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Pascal Mercier
Aus: Perlmanns Schweigen
Knaus Verlag, 1998
Aus: Pascal Mercier. Der Klavierstimmer. Knaus Verlag, 1998
Zum ersten Mal meinte er zu verstehen, was damals bei der Wahl des Studienfachs geschehen war. Ein Missverständnis war es, nichts weiter. Und dieses Missverständnis war im Grunde so simpel, dachte er, dass es einem den Atem verschlug: Gerade eben hatte er mit dem Verlassen des Konservatoriums von der Hoffnung Abschied genommen, im Klavierspiel die Gegenwart überlisten und herbeizwingen zu können. Und nun stürzte er sich in die Beschäftigung mit Sprache als dem Medium, das an die Stelle der Musik treten und die unerfüllten Hoffnungen auf Gegenwart einlösen sollte. So mächtig waren diese Hoffnungen gewesen und so atemlos der Wechsel, dass er die eine simple Tatsache übersehen hatte: Sprache schuf Gegenwart dann, wenn man sich in sie hineinfallen liess, wenn man in ihr schwamm und mit ihr spielte, und nicht dann, wenn man sie sezierte und sie mit den Augen desjenigen betrachtete, der nach Gesetzen suchte, nach Erklärungen, Systematisierungen und Theorien. Es war zum Lachen einfach, jedes Kind wusste das. Und doch hatte er die beiden Dinge verwechselt und hatte sich, verliebt in die impressionistische, sinnliche Dichte der Sprache, einer analytischen Anstrengung verschrieben, die ihn systematisch von dem Gesuchten wegführen musste, weil sie ganz einfach anders definiert war.