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Am 1. November 1940 verhängte die damalige Eidgenössische Schuhkontrollstelle eine Verkaufssperre für Schuhe. Ab Herbst hatte sich die Versorgungslage verschlechtert und Schuhgeschäfte waren derart überrannt worden, dass die Ordnungskräfte eingreifen mussten. Nun wurden auch der Kauf und Verkauf von Schuhen hierzulande rationiert. Diese Ereignisse schildert der Historiker Roman Wild in seiner reich bebilderten Dissertation über die Schuhwirtschaft in der Schweiz zwischen 1918 und 1948.
Der Schuhmarkt war gesellschaftlich eingebettet; soziale Begleiterscheinungen und wirtschaftliche Entwicklungen prägten ihn immer wieder massgeblich. Auch die Schuhmode hatte grossen Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten. Und in der Werbung wurden Schuhe immer mehr zu einem identitätsstiftenden Merkmal stilisiert – Bally zog 1935 in der Broschüre «Sandalgeschichten von Bally» gar eine Verbindung zwischen der Sandale und biblischen Gestalten wie König David oder König Salomon.
Roman Wild untersucht aber nicht nur die marktspezifischen Herausforderungen der schweizerischen Schuhindustrie. Er zeigt auch auf, wie diese den Alltag aller Bevölkerungsschichten direkt tangierten – und wie sie nicht zuletzt auch die Schuhmode prägten.
Benutzte Quellen im Sozialarchiv:
- Ar 201.64 Lederbewirtschaftung 1942–1946
- Ar 487 Winterhilfe 1936–2007
Silke Margherita Redolfi: Die verlorenen Töchter. Der Verlust des Schweizer Bürgerrechts bei der Heirat eines Ausländers. Rechtliche Situation und Lebensalltag ausgebürgerter Schweizerinnen bis 1952. Zürich, 2019
«Eine frohe Botschaft» verkündete an Weihnachten 1952 der Bund Schweizerischer Frauenvereine. Am 1. Januar 1953 trat nämlich das neue Bürgerrechtsgesetz in Kraft, mit dem der rechtliche Missstand – die sogenannte «Heiratsregel» – beseitigt wurde, dass Schweizer Frauen, die einen Ausländer heirateten, ihr Bürgerrecht verloren. Diese während Jahrzehnten gültige Regel diskriminierte betroffene Frauen, indem sie zu einem unsicheren Aufenthaltsstatus in der Schweiz, Berufsverboten oder mangelndem Zugang zu Sozialunterstützung führte.
Die Historikerin und Archivarin Silke Margherita Redolfi zeichnet in ihrer Dissertation die Geschichte dieses skandalösen Umgangs mit ausgebürgerten Schweizerinnen nach und beleuchtet dessen Ursachen. Aufschlussreich ist insbesondere der umfangreiche zweite Teil des Werks, der aus Interviews mit betroffenen Frauen besteht.
Benutzte Quellen im Sozialarchiv:
- Ar 29.90.6-8 Schweizerischer Verband für Frauenrechte, Ehe-, Familien- und Bürgerrecht, Bürgerrechtsgesetz
Mary L. Gray, Siddharth Suri: Ghost work. How to stop Silicon Valley from building a new global underclass. Boston, 2019
Firmen wie Amazon, Google, Microsoft oder Uber arbeiten mit ihnen – den sogenannten «Geisterarbeitern». Damit sind Menschen gemeint, die im Hintergrund für die künstliche Intelligenz arbeiten, die also – etwas salopp ausgedrückt – dafür sorgen, dass das Internet immer gescheiter wird. Damit Suchmaschinen beispielsweise Hasskommentare oder Bilder mit problematischen Inhalten erkennen, müssen zuvor Tausende Daten eingegeben werden – dies (vorerst noch) meist von Menschen. Je mehr Daten sie zur Verfügung haben, desto «trainierter» werden die Maschinen.
Diese «unsichtbaren» Arbeiterinnen und Arbeiter erhalten in der Regel keinen Mindestlohn und keine Versicherungen, sie leisten Überstunden und können oft jederzeit entlassen werden. «Ghost Work» beschreibt diese neuartigen unsicheren Arbeitsverhältnisse. Und es zeigt auch, warum Automatisierung nie perfekt sein wird.