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Hauptort des franz. Dep. Doubs und Hauptstadt der Franche-Comté, dt. früher Bisanz. 1688 14'209 Einw.; 1791 32'180; 1926 58'525; 1990 113'828. Die Beziehungen zwischen B. und dem heutigen Schweizer Gebiet reichen bis in die Antike zurück. In der Spätantike reorganisierte Ks. Diokletian (284-305) die Provinzeinteilung des Röm. Reichs. Er schuf eine grosse, den Jura übergreifende Einheit, die Provinz Maxima Sequanorum, in der er die Sequaner, die Rauriker und die Helvetier zusammenfasste; die Hauptstadt dieser Provinz wurde B. Die spätantike Provinzorganisation lebte in der ma. Kirchenorganisation weiter: B. wurde Sitz des grossen, weit in die Schweiz hineinreichenden Erzbistums B. mit den Suffraganbischöfen von Basel und Lausanne. Im weltl. Bereich lösten sich mehrere kurzlebige Königreiche ab: Im 7. Jh. scheinen Herzöge von B. über das Gebiet nordwestlich des Juras geherrscht zu haben. Im 9. Jh. jedoch wurden Saint-Maurice und Payerne zu Zentren des Zweiten Burgund. Königreichs, zu dem B. gehörte. Dieses schwache Gebilde wurde 1032 aufgelöst und dem Hl. Röm. Reich angegliedert. Kg. Rudolf I. warnte die Einwohner von B. 1275 an einem Hoftag in Lausanne vor den Verführungsversuchen des franz. Königs. Da sie ihm nicht Folge leisteten, setzte er schliesslich 1289 ein Heer von Schwyzern gegen die Stadt ein. Diese Truppe erreichte B. am 28.8., und die Stadt ergab sich.
Enge Verbindungen bestanden damals zwischen B. und Neuenburg: 1214 erhielt Neuenburg ein Stadtrecht secundum Bisuntines consuetudines. Es wurde üblich, dass sich die Neuenburger für die Auslegung ihrer Freiheitsrechte in B. Rat holten. Dieser Brauch(entrèves) hielt sich bis ins 16. Jh. Auch die Handelsbeziehungen von B. mit Neuenburg und Bern gehen weit zurück. Später kamen, zum grossen Missfallen der versch. Fürsten, die in B. jeweils Rechte und Einfluss ausübten, verstärkt polit. Beziehungen hinzu. 1518 schlossen B., Bern, Solothurn und Freiburg einen Burgrechtsvertrag, der mehrmals erneuert wurde. Bald darauf sorgte die sich immer weiter ausbreitende Reformation, die auch in B. um sich griff, am alten Metropolitansitz für Beunruhigung. 1575 versuchten in Genf zusammengezogene Truppen einen Überraschungsangriff auf B. Der Handstreich scheiterte jedoch, und die Befürchtungen legten sich. 1579 erneuerte die Stadt ihr Bündnis nur mehr mit den kath. Orten Freiburg und Solothurn. Das 17. Jh. war geprägt von den Zerstörungen des Dreissigjährigen Kriegs. Danach bevölkerten Savoyer und Schweizer die Region wieder, die im 18. Jh. eine Zeit des Friedens und des Wohlstands erlebte.
Auch die Freigrafschaft Burgund, die 1678 an Frankreich angegliedert wurde, unterhielt gute Beziehungen zur Schweiz. 1769 wurden Massnahmen getroffen, damit aus Bern und Freiburg kommende Waren nicht als ausländische besteuert wurden, was umgekehrt auch für Ausfuhren aus B. in diese beiden Städte galt. Während der Franz. Revolution wurde die Diözese B. vom Bf. von Lausanne verwaltet. In dieser Zeit, 1793, gründete der Genfer Laurent Mégevand, der bereits eine Niederlassung in Le Locle besass, mit einigen Landsleuten in B. eine Uhrenfabrik. In dieser arbeiteten zeitweise mehrere hundert Schweizer, und sie sollte zum Ursprung der Uhrenindustrie in der Region werden. Während der Hundert Tage wollten sich die Schweizer dem Bündnis gegen Napoleon anschliessen und B. einnehmen, doch schlug das Unternehmen fehl. Im Verlauf des 19. Jh. wurden die Verkehrsverbindungen zwischen B. und der Schweiz verbessert. 1884 wurde eine Eisenbahnlinie eröffnet, die bis nach Le Locle reichte. Ständig von der Schliessung bedroht, hält sie sich noch immer mit drei Zügen pro Tag zwischen den beiden Städten. Im 20. Jh. wurden neue Verbindungen zwischen B. und Neuenburg geknüpft, die 1975 zu einer Städtepartnerschaft führten. Die kulturellen und wirtschaftl. Beziehungen haben seit dem 2. Weltkrieg stark zugenommen. Auch zwischen den beiden Universitäten besteht eine Partnerschaft, und die Bildung des "Jurabogens" lässt für die Zukunft auf noch engere grenzüberschreitende Beziehungen hoffen.
Literatur
– C. Fohlen, Histoire de B., 2 Bde., 1964
– B., 1290-1990, 1992
Autorin/Autor: Jean Courtieu / KMG