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Geschichte
Vom Schützenverein
Der Schützenverein spielt keine dominierende Rolle im Vereinsleben unseres Dorfes. Für viele Schiesspflichtige stellt er viel eher einen Dienstleistungsbetrieb dar, welcher die Absolvierung der obligatorischen Schiessübungen gewährleistet. Er fristet das Dasein eines Mauerblümchens, welches sich allerdings zuweilen recht lautstark und besonder bei Westwind unüberhörbar für die Bewohner in Erinnerung ruft. Trotzdem hat das Achiesswesen in Ramsen eine lange Tradition.
Die noch im Gebrauch stehende, kürzlich renovierte Fahne der ehemaligen Feldschützengesellschaft stammt aus dem Jahr 1879, es ist aber anzunehmen, dass der Verein schon einige Jahre vorher gegründet wurde. Akten existieren aus jener Zeit leider keine mehr. Das älteste noch erhaltene Protokollbuch der Schützengesellschaft beginnt im Jahre 1922, und zwar gleich mit einem bemerkenswerten Ereignis: Unter der Leitung des Tagespräsidenten, Albert Hug, Sektionschef, musste an einer ausserordentlichen Versammlung vom 28. April ein neuer Vorstand bestellt werden, weil sich der Verein geteilt und demzufolge der gesamte Vorstand der Feldschützen demissioniert hatte. Der Tagesaktuar, Traugott Schweri, erwähnt dazu im Protokoll: "Jedenfalls wurde irgendwo eine Sitzung vom Stapel gelassen, und es muss dort obige Wahl (des Vorstandes für den neuen Verein, die Schützengesellschaft, der Verf.) vorgenommen worden sein; protokolliert ist jene Sitzung allerdings nicht".
Seither gab es in Ramsen somit zwei Vereine, welche dem Schiessen oblagen: Die Feldschützengesellschaft, der bisherige Verein einerseits, dessen Mitglieder sich auf die Teilnahme an Bundesprogramm und Feldschiessen beschränkten und zu denen demzufolge vor allem die "Muss-Schützen" stiessen, und die neugegründete Schützengesellschaft mit Präsident Franz Neidhart ('s Flaschners Franz) anderseits, in der jene Schützen mitmachten, die das freiwillige Schiesswesen mit der Teilnahme an auswärtigen Anlässen pflegen wollten.
Im Jahre 1931 war es dann auch die Schützengesellschaft, welche sich um die Durchführung des kantonalen Schiesstages bewarb. Unter der Leitung von Alfred Ruh, Gemeinderat, Wilen, der bereits 1913 einem "Ehr- und Freischiessen" vorgestanden hatte, bildete sich ein Organisationskomitee. Die Feldschützen interessierten sich dann ebenfalls für die Mitarbeit, und nach einigem Geplänkel, bei dem Arbeitsbedingungen und Verteilerschlüssel eines allfälligen Reingewinns genau geregelt wurden, entschloss man sich mit 17 : 4 Stimmen, den Anlass gemeinsam durchzuführen, allerdings nicht ohne Einwände der unterlegenen Versammlungsteilnehmer. Sie wirken heute erheiternd und seien deshalb nicht vorenthalten. Sie sind von Aktuar Jakob Langhart säuberlich protokolliert worden:
"Konrad Schmid ('s Zääders, der Verf.) verlangt, dass den Feldschützen klar mitgeteilt wird, dass sie nicht nur Anteil an einem Reingewinn, sondern auch an der grossen Arbeit haben. Johann Brütsch macht darauf aufmerksam, dass es auch Pflicht der Feldschützen sei, an auswärtigen Schiessanlässen teilzunehmen. Sie scheinen nach dem Grundsatz "Nehmen ist seliger als Geben" zu handeln. Ernst Brütsch macht den Vorschlag, es sei für ein allfälliges Defizit die Fahne der Feldschützen als Pfand zu beanspruchen."
Der Schiesstag wurde reibungslos durchgeführt und ist bisher der einzige kantonale Anlass dieser Art geblieben, der in Ramsen stattgefunden hat.
Doch später, unter dem Präsidium von Alfred Geier ("Guden") und Josef Bohle nahmen auch die Feldschützen an freiwilligen Anlässen und auswärtigen Festen teil und während der Vierziger Jahre traten junge, am Schiessen interessierte Leute der Feldschützengesellschaft bei. Dazu gehörten z.B. Albert Neidhart ('s Martis—Konrade), Jakob Schellenberg, Fritz Gnädinger (de Mesmer-Fritz), Albin Neidhart, Moskau, Fritz Frech, Ernst Leibacher und Josef Schmid, Hofenacker. Sie bildeten eine ernsthafte Konkurrenz für die alten Kämpen der Schützengesellschaft. Diese wurde mittlerweile, seit 1932, von Jakob Brütsch, Gemeinderat ("Vize") präsidiert und konnte auf sichere und erfahrene Schützen zählen. Von Ihnen seien erwähnt:
Alfred Ruh, Wilen, Johann Brütsch, ('"s Jegers"), Josef Gnädinger ("de Wäbersepp"), Ernst und Otto Schneider, Unterdorf, Emil Schmid (z. Hirschen), Jakob Ehrat, Franz Neidhart (beim Schulhaus) und Alfred Hug-Beck. Zu ihnen stiessen ebenfalls Leute der jüngeren Generation wie Max Aigeltinger, Ernst Neidhart, Walter Schneider und Josef Jung.
Der Wettbewerb zwischen den beiden Vereinen soll sich vor allem in den Vierziger Jahren stimulierend auf die Aktivitäten im Schiesswesen in Ramsen ausgewirkt haben; jeder Verein wollte die besseren Resultate buchen und warb um die guten Schützen. (Von Transfers ist allerdings nichts aktenkundig, was nicht heisst, dass sie nicht stattgefunden haben.)
Als am Eidg. Schützenfest 1949 in Chur dann die Feldschützen die Schützengesellschaft überflügelte, wuchs unter letzteren die Bereitschaft zum Zusammenschluss. Der Aktuar Hans Hug (Glaser) vermerkt allerdings im Protokoll von 1953: "Die Feldschützen haben an ihrer Generalversammlung die Sache zur Sprache gebracht, doch sind sie für eine Fusion noch nicht entflammt. Auch unsere Schützen nehmen mehrheitlich eine ablehnende Haltung ein."
Der Vorstand unter der bewährten Leitung von Jakob Ehrat, welcher seit 1943 als Schützenmeister geamtet hatte und 1953 das Präsidium der Schützengesellschaft erneut übernahm, bekam aber trotzdem den Auftrag, mit den Feldschützen zwecks Zusammenschluss in Kontakt zu bleiben. Als deren letzter Präsident, Fritz Gnädinger (de Mesmer-Fritz) Ramsen verliess, wurde dies Tatsache: Ein kurzer Protokolleintrag vom 8. März 1958, verfasst durch Aktuar Alfred Weber, Lehrer, besagt, dass die beiden Vereine fusioniert hätten. Weil kein Schütze unter dem Namen des bisherigen Konkurrenten schiessen wollte, bekam der neue Verein den Namen "Schützenverein Ramsen". Das Präsidium übernahm Jakob Ehrat und der übrige Vorstand wurde mit Leuten aus beiden ehemaligen Vereinen besetzt, wobei natürlich auf proportionale Verteilung geachtet wurde (4 von der Schützengesellschaft, 3 Feldschützen).
Inzwischen ist der Schützenverein den Kinderschuhen entwachsen und von den ehemaligen Differenzen ist nichts mehr übriggeblieben; allerdings fehlt heute auch die Spannung des Konkurrenzkampfes, wie sie früher geherrscht und die Wettkampfsituation geprägt hatte. Auch hat das Schiesswesen seine Bedeutung und seinen Stellenwert geändert. Nach wie vor bildet es aber einen wesentlichen Teil der ausserdienstlichen Tätigkeit und eine Gelegenheit zu sportlichem Wettkampf und geselligem Beisammensein.
Richard Mink
|Vorstand des Schützenvereins|
|Präsident:||Alfred Meier|
|1. Schützenmeister und Aktuar:||Erwin Lerch|
|2. Schützenmeister||Richard Mink|
|Kassier und Jungschützenleiter:||Willi Huber|
|Munition und Schiessekretär||Ernst Leibacher|
Jubiläumsschiessen des Schützenvereins Ramsen 1985
Erstmals seit dreissig Jahren soll am 4., 11. und 12. Mai 1985 in Ramsen ein grösserer Schiessanlass durchgeführt werden, das Jubiläumsschiessen. Damals, im Juni 1955, war der Neubau des Schützenhauses der Anlass zum Schützenfest gewesen. Dieser von der Gemeinde erstellte Bau hatte Fr. 13'000.-- gekostet und die beiden damals in Ramsen existierenden Schützenvereine, die Feldschützengesellschaft und die Schützengesellschaft, zusammen mit der Hälfte belastet. Mit dem Ertrag aus dem Schützenfest sollte ein Teil der Schuld abgetragen werden können, was mit dem erzielten Reingewinn von etwas über 3'500.-- Franken auch gelang.
Auch das kommende Jubiläumsschissen 1985 wird natürlich nicht nur aus historischen Gründen durchgeführt: Unser Schützenhaus ist zwar an und für sich in gutem Zustand, sollter aber zur Vermeidung von Gehörschäden schallisoliert werden, und vielleicht rückt mit einem gutem Abschluss des Traumziel der Ramser Schützen der Verwirklichung einen Schritt näher: Der Einbau automatischer Trefferanzeigen, mit denen das leidige Zeigerproblem endgültig zur Zufriedenheit gelöst werden könnte.
Ein Organisationskomitee unter dem Präsidium von Erwin Lerch ist seit geraumer Zeit an der Arbeit, und die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Es werden 800 - 1000 Schützen aus der Ostschweiz erwartet, welche am Samstag, 4. Mai und 11. Mai und am Sonntag, 12. Mai Gelegenheit haben werden, ihr Können unter Beweis zu stellen, und zwar in zwei Stichen: Dem Sektionsstich auf Fünferscheibe und einem Gabenstich auf Zehnerscheibe. Neben dem Schiessbetrieb wird auch der Unterhaltungsteil nicht zu kurz kommen: Das bekannte Unterhaltungsorchester Benny Rehmann ist für Freitagabend, 10. Mai engagiert und wird die 1500 Personen fassende Festhütte mit seinen Klängen und hoffentlich auch mit festfreudigen Zuhörern füllen. Der Samstagabend soll unter Mitwirkung der Dorfvereine als gemütlicher Unterhaltungsabend für jung und alt gestaltet werden. An beiden Abenden wird zudem die Rock'n-Roll-Gruppe Angeli aus Schaffhausen auftreten, und natürlich wird anschliessend Tanzgelegenheit geboten. Am Sonntagabend findet in der Festhütte die Rangverkündigung und das Absenden des Gabenstiches statt, zu dem bereits respektable Preise eingegangen sind.
Zusammensetzung des Organisationskomitees:
|OK-Präsident:||Erwin Lerch|
|Vicepräsident:||Reinhard Waldvogel|
|Finanzen:||Johann Gnädinger|
|Schiessbetrieb:||Alfred Meier|
|Absendbüro:||Hans Zahnd|
|Presse + Propaganda:||Richard Mink|
|Wirtschaftsbetrieb:||Willi Huber|
|Bau / Verkehr / Sanität:||Walter Schafroth|
|Unterhaltung:||Reinhard Waldvogel|
|Gaben:||Hansjörg Hermann|
|Munition:||Ernst Leibacher|