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Die Fundstelle Develier-Courtételle (Kanton Jura, Schweiz) liegt in einem vom Bach " La Pran" durchquerten Seitental des Delsberger Beckens im Juragebirge, auf einer Höhe von 450m. Die Siedlung wurde 1987 durch eine Sondierungskampagne im Rahmen des geplanten Baus der Autobahn A16 entdeckt. Zwischen 1993 und 1996 führte die Section d'archéologie der Office de la Culture eine 3,5ha umfassende Grossgrabung durch (Kap. 1). Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in fünf Bänden der Cahiers d'archéologie jurassienne veröffentlicht (CAJ 13 bis 17). Dieser erste Band der Serie befasst sich mit den Befunden und den Baumaterialien.
Die an der Fundstelle aufgedeckten Befunde sind stratigrafisch zum allergrössten Teil dem frühmittelalterlichen Horizont zuzuordnen. Der Erhaltungszustand der merowingerzeitlichen Schichten wurde weit gehend durch die ununterbrochene Aktivität des Baches bestimmt: stellenweise ganz erodiert, setzten sie sich andernorts aus mehreren aufeinander folgenden Ablagerungen zusammen (Kap. 2).
Die auf der Grabung angewendeten Ausgrabungstechniken und Analyseverfahren werden im Kapitel 3 kurz beschrieben. Die mikromorphologischen Untersuchungen, welche zum Verständnis von Bau und Funktion der Einrichtungen besonders wichtig sind, werden im Kapitel 19 vorgestellt.
Die Befunde bilden räumlich mehrere Gruppen, die als Gehöfte oder Arbeitszonen angesprochen werden (Kap. 4). Insgesamt sechs Gehöfte und vier Arbeitszonen liegen, durch Gräben und unbebaute Flächen voneinander getrennt, aneinander gereiht an den Ufern des Baches. Jede dieser Befundgruppen wird im Detail beschrieben (Kap. 5 bis 14).
Jedes Gehöft besteht aus mindestens einem Wohnhaus, das von mehreren Nebengebäuden - vorwiegend kleinen Vierpfostenbauten und Grubenhäusern - umgeben ist. Öfen, Feuerstellen, Gruben, Steinsetzungen und Abfallbereiche finden sich um- und innerhalb der Gebäude. Zusammensetzung und Belegungsdauer eines Gehöftes sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.
Die vier als Arbeitszonen angesprochenen Befundgruppen liegen ausserhalb der Gehöfte. Zwei - die Zonen 1 und 4 - sind vor allem mit der Eisenverarbeitung in Zusammenhang zu bringen. Die Funktion der zwei Übrigen konnte nicht genau festgelegt werden.
Mit einer Ausnahme befinden sich die sechs Öfen und vierundzwanzig Feuerstellen ebenfalls innerhalb der Gehöfte und einige der Feuerstellen sogar innerhalb der Häuser. Diese Einrichtungen dienen meistens der Aufbereitung von Nahrung oder als Wärme- und Lichtquelle. Die rund zwölf Ausheizherde oder Schmiedeessen, sowie die vier Schmiedestellen sind ihrerseits der Eisenverarbeitung vorbehalten, ein Handwerk, dass einen sehr wichtigen Platz innerhalb der Wirtschaftsstruktur der Siedlung einnimmt. Man trifft den grössten Teil der Befunde dieser Art in den zwei Arbeitszonen an, die mit der Eisenverarbeitung in Zusammenhang gebracht werden. Zu den eher ungewöhnlichen Befunden innerhalb der Siedlung zählen zwei Körpergräber und ein Brunnen.
Am Rande der Siedlung konnten zwei Befundgruppen beobachtet werden, die anscheinend direkt mit dem Wasserlauf in Zusammenhang stehen. Es handelt sich einerseits um eine Uferbefestigung südlich der Gehöfte 1 und 2, die aus mehreren, teilweise mit Rutengeflecht verbundenen Pfahlreihen besteht, und andererseits um eine nördlich der Arbeitszone 4 gelegene Gruppe von drei künstlichen Becken, die wahrscheinlich zum Wässern von Bauholz benützt wurden. Auch ein Textilhandwerksbereich an der Peripherie der Gehöfte 1 und 2 liegt direkt am Bach und ist durch Steinsetzungen mit dem Wohnbereich verbunden.
In den kleinen Feuchtgebieten, die sich in Bachufernähe gebildet haben, konnten sich z.T. Holzobjekte erhalten. Sie sind einer eingehenden Untersuchung unterworfen worden (Kap. 15). Die Architekturelemente und Bauabfälle erlauben es, sich ein genaues Bild der in Develier-Courtételle gebräuchlichen Holzverarbeitungsmethoden zu machen.
Gallo-römische Ziegel, Backsteine und Kacheln wurden im Frühmittelalter aufgesammelt und in der Siedlung bei der Einrichtung von Herdstellen und Öfen wiederverwendet (Kap. 16). Eine kleine Anzahl von Hüttenlehmbrocken konnte auch geborgen werden.
Der grossräumige Vergleich der in Develier-Courtételle ergrabenen Gebäudeplänen erlaubt es, viele ähnliche und zeitgleiche Befunde in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland aufzuzeigen (Kap. 17). Innerhalb der Siedlung kann mithilfe der vielen C14 Datierungen eine chronologische Entwicklung der lokalen Bautradition dokumentiert werden. So werden die eher kleinen, zweischiffigen Häuser des 6. Jh. im Laufe des 7. Jh. durch gedrungene, einschiffige Bauten ersetzt, die wiederum gegen Ende desselben Jahrhunderts von langen, zweischiffigen Gebäuden verdrängt werden. Anhand der beobachteten Grundrisse und architektonische Elemente wurde die zeichnerische Rekonstruktion einer gewissen Anzahl dieser Gebäude versucht. Eine Untersuchung der zeitgenössischen historischen Quellen, welche einen Einblick in die ländliche Architektur erlauben (Kap. 18), liefert schliesslich Ergebnisse, die in dieses Vorhaben einfliessen.
Übersetzung: Robert Fellner