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Was hat das Mammografie-Screening mit der Impfkontroverse zu tun?
Beim Brustkrebs-Screening geht es um eine präventive Massnahme, welche einzig an das Kriterium Alter 50 bis 69 geknüpft ist.
Bei den Grundimpfungen geht es um präventive Massnahmen, welche einzig an das Kriterium Alter 2 bis 24 Monate gebunden sind.
In beiden Bereichen handelt es sich also um eine Routine, der sich möglichst alle unterziehen sollen, welche zur jeweiligen Altergruppe
gehören. In beiden Bereichen gibt es aber auch relevante Forschungs- und Kenntnislücken. Frappant sind die Parallelen, wie
auf beiden Gebieten mit der unbefriedigenden wissenschaftlichen Erkenntnislage umgegangen wird, bzw wie die Befürworter die
Skeptiker bearbeiten.
Dieses Grundmuster wollen wir kurz an der aktuellen Diskussion um das Mammografie-Screening aufzeigen.
Quelle:
Schweizerische Aeztezeitung 2007;88: 13, Seiten 594-301
(Beiträge pro und contra unter der Rubrik "Die Zeitung")

Worum geht es:
Brustkrebsvorsorge durch Mammografie-Screening aller Frauen zwischen 50 und 69 Jahren
Seit rund 10 Jahren gibt es eine Diskussion darüber, welchen Nutzen und welchen Schaden die routinemässige
Mammografie alle zwei Jahre bei Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren bringen würde. In Europa haben etwa die Hälfte
der Länder inzwischen ein solches Screening-Programm realisiert, darunter Frankreich. In der Schweiz gibt es einen klaren
Unterschied zwischen den französischsparachigen Kantonen, welche sich an Frankreich orientieren, und den deutschsprachigen
Kantonen, welche ähnlich wie Deutschland und Österreich, zu den Skeptikern gehören, welche vom Nutzen des
Mammografie-Screenings nicht überzeugt sind.
Was lässt sich aus den vorliegenden Untersuchungsergebnissen schliessen?
Orientieren wir uns an der Übersichtsarbeit der unabhängigen Cochrane-Foundation,
Ausgabe 2006 (sie berücksichtigt 7 methodisch brauchbare Studien, an denen insgesamt ca. 500'000 Frauen teilnahmen).
Die Schlussfolgerung lautet:
" ... Das bedeutet, dass pro 2000 Frauen, welche während zehn Jahren zum Screening
eingeladen worden sind, eine ihr Leben verlängern wird. Darüberhinaus werden aber zehn gesunde Frauen,
welche ohne Screening nicht diagnostiziert worden wären, die Diagnose Brustkrebs erhalten und unnötigerweise
behandelt werden. Es ist deshalb nicht klar, ob das Mammografie-Screening mehr Nutzen oder mehr Schaden bewirkt. ..."
Wie gehen nun die Befürworter des Mammografie-Screenings mit diesem unerfreulichen Befund um? Schauen wir nach in der
Stellungnahme der Schweizerischen Krebsliga, Ausgabe 2006,
welche durch nahmhafte Persönlichkeiten der betroffenen medizinischen Fachrichtungen unterstützt wird:
Die interessante Aussage lautet:
"Praktisch alle internationalen Organisationen wie die American Cancer Society,
die nationalen schwedischen und dänischen Gesundheitsbehörden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiesen die Ansicht
der Cochrane-Reviewer zurück. Die kontroverse Debatte wurde 2002 beendet. Eine Arbeitsgruppe mit 24 Experten, die von
der WHO einberufen worden war, berichtete, dass Brustkrebsscreeningstudien den Nutzen eines Mammographiescreenings bei Frauen
zwischen 50 und 69 Jahren hinreichend nachgewiesen hatten. Dabei wurde die Reduktion der Brustkrebsmortalität bei den gescreenten
Frauen auf rund 35% geschätzt."
Diese Aussage wurde im Mai 2006 veröffentlich und man wundert sich darüber, dass die Brustkrebsvorsorge-Programme
mittels Routine-Mammografie in derart vielen Ländern forciert werden. In der Zwischenzeit, also seit 2002, ist ja die Ungewissheit
über das Nutzen/Schaden-Verhältnis in keiner Weise geschrumpft, viel eher aber die Wahrscheinlichkeit gewachsen, dass es
sehr ungünstig ausfallen könnte (neuere Studien zeigen ein schlechteres Bild als ältere).

Anmerkung:
Man sollte aus einer Studie nicht mehr herauslesen, als von den methodischen Bedingungen her drinliegt. Andrerseits kann man ein Studienergebnis
nur dann vernünftig interpretieren, wenn man es ins Verhältnis zu den fehlenden Erkenntnissen setzt. Die Cochrane Foundation befasst
sich mit der möglichst unabhängigen Wertung und Einordnung der vorliegenden Wissensbausteine im Rahmen einer bestimmten
medizinischen Fragestellung ("Evidenz").
Es ist nicht eine Exclusivität der medizinischen Welt, unbefriedigende Erkenntnisstände mittels
Machtwörtern von prestigeträchtigen Gremien auszuhebeln. Das Phänomen kommt bei allen möglichen Interventionen,
welche eine Breitenwirkung erzielen sollen, zum Vorschein - so auch bei gewissen Impfprogrammen.
Beispiel Maserneradikations-Projekt: die entscheidenden Gremien wie WHO, Gesundheitsbehörden und Expertenzirkel setzen fraglos voraus,
dass die Ausrottung der Masern an sich ein sinnvolles Ziel sei, indem damit die Krankheitslast des Kindesalters erheblich verringert würde.
Gemessen wird dieser Nutzen aber einzig und allein am Rückgang der Masernkomplikationen. Es gilt als nicht opportun zu fragen, ob andere
Gesundheitsprobleme des Kindesalters die Stelle der zurückgedrängten Masern einnehmen könnten - in einem Mass inopportun,
dass diese Frage schon gar nicht erforscht wird. Weiteres dazu unter Problem Gesamtnutzen.
Peter Klein, April 2007
www.impfo.ch