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Porträt von elf Jugendlichen in der Berufslehre.
Als das neue Filmgesetz, an dem Tanner mitgearbeitet hatte, in Kraft trat, beschlossen er und seine Regiekollegen Henry Brandt und Claude Goretta, mittellange Dokumentarfilme über gesellschaftliche Themen zu drehen. Tanners Projekt, Lernende zu porträtieren, wurde zwar von Institutionen und einem Industriellen teilweise vereinnahmt. Dennoch bleibt sein Porträt der damaligen Jugend in der Arbeitswelt und in der Freizeit, auf 35 mm gedreht und produziert von Reni Mertens und Walter Marti, spannend, da Tanner die Propagandaabsichten der Geldgeber unterläuft, indem er die Jugendlichen selbst zu Wort kommen lässt. 1977 drehte Werner Marti eine Fortsetzung. Les apprentis wurde an der Expo 64 gezeigt sowie in Locarno und an den ersten Solothurner Filmtagen 1966.
«Tanner verwendet einige Methoden des Cinéma vérité, um die Situation der Jugendlichen zu zeigen, im Augenblick, da sich ihnen die Berufswahl aufdrängt. Der Film versucht, nicht ohne Zaghaftigkeit, auf die Unzulänglichkeiten der Berufslehre hinzuweisen. Und mit grösserer Eindringlichkeit bringt er die Atmosphäre zum Ausdruck, in der die Jugendlichen leben.» (Freddy Buache: Le Cinéma suisse, 1898–1998, L’Âge d’homme 1978)
Drehbuch: Alain Tanner
Kamera: Ernest Artaria
Musik: Victor Fenigstein
Schnitt: Alain Tanner, Ernest Artaria
78 Min., sw, DCP, F/d
Studie des Londoner Nachtlebens in den 1950er-Jahren.
1957 arbeitete Alain Tanner beim British Film Institute im Archiv und in der Dokumentarfilmabteilung, wo er Lindsay Anderson kennenlernte. Zusammen mit seinem Genfer Freund Claude Goretta drehte er den kurzen Dokumentarfilm Nice Time, in dem sie das Nachtleben um Piccadilly Circus im Stil des aufkommenden Free Cinema festhielten. Ihr impressionistisches Werk errang am Filmfestival von Venedig den Experimentalfilmpreis und bahnte den Weg für ihre cineastische Karriere. Aus heutiger Sicht besticht ihr Film auch als Zeitdokument, sowohl bezüglich der Zusammensetzung der Londoner Bevölkerung als auch hinsichtlich der Mode und des Unterhaltungsangebots von damals. (mb)
Drehbuch: Claude Goretta, Alain Tanner
Kamera: John Fletcher
Musik: The Pete Ashton Quintet, Chas McDevitt Skiffle Group
Schnitt: Alain Tanner, Claude Goretta
19 Min., sw, Digital HD, ohne Dialog