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|Abt Gotthard Giel von Glattburg (1491-1504)

Abt Gotthard Giel von Glattburg
Gotthard Giel von Glattburg, 1491-1504. Gotthard Giel entstammte als Sohn des Rudolf Giel von Glattburg einem alten st. gallischen Ministerialengeschlecht. Die Herrschaft Glattburg hatte Werner II. 1486 mit Ausnahme des Burgstalls Gielsberg an Abt Ulrich verkauft. Gotthards Schwester Amalia war 1507-1532 Äbtissin in Magdenau, seine Schwester Johanna Nonne im gleichen Kloster. Als Abt stattete Gotthard seine Brüder Peter, Johann und Rudolf mit Lehen, seinen Vater mit der Herrschaft Wängi im Thurgau aus. Als Konventual wird er 1489 erstmals genannt, als Statthalter in Wil 1490. Während des Klosterbruchs tritt er mehrmals an der Seite Abt Ulrichs hervor. Bei der Wahl vom 18.3.1491, die der Konvent nach langer Zeit endlich wieder einmal selber vornahm, wurde Gotthard Giel zum neuen Abt erkoren. Alsbald reiste er nach Rom und erhielt am 9.5.1491 von Innozenz VIII. die päpstliche Konfirmation. Die Benediktion erteilte ihm am 15.5.1491 Bischof Titus Veltri von Castro (Latium) in der deutschen Nationalkirche S. Maria dell'Anima in Rom. Am 5. Juni war er wieder in St. Gallen zurück. Am 9.2.1492 schloß er unter Vermittlung der IV Schirmorte einen Vertrag mit Wil, der die Rechte des Landesherrn gegenüber der Stadt festlegte. Im gleichen Jahr erreichte er, daß die Gossauer den Großen Zehnten wieder entrichteten. Er nahm auch den Wiederaufbau von Mariaberg an die Hand, das nun Schul- und Verwaltungszwecken dienen sollte. Mit Truppenkontingenten unterstützte er die Eidgenossen im Schwabenkrieg. Am 13.2.1497 ließ er in Rorschach den ersten Korn- und Wochenmarkt abhalten. Damit wurde Rorschach immer mehr wirtschaftlich auf Kosten von Steinach gefördert. Am 1.2.1501 kam es zu einer endgültigen Grenzbereinigung zwischen der Landvogtei Thurgau und den Stiftslanden auf die Grenze, die noch heute St. Gallen vom Thurgau trennt. Nach Vadian ließ er 1502 bei Goldschmied Ulrich Trinkler in Zürich einen kostbaren Schrein anfertigen für die Gebeine des hl. Gallus, die Abt Ulrich erhoben hatte. Gegen Ende seines Lebens war Abt Gotthard längere Zeit kränklich. Er starb am 13.4.1504 zu Wil im Alter von nicht ganz 60 Jahren und wurde in St. Gallen zwischen den Äbten Kuno und Ulrich beigesetzt. Nach Vadian war er prachtliebend und gesellig, aber nicht besonders gelehrt. Stark prägte seine Verwaltung die Bevorzugung der eigenen Familie. Der Konvent stellte deshalb bei der Wahl seines Nachfolgers Bestimmungen gegen den Nepotismus der Äbte auf.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)