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Ü. (in den Quellen auch Ürti oder Irti) heissen im Kt. Nidwalden - in Abgrenzung zu den Alpgenossenschaften - die genossenschaftlich organisierten Korporationen im Tal. Daneben sind auch die Bezeichnungen Korporation oder Genossenkorporation üblich. Die Ü. unterschieden sich von den Teilsamen in Obwalden durch ihre staatsrechtl. Funktionen.
Die hist. Entwicklung der Ü. sowie deren Forschungsgeschichte decken sich weitgehend mit denjenigen der Genossenschaft. Bis in die jüngste Zeit wird eine Parallelentwicklung zu Kirchenstrukturen postuliert. Demnach hätten sich im SpätMA die parallel zu den sog. Grosspfarreien Stans und Buochs bestehenden Markgenossenschaften in kleinere lokale Institutionen, eben die Ü., aufgespaltet. Die immer wieder als Beweise für diese These angeführten Quellen aus dem 13. und 14. Jh. beziehen sich jedoch entweder auf Pfarreigenossenschaften oder beschreiben Nutzungskonflikte zwischen bestehenden Ü. Im Gegensatz zu dieser Forschungsauffassung, die letzlich auf der überholten Markgenossenschafts-Theorie gründet, ist vielmehr davon auszugehen, dass sich die Ü. aus lokalen und nachbarschaftl. Hilfs- und Zweckverbänden entwickelten, in deren Rahmen gemeinsame landwirtschaftl. Aktivitäten kleinräumig organisiert wurden. Ab dem 14. Jh. erscheinen die Ü. jedenfalls als eigenständige lokale Institutionen.
Im SpätMA bildeten sich in Nidwalden 16 Ü. heraus, von denen 15 Anfang des 21. Jh. noch bestehen. Spätestens im 15. Jh. wuchsen die elf grösseren Ü. zu polit. Verbänden heran, lösten gemeinsam mit den Pfarreien die Hofgenossenschaften als lokale Herrschaftssubstrate ab und entwickelten sich zu Gebietskörperschaften mit staatsrechtl. Funktionen. Für diese elf Gebietskörperschaften, die gebietsmässig alle 16 Ü. umfassten (z.T. fielen sie mit diesen zusammen, z.T. bestanden sie aus mehreren Ü.), blieb die Bezeichnung Ü. gebräuchlich. Jede dieser elf Ü. stellte einen Richter des Elfergerichts und wählte eine gewisse Anzahl Landräte, die sog. grossen Ü. je sechs, die sog. kleinen Ü. je vier. Stimm- und wahlberechtigt waren nur die Ürtengeschlechter in ihrer jeweiligen Heimatürte; Angehörige von Ürtengeschlechtern, die nicht in ihrer Heimatürte wohnten, blieben ohne lokales Stimm- und Wahlrecht, landesfremden Niedergelassenen war die polit. Mitsprache ohnehin verwehrt. Bis um 1700 schlossen sich die Ü. voneinander und gegen fremde Zuzüger ab, sodass neue Geschlechter nur mehr ausnahmsweise aufgenommen wurden. Während der Helvetik waren kantonsfremde Schweizerbürger zwar gleichberechtigt, aber bereits 1803 beraubte der Kanton sie entgegen der Forderung des Landammanns der Schweiz wieder der polit. Mitbestimmungsrechte auf lokaler Ebene. Das Stimmrecht der ürtenfremden Nidwaldner Kantonsbürger hielt sich dagegen bis zum Ende der Mediation.
Die Bundesverfassung von 1848 zwang auch Nidwalden zur Einführung der polit. Gleichberechtigung. Die Kantonsverfassung von 1850 entzog den Ü. ihre staatsrechtl. Funktion und bestimmte elf Bezirksgemeinden, die sich zu einem grossen Teil mit den bisherigen Ü. deckten. Die Bezirksgemeinden (heute polit. Gemeinden) übernahmen zwar die öffentl. Aufgaben der Ü., nicht aber deren Vermögenswerte, die v.a. aus Land- und Waldbesitz bestanden. Diese teils ausgedehnten Güter verblieben den Ü., die als geschlossene Kreise nutzungsberechtigter Geschlechter bis heute bestehen. Die Ü. blieben dennoch Institutionen des öffentl. Rechts, die mit den Korporationsgesetzen von 1875 und 1992 eine kantonalrechtl. Grundlage erhielten.
Literatur
– A. Heusler, Die Rechtsverhältnisse am Gemeinland in Unterwalden, 1862
– J. Achermann, Die Korporationen von Nidwalden, 1980
– B. Zelger, Vereinigung der Nidwaldner Korporationen, 2005
– Nidwaldner Wochenbl., 2006, Nr. 3, 5, 7, 9
Autorin/Autor: Emil Weber