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Zug
|Gründung||20. November 1978|
|Präsident||Andreas Huwyler|
Am selben Strang ziehen
Im Kanton Zug ist das Bürgerwesen in jeder der elf Gemeinden autonom geregelt. Demnach verfügt jede Gemeinde über eine Bürger- und eine Einwohnergemeinde, die gemeinsam mit den Korporationen und Kirchgemeinden im kantonalen Gemeindegesetz geregelt sind. Die Zusammenarbeit dieser Körperschaften untereinander und mit dem Kanton funktioniert gut.
Bürgergemeinden gestern und heute
Die Revision der Verfassung des Kantons Zug von 1873 sah in erster Linie die Neuorganisation des Gemeindewesens vor. Dies hatte zur Folge, dass die alten Ortsbürgergemeinden aufgelöst und - unter starken politischen Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Konservativen - durch Einwohner-, Kirch- und Bürgergemeinden ersetzt wurden. 1874 traten im gesamten Kanton die neuen gemeindlichen Exekutivorgane in Kraft.
Im Verlauf der Zeit verloren die Bürgergemeinden im Vergleich zu den Einwohnergemeinden durch ein stetiges und starkes Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung immer mehr an Einfluss. Nur ein Teil dieser Zuzüger liess sich später einbürgern. Heute zählt der Kanton Zug rund 120'000 Einwohner. Rund 24'000 davon sind stimmberechtigte Zuger Bürger. Werden die minderjährigen Bürger auch noch dazugerechnet, sind grob geschätzt ein Viertel der Einwohner des Kantons Zuger Bürger und die Bürgergemeinden im Kanton haben demnach immer noch eine bedeutende Rolle.
Organisation und Aufgaben
Die Bürgerräte bestehen jeweils aus fünf Mitgliedern und einem Bürgerschreiber. Das oberste Organ ist die Bürgergemeindeversammlung, die mindestens einmal pro Jahr, meistens im Mai, stattfindet. Jeder im Kanton wohnhafte Gemeindebürger ist in seiner Bürgergemeinde stimmberechtigt und aktiv oder passiv wahlberechtigt. Dieses Recht entfällt nur mit dem Wegzug aus dem Kanton.
Die Aufgaben der Bürgergemeinden des Kantons Zug lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen. Speziell zu erwähnen sind hier etwa die Betreuung des Sozialwesens für die in der Gemeinde wohnhaften Gemeindebürger sowie das Einbürgerungswesen, das noch immer von den Bürgergemeinden autonom wahrgenommen wird. Dazu kommen die Verwaltung des Bürgergutes (Seniorenzentren, Rathäuser, Wohnungen etc.) sowie die Pflege und Förderung der Heimatverbundenheit. Letzteres zeigt sich in langjährigen Bräuchen und Volksveranstaltungen. Einige dieser stellen wir später mit Text und Bild kurz vor. Das Vormundschaftswesen ging 2013 an das kantonale Amt für Kindes- und Erwachsenenschutz (KESB) über.
Daneben gehen die Bürgergemeinden noch weiteren kulturellen und sozialen Tätigkeitsfeldern nach. So fördern sie etwa Kultur und Brauchtum, stellen zahlbaren Wohnraum zur Verfügung oder unterstützen unter anderem soziale Institutionen und kulturelle Anlässe.
Verband der Bürgergemeinden des Kantons Zug
Der Verband der Bürgergemeinden des Kantons Zug wurde am 20. November1978 gegründet und schliesst alle elf Bürgergemeinden des Kantons als Mitglieder mit ein.
Die Aufgaben sind in den Statuten geregelt und umfassen einerseits die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den zugerischen Bürgergemeinden sowie die Wahrung der Interessen der Bürgergemeinden in der Öffentlichkeit sowie gegenüber Behörden und Ämtern. Die Beteiligung an kantonalen Vernehmlassungen zu politischen Geschäften ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Verbandes.
Der Vorstand setzt sich aus fünf Mitgliedern, alles Bürgerräte aus einer der elf Gemeinden und einem Geschäftsführer zusammen. Die Geschäftsstelle befindet sich in Zug, die Tagungs- und Veranstaltungsorte wechseln demgegenüber jedes Jahr und finden rotierend immer in einer anderen Gemeinde statt. Seit 2014 wechselt der Vorstand nicht mehr jährlich, sondern ist auf vier Jahre gewählt. Dieses stabilere Organisationsmodell bringt viele Vorteile mit sich. Für Regierung und Behörden sind nun konstante Gesprächspartner vorhanden. Dazu kommt, dass die Kompetenz und Professionalität im Verband durch Beizug von Experten aus allen Bürgerräten im Kanton besser sichergestellt werden können. Zusätzlich lassen sich Anliegen mit einer stabilen Organisationsform besser durchsetzen.
Mitgliedschaft des kantonalen Verbandes im Schweizerischen Verband der Bürgergemeinden und Korporationen
Seit Januar 2015 ist der Verband der Zuger Bürgergemeinden Mitglied des Schweizerischen Verbands der Bürgergemeinden und Korporationen (SVBK). Zuvor waren nur vereinzelte Bürgergemeinden Einzelmitglieder des SVBK.
Der Nutzen und die Vorteile die aus der Mitgliedschaft resultieren, sind für den Verband der Bürgergemeinden des Kantons Zug von Bedeutung. Einerseits ergibt sich so ein direkter Kommunikationskanal zum Bund, die Interessen werden auf eidgenössischer Stufe unterstützt, und es erfolgt ein stetiger Informationsaustausch zwischen den Mitgliedern. Daraus können Lösungsmodelle oder -Ansätze adaptiert oder übernommen werden. Durch den Austausch kann schliesslich auch von anderen Modellen profitiert werden.
Korporationen
Die Korporationen wurden 1848 zur rechtlich eigenständigen Körperschaft, wie wir sie heute kennen. Im Kanton Zug gibt es heute insgesamt zehn Korporationen, die sich auf sechs politische Gemeinden verteilen. Nicht jede Zuger Gemeinde verfügt demnach über eine Korporation. Namentlich sind es Zug, Oberägeri, Unterägeri, Baar-Dorf, Blickensdorf, Deinikon, Inwil, Grüt, Hünenberg und Walchwil. Juristisch gesehen, sind sie alle öffentlich-rechtliche Körperschaften kantonalen Rechts. Das Besondere an ihnen ist, dass sie die einzigen öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen mit einer Steuerpflicht sind. Alle anderen verfügen über eine Steuerhohheit.
Die rechtlichen Grundlagen der zehn Korporationen im Kanton Zug sind nicht einheitlich geregelt. Hauptsächlich wird zwischen Personal- und Realkorporation unterschieden. Bei der Personalkorporation beruht das Korporationsbürgerrecht allein auf der Person des Bürgers oder der Bürgerin. Das heisst, ein Korporationsbürger muss einerseits Ortsbürger aber auch Mitglied aufgrund einer zivilrechtlichen Standesfolge wie Abstammung, Adoption oder Heimat sein. Durch Wegzug aus der Korporationsgemeinde geht in der Regel auch das Korporationsbürgerrecht verloren. Bei der Realkorporation ist das Korporationsbürgerrecht an den Besitz eines berechtigten Grundstücks gebunden. Daher können nur Eigentümer eines berechtigten Grundstücks Korporationsbürger werden. Der Verkauf oder Verlust der Liegenschaft geht mit dem Verlust des Korporationsbürgerrechts einher.
Die zehn Korporationen unterstehen dem kantonalen Gemeindegesetz, wobei die Aufgaben in den jeweiligen Statuten geregelt sind. Hauptsächlich umfasst der Aufgabenbereich aller Korporationen die Erhaltung, Nutzung, Verwaltung und Förderung des Korporationsgutes. Dies zeigt sich vor allem in einem nachhaltigen Umgang mit Wald- und Landressourcen, Abgabe von Bauland im Baurecht an Einwohner oder an andere Gemeinwesen für öffentliche Zwecke wie Schulhäuser oder Sportplätze. Die Landvergabe erfolgt immer im Sinne des Allgemeinwohls der Bevölkerung. Zudem stellen die Korporationen Wohnraum für den Mittelstand zu Verfügung. Zusätzliche Aufgaben sind etwa die Pflege und Bewirtschaftung von Waldbeständen, die Organisation der Wasserversorgung oder die Abgabe von Nutzland an Landwirte.
Bräuche im Kanton Zug
Ob das alljährliche Morgartenschiessen in der Gemeinde Oberägeri, das Flössen auf dem Ägerisee oder die Sage um Greth Schell in Zug. Alte Bräuche und Volksveranstaltungen haben im Kanton Zug eine langjährige Tradition, die gerne gepflegt und mit viel Hingabe und Motivation durchgeführt werden. Durch die unterschiedlichen Bräuche bekommt auch jede Gemeinde ihren eigenen Charakter. Die Bürgergemeinden sind zwar nicht aktiv an der Durchführung und Organisation der erwähnten Veranstaltungen beteiligt, dennoch fördern und pflegen sie diese, um die Heimatverbundenheit nicht nur gegenwärtig, sondern auch für nächste Generationen zu gewährleisten.