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© copyright 2001-2011 by Remo F. Roths, Zürich
[Erweiterter Ausschnitt aus einem Vortrag bei der Parapsychologischen Gesellschaft der Schweiz im Jahr 1997, der schliesslich zu einem work in progress geworden ist und so den Fortschritt der Resultate meiner Forschungen zwischen den Jahren 2001 und 2011 dokumentiert.
Die am Schluss folgende wichtige Ergänzung vom 7.7.2003 bildete den eigentlichen Durchbruch: Ich sah, dass hinter dem kollektiven Unbewussten C.G. Jungs eine weitere Schicht kommen muss, die psychophysische Realität (Wolfgang Pauli) oder der unus mundus (Gerardus Dorneus; C.G. Jung). Zwar hatten Jung und Pauli diese Welt schon erforscht, doch sie setzten sie dem kollektiven Unbewussten gleich. Im Gegensatz dazu unterscheide ich aufgrund theoretischer Überlegungen [in Return of the World Soul, Teil I (erscheint im Sept. 2011) und Teil II (erscheint 2012)] das kollektive Unbewusste mit seinem Zentrum, dem Logos-Selbst, dem Selbst gemäss Jung, vom Eros-Selbst, dem Zentrum der psychophysischen Realität (unus mundus). Dies bedeutet auch, dass ich neben der objektivpsychischen Energie C.G. Jungs und der dazu komplementären physikalischen/chemischen Energie (innere bzw. äussere Geist-Psyche in der von Wolfgang Pauli geforderten neutralen Sprache) die magische Energie der psychophysischen Realität, die Materie-Psyche, definieren konnte. So lassen sich viele paranormale Phänomene äusserst einfach erklären, vor allem lässt sich das Synchronizitätsphänomen und damit die Telepathie und Präkognition von den magischen psychokinetischen Phänomenen des unus mundus, wie beispielsweise vom Pauli-Effekt, abgrenzen. Die Transformationsprozesse der einen Energieform in die andere lassen sich so empirisch beobachten.
Mit den am Schluss dieses Artikels dargestellten Ausführungen wurden die Erkenntnisse in meinem Buch Die Gottsucher in entscheidendem Mass erweitert. Der Schluss des fünften Kapitels (über Niklaus von Flüe) war für mich immer unbefriedigend, da ich immer den Eindruck hatte, dass es nicht fertig ist. Heute sehe ich, dass dort, bei meinen Ausführungen über Niklaus von Flüe, die magische Energie des unus mundus fehlt, die ich in der von Wolfgang Pauli geforderten neutralen Sprache die Materie-Psyche nenne. In den Ausführungen am Schluss dieses Artikels wird sie eingeführt.]
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Die alchemistische Weltseele besitzt einige Eigenschaften, die sie überraschenderweise gewissen zentralen Konzepten der modernen Physik annähert. Es besteht daher eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass die Quanten- und die Astrophysik bei ihrer Absicht, in das „kleiner als klein und grösser als gross“ – eine mystische Umschreibung des Göttlichen – einzudringen, letztlich auf einer höheren erkenntnistheoretischen Stufe die göttliche Weltseele der mittelalterlichen Alchemisten wieder findet. Um deren Eigenschaften etwas zu ordnen, habe ich diese in sechs Kategorien gegliedert:
A) Religionspsychologische Aspekte
Die Weltseele ist co-aetern (gleich ewig) mit dem christlichen Gott und daher ein increatum (ein Ungeschaffenes). Dies heisst speziell, dass sie ein dem christlich-männlichen Gott ebenbürtiges weiblich-göttliches Prinzip darstellt. Sie findet sich im alten Testament als Sophia oder Sapientia Dei, in der Kabbalah erscheint sie als die sogenannte Schechina, welche jedoch ins Exil verbannt wurde. Im Katholizismus besitzt die Gottesmutter Maria gewisse Eigenschaften der Weltseele, kann deren umfassendes Wesen allerdings bei weitem nicht ausfüllen. Im Hinduismus erscheint sie als der weibliche Aspekt der Trimurti (Trinität) Brahma, Vishnu und Shiva, als deren Shakti.
B) Naturphilosophische Aspekte
Aus naturphilosophischer Sicht gesehen, entspricht die anima mundi dem Geist oder der Seele der Materie. Sie ist der „Stein, der einen Geist hat“, bildet somit eine animistische Auffassung der Materie. Diese Eigenschaft wurde auch im Bild von der den Weltkörper umfassenden psychischen Hülle ausgedrückt, was bedeutet, dass die Weltseele den Weltkörper in sich trägt. Derart stellt sie die Lebensenergie sowohl des Makrokosmos (des Universums), aber auch des Mikrokosmos (des Menschen) dar. Letzterer entspricht der von mir so genannten Körper-Seele, die nur durch imaginative und meditative Techniken erfahrbaren „Innenansicht des Körpers“. In einer modernen Sprache würden wir sagen, dass sie ein negentropisches (aufbauendes, höhere Ordnung schaffendes) Prinzip darstellt, das der physikalischen Entropie entgegengesetzt ist. So steht sie auch hinter den Leben aufbauenden und heilenden Kräften im Menschen.
Von ihrer Wirkung her ist die Tatsache von Bedeutung, dass sie im Moment der Zerteilung der prima materia das Chaos erzeugt, um daraus eine neue Ordnung aufzubauen. Weiter ist sie durch ihre Raum- und Zeitlosigkeit charakterisiert. Sie entspricht dem Prinzip der creatio continua, einem schöpferischen Prinzip, welches das Postulat der einmaligen Schöpfung der Welt des christlich-jüdischen Gottes (creatio ex nihilo) kompensiert und ergänzt. In einer modernen naturwissenschaftlichen Terminologie ausgedrückt, entspricht sie somit den Prinzipien der Ursachelosigkeit (Akausalität), der jederzeit möglichen (!) spontanten Neuschöpfung aus dem Nichts und dem Prinzip der Nichtlokalität der Quantenphysik.
C) Energetische Aspekte
Unter einem energetischen Gesichtspunkt betrachtet, stellt die Weltseele den Motor dar, der die Welt und das Leben antreibt. Dieser Motor wird jedoch von einer bipolaren Energie gespiesen. In einer modernen tiefenpsychologischen Deutung entspricht diese Energie der physikalischen einerseits, der von Jung in die Wissenschaft eingeführten objektivpsychischen Energie andererseits
[Korrektur vom 7.7.2003: Die objektivpsychische Energie C.G. Jungs entspricht dem inneren Aspekt der physikalischen Energie. Beide gehören im taoistischen Sinn zum Yang. In der von Wolfgang Pauli geforderten neutralen Sprache bezeichne ich sie als innere Geist-Psyche und äussere Geist-Psyche. Die Weltseele (und auch die introvertiert erfahrbare Körper-Seele) entsprechen dem taoistischen Yin-Prinzip. Ich nenne sie die (magische) Materie-Psyche, die nicht in ein Innen und Aussen gespalten ist. S. dazu The Archetype of the Holy Wdding].
Die Weltseele erinnert erstaunlicherweise an Einsteins modernes Konzept, da sie gleichermassen Energie wie Materie darstellt. In beiden Formen, als Materie oder als Energie, ist sie allesdurchdringend und erinnert so an das Neutrino und das Antineutrino Wolfgang Paulis und an die radioaktive Betastrahlung.
D) Geometrische und räumliche Aspekte
Wie das Siegel Salomos, das Wahrzeichen der hermetischen Alchemie, ist die Weltseele spiegelbildlich und durch eine ausgesprochene Zweiheit und Bipolarität charakterisiert. Dieses schillernde Wesen der Weltseele entspricht ihrem Zustand vor der Erlösung durch den Menschen (s. dazu unten). In einer modernen physikalischen Terminologie erinnert diese Bipolarität an das Phänomen der Oszillation. Eben diese steht aber hinter der quantenphysikalischen Vakuumsenergie, denn dieses Vakuum wird mit Hilfe des mathematischen Formalismus eines Feldes von unendlich vielen harmonischen Oszillatoren beschrieben. Dieser Zustand vor der Erlösung der Weltseele findet sich aber auch in den modernen Spekulationen um die Neutrinomasse, wird doch zu deren (indirektem) Nachweis das Phänomen der Oszillation zwischen den drei möglichen Zuständen des Neutrinos (Elektron-, Myon- und Tau-Neutrino) verwendet.
Die herausragendste geometrische Eigenschaft der alchemistischen Weltseele ist ihre Rundheit. Deshalb wird sie auch das rotundum genannt. Sie erscheint als Kugel, Kreis, Rad, Scheibe, Ikosaeder oder als das durch die natürliche Teilung des Kreises (Hexagon!) definierte Siegel Salomos, welches seinerseits das Ziel des hermetisch-alchemistischen Opus darstellt. In der modernen Physik kehrt eben dieses Siegel Salomos als das so genannte Quark-Antiquark-Sextett der ersten drei Quarks und Antiquarks auf dem Hintergrund der zwei internen Quantenzahlen Isospin und Seltsamkeit wieder (vgl. dazu Synchronicity Quest – The Common Depthpsychological Background of Alchemy, Christian Mysticism and Quantum Physics).
Alchemistisch gesehen ist die Rundheit identisch mit dem Begriff des „Wassers“ , welches seinerseits den himmlischen oder göttlichen „Geist“ enthält. Wenn dieses himmlische Wasser vom Geist belebt wird, gerät es in kreisende Bewegung, und daraus entsteht die vollkommene Kreisform der anima mundi. Mit der Rundheit verbunden ist daher einer der wichtigsten Aspekte der Weltseele: die Rotation. Diese wird aber erst erreicht, wenn eine Vereinigung des Männlichen (Geist) mit dem Weiblichen (Wasser) stattgefunden hat.
E) Aspekte der Bipolarität und der Zweiheit
Diese letzteren Aspekte führen uns zu den Eigenschaften der Bipolarität und Zweiheit. Ihre Bipolarität zeigt sich darin, dass sie einerseits das Erlösende, Ordnende, andererseits aber zugleich das Zerstörende und Chaos Bringende darstellt. Sie ist sichtbar und unsichtbar und kann zwischen diesen beiden Zuständen hin- und herwechseln. Sie ist Feuer und Wasser, daher auch die Vereinigung dieser Gegensätze, das heisst, das Siegel Salomos. Weiter ist sie sowohl zerteilt als auch unzerteilt, ja sie ist gleichzeitig physisch und psychisch, Geist-Seele und Materie und derart auch keines von beidem sondern ein Drittes, das in der Vorstellung des Mittelalters dem hinter der Spaltung von Physis und Psyche liegenden unus mundus, der potentiellen Welt vor der Schöpfung, entspricht.
F) Die Weltseele und das kollektive Unbewusste C.G. Jungs:
Viele der obigen Eigenschaften der alchemistischen Weltseele charakterisieren auch das von C.G. Jung entdeckte Prinzip des kollektiven Unbewussten oder der objektiven Psyche. Mit diesem kosmisch-psychischen Prinzip hat er daher wesentliche Aspekte der mittelalterlichen Weltseele wiederentdeckt, die seit Descartes aus der Wissenschaft verbannt worden ist.
[Korrektur vom 7.7.2003: Die Weltseele gehört zum Reich des kollektiven Eros (beherrscht von der Materie-Psyche) und bildet als Eros-Selbst den Gegenpart zu Jungs (Logos-)Selbst, dem Zentrum der Welt des kollektiven Logos (des kollektiven Unbewussten oder in der neutralen Sprache W. Paulis die innere Geist-Psyche)]
Das von C.G. Jung postulierte Phänomen der Synchronizität hat ihn in seinen späten Jahren zur Erkenntnis geführt, dass das von ihm vorerst rein psychisch definierte kollektive Unbewusste in seinen tiefsten Schichten in die Materie hinüberreicht. Er nannte diese Eigenschaft den psychoiden Aspekt des kollektiven Unbewussten, und setzte letzteres in seinem Spätwerk dem unus mundus und dessen energetischem Aspekt, der anima mundi, gleich. Dies impliziert die ausserordentlich wichtige Tatsache, dass die tiefste Schicht des kollektiven Unbewussten sowohl psychisch als auch physisch ist, ja dass diese sogar eine Vereinigung von Psyche und Materie darstellt.
[Ergänzung vom 7.7.2003: Ich unterscheide das kollektive Unbewusste vom unus mundus oder von der psychophysischen Realität. Das kollektive Unbewusste bleibt so rein psychisch und enthält die Jungsche objektivpsychische Energie oder innere Geist-Seele, der unus mundus enthält dagegen als energetisches Prinzip die magisch wirkende Materie-Seele.]
G) Die Erlösung der Weltseele:
Die Weltseele bringt einerseits die Erlösung, andererseits ist sie selbst erlösungsbedürftig. Die Alchemisten beschreiben dieses Paradox, indem sie das rotundum, das heisst die Weltseele, einerseits als Lösungsmittel (als „Wasser“ und „Feuer“ ist sie Lösungsmittel, das heisst „Erlösung“), andererseits als das zu Lösende (als Stein, Metall, „Erde“ ist sie das zu Lösende, das heisst das zu Erlösende) darstellen.
Die anima mundi schläft in der Materie. Sie sehnt sich als göttliche Geliebte nach dem Menschen, der sie aus der mater materia erlösen soll. Die erlöste und befreite Weltseele wird mit Hilfe des Symbols der Rotation dargestellt. Wie wir oben gesehen haben, wird im Gegensatz dazu der Zustand der Unerlöstheit durch die Eigenschaft der ambivalenten Zweiheit, mit Hilfe der Oszillation, umschrieben.
Wenn die Menschheit vor die schicksalshafte Aufgabe gestellt ist, die Weltseele aus der Materie oder aus dem menschlichen Körper zu erlösen, wird sie vorerst vom Aspekt der bipolaren Zweiheit der Weltseele fasziniert sein. In der Quantenphysik setzte sich diese unbewusste Faszination insofern durch, als sie die Oszillation als dominantes Prinzip zur Erklärung ihrer Phänomene auswählte. Wie wir gesehen haben, geschah dies in der Wahl des mathematischen Formalismus des harmonischen Oszillators als Grundlage der sogenannten Vakuumproduktion von Elementarteilchen (vgl. auch Nullpunktenergie), einem der zentralen Prozesse. Und auch das Wesen des äusserst geheimnisvollen, von Wolfgang Pauli erfundenen Neutrinos (bzw. Antineutrinos) wird eben mit diesem Begriff umschrieben.
Es verwundert daher nicht, dass Pauli vom Phänomen der Oszillation geradezu verfolgt wurde. Er hatte ja selbst das oszillierende Neutrino in die Welt gesetzt, das in einer psychophysisch-tiefenpsychologischen Terminologie der Konstellation der Erlösung der Weltseele aus der Materie entspricht. Ein wesentlicher Teil seiner Korrespondenz mit C.G. Jung wird daher von diesem Thema beherrscht.
Das Ziel, die Erlösung der Weltseele, wird in der hermetischen Alchemie auch dargestellt als die sogenannte coniunctio, die Vereinigung des weiblich-göttlichen mit dem männlich-göttlichen Prinzip. In ihr wird der Zweiheitsaspekt, die Oszillation, in den Einheitsaspekt der Weltseele übergeführt. Dieser Zustand wird dargestellt durch die Rotation. Diese Rotation muss man sich dabei als rechtshändig vorstellen, denn die Weltseele sitzt auch am Nordpol und ist derart mit der rechtsläufigen Rotation der Erde verbunden. Diese erinnert spontan an den rechtsläufigen Spin des Antineutrinos und die damit verbundene, im Jahr 1956 entdeckte Paritätsverletzung, die Pauli derart tief erschütterte, dass er zwei Jahre danach völlig überraschend starb.
Wenn die coniunctio, die Vereinigung des Männlich-Göttlichen mit dem Weiblich-Göttlichen, erreicht ist, findet ein so genannter Austausch der Attribute statt: Geist-Psyche wird zu Materie-Psyche und gleichzeitig wandelt sich die Materie-Psyche zurück in die Geist-Psyche höherer Ordnung (es handelt sich dabei um den von mir so genannten Zwillingsprozess). Dieser letztere Prozess wird auch dargestellt durch den Umstand, dass die Weltseele sich vom Kreis in das Quadrat, von der Kugel in den Kubus entwickeln will. Sie symbolisiert daher auch die Lösung des uralten Problems der Quadratur des Zirkels.
[Anm.: Um den Kreis zu quadrieren, muss er vorerst definiert sein. In der Alchemie definiert er, zusammen mit dem eingeschriebenen Siegel Salomos (Davidstern), das hermetische Opus an sich (Jung, GW 12, S. 363; vgl. auch Synchronicity Quest), modern ausgedrückt: den Individuationsprozess. Dieses Symbol fehlt jedoch bei den modernen Jungianern, weshalb es ihnen nie gelingen wird, das Quadrat und damit die Quaternität – alchemistisch ausgedrückt: das Lebenselixier – wirklich zu erreichen! Sie werden daher weiterhin „Quaternitäten im Himmel aufhängen“ (W. Pauli, z.B. in einem Brief vom 27.2.53; vgl. dazu Wolfgang Paulis psychophysischer Monismus…)]
Die Erlösung der Weltseele aus der Materie kann daher – abstrakt gesehen – als der Prozess der Überführung der Oszillation in die rechtsläufige Rotation dargestellt werden. Dieser Prozess ist heute konstelliert. Weder die Physik, die im Begriff der Neutrino-Oszillation stecken geblieben ist, noch die Tiefenpsychologie C.G. Jungs mit ihrer Symbolik des ambivalenten Mercurius der Alchemie (= Oszillation!) haben dieses Ziel der Rotation der Weltseele – alchemistisch: die rotatio des rotundum – erreicht. Es wird einer zukünftigen Wissenschaft vorbehalten bleiben, diesen Prozess der Transformation der Oszillation in die Rotation als empirischen Prozess zu beschreiben. Dies dürfte nur gelingen, wenn dieser Prozess in das eigene Innere hinein genommen wird, da nur dort der hauchkörperartige Aspekt des physischen Körpers erlebt werden kann, in dem die physische Energie höherer Ordnung des Zwillingsprozesses erreicht wird. Eine solche Wissenschaft, die nicht wie die modernen Jungianer „Quaternitäten im Himmel aufhängt“ (W. Pauli), sondern die Erlösung (!) der Weltseele aus der mater materia oder aus dem eigenen Körper sucht, würde zugleich einer Vereinigung der Tiefenpsychologie mit der Physik, aber ebenso mit der Parapsychologie und der Biologie entsprechen. Eine solche „Hintergrundsphysik“ hat sich Wolfgang Pauli gewünscht, wie viele Stellen in seinem Briefwechsel nachweisen.
Es ist daher Marie-Louise von Franz beizupflichten, wenn sie in einer der letzten gedruckten Äusserungen vor ihrem Tod (Atmanspacher et al., ed.: Der Pauli-Jung-Dialog, 1995, S. 332) feststellt, dass „die von Carl Gustav Jung vorgeschlagene Sicht der Existenz eine totale Umstellung des Bewusstseins und unserer ganzen Weltsicht impliziert und dass man darum Jungs neues Paradigma nicht nur so nebenbei in dem bisherigen Wissenschaftsbetrieb auch noch mitlaufen lassen kann.“
Die Forderung nach einer „totalen Umstellung des Bewusstseins und unserer ganzen Weltsicht“ impliziert meines Erachtens auch, dass wir uns auf dem Hintergrund der Entdeckungen C.G. Jungs und der erhaltenen Träume Wolfgang Paulis mit der immer drängender werden UFO-Phänomenologie auseinander setzen. Diesem Anliegen, das leider von der etablierten Wissenschaft kaum zur Kenntnis genommen wird, dient meine WebSite UFO. Ein möglicher Zusammenhang mit einem inneren Prozess, mit der introvertierten Erlösung der Weltseele aus dem eigenen Körper, wird in Das UFO trägst du in deinem Bauch beschrieben (siehe auch UFO und AIDS).
Anmerkung vom 7.7. 2003:
Als ich die obige Charakterisierung der Weltseele im Jahre 1997 schrieb, unterschied ich noch nicht zwischen dem Zentrum des kollektiven Unbewussten, dem (Logos-)Selbst C.G. Jungs, und der psychophysischen Realität (W. Pauli) beziehungsweise dem unus mundus (Dorneus/C.G. Jung) mit ihrem energetischen Aspekt, der Weltseele oder dem Hauchkörper (Astralkörper des Paracelsus), die ich auch das Eros-Selbst nenne. Heute weiss ich hingegen, dass hinter dem kollektiven Unbewussten diese weitere Schicht kommt, die sich grundsätzlich vom kollektiven Unbewussten unterscheidet. Während erstere dem Prinzip des Logos zugeordnet werden kann, gehört letztere zur Welt des Eros im weitesten Sinn des Wortes. Es ist diese Welt des Eros, in der die Weltseele (und auch die dazu parallele Körper-Seele) herrscht. Ich nenne daher Jungs Zentrum das Logos-Selbst, jenes der Weltseele (anima mundi) das Eros-Selbst.
Wir müssen somit auch zwischen den Äusserungen aus der Welt des Selbst C.G. Jungs und jenen aus dem Reich der Weltseele unterscheiden. Gewöhnliche Träume, auch archetypische, erscheinen uns aus der Welt des kollektiven Unbewussten, ebenso das oben erwähnte „vorbewusste“ oder „absolute Wissen“. Jungs Begriff der Synchronizität tangiert diese Welt des kollektiven Eros, da der gemeinsame Sinn der beiden Ereignisse der Synchronizität letztlich Materie-Psyche darstellt. Dabei grenze ich die Synchronizität, wie Jung, auf die telepathischen und präkognitiven Phänomene ein, klammere also ausdrücklich die psychokinetischen Ereignisse, wie etwa den berühmten Pauli-Effekt aus. Diese gehören zu einem Transformationsprozess von physikalischer Energie (äussere Materie-Psyche) in physikalische Energie höherer Ordnung, die im Zwillingsprozess geschieht. Dieses Geschehen ist magisch, wie dies so schön auch der Paulieffekt zeigt.
[Einschub vom September 2011:
C.G. Jung muss geahnt haben, dass mit der akausalen Synchronizität noch nicht das tiefste Phänomen beschrieben ist. In einem Brief spricht er von vitalisierenden Synchronizitäten, in denen die psychische Energie tote Objekte beeinflussen soll.
„Es gibt zweifellos synchronistische Effekte mit ‘vitalisierendem’ Charakter, d.h. Erscheinungen, die nicht nur synchronistisch sind, sondern auch vermuten lassen, dass psychische Energie lebende oder tote Objekte so beeinflusst, als ob sie durch einen ihnen fremden psychischen Inhalt ‘belebt’, bewogen wären, diesen mehr oder weniger darzustellen. Diese Wirkungen gehen nicht vom Bewusstsein aus, sondern von einer unbewussten Existenzform, die anscheinend dauernd in einem bloss relativen raumzeitlichen, d.h. vier- oder mehrdimensionalen Zustand sich befindet. Psychische Inhalte in diesem Zustand wirken ebensowohl in mir wie ausserhalb meiner selbst, ebensowohl in der Zeit wie ohne dieselbe. … Die Seele scheint mir tatsächlich z.T. ausserräumlich und ausserzeitlich zu sein. ‘Subtle body’ dürfte für diesen Teil der Seele ein passender Ausdruck sein.“ (Jung, Briefe II, S. 148f., 17.1.49)
Der Begriff „Beeinflussung“ gehört aber in die Terminologie der Kausalität. So widerspricht sich Jung, indem er sozusagen eine akausale Kausalität definiert. Dieser Konflikt muss gelöst werden, und ich glaube ihn gelöst zu haben durch die Definition der dritten Art der Energie (neben der physikalisch/chemischen und der objektivpsychischen), der magischen Energie der Weltseele oder des unus mundus (der psychophysischen Realität) und des von mir so genannten Zwillingsprozesses, in dem physisch/physikalische Energie einerseits oder objektivpsychische Energie andererseits in (magische) psychophysische Energie und diese zurück in physisch/physikalische und/oder objektivpsychische Energie höherer Ordnung transformiert werden.]
Immer mehr erleben heutige Menschen jedoch Träume, die sie als „viel körperlicher“, oder „viel realer“ als gewöhnliche (auch archetypische) Träume schildern. Des öfteren sind diese verbunden mit psychokinetischen Phänomenen, mit so genannten Entführungen in UFOs (abductions) oder out-of-body-Phänomenen (OBE). Es sind eben diese Phänomene, die aufgrund der Theorie C.G. Jungs nicht mehr erklärt werden können, da in ihnen ein offensichtlicher Austausch zwischen physischer beziehungsweise physikalischer Energie einerseits und magischer Energie (Materie-Psyche, die Energie der psychophysischen Realität oder des unus mundus) stattfindet.
Dieser Energieaustausch zwischen physischer und psychophysischer Energie bildet die Grundlage jener Phänomene, die ich der Schicht der Weltseele, der psychophysischen Realität (W. Pauli) zuordne. Trotz ihrer oben erwähnten Ablehnung des Energieaustausches zwischen der Welt der Physik und jener der Tiefenpsychologie haben sowohl Wolfgang Pauli als auch C.G. Jung nach einer Vereinigung gesucht. Pauli nannte diese letzte Schicht die psychophysische Einheitswirklichkeit, C.G. Jung entlehnte dafür den Begriff des Alchemisten und Paracelsusschülers Gerardus Dorneus, den unus mundus, die Eine Welt. In ihr sind alle Unterschiede zwischen Innen und Aussen, zwischen Psyche und Physis, zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos aufgehoben.
In der mittelalterlichen Alchemie und im Daoismus wurde dieser Energieaustausch als der so genannte Austausch der Attribute erklärt. In ihm wird in meiner modernen Deutung das männliche Prinzip, der Logos, zum Weiblichen, zum Eros, et vice versa. Dieser Austausch der Attribute geschieht in der so genannten coniunctio, der mystischen Hochzeit zwischen dem männlich-göttlichen und dem weiblich-göttlichen Prinzip (s. dazu Der Archetypus der mystischen Hochzeit). Es ist denn auch dieses Prinzip der Vereinigung, das den Eros-Bereich, die psychophysische Realität charakterisiert, im Gegensatz zum Prinzip der Unterscheidung des Logos.
Während die jüdisch-christliche Genesis, die Weltschöpfung am Anfang der Zeit, dem Prinzip des Logos folgte und daher von einer Unterscheidung geprägt ist (vgl. den Beginn des Alten Testamentes), wachsen wir langsam in eine Zeit hinein, in der sich der Beginn einer neuen Inkarnation abzeichnet, die dem Prinzip des Eros, der Vereinigung des Getrennten, entspricht. Die damit verbundene gewaltige kulturelle Revolution wird die Menschheit in der nächsten Zeit bewältigen müssen, will sie nicht in einem atomaren Weltkrieg, in zerstörerischen Aktionen der UFOnauten oder in der von Marie-Louise von Franz vermuteten „Rache der Mutter Erde“ untergehen.