Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03230.jsonl.gz/1526

Titel: Tierleichenurinator Jahr: 2003 Werkstoff: Alu geschweisst Grösse: 1500mm
Die Idee für diese Arbeit entstand, als ich im April 2003 für ein Mühlenprojekt der Firma Bühler AG in Amarillo, Texas unterwegs war. Unweit der Mühle, auf einer Farm türmten sich Tonnen von Schrott. Ausgerüstet mit einer Fotokamera durchstöberte ich das Gelände auf der Suche nach neuen Formen und Gedanken. Als vor der Linse plötzlich ein totes Rind auftauchte, verwandelte sich das Örtchen der Inspiration schlagartig in einen Alptraum. Das verwesende Rind mit zerfetzten Hinterteil und aufgeschlitztem Bauch lag inmitten des Metallschrotts. Der Korpus war leer, die Innereien weg.Die Menschen, die es hierher gebracht hatten, mussten sich einig gewesen sein: Das war Abfall. Sicherlich war es ein Rind, das den menschlichen Anforderungen nicht gerecht wurde, weil es möglicherweise krank war und somit seinen Lebenszweck nicht erfüllte, zum Verzehr als ungeeignet bezeichnet und aus gleichem Grund auch im wahrsten Sinne des Wortes entsorgt wurde. Dieses Bild liess mich nicht mehr los. Woher nimmt der Mensch, als vermeintliche Spitze der Evolution, die Arroganz sich ohne Respekt und Achtung über alles Lebende zu stellen? Die so genannt niederen Wesen sind hauptsächlich dafür da menschliche Zwecke und Bedürfnisse zu erfüllen, das ist ihre Lebensberechtigung und der Sinn ihrer Existenz, selbstverständlich vom Mensch definiert. Oder kurz gesagt: Ein Rind, dessen Fleisch nicht gegessen werden kann, hat seinen Lebenszweck verwirkt und wird in der Regel entsorgt. Dass ein Rind noch etwas anderes ist als ein Nierstück oder ein Filet, zum Beispiel ein lebendes Wesen, geschaffen aus dem gleichen Staub wie der Mensch, ist uninteressant. Das bekannte Wort, sich die Erde untertan zu machen und über die Tierwelt zu herrschen ( 1. Mose 1,28 ) beinhaltet meines Erachtens von vornherein eine Begrenzung und erlaubt keine schrankenlose Willkür, Ausbeutung und Ausnutzung durch den Menschen.Das Credo in der Fleischindustrie lautet jedoch: schneller mehr produzieren. Nur so wird der Profit maximiert und der tägliche Fleischgenuss für den modernen Menschen gesichert, wird argumentiert.Dass dadurch die Fleischqualität weiter abnehmen und Krankheiten beim Menschen, die im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fleisch stehen, zunehmen wird, liegt auf der HandMag sein, dass der Tierleichenurinator zeigt, dass wir im Grunde genommen auf die Tiere pissen! Andererseits ist der Mensch ein sensibles Wesen und rettet sogar eine, im Wasser zappelnde Fliege aus dem Pissoir, was mir persönlich immer ein gutes Gefühl vermittelt.Der Mensch rettet Fliegen vor dem Ertrinken, gleichzeitig haltet und tötet er Tiere unter brutalsten und abscheulichsten Bedingungen! Ich bin überzeugt, dass nicht nur in diesem Bereich des menschlichen Daseins, eine allgemein verbindliche ethische Grundhaltung von Nöten ist, die auf Respekt und Gleichberechtigung gegenüber allen Lebewesen basiert.
"Wir müssen uns bewusst werden, dass wir als Konsumenten es in der Hand haben, womit wir unseren Hunger stillen. Jedes Produkt folgt dem Gesetz der Marktwirtschaft, das nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert.
Wenn uns am würdige Leben der Tiere mehr liegt, als der Gedanke an eine fein duftende Bratwurst, dann sind wir vielleicht bereit für die, ach so dringenden Veränderungen.
Der Schutz des Lebens und der Natur, ist eine Auflage des Menschen, zu der alle Kräfte der Gesellschaft beitragen müssen.
Unserer Mutter Erde erzählt uns unermüdlich woher wir kommen, doch wir hören ihr einfach nicht zu!