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Die Abwanderung der Jungen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch für das kleine osteuropäische Land. Um die Not in Moldawien zu lindern, unterstützt das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) lokale Organisationen beim Aufbau eines Haus- und Pflegedienstes, der für alle erschwinglich ist. Sie besuchen kranke und behinderte Menschen regelmässig und bieten eine medizinische Grundversorgung.
Das Leben in Moldawien ist von Armut geprägt. Auf dem Land muss das Wasser meistens beim Brunnen geholt werden, die Toiletten befinden sich auf dem Hof. Im Winter stellt das Heizen der schlecht isolierten Häuser eine Herausforderung dar. Wer krank und gebrechlich wird, gerät rasch in grosse Not.
Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991 ist die Bevölkerungszahl Moldawiens von 4.3 Millionen auf 3.3 Millionen gesunken. Wenn sich diese Tendenz fortsetzt, könnte die Bevölkerungszahl der ehemaligen Sowjetrepublik bis 2050 auf weniger als zwei Millionen schrumpfen. 35 % der Bevölkerung Moldawiens werden dann über 60 Jahre alt sein. Wegen tiefen Löhnen, der mangelhaften Infrastruktur und fehlenden beruflichen Perspektiven wandern die jungen Menschen ins Ausland ab, um eine Arbeit zu suchen. Der Mangel an Fachkräften ist entsprechend gross, besonders im medizinischen Sektor. Obwohl 2004 eine obligatorische Krankenkasse eingeführt wurde, wird zahlreichen hilfsbedürftigen Menschen der dringend benötigte Hauspflegedienst nicht bezahlt. In einem Land, in dem verhältnismässig viele ältere Menschen leben, ist dies es ein grosses Problem der öffentlichen Gesundheit. Von der demografischen Entwicklung betroffen ist auch das Rentensystem: Die Zahl der einzahlenden Personen nimmt ab, während die Zahl der pensionierten Personen steigt.
Es wird befürchtet, dass die Coronakrise eine Rezession in Moldawien auslösen wird.
Zudem wird befürchtet, dass die Corona-Pandemie 2021 eine Rezession auslösen wird. Wegen der Coronakrise haben zahlreiche Moldawierinnen und Moldawier ihre Stellen im Ausland verloren, während andere ihr Glück im Ausland erst gar nicht versuchen konnten. Die politische Situation in Moldawien ist zurzeit stabil, aber eine Gewalteskalation ist nicht auszuschliessen. Östlich des Flusses Dnjestr liegt Transnistrien, ein nach wie vor separates
Gebiet, wo russische Truppen stationiert sind. Transnistrien gilt zwar als unabhängig, wurde jedoch von keinem anderen Staat anerkannt und wird weiterhin von Moldawien beansprucht. Seit fast dreissig Jahren bedroht der eingefrorene Konflikt die Sicherheit des Landes.
KURZ BEFRAGT
Alexandra Papis: Die Programmverantwortliche für Moldawien ist in der IZ SRK zuständig für den Themenbereich Gesundheit und Alter.
Wieso engagiert sich das SRK in Moldawien?
Es handelt sich um das ärmste Land in Europa, das mit zahlreichen Problemen zu kämpfen hat. Eines davon ist die Abwanderung der Jungen ins Ausland, was zu einem gravierenden Fachkräftemangel führt, besonders im medizinischen Bereich. Das Ziel unseres Engagements ist eine Verbesserung der Lebenssituation von älteren Menschen. Das erreichen wir insbesondere, indem der Beruf der Pflegehelfenden finanziert und organisiert wird und durch die Anerkennung der Hauspflegedienste. Das sind zwei Gebiete, auf denen das SRK Experte ist.
Unterstützt das SRK deshalb auch den Blutspendedienst?
Ja, auch hier verfügt das SRK über Kompetenzen, von denen Moldawien direkt profitieren kann. Wir konnten bereits zur Ausbildung des Personals und zur Modernisierung der Maschinen für die Blutverarbeitung beitragen. Zurzeit sind wir in der letzten Phase, die darauf abzielt, das moldawische Blutspendesystem auf den europäischen Standard zu bringen.
Wie kann ich sicher sein, dass die Hilfe bei den bedürftigen Personen ankommt?
Wir arbeiten mit anerkannten und vertrauenswürdigen lokalen Akteuren zusammen, die mittels einer Ausschreibung ausgewählt wurden. CASMED ist die Referenz in Sachen Hauspflegedienste: Sie sind jung, motiviert und sehr vernetzt. Wir arbeiten mit Institutionen auf regionaler und nationaler Ebene zusammen. Dadurch können wir gezielt, effizient und nachhaltig handeln. Zudem ist unser Delegierter vor Ort Moldawier. Er verfügt über ein sehr gutes Netzwerk. Unsere Koordinationskosten sind gering. Das Geld fliesst in Programme, welche direkt die Verletzlichsten erreichen. Moldawien ist ein kleines Land: Mit wenig können wir viel erreichen.