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Wer sich die «Kurzbiographie» Al Imfelds auf seiner Website anschaut, kann nur staunen. Der 1935 als Sohn einer Bergbauernfamilie geborene Autor, Journalist und Entwicklungsexperte wurde zunächst katholischer Priester, überwarf sich aber schnell mit der Kirche, promovierte dann in evangelischer Theologie, um schliesslich doch Journalist zu werden. Quasi nebenher qualifizierte er sich in Agrarwissenschaft, und es ist dieses Interessengebiet, dem sein neues Buch «Elefanten in der Sahara» gewidmet ist.
Inspiration dieser «Agrargeschichten aus Afrika» ist ein lange zurückliegendes Schlüsselerlebnis des Autors. 1966 fiel er bei einer Prüfung in Agrargeschichte und Anthropologie an der Northwestern University in Evanstown/Chicago mit Pauken und Trompeten durch. Er hatte es gewagt, an der These des Archäologen Vere Gordon Childe (1892-1957) zu zweifeln, in Afrika habe es vor der Kolonisierung praktisch keine Agrarkultur gegeben. «Sie sprechen ideologisch und nicht wissenschaftlich. Afrika ist von Nomaden bevölkert, und Nomaden kennen keine Landwirtschaft», kommentierte einer der Professoren die Fundamentalskepsis des Studenten. Für Imfeld war dieses Erlebnis so einschneidend, dass er es sowohl an den Anfang als auch ans Ende seines Buches stellt. Wütend habe er damals geschworen, eines Tages eine afrikanische Agrargeschichte vorzulegen, die beweisen würde, dass nicht er der Ideologe war, sondern vielmehr Wissenschafter wie Childe, dem die Bibel noch als Geschichtsbuch galt. Verlässt man sich nämlich auf das Buch der Bücher, so liegt die These nahe, der Ursprung aller Landwirtschaft sei im Zweistromland, zwischen Euphrat und Tigris, zu verorten. Dass hier ein Mythos als historische Tatsache missverstanden wurde, ist inzwischen belegt.
Imfeld zitiert zahlreiche Forschungsberichte, denen deutliche Hinweise auf eine frühe afrikanische Agrargeschichte zu entnehmen sind. Dass diese Erkenntnisse so lange auf sich warten liessen, liegt unter anderem am Umstand, dass weder die englische noch die französische Kolonialmacht grosses Interesse an archäologischen Untersuchungen hatte, ging man doch davon aus, der Kontinent sei praktisch «geschichtslos». Erst die Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten in den sechziger Jahren verlieh der kulturgeschichtlichen Forschung Schwung. Schon bald lagen Zeugnisse vor, die wenig Zweifel daran liessen, dass auch im vorkolonialen Afrika Tiere gehalten und Pflanzen kultiviert wurden. Und seit 2002, so schreibt Imfeld im letzten Kapitel, mache die Erkundung der Landwirtschaftsgeschichte Afrikas gewaltige Fortschritte. So finden sich in «Elefanten in der Sahara» aktuelle Forschungsergebnisse, die allerdings wie Puzzleteile eines noch zu erstellenden Gesamtbildes wirken. Denn die umfassende afrikanische Agrargeschichte, von der der junge Al Imfeld 1966 träumte, liegt bislang nur in englischer Sprache vor und ist über seine Website abzurufen.
Die von ihm selbst so bezeichneten «kleinen Geschichten» hingegen, aus denen «Elefanten in der Sahara» besteht, wirken – besonders auf Leser, die noch nicht mit der Materie vertraut sind – manchmal ein wenig verwirrend. Der engagierte Erzähler Imfeld besitzt eine respektgebietende Sachkompetenz; doch seinem, aufgrund des Informationsgehalts unbedingt lesenswerten, Buch wäre ein wenig mehr Stringenz gut bekommen.
vorgestellt von Joachim Feldmann, Recklinghausen
Al Imfeld: «Elefanten in der Sahara. Agrargeschichten aus Afrika». Zürich: Rotpunkt, 2009