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Es kommt bekanntlich vor, dass ein Fohlen seine Mutter verliert, deren Milchleistung aus irgendeinem Grund ungenügend ist oder weitere Umstände widrig sind. Man muss dann eine Alternative suchen, am besten natürlich mit einer Amme oder mit Zufüttern. Damit ist ein grosser Aufwand verbunden und man kann sich fragen, ob sich diese Mühen lohnen. Die Geschichte der hervorragend dokumentierten Voll-blutzucht beweist, dass es sehr wertvoll sein kann, sich eines Waisenfohlens anzu-nehmen. Vier Beispiele mögen dies illustrieren.
1) Das Pferd Cade wurde 1734 geboren und war das Produkt von Godolphin Arabian aus der Roxana, die aus der gleichen Paarung auch Lath brachte.
Roxana starb weniger als zwei Wochen nach der Geburt von Cade und dieser wurde mit Kuhmilch aufgezogen. Er wurde später der Vater von Matchem (1748), der seinerseits dreifacher Champion-Beschäler war und das essentielle Glied für die Fortsetzung der Vaterlinie von Godolphin Arabian in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war (Willett 1991, Wilkinson 2003).
Die Vollblutzucht würde sicherlich anders aussehen, wenn sich damals nicht jemand die grosse Mühe genommen hätte, sich des Waisenkindes Cade anzunehmen und es zu füttern. Was sogar für uns Schweizer gilt, weil der Derby-Sieger von 1964, Santa Claus, auch aus dieser Linie stammt und u.a. der Vater von Bonne Noel war, der bei uns als Deckhengst erfolgreich im Einsatz war.
2) Berühmtheit erlangte auch das Fohlen Jack Spigot, sowohl als klassischer Sieger wie auch als Objekt von zwei Gemälden von J.F.Herring. Jack Spigot gewann das St.Leger von 1821 und Herring malte sowohl ihn wie weitere 32 Sieger des St.Leger (von 1815 bis 1848) und zuvor als Fohlen mit seiner Amme.
Jack Spigot war das erste lebende Fohlen seiner Mutter, die insgesamt elf Jahre güst war und trotz ihres guten Pedigrees wegen ihrer Blindheit von the Hon. Thomas Orde-Powlett günstig gekauft werden konnte. Sie überrannte jedoch ihr Fohlen wegen ihrer Blindheit ständig fast, weshalb es der Schimmelstute eines Bauern bei-gesellt wurde. Dieser Züchter hiess Jack Faucet, weshalb Mr. Powlett vorschlug, das Fohlen nach ihm zu benennen. Dieser war aber überzeugt, dass das Fohlen ein erfolgreiches Rennpferd werde und wollte darum nicht, dass auf der Rennbahn Alle seinen Namen rufen würden. So wurde „Faucet“ (Hahn) ersetzt mit „Spigot“ (Zapfen).
3) Der im irischen Cleaboy Stud geborene Vaguely Noble (1965, v. Vienna a.d. Noble Lassie v. Nearco) war ein schwächliches Fohlen und wurde ebenfalls mit Kuhmilch aufgepäppelt. Vaguely Noble profilierte sich vor allem als Vater von Mutterstuten, brachte aber auch den Deckhengst Noble Bloom, der bei uns sehr gut vererbte (z.B. Honey Bloom, die bisher erfolgreichste inländische Stute mit einer Gewinnsumme von Fr. 114'200).
4) Die Mutter von Afleet Alex (2002, v. Northern Afleet - Maggy Hawk) war krank und ihr Fohlen musste für zwölf Tage mit der Flasche ernährt und betreut werden, bis eine Amme gefunden wurde. Afleet Alex wurde in Nordamerika u.a. zweifacher klassischer Sieger (Preakness und Belmont Stakes) und US-Champion der Drei-jährigen.
Es dürfte sich übrigens lohnen, auf google oder wikipedia die Geschichte von Afleet Alex zu verfolgen.
Prior C.M. & F.M. (1951): Stud-Book Lore; F.M.Prior, Adstock Manor, Bletcheley, Bucks., 155
Wilkinson D. (2003): Early Racing in Yorkshire and the Origins of the Thoroughbred; Old Bald Peg Publications, York, 2
Willett P. (1991): A History of the General Stud-Book, Weatherbys, Wellingborough, 10