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Taktiv 23 markiert den Beginn einer kleinen Serie von vier Lektionen, die zum Ziel hat, dass ein Spieler seine Züge bewusster und besser der aktuellen Spielsituation angepasst wählt.
Dazu hat Jürg zunächst Schachzüge nach deren Funktion in 10 Kategorien eingeteilt und diese Zwecke den Spielphasen, in denen sie typischerweise (passenderweise) am ehesten vorkommen, zugeordnet. Banal ausgedrückt etwa in dem Sinne: Entwicklung in der Eröffnung, Kombination im Mittelspiel und Aktivierung im Endspiel. ...
Damit man es sich leichter merken kann, hat Jürg für acht dieser Kategorien, Beschreibungen gewählt, die mit den Buchstaben A bis H beginnen. Buchstaben also, die man am
Brett stets direkt vor sich hat. Die Reihenfolge von Links nach rechts entspricht zudem ungefähr dem Spielverlauf von Eröffnung zum Endspiel. Durch diese strikte Vorgabe sind die
Beschreibungen natürlich nicht die üblichen Schachbegriffe, aber sie sind auch nicht allzu weit hergeholt.
Die Idee dahinter: Wenn du beispielsweise in der Eröffnung die Theorie (A wie Altbekanntes) verlässt und statt zu Entwickeln (B wie Bewegen/Besetzen des Zentrums) schon auf Mittelspielaktivitäten (D wie Drohung, Druck oder E wie Eindringen, Erobern ..) setzt , musst Du einen guten Grund dafür haben. Oder umgekehrt aufgehängt: Bist Du im Mittel- oder Endspielspiel etwas in Rücklage geraten und findest einfach keine guten Züge, dann suche in der Stellung nach Möglichkeiten der Kategorie G (Gegenspiel, Gegenangriff) oder ob nach H (Hindern, Hemmen, Hürden aufbauen, Hilfe für den König).
Zwei Zugkategorien stehen fiktiv ausserhalb des Brettes: Links noch vor dem A kommen Züge, die dank Theoriewissen und/oder guter Technik gewählt werden können. Züge also, die dank Training und fleissigem Lernen zu Hause (also vor der Partie) gefunden werden können. Und ganz rechts beim fiktiven "I" stehen Züge, wie "Irgendwas". Also in der Art: "Ich weiss nicht was tun, also ziehe ich irgend etwas." Diese Züge gehören also tatsächlich nicht aufs Brett und dürfen nie vorkommen - oder "I wie Igitt", wie Jürg es mit einer korrekten Buchstabenzuordnung beschreibt.
Das ist ein sehr spannender Ansatz, um sich den Bestimmungen von Zügen stärker bewusst zu werden und passend zur Stellung danach zu suchen. Denn obwohl alle Spieler oberhalb des Anfängerniveaus
sehr wohl wissen, dass in der Eröffnung zunächst mal die Figuren entwickelt werden sollen, wird diese Regel immer wieder verletzt, um einem vermeintlichen oder flüchtigen Vorteil
hinterherzujagen.
Aber Jürgs Idee geht natürlich über solches Anfängerwissen hinaus und soll auch erfahrenen Spielern helfen, nach passenden Zügen zu suchen, wenn auf dem Brett gerade nichts Konkretes oder gar Zwingendes zu tun ist. Man darf gespannt sein, wie es mit Jürgs Zugprinzip in den nächsten Lektionen weitergeht.