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Der Barfüsserplatz und seine Geschichte

Lange bevor Kirche und Kloster der Franziskaner entstanden und dem Barfüsserplatz seinen Namen gaben, lebten dort bereits Menschen. Erste Spuren einer Siedlung gehen zurück bis ins 10. und 11.Jh. Sie stammen somit noch aus jener Zeit als es die Stadtmauer des Bischofs Burkhard von Fenis noch gar nicht gab. Als die ersten schlichten Holzhäuser am Ufer des Birsig entstanden, lag Basel noch auf dem Münsterhügel, wo der Bischof seinen Sitz hatte.
Die Siedlung hatte einen Friedhof und ab dem späten 11.Jh offenbar auch eine Kirche. Dieses erste Gotteshaus am heutigen Barfüsserplatz wurde vermutlich im ausgehenden 12.Jh abgerissen, vielleicht zu Gunsten von St.Leonhard. Der frühe Friedhof der Leute die hier am Birsig siedelten, wurde um 1200 durch ein erstes Spital überbaut. Dessen Mauerreste traten im nördlichen Seitenschiff der heutigen Barfüsserkirche an den Tag.
Der Barfüsserplatz im Hochmittelalter. In grauen Umrissen - heutige Gebäude. Beschriftet - heutige Flurnamen
1 - (blau) aktueller Umriss der heutigen Barfüsserkirche
2 - (rot) Erste Barfüsserkirche des 13.Jh, heute verschwunden
3 - Musiksaal von 1876
4 - Stadtcasino von 1939
5 - der bis ca 15./16.Jh offene Birsig
A - Romanische Kirche, ca 11.Jh
B - Altes Spital des späten 12.Jh
C - Haus, wohl erste Hälfte des 12.Jh
D - Haus, wohl erste Hälfte des 12.Jh
Die zuvor von einfachen Holzhäusern geprägte Siedlung am Birsigufer wurde nun durch das wenigstens 30 Meter lange Spitalgebäude dominiert. Der spätere Barfüsserplatz hatte durch den Abriss der frühen Kirche und die teilweise Überbauung des alten Friedhofs durch das Spital sein Aussehen elementar verändert. Die abgerissene Kirche und der Friedhof lagen wie das ihnen folgende Spital im Bereich des nördlichen Seitenschiffs der Barfüsserkirche.
Ob die erste eigentliche Stadtmauer des Basler Bischofs Burkhardt von Fenis im späten 11.Jh die Siedlung in den Mauerring einbezog ist ungewiss. Aber bis um 1200 war sie Teil der Stadt geworden. Neben dem alten Friedhof und der ersten Kirche wurden im 12.Jh die ersten Steinhäuser gebaut. Sie ersetzten die Gebäude aus Holz und hinterliessen Mauerreste. Spuren solcher Steinhäuser fand man im Bereich des südlichen Seitenschiffs der Barfüsserkirche.
Niederlassung der Franziskaner
In der Spalenvorstadt vor der damaligen Stadtmauer liessen sich im 13.Jh die Franziskaner nieder. Ihr Kloster verliessen sie keine zwanzig Jahre danach. Mit dem Segen des Bischofs von Basel bauten sie innerhalb der Stadtmauern ein neues Kloster an der Stelle des heutigen Barfüsserplatzes. Die Gründungsurkunde von 1250 spricht davon dass das Areal beim Birsig, in der Nähe des Wassertors der Mauer, noch nicht bebaut gewesen sei.
Das erwähnte Wassertor gehörte vermutlich zur Burkhardtschen Stadtmauer des 11.Jh. Es bewachte jene Stelle wo der Birsig durch die Mauer in die Stadt floss. Ob wirklich das ganze Gelände unbebaut war, wie in der Urkunde beschrieben, ist heute schwer zu sagen. Vielleicht wurden doch einige der ab dem 12.Jh entstandenen Steinhäuser vom Kloster verdrängt. Das Areal wird dabei als Allmend bezeichnet, also Grund der Allgemeinheit.
Die bis 1256 entstandene erste Kirche der Franziskaner erhob sich leicht nördlich neben der heutigen Barfüsserkirche, in der Gasse hinter dem Musiksaal des Stadtcasinos. Der 1209 vom Heiligen Franziskus gegründete Orden war auch als "Orden der minderen Brüder" oder als Minoriten bekannt. Er pflegte das Prinzip der apostolischen Armut. Daher traten seine Mönche auch als discalceati auf - als "die keine Schuhe tragenden".
Die Bezeichnung "Barfüsser"
An der Stelle der heutigen Falknerstrasse floss bis ins späte 19.Jh noch offen der Birsig, der im 13.Jh beim heutigen Platz durch einen Steg überbrückt wurde. Dieser erscheint im Jahr 1299 als Barfüssersteg. Damit ist erstmals die Bezeichnung "Barfüsser" im Umfeld des Klosters belegt. Das erste Kloster der Franziskaner war wesentlich bescheidener in seinen Ausmassen als der nach dem Erdbeben 1356 entstandene neue Klosterkomplex.
Die Bauten des ersten Klosters des 13.Jh erhoben sich hauptsächlich an jener Stelle an der sich heute der Komplex des Stadtcasinos befindet. Direkt neben dem ersten Gotteshaus des Klosters erstreckte sich ein Bergräbnisplatz für Laien. Er lag im Bereich des Mittelschiffs der heutigen Barfüsserkirche. Um ihr Seelenheil zu sichern, liessen sich nämlich Leute aus dem Volk zunehmend bei den als besonders fromm geltenden Barfüssern beisetzen.
Der Friedhof hat seinen Kern vermutlich auf dem heutigen Barfüsserplatz. Dies weil nördlich der ersten Klosterkirche seine Ausdehnung durch das bereits genannte Spitalgebäude von etwa 1200 behindert worden wäre. Im Umfeld des Klosters war aber ein neues Spital entstanden. Es erscheint 1265 erstmals urkundlich als "Hospitale novum". Dieses Spital entstand im Geviert zwischen der heutigen Barfüssergasse und der Kaufhausgasse.
Der Barfüsserplatz im 16.Jh auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum. Zu sehen sind der Birsig an der heutigen Falknerstrasse (1), der eigentliche Platz und frühere Friedhof (2), die Kirche (3) und die Klosterbauten (4), sowie Wasserturm (5) und Eselsturm (6) der alten Stadtmauer und die Bauten anstelle des heutigen Blocks Barfüsserplatz 9 bis 18 (7).
Die Barfüsser erwarben noch vor 1288 vom sogenannten "Spital an den Schwellen" Grundstücke um den Friedhof auszubauen. Möglicherweise könnte eines davon das Areal auf dem das alte Spital stand gewesen sein. Es konnte mit dem Bau des neuen Spitals aufgegeben werden. Viele der Laiengräber dieses Friedhofsteils sollten später zu einem unerwarteten Privileg kommen. Nach dem Neubau der Kirche lagen sie nämlich innerhalb des Gotteshauses.
Friedhöfe und Gräber
Ein Grab in einer Kirche war eigentlich besonders verdienten Personen vorbehalten. In diesem Falle brachten aber Baumassnahmen diesen Vorzug mit sich. Eventuell plante man schon bald nach dem Bau der ersten Kirche eine Erweiterung. Dieser folgte aber wohl erst im letzten Jahrzehnt des 13.Jh ein eigentlicher Neubau. Diese neue, etwas verschoben stehende Kirche, entspach dann in vielen Grundrissen der heutigen Barfüsserkirche.
So kamen die Gräber ins Gotteshaus, welches sich nunmehr auch über dem Standort des ersten Spitals erhob. Der 1269 erstmals erwähnte Laienfriedhof erstreckte sich wie gesagt sowohl über den heutigen Barfüsserplatz westlich der Kirche wie auch auf das Areal nördlich der alten Kirche. Etwa dort wo heute die Barfüssergasse verläuft. Bis zum damals noch offen fliessenden Birsig, wurde der Barfüsserplatz als Friedhof genutzt.
Dieser Friedhof muss unter den Launen des Birsig gelitten haben. Für das Hochwasser von 1339 ist etwa bezeugt, dass Gräber des Laienfriedhofs hinweggeschwemmt wurden. Angeblich mitsamt ihren Särgen bis hinab in den Rhein. Der Klosterkomplex erfuhr bis zur Reformation mehrere Ausbauten und Sanierungen. Reparaturen waren insbesondere nach dem Hochwasser von 1339 und nach dem Erdbeben 1356 sowie einem weiteren Beben 1428 nötig.
Häuser am Barfüsserplatz
Während das Barfüsserkloster zu einem stattlichen Komplex wuchs, blieb es auch auf der anderen Seite des Birsig nicht unbelebt. Auf dem Hügel über dem heutigen Barfüsserplatz gab es bereits über hundert Jahre bevor sich die Franziskaner am Birsig niederliessen ein Kloster. Bei der Leonhardskirche entstand um 1133/35 ein Chorherrenstift der Augustiner. Dieses wurde mit der Zeit Eigentümerin von diversen Häuser in seinem Umfeld.
Die Häuserzeile am Barfüsserplatz zu Füssen von St.Leonhard trug schon im Mittelalter das Bild des Platzes mit. Das Haus "zum kleinen Kienberg" (heute Barfüsserplatz 13) erscheint urkundlich erstmals vor 1276 anlässlich seines Verkaufs von durch Heinrich den Schilter an Johann von Mellingen. Das Haus "zur schwarzen Kugel" (Barfüsserplatz 15) wird erstmals genannt als es 1280 vom Chorherrenstift St.Leonhard käuflich erworben wurde.
Das Haus "zum Strauss" (Barfüsserplatz 16, heute Bodega zum Strauss) erscheint ebenfalls im 13.Jh erstmals als beiläufige Nennung im Kaufvertrag des Hauses "zur schwarzen Kugel" von 1280. Allerdings standen damals zwischen der heutigen Hausnummern 15 und 17 zwei schmale Häuser, die erst später zu einem einigen Gebäude wurden. Die heutigen Häuser Nummer 14 und 15 sind übrigens Neubauten von 1830. Auch der "Braune Mutz" hat seine Geschichte.
Die heutige Liegenschaft Barfüsserplatz 10 entstand als Restaurant "zum braunen Mutz" erst 1914/15. Sie erbte den Hausnamen von einem der mehreren kleineren Häuser die zuvor auf dem Areal standen. In einem dieser Häuser ist im 15.Jh eine Badestube bezeugt. Dass es in Badestuben oft schlüpfrig zuging, stach dem Chorherrenstift auf dem Hügel offenbar in die Nase. Es kaufte das Haus Anno 1511 und verbot künftig den Badestubenbetrieb darin.
Der historische Häuserblock zu Füssen von St.Leonhard am Barfüsserplatz.
1 - Liegenschaft Barfüsserplatz 10 (Brauner Mutz, ehem. Badestube)
2 - Liegenschaft Barfüsserplatz 13 (Haus zum kleinen Kienberg)
3 - Liegenschaft Barfüsserplatz 15 (Haus zur schwarzen Kugel)
4 - Liegenschaft Barfüsserplatz 16 (Haus zum Strauss)
Am unteren Ende des heutigen Barfüsserplatzes, am einst offenen Birsig gelegen, steht das Haus Barfüsserplatz 23. Es trug einst den Namen "Haus Österreich". Der Name rührt vom Krämer Rudolf her, genannt Österreich. Er erhielt das Haus 1310 nach dem Tode seiner Frau, weil seine beiden Kinder ihm zuliebe auf die Übernahme der Liegenschaft als Erben verzichteten. Das Haus wurde beim Erdbeben 1356 schwer beschädigt.
Stadtmauer und Eselstürlein
In jenen Tagen in denen also das Kloster der Barfüsser heranwuchs und ihre Kirche sich zur heutigen Grösse erhob, existierten jenseits des Birsig bereits eine ganze Reihe Häuser. Deren Schatten reicht bis in die heutigen Tage hinein. Dort wo der Barfüsserplatz heute in die Steinenvorstadt mündet, setzte ihm einst die alte Stadtmauer eine Grenze. Vor dem heutigen Braunen Mutz stand der Eselsturm mit einem kleinen Stadteingang.
Das Eselstürlein erscheint als Stadttörchen schon um 1260. Sein Name geht vermutlich auf einen Anwohner namens Ezzelin zurück. Es führte aus der Stadt hinaus zur Vorstadt und auf den Kohlenberg. Bewacht wurde das Türlein vom Eselsturm, der nach dem Bau der äusseren Grossbasler Stadtmauer im 14.Jh keine Wehrfunktion mehr wahrnahm. Stattdessen diente er als Gefängnis bis er 1821 samt dem Stadtmauerabschnitt abgerissen wurde.
Man nannte den Eselsturm auch Henkersturm, weil hier oft zum Tode Verurteile schmachteten - der Henker wohnte nur einen Steinwurf entfernt auf den Kohlenberg. Einen kürzeren Steinwurf vom Eselsturm entfernt, den heutigen Steinenberg hinauf, lag der Wasserturm. Dessen Wurzeln reichen zurück auf das Wassertor der Burkhardtschen Stadtmauer des 11.Jh. Unter ihm hindurch floss der Birsig in die Stadt Basel hinein.
Der Birsig wird abgedeckt
Wohlbehütet hinter der Stadtmauer am heutigen Steinenberg, mit dem Esels- und dem Wasserturm, lagen im 16.Jh diverse im Mittelalter entstandene Gebäude des Klosters der Barfüsser. Ein grosser Teil des Klosterkomplexes befand sich an jener Stelle, an der sich heute das Stadtcasino mit dem Musiksaal erhebt. Noch zu Beginn des Jahrhunderts war der heutige Barfüsserplatz kein öffentlicher Platz. Zu einem solchen wurde er erst um 1529.
Es ist nicht sicher wann genau der Birsig zwischen 1356 und 1529 im Bereich des heutigen Platzes überdeckt wurde. Gewiss ist, dass er es spätestens um 1530 gewesen sein muss. Ab dann diente er nämlich als Marktplatz. Der Orden hatte das Kloster 1529 wegen der Reformation verlassen und war nach Freiburg im Breisgau übergesiedelt. Der Laienfriedhof wurde aufgehoben und der Rat liess die Mauer um das Kloster und den Friedhof abbrechen.
Der wesentlich kleinere Platz vor dem Kloster wurde bereits nach dem Erdbeben von 1356 bis um 1410 ersatzweise für den Münsterplatz als provisorischer Marktplatz genutzt. Primär wurde ab dem 16.Jh der erweiterte Barfüsserplatz als Holzmarkt genutzt, auf dem auch Holzkohle feilgeboten wurde. Um 1758 ist zu erfahren, dass der Platz mittlerweile auch als Markt- und Messeplatz genutzt würde. Im 18.Jh ist dann auch die Rede vom Schweinemarkt.
Seit dem Mittelalter wird der Platz vor dem Kloster als Markt genutzt. Nach dem Erdbeben 1356 zeitweise als Ersatz für dem Marktplatz vor dem Münster, ab dem 16.Jh als Holzmarkt und ab dem 18.Jh weiss man auch vom Schweinehandel und der Nutzung als Messeplatz. Noch heute finden auf ihm Wochenmärkte statt.
In der Mitte des Barfüsserplatzes habe es für die Schweinehändler eigene Gehege gehabt. In denen boten sie das Borstenvieh zum Verkauf an. Wegen des Schweine- oder Saumarkts wurde der Platz im Basler Volksmund auch als "Seibi" bekannt. Ein Name der heute noch in der 1933 gegründeten gleichnamigen Fasnachtsclique fortlebt. Fortleben tut auch die Brunnentradition. Arthur Burger nennt in seiner Brunnengeschichte Basels zwei Klosterbrunnen.
Die Brunnen am Barfüsserplatz
Diese frühen Brunnen am Platz waren zum einen der Barfüsserklosterbunnen und zum anderen der Klosterküchebrunnen. Beide hatten einen rechteckigen Trog und einen runden Stock aus Holz. Beim 1430 entstandenen temporären Schlachthaus (School) am Birsig gab es ferner den "Brunn by der School by den Barfüssern". An der Stelle eines abgerissenen Gebäudes des Klosters entstand 1605 der mit einem Löwen gekrönten Barfüsserplatzbrunnen.
Dieser Brunnen mit seinem achteckigen Steintrog und der Renaissancesäule mit Löwen wurde 1846 durch einen anderen Brunnen abgelöst. In der Zwischenzeit erfuhr der Barfüsserplatz nämlich eine erhebliche bauliche Umgestaltung. Dieser Brunnen mit seinem rechteckigen Kalksteintrog stand vorerst mit einer nackten Säule ohne Schmuck auf dem Platz. Dies änderte sich erst, als man 1875 vom abgebrochenen Steblinsbrunnen dessen Plastik holte.
Die Skulptur von Samson und Delia steht seither auf der Säule auf dem Brunnen, obschon heute nur noch als Kopie. Der Brunnen war wiederum weniger standorttreu. Seit 1899 wurde er mehrfach umhergeschoben, bis das biblische Paar von seinem heutigen Platz aus in die Falknerstrasse blicken konnte. Die bewegte Geschichte des Brunnens zeugt von der gleichermassen bewegten Geschichte des Platzes in den letzten paar Jahrhunderten.
Abriss des Klosters und das Stadtcasino
Der Komplex des Barfüsserklosters beherrschte das Bild des Platzes auch nach seiner Aufhebung noch lange. Die Kirche selbst verlotterte nach der Reformation zusehends so sehr, dass man sich im ausgehenden 18.Jh fragte ob man sie nicht völlig abreissen solle. 1794 wurde das Gotteshaus profanen Zwecken zugeführt und 1799 machte man die Barfüsserkirche zu einem Salzlager. Das gelagerte Salz schädigte das historische Mauerwerk.
Im Jahr 1821 wurden weite Teile des Barfüsserklosters abgerissen. Auch die Stadtmauer mit dem Eselstürlein, dem Eselsturm und dem alten Wassertor verschwanden. Mit dem Abriss der Mauer wurde der Platz nun zur Steinenvorstadt hin geöffnet. An der Stelle der ehemaligen Klosterbauten entstand 1824/25 das von Melchior Berri erbaute Stadtcasino. Eine eigens gegründete Stadtcasino-Gesellschaft sammelte die erforderlichen 60'000 Franken.
Das Stadtcasino war ursprünglich als "Wintercasino" gedacht, ergänzend zum Sommercasino das einst von Johann Georg Von der Mühll entworfen wurde. Heute fristet es beim St.Jakobsdenkmal ein trauriges Dasein als Mal- und Sprayfläche. Im Prinzip waren die Casinos jedoch von einander unabhängig. Neben dem Stadtcasino entstand das 1843/44 von Christoph Riggenbach erbaute Kaufhaus, als Ersatz für das alte Kaufhaus an der Gerbergasse.
Das neue Kaufhaus
Für den Bau des Kaufhauses neben dem Casino von Berri, mussten der Kreuzgang des Klosters, die Almosenschaffnei und das Pfarrhaus abgerissen werden. Danach drängte sich dieses Kaufhaus zwischen Casino und Kirche auf den veränderten Platz. Das Kaufhaus seinerseits fiel 1874 der Spitzhacke zum Opfer. Es musste dem Bau des 1876 vollendeten und heute noch existierenden Musiksaals von Johann Jakob Stehlin (dem jüngeren) weichen.
Das letzte Stück Birsig am Barfüsserplatz, der diesen Namen übrigens amtlicherweise seit 1861 trägt, verschwand ab 1890. Damals begann man die übrigen offen fliessenden Partien des Wasserlaufs neu einzubetten und zu überdecken. Im Jahr 1900 konnte die Falknerstrasse eröffnet werden, welche direkt über dem zugemauerten Birsig verlief. Durch sie konnte dann auch das Tram geführt werden. Es befuhr zuvor die Obere Gerbergasse.
Der Birsig (B) am Barfüsserplatz im 17.Jh (links auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum) und die Falknerstrasse an seiner Stelle heute. Ferner das erwähnte Haus zum Österreich (2), das Nachbarhaus (1) und das Haus Barfüsserplatz 1 aus dem 16.Jh (A).
Das neue Stadtcasino von 1939
Das Stadtcasino vom Melchior Berri wurde über ein Jahrhundert genutzt, bis es den Ansprüchen nicht mehr zu genügen vermochte. Die Sommercasino-Gesellschaft hatte sich mittlerweile mit der Stadtcasino-Gesellschaft vereinigt. Um einen Casinoneubau zu finanzieren, wurde das Sommercasino beim St.Jakobs-Denkmal 1937 verkauft. Berris Casino am Barfüsserplatz war zudem dem neuen Konzept zur Verkehrsleitung rund 12 Meter zu lang.
Berris Casino wurde im Frühjahr 1938 abgerissen und es entstand in drei Bauetappen das neue Stadtcasino der Architekten Kehlstadt & Brodtbeck. Der Bau des Casinos wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erschwert - die Kriegsmobilmachung entzog der Baustelle eine gute Hundertschaft an Arbeitskräften. Dennoch konnte am 16.Dezember 1939 die feierliche Schlüsselübergabe stattfinden. Nur eines fehlte noch.
Die Wand der Kopffassade nahm sich noch kahl und leer aus. Sie wurde jedoch im Sommer 1941 durch den prominenten Maler Alfred Heinrich Pellegrini mit dem Wandbild "Apoll und die Musen" geschmückt. Zu Beginn wegen der dargestellten nackten Tatsachen vereinzelt heftig angefeindet, wurde das Bild zu einem akzeptierten Teil des Stadtbildes. Der Barfüsserplatz erlebte indes im 20.Jh noch einige Eingriffe und Veränderungen.
Pläne und Projekte
Bis zum Bau der Markthalle 1929, diente der Barfüsserplatz ab 1883 als Marktplatz für den Handel mit Obst und Gemüse. Ein Novum war 1925 die erste Automobilbörse die auf dem Platz stattfand. Im Vorfeld das Casinobaus wurde 1936 der Barfüsserplatz teilweise abgesenkt. Die machte den Bau einer Stützmauer nötig, welche im Basler Volksmund auch als "Klagemauer" bekannt war. Die Mauer verschwand wieder bei der Umgestaltung des Platzes 1979.
Wenige Jahrzehnte nach dem Bau des neuen Casinos, machte man sich 1974 Gedanken um einen weiteren Neubau. Die heute prominenten Architekten Herzog & DeMeuron legten dazu ein Projekt vor. Es nahm die alte Flucht der 1821 abgerissenen Stadtmauer wieder auf und hätte mit einem wesentlich längeren Casinogebäude den Barfüsserplatz und die Steinenvorstadt wieder voneinander getrennt. Wie zu Zeiten des Mittelalters.
Der Barfüsserplatz in späten Mittelalter und in der Neuzeit. In grauen Umrissen - heutige Gebäude, in Farbe - abgegangene Gebäude.
1 - aktueller Umriss der heutigen Barfüsserkirche
2 - (rot) im 19.Jh abgerissene Bauten des Barfüsserklosters
3 - (gelb) 1821 abgerissene Stadtmauer des 11./13.Jh
4 - heutiger Häuserblock Barfüsserplatz 9 bis 18
5 - heutige Tramstation mit Kiosk
6 - der bis ca 15./16.Jh offene Birsig
7 - (blau) abgegangene Bauten Mittelalter/Neuzeit
A - Barfüsserplatz
B - Stadtcasino von 1939
C - Musiksaal von 1876
Allgemein sah das Projekt vor, dem Platz quasi wieder seinen geschlossenen Charakter zurückzugeben. Der Preis dafür wäre allerdings ein erhebliches Abwürgen des Durchgangsverkehrs gewesen. Daran hätten wohl weder Ladenbesitzer, noch Taxifahrer oder gar die BVB ihre Freude gehabt. Der Barfüsserplatz ist übrigens ein heisses Pflaster für ambitionierte Bauprojekte geblieben, was die vergangene Debatte um ein weiteres Stadtcasino belegt...
Interner Querverweis:
>> Das Kaufhaus am Barfüsserplatz
>> Der Birsig im alten Basel
Beitrag erstellt 24.10.06 / Quellen nachgeordnet 15.09.10
Quellen:
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Emil Blum/Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seiten Seiten 80 bis 88
Albert Bruckner, 700 Jahre Bürgerspital Basel 1265-1965, herausgegeben vom Bürgerspital Basel, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1965, Seiten 13 bis 14
Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seiten 55 bis 57 und 81 bis 82
Brigitte Degler-Spengler, Das Klarissenkloster Gnadental in Basel 1289 - 1529, Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte, Band 3, herausgegeben vom Staatsarchiv Basel-Stadt, Kommissionsverlag Friedrich Reinhardt AG, Basel, 1969, Seiten 15 bis 16
Jürg A. Herzog/Pierre DeMeuron, "Architektonische Elemente der Stadtentwicklung Basels", publiziert in Basler Stadtbuch 1974, herausgegeben von der Christoph Merian Stiftung, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1975, Seiten 127 bis 140
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Eugen Alfred Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seiten 58 und 59
Christian Adolf Müller, "Die Stadtbefestigung von Basel", 134. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1956, Seiten 14 bis 15
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Dorothee Rippmann/Bruno Kaufmann/Jörg Schibler/Barbara Stopp, "Basel Barfüsserkirche", Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 13, Walter Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 1987, ISBN 3-530-04151-3, Seiten 13 bis 20, 25, 33 bis 36, 39 bis 42, 46 bis 50, und 52 bis 59
Paul Roth, "Die Basler Casino-Gesellschaft, von den Anfängen zur Gegenwart", publiziert in Basler Stadtbuch 1961, herausgegeben von Gustav Steiner, Valentin Lötscher und Adolf Portmann, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1960, Seiten 155 bis 164
Karl Stehlin/Paul Siegfried, Das Bürgerhaus in der Schweiz, Band 17, Kanton Basel-Stadt (I.Teil), herausgegeben vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein, Orell Füssli Verlag, Zürich, 1926, Seiten 23 bis 25
Gustav Adolf Wanner, Häuser Menschen Schicksale, Band 1, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1985, ISBN 3-85815-126-2, Seiten 146 bis 148
Gustav Adolf Wanner, Häuser Menschen Schicksale, Band 2, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1986, ISBN 3-85815-150-5, Seiten 41 bis 44