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Unerhört!
Jugend-Sinfonieorchester Aargau
Hugo Bollschweiler, Leitung
Ning Kam, Violine
Wolfgang Amade Mozart (1756-1791): Sinfonie Nr. 25 g-Moll, KV 183 (1773)
Igor Stravinsky (1882-1971): Concerto en ré pour violon et orchestre (1931)
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975): Sinfonie Nr. 9 op. 70 Es-Dur (1945)
Vier radikal exponierte Hörner, eine romantisch-dramatische Moll-Anlage und die rauschende Sturm und Drang-Geste: Mozarts „kleine“ g-Moll-Sinfonie ist eine kompromisslose Experimentalsinfonie, in ihrer Schmerzlichkeit scheinbar unerhört für einen Siebzehnjährigen. Nicht zufällig musste diese Musik herhalten als Intro für den Film „Amadeus“, dieses ungebremste Porträt eines genial Enthemmten. Igor Stravinsky machte nie einen Hehl daraus, dass ihm die grossen Violinkonzerte Brahmsscher und Beethovenscher Prägung gar nicht passten. Sein Violinkonzert ist die trotzige Weigerung, gängigen virtuosen Konzert-Konventionen zu entsprechen und erntete zu seiner Zeit Spott und Hohn: Es war ein unerhörtes „Nicht-Konzert“, im jazzigen Neo-Barock angelegt als kühl-ironischer Tanz-Soundtrack für Georges Balanchines berühmtes Ballet Russe. Schostakowitschs 9. Sinfonie schliesslich, sollte 1945 eine Siegessinfonie werden. Doch war sie in ihrer klassisch-mozartischen Zurückhaltung und unheroisch-strengen Form eine unerhörte Provokation des Regimes. Die offizielle Ächtung folgte auf dem Fusse und führte zu einer langen sinfonischen Pause in Schostakowitschs Schaffen.
Die Geigerin Ning Kam gibt mit Strawinskys selten gespieltem Violinkonzert ihr exklusives Debut in Boswil. Die Menuhin-Schülerin und Queen Elisabeth-Preisträgerin hat ihren eigenen Stil geprägt, brillant, unmittelbar und kompromisslos. Sie ist Kammermusikerin, Orchester-Leaderin und musikalische Grenzgängerin zugleich und sorgt stilüberschreitend für Aufsehen. (Hugo Bollschweiler)
Die Konzertdaten:
Sonntag, 9.8.2015 Boswil, Künstlerhaus Alte Kirche, 11.30 Uhr
Mittwoch, 12.8.2015 Luzern, Hotel Schweizerhof, 19.30 Uhr
Samstag, 15.8.2015 Aarau, Kultur- und Kongresszentrum, 19.30 Uhr
Sonntag, 16.8.2015 Laufenburg-Luttingen (DE), Kirche St. Martin, "Fliessende Grenzen", Kulturtage, 19.30 Uhr
Presse:
" Mit der neunten Sinfonie von Schostakowitsch haben sich die gut 65 jungen Leute im Alter von 17 bis 25 Jahren einer Sinfonie gestellt, die sonst Berufsorchestern vorbehalten ist. Hinreißend war diese Schostakowitsch-Wiedergabe, weil sie der frechen, spritzigen und sarkastischen Musik mit dem rasanten Final-Galopp eine interpretatorische Entsprechung mit viel Drive und Dramatik lieferte."
Südkurier, 18. August 2015
"Es war überwältigend zu hören, mit welcher Kraft, Expressivität und geschärftem Klang sich das junge Orchester in die gewaltige Sinfonie des russischen Komponisten legte. Ein dichter, prägnanter Streicherklang, effektsicher und rhythmisch genau agierende Schlagwerker an der Perkussion, das schwere Blech, das wuchtig hervortritt, die herausragenden Holzbläser, die auch die lyrischen und schwermütigen Stellen sorgfältig aushorchten, machten diesen Schostakowitsch zu einem fesselnden Klangerlebnis." Badische Zeitung , August 2015
Der Freiämter, 11. August, 2015
Bettina Leemann
«Unerhört» gut und begeisternd
Das Jugendsinfonieorchester Aargau riss in der Alten Kirche Boswil das Publikum mit
«Unerhört» war das Motto des Konzertes, welches das Jugendsinfonieorchester Aargau unter der Leitung von Hugo Bollschweiler am vergangenen Sonntag dem Publikum in der Alten KircheBoswil offerierte.
Unerhört war auch das Niveau, mit welchem das Orchester das Publikumzu begeistern wusste. Mit einer unglaublichen Brillanz und Präsenz liessen die jungen Musikerinnen und Musiker die anspruchsvollen Werke von Mozart, Strawinsky und Schostakowitsch in der Alten Kirche Boswil erklingen.
…
Getreu dem Motto des Dirigenten Hugo Bollschweiler «Let's Rock» erklangen die ersten Takte der Mozart Sinfonie Nr. 25. Schon diese ersten Töne liessen keinen Zweifel aufkommen, das Orchester hatte das Motto verinnerlicht, und hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Wände der alten Kirche Boswil zum Beben zu bringen.
Mit einer bewundernswerten Brillanz liessen die Streicher das Motiv des ersten Satzes der Sinfonie erklingen und schufen dabei den richtigen Boden für einen glasklaren Oboeneinsatz, der das eben gehörte Motiv wunderbar aufnahm.
Das Orchester legte dabei eine Perfektion an den Tag, welche die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur die Wärme, sondern auch den Ort vergessen liess, an dem man sich befand. Mozart in seiner vollendeten Perfektion und mit einer Intensität, wie man diese Musik nur von den ganz grossen Orchestern dieser Welt zu hören bekommt, sofern sie denn
noch Mozart-Sinfonien spielen.