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Erklärungsversuche des Begriffs Aueren:
Variante 1:
Der Name Auern setzt sich zusammen aus dem Wort Au 'wasserreiches Wiesland' und dem Suffix (mundartlich) -ere(n), das Stellenbezeichnungen bildet vom Typus 'wo etwas häufig vorkommt'. Der Name bedeutete also ursprünglich etwa 'mehrere Stücke von wasserreichem Wiesland'.
Quelle: Schweiz. Idiotikon
Variante 2:
Der Name Auern wird vom rätoromanischen „or“ = grünes Band abgeleitet.
Quelle: untenstehender Text von Jakob Kubli
(Hinweis Thomas Spälti: „Ora“ bedeutet auf Rätoromanisch „Rand, Saum“. Keinesfalls aber „grün“. Or bedeutet Gold).
Romanische Übersetzung von ora: aus, hinaus, heraus, hervor, Wetter (je nach Sprachregion)
Variante 3:
Karin Goy sieht eine Verknüpfung von „awi“ (althochdeutsch für Schaf) mit „-aria“ (rätoromanisch für „Stellen, an denen Sachen vorkommen“). Aueren würde somit „Schafweide“ bedeuten.
Quelle: Karin Goy , Flurnamen der Gemeinde Schwanden GL, 2001, S. 95f.
Folgerung: Variante 3 scheint am Plausiebelsten zu sein.
Text und Bilder von Jakob Kubli:
Jeder richtige Netstaler will – so sagt man – wenigstens einmal das Wahrzeichen des Dorfes, den 2282 Meter hohen Wiggis bestiegen haben. Der rund 4½-stündige steile Aufstieg über die Auernalp erfordert allerdings etwas Kondition (Höhendifferenz 1800 Meter). Der Wiggis ist darum bisher nicht dem Massentourismus verfallen. Der Weg führt über die sonnige Auernalp, die der damalige Tagwen Netstal 1806 käuflich erworben hatte. Der Name Auern wird vom rätoromanischen „or“ = grünes Band abgeleitet. Urkundlich wird die Alp erstmals 1350 erwähnt. Während 1547 150½ Stösse gehalten wurden, sind es heute nur noch 40 Stösse. Laut einer Chronik wurden 1898 rund 500 kg Butter und 1830 kg halbfetter Käse produziert. Heute wird nur noch für den Eigenverbrauch Butter hergestellt. Seit 1993 wird die Milch durch eine Pipeline vom oberen Stafel, mit Anschlüssen im mittleren und unteren Stafel Richtung Käsgaden in die Nähe des Staldengartens geleitet und dort vom Personal der Milchzentrale abgeholt.
Die folgenden Aufnahmen sind vor der Alpsanierung von 1998 entstanden.
Blick auf den untern Stafel im meterhohen Schnee. Im Vordergrund der Kalberstall mit dem Tril (Schlafgaden), der bei der Sanierung durch ein zweckmässiges, formschönes Wohngebäude ersetzt wurde.
Der untere Stafel der Auerenalp
Blick vom mittleren Stafel auf die imposante Bergkulisse des Sernftales
Um die Jahrhundertwende und auch während des Zweiten Weltkrieges war das Acker- und Wiesland besonders begehrt (Anbauschlacht). Aus diesem Grunde wurden vom Tagwen die öffentlichen Besitzungen im Klöntal und auf Auern als „Aussenallmeinden“ bezeichnet. Die Wildheuerei hatte früher volkswirtschaftlich eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Ganze Scharen von Wildheuern brachen jeweils mitten in der Nacht auf, um bei Tagesanbruch die Sense an den besten Plätzen ansetzen zu können. Wer zuerst eine Lage betrat, durfte sie auch heuen. Wildheuer waren meistens arme Leute, die kein eigenes Wiesland besassen und darum auf das Wildheu angewiesen waren. 1890 zählte man allein auf Auern etwa 25 Wildheuer. Im Kriegsjahr 1940 baute die Gemeinde Netstal mit Unterstützung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes eine 1400 Meter lange Drahtseilanlage vom Schützenhaus nach Auern, was die Arbeit sehr erleichterte. In den Sechzigerjahren zerriss ein Flugzeug das Seil. Es wurde nicht mehr ersetzt. Vom Alppächter abgesehen, trifft man heute auf Auern keine Wildheuer mehr an. Im Jahre 1799 wurde auf der Auern- und Deyenalp sogar Krieg geführt. Truppen des russischen Feldmarschalls Graf Alexander Suworow und der Franzosen unter General Molitor lieferten sich am 1. Oktober blutige Kämpfe. Einer Chronik entnehmen wir: Beim ersten Morgengrauen entspann sich auf den schlüpfrigen, von Regen und Schnee durchnässten Halden und Felsbändern ein blutiges Handgemenge. Die Streithähne gingen mit Bajonetten aufeinander zu, fassten sich am Kragen und stiessen den Gegner über die Felsen hinunter. Der Wiggisberg wird besonders im Andenken bleiben, denn da stürzten eine Menge Russen und Franken in den Abgrund.
Abschliessend sei an einen andern Mann jener Zeit erinnert: Gemsjäger David Zwicky von Mollis:
Nach dem mittleren Stafel der Auernalp gelangt der Wiggis-Besteiger durch eine steile, bewachsene Halde ins Hohe Tor. Dieser Ort lädt aus verschiedenen Gründen zu einem kurzen Verweilen ein. Einmal, um sich vom anstrengenden Aufstieg etwas zu erholen und zum zweiten: hier befindet sich ein kleines Naturwunder. Aus einem Felseinschnitt sprudelt eine kleine Quelle mit kaltem, kristallklarem Wasser. Interessant ist diese Erscheinung vor allem darum, weil sich die Quelle auf 2000 Meter Höhe befindet und zu jeder Jahreszeit Wasser spendet.
Gleich neben der Quelle befindet sich am Felsen eine gusseiserne Tafel. Sie wurde zu Ehren des berühmtesten Glarner Gämsjägers aller Zeiten, David Zwicky von Mollis, im Jahre 1864 angebracht und im Jahre 1948 erneuert. David Zwicky brach bei unfreundlicher Witterung 1796 ein Bein und soll hier einsam verstorben sein. Wie die "Geschichte der Gemeinde Netstal“ zu berichten weiss, soll er als Berufsjäger über 1300 Gämsen erlegt haben. Auf der schlichten, gusseisernen Tafel heisst es „Hier starb 1796 im Alter von 57 Jahren David Zwiky (auf der Tafel ohne "c“), Gemsjäger von Mollis. – Hier ist von Engeln lind umfangen, der Greis (!) zum Herrgott heimgegangen. Seinem Andenken gewidmet.“
Text und Bilder von Kurt Meyer
Bei der Sanierung der Alpgebäude auf dem Unterstafel von Aueren 1998 wurde ein neuer Stall errichtet und der ehemalige Kalbergaden, der auch als Unterkunft für die Alpleute diente, in ein Wohngebäude umgebaut.