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Antwortfähigkeit („Response-ability“) lautet Donna Haraways Weckruf, mit dem sie uns auffordert, „weniger tödlich zu sein, responsabler, besser gestimmt, offener für Überraschungen, fähiger, die Künste des guten Lebens und Sterbens in artenübergreifender Symbiose […] auf einem beschädigten Planeten zu praktizieren“. Das Konzept der Responsabilität trotzt angstbesetzten Narrativen und betont stattdessen positive Wahlmöglichkeiten: „Es ist unsere Aufgabe, Unruhe zu stiften, zu wirkungsvollen Reaktionen auf zerstörerische Ereignisse aufzurütteln, aber auch die aufgewühlten Gewässer zu beruhigen, ruhige Orte wieder aufzubauen“.
Der Terminus Anthropozän wurde in den 1980er-Jahren von dem Ökologen Eugene Stoermer als Bezeichnung für unser gegenwärtiges geologisches Zeitalter vorgeschlagen, um dieses als von menschlichen Aktivitäten bestimmt zu charakterisieren. Die Expertenmeinungen darüber, wann das Anthropozän einsetzte, variieren, wobei die Bandbreite der Angaben vom Beginn der landwirtschaftlichen Revolution vor etwa 10 000 Jahren über den Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts reicht. Der Begriff ist zwar hilfreich, um Klimaleugner zu widerlegen, ist aber auch in die Kritik geraten, weil er die Verantwortung für den vom Menschen verursachten Klimawandel zu gleichmässig auf die gesamte Menschheit verteilt, anstatt anzuerkennen, dass die Hauptverursacher bestimmte Menschen und Konzerne aus bestimmten Ländern sind. Befürworter des Post-Anthropozentrismus stehen dem Begriff des Anthropozän ebenfalls kritisch gegenüber: Der Mensch ist ihrer Meinung nach nicht die Schlüsselfigur der gegenwärtigen Epoche, sondern nur ein Akteur unter vielen – er ist verstrickt in eine komplexe Ökologie von lebenden und nicht lebenden Dingen und abhängig von dieser.
Die Atmosphäre ist die dünne Schicht aus Gasen und Aerosolen, die sich von der Oberfläche eines Planeten ins Weltall erstreckt. Die gegenwärtige Atmosphäre der Erde macht Leben möglich, nicht zuletzt wegen des dort vorhandenen Wassers in all seinen Aggregatzuständen. Die Atmosphäre ist durchlässig und veränderbar und durchdringt mittels Fotosynthese und Atmung die Körper aller Lebensformen. Grosse Mengen von Treibhausgasen, durch menschliche Aktivitäten erzeugt, verändern unsere Atmosphäre radikal haben und einen katastrophalen Klimawandel in Gang gesetzt. Als Atmosphäre wird auch die Stimmung oder Tonalität eines Raumes bezeichnet, sei sie physischer oder emotionaler Art. Atmosphären, im Sinne von Sphären der Existenz, wurden von Peter Sloterdijk und Bruno Latour thematisiert.
Das Erdsystem ist ein komplexes, integriertes Ganzes, das die verschiedenen Sphären und Prozesse umfasst, die auf der Erde auf verschiedenen zeitlichen und räumlichen Ebenen vonstattengehen. Das System ist in vier Hauptsphären unterteilt, die sich vom Kern des Planeten bis zur oberen Atmosphäre erstrecken – die Lithosphäre (Land), die Hydrosphäre (Wasser), die Atmosphäre (Luft) und die Biosphäre (Leben). Die Prozesse innerhalb dieser Sphären können physikalischer, chemischer oder biologischer Natur sein; sie beeinflussen sich gegenseitig und gehen oft in komplexere Prozesse, etwa die Geobiochemie, über. Beispiele für Erdsystemprozesse sind Fotosynthese, Nahrungskette, Stickstoffkreislauf, Klimawandel, Wetter, Konvektionsströme, Erosion, tektonische Ereignisse, Gletscheraktivitäten und Gezeitenrhythmen. Variabilität, Leben, Konnektivität und Nichtlinearität sind die vier Hauptmerkmale, die das Erdsystem charakterisieren, das auch durch menschliche Aktivitäten geprägt ist.
Gaia – das seine Wurzeln in einem griechischen Wort für „Erde“ hat – war der Name der Muttergöttin, die die Erde personifizierte und auch über sie herrschte. Der Begriff wurde von James Lovelock in den 1960er-Jahren entlehnt, um gemeinsam mit Lynn Margulis die Gaia-Hypothese zu entwickeln. Das Prinzip besagt, dass die planetaren Beziehungen zwischen Organismen, anorganischer Materie und terrestrischen Prozessen die Erde zu einem synergetischen, selbstregulierenden System machen. Von zentraler Bedeutung ist die im Namen dieser These vertretene Sichtweise, dass der Fortbestand des Lebens auf der Erde von dem Gleichgewicht jener systemischen Interaktionen abhängt.
Geo-Geschichte („Geostory“), ein von Bruno Latour ebenso wie von Donna Haraway verwendeter Begriff; er betont die Vielfalt der Akteure – menschlicher ebenso wie nicht-menschlicher – in der Weltgeschichte und vor allem auch die Vielfalt von Geschichten innerhalb der Geschichte. Latour schreibt: „Der Planet ist lebendig […] bedeutet […] nicht, dass es einen grossen Organismus namens Erde gibt, sondern dass viele Einzelbestandteile jeweils ihre eigene Welt bilden.“
Interspezies-Beziehungen beschreiben eine Situation, in der mehr als eine Spezies existiert, interagiert und auf ein Ökosystem zurückwirkt, in dem Räume, Zeitebenen, Ressourcen und Interessen sich überlappen und ineinandergreifen. „Interspezies“ ist ein Begriff, der eine explizite Verflechtung von Lebewesen und Prozessen nahelegt. Unter ökologischen Gesichtspunkten zielt das Konzept der Interspezies-Beziehungen darauf ab, Spezies nicht einzeln zu betrachten, sondern als Teil eines unauflösbaren Zusammenhangs – was auch auf menschlicher Ebene politische, ethische und moralische Konsequenzen hat.
Klimagerechtigkeit beleuchtet die sozialen, politischen und ethischen Folgen des Klimawandels. Laut Mary Robinson bedeutet Klimagerechtigkeit „anzuerkennen, dass wir, wenn wir Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels unternehmen, dies nicht auf Kosten der Schwächsten tun dürfen. Es muss doch möglich sein, unsere Umwelt zu schützen und unseren Mitmenschen dabei trotzdem einen Ausweg aus Armut und Existenzangst zu sichern.“ Zum Themenfeld Klimagerechtigkeit gehören die Generationengerechtigkeit und die artenübergreifende Umweltgerechtigkeit, die den Fokus auf unsere Verantwortung gegenüber kommenden Generationen und anderen Spezies richten.
Komplizenschaft ist der Zustand des Beteiligtseins, für gewöhnlich an einer als unrechtmässig erachteten Handlung. Mitunter impliziert es partnerschaftliches Handeln. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen Verb complicare, „zusammenfalten“ oder „zusammenlegen“ (com-, zusammen, + plicare, falten, zusammenlegen). Im wörtlichen Sinne handelt es sich also um das Zusammenlegen von Beteiligung, was aktiv oder passiv geschehen kann.
Der 1996 von David Abram geprägte Begriff „more-than-human“ (mehr-als-menschlich) wird in Umweltwissenschaft, Kunst und Philosophie häufig verwendet. Zwar spielt der Begriff „nicht-menschlich“ schon seit längerer Zeit in Philosophie und Politik eine wichtige Rolle – dabei prägt ihn jedoch die Verneinung, mit einer Betonung auf dem „nicht“. Das mehr-als–Menschliche hingegen ist ausdrücklich additiv und meint ein Neben- und Miteinander. Es erlaubt ausserdem, nicht-belebte Materie auf einer gleichberechtigteren Ebene mit Menschen und anderen belebten Wesen zu berücksichtigen. Während manche Diskurse den Blick auf Fragen und Krisen im Miteinander verschiedener Spezies richten, stellt das Mehr-als-Menschliche alle auf eine gleichberechtigte Ebene und schließt Objekte, Landschaften ebenso wie nicht-belebte Naturphänomene mit ein; es rückt alle in eine auf Fürsorge und Gegenseitigkeit basierende Sphäre und löst Diskurse vom Biozentrismus. Mit anderen Worten: Das Mehr-als-Menschliche ist ein Dachbegriff für das Unbelebte und Anorganische, Seite an Seite mit dem Lebendigen. Es zeigt, dass auch das Nicht-belebte, ob Winde, Felsen oder komplexe Flusssysteme, ein bedeutender Akteur in den gesellschaftlichen und politischen Verflechtungen der Welt ist. Ohne das Mehr-als-Menschliche ist der Mensch fraglos weniger.
Menschliche Vorrangstellung ist eine weitverbreitete Überzeugung, derzufolge sich der Mensch vom Rest der natürlichen Welt abhebt, nicht zu den Tieren zählt und anderen Tieren oder Lebensformen nicht gleicht. Als bestimmendes Leitbild der Menschheit im Laufe der Geschichte war diese Vorstellung sowohl im religiösen Denken als auch in wissenschaftlichen, säkularen Theorien verankert. Die Auffassung spiegelt sich nicht nur einem instrumentalisierenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Ausbeutung von Tieren als Rohstoff, sondern auch in der vordergründig ökologischen Idee, der Menschen sei Hüter über den Rest des Planeten. Die Ausnahmestellung des Menschen ist jedoch in den letzten Jahrzehnten von Wissenschaftlern und Philosophen kritisch hinterfragt worden.
Multispezies-Ansätze „berücksichtigen die Rolle anders-als-menschlicher Spezies, egal ob es sich um Pflanzen, Tiere, Pilze, Bakterien oder sogar Viren handelt, die das Spezies-Konzept infrage stellen“. Sie sind „Teil einer umfassenderen Suche innerhalb der Sozial- und Geisteswissenschaften […] nach Relationsperspektiven im Bestreben, den Anthropozentrismus zu überwinden, indem sie auf die herausragende Bedeutung der nichtmenschlichen Anderen hinweisen“. Während sich Multispezies-Ansätze auf die relationale Dynamik von Lebewesen konzentrieren, gehen Mehr-als-menschlich-Perspektiven über diesen Bereich hinaus, indem sie unbelebte Akteure einbeziehen und deren komplexes Zusammenwirken untersuchen.
Natur-Kultur ist ein von Donna J. Haraway geprägter Begriff, der das Miteinander-Verschmelzende und Wechselseitige all jener Dinge beschreibt, die man bisher durch Kategorien wie Natur und Kultur voneinander zu trennen versuchte.
Der Begriff Planthropozän wurde von der Anthropologin Natasha Myers ins Spiel gebracht: „Ich möchte, dass das, was ich halb ironisch und halb ernsthaft als Planthropozän bezeichne, in den Ruinen des anthropozänen Denkens Fuss fasst. Es handelt sich um ein wünschenswertes Erkenntnismodell und um eine Lebensweise, in der die Menschen ihrer tiefen Verbundenheit mit den Pflanzen gerecht werden. Von entscheidender Bedeutung ist, dass das Planthropozän keine zeitgebundene Epoche bezeichnet. […] Das Planthropozän ist ein Aufruf, die Grundvoraussetzungen für Formen von Begegnung zu verändern, und sich mit […] diesen grünen Wesen zu verbünden.“
Das Sehvermögen von Tieren variiert stark von Spezies zu Spezies. Den meisten Primaten, einschliesslich des Menschen, ist trichromatisches Farbensehen möglich, wobei alle wahrgenommenen Farben durch das Mischen von drei Primärfarben – Rot, Grün und Blau – erzeugt werden. Trichromaten besitzen drei Arten von lichtsensitiven Zapfenzellen. Andere Spezies verfügen über verschiedene Formen von lichtsensitiven Zellen – angefangen von einer Zapfenzelle für monochromes Sehen, wie es bei nachtaktiven Tieren anzutreffen ist, bis hin zu fünf Zapfenzellen für pentachromatisches Sehen, wie es für Insekten typisch ist. Der Neurowissenschaftler und Philosoph Francisco Varela kommentierte die aus dieser Vielfalt resultierenden unterschiedlichen Erfahrungen der Welt so: „Vögel, wohlgemerkt, verfügen über eine andere Dimension von Farbe. Es ist nicht nur so, dass sie mehr Farben sehen, […] es ist auch nicht so, dass sie Farben besser sehen. Ihr Farbraum an sich ist für uns unvorstellbar. [… Dies] schreibt ihnen eine Welt zu, die wir zwar teilen, doch zugleich lässt sich nicht sagen, dass ihre die wahre und unsere die falsche wäre oder umgekehrt. Tatsächlich haben wir es mit einem Multiversum zu tun.“
Das Sensorium bezeichnet „Bereiche des Gehirns […], die mit der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen befasst sind“ und im weiteren Sinne den gesamten Wahrnehmungsapparat des Körpers. Natasha Myers zufolge können „Wahrnehmungsexperimente das Sensorium neu ordnen. Wenn wir Dinge anders denken und anders erzählen, lassen sich neue sinnliche Welten erschliessen. […] Wenn wir uns von kolonial geprägten Vorstellungen lösen und unser Sensorium vegetalisieren, wird die Welt vollkommen anders aussehen und sich völlig anders anfühlen.“
Sich-verwandt-Machen ist die von Donna J. Haraway geprägte Formulierung für den aktiven Prozess des Suchens und Knüpfens von Beziehungen – eine Abkehr vom Verständnis von Verwandtschaft als einer primär biogenetischen Kategorie. Unter Bezugnahme auf die Kultur amerikanischer Ureinwohner erweitert Haraway das Konzept des Verwandtmachens über den Bereich des Menschlichen hinaus und plädiert für eine speziesübergreifende Verwandtschaft. Sie schreibt: „«[M]enschliche Wesen sind nicht die einzig entscheidenden AkteurInnen, während alle anderen nur reagieren können […] Menschliche Wesen sind mit und von der Erde, und die biotischen und abiotischen Kräfte der Erde erzählen die zentrale Geschichte.“
Das sozialökologische System wird vom Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) definiert als „ein integriertes System, das menschliche Gesellschaften und Ökosysteme umfasst und in dem der Mensch Teil der Natur ist. Die Funktionen eines solchen Systems ergeben sich aus den Interaktionen und der Interdependenz der sozialen und ökologischen Teilsysteme. Die Struktur des Systems ist durch wechselseitige Feedbacks gekennzeichnet, wodurch betont wird, dass der Mensch als Teil der Natur und nicht getrennt von ihr betrachtet werden muss.“
Das Modell der Symbiose liegt einer von Lynn Margulis entwickelten Evolutionstheorie zugrunde, die besagt, dass die Beziehungen zwischen verschiedenen Organismen die treibende Kraft der Evolution sind. Ihrer Ansicht nach ist Symbiose „entscheidend für das Verständnis der evolutionären Neuartigkeit und des Ursprungs der Spezies“. Margulis vertritt die Ansicht, dass „neben Mutationen die Fusionen die bedeutendste Quelle der Vielfalt [unter den Spezies] sind“.
Sympoiesie, abgeleitet von den griechischen Wortwurzeln für „zusammen“ und „machen“, ist ein Begriff, der von Beth Dempster geprägt wurde. Sie beschreibt sympoietische Systeme als „komplex, selbstorganisierend, aber dennoch kollektiv produzierend, grenzenlos“. Donna J. Haraway greift das Konzept an zentraler Stelle in ihrem Buch Unruhig bleiben auf und nennt es „ein einfaches Wort … ,mit-machen‘“. In Auseinandersetzung mit dem Begriff „autopoietisch“ bei Lynn Margulis schreibt Haraway : „Solange Autopoiesie nicht autarkes ,Selbstmachen‘ bedeutet, stehen Autopoiesie und Sympoiesie […] in einem produktiven Reibungsverhältnis bzw. einer produktiven Verflechtung und nicht in einem Gegensatz zueinander.“
Uranin, eine Form des Farbstoffs Fluorescein und organische Verbindung, ist ein wasserlöslicher Farbstoff, der zur Untersuchung von Strömungen sowie von Verschmutzungen oder Blockaden in Oberflächengewässern oder im Grundwasser verwendet wird. Uranin und andere Fluoreszenzfarbstoffe können über Wurzeln oder abgeschnittene Stiele in die Kapillaren einer Pflanze eingebracht werden, um deren Gefässsysteme zu beobachten, insbesondere im Hinblick auf ihre Wasserzufuhr. Der Farbstoff gelangt wie Wasser in die Pflanze und kann unter einem Fluoreszenzmikroskop betrachtet werden. In Kombination mit UV-Licht werden Fluoreszenzfarbstoffe eingesetzt, um Lecks in Unterwasseröl- oder Gaspipelines zu lokalisieren. Zu Eliassons ersten Kunstwerken, bei denen er Uranin einsetzte, zählt Green river (1998–), ein Projekt, für das er an verschiedenen Orten der Welt Flüsse einfärbte.
Die Bandbreite der im Sonnenlicht vorhandenen ultravioletten Strahlung reicht vom violetten beziehungsweise kurzwelligen Ende des Lichtspektrums bis hin zum Röntgenbereich. Sie wird von Pflanzen für die Fotosynthese und von unserem Körper für die Produktion von Vitamin D benötigt. Für das menschliche Auge unsichtbar, ist UV-Licht für einige Vögel und Insekten sichtbar und kann bestimmte Substanzen zum Fluoreszieren oder Glühen bringen, wenn es auf gewisse Materialien fällt. In Life installierte UV-Lampen unterstützen die Fotosynthese der Pflanzen und lassen den Raum, in Zusammenspiel mit dem Uranin im Wasser, nachts fluoreszierend leuchten.
Verflechtung lässt an Fäden und Schnüre denken, die komplex und unregelmässig miteinander verwoben sind – es impliziert Chaos ebenso wie Verbundenheit. Der Begriff findet in ökologischen und theoretischen Schriften – von der Gaia-Theorie bis hin zu Multispezies- und More-than-human-Konzepten – häufig Gebrauch, um wechselseitige Abhängigkeit und vor allem Untrennbarkeit zu betonen. Verwendung findet er auch im Hinblick auf Beziehungen des Menschen zu einer Vielzahl anderer Spezies und Lebensräume sowie zu Erdsystemen und -Kreisläufen.
Vertrauen ist eine tastende, grundsätzlich fragile Reaktion auf unser Nicht-Wissen, eine Art und Weise, mit den „Grenzen unserer Fähigkeit, vorausschauen zu können“ umzugehen. Es hat zu tun mit den Grenzen unseres Vermögens, alles über andere zu wissen, über ihre Motive und ihre Reaktionen auf endogene und exogene Veränderungen. Vertrauen hat auch damit zu tun, dass handelnde Personen eine gewisse Freiheit haben, unsere Erwartungen zu enttäuschen. Vertrauen liesse sich also als Instrument definieren, um mit der Freiheit anderer zurechtzukommen. (Hätten nur andere das Privileg der Freiheit, und wir selbst wären ausnahmslos von ihnen abhängig, dann würde sich das Problem des Vertrauens nicht stellen: Wir müssten hoffen statt zu vertrauen).
Welten-Machen („worlding“) ist ein Verb, das dem Substantiv „Welt“ eine prozessuale, zeitliche Note verleiht. In Donna J. Haraways Verwendung des Begriffs ist seine Bedeutung eng mit Subjektivität, Erzählung und „situiertem Wissen“ verbunden. „Worlding“ ist ein Prozess des Werdens und des Existierens, der verkörpert und inszeniert wird und sich jeder Vorstellung von Universalität widersetzt. Es ist die Art und Weise, wie Akteure – organische oder anorganische, belebte oder unbelebte – Perspektiven schaffen, indem sie ihre jeweils eigenen Kontexte und Beziehungen leben.
Als zirkadianer Rhythmus wird ein biologischer Prozess bezeichnet, der innerhalb eines Organismus oder Systems in Gang gesetzt oder synthetisiert wird und in einem 24-Stunden-Zyklus verläuft. Diese Art von Rhythmus ist bei Pflanzen, Tieren, Pilzen und Cyanobakterien weitverbreitet. Obwohl sie ohne äussere Reizgeber existieren, können sie durch Stimuli ausserhalb ihres Organismus, wie Licht und Wärme, zu einem Neustart ihres Rhythmus veranlasst werden.
Das von Studio Olafur Eliasson entwickelte Glossar erschien in einer ersten Fassung anlässlich der Ausstellung Olafur Eliasson: Symbiotic Seeing (2020) am Kunsthaus Zürich und wurde eigens für Olafur Eliasson: Life in der Fondation Beyeler weiterentwickelt.