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Epileptische Krampfanfälle bei Katzen
Ursachen und Auslöser epileptischer Anfälle
Im Gegensatz zum Hund, wo die vererbte, idiopathische Epilepsie die häufigste Ursache ist, leiden Katzen mit Krampfanfällen meist an einer erworbenen Erkrankung des Gehirns. Hierzulande sind die häufigsten Ursachen die Nekrose des Ammonshorns, stoffwechselbedingte oder toxische Gehirnerkrankungen, entzündliche Krankheiten des Gehirns sowie Hirntumore. Nur bei ungefähr 20 % der Katzen kann keine Ursache für die Anfälle gefunden werden, was typisch für die angeborene, idiopathische Epilepsie ist.
Die Nekrose des Ammonshorns ist eine häufige Ursache für epileptische Anfälle bei Katzen. Das Ammonshorn ist eine Gehirnstruktur, die funktionell gesehen zu einem grossen Teil für die Steuerung des Verhaltens zuständig ist. Bei dieser degenerativen Krankheit gehen Nervenzellen im Ammonshorn aus nicht bekannten Gründen zugrunde . Dies hat schwere Folgen für die Katze: Epileptische Anfälle und schwere Verhaltensveränderungen treten in der Regel akut auf. Am häufigsten trifft das Problem Tiere im Alter von ein bis sechs Jahren. Geschlecht oder Rasse scheinen keine Rolle zu spielen. Den eigentlichen Anfällen geht ein so genanntes Prodromalstadium voraus, das durch Verhaltensstörungen charakterisiert ist: Die erkrankte Katze kann Minuten bis Stunden vor dem Anfall unruhig, ängstlich und aggressiv gegenüber ihren Besitzern sein. Der eigentliche Anfall ist in der Regel von Bewusstlosigkeit, schweren Krämpfen sowie Harn- und Kotabsatz begleitet. Wenn er über längere Zeit andauert, kann er sogar zum Tod führen. Erholen sich die Katzen vom Anfall, können in dieser Phase wiederum dramatische Verhaltensstörungen beobachtet werden: Übererregbarkeit, unkontrolliertes Beissen, Blindheit und schwere Bewegungsstörungen können über Stunden andauern. Nicht selten folgt nach kurzer Erholung bereits der nächste Anfall. Typisch für diese Krankheit ist, dass sie sich mit antiepileptischen Medikamenten nur schwer kontrollieren lässt. Selbst mit hohen Dosen, die zu ständigem Ruhigstellen der Katze führen, können Anfälle auftreten. Gelingt in Ausnahmefällen die medikamentelle Unterdrückung der Anfälle, so hat man doch mit andauernden Verhaltensveränderungen zu rechnen. Bei einem Fall, den wir über Monate verfolgen konnten, gaben die Besitzer an, dass der Charakter völlig verändert sei und die Katze seither auch Hunde jage.
Epileptische Anfälle treten auch bei gewissen Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel bei schwerem Nierenversagen, Lebererkrankungen oder einer Überfunktion der Schilddrüse auf. Selten sind hier jedoch die Anfälle das Leitsymptom, und andere, nicht-neurologische Symptome werden im Vordergrund stehen.
Vergiftungen als Anfallsursache sehen wir bei Katzen wegen ihres meist wählerischen Appetits seltener als beim Hund. Trotzdem muss bei den Besitzern sorgfältig nachgefragt werden, ob die Katze nicht Zugang zu Pflanzen oder Medikamenten hat, die zu Anfällen führen können. Wir haben in diesem Zusammenhang Vergiftungen mit Frostschutzmitteln, Mäusegift, Insektiziden, Philodendron und Bux gesehen.
Eine der häufigeren Anfallsursachen ist eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) infolge von Infektionen oder Autoimmunerkrankungen. Die Entzündung selber lässt sich verhältnismässig einfach durch eine Untersuchung der Gehirnflüssigkeit nachweisen. Schwieriger gestaltet sich jedoch die Suche nach der Ursache der Entzündung. Der Erreger selber ist nur in Ausnahmefällen zu finden. Unter Umständen gibt aber die Zusammensetzung der Entzündungszellen einen Hinweis auf die Ursache, oder es lassen sich Antikörper gegen einen bestimmten Erreger nachweisen. Eine der bei Katzen häufigsten Ursachen für Gehirnentzündungen ist die feline infektiöse Peritonitis (FIP). Die typischen, gut bekannten Symptome der Krankheit wie Bauchwassersucht und Gelbsucht sind bei der neurologischen Form nicht zwingend vorhanden: Bei einigen Fällen beschränkt sich die Entzündung nur auf das zentrale Nervensystem und lässt sich auch im Blut nicht nachweisen. Hingegen werden die Katzen neben epileptischen Anfällen Fieberschübe zeigen, unter Zittern und Gleichgewichtsstörungen sowie Verhaltensstörungen leiden. Die Diagnose gelingt auch hier mittels Analyse der Gehirnflüssigkeit, am besten in Kombination mit einer Magnetresonanztomographie des Gehirns (Abb. 2). Eine entzündungshemmende Behandlung wirkt im besten Fall nur lindernd, die Prognose ist bei FIP hoffnungslos.

Abbildung 2
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Ein geringerer Anteil der Katzenepileptiker leidet an einem Gehirntumor. Der häufigste Tumortyp bei Katzen ist das Meningiom, eine Geschwulst der Hirnhäute (Abb. 3), aber Lymphosarkome des zentralen Nervensystems kommen ebenfalls oft vor. Der Tumortyp ist für eine allfällige Behandlung von Bedeutung. Währenddem Meningiome bei Katzen bei günstiger Lage mit gutem Erfolg operativ entfernt werden können (Abb. 4), profitieren Lymphosarkompatienten mehr von einer chemotherapeutischen Behandlung. Eine Bestrahlung des Tumors ist ebenfalls eine Variante, wenn eine chirurgische Behandlung nicht durchgeführt werden kann.

Abbildung 3
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Abbildung 4
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Findet man trotz aufwändiger Abklärungen keine der obigen Krankheiten, besteht ein starker Verdacht auf das Vorliegen der bereits erwähnten angeborenen idiopathischen Epilepsie, die nicht mit einer anderen Krankheit in Zusammenhang steht. Es wird teilweise kontrovers diskutiert, ob diese Erkrankung bei Katzen überhaupt vorkommt. Eine demnächst erscheinende Publikation zu diesem Thema wird jedoch schlüssig nachweisen, dass man mit idiopathischer Epilepsie auch bei Katzen rechnen muss (gemäss Autor, Dr. S. Cizinauskas, Helsinki). Wegen der verschiedenen in Frage kommenden Ursachen für Anfälle muss jeder Fall sorgfältig aufgearbeitet werden, bevor man die Diagnose „idiopathische Epilepsie“ stellen darf. Auf Grund des heutigen Wissensstandes ist über die Ursache der idiopathischen Epilepsie der Katze noch wenig bekannt. Man weiss, dass nicht nur Rassekatzen betroffen sein können und sich die Krankheit meist im Alter von ein bis sechs Jahren äussert. Auch sind beide Geschlechter gleichermassen betroffen. Der Nachweis, ob Epilepsie auch bei Katzen vererbt wird, ist bisher noch ausstehend.
Ein integraler Bestandteil der Diagnose ist der langfristige Erfolg auf anfallshemmende Medikamente. Die Behandlung ist rein symptomatisch (das heisst, die Anfälle werden bloss unterdrückt und nicht deren Ursache geheilt). Sie besteht aus der Gabe von Tabletten, in der Regel in Intervallen von zwölf Stunden. Bei idiopathischer Epilepsie darf grundsätzlich von einem guten Behandlungserfolg ausgegangen werden, wohingegen die anderen erwähnten Anfallsursachen im besten Fall anfänglich auf die Therapie ansprechen werden, dann aber zusehends zusätzliche neurologische Probleme oder eine Resistenz gegen die Medikamente entwickeln.
Dieser Artikel ist erschienen im Katzenmagazin 5 / 2005
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35
Autor:
Dr. med. vet. Frank Steffen DECVN
OA, Neurologie/Neurochirurgie
Klinik für Kleintierchirurgie, Departement für Kleintiere
Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
Winterthurerstr. 260
8057 Zürich