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Inhalt und Ziele
Die Beziehungen zwischen Fiktion, Imagination und ästhetischer Wertschätzung sind normativer Art: Fiktionale Texte fordern uns auf, uns spezifische Ereignisse vorzustellen, und unser ästhetisches Urteil über sie wird nicht zuletzt dadurch bestimmt, welche Imaginationen sie uns in welcher Weise vorschreiben. Auch wenn einige Aspekte der fraglichen Beziehungen in der Forschung bereits untersucht worden sind, so fehlt es doch bislang an einer umfassenden Klärung der normativen Dimension der Beziehungen zwischen Fiktion, Imagination und Wertschätzung. Das Forschungsprojekt strebt eine solche Klärung an. Es ist in drei Teilprojekte untergliedert, die sich der Normativität der untersuchten Beziehungen aus unterschiedlichen Perspektiven nähern: Während das erste Teilprojekt der empirischen Frage nachgeht, welche spezifischen Regeln die Interpretationspraxis de facto anleiten, widmet sich das zweite dem normativen Problem, an welchen Normen sich Interpretationen orientieren sollten; das dritte schliesslich untersucht die basale Frage, worin die normative Autorität von Fiktionen für Imaginationen begründet ist.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Von dem Forschungsprojekt sind Impulse für Theorie und Praxis der Literaturwissenschaft zu erwarten; es verspricht dazu beizutragen, die Kluft zwischen der Interpretation fiktionaler Literatur in wissenschaftlichen und in alltäglichen Zusammenhängen zu verringern und unser Verständnis davon zu vertiefen, was literarische Fiktionen für uns wertvoll macht. Der wesentliche Beitrag des Projekts zur philosophischen Diskussion wird in der systematischen Erhellung der zwar weithin anerkannten, aber nur sehr unzureichend verstandenen Normativität der Beziehung zwischen Fiktion und Imagination bestehen. Indem das Forschungsprojekt untersucht, warum fiktionale Texte normative Autorität über unsere Vorstellungen besitzen, wird es die bestehenden Debatten zum Themenfeld weiterführen und erweitern.