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Der Sieg der Zürcherin Fabienne Schlumpf ist für die Corrida von Bulle historisch, denn bei den Frauen hat es seit 1988, als Jeanne-Marie Pippoz gewonnen hatte, keinen Schweizer Sieg mehr gegeben. Bei den Männern hatte vor Tadesse Abrahams Sieg im Vorjahr letztmals 1993 ein Schweizer gewonnen, nämlich der legendäre Walliser Pierre Délèze, der von 1982 bis 1993 die Corrida siebenmal gewonnen hatte.
Am Samstag an der 41. Corrida von Bulle blieb das Frauenrennen sieben von zehn Runden lang spannend. Dann waren die Äthiopierin und Vorjahressiegerin Tola Bekele und Schlumpf unter sich. Die Entscheidung zwischen den beiden Topläuferinnen fiel in der achten Runde, als Fabienne Schlumpf an der Spitze lag: «Ich schaute einmal zurück und merkte: Ah, da ist ja niemand mehr!» So einfach kann Siegen sein. Jedoch hätte man bis dahin nicht sagen können, welche der beiden Läuferinnen die stärkere war.
Dreifache Schweizer Meisterin
Fabienne Schlumpfs Sieg ist absolut verdient, denn sie hatte das Zepter mehrmals übernommen und schliesslich ihrer Reputation alle Ehre gemacht: Sie ist amtierende Schweizer Meisterin im Steeple-Lauf und Cross sowie über 10 000 Meter. Im Steeple hatte sie an den Europameisterschaften in London teilnehmen können. «Die Ambiance hier an der Corrida ist genial», erklärte sie. «Mein Ziel war zu gewinnen, und ich habe mich auf der ganzen Strecke gut gefühlt» – was man ihr auch ansehen konnte.
Jetzt blickt Schlumpf den nächsten internationalen Meisterschaften entgegen: «Ich will mich für die Cross-Europameisterschaften im Dezember qualifizieren.» Dazu muss sie am kommenden Sonntag in Tilburg (Hol) den zweiten Qualifikationslauf gut überstehen.
Die weitere Züricherin Martina Tresch (27) lief auf den sehr guten vierten Rang. Tresch befindet sich in einer Übergangsphase, nachdem sie als Steeple-Läuferin mit Verletzungsproblemen gekämpft hatte: «Ich bin in einer Selbstfindung und weiss zurzeit noch nicht, auf welche Distanz ich mich hinbewege.» Verheissungsvoll sind die 16:33 Minuten dieses Jahr über 5000 Meter.
Ereng schlotterte nicht, der Muni schon
Im Männerrennen blickte alles auf den Marathon-Europameister und Murtenlaufsieger Tadesse Abraham. Er war es auch, der das Rennen über acht Runden prägte. Eine Tempoverschärfung in der vorletzten Runde des Kenianers Patrick Ereng jedoch provozierte die Vorentscheidung, als die Spitzengruppe von vier auf zwei Läufer schrumpfte. Schliesslich hatte Tadesse im langen Spurt in der Grand Rue von Bulle keine Chance. Ereng durfte nach 2013 zum zweiten Mal den Muni als Siegerpreis entgegennehmen. Der für die Preisverleihung frisch geschorene Muni schlotterte in der Kälte vom Schwanz bis zum Nasenring. Nichts von Schlottern war bei Patrick Ereng trotz seiner leichten Bekleidung nur mit einem Trainingsanzug zu bemerken, obwohl seine Hand bei der Gratulation eiskalt war. Auf die Frage «Ist Ihnen nicht kalt?», entgegnete er absolut ruhig: «Ich bin okay, thank you very much!» Patrick Ereng hat heuer nunmehr fünf Siege errungen. Jetzt wird er die weiteren Stadtläufe von Basel, Genf, Zürich und Sitten laufen.
Abraham Tadesse anerkannte den Sieg Erengs: «Ich freue mich für ihn. Ich war heute etwas müde. Wir haben gestern Abend gefeiert», erklärte der äthiopienstämmige Schweizer, der am Vorabend zum Schweizer Leichtathlet des Jahres erkoren worden war. Die Revanche an den kommenden Stadtläufen ist angesagt.
Kempf will an Cross-EM
Der schweizerisch-französische Doppelbürger Julien Wanders lief auf den vierten Rang. Der erst 20-Jährige erstaunte, da er sich bis zur vorletzten Runde im Spitzenquartett halten konnte. Wanders wartet über 5000 m mit der Bestzeit von 13:46 auf.
Der Heitenrieder Andreas Kempf (TSV Düdingen) lief im stark besetzten Rennen als erster Freiburger auf den 16. Rang: «Die ersten zwei Runden waren extrem schnell. Ich ging das Rennen wohl wie die meisten etwas zu schnell an. Aber es lief mir dann sehr gut. Ich konnte am Ende noch zwei Läufer überholen. Das heutige Rennen war ein Test für den Qualifikationslauf für die Cross-EM.» Kommenden Sonntag startet Kempf in Tilburg, wo er seinen 16. Rang vom kürzlichen Quali-Lauf bestätigen muss, um an die Europameisterschaft fahren zu können.
Der weitere Freiburger Jari Piller (Bürglen) erreichte als zweiter Freiburger unter den 43 Eliteläufern den beachtlichen 24. Rang. Piller gab alles – bis fast zum Umfallen. Den vorletzten Kilometer lief er in 3:12 Minuten, um sich in der letzten Runde auf 3:03 zu steigern.
«Ich schaute einmal zurück und merkte: Ah, da ist ja niemand mehr!»
Fabienne Schlumpf
Siegerin Corrida Bulle
Comeback
Valerie Lehmann ist endlich wieder fit
Die Neueneggerin Valerie Lehmann (GG Bern), die früher für den TV Bösingen gestartet war, hat an der Corrida in Bulle den sehr guten siebten Rang erreicht. Sie war darüber sehr glücklich, denn Lehmann hat eine schwere Zeit hinter sich.
Vor der Corrida in Martigny vor einer Woche hatte sie genau ein Jahr nicht mehr starten können: «Seit dem Frühjahr 2014 hatte ich Probleme. Es dauerte ein Jahr, bis man herausfand, warum ich im linken Bein Lähmungserscheinungen hatte.» Sie litt unter einer Verengung der Becken-Arterie. Nach einer Behandlung gleich wie beim Herzinfarkt mit Erweiterung der Arterie war das Problem gelöst, nur dass dann die Sache auf der anderen Seite begann und gleich behandelt werden musste. «Jetzt bin ich endlich wieder gesund und kann wieder sehr gut trainieren», blickt Lehmann optimistisch in die Zukunft.bi