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"Die frühe Hausgeschichte des Zunftgebäudes ist ziemlich verwinkelt" schreibt unser Altstatthalter Dr. Hansrudolf Schwabe in seiner Festschrift zum 750–jährigen Zunftjubiläum im Jahre 1983. Nach dem Erwerb des vorderen Teils der kleinen Liegenschaft „zem nideren Bild“ scheint die Stube bald zu kleingeworden zu sein. Ab 1330 finden wir die Weinleute auch im Nachbarhaus „zem Ystein“. Nach einem grössern Brand am Kornmarkt wurde die Liegenschaft
renoviert und um ein Hintergebäude, das sich an einen Hof anschloss, erweitert. Die beiden Liegenschaften wurden in den Jahren 1421 und 1423 aufgestockt und unter einem First vereinigt. Bei einer von der Zunft mitfinanzierten dendrochronologischen Untersuchung 1997 am Dachstuhl konnten die Fälldaten der Fichten für die Dachkonstruktion mit Winter 1419/1420 nachgewiesen werden.
Umbauten im 16. Jahrhundert
Bei der Umgestaltung im 16. Jahrhundert blieb die alte Anlage erhalten; sogar die Scheidemauer zwischen den beiden Häusern blieb stehen, und das unregelmässige Joch im rechten Fassadenteil weist bis heute auf die mittelalterliche Gebäudeeinteilung hin. Wie andere Zunfthäuser in Basel besass die Geltenzunft im Obergeschoss einen grossen Saal. Im Erdgeschoss befand sich der Eingang in der Mitte der ehemaligen Liegenschaft „ zem Ystein“; rechts und links davon waren Kaufläden eingerichtet. In ihrer Arbeit über das Zunfthaus zu Weinleuten aus dem Jahre 1977 vermutet Johanna Strübin, dass es sich beim Architekten der Renaissancefassade um den Steinmetz Daniel Heintz handeln könnte. Nach ihren neueren Arbeiten zur Biographie von Daniel Heintz (das Buch erschien Ende 2002) gilt dieser sicher als Erbauer der Fassade. Im 1926 erschienenen Buch „Das Bürgerhaus in der Schweiz BS 1. Teil“ steht zum Vergleich mit dem Spiesshof: „Trotz der grossen Verwandtschaft der zwei Fassaden ist es nicht wahrscheinlich, dass beide vom gleichen Architekten herrühren, der des Zunfthauses ist wohl sicher nur ein weniger befähigter Nachahmer des andern“ !
Das Meisterstück des Baukünstlers bestand darin, dem mittelalterlichen Baukörper mit seinen typischen spätgotischen Staffelfenstern durch ein Netzwerk aus dorischen Säulen und kanellierten Pilastern sowie breiten, ornamentierten Balken zu überdecken. An der rechten, breiteren Achse kann das schmale mittelalterliche Haus noch abgelesen werden; im Erdgeschoss wird diese Unregelmässigkeit an Stelle der drei Rundbogen des „linken“ Hauses, mit einem Korbbogen überspannt. In den beiden Obergeschossen wurde das Problem mit einem zusätzlichen Fenster gelöst.
Den obern Abschluss der Fassade bildet eine Balustrade, die später offenbar wegen Baufälligkeit entfernt und erst im letzten Jahrhundert, nach einem Stich aus dem Jahre 1651, wieder aufgesetzt wurde. Auch das Hausinnere, insbesondere der Zunftsaal im 1. Obergeschosses, wurde in Renaissancemanier erneuert. Der Sturz einer ehemaligen Saaltüre trägt das eingemeisselte Datum 1562. Bis zum Umbau des Zunfthauses für die Bedürfnisse der Bank CIAL [heute: Banque CIC (Suisse)] im Jahre 1909 dienten die Räumlichkeiten, wie bei andern Zunfthäusern, als Wirtschaft.
Fassadensanierung mit neuer (ursprünglichen?) Farbgebung
In den Jahren 1978/79 wurde die Fassade letztmals komplett überholt, dabei verschwand, sehr zum Leidwesen vieler Zunftbrüder, das prunkvolle Aussehen unseres Zunfthauses. Diese englischrote Fassadenfarbe mit einer reichen Vergoldung stammte aus dem 19. Jh. und wurde letztmals 1953 renoviert. In seinem Zeitungsartikel „Auch ohne Gold ein Prunkstück“ schreibt der damalige Denkmalpfleger Dr. Alfred Wyss: „Ursprünglich – auch das wissen wir heute mit Sicherheit – war die Fassade in rotem Sandstein unbemalt belassen und erst nach der fünften Erneuerung des Goldes wurde die ganze Fassade überstrichen, wohl weil sie unansehnlich geworden war oder auch zu ihrem Schutz.“ Durch vielerlei Proben und Untersuchungen konnte als unterste Farbschicht das bekannte Rotbraun bis Blaubraun nachgewiesen werden.
Wenn Wyss weiter schreibt, dass mit dieser Farbe „dem originalen Kunstwerk, zu seiner ursprünglichen Wirkung verholfen würde…“, frage ich mich, ob denn nicht der naturbelassene Sandstein das „Original“ sei, und ob man nicht mit einer dem Sandstein angeglichenen Farbe näher bei der ursprünglichen Wirkung wäre, denn aus meiner Sicht als Bauherr ist die Farbe äusserst problematisch bei Renovationen von einzelnen Fassadenpartien. Man kann die Farbe noch so genau nachmischen, schon nach kurzer Zeit sieht die Fassade fleckig aus. Hellere Farben und solche mit einem kleineren Blauanteil wären wesentlich renovationsfreundlicher.
Basel, 30. Mai 2002 Matthias Buser, Bauherr
Literatur:
„Das Bürgerhaus in der Schweiz“ Kanton Basel-Stadt 1. Teil, 1926
„Das Zunfthaus Zu Weinleuten in Basel“ von Johanna Strübin, 1977
„Auch ohne Gold ein Prunkstück“ von Dr. Alfred Wyss, Basler Zeitung vom 8.12.1978
„E.E. Zunft zu Weinleuten“ von Dr. Hansrudolf Schwabe, 1983
“ Zunft- und Gesellschaftshäuser der Stadt Basel“ von Robert Schiess, 2001