Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/1557

Tilaka, Bindi oder das dritte Auge ist ein religiöses Zeichen
Tilak oder Tilaka = ein Zeichen, das Menschen aus religiösen Zwecken auf der Stirn oder anderen Stellen ihres Körpers tragen.
Im einfachsten Fall ist es ein runder Punkt, aber es nimmt bestimmte Formen an, um die Gefolgschaft zu einem bestimmten Gott zu symbolisieren.
Tilakas werden meist zum Abschluss einer hinduistischen Zeremonie oder zu anderen feierlichen Anlässen vergeben.
Das Tripundraka sind die drei horizontalen Streifen auf der Stirn des Hochgottes Shiva. Seine Anhänger, die Saiviten, die ihre Gefolgschaft gerne nach außen demonstrieren möchten, tragen auch die drei Streifen auf der Stirn oder auch zusätzlich auf Oberarmen und Brust etc. Das Zeichen kann weiß oder orangefarben sein, je nachdem, ob es aus Asche oder Sandelholzpaste hergestellt wurde. Saivaiten nehmen gerne Asche als Material für die Streifen, um die zerstörerischen Eigenschaft Shivas zu symbolisieren.
Warum drei Streifen? Die Tilaks repräsentieren die drei ersten Elemente der Silbe OM oder die drei Aktivitäten des Göttlichen: Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung, oder die drei Gunas (Zustände des Seins oder Eigenschaften).
Vibhuti –, malen Vishnu-Verehrer ein U-ähnliches Zeichen – also senkrechte Linien, beispielsweise aus Sandelholzpaste – auf die Stirn, das bis auf die Nasenwurzel reicht.
Jene, die Gottes weibliche Form, Shakti, verehren, bevorzugen den roten Stirnpunkt. Mischformen dieser Zeichen findet man häufig.
Das Tilak wird angebracht an einer Stelle namens Ajna Chakra, über der Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen dort wo das energetische dritte Auge vermutet wird.
Insgesamt können die Tilaks auf zwölf Teile des Körpers aufgetragen werden, auf die Brust, den Nabel, die Ohren, den Kopf, über und unter dem Ellbogen und auf den Rücken. Das Auftragen erfolgt natürlich unter Rezitation spezifischer Mantras.
Das Material und die Farbe ist sehr unterschiedlich: Asche (Bhasma, weiß-grau), Lehm, vorzugsweise vom Ufer heiliger Flüsse, Sandelholzpaste (Chandan, gelb), ggf. mit pflanzlichen Zusätzen, die in der ayurvedischen Medizin das Attribut „kühlend“ haben, Kumkum, eine orangefarbene Paste aus pulverisiertem Kurkuma-Wurzelstock.
Bei hinduistischen Frauen heißt der rote Punkt auf der Stirn auch Bindi, für eine verheiratete Frau ist er sogar traditionell Pflicht. Heutzutage ist der Familienstand daran allerdings nicht mehr zu erkennen, denn Bindis sind als Schmuck sehr beliebt und werden auch von unverheirateten Frauen und sogar von kleinen Kindern getragen.