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Der Bauboom in vielen Regionen der Erde führt zur Sandknappheit. Nach Wasser und Luft ist Sand das meist genutzte Naturgut, und das vor Öl und Gas! Im Jahr werden global bis 30 Milliarden Tonnen Sand und Kies verbaut.
Definition Sand
Sandkörner haben eine Grösse zwischen 0,0625 und 2 Millimeter, grössere Körner werden Kies, alles Kleinere Schluff oder Ton genannt.
Die Schweiz besitzt reiche Reserven an Sand und Kies, der wohl noch lange Zeit reichen wird. Denn der Abbau des Materials, das von den Flüssen und Gletschern aus den Bergen ins Mitteland transportiert wurde und wird, ist streng reguliert. Anders sieht es in vielen aufstrebenden Regionen wie in China, Indien, Lateinamerika oder in Afrika aus. Dort braucht es aufgrund des Baubooms immer mehr Sand, der oftmals auch aus illegalem Abbau stammt. Aber auch der Export von Sand, der legal abgebaut wurde, ist wenig nachhaltig. Um sich die Dimensionen des steigenden Bedarfs besser vorstellen zu können: China verbrauchte in den drei Jahren von 2011 bis 2013 über 2 Gigatonnen mehr Sand als die USA während des gesamten 20. Jahrhunderts.
Wofür brauchen wir Sand?
Vor allem die Bauindustrie benötigt Sand für Beton, der zu 90%, und Zement, der zu 80% aus Sand besteht. Diese Rohstoffe sind die Grundlage für jede Stadt und menschliche Infrastruktur: Gebäude, Fundamente, Strassen, Brücken oder Tunnelsysteme. Sand wird aber auch zur Glasherstellung genutzt, und er befindet sich in Kosmetikartikeln, Zahnpasta, Kunststoffen und Farben. Ebenfalls zum Einsatz kommt der Rohstoff in elektronischen Bauteilen; in Mikrochips, Leiterplatten, aber auch in der Display-, Lautsprecher- und Mikrofontechnik unserer Smartphones.
Sand ist nicht gleich Sand
Nicht jeder Sand ist für die Herstellung von Zement und Beton geeignet. Der Sand muss grobkörnig sein und eine raue Oberfläche besitzen. Meeressand von Küstengebieten und der Sand von Flussufern eignen sich besonders gut. Wüstensand hingegen ist nutzlos, denn durch den Wind werden die Sandkörner zu glatt und fein geschliffen. Sie haften nur sehr schlecht, wenn man sie zu Zement anrühren möchte. Diese Besonderheit führt dazu, dass auch Wüstenstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate jährlich mehrere Millionen Tonnen Sand für den Bau ihrer Hochhäuser importieren müssen. Durch fehlende staatliche und internationale Regelungen findet ein massiver Raubbau an Stränden und Flüssmündungen statt. In Indien wird seit längerem von einer brutalen Sandmafia berichtet, aber auch in anderen Ländern nimmt der illegale Sandabbau zu. Denn wo die Fischgründe den Menschen ihr Überleben nicht mehr ausreichend sichern, müssen andere Wege gefunden werden, um Geld verdienen. In China soll die Hälfte des verwerteten Sandes aus illegalem Abbau stammen, und der Inselstaat Singapur soll für das Verschwinden von 80 indonesischen Inseln verantwortlich sein.
Umweltschäden und ökologische Folgen
Nicht zuletzt auf Grund des unregulierten Sandabbaus werden weltweit Küsten und Flüsse zerstört. Seltene Wasservögel und Fische verlieren ihren Lebensraum, ihre Populationen schrumpfen. Im US-Bundestaat Florida sind 90% der Strände vom Verschwinden bedroht. Die Folgen des Sandabbaus werden aber auch in Europa vielerorts schmerzlich spürbar. Viele touristisch ausgerichtete Gemeinden versuchen über künstliche Aufschüttungen ihrer Sandstrände und damit ihr Urlaubsparadies attraktiv zu halten. Doch das ist so schwierig wie teuer: Die Erosion ist bei künstlichen Stränden zehnmal so hoch wie bei natürlichen, die Kosten bewegen sich in Milliardenhöhe.
Als Baustoff hat sich Sand seit Jahrtausenden bewährt und die zunehmenden Bautätigkeiten werden auch in den nächsten Jahrzenten die Nachfrage nach Sand noch steigen lassen. Um mit dem Rohstoff nachhaltig umzugehen, braucht es vor allem internationale Regulierungen, aber auch Forschung zu Alternativen bei der Betonherstellung sowie verstärktes und verbessertes Recycling von Glas und altem Bauschutt.
{xtypo_info} Quellen und weitere Informationen:
UNEP: Sand is limited
UN Environment: Rising demand for sand calls for resource governance
Vice: Sandabbau zerstört die Küsten und Flüsse weltweit
{xtypo_info}