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13 rechteckige Fenster an der Front, ein hölzernes Portal, ein schlichtes Walmdach mit einem Kuppeltürmchen: Auf den ersten Blick macht Schloss Girsberg im Ortsteil Emmishofen in Kreuzlingen nicht viel her. Einzig der Brunnen vor dem Bau verströmt den Charme vergangener Epochen – mit einem lebensgrossen Schwan aus Eisen von Schloss Schwanenburg in der baltischen Provinz Livland, der das Heimweh der Gattin von Ferdinand Graf von Zeppelin ein wenig linderte.
Gründliche Ausbildung und Talent als Tüftler
Ihr Mann hingegen war auf dem Girsberg fest verwurzelt. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend dort, wurde mit Hilfe von Hauslehrer und Hauskaplan streng und fromm erzogen und tüftelte schon damals, so die Überlieferung, mit Luftballonen. Nach seiner Militärlaufbahn kehrte er 1890 zurück und gleiste sein zweites Berufsleben als Flugschiffkonstrukteur auf.
An dem schweren Schreibtisch mit winzigen Schubladen grübelte er dort über technischen Zeichnung und Patentschriften, um schliesslich Anfang Juli 1900 das erste Luftschiff LZ1 am Bodensee starten zu lassen – eine 18-Minuten-Fahrt, die mit einer Notlandung auf dem Wasser endete. Doch die Nachfolger-Schiffe brachten erste Erfolge: LZ 3 flog im Oktober 1906 erste Tests und legte dann bis 1908 ingesamt 4400 Kilometer zurück.
Den Abschuss deutscher Zeppeline im Kriegseinsatz über England sollte der Graf ebensowenig erleben wie den Linienflugdienst mit den USA und die Katastrophe des Zeppelins «Hindenburg» in Lakehurst am 6. Mai 1937. Er starb im Jahr 1917 und seine Tochter, Gräfin Hella von Brandenstein-Zeppelin, erbte das Thurgauer Schloss mit ihrem Mann. Sie nutzten es als Sommerresidenz, bis es die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg als «Deutsches Eigentum im Ausland» beschlagnahmten.
«WG» mit rüstiger Zeppelin-Enkelin
Doch Zeppelins Enkelin «Alexa Freifrau König von und zu Warthausen-Sommershausen», wie sie ihren Namen dem Schweizer Fernsehen einst vorbuchstabierte (siehe Video unten), gelang es mit unbändigem Willen und der Hilfe einflussreicher Schweizer Verwandtschaft, eine Liquidation zu verhindern.
Nach zähem Ringen bekam die Baronin Schloss Girsberg zurück – durch viele einquartierte Fremdbewohner zwar in ruiniertem Zustand, aber für einen Bruchteil seines Schätzwertes. Sie liess das Nötigste renovieren und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1997; zuletzt quasi in einer «Wohngemeinschaft».
Die Baronin bewohnte die untere Etage; darüber wohnten die befreundeten Jolanda und Kurt Schmid-Andrist aus Zürich, denen sie das Schloss schon 16 Jahre zuvor übergeben hatte – in der Zuversicht, dass die Eheleute sich dem Erbe ihrer «Tante Alexa», wie sie die Adelige nannten, verpflichtet fühlen würden.
Initiative zum Schutz der Schloss-Landschaft
Zu Recht, denn wie die Altvorderen aus der Familie Zeppelin scheuten auch die heutigen Schlossbewohner weder Zank noch Risiken, um ihre Interessen zu vertreten. Um Neubauten in der Landschaft zwischen ihrem Sitz und dem Schloss Brunegg, nur einige Steinwürfe entfernt, zu verhindern, reichten sie mit Gleichgesinnten die lokale Initiative «gegen die Zerstörung der Schlosslandschaft» ein.
Und trotz heftigen Widerstands, der auch von den Kreuzlinger Behörden kam, siegten sie Ende September 2010 an der Urne – überraschend und mit einer satten Zustimmung von fast 60 Prozent.