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Viele Mütter fragen sich besorgt, ob ihr Baby beim Stillen überhaupt satt wird. Oder braucht es einen zusätzlichen Schoppen? Wenn das Baby ständig nach der Brust verlangt, heisst das aber nicht, dass die Milch zu dünn ist.
Clusterfeeding regt die Milchbildung an
Gerade für Neugeborene ist es in den ersten Lebenstagen und -wochen ganz normal, wenn sie abends fast nicht mehr von der Brust zu trennen sind. Durch diese wichtige, aber kräftezehrende Phase wird die Milchbildung angeregt. Zwischen dem zweiten und vierten Lebenstag stellt die Brust vom Milcheinschuss auf die normale Milchbildung um. Kleine und häufige Mahlzeiten entsprechen der Grösse des kleinen Magens und regen bei der Mutter intensiv die Ausschüttung von Prolaktin (Milchbildungshormon) an, womit die Produktion der nächsten Mahlzeit sichergestellt wird. Durch das Saugen an der Brustwarze kommt es ausserdem zur kurzzeitig hohen Ausschüttung von Oxytocin, dies löst bei der Mutter den Milchspendereflex aus: Die Milch wird aus den Milchdrüsen in die Milchgänge gepresst.
Warum ausgerechnet abends die Dauermahlzeit?
Clusterfeeding betrifft meist die Abendmahlzeiten. Das Dauernuckeln an der Brust beruhigt das Baby und lässt es leichter in den Schlaf finden, wobei zusätzlich schlaffördernde Substanzen in der abendlichen Muttermilch die Nachtruhe verlängern sollen. Hat Ihr Baby aber nur ein Saugbedürfnis ohne wirklichen Hunger, können Sie versuchen, es zwischendurch mit einem Nuggi zu beruhigen. Das kann auch der Vater übernehmen, um Sie zu entlasten.
Praktisch: Wenn es im Sommer sehr heiss ist, brauchen Stillbabys eher kurze und häufige Mahlzeiten mit der besonders durstlöschenden Vordermilch. Zusätzliches Wasser ist dann nicht nötig, weil sie über die Muttermilch ausreichend Flüssigkeit bekommen. Denken Sie daran, selbst genug zu trinken!
Auch noch in der späteren Stillzeit verlangen Babys nach einem "Mehrgänger", oft in Verbindung mit einem Wachstumsschub. Nach einigen Tagen hat sich die Milchproduktion in der Regel erhöht und die normalen Stillabstände pendeln sich wieder ein.
Stillen nach Bedarf
Häufigkeit und Dauer der Stillmahlzeiten werden vom Baby bestimmt - und jede Mutter muss mit ihrem Kind den eigenen Rhythmus finden. Absolute Empfehlungen wie "x-mal in 24 Stunden" oder "alle x Stunden" kann es deshalb nicht geben. Viele Kinder wollen in den ersten Lebenswochen acht- bis zwölfmal in 24 Stunden angelegt werden, andere weniger oder mehr. Auch das Stillmuster kann unterschiedlich sein und sich im Laufe der Wochen und Monate verändern. Manche Babys möchten rund um die Uhr regelmässig alle zwei bis drei Stunden trinken, andere über einen Zeitraum von zwei bis sechs Stunden stündlich trinken und dann länger schlafen. Manche Säuglinge verändern ihre Stillfrequenz und ihr Stillmuster, wenn sie älter werden, andere nicht.
Dauerstillen bedeutet nicht, dass die Milch zu dünn ist!
Die meisten Mütter fragen sich, ob sie nicht genug oder zu nährstoffarme Milch produzieren, wenn ihr Baby scheinbar nicht satt zu bekommen ist. Diese Sorge ist völlig unbegründet. Sie haben nicht zu wenig Milch, Ihr Baby hat noch einen kleinen Magen! Die leicht verdauliche Muttermilch wandert sehr schnell vom Magen in den Darm - und schon ist Ihr Baby wieder hungrig. Auch später, wenn sich der Nährstoffbedarf erhöht (z.B. während eines Wachstumsschubs), müssen Sie für ein paar Tage öfters anlegen ("clustern"), damit die Milchproduktion stimuliert wird. Sie merken das daran, dass Ihr Kind beide Brüste leer trinkt und noch immer hungrig ist.
Was Sie nicht tun sollten:
Zwischen den Brüsten wechseln, wenn eine Seite noch nicht leergetrunken ist
Zuschöppeln mit der Flasche - das reduziert die Milchproduktion erst recht
Zusätzliches Wasser bzw. Tee mit der Flasche geben
Erst wenn Babys Tag und Nacht ununterbrochen gestillt werden wollen und dabei nicht zunehmen oder sogar an Gewicht verlieren, sollte man den Arzt, die Hebamme oder eine Stillberatung konsultieren.
Gelassen bleiben
Stellen Sie sich auf einen längeren Stillabend ein und machen Sie es sich so gemütlich und bequem wie möglich. Ein Stillkissen ist eine grosse Hilfe. Das Baby sollte die Brustwarze erreichen können, ohne dass Sie sich zu ihm herabbeugen müssen!
Legen Sie sich ausreichend Wasser, Tee und Snacks zurecht. Warme Getränke unterstützen die Milchbildung.
Geniessen Sie die gemeinsame Kuschelzeit! Alles andere in Ihrem Leben ist jetzt nebensächlich.
Wenn das Baby zwischendurch einschläft, sollte leichte Lektüre (Buch oder Hörbuch), Musik, die Fernbedienung des Fernsehers oder auch ein Tablet oder Smartphone in Reichweite sein.