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Das Projekt Great Green Wall („Grosse grüne Mauer“) ist Afrikas Vorzeigeinitiative gegen die Auswirkungen des Klimawandels und der fortschreitenden Ausbreitung der Wüstenlandschaften. Geführt von der Afrikanischen Union hat es das ambitiöse Ziel, einen 8’000 Kilometer langen und 15 Kilometer breiten Streifen aus fruchtbarem, grünem Land zu erschaffen, der quer über Nordafrika, die Sahelzone bis zum Horn von Afrika führt. Das Projekt wird seit mindestens 2005 verfolgt — angedacht war es schon viel länger. Nun erhält es endlich den unbedingt erforderlichen Wachstumsschub.
14 Milliarden Dollar für Afrikas Grüne Mauer
Zum Abschluss des „One Planet Summit“ machten die über 100 Teilnehmerstaaten Anfang Jahr eine wichtige Zusage: Die Regierungen wollen bis 2025 14,3 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen, um Afrikas Grüne Mauer voranzutreiben. Das Umweltprojekt ist das wohl ambitionierteste der Gegenwart. Das grüne Band am südlichen Rand der Sahara-Wüste soll sich durch elf Länder ziehen — von Dakar bis Dschibuti. Ein grüner Flickenteppich aus Wäldern und Grünland mit lockerem Baumbestand soll entstehen, der die Verdunstung von Bodenfeuchtigkeit verringert und so die Bodenfruchtbarkeit verbessert. Dieser soll nicht nur die Ausbreitung der Sahara Richtung Süden anhalten, sondern auch das ländliche Kulturerbe schützen und die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung verbessern. Innerhalb der kommenden zehn Jahre sollen 100 Millionen Hektar unfruchtbar gewordenes Land wiederhergestellt, 250 Millionen Tonnen CO2 in Pflanzen und Boden gebunden und zehn Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit diesem Projekt will man den Sustainable Development Goals (SDG; „Nachhaltige Entwicklungsziele“) nachkommen, die es bis 2030 vorsehen, extreme Armut und Hunger zu beenden (SDG 1 und 2), den Klimawandel zu bekämpfen (SDG 13) und 30% der Landflächen unter Schutz zu stellen (SDG 15). Durch die Milderung des klimatischen und wirtschaftlichen Drucks auf die Bevölkerung wirkt es gleichzeitig als Massnahme gegen die Migration.
Karte von Afrikas Grüner Mauer mit den elf involvierten Ländern. Satellitenbild: NASA; bearbeitet von Aska Kern
Sahelzone ist besonders stark betroffen
Die Massnahme ist dringend nötig, denn der Klimawandel wirkt sich besonders stark auf die Sahelzone aus — eineinhalb Mal schneller als auf alle anderen Regionen der Welt. Die Übergangszone entlang der Sahara wird bereits alle zwei Jahre von extremen Dürren heimgesucht, anstelle des typischen Zehn-Jahres-Zyklus. Laut Prognosen von Wissenschaftlern könnte sich bis zum Ende des Jahrhunderts die ohnehin trockene Region südlich der Sahara um bis zu sechs Grad zusätzlich aufheizen. So wäre eine weitere Ausbreitung der Wüste kaum mehr zu verhindern. Hinzu kommt, dass die Sahelzone von Armut, schnellem Bevölkerungswachstum, hoher Arbeitslosigkeit, Nahrungsmittelknappheit und -unsicherheit geprägt ist. Würde die dortige Bevölkerung, wie heute prognostiziert, bis 2100 um das Doppelte anwachsen, wäre deren Lebensmittelversorgung noch stärker gefährdet, als sie es ohnehin bereits ist.
Schleppender Fortschritt
Erste Erfolge kann das Projekt bereits vorzeigen: So wurden in Äthiopien 5,5 Milliarden Setzlinge gepflanzt und 15 Millionen Hektar Fläche wieder fruchtbar gemacht. In Nigeria wurden fünf Millionen Hektar Land wiederhergestellt; im Zusammenhang mit den Massnahmen entstanden 20’000 Arbeitsplätze. In Senegal wurden zwölf Millionen trockenresistente Bäume gepflanzt. In Niger wurde fünf Millionen Hektar Land wiederhergestellt, das nun zusätzliche 500’000 Tonnen Getreide pro Jahr abwirft.
Insgesamt wurden aber erst etwa 15% des Gesamtprojekts umgesetzt. Denn für seine Verwirklichung fehlte es bislang nicht nur am politischen Willen, sondern auch an Geld. Ein UN-Bericht schätzt, dass pro Jahr zwischen 3,6 und 4,3 Milliarden US-Dollar benötigt werden — bis zur angezielten Fertigstellung des anspruchsvollen Projekts im Jahr 2030 also schätzungsweise 36 bis 43 Milliarden Dollar. Die 14 Milliarden-Investition gibt diesem Projekt nun den dringend nötigen ersten Schub.