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Missionswerk bestätigt sexuelle Übergriffe durch seinen Gründer
Atlanta/Köln (idea) – Das internationale Missionswerk Ravi Zacharias (Atlanta/US-Bundesstaat Georgia) hat bestätigt, dass es zu sexuellem Fehlverhalten durch seinen gleichnamigen Gründer gekommen ist. Das geht aus dem Zwischenbericht einer in Auftrag gegebenen Untersuchung hervor. Darin heißt es, dass sich die erhobenen Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen Zacharias (1946–2020) erhärtet hätten.
Zum Hintergrund: Der bekannte Evangelist und Apologet war im Mai im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens gestorben. Zahlreiche Kirchenvertreter weltweit hatten den in Indien aufgewachsenen Autor zahlreicher Bücher nach seinem Tod als wichtige evangelikale Persönlichkeit gewürdigt. Seine 1984 gegründete Organisation hat Niederlassungen auf allen Kontinenten. In den deutschsprachigen Ländern gehört das Zacharias Institut für Wissenschaft, Kultur und Glaube dazu.
Im August 2020 hatten drei Mitarbeiterinnen zweier Erholungszentren in Atlanta, deren Miteigentümer Zacharias war, schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben. Er habe sie mehrfach unangemessen berührt, sich vor ihnen entblößt und sie zum Geschlechtsverkehr aufgefordert. Nachdem das Missionswerk die Anschuldigungen zuerst zurückgewiesen hatte, beauftragte es schließlich eine Anwaltskanzlei in Atlanta mit der unabhängigen Untersuchung. Sie hat Dutzende Personen zu den Vorfällen befragt. Einige der Opfer hätten keine Aussagen machen wollen, viele weitere hingegen hätten offen und detailreich berichtet, so die Kanzlei.
Man habe „erhebliche, glaubwürdige Beweise dafür gefunden, dass Herr Zacharias im Laufe vieler Jahre sexuelles Fehlverhalten begangen hat“, heißt es dazu. Die Kanzlei deutet außerdem an, dass im Zuge der Untersuchung weiteres schwerwiegendes Fehlverhalten von Zacharias ans Licht gekommen sei, nennt jedoch keine Details. Der endgültige Bericht soll spätestens Anfang Februar vorliegen.
Missionswerk ist „am Boden zerstört“
Als Reaktion auf den Zwischenbericht veröffentlichte das Missionswerk, an dessen Spitze die Geschäftsführerin und Tochter von Zacharias, Sarah Davis, steht, eine Erklärung. Darin verurteilt sie dessen Taten: „Dieses Fehlverhalten ist zutiefst beunruhigend und völlig unvereinbar mit dem Mann, den Ravi Zacharias über mehr als vier Jahrzehnte seines öffentlichen Dienstes sowohl öffentlich als auch privat so vielen präsentiert hat.“ Man sei „am Boden zerstört“ angesichts der Übergriffe und den Schmerz, den die Opfer hätten ertragen müssen.
Das Werk kündigte nach Abschluss der Ermittlungen umfassendere Gespräche mit den Betroffenen an. Auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea äußerte sich die Leiterin des Zacharias Instituts für Wissenschaft, Kultur und Glaube (Köln), Julia Garschagen, ähnlich bestürzt: „Unser Mitgefühl und unsere Solidarität sind mit den Opfern, denen unfassbares Leid zugefügt wurde.“
Man sei dankbar, dass die Wahrheit ans Licht komme, auch wenn sie schmerzhaft sei. „Nur eine vollständige, schonungslose Aufklärung entspricht den Werten der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, die für uns als Christinnen und Christen zentral sind“, so Garschagen.