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Hermann Obrist initiierte die deutsche Jugendstilbewegung, die anspruchsvolles Handwerk der angewandten Kunst mit den ästhetischen Ansprüchen der freien, bildenden Kunst verschmolz. Nach naturwissenschaftlichen Studien in Heidelberg und kunstgewerblichem Unterricht in Karlsruhe, liess er sich im Sommer 1888 bei Jena zum Keramiker ausbilden. Ein Jahr später zog er nach Paris, wo er die Bildhauerklasse an der Académie Julian besuchte. Der Verkauf seines ersten Brunnenmodells ermöglichte ihm 1892 eine Reise nach Florenz. Hier gründete er gemeinsam mit Berthe Ruchet, der langjährigen Gesellschaftsdame seiner Mutter, ein Atelier für Stickerei.
Mit seinem Umzug nach München begann 1895 Obrists steile Karriere als bedeutendster Pionier der Kunstgewerbereform. Wie bei den Vertretern der Arts-and-Crafts-Bewegung spielte auch bei ihm das Motiv der Pflanze eine entscheidende Rolle. Deren dekorative Qualitäten waren für Obrist weniger wichtig als ihre konstruktiven und strukturellen Eigenschaften, die er in seinen Stickereien und Möbeln umsetzte. Im Auftrag des Kunstgewerbevereins entwickelte Obrist eine intensive Vortragstätigkeit in ganz Deutschland und publizierte zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften. Anfang 1902 eröffnete er zusammen mit Wilhelm von Debschitz die Lehr- und Versuch-Ateliers für angewandte und freie Kunst in München, die er 1904 wegen zunehmender Schwerhörigkeit verliess, um sich der eigenen Arbeit zu widmen.