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Wissenschaftlicher Name: Feuersalamander – Salamandra salamandra
Gefährdungsstatus (IUCN): verletzlich, unerklärter Rückgang geht vermutlich weiter
Unterarten: gebänderter Feuersalamander, gefleckter Feuersalamander
Körpergrösse: bis zu 20 cm
Gewicht: max. 50 g
Verbreitung: In der Schweiz nördlich und südlich der Alpen. Die gebänderte Unterart der Nordschweiz ist in Westeuropa bis zu den Pyrenäen verbreitet; die gefleckte Unterart der Südschweiz kommt angrenzend im östlichen Teil Europas vor.
Wie kommt der Feuersalamander zu seinem Namen? Er verdankt ihn einem mittelalterlichen Aberglauben. Früher glaubte man nämlich, das giftige Sekret des Feuersalamanders sei eine Art natürlicher Feuerlöscher. Deshalb warfen die Leute die Tiere bei Bränden ins Feuer und waren überzeugt, dass diese feuerresistent seien. Dass der Feuersalamander kein Feuer löschen kann, ist heute klar…
Der Feuersalamander ist ein faszinierendes Amphibium, um das sich einige Mythen ranken. Leider ist er vielerorts gefährdet. Der Grund ist, dass wir Menschen seinen Lebensraum immer weiter einschränken. An den Orten, an denen er noch vorkommt, ist er deshalb ein Indikator eines intakten Ökosystems.
Der Feuersalamander, lateinisch Salamandra salamandra, gehört zur Ordnung der Schwanzlurche und ist der beeindruckendste und grösste Salamander, der bei uns vorkommt. Sein schwarz-gelbes Fleckenmuster, die glänzende Oberfläche und das giftige Sekret, das er ausstossen kann, schrecken seine Feinde ab. Dabei ist die Zeichnung eines Feuersalamanders so individuell wie der Fingerabdruck eines Menschen.
Typischer Lebensraum Wald
In der Schweiz leben zwei Unterarten: der gebänderte Feuersalamander, der in der nördlichen Schweiz vorkommt und der gefleckte Feuersalamander, der in der südlichen Schweiz zu Hause ist. Als Lebensraum bevorzugt der Feuersalamander kühle und feuchte Laub- oder Mischwälder. In der Schweiz kommt er besonders an kleinen Fliessgewässern in den Wäldern des Mittellandes, des Jura und des Tessins vor. Obwohl er sich tagsüber verborgen hält und sich in Nischen, unter Totholz oder flachen Steinen und zwischen Felsen oder Wurzeln versteckt, braucht er die Nähe eines Gewässers, das er zum Laichen benutzt. Nur wenn es draussen genügend feucht ist, z. B. nachdem oder während es regnet, verlässt er tagsüber sein Versteck. Ansonsten ist er ein nachtaktives Tier. Für die Überwinterung sucht sich der Feuersalamander vorzugsweise unterirdische Verstecke, wie feuchte Stollen oder Ähnliches.
Schweizer Sonderfall der Fortpflanzung
Der Lebenszyklus des Feuersalamanders ist ein Sonderfall unter den Schweizer Amphibien: Die Paarung erfolgt nicht wie bei den anderen Lurchen im Wasser, sondern an Land. Zudem sind Feuersalamander lebendgebärend. Das heisst, dass bereits in der Gebärmutter des Weibchens die Eientwicklung stattfindet und die Larven heranreifen. Feuersalamander paaren sich zwischen Juli und September, wobei sich die Geschlechtspartner umschlingen und das Weibchen das vom Männchen abgegebene Samenpaket in sich aufnimmt. Dann befruchtet das Weibchen damit seine Eier – im Körperinneren. Die Befruchtung ist zeitlich unabhängig von der Paarung. Das Weibchen kann unter Umständen die aufgenommene Samenflüssigkeit bis zu zwei Jahre befruchtungsfähig aufbewahren. Damit ist auch in Zeiten für Nachwuchs gesorgt, in denen kein Sexualpartner zur Verfügung steht. Grundsätzlich können die Larven damit zu jeder Jahreszeit im Gewässer abgelegt werden. Dennoch wandern die weiblichen Feuersalamander – wie andere Amphibien – bevorzugt im Frühling zwischen Februar und Mai zu den Gewässern. Dies geschieht vor allem nachts bei Regen, entsprechend häufen sich die wandernden Tiere an einzelnen Tagen.
Unkomplizierter Speisezettel
Larven, juvenile und auch adulte Feuersalamander sind Karnivoren (Fleischfresser) sowie Nahrungsgeneralisten. Das heisst, dass sie grundsätzlich jede Beute verspeisen, die sie überwältigen können. Auf dem Speisezettel der Larven stehen Eintagsfliegen- und Steinfliegenlarven, Wasserasseln, Bachflohkrebse und Würmer. Dagegen zieht der erwachsene Feuersalamander Schnecken, Tausendfüssler, Asseln, Ohrwürmer und Laufkäfer vor, selten sogar kleinere Amphibien.
Praktisch keine Fressfeinde dank Abwehr
Wegen ihrer Hautgifte haben erwachsene Feuersalamander nur wenige natürliche Fressfeinde. Droht Gefahr, sondern sie aus ihren Hautdrüsen ein weissliches Sekret ab. Bei Menschen verursacht dieses lediglich ein Brennen auf der Haut, doch für Tiere ist es giftig. Abgesehen davon, dass der Feuersalamander damit Fressfeinde abwehrt, dient es ihm auch als Schutz vor Bakterien und Pilzwachstum auf der feuchten Haut. Die gelb-schwarze Haut ist zusätzlich eine wirksame Abschreckung für Fressfeinde.
Die Larven und die jungen Tiere haben dagegen eindeutig mehr Feinde: Die Larven werden in fischfreien Quellbächen besonders von Libellenlarven und Flusskrebsen gefressen. Auch an Land lebende Tiere wie Vögel, Schlangen und die Wasserspitzmaus erbeuten gelegentlich Larven. Junge Feuersalamander werden gerne von Laufkäferarten verspeist.
Schwindender Lebensraum
Der Feuersalamander fühlt sich in der Nähe von natürlichen Wassereinzugsgebieten wohl. Sein Lebensraum ist heute hauptsächlich durch die Entwässerung und Verbauung von Larvengewässern, v. a. von Quellen, gefährdet. Dadurch mangelt es ihm an (fischfreien) Fortpflanzungsgewässern. Zudem sind die Larven besonders empfindlich gegenüber den ökologischen Bedingungen der Fliessgewässer, in denen sie sich entwickeln. Die Nähe zu Siedlungen und der Zufluss von Schadstoffen wirken sich deshalb negativ auf den Fortbestand der Feuersalamander aus. Andersherum betrachtet, ist der Feuersalamander dadurch in der Schweiz eine Zeigerart – ein Indikator – für die Qualität der Umwelt der Bachläufe des Mittellandes und des Juras (Larven) und für gesunde Laubmischwälder mit kühlen Quellbächen (adulte Salamander).
Ausserdem ist der Lebensraum des Feuersalamanders durch vielbefahrene Waldwege und Wegen in der Nähe von Wäldern gefährdet. Da sich die Tiere langsam fortbewegen, werden viele von ihnen beim Überqueren von Strassen überfahren.
Was kann man tun?
Neue Gewässer schaffen und Wasserläufe revitalisieren: Dies sind die wirkungsvollsten Massnahmen, um die Larvenhabitate des Feuersalamanders zu schützen. Besonders geeignet ist es, Wasserbecken mit Schwellen, Steinen, Kieseln, Geäst und Laub zu schaffen, um den Larven einen optimalen Lebensraum zu bieten. Dies geschieht am besten an Stellen, wo bereits ein natürliches Gewässer fliesst, um die Kosten für den Weiherbau tief zu halten. Neue Gewässer sollten zudem aufgrund der Laichwanderung nicht in der Nähe von Verkehrsachsen erstellt werden.
Um den Fortbestand des erwachsenen Feuersalamanders zu sichern, ist es wichtig, seine Lebensräume im Wald zu schützen. Seine Habitatanforderungen sollten bei der Waldentwicklungs- und Siedlungsplanung berücksichtigt werden. Weiter können zum Schutz des Feuersalamanders und anderer Amphibien Amphibientunnels unter Strassen gebaut werden. Auch Stollen und Höhlen im Wald sollten erhalten oder wiederhergestellt werden, denn sie bieten gute Verstecke für den Feuersalamander. Ebenfalls sollten die Förster gewisse Mengen an Totholz im Wald liegen lassen. Darin findet der Feuersalamander Futter, Unterschlupf und überwintert. Zudem bietet Totholz einen idealen Lebensraum für viele andere Tiere und auch Pflanzen. Auch wäre es sinnvoll, während der Wanderung der Weibchen im Frühling die Waldwege für den Verkehr – auch denjenigen der Forstbetriebe – zu sperren.
Überarbeitet von Lea Bosshart im Sommer 2021,
basierend auf dem Text von Viviane Winter
Aktuelles aus der Region Basel:
Der Feuersalamander ist in der Region Basel vor allem im Landkanton weit verbreitet. Jedoch geht auch hier der Bestand des Feuersalamanders (Region Basel und Nordschweiz) zurück. Im Kanton Basel-Landschaft wurden zwischen 2016 und 2020 sechzehn Standorte, wo Feuersalamander vorkommen, bestätigt. Ausserdem wurden zwei neue Standorte gefunden. Im Kanton Basel-Stadt hingegen konnten keine Standorte ausfindig gemacht werden. Die bestätigten Vorkommen liegen schweizweit gesehen besonders im Zentrum des Verbreitungsgebietes. Nicht mehr bestätigte Vorkommen hingegen liegen tendenziell am Rand des Verbreitungsgebietes. Die Nachweise erfolgen meist durch die nächtliche Suche von Larven in den Bächen, denn die Larven jagen nachts kleine Wasserinsekten und verlassen dazu ihre Verstecke. So können sie einfach gezählt werden.
Lea Bosshart, Sommer 2021