Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/60818

<h2>SubmittedText<h2><p>Während der Arbeiten an der Transjurane im Kanton Jura wurde eine paläontologische Stätte von weltweiter Bedeutung entdeckt. In drei Jahren wurden mehr als 2000 Dinosaurierspuren freigelegt; die Paläontologen schätzen, dass die Zahl noch auf 20 000 steigen wird, und dies in einem Gebiet von nur 30 000 Quadratmetern. Die Dinosaurierspuren sind mehr als 150 Millionen Jahre alt.</p><p>Aufgrund ihrer grossen Zahl und ihrer Vielfalt sind diese Spuren zweifellos eine der weltweit wichtigsten Entdeckungen auf dem Gebiet der Paläontologie. Es ist offensichtlich, dass diese Fundstätte im Interesse der ganzen Menschheit geschützt und für die kommenden Generationen erhalten werden muss. Diese Fundstätte ist es wert, aufgrund ihres "aussergewöhnlichen, universellen Wertes", einem der Unesco-Kriterien, in die Liste des Welterbes aufgenommen zu werden.</p><p>Die Dinosaurierspuren entsprechen dem Welterbe-Auswahlkriterium VIII der Unesco, nach welchem Naturgüter "aussergewöhnliche Beispiele bedeutender Abschnitte der Erdgeschichte samt Zeugnissen ihres Lebens, laufender geologischer Prozesse in der Entwicklung terrestrischer Formen oder geomorphologischer oder physiographischer Elemente von grosser Bedeutung" sein müssen.</p><p>Ausserdem versucht die Unesco, mit den "Orientations devant guider la mise en oeuvre de la Convention du patrimoine mondial" (Februar 2005) eine repräsentative, ausgeglichene und glaubwürdige Liste des Welterbes zu erstellen und nennt als zweite Priorität die Aufnahme von Gütern, welche in den Kategorien Weltkultur- und Weltnaturerbe noch nicht vertreten sind (Abs. 61 c II). Die Liste zeigt, dass nur sehr wenige Güter dem Auswahlkriterium VIII entsprechen, d. h., "aussergewöhnliche Beispiele bedeutender Abschnitte der Erdgeschichte" sind. Die Dinosaurierspuren dagegen repräsentieren zweifellos einen bedeutenden Abschnitt der Erdgeschichte. Die Fundstätte im Jura ist von aussergewöhnlichem, universellem Wert und entspricht den neuen Prioritäten der Unesco, nach welchen Güter, die bisher auf der Welterbeliste untervertreten sind, in die Liste aufgenommen werden sollten.</p><p>Deshalb stelle ich dem Bundesrat folgende Frage: Ist er nicht auch der Auffassung, dass alle Hebel in Bewegung gesetzt werden sollten, damit die Dinosaurierspuren im Jura in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen werden, und ist er bei diesem Ziel bereit, sie auf die "liste indicative" des Bundes zu setzen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bund hat von den im Kanton Jura entdeckten Saurierspuren mit grossem Interesse Kenntnis genommen. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission hat die Stätte am 8. September 2005 besucht.</p><p>Bei Einträgen in die Liste des Welterbes wird gemäss dem Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturgutes der Welt (Unesco-Konvention 72; SR 0.451.41) zwischen Kultur- und Naturgütern unterschieden. Für Weltkulturgüter ist auf Bundesebene das Bundesamt für Kultur (BAK) und für Weltnaturgüter das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) zuständig. Paläontologische Zeugen gelten als Naturgüter. Voraussetzung, um eine neue Kandidatur einreichen zu können, ist der vorherige Eintrag auf die nationale "liste indicative", welche die Kultur- und Naturgüter aufführt. Für diese ist das BAK federführend.</p><p>Die "liste indicative" der Schweiz wurde vom Bundesrat am 10. Dezember 2004 gutgeheissen und umfasst fünf Kulturgüter (das Weinbaugebiet Lavaux, die Stadtlandschaft von La Chaux-de-Fonds und Le Locle, die Rhätische Bahn und die Kulturlandschaft der Albula-Bernina-Strecke, das Werk des Architekten Le Corbusier und die prähistorischen Seeufersiedlungen der Pfahlbauer), deren Kandidaturen in den nächsten Jahren bei der Unesco eingereicht werden. Nicht auf der "liste indicative" verzeichnet werden mussten gemäss den damaligen Regeln der Unesco die blosse Erweiterung des bestehenden Weltnaturgutes Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn sowie die zu diesem Zeitpunkt bereits eingereichte Kandidatur der Glarner Hauptüberschiebung (Naturgut).</p><p>Die jetzige "liste indicative" ist nicht abschliessend. Nach den Regeln der Unesco soll sie im Abstand von höchstens zehn Jahren revidiert werden. Wie die Erstellung der "liste indicative" wird auch ihre Revision von einer Expertengruppe unter der Leitung des BAK in Zusammenarbeit mit dem für Weltnaturgüter federführenden Buwal erarbeitet werden. Eine mögliche Kandidatur der Saurierspuren im Kanton Jura wird - zusammen mit weiteren neuen Vorschlägen für die Welterbeliste - anhand der Kriterien der Unesco und aufgrund der Erfahrungen der aktuellen Kandidaturen in diesem Rahmen in den nächsten Jahren geprüft werden.</p>  Antwort des Bundesrates.