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Das ökumenische Peru-Projekt - seit 1996
Im November 2021 blickte Pfarrer i.R. Thomas Perler auf das 1996 entstandene Peru-Projekt zurück:
Rot und weiss sind die Farben unserer Landesfahne, dasselbe gilt für Peru. Das könnte ein Grund sein, weshalb die reformierte Kirchgemeinde und unsere Pfarrei seit 1996 ein Hilfsprojekt in Peru unterstützen. Doch die Initiative dafür kam von Sonja Kaufmann, die vor 25 Jahren hier in der Pfarrei als Pastoralassistentin wirkte und damals der ökumenischen Gruppe Nord-Süd ein neues Projekt in Puno vorschlug. Sonja verbrachte 1995 zwei Wochen in der Familie Mauricio und Nelly Rodriguez in Puno und lernte dort deren Hilfsprojekt «Huayna Pucara» (neue Kraft) kennen. Dieses Ehepaar hatte im Jahr 1992 eine Gruppe «Amigos de la vida» gegründet, um im umliegenden Stadtviertel den Armen im Bereich Bildung und wirtschaftliche Förderung zu helfen. Dazu kamen im Jahre 1993 Freiwilligen-Gruppen aus Deutschland und Österreich und 3 Jahre später Murten. Huayna Pucara umfasst ein Haus mit einer Küche und einem grösseren Ess- und Versammlungsraum, im Obergeschoss drei kleinere Räume, daneben steht ein Kindergarten und darüber eine Wohnung für die Wächterfamilie. Das Haus ist bewohnt und der Kindergarten funktioniert nach wie vor. Im Zentrum wurde bis vor einigen Jahren eine Volksküche von der Frauen- und Müttergruppe betrieben. Diese versammelt sich nach wie vor im Haus regelmässig zum Stricken und Plaudern. Nelly gab den Frauen eine Zeitlang Hygiene-Kurse; heute noch berät und begleitet sie diese Gruppe bei ihren Aktivitäten. Im Haus wurden Nachhilfestunden für schwache Schüler/-innen angeboten und Einführungskurse für Computer (die von uns gekauft wurden). Bei meinen acht Besuchen habe ich dort mit der Gemeinschaft der Frauen, Mütter und Kinder jeweils die Eucharistie gefeiert.
Nach und nach entwickelte sich das Projekt: Es wurden eine Wasserpumpanlage, Toiletten und zwei Duschen mit Solarheizung eingerichtet; eine Frauengruppe kümmert sich darum und stellt sie auch der Bevölkerung im Quartier zur Verfügung. Die Frauen und Mütter lernten Jogurt herstellen und können dadurch etwas Geld verdienen. Wir finanzierten einen Teil der Ausstattung der Interkulturellen Schule in Puno; es wurden Kindergärten in den umliegenden Hochtälern gebaut und ausgestattet. Wir finanzierten Solarlampen für entlegene Gegenden ohne Elektrizität und kauften Computer für die OS im nahegelegenen Dorf Mañazzo. Im Weiler Machajmarca, auf ca. 4'000 m.ü.M., haben wir die Bevölkerung zu einem Versuch ermutigt, in einem Treibhaus (160m2) Gemüse anzubauen, und das nun erfolgreiche Projekt finanziert. Ein weiterer Beitrag kam den Jugendlichen in den Orientierungsschulen zugute. In seiner Funktion als Regionalpräsident kam Mauricio mit den Schulbehörden in Kontakt und konnte in der Folge dafür sorgen, dass in den oberen Orientierungsklassen eine Berufsberatung eingefügt wurde.
All das oben Erwähnte geschah stets in Zusammenarbeit mit den Unterstützungsgruppen aus Deutschland und Österreich und wurde vom Ehepaar Nelly und Mauricio Rodriguez betreut und verwirklicht. Dank ihrer Mithilfe wurden wir immer genau auf dem Laufenden gehalten.
Mauricio Rodriguez ist Rechtsanwalt, Doktor in Rechtswissenschaften, Gründer und Direktor des Radio Pachamama. Viele Jahre hat er als Direktor des bischöflichen Radios in Puno gewirkt. Nach der Pensionierung des Bischofs Jesús Calderón im Jahre 1998 kam ein neuer Bischof nach Puno. Das hatte zur Folge, dass Mauricio seine Aktivitäten am Radio nicht mehr weiterführen konnte. Er war sich jedoch bewusst, wie wichtig ein erzieherisches Regional-Radio in einer weitgehend analphabetischen Bevölkerung sein kann. Daher versuchte er, ein neues Radio aufzubauen, wobei Österreich und die Schweiz sein Vorhaben finanziell wesentlich unterstützten. Im August 2003 ging das regionale «Radio Pachamama» auf Sendung und erreicht heute eine Hörerschaft von nahezu 1 Million. Wir unterstützen dabei besonders Programme, bei denen sich die Jugendlichen und die Landbevölkerung einbringen können. Dank seiner Tätigkeit als Direktor dieses Radios wurde Mauricio 2014 zum Regionalpräsidenten der Region Puno gewählt und konnte in dieser Funktion viel für die Region erreichen.
Das jährliche internationale Peru-Gruppen-Treffen blieb auch 2021 nicht aus: Es fand pandemiebedingt virtuell online statt. [...]
Seine Kontakte mit den Schulbehörden ermöglichten ihm, in den Orientierungsschulen eine Berufsberatung einzuführen und die Jugendlichen zum Erlernen eines Berufes zu ermutigen. Auch da kam ihm unsere finanzielle Hilfe zugute.
Im Jahre 2018 haben die Gruppen aus Deutschland, Österreich und Murten einen Verein gegründet. APROHU PERU (Asociación PROmoción HUmana). Das vereinfacht die Geldüberweisungen aus Europa und bringt auch andere Vorteile für den gegenseitigen Austausch.
Ein Rückblick auf alles, was dank unserer Unterstützung in 25 Jahren in dieser Hochlandregion entstand und noch weiterwirkt, ist zwar ein bescheidener Beitrag zur Förderung dieser armen Region. Dennoch weckt er Freude und lässt trotz aller Schwierigkeiten zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die ökumenische Peru-Gruppe Murten nimmt dies zum Anlass, allen, die sie in diesen 25 Jahren unterstützt haben, für ihren Betrag herzlich zu danken.
Es ist schön, Menschen zu helfen, die ihr Können und Wissen für die Armen einsetzen; ebenso macht es Freude, lernwillige und einsatzfreudige Menschen zu unterstützen. Die vielen dankbaren Gesichter und die freudestrahlenden Kinder, die ich bei meinen acht Besuchen dort immer wieder zu sehen bekam, geben Ansporn, unsere Unterstützung fortzusetzen.
Die ökumenische Peru-Gruppe Murten
Das Peru-Projekt wurde 1996 von der katholischen Pfarrei und der reformierten Kirchgemeinde Murten aufgebaut und seitdem finanziell unterstützt.
Mitglieder aus dem kath. Seelsorge- und ref. Pfarrteam sowie ehrenamtlich engagierte Mitglieder beider Konfessionen treffen sich einige Male im Jahr um das Geschehen in Peru zu verfolgen. Sie stehen dabei im ständigen Austausch mit den Projektpartnern in Peru, sowie jährlich bei einem internationalen Treffen mit den Gruppen in Österreich und Deutschland.
Jährlicher Höhepunkt ist der ökumenische Gottesdienst im November, der ganz auf Peru ausgerichtet ist. Gestaltet von Schülerinnen und Schülern der 7H-Religionsklassen, der Peru-Gruppe und den Klängen einer peruanischen Musikgruppe.
Wenn auch Sie in der Peru-Gruppe mitwirken möchten und sich für das Projekt interessieren, melden Sie sich im Sekretariat der Pfarrei.