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michael. Mr. Ram-Jam-Rodigan gab sich wieder einmal die Ehre und besuchte die Schweiz in Biel und Basel. Bevor sich seine Hände die Platten und das Mikrofon griffen, konnte ich ihn zwischen Hotel und Stage noch kurz befragen. Hier ist das Interview mit einem Soundboy, der schon über 25 Jahre im Business tätig ist... nuff respect!
Welches war dein erste Reggae-Song, den du in deinem Leben gehört hast?
Es war ein Ska-Song mit dem Namen «My Boy Lollipop» von Millie gesungen. Danach hörte ich Songs wie «Oh Carolina» von den Folkes Brothers, «Guns Of Navarone» von den Skatalites, «One Step Beyond» von Prince Buster, oder Musik von der Band Madnesses. Es war die frühe Ska-Ära, «My Boy Lollop» hörte ich im Jahre 1964, die anderen etwa 1966.
Was inspirierte dich dazu, dass du noch heute Reggae-Musik spielst und promotest?
Ich war ein Platten-Sammmler und als dieser wollte ich gerne meine Sammlung mit anderen geniessen. Ich spielte meine Platten in der Diskothek der Schule oder im Jugendklub. Manchmal ging ich auch zu Freunden nach Hause und wir spielten uns gegenseitig Musik. Weil ich ein echter Sammler war, inspirierte mich die Vorstellung, dass auch andere Leute meine Songs
mögen.
Als erster hast du mit Barry G den «Clash» ins Radio transformiert. Wie kam es dazu?
Barry G und ich waren die ersten Radio-DJs, welche jemals am Radio «geclasht» haben. Das geschah im Jahre 1983 in Jamaika, als ich dort war, um eine Sendung für «Capitol Radio» zu machen. In der ersten Show hatte ich U-Roy, Big Youth, Derrick Harriott, Burru Banton und mehr in der Radiostation JBC, deren Ausrüstung ich benutzte. Dort machte ich ein Special auf dem «Real Rock»-Riddim mit Burru Banton, Peter Metro, Squidly Ranking and Dickie Ranking. Diese vier machten ihr Live-DJ-Ding auf dem Real Rock-Riddim. Ich fragte also Barry G, der Nr. 1 Radio-DJ in Jamaika zu dieser Zeit, ob er ein «News-Desk» für mich in der Sendung einrichten könnte. Er machte es, doch während der Vorbereitungen dazu sagte er plötzlich: Lass uns einen «Clash» machen – ein «Radio-Clash»! Wir begannen um drei Minuten nach ach und waren um zwei Uhr am anderen Morgen noch immer am clashen... Sechs Stunden ging es ab und war der «Talk of Jamaika» an diesem Tag. Die Jahre darauf wiederholten wir den Clash, 1985 z.B. der Sleng-Teng Clash und so weiter.
Warum «clashst» du gegen andere Sounds?
Das clashen mit anderen Sounds begann, als ich mit Courtney Sing, dem Co-Besitzer des Bodyguard Sound-Systems aus Jamaika sprach und wir uns entschieden, einen Clash zu organisieren. Als ich den Leuten erzählte, dass ich mit Bodyguard clashen werde, haben sie mich für verrückt gehalten, weil Bodyguard so viele Dubplates hat wie kaum jemand. Der Event lockte tausende von Leuten an. Für mich war dies unglaublich. Dies geschah 1991. Ich nahm damals den Song «Who’s gonna bodyguard you Mr. Bodyguard» von den Mighty Diamonds
und löste dadurch eine Sturm bei der Massive aus. 1993 clashte ich mit Waggie T, wo ich zum ersten Mal das «Newsflash»-Special aus der Tasche zog und zudem mit einer Cutty Ranks Aufnahme auftrumpfte! Im selben Jahr clashte ich in Miami mit Killamanjaro (Ricky Trooper) zum ersten Mal. Mit Stone Love und Bass Odyssey habe ich auch schon geclasht. Ich clashe mit jedem Sound.
Mit jedem Sound?
Ich werde nicht mit einem jungen Sound aus Deutschland, Italien oder Frankreich clashen. Ich will nicht arrogant klingen, aber ich habe einige sehr alte «Dubs», bei denen junge Sounds nicht mithalten können. Ich will nicht mit meinen musikalischen Muskeln vor jungen Sound protzen und ihnen zeigen, mit welchen Dennis Brown oder Nicodemus Dubplates ich sie besiegen kann. Ich muss nichts beweisen, ich will die Massive unterhalten. Es gibt Zeiten, in denen du im Mittelpunkt stehst, aber auch solche, in denen du dich zurückstellen musst, weil die jungen Sounds an der Reihe sind. Wir brauchen die jungen Sounds!
Am liebsten mag ich die Clashes, an denen mehrere Soundsystems gleichzeitig teilnehmen. Zudem nervt mich die Clash-Entwicklung der letzten Jahre. Ich finde es hat mit der Foundation und der Herkunft der Musik nicht mehr viel zu tun. «Clashen» ist inzwischen persönlich geworden. Der Respekt ist verloren gegangen und Clashes wirken inzwischen oft sehr aggressiv. Es gibt nur noch ein bisschen Humor in der ganzen Sache. Das Herumschreien verstehe brauche ich nicht. So hat das ganze nicht angefangen und darum will ich auch nicht ein Teil davon sein. Ich denke es ist falsch. Denn die Musik kommt vor den DJs, diese kommen und gehen, die Musik aber bleibt. Kein DJ ist besser als die Musik, kein Sound, keiner von uns. Denn ohne die Musik wären alle von uns niemand. Es wäre das Ende...
Wieso trittst du als «One Man Show» auf?
Ich mag es so zu tun, wie ich es für richtig halte. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann nehme ich das Mikrofon und spreche. Wenn ich aber nichts zu sagen habe, dann möchte ich die Musik sprechen lassen. Früher habe ich mit Papa Face gearbeitet, aber in den 70er oder 80er Jahren war es noch angesagt, dass du die Single umgekehrt hast und der DJ auf der «Version» seinen Song zum Besten gegeben hat. Heut hat sich das geändert. Ich erzähle gerne kurze Geschichten über die Musik, um die Stimmung aufzulockern und die Leute zu inrormieren.
Kannst du uns über dein 1. Dubplate erzählen?
Das war im Januar 1979 bei King Tubbys und zwar eine Aufnahme von Michael Prophet. Die «Specials» von damals muss man sich aber anders vorstellen als heutzutage. Sie waren nur durch kurze Ansagen der Künstler auf den jeweiligen Sound zugeschnitten, nicht so wie es heute gemacht wird und ganze Songs geschrieben werden. Z.B. «Dieser Tune kann nur von David Rodigan gespielt werden» oder so...
In England tat ich das 1978 schon einmal und nahm ein Dubplate von Gossie Clarke auf.
Gibt es Songs, welche du niemals spielen würdest?
Ich werde niemals Müll spielen wie z.B. Texte, welche Waffengewalt glorifizieren. Es gibt viel sinnlose Musik und aber auch viel bezaubernde Musik. Ich mag es, die bezaubernde Musik zu spielen, welche die Seelen der Leute ansprechen kann. Positive Musik.
Wie bereitest du deine Selections für die Dances vor?
Die Leute in Italien, Deutschland, Schweiz oder Frankreich sind mehr Roots orientiert. Nicht Oldschool-Roots, eher aktueller Roots-Sound. In England dagegen lieben sie den Oldschool-Reggae sehr.
Wie sieht deine Beziehung zum Rasta-Movement aus?
Ich habe einen grossen Respekt gegenüber dem Rasta-Movement. Es ist die Basis und Grundstein der Musik. Count Ossie und die Mystic Revelation haben durch ihre Drummings (z.B. in Oh Carolina zu hören) die Musik inspiriert und in eine neue Richtung geführt. RastafarI war in der Musik, bevor sie erschaffen wurde und ist auch heute noch ein sehr vitaler Teil der Musik.