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«Abschied vom Kerker», schrieb Jakob Haringer 1940 an die Wand seines Zürcher Gefängnisses, bevor ihn die Fremdenpolizei in ein Baselbieter Lager überführte, aus dem er später zurück nach Zürich floh: «Lebe wohl, du liebe kleine Zelle! / Kleine arme Zelle, lebe wohl / (...) Wird der nächste Kerker Heimat geben - / Wird das nächste Zuchthaus lieber sein?» Der Krieg hatte begonnen, Frankreich war gefallen, und Haringer, ein 42-jähriger Expressionist aus Salzburg, hatte trotz prominenter Empfehlungen - etwa von Albert Einstein - nicht rechtzeitig ein Visum für die USA bekommen. In der Schweiz sass er fest, und noch mehrere hiesige Anstalten sollte er kennenlernen: Knäste, Lager, psychiatrische Klinik. 1948 starb der Dichter im Zürcher Exil.
Andere schrieben ebenfalls im Gefängnis, aber in der Todeszelle, beispielsweise Fritz Mastny, der 1943 in Wien als kommunistischer Widerstandskämpfer enthauptet wurde. Hilda Monte, jüdische Emigrantin, starb im April 1945 an der Vorarlberger Grenze, nachdem sie unter falschem Namen ins «Dritte Reich» gereist war, um dort mit dem Widerstand Kontakt aufzunehmen. Diesmal wurde sie von der SS erwischt. Das Gedicht «Sprecht nicht von Mut» ist ihr eigener Nachruf.
Texte von Haringer, Mastny und Monte finden sich in einer umfangreichen Anthologie über österreichische Exil- und Widerstandslyrik, die die Theodor-Kramer-Gesellschaft herausgegeben hat. Auch Theodor Kramer war ein Exildichter, den heute fast niemand mehr kennt, und zwar einer der produktivsten. Der Band versammelt 278 LyrikerInnen, darunter berühmte Namen wie Rose Ausländer, Erich Fried, Hilde Spiel und Stefan Zweig. Etwa die Hälfte der österreichischen DichterInnen ist durch den Nationalsozialismus vertrieben, getötet oder sonst zum Schweigen gebracht worden. Die Theodor-Kramer-Gesellschaft erinnert seit Jahren an sie. Mit einer Literaturzeitschrift - «Zwischenwelt» -, mit Einzelpublikationen und jetzt mit dieser Anthologie.