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Der Dokumentarfilm «Gasland» von John Fox
aus dem Jahr 2010 zeigt eindrücklich die Problematik
der Erdgasförderung (Fracking-Methode) in Amerika.
Es lohnt sich den Film (103 Min.) auf Arte anzuschauen!
http://www.arte.tv/guide/de/sendungen/JT-010667/gasland
http://future.arte.tv/de/thema/wie-weiter-mit-dem-schiefergas
Aktueller Film
gasland ll, 2013, John Fox (Fortsetzung)
http://www.gaslandthemovie.com/
Wir haben den Film «gasland» als Leseartikel
zusammengefasst und mit weiteren Beiträgen ergänzt.
Umweltgesetze in Amerika
1972 unterzeichnete Präsident Richard Nixon das Wasserreinheitsgesetz.
Durch Dick Cheney wird im Kongress im Energiegesetz die Erdöl- und Erdgasindustrie vom Trinkwassersicherheitsgesetz ausgenommen. Ebenso vom
Luftreinheitsgesetz und Umweltschädigungsgesetz.
Dick Cheney wurde 2000 Vice-Präsident der USA. Davor war er fünf Jahre Geschäftsführer von Halliburton. Als eine seiner ersten Amtshandlungen
bildete er die Projektgruppe Energie. Deren Mitglieder - führende Köpfe der Firmen: PFC Energy, BP, Royal-Dutsch Shell, Enron, American Petroleum - trafen sich etwa vierzig mal. Mit den Vertretern der Umweltgruppe traf man sich einmal. Die Lobby konnte ein Schlupfloch im Trinkwassersicherheitsgesetz durchsetzen.
Oel- oder Gasfirmen hatten danach eine "Sondergenehmigung" nachweislich gefährliche Materialien unkontrolliert in unterirdische Trinkwasserbestände oder in deren Nähe einzubringen.
Fracking in Amerika
Frackingflüssigkeit besteht aus 596 Chemikalien. Für jedes Fracking werden 4 bis 26 Millionen Liter Wasser benötigt. (1 bis 7 Millionen Gallonen)
Jedes zusätzliche Fracking benötigt wieder 26 Millionen Liter Wasser. Ein Bohrloch kann bis zu 18 mal für Fracking benutzt werden.
Die Bohrungen begannen im Westen der Vereinigten Staaten: New Mexico, Colorado, Texas, Wyoming, Oklahoma und im Süden: Arkansas, Louisiana, Delaware
450'000 Bohrlöcher x 18 X 1 bis 7 Millionen Gallonen = 40 Billionen Gallonen Wasser oder = 150 Billionen Liter Wasser
In all diesem Wasser ist die Frackingflüssigkeit.
Geplant sind 50'000 Gaslöcher auf einer Strecke von 120km nach Osten entlang des Delaware River und hunderttausende weitere an verschiedenen Orten in New York, Pennsylvania, Ohio, West Virginia.
Gefahren und Auswirkungen des Fracking
Wasser schmeckt metallisch - Den Tieren fallen Haare aus - Katzen mussten erbrechen - Frackingwasser wird illegal auf Felder und Gewässer entsorgt - Probleme mit dem Wasser - Gesundheitsprobleme - Explosionsgefahr - Zerstörung von Land und Boden - Vertrauensverlust in staatliche Instanzen -
tote oder kranke Tiere - Eindruck der Vertuschung -
→kein normales Leben mehr möglich
United States Environmental Protection Agency, (EPA)
Föderale Umweltschutzbehörde
Weston Wilson (hinterfragt kritisch seine eigene Regierungsbehörde)
«Das neue Energiepolitik-Gesetz wurde 2005 unter der Regierung Bush verabschiedet. Wenn der Präsident sagt, es geht um Verwaltungsaufgaben, untersucht das nicht weiter, fördert vielmehr die Wirtschaft, dann wird das so gemacht. -Diese ganze Branche kauft schon seit 100 Jahren die Menschen die sie mit Giften belasten. Wenn Sie Land erstehen, dann oft mit einer Stillschweigeklausel, für diejenigen die der Oel- und Gaswirtschaft Verseuchungen vorwerfen...Die Beweispflicht sollte bei den Konzernen liegen. -Wir leben in Amerika, wir sollten die Geheimniskrämerei der Konzerne nicht hinnehmen.
Erst recht nicht wenn Sie hinter unserem Haus operieren. Die Firmen sollten der Regierung beweisen, dass ihre Praktiken ungefährlich sind. Wir müssen den Hinweisen aus der Bevölkerung nachgehen. Aber das wird nicht gemacht. Wir sitzend schlafend am Steuer. Glauben sie bloss nicht, dass sich in der EPA was ändern wird nur weil Obama gewählt wurde. - Selbst wenn die Hinweise nicht zutreffen, müsste man ihnen nachgehen. Die Bürger der USA haben es nicht verdient, geheimgehaltenen Chemikalien ausgesetzt zu werden. Sowas darf es in Amerika nicht geben. - Die EPA ist da nicht zuständig.
Wir als Regierungsbehörde sollen nicht einmal ihre Fragen beantworten. Dabei sollten wir als Regierungsbehörde genau dazu angewiesen werden».
Anzahl Lastwagenfahrten für den Auf- und Abbau eines Bohrturmes
Ein Bohrturm wird für 3 bis 4 Wochen installiert. In dieser Zeit wird bis zu 3'000 Meter in das Schiefergestein gebohrt. Für die Fertigstellung der Gasförderstelle von der Erstbohrung bis zum ersten Fracking sind
1'150 Lastwagenfahrten
notwendig.
Diese verteilen sich wie folgt:
10-45 Auf- und Abbau, Zufahrt LKW-strassen
30 Bohrturm
25-50 Bohrflüssigkeit und Material
25-50 Bohrausrüstung, Futter, Bohrgestänge
15 Bohrturm, Aufbau und Rückbau
10-20 Schlussflüssigkeit und weitere Ladungen
5 Geräte für den Rückbau
150-200 Frackingausrüstung, spez. LKW, Hochdruckpumpen und Tanks
400-600 Frackingwasser Tanklastzug, pro Bohrloch
20-25 Frackingsand
200-300 Entsorgung des Rückflusswassers
Von der gesamten Wassermenge die in den Boden gepresst, wird kommt nur die Hälfte wieder hoch!
Bevor das Wasser abtransportiert wird, bevor es entsorgt werden kann, wird es in einer Erd- Ton- oder Kalkgrube gesammelt.
Zu jedem Bohrloch gehört eine Miniraffinerie und eine Speichereinheit.
Strömt das Gas aus den Boden ist es feucht. Der Separator erhitzt es, das Wasser verdunstet. Die Chemikalien und die flüchtigen Verbindungen werden direkt vor Ort zur Verdunstung gebracht. Nur das Gas wird in eine Pumpleitung gebracht und durchläuft dann weitere Stadien der Veredelung.
Die grossen Behälter in der Nähe der Bohrstelle sind Kondensat-Tanks. Darin wird das Kondensat gelagert bis es abtransportiert werden kann.
Es handelt sich dabei um unbrauchbares Restwasser, Produktwasser bis zu minderwertigem Kerosin. So ein Tank sondert flüchtige organische Verbindungen ab.
Rund um die Uhr. Das Umweltschutzamt von Wyoming hat oft vor den bedenklich hohen Ozonwerten gewarnt. Die Luft in Sublette County die die Leute einatmen ist noch schlechter als die Luft von Los Angeles.
Aufgrund der Sonderregelung sind Frackingchemikalien urheberrechtlich geschützt.
Jedes Umweltgesetz zum Schutz der Gesundheit wird beim Fracking
ignoriert, dabei sind Auswirkungen auf des Nervensystem äusserst tückisch.
Menschen die in der Nähe eines Bohrfeldes sind inhallieren diese Chemikalien.
- Arbeiter oder die Leute die 300 Meter vor oder hinter dem Haus ein Bohrfeld haben.
Texas - Schadstoffe in der Luft
Ballungsraum Dallas, Arlington, Fort Worth
Dr. Al Armendariz, Experte für Luftqualität
«Das ist eine Karte der Regierung. Jeder dieser Punkte steht für ein Oel- oder Erdgasbohrloch oder mehrere. Ein Punkt entspricht einem Feld darauf können fünf bis zehn Bohrlöcher sein. Rund um Fort Worth können also 10'000 Bohrlöcher angelegt sein. Die Umweltschutzbehörde von Texas wusste nichts, die haben keine Ahnung wieviele Bohrlöcher angelegt wurden.
- Wie sah es genau aus mit den Emissionen. - Wir wollten uns nicht auf die Zahlen der Regierung verlassen, die hat ja indirekt zugegeben, dass sie hinsichtlich der Emissionen nicht Bescheid wusste. Also haben wir uns selber ein Bild gemacht. Mittlerweile wissen wir, dass die Emissionen höher sind als alle Fahrzeuge in Fort Worth und Dallas zusammen».
Die Emissionen der Erdöl- und Gasindustrie waren in den letzten Jahren höher als alle von Fahrzeugen verursachten Emissionen in der Grossregion. Die Kataster der Regierung zeigen einen Ausstoss von 200 Tonnen/täglich für Fahrzeuge PKW, LKW, Lieferwagen
und Motorrädern. Die Auswirkungen sind Ozon und Feinstaub in der Luft. Der Ausstoss der Erdöl- und Gasindustrie liegen allein bei Fort Worth bei 200 Tonnen/täglich.
Diese Bohranlagen brauchen Diesel.
Manche 3'000 Liter pro Tag.
Auch die Kondensattanks sondern etwas
Emissionen ab.
Durch eine Infrarotkamera betrachtet
sind die Kohlenwasserstoffe sichtbar.
Louisiana - Schadstoffe im Wasser
Wilma Subra, Chemikerin
«In der ganzen Gegend ist das Grundwasser verseucht. Durch die Produktionsprozesse, die Bohrungen und die Gruben mit Oelabfällen ist hier alles mit zahlreichen Schwermetallen verseucht, darunter Barium (das in Bohrflüssigkeit vorkommt), Arsen, Cadmium, Chrom, Blei. - Menschen die viel Sport betreiben und demzufolge auch Trinken leiden an Arsenvergiftung. Im Krankenhaus haben die Aerzte die Ehefrau rausgeschickt und den Mann gefragt, könnte es sein dass ihre Ehefrau sie vergiften will?»
In diesem Teil von Louisiana und südlich angrenzenden Golf von Mexiko sammeln sich seit 60 Jahren die Abfälle der Oel- und Gasindustrie. Ein Drittel des amerikanischen Erdgases verlässt diesen Umschlagplatz. Dort werden alle Nebenprodukte und Abwässer im Meer versorgt. In der Hoffnung, dass sie auf immer verschwinden. Aber durch die Hurricane Sabrina und Katrina kam alles zurück an Land. In den Gewässern hatte sich Sediment angesammelt, nachdem die Menschen jahrzehntelang Abfälle darin entsorgt hatten. Die Sturmflut hat das alles hochgehoben und an Land abgelagert. Die Umgebung war regelrecht mit einer Schicht überzogen. Die ganze Küste entlang: Louisiana Mississippi, Alabama, Texas.
Harrisburg, Pennsylvania (Department of Environmental Protection)
John Hanger, Umweltschutzamt (Interview Auszug)
Hanger: In Pennsylvania besteht ganz klar die Chance zu umfangreichen Erdgasförderungen.
Fox: Sie haben erklärt sie sind bemüht Umweltschäden zu vermeiden aber auch Wasserverseuchungen seien nicht zu vermeiden. Ist das nicht ein Widerspruch?
Hanger: Darauf will ich ihnen ganz offen antworten: Die perfekte Energiequelle gibt es nicht und es ist völlig richtig das Erdgas da keine Ausnahme darstellt...
Die bisherigen Betroffenen (Menschen denen das Trinkwasser verseucht wurde) sind ausnahmslos versorgt worden...Was zählt ist das Endergebnis. Wir werden
nicht zulassen, das Menschen deren Wasser durch Bohrungen verunreinigt wurde, derartiges Wasser trinken müssen... und bis mir jemand eine funktionierende
Wasserstoffwirtschaft zeigt, habe ich keine perfekte Antwort auf all diese Fragen. Bis dahin muss ich Abstriche machen. Und damit leben, dass es oft zwei Schritte vor und einen zurück gibt. Das gilt auch für die vielen Entscheidungsprozesse die momentan ablaufen...
Fox: Halten sie es für eine angemesse Lösung Wasser durch Zisternen zu ersetzen?
...
(Einige Monate nach dem Interview wurde dem Umweltamt von Pennsylvania die Gelder gekürzt. Ueber 350 Vollzeitstellen und 25% des gesamten Budgets wurden gestrichen. Und das zum Zeitpunkt der wohl umfangreichsten Erdgasbohrungen in der Geschichte Pennsylvanias)
Wieviel Wasser kann man ersetzen?
Woher kommt das Wasser für die Stadt New York, New Jersey und Philadelphia?
Die grünen Bereiche sind Wassereinzugsgebiete von New York und das weisse das Flussbecken des Delaware. Diese Gebiete versorgen bis zu
15.6 Millionen Menschen mit Wasser. (6.8 Millionen in New York, 5.4 Millionen in Pennsylvania, 700'000 in Delaware,
2.9 Millionen in New Jersey)
Es ist weltweit des grösste Reservoir mit nicht aufbereitetem Wasser. Die Reservoirs wurden vor rund 100 Jahren angelegt.
Die Energiewirtschaft hat hunderttausende Hektar im Wassereinzugsgebiet der Stadt New York und im Becken des Delaware gepachtet - was 50'000 Gasbrunnen bedeuten könnte!
Im Frühjahr 2010 fanden dort noch keine Bohrungen statt. Aber das kann sich jeden Tag ändern.
Aktuelle Meldung Reuters
Gasexplosion in West Virginia
Gemäss Informationen Reuters, 8. Juli 2013,
gab es eine Explosion auf einer Erdgas-Bohrstelle in
West Virginia, USA.
Fünf Menschen mussten mit Brandverletzungen ins Spital eingeliefert werden. Die Untersuchungen zum Unfallhergang laufen. Vermutet wird, dass beim "flow-back"-Verfahren, wo tausende von Litern Frackingflüssigkeit (Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien) aus dem Erdreich zurückgepumpt wird, es zur einer Methangas-Explosion gekommen war.
Gasland Schweiz
Die Amerikaner sind vermutlich "Bohrweltmeister" und besitzen grosse Erfahrungen auf dem Gebiet der Tiefenbohrungen. Doch wie der Film eindrücklich aufzeigt, ist diese Anwendung zur Förderung der Rohstoffe höchst umstritten. Einzelne Länder in Europa haben das Fracking-Verfahren sogar verboten.
Und wie sieht es aus in der Schweiz?
In den Medien war kürzlich zu lesen, dass sich sechs Gesellschaften mit diesem Thema auseinandersetzen in der Schweiz zu bohren.
Es sind dies: Thetys Oil, Celtique Energy, Schuepbach Energy, Seag, Petrosvibri und Geo Explorers.
Seag und Ecorp (Investor, USA) planen in den nächsten zwei Jahren zwölf Probebohrungen in der Schweiz durchzuführen. Investitionssumme: 80 Millionen Franken.
Der Konzern Celtique Energy möchte im Kanton Neuenburg für eine Probebohrung circa 15 Millionen Franken investieren.
Patrick Lahusen, Geschäftsführer Seag geht davon aus, wenn die entsprechenden Bewilligungen vorliegen, spätestens im Jahr 2016 im Kanton Bern bohren zu
können.
Der Kanton Bern ist auch Aktionär der Seag. Die Seag (Schweizerische Erdöl AG) ist eine Gesellschaft der Swisspetrol Holding AG.(gegründet 1959)
Damals aus der Erdölverknappung (Suezkrise 1956) und der Sicherstellung der Energieversorgung waren auch einige Kantone an den Gesellschaften beteiligt. Jedoch wurde die Swisspetrol Holding und die Gesellschaften Ende 1994 aufgelöst. Die Seag blieb als Auffanggesellschaft der Swisspetrol bestehen.
Der Bundesrat empfiehlt den Kantonen eine abwartende Haltung. Die Risiken seien noch nicht genügend abschätzbar. Die Berner Regierung lässt Fracking zu: Ein «vorsorgliches Verbot» dränge sich nicht auf. Zudem würden bestehende Gesetze genügen, um allfällige
Vorhaben zu regeln. (Berner Zeitung, Ausgabe 2. Juli 2013)
In der Schweiz ist keine "Gas-Bonanza wie in Amerika" zu erwarten. Das Umweltschutzgesetz ist die gesetzliche Grundlage für die Begrenzung der Emissionen
und sehr restriktiv.
Beschreitet man den langen Weg - Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien -
erscheint die Möglichkeit einer Fracking-Erdgas-Förderung in der kleinen, dichtbesiedelten Schweiz (Wasserschloss Europas) doch eher als Irrweg. Auch in Anbetracht der zusätzlichen Treibhausgasemissionen!
→ Im Film «Gasland» wird auch der Erdölkonzern Shell erwähnt.
Noch drei interessante Meldungen zu Shell:
- Der "Eisbär" von Greenpeace besucht Peter Voser und macht ihn auf die Gefahren aufmerksam in der Arktis nach Oel zu bohren (Juli/August 2012)
- Der Erdölkonzern Shell unterstützt die ETH Zürich mit einem zweistelligen Millionenbetrag den Bereich Energie auszubauen. (Juni 2013)
- Der Schweizer Manager Peter Voser, langjähriger CEO von Royal Dutch Shell hat Anfangs Mai seinen Rücktritt bekanntgegeben. Als Nachfolger benannt ist
der Chemieingenieur van Beurden der im März 2014 sein Amt antritt. Er besitzt Erfahrungen im Geschäft der Exploration und Förderung und auch im Bereich von
Flüssiggas. (Juli 2013)