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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

18. Buch
27. Das Zeitalter der Propheten, deren Weissagungen in Büchern vorliegen und die zu der Zeit, als das Römerreich seinen Anfang nahm und das der Assyrer unterging, viel über die Berufung der Heiden vorausverkündeten.
Um also die Propheten zunächst der Zeit nach festlegen zu können, müssen wir etwas weiter zurückgreifen. Am Anfang des Buches des Propheten Osee, der den Reigen der zwölf [kleinen Propheten] eröffnet, heißt es1 : „Wort des Herrn, welches an Osee erging in den Tagen des Ozias und Joatham und Achaz und Ezechias, der Könige von Juda.“ Auch Amos gibt an, daß er in den Tagen des Königs Ozias geweissagt habe2 ; er nennt überdies Jeroboam, König von Israel, der zu gleicher Zeit regierte. Ebenso stellt Isaias, der Sohn des Amos, sei es des ebengenannten Propheten oder — nach der gewöhnlichen Meinung — eines anderen Amos, der nicht Prophet war, sondern nur so hieß wie der Prophet, an die Spitze seines Buches als Könige, unter denen er geweissagt hat, dieselben vier Namen wie Osee3 . Und auch Michäas verlegt seine Weissagung in die gleiche Zeit nach Ozias4 ; er nennt dessen drei unmittelbare Nachfolger, die schon Osee angeführt hat: Joatham, Achaz und Ezechias. Diese also haben nach Ausweis ihrer Schriften gleichzeitig miteinander geweissagt. Zu ihnen kommen noch Jonas unter der Regierung des nämlichen Ozias, und Joel, der erst unter des Ozias Nachfolger Joatham weissagte. Doch haben wir die Zeit der beiden zuletztgenannten nur aus den Chroniken, nicht aus ihren Schriften erheben können, weil diese keine Zeitbestimmung enthalten. Die angegebene Zeit nun erstreckt sich von dem Latinerkönig Procas oder dessen Vorgänger Aventinus bis zu dem römischen König Romulus oder auch bis in die ersten Zeiten der Regierung seines Nachfolgers Numa Pompilius5 ; und demnach sind diese Quellen der Prophetie, um mich so auszudrücken, alle zumal hervorgesprudelt zu der Zeit, da das assyrische Reich unterging und das römische anhub. Wie also zu Beginn des assyrischen Reiches Abraham auftrat, dem die deutlichsten Verheißungen zuteil werden sollten über den Segen aller Völker in seinem Samen, so sollte sich mit dem ersten Hervortreten des abendländischen Babylons, unter dessen Herrschaft Christus kommen sollte, um jene Verheißungen zu erfüllen, die Zunge der Propheten in Wort und Schrift lösen zur Bezeugung eines so wichtigen zukünftigen Ereignisses. Propheten hat das Volk Israel stets gehabt, seitdem es dort Könige gab, aber sie waren nur für die Juden da, nicht für die Heiden; als es sich aber um die Schöpfung einer eigentlich prophetischen Literatur handelte, die einst auch den Heiden nützen sollte, mußte die zu der Zeit einsetzen, da der zur Herrschaft über die Heidenvölker bestimmte Staat als junge Schöpfung ins Leben trat.
1: Os. l, 1.
2: Amos 1, 1.
3: Is. l, 1.
4: Mich. 1, 1.
5: Ezechias, König von Juda, regierte bis zu Numas Zeiten