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"Ratgeber" für Ganzsachensammler (IV)
Fortsetzung aus Nummer 8
15. Was sind "philatelistische" Entwertungen und Frankaturen?
Dr. Ascher: Einige Sammler, Händler und Vereine haben sich aus aller Welt Postkarten und Briefe in grösserer Zahl zuadressieren lassen. Am bekanntesten sind wohl Kiderlen (Ulm), Hauptmann Böhmer (Oppeln), Meyer (Dömnitz), Germaniaring (Hauptmann Ohrtj u.a.m. Diese Stücke sind zweifellos echt gebraucht. Sie sind als vollwertig anzusehen und von manchen exotischen Ländern oft die einzigen erhältlichen gebrauchten Stücke. Aber trotzdem ziehe ich Stücke aus regelrechtem Geschäfts- oder Privatverkehr vor, die ich u. U. auch höher bewerten würde. Häufig sind aus philatelistischen Gründen diese Ganzsachen mit Zusatzmarken beklebt, deren Nominalbetrag den Portosatz weit übersteigt. Diese Unsitte wird mit Recht sowohl von den ernsthaften Sammlern als auch von den Postverwaltungen bekämpft. Um hier aber eine Entscheidung treffen zu können, ist die Kenntnis der Portosätze der einzelnen Länder zu den verschiedenen Zeiten notwendig, und hier versagen leider fast stets auch die besten Forscher. In der Literatur ist über Portosätze sehr wenig zu finden; hier Zusammenstellungen zu fertigen, wäre ein dankbares Feld für philatelistische Schriftsteller.
Hürlimann: Gilt heute noch. Bekannte Ganzsachensammler aus früheren Tagen, die noch häufig auf Stücken aus der Schweiz erscheinen, sind u.a. Th. Fierz (Zürich), F. Salzmann (Bern), A. Anker (Bern).
16. Wie soll man gebrauchte Karten mit Antwort sammeln?
Dr. Ascher: "Die anhängende Karte ist für die Antwort bestimmt. " — Im regelrechten Verkehr wird diese also abgetrennt und die Hälfte dem Absender zurückgeschickt. Man wird daher meist die gebrauchten Einzelhälften getrennt finden. Ist die Antwortkarte noch ungebraucht an der Fragekarte, so ist die Antwort unterblieben, der Zweck also eigentlich nicht erreicht. Nun wäre es ja möglich, die Karte umzubiegen und die Fragekarte wieder mit zurückzuschicken. Das ist aber in den meisten Ländern verboten, d.h. diese Karten werden zwar befördert, aber dann als Briefe behandelt und mit Strafporto belegt. Trotzdem kommen diese zweimal gebrauchten Karten gelegentlich vor und werden dann als "Leckerbissen" gern genommen. Die Katalogpreise beziehen sich auf solche Karten, deren Antwortkarte nicht gebraucht ist. Das ist für die Sammlungen - wenn auch nicht für den Postverkehr - als Normalfall zu bezeichnen. Trotzdem ist es aber richtig, auch gebrauchte Doppelkarten halbier zu sammeln; insbesondere sind die Antworthälften der Weltpostkarten mit Stempeln fremder Länder recht interessant. Richtig gebrauchte zusammenhängende Doppelkarten sind nach meiner Meinung im Katalog durchweg zu niedrig bewertet.
Hürlimann: Diese Ausführungen gelten heute noch. Bewertungsschwierigkeiten bestehen jedoch nicht mehr, denn sowohl der Ganzsachenkatalog Schweiz von Zumstein als auch die Ganzsachenkataloge von Michel geben Wertangaben für zusammenhängende und getrennte Antwortkarten an. Für beginnende Sammler sei noch ergänzt: ungebrauchte Doppelkarten sammelt man nur zusammenhängend, wie sie von der Post verkauft worden sind.
17. Wie soll man gebrauchte Kartenbriefe sammeln?
Dr. Ascher: Der Katalog schreibt zwar vor: "Die Preise für ungebrauchte und gebrauchte Kartenbriefe gelten für Stücke mit vollen Rand. " Das ist selbstverständlich für ungebrauchte Stücke. Bei gebrauchten aber ist es die Regel, dass der Rand abgerissen ist; nur der Philatelist nimmt sich die Mühe, den Kartenbrief ohne Verletzung des Randes zu öffnen. - Der Grund, auf den Rand Wert zu legen, liegt darin, dass die Art der Durchlochung, die im Katalog mit A, B usw. bezeichnet ist und die oft einen charakteristischen Unterschied darstellt, bei Stükken ohne Rand nicht zu sehen ist. Ebenso liegt der Fall, wenn wie bei Dänemark, Frankreich usw. Postvermerke auf dem Rand vorhanden sind. - Dem Anfänger empfehle ich, den gebrauchten Kartenbrief ohne Rand vorläufig ruhig aufzunehmen, ihn aber bei späterer Gelegenheit durch einen vollrandigen zu ersetzen. POSTGESCHICHT
Hürlimann: Für die wenigen schweizerischen Kartenbriefe, die 1939 zur Landesausstellung in Zürich erschienen sind, trifft dies ebenfalls zu. Die Kartenbriefe, die in der Schweiz auf private Bestellung mit Wertstempeln bedruckt wurden, sind philatelistischen Absichten zu verdanken und kommen gebraucht kaum vor.
18. Wie soll ich meine Ganzsachen aufheben?
Dr. Ascher: Das ist die schwerste Frage des Ganzsachensammelns überhaupt, über die schon viel geschrieben wurde und die doch bis heute noch nicht völlig gelöst ist.
Es gibt folgende Hauptsysteme:
- 1. Einsteckalben
- 2. Senfmappen (Faltmappen)
- 3. Kartons in Kästen
- 4. Kartothek
- 5. Einzelne Taschen u.a.m
Die schönste Art der Aufbewahrung ist zweifellos in Einsteckalben. Diese müssen aber folgenden Bedingungen entsprechen: Die Anzahl der Einsteckfalten muss ziemlich gross sein, damit man verschiedene Formate in gleicher Höhe stecken kann. Dann müssen sie "permanent" sein, d.h. es müssen sich leicht (hier hapert es meistens) neue Blätter einfügen lassen. Zum Schütze wertvoller Stücke ist zwischen den Blättern ein Schutzblatt einzufügen, oder die Blätter werden nur einseitig benutzt. Alben für bessere Stücke sieht man mit einem erhöhten Rand, damit jeder Druck vermieden wird; denn schon die Einsteckstreifen lassen bei längerem Lagern Druckstellen. Eine Berliner Firma hat ein Album entworfen, das ermöglicht, auch die Rückseite zu betrachten, was besonders bei gebrauchten Stücken recht wichtig ist.
Fortsetzung folgt
© Schweizerische Vereinigung für Postgeschichte / SVPg