Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/3306

Das Sterngewölbe – so benannt nach der sternförmigen Organisation des Gewölbes – präsentiert sich zweijochig und unterteilt sich in einen Vorchor, der fast quadratische Masse hat, und im Chorhaupt, das den Chor im Osten mit drei Seiten eines Achtecks abschliesst. Das Gewölbe im Chorhaupt zeigt einen (erweiterten) achteckigen Stern, dasjenige im Vorchor einen viereckigen Stern.
Beide Teile des Chorsterngewölbes auf einen Blick
Die Rippen des Gewölbes kreuzen sich in bemalten Schlusssteinen. Die Medaillons im Vorchor zeigen je ein Wappen von Bern, Stadt und Stift Zofingen, im Chorhaupt den Reichsadler, den hl. Mauritius und die vier Evangelistensymbole.
Medaillon mit dem Wappen vom Stift Zofingen
Medaillon mit dem Symbol für den Evangelisten Markus: der geflügelte, mit einem Goldnimbus und einem Spruchband mit dem Namen des Evangelisten versehene Löwe
Der zentrale Schlussstein zeigt eine prachtvolle Darstellung eines «Agnus Dei» (das «Lamm Gottes») mit goldenem Kreuznimbus, der auf Christus verweist, einem goldenen Becher, in den das Blut des Lammes strömt, und der Kreuzfahne, das das Lamm mit seinem rechten Vorderbein umfasst.
Der zentrale Schlussstein im Zentrum des sechseckigen Stern des Chorhauptsterngewölbes
Die spitzwinkligen Bereiche zwischen den Sternrippen sind mit kunstvollen floralen Mustern in Grautönen bemalt, während die Rippenverbindungen farbig erscheinen.
Foto Barbara Tobler
Die Chorfenster enthalten einen gotischen Passionszyklus aus der Zeit um 1400.
Aus vorreformatorischer Zeit, um 1518, stammt der zentral platzierte dreiteiliges Chorgestühl aus Holz mit kunstvollen figürlichen und dekorativen Flachschnitzereien. Das mittleren Segment in der Frontansicht zeigt ein «Memento mori»: In typischer Barockmanier erscheint hier ein von allerlei Gewürm benagtes Skelett. Über diese Darstellung ist im Band «Kunstdenkmäler der Schweiz» von 1948 so plastisch wie drastisch nachzulesen: «Um ein von Würmern benagten stehenden Leichnam flattert in gedärmartiger Verschlingung ein Spruchband.» Darauf ist in Minuskeln und stark verkürzt zu lesen: «o moensch nim war din leben ist vf erd nut daz betracht mit flis du bist der wurmer spis.» Die barocke Weltsicht bzw. die drastisch-makabre Kehrseite von irdischer Opulenz und Sinnenfreudigkeit!
«Memento mori»-Darstellung in der Mitte der Vorderseite des Chorgestühls
Die Stiftertafel der Sponsoren von 1630/31
Charlotte Germann-Jahns Inpretation der «Jakobsleiter» von 1968