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„Minjan heißt, es müssen zehn Männer anwesend sein, damit ein Gottesdienst in einer Synagoge stattfinden kann. Am Morgen warten wir ... du mußt einen kühlen Kopf bewahren und hoffen, daß der zehnte kommt... Ein Israeli kam vor einigen Wochen herein. Er konnte aber nur für zehn Minuten bleiben. Also mußten wir durch den Gottesdienst hetzen...“
Dies ist nur eine der Anekdoten, die sich um die chassidische Gemeinschaft Bcth Yitz- chok im ältesten jüdischen New Yorker Quartier rankt. Joseph Jacobsohn, unser Fahrer durch die Lower East Side, hat noch einige andere auf Lager. Er schätzt die Kameradschaftlichkeit in der Synagoge, die er zweimal wöchentlich aufsucht, ihr aber nach gegebener Zeit fluchtartig auch wieder entrinnen muß. Rabbi Meshulm Rottenberg hebt die liberale Offenheit seiner Synagoge hervor. Seine Frau Nedivah, die - ursprünglich katholisch - zum jüdischen Glauben konvertierte, ist sehr religiös, ohne aber deshalb ihr kritisches Bewußtsein gegenüber Glaubensfragen aufgegeben zu haben. Der streng orthodoxe Bensch Welz, der alle koscheren Lebensmittel probiert hat, aber noch nie im Kino war, wartet darauf, dem „Mädchen fürs Leben“ vorgestellt zu werden, während Jäcobsohn, vierzigjähriger Single, sich mit den Heiratsofferten, die ihm seine Bekannten unterbreiten, eher widerwillig herumschlägt.
Witz, (Selbst-)Ironie und vor allem „Menschlichkeiten“ durchdringen die ganz persönlichen Lösungen, wie Glaube und Alltag bei jedem und jeder einzelnen in Einklang gebracht werden. So knifflige Fragen, wieso an Shabbes zwar die Rolltreppe, aber nicht der Lift benutzt werden darf, oder weshalb man auf einen Fehler, nämlich das Licht auszuknipsen, nicht noch einen zweiten, nämlich das Licht wieder anzuknipsen, begehen soll, können zwar nicht ausdiskutiert werden, vermitteln aber doch ansatzweise einen Eindruck von den komplexen Interpretationsmöglichkeiten des jüdischen Glaubenstextes sowie den Schwierigkeiten, ihn zu befolgen. Das kleine, feine, filmische Dokument, in unprätentiöser Videomanier gedreht, gewährt Einblick in eine sonst eher als verschlossen geltende religiöse Gemeinschaft, deren Angehörige man ins Herz schließt und nur ungern am Ende des 24minütigen Films gehen läßt.