Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03494.jsonl.gz/1005

Gloria Steinem, Simone de Beauvoir, Chimamanda Ngozi Adichie oder Malala Yousafzai – Sie alle sind für ihren Kampf um die Gleichberechtigung der Frau bekannt. Aber wer kennt die Heldinnen der Kaffeeszene?
Im 17. Jahrhundert kam der Kaffee nach Europa. Während Frauen der Zutritt zu Kaffeehäusern zunächst verboten war, wurde die internationale Kaffeekultur 200 Jahre später durch die erste Frau auf unserer Liste regelrecht revolutioniert. Nicht zu vergessen sind die Millionen Frauen, die in der Wertschöpfungskette eines Kaffees eine entscheidende Rolle spielen: bei der Ernte, bei der Aufbereitung, im Handel oder auch am Röster. Fünf Frauen stellen wir euch heute vor.
An dieser Stelle möchten wir kurz Yumi, Gründerin der Bonanza Coffee Roasters, grüßen. Letztes Jahr hat sie in einem Vortrag beeindruckende Frauen aus der Kaffeeszene vorgestellt und uns zu diesem Beitrag inspiriert. Danke, Yumi!
Melitta Bentz
Für den Filterkaffee, wie wir ihn heute trinken, war diese Frau ausschlaggebend: Melitta Bentz erfand im Jahre 1908 den Kaffeefilter. Sie hatte genug von Kaffeesatz und kam auf die Idee, Löcher in den Topfboden zu stampfen. Diese bedeckte sie mit Löschpapier und füllte Kaffeepulver ein – der erste Kaffeefilter war geboren.
Erna Knutsen
Sie ist die Grande Dame der Kaffeeszene: Sie war es, die den Begriff Specialty Coffee 1974 erstmals einführte und bei der Entstehung der SCA (Specialty Coffee Association of America) federführend mitwirkte.
Die mittlerweile 97-jährige Erna Knutsen ist geborene Norwegerin und wanderte bereits als Kind in die USA aus. Hier kam sie in Berührung mit der Kaffeeszene, in der sie große Fußabdrücke hinterlässt. Erna Knutsen trotzte allen verstaubten Vorschriften und Vorgesetzten, die ihr in den Anfangsjahren ihrer Karriere aufgrund ihres Geschlechts den Zugang zum Cupping Table und anderen Bereichen des Kaffeehandels verneinten. 1985 gründete sie das international erfolgreiche Knutsen Coffee Ltd. Unternehmen mit dem Fokus auf den Import von Kaffees. Im Jahr 2014, im Alter von 93 Jahren, erklärte sie offiziell, es sei nun an der Zeit für ihren Ruhestand. Als 1991 erstmals der Preis für das Lebenswerk der SCA verliehen wurde, ging er an Erna Knutsen.
I was kept out of the cupping room and the roaster because I was a woman, and they didn’t call me a woman either. They were all men and they didn’t think women deserved the break. But I fooled them. I bought the company and fired them all. (…) No! Anyway, I learned a lot from them.
Susie Spindler
In dieser Liste darf Susie Spindler nicht fehlen! Sie gilt als eine Pionierin im Kaffee und setzte sich für mehr Transparenz im Einkauf von Rohkaffee ein. 1999 war sie es, die den Cup of Excellence ins Lebens rief, darüber hinaus war sie von 2002 bis 2014 Geschäftsführerin der von ihr gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft ACE (Alliance for Coffee Excellence) in der sie seit 2016 erneut tätig ist.
Der Cup of Excellence wurde gegründet, um mehr Farmern zu mehr Geld für ihren hochwertigen Spezialitätenkaffee zu verhelfen. Er ist das bekannteste und angesehenste Cupping von Spezialitätenkaffees in wechselnden Gastgeberländern. Er findet seit 1999 in unregelmäßigen Abständen in Afrika, Mittel- und Südamerika statt. Dabei haben mehrere tausend Farmer die Möglichkeit ihre Samples professionell cuppen und bewerten zu lassen. Der Wettbewerb dauert drei Wochen. Anschließend werden die Kaffees bei internationalen Auktionen zu höheren Preisen verkauft, dessen Großteil direkt zu den Farmern fließt. Während des Cup of Excellence treten Farmer in direkten Kontakt mit den Käufern ihrer Kaffees, wodurch ein Austausch ermöglicht wird, den es so zuvor nicht gab.
Trish Rothgeb
Trish Rothgeb war die erste weibliche Q Graderin in den USA und gilt als Gründungsmitglied der Barista Guild of America. Zudem wird ihr ein erheblicher Einfluss an der Bezeichnung Third Wave Coffee zugesprochen. Sie kennt die Kaffeeindustrie in all ihren Facetten und prägte sie; sie war als Rösterin und Rohkaffeekäuferin tätig, leitet bis 2016 Q and Educational Services am Coffee Quality Institute und war das erste weibliche Mitglied der amerikanischen Röstergilde. Obendrein ist sie Mitgründerin des Wrecking Ball Cafés in San Francisco, das sie mit ihrem Mann führt. Bevor sie ihre Liebe zum Kaffee entdeckte, studierte sie Design und Kunst an der San Jose State University und verdiente sich als Nebenjob etwas als Barista und in der Rösterei dazu.
Linda Mugaruka
Linda Mugaruka ist noch neu in der internationalen Kaffeeszene. Die 25-Jährige ist die erste (und bisher einzige) professionelle Cupperin im Kongo! Kongo ist bisher aufgrund der politischen Lage weniger attraktiv für viele Kaffeehändler, da es ihnen oft zu riskant ist, sich in dem Land zu engagieren. Linda setzte sich mit ihrer Arbeit dafür ein, die besten Kaffees ihres Heimatlandes zu finden und auf eine internationale Bühne zu bringen. Ihr erklärtes Ziel: Künftig sollen Menschen mit dem Kongo nicht mehr Krieg, sondern richtig guten Kaffee assoziieren!
Anfang April fahren wir erstmals selbst in einige Kaffeeregionen im Kongo, um Kooperativen und Farmer persönlich kennenzulernen. Lindas Engagement begrüßen wir sehr und sind gespannt, was wir künftig von ihr hören werden!
Die New York Times berichtete im November 2017 über Linda. Das Video ist inspirierend, schaut es euch an!