Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/2842

Bitte verwende das Drucker-Symbol rechts über dem Artikel, um Seiten auszudrucken. Please use the print icon aobe the article to print any page.
Monat: Oktober 2019
Homophobie in afrikanischen Gesellschaften wird zumeist als Überrest unaufgeklärter Zeiten verstanden, eine Abwehr von Toleranz und Modernität. Auch der Film Inxeba wurde im Namen der Tradition angegriffen, doch so einfach ist es mit der Gegenüberstellung von „Tradition“ und „Moderne“ nicht.
Der polnische Künstler Artur Żmijewski hat 2005 das berühmte Stanford-Prison-Experiment "überprüft". Bei ihm werden die Gefängniswärter nicht zu Sadisten, sondern beenden die Versuchsanordnung. Was sagt das künstlerische Experiment über den Zusammenhang von Konformität und Macht aus?
Vor wenigen Tagen starb der Architekturtheoretiker Charles Jencks, der 1977 der modernen Architektur den offiziellen Totenschein ausgestellt und die Rede von der „postmodernen Architektur“ begründet hatte. Obwohl ihrerseits nun schon längst wieder totgesagt, hat Jencks' „Postmoderne“ das Gesicht der Städte weltweit verändert.
In den Debatten um das Erbe des Kolonialismus schrillen die Alarmglocken, wenn die Kolonialherrschaft nicht ohne Wenn und Aber verurteilt wird. Doch statt darüber zu diskutieren, ob solche Äusserungen rassistisch oder nur uninformiert sind, lohnt es sich, nach dem dahinterstehenden Geschichtsverständnis zu fragen.
Verfilmungen von geschichtlichen Ereignissen sagen etwas darüber aus, wie „Geschichte“ gedacht wird. Wird sie als eindeutige und lineare Entwicklung gedacht, von wichtigen Personen gemacht, mit denen man sich identifizieren kann, dann entsteht wie beim Schweizer Kinofilm „Zwingli“ – eidgenössisches Hollywood.
Gentests, die Einblicke in die ethnische Abstammung versprechen, sind nicht nur ein erfolgreiches Geschäftsmodell geworden. Sie gelten zunehmend auch als argumentatives Rüstzeug gegen Rassismus. Anstatt jedoch Vorstellungen natürlicher Unterarten des Menschen aus der Welt zu schaffen, schreiben Ethnizitätstests diese fest.
Immer wieder werden Forderungen laut, die Sozialhilfe stärker an Gegenleistungen zu koppeln. Sie beruhen auf einer moralischen Deutung von Arbeitslosigkeit, die Ökonomen vor hundert Jahren als vormodern zurückgewiesen haben. Nun ist sie wieder auf dem Vormarsch.
In einigen Ländern bildet sich zurzeit eine vom Staat geförderte Pseudowissenschaft, in der nicht mehr die Kriterien akademischer Qualitätskontrolle gelten, sondern politische Loyalität. Das wirft ernste Fragen für die europäische Forschungsförderung und akademische Zusammenarbeit mit illiberalen Staaten auf.
Hungary is currently witnessing the emergence of a state-sponsored scientific pseudo-world in which the criteria of academic quality control no longer apply, but rather political loyalty. This raises serious questions for European research funding and academic cooperation with illiberal states.