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Die Nachtkerze wächst hierzulande häufig an Wegrändern, in Gärten oder entlang von Bahngleisen. Ihre Samen liefern das Nachtkerzenöl. Dieses enthält grössere Mengen an den ungesättigten Fettsäuren Linolsäure und Gamma-Linolensäure. Das macht das Öl zu einer der wenigen Quellen dieser Fettsäuren. Bei Erkrankungen der Haut kann die Einnahme dieser Fettsäuren positive Effekte haben. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr über die Heilpflanze, das aus ihren Samen gewonnene Öl und über die Wirkung von Nachtkerzenöl auf die Haut.
Vorkommen und Verbreitung der Nachtkerze
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis L.) gehört zur Familie der Nachtkerzen (Oenothera). Sie wurde im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Mit der Zeit wurde die Pflanze auch immer häufiger in Küchengärten angepflanzt. Alle ihre Teile sind essbar, von der Wurzel über die Blätter und Blüten bis zu den Samen. Die Nachtkerzenwurzeln und -blätter gehörten früher für viele Menschen zum Speiseplan. Ursprünglich ist die Pflanze in Nordamerika heimisch. Hierzulande stellt sie eigentlich einen Neophyten dar, also eine hier neu eingebürgerte, ursprünglich nicht heimische Pflanze. Sie kommt inzwischen so häufig vor, dass sie oft für eine einheimische Art gehalten wird.
Oenothera biennis wächst bevorzugt an einem sonnigen Standort auf trockenen, nährstoffarmen und kalkreichen Böden. Sie gehört deshalb zu den sogenannten Ruderalpflanzen, die auf Schotter, entlang von Eisenbahnlinien, an Schuttplätzen oder an Wegrändern gedeihen.
Aussehen der Nachtkerze
Die Gemeine Nachtkerze gehört zu den zweijährigen Pflanzen. Darauf weist auch der Artname „biennis“ hin (lateinisch für zweijährig). Im ersten Jahr bildet sie eine flache Blattrosette und treibt unterirdisch eine lange Pfahlwurzel bis zu 1,5 Meter tief in den Boden. Im zweiten Jahr wächst aus der Rosette ein Stängel mit bis zu 20 Zentimeter langen Blättern empor. Im zweiten Wachstumsjahr erreicht die Pflanze je nach Standort Höhen von einem bis zwei Metern.
Die Blütezeit reicht hierzulande von Anfang Juni bis September. Die Blüten sind leuchtend gelb und rund vier Zentimeter gross. Ihren Namen hat die Nachtkerze von den Blüten, die sich abends öffnen und Nachtfalter zur Bestäubung anziehen. Nach der Blüte bilden sich an der Pflanze zahlreiche Kapselfrüchte. Jede Kapsel enthält bis zu 200 kleine Samen, aus denen das medizinisch verwendete Nachtkerzenöl gewonnen wird.
Inhaltsstoffe und Wirkung von Nachtkerzenöl
Nachtkerzenöl enthält grosse Mengen an ungesättigten Fettsäuren. Diese spielen eine wichtige Rolle im Körper. Sie sind Bestandteile jeder einzelnen Zelle. Einige Fettsäuren wirken entzündungshemmend, andere sind Vorstufen von Hormonen oder sind wichtig für die Zellteilung. Darum benötigt jeder Mensch täglich essenzielle Fettsäuren. Diese kann der Körper nicht selbst bilden. Sie müssen von aussen zugeführt werden.
Der Grund für die Anwendung von Nachtkerzenöl-Kapseln liegt in ihrem hohen Gehalt an einer ganz speziellen Fettsäure: die Gamma-Linolensäure (kurz: GLA). Sie gehört zu den mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren und entfaltet in der Haut verschiedene positive Wirkungen. Im menschlichen Körper kann die Gamma-Linolensäure auch aus der essenziellen ungesättigten Fettsäure Linolsäure gebildet werden. Nachtkerzenöl enthält bis zu 75 Prozent Linolsäure und 12 Prozent GLA. Damit ist Nachtkerzenöl neben Borretschöl eine der wenigen Quellen für Gamma-Linolensäure. Neben den Omega-6-Fettsäuren enthält das Öl ausserdem Vitamin E, das eine antioxidative Wirkung hat und freie Radikale abfangen kann.
Nachtkerzenöl als Arznei
Meist wird das reine Öl der Nachtkerze in Form von Kapseln eingenommen, um den Juckreiz zu lindern und die trockene Haut zu beruhigen. Der Wirkmechanismus des Nachtkerzenöls ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Die Wirkung könnte darauf beruhen, dass die Haut bei einer ausreichender Versorgung mit Gamma-Linolensäure mehr Feuchtigkeit speichern kann. Ausserdem soll die Gamma-Linolensäure Entzündungen vorbeugen oder reduzieren. Die Einnahme als Kapsel sollte über einen längeren Zeitraum täglich erfolgen, bis sich die Wirkung auf die Haut einstellt.
Dies sind allgemeine Informationen. Für eine individuelle Beratung wenden Sie sich an eine Fachperson.