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Kolumnist Peter Wolf geht der Frage nach, warum Smartphones nicht wirklich smart sind. Alles muss man immer selber machen.
So richtig smart sind meine Smartphones ja nicht wirklich. Sie können zwar schnell rechnen und sich wahnsinnig viel merken. Aber merken tun sie nicht so viel. So müsste mein Telefon etwa mitbekommen, dass ich immer am Bahnhof das WiFi ausschalte oder immer nachts im Bett die Bildschirm-Helligkeit herunterschraube und sie immer am Morgen auf dem Weg zur Arbeit im gleissenden Sonnenlicht wieder versuche zu erhöhen. Oder dass ich an bestimmten Tagen im Büro bin und an anderen anderswo.
Es geht hier nicht darum, dass mein Mobilfunk-Operator oder Facebook weiss, was ich alles mache. Sondern, dass das Mobiltelefon auch recht genau mitbekommt, was ich tue - aber nichts damit anfängt.
Handy als "Mini-Me"
So stimmte zum Beispiel jeder zweite der von JWT Intelligence
online befragten Briten und US-Amerikaner unter 35 Jahren der Aussage zu: "Mein Smartphone hat so viel von mir in sich, dass es sich anfühlt wie ein 'Mini-Me'." Und 42 Prozent der 18- bis 34-Jährigen hatten das Gefühl, dass ihr Handy manchmal mehr über sie selber wisse als sie selbst.
Aber noch nie hat mich mein Smartphone gefragt: "Ich merke, dass Du gerade aus der S-Bahn aussteigst - soll ich Dir den Rest der E-Mail, die Du gerade am Lesen bist, vorlesen? Damit Du nicht in einen Pfosten läufst, während Du auf das Display schaust?" Oder: "Du scheinst jetzt im Büro zu sein, soll ich die Klingelton-Lautstärke reduzieren, damit Dich nicht alle wegen Deinem Musikgeschmack auslachen?" Oder: "Ich merke, dass Du am Sonntag oft ausschläfst. Soll ich dann den Wecker ausschalten?" Nein: Alles muss ich selber machen.
Es gibt zwar Apps wie z.B. Llama
(If This Then That), die gewisse Automatisierungen übernehmen. Aber erstens muss immer ich ihnen beibringen, was ich will, statt dass sie mir zuschauen und merken, dass ich gewisse Dinge immer gleich mache. Und zweitens sind sie nur beschränkt in der Lage, mit anderen Apps zu kommunizieren oder sie zu beeinflussen.
Ich hoffe, dass die nächste Generation von "Smart"-Phones nicht nur sieht, dass ich noch aufs Display gucke und den Standby-Modus verzögert, sondern richtig schlau ist und mich als Assistent unterstützt. Weil Produktbezeichnungen ja sehr oft überoptimistisch sind (Flatscreen? Der ist immer noch zu dick, um an die Wand tapeziert zu werden), wird ein Mobiltelefon, das dann wirklich so smart wie oben beschrieben ist, vermutlich "Genius-Phone" heissen. Und ich hätte gern so eins. (Peter Wolf)
Peter Wolf (48) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.