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Der Leader kommt
Ab in den Spitzenkampf
Wer hätte das gedacht? Die SCL Tigers empfangen morgen Abend den EHC Biel zum Spitzenkampf. Nostalgiker sehen sich in die 1970er-Jahre zurückversetzt.
1974/75: 1. SC Bern, 2. HC La Chaux-de-Fonds, 3. SC Langnau. 1975/76: 1. SC Langnau, 2. EHC Biel, 3. SC Bern. 1976/77: 1. SC Bern, 2. SC Langnau, 3. EHC Biel. 1977/78: 1. EHC Biel, 2. SC Langnau, 3. SC Bern. 1978/79: 1. SC Bern, 2. EHC Biel, 3. SC Langnau.
Fünf Jahre in Serie gehörte der SC Langnau in den 1970er-Jahren zur nationalen Spitze. Ein Mal Meister, zwei Mal Zweiter und zwei Mal Dritter. Vier Jahre hintereinander war die Meisterschaft eine reine Berner-Angelegenheit. In dieser Zeit hatte die übrige Schweiz im Eishockey schlicht und ergreifend nichts zu bestellen. Weder der Rekordmeister HC Davos, noch der vormalige Serienmeister HC La Chaux-de-Fonds, noch irgend ein anderer vor- oder nachmaliger Meister. Die Situation, die wir in der aktuellen Meisterschaft vorfinden, zeigt überraschende Ähnlichkeit mit der damaligen Zeit. 1. EHC Biel, 2. SC Bern. Nur die SCL Tigers liegen lediglich auf dem 6. Rang. Doch sie haben gleich viele Punkte wie der Tabellendritte. Gleich vier Mannschaften weisen derzeit neun Punkte aus. Die Langnauer präsentieren sogar die beste Tordifferenz all dieser Klubs. In der Rangliste zählen jedoch bei Punktgleichheit zuerst die Resultate aus den direkten Begegnungen. Die Langnauer haben da nur die Partie gegen den HC Ambri-Piotta vorzuweisen, und die ging bekanntlich verloren. Der HC Lausanne hat bereits zwei direkte Begegnungen mit punktgleichen Klubs vorzuweisen, eine davon wurde gewonnen. Das Gleiche gilt für den EV Zug und den HC Ambri-Piotta. Die Leventiner gewannen zudem die Direktbegegnung mit den Langnauern. Eigentlich ist eine so errechnete Rangliste zu diesem Zeitpunkt ein Unding. Andererseits spielt es aber ausser aus kosmetischer Sicht auch keine Rolle. Die Rangliste wird einfach nach den Regeln ausgewiesen, wie sie auch nach 50 Runden zählen.
Sind die SCL Tigers ein Spitzenteam?
Wer punktgleich mit dem Tabellendritten ist, ist – zumindest aktuell – ein Spitzenteam. Wenn – wie während der laufenden Qualifikation eigentlich sinnvoll, - nach den Punkten lediglich die Tordifferenz zählen würde, lägen die SCL Tigers auf dem formidablen dritten Rang. Und wenn der Dritte den Leader zum Duell erwartet, dann handelt es sich bei dieser Partie um einen Spitzenkampf. Morgen Dienstag Abend tragen also die SCL Tigers und der EHC Biel die Partie der Runde aus. Dritter gegen Erster, und die SCL Tigers sind dabei. Dies ist doch schon mal etwas. Noch kommt uns die Situation allerdings etwas unheimlich vor. Noch ist die Bezeichnung „Spitzenteam“ für Fans der SCL Tigers gewöhnungsbedürftig. Und noch wissen wir nicht, wie lange es dauert, bis wir uns wieder nach hinten orientieren müssen, weil es sich halt doch nur um eine Momentaufnahme handeln, und die Zeit die „wahren“ Verhältnisse wieder herstellen könnte. Noch trauen wir also der Sache nicht. Aber wir geniessen den Augenblick!
Trotzdem: Zufällig ist dieser Tabellenrang nicht. Die guten Resultate sind keineswegs nur das Produkt schwacher Gegner. Vielleicht haben die Tiger die ZSC Lions etwas auf dem falschen Fuss erwischt. Aber dafür haben sie die Punkte gegen Ambri verschenkt. Will heissen, ihnen ist mit den Leventinern das Gleiche passiert wie den ZSC Lions mit den Tigers. Wobei die Langnauer sowohl in Zürich als auch gegen Ambri das klar bessere Team waren. So war es auch gegen die Lakers und gegen Davos. Einzig gegen den SC Bern waren die Langnauer machtlos.
Es sind vor allem die Schweizer, die bei den SCL Tigers für die Tore sorgen. Hier erzielt Raphael Kuonen das siegbringende 3:0 gegen den HC Davos. Bild: Susanne Bärtschi
Die Favoritenrolle liegt beim EHC Biel
Wie sind aber die momentanen Stärkeverhältnisse zwischen dem EHC Biel und den SCL Tigers? Beide Klubs gewannen ihre letzte Partie. Der EHC Biel schlug auswärts den SC Bern. Für die Seeländer ist dies also der zweite Spitzenkampf in Folge. Das Resultat beweist, dass das Team von Berns ehemaligem Meistercoach Antti Törmänen derzeit richtig gut drauf ist. Wer auswärts Bern schlagen kann, der kann auch die SCL Tigers schlagen. Die Favoritenrolle liegt morgen also eindeutig bei den Gästen. Anders als bei den SCL Tigers waren sich die Experten vor der Saison einig, dass der EHCB ganz vorne mitmischen würde. Der starke Start der Seeländer kommt also nicht von ungefähr. Sie sind auf allen Positionen, und vor allem auch auf der Torhüterposition, exzellent besetzt.
Starke Torhüter
Dass die SCL Tigers den HC Davos in dessen Eishalle gleich mit 7:0 abfertigen, war nicht zu erwarten. Aber auch dieses Resultat zeigt, dass die Mannschaft von Coach Heinz Ehlers ebenfalls auf einem guten Weg ist. Dabei zählen die Tiger auf zwei äusserst starke Torhüter. Ivars Punnenovs startete zwar verhalten in die Meisterschaft, doch nach dem das erste Drittel im Startspiel gegen die Lakers aus Rapperswil beendet war, bekamen die Fans den wie gewohnt starken Punnenovs zu sehen. Insgesamt kommt der Lette mit Schweiizer Lizenz in dieser Saison auf eine Abwehrquote von 92,1 Prozent. Das ist stark. In seinen zwei Spielen überhaupt erst einmal bezwingen liess sich Damiano Ciaccio. Der Ehrentreffer der ZSC Lions kurz vor Schluss beim Stande von 4:0 für die Langnauer war bisher das einzige Mal, dass Ciaccio die Scheibe aus dem eigenen Tor kratzen musste. Er kommt damit auf eine Abwehrquote von sagenhaften 98,2 Prozent. Mit seinen beiden Torhütern sind die SCL Tigers also in einer wirklich formidablen Lage. Zumal das System Ehlers starke Torhüter geradezu voraussetzt. Starke Torhüter hinter einem gut funktionierenden defensiven System waren bereits in Lausanne Ehlers Erfolgsgeheimnis. Damals hütete ein gewisser Cristobal Huet das Tor der Waadtländer. Auch in Langnau greift dieses System. Einzig Biel und Bern kassierten mit je sieben Gegentreffern noch einen weniger als die Tiger.
Trotzdem ist bei den Langnauern noch einiges an Steigerungspotential auszumachen. Dies vor allem bei den Ausländern, die zwar alle gut ins Mannschaftsgefüge integriert sind und auch alle einen guten Job machen. Denn anders wäre der gute Saisonstart der Langnauuer gar nicht möglich gewesen. Doch die Punkteausbeute dürfte beim ausländischen Personal durchaus etwas höher sein. Gemeinsam kommen Harri Pesonen, Chris DiDomenico, Mikael Johansson, Aaron Gagnon und Eero Elo in diesen fünf ersten Partien gerade mal auf 4 Tore und 6 Assists. Dies ergibt zehn Punkte. Dies ist erstaunlich. Vor allem, wenn man bedenkt, wie sehr Mannschaften, die normalerweise nicht zu den Spitzenteams gehören, auf Tore und Punkte ihrer Ausländer angewiesen sind. 16 Tore erzielten die Langnauer in diesen fünf Spielen. Dies ist der dritthöchste Wert der Liga. Lediglich vier davon kamen von den Ausländern. Höchste Zeit also, hier noch etwas zuzulegen. Weshalb nicht gegen den EHC Biel?
Ein zweiter erstaunlicher Punkt ist, dass lediglich ein einziges dieser 16 Tore in Überzahl erzielt werden konnte. Der diesbezügliche Wert der SCL Tigers muss als unterirdisch bezeichnet werden (es geht gar nicht anders). Von insgesamt 18 Gelegenheiten wurde nur eine einzige ausgenutzt. Hier ist noch viel Steigerungspotential vorhanden.
Aber hallo! Was jammern wir? Fünf Spiele, neun Punkte, 16 geschossene und nur acht erhaltene Tore. Das ist gut. Das ist sogar richtig gut. Dabei zu wissen, dass dies noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein muss, weil da noch viel Steigerungspotential vorhanden sein muss, stimmt uns hoffnungsfroh.
Morgen kommt der Leader. Packen wir ihn!