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Kleinbasel wurde im Gegensatz zu Grossbasel nicht auf den Niederterrassen der Würmeiszeit gebaut, sondern auf den Schottern, die wechselweise der Rhein und die Wiese nach den Eiszeiten aus ihren Einzugsgebieten herbeigeschwemmt haben. Weil sich Rhein und Wiese laufend eingetieft haben, liegt der rechtsrheinische Stadtteil viel tiefer als Grossbasel. Der Untergrund besteht lagenweise aus Schottern des Rheins und der Wiese. Die ersten Siedlungen rechts des Rheins gehen auf die Bronzezeit zurück und wurden im Jahr 2011 an der Utengasse, nahe der Mittleren Brücke, ausgegraben. Der Bau der Rheinbrücke um 1225 war die Voraussetzung zur Entstehung dieses Stadtteils. Bereits 30 Jahre später bestand eine mit einer Mauer umgebene Siedlung, die sich von der heutigen Kasernenstrasse bis zur Riehentorstrasse erstreckte.
Die Brücke erleichterte den Warentransport in Nord-Süd-Richtung und war ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung zur Handelsstadt. Im «minderen Basel» wohnten und arbeiteten mehrheitlich Handwerker und Müller. Der Grundriss Kleinbasels blieb bis ins 19. Jh. im Grossen und Ganzen gleich, auch nachdem im Jahr 1392 ein politischer Zusammenschluss von Klein- und Grossbasel stattfand.
Die «Dyyche» oder Teiche, wie die Gewerbekanäle auch heute noch genannt werden, haben eine wichtige Rolle beim Aufblühen der Handwerksberufe gespielt. Das Wasser dieser Kanäle trieb Mühlen für verschiedene Zwecke an und diente Färbereien oder Gerbereien. Die Teiche wurden aus der Wiese abgeleitet und trennten sich in drei Arme auf. Ein Arm floss auf der Achse der heutigen Klingentalstrasse/Kasernenstrasse zum Rhein, ein anderer Arm verlief aus der Richtung Stadtmauer auf der Achse Webergasse und der dritte Arm verlief auf der Achse Sägergässlein zum Rhein. Der Riehenteich ist heute nur noch in Strassennamen wie Teichgässlein beim Claraplatz oder Riehenteichstrasse präsent. Am unteren Rheinweg ist noch ein Gewölbe bei der ehemaligen Einmündung in den Rhein erhalten.
Vor den Toren Kleinbasels lag bis im 19. Jh. ein breiter Gürtel mit Gartenland und Reben. Etwas weiter entfernt waren auch Weiden und in der Nähe der Wiese auch Wässermatten zu finden. Darin entstanden auch vereinzelte Landgüter wie das Klybeckschloss oder Kleinriehen, das heute Bäumlihof heisst. In diesem Grüngürtel vor den Toren der Stadt siedelten sich im 19. Jh. auch einige Betriebe der Seidenband-Produktion und mit ihr eine florierende Farbstoffindustrie an. Mit der J. R. Geigy AG im Rosental, der Ciba im Klybeckquartier und der Hoffmann-La Roche AG an der Grenzacherstrasse entwickelten sich gleich drei grosse Chemie- und Pharmafirmen im Kleinbasel. Sie lockten viele Arbeitskräfte nach Basel. Um die zuwandernden Arbeitskräfte aufzunehmen, entstand im Kleinbasel wie auch im Grossbasel neuer Wohnraum. Ganze Quartiere wurden in Form von Blockrandbebauungen errichtet, bei denen der Aussenrand der Gevierte mit drei- bis vierstöckigen Häusern bebaut wurde, während in den Innenhöfen Gärten oder kleine Gewerbegebäude entstanden.
Im 20. Jh. wohnten im Kleinbasel mehrheitlich Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte. Um 1900 entstanden neu die Quartiere Matthäus und Horburg. In den 1920er-Jahren entstanden im Hirzbrunnenquartier Bebauungen mit mehrheitlich Einfamilienhäusern. Ein Teil der Einfamilienhaus-Siedlungen sowie die etwas später entstandenen dreistöckigen Wohnblöcke sind in Form von Genossenschaften organisiert und bieten auch heute noch günstige Wohnmöglichkeiten.
Heute liegt Kleinbasel an der wichtigsten Nord-Süd-Achse des Verkehrs. Die Bahnlinie der Badischen Bahn führte die Passagiere zunächst auf das heutige Messeareal am Riehenring. Da dort aber Ausbaumöglichkeiten fehlten, wurden nach 1900 eine neue Linienführung projektiert und die neuen Bahngebäude an der Schwarzwaldallee errichtet. Die «Verbindungsbahn» über die neu gebaute Eisenbahnbrücke war der Grundstein für die heute wichtigste Nord-Süd-Achse auf der Schiene.
In den 1970er-Jahren kam mit der Osttangente nach langen Auseinandersetzungen auch die wichtigste Autobahnverbindung zwischen Nord- und Südeuropa ins Kleinbasel zu liegen. Sie hat Kleinbasel noch stärker getrennt, nachdem bereits die Eisenbahn einen Riegel zwischen dem Rosental- und dem Hirzbrunnenquartier geschoben hatte. Die Strassen- und Bahnachse kamen beide nach dem Jahr 2000 an ihre Kapazitätsgrenzen. Während im Jahr 2013 die Eisenbahnbrücke verdoppelt wurde, werden für die Autobahn noch Lösungen diskutiert.
Im Kleinbasel entstand ein bunter Stadtteil mit einem Nebeneinander verschiedener Kulturen und Nutzungen. Mit der Messe Schweiz und der Pharma-, Chemie- und Agroindustrie blieben auch wirtschaftlich wichtige Institutionen dem Standort im Kleinbasel treu. Die Kaserne und weitere Orte haben sich zu Zentren kultureller Aktivitäten für ein jüngeres Publikum entwickelt. Die Promenaden aus dem Ende des 19. Jh. wurden zu vielbesuchten und beliebten Naherholungsgebieten.
Nach dem Auszug der Produktionsstätten der Industrie und einem Rückgang des Flächenbedarfs für den Warenumschlag von Bahn und Schiff sind neue Entwicklungsräume entstanden. In diesen wurden und werden neue Quartiere mit Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, was Kleinbasel eine Entwicklung innerhalb der engen Grenzen ermöglichte und weiterhin ermöglichen wird.
DK / AY