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In der Bibel
[* 8] wird es unter dem Namen Gamal oft erwähnt, Hiob hatte deren 6000, auch die Midianiter und Amalekiter waren reich
an Kamelen. In Nordafrika aber erscheint es erst im 3. oder 4. Jahrh. unsrer Zeitrechnung. Es ist unstreitig
das nützlichste Haustier in Afrika und wird in vielen Rassen gezüchtet; das Kamel der Wüste und Steppe, das Reittier, ist schlank,
hochgewachsen, langbeinig, das Lastkamel der fruchtbaren Ebene plump und schwer. Zwischen beiden zeigt sich ein Unterschied
wie zwischen dem edlen Pferd
[* 9] und dem Karrengaul.
Auch im Glücklichen und Steinigen Arabien werden viele Kamele gezogen. Die Araber machen auch Wallachen, um das Tier besser
in der Brunstzeit benutzen zu können. Es vermittelt in erster Linie den Verkehr durch die Wüste. Zwischen Kairo
[* 15] und Suez waren
vor dem Bau derEisenbahn täglich 600 Kamele auf dem Marsch. Aber es gehen auch so viele Tiere unterwegs
zu Grunde, daß auf der Wüstenstraße meilenweit die Gerippe nebeneinander liegen. Das Kamel ist ungemein genügsam und nimmt
mit den dürrsten, schlechtesten Pflanzenstoffen vorlieb; es bevorzugt Baumlaub, frißt ohne Schaden die dornenreichsten Mimosen
und wird auch mit Bohnen, Erbsen, Durra, Gerste
[* 16] etc. gefüttert; bei saftiger Pflanzennahrung kann es wochenlang
das Wasser entbehren, zur Zeit der Dürre aber muß es fleißig getränkt werden und mindestens alle vier Tage 30-40 Stunden
ruhen.
Früher deutete man die großen zellenartigen Räume am Pansen irrtümlich als Wasserzellen und benutzte sie zur Erklärung
des (ungeheuer übertriebenen) Vermögens der Kamele, längere Zeit zu dursten. Daß man Kamele in der Not
bisweilen schlachtet, um das in jenen Zellen befindliche Wasser zu trinken, ist eine Fabel. Die Kamele haben einen scheinbar
sehr schwerfälligen Gang;
[* 17] aber Lastkamele legen in einem Tag 8, gute Reitkamele 40 Meilen zurück, und
man kann mit einem einzigen Tier in 10 Tagen 400 Meilen durchreisen, wobei der Reiter viel weniger ermüdet als auf irgend einem
andern Reittier.
Bei Wüstenreisen wird ein Kamel mit höchstens 150 kg beladen; in Ägypten muß es viel mehr tragen, doch verbot die Regierung
eine stärkere Belastung als mit 250 kg. Der Trab,
welchen das Tier vortrefflich verträgt, ist die beste
Gangart für den Reiter, welcher bei der Paßbewegung unbarmherzig hin- und hergeschleudert und beim Galopp,
[* 18] wenn er nicht sehr
sattelfest ist, sofort abgeworfen wird. Im Gebirge ist das Kamel wenig zu brauchen, und im Wasser benimmt es sich
sehr ungeschickt.
Große Untugenden des Kamels sind seine Störrigkeit, die es besonders beim Beladenwerden zeigt, und seine Feigheit. Wirklich
gefährlich durch Beißen und Schlagen wird das männliche in der Brunstzeit. Sein Gebaren ist dann höchst abschreckend, indem
es die widerwärtigsten Töne ausstößt und beim Anblick eines andern Kamels, besonders eines weiblichen,
eine große, ekelhaft aussehende Hautblase, den sogen. Brüllsack, aus dem Hals heraustreibt. Dieser Brüllsack ist ein nur
dem erwachsenen Kamel eigentümliches Organ und wird als ein zweites vorderes Gaumensegel angesehen.
Die erwähnten Drüsen am Hals verbreiten dabei einen sehr übeln Geruch. Ein Hengst genügt für 6-8 Stuten. Nach
11-13 Monaten wirft die Stute ein Junges, welches mit ziemlich langem und dichtem, weichem, wolligem Haar bedeckt und etwa 80 cm,
nach Verlauf einer Woche aber schon ca. 1 m hoch ist. Es wird vom dritten Jahr an zum Reiten und zum Lasttragen abgerichtet
und mit dem Ende des vierten Jahrs zu größern Reisen benutzt. Eigentümlich ist die Sattelung und Zäumung
[* 19] der Kamele.
Der Reitsattel ruht auf einem festen Gestell und besteht aus einem muldenförmigen Sitz, welcher auf den Höcker gesetzt wird
und sich etwa 30 cm über denselben erhebt. Das Untergestell ist mit vier Kissenpolstern belegt, die zu beiden
Seiten des Höckers aufliegen, welch letzterer möglichst wenig gedrückt wird. Der Sattel wird mittels drei starker Gurte,
von denen zwei um den Bauch
[* 20] und ein dritter um den Vorderhals gehen, festgeschnallt; vorn und hinten steigen zwei Knöpfe auf,
welche zum Aufhängen der nötigen Reiseutensilien dienen.
Der Zaum besteht aus einem geflochtenen Lederstrick, welcher halfterartig um Kopf und Schnauze des Tiers
geschlungen wird und beim Anziehen das Maul zusammenschnürt; die Reitkamele führen noch einen Beizügel, d. h. eine dünne
Lederschnur, welche in dem einen durchbohrten Nasenflügel befestigt wird. Zum Beladen dient ein einfaches Holzgestell, auf
welchem die Laststücke im Gleichgewicht
[* 21] hängen. Das Fleisch des Kamels ist hart und zäh und wenig geschätzt,
das Fell liefert ein nicht sehr haltbares Leder.
Die Milch findet wenig Verwendung, da sie zu dick und fettig ist. Dagegen wird der Mist als Brennstoff gebraucht und zu diesem
Behuf aufgespeichert. Über das Kamelhaar s. d. Das zweihöckerige Kamel oder
Trampeltier (baktrisches Kamel, C. bactrianusErxl., s. Tafel) ist unzweifelhaft noch viel häßlicher als das Dromedar. Die Behaarung
ist weit reichlicher als bei jenem, die Färbung dunkler, gewöhnlich tiefbraun, im Sommer rötlich. Die Körpermasse ist größer
als die des Dromedars, die Beine aber sind weit niedriger.
hat es stets einen so schwerfälligen Gang, daß ein schnelleres Reisen damit unmöglich ist. Dabei ist es aber gutartiger
als das Dromedar, welchem es in seinen übrigen Eigenschaften durchaus gleicht. Es gedeiht am besten bei dürrem, salzreichem
Futter und geht auf üppiger Weide
[* 24] ein. Nach 13monatlicher Tragzeit wirft das Weibchen ein Junges, welches
wie das des Dromedars sich entwickelt. Das Trampeltier paart sich auch mit dem Dromedar, und die bald ein-, bald zweihöckerigen
Jungen sind unter sich und mit ihren Erzeugern fruchtbar.
Der Bibelspruch, nach welchem ein Kamel eher durch ein »Nadelöhr«
geht, als daß ein Reicher in den Himmel
[* 26] kommt, erklärt sich in der Weise, daß in der von Christus gesprochenen
jüdisch-aramäischen Sprache
[* 27] das Wort, welches das Nadelöhr bezeichnet, die allgemeine Bedeutung Loch, Höhlung hat und somit
von Eingängen gebraucht werden konnte, durch welche das in der That nur mit großer Not hindurchkommt.
Soll ein Schiff mit einem oder mehreren solcher Kamele über eine flache Stelle, wie z. B. die Kurve der Newa, gebracht werden,
so wird vermittelst der im untern Teil des Kamels befindlichen Schleusen so viel Wasser hineingelassen,
daß dasselbe sinkt. Hierauf wird das Schiff über dem Kamel befestigt und durch die Dampfpumpe das Wasser aus dem Kamel herausgepumpt.
Das Kamel steigt dann wieder und hebt, unter dem Boden des Schiffs angekommen,
dieses vermittelst seiner ungeheuern Tragfähigkeit.
(Rhaphidia L.), Insektengattung aus der Familie der SialidaeBurm. und der Ordnung der Netzflügler, Tiere
mit breitem, herzförmigem, hinten zu einem dünnen Hals verengertem, leicht geneigtem, äußerst beweglichem
Kopf, seitlich hervortretenden Augen, kurzen, dünnen Fühlern, stark verlängertem, schmalem Prothorax und in der Ruhe dachförmig
aufliegenden Flügeln. Die dickfühlerige Kamelhalsfliege (R. crassicornis Schumm.), 8 mm lang, mit dunkel rotbraunem Mal in den sonst glashellen
Flügeln, ohne Nebenaugen, das Weibchen mit langer, aufwärts gebogener Legröhre, lebt an Baumstämmen von Insekten
[* 39] und ist äußerst beweglich. Die Larve lebt im Moos und in den Flechten
[* 40] der Baumrinde oder unter dieser, ist vorn braun, hinten
hell gestreift und sehr beweglich; sie überwintert und verpuppt sich im Frühjahr. Die Puppe gleicht bis auf die fehlenden
Flügel der Imago und verwandelt sich in diese am 11. oder 13. Tag. S. Tafel »Netzflügler«.
[* 41]
Stadt im russ. GouvernementGrodno, an der Lyesna, mit gegen 3000 Einw. (fast nur Juden), war einst
eine sehr reiche Stadt, welche wiederholt vom Preußischen Orden
[* 51] angegriffen und 1375 von Theodorus v.
Elner gänzlich zerstört wurde;
1409 empfing Jagello hier die Abgesandten des PapstesAlexander V. Von den alten Bauwerken
steht nur noch ein 36 m hoher steinerner Turm
[* 52] (1272-1289 erbaut) neben der über 700 Jahre alten Koloschanskischen Kirche.
an der Linde),
Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Pilgram, mit einem schönen, hoch gelegenen Schloß,
Dekaneikirche, Bezirksgericht, (1880) 2216 Einw., Bierbrauerei,
[* 59] Brettsäge,
Strumpfwirkerei und Tuchfabrikation.
Den Beinamen dankt Kamenitz einer Linde, die 26 m hoch ist und einen Umfang von 6 m hat.
ein Amtsgericht, Wollspinnerei und ansehnliche Tuchfabriken,
Fabrikation von Topfwaren, Thonröhren, Zementsteinen und Glas,
[* 64] Schönfärbereien, bedeutende Granitbrüche, Gärtnerei, besuchte
Getreide- und Viehmärkte und (1885) 7211 meist evang. Einwohner.
- Kamenz hieß anfangs Dreikretscham und erhielt erst im 16. Jahrh. den Namen Kamenz. Nachdem 1318 der MarkgrafWaldemar von Brandenburg
[* 65] die Stadt durch Kauf erworben hatte, unterwarf sich dieselbe nach seinem Tod 1319 dem König von Böhmen.
[* 66] Kamenz hatte im Hussiten- und Dreißigjährigen Krieg sehr viel zu erdulden und kam 1635 an Kursachsen. Durch die Brände 1706 und 1842 wurde
die Stadt fast ganz in Asche gelegt.
(franz. camarade, ital. cameráta), Standesgefährte
im allgemeinen, ein Wort, das die Teilung gleicher Rechte und Pflichten in gleichem Stand bezeichnet, wahrscheinlich
durch die Schlafgenossenschaft einer Stube (lat. camera) entstanden;
Gebräuchlich ist noch vielfach die Zusammensetzung »Staats- und Kameralwissenschaften«. »Stud. jur. et
cam.« nennt sich derjenige Studierende, welcher sich nicht allein auf den Justiz-, sondern auch auf den Verwaltungsdienst
vorbereitet.
Vgl. Rau, Über die Kameralwissenschaft (Heidelb. 1825);
(Chamille, Matricaria L.), Gattung aus der Familie der Kompositen,
[* 78] einjährige Kräuter mit
doldentraubig verästeltem Stengel,
[* 79] zerstreut stehenden, zwei- bis dreifach fiederteiligen Blättern, kegelförmigem, nacktem,
innen hohlem Blütenboden und kantigen, ungeflügelten Achenen. Echte Kamille (Feldkamille, Helmerchen, M. chamomillaL.,Chrysanthemumchamomilla Bernh.),
15-20 cm hoch, mit doppelt fiederteiligen Blättern, weißen Strahlen- und gelben Scheibenblüten, findet sich durch ganz Europa
und in Vorderasien, auch in Australien eingebürgert; sie schmeckt bitterlich, riecht aromatisch und enthält
in den frischen Blüten (auf trockne berechnet) 0,25 Proz. dunkelblaues ätherisches
Öl (Kamillenöl, s. d.). Die Kamille bildet eins der beliebtesten Hausmittel und besitzt den großen Vorzug, in den meisten Fällen
unschädlich zu sein.
(v. lat. caminus, »Ofen«, franz. Cheminée, engl. Fire-place, Chimney),
Vorrichtung zur Zimmerheizung, besteht aus einem von Mauerwerk oder Eisenplatten umschlossenen, vollständig
in der Wand liegenden oder teilweise aus derselben hervorspringenden Raum, in welchem man das Brennmaterial auf einem Rost
verbrennt, während die Verbrennungsgase direkt in den Schornstein entweichen. In dem Kamin wirkt das Feuer nur durch Ausstrahlung,
die Kaminheizung ist daher äußerst unvorteilhaft.
Sie ist aber in milden Klimaten (England, Frankreich) sehr beliebt, weil der Anblick des Feuers den Eindruck
der Wohnlichkeit macht, und weil der hervorstehende Teil des Kamins zu einem vorzüglichen Zimmerschmuck hergerichtet werden
kann. Der Kaminsims dient überdies zur Aufstellung von Uhren,
[* 84] Spiegeln, Bronzen etc. Man unterscheidet lombardische Kamine mit
weit hervorragendem, pyramidenförmigem Mantel, der auf Konsolen oder sonstigen Vorkragungen steht;
französische
Kamine, die ganz außerhalb der Mauer stehen;
deutsche, welche noch weiter hervorragen und einen hohen Mantel haben, und holländische,
ganz in der Mauer liegende. Um die Wirkung des Kamins zu vermehren, benutzt man Kaminöfen aus Eisenblech, welche in die
Kaminöffnung hineingesetzt werden oder an der Kaminwand stehen;
mittels Luftzüge wird die untere kalte Luft im Zimmer eingesogen,
am Feuer erwärmt und strömt oberhalb in diesem Zustand wieder aus (s. Heizung,
[* 85] S. 338 f.).
Kamin heißt auch der Teil des Schornsteins,
der außerhalb eines heizbaren Zimmers, gleich vor dem Ofen angebracht ist und zum Heizen des letztern
durch eine in der Mauer vorhandene Öffnung dient.
Die Wut des Volkes richtete sich zuerst gegen die Steuereinnehmer, viele wurden ermordet und ihre Häuser
niedergerissen. Nachdem schon 1689 eine Empörung der Kamisarden mit den Waffen
[* 89] unterdrückt worden war, kam es zum allgemeinen Aufstand
durch die Grausamkeit des Abbé du Chaila, der die Zufluchtsörter der Kamisarden aufspürte, sie daselbst beim Gottesdienst überfallen
und zum Teil hängen, zum Teil einkerkern ließ. Wegen dieser Gewaltthaten wurde 1702 der Abbé mit den
Seinigen erschlagen.
Bald schwoll die begeisterte Schar der Aufständischen zu Tausenden an, und die gebirgige Beschaffenheit des Landes mit seinen
Höhen und Schlupfwinkeln erleichterte ihnen den Kampf. Ihre Bekriegung war um so schwieriger, als Ludwig XIV. zugleich durch
den spanischen Erbfolgekrieg in Anspruch genommen war und seine Gegner alles thaten, um die in ihrem Widerstand
zu bestärken. Bereits hatten dieselben mehrere königliche Heere geschlagen und zum Teil vernichtet, als der König endlich 1703 den
Marschall Montrevel mit 60,000 Mann gegen sie sandte.
Infolge davon ging eine Gemeinde nach der andern auf seine Anträge ein, und Cavalier selbst schloß endlich zu
Nîmes einen Vergleich mit Villars; er trat als Oberst in die Dienste
[* 92] des Königs. Die Fanatischen unter den Kamisarden setzten den Kampf
allerdings fort, wurden aber wiederholt besiegt und bis Ende 1704 unterworfen. Die Gewaltthaten Berwicks, der 1705 als Nachfolger
Villars' den Oberbefehl erhielt, riefen einen neuen Aufstand hervor, zumal die Kamisarden von den
Engländern und
Holländern mit Geld und Waffen unterstützt wurden.
»abrundet« und schleift.
Die letztern Arbeiten fallen bei Staubkämmen sogar weg, weil hier die Zähne zu klein sind, um einzeln
bearbeitet werden zu können. In neuerer Zeit ist auch in der Kammmacherei die Handarbeit vielfach durch Maschinen verdrängt
worden. Nachdem man schon in England zwei Kämme aus einem StückHorn in der Weise hergestellt hatte, daß die Zähne des einen
von den Zwischenräumen des andern geliefert wurden, was man einfach mit Durchstoßeisen erreichte, wurde
die Fräsmaschine
[* 100] mit einer Reihe feiner Kreissägen zum Schneiden der Staubkämme benutzt, und jetzt werden namentlich die
Gummi- und Hornkämme fast ausschließlich mit Hilfe der genannten Maschinen erzeugt.
Vgl. Friedrich, Die Kammfabrikation, ihre
Geschichte und gegenwärtige Bedeutung (Nürnb. 1883). -
Kamm heißt ferner der obere Rand des Pferdehalses, wo die Mähne sitzt, daher Kammfett (s. d.);
der Stiel
der Trauben, an welchem die Beeren gesessen haben, und der zur Essigbereitung benutzt wird;
der rote Fleischlappen auf dem
Oberschnabel einiger hühnerartiger Vögel;
[* 101]