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Weit über 100 Personen zeigten Interesse an Walter Amgwerds monumentaler Chronik über den Einsiedler-Handel. Der Autor verstand es ausgezeichnet, die persönlichen Einzelschicksale in einen zeitgeschichtlichen Kontext einzubetten.
Stuhl um Stuhl musste am Donnerstagabend, 6. Oktober, in den grossen Saal des Hotels Drei Könige getragen werden, bis letztlich alle der gegen 130 Gäste ihren Platz gefunden hatten: Die 250 Jahre zurückliegende Geschichte des «Einsiedler-Handels» vermag bis in die Gegenwart zu mobilisieren und selbst die Organisatoren zu überraschen.
Drei Trachslauer und drei Sattler
Entscheidend dazu beigetragen hat Walter Amgwerd (EA 75/16), der neun Jahre lang recherchierte und mit seinem Buch «Die sechs Bauernopfer im Einsiedler-Handel 1764 1767» den Fokus konsequent auf jene sechs Männer richtete, welche ihren Streit um mehr Volksrechte gegen den Einsiedler Fürstabt und die gnädigen Herren zu Schwyz letztlich mit dem Tod durch den Henker bezahlten: Es waren dies die drei Trachslauer Joseph Rupert Kälin ( 15. Dezember 1766), Johann Nikodem Kälin ( 15. Dezember 1766) und Niklaus Benedikt Kälin ( 16. Dezember 1766) sowie die drei Sattler Joseph Franz Schnüriger ( 16. Februar 1767), Joseph Karl Amgwerd ( 17. Februar 1767) und Joseph Antoni Amgwerd ( 4. April 1769), wobei der Sattler Bürger Walter Amgwerd ein Enkel in fünfter Generation des 1767 hingerichteten Joseph Karl Amgwerd ist.
Eine kleine Sensation
Dass Amgwerd 250 Jahre nach dem Geschehen «den Todgeweihten eine Stimme geben» kann, ist zu grossen Teilen einem Fund zu verdanken, den man durchaus als «kleine Sensation» anpreisen darf: Das als verschollen geglaubte Büchlein des Joseph Antoni Amgwerd. Für seinen «Einsiedler-Handel» hat es Walter Amgwerd transkribiert und im Wortlaut wiedergegeben. Diese Trouvaille gewährt Einblicke in die Gedankenwelt des Joseph Antoni; sie erschliesst stellvertretend für die anderen fünf Geköpften ein moralisch einzig Gott verpflichtetes Gewissen, das aus den Bauern erst hat Handelnde werden lassen. Seine ganz persönliche, innere Zerrissenheit fasst Joseph Antoni in einem einzigen Satz zusammen: «Wie kann ich der geistlichen und weltlichen Obrigkeit gehorsamen, wan sie lätz haben.» Ein erschütterndes Zeugnis.
Auch an anderen Orten
Walter Amgwerds Buch besticht durch seinen Tagebuch-artigen Stil; entstanden ist daraus eine Chronik, vom Autor mit persönlichen Kommentaren erweitert, woraus sich Dichte und Spannung entwickeln. Das Buch wird zum Krimi. Dank einer zeithistorischen Einbettung erscheinen die sechs Bauernopfer nicht mehr als Einzelfiguren, sondern als Teil einer Bewegung, die sich auch in anderen Teilen der alten Eidgenossenschaft gegen die herrschende, als unrecht empfundene Ordnung aufgelehnt hat. Eine Ordnung, die nur wenige Jahre später durch einen der grössten Feldherren Europas aufgelöst werden sollte: Napoleon Bonaparte. Bis jedoch die Schweiz der heutigen, modernen Ausprägung geboren wurde, musste dann nochmals ein halbes Jahrhundert gewartet werden. Die erste Buchwidmung von Autor Walter Amgwerd geht an Pater Gregor Jäggi, Stiftsarchivar im Kloster Einsiedeln (links).
Walter Amgwerd
«Die sechs Bauernopfer im Einsiedler-Handel 1764-1767»
ISBN 978-3-033-05524-7
Einsiedler Anzeiger (Vi)
Autor
Einsiedler Anzeiger
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/4ZS57K