Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03249.jsonl.gz/970

Eine musikalische Reise in die Welt von Christian Morgenstern.
Wenn sich acht lustige Könige die Kleider raffen und sich von ihren Narren hängen lassen, damit es ihnen am Galgen, im Moment des «Dazwischen» gelingt, die Welt anders und andere Dinge zu sehen als die Anderen, dann sind wir mitten in der Welt von Christian Morgenstern.
Das Motto, dass in jedem Menschen ein Kind ist, das spielen will, inspirierte den Dichter für seine Gedichte.
Andreas Cincera bleibt Morgenstern nichts schuldig, er spielt auf seinen Kontrabass, er streicht, zupft, singt, pfeift, klopft, stöhnt, flüstert und verbindet die Musik von Johann Sebastian Bach über Sofia Gubaidulina bis zu Jaco Pastorius in virtuoser Weise mit den teils feinsinnig poetischen, teils den Dadaismus vorwegreifenden sowie den verblüffend visionär anmutenden Texten von 1905.
Letztere erzählen etwa von Fake News der Westküsten, von einem von der Welt abschirmenden künstlichen Kopf, oder von einem ungebremst ansteigenden Meeresspiegel.
Wohl uns, hütet doch die Mitternachtsmaus in solcher Nacht das vom Geist verlassenen Haus!
Andreas Cincera: Kontrabass / Rezitation.
Weitere Hintergrundinformationen:
Christian Morgenstern (1871-1914)
Der deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer erreichte mit seiner expressionistisch, ironisch-absurden bis surrealistischen Lyrik die grösste Bekanntheit, auch wenn diese nur einen Teil seines Werkes ausmacht. Humor und Ironie waren zeitlebens ein wesentliches künstlerisches Mittel, um damit existenzielle Themen und auch die zeitkritische Sicht zum Ausdruck zu bringen. Die Texte sind angesichts der gesellschaftlichen und politischen Aktualitäten sowie der akut gefährdeten Umwelt visionär und haben nach über hundert Jahren in keiner Weise an Aktualität verloren
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Der deutscher Barockkomponist schrieb seine Suiten für Violoncello solo unter dem Eindruck der Werke Domenico Galli und Domenico Gabrielli für eine Bassstimme solo, von denen ebenfalls einzelne Sätze gespielt werden in diesem Programm
Sofia Gubaidulina (*1931)
Die Musik der wohl bekanntesten und auch im breiten Publikum geschätzten zeitgenössischen tatarischen Komponistin zeichnet sich durch hohe Expressivität aus. Andreas Cincera durfte die erste Fassung ihrer «Galgenlieder» in der Triobesetzung uraufführen. Später entstand eine Quintettfassung. Die hier gespielten «Etüden» für Kontrabass solo verwendet im Kern das gleiche musikalische Material.
Jaco Pastorius (1951-1987)
Der US-amerikanische Bassist spielte meistens einen bundlosen E-Bass und war einer der stilbildenden E-Bassisten der jüngeren Musikgeschichte. Von 1976 bis 1981 war er Mitglied der Band Weather Report.
Zudem erklingt Musik von Andreas Cincera und Giselher Klebe und Emil Tabakov.
Andreas Cincera, Kontrabass
Nach dem Musikstudium waren die ersten Jahre gekennzeichneten durch das Orchesterspiel, so etwa im Tonhalle Orchester, in der Oper Zürich und 14 Jahre im Collegium Novum Zürich. Heute lässt Andreas Cincera neben der Lehrtätigkeit seinen Kontrabass vor allem in diversen Stilen beheimaten Bands und in eigenen Musiktheaterproduktionen erklingen.