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Am 29. November 2021 besuchte die Schweizerische Flüchtlingshilfe die Klasse S3c. Frau Hagen von der Fachorganisation aus Bern wurde begleitet von Hakeem. Gemeinsam gestalteten sie mit den Schülerinnen und Schülern einen Workshop zum Thema «Solidarität und Verantwortung».
Zu Beginn erklärte uns Frau Hagen die Aufgaben der Schweizerischen Flüchtlingshilfe und stellte uns die Organisation vor. Anschliessend erzählte Hakeem während fast einer Stunde von seiner persönlichen Fluchtgeschichte. Es war sehr spannend, beeindruckend und fesselnd.
Hakeem ist Kurde und stammt aus dem Irak. Wegen seiner Arbeit als Journalist wurde er im Irak verfolgt und musste vor 13 Jahren zusammen mit seiner Frau und seinen kleinen Kindern flüchten. Die Familie war 42 Tage unterwegs, ehe sie in der Schweiz ankamen. Hakeem zeigte uns seine Fluchtroute, welche er gegen Bezahlung mit Schleppern organisierte. Er verkaufte sein Haus mit Grundstück und machte den Schmuck seiner Frau zu Geld, damit er die Flucht finanzieren konnte. Zu Beginn der Reise mussten sie mit einem Taxi aus dem Land fliehen. Von der Türkei aus sollte es dann mit einem Schiff weitergehen. Das versprochene Schiff stellte sich als kleines Boot heraus. Es blieb ihnen keine Wahl als die Gelegenheit zu nutzen, trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren, die Flucht mit diesem Kunststoffboot fortzuführen. Hakeem erzählte vom Geschrei und der Panik, welche auf dem Boot herrschte. Auf einer kleinen Insel mussten sie mit Kleidern Feuer machen, um auf sich aufmerksam zu machen, weil die Reise mit dem Boot nicht weitergehen konnte. Sie wurden schliesslich gerettet und nach Athen gebracht, wo sie nach einigen Tagen mit dem Flieger nach Wien gebracht wurden. Hakeem gelangte schliesslich in die Schweiz und beantragte Asyl. Nur weil Hakeem dank seiner Dokumente als Journalist glaubhaft machen konnte, dass er in seiner Heimat aus politischen Gründen verfolgt wurde, war sein Antrag erfolgreich. Er wurde als Flüchtling anerkannt und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung.
Seine Geschichte ist einzigartig, jeder Flüchtling hätte seine eigene, meinte Hakeem. Seine Fluchtgeschichte ging uns ziemlich unter die Haut. Er erzählte sie in eindrucksvoller Art und Weise und zeigte uns Bilder von seiner Familie, vom Boot und von seiner Route auf der Karte.
Hakeem spricht eigentlich ganz gut Deutsch und er kann sich gut ausdrücken. Das Schreiben auf Deutsch gelingt ihm aber nicht, also schreibt er online in kurdischer und persischer Sprache. Mittlerweile ist Hakeem gut integriert, seine Kinder sind in der Ausbildung und es gehe ihm gut. Er ist nicht mehr auf Unterstützung angewiesen, im Gegenteil, Hakeem zahlt bezogene Sozialhilfegelder zurück.
Im Anschluss an die Fluchtgeschichte durften wir viele Fragen stellen. Hakeem beantwortete sie alle. Frau Hagen hat danach wieder übernommen und mit uns verschiedene Fakten rund um die Situation der Flüchtenden besprochen. Dabei hat sie immer wieder den Bezug zur Schweiz geschaffen und uns aufgezeigt, was getan werden müsste.
Nach der Pause haben wir dann zwei Spiele zu den Themen Solidarität und Verantwortung gespielt. Im Spiel zur Solidarität haben wir am Computer mit Geld simuliert, wie sich die meisten Menschen mit Abgaben verhalten (Rationalitätenfalle). Im zweiten Spiel zum Thema Verantwortung mussten wir Wäscheklammern aufhängen. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt und wussten anfangs nicht, weshalb wir Wäscheklammern bekamen und führten den Auftrag einfach aus. Frau Hagen hat uns dann eindrucksvoll erklärt, worum es im Spiel ging. Wir waren sehr erstaunt!
Der Morgen war toll organisiert, die Informationen waren sehr spannend, die Geschichte von Hakeem versetzt einen ins Staunen und wir Schülerinnen und Schüler haben viel gelernt zum Thema Solidarität und Verantwortung.