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Der Autor
Stephen Baxter hat, soweit ich das bisher in Erfahrung bringen konnte, viele wissenschaftlich dominierte Science-Fiction Romane geschrieben. Manchmal mit anderen Autoren zusammen, manchmal – so wie hier – auch alleine. Letztere gefallen mir besser. Die Schreibe von Herrn Baxter ist flüssig und die wissenschaftliche Informationsdichte überschaubar. Genug, dass ein bisschen was hängen bleibt, aber auch nicht so viel, dass man das Buch gelangweilt und an tröge Schulstunden erinnert zur Seite legt.
Das Buch
Da ich dieses Mal ein E-Book bekommen habe kann ich zu einer Papier-Variante nicht viel sagen. Das E-Book ist auf jeden Fall klar gegliedert und man kommt über den Index in jedes Kapitel. Es gibt keine 3D-Animationen und auch keine nervigen „Helfer“ in einer der Ecken die mir durch das Buch helfen wollen. Es ist schliesslich einfach ein Buch, halt nicht auf Papier gedruckt.
Und so beginnt es:
„Es war ein schwerer Tag, an dem Bricas Kind, Cunovics Neffe, sich ins Leben quälte, ein schwerer, langer Tag der Geburt und des Todes. Und es war der Tag, wie Cunovic später glaubte, an dem die eisigen Finger des Webers an den Fäden des Zeitteppichs zu zupfen begannen.“
Zusammenfassung
Kurz: Eine Prophezeiung begleitet viele Generationen einer Familie.
Etwas länger: Nectovelins Mutter schreit unter Geburtsschmerzen eine sechzehn-zeilige Prophetie in lateinischer Sprache. Das wäre weiter nicht verwunderlich, könnte sie Latein. Als stolze Brigantin vor der grossen Invastion der Insel ist sie dieser Sprache aber nicht mächtig. Diese Prophezeiung zieht sich durch das Leben vieler Menschen die ihrer Familie entstammen. Manche lassen sich davon bestimmen, andere versuchen das Schicksal zu ihren Gunsten zu wenden.
Stil:
Stephen Baxter schreibt flüssig und „geschmeidig“. Soll heissen: Man liesst den Text und ohne dass man es merkt, lernt man noch was dabei. Z.B. dass der Wall, den Hadrian errichten liess nichts mit dem Vorgartenmäuerchen zu tun hatte, das heute die engste Stelle Schottlands ziert. Oder über die Entstehung des Christentums, aus der Sicht von Römern und Eroberten Völkern.
Der Text kommt nie Oberlehrerhaft daher, aber auch nicht seicht. Man ist dabei, wie ein Imperium sich seinem Zenith nähert und ihn teilweise überschreitet. Man „erlebt“ Geschichte und spürt das auch. Legt man das Buch zur Seite nachdem man es beendet hat, muss man sich erst wieder im Hier und Jetzt zurechtfinden. Jedenfalls ein bisschen.
Figuren:
Die Figuren sind allesamt glaubhaft. Vom totalen Ekelpaket über den Sklaven der freigekauft wurde und sich nur langsam einem normalen Leben nähert bis zu den Imperatoren, alle kommen sie völlig authentisch rüber. Man kauft ihnen ihre Freude, ihr Leid und ihre Zweifel, aber auch ihre Überzeugungen ab. Das was sie antreibt, könnte auch die Triebfeder für unser eigenes Handeln sein, insofern sind sie absolut realistisch und nicht bloss eindimensional.
Sprache:
Die Dialoge sind kurz, aber nicht zu knapp. Beschrieben wird einiges, da sehr viel Geschichte thematisiert wird. Aber das fällt nicht negativ auf. Handlung gibt es genug und die und auch die Stimmung der Charaktere wird durch die Sprache sehr klar rübergebracht. Ansonsten ist die Sprache unauffällig. Wenn jemand im Buch davon spricht, dass eine der Figuren „einfaches Latein“ spräche, dann kann ich mir darunter nur wenig vorstellen. Ausser vielleicht wenn man eine „gewählte und an Vokabeln reiche und reichhaltige Sprache“ dem „Gesabbel von einem Proll“ gegenüberstellen würde. Möglich, dass sowas damit gemeint ist.
Fazit:
Von mir 5 von 5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung. Und die Hoffnung, dass Band 2 – 4 in ähnlicher Weise weitergehen und nicht so enden wie die Zeit-Odyssee, die Baxter mit Arthur C. Clarke zusammen geschrieben hatte und deren Schluss auf den letzten Zeilen ermordet wurde. Aber das ist eine andere Rezi die erst noch geschrieben werden muss.