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Don Canuto holte sich seinen Teller und setzte sich mit an den Tisch. Als Sami mit genüsslichen Bissen sein Mahl verzehrte, kam einer der Männer nach hinten. Ob einem der alte grüne Volkswagen gehöre, der würde gerade abgeschleppt
werden. Was sei los, ich habe doch den meinen gesagt, man solle die Autos der Klienten nie auf der anderen Strassenseite parkieren.
Sie rannten nach vorn. Wirklich Sami sah wie sein Auto gerade von einem kleinem Kran, der auf der hinteren Plattform
eines Pickup aufmontiert war, vorne aufgehoben wurde und abtransportiert wurde. Er wollte intervenieren, wurde von Don Canuto jedoch zurückgehalten. Das sei nun seine Sache, er würde sich darum kümmern.
Er entschuldigte sich ausführlich
darüber, dasss seine Arbeiter nicht auf ihn hören würden, das würde nicht so gehen. Er habe viele Freunde bei der Polizei, er solle sich keine Sorgen machen, er bekäme das Auto bald wieder zurück.
Sami schrak zurück,
er hatte ganz vergessen, er war ja polizeilich gesucht. Er wollte Don Canuto erklären, dass er es lassen sollte, aber dann dachte er, dass das Risiko gering war, denn es werden so viele Autos gestohlen, die registriert sind, oder nicht oder falsch registriert
sind, auf nicht mehr aktuellen Namen und Adressen. Bis sie das hier rausfinden, sei er schon längstens über alle Berge. Nur Ruhe bewahren und sich nichts anmerken lassen. In der Zwischenzeit wurden weitere Wagen von der gegenüberliegenden
Seite abgeschleppt. Der Präfekt hatte über Nacht beschlossen auf der hinauffahrenden Seite der Strasse, welche vom Grossmarkt kam, ein Parkverbot zu erlassen. So wurden die Randsteine des Gehsteigs mit gelber Farbe dekoriert, welches ein Parkverbot
bedeutet. Manche der Schwarzen Gummireifen der Jeeps und Strassenkreuzer wiesen noch gelbe Farbspuren auf, da die Randsteine erst vor kurzem bemalt worden waren. All dies wurde Sami von demjenigen, der sein Auto hinausgefahren und parkiert hatte, lang und
breit erklärt, während Don Canuto telefonierte.
Don Canuto kam nach vorn, es sähe gut aus, Sami würde bald das Auto bekommen, ob Sami nicht sein Steak fertig essen wolle, er würde es aufwärmen. Sami schaute ihn einen Augenblick
misstrauisch an, aber dann willigte er ein. Sie gingen zurück zum Tisch, Samis Steak wurde zubereitet. Franzisko setzte sich zu ihm mit einer Flasche Chivas Regal». Den Schock soll er mit einem Schluck Whisky hinunterspülen. Sami schaute ihn
ungläubig an, Franzisco insistierte, das wäre ein Spezialservice vom Haus, er soll sich nichts daraus machen. Sami und Franzisco stiessen auf das Leben an. Dann kam Don Canuto mit zwei Tellern einen für Sami, einen für sich. Franzisco soll
sich den seinen selber holen. Alberto sollte sich beeilen, sonst sei das ganze Fleisch bald weg.
Franzisko und Alberto kamen zurück mit ihren beladenen Tellern. Alberto sah mit seinem schwarzen feinen Schnurrbart und seinem muskulösem Oberkörper,
den kurzen leicht gebogenen Beinen wie einer der Krieg aus Dschingis Kans Armee aus.
Sami glaubte, er träumte, plötzlich war er in mitten von Venzolanern, einfach so, als ob es das Selbstverständlichste der Welt sei. Sie wollten natürlich
alle wissen, wie Deutschland denn sei, ob er verheiratet sei, Kinder habe etc. Er fühlte sich geborgen und versteckt in dieser Gruppe. Seine Angst war plötzlich verschwunden. War das das grosse Abenteuer, dass er gesucht hatte? Er kam sich vor, als
sei er gerade von einem anderen Planeten gelandet, in eine Welt, dessen Sprache er verstand und doch nichts verstand.
Francisco war aus den Kanarischen Inseln mit jungen Jahre hierher gekommen. Er war Ingenieur gewesen, ist Zahlmeister für die
Staatliche Wasserversorgung für Caracas geworden. Er hatte eine Venzolanerin geheiratet und von ihr acht Töchter und einen Sohn, der Hector hiess. Canuto war sein bester Freund, seit der Zeit als es noch einen Diktator gab, der Perez Jimenes geheissen
hatte und der das idiotische Stadium in Form seiner Militärsmütze als General, bauen liess. Man konnte das Stadium sehen, wenn man mit dem Auto auf der zentralen Autobahn fuhr. Dort winkte die Mütze schon von weitem und ihr gegenüber stand
auf dem Mittelstreifen den Zementskulptur der Maria Lionza, einer indianischen Göttin, die nackt mit hervorquellenden Rundungen auf einem Fabelwesen ritt, alles aus Zement gefasst.
Wenn Franzisco nicht gerade als Zahlmeister unterwegs war, oder
sich um regelmässig zusammenbrechende Wasserversorgung der Millionenstadt kümmern musste, war er bei Canuto in der Werkstatt. Canuto hatte ein Boot und am Freitag Abend gingen beide auf dem Meer fischen. Das Boot hiess «Catalufa» , es
war aus Aluminium und türkiesblau. Franzisco zeigte Sami Fotos von ihren Fängen, Fische die fast so gross waren wie sie selber, Carites und Baracudas hiessen sie. Sami fand das toll. Er fragte ob er auch einmal mitkommen könne. Warum denn
nicht, sie würden immer welche mitnehmen, zu viert sei es gemütlicher. Übermorgen sei Freitag, wenn er wolle, könne er gerne mitkommen. Aber sie würden die ganze Nacht auf dem Meer sein und erst morgens früh an Land gehen und
das in Chichiviriche wo sie ein Haus hätten. Kein Problem, erwiderte Sami, er würde mitkommen.
Die Teller wurden weggeräumt, ein längliches Kästchen mit weissen Dominosteinen wurde auf den Tisch geknallt. Steine verbreiteten
sich über die Tischfläche. Canuto vermischte sie auf ihren Bäuchen in Kreisbewegungen. Sami bemerkte wie kräftig die Hände seines Gastgebers waren, besonders die Fingerspitzen waren leicht breiter als die Finger selber. Canuto bemerkte
seinen Blick. Er käme aus den Anden, sein richtiger Name sei Segovia, er wäre in Merida aufgewachsen. Sie wären zwölf Brüder und Schwestern gewesen. So ist er mit 17 Jahren zu den Ölfeldern nach Maracaibo gegangen. Er habe dort
zehn Jahre mit den Amerikanern gearbeitet. Die Arbeit auf den Bohrtürmen auf dem See war hart, der Verdienst für einen jungen Mann aber gut. Deswegen hatte er solche Hände bekommen.
Das Spiel hatte begonnen, es wurde zu viert gespielt,
zwei gegen zwei, wie beim Jass oder Skat oder Bridge, nur mit Dominosteinen, die sie zum Teil in den Händen hielten, nur kurz anschauten, um sie wieder mit dem Rücken nach oben, vor sich auf den Tisch zu legen. So konnten Zuschauer von hinten kaum
jemanden in die Punkte schauen, denn es wurde um Geld gespielt. Sami spielte nicht mit, er schaute nur zu. Er genoss den Whisky, die neue Freundschaften, die relative Sicherheit, die ihm seine Anonymität bescherte. Wenn einer nicht mehr spielen
wollte, brauchte er einfach keinen Einsatz mehr auf den Tisch zu legen, ein anderer setzte sich willig auf dessen Stuhl und wechselte ihn ab. Irgendwann kam Alberto und übergab Don Canuto den Schlüssel der Garage. Alberto fragte Sami, ob er nicht
mitkommen würde, er würde ein paar Flaschen Bier kaufen gehen.
Sie gingen nach vorn, die Garage war verriegelt. Durch eine Seitentür gingen sie nach draussen. Die Nacht war da, undurchsichtig von farbigen Neonlichtern und gelblichen Strassenlampen
erhellt. Sie gingen einige Häuser weiter nach oben, zur Kantine oder Restaurant, oder Bar, da es multifunktionell war. Sie traten in einen grossen, hohen Raum. Überall standen die gleichen viereckigen Tisch aufgereiht. Grelles Neonlicht spendete
eine kühle Athmosphäre. Die vielen hartgezeichneten Dominospieler knallten ihre Dominsteine auf die Tischplatten, im Rythmus des Zufalles und vieler verspielten Träme in Alkohol getränkt. Eisgekühlte Bierflaschen mit gefrorenen Eistropfen
warteten geduldig. Manche tranken auch Rhum mit Cola, die Begüterten nahmen Whisky zu sich, verdünnt oder pur. Alberto und Sami standen an der Theke und nahmen 12 Bierflaschen in Empfang. Sami bezahlte sie, Alberto bedankte sich sehr,
hatte aber nichts anderes erwartet. Sie brachten sie zurück zur Werkstatt. Die drei weiteren Arbeiter Canutos und noch andere fünf Kumpanen nahmen die Flaschen glücklich in ihre Arme. Alberto gab bekannt, dass sie von Sami kämen.
Franzisco
stellte sich zu Sami, füllte ihm ein Glas mit Whisky und einer Handvoll Eis. " Einmal haben wir gleich sechs Meeresschildkröten in einer Nacht gefischt. Sie waren ziemlich gross. Wir brachten sie hierher. Sie lagen überall hier herum auf
ihren Rücken. Da gab es genug Schildkrötenfleisch für zwei Wochen. Einmal hatten wir während der ganzen Nacht nichts gefischt. Wir waren endlich am Morgen in Puertocruz angekommen, eiem Fischerdorf ziemlich weit weg der Küste
entlang. Wir entschieden uns dort bei den Fischern Fische zu kaufen, wir konnten doch nicht mit leeren Händen nach Hause kommen. So kauften wir zwei kleinere Tunfische, fünf Dorados und einen Carite ( wie ein Hecht). «annst du dich noch daran
erinnern, Canuto ?"
«Jä klar, es war wie verhext, nichts hatte angebissen in dieser Nacht und wir haben alles versucht, wir haben die tiefen Köder.....».
«Ist schon gut Canuto,» sagte eine der Spieler, der gerade
seinen Stein gesetzt hatte, auf Canuto wartete und sicher war diesmal viel Geld zu gewinnen.
Franzisco fuhr weiter: « Am Strand haben wir unseren Fang gekauft. Wir sind dann durchs Dorf gegangen und haben dort zwei junge Schweine mit langen Borsten
gesehen. Die hat dann Canuto gleich gekauft. Sie wurden in zwei Jutesäcke gesteckt. Wir haben sie mit aufs Boot genommen und zu den Fischen gelegt. Auf dem Rückweg fuhren wir gegen den Wind und die Strömung. Das Boot klatschte von Welle zu Welle.
Immer wieder sprühte Salzwasser zu uns herein. Die Sonne brannte und wir waren durchfroren. Wir waren froh, als wir endlich in Chichiriviche ankamen und das Boot an Land zogen. Es war mittlerweile elf Uhr Vormittags geworden. Am Strand befanden sich einige
Besucher aus Caracas. Einer trat zu uns ans Boot, um die Fische zu betrachten. Es war ein Spanier. Er von der Grösse der Fische beeindruckt und gab dies laut bekannt, tat jedoch so, als sei er ein Experte. Die Fische wurden herausgenommen und in
den Schatten der Palmen gelegt. Dann wurden die beiden Säcke herausgenommen. Auch sie wurden zu den Fischen gelegt. Canuto sagte mir ich soll sie aufmachen, denn die machten keinen Mucks. So habe ich die Säcke aufgemacht und die armen Schweine herausgeschüttelt.
Da lagen sie steiff da, mit zweimal vier ausgestreckten Beinen vom Schock dieser unfreiwilligen Bootsfahrt. Ihre langen Borsten standen auf, wie weisse Stacheln, weiss wegen des Meeressalz. Der Spanier trat heran. Er betrachtete die Beiden Geschöpfe Gottes
ausführlich und meinte: «ich bin durch sämtliche Meere unserer Erde gereist und habe schon viele Fische gesehen, aber solche habe ich noch nie gesehen!»
Ich bin zu ihm herangetreten und gesagt, es seien Meeresschweine. Er schaute
mich erstaunt an, dann trat er mit einem Fuss gegen eines der beiden Tiere, das laut aufquietschte. Da sagte er: « mein Gott das quietscht ja auch wie die vom Land!»
Es wurde eifrig weitergespielt, die Einen kamen, Andere gingen. Einer der
Arbeiter blieb, da er dort oben auf dem Vorbau schlafen würde, dort gäbe es zwei Matrazen, beantwortete er Samis neugierige Frage. Aus deinem Auto wird wohl heute nichts mehr, stiess ihn Alberto an: „Mach dir keine Sorgen, der Alte findet immer
eine Lösung.“
« Wo soll ich denn übernachten, ich habe kein Auto?» fragte Sami besorgt.
«Auch dafür findet der Alte eine Lösung !»
Alberto ging zu Canuto, der weiterhin beim Spielen war,
beugte sich zu ihm hinüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Canuto nickte und lächelte: «kein Problem» sagte er und setzte den nächsten Stein. Sami versuchte zu verstehen, wie das Spiel lief. Die Männer schienen sämtliche
Steine im Kopf zu haben, wann genau dieser gespielt wurde und welcher zu erwarten waren und wie man am meisten Punkte sammeln konnte. Sie taten dies seit ihrer Kindheit mit Leidenschaft. Selbst Wetten, wurden abgeschlossen. Dann plötzlich war das Spiel
aus. Die Steine kamen wieder in ihr Kistchen. Alle hatten es plötzlich eilig nach Haus zu gehen. Canuto sagte zu Sami: « Du hast kein Auto, du übernachtest bei uns, oder hast du jemand, der auf dich wartet?»
Sami verneinte,er würde
mitkommen. Sami erklärte seinem Gastgeber, dass er es gar nicht eilig habe zu sich nach Hause zu fahren. Er habe seinen Auftrag für die deutsche Firma ausgeführt und noch ein paar Wochen angehängt. Er wolle das Land besser kennen lernen.
Deswegen habe er das Auto gekauft. Er sei sehr gespannt auf Chichi..., wie hiess der Ort?
„Kein Problem, morgen wird alles aussortiert, morgen wird alles gut werden, mach dir keine Sorgen, mein Haus ist auch dein Haus.“ Sie fuhren
durch das Industrieviertel an Schuh - und Textilfabriken vorbei mit erhöhten Fassaden. Manche hatten Torbögen direkt aus Spanien importiert, andere sahen nordamerikanisch, andere fast mexikanisch aus. Links oben lag der «23.Januar».
So hiess das Viertel, nach dem Geburtstag des erleuchteten Diktators Perez Jimenes genannt, der nachdem er die Ölfirmen verstaatlichte, mit Hilfe der CIA, einer örtlichen unblutigen Revolution zu Opfer gefallen war.
Man hatte einfach die Kuppen mittlerer Berge, die die populären Viertel säumten, abrasiert und riesigen Kasten mit 23 Stockwerken und je 230 Meter Länge
hinaufgepflanzt. Dies war der armen Bevölkerung zugedacht, welche zuvor in kleinen Hütten aus Karton, Sperrholz und Wellblech lebte. Natürlich waren die Gebäude voll belegt, manche der Familien, hatten damals im Wohnzimmer Holzfeuer gemacht.
Sie kannten keine andere Art zu kochen, bis auch dies verboten wurde. Man konnte jedoch noch Rauchspuren an manchen Fenster erkennen. Elendsviertel gäbe es weiterhin, sie sind nur umgezogen. Sie bilden einen Saum rund um die Millionenstadt. Ja, nachts
zum „23. Januar“ hinauf zu fahren ist zu gefährlich. Es waren deren sieben Gebäude auf vier abgeschnittenen Bergkuppen. Das sei der direkteste Weg zum Stadtzentrum, aber der gefährlichste, meinte Don Canuto. Dort gäbe es viele
Drogen und Diebe, die würden die Autos aufhalten und die Leute ausrauben, manchmal auch erschiessen, besonders wenn man kein Geld für sie hatte, damit man das nächste Mal welches dabei hätte, erklärte Alberto.
Sami erwiderte : "
Aber wenn man erschossen wird, wie kann man das nächste Mal Geld dabei haben». Das sei denen egal, warf Canuto ein, er lachte kurz auf. Das wichtigste ist, man habe immer etwas Geld dabi, reserviert für die «Malandros» (Diebe).
Auch dort oben im Himmel der Diebe sei es so.
«Was, einen Himmel er Diebe, gibt es hier auch es ? ich dachte sie kämen alle in die Hölle», erwiderte Sami.
«Bei dir vielleicht in Deutschland, aber bei uns hier nicht, er wurde abgeschafft, der Himmel war immer leerer gewordet und die Hölle überbevölkert, so hatte man aussortiert und bei uns
einen Himmel für die armen Diebe und einen anderen für die reichen Diebe gemacht», erklärte Canuto. Schau dir unsere Politiker an, na wohin werden sie kommen ?"
Sami betrachtete ihn
amüsiert.
"Na in den Himmel werden sle kommen, bei den Beziehungen, die sie haben."
"Aber im Hmmel gibt es doch keine Korruption", warf
Sami ein.
"Das denkst du, meinst du dort oben ist es besser als bei uns hier? Wenn es dort oben so viel besser
wäre, warum will denn keiner sterben ? Wieso möchtest du denn sterben Frufru?"
Sami atmete kurz durch:" ich habe nicht die geringste Absicht zu sterben, auf alle Fälle zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht."
"Na siehst, da habe ich doch recht, aber in den Himmel möchte ich trotzdem und in den reichen, wenn möglich, man kann nie wissen." Don Canute kicherte in sein Bäuchlein und bog nach rechts ab.
In
diesem Viertel standen lauter Einfamilienhäuser mit Vorgärten, einstöckig mit roten runden Dachziegel, wie im Mittelmeer und fest vergitterten Fenster mit Eisengitter, die meistens schwarz lackiert waren. Die Häuser reihten sich aneinander.
Canuto bog in einen Vorgarten ein. Ein roter Ford Pickup mit Riesenräder stand schon da, wie auf Stelzen. Chromblitzende Röhren befanden sich hiner der Fahrerkabine, um sich daran festzuhalten, wenn man sich auf der Ladefläche stand. Es war
der Stolz Albertos. Am Wochenende war er der König. Dann wurden die Lautsprecher aufmontiert, eine Kühltruhe mit zerhacktem Eis, Bier und Rum, geladen, Freunde und Freundinnen mitgenommen und mit zwei bis drei weiteren Autos im Anhang ging es hinunter
zur Küste an den Strand. Links und rechts auf den Kotlügeln waren gemalte Flammen, sowie auf der Motorhaube. Sami bewunderte das Gefährt: „ und damit kann man gut fahren?“
«Kein Problem, damit kommt man durch jeden Fluss."
Sami wurde der Familie
vorgestellt, ein Gast aus Deutschland. Frau Carmen de Segovia, Canutos Frau begrüsste ihn herzlich, warf gleichzeitig einen prüfenden Blick auf ihren Gatten. Alberto verschwand. Sami wurde durch einen Gang zu einem offenem Zimmer mit Sofa, Sesseln
und Fernseher gebracht, welcher einen kontinuierenden Monolog führte. Es öffnete sich auch auf einen Innenhof umrandet mit weiteren Zimmern. In der Mitte stand ein zehn Meter hoher dicker Baum, der Früchte trug, die Hobos hiessen und gelb waren.
Manchmal plumste eine auf die vielen Planzen und Blumen oder auf den glänzenden Zementboden, glänzend da gebonert. Links war die Küche, das Reich der Frau Maria, eine kleine Frau unbestimmten Alters, mit langen Schwarzen Haaren, sie war die
Köchin, sie war eine Indianerin aus den Anden und war schon immer bei ihnen gewesen. Ihre dunkle Haut führte so viele Falten, sowie die Jahresringe eines alten Baumes. Ihre schwarzen Augen leuchteten in einer natürlichen Unschuld. Ihre Lebensaufgabe
war es, allen Essen zu geben, Menschen, Tieren, Vögel, alles wurde für jeden aufgehoben und alle wurden gefüttert. Sie konnte weder lesen noch schreiben. All dies und noch viel mehr wurde Sami erzählt, nachdem er sich an den Tisch gesetzt
hatte. Es kamen noch zwei weitere Cousins hinzu. Dann knallte wieder ein Hobo herunter, Sami schrak auf. Die anderen lachten. Die Hobo vom Baum, hatte einen intensiven säuerlichen Geschmack, ihr war Kern durch ein hartes Geflecht geschützt.
Canuto liess sich eine Suppe servieren. Seine Frau brachte ihm die Pantoffeln. Er thronte am Tischende auf seinem gut gepolsterten Stuhl. Sami bekam auch Suppe. Sie schmeckte wirklich gut. Nein, er wolle keine Fleisch, er habe schon welches gegessen, Canuto
habe toll gekocht.
«Was, waren wieder all seine Schmarotzer da ? Zu gut ist der Mann, zu gut, er denkt, er sei die Vereinten Nationen in Person!
Eines Tgaes wirst du kein Geld mehr haben, Canuto, wer hilft dir dann, die da , die immer auf deine Kosten essen!» Carmen war wirklich sauer.
«Fehlt dir was? Hast du nicht genug zum essen hier, was schimpfst du nur und das noch vor unserem
Gast aus einer anderen Nation, was sag ich, einem anderen Kontinent!», erwiderte Don Canuto.
Plötzlich blickten alle auf den Fernseher. Die Nachrichten kamen mit der Meldung, dass das Chaos im Flughafen wieder unter Kontrolle war. Die Flugzeuge
wieder ankommen und abfliegen, da durch den Wasseranschlag des Schweizer Terroristen viele Computer ausgefallen waren uns sie zum Teil ersetzt werden mussten. Die Schäden würden die 30 Millionen Dollars überschreiten. Dann wurde das Passbild
des Schweizer Terroristen gezeigt und eine Belohnung von 50 000$ auf ihn angesetzt. Zum Schluss wurde nochmals gezeigt, wie es im Flughafen regnete und jeder flüchtete. Sami war froh, dass er seine Haare rasiert und die Augenbrauen gefärbt hatte.
Die Ähnlichkeit war schon zu erkennen. Sami tat nichts dergleichen. Er liess sich nochmals von ihnen die ganze Sache erklären, da er davon nichts gewusst hatte. Er war ja bei Freunden in Maracay gewesen wäre und sie hätten nicht ferngesehen
und keine Nachrichten gehört, da sie mit Pferden unterwegs gewesen seien.
Canuto war mit seiner Suppe fertig. Er sagte, er sei müde und würde jetzt schlafen gehen. Sami soll sich so fühlen, als sei er bei sich zu Haus. Wenn er Hunger
oder Durst habe, der Eisschrank stehe ihm zur Verfügung. Dabei zeigte er ihm mit Besitzerstolz, wie man nur sein Glas an den Hebel an der Tür halten brauchte und das Eis purzelte automatisch ins Glas. Er könne auf der Couch im Salon schlafen,
welcher nebem der Eingangstür lag und kaum benutzt wurde. Er zeigte ihm das Badezimmer neben der Küche und Carmen gab ihm Handtücher.
Sami sackte erschöpft auf das Sofa. Er schlief sofort ein. Er wachte des öfteren auf, mit
einem mulmigen Gefühl in der Magengegend. Er musste unbedingt so schnell wie möglich nach Chichi.... verschwinden und dann weiter nach Choroni und irgendwie nach Kolumbien gelangen, um dort endlich einen Flug nach Hause zu nehmen. Er hatte keine
Ahnung wie er das bewerkstelligen würde, aber irgendwie findet man immer eine Lösung. Ah,ja einen Pass brauchte er ja auch noch.
Er hatte von einer Stadt in Kolumbien gehört. Sie
hiess Maicao, sie lag in der Guajira, das Schmuggelparadies in der Nähe des Maracaibosees. Das Gute war, dass sich Kolumbien und Venzuela immer noch im Kriegszustand befanden, dies seit über hundert Jahren, da es einmal ein Scharmützel gab,
wegen dieser Region. Da die Venzolaner jetzt den Teil mit Öl haben und ihn natürlich nicht loslassen wollten, gab es bis jetzt nur eine Waffenruhe und diese ruhten schon lange, es schien eher eine Waffensiesta zu sein.
„ Also, wenn ich
bis nach Maicao gelange, dann kann ich auch weiter nach Bogotá gelangen und von dort nach Haus. Mit diesen Gedanken döste er allmählich ein. Er verbrachte den Rest der Nacht in den Fängen seiner neuerweckten Hoffnung, erschöpft von
den Geschehnissen und voller neuen Eindrücken.
Am nächsten Morgen wachte er wie gewöhnlich um sieben Uhr auf. Die Tasche mit seinem spärlichen Hab und Gut war im Auto, das Auto war bei der Polizei. So lang keiner merkte, dass sein
Auto, einem Schweizer Terrorist gehörte, war er hier sicher. Das Risiko war jedoch gross, dass jemand doch auf den Gedanken kam eine Verbindung zwischen ihm und seinem beschlagnahmten Fahrzeug zu machen. Die Tatsache dass es in Catia, von einem zuvor
erlaubten Parkplatz, von venezolanischen Mechaniker abgestellt worden war, machte die Sache eher kompliziert und deswegen war dies günstig für ihn. In keinem der Steckbriefe wurde sein Auto erwähnt. Sami bfand sich in einem grossen Pokerspiel,
wo er die ganze Zeit bluffen und auf der Hut sein musste.
Als er aus dem Badezimmer kam stand, schon sein Kaffee da und Arepas blinzelten ihn freundlich an. Frau Maria fragte ihn ob er Käse oder Schinken möchte. Don Canuto und Alberto waren
schon in der Werkstatt, die um 7.30 Uhr öffnete. Sami setzte sich an den Tisch und begann mit dem Frühstück. Er hörte Kratzgeräusche an der Mauer, welche den Innenhof zu dem Innenhof des Nachbarn teilte. Der grosse Hobobaum ragte über
beide Höfe hinweg. Er spendete reichlich Schatten und Kühle für beide Häuser. Der Innhof hier war ungefähr 12m lang und 6m breit, ganz hinten rechts war ein weiteres Bad in einem Häuschen, daneben ein kleiner Brunnen mit einem
steinernem Becken. Daneben war das letzte Zimmer in welchem die ältere Indianerin schlief, wo sie auch einen Altar hielt. Der ganze Hof war übersät mit tropischen Blumen und von den Vordächern des Esszimmers und der Schlafzimmer hingen
Körbe mit Farnkräutern herunter. Es tauchte plötzlich ein Kopf hinter der Mauer auf. der Kopf gehörte einem jungen Mann dessen breites Lächeln den Morgen erhellte. «Buenos Dias Signora Maria»
«Buenos Dias Manuel»,
Frau Maria brachte ihm eine Tasse Kaffee. Ein Arm streckte sich hinunter und nahm die Köstlichkeit in Empfang. Der Kopf verschwand wieder. Zwei Minuten später tauchte ein zweiter Kopf auf, diesmal war er weiblich und gehörte Morelia, auch sie
nahm dankend den Kaffe in Empfang.
Sami liess sich die Telefonnummer der Werkstatt Canutos geben und rief ihn an, nachdem ihm Dona Carmen die Erlaubnis gegeben hatte. Er fragte nach seinem Auto. Ja, er habe gut geschlafen, ja, er habe Kaffee und
Arepas bekommen, ja, die haben toll geschmeckt. Es sei ein bisschen komplizierter mit dem Auto, erklärte ihm Don Canuto. Die Schilder seien angeblich nicht richtig registriert worden. Er bräuchte die Autopapiere. Aber die Autopapiere lägen im
Auto, in seiner Reisetasche. Da machte sich eine Stille breit. Ok, sagte Don Canuto, er würde sehen was er machen könnte, die möchten wahrscheinlich nur ein bisschen mehr Geld.
„Ok“, sagte Sami, ich werde mir noch andere Kleider
besorgen, von meiner Wohnung, damit wir heute Abend Fischen fahren können und für den Strand. Soll ich etwas besonderes besorgen?“
„Nein nicht nötig, vielleicht eine Flasche Whisky.
„Gut, ich komme später und dann gehen wir heute Abend zum Meer fischen.“
„Ok, kein Problem, wir warten auf dich.“ Don Canuto legte wieder auf.
"Dieser Musiu ist wiklich ganz verrückt nach Fischen," bemerkte er zu Alberto, der gerade beim Schweissen war.
„Was hast du gesagt?“
„ Frufru will unbedingt mit uns Fischen gehen.“
Sami ging zur Metrostation. Pro Patria
hiess sie, war das ein Wink seines Schicksales? Pro Patria, eine U-Bahn in die Heimat. Es war ein rechteckiger Platz, umsäumt von Eukalyptusbäumen und einstöckigen Häusern mit römischen Ziegeldächer. Er ging in den modernen gelben
Schacht an der Polizeibewachung vorbei. Er fügte sich in den täglichen Strom der Angestellten.
In Chacaito stieg er aus, verliess die U-Bahnstation und begab sich in eines der grossen Warenhäuser. Er kaufte sich eine Reistasche, T-Shirts,
Shorts, eine Badehose, Jeans, Toilettenartikel und Schwarze Haarfarbtinktur, dazu noch Flipflops und Halbschuhe. An einer Ecke wechselte er vierhundert Dollars auf dem Schwarzmarkt und kaufte sich einen Panamahut aus geflochtenem Stroh, sowie eine Sonnenbrille.
Wer würde ihn jetzt noch erkennen! Er ging zur Sabana Grande, schaute den Schachspielern eine Weile zu, setzte sich in ein Kaffee las ausführlich die Zeitung, bestellte sich italienische Spagetti im italienischem Restaurant und fühlte sich fast
wie ein Mafiosi - inkognito. Dann kaufte sr sich ein günstges Handy im Sonderangebot mit einer Simkarte für 50 Dollars. Gegen Drei Uhr packte er seine Reistasche, nahm die U-Bahn zum Grossmarkt nach Catia, stieg dort aus, rief Don Canuto an, um zu
fragen, ob sich wegen des Wagens etwas Neues ergeben habe? Dieser verneinte, seine Stimme Klang einladend, gar nicht misstrauisch. So entschied Sami, sich durch das Gewühl hindurchzukämpfen. Mit scharfen Blicken nach links und nach rechts, leicht
kann man hier bestohlen werden, bahnte er sich seinen Weg, um mit seinen neuegemachten Freunden, fischen zu gehen.
Als er bei der Garage ankam, stand eine Schlange von 5 Autos neben der Wekstatt. Die Wagen warteten
darauf, dass ihre Eingeweide erneuert werden, während noch zwei dazu, auf beiden Brücken auf Kopfhöhe schwebten. Sie wurden gerade ausgeschlachtet und mit nigelnagenneuen Röhren und Töpfen zusammengeschweisst, um aus ihren gefährlichen
Höhen entlassen zu werden. Es waren zwei Mannschaften, die sich bisweilen gegenseitig ergänzten. Sie brachten es fertig beide Brücken so zu bedienen, dass die beiden Autos ungefähr gleichzeitig fertig wurden, oder zumindest, der hintere
Wagen nicht viel warten musste, bis der vordere fertig war. Es war wie ein eingespieltes Ballet, wobei von Zeit zu Zeit schlug einer der Arbeiter mit tollen rhythmischen Schlägen auf einen der vorhandenen Schraubstöcke mit seinen Schraubenschlüssel.
Sein Rythmus war der, der Salsamusik welche in seinem Kopf ständig klingen musste. Zwischen Don Canuto und Alberto wurden die Wagenböden von unten mit elektrischen Lampen mit langen Gummikabeln beleuchtet, begutachtet und die Reperatur preislich
festgesetzt. Don Canuto arbeitete nicht als Mechaniker, er hatte jedoch ein Auge auf allem, auch auf seine Küche, wo wieder eine Suppe brodelte, Reis und Schwarze Bohnen auf hungrige Mäuler warteten, sowie Tomatensoße und ausgefranstes Suppenfleisch(
carne mechada).
Sami ging nach hinten zum Hügel mit den Auspuffen und setzte sich an den Tisch. Dort stand ein Ventilator gleich einer Stehlampe. Er wartete geduldig seine Funktion zu erfüllen. Sami knipste ihn an, nahm den Spiegel, die Zeitschrift,
aus seiner Reisetasche. Als er beim zweiten Artikel ankam, tauchte Don Canuto auf.
«Ich brauche unbedingt die Autopapiere, bist du wirklich sicher, dass du nicht bei dir hast, hast du überall nachgeschaut?»
«Ich habe
dir doch schon gesagt, die Autopapiere sind in der Tasche im Auto, ich habe sie nicht bei mir.»
«Ahh, das ist ein Problem, ohne Papiere bekommen wir das Auto nicht. Ich habe angerufen, sie insistieren, sie baruchen unbedingt die Papiere.»
«Ok, kannst du nicht jemanden schicken, der einfach zum Auto geht, ihr habt doch den Schlüssel, oder?» Don Canuto nickte nachdenklich.
«Das Auto ist in einem grossen Parkplatz von der Polizei, hinter einem hohen Zaun mit Stacheldraht
eingesperrt. Nur Polizisten können da rein, sonst könnte ja jeder kommen und nehmen was er will.»
«Du hast doch gesagt, dass du gute Freunde bei der Polizei hättest. Da kann doch einer von denen zum Auto gehen und mir die
Tasche bringen, oder zumindest die Papiere des Autos rausnehmen».
«Das geht nicht so einfach, der macht sich strafbar und das kostet extra.»
Samis mulmiges Gefühl wuchs wieder. Vielleicht haben sie schon entdeckt, dass
das das Nummernschild auf seinen Namen eingeschrieben war und wollten jetzt den Trick, der Autopapiere verwenden, um ihn zu fangen. Ist nicht möglich, die haben bestimmt noch nichts gefunden, die möchten nur kassieren. Sonst wären sie schon
da. All dies schoss Sami durch den Kopf.
«Wie viel kostet denn das Ganze?»
«Keine Ahnung, aber das Gänze geht auf mich, mach dir mal keine Sorgen, das war unserer Fehler, das ist unser Problem, wir werden schon eine Lösung
finden». Canuto klopfte Sami auf die Schultern. Dann verschwand er nach vorn.
Allmählich kamen die Nutzesser langsam nach hinten an den Tisch. Einige hielten eine eisgekühlte kleine braune Bierflasche in den Händen, andere Blechdosen
mit Bier und weitere gar nichts. Alle hatten sich wichtige Dinge zu erzählen. Sami befand sich in einem Bienenschwarm und war ein Bestandteil geworden. Der Duft Canutos Suppe schwebte in Nebelschwaden über dem Arbeiterviertel, streunende Hunden
lief der Speichel hinunter. Franzisco war auch schon gekommen. Er fragte Sami, ob er alles bereit habe zum Fischen im Meer. Sami bejahte und zeigte auf seine Reisetasche.
Einer der Arbeiter Canutos kam mit einem Teller voller Suppe mit Gemüse,
mit Njame, Ocumo, Platanos und Kartoffel. In der der Hand hielt er Kasawe, ein Fladenbrot aus Mandjokamehl. «Was die Suppe ist schon fertig!» fragte einer der Wartenden. «Ja,
natürlich seit einer halben Stunde», erwiderte der Arbeiter, der Frigoles genannt wurde, weil er klein und flink war und Bohnen (Frigoles) über alles liebte. Er erklärte Sami, dass er immer der erste sei, er könne riechen wenn die
Suppe fertig sei, sonst bleibt manchmal nichts mehr übrig, für ihn. Alberto habe sich schon öfters bei seinem Onkel Canuto beschwert. Der Raum füllte sich mit schmatzendem Geräusch, der Redeschwall war für eine Zeit lang versiegt.
Don Canuto kam mit einer Frau mittleren Alters nach hinten. An der Hand hielt sie einen zwölfjährigen Knaben. Sein Gesicht war verzerrt vor Schmerzen. Er hatte sich den Ellbogen verstaucht. Die Schwellung war stark, unterstützt durch
die Nachmittagshitze. Canuto setze sich an den Tisch, die Frau setzte sich hinzu. Der Junge wurde auf einen Stuhl direkt gegenüber Canuto platziert.
«Worauf wartet ihr, ich brauche keine Zuschauer hier, Frigoles hole mir den Tigerbalsam aus
dem Kästchen in der Küche.» Die Suppenschlürfer trugen ihre Teller irgendwo nach vorn und assen imStehen, oder waren schon fertig. Sami wollte sich erheben, Canuto sagte: «Du bleibst hier, du hast dein Ticket schon, du hast ein Jahresticket».
«Hier ist die Flasche Whisky», sagte die Frau holte sie aus ihrer Tasche und stellte sie auf den Tisch. Sami machte grosse Augen.
«Gib mir deinen Arm her Romero, nicht war, so heisst du?» Dieser nickte mit Tränen in den
Augen.
«Du musst jetzt sehr tapfer sein," sagte Don Canuto.
"
"Du bist doch tapfer, oder?" fragte Don Canuto. Der Junge nickte, wollte aber den Arm wieder zurückziehen. Don
Canuto liess ihn nicht los.
"Das wird am Anfang teuflisch
weh tun, aber jedesmal nimmt der Schmerz ab. Hast du mich verstanden?» Der knabe nickte nickt und richtete sich auf, wie eine Gartenzaunlatte.
«Wenn du das überstanden hast bekommst du Eiscrem. Welche Geschmack magst du am liebsten?»
fragte Canuto.
Er nahm jetzt den ganzen Arm des Jungen in seine kräftigen Hände, krempelte dessen Hemd hoch, nahm den Tigerbalsam, rieb sich seine Hände ein.
«Erdbeere oder Schokolade ?» fragte Don Canuto. «Ich mag lieber Mango und Pfefferminz», antwortete der Junge.
„ Aha , sehr gute Wahl,“ sagte Don Canuto. Der Junge lächelte unsicher und zuckte zurück, als Canuto damit begann, dessen Arm einzureiben.
« Oh, keine Angst, es passiert dir gar nichts. Selbst wenn dir der Arm abfällt, haben wir genug Arme hier, um dir
einen neuen ranzumachen». Der Junge schaute verunsichert auf den Berg Auspuffrohre.
«Nein, die sind es nicht, die sind für die Autos. Franzisko, schenk mir ein Glas Whisky ein». Canuto
nahm einen kräftigen Schluck. Er begann zwischen Daumen und den restlichen Fingern die Muskeln des Armes hochzufahren.
„ Siehst du, hier hat sich das Blut aufgestaut, deswegen ist es geschwollen und hier haben die Sehnen einen Knoten gebildet.“ Der Bube schrie auf
als man ihn abschlachten würde. Canuto hatte ihn fest in Griff und massierte genau und ruhig die Verstauchung weg. Als der Junge merkte, dass mit jedem Strich, der Scmerz sich verminderte, hörte er auf zu schreien und wimmerte
nur noch „Mami, Mami“, die sass da und hielt krampfhaft ein Gleas Whisky in der Hand, welches ihr Franzisko eingeschenkt hatte, für alle Fälle, denn sie trinke nie Alkohol, oder nur sehr selten.
«So
das war's für heute. Du kommst am Montag wieder und zeigst mir deinen Arm, Ok». Der Jung nickte nicht gerade überzeugt und wand sich aus der eisernen Umklammerung Don Canutos. Der schaute auf die Frau: «der Arm ist jetzt wieder in Ordnung,
morgen wird er kaum mehr geschwollen sein. Er soll abends den Arm ins kühle Wasser legen mit ein paar Eiswürfel. Apropos Eis, wo ist den das Eis des Jungen? Jemand soll sein Eis endlich holen!»
Franzisko erklärte Sami, dass dies
Sobar hiess und eine alte Methode ist, die die Alten den Jungen weitergaben. Da sie am Anfang so schmerzhaft ist, geht diese Methode verloren. Canuto hat es von seinem Vater gelernt, er könne sogar Brüche und Knochenrisse behandeln. Frijoles brachte
des Jungen Eis und beide verschwanden wieder, sowie sie gekommen waren. Canuto hatte sich geweigert, jegliches Geld anzunehmen.
Alberto kam lachend nach hinten. Ein Klient habe gefragt, was da hinten in der Werkstatt denn los sei. Er habe geantwortet,
das würde den Klienten passieren die nicht bezahlen wollen. Der Klient habe ihn ziemlich verstört angeschaut. Alberto habe ihn dann gefragt, ob er mit der Reparatur zufrieden sei. Dieser habe ja natürlich, geantwortet, obwohl das Auto gar nicht
fertig war. Als aber die Frau mit dem Kind nach vorn kam, hatte er sie gefragt was denn los gewesen sei. Diese habe ihn nicht richtig angeschaut und nur gesagt dort hinten sei der Sobador. Der Klient habe ungläubig genickt und gesagt: « Das gibt
es noch?»
Langsam tröpfelten die üblichen Stammgäste der Wekstatt herein. Sie warteten bis Canuto das Zeichen zum Domino gab. Sami unterhielt sich mit Franzisco. Dann fragte Don Canuto Alberto wie es mit den Klienten
stand. Ja, das letzte Auto sei gerade in Behandlung. Gut, er solle die Sachen für Chichiriviche vorbereiten und dann sein Auto holen. Er würde mit Franzisko in seinem Auto zur Küste mitfahren.
„ Dann gib mir deinen Schlüssel
zu deinem Auto,“ sagte Alberto, „das lass ich dann zu Haus.“
Canuto ging in den Raum neben der Küche. Er holte einen grossen, olivgrünen, metallenen Handwerkskasten aus dem metallenem Gestell und brachte ihn nach hinten
ans Licht. Er stellte ihn auf den Tisch.
«Deine Dominosteine sind ein bisschen gross heute,» meinte einer der Anwesenden.
Don Canuto ignorierte ihn, er setzte sich einfach an den Tisch und öffnete den Kasten. Er war
voll mit Fischhaken, Attrappen, Bleikugeln und Nylonfäden jeglicher Dicke. « Die Bleie sind für das Fischen in der Tiefe, wenn wir an einer Stelle auf dem offenem Meer bleiben die wir kennen und wissen, dass es dort unten Fische gibt. Manchmal
haben wir Glück und fangen einen Dicken, einen Mero zum Beispiel, oder eine Catalufa oder einen Colorado. Die Attrappen sind für das Fischen auf freier Fahrt.»
«Ja ich weiss,» unterbrach ihn Sami, « ich habe schon mal
einen Bonito gefangen, bei Choroni».
« Da gibt es viele Bonitos» bemerkte Franzisco, der sich wieder zu ihnen gesetzt hatte, er riss dabei seine Augen weit auf und liess sie kullern. Der Rest des Grüppchen, das sich langsam auflöste,
lachte und schmunzelte. Sami blickte misstrauisch abwechselnd zu Franzisco und zu den anderen. Canuto verzog keine Miene: « Bonito, Bonita, verstehst du nicht? Franzisko muss immer Spass machen, so ist er halt mal. Franzisko hilf mir lieber dabei die
Köder zu präparieren.»
„ Na wie hat dir denn die Bonita geschmeckt in Choroni?“ wollte einer der Zuschaenden wissen, die anderen grinsten.
„Was ich habe doch keine, ...aha, jaa die Erste war etwas bitter aber
die Zweite war wirklich süss, fast zu süss.!“ Antwortete Sami.
Alle lachten, sie freuten sich über Samis Repartie und er fühlte sich immer mehr dazugehörend.