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Die ENSO – Schwankungen des Wetters über dem Pazifik
In normalen Jahren blasen die Winde von Südamerika nach Westen über den Pazifik. Dadurch wird das warme Wasser vor der australisch-asiatischen Küste aufgestaut und führt dort zu Niederschlägen. An der Westküste Südamerikas ist es dagegen trocken. Gleichzeitig können kalte, sauerstoff- und nährstoffreiche Wassermassen aus den Tiefen aufsteigen und zu einer unglaublichen Artenvielfalt vor Peru und Chile führen. Dieser natürliche Kreislauf wird El Niño-Southern Osciallation – kurz ENSO – genannt.
In einem El-Niño-Jahr sind die Ostwinde zu schwach, um die warmen Wassermassen im Westen des Pazifiks aufzustauen. Das warme Wasser verteilt sich bis zur südamerikanischen Küste und schneidet die Kaltwasserzufuhr aus der Tiefe ab. Das Wetter wird dadurch in Australasien trocken und in Südamerika sehr nass. Im Winter 1997/98 war die Erwärmung speziell stark. Zusätzlich aussergewöhnlich ist, dass von 1991 bis 94 jedes Jahr ein El-Niño auftrat; solche Phänomene treten sonst nur alle zwei bis zehn Jahren auf.
Sind die Ostwinde besonders stark, sodass das kalte Tiefenwasser bis weit in den Pazifik hinausgetragen wird, nennt man dieses Phänomen ‘La-Niña‘. Oft folgt ein La-Niña-Jahr direkt auf ein El-Niño-Jahr. 1988/89 war ein speziell starkes solches Jahr. Auch auf den starken El-Niño von 1997/98 folgte La Niña: 1998 bis 2001 waren drei Winter von ihr betroffen.
Weitere wetterrelevante Phänomene
Die Schwankungen werden durch das Zusammenfallen unterschiedlicher Phänomene beeinflusst. Die sogenannte Madden-Julian-Oszillation (MJO) wurde 1971 benannt. Zwei amerikanische Forscher haben mit ihr aufgezeigt, dass die atmosphärische Zirkulation und die tropischen Wärmeströme in einer Art Welle von Ost nach West zyklischen Einfluss auf die Wetterlage nehmen. Jeder Zyklus dauert dreissig bis sechzig Tage. Dieses Phänomen wird treffenderweise auch als intrasaisonale Oszillation (Schwankung) bezeichnet.
Die ‘äquatoriale Kelvin-Welle‘ beschreibt den Umstand, dass Phänomene, welche sich entlang des Äquators in westlicher Richtung fortpflanzen, nicht nach Norden oder Süden ausbreiten können, da die Erdrotation (Corioliskraft) ein ausbrechen verhindert.
Ein Beispiel: Im späten Mai 1982 löste eine MJO eine Kelvin-Welle aus. Daraufhin entwickelte sich im Juli relativ schnell ein El-Niño.
Wetterextreme folgen auf dem Fuss
Da sich sowohl die normale Situation als auch das El Niño- beziehungsweise La Niña-Phänomen jeweils selber verstärken, sind Auswirkungen relativ dauerhaft (mehrere Monate). Nicht nur die unmittelbar am Pazifik gelegenen Staaten sind von deren Auswirkungen betroffen, sondern bis zu drei Vierteln der Weltbevölkerung.
Laut einem Press Release der Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) ist das Jahr 2015 voraussichtlich das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen und erstmals ein ganzes Grad über der durchschnittlichen Jahrestemperatur der vorindustriellen Zeit. Sie sehen dies als eine Kombination eines starken El Niño und der menschenverursachten globalen Erwärmung.
Die durchschnittliche Ozean-Oberflächentemperatur des Rekordjahres 2014 wird wohl auch dieses Jahr wieder erreicht oder sogar übertroffen. Dies geschieht, weil die Ozeane 90 % der Energie, welche durch Klimagase des Menschen in die Atmosphäre gelangen, absorbieren.
Die Auswirkungen sind weltumspannend: Ein globaler Korallenbleiche-Event begann im Sommer 2014 im Nordpazifik und breitete sich 2015 in den Südpazifik und den Indischen Ozean aus. Grosse Teile Zentralamerikas und der Karibik bekamen ebenso zu wenig Regen wie Brasilien, Indien und Indonesien. Hitzewellen beeinflussten Europa, Afrika und den mittleren Osten seit Ende des Frühjahres – erneut trifft der Hunger die Ärmsten der Armen. Peru und Argentinien hatten dagegen mit starken Regenfällen und Fluten zu kämpfen.
Das El Niño Phänomen mit Computeranimationen verdeutlicht (English):
In diesem Video auf Englisch erklären Forscher die weltweiten Auswirkungen: