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Titel
Freiburg,
[* 2] ein Kanton [* 3] der westlichen Schweiz, [* 4] ist von Bern [* 5] und Waadt begrenzt und durch den Neuenburger See von Neuenburg [* 6] getrennt; drei Parzellen, deren größte Estavayer enthält, sind von Waadt umschlossen. Das 1669 qkm (30,3 QM.) große Land liegt zur stärkern Hälfte in der schweizerischen Hochebene, und dieser Teil (Üchtland) ist eins der besten agrikolen Gebiete der Schweiz; die südlichen Teile ¶
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steigen in das Gebiet der Freiburger Voralpen hinan und tragen alpinen Charakter. Beide Teile aber sind vorherrschend Saanegebiet,
da der ziemlich große Fluß (s. Saane) das Land in seiner ganzen Länge durchzieht und von beiden Seiten die kleinern Thalrinnen
sammelt. Der Kanton
Freiburg zählt (1880) 115,400 Einw., vorzugsweise
französisch-burgundischer Abstammung und katholischer Konfession, nur 18,138 Protestanten, die hauptsächlich
auf die Bern
genäherten Gebiete fallen, vorwiegend im Bezirk See (Murten), in Minderzahl schon in den Gemeinden des Sensebezirks,
sonst sehr vereinzelt (in der Stadt
Freiburg 1472). In diesen beiden Bezirken auch allein überwiegt das deutsche Element; 69 Proz.
der Bevölkerung
[* 8] sprechen französisch, 31 Proz. deutsch.
Die Deutschen gelten als minder rührig und lebhaft als der französisch sprechende Volksteil; in Bezug auf geistige Befähigung und Kultur erscheint das ganze Volk wenig bevorzugt und ziemlich vernachlässigt, so hübsch, stark und schlank auch durchschnittlich sein Körperbau ist. 88 Proz. des Areals sind produktives Land; davon umfassen Acker- und Gartenland 1190 qkm, der Wald 277 qkm, die Weinberge 2,8 qkm. Der Feldbau liefert für gewöhnliche Jahre genug Getreide, [* 9] am meisten Weizen und Roggen.
Ein beträchtlicher Teil der Roggenernte hat keinen Nährwert, da die Halme (für die Strohflechterei) unreif geschnitten werden
müssen. Tabak
[* 10] baut man um den Murtensee; hier ist auch der Obstbau, der fast allgemein ist, am blühendsten.
Kirsch- und Zwetschenwasser wird zur Ausfuhr bereitet. Wein wächst nur an beiden Seen. Begünstigt durch mehrere Torfmoore
und das Pechkohlenlager von Semsales, kann
Freiburg, trotz der geringen Waldfläche, viel Holz
[* 11] abgeben. Von Bulle aus wird ein Teil
auf der Saane abwärts geflößt, ein andrer geht an den Genfer See: Brenn- und Bauholz, Bretter, Rebpfähle.
Der Freiburger Rinderschlag, die schwerste der schweizerischen Rassen, hat sich in der westlichen Schweiz stark verbreitet. In den Bergen [* 12] wird Sennerei betrieben, die z. B. am Moléson und im Jaunthal die fetten Gruyèrekäse liefert. Der Stapelplatz dieses Exportartikels ist Bulle, das, wie Romont, auch große Viehmärkte hat. Die Freiburger Pferde [* 13] sind kräftige und ausdauernde Zugtiere, von gedrungenem Körper- und Gliederbau, als Fahrpferde geschätzt.
Die Schaf- und Schweinezucht ist erheblich. Die Strohflechterei ist über das ganze Flachland ausgebreitet. Der jährliche Produktionswert
übersteigt 1 Mill. Frank. Die Uhrenindustrie von Murten ist ein Ableger der neuenburgischen (s. Chaux de Fonds).
Sonst gibt es Gerbereien, Glashütten, Sägemühlen etc. In der Stadt
Freiburg zeigt sich neuerdings ein reger Eifer für die Ausbeutung
der Holz- und Wasserschätze (Société des eaux et des forêts). Ein Zementdamm schwellt die Saane zu einem
3½ km langen See an; hier befinden sich eine Fischzuchtanstalt, ein Landungsplatz des Flößholzes und 10 Glacieren, deren
jede 200 Eisenbahnwaggonladungen Eis
[* 14] liefert.
Transmissionen leiten die Wasserkraft auf das den Bahnhof umgebende Plateau hinauf, wo sich eine Säge, [* 15] Waggonfabrik, Gießerei, [* 16] Maschinenwerkstätte, eine ganze neue Arbeiterstadt etc. angesiedelt haben. Eine besondere Eisenbahn verbindet die untern Etablissements mit den obern. Es besteht eine Gymnasialanstalt zu und eine andre zu Murten, seit 1850 zu Hauterive eine Ackerbauschule, mit welcher ein Lehrerseminar verbunden ist. Die öffentlichen Bibliotheken zählen 105,900 Bände, darunter die Kantonsbibliothek mit 35,800, die Bibliothèque du Clergé mit 12,000, die der Société économique mit 20,000 Bänden. Es gibt 10 Klöster (davon 6 in der Hauptstadt) mit 254 Ordensgliedern und einem Mobiliar- u. Immobiliarvermögen von 2,700,000 Fr.
Zufolge der Verfassung vom bildet der Kanton Freiburg einen repräsentativ-demokratischen Freistaat und als solcher ein Glied der [* 17] schweizerischen Eidgenossenschaft. Die Verfassung gewährleistet die in den Schweizer Republiken üblichen Grundrechte, erklärt den Primärunterricht für obligatorisch und unentgeltlich, sichert der Geistlichkeit einen mitwirkenden Einfluß auf das Erziehungswesen zu und betrachtet beide Sprachen als Landessprachen, doch so, daß der französische Text der Gesetze etc. als Urtext gilt.
Aktivbürger, d. h. stimmfähig in politischen und Wahlversammlungen, sind alle im Kanton wohnenden Kantons- und Schweizer Bürger weltlichen Standes, sofern sie das 20. Altersjahr zurückgelegt haben und im Vollgenuß ihrer bürgerlichen und politischen Rechte stehen. Die politischen Versammlungen stimmen ab über Annahme und Revision der Kantonal- und Bundesverfassung; die Wahlversammlungen wählen die zuständigen Mitglieder des Großen Rats und des Nationalrats etc. Wahlfähig wird der stimmfähige Kantonsbürger nach vollendetem 25. Lebensjahr.
Die Legislative übt der Grand Conseil (Große Rat), dessen Mitglieder, je 1 auf 1200 Seelen, auf 5 Jahre gewählt werden. Der Große Rat versammelt sich ordentlicherweise zweimal jährlich. Er beschließt die Gesetze, überwacht und bestimmt den Haushalt, wählt die Abgeordneten in den eidgenössischen Ständerat, übt das Begnadigungsrecht etc. Die Exekutive besitzt ein Conseil d'État (Staatsrat) von 7 Mitgliedern, die vom Großen Rat auf 5 Jahre gewählt werden. Im Bezirk wird der Staatsrat durch den Préfet (Oberamtmann) repräsentiert.
Die Rechtspflege übt in oberster Instanz ein Tribunal cantonal (Kantonsgericht) von 9 Mitgliedern, vom Großen Rat auf je 8 Jahre ernannt, in den Bezirken ein Tribunal d'arrondissement (Bezirksgericht), dessen Mitglieder gemeinschaftlich vom Kantonsgericht und Staatsrat gewählt werden, und in unterster Instanz eine Justice de paix (Friedensgericht). Für peinliche Sachen etc. bestehen Schwurgerichte. Die Gemeinden sind innerhalb gewisser Schranken autonom.
Ihre Verwaltung ist einem Conseil communal (Gemeinderat) übergeben, an dessen Spitze der Syndic (Ammann) steht. Das Finanzwesen des Staats ist durch seine Beteiligung an dem schwindelhaften Ostwestbahnunternehmen sehr zerrüttet worden, doch ist die Krisis gegenwärtig überwunden. Dem konservativen Regiment gebührt das Verdienst, durch sorgfältigen Haushalt die Ökonomie des Staats neu geordnet zu haben. Zu Ende 1884 betrug das Staatsvermögen: an Aktivis 28,376,160, an Passivis 23,286,000 Fr., mithin ein Überschuß von 5,090,160 Fr. Die Jahresrechnung von 1884 ergibt an Einnahmen 3,104,795 Fr., an Ausgaben 2,965,580 Fr., mithin einen Überschuß von 139,215 Fr. Die Hauptposten der Einnahmen sind: Staatsgut mit etwa 500,000, Steuern mit 2,232,000;
Hauptpost der Ausgaben: Finanzen mit ca. 1½ Mill. Fr. (das Schulwesen ist zunächst Gemeindesache, und die staatliche Ausgabe beträgt nur 176,927 Fr.).
[Die Stadt Freiburg.]
Die gleichnamige Hauptstadt des Kantons, Freiburg im Üchtland, liegt romantisch im Felsenkessel der Saane und an der Linie Lausanne-Bern (mit Abzweigung nach Yverdon) der Westbahn. Ein Teil der Stadt, jetzt noch wie zur Zeit der Zähringer das Quartier der ärmern (deutschen) Klasse, steht in der tiefen Thalfurche; über dieser thronen, auf den Vorsprüngen des linken ¶
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Steilufers, die mittlere und obere französische Stadt, in welche meist steile und enge Straßen und Treppenwege sich hinaufwinden. Zur Erleichterung des Überganges ist eine Drahtbrücke erbaut, der am Ausgang der Gotteronschlucht hoch oben eine zweite gegenüberhängt. Die erstere, 246 m lang und 51 m über dem Flußspiegel, wurde 1832-34 unter der Leitung des französischen Ingenieurs Chaley erbaut und wird von vier Drahtseilen getragen. Das hervorragendste öffentliche Gebäude ist die Hauptkirche St. Nikolaus mit einem 86 m hohen Turm, [* 19] schönem Portal und einer berühmten Orgel von Maser (1834 vollendet).
Andre Sehenswürdigkeiten sind: die 1480 gepflanzte Murtener Linde, das Denkmal des edlen Paters Girard (gest. 1850), in der Umgebung der Stadt der Bahnviadukt von Grandfey und die Einsiedelei Ste.-Madeleine. Dieselbe liegt am Saaneufer und zeigt verschiedene Räumlichkeiten: Zellen, Saal, Kirche etc., alles von einem Einsiedler in den schroffen Uferfels gehauen. In dem ehemaligen Jesuitenpensionat St.-Michel (erbaut 1585 ff.) wohnte einst der 1864 heilig gesprochene Pater Canisius; heute ist das Collège dort installiert. Die Stadt zählt (1880) 11,546 Einw., meist französischer Zunge und katholischer Konfession, und ist Sitz der Kantonsbehörden und des Bischofs von Lausanne. [* 20]
Geschichte der Stadt und des Kantons Freiburg.
Gleich den übrigen Gebieten der Westschweiz gehörte auch dasjenige des jetzigen Kantons Freiburg nacheinander zum römischen (seit 58 v. Chr.), burgundischen (450-532), fränkischen (532-888), neuburgundischen (888-1032) und endlich zum Deutschen Reich. 1177 legte Herzog Berchtold IV. von Zähringen, Rektor von Burgund, in dem Üchtland (Land Ogo) an der Saane auf der deutsch-romanischen Sprachgrenze den Grund zu der Stadt Freiburg, der er die Rechte des von Berchtold III. gegründeten Freiburg im Breisgau und einen Bann von drei Stunden im Umkreis, die »alte Landschaft«, gewährte.
Dieselbe blühte rasch auf; allein da sie nicht, wie die Schwesterstadt Bern, auf Reichs-, sondern auf zähringischem Allodialgrund lag, fiel sie nach dem Aussterben der Zähringer (1218) als Erbe an die Grafen von Kyburg. Die beiden Städte verbanden sich schon 1243 durch ein ewiges Bündnis; als jedoch Freiburg 1277 durch Kauf an Rudolf von Habsburg überging, trat zwischen ihnen eine Entfremdung ein. Wiederholt verband sich Freiburg mit dem burgundischen Adel gegen Bern und wurde von letzterm am Dornbühl 1298 und bei Laupen 1339 geschlagen. Zusehends lockerte sich aber das Band, [* 21] welches die von bernischem und savoyischem Gebiet umgebene Stadt an Österreich [* 22] knüpfte, und nachdem sie im alten Zürichkrieg von diesem den Angriffen Berns und Savoyens preisgegeben worden war (1448), übergab sie sich 1452 an die Herzöge von Savoyen.
Als Verbündete Berns nahm an den Burgunderkriegen Anteil und schüttelte 1477 die savoyische Herrschaft ab, worauf es in die Eidgenossenschaft aufgenommen wurde. In F. ward 1516 der ewige Friede zwischen Franz I. von Frankreich und den Eidgenossen geschlossen. Der Reformation zeigte es sich feindselig, was es indes nicht verhinderte, 1536 im Bund mit Bern Teile der Waadt an sich zu reißen. 1555 gewann es durch den Bankrott des Grafen den größten Teil der Grafschaft Greyerz.
Außerdem besaß es mit Bern gemeinschaftlich die Herrschaften Schwarzenburg, Murten, Orbe, Granson und Echallens. Der Bischof von Lausanne nahm infolge der Reformation der Waadt seinen Sitz in Freiburg 1580 fanden die Jesuiten Aufnahme in der Stadt, die durch Pater Canisius ein Mittelpunkt der europäischen Gegenreformation wurde. Freiburg nahm auch teil am Borromeischen und spanischen Bündnis (1586-87). Am frühsten von allen Schweizer Städten bildete sich in ein geschlossenes Patriziat. Im 16. Jahrh. entrissen die Räte der Gemeinde das Wahlrecht, 1627 ließen sich die hundert im Besitz der Ämter und Ratsstellen befindlichen Familien in ein Buch eintragen und erklärten sich für allein »regimentsfähig«.
Obschon viele derselben ausstarben, wurde die Zahl der »heimlichen« Geschlechter (bourgeois secrets),
wie sich die Freiburger Patrizier nannten, 1684 für immer geschlossen erklärt. Die »heimliche Kammer«, eine Art Staatsinquisition, bestehend aus den 4 Bennern und 24 Heimlichern, welche sich selbst, den Rat der Sechzig und denjenigen der Zweihundert ergänzte, gewann dadurch unbedingte Gewalt. Die Freiburger Aristokratie hatte alle die Härten und Schwächen derjenigen Berns ohne deren Größe. Ein Aufstand der durch Unterdrückung ihrer alten Freiheiten, Entfremdung kommunalen Eigentums und Abschaffung von Feiertagen erbitterten Bauern unter dem Major Chenaux wurde mit Hilfe bernischer Truppen unterdrückt (Mai 1781) und eine friedliche Demonstration der Stadtbürgerschaft zu gunsten der Rechtsgleichheit mit Verbannung ihrer Urheber bestraft (Juli 1782).
Beim Einbruch der Franzosen in die Schweiz 1798 ergab sich Freiburg ohne Widerstand, ohne dadurch seine Zeughäuser und Staatskassen vor Plünderung bewahren zu können. Die Mediationsakte von 1803 erhob es zu einem der sechs Direktorialkantone und gab ihm eine repräsentativ-demokratische Verfassung. Nach dem Einrücken der Verbündeten stellte jedoch im Januar 1814 der zur Mehrheit aus Patriziern bestehende Große Rat die alte Aristokratie wieder her mit der Modifikation, daß der Große Rat neben 108 Patriziern auch 36 Vertreter der nichtpatrizischen Bürgerschaft und der Landschaft zählen sollte.
Anfänglich zeigte sich indes die neue Regierung dem geistigen Fortschritt geneigt und unterstützte den trefflichen Pater Girard in seinen Bestrebungen, das Schulwesen des Kantons zu heben. Allein 1818 berief der Große Rat mit 62 gegen 49 Stimmen die Jesuiten, welche 1823 die Schließung der Schulen Girards durchsetzten und durch Gründung eines großen Kollegiums, das zuzeiten 700 Zöglinge aus allen Ländern Europas zählte, Freiburg zu einer Metropole des Ultramontanismus machten. 1830 ging von dem protestantischen Murten das Verlangen nach einer Revision der Verfassung aus, und durch eine drohende Volksdemonstration eingeschüchtert, willigte das Patriziat in die Berufung eines Verfassungsrats, dessen Werk eine auf allgemeine Rechtsgleichheit gegründete Vertretung herstellte und ohne Volksabstimmung in Kraft [* 23] gesetzt wurde.
Durch die Bewegung hatte eine gemäßigt-liberale Partei die Oberhand erhalten. Die Ausschließung des Bischofs aus dem Verfassungsrat, in welchen er gewählt worden war, die Ausweisung eines Jesuiten wegen aufrührerischer Reden, die Errichtung einer dem bischöflichen Einfluß entzogenen Zentralmittelschule u. a. erbitterten die Jesuitenpartei aufs höchste, und dieselbe bewies ihre Macht in den Neuwahlen von 1836, welche ihr das Übergewicht im Großen Rat ver-
[* 2] ^[Abb.: Wappen [* 24] von Freiburg (Schweiz).] ¶
Im Geographisches Lexikon der SCHWEIZ, 1902
Titel
Freiburg,
französisch Fribourg. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, in der offiziellen Reihenfolge der Kantone deren neunter.
Lage und Grösse.
Der Kanton umfasst eine Fläche von 1675 km2 und zählte am 127951 Ew.; seiner Fläche nach steht er unter den schweizerischen Kantonen an achter, seiner Bevölkerung nach an neunter Stelle. Er liegt zwischen 46° 04' und 47° n. Br. und zwischen 4° 28' und 5° 04' ö. L. von Paris (oder zwischen 6° 48' und 7° 24' ö. L. von Greenwich). Seine grösste Länge erreicht er mit 66 km auf der in der Richtung NNO. verlaufenden Linie von der Chaux de Naye (in der Gruppe der Rochers de Naye) bis Fräschels (am Rand des Grossen Mooses).
Die Breite schwankt stark; sie nimmt von dem in die Spitze über Allières auslaufenden Zipfel an rasch zu, erreicht zwischen Montet (an der Kleinen Glâne) und dem Gipfel des Schafharnisch mit 45 km ihr Maximum, beträgt zwischen Greng und Liebistorf noch 9,5 km und nimmt dann bis zur Spitze von Fräschels stetig wieder ab. Im Mittel kann man sie auf etwa 40 km veranschlagen. Alle diese Zahlen beziehen sich nur auf den zusammenhängenden Körper des Kantons und lassen dessen Enklaven ganz ausser Betracht.
Begrenzt wird der Kanton im N. und O., von Witzwil am NO.-Ende des Neuenburgersees bis zur Dent de Ruth, vom Kanton Bern; im S. und W., von der Dent de Ruth bis Gletterens und von Delley bis zur Mündung der Broye in den Neuenburgersee, vom Kanton Waadt. Auf der Strecke Gletterens-Delley grenzt der Hauptkörper des Kantons mit dem nach NW. vorgeschobenen Zipfel von Saint Aubin auch an den Neuenburgersee. Zum Kanton Freiburg gehören noch eine Reihe von kleineren Gebieten, die als Enklaven von anderen Kantonen gänzlich umschlossen sind. So liegen die Freiburger Enklaven Surpierre (Ueberstein) und Vuissens im Kanton Waadt und die Enklave Wallenbuch ganz im Kanton Bern, während das Gebiet von Estavayer mit den Gemeinden der Haute Broye, das sonst auf allen übrigen Seiten von Waadtländer Boden umschlossen ist, im NW., von Cheyres bis Forel, an den Neuenburgersee stösst. Umgekehrt liegen dagegen mitten im Kanton Freiburg die beiden Berner Enklaven Münchenwiler und Clavaleyres.
Geologie.
Der Kanton Freiburg bildet in geologischer Hinsicht zwei scharf getrennte Gebiete: das tertiäre Hügelland mit ⅔ der Oberfläche und das Alpenland. Das Freiburger Hügelland hat eine angenehm wellige Oberfläche, wo Kulturland in den ebenen Teilen mit Waldungen auf den Erhebungen wechseln. Die Oberflächenformen sind das Ergebnis der Erosion, welche in flachliegende Schichten Thaleinschnitte mit steilabfallenden Rändern, in aufgerichtete Schichten dagegen je nach der Widerstandsfähigkeit des Gesteins abwechslungsweise Thälchen gegraben und aus den dazwischenliegenden härteren Schichten abgerundete Hügelzüge herausmodelliert hat.
Den Untergrund bilden Tertiärablagerungen (Oligocän u. Miocän). Im NW., zwischen der Senke des Neuenburgersees und einer Linie, welche, von SW. nach NO. verlaufend, in etwa 7 km Entfernung parallel zum Alpenrande streicht, sind die Molasseablagerungen fast horizontal gelagert. In der Nähe dieser Linie heben sie sich allmählig gegen die Alpen zu und fallen dann plötzlich ziemlich steil nach SO. ein. Somit bildet diese tektonische Linie eine wirkliche Antiklinalachse, durch welche das eigentliche Tertiärbecken von der subalpinen Molassezone getrennt wird, in welch' letzterer die Schichten noch intensiv gefaltet und sonst gestört sind, aber im allgemeinen gegen die Alpen einsinken.
Die Antiklinalachse ist nicht nur eine blosse Umbiegung, sondern zugleich auch eine Verwerfungslinie, längs welcher die älteren Tertiärschichten der subalpinen Zone gegen die jüngeren im NW. überschoben sind. Dies ist besonders in der Nähe von Oron aufs deutlichste zu ersehen, wo die marine Molasse die oberoligocänen Ablagerungen direkt berührt. Das ganze Gebiet im NW. der Antiklinallinie besteht fast ausschliesslich aus mariner Molasse (helvetische und obere burdigalische Stufe); die subalpine Zone weist hauptsächlich Oligocän (kohlenführende untere Süsswassermolasse und rote Molasse) auf.
Die Facies dieser Schichten ist im allgemeinen eine sandige und mergelige. In der Nähe des Alpenrandes (bei Châtel Saint Denis, am Gibloux und bei Pont la Ville) finden sich hingegen ausgedehnte Geschiebeablagerungen, in denen Nagelfluhschichten mit sandigen und mergeligen Zwischenlagern wechseln und dies sowohl im Oberoligocän als auch im Burdigalien und besonders im marinen Helvetien. Die tertiären Kohlen sind bei Oron, Saint Martin und Corpataux mit mehr oder weniger Erfolg, oft auch nur versuchsweise, abgebaut worden. Die Sandsteine der verschiedenen Stufen liefern vielerorts brauchbare Bausteine. Die harten Sandsteine von Vaulruz besonders werden als geschätztes Material zu Treppenstufen verarbeitet.
Die Oberflächenformen der Tertiärlandschaft sind nicht nur durch die Erosion des Untergrundes bedingt, sondern auch durch das Vorhandensein von bedeutenden Gletscherschuttablagerungen, welche die Unebenheiten merklich ausgleichen, indem sie die Abhänge bedecken und die Vertiefungen ausfüllen. Die sandig-tonige Beschaffenheit dieser Gebilde bedingt die Fruchtbarkeit des Bodens, da der reine Sandsteinboden sonst unfruchtbar und meist nur mit Wald bestanden ist.
Das Alpengebiet des Kantons Freiburg, die Greierzer Alpen, gehört den sog. romanischen Voralpen (auch Stockhornalpen genannt; s. diesen Art.) an. Es umfasst aber nur ihren nw. Abschnitt, der von der subalpinen Molassezone bis in den zentralen Teil reicht (vergl. den Art. Präalpen). Drei Gebiete können hier unterschieden werden: 1. Das Flyschgebiet, umfassend die Hügelketten des Niremont, der Alpettes und der Berra mit dem Cousimbert. In diesem Flysch (mergelige Schiefer mit Sandsteineinlagerungen) stecken zahlreiche Fetzen von Kreide-, Jura- u. Triasschichten;
2. Die Kalkketten, wo sich zunächst in diskordanter Lagerung die ganze Reihenfolge der Trias-, Jura- und Kreideschichten an die Flyschzone anlehnt.
Auf die anormale Kontaktlinie folgt darin ganz regelmässig gefalteter Schichtenbau. Die beiden Hauptgebirgszüge, Ganterist und Vanil Noir, umfassen je zwei Gewölbe mit dazwischenliegenden Mulden. Die Gewölbe sind oft bis auf die Trias hinunter ausgewaschen; in den Mulden findet sich Kreide (Neocom und rote obere Kreide) und oft auch Flysch. Die dazwischenliegenden Kämme bestehen aus Malm und oft auch aus unterem Lias. 3. Die SO.-Ecke des Kantons greift noch auf die mittlere Zone der Voralpen über, wo der Flysch mit ähnlicher Beschaffenheit wie am Niremont ein breites Gebiet einnimmt, an dessen NW.-Rand eine überschobene Kette, die der Gastlosen, sich anlehnt. Diese, aus Kreide, Malm u. Trias bestehend, erreicht ihren höchsten Punkt in der Dent de Savigny (2255 m). (Siehe geologisches Profil.) Die tief eingeschnittenen Thäler des Hongrin, der Saane, des Jaunbachs, der Sense u. ihrer Zuflüsse lassen den geologischen Bau des Gebirges ausserordentlich klar erkennen. Die Hauptthäler sind alle quer zur Faltung gerichtet, während die Nebenthäler als Längsthäler entweder im Verlauf der Mulden ¶
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liegen oder in die tief aufgerissenen Gewölbe eingeschnitten sind; einige derselben sind teilweise auch Querthäler, so z. B. dasjenige des Rio du Mont und des Motélon. Die Freiburger Alpen haben wie alle Kalkgebirge zahlreiche grosse Quellen, sog. Strom- oder Karstquellen, so z. B. die Quelle des Jaunbachs (Cascade de Bellegarde; welche mit 6000 Sekundenlitern Wasser einer Felsspalte entspringt), die Quellen von Fornys, Bonnefontaine und der Chapelle du Roc (bei Galmis). Im Saanethal entspringt die grosse Quelle der Neirivue, die einem Wasserverlust des Hongrin oberhalb Montbovon zugeschrieben wird. Dem Felskopf des Moléson entspringen ebenfalls zwei beträchtliche Quellen (Tzuatzau und Marmotheys). Alle diese grossen Quellen kommen aus dem obern Jura oder dem Neocom.
Bibliographie: Gilliéron, V. Les Alpes de Fribourg... u. Gilliéron, V. Descr. des territoires de Vaud, Fribourg et Berne compris... entre le Lac de Neuchâtel et la Crête du Niesen. (Beitr. zur geolog. Karte der Schweiz. 12 und 18). Bern 1873 und 1885. - Favre, E., und H. Schardt. Descr. des Alpes du Cant. de Vaud... (Beitr. zur geolog. Karte der Schweiz. 22). Bern 1887.
Orographie.
Wie in geologischer bildet der Kanton Freiburg auch in orographischer Beziehung zwei sehr von einander verschiedene landschaftliche Bezirke. Das an die Senke des Neuenburgersees sich anlehnende Stück Mittelland wird von den zwei grossen und hier merkbar nach NO. gerichteten Thälern der Broye und Saane durchfurcht. Die Saane fliesst in einem tief in die Molasseschichten eingeschnittenen Thal, das besonders in den zahlreichen Mäanderkrümmungen oft den Anblick eines Cañons gewährt und vom Fluss immer noch weiter ausgewaschen wird. Es ist somit das Saanethal eine immer schärfer sich ausgestaltende Erosionsfurche. Im Gegensatz dazu zeigt uns die Broye das Bild einer ebenen, breiten Thallandschaft, die vom Flusse beständig weiter aufgeschüttet wird.
Unzählige Nebenadern von Saane und Broye entwässern das freiburgische Hügelland und bestimmen dessen Reliefformen. Eine erste, zwischen der Senke des Neuenburgersees und dem Thal der Broye sich erhebende Reihe von Hügelzügen kann man als die Zone des Vuilly (Wistenlach) bezeichnen; sie erreicht eine mittlere Höhe von 500 m und gipfelt im Mont Vuilly mit 634 m. Das Freiburger Mittelland im engeren Sinne steigt mit einer Reihe von Höhenzügen von 600-800 m bis zum Fuss der Alpen an. Sein höchster Punkt ist der Mont Gibloux (1203 m). Seinem geologischen und orographischen Aufbau, wie seinem landschaftlichen Charakter nach ist es eine Fortsetzung des Waadtländer Berglandes des Mont Jorat.
Die Freiburger oder Greierzer Alpen beginnen mit einer Bergzone, deren wellige und rundliche Formen durch die sie aufbauenden wenig widerstandsfähigen Schichten des hier der Hauptsache nach schieferigen und tonigen Flysch bedingt sind. Nur an wenigen Stellen werden diese sanften Bergformen von einigen schroffern Felspartien, die aus Jura- oder Neocomschichten bestehen, unterbrochen. Zu dieser Vorzone der Alpen gehören der Mont Corbettes (1498 m), Niremont (1514 m), die Alpettes (1415 m) und die Siaz (1390 m), zwischen welchen die beiden Quellarme der Veveyse und die Trème sich ihre Betten gegraben haben.
Nördl. der Saane erhebt sich über Villarsbeney der Kamm des Mont Salvens-Bifé (1533 m), der sich über die Berra u. den Cousimbert (Käsenberg; 1634 m) bis zur Müscheneck (1278 m) und zum Schweinsberg (1649 m) fortsetzt; ö. vom Thal der Sense endlich finden wir die Pfeife (1657 m), den Seelibühl (1754 m) und den Gurnigel (1544 m). Alle diese Flyschberge sind an den untern Gehängen mit Wald und im obern Abschnitt mit oft nassen Alpweiden bestanden. Mit ihren den Höhenzügen des Mittellandes entsprechenden Formen und ihrer schon an die Alpen anklingenden Höhenlage bilden sie eine Zwischenzone zwischen diesen beiden Gebieten.
An den Gürtel der Flyschberge oder, wie wir sie auch nennen können, die Zone des Gurnigel schliesst sich alpeneinwärts die Zone des Ganterist an, die den am linken Ufer der Saane aufsteigenden Moléson (2005 m) und die Tremettaz (1909 m), seinen sw. Ausläufer, umfasst. Der Moléson ist ein aus Neocom und Malm bestehender und auf einem Sockel von Dogger, Lias und Trias stehender isolierter Synklinalrücken. Als Gegenstück zum Moléson erhebt sich zwischen den beiden Armen der Veveyse der ausschliesslich liasische und triasische Stock von Grevallaz, und nach NO. senkt sich der aus denselben Schichten bestehende Kamm von Les Clefs langsam bis zu dem über dem Rande des Saanethales stehenden Mont Barry ab. Die U-förmig gebogenen Schichten des Molésonrückens müssen einst in Form eines geschlossenen Jura- und Neocomgewölbes mit dem schmalen Kamm der Verreaux (1692 m) und mit der Dent du Li (2017 m; irrtümlich meist Dent de Lys geheissen) in Verbindung gestanden haben.
Später hat dann die Arbeit der Erosion aus diesem Gewölbe eine Reihe von Einsenkungen herausgewaschen, in denen der Querfluss Veveyse (mit seinen beiden Quellarmen) u., weiter nach N., der Längsfluss Albeuve entspringen. Ueber dem rechten Ufer der Saane setzt sich die Kette Moléson-Dent du Li im Bergstock der Dent de Broc (1829 m) und in der Dent du Chamois fort; ihnen entsprechen der zwischen dem Querfluss Motélon und dem Jaunbach sich erhebende Stock der Monse und die nö. des Jaunbachs aufsteigende Gruppe der Dents Vertes, die über Hohmättli und Ochsen mit dem dieser ganzen orographischen Einheit ihren Namen gebenden Ganterist zusammenhängt.
Eine langer Muldenzug trennt die Zone des Ganterist von derjenigen des Stockhorns oder des Vanil Noir. Der tiefste Punkt dieser Senke liegt im Thal von Montbovon-Grandvillars (740 m), wo - eine in den Greierzer Alpen seltene Erscheinung - der Lauf der Saane genau der Achse der Mulde folgt. Sw. Montbovon steigt die Mulde über das Thal von Allières allmählig bis zur Dent de Hautaudon (1874 m) und Dent de Jaman (1878 m) an, so dass das Ganze einen regelrechten Schiffsrumpf bildet. Das nämliche wiederholt sich im NO., wo vom Dorf Estavanens an die Kreide- und Flyschschichten des Muldenkerns über La Perreyre bis zum Col de la Forclaz (1593 m) hinauf sich verfolgen lassen. Von da an ist dann diese Mulde, die übrigens weiterhin mit derjenigen des Moléson verschmilzt, beständig den Kämmen (Col des Hauts Créts, Arpille und Ausseyre) aufgesetzt.
Die Stockhornzone erreicht ihre grösste Höhe im Vanil Noir (2395 m). Die diese Zone quer durchschneidenden Thäler des Jaunbachs u. der Saane begreifen zwischen sich den isolierten Synklinalstock des Corjon, an den sich im NW. die Antiklinale der Sautaz und im SO. diejenige von Crau anlehnen. Nö. der Saane reihen sich bis zum Vanil Noir (2395 m) eine ganze Anzahl von immer an die Nähe der Synklinalfalte gebundenen Gipfeln von 2000-2300 m Höhe auf. Der Gipfel des Vanil Noir selbst besteht aus ¶
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Neocom und bildet einen Knotenpunkt, an dem der Kamm sich spaltet, um zwischen seinen beiden Aesten (dem Grat des Follieran-Brenleyre und dem der Tours de Dorénaz) von neuem ein Muldenthal, das Thal von Les Morteys, einzuschliessen. Beide Aeste verschmelzen nö. vom Durchbruch des Rio du Mont wieder zum Bergstock der Hochmatt (2158 m), die über den Schafberg und die Scheibe sich an das Stockhorn anschliesst, das, bereits auf Berner Boden stehend, das NO.-Ende der nach ihm benannten orographischen Einheit ist.
Auf die Zone des Stockhorns folgt im SO. die Kette der Gastlosen, die vom Perte à Bovey an mit der Dent de Savigny (2259 m), Dent de Ruth (2239 m) und Wandfluh (2128 m) der Kantonsgrenze folgt und dann mit der eigenartigen Säge der Gastlosen selbst ganz auf Freiburger Boden übertritt. Diese Kette bildet einen schmalen und stark zerschnittenen und gezähnten Kamm aus senkrecht aufgerichteten Juraschichten, die zusammen mit der Trias an ihrer Basis auf den der Stockhornkette angelagerten Flysch aufgeschoben erscheinen. Vergl. den Art. Gastlosen.
Die über die Freiburger Alpen führenden Passübergänge halten sich an die Flussläufe, die zugleich auch als sehr scharfe natürliche Schnitte den Aufbau dieser Gebirgsmassen klar erkennen lassen. Im Besonderen trifft dies für beide Thäler der Veveyse zu, deren eines über den Col du Soladier (1601 m) mit dem Thal der Baye de Montreux verbunden ist und zwischen denen selbst der Col des Paccots (1557 m) vom einen zum andern hinüberleitet. Das Thal des Hongrin (Allières) führt zum Col de Jaman (1516 m); das Thal von Montbovon (Saane) steht über zahlreiche kleine Pässe mit demjenigen des Motélon einerseits und denen beider Veveyse, der Trème etc. andererseits in Verbindung. Das gleiche gilt vom Thal der Jaun, von dem aus man in die Thäler des Motélon, des Schwarzsees, von Château d'Œx etc. hinübergelangen kann. Es ist nicht möglich, alle diese zahlreichen und sehr interessanten Verbindungen von Thal zu Thal hier zu nennen. Zu erwähnen bleibt nur noch, dass eine Fahrstrasse das Thal des Jaunbachs aufwärts über den Bruch (1506 m) und von da nach Boltigen ins Simmenthal hinunter führt.
[Dr. H. Schardt.]
Klima.
In klimatologischer Hinsicht zerfällt der Kanton Freiburg in drei Teile, deren Grenzen ungefähr von N. nach S. laufen, nämlich: 1. in die Gegend um den Murten- und Neuenburgersee;
2. in die Hochebene zwischen diesen Seen und dem Thal der Broye einerseits und den Voralpen andererseits und 3. in das Voralpengebiet selbst.
Die Stadt Freiburg, deren Klima wir als typisch für den mittleren der genannten Bezirke ansehen können, hat eine mittlere Jahrestemperatur von 7,2° C. Milder ist das Seengebiet, wie schon der Umstand zeigt, dass längs der Ufer beider Seen der Weinstock gedeiht. Rauher ist natürlich entsprechend der Höhenlage das Alpengebiet. In den bis zu einer Höhe von 1100 m hinaufreichenden Thälern, z. B. der Valsainte, ist die Temperatur durchschnittlich 1-2° tiefer als in der Hauptstadt. Im Winter ist es die aus NO. wehende Bise, welche auf der Hochebene die tiefen Temperaturen besonders fühlbar macht.
Auch die Regenmenge und die Regenhäufigkeit sind in den drei erwähnten Bezirken sehr verschieden. Es betrug im Durchschnitt der Jahre 1890-1899:
|die in einem Jahre gefallene Regenmenge||die Zahl der Tage, an denen Regen fiel|
|in Estavayer le Lac||834 mm||114|
|in Freiburg||1002 mm||124|
|in Valsainte||1570 mm||134|
Das am Südhang der Berra gelegene Valsainte gehört damit zu den regenreichsten Gegenden der Schweiz. Dieser grosse Regenreichtum erklärt sich zum Teil durch den Umstand, dass verhältnismässig häufig Gewitter von dem obern Genfersee durch den freiburgischen Veveyse- und Greierzerbezirk nach dem unteren Simmenthal hinziehen. Der mittlere Teil des Kantons ist Gewittern weniger ausgesetzt. Im übrigen erklärt sich die erwähnte Verteilung des Regens durch die wissenschaftlich begründete Tatsache, dass der Regen in unseren Gegenden vorzüglich an den dem SW.-Wind ausgesetzten Gebirgshängen fällt. Da überall im Winter die Zahl der heiteren Tage in den Gebirgsthälern grösser ist als in der Ebene, so ist trotz des grösseren Regenreichtumes in den gebirgigen Gegenden des Kantons die Zahl der heiteren Tage im Jahr nicht geringer und die durchschnittliche Bewölkung nicht grösser als auf der Hochebene. So weist das an der Grenze des Greierzerbezirkes gelegene Marsens im Jahr durchschnittlich 80 heitere und 120 trübe Tage auf, während an 160 Tagen der Himmel etwa zur Hälfte mit Wolken bedeckt ist.
Die Nebel, die an windstillen Herbst- und Wintertagen die Schweizerische Hochebene vom Jura bis zu den Alpen zu überdecken pflegen, überfluten auch einen grossen Teil des Kantons Freiburg; doch steigen sie im allgemeinen nicht höher als 800 m, so dass grosse Teile des Sense- und des Greierzerbezirkes sich des herrlichsten Sonnenscheines erfreuen, während die westlichen Bezirke in dichte Nebel gehüllt sind. Die Zahl der Nebeltage beläuft sich in diesen Bezirken auf durchschnittlich 40 im Jahre, bleibt also noch um 10 Tage pro Jahr hinter den Gegenden an der mittleren Aare zurück.
[Dr. A. Gockel.]
Hydrographie.
Wie die Kantone Bern, Neuenburg, Waadt u. Wallis gehört auch der Kanton Freiburg gleichzeitig beiden grossen Flussgebieten der Schweiz an. Auf Freiburger Boden verläuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Rhone von der Cape aux Moines über Dent de Lys, Tzuatzau (Kette des Moléson), Niremont, See von Lussy und Châtel Saint Denis bis zum Mont Vuarat. Man kann auf Freiburger Boden vier Einzugsgebiete zweiter Ordnung unterscheiden, nämlich die der Veveyse, Saane, Broye und Sense.
Die Sense, die heute bei Laupen in die Saane mündet, muss einst einem grossen Strom zugeflossen sein, der durch das Thal von Mühlethal (Taferna) und weiterhin durch das Thal von Thörishaus und Bümpliz seinen Lauf zur Aare genommen hat. Später füllten dann die Moränen des diluvialen Aaregletschers das Thalstück Thörishaus-Bümpliz auf und dämmten es zum Teil ab, wodurch der seines Unterlaufes beraubte Fluss zum Ausweichen nach einer anderen Richtung veranlasst wurde.
Damit erklärt sich das scharfe Knie, mit dem heute die Sense bei Unter Fahr (unterhalb Riedern) nach W. abbiegt. Vielleicht war dieser präglaziale Flusslauf nichts Anderes als die Saane, die dann also über Flamatt und Thörishaus der Aare zugeflossen wäre und in der Nähe des heutigen Bern in sie gemündet hätte. Von den genannten vier Flussgebieten zweiter Ordnung gehört nur eines dem grossen Einzugsgebiet der Rhone an, nämlich das der Veveyse. Wie viele andere Flüsse (Sense, Lütschine, Simme) bildet sich auch die Veveyse aus zwei grossen Quellarmen, der (zum grössern ¶
Im Geographisches Lexikon der SCHWEIZ, 1902
Titel
* Freiburg
(Kanton) (Fribourg). Oberfläche, Bevölkerung. Nach den Katasterplänen beträgt die Oberfläche des Kantons 157452 ha. Die Gebäude und Plätze bedecken ungefähr 825 ha, die Gärten 350, die Weinberge 225, die Wiesen 64000, die Felder 20000, die Wälder 31500, die Weiden 27200, der unproduktive Boden und die Gewässer 13400 ha, worin die ungefähr 7000 ha des Neuenburger- und des Murtensees nicht inbegriffen sind. Die Zahl der Häuser ist 19061;
die Zahl der Haushaltungen 25964. Die Bevölkerung (127951 Seelen) verteilt sich nach Geschlecht, Konfession, Sprache und Herkunft folgendermassen: 64694 männliche, 63257 weibliche;
108440 Katholiken, 19305 Protestanten, 167 Juden;
87353 französisch, 38738 deutsch, 1679 italienisch, 18 romanisch sprechenden;
105138 Freiburger, 18441 Schweizer aus andern Kantonen, 4372 Fremde. 17289 Freiburger befinden sich in andern Kantonen, besondern in den Kantonen Waadt, Neuenburg, Genf und Bern. Die mittlere Zahl der jährlichen Heiraten während der Periode 1903-1907 betrug 6,92 auf 1000 Ew., die Zahl der Geburten 36,09, der Todesfälle 21,39. Die betreffenden Mittel für die Schweiz (1907): Heiraten 7,82, Geburten 27,73, Todesfälle 16,81. Die Kindersterblichkeit erreicht das Verhältnis von einem Sechstel bis einem Fünftel der Geburten;
für die ganze Schweiz beträgt sie ungefähr einen Achtel der Geburten.
Die mittlere Zahl der Scheidungen beträgt (1903-1907) jährlich 9,6, das heisst ein Verhältnis von 1,07% der während des Jahres gefeierten Heiraten; das entsprechende Mittel für die ganze Schweiz ist 4,8 Scheidungen auf 100 geschlossene Ehen. Die mittlere Zahl der Todesfälle, die jährlich durch die Schwindsucht hervorgerufen wurden, beträgt (1903-1907) 1,80 auf 1000 Ew. Die Verhältnisse der Todesursachen, nach der Statistik von 1901-1905, sind folgende: Lungenentzündung, 10,58% der Todesfälle;
Schwindsucht 8,32;
Darmentzündung der kleinen Kinder 8,32;
angeborne Schwäche 8,11;
Krebs 5,56;
Altersschwäche 3,65;
Tuberkulose mit Ausschluss der Schwindsucht 3,15;
Unfälle 2,90;
Diphtheritis 2,16;
Masern 1,84;
Keuchhusten 1,20. Die mittlere Zahl der Selbstmorde war (1903-1907) 18,6 jährlich, das heisst ein Verhältnis von 6,6 Selbstmorden auf 1000 Todesfälle;
entsprechendes Mittel der Schweiz: 13,2.
[A. Dessonnaz.]
Klima.
Die früher angegebenen Mitteilungen über das Klima verlangen eine nähere Angabe. Von den drei klimatische Zonen (Region der Seen, des Mittellandes und der Voralpen) hat die erstgenannte das mildeste Klima; mittlere Jahrestemperatur: 8,5-9° C. Der Wein und der Tabak gedeihen da noch. Das Mittelland hat eine mittlere Jahrestemperatur von 7,2°. In der Region der Voralpen sinkt das Mittel im Verhältnis zur Höhe; es ist 5,6° in den Hochthälern von Greierz, in einer Höhe von 1000 m. Die Zahl der Regentage und des Wasserniederschlags ändern von einer Zone zur andern, mit Tendenz zum Maximum, wenn man sich der Bergregion nähert. Die folgende Tabelle zeigt das Mittel aus den Beobachtungen von 1898-1907:
|Höhe. m||Gefallene Wassermenge. mm||Regen- oder Schneetage.|
|Murten (See)||468||875||140|
|Freiburg (Saane)||640||993||143|
|Plaffeien (Sense)||850||1145||133|
|Marsens (Unter Greierz)||727||1208||145|
|Valsainte (Ober Greierz)||1032||1652||142|
Trotz seines hohen Regenmittels erfreut sich Marsens (Unter Greierz) einer mittleren Zahl von klaren Tagen (70), die diejenigen von Greierz (50) übersteigen; das Mittel der bedeckten Tage ist in Marsens 140 und in Freiburg 160. Der Nebel herrscht 40 bis 50 Tage im Mittelland (Freiburg-Romont-Marsens); in den Thälern, deren Höhe 800 m übersteigt, verzeichnet man jährlich kaum 10 Nebeltage.
[Dr A. Gockel.]
Ackerbau.
Der Ackerbau ist die wichtigste Erwerbsquelle des Kantons; er ist der Grund des Wohlstandes und des Kredites des Staates. Dieser hat darum auch seine Anstrengungen und Aufmunterungen vermehrt um den Fortschritt im Ackerbau anzutreiben und an die Stelle des überlieferten und altgewohnten Vorgehens vernünftige und wissenschaftliche Methoden zu setzen. Die Zählung von 1905 ergab das Vorhandensein von 12448 landwirtschaftlichen Betrieben mit 120000 ha Terrain, wovon drei Viertel auf die Wiesen und Weiden entfallen; die Felder bedecken ungefähr ein Sechstel der Bodenoberfläche.
Die kleinen und mittleren Betriebe herrschen vor;
die Hälfte der Betriebe verfügt nicht über 5 ha, nur ein Zehntel hat eine Oberfläche, die 20 ha übersteigt;
das Mittel ist 9,7 ha.
Ausserdem ist jeder Besitz in zerstreute Parzellen von geringer Ausdehnung zerstückelt;
das Mittel ist 8 Parzellen per Betrieb.
Der vierte Teil der landwirtschaftlichen Betriebe verfügt über ein Besitztum, das aus über 10 Parzellen besteht. Es ist dies ein Hindernis für den technischen Fortschritt des Ackerbaus, ausserdem auch ein Grund des geringen wirtschaftlichen Wohlstandes infolge der Zunahme der Betriebskosten, die daraus erfolgen. Im Jahre 1906 hat der Grosse Rat durch ein Gesetz erkannt, dass die Neugestaltung des Grundbesitzes einem öffentlichen Nutzen entspricht; die übertriebene Zerstückelung und Zerstreuung soll dadurch unterdrückt werden, sie geniessen die Wohltat der Staatsunterstützung und der Steuerfreiheit. Drei Fünftel des Bodens werden von den Besitzern selbst bebaut, zwei Fünftel von Pächtern. Die grossen Betriebe sind zum grossen Teil verpachtet. Drei Viertel der kleinen und mittleren Betriebe werden von den Besitzern selbst bebaut. In zwei Fünfteln der Betriebe ¶
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werden landwirtschaftliche Maschinen gebraucht, im Ganzen 8380, vowon 4121 Dresch- und 3228 Mähmaschinen. 3,5% der Betriebe besitzen hydraulische, elektrische oder Dampfmotore mit 1320 Pferdekräften.
Der Futteranbau für die Viehzucht nimmt im freiburgischen Ackerbau den Hauptplatz ein. Ihrerseits bezweckt die Viehzucht gleichzeitig die Milchproduktion, die Nachzucht und den Viehhandel. Die Sömmerung spielt in der Viehzucht eine grosse Rolle. Im bergigen Teil des Kantons bestehen 799 Sömmerungen mit je drei bis sechs Weiden; sie alle können während ungefähr drei Monaten mehr als 26000 Kühe fassen. Der Bergbesitz besteht aus grossen zusammenhängenden Stücken, sie gehören gewöhnlich Privatpersonen, ein Viertel ungefähr gehört Gemeindegenossenschaften. Die Alpzone im S. des Jaunbaches, der Trême und der Veveyse besitzt die besten Alpschaften; die Zone der Voralpen bietet infolge ihrer geologischen Natur (Flysch) die geringsten Weiden. Der Staat beschäftigt sich systematisch mit der Aufforstung der hohen Becken der voralpinen Region zum Zwecke der Sanierung dieser Alpen.
In der Alpregion konzentriert sich die Hauptmasse des Milchviehs. Besonders findet man hier das Schwarzfleckvieh, jedoch kommt auch das Rotfleckvieh vor, wie in der Ebene. Die beiden Arten sind Varietäten der gleichen Rasse, der grossen schweizerischen Fleckviehrasse. Die Freiburgerkuh hat einen ausgesprochenen originellen Typus, sie ist stark und kräftig gebaut, hat harmonische Formen, sie widersteht leicht den Witterungseinflüssen und den Ansteckungen, sie liefert eine reichliche Milch.
Neben dem Rindvieh ist die Ziege im Kanton Freiburg zahlreich vertreten; der grauliche Typus überwiegt gegenüber den rehfarbenen und weissen Varietäten. Die Ziege ersetzt der armen Bevölkerung die Kuh; den Grosszüchtern liefert sie die Milch zur Ernährung der Zuchtkälber und bewirkt dadurch die vermehrte Käseproduktion. Das Schaf wird wieder akklimatisiert; so können die felsigen Weiden der Bergrücken besser ausgenutzt werden. Das Schwein ist für die Viehzucht von grösster Bedeutung; die Yorkshirerasse ist in der ganzen Ebene verbreitet; die Landrasse herrscht im oberen Teile des Kantons noch vor. Das Pferd wird wieder auf rationelle Weise gezüchtet. Dagegen wird die Geflügelzucht leider noch lange nicht systematisch betrieben und ergiebt noch nicht den Ertrag, den man daraus ziehen könnte.
Die freiburgische Milchwirtschaft hat ihren Ursprung im Gebirge; die Käsefabrikation in der Ebene datiert von der teilweisen Aufgabe des Getreideanbaus und der Einführung der ergiebigen Futterpflanzen her. Auf den Bergen war die Käserei und der Käsehandel schon im 12. Jahrhundert in Blüte. Gewisse Gemeinden konnten ihre Feudallasten durch die Einnahmen abschütteln, die sie aus dieser Industrie zogen; Italien und Frankreich waren die Absatzgebiete. Heutzutage ist die Milchwirtschaft allgemein verbreitet und in vollem Gedeihen begriffen. Die Qualität der Milch der Freiburgerkuh ist ausgezeichnet, ihr Fettgehalt ist im Mittel 4,102%. Der Milchertrag in der Käsefabrikation variert zwischen 8¾ und 9½%;
beim Vacherin ist er 10 bis 12%. Der Preis des Bergkäses ist Schwankungen nach oben und unten unterworfen;
in den letzten Jahren schwankte er zwischen Fr. 1,35 und Fr. 1,65 per kg.;
der Vacherin zwischen Fr. 1,15 und Fr. 1,50 per kg.
Die Bodenverbesserung wird von Staat und landwirtschaftlichen Genossenschaften sorgfältig überwacht. Es wurde ein landwirtschaftliches Bureau zur methodischen Leitung dieser Arbeiten geschaffen. Seitdem im Jahre 1893 das eidgenössische Gesetz den Aufschwung der kantonalen Initiative auf diesem Gebiete hervorruuf, wurden im Kanton Freiburg bis zum für eine Summe von Fr. 1200000 Arbeiten zur Verbesserung des Bodens vorgenommen. Im Jahre 1902 wurde ein spezielles Departement für Landwirtschaft geschaffen.
Die folgende Tabelle zeigt der Zunahme der Ausgaben des Staates für die Landwirtschaft:
|Fr.|
|1880||17000|
|1890||70000|
|1900||115800|
|1908||396000|
Unterrichtswesen.
Im Laufe dieser letzten Jahre hat der Kanton zur Verbesserung des Unterrichtswesens, der Gewerbe, des Handels und des Verkehrs beträchtliche Fortschritte gemacht.
Der Ausgangspunkt dieser Entwickelung war die Gründung der Universität (1889), die eine theologische, juristische, philosophische und naturwissenschaftliche Fakultät enthält. Für gewisse Lehrstühle wird der Unterricht in beiden Sprachen erteilt. Ausser den klassischen Sprachen werden an der philosophischen Fakultät französische, deutsche, romanische, englische, italienische und polnische Sprache und Litteratur doziert; es sind fünf Lehrstühle für Geschichte vorhanden.
Die juristische Fakultät erteilt der Doktorgrad in Volkswirtschaft. Die naturwissenschaftliche Fakultät verfügt über alle wünschenswerte Einrichtungen. Zur Universität gehört eine Bibliothek von 130000 Bänden; sie befindet sich in einem Gebäude, das 1909 nach den modernsten Anforderungen errichtet wurde und 700000 Franken kostete. Der Lesesaal enthält 200 Zeitschriften aller Art. Die medizinische Fakultät wird langsam ausgebaut. Die Universität zählt 71 Professoren und 569 Studenten.
Die Unterstützung der Universität wurde ermöglicht durch die Konversion eines Staatsanleihens. Die dadurch erlangte Summe (2½ Millionen) bildet den Universitätsfonds. Um zu verhindern, dass das kantonale Budget zur Unterstützung der Hochschule herbeigezogen werde, hat der Staat im Jahre 1889 das Elektrizitätswerk und den Besitz der «Société des Eaux et Forêts», die 1870 von Guillaume Ritter gegründet wurde, erworben (Usine du Barrage de Fribourg). Dieses mit drei Turbinen versehene Werke, mit einer Stärke von 1200 Pferdekräften, liefert der Stadt Freiburg die elektrische Kraft (180 Motoren, 850 Pferdekräfte), das Licht (230000 Kerzen) und das Trinkwasser. Der Ertrag der Abonnemente an elektrischer Kraft betrug 1908 Fr. 303950, an Wasser Fr. 142850, der ¶
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Reinertrag Fr. 186650. Nach Verzinsung des Dotationskapitals (Fr. 1100000) zu 5% wird der Saldo des Gewinns der Universitätskasse zugehalten.
Zur Ergänzung der nötigen Einnahmen zum Unterhalt der Universität und um die zur Verwirklichung seiner ökonomischen Politik nötige Finanzlage zu schaffen, hat der Staat 1892 die im Jahre 1867 gegründete Kasse zum Zwecke des Amortissements der Staatsschuld in eine Staats-, Handels- und Hypothekarbank umgewandelt. Diese Bank, mit einem Kapital von 21 Millionen, bezweckt die Tilgung der Staatsschuld mit 60 Prozent des Nettogewinnes, sie zahlt an die Universitätskasse eine Jahresrente von Fr. 80000;
sie verfolgt den Zweck, den politischen und Pfarrgemeinden zu einem reduzierten Prozentsatz Darlehen zu gewähren und im Allgemeinen den Prozentsatz der Hypothekardarlehen im Kanton zu vermindern. Im Jahre 1908 belief sich ihr Geschäftsumsatz auf Fr. 478370000;
sie erzielte einen Reingewinn von Fr. 1303950;
ihre Reserven belaufen sich auf Fr. 2600000;
der Fonds zur Amortisation der Staatsschuld beträgt Fr. 2116000.
Zur gleichen Zeit, als der Staat dem Lande die elektrischen Triebkräfte verschaffte, gründete er ein Technikum zur Heranbildung der zur Ausnutzung der Elektrizität befähigten Arbeiter und Praktiker. Dieses Technikum enthält eine technische Abteilung (elektromechanische Schule, Geometerschule, Bauschule und Seminar für Zeichnungslehrer), ferner eine Handwerkerschule (für Mechaniker, Steinhauer, Maurer, Kunstschreiner und für das Kunstgewerbe).
Das Technikum organisiert jedes Jahr Semesterkurse für die Heranbildung von Zeichnungslehrern und Gewerbekurse für Erwachsene. Das Industriemuseum mit 10000 Tafeln, Zeichnungen und Photographien für gewerbliche Zwecke und einer Bibliothek mit 11000 Bänden und 131 Zeitschriften ist dem Technikum angegliedert. Seit dem Jahre 1886 werden gewerbliche Lehrlingskurse organisiert; ihr Besuch während eines halben Tages in der Woche ist obligatorisch. Diese Kurse sind der Aufsicht des zentralen Lehrlingsamtes unterstellt.
Es besteht ferner eine Gewerbeschule (zwei Jahre) zur Vorbildung der künftigen Handwerkermeister; sie ist obligatorisch für die Schüler, welche die Primarschule verlassen und die Sekundar- oder Industrieschule nicht besuchen wollen.
Diese letztere trägt den Namen: Collège cantonal de St. Michel. Sie wurde 1582 für den rein klassischen Unterricht gegründet und 1850 durch einen industriellen Kurs ergänzt. Diese Schule umfasst: 1° ein französisches und deutsches Gymnasium, mit gemeinsamem Lyzeum (Philosophie und exakte Wissenschaften);
die Studien führen bis zur Litterarmaturität, oder, wenn man das Griechische durch eine moderne Sprache und durch einen Kurs in den exakten Wissenschaften ersetzt, zur Realmaturität;
2° ein Realgymnasium mit den Abteilungen: Handelsschule und Verkehrschule (Vorbereitung auf Post, Telegraph, Eisenbahn).
Eine besondere Sektion der Schule ist nach dem Muster der Lyzeen und Gymnasien in Frankreich organisiert, für die Schüler dieser Nation.
Dem landwirtschaftlichen Unterricht dient ein landwirtschaftliches Institut, es hat Winterkurse und eine theoretische Molkereischule; ausserdem besteht in Grangeneuve, auf den Boden des früheren Klosters Hauterive eine theoretische und praktische landwirtschaftliche Schule (drei Jahre).
Ferner bestehen, ausserhalb des Kantonshauptortes in fünf Bezirkshauptorten klassische und Real-Sekundarschulen und an zehn Orten Regionalschulen für den Landwirtschaftsunterricht. Die freiburgische «Mutualité scolaire» erfüllt die Rolle einer Ersparnis- und einer Versicherungskasse gegen Krankheit. Der wöchentliche Beitrag beträgt 15 Rappen, wovon 8 R. zur Versicherung und 7 R. zur Ersparnis dienen.
Das Lehrerseminar hat eine französische und eine deutsche Abteilung; es ist im Gebäude des früheren Klosters Hauterive untergebracht. An der Universität besteht ein Lehrstuhl für Pädagogik.
Für die staatliche Mädchenerziehung bestehen: obligatorische Haushaltungskurse für schulpflichtige Mädchen;
ungefähr dreissig fakultative Haushaltungsschulen für aus der Schule entlassene Mädchen, eine Töchtersekundarschule (allgemeiner, literarischer und pädagogischer Unterricht), sie bildet zum Primar- und Sekundarlehrerinexamen vor, sie hat eine berufliche und Haushaltungsabteilung (Zuschneiderei, Konfektion, Lingerie, Küche);
einzelne dieser Kurse sind für die künftigen Lehrerinnen obligatorisch;
eine Haushaltungsschule, mit einer Abteilung zur Ausbildung von weiblichen Dientsboten und als Krönung ein Institut zur Ausbildung von Haushaltungslehrerinnen;
eine Handelsschule für junge Mädchen;
endlich ein kantonales Mädchenlyzeum, das zur Maturität vorbereitet.
Der freie Unterricht für das weibliche Geschlecht ist durch zwei Institute für das Hochschulstudium der Damen vertreten (École des Hautes Études und Académie Sainte Croix), der Unterricht wird dort von Professoren der Universität erteilt; ferner bestehen verschiedene Erziehungsinstitute, sieben davon in Freiburg und einige andere in verschiedenen Orten des Kantons. Das internationale Bureau für den Zeichnungsunterricht, gegründet 1904, und das internationale Bureau für den Haushaltungsunterricht, organisiert im Jahre 1908, haben ihren Sitz in Freiburg, unter den Auspizien der Erziehungsdirektion.
Der Kanton besitzt eine Taubstummenanstalt in Greierz, eine Korrektionsanstalt für Knaben in Drognens, eine Besserungsanstalt für Mädchen in Sonnenwil bei Murten, eine Schule für Schwachsinnige in Seedorf, ein Schulasyl für junge Blinde in Freiburg, ferner neun Waisenhäuser. Freiburg ist der Sitz des bischöflichen Seminars zur Heranbildung von Priestern der Diözese von Lausanne und Genf.
Wasserkräfte.
Der Erfolg der «Entreprise des Eaux et Forêts» bestimmte den Staat, 1902 in Hauterive, am Ufer der Saane, 7,5 km oberhalb des Stauwerkes von Freiburg, ein hydroelektrisches Werk zu errichten. Ein Ableitungskanal von 9,6 km mit einer Oeffnung von 15 m2 und 60 cm Gefäll per km führt das in Thusy, 20 km flussaufwärts gefasste Wasser oberhalb des Werkes. Der Wassersturz beträgt 62 m. Das Elektrizitätswerk kann zehn Gruppen von Generatoren enthalten, die mit einem konstanten Wasserverbrauch von 18,3 m3 in der Sekunde 10000 Pferdekräfte erzeugen ¶