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Entwicklung der Heiztechnik - Teil 1
Bessere Gesundheit und wachsender Wohlstand: Die Heiztechnik hat die Menschheit im Stillen revolutioniert und voran gebracht.
Text — Hubert Palla
Die Geschichte der Heizung reicht sehr weit zurück. Sie beginnt mit dem Feuer, das unsere Vorfahren durch Zufall, nämlich durch einen Blitzschlag, entdeckten. Sie nutzten es zunächst als Lagerfeuer, wärmten sich daran und waren zugleich vor wilden Tieren geschützt, die Feuer mieden. Dass unsere Vorfahren das Feuer schon vor rund 700000 Jahren zur Zubereitung von Speisen genutzt haben, wurde wissenschaftlich nachgewiesen.
Die ersten Menschen nahmen das Feuer in ihre Höhlen. Dort bewachten sie es gut, denn die Technik, wie man Feuer selbst anzünden kann, wurde erst viel später entdeckt. Und damit war auch gleichzeitig einer der grössten Schritte in der menschlichen Entwicklung getan.
DER URSPRUNG DER ZENTRALHEIZUNG
Die Römer waren vor über 2000 Jahren die ersten, die ein zentrales Heizsystem in Form einer Luftheizung in ihre Gebäude integrierten. Die erste Hypokausten-Luftheizung wurde vom römischen Kaufmann Gaius Sergius Orata entwickelt. Das Wort Hypokausten stammt aus dem Griechischen und bedeutet «von unten beheizt». Die kalte Aussenluft, die in einer zentralen Heizkammer mit Holz auf ca. 250° C erhitzt wurde, verteilte sich in Zwischenräumen unter dem Fussboden in alle Räume. Die warmen Abgase strömten anschliessend über in die Wände eingelassene Rohre und Schächte nach oben und dann nach aussen.
Das Aufheizen eines Gebäudes dauerte mehrere Tage. Und da das Bodenheizsystem der Römer viel Brennholz benötigte, kam es zu grossflächigen Abholzungen. Die europäischen Wälder erholten sich erst wieder im Mittelalter davon. Eine Hypokausten-Luftheizung zu bauen, war zudem sehr aufwendig. Das zentrale und dadurch komfortable Heizsystem kam daher zuerst in römischen Bädern zum Einsatz, bevor es auch in den feudalen Villen und Palästen der römischen Oberschicht Einzug hielt. Die ärmeren Bevölkerungsschichten mussten sich dagegen weiterhin mit einem offenen Feuer in ihren einfachen Behausungen begnügen.
Lange Zeit war Holz der einzige Brennstoff für Kochen und Heizen.
DAS MITTELALTER
Im 8. Jahrhundert entstanden die ersten fest in die Böden eingelassenen und gemauerten Feuerstellen. Diese platzierte man im Zentrum des Hauses. Das erhöhte nicht nur die Heizleistung, es ermöglichte auch eine rudimentäre Wärmespeicherung. Das Feuer nutzte man direkt in der Mitte des Hauses. Dazu wurde eine Grube mit Steinen ausgelegt. Der Rauch konnte durch Türen oder durch Löcher im Dach abziehen. Da der Boden meistens aus Holz bestand, konnte das offene Feuer nicht dauerhaft genutzt werden. Die Brandgefahr war zu gross.
Für die Wohlhabenden baute man in Burgen, Schlösser und Landhäuser hypokausten-ähnliche Steinluftheizungen ein, die an einer zentralen Stelle des Gebäudes aufgestellt wurden. Im 14. Jahrhundert entstand dann der Kachelofen, der sich durch eine verbesserte und länger anhaltende Wärmespeicherung auszeichnete. Für die Verbrennung benutzte man lange vor allem Holz, das im Lauf der Zeit vermehrt durch Kohle und Koks ersetzt wurde.
DAS 18. JAHRHUNDERT
Im 18. Jahrhundert setzte sich die Zentralheizung durch, die – wie es der Name beschreibt – von einer zentralen Stelle im Gebäude Wärme verteilt. Die ersten mit Kohle betriebenen Warmwasser-Zentralheizungen wurden in England und Frankreich eingebaut. Die älteste bekannte Zentralheizung – entwickelt vom Schweden Marten Trifvald – beheizte ab 1716 ein Treibhaus in Newcastle England. Im Wohnbereich kamen zuerst die Bewohner von Schlösser, Herrschaftshäuser und Gutsgebäude in den Genuss der komfortablen Zentralheizung.
Moderne Heiztechnik steigerte den Wohnkomfort enorm.
DAS 19. JAHRHUNDERT
Mit der Entwicklung neuer Heizkessel für Mehrfamilienhäuser konnte nun auch die Arbeiterschicht von den Vorteilen einer Zentralheizung profitieren. Die flächendeckende Verbreitung
des Warmwasser-Heizsystems fand ab 1850 statt. So erhielt beispielsweise das Berliner Rathaus 1867 eine zentrale Warmwasserheizung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Heizungsfirmen gegründet. Die Verteilung der Wärme erfolgte in einem Rohrsystem mit offenen Schwerkraftsystemen. 1894 erhält Johann Vaillant das Patent für ein «geschlossenes System» – den Gasbadeofen. Erstmals wurde Wasser in einer geschlossenen Brennkammer erhitzt, ohne dass sich die Verbrennungsgase (Abgase) im Warmwasser niederschlagen. Somit stand erstmals warmes und zugleich auch sauberes Wasser zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil: die Wassertemperatur war einfach zu regulieren. Zwei Jahre später konnte Johann Vaillant zudem eine Luxussteuer auf die geschlossenen Warmwasserheizungen abwenden. Das war der Durchbruch, um auch der breiten Arbeiterschicht den Zugang zu sauberem Warmwasser zu ermöglichen.
ENTWICKLUNG DER HEIZTECHIK: TEIL 2
Im zweiten Teil erfahren Sie, wie die Heizkohle in den 1950er-Jahren von neuen Heiztechniken abgelöst wurden. Lesen Sie hier.
Dieser Beitrag ist eine Zusammenarbeit mit Haus Magazin und