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Sie war ein großes Schiff
[* 10] mit 300 Mann Besatzung und soll viel zum Erfolg beigetragen haben. In der Folgezeit sind noch vielfach
matratzenartige Polsterungen, Bekleidungen mit Tauwerk, Ketten etc. angewendet worden, selbst die schwimmenden Batterien des
Chevalier d'Arçon mit einer 1,80 m dicken Panzerung aus Holzplanken, Eisenbarren, Kork und
[* 11] Leder, aus denen
derselbe Gibraltar
[* 12] beschoß, waren nicht bahnbrechend, ebensowenig erreichte Fulton mit seinen Verschlägen.
Sie erzielten bei der Beschießung von Kinburn einen glänzenden Erfolg. Der Nutzen des Eisenpanzers
war hierdurch praktisch erwiesen, nicht aber seine Anwendbarkeit bei seegängigen Schiffen, denn die schwimmenden Batterien
waren nur im Küstenkrieg verwendbar. Frankreich hat das Verdienst, die Verwirklichung dieser Idee nach Möglichkeit unterstützt
zu haben, während sich England abweisend gegen dieselbe verhielt. Ende 1857 legte Dupuy de Lôme die Pläne
der Panzerfregatte Gloire vor, deren Bau im März 1858 in Toulon
[* 15] begonnen wurde. Am lief sie von Stapel.
Hiermit beginnt die Epoche der Panzerschiffe wie des Panzerwesens überhaupt. Man hatte richtig erkannt, daß ein Panzerschiff nur
ein Schraubendampfer sein könne. Der Panzer sollte den über Wasser liegenden sowie den Teil des Schiffs
schützen, der bei Seegang feindlichen Geschossen ausgesetzt ist, daher läßt man den Panzer 1-2 m unter die Wasserlinie reichen.
In dieser Weise war die Gloire mit einem 120 mm dicken Panzer bekleidet, der sich nach den Schiffsenden zu
auf 78 mm verjüngte; er gewährte Schutz gegen die 68pfündigen Geschosse, war also damals ausreichend stark.
Die Geschütze standen hinter den Breitseiten des Schiffs. Im Mai 1859 wurde der Warrior, das älteste Panzerschiff der englischen Marine,
auf Stapel gelegt. Der 114 mm dicke Panzer ging nicht um das ganze Schiff herum, sondern bekleidete nur mittschiffs
die Batterie, erst einige Jahre später ging man zu ganz gepanzerten Schiffen über; aber die Panzerstärke von 114 mm wurde
noch bei den 1865 auf Stapel gelegten Schiffen beibehalten, da die Artillerie eine wesentlich größere Durchschlagskraft der
Geschosse noch nicht erreicht hatte. Um diese Zeit begann indes
auch der Kampf gegen den Panzer.
Auf Anregung des Admirals Labrousse wurden schon die der Gloire ähnlichen, 1859 auf Stapel gelegten Panzerfregatten Magenta
und Solferino
[* 16] mit einem Sporn am Bug versehen (Panzerwidderschiffe, Rammschiffe). Ursprünglich dem antiken Sporn (Rostrum) nachgebildet,
gab man ihm bald eine Länge von mehreren Metern in Stachelform, ging aber dann zu dem bogenförmigen oder
in eine stumpfe Spitze auslaufenden Rammbug über (s. beifolgende Tafel), wie es noch heute gebräuchlich ist.
Im J. 1860 wurde vom englischen KapitänColes vorgeschlagen, Panzerschiffe mit kuppelförmigen Panzerdrehtürmen zu versehen,
die aus dem Oberdeck hervorragen, und in denen je zwei Geschütze größten Kalibers stehen.
Die Erfüllung aller dieser Bedingungen führte zu ganz neuen Schiffstypen. Die ungeahnte Entwickelung der Artillerie forderte
nicht nur immer stärkere Panzer, sondern auch immer schwerere Geschütze an Bord, damit mußte notwendig
die Zahl der letztern wie die Ausdehnung
[* 19] des erstern beschränkt werden. Auch die alte Kampfweise, nach welcher sich die Schiffe
mit einander zugekehrten Breitseiten beschossen, mußte man des großen, leicht zu treffenden Ziels wegen aufgeben; vorteilhafter
war es, dem Feinde den Bug zuzukehren, dies machte aber wieder gepanzerte Querwände (Querschotte), die
von einer Bordwand zur andern quer durch das Schiff gehen, notwendig, um namentlich die Maschinen gegen Schüsse in der Längsrichtung
des Schiffs zu sichern.
vordern Turms liegen jedoch 5,23, die des hintern 4 m über Wasser; beide Türme sind durch ein 7,11 m über Wasser liegendes
Sturmdeck verbunden, in welchem die in das Innere des Schiffs führenden Öffnungen münden, welche daher auch in See stets
offen bleiben können. Der 305 mm dicke Gürtelpanzer reicht bis zum Deck, welches mit drei Eisenplatten
von je 25 mmDicke gepanzert ist. Auf diesem erhebt sich über den Bordwänden, hinten mittschiffs schleifenförmig eingezogen,
ein oben bedeckter eiserner Überbau, innerhalb dessen auf dem Deck die 2,13 m hohe Panzerbrustwehr; vor den Türmen ist dieselbe 305 mm,
an den übrigen Teilen 254 mm dick.
Die ungeahnten Erfolge Krupps
[* 27] im Geschützwesen forderten eine immer größere Panzerstärke und die Aufstellung immer schwererer
Geschütze an Bord. Das Deplacement der Schlachtschiffe erreichte bei der Italia fast 15,000 T., und da ein
Zweifel darüber nicht mehr haltbar war, daß im Wettkampf zwischen Schiffspanzer und Geschütz letzteres stets Sieger bleiben
würde, so drängte sich die Frage auf, ob denn der Panzer fernerhin noch beibehalten werden könne. Von vielen Seiten wurde
statt der Panzerung der Bau vonKreuzern größtmöglicher Fahrgeschwindigkeit empfohlen, aber zuletzt gewann
man doch die Überzeugung, daß Panzerschiffe als Kern der Hochsee-Schlachtflotten und im Kampf mit Küstenwerken unentbehrlich
seien; in ihnen muß die größte Defensiv- und Offensivkraft der Flotte vereint sein. Es handelte sich mithin darum, das Gewicht
des Panzers bei aller Widerstandskraft nach Möglichkeit zu beschränken.
Dasselbe, meist aus Stahlplatten von 60 bis 80 mmDicke bestehend, liegt etwa in Höhe der Wasserlinie, in der Regel darunter,
und geht vom Heck bis zur Spitze des Rammbugs, welcher hierdurch an Widerstandskraft erheblich gewonnen. Unter dem Panzerdeck
liegen dann Kessel, Maschinen und Munitionsräume. Man hat sogar Schiffe ohne Seitenpanzer, nur mit Deckpanzer
gebaut (Deckpanzerschiffe), und um in den flach gehenden Fahrzeugen Raum für die Maschinen zu gewinnen, ist das Panzerdeck
stark gewölbt.
In Frankreich gab man dem Gürtelpanzer des Amiral Duperré
[* 24]
(Fig. 3 der Tafel) mittschiffs eine Dicke von 550 mm, aber
eine Höhe von nur 2,4 m; nach Bug und Heck hin nahm die Panzerdicke bis 250 mm ab, mit dem Oberrand des Panzergürtels fällt
ein 60 mm dickes Panzerdeck zusammen. Zur Gewinnung eines unbeschränkten Vorausfeuers sind die beiden hinter einer Verschanzung
stehenden Bugtürme seitlich über die Bordwände hinausgeschoben, zwei andre Türme stehen mittschiffs
nach hinten, das letztere im Heck (Heckgeschütz). In jedem Turm
[* 28] steht eine 34 cmKanone auf Drehscheibe (barbette), über Bank
feuernd (Barbetteturmschiffe).
gepanzerter Munitionsförderschacht, vor und hinter demselben je ein drei Schlöte umkleidender Panzermantel in das Panzerdeck
hinunter. An Deck hängen zwei Torpedoboote in Davits. Die Italia hat 13,898 T. Deplacement und 17 Knoten Fahrgeschwindigkeit.
Die Seitenwände des Schiffs sind ungepanzert. Man glaubt aber, daß das Schiff vermöge seines ausgezeichneten Zellenbaues
sowohl durch Torpedos als Artilleriegeschosse unversenkbar sei.
Man begann in diesem Sinn 1880 den Bau derSchiffe der Admiralsklasse mit dem Collingwood
[* 2]
(Fig. 6 der Tafel).
Der Maschinenraum ist durch einen Gürtelpanzer von 2,28 m Breite und 457 mmDicke in der Wasserlinie geschützt; die Enden dieses
Gürtelpanzers sind durch gepanzerte Querschotte, die Oberkanten durch ein starkes Panzerdeck verbunden, während von den
Unterkanten nach hinten und vorn ein Unterwasserpanzerdeck führt, letzteres bis in die Spitze des Rammbugs.
Letztere nähern sich in ihrer Bauart zuweilen den prahmartigen Fahrzeugen. Seitdem man mit Beginn
der 60er Jahre alle Panzerschiffe aus Eisen, in neuerer Zeit aus Stahl baut, hat jedes Panzerschiff auch einen Sporn (Rammbug); ebenso
sind jetzt alle Panzerschiffe mit 2 oder 4 Unter- oder Oberwasser-Lancierrohren für Torpedos (s. d.) versehen. Die Bezeichnung
Panzerfregatte und Panzerkorvette ist veraltet, im allgemeinen gilt für sie jetzt Panzerschiff, und
man bezeichnet damit die eigentlichen Schlachtschiffe, während die zum Küstenschutz bestimmten jetzt Panzerfahrzeuge heißen.
Dazwischen liegen die Panzerkreuzer (s. oben); vgl. auch Marine.
Die Schraubenköpfe sind versenkt, so daß die äußere Panzerfläche ganz glatt ist. Um das Herumfliegen von Holzsplittern
etc. im Schiffsraum beim Auftreffen oder Hindurchgehen von Geschossen durch die Panzerwand zu beschränken, ist dieselbe immer
mit einer sogen. Innenhaut aus 25-40 mm dicken Eisenplatten bekleidet, außerdem werden auch hinter den
Scharten oder in Batterien zwischen den Geschützen Splitterfänge aus aufgehängten Taumatten angebracht.