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Mit diesen Fragen setzt sich unser Dossier im Magazin 12/2019 auseinander, aus dem dieser Text stammt. Es geht ausserdem der Frage nach, was Eltern tun können, um das Selbst ihrer Kinder zu stärken. Und versucht zu eruieren, ob und in welcher Weise Noten und Schule das kindliche Selbstwertgefühl beeinflussen.
Vom Wert, sich selbst zu lieben
Ein gutes, stabiles Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstliebe sind Voraussetzungen, innere Stärke zu entwickeln. Die Grundlagen für diese Kompetenzen werden in der Kindheit gelegt. Doch wie geschieht das? Und was können Eltern tun, um ihre Kinder zu stärken?
Maurice liegt wach. Er kann nicht einschlafen. Der zehnjährige Junge fürchtet sich nicht vor Monstern, die unter seinem Bett lauern könnten – nein, ihn plagen Selbstzweifel. Er sorgt sich, dass er für den morgigen Test nicht genug gelernt hat. Und hat Angst, dass er beim Mannschaftsspiel am Wochenende schlecht spielen wird. «Maurice war schon als kleines Kind ängstlich und voller Selbstzweifel», erklärt seine Mutter. «Er sagt oft, er wünschte, er wäre ein beliebterer, besserer Bub.»
Ganz anders Anastasia. Die gebürtige Ukrainerin ist vor acht Jahren in die Schweiz gezogen. Sie sprach kein Wort Deutsch. Jetzt besucht die 14-Jährige das Langzeitgymnasium und engagiert sich in ihrer Freizeit für den Klimaschutz. Sie sagt über sich: «Natürlich mäkle ich manchmal an meinem Aussehen herum oder rege mich über eine schlechte Note auf. Aber eigentlich finde ich mich gut so, wie ich bin.»
Der Junge, der an sich zweifelt, das Mädchen, das an sich glaubt: Wie kommt es, dass ein Kind meint, es genüge nicht, während das andere grundsätzlich mit sich und der Welt zufrieden ist?
Die Antwort liegt in einer Kompetenz, die die Psychologie als «Selbstwert» bezeichnet. Wir Laien nennen es Selbstliebe. Gemeint ist die Balance zwischen dem «Sich-selbst-Mögen» und dem «Sich-kompetent-Fühlen» beziehungsweise «das subjektive Empfinden seines eigenen Wertes, die Wertschätzung der eigenen Persönlichkeit, die Zufriedenheit mit sich selbst», wie es der US-Psychologe Morris Rosenberg 1965 definiert hat.
Wie entsteht diese Wertschätzung für sich selbst? Ist sie angeboren oder entwickelt sie sich im Laufe der Kindheit? Welche Faktoren beeinflussen diese Entwicklung? Was passiert, wenn der Selbstwert niedrig ist?
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