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Neben dem Magenbypass ist die Schlauchmagen-OP das am häufigsten angewandte bariatrische Verfahren, um die Adipositas chirurgisch zu behandeln.
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Foto: Pixabay-fernando zhiminaicela
Die Schlauchmagen-OP
Dieses Verfahren wird häufig unter dem englischen Begriff der Sleeve-Resektion (Sleeve = Schlauch) besprochen. Ein weiteres Synonym ist die Sleeve-Gastrektomie, wobei der medizinische Begriff Gastrektomie (griechisch gaster = Magen und ektomie = schneiden) eine Magenentfernung beschreibt.
Bei der Sleeve-OP wird der sonst beutel- oder sackförmige Magen verkleinert und dabei in eine Schlauchform umgewandelt. Der Magen ist von seiner Form her einem traditionellen Trinkbeutel aus Spanien (sog. Bota) ähnlich und bildet eine kleine und eine grosse Kurve an den seitlichen Begrenzungen aus, wobei die Speiseröhre an der Seite der kleinen Kurve in den Magen übergeht. Der Anteil des Magens, der die grosse Kurve bildet, wird bei der Schlauchmagen-Operation entfernt. Dabei wird ebenfalls der Magenfundus entfernt, welcher ein kuppelförmiger Anteil des Magens ist, aus dem die grosse Kurve entspringt und der ganz am Anfang des Magens unter dem Zwerchfell liegt. Für die Schlauchmagenbildung werden spezielle chirurgische Klammernahtgeräte verwendet, die in einem Arbeitsschritt die Magenwand einschneiden und die entstandenen Schnittränder mit Titanklammern verschliessen. Es werden dabei ca. 4/5 des Magen entfernt. Der entfernte Anteil des Magens wird dann über einen etwas grösseren Schnitt in einem Beutel aus der Bauchhöhle entfernt. Das ganze Verfahren wird in der sog. Schlüssellochtechnik mit meist fünf kleinen (ca. 1–1,5 cm) Schnitten durchgeführt und dauert in der Regel eine Stunde. Durch diese Operation ist der Magen unwiederbringlich verändert. Der entfernte Anteil wird entweder dem Pathologen zur mikroskopischen Untersuchung übergeben oder entsorgt.
Im Gegensatz zur Magenbypass-Operation kommt es bei der Sleeve-Resektion zu keiner Veränderung der Nahrungspassage. Das heisst, die aufgenommene Nahrung wird durch die Speiseröhre in den Magenschlauch transportiert und dann weiter über den Magenausgang in den Dünndarm geleitet. Die Schlauchmagen-Operation führt vor allem über die Verkleinerung des Magens zu einem Gewichtsverlust, da nur noch eine kleine Portion Nahrung aufgenommen werden kann. Aber auch die Entfernung des Magenfundus führt über die damit verbundene Entfernung von Dehnungsrezeptoren und Hormonausschüttung zu einer deutlichen Verringerung des Hungergefühls. Es ist also wichtig, dass neben der grossen Magenkurve auch der Fundus entfernt wird.
Die Sleeve-Operation kann auf Wunsch des Patienten bei jedem Übergewicht eingesetzt werden. Bei der Magenbypass-Operation kann die Situation auftreten, dass aufgrund des vielen Bauchfetts, oder aufgrund von Verwachsungen in der Bauchhöhle, die Dünndarmschlinge nicht an den Magen hochgezogen werden kann. Dann kann der Schlauchmagen dennoch durchgeführt werden, da hier nur am Magen operiert wird und der Dünndarm nicht berührt wird. Es gibt also Situationen, bei denen der Operateur sogar zu einer Schlauchmagen-Operation rät. Eine typische Situation sind Patienten mit Voroperationen in der Bauchhöhle, oder Patienten mit einem extrem hohen Body-Mass-Index (BMI > 60 kg/m2).
Betrachtet man den Gewichtsverlust im ersten Jahr nach der Operation, ist die Schlauchmagen-Operation genauso effektiv wie der Magenbypass. Im langfristigen Verlauf (ca. 5 Jahre) kann es jedoch zu einem erneuten Anstieg des Gewichtes kommen. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Häufig liegt dem jedoch ein langsames Aufweiten des Magen-Sleeves zugrunde, sodass eine erneute Operation notwendig werden kann.
Die Risiken der Schlauchmagen-OP
Die Schlauchmagen-Risiken sind teilweise ähnlich wie bei der Magen-Bypass-Operation. So können auch bei diesem Eingriff umliegende Organe, Gefässe oder Nerven verletzt werden. An der Naht des Schlauchmagens kann es zu Blutungen kommen, die teilweise so stark sein können, dass eine Intervention (Magenspiegelung, erneute Operation) notwendig werden kann. Eine weitere Komplikation ist die Leckage der Schlauchmagennaht. Diese tritt häufig ganz am Anfang des Magens, kurz nach dem Übergang von der Speiseröhre in den Magen, auf, da hier die Durchblutung des Magens aufgrund der Schnittführung bei der Schlauchmagenbildung eingeschränkt sein kann. Eine solche Komplikation führt zu einer bakteriellen Verunreinigung der Bauchhöhle. Eine Abszessbildung ist eine häufige Folge. Auch können durch diese Kontamination Entzündungen in der Lunge entstehen oder eine generalisierte Entzündungsreaktion im Körper (sog. Sepsis) hervorgerufen werden. Eine solche Leckage kann durch Antibiotika und andere Interventionen behandelt werden. Teilweise ist auch eine weitere Operation notwendig, um die Bauchhöhle zu säubern, die Leckage zu übernähen oder einen Schlauch an die entsprechende Stelle zu legen, um die Entzündung aus dem Körper herauszuleiten.
Schlauchmagen-Probleme können aber auch erst nach Entlassung aus dem Krankenhaus auftreten. So kann durch die Schlauchmagen-Operation der Verschlussmuskel zwischen der Speiseröhre und dem Magen nicht mehr gut funktionieren, sodass es zu einem Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre kommen kann. Dieses wird dann als starkes Sodbrennen wahrgenommen und kann bei ausgeprägtem Auftreten zu einer deutlichen Verschlechterung der Lebensqualität führen. Zudem kann es durch den Kontakt der Magensäure mit der Schleimhaut der Speiseröhre zu Entzündungen in der Speiseröhre kommen. Daraus können Schmerzen aber auch narbige Veränderungen mit Schluckstörungen entstehen.
Gewichtsabnahme nach Schlauchmagen-OP
Die Gewichtsabnahme nach einem solchen Eingriff ist am Anfang meist am stärksten. Dies hat vor allem mit der sofortigen Umstellung der Essensmenge nach Magenverkleinerung zu tun. Aufgrund dessen können vor allem zu Beginn nur sehr kleine Portionen gegessen werden. Im weiteren Verlauf gewöhnt man sich zunehmend an die veränderten Verhältnisse und kann auch wieder etwas grössere Mengen essen. Dies liegt zum einen am Rückgang postoperativer Schwellungen und zum anderen an einer zunehmenden Erweiterung des Schlauchmagens. Über Jahre kann das zu einem immer grösseren Füllungsvolumen des Magens führen, sodass ein vermindertes Sättigungsgefühl vorliegt. Dies kann auch eine erneute Gewichtszunahme zur Folge haben.
Im langfristigen Verlauf kann die Wirksamkeit der Schlauchmagen-OP gegen das Übergewicht so stark reduziert werden, dass ein erneuter bariatrischer Eingriff notwendig werden kann.
Patientenerfahrungen nach Schlauchmagen-OP
Viele Patienten machen nach der Durchführung einer Schlauchmagen-OP Erfahrungen, die sich ähneln. Häufig wird von Schluckstörungen, Übelkeit und Erbrechen unmittelbar nach der Operation berichtet. Auch Sodbrennen und saures Aufstossen sind nicht selten Beschwerden, unter denen Patienten mit Magen-Sleeve leiden. Die Verläufe und Erfahrungen mit einem Schlauchmagen sind vielfältig und von Patient zu Patient verschieden. Wann ein Patient wieder normales Essen zu sich nehmen kann, ist individuell sehr unterschiedlich, in der Regel jedoch nach einigen Wochen wieder möglich. Dabei ist zu beachten, dass die Menge des normalen Essens weiterhin deutlich geringer ist als bei nicht operierten Menschen. Auch gibt es unterschiedliche Erfahrungen mit der Einnahme von Tabletten. Manche vertragen dies gut, andere weniger gut. Häufig muss ein Magensäure-Blocker bei übermässigem Sodbrennen eingenommen werden. Auch wir empfehlen es nach dieser Operation. Zudem müssen nach der Schlauchmagen-Operation lebenslang Vitamine und Spurenelemente der Nahrung zugeführt werden, um Zustände der Mangelernährung zu vermeiden.
Kosten der OP
Die Schlauchmagen-Kosten werden unter bestimmten Voraussetzungen durch die Kassen bezahlt. Hierfür müssen in der Schweiz bestimmte Kriterien erfüllt sein. Dazu zählt ein BMI von 35 kg/m2 oder mehr sowie eine Dokumentation über Abnehmbemühungen während zwei Jahren. Zudem müssen sich Patienten nach Durchführung einer Magenschlauch-OP zu einer lebenslangen bariatrischen Nachsorge verpflichten. Auch vor der Anlage eines Sleeve-Magens müssen Kontraindikationen, wie unter anderem Tumorerkrankungen oder bestimmte Essstörungen, ausgeschlossen sein, um die Operation sicher durchführen zu können.
Welche OP-Alternativen gibt es?
Die Schlauchmagen-OP ist ein etabliertes bariatrisches Verfahren mit wissenschaftlich gut dokumentierter Wirksamkeit. Dennoch sollten auch immer andere Magen-OPs in Betracht gezogen werden. Ein Magenbypass hat den Vorteil einer langfristig ausgeprägten und stabileren Gewichtsreduktion, da hier nicht nur eine Magenverkleinerung durchgeführt wird, sondern auch die Nahrungspassage und -aufnahme im Darm verändert wird. Ein weiterer Nachteil der Schlauchmagen-OP ist die Irreversibilität des Eingriffs, während der Magenbypass zumindest theoretisch wieder rückgängig zu machen wäre. Dem entgegen steht der komplexere Eingriff des Magenbypasses mit Anlage von „Magen zu Darm“- und „Darm zu Darm“-Verbindungen, die ein potentielles Risiko für Komplikationen bergen. Solche Verbindungen sind bei der Schlauchmagen-OP nicht vorhanden. Eine biliopankreatische Diversion sollte nur bei speziellen Situationen in Erwägung gezogen werden. Die Anlage eines Magenbandes stellt aus unserer Sicht keine gute Alternative zu einem Schlauchmagen oder Magenbypass dar. Häufig müssen Patienten mit Magenband erneut operiert werden, da es zu Komplikationen gekommen oder eine Gewichtsabnahme nicht eingetreten ist. In solchen Fällen wird dann eine Umwandlung entweder in einen Magenbypass oder einen Schlauchmagen durchgeführt.