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Das zweite Gruppenspiel verliert die Schweiz gegen Chile mit 0:1
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Weltmeisterschaft 2010
Chile - Schweiz 1:0 (0:0)
Das Schweizer Nationalteam hat in Port Elizabeth seine zweite Partie gegen Chile 0:1 und dazu Valon Behrami nach etwas mehr als einer halben Stunde durch eine fragwürdige rote Karte verloren. Um die Achtelfinals aus eigener Kraft (also ohne das Ergebnis bei Spanien - Chile) zu erreichen, muss die Schweiz am Freitag gegen Honduras mit zwei Toren Unterschied gewinnen.
Ausschlaggebend für die Niederlage war der frühe und fragwürdige Platzverweis für Valon Behrami nach 31 Minuten gewesen. Eine Stunde in Unterzahl spielend kassierte das Team von Ottmar Hitzfeld in der 75. Minute den entscheidenden Gegentreffer durch Mark Gonzalez, der mit einem Kopfball-Aufsetzer via Unterkante der Latte ins Netz traf. Die grosse Chance zum Ausgleich vergab Eren Derdiyok, als er den Ball in der Schlussminute aus 11 Metern praktisch unbedrängt am Tor vorbei schob.
Mit Frei und Behrami
Hitzfeld hatte die gegen Spanien verletzten Alex Frei und Valon Behrami in die Startaufstellung genommen. Eren Derdiyok und Tranquillo Barnetta aus dem glanzvollen Siegerteam gegen den Europameister mussten für die beiden Rückkehrer auf die Ersatzbank weichen. Diese Spielerrochade konnte jedoch nicht die erhoffte Wirkung erzielen, weil die beiden Neuen nach lediglich 42 Minuten bereits nicht mehr auf dem Spielfeld standen. Behrami wurde nach einem Zweikampf mit Arturo Vidal von Schiedsrichter Khalil Al Ghamdi aus Saudi-Arabien vom Platz gestellt, weil er - wild mit beiden Armen rudernd - seinen Gegenspieler am Hals getroffen hatte und dieser sich sofort am Boden wälzte. Für Coach Hitzfeld, der die Szene aus nächster Nähe beobachten konnte, war es "nicht einmal ein gelbwürdiges Foul" gewesen.
Hitzfeld reagierte auf den Ausfall Behramis zuerst mit der Zurücknahme von Alex Frei auf die rechte Aussenbahn, um den Captain schliesslich in der 42. Minute durch Barnetta zu ersetzen. Mit einem Mann in Unterzahl verlegten sich die Schweizer hernach ausschliesslich auf die Abwehrarbeit und stellten die Offensivbemühungen praktisch ein.
Der Schweizer Mannschaft ging es im zweiten Umgang nur noch um Schadensbegrenzung. Naheliegend, dass sie sich mit dieser Darbietung keinen Schönheitspreis mehr sichern konnte. Lange aber schien es, als ob die enorme und solidarische Fleissleistung aller zehn Akteure mit einem Remis belohnt werden könnte. In der 67. Minute sicherte sich die Schweiz gar einen WM-Rekord: Das Team von Ottmar Hitzfeld ist mit 559 Minuten am längsten ohne Gegentor geblieben.
Erst der Treffer von Joker Gonzalez, der nach der Pause als zusätzlicher Stürmer ins Spiel gekommen war, beendete die eindrückliche Leistung der Schweizer Abwehrleute, die seit der WM 1994 in den USA (Achtelfinal gegen Spanien) in beinahe sechs Partien ohne Gegentor geblieben waren.
Die grosse Chance zum Ausgleich
Die erste Niederlage für das Hitzfeld-Team in einem Ernstkampf seit dem Flop gegen Luxemburg am 10. September 2008 hätte jedoch auch in Unterzahl vermieden werden können. Eren Derdiyok, der nach einer Stunde für Blaise Nkufo eingewechselt wurde, vergab den 1:1-Ausgleich in der 90. Minute. Bei der einzigen Schweizer Torchance im gesamten Spiel hatten Benjamin Huggel und Reto Ziegler sich auf der linken Seite durchgespielt, Zieglers Hereingabe wurde von Joker Albert Bunjaku mit dem Absatz herrlich zum freistehenden Derdiyok weitergeleitet, doch der Leverkusen-Stürmer schoss aus idealer Position mitten vor dem Tor daneben.
Bestnoten für die Innenverteidigung
Der Ausgleich wäre zwar ein glückhafter, aufgrund der Unterzahl jedoch ein nicht unverdienter Lohn gewesen. Vor dem erneut hervorragenden Diego Benaglio sicherten sich die beiden Innenverteidiger Stéphane Grichting und Steve von Bergen wiederum die Bestnoten. Auch die beiden Aussenverteidiger Stephan Lichtsteiner und Reto Ziegler sowie Gelson Fernandes schufteten auf den Aussenbahnen für zwei und wurden kaum einmal überlaufen. Im Mittelfeld kämpfte Gökhan Inler erneut wie ein Berserker. Der Udinese-Söldner hatte zusammen mit Huggel mit je elf Kilometern die grösste Distanz aller Schweizer Spieler absolviert.
Mit zehn Feldspielern hätte die Schweiz diese Partie wohl kaum verloren. Sie war den flinken und kampfstarken Chilenen auch in Unterzahl nahezu ebenbürtig gewesen. Sie wirkte jedoch deutlich stilsicherer und agierte kompakter sowie besser organisiert als der Gegner.
Tordifferenz wichtig
Das einzig Positive dieses bitteren WM-Abends im windigen und kalten Nelson- Mandela-Bay-Stadion war letztlich die Tatsache, dass die Schweiz in der Schlussphase, als sie mit allen Mitteln den Ausgleich anstrebte, nicht noch weitere Gegentore einstecken musste. Chancen dazu hatten die im Abschluss fahrigen und unpräzisen Chilenen einige gehabt.
Telegramm:
Nelson Mandela Bay, Port Elizabeth - 34'872 Zuschauer
SR Al Ghamdi (Saudi-Arabien)
Tor: 75. Gonzalez 1:0.
Chile: Bravo; Medel, Ponce, Jara; Carmona; Isla, Fernandez (65. Paredes), Vidal (46. Gonzalez); Sanchez, Suazo (46. Valdivia), Beausejour.
Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner, Von Bergen, Grichting, Ziegler; Behrami, Huggel, Inler, Fernandes (77. Bunjaku); Frei (42. Barnetta); Nkufo (68. Derdiyok).
Bemerkungen: Schweiz ohne Senderos (verletzt). 31. Rote Karte gegen Behrami wegen angeblicher Tätlichkeit (Ellbogenschlag). 49. Tor von Sanchez aberkannt (Offside). Verwarnungen: 2. Suazo (Foul). 18. Nkufo (Foul). 22. Carmona (Foul/ gegen Spanien gesperrt). 25. Ponce (Unsportlichkeit). 48. Barnetta (Foul). 60. Inler (Foul) und Fernandez (Unsportlichkeit/gegen Spanien gesperrt). 61. Medel (Unsportlichkeit). 92. Valdivia (Unsportlichkeit). (si/pg)