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Eiffelturm.
[* 2] Meteorologische Beobachtungen in den obern Luftschichten, welche zur Erklärung einer Reihe von allgemeinen meteorologischen Fragen nicht mehr entbehrt werden können, sind bis jetzt nur durch Einrichtung von Beobachtungsstationen auf hohen, isoliert liegenden Berggipfeln, Höhen- oder Gipfelstationen und durch Beobachtungen auf Ballonfahrten möglich gewesen. In neuester Zeit ist durch Erbauung des Eiffelturms in Paris [* 3] Gelegenheit gegeben, derartige Beobachtungen ohne besondere Schwierigkeit in verschiedenen Höhen bis zu ca. 300 m auszuführen und sind auch bereits Beobachtungen angestellt, welche sich auf die Temperatur, die Windgeschwindigkeit und Gewittererscheinungen beziehen. Zu den Temperaturbeobachtungen wurde in einer relativen Höhe von 301 m, welche einer Seehöhe von 336 m entspricht, ein Thermograph aufgestellt.
Seine Angaben für die Monate Juli bis November 1889 führten im Vergleich mit den gleichzeitig in 50 m Seehöhe im Parc St. Maur angestellten zu folgenden Resultaten: die Abnahme der Mitteltemperatur mit der Höhe war im Juli sehr bedeutend (2,3°), in den übrigen Monaten ziemlich gering, im November zeigte sich sogar unter dem Einfluß ungewöhnlicher Witterungsverhältnisse eine kleine Temperaturzunahme. Im Durchschnitt der Monate Juli bis Oktober betrug die mittlere Temperaturabnahme 0,49° pro 100 m. Die mittlern Temperaturminima waren auf dem Turm [* 4] um mehr als 1° höher, die mittlern Temperaturmaxima um 3,3° niedriger als unten, woraus darauf geschlossen werden kann, daß die Nähe des Erdbodens die höchste Tagestemperatur mehr beeinflußt als die niedrigste.
Ganz besonders auffallend ist die Abnahme der täglichen Wärmeschwankung mit der Höhe. Dieselbe betrug im Oktober und November in 336 m nur ungefähr die Hälfte von der in 50 m Höhe (4,5 und 3,2 gegen 8,2 und 6,9), und war ihr Unterschied in den Monaten Juli bis September auch nur wenig davon verschieden. Die im November nach oben beobachtete Temperaturzunahme war vorzugsweise die Folge eines merkwürdig frühen Wetter- umschlags in 300 m Höhe gegenüber dem an der Erdoberfläche.
Nachdem unten vom 10.-24. Nov. bei hohem Luftdruck und im allgemeinen schwachen östlichen Winden [* 5] niedrige Temperaturen geherrscht hatten, wurde der Wind am 24. stärker, ging nach SSW., und die Temperatur stieg bei zunehmender Bewölkung. Auf dem Turme blieb die niedrige Temperatur nur bis zum 21., und indem der Wind plötzlich an Stärke [* 6] zunahm und sich nach S. und SSW. drehte, stieg die Temperatur und blieb bis zum 24. gleichmäßig hoch, so daß sie in den Tagen vom 22.-24. auf der Spitze des Turmes viel höher, zeitweise um 10° höher war als in der Nähe der Erdoberfläche. Die Folge dieser Witterungsveränderung, welche in den obern Luftschichten volle zwei Tage früher auftrat als an der Erdoberfläche, war, daß die Mitteltemperatur des Novembers in der Höhe größer war als unten. Am 22. ergaben Beobachtungen, die in verschiedenen Höhen angestellt waren, daß die untere Grenze des warmen Luftstroms zwischen 160 und 180 m lag.
Auch die Registrierung der Windgeschwindigkeit auf dem
Eiffelturm hat zu interessanten
Resultaten geführt. Von zwei gleich konstruierten
Anemometern war das eine auf dem
Turm in einer
Höhe von 303 und das andre auf dem Bureau central météorologique in einer
Höhe von 21 m über dem
Boden aufgestellt, und wurden ihre Aufzeichnungen für 101
Tage (12 im Juni, 28 im
Juli,
August und
September vollständig) miteinander verglichen. Die mittlere
Geschwindigkeit des
Windes betrug für diese 101
Tage
oben 7,05 und unten 2,24 m pro
Sekunde. Der tägliche
Gang
[* 7] der Windgeschwindigkeit auf dem
Turm zeigte die
charakteristischen Merkmale von
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mehr
Gipfelstationen, indem oben eine Umkehrung gegen unten beobachtet wurde. Während sich nämlich unten im Mittel der 101 Tage der bekannte Gang mit einem Minimum um Sonnenaufgang und einem Maximum um 1 Uhr [* 9] nachmittags zeigte, ergaben die Aufzeichnungen des Anemometers oben das Minimum um 10 Uhr vormittags und das Maximum um 11 Uhr abends. Am deutlichsten tritt diese Umkehrung in den Verhältniszahlen der Windgeschwindigkeit oben und unten hervor. Zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens ist dieselbe ungefähr 5 (oben 5mal so groß als unten), sinkt dann schnell auf 2, behält diesen Wert zwischen 10 Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags und steigt dann wieder regelmäßig bis Mitternacht.
Eine etwanige Beeinflussung, welche die Erwärmung des Turmes auf die Windgeschwindigkeit ausüben könnte, ist dabei entschieden ausgeschlossen, weil sich dasselbe Resultat ergibt, wenn man entweder nur die vollständig heitern oder die vollständig trüben Tage betrachtet und für jede dieser Gruppen besonders die mittlern Windgeschwindigkeiten berechnet. Aus diesen Beobachtungen ergibt sich das Resultat, daß in 300 m Höhe der Gang der Windgeschwindigkeit in der freien Atmosphäre von dem in der Nähe des Erdbodens wesentlich verschieden ist und sich dem der höchsten Gipfelstationen nähert. Außerdem ist es auch von Wichtigkeit, daß die Windgeschwindigkeit in der Höhe von 300 m viel größer ist, als man sie gewöhnlich angenommen hat. Im Mittel übersteigt sie 7 m pro Sekunde; 39 Proz. der Beobachtungen ergeben über 8 m und 21 Proz. über 10 m pro Sekunde, ein Resultat, dessen Kenntnis für die Luftschiffahrt [* 10] von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.
Endlich ist es noch von Interesse, daß auch Beobachtungen über einen Blitzschlag angestellt wurden, welcher den
Eiffelturm traf. Bei starkem Nordwestwind und seinem Regen brach ein Blitz, ohne daß besondere Anzeichen für das Herannahen eines
Gewitters vorhergegangen wären, aus den Wolken und fuhr mit fürchterlichem Knall in den Blitzableiter,
welcher sich auf der Spitze des Turmes befindet. Der ganze Turm wurde in Schwingungen versetzt, welche mehrere Sekunden anhielten.
Der Schall war
[* 11] ähnlich dem zweier kleinen Geschütze,
[* 12] die in kurzen Intervallen abgefeuert werden. Eine Erschütterung fühlte
weder der Turmwächter, noch andre auf der Plattform zufällig anwesende Personen. Rings um die Plattform
waren kurze Zeit vorher acht Blitzableiter aufgestellt, welche sogen. geräuschlose Entladungen hervorbrachten, die aber
in Wirklichkeit von einem zischenden Geräusch begleitet waren.
Durch die Beobachtungen auf dem
Eiffelturm wird eine ganze Reihe von meteorologischen Fragen ihrer Entscheidung näher geführt werden
können, besonders weil hier Gelegenheit geboten ist, nicht nur für zwei verschiedene Höhen, sondern
auch für beliebig viele dazwischenliegende Höhen korrespondierende Beobachtungen anzustellen, was weder bei den Gipfelstationen
noch bei Beobachtungen im Luftballon möglich ist.