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Wir leben in einer Zeit, in der (zumindest für uns in den Industrieländern) mehr oder weniger alles im Überfluss vorhanden ist. Wir können beliebig viel essen, spülen sogar die Toiletten mit bestem Trinkwasser, fliegen für ein Wochenende in irgendeine ferne Stadt um einzukaufen, tragen teure Markenkleider, wohnen in immer grossflächigeren Häusern oder Wohnungen, usw.
Natürlich gibt es fernab in einer anderen Welt auch noch andere Menschen, denen es materiell wesentlich schlechter geht. Um unser Gewissen zu beruhigen, spenden wir hie und da etwas für wohltätige Zwecke. Und wir stören uns selbstverständlich sehr an der Armut in der "anderen Welt".
Aufrufe, sich persönlich etwas einzuschränken, verhallen in aller Regel ohne Wirkung:
- Weshalb sollen wir z.B. mit Wasser sparsam umgehen? Was hilft es den in der Dürre leidenden Afrikanern, wenn ich hier beim Duschen dank einer Spardüse weniger Wasser verbrauche? Oder wenn ich die WC-Spülung vorzeitig unterbreche?
- Weshalb sollte gerade ich Energie sparen? Die Energie ist ja vorhanden, wenn nicht ich sie einsetze, wird sie bestimmt jemand anders möglicherweise noch sinnloser nutzen. Dann verschwende ich die Energie lieber gleich selbst und fahre zum Beispiel einen schweren SUV (Geländewagen), geniesse das damit verbundene Ansehen und habe meinen Spass.
- Lindert es irgendwo in der Welt eine Hungersnot, wenn ich weniger esse? Die Ware wäre doch längst verdorben, bis sie in einem armen Land ankommt.
Man muss zweifellos zugeben, dass diesen Beispielen eine gewisse nachvollziehbare Logik eigen ist: Selbst wenn ich auf etwas verzichte, würde dies Anderen, welche offensichtlich Not leiden nicht helfen. Deshalb die Frage, weshalb soll ich mich denn einschränken?
Die Frage ist berechtigt, die zu Grunde liegende Sichtweise blendet aber völlig aus,
- dass es auf der Erde nicht nur Menschen, sondern auch viele andere Wesen gibt.
- dass viele Ressourcen auf der Erde begrenzt sind.
- dass alles mit allem verknüpft ist. Die Menschen sind nur ein kleiner Teil der Schöpfung.

Wem genug zu wenig ist,
für den ist nichts genug.
Der Begriff "Wesen" ist dabei sehr weit gefasst, er beinhaltet Pflanzen, Tiere, Menschen, ja sogar Teile der Materie; eigentlich alles, was wir gemeinhin als "die Natur" bezeichnen. Man könnte das oben erwähnte kosmische Gesetz deshalb für die Erde auch wie folgt formulieren:
Alles in der Natur hat das gleichwertige Recht, hier zu sein, sich zu entwickeln und seine Aufgaben auszuführen.
Wir wir wissen, sind die Zusammenhänge in der Natur sehr komplex. Wir können zwar einzelne Vorgänge nachvollziehen, von einem Verständnis der grossen Zusammenhänge sind wir aber immer noch weit entfernt. So können wir z.B. das Wetter für zwei bis drei Tage vorhersagen. Doch was ist dies schon? Würden wir die Einflüsse und Zusammenhänge wirklich verstehen, müsste es doch möglich sein, das Wetter um Monate vorherzusagen!
Doch kommen wir wieder zurück auf das eigentliche Thema: Wozu ist Bescheidenheit eigentlich gut? Wem nützt unsere persönliche Bescheidenheit?
Wem nützt meine Bescheidenheit und Demut?
Typischerweise denken wir bei dieser Frage nur an direkte Auswirkungen auf andere Menschen und nicht auf die Natur als Ganzes. Der Mensch ist aber wirklich nur ein ganz kleiner Teil der Natur - spätestens bei Naturkatastrophen werden uns die Relationen wieder in Erinnerung gerufen.
Wenn ich persönlich weniger Wasser, weniger Energie, weniger Nahrungsmittel brauche, hat dies selbstverständlich Auswirkungen auf die Natur. Welche Auswirkungen dies nun im Einzelfall genau sind, brauchen wir nicht zu verstehen. Es ist aber enorm wichtig einzusehen, dass unser Einschränkung, unsere Bescheidenheit durchaus Auswirkungen hat. Zwar in der Regel nicht direkt auf notleidende Menschen, aber auf die Natur als Ganzes: Dass, was wir nicht nehmen, nicht verbrauchen, nicht verschmutzen oder nicht zerstören, steht automatisch anderen Wesen zur Verfügung.
Wenn gemäss dem oben erwähnten kosmischen Gesetz alle Wesen das gleichwertige Recht auf ein Leben auf der Erde haben, dann gibt es kein Recht sich mehr zu nehmen als man wirklich braucht, als wirklich notwendig ist. Sonst kann dies das Leben von anderen Wesen auf der Erde behindern oder sogar verhindern. Wir greifen damit in Kreisläufe und Systeme ein, welche wir nicht verstehen (siehe das oben erwähnte Beispiel mit der Wetterprognose).
Sich Harmonie wünschen, aber den Partner verachten
Das ganz grosse Ziel der Menschen ist es, letztendlich in dauernder Freude und Harmonie mit sich und der Umgebung leben zu können, d.h. mit Pflanzen, Tieren, Luft, Wasser, der Erde selbst, anderen Menschen usw.
Wie soll ich aber mit meiner Umgebung jemals in Harmonie leben können, wenn ich meiner Umgebung etwas wegnehme, wenn ich sie bestehle? Oder lieben Sie etwa jene Mitmenschen am meisten, welche rücksichtslos sind, welche egoistisch und nur auf sich selbst bezogen sind?
Sobald ich mehr Ressourcen brauche, als ich zur Erfüllung meiner Aufgaben auf der Erde sinnvollerweise benötige, werden diese Ressourcen meiner Umgebung nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit anderen Worten: Indem wir uns mehr nehmen als wir wirklich bräuchten, indem wir z.B. Ressourcen wie Wasser oder Öl verschleudern, schaden wir oft nicht direkt unseren Mitmenschen, sondern der Natur. Da wir aber, wie oben erwähnt, mit der Natur in Einklang leben wollen, da wir mit ihr in Harmonie sein wollen, schaden wir letztendlich uns selbst am meisten! Wie soll Harmonie in unsere Partnerschaft mit der Natur kommen, wenn wir die Wesen der Natur nicht als gleichberechtigte Partner achten, sondern sie als minderwertige Kreaturen oder gar als Ware missachten? Mit jemandem, den man verachtet, kann man nicht in Harmonie leben. Wir stehen uns dadurch selbst im Wege, um unser Ziel der dauernden Harmonie mit uns selbst und unserer Umgebung zu erreichen.
Ist es vor diesem Hintergrund nicht absurd, aus Prestigegründen mit einem Motorboot sinnlos auf Seen herumzufahren, eine riesige Villa zu bewohnen, aus Bequemlichkeit Wasser zu verschwenden, Tiere unter Qualen zu mästen, um danach möglichst viel billiges Fleisch essen zu können? Es darf nicht überraschen, dass uns solche Exzesse letztendlich unglücklich werden lassen und dass wir in eine negative Spirale geraten, in der wir "zuviel" mit "noch mehr davon" zu überdecken versuchen, anstatt inne zuhalten und über unser Verhalten nachzudenken. Wenn zwei Shopping-Weekends per Flugzeug uns nicht glücklich machen, dann versuchen wir es doch nächstes Jahr gleich mit drei oder vier solcher Touren...
Bescheidenheit eröffnet Chancen
In grossem Kontrast dazu sind Bescheidenheit und Demut gegenüber dem Wunder der Natur Tugenden, welche uns in unserer persönlichen Entwicklung weiter bringen. Wir zeigen Respekt gegenüber unserer Umwelt, gegenüber allen anderen Wesen und dadurch gegenüber der Natur als Ganzes. Nur dadurch können wir zur Harmonie mit uns selbst und unserer Umgebung finden.
Ein Leben in Bescheidenheit erscheint aus dieser Sicht nicht voller Entbehrungen und Einschränkungen, sondern ganz im Gegenteil: voller Möglichkeiten für die persönliche Entwicklung. Letztendlich ist es eine unabdingbare Voraussetzung um dauernde Harmonie, innere Ruhe, Freude und (Ur-)Vertrauen finden zu können.
Am besten stellt man sich die Natur mit allen ihren Kreaturen als echter Partner und lieber Freund vor. Dann sollte es einem eigentlich automatisch gelingen, sie entsprechend respektvoll zu behandeln. Seien Sie aber nicht überrascht, wenn diese Vorstellung im Laufe der Zeit immer mehr Wirklichkeit wird!