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BRUDER ADAM
Er kam am 3. August 1898 unter dem bürgerlichen Namen Karl Kerle in Süddeutschland zur Welt und schloss sich 1910 dem in Devon (England) liegenden Benediktiner-Kloster Buckfast an. Mit 21 Jahren übernahm er die Verantwortung über die Klosterimkerei, wobei er von Anbeginn vor eine grosse Herausforderung gestellt wurde. Zu dieser Zeit herrschte eine Milbenepidemie, welche rund 90% der Bienenvölker zum Verhängnis wurde. Als Resistent gegen die Tracheemilbe erwiesen sich Völker mit Königinnen der Ligustica-Biene. Diese Bienen war es auch, welcher der Imkerei in England neuen Aufschwung brachte. Aber besonders angetan war er von einer Italienerkönigin, welche von Drohnen der einheimischen Landrasse begattet worden war und sich als extrem leistungsfähig und resistent erwies. Diese Kreuzung war es, welche durch die rigorose Auslese der Natur zur Basis der heutigen Buckfastbiene werden sollte. Bruder Adam unternahm kurze Zeit später, angeregt durch die von Prof. Ludwig Armbruster verfasste „Bienenzüchtungskunde“, die ersten Versuche mit Kreuzungen, wobei er auch schnell erkannte, dass Beuten und Betriebsweisen an die neuen, viel fruchtbareren Bienen angepasst werden musste. Im Jahr 1924 stellte er die Hälfte der Behausungen des bisher verwendetem englischen Vereinsmass auf die Quadratische Dadant-Beute mit einem Brutraum und halbhohen Honigräumen um, wobei anfangs hauptsächlich betriebstechnische Erwägungen den Ausschlag zu diesem Beutetyp gaben. 1925 wurde von Bruder Adam eine Belegstelle im Dartmoor errichtet, welche noch Heute in Betrieb ist. Durch ihre ausserordentliche Isolation war Ihm die Möglichkeit gegeben, die Königinnenzucht nach seinen eigenen Belieben zu steuern. 1930 erfolgte die Umstellung sämtlicher Völker auf das Dadantmagazin, da die Erfahrungen mit diesem Beutesystem währen der letzten sechs Jahre zeigten, dass mit dieser Bienenbehausung auch ertragsmässig sämtliche Erwartungen übertroffen wurden. Im gleichen Jahr erstellte er eine Kreuzung zwischen Königinnen einer speziellen französischen Zuchtmutter (Apis mellifera mellifera) und Buckfastdrohnen, Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden mit diesen Königinnen verschiedene Etappen einer Kombinationszucht durchgeführt und nach einer strengen Auslese wurde diese Königinnen 1940 in den Buckfaststamm übernommen. In den Jahren 1950 bis 1977 unternahm Bruder Adam ausgiebige Reisen durch Europa, Afrika und Kleinasien, wobei er die lokalen Bienenrassen studierte und bewertete. Die Ergebnisse schrieb er im Buch „Auf der Suche...“ nieder, welches im Jahr 1966 veröffentlicht und 1983 in einer zweiten, ergänzten Auflage erschien. 1964 wurde er Ratsmitglied der Bee Research Association. Im Jahre 1972 erschien die Erstauflage seines Buches „Meine Betriebsweise“, welches bis Heute in 6 Sprachen übersetzt wurde. 1973 wird Bruder Adam von der Königin Elisabeth 2 zum Officer of the most Excellent Order of the British Empire (O.B.E.) ernannt und erhält kurt darauf das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 1982 wurde sein drittes literarisches Werk „Züchtung der Honigbiene“ veröffentlicht. 1987 bekam er die Ehrendoktorwürde der landwirtschaftliche Fakultät Uppsala in Schweden und wird zwei Jahre später zum Doktor „honoris causa“ der landwirtschaftliche Fakultät der Universität von Exeter/Devon ernannt.
Am ersten September 1996 starb Bruder Adam im Alter von 98 Jahren, doch hat er durch seine Dienste für die Biene und die Imkerei, sowie das Wissen, welches er uns hinterlassen hat, die Unsterblichkeit erlangt!
Bruder Adam prägte die gesamte Imkerei und versorgte diese mit einem Wissen von unschätzbarem Wert. Trotzdem wird sein Lebenswerk v.a. in Fachkreisen viel zu wenig gehuldigt und anerkannt. In kaum einer Fachzeitschrift liest man heute noch von Bruder Adam und vergeblich sucht man nach seinem Namen in literarischen Verfassungen von den sogenannten „grossen“ Bienenwissenschaftlern der heutigen Zeit. Und dies obwohl jeder von Ihnen das Wissen, die Erfahrungen und Thesen von Bruder Adam für seinen eigenen imkerlichen Erfolg nutzt. Es ist jedoch eine Tatsache, dass er, ein einfacher Benediktinermönch, uns ein so grosses Wissen über den Umgang, die Haltung und Zucht der Honigbiene hinterlassen hat, wie die keinem anderen Menschen je gelungen ist – Halten wir seine Hinterlassenschaft in Ehren . . .
. . . „Geehrter Bruder Adam, auch wenn sich unsere Wege nie gekreuzt haben, so warst und bist Du noch immer unser grösster Mentor – Vielen Dank“!
DIE BUCKFASTBIENE
Bei dieser Biene handelt es sich nicht um eine natürlich entstandene Rasse, sondern eine Kunstrasse, welche von Bruder Adam gezüchtet wurde. Die Basis für die heutige Buckfastbiene bildete eine Kreuzung zwischen der ligurischen Biene und der altenglischen Landrasse, wobei im Verlaufe der Zeit weitere Rassen mit eingekreuzt wurden (Mellifera, Cecropia, Anatolica). Die entstandenen Kreuzungen wurden von Bruder Adam einer strengen Leistungsprüfung und Auslese unterzogen, wobei er auch die Zuchtziele, welche bei anderen Bienenrassen hauptsächlich morphologischen Kriterien unterlagen, neu definierte. Die gefestigten, erbtreuen Kombinationen wurden erst nach fünf bis 10 Jahren der Bewährungsprobe in den Buckfaststamm eingeführt, unter der Bedingung, dass diese gegenüber dem Grundstamm auch wirklich Vorteile mit sich brachten.
Die heutige Buckfastbiene besitzt in ihrer äusseren Erscheinung eine grosse Variationsbreite, wobei durch den Ursprung der Rasse eine Biene mit lederbraune Ecken oder Ringen, aber auch dunkle Bienen mit teilweise grauen Filzbinden entstehen. Sie definiert sich über Grundlagen der Leistung und Eigenschaften von betriebstechnischer Bedeutung. Die Buckfastbiene ist sehr fruchtbar, krankheitsresistent, schwarmträge und hat einen ausgeprägten Sammeltrieb. Sie geht mit ihren Vorräten haushälterisch um, ist Wetter- und Winterfest und entwickelt sich im Frühjahr sehr gut. Sie ist sehr sanftmütig und selbst bei eingriffen, welche unter nicht optimalen Bedingungen geschehen ruhig und wabenstetig, was nebst der Tatsache, dass sie wenig Kittharz verwendet oder Wirrbau erstellen, das Arbeiten mit dieser Biene erleichtert.