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Party in Davos von neuer Finanzkrise überschattet
Die selbsternannte internationale Elite, die sich jährlich im Schweizer Ferienort Davos zum Weltwirtschaftsforum versammelt, war dieses Jahr deutlich weniger optimistisch als bei früheren Treffen.
Zunächst einmal mußten maßgebliche westliche Politiker wie Donald Trump, Theresa May und Emmanuel Macron wegen innenpolitischer Turbulenzen auf ihre Teilnahme verzichten.
Und natürlich half es auch nicht, daß der IWF, just als die Privatjets im Skiparadies landeten, seine düsteren Wachstumsperspektiven für die Weltwirtschaft veröffentlichte. Dies verstärkte die Befürchtungen der Londoner City, daß sie unter einem „harten Brexit“ ihre Bedeutung als Finanzplatz verliert. Wie das Beratungsunternehmen Ernst&Young wenige Tage vor Beginn des Forums am 22.1. meldete, wurden laut vorsichtigen Schätzungen schon ca. 10% des Vermögens aus dem britischen Bankensektor von London auf den Kontinent verschoben.
Zudem veröffentlichte Oxfam zeitlich mit der elitären Versammlung abgestimmt einen neuen Bericht, der belegt, daß die reichsten 26 Menschen der Welt so viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Das spricht Bände über die soziale Ungleichheit des gegenwärtigen globalisierten Systems.
Und nicht zu vergessen ist der am letzten Tag des Treffens veröffentlichte Bericht der Bank von England: Darin wird geschätzt, daß das Volumen der fremdfinanzierten „gehebelten“ Kredite weltweit über 2,2 Bio.$ beträgt. Dies sei fast doppelt soviel wie die „am häufigsten zitierte Schätzung von 1,3 Bio.$“ und mit den Verhältnissen vor der US-Hypothekenkrise 2008 vergleichbar. Etwa 45% der Summe entfallen auf forderungsbesicherte Kreditpapiere (CLOs). Die implizite Warnung ist, daß ein neuer Finanzkrach bevorsteht.
Zusammengefaßt also genug schlechte Werbung, um bei einer Veranstaltung, die sich (noch) rühmt, Treffpunkt der 2000 einflußreichsten Menschen der Welt zu sein, die Stimmung zu trüben!
Die einzige Lichtblick war die Rede des chinesischen Vizepräsidenten Wang Qishan, der einen Überblick die enormen Fortschritte seines Landes seit Gründung der Volksrepublik vor 70 Jahren gab. Aus einem armen, rückständigen Agrarstaat wurde der größte Industrieproduzent der Welt. China wolle mit anderen daran arbeiten, ähnliche Erfolge zu erzielen, sagte Wang. Anstatt über Anteile am Kuchen zu streiten, „sollten wir zusammenarbeiten, um den Kuchen größer zu machen und neue Wege zu finden, um ihn gerechter zu teilen“.
Wortführer des alten Paradigmas des gescheiterten transatlantischen Systems gegen eine solche Demonstration des neuen Paradigmas war der Megaspekulant George Soros. Interessanterweise war sein Hauptangriffsziel Chinas Präsident XI Jinping, als angeblich größte Bedrohung für die Idee der „offenen Gesellschaft“ (offen für Raubtierkapitalisten), die Soros weltweit finanziert. Die beiden anderen großen Bedrohungen, die er namentlich nannte, waren die Präsidenten Wladimir Putin und Donald Trump. Das implizite Fazit von George Soros ist somit der Aufruf zum „Regimewechsel“ in allen drei Ländern...
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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).
Der Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, <email-pii>
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