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Von wann bis wann lebte Michael Praetorius?
Wieviele Kinder hatte Johann Sebastian Bach?
Welches sind die bekanntesten Werke Johann Hermann Scheins?
Und was war das Lieblingsgericht von Wolfgang Amadeus Mozart?
Manfred Harras hat auf alle diese Fragen Antworten gesucht und gefunden… naja, fast auf alle: die Frage nach dem Lieblingsgericht Mozarts konnte nicht restlos geklärt werden – die Mozart-Kugel wird es jedenfalls nicht gewesen sein! Aber die Antworten auf alle andern Fragen, sowie viele weitere Informationen, hat Manfred Harras für Sie auf dieser Seite zusammengetragen.
Amrouche, Louisa
Geboren: 1992
Louisa Amrouche wurde 1992 geboren und wohnt im Kanton Bern in der Schweiz. Musik ist ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens: die seit Geburt blinde Multi-Instrumentalistin spielt Blockflöte, Klarinette, Klavier und Akkordeon. Sie träumt oft von Musik und begann im Alter von 28 Jahren damit, die Melodien, welche in ihrem Kopf herumgeisterten, auszuarbeiten, aufzunehmen und mit Hilfe ihrer Lehrkräfte aufzuschreiben.
Louisa Amrouche bei der Basilisk Edition:
Bach, Johann Sebastian
Geboren: 1685 in Eisenach
Gestorben: 1750 in Leipzig
Die wichtigsten Ereignisse aus J.S. Bachs Biographie werden derzeit noch von uns zusammengetragen. Wir müssen Sie daher leider noch um etwas Geduld bitten.
Falls Sie zu den Neugierigen gehören, die Bachs Biographie in der Erwartung aufklappten, hier die Zahl zu erfahren, wieviele Kinder der Thomaskantor denn nun hatte, wollen wir Sie natürlich nicht enttäuschen: 20 Kinder waren es… und da soll noch einer sagen, dass man Bach ohne Vibrato aufzuführen habe!
Johann Sebastian Bach bei der Basilisk Edition:
Bodenschatz, Erhard
Geboren: um 1576 in Lichtenberg
Gestorben: 7. September 1636 in Gross-Osterhausen
Über das Leben von Erhard Bodenschatz ist nur sehr wenig bekannt.
Zwischen 1600 und 1603 war er als Kantor in Schulpforta tätig.
Ab 1608 wirkte er als Pastor in Gross-Osterhausen/Querfurt.
Er hat zahlreiche Motetten komponiert. Bis heute bekannt ist die von ihm veröffentlichte Sammlung «Florilegium Portense» (Schulpfortaer Blütenlese). Sie erschien in zwei Teilen (Leipzig 1618 und 1621) und enthielt 365 Motetten von 58 Komponisten. Diese Ausgaben waren auch noch Johann Sebastian Bach bekannt. Nachweislich hat er in seiner Funktion als Thomaskantor einige Exemplare des Werkes für den Thomanerchor bestellt.
Erhard Bodenschatz bei der Basilisk Edition:
Byrd, William
Geboren: um 1540 in Lincolnshire
Gestorben: 4. oder 6. Juli 1623 in Stondon Massey/Essex
In einem Dokument von 1598 gab William Byrd an, ungefähr 58 Jahre alt zu sein. Demnach muss er um 1540 geboren sein. Das genaue Geburtsdatum ist allerdings nicht bekannt.
Er war vermutlich Chorknabe in der Königlichen Kapelle in London und war ein Schüler von Thomas Tallis (um 1505 – 1585).
Ab 1563 bis 1572 hatte Byrd die Stelle als Chorleiter und Organist an der Kathedrale von Lincoln inne.
1569, ein Jahr nach seiner Vermählung mit Juliana Birley, wurde er zum «Gentleman of the Chapel Royal» ernannt. Somit gehörte er zusammen mit Thomas Tallis als Organist der Königlichen Kapelle in London an. Ebenfalls mit Tallis teilte er sich das Privileg und Monopol für Notendruck, das er 1575 von Queen Elizabeth I verliehen bekam.
Byrd komponierte ungefähr 500 Werke für Chor und wird somit als Meister der Vokalpolyphonie angesehen. Neben seinem vokalen Schaffen (das Kanons, Madrigale, Motetten und Messen beinhaltet) widmete sich William Byrd der instrumentalen Consortmusik. Einen besonderen Stellenwert in seinem kompositorischen Schaffen nimmt die Musik für Tasteninstrumente ein. Seine Kompositionen für Virginal oder Cembalo sind in zahlreichen Sammlungen enthalten, u.a. im 1591 erschienenen «My Ladye Nevells Booke».
Auch als Lehrer war Byrd tätig, zu seinen bekanntesten Schülern zählen Thomas Morley (ca. 1557 – 1602) und Thomas Tomkins (1572 – 1656).
William Byrd bei der Basilisk Edition:
Cross, Thomas
Geboren: vermutlich Mitte 17. Jahrhundert
Gestorben: Nach 1732
Thomas Cross war kein Komponist, sondern Graveur und Drucker. Diesen Beruf, den er möglicherweise von seinem gleichnamigen Vater erlernte, übte er zwischen 1683 – 1732 in London aus. Der geschäftstüchtige Engländer fertigte – vermutlich als erster Drucker überhaupt – Einzelblattausgaben im Kupferstichverfahren an.
1693 legte er seine Sammlung «Synopsis Musicae» vor. In der Sammlung für Solo Blockflöte sind 52 New Lessons for the Flute or Recorder und 6 Songs for the Flute enthalten. Der einzige namentlich erwähnte Komponist ist James Hart (1647-1718), über die weitere Autorenschaft der Anthologie ist nichts bekannt.
Thomas Cross bei der Basilisk Edition:
Crüger, Johann
Geboren: 1598 in Gross Breesen bei Guben
Gestorben: 1662 in Berlin
Crüger erlebte seine Kindheit und Jugend in Gross Breesen in der Niederlausitz, einem zweisprachigen Gebiet von sorbischer und deutscher Sprache. Der Vater Georg war Gastwirt, die Mutter Ulrike war Pfarrerstochter.
Bis 1613 besuchte er die «Lateinschule» in Guben.
Anschliessende Wanderschaft führte Crüger über Sorau und Breslau nach Regensburg, wo er seine erste musikalische Ausbildung bei Paulus Homberger (1560 -1634) erhielt.
Ab 1615 lebte er in Berlin, wo er sich am «Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster» auf das Theologiestudium vorbereitete, an der Universität Wittenberg ein Theologiestudium absolvierte und sich musikalisch im Selbstunterricht weiterbildete.
Ab 1622 bis zu seinem Tode wirkte er als Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster und war gleichzeitig Kantor an der St. Nicolai-Kirche in Berlin.
Johann Crüger komponierte zahlreiche kirchenmusikalische Werke und verfasste mehrere musikpädagogische Schriften.
1643 lernte er den berühmten Kirchenliederdichter Paul Gerhardt kennen, von dem er zahlreiche Liedtexte vertonte.
1640 erschien sein «Newes vollkömmliches Gesangbuch».
1649 veröffentlichte er seine Ausgabe von «Geistlichen Kirchen-Melodien». Dieses Werk umfasst 161 Choräle (meist in vierstimmigen Kantionalsätzen). Im aktuellen «Evangelischen Gesangbuch» findet man (je nach regionaler Ausgabe) 18 seiner Choralsätze oder Choralmelodien. Dazu gehören u.a.:
«Wie soll ich dich empfangen»
«Lobet den Herren alle die ihn ehren»
«Fröhlich soll mein Herze springen»
«Schmücke dich, o liebe Seel»
Johann Crüger bei der Basilisk Edition:
Eccard, Johannes
Geboren: 1553 in Mühlhausen / Thüringen
Gestorben: 1611 in Berlin
Johannes Eccard war zunächst als Sängerknabe Mitglied der Hofkapelle in Weimar. Seine Lehrer waren Ludwig Helmbold und Joachim a Burck. Für kurze Zeit weilte er dann in München, wo er als Sänger unter der Leitung von Orlando di Lasso in der dortigen Hofkapelle tätig war. Eine Studienreise führte ihn nach Venedig, wo er Kontakte zu Andrea Gabrieli, Claudio Merulo und Gioseffo Zarlino knüpfen konnte.
1573/74 hielt er sich für kurze Zeit in seiner Geburtsstadt auf und wurde dann von Jacob Fugger als Organist nach Augsburg berufen.
1579 zog er nach Königsberg, wo er in der Hofkapelle des Markgrafen Georg Friedrich von Ansbach seinen Dienst antrat. Zunächst Assistent von Teodore Riccio, wurde er 1580 zum Vizekapellmeister ernannt. Nach sechs Jahren wurde Eccard Nachfolger von Riccio. Seine offizielle Ernennung zum Kapellmeister erfolgte allerdings erst 1604.
1608 wurde er kurfürstlicher Kapellmeister und Domkantor in Berlin.
Ca. 250 geistliche und weltliche mehrstimmige Lieder hat Eccard komponiert. Seine Sammlung „Preussische Festlieder“ wurde 1642 und 1644 bei Stobäus in Elbing veröffentlicht. Weitere Werke und mehrere Messen sind handschriftlich erhalten. Zu seinen bekanntesten Liedsätzen zählen:
«Übers Gebirg Maria geht»
«Maria wallt zum Heiligtum»
«Christ ist erstanden»
«Ich lag in tiefer Todesnacht»
Johannes Eccard bei der Basilisk Edition:
Elgar, Edward
Geboren: 2. Juni 1857 in Broadheath
Gestorben: 23. Februar 1934 in Worcester
Sir Edward William Elgar wuchs zusammen mit 6 Geschwistern in einer musikalischen Familie auf. Sein Vater war Organist, Klavierstimmer und Musikalienhändler. Und so kam auch der Sohn schon früh in Berührung mit verschiedenen Instrumenten. Edward Elgar spielte Fagott, Violine, Violoncello, Orgel und Klavier.
Eigentlich sollte er Notar werden, die Arbeit gefiel ihm jedoch nicht und so stieg er in das väterliche Musikaliengeschäft ein und entschloss sich mit 16 Jahren zu einer musikalischen Ausbildung. Er wurde in die Musikgesellschaft «Worcester Glee Club» aufgenommen und leitete Proben der «Worcester Amateur Instrumental Society».
1885 übernahm er an der Kirche Saint George die Orgelstelle seines Vaters, bevor er 1889 seine Klavierschülerin Caroline Alice Roberts heiratete. Ein Jahr später wurde die gemeinsame Tochter Carice geboren. Von nun an arbeitete Elgar als freischaffender Komponist, sein grosser Durchbruch sollte ihm aber erst 10 Jahre später gelingen: am 19. Juni 1899 wurde sein Orchesterwerk «Enigma-Variationen» (op. 36) in der St. James Hall in London aufgeführt und machten den Komponisten international bekannt. Ein Jahr später wurde sein Oratorium «The Dream of Gerontius» (op. 38) beim Birmingham Triennial Music Festival aufgeführt. Dieses Werk zählt – neben den «Pomp and Circumstance Marches» (op. 39) – auch heute noch zu den bekanntesten und wichtigsten Werken des britischen Komponisten.
1904 wurde Elgar zum Knight Bachelor geschlagen und er erhielt eine Professur an der Universität Birmingham. In den Folgejahren entstanden zahlreiche Kammermusikwerke, Sinfonien und Konzerte, u.a. sein 1910 fertiggestelltes Violinen-Konzert (op. 61), welches mit 50 Minuten Aufführungsdauer eines der längsten Instrumentalkonzerte der Musikgeschichte darstellt.
1920 verstarb seine Frau Caroline Alice und Elgar verfiel in eine Schaffenskrise, die er bis zu seinem Tod nicht mehr zu überwinden vermochte. Seinen in den Spätjahren entstandenen Kompositionen wurde nicht mehr die gleiche Aufmerksam zuteil, wie seinen früher entstandenen Werken. Sein Stil wurde inzwischen als altmodisch angesehen.
Am 23. Februar 1934 starb Elgar im Alter von 76 Jahren in Worcester an Darmkrebs. Bemerkenswerterweise erhielt Elgar Zeit seines Lebens nie Kompositionsunterricht, er hatte sich das Komponieren weitestgehend autodidaktisch beigebracht.
Sir Edward Elgar bei der Basilisk Edition:
Erig, Richard
Geboren: 27. September 1946
Richard Erig wuchs in Hamburg auf, wo er von 1965 bis 1968 an der Musikhochschule Blockflöte und Oboe studierte. An der Schola Cantorum Basiliensis setzte er seine Studien bei Hans-Martin Linde fort. Nach seinen Diplomabschlüssen unterrichtete er an der Schola Cantorum Basiliensis zwischen 1972 und 2009 «Historische Improvisation» und Generalbass, sowie an der Allgemeinen Musikschule von 1973 – 2013 Blockflöte.
Er gründete mehrere Ensembles, darunter i pfifferi, quattro stagioni, Motettenensemble Basel, Elisabethenchor (heute «lunes») und aubergine, für die er auch arrangierte und komponierte.
Richard Erig bei der Basilisk Edition:
Fiala, Joseph
Geboren: 2. März 1748 in Lochowitz (Lochovice)
Gestorben: 31. Juli 1816 in Donaueschingen
Die Schreibweise seines Vor- und Familiennamens variiert: Joseph, Josef, Josephus und Giuseppe; Fiala, Fyala, Fiale, Fiola, Viala, Viola
Die Biographie Joseph Fialas ist detailliert im Anhang in Schillings «Enzyklopädie der gesamten musikalischen Wissenschaften, oder Universal-Lexikon der Tonkunst» (Stuttgart 1842), verfasst von seinem Sohn Franz, überliefert.
Durch Geburt stand Joseph Fiala in Leibeigenschaft der Gräfin Netoliczky von Netolicz, die ihn bereits in früher Jugend nach Prag berief, wo sie ihn zum Oboisten ausbilden liess. Ebenso erhielt er Unterricht im Fach Violoncello. Da die herrschsüchtige Gräfin dem jungen, hochbegabten Musiker nicht genug Entfaltungsmöglichkeiten bot, versuchte er, ihrem Einfluss zu entkommen. Durch kaiserliche Intervention wurde er befreit und konnte sich dem Einfluss seiner Herrin legal entziehen.
1774 wurde er Oboist in der Hofkapelle von Kraft Ernst Fürst zu Oettingen-Wallerstein und wechselte 1777 an die Kurfürstliche Kapelle in München. Hier kam es im September des gleichen Jahres zu einer ersten Begegnung mit Wolfgang Amadeus Mozart.
Im November 1778 wurde Fiala, durch Vermittlung von Leopold Mozart, zum ersten Oboisten der Fürsterzbischöflichen Kapelle in Salzburg ernannt, in der auch Leopold, Wolfgang Amadeus Mozart und Michael Haydn wirkten. Der Vater Mozart bot Fiala und seiner Familie eine Wohnung in der Getreidegasse Nummer 9 in Salzburg an, was sehr schnell zu einer engen Freundschaft der beiden Familien führte.
1785 musste Fiala aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten als erster Oboist in der Fürsterzbischöflichen Kapelle aufgeben. Inskünftig trat er nun in erster Linie als Cellist und Gambist in Erscheinung. Seine Gambe war das Geschenk eines Salzburger Domherren. Er begeisterte sich für dieses für ihn damals neue Instrument und galt innert kürzester Zeit als einer der grössten Gambenvirtuosen. In seinem kompositorischen Schaffen nahm das Instrument einen gewichtigen Platz ein.
Von Salzburg wechselte er für kurze Zeit nach St. Petersburg. Aber bereits 1787 verliess er auf Bitten seiner Frau diese Stadt.
Im Sommer 1790 konzertierte er in Breslau und Berlin. Dort musizierte er auch vor dem preussischen König Friedrich Wilhelm II und wurde danach in J. Fr. Reichardts «Musikalischer Monatsschrift» als «der beste noch lebende Gambist» bezeichnet.
1792 wurde er als Cellist im Rang eines Kammermusikers in der Fürstlich Fürstenbergischen Hofkapelle in Donaueschingen angestellt, wo er am 31.7.1816 starb.
Joseph Fiala bei der Basilisk Edition:
Franck, César
Geboren: 10. Dezember 1822 in Lüttich
Gestorben: 8. November 1890 in Paris
César Franck ist der Sohn einer Deutschen und eines Belgiers und gilt als Begründer der «neuen französischen Schule». Seine Kindheit verbrachte er im belgischen Lüttich, 1837 zog die ganze Familie nach Paris, wo César und sein jüngerer Bruder Joseph am Pariser Konservatorium aufgenommen wurden. César Franck beeindruckte während des Studiums (1837 – 1847) mit seinem Klavierspiel, als Komponist wurde er allerdings nicht wahrgenommen. Dies sollte sich erst in den 1850er-Jahren ändern: an der Kirche Ste-Clotilde im 7. Arrondissement in Paris war er von 1857 bis zu seinem Tod Organist und komponierte polyphone, aber dennoch simple Stücke für das Instrument. Mit seinen – in den beiden Sammlungen «L’Organiste» veröffentlichten – Kompositionen sollten auch die «einfachen Organisten» die sonntäglichen Gottesdienste begleiten können.
1872 wurde Franck als Professor für Orgel ans Pariser Konservatorium berufen. Ein Jahr vor seinem Tod wurde seine Sinfonie in d-Moll (seine einzige Sinfonie, wenn man von jugendlichen Versuchen absieht) am Konservatorium uraufgeführt. Die Komposition stiess jedoch auf Ablehung, erst nach Francks Tod erlangte das Werk internationale Berühmtheit.
1890 wurde César Franck von einem Pferdeomnibus angefahren. Den Unfall überlebte er zwar, erlitt aber wenige Monate später eine Brustfellentzündung, welcher er erlag. Er wurde auf dem Montparnasse-Friedhof in Paris beigesetzt.
César Francks Werk umfasst 4 Opern, zahlreiche geistliche Werke (darunter auch die 1860 entstandene «Messe à trois voix», in welche er nachträglich die bekannte Arie «Panis Angelicus» einfügte), Lieder und Stücke für Klavier sowie zahlreiche Orgel-, Kammermusik- und Orchesterwerke.
César Franck bei der Basilisk Edition:
Franck, Melchior
Geboren: um 1579 in Zittau
Gestorben: 1639 in Coburg
Über die Lebensumstände von Melchior Franck ist nur wenig überliefert.
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Augsburg wurde er Schüler von Hans Leo Hassler. Als dieser nach Nürnberg zog, folgte er ihm dorthin und war nachweislich ab 1602 für ein Jahr Schulgehilfe an St. Egidien. Es wird vermutet, dass er später seine musikalische Ausbildung bei Christoph Demantius fortsetzte.
Im Jahre 1603 trat er die Stelle eines Hofkapellmeisters bei Herzog Johann Casimir in Coburg an, die er bis zu seinem Lebensende innehatte.
Sein Werk umfasst geistliche Musik in deutscher und lateinischer Sprache. Eine grosse Anzahl von Motetten und Psalmvertonungen sind erhalten. Im Evangelischen Gesangbuch finden sich Liedmelodien:
«Gen Himmel aufgefahren ist»
«Jerusalem, du hochgebaute Stadt»
«Kanon Da Pacem, Domine»
Zudem hat er auch weltliche Vokalwerke und Instrumentalkompositionen hinterlassen.
Franck steht mit seinem kompositorischen Werk an der Stilwende von der Spätrenaissance zum Frühbarock und zeugt von einer gründlichen Kenntnis des sogenannten «niederländischen Stiles» der Lasso-Schule.
Melchior Franck bei der Basilisk Edition:
Freundt, Cornelius
Geboren: um 1535 in Plauen (andere Quelle geben auch als Geburtsjahr 1539 und 1540 an)
Gestorben: 26. August 1591 in Zwickau
Über das Leben des Cornelius Freundt ist kaum etwas bekannt.
Durch den Tod David Köhlers, im Juli des Jahres 1565, wurde die Kantorenstelle an der Kirche St. Marien in Zwickau frei. Am 27. August des gleichen Jahres ernannte der Rat der Stadt Zwickau Cornelius Freundt zu dessen Nachfolger. Cornelius Freundt, der bis zu diesem Zeitpunkt Kantor in Borna gewesen war, trat sein neues Amt am 1. Dezember an, welches er bis zu seinem Tod inne hatte.
Überliefert ist, dass er im Jahre 1572 in der Stadt Zwickau «zum Bürger an- und aufgenommen» worden ist.
Die Weisen und Texte seiner Lieder wurden sehr geschätzt. Man findet sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Zwickauer Gesangbüchern. Mehrere seiner Lieder wurden auch in Dresdner und Braunschweiger Gesangbücher übernommen. Zahlreiche Handschriften seiner Werke werden in der «Ratsschulbibliothek» in Zwickau aufbewahrt.
Bekannte Choralsätze von Cornelius Freundt sind:
«Ein Kindlein klein zu Bethlehem»
«Freu dich, Sion»
«Freu dich, Sion, und jubilier»
«Geboren ist uns der Heilige Geist»
«Ihr Himmel, preist und lobet Gott»
«Vom Himmelsthron kommt Gottes Sohn»
«Wie schön singt uns der Engelschar»
Cornelius Freundt bei der Basilisk Edition:
Gardano, Antonio
Geboren: 1509 (vermutlich in Südfrankreich in der Region Gardanne)
Gestorben: 28. Oktober 1569 in Venedig
Antonio Gardano war Komponist, Drucker und Verleger in Personalunion. Er übersiedelte 1532 nach Venedig, wo er das Einfachdruckverfahren des französischen Typographen Pierre Haultin (1510-1587) einführte und zwischen 1538 und 1569 eine Druckerei, seinen Verlag und eine Buchhandlung betrieb. Sein Unternehmen befand sich in der «Calle de la Scimia». Anfangs verlegte er vor allem Werke von Willaert, Cambio, de Rore und Zarlino. Ab Mitte der 1550er Jahre publizierte er bevorzugt Kompositionen von Ruffo, di Lasso, Wert, Striggio, Porta, de Kerle und Palestrina. Über 450 Ausgaben entstammten seiner Druckerei.
Bis 1535 nannte er sich nach französischer Schreibweise «Gardane». Danach wechselte er zur italienischen Schreibweise «Gardano» über. Seine Ehefrau stammte aus der berühmten venezianischen Druckerdynastie der Bidoni. Die beiden Söhne Alessandro und Angelo führten nach dem Tod ihres Vaters das Unternehmen weiter.
Neben seiner Tätigkeit als Drucker und Verleger war Antonio Gardano auch als Komponist von Rang aktiv. Beim Verleger Moderne in Lyon erschienen im Jahre 1532 frühe Chanson-Bearbeitungen von ihm, 1546 folgten zwei Messen. Seine Motetten wurden in den Verlagen von Moderne, Montanus & Neuber und bei du Chemin gedruckt. Seine 69 Chansons wurden in seinem eigenen Verlag, sowie bei Moderne, Attaignant und Le Roy & Ballard verlegt.
Obwohl er die Hälfte seines Lebens in Italien verbrachte, ist es bemerkenswert, dass er selbst nie italienische Texte vertonte.
Gardanos «Il primo libro de canzoni francese » (zu zwei Stimmen) wurde mehrfach gedruckt: 1539, 1544, 1552, 1586 und 1635. Er hat damit einen wertvollen Beitrag zur Kompositionsform des Biciniums geleistet.
Antonio Gardano bei der Basilisk Edition:
Grillo, Giovanni Battista
Geboren: um 1570 in Venedig
Gestorben: im November 1622 in Venedig
Über die Jugendzeit Grillos und seine Ausbildung ist nichts bekannt. Allerdings war er mit ziemlicher Sicherheit Schüler von Claudio Monteverdi.
Im Jahre 1612 wurde er Organist in der kirchlichen venezianischen Bruderschaft der «Scuola Grande di San Rocco».
Ab 1615 übte er das Organistenamt an der Kirche «S. Madonna dell ’Orto» aus.
Im Dezember 1619 wurde er zum ersten Organisten des Markusdomes in Venedig ernannt.
Als Komponist orientierte sich Grillo an der polyphonen Technik von Giovanni Gabrieli. Er hat ein umfangreiches kompositorisches Schaffen hinterlassen, darunter:
Sacre concentus oc symphoniae (1618)
Il primo libro delle canzonette a 3 voci (1600)
Il secondo libro delle canzonette a 3 voci (1600)
Un capriccio e due canzoni per 4 stromenti nella raccolta canzoni per sonare con ogni sorte di stromenti a 4,5 e 8 (1608)
Giovanni Battista Grillo bei der Basilisk Edition:
Guami, Giuseppe (auch Gioseffo)
Geboren: 27.1.1542 in Lucca (Italien)
Gestorben: um 1611 in Lucca
Über Guamis Jugend- und Ausbildungszeit ist so gut wie nichts bekannt. Es wird vermutet, dass er sich zwischen 1550 und 1560 zu Studienzwecken in Venedig aufgehalten hat, wo er offenbar Schüler von Adrian Willaert und Annibale Padovano gewesen ist.
1568 wurde er als Hoforganist nach München berufen, wo zeitgleich Orlandi di Lasso Kapellmeister am herzoglichen Hof war.
1679 verliess er München und war zwischen 1588 und 1591 Organist an «San Marco» in Venedig. Danach kehrte er in seine Heimatstadt Lucca zurück, wo er bis zu seinem Tod an der dortigen Kathedrale als Organist wirkte.
Neben Madrigalen, Messen und Motetten schuf er zahlreiche Werke für Orgel. Er gehört zu den ersten Komponisten seiner Generation in Italien, der auch reine Instrumentalmusik komponierte.
Giuseppe Guami bei der Basilisk Edition:
Harras, Manfred
Geboren: 19. August 1950 in Kassel
Das erste «Dü» auf der Blockflöte brachte ihm Karla Weidmann an der Jugendmusikschule der Stadt Kassel bei. An seinem 12. Geburtstag erntete er einen Lacherfolg bei der versammelten Verwandtschaft durch seine Mitteilung, dass er Blockflöte studieren wolle («so etwas kann man doch nicht studieren»). Ursula Blume-Grund (Musikakademie und Konservatorium der Stadt Kassel) nahm sich des tapferen Blockflöten-Aspiranten an und bereitete ihn während der letzten Schuljahre auf die Aufnahmeprüfung vor. Der Verwandtschaft verging das Lachen, als er – nach bestandenem Abitur – im Jahre 1969 sein Musikstudium mit Hauptfach Blockflöte an der Schola Cantorum Basiliensis (Musikhochschule Basel) in der Klasse von Hans-Martin Linde begann und 1974 mit dem Lehr- und Solistendiplom abschloss. Weiterbildende Studien bei Jeannette van Wingerden (Basel/Amsterdam) schlossen sich an.
Es folgte eine rege Unterrichtstätigkeit an Musikschulen im Kanton Baselland. Am Lehrerseminar in Wettingen unterrichtete er als erster Dozent Blockflöte als «Hauptinstrument». Von dort wechselte er an die HPL in Zofingen, die später zur «Fachhochschule Nordwestschweiz» mutierte. Dort unterrichtete er über 30 Jahre lang an der PH Blockflöte, Musiktheorie und Fachdidaktik. Weitere Stationen waren die Musikhochschule in Heidelberg-Mannheim und das Konservatorium Biel/Bienne. An beiden Instituten war er Dozent für Blockflöte, Methodik und Ensembleleitung.
Neben dem Unterrichten bereiste er als Solist und Kammermusiker viele Länder Westeuropas und Israel. Seine künstlerische Arbeit ist auf zahlreichen LPs und CDs dokumentiert (Acanthus Int. Records, Musicaphon, Cantate, Harmonia Mundi France, Hänssler, Ex Libris).
Bei den Verlagen Bärenreiter, Pan, Heinrichshofens, Hug, Rondo Publishing, Edition tre Fontane und Basilisk Edition legte er insgesamt über 100 Editionen mit massgeblichen Werken Alter Musik vor. Für die neue MGG (Musik in Geschichte und Gegenwart, Bärenreiter/Metzler) verfasste er drei Beiträge. Zudem schreibt er für die Zeitschriften «Windkanal» und «Viola da Gamba».
Seit Jahrzehnten leitet er Fachkurse in Deutschland (Internationaler Arbeitskreis für Musik), in der Schweiz, England, Italien und Israel.
Als begeisterter Hobbygambist gründete er im Jahre 1992 mit Gleichgesinnten die «Viola da Gamba-Gesellschaft» (Schweiz, Deutschland und Oesterreich) und war über 25 Jahre deren Präsident und Co-Redaktor der Zeitschrift «Viola da Gamba».
Manfred Harras arbeitet heute als freischaffender Musiker und Geschäftsführer/Verleger bei der Basilisk-Edition.
Manfred Harras bei der Basilisk Edition:
Hart, James
Geboren: 1647 in York
Gestorben: 8. Mai 1718 in London
James Hart wurde 1647 in York geboren. Über seine Kindheit ist nichts bekannt. Am York Minster war er nachweislich bis 1670 als Sänger mit Stimmlage Bass tätig. Danach wurde er zum «Gentleman of the Chapel Royal» und zum Laienvikar der Westminster Abbey ernannt und siedelte nach London über. Am 18. November 1683 heiratete er in der Abtei die Witwe Elizabeth Hopwood. Vermutlich war dies auch nicht Harts erste Ehe, denn sein ebenfalls als Komponist bekannt gewordener Sohn George (einer von mindestens 3 Söhnen) verstarb bereits 1700. Bei der Krönung von James II. am 23. April 1685 trat Hart erneut als Sänger in Erscheinung.
James Hart starb 71-jährig am 8. Mai 1718 und wurde 7 Tage später im Westkreuzgang der Westminster Abbey in einem namenlosen Grab beigesetzt.
Er komponierte mehr als 60 Lieder, die u.a. in John Playfords Sammlung Choice Ayres, Songs and Dialogues und in der Anthologie Synopsis Musicae des Druckers Thomas Cross abgedruckt sind.
James Hart bei der Basilisk Edition:
Heurteur, Guillaume le
Geboren: unbekannt
Gestorben: unbekannt
Über das Leben von Guillaume Le Heurteur (auch Hurteur) ist nichts bekannt. Es ist lediglich belegt, dass viele seiner Werke zwischen 1530 und 1549 in Paris erschienen und von Pierre Attaignant gedruckt wurden.
Guillaume le Heurteur bei der Basilisk Edition:
Lappi, Pietro
Geboren: um 1575 in Florenz
Gestorben: um 1630 in Brescia
Pietro Lappi war Mitglied des religiösen Ordens «Congregatione Fiesolana».
Ab 1593 war er Kapellmeister an der Basilika «Santa Maria delle Grazie» in Brescia.
1621 widmete er dem Salzburger Fürstbischof Paris von Lodron seine Komposition «Laudate Pueri» (Psalm 112) für vier 4-stimmige Chöre. Für diese Besetzung war der Salzburger Dom mit seinen vier Emporen bestens geeignet. Pietro Lappi komponierte in erster Linie Sakralmusik. Eine Ausnahme bildet sein Opus 9 (Venedig, 1616), welches 22 Canzonen zu 4 bis 13 Stimmen umfasst.
Pietro Lappi bei der Basilisk Edition:
Lechner, Leonhard
Geboren: um 1553 im Etschtal
Gestorben: am 9. September 1606 in Stuttgart
Leonhard Lechner war Sängerknabe in München unter Orlando di Lasso, der die dortige Hofkapelle leitete. In der gleichen Funktion war Lechner danach in Landshut tätig, wo Ivo de Vento Kapellmeister war.
Ab 1575 hatte er in Nürnberg die Position eines Schulmusikers inne und war bereits ab 1577 vom Rat der Stadt als ein «gewaltiger Komponist» anerkannt und hochgeschätzt.
Im Jahre 1584 wurde er Kapellmeister am Hofe des Grafen von Hohenzollern in Hechingen. Nachdem er diese Stelle im Unfrieden aufgegeben hatte, kam er über Tübingen als Tenorist nach Stuttgart, wo er dann ab 1595 zum Hofkapellmeister ernannt wurde. In dieser Position war er bis zu seinem Tode im Jahre 1606 tätig.
Lechner hat ein umfangreiches Schaffen von geistlicher und weltlicher Musik hinterlassen. Zu seinen wichtigsten Kompositionen zählen:
Johannespassion (1593)
Das «Hohe Lied Salomonis» (1606)
Deutsche Sprüche von Leben und Tod (1606)
Innerhalb seines grossen Liedschaffens haben die «Newen Teutschen Lieder ZU drey Stimmen Nach art der Welschen Villanellen» einen besonders gewichtigen Platz.
Leonhard Lechner bei der Basilisk Edition:
Linde, Hans-Martin
Geboren: 24. Mai 1930 in Iserlohn (D)
Hans-Martin Linde begann im Alter von elf Jahren mit dem Spiel der Querflöte. Bereits während seiner Schulzeit spielte er erste Flötensoli in Konzerten in Essen.
1947 begann Linde sein Studium an der Musikhochschule in Freiburg bei Gustav Scheck (Flöte) und Konrad Lechner (Chorleitung). 1951 beendete er seine Ausbildung und ging zunächst wieder zurück nach Iserlohn, wo er Privatunterricht erteilte.
Ab 1954 wirkte er regelmässig als Solist und Kammermusiker mit Querflöte, Blockflöte und Traversflöte bei Aufnahmen des WDR (Westdeutscher Rundfunk) in Köln mit. Im Barockorchester des Senders, der «Capella Coloniensis», wurde er bald Soloflötist.
Im Jahre 1957 erfolgte seine Berufung an die «Schola Cantorum Basiliensis» (Lehr- und Forschungsinstitut für Alte Musik der Musikhochschule in Basel), wo er Blockflöte, Traversflöte und Kammermusik unterrichtete. Ein gewichtiger Teil seiner Lehrtätigkeit erstreckte sich zudem auf den Bereich der Vokalmusik. So leitete er lange Jahre u.a. das «Vokalensemble der Schola Cantorum Basiliensis», den Chor der Basler Musikhochschule und unterrichtete Chorleitung. Von 1976 bis 1979 leitete er die Musikhochschule der Musikakademie der Stadt Basel. Als Solist konzertierte er weltweit auf Blockflöte, Traversflöte und Querflöte und gilt heute unbestritten als einer der bedeutendsten Flöten-Virtuosen unserer Zeit. Als Dirigent arbeitete er mit verschiedenen renommierten Chören und Orchestern. Von 1984 bis 2000 war er Chefdirigent der «Capella Coloniensis». Sein eigenes Ensemble, das «Linde-Consort», gehörte zu den führenden Gruppen im Bereich der Alten Musik. Er war ein gesuchter Lehrer und unterrichtete in seiner Klasse an der SCB Studierende aus aller Welt. Seine zahlreichen Lehr- und Unterrichtswerke gehören zum Standardrepertoire. Als Musikforscher legte er eine grosse Anzahl von Schriften und praktischen Editionen vor (u.a. bei Schott und Heinrichshofen’s). Unzählige Schallplatten und CDs dokumentieren sein künstlerisches Schaffen (u.a. bei EMI, Archiv-Produktion der Deutschen Grammophon-Gesellschaft, Christophorus, Harmonia Mundi, Bärenreiter-Musicaphon).
Sein kompositorisches Schaffen weist u.a. Werke für Orgel und Cembalo, gemischten Chor a capella, Lieder für Singstimme mit Begleitung von Klavier und Gitarre, ein Streichquartett und eine Partita für Violine solo auf. Kompositionen für und mit Blockflöte ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Werkeverzeichnis.
Kompositionen von Hans-Martin Linde mit Blockflöte (Auswahl):
«Inventionen» für Altblockflöte solo (Schott, 1959)
«Fantasien und Scherzi» für Altblockflöte solo (Schott, 1963)
«Music for a bird» für Altblockflöte solo (Schott, 1968)
«Neuzeitliche Übungsstücke» für Altblockflöte (Schott, 1985)
«Quartettübung für Blockflöten» (Schott, 1961)
Schriften von Hans-Martin Linde (Auswahl):
«Kleine Anleitung zum Verzieren Alter Musik» (Schott, 1958)
«Handbuch des Blockflötenspiels» (Schott, 1962)
Das Schaffen Hans-Martin Lindes wird in der Festschrift zu seinem 85. Geburtstag ausführlich gewürdigt:
«Klangfarbe und Farbklang», Herausgegeben von Dagmar Wilgo, Verlag Dohr, Köln 2015
Hans-Martin Linde bei der Basilisk Edition:
Luzzaschi, Luzzasco
Geboren: 1545 in Ferrara
Gestorben: 11.9.1607 in Ferrara
Als Jugendlicher war Luzzasco Luzzaschi Schüler des flämischen Komponisten Cipriano de Rore.
Im Jahre 1561 trat er seinen Dienst am Hofe Herzogs Alfonso II d’Este an.
1564 wurde er zum Hoforganisten ernannt, und ab 1572 bekleidete er zusätzlich das Amt des Organisten am Dom zu Ferrara.
1574 folgte er Alfonso della Viola in das Amt des Leiters der Instrumentalmusik am Hofe des Herzogs.
Luzzaschi wirkte auch als Lehrer. Zu seinen bekanntesten Schülern zählt Girolamo Frescobaldi.
Als Komponist ist er hauptsächlich durch seine meist fünfstimmigen Madrigale bekannt geworden, die er zwischen 1571 und 1604 veröffentlichte. Auch geistliche Musik hat er hinterlassen. Im Bereich der Instrumentalmusik haben sich diverse Werke erhalten: eine Toccata ist in G. Dirutas «Il Transilvao» (1593) überliefert. Weiterhin sind von Luzzaschi Canzonen und Ricercare zu 4 Stimmen bekannt.
Luzzasco Luzzaschi bei der Basilisk Edition:
Maschera, Florentio (auch Mascaro Fiorenzo)
Geboren: um 1540 in Brescia
Gestorben: um 1584 in Brescia
Bei seinem Vater, der als Lateinlehrer und Musiker am Dom von Brescia tätig war, erhielt Florentio Maschera vermutlich seine musikalische Ausbildung.
Seine erste Anstellung als Organist bekam er im Kloster «Santo Spirito» in Isola in Venedig.
Ab dem 22. August 1557 wurde er als Organist der Kathedrale in Brescia angestellt.
Am 6. April 1573 erhielt er vom Bischof in Cremona eine niedere kirchliche Weihe.
Maschera wird auch häufig im Zusammenhang mit dem Geigenbauer Gasparo da Salo als herausragender Gambist erwähnt.
Sein bedeutendstes Opus ist das «Libro primo de canzoni: da sonare a quattro voci», welches im Jahre 1582 erschienen ist und 21 Canzonen enthält.
Florentio Maschera bei der Basilisk Edition:
Merulo, Claudio (auch Merula)
Geboren: 8.4.1533 in Corregio
Gestorben: 5.5.1604 in Parma
Über seine Ausbildung ist fast nichts bekannt. Seine musikalischen Lehrer waren wahrscheinlich Tuttovale Menon und Girolamo Donato.
Zunächst war er in Brescia als Organist tätig (1556) und wurde 1557 als zweiter Organist an den Markusdom in Venedig berufen.
Zwischen 1566 und 1571 tritt er auch als Verleger in Erscheinung.
Er verliess Venedig 1584 und nahm eine Stelle am Hofe der Farnese in Parma an. 1587 wurde er dort zusätzlich zum Domorganisten ernannt. Eine dritte Stelle an der Basilika «Santa Maria delle Steccata» wurde ihm 1591 zugesprochen.
Merulos reichhaltiges Schaffen weist zahlreiche Werke für Tasteninstrument (Orgel, Cembalo) auf. Berühmt wurde er durch seine Madrigalkompositionen. Auch eine grosse Anzahl geistlicher Chormusik ist überliefert.
Claudio Merulo bei der Basilisk Edition:
Meyer, Raphael Benjamin
Geboren: 11. Oktober 1987 in Basel
Raphael Benjamin Meyer studierte Blockflöte an der Schola Cantorum Basiliensis und Schulmusik II an der Hochschule für Musik Basel.
Als freischaffender Komponist arbeitet er in seinem eigenen Tonstudio in Basel. Neben Auftragswerken für Orchester, Chor- und Ensembleformationen schreibt er Musik für Computerspiele sowie für Kino- und Fernsehfilme.
Seine Musik wird international aufgeführt und auch von ausländischen Orchestern gespielt (u.a. Budapest Art Orchestra).
Er ist Dirigent mehrerer Schweizer Blockflötenorchester, Dozent beim IAM (Internationaler Arbeitskreis für Musik) und Gastdozent an der ZHdK und der Hochschule für Musik Basel.
Homepage: www.film-musik.ch
Raphael B. Meyer bei der Basilisk Edition:
Raphael B. Meyer als Herausgeber:
Praetorius, Michael
Geboren: 15.2.1571 in Kreuzburg (Thüringen)
Gestorben: 15.2.1621 in Wolfenbüttel
Michael Praetorius (eigentlich Schultheiss) war der jüngste Sohn des lutherischen Pfarrers Michael Schultheiss. Er war zehn Jahre lang Schüler der Lateinschule in Torgau, wo er in der musikalischen Tradition Johann Walt(h)ers erzogen wurde. Von Torgau wechselte er zur Lateinschule in Zerbst über. Dort hatte er vermutlich Orgelunterricht bei Th. oder L. von Ende.
1585 begann er bereits – noch sehr jung – mit dem Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Viadrina in Frankfurt a.d. Oder. Dort verdiente er zeitweise seinen Lebensunterhalt als Organist an der Universitätskirche St. Marien.
1589/90 verliess er ohne Studienabschluss aus unbekannten Gründen die Stadt. Wo er sich zwischen 1589 und 1594 aufgehalten hat, ist unbekannt. Möglicherweise setzte er sein Studium in Helmstedt fort, da eine seiner Schwestern dort in der Nähe lebte.
Seit ca. 1594 war er dann bei Herzog Julius (*1564, Regent 1589 – 1613) im Fürstentum Braunschweig- Wolfenbüttel als Kammerorganist angestellt. Es wird vermutet, dass der Herzog den begabten jungen Organisten bewogen hat, das Studium der Theologie zugunsten des Musikerberufes aufzugeben.
Im Dezember 1604 ernannte der Herzog Praetorius zum Hofkapellmeister. In diesem Amt trat er die Nachfolge von Thomas Mancinus an. Am Hof zu Wolfenbüttel war er für die gottesdienstliche Musik in der Schlosskapelle sowie für die Tafelmusik bei festlichen oder privaten Essen und für die Tanzmusik bei höfischen Festen verantwortlich. Auch gehörte es zu seinen Pflichten, den Töchtern und Söhnen des Herzogs Instrumentalunterricht zu erteilen. Von Wolfenbüttel aus unternahm er mehrere Reisen – teilweise im diplomatischen Auftrag des Herzogs – welche ihn nach Kassel, Bückeburg, Regensburg und Prag führten.
Nach dem Tod des Herzogs (1613) wurde Praetorius wegen des Trauerjahres beurlaubt und war am Hof in Dresden tätig.
Danach lebte und arbeitete er wieder in Wolfenbüttel und reiste gelegentlich nach Dresden und Halle/Saale. Zudem sind auch berufliche Reisen nach Leipzig und Nürnberg nachgewiesen.
Er starb am 15.2.1621 in Wolfenbüttel und wurde unter der Orgelempore der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis beigesetzt.
Die Komposition hat Michael Praetorius wohl autodidaktisch erworben. Es gibt bezüglich dieser Ausbildung keine genauen Informationen. Schon zu seinen Lebzeiten veröffentlichte er seine Kompositionen in 20 Bänden. Zahlreiche Messen, Motetten, Hymnen und Kirchenlieder hat er hinterlassen. Zu seinen bekanntesten Sammlungen gehören die 1605/07 veröffentlichten «Motectae et Psalmi Latini» sowie die 1605 gedruckte berühmte Sammlung der «Musae Sioniae».
Sein einziges überliefertes weltliches Opus ist die Tanzsammlung «Terpsichore», erschienen im Jahre 1612.
Seine musikwissenschaftliche Schrift «Syntagma Musicum» (Bd. 1, Wittenberg/Wolfenbüttel, 1615; Bd. 2 und 3, Wolfenbüttel, 1619. Neuausgabe bei Bärenreiter, Kassel) gilt als die wichtigste Quelle zur Aufführungspraxis der deutschen Musik des Frühbarocks.
Im heutigen evangelischen Gesangbuch finden sich u.a. folgende Choräle:
Satz zu «Den die Hirten lobeten sehre»
Satz zu «Es ist ein Ros entsprungen»
Satz zu «Der Morgenstern ist aufgedrungen»
Satz zu «Wir danken dir, Herr Jesu Christ»
Michael Praetorius bei der Basilisk Edition:
Raselius, Andreas
Geboren: zwischen 1561 und 1563 in Hahnbach
Gestorben: 6.1.1602 in Heidelberg
Raselius war der Sohn eines evangelischen Pfarrers. Nach dem Tod des Vaters zog er mit seiner Mutter nach Amberg, wo er möglicherweise Schüler von Mathias Gastritz war.
Nach der Beendigung seiner Schulzeit in Sulzbach begann er sein Studium in Heidelberg.
Ab 1584 war er Kantor an der «Neupfarrkirche» in Regensburg und war gleichzeitig am «Gymnasium poeticum» als Lehrer tätig.
Ab 1600 war er Hofkapellmeister in Heidelberg
Andreas Raselius hat zahlreiche geistliche Lieder und Motetten komponiert. Zudem verfasste er musiktheoretische und theologische Schriften.
Andreas Raselius bei der Basilisk Edition:
Resinarius, Balthasar
Geboren: um 1483 in Tetschen / Böhmen
Gestorben: 12. April 1544 in Böhmisch-Leipa
Balthasar Resinarius erhielt seine musikalische Ausbildung als Sängerknabe an der höfischen Kapelle von König Maximilian I und war Gesangsschüler von Heinrich Isaac.
1515 schrieb er sich zum Studium an der Universität Leipzig ein.
Ab 1523 wirkte er als katholischer Priester in seinem Heimatort, wo es zu heftigen Auseinandersetzungen mit einem zugezogenen lutherischen Prediger kam. Hilfe suchend wandte er sich an den böhmischen König. Sein Gegner wandte sich um Hilfe direkt an Martin Luther.
Es ist nicht bekannt, ob durch diese Kontroverse ein konfessioneller Gesinnungswandel bei Resinarius ausgelöst wurde, welcher schlussendlich zu seinem Übertritt zum Protestantismus führte. Ab dem Jahre 1534 war er mit lateinisiertem Namen ‘Resinarius’ als protestantischer Pfarrer und Bischof bis zu seinem Tode in Böhmisch- Leipa tätig.
Balthasar Resinarius wird zu den hervorragenden Repräsentanten der ersten protestantischen Generation von Komponisten gezählt. Georg Rau übte auf ihn einen grossen musikalischen Einfluss aus und veröffentlichte fast alle seine Werke. Als Komponist pflegte er einen eher konservativen Stil und orientierte sich dabei stark an der Form des Cantus-Firmus-Satzes.
Seine Johannes-Passion wird als eine der wenigen durchkomponierten Passionen seiner Zeit angesehen.
Von ihm sind ausschliesslich Vokalkompositionen überliefert.
Unter dreissig von ihm gesetzten Chorälen zu vier Stimmen befinden sich bedeutende Sätze wie:
«Ach Gott vom Himmel sieh darein»
«Gelobet seist du, Jesu Christ»
«Nun komm der Heiden Heiland»
Balthasar Resinarius bei der Basilisk Edition:
Roget, Clair-Nicolas
Geboren: 18. Jahrhundert (?)
Gestorben: 18. Jahrhundert
Clair-Nicolas Roget war ein Gambist und Komponist des 18. Jahrhunderts. Viel mehr ist über den Franzosen nicht bekannt. Seine beiden für Traversflöten, Pardessus de viole oder andere Instrumente komponierten Sonaten-Sammlungen Opus 1 und Opus 3 sind die einzigen erhaltenen Werke, in der Bibliothèque nationale de France wird jeweils ein Exemplar des Originaldrucks aufbewahrt. Von Opus 2 oder weiteren, nicht bekannten Kompositionen, fehlt jegliche Spur.
Die 1736 und 1739 gedruckten Duo-Sonaten muten mit ihrer teilweise stark ausgeprägten Chromatik schon beinahe frühklassisch an. Als ob der Komponist seiner Zeit voraus war. Vielleicht ist dies auch ein Grund, weshalb Roget schon zu Lebzeiten im Schatten anderer Musiker-Persönlichkeiten gestanden haben dürfte und deshalb heute so wenig über ihn bekannt ist.
Clair-Nicolas Roget bei der Basilisk Edition:
Schein, Johann Hermann
Geboren: 1586 in Grünhain
Gestorben: 1630 in Leipzig
Johann Hermann Schein gehört zu den drei grossen „S“ (Schütz, Schein und Scheidt), welche für die Musik ihrer Zeit in Deutschland prägend waren. Seine Kindheit verbrachte er in Grünhain im Erzgebirge. Nach dem Tod seines Vaters Hieronymus, der dort evangelischer Pastor gewesen war, zog er mit seiner Mutter nach Dresden. Dort wurde er Alumnus im Knabenchor der Dresdner Hofkapelle und sang dort bis zum Jahre 1603 als Discantist.
Nach dem Stimmbruch wurde er 1603 zur weiteren Ausbildung in die „Sächsische Fürstenschule“ nach Pforta geschickt. An dieser Schule erhielt er u.a. eine gründliche musikalische Ausbildung. Seine Schulzeit endete im Jahre 1607, und er kehrte nach Leipzig zurück.
Ab 1608 studierte er an der Universität Leipzig Rechtswissenschaften und freie Künste. Sein Jurastudium schloss er 1612 erfolgreich ab. Sein Hauptinteresse hatte aber schon immer der Musik gegolten. Bereits im Jahre 1605 hatte er sein erstes musikalisches Werk «Das Venus Kräntzlein» vorgelegt.
1613 erhielt er einen Posten als Musiklehrer in Weissenstein. Und im Herbst 1616 wurde er als Thomaskantor der Thomasschule und als städtischer Musikdirektor nach Leipzig berufen. Sein Vorgänger in diesem Amt war Seth Calvisius gewesen.
Im Alter von 45 Jahren verstarb er in Leipzig und wurde in seiner Geburtsstadt beigesetzt. Heinrich Schütz, mit dem er befreundet war, schrieb anlässlich des Begräbnisses von Johann Herman Schein den Grabgesang «Das ist je gewisslich wahr».
Schon zu seinen Lebzeiten galt Schein als ein hochangesehener Komponist Deutschlands. Er hat ein umfangreiches kompositorisches Schaffen hinterlassen. Hier eine Auswahl aus seinem Gesamtschaffen:
«Venus Kräntzlein», Wittenberg 1609
«Cymbalum Sionium», Leipzig 1615
«Banchetto Musicale», Leipzig 1617
«Opella nova. Erster Theil Geistlicher Concerten», Leipzig 1618 (ein zweiter Teil erschien 1626)
«Musica boscareccia» (Wald-Liederlein), Leipzig 1621
«Israelis Brünnlein» (eine Sammlung von 26 geistlichen Madrigalen), Leipzig 1623
Johann Hermann Schein bei der Basilisk Edition:
Schröter, Leonhart
Geboren: vermutlich 1532 in Torgau
Gestorben: vermutlich 1600 in Magdeburg
Leonhart Schröter war lutherischer Kantor und Komponist. In den Jahren 1545 bis 1547 ist er an der Fürstenschule in Meissen nachweisbar.
Zwischen 1561 und 1576 wirkte er als Stadtkantor in Saalfeld. Zudem war er vermutlich ab Dezember 1571 bis 1572 auch erster Bibliothekar unter Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg an der Bibliothek in Wolfenbüttel.
1576 wurde er Kantor an der Altstädter Lateinschule in Magdeburg. In diesem Amt verblieb er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1595.
Als Komponist war er ein wichtiger Repräsentant der protestantischen Kirchenmusik. U.a. veröffentlichte er:
«Neue Weihnachtsliedlein mit vier und acht Stimmen», Helmstedt 1578
«55 geistliche Lieder», Wittenberg 1582
Ein «Te Deum» (1576)
2 Teile «Cantiones suavissimae quator voici», Erfurt 1576/1580
Leonhart Schröter bei der Basilisk Edition:
Schütz, Heinrich
Geboren: 8.10.1585 in Köstritz bei Gera (heute Bad Köstritz)
Gestorben: 6.11.1672 in Dresden
Heinrich Schütz war das zweitgeborene von acht Kindern. Sein Vater war Christoph Schütz, seine Mutter war Euphrosyne, geb. Bieger.
Der Vater war Eigentümer des Gasthofes «Zum goldenen Kranich». 1590 zog er mit seiner Familie nach Weissenfels, wo er den ererbten Gasthof «Zum güldenen Ring» übernahm. Er wurde Mitglied des Rates der Stadt und war auch mehrmals deren Bürgermeister.
Als Mitglied einer relativ begüterten Familie erfuhr der junge Heinrich Schütz eine gute, fundierte Schulausbildung, zu der auch das Erlernen von Fremdsprachen gehörte. Früh zeigte sich seine grosse musikalische Begabung.
Landgraf Moritz (der Gelehrte) von Hessen-Kassel (1592-1627) erkannte während eines Aufenthaltes im Gasthof von Schütz’ Vater ebenfalls die besondere musikalische Begabung des Jungen und holte ihn im August 1599 als Chorknabe an seinen Hof. Dort trat er in das «Collegium Mauritianum» ein. Diese Ausbildungsstätte war für die Ausbildung und Erziehung junger Adliger vom Landgrafen gegründet worden. Hier bekam Heinrich Schütz eine künstlerische und wissenschaftliche Ausbildung auf höchstem Niveau vermittelt. Er war offensichtlich sehr sprachbegabt und zeigte herausragende Leistungen in Latein, Griechisch und Französisch.
Nach Beendigung seiner Ausbildung an der landgräflichen Schule ging er im Jahre 1607 nach Marburg, um dort das Jurastudium zu beginnen.
Aber bereits im Jahre 1609 bot der Landgraf ihm die Möglichkeit eines Musikstudiums in Italien. In Venedig konnte Schütz zwei Jahre lang auf Kosten seines Landesherren und Förderers bei Giovanni Gabrieli studieren. Am Ende seines zweiten Studienjahres konnte der hochbegabte junge Komponist bereits sein erstes Werk, die Italienischen Madrigale (SWV 1-19), veröffentlichen, die er dem Landgrafen widmete. Die geplante zweijährige Studienzeit wurde nochmals um zwei Jahre verlängert. 1613 kehrte Schütz zurück nach Kassel und erhielt das Amt des zweiten Organisten der Hofkapelle.
1614 begann sich der kursächsische Hof in Dresden für den jungen Musiker zu interessieren. Immer wieder «lieh» sich Kurfürst Johann Georg I ihn für besondere Anlässe an seinem Hofe aus. Am 13. Dezember 1616 ersuchte der Kurfürst Landgraf Moritz, ihm Heinrich Schütz endgültig zu überlassen. Diesem Ansinnen gab Moritz schweren Herzens nach, und er liess Schütz nach Dresden ziehen.
Ab dem Jahre 1619 führte Schütz dann offiziell den Titel des Hofkapellmeisters in Dresden.
Im Jahre 1618 begann der verheerende 30jährige Krieg, dessen Auswirkungen sich bereits ab 1619 negativ auf die Situation am Hofe zu Dresden bemerkbar machten. Geldknappheit führte mehr und mehr zur Vernachlässigung der Hofkapelle. Und im Jahre 1623 wurden die Gehaltszahlungen an die Musiker eingestellt. Deswegen intervenierte Schütz 1625 beim Kurfürsten. Was aber zu keiner wesentlichen Verbesserung der Situation der Hofkapelle führte.
Im April 1628 bewilligte der Kurfürst Schütz eine zweite Italienreise. Hauptziel der Reise war erneut Venedig. Ob er während seines Italienaufenthaltes auch Claudio Monteverdi getroffen hat, ist nicht belegt.
1629 kehrt er nach Dresden zurück. Kurz vor seiner Abreise erschien im Verlag Gardano der zweite Teil seiner «Symphoniae Sacrae».
Der berühmte und hochangesehene Schütz wurde im Verlaufe seines langen Lebens immer wieder als «Gastdirigent» für kürzere oder auch längere Zeit ausserhalb seines Tätigkeitsfeldes in Dresden eingeladen. So hielt er sich mehrere Male am dänischen Königshof in Kopenhagen, in Braunschweig und in Wolfenbüttel auf.
Im Jahre 1645 bat Schütz aus Altersgründen vom Dienst am Hof in Dresden entbunden zu werden.
1656 starb Johann Georg I . Sein Sohn, Johann Georg II, dispensierte ihn von seinem Dienst. Als «Capellae Magister Senior» trat er ab dann nur noch gelegentlich in Dresden in Erscheinung. Fortan lebte er in seinem Haus in Weissenfels, um sich ganz dem Komponieren zu widmen.
1672 übersiedelte er wieder nach Dresden, wo er am 6. November starb. Er wurde in der «Alten Frauenkirche» beigesetzt. Heute erinnert eine Gedenktafel in der «neuen» Frauenkirche an einen der grössten deutschen Komponisten, der heute unangefochten als einer der wichtigsten musikalischen Neuerer am Anfang des Barockzeitalters angesehen wird.
Wichtige Kompositionen von Heinrich Schütz (Auswahl):
Il primo libro di Madrigali (1611) SWV 1-19
Psalmen Davids (1619) SWV 22-47
Cantionae Sacrae (1625) SWV 53-93
Beckerscher Psalter, Erstfassung (1628) SWV 97-256
Musikalische Exequien (1636) SWV 279-281
Kleine geistliche Konzerte Teil 1 (1636) SWV 282-305
Kleine geistliche Konzerte Teil 2 (1639) SWV 306-337
Geistliche Chormusik (1648) SWV 369-397
Weihnachtshistorie (1664) SWV 435
Heinrich Schütz bei der Basilisk Edition:
de Sermisy, Claudin (auch Sermizy, Sermysy)
Geboren: um 1490
Gestorben: 13. Oktober 1562 in Paris
Der Kleriker, Komponist und Sänger ist erstmals 1508 in der Sainte-Chapelle in Paris nachweisbar.
Päpstlichen Dokumenten nach war er zunächst Geistlicher in der Diozöse Noyon und Sänger in der Privatkapelle der Königin Anne de Bretagne. Nach deren Tod (im Januar 1514) und dem ihres königlichen Gatten, Ludwig XII, wurde er Mitglied in der Kapelle von Franz I. Als der König im Dezember 1515 Papst Leo X in Bologna traf, war Sermisy in dessen Gefolge. Sehr wahrscheinlich war der Hofmusiker auch beim Zusammentreffen des Königs mit dem englischen Monarchen Henry VIII auf dem «Camp du Drap d’or» (Juni 1520), sowie in Boulogne (1532) anwesend. Dort wurde anlässlich dieses Treffens Sermisys Motette «Da pacem» aufgeführt.
Im Verzeichnis der königlichen Kapellsänger aus den Jahren 1517/18 erscheint Sermisys Name an zweiter Position direkt hinter J. Mouton.
Es wird vermutet, dass er 1525/26 der Nachfolger von de Logueval im Amt des Chormeisters wurde.
Ab 1533 wird er als «soubs-maitre de la Chapelle» bezeichnet (zit. nach Cazaux 2002, Seite 375). Dieses Amt hatte er bis um 1553 inne. Im gleichen Jahr erhielt er ein Kanonikat an der Sainte-Chapelle, wo er auch 1562 beigesetzt wurde.
Claude de Sermisy hat ein grosses kompositorisches Werk hinterlassen. Er komponierte u.a. Messen, Messteile und Motetten. Trotz seines umfangreichen kirchenmusikalischen Schaffens, ist er heute vor allem aufgrund seiner 160 Chansons bekannt. Zusammen mit seinem Kollegen Claude Janequin gilt er als Begründer der neuen Gattung der vierstimmigen Chanson, die heute allgemein als «Pariser Chanson» bezeichnet wird.
Claudin de Sermisy bei der Basilisk Edition:
Telemann, Georg Philipp
Geboren: 14.3.1681 in Magdeburg
Gestorben: 25.6.1767 in Hamburg
Georg Philipp Telemann gilt heute neben Johann Sebastian Bach als einer der führendsten deutschen Komponisten seiner Zeit. Er war europaweit bekannt und genoss ein hohes Ansehen. Durch ganz neue Impulse, sowohl bezüglich seiner Kompositionen, als auch im Hinblick auf seine Musikanschauung, prägte er die Musikwelt massgeblich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Von der Musikwissenschaft Ende des 19./anfangs des 20. Jahrhunderts zunächst als oberflächlicher Vielschreiber abgewertet, hat man inzwischen längst seine herausragende Bedeutung als Komponist anerkannt.
Seine Jugendzeit verbrachte Telemann ab 1697 in Hildesheim, wo er während seiner Jahre am Gymnasium Andreanum in seiner musikalischen Entwicklung massgeblich geprägt und gefördert wurde. Auf mehreren Instrumenten erhielt er Unterricht und komponierte während der Ausbildungszeit in Hildesheim die «Singende und Klingende Geographie». Dieses frühe Opus war so erfolgreich, dass er daraufhin weitere Kompositionsaufträge erhielt. Seine weitere musikalische Ausbildung eignete er sich weitgehend autodidaktisch an.
Während seines Jurastudiums in Leipzig, wo er ein Amateurorchester gründete, hatte er weiterhin grosse Erfolge als Komponist. Er leitete zudem Opernaufführungen und wurde Musikdirektor an der Universitätskirche.
Für kurze Zeit war er an den Höfen in Sorau und Eisenach tätig, bevor er im Jahre 1712 nach Frankfurt/M. ging, wo er zum städtischen Musikdirektor ernannt wurde und zudem das Amt des Kapellmeisters an zwei Kirchen bekleidete.
In Frankfurt begann er auch mit der Veröffentlichung eigener Werke im Selbstverlag.
Ab 1721 lebte er bis zu seinem Tode in Hamburg und war «Cantor Johannei» sowie «Director Musices». Bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft übernahm er auch die Leitung der Hamburger Oper am Gänsemarkt. Auch von der Hansestadt aus pflegte er ständige Kontakte zu auswärtigen Höfen und veranstaltete zudem für die Oberschicht der Stadt regelmässig öffentliche Konzerte.
Der musikalische Nachlass Telemanns ist enorm umfangreich und umfasst praktisch alle Musikgattungen seiner Zeit. Das Telemann-Werkeverzeichnis weist über 3600 Werke auf. Er komponierte weltliche und geistliche Musik. Im Bereich der Instrumentalmusik sind ca. 1000 Kompositionen bekannt (Orchestersuiten, Sinfonien, Konzerte, Violin-Soli, Flöten-Soli, Soli für Viola da Gamba, Duette, Triosonaten, Quartette sowie Klavier- und Orgelmusik).
Ebenso umfangreich ist die Zahl seiner hinterlassenen geistlichen Werke (Kantaten, Messen, ca. 40 Passionen, 6 Oratorien sowie Motetten und andere sakrale Werke).
Werkauswahl wichtiger Kompositionen von Georg Philipp Telemann:
Instrumentalmusik:
Der Getreue Musikmeister (1728)
Essercizii Musici (1739/40)
Tafelmusik (1733)
Hamburger Ebb’ und Fluth (1722)
Pariser Quartette (1737)
Geistliche Musik:
Brockes Passion (1716)
Der Tod Jesu (1755)
Donner Ode (1756)
Der Tag des Gerichts (1762)
Der Harmonische Gottesdienst (1725/26, 1731/32)
Georg Philipp Telemann bei der Basilisk Edition:
Voyenne, Claudio (?)
Geboren: ca. spätes 17. Jahrhundert
Gestorben: ca. Mitte 18. Jahrhundert
Über das Leben des «Mr. Voyenne», wie sich der Komponist selbst nannte, wissen wir nichts. Im Titel seiner «SIX SUITTES» wird erwähnt, dass er Ordinaire de la Musique du Roy d’Espagne gewesen ist. Ausser diesen sechs Suiten sind keine weiteren Kompositionen von ihm überliefert. Die Duette dürften in der Mitte des 18. Jahrhunderts komponiert worden sein, und sind mit denen seiner Kollegen Michel Corrette, Raphael Courtiville oder Philibert Delavigne vergleichbar.
Mr. Voyenne bei der Basilisk Edition:
Walther, Johann
Geboren: 1496 in Kahla
Gestorben: 10.4.1570 in Torgau
Johann Walther war Komponist und Kantor. Er gab das erste evangelische Chorgesangbuch in Deutschland heraus (Geistliches Gesangbüchlein, 1542).
Er war massgeblich beteiligt bei der von Martin Luther initiierten Reform der Deutschen Messe. Zahlreiche deutsche Liedtexte, die Martin Luther verfasst hat, wurden von Johann Walther vertont.
Durch die Herausgabe des ersten deutschen Gesangbuches und dem Aufbau des Kantoreiwesens, war er federführend bei der Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik in Deutschland. Man bezeichnet ihn daher auch heute noch als den «Urkantor» der evangelischen Kirche. Einige seiner Lieder sind noch heute im evangelischen Gesangbuch im Gebrauch
Melodien und Texte von Martin Luther:
Es spricht der Unweise Mund wohl
Mitten wir im Leben sind
Ein feste Burg ist unser Gott
Weitere Melodien:
All Morgen ist ganz frisch und neu
Der Herr ist mein getreuer Hirt
Texte:
Herzlich tut mich erfreuen
Allein auf Gottes Wort will ich mein Grund und Glauben bauen
Text und Melodie:
Wach auf du deutsches Land
Johann Walther bei der Basilisk Edition: