Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/1217

Favre wuchs in le Locle im Jura auf. Er liebte Pferde und wollte Landwirt werden. Zehn Tage vor einem lokalen Tanzfest bat ihn sein Bruder, als Schlagzeuger in seiner Musikgruppe einzuspringen. Pierre Favre brachte sich das Instrument kurzerhand selber bei. Zwei Jahre später war er statt Bauer Berufsmusiker.
Karriere war für uns Jazzer ein Fremdwort.
Favre erlebte harte Zeiten. Er musste für seine vierköpfige Familie Geld verdienen. So liess er sich als Schlagzeuger in Max Gregers Unterhaltungsorchester engagieren. Er begleitete Grössen wie Louis Armstrong und Chet Baker. Doch sein Interesse galt mehr der Improvisation. Er gab zahlreiche Solokonzerte, trat aber auch in kleinen Formationen mit anderen Drummern und anderen Instrumentalisten und -innen auf. Berühmt sind seine Konzerte mit der Schaffhauser Improvisations-Jazzpianistin Irene Schweizer.
Favre hat sich nie als Rhythmiker, sondern als Melodiker verstanden. «Wenn ich spiele, singt es bei mir immer», sagt er. «Singing Drums» nannte er denn auch eines seiner bekanntesten musikalischen Projekte. Favre lässt stets auch Elemente der E-Musik und ethnische Klänge aus Afrika, Südamerika und Fernost in sein Spiel einfliessen. Favre lebt seit vielen Jahren in Uster. Der heute 80-Jährige tritt weiterhin regelmässig auf und bietet zudem Workshops für junge Musiker an.