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Text:
Eva Hediger
Teaser: Baugeschichtliches Archiv, Meiner Johannes
Ein Föhnsturm zerstörte Anfang der 60er die damals am meisten besuchte Badi der Stadt. Viele Zürcher*innen jubelten – und bis heute wurde die Badi nicht wieder aufgebaut. Wieso?
Gummimatratze, Lesestoff und Sonnencreme: Wer heute ein paar Stunden in der Badi verbringt, will sich hauptsächlich vergnügen. Das war nicht immer so. Ursprünglich sollten die Badeanstalten in der Stadt die Hygiene der Zürcher*innen verbessern – und damit tödliche Epidemien verhindern. So beschloss 1837 der Stadtrat, eine «Badehütte für Frauen» zu errichten: Direkt beim Bürkliplatz wurden für Zürcherinnen einfache Badeplätze geschaffen. Wenige Jahre später folgten ein Bereich für die Männer sowie ein Abteil für Nichtschwimmer*innen.
Die Frauenbadi ist noch immer sehr beliebt ...
... und hat sich optisch kaum verändert. (Bilder: www.zuerich.com)
Die Männer erhielten erst später ihre eigene Badi.
1888 wird die Frauenbadi in die Limmat verlegt. Sie steht bis heute an diesem Ort – grösstenteils unverändert. Im gleichen Jahr erhielten die Männer eine schwimmende Badeanstalt, die mit Booten bewegt werden konnte. Zunächst trieb dieses Kastenbad vor dem Hotel «Baur au Lac» im See. Die Badegäste erreichten es per kostenpflichtiger Fähre.
Die Männerbadi im Sommer 1901. (Bild: Baugeschichtliches Archiv, Moser Adolf)
Später wurde die Männerbadi zurück an den Bürkliplatz gebracht. Sie war im Frühling die erste Anstalt, die öffnete, und beendete im September jeweils als letzte Badi die Schwimmsaison. Nicht nur deshalb zählte sie zu den beliebtesten Badeanstalten der Stadt.
Keine andere Badi zählte mehr Gäste.
Bis 1964 stand die Männerbadi direkt neben der Quaibrücke. Doch in diesem Jahr wütete am Sechseläuten ein heftiger Föhnsturm. Er versenkte die Schwimmanstalt zur Hälfte im See. Und das freute einige Zürcher*innen, denn mittlerweile hatten sich geschlechtergemischte Strandbäder etabliert: 1922 wurde jenes am Mythenquai eröffnet, 1939 folgte das in Wollishofen. Sie waren parkähnlich gestaltet und luden ein, länger zu verweilen.
Nach dem Sturm im Frühling 1964 (Bild: Baugeschichtliches Archiv)
Die eher rudimentären und ungemütlichen Seebadeanstalten aus Holz entsprachen dagegen nicht mehr den Bedürfnissen der Bevölkerung. Ausserdem verschandelten sie die Quaipromenade. So bezeichnete die «Neue Zürcher Zeitung» die Männerbadi als eine «Bretterbude», die zwar nützlich gewesen sei, aber «mit ihrer Hässlichkeit die Augen beleidigte». Der Präsident der Freisinnigen warb bereits Ende der 50er dafür, die Männerbadi abzureissen.
Die Anstalt um 1910. (Bild: Baugeschichtliches Archiv)
Nach dem Sturm im Frühling 1964 wurde die Badi restlos abgetragen. Der damals versprochene Ersatzbau steht bis heute nicht. Wenn Mann Wert darauf legt, nur unter Geschlechtsgenossen zu schwimmen, muss er dafür an den Schanzengraben ausweichen – dort steht heute die einzige Männerbadi der Stadt.
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