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Reizdarm
Synonym: Reizdarmsyndrom (RDS)
Der Reizdarm gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Er äussert sich durch lang anhaltende oder wiederkehrende Bauchschmerzen, Völlegefühl und Durchfall oder Verstopfung, die innerhalb eines Jahres insgesamt mindestens drei Monate lang auftreten. Die Beschwerden können durch Stress verstärkt werden. Obwohl die Krankheit körperlich und seelisch belastend ist, ist sie für die Betroffenen nicht gefährlich.
Die Symptome sind nicht immer eindeutig dem Reizdarm zuzuordnen. Vor einer Diagnose sollten daher andere Krankheiten als Ursache ausgeschlossen werden.
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Symptome
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Haben Sie häufig krampfartige Bauchschmerzen?Leiden Sie immer wieder unter Verstopfung oder Durchfall?Fühlt sich Ihr Bauch häufig aufgebläht an und reagiert empfindlich auf Druck?
Dann könnten Sie unter einem Reizdarmsyndrom (RDS) leiden. Meist treten die Symptome zum ersten Mal im dritten Lebensjahrzehnt auf und halten vergleichsweise lange an. Manche Patienten haben sechs Monate lang Beschwerden, andere jahrelang. Vielen geht es nachts deutlich besser als tagsüber. Stressige Lebenssituationen fördern das RDS, Entspannung sorgt für Linderung. Auch die Ernährung wirkt sich bei vielen Betroffenen auf die Intensität von Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen und Völlegefühl aus.
Die Bauchschmerzen können stechend, krampfartig oder dumpf sein, mal kommen sie in Wellen, mal halten sie über einen längeren Zeitraum an. Bei manchen erinnern sie an ein Seitenstechen. Patienten klagen oft zusätzlich über ein allgemeines Gefühl des Unwohlseins. Bei Schmerzbeginn tritt häufig weicher Stuhl auf, auch die Stuhlhäufigkeit steigt. Allerdings sind die Schmerzen nach dem Stuhlgang geringer. Deutlich sichtbar ist ein Blähbauch, der ein unangenehmes Völlegefühl verursacht. Typisch sind auch Schleimbeimengungen im Stuhl und eine unvollständige Darmentleerung.
Zusätzlich zu den Bauchschmerzen und dem Völlegefühl verändern sich bei Reizdarmpatienten Konsistenz und Häufigkeit des Stuhlgangs. So kann zum Beispiel mehr als dreimal am Tag ein durchfallartiger Stuhlgang mit sehr weichem bis flüssigem Stuhl auftreten. Das Gefühl, auf die Toilette zu müssen, kommt meist sehr plötzlich. Betroffene werden daher sozial sehr eingeschränkt, da sie immer die Nähe einer Toilette suchen. Das andere Extrem ist die Verstopfung: Die Betroffenen haben einen sehr harten Stuhl und höchstens dreimal die Woche Stuhlgang.
Da die Beschwerden sich sehr stark unterscheiden und unterschiedlich stark ausgeprägt sein können, definieren Fachleute drei Typen eines Reizdarms:
- RDS-D: Diarrhoe-prädominantes Reizdarmsyndrom, bei dem vor allem Durchfälle auftreten
- RDS-O: Obstipations-prädominantes Reizdarmsyndrom, bei dem Verstopfung typisch ist
- RDS-M: Reizdarmsyndrom mit wechselnden Stuhlgewohnheiten
Die Typen sind nicht klar voneinander abgrenzbar und können auch in gemischter Form auftreten. Häufig leiden die Betroffenen zusätzlich unter Beckenschmerzen, psychischen Erkrankungen, chronischen Schmerzen am ganzen Körper (Fibromyalgie) sowie geistiger und körperlicher Erschöpfung.
Die Symptome des RDS sind vielfältig und nicht sehr spezifisch. Es ist daher wichtig, dass der Arzt mögliche andere Ursachen in Erwägung zieht und abklärt. Ähnliche Symptome wie der Reizdarm verursachen zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Gallensteine, Fettleber, Entzündungen der Gallenblase, Leber oder Bauchspeicheldrüse, Magenschleimhautentzündung oder andere entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.
Folgende Faktoren können darauf hindeuten, dass es sich nicht um ein RDS handelt:
- Blut im Stuhl
- Symptome bessern sich nicht bei Entspannung und verschlimmern sich nicht bei Stress
- Beschwerden treten nachts auf
- Beschwerden verschlimmern sich mit der Zeit
- Kurze Krankengeschichte
- Gewichtsverlust
- Fieber
Wann zum Arzt?
Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie bei sich Blut im Stuhl feststellen. Das ist kein Symptom für einen Reizdarm und sollte schnell medizinisch abgeklärt werden, da ernsthafte Erkrankungen die Ursache sein können.
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Behandlung
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Eine allgemein gültige Behandlung, die allen Betroffenen mit RDS hilft, gibt es nicht. Die Therapie richtet sich nach den auftretenden Beschwerden. Bei einer milden Verlaufsform kann es genügen, sich zu Fragen der Ernährung beraten zu lassen und den Speiseplan entsprechend umzustellen. Nahrungsmittel, die dem Patienten nicht gut bekommen, werden dabei möglichst gemieden. Besonders belastend für das Verdauungssystem sind oft Knoblauch, Zwiebeln, Bohnen, Kohl sowie Kaffee und scharfe Gewürze.
Kommt Stress als Auslöser oder verschlimmernder Faktor in Betracht, kann es sinnvoll sein, dass sich der Patient mit Entspannungsübungen beschäftigt. Mit Yoga, autogenem Training und Muskelrelaxation können gute Erfolge erzielt werden. Mitunter ist auch eine psychotherapeutische Behandlung angebracht.
Tees oder pflanzliche Medikamente mit den Wirkstoffen aus Fenchel, Anis, Kümmel oder Pfefferminze können die Beschwerden eines Reizdarmsyndroms lindern und den Darm beruhigen. Bei Verstopfung wirken sich viel Bewegung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern pro Tag positiv auf die Darmgesundheit aus. Flohsamenschalen fördern ebenfalls eine gesunde Darmtätigkeit. Wissenschaftlich erwiesen ist zudem die Wirksamkeit von sogenannten Probiotika: Sie können die bei Reizdarmpatienten gestörte Darmflora wieder aufbauen.
Medikamentöse Behandlung
Bei besonders starken Beschwerden und wenn der Patient einen hohen Leidensdruck hat, kann der Arzt Medikamente verordnen. Welche das sind, richtet sich nach den hauptsächlichen Symptomen, die der Betroffene hat. Gegen Bauchschmerzen können krampflösende Mittel mit den Wirkstoffen Scopolaminbutylbromid, Nifedipin, Trospiumchlorid oder Mebeverin helfen. Die genaue Dosierung und die Behandlungsdauer gibt der Arzt vor, keines der Mittel sollte dauerhaft eingenommen werden. Das gilt auch für die bei Verstopfung verschriebenen Medikamente, sogenannte Abführmittel, die meist die Wirkstoffe Bisacodyl, Lactulose oder Natriumpicosulfat enthalten und als Dragees, Pulver, Tropfen, Kapseln oder Zäpfchen erhältlich sind. Bei Blähungen können – wenn pflanzliche Tees nicht helfen – entschäumende Medikamente mit den Wirkstoffen Simeticon und Dimeticon Erleichterung schaffen.
Bei Durchfall sind sogenannte Antidiarrhoika wie Loperamid oder Gallensäurehemmer angebracht, wenn Hausmittel keine Linderung bringen. Dazu gehören zum Beispiel ein lang gezogener schwarzer Tee und Eichenrindentee sowie wasserlösliche Ballaststoffe wie Pektin, das sich unter anderem in Äpfeln findet. Wie bei jeder Durchfallerkrankung sollte auch beim von Durchfall geprägten RDS darauf geachtet werden, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und viel zu trinken. Leiden Kinder oder ältere Menschen unter starkem Durchfall, sollte eine Elektrolytmischung gegeben werden, damit die verloren gegangenen Nährstoffe kompensiert werden.
In seltenen Fällen kann bei besonders ausgeprägten und auf keine Behandlung ansprechenden Beschwerden eine Therapie mit sehr niedrig dosierten Antidepressiva infrage kommen. Untersuchungen zufolge gehen diese hartnäckigen Symptome oft mit depressiven Verstimmungen und Ängsten einher.Bevor Sie zu Medikamenten greifen: Versuchen Sie, Ihren Darm mit ein paar einfachen Mitteln zu beruhigen – Wärme, Entspannung, Bewegung und viel Flüssigkeit können oft schon Linderung verschaffen. Auch pflanzliche Tees aus Anis, Fenchel oder Kümmel helfen vielen Betroffenen.
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Verlauf, Komplikationen, Besonderheiten
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Ein Reizdarmsyndrom ist nicht heil-, aber gut therapierbar. Die meisten Betroffenen bekommen ihre Beschwerden in den Griff.
Das RDS kann die Lebensqualität der Betroffenen massiv einschränken. Wie stark das der Fall ist, hängt mit der Intensität und Häufigkeit der Beschwerden zusammen. Treten die Symptome nur gelegentlich und in milder oder moderater Form auf, fühlen sich viele Menschen nicht beeinträchtigt. Stärker werdende Beschwerden wirken sich jedoch auf den Alltag und die Psyche der Betroffenen aus. Oft wird ein Restaurantbesuch zum Risiko, weshalb Reizdarmpatienten solche Situationen mehr und mehr meiden. Ein solcher sozialer Rückzug kann mit der richtigen Behandlung vermieden werden.
Die Angst vieler Patienten, dass sich aus einem Reizdarm Darmkrebs entwickeln kann, ist unbegründet. Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass ein Reizdarm das Darmkrebsrisiko erhöht.
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Ursachen, Risikofaktoren und Häufigkeit
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Die genauen Ursachen eines RDS sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei den Betroffenen die Darmbewegung gestört ist. Die Darmschleimhaut reagiert häufig empfindlich auf mechanische oder chemische Reizungen, was erklärt, wieso Patienten oft Probleme mit bestimmten Nahrungsmitteln haben. Ursache für die Bauchschmerzen beim RDS sind die gereizte Darmschleimhaut und die Dehnung der Darmwand bei Blähungen.
Was genau der Auslöser eines Reizdarmsyndroms ist, darüber gibt es bisher nur Vermutungen. So geht dem RDS häufig eine bakterielle Magen-Darm-Infektion voraus. Auch eine Störung der Darmmuskulatur (Motilitätsstörung) steht zur Diskussion. Selten tritt ein RDS plötzlich und ohne vorherige Anzeichen auf. Viele Betroffene haben bereits in der Kindheit unter Verdauungsstörungen gelitten. Psychische Faktoren wie eine starke seelische Belastung durch Stress, Angst, Sorgen oder Nervosität wirken sich auf den Darm aus und können ein RDS fördern.
Schätzungen zufolge ist bei jedem zweiten Patienten mit Problemen im Magen-Darm-Trakt ein Reizdarm die Ursache. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
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Vorbeugung
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Da die genaue Ursache des Reizdarmsyndroms bisher nicht bekannt ist, lässt sich ihm auch nicht vorbeugen. Allerdings gibt es einige Gewohnheiten, die generell zu einer guten Verdauungsfunktion beitragen:
Essen Sie langsam und ohne Hektik. Gründliches Kauen sorgt dafür, dass die Nahrung bereits im Mund vorverdaut wird, sodass Magen und Darm weniger Arbeit haben. Eine ausgewogene, faserreiche Kost mit Obst, Gemüse und Salat ist wichtig, da sie den Darm anregt. Ballaststoffe sind ebenfalls gesund, sollten jedoch vorsichtiger dosiert werden. Sie können Blähungen verursachen und besonders bei immobilen Patienten zu Verstopfung führen. Am besten, Sie steigern die Mengen langsam und schauen, wie gut sie die Ballaststoffe vertragen. Geeignet sind zum Beispiel Haferflocken, Leinsamen und Flohsamenschalen. Wenn Sie feststellen, dass Sie ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht vertragen, streichen Sie es vom Speiseplan. Trinken Sie mindestens zwei Liter am Tag – Wasser, Tee oder Saft. Flüssigkeit unterstützt die gesunde Darmfunktion.
Wer sich wenig bewegt, schadet seinem Darm, denn damit der seine Arbeit gut verrichten kann, muss er gut durchblutet sein. Dabei hilft Sport jeder Art, egal, ob Gymnastik, Schwimmen, Joggen, Radfahren oder ein ausgedehnter Spaziergang.
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Ihr Gesundheits-Coach berät Sie gern zu allen Fragen rund um das Reizdarmsyndrom. Abhängig von Ihren Beschwerden kann er lindernde, krampflösende Mittel sowie Medikamente gegen Verstopfung und Durchfall empfehlen.
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Wirkstoffe
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