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Die Meinungen zum Tod des früheren kubanischen Präsidenten und Revolutions-Führers Fidel Castro sind in Brasilien geteilt. Beziehungen hat Castro dabei nicht nur zur Linken Brasiliens gepflegt. Die hat er allerdings während der Militärdiktatur in dem südamerikanischen Land aktiv im Kampf gegen das Regime unterstützt.
Achtmal hat Fidel Castro Brasilien offiziell besucht, das erste Mal 1959. Als 1964 das Militärregime die brasilianische Regierung gestürzt hat, wurden die Beziehungen der beiden Länder über 30 Jahre hinweg eingestellt. Währenddessen hat Kuba die Regimegegner und ebenso den bewaffneten Kampf unterstützt.
Wieder aufgenommen wurden die diplomatischen Beziehungen 1986, nach dem Ende der Militärdiktatur Brasiliens. Zur Amtseinführung des Ex-Präsidenten Fernando Collor reiste Castro an. Bei der Umweltkonferenz Rio-92 hielt er eine mehrstündige Ansprache.
1995 war er ebenso bei der Amtseinführung des Ex-Präsidenten Fernando Henrique Cardoso zugegen (Mitbegründer der Mitte-Rechtspartei PSDB). Unter Cardosos Regierung sind mit Kuba etliche Verträge zum Wirtschaftsaustausch geschlossen worden.
Cardoso hob in seinen Worten zu Castros Tod das unter diesem eingeführte, allen zugängliche Gesundheitssystem und das Bildungssystem hervor, sprach aber auch von einem Kuba, das heute als Symbol einer vergangenen Epoche gelte, das sich jetzt neu anpassen müsse, in der Hoffnung, dass die erreichten Erfolge dabei nicht verloren gingen.
Von der PSDB-Parteispitze wurde die Fähigkeit Fidel Castros hervorgehoben, die Menschen vom Traum der sozialen Gleichheit zu begeistern. Die harte Realität sei aber ein Land, das Freiheit, Demokratie und Menschenrechte nicht respektiere und in dem der Großteil der Bevölkerung in Armut lebe, konstatierte Ex-Präsidentschaftskandidat Aécio Neves.
Der hat kurz davor in den sozialen Netzwerken den Revolutionsführer aber ebenso als einen der “großen Führer unserer Zeit“ bezeichnet.
2003 reiste Fidel Castro schließlich zur Amtseinführung Luiz Inácio Lula da Silvas, seinem prinzipiellen Verbündeten in Brasilien von der linksgerichteten Arbeiterpartei PT. Ex-Präsident Lula bezeichnete Castro als “Größten aller Lateinamerikaner“.
“Einer der wichtigsten, zeitgenössischen Politiker und ein Visionär, der an den Aufbau einer brüderlichen und gerechten Gesellschaft, ohne Hunger und Ausbeutung, in einem vereinten und starken Lateinamerika geglaubt hat“, schrieb hingegen Lulas Parteikollegin und Ex-Präsidentin Dilma Rousseff über Twitter zum Ableben Castros.
Die guten Beziehungen mit der Arbeiterpartei PT haben in Kuba zu Milliardeninvestitionen geführt, wie dem Hafen Porto de Mariel. Unter Dilma Rousseffs Regierung sind zudem über das Programm (Mais Médicos) 11.000 kubanische Ärzte nach Brasilien gekommen, um die Bevölkerung in den Regionen des Landes zu behandeln, die von brasilianischen Medizinern nicht abgedeckt werden.
Von der nun amtierenden Regierung Brasiliens hat es bisher keine offizielle Stellungnahme zum Tod Fidel Castros gegeben. Offen ist auch, ob Regierungsvertreter zur Beerdigung des Verstorbenen reisen werden. Auf ein Telegramm nach Kuba hat der eher neo-liberale Präsident Michel Temer (PMDB) jedenfalls verzichtet.
In einem kurzen Kommentar hat er sich zurückhaltend ausgedrückt. Fidel Castro sei ein Führer der Überzeugungen gewesen und habe die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Verteidigung der Ideen geprägt, an die er glaubte, so Temer, der sich in den vergangenen Monaten distanziert zu Kuba gegeben hat. Außenminister José Serra (PSDB) bezeichnete Fidel Castro hingegen als einen “Helden“ der 60er und 70er Jahre.