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Am Dienstagabend zog eine kräftige Gewitterzelle über das Tessin. Deutlich ruhiger zeigte sich das Wetter auf der Alpennordseite. Was machte den Unterschied aus?
Wetter
Am Dienstagabend zog eine kräftige Gewitterzelle über das Tessin. Deutlich ruhiger zeigte sich das Wetter auf der Alpennordseite. Was machte den Unterschied aus?
Wie bereits in den Tagen zuvor entstanden am Dienstagnachmittag über den Alpen und auf der Alpensüdseite grössere Quellwolken. Gegen Abend bildeten sich dann einige Schauer- oder Gewitterzellen, welche im Allgemeinen harmlos blieben. Eine Zelle hatte es jedoch in sich. Diese zog von Osten herkommend knapp südlich von Lugano über den Lago di Lugano.
Die Gewitterzelle brachte Hagelkörner mit einem Durchmesser von ca. 2-5 cm, wie Meteo- und Fotomeldungen unserer App-Benutzer zeigen. Dabei wurde unter anderem das Swissminiatur in Melide in Mitleidenschaft gezogen, wie Medien berichteten (z.B. Artikel 20 min.ch)
Auch die Gewitterböen waren nennenswert. Die Wetterstation Lugano wurde zwar nicht direkt von der Zelle getroffen, der kalte und kräftige «Outflow» (Ausfluss) des Gewitters brachte der Station aber eine Böenspitze von 84 km/h aus Südost sowie einen Temperaturrückgang von rund 5°C.
Die Gewittertätigkeit nahm in der Nacht auf Mittwoch zwar rasch ab, eine gewisse Schaueraktivität und eine recht kompakte Bewölkung blieben jedoch zurück, welche auch am Mittwochvormittag noch das Bild im Süden prägten.
Ganz im Gegensatz zur Alpennordseite. Dort zeigte sich der Himmel von der meist wolkenlosen Seite.
Dazwischen – in den inneralpinen Regionen - war ein Mix aus Sonne und Wolkenfeldern vorherrschend.
Auf der Bodenwetterkarte ist ersichtlich, dass die Schweiz auch heute Mittwoch am Südrand eines Hochs mit Zentrum nordwestlich der Britischen Inseln lag. Für die Alpennordseite bedeutete dies eine Bisenströmung, mit welcher trockene Luft herangeführt wurde.
Über dem Mittelmeer ist zwar eine Tiefdruckzone zu erahnen, die Druckverteilung ist aber sehr flach. Eindeutiger sieht das Bild ein paar Stockwerke höher aus. Betrachtet man die Druckverteilung in rund 5700 Metern, ist das Tiefdruckgebiet mit Zentrum über Sardinien klarer ersichtlich. Der Feuchtegehalt der Luft (blau=feucht, rötlich=trocken) zeigt eine deutlich feuchtere Luftmasse auf der Alpensüdseite.
Ausserdem ist die Strömung zyklonal (Linkskurve, oranger Pfeil) gekrümmt, was eine gewisse Hebung bewirkt. Durch die oben genannten Punkten, die etwas höhere Labilität und die südöstliche Komponente der Strömung im Süden (Stau) kam das unterschiedliche Wetter zustande.
Am Nachmittag lockerte sich die Bewölkung im Süden etwas auf, dafür nahm die Quellbewölkung in den Alpen zu und deckte zum Teil die Sonne ab. Vor allem den westlichen Alpen entlang, über dem Französischen Jura (wo man noch etwas näher am Höhentief lag) und lokal den Voralpen entlang bildeten sich auch Gewitter.