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Bei Cannabis gehen die Meinungen auseinander. Vor allem jetzt, wo es in Deutschland ab 1. April teilweise legal wird. Aber wie wirken Marihuana, Haschisch und Co. in deinem Körper? Ist es wirklich gefährlich und ungesund oder kann es unter Umständen sogar gut für dich sein?
Was ist Cannabis?
Cannabis soll in China schon vor 6.000 Jahren als Nutz- und Heilpflanze verwendet worden sein, zum Beispiel für Fischernetze, als Kleidung oder Nahrung.
Hanf gehört, wie der Hopfen, zur Familie der Cannabaceae. Die Pflanze mit den bekannten zackigen Blättern ist schon 100 bis 120 Tage nach der Aussaat erntereif. Es gibt eine weibliche und eine männliche Form der Pflanze, selten zwittrige Varianten.
Nur die weibliche Form der Hanfpflanze enthält genügend vom Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), um einen Rausch zu erzeugen. Cannabis wird auf der ganzen Welt angebaut, in Europa vor allem in den Niederlanden, Albanien und der Schweiz, meist in sogenannten Indoor-Anlagen.
Cannabis gehört zu den ältesten bekannten Rauschmitteln der Welt, seit wann die Pflanze in Europa als Droge genutzt wird, ist unbekannt. Im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) wird vom Besitz über den Handel bis hin zum Strafmaß alles in puncto Drogen rechtlich geregelt.
Was sind eigentlich THC und CBD?
Chemisch gesehen enthält die Cannabispflanze über 100 verschiedene Cannabinoide, von denen einige psychoaktive Wirkung besitzen. Die bedeutendsten Wirkstoffe des Cannabis sind Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC). Beide haben unterschiedliche Molekülstrukturen und unterschiedliche Wirkungen.
THC ist verantwortlich für die berauschende Wirkung von Cannabis. Besonders reich an THC sind die unbefruchteten weiblichen Blüten (etwa 2 bis 30 Prozent); der THC-Gehalt der übrigen Pflanzenteile ist weitaus geringer (knapp 1 Prozent). In den Samen der Pflanze ist kein THC enthalten. Die Blätter nahe der Blüte enthalten etwa fünf bis sechs Prozent THC. Männliche Pflanzen enthalten im Unterschied zu weiblichen nur sehr wenig THC.
CBD hingegen hat keine berauschende, sondern kann eine entspannende, antipsychotische, krampf- oder angstlösende, schlaffördernde oder zumindest beruhigende Wirkung haben. Es kann auch Spasmen lösen, wie sie bei der Epilepsie oder bei der Multiplen Sklerose vorkommen.
Im Video: Das ändert sich mit der (Teil-)Legalisierung von Cannabis in Deutschland
Was du über die Wirkung von Cannabis wissen solltest
- Wichtiger Hinweis: Wie, wann, wie lange und wie intensiv Cannabis im Körper eines Menschen wirkt, ist ganz individuell und hängt von vielen Faktoren ab!
- Cannabis gelangt entweder durch Rauchen über die Lunge oder durch Essen über den Darm in den Blutkreislauf.
- Cannabinoide wie THC docken im Gehirn an sogenannten Rezeptoren an und "senden" dort ihre Wirkung an das Nervensystem.
- Der Zeitpunkt des Wirkungseintritts hängt in erster Linie davon ab, ob Cannabis geraucht oder über den Magen aufgenommen wird. Geraucht, setzt die Wirkung meist nach wenigen Minuten ein, da der Wirkstoff THC sehr schnell über die Atemwege aufgenommen wird.
- Über die Magenschleimhaut aufgenommen, gelangt das THC langsamer in den Stoffwechsel. Es dauert etwa eine halbe bis ganze Stunde, manchmal länger. Allerdings kann die Wirkung dann sehr plötzlich einsetzen. Wegen des verzögerten Wirkungseintritts kann es bei der Aufnahme über das Essen leicht zu einer höheren Dosierung kommen, als beabsichtigt.
- Nach etwa 20 bis 40 Minuten erreicht die Wirkung ihr Maximum, klingt nach durchschnittlich 2,5 Stunden langsam ab und ist nach 3 bis 5 Stunden weitgehend beendet.
- Im Urin sind Cannabinoide und seine Metaboliten (Abbauprodukte) durchschnittlich etwa 30 Tage nachweisbar, bei chronischen Konsument:innen deutlich länger.
So wirkt Cannabis in deinem Körper
Genauso wie die Hanfpflanze produziert auch der Mensch in seinem Körper Cannabinoide. Die nennt man Endo-Cannabinoide. Um eine Wirkung zu entfalten, müssen diese Cannabiniode an sogenannten Rezeptoren "andocken". Diese Rezeptoren gibt es überall im Körper, die sogenannten CB1-Rezpetoren ganz besonders im Gehirn.
Befindet sich ein Körper in einer Art plötzlichem Ungleichgewicht, zum Beispiel durch Stress, werden körpereigene Cannabinoide ausgeschüttet, die dann über die Rezeptoren im Gehirn diesem Ungleichgewicht entgegenwirken sollen. Das kann zum Beispiel eine Schmerzhemmung sein, ein gesteigerter Appetit oder auch eine Angst-Minderung.
Allerdings arbeiten die CB1-Rezeptoren nicht nur mit den körpereigenen Cannabinoiden, sondern eben auch mit denen aus dem Cannabis, sprich dem THC. Konsumierst du Cannabis, docken die Cannabinoide aus dem Joint oder Cookie also an dieselben CB1-Rezeptoren an wie die Endo-Cannabinoide und lösen ebenfalls bestimmte Reaktionen aus – allerdings ohne, dass es dafür einen Grund gibt und in einer höheren Dosierung, als sie die körpereigenen Cannabinoide haben. Dadurch entsteht in den Nervenzellen eine Art Fehl-Kommunikation. Das heißt, dass dein Körper bestimmte Dinge nicht mehr so regulieren oder Informationen weitervermitteln kann wie sonst.
Was das genau für Folgen hat, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab, zum Beispiel von der Stimmung, der Art des Konsums, der Menge, von der psychischen Veranlagung oder auch davon, wie oft jemand Cannabis konsumiert. Wer etwa regelmäßig Cannabis konsumiert, braucht irgendwann deutlich mehr, um einen Rauscheffekt zu haben. Mit anderen Worten: Der Konsum von Cannabis kann in beide Richtungen ausschlagen, in eine positive und in eine negative.
Positiv erlebte Wirkungen von Cannabis:
- Häufig erleben Konsument:innen den Rausch durch die Ausschüttung von Dopamin als euphorisierend.
- Durch die Auswirkung auf die Informations-Vermittlung kann sich die eigene Wahrnehmung verändern. So empfindet man vielleicht im Rausch ein Ausbrechen aus gewohnten Denkmustern; es kann auch zu Gedankensprüngen kommen.
- Konsument:innen erleben dadurch vielleicht auch eine intensivere Wahrnehmung von sonst nebensächlichen Dingen.
- Das Kurzzeitgedächtnis wird gestört, die Zeit scheint langsamer zu vergehen.
- Der Cannabis-Konsum kann auch ein Gemeinschafts-Erlebnis intensivieren.
- Konsument:innen erleben ein Gefühl der Entspannung und Gelassenheit – obwohl der Herzschlag erhöht ist.
Negativ erlebte Wirkungen von Cannabis:
- Wird zu viel Dopamin ausgeschüttet, kann die Euphorie in eine entgegengesetzte Richtung kippen und Konsument:innen erleben Angst- und Panikgefühle oder sogar psychotische Symptome wie Verfolgungs-Ideen.
- Durch die gestörte Informations-Vermittlung werden Gedankensprünge zu einem nicht enden wollendem Chaos im Kopf.
- Die Störung des Kurzzeitgedächtnisses kann zu Erinnerungslücken führen.
- In schlimmen Fällen kann man auch Halluzinationen erleben.
- Statt eines Gemeinschafts-Gefühls erleben Konsument:innen ein Gefühl des Ausgegrenztseins.
- Die körperlichen Folgen eines Cannabis-Konsums können auch Herzrasen, Übelkeit oder Schwindel sein, auch ein Kreislaufkollaps ist möglich.
5 Fragen an einen Cannabis-Konsumenten
So kann Cannabis deiner Psyche und deinem Körper schaden:
- Gehirn: Cannabis-Dauergebrauch beeinträchtigt die Gehirnleistung. Wird der Konsum eingestellt, gehen diese Effekte jedoch meist wieder zurück, zum Beispiel auch durch Gedächtnistraining. Bei starkem Konsum im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter kann es auch zu irreversiblen Schäden kommen.
- Lunge: Wird Cannabis mit Tabak geraucht (auch in Shishas oder Bongs), steigt das Risiko von Lungenfunktions-Störungen und Krebs-Erkrankungen.
- Herz-Kreislauf-System: Bestehende Herzprobleme können sich im Einzelfall verschlechtern, weil Cannabinoide manchmal die Herzfrequenz erhöhen.
- Psyche: Bestehende psychische Erkrankungen können sich bei hochgradigem Cannabiskonsum verschlimmern, es können schlummernde Psychosen neu ausbrechen. In einigen Fällen kann eine Cannabis induzierte Psychose auch in eine Schizophrenie übergehen, die dann erst mal ein dauerhaftes Erkrankungsbild ist. Wird durch den Konsum eine Psychose ausgelöst, kann aus Verfolgungsideen auch ein Verfolgungswahn werden.
- Schwangerschaft: Weil die Schwangerschaft eine empfindliche Phase für die Gehirnentwicklung des Ungeborenen ist, sollte Cannabis wie Alkohol und jede andere Droge gemieden werden. Insbesondere, wenn Cannabis geraucht wird, da hier wieder die Gefahren durch Tabak gelten.
- Kinder und Jugendliche: Wenn Kinder oder Jugendliche also während des Heranwachsens des Gehirns, Cannabis konsumieren, können die Schwierigkeiten bei der Emotions-Regulation auch langfristig anhalten. Dann kann es notwendig sein, dies mit Medikamenten und Psychotherapie sehr intensiv und lange behandeln zu müssen.
Andere Gefahren durch Cannabis-Konsum
Wie bei anderen Drogen auch, besteht bei Cannabis die Gefahr, dass den Produkten bedenkliche "Zutaten" beigemengt sind, wie zum Beispiel Gewürze, Sand, Zucker, gemahlenes Glas, Haarspray oder Schuhcreme. Dadurch können giftige Dämpfe entstehen oder andere gefährliche Folgen. Außerdem können im Cannabis noch Pestizide vom Anbau enthalten sein oder das Cannabis ist mit anderen Drogen kontaminiert, die am selben Ort verpackt wurden.