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1. Bier brauen in der Schweiz
2. Das Bierkartell
3. Eiskeller der Brauereien
4. Ein eiskaltes Geschäft- Info über das Schlagen von Natureis für die Kühlung des Bieres im Sommer
5. Die Revolution der Kältemaschine in der Bierherstellung
6. Fabrikation von Eis
In der Schweiz fand vom 14. bis ins 16. Jahrhundert vermutlich überhaupt keine Bierbrautätigkeitmehr statt. Im 17. Jahrhundert erteilte erstmals der Stand Bern eine Bewilligung zur industriellen Herstellung von Bier durch eine Brauerei. Trotzdem sollte es bis ins frühe 19. Jahrhundert dauern, bis sich auch in unserem Land eine eigentliche Brauindustrie etablieren konnte. Um 1840 sollen etwa 30 Betriebe, zumeist kleine Brauereien, einen jährlichen Ausstoss von rund 50 000 Hektoliter gehabt haben. 1857 wurden allerdings bereits etwa 250 000 Hektoliter produziert und 3555 Hektoliter aus dem nahen Ausland importiert, und 1883 erreichte die schweizerische Bierherstellung die Hektoliter-Millionengrenze. In diesen Jahren wurde in unserem Land erstmals mehr Bier als Wein konsumiert, und unter den 400 bis 500 damaligen Braubetrieben2 entstand ein harter Konkurrenzkampf. Nur wer innovativ war, qualitativ hoch stehende Biere herstellte, ein gutes Vertriebsnetz organisierte und den Einsatz von modernen Maschinen und Kühlsystemen3 ausbaute, war in der Lage, zu überleben und oft auch weniger erfolgreiche Kontrahenten aufzukaufen. Übrigens waren im Sommer 1911 in 110 schweizerischen Brauereibetrieben 3153 Arbeiter (darunter 13 weibliche) angestellt. 51% davon waren Schweizer, 37% waren Deutsche, der Rest verteilte sich auf Italiener, Österreicher und Franzosen. Der erhebliche Anteil an deutschen Brauern ist nicht erstaunlich, waren doch vor allem diese Landsleute Garanten für die Produktion guter Biere.
Anhand einiger Zahlen aus der Aktienbrauerei Spiess in Luzern sei aufgezeigt, welche grosse Organisation ein moderner Braubetrieb bereits damals erforderte. Wurden 1883, anlässlich der Einführung von Flaschenbier, im Lauf des Sommers nur gerade etwa 10 000 Flaschen mit Schläuchen gefüllt, so steigerte sich dies nach der Inbetriebnahme einer automatischen Abfüllanlage 1913 so rasant, dass allein im August 550 000 Bierflaschen abgefüllt wurden. In diesem Jahr erreichten übrigens gesamtschweizerisch 137 Brauereien einen Bierausstoss von knapp 3 Millionen Hektolitern.
Bereits 1884 hatte Traugott Spiess eine Dampfmaschinenanlage gekauft und 1888 eine maschinelle Kühlanlage. Ausserdem gelang ihm der Aufkauf kleinerer, nicht mehr rentabler Brauereibetriebe, wie etwa 1906 die Brauerei zum Falken (im äusseren Wägis). 1914 bestand der Fuhrpark der Brauerei Spiess AG aus 110 Bierwagen und Speditionskarren mit 56 Pferden. Ausserdem hatte man 3 Lastautos angeschafft, die regelmässig mit 11 Kühlwagen die 21 Bierdepots in Luzern und Umgebung versorgten. Der Betrieb beschäftigte mehr als 100 Arbeiter. Die Tendenz, dass nur innovative, modern eingerichtete Brauereien eine Existenzberechtigung hatten, setzte sich auch in den folgenden Jahrzehnten, und das bis heute, fort. Brauten 1883 423 schweizerische Brauereien Bier, 1918 noch deren 102, so sank ihre Zahl bis 1928 auf 61. Bereits 1921 hatte F. Schöllhorn, Besitzer der Brauerei Haldengut in Winterthur versucht, die Konkurrenzsituation unter den schweizerischen Brauereien zu regulieren, indem gewisse Rayonabsprachen eingehalten werden sollten. Allerdings war eine diesbezügliche Absprache nur schwierig durchzusetzen, waren doch die Voraussetzungen für die verschiedenen Brauereien zu unterschiedlich. Während die Brauerei Hürlimann 1926 mehr als 60 % ihrer Biere in der Stadt Zürich absetzen konnte, musste z. B. die Brauerei Feldschlösschen ihre Produkte über bedeutend weitere Wegstrecken liefern. Hürlimann setzte deshalb mehr Pferdefuhrwerke (70) und Lastwagen (23) für ihre Verteilung ein und besass nur gerade vier Eisenbahnwagen, während Feldschlösschen jahrzehntelang in grossem Mass auf den Schienenverkehr setzte. So verfügte diese Brauerei 1985 über 130 Eisenbahnwagen und etwa 240 Lastwagen für die Feinverteilung.
Um 1985 setzte eine grosse Konsolidierungswelle im schweizerischen Brauereigewerbe ein. Das Bier-Kartellgesetz, wonach die Brauereien ihre alkoholischen Getränke nur im Umkreis von 15 – 20 km liefern sollten, wurde durch den Ausstieg von Cardinal quasi aufgekündigt. Übernahmen und Fusionen diverser mittlerer und grosser Brauereien, in vielen Fällen auch durch ausländische Konsortien, führten zu grossen Getränkegruppen, welche heutzutage für die Versorgung der Bevölkerung mit Bier, Biermischgetränken und auch Mineralwasser verantwortlich zeichnen. So übernahm etwa Feldschlösschen, neben den Brauereien zum Gurten und Brasserie Valaisanne/Walliserbier 1983 die Mineralquellen Elm AG und im selben Jahr auch die Mineralquelle Eglisau AG. 1985 wurde noch die Arkina SA in Yverdon in die Gruppe integriert und so weiter.
2008 kennt die schweizerische Brauereilandschaft nur noch zwei grosse Bierkonzerne, nämlich Carlsberg/ Feldschlösschen (Feldschlösschen/Walliserbier/Gurten/Hürlimann/Cardinal) und Heineken/ Switzerland (Calanda/Haldengut/Ittinger/Eichhof), welche zusammen unterdessen über 72% Marktanteil besitzen. Die letzten noch unabhängigen mittelgrossen Brauereien Schützengarten/Löwengarten und Locher sind zu je 4% am Bierkonsum unseres Landes beteiligt, den Rest teilen sich ausländische Bierimporteure, Eigenmarken von Coop, Denner, Spar und Volg und viele Kleinstbrauereien. Diese kleinen Betriebe wehren sich allerdings weiterhin und erfolgreich gegen diesen Trend und behaupten sich im Markt mit innovativen Nischenprodukten. Seit 1990 setzte sich eine neue Brauereiwelle in Bewegung, und belebt nun so den Biermarkt mit einer starken Biervielfalt neu auf.
Stand 2016 ist nun, das wir in der Schweiz bereits wieder 702 aktive Brauereien zählen können. Unsere Meinung ist, das es wunderbar ist, wie sich der Markt dem Bedürfnis anpasst, und wir freuen uns auf eine gut gepflegte Brauereikultur in der Schweiz.
Vor 1900 gab es in der Schweiz 530 Brauereien und entsprechend war die Konkurrenz, auch aufgrund der eintretenden Modernisierungen, gross. Zudem machte sich die ausländische Konkurrenz spürbar und die Importe wuchsen. Beide Weltkriege stellten den Schweizer Braumarkt vor grosse Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund setzte sich die Meinung durch, dass ein weiteres Überleben der Brauereien nur durch eine geregelte Marktordnung möglich sei. Die Konvention der schweizerischen Brauereien trat am 1. März 1935 in Kraft. Sie baute auf den Kundenschutzverträgen und anderen Abmachungen auf, wie sie seit 1907 immer wieder mit Unterbrüchen bestanden hatten. Sie war quasi eine Zusammenfassung und straffere Form der bestehenden Kundenschutz-, Bierpreis-, Stammwürze- und Surrogatverträge. Die Vereinbarung sollte eine vernünftige Rationalisierung ermöglichen, indem sie dazu betragen sollte, ungesunde Wettbewerbsformen zu beseitigen, geregelte Absatzverhältnisse innerhalb der Branche herzustellen und ein gutes kollegiales Verhältnis unter den Marktbewerben zu schaffen.
In der von Korporativismus geprägten Zwischenkriegszeit waren solche Konventionen oder Kartelle keine Seltenheit. Die Wirtschaftsverbände hatten durch die vielen Regulierungen im Ersten Weltkrieg eine Schlüsselposition als Ansprechpartner des Bundes aufbauen können. Zudem lernten die Unternehmen gewisse Regulierungen zu schätzen, gerade in Bezug auf den Schutz vor massenhaften Importen. Die Selbstorganisation der verschiedenen Branchen wurde begrüsst und die Regulierungen als volkswirtschaftlich positiv bewertet. In der Weltwirtschaftskrise erhoffte man sich von einer Perfektionierung der Kooperationen wirtschaftliche Besserung. Wenn die Brauereien versprachen, Betriebe und Arbeitsplätze zu erhalten, weiterhin eine relativ grosse Steuerbelastung zu schultern und der Bevölkerung billiges und gutes Bier anzubieten, hatten in dieser Situation weder Behörden noch Bevölkerung etwas einzuwenden. Nach den vielen Betriebsschliessungen und Entlassungen wurde die Einschränkung einer gewissen Marktdynamik gerne hingenommen, ja sogar begrüsst.
Mit der Verankerung der Handels- und Gewerbefreiheit in der Verfassung von 1874 waren wettbewerbsbeschränkende Verträge nicht grundsätzlich untersagt. Kartelle waren im weitesten Sinn sogar verfassungsmässig abgesichert. Trotzdem war sich der Bund der Gefahr von Missbräuchen, insbesondere in der Preisgestaltung, bewusst und schuf 1927 im Volkswirtschaftsdepartement die Preisbildungskommission. Diese übte trotz fehlender Sanktionsmacht offenbar eine mässigende Wirkung auf die Kartelle aus. Die Preisbildungskommission des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements stellte 1938 in ihrer Veröffentlichung über Kartelle und kartellartige Abmachungen in der Schweiz (Nr. 19) jedenfalls fest: «Das Brauerkartell ist aus einer Konkurrenznotlage der Industrie entstanden und nicht aus Preisübermut.» Das Bierkartell war nie ein Preiskartell, sondern ein Kostenkartell. Um schweizweit Bier zu billigen Preisen anbieten zu können, wurden alle jene Elemente des Wettbewerbs ausgeschaltet, welche Mehrkosten verursacht hätten. Der Profit wurde nicht mit gesteigerten Einnahmen durch überhöhte Preise erzielt, sondern in erster Linie aufgrund tief gehaltener Ausgaben.
Das Bierkartell sah sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von mehreren Seiten bedroht und wurde kritisiert. Einige neu gegründete Brauereien traten dem Kartell nicht bei und Volksabstimmungen machten dem Bierkartell zu schaffen. Nachdem mehrere grosse Brauereien aus dem Kartell austraten, lief die Konvention 1991 aus.
Quelle und Text Brauereiverband Schweiz
Beim Brauen von untergärigem Bier sind die Brauereien auf eine wirksame Kühlung angewiesen. Neben der raschen Abkühlung der heißen Würze auf eine Temperatur von 4 °C bis 6 °C und der Kühlung der Gärkeller auf diese Temperaturen muss der Lagerkeller auf Temperaturen von maximal 2 °C gehalten werden. Bei einer Brauerei von 20.000 hl jährlicher Produktion wurde mit einem Eisverbrauch von 2.500 Tonnen Eis gerechnet. Die Gär- und Lagerkeller der Großbrauereien erstreckten sich über mehrere 100 m2 und lagen teilweise übereinander in zwei Etagen. Es war daher eine wirksame Luftzirkulation erforderlich, um die ausgedehnten Lagerräume gleichmäßig zu kühlen. Dazu wurde der Eisraum höher gelegt als der zu kühlende Raum. Die kalte, schwere Luft aus dem Eisraum sinkt auf den Boden und verdrängt die erwärmte Luft aus dem Keller. Leere Lagerräume waren von der Kühlung abzutrennen, damit der Eisverbrauch möglichst niedrig gehalten werden konnte. Eine ausreichende Lüftung war weiterhin notwendig, um Schimmelbildung zu verhindern und um das beim Gärprozess entstehende Kohlendioxid abzuführen. Wenn die Außentemperatur im Winter unter der Temperatur im Lagerkeller lag, sollte der Keller mit Außenluft belüftet werden, um den Eisverbrauch zu senken. Die ersten Großbrauereien nutzten bereits seit den 1870er-Jahren Kältemaschinen, um von der Eisbildung im Winter unabhängig zu werden. Dadurch konnten auch die vorhandenen Eisräume als zusätzlicher Lagerraum umgenutzt werden.
Der Felsenkeller von Feldschlösschen, in der Nähe von Magden ist der Nachwelt erhalten geblieben und wurde von der Brauerei wieder renoviert.
Katja Fischer de Santi
Morgens für die Milch, mittags für das Poulet und das Gemüse, abends für das kühle Bier. Zig mal täglich öffnen und schliessen wir die Türe unseres Kühlschrankes. Dank ihm müssen wir nicht mehr täglich zur Metzgerei und in die Molkerei fahren. Früchte müssen nicht mehr innert kürzester Zeit verkocht, eingemacht oder verspeist werden, und Eiswürfel haben wir stets zur Hand. Ein Leben ohne Kühlschrank ist nur noch schwer vorstellbar.
Wen wunderts, träumten die Menschen schon seit der Antike vom klirrenden Eis mitten im Hochsommer. Von römischen Kaisern ist überliefert, dass sie ihre Getränke mit Gletschereis kühlten. Frisch geerntetes Eis wohlgemerkt, dass durch Läufer-Stafetten bis nach Rom gebracht wurde. Und Kaiser Heliogabalus soll sich im 3. Jahrhundert nach Christus sommerliche Abkühlung verschafft haben, indem er einen Schneeberg neben seinem Palast aufschütten liess.
Dieser verschwenderische Umgang mit dem flüchtigen Eis war die Ausnahme. Wo immer möglich, versuchten die Menschen das Eis lokal zu gewinnen und es so einzulagern, dass es möglichst lange hielt.
Tief in die Erde gegrabene Eiskeller – eine Erfindung der Franzosen – waren bis ins 19. Jahrhundert die gängige Methode der Begüterten, um die Kälte des Winters in den Sommer zu retten. Die Mutter Napoleons III, Hortense de Beauharnais-Bonaparte lies gar einen Eiskeller in ihrem Park auf Schloss Arenenberg graben, allein um im Sommer stets etwas gekühlten Wein und Sorbet griffbereit zu haben. Es ist eine der seltenen Exemplare, die erhalten blieben. Getarnt als geheimnisvolle Grotte, verbarg ein kleiner Tunnel die schwere Türe. Schliesslich sollte nichts die romantische Atmosphäre im Park stören.
Auch auf dem Wolfsberg ob Ermatingen findet sich ein imposanter, für 250 000 Franken restaurierter Eiskeller. In den sieben Meter tiefen Keller hat man einmal im Jahr 100 Pferdewagenladungen Eis aus dem See gekippt. In diesem Kühlschrank des 19. Jahrhunderts herrschten das ganze Jahr über 3 bis 6 Grad. Ein Abfluss am Grund des Kellers führte das Schmelzwasser ab und verhinderte, dass Umgebungswärme eindrang.
Doch die wahren Herren der Kälte waren keine Könige und Kaiser, sondern Bierbrauer. Ihre schier unersättliche Nachfrage nach Eis, um untergäriges Bier brauen zu können, begründete eine eigene Branche; jene der Eissäger und Eishändler. Noch heute bezeugen Strassen- und Ortsnamen wie Eisweiher oder Eisbach von dieser Epoche. Auch auf den Weieranlagen in der Stadt St. Gallen herrschte im Winter jeweils ein geschäftiges Treiben. Dick eingepackte Männer schnitten mit Waldsägen, bei denen der Griff an einem Ende entfernt wurde, das Eis. Mit Hacken zogen sie die Platten dann ans Ufer. Mit Schlitten und Fuhrwerken wurde die kalte Fracht ins Tal gebracht. Vor allem Bauunternehmer, welche winters nicht arbeiten konnten, belieferten die Brauereien mit Natureis. Waren die Winter zu mild, musste auf teures Eis aus höheren Lagen, etwa dem Bündnerland oder dem Glarner Klöntal, ausgewichen werden.
Der Schweizer Autor Perikles Monioudis hat den Klöntaler Eisarbeitern und ihrer gefährlichen Tätigkeit einen ganzen Roman gewidmet. Anschaulich beschreibt er in «Eis», wie Tagelöhner aus Italien bei klirrender Kälte Eisblöcke aus dem Stausee stechen. «Die unerträgliche, gegen Abend nochmals zunehmende Kälte verwandelt unsere groben Handschuhe in starre, beinahe kopfgrosse Fäustlinge. […] Einem Tagelöhner bricht ein Finger von der linken Hand. Er wird sich dessen erst am Abend auf dem Schlitten bewusst. Wir helfen, soweit es geht.»
Das Glarner Eis bester Qualität wurde jedoch nicht nur im Inland genutzt. Bis nach München, Dresden oder gar Hamburg wurden die dicht gestapelten und mit Sägespäne isolierten Quader geliefert. Von dort ging das Eis in den Bäuchen grosser Schiffe bis nach New York, um die geladenen Lebensmittel und die Drinks der First Class Passagiere kühl zu halten.
Für Privathaushalte blieb Natureis im Sommer ein Luxus – ausser man wohnte in der Nähe einer Brauerei. Denn rund um diese entstand bald ein florierender Eishandel.
Da waren die Wirtshäuser, welche mit dem Bier wöchentlich auch Eis geliefert bekamen, um damit ihre Getränke zu kühlen. Aber auch Metzgereien, Confiserien (Glace) und Molkereien (Butter) waren dankbare Abnehmer des Eises.
Der deutsche Ingenieur Carl von Lindes setzte um 1900 dem Abbau und Handel mit Natureis ein abruptes Ende. Nach jahrelangem Tüfteln war es ihm gelungen, eine Maschine zu bauen, welche mittels Ammoniakverdichtung Kunsteis herstellen konnte. Und zwar innert kurzer Zeit und in grossen Mengen. Die Brauereien stürzten sich geradezu auf die Erfindung, denn das Kunsteis war billig, konnte stets nachproduziert werden, und sie mussten zu warme Winter nicht mehr fürchten.
Noch bis weit in die 1950er-Jahre hinein belieferten die Brauereien Gastwirtschaften und Privatkunden mit künstlich hergestelltem Stangeneis. Dieses wurde in eigens dafür angefertigte Eisschränke gefüllt, so dass die Hausfrauen Butter, Milch und Fleisch in der eigenen Küche kühl halten konnten.
In der Brauerei Stadtbühler in Gossau steht übrigens bis heute der schweizweit letzte voll funktionstüchtige Kühlkompressor aus dem Jahr 1911. Sollten also eines Tages alle Kühlschränke der Schweiz ihren Dienst verweigern, wissen Sie nun, wo Sie garantiert noch ein kühles Bier bekommen.
Eisernte für die Schützengarten-Brauerei am Mannenweier auf Dreilinden, um 1890
Eisgewinnung in Wil /SG
In einem zum Teil atemberaubenden Tempo und mit höchster Experimentierfreude schuf Carl von Linde binnen weniger Jahrzehnte einen neuen Industriezweig: die Kältetechnik. Das Ingenieurunternehmen Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen zeichnete sich von Beginn an durch Innovationsfreudigkeit und Kundennähe aus.
Carl von Linde, Professor an der Technischen Hochschule in München (siehe auch Seite 12), war auf das Forschungsgebiet Kältetechnik durch ein Preisausschreiben für eine Kühlanlage zum Auskristallisieren von Paraffin gestoßen. „Es erfasste mich sofort der Gedanke, dass hier eine noch ungeklärte Aufgabe der mechanischen Wärmelehre vorliege“, beschreibt er selbst in seinen 1916 veröffentlichten Erinnerungen „Aus meinem Leben und von meiner Arbeit“ die in ihm geweckte Neugierde. Sofort machte sich v. Linde daran, die theoretische Grundlage für eine „verbesserte Eis- und Kühlmaschine“ zu legen. Bei seinen Berechnungen der calorischen Wirkungsgrade war v. Linde zu dem Schluss gekommen, dass die Kaltdampfmaschine – im Vergleich zur Absorptionsmaschine und zur Kaltluftmaschine – die höchste Kälteausbeute versprach. Das von ihm konzipierte Verfahren sollte mit möglichst geringen Temperaturunterschieden arbeiten und als Kältemittel Methyläther verwenden.
Erste Kontakte mit Brauereien
Nachdem v. Linde seine Erkenntnisse 1870 und 1871 in dem von ihm redigierten „Bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt“ des Polytechnischen Vereins veröffentlicht hatte, kam eine Entwicklung ins Rollen, die seinen gesamten Lebensweg bestimmen sollte. Denn die kältetechnischen Abhandlungen weckten das Interesse von Brauern, die für die Gärung und Lagerung ihres Bieres nach einem ganzjährig zuverlässigen Kältebetrieb suchten. Im Sommer 1871 vereinbarten v. Linde, der österreichische Großbrauer August Deiglmayr (Brauerei Dreher) und der Münchener Brauer Gabriel Sedlmayr, in der Spaten-Brauerei eine Versuchsmaschine nach v. Lindes Entwurf aufzustellen.
Mit ihrer Hilfe sollten v. Lindes Ideen in der Praxis erprobt werden, um anschließend eine Kühlanlage für die Drehersche Brauerei, die größte Brauerei Österreichs, im feuchtwarmen Triest zu installieren.
Bau der ersten Linde-Eismaschine
Die Konstruktionspläne waren schließlich im Januar 1873 fertig und konnten zum Patent angemeldet werden. Das bayerische Patent setzte allerdings voraus, dass die Maschine binnen eines Jahres in Gang gesetzt wurde. Deshalb beauftragten Carl v. Linde und Sedlmayr noch im Januar 1873 die Maschinenfabrik Augsburg mit dem Bau. Und mit einiger Mühe konnte der für das Patent wichtige Termin des Betriebsstarts Ende Januar 1874 eingehalten werden. Doch die erste Maschine hatte ihre Tücken. Das Hauptproblem: Von Lindes Quecksilber-Dichtung funktionierte nicht, der zur Kühlung eingesetzte Methyläther trat aus dem Kompressor aus. Von Linde konstatierte: „Diese Bauart konnte für die Erfordernisse der Praxis nicht als geeignete Lösung gelten. So erschien mir der Bau einer zweiten Maschine dringend wünschenswert.“
Für deren Finanzierung trat v. Linde einen Teil der Patentrechte an Sedlmayr, an den Eisenbahnbauer Georg Krauss und an den Direktor der Maschinenfabrik Augsburg, Heinrich von Buz, ab. Im Gegenzug beschafften sie die notwendigen Mittel für Entwicklung, Bau und Erprobung einer neuen Kältemaschine.
Bau der zweiten Kältemaschine
Mit seinem Schüler und Assistenten Friedrich Schipper konstruierte v. Linde einen neuen Kompressor, der sich vor allem durch eine wesentlich einfachere und wirkungsvolle Dichtung auszeichnete. Als Dichtungsmittel in der neu konstruierten Stopfbuchsenkonstruktion verwendete er Glyzerin und als Kühlmittel das wirkungsvollere Ammoniak. Die neue Maschine wog und kostete nur halb so viel wie ihre Vorgängerin. Im Frühjahr 1875 bestellte v. Linde den neuen Kompressor bei der Maschinenfabrik Augsburg und meldete die neue Kältemaschine zum bayerischen Patent an, das am 25. März 1876 für zehn Jahre erteilt wurde; die deutschen Reichspatente erhielt v. Linde im August 1877. „Schon die ersten Versuche mit diesem zweiten Kompressor“, so v. Linde nicht ohne Stolz, „zeigten völlig befriedigende Ergebnisse.“ Die Maschine wurde im September 1876 an die Brauerei Dreher in Triest verkauft, unter Leitung von Schipper aufgebaut und im Frühjahr 1877 in Gang gesetzt. Sie sorgte bis zum Jahr 1908 für Kühlung und Lufttrocknung.
Technischer Durchbruch
Doch trotz dieses Erfolgs machte sich v. Linde sofort nach Einbau der Maschine bei Dreher an eine dritte Konstruktion, wobei er sich an den bereits gebräuchlichen Gaspumpen orientierte. Diese dritte, horizontal arbeitende Bauform erwies sich – gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis – als die beste Kaltdampfmaschine am Markt und wurde für Jahrzehnte zum Standardtyp der LindeKompressoren. Während der mehr als sechsjährigen Entwicklungs- und Experimentierphase musste auch für die Verteilung der erzeugten Kälte eine zuverlässige Lösung gefunden werden. Nach langen Versuchen entwickelte v. Linde im Rahmen eines Auftrags für
die Heineken-Brauerei in Rotterdam die Zirkulation von kalter Salzwassersole in einem Rohrkühlsystem („stille Kühlung“), das an der Decke der Kühlräume angebracht war.
Eintritt in den Kühlmarkt
Nachdem v. Linde gemeinsam mit befreundeten Brauern ein zuverlässig funktionierendes und wirtschaftlich arbeitendes Kältesystem entwickelt hatte, galt es, gemeinsam mit seinen Lizenznehmern, der Maschinenfabrik Augsburg und der Schweizer Firma Gebrüder Sulzer sowie den Vertretungen Satre & Averly in Lyon, Carels Frères in Gent und Morton in Großbritannien, einen größeren Kundenkreis zu erschließen. Bei vielen europäischen Brauern fanden sie offene Türen: Weil in warmen Wintern die Brauereien nicht genügend Natureis für die Gärung und die Kühlung der Keller bekamen, war das Interesse für die leistungsfähigen Kältemaschinen v. Lindes schnell groß. Neben den Eismaschinen lieferte v. Linde bald auch Anlagen für eine direkte Luftkühlung, ohne den Umweg über das Stangeneis. Zugleich arbeitete v. Linde, allerdings ohne letztlich durchschlagenden Erfolg, an der Herstellung von kristallklarem Kunsteis.
Brauerei Hürlimann, und die dritte Kältemaschine in Europa
Die Brauerei bekamm 1879 als dritte Brauerei in Europa, und als erste in der Schweiz eine Kältemaschine geleifert.
Schnitt durch die Brauerei um 1883 mit den Gewölbekellern, die als Malztennen, Malzdarren, Gär- und Lagerkeller dienten. Durch den Stichgang wurde das Bier von den Kellern in die Spedition gebracht. Darstellung von Gustav Gull, 1883
Klick auf das Bild, um es grösser zu machen. Links oben vom Pferdefuhrwerk das in der Halle steht, ist die Kältemaschine zu sehen.
Mit der Möglichkeit unter Hilfe der erfundenen Kältemaschine nun Eis auch könstlich herszutellen, wurden neue Geschäftsmöglichkeiten geschaffen. Denn die Kühlung von Lebensmitteln und Getränke erfolgte nur mit Eis.
1911 wurde in Lausanne die "Fabrique de Glace Hygienique" gegründet, welche Eis maschinell herstellte. Hergestellt wurden Eisblöcke für die Kühlung von Eisenbahnwagons, Keller der Gaststätten oder Kühlschränken, aber auch für ein Picknick gab es Möglichkeiten.
Für den Preis von 4 Franken konnte man 25kg eis kaufen.
Die Nachfrage vor allem in den 30er Jahren war bis 24`500 Kg pro Tag und es wurde 24 Stunden produziert. Dann fiel die Nachfrage stetig ab, bis 1979 die Fabrik, mittlerweile die letzte ihrer Art ihre Tore schloss.
Fabrikation von Eis für die Brauerei Cardinal
Denkmal für die Erinnerung an die Fabrik in Lausanne