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Ueli Sandmeier hat mit seiner Frau Barbara mit dem Segelboot die Welt umrundet. Lesen Sie hier das Interview.
1. Du hast zusammen mit deiner Frau Barbara mit dem Segelboot die Welt umrundet. Kannst du uns die Route beschreiben, die ihr genommen habt?
Wir haben die sogenannte „Barfuss Route“ genommen, von Panama bis Panama. Wir sind praktisch immer im Passatgürtel südlich des Equators von Ost nach West gesegelt. So segelten wir praktisch immer Vorwind. Die Ausnahme machte der Ausflug nach Neuseeland und das Umrunden des Kap der guten Hoffnung.
- welches waren die wichtigsten Stationen? Neuseeland, Australien, Südafrika, Brasilien. In diesen Ländern verbrachten wir jeweils ein halbes bis zu einem Jahr und haben das Land mit eigenem Auto oder öffentlichen Verkehrsmittel bereist.
- wie lange hat das gedauert? Wir waren insgesamt 6 Jahre unterwegs. Davon verbrachten wir 11 Monate unter Segel, 13 Monate vor Anker in Buchten oder hinter Inseln. Insgesamt 4 Jahre lang war die Antares in einem Hafen angebunden, während unseren Landausflügen und Heimurlauben in Luzern.
- wieviel Zeit muss man sich nehmen, um entspannt rundum zu segeln? was ist ideal?
Mindestens 2 Jahre, ohne längere Aufenthalte bei Inseln oder verschiedenen Orten. 4 Jahre wenn man sich die Länder und Inseln, die man besucht, etwas näher unter die Lupe nehmen will. Mehr, wenn man ab und zu zurück in die Schweiz fliegen will um „Ferien“ zu machen. Der Zeitplan richtet sich nach der Hurrikan- oder Taifunsaison. Sich Zeit nehmen beim Start einer Segeletappe bei schlechten Wettervorhersagen ist ein grosser Sicherheitsaspekt.
- wo würdest du unbedingt wieder hinsegeln und weshalb?
Eindrücklich waren für uns franz. Polynesien, die Atolle in den Tuamotus mit den fröhlichen Kindern, sowie Tahiti mit dem Volksfest „Heifa“. Australien und Südafrika, wenn man Zeit hat, das Land ausgiebig zu bereisen.
- welche Stationen würdest du eher auslassen?
Wir haben nirgends schlechte Erfahrungen gemacht. Venezuela würden wir zur Zeit nicht besuchen. Auch sind wir mit Absicht nicht nach Indonesien und den Philippinen gesegelt. Eine Passage durch den Suezkanal und das Umrunden des Horn von Afrika stand wegen der Piraterie nie zur Diskussion.
2. Ist es so schön, wie man es sich vorstellt? Weshalb?
Wenn man sich keine falschen Vorstellungen macht, ist es schön. Es ist kein „dolce far niente“ und ohne Arbeit geht es nicht. Alles muss erarbeitet sein und immer gibt es wieder unangenehme Überraschungen, die man bewältigen muss. Aber man hat Zeit dafür, die man in der Schweiz nicht hatte. Wir trafen mal unterwegs einen Direktor einer namhaften Schweizer Firma. Der stöhnte: „Ich habe in der Schweiz viel gearbeitet, aber nicht so viel wie ich auf dem Schiff arbeiten muss“. Aber nicht desto trotz, es war wunderschön.
3. Kannst du uns das Schiff beschreiben? Dimensionen (L/B/T)? Verdrängung, Kapazität Wasser/Diesel? Reisegeschwindigkeit? Kommunikation? Etc.
Die Daten unserer Antares Royale: Länge 14 m, Breite 4 m, Tiefgang 2.10, Tonnage mit Ausrüstung 14 t. Segelfläche 100 m2, Motor Perkins 85 hp mit Drehflügelpropeller, 700 Liter Wasser, 600 Liter Diesel, Reisegeschwindigkeit durchschnittlich 6 kn. Für die Kommunikation UKW und Kurzwellen-Funk mit Pactor 2 für die E- Mails. Navigation mit Max Sea und Seekarten von Sea Map auf dem Laptop mit GP-Maus. Echolot, Radar, Windmesser und Speedometer. Windgenerator und 4 Solarmodule Leistung 15 Ah peak für elektr. Strom mit 540 Ah Batterien. Autopilot und Windfahnensteuerung
4. Gibt es ein ideales Weltumseglerboot? Wie sähe das aus (Monohull/Katamaran, ideale Grösse, Tiefgang, etc.)?
Vorne weg, ein schnelles Boot ist kein Argument um eine Weltumsegelung zu geniessen. Es gilt der Spruch „Der Weg ist das Ziel.“ Das Boot sollte einfach so gross sein, dass man in der Kabine aufrecht stehen kann. Ob Mono oder Kat ist Ansichtssache. Die Anzahl der Katamarane hat in den letzten Jahren sehr zugelegt, seit die Angst nicht mehr vorhanden ist, dass diese „kippen“ können. Es ist eine Zeiterscheinung, da der Lebensraum auf einem Kat halt um einiges grösser ist als auf einem Einrümpfer. Unsere Antares, eine Dufour 12000 haben wir in den ersten 10 Jahren so eingerichtet und ergänzt, dass man darauf angenehm und sicher segeln kann. Sie segelt weich in den Wellen, hat dank tiefem Kiel ein gutes aufrichtendes Moment. Die feste Sprayhood und das Biminitop aus Fiberglas trägt da wesentlich dazu bei, so dass man vor Sonne und Regen auch im Freien immer geschützt ist. Eine solche Einrichtung gehört auf jedes Schiff. Die Solarmodule auf dem Bimini brachten immer genügend Strom. Generator und Wassermacher braucht man nicht unbedingt. Je mehr Technik und Geräte an Bord desto mehr Ausfälle, Probleme Kosten und Arbeit.
5. Welches sind die wichtigsten Ausrüstungselemente? Was ist ein „Muss“, was ist „nice to have“?
Ein gutes aufblasbares Dinghi mit festem Boden und starkem Motor. Es ist quasi unser „Auto“. Kühlschrank, Kochherd mit Backofen, genügend Stauraum für Lebensmittel und Getränke für das leibliche Wohl war uns wichtig. Barbara schwärmte immer von einem Wassermacher. Dafür wäre jedoch auch ein Generator notwendig gewesen.
6. Man hört immer wieder es sei auch in den entlegensten Ecken sehr teuer geworden und die Route sei überlaufen. Was ist eure Meinung?
Der jeweilige Wechselkurs zum Sfr. bestimmt meistens den Preis, und da fahren wir mit unserer harten Währung nicht schlecht. Ausser in der Karibik konnten wir keine extra Margen für die Touristen feststellen. Die franz. Inseln wie Tahiti, Neukaledonien und Réunion haben europäische Preise und sind somit teurer als andere Inseln.
Obwohl die meisten Weltumsegler die Barfussrute unter den Kiel nehmen trifft man wenig Segler unterwegs. Und wenn, dann ist es jeweils eine willkommene Gelegenheit, den Kropf zu lehren und um Erfahrungen auszutauschen.
7. Ist es empfehlenswert in der Schweiz eine Bleibe zu haben oder kann man die Zelte abbrechen?
- wie habt ihr euch entschieden und weshalb?
Eine Faustregel sagt, dass man gleich viel braucht, wie wenn man zu Hause bleiben würde. Vor allem wenn man nicht immer nur vor Anker liegen will und selbst gefangenen Fisch, Reis oder Linsen essen will. Will man etwas vom Land oder von den Inseln sehen und Ausflüge machen oder öfter mal in die Schweiz fliegen, sind das Mehrkosten. Vor allem häufen sich dann jeweils die Stegmiete in einer Marina für das Schiff während dieser Zeit. Im Schnitt zahlten wir dafür US$ 600.- pro Monat. Unterhalt und Reparaturen für das Schiff, ob neu oder alt, sind schwer zu budgetieren und sind Fixkosten, wenn man dazu fremde Hilfe in Anspruch nehmen muss. In Zahlen bedeutet das +/- Fr. 5000.- für zwei Personen pro Monat. Mit der EC-Karte konnten wir in jedem Land bei Bankomaten Bargeld abheben. Zusätzlich hatten wir eine Visa-Karte für grössere Ausgaben. Auf jeden Fall ist es ein Trugschluss wenn man glaubt, man könne bei einer Weltumsegelung Geld sparen.
- Fixkosten zu Hause?
Wenn man keine Beitragslücke in der AHV haben will, sollte man diese weiter bezahlen. Dann kommen die Versicherungen für Unfall, Krankheit und auch für das Schiff und eine Lebensversicherung. Anfallende Steuern, Wohnungsmiete oder Hypothek.
- effektive Reisekosten?
Für Nahrungsmittel, Diesel, Gebühren bezahlten wir +/- Sfr. 2‘500.- pro Monat
8. Hast du uns noch einen „Geheimtipp“ zum Abschluss?
Sehr gut gefallen haben uns das Volksfest Heiva auf Tahiti, die kulturellen Wettkämpfe der Polynesier anfangs Juli in Papeete.
Die San Blas Inseln. 360 Inseln vorgelagert von Panama, direkt vor der „Haustüre“ unserer Antares. Davon sind 40 bewohnt mit Uhreinwohnern, den Kunas, die zweitkleinste Menschenrasse der Welt. Sie leben grösstenteils immer noch in primitiven Bambushütten und schlafen in Hängematten. Die meisten besitzen nicht mehr als ein paar Gummistiefel, eine Machete und ein Kanu. Wir haben auf unserer Weltumsegelung nirgendwo schönere Inseln gesehen.
Der Panamakanal ist ein imposantes Bauwerk. Vor allem jetzt wo die neuen Schleusen für die Ozeanriesen im Bau sind. Eine Panamakanal Passage ist das highlight einer Weltumsegelung.
Mein Geheimtipp zum Kauf eines Schiffes für eine Weltumsegelung: Lass dich nicht verleiten und blenden durch Ausstellungsschiffe, Prospekte und Inserate in Fachzeitschriften. Diese sind da um den Verkauf zu fördern und die Illusionen, Träume und Vorstellungen der Käufer zu stimulieren. Die Bootsbranche ist ein Geschäft und keine gemeinnützige Institution um die Kunden für ihre Bedürfnisse wirklich zu beraten. So ist z. B. ein Teakdeck nur ein optisches Verkaufsargument. Eine Sprayhood und ein Bimini-Top jedoch ein notwendiger Bestandteil eines Schiffes.
Herzlichen Dank, Ueli, für die klaren und guten Informationen.
Interviewer: Günter Konrad. Luzern, im Dezember 2014