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In unserem Blogartikel Ernährungsumstellung bei Kindern beschreiben wir den Erfahrungsbericht einer Mutter, wie sich ihre 3½- jährigen Tochter in 3 Tagen vom Trotzkind in einen kooperativen Engel verwandelte, dank einer simplen Ernährungsumstellung.
Ein Facebook Kommentar dazu hat mich so beschäftigt, dass ich darauf eine Antwort schreiben wollte. Die Frage, die durch den Kommentar angeregt wurde lautet: Ist AD(H)S eine genetische Erkrankung? Das möchte ich euch heute beantworten.
Der Facebook Kommentar lautete:
Super Artikel, der Mut macht. Allerdings behagt mir die Aussage, dass AD(H)S mit dem Darm zusammenhängt nicht. AD(H)S ist eine genetisch bedingte Störung der Selbstregulation und Selbstkontrolle (Störung im Dopamin- und Noradrenalin-System) und angeboren. Leider werden bestimmte Symptome, die bei AD(H)S vorkommen, immer wieder mit anderen Verhaltensauffälligkeiten gleichgestellt. Deshalb werden oft Kindern als AD(H)Sler bezeichnet, obwohl sie gar kein AD(H)S haben.
Weshalb AD(H)S mit dem Darm zusammenhängt
Meine Antwort auf diesen Kommentar lautete wie folgt:
Liebe Kommentarschreiberin,
Ich weiss nicht, worauf du deine Aussagen stützt. Folgendes habe ich in der Biochemie gelernt:
AD(H)S ist nicht genetisch, denn es gibt keinen Gendefekt. Was man in besten Fall sagen kann ist, dass eine genetische Veranlagung besteht oder ein sogenannter genetischer Polymorphismus vorhanden ist. „Polymorphismus“ bedeutet, dass sich unter gewissen Umständen ein Rezeptor ein- oder ausschaltet oder eben zu viele Transporter losschickt, wie im Fall des AD(H)S der Dopamin-Rezeptor (DAT1) in der Synapse.
Das Dopamin gehört zu den Katecholaminen, die wir aus Nahrungsbestandteilen wie zum Beispiel der Vorstufe des Dopamins, dem Tyrosin, bilden. Beim Seretonin ist die Vorstufe das Tryptophan. Die Aufnahme erfolgt im Darm, durch die Aufspaltung unserer Ernährung. Noradrenalin wird aus dem Dopamin durch das Enzym Dopaminhydroxylase produziert, als Kofaktor fungiert das Vitamin C.
Im Moment ist es aber noch in Abklärung, ob dieser DRD4.7-Rezeptor tatsächlich daran beteiligt ist. Der Rezeptor DRD4.7 steuert die Neugierde, Impulsivität, Aggressivität und das Erkundungsverhalten. Den gibt es ca. seit 40-50’000 Jahren und er ist für das Erkunden und Überleben sehr wichtig gewesen. Je weiter die Menschen gewandert sind, desto mehr (4.3% Punkte je 1000 km) treten diese Rezeptoren auf.
Rezeptoren werden durch Ernährung aktiviert
Was man aber jetzt schon sagen kann ist, dass diese Rezeptoren durch eine erhöhte Zufuhr von beispielsweise Zucker, AGEs, oder Glutamat aktiviert werden. Molekular- und Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass 50% der AD(H)S Betroffenen auf Weizen reagieren. Und dass künstliche Farbstoffe und Natriumbenzoat als Konservierungsstoff dosisabhängig zu verstärkter Hyperaktivität führen.
Wir können also über die Ernährung durchaus Einfluss nehmen auf unsere Aufmerksamkeits-Fähigkeit und unsere Hirnleistung.
Bewegungsarmut und überschüssige Energie
Und bestimmt kommen da auch noch Umwelteinflüsse dazu, wie zum Beispiel, dass die heutigen Jugendlichen sich kaum mehr bewegen oder bewegen dürfen.
So wird überschüssige Energie, die vor allem die Jungs einfach haben, nicht mehr abgebaut. Aber das ist ein anderes Thema.
Wichtige Faktoren bei AD(H)S: Fettsäurenstatus & Darmgesundheit
Es gibt noch zwei weitere Anhaltspunkte, die man bei AD(H)S findet: Das sogenannte Kynurenin und ein Ungleichgewicht im Fettsäurenmuster.
Zu guter Letzt kommen wir zum wichtigsten und das im Leser-Kommentar fälschlicherweise angenommen wurde: Die Verbindung zum Darm. Wenn also die Rezeptoren „hyperaktiv“ sind, dann weil zu viele Substanzen Reize auslösen, die durch die Ernährung über den Darm aufgenommen werden.
Wenn das Kynurenin beteiligt ist, dann nur, weil eine Entzündung oder eine Histaminunverträglichkeit im Darm vorliegt und das Tryptophan nicht wie gewünscht in das Serotonin umgewandelt werden kann, sondern in Kynurenin. Dieses gelangt ohne Probleme über die Hirnschranke und sorgt dort für Entzündungssignale.
Aus einem Ungleichgewicht des Fettsäurenstatus resultiert ein erhöhtes Entzündungspotenzial im Hirn. Man bedenke, dass die Trockenmasse unseres Hirns zu 50% aus Fett besteht und es deshalb äusserst wichtig ist, wie die Bilanz der Fettsäuren aussieht!
Normalerweise sollten wir einen Fettsäure-Quotienten haben von max. 1:5 (1 EPA / 5 AA), in Tat und Wahrheit sind bei diesen Menschen die Werte eher bei 1:25 und mehr. Die Arachidonsäure löst entzündliche Reaktionen aus, auch diese können an Rezeptoren dazu führen, Fehler zu machen.
Und: die Fettsäuren werden auch im Darm aufgenommen.
Und was noch wichtig ist zu wissen: wenn ein Kind entsteht, entstehen aus der Zelle 3 Stränge:
- Die Blutgefässe
- Die Nerven
- Der Darm
Aus welchem dieser 3 Stränge entsteht jetzt das Hirn? Richtig: Aus dem Darm. Deshalb ist die Darm-Hirn Achse wieder so im Gespräch, und sogar die Schulmedizin hat das zum Glück wieder entdeckt.
Mein Fazit zu AD(H)S
Aus wissenschaftlicher Sicht und auch aus Erfahrung kann man sehr wohl über die Ernährung AD(H)S positiv beeinflussen und es funktioniert genau so schnell oder schneller wie mit Medikamenten. Aber, es muss richtig umgesetzt werden und daran hapert es bei vielen, da ist es halt einfacher, zum Medikament zu greifen.
Ich habe bereits mit zahlreichen Kindern und deren Eltern, aber auch mit Jugendlichen und Erwachsenen AD(H)S Betroffenen arbeiten dürfen und dabei hat sich auch in der Praxis gezeigt, dass nach dem Messen einiger relevanter Marker und deren Korrektur durch Mikronährstoffe und Ernährung grosse Veränderungen im Wohlbefinden machbar sind. Und das in kurzer Zeit.
Und jetzt interessiert mich: was ist denn deine Meinung zu diesem Thema? Hast du bei deinem Kind schon eine Verhaltensveränderung festgestellt, wenn es anders gegessen hat? Kennst du deinen Fettsäure Status oder den deines Kindes?