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Es habe von ihm persönliche Arbeitsunterlagen und Notizen zu den ursprünglich Mitbeschuldigten gegeben - diese seien jedoch nicht Teil der amtlichen Verfahrensakten gewesen, sagte Werner Pfister am Mittwoch vor Gericht.
Diese "Kopien von Aktenstücken, handschriftliche Notizen und Computermitschriften" seien vielmehr dazu da gewesen, um jederzeit mit dem Verfassen der Anklageschrift fortfahren zu können. Mit seinem Nachfolger als Verfahrensleiter sei es nur zu einem kurzen Gespräch gekommen: "Eine zufällige Begegnung im Haus. Das war es."
"FOKUSSIERUNGSSTRATEGIE" GIBT ZU REDEN
Pfister wurde überhaupt erst vom Bundesstrafgericht aufgeboten, weil im Laufe des Prozesses ans Tageslicht kam, dass es vor der Fokussierung auf Dieter Behring als einzigen Angeschuldigten, Entwürfe von Anklageschriften gegeben hatte.
Die Privatverteidiger Behrings waren davon bereits von Anfang an ausgegangen. Die Bundesanwaltschaft verneinte dies, bis ein Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft (BA) vergangene Woche als Zeuge aussagte, dass er solche Schriften gesehen habe. Die BA hat dann in den Tiefen ihres Systems tatsächlich Entwürfe solcher Anklageschriften gefunden und sie am Montag dem Gericht übergeben.
Pfister sagte vor Gericht, dass er die "Fokussierungsstrategie" nicht grundlegend bewerten wolle, sie jedoch nicht "auf seiner Linie" lag. Er habe immer eine Mittäterschaft in dem Verfahren im Sinn gehabt.
Einer der Hauptvermittler sei der "Kapitalbeschaffer" gewesen, Behring dagegen der "Guru" und "Key-Player", welcher das Anlagevermögen verwaltete, so der ehemalige Verfahrensleiter.
Bundesanwalt Michael Lauber sagte in der Befragung am Bundesstrafgericht, dass eine "Fokussierung" in einem Betrugsfall nichts Ausserordentliches sei. Er sei heute noch der Überzeugung, dass dies rechtens sei.
HAUPTVERMITTLER BELASTET
Bevor es am Mittwoch zur Befragung Pfisters kam, lieferte ein Zeuge Einblicke in die Welt des wichtigsten Hauptvermittlers im System Behring. Er sagte über seinen ehemaligen Chef, dass dieser Behring als "Börsenguru" wahrgenommen habe, der mit seinem Anlagesystem im Besitz eines "Perpetuum mobile" gewesen sei.
Sein Ex-Vorgesetzer habe eine Schwäche für "schier unmögliche Projekte" gehabt. Dazu habe auch die Entwicklung einer "fliegenden Untertasse" gezählt. Dieter Behring sei von diesem nicht ausreichend kontrolliert worden, um sicherzustellen, dass Vermögenswerte von Kunden nicht verschwanden. Behring tat die Ausführungen des Mannes als "umfangreiche und auswendiggelernte Fantasiegeschichten" ab.
Der 61-jährige Behring soll gemäss Anklageschrift zwischen September 1998 und Oktober 2004 gewerbsmässig Anleger betrogen haben. Die rund 2000 Geschädigten sollen insgesamt 800 Millionen Franken verloren haben.
Das Verfahren wird am Donnerstag fortgesetzt. Behring soll dann Fragen des Gerichts beantworten. Am Montag wird sich Behring voraussichtlich zu seinem Anlagesystem äussern.
(AWP)