Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03631.jsonl.gz/1064

Die Küstenwache stand in den vergangenen Tagen heftig in der Kritik, weil sie Ende Februar einem Boot mit mehr als 150 Migranten zunächst nicht zur Hilfe gekommen war. Das Boot kenterte. Am Wochenende - zwei Wochen nach dem Unglück - zogen Einsatzkräfte die Leichen dreier Kinder und dreier Erwachsener aus dem Wasser. Insgesamt starben mindestens 79 Menschen, darunter 32 Kinder und Jugendliche, wie ein Kommandant der Carabinieri auf Anfrage bestätigte. Kritik gibt es weiterhin auch an der Rechtsregierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Wegen der schwierigen Wetterbedingungen und der vielen Menschen seien die Einsätze am Wochenende "aussergewöhnlich komplex" gewesen, hiess es von Seiten der Behörden. Immer noch trieben Migranten auf Booten, die eigentlich seeuntauglich seien, im Meer. Das Hilfsprojekt Alarm Phone berichtete am Sonntag, dass noch 47 Menschen in Seenot vor der libyschen Küste unterwegs seien. Die Menschen an Bord seien müde und hätten panische Angst. Seit Anfang Januar hat Italien nach offiziellen Zahlen bereits mehr als 17 000 Bootsmigranten aufgenommen - mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Unterdessen demonstrierten am Samstag etwa 5000 Menschen gegen das Sterben im Mittelmeer. Sie versammelten sich in der kalabrischen Stadt Steccato di Cutro, vor deren Küste sich das schwere Unglück vor zwei Wochen ereignete. Am Strand gedachten sie der Toten mit einer Schweigeminute. Einige Demonstranten hielten ein Kreuz in die Höhe, das aus den Trümmern des verunglückten Holzbootes gebaut wurde.
(AWP)