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In einem Interview mit der Zeitung «Le Parisien» sagt der französische Gesundheitsminister Olivier Véran, dass er noch nicht wisse, ob die Französinnen und Franzosen im Sommer Strandferien machen können. SRF-Frankreichkorrespondent Daniel Voll sagt, warum das so ist.
Daniel Voll
SRF-Korrespondent für Frankreich und den Maghreb
Daniel Voll ist seit 2018 Frankreich-Korrespondent von Radio SRF mit Sitz in Paris. Der Maghreb gehört ebenfalls zu seinem Berichtsgebiet. Zuvor war er u.a. als EU-Korrespondent und Auslandredaktor für SRF tätig.
SRF News: Ist es möglich, dass in Frankreich dieses Jahr die Ferien am Strand ausfallen?
Daniel Voll: Möglich ist es, ja. Zumindest will sich Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran nicht auf eine Öffnung verpflichten lassen, weil es im Moment zu früh für eine Prognose sei. Sicher sei nur, dass das Virus keine Ferien machen werde, hat er im «Le Parisien» salopp gesagt.
Die Küstenregion selbst ist nicht stark von Coronavirus betroffen. Befürchtet man, dass ganz Paris im Sommer an den Strand rennt und das Virus verteilt?
Ja. Wenn man die Karte der Ausbreitung der Epidemie in Frankreich ansieht, stellt man fest, dass die Gegenden im Osten des Landes tiefrot sind. In der Grenzregion zu Deutschland, der Schweiz und Belgien und vor allem in der Grossregion Paris ist das Virus sehr aktiv. Im Westen dagegen, an der Atlantikküste und in der Bretagne ist es wenig verbreitet.
Bewohner der roten Risikozonen dürfen sich nur in einem Umkreis von hundert Kilometern von ihrer Wohnung entfernen.
Diese relative Ruhe sieht die Regierung durch Touristenströme aus der Region Paris gefährdet. Es dürfte schwierig werden, die Verbreitung des Virus schnell genug zu verfolgen. Dies ist auch ein Grund für Reisebeschränkungen, die ab kommender Woche für Bewohner der roten Risikozonen gelten. Sie dürfen sich bis auf Weiteres nur in einem Umkreis von hundert Kilometern von ihrer Wohnung entfernen.
Theoretisch schliesst das eine Reise an die Westküste aus, aber das wird schwierig zu kontrollieren sein. Wenn die Strände gesperrt bleiben, ist das sicher keine Massnahme, mit der die Regierung populärer wird.
Wie sehen die Lockerungen vom 11. Mai in Frankreich aus?
Sie werden nicht im ganzen Land die gleichen sein. In den roten Risikozonen bleiben die Einschränkungen stärker bestehen. Geplant ist eine Wiedereröffnung der Grundschule. Diese ist aber umstritten und wird freiwillig sein. Langsam soll auch der öffentliche Verkehr die Frequenz erhöhen, die Passagiere müssen obligatorisch eine Maske tragen. Restaurants, Bars und Cafés bleiben geschlossen, da gibt es keine Lockerungen.
Linke wie Rechte werfen der Regierung vor, sie wolle mit ihrem Kurs vor allem von eigenen Fehlern ablenken.
Ob diese Lockerungen überhaupt durchgeführt werden, wird erst am Donnerstag entschieden. Véran hat gesagt, es sei jederzeit möglich, dass das Regime wieder stärker werde.
Wird dieser vorsichtige Kurs im Land gestützt?
Längst nicht überall im Land wird der vorsichtige Kurs unterstützt. Die Zeit der nationalen Einheit ist vorbei, jetzt beginnen wieder die üblichen politischen Scharmützel zwischen Regierung und Opposition.
Linke wie Rechte werfen der Regierung vor, sie wolle mit ihrem Kurs vor allem von eigenen Fehlern ablenken, namentlich vom Mangel an Schutzmasken. Politisch kann Macrons Regierung mit ihrer Mehrheit im Parlament zwar jede Massnahme durchsetzen, aber das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung von Präsident Macron sinkt, wie Umfragen zeigen.
Wenn die Bevölkerung nicht mitzieht, dann funktionieren auch die Massnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Virus nur beschränkt. Die Unterstützung des Volkes nimmt ab, je länger die Einschränkung der persönlichen Freiheiten dauert.
Das Gespräch führte Claudia Weber.