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Moderator: Lüscher
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Phenprocoumon: Interaktion mit Grün- und Schwarztee?
Nicht fermentierter Grüntee enthält im Vergleich zu Schwarztee die 5- bis 6-fache Menge an Vitamin K (ca. 1400mcg/100g getrocknete Teedroge). Der Vitamin-K-Gehalt des fertigen Tees ist jedoch von der Zubereitungsart und der verwendeten Menge an Teeblättern abhängig.
Es stellt sich daher die Frage, ob bei gleichzeitiger Einnahme von Phenprocoumon und Grün- bzw. Schwarztee eine klinisch relevante Interaktion besteht.
In der Literatur finden sich nur Hinweise auf eine mögliche Interaktion mit grünem Tee. In einem Fallbericht aus den USA wird beschrieben, dass es bei einem Patienten zu einem klinisch relevanten Abfall des INR-Wertes kam. Der Betroffene nahm allerdings täglich etwa 3.8 Liter Grüntee zu sich.
Bei normalem Konsum von Grüntee scheint eine klinisch relevante Auswirkung auf die Antikoagulation mit Phenprocoumon eher unwahrscheinlich. Der Genuss grösserer Mengen Grüntee kann wie beschrieben den INR-Wert senken. Da Schwarztee wesentlich weniger Vitamin-K enthält, ist eine Interaktion mit Phenprocoumon äusserst unwahrscheinlich.
Im Allgemeinen sind antikoagulierte Patienten darüber informiert, dass die Zufuhr von Vitamin K über die Nahrung kontrolliert werden muss. Gemäss Literatur wird zudem empfohlen, täglich nicht mehr als 3 Tassen Tee zu trinken, vor allem wenn es sich um Grüntee handelt!
Quelle:
_Zeitschrift für Phytotherapie 5/2010/p263
Diese Interaktion, die bei sog. "Tea-Totalers" (mehr als 1 1/2 L pro Tag) vorkommt, ist offenbar schon seit mehr als 10 Jahren bekannt. Interessanterweise steht im Pharmakompendium nichts von Grün-Tee. Auch in der Packungsbeilage ist nichts verzeichnet. Zu beachten ist, dass nicht nur die Einnahme von Grüntee Probleme verursachen kann (INR-Abfall) sondern auch das plötzliche Weglassen (INR-Anstieg, Blutungsgefahr). M.E. ist die Gefahr beim plötzlichen Weglassen von Nahrungsmitteln oder Medikamenten, die mit der Antikoagulation interagieren, sogar noch grösser als bei der de novo Gabe, da nicht im Bewusstsein von Patient oder Arzt.
Eine andere interessante Story von Tea-Totalers: Vor mehr als 20 Jahren wurde uns am Inselspital eine Patientin vorgestellt, für deren ausgesprochenen Eisenmangel keine andere Ursache gefunden worden ist als ein massiver Konsum von Schwarztee; offenbar interagiert die Gerbsäure im Schwarztee mit der intestinalen Eisenresorption.