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Unsere Genossenschaft ist soziokratisch organisiert. Soziokratisch – das ist eins dieser Wörter, das erstmal nicht besonders zugänglich klingt. Aber eine Auseinandersetzung mit dieser kollektiven, selbstorganisierten Entscheidungsfindung ist es allemal Wert. Schliesslich bricht sie mit starren Hierarchien, wie sie (leider) noch immer in vielen Organisationen vorherrschen. Also, wieso kann das die Soziokratie besser?
Soziokratie ist eine Organisationsform, die ermöglicht, dass alle Beteiligten einer Gruppe an Entscheidungen auf gleichwertiger Basis mitwirken. Konkret heisst das, dass alle die Möglichkeit haben, ihre Meinungen einzubringen, Veränderungsprozesse anzustossen, Entscheidungen mitzuformen - und so die Verantwortung für die Arbeit der Energie Genossenschaft Schweiz gemeinsam getragen und gestaltet wird. Dahinter steht die Überzeugung, dass bessere Entscheidungen getroffen werden und interne Spannungen abgebaut werden können, wenn es einen offenen, diskutierten Entscheidungsprozess gibt. Die bekannteste Form der Soziokratie ist die Soziokratische Kreisorganisationsmethode (SKM). Über die gehts im Folgenden.
Unsere Entscheidungsfindung und Beschlussfassung orientiert sich an den vier soziokratischen Prinzipien. Diese heissen: Konsentprinzip, Kreisorganisation, doppelte Verknüpfung und offene Wahl. Sie bedeuten Folgendes.
- Das Konsentprinzip. Alle Entscheidungen werden im Konsent getroffen. Das bedeutet, dass eine Entscheidung erst dann getroffen wird, wenn es keine schwerwiegenden und begründeten Einwände gegen diesen Vorschlag gibt. Es kann also auch im Konsent noch variierende Haltungen zu einem Vorschlag geben (≠ Konsens: Übereinstimmung der Meinungen). Bei der Konsentfindung spielt die Moderation einer Sitzung eine wichtige Rolle. Sie formuliert, auf Basis des Besprochenen, Konsentvorschläge.
- Die Kreisorganisation: Die EG ist aus Kreisen aufgebaut. Ein Kreis ist vergleichbar mit einer selbstständigen Abteilung eines Unternehmens. In der EG gibts zum Beispiel den Kreis Verkauf. Ein Kreis ist eine Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Ziel haben. Jeder Kreis trifft innerhalb eines festgesetzten Rahmens (= Domain, beinhaltet die Ressourcen und Aufgaben, die es zur Zielerreichung braucht), autonom seine Entscheidungen. Die verschiedenen Kreise einer Organisation sind miteinander verbunden. So ist der Kreis Verkauf ein Teil des Kreises Solaranlagen. Verbunden sind sie durch die doppelte Verknüpfung.
- Die doppelte Verknüpfung: Jeder Kreis ist mit dem nächst übergeordneten Kreis verbunden, und zwar über zwei Personen. In unserem Beispiel bedeutet das, dass der Kreis Verkauf mit der Kreisleitung sowie mit einer delegierten Person bei den Treffen des Kreises Solaranlagen dabei ist dort Entscheidungen mitbestimmen kann. Die delegierte Person wählt der Kreis selbst, er:sie vertritt den Kreis ‚von unten‘. Die Kreisleitung wird vom nächst höheren Kreis, in unserem Beispiel dem Kreis Solaranlagen, gewählt (‚von oben‘). (Grafik unserer Kreisstruktur einfügen)
- Die offene Wahl: Menschen, die Funktionen und Aufgaben übernehmen sollen, wie die Kreisleitung und die Delegation, werden in einem moderierten Prozess nach einer offenen Diskussion im Konsent gewählt. “Ich schlage Louise Michel vor, weil ich denke, dass sie die Aufgaben und Anforderungen des Stellenprofils am besten erfüllt”. In einer zweiten Gesprächsrunde gibt es zudem die Möglichkeit, die Meinung zu verändern. Anschliessend wird die Konsententscheidung mithife der Moderation gefällt.
Die spezielle Moderationstechnik lässt alle Anwesenden reihum zu Wort kommen. Gibt es eine Grundsatzentscheidung zu treffen, gibt es zwei Gesprächsrunden, nach deren Abschluss die Aufgabe des:der Moderator:in ist, einen Vorschlag für einen Beschluss zu erarbeiten. Mehr Informationen zu Soziokratie findest Du beim Soziokratie Zentrum Schweiz. Ausserdem gibt es ein ausführliches Video zu den soziokratischen Grundprinzipien hier anzuschauen:
Anmerkung: Der Text wurde von einer Person geschrieben, die (noch) kein zertifizierte:r Expert:in für Soziokratie ist.