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In ihrem Vortrag über die Geschichte der Schwyzer Klosterfrauen zeigte Historikerin Martina Kälin-Gisler wenig bekannte Fakten auf.
Nachdem bei den Vorträgen am Freitag und Samstag im Bundesbriefmuseum kein Stuhl frei geblieben war, zeigte sich Staatsarchivar Valentin Kessler überwältigt. Er sah dafür folgenden Grund: «Martina Kälin-Gisler hat ein interessantes Thema für ihre Erschliessungstätigkeit im Staatsarchiv gefunden.» Akribisch recherchierte sie nach Angaben zu Schwyzer Klosterfrauen. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Nonne neben Ehefrau und Dienstbotin eine von drei Möglichkeiten für Frauen. Nur zwei gebürtige Schwyzerinnen waren jedoch bedeutend genug für Biografien: Abundantia Reding (1612–1687), eine Äbtissin von Hermetschwil, sowie Maria Josepha Kümin (1763–1817) vom Kloster Weesen. In ihrer Untersuchung kam Kälin-Gisler nun auf 419 Klosterfrauen aus dem Schwyzer Kantonsgebiet. In der Barockzeit gab es Schwesternlisten, welche diese Analyse ermöglichten. Die Liste erstreckt sich bis 1850, als viele Konvente mit Klausur aufgehoben wurden. Gleichzeitig entstanden sozial tätige Kongregationen wie jene der Ingenbohler Schwestern.
Es gab Laienschwestern und Chorfrauen
Schon kleine Mädchen wurden zur Erziehung als Kosttöchter aufgenommen, was für ein Frauenkloster eine wichtige Einnahmequelle darstellte. Ansonsten begann das Klosterleben mit etwa 15 Jahren mit dem Noviziat. Je nach familiärem Hintergrund und der Aussteuer, die sie mitbringen konnte, wurde eine Frau nach ihrer Profess als Laienschwester oder Chorfrau in den Orden aufgenommen. «Das tiefe Eintrittsalter spricht dafür, dass die Frauen auf Wunsch der Familien ins Kloster gingen», sagte Martina Kälin-Gisler. Die meisten Schwyzerinnen traten in die Klöster in Schwyz, Muotathal oder Au bei Einsiedeln ein. Bei den Dominikanerinnen von St. Peter am Bach in Schwyz beispielsweise schwankte der Anteil der Schwyzer Nonnen jedoch stark. Bis zu 140 Schwyzerinnen gehörten diesem Orden an, noch mehr als den Benediktinerinnen mit etwa 100 Frauen. Die 419 namentlich bekannten Klosterfrauen trugen 151 verschiedene Familiennamen. Daraus folgert die Historikerin, dass die Behauptung, jede Familie habe eine Tochter ins Kloster geschickt, hinfällig ist. «Es war keine Abschiebung, sondern eine massive Investition», betonte Martina Kälin-Gisler. Nur wenige Familien hätten ledige Töchter über mehrere Generationen hinweg so versorgt. Eher war es üblich, dass Söhne ins Kloster gingen oder Priester wurden. Neben ihren Statistiken beleuchtete die Forscherin auch den Alltag hinter Klostermauern, der aus Gebeten und verschiedenen häuslichen oder landwirtschaftliche Arbeiten bestand. Trotz strenger Klausur erfuhren die Nonnen aus Zeitungen, welche ihnen gebracht wurden, beispielsweise vom Ausbruch der Französischen Revolution im Jahr 1789. Dank guter Pflege wurden viele sehr alt. Selbst bei geistiger Umnachtung wurde jahrzehntelang für sie gesorgt.
Bote der Urschweiz / Patrick Kenel
Autor
Bote der Urschweiz
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Publiziert am
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schwyzkultur.ch/6DKVKb