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Während des Perm-Zeitalters starben mehr als neun von zehn Arten aus. Das könnte wieder passieren.
Geophysiker warnt vor Massensterben in diesem Jahrhundert
Ursache ist zu viel CO2 in der Luft. Ob der Klimawandel menschengemacht sei, spiele dabei keine Rolle.
Wird weiter so viel Kohlendioxid in die Meere eingetragen, könnten die Meere in den kommenden hundert Jahren einen Kipppunkt erreichen. Dieser kann ein Massenaussterben auslösen, sagt der Geowissenschaftler Daniel H. Rothman. Ob der Klimawandel menschengemacht sei oder nicht, spiele dabei keine Rolle.
Rothmans Aussage stützt sich auf die Analyse vergleichbarer Ereignisse in der Geschichte. In einer im US-Magazin «PNAS» veröffentlichten Studie untersuchte Rothman die Brüche im Verhalten des Kohlenstoffkreislaufs der Meere in den vergangenen 540 Millionen Jahren. Nur einige davon führten zu einem Massensterben im Meer. Bei insgesamt fünf solcher Ereignisse gingen jedoch drei Viertel der marinen Arten verloren, stellte Rothman schon 2017 fest. Die Veränderung der Umweltbedingungen geschah so schnell, so heftig oder unter so ungünstigen Umständen, dass die Evolution nicht Schritt halten konnte.
Die Ursache der CO2-Katastrophen spielt keine Rolle
Die Ursachen für den CO2-Eintrag waren verschieden. Ob Methanansammlungen, Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge, die Brüche verhielten sich jedoch immer gleich. Das sei nicht weiter verwunderlich, sagt der Professor der Geophysik und Co-Direktor des Lorenz-Zentrums im MIT Department of Earth, Atmospheric and Planetary Sciences. In einem Interview mit «The Real News» beschreibt er, warum. Im Grunde ist seine Untersuchung die mathematische Abbildung eines dynamischen Systems, hinter dem immer der Kohlenstoffkreislauf steckt.
Nur vergleichsweise wenige Klimaveränderungen haben zu einem Massensterben im Meer geführt. Rothman stellte fest, dass es zwei Arten dieser fatalen Veränderungen gab. Die, die schnell und intensiv geschahen, und die, die sich langsam vollzogen. Bei den langfristigen Änderungen, die Zehntausende von Jahren dauerten, spielte es eher eine Rolle, in welcher Geschwindigkeit CO2 ins System eingebracht wurde. Bei kurzfristigen Brüchen war die Menge entscheidend.
Ist die Schwelle überschritten, setzt eine Kettenreaktion ein
Was beiden Kategorien noch gemein war: Wurde eine Schwelle überschritten, setzte dies eine Kettenreaktion in Gang. Rothman erklärt das damit, dass der Kohlenstoffkreislauf der Ozeane in einem gewissen Rahmen pendeln kann. Wird dieser Rahmen überschritten, setzt eine Kaskade weiterer Ereignisse ein.
Geologen rechnen in Zeiträumen von Hunderten, Tausenden oder Zehntausenden Jahren. Die derzeitige Änderung des CO2-Gehaltes der Luft und damit der Ozeane hat nach diesen Massstäben also gerade erst begonnen. Die Geschwindigkeit, mit der sie geschieht, ist höher als alles bisher Dagewesene, was jedoch eine untergeordnete Rolle spielt. Bei schnellen Veränderungen sei die CO2-Menge entscheidend, die ins System kommt, betont Rothman. Sollte also noch mehr CO2 in die Ozeane gelangen, könnten wir noch in diesem Jahrhundert einen fatalen Kipppunkt erreichen.
Es könne zu einem «sechsten Massensterben» kommen
Ganz exakt ist diese Aussage nach zeitlichen Massstäben nicht. Am besten übersetzt wird sie mit «sollten die Ozeane weiter versauern, haben wir in 50, 100 oder vielleicht auch 200 Jahren den Point of no return erreicht, bei dem es zu einem sechsten Massenaussterben kommen kann». Was – wissenschaftlich gesehen – danach geschieht, sei noch nicht genau erforscht, erklärt Rothman. Seine Studie sei ein erster Versuch, das herauszufinden. Sicher sei nur, dass, sollte sich nichts ändern, es einen Bruch geben werde, der sich erst in etwa zehntausend Jahren voll auswirken werde. Ob dieser Prozess von Menschen umkehrbar sei, hänge davon ab, wie gut man ihn verstehe.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
keine
Weiterführende Informationen
«Daniel Rothman: Characteristic disruptions of an excitable carbon cycle» Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS)
«Thresholds of catastrophe in the Earth system», Science Advances, 2017
«Study: Breaching ‘Carbon Threshold’ Could Trigger Mass Extinction in Oceans», The Real News
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6 Meinungen
Egal, wie viel CO2 durch menschliche Einwirkung in die Atmosphäre gelangt und von dort in die Meere, den grössten CO2-Puffer überhaupt: Wenn das so weiter geht wie seit geraumer Zeit, wird Irgendwann die Elastizitätsgrenze selbst des geduldigsten Ozeans überschritten sein, und dann werden die Prozesse chaotisch: Es sterben nicht nur ganz viele Tier- und Pflanzenarten in den Meeren aus, es verändert sich auch deren chemische Zusammensetzung und damit deren zentrale Funktion, die Atmosphäre mit Sauerstoff zu versorgen. Darum ist es zwingend, den menschgemachten CO2-Eintrag rasch und drastisch zu reduzieren, gerade auch dann, falls der Anstieg der CO2-Konzentration teilweise nicht menschgemacht sein sollte – der Streit hierüber ist lächerlich und lenkt von dem ab, was jetzt zu tun ist.
Wer die komplexen Prozesse in den Meeren und deren existenzielle Bedeutung für jedes Leben auf der Erde verstehen will, lese das fantastische Buch des britischen Naturwissenschafter Callum Roberts:
https://www.randomhouse.de/Buch/Der-Mensch-und-das-Meer/Callum-Roberts/DVA-Sachbuch/e357900.rhd
Vorbei ist’s mit der alten Ruh,
Umweltprobleme nehmen zu.
Wir können sie nicht schlittern lassen.
Wir müssen uns damit befassen:
Das Artensterben muss uns schrecken.
Ozonschicht kann uns nicht mehr decken.
Das Gleichgewicht mit der Natur
Das bleibt für uns ein Fernziel nur.
Die Meere sind bald leer gefischt.
Altlasten bringt der Abfallmist.
Atommüll stellt uns viele Fragen;
Niemand will Langzeitlager haben.
Der Feinstaub kratzt in unsern Lungen;
Ozon ist auch schon eingedrungen.
Der Klimawandel bringt Orkane.
Es steigen an die Ozeane.
Ressourcen, nicht erneuerbare,
Gezählt sind die Verfügungsjahre.
Recycling ist zum Teil nicht möglich;
Das sehen wir beim Abfall täglich.
Der Mangel an trinkbarem Wasser
Wird vieler Orten immer krasser.
Die Wüsten schreiten ständig weiter.
Wird denn die Menschheit nie gescheiter?
Gefährdet sind die Regenwälder;
Man braucht das Land für Sojafelder.
Durch CO2, die Forschung spricht,
Verlieren Meere ’s Gleichgewichturch CO2.
Denn das ist leider unser Los:
Die Welt ist nicht unendlich gross.
Drum achtet, dass man’s nicht verdränge
Und einbezieht ’s Problem der Menge.
Markus Zimmermann, Kastanienbaum 2008
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