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Das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hat im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz die Krankheitslast (engl. Burden of Disease) des Tabakkonsums in der Schweiz berechnet. Die Studie belegt einmal mehr wie gross das Leid ist, das der Tabakkonsum in unserer Gesellschaft anrichtet.
Im Jahr 2015 verursachte der Tabakkonsum in der Schweiz insgesamt 9‘535 Todesfälle. Das entspricht 14,1 Prozent aller Todesfälle in diesem Jahr. Knapp zwei Drittel (64%) der tabakbedingten Todesfälle betrafen Männer, ein Drittel Frauen (36%). Die relative Mehrheit der tabakbedingten Todesfälle geht auf Krebserkrankungen zurück (44%), gefolgt von Herzkreislaufkrankheiten (35%) und Erkrankungen der Lunge und der Atemwege (21%). Zum Vergleich: Im selben Jahr starben im Strassenverkehr 253 Personen und durch die jährliche Grippewelle 2500 Personen.
Die Grundlage der Studie bildet umfangreiches und detailliertes Datenmaterial aus vierundzwanzig Jahren. Diese Daten zeigen Erschreckendes: 35- bis 54-jährige Raucher sterben 14-mal häufiger an Lungenkrebs als Männer im gleichen Alter, die nie geraucht haben. Bis zur Altersgruppe der 65- bis 74-jährigen Raucher steigert sich dieses Verhältnis auf das 28-Fache. Bei den Frauen sind die Zahlen mit 13-mal (35- bis 54-Jährige) bzw. 24-mal (65- bis 75-Jährige) nur unwesentlich tiefer.
Auch bei anderen Krankheiten ist das relative Sterberisiko für Raucherinnen und Raucher über beinahe alle Altersgruppen hinweg mindestens doppelt so hoch, etwa bei Verengung der Herzkranzgefässe (Ischämische Herzerkrankungen) oder sonstigen Krebs- und Herzerkrankungen. Der traurige Rekord erreicht die Lungen- bzw. Atemwegserkrankung COPD: 65- bis 74-jährigen Raucherinnen sterben 39-mal häufiger an COPD als Frauen dieser Altersgruppe, die nie geraucht haben.
Dass sich ein Rauchstopp lohnt, zeigen die Zahlen zum relativen Sterberisiko bei den Ex-Raucherinnen und Ex-Rauchern. Ihr Risiko, an den untersuchten tabakbedingten Krankheiten zu sterben, ist im Vergleich zu Raucherinnen und Raucher wesentlich tiefer. Für 35 bis 54-jährige Ex-Raucher ist das Risiko an Lungenkrebs zu sterben 4-mal höher als bei Männern die niemals geraucht haben (bei Rauchern: 14-mal).
Jährliche Kosten von mindestens 5 Milliarden Franken
Der Tabakkonsum verursachte im Jahr 2015 direkte medizinische Kosten von 3 Milliarden Franken. Es sind dies Kosten, die für die Behandlung von tabakbedingten Erkrankungen angefallen sind. Auf die Behandlung von Krebserkrankungen entfallen 1,2 Milliarden Franken, auf Herzkreislaufkrankheiten 1 Milliarde Franken und auf Erkrankungen der Lunge und der Atemwege 0,7 Milliarden Franken. Die 3 Milliarden Franken entsprechen 3,9 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben der Schweiz im Jahr 2015 (alle Ausgaben der obligatorischen Krankenversicherung und privaten Gesundheitskosten).
Die Produktionsverluste durch den Tabakkonsum betrugen 2 Milliarden Franken. Sie sind die Folge von zeitweisen krankheitsbedingten Ausfällen oder dauerhaften Ausfällen durch Invalidität bzw. Tod vor der Pensionierung.
Tabakkonsum verursacht 10 Prozent der verlorenen gesunden Lebensjahre
Zusätzlich verursacht der Tabakkonsum Kosten, die sich aus dem frühzeitigen Tod und dem teilweise jahrelangen Leiden an Krankheiten ergeben. Diese Kosten lassen sich nur schwer in Franken messen. Um diese Last des Tabakkonsums greifbar zu machen, nutzt die Studie sogenannte «disability-adjusted life years» (DALYs): eine in der Medizin und Gesundheitsökonomie gängige Messgrösse, um die Bedeutung von Krankheiten in der Gesellschaft zu bestimmen. DALYs drücken die Lebensjahre und die Lebensqualität aus, die einer Gesellschaft aufgrund von Krankheit, Invalidität oder vorzeitigem Tod verloren gehen. 2015 verursachten alle Krankheiten in der Schweiz zusammenaddiert insgesamt über 2 Millionen DALYs. Davon entfielen 208'999 DALYs auf den Tabakkonsum. Dies sind 10,2 Prozent aller DALYs.
Prognose der tabakbedingten Todesfälle bis 2050
Im zweiten Teil der Studie wagten die Autorinnen und Autoren der Studie einen Ausblick auf das Jahr 2050. In einer ersten Prognose rechnen sie die bisherige Entwicklung der tabakbedingten Todesfälle hoch. Das Ergebnis ist eine prozentual leichte Zunahme von tabakbedingten Todesfällen bei Frauen und eine prozentuale Abnahme bei Männern bis ins Jahr 2050. In einer zweiten Prognose bestimmen sie die tabakbedingten Todesfälle im Jahr 2050 unter der Annahme einer gegenüber heute unveränderten Prävalenz des Rauchens. Das Ergebnis dieser Prognose ist ein Anstieg der tabakbedingten Todesfälle von heute rund 9'500 Menschen pro Jahr auf über 13'500 Todesfälle im Jahr 2050, aufgrund der erwarteten Bevölkerungszunahme.