Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03308.jsonl.gz/2367

10.10.2014 Isfahan Isfahan ist die Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Esfahan im Iran mit etwa 2 Mio Einwohnern. Die Stadt liegt im Zentraliran, rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran auf einer Höhe von 1500 Metern in einer Flussoase im fruchtbaren Tal des Flusses Zayandeh Rud am Rande des Zagrosgebirges. Im Süden und Westen der Stadt erheben sich die Bachtiari-Berge, und im Norden und Osten erstreckt sich die iranische Hochebene, die in die grossen Wüsten übergeht. Esfahan nesf-e dschahan - Isfahan ist die Hälfte der Welt, sagt ein persisches Sprichwort. Seine Glanzzeit erlebte Isfahan unter der Dynastie der Safawiden, die Isfahan 1598 zu ihrer Hauptstadt machten und durch zahlreiche Prachtbauten und Gartenanlagen verschönten.
Der Basar, der sich im Norden an den Imam-Platz anschliesst, ist einer der grössten und eindrucksvollsten des Iran und ist berühmt für seine Vielfalt und Qualität des Kunsthandwerks und der Teppiche. Nach der Stadt ist auch der feine handgeknüpfte Perserteppich Isfahan benannt. Hier kann Vreni nach Belieben Stoffe anschauen und sofern sie etwas findet das ihr gefällt, dies auch kaufen - kostet ja nichts!
Über Mittag besuchen wir ein traditionelles Restaurant. Es liegt in einem Hinterhof des Meidan-Platzes. Den Tipp haben wir von Sirous erhalten. Wir steigen die Treppe hoch und stehen vor verschlossener Tür. Nach ein paar Minuten, es ist inzwischen 12 Uhr geworden, werden wir eingelassen. Wir setzen uns auf eines der hier üblichen Bette wo man sich im "Schneidersitz" hinsetzt und bestellen aus der Karte, die wir nicht lesen können. Wir lassen uns also von den aufgetragenen Speisen überraschen. Vreni bestellt etwas, das sich als "Omelette mit Einlage" erweist und bei meinem "Meat-Ball" ist von Fleisch nichts zu sehen, schmeckt uns aber trotzdem gut. Dazu trinken wir Lemon-Bier, ähnlich wie Panaché, jedoch ohne Alkohol. Das Essen in dieser Sitzposition ist etwas unbequem, besonders wenn man nicht mehr so gelenkig ist! In der Zwischenzeit haben sich auch noch weitere Gäste eingefunden. So zum Beispiel eine Grossfamilie hinter uns, welche zwei Betten belegt, eines für die Männer, das andere für die Frauen.
Später lassen wir uns noch Tee reichen und er kommt zusammen mit den beliebten Safran-Zucker-Sticks. Leider ist die Crème Caramel ausgegangen und darum bestelle ich eine typische iranische Nachspeise: einen Teller voll Safrancrème. Sie ist so mastig, dass wir sie unter uns, Sepp und Gerhild sitzen ebenfalls bei uns, aufteilen.
Als wir zum Gehen aufbrechen werden wir von ein paar jungen Menschen aus der besagten Grossfamilie angesprochen. Sie sind gierig darauf, mit uns Englisch sprechen zu können. Wir werden über unsere Herkunft, Familie und Beruf ausgefragt. Wie immer wollen sie auch wissen wie uns der Iran gefällt. Wir erklären ihnen unsere Reiseroute und sie meinen, dass sie das auch einmal machen möchten. Dies war für beide Seiten eine interessante Begegnung. Dann stellen wir uns noch zusammen um ein Gruppenbild zu machen, bevor wir weitergehen.
11.10.2014 Der heutige Tag steht uns zur freien Verfügung. Wir benutzen ihn um wieder einmal Ordnung im WoMo zu machen, aber auch um uns von den anstrengenen letzten Tagen etwas zu erholen. Zum Nachtessen fahren wir mit dem Bus ins Hotel Abbasi.
Eine frühere Karawanserei aus der Zeit der Safawiden wurde zur Zeit des letzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi zum Hotel Schah Abbas (heute: Abbasi) umgebaut, das mit seiner prunkvollen Innenausstattung und der architektonischen Gestaltung zu den eindrucksvollsten Bauwerken der Stadt zählt.
Wir setzen uns in den Innenhof, wo die Tischen zwischen Quitten- und Kakibäumen stehen. Wege führen an Bächlein und Brunnen vorbei. Der Sommer neigt sich auch hier dem Ende entgegen und darum tragen wir unsere Jacken.
Je nach Wunsch durften wir uns an einem reichhaltigen Buffet bedienen oder auch à la Carte bestellen. Es ist der Abschiedsabend von Sabine und Michael. Sie haben sich entschlossen, morgen direkt durch die Türkei nach Hause zu fahren, damit Michael die Stifte in seinen drei Zehen dort entfernen lassen kann. Auf Sabine kommen strenge Tage zu. Sie wird täglich bis zu 500 km fahren müssen.
Nach dem Essen fahren wir mit dem Bus durchs nächtliche Isfahan. An der 33-Bogen-Brücke steigen wir aus und überqueren sie. Am anderen Ende wartet der Bus wieder auf uns und wir besuchen nochmals den Meidan-Platz, um ihn auch bei Nacht zu bewundern. Es herrscht noch reges Treiben. Viele Menschen sitzen noch auf ihren Tüchern um zu essen und zu plaudern. Andere sitzen mit ihren Teekrügen und laden uns zum Mittrinken ein.
Danach kehren zu den WoMos zurück.
Zentrum des Armenierviertels Dschulfa ist die Vank-Kathedrale, erbaut von 1606 bis 1655. Die Kathedrale vereint christliche Architektur mit persisch-islamischer Ornamentik und Gestaltungsformen und ist auch heute noch das religiöse und geistige Zentrum der christlichen Armenier Isfahans. Die Armenier pflegen ihre Kultur und Geschichte. Im April 2005 hielten die Armenier Isfahans eine grosse Kundgebung ab zum Gedenken an den von den Osmanen verübten Genozid im Jahr 1915.
Das historische Stadtbild ist durch Paläste, eine Vielzahl Minarette und die blauen Kuppeln der Moscheen geprägt. Herausragend ist die Prachtanlage des Imam-Platzes und die 33-Bogen-Brücke (persisch: Si-o-seh pol) über den Fluss Zayandeh Rud.
Das moderne Isfahan ist Universitätsstadt und verfügt über einen eigenen Flughafen. Es finden sich Fabrikationsstätten der Nahrungsmittel-, Stahl-, Öl- und Textilindustrie. Auch das Kunstgewerbe ist verbreitet. Isfahan ist ausserdem ein Zentrum der iranischen Atomindustrie mit Forschungsreaktoren und Anlagen zur Urananreicherung.
Der Meidan-e Emam (Imam-Platz, früher Königsplatz) ist über 500 Meter lang und wird von doppelstöckigen Arkaden eingefasst. An jeder Ecke ist er mit einem Gebäude geschmückt: mit den Prachtmoscheen (Masged-e Emam, Lotfollah), dem Palast Ali Qapu ("Hohe Pforte“) und dem am nördlichen Ende sich anschliessenden Basar gehört er zu den grössten Sehenswürdigkeiten des Vorderen Orients. Er ist weltweit der grösste Platz seiner Art und zählt - wie auch die viel ältere Freitagsmoschee von Isfahan zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Der Völkermord an den Armeniern geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen, von der Organisation Komitee für Einheit und Fortschritt gebildeten Regierung des Osmanischen Reichs. Einem der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts fielen bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, je nach Schätzung zwischen 300'000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zum Opfer. Die Angaben zu den getöteten Armeniern während der Übergriffe in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten variieren zwischen Zehntausenden und Hunderttausenden.
Der Streit um die Anerkennung des Genozids als historische Tatsache belastet bis heute die Beziehungen zwischen der Türkei einerseits und Armenien sowie zahlreichen westlichen Staaten andererseits.