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Australien – unterwegs in den Blue Mountains
Rund 80 Kilometer westlich der australischen Millionenmetropole Sydney beginnt der Blue-Mountains-Nationalpark – ein Gebiet etwa so gross wie das Tessin und ein beliebter Naherholungsraum für die Einwohner der grössten Stadt des Landes.
Wer dem urbanen Trubel Sydneys entfliehen will, ist hier gut aufgehoben. Nur eine gute Autostunde von Häuserschluchten und Verkehrsgewühl entfernt breitet sich hier eine weitgehend unberührte und praktisch kaum besiedelte Naturlandschaft aus. Der Kontrast könnte kaum grösser sein.
Teil der Greater Blue Mountains World Heritage Area
Der Blue-Mountains-Nationalpark umfasst dabei nur einen Teil eines insgesamt 300 Kilometer langen Gebirgszugs, der sich im Umfeld von Sydney parallel zur australischen Ostküste erstreckt. Weitere sieben Nationalparks schützen das Gebiet der „Blauen Berge“. Alle Parks zusammen bilden als „Greater Blue Mountains World Heritage Area“ seit dem Jahr 2000 ein UNESCO-Weltnaturerbe. Das Gebirge ist ein Abschnitt der sogenannten Great Dividing Range, der grossen Wasserscheide Australiens, die die Ostküste vom riesigen Binnenland abtrennt.
Das Gebirge des Nationalparks besteht zu weiten Teilen aus einem mächtigen Sandstein-Plateau, das an vielen Stellen steil und schroff nach unten abfällt. Die bis zu 200 Meter tiefen Schluchten und Felsabstürze sind ein Werk der Erosion. Wind und Wasser setzten im Lauf der Zeit dem relativ weichen Sandstein zu. Stellen mit Basalt-Gestein deuten auch auf eine frühere vulkanische Aktivität hin.
Die Höhenunterschiede innerhalb des Nationalparks sind beträchtlich. Der höchste Punkt, der Mount Werong, erreicht 1215 Meter, der niedrigste am Nepean River liegt nur knapp über Meereshöhe. Zur Küste hin fällt das Gebirge in eine immer flachere Landschaft ab. Grosse Flächen des Nationalparks sind von üppig grüner Vegetation bedeckt. Es sind die Baumkronen vieler Millionen Eukalyptusbäume, die hier ideale Bedingungen für das Wachstum gefunden haben. Dem Eukalyptus verdanken die Blue Mountains auch ihren Namen. Durch die Verdunstung der ätherischen Öle in den Eukalyptusblättern erhält die Luft hier eine spezifische Konsistenz, in der sich das Licht der Sonne bläulich bricht. Dank dieser blauen Dunstwolke erhält die Berglandschaft ihr eigenes, fast mystisch wirkendes Antlitz.
Entlang des Great Western Highway
Lange galten die Blue Mountains als eine unüberwindbare Barriere. Erste Expeditionen der europäischen Einwanderer Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts scheiterten. Erst im Jahr 1813 gelang die Überquerung entlang einer Strecke des heutigen Great Western Highway. Viele Jahrtausende vor den Europäern hatten die Aborigines die Gegend für sich entdeckt. Älteste Spuren ihrer Besiedlung sind zwischen 14’000 und 22’000 Jahren alt.
Die Ureinwohner schufen in ihren Legenden und Mythen eigene Erklärungen für das Aussehen und die Entstehung der Region. So soll das Jamison Valley, eine der eindrucksvollsten Schluchten der Blue Mountains, durch einen Kampf der Fisch- und Reptilienwesen Mirigan und Garangatch entstanden sein, der die Landschaft durch ein Tal teilte. Dass die Region besonders schützenswert ist, erkannte man schon in den 1930er-Jahren, als bereits einige Bereiche unter Naturschutz gestellt wurden. 1959 wurde dann der heutige Nationalpark eingerichtet.
Der Great Western Highway, der mitten im Zentrum Sydneys beginnt und in der Stadt Bathurst westlich der Berge endet, ist die zentrale Strassenverbindung, die einen Weg durch die Blue Mountains bahnt. Entlang dieser sich durch die Bergwelt schlängelnden Route liegen auch die wenigen Siedlungen im Bereich des Nationalparks und existiert eine umfassendere landwirtschaftliche Nutzung. Der Highway dient den Einwohnern Sydneys und anderen Besuchern gleichzeitig als Zugangsweg und Eingang zu den Naturschönheiten. Der Blue-Mountains-Nationalpark ist der meistbesuchte Australiens. Die nicht so wanderfreudigen Grossstädter beschränken sich dabei meist auf einige wenige Highlights und Aussichtspunkte entlang der Strecke.
Jamison Valley und Three Sisters
Das Städtchen Katoomba ist das urbane Zentrum der Region und der Mittelpunkt des Blue-Mountains-Tourismus. Nahe des Ortes erstreckt sich mit dem Jamison Valley einer der schönsten Abschnitte der Blue Mountains. Das etwa zwölf Kilometer lange Tal bietet Besuchern spektakuläre Sandsteinformationen und einige besonders malerische Wasserfälle. Einer der bekanntesten Punkte und beliebtes Fotomotiv sind die „Three Sisters“, drei herausragende frei stehende Sandsteinfelsen. Vom Aussichtspunkt Echo Point Outlook hat man einen wunderbaren Blick auf die drei Schwestern. Fussfaule können die Schönheit des Tales von der 270 Meter hohen Kabelbahn Katoomba Scenic Skyway oder der Standseilbahn Katoomba Scenic Railway aus geniessen. Es gibt aber auch einige Wanderwege und Camping-Möglichkeiten im Bereich des Jamison Valley.
Der nahe Katoomba gelegene Ort Wentworth Falls wird ebenfalls sehr gerne besucht. Das Valley of the Waters bietet die wohl schönsten Wasserfälle des Nationalparks, die über Aussichtspunkte und Wanderwege ebenfalls hervorragend erschlossen sind. Aber fast jeder Ort zwischen Wentworth Falls und Glenbrook am Beginn der Highway-Route durch den Nationalpark hat seine eigenen Natur-Highlights zu bieten. Der Besucher ist aufgefordert, für sich persönlich die schönsten Plätze zu identifizieren. Touristische Infrastruktur ist jedenfalls überall vorhanden. Es gibt eine Vielzahl an Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants, Bars und Cafés.
Jenseits von Katoomba führt der Highway über die Orte Medlow Bath und Blackheath bis nach Mount Victoria, der höchstgelegenen Siedlung des Nationalparks. Die Route verläuft hier bereits am westlichen Rand der Blue Mountains. In allen Orten gibt es Wanderwege, in der Regel handelt es sich um Rundwanderungen, über die man in die Eukalyptus-Welt des Nationalparks eintauchen kann. Mehr als ein Schnuppern ist es nicht, die Routen streifen jeweils nur kleine Teilbereiche des Nationalparks. Die meisten Strecken sind auch für ungeübte Wanderer gut zu bewältigen. Bergsteigerischen Herausforderungen wie in der Schweiz muss man sich hier kaum stellen.
Ausserhalb ausgetretener Pfade
Neben Wanderungen bietet der Nationalpark aber auch noch andere Möglichkeiten der Naturerkundung. Es gibt einige Mountainbike-Strecken und auch Gelegenheiten zum Reiten. Die zahlreichen Wasserläufe der Region sind ideal für Kanu-, Kajak- und Bootsfahrten. Am besten touristisch erschlossen ist naturgemäss das Umfeld des Great Western Highway. Es ist aber durchaus möglich, tiefer in die Eukalyptuswälder einzutauchen. Auch hier gibt es wunderschöne Landschaften zu entdecken – zum Beispiel die Region um den Lake Burragorang im südlichen Teil des Nationalparks.
Der See ist ein Werk von Menschenhand, das sich aber wie von Natur geschaffen in die Landschaft einfügt. Durch Aufstauung wurde hier ein riesiges Trinkwasser-Reservoir für die Millionenstadt Sydney geschaffen. Deshalb gibt es für Wanderungen auch Auflagen und Restriktionen zu beachten; dennoch ist es möglich, sich in bestimmten Zonen zu bewegen.
Bei Streifzügen durch die Eukalyptuswälder ist es durchaus wahrscheinlich, dem Koalabären zu begegnen. Dieses Beuteltier gehört mindestens ebenso wie das Känguru zu den unverwechselbaren Tieren des australischen Kontinents und ist fast so etwas wie ein Nationalsymbol. Der Koala ernährt sich fast ausschliesslich von bestimmten Eukalyptusblättern. Die Baumkronen sind sein Lebensraum. Insofern bietet der Blue-Mountains-Nationalpark ideale Voraussetzungen für den beliebten Beutler. Die gemächliche Lebensart der Koalas ist kein schlechtes Vorbild für stressgeplagte Grossstädter, die Ruhe und Erholung im blauen Dunst der Blue Mountains suchen.
Oberstes Bild: © Greg Brave – shutterstock.com