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umfassend; die Nachricht, daß er auch als Bildhauer sich versucht habe, dürfte wohl dahin zu verstehen sein, daß er zeitweise Entwürfe für Flachbildwerke lieferte.
Giottos Nachfolger. Zu dem unmittelbaren Einfluß, welchen dieser Künstlergeist durch seine im ganzen Lande verstreuten Arbeiten ausübte, trat nun auch der mittelbare durch seine Schüler, und bald war Giottos Kunstweise allenthalben verbreitet. Zur ausschließlichen Herrschaft gelangte sie jedoch nicht, trotz der Begeisterung, welche Giottos Werke erregten. Ja anfänglich stand ihr Einfluß sogar hinter jenem der Sieneser Schule des Duccio zurück. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß der letztere die bisherige überlieferte Malweise im Wesentlichen beibehielt und sie nur zeitgemäß verbessert hatte; es war daher nicht nur den zünftigen Malern leichter, dem Duccio zu folgen, als sich in die ganz neue Richtung Giottos hineinzufinden, sondern es dürfte wahrscheinlich auch dem Geschmack der großen Durchschnittsmenge, - außerhalb Florenz, hier fiel der «Lokalpatriotismus» schwer ins Gewicht - die an das Gewohnte anknüpfende Sieneser Richtung besser entsprochen haben.
Späterhin kam freilich die Florentinische immer mehr zum Durchbruch, da die von Giotto geschaffenen Gestalten handsame Vor- und Urbilder für Nachahmer waren; im ganzen aber vermischten sich in dem handwerksmäßigen Betrieb der verschiedenen Nebenorte allmählich beide Richtungen. Das feierlich Erhabene und Großartige, das in Giottos Werken sich findet, und die sinnliche Anmut, welche jene Duccios aufweisen, suchte man mit mehr oder weniger Geschick zu vereinen.
Die unmittelbaren Schüler Giottos waren auffälligerweise ziemlich unbedeutend; selbst die besten von ihnen, Bernardo Daddi (um 1328-47 thätig) und Taddeo Gaddi (um 1327-66 thätig), boten nur schwache Leistungen, in welchen mehr die Mängel als die Vorzüge des Meisters hervortreten.
Andrea Orcagna. Selbständigkeit und wesentlichen Fortschritt bekundet dagegen Andrea (di Cione) Orcagna (1308-1368), der ja auch als Bildhauer und Baumeister Hervorragendes schuf. Er bildet seine Gestalten ungemein lebendig, mit großartiger Würde und doch dabei lieblich; in der Behandlung des nackten Körpers und in der Farbengebung ist er Giotto überlegen; seine Eigenschaft als Bildhauer kam ihm auch hinsichtlich der bildnerischen Ausarbeitung des Körperlichen zu statten, wie er auch die Gesetze des Räumlich-Sehens schärfer erfaßt hat. (Fig. 339 u. 340.)
^[Abb.: Fig. 342. Simone Martini. Madonna.
Siena. Rathaus.]
^[Abb.: Fig. 343. Lorenzetti Ambrogio. Der Friede.
Siena. Rathaus.] ¶
Giottino. In anderer Art bedeutsam erscheint dann noch ein Meister, der Giottino genannt wird (um 1340-69 thätig). Daß er ein unmittelbarer Schüler Giottos gewesen sei, ist sehr zu bezweifeln, weil er ein weitaus höheres Maß von Naturbeachtung und daher eine bemerkenswert richtige Zeichnung bekundet.
Ausgang der Schule Giottos. In dieser Hinsicht sowie durch Frische der Farbe zeichnet sich auch ein Schüler Taddeo Gaddis aus, Giovanni da Milano, der bereits die vorerwähnte Vermischung der florentinischen und sienesischen Malweise zeigt und diesen «Mischstil» auch nach seiner Vaterstadt Mailand verpflanzte. Ueberhaupt erscheinen einige Schüler Gaddis ihrem Lehrmeister überlegen, so Antonio Veneziano (zwischen 1315-1388) durch seine auf treue Wiedergabe des Wirklichen abzielende Malweise, und Spinello di Luca Aretino (gest. 1410) in der kräftigen und leuchtenden Farbengebung; sonst ist er freilich nur ein geschickter Nachahmer Giottos, der dessen Urbilder mit großer Handfertigkeit, aber auch Oberflächlichkeit verwertet. (Fig. 341.)
Zu Ende des 14. Jahrhunderts war eben schon eine Verflachung der ganzen Richtung eingetreten; wie dies immer zu geschehen pflegt, war für die «Schule» das Herkömmliche und Ueberlieferte maßgebend geworden, und man vermißt bei ihren Angehörigen selbständige Eigenart, welche allein einen Fortschritt verbürgt. Ansätze zu einem solchen finden sich allerdings auch, und zwar gehen sie auf eine größere Zierlichkeit und stärkeres Betonen des Gefühlslebens hinaus; die Ausführung wird feiner und weicher. Daß dazu auch die Annäherung an die Sieneser Schule beitrug, wurde bereits angedeutet.
Die Sienesen. Simone Martini. In Siena hatte Duccio einen ihm mindestens ebenbürtigen, in mancher Hinsicht sogar überlegenen Nachfolger in Simone Martini (1283-1344) gefunden, den Petrarca selbst dem Meister Giotto an die Seite stellt. Die Werke dieses Künstlers lassen die wesentliche Verschiedenheit der Schulen von Florenz und Siena am besten erkennen. Bei ihm finden wir alles auf zarte Schönheit gestimmt, mit peinlicher Sorgfalt arbeitet er das Liebliche heraus, die Farbengebung ist von eigentümlichem Reiz. Die lebendige Bewegung, der Ausdruck thätigen Handelns fehlt aber, die Gestalten
^[Abb.: Fig. 344. Masolino. Herodias mit dem Haupte des Johannes.
Wandgemälde im Baptisterium zu Castiglione d'Olona.] ¶