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ENTWICKLUNG

KOMMUNIKATIONSMITTEL
|Kommunikation|
Kommunikation [Verständigung] ist ein uraltes menschliches Bedürfnis und selbst die Übermittlung von Botschaften über grössere Entfernungen kannten schon die frühesten menschlichen Kulturen. Wie Kommunikation unter den Gesichtspunkten der Psychologie und der Kultur funktioniert - oder eben auch scheitert, wäre hoch interessant, ist aber ziemlich unabhängig von den technischen Hilfsmitteln, die dazu geführt haben, dass man unsere Gesellschaft auch als "Kommunikationsgesellschaft" oder "Informationsgesellschaft" bezeichnet. Hier möchte ich mich vorerst der einfacheren Aufgabe stellen, die Entwicklung der modernen, elektronischen Kommunikationsmittel nachzuzeichnen. Erst die moderne Technik aber schuf die Voraussetzungen zu einer "Massenkommunikation" mit all ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft - nur sie ermöglicht eine funktionierende Demokratie auf der Ebene eines Landes oder gar Kontinentes (ohne dass man sich persönlich treffen muss) - aber ebenso die weltumspannende Kriegsführung (Weltkriege).
Die frühesten Vorläufer der elektrischen Nachrichtenübermittlung sind Rauch- und Feuerzeichen sowie Trommeln. Mit dem Aufkommen der Hochseeschiffahrt wurden Systeme entwickelt, um mit Flaggen Botschaften auf Sichtdistanz zu übermitteln. Erste Versuche, Nachrichten elektrisch zu übertragen, wurden bereits Mitte des 18. Jahrhunderts angestellt. Aber erst 1833 entwickelten die deutschen Physiker Gauss und Weber einen brauchbaren elektrischen Telegraphen, der mit zwei Drähten auskam. 1840 konstruierte der amerikanische Kunstmaler Samuel F. B. Morse einen genial einfachen elektrischen Schreibtelegraphen, der die Punkte und Striche des nach ihm benannten Morsealphabetes auf Papierstreifen notierte. Neue, leistungsfähige Batterien komplettierten die Technik und die Eisenbahnen mit ihrem Bedarf, Nachrichten schneller zu übermitteln, als Züge fahren, verhalfen der Telegraphie auch wirtschaftlich zum Durchbruch.
Mit der Einführung des Fernschreibers nach dem 2. Weltkrieg wurde die Telegrafie im Geschäftsverkehr zurück gedrängt, aber erst das Internet und die e-Mails machten der leitungsgebundenen Telegrafie endgültig den Garaus. Die Funktelegrafie, lange das einzig wirklich verlässliche Kommunikationsmittel im Verkehr mit Hochseeschiffen, wurde ebenfalls erst in den 1990'er Jahren durch satellitengestützte Telefon- und Datenverbindungen abgelöst.
Im Auftrag von 14 angeschlossenen Tageszeitungen nahm 1895 in Bern die Schweizerische Depeschenagentur (sda) ihre Arbeit auf. Sie sammelt Nachrichten, die schweizweit von Interesse sind und verteilt sie an ihre Abonnenten. Bis 1971 wurden auch die Radionachrichten von der sda erstellt.
Vorarbeiten des Deutschen Philipp Reis 1863 waren technisch schon recht brauchbar, sie wurden jedoch als Spinnerei abgetan - die Zeit war noch nicht reif für das Telephon. Der Amerikaner Alexander Graham Bell konnte 1876 sein Telefon patentieren lassen, doch erst mit dem Kohlemikrofon von Thomas Alva Edison (1877) wurde die praktische Tauglichkeit über längere Distanzen erreicht. In der Schweiz wurde das Telefon schnell eingeführt. Nach ersten Versuchen des Tessiner Telegrafenbeamten Michele Patocchi mit Ferngesprächen auf Telegraphenleitungen entstanden in Zürich (1880), Bern und Basel (1881), Genf (1883) sowie bei den Bahnen erste Lokalnetze. 1883 wurde auch die Fernverbindung Winterthur - Zürich in Betrieb genommen. Zunächst wurden Telefonverbindungen von Telefonistinnen mit Stöpseln hergestellt.
Die Schweiz war bei der raschen Einführung der Selbstwahl mit der Telefonwählscheibe (schon 1889 vom Amerikaner A. Brown Strowger erfunden) weltweit führend (1917 erste Versuche in Zürich, 1926 erste vollautomatische Zentrale in Bern), während in den USA wegen der Zersplitterung ihrer privaten Netze noch in den 1970'er Jahren die meisten Fernverbindungen durch Operators handvermittelt waren. Es zeigte sich hier wie bei der Eisenbahn, dass das staatliche Monopol den konkurrierenden Privatfirmen (Tarifdschungel und Einzelbillete für jede Teilstrecke, aktuell wieder bei den privatisierten englischen Bahnen!), in der Kundenorientierung weit voraus war, lange bevor dieser Begriff mit der Privatisierungswelle der 1990'er Jahre in Mode kam. Die Schweiz hat heute die grösste Telefondichte (Anzahl Festnetzanschlüsse pro EinwohnerIn) der Welt.
Die Entwicklung des Funktelefons wurde von den Bahnen, der Schiff- und Luftfahrt angestossen und führte schon vor dem zweiten Weltkrieg zu ersten Ergebnissen. Doch erst die Erfindung des Transistors 1953 und die gestiegene Mobilität weiter Bevölkerungskreise brachten hier den breiten Durchbruch. Erste Mobiltelefone für den Publikumsgebrauch in den 1960'er Jahren füllten immerhin noch ganze Koffer und waren vor allem für Geschäftsreisende im Auto brauchbar, während die Handys der 3. Generation der 1990'er Jahre heute schon fast zum selbstverständlichen Accessoire geworden sind.
1877 erfand Thomas Alva Edison (USA) den Phonograph, das erste Schallaufzeichnungsgerät. Er sah dessen Anwendung als Diktiergerät. Der aus der Schweiz stammende Feinmechaniker Krüesi war bei der Konstruktion mitbeteiligt. Der Schall wurde mit einem Trichter aufgefangen und bewegte einen Schreibstift, der in eine zylinderförmige Walze Kerben einritzte. Emil Berliner (1851 - 1929) entwickelte daraus das Grammophon mit waagrecht liegender, kreisrunder Schallplatte. Die einfacher zu handhabende Technik setzte sich trotz der systembedingt schlechteren Tonqualität durch - nicht zuletzt deshalb, weil Berliner schnell sehr viele fixfertige Schallplatten mit Musik auf den Markt brachte und damit das Bedürfnis nach Unterhaltung befriedigte.
Weder bei den grundlegenden Experimenten und Theorien der Physiker zu den elektromagnetischen Wellen (Huygens, Faraday, Maxwell, Hertz) noch bei der Entwicklung der ersten Radiosender und -Empfänger (Marconi, Fleming, Lieben, De Forest, Meißner) sind namhafte Beiträge aus der Schweiz zu verzeichnen.
In der Schweiz beantragten Professor P. L. Mercanton (Lausanne), die Ecole d’horlogerie in La Chaux-de-Fonds und A. Thürler (Uhrmacher, Zürich) die ersten Radioempfangskonzessionen, um die ab 1910 ausgestrahlten Zeitzeichen aus Paris zu empfangen. Empfang war nur mit langen Antennen möglich, die zwischen den Dächern gespannt wurden. An der physikalischen Anstalt der Universität Basel hielt Prof. Zickendraht ab 1913 Vorlesungen über Radiotelegrafie und experimentierte selbst mit Sendern. Während des ersten Weltkrieges war der private Empfang für die wenigen Radiobastler der ersten Stunde verboten, das Militär zog die Geräte ein, um selbst umso eifriger damit zu üben - während die Bastler natürlich rasch für illegalen Ersatz besorgt waren. 1916 konnte immerhin Professor Banderet aus Mulhouse (Elsass) die Wellenausbreitung in den Schweizer Alpen untersuchen - sein Ergebnis: "Alpenketten hemmen die Ausbreitung der Wellen, Flüsse fördern sie!". 1917 baute die Basler Glühlampenfabrik einige wenige Elektronenröhren nach Anleitung von Professor Zickendraht, von denen zwei noch in der Sammlung des Physikalischen Instituts der Uni Basel erhalten sind.
1920 wurde für den Völkerbund in Münchenbuchsee bei Bern die erste feste Radiostation der Schweiz gebaut. Die Firma Maxim in Aarau stellte nach Vorgaben von Professor Zickendraht Radioempfänger her. Verschiedene andere einheimische Marken folgten später: Paillard, Albiswerke (Zürich), Autophon (Solothurn) und Biennophone (Biel).
Die ersten öffentlichen Radiosender der Schweiz waren Flugplatzsender: 1922 in Lausanne (dritter öffentlicher Radiosender Europas), Genf und Dübendorf ZH. Sie verbreiteten mit Bewilligungen der lokalen Behörden regelmässig Meldungen und Wetterberichte für die Luftfahrt, in den Pausen Musik ab Schallplatten. Allgemeine Nachrichten und Sportsendungen kamen bald dazu. Das Parlament reagierte noch im gleichen Jahr und wies im Bundesgesetz über den Telegraphen- und Telefonverkehr vom 14. Oktober der eidg. Telegraphenverwaltung (PTT) das alleinige Recht zu, Sende- und Empfangseinrichtungen zu betreiben. Die Übertragung des Fussball-Länderspiels Schweiz-Uruguay aus Paris direkt in den Zürcher Tonhallesaal und Versuchssendungen an der Mustermesse in Basel sorgten 1923 für Beachtung des neuen Mediums in breiteren Kreisen - Ende 1923 waren 920 Radioempfangskonzessionen registriert, 1931 bereits 150'000, 1939 590'000 und 1949 eine Million (was beinahe der Zahl der Haushalte entsprochen haben dürfte). Auf die Dauer befriedigte die gemischte Nutzung der Flugplatzsender nicht. Deshalb wurden 1923-1926 in Lausanne, Zürich, Genf, Bern und Basel Radiogenossenschaften gegründet. 1924 wurde vom Hönggerberg in Zürich das erste reguläre Radioprogramm der Schweiz ausgestrahlt. Allerdings wurde noch lange nur stundenweise gesendet, durchgehende Sendungen am Samstag von 06:15 - 23:15 Uhr gab es erst 1961, werktags ab 1966, das 24-Stunden-Vollprogramm gar erst ab 1981. 1925 bildeten 21 europäische Sendestationen in der Union International de Radiodiffussion (UIR) mit Sitz in Genf. Bis 1926 konnte Radio nur über Kopfhörer genossen werden.
Nach und nach wurden die Möglichkeiten des neuen Mediums ausgelotet - sowohl in technischer Hinsicht (geeigete Sendefrequenzen, Sender- und Empfängertechnik) wie auch von den Inhalten her (Wetterberichte, Nachrichten, Reportagen, Hörspiele, Vorträge). Zwar gab es längst Tonaufzeichnungsgeräte gab (s. unten), ihre Handhabung war jedoch zu kompliziert und die Tonqualität mässig. Deshalb beschränkten sich die Radioleute in der Schweiz vorerst auf Live-Sendungen und das Abspielen von Schallplatten und stellten erst ab 1935 vereinzelte eigene Tonaufnahmen her. Ab 1950 wurde die Magnettonbandtechnik breit eingesetzt. Die Presse erreichte, dass das Radio nur knappe Bulletins der von den Zeitungen kontrollierten Schweizerischen Depeschenagentur verlesen durfte. Auf Druck der Öffentlichkeit musste diese ab 1939 das Angebot von zwei auf vier Bulletins pro Tag ausweiten.
Wie schon bei den Eisenbahnen zeigte es sich bald auch beim Radio, dass eine marktwirtschaftliche Lösung nicht zu befriedigen vermochte: Ausser Radio Zürich hatten 1927 alle schweizerischen Stationen zu wenig Geld für ein qualitativ befriedigendes Programm. Deshalb beschloss das Parlament, drei gebührenfinanzierte (faktisch von der Deutschschweiz quersubventionierte) sprachregionale Landessender zu bauen (Beromünster und Sottens wurden 1931, Monte Ceneri 1933 in Betrieb genommen). Die regionalen Trägerschaften schlossen sich zur Schweizerischen Rundspruchgesellschaft SRG zusammen und in der deutschen Schweiz wurde ein Einheitsprogramm von den drei Studios Basel, Bern und Zürich produziert. In Deutschland missbrauchten die Nationalsozialisten das Radio schon bald für ihre Propaganda. Die Reichstagsrede Adolf Hitlers wurde auf Weisung des Bundesrates 1933 in der Schweiz nicht gesendet.
1937 wurde die Leistung des Landessenders Beromünster auf 100 kW erhöht und eine neue Antenne auf dem Blosenberg errichtet - der Sender war damit einer der stärksten in Europa und weit über die Landesgrenzen hinaus zu hören. Erste Kurzwellensendungen für die Schweizer in Süd- und Nordamerika wurden 1934 über den stundenweise gemieteten Völkerbundssender Prangins bei Genf ausgestrahlt, 1939 baute man in Schwarzenburg ein eigenes Kurzwellenzentrum auf, das aber nach einem Grossbrand erst 1940 definitiv auf Sendung ging. Während des Krieges wurde der SRG die Konzession entzogen, die Radioprogramme wurden unter direkter Leitung des Post- und Eisenbahndepartements erstellt. Die wöchentliche Weltchronik des "Freitagsprofessors" J. R. von Salis wurden weit über die Landesgrenzen hinaus gehört. Trotz strenger Zensur wurde vermehrt über die Armee, aber auch über wirtschaftliche und soziale Probleme sowie über die anderen Landesgegenden berichtet, dies alles, um den Zusammenhalt des Landes zu stärken ("Geistige Landesverteidigung"). Ab 1943 wurde an jedem ersten Freitag des Monats eine rätoromanische Sendung produziert.
Nach dem Krieg übernahm die SRG wieder die Verantwortung für das Radio. Neu waren die Aktualitätensendung "Echo der Zeit" (ab 1945) und Auslandskorrespondenten (1946), Heiner Gautschy, Theodor Haller, Hans O. Staub erlangten grosse Bekanntheit. 1947 wurde die "Glückskette" lanciert. In Nordafrika und im Nahen Osten entstanden neue Stationen, dazu kamen die Sender für die Besatzungstruppen in Deutschland (AFN=American Forces Network und BFN=British Forces Network). Mehrfachbelegungen der Mittelwellen-Frequenzen und damit gegenseitige Störungen waren nun nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Insbesondere Deutschland und Österreich wurden nur wenige Frequenzen zugestanden. So wichen sie auf die schon in den 1940'er Jahren in den USA entwickelte, aber dort kommerziell nicht erfolgreiche UKW-Technik aus. In der Schweiz erkannte man bald die Vorteile der besseren UKW-Tonqualität (dank Frequenzmodulation) und baute Senderketten für das erste und ab 1956 ein zweites Programm pro Sprachregion. Bei den Empfängern erlebten luxuriöse Röhrenradios in hochglanzpolierten Holzgehäusen ("Gelsenkirchener Barock") eine letzte Hochblüte, bevor sie durch die Transistortechnik auf die Flohmärkte verdrängt wurden.
1963 begannen erste deutsche Sender mit Stereo-Sendungen, die Technik war auf der Empfängerseite ab 1970 auch in der Schweiz weit verbreitet - doch die für die Sendeanlagen zuständige PTT baute lieber Dutzende von Sendern zur Perfektionierung der UKW-Versorgung im hintersten Bergtal und liess das Publikum bis 1976 (!!!) auf die ersten einheimischen Stereo-Sendungen warten, die Umstellung war erst 1986 abgeschlossen. Deutsche Radioanstalten, allen voran der Südwestfunk, fanden so ein treues Publikum im bevölkerungsreichen Schweizer Mittelland.
Ab 1968 wurde das erste Programm (Information und Unterhaltung) inhaltlich klarer vom zweiten Programm (klassische Musik, Jazz und Kultur, Jugendprogramme) getrennt. Die Einführung der Radio-Hitparade spiegelte die gewachsene Bedeutung der Pop-Musik. 1971 emanzipierte sich die SRG von der Depeschenagentur und redigierte die Nachrichten selbst. 1978 lösten tägliche Regionaljournale die wöchentlichen Regionalsendungen ab. 1982 wurde der Verkehrsfunk ARI eingeführt (Autoradios mit ARI-Decoder wechseln automatisch vom Abspielen von Cassetten auf das Radioprogramm, wenn Verkehrmeldungen ausgestrahlt werden).
Nachdem Italien und Frankreich private Lokalradios zugelassen und der ehemalige SRG-Mitarbeiter Roger Schawinski mit seinem Piratensender Radio 24 vom Pizzo Groppera (Italien) aus 1979 Fakten geschaffen hatte, sah sich der Bundesrat 1983 genötigt, 29 Lokalradios mit strengen Auflagen (Werbezeitbeschränkung, Begleitstudien) zuzulassen. Gleichzeitig wurden die 3. SRG-Programme für die Jugend geschaffen. So erlebte das Medium Radio im November 1983 einen zweiten Frühling. Die tägliche Hördauer des Radios nahm nochmals zu und liegt heute bei rund 200 Minuten. Die Lokalsender wurden nach und nach professioneller und gewannen an Beliebtheit, 1995 lag der Höreranteil von Radio DRS erstmals unter 50%. In der Schweiz betraf allerdings der Hörerwechsel zu den Lokalradios noch stärker die deutschen Sender. Im Bündnerland wurde für das rätoromanische Programm eine 4. Senderkette aufgebaut, in den Kantonen Aargau und Solothurn ermöglichten neue Sender für das 1. Programm nun auch tägliche Regionalsendungen (bis dahin waren grosse Teile des Aargaus von den Sendern Säntis bzw. St. Chrischona versorgt worden). Nach zwei gescheiterten Anläufen 1957 und 1976 nahm das Volk 1984 den Verfassungsartikels über Radio und Fernsehen an.
1992 wurden erstmals Schweizer Radioprogramme im digitalen Datenformat über Satellit verbreitet, 1994 begann Schweizer Radio International mit der Umstellung von Kurzwelle auf Satelliten und Internet (swissinfo.org, ab 1999), 2004 wurde der letzte Kurzwellensender abgeschaltet. Seit 1996 wird DAB (Digital Audio Broadcasting) auch mit terrestrischen [auf der Erde stehenden] Sendern erprobt. Man verspricht sich davon vor allem bessere Empfangsqualität im Auto. 1999 lancierte Radio DRS das neue Jugendradio VIRUS exklusiv über DAB, Kabel und Internet (virus.ch). Die Westschweiz erhielt schon 1994 ein viertes Programm "Option Musique, La chaîne de la chanson". Der Telefonrundspruch wurde 1997 eingestellt, nachdem der grösste Teil der Bevölkerung TV- und Radioprogramme über Kabelnetze oder Satelliten empfangen konnte.
Der deutsche Erfinder Paul Nipkow liess 1884 eine rotierende Scheibe mit spiralförmig angeordeten Löchern patentieren. John Logie Baird konnte mit der "Nipkow-Scheibe" zwischen 1926 und 1940 auch tatsächlich Bilder elektrisch übertragen. Praktisch durchgesetzt hat sich allerdings nicht dieses mechanische, sondern das elektronische System des nach den USA ausgewanderten Russen Wladimir Zworykin. Es verwendet sowohl für die Kamera als auch für die Anzeige die von Ferdinand Braun 1897 erfundene Kathodenstrahlröhre. 1928 wurden in den USA, 1929 in Deutschland erste Versuche durchgeführt, wo 1935 auch erste regelmässige Sendungen ausgestrahlt wurden. Bedingt durch den 2. Weltkrieg konzentrierte sich die weitere Entwicklung auf die USA, wo bereits 1951 das Farbfernsehen (NTSC-Standard) eingeführt wurde, während Europa zunächst einmal das schwarz-weisse System einführte (erste Fernsehversuche der Schweiz: 1939 Vorführungen an der Landi, 1951 Versuchsbetrieb Lausanne, 1953 Zürich, 1961 Lugano). 1954 gründeten acht europäische Fernsehstationen, darunter die SRG, die Eurovision als Börse für den Programmaustausch (Tagesschaubeiträge und sporadische Gemeinschaftsproduktionen). Fernsehsatelliten erlaubten ab 1964 weltweite Live-Übertragungen (etwa von Olympiaden oder von der Mondlandung 1969).
Die deutsche PAL-Farbfernsehnorm (1967) und in reduziertem Mass auch das französische SECAM-System (das von der ehemaligen DDR aus politischen Gründen übernommen wurde), verbesserten zwar die Farbwiedergabe, schufen aber neue Barrieren im grenzüberschreitenden Empfang. In der Schweiz entschied man sich für das technisch ausgereiftere deutsche System. Bis 1968 blieb das Fernsehen ein Luxus, den sich längst nicht alle leisten konnten, dann stieg die Zahl der Fernsehzuschauer stark auf 1 Million Haushalte an (Radio: 1,8 Millionen). Zudem war anfänglich nur ein sprachregionales Programm der SRG und in weiten Teilen des Mittellandes noch das erste und zweite deutsche Fernsehen zu empfangen, dazu in der Ostschweiz zwei österreichische Programme.
Erst Ende der 1970'er Jahre brachten Kabelfernsehnetze und wenig spärter das Satellitenfernsehen eine kaum mehr überschaubare Vielfalt von Programmen. 1984 wurde der Teletext [Textinformationen wie Wetter, Kurznachrichten, Sportresultate, Strassenzustand, die auf dem Fernsehgerät betrachtet werden können] auf TV DRS eingeführt, 1985 in der Romandie, 1986 im Tessin. SRG, ZDF und ORF starteten 1986 das gemeinsame Satelliten-Fernsehprogramm «3sat». Um sich gegen die Konkurrenz der grossen Privatsender RTL, sat 1 und Pro Sieben besser zu behaupten, lancierte die SRG 1993 eine vierte Fernsehkette unter der Bezeichnung S Plus, die 1995 in Schweiz - Suisse - Svizzera - Svizra 4 umbenannt und 1997 in drei sprachregionale Programme SF 2, TSR 2 und TSI 2 aufgeteilt wurde. Ende 2000 gab es in der Schweiz erstmals gleich viele (2,7 Millionen) Fernseh- wie Radio- Empfangskonzessionen, ohne Fernsehgerät sind nur noch wenige bewusste "Abstinenten".
Das Prinzip der magnetischen Tonaufzeichnung wurde schon 1888 von Oberlin Smith (USA) erfunden und 1898 experimentierte Valdemar Poulsen (DK) einigermassen erfolgreich mit Stahldraht. Zwar wurden in der Folge solche Stahldrahtgeräte auch kommerziell eingesetzt, doch den Durchbruch brachten erst ab 1930 die Arbeiten von Fritz Pfleumer mit nicht metallischem Band (zunächst aus Papier, später aus Kunststoff), das mit magnetisierbarem Pulver (Eisenoxid) beschichtet war. 1935 konnte die Firma AEG das erste Magnetophon® vorstellen. Das Band wurde damals wie heute durch einen Tonkopf (Elektromagnet mit extrem dünnem Luftspalt, weniger als haaresbreit) magnetisiert und erregte bei der Wiedergabe im Tonkopf schwache elektrische Impulse. Durch Verfeinerung des Luftspaltes und des Pulvers konnte die benötigte Geschwindigkeit des Bandes von ursprünglich 100 cm/s auf 4,75 cm/s gesenkt werden - trotz verbesserter Tonqualität! Seit den 1950'er Jahren wurden Tonbandgeräte auch im Heimbereich eingesetzt, doch erst die einfach einzulegende Compact Cassette (1963) brachte diese Technik in (fast) jeden Haushalt. Seit den 1970'er Jahren sind Cassetten mit Chromdioxidbändern erhältlich, etwa gleichzeitig wurde auch der Videorecorder für das "Heimkino" erfunden. Transportable Geräte gab es zwar schon in den 1950'er Jahren, doch erst Sony's Walkman® von 1979 machte die ununterbrochene Berieselung mit Musik so richtig populär.
Es gibt kaum einen Bereich unseres Alltags, in dem die Elektronik nicht offensichtlich oder versteckt im Hintergrund mitwirkt. Für die nach 1970 geborene Generation ist der Alltag ohne Elektronik, wie er noch für unsere Grosseltern selbstverständlich war, beinahe unvorstellbar geworden. All diese Erfindungen waren nur möglich durch weltweite Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Praktikern und haben zu einer weltweiten Vernetzung und gegenseitigen Abhängigkeiten geführt, die nationale Alleingänge praktisch unmöglich macht. Die Politik hinkt hier um Jahrzehnte hintennach und ist eben erst daran, zu begreifen, dass es keine Alternative zum Motto des 21. Jahrhunderts "Denke global [weltweit] und handle lokal [zuhause]" gibt.
|Verkehrsmittel||1. Weltkrieg|

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