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Die Bedeutung des Migrationshintergrundes im Kindesschutz aus der Perspektive betroffener Eltern und daraus entstehende Implikationen für die Soziale Arbeit
In der öffentlichen Wahrnehmung wie im Bildungs- und Erziehungsdiskurs besteht ein defizitärer Blickwinkel auf Eltern mit Migrationshintergrund. Ihnen wird latent eine Erziehungsunfähigkeit unterstellt. Oft sind sie von Zuschreibungen und Stigmatisierungen aufgrund des Migrationshintergrundes betroffen, dies auch im Bereich Kindesschutz. Welche Bedeutung der Migrationshintergrund im Kindesschutz für die betroffenen Eltern hat, ist in der Schweiz nicht untersucht. Die vorliegende Masterarbeit greift dieses Thema auf und rekonstruiert diesbezüglich die Wahrnehmung und Deutung von Eltern mit Migrationshintergrund im Kindesschutz. Für die Rekonstruktion der Perspektiven wird ein qualitativer, interpretativer Forschungszugang gewählt. Vier Eltern mit Migrationshintergrund werden mit dem problemzentrierten Interview befragt. Die Auswertung orientiert sich am Kodierverfahren von Witzel, das auf dem Forschungsstil der Grounded Theory von Glaser & Strauss basiert. Ergänzend wird das Kodierparadigma von Somm & Hajart herangezogen, um Phänomene auf ursächliche und intervenierende Bedingungen sowie auf Strategien und Konsequenzen zu untersuchen, mit dem Ziel, komplexe Wirkungsmuster und Mechanismen analysieren zu können. Der Fokus liegt auf den Handlungsstrategien und -problemen und den daraus sich ergebenden möglichen Konsequenzen für die involvierten Eltern mit Migrationshintergrund im Kindesschutz.
Ein Ergebnis dieser Arbeit führt zur Erkenntnis, dass bei standarisierten Abklärungsinstrumenten die Gefahr besteht, die Problemlagen der Eltern mit Migrationshintergrund zu eindimensional zu erfassen, und die ursächlichen Bedingungen, die zur Kindeswohlgefährdung führen können, zu wenig berücksichtigt werden. Ein weiteres Ergebnis betrifft die eingeschränkten Handlungsstrategien der Eltern mit Migrationshintergrund, da sie oft nicht über die notwendigen sprachlichen, rechtlichen oder institutionellen Kenntnisse verfügen bzw. ihnen der Zugang verwehrt bleibt. Ebenso können vertraute funktionale Strategien oft nicht mehr angewendet werden. Beispielsweise die Unterstützung der erweiterten Familie im Herkunftsland, welche vor der Migration bei Problemen unter Umständen Hilfe anbieten konnte. Weiter können Ausgrenzungserfahrungen und Zuschreibungen aufgrund des Migrationshintergrundes Konsequenzen in der Interaktion zwischen Eltern und Professionellen im Kindesschutz haben. Steht das Kindeswohl im Kindesschutz in der Schweiz im Zentrum, so ist gerade den Eltern mit Migrationshintergrund – aufgrund ihres oft marginalen Status – zukünftig mehr Sensibilität und reflektierter Umgang von den Professionellen der Sozialen Arbeit entgegenzubringen. Es sind entsprechende rechtliche und politische Voraussetzungen zu schaffen, um die Handlungsfähigkeit der Eltern zu erweitern.