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Die 15 Millionen Einwohner Kambodschas sind offenbar bis jetzt vom Corona-Virus weitgehend verschont geblieben. Bis Ende August 2020 haben die Behörden weniger als 300 Infektionen und keinen einzigen Todesfall gemeldet.
Doch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind verheerend. Die meisten Kleider- und Schuhfabriken sind geschlossen, und etwa 800'000 früher beschäftigte Arbeiterinnen und Arbeiter sind heute ohne Verdienst. Viele Familien leben unter dem Existenzminimum und leiden an Hunger. Umso willkommener ist die Tonne Reis, die wir seit vielen Jahren jeden Monat an bedürftige Familien und an mittellose alte Menschen verteilen
Die Regierung hat alle Schulhäuser geschlossen und ein «Home Schooling» verfügt. Doch davon profitieren nur begüterte Familien, denn arme Leute verfügen kaum über einen Computer mit Verbindung zum Internet.
Vor 22 Jahren wurde am Rand von Phnom Penh die HOPE FOR ALL Clinic eröffnet. Die erste Einrichtung bestand aus gebrauchten Geräten und diversen medizinischem Materialien, die wir in der Schweiz bei Arztpraxen und Spitälern gesammelt und in zwei Containern nach Kambodscha gebracht hatten. Ein Teil der gespendeten Güter (es waren 21 Tonnen zusammengekommen) kam auch kambodschanischen Spitälern zugute, in denen es zu jener Zeit buchstäblich an allem fehlte.
15 Jahre lang hat die Clinic hausärztliche und zahnärztliche Behandlungen angeboten. Nach der Pensionierung des Arztes wurde sie in eine zahnärztliche Poliklinik umgebaut, die einem Vergleich mit hiesigen Institutionen standhält. Sie bietet fünf einheimischen Zahnärzten (alle haben ihre praktischen Fähigkeiten an der Clinic erlernt) und acht weiteren Mitarbeitern samt ihren Familien eine nachhaltige Existenz.
Viele Menschen in der Umgebung der Clinic sind mausarm. Sie werden kostenlos oder für ein symbolisch geringes Honorar behandelt. In den letzten Jahren ist der Betrieb der Clinic selbsttragend geworden, denn das Haus hat einen ausgezeichneten Ruf und wird zunehmend auch von Patienten besucht, die ihre Behandlung bezahlen können.
Eine leitende Mitarbeiterin der Firma Straumann AG hat im vergangenen Jahr die Clinic besucht und war sehr beeindruckt von deren Einrichtung und den Leistungen ihrer Belegschaft. Die Firma gewährt seit vielen Jahren Stipendien an einheimische Studenten der Zahnmedizin.
Anfangs 2020 wurde die Clinic an den einheimischen Zahnarzt Dr. Borith Chhourn übergeben, der sich seit ihrer Gründung um die Entwicklung des Projektes besonders verdient gemacht hat. Unter seiner umsichtigen Leitung ist gewährleistet, dass die Clinic mit den bisherigen Mitarbeitern im Sinne von HOPE FOR ALL weitergeführt und dass arme Patienten auch künftig kostenlos behandelt werden. Der Verein leistet dafür pauschale Zuschüsse an die Betriebskosten.
Im letzten Schreiben haben wir über Meas Thavy, dem Leiter unseres School Sponsoring-Programms berichtet. Er oder sein Assistent besuchen jeden Monat die Familien der 80 Kinder, denen wir den Schulbesuch ermöglichen. Bis zwei Kinder pro Familie erhalten gemäss Schulstufe zwischen 25 und 45 USD. Dieser Betrag reicht für die Schuluniform, für Schulmaterial, für ein Paar Schläppli und für das unerlässliche «Trinkgeld» an die Lehrer. Oft bleibt der Familie sogar etwas Geld für Nahrungsmittel übrig.
Thavy berichtet von Kindern, die nicht zur Schule gehen dürfen, weil sie offiziell nicht existieren. Man hatte sie bei ihrer Geburt nicht angemeldet. Für einen nachträglichen Geburtsschein muss Thavy 100 USD bezahlen; ein Teil des Geldes landet in den Taschen von korrupten Beamten.
Das Schul-Sponsoring Programm von HOPE FOR ALL ermöglicht fähigen Jugendlichen nach Ende der Schulzeit eine berufliche Ausbildung. Momentan besucht eine junge Frau eine Wirtschafts-Universität; von einer anderen Studentin wird weiter unten berichtet. Zwei Männer und eine Frau haben im letzten Jahr eine anspruchsvolle technische Schule abgeschlossen, zwei weitere sind am gleichen Ort noch in Ausbildung. Alle Absolventen fanden gute Arbeitsstellen und können ihre Familien ernähren. Wir bezahlen Schulgebühren, Schulmaterial (wenn nötig ein Laptop), Fahrkosten und Beiträge an den Lebensunterhalt der Zöglinge.
Hung Srey Pich (jetzt 19 Jahre alt) wohnte zusammen mit ihrer Mutter in den Slums von Phnom Penh. Ihr Vater hat sich vor Jahren aus dem Staub gemacht. Letztes Jahr wurden die beiden Frauen wegen eines Bauvorhabens der Regierung aus ihrer ärmlichen Hütte vertrieben, doch sie hatten Glück und fanden unter einer Brücke eine neue Unterkunft.
Hung Srey Pich war im Schul-Sponsoring Programm und ist durch besonders gute Zeugnisse aufgefallen. Nach 12 Schuljahren wurde die junge Frau von Thavy zur Aufnahmeprüfung an die «Vocational School for Girls» angemeldet. Sie bestand alle Tests und erfährt jetzt eine zweijährige Schulung für Büroberufe. An ihrem neuen Wohnort kann sie sogar ihr Laptop aufladen, das sie für ihre Ausbildung benötigt.