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Das Erfolgsrezept von Ian Wright
Der Schweizer Ruder-Headcoach Ian Wright ist ein Erfolgsgarant, was zweimal Gold und einmal Silber an der WM in Belgrad unterstreichen. Was zeichnet den 61-jährigen Neuseeländer aus?
Der Schweizer Ruder-Headcoach Ian Wright ist ein Erfolgsgarant, was zweimal Gold und einmal Silber an der WM in Belgrad unterstreichen. Was zeichnet den 61-jährigen Neuseeländer aus?
Als sich die Verantwortlichen von Swiss Rowing 2021 nach dem Rücktritt von Edouard Blanc auf die Suche nach einem neuen Headcoach machten, gab es aufgrund des wegen des Coronavirus um ein Jahr verkürzten Olympia-Zyklus wenig Spielraum zum Experimentieren. «Wir wussten, dass unsere junge Athletengeneration noch einen ziemlichen Schritt vorwärts machen muss und wir deshalb einen sehr erfahrenen Trainer brauchen», blickt Verbandsdirektor Christian Stofer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zurück.
Von daher war Wright eine naheliegende Wahl, war er doch schon von 2014 bis 2016 sehr erfolgreich in der Schweiz tätig - er führte den Leichtgewichts-Vierer mit Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch und Lucas Tramèr zu WM- und Olympia-Gold. In der Folge feierte er mit dem australischen Team zahlreiche Erfolge, unter anderem coachte er den Vierer-ohne der Männer zum Olympiasieg.
«Jedes Training ein Wettkampf»
Wright ist sozusagen ein Synonym für harte Arbeit. Er setzt auf Geschwindigkeit orientiertes Training. Dieses sieht oft so aus, dass er ein Tempo von 80 Prozent der jeweiligen Weltbestzeit verlangt, was sehr herausfordernd ist. Aufgrund der erreichten Prozente wird dann eine Rangliste erstellt. Es bestreiten alle das gleiche Programm, was für jene, die im Einer rudern, eine weitere Herausforderung darstellt, da sie für 20 km logischerweise länger benötigen als grössere Boote. Das ist durchaus ein Diskussionspunkt, allerdings ist das die Philosophie von Wright.
«Für ihn ist jedes Training ein Wettkampf», sagt Andri Struzina, der am Freitag Weltmeister im nicht-olympischen Leichtgewichts-Einer geworden ist. Jan Schäuble, der zusammen mit Raphaël Ahumada Silber im Leichtgewichts-Doppelzweier geholt hat, ergänzt: «Er bringt dich an den Rand von dem, was möglich ist, aber nicht darüber. Sein Fingerspitzengefühl ist das, was ihn wirklich auszeichnet. Verglichen mit allen internationalen Trainern, die ich gehabt habe, machen wir unter ihm in den letzten paar Tagen vor der WM am wenigsten. Das zahlt sich aus. Zudem gibt das Gefühl, am besten vorbereitet zu sein, sehr viel Selbstvertrauen.»
Aufgrund des harten Trainings lernen die Athletinnen und Athleten, das Boot mit möglichst wenig Aufwand zu bewegen. Und selbstredend werden alle fitter, was sich positiv auf die Technik auswirkt. Oder in den Worten von Struzina: «Irgendwann ruderst du auch dann richtig gut, wenn du total am Arsch bist, kannst du auch dann, wenn es richtig weh tut, das eine Prozent an Körperspannung noch halten.»
Mehr als ein Job
Wright wirkt nach aussen hin unnahbar, er macht jedoch alles dafür, dass seine Schützlinge Erfolg haben. «Er ist der Typ harte Schale, weicher Kern, lebt das Rudern. Es ist für ihn nicht nur ein Job», sagt Stofer. Wright sammelt unzählige Daten, um für die Boote die bestmöglichen Kombinationen zu finden. Struzina: «Er ist besessen davon.»
So entstand der Zweier-ohne mit Andrin Gulich und Roman Röösli, das sich als erstes Schweizer Duo WM-Gold in dieser Kategorie sicherte. Ohne seine Akribie hätten sie wahrscheinlich ganz vieles nicht gesehen, gibt Stofer zu Protokoll. «Er will mit einer ganzen Flotte Erfolg haben.» Wright ist mit nicht weniger als dem Anspruch zurückgekehrt, aus der Schweiz eine Rudernation zu machen. Mit vier Quotenplätzen für die Olympischen Spiele 2024 in Paris stimmt der Weg diesbezüglich.
Röösli gehörte schon bei Wrights erster Amtszeit hierzulande dem Nationalteam an. Hat er sich seither verändert? «Seine Einstellung ist die gleiche. Aufgrund der grösseren Erfahrung weiss er nun aber besser, wie er in gewissen Situationen auf Athletenaussagen reagieren sollte.» Das Programm empfindet der bald 30-jährige Luzerner, der älteste im Schweizer Team, aufgrund der Adaption des Körpers nicht mehr so streng wie damals. «Es braucht aber nach wie vor viel, den Trainingsplan durchzuhalten. Wir müssen viele tausend Mal über die eigenen Grenzen hinausgehen - physisch wie mental.»
Das gemeinsame Leiden führt zu einem sehr guten Zusammenhalt. Die gegenseitige Unterstützung ist gross, umso mehr, als alle schlechte Tage haben. Nicht nur für Röösli ist dieses gegenseitige Pushen sehr wertvoll. Zuerst einmal ist nun aber abschalten angesagt. Zwei Wochen ist ganz frei, eine Woche ist individuelles Training angesagt, ehe es am 3. Oktober in Sarnen wieder gemeinsam an die Arbeit geht. Schliesslich gilt es, den WM-Erfolg zu bestätigen. Larifari gibt es unter Wright ohnehin nicht.