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Die Insel Lewis ist der nördliche Teil der Insel Lewis und Harris. Sie befindet sich westlich vom schottischen Festland auf den Äusseren Hebriden. Scott MacRury lebt hier mit seiner Familie. Er ist ein sogenannter Crofter.
Der Himmel ist grau und wolkenverhangen. Die baumlose Moorlandschaft und die ungezähmten Küsten sind von schlichter karger Schönheit. Der Wind weht rücksichtslos von allen Seiten. Eine enge Strasse führt von einen Ort zum anderen. Manchmal steht ein Schaf auf der Fahrbahn. Schafe sind hier zahlreich, Häuser und Menschen rar.
Der Atlantik wirft einen Steinwurf entfernt, seine Wellen ans Ufer. Hier in South Garson, einem kleinen Dorf, 15 Kilometer von der nördlichsten Spitze (Butt of Lewis) der Äusseren Hebriden und 32 Kilometer von der östlich gelegenen Inselhauptstadt Stornoway entfernt, lebt Scott MacRury mit Frau und Kind. MacRury ist ein Kleinfarmer, ein sogenannter Crofter. Ein Croft umfasst ein Haus und zwischen zwei bis fünf Hektaren Land. Crofter sind selten selbst die Besitzer des Grundstücks. Der Farmer bezahlt eine Pacht, ist verpflichtet das Land zu bewirtschaften und zu pflegen. Er hat aber im Gegenzug die Sicherheit, dass der Betrieb über Generation weitergegeben werden darf. Dies ist seit 1886 im britischen Gesetz verankert. Zuvor kam es zu gewaltsamem Landvertreibungen der ansässigen Bevölkerung durch Gutsherren aus dem Tiefland, die das Land für eine flächendeckende Schafzucht selbst in Anspruch nehmen wollten. Heute gibt es in den Highlands etwa 18 000 Crofts, das sind rund 30 Prozent der Haushalte. Rund 770 000 Hektaren werden auf diese Weise bewirtschaftet.
MacRury hält etwas mehr als ein Dutzend Blackface-Schafe, einer für Schottland typischen ursprünglichen Schafrasse. Die Wolle verkauft er auf dem britischen Wollmarkt, das Fleisch an einen lokalen Metzger. Was ist profitabler für ihn, Wolle oder Fleisch? «Fleisch», sagt er und lacht. Von Profit könne dennoch nicht die Rede sein. Hätte er die finanzielle Unterstützung der EU nicht, würde er drauflegen. Der Brexit mache ihm deshalb etwas Sorgen. «Ich habe keine Ahnung, was auf uns Bauern zukommt», sagt er. Von seinen Schafen allein kann MacRury sowieso nicht leben. Wie die meisten Crofter gehen er und seine Frau einem Nebenerwerb nach.
Der 32-Jährige arbeitet als Pöstler und Weber. Die Weberei ist auf den Äusseren Hebriden traditionell verbreitet.Auf den Inseln stehen rund 250 Webstühle, 90 Prozent davon auf Lewis. In einer Baracke neben dem Wohnhaus steht ein Webstuhl. Es ist eng hier drin. An der Wand hängt eine vergrösserte Fotografie von ihm und seinen Schafen. Es zierte vor zwei Jahren einen Beitrag in der «National Geographic» unter dem Titel «Generation zwischen Vergangenheit und Zukunft». Die Jungen ziehen weg von den Inseln, die Landwirtschaft plagt, wie vielerorts in Schottland, Nachwuchssorgen. MacRury ist geblieben.
Der Tweed ist aus reiner Schurwolle und wird auf einem mechanischen Trittwebstuhl von Hand gewebt. Es braucht Kraft in den Beinen, um den Webstuhl mit den Pedalen in Bewegung zu bringen. Die Fadenspulen schiessen hin und her, die Metallschäfte und Schiffe rattern und klacken, und sausen von einem Ende des Webstuhls zum anderen. Das Garn stammt aus der Shawbost Mühle, einer der drei Mühlen der Insel. Nach dem Weben wird der Tweed zur Fertigstellung in die Mühle zurückgebracht. Nur Stoff von den Äusseren Hebriden darf sich Harris Tweed nennen. Modedesigner auf der ganzen Welt arbeiten mit diesem Stoff.