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Es ist erstaunlich, dass es in der St. Galler Altstadt keine Gerbergasse mehr gibt. Obwohl in unserer Stadt das Gerberhandwerk ebenfalls blühte und in der Gegend der heutigen Neugasse im Mittelalter Gerbereien gestanden haben sollen. Nach Georg Leonhard Hartmann wurde 1473 beschlossen, hier kein neues Gerbhaus mehr bauen zu lassen.
Die Gerber oder Ledergerber übten ihre Tätigkeit also wohl in der heutigen Neugasse aus, die noch 1436 Ledergerbergasse hiess. In einer Urkunde aus diesem Jahre lautet eine Stelle "Wältis am Hof Hus an der Ledergerwengass".
Andererseits ist aber bereits etwa sechzig Jahre früher der Name Neugasse nachweisbar. Als nämlich im Juli 1378 die Grossen Räte und die Gemeinde St. Gallen ihre Stadt in Quartiere für den militärischen Auszug einteilten, um keine Söldner mehr werben zu müssen, kamen "die an der Nüwengassen" zum zweiten "Tail".
Von der Neugasse ist auch schon im ältesten, noch erhaltenen Steuerbuch der Stadt aus dem Jahre 1402 die Rede. Es sind darin verzeichnet alle Steuerpflichtigen, die "Nüwen Gassen ab, von Niggel Ruoprehtz Hus. Graben wert bis zuo Hainis Schuolmaisters Hus." Nach dieser Liste wohnten hier etwa Cueni Hofstetter, die Englerin, Berschi Buesenhof's Wib, Ueli Frig der Lang, Hans von Watt der Weber und viele andere.
Eine mögliche Erklärung des Namens ist folgende: Die sogenannte Oberstadt entstand um das Kloster herum, zuerst in der Gegend des heutigen Gallusplatzes. Sie wuchs später weiter bis zur Linie Multergasse - Spisergasse und hatte in der Mitte des 10. Jahrhunderts bereits den Charakter einer Markt-Siedlung. Die Stadt entwickelte sich weiter und es entstanden Häuser an der Marktgasse, der Brühlgasse und vermutlich zuletzt an der Gerbergasse - dies war die jüngste, die neue Gasse.
Unten an der Neugasse führte schon in alter Zeit ein enger, gewölbter Durchgang nach dem sogenannter Rindermarkt (heute Marktplatz), und ihr unterer Teil hiess Obstmarkt. Bernhard Wartmann schreibt über diese Durchgänge: "Durchgänge oder sogenannte Gängle, um von einer Strasse in die andere zu kommen, ohne dass man die Strasse durchlaufen muss, sind doch nur für Fussgehende." Er erwähnt dann "das Gängle an der neuen Gass, das von dieser Gass und dem Ober-Markte an den Rindermarkt und in das Löchlibad führet".
Durch die Neugasse floss, wie durch zahlreiche andere Gassen, noch im 19. Jahrhundert ein "Bach", der so tief war, dass Kinder darin ertrinken konnten. In ihrem "Wohl und übel Verhaltungs-Büchlein", das Anna Maria Högger für ihre beiden Söhne führte, steht unter dem 17. September 1817, Christoph sei "mit Freude in die Schule, aber an der Neugass geht er zu nahe an den Bach und fallt bei Herrn Scheitli, Gerber hinein, wo er am tiefsten ist. Wenn nicht ein armer Knabe ihn heraus gezogen hätte, so hätte er können ertrinken. Seine Rechen Tafel hat mann erst auf den Abend in dem Bach gefunden. Gottlob, dass er gerettet wurde!"
Dass die Neugasse noch heute eine neue Gasse ist, zeigt folgende Zusammenstellung: Von den rund 40 Häusern an dieser Gasse stammen höchstens fünf aus der Zeit vor 1800; etwa 35 wurden in unserem Jahrhundert, die meisten davon in neuester Zeit erstellt.
Wie die Neugasse in die Geschichte einging
Es ist erstaunlich, dass es in der St. Galler Altstadt keine Gerbergasse mehr gibt. Obwohl in unserer Stadt das Gerberhandwerk ebenfalls blühte und in der Gegend der heutigen Neugasse im Mittelalter Gerbereien gestanden haben sollen. Nach Georg Leonhard Hartmann wurde 1473 beschlossen, hier kein neues Gerbhaus mehr bauen zu lassen.