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Oft werde ich hinter der Hand oder auch nur andeutungsweise gefragt, warum ich nicht schon längst ein bekannter und berühmter Autor sei. Nach 50 Jahren schreiben sollte das doch eigentlich endlich der Fall sein, sollte ich das doch eigentlich geschafft haben? Dann muss ich jeweils des Langen und Breiten erklären, wie das in der Schweizerliteratur funktioniert:
1. Der Verkauf von Büchern lohnt sich überhaupt nicht; das ist ein klares Verlustgeschäft.
2. Die Verlage verdienen einzig Geld, indem sie von den Kantonen für jeden einzelnen ihrer Verlagsautoren reichlich bemessene Subventionen beanspruchen (was sie den Autoren natürlich nicht sagen), genau wie die Schweizerbauern; die hohle Hand beim Staat bildet ihr nahezu einziges Einkommen (was sie natürlich energisch abstreiten, genau wie die Schweizerbauern).
3. Die Kantone wiederum steuern das literarische Geschehen, indem sie bestimmen, für welche Autoren die Verlage Subventionen erhalten, und für welche nicht (was sie natürlich auch energisch abstreiten).
4. Für meine Person gilt: Für diesen Mann bezahlen wir nichts. Somit bin ich für alle Verlage in der Schweiz für alle Zeiten weg vom Fenster (was sie natürlich "mit Entschiedenheit zurückweisen").
5. Wo liegt der Grund? 1992 ist «Der Filz» erschienen, und dieses Buch hat die bernische Regierung derart auf die Palme gebracht, dass sie angewiesen hat, dass es für mich, also für meinen kleinmütigen Ex-Verlag, keinerlei Pinke mehr geben wird (was sie, die Regierung, aber auch er, der Verlag, "in aller Entschiedenheit" abstreiten werden).
6. So ist es bis heute geblieben, denn den Verlagen geht es gewiss nicht um Literatur (ein Ansinnen, das sie "mit Empörung" zurückweisen); ihnen geht es nur um die Kohle (was sie natürlich auch abstreiten, man lese nur die vollmundigen Verlagsprospekte). Das ist alles.
7. Wenn man als Autor keinen Verlag hat, ist man hierzulande draussen vor der Tür, und jedermann / jedefrau kann mit unschuldigem Blick bestätigen, wie schlecht die abgewiesenen Texte ("passen leider nicht in unsere Verlagslinie") gewesen seien.
8. Wenn man danach die Bücher auch noch selber herausgibt, wie in meinem Falle, dann ist man als Nestbeschmutzer gleich endgültig draussen, nicht nur vor der Tür, nicht nur vor der Landesgrenze, sondern gleich vor dem ganzen literarischen Universum.
9. Es ist heute somit so, als gäbe es mich gar nicht mehr, denn für die Öffentlichkeit bin ich längst tot.
10. Nun habe ich mich damit abfinden müssen, mit einer lachenden und einer weinenden Arschbacke.
11. Wenn Sie sich jetzt bei dieser haarsträubenden Schilderung an die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion oder der üblen DDR erinnert fühlen, als deren Autoren auch unterdrückt wurden, wenn sie sich nicht anpassten, dann liegen Sie gar nicht so weit daneben, zumindest im Schrottkanton Bern nicht, der leider "für mich zuständig" ist. Hier wird ein politisches Klima wie zu Zeiten von Breschnew gehegt und gepflegt (wahrscheinlich aus reiner Ängstlichkeit), und zwar von ausnahmslos allen bernischen Sesselfurzern, die am Drücker sind, seien sie nun gewählt, oder nicht, unter Zuhilfenahme aller staatl. Institutionen und Apparate, nota bene.