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Tiefengeothermie-Pilotprojekt in Haute-Sorne (JU)
Das Projekt
Die für die Stromproduktion benötigte Wärme stammt aus einer Tiefe zwischen 4‘000 und 5‘000 Metern und weist eine Temperatur von mindestens 150°C auf. Für die Realisierung des Kraftwerks wird die sogenannt petrothermale Technologie eingesetzt (auch bekannt als EGS, Enhanced Geothermal System). Diese kommt zur Anwendung, wenn das Gestein in der Tiefe nicht genügend Wasser für eine direkte, sogenannt hydrothermale Nutzung führt. Das Prinzip der petrothermalen Geothermie besteht darin, die Permeabilität des kristallinen Gesteins zu erhöhen, indem natürliche Risse mit Wasser-Injektionen über ein Bohrloch „stimuliert“ werden.
Nachdem im Gestein Fliesswege für die Wasserzirkulation erzeugt wurden, wird eine zweite Bohrung abgeteuft. Diese vervollständigt den unterirdischen Wärmetauscher und ermöglicht die Wasserzirkulation im geschlossenen Kreislauf zwischen dem Tiefengestein und der Oberfläche.
Seit dem Abbruch des Geothermieprojekts in Basel vor rund zehn Jahren wurde in diesem Bereich viel geforscht. Dabei wurden neue Erkenntnisse über die Mechanismen im tiefen Untergrund gewonnen und auch in der Bohrtechnik selbst wurden viele Fortschritte gemacht. Das Pilotprojekt in Haute-Sorne stützt sich auf dieses neu gewonnene Wissen und die Erfahrungen, die auch im Rahmen von anderen Tiefengeothermieprojekten in der Schweiz und im Ausland gesammelt wurden und zur Entwicklung des sogenannten Multistage-stimulationsverfahrens geführt haben.
Document d'information "Questions-Réponses" sur le projet de Haute-Sorne, septembre 2016 (pdf)
Bulletin d’information de la Commune de Haute-Sorne, du Canton du Jura et de Geo-Energie Suisse, juin 2015 (pdf)
Dokumente zur Medienkonferenz vom 15.06.2015
Présentation de Geo-Energie Suisse pour la séance d'information à Bassecourt, 30.01.2014 (pdf)
Bulletin d'information du groupe d'accomagnement du project. 3ème séance du 5 décembre 2013 (pdf)
Bulletin d'information du groupe d'accomagnement du project. 2ème séance du 24 octobre 2013 (pdf)
Bulletin d’information du groupe d’accompagnement du projet. 1ère séance du 27 août 2013 (pdf)
Dossier de presse Haute-Sorne, 14.03.2013 (pdf)
Présentation de Geo-Energie Suisse pour la séance d'information à Bassecourt, 14.03.2013 (pdf)
Das projektierte Geothermiekraftwerk in Haute-Sorne wird eine maximale elektrische Leistung von 5 MW haben und kann Strom für etwa 6‘000 Haushalte produzieren. Falls sich in der Gemeinde ein Fernwärmenetz realisieren lässt, kann das Kraftwerk zusätzlich auch Wärme produzieren. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf ungefähr 100 Millionen Franken geschätzt. Der Standort in der Industriezone von Glovelier wurde sorgfältig und nach den Grundsätzen der Wegweisung 5.07.1 des kantonalen Richtplans ausgewählt. Der Richtplan wurde ohne Gegenstimmen vom jurassischen Parlament und vom Bundesrat angenommen.
Projektstandort und Sicht auf die Parzelle in der Industriezone in Glovelier
Chancen
Das Pionierwerk soll zeigen, dass es möglich ist, eine erneuerbare, umweltverträgliche und einheimische Energiequelle zu nutzen, die konstante Bandenergie liefert und daher zur Substitution der nuklearen und fossilen Energieträger beiträgt. Dies zum Nutzen der lokalen Bevölkerung und der zukünftigen Generationen. Ist das Projekt erfolgreich, wird dies die Nutzung des grossen Potentials der Tiefengeothermie in der Schweiz neuen Auftrieb verleihen.
Entsprechend wird das Geothermiekraftwerk in Haute-Sorne im Erfolgsfall zu einem Leuchtturmprojekt für die Entwicklung der Tiefengeothermie in der Schweiz und im Ausland. Die Pionierleistung würde damit zur Entstehung eines wichtigen lokalen Kompetenzzentrums für Tiefengeothermie beitragen und gleichzeitig neue Arbeitsplätze schaffen. Wenn es in Haute-Sorne gelingt, Strom aus Geothermie herzustellen, wäre das eine Premiere für die Schweiz und würde einen wichtigen technologischen Durchbruch darstellen. Für die Stromproduktion wird die Geo-Energie Jura AG der Gemeinde und dem Kanton eine Gebühr abgeben. Die Beteiligung an der Geo-Energie Jura AG steht den Gemeinden und dem Kanton Jura offen.
Stromverbrauch des Kantons Jura. Die Zahlen für die Grafik wurden dem Bericht „Perspectives énergétiques de la République et Canton du Jura pour 2035“ von Weinmann-Energies SA vom September 2012 entnommen. Im Jahr 2035 müssen 60% des heutigen Stromverbrauchs aus nuklearen Quellen plus der zusätzliche Mehrverbrauch durch neue Quellen erneuerbarer und einheimischer Energie gedeckt werden, wenn der Kanton Jura seine Energieabhängigkeit nicht vergrössern möchte.
Die kürzlich erschienene Studie « Energy from the Earth » (und deren deutschen Zusammenfassung) zeigt die deutlichen ökologischen Vorteile der Tiefengeothermie im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien. Die Studie wurde vom Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) unter der Leitung von Stefan Hirschberg vom Paul Scherrer Institut durchgeführt. Dieser hat die Arbeiten von 32 verschiedenen Wissenschaftlern vom Paul Scherrer Institut (PSI), der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und dem Institut Dialogik der Universität Stuttgart koordiniert, welche schlussendlich zur Verfassung eines Fachberichts von mehr als 450 Seiten führten. Die Analysen gehen nicht nur auf die geologischen Rahmenbedingungen und die technischen, ökonomischen und ökologischen Aspekte der Geothermie ein, sondern befassen sich auch mit dem rechtlichen Rahmen und der gesellschaftlichen Beurteilung der neuartigen Energieproduktion.
Studie « Energy from the Earth » vom Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss)
Sicherheitsmassnahmen und Baubegleitung
Die Geo-Energie Suisse ist sich bewusst, dass das Projekt bei der lokalen Bevölkerung, insbesondere bei den nächsten Nachbarn, auch Fragen und Ängste auslöst. Entsprechend sorgfältig wurde das Projekt geplant. Zudem verlangt der Kanton in seiner Bewilligung strenge Auflagen. All dies, sowie das Bewusstsein, dass sich die Technologie nur durchsetzen kann, wenn sie von der Bevölkerung akzeptiert wird, führt dazu, dass alles unternommen wird, um die Auswirkungen des Projekts so weit wie möglich zu minimieren.
Erschütterungen
Die im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung erstellte seismische Risikostudie ist weltweit eine der ausführlichsten Risikostudien für ein Geothermieprojekt. Sie ermöglichte es, Sicherheitsmassnahmen zu definieren, um das Risiko für Schäden an Bauten auf ein Minimum zu reduzieren. Der Kanton stützt sich bei der Prüfung der Risikostudie einerseits auf die Experten des Schweizerischen Erdbebendienstes und setzt zusätzlich eine neutrale Expertengruppe ein. Diese hat die Aufgabe, das seismische Risiko in jeder Projektphase neu zu evaluieren. Der Verlauf des Projekts hängt von der Einschätzung dieser Gruppe ab und kann auf deren Empfehlung hin jederzeit angepasst oder sogar unterbrochen werden.
Für den Fall, dass trotzdem Schäden durch das Projekt verursacht werden, hat die Geo-Energie Suisse AG ein Beweissicherungskonzept entwickelt und eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die die Entschädigung von betroffenen Eigentümern garantiert.
Ein Ampelsystem, das auf einem seismischen Überwachungsnetz basiert, erlaubt die Arbeiten zu unterbrechen, bevor unerwartet Schäden auftreten können. Weiter ist es im Rahmen des Beweissicherungskonzepts vorgesehen, in ausgewählten Gebäuden Erschütterungsmessgeräte (Foto rechts) aufzustellen.
Lärm- und Gewässerschutz
Zusätzlich waren auch der Gewässerschutz und die Eindämmung des durch das Projekt verursachten Lärms Gegenstand sorgfältiger Planungsarbeiten. Eine Umweltbaubegleitung und reguläre Messungen unter der Aufsicht des kantonalen Umweltamts erlauben, den planmässigen Ablauf zu garantieren.
Verrohrungsprinzip
(links) und einzementierte Rohre (rechts). Diese Art der Verrohrung wird
eingesetzt, um das Bohrloch abzudichten und das Grundwasser zu schützen.
Zeitplan
Folgend wird der Zeitplan des Projektes abgebildet. Eine allfällige Weiterführung des juristischen Verfahrens vor dem Bundesgericht könnte jedoch diesen Zeitplan noch beeinflussen. Das Dossier wurde von den Behörden sorgfältig geprüft und Geo-Energie Suisse AG bleibt davon überzeugt, dass das Projekt rechtskonform ist.