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Viele Menschen fühlen sich angesprochen. Das freut uns sehr! Das gibt uns Mut und Motivation weiter zu machen! Wir spüren durch Berichte von anderen, dass wir den Finger auf einen wunden Punkt legen. Hast du auch eine IV-Revision hinter dir? Eine Massnahme der Invalidenversicherung? Eine Abklärung? Eine arbeitsmarktlich blabla medizinische blabla Abklärung? Erzähl doch von deinen Erfahrungen!
Aus einem Mail an uns: «[Ich finde es] spannend und ja, teilweise eher deprimierend. Ich wünsche euch viel Kraft.»
Peter hat ein längeres Mail geschrieben. Ich finde seinen Text sehr eindrücklich. Er hat uns die Erlaubnis gegeben, hier zu veröffentlichen: «Ich habe letztes Jahr eine Bekannte begleitet. Sie hat ein Geburtsleiden. Dies drückt sich vornehmlich durch Epilepsie aus. Sie hat zwar eine volle Rente, was sehr wenig ist, weil sie aus Arbeitseinkommen kaum Gelegenheit hatte, einen höheren Rentenanspruch aufzubauen. Sie hat trotz 100% Rente, die Erlaubnis etwas dazuzuverdienen. Das heisst, sie arbeitet etwa 30% in Küche oder Wäscherei, was rund CHF 1’000 bringen kann. Zusammen mit der Rente ist sie irgendwo zwischen CHF 2’200 und 2’400. Dank dem Zusatzverdienst kann sie selbständig wohnen.
Ich kenne auch eine Familie in der Gemeinde, die haben einen Sohn im Alter unserer Kinder. Er ist schwer geistig behindert. Es ist unheimlich schwierig für die Eltern eine Institution für junge Erwachsene zu finden. Bis er 18 war gab es Lösungen, aber die Situation in diesem Bereich ist sehr sehr schlecht. Er braucht praktisch rundum Betreuung. Er ist kräftig und transformiert seinen Frust leicht in Schlägen gegen seine Betreuer. Er flippt aus unerklärlichen Gründen aus, wenn jemand gähnt. Er musste mangels Plätzen lange Zeit von seinen Eltern betreut werden. Diese betreuen ihn nun noch jedes Wochenende, was dazu führte, dass die Eltern ein Burnout hatten und der Vater als Sekundarlehrer lange Zeit nicht mehr arbeiten konnte.
Ich habe selbst eine ältere Schwester, sie ist von Geburt an schwerhörig. Sie ist nun 60 Jahre alt und hat als Kind erst mit 8 oder 9 zu sprechen begonnen, weil sie nicht die richtige Förderung erfuhr. Sie hat bis etwa 45 in der Migros gearbeitet. Offenbar konnte oder wollte sie dort niemand mehr mittragen und sie wurde über die IV rausbefördert. Dies ging zu dieser Zeit noch und ihr geht es auch nicht schlecht, weil sie mit erster und zweiter Säule gute Einkünfte hat. Sie findet ihre Zufriedenheit in ihrem Hobby, sie malt und sie sieht praktisch täglich zu unserer Mutter. Zusammen mit der Rente ihres pensionierten Mannes geht es den beiden recht gut.
Ich denke, es gibt viel Leiden in vielen Familien und der Staat könnte hier mehr zur Linderung beitragen. Das wünschbare Angebot reicht von der Finanzierung von Institutionen bis zur Belohnung von Arbeitgebern, die Plätze schaffen, dass Fähigkeiten und soziale Beziehungen gelebt werden können. Schändlich ist, wenn politisch die Stimmung wegen wenigen Missbrauchsfällen aufgeheizt wird. Dies beeinflusst auch die Entscheidungsträger bei den Sozialbehörden, die sich immer weniger trauen, Lösungen zu finden. Da werden Anträge erst einmal abgelehnt und da brauchen die Betroffenen enorm Kraft und vielen fehlt auch das Wissen und sie sind angewiesen auf Unterstützung gegen die Behörden, die eigentlich für sie da sein sollten. Unser System hat groteske Züge.»