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Seit ihrer Gründung am 2. Februar 1997 spielte die Ethos Stiftung in der Schweiz oft eine Pionierrolle, sei es bei der Sensibilisierung von Finanzakteuren für ethische Fragen, bei der Förderung guter Corporate Governance oder bei der Verbesserung der Unternehmenspraktiken im Bereich Umwelt oder Soziales.
Am 2. Februar 1997 gründeten zwei Genfer Pensionskassen – eine öffentliche (Caisse de prévoyance de l’Etat de Genève CPEG) und eine private (Caisse paritaire de prévoyance de l'industrie et de la construction CPPIC) – zusammen die Ethos Anlagestiftung. Die Nachhaltigkeit im Finanzsektor steckte noch in den Anfängen, aber das Ziel war klar: Vorsorgeinstitutionen, definitionsgemäss sehr langfristige Anleger, sollten dabei unterstützt werden, die Rentengelder ihrer Versicherten auf nachhaltige und verantwortungsvolle Weise anzulegen. Die Stiftungscharta nennt als weiteres Ziel die Förderung eines stabilen und prosperierenden sozioökonomischen Umfelds für heutige und zukünftige Generationen.
Am Ende des ersten Jahres zählte die Ethos Stiftung 25 Mitglieder und verwaltete ein Portfolio von schweizerischen und europäischen Aktien in Höhe von CHF 270 Millionen. Ein Vierteljahrhundert später werden über Anlagefonds mit Ethos-Label und Mandate, welche die verschiedenen Ethos-Börsenindizes replizieren, mehr als CHF 3 Milliarden verwaltet. Unterdessen hat die Ethos Stiftung 232 Mitglieder, ausschliesslich Pensionskassen oder gemeinnützige Stiftungen mit Sitz in der Schweiz, mit einem Gesamtvermögen von über CHF 330 Milliarden, was mehr als einem Viertel der 2. Säule in der Schweiz entspricht.
Weitsichtig und entschlossen
Seit ihrer Gründung spielte die Ethos Stiftung in der Schweiz oft eine Pionierrolle, sei es bei der Förderung von Ethik im Finanzsektor oder bei der Verbesserung der Unternehmenspraktiken im Bereich Unternehmensführung oder Sozial- und Umweltverantwortung (ESG).
Die Ethos Stiftung machte sich einen Namen, als sie sich 1998 gegen die Fusion der beiden Grossbanken SBG und SBV aussprach. Sie befürchtete zu Recht ein systemisches Risiko für den Finanzplatz. Sie tat sich auch hervor, indem sie sich gegen die Kumulation der Funktion von Verwaltungsratspräsident und CEO bei den grössten Schweizer Unternehmen stellte (Nestlé, Credit Suisse, Zurich Insurance Group) oder die Interessen der Kleinaktionäre von Sika in einem Konflikt zwischen einem Teil des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung verteidigte.
Letztendlich blieb das Ziel immer das gleiche: den Aktionären mehr Rechte zu verschaffen. So können diese ihrerseits die Unternehmen, deren Miteigentümer sie sind, dazu anhalten, ihre ESG-Praktiken zu verbessern. Das war bereits 2008 mit der aus der Minder-Initiative übernommenen Initiative «Say on Pay» der Fall, dank der sich heute die Aktionäre zu Vergütungshöhe und -systemen für die Führungsinstanzen kotierter Unternehmen äussern können. Desgleichen im Jahr 2021 mit der Einführung einer Abstimmung über die Klimastrategie («Say on Climate») von Nestlé und Holcim, deren Auslöser ebenfalls Ethos war.
Der Dialog als Verbesserungsmechanismus
In den letzten 25 Jahren trug die Ethos Stiftung auch dazu bei, Anleger und insbesondere Pensionskassen für ein Reihe von ESG-Themen zu sensibilisieren. Ausser übermässigen Vergütungen und der Trennung der Funktion von Verwaltungsratspräsident und CEO gehören dazu auch der Klimawandel, der Kampf gegen die Abholzung, die Verteidigung von Menschenrechten in den Lieferketten, die Steuerverantwortung und, seit kurzem, die digitale Verantwortung der Unternehmen. Ausserdem setzte sich die Ethos Stiftung schon seit ihren Anfängen für mehr Transparenz aufseiten der Unternehmen ein, insbesondere im Bereich Umwelt und Soziales.
Da die Ausübung der Stimmrechte nicht immer ausreichend war, baute Ethos auch ein Dialogprogramm für Aktionäre auf, den Ethos Engagement Pool Schweiz im Jahr 2004 und den Ethos Engagement Pool International im Jahr 2016. Dank der beiden Pools werden die Unternehmen für ihre Sozial- und Umweltverantwortung sowie für gute Corporate-Governance-Praktiken sensibilisiert und ermutigt, ihre bestehenden Praktiken in diesen Bereichen zu verbessern. Die beiden Dialogprogramme zählen gegenwärtig 156 beziehungsweise 84 Mitglieder.
Führte dieser Dialog nicht zu den erwarteten Ergebnissen, zögerte Ethos jeweils nicht, ihre Engagement-Massnahmen zu intensivieren. So mobilisierte sie etwa regelmässig andere Aktionäre, mit dem Ziel, an einer Generalversammlung einen Aktionärsantrag einzureichen.
Zur Feier ihres 25-jährigen Bestehens wird die Ethos Stiftung nach ihrer Mitstifterversammlung am 9. Juni 2022 in Bern eine umfangreiche Konferenz zum Thema verantwortliche und inklusive Wirtschaft organisieren. Also die Wirtschaft, für die sich Ethos seit über 25 Jahren einsetzt.