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Haubenleguan
Brachylophus vitiensis
© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Von nur wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Mitglieder der Familie der Leguane (Iguanidae) in den tropischen und subtropischen Bereichen des amerikanischen Doppelkontinents beheimatet. Zu den geografischen Aussenseitern gehören die Südpazifikleguane der Gattung Brachylophus.
Lange Zeit war man allgemein der Ansicht gewesen, dass im Südpazifik nur eine Leguanart existiert, nämlich der auf Tonga und Fidschi heimische Kurzkammleguan (Brachylophus fasciatus). 1979 wurde aber überraschend auf der Fidschi-Inselgruppe noch eine zweite Leguanart entdeckt, der Haubenleguan (Brachylophus vitiensis). Neueste molekulargenetische Untersuchungen haben nun ergeben, dass es auf der Fidschi-Inselgruppe sogar noch eine dritte, dem Kurzkammleguan äusserlich sehr ähnliche Art gibt. 2008 wurde sie auf den Namen Bulabulaleguan (Brachylophus bulabula) getauft.
Der Haubenleguan ist ein mittelgrosser Leguan. Er weist eine Kopfrumpflänge von bis zu etwa 25 Zentimetern, eine Schwanzlänge von bis zu 50 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 300 Gramm auf. Männchen und Weibchen sind hinsichtlich Grösse und Erscheinung einander sehr ähnlich. Bei beiden Geschlechtern findet sich ein grosser Kehllappen und ein Kamm aus bis zu 1,5 Zentimeter langen dunklen Stacheln. Die Grundfärbung des Körpers ist grün, jedoch verlaufen quer zur Längsachse etwa 18 helle Bänder. Im Kopfrumpfbereich sind diese Bänder schmal, weisslich und dunkel umrandet, während sie beim Kurzkammleguan breit, türkisfarben und randlos sind.
Der Haubenleguan kommt im Bereich der Fidschi-Inselgruppe nur auf ein paar wenigen kleinen Inseln im Nordwesten des Archipels vor. Der weitaus grösste Bestand - rund 12000 Individuen - lebt auf der etwa 70 Hektaren grossen, unbesiedelten Insel Yadua Taba. Diese war 1980 zu Fidschis erstem Naturreservat ernannt worden, um speziell den Haubenleguan zu schützen.
Die vorherrschende Pflanzendecke auf Yadua Taba ist niedrigwüchsiger tropischer Trockenwald. In diesem Wald leben die Haubenleguane. Im Unterschied zu manchen ihrer Vettern sind sie nämlich keine Bodenbewohner, sondern halten sich die meiste Zeit im Geäst der Bäume und Sträucher auf und ernähren sich dort vegetarisch von den Blättern, Blüten, Früchten, Knospen und Trieben eines breiten Spektrums verschiedener Pflanzenarten.
Die Paarungszeit fällt auf Yadua Taba in die Monate Februar bis April, also in die zweite Hälfte der feuchten Jahreszeit. Die Männchen suchen dann eifrig nach Weibchen. Begegnet ein Männchen einem Weibchen, so präsentiert es sich ihm in seiner vollen Grösse und zeigt ritualisiertes Kopfnicken. Ist das Weibchen paarungswillig, so antwortet es seinerseits durch Kopfnicken, während ein nicht paarungsbereites Weibchen die Bestrebungen des Männchens schlicht ignoriert.
Nach der Paarung sucht das Weibchen sorgfältig nach einer geeigneten Stelle auf dem Waldboden und gräbt dort eine etwa 20 Zentimeter tiefe Grube, in die es anschliessend seine Eier ablegt. Das Gelege umfasst gewöhnlich 3 bis 4, selten bis 7 Eier. Nach dem Ablegen füllt das Weibchen die Grube wieder auf und verlässt die Stelle, ohne sich weiter um seinen Nachwuchs zu kümmern. Brutfürsorge findet also bei den Haubenleguanen keine statt. Die Jungen schlüpfen nach einer Entwicklungszeit von 7 bis 9 Monaten zu Beginn der Regenzeit, wenn das Angebot an frischen, nährstoffreichen Pflanzenstoffen rasch anwächst, aus den Eiern. Sie weisen dann eine Kopfrumpflänge von 7 bis 8 Zentimetern auf und können vom ersten Tag an für sich selbst sorgen. Informationen über die Lebensdauer im Freiland gibt es keine. In Menschenobhut sind einzelne Individuen mehr als zwanzig Jahre alt geworden.
Der Haubenleguan hat seit der Besiedlung der südpazifischen Inselwelt durch den Menschen einerseits unter der direkten Bejagung für den Verzehr und andererseits unter den Nachstellungen seitens der eingeschleppten Raubsäuger wie Katzen und Ratten stark gelitten. In jüngerer Zeit konnten freilebende Bestände nur noch auf vier kleinen Inseln festgestellt worden.
Der einzige nennenswerte Bestand lebt wie erwähnt auf Yadua Taba. Für ihn bestehen zwar keine unmittelbaren Gefahren. Die Tatsache aber, dass geschätzte 98 Prozent des Artbestands auf dieser kleinen Insel leben, bildet ein grosses Risiko. Eine zerstörerische Flutwelle, ein heftiger Wirbelsturm oder auch eine eingeschleppte Infektionskrankheit könnten sich katastrophal auswirken.
Es sollen darum in den kommenden Jahren weitere Haubenleguanbestände auf katzen- und rattenfreien Inseln innerhalb des natürlichen Artverbreitungsgebiets sowie eine kleine Population in Menschenobhut geschaffen werden. Bis es soweit ist, wird der Haubenleguan auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) in der Kategorie «Vom Aussterben bedroht» geführt.
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