Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03099.jsonl.gz/227

Ohne im gesamten Turnier je ernsthaft gefordert worden zu sein, gewann Serena Williams am US Open ihren 18. Grand-Slam-Titel und zog mit Chris Evert und Martina Navratilova gleich. Im Final blieb auch Caroline Wozniacki beim 3:6, 3:6 ohne Chance – mitgefeiert hat die unterlegene Dänin trotzdem.
Keiner kann seine Champions so glamourös inszenieren wie die Amerikaner. Und wer es in New York geschafft hat, schafft es bekanntlich überall. Serena Williams hat es definitiv geschafft – und in Zeiten der tiefen Krise bei den Männern zelebrieren sie in den USA ihren verbliebenen Trumpf umso pompöser.
Nach ihrem Sieg erhielt sie am Sonntagabend Lokalzeit neben einem Rekord-Check über vier Millionen Dollar – drei Millionen Preisgeld und ein Bonus von einer Million, weil sie die Sommerserie des US-Verbands gewonnen hatte – ein Armband aus 18 Karat Gold mit einem Anhänger mit der Zahl 18.
Überreicht wurde dieses Spezialgeschenk von Chris Evert und Martina Navratilova – und dies bedeutete Serena Williams mehr als alles Geld oder der Gewinn ihres ersten Grand-Slam-Titels in einem für sie höchst mittelmässigen Jahr.
Mit dem 18. Triumph schloss sie in der ewigen Bestenliste nämlich zu Evert und Navratilova auf. «Ich hätte mir nie vorstellen können, dass der Name Serena Williams einmal im gleichen Atemzug mit Legenden wie Evert oder Navratilova genannt werden könnte», sagte sie mit Tränen in den Augen.
Der Weg zum Sieg verlief weniger emotional, auch wenn die 32-Jährige gegen eine ihrer besten Freundinnen spielte. Caroline Wozniacki machte im Frühjahr eine schwierige Zeit durch, als ihr Verlobter Rory McIlroy die geplante Hochzeit kurzfristig platzen liess. Williams lud die Dänin zu sich nach Florida ein und richtete sie wieder auf.
So weit, ihr in deren zweitem Grand-Slam-Final nach dem US Open 2009 (5:7, 3:6-Niederlage gegen Kim Clijsters) den Sieg zu überlassen, ging sie aber selbstverständlich nicht. Im Gegenteil: Williams dominierte die Skandinavierin mit polnischen Wurzeln ebenso deutlich wie alle anderen Gegnerinnen zuvor.
Die Weltnummer 1, die in diesem Jahr bei den Grand-Slam-Turnieren einen Achtelfinal am Australian Open als Bestleistung vorzuweisen hatte, verlor in ihren sieben Partien in keinem Satz mehr als drei Games. Auch im Final nicht. Zu Beginn fehlte ihr noch der Rhythmus bei eigenem Aufschlag, so dass sie Wozniacki bis zum 3:2 zwei Breaks zugestehen musste. Über die Siegerin bestanden jedoch innert kurzer Zeit kaum mehr Zweifel.
Die 24-Jährige ist zwar eine ehemalige Weltnummer 1, hatte jedoch nicht die Mittel, um ernsthaft dagegenzuhalten, vor allem auch, weil ihr eigener Service viel zu harmlos war. Ihre gute Beinarbeit und Defensive reichten nicht, zumal ihr insgesamt nur vier Winner gelangen, drei davon Asse.
Auch im zweiten Satz geriet sie sofort mit einem Break ins Hintertreffen. Wozniacki wehrte sich zwar nach Kräften und konnte sich wiederum drei Games sichern, doch nach genau eineinviertel Stunden verwertete Williams gleich ihren ersten Matchball. Die Dänin trug die erwartete Niederlage mit Fassung. «Du hast es verdient, du hast besser gespielt als ich. Du bist ein unglaublicher Champion und eine tolle Freundin. Du schuldest mir später aber definitiv Drinks», sagte sie.
Für die jüngere der beiden Williams-Schwestern schliesst sich vorerst ein Kreis. Als Teenager hatte sie 1999 im Arthur Ashe Stadium ihren ersten grossen Titel geholt (gegen Martina Hingis), jetzt den 18. Als erst zweitem Tennisprofi nach Chris Evert (vier Siege von 1975 bis 1978) gelang ihr damit das Triple mit drei US-Open-Siegen hintereinander.
Es war das untypische Ende eines Frauenturniers, in dem die übrigen Favoritinnen fast im Stundentakt ausschieden. Und untypisch ist sicher auch, dass Siegerin und Verliererin anschliessend gemeinsam feiern gingen. Aber das kennt Serena schon von Finals gegen ihre Schwester Venus. (zap/si)