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«Er wird ... Ninive zur Wüste machen, dürr wie eine Steppe, sodass sich mitten darin Herden lagern werden, Tiere aller Art in Scharen: Der Pelikan und die Trappe werden auf ihren Säulenknäufen übernachten» (Zephanja 2,13.14).
Pelikane sind riesige Wasservögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,60 Metern, einer Körperlänge von 1,80 Metern, und mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm zählen sie darüber hinaus zu den schwersten flugfähigen Tieren. Der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) gehört zu den grössten Arten dieser Gattung und lebt zwischen Südeuropa und Mittelafrika sowie in Indien. Einzelne Exemplare verirrten sich hin und wieder auch in unsere Breiten, wo sie den Leuten so seltsam erschienen, dass man sie Sackgans, Kropfgans oder sogar Un-Vogel nannte, was sich später in dem Artnamen «onocrotalus» niederschlug. Bereits seit dem Altertum legen riesige Schwärme auf ihrem Zug ins afrikanische Winterquartier einen «Tankstopp» in Israel ein.
menschen:scheu
Trotz seiner beeindruckenden Grösse ist der Pelikan völlig wehrlos und äusserst scheu. Bei der geringsten Störung gerät die ganze Kolonie in Panik, weswegen er möglichst abgelegene, verlassene Gegenden aufsucht. Sein Nistplatz, auf Sandbänken, See- oder Flussinseln, aber auch Steilfelsen oder alten Gemäuern, ist für Feinde schwer zugänglich.
Im vorangehenden Bibelvers wird die Verwüstung Ninives beschrieben, der ehemals blühenden und bedeutenden Hauptstadt des assyrischen Weltreichs. Nach der Zerstörung durch das babylonische Heer 612 v. Chr. wurde sie von ihren Bewohnern aufgegeben. Die fortschrittlichen Bewässerungsanlagen verfielen und die Umgebung der verlassenen Ruinenstadt am Ostufer des Tigris wurde zu einem ausgedehnten Sumpfgebiet – und damit zu einem Eldorado für Pelikane.
Später bedeckten Sandstürme die Trümmerlandschaft, wie es ebenfalls vorhergesagt war: «Du sollst verborgen sein» (Nahum 3,11) – womit auch die Tiere verschwanden, die dort zu Gast gewesen waren. Zurück blieb die Wüste. Als Alexander der Grosse drei Jahrhunderte später mit seiner Armee durch diese Gegend zog und sich nach Ninive erkundigte, konnte ihm keiner seiner Gelehrten sagen, wo sich die einst weltbeherrschende Metropole befunden hatte. Der gottlose Philosoph Voltaire spottete, dass es sich um einen biblischen Mythos handle. Doch dann wurde die Stadt 1842 von seinem Landsmann Paul-Émile Botta wiederentdeckt und die Aussagen der Bibel können seither auch durch die Archäologie nachvollzogen werden.
kau:salbe:griff
In dem griechischen Wort «pelekana», das in der Septuaginta verwendet wird, kann man den Pelikan gut heraushören. Sein hebräischer Name ka’at ist mit den Verben ko und kaja verwandt, was «ausspeien» bedeutet. Dieser Name wurde ihm wahrscheinlich deshalb verliehen, weil er seine Jungen füttert, indem er vorverdaute Nahrung, eine Art «Fischsuppe», für sie hervorwürgt.
Seinen deutschen Namen verdankt der Rosapelikan einem hauchzarten Rot-Farbton, der aus dem Sekret der Bürzeldrüse stammt, das er in stundenlanger Kleinarbeit gleichmässig mit dem Schnabel im weissen Gefieder verteilt. Dabei handelt es sich aber nicht nur um Kosmetik, sondern um eine lebenswichtige Schutzmassnahme. Ohne wasserabweisenden Ölfilm würden sich seine Federn sofort vollsaugen und ihn wie Blei in die Tiefe ziehen. Als Vogel ist er eben zuallererst zum Fliegen geschaffen und müsste ertrinken, wenn er sich nicht täglich sorgfältig auf die Berührung mit dem nassen Element vorbereiten würde.
Das erinnert daran, dass Christen ihrer wahren Bestimmung nach als «Himmelsbürger» (Philipper 3,20) «in der Welt, aber nicht von der Welt» sind (Johannes 17,11.14) und sich folglich in einem fremden Element befinden, vor dem sie sich gewissenhaft schützen müssen. Bemerkenswerterweise besteht dieser Schutz ebenfalls aus einer «Salbung», die eine feste Verbindung zu Jesus Christus schafft (2. Korinther 1,21), die Wahrheit von der Lüge unterscheidet (1. Johannes 2,20.27) und als wirkende Ursache erkennbar wird (Johannes 3,8; 1. Korinther 12,11): dem Heiligen Geist, der in ihnen wohnt.
fescher:kescher
Das auffälligste Merkmal des Pelikans ist sein erstaunlicher Schnabel, der mit einer Länge von knapp einem halben Meter der grösste in der gesamten Vogelwelt ist. Es handelt sich dabei um eine hochspezialisierte Vorrichtung für den Fischfang. Der Oberschnabel passt, wie ein Deckel, exakt auf den Unterschnabel, der durch den Kehlsack zu einem «Schöpfeimer» mit 13 Liter Fassungsvermögen aufgespannt werden kann. Er benutzt diese Konstruktion wie einen Kescher: Während er schnell vorwärts schwimmt, pflügt er mit dem Unterschnabel tief durchs Wasser, wobei der Kehlsack sich ganz entfaltet, schwenkt ihn dann plötzlich hoch, verschliesst ihn schnell mit dem Oberschnabel und presst das Wasser durch einen schmalen Spalt heraus. Zurück bleiben zappelnde Fische, die er durch seine extrem dehnbare Speiseröhre als Ganzes hinunterschluckt. Angler und Fischer haben ihn schon immer als unerwünschten Konkurrenten betrachtet und in alten Dokumenten wird er als «Wasservielfrass» und «Nimmersatt-Vogel» bezeichnet. Tatsächlich benötigt er eine Fangmenge von mehr als einem Kilogramm pro Tag, denn frischer Fisch ist seine einzige Nahrung.
Ein besonderes Erfolgsrezept ist die Zusammenarbeit in grossen Gruppen, wobei sie ganz verschiedene Jagdstrategien anwenden. Mal bilden sie einen Halbkreis und treiben die Fische in eine seichte Bucht, ein anderes Mal schwimmen sie im Kreis aufeinander zu und schöpfen die Beute aus der eingeengten Kreismitte, bei einem dritten Flottenmanöver schwimmen zwei Teams in gerader Linie aufeinander zu und treiben sich die panischen Fische durch heftiges Flügelklatschen gegenseitig in die offenen Fangsäcke.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 10/2018.