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Vor nicht allzu langer Zeit da fragte der Herr Meier von nebenan die Frau Müller, ob sie was zusammen unternehmen wollen an einem gewissen Zeitpunkt. Die Frau hatte leider keine Zeit und sagte, es wäre schön, könnten sie sich mal wieder treffen. Die beiden sind kein Paar, aber werden sie vielleicht eines?
Der Herr Meier fragte daraufhin direkt, wann die Frau Müller denn Zeit habe. (Randbemerkung: Die Frau Müller hat keinen Alternativtermin vorgeschlagen.) Nun, wie es bei der heutigen digitalen Kommunikation so ist, die Frau ignorierte die Nachricht einfach. Als Herr Müller zwei Wochen später fragte, ob er die Interpretation selbst übernehmen muss, kam als Terminvorschlag ein Abendessen in der folgenden Woche. Er war überrascht. Diesen nahm er auch an. Es stellt sich die Frage: Wie lief das Abendessen?
Da trafen sich die beiden, von denen alle denken, dass sie ein gutes Pärchen abgeben würden und gingen in das Restaurant. Dort bestellten diese beiden doch ein Glässchen Wein und etwas zu essen. Daraufhin ging die Konversation los:
H: “Wie geht es dir so?”
F: “Gut und dir?”
H: “Auch ganz gut, wie läuft dein Studium?”
F: “Jaja”
Und so weiter und so fort. Aber die Konversation ging nie weiter tiefer als dieser oberflächliche Small-Talk. Die Konversation schlief sogar zeitweise ein. Er stellt sich je länger je mehr die Frage: “Was ist hier los?”
Das Essen ging zügig zu ende, die beiden verabschieden sich. Gleichzeitig sagt der Herr Meier zur Frau Müller: “Meld du dich mal!”, während die Frau Müller sagt: “Studier gut!” Sie schiebt daraufhin noch nach, dass es jetzt vielleicht von der Zeit besser gehe. Aber denn Herrn Meier beschleicht das Gefühl, dass sie sich nicht melden wird.
Wenn der Herr Meier zurückschaut, stellt er fest, dass er den gesamten Abend mit einem Wort zusammenfassen kann, er spricht es aus: “Komisch”. Er zuckt zusammen, diese Mächtigkeit eines Wortes, welches Donner grollen lässt und doch so zutreffend zu sein scheint, erschüttert ihn. Denn der Abend war speziell. Früher hatte er ein viel besseres Verhältnis zu ihr.
Je länger Herr Meier darüber nachdenkt, desto mehr kommt er zum Schluss, dass er die Freundschaft zu dieser reizenden jungen Frau wohl oder übel abschreiben muss. Denn er hat schon genug darum gekämpft. Und dann fängt er an zu fluchen. Er denkt sich, dass er diese eine gemeinsame Kollegin hätte warnen sollen. Sein Gedanken überstürzen sich und ihm wird klar: Als diese Kollegin der Frau Müller sagte, dass Herr Meier sie nicht sexuell liebt, hat sie wahrscheinlich die Freundschaft der beiden in den Boden bombardiert. Oder doch nicht? Er spricht sich mit einigen Personen ab und die sagen, dass diese Theorie sehr plausibel ist. Und er fängt immer mehr an zu fluchen und flucht weiter. Er muss wohl oder übel mal ein ernstes Wörtchen mit jemandem sprechen…
In diesem Moment wird ihm klar, dass selbst die Zero-Trust-Taktik nichts gebracht hat, aber absolut gerechtfertigt war und er diese in Zukunft weiter ausbauen muss und zwar mit einer starken Warnung, wenn jemand seine Nase in Dinge stecht, die diese Person nichts angehen, und dort ein potentieller Schaden vorhanden ist.
Aber ihn nervt noch mehr, dass er diese Dinge nicht kontrollieren kann und es stört ihn. Es stört ihn immer mehr und er weiss, dass er auch Verantwortung trägt.
Schlussendlich entscheidet er sich die Freundschaft auf den Status “On-Hold” zu setzen, denn er denkt sich, dass es mittlerweile wirklich an der Stelle von Frau Müller ist, die Freundschaft zu pflegen. Aber er weiss, dass dies wohl nicht passieren wird. Daraufhin kommen ihm die Tränen, denn ihm hat die Freundschaft viel bedeutet.