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“Das Leben eines Menschen kann so einfach und gradlinig wie ein Biskuitkuchenrezept sein.” Der spanische Regisseur Xacio Baño berührt mit einem liebevoll und originell erzählten Porträt einer Mutter. Die Leinwand wird wie ein Kuchen in fünf gleich grosse Stücke aufgeteilt und zeigt die verschiedenen Facetten aus dem Leben einer liebevollen Frau – und lässt sie schliesslich Stück für Stück wieder verschwinden. Dank “Anacos”, der mit sechseinhalb Minuten Erzählzeit in der Kategorie der kürzesten Filme gewinnt, geht bereits der erste Preis nach Spanien. Mit “Aquel no era yo” von Esteban Crespo in der Sparte bis zu 40 Minuten wird der Nächste folgen. In der Kategorie bis 20 Minuten wird der kleine weissgoldene Faun, und das jeweils dazugehörige Preisgeld von 20’000 Franken, an Chin Tangsakulsathaporn aus den USA übergeben. Der ursprünglich asiatische Regisseur erzählt mit “The Sweatshop” eine Episode aus dem Leben zweier Kinder, die in Menschenhandel und Kinderarbeit verwickelt sind.
Tragische Geschichten “von dort”
Das letzte Wort bei der Vergabe der ersten drei Preise hatte Regisseur Terry George, der mit “The Shore” dieses Jahr einen Oscar gewann und auch für den Film “Hotel Ruanda” bekannt ist. Eine Tatsache, die man der Auswahl anmerken kann: Wie “The Sweatshop” ist auch der längere Kurzfilm “Aquel no era yo” sozial engagiert und zeigt auf Missstände in der sogenannten dritten Welt. «Besser als Blockbuster« seien die preisgekrönten Kurzfilme, sagt Terry George über Videoübertragung und mehrmals wird das niedrige Budget betont. Letzteres sieht man den Filmen aber nicht an, im Gegenteil. “Aquel no era yo” ist eine spannungsgeladene Geschichte über Kindersoldaten in Afrika. Das Land wird nicht genannt. Die Aufnahmen aber entstanden in Spanien, um Gelder zu sparen, die wiederum für wenige aber bewusst platzierte Spezialeffekte eingesetzt wurden.
Dennoch ein unterhaltsamer Abend
Moderiert wurde nicht auf Spanisch, aber immerhin zweisprachig auf Englisch und Berndeutsch. Es wurde rund um die Welt telefoniert, sei es um einen der neun anderen Spielorte oder jene Preisträger zu erreichen, die es nicht nach Bern schafften. Vergeblich war der Anruf nach Brasilien an die Preisträgerin Cíntia Domit Bittar. Umso erfolgreicher aber ihre bitter-süsse Komödie “Qual Queijo Você Quer?”, in welcher der simple Wunsch nach Käse einen Ehestreit auslöst. Die Situationskomik macht den brasilianischen Film zum Publikumsliebling von Bern bis Singapur und auch die künstlerische Leitung hätte den Film für ihre persönliche Ehrung nominiert. Schlussendlich kürten Reta Guetg und Olivier van der Hoeven aber den ruhigen und stimmungsvollen Film “Trotteur” der beiden Kanadier Arnaud Brisebois und Francis Leclerc.
Nachträglich ein Blick auf die Schweiz
In einem separaten Wettbewerb wurde zum Schluss der beste Schweizer Kurzfilm geehrt. Die Auswahl braucht sich vor der internationalen Konkurrenz keineswegs zu verstecken. Rolando Colla, der dieses Jahr bereits den Schweizer Filmpreis “Quartz” gewann, verdient mit “Einspruch VI” auch diese Ehrung. In 17 Minuten erzählt er – nach Zeugenaussagen und aus Sicht des Betroffenen – die wahre Geschichte eines abgewiesenen Asylbewerbers aus Nigeria, der bei seiner Ausschaffung aus der Schweiz starb. Der Betroffene Alex Khammadie bekommt durch den Film einen Namen und wenigstens nachträglich eine Stimme.
Rückblickend wurden an der “Shnit Award Night” vor allem tragische Geschichten ausgezeichnet und gezeigt. Diese mögen zum Nachdenken anregen. An der Preisverleihung im Stadttheater selbst blieb dafür aber keine Zeit. Ein glamouröser Abend mit stimmungsvoller Musik und heiterer Moderation wurde dem Publikum geboten. Nachdem das Team im Stadttheater vorgestellt und bedankt wurde, wird vor allem eines klar: Das Shnit wird weiter wachsen und um eine internationale Wichtigkeit kämpfen. Ob die Kurzfilme in Zukunft nicht immer mehr zu kurzen “Blockbustern” werden, sei dahingestellt. Auf das Shnit in einem Jahr kann man sich aber auf jeden Fall freuen.