Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03223.jsonl.gz/1045

Printed in
Seit meinem letzten Berichte an Hrn. Bundespräsidenten Deucher vom 17. April 18862 in Sachen der Unterhandlungen über einen Arbitrationsvertrag bin ich in dieser Angelegenheit nicht etwa müssig gewesen, obgleich ich auch heute nicht in der glücklichen Lage bin, Ihnen Günstiges zu melden. Ich bin zwar längst der Überzeugung, dass die Regierung des Hrn. Cleveland und speziell Hr. Bayard von diesem Vertrage nichts wissen will. Allein ich würde es für werthvoll gehalten haben, in den Besitz einer ausdrücklichen aktenmässigen Absage zu gelangen. So weit wollte indessen Hr. Bayard offenbar nicht gehen. Er und seine Unterstaatssekretäre Rives, Adee und Moore versprachen mir jeweilen, die Angelegenheit wieder in die Hand zu nehmen und mir binnen Kurzem zu schreiben, aber ich habe von ihnen nie eine geschriebene Zeile erhältlich machen können, ausgenommen die lakonische Bemerkung des Hrn. Adee vom 10. Nov. 1887: «The Arbitration treaty is still under consideration» – und einer Mittheilung des Hrn. Moore vom 7. dieses Monats auf welche ich unten zu sprechen komme.
Unterm 8. Merz d. J. besprach ich mich mit Hrn. Rives, dem I. Unterstaatssekretär. Das Projekt leuchtete ihm sehr ein; wenigstens sagte er so, und er versprach mir, in wenigen Tagen weitere Mittheilungen zu machen. Am 21. Merz begab ich mich abermals zu Hrn. Rives, allein nur um von ihm zu vernehmen, dass Hr. Bayard ganz und gar abgeneigt sei, die Unterhandlungen wieder aufzunehmen. Trotzdem brachte ich den Gegenstand am 13. April bei Hrn. Bayard zur Sprache. Ich verwies ihn auf die längeren Unterhandlungen, die ich mit Hrn. Frelinghuysen über das Projekt gepflogen und betonte, dass meine Regierung das Zustandekommen des Vertrages sehr lebhaft begrüssen würde. Hr. Bayard versicherte mir, dass er die Frage prüfen und mir demnächst schreiben werde. Am 10. Mai liess mir Hr. Unterstaatssekretär Moore vertraulich mittheilen, er wünsche mit mir über den Gegenstand zu sprechen. In meiner unmittelbar darauffolgenden Entrevue mit Hrn. Moore auf dem Staatsdepartement sagte mir derselbe, dass er wisse, dass mir an dem Abschlüsse des Vertrages viel liege; ihm persönlich würde es zur grossen Genugthuung gereichen, wenn es ihm gelänge, noch vor meiner Abreise von Washington eine befriedigende Lösung herbeizuführen. Er habe sich zu diesem Zwecke seit einigen Tagen mit der Sache befasst und hoffe mir bald ein Mehreres mittheilen zu können.
Allein ich wartete auch auf diese Botschaft vergeblich und als ich bei anderer Gelegenheit mittelst vertraulichen Schreibens vom 6. dies, mich bei Hrn. Moore nach dem Stande der Sache erkundigte, erhielt ich am folgenden Tag die Antwort: «I regret to say I have been unable to get the arbitration matter into a tangible form. The present time does not seem favorable for the conclusion of a convention of the character referred to.»
Dies schreibt mir Hr. Moore 14 Tage nachdem Hr. Cleveland den Beschluss des Kongresses genehmigt hat, welcher ihn bevollmächtigt und beauftragt, mit den Staaten Amerika’s Arbitrationsverträge abzuschliessen.
Ich betrachte damit diese Angelegenheit, soweit sie mich betrifft, als erledigt, da ich überzeugt bin, dass Hr. Bayard sich wohl hüten wird, mir die so oft in Aussicht gestellte schriftliche Antwort zu geben.
Tags