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Mit seinem hohen quadratischen Turm mit vorragendem Geschoss, Zinnen und Pyramidendach bildete das 1339 als Hertor genannte Stadttor vor den Steinen den Abschluss Grossbasels gegen das Birsigtal. Für Ausbesserungen am Tor erhielten 1391 Meister Meyer 3 Pfund und seine Knechte, „die im helffent“, 1 Pfund. 1430 belegte Meister Lawelin den Turm mit einem prächtigen Ornament, das ein „crutzifix und vier bilden“ zeigt; ebenfalls im 15. Jahrhundert wurde der Torweg nach aussen durch einen Vorbau verlängert. Eine auf einem kleinen steinernen Pfeiler ruehnde Fallbrücke verband das Tor mit dem jenseits des Wassergrabens liegenden Vorhof; und unter zwei tief gesetzten, mit Fallgattern versehenen Rundbogen, die den vom schmalen Spitzturm geteilten Wehrgang trugen, stürzte links vom Tor der Birsig in die Steinenvorstadt. Diese Fallgatter waren bei niedrigem Wasserstand für Eindringlinge ein leicht zu nehmendes Hindernis, denn sie lagen nicht im Blickwinkel der Schildwache. 1519 „kam ein sollich ungestum grosz wetter mit regen, das desglich nie erlebt wasz by unseren zitten“, durch das der Birsig den Schwibbogen beim Tor wegriss; zur Deckung der Aufbaukosten wurde eine Steuer erhoben, die 21 Pfund einbrachte.
Das Steinentor galt stets als der am wenigsten benützte Stadteingang, wie Daniel Burckhardt anmerkte, und wurde z.B. noch im 19. Jahrhundert im Winter wie das St. Alban- und das Bläsitor früher geschlossen als die „Sperrtore“, die gegen Entrichtung eines Sperrgelds auch während der Nacht passiert werden konnten.
Der im malerischen, seit 1547 von den höher gelegenen Bollwerken „Dorn im Aug“ und „Wag den Hals“ gesicherten Turm wohnende Torzoller bezog 1822 einen Wochenlohn von 18 Batzen, wozu die Nutzung des vor dem Tor liegenden Rebgeländes kam, was zum Leben nur ausreichte, wenn die Frau durch Heimarbeit mitverdiente. 1831 wurde die an die Aussenseite des Tors angebaute Wachtstube, ein kleiner Riegelbau, durch ein grösseres Gebäude ersetzt, das im Parterre Wachtlokal und Offizierszimmer und im ersten Stock die Torschreiberwohnung enthielt. Auf Begehren der Anwohner ging 1842 das vier Jahre zuvor gestellte Gesuch nach einer Turmuhr in Erfüllung, wie bei dieser Gelegenheit auch der Turm erhöht wurde, dem man statt des gewohnten Zeltdachs nun einen Zinnenkranz aufsetzte. Schon im Sommer 1858 wurde der Abbruch des Steinentors und der dazu gehörenden Stadtmauer durch das Niederlegen des Wachthauses samt Umfangmauer und Torbrücke sowie das Auffüllen des in der Nähe des Tores liegenden Weihers eingeleitet. Das als Stadteingang am wenigsten benützte Tor selbst, „das nicht einmal einen eigentlichen monumentalen Charakter hat“, wurde im Herbst 1866 in Verbindung mit dem Nivellement der neuen Strasse am Steinengraben an die Binningerstrasse sowie an den Steinentorberg ohne jeglichen Widerspruch aus der Welt geschafft. Zum Abbruch bemerkte der damalige Kantonsingenieur J. Merian in seinem Jahresbericht: „Da unter dem Steinentor die Strasse ausgefüllt werden musste und auch das Trottoir des Steinentorberges in dieses verlegt werden sollte, hierdurch den diese Strasse hinunterkommenden Fuhrwerken, welche in die Stadt einzumünden die Absicht hatten, ein Umweg um den einten Pfeiler des Tores geboten wurde, so war es einleuchtend, dass dieses Tor, welches ohnehin tief stand und deshalb die umgebenden Häusergruppen nicht überragte; also dem dortigen Steinen Quartier keinen besonderen Charakter verlieh, zu Gunsten des erleichterten Verkehrs entfernt werden musste.“
Die raue Atmosphäre vor dem Steinentor griff nicht nur bei grausamen Exekutionen tief ins baslerische Volkstum, sondern auch dann, wenn im Schein der Höhenfeuer sich überschäumende Fasnachtsfreuden in wilden Szenen ergossen. Aber auch zum sportlichen Wettkampf fand sich die Bevölkerung vor dem Hertor ein, wie anno 1471 aus Anlass der Eröffnung der ersten Basler Messe, und bekundete damit, dass nicht primär diabolische Regungen sie zum Steinentor hinausdrängten, als vielmehr das Verlangen nach einem aussergewöhnlichen Ereignis, das die Monotonie des Alltags für einige Stunden unterbrach.