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Am 30. März 2023 verstarb Prof. em. Walter Keller im Alter von 84 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Basel. Das Biozentrum verliert mit ihm einen herausragenden Wissenschaftler, einen wichtigen Akteur in der Gestaltung des Instituts und nicht zuletzt einen grossartigen Menschen.
Walter Keller wurde am 15. August 1938 in Landau in der Pfalz geboren. Er promovierte im Jahr 1962 an der damaligen Medizinischen Akademie in Düsseldorf in Medizin und ging danach an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er als Forschungsassistent zunächst in der Abteilung Pathologie und anschliessend in der Humangenetik arbeitete. In den späten 1960er Jahren siedelte er in die Vereinigten Staaten über und forschte an renommierten Institutionen wie der Johns Hopkins University und den National Institutes of Health. Von 1970 bis 1976 arbeitete er als Senior Staff Investigator im Cold Spring Harbor Laboratory in der Gruppe Tumorviren und erhielt in dieser Zeit seinen PhD in Biochemie und Molekularbiologie von der State University of New York. 1976 wurde er als ausserordentlicher Professor an die Universität Heidelberg berufen. Vier Jahre später wechselte er ans Deutsche Krebsforschungszentrum DKFZ, wo er eine eigene Forschungsgruppe am Institut für Zell- und Tumorbiologie leitete. 1987 übernahm er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 die Professur für Zellbiologie am Biozentrum der Universität Basel. Auch nach seiner Emeritierung liess ihn die Wissenschaft nicht los, er zog in die Emeriti-Lounge des Biozentrums, und betreute von dort seine laufenden Forschungsprojekte weiter.
Das wissenschaftliche Betätigungsfeld von Walter Keller umfasste die biochemischen Aspekte der Genexpression, insbesondere die chemische Veränderung und die Verarbeitung von Ribonukleinsäuren (RNA) und ihren Vorläufern in der Zelle. Er beschäftigte sich zudem mit dem seltenen Phänomen des sogenannten RNA-Editing, bei dem die genetische Botschaft, die Sequenz der Boten-RNA verändert wird. Für den Glutamat-Rezeptor in unserem Gehirn konnte er zeigen, dass dessen Boten-RNA durch Editierung verändert wird. Dies hat Auswirkungen auf die Eigenschaften des Rezeptors und die Kommunikation zwischen den Nervenzellen.
In seiner Forschung gelang es ihm auch, äusserst komplexe Modifikationen an RNA-Molekülen zu rekonstruieren und deren Bedeutung für die Herstellung von Proteinen herauszukristallisieren. Mit seinen Arbeiten steuerte Walter Keller bedeutende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Ribonukleinsäure-Forschung bei. Sie führten zu einem vertieften Verständnis des Mechanismus der Informationsübertragung von Genen auf Proteine. Er war ein herausragender Forscher, der über 100 Fachartikel publizierte und für seine wissenschaftlichen Errungenschaften im Jahr 1998 mit dem Louis-Jeantet Preis für Medizin und 2007 mit dem Lifetime Achievement Award der RNA Society ausgezeichnet wurde. Walter Keller war zudem Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) sowie der Academia Europaea.
Sein persönliches Engagement, sein Enthusiasmus in der Forschung und sein respektvoller Umgang mit seinen Kollegen wird uns in guter Erinnerung bleiben. Viele junge Forschende in seinem Labor begleitete er erfolgreich bis zu ihrer Promotion oder Habilitation. In seiner Rede zur Verleihung des Lifetime Achievement Award betonte er einmal, dass Erfolg in der Wissenschaft nicht nur von Glück und zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein abhinge, sondern vor allem von höchst kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ein wichtiger Ausgleich zu seiner intensiven Forschungstätigkeit war die Musik. Als Fagottist spielte Walter Keller mit Begeisterung im Uni-Orchester sowie verschiedenen Orchestern der Region. Das Biozentrum und die Universität Basel werden das Andenken an Walter Keller in Ehren bewahren.
Kontakt: Kommunikation, Katrin Bühler