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|Abt Otmar (719-759)

Abt Otmar
Otmar, 719-759. Wann und wo Otmar geboren wurde, findet sich in keiner Quelle, auch nicht, wer seine Eltern waren. Daß er ein Graf von Ems (Ems bei Chur oder Hohenems im Vorarlberg) gewesen sein soll, ist eine späte Erfindung. Sicher war er alemannischer Abstammung. Schon als Kind wurde Otmar von seinem Bruder nach Chur gebracht und Praeses Viktor zur Erziehung anvertraut. Vielleicht waren es verwandtschaftliche Beziehungen zu Teusinda, der aus Alemannien stammenden Gattin Viktors, die Otmar nach Chur führten. Vielleicht war auch ein alemannisch-fränkischer Gegensatz verantwortlich, daß er am Hofe von Chur ausgebildet wurde. Nach der Priesterweihe wurde er von Praeses Viktor einer Florinskirche vorgesetzt, die vermutlich in Chur oder in Walenstadt zu suchen ist. Für letzteres kann die Nachricht, daß sich Otmars Ruf weitherum verbreitet habe und Waltram am Bodenseeufer auf ihn aufmerksam geworden sei, als Indiz gewertet werden, wie auch die Tatsache, daß bereits im 13. Jh. in Quarten, das zu Walenstadt pfarreigenössig war, eine Otmarskirche nachgewiesen werden kann. Im Jahre 719 erbat der Tribun Waltram, der letzte Kastellkommandant von Arbon, von Praeses Viktor den Priester Otmar als Vorsteher für die von Gallus gegründete Einsiedelei an der Steinach, die durch die Franken schwer geschädigt worden war. Nach der Vita s. Galli war Waltram Eigenkirchenherr von St.Gallen und präsentierte auf Betreiben des alemannischen Herzogs Nebi seinen Schützling Otmar dem Hausmeier Karl Martell, demer die Zelle tradiert hatte, damit sie Otmar mit höchster Autorität und Sicherheit anvertraut würde. Otmar gelang es, die Einsiedelei des hl. Gallus zu einem coenobitischen Zentrum umzuformen; in einer Urkunde aus der Zeit von 720 bis 737 wird St.Gallen erstmals monasterium genannt. Am 30.8.744 erscheint Otmar erstmals als Abt. In der Zeit von 719 bis 759 werden bereits 53 Professen verzeichnet. Unter den baulichen Erweiterungen war das etwas abseits errichtete St.-Otmar-Spital bedeutend, das als ältestes Leprosenspital im Gebiet der heutigen Schweiz gilt. Zahlreiche Schenkungen in ganz Alemannien vermehrten den Besitz des Klosters. Otmar bemühte sich, das Verhältnis zu den karolingischen Herrschern und den fränkischen Machthabern möglichst distanziert zu halten. Doch nach der blutigen Unterwerfung Alemanniens 746 konnte sich das Galluskloster ihrem Einfluß nicht mehr entziehen, und Otmar wurde genötigt, Pippin aufzusuchen. Wohl erhielt er von ihm Güter, eine Glocke, tributpflichtige Untertanen im Thurgau und im Breisgau geschenkt, doch mußte er sich andererseits dazu verstehen, in seinem Kloster anstatt der bisher befolgten Mischregel die Benediktsregel einzuführen. Er scheint sich gegen weitere fränkische Bevormundung, vor allem durch die Grafen Warin und Ruthard gewehrt und sich dadurch deren Feindschaft zugezogen zu haben. Mit ihnen verbündete sich ein weiterer Gegner, Bischof Sidonius von Konstanz, der danach trachtete, aus St.Gallen ein bischöfliches Eigenkloster zu machen, um so Hand auf dessen beträchtlichen Grundbesitz legen zu können. Der Macht dieser Feinde war Otmar nicht gewachsen. Wie er 759 bei Pippin gegen die Grafen klagen will, wird er unterwegs von ihnen gefangen gesetzt, vor ein Gericht gestellt und zum Hungertod auf der Königspfalz Bodman verurteilt. Dank einem einflußreichen Mann namens Gozbert, einem Grundbesitzer im nahen Eschenz, der zwar Franke oder zumindest Parteigänger der Franken war, wurde das Todesurteil in eine lebenslängliche Haft auf der Insel Werd umgewandelt. Kurz nach dieser Gefangennahme, am 16. November 759, starb Otmar auf der Insel. Zehn Jahre nach dem Tode Otmars wird seine Leiche von Werd nach St.Gallen übergeführt und in der wohl von Otmar gebauten Kirche beigesetzt. 83o werden seine Gebeine während des Neubaues der Galluskirche in die Peterskirche transferiert, dann wieder in die Galluskirche. Am 24.9.867 erfolgte die endgültige Überführung der Gebeine in die von Salomon 1. von Konstanz eingeweihte Otmarskirche. Bereits um 83o schrieb der Diakon Gozbert die erste Otmarsvita. Die verschiedenen Translationen waren der Otmarsverehrung sehr förderlich. 878 wird Otmar erstmals neben Gallus als Klosterpatron genannt. Im 13. Jh. erscheint er neben Gallus im Konventsiegel von St.Gallen.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)