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Tüchtigkeit. Die Schule Lionardos vertraten hauptsächlich vier Meister, Andrea de Solario, Giovanni Antonio Boltraffio, Marco d'Oggiono und Bernardino da Luino, gewöhnlich Luini genannt. Die beiden erstgenannten hatten sich erst späterhin dem Altmeister angeschlossen und bewahrten daher noch etwas mehr Selbständigkeit, die insbesondere bei Boltraffio angenehm hervortritt. Marco d'Oggiono war der getreueste Schüler Lionardos, der verständnisinnig auf dessen Art einging und es zu einer beträchtlichen Vollkommenheit brachte.
Von ihm stammt auch eine vortreffliche Kopie des «Abendmahles», die sich in London befindet. Mit einer mehr äußerlichen Gewandtheit, die allerdings beinahe erstaunlich ist, verstand es Luini (1475-1534) dem Meister in einer Weise nahe zu kommen, daß manche seiner Werke bisweilen dem Lionardo zugeschrieben wurden und er überhaupt als der bezeichnende Vertreter der mailändischen oder Lionardo-Schule gilt. Ungemein fleißig und vielbeschäftigt, hat er eine große Zahl von Kirchenbildern geschaffen, so daß man beinahe in jedem bedeutenden Orte Oberitaliens seinem Namen begegnet, der allerdings oft Arbeiten anderer Hände decken muß. Immerhin zeugt auch dies für das Ansehen und die Beliebtheit, welche der Meister genoß. Eine zarte Weichheit in den Formen und eine feine Tönung des Helldunkels sind die hauptsächlichsten Vorzüge Luinis, dessen liebenswürdige Art in schönstem Reiz sich in den Madonnenbildern entfaltet. Daß späterhin die mailändische Schule auch in «Manierismus» entartete, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden.
Oberitalische Schulen. Außer Mailand und Venedig hatten in Oberitalien schon während des Quattrocento einige andere Orte eine bemerkenswerte Kunstpflege aufzuweisen,
^[Abb.: Fig. 557. Daniele da Volterra: Der bethlehemitische Kindermord.
Florenz. Ufficien.] ¶
deren Früchte im 16. Jahrhundert sich in dem Auftreten verschiedener Meister zeigen, welche zwar auf die allgemeine Entwicklung ohne Einfluß bleiben, aber doch neben den Genossen aus den führenden Schulen, wenigstens als Vertreter der örtlichen Kunst ihres Gebietes, mit Ehren bestehen können. Lodi, Cremona, Verona in der Ebene, die lombardischen Bergstädte Bergamo und Brescia u. a. waren solche Sitze von örtlichen Kunst-
^[Abb.: Fig. 558. Ferrari: Der Gang auf den Kalvarienberg.
Canobbio. Kirche della Pietà.] ¶