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Dies ist der jüngste Nationalpark von Minas Gerais, wurde am 22. September 1999 gegründet und liegt, nicht weit vom „Grande Sertão Veredas“, am äussersten nördlichen Ende des Bundesstaates, dicht an der Grenze zu Bahia – rund 700 km von Belo Horizonte entfernt. In der Begründung für die Einrichtung des Parks heisst es: „Zum Schutz des geologischen und archäologischen Erbes, der repräsentativen Beispiele des Cerrado, des lokalen Waldes und der weiteren existenten natürlichen Vegetationsformen, der regionalen Fauna, der Landschaften, der hydrografischen Ressourcen und aller anderen biotischen und abiotischen Attribute der Region“.
Der Park steht unter der administrativen Verantwortung der IBAMA (brasilianische Umweltschutz-Behörde), die mit seiner Implantierung beauftragt ist und dafür einen Betriebs-Plan erarbeitet. Diese Dinge sind noch im Fluss, sodass der Park noch nicht für den allgemeinen Publikumsverkehr geöffnet ist. Man kann jedoch eine Sondergenehmigung über den IBAMA-Posten in „Januaria“ einholen.
Eine Fläche von 56.800 Hektar, auf einem ehemaligen Fazenda-Gelände, im Distrikt von „Januária“, wurde für diesen Park vermessen – das Gelände beginnt am linken Ufer des Rio São Francisco, rund 50 km nördlich des Ortes „Januária“. Das Tal des Peruaçu befindet sich am Unterlauf des gleichnamigen Flusses Rio Peruaçu, einem linken Nebenfluss des São Francisco. Die imponente Morphologie dieses Tals – ober- und unterirdisch, machen es zu einem nationalen Phänomen.
Klima
Tropisch und halbtrocken, mit Temperaturen zwischen (minimal) 16º Celsius und (maximal) 34º Celsius – mittlerer Jahreswert 24º Celsius. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 876 mm – Variationen zwischen 450 mm und 1.400 mm sind möglich. Die trockene Periode reicht von Mai bis September, die regnerische Periode liegt zwischen Oktober und April. Dezember ist der Monat mit den stärksten Niederschlägen.
Vegetation
Als eine Übergangsregion präsentiert der Park drei unterschiedliche Wald-Formationen:
1. Die mit einem immergrünen Baumbestand (perenifólia), repräsentiert durch die Galeriewälder am Ufer des Rio Peruaçu und auf feuchteren Stellen
2. Die mit einem Baumbestand ohne Blätter (subcaducifólia) bekannt unter dem Namen „Mata Seca“ (trockener Wald), durchsetzt von Elementen der Caatinga und des Cerrado
3. Die mit einem Blätter abwerfenden Baumbestand (caducifólia), charakteristisch für das Tal des Rio São Francisco. Auf den stark kalkhaltigen Terrains oder steinigen Böden herrscht die Caatinga vor.
Archäologische Fundstätten, Fossilien und Höhlenmalereien, die eine menschliche Besetzung dieser Region von vor 11.000 Jahren beweisen, sind in diesem Gebiet entdeckt worden. Wir haben Wege durch den Cerrado erwandert, über die man an Felszeichnungen von unglaublicher Klarheit und Anmut vorbeikommt. Und wenn man sich eine Weile mit den überraschend aussagekräftigen Figuren beschäftigt, begreift man plötzlich die ganze Bedeutung dieser Entdeckung und die zwingende Notwendigkeit, diese Mitteilungen aus der historischen Vergangenheit zu schützen.
Der Rio Peruaçu ist einer der wenigen Flüsse der Region, dessen Quellen sich auf einem Hochplateau befinden, und der durch seinen bevorzugten Kurs zahlreiche Wasserläufe aus Bergregionen aufnimmt, sodass er nie austrocknet, obwohl er zwischendurch auch trockene Areale und flache Täler durchquert. An einem Ort, der „Silú“ heisst, ändert sich ganz plötzlich sein bisher ruhiger und übersichtlicher Verlauf. Der Fluss verschwindet in einem Canyon, dessen steile Felswände bis 100 m rechts und links aufragen und in ihrem weiteren Verlauf noch als Galerien zusammenhalten, welche der Formation des Canyons vorausgingen:
Die Höhlen
Man kann sie in zwei Gruppen einteilen: die hydrologisch aktiven Höhlen, deren Hauptkorridor vom Rio Peruaçu bewässert wird, und die trockenen Höhlen, die von ihrer Position her über dem Grundwasserspiegel liegen. Die von ihrer Beschaffenheit her bemerkenswerten Höhlen sind: „Lapa do Brejal, Sexta Água, Arco do André, Cascudo, Troncos“ und „Janelão“.
Die „Gruta do Janelão“ – die unbeschreibliche Imponenz dieser Höhle begreift man sofort in ihrem Eingang – eine Kulisse, wie gemacht für eine dieser postmodernen Monster-Legenden, deren Protagonisten sich durch Phantasielandschaften bewegen. Dieser Höhleneingang ist ein solches Phantasiegebilde, Formen und Farben erscheinen unwirklich – ein bisschen himmlisch, wegen den vielen Blautönen der lichteren und dunkleren Schatten. Die Spiegelung der Farben und Bögen im Wasser, in verblüffender Symmetrie und die absolute menschliche Stille vor diesem Wunder der Natur. In diese Stille hinein verirren sich die Stimmen der Vögel des Canyons, werden von den feuchten Wänden der Höhle als verstärktes Echo zurückgeworfen – man steht, staunt und weiss, dass man eine Art Traumgebilde entdeckt hat, dass einen nie mehr loslassen wird. Irgendwo fällt ein Wassertropfen von einer Felsendecke – deutlich ist sein Aufplumpsen auf einer Wasseroberfläche zu vernehmen, zigfach verstärkt durch eine natürliche Akustik.
Die Höhle wird vom Rio Peruaçu durchflossen, einem der linksseitigen Nebenflüsse des Rio São Francisco. Die Hauptgalerie hat eine Ausdehnung von 3.000 Metern, mit einer durchschnittlichen Breite zwischen 30 m und 40 m und einer Höhe von 70 m. Das sind Dimensionen, die den Menschen auf die Grösse eines Insekts schrumpfen lassen! Bis zu ihrer halben Länge ist die Höhle natürlich beleuchtet – das heisst, in eine Art blaues Dämmerlicht getaucht – durch drei Felsspalten, die gerade soviel Licht einfallen lassen, dass sich sogar direkt unter ihnen, ein Vegetationsteppich von Pflanzen gebildet hat, die mit wenig Licht auskommen.
Am „Buraco dos Macacos“ (dem Affenloch), so heisst die dritte und letzte Licht einlassende Felsspalte, treibt die Natur die schon beschriebene Szene – blaues Dämmerlicht von oben, dass in seinem Zentrum eine Vegetations-Idylle beleuchtet und sich seitlich in dunkler werdenden Blautönen in den Schatten der riesigen Felsenräume verliert. Mit den Menschen in dieser Kulisse wird die Szene zu einem phantastischen Theaterstück – man muss unbedingt dieses natürliche Licht erhalten, wenn man die Höhle für das Publikum öffnet – um Gottes Willen keinen künstlichen Lichtquellen!
Jetzt, im Schatten des sich anschliessenden Korridors, entdeckt man die ersten aussergewöhnlich geformten Stalaktiten, die vom Höhlengewölbe herabhängen. Unter ihnen auch ein aussergewöhnlich langes Gebilde, das die ersten Entdecker „Perna da Bailarina“ (Bein der Tänzerin) genannt haben – das Tanzbein wurde als der Welt grösster Stalaktit, mit einer Länge von 27,94 Metern registriert. Und dann geht es los: wir tauchen in eine Sammlung von phantastischen und skurrilen, von der Natur aus Wasser und Mineralien geformten Tropfstein-Gebilden ein, die man sicherlich vergeblich versuchen wird, zu beschreiben.
Untersuchungen der Höhlen von Peruaçu haben die prähistorische Existenz von Menschen bewiesen – 11 bis 12 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung. Seine in den Fels gegrabenen Zeichnungen und seine auf die Felswand mit einer rötlichen Farbsubstanz gemalten Motive, verschiedene Objekte und sogar Bestattungsurnen, die man innerhalb des Höhlenkomplexes entdeckt hat, sprechen eine glaubwürdige Sprache. Viele dieser Funde können im „Museu do Homem Americano“, in der Hauptstadt Belo Horizonte, angesehen werden.
Noch einmal soll hier betont werden, dass der Höhlenkomplex von Peruaçu noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist – und es besteht noch keinerlei Infrastruktur im Parkgelände.
Es kann jedoch von der IBAMA in „Januária“ eine Sondererlaubnis eingeholt werden. Für viele Abenteurer ist das Gebiet gerade jetzt besonders interessant – vor der allgemeinen Integration in die Tourprogramme.
Januária
Die kleine Stadt liegt am linken Ufer des Rio São Francisco, im Norden von Minas Gerais, 603 km von der Hauptstadt Belo Horizonte, auf einer Höhe von 554 Metern – mit 63.458 Einwohnern. An dieser Stelle mündet auch der Rio Peruaçu in den grossen São Francisco.
Temperaturen
Mittleres Maximum 31º C und mittleres Minimum 17,5º C – jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 950 mm. Gelegen im Tal des mittleren São Francisco – im Einzugsbereich des „Parque Nacional Cavernas do Peruaçu“ (55 km) – innerhalb einer Cerrado-Region.
Anfahrt
Von Belo Horizonte über die BR-040 bis zur Kreuzung mit der BR-135 – über „Montes Claros“ nach „Januária“ am Rio São Francisco – durchgehend asphaltiert. Von „Januária“ aus bis zum Eingang des Parks sind es weitere 55 km – alles asphaltiert!