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Wie sieht es mit der Abschlussquote aus (und was tun eigentlich Studienabbrecher)?
Die Geistes- und Sozialwissenschaften weisen eine vergleichsweise etwas höhere Studienabbruchquote auf (vor der Einführung des Bologna-Systems deutlich, nun weniger). Die Frage stellt sich, weshalb dies geschieht und zu welchem Zeitpunkt. Noch interessanter ist die Frage, ob die sogenannten drop-outs später als Bildungsverlierer durchs Leben gehen und dem Staat auf der Tasche sitzen. Tatsache ist, dass ausgerechnet begabte Studierende der Geisteswissenschaften ihr Studium oft abbrechen, weil sie bereits vor Abschluss eine Tätigkeit gefunden haben, die ihren Interessen entspricht.
«Eine Person, die nie einen Fehler gemacht hat, hat nie etwas Neues probiert»
Albert Einstein
Im Bildungsbericht Schweiz 2014 (SKBF 2014, S. 195-196) wird betont, dass «Studienabbrüche an Universitäten multifaktorielle und komplexe Phänomene sind». Deutlich sei aber, dass «Studierende, deren Eltern über ein tieferes Bildungsniveau bzw. einen tieferen beruflichen Status verfügen, eindeutig ein höheres Risiko aufweisen, das Studium abzubrechen (ebd).» Gemeinsam mit dem Bereich «Interdisziplinäre»[1] verfügen bei den Geistes- und Sozialwissenschaften (zumindest zum Zeitpunkt dieser Erhebung 2013) im Vergleich zu anderen Fachbereichen am wenigsten Eltern über einen Hochschulabschluss (Studien- und Lebensbedingungen an Schweizer Hochschulen, BfS 2015, S. 21). Das kann bedeuten, dass ein geisteswissenschaftliches Studium als ein Weg zum sozialen Aufstieg gesehen wird, der aber nicht immer erfolgreich ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Verglichen mit der Gesamtheit aller Studierenden (72%) sind jene in den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften (81%) sowie Recht (77%) während dem Studium häufiger erwerbstätig. (ebd, S. 44)
In welchen Bereichen und Funktionen Studienabbrecherinnen und -abbrecher nach dem Studienabbruch arbeiten, ist empirisch nicht untersucht.
[1] Ökologie, Sport, Genderstudies, Militärwissenschaften und interfakultäre oder interdisziplinäre Studiengänge
Ein Gedanke zum Scheitern
Pro Tag werden in der Schweiz mehr als 30 Konkurse eröffnet. Aus Sicht der Innovationsforschung ist eine Kultur des Scheiterns eine unabdingbare Voraussetzung für die Innovation, Arbeit und Erneuerung von Institutionen und Systemen (http://www.thewire.ch/de/topics). Ein Umdenken gegenüber von Fehlern wird in der jüngsten Zeit etwa mit den so genannten und sehr beliebten «Fuckup Nights» eingeleitet. Ziel davon ist, gemeinsam zu erkennen, wo etwas falsch lief und auch von Fehlern der anderen zu lernen. Und was bedeutet «Scheitern» genau? Ist z.B. eine berufliche Umschulung ein Scheitern oder eine Fehlinvestition? Ist die Tatsache, dass rund 50% der Lehrabgängerinnen und -Abgänger im Verlauf ihres Lebens den Beruf wechseln, ökonomisch und gesellschaftlich betrachtet unerwünscht?