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Ungewöhnlich transparent informiert die israelische Luftwaffe, die ausser ihrem Chef Amikar Narkin und den Generalen keinen Piloten offen zeigt, über die Landung eines F-35I-Kampfjets auf der Testbasis Tel Nof bei Tel Aviv.
Israel entwickelt die F-35 selbst weiter
In Israel ist am 11. November 2020 der erste F-35-Kampfjet gelandet, der in seiner Funktion als Testflugzeug künftig nicht in den USA zu Hause ist. Das in Texas gefertigte Exemplar zählt zur Spezies F-35I Adir und dient Israels Luftwaffe, neue Fähigkeiten zu entwickeln, zu testen und zu trainieren.
Unter all den grauen Mäusen sticht dieser F-35I heraus wie ein bunter Vogel: Zwar trägt auch er das obligatorische Stealth-Grau als Grundfarbe zur Schau. Darüber aber prangen farbige Hoheitsabzeichen sowie am Heck blaue und orangene Streifen – das Erkennungszeichen des Flight Testing Center (FTC) der israelischen Luftwaffe.
Dazu ist der Adir, der auf dem Stützpunkt Tel Nof im Zentrum Israels einschwebte, übersät mit schwarz-weissen Flecken – das sind Kalibirerungen, wie sie bei Flugtests mit neuen Waffen zum Sammeln aerodynamischer Daten verwendet werden.
Damit ist auch klar, was das FTC in Zukunft mit der besonderen F-35I vor hat: Man möchte den Horizont des in Israel derzeit von zwei Staffeln eingesetzten Stealth Fighters erweitern – und die F-35 mit in Israel entwickelten Waffen und Systemen ausstatten.
Israel setzt derzeit 24 Adir ein – je zwölf in der 140. Staffel, bei den “Goldenen Adlern”, und in der 116. Staffel, bei den “Löwen des Südens”. Beide Staffeln sind in Nevatim im Negev stationiert, wo ein hoher Grad an Geheimhaltung herrscht. Im Sommer meldete die Luftwaffe die volle Einsatzbereitschaft der “Löwen des Südens” (die “Goldenen Adler” wurden schon früher zertifiziert). Ausgemustert wird dafür eine F-16I-Sufa-Staffel.
Das birgt gerade bei der F-35 jedoch besondere Herausforderungen: Denn auch wenn Israel nun über die einzige F-35 verfügt, die ausserhalb der USA als Testflugzeug genutzt wird, heißt das nicht, dass die Schutzmacht aus Nordamerika den israelischen Verbündeten vollen Einblick in Software und Systeme des Kampfjets gewährt. Das macht den Umgang mit der F-35I entsprechend herausfordernd.
Belastungstests, Flattertests und Abwurftests
Dennoch markiert die Ankunft der Maschine für das FTC eine neue Ära – und das nicht nur, weil sie das erste neue Test-Muster seit 14 Jahren ist. “Wir sind Zeugen eines historischen Ereignisses, dessen Ausmaß nicht unterschätzt werden darf”, so der Kommandant. Der Eintritt der F-35 in die Testflotte sei ein bedeutender Eckpfeiler für die weitere Entwicklung der “Adir” bei der Israeli Air Force (IAF).
Der Erprobungsträger werde “als Hauptbaustein für den Erwerb neuer Flugfähigkeiten fungieren” und die unabhängige Installation neuer Waffen ermöglichen. Diese würden künftig im Flug mittels zahlreicher Testreihen erprobt und zur Serienreife gebracht. Der FTC-Chef nannte “Belastungstests, Flattertests und Abwurftests” als zentrale Elemente.
Dabei sollen auch Mitarbeiter von Lockheed-Martin vor Ort helfen, die “andere Sprache”, die die F-35I spreche, verstehen zu lernen. “Die IAF weiss sehr genau, wie sie den Adir im Einsatz fliegen muss, aber bisher noch nicht, wie man sie als Testflugzeug betreibt”, so der namentlich nicht genannte Kommodore. (Flugrevue)