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Schweizerische Theatersammlung, Bern BE
Die S. in Bern ist eine Institution, die das Theaterwesen der Schweiz in seiner ganzen Vielfalt umfassend dokumentiert. Die S. gliedert sich in die drei Bereiche Archiv, Fachbibliothek und Museum. Ihre Aufgabe besteht in der Sammlung, Sichtung und Erschliessung verschiedenster theaterbezogener Materialien, um diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die S. fungiert als Dokumentations- und Auskunftsstelle für theaterspezifische Fragen und stellt ihre Bestände der theaterwissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. Der Grundstein für die S. wurde 1927, gleichzeitig mit der Gründung der →SGTK, gelegt. Die Initianten der SGTK (darunter →Oskar Eberle und Fritz Weiss) sahen ein Ziel ihrer Gesellschaft im Aufbau eines nationalen Theaterarchivs und begannen, Theatralia (Druckerzeugnisse und Objekte aus dem Theaterbereich) zusammenzutragen. In der Folge unternahmen sie einige vergebliche Versuche, die Bestände öffentlich zugänglich zu machen. Erst mit der offiziellen Gründung der S. 1943 erhielt die Sammlung vom Eidgenössischen Departement des Innern finanzielle Unterstützung, dank der die inzwischen beachtlich gewachsene Sammlung als Depositum in Räumen im obersten Stockwerk der Schweizerischen Landesbibliothek eingelagert werden konnte. Erster Konservator der Theatersammlung wurde →Karl Gotthilf Kachler. Als sein Nachfolger amtete 1946–77 →Edmund Stadler. Bis Ende der fünfziger Jahre hatte sich die S. durch kontinuierliche Äufnung so sehr vergrössert, dass die Raumprobleme wieder akut wurden; die Landesbibliothek stellte der S. im Souterrain andere, grössere Räume, weiterhin als Provisorium, zur Verfügung. Die längst angestrebte öffentliche Nutzung der inzwischen enorm angewachsenen Sammlung wurde erst 1960 und zunächst nur teilweise möglich: In einem Raum der Landesbibliothek eröffnete man die Bibliothek der S. (Präsenzbibliothek). Als die Landesbibliothek ihrerseits zusehends in Raumnot geriet und den bislang von der S. genutzten Raum für eigene Zwecke beanspruchte, gründete die SGTK 1978 zusammen mit den öffentlichen Trägern Bund sowie Kanton und Stadt Bern die Stiftung Schweizerische Theatersammlung. Die Leitung übernahm →Martin Dreier. 1979 wurde die S. aus der Landesbibliothek ausgelagert und nach einer wechselvollen Zeit in verschiedenen Provisorien konnte sie schliesslich 1983 in die ursprünglich als Archiv des Obergerichts des Kantons Bern vorgesehenen Räume an der Schanzenstrasse 15 in Bern überführt werden: Ab 1985 standen die Bibliothek wiederum und das Archiv erstmals dem Publikum offen. Nachdem die S. seit 1949 mehrere Wanderausstellungen (unter anderem zu →Adolphe Appia) realisiert hatte, wurde 1987 die Dauerausstellung "Theater in Gegenwart und Geschichte" eingerichtet. Einschliesslich der Nachlässe von Appia und Kachler, zahlreicher Teilnachlässe sowie einiger Institutionsvor- und -nachlässe (beispielsweise des →Atelier-Theaters Bern, der Berner Kleintheater →Galerietheater Die Rampe und →Zähringer-Refugium, der →Freien Bühne Zürich, eines Teilnachlasses der →Claque in Baden sowie des gesamten Archivs des →Théâtre Populaire Romand La Chaux-de-Fonds aus der Direktionszeit von →Charles Joris) verfügt die Theatersammlung heute über einen reichhaltigen Bestand: eine beachtliche Anzahl Theaterstücke, Opernlibretti und -partituren, Literatur über das Theater im weitesten Sinn, in- und ausländische Theaterzeitschriften, Programmhefte, Theaterzettel, Presseausschnitte, Theaterfotos, Kostüm- und Bühnenbildentwürfe, Theaterbau- und Bühnenbildmodelle, Masken, Papiertheater, Marionetten- und Handpuppen, Tonträger und Videoaufzeichnungen. Die Erschliessung der Bestände erfolgt über verschiedene Datenbanken, die kontinuierlich erweitert und retrospektiv aufgearbeitet werden. In der Präsenzbibliothek steht Fachliteratur zur Benutzung bereit. Seit Anfang der achtziger Jahre begann die S., gezielt auch das Theaterschaffen in den romanischen Sprachgebieten der Schweiz zu dokumentieren, und 2000 schloss sie mit der Institution "Maison Mainou – Résidence d’artistes" in Vandœuvres in der Nähe von Genf (zum einen Künstlerresidenz für Werkaufenthalte, zum anderen Bibliothek mit umfangreichen Beständen über das Theaterschaffen in der französischsprachigen Schweiz) einen Vertrag ab, in dem sich die beiden Institutionen zu Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch verpflichteten. Weiter gab die S. beispielsweise 2003 zusammen mit dem Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern, basierend auf Tausenden von Diapositiven aus dem Nachlass Kachlers, die Dokumentation "Antike Theater und Masken" heraus, eine DVD mit 1400 Bildern und einem Begleitkatalog (mit Texten von Sara Aebi und Regula Brunner). Während die S. für solche ausserordentlichen Projekte auf Zuwendungen von privater Seite und auf Drittmittel angewiesen ist, werden die Betriebskosten vom Bund und vom Kanton Bern getragen (bis 2002 war auch die Stadt Bern beteiligt). 2003 beispielsweise verfügte die S. über einen Stellenplan von 2,6 Positionen für Fachpersonal; angestellt sind neben Dreier ein Leiter der Dokumentation (als langjähriger Mitarbeiter seit 1983 Christian Schneeberger) und eine Leiterin der Bibliothek (unter anderen als langjährige Mitarbeiterin 1978–94 Silvia Maurer, die wesentlich zur Erschliessung der Sammlung beigetragen hat). Darüber hinaus beschäftigt sie eine Reihe von Hilfskräften.
Literatur
- Kachler, Karl Gotthilf: 50 Jahre Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur. In: Theater in der Schweiz, 1977.
- Dreier, Martin/Kachler, Karl Gotthilf/Maurer, Silvia: Schweizerische Theatersammlung, 1985.
- Stiftung Schweizerische Theatersammlung (Hg.): Theater in Gegenwart und Geschichte, 1993.
Autorin: Susanna Tschui
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Tschui, Susanna: Schweizerische Theatersammlung, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1658–1659.