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In der zunehmend polarisierten, fragmentierten Öffentlichkeit dominiert vor allem jenes Denken, das Zweifel nur an den Positionen der anderen, aber nicht an den eigenen zulässt. Diesem dogmatischen Denken, das keine Schattierungen berücksichtigt, setzt Carolin Emcke in ihrem Essay «Gegen den Hass» (S. Fischer) ein Lob des Vielstimmigen entgegen — weil so die Freiheit des Individuellen und auch Abweichenden zu schützen ist. Denn nur mit dem Mut, dem Hass zu widersprechen, und der Lust, die Pluralität auszuhalten und zu verhandeln, lässt sich Demokratie verwirklichen. Nur so können wir den religiösen und nationalistischen Fanatikern erfolgreich begegnen, weil Differenzierung und Genauigkeit das sind, was sie am meisten ablehnen.
Carolin Emcke, *1967, studierte Philosophie und promovierte über den Begriff «kollektiver Identität». Sie lebt als freie Publizistin in Berlin. Immer wieder engagiert sie sich auch mit künstlerischen Projekten und Interventionen. Seit über zehn Jahren organisiert und moderiert Carolin Emcke die monatliche Diskussionsreihe »Streitraum« an der Schaubühne Berlin. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Bei S. Fischer erschien zuletzt «Weil es sagbar ist: Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit».