Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/1934

| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Dreizehntes Buch
30. Der Wahnwitz der Manichäer.
Ich habe deine Wahrheit vernommen, o Herr, mein Gott, und süße Wonne aus ihr geschlürft; aber ich erfuhr auch, daß es Menschen gibt, denen deine guten Werke mißfallen. Sie behaupten nämlich, du habest [S. 373] vieles erschaffen m ü s s e n, wie z. B. das Himmelsgebäude und die Sternenwelt; diese seien nicht aus einer von dir erschaffenen Materie gebildet, sondern sie seien bereits anderswoher und von jemand anderem erschaffen worden, und du habest sie nur gesammelt, geordnet und verbunden, als du nach Besiegung deiner Feinde das Weltgebäude auftürmtest, auf daß sie, durch diesen Bau im Zaume gehalten, sich nicht wieder gegen dich empören könnten. Andere Dinge aber habest du gar nicht erschaffen, ja nicht einmal geordnet; hierzu gehöre z. B, alles Fleisch und alle, auch die kleinsten Tiere, sowie alles, was im Erdkreis wurzelt. Diese erzeuge und gestalte ein feindlicher Geist, ein anderes, nicht von dir erschaffenes, sondern mit dir im Kampfe liegendes Wesen, das in den unteren Teilen der Welt herrsche. Wahnsinnig sind die, die so reden, denn sie sehen deine Werke nicht in deinem Geiste, noch auch erkennen sie dich in ihnen.