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der
Lese, Kelterung und Aufbewahrung des Wein bildlich dargestellt.
Strabo berichtet über den Wein von Maurusien
(Berberei) und
im arsinoitischen Nomos. Das alte
Persien
[* 2] erzeugte den kostbaren Königswein von Chalybon. In
Italien
[* 3] betrieb man zuerst in
Campanien den
Weinbau; einige der berühmtesten Wein waren:
Falerner, Faustiner, Tarentiner, der
Sabiner in
Etrurien, Vaticaner aus der Umgegend von
Rom
[* 4] u. s. w. Die uralte
Sitte, durch Zusatz von
Terpentin den Wein haltbar zu machen,
pflanzte sich auch in
Italien fort.
Der Dreißigjährige
Krieg beschränkte jedoch wieder das Kulturgebiet.
ÖsterreichsWeinbau ist ebenso
alt wie der rheinische, der böhmische wurde im 12. Jahrh. eingeführt. Die
Tiroler Weine von Glanich und Leitach hat
Virgil
als Lieblingstrank des
KaisersAugustus besungen.
Ungarn
[* 10] ward unter
Kaiser Probus mit ital. Reben versehen, und im Theißgebiet
pflanzte König
Bela II. 1241 die ersten
Weinstöcke aus
Morea. Der
TokajerWeinbau bestand schon im 15. Jahrh.,
bekam aber erst im 17. Jahrh. Ruf, als man dort den
Ausbruch kennen lernte. Den
Weinbau am
Kap der Guten Hoffnung begründeten 1685 emigrierte
Hugenotten.
China
[* 11] hatte
Weinbau schon 2000 Jahre
v. Chr., aber derselbe wurde hier im 5. Jahrh.v. Chr. gänzlich
ausgerottet.
Amerika
[* 12] baut erst seit 50 Jahren Wein, vorzugsweise durch deutsche Ansiedler.
Litteratur.EineZusammenfassung älterer
Schriften giebt die Bibliotheca oenologica (Heidelb. 1875).
Aus der reichen neuern Litteratur sind hervorzuheben: Jullien,
Topographie de tous les vignobles connus (5. Aufl., Par. 1866);
der im großen betriebene Anbau des
Weinstocks (s.
Wein). Er geschieht zur Gewinnung von Tafeltrauben
in Gärten, zur Erzeugung von
Wein in
Weinbergen. Eine durchschnittliche Jahrestemperatur von 12 bis 18° C., wie sie häufig
als
Bedingung des Weinbau angesehen wird, kann nicht als Maßstab
[* 23] dienen, da es hauptsächlich auf die Wärmemenge
im
Sommer und auf die Verteilung derselben über die einzelnen
Monate ankommt. Fehlen von Frühjahrsfrosten,
trockne Witterung zur Blütezeit und hohe Wärme
[* 24] nach derselben sind ausschlaggebend.
Feuchter und undurchlässiger
Boden sollte ausgeschlossen sein. Die geeignetsten Bodenarten sind verwitterter
Thonschiefer,
Sandboden, verwitterter Porphyr und Granit und besonders in
Deutschland Kalkboden, die einen süßen
Wein erzeugen sollen.
Kali, Kalk,
Phosphorsäure und
Eisenoxyd müssen in gutem Weinboden reichlich enthalten sein. Am empfehlenswertesten
ist die Anpflanzung in umgesetzten Reihen, mit einer Pflanzenweite von 1,75 bis 2
m, in der gemäßigten Zone auch weniger.
Die in südl.
Ländern beliebte gemischte
Anlage, wobei die Rebstöcke in bunter Abwechselung mit
Oliven, Korkeichen u. s. w.
stehen, ist durchaus verwerflich. Als Pflänzlinge können Sämlinge, Schnittlinge und Absenker benutzt
werden, die ihrerseits wieder veredelt werden können. Bei Anwendung von Sämlingen hat der Weinpflanzer einen Zeitverlust
von mindestens einem Jahre; deshalb wird diese Art der Fortpflanzung fast nur angewandt, um durch Kreuzungen neue Spielarten
zu erhalten.
Weitaus vorherrschend ist die Fortpflanzung durch Schnittlinge (Setzlinge, Steckholz,Blindholz,
Blindrebe),
sie ist bei der europ. Rebe sehr leicht, billig, rasch und bewahrt die Eigenschaften der Mutterpflanze.
Für Spielarten, die sich schwer bewurzeln, oder wo nur wertvolle oder wenige Mutterpflanzen zur
Verfügung stehen, eignet
sich die Fortpflanzung durch Absenker
(Ableger oder Fechser), wobei die Rebe sich bewurzelt, bevor sie von
der Mutterpflanze getrennt wird. Nachteile sind große Umständlichkeit und größeres Raumbedürfnis. Die
Veredelung kann
im
Weinberge selbst oder besser in der Werkstätte geschehen (s.
Veredelung). Am gebräuchlichsten ist das Spaltpfropfen. Um
die
¶
mehr
Berührungsflächen zu vergrößern und so die Verwachsung zu erleichtern, wird das englische Spaltpfropfen und das Champinpfropfen
angewandt, wobei an Unterlage und Edelreis je eine beim Champinpfropfen längere Zunge geschnitten wird, die beide ineinander
passen, denselben Zweck verfolgt das umständliche dreispaltige Pfropfen.
[* 26] Zur exakten Herstellung der Schnitte bei den letztern
drei Pfropfarten wurden in Frankreich eigene Pfropfmaschinen erfunden, von denen die Petitsche am verbreitetsten
ist.
Als bester Zeitpunkt wird der Beginn des Saftflusses, am Rhein z. B. der Mai gewählt. Als
Verbandmaterial hat sich Raffiafaser und Baumwachs oder Kautschukpapier am besten bewährt. Der wichtigste Teil der auf die
Veredelung folgenden Pflege des Rebstockes ist die Beschneidung. Sie kann während der ganzenWachstumsperiode,
also bis die Reben anfangen zu «weinen», erfolgen, außer bei sehr kalter
Witterung. Da der Rebstock seine Früchte an Reben trägt, die aus Augen an Reben des vorhergehenden Jahres hervorgegangen
sind, müssen von den letztern mehrere geschont werden.
Besitzt der verbleibende «Sporn» drei oder weniger Augen, so spricht man von kurzer, im andern Falle von
langer Beschneidung. Die meisten Spielarten der europ. Rebe müssen kurz beschnitten werden,
während z. B. fast alle Sorten von Vitis aestivalis Mchx.
lange Beschneidung erfordern. Als Tragreben wählt man gesunde, gut ausgereifte Reben von mittlerer Stärke.
[* 27] Die
Form des Rebstockes ist sehr verschieden. In Gärten wird der Rebstock durch mehrfachen kurzen Rückschnitt der Leitzweige
in Fächerform gezogen, oder man formiert ihn als Spalier und an Mauern in Herzstammform (s. Tafel: Obstbaumformen,
[* 25]
Fig. 20)
oder in Thomeryform;
die seitlichen Reben der beiden letzten Formen werden alljährlich im Herbst auf
zwei bis vier Augen zurückgeschnitten und stets wieder auf den untersten Trieb verjüngt;
es ist dieser sog. Zapfenschnitt,
welcher vorzügliche Trauben liefert;
die Herzstammform wird auf 1 m Entfernung gepflanzt;
den Thomeryformen giebt man eine
Armlänge von 1½ bis 2 m;
der senkrechte Abstand zwischen zwei Armen beträgt 50 cm. Die Fruchtreben,
welche die 4-10 Leitzweige der Fächerform tragen, schneidet man abwechselnd kurz (auf 1 Auge)
[* 28] und lang (auf 10-20 Augen);
Die Behandlung des Fruchtholzes ist auch entweder reiner
Zapfenschnitt oder Schnitt auf Zapfen
[* 30] und Fruchtrebe. Für die wärmern Gegenden des Anbaugebietes, die
frei von Rauhfrost sind, sind am passendsten und am gebräuchlichsten die Becher- und Chaintreform, letztere eine wagerechte
Spalierform.
Zur weitern Pflege gehört die Bodenbearbeitung. In der gemäßigten Zone muß der Boden mindestens dreimal bearbeitet werden,
am besten mittels Pflug,
[* 31] Kultivator und Egge,
[* 32] steiler Boden mit Spaten; es giebt eine große Menge Wingertpflüge.
Als Düngemittel wird in Deutschland fast ausschließlich Stallmist verwandt, der am besten mit Handelsdünger, besonders phosphorsaurem
Kali oder Thomasschlacke vermischt
wird. Von den Laubarbeiten hielt man früher das Ausbrechen der Geize, der aus den Blattwinkeln
tretenden Sommerschößlinge, für nötig.
Seit man aber weiß, daß in den Blättern der Zuckerstoff bereitet wird, unterläßt man es oder spitzt die Geize höchstens,
wenn sie zu üppig wachsen, früh auf 3 oder 4 Blätter ein. Von Krankheiten ist am verbreitetsten besonders bei den amerik.
Arten die Chlorose, das Entfärben der Blätter. Schnell wirkende Dünger, besonders schwefelsaures Eisen,
[* 33] helfen häufig. Die schwarzen Knoten, Fäulnisstellen an der Rebe, bekämpft man durch Abstellen der sehr verschiedenen Ursachen.
Der Blütenfall vor Fruchtansatz entsteht meist durch ungünstige Witterung und besonders bei alten schlecht gedüngten Reben;
es wird ein Bestreuen der Blüten, kurz bevor sie sich öffnen wollen, mit gepulvertem Schwefel empfohlen.
Der Sonnenbrand der Trauben, deren Beeren dadurch einschrumpfen, wird vermieden, indem man ihnen ihren natürlichen Schutz,
die Blätter, erhält. Die Traubenfäule entsteht bei feuchter und niedriger Lage; Entwässerung des Bodens und höhere Zuchtformen
helfen sicher.
Die Anthraknose (Brenner, schwarzer Brand, Pech) erzeugt ein Pilz,
[* 34] Sphaceloma ampelinum De By.;
es erscheinen an den grünen Teilen braune Flecken oder Beulen; ein Wachstumsstillstand der Rebe und Welken der Blätter ist
die Folge. Sehr gut bewährt hat sich das Bespritzen mit einer heißen Lösung von 1½ kg Eisenvitriol nebst 60 g Kupfervitriol
in 4 l Wasser. In Nordamerika
[* 35] und seit 1884 in Frankreich ist sehr verheerend die schwarze Fäule (Black
rot), hervorgerufen ebenfalls durch einen Pilz, Physalospora Bodwellii Sacc. (Phoma uvicolaBert. et Curt.);
die Beeren werden faulig und auf der Oberfläche entwickeln sich schwarze Bläschen; später werden sie hart, trocken und runzelig.
Ein Gegenmittel ist nicht bekannt. Da der Pilz in den kranken Beeren und in den jungen Schößlingen überwintert,
sind diese sorgfältig zu vernichten. Noch gefährlicher sind der Meltau (s. d.) und die Traubenkrankheit (s. d.). In neuester
Zeit tritt als weiterer furchtbarer Feind die Gummose auf (s. Wein, Bd. 17). Zu den tierischen Schädlingen gehört der
gefährlichste Feind der Weinrebe, die Reblaus
[* 36] (s. d.). Gegen
unter der Rinde lebende Schädlinge, wie die Pyraleraupe, die besonders in Südfrankreich die Blätter angreift, und die Weinmotte,
Conchylis ambiguella Hübn. oder uvana, ein europ. Insekt, dessen erste Generation im Juni als Heuwurm die Blüten und Seitenruten,
dessen zweite Generation im Juli als Sauerwurm die Kerne der Beeren ausfrißt (s. Traubenwickler), empfiehlt
sich das Bürsten der Rebstöcke während ihrer Wachstumsruhe mit einer Flüssigkeit aus 6 TeilenSteinkohlenteer auf 100 Teile
Kuhjauche. Für die Interessen des deutschen Weinbau und Weinhandels besteht außer vielen Landesvereinen der Deutsche
Weinbauverein, der jährliche Weinbaukongresse veranstaltet. In rechtlicher Beziehung unterliegt der Weinbau in
Deutschland, wie die Landwirtschaft überhaupt und alle Urproduktion, nicht der Reichs-, sondern der Landesgesetzgebung. Das
Reblausgesetz vom (s. Reblaus) beruht also auf einer Kompetenzüberschreitung des Reichs.
Litteratur. Ratbay, Die Geschlechtsverhältnisse der Reben und ihre Bedeutung für den Weinbau (2 Tle., Wien 1888-89);