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Die Patientenverfügung ist ein Instrument der Selbstbestimmung. Eine urteilsfähige Person kann darin festhalten, welchen medizinischen Massnahmen sie im Fall einer künftigen Urteilsunfähigkeit grundsätzlich zustimmt oder nicht zustimmt. Der Prozess der Beratung zur Patientenverfügung oder zu anderen medizinischen Vorsorgedokumenten wird auch als Advance Care Planning (ACP) bezeichnet.
Das revidierte Erwachsenenschutzgesetz vom Januar 2013 regelt die Patientenverfügung gesamtschweizerisch. Die Richtlinien der SAMW stellen die Inhalte einer Patientenverfügung dar und zeigen, welche Punkte beim Verfassen und bei der Umsetzung beachtet werden sollten.
Medizin-ethische Richtlinien
Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH und die SAMW haben ergänzend zu den Richtlinien auch Vorlagen für eine Patientenverfügung erarbeitet: eine Kurzfassung für die am häufigsten geäusserten Wünsche und eine ausführliche Version. Eine Hinweiskarte fürs Portemonnaie informiert Dritte darüber, dass eine Patientenverfügung ausgefüllt wurde. Die erwähnten Dokumente finden Sie auf der Website der FMH.
Covid-19-Pandemie: Fragen zur Patientenverfügung
Das Verfassen einer Patientenverfügung oder einer gesundheitlichen Vorausplanung (ACP) basiert auf einem längeren Prozess der Willensbildung. Dabei helfen Gespräche mit Angehörigen und Fachpersonen (z. B. Hausarzt). Grundsätzlich sollten die erwünschten Therapieziele und medizinischen Massnahmen im Falle der Urteilsunfähigkeit verschiedene Situationen berücksichtigen (z. B. chronische Krankheit oder Unfall) und nicht nur eine schwer verlaufende Covid-19-Erkrankung.
Trotzdem können Personen zum Schluss kommen, dass ihre grundsätzliche Befürwortung einer intensivmedizinischen Behandlung abweicht von ihrem Willen bei einem schweren Verlauf der Covid-19-Infektion. In diesem Fall kann man seinen Willen als unmissverständlichen Hinweis in der Patientenverfügung formulieren, z. B. durch
- die explizite Ablehnung der Verlegung auf die Intensivstation und der mechanischen Beatmung bei schwerem Covid-19-Verlauf;
- die Zustimmung zu einer Behandlung der Covid-19-Symptome mit dem Ziel der Lebensverlängerung, jedoch ohne künstliche Beatmung;
- die alleinige Zustimmung zu einer palliativen Betreuung bei schwerem Covid-19-Verlauf.
Sollte auch im Falle einer schwer verlaufenden Covid-19-Infektion die volle Ausschöpfung möglicher therapeutischer Massnahmen gewünscht sein, so kann man auch dies durch explizite Zustimmung zu einer Behandlung auf der Intensivstation inklusive mechanischer Beatmung festhalten.
Beratung für gesundheitliche Vorausplanung
Neben Hausärztinnen und Hausärzten bieten verschiedene nationale Organisationen Beratungsgespräche für das Verfassen von Patientenverfügungen an, z. B. das Schweizerische Rote Kreuz, Pro Senectute oder SPO Patientenorganisation. Zudem gibt es zahlreiche regionale Beratungsstellen wie GGG Voluntas oder Dialog Ethik.
Die Patientenverfügung als Instrument der Willensäusserung ist eingebettet in das Konzept der gesundheitlichen Vorausplanung, engl. Advance Care Planning (ACP). Eine umfassende gesundheitliche Vorausplanung bildet die Grundlage für das Ergreifen oder Unterlassen von medizinischen Massnahmen in Situationen plötzlicher, länger andauernder oder auch dauerhafter Urteilsunfähigkeit. ACP fokussiert nicht isoliert auf das Lebensende, sondern auch auf Situationen längerer Urteilsunfähigkeit, für die im Voraus Wertvorstellungen, Therapieziele und Massnahmen festgehalten werden können.
Die SAMW selber bietet keine Beratungsgespräche an.