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Tagesbericht vom 24.06.2002
Morgenstund hat Gold im Mund: Liseli hat den Wecker auf 07:00 Uhr gestellt. Das Morgenessen wird nämlich nur zwischen 06:00 Uhr und 08:00 Uhr gratis serviert. Die Sonne scheint. Ein schöner Tag ist zu erwarten. Es ist noch relativ kühl, als wir zum Restaurant wechseln, um unsere Spiegeleier mit Bacon, Hashbrowns and Toast zu verdrücken. Nach einer letzten Tasse Kaffee suchen wir das Office auf. Neben der Rechnung erhalten wir - natürlich ganz amerikanisch - viele Gutscheine. Mit einem der Gutscheine gewinnen wir einen 10% Rabatt während einem Jahr in allen Best Western Hotels von Amerika und Kanada. Um Neuigkeiten über Sir James zu erfahren, telefoniert Liseli mit unserer Schifffahrtslinie. Diesen Anruf hätten wir uns schenken können, denn am andern Ende der Leitung sitzt Debbie, die auch nichts Neues weiss. Die Containernummer von Sir James erscheint noch nicht in ihrem Computersystem.
Seit zwei Stunden fahren wir in Richtung Osten. ‚Williams' heisst unser neues Reiseziel, von wo der Oldtimer Zug in Richtung Grand Canyon startet. Leider ist die 95 gesperrt, so dass wir auf der Interstate 8 in Richtung Phoenix fahren müssen. Die Gegend ist langweilig flach. Wüste mit Büschen und Kakteen. Die Farbe braun und beige herrscht vor; die Kakteen und Büsche sind schwach grün. Ab und zu gibt es auch wieder ein kräftiges, saftiges Grün: ein bewässertes Feld. Am Rande der Wüste Erhebungen, welche die Sichtweite begrenzen. Einzige Abwechslung ist die Union Pacific, welche mit knapp 100 Güterwagen, gezogen von 3 Lokomotiven, neben der Autobahn von Westen nach Osten und von Osten nach Westen durch die Gegend bummelt.
Mitunter sind wir an der Junction mit der Interstate 85 angekommen, welche von Süden nach Norden verläuft. Wir verlassen das amerikanische Grenzgebiet zu Mexiko und fahren nordwärts. Auf der Interstate 17 geht es nach Phoenix weiter in den Norden. In Black Canyon City bekommt Mc Gray etwas zu trinken. Danach geht es steil bergauf. Ein Schild warnt, die Klimaanlage abzustellen, wegen Überhitzung. Und was steht am Strassenrand auf 1000 Meter Höhe: ein vollbeladener, rauchender 4x4. Aus dem Motorraum züngeln Flammen und die Personen stehen ratlos um das Auto herum! Die Gegend wird immer karger. Aber jetzt kommt es: das grosse, gelbe M auf rotem Grund. Endlich gibt es wiedereinmal etwas zu essen. Hamburger, French Fries und Coca Cola heisst das Menü. Super, was es in Amerika alles zu essen gibt. Und sooo günstig!
In Montezuma machen wir den nächsten Halt. In Mexiko soll es auch ein Montezuma geben, wir sind in dem von Arizona. Montezuma Castle heisst es genau. Vor ca. 600 Jahren haben hier Indianer in Felsenhöhlen ihre Behausungen gebaut. Wahrscheinlich hat Karl May auch davon zu hören bekommen und hat daraus das Pueblo der Mescaleros Apachen von Winnetou erdichtet. Leider ist das Castle selbst in Rennovation, so dass wir das Schloss am Biber Creek nur von Aussen betrachten können. Bei 41° Aussentemperatur wäre es natürlich in den Felshöhlen angenehmer.
Die Landschaft wechselt langsam. Bäume und Büsche nehmen zu, es wird grüner und grüner. Und bereits wird auf der Interstate 17 vor Wildwechsel (Elchen) gewarnt. Das GPS zeigt beim Red Hill eine Höhe von 1963 Meter an. Den Föhren scheint es auf dieser Höhe zu gefallen. Die Wälder werden immer dichter. Auf dem erreichten Plateau auf rund 2000 Meter Höhe fahren wir weiter nordwärts. Man könnte meinen durch den Schwarzwald zu fahren. In Munds Park gibt es sogar eine Gelegenheit Golf zu spielen. Doch wir verzichten darauf und fahren weiter nach Flagstaff. Dort nehmen wir die Interstate 40, die Teil der berühmten Route 66 ist.
Am Ziel in Williams angekommen suchen wir eine Übernachtungsmöglichkeit. Die finden wir auch im ‚Route 66 Inn' gegenüber dem Bahnhof der ‚Grand Canyon Railway' (Position Nord 35° 15' 1.8“ und West 112° 11' 11,8“). Anscheinend das letzte Zimmer in diesem Motel. Es ist winzig klein, aber sauber und günstig. Um sieben Uhr soll die Schiesserei losgehen, meint die Besitzerin. „Wo“, fragen wir? Natürlich gegenüber der ‚Route 66 Inn'. Wir sind gespannt.