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Der Rotkreuzdienst
Der heutige Rotkreuzdienst (RKD) richtet sich an junge Frauen, die einen Beruf im medizinischen Bereich ausüben und bereit sind, freiwillig Dienst zu leisten, um die Sanitätstruppen der Schweizer Armee zu unterstützen. Das Engagement von Frauen, die sich um verwundete Soldaten kümmern, ist an sich nichts Neues. Der RKD kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die ihre Wurzeln in den Anfängen des Roten Kreuzes hat: Als Henry Dunant die Leitidee des Roten Kreuzes formulierte, liess er sich vom Beispiel der Frauen von Castiglione inspirieren. Diese hatten mit grossem Engagement und viel Hingabe die Verwundeten der Schlacht von Solferino gepflegt.
Umsetzung von Dunants ursprünglicher Idee
In der Schweiz waren die ersten strukturierten Hilfsorganisationen von Frauen bereits in den Jahren 1798 bis 1807 im Einsatz. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 bis 1871 hatte der Hülfsverein für schweizerische Wehrmänner und deren Familien (das spätere SRK) auch einige Frauen in seinen Reihen. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Diakonissen und um Ordensschwestern, die sonst in Spitälern arbeiteten. 30 Jahre danach sah der Bundesbeschluss von 1903 die systematische Einreihung von diplomierten Krankenschwestern in den Sanitätsdienst der Armee vor. Gemäss diesem Beschluss leistete der Bund einen Beitrag an die Krankenpflegeschulen, die im Gegenzug der Armee im Kriegsfall ihre Absolventinnen zur Verfügung stellen mussten. Dies war die Geburtsstunde des RKD. Parallel dazu wurden in den Samaritervereinen, die einen immer grösseren Zulauf verzeichneten, zahlreiche Frauen in die Erste Hilfe eingeführt. Ab 1896 waren die Frauen unter den Aktivmitgliedern des Schweizerischen Samariterbunds sogar in der Überzahl.
Von 1914 bis 1939
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs standen der Armee 24 Detachemente mit je 40 Krankenschwestern zur Verfügung. Da die Schweiz vom Krieg verschont blieb, wurden die Krankenschwestern und die freiwilligen Samariterinnen für andere Aufgaben eingesetzt. Zunächst betreuten und pflegten sie verwundete Kriegsgefangene und Zivilpersonen, die durch die Schweiz evakuiert wurden. 1918 wurden sie dann zur Bekämpfung der Spanischen Grippe aufgeboten.
Nach dem Massensterben im Ersten Weltkrieg waren die Zwanzigerjahre von einer pazifistischen Strömung geprägt. Dies führte zu einer gewissen Entmilitarisierung des Roten Kreuzes, das seine Tätigkeit vermehrt auf das Gesundheitswesen ausrichtete. Doch diese Beruhigung der Lage war nur von kurzer Dauer. Knapp zehn Jahre später stand erneut die Vorbereitung auf einen möglichen Kriegsausbruch im Vordergrund: Sowohl die Bundesbeiträge für das SRK als auch der Bestand der Rotkreuzschwestern wurden erhöht. 1931 standen 3250 Krankenschwestern und 5000 Samariterinnen bereit, um sich in den Dienst ihres Landes zu stellen.
Von 1939 bis heute
Während des Zweiten Weltkriegs konnten sich Frauen aktiv für die Landesverteidigung engagieren: Der 1939 eingeführte Frauenhilfsdienst (FHD) bot jeder Schweizerin, die für tauglich befunden wurde, die Möglichkeit, Militärdienst oder einen zivilen Dienst zu leisten. So wurden zahlreiche Sekretärinnen, Lehrerinnen und Juristinnen zur Verstärkung den Militärspitälern zugewiesen. Durch den Einsatz dieser Freiwilligen musste die Organisation der Detachemente von Rotkreuzschwestern angepasst werden. Für die Freiwilligen, denen sanitätsdienstliche Aufgaben zugewiesen wurden, organisierte das SRK Kurse, um sie in die Pflege einzuführen. Diese Freiwilligen verstärkten in der Folge die Kontingente des RKD. Während des Zweiten Weltkriegs leisteten insgesamt über 11'000 Frauen in Armeeuniform und mit Rotkreuz-Armbinde durchschnittlich 300 Tage Aktivdienst.
Die Frauenformationen des SRK erfüllten während des Kriegs sehr unterschiedliche Aufgaben. Die meisten leisteten ihren Dienst in Sanitätseinrichtungen der Armee oder kümmerten sich um ausländische Soldaten, die interniert oder durch die Schweiz evakuiert wurden. Auch in den Aufnahmelagern für Flüchtlinge, in den Sammelstellen des Roten Kreuzes oder für die Kinderhilfe arbeiteten zahlreiche Frauen.
Nach Kriegsende wurde der FHD aufgegeben. Die Kompetenzen des RKD wurden seither durch zahlreiche Reformen schrittweise neu festgelegt. 1974 war dieser Prozess abgeschlossen: Damals wurde die Pflicht für diplomierte Krankenschwestern aufgehoben, sich für den RKD zur Verfügung zu stellen. Seit dem Jahr 2000 hat der RKD die Aufgabe, Freiwillige zu rekrutieren, zu informieren und zu verteilen. Er steht jungen Frauen mit einer Berufsausbildung im medizinischen Bereich offen, die freiwillig den Sanitätsdienst der Armee unterstützen und Sanitätssoldaten schulen wollen.