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Der Nord-Süd-Preis 2009 geht an den brasilianischen Bürgerrechtler Franklin Frederick
01.04.2009 Für Wasser als ein Menschenrecht kämpft der Brasilianer Franklin Frederick und er erhält dafür nun den “Nord-Süd-Preis wider das Vergessen". Mit der Auszeichnung und 20'000 Franken ehren das RomeroHaus Luzern und die Bethlehem Mission Immensee sein Engagement als Bürgerrechtler zur Erhaltung von Wasser als öffentliches Gut.
Franklin Frederick engagiert sich in brasilianischen Bürgerrechtsbewegungen gegen die Privatisierung von Quellen, erfolgreich etwa in der Region von São Lourenço / Minas Gerais gegen Projekte des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, der diese heilenden Quellen für sein Produkt “Pure Life" ausbeuten wollte. Das multinationale Schweizer Unternehmen musste sich dort nach einem Prozess partiell aus der Wasserprivatisierung zurückziehen. Seither findet Franklin Frederick auch in der Schweiz Unterstützung und Medienecho für sein Engagement.
Nun wird dem brasilianischen Bürgerrechtler am 21. Juni 2009 im Luzerner RomeroHaus der “Nord-Süd-Preis wider das Vergessen" verliehen. Ausgezeichnet wird damit “seine Netzwerkarbeit zu Gunsten des Schutzes des Wassers als öffentliches Gut", wie es in der Begründung der fünfköpfigen Jury heisst. Das Gremium besteht aus Filmemacher Fredi M. Murer, TV-Moderator Röbi Koller, Sabine Döbeli, stellvertretende Direktorin der Bank Vontobel, der ehemaligen Fastenopfer-Direktorin Anne-Marie Holenstein und dem ehemaligen Präsidenten des Internationalen Film-Festivals von Freiburg, Charles Ridoré.
Die Jury wählte den Preisträger aus über 30 anderen Vorschlägen aus und möchte mit dem Nord-Süd-Preis auch Franklin Fredericks aktive Rolle beim Aufbau einer internationalen Bewegung zum Schutz des Wassers ehren. Mit seinem Know-how und Einsatz habe er in Brasilien und der Schweiz das Bewusstsein für das “Menschenrecht Wasser" wesentlich gefördert. Denn Wasser sei Allgemeingut, das als Lebensgrundlage für alle Geschöpfe nicht in die Hände von ein paar mächtigen Konzernen gehöre. In diesem Zusammenhang war Frederick auch entscheidend beteiligt an der “Ökumenischen Erklärung zum Wasser als Menschenrecht und als öffentliches Gut" der Kirchen in Brasilien und der Schweiz.
Der Nord-Süd-Preis wird seit 2002 alle zwei Jahre vergeben. In der Vergangenheit ging die Auszeichnung ans Projekt “Velos für Afrika" aus der Schweiz und Burkina Faso, die Menschenrechtsorganisation “Leben, Gerechtigkeit und Frieden" in Kolumbien und die Initiative “Frauen von Krajiska Suza" für Betagtenbetreuung und Ausbildung von allein erziehenden Frauen in Bosnien und Herzegowina.
Renate Metzger-Breitenfellner
Franklin Frederick: Wasser gehört allen Menschen
Foto: zvg
Der Bericht der Jury Franklin Frederick aus Brasilien gewinnt den "Nord-Süd-Preis wider das Vergessen" des RomeroHauses Luzern und der Bethlehem Mission Immensee. Er wird für sein mutiges Engagement zur Erhaltung von Wasser als öffentliches Gut geehrt. Den Preis von 20 000 Franken erhält er sowohl als Aktivist in der Bürgerrechtsbewegung zur Erhaltung des Wasserparks von São Lourenço, Brasilien, wie auch als Vernetzer und Berater der Kirchen Brasiliens und der Schweiz im Einsatz für Wasser als Menschenrecht und als öffentliches Gut.
Franklin Frederick wurde 1965 in Manaus, Brasilien, geboren, studierte in Rio de Janeiro und engagiert sich seit 1997 in Bürgerrechtsbewegungen zum Schutz des Wassers als öffentliches Gut. Erfolgreich wehrte er sich in der Region von São Lourenço / Minas Gerais gegen Projekte des multinationalen Unternehmens Nestlé zur Privatisierung von öffentlichen Wasserquellen. Nestlé musste sich nach einem Prozess partiell aus dem Geschäft der Wassernutzung in São Lourenço zurückziehen. Franklin entschloss sich, in der Schweiz, im Herkunftsland von Nestlé, Unterstützung zu suchen. 2002 reiste er in die Schweiz, um über umweltschädigende Aktivitäten von Nestlé im Wasserpark von São Lourenço zu berichten. Mit Unterstützung von ATTAC und der kirchlichen Fachstelle OeME in Bern hielt er Vorträge und führte Gespräche mit der Presse.
Gleichzeitig war Franklin Frederick entscheidend beteiligt am Zustandekommen eines Dialogs zwischen den Kirchen Brasiliens und der Schweiz zum Thema Wasser als Menschenrecht. Dies führte 2005 zur “Ökumenischen Erklärung zum Wasser als Menschenrecht und als öffentliches Gut", die sowohl von den katholischen Bischofskonferenzen von Brasilien und der Schweiz, wie auch vom Ökumenischen Rat Christlicher Kirchen Brasiliens CONIC und dem schweizerischen Evangelischen Kirchenbund gemeinsam unterschrieben und veröffentlicht wurde.
Die Jury des Nord-Süd-Preises begründet die Vergabe des "Nord-Süd-Preises wider das Vergessen" an Franklin Frederick mit folgenden Argumenten:
- Franklin Frederick bekommt die Preissumme des "Nord-Süd-Preises wider das Vergessen" für seine Netzwerkarbeit zu Gunsten des Schutzes des Wassers als öffentliches Gut.
- Das Engagement von Franklin Frederick für das Wasser als öffentliches Gut und Menschenrecht hat seine Wurzeln in einer lokalen Bürgerrechtsbewegung, die in Brasilien Wirkung erzielte: Nestlé musste sich im März 2007 verpflichten, die Produktion des Flaschenwassers Pure Life in São Lourenço einzustellen. Für diesen Einsatz brauchte es auch im heutigen Kontext Brasiliens Mut und Zivilcourage.
- Starke politische und ökonomische Interessen bedrohen Vertreter und Vertreterinnen der sozialen Bewegungen, die sich für eine gerechte Verteilung von Land und Wasser engagieren. Mit Franklin Frederick seien auch diese mutigen lokalen Netzwerk-Organisationen mit geehrt. Denn Wasser ist ein Allgemeingut, das als Lebensgrundlage für alle Geschöpfe nicht in die Hände von ein paar mächtigen Konzernen gehört.
- Franklin Frederick hat entscheidend mitgeholfen beim Aufbau einer internationalen solidarischen Bewegung zum Schutze des Wassers. Insbesondere hat er als Experte in Wasser- und Umweltfragen mit seinem Know-how und Einsatz das Engagement der Kirchen in Brasilien und in der Schweiz für das “Menschenrecht Wasser" wesentlich gefördert. Resultat ist die beachtenswerte “Ökumenische Erklärung zum Wasser als Menschenrecht und als öffentliches Gut", die unterdessen von weiteren Kirchen weltweit unterstützt wird.
- Es ist Franklin Frederick gelungen, eine ungewöhnliche, aber für die Zukunft verheissungsvolle Allianz zwischen Bürgerrechtsbewegungen und Kirchen zu schaffen, in einer Thematik, die sowohl Quelle von Leben wie auch Quelle von Konflikten ist und eine Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts darstellt. Wasser tangiert Menschen ganzheitlich, materiell und spirituell, und ist für Gesellschaft und Religionen eine lebenswichtige und grundlegende Ressource.
- Das Engagement von Franklin Frederick zeigt beispielhaft auf, wie Initiativen aus Ländern des Südens hier in den Industrieländern aufgegriffen werden können. Diese Zusammenarbeit mit einer Bürgerrechtsbewegung in Brasilien ist für die Sensibilisierung für den Wert des Wassers als öffentliches Gut auch in der Schweiz ein Gewinn. Gerade im Zusammenhang mit den Klimaveränderungen wird uns der gerechte Zugang zu sauberem Wasser auch im 21. Jahrhundert beschäftigen.
Zusätzlich wurden unter 30 Kandidaturen für den Nord-Süd-Preis 2009 auch folgende Projekte von der Jury ausdrücklich lobend hervorgehoben:
- Das Netzwerk “Muqui" in Peru: Es vertritt die Anliegen von Bauerngemeinschaften und der lokalen Bevölkerung gegen die Ausbeutung der Ressourcen durch internationale Bergbaukonzernen in den Anden.
- Die Stiftung “Sobrevivientes" in Guatemala: Eine Gruppe von Frauen und Anwälten setzt sich gegen die herrschende Straflosigkeit von Gewalt an Leib und Leben von Frauen ein.
- Das internationale Netzwerk für Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network): Ein Netz von Fachleuten und Organisationen setzt sich bei internationalen Konferenzen und bei Regierungen in verschiedensten Ländern für mehr Steuergerechtigkeit ein und sucht die entsprechenden Gelder gezielt für Entwicklungsfinanzierung zu gewinnen.
Die Jury
Anne-Marie Holenstein, Entwicklungsexpertin und ehemalige Direktorin Fastenopfer
Sabine Döbeli, Executive Director, Bank Vontobel
Röbi Koller, Journalist, Moderator Schweizer Fernsehen SF TV
Fredi M. Murer, Filmemacher
Charles Ridoré, ehemaliger Präsident des Internationalen Filmfestivals Fribourg
Kontakt:
http://www.romerohaus.ch
Kontaktpersonen für die Medien:
Toni Bernet-Strahm, Leiter RomeroHaus, Tel 041 375 72 72
Renate Metzger-Breitenfellner,
Medienverantwortliche, Tel 079 459 09 90, <email-pii>.