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Eine Kollegin erzählte mir Folgendes: Sie ist gestürzt und liess sich von einem Osteopathen behandeln. Die Sitzung von 45 Minuten kostet 110 Franken.
Sie schickte die Rechnung der Unfallversicherung und erhielt folgende Antwort: «Die Alternativ-Therapien sind grösstenteils wissenschaftlich nicht anerkannt und ihre Vergütung stellt keine
Pflichtleistung der Unfallversicherung dar». Dennoch übernimmt die Vaudoise einen Teil der Kosten, weil sich «die Alternativ-Therapien erfahrungsgemäss bei geeigneter Indikation
günstig auf den Heilerfolg auswirken». Die Sitzungspauschale dürfe aber pro 45minütiger Sitzungsdauer 55 Franken nicht überschreiten.
Nachdem die Vaudoise für die ersten Sitzungen 50 Prozent der Kosten bezahlt hatte, erinnerte sich die Kollegin, dass sie bei der Visana die Zusatzversicherung Komplementärmedizin hat. Sie schickte die folgenden Rechnungen der Visana, welche ihr 90 Prozent der Kosten vergütete, 99 Franken pro Sitzung.
Der Finanzchef einer Krankenkasse sagte mir, die Kollegin hätte alle Rechnungen der Vaudoise präsentieren sollen und danach den Restbetrag von der Visana bezahlen lassen. Damit wäre die Behandlung vollständig bezahlt gewesen.
Was wäre, wenn die Kollegin die Rechnungen gleichzeitig beiden Versicherern schickt, um einen Betrag zu kassieren, der die Kosten übertrifft? «Geht nicht», sagt mir der Finanzchef Beide Versicherer würden die Originalrechnung verlangen.
Die Moral der Geschichte: Warum sollen unsere Sozialversicherungen einfach sein, wenn es kompliziert auch geht?
Erschienen in der BZ am 5. August 2014