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Alternativenergien
Wollte man Mühleberg durch Windkraft- oder Solaranlagen ersetzen, würden ganze Landstriche verschandelt.Von Peter Burkhardt
Nationalrat und Kernkraftgegner Rudolf Rechsteiner (SP) hofft, dass das Kernkraftwerk Mühleberg bis zum Jahr 2020 durch Windkraft- und Solaranlagen ersetzt wird. Wohlan. Rechnen wir einmal durch, wie es wäre, wenn Rechsteiners Traum in die Wirklichkeit umgesetzt würde. Die Rechnung ist einfach, kann von jedem Primarschüler nachgeprüft werden – und entlarvt den vermeintlichen Traum als Alptraum.
Nehmen wir als Grundlage die Daten, die uns die modernsten Wind- und Solaranlagen im Land liefern. Bei Martigny wurde im Mai 2008 mit «Mont d’Ottan» der grösste Windgenerator in Betrieb genommen.
Mühleberg produziert jährlich 2950 Millionen Kilowattstunden Strom. Man rechne. Um das KKW zu ersetzen, müssten 590 Riesen-Windmühlen vom Typ «Mont d’Ottan» (hergestellt in Deutschland) gebaut werden, der Preis dafür würde sich auf rund 4,5 Milliarden Franken belaufen. Wollte man dieses Ziel bis 2020 erreichen, müsste während zehn Jahren an jedem vierten Arbeitstag eine neue Anlage eingeweiht werden. Das würde bedeuten, dass auf einer Strecke, die von Genf bis nach St. Gallen reicht, alle 500 Meter ein hundert Meter hoher Mast mit einem Windrad von 82 Metern Durchmesser in der Landschaft stehen und rotieren würde.
Noch illusorischer sieht es aus, wenn man Mühleberg durch Solarpanels ersetzen wollte. Hier wären 18 000 «Eulachhof»-Anlagen mit einer Fläche von über 20 Millionen Quadratmetern erforderlich – zu einem Preis von 25 Milliarden Franken. Wollte man dieses Ziel in zehn Jahren erreichen, müssten pro Arbeitstag sieben Anlagen der Grösse des «Eulachhofs» inauguriert werden. Und das, um das kleinste KKW der Schweiz zu ersetzen, welches gerade mal vier Prozent unseres Strombedarfs deckt.
Wie es wäre, wenn alle KKWs (also rund vierzig Prozent unserer Stromproduktion) durch Wind und Sonne ersetzt würden, ist einfach zu errechnen: Man multipliziere die Zahlen mit dem Faktor zehn – und kommt auf 5900 Windmühlen oder 180 000 Solarfelder für 45 bzw. 250 Milliarden Franken. Doch wir können uns die Rechnerei sparen, die in astronomische Dimensionen führt. Selbst wenn die aberwitzigen Investitionen aufgebracht würden und der letzte Winkel der Schweiz mit Windrädern und Solarpanels verstellt würde, wäre unser Stromproblem lange nicht gelöst.
Die Energie von Wind und Sonne hat bekanntlich den Nachteil, dass sie anfällt, wann sie will – und nicht, wenn wir sie brauchen (siehe Grafik). Das macht die teuren Energieträger minderwertig bis faktisch wertlos. Zwar kann Elektrizität in Pumpspeicherwerken gehortet werden. Doch auch die Speicher kosten und führen zu einem Verlust von mindestens zwanzig Prozent der (teuren) Produktion. Zudem sind die Speicherkapazitäten begrenzt. Das wird vor allem bei der Solarenergie, die hauptsächlich im Sommer anfällt, zu einem unlösbaren Problem. Im Sommer haben wir in der Schweiz genügend Strom. Die Engpässe bestehen in der Winterzeit.
Will man auf Kernenergie verzichten, bleibt zurzeit nichts anderes als der Bau von Gaskraftwerken. Gaslieferungen sind aber nicht nur teuer und den Launen politisch unstabiler Lieferanten (Russland, Zentralasien, Iran) ausgesetzt. Gas(kombi)kraftwerke würden die teuer erkaufte Reduktion von CO2-Emissionen mehr als zunichtemachen. Zurzeit produziert die Schweiz einen günstigen und praktisch CO2-freien Mix von Wasser- und Nuklearstrom. Diesen weltweit fast einzigartigen Standortvorteil würden wir aufgeben.
Es ist verantwortungslos, wenn unser Parlament uns pro Jahr rund 320 Millionen Franken aus dem Sack zieht und damit Energieträger propagiert und fördert, die aus klimatischen und physikalischen Gründen dazu völlig ungeeignet sind. Um der unangenehmen, aber unumgänglichen Debatte über den Bau der dringend benötigten neuen KKW auszuweichen, gaukelt man dem Volk vor, dass «etwas getan wird».
Die Milliarden, die wir heute für den Bau nutzloser Öko-Denkmäler verschleudern, verlängern unseren Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien erheblich. Heute gilt es, konsequent aus den fossilen Brennstoffen auszusteigen. Die Lösungen sind bekannt, der Aufwand gross. Als Erstes muss der Energieverbrauch des heutigen Gebäudeparks drastisch reduziert werden. Das kostet, doch so liesse sich der CO2-Ausstoss drastisch senken – leider aber nicht der Stromverbrauch, der auch in Zukunft weiter steigen wird.