Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03514.jsonl.gz/1401

Was sieht eine Kuh?
Wir sehen die Welt wie wir sie sehen, aber sieht eine Kuhe die Welt gleich wie wir?
Bewegungen nimmt ein Rinder nicht als „Film“ war wie wir, sondern als Abfolge einzelner Bilder (ähnlich wie der Stroposkopeffekt in der Disco). Dies ist auch ein Grund warum Rinder erschrecken, wenn der Halter schnelle Bewegungen macht. Das Sichtfeld eines Rindes ist in 3 unterschiedliche Regionen aufgeteilt. Eine blinde Region befindet sich hinter dem Schwanz. Wenn man eine Kuh von A nach B treiben will, sollte man die Kuh deshalb nie direkt von hinten treiben, sondern immer von der Seite, weil eine Kuh sehen will wer oder was sie treibt. Richtig scharf, eigentlich wie wir, sieht die Kuh nur in einem relativ kleinen Feld vor der Nase, um genau zu sehen, was sie frisst. Die grösste Region des Sichtfeldes ist unscharf. Durch die seitliche Lage der Augen am Kopf, kann sich die Kuh, wenn sie zwischen zwei Bissen den Kopf hebt, schnell einen Überblick über die Lage verschaffen. Das Rind erkennt sehr gut Bewegungen aber kann diese ab einer grösseren Distanz nicht mehr klar zu ordnen.
Mühe bereiten Kühen grosse Kontaste. Die Umstellung von hell zu dunkel dauert bei einem Rind viel länger als zum Beispiel beim menschlichen Auge. Darum sollte man einem Rind genügend Zeit geben, wenn man es aus einem dunklen Raum in eine helle Umgebung bringen will. Der Umstand, dass Rinder starke Kontraste meiden, lässt sich zum temporären einzäunen oder treiben von Rinder nutzen, in dem man zum Beispiel ein Bauabsperrband (rot, weiss gestreift) als Hilfe nutzt. Farben sieht ein Rind auch, besonders „warme“ Farben wie gelb, rot und orange, wonach „kältere“ Farbe wie grau, blau und grün weniger gut erkannt werden können. Auch gewöhnen sich Kühe an Farben, weshalb sich der Besitzer immer etwas in ähnlichen Farben kleiden sollte.
Was und wie hört das Rind?
Rinder hören anders als Menschen. Rinder können Töne hören, welche für den Menschen nicht hörbar sind. Rinder reagieren zum Beispiel auf Ultraschallgeräusche von Fledermäusen. Besonders auf Töne mit hohen Frequenzen reagieren Rinder besonders sensibel. Tiefere Töne wirken andererseits eher beruhigend. Das weite Sprektrum von hörbaren Tönen erlaubt es Rindern, ihre Feinde bereits in weiter Entfernung zu lokalisieren.
Unerwarteter Lärm oder neue Geräusche können grossen Stress bei Rindern auslösen. Besonders klappernde Geräusche von Befestigungsketten bei Panels wirken sich negativ auf das Verhalten des Rindes aus.
Kontinuierliche Geräusche wie Stallradio wirken beruhigend. Es gibt sogar Untersuchungen in welchen bei Masttieren ein grösserer Tageszuwachs nachgewiesen werden konnte. Ein Stallradio mit dem gleichen Sender wie im Heimstall, wirkt sich positiv auf das Allgemeinbefinden des Tieres beim Einstallen in einen neuen Stall aus. Geräusche an und für sich sind nicht grundsätzlich schlecht. Kühe gewöhnen sich relativ schnell an immer wiederkehrende Geräusche. Kühe welche an Autostrassen weiden reagieren anders auf Autohupen, als Kühe, welche selten mit Autos in Kontakt kommen.
Wichtige Ereignisse im Leben eines Rindes werden auch mit Geräuschen verknüpft. Zum Beispiel die Geräusche, welche beim Aufstellen eines Klauenstandes entstehen, reichen schon aus um bei einigen Kühen Stress durch stressvolle Erinnerungen auszulösen.
Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass unerwarteter, lauter Lärm beim Rind mehr Stresssymptone auslöst als physische Schläge!
Die menschliche Stimme kann zur Beruhigung eines Rindes eingesetzt werden. Tiefe, sonore und leise Geräusche bewirken eine Stressreduktion bei aufgeregten Tieren.
Erinnerungsvermögen?
Der Volksmund sagt, dass Elefanten „nie“ vergessen. Wie sieht es bei unseren Nutztieren aus? Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich unsere Tiere sehr wohl an Dinge und Behandlungen erinnern. In jedem Stall steht ein Tier, welches zusammenzuckt, wenn es das herannahende Auto eines Tierarztes hört, oder spätestens bei Anblick eines eines grünbemantelten Mannes welcher zielstrebig auf das Tier zugeht. Der erste Kontakt mit einer neuen Situation sollte für das Tier möglichst positiv gestaltet werden. Versuche mit Ratten haben gezeigt, dass eine Ratte welche beim ersten Betreten eines neuen Ganges einen Elektroschock erhalten hat, diesen Gang nie mehr betreten wird. Wenn die Ratte aber beim ersten Betreten eines neuen Ganges bestes Futter gefunden hat, hat die Ratte den Gang immer wieder betreten, auch wenn sie nachher ab und zu einen Elektroschock erhalten hat. Somit sollten neue Situationen für das Tier immer mit einem positiven Erlebnis kombiniert werden.
Durch Gewöhnung können Rinder ohne Stress an neue Situationen gewöhnt werden. Meistens stellt das Einladen von nichtgeübten Mutterkuhrindern in einen Viehtransportwagen einen gewaltigen Stress für die Tiere, wie auch für den Besitzer dar. Stellt der Besitzer seinen Anhänger ab und zu neben den Auslauf und ermöglicht es den Tieren den Anhänger zu erkunden, ermutigt durch Leckerbissen im innern des Wagens, „wissen“ die Tiere bereits, dass der Aufenthalt im Wagen nichts Aussergewöhnliches ist. Der Verlad wird rasch mit weniger Komplikationen erfolgen.
Gemäss Temple Grandin (amerikanische Verhaltensforscherin) machen ganz junge Tiere (1-2 Tage alt) noch keine Verknüpfung zwischen einem schmerzlichen Eingriff und der behandelten Person. Mit Arbeiten wie Kastration oder das Markieren mit einer Ohrmarke sollten also nach der Geburt nicht zulange gewartet werden.