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Dorothea Lange, Mittellose Erbsenpflücker in Kalifornien. Mutter von sieben Kindern. Zweiunddreißigjährig. Nipomo, California, März 1936, Silbergelatineabzug, 33,7 x 26,4 cm, Library of Congress, Washington, DC
Als Silbergelatineabzug bezeichnet man ein fotografisches Verfahren, das Gelatine als Bindemittel für die lichtempfindlichen Silbersalze (Emulsion) verwendet. Dieses Verfahren wird in der Chemie als ‹Suspension› bezeichnet. Suspension bedeutet, dass die Silbersalze in der Gelatineschicht so fein verteilt sind, dass sie darin ‹schweben›. Der Silbergelatineabzug auf Papier entwickelte sich aus dem Verfahren der , die 1871 vom Fotografen und Arzt Richard Leach Maddox (1816–1902) erfunden wurde. Dafür suspendierte er Silberbromid, ein äusserst lichtempfindliches Silbersalz, in Gelatine und entwickelte so ein neues Negativverfahren, das lichtsensibler und lagerungsfähiger war als die damals weit verbreitete . 1873 erfand der Liverpooler Fotograf Peter Mawdsley (Lebenszeit unbekannt) das Silbergelatinepapier für die Abzüge, auf die er die gleiche Gelatineemulsion auftrug. 1885 wurden die Papiere schliesslich von Maschinen massenweise hergestellt. Das Silbergelatineverfahren setzte sich als das meist verwendete Verfahren im 20. Jahrhundert durch, das bis heute in der analogen Fotografie verwendet wird.
Zu Beginn gab es zwei Silbergelatinepapiere, die sich in der chemischen Zusammensetzung fast glichen, allerdings wurden sie verschieden entwickelt. Auf beide Papiersorten wurde eine Emulsion auf eine undurchlässige Schicht aus Baryt, einem Mineral, aufgetragen, die aus dem weissen Farbstoff Bariumsulfat in Gelatine besteht. Durch diese weisse Barytschicht blieb die sich darüber befindende lichtempfindliche Gelatineemulsion besser haften. Gleichzeitig ist diese eine Trennschicht, damit die Emulsion nicht in das Papier eindringt. Ausserdem hebt die Barytschicht den weissen Anteil im Bild hervor.
In den 1860er-Jahren wurde zunächst das Printing-out Paper (P.O.P.) eingeführt, das aber erst 1885 massenweise auf den Markt kam und bis in die 1910er-Jahre genutzt wurde. Das Bild konnte nur mittels Auskopierverfahren (engl. printing-out process) entwickelt werden. Das lichtempfindliche Papier wurde in der Dunkelkammer auf das Negativ gelegt und beides zusammen in einen Kopierrahmen eingeklemmt. Im direkten Tageslicht wurde das Blatt belichtet und als Kontaktabzug entwickelt. Gleich danach wurde das Positiv im Wasserbad gewaschen, um die unbelichteten Silbersalze zu entfernen. Abzüge auf P.O.P. wurden in der Regel Gold getönt, sodass ein bräunlicher, lilabräunlicher oder neutral grauer Ton entstand, ähnlich wie bei den . P.O.P. wurde insbesondere für die Abzüge von sowie verwendet.
Auskopierverfahren, Illustration von Samuel Jordi, 2019
Das Developing-Out Paper (D.O.P.), das bis heute in der Analogfotografie genutzt wird, wurde 1881 eingeführt und 1884 in Fabriken hergestellt. Im Gegensatz zum Printing-out Paper (P.O.P.) wird der Abzug im Fotolabor chemisch entwickelt. Aufgrund der hohen Lichtempfindlichkeit können Negative durch einen Vergrösserer vergrössert werden, was besonders praktisch für die kleinen Negativen der und war.
Vergrösserung mit Developing-out paper, Illustration von Samuel Jordi, 2019
Für die damalige Zeit war die Entwicklung im Fotolabor eine Neuheit, da im 19. Jahrhundert ausschliesslich Kontaktabzüge hergestellt und die Positive fast nur an der Sonne entwickelt wurden.
Beim D.O.P. wird das Fotopapier in der Dunkelkammer für kurze Zeit unter einem Negativ in einem Kopierrahmen unter Kunstlicht belichtet, wobei das latente Bild entsteht. Im Entwicklerbad wird das Bild verstärkt und sichtbar. Der Abzug wird in ein Stoppbad aus verdünntem Essig eingesetzt, damit das Bild nicht weiterentwickelt wird. Fixiert wird das Bild mit Natriumthiosulfat (Natriumsalz), wodurch die unbelichteten Silbersalze entfernt werden. Der Abzug wird gründlich gewässert, um das Fixiermittel auszuwaschen. Bei Bedarf wird das Bild zusätzlich getönt. Beim D.O.P. erscheint der Bildton neutral schwarz (schwarze bis graue Töne). Das Weiss kann sehr hell bis cremefarben oder beige wiedergegeben werden. Durch das Hinzufügen des Silberbromids in die Gelatineschicht wurde die Empfindlichkeit der Emulsion auf Licht erhöht.
In den späten 1960er-Jahren wurde schliesslich das harzbeschichtete PE-Papier (auf Englisch resin coated oder kurz R. C.) eingeführt, das mit dem Kunststoff Polyethylen (kurz PE) auf beiden Seiten beschichtet ist. Somit ist das Papier besser vor dem Eindringen von Chemikalien geschützt. Das PE-Papier führt zudem zu einer schnelleren Verarbeitung, da das Wässern und die Trocknung vereinfacht werden. Das PE- und Baryt-Papier werden bis heute für das Silbergelatineverfahren hergestellt.
Lewis Hine, John Howell, ein Zeitungsjunge aus Indianapolis, verdient an manchen Tagen 75 US Cents. Beginnt um 6 Uhr morgens, sonntags. (Lebt in 215 W. Michigan St.) Standort: Indianapolis, Indiana, August 1908, Silbergelatineabzug, Library of Congress, Washington, DC