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Sturmgewehr Zastava M70AB2,Kaliber 7.62x39mm
Nachdem in Jugoslawien Kopien des Selbstladegewehres SKS gefertigt wurde, war man sich dort lange Zeit uneinig, ob man das sowjetische Sturmgewehr AK-47 einführen sollte. In der Folge wurde dann eine grosse Anzahl von Varianten und Derivaten dieses Sturmgewehres entwickelt. Federführend bei diesen Entwicklungen war und ist die Waffenfabrik Avodi Crvena Zastava in Kragujevac im heutigen Serbien.
Eigenschaften der Zastava-Gewehre
Die jugoslawischen Sturmgewehre spiegeln in Ihren Eigenschaften die bewegte Geschichte des Balkans wieder. Die Gewehre von Zastava aus Kragujevac basierend grundlegend auf Michail Kalaschnikows Konstruktion, haben aber doch Ihre Eigenheiten im Detail. Augenscheinlich ist die bemerkenswert gute Fertigungsqualität. Trotz der sowjetischen Basis findet man Details, die internationalen Einfluss sichtbar machen. Dazu gehört die Doktrin des massiven Einsatzes von Gewehrgranaten, was auf französischen Einfluss schliessen lässt. Weiter zeigt die Kaliberwahl bei den DMR-Varianten, deutlich den Einfluss der deutschen Okkupation während des Zweiten Weltkrieges.
Die meisten dieser jugoslawischen Gewehre sind mit Granatvisierungen auf dem Gasblock ausgerüstet. Im Normalzustand ist diese Visierung auf den oberen Handschutz heruntergeklappt. Zum Abfeuern einer Gewehrgranate wird das Granatvisier hochgeklappt. Dabei verschliesst sich gleichzeitig die Gasabnahme und das Gewehr lädt nicht mehr nach. Die Verschlussteile werden so vor dem langanhaltenden Gasdruck beim Verschiessen von Gewehrgranaten geschützt. Ebenfalls erwähnenswert ist ein Rückschlagpuffer, der sich hinten oben im Verschlussgehäuse befindet. Er besteht aus einer Feder und einem Druckstift, der quer im Verschlussgehäuse gehalten ist. Diese Vorrichtung sorgt ebenfalls dafür, dass sich die Schliessfeder nicht lösen kann, wenn Gewehrgranaten abgefeuert werden. Dieser Druckstift muss beim Zerlegen eingedrückt werden, um die Schliessfeder ausbauen zu können. Die jugoslawische Armee verwendete Gewehrgranaten im grossen Umfang. Dazu wurde ein Gewehrgranat-Gerät auf den Lauf aufgeschraubt. Mit diesem Aufsatz konnten Gewehrgranaten im westlichen Kaliber 22mm mit einer speziellen Kartusch-Patrone abgefeuert werden.
Zur Standardausrüstung aller jugoslawischen AK-Derivaten gehören eine Schaftkappe aus Gummi, Tritium-Nachtvisierung und ein Verschlussfang. Die Verschlussfangfunktion wird dadurch erreicht, dass man in den Magazinzubringer eine Nut eingebracht hat. Somit wird nach dem Abfeuern des letzten Schusses der Verschluss gefangen und offengehalten.
Die Varianten
Modell 70AB2, Kaliber 7.62x39mm
Grundlage des Modell 70 ist die sowjetische AKM. Wie die meisten anderen Waffen in dieser Waffenfamilie hat das Modell 70 einen Pistolengriff aus Kunststoff und die Beschriftung „U“ (Ukecheno, gesichert), „J“ (Jedinachno, Einzelfeuer) und „R“ (Rafal, Dauerfeuer) am Verschlussgehäuse. Die Modelle 70 sind von sehr guter Qualität gefertigt. Die Laufinnenseite ist im Gegensatz zum sowjetischen Vorbild nicht verchromt. Das Modell 70AB2 verfügt über einen überaus stabilen Klappschaft, der wie bei der AKMS unter das Gewehr geklappt werden kann. Die Stabilität ist wiederum den Gewehrgranaten geschuldet.
Modell M92, Kaliber 7.62x39mm
Das Modell 92 ist im Grundsatz ein Modell 70AB2 mit verkürztem Lauf und lehnt sich in der Konzeption stark an die sowjetische AKS-74U an. Allerdings ist die Kaliberwahl beim früheren Kaliber 7.62x39mm geblieben. Der Staubschutzdeckel ist wie bei der AKS-74U an einem Scharnier aufgehängt und kann nicht ohne Werkzeug von der Waffe getrennt werden. Der 254mm lange Lauf ist mit einem Feuerscheindämpfer mit Druckkammer ausgerüstet und folgt wiederum der Vorlage des AKS-74U.
Modell M76
Eine weitere Variante der Modell 70 findet sich im DMR-Gewehr M76. Das M76 ist eine halbautomatische Variante in Kaliber 8x57IS, dem ehemaligen Wehrmachtskaliber. Diese Patrone findet seit der deutschen Besetzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg weite Verbreitung auf dem Balkan. Auch das Maschinengewehr MG53 verschoss diese Patrone.
Das M76 verfügt über ein schweres, aus dem Schmiederohling gefrästen Verschlussgehäuse und einen 550mm langen Lauf. Zum M76 wurde das Zielfernrohr ON-M76 ausgegeben. Das ON-M76 wurde bei ZRAK im heutigen Bosnien gebaut und verfügt über eine fixe 4-fach Vergrösserung. Das Absehen entspricht dem sowjetischen PSO-1 des Dragunov-Gewehres, wird aber über eine Tritium Quelle beleuchtet. Eine offene Visierung als Backup ist bis 1000m skaliert.

Literaturverzeichnis
Iannamico, Frank. 2012. The Grim Reaper. 2. Henderson : Chipotle Publishing, 2012. ISBN 978-0-9823918-5-3.
Johnston, Gary Paul und Nelson, Thomas B. 2012. Sturmgewehre der Welt. [Übers.] Bernd Rolff. Blaufelden : dwj VErlags-GmbH, 2012. Bd. 2. ISBN 978-3936632-77-4.