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Serotonin ist ein Botenstoff im zentralen und peripheren Nervensystem und nimmt Einfluss auf folgende Vorgänge und Abläufe:
Zusammen mit dem Botenstoff Noradrenalin steuert Serotonin verschiedene Prozesse im Gehirn, beispielsweise:
Es wird vermutet, dass ein Mangel dieser Botenstoffe die Ursache für Antriebslosigkeit, Interessenverlust oder Traurigkeit ist. Die Behandlung von Depressionen erfolgt mit Antidepressiva, welche unter anderem für den Anstieg von Serotonin verantwortlich sind, sodass eine zu hohe Dosis und/oder die Verbindung von mehreren Arzneimitteln ein Serotonin Syndrom auslösen können. Auch Präparate mit Triptane, Drogen und andere Wirkstoffe können eine Diskrepanz im Serotoninhaushalt generieren.
Der Abbau von Antidepressiva und anderen Arzneimitteln im Körper kann aufgrund bestimmter Stoffe durch Wechselwirkungen gestört und gehemmt werden, etwa durch:
Durch die Anreicherung der serotonerg wirksamen Stoffe wird das Serotonin System zusätzlich beeinflusst, sodass bereits durch eine kleine Dosis ein Serotonin Syndrom denkbar ist.
Symptome treten entweder aufgrund eines Präparates mit einem bestimmten Wirkstoff auf, welcher den Serotoninspiegel im Gehirn erhöht, als mögliche Folge einer Dosiserhöhung oder in Verbindung mit anderen Präparaten oder Substanzen. Die Anzeichen beim Serotonin Syndrom sind relativ schnell erkennbar, meist innerhalb der ersten 24 Stunden. Das Auftreten der Symptome fällt unterschiedlich aus und ist vom Verlauf abhängig. Es kann schon nach der ersten Einnahme oder bei einer (zu schnellen) Steigerung der Dosis erfolgen. Die Symptomatik ist in drei Gruppen aufgeteilt:
Die vegetative Symptomatik, gekennzeichnet durch
Die zentralnervöse Erregung, unter anderem mit
Gesteigerte Reflexe (Tremor), zum Beispiel
Die Anamnese durch Fachleute gibt einen ersten Aufschluss, jedoch können bei einem getrübten Bewusstsein oder Verwirrtheit Fragen offen oder ungenügend beantwortet bleiben, sodass eine Fremdanamnese mit einer Befragung im Umfeld zum Tragen kommt. Diese erstreckt sich zum Beispiel auf:
Die physische Beratung und Untersuchung fokussieren sich, zusammen mit der Anamnese, auf spezifische und typische Anzeichen, welche ausschlaggebend für eine Diagnostik des serotonergen Syndroms sind. Obschon keine spezifischen Labortests zur Verfügung stehen, können sich möglicherweise verschiedene Laborwerte aufgrund des Serotoninüberschuss verändern, beispielsweise
Bei starken Krämpfen lässt sich ein erhöhter Myoglobinwert feststellen. Mit toxikologischen Tests werden Drogenmissbrauch oder -konsum ermittelt. Durch das Screeningverfahren wird der Medikamentenspiegel nachgewiesen. Hinzu kommen weitere Abklärungen wie EKG oder CT, um andere Auslöser auszuschliessen.
Die Diagnostik bei Patienten gestaltet sich relativ schwierig. Einerseits sind unterschiedlich ausgeprägte Symptome eines serotonergen Syndroms durch Medikamente vorhanden, andererseits ähneln sie anderen Krankheiten, in erster Linie MNS (Maligne neuroleptisches Syndrom). Hinzu kommt, dass sich ein Serotoninüberschuss verhältnismässig schnell entwickelt, so dass bei einer schweren Entwicklung meist nur ein kleines Zeitfenster für eine Untersuchung bleibt. Erschwerend kommt hinzu, dass es keine Labortests gibt, um ein Serotonin Syndrom zu diagnostizieren. Als Differenzialdiagnostik kommt MNS zum Tragen.
Das lebensbedrohliche Serotonin Syndrom wird als neurologischer und psychiatrischer Notfall gewertet. In einem ersten Schritt werden bei Patienten durch den Arzt die Mittel abgesetzt, welche möglicherweise für die Ursache verantwortlich sind und andere Mittel eingesetzt:
Muskelkrämpfe und -zuckungen können Muskelschäden verursachen, indem sich die Muskelfasern auflösen. Das freigesetzte Muskelprotein lagert sich im Nierengewebe ab und kann zu einem Nierenversagen führen. Benzodiazepine unterdrücken auftretende Krampfanfälle. Sind diese Massnahmen unzureichend, wird eine intensivmedizinische Betreuung und Überwachung angeordnet.
Das Syndrom wird dann lebensbedrohlich, wenn Komplikationen oder schwerwiegende Folgen auftreten:
Die Symptomatik bei Herzproblemen ähnelt der eines Herzinfarktes. Epileptische Anfälle können bis zum Koma führen. Aufgrund der blutgerinnenden Wirkung von Serotonin kann das serotonerge Syndrom zu einem gesteigerten Verbrauch an Gerinnungsfaktoren sowie Thrombozyten und im Anschluss zu einem Mangel und spontanen Blutungen führen. Der Tod aufgrund eines Serotonin Syndroms kann auch durch ein multiples Organversagen herbeigeführt werden.