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Drei eingefleischte Steiner erzählten auf Einladung des Kulturvereins aus vergangenen Zeiten.
Die von Gitarren- und Örgeliklängen umrahmten Episoden wurden mit dem Gedicht einer verstorbenen Steinerin, Marie Hofer, über ihre Jugend eingeleitet. Es schliesst mit dem Satz: «Ich glaube, ich liidea Nostalgie.» Dass dies keine schlimme Krankheit ist, bewies auch dieser Geschichtenabend. Er war weit besser besucht als eine Gemeindeversammlung. Albert Marty erinnert sich als einstiger Bauernbub, wie in den 50erJahren den Sommer durch rund ums Dorf geheut wurde, sodass die Schule Heuferien bewilligte. Bei der Brennerei Weber, wo der Anlass im heutigen Atelier des Baumfigurenkabinetts stattfand, lieferte er Kirschen an, mit der Milch ging es auf dem Tieflader in die Sennerei. Als Lehrling baute Marty eine Milchzentrifuge, die auch nach 55 Jahren noch funktioniere, wie er stolz erwähnte. Später fuhr er jahrelang als SBB-Lokführer an seinem Heimatdorf vorbei. «Besonders war dann, dass ich am letzten Arbeitstag den Schnellzug aus demTessin in Steinen anhalten und an einen Lokführerkollegen übergeben durfte», schilderte der noch rüstige Rentner. Anders als Marty sind Armin Hofer und Josef Arnold in der Alten Post mitten im Dorf aufgewachsen. Zu Hofers Kindheitserinnerungen gehören das Wäschewaschen mit einem Hafen oder der Chilbibetrieb auf dem Tanzboden, dem er von seinem Zimmer aus zusah. «Ich habe schulische Defizite,weil ich die Kirchenglocke läuten ging», merkte er ausserdem an.
Grosses, aber langweiliges Dorf
Josef Arnold schätzt, dass seit seinem Geburtsjahr 1950 rund 70 Heimetli, 68 Handwerksbetriebe, 17 Läden und 4 Dorfrestaurants eingegangen seien. «Ein grosses, aber langweiliges Dorf» sei es nun leider. So würden etwa die Dorforiginale fehlen. Arnold hat ihre Stimmen noch im Ohr und kann sie lustig parodieren, weist aber auch auf die damaligen Existenzsorgen hin. Als besonders begabtes Dorforiginal schilderte er Sepp Grab, der ärmlich lebte und ein Hörrohr brauchte. Gerne zeigte er jeweils sein ausgeklügeltes Landschaftsrelief. Mit einem Pferdewagen, der auch den Leichentransport besorgte, wurde der Abfall bis vor einigen Jahrzehnten beim Bürgerheim beseitigt. Einmal habe der Gemeinderat den Streit um einen Hammer, der dort im Müll gefunden wurde, schlichten müssen. «Die Zeiten haben sich geändert. Heute haben wir andere Sorgen», meinte Arnold abschliessend.
Bote der Urschweiz (Patrick Kenel)
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Brauchtum / Feste
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/6nmP39