrag des Hrn. Dr. Grashof wird ohne Discussion angenommen.
Es folgte jegt die Berathung über die Feier der späteren Stiftungsfeste.
Hr. Wel 8 aus Berlin (Vorsigender der Hütte): Die Hütte hat in ihrer heutigen Versammlung bejdloffen, im Jahre 1876 das dreißigfte Stiftungsfest zu feiern, und zugleich den Wunsch ausgesprochen, daß dieses Fest in Gemeinsam mit dem zwanziga ften Stiftungsfefte der Vereine deutscher Ingenicure begangen werden möchte.
Vorstbender: Es handle fich darum, ob wir bereits heute einen Beschluß über die von Hrn. Wels angeregte Frage fassen wollen, oder die Angelegenheit noch aufschieben.
Hr. Guler aus Raiserslautern für den Vorschlag der Kütte: Er habe bereits in der Küttenversammlung darauf gedrungen, daß nicht jeßt bereits ein Ort für das nächste Stiftungsfest be stimınt werde, um hierin dem Ingenieurvereine entgegenzukommen.
Hr. Schiele aus Frankfurt a. M. hält es nicht für ange= messen, daß der Verein jeßt einen definitiven Beschluß fasse, da es möglicherweise den späteren Mitgliedern erwünschter sein kann, anstatt rines zwanzigsten das fünfundzwanzigste Stiftungsfest zu feiern, was jedenfalls üblider fei.
Hr. Dr. Grashof aus Carlöruhe, ebenfalls gegen die Fassung cines bindenden Beschlusses, Hält es aber für sehr wünschenswerth, daß eine Feier in der Weise stattfinde, wie Hr. Wels es vorgeschlagen. Redner empfiehlt, ausdrücklich zu erklären, daß es wünschenswerth ist, diesen Beschluß möglichst für die Ausführung vorzubereiten.
Hr. Kankelwiß aus Chemniß äußert fich in ähnlichem Sinne, wie Hr. Euler; er trägt ausdrücklich darauf an, den Bes schluß zu fassen:
über 10 Jahre ein Stiftungsfest gemeinschaftlich mit der
Hütte zu feiern. Nach einigen Furzen Bemerkungen der Hrn. Dr. Grashof und Euler wird zur Abstimmung geschritten. Der von ørn. Wc18 im Auftrage der Hütte gestellte und von den ørn. Euler und Rankelwit unterstüßte Antrag wird abgelehnt, dagegen der Vorfdylag des Hrn. Dr. Grashof angenommen.
Der folgende Gegenstand der Tagesordnung ist die Wahl des Ortes für die nächste Hauptbersammlung im Jahre 1868.
Fr. Kefseler aus Greif&walb schlägt Greif&wald vor. In Pommern sei noch niemals eine Versammlung des Ingenieurvereines gewesen, obgleich derselbe dort viele Mitglieder zähle.
Hr. Dittmar aus Edweiler empfiehlt Duffeldorf als Ort der nädysten Hauptversammlung. Düsseldorf bilde den Mittels punkt für 4 ober 5 Bezirksvereine und des Zweigvereines für Eisenhüttenindustrie. Diese Vereine würden mit Freuben dazu beitragen, die Versammlung in Düsseldorf auch außerlic in würdiger Weise au@zustatten.
Hr. Bruno aus Bielefeld schlägt Bielefeld, den Hauptort der Bleich- und Leinenindustrie, vor. Der Verein habe noch nica mals eine Hauptversammlung in Westphalen gehabt, dagegen bereits zweimal am Rhein.
Nach eingehender Discuffion, an welcher sich außer den Antragstellern die HHrn. Euler, Grashof und der Vorsigende betheiligen, und wobei der Wunsch mehrfach zum Ausdruck kommt, Düsseldorf für 1868; Bielefeld aber pro 1869 in Aussicht zu neh men, wird zur Abstimmung geschritten. Dieselbe ergab
für Düsseldorf 40 Stimmen,
Bielefeld 8
Greiføwald 4 so daß Düsjeldorf als Ort der nächsten Hauptversammlung angenommen wurde.
Die Versammlung in Düsseldorf soll Ende Auguft oder Anfang September 1868 stattfinden, und sollen dic 5 Specialvereine, welche in der Gegend von Düffeldorf ihren Sitz haben, also der niederrheinisdie, der Aachener, der Cölner, der westphälische Bezirksverein, sowie der technische Verein für Eisenhüttenwesen mit bem Arrangement für diese Hauptversammlung beauftragt werden. Diese Vorschläge des Vorstandes werden von der Versammlung acceptirt, und gleichzeitig dem Festcomité die Summe von 200 Thlr. Seitens des Hauptvereines zur Verfügung gestellt.
Nach einer halbstündigen Pause wurde zur Wahl der Beamten des Vereines für das nächste Vereinsjahr geschritten.
Die Wahl des Vorfigenden crgiebt:
Hrn. Petersen, Hüttendirector in Eschweiler, welcher fast einstimmig gewählt und durch ein Telegramm von der Wahl in Kenntniß gesegt wurde.
Bei der Wahl des Vorstand es wurden durch das loos als für das nächste Vereinsjahr nicht wieder wählbar bestimmt die HHrn. Schiele und Dittniar (der abtretende Vorsigende ist aud als Vorstandómitglied nicht wieder wihlbar), und ergab die Nemahl:
mata.
Hrn. Stambke aus Witten mit 48 Stiinien.
Dr. Grünberg aus Köln 41
41
13 Die übrigen Stimmen zersplitterten fidy. Da die beiden Legtgenannten die absolute Majorität nicht erlangt, so wurde zwischen diesen die engere Wahl veranstaltet, als deren Resultat
Hr. Dr. Bothe mit 34 Stimmen gegen Hrn. Schicha u gewählt wurde, welcher Leştere 21 Stimmen crhielt. Hierauf folgte mit Einstimmigkeit die Bestätigung des Hrn. Dr. Grashof als Director,
Duske ale Geschäftsführer, sowie der HHrn. Prof. Werner, Dr. list und Director Dr. Orad hof als Fadredacteure der Zeitschrift.
Hr. Dr. Gras hof beantragt, die Wahl der übrigen Fachretacteure dem Vorstande zu überlassen, und auch ihm zu gestatten, im Einverständnisse mit dem Vorstande cinen Ersat für seine Person eintreten zu lassen, falls feine anderweitigen Functionen ihm die Ausübung seines Amtes als Redacteur der Zeitschrift nidit mehr gestatten sollten.
Nachdem diese Anträge von der Versammlung angenommen, schlägt Hr. Dr. Grashof vor, dem Vorstande Vollmacht dafür zu ertheilen, wenn sich bis zum 1. Januar 1868 keine geeignete Perönlid,keit zum Hauptredacteur finden sollte, daß die Zeitschrift aladann vorläufig nod; in derselben Weisc wie bisher forterscheine, daß aljo Hr. Profcilor Ludwig von seinem Wohnsite Zürid aus die Geschäftsführung der Redaction weiter übernähme, in welchem lepteren Falle Gru. Ludewig die entsprechende Entschadigung innerhalb der vorhandenen Mittel und in Uebereinstimmung mit den Vorstande zu leisten sei.
Diese Vorsqläge werden von der Versammlung ohne Debatte angenommen.
Der folgende Gegenstand der Tagesordnung ist die Votirung des Budgets zur Bewilligung der Honorare für die Direction, die Geschäftsführung und die Specials redacteure.
Der Vorstand stellt in Bezug auf diesen Gegenstand folgende Anträge:
Das Honorar des Directors für das nädste Jahr
auf 100 Thlr. fcftzuscben. Das Honorar des Geschäftsführers auf 350 Thlr.
zu normiren, jedoch dem Leßteren für jedes über die Zahl von 1500 hinaus verkaufte Eremplar der Zeitdrift eine entième von 5 Silbergroschen anzu
weisen.
festzusetzen.
Hrn. Prof. Lubewig für das Jahr 1867 eine Grtra
remuneration von 200 Thlrn. zu bewilligen. Tieser Antrag wird von Hrn. Dr. Grashof dadurch motivirt, baß Hr. ludewig, ohne für das laufende Jahr gewählt zu sein, die Redaction geschäfte fortgeführt habe, weil er den Verein nicht in die Verlegenheit sehen wollte, ohne geschäfte führenden Redacteur zu sein; derselbe habe bisher diejenige Arbeit im Interesse der Zeitschrift ausgeführt, weldie von jeßt ab dem Hauptredacteur zufallen soll, weldier dody mit mindestens 1000 Thlrn. honorirt würde, während Hr. Ludewig bisher nur die Summe von 400 Thlrn. erhält.
Auch dieser Antrag wird von der Versammlung ohne Discussion einstimmig angenommen.
3m Anschlusse hieran ersucht Hr. Dr. Grashof die Mit glieder und namentlich auch die Bezirksvereine, geeignete Persönlichkeiten für die Stellen des Hauptredacteurs und der noch zu ernennenden Fachredacteure in Vorschlag zu bringen.
Während der Wahlen der Beamten des Vereines fand auf Anregung des Vorsißenden der Hütte, Hrn. Wels, eine Debatte über die geeignetste
Anwendung des metrischen Maß- und Gewichtssystemes in der neu erscheinenden Auflage des von der Hütte herausgegebenen , Ingenieur's Taschenbuck" Statt. Die angeregten
Fragen betrafen namentlich die Einführung des Millimeter oder Gentimeters als Maßeinheit, sowie die Einführung dc8 Pfundes oder Kilogrammes als Gewichtseinheit.
Aus der fehr weit auseinandergehenden Debatte find namentlich bie nachfolgenden Mittheilungen hervorzuheben.
Hr. Rankel wiß aus Chemniß: ,,Långenmaße werden am besten nach Millimetern dargestellt; man vermeidet dadurch die Rome
Wenn wir den Centimeter einführen, so ist das Komma unvermeidlic). Es soll also das Lången maß unbedingt nach dem Millimetermaß angegeben werden, und doch würde es außerordentlich unbequem sein, wenn man den Millimeter consequent in die Tabellen einführen wollte. Bei den Festigkeit gefeßen ist der Centimeter am besten und wird auch mannigfach angewendet. Bei Bewegungegefcben u. dergl. wird der einfache Meter zu Grunde zu legen sein. Ich glaube daher, daß die verschiedenen Tabellen verschieden behandelt werden müssen, je nachdem eß der Gegenstand erfordert."
Hr. Dr. Grashof aus Carlsruhe: „Ich bin ganz einvers standen mit dem, was Hr. Kankelwit eben gesagt hat; nur in Beziehung auf den ersten Punkt möchte ich hinzufügen, daß idy nicht gerade empfehlen würde, alle Längenmaße in Millimetern auszudrücken, sondern wieder Unterabtheilungen stattfinden zu lassen, und zwar so, daß dir, wo die eine Dimension die andere nicht bedeutend übersteigt, wie z. B. bei Ziegelsteinen, der Millimeter, bei anderen Körpern aber, wo die eine Dimenfton die andere bedeutend übersteigt, wie z. B. bei Stangen, Platten und derartigen Körpern, die Längenmaße in vollen Metern, die Dicke aber in Millimetern angegeben wird."
Hr. Ludewig aus Zürich: ,3m Allgemeinen einverstanden mit den beiden HHrn. Vorrednern möchte ich als Norm etwa Folgendes ausgedrückt wissen: Es follen überhaupt bei den Längenmaßen nur der Meter und der Millimeter in Anwendung fommen; die Unterabtheilungen, der Centiund Decimeter follen möglichst ganz vermieden werden, wenn es nicht in speciellen Fällen durch besondere Umstände verlangt wird; also kleinere Abmessungen, würde ich empfehlen, immer in Millimetern, und größere Längen, welche wir jeßt gewohnt sind, nach laufendem Fuß zu berechnen, von jeßt ab inner nach dem Meter zu beredynen. Was die Flächenmaße betrifft, so kann ich mich nicht ganz dem anschließen, was Hr. Prof. Kanfelwiß gesagt hat. Man kann nicht immer entschieden den Quadratcentimeter wählen zur Bestimmung des specifischen Druces, der Festiga feitecoefficientin 1. . . Es läßt sich im Gegentheile gerade bei den Zahlen, bei weldien cine gewisse Abrundung, ein gewisser Spielraum möglich ist, sehr leicht machen, daß diese Abrundung in eine einfache Zahl zusammenläuft, wodurch man es vermeidet, eine dreistellige Ziffer zu erhalten; man kommt z. B. bei Bestimmung der Festigkeitscoefficienten auf einfache Zahlen durd, Anwendung des Quadratmillimeters. Wollte man jedoch den Quadrats millimeter überall anzuwenden versuchen, so kommt man wiederum auf Unzuträglichkeiten bei Bestimmung von specifischen Drucken, welche nicht bedeutend genug sind, um abgerundete ganze Zahlenwerthe zu ergeben, z. B. bei Angaben der Dampfipannung; man geräth in einem solchen Falle, wo cs fidum kleinere Zahlen handelt, wieder auf das Komma. Man muß fich deshalb jedesmal dem speciellen Falle ansdließen, und nur im Allgemeinen stelle ich das Princip auf, bei den Längenmaßen die Zwischenstufen zwischen Meter und Millimeter zu vermeiden, bei den Flådenmaßen bagegen das Bedürfniß eines möglichst einfachen Zahlenausdruckee entscheiden zu lassen, ob Quadratmillimeter oder Quadratcentimeter anzuivenben find.
Die bestimmt gestellte Frage, ob entweder überall ber Millimeter oder der Centimeter anzuwenden fei, läßt fich keinesfalls ebenso bestimmt beantworten.
In Betreff der zweiten Frage, ob in dem Tafd en buche der Hütte das Pfund oder Kilogramm als Gewichtseinheit anzunehmen sei, außert sich
Hr. Ludewig aus Zürid), wie folgt: „Ich bin bei der Uma arbeitung der Maße in der Zeitschrift auch auf diese Frage gestoßen und mußte mid) mit ihrer Lösung beschäftigen. Ich hatte zunächst das Pfund beibehalten, weil jeßt das Zolpfund für Deutschland eine legale Bedeutung hat, und für den deutschen Ingenieurverein möglichst diejenigen Gewichtseinheiten in der Zeitschrift beizubehalten sind, welde gejegliche Kraft haben. Nun kam ich aber im weiteren Verfolge bei Einführung des Metermaßes auf Zwischengrößen, wie z. B. Secundenmeterzollpfund, Meter pfundac. Die Verbindung des Fußmaße mit dem Pfundgewicht ist gebräuchlich; solche neuen Wortverbindungen aber machten mid; ftupig, da es jedenfalls fehr ungewöhnlich und nicht wissenschaftlich ist, die Größen so durcheinander zu mengen. Das Pfund an sich ist so wenig verschieden von der in der Wissen schaft gebräudlichen Einheit des Kilogrammes, und es ist das eine so leicht auf das andere zu reduciren, daß man wohl darauf verzichten könnte, cinen Unterschied in ihrer Anwendung zu begründen; andererseits ist aber das Pfund eine geseßlich eingeführte Gewichtscinheit, und es würde schwierig sein, diese jept für ganz Deutschland vorgenommene Einführung wieder rückgängig zu machen. Ich glaube nidyt, daß das Kilogramm jeßt Ausricht hat, in ganz Deutschland eingeführt zu werden, und dennoch muß eine Auskunft gesucht werden, um den oben bemerkten Uebelständen bei Beibehaltung des Pfundes auếzuweichen. Id habe deshalb auch bier wiederum ein Vermittlungsverfahren angewendet; ich habe in den Fällen, in welchen solche Sonderbarkeiten Heraustreten, wie idy ste vorhin anführte, das Kilogramm gewählt, und in anderen gewöhnlichen Fällen immer an dem Gentner und Pfund festgehalten. Es wird hier nichts Anderes übrig bleiben und glaube ich, daß die gleichzeitige Anwendung beider Gewichtseinheiten auch feine Mißverstindnisse herbeiführen kann.
Einmal bei diesem Thema, möchte ich diese Gelegenheit bes nußen, um mich gegen die fatale Confusion zu wenden, welche wir in vielen der gelesenften deutschen technischen Journale in Bezug auf Maß- und Gewichtsangaben finden. Nehmen Sie ein solches Journal zur Hand, in welchem fid) Artikel befinden, welche aus fremden Zeitschriften abgedruckt oder übersegt sind, fo werden Sie sehr häufig finden, daß jede Bezeichnung fehlt, ob es bei den Maß- oder Gewichtsangaben um schwedische oder englische Bolle, um preußische oder württembergische Fuße, um Wiener, englische oder 3 ollpfunde fich handelt. Dabei werden die genauesten detaillirten Tabellen gegeben; aber keine Angabe fagt, wenn 3. B. das Journal in Sachsen erscheint, es find sächsische Fuße, welche hier übertragen sind; der Artikel ist nun vielleicht einem englischen Journale entnommen, und meist muß man danach errathen, welche Maßeinheit gewählt ift. Dabei würde man häufig seht irren, wollte man bei fehlender Bezeichnung annehmen, eine angeführte Maßangabe set in der jenigen Einheit ausgedrückt, welche nach dem Drucforte der betreffenden Zeitschrift ale ihr Landedmaß angesehen werden kann. Ich habe mich oft überzeugen können, daß gerade pas ursprüngliche Maß des Journalcs gemeint war, aus welchem der betreffende Artifel in das deutide Journal herübergekommen war. Daß bei so leichtfertiger Behandlung die betreffende Literatur für Theorie und Prarie nuglos, ja fogar oft recht schädlich sein muß, liegt auf der Hand, und daß dergleichen Zustände fortbestehen, ist un begreiflich. Es muß bei der jegt zur Geltung zu bringenden Einführung des Metermaßes auf diese Uebelstände hingemiesen werden, welche dann hoffentlich verschwinden werden."
Hr. Dr. Grashof aus Carlsruhe: Wenn ich vollständig davon überzeugt wäre, daß bei der schließlichen Nevision des Maßund Gewichtssystemes in Deutschland das iepige Pfund, das halbe Kilogramın, beibehalten werden wird, könnte man meiner Meinung nach nur dafür stimmen, daß auch das Pfund bei dem Taschenbuche der Hütte in Anwendung gebracht würde; indeß diese absolute Gewißheit habe ich nicht, und so lange diese Gewißheit nicht vorliegt, würde ich es vorziehen, das Kilogramm zu wählen, weil gramm als Gewichtssystem zu verbinden. In Baden haben wir bis legt den badischen Fuß und das Pfund. Wird nach dem badischen Fuße gerechnet, so wird auch gleichzeitig das badische Pfund, als halbes Kilogramm, gebraucht. Bei wissenschaftVichen Arbeiten, den Vorträgen in der polytechnischen Schule und bei Berechnungen wird der Meter gebraucht und in Verbindung mit dem Meter das Kilogramm. Ob man nach dem Pfunde oder dem Kilogramme redynet, das ist ziemlich gleichgültig, weil die Umrechnung des einen in das andere sehr leicht ist, wenn man fich später vielleicht definitiv für die Beibehaltung des Pfundee entscheidet, und, selbst wenn man sich gewisse Zahlen in's Gedächtniß eingeprägt hat, ist doch die Halbirung und resp. bie Verdoppelung sehr leicht. So lange man aber nicht gewiß ist, daß das Pfund allgemein alê Gewichteinheit eingeführt wird, würde ich es vorziehen, vorläufig in Verbindung mit dem metrisdien Maße auch das Kilogramm als Gewichtseinheit zu wählen."
Hr. Püßer aus Aachen: , 3ch möchte auf eine Gefahr bei der Umseßung in andere Maße aufmerksam machen. Diese liegt darin, daß man häufig eine größere Genauigkeit erstrebt, als nothwendig ist. Bei vielen Maßen kann inan die Genauigkeit nur auf eine bestimmte Reihe von Zahlenstellen treiben; es wäre da überflüssig, wenn man auf eine größere Anzahl von Decimalstellen gehen wollte. Ich glaube, daß auch die Zahl der Stellen dabei cntscheidend sein muß, ob man speciell den Centimeter oder den Millimeter nimmt, weil man fich immer davor hüten wird, das Decimalkomma anzuwenden. Wenn eine Zahl also z. B. in drei Ziffern genau bestimmt ist, so würde man fic vielleicht in Millimetern ausdrücken können, in anderen Fällen sind es vielleicht Centimeter oder Meter, welche man gebrauchen muß. Ich glaube, daß die Sache fich nady dem praktischen Bedürfnisse entscheidcu läßt. Häufig ist die Umseßung in andere Maße nicht mehr ganz einfach, und es bietet oft große Schwierigkeiten, wenn man eine Eine mehr oder weniger zur legten Stelle bringt."
Nach einigen weiteren Bemerkungen, aus welchen fich ergab, daß innerhalb der Versammlung feine Einstimmigkeit über die angeregten Fragen zu erzielen war, wird dieser Gegenstand verlassen und der , Hütte“ anheimgestellt, sich in Specialfällen mit Fachmännern in Verbindung zu legen.
Ein Vortrag des Hrn. Director Köhler aus Bielefeld Ueber die Borbereitung zum technischen Unterricht" konnte zum lebhaften Bebauern der Mitglieder wegen borgerückter Zeit nicht mehr gehalten werden. Derselbe soll nunmehr, einem Wunsche der Versammlung gemäß, durch die Vereinszeitschrift veröffentlicht werden.
Hr. Dr. Grashof aus Carlsruhe machte noch die Mit theilung, daß Hr. Prof. Ludewig ein summarisches Inhalt8verzeichniß der ersten 10 Jahrgänge der Zeitschrift mit großer Sorgfalt ausgearbeitet habe, eine Arbeit, die allen Mitgliedern, welche sich in Besige mehrerer Jahrgänge der Zeitschrift befinden, beim Nadischlagen und Gebrauche der Zeitschrift von großem Werthe sein muß. Der Preis desselben ist für Mitglieder auf 10 Sgr. pro Exemplar, für Nichtmitglieder auf 15 Sgr. feft= gesept.
Hiermit ist dic Tagesordnung der Sigungen vollständig erledigt, und wurden dieselben von dem Vorsißenden damit gee schlossen, daß er allen Denen, welche zur Feier des schönen Festes beigetragen, der herzoglichen Regierung, der Verwaltung Des gastfreien Bades Alerisbad und dem Festcomité ein dreifaches Hod) ausbrachte, in welches die Versammlung lebhaft cinstimmte.
Hr. Kesseler aus Greifswald ergriff zum Schlusse noch das Wort, um dem Vorstande dafür, daß er seine Pflicht mit so unerschütterlicher Treue und Ausdauer erfüllt habe, den Dank der Versammlung darzubringen, welche diesen durd, ein dreifaches Hody auf den Vorstand beftegelte.
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Bald nach Schluß ter Sißung fand das gemeinschaftliche Diner Statt, woran sich eine Ercursion der Mitglieder in einzelnen Gruppen nach dem Stunden von Alerisbad belegenen Magdefprung chloß
Des Abends fand in den Räumen des Cursaales ein glänzender Ball Statt, wozu Seitens des unermüdlichen Festcomité's die Einladungen an die Damen der Umgegend crgangen waren, welche auch in großer Zahl sich einfanden und den Beweis führten, daß die jugendlichen Harzbewohnerinnen der Kunst Serpitchore's mit gleicher Liebe zugethan waren, wie die aus allen Theilen des dcutsden Vaterlandes herbeigeströmten jüngeren und älteren Ingenieure.
Der Ball wurde init ciner Polonaise im Freien eröffnet, während von den Bergleuten der nächstliegenden Werke ein Fadels zug arrangirt war, dessen prachtvoller Anblick den Anwesenden unvergeblich bleiben wird. Das seltene Schauspiel hatte mehrere Tausende von Besuchern aus der Umgegend herbeigezogen, und bot so der Plaz vor dem Cursale des Drtes ein Bild dar, wie ee hier wohl noch niemals gesehen wurde. Nad dem Fadelzuge wurde der Ball fortgeseßt, biß die Sonne bereits hodh am Himmel stand. Diejenigen Mitglieder des Vereines, welche sich nicht am Tanze betkeiligten, fanden in den Nebensaale bei einer trefflichen Maibowle Gelegenheit, ihrem Humor frei die Zügel schießen zu lassen, während die Stunden in ungetrübtem Frohsinne rasch vergingen.