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Das bunte Blatt, das auf den ersten Blick wie eine Kinderzeichnung aussieht, ist ein Stundenplan. Wahrscheinlich haben ihn Schwestern des Schweizerischen Roten Kreuzes in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts gestaltet. Das Hilfswerk ging 1866 aus der Rot-Kreuz-Bewegung hervor, die der Genfer Henry Dunant 1863, vor 150 Jahren, mitbegründet hatte.
Der Plan sollte den Schwestern helfen, den Tagesablauf kranker Kinder zu strukturieren, die in einem Lager oder einer Klinik namens «Beau Soleil» untergebracht waren. Er wirkt ziemlich unbeholfen. Die Zeichnungen, die kinderfreundlich intendiert, aber unverkennbar von Erwachsenen angefertigt worden sind, die wie Kinder zeichnen wollten, sollen den fremdsprachigen und leseunkundigen Patienten zu verstehen geben, was jeweils zu tun ist. Doch die Singstunde wird mit einem Lied in Deutschschweizer Mundart symbolisiert, die kaum alle verstehen. Der verbundene Finger, der für die Pflegestunde steht, verharmlost die Blessur. Die Gliederung des Plans ist nicht logisch; die Angabe der Wochentage in der obersten Spalte ergibt wenig Sinn, da jeden Tag das Gleiche auf dem Programm steht. Auch das straffe Zeitregime wirkt nicht durchdacht: Es ist fraglich, ob die Kinder, nachdem sie täglich dreimal eine Liegekur absolvierten, fast zwölf Stunden Nachtruhe benötigten.
Sofern sie von ihren Krankheiten und Verletzungen nicht zu geschwächt waren, dürften die Kinder den Tagesablauf, wie ihn der wohlmeinende Stundenplan vorsah, durcheinandergebracht haben. Er zeugt von der herzlichen und zugleich etwas dilettantischen Absicht, die Kur für die Kinder möglichst gut zu organisieren.
Autor: Urs Hafner