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Bereits zum dritten Mal trafen sich in Millau Highliner aus der ganzen Welt im Rahmen der Natural Games, dem Festival für Outdoor-Sport. Wie bereits 2009 wurden die Highlines oberhalb von Le Rozier gespannt. Dort befindet sich auch die geschichtsträchtige «Kingline». Mit 64 m Länge (von Verankerung zu Verankerung) war das vor zwei Jahren noch der Weltrekord. Nur Andy Lewis (hm) und Damian Cooksey (hf os) konnten sie damals bezwingen. In der Zwischenzeit gab es auch einige Full-man Begehungen. Erwähnenswert ist dabei die On-sight Begehung (fm) von Anatolij Maltsev im Frühling 2010. Selber hatte ich im Juli vor einem Jahr kurz die Gelegenheit, auf der «Kingline» zu stehen. Auf dem Weg zurück verfing sich jedoch meine neue 6 m Leash wegen dem starken Wind zwischen meinen Zehen, worauf ich von der Line stürzte. Es blieb die einzige Highline 2010, die ich nicht Full-man laufen konnte. Damals hatte ich mir vorgenommen, in einem Jahr an den Ort zurück zu kommen und diese offene Rechnung zu begleichen.
In diesem Jahr wurden in den Felswänden von Le Rozier zu den drei bisherigen noch vier neue Highlines gespannt. Im Sektor «Cathedrale» eröffneten Christian, Damian, James und Julien eine kurze aber schöne Highline namens «Wilder Honig». Grischa und Helmar nahmen sich der 42 m langen «L’Inespérée» an, welche sehr aufwändig zu installieren ist. Sie beginnt am Fuss der «Vase de Chine» und geht hinüber zur «Roche décollée», einem sehr markanten Felsen, dessen Form an einen riesigen Keil erinnert.
Auffallend in diesem Jahr war, dass die meisten Highlines im Gegensatz zu früheren Jahren viel Durchhang hatten. Dieser Trend zu weniger stark gespannten Highlines konnte man bereits am Sandstone Highclass Meeting beobachten.
Die mit Abstand längste Highline in diesem Jahr war 114 m lang. Dafür wurde ein spezielles Band verwendet, das wegen seines geringen Gewichtes und der hohen Bruchlast das laufen einer solch langen Highline überhaupt erst ermöglicht. Es handelte sich um einen Prototyp von «Moonwalk», einem Mix aus Dyneema und Polyester, das Slack.fr entwicklet hat. Alex Schulz schaffte es als einziger, dieses Monster in beide Richtungen zu laufen und stellte damit einen neuen Weltrekord auf.
Für mich lief es ebenfalls gut. Bereis am Tag meiner Ankunft konnte ich alle weniger langen Lines on-sight und mit Swami laufen. So fühlte ich mich am nächsten Tag gut vorbereitet für eine Revanche mit der «Kingline». Wie erwartet schaffte ich es dieses Mal relativ locker, die gut 60 m von der Wand bis zur «Vase de Sèvres» zu laufen. Die grösste Schwierigkeit stand mir aber noch bevor, denn der Rückweg auf der «Kingline» ist ungemein schwieriger. Das hat mit der Optik zu tun, denn man schaut auf eine Felswand mit einem dunklen Spalt, der schräg nach oben verläuft und einem immer auf eine Seite kippen lässt, weil man sich auf der Highline nicht mehr gut orientieren kann. Ich versuchte mehrmals aufzustehen und auf der Line zu laufen, wurde aber immer nach ein paar Schritten wieder abgeworfen, weil ich sie nicht beruhigen konnte. Erst nach einigen Versuchen konnte ich etwas weiter laufen. Nach zwei weiteren Fehlstarts gelang es mir schliesslich, nachdem ich zu Beginn gegen die starken Wellen von vorne ankämpfen musste, ruhig und locker weiter zu laufen, bis ich schliesslich glücklich und erleichtert das andere Ende erreichte.
Damit hatte ich mein Ziel für die Natural Games in diesem Jahr erreicht und es blieb mir genug Zeit um mit Hannes zusammen am letzten Tag die ausgesetzte Südkante der «Roche décollée» hoch zu klettern. Eine wunderschöne Mehrseillängen-Route mit etwas sportlichen Hakenabständen, was aber in dem überhängenden Fels nicht weiter problematisch ist. Wir genossen diese schöne Kletterei, die heisse Sonne und den erfrischenden Wind, während neben uns grosse Geier vorbeiflogen und über uns auf den Highlines gelaufen wurde.