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Das Viertel Chandni Chowk in Old Delhi ist schön-lärmig und intensiv, voll gepfercht von Mensch und Tier, unzählige Mini-Shops, Restaurants und Take-aways reihen sich hier aneinander. Dass zwischen 9 Uhr morgens und 9 Uhr abends keine Autos zugelassen sind, löst nur vordergründig eine Verkehrsberuhigung aus. Chandni Chowk, ein faszinierendes indisches Theater, welches alle Sinne anspricht und beansprucht.
Auch bekannt als Moonlight Square, befindet sich Chandni Chowk in der Nähe des Bahnhofs Old Delhi und unweit des Red Fort Monuments. Die Strasse wurde im 17. Jahrhundert vom indischen Mogul Shah Jahan in Auftrag gegeben und von dessen Tochter, der Prinzessin Jahanara Begum, entworfen. Die lineare Allee ist 1,38 Kilometer lang und 36,5 Meter breit, eingerahmt von über 1500 Läden.
Zentral liegt der als Quadrat geformte Basar, dekoriert mit einem Wasserbecken. Darin schimmerte einst das Mondlicht, was zu seinem Namen führte. Im Jahre 1863 erbauten die Briten an dieser Stelle das Rathaus von New Delhi. Die Town Hall war Sitz der Municipal Corporation of Delhi und diente so bis Ende 2009. Und vor dem heute vor sich hindösenden kolonialen Gebäude wurde in den 1950er Jahren der Pool durch einen Glockenturm ersetzt. Davor thronte einst Queen Victoria; nach der Unabhängigkeit 1947 wurde ihre Statue vorsorglich ins College of Art verschoben.
Tramstation Basar
Eine weitere Episode waren die durch die Briten eingeführten Strassenbahnen. Bis 1921 gab es 24 eigentlich sehr umweltfreundliche Trams; sie vernetzten Alt- und Neu-Delhi. Mit ihrer fadengraden Streckenführung bot sich Chandni Chowk direkt an, ebenfalls mit Trams bedient zu werden. Obwohl sie als Relikt der britischen Ära galten, waren sie beliebt und die Enttäuschung war gross, als man den gesamten Trambetrieb im Dezember 1963 einstellte.
Mit einer gewissen Aufmerksamkeit können sich geübte Reisende selbst an der Chandni Chowk bewegen. Trotzdem lohnt es sich, beispielsweise über Getyourguide, einen lokalen Führer zu engagieren. Jibin George offeriert genau das, er holt die Gäste an ihrem Hotel ab und bringt sie bei Bedarf genau dorthin wieder zurück. Der aus Südindien stammende Jibin kennt Chandni Chowk wie seine Westentasche.
Er spricht mit den Menschen, schiebt sie bei Bedarf zur Seite, weiss auch was von den Strassenläden gegessen werden darf, und sucht für seine Vorträge schattige Ecken (im September kann es durchaus noch 41 Grad im Schatten sein). Vor allem kennt er die kunterbunte Geschichte dieser Gegend und warum Moscheen, Baptistenkirchen, Jainismus-Gebetshäuser sowie Buddhisten- und Sikh-Tempel scheinbar friedlich in engster Nachbarschaft liegen.
Fladenbrot und Tee
Zwischen Trockenobst, Silberschmuck, Attar (natürliche Parfüms) und bunten Saris, dekoriert von Elektroartikel und Haushaltgeräten, stellt Jibin zwei Highlights vor: Im «Paratha Chowk», versteckt in einer engen Seitengasse, werden gefüllte Paratha zubereitet; ein ungesäuertes Fladenbrot. Paratha setzt sich aus den Worten parat und atta zusammen und bedeutet Schichten aus gebackenem Teig. Die Zutaten wählt man vor Ort aus, das Produkt ist lecker und füllend.
Unweit davon kennt Jibin den Geschäftsführer Mehar, der den Spezialitätenladen Mehar Chand & Sons führt. Angeboten, und vertrieben in die ganze Welt, werden hier Tee, Gewürze, Kräuter und Nüsse. Das Familienunternehmen wurde 1917 gegründet und ist somit auch Teil der Geschichte Chandni Chowks.
Wenn man sich Zeit nimmt und die Muse hat, bietet Old Delhi genug Spektakel für einen ganzen Tag. Indien vibriert hier noch ein bisschen stärker und wer sich dem Treiben hingibt, bekommt die ganzen Emotionen geschenkt. Ausser dem McDonald, der nicht wirklich hierher passt: Die Einkaufsstrasse Chandni Chowk bietet ein herrliches Live-Theater.