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Hunger und eine hohe Sterblichkeit gehörten über Jahrhunderte zum Alltag der Menschheit. Kinder galten als soziale Absicherung der Eltern, die Altersstruktur war geprägt von jungen Menschen. Die Bevölkerung wuchs stetig und schnell, trotz Seuchen und Kriege. Dies schürte schon vor rund 200 Jahren die Angst, der Boden könne nicht mehr alle Menschen ernähren. Seither erlebte die Welt gravierende Umwälzungen in Landwirtschaft, Hygiene, Gesundheitswesen und Infrastruktur.
Heute leben rund 7,5 Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Neueste Schätzungen der Vereinten Nationen erwarten, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2100 sogar auf 11 Milliarden Menschen ansteigt. So dramatisch dieses explodierende Bevölkerungswachstum auch wirkt, wichtiger ist ein zweiter Trend. Weltweit werden immer weniger Kinder geboren. Für die Arterhaltung benötigt die Menschheit durchschnittlich 2,1 Geburten pro Frau. Eine höhere Geburtenrate führt zu einem Bevölkerungswachstum, bei weniger Geburten schrumpft die Anzahl Menschen.
Um dem ausufernden Bevölkerungswachstum Herr zu wer-den, wurden bereits drastische Massnahmen ausprobiert. In Asien sollten sich Familien auf ein Kind (China) oder zwei Kinder (Indien) beschränken. Effektiver und sozial verträglicher wirken jedoch zwei andere Einflussgrössen. Überall dort, wo das Bildungsniveau steigt und sich die Überlebenschancen von Kindern erhöhen, sinkt die Geburtenrate. Gut ausgebildete Frauen bekommen weniger Kinder. Laut UN pendelt sich die Geburtenrate ab 2050 auf einem Niveau ein, das langfristig auf eine wieder schrumpfende Menschheit hindeutet. Allerdings schürt dieser Rückgang auch Ängste, namentlich die Furcht, als Nation auszusterben oder in die Bedeutungslosigkeit zu fallen. Sinkende Geburtenraten gepaart mit einer höheren Lebenserwartung verändern die Bevölkerungsstrukturen (siehe Abb.1). Eine Geburtenrate über dem Wert von 4.0 formt die bekannte Bevölkerungspyramide, wie sie früher in Industrieländern vorherrschte oder heute in vielen Entwicklungsländern zu beobachten ist. Eine Geburtenrate von 2,1 führt zu einem sogenannten Bienen-stock mit einer langsam zusammenlaufenden Altersstruktur. Sie gilt als ideal, da die Bevölkerung stabil bleibt. Eine weiter sinkende Geburtenrate führt zu Urnen-Formen, die eine überalterte Gesellschaft darstellen. Die Formen gehen dabei fliessend ineinander über.
Abb.1: Geburtenrate sinkt ab ca. 2050 unter die kritische Marke von 2,1 (Quelle: BKB, UNO)
Die von der UN geschätzte globale Entwicklung vollzieht sich auf der Welt allerdings nicht im gleichen Tempo. Industrienationen haben diese Entwicklung bereits vorweggenommen. Vor allem die heutigen Entwicklungsländer werden bis zur Jahrhundertwende aufgrund von besserer Ausbildung sowie Fortschritten in Medizin und Hygiene die stärksten Rückgänge der Geburtenrate verzeichnen. Nur wenige Länder, speziell in Afrika, werden sich dieser Tendenz entziehen (siehe Abb. 2). Die grün markierten Länder haben schon heute eine Geburtenrate von unter 2,1. Die grau markierten Länder werden dies bis 2100 erreicht haben. Nur in den rot eingefärbten Ländern wird die Bevölkerung auch nach 2100 noch wachsen.
Regionale Entwicklung der Geburtenraten mit grossen Unterschieden
Auch künftig werden die meisten Menschen in Asien leben. Am schnellsten wächst jedoch die Bevölkerung in Afrika. Europas Bevölkerungszahl wird hingegen schrumpfen. Insgesamt bewegen wir uns hin zu einer Welt, in der weniger junge und mehr ältere Menschen leben. Daraus ergeben sich massive gesellschaftliche Veränderungen: Der Wirtschaft fehlt künftig ein Heer von Arbeitskräften und der Staat erzielt geringere Einnahmen bei steigenden Ausgaben (u.a. für Sozialleistungen und Pensionen). Für die Einzelnen führen die Verbesserungen in der Bildung, einer besseren Infrastruktur und medizinischen Versorgung dagegen zu einer höheren Lebenserwartung.
Bild: Speziell bei den sehr teuren Gentherapien bedarf es Diagnoseverfahren, die abschätzen helfen, ob eine Therapieform beim Patienten auch Erfolg verspricht.
Personalisierte Medizin auf dem Vormarsch
Eine Steigerung der Lebenserwartung hängt auch vom Zugang zu medizinischen Neuentwicklungen ab. Doch medizinische Errungenschaften, wie beispielsweise eine Gentherapie, sind teuer. Es bedarf Diagnoseverfahren, die abschätzen, ob eine Therapieform beim Patienten auch Erfolg verspricht. Diese personalisierte Medizin löst die traditionelle Methode der Therapierung immer weiter ab. Früher wurden Medikamente unabhängig von der Aussicht auf Heilung oft sehr vielen Patienten verabreicht. Entsprechend hoch fielen die – fast risikolosen – Erträge der Pharmakonzerne aus. Wer heute vom Trend der personalisierten Medizin profitieren will, muss sich bei der Forschung und Entwicklung stärker «ins Zeug legen» als bisher. Dies zeigen die folgenden beiden Beispiele:
1. Zu den bekanntesten Krebsmedikamenten zählt Herceptin von Roche. Dieses Brustkrebsmedikament wird nur an Patientinnen mit sogenanntem HER2-positivem Brustkrebs verabreicht. Dies schränkt die Verwendung von Herceptin deutlich ein, da diese Krebsform nur bei jeder vierten Brustkrebspatientin auftritt. Allerdings würde eine Behandlung mit Herceptin anderen Brustkrebspatientinnen keine Vorteile bringen.
2. Ein weiteres Beispiel stammt aus der Gentherapie. Die Medikamente in diesem Bereich sind aufgrund der Produktionsmethode teuer, was sich aber durch die Wirksamkeit relativiert. Beispielsweise wird von Novartis die Gentherapie Zolgensma zur Behandlung von Muskelschwund eingesetzt. Diese Therapie kostet einmalig USD 2,1 Mio. und wird bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren verabreicht. Nach der Behandlung fallen im Idealfall keine weiteren Kosten an und das Kleinkind hat eine normale Lebenserwartung. Als derzeit einzige Alternative zu dieser Gentherapie gilt das Medikament Spinraza von Biogen. Eine Behandlung mit Spinraza kostet im ersten Jahr USD 750 000 und in den Folgejahren jeweils USD 375 000. Schon nach vier Jahren ist diese Behandlungsform teurer als die Gentherapie. Langfristig können also die Kosten im Gesundheitswesen mit der Verbreitung von Gentherapien und neuen Behandlungsformen gesenkt werden.
Um als Anleger zu profitieren, muss man auf besonders innovative Unternehmen aus dem Gesundheitssektor Wert legen. Im Trend liegen dabei vor allem die Sektoren Biotechnologie und Pharma mit Fokus auf Gentherapien und seltene Erkrankungen. Wir empfehlen in diesem Zusammenhang den World Healthscience Fonds (ISIN LU0329593007) von BlackRock. Für Kunden mit Fokus auf ethische, ökologische und soziale Aspekte empfehlen wir den BB Adamant Sustainable Healthcare Fonds (ISIN: LU1819585370).
Steigende Kaufkraft der Silver Economy
Weltweit steigt nicht nur das Durchschnittsalter der Bevölkerung rasant an. Bis zum Jahr 2050 leben gemäss den Vereinten Nationen über zwei Milliarden Menschen im Alter von 60 Jahren oder älter auf der Erde. Im Jahr 2015 waren es im Vergleich rund 900 Millionen Menschen. Dabei wächst die Zahl der über 65-Jährigen dreimal so schnell wie die der jüngeren Generationen. Auch die Kaufkraft dieser älteren Bevölkerungsgruppe nimmt rapide zu. In Europa beispielsweise sind die Konsumausgaben der über 60-Jährigen laut einer Studie der EZB in den vergangenen 20 Jahren um 50 % schneller gewachsen als die der unter 30-Jährigen. In den USA machten die über 50-Jährigen laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen bereits 2017 rund 70 Prozent des gesamten verfügbaren Einkommens aus.
Diese Entwicklungen stellen Gesellschaft und Volkswirtschaft vor grosse Herausforderungen. Der Aufschwung der sogenannten «Silver Economy» eröffnet aber auch eine Vielzahl an Möglichkeiten für Unternehmen und Investoren. Neben dem Gesundheitswesen bieten insbesondere diejenigen Branchen, die in Nichtbasis-Konsumgüter tätig sind, attraktive Investmentchancen. So geben beispielsweise die über 50-jährigen Frauen dreimal so viel für Hautpflege aus als jüngere Frauen. Unternehmen, die auf die Bedürfnisse dieser älteren Generationen eingehen, haben die Chance, nachhaltig schneller als der breite Markt zu wachsen.
Der Global Demographics Fund (LU0528228231) von Fidelity zielt darauf ab, langfristig von diesem Trend zu profitieren.