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Kaum hatte ich das Gewusel der Hauptstadt Denpasar hinter mir gelassen, begannen die Reisefelder – sorgfältig angelegte Terrassen, die sich wie ein endloses Muster durch die Landschaft zogen. Mit der Zeit stellte sich bei mir das Bild ein, dass die Insel so entstanden sein könnte: Am Anfang war nur ein Reisfeld mitten im Ozean, das von einem einzigen Bauer bewirtschaftet wurde. Dann kam ein zweiter Bauer und legte seine Terrasse eng neben dem Feld des ersten an, weitere folgten, und so entstand mit der Zeit die Insel Bali, ein Teppich aus lauter aneinander genähten Reisfeld-Plätzen, der wie ein Floss durch den Ozean trieb.
Erst als ich am Südufer des Buyan-Sees in einen Wald geriet, verlor das Bild allmählich seine Kraft. Hier spürte ich die Wucht dieses Dickichts, das alles verschlucken konnte, was sich ihm nicht entzog. Selbst der Regen, der draussen wie Hagel auf die Felder prasselte und gegen die Windschutzscheiben der Autos knallte, bewirkte in diesem Wald bloss dann und wann ein Knacken – als sickere das Wasser der Welt nur ganz allmählich durch die Haut der Baumkronen ins Innere dieses dunkelgrünen Organismus ein.
Bali ist, was die Menschen diesem Wald abgetrotzt haben – das Ergebnis eines täglichen Ringens mit der Natur und gegen sie.
First Publication: 19-12-2013
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