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Obwohl archäologische Grabungen nachweisen konnten, dass der Diokletianpalast auf den Überresten älterer Bauten errichtet wurde, empfindet man doch die kaiserliche Villa als die steinerne Wiege der zweitgrössten kroatischen Stadt, der Stadt Split. Man weiss nicht genau, wer die Architekten dieses heute in der Welt am besten erhaltenen römischen Palastes waren, doch die in Stein gemeisselten griechischen Namen Zotikos und Filotas weisen darauf hin, dass der römische Kaiser Diokletian die Baumeister aus dem Osten des Kaisertums einführte. Die lokalen Arbeitskräfte verbauten im Palast Material aus der Umgebung, vor allem den weissen Kalkstein der Insel Brac, der auch in anderen Gebäuden auf der ganzen Welt zu finden ist.
Das genaue Datum des Baubeginns der Arbeiten am Palast ist schwer festzulegen, doch es ist eine unbestrittene Tatsache, dass nach seiner Abdankung 305 n.Chr. Diokletian seinen Palast bezog, um hier seinen Ruhestand zu geniessen. An einem solch grossen kaiserlichen Gebäude musste mindestens zehn Jahre lang gebaut werden, und zwar unter grossem Druck, denn einige steinerne Verzierungen und Ornamente zeugen davon, dass der Palast schon vor seiner Fertigstellung bezogen wurde. Der hoch gewachsene, magere und grauhaarige Kaiser – Gaius Aurelius Valerius Diokletianus (22. XII. 247 – 3. XII. 316), so wie er uns von seinen Portraits auf den römischen Münzen bekannt ist, hatte beschlossen, am Fusse des Hügels Marjan unweit seiner Geburtsstadt Salona mit dem Bau seiner Sommerresidenz im Jahre 293 zu beginnen, wie er auch im römischen Reich die Regierung der Vier – die sog. „Tetrarchie“ eingeführt hat. Der Palast weist lebhafte, mehrschichtige Strukturen aus allen geschichtlichen und künstlerischen Zeiträumen auf, die alle auf einer Fläche von 29.400 Quadratmetern dicht verknüpft sind und zwischen starken Abwehrmauern liegen, die etwa eine rechteckige Form mit einer Länge von 215 Metern und einer Breite auf der Nordseite von 175 Metern und 181 Metern auf der Südseite haben.
Die Palastmauern haben eine Höhe von 17 und 24 Metern über dem umliegenden Grund und eine durchschnittliche Dicke der Mauern von 2,10 Metern. Als zusätzlicher Schutz dienten 16 Abwehrtürme und vier Eingangstore, von dessen Originalform nicht viel erhalten blieb. Obwohl der Palast die Gestalt eines römischen Castrums (Militärlagers) hatte, glaubt man heute, dass er eher als Residenz und Sommersitz benutzt wurde. Neueste Forschungen ergaben allerdings, dass aufgrund des aufwändig angelegten römischen Aquäduktes, das bis zu 170-tausend Menschen mit Wasser versorgen konnte, der nordöstliche Teil des Palastes auch Gewerbeeinrichtungen beinhaltet hatte, man meint, dort seien Webereien untergebracht gewesen. Über den Kaiser Diokletian und seinen einmaligen Palast wurden zahlreiche Fachbücher veröffentlicht, aber auch abenteuerliche Romane und Erzählungen, was vom Reichtum geschichtlicher Ereignisse in Bezug auf den Kaiser und seinen Palast zeugt. So konnte im Palast nicht einmal der Sarkophag des Bauherren selbst erhalten werden, denn im siebten Jahrhundert wurde sein Mausoleum in eine katholische Kathedrale umgewandelt, in der anstatt der Überreste des heidnischen Kaisers die Gebeine des Schutzpatrons der Stadt Split, des Hl. Domnius, einem Bischof aus Salona ruhen, der gerade unter Diokletian wegen seines Glaubens gepeinigt wurde.
Der wunderschöne Palast wurde 1979 ins UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen und trägt seit 1987 den raren Titel eines Denkmals unter „den hundert geschichtlichen Einheiten von gemeinsamem Interesse im Mittelmeerraum“. Die andere Seite dieser Medaille ist, dass die heutigen Bewohner des Palastes zu den ärmeren Einwohnern der Stadt Split zählen, denn fast 60 Prozent der winzigen Wohnungen im Palast haben kein eigenes Badezimmer. Doch dank der Sorg falt der Konservatoren und der städtischen Verwaltung ist trotzdem zu hoffen, dass der heute 1700 Jahre alte Diokletianpalast noch viele Geburtstage feiern wird.