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Uruguay ist so unauffällig, dass es schon wieder auffällig ist. Das südamerikanische Land wird gerne mit Paraguay verwechselt, das sich ebenfalls zwischen Argentinien und Brasilien befindet. Eine Verwechslung, die einem in der Schweiz bekannt vorkommt, können doch viele Ausländer Schweden und die Schweiz nicht auseinanderhalten. Paraguay liegt ohne Meerzugang ein Stück weiter nordwestlich.
Wenn nicht wieder eine grössere Ladung Kokain in einem Hafen entdeckt wird, passiert in Uruguay wenig von globalem Interesse. Das letzte Mal fand das Land mediale Beachtung, als es Steuererleichterungen für Einwanderer aus Argentinien aufsetzte, die in Uruguay vor den Auswirkungen der Pandemie Zuflucht suchten. Das vorletzte Mal, als es Marihuana legalisierte.
Nur wenige bestätigte Todesfälle durch Corona
Mit der Corona-Pandemie ist Uruguay bisher (8. Dezember, Johns Hopkins) gut bis sehr gut fertig geworden. Bisher gab es 83 registrierte Todesfälle bei 3,3 Millionen Einwohnern. Neben einem ganzen Bündel Nebenbemerkungen, die man zu diesen Zahlen machen müsste – das ist – so oder so – wenig.
Ein Grund dafür könnte die ausserhalb der Städte geringe Bevölkerungsdichte oder die gesunde Bevölkerungspyramide sein. Diese erklärt aber kaum, warum Uruguay in doch einigen anderen globalen Rankings auffallend gut dasteht.
Zuletzt wurde das kleine Land im Global Sustainable Competitiveness Index auf dem 30. Platz gesetzt. Zum Vergleich: Die Schweiz liegt in diesem Nachhaltigkeitsranking an 5. Stelle, Deutschland auf Platz 22, die USA bei 32, China bei 39, Russland auf 51 und Indien schliesslich auf dem 130 Platz.
Der Demokratieindex des «Economist» platziert Uruguay auf Rang 15, zwischen Grossbritannien und Österreich, auf dem Korruptionsindex liegt es bei 21, zwischen Japan und den Arabischen Emiraten. Im Ranking der Pressefreiheit erreicht Uruguay den 19. Rang, gleich nach Kanada, Luxemburg und Österreich.
Soweit die Zahlen. Spannender sind die skurrilen Geschichten des letzten Jahrzehnts. So gelangte der ehemalige Präsident José Mujica zu einer gewissen Berühmtheit, weil er sich weigerte, nach der Wahl aus seinem Bauernhof aus- und in den Präsidentenpalast einzuziehen. Auch ein neues präsidiales Auto wollte er nicht. Er hielt an seinem hellblauen VW-Käfer Baujahr 1987 fest und verzichtete auf einen Fahrer.
Gar nicht skurril: Uruguay war vorbereitet
Der «ärmste Präsident der Welt» beendete seine Amtszeit 2015, fünf Jahre später endeten auch 15 Jahre Linksregierung. Uruguay wird seit März von dem Konservativen Louis Lacalle Pou regiert, der wegen seines Handelns in der Corona-Pandemie grosse Zustimmung bei der Bevölkerung hat.
Die Arbeitslosigkeit im Land liegt bei fast neun Prozent und könnte niedriger sein, die Wirtschaft leidet unter dem coronabedingten Einbruch des Exports, wird nach Prognosen aber dennoch wachsen.
Die gar nicht skurrile Tatsache ist: Uruguay profitiert gerade von den Leistungen der Vergangenheit. Jahrzehntelange Investitionen in den Gesundheits- und Sozialbereich zahlen sich aus. Die Erfahrungen aus einer Masernepidemie 2019 sind ebenfalls noch frisch. Damit war das kleine Land auf die Corona-Pandemie sehr gut vorbereitet.
«Beispielloser Konsens zwischen den politischen Entscheidungsträgern»
Die Wissenschaft konnte sich gegenüber der Politik in der Pandemie früh Gehör verschaffen. Ein starkes Momentum nationaler Zusammenarbeit und ein robustes Gesundheitssystem machten Uruguay erfolgreich. «Es gab einen beispiellosen Konsens zwischen politischen Entscheidungsträgern», erklärte Gonzalo Moratorio, Professor an der Wissenschaftsfakultät der Universität der Republik, im Gespräch mit der «Deutschen Welle» (DW).
Und: Uruguay reagierte schnell. Sobald die ersten Infektionen bekannt wurden, gab es einen Lockdown, er dauerte nur wenige Wochen. Ende November war schon fast wieder Normalität eingekehrt, zeigt eine DW-Reportage (Video, ca 5 min). Der Rest war möglicherweise einfach Glück. Und die Pandemie ist noch nicht vorüber.
Politisch stabil, kaum Inflation: Das gibt es in Südamerika
Auch in anderen Bereichen haben sich vorrausschauende Investitionen bezahlt gemacht. In Bezug auf die ungleich grösseren Veränderungen durch den Klimawandel steht Uruguay gut da. Es holzt weder rabiat die Wälder ab wie Brasilien noch bringt es seine Währung regelmässig an den Rand des Absturzes wie Argentinien. Die Inflation ist niedrig, das politische System stabil. Im Unterschied zu den Nachbarländern ist die Bevölkerung relativ homogen und die Kirchen haben wenig Einfluss.
Für die Zukunft ist das Land gut aufgestellt. Uruguay bezieht seinen Energiemix beispielsweise schon seit längerem zu grossen Teilen aus Wasserkraft, der Windenergiesektor wächst, insgesamt läuft das Land zu fast 100 Prozent mit erneuerbaren Energien.
Für die Zukunft gut aufgestellt
Der «Global Sustainable Competitiveness Index» bewertet ausser der Ressourceneffizienz eines Landes auch Faktoren wie die Effizienz der Regierung, die Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen wie Wasser, Boden und Biodiversität und das soziale und intellektuelle Kapital eines Landes.
In all diesen Punkten schneidet Uruguay gut bis sehr gut ab. Bis auf den Punkt «Intellektuelles Kapital und Innovationsklima», bei dem es von 180 erfassten Ländern den 124. Platz einnimmt, aber immerhin noch fünf Plätze vor Paraguay liegt. Das ist bekanntlich das Land, das ebenfalls zwischen Argentinien und Brasilien, aber ein Stück weiter nordwestlich liegt.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine.