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Tagesbericht vom 19.10.2002
Heute Nacht haben wir zur Abwechslung ein bisschen Disco gehabt. Bis in die Morgenstunde hatten wir Musik von vis-a-vis. Auch die Lastwagen haben nicht gefehlt; sie waren nur nicht im Takt mit der Musik der Disco. (Bemerkung: Bobo schreibt zu brav. Die zweite Nacht mit unbeschreiblicher Lärmkulisse kommt einer Tortur gleich: Schlafen, aufwachen, schlafen aufwachen ... und das die ganze Nacht).
‚Jerez de Garcia Salinas' heisst der volle Namen der Stadt, in der wir jetzt sind. Die Stadt wurde 153x gegründet und ist neben Zacatecas die zweitgrösste Silberstadt in dieser Gegend. Jerez ist ein wunderschöner Ort mit vielen alten, schön in Stand gestellten, spanischen Gebäuden. Die Stadt macht zwar einen ausgestorbenen Eindruck auf uns, aber wir sind wahrscheinlich einfach zu früh. Nach unserem Stadtrundgang verlassen die ersten Leute ihre Häuser und begrüssen uns mit ‚Buonas Dias'. Es ist 11:00 Uhr.
Chicomotztoc oder ‚La Quemada' heisst unser nächster Aufenthaltsort. Die Bezeichnung Chicomotztoc soll von den Atzteken her stammen. Sie sollen hier einen Halt gemacht haben, als sie Mexico durchquerten. ‚La Quemada' ist die Bezeichnung neueren Datums. D.h. die Chichi... bewohnten und bauten diese Stadt im Jahre 300 bis 1200 nach Christi Geburt. Die Tempelanlage steht auf einem Berg, so dass der Vertreter auf Erden für den Sonnengott einen herrlichen Überblick auf seine 15'000 Untergebenen hatte. Die Chichi... sollen auch Bergbau betrieben und in den nahen Höhlen Edelsteine abgebaut haben. Der Handel mit anderen Städten z.B. Chihuahua soll in diesen frühen Zeiten geblüht haben. Als die Spanier im Jahre 1535 ankamen, war die Stadt leer und verlassen. Die gesamte Anlage ist bestens herausgeputzt mit Visitor Center, Museum, Restaurant, Kino, usw..
Jetzt wird es heiss und scharf. Wir sind in Tabasco. Aber eine lange Fahrt wartet noch auf uns, darum fahren wir ohne Aufenthalt weiter. Reiten scheint hierzulande eine gebräuchliche Fortbewegungsmöglichkeit zu sein. Ab und zu können wir im hohen Grass entlang der Strasse einen Sombrero ausmachen, der sich langsam verschiebt. Sehen wir unter dem Sombrero auch den Körper des Mannes, so reitet er ein Pferd, ist der Körper des Mannes nicht auszumachen, so sitzt er auf einem Esel. Sir James gefällt es übrigens auch wieder besser, denn wir sind momentan nur noch etwa 1250 Meter über Meer. Er hat dickere Luft zum verbrennen und schnauft ganz normal ins 75-ste Jahr hinein (75'000 Kilometer an Position Nord 21° 59' 23.3“ und West 103° 10' 50.9“ auf einer Passhöhe mit 2000 Metern über Meer und 23.1° Celsius draussen.)
Heute übernachten wir an Position Nord 20' 40' 52.0“ und West 103° 26' 53.3“! Woher ich das weiss? Es ist einfach super, wenn man über einen Campingführer verfügt, der die Koordinaten der Plätze angibt. Jetzt müssen wir ihn nur noch finden, respektive die Strassen, die dorthin führen.
Auf , ab, auf, ab, ist das Achterbahn? Nachdem wir eben einen Pass erklommen haben mit etwas über 2000 Metern, sind wir jetzt wieder auf 942 Meter, um die Kletterübung zu wiederholen. Nach der ‚Sierra Madre', der Hochebene auf 2000 bis 2500 Metern, sind wir jetzt in einem ziemlich zerklüfteten Teil von Mexico, nördlich von Guadalajara. Keine Wüste, sondern saftig, grüne Täler und Berge sind vor, hinter und neben uns. Hier eine kleine Siedlung von Bergbauern, dort ein kleines Dörfchen mit einer spanischen Kirche. Hier steile, fast senkrecht abfallende Bergwände mit und ohne Wasserfall, dort ein flacher Bergrücken mit Weiden.
So und jetzt stehen wir an Position 20° 35' 3.6“ und West 103° 27' 15.7“. Wieso dieser Punkt mit dem vorhergenannten nicht übereinstimmt? Ganz einfach, der vorhergenannte Campground existiert nicht mehr, so dass wir den Besten in Guadalajara nehmen mussten! Ja, da nützen alle Koordinaten nichts, wenn das Unternehmen nicht mehr existiert. Und jetzt regnet es auch noch. Sauerei! Tschüss miteinander, ich muss mich zurückziehen.