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Breiner's Spot(t)light
Die Metropole an der Limmat, die meint, sie hätte das Zeug zur Grossstadt, will Zeichen setzen, auch architektonische. Und so meinen manche Kräfte, auch liberale und sozialdemokratische, dass Abriss Aufbruch bedeutet. Das war schon 1971 so, als man in Zürich das klassizistische Gebäude an der Bahnhofstrasse 1 abriss, in dem die Wiener Werkstätte von 1917 bis 1919 ein kurzes «Gastspiel» gab.
Und so war es 2013, als der Staat, sprich Stadt und Kanton Zürich, dem historischen Güterbahnhof den Garaus machte. Der Kopfbau, im Lauf eines Jahres (1896/97) auf einem 100 000 Quadratmeter grossen Gelände errichtet, umfasste unter anderem eine 400 Meter lange Empfangshalle, 9,5 Kilometer Gleise, davon 500 Meter überdeckt, und beschäftigte rund 500 Mitarbeiter. Infolge des Ersten Weltkriegs wurden bereits 1916 mehr als eine Million Tonnen Ware umgeschlagen. Dies sind nur wenige Fakten über diesen historischen Komplex zwischen Zürich-Wiedikon und Oerlikon. Der Güterbahnhof war seinerzeit der modernste und grösste seiner Art in Europa.
Und ab 2000 ging's bergab. Zürcher Bevölkerung und Behörden (Stadt und Kanton) beschlossen, ein neues Polizei- und Justizzentrum (PJZ) inklusive Gefängnis auf dem Areal des Backstein-Güterbahnhofs aus dem Boden zu stampfen. Im Mai 2013 begann der Abbruch (siehe Dokumentarfilm «Nemesis»). Von kulturellem, architektonischen oder historischem Bewusstsein bei massgeblichen politischen Kräften keine Spur.
Ähnliches muss man nun auch bei der Diskussion um Abbruch, Umbruch oder Aushöhlung des Zürcher Schauspielhauses beobachten. Bei Stadtpräsidentin Corine Mauch und anderen willigen Abbruch-Befürwortern vermisst man kulturelles, historisches Bewusstsein. Muss man nochmals betonen, welche antifaschistische Rolle dieses Theater während des Nazi-Regimes spielte?
Privatmann Ferdinand Rieser, Begründer und Betreiber, hatte gegen den Willen bürgerlicher Schichten, inklusive der damaligen SP, aber auch einheimischer Schauspieler sein Emigranten-Ensemble mit Therese Giehse, Wolfgang Langhoff verteidigt und protegiert. Dank der Dissertation von Peter Exinger (siehe Buch mit Ute Kröger: «In welchen Zeiten leben wir!», 1998, Limmat Verlag) und dem Roman «Stürmische Jahre», 2017, dtv) von Eveline Hasler wären Riesers Verdienste wohl vergessen geblieben.
Den politischen Abbruch-Verfechtern und andere Gleichgesinnten fehlt es an historischem Bewusstsein – Technik, Modernisierung und Image-Ambitionen hin oder her. Mit solchem Ansinnen und Planen erweist sich die vermeintliche Weltstadt Zürich einen Bärendienst – zu engstirnig und zu wenig weitsichtig. Heisst hier Fortschritt einmal mehr Abbruch zum Aufbruch? Fatal.
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Wie mühsam der Weg zur Gleichberechtigung war und ist, zeigt auch der Spielfilm «On the Basis of Sex» (siehe Filmkritik). Nein, mit Sex hat dieser Justizfilm mit einer überragenden Felicity Jones als Ruth Βader Ginsburg (RBG) nichts am Hut, sondern mit Geschlecht und Ungleichheit vor dem Gesetz.
Der Männlichkeitswahn grassiert zwar weiterhin – auf politischer wie gesellschaftlicher Ebene (siehe Totalitäten wie Trump, Putin und andere Herrschaftskonsorten) – aber Frauen erobern sich jetzt zumindest im Kino männliche Positionen. Zugegeben, es gab Amazonen und Heldinnen wie die Weltraumagentin «Barbarella» (1968), verkörpert durch Jane Fonda, bereits vor 50 Jahren. Meistens dienten die augenfälligen Bond-Girls freilich als Nebenfiguren (Ursula Andress), Konkurrentinnen (Grace Jones) oder Gespielinnen (Sophie Marceau, Halle Berry, Eva Green, Olga Kurylenko u.v.a.).
So richtig in Fahrt sind die Superfrauen aus dem Comicreich erst in jüngster Zeit gekommen. «Wonder Woman» (2017) aus dem Comic-Grossverlag DC machte den Anfang. Die Amazonen-Prinzessin musste aber über 75 Jahre warten, bis sie ihren eigenen grossen Kinoauftritt hatte. Die Israelin Gal Gadot verkörperte die attraktive Kriegerin. Vor kurzem machte die Manga-Ikone «Alita» die Leinwand unsicher. «Battle Angel» heisst der Streifen mit Rosa Salazar und Christoph Waltz. Das Cyber-Punk-Abenteuer ist visuell spektakulär, mit wilden Kampfszenen gespickt, von Robert Rodriguez im Stil eines James Cameron inszeniert, der die Filmrechte am Manga-Stoff «Alita» bereits vor 20 Jahren gekauft hatte.
Richtig grosse Kasse macht nun aber ein Comicprodukt aus dem Marvel-Universum: «Captain Marvel» (siehe Filmkritik). Allen Unkenrufen zum Trotz hat die «Kapitänin» auch männliche Besucher massenweise angezogen. Die Powerfrau, die von der Pilotin Carol Danvers (Anno 1995) zu Captain Marvel (oder Mar-Vell) mutierte, ist eine Kampfmaschine mit ungeheuren Energiekräften. Sie hat menschliches (irdisches), aber auch Kree-Blut, also ausserirdisches, in ihren Adern, bestens zur Schau gestellt von Brie Larson. Zur Vertiefung empfiehlt sich das Comicbuch «Captain Marvel. Die ganze Geschichte» (panini comics).
Der weibliche Bond im Marvel-Space-Universum macht also Kasse – und wie! Rund 150 Millionen Dollar soll das explosive Spektakel gekostet und am Startwochenende locker eingespielt haben. Weltweit meldet die Walt Disney Company Einnahmen von 455 Millionen Dollar, in den USA 153 Millionen und die Schweiz verbuchte 1,2 Millionen Franken Umsatz.
Hollywood, hör die Signale: Auch Frauen können Kasse machen. Nebenbei, interessant ist, dass sich Oscar-Preisträgerin Brie Larson («Room») nicht zu schade war, in die kriegerische Comicwelt einzutauchen. Die Kämpferin für Gleichberechtigung hat Kampftraining absolviert, sich selbst herausgefordert und in der 21. Marvel-Verfilmung einen Kraftakt für die Frau geleistet, auch wenn wie meistens im Actiongenre Fäuste, ausserirdische Kräfte und gigantische Waffen wüten. Gleichwohl, ein Wendepunkt im Kino?
Tatsache ist aber, dass auch wenn die Zahl der Frauen weltweit zunimmt, doch allzu viele Kaderpositionen noch von Männer besetzt und verteidigt werden. Die Gleichberechtigung bleibt ein Ideal, das noch zu erobern ist. Der Tag der Gleichstellung der Frau am 26. August setzt ein weiteres Zeichen. Auch wenn Frauen mal abheben, werden sie cleverer sein und nicht abstürzen wie einst der männliche Himmelsstürmer Ikarus.