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Blasenentzündung – wann zum Arzt?
Häufiger Harndrang einhergehend mit stechenden und brennenden Schmerzen beim Wasserlassen – typische Symptome, die den Betroffenen einer Blasenentzündung zu schaffen machen. Männer sind eher selten von einer Blasenentzündung (auch Zystitis) betroffen. Laut Umfragen leidet aber mehr als jede dritte Frau ein- oder mehrmals im Leben darunter. Meist ist eine Blasenentzündung harmlos und heilt ohne Probleme aus. Je nach Patientensituation gibt es aber auch Risikofaktoren, die eine ärztliche Behandlung erforderlich machen.
Blasenentzündung – Beschreibung und Symptome
Bei der Blasenentzündung handelt es sich in der Regel um eine Infektion der Harnwege mit Bakterien. Selten wird diese auch durch Viren, Parasiten oder Pilze ausgelöst. Die Keime gelangen meist von aussen über die Harnröhre in die Blase. Dort entstehen eine Entzündung und Reizung der Blasenwand. Mediziner unterscheiden zwei Arten von Blasenentzündung: Bei einem Patienten, der keine Risikofaktoren für eine derartige Erkrankung besitzt, redet man von einer unkomplizierten Zystitis.
Leichte Blasenentzündungen sind unter Umständen nur gering zu spüren. Die klassischen Anzeichen einer unkomplizierten Blasenentzündung sind Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie) in Form eines stechenden oder brennenden Schmerzes sowie häufiger Harndrang bei nur geringer Urinabgabe (Pollakisurie). Weitere mögliche Symptome einer Blasenentzündung sind:
- erschwertes Wasserlassen (Dysurie)
- vermehrter nächtlicher Harndrang (Nykturie)
- Schmerzen in der Blasengegend (suprapubische Schmerzen)
- krampfartiges, schmerzhaftes Zusammenziehen der Blase mit starkem Harndrang (Tenesmus)
- trüber oder unangenehm riechender Urin
- verstärkter Ausfluss (Fluor) bei Frauen, wenn sich eine Infektion auch auf die Vagina ausdehnt
- Schmerzen im ganzen Unterleib oder im Rücken (wenn die Entzündung auf die Nieren oder auf die Prostata übergreift)
- allgemeines Unwohlsein oder Krankheitsgefühl
- Abgeschlagenheit
- Reizbarkeit
- Schlafprobleme
- plötzlicher und zwingender Harndrang bzw. -abgang (imperativer Harndrang bzw. Dranginkontinenz)
- manchmal: Fieber
- seltener: Blut im Urin
Die sogenannte komplizierte Zystitis wird durch zusätzliche Risikofaktoren begünstigt.
Blasenentzündung – Ursachen und Risikofaktoren
Beim Mann geht eine Blasenentzündung fast immer von einer akuten oder chronischen Prostataentzündung aus. Blasenentzündungen treten jedoch vor allem bei Frauen auf. Begünstigt wird dies durch die im Schnitt um 16 bis 21 cm kürzere Harnröhre der Frau sowie die Nähe des Harnröhrenausgangs zum After, denn die häufigsten Auslöser für eine Blasenentzündung sind die zur menschlichen Darmflora gehörenden Escherichia coli-Bakterien. Wird nach dem Stuhlgang fälschlicherweise von hinten nach vorne gesäubert, können sie vom After in die Harnröhre und bis zur Blase hochsteigen. Seltener beginnt eine Entzündung in den Nieren, von wo die Keime über die Harnleiter zur Blase hinabsteigen.
Neben E. coli kommen noch weitere Bakterienarten (bspw. Proteus mirabilis, Staphylokokken, Streptokokken, Klebsiellen) und in selteneren Fällen auch Pilze (u.a. Candida albicans), Viren oder Parasiten (z.B. Adenoviren, Polyoma) als Auslöser in Frage.
Folgende Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Blasenentzündung:
- häufiger Geschlechtsverkehr (Flitterwochen-Zystitis)
- bestimmte Verhütungsmethoden wie Diaphragma oder Spermizide
- Dauerkatheter
- Blasenfunktionsstörungen
- Diabetes mellitus
- ein geschwächtes Immunsystem durch Unterkühlung, Stress, Medikamente oder Bestrahlung in der Beckengegend (Strahlenzystitis)
- eine Störung des Harnabflusses durch eine Verengung der Harnröhre (mögliche Gründe: vergrösserte Prostata, Harnsteine oder Tumore)
- vesiko-uretaler Reflux: Rückfluss vom Urin von der Blase in den Harnleiter durch Störung des Ventilmechanismus
- mechanische Eingriffe wie Blasenspiegelungen und -spülungen
- veränderte Hormonlage durch Schwangerschaft und Wochenbett
Blasenentzündung – Untersuchungen und Diagnose
Im Anamnesegespräch erfragt der Arzt Symptome und mögliche Risikofaktoren. Wenn eine komplizierte Blasenentzündung ausgeschlossen werden kann, wird bei jungen, gesunden Frauen auf eine weitere Untersuchung verzichtet. Die meist typischen Symptome genügen hier für Diagnose und Einleitung einer standardisierten Therapie. Bei Schwangeren muss hingegen eine asymptomatische Bakteriurie (Bakterien im Urin) immer behandelt werden, um eine folgende Nierenentzündung zu vermeiden. Besondere Bedeutung kommt bei Verdacht auf eine Blasenentzündung daher der Urindiagnostik zu. Der Urin der Patienten wird auf Bakterien und Blutbeimengungen untersucht, wobei verschiedene Methoden zum Einsatz kommen. Sind die Symptome eindeutig und handelt es sich um eine unkomplizierte Harnwegsinfektion, genügt der Harnstreifentest, um die Diagnose Blasenentzündung zu stellen und eine Therapie einzuleiten.
Um Bakterienart und -menge im Urin zu ermitteln, muss der Harn im Labor untersucht werden. Vor allem bei einer wiederkehrenden oder komplizierten Blasenentzündung sowie in der Schwangerschaft ist das für eine gezielte Behandlung unabdingbar. Gleiches gilt für Blasenentzündungen, die sich trotz Antibiotikabehandlung nicht bessern. Hier kann auch eine Ultraschalluntersuchung von Nieren und Harnblase sinnvoll sein. Sehr selten ist in solchen Fällen eine Blasenspiegelung oder eine Röntgenuntersuchung nötig.
Blasenentzündung – Behandlung
Unkomplizierte Blasenentzündungen heilen oft von allein und ohne den Einsatz von Medikamenten wieder aus. Eine Behandlung kann aber helfen, schneller gesund zu werden und die Symptome zu lindern. Wie bei fast allen bakteriellen Infektionen sind Antibiotika auch bei einer durch Bakterien ausgelösten Blasenentzündung das Mittel der Wahl. Gegen seltenere Fälle, die durch Pilze ausgelöst werden, kommen sogenannte Antimykotika zum Einsatz.
Bei starken Schmerzen können zusätzlich krampflösende Medikamente hilfreich sein, um die Blasenmuskulatur zu entspannen. Bei nur leichten Beschwerden kann auch eine reine Schmerztherapie mit Ibuprofen oder Paracetamol erwogen werden.
Auch die Blasenentzündungs-Behandlung während einer Schwangerschaft basiert auf Antibiotika. Hier bevorzugt man Präparate, die eine gute Verträglichkeit für Schwangere aufweisen wie z.B. Wirkstoffe aus den Gruppen der Penicilline und Cephalosporine sowie Fosfomycintrometamol.
Selbsthilfe mit Hausmitteln
Häufiges Trinken fördert die regelmässige Blasenentleerung, um Keime möglichst schnell auszuspülen. Gut geeignet sind Nieren- und Blasentees. Sie enthalten unter anderem Bärentraubenblätter, denen eine antibakterielle Wirkung nachgesagt wird. Auch eine Wärmflasche, warme Sitzbäder oder feuchtwarme Umschläge im Blasenbereich können die Beschwerden lindern, da sie die glatte Muskulatur der Blase entspannen und so die Schmerzen mildern.
Blasenentzündung – Vorbeugung
Wer häufiger unter Blasenentzündungen leidet, kann versuchen, die entzündungsfördernden Ursachen im Alltag zu eruieren. Wenn sich die Auslöser nicht abstellen lassen oder Blasenentzündungen trotzdem häufig auftreten, gibt man Antibiotika in bestimmten Fällen in niedriger Dosierung sogar prophylaktisch. Vorher sollte jedoch versucht werden die Abwehr mit einem sogenannten Immunstimulans zu verbessern.
Bei mehr als drei Harnwegsinfektionen im Jahr kann eine dauerhafte Gabe von Antibiotika sinnvoll sein. Wie lange eine solche Behandlung nötig ist, legt der Arzt fest. Eventuell hilft auch die vorbeugende Einnahme eines Antibiotikums nach dem Geschlechtsverkehr.
Ist eine gestörte Scheidenflora Ursache für wiederkehrende Blasenentzündungen, können Scheidenzäpfchen mit Milchsäurebakterien helfen. Auch Mannose, ein bestimmte Zuckerart, oder pflanzliche Wirkstoffe wie Bärentraubenblätter, Kapuzinerkressekraut oder Meerrettichwurzel kommen zur Vorbeugung von immer wiederkehrenden Harnwegsinfektionen in Betracht. Auch das Ansäuern des Urins kann Harnwegsinfekten vorbeugen.
Manche Frauen neigen speziell nach den Wechseljahren vermehrt zu Harnwegsinfektionen. Eine mögliche Ursache dafür ist ein Östrogenmangel, der die Schleimhaut empfindlicher für Bakterien macht. In diesem Fall kann eine Behandlung mit Östrogenpräparaten helfen.
Empfehlenswerte Massnahmen zur Vorbeugung gegen Blasenentzündungen sind in jedem Fall:
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1 bis 1,5 Liter pro Tag
- regelmässiger Toilettengang zur Durchspülung der Harnröhre
- richtige Toilettenhygiene
- warmhalten von Füssen und Unterleib
- saubere Baumwollunterwäsche zur Vermeidung von Keimen und der Reizung des Schambereichs
- ausreichende sowie pH-schonende Intimhygiene
- geeignete Verhütungsmittel
Je nach persönlicher Situation ist ein ärztliches Gespräch anzuraten, um schwere Verläufe oder häufigere Fälle einer Blaseninfektion zu verhindern.