Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03216.jsonl.gz/1944

mehr
lichen Salze enthält, innig mischt, um die Lösung zu befördern.
Häufig werden zur Darstellung der auch sogen. Selbstentwickler benutzt, Apparate ohne Gasometer und Pumpen, [* 2] welche billiger in der Anschaffung sind und Betriebskraft ersparen, dagegen mehr Kohlensäure verbrauchen, da vor jeder neuen Füllung die in sämtlichen Behältern enthaltene hochgespannte Kohlensäure verloren geht. Dieser Übelstand wird indes durch neue Konstruktionen vermieden. Der Apparat von Kropff [* 1] (Fig. 2) besteht aus dem Entwickler A B von oben angegebener Konstruktion, den drei Waschflaschen C und dem Mischgefäß D. Der Rest der Kohlensäure wird mittels der Pumpe [* 3] F durch das vierte Waschgefäß C ebenfalls nach D gepreßt. E ist die Abfüllvorrichtung.
Für Schankstätten füllt man die Mineralwässer in kupferne, innen verzinnte Cylinder (Büffetten), welche durch ein Rohr mit den Schanksäulen verbunden werden. Der Druck der Kohlensäure treibt das Wasser durch das bis auf den Boden des Cylinders reichende Steigrohr heraus. Den Druck der Kohlensäure gibt man bei Kurbrunnen nicht über 3 Atmosphären, bei solchen mit 0,75-1 Proz. und mehr Salzgehalt nur zu 2 Atmosphären, während er bei den Luxusgetränken auf 3,5-4 Atmosphären gesteigert wird. Zu statten kommt dieser hohe Druck dem Konsumenten durchaus nicht, denn wie hoch derselbe auch sei, so entweicht doch sofort beim Eingießen des Wassers der größte Teil der Kohlensäure, und es bleibt nur das 1,5fache Volumen des Wassers, entsprechend einem Druck von etwa ¾ Atmosphäre, zurück, welches sich in wenigen Minuten noch weiter auf 1 Volumen reduziert.
Lufthaltiges Wasser braust und zischt übrigens viel stärker als luftfreies. In den Ballons oder Küvetten für glasweisen Ausschank muß man einen Druck von 5 bis 6 Atmosphären geben. Die Luxus- oder Erfrischungsgetränke (kohlensaures Wasser, Selterwasser, Sodawasser) erfordern nicht eine genau bestimmte Zusammensetzung, sondern nur einen reinen, angenehmen, nicht zu salzigen Geschmack und starken Kohlensäuregehalt. Man bereitet sie mit gewöhnlichem Wasser und gibt etwa auf 1000 Teile desselben 1,5-3 Teile trocknes kohlensaures Natron. Sie werden auf Flaschen, Ballons oder sogen. Siphonflaschen [* 1] (Fig. 3) gefüllt, d. h. auf größere Flaschen, auf deren Hals g luftdicht eine Metallgarnitur a b befestigt ist, die, durch den Gummiring c gedichtet, ein bis auf den Boden der Flasche [* 4] reichendes Rohr (Steigrohr) f, ein seitliches Abflußrohr k und den Verschlußmechanismus enthält.
Sobald letzterer durch Druck auf den Knopf d geöffnet wird, treibt der Druck der Kohlensäure das Wasser durch das Steig- u. Abflußrohr heraus, ohne daß aus dem in der Flasche verbleibenden Rest mehr Kohlensäure entweichen kann, als das Volumen des abgelassenen Wassers beträgt. Zur Bereitung schäumender Getränke im kleinen dienen die Gaskrüge [* 1] (Fig. 4), starke Flaschen aus Steingut mit Siphonverschluß c d e und einer horizontalen, fein durchlöcherten Querwand A, welche eine kleine Kammer B am Boden der Flasche gegen den übrigen Raum derselben abgrenzt. Zu dieser Kammer führt eine seitliche Öffnung b mit Schraubenverschluß.
Man füllt die obere Kammer der Flasche bis auf einen kleinen Raum mit Wasser, verschließt sie durch einen Pfropfen [* 5] mit Steigrohr, welcher durch eine Schraube befestigt wird, gibt auf je 500 g des eingefüllten Wassers 10 g Weinsäurekristalle, 8,75 g doppeltkohlensaures Natron in Stücken und 125 g Wasser in die untere Kammer, verschließt diese ebenfalls und läßt die Flasche unter zeitweiliger Bewegung einige Stunden stehen. Die Brausepulvermischung zersetzt sich dann, und die entwickelte Kohlensäure entweicht durch a und löst sich in dem Wasser.
Füllt man statt des letztern Limonade in die Flasche, so erhält man eine Brauselimonade (limonade gazeuse), und bei Anwendung von Wein Champagner. Die Herstellung künstlicher Mineralwässer soll schon Thurneissern 1560 versucht haben, ein einigermaßen brauchbares Produkt erhielt aber erst Venel 1750, welcher in verschlossenen Gefäßen Sodalösung mit Salzsäure mischte. Priestley schlug 1772 vor, Wasser direkt mit Kohlensäure zu sättigen, und 1774 gab Bergman Vorschriften zur Nachahmung des Wassers von Selters und Pyrmont auf Grund von Analysen.
Meyer stellte 1787 in Stettin [* 6] Selterwasser im großen dar, und Paul errichtete 1799 eine Mineralwasserfabrik in Paris [* 7] und preßte die Kohlensäure mit einer Pumpe in das Wasser. Das größte Verdienst um diesen Industriezweig erwarb sich Struve, welcher 1821 eine Fabrik für künstliche Mineralwässer in Dresden [* 8] errichtete.
Vgl. die Lehrbücher zur Fabrikation der Mineralwässer von Greßler (Halle [* 9] 1867), Lachapelle und Glover (Berl. 1869), Schultze (das. 1870), Hager (2. Aufl., das. 1870), Hirsch [* 10] (Braunschw. 1876), Meitz (Wien [* 11] 1881);
Raspe, Heilquellenanalysen für normale Verhältnisse und zur Mineralwasserfabrikation, auf zehntausend berechnet (Dresd. 1885).
Gebrauch der Mineralwässer. Diätetisches.
Die Mineralwässer sind sehr zusammengesetzte Arzneikörper, und ihre Heilwirkungen beruhen, wenn man von dem Einfluß des reinen Wassers auf den Stoffwechsel, die Wärmeproduktion, die Ausscheidungen etc. absieht, auf den in denselben enthaltenen Arzneistoffen (Salzen, Gasen); die Eisenwässer haben im wesentlichen die Wirkung des Eisens, die Jodwässer die des Jods etc. Diese Auffassung hat gewiß ihre physiologische Berechtigung, aber trotzdem sind Einwendungen dagegen wiederholt erhoben worden.
Hat der aus den ältesten Zeiten bis in dieses Jahrhundert fortgepflanzte Glaube an einen in den Mineralwässern wirkenden Geist, den »Brunnengeist«, oder an ein in denselben vorhandenes »Leben« als Ausfluß [* 12] des »innern Erdlebens«, auch keine Anhänger mehr, so ist doch die Behauptung, daß die Wirkung der aus den Mineralwässern dargestellten Bestandteile die Wirkung der letztere als solcher nicht ganz zu decken vermöge, nicht widerlegt. Möglich ist ja immerhin, daß die chemischen Analysen immer noch nicht vollkommen genug ausgeführt worden sind; die Hauptschwierigkeit für die Entscheidung darüber liegt aber in der bei jeder Brunnenkur vorhandenen Mitwirkung zahlloser äußerer und zufälliger Einflüsse: der Diät, des Klimas, der Lebensweise, der Methode der Anwendung etc. Die Frage hängt eng zusammen mit der ebenfalls oft ventilierten, ob die
[* 1] ^[Abb.: Fig. 3. Garnitur der Siphonflasche.]
[* 1] ^[Abb.: Fig. 4. Gaskrug.] ¶
mehr
sogen. künstlichen Mineralwässer die natürlichen vollständig zu ersetzen geeignet seien. Die Mehrzahl der Ärzte leugnet nicht die Verwendbarkeit der künstlichen Mineralwässer, zieht denselben aber doch die natürlichen, auch wenn sie nicht an der Quelle [* 14] getrunken werden können, mit Entschiedenheit vor.
Die Wildbäder wirken hauptsächlich durch ihre Temperatur reizmindernd oder erregend auf das Hautnervensystem; richtig angewandt, erhöhen sie die Leistungsfähigkeit des Nervensystems und dadurch des ganzen Körpers. Man benutzt sie deshalb bei Erschöpfung und Überreizung des Nervensystems, Hysterie, Hypochondrie, Neuralgien, Krampfformen, Rückenmarksleiden, Gicht, Rheumatismus, Dysmenorrhöe, bei manchen Exanthemen, Prurigo, nach Schußwunden und Knochenbrüchen.
Die einfachen Säuerlinge dienen als tägliches Getränk, die gehaltreichern wirken bei Verdauungsstörungen, Magen- und Darmkatarrh und bei Katarrhen der Atmungsorgane günstig. Die Kochsalzquellen wirken wesentlich restaurativ, ihr Kochsalzgehalt bewirkt eine Aufbesserung des gesamten Ernährungszustandes und Regelung der Schleimhautfunktionen. Sie befördern die Aufsaugung entzündlicher Exsudate und wirken günstig bei Magen- und Darmkatarrh, habitueller Stuhlverstopfung, Zirkulationsstörungen in den Unterleibsorganen, Hämorrhoiden, Katarrh der Atmungsorgane, Skrofulose, Blutarmut und allgemeiner Schwäche der Ernährung. In Form von Bädern beleben und kräftigen sie das Nervensystem, erhöhen die Widerstandsfähigkeit, begünstigen die Ernährung und vermindern die Kalkphosphatabscheidung.
Die Solbäder werden bei Skrofulose, Anämie, Hautschwäche, Rheumatismus, Gicht, Herzkrankheiten, Neurosen, Ekzemen, Knochenleiden, Rhachitis und bei Exsudaten in den Pleurahöhlen benutzt. Jodtrinkquellen wirken besonders bei Drüsenverhärtungen und Skrofulose, bei den verschiedenen Folgekrankheiten der Syphilis, Katarrh der Harnröhre, auch bei gewissen Formen des Magenkatarrhs günstig. Die alkalischen Quellen scheinen die Oxydation im Blut zu steigern, den Eiweißumsatz im Körper zu erhöhen und wirken energisch auf die Sekretionsverhältnisse aller Schleimhäute, sie sind ausgezeichnete antikatarrhalische Mittel.
Die einfachen alkalischen Quellen benutzt man auch bei Hyperämie und Schwellung der Leber, Fettleber, Stauung in den Unterleibsvenen, Hämorrhoiden, Gallen- und Nierensteinen, Blasensteinen, Rheumatismus, Gicht, Zuckerharnruhr und gewissen Frauenkrankheiten. Lithiongehalt bedingt die Anwendung gegen Gicht, harnsaure Sedimente, Nieren- und Blasenleiden, Muskelrheumatismus. Bei den alkalisch-sulfatischen Quellen wirkt das Glaubersalz abführend, und sie dienen daher bei Magen- und Darmkatarrh, Magengeschwür, plethorischen Zuständen, Leberanschwellung, Fettsucht, Diabetes und Skrofulose.
Sie dürfen nicht angewandt werden bei großer Schwäche und Blutarmut, entzündlichen Organreizungen, Verdacht der Lungenschwindsucht, Neigung zu Kongestionen und Blutungen, schwerer Erkrankung innerer Organe. Bitterwässer wirken durch ihren Gehalt an Glauber- und Bittersalz und werden angewandt, wo man gelind abführen oder entziehend auf die Ernährung des Körpers wirken will. Die alkalisch-erdigen Quellen haben großen Erfolg bei gewissen Formen von Schleimhautkatarrhen, namentlich auch der Harnwege.
Eisenquellen sind überall am Platz, wo man eine Verminderung der Zahl und der Leistungsfähigkeit der Blutkörperchen [* 15] annehmen muß, also bei Anämie, Entwickelungschlorose, Malaria etc., chronischen Erkrankungen des Nervensystems, Geschlechtskrankheiten, allgemeinen Schwächezuständen, nur dürfen nicht Störungen der Magenverdauung, Neigung zu Kongestionen nach Brust und Kopf oder zu große Erregbarkeit des Gefäßsystems zugegen sein. Die Wirkung der Schwefelwässer scheint wesentlich in der Herbeiführung eines raschen Zerfalls der Blutkörperchen zu bestehen, und zwar bezieht sich dieser Vorgang auf das Pfortadersystem und die Leber.
Jedenfalls bewirken die Schwefelwässer Anschwellung der Leber und allgemeine Blutarmut. Man benutzt sie daher bei kräftigen Individuen mit Blutfülle und trägem Blutlauf im Pfortadergebiet, Hämorrhoiden, Leberanschwellung etc., bei chronischen Katarrhen der Schleimhäute, namentlich der Atmungsorgane. Als Bäder dienen sie bei Hautkrankheiten, [* 16] veralteten Geschwüren, Drüsen- und Knochenleiden, Rheumatismus, chronischer Metallvergiftung und besonders bei Syphilis.
Die Gebrauchsweise der Mineralwässer richtet sich nach der Krankheit und der Individualität des Kranken. Die Zeit vom Mai bis Oktober ist für die Brunnenkuren in unserm Klima [* 17] im allgemeinen die geeignetste; doch können dieselben unter Umständen auch recht wohl, wie es in England Sitte ist, im Winter unternommen werden. Dieselben werden fast ausschließlich bei langwierigen chronischen Krankheiten in Anwendung gezogen. Die Dauer einer Brunnenkur wird einzig und allein bedingt durch die sich dabei einstellenden Erscheinungen; meistens muß dieselbe mehrere Jahre hintereinander wiederholt werden.
Die Mineralwässer werden entweder getrunken, oder äußerlich angewendet in Form von Bädern, Klystieren, Einspritzungen, Douchen, Umschlägen; meistens werden beide Gebrauchsweisen kombiniert. Das Wasser wird gewöhnlich morgens nüchtern in Gaben von 60-90 g und in einer Gesamtquantität von 400-1600 g je nach der Wirkung und dem Krankheitsfall getrunken. Unter keinen Umständen läßt sich die Dauer der Kur durch Vermehrung der Becherzahl abkürzen. Werden größere Mengen auf einmal nicht vertragen, so können auch im Lauf des Tags zwei- bis dreistündlich kleinere Mengen oder noch einige Becher [* 18] in den Abendstunden genommen werden. Während des Trinkens ist eine mäßige Bewegung ohne jede Erhitzung und Ermüdung notwendig. Der letzte Becher muß mindestens 1-2 Stunden vor dem Frühstück getrunken werden. Nur in den seltenen Fällen, wo das Mineralwasser bei nüchternem Magen [* 19] absolut nicht vertragen wird, ist es gestattet, 1-2 Stunden vor dem Trinken ein leichtes Frühstück einzunehmen. - Auch die Bäder werden gewöhnlich des Morgens genommen; nur in Fällen, wo nach dem Bad [* 20] eine längere Transpiration unterhalten werden soll, oder bei feuchtkalter Witterung kann das Baden [* 21] am Abend angemessener erscheinen.
Von größter Wichtigkeit bei dem Gebrauch der Mineralwässer sind: strenge Diät, geistige und körperliche Ruhe, günstige äußere Verhältnisse in Bezug auf Wohnung etc. Unter Umständen ist es notwendig, der Brunnenkur eine sogen. Nachkur folgen zu lassen;
besonders nach dem Gebrauch von auflösenden und abführenden Mineralwässern, von Solquellen etc. ist es üblich, namentlich eisenhaltige Wässer zur Verbesserung der Blutmischung und zur Anregung der Nerventhätigkeit zu verordnen.
Dies ist aber keineswegs in allen Fällen ratsam; die beste Nachkur ist meistens eine noch längere Zeit beobachtete zweckmäßige Diät und ein geregeltes, von Sorgen und körperlichen Anstrengungen freies ¶