Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03294.jsonl.gz/1234

Plötzlich ist alles gelb und am Himmel ziehen Wolken auf, im schlimmsten Fall regnet es sogar «Blut». Was wie der Beginn der Apokalypse erscheint, ist in Tat und Wahrheit ein Wetterphänomen, das wir in der Schweiz mehrere Male pro Jahr erleben – Saharastaub.
Momentan haben die Staubpartikel gerade Südeuropa erreicht. Laut Vorhersagen des EU-Atmosphärendienstes Copernicus soll die rot-orange Wand Ende Woche auch die Schweiz überrollen. Doch was bringt diese Wetterlage mit sich? Und ist sie gar gefährlich? Hier erfährst du das Wichtigste zum Wetterphänomen:
Beginnen wir bei den Basics: Der Staub stammt aus der afrikanischen Sahara-Wüste. Hier wird Gestein durch die Winde, Erosion aber auch durch chemische Verwitterung in immer kleinere Einzelteile zerlegt – der Staub entsteht. Die Minerale bleiben dabei je nach Verwitterungsart bestehen. Der Saharastaub führt sehr viel Calcium und Magnesium mit sich und wird deshalb auch Mineralstaub genannt. Gelangen diese Partikel in die Luft, nennt man sie Aerosole oder Feinstaub.
Wird der Boden der Saharawüste stark erhitzt, entstehen thermische Turbulenzen, die die Staubpartikel mehrere tausend Meter in die Luft wirbeln. Kühlt sich der Boden in der Zwischenzeit ab, entsteht eine Luftschicht, die die Aerosole nicht mehr durchqueren können. Wehen dann noch keine Winde, können die Partikel als Aerosole mehrere Monate auf dieser Höhe verweilen.
Häufig wird der Saharastaub aber in fast alle Weltregionen verteilt. Ein Grossteil gelangt über die Passatwinde nach Südamerika. Damit der Staub hingegen bis zu uns in den Norden gelangt, muss eine bestimmte Wetterlage gegeben sein: Bildet sich über dem Mittelmeerraum ein Tiefdruckgebiet, fliesst in tiefen Lagen kalte Luft von Europa nach Afrika, während sich in der Höhe warme Luftmassen mit Staubpartikeln nach Europa verschieben.
So kommt es zu einem Saharastaub-Ereignis und der Himmel über der Schweiz verfärbt sich gelb bis rot. In der Schweiz werden diese Ereignisse seit 2001 von einer Messstation von MeteoSchweiz auf dem Jungfraujoch im Berner Oberland gemessen. Am häufigsten treten sie im Frühling oder im Herbst auf – wenn eben auch besonders häufig Mittelmeertiefs entstehen.
Die Datenreihe von MeteoSchweiz zeigt, dass die Hälfte der Saharastaub-Ereignisse nach wenigen Stunden bereits wieder abklingt. Nur rund ein Viertel dauert länger als einen Tag. Jährlich werden auf dem Jungfraujoch zwischen 10 und 35 Ereignisse gemessen.
Kommt es während Saharastaub-Ereignissen zu Niederschlägen, spricht man umgangssprachlich vom Blutregen. Dies, weil die eisenreichen Aerosole rostbraune Ablagerungen hinterlassen. Im 19. Jahrhundert glaubte man noch, es gäbe in der Atmosphäre eine permanente Staubschicht, mittlerweile weiss man: Die Ablagerungen stammen vom Saharastaub.
Der Saharastaub verdichtet die Partikelmenge über der Schweiz. Dies führt dazu, dass trotz wärmerer Luft die Temperaturen tief bleiben. Der Grund ist, dass die Partikel einen Teil der Sonnenstrahlen reflektieren und damit die Strahlungsmenge tiefer ausfällt. Ausserdem kondensiert an den Mineralstaub-Partikeln besonders in hohen Lagen Wasser. Dies führt zu verstärkter Wolkenbildung.
Es ist kaum zu glauben, aber: Der Saharastaub ist der wichtigste Nährstofflieferant für den Regenwald im Amazonasgebiet. Die Versorgung der Wälder über die Minerale ist quasi eine natürliche Düngung. Zudem vermuten Forscher, dass der Saharastaub mehr zu Temperaturschwankungen beiträgt als bislang angenommen.
Doch auch bei der Bildung von Hurrikanes über dem Atlantik könnte der Mineralstaub eine Rolle spielen. Meteorologen glauben inzwischen, dass die Partikel beeinflussen, wie stark ein Hurrikan ausfällt.
Tatsächlich kommt es bei Saharastaub-Ereignissen in der Schweiz zu verstärkter Luftbelastung. Das Vorkommen von Feinstaub-Partikeln in der Luft ist besonders für Allergiker zusätzlich belastend. In kleineren Konzentrationen verursacht der Saharastaub beim gesunden Menschen jedoch keine gesundheitlichen Schäden.
Eine asiatische Riesenschildkröte zählt zu den seltensten Schildkrötenarten weltweit. Einem Forschungsteam ist es nun gelungen, solche Tiere nicht nur aufzuspüren, sondern auch bei der Brut zu begleiten. Dorfbewohner hätten den Hinweis auf die bis zu einen Meter grossen Süsswasser-Schildkröten am Chandragiri-Fluss in der indischen Region Kerala gegeben, berichten die Wissenschaftler.