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Fällt es dir manchmal schwer, in deiner eigenen Sprache über Fachtexte zu schreiben, die du gerade gelesen hast? Und gelingt es dir manchmal nicht, die für dein Thema zentralen Informationen aus dem Fachtext herauszuziehen? Dann hilft dir die 4-Schritt-Lesemethode – so geht’s:
1. Überfliege den Text und verschaffe dir eine Übersicht.
Nimm dir einen Augenblick Zeit, um den Text als Ganzes zu betrachten. Registriere, wie lang der Text ist und wie er aufgebaut ist. Überfliege ihn und versuche, das Wesentliche zu erfassen. Orientiere dich dabei an Überschriften, hervorgehobenen Begriffen und Abbildungen. Versuche, bereits jetzt einzuordnen, was dir bekannt ist und was nicht.
2. Stelle für dein Thema relevante Fragen an den Text.
Nachdem du nun weisst, um was es im Grossen und Ganzen geht, stelle für dein Erkenntnisinteresse relevante Fragen an den Text. Diese Fragen helfen dir, den Text zielorientiert zu lesen: Es wird dir dadurch gelingen, relevante von irrelevanten Inhalten zu trennen. Schreibe deine Fragen in Form eines Clusters oder eines Mindmaps auf.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung
Sind die Texte kurz, kannst du sie auch gleichzeitig auf dein Erkenntnisinteresse hin befragen. In meinem Fall waren es drei kurze Texte zum Thema «Lesen». Jedem Text habe ich eine Farbe zugeordnet, damit ich weiss, von welchem Autor meine Notizen auf dem Mindmap (vgl. unten) stammen.
Mein Erkenntnisinteresse war, wie es mir gelingt, effizienter zu lesen. Ich war also auf der Suche nach effizienten Lesestrategien. Für mich waren folgende Fragen relevant: Welche Lesestrategien gibt es? Welche Übungen eignen sich für effizientes Lesen? Wann lohnt es sich, schnell zu lesen, wann langsam?
3. Lies den Text aufmerksam.
Lies nun das relevante Kapitel des Buchs oder den Artikel aufmerksam durch. Die Fragen, die du schriftlich festgehalten hast, helfen dir, fokussiert zu lesen. Nimm eine aktive Lesehaltung ein und versuche sie aufrechtzuerhalten.
Kennzeichne wichtige Stellen mit einem nachvollziehbaren Zeichen am Rand des Textes (z. B. «K» für Kernaussage, «D» für Definition usw.). Schreibe an die Seitenränder Schlüsselwörter oder unbekannte Begriffe. Du kannst auch die einzelnen Abschnitte mit kurzen Überschriften versehen.
Schreibe die Antworten in Stichworten zu deinen Fragen, die du in Schritt 2 formuliert hast, direkt in das Cluster oder das Mindmap. Wichtig dabei ist, dass du notierst, wo du die Information im Text gefunden hast: Schreib also immer die Seitenzahlen dazu, damit du später beim Schreiben gleich den korrekten Literaturnachweis anbringen kannst. Und falls du mit einem Abschnitt Mühe hast: Lies und bearbeite ihn mehrmals.
Das Ziel ist es, strukturierte Lesenotizen anzufertigen, ohne Textteile abzuschreiben. Die Notizen sind die Grundlage für den nächsten Schritt.
4. Schreibe in deinen eigenen Worten auf, was im Text steht.
Schreibe mithilfe des Clusters oder deines Mindmaps einen Rohtext. Du wirst merken, dass sich deine Lesenotizen viel leichter in eigene Sätze formen lassen, als wenn du auf abgeschriebene oder angestrichene Textstellen zurückgreifen müsstest. Damit du aber nicht in Versuchung kommst, lege den gelesenen Text beiseite!
Schreibe in deinen eigenen Worten, was du gelesen hast. Und versuche es gleich einzuordnen: Wie passt all dies zu deinem Thema und zu du deiner Fragestellung? Arbeite dabei kleinteilig: Definiere ein Zeitfenster für einen Absatz, eine These oder die Darlegung eines Sachverhalts (z. B. 20 Minuten). Vergiss beim Schreiben nicht, dass es um das Verfassen eines Rohtextes geht. Es geht also zuerst darum, Text zu produzieren; der sprachliche Feinschliff kommt später. Wenn du so vorgehst, schreibst du ganz nahe an deiner inneren Sprache.
Abschliessend ein kleiner Exkurs zum Paraphrasieren und Zitieren
Vergiss nicht, auch die paraphrasierten Textstellen mit einem Nachweis zu belegen. Baue da, wo es sinnvoll ist, direkte Zitate ein. Wenn du die folgenden Hinweise zum Paraphrasieren und direkten Zitieren beachtest, musst du dich nicht davor fürchten, zu plagiieren:
Nutze für Paraphrasen Textbausteine wie «Laut X …», «X kritisiert an dieser Stelle, …» oder «X legt in seinem Aufsatz über … dar, …». Es ist nicht nötig, dass du jede Paraphrase durch solche Formulierungen als solche kenntlich machst. Diese sprachlichen Wegweiser helfen dir beim Formulieren und beim Abgrenzen von deinen eigenen Erkenntnissen.
Beim direkten Zitieren geht es nicht darum, jemand anderen für dich sprechen zu lassen (das ist leider ein häufiger Fehler!). Zitate, die unvermittelt und ohne Bezugnahme in den Text übernommen werden, sind problematisch, weil die Eigenleistung nicht erkennbar ist. Niemand möchte Kopien von anderen Texten lesen. Zitate müssen also nicht nur belegt, sondern auch kontextualisiert werden.