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Hyperemesis Gravidarum: Wenn eine Schwangerschaft krank macht
Mehr als ein Drittel aller Schwangeren leidet unter extremer Übelkeit. Bei circa einem Prozent der Frauen ist unstillbares Schwangerschaftserbrechen, auch Hyperemesis Gravidarum genannt, ein Grund für ärztliche Behandlung und sogar für die Einweisung in ein Spital. Gewichtsverlust und Austrocknung bringen Mutter und Kind in Gefahr.
Wer an Hyperemesis Gravidarum erkrankt ist, fühlt sich extrem schlecht. Foto: DeanDrobot, iStock, Thinkstock
Bei einer bis 20 von tausend Schwangerschaften hat die werdende Mutter mit mindestens fünfmaligem Erbrechen am Tag zu kämpfen, was zu Gewichtsverlust, Austrocknung (Dehydrierung), Verschlechterung des Allgemeinzustands und Gelbsucht führen kann. In diesen Fällen leiden die Schwangeren unter Hyperemesis Gravidarum, auch «unstillbares Schwangerschaftserbrechen» genannt. Sie können ihren alltäglichen Aufgaben und oft auch ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen.
In vielen Fällen entwickeln die Betroffenen, aufgrund des hohen Leidensdrucks, negative Gefühle ihren Babys gegenüber. «Es mag für Schwangere ein Trost sein, dass das Fehlgeburtsrisiko bei Übelkeit und Erbrechen in der Regel eher niedriger ist», schreibt Dr. rer. nat. Renate Bonifer in der Schweizer Zeitschrift für Hausarztmedizin «Ars Medici».
Der Verlauf der Hyperemesis Gravidarum
Der Beginn der Erkrankung liegt für gewöhnlich in der sechsten oder siebten Schwangerschaftswoche. Erbricht die Schwangere wiederholt, erhält der Körper nicht ausreichend Flüssigkeit und Nahrung. Austrocknung gefährdet zunächst die Mutter und schlussendlich auch den Fötus. Entgleist der Stoffwechsel der Schwangeren, was sich durch eine Verschiebung der Elektrolyte im Blut nachweisen lässt, bleibt als Konsequenz nur die stationäre Aufnahme in ein Spital zur intravenösen Behandlung.
Weitere besorgniserregende Symptome sind extreme Schwäche, Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, Licht und Geräuschen. Im fortgeschrittenen Stadium treten Fieber und Benommenheit auf. Speiseröhre und Mageneingang können mit Schleimhautschäden reagieren. Für den Fötus besteht das Risiko einer Wachstumsverzögerung.
Übelkeit Schwangerschaft: Besserung ab der 20. Woche
Die 20. Schwangerschaftswoche ist häufig der Wendepunkt der Hyperemesis Gravidarum. Die zweite Hälfte der Schwangerschaft gestaltet sich wesentlich entspannter und die Schwangere erholt sich bis zur Geburt wieder. In einigen Fällen hält die Übelkeit in der Schwangerschaft jedoch bis zur Entbindung an. Sobald das Baby auf der Welt ist, legt sich die Symptomatik.
Welche Ursachen stecken hinter übermässigem Schwangerschaftserbrechen?
Woher kommt es, dass einige Frauen völlig unbeeinträchtigt durch die Schwangerschaft kommen, während sich andere so häufig übergeben müssen? Die Hyperemesis wird zurzeit noch erforscht. Es existieren verschiedene Theorien zu ihrer Entstehung, wobei neben biologischen auch soziale und psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Die weitverbreitete These, die einen hohen Beta-HCG-Spiegel für das Erbrechen in der Schwangerschaft verantwortlich macht, reicht zur Erklärung nicht aus.
Hyperemesis Gravidarum Therapie
Ärzte beginnen die Behandlung mit einer Ernährungsberatung. Fette und stark gewürzte Speisen sind ebenso zu meiden wie Eisentabletten und intensive Gerüche. Bekömmlich sind viele kleine, proteinreiche, über den Tag verteilte Mahlzeiten in Kombination mit viel Flüssigkeit. Die nächste Stufe der Therapie nutzt die Kraft der Homöopathie und der Akupunktur. Beruhigt sich der Magen dennoch nicht, folgt die Behandlung mit Medikamenten der Schulmedizin. Wirkstoffe wie Diphenhydramin, Ondansetron, Promethazin, Metoclopramid und Vitamin B6 sind wirksam gegen unstillbares Schwangerschaftserbrechen. Im Fall eines Spitalaufenthalts können die Medikamente über die Vene verabreicht werden. Infusionen gleichen dort auch den Flüssigkeitsverlust aus. Die Infusionen gleichen den Stoffwechsel aus und reduzieren gleichzeitig den Brechreiz.