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«Erst seit fünf bis sechs Millionen Jahren entwässert der Rhein aus der Gegend von Chur in allgemein nördlicher Richtung in den Bodenseeraum. ‘Erst’ darf deshalb gesagt werden, weil er die vorangehenden 40 Millionen Jahre von Sargans aus nach Nordwesten über die Gegend des heutigen Toggenburgs gegen Winterthur-Schaffhausen in ein weites, flaches Vorland der werdenden Alpen, ähnlich der heutigen Po-Ebene, geflossen ist. [...] Die «neuen» Alpenrandgebirge Alpstein, Churfirsten, Alvier stiegen damals vor zehn bis fünf Millionen Jahren ausgerechnet dort auf, wo der Rhein bei Sargans bisher aus den Alpen ausgetreten war. Verständlicherweise hat darum der einen neuen Ausweg suchende Fluss die Eintiefung entlang der Grenze Westalpen-Ostalpen als neuen Talweg benutzt und in der Folge ausgestaltet.» (Keller 1989, 12f.).
Während der letzten Eiszeit teilte sich der Rheingletscher am Gonzen bei Sargans in einen westlichen Ast in Richtung Walensee und in einen östlichen, der dem heutigen Rheintal folgte. Nach dem Rückzug der Gletscher blieben im Rheintal voralpine Seen zurück, die jedoch durch die Felsschwelle Montlingen-Götzis vom heutigen Bodensee klar getrennt waren. Ein südlicher langgezogener See, dessen Niveau mehrere Meter höher lag als das des Bodensees, reichte bis ins Sarganserbecken. Mit dem Rückzug der Gletscher wurden diese Seen mit dem Geschiebe der Talflüsse, Seitenbäche und Rüfen aufgefüllt. Der Rhein pendelte breit im Tal und verteilte die Geschiebefrachten über den ganzen Talraum. Diese Wasserläufe füllten ihre Betten zunehmend mit Geschiebe auf, so dass die Hochwasser immer wieder seitlich ausbrachen und neue Wege suchten. Nur wo natürliche Hindernisse den Hochwassern den Weg in Talmulden versperrten - etwa im Bereich des Fläscher oder Eschnerberges - bildeten sich Hinterwässer in Seenform, die erst später verlandeten und sich zu Flachmooren entwickelten.
Um 12 000 vor heute waren die Alpengletscher bis ins Hochgebirge zurückgeschmolzen; die Verfüllung des Rheintals war rasch vorangeschritten. - Aus: Keller 1989, 17.
Die breite Talsohle war bis ins Mittelalter streckenweise versumpft oder überflutet, vielfach unbewohnbar und auch schwer passierbar. Wegverbindungen wie Siedlungen im Rheintal lehnten sich deshalb in der Regel an die hochwassersicheren Talhänge an. Ernsthafte Bemühungen, den Rheinlauf zu begrenzen, scheinen schon auf das 11./12. Jh. zurückzugehen, wobei sich der erste Uferschutz auf die Sicherung etwa von Fährstationen beschränkt haben wird. Im Verlauf des 18. Jhs. führte die weitere Auflandung des Rheinbettes zu zunehmenden Rückstauungen der seitlichen Zubringer, was verbunden mit den grösseren Rheinüberschwemmungen auch zu Verheerungen führte. Alte Prallhänge des mäandrierenden Rheins sind da und dort noch gut sichtbar, besonders schön am Rufabort im Raum Trübbach-Azmoos, wo der flache Schuttkegel des Trüebbachs unvermittelt um einige Meter in die Talsohle abbricht.
Im Jahr 1790 wurde zwischen der Herrschaft Werdenberg und dem Fürstentum Liechtenstein eine einheitliche Rheinbettbreite von 150 Klaftern (285 m) festgesetzt (Broggi 1986, 39). 1837 wurde ein provisorisches Wuhrsystem (Doppelwuhr mit Mittelgerinne und durch Binnendämme abgeschlossene Vorländer) beschlossen; dieser Beschluss wurde 1847 durch einen Vertrag besiegelt. Die Normalbreite des Flussbettes (Sohlenbreite) wurde neu mit 120 m angenommen (Reiff 1989, 84f.). Unter dem Eindruck der katastrophalen Hochwasser von 1868 (Kaiser 1989, 73ff.) erhöhte die Schweizer Rheinkorrektion die Wuhre des Mittelgerinnes (zunächst einseitig) zu eigentlichen Hochwasserdämmen. Das Werdenberger Jahrbuch 1990 ist hauptsächlich der Thematik «Rhein» gewidmet (vgl. namentlich die Beiträge: Reiff 1989, Göldi 1989, Ospelt 1989, Kaiser 1989). Siehe weiter Frank Klötzli et al.: «Der Rhein - Lebensader einer Region», Neujahrsblatt herausgegeben von der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich unter Mitwirkung der Naturforschenden Gesellschaften Schaffhausen, Thurgau, Graubünden und der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft St. Gallen. Zürich 2005 (458 S.).
Das Rheintal heute. Ablagerungen und Formen des Talbodens: Flussschotter entlang des Rheins, Schuttfächer und -kegel an den Talrändern, dazwischen versumpfte, oft torfige Flächen. - Aus: Keller 1989, 19.