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Les Levine
Poster Prayer Rug 1978
Das Poster von Les Levine (1935*) erscheint als Werkankündigung (?) der tatsächlichen Arbeit Prayer Rug[1]. Für seine Arbeit fragt er diverse Künstlerkollegen nach kurzen Gebeten, Wünschen oder Weisheiten, die er anschliessend in einen Teppich weben lassen will. Es entsteht daraus eine Sammlung an 25 Sprüchen von 26 verschiedenen Künstlern[2], die vorläufig auf dem Plakat abgedruckt werden. Auch Les Levine selbst fügt der Sammlung eine Anweisung bei: PIERCE THE HEART WITH A MAGIC DAGGER AND FIND THE DIAMOND. Levine ordnet die Gebete, wie es scheint aleatorisch, und fügt sie in einen fortlaufenden Fliesstext. Während die Gebete selbst in Grossbuchstaben gesetzt sind, sind die Künstlernamen jeweils davon unterschieden in Kleinbuchstaben zu lesen.Read more...
Lawrence Weiner
Just Another Thing Taken and Changed (A Wood) (A Stone)/ Nau Em I Art Bilong Yumi,
Velin d`Arches, 125 Editionen, 1989.
Ausschlaggebend für die Produktion des Buches Just Another Thing Taken and Changed (A Wood) (A Stone)/ Nau Em I Art Bilong Yumi war Weiners Veröffentlichung neuer Bilder über Guinea. Beim Titel, welcher in Grossbuchstaben auf die Vorderseite gedruckt wurde, handelt es sich um ein sogenanntes Statement Weiners – hier ist es die Nummer 621. Bei den Statements handelt es sich um eine eigene Werkform in Weiner künstlerischer Produktion. Sie erschienen erstmals 1968, gesammelt in einer Publikation. Es wurde von Seth Siegelaub herausgegeben und in 12 generelle und 12 spezifische Statements unterteilt.[1] Das Buch fungierte dabei innerhalb einer Ausstellung zugleich als Werkkatalog wie Kunstwerk. Die Reihe der Statements führte Weiner von da an weiter und liess sie an verschiedenen Orten (Hausfassaden, Bücher, Einladungskarten) veröffentlichen. Als solche markieren sie eine Zäsur mit dem zu dieser Zeit vorherrschenden Ausstellungsformat von Werken in Galerien. An der Publikation Statements lässt sich aber auch ein Paradigmenwechsel ablesen, der für das Künstlerbuch in den 1960er Jahren auszumachen ist. Das Künstlerbuch wandelte sich von einem rein informativen, sekundären Medium zu einem primären und künstlerischen Oeuvre.[2]Read more...
Die vier großformatigen Einladungskarten von Maria Eichhorn (*1962) dokumentieren eine Reihe von fünf Einzelausstellungen der Künstlerin, die von 1995 bis 2011 stattgefunden haben. Die Serie der Einladungskarten beginnt dabei erst mit der zweiten Ausstellung im Jahr 1997. Während die ersten vier Ausstellungen in zeitlich kurzen Abständen von circa zwei Jahren in der Galerie Barbara Weiss gezeigt wurden, greift die letzte Ausstellung von 2011 für den Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg das Konzept nach zehn Jahren wieder auf und knüpft – mehr im Sinne einer Dokumentation als einer tatsächlichen Weiterführung – an die Serie der Ausstellungen und Einladungskarten an.
Seth Price: Grey Flags
Pressemitteilung für die von Price kuratierte Gruppenausstellung Grey Flags
in der Friedrich Petzel Galerie, New York, 2005
Der Text wurde auf Price’ Website www.distributedhistory.com publiziert
Seth Price (*1973) geht in seinem Text in keiner Weise auf die Werke seiner Ausstellung ein. Vielmehr untersucht die Pressemitteilung auf literarische Weise das Verhältnis zwischen Subjektivität und Kultur. Sie beginnt damit, das Vorstellungsvermögen des Lesers direkt anzusprechen: „When you stop talking and doing, and close your eyes, what comes to mind?“.Read more...
CHRISTOPHER WILLIAMS, PROGRAM.
Der amerikanische Künstler Christopher Williams (*1956) untersucht mit seinen Arbeiten auf kritische Weise das Medium der Fotografie. In seiner erst kürzlich im MoMA (2014) in New York und in der Whitechapel Gallery (2015) in London gezeigten Ausstellung The Production Line of Happiness nimmt Williams in seinen Arbeiten die Ästhetik von Werbebilder auf, die aufgrund der makellosen Darstellung der Produkte und der optimierten Komposition ein perfektes Bild ihrer Objekte entwerfen. Williams stellt dabei in komplexer Art und Weise die Konventionen des kommerziellen Bildes, welches mit seiner Perfektion den Verbraucher dazu verführen soll, das gezeigte Produkt zu kaufen, infrage. Für seine Ausstellungen hat Williams ein kohärentes System der Dokumentation und Informationsvermittlung entworfen. Genauso wie die dort gezeigten Fotografien selbst, wird auch der Saaltext, Broschüren und der publizierte Katalog, als Teil der künstlerischen Produktion gesehen. Insbesondere das jeweils im Ausstellungsraum ausliegende Heft, welches zu jeder Ausstellung erscheint und den Titel Program. trägt, hat einen komplexen Stellenwert, der bereits daran sichtbar wird, dass es als Katalog betitelt wird. Das Format von Program., das aus einem Umschlag aus Karton und hineingelegten Seiten besteht, erinnert an einen Registerordner, in welchem Dokumente vor der Digitalisierung von Archiven aufbewahrt wurden. Program. unterscheidet sich in den einzelnen Ausgaben nur in Farbe und Inhalt. Das Format und Layout ist immer gleich gestaltet. Die Frontseite trägt den Titel, die Informationen zur Ausstellung sowie alle Angaben zur Herstellung, von der Schriftart und Grösse, bis hin zur Drucktechnik und Papierwahl. Ähnlich wie bei einem Computerprogramm wird hier eine reproduzierbare Struktur zur Verfügung gestellt. Die Verwertung dieser Informationen bleiben dem Betrachter selbst überlassen. Er kann sie als detaillierte Beschreibung des Herstellungsprozesses hinnehmen oder sich intensiv damit auseinandersetzten.Read more...
Die künstlerische Laufbahn von Marcel Broodthaers dauerte zwölf Jahre. Sie beginnt 1964 mit dem Verschicken einer Einladungskarte für seine erste Ausstellung in der Galerie Saint Laurent in Brüssel. Der Text der Einladungskarte wurde direkt auf das Papier herausgelöster Seiten aus illustrierten Magazinen gedruckt: meist sind es Werbeanzeigen. Es gibt diese Einladungskarte in einer Vielzahl von Variationen mit unterschiedlichem Hintergrund. Die Seite des Magazins wurde dabei zu einer zweiseitigen Einladungskarte gefaltet, die sowohl auf ihrer Vorder – wie auf ihrer Rückseite mit schwarzem Text bedruckt ist, der die Bilder und Buchstaben der Magazinseiten horizontal überschreibt.
Die Form und Gestaltung der Karte überrascht in vielerlei Hinsicht. Zuerst fällt auf, dass die eigentlich wichtigsten Informationen einer solchen Einladung , wie Ort und Zeit der Ausstellung, sowie der Name des ausstellenden Künstlers nicht sofort ersichtlich sind. Der Hintergrund aus fotografischen Bildern und gedrucktem Text verdeckt die entscheidenden Informationen der Einladungskarte, die man erst nach einiger Zeit entdeckt. Der von Broodthaers formulierte Text der Einladungskarte war dabei nicht nur dort zu lesen, sondern auch am Ort der Ausstellung selbst, wo er auf dem Schaufenster der Galerie zu lesen war. Er löst dort einen Dialog zwischen Text und den eigentlichen Objekten in der Ausstellung aus. Die Kunstwerke sind mit dem Text zu betrachten, vor seinem Hintergrund und durch ihn hindurch, genauso so, wie er auch auf der Einladungskarte als eine Art Filter vor die Bilder des Magazins gelegt ist.
Im Anfangssatz der Einladungskarte beginnt der Künstler mit den Worten: „Auch ich habe mich gefragt, ob ich nicht etwas verkaufen könnte.“ Der Künstler stellt sein eigenes Vorhaben – nämlich Kunst zu produzieren – also zuerst und vor allem als kommerzielles Unternehmen dar, das auf Profit ausgerichtet ist. Broodthaers analogisiert also die eigenen Werke, sowie sich selbst als Produzent, mit dem Kontext, den er hier als materiellen Träger seiner Einladungskarte benutzt. In einem Fall zeigen die Bilder Zimmerpflanzen und Gemüse. Oft sind die Seiten dem zeitgenössischen Frauenmagazin Mademoiselle entnommen. Sie zeigen deshalb nicht selten den Körper von Frauen, der als Objekt ästhetischer Perfektionierung dargestellt ist. Dadurch wirkt die Einladungskarte sicherlich unkonventionell. Neben dieser Einschreibung der eigenen Produktion als Künstler in einem Kontext der Warenproduktion und der Mode kann die Einladungskarte aber auch auf einer sehr formalen Ebene als Konfrontation von Text und Bild verstanden werden. Diese Konfrontation hat für Marcel Broodthaers selbst eine besondere Signifikanz. Denn bevor er als bildender Künstler im Jahr 1964 in Erscheinung tritt, war er bereits lange Zeit als Dichter aktiv. Die beiden Berufe gehen somit bei ihm zusammen.