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© Marcel Burkhardt
Bei vielen Zugvögeln erscheinen die Männchen einige Tage vor den Weibchen an den Brutplätzen, denn je früher sie dorthin zurückkehren, umso grösser ist die Aussicht, sich das beste Revier zu sichern. Wenn die Weibchen eingetroffen sind, wählen sie ihren Brutpartner aufgrund seiner individuellen Vorzüge und der Qualität seines Brutreviers.
Bis jetzt war nicht bekannt, wie dieser Vorsprung der Männchen zustande kommt. Überwintern sie näher an den Brutgebieten? Ziehen sie insgesamt schneller oder beginnen sie ihre Reise früher als die Weibchen? Es herrschte auch keine Klarheit darüber, ob solche zeitlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern auch in anderen Abschnitten des Jahreszyklus auftreten. Deshalb haben Wissenschaftler der Vogelwarte zusammen mit Kollegen verschiedener europäischer Universitäten grosse Mengen von mit Hilfe von Geolokatoren gewonnenen Zugdaten europäischer Singvögel ausgewertet.
Dabei hat sich gezeigt, dass Männchen in den verschiedenen Zugzeiten generell ein paar Tage früher aufbrechen als Weibchen. Die einzige Ausnahme betrifft die Ankunft in den afrikanischen Winterquartieren; dort treffen Männchen und Weibchen gleichzeitig ein. Die Zugkalender der Geschlechter scheinen sich also fast im ganzen Jahresverlauf etwas zu unterscheiden. Demzufolge beruht die frühere Rückkehr der Männchen in die europäischen Brutgebiete weitgehend auf dem zeitigeren Aufbruch im afrikanischen Winterquartier.
Abreise- und Ankunfttermine von Zugvögeln sind generell stark korreliert. Wer früh aufbricht, hat auch sehr gute Chancen, früh am Ziel anzukommen. Das gilt sowohl für den Wegzug im Herbst als auch für den Heimzug im Frühling.
Briedis M et al. 2019 A full annual perspective on sex-biased migration timing in long-distance migratory birds. Proc. R. Soc. B 20182821. http://dx.doi.org/10.1098/ rspb.2018.2821