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„Mit 15 Jahren habe ich angefangen in der Vigogne zu arbeiten, das war 1939. 19 Rappen bekam ich in der Stunde. Mein Mann hat auch in der Vigogne gearbeitet und hatte das Elektrische, die Heizung und die Kohlen unter sich. Jeden Morgen um 4 oder 5 Uhr hat er angefangen zu arbeiten. Er sah auch beim Kanal nach dem Rechten.
Wenn es mal keine Aufträge gab, haben wir die ganze Fabrik geputzt. Es gab auch ein Mädchenheim in Pfyn; dort waren deutsche Mädchen untergebracht, die in der Vigogne gearbeitet haben.“ beschreibt eine ehemalige Arbeiterin den Alltag in der Spinnerei.
„Während nun Leinen, Baumwolle und die gewöhnlichen gröberen Wollsorten eine grosse Dichtigkeit und Härte des Gewebes ergeben, bot sich die feine Wolle des südamerikanischen Lama zur Herstellung von Garnen für die zarteren Gewebe und Strickwaren. Sie wurde unter dem Namen „Vigogne“ versponnen und hatte ausserdem den Vorteil einer angenehm bräunlichen, sanft melierten Naturfarbe, welche das künstliche Färben ersparte und eine grosse Dauerhaftigkeit gewährleistete. “ lesen wir in einem Bericht und erfahren zugleich, dass der Name „Vigogne“ eine Abwandlung des spanischen „Viguna“ ist. Das wildlebende südamerikanische Lama bot allerdings nicht genug Material um eine florierende Industrie aufrecht zu erhalten. So wurde Baumwolle und Schafwolle in einem speziellen Verfahren versponnen um eine ähnliche Qualität zu erhalten. Hochwasser- und Brandkatastrophen überschatteten immer wieder die Geschichte der Spinnerei.
1995 wurde die Vigogne-Spinnerei Pfyn A. G. nach 132 Jahren wechselvoller Geschichte liquidiert. 1863 von Heinrich Bertschinger gegründet, ist die Vigogne Spinnerei ein Beispiel für die Geschichte der Industrialisierung der Schweiz im 19. Jh. An einem Seitenkanal der Thur gebaut um die Wasserkraft nutzen zu können, wurde sie nach dem Tod des Eigentümers und dessen Sohnes 1896 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. In dem Bericht „Die industrielle und kommerzielle Schweiz beim Eintritt ins XX. Jh. berichtet der Autor:
„So wird derjenige, welcher an einem schönen Frühlings- oder Sommertage einen Ausflug in das liebliche Thurthal unternimmt, und es nicht scheut, sich ein wenig nur von der eintönigen Nachbarschaft des Eisenbahngeleises abseits ins Grüne zu verlieren, in jenem stillen Winkel Gelegenheit finden, einen Blick in den interessanten Werdeprozess eines nicht unwichtigen Teiles seiner eigenen täglichen Bekleidung zu werfen. Und er wird dabei noch die besondere Freude geniessen, einen angenehmen Eindruck von schweizerischer Betriebsamkeit zu gewinnen, die einer zahlreichen Arbeiterschaft, meist weiblichen Geschlechtes, ein auskömmliches Brot gewährt.“
Heute beherbergt das Gebäude verschiedene Gewerbe.