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was ist (k)ein kunstvolles Gedicht? >
Kunst ars arte art

lt is the function of the
artist to evoke the
William S. Burroughs
Kunst als hervorragendes Können
Beides spricht der Begriff "Kunst" an:
die bewundernswerten Fertigkeiten eines Menschen, die auf großen Kenntnissen und Übung beruhen, die Kunst des Arztes, des Handwerkers, der Artisten, Musiker, Sänger, Tänzer, Bildhauer, Maler, Dichter ...
die so geschaffenen (Kunst-) Werke
So galt einst: Was Gott erschaffen hat, ist Natur. Die Schöpfungen des Menschen sind Kunst.
Bei Homer ist der archaische Dichter der Vermittler der Kunst der Götter, von denen alle Kunst stammt - Hephaist und Athene haben z.B. den Schmied seine Kunst gelehrt
Nach Aristoteles entstehen Kunst wie Wissenschaft aus dem praktischen Zusammenspiel von Erfahrung (Wahrnehmung und Erinnerung) und deren Systematisierung, aus richtiger Planung und Berechnung. Kunst ist eine Nachahmung der Natur, eine Darstellung der exemplarischen kosmischen Ordnung.
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Kunst als die Fähigkeit, das Schöne erlebbar zu gestalten
Das Schöne nach dem Vorbild der Natur
Das ist die Welt der "schönen
Künste". Der Philosoph Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-62)
hat als Gegenstände der von ihm begründeten Wissenschaft der Ästhetik
"Mahlerei, Musik, Bildhauer- und Baukunst, Kupferstechen, und was
man sonst zu denen schönen und freien Künsten rechnet," genannt.
Er definierte die Erfahrung von Schönheit als das gefühlsmäßige, noch
nicht klar oder begrifflich erfasste Erkennen von Vollkommenheit. Die
Voraussetzungen zur Erfassung des Schönen bilden Genie, Enthusiasmus,
Begabung und natürlich Übung.
Ästhetik befasst sich mit der "Wahrheit des Sinnlich-Schönen".
Schönheit gilt als höchstes Gut. Sie kann im wahren Kunstwerk erlebt werden, in der vollkommenen Gestaltung, in der geistige und seelische Natur in Einklang sind.
Was ist das Schöne?
Ein unergründliches Geheimnis (Johann Joachim Winckelmann, 1755)?
Leider sind sich so viele schöngeistigen Diskurse selbst heute noch viel zu gut, um sich auf der Ebene naturgeschichtlicher Betrachtung darüber Rechenschaft zu geben, dass die Neigungen und Fähigkeiten der Menschen, "Schönheit" zu erfahren, neben unterschiedlichen kulturellen Prägungen, auch universell durch die biologische Entwicklungsgeschichte vorgegeben sind. Es gibt biologisch allgemein vorhandene Wahrnehmungspräferenzen auf allen Ebenen unserer Sinneserfahrungen und des Denkens, die uns etwas als schön, köstlich, wunderbar, harmonisch, vollkommen usw. erleben lassen. Sie entsprechen dem Bau und der Funktionsweise unserer Sinnesorgane, Reizleitungen und des Gehirns.
Warum wohl vermögen z.B. gewisse musikalische Darbietungen so viele unterschiedliche Menschen ganz unmittelbar in Leib und Seele zu erschüttern?
Solches Erleben betrifft selbst die Informationsverarbeitung beim logischen Schließen, welche uns die Auflösung von Widersprüchen u.ä. als befriedigend erleben lässt. Darum ist es falsch zu glauben, Schönheit sei nur sinnlich erfahrbar. Es gibt (biologisch begründet!) auch ein Erleben von Schönheit im Denken.
Natürlich sind diese biologischen Grundanlagen kulturell überformt worden, so dass Menschen je nach Kultur und Lebenserfahrung in unterschiedlicher, ja selbst in gegensätzlicher Weise Schönheiten erfahren.
Was würden wohl ein Hund, ein Löwe, eine Hauskatze als schön empfinden?
Im 18. Jh. gilt als Prinzip der Kunst die Nachahmung (nicht einfach der Natur als solcher, sondern) des Naturschönen (Charles Batteux, 1746). Die schönen Künste "erborgen ... die Züge der Natur, und stelle sie an solchen Dingen dar, denen sie nicht eigen sind" (Johann Christoph Gottsched, 1760). Schließlich wird das Schöne nicht nur abgebildet, sondern nach dem "Vorbild der Natur" neu geschaffen.
Ausdrücke wie "belles lettres", "beaux arts", "schöne Wissenschaften", "schöne/freie Künste" bringen die repräsentative Funktion der Schönheit zur Geltung.
Das Hässliche und das Absurde, in sich Widervernünftige, sind von der Kunst strikt ausgeschlossen. Kunst soll "Lust" auslösen (Kant) - das ist erträglich (und vermarktbar), solange man es ganz praktisch auffasst.
Die Bindung an das Schöne ist auch eine Befreiung vom Zwang zum Nützlichen, Vernünftigen.
Zwar begreift sich das Genie, welches das Schöne fasst, als freies Subjekt. Aber insgeheim bleibt es der Idee des göttlich-schöpferischen Weltgrundes, des "Ganzen", des "Allgemeinen", verhaftet. Die Kunst soll Vermittlerin sein, zwischen der freien Subjektivität und der allgemeinen Objektivität (Hegel): Die Schönheit der Kunst wird zwar aus dem subjektiven Geist geboren und gestaltet, doch in ihr erscheint zugleich die substantielle Wahrheit der objektiven Wirklichkeit.
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Das Schöne als autonome menschliche Schöpfung
Um die Wende zum 19. Jh. wird das "Kunstwerk" nicht mehr als Nachahmung der Natur konzipiert, sondern parallel zu ihr, als autonome Schöpfung des Schönen.
Schließlich mag die Kunst auch als Überwinderin der Wirklichkeit gesehen werden (Religionsersatz). Nietzsche setzt der Tragik des Lebens "die wahrhaftig ernst zu nennende Aufgabe der Kunst" entgegen mit dem Ziel, "das Auge vom Blick des Grauens der Nacht zu erlösen und das Subjekt durch den heilenden Balsam des Scheins aus dem Krampfe der Willensregungen zu retten" (1872), so können die üblen Erfahrungen in Schönheit umgewandelt werden.
Der junge Ludwig Tieck (1773-1853) fordert, das Leben
gänzlich in Kunst zu verwandeln:
„Wenn alle Menschen Künstler wären oder Kunst verständen, wenn sie das reine Gemüt nicht beflecken und im Gewühl des Lebens abängstigen dürften, so wären doch gewiß alle um vieles glücklicher. Dann hätten sie die Freiheit und die Ruhe, die wahrhaftig die größte Seligkeit sind" (Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders, Roman 1796/97)
"Nicht die Kunst ahmt das Leben nach, sondern das Leben die Kunst", postulierte Oscar Wide.
vgl. die romantische Perspektive >
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Die Ästhetik des distanziert-anschauenden Weltgefühls
Das ist die Position
des Ästhetizismus. Ihr entsprach auch die Haltung der "Kunst
um der Kunst willen".
Nietzsche meinte zwar: "- das ist ein gefährliches Prinzip: damit bringt man einen falschen Gegensatz in die Dinge, - es läuft auf eine Realitäts-Verleumdung (»Idealisierung« ins Hässliche) hinaus", denn "Kunst, Erkenntnis, Moral sind Mittel", mit dem Ziel der "Steigerung des Lebens".
"L'art pour l'art" (Victor Cousin, 1836) ist das Konzept einer sich von allen äußeren – moralischen, ethischen, religiösen, politischen, weltanschaulichen oder sozialen – Zweckmäßigkeiten freisprechenden Kunst, die sich vor allem in der "absoluten Dichtung" um Stéphane Mallarmé und André Gide fand der Ästhetizismus sein poetologisches Programm.
Ästhetizismus meinte keineswegs allein die Flucht in pure Schönheit, vielmehr zielte er ab auf ein distanziert-anschauendes Weltgefühl, welches das Leben als „ein bedeutsames Schauspiel" betrachtet, oder, wie Heine es beschrieb, eine Perspektive, die die Welt zu einem Gemälde transformiert, in dem der Betrachter, selbst darin gefangen, „hie und da von den Figuren desselben angelächelt" wird.
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Kunst als das Erschließen neuer Perspektiven der geistig-sinnlichen Wahrnehmung
Bereits die sehr alte Auffassung, Kunst hätte
die Aufgabe, die Natur abzubilden, fordert von ihr die Darstellung von
Teilaspekten unseres In-der-Welt-seins
- die "Darstellung" kann sich auch zum "Hinweis" verkürzen: Zeichencharakter der Kunst (schon bei Augustinus); das Kunstwerk verweist auf etwas Dahinterstehendes.
Doch zielt Kunst jetzt nicht mehr nur darauf ab, das Schöne, Vollkommene, herauszustellen, sondern Sichtweisen auf unsere Existenz zu finden, darzustellen oder anzuregen, die bisher nicht selbstverständlich gewesen sind.
Auch das Hässliche, Elend und Unglück sind nun ebenso Gegenstand der Kunst, wie das Hintergründige des Banalen, Selbstverständlichen, Alltäglichen und wie das Absurde der menschlichen Existenz.
Gegenstand der Kunst kann jede Frage der Wahrnehmung werden, wie eng oder weit die Perspektive auch immer gefasst sei, nicht nur die großen Lebensfragen.
Die Form wird dabei zum notwendigen Instrument der Perspektive, durch sie bekommt die einzigartige Sichtweise ihren Charakter.
Jeder wirklich künstlerische Akt ist im weiteren Sinne Kunst um der Kunst willen: Er will darstellen, nicht überzeugen!
bloße Erscheinungen, ohne perspektivischen Darstellungscharakter (Naturschauspiel, absichtsloses Verhalten)
alles Schon-Dagewesene, nur kopierte oder nachgeahmte Darbietungen, ohne jede neue Perspektive
propagandistische Pseudoperspektiven, die nicht eine neue Sichtweise innerer oder äußerer Welten bieten, sondern Heil oder Unheil predigen und in erster Linie darauf abzielen das Verhalten ihrer Konsumenten zu steuern
bloßes Ausleben von Gefühlen und persönlichen Befindlichkeiten ohne Darstellungscharakter neuer Sichtweisen
reine Effekthascherei aller Art (wozu auch die Kitsch-Definition gehören würde)
Auch das bloße Spiel mit Formen ist meistens Kunsthandwerk, keine künstlerische Schöpfung - jedenfalls eine Gratwanderung zwischen Fingerübung, Ornamentik, Effekthascherei und tatsächlicher Erschließung neuer Sichtweisen.
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Kunst als das, was die Kunstszene als Kunst verkaufen kann
Das ist nicht die lustvollste, aber bestimmt realistischste Definition der Kunst.
Kunst gerät in den harten Wind
der Gewinnmaximierung- Künstlerstars müssen auf dem Kampffeld der
Wirtschaft erzeugt werden: Managementkunst, Verkaufskunst ..., die Kunst
Medienmacht nutzbar zu machen ...
- no comment !
oder doch: die "Auflehnung" dagegen ...
"Kunst" wird zum
Kampfbegriff gegen den Zerfall der (Kunst-) Werte in Zeiten der
zunehmenden Massenproduktion und -Reproduktionen.
Museen u.dgl. sollten Bollwerke sein, gegen die ruhelosen Warenströme um die Welt,
Orte des kontemplativen Kunstgenusses, selbsternannte Hüter der Wahrheit der Kunst
Akademien und Preisverleihungsgremien, aber auch Kritiker als Medienstars, welche z.B. aus der unübersehbaren Flut der Belletristik die literarische Kunst aus dem seichten Strom der Nur-Unterhaltung ausfiltrieren - meist mit zweifelhafter Legitimation, aber dafür gesteigerten Verkaufserfolgen
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Kunst als Gestaltung von Leidenschaft aus dem Stoff der Welt
Postulat: Das Schöne, Vollkommene als Gegenstand der Kunst wird durch die Leidenschaft ersetzt.
Die Kunst ist nicht mehr bloß Überwinderin der Wirklichkeit, sondern ihre Schöpferin. Also wieder die Forderung des jungen Ludwig Tieck, das Leben gänzlich in Kunst zu verwandeln? Vielleicht weniger Forderung als Anspruch, als Not-Wendigkeit, weil sonst nichts übrig bleibt als Leere.
Die Wirklichkeit ist sinn-neutral, selbst die kulturellen und kollektiven Sinnangebote (die gesellschaftlich wirksame Wertewelt) werden erst lebendig, wenn sie von den Einzelnen schöpferisch ergriffen und zur eigenen Welt neu gestaltet werden.
Auch Naturwissenschaft und Technik
sind schöpferisch, gestalten eine neue Welt, schaffen neue Wirklichkeiten.
Auch in der Genauigkeit und Fähigkeit, die Welt abzubilden, die Natur
nachzuahmen, wurden von ihnen die traditionellen Künste und Philosophien
weit übertroffen.
Aber der Einsatz all dieser Mittel wird erst dann künstlerisch, wenn sie dazu dienen, aus der unbewusst-bewussten Inspiration des Künstlers Leidenschaft zu gestalten.
Leidenschaft ist gelebtes, erlebtes Leben in subjektiver Wertung.