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– 26.09.2019 –
Konstruktion von ALEXANDER SOLDENHOFF (1882-1951)
Alexander Soldenhoff kam am 13.September 1882 in Carouge, Genf zur Welt. Er besuchte während zweier Semester die Kunstgewerbeschule, verliess diese dann und wurde Schüler von Rudolf Koller, wo er sich mechanische Kenntnisse erwarb. Den Sommer 1898 verbrachte er als Hirte und Schäfer auf der Sandalp in Linthal im Glarnerland. In den nachfolgenden Sommern lebte er häufig in den Bergen. Anna Zweifel aus dem Gasthaus Planura wurde seine Frau, sie liessen sich später in Zürich einbürgern. 1904 verbrachte er in Paris und studierte unter anderem im Louvre. 1905 bis 1907 war er Zeichnungslehrer an der Höheren Stadtschule Glarus. Der Kunstmaler nahm 1908 an einer Ausstellung in Frankfurt teil und verbrachte dort einige Zeit. Er arbeitete auch als Bühnenbildner am Frankfurter Schauspielhaus und der dortigen Oper.
Pilot Riediger (l.) und Konstrukteur A. Soldenhoff (r.)
Ab 1924 wirkte er als Kunstmaler in Zürich und Linthal und später in Ascona. Seine Malerei war vom Deut-schen Impressionismus und Expressionismus beeinflusst. 1917 verlor Soldenhoff sein Gehör. Der Zürcher Siegfried Rhonheimer wurde fortan sein Vermittler zu seinen Käufern. 1922 wurde sein gesamtes Vermögen Opfer der Inflation, er musste sich deswegen als Schmuggler von Kunst in die Schweiz betätigen.
Flugzeugbau
Zwischen 1928 und 1932 malte Soldenhoff nicht mehr, sondern baute Flugzeuge. Seine letzte Konstruktion war ein Nurflügler – Motorflugzeug mit der Bezeichnung „SL-1“, es ist im Verkehrshaus Luzern ausgestellt. Die Bezeichnung „SL-1“ bedeutet „Soldenhoff Langental -1“.
Anfänglich baute Soldenhoff kleine und grosse Modellflugzeuge aller Art. Diese hatten verschiedenste Formen: Herkömmliche Flugzeugformen, zeppelinartige und „schwanzlose“, pfeilförmige. Für den Antrieb der Modelle verwendete er Raketen, oder damals übliche Gummimotoren (aufgewickelte Gummibänder). In Deutschland erhielt er ein Patent für die „Steuerung Schwanzloser Pfeilflugzeuge“. Die verschiedenartigen Modelle liess er probehalber an diversen Orten fliegen, sei es in den Föhntälern im Glarnerland oder u.a. auch in Deutschland.
Das Flugzeugmuster SL-1 wurde in der KAROSSERIEWERKSTATT GROGG in Langenthal gebaut.
In jahrelanger Arbeit beschäftigte sich Soldenhoff mit der Perfektionierung seiner Idee des „Nurflügel-Flugzeuges“. Vom Typ SL-1 baute er angeblich fünf Exemplare. Nach verschiedenen Misserfolgen, unternahm er 1937 noch einmal einen Anlauf und liess in der Karosseriewerkstatt Langenthal, wo sein Sohn Wolfram als Ingenieur angestellt war, eine verbesserte Version der „SL-1“ entstehen. Bei diesem Unternehmen hemmten Meinungsverschiedenheiten zwischen Erfinder und Technikern die Fertigstellung des Projektes. Die Erkenntnisse des Künstlers jedoch, welche zu wesentlichen Verbesserungen im Flugzeugbau führten, versetzten die Fachleute ins Staunen.
„SL-1“ wies eine schwanzlose Pfeilform auf. Das dünne Tragwerk des Einsitzers war sehr strömungsgünstig ausgeführt. Der 40-PS-Sternmotor (ca. 30 Kw) befand sich hinter der Tragfläche, die Steuerung war an den Flügelenden angebracht, die Höhenruder an den Flügelunterkanten. Auf zusätzliche Seitenflossen wurde verzichtet. Das Fahrwerk bestand aus Bugrad und zwei, an den Tragflächen am Rumpfheck montierten Scheibenrädern.
Schon bei den ersten Rollversuchen mit dem Prototyp, hob dieser ungewollt leicht ab, verlor dabei aber das ungesicherte Fahrgestell, es fehlten die Verbindungsbolzen…
Für die fliegerische Zulassung schrieb das Eidgenössische Luftamt u.a. eine zu praktizierende Bruchlandung vor. Diese glückte aber nicht ohne Beschädigung der Zelle. Noch während der Reparaturarbeiten, ordnete das Luftamt ein sofortiges Flugverbot für den „SL-1“ an, womit Soldenhoff überhaupt nicht einverstanden war.
Militärisches Interesse für das flügellose Flugzeug
Als Alexander Soldenhoff Ende 1936 Anstalten machte, sich über das Flugverbot hinwegzusetzen, erhielt sein Sohn Wolfram, Pilot der Schweizer Fliegertruppe, den wohlgemeinten Rat, das Erproben des „SL-1“ aufzugeben. Dies würde sonst seine militärische Karriere als Fliegeroffizier gefährden. In einem Brief an seinen Sohn Wolfram vom 1.Dezember 1943 berichtete Vater Alexander, dass er seinen schwanzlosen Pfeilflügel-Typ umkonstruiert habe, für den Fall, dass er wirklich serienweise gebaut würde. Der Motor wurde vom Heck in den Rumpfbug versetzt und arbeite mit Zugpropeller etc. Zu dieser Zeit waren aber längst modernere Militärflugzeuge verfügbar.
Das letzte von 5 Flugzeugen „SL-1“
Der damalige Militär- und BAMF-Pilot Wolfram Soldenhoff, Sohn des Kunstmalers Alexander, veranlasste seinerzeit, dass das oben erwähnte Flugzeug zur Erhaltung auf dem Flugplatz Dübendorf in der Halle 11 aufgehängt wurde. Es wurde stets von Besuchern bestaunt. Als damaliger Flugzeugmechaniker ist mir bestens in Erinnerung, dass dem Objekt viel Beachtung geschenkt wurde, wir mussten es aber auch regelmässig abstauben…
„SL-1“ wurde 1977 in der Pensionierten-Werkstatt des Flugplatzes Buochs-Ennetbürgen restauriert und dem Verkehrshaus Luzern übergeben. Dort ist das Flugzeug nun unter den ausgestellten Flugobjekten zu bestaunen.
Wolfram Soldenhoff (1908-1959), Sohn von Alexander
Wolfram hatte 1931 sein Ingenieurstudium erfolgreich abgeschlossen. Er wurde dann Militärpilot und schliesslich als Ingenieur bei der damaligen Langenthaler Karosseriewerkstatt GROGG angestellt. In der Freizeit betätigte er sich als Fluglehrer beim AERO CLUB DER SCHWEIZ, Sektion Langenthal.1939 wurde er Werkpilot bei der damaligen DMP Flugplatz Dübendorf, wo er auch zum Stellvertreter des Technischen Chefs ernannt wurde.
Wolfram ist am 30.November 1959, bei einem Landeanflug auf dem Flugplatz Dübendorf, mit einem Venom DH-112 J-1548 mit tödlichen Folgen abgestürzt. (Siehe <>, Seite 207). Dieser Unfall ist mir in trauriger Erinnerung, weil ich von der Halle 11 aus zusehen musste, wie es geschah. Wolfram war seinerzeit in Zürich Seebach direkter Nachbar von mir.
Nachtrag: Die Brüder Horten in Deutschland, bauten in den 30er Jahren ebenfalls Nurflügler Flugzeuge.
Text: Felix Zbinden / Titelbild: Archiv MHMLW