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Sugata Mitra, Professor of Educational Technology at the School of Education, Communication and Language Sciences at Newcastle University, England, wurde durch seine 1999 begonnenen Experimente zu „Hole in the wall“ bekannt. In dieser Serie von Studien ging er der Frage nach, wie weit Lernen ohne Lehrer und ohne Schule führen kann (vgl. diesen Hintergrundartikel dazu). Mitra hat 2013 den mit 1 Millio US$ dotierten TED-Award gewonnen und verfolgt jetzt das Projekt „School in the cloud“, das auf seiner Formel für selbstorganisierte Lernumgebungen (SOLE) beruht:
Im Rahmen der 48th Annual International IATEFL Conference Anfang April 2014 berichtete Mitra vom Fortgang seines Projekts „School in the cloud“. Dabei versteht er es, eine gute Portion Humor in seinem Vortrag unterzubringen: „Hole in the wall is impossible in England. If you tried, you would get frozen children. I love this country but it has ridiculous weather.“
Die Rahmenbedingungen in Nordengland sind andere als in Indien: draussen ist es oft kalt, Schulen sind flächendeckend verfügbar, qualifizierte Lehrpersonen in der Regel auch und in den Klassenzimmern steht oft für jeden Schüler ein eigener Computer zur Verfügung. Also muss der Ansatz für die Stimulierung von selbstorganisierten Lernprozessen auch ein anderer sein als im ländlichen Indien.
Mitra entwickelt folgendes Arrangement:
- Entfernen von verfügbaren Computern bis nur noch für jeweils 4-5 Schulkinder ein Computer verfügbar ist. Dadurch sind sie gezwungen, zusammen zu arbeiten.
- Internet-Zugang
- Konfrontieren der Schüler mit einer herausfordernden Fragestellung: z.B. „Warum können sich fast alle Männer einen Schnurrbart wachsen lassen, die (meisten) Frauen aber nicht?; oder: „Warum entstehen die meisten vulkanischen Gesteinsformationen an den Rändern von tektonischen Platten?“ Wichtig ist, dass „grosse“ Fragestellung gewählt werden; Fragestellungen, die so gefasst sind, dass ein vollständiges Curriculum (z.B. in Biologie) damit in Verbindung gebracht werden kann.
- „Grannie cloud“ – Grossmütter (oder andere Menschen) mit Breitband-Internetzugang und der Bereitschaft, 1 Stunde pro Woche unentgeltlich zur Verfügung zu stellen und die Kinder mit Empathie und Bewunderung („Wie habt ihr das nur geschafft? Ich könnte das bestimmt nicht“) unterstützen. Über einen Aufruf in einer nationalen Zeitung haben sich mittlerweile 600 „Grossmütter“ zur Unterstüzung bereit gefunden.
Mitra berichtet von erstaunlichen Ergebnissen auf Seiten der Schüler (in der Regel zwischen 6 und 14 Jahre alt) und leitet daraus folgende Vorschläge für die künftige Gestaltung von Lernumgebungen ab:
- Schulkurricula müssen so angepasst werden, dass sie die Verfügbarkeit des Internet berücksichtigen
- Das pädagogisches Handeln der Lehrpersonen muss das Internet integrieren („give the kids a big interesting question and leave them alone“)
- Lernerfolgskontrollen (Prüfungen) müssen auf die Nutzung des Internets und kollaboratives Problemlösen ausgerichtet werden
Der effektivstse Weg, um diese Veränderungen zu erreichen, ist Mitra zufolge die Zulassung von Internetzugang in Prüfungssituationen. Die anderen Veränderungen (Aufgabenstellungen, Lernarrangements) würden sich darüber zwangsläufig einstellen.
Mitra schliesst, indem er einige der „Schools in the cloud“ zeigt, die er an verschiedenen Orten weltweit einrichtet. Diese „Schulen“ sind eher wie Internet-Cafés für Schüler gestaltet: Computer: Internetzugang; grosse Flachbildschirme; offene Bereiche oder gläserne Wände, damit andere sehen können, was die Lernenden gerade machen; und „Aufsichtspersonen“ die keine fachlichen Hinweise geben, weil sich nicht über das dazu erforderliche curriculare Wissen verfügen.
Ein wirklich beeindruckender Vortrag und ein beeindruckendes Unterfangen zur Entwicklung der Zukunft des Lernens!