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In Argentinien beginnt das Jahr im Hochsommer, darum bevölkern dieser Tage Millionen die Strände der «Costa Argentina». Das sonst so geschäftige Buenos Aires schaltet unter einer feuchten Hitzeglocke zwei Gänge herunter. Zurück bleiben jene schwitzenden Hauptstädter, die dieser Tage arbeiten müssen. Und solche, die so tun müssen, als ob sie arbeiten wollen.
Die Rede ist von den «Ñoquis». Staatsdienern, die der argentinische Volksmund so nennt wie die nahrhaften, aber wenig gesunden Gnocchi aus Kartoffelmehl, die einst mit den italienischen Einwanderern in die Pampa kamen.
Als am 10. Dezember die Mitarbeiter des neuen Präsidenten Mauricio Macri ihre Büros im Regierungspalast beziehen wollten, stiessen sie auf ein Problem: Es gab keinen Platz. In vielen Büros von drei auf drei Metern standen 16 Angestellte rum, es gab nicht mal genügend Raum, um zu sitzen.
Im Senat traf die neue Chefin, Macris Vizepräsidentin Gabriela Micchetti, auf einen Mitarbeiter, der um Zuteilung einer Aufgabe bat. Der junge Akademiker gab an, vor acht Monaten eingestellt worden zu sein, aber bis heute nicht zu wissen, was er tun solle. Immerhin: Er wurde mit 40’000 Peso im Monat entlöhnt, das entspricht neun Mindestlöhnen.
In Argentiniens Senat stieg der Personalstand von 3000 auf 7000 während der letzten vier Jahre. Inzwischen beschäftigt die 72-köpfige zweite Parlamentskammer 1000 Personen mehr als der gesamte Deutsche Bundestag.
Freilich, schon lange vor der 12½-Jahre-Ära Kirchner war es in Argentinien Unsitte, Vettern, Amigos und Parteifreunde auf Staatskosten zu versorgen. Den Hüftspeck, den die «Ñoquis» dem Pampa-Land inzwischen eintragen, hat die Unternehmensberatung KPMG kürzlich auf über 20 Milliarden Peso jährlich berechnet, also etwa 7 Milliarden Franken. Den gleichen Betrag gibt Argentinien für Kindergeld aus.
Dabei berechneten die Consultants wohlgemerkt nicht alle überflüssigen Portiers, Kaffeekocher und Fingernagellackiererinnen, sondern allein jene Staatsdiener, die niemals an der Stelle auftauchen, die ihren Lohn bezahlt. Unter diesen mindestens 200’000 Personen befinden sich freche Betrüger, Verstorbene, aber auch Bürger, die gar nicht wissen, dass sie auf staatlichen Gehaltslisten stehen. Korrupte Beamte oder politische Parteien haben Tausende Unbescholtene zu Kartei-«Ñoquis» gemacht, um deren Löhne abzuzweigen.
Nun stellten Macri und Micchetti klar, dass wer nicht arbeite, auch nicht bezahlt werde. Die Gewerkschaften der Staatsdiener entgegneten empört, «Ñoquis» gebe es nur im Nudelgeschäft, und man werde sich wehren, falls Kündigungen versandt würden. Nicht wenige glauben, dass Cristina Kirchners Neueinstellungen (mehr als 20’000!) im letzten Amtsjahr genau solche Proteste provozieren sollten. Am Montag hat die erste Kündigungswelle begonnen. Gabriela Micchetti kassierte mit Stichtag 30. Dezember 2035 Neueinstellungen, kurz vor dem Ende der Probezeit. Ausserdem soll eine Kommission sämtliche Beförderungen des Vorjahres überprüfen. Auch das waren 2317.