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Geld allein macht nicht glücklich, sagt das Sprichwort. Menschen dagegen sagen etwas anderes: Geld macht tatsächlich glücklich, allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Und den haben Forscher nun ermittelt.
Wieviel Geld braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Diese Frage ist so alt wie das Geld selbst. Die offensichtliche Antwort: Viel Geld ist gut, mehr Geld ist besser. Das werden sich auch die reichsten zehn Prozent der Menschen sagen, die laut einer Studie der Credit Suisse insgesamt 85 Prozent allen Reichtums der Welt besitzen, und ganz besonders dieses eine Prozent der Menschen, das volle 47 Prozent aller weltweiten Finanzwerte auf sich vereint.
Steigt das Glück tatsächlich proportional zum Einkommen, oder gibt es einen Punkt, an dem mehr Geld nicht mehr zu grösserem Wohlbefinden führt? Diese Frage stellten sich der Psychologe Andrew T. Jebb und seine Kollegen von der amerikanischen Purdue University und der University of Virginia. Sie sahen sich Daten des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Gallup aus den Jahren 2005–2016 an, das mehr als 1,7 Millionen Menschen in 164 Ländern der Welt befragt hatte.
Das Ergebnis der Studie war eine Überraschung. Zwar gaben Menschen in reicheren Ländern erwartungsgemäss an, mehr Geld für «subjektives Wohlbefinden» zu benötigen als Befragte in ärmeren Regionen. Aber: In allen Weltengegenden gaben die Befragten an, dass es eine Einkommensgrenze gibt, jenseits der sie einen Verlust an Lebensqualität vermuten. Im weltweiten Durchschnitt liegt diese ideale Einkommenshöhe bei 95 000 Dollar pro Jahr, wenn man die Erfüllung aller denkbaren Wünsche im Blick hat, und zwischen 60 000 und 75 000 Dollar, wenn es um «subjektives Wohlbefinden» geht, um das Empfinden von Glück im alltäglichen Leben. In Westeuropa lagen die Werte bei 100 000 bzw. bei 50 000 Dollar. Die Summen beziehen sich auf ein individuelles Jahresgehalt; «wenn es um Familien geht, liegen diese Werte entsprechend höher», ergänzt Studienautor Jebb.
Betrachtet man die USA allein, lagen die Zahlen noch etwas höher: Die Glücksgrenze lag hier bei einem Jahreseinkommen von 105 000 Dollar; die Alltagsgrenze bei 85 000 Dollar. Diese vermutete Glücksgrenze steht in einem scharfen Gegensatz zur wirtschaftlichen Realität: Das Mediangehalt in den USA betrug Ende 2017 44 564 Dollar (Manager und Facharbeiter: 64 220 Dollar; einfache Fabrikarbeiter: 28 000 Dollar). Dabei zeigte die Studie einmal mehr auf, dass die finanziellen Ungleichheiten unter anderem scharf entlang der Rassengrenzen verlaufen. Bei näherer Betrachtung stellten die Forscher aber auch bemerkenswerte Unterschiede fest: Glück scheint im weltweiten Mittel für Männer (90 000 Dollar) etwas günstiger zu sein als für Frauen (100 000 Dollar) – und für Menschen mit tiefer Bildung (70 000 Dollar) billiger als für solche mit mittlerer (85 000 Dollar) oder höherer Bildung (115 000 Dollar).
Glück, so fassen Jebb und seine Kollegen zusammen, erfordert im Bewusstsein der Menschen einen Sockel an materieller Sicherheit. Eine Frage aber blieb: Weshalb genau senkt finanzieller Überfluss die Lebensqualität? Überhohe Einkommen, so vermuten die Autoren, «führen für gewöhnlich zu höheren Ansprüchen, beanspruchen mehr Arbeitszeit und schränken damit positive Freizeiterlebnisse und Hobbys ein, begünstigen materialistische Werte und den sozialen Wettbewerb, was wiederum noch höhere, mithin unerfüllbare Wünsche zur Folge hat». Geld allein, so zeigt sich, macht am Ende eben doch nicht glücklich.