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In den letzten Wochen suchten relativ wenige Personen aus der Ukraine Schutz in der Schweiz. Weil der Kanton Bern zuvor sehr viele Geflüchtete aufgenommen hatte, werden ihm aktuell nur wenige Personen zugewiesen, die eine Unterkunft benötigen. Bisher wurden dem Kanton 7000 Geflüchtete aus der Ukraine zugewiesen. Davon ist die Mehrheit privat untergebracht (4296 Personen). In einer eigenen Wohnung leben 1533, in kollektiven Unterkünften 1055 Personen. Noch immer sind im Kanton Bern rund 340 Personen mehr untergebracht als es dem Verteilschlüssel unter allen Kantonen entsprechen würde. Der Ausgleich erfolgt aufgrund der geringeren Anzahl Ankommender nur langsam.
Im Hinblick auf die kälteren Jahreszeiten ist zu erwarten, dass sich viele der geflüchteten Menschen aus der Ukraine selbständig im Schengenraum bewegen werden, um eine wintersichere Unterkunft zu finden. Des Weiteren ist die Lageentwicklung in der Ukraine völlig offen. Das Staatsekretariat für Migration (SEM) rechnet mit bis zu 150 000 Geflüchteten aus der Ukraine, die bis Ende Jahr in der Schweiz untergebracht werden müssen. Der Kanton Bern bereitet sich auf verschiedene Szenarien für den kommenden Herbst vor und rechnet mit der Unterbringung von bis zu 20 000 Personen. Diese sollen in allen Regionen des Kanton möglichst gleichmässig verteilt werden.
Am Point de Presse betonte Regierungsrat Pierre Alain Schnegg, Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor: «Es ist eine grosse Aufgabe, alle Geflüchteten unterbringen zu können. Wir bauen bestehende Unterkünfte aus und stellen temporäre Unterkünfte auf. Und wir wünschen uns, dass sich die Gastfamilien weiterhin engagieren. Ich danke allen dafür.»
Temporäre Unterkunft Viererfeld wird dem Betrieb übergeben
Die Arbeiten an der Temporären Unterkunft Viererfeld (TUV) gehen gut voran. Das Verwaltungsgebäude wurde bereits Anfang Juni der Betreiberorganisation, Asylsozialdienst Stadt Bern, übergeben. In der kommenden Woche folgt das erste Wohnmodul bestehend aus zwei überdachten Containerreihen, die doppelstöckig angelegt sind. In den nächsten Wochen werden zwei weitere Wohnmodule ausgebaut. Zwei der insgesamt fünf Wohnmodule werden in Reserve gehalten und ausgebaut, wenn es die Situation erfordert.
Für den Notfall vorbereitet
Sollte sich die Lage kurzfristig stark verschärfen und es zu sehr grossen Flüchtlingsbewegungen kommen, hat der Kanton Bern mit Unterstützung der Gemeinden Lösungen erarbeitet, um im Notfall rasch bis zu 1 250 Plätze in Zivilschutzanlagen und weitere 5000 Notbetten - z.B. in Mehrzweckhallen - bereitstellen und betreiben zu können. Diese Betten würden zusätzlich zu allen anderen Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Die Hälfte der Geflüchteten wohnt bei Gastfamilien
Die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) führt einen aktiven Dialog mit hilfesuchenden Gastfamilien und stellt mit einer Hotline eine Betreuungsdienstleistung zur Verfügung. Zudem werden zum Wohl der Schutzsuchenden und zur Erkennung und Vorbeugung von Problemen bei den Gastfamilien Besuche durchgeführt. Wenn Geflüchtete aus der Ukraine Sozialhilfe benötigen, werden sie im Kanton Bern von den regionalen Partnern betreut. Die regionalen Partner haben in den vergangenen Wochen ihren Stellenetat stark erhöht, sind doch in den vergangenen vier Monaten etwa gleich viele Personen in den Kanton Bern gekommen wie in den vier Jahren zuvor.
Lösungen auf allen Schulstufen gefunden
«Ich danke den Schulleitungen, Lehrpersonen und Gemeinden. Durch ihren grossen Einsatz sind gute Lösungen für die Aufnahme der ukrainischen Kinder und Jugendlichen in den Schulen gefunden worden», sagte Regierungspräsidentin und Bildungsdirektorin Christine Häsler am Point de Presse. Zentral ist hierbei, dass die Gemeinden aufgrund ihrer spezifischen Situation vor Ort selber über die konkrete Ausgestaltung des Unterrichts entscheiden können. Im Kanton Bern besuchen derzeit rund 1800 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine verteilt auf 190 Gemeinden die Volksschule. Davon gehen 1000 Kinder und Jugendliche in 60 Willkommens- und in 30 DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache). Die anderen 800 Kinder und Jugendlichen sind in Regelklassen integriert. Auf das neue Schuljahr hin werden 140 Kinder aus der Ukraine neu den Kindergarten besuchen. «Diese grossen Aufgaben der Schulen fallen in eine Phase, in der die Schulen schon seit zweieinhalb Jahren durch die Coronapandemie und den Lehrpersonenmangel stark belastet sind», so Häsler. Die PHBern hat zur Unterstützung der Schulen und Lehrpersonen ein breites Angebot entwickelt und führt dieses nach den Sommerferien bis vorläufig Ende Jahr weiter.
Auf Niveau Sekundarstufe II haben die geflüchteten Jugendlichen die Möglichkeit, eine der 15 Klassen in Interlaken, Spiez, Thun, Bern, Burgdorf und Biel zu besuchen. Sie sind als sprachzentrierte Brückenangebote konzipiert. 250 Jugendliche nehmen bislang an diesen Brückenangeboten teil, 50 von ihnen wurden für den Besuch eines Gymnasiums empfohlen. Auf das neue Schuljahr hin werden 280 Abgängerinnen und Abgänger der Volksschule dieses Brückenangebot mit dem Fokus Sprachunterricht nutzen. Die Bildungs- und Kulturdirektion (BKD) eröffnet weitere 10 bis 15 Klassen, worunter neu auch eine in Langenthal. Insgesamt werden 280 Jugendliche von der Sekundarstufe I auf die Sekundarstufe II wechseln.
An der Universität Bern und der Berner Fachhochschule sind 150 Geflüchtete aus der Ukraine mit Status S. Die meisten von ihnen waren vor der Flucht mitten im Studium. Für jene, die vor dem Studienstart gestanden sind, hat die Universität ein einjähriges Vorbereitungsstudium aufgebaut. Für die als Gaststudierende aufgenommenen oder neu ankommenden Personen führt die BKD Info-Veranstaltungen zum Schweizer Hochschul-Bildungssystem durch, um ihnen dabei zu helfen, den besten Weg für eine Fortsetzung ihrer Ausbildung in der Schweiz zu finden.
Informationen auf Ukrainisch
Im Sonderstab-Ukraine betreuen Ukrainisch sprechende Mitarbeitende die Facebook-Gruppe der GSI unter: Спеціальний штаб Україна кантон Берн: поширені запитання та відповіді на ни (Sonderstab Ukraine Kanton Bern: Häufig gestellte Fragen und Antworten) und nehmen auch beratend an Dialogen in Telegram-Gruppen teil.
Schon vor zwei Monaten wurde für Gastfamilien und Schutzsuchende eine Hotline eingerichtet (+41 31 636 98 80), die von Montag bis Freitag von 08:00 bis 17:00 Uhr besetzt ist. Zudem steht für Fragen die E-Mail-Adresse <email-pii> zur Verfügung.
Auf der Website der Bildungs- und Kulturdirektion sind alle wichtigen Informationen und Formulare auch auf Ukrainisch zugänglich.