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Seichter Föhn
Das Wetter von heute ist schnell erzählt: Es war ein herrlich sonniger Tag, am Morgen mit -3 Grad zwar noch kalt, am Nachmittag mit bis zu 13 Grad schon recht angenehm. Und so widmen wir uns im heutigen Blog einem speziellen Föhnphänomen, dem seichten Föhn, das heute in einigen Alpentälern zu beobachten war.
In einigen Alpentälern blies heute der Föhn. Allerdings beschränkte sich seine vertikale Ausdehnung nur auf eine Höhe, die wenig höher lag als der Alpenhauptkamm. In der Meteorologie bezeichnet man eine solche Föhnströmung, die sich nur auf die unteren Schichten beschränkt, einen seichten Föhn.
Die Wetterlage vom Samstag war geprägt von einem kräftigen Tiefdruckwirbel über der Biskaya, der sich im Laufe des Tages ins westliche Mittelmeer ausdehnte, wo sich in der Folge ein Teiltief entwickelte. Dagegen lag über Osteuropa und Russland ein mit kalter Luft aufgebautes Hochdruckgebiet. Dazwischen war eine schwache südliche Strömung zu den Alpen gerichtet. Über der Poebene und auf der Alpensüdseite lag zudem im Vergleich zur Alpennordseite etwas kältere Luft, die bis auf 2000 m hoch reichte, am Alpensüdhang aufgrund eines leichten Anstaudrucks sogar bis knapp 2500 m. Dies erzeugte über den Alpen eine Druckdifferenz von 5 hPa und damit eine Föhnströmung am Alpennordhang.
Wie eingangs erwähnt, erreichte der Föhn nur eine geringe vertikale Mächtigkeit. Die kühlere Luft im Süden reichte gerade genug hoch hinauf, um nordwärts über den Alpenkamm und die Pässe zu fliessen. Wie ein Wasserfall stürzte die Luft in die Täler hinunter und erwärmte und trocknete sich dabei föhnartig.
Wie es typisch ist bei einem seichten Föhn, herrschten oberhalb 2500 bis 3000 m dagegen schwache bis mässige Winde aus Nordwest bis Nord, oberhalb 4000 m mässige Nord- bis Nordostwinde. Selbst die höher gelegenen Bergstationen wie beispielsweise das Jungfraujoch oder der Titlis verzeichneten einen Nordwestwind mit rund 20 km/h. Bei der klassischen Föhnlage dagegen wehen die Winde auch in den höheren Schichten aus Sektor Süd. Die eigentliche Föhnströmung reicht dann deutlich höher hinauf als bei einem seichten Föhn.
Ein Nord-Süd Vertikalschnitt vom Wettermodell COSMO-1 von Locarno über den Gotthard bis nach Brunnen veranschaulicht den heute aufgetretenen seichten Föhn sehr schön. Auf der Alpensüdseite lag kühlere (gestrichelte Linien) und feuchte (grüne Flächen feucht, orange Flächen trocken) Luft. Nördlich des Gotthards herrscht unterhalb 2500 m (ca. 750 hPa) Südwind (Windpfeile), was der Föhnströmung entspricht, die die Luft erwärmt und abtrocknet. Darüber oberhalb 3000 m (ca. 700 hPa) herrscht eine Nord- bis Nordostströmung.
Der seichte Föhn beschränkte sich heute Samstag vornehmlich auf die oberen Alpentäler. So blies er beispielsweise bis Guttannen im oberen Haslital oder im oberen Urner Reusstal. Im Osten schaffte es der Föhn im Rheintal immerhin bis Bad Ragaz, zeitweise erreichten seine Ausläufer noch knapp den Walensee.
Mithilfe des Wettermodells COSMO-1 kann der Verlauf der Strömung auf verschiedenen Höhen berechnet werden. In der obenstehenden Grafik sind sogenannte Rückwärtstrajektorien zu sehen, ausgehend von Wassen UR im Urner Oberland auf verschiedenen Niveaus. Die rote (Startniveau 100 m AGL) und blaue (1500 MSL) zeigen die Bahn, welche die Föhnluft in Wassen genommen hat. Sie stammte aus Norditalien von rund 1000 m und stieg mit der Nordwärtsverlagerung über dem Alpensüdhang allmählich an bis auf ca. 2500 m über dem Gotthard. Danach stürzte die Luft als Föhn ins obere Urner Reusstal hinunter. Die grüne Linie (3000 m MSL) zeigt eine schwach definierte Strömung in der darüber liegenden Übergangszone, bevor weiter oben (schwarze Linie, 5000 m MSL) eine Nordostströmung dominiert.