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Vor der Küste des Bundesstaates Rio Grande do Sul liegt die “Ilha dos Lobos”, das kleinste Naturschutzgebiet Brasiliens. Die der Küste von Torres in zwei Kilometern Entfernung vorgelagerte “Wolfsinsel“ hat eine Fläche von 17.000 Quadratmetern. Sie ist ein Refugium von Seehunden (die in Brasilien “Lobos-marinhos“, also Seewölfe, genannt werden) und von Seelöwen – ausserdem lockt sie Surfer an, wegen der hohen Wellen.
Die Insel ist nur klein, aber von grosser ökologischer Bedeutung, und für die genannten marinen Säugetiere ist sie eine der nur zwei Refugien vor der brasilianischen Küste. Ihre Gesamtfläche ist nicht viel grösser als ungefähr zwei Fussballfelder, und sie besteht aus Felsformationen und Steinen, die vor zirka 200 Millionen Jahren entstanden, und die man kaum noch erkennen kann, nachdem die Flut angestiegen ist. Die Insel ist ein Sammelplatz für Seehunde, Robben und Seelöwen, die aus Argentinien und Uruguay kommen, um sich im wärmeren Wasser zu ernähren, zu ruhen und sich fortzupflanzen.
In den Monaten Juli bis November halten sich hier bis zu 150 dieser Säugetiere auf, die sich diesen ruhigen Ort mit Walen, Delfinen, Schildkröten und Meeresvögeln teilen.
Auf Betreiben des “Instituto Chico Mendes de Conservação da Biodiversidade (ICMBio)” wurde die einzige Meeresinsel der Gaúchos 1983 unter Naturschutz gestellt – als Ökologisches Reservat – einer in der brasilianischen Gesetzgebung verankerten Konservierungseinheit. Das Schutzgebiet reicht zu allen Seiten der Insel zirka 500 Meter über die 16,9 Hektar der Insel hinaus ins Meer hinein.
Mit einer neuen Kategorisierung im Jahr 2005, als “Refugium für wilde Tiere“, wurde das Gebiet auf 142 Hektar erweitert, in rechteckigem Format, um seine Darstellung auf den Seekarten zu vereinfachen, so erklärt ein Agraringenieur des Instituts ICMBio.
“Innerhalb dieses Gebietes unterliegen sämtliche Aktivitäten ganz spezifischen Regeln, um die Durchführung von wissenschaftlichen Studien und eine Entwicklung von kontrollierten Aktivitäten der ambientalen Erziehung und des ökologischen Tourismus zu gewährleisten“, erklärt der Chef des lokalen Naturschutzes.
Er erklärt, dass die Entleerung des Rio Mampituba und die Vogelwelt der Insel eine gewisse Düngung des sie umgebenden Meerwassers bewirken, und das hat zur Folge, dass Schwärme verschiedener Fischarten von diesem Gebiet angelockt werden und so die ICMBio zwingen, eine ganze Reihe von Schutzmassnahmen, Beobachtungen und Kontrollen bezüglich der Interaktion der Seelöwen und den Fischereiaktivitäten durchzuführen.
Tourismus und Surfen
Bevor die Insel offiziell zum Schutzgebiet erklärt wurde, konnten die Fischer ihrer Tätigkeit rund um die Insel ohne Einschränkungen nachgehen. Es gibt Berichte von schrecklichen Massakern der Fischer unter den Seelöwen der Insel. Wegen der Küstennähe stand die Insel auch als touristische Destination auf den Programmen der Agenturen – die Besucher hatten freien Zugang, und nicht immer verhielten sie sich respektvoll gegenüber der Umwelt.
Gegenwärtig werden Touristen zwar immer noch mit Booten hingebracht, um die Schönheiten der Insel und die auf ihr und um sie herum lebende Meeresfauna beobachten zu können, aber sie umfahren lediglich die Felsengruppe in einer erlaubten Entfernung – niemand darf mehr die Insel betreten. Diese Ausflüge starten täglich vom Pier in Torres und dauern etwa eine Stunde.
Anfang der 2000er Jahre beunruhigte eine weitere Aktivität rund um die Ilha dos Lobos Behörden und Umweltschützer: Surfer aus ganz Brasilien entdeckten, dass die Basaltbank mitten im Meer besonders starke und Wellen verursachte – ideal zum Surfen. Es dauerte nicht lange, bis renommierte brasilianische Surfer wie Carlos Burle, stets auf der Suche nach den idealen Wellen, mit Jetskies die Insel ansteuerten – und die Wellen der Ilha dos Lobos wurden in Fernsehreportagen als die grössten und besten Brasiliens propagiert. Von einem Tag auf den andern wurde Torres zum Traum zahlreicher Praktikanten des Surfsports.
Nach Protesten der Umweltschützer wurde das Surfen vor der Ilha dos Lobos verboten. Heute ist es wieder erlaubt, jedoch in kontrollierter Form und mit einer Genehmigung der ICMBio. Der verantwortliche Leiter sagt, dass man auf die Forderungen nach touristischen und sportlichen Aktivitäten rund um die Insel eingegangen ist unter der Bedingung, dass diese keinerlei Schäden an den natürlichen Ressourcen hinterlassen.
Wie der Verantwortliche für Naturschutz weiter ausführt, sind die Verbesserungen zur Überwachung der Insel erst vor kurzem eingerichtet worden – dazu gehören auch Ausrüstungen wie Boote, Fahrzeuge und optische Instrumente, die eine ständige Kontrolle der Aktivitäten rund um das Seelöwen-Refugium ermöglichen sollen.
“Als Ergebnis davon haben wir nun Probleme mit der Administration der unterschiedlichen Interessen der Gesellschaft rund um die Insel – und wir müssen uns mit Antworten auf einige Fragen herumschlagen, die erst kürzlich hinsichtlich der sportlichen und touristischen Aktivitäten an uns gestellt worden sind“, meint der Verantwortliche.