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Damit eine Population längerfristig überlebensfähig ist, wird für sie ein „günstiger Erhaltungszustand“ gefordert. Unter Population versteht man gemäss IUCN die Summe aller Individuen einer Art, d.h., die weltweite Population. Experten diskutieren diesen Wert für Tierpopulationen kontrovers. Es kursieren verschiedenste Zahlen dazu, die zwischen rund 150 und 1000 liegen – die Zahl 1000 wird u.a. bei der IUCN genannt. Prinzipiell sind Werte, die auf Simulationen bzw. Modellen und theoretischen Annahmen basieren höher, als solche, die sich auf Beobachtungen wildlebender Populationen stützen. Die von der IUCN verwendete Zahl kommt von einer Simulation. Ob die Annahmen bzw. verwendeten Parameter für diese Berechnung realistisch und die Zahl 1000 zutreffend ist, ist angesichts der Beispiele von wildlebenden Populationen zu bezweifeln.
Wölfe sind keine empfindliche Art, die auf ganz spezielle Umweltbedingungen angewiesen sind. Vielmehr erweisen sie sich als äusserst anpassungsfähige, robuste Kulturfolger und Opportunisten, die sich in der Kulturlandschaft bei fehlender Regulierung rasant vermehren. Sie können bis zu 1000 Kilometer weit wandern, und sich so über sehr weite Distanzen genetisch austauschen. Experten bestätigen, dass es keinerlei Belege gibt, dass die genetische Vielfalt wilder Wölfe jemals – d.h., auch nicht in den den vergangenen 200 Jahren – bedroht war (Mech&Boitani, 2003).
Wildlebende Wölfe, Beispiel 1: Die Wölfe auf der Isle Royale
Die Insel Isle Royale liegt rund 25 km vom kanadischen Festland entfernt, in einem der grossen Seen Nordamerikas. Auf die 55’000 Hektaren grosse Insel wanderte 1949 ein Wolfspaar ein, als der See dazumal zugefroren war. Trotz der Isolation haben diese Wölfe bis heute überlebt (siehe Abbildung unten). Sie ernähren sich vorwiegend von Elchen. Haustiere gibt es dort nicht, da es ein Nationalpark ist.
Abbildung 3: Entwicklung der Anzahl Wölfe auf der Isle Royale bis 2019. Ab 1980 mit Entwicklung der Elche. Quellen: Heurich 1996 und National Park Service Isle Royale.
Wie das Inselbeispiel zeigt, ist auch eine minimale Teilpopulation über 75 Jahre lang überlebensfähig, obwohl sie nur von einem einzigen Weibchen abstammt und in einer Wildnis lebt – man denke an die Arche Noah 😉 Die Parkverantwortlichen setzten 2018 übrigens vier neue Wölfe aus, um die Inselpopulation aufzufrischen und deren Überlebenschancen zu verbessern. Soviel zum Thema Natur. Die Raubtierfans spielen überall Gott und mischen sich ein, obwohl sie dazu keine Berechtigung haben.
Wildlebende Wölfe, Beispiel 2: Wölfe in Italien
In den 70iger Jahren lebten in den Abruzzen noch rund 100 Wölfe, die vermutlich seit etwa 150 Jahren weitgehend isoliert waren. Nachdem mit der Berner Konvention ein strenger Wolfsschutz installiert war, erholte sich diese Teilpopulation auf mehr als 2000 Tiere. Boitani ortet bei einer Populationsgrösse von 100 Tieren keine Probleme, und lobt sogar die Überlebensfähigkeit der itaIienischen Wölfe (Mech&Boitani 2003).
Wildlebende Vögel, Beispiel 3: Studie mit Vögeln
Briskie und Macintosh fanden bei Vögeln, dass diese mindestens 150 Individuen umfassen sollten, um ohne Austausch mit anderen Populationen einen überlebensfähigen Bestand erhalten zu können (Briskie & Macintosh, 2004).
Fazit
Wie gross muss nun die europäische Grauwolfpopulation sein, damit ihr Erhalt gesichert ist? Diese Frage kann nicht abschliessend beantwortet werden. Es gibt aber reale Beispiele, die zeigen, dass Wildtierpopulationen mit 100-150 Individuen langfristig überlebensfähig sind, auch solche, die mit nur zwei begonnen haben. Daraus folgt, dass die von der IUCN geforderten 1000 Wölfe für ganz Europa mehr als ausreichend sind, um die Art zu erhalten.
Die Fakten sprechen für sich: Die europäischen Grauwölfe – und damit ihre Art – waren nie vom Aussterben bedroht. Sie haben über 200 Jahre ohne Berner Konvention und ohne Wolfslobby auf unserem Kontinent überlebt. Und das bestens, auch ohne sich in den bisher wolfsfreien Gebieten zu vermehren. Allein im europäischen Teil Russlands gab es 1978 laut Stubbe etwa 25’000 Wölfe. Grauwölfe überleben in den Weiten des Ostens womöglich sogar die Menschheit.
Wölfe brauchen die Kulturlandschaft Mitteleuropas
nicht als zusätzliches Vermehrungsgebiet.
Das schreibt die Berner Konvention auch nicht vor.
Referenzen
Briskie, J., Mackintosh, M., (2004), Hatching failure increases with severity of population bottlenecks in birds, Proc Natl Acad Sci 101(2).
Heurich, M., (1996), Räuber Beute Forschung auf der Isle Royale, AFZ Der Wald 19
Mech, L., Boitani, L., (2003), Wolves, The University of Chicago Press.