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Oleander
ZENTRALE BEGRIFFE
Worauf richtet sich der Fokus der inneren Aufmerksamkeit?
Oleander reagiert empfindlich auf Dinge, die seine kreative, versponnene Gedankenwelt stören. Er will selber entscheiden, worüber er nachdenkt, womit er sich beschäftigt. Er lehnt Aufgaben, Aufträge eher ab und ist sehr empfindlich für Konkurrenz und Kritik.
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Die Themenliste umfasst eine inhaltlich gruppierte Sammlung von Original Prüfungssymptomen
Wie zeigt sich das Leiden des Patienten? (Sekundäre Psora)
Wie kompensiert er sein Leiden? (Egotrophie, Egolyse, Alterolyse)
Wie lautet die eigentliche Hypothese „nach Masi“? (Primäre Psora)
Hier finden Sie spannende Interpretationen von einzelnen Themen oder Symptomen
1. Verliert den Zusammenhang
Beim Lesen längerer Sätze in einem Buche fällt es ihm oft schwer, den periodischen Zusammenhang zu fassen. RAL 10
Beim Lesen eines Buchs fasst er die vorgetragenen Gedanken dann am allerwenigsten, wenn er beim lebhaften Bestreben, sie zu verstehen, daran denkt, dass er sie nicht verstehen wird; seine Gedanken verwirren sich dann und machen ihn nun ganz unfähig, weiter zu lesen; wohl aber versteht er alles leichter, wenn er gar nicht darauf denkt, es verstehen zu wollen; ihn beschäftigt dann ausser der Sache selbst, keine Nebenidee. RAL 13
Schweres Erfassen des periodischen Zusammenhanges der Schriftsätze durch stetes Abziehen der Gedanken von dem betreffenden Gegenstande auf andere, selbst geschaffene Gedanken, auf träumerisches Ausschmücken der Zukunft mit allerhand lieblichen Bildern; Verwirrung der Gedanken schon durch die Besorgnis, dass der Geist den Inhalt des Buches nicht erfassen möchte, beim Freisein von dieser Sorge seltener oder gar nicht statt findend. TM 5.3
RAL 11
2. Sorge ums Verständnis
(…) wohl aber versteht er alles leichter, wenn er gar nicht darauf denkt, es verstehen zu wollen; ihn beschäftigt dann ausser der Sache selbst, keine Nebenidee. RAL 13
(…) Verwirrung der Gedanken schon durch die Besorgnis, dass der Geist den Inhalt des Buches nicht erfassen möchte, beim Freisein von dieser Sorge seltener oder gar nicht statt findend. TM 5.3
3. Selbst geschaffene Gedanken
Es wird ihm sehr schwer, ein gelehrtes Buch zu lesen; er muss sich manchen Satz drei, viermal wiederholen, ehe er ihn versteht, weil er mit der grössten Anstrengung das Gelesene nicht mit dem Geiste erfassen kann, sondern von andern, selbst geschaffenen Gedanken gestört wird, die immer den gelesenen, fremden verdrängen. RAL 11
Schweres Erfassen des periodischen Zusammenhanges der Schriftsätze durch stetes Abziehen der Gedanken von dem betreffenden Gegenstande auf andere, selbst geschaffene Gedanken (…) TM 5.3
RAL 12
4. Ausschmücken der Zukunft
Beim Studieren hat er stets andre Gedanken; er träumt sich in die Zukunft, und mahlt sich in der Einbildung schöne Bilder davon aus. RAL 12
(…) selbst geschaffene Gedanken, auf träumerisches Ausschmücken der Zukunft mit allerhand lieblichen Bildern (…) TM 5.3
5. Gedächtnisschwäche
Der Geist ist stumpf; er kann nicht wohl denken. RAL 9
Gedächtnisschwäche; geistesabwesend, keine Aufmerksamkeit. He 1.1
Er erinnerte sich an nichts seit dem Moment, als er diesen grossen Schluck genommen hatte, und konnte sich keine Meinung bilden über die Zeit, welche seit dem Selbstmordversuch und seiner Genesung verstrichen war. A 20 [ein 35 jähriger Mann, der eine Tasse "Kunaree" schluckte, welche mehr als eine Unze ausgepressten Oleandersaftes enthielt]
RAL 14
6. Das Erinnerungsvermögen ist schwach; er kann sich auf die bekanntesten Namen nicht besinnen. RAL 14
7. Mangel des Vertrauens zu sich selbst und deshalb traurige Gemüths-Stimmung. RAL 348
8. Er kann keinen Widerspruch vertragen. RAL 350
9. Die Hitze übereilt ihn gleich; er fährt zornig auf, doch reuet es ihn gleich wieder. RAL 352
10. Mattherzigkeit
Sehr hinfällig und mattherzig; es fehlt ihm überall. RAL 320
Mattherzig, als sollte er mit jedem Odem die Seele aushauchen. RAL 321
11. Zu nichts aufgelegt
Matt, träge und zu aller Arbeit verdrossen. RAL 319
Unlust zur Arbeit. RAL 345
Stumpfsinnig, missgestimmt, zu nichts aufgelegt. RAL 346
Weder zur Arbeit, noch zur angenehmen Beschäftigung aufgelegt. RAL 34
Ärgerlich, verdriesslich zu nichts aufgelegt. RAL 351
Missgestimmt, zurückgezogen. RAL 349
12. Hitze bei geistiger Anstrengung
Nach geistiger Anstrengung, Hitzewallungen. He 1.3
Während des Lesens drängt sich eine Hitze aus dem Körper heraus. RAL 344
Gefühl von Hitze und zugleich Frost des ganzen Körpers, ohne Durst, beim Anfühlen grössere Wärme als gewöhnlich; fliegende Hitze (auch im Sitzen), besonders bei Hastigkeit in der Arbeit, oder beim Schnellgehen, wobei die Hitze im Gesichte einem Stechen mit vielen Nadeln gleicht; Ausdrängen von Hitze aus dem Körper beim Lesen. TM 4.4
13. Sprache verloren
Sprachvermögen fast gänzlich verloren, bei gehörigem Athem. RAL 122
Auf Befragen wollte sie antworten, vermochte aber nur Töne, aber keine verständlichen Worte vorzubringen. RAL 123
A 24
14. Wie im Schlummer
Leichtes Koma, aus dem die Patientin trotzdem durch lautes Anrufen geweckt werden konnte, sie antwortete korrekt, obwohl die Sprache entschieden schwierig war; sobald sie aufhörte zu sprechen, fiel sie zurück ins Koma, mit Verdrehung der Augen. A 24
Daliegen wie im Schlummer, doch mit Besinnung und Bewegungsfähigkeit. TM 3.5
15. Eine Art Blödheit, so dass er nicht verstand was zu ihm gesagt wurde. A 23
16. Lesen allgemein
Beim Lesen thränen die Augen. RAL 62
Beim Lesen, ein Spannen in den linken Augenlidern. RAL 63
Wehthun der Augen, als hätte er sie durch viel Lesen zu sehr angestrengt. RAL 65
Während des Lesens drängt sich eine Hitze aus dem Körper heraus. RAL 344
Gefühl von Hitze und zugleich Frost des ganzen Körpers, ohne Durst, beim Anfühlen grössere Wärme als gewöhnlich; fliegende Hitze (auch im Sitzen), besonders bei Hastigkeit in der Arbeit, oder beim Schnellgehen, wobei die Hitze im Gesichte einem Stechen mit vielen Nadeln gleicht; Ausdrängen von Hitze aus dem Körper beim Lesen. TM 4.4
RAL 10-13, TM 5.3
17. Beim Gehen im Freien Schwindel, nicht zum Taumeln und Fallen; er stand fest, aber die Gegenstände, Bäume und Menschen schienen so unter einander zu schweben, wie in einem verwirrten Tanze, und vor den Augen ward's dunkel mit blitzenden Flimmern, als wenn der Schnee blendet. RAL 1
18. Er schien bemerkenswert lebhaft und hüpfte den ganzen Nachmittag umher wie ein Kätzchen, völlig anders als gewöhnlich. A 1
19. Dunkelheit vor den Augen beim seitwärts Sehen. He 5.3
20. Wenn er gerade steht, und auf die Erde sehen will, so wird's ihm schwindlicht vor den Augen und als ob er alles doppelt sähe; sah er aber gerade vorwärts, stehend oder gebückt, so empfand er nichts davon. RAL 2
21. Kopfschmerzen
Schmerz im Kopfe, als wenn ein zentnerschweres Gewicht nach vorne zöge. RAL 17
RAL 16
Gefühl, als wäre der Kopf eingespannt, mehr betäubend als schmerzhaft. RAL 18
Betäubender Druck in der rechten Kopf-Seite, wie von einem langsam eingedrückten, stumpfen Werkzeuge. RAL 21
Plötzlich ein betäubender Schmerz vorne in der Stirne, wie von einem derben Schlage. RAL 33
Schmerz in der Stirne, als wenn sie entzweispringen sollte. RAL 26
Druck auf die rechte Seite des Kopfs, als würde sie eingedrückt. RAL 46
Ein paar Schläge auf die Stirne, auf einer kleinen Stelle, wie mit einem Hammer. RAL 48
Betäubendes Zusammendrücken beider Jochbeine, als würden sie mit der Zange gepackt. RAL 86
Kopfschmerz gebessert von Schielen. He 3.4
22. Kopfhaut
Fressendes Jücken wie von Läusen auf dem ganzen Haarkopfe, das zum Kratzen nöthigte, abwechselnd den ganzen Tag. RAL 37
Abschuppung der Oberhaut auf dem Haarkopfe. RAL 41
Feuchter, schuppiger, beissender, juckender Ausschlag, besonders am hinteren Teil des Kopfes. He 4.2
RAL 38-40, 42, He 4.1, 3-5
23. Drücken in den Augen, als wenn ein harter Körper darin wäre. RAL 67
24. "An den Ohren gezogen"
Klammartiges Ziehen am äussern Ohre, und darunter, als würde es herausgezogen, sich allmälig erst verstärkend, dann wieder vermindernd. RAL 89
Bald vom rechten, bald vom linken Ohrkäppchen anfangende Hitze, die sich über diese Seite und von da über das ganze Gesicht verbreitet. RAL 90
25. Unter dem Ohre, über dem Warzenfortsatze, ein Schmerz, als würde ein stumpfer Nagel in den Kopf gestossen, mit Betäubung. RAL 97
26. Ein kühler Wind
Am linken Backen Gefühl, als wehete ihn ein kalter Wind an; beim Anfühlen mit der Hand ist dies Gefühl weg und die Hand fühlt ihn heiss und wärmer als den andern Backen. RAL 82
Gefühl, als wehte ihn an der linken Seite des Halses ein kühler Wind an. RAL 106
Kälte-Gefühl, wie von einem kühlen Hauche auf der rechten Seite des Unterbauchs. RAL 160.
27. Beissendes Jücken in der Nasenwurzel nach dem linken Auge zu, als wenn Rauch in der Stube wäre. RAL 79
28. Im Bett oder im Liegen schlimmer
In der Nacht immerwährender Zahnschmerz, reissend ziehend im linken ersten Backenzahne und zuweilen in dem hohlen daneben; dieser Zahnschmerz hörte sogleich auf, als er das Bett verliess und kehrte gleich zurück, sobald er wieder in's Bett kam, mit einer Angst, als wenn er sterben müsste; dabei häufiges Urinieren, Brecherlichkeit und Hitze im linken Backen, die erste Nacht. RAL 112
Beim Liegen ist es ihm, als sei die Brust zu enge; er muss in langen und tiefen Zügen Athem holen. RAL 202
Es beklemmt ihm die Brust in der Herzgrube beim Liegen und eine Viertelstunde nach dem Niederlegen erbricht er Schleim, Wasser und kleine vorher genossene Brodstückchen; wenn er sich vom Liegen aufrichtet, so verlässt ihn die Beklemmung der Brust. RAL 203
Stiche im Zwergfelle beim Liegen beim Ein- und Ausathmen, die beim Aufrichten aufhören. RAL 223
29. Dehnen und Recken des Oberkörpers und der Glieder, ein allgemeines Wohl-behagen gewährend. TM 3.1
30. Empfindung in der Herzgrube, als wenn er jeden Pulsschlag des Herzens durch die ganze Brust schlagen fühlte, wie nach einer starken Erhitzung, ob er gleich beim Befühlen mit dem Finger nichts davon spürt, und das Herz nicht stärker und fühlbarer schlägt als zu andern Zeiten. RAL 158
31. Starkes Herzklopfen mit dem Gefühl, als wäre die Brust weiter geworden; er athmet dann mit starker Erhebung der Brust, ohne Beängstigung. RAL 201
32. Ängstlichkeit um's Herz, ohne ängstliche Gedanken, mit Zittern des ganzen Körpers, mehrere Stunden lang. RAL 207
33. Grosse Leerheit in der Brust, wie ausgeweidet. RAL 200
34. Gewaltsames Eindrücken, Einbinden, Schläge
Gewaltsames Eindrücken an mehrern Stellen des Körpers, sich allmälig verstärkend oder mindernd. RAL 308
In der rechten Rück-Seite, ein Schmerz, als stämmte man da eine Hand gewaltsam ein, oder wie von Verheben. RAL 230
An der äussern Seite des linken Oberschenkels, ein betäubender Druck, als wäre der Theil stark gebunden und der Blutlauf dadurch gehemmt. RAL 278
Ein Schmerz in der kleinen Zehe und ihrem Ballen, wie wenn sie stark gedrückt würde. RAL 302
Schmerz, als drücke eine stumpfe Spitze rechts am Halse auf die Speiseröhre, und beim äusserlichen Aufdrücken schmerzen auch die Halsmuskeln einfach. RAL 108
Ein heran schiebendes Drücken in den vordern Halsmuskeln, so dass er die Halsbinde lösen musste, eine drosselnde, erstickende Empfindung. RAL 109
Stumpfdrücken auf dem Vorderarme, wie von einem derben Schlage. RAL 245
Im vordern Gliede des Daumens Schmerz, als hätte er einen derben Schlag darauf bekommen, wobei der Daumen zitterig wird. RAL 265
Auf der rechten Fusssohle, auf einer kleinen Stelle, absetzendes, stumpfes Drücken, als wenn er Schläge darauf erhalten hätte. RAL 306
RAL 21, 33
35. Kleider
Grosse Empfindlichkeit der Haut des ganzen Körpers; von wenigem Reiben der Kleider wird sie wund, roh und schmerzt, z.B. am Halse vom Halstuche, an den Oberschenkeln von geräumigen Beinkleidern beim Gehen. RAL 311
Ein heran schiebendes Drücken in den vordern Halsmuskeln, so dass er die Halsbinde lösen musste, eine drosselnde, erstickende Empfindung. RAL 109
36. Zähne hohl und lose
Empfindlichkeit der Backenzähne beim Kauen, als ob sie alle hohl wären. RAL 116
Sonderbares Gefühl im Munde, als ob alle Zähne darin lose und locker wären, mit bläulich weissem Zahnfleische des ganzen Ober- und Unterkiefers. RAL 117
37. Appetit
Sie genoss nichts, nahm nichts zu sich. RAL 124
Kein Appetit zu essen oder Tabak zu rauchen. RAL 127
Er ist appetitlos, doch nicht ohne Hunger; er isst mehr mit Unbehagen, als mit Vergnügen, und sehr wenig. RAL 128
Appetitlos; es schmeckte ihm zwar das Essen, aber er war gleich satt. RAL 129
Kein Appetit und doch Heisshunger; er verschlang viel und begierig. RAL 132
Heisshunger mit Zittern der Hände beim Essen, und grosse Schwäche im Körper (nach einem halbstündigen Geschwindgehen). RAL 133
Vor Verlangen nach dem vorliegenden Essen zittern ihm die Hände. RAL 134
Heisshunger und Zittern der Hände aus Verlangen nach den vorliegenden Speisen bei grosser Schwäche im ganzen Körper (nach halbstündigem Geschwindgehen); grosser Hunger mit vielem Appetite. TM 14.4
Zittern der Hand während des Schreibens (vor dem Essen). RAL 254
Während des Mittagmahls, das er mit einer Hast, wie im Heisshunger, verschlingt, ist's ihm im Kopfe so taumlich, als sollte ihm Hören und Sehen vergehen, und besonders, als wollte es ihm vor dem rechten Auge schwarz werden. RAL 135
Das Mittagsmahl schmeckt ihm sehr gut; er muss aber bald aufhören, da es ihm übel und weichlich wird. RAL 152
38. Ekel vor dem ihm sonst angenehmen Käse. RAL 141
39. Erschrecken bei Schmerzen
Ganz unten im Unterbauche, über der Wurzel der Ruthe, flüchtige, zuckende Stösse, worüber er erschrickt. RAL 175
In der rechten Hälfte des Rückens, tief innen, plötzliche, feine Stiche, dass er fast erschrickt. RAL 233
40. Wohllüstige Träume mit Samenergiessung (die zweite und dritte Nacht). RAL 331
41. Wird unmittelbar nach Stillen von Zittern befallen und ist so schwach, dass sie kaum quer durch das Zimmer gehen kann. He 36.5
42. Stuhl und Harn unwillkürlich. He 20.6
43. Ohnmacht wie von Schwäche; gebessert durch Schweiss. He 2.3
In dieser Phase begegnen wir einem Menschen, der an seinem intellektuellen Versagen leidet. Er beklagt sich über seine Konzentrationsprobleme Th 1 und hat kein Vertrauen in seine Lernfähigkeit Th 2, 7. Obwohl er sich bemüht, schafft er es nicht, etwas effizient zu studieren. Sein Denken reicht nie aus, um Probleme wirklich zu lösen. Ziele, die ihm von aussen gesteckt werden, lehnt er ab, er wird sogar zornig, wenn man ihm Vorschriften macht oder ihm widerspricht Th 8 und Anmerkungen.
In der Arbeitswelt versagt er, da er endlos über Dinge nachdenkt, bevor er wirklich etwas anpackt. Er kann sich nicht zu einer praktischen Tätigkeit motivieren Th 11.
Emotional leidet er unter seiner Unkontrolliertheit Th 9, er muss seine spontanen Gefühle sofort reflektieren und in Frage stellen.
All dies kann ihn in eine lustlose, mattherzige Stimmung versetzen Th 10, seine Brust fühlt sich an wie ausgeweidet Th 32.
Egotrophie
Oleander realisiert seinen Vollkommenheitsanspruch, indem er sich in allerhand lieblichen Bildern eine schöne Zukunft ausmalt Th 4. In seinem eigenen Gedankengebäude, das noch nicht auf seine Realisierbarkeit geprüft wurde, fühlt er sich wohl und glücklich.
In solchen Momenten erlebt er eine Erweiterung und Erhebung der Brust Th 31 – ganz im Gegensatz zu seiner sekundärpsorischen Mattherzigkeit! Spielerisch stürzt er sich ins Leben, das Symptom beschreibt ihn lebhaft umherhüpfend wie ein Kätzchen Th 17.
In der Kompensation seines Verlusterlebens beschränkt Oleander sich dann freiwillig auf eine simple, geradlinige Denkweise: Er kann alles leichter verstehen, wenn er sich gar keine Mühe gibt, es unbedingt verstehen zu wollen Th 1.
Egolyse
Die Konzentrationsprobleme, an denen Oleander ohnehin leidet, können sich in dieser Rückzugsphase zum vollständigen Versagen der Geisteskräfte steigern: Er kann nicht mehr lesen Th 1, 16, kann kaum denken Th 5, ist stark benommen Th 14 und kann sich auf die bekanntesten Namen nicht besinnen Th 6. Er leidet an einer Art Blödheit, so dass er nicht versteht, was zu ihm gesagt wird Th 15. Er kann nicht mehr sprechen Th 13.
Möglicherweise nimmt er in dieser Phase noch so gerne Anleitungen und klare Regeln an, weil sie ihn davor bewahren, sich in der eigenen Phantasiewelt zu verlieren.
Nach einem Selbstmordversuch kann er sich keine Meinung mehr bilden über die Zeit, die seither verstrichen ist Th 5 – es ist, als ob sich sein Vorstellungsvermögen weigerte, noch an der diesseitigen Welt teilzunehmen.
Alterolyse
Oleander wird sicher eher in egolytische Stumpfheit verfallen als seinen Mitmenschen die Schuld an seinem Leiden zuzuweisen. Zornig wird er allenfalls über Vorwürfe und Kritik s. Anmerkungen.
Welche „Conditio humana“ lehnt er ab? Wo wünscht er sich Vollkommenheit?
Oleander will sein eigenes Gedankengebäude errichten Th 3, um dadurch eine Lösung für die Probleme des Daseins zu finden. Er gleicht darin dem griechischen Helden Dädalus, der sich dank seiner eigenen Erfinderkraft – er konstruierte aus Federn und Wachs ein Fluggerät – aus dem Labyrinth befreite, in dem er gefangen gehalten wurde. s. Anmerkungen
Oleander wertet also das Denken zu hoch und vernachlässigt andere Funktionen wie Instinkt oder Intuition. Er begreift nicht, dass es einen Zugang von verschiedenen Seiten braucht, um zu wirklichem Verstehen zu kommen.
Auch Konkurrenz und Kritik verschmäht er – obwohl beides den eigenen kreativen Prozess fördern könnte. Dädalus ermordet seinen Neffen und Lehrling Perdix, weil dieser sich als sehr geschickt erweist.
Wo erlebt er deshalb ein Nichtgenügen, einen Verlust?
Oleander erleidet einen zentralen Verlust im Zusammenspiel des Denkens mit anderen Funktionen der Wahrnehmung:
Einerseits beobachtet er seinen eigenen Denkprozess und kann sich daher nur schlecht konzentrieren: Er liest und möchte gleichzeitig darüber reflektieren, wie es um sein Verständnis bestellt ist. Selbst geschaffene Gedanken schwirren ihm durch den Kopf und stören ihn beim Lesen, er verliert den Zusammenhang Th 1, 3.
Andererseits ist er gespalten zwischen Kopf und Herz: Was er denkt und empfindet, stimmt nicht überein Th 32. Die Emotionen machen, was sie wollen: Er wird unkontrolliert zornig, bereut dies aber, sobald er darüber nachdenkt Th 9.
Was empfindet er infolge der Ablehnung als Bedrohung oder als Strafe?
Weil sein Anspruch, die Welt allein durch das Denken zu entschlüsseln, so einseitig ist, befürchtet Oleander ständig, dass andere Eindrücke ihn überfluten oder stören könnten. Daher rührt sein ängstliches Gefühl ums Herz, ohne dass er ängstliche Gedanken hat Th 32. Beim Lesen befürchtet er, dass der Geist den Inhalt des Buches nicht zu erfassen vermöge Th 1.
Auch körperliche Schmerzen kann er über das Denken nicht kontrollieren, es ängstigt und erschreckt ihn zutiefst, wenn ihm irgend etwas weh tut Th 28, 39.
Wie könnte sich ein bewusster Umgang mit der Grundproblematik darstellen?
Oleander zeichnet sich durch eine echte Kreativität aus, die dann produktiv wird, wenn er lernt, sie mit den Anforderungen der Aussenwelt in Übereinstimmung zu bringen. Dann findet er phantasievolle Lösungen auch für Aufgaben, die von anderen an ihn herangetragen werden.
Weil Oleander seinen Gedankengebilden mehr Beachtung schenkt als seinen Herzens-impulsen, entsteht ein Gefühl von Mattherzigkeit, als sollte er mit jedem Odem die Seele aushauchen Th 10. Dem gegenüber steht eine kompensatorische Empfindung – als wenn er jeden Pulsschlag des Herzens durch die ganze Brust schlagen fühlte Th 30.
Ein weiterer Gegensatz zeigt sich in der Leerheit der Brust wie ausgeweidet und dem Gefühl von Erweiterung und Erhebung daselbst Th 31. Es scheint, als ob die Brust-symptome von Oleander seiner Kopflastigkeit entgegenwirkten. Auch das Dehnen und Recken des Oberkörpers und der Glieder, ein allgemeines Wohlbehagen gewährend Th 29, gehört zu diesen kompensatorischen Symptomen.
Beim Gehen im Freien entsteht ein Schwindel, bei dem er einen festen Stand hat, aber die Gegenstände, Bäume und Menschen scheinen so unter einander zu schweben wie in einem verwirrten Tanze Th 17: Die Eindrücke der Aussenwelt geraten mit seinen selbst geschaffenen Phantasiebildern durcheinander, er verliert auch hier – wie beim Lesen Th 3 – den Zusammenhang. Trotzdem hat er dabei einen festen Stand. Ein weiteres Symptom beschreibt: wenn er gerade steht, und auf die Erde sehen will, so wird's ihm schwindlig, sieht er aber gerade vorwärts, so empfindet er nichts davon Th 20. Es fällt Oleander also schwer, den "Bezug zum Boden" herzustellen.
Beim seitwärts Sehen wird es ihm dunkel vor den Augen Th 19. Auch dieses Symptom unterstreicht, dass er sich von äusseren Eindrücken nicht zu sehr ablenken lassen darf.
Das Berührtwerden von der Aussenwelt spiegelt sich im Gefühl eines kühlen Hauches oder, als wehe ihn ein kalter Wind an Th 25. Sprichwörtlich weht ihm der "raue Wind" der Realität ins Gesicht.
Grosse Empfindlichkeit auf der Haut des ganzen Körpers, von wenigem Reiben der Kleider wird er wund Th 35: Die Schwierigkeit im Kontakt mit der Aussenwelt macht sich auch in dieser Hypersensibilität bemerkbar.
Dass Oleander ein vernachlässigtes Körperbewusstsein hat, zeigt sich unter anderem in seiner Appetitlosigkeit trotz Hunger. Er mag dem Körper die geforderte Speise nicht geben. Er isst mehr mit Unbehagen als mit Vergnügen Th 37.
In der Stube erlebt er ein beissendes Jucken in der Nase, als wenn Rauch da wäre Th 27. Der Rauch ist einerseits ein Symbol für zeitliche und räumliche Ausbreitung, was den oleander'schen Gedanken-Gefilden sicher entgegenkommt. Er ist jedoch auch Zeichen für die Nichtigkeit von Ruhm Ldts. Eine andere Facette also, welche Oleander durchaus in der Nase jucken könnte, da er doch von der Einzigartigkeit seiner Gedankenwelt lebt.
Eine ähnliche Problematik wie bei Oleander finden wir bei Viola odorata. Dieser will seinen eigenen Denkprozess beobachten und verliert dabei den Zusammenhang. Er legt Wert auf ein lineares, zielgerichtetes Denken. Kreative Ideen, welche Oleander zwecks Errichtung einer eigenen Gedankenwelt willkommen sind, lehnt er ab. RMM 2
In Bezug auf Anleitung und Anweisungen erlebt Ammonium muriaticum eine ähnliche Ablehnung. Er ist jedoch eher der tatkräftig handelnde, als der erfinderisch denkende Mensch. Wo Oleander an seiner Denkfähigkeit zweifelt, verrennt sich Ammonium muriaticum in sinnlosen Versuchen und ungeschickten Neuerfindungen. RMM 1
Aethusa hat wie Oleander keinen Zugang zu seinem Instinkt. Er fühlt sich jedoch von dieser abgetrennten, triebhaften Seite des menschlichen Daseins bedroht, hat Angst, die Kontrolle darüber zu verlieren. Er kompensiert diesen Zustand, indem er sich mit einer aussergewöhnlichen Liebe der Tierwelt zuwendet, während sich Oleander in seine Gedankenkonstrukte flüchtet. RMM 1
ZUR SUBSTANZ
Nerium Oleander, Rosenlorbeer (Familie: Apocynaceae)
ANMERKUNGEN
Dädalus (von griech. daidallein - kunstvoll arbeiten) ist eine Figur der griechischen, insbesondere der kretischen Mythologie um den König Minos.
In der Mythologie ist er ursprünglich ein athenischer oder attischer Erfinder, Baumeister, Künstler und Handwerker (…) Seine Künste waren weit bekannt, die von ihm gestalteten Figuren sollen lebensecht gewesen sein. Sein Neffe Perdix wurde zu Daidalos in die Lehre geschickt. Der Junge stellte sich als so klug heraus, dass Daidalos ihn aus Neid eine Klippe hinunterstürzte. Athene rettete den Jungen und verwandelte ihn in ein Rebhuhn (heute: Perdix Perdix). Der athenische Areopag verbannte daraufhin Daidalos, dieser fand jedoch Asyl auf der Insel Kreta. Dort errichtete er auf Verlangen des Königs Minos ein Labyrinth, in dem das stierköpfige Ungeheuer Minotaurus gefangen gehalten wurde.
Am bekanntesten ist die Geschichte seiner Flucht von der Insel. Daidalos hatte Ariadne den Hinweis gegeben, der später Theseus nach seinem Kampf gegen den Minotaurus zugute kommen sollte: Theseus bediente sich eines abgewickelten Garnknäuels, um das Labyrinth wieder zu verlassen (des Ariadnefadens). Zusammen mit seinem Sohn Íkaros (lat.: Icarus) wurde Daidalos deswegen von Minos in das von ihm selbst errichtete Labyrinth eingesperrt. Gefangen schuf Daidalos aus Federn von Vögeln und dem Wachs der Kerzen Flügel für sich und seinen Sohn und flog mit ihm davon. Ungeachtet der Warnungen seines Vaters stieg Ikaros zu hoch und kam dem Sonnenwagen zu nahe. Das Wachs zwischen seinen Flügeln schmolz, und er stürzte ins Meer (…)
Daidalos fand schliesslich auf Sizilien beim sikanischen König Kokalos Zuflucht und machte für diesen noch viele Erfindungen. wikipedia
Fall von Dr. Simonne Fayeton:
16.2.1987: Vierzehnjähriger Junge, sehr empfindlich gegen Vorwürfe, die bei ihm schrecklichen Zorn auslösen. Er arbeitet viel, korrigiert, ist pingelig, dies erschöpft ihn: "Was er spontan macht, ist besser als das, worauf er seinen ganzen Fleiss verwendet", sagt die Mutter.
Peinlich genau in seiner Arbeit, allerdings nicht in seinem Zimmer.
Seine einzige Zerstreuung: Zeichnen! Das macht er sehr hübsch, sehr phantasiereich. Er kann nichts zeichnen, was man ihm vorschreibt, weil es nicht seiner Vorstellung entspringt.
Er macht eine schöne Zeichnung und ein Dämon in ihm treibt ihn dazu, sie zu zerreissen. Er hat kein Selbstvertrauen.
Wenn er seinen Tagesablauf verändert, zum Beispiel mal später aufsteht, ist er ganz verstört.
Er hat nie gespielt: "Abgesehen von seinen Papieren und Farbstiften habe ich ihn nie mit etwas spielen sehen."
Er sucht Streit mit seinem Bruder.
Er liest nicht gerne. "Was passiert denn, wenn du liest?" – "Ich gerate ein wenig in Verwirrung."
Er käut seine Aufgaben hundertmal wieder, trotzdem geht nichts in seinen Kopf rein.
Er kann über eine Kritik in schwärzesten Zorn geraten, das kleinste Dingelchen, das man ihm sagt, fasst er wie eine Beschimpfung auf.
"Dieses Jahr ist es schwierig im Französischunterricht, weil wir logische Aufsätze machen müssen und nicht mehr unserer Phantasie folgen können."
Er packt nichts an, "praktische Arbeiten sind nicht für ihn gemacht."
Oleander XM.
27.4.1987: "Dieses Mittel hat mir gewaltig gut getan!"
Er verliert weniger Zeit bei seiner Arbeit, er macht sich weniger Sorgen und ist effizienter; die Englischnote ist um zweieinhalb Punkte gestiegen.
1.7.1987: Er hat seine Zwischenprüfung bestanden. Seine Lehrer finden ihn verändert. Er ist nicht mehr aggressiv, versteht sich gut mit seinem Bruder und ist nicht mehr so leicht beleidigt.
Juni 1990 Abitur mit dem Vermerk "befriedigend".
QUELLEN
Überarbeitung im Rahmen der Arzneimittelstudiengruppe Olten, Juni 2006
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A
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AFADH
RMM
LdtS
Bild
|Hahnemann Samuel, Reine Arzneimittellehre, 4. Nachdruck, Heidelberg 1989, Band 1|
Hering Constantin, The Guiding Symptoms of our Materia Medica, New Delhi 1989, Band 8
Allen T.F., The Encyclopedia of pure Materia Medica, New Delhi 1988, Band 7
Trinks / Müller, Handbuch der homöopathischen Arzneimittellehre, Band Il, Nachdruck, Burgdorf 1984
Association Française pour l'Approfondissement de la Doctrine Homéopathique, Cahiers de Doctrine depuis 1984
Studer Susanne, Ostermünchner Esther, Revidierte Materia Medica Homoeopathica Band 1, 2, HIZ, Hägglingen 2002, 2005
Cooper, J.C., Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole, Wiesbaden 1986
Esther Ostermünchner