Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/4209

In alter Stärke startet Lindsey Vonn am Freitag in Lake Louise in die Speedsaison. Im Gespräch sagt sie, was sie sich gegen die Männer ausrechnet und dass sie sich nach TV und Schokolade sehnt.
Lindsey Vonn, wie geht es Ihnen?
Es geht mir richtig gut. Ich hatte einen grossartigen Sommer und eine grossartige Vorbereitung. Nun freue ich mich auf die ersten Speedrennen. Zurück nach Lake Louise zu kommen, ist für mich immer eine besondere Freude.
Sagenhafte 18 Rennen gewannen Sie im kanadischen Resort. Fühlen Sie sich imstande, an die absolut besten Tage anzuknüpfen?
Ich bin definitiv bereit, und ich denke, ich bin ziemlich schnell. Ich kann nicht mehr ganz so viel trainieren wie in meinen besten Tagen, aber ich fühle mich in einer guten Form. Seit vier oder fünf Jahren konnte ich mich nicht mehr in einer ähnlichen gesundheitlichen Verfassung auf den Winter vorbereiten.
Ganz im Gegensatz zur letzten Saison, die für Sie erst im Januar begann.
Die war ziemlich schlecht. Ich konnte mich nicht so vorbereiten, wie ich wollte, hatte mir den Arm gebrochen und stieg unvorbereitet ein. Dafür, dass ich nicht auf meinem besten Level fuhr, waren die Ergebnisse okay (ein Sieg, drei 2. Plätze - Red.). Mir fehlte auch das Vertrauen. Jetzt bin ich gut vorbereitet und gesund. Ich werde definitiv alle Abfahrten und Kombinationen bestreiten und die meisten Super-Gs – nicht alle, aber die meisten. Es ist jetzt wichtig, Selbstvertrauen zu tanken und so oft wie möglich zu gewinnen. Der Fokus liegt aber klar auf den Olympischen Spielen im Februar.
Fühlen Sie sich unter Druck?
Nein. Ich habe praktisch alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Was ich noch schaffen kann, ist Ingemar Stenmarks Rekord für die meisten Weltcupsiege (77:86 - Red.) und noch eine weitere Medaille an den Olympischen Spielen. Beides ist kein Muss. Ich bin in einer wunderbaren Position und kann Skifahren, weil ich es liebe. Das einzige, was ich nicht mag, ist die Kälte. Leider war ich nicht gut im Tennis, das wäre angenehmer gewesen.
Sie wollen gegen die Männer antreten. Im Mai wird die FIS entscheiden, ob es im nächsten Jahr in Lake Louise dazu kommt. Einige Männer sind darüber nicht begeistert, andere freuen sich, Ihnen eine Lektion zu erteilen. Was halten Sie von diesen Meinungen?
Fahrer wie Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal unterstützen die Idee. Sie sehen auch, dass es eine gute Sache für den Skisport wäre. Ich würde definitiv nicht gewinnen, würde aber gerne die Möglichkeit bekommen, zu sehen, wo ich stehe. Nur weil einige denken, sie seien besser, heisst das nicht, dass es so ist. Ich trainiere seit sechs, sieben Jahren mit Männern und kann viel von ihnen abschauen. Sie sind so viel stärker und kraftvoller, aber ich mag es, mich mit ihnen zu messen. Ich kann auch ziemlich gut mit ihnen mithalten, und darum würde ich gerne in einem Rennen gegen sie antreten. Wenn es in Lake Louise nicht klappt, kreieren wir vielleicht einen anderen Event.
Als Star der Szene müssen Sie sich oft abgrenzen. Sind Sie manchmal einsam?
Ich denke, ich bin ziemlich offen. Es macht mir auch nichts aus, mein Leben auf den sozialen Kanälen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Wir kommen an wunderschöne Plätze, das zeige ich den Leuten auch gerne. Unterwegs und weit weg von zu Hause ist es manchmal aber einsam. Dafür habe ich meinen Hund. Lucy ist immer da. Es interessiert sie auch nicht, ob ich gut oder schlecht war – sie ist immer happy. Mit ihr fühle ich mich nie allein.
Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?
An einem perfekten Tag liege ich auf meiner Couch mit meinen drei Hunden, schaue einen «Law and Order»-Marathon und nasche dazu heisse Schokolade, gefolgt von Eis – und noch mehr Eis.
Dazu dürften Sie als Leistungssportlerin nicht allzu oft kommen.
Gerade darum stelle ich es mir wohl so perfekt vor. Es gibt kaum Tage, an denen ich nichts zu tun habe. Ich wäre gerne öfter zu Hause und würde mit meiner Familie und meinen Hunden entspannen.
Sie sind nun 33. Wie lange wollen Sie noch weitermachen?
Diese und nächste Saison habe ich noch eingeplant. Was danach kommt, ist offen und hängt auch von meinem Knie ab. Die Gesundheit wird entscheiden.
Planen Sie schon das Leben danach?
Ich habe viele Ideen im Kopf, lege mich aber noch nicht fest und halte alle Türen offen. Noch fokussiere ich mich auf das Skifahren. (pre/sda)