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Dieses Jahr stellen wir Menschen näher vor, mit denen wir in den Ländern des Nahen Ostens zusammenarbeiten. Heute im Gespräch mit Schwester Hoda Tannoury, die zur «Congrégation de Notre Dame du Bon Service» gehört und sich als «Secrétaire Générale» auch um die Beziehung zum Schweizerischen Heiligland-Verein kümmert. Wir geben das vollständige Interview mit Sr. Hoda wider.
Sr. Hoda, woher kommen Sie?
Ich bin Libanesin aus dem kleinen Dorf Qaa el Rim in den Sanine-Bergen, 15 Minuten von Zahlé entfernt. Ich bin das jüngste von acht Kindern. Meine Familie ist tief gläubig und ich habe eine leibliche Schwester, Schwester Melanie, die in derselben Kongregation wie ich ist.
Warum haben Sie sich für das Ordensleben entschieden?
Seit meiner frühen Kindheit hat mich das Wort Gottes sehr berührt. Es entsprach meinem tiefen Wunsch und drückte meine Vision und meine Werte aus. Als ich zwölf Jahre alt war, trat meine Schwester Melanie in einen Orden ein. Später orientierte ich mich an ihrer Wahl und trat in die gleiche Gemeinschaft ein.
Warum sind Sie bei den Schwestern von Notre-Dame du Bon Service eingetreten?
Ich mochte meine Schwester Melanie sehr und besuchte sie von Zeit zu Zeit. Während dieser Besuche beobachtete ich die Schwestern. Sie lebten in Einfachheit in einer armen Gegend und widmeten sich den Menschen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ihre Beziehungen in der Gemeinschaft waren fröhlich und unkompliziert.
Wie war Ihr Weg innerhalb der Gemeinschaft?
Während meines Noviziats führte mich mein erster Auftrag dazu, eine Mitschwester in der Kindertagesstätte in Jdeideh, einem Dorf in der Nähe von Jabouleh, zu unterstützen, wo ich fünf Jahre lang blieb.
Danach wurde ich ausgesandt, um den Paulistenpatres in Harissa zu helfen. Ich nutzte diesen Einsatz, um meinen Master in Theologie zu machen. Seit meinem Noviziat hatte ich davon geträumt, mein Wissen über die Wurzeln der Kongregation zu vertiefen, indem ich die Manuskripte unseres Gründers, Bischof Joseph Maalouf, studierte. Dieser Masterstudiengang bot mir die Gelegenheit dazu und ich schrieb meine Doktorarbeit über die Geschichte und das Charisma der Kongregation von N-D du Bon Service. Anschliessend arbeitete ich vier Jahre lang in unseren beiden Schulen in Jabouleh und Jdeideh.
Dann schickte mich meine Oberin auf einen Einsatz im Seminar der Heiligen Anna in Raboueh und bat mich, diesen mit einem Studium für einen Master in Schulverwaltung zu verbinden. Im Jahr 2016 bat Seine Exzellenz, Bischof Gabriele Caccia, Apostolischer Nuntius im Libanon, um meine Mitarbeit als Sekretärin in der Nuntiatur. Dieser Einsatz dauerte drei Jahre und ich habe dort viel gelernt. Bischof Caccia ist ein grosszügiger und mitfühlender Mensch. Seit September 2019 unterstütze ich unsere Generaloberin, Mutter Jocelyne, bei der Leitung der bischöflichen Schule in Jabbouleh. Im Februar 2020 wurde der Libanon, wie die ganze Welt, von der Coronapandemie getroffen. Wir waren gezwungen, die Schule zu schliessen. Diese Katastrophe bot mir die Gelegenheit, mich als Generalsekretärin unserer Kongregation einzusetzen.
Welche Aufgaben haben Sie heute als Generalsekretärin?
Während meiner Tätigkeit in der Nuntiatur von 2017 bis 2019 beschränkte sich meine Aufgabe als Generalsekretärin auf die Teilnahme an den Sitzungen des Generalrats und das Führen der Sitzungsprotokolle. Ich war ein Neuling auf diesem Gebiet und mein Beitrag war sehr bescheiden. Mit der Covid-Krise im Februar 2020 hatte ich Zeit und mit der Hilfe von Sr. Ranine organisierten wir das Archiv, indexierten alle Dokumente der Kongregation von den Anfängen bis heute und druckten Ordner für die Ablage aus. Unser Archiv sieht jetzt richtig gut aus! Wie Sie sehen, liegt in allem etwas Gutes und wir können aus allem, was uns widerfährt, etwas Gutes ziehen. Derzeit bin ich als Generalsekretärin zuständig für: für alle offiziellen Dokumente der Kongregation; für die Ablage und Archivierung der Dokumente von Mutter Jocelyne Joumaah; für das Dossier von jeder Ordensschwester, jeder Mission und jeder Gemeinschaft der Kongregation; für die Protokolle der Sitzungen des Generalrats und schliesslich für das Verfassen der Post der Generaloberin, der regelmässigen Anweisungen und Rundschreiben der Generaloberin an die Mitglieder der Kongregation sowie für unsere Ausenbeziehungen.
Würden Sie bitte ein paar Worte über die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Verein des Heiligen Landes äussern? Wie würden Sie diese Beziehung und unsere Zusammenarbeit beschreiben?
Vielen Dank, dass Sie mir die Gelegenheit geben, meine Sicht gegenüber dem Schweizer Verein des Heiligen Landes zum Ausdruck zu bringen. Zunächst möchte ich allen Mitgliedern des Schweizer Vereins des Heiligen Landes meine Dankbarkeit für ihre Treue, die Unterstützung unserer Mission und die Transparenz unserer Beziehungen zum Ausdruck bringen. Ich möchte auch die Freude, die wir erleben, mit Ihnen teilen. Sie ist die Frucht dieser Zusammenarbeit und ein Zeichen der Gegenwart Gottes. Es ist der göttliche Geist, der Frau Elisabeth Janssen dazu bringt, Mutter Jocelyne zum richtigen Zeitpunkt zu kontaktieren und sie um das zu bitten, was sie braucht. Es ist fast so, als würden Sie unsere Bedürfnisse aus der Ferne spüren. Ihre Mitarbeit ist eine lebendige Teilnahme an der Mission unserer Kongregation. Kurz gesagt: Ihre Unterstützung spornt uns an und bringt uns dazu, unseren Auftrag trotz aller Widrigkeiten und unter sehr schwierigen Umständen weiterzuführen.
Können Sie die derzeitige Situation im Libanon beschreiben, insbesondere für Sie, die Schwestern, und all die Menschen, mit denen und für die Sie leben?
Da ist zunächst einmal das, was wir derzeit ganz konkret erleben, nämlich der schwere Wintersturm, der den Libanon heimsucht. Für viele unserer Mitbürger ist er lebensbedrohlich, denn die meisten von ihnen können es sich nicht leisten, zu heizen. Der Preis für Heizöl ist unerschwinglich. Während ich Ihnen schreibe, werden mir in meinem Büro die Finger vor Kälte taub, weil ich den Heizlüfter nicht einschalte, um unsere Vorräte so weit wie möglich zu schonen. Die Gesundheitskrise belastet das Bildungswesen schwer. Innerhalb von drei Jahren ist das Bildungsniveau unserer Schülerinnen und Schüler stark gesunken. Sie benutzen abgegriffene Bücher, kommen nicht regelmässig zur Schule und die Eltern sind nicht in der Lage, das Problem zu verstehen und darauf zu reagieren. Medikamente sind zu Luxusgütern geworden, die niemand mehr kaufen kann, weil sie so teuer sind. Am schlimmsten ist jedoch die allgemeine, schlechte Lage, diese beispiellose Wirtschaftskrise, die das ganze Land erfasst hat. Unsere politischen Institutionen liegen am Boden und sind unfähig, sich wieder zu erholen. Um einen Dollar zu kaufen, muss man 32.000 libanesische Pfund ausgeben. So lebt 80 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze und für viele von uns wird eine Packung Brot zu einem teuren Geschenk. Bei uns in Jabbouleh kommt es häufig zu längeren Stromausfällen. Warmes Wasser ist ein seltenes Gut. Nur der Aufenthaltsraum ist ständig beheizt. Der Rest des Klosters wird eine Stunde am Mittag und eine Stunde am Abend geheizt. Wir passen unsere Arbeit und unser Leben den Umständen an: je nachdem, ob das Internet oder der Strom ausfällt, oder ob die Preise jeden Tag steigen.
Haben Sie Wünsche und Träume für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass die Führer unseres Landes, sich zu Gott umwenden und im Licht seines Geistes nach Lösungen für die Probleme des Landes suchen. Dass alle Libanesinnen und Libanesen an menschlichen Werten festhalten und gewissenhaft handeln. Möge unser Bildungsauftrag unter günstigeren Umständen fortgesetzt werden können. Ich träume davon, dass ich auf der Höhe unseres Charismas leben kann, dass ich die Freude Christi ausstrahlen kann, wo immer ich bin. Möge die Nächstenliebe in unseren Herzen herrschen und jeder von der Güte Gottes kosten.
Was erwarten Sie von uns, den Brüdern und Schwestern in der Schweiz?
Sie haben immer ein offenes Ohr für den Schrei der anderen. Wir sehen darin ein Zeichen Ihrer Offenheit und Ihrer Bereitschaft, Schwierigkeiten zu begegnen. Bewahren Sie diesen Geist, der der Geist Gottes ist. Halten Sie die Flamme am Brennen und geben Sie sie weiter. Bleiben wir vereint im Gebet und im Dienst für Gott und sein Volk.
Das Gespräch mit Sr. Hoda Tannoury führte Boris Schlüssel.