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Beschwerden
Das häufigste Kopfweh ist das meiner Meinung nach am wenigsten verstandene. Es ist das allgemeine"Kopfzerbrechen ". Bei jungen oder sehr schlanken Menschen überwiegt es am Morgen, ist im Stirnbereich lokalisiert und geht oft mit einem tiefen Blutdruck einher, was auch mit einem kurzen Schwindel bei zu schnellem Aufrichten einhergehen kann. Dies führte zur Bezeichnung eines "vasomotorischen Kopfwehs " mit einer Beziehung zur einfachen Migräne.
Bei anderen Patienten findet man einen normalen Blutdruck, aber der Patient scheint irritiert, vielleicht depressiv und besorgt zu sein. Hier überwiegen die psychischen Faktoren eindeutig. In manchen Fällen sind sie durch psychotische oder depressive Erkrankungen verursacht.
Dies ist vielleicht die häufigste Kopfwehform überhaupt. Die Patienten beklagen sich über einen Druck im oder um den Kopf, ringförmig oder wie von einem Helm, wobei sich die Beschwerden im Tagesverlauf verschlechtern. Die Patienten, meist Frauen, neigen dazu, willig und ohne allzuviel Kritik alle möglichen Schmerzmittel einzunehmen, die sie nur finden können. Diese Medikamente können aber bei regelmässiger Einnahme nach gewisser Zeit selber Kopfschmerzen hervorrufen und zudem noch andere Gefahren für die Patienten mit sich bringen. In einem solchen Fall besteht der einzige Ausweg darin, keine Medikamente mehr einzunehmen. An deren Stelle sind alle Massnahmen erwünscht, so absurd sie auch dem "wissenschaftlich gebildeten" Arzt vorkommen möchten - vorausgesetzt sie helfen! Es gibt hier viele Möglichkeiten.
Der diagnostische Goldstandard - wie immer, wenn man mit Kopfschmerzen zu tun hat - ist die sorgfältige Befragung und klinische Untersuchung des Patienten. Meist sind die neurologischen Untersungsbefunde im engeren Sinn des Wortes unauffällig. Schmerzhafte Muskelstränge können an der Kopfhaut, am Genick und am Schultergürtel gefunden werden, oft zusammen mit einer schlechten Körperhaltung. Der Blutdruck kann ausserhalb der normalen Grenzen liegen. Psychisch scheinen die Patienten oft gespannt, nervös oder besorgt. Wenn ein Spannungskopfweh angenommen wird, ist es ein Kunstfehler, nicht in einem eingehenden Gespräch auf mögliche psychische Schwierigkeiten eingegangen zu sein. Bei Annahme eines psychogenen Kopfwehs muss allerdings eine entsprechende psychiatrische Diagnose, z.B. eine Depression, formuliert werden können. Auch sollte eine sorgfältige Ueberprüfung der Arbeitsbedingungen stattfinden, z.B. angestrengte Arbeiten am Computer.
Die Routine-Blutuntersuchungen sind meist normal. Bei vasomotorischem Kopfweh können manchmal erniedrigte Eisenwerte oder auch eine leichte Anämie gefunden werden. Bei Patienten mit Zeichen von Erschöpfung oder vegetativer Entgleisung sollte man auf erniedrigte Werte für Magnesium, Zink, Selen oder andere Spurenelemente achten In diesen Fällen kann auch ein verbreitertes RR-Intervall im EKG vorkommen.
Das EEG kann vermehrte Aufmerksamkeitszeichen mit Amplitudenverminderung und fehlendem Alpharhythmus, aber mit gesteigerter Photosynchronisation in den schnelleren Frequenzen aufweisen. Meist finden sich viele Muskelverspannungsartefakte. Wirklich krankhafte Veränderungen sind aber selten.
Die Schädelröntgenaufnahmen sind meist normal. Bei jungen Menschen sind gelegentlich vertiefte Impressiones digitatae zu finden, welche durch eine Computertomographie zu überprüfen sind.
Eine interessante neue Untersuchungsmöglichkeit bietet beim Spannungskopfschmerz der elektromyographische exterozeptive Masseterhemmreflex. Im Prinzip ist dies ein Mass für die Fähigkeit des Patienten, sich trotz Schmerzen entspannen zu können.
Abhärtung mit Laufsport, heissen und kalten Duschen, Bürstenmassagen. eventuell Sauna. Regelmässige Lebensweise, Keine Alkoholexzesse, kein Rauchen, kein Schlafmangel oder auch zu langes Ausschlafen.
Spezifische Psychotherapie.
Nichtanalytische Psychotherapie, Entspannungsübungen, z.B. Yoga, Autogenes Training (Schultz), Biofeedback. Wettkampfsport, um Aggressionen abzubauen. Kontrollierte Gewichtsabnahme. Akupunktur, Neuraltherapie, Physiotherapie und Haltungsgymnastik. Verschiedenste Arten von "alternativer Medizin" und auch Musiktherapie. Eine neue und interessante, allerdings noch heftig diskutierte, Methode zur Behandlung von Kopfschmerzen, Migräne und auch burn out-Syndrom bietet die Psychofonie.
Prophylaktische Behandlung mit Dihydroergotamin, eventuell kombiniert mit einem peripheren sympathicomimetischen Vasokonstriktor. Wenn kein tiefer Blutdruck und keine extreme vegetative Bradykardie besteht, kann ein Betablocker ohne sympathicomimetische Eigenaktivität oder auch Flunarizin versucht werden. Bei akutem Kopfweh sollte Aspirin© oder Paracetamol reichen.
Bei einer echten Depression sollte ein Antidepressivum in adäquater Dosierung gegeben werden. Bei agitierten oder psychotischen Patienten sollten die entsprechenden Neuroleptica verwendet werden. Flunarizin kann eine Verschlechterung des Zustands herbeiführen.
Niedrig dosierte Antidepressiva, z.B Amitryptilin oder Fluoxetin (Fluctine©), eventuell zusammen mit niedrig dosierten Betablockern wie Propranolol oder Metoprolol. Bei akutem und unerträglichem Spannungskopfweh kann Aspirin© oder Paracetamol zusammen mit einem Muskelrelaxans wie Diazepam gegeben werden. Verwenden Sie keine Kombinationspräparate (z.B. Aminophenazon plus Koffein plus Barbiturat plus Codein), diese können zu Abhängigkeit und zu einem toxischen bzw. medikamenteninduzierten Kopfweh führen.
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