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Das Schloss in 1767 Herrliberger
Auf einem kegelförmigen, steilen Hügel oberhalb des stattlichen Dorfes Reiden befindet sich die ehemalige Johanniterkommende Reiden. Sie umfasst heute noch zwei selbständige, in stumpfen Winkel zueinander liegende Gebäude. Zwischen diesen befand sich im freien Hof die dem heiligen Johannes geweihte ehemalige Kirche. Die Ecken der beiden Bauwerke sind gegen Westen durch einen hohen Bering mit Burgtor verbunden. Ein künstlich eingetiefter Graben ist der Ringmauer vorgelagert und trennte ein kleines Stück Hügel als Plattform ab. Die heutige Anlage entstand hauptsächlich im 16. und 18. Jahrhundert. Gewisse Mauerpartien scheinen zwar noch aus dem Mittelalter zu stammen, doch wären hier genauere Untersuchungen zur Datierung notwendig. Verschiedene Umbauten haben das Aussehen der Kommende verändert. Eine steinerne Wappentafel mit der Jahreszahl 1531 zeugt von einem Umbau. Die Brücke hingegen, die zum Burgtor führt, stammt aus neuerer Zeit. Um 1700 erfolgte ein tiefgreifender Umbau der Kommende, so dass die Anlage den Besucher nun eher an ein Landhaus des 18. Jahrhunderts als an eine mittelalterliche Ordensburg erinnert. Das südliche zweigeschossige Gebäude mit gleichmässigen Fensterreihen enthält keine kunsthistorisch wertvolle Innenausstattung. Der nördliche Kommendebau ist von rechteckigem Grundriss und weist zwei Geschosse auf. Ein steiles Satteldach bedeckt das Gebäude. Im Innern sind die Räume stark verändert worden. Erhalten hat sich ein barockes Treppenhaus sowie im Obergeschoss ein gotischer Festsaal mit barocken Elementen aus der Zeit um 1700. Die Fensternischen sind mit einem frühbarocken Grisaillerahmen gefasst. Eine in gleicher Technik verzierte gotische Leistendecke verleiht dem Raum einen weiteren Akzent. Als einziges Ausstattungsstück hat sich ein prächtiger, über drei Meter hoher Turmofen erhalten, der 1701 in einer Solothurner Werkstatt entstand.
Der 1099 von Kreuzfahrern zu Ehren Johannes des Täufers gestiftete Ritterorden gründete am Ende des 12. Jahrhunderts mehrere Niederlassungen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Aufgabe des Johanniterordens war es, Kranke und Pilger zu pflegen. Die Kommende Reiden entstand um 1280, als verhältnismässig spät. Als Stifter gilt Markwart von Ifental, Vertreter einer frohburgischen Ministerialenfamilie, die auch in der Gefolgschaft des Hauses Habsburg stand. Wir dürfen annehmen, dass an der Stelle der Ordensburg zuvor die Burg eines lokalen Adelsgeschlechts, nämlich der Herren von Reiden, stand. Über die Umwandlung der Stammburg in eine Komturei wissen wir nichts Genaues. Der erste Komtur der Niederlassung wird 1284 urkundlich erwähnt. Die Kommende erlebte schwere Zeiten. So fehlte beispielsweise in der Reformationszeit der Nachwuchs. 1523 bis 1542 standen gar die beiden Komturen Reiden und Hohenrain leer. 1552 wurden auf Reiden sämtliche Kleinoden gestohlen. Unter den Komturen aus der Barockzeit ist besonders Franz von Sonnenberg (1608-1685) zu erwähnen, der 1680 die Herrschaft Kasteln aufkaufte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden der Orden in Deutschland und gleichzeitig auch die Niederlassungen auf schweizerischem Gebiet aufgehoben. Rechtsnachfolger der Kommende wurde 1807 der Kanton Luzern. 1813 wurde die Kirche der Stiftung abgebrochen, denn die Pfarrkirche von Reiden genügte den Bedürfnissen. Erst 1951 gingen sämtliche mit der Kommende verbundenen Rechte und Pflichten an die römisch-katholische Kirchgemeinde von Reiden über. Die Gebäude der ehemaligen Ordensburg dienen dem Pfarrer von Reiden und seinem Kaplan als Wohnung.
Bibliographie