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Ein in der Schweiz registriertes Kleinflugzeug ist in Mailand in das Pirelli-Hochhaus gekracht. Drei Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. Nach Angaben der Behörden handelt es sich um einen Unfall.
Das Flugzeug vom Typ Air Commander schlug gegen 17.45 Uhr in die oberen Etagen des etwa 30-stöckigen Pirelli-Turms gegenüber dem Mailänder Hauptbahnhof ein. Im Stadtzentrum hatte dies eine Panik zur Folge. Die Maschine war laut einem Flughafensprecher um 17.15 vom Tessiner Flugplatz Locarno-Magadino nach Milano Linate gestartet. Nach Medienberichten war das Flugzeug in der Schweiz registriert.
Im Tiefflug über die Via Vitruvio
Beim Piloten handelt es sich um einen in Pregassona im Tessin wohnhaft gewesenen Schweizer. Dies bestätigte der stellvertretende Schweizer Generalkonsul in Mailand. Gemäss aktuellem Stand des Wissens war er alleine unterwegs.
Einen Tag nach der Flugzeug-Katastrophe haben sich am Freitag Hinweise auf einen Selbstmord des Piloten verdichtet. Er könnte absichtlich gegen das Pirelli-Hochhaus in der Mailänder Innenstadt geflogen sein, erklärten übereinstimmend der Mailänder Bürgermeister Gabriele Albertini und der Direktor der italienischen Zivilflugbehörde, Luigi di Palma.
Italienische Zeitungen berichteten, der Pilot Luigi Fasulo habe hohe Schulden gehabt. Einer seiner Söhne wurde mit den Worten zitiert, er sei überzeugt,
dass sich sein Vater das Leben genommen habe.
Fasulo war Mitglied des Aero Club Locarno, wie die Tessiner Tagesschau berichtete. Einige italienische Fernsehstationen gaben darüber hinaus bekannt, der Pilot habe nicht zum ersten Mal ein Unglück verursacht. Er habe das Flugzeug die letzten Meter vor dem Aufprall im Tiefflug über die via Vitruvio gesteuert, eine stark frequentierte Verkehrsader im Stadtzentrum, die sich auf die Piazza del Pirellone hin öffnet.
Knapp eine Katastrophe vermieden
Bisherigen Informationen zufolge hatte das Flugzeug einen Schaden am Fahrwerk, meldete das staatliche Fernsehen weiter. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, hatte der Pilot kurz zuvor in einem Notruf einen Maschinenschaden gemeldet.
Bei dem Unglück kamen bisherigen Meldungen zufolge mindestens drei Menschen ums Leben, darunter der Pilot des Flugzeugs. Viele Personen wurden überdies verletzt, 26 befinden sich noch im Spital, bei zweien ist der Zustand kritisch.
Eine grössere Katastrophe wurde nur deshalb vermieden, weil sich in den oberen Stockwerken des Hochhauses, die gegenwärtig renoviert werden, verhältnismässig wenige Menschen aufhielten.
Claudio Ghetta, ein hoher Funktionär der Region Lombardei und Augenzeuge, berichtete folgendes: "Wir befanden uns im 24. Stockwerk, als wir einen Schlag spürten. Die Mauern krachten zusammen, die Schreiben zersprangen. Wir rannten in Richtung Korridor. Die Aufzüge waren schon gesperrt. So benutzten wir die Nottreppen, während uns der beissende Rauchschwaden verfolgte."
Höchstwahrscheinlich kein Anschlag - Ermittlungen laufen
Der Sprecher der Carabinieri, Vinzenzo Curti, sagte: "Wir glauben nicht, dass es sich um einen Terroranschlag handelt. Der Pilot könnte einen Schwächeanfall erlitten oder ein technisches Problem gehabt haben." Auch Regierungsvertreter sprachen am späten Abend von einem Unfall.
Die italienische Behörden haben am Freitag ihre Ermittlungen fortgesetzt.
Wie kam das Flugzeug in die Stadt?
Die an die Anschläge vom 11. September erinnernden Bilder aus Mailand erregten weltweit grosse Aufmerksamkeit. Gemäss offiziellen Quellen habe der Pilot ein SOS an den Kontrollturm von Linate gerichtet, wonach technische Probleme vorlagen. Dort wurde ihm mitgeteilt, er soll in der Zone über dem Mailänder Flughafens bleiben, damit alles für eine Notlandung vorbereitet werden. Es bleibt ein Rätsel, wie der Pilot von Linate aus im Stadtzentrum enden konnte.
Das Hochhaus, "Pirellone" genannt, wurde Ende der 50er Jahre von der Familie Pirelli erbaut. Es ist mit 127 Metern das höchste der Stadt und gilt als zweites Wahrzeichen neben dem Dom. Seit 1978 hat die Regierung der Region Lombardei ihren Sitz im Pirellone.
swissinfo, Francesco Darovio und Agenturen