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Corgi Eigenschaften

Von Eve Forsyth-Forrest (Helarian Corgis)
Ich glaube, manche Besitzer von Corgis vergessen, dass Corgis ursprünglich Treibhunde waren - wahrscheinlich als eine der ersten Rassen dieser Art - und dass die 1785 von William Frederick Martyn beschriebenen Instinkte immer noch in grossem Masse vorhanden sind.
Wie andere Gebrauchshunde wollen Corgis die Tiere zusammentreiben und nicht etwa aus Unfug jagen oder gar töten. Leider wird diese frühe Phase der Entwicklung dieses Instinkts von überängstlichen Personen oft missverstanden und so kann es vorkommen, dass sich das Geschrei und die Aufregung des Besitzers auf den Hund übertragen und es zu einem Durcheinander und einem Unfall kommt. Corgis haben ein feines Gespür für Stimmungen und die meisten sind hochintelligent. Sie haben eine aussergewöhnliche Fähigkeit, eine Situation einzuschätzen und sind fest entschlossen, ihren Platz als nützliches Mitglied der Gemeinschaft einzunehmen.
Jeder kluge Hund, der nicht beschäftigt wird und sich folglich langweilt, wird Unarten entwickeln und ich glaube, das ist der Grund für die, glücklicherweise, wenigen aggressiven, nervösen und lästigen Corgis. Ich will nicht behaupten, dass ich die Kunst des Trainings von Hunden studiert habe oder selbst auf diesem Gebiet tätig bin, aber ich habe fast mein ganzes Leben damit verbracht, mit zahmen und wilden Tieren zu arbeiten und sie zu beobachten.
Mir wurde bald klar, dass ein Hund sowohl Helfer wie auch Begleiter sein sollte und nicht eine Sorge und ein Ärgernis für einen selbst und die Nachbarn. Keine Rasse kann die ersteren Anforderungen besser erfüllen als der Corgi. Ich begegnete Corgis zum ersten Mal vor 35 Jahren* und stellte bald fest, dass sie, in vernünftigem Rahmen, alle die unzähligen Aufgaben bewältigen können, die von einem Hund auf dem Land erwartet werden. Man braucht weder einen Terrier, um Ratten und Kaninchen zu fangen, noch einen Collie, um das Vieh zu treiben und die Schafe zu hüten, noch einen Jagdhund oder anderen Spezialisten. Ein Corgi kann all das und zwar gut und mit offensichtlichem Vergnügen.
Wenn die Welpen drei Monate alt sind, gewähre ich ihnen üblicherweise eine gewisse Freiheit, und der neueste Wurf kommt mit auf kurze Spaziergänge zusammen mit dem Rest des Rudels. Normalerweise folgen sie bei Fuss, bis sie mit der fremden Welt des Waldes vertraut sind. Das bewirkt, dass sie den Anschein machen, etwas hochbeinig zu geraten, und in gewissen Fällen werden sie trotz gutem Appetit etwas mager, aber mir scheint, dass sich ihre Vorhand lange nicht so oft verformt wie bei im Zwinger aufgezogenen Welpen, und ihre Bewegungen werden bedeutend elastischer. Die Hündinnen entwickeln sich rasch und gewinnen an Brusttiefe, wenn sie ihren ersten Wurf haben, und die Rüden im Alter von ungefähr 18 Monaten. Ich versuche nie, die Welpen in eine bestimmte Richtung zu zwingen, sondern lasse sie ihre eigenen Interessen finden, mit etwas Ermunterung oder Unterdrückung, je nach Bedarf. Einige von ihnen bevorzugen eine spezielle Aufgabe, aber die meisten beschäftigen sich mit allem.
Der Grossteil der Welpen geht sofort auf die Ponys zu, die ihre Köpfe senken, um die neue "Herde" zu untersuchen, und nach gegenseitigem Beschnuppern, nehmen sich die Welpen bedenkliche Freiheiten mit Fersen und Schweifen heraus, aber ein Pferd tritt selten GEGEN einen Hund, wenn es in Ruhe gelassen wird. Gelegentlich "fliegen" die Hufe, aber nicht in böser Absicht.
Corgis, die gerne mit Vieh und Ponys arbeiten, haben eine besondere Begabung, das Vertrauen der Tiere zu gewinnen. Sie erkennen schnell, ob sie eine ganze Herde oder nur ein einzelnes Tier zu dir bringen sollen und beim Sammeln oder Sortieren der Tiere kneifen sie die Tiere entweder in die Nase oder die Fersen. Beim Treiben suchen sie sich das Leittier heraus und scheinen es bei einer kleinen Unterhaltung zu überzeugen, dass Gehorsam von Vorteil ist. In der Regel senkt das Pferd oder die Kuh den Kopf und fügt sich, und jedes Ausscheren von Reih und Glied zieht erneute Überzeugungsarbeit, eine Verwarnung und ein gelegentliches Schnappen in die Fersen nach sich.
Neben dem Treiben der Tiere auf neue Weiden, suchen sie auch nach Tieren, die sich verlaufen haben, und bringen sie nach Hause, aber das geschieht selten, denn Corgis wissen genau, wie sie ihre "Schützlinge" innerhalb der festgelegten Grenzen halten können, und passen auf, dass keine Lücke entsteht.
Wenn man mit einem jungen und nervösen Pferd zu tun hat, ist es ist eine grosse Hilfe, einen Corgi an seiner Seite zu haben. Dank seiner moralischen Unterstützung werden dem Pferd unbekannte und gefährlich erscheinende Gegenstände bald vertraut.
Grosses Interesse weckt die Geburt eines neuen Kalbs oder Fohlen. Wenn sie die Möglichkeit haben, werden sie der Mutter bei dessen Säuberung helfen und sich neben sie legen, wenn das Neugeborene ruht. Corgis haben einen starken Beschützerinstinkt und bereits in sehr frühem Alter werden sie jedes Tier und jeden Gegenstand bewachen, die ihrer Meinung nach schutzbedürftig sind.
Corgis haben ein ausgeprägtes Gespür für Geflügel und ich hatte nur eine Hündin, die ein Zwerghuhn tötete, und sie wurde von einem zu Gast weilenden Border Terrier dazu verleitet. Corgis lassen es nicht zu, dass junge Hähne sich streiten und Hühner sich um Leckerbissen zanken. Die Streithähne werden am Schwanz gepackt und getrennt und so lange im Auge behalten, bis wieder Friede eingekehrt ist. Die Gänse werden in Schach gehalten, die Enten am Abend vom Weiher geholt und ich habe erlebt, dass selbst der wildeste und aufgeblasenste Truthahn sich der Disziplin unterordnete.
Eine praktische Eigenschaft mit Bezug auf Geflügel ist ihr Talent, Eier aufzustöbern, anzuzeigen und alsdann aus versteckten Nestern zu holen. Ich hatte einmal eine Hündin Hela, die uns mit Kiebitzeiern versorgte.
Corgis haben eine ausgezeichnete Nase und ein "weiches" Maul; sie apportieren einen Hasen oder ein Ei mit der gleichen Fertigkeit. Einige sind schussscheu, aber viele sind ausgezeichnete und robuste Jagdhunde, gehen ins Wasser oder dringen ins dichteste Dornengestrüpp. Corgis sind keine geborenen Killer. Wie ich bereits betont habe, sagt ihnen ihr Instinkt, dass sie andere Tiere beschützen sollen, aber wenn sie heranwachsen, scheinen sie zu realisieren, dass es gewisse Schädlinge gibt, die eine Gefahr für ihre Schützlinge oder ihr Heim und Eigentum bedeuten.
Im Rudel machen Corgis Jagd auf Kaninchen, Fuchs und Hase und bei guter Witterung tönt ihr Gebell ganz angenehm vorausgesetzt, dass es ein gutes Gemisch an Stimmen ist und sich darunter nicht zu viele Falsette befinden; diese scheinen leider immer zahlreicher zu werden. Der frühere Corgi hatte eine angenehme, tiefe Stimme und die Züchter sollten diesem Merkmal mehr Beachtung schenken. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Linien, die still jagen. Ich hatte mehrere Corgis, die Fuchs und Dachs in den Bau folgten und mit ihren grossen Pfoten und starken Krallen können sie sehr schnell graben, aber die meisten sind zu gross und haben eine zu tiefe Brust für diese Arbeit.
The Welsh Corgi League Handbook 1947
Übersetzung: ANo
*) d.h. 1912, also lange bevor die Corgis vom Kennel Club als Rasse anerkannt wurden (1925).
Fotos aus E. Forsyth-Forrests Buch, "Welsh Corgis", 1955 herausgegeben von Ernest Benn Ltd., London, und nur noch antiquarisch erhältlich.