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Die Formen der orchestralen «Unterhaltungsmusik», die bis etwa 1960 auch in den elektronischen Medien allgegenwärtig war, spiegeln im wesentlichen die musikgeschichtliche Situation um 1830: Es sind Intermezzo, Suite, Charakterstück und einzelne Tanzformen mit Schwergewicht auf Marsch und Walzer. Während Beethoven und Schubert noch mit grosser Selbstverständlichkeit Unterhaltungsmusik verfassten, vollzieht sich gegen 1830 ein Wandel im europäischen Musikleben: Die Industrialisierung und Urbanisierung trägt die gesellige Musikpflege in die Breite und verursacht kulturelle Spaltungen zwischen Gesellschaftsschichten und eine Differenzierung der Aufführungslokalitäten. Die Aufsätze leisten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dieses nach wie vor unzulänglich untersuchten historischen Wandels und seiner bis heute reichenden Konsequenzen. Von den Medien der Unterhaltungsmusik und deren Wechselwirkungen ausgehend, untersuchen sie unterschiedliche Aspekte des Phänomens «Gehobene Unterhaltungsmusik». Aus musik- und tanzwissenschaftlicher, sozialwissenschaftlicher, rechtlicher, institutionsgeschichtlicher und nicht zuletzt praktisch-musikalischer Perspektive ergeben sich eine Vielzahl von Deutungen. Aber nicht die «Werke» als scheinbar unmittelbar Vermittelte stehen im Zentrum, sondern die Stufen der Vermittlung, die ihre Wirkung erst ausmachen.