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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch I.
22.
Epikur hat in fast allem eine entgegengesetzte Ansicht. Prinzipien des Universums sind nach ihm die Atome und das Leere. Das Leere ist gleichsam der Raum für die künftigen Dinge, die Atome aber der Stoff, aus dem alles besteht. Aus der Vereinigung der Atome sind Gott, die Elemente, [die Welten]1 und alles, was darin ist, die Lebewesen und alles übrige entstanden, so daß jegliche Existenz aus den Atomen stammt. Die Atome sind die kleinsten Teile der Körper ohne Mittelpunkt, ohne jede Ausdehnung, ohne Teilungsmöglichkeit; deshalb nannte er sie auch Atome2. Gott ist nach ihm ewig und unvergänglich, doch sorgt er für nichts, auch gibt es keine Vorsehung und kein Schicksal, sondern alles geschieht durch Zufall. Denn Gott thront in den Zwischenwelten, wie Epikur sie nennt; er nahm eine Wohnstätte Gottes, Zwischenwelt genannt, außerhalb der Welt an. Gott freut sich und ruht in höchster Seligkeit, hat selbst keine Sorgen und macht sie keinem anderen. Dementsprechend hat sich Epikur in philosophischen Erörterungen dahin ausgesprochen, daß die Lust das Ziel der Weisheit sei. Der Begriff Lust wurde verschieden aufgefaßt; die einen verstanden darunter die Lust, die den irdischen Begierden entspricht, die anderen die Lust an der Tugend. — Die menschlichen [S. 38] Seelen verfallen nach ihm der Auflösung mit den Leibern, wie sie auch mit ihnen erzeugt werden. Denn sie sind Blut; wenn dies austritt oder sich zersetzt, geht der ganze Mensch zugrunde. Hieraus folgt, daß es weder Urteil noch Gericht in der Unterwelt gibt; somit gibt es keine Rechenschaft für was immer für Taten, sofern sie nicht ans Tageslicht kommen. Dies lehrt Epikur.
1: Roeper.
2: [atomos] ἄτομος == unteilbar.