Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/560

Neue Bergfahrten in den Schweizeralpen 1910
Mont Blanc-Gruppe.
Aiguille Bouge de Rochefort ( 3096 m Barbey, ohne Namen auf dieser Karte ). 14. Juli. Messrs. W. A. Wills, JE. H. F. Bradby und C. Wilson erstiegen diesen Punkt über den Glacier de Kochefort und die Westflanke zu einem Col im Grate gerade nördlich des Gipfels, welcher von hier aus leicht gewonnen wurde. Sie hielten den Punkt für bisher unbestiegen, fanden aber auf der Spitze einen Steinmann. Es fand sich nichts vor, was darauf geführt hätte, von wem oder auf welcher Route die erste Besteigung gemacht worden ist, aber die vielen losen Steine in dem schwierigen Kamin, welcher zum Grate hinaufleitete, scheinen dafür zu sprechen, daß diese Route neu ist.
Mont de Jetoula ( 3345 m Barbey ). 19. Juli. Die nämlichen erstiegen diesen Gipfel über den Südgrat. Die Karten von drei Partien wurden auf der Spitze gefunden. In zwei Fällen wurde der Aufstieg als von Norden gemacht angegeben, während die dritte Partie die von ihr eingeschlagene Route nicht erwähnte. Doch wahrscheinlich war auch diese von der Hütte am Col du Géant über den Marbrées-Rücken gekommen. Es heißt, daß vor vielen Jahren eine Besteigung über den Südgrat von Emile Rey ausgeführt worden sei, aber es ist keine Beschreibung vorhanden.
Mont Rouge de Gruetta ( 3457 m Barbey, ohne Namen auf dieser Karte, westlich des Mont Gruetta ). 28. Juli. Die nämlichen mit Mr. J. H. Wicks machten die erste Ersteigung über den Glacier de Gruetta und den Südgrat. Die Besteigung erwies sich als lang und voll wechselnden Interesses. A.J. 1 ) Nr. 190, pag. 357.
Monts Rouges de Triolet, Südgipfel ( 3274 m Barbey ). 1. August 1909. Mr. H. O. Jones mit Laurent Croux erreichten von der Cabane de Triolet ausgehend die Felsen an der Südseite des breiten Couloirs zwischen den zwei Gipfeln in 20 Minuten. Diese Felsen wurden erstiegen, indem man sich allmählich nach Süden hielt, bis der südwestliche vom Gipfel sich absenkende Rücken erreicht war, welchen man dann bis zum Gipfel in zwei Stunden verfolgte. Nur eine Stelle, eine überhängende Spalte, bot einige Schwierigkeit. Da keine gangbare Route von diesem Punkte zum höhern Gipfel ausfindig gemacht werden konnte, wurde ein Abstieg zu einer Terrasse gemacht, welche rund um die Ostflanke des Gipfels lief, und diese verfolgt, bis ein neulich eingetretener Felssturz, welcher die Terrasse entzwei geschnitten hatte und das Weitergehen verbarrikadierte, die Partie zwang, abzusteigen, wobei sie in fünf Stunden von der Hütte den Glacier de Pré de Bar erreichte.
Nordgipfel ( 3311 m Barbey ). 24. August. Mr. H. O. Jones mit Miss Jones und Henri Brucherel, welche am 22. August nahe dem Gipfel durch einen plötzlichen Sturm zur Umkehr gezwungen worden waren, brachen von Courmayeur auf und erreichten das breite Couloir am Fuß der Gipfel um 8 Uhr morgens. Die Felsen auf der Südseite des Couloirs wurden erstiegen, dann das Couloir überschritten und die Felsen an dessen Nordseite nahe einer vom Wasser ausgefressenen Rinne erstiegen in 40 Minuten zu einer ausgesprochenen Lücke in dem vom höheren Gipfel herabkommenden Rücken. Die steilen Platten eines Nebenrückens leicht nördlich von dem Hauptrücken wurden nun 20 Minuten lang verfolgt, bis eine leichte Traverse von ungefähr 23 m nach Südosten zu einer ausgesprochenen, grauen, vom Wasser ausgefressenen Rinne. Diese und die schwierigen Platten an ihrer ( orographisch ) linken Seite wurden erstiegen, bis die Rinne durch eine kurze Traverse und einen leichten Abstieg wieder gewonnen werden konnte. Die Route wendete sich nun leicht nach rechts, bis der das Couloir dominierende Haupt-Südrücken erreicht war; diesem folgte man dann zum Gipfel, in 1 Stunde 20 Min. von der leichten Traverse an. Es fand sich dann, daß es möglich wäre, diesen Gipfel von dem niedrigeren, letztes Jahr erstiegenen Gipfel aus zu erreichen.
Der von dem Nordgipfel der Monts Rouges zu der Aiguille de Triolet führende Rücken wurde dann verfolgt über zwei kleinere Gipfel zu einem ausgesprochenen Couloir, welches zum Glacier de Triolet hinunterführt, und der Abstieg wurde gemacht durch dieses Couloir und über die Felsen an seiner rechten Seite auf das Geröll, von wo die Hütte in 3 Stunden vom Gipfel erreicht wurde.
Die Expedition ist interessant und die Kletterei schwieriger als die zu der Traversierung der Charmoz benötigte. A.J. Nr. 190, pag. 357 — 358.
Rocher du Mont Blanc ( 3873 m Barbey ). Traversierung des Rückens von Süden nach Norden.
Der Berg bildet einen langen, von Norden nach Süden laufenden Rücken, auf welchem fünf an Höhe wenig verschiedene Gipfel aufsitzen, welche hier von Süd nach Nord aufgezählt werden:
1. Südgipfel, erstiegen 27. Juni 1907 von Messrs. H. O. Jones, O. Eckenstein und A. E. Bellars ( A.J. Nr. 178, pag. 647, und S.A.C.J.. XLIII, pag. 336 ). Gipfel Nr. 2 und 3, erstiegen 27. Juli 1907 von Dr. C. Blodig und Mr. 0.
Eckenstein.
5. Nordgipfel, der höchste, erstiegen 12. Juli 1908 von Dr. C. Blodig und Mr. E. T. Compton ( D. & Ö.A.V. Z. 1909, XL, pag. 160 ) direkt vom obern Bassin des Glacier du Mont Blanc.
19. August. Mr. H. O. Jones mit Henri Brocherel und einem Träger stiegen von der Capanna Quintino Sella direkt zum Südfuß des Gipfels hinunter in 1 Stunde 20 Min. Die Felsen im Westen des Couloirs, welches in südlicher Richtung von dem Rücken zu dem Gletscher hinabsteigt, wurden erstiegen, bis der Gipfelrücken erreicht war; dieser wurde dann verfolgt bis zum Fuß des ersten Gipfels, der direkt ( die Route von 1907 rechts lassend ) in 30 Minuten vom Schnee aus erstiegen wurde. Der zweite Gipfel wurde in 20 Minuten und der dritte in 10 Minuten mehr erreicht. Die Nordflanke von Gipfel Nr. 3 ist sehr steil; für ungefähr 30 m wurde deswegen, obwohl die Griffe angemessen sind, von dem letzten Mann ein Reserveseil zum Abstieg verwendet. Der kleine Gipfel Nr. 4 wurde dann erstiegen und auf der nämlichen Route, auf seiner Westseite, wieder abgestiegen. Der Fuß des Nordgipfels, Nr. 5, wurde in 40 Minuten vom dritten Gipfel an erreicht. Die Felsen des Nordgipfels sind durchaus verschieden von denen, welche den Rest des Berges bilden; seine steilen grauen Platten wurden ungefähr 30 m weit erstiegen zum Rücken, dessen gebrochener Kamm bis zum Gipfel verfolgt wurde in 20 Minuten. Bei beginnender Besserung des Wetters wurde der Abstieg über die Felsen nördlich des vom Nordgipfel herabkommenden Couloirs und dann durch das Couloir selbst genommen in 25 Minuten zum Gletscher, von wo die Hütte in 30 Minuten und Courmayeur in 4 Stunden mehr gewonnen wurde. A.J. Nr. 190, pag. 358—359.
Aiguilles Bouges du Dolent ( 3551 m Barbey ). Erste Überschreitung und Besteigung über die Ostwand. 22. Juli. Herren M. Kurz und K. Steiner stiegen von Punkt 2859 des Glacier de la Neuvaz ( vgl. A.A.C.Z. XIV. Jahresbericht, pag. 37, und S.A.C.J.. XLV, pag. 298 ) über den von der Aiguille de l' Amône herabkommenden Steilgletscher so weit hinauf, bis er sich etwas verflacht. Dann über den steilen Gletscher empor zu den nordöstlichen Begrenzungsfelsen einer Schlucht, welche sie rechts oben bemerkt hatten. Eine kurze Kletterei führte auf eine Art Schulter über der untersten Wandstufe ( 1½ Stunden ). Von hier verfolgten sie eine steile Fels- und Schneerippe mit sehr losem Schnee bis auf die Höhe des Grenzkamms ( 4 Stunden, 8 Stunden vom Biwak im Neuvaztale, Rasten inbegriffen ). Wenige Schritte führten zum Südfuß des Grand Gendarme und auf die Abstiegsroute von E. Fontaine zum Glacier d' Argentière ( 2½ Stunden zum Gletscher, l½ Stunden mehr zum Pavillon de Lognan ).
Col und Pointe supérieure des Améthystes ( 3575 m Vallot ). 24. Juli. Die nämlichen. Von der Cabane d' Argentière über den Glacier des Améthystes zum Nordfuß des Passes und über einen kurzen Eishang zur Paßhöhe. Nun über einen scharfen Schneegrat in 20 Minuten auf die Pointe supérieure des Améthystes. Abstieg auf derselben Route zum Paß und über dessen Südflanke zum Glacier du Tour Noir hinab ( 1 Stunde ).
Pointe des Essetes ( 3152 m Barbey ). Erste Besteigung beider Gipfel. 25. Juli. Die nämlichen. Vom Biwak im Neuvaztale durch ein Schneecouloir zum Col inférieur des Essetes. Nun in leichter Kletterei über den Südostgrat, zu oberst nach rechts ausweichend, auf den einen Gipfel. Von hier Rutschpartie auf den Sattel zwischen beiden Spitzen und durch einen Kamin der Nordostseite auf den hübschen Turm des zweiten Gipfels. Zuletzt über den Col de Planereuse nach Saleinaz.
Aiguille de la Neuvaz ( 3756 m Barbey ) über die Nordflanke. 29. Juli. Die nämlichen. Von der Cabane de Saleinaz zum Nordfuß des Col du Tour Noir. Nun über die Felspartien, die sich links im steilen Firnhang befinden, und über diesen selbst empor bis unter den Vorgipfel der Aiguille de la Neuvaz, der den Col du Tour Noir östlich begrenzt. Zuerst über stark vereiste Felsen, später besser in ein Couloir, das östlich des Vorgipfels auf den Grenzkamm führt ( 1½ Stunden vom Einstieg ). Nun über den Kamm zum Hauptgipfel, wobei nur der letzte Gipfelturm der stark vereisten Platten wegen etwas unangenehm war ( 1 Stunde ).
Grande Luis, Abstieg über die Nordostflanke. 29. Juli. Die nämlichen. Der günstigen Schneeverhältnisse wegen konnte vom Gipfel direkt über die Nordostflanke abgestiegen werden, um weiter unten den Col de la Grande Luis zu gewinnen. Dies dürfte in normalen Sommern wegen Eisarbeit sehr zeitraubend sein.
Portalet, Begehung des Südostgrates. 30. Juli. Die nämlichen mit Fräulein A. Kurz. Vom Gipfel des Portalet verfolgt man den genannten Grat ohne Schwierigkeiten, bis es gelingt, über Schnee zum Glacier du Portalet abzusteigen. Von diesem gelangt man nach Überschreitung des Glacier d' Orny zur Cabane d' Orny.
Pointe des Six Niers ( 3021 m Barbey ), Abstieg in der Südwand. 2. August. Herr K. Steiner.
Von der Scharte zwischen dem obersten Gendarmen des Nordwestgrates und dem Gipfel durch eine Reihe von Couloirs und Kaminen hinab in das große Hauptcouloir zwischen der Aiguille des Essetes und dem Gipfel. Dieses wird durch eine Wandstufe unterbrochen, welche mittelst eines steilen Kamins fast in der Mitte überwunden wurde. Dann über Schnee hinab und nun immer dem linken Rande entlang über die unterste Wandstufe ins Neuvaztal hinab. A.A.C.Z. XV. Jahresbericht, pag. 29 — 30.
Traversierung vom Col du Géant zum Col des Grandes Jorasses über die Aiguille ( 4003 m Barbey ), den Dôme ( 4012 m Barbey ) und die Calotte de Rochefort ( 3972 m Barbey ). 13. August. S'Mario C. Santi und Sigismondi verließen morgens früh das Rifugio Torino, waren um 6 Uhr 45 Min. am Fuß der Dent du Géant und am Beginn des Grates, welcher zur Aiguille de Rochefort hinaufführt. Um 8 Uhr 15 Min. waren sie auf dem Vorgipfel derselben, stiegen von diesem durch Abseilen auf einen Gletscherhang hinunter, um einen unmöglich zu passierenden Steilabsturz zu umgehen, gewannen um 9 Uhr 40 Min. die Grathöhe wieder und um 10 Uhr 20 Min. die Aiguille de Rochefort. Von hier folgten sie kurze Zeit dem zum Mont Mallet führenden Grate, stiegen dann zu einem kleinen Gletscher ab, welcher die Aiguille nördlich begrenzt, überschritten diesen und erstiegen über den vereisten Fels- und Firngrat den Dôme de Rochefort, wo sie um 1 Uhr 10 Min. nachmittags ankamen. Von da nach Norden über einen ähnlichen Grat weiterkletternd, überstiegen sie um 3 Uhr 40 Min. einen kleinen Gendarmen im Grat und waren um 4 Uhr 20 Min. auf der Calotte de Rochefort. Der zerrissene Grat wurde über verschiedene Gen- darmen mit gelegentlichem Ausweichen in die seitlichen Wände und mit Abseilen an einer besonders kitzligen Stelle verfolgt, bis um 8 Uhr 10 Min. ein Biwak auf einem Felsband etwa 100 m oberhalb des Col des Grandes Jorasses b.ezogen wurde. Am 14., morgens 4 Uhr 45 Min., von da aufbrechend, erreichten sie den Col des Grandes Jorasses um 6 Uhr 30 Min., den Glacier de Planpansière um 11 Uhr 40 Min. und die Cabane des Grandes Jorasses 1¾ Stunden später. Riv. 1910, pag. 67—72.
Grand Clocher de Planereuse über den Nordgrat.? September. MM. E. R. Blanchet und A. Martin mit Félix Veillon. Alp. 1910, pag. 218.
Alpen des Chablais und Dent du Midi.
Cime de l' Est. Variante über die Südwand. V September. MM. E. li. Blanchet und A. Martin mit Félix Veillon. Alp. 1910, pag. 218.
Pointe de la Feniva vom Bas de Balavaux über den Nordgrat. 6. August 1909. Herr Oskar-Erich Meyer.
4 Uhr 50 Min. morgens ab Cabane de Barberine. 6 Uhr 50 Min. bis 7 Uhr 45 Min. Bas de Balavaux, der von dem großen Firnfeld unter dem Nordgrat der Feniva über treppenartig gestuften Fels und Rasenflecke erreicht wird. Ein kurzer breiter Firngrat leitet zu dem großen Abbruch des Nord(Nordnordwest)grates. Der untere Teil desselben wird in seiner linken ( östlichen ) Flanke über steilen, von Rasenbüscheln durchsetzten Fels ziemlich schwierig erklettert ( 8 Uhr 15 Min. ), der obere leichtere gestattet die Benützung der Gratkante. Um 8 Uhr 15 Min. bei der ersten Schneehaube.Von hier ab Gehterrain. Um 8 Uhr 50 Min. bei dem von W. Meylan ( E.d.A.. 1900, Nr. 2, pag. 40 ) errichteten Steinmann. Um 9 Uhr auf dem Gipfel.
NB. Nach Aussagen von Führern wurde der Nordnordwestgrat vorher nur einmal von drei Gemsjägern in seiner ganzen Länge begangen.
Tour ( Tête ) des Bosses über die Ostwand. 7. August 1909. Herren Oskar-Erich Meyer und Georg Zindler. Über eine steile vereiste Schneezunge unmittelbar nördlich eines aus der Ostwand des Berges gegen den Glacier des Rosses sich vorschiebenden breiten Felspfeilers in Stufen hinauf, bis ein gut gangbares Band die unterste Terrasse der Wand zu erreichen erlaubt. Der folgende Abbruch wird über gestuften Fels leicht erklettert. Hier setzt ein hoher seichter Kamin an, der ( zum Teil schwierig ) den Zugang zum dritten Schuttbande vermittelt. Nun über leichten Fels und zuletzt über Geröll gerade zum Gipfelsteinmann hinauf ( 5 Stunden von der Cabane de Barberine ). Gratübergang zur Pointe des Rosses ( 25 Minuten ) und Abstieg von dieser nach Osten.
Tour Sallière.Variante über den Nordgrat. 25. September 1909. Die nämlichen nahmen von dem Gipfel, welchen sie, von Salanfe ausgehend, über die Nordostrippe der Ostwand ( Grand Revers ) erstiegen hatten, um 4 Uhr nachmittags den Abstieg über den Nordgrat und die ( wahrscheinlich noch nicht begangene ) Nordwand des Dômewestgrates, ohne die Grande Pente ( siehe D.&Ö.A.V.M.. 1907, Nr. 6 ) zu berühren. Cuvette du Dôme 6 Uhr. Höhe des Dômewestgrates G Uhr 30 Min. Über die nicht schwierige ( eine Abseilstelle von 15 m ), aber sehr brüchige Wand etwas nach rechts hinab, bis ein steiles vereistes Couloir den weitern Abstieg zum Glacier du Mont Ruan suisse gestattete.Vierfache Randkluft. Stirnmoräne des Gletschers 11 Uhr. Ö.A.Z. 1910, pag. 109 — 111, und D. & Ö.A.V. Z. 1910, pag. 131—132.
Penninische Alpen.
Pizzo Bianco ( 3216 m It.K.., Valle Anzasca ). Abstieg über den Südwestgrat. 16. August 1909. Sr Cantillo Porinelli mit Christoforo und Battista Jachini.
Die Tour wurde wiederholt am 29. August 1909 von Sr Ferrari mit den nämlichen Führern, und am 29. Juni 1910 von Si Avvi Mario Castiglioni, Antonio Lanzavecchia und Giovanni Beggiori mit Christoforo Jachini und Clemens Imseng. Die letztern Touristen geben folgende Beschreibung:
„ Von der Spitze des Pizzo Bianco um 9½ Uhr morgens abgehend, längs der Gratkante des Südostkammes. Nach ungefähr 20 m in Kletterschuhen durch eine enge, von Gratblöcken gebildete Einne. Wenige Schritte später am doppelt genommenen Reserveseil, das durch einen am Felsen befestigten Seilring lief, einer nach dem andern, außerdem vom zweiten Führer am gewöhnlichen Seil gehalten, über eine zirka 17 m hohe Steilstufe mit Überhang auf eine kleine Fläche von zirka 2 m2 hinunter, wo ein kleiner Steinmann steht. Dann, wieder mit Hülfe des doppelten Reserveseils, über eine zweite beinahe senkrechte Stufe von zirka 25 m hinunter. Dann, immer am Seil, nach links über sichere Massen absteigend bald auf die Gratkante und direkt gegen die erste unter ihnen liegende Gratlücke zu. Diese erreichten sie über eine schräge Platte mit enger von oben bis unten laufender Ritze, in welche man die Finger zwängen konnte, hinuntersteigend. Schließlich brachte ein kleines Couloir mit sehr schlechtem Gestein zur Rechten sie auf das untenliegende, erst sehr steile, dann sehr gute Firnfeld. Um 2 Uhr nachmittags waren sie auf der Alpe Pedriolo und um 4½ Uhr in Macugnaga. Riv. 1910, pag. 247.
Von der Weißhornhütte zum Obern Bassin des Biesgletschers. 13. August. Messrs. C. F. Meade und L. W. Bolleston mit Pierre Blanc und Joseph Lochmatter verließen die Weißhornhütte um 4 Uhr 15 Min. morgens, in der Absicht, zu untersuchen, ob Besteigungen auf der Nordseite des Weißhorns von hier aus bequem gemacht werden könnten. Die Richtung war zuerst parallel der gewöhnlichen Route auf das Weißhorn und leitete sie über sanfte Schneehänge in schlechtem Zustand zu dem höheren und westlicheren von zwei Pässen. Diese Pässe leiten quer über den unteren Teil des Ostgrates des Weißhorns. Der höhere Paß wurde überschritten und über seinen nördlichen etwas verschrundeten Abhang abgestiegen, bis ein leichtes Couloir auf das Plateau des Biesgletschers oberhalb seines gewaltigen Eissturzes hinaufführte ( 2 Stunden 25 Min. Marschzeit von der Hütte ). Der Gipfel des Bieshorns wurde in einem Gewittersturm erreicht ( 5½ Stunden Marschzeit von der Hütte ). A.J. Nr. 190, pag. 359.
Matterhorn. Traversierung des oberen Teils der Tiefenmattenseite. 19. August. Miss M. T. Meyer mit Chr. Jossi, jun., und Gaspard Dévouassoud verließen die italienische Hütte um 6 Uhr morgens. Am Nordende des Tyndallgrates angelangt, sahen sie, daß die Verhältnisse sie wahrscheinlich verhindern würden, den Gipfel auf dem gewöhnlichen Wege zu erreichen. Deshalb gingen sie auf Jossis Rat noch etwa 90 m weiter und traversierten dann nahezu horizontal die Tiefenmattenseite zum Zmuttgrat, welcher an einem Punkt „ mehr denn eine Stunde vom Gipfel " erreicht wurde. Der Schnee in der Flanke war gut, aber Vorsicht war nötig und nur je einer bewegte sich auf einmal.
Diese Route ist eine Variante von Carrels „ Gallerie " und quert die Flanke tiefer unten. A.J. Nr. 190, pag. 360.
Zinal-Rothorn über die Südwestwand, mit Überschreitung des Rothorngabeljochs. 24. August. Messrs. G. W. Young und Marcus Heywood mit Joseph Knubel verließen das Hotel Zermatt um 1 Uhr 15 Min. morgens, erreichten die Spitze des Trifthorns über den Südgrat in 5¼ Stunden, traversierten mit Steigeisen den Eissturz und gingen rund um die Westflanke des Rothorns in der Tiefe, wobei sie einen Punkt am Bergschrund unterhalb der Gabel und annähernd mittenwegs zwischen dem Südgrat und der von Sir Martin Conway ( siehe A.J. IX, pag. 108, und Climbers'Guide to the Central Pennine Alps, pag. 103 ) erstiegenen Rippe in ¾ Stunden erreichten. Von hier stupften sie Stufen gerade aufwärts über die schneebedeckten Platten der Südwestflanke. Der Schnee war ausgezeichnet hart mit gelegentlichen Eisflächen; der hier und da durchbrechende glatte Granit ließ vermuten, daß diese Flanke ohne zuverlässige Schneebedeckung wenig Anziehendes haben würde. Einige Gefahr kam durch Eissplitter einer Partie, die oben von der Gabel über die vereiste „ Platte " in der Westflanke traversierte. Eine andere Schwierigkeit lag in der mißlichen Traverse schräg aufwärts über Platten und „ Eistaschen " einige hundert Fuß unterhalb des Rückens. Auf diesen trafen sie genau in der Gabel, in 2¼ Stunden vom Bergschrund. Indem sie einen Sack und die Steigeisen hier ließen, erstiegen sie unter erheblichen Schwierigkeiten wegen des massenhaften Neuschnees den Gipfel auf dem gewöhnlichen Wege ( 8¾ Stunden von Zermatt aus ). Der Abstieg nach Zermatt verlangte wegen des tiefen und lockeren Schnees 4¾ Stunden. A.J. Nr. 190, pag. 360—361.
Hohberghorn über die Nordostflanke. 29. Juli. Dr. O. K. Williamson mit Jean Maître und Heinrich Fux und Mr. H. Symons mit Franz Lochmatter verließen die Mischabelhütte um 5 Uhr 10 Min. morgens und erreichten das Windjoch um 6 Uhr 25 Min. Sie verließen dieses 10 Minuten später, traversierten Schneehänge in mehr oder weniger westlicher Richtung. Nach 5 Minuten Halt inmitten einiger Eisbrüche erreichten sie um 7 Uhr 35 Min. den Fuß der Nordostflanke des Gipfels unmittelbar unterhalb einiger Eisbrüche, welche hoch oben im südöstlichen Teil dieser Flanke hangen. Sie begannen den Anstieg in der Flanke um 7 Uhr 52 Min. Nachdem sie ohne Mühe den Bergschrund überschritten, bestiegen sie in gutem Schnee den Hang, welcher allmählich steiler wurde und an seinem steilsten Punkt in einem Winkel von vollen 50 ° lag. Nachdem sie direkt gegen den Eisbruch angestiegen waren, wendeten sie sich leicht nach rechts und hatten einige Stufen in das darunter liegende Eis zu hacken. Nach einem Halt an einem Punkte etwas oberhalb der Seraks, von 8 Uhr 52 Min. bis 9 Uhr 5 Min., gingen sie weiter geradeaus die Flanke hinauf, in einem nur unbedeutend weniger steilen Winkel als unten, und hatten wiederum für eine kurze Distanz Stufen in das unter dem Schnee liegende Eis zu hacken. Sie erreichten den Gipfel um 9 Uhr 28 Min. Indem sie ihn um 10 Uhr 7 Min. verließen, traversierten sie den Rücken zum Stecknadelhorn ( 10 Uhr 49 Min. ), von wo sie zu dem Col ( Ober-Stecknadeljoch ) zwischen diesem Gipfel und dem Nadelhorn abstiegen ( 11 Uhr vormittags ).
Ober-Stecknadeljoch. Abstieg auf der Nordostseite. 29. Juli. Die zwei eben genannten Partien traten um 11 Uhr 30 Min. ungefähr den Abstieg in dieser Richtung an. Der Hang wurde bald außerordentlich steil ( sehr guter Schnee ), so daß sie 30—60 m weit rückwärts abstiegen. Unterhalb des Bergschrundes traversierten sie die Schneehänge nach rechts und erreichten so den Nordostgrat des Nadelhorns um 12 Uhr 15 Min. nachmittags. Von hier stiegen sie auf das Windjoch hinab und gingen nach einem Halt von 5 Minuten weiter zur Mischabelhütte ( an 1 Uhr 35 Min. nachmittags ).
NB. Das Ober-Stecknadeljoch scheint zuerst von Westen erreicht worden zu sein im Jahre 1882 von Messrs. Ellerman und Passavant ( A.J. XI, 175; XIII, 413 ), aber die Nordosthänge scheinen vor der oben geschilderten Expedition nicht begangen worden zu sein. A.J. Nr. 190, pag. 361 — 362.
Stecknadelhorn1 ) über den Nordostgrat. 22. August. Dr. O. K. Williamson mit Jean Maître und Heinrich Fux verließen die Mischabelhütte um 5 Uhr 14 Min. morgens, erreichten das Windjoch ( unterwegs Halt von 5 Minuten ) um 6 Uhr 40 Min., gingen 5 Minuten später weiter über den Nordostgrat auf das Nadelhorn, auf welchem sie von 7 Uhr 8 Min. bis 7 Uhr 16 Min. verweilten. Dann wandten sie sich nach rechts vom Kamme ab und traversierten die Schneehänge im ganzen in westlicher Richtung. Sie passierten unterhalb des Bergschrundes und einiger Seraks und oberhalb eines großen überhängenden Seraks. Von hier querten sie horizontal einen sehr steilen Eishang, um den Nordostgrat des Stecknadelhorns zu erreichen. Sie stiegen diesen Grat hinauf. Er bestand zuerst und zumeist aus steilen und schwierigen Felsen. Dann folgten lose Felsen, guter Schnee, ein anderes steiles Gratstückchen mit scharfen aus dem Schnee durchstechenden Felsecken. Dann kam Schnee in einem leichteren Neigungswinkel, in welchem darunterliegendes Eis teilweise Hackarbeit verlangte, und schließlich leiteten leichte Felsen zum Gipfel, welcher um 9 Uhr 38 Min. erreicht wurde. Nach einer halben Stunde trieb fallender Schnee, gefolgt von einem Schnee- und Gewittersturm, die Partie hinunter zum Col zwischen Stecknadelhorn und Hohberghorn, von wo sie über das Festijoch nach Randa abstiegen. A.J. Nr. 190, pag. 362.
Wellenkuppe über die Nordostwand und den Ostgrat. 28. Juli. Herren Albin Bosssei und Richard Volkert stiegen vom Gabelhorngletscher auf den Ostgrat der Wellenkuppe unterhalb seines felsigen Aufschwungs und ein gutes Stück nach rechts auf den in der Nordostwand eingebetteten Hängegletscher. Unter auffallend schwarz gefärbten Felsen stiegen sie über ein Band nach links in die genannte Wand ein, traversierten nach rechts und kletterten über eine schwach ausgeprägte Rippe gerade empor auf das markante Eck im Ostgrate oberhalb seines Steilaufschwunges. Nun folgten sie diesem Grate, wobei sie später auf den gewöhnlichen Weg trafen, zum Gipfel ( 4 Stunden vom Einstieg in die Felsen ).
NB. Der Nordostgrat, über welchen der gewöhnliche Weg führt, endet unter der Gabel am Ostgrate.Persönliche Mitteilungen von Herrn Albin Rœssel.
Egginer über den Westgrat. 28. Juni. Herr D. v. Bethmann-Hollweg mit Oskar und Otmar Supersaxo verließen Saas-Fee um 4 Uhr morgens und verfolgten den Weg zum Kessjenjoch bis zum Ende der Moräne unter dem Egginer, von wo sie sich nach dem Grate wandten, der direkt von der Spitze des Egginer in westlicher Richtung sich hinunter zum Feegletscher zieht. Um 6 Uhr gelangten sie zu demselben. Nach zwei Stunden abwechslungsreicher Gratwanderung gelangten sie an den Gipfelaufbau. Nach einer halbstündigen Pause wurde derselbe in Angriff genommen. Nach einem Versuche direkt über die Kante zum Gipfel zu gelangen, der mißlang, weil das Gestein sehr brüchig und die Steilheit zu groß war, mußte in die südliche Flanke gestiegen werden, von wo sie durch einen teilweise vereisten Kamin nach schwerer Arbeit etwa 150 m höher wieder auf die Kante gelangten. Von hier erreichten sie über schwere und leichte Felsen über alle Kante um 12 Uhr 20 Min. den Gipfel des Egginer. Der Abstieg wurde über den Grat zum Mittaghorn genommen.
Laquinhorn über die Nordwestwand. 1. Juli. Die nämlichen verließen das Weißmieshotel um 5 Uhr 20 Min. morgens, gelangten um 9 Uhr auf das Fletsch- horn, das sie wieder um 9 Uhr 50 Min. verließen, um über den Nordgrat zum Laquinhorn zu gelangen. Da derselbe aber zuviel Wächten aufwies, fanden sie es für besser, den Aufstieg über die Nordwestwand zu versuchen. Um 10 Uhr 20 Min. überschritten sie direkt unter dem Gipfel des Laquinhorns den Bergschrund. Die nun folgende sehr steile Schneewand wurde dank dem guten Schnee leicht überwunden. Als aber in halber Höhe Felsen mit abschüssigen, steilen, vereisten Platten, die bis zum Gipfel sich terrassenförmig hinzogen, zum Vorscheine kamen, ging 's nur langsam und mühsam in sehr unangenehmer und schwieriger Kletterei vorwärts, bis sie um 1 Uhr den Gipfel erreichten. Der Abstieg erfolgte auf dem gewöhnlichen Wege.
Ulrichshorn über die Ostwand. 28. Juli. Herr Hubert Mengis mit Otmar und Heinrich Supersaxo brachen um 12 Uhr 15 Min. nachts von Saas-Fee auf und verfolgten den Weg zum Riedpaß. In den Felsen desselben angelangt, wandten sie sich links zwei Felsen zu, die sich vom Ulrichshorn herunterziehen. Nun stiegen sie über den nördlichen empor zur eigentlichen Gipfelwand. Nach gefährlicher Kletterei infolge sehr brüchigen Gesteins erreichten sie um 10 Uhr die Spitze, die sie um 10 Uhr verließen und auf dem gewöhnlichen Wege um 12 Uhr in Saas-Fee ankamen.
Sonnighorn über die Nordostflanke. 3. September. Oskar, Otmar, Gustav und Heinrich Supersaxo verließen Saas-Fee um 2 Uhr morgens und kamen um 6 Uhr zum Rotplattgletscher. Von da wandten sie sich nach der Flanke zwischen dem Nord- und dem Westgrat des Sonnighorns. Um 9 Uhr wurde der Bergschrund überschritten und um 9½ Uhr der Felsrücken, der sich vom Gipfel zum Gletscher herunterzieht, in Angriff genommen. Obgleich etwas südlich über Geröll der Weg ganz leicht war, zogen sie es vor, über sehr schöne Felsen in hochinteressanter Kletterei den Gipfel zu gewinnen. Ankunft um 12 Uhr mittags. Der Abstieg erfolgte über den Westgrat.
Zmuttgrat von der Matterhornhütte aus. 20. August 1908. Mr. Moore mit Ambros und Oskar Supersaxo verließen die Matterhornhütte bei Tagesanbruch, stiegen nach rechts den untern Matterhorngletscher ein Stück hinunter, dann durch ein steiles Eis- und Schneecouloir zum obern Matterhorngletscher empor, querten denselben und erreichten über die Eiswand, die viel Arbeit erforderte, etwas unterhalb Punkt 3902 Siegfr. den Zmuttgrat. Infolge der vorgerückten Zeit wurde auf den Gipfel des Matterhorns verzichtet und der Abstieg über die Südwestwand vollzogen. Persönliche Mitteilung von Führer Oskar Supersaxo ( Sektion Monte Rosa ).
Alpen der Saane und Simme.
Vollständige Traversierung von der Hinter- zur Vorder-Spillgerten. 31. Juli. Herren H. Zimmermann und B. Petermann. Alp. 1910, pag. 208.
NB. Über frühere teilweise Begehungen dieses Grates in Abschnitten siehe Alp. 1908, pag. 203—204, und 1909, pag. 203—204. Ebenso S.A.C.J.. XLV, pag. 312.
Berner Alpen.
Wildstrubel. Westgipfel ( 3251 m ) über den Nordwestgrat. 30. August 1909. Pfarrer Paul Baumgartner mit Jakob Beber. Alp. 1909, pag. 203.
NB. Es scheint nach seither erfolgter Auseinandersetzung mit Herrn P. Baumgartner, daß dieser Weg nicht oder nur zu einem kleinen Teil zusammenfällt mit der Route des Herrn R. Lindt von 1866 ( siehe Hochgebirgsführer durch die Berner Alpen, Bd. I, pag. 84 ) und daß ihm mindestens der Wert einer guten Variante, wahrscheinlich aber der einer neuen Route zukommt. Siehe unten pag. 310—311.
Hangendgletscherhorn über die Nordwand. 29. August. Herren Walter Baumgartner und Hans Schneider.
Mährenhorn, Abstieg über den Nordgrat. 19. September. Die nämlichen. Alp. 1910, pag. 201, und A.A.C.B. V. Jahresbericht, pag. 15 — 16.
Hahnenschritthorn über den Ostgrat. 23. August. Herren W. Baumgartner und Pfarrer Paul Baumgartner verließen den Dungelgletscher und kletterten längs den deutlich schräg nach abwärts geschichteten Felsbändern zum Fuß des scheinbar senkrechten Felsbollwerkes empor, das als abschüssige, aber mit guten Griffen versehene Plattenwand eine interessante Kletterei bot. Dann wurde der übrige Grat bis zum Gipfel begangen und der Abstieg über den Südgrat vollführt.
Botbrettgrat, Begehung im Abstieg. 14. August. Herren A. Mottet, Fr. Müller und O. Tschanz. Vom Jungfraugipfel über den Hochfirn und Silbergrat zur Silberlücke und zum Silberhorn hinauf, teilweise in der Flanke des sich zum Gipfel hinaufziehenden Firngrates, teilweise auf dem Grat. Dann über einen schmalen exponierten Felsgrat bis zu einem 8 m hohen Absturz ( Abseilstelle ). Von unten dem Überhang ( kleiner Steinmann ) nach links in die Rotbrettwand und, immer links traversierend, über schlechte Felsen und Wasserfälle hinunter zu den Strählplatten und auf die Alp Ober-Steinberg. Zeiten: Jungfraugipfel ab 6 Uhr 30 Min., Silberlücke 9 Uhr, Silberhorn 11 Uhr. Abseilstelle 3 Uhr, Strählplatten 8 Uhr. Die Verhältnisse waren sehr schlecht und nötigten zu einem Biwak auf den Strählplatten.
Gemsenspitze—Kleines Engelhorn—Mittelhorn— Ulrichspitze—Gertrudspitze— Vorderspitze ( Engelhörner ). 14. Juli. Herren A. Mottet, Fr. Müller, J. Streuli und Th. Björnstad. Leicht auf bekannter und mehrfach beschriebener Route zum Gemsensattel; von hier gegen die Urbachtalseite etwas ausholend über leichten, gutgestuften Fels zum Gipfel der Gemsenspitze ( II. Ersteigung, 20 Minuten vom Sattel ). Von der Gemsenspitze auf dem Grat zum Sattel zwischen Klein-Engelhorn und Gemsenspitze: leicht, aber exponiert und plattig. Von der Scharte in exponierter, sehr schwieriger Kletterei auf der Gratkante aufwärts; dann links gegen das Ochsental zirka 3 m lange, exponierte und schwierige Traverse; hierauf ein kurzes Stück direkt über den Grat aufwärts, dann nach rechts ( Urbachtalseite ) in einem kleinen unangenehmen Kamin aufwärts und leicht und bequem zum Gipfel des Kleinen Engelhorns, der aus einer schwach geneigten Platte besteht und keine Spur einer früheren Besteigung zeigte. ( Nach dem Rosenlaui Climbing book, pag. 45, und dem Hochgebirgsführer durch die Berner Alpen, Bd. III, pag. 180, wurden sowohl Gemsenspitze als Klein-Engelhorn am 7. September 1901 zum erstenmal erstiegen; nach Alp. 1911, pag. 24, will Führer K. Furrer mit Miss L. Bell das Kleine Engelhorn schon 1900 erstiegen haben. ) Nun Fortsetzung der Wanderung zum Sattel zwischen Klein-Engelhorn und Mittelspitze. Die Kletterei ist leicht bis zu einem 16 m hohen Absturze, der durch Abseilen auf einen schmalen Sattel überwunden wurde. Damit war die erste Traversierung des Klein-Engelhorns vollendet. Von dem Sattel leichter Aufstieg direkt über die Flanke der Mittelspitze bis unter die ziegelrot leuchtenden senkrechten Stellen. Dann traversierten sie kurz, aber exponiert auf der Ochsentalseite und fanden eine Stelle, welche sie bequem auf den Gipfel der Mittelspitze brachte. Der Abstieg gegen die Ulrichspitze war leicht, und um 1 Uhr 30 Min. nachmittags langten sie im Sattel an und hatten die erste Traversierung der Mittelspitze vollführt. Die Ulrichspitze wurde leicht überklettert und vom Sattel zwischen Ulrich-und Gertrudspitze durch den im Hochgebirgsführer durch die Berner Alpen, Bd. III, pag. 180, erwähnten Kamin und über glatte Platten die Gertrudspitze erreicht. Der Abstieg erfolgte genau auf dem Grat gegen den Sattel zwischen Gertrud- und Vorderspitze. Die Partie war genötigt, einen eisernen Stift einzutreiben und sich am Seil über einen 6 m hohen Absturz gleiten zu lassen. Wie sie nachher sahen, kann diese Stelle auf der rechten Seite ( im Sinne des Abstiegs ) umgangen werden. Die Kletterei ist nicht sehr schwer, verlangt aber große Vorsicht. Der Gang zur Vorderspitze ist leicht und auch der Abstieg zum Simelisattel bietet nur geringe Schwierigkeiten. Zeiten einschließlich Rasten: Kaltenbrunnensäge ab 3 Uhr morgens, Gemsensattel 9 Uhr, Gemsenspitze 9 Uhr 30 Min., KleinEngelhorn 11 Uhr 30 Min., Mittelspitze 1 Uhr nachmittags, Ulrichspitze 2 Uhr, Gertrudspitze 3 Uhr 30 Min., Vorderspitze 5 Uhr 30 Min., Simelisattel 6 Uhr 30 Min., Ochsensattel 8 Uhr, Rosenlaui 9 Uhr 15 Min. A.A.C.B., V. Jahresbericht, pag. 17 — 18.
Lepontische Alpen.
Pizzo Fizzo ( Ostgipfel ), 2760 m? It.K.. ( zwischen Binn und Deveroj. 15. Oktober. 8'Prof .Francesco Sale und Erminio Piantanida und Signa Dafne Bandinelli verließen morgens früh die Alpe Devero, überschritten den Crampiolo und machten sich über Geröll an das breite Couloir ( 7 Uhr 30 Min. ), welches ein wenig südlich von dem Abschlußdamm des Lago di Devero mündet und welches sich in die Ostwand des Pizzo hinaufzieht, indem es dieselbe nach links ( Südwesten ) traversiert. Sie folgten diesem Couloir bis zu dem Punkte, an welchem es von rechts ( im Sinne des Aufstiegs ) das enge und steile Couloir empfängt, das von der Scharte zwischen beiden Gipfeln herabkommt. Dieses benutzten sie zum Aufstieg ( 8 Uhr 30 Min. ), wobei sie nur in den obern Zweidrittel mit den Händen zuzugreifen brauchten, und erreichten ( 11 Uhr ) einen Punkt etwa 30 m entfernt von der Einkerbung, welche die Punta del Pizzo zweigipflig macht und unmittelbar unter der Wand, welche senkrecht von der Cima occidentale herunterkommt. Nach dem Mittagsmahl ließen sie um 12 Uhr 15 Min. nachmittags Rucksäcke und Pickelstöcke zurück, folgten einem breiten charakteristischen Bande in die Mitte der Südwand und stiegen unter Benützung der zahlreichen Spalten und guten Griffe, welche Platten von ausgezeichnetem Gestein darboten, von Band zu Band empor bis zu dem letzten, von welchem aus sie, sich zwischen die äußersten Bruchsteine schmiegend, in leichter Kletterei den aus einer schlanken, von Nord nach Süd gerichteten Felslamelle bestehenden Gipfel erreichten ( 1 Uhr nachmittags ). Um 2 Uhr 30 Min. verließen sie den inzwischen mit dem üblichen Steinmann geschmückten Gipfel wieder, waren um 3 Uhr 10 Min. wieder bei ihren Sachen auf dem Bande zurück, von welchem der Angriff ausgegangen war, und stiegen auf dem nämlichen Wege, wie im Aufstieg, nach Devero ab. Riv. 1911, pag. 54—55.
Punta Fornaletti ( 2830 m It.K.. ). 22. Mai 1909. Si Angelo und Romano Calegari und Antonio Balabio stiegen von Veglia hinauf zu den Caldaie. Nachdem sie über Firnfelder den Kamm erreicht hatten, welcher von der Punta delle Caldaie zu den Pizzi di Boccareccio streicht, verfolgten sie diesen Kamm bis an den Fuß eines mächtigen Turms, welcher sich als von der Nordseite zugänglich darstellte. Eine unterhaltende Kletterei brachte sie in ungefähr 1 Stunde über Wände, Bänder und Kamine auf die ganz kleine Spitze.Von einem Schneetreiben verjagt, stiegen sie über den Südhang zum gleichnamigen Passe ab.
Pizzo di Terra rossa ( 3247 m It.K .) auf neuem Wege. Si Angelo und Romano Calegari und Attilio Ghezzi mit Leone Storno begaben sich von der Alpe di Veglia an die Ausmündung des schneeigen Couloirs, welches im Nordwesten des Gipfels herunter- kommt, und erstiegen dasselbe, ein gutes Stück weit im sehr harten Schnee stufend; dann erreichten sie über die brüchigen und darum unsichern Felsen der Nordwand den Grat, welcher von der Forchetta d' Aurona heraufkommt. Indem sie der Kammhöhe folgten und gelegentlich auf der Schweizerseite den Wächten auswichen, erreichten sie in Kürze den Gipfel. Der Zustand des Berges war winterlich. Riv. 1910, pag. 89—90.
Tessiner Alpen.
Pizzo d' Oglie, 2602 m, und Pizzo della Fianca Vecchia, 2604 m ( Valle Maggia ). 21. Oktober 1909. Herren Jos. Kaufmann und Remo Patocchi. Alp. 1909, pag. 217.
Pizzo Pegro, 2420 m ( vgl. Tessinerführer II, pag. 16 ). 10. August 1909. Herren Dr. E. Amberg und D. Zellweger mit F. Guppi.
Von der Alp Spluga zur Bocchetta di Canova; dann ein Stück weit nach Westen auf einem sekundären Grat; nun links ( im Sinne des Anstiegs ) in ein flaches Couloir mit glatten Platten; durch dieses aufwärts auf ein Rasenband, und diesem in nördlicher Richtung folgend, in die obere weniger geneigte Partie der Ostwand. Ohne Schwierigkeit auf den Südwest-Vorgipfel, der vom Hauptgipfel durch eine Scharte getrennt ist. Von der Scharte auf schmalem Band über glatte Platten und über Geröll zum Gipfel, der ohne Steinmann war. Abstieg auf dem gleichen Wege.
Pizzo di Pioda, 2773 m Siegfr. 14. Juli. Herren Dr. JE. Amberg'und Aug. Saxer mit einem Träger.
Von Cimalmotto ( hinterstes Dorf der Valle di Campo ) über die Alphütten 1693 und 1847 der Alp Cravairola in 4 Stunden zur Sassa dei Croselli, 2554 m. Nun ohne Schwierigkeit über den Nordgrat in ¾ Stunden auf den Gipfel, der ohne Steinmann war. Abstieg ohne Schwierigkeit über den Südgrat in 25 Minuten zur Satta des Forno, 2677 m Siegfr. Von hier über Punkt 2158 und Stufa nach Cimalmotto zurück in 2½ Stunden.
NB. Die Quote 2773 für den Pizzo di Pioda ist jedenfalls falsch, denn das Visieren nach dem 2696 m hohen Pizzo del Forno ergab, daß der Pizzo di Pioda etwa 25 m niedriger ist. Auch die Quote des Sasso del Forno ist um etwa 100 m unrichtig.
Pizzo Lago Gelato, 2615 m ( vgl. Tessinerführer II, pag. 268 ). 19. Juli. Herren Dr. E. Amberg und Aug. Saxer mit einem Träger.
Von Cimalmotto durch die Alpe Sfille zum Passo del Lago Gelato ( 2392 m ) in 3¾ Stunden. Von hier Traverse über Platten, Geröll und Schnee in westlicher Richtung; wegen einer tiefen Schlucht Abstieg in südlicher Richtung etwa 200 m; sodann Traverse über Rasenhänge und schließlich Anstieg in nördlicher Richtung über Blockhalde zur Lücke südlich des Lago Gelato, 2466 m. Hinüber an den Fuß des Westgrates von Punkt 2615 ( 5/4 Stunden ). Anfangs über den aus großen Blöcken gebildeten Westgrat empor, dann über die mit Blöcken übersäete Südwand und schließlich durch einen kurzen, aber steilen Kamin auf den Gipfel, der ohne Steinmann war ( 20 Minuten ). Abstieg zum See auf dem gleichen Wege, dann auf Geißweg nach den Hütten 2112 von Fiesco und hinauf zum Passo della Forcola 2264 m ( l ¾ Stunden ). Über Punkte 2017 und 1617 der Collabiasca folgend nach Cimalmotto ( 1 ½ Stunden ). A. A. O. Z., XV. Jahresbericht, pag. 34 — 35.
Urner Alpen.
Kehlenalphorn, erste Ersteigung des Gipfelturms ( vgl. Urnerführer II, pag. 157, und Hochgebirgsführer durch die Berner Alpen IV, pag. 100 ).? Juni. Herren J. Munck und W. A. Keller erreichten von der Hornfellilücke aus, erst in die Süd-t'lanke ausbiegend und über Platten, kleine Kamine und Bändchen ansteigend, den Ostgrat zirka 100 m über der Lücke. Nach Überwindung eines roten, großen und steilen Turms, der hübsche Kletterei erforderte, verfolgten sie den weniger steilen Grat, eine Scharte überwindend, ohne Schwierigkeiten bis zum höchsten Punkte, der keine Zeichen früherer Besteigung aufwies. A.A.C.Z., XV. Jahresbericht, pag. 32.
Überschreitung des Galengrates vom Groß Furkahorn bis zum Galensattel ( vgl. S.A.C.J.. XLV, pag. 379—382 ). 30. September. Dr. Th. Montigel ging vom großen Furkahorn ( 2 Uhr 45 Min. ) in ¼ Stunde längs dem Grat zur ersten durch einen plumpen Gendarmen gekennzeichneten Lücke, in weiteren 10 Minuten zum Turm I. Hier stand schon ein kleiner Steinmann. Nun kam die erste Schwierigkeit, im Abstieg zu der zirka 20 m tiefer liegenden breiten Schulter. Von hier eine weitere Stufe hinunter zur zweiten Lücke ( 3 Uhr 25 Min. ) und steil hinan zu Turm II ( 3 Uhr 45 Min. ), der über die rechte Flanke in schöner, solider Kletterei ohne Schwierigkeiten zu erreichen ist. Weder unterwegs noch auf der Spitze Zeichen früherer Begehung. Nach Errichtung eines kleinen Steinmannes setzte Dr. Montigel, immer an die Platten und Türme des Grates sich haltend, den Abstieg zur dritten Lücke fort ( 4 Uhr 15 Min. ). Diese ist nach Westen ein sehr breiter Schneesattel, nach Osten steiles Couloir. Da Nebel einfiel, stieg Dr. Montigel über die Schnee- und Schuttfelder gegen den Ehonegletscher ab und kam um 5 Uhr 15 Min. abends im Fort Galenhütten an.
1. Oktober. Dr. Th. Montigel mit einem Unteroffizier der Fortwache verließ um 6 Uhr 30 Min. das Wachthaus und erreichte um 8 Uhr 15 Min. von Westen her die am Vortag betretene und schon 1908 vom Furkahorn her über den Grat erreichte dritte Lücke, um 8 Uhr 40 Min. den Turm III über bequemes solides Gestein. Kein Zeichen einer früheren Besteigung. Nach viertelstündiger Rast Abstieg zur vierten Lücke ( 9 Uhr ). Nach Osten und Westen sehr steil abfallend, kommt dieser Einschnitt als Übergang kaum in Betracht. Weiter auf Turm IV ( 9 Uhr 5 Min. ) und zur fünften Lücke ( 9 Uhr 10 Min. ), von beiden Seiten schwer begehbar, als Paß ebenfalls nicht in Frage kommend. Dann auf Turm V ( 9 Uhr 15 Min. ), eine verwegene Spitze, identisch mit Punkt 3116, und gleich daneben, durch einen engen Stemmkamin leicht zu erreichen, Turm VI ( 9 Uhr 30 Min. ). Weiter über vereiste Felsen in recht schwierigem Abstieg zur sechsten Lücke ( 10 Uhr 10 Min. ), nach Osten und Westen in sehr steilen, steinschlägigen Couloirs abfallend. Den Turm VII umgingen sie erst rechts und erstiegen ihn dann von Norden her ( 10 Uhr 30 Min. ). Es folgt nun eine längere, reich gezackte Senkung, die mit Turm VIII ( 11 Uhr 15 Min. ) übergeht in den Anstieg zum Gipfelaufbau ( 3191 m ). Die prächtige Pyramide von Turm IX wurde um 11 Uhr 30 Min. erreicht. Jetzt trennte nur noch eine in wilde Zacken gegliederte Mauer vom höchsten Turm. Da schon seit Turm V der Begleiter soweit möglich die Spitzen gemieden hatte, umgingen sie Turm X in der Westflanke und erreichten über einen vereisten Hang Turm XI um 12 Uhr 10 Min. nachmittags, und damit das Gipfelmassiv. Während der Mittagsrast erstieg Dr. Montigel allein die schon 1908 erreichte Gipfelplatte. Um 1 Uhr 40 Min. gingen sie wieder ab und unter Turm XII und XIII durch zur siebenten Lücke ( 2 Uhr 10 Min. ), die schon 1908 von Dr. Montigel mit A. Hitz im Nebel erreicht worden war. Sie fällt nach Osten als leichtes Schneecouloir zum Siedeingletscher ab, nach Westen steiler und steinschlägig in die öfters genannten Schutthänge. Nur ein Turm trennt sie von der letzten Lücke, die Dr. Montigel und W. Klingler 1909 im Abstieg vom Nordgipfel begingen. Die siebente Lücke entspricht ohne Zweifel der „ nördlichen Galengratlücke " und ist der leichteste Übergang vom Siedeingletscher zum Rhonegletscher. Von dieser 7. Lücke stiegen die beiden nach Osten zum Siedeingletscher ab und waren um 3 Uhr 30 Min. beim Furkahotel zurück.
NB. Lücke 1 zunächst beim Furkahorn ist auch von Osten her leicht zu erreichen und wohl als „ südliche Galengratlücke " anzusprechen. Auch Lücke 3 könnte bei günstigen Verhältnissen als Übergang dienen; die übrigen kommen nicht in Betracht.
2. Oktober. Dr. Montigel verließ allein das Wachthaus morgens um 6 Uhr 45 Min., und wandte sich über die Schuttfelder und Firnflecken des Westhanges zunächst gegen den Grat, der vom Nordgipfel westwärts abbiegt. Im Jahre 1908, von Süden gesehen, in unersteiglicher Wand steil abfallend, bot jetzt der Grat zwischen dem Nordgipfel und der nächsten Erhebung einen breiten bequemen Schneesattel. Um 9 Uhr 15 Min. war die höchste Erhebung des „ Westgrates " erreicht. Dieser fällt nach beiden Seiten sehr steil mauerartig ab und dürfte stellenweise große Schwierigkeiten bieten. Wieder auf dem Firn angelangt, nahm Dr. Montigel die nördlichste achte Lücke in Angriff. Sie fällt nach Westen sehr steil ab und bietet wegen ihres faulen Schiefergesteins keinen angenehmen Anstieg. Von der Lücke in sehr anstrengender Kletterei ( pulveriger Neuschnee auf den Felsen ) zum Turm XIV ( 11 Uhr ). Der Abstieg wurde gegen die siebente Lücke und weiter über den Siedeingletscher in der Richtung nach Andermatt genommen. A.A.C.B., V. Jahresbericht, pag. 18 — 22
Glarner Alpen.
Kalkschyen. Erste Besteigung des Südgipfels der Hintern Kalkschyen und Begehung des ganzen Grates. 16. und 17. August. Herren B. Lejeune und W. A. Keller verließen die Hüfihütte um 4 Uhr morgens und gelangten auf üblichem Wege über Gletscher, Bocktschingel und Klein-Ruchen um 8 Uhr 30 Min. auf den Nordgipfel der Hinteren Kalkschyen. An der Großen Scharte wurde bis 10 m über dem Grund abgeseilt und von da in hängender Stellung ein Seil über die jenseitige Gratkante geworfen; an diesem wurde ein zweites Seil durchziehbar befestigt und dasselbe vom Grund der Scharte aus bis auf die Höhe der Gratkante gezogen. Nachdem unter gegenseitiger Unterstützung so der Grat wieder gewonnen war, verfolgten sie diesen über mehrere Gratköpfe weg und erreichten bald den 30 m hohen Überhang des „ Affenkopfes ", über dessen Osthang abgeseilt wurde. Weiter südlich vordringend gelangten sie um 2 Uhr 15 Min. auf den Südgipfel der Hintern Kalkschyen. Um 2 Uhr 30 Min. nachmittags verließen sie diesen Gipfel, für den wegen seiner Beschaffenheit der Name Plattenhorn vorgeschlagen wird. Der Abstieg zur größten ( von Heller und Keller 1908 erstmals erreichten ) Scharte des Kalkschyengrates gestaltete sich recht schwierig; Abseilen war nur ausnahmsweise möglich. Die Scharte wurde um 7 Uhr abends erreicht. Beim Einbruch der Dämmerung wurden rasch Schyenhorn und Südgipfel der Mittleren Kalkschyen traversiert. 8½ Uhr bezogen sie, durch die Dunkelheit gezwungen, ein Biwak unter den nördlichen Gipfelfelsen des Nordgipfels der Vordern Kalkschyen. Den 17. August, um 7 Uhr morgens, setzten sie ihren Weg über den genannten Gipfel, der von Osten her erreicht wurde, fort und kamen in unangenehmes Terrain auf der Ostseite des zum Südgipfel der Vordem Kalkschyen führenden Grates. Abends 4 Uhr betraten sie nach 36stündiger Abwesenheit die Hüfihütte. A.A.C.Z., XV. Jahresbericht, pag. 32, und S.A.C.J.. XLVI, pag. 298 — 299.
Buchenfensterstock-Pucher, erste Traversierung.? August. Die nämlichen verfolgten vom Ruchenfensterstock aus, den sie auf dem Weg der Erstersteiger erreichten, den zum Teil messerscharfen Grat, einen Felskopf nach Norden umgehend.
Die tiefe Scharte vor dem beinahe ebenen Grat des Pucher wurde durch Abseilen erreicht. Über die Platten der abschüssigen Nordflanke wurde der Gipfelgrat des Pucher und damit dessen Gipfel erreicht ( 1½ Stunden vom Ruchenfensterstock ). Der Abstieg wurde auf dem Weg der Erstbesteiger ausgeführt. A.A.C.Z., XV. Jahresbericht, pag. 32—33.
Schyn über die Südwestwand. 29. Mai. Herren H. Hofer, B. Sarasin und E. Steiner gingen von der Oberalpstraße zum Fuß der Südwestwand des Schyn, dann durch das westliche tiefeingeschnittene Couloir, dessen Einstieg durch ein quer-laufendes Felsbändchen charakterisiert ist, empor. Weiter oben an senkrechten, meist gut gangbaren Platten auf den Westgrat hinauf, den man zirka 10 Minuten unter dem Gipfel erreicht ( 3 Stunden vom Einstieg ).
Alpgnoferlücke ( zirka 2730 m, direkt nordwestlich am Alpgnoferstock, von der Windgällenhütte zum Kuchenfirn ) von Süden und Überschreitung. 22. August. Herren K. Steiner und E. Trümpier gingen von der Hütte beim A der Worte „ Alpgnofer Platten " im Siegfr. unter einem Felskopf durch zum Anfang des Couloirs, an dessen oberem Ende ein Gletscher überhängt. Rechts davon führt eine rasendurchsetzte Felsrippe zum Grat hinauf. In ihrem obern Teil muß man diese der Steilheit wegen verlassen und über unangenehme Platten nach rechts in eine Nische ausweichen. Im Grunde derselben führt dann ein wegen seiner Brüchigkeit unangenehmer Riß auf die Rippe zurück, worauf nach wenigen Schritten der Verbindungsgrat Ruchen-Alpgnoferstock und mit ihm der Alpelifirn erreicht wird ( 1½ Stunden vom Einstieg ). A.A.C.Z., XV. Jahresbericht, pag. 33 — 34.
Mittler Selbsanft über die Westwand.? September. Herren B. Escher und W. A. Keller querten von der Fridolinshütte aus den Bifertenfirn und gelangten auf der üblichen Route zur Scheibenruns, welcher sie bis zirka 2300 m folgten. Dann bogen sie nördlich auf die begrenzende Grasrippe aus, die bis zu den Felsen führte. Etwas links ausbiegend, erkletterten sie ein Wändchen, das in einen ersten kleinen Erosionskessel führte; unter der oben abschließenden Wand querten sie links nördlich, gelangten über eine vorspringende Kanzel in einen zweiten größeren Kessel, den sie stufenhackend horizontal querten. Bei der erreichten Rippe wurde die überstehende, zirka 5 m hohe Felswand erklettert. Eine Traverse nach Norden brachte sie in einen dritten größten Kessel: dem breiten sehr abschüssigen Band, auf dem sie sich befanden, folgten sie auf zirka 250 m Länge; dann erstiegen sie einen 40 m hohen schweren Überhang über ein fußbreites Bändchen, eine senkrechte Stufe und einen eiserfüllten Kamin in Strümpfen. Das jetzt erreichte nächsthöhere Band verfolgten sie um mehrere Ecken, unter einem gefrorenen Wasserfall durch bis zu seinem nördlichen Ende, wo es bei einem markanten Turm, der schon vom Eingang in den Kessel her auffällt, jäh abbricht. Nach Passieren einer schmalen Leiste, in welcher sich das Band noch 5 m weit bis auf eine Ecke fortsetzt, standen sie am südwestlichen Rand des Hängegletschers, der vom Griesgletscher in die Westwand hinunterhängt, von unten aber nicht sichtbar ist. Ein Anstieg in nordöstlicher Richtung über den nicht allzu stark geneigten Firn brachte sie auf den Gipfel des Mittler Selbsanft ( 10 Stunden von der Hütte ).
Piz Urlaun über den Westgrat und die Nordwand. 30. September. Herren G Finch und W. A. Keller stiegen erst auf dem Weg zum Schauffelbergcouloir an, überwanden sodann den Bergschrund und erreichten hackend den verwächteten Grat zwischen Piz Urlaun und Bündner Tödi; der Schlußaufstieg vollzog sich teilweise über diesen Grat, teilweise über dessen Südflanke.Vom Gipfel aus verfolgten sie den schmalen, außerordentlich brüchigen Westgrat, in welchem ein Absatz durch Abseilen überwunden wurde.Von der Lücke zwischen Porphyr und Urlaun stiegen sie über eine zirka 150 m hohe, außerordentlich steile Schneewand zum Bifertenfirn ab. ( Fridolinshütte— Gipfel 7 Stunden, Gipfel—Hütte 4 Stunden. ) A.A.C.Z., XV. Jahresbericht, pag. 31.
Errgruppe.
Surettahorn. Variante: Abstieg über den nördlichen Surettagletscher nach dem Surettatal und der gleichnamigen Alp. 25. August. Herren A. Tobler und A. Ludwig gingen von der Höhe des Splügenpasses nach dem italienischen Surettagletscher und über den Ostgrat auf die Ostspitze ( Marmorgipfel, Punta Rossa ) und hinüber zum Hauptgipfel ( 3031 m, Rofnagneis, Punta Nera ). Zurück zum Marmorgipfel und östlich desselben hinab auf den nördlichen Surettagletscher, rechts ( östlich ) von dem aus demselben auftauchenden Felsriff. Der Gletscher wurde in seiner ganzen Länge überschritten in angenehmem Abstieg bei reichlichem Schnee oder mittelst Stehendabfahren. Vom Marmorgipfel bis zum Gletscherende ( 2100 m ) in 45 Minuten. Dann durch das arvenreiche, aber bis zur Alp hinaus sehr steinige Surettatal.
Persönliche Mitteilung von Herrn A. Ludwig.
Berninagruppe.
Punta Basica, Westgipfel ( zirka 3300 m ). Erste Besteigung und Traversierung über den West- und Südostgrat. 30. September. Herren R. Lejeune und K. Steiner. Vom Colle del Castello überklettert man zwei Felshöcker und verfolgt dann den messerartigen Grat bis zum Fuße des Gipfelturms, der durch eine tiefe enge Spalte mitten durchschnitten ist. In dieser findet man gerade Platz genug, sich emporzustemmen. Etwa im letzten Drittel steigt man links aus ihr hinaus und klettert auf die nördliche Hälfte des Turms. Ein großer Schritt über die Spalte führt auf die südliche Hälfte und ein durch dünne, senkrecht aufgerichtete Platten gebildeter Grat auf den eigentlichen Gipfel ( 2 Stunden vom Paß, 4 Stunden von- der Fornohütte ). Von hier nach Südosten immer auf dem Grat zu einem ersten Abbruch, über den man abseilt. Jetzt steht man auf einem gewaltigen Überhang und seilt sich von diesem ein gutes Stück in der Südwestwand ab, bis man auf einem plattigen Felsbändchen anlangt, welches unter dem Überhang auf den Grat führt. Das Bändchen wird aber abwärts verfolgt und erst weiter unten auf einem andern horizontal zum nächsten besonders spitzen Gendarmen auf den Grat zurück traversiert. Man umklettert ihn auf der Südseite, erklimmt hierauf den folgenden großen Gratturm, um sich wieder in eine Scharte abzuseilen. Nun folgt ein sehr flacher Gendarm, nach welchem die tiefste Scharte zwischen West- und Ostgipfel der Punta Rasica von neuem durch Abseilen gewonnen wird ( 2 Stunden vom Westgipfel ). Nun führt ein schmaler, ziemlich steiler Riß in der Nordwestwand hinab. Auf einem entgegengesetzt gerichteten Band angelangt, erreicht man rasch das obere Ende der letzten Wandstufe. Teils durch Klettern, weiter unten durch wiederholtes Abseilen überwindet man diese und erreicht einen steilen Firnhang ( 2½ Stunden ). Über diesen zum Bergschrund hinab, der ebenfalls durch Abseilen überwunden werden mußte ( 2½ Stunden ). Nun über den Fornogletscher zur Hütte zurück ( 1½ Stunden ).
Cima di Castello. Variante im Abstieg. 10. Oktober. Die nämlichen. Vom Gipfel ein kurzes Stück auf dem Nordgrat absteigend, kann man diesen nach Osten verlassen und in solidem Gestein auf das übliche Band in der Ostwand hinabklettern. Dieses führt dann um eine Rippe herum nach Norden in das Couloir, das gewöhnlich zum Aufstieg von der Fornoseite benützt wird.
Cima di Cantone über den Nordtvestgrat. 21. August. Herren A. Michel, A. Pfister und P. Schucan. Von der Albignahütte ( ab 5 Uhr 10 Min. vormittags ) in südöstlicher Richtung ansteigend um den Felssporn des Pizzo del palo herum, dann die Hänge horizontal querend auf den Cantonegletscher, der zirka bei der Kurve 2400 betreten wurde. Weiter südlich auf den Nordwestgrat der Cima di Cantone zu, über Moränen und ein kleines Gletscherchen bis in die Lücke direkt südöstlich der Punta d' Albigna ( 2825 m ). Von hier wurde der lange zerhackte Grat bis zum Gipfel verfolgt ( viel Arbeit und mehrmaliges Abseilen von den Grattürmen in die Scharten ). Vom ersten markanten Felskopf in der zweiten Hälfte des Grates senkt sich eine Felsrippe nördlich in den Cantonegletscher hinab, wo sie bei Kurve 2880 verläuft; über diesen Rücken oder bei entsprechendem Schnee über den östlich aufgelagerten steilen Firn kann der Grat vom Cantonegletscher aus leicht erreicht werden. Oberhalb dieses Gratkopfes folgen die schwierigsten Partien. Nach einer nur durch Abseilen zu erreichenden Scharte wird der Grat schalenartig schmal, beidseitig flankiert von senkrechten, völlig glatten Granitwänden, bis zur Vereinigung des Nordwestgrates mit einer von Westen her aufsteigenden kurzen Gratrippe. Nun über leichtere Felsen um zwei Zähne südlich herum und über den anschließenden Firngrat zum Gipfel. An 6 Uhr abends.
Punta d' Albigna. ( Mit diesem Namen wird ein im Siegfr. mit 2825 m kotierter Felsturm im Nordwestgrat der Cima di Cantone vor dessen jähem Abbruch zum Albignagletscher bezeichnet. ) 22. August. Herren J. Cottinetti und P. Schucan gingen von der Albignahütte auf gleichem Wege wie beim Anstieg zum Cantone-Nordwest-grat bis zirka 30 m unter der Lücke südöstlich der Punta. Hier Einstieg in die Wand direkt westlich; anfangs über gutgriffige, dann über sehr steile Felsen auf eine kleine vorspringende Schulter. Hier Einstieg in ein Couloir, welches die ganze Flanke des Berges bis zum Gipfel durchreißt, über eine glatte abschüssige Platte vermittelst Griffen in der Verschneidung rechts davon. Zu oberst in kurzem Quergang aus dem Couloir nach rechts hinaus und nun leicht zu den drei Gipfelzacken.. Abstieg auf demselben Wege. Zeiten: Hütte bis Gipfel 2½—3 Stunden. A.A.C.Z., XV. Jahresbericht, pag. 35 — 37.
Pizzo Trubinasca ( 2916 m, Siegfr. 2920 m It.K .) über den Ostgrat. 11. August 1909. Si Angelo und Romano Calegari und Antonio Balabio erreichten von der Capanna Badile über Geröll die Forcola Porcellizzo ( 2850 m ?), stiegen einen sehr steilen Firnabfluß auf dem Talhang der Val Codera hinunter, überschritten die Vedretta della Trubinasca und erstiegen über die sehr guten und an sichern Griffen reichen Felsen des Ostgrates den den Ghiacciajo di Bondasca dominierenden Gipfel ( 2 Stunden 45 Min. Marschzeit von der Capanna ).
Pizzo Gemello Occidentale ( 3246 m It.K.., Val Masino ) über die Westwand. 21. August 1909. Se Andrea Scarpellini mit Giacomo Morè brachen von dem „ accampamento della Sucai " morgens früh auf, wendeten sich lebhaften Schrittes gegen die Capanna Badile zu, bogen aber, bevor sie diese erreichten, nach rechts ( Osten ) ab, überschritten die mühsame Moräne und betraten die Vedretta dei Gemelli. Über guten Schnee und einen leichten Bergschrund waren sie rasch beim Einstieg in die Felsen. Anstatt nun dem Nordgrat länger zu folgen, längs welchem wenige Tage vorher die Dott. Scotti und Balabio die Besteigung vollführt hatten, bogen sie bald auf die anstoßende Wand ab und versuchten ( am Seil ), eine tiefe, 20—30 cm breite Spalte zu erreichen, welche etwa 15 m über ihnen sich gegen den Gipfel hinzog. Zu diesem Zwecke gingen sie zuerst seitwärts nach Süden auf einer Art von Geröllband und, wo dieses in der Wand auslief, über einen kleinen Treppenabsatz und einige Kletterstellen in die Spalte selbst. Diese führte direkt zum Vorgipfel, ver- langte aber wegen ihrer Schmalheit und Glätte turnerische Gewandtheit. Von dem Vorgipfel gelangt man leicht zum Hauptgipfel, indem man sich einige Meter unterhalb der Gratkante auf der Seite der Val Bondasca hält. Beim Abstieg machten sie eine Variante. Sie folgten zuerst dem Grat, bis ein Überhang sie nötigte, wieder in die Wand zu gehen. Einige Bänder, welche indessen nicht mit der im Aufstieg benutzten Spalte zusammenhingen, brachten sie leicht zum Angriffspunkt des Vormittags zurück. Um 8 Uhr abends waren sie wieder in dem 14 Stunden vorher verlassenen Lager. Riv. 1911, pag. 55— 56.
Pizzo Gemello Occidentale, 3246 m It.K.. ( Val Masino ) über den Nordgrat. 12. August 1909. Si Dott. Romano Balabio, Dott. Gaetano Scotti und Antonio Balabio. Von der Vedretta dei Gemelli erreicht man die Scharte im Norden des Gipfels selbst zwischen diesem und den Gendarmen. Von der Scharte biegt man über ein Band in die Westwand ein, betritt dann durch eine Rinne den Grat wenige Meter oberhalb der Scharte, folgt dem sehr scharfen Kamme des Grates längs einer Spalte, welche ihn fast ganz durchsetzt. Man kommt nur durch Arbeit der Hände aufwärts. Im letzten Teil passiert man eine Platte und erreicht über ein Band auf der Bondascaseite den Gipfel ( 4 Stunden von der Capanna Badile ).
Punta Masica über den Südostgrat und Iraversierung. 20. August 1909. Die nämlichen und Sr Mario De Benedetti nahmen, nachdem sie den Gletscher zwischen der Rasica und dem Torrone Occidentale hinaufgestiegen waren, das zum Colle Rasica führende Couloir in Angriff. In ⅔ Höhe gingen sie in eine ausgesprochene Rinne der schwer ersteigbaren Wand der Rasica über. Auf der Höhe derselben folgten sie einem Band, dann durch eine Rinne aufsteigend trafen sie auf den Ostgrat bei dem großen Gendarmen, umgingen diesen, den man auch überklettern kann, auf der Schweizerseite und befanden sich am Fuß des Gipfelstockes, den man durch das gewohnte Seilmanöver erreicht. Abstieg auf der Route Castelnuovo. Zeiten: Von der Capanna an den Fuß des Gipfelstocks 7½ Stunden, von da auf den Gipfel 2 Stunden; Abstieg bis zur Capanna 5 Stunden.
Torrone Occidentale über die Südwestwand. 7. September 1909. Die nämlichen ( ohne Dr. Scotti ) stiegen den Gletscher zwischen der Rasica und dem Torrone Occidentale hinan und stiegen in das Couloir zum Colle Rasica ein, indem sie sich rechts hielten. Dann stiegen sie über schwierige, von großen Platten gebildete Felsen hinauf bis unter die senkrechte Wand des Seitensporns im Osten des Colle Rasica; hierauf drangen sie durch ein kleines Couloir und eine Längsspalte von 30 m in die Südwestwand des Torrone ein, stiegen diese hinauf, überwanden zwei ziemlich schwierige Stufen des nämlichen Couloirs; die letzte Stufe wurde überwunden, indem man in eine Höhle unterhalb derselben eindrang und durch ein Loch in der oberen Wölbung der Höhle oberhalb der Stufe hinausschlüpfte. Man folgt immer dem Couloir bis zu der Gabel an dessen oberem Ende. Schließlich erreicht man über den Grat, der keine schwierigen Stellen bietet, den Gipfel ( 9 Stunden 30 Min. von der Capanna Allievi ). Riv. 1910, pag. 214—215.
Punta Torelli, Traversierung und Punta Sant'Anna über den Südgrat. 11. August 1909. Si Dott. Montano Balabio und Dott. Gaetano Scotti erreichten die Punta Torelli auf dem gewöhnlichen Wege, stiegen vom Gipfel auf die gegen den Badile schauende Ostwand hinunter, umgingen den ersten Felssporn an seiner Basis vermittelst einer Längsspalte, längs deren sie sich hangelnd fortbewegten. Dann folgten sie dem sehr dünnen Kamm bis zu einem ersten Absatz und ließen sich von diesem am fixen Seil in der Ostwand hinunter auf ein Band ( 24 m mit zwei Überhängen ), welchem folgend sie wieder auf die Grathöhe gelangten. Sie folgten dieser, umgingen den zweiten Sporn, unter dem Überhang über eine Platte, welche sie querten. In dieser Weise gelangten sie auf die Westwand, umgingen dann über ein Band, durch ein Kaminchen und über einige schwierige Passagen die andern Sporne bis zum vorletzten: von diesem ließen sie sich hinunter ( 12 m vertikale Höhe ) in eine kleine Gabel und erreichten dann über einen leichten Grat den Gipfel. Zeiten: im Hinweg von der Punta Torelli 3 Stunden, im Rückweg auf der nämlichen Strecke 5 Stunden. Riv. 1910, pag. 192—193.
Punta Qualido K. Ferro Orientale Siegfr. ) über den Ostgrat. 4. August 1909. S'Dott .Romano Balabio, Antonio Balabio, Angelo und Romano Calegari gingen von der Capanna Allievi über den Passo del Averta, in die Val Qualido hinunter, diese wieder hinauf, unter den Kamm, welcher sie im Osten schließt, und über Geröll bis zu der Kleinen Vedretta del Qualido und erreichten den Colle Albigna im Norden dieses Gletschers; dann über die Kammschneide des Ostgrates in interessanter Kletterei zum Gipfel. ( 4 Stunden von der Capanna. ) Sie kehrten zurück über den Gletscher, welcher unter dem Gipfel liegt, und indem sie den Kamm überschritten, welcher Val del Ferro von Val Qualido trennt, betraten sie von neuem die Vedretta del Qualido und kehrten auf dem Anstiegsweg zur Hütte zurück.
Punta Francesco ( 3307 m It.K.., Ostgipfel des Piz Cengalo ) über den Südostgrat. 22. August 1909. Si Dott. Romano Balabio und Antonio Balabio begaben sich auf die Vedretta dei Gemelli; dann attackierten sie den Südostgrat, welcher eine interessante, wenngleich nicht schwierige Kletterei bot; Gefahr von Lawinen und Gwächten-bruch ( 2 Stunden vom Einstiegspunkt ). Riv. 1910, pag. 249—250.
Punta Occidentale della Musella ( 3094 m It.K.. ). 7. August. S'Dott .Alfredo Corti, Guido Temoni und Ing. Aldo Bonacossa traversierten diesen Gipfel, indem sie über die nicht leichten Felsen der Nordwestwand einen neuen Aufstieg fanden und über den Westgrat abstiegen. Riv. 1910, pag. 320, und A.V.S.B.., XV. Jahresbericht, pag. 95.
Cima di Caspoggio ( 3135 m It.K ., höchste Spitze der Musella ). 11. August. Si Dott. Alfredo Corti und Dott. Guido Vernoni traversierten den Gipfel und stiegen durch das schwierige nordwestliche Eiscouloir ab.
Piz d' Argient. Varianten. 14. August. Die nämlichen machten einen Versuch auf der neuen Route des Schnee- und Eiscouloirs, welches die Südwand schräg durchzieht bis zu dem großen Einschnitt des Südostgrates, traversierten in der Südostwand oberhalb des Gletschers des südlichen Abhangs der Forcola Zupo und vollzogen den ersten Abstieg über diesen Gletscher bis auf die Ebene der Vedretta di Fellaria.
17. August. Die nämlichen und Dott. Bruno Sala machten den ersten Anstieg über die Südostseite durch das südliche Zugangstal der Forcola Zupo, hierauf durch die Wand über schwierige Fels- und Firnkanten und Eis. Sie stiegen auf die Forcola Zupo hinunter, erstiegen noch den Piz Zupo und nahmen den Abstieg zum Passo Zupo. Riv. 1910, pag. 281.
Punta Torelli, 3182 m Siegfr. und It.K.. ( nach Strutt, pag. 44, wäre die Höhe nur 3132 m, nach Lurani 3137 m ) über die Südwand. 27. Juli 1909. Sr Carlo Carozzi mit Gildo Fioretti erreichten von der Capanna Badile in ungefähr einer Stunde die Bocchetta Torelli, wo sie die Säcke zurückließen und den Anstieg begannen. Nach einem bequemen Band von etwa 20 m fanden sie den Weg versperrt von einer sehr steilen, mit Schnee gefüllten Rinne. Um in diese einzutreten, war es nötig, einen Absatz von etwa 3 m zu überwinden, welcher bei hartem Schnee gefährlich werden könnte. Einmal in das Couloir eingetreten, stiegen sie dieses ein gutes Stück hinauf, bis sie ein sehr knappes Band erreichten, welches in der Richtung gegen den Gipfel lief. Der Anstieg ging mühsam über steile Platten und schmale Bänder bis unter die Gipfelwand, welche, obwohl beinahe senkrecht, wegen der vorzüglichen Griffe leicht zur Spitze erstiegen wurde. Nach einem kurzen Halt stiegen sie auf der gewohnten Route über den Südwestgrat zur Bocchetta ab. Riv. 1910, pag. 320—321.
Punta Francesco ( 3246 m It.K.., Nebengipfel der Pizzi Gemelli, Valle Bondasca ) über den Ostgrat. 19. August 1909. Sr Andrea Scarpellini mit Giacomo Moré nahmen, von der Capanna Badile ausgehend, den Kamm in Angriff, welcher von der Scharte zwischen der Punta Francesco und den Pizzi Gemelli ausgeht. Über Moräne, dann über den Gletscher gelangten sie an die Felsen, welche sich als überaus brüchig erwiesen. Sie gingen deshalb bald mehr nach Süden auf den Firn über, um den Grat höher oben wieder zu erreichen. Auch hier waren die Blöcke so unstet, daß sie, auf den Gebrauch des Seiles verzichtend, sich teilten, und der Träger mehr links in der Wand, Sr Scarpellini mehr rechts an den Grat sich haltend, getrennt vorrückten und erst höher oben, wo der Grat sicherer gangbar wurde, sich wieder vereinigten. Von hier über Platten von 10—15 m Höhe mit vorzüglichen Griffen erreichten sie in weniger als einer Stunde den von den Gebrüdern Balabio kurz vorher erbauten Steinmann. Rückweg der nämliche, meist auf der von dem Träger gewählten Route. Riv. 1910, pag. 384—385.
Monte Zocca über den Westgrat. 6. August. Si Dott. Romano Balabio und Antonio Balabio, Dott. Gaetano Scotti, Romano und Angelo Calegari begaben sich von der Capanna Allievi in der Val di Zocca in das Tälchen zwischen der Cima di Zocca und Val Qualido, stiegen längs der Basis der Südwand des Monte Zocca auf, erreichten das letzte Firnfeld und durch das dasselbe nährende Couloir den Westgrat bei einer Scharte ( welche sie Bocca di Zocca nennen ). Von hier folgten sie dem Westgrat in sehr interessanter Kletterei mit zwei besonders erwähnenswerten Stellen: einer Platte und einem zu überkletternden Turm. Vom Gipfel stiegen sie über die eisige Nordwand ab und kehrten über den Passo di Zocca zur Capanna Allievi zurück. Zeiten: von der Hütte zum Gipfel 6 Stunden 20 Min.; vom Gipfel zum Passo di Zocca über die Nordwand 2 Stunden.
Colle Alessandra ( 3100 m Tt. K. ) von Süden — Punta Melzi ( 3250 m K. Torrone Centrale ( 3299 m Siegfr. ) über den Westgrat. 8. August. Die nämlichen. Von der Capanna Allievi über den Passo Torrone im gleichnamigen Tal; dann dem Fuß des Südgrates des Torrone Occidentale folgend, hernach sich in der Mitte des Gletschers zwischen diesem Punkte und dem Torrone Centrale haltend, den Gletscher vollends hinauf in der Richtung gegen die große, viereckige, zu beiden Seiten von enormen Monolithen flankierte Einschartung im Kamm, welche den Colle bildet. Hinauf gelangt man durch ein kleines steiles Schneecouloir, dann durch einen nicht leichten und wegen loser Steine gefährlichen Kamin, zur Linken des Aufsteigenden. Vom Colle erreicht man über einen Eiskamm und einige Felsen den Vereinigungspunkt des Sporns, welcher die beiden Gletscher der Val Torrone trennt, mit dem Hauptkamm. Etwa 60 m nach Süden zu betritt man den höchsten Punkt des Sporns.
Diesen benannten die Erstersteiger zu Ehren des Geologen und Alpinisten Conte Gilberto Melzi. Er ist topographisch wichtig als Scheitelpunkt dreier Kämme und begrenzt von zwei gangbaren Pässen: Colle Alessandra und Colle Centrale.
Vom Vereinigungspunkt der drei Gräte stiegen sie durch einen Kamin auf den Colle Centrale hinunter und von da über leichte Felsen auf den Torrone Centrale hinauf. Zeiten: von der Capanna Allievi auf die Punta Melzi 6 Stunden 30 Min.; von dieser auf den Torrone Centrale 45 Minuten. Riv. 1911, pag. 15 —16.
Punta Mannelli ( 3186 m It.K .) über die Südwestwand. 26. August. Herren Aldo Bonacossa und Karl Prochownik. Von der Marinellihütte über Schutt und Schnee horizontal querend zum Fuß der Wand, die in teilweise interessanter Kletterei direkt zum Gipfel durchstiegen wurde.
Cime di Musella: Punta Biella ( 3079 m It.K .) über die Südwand. 6. August. Herr Aldo Bonacossa. Von der Bocchette delle Forbici über Schutthänge östlich querend, erreicht man bald das düstere steile Schneecouloir zwischen der Punta Biella und der unbenannten Spitze 3094, welches von drei Überhängen unterbrochen wird. Stufenschlagend oder zwischen Fels und Firn bis zu zwei Drittel seiner Höhe; die beiden ersten Überhänge werden in der Mitte durch kurze Rinnen schwer überwunden. Sodann auf breitem glattem Bande ( damals total vereist ) nach rechts ( östlich ) sehr ausgesetzt in die eigentliche Südwand, über die man ohne Schwierigkeit direkt zur Spitze gelangt ( 50 Minuten vom Einstieg; sehr rasch ).
La Sella ( 3587 m und 3566 m Siegfr. ) über die Südwand. 15. August. Herren Aldo Bonacossa und Karl Prochownik. Auf dem Wege zur Fuorcla Fex-Scerscen bis zum Fuße des großen Schneecouloirs, das von der Vedretta di Scerscen Inferiore sich bis zur Scharte zwischen den beiden Sellaspitzen hinaufzieht. Da die Begehung desselben wegen Steinschlages nicht ratsam ist, so vermeidet man den untern gefährlichsten Teil, indem man über einen doppelten Bergschrund in das nächst östlich liegende Couloir einsteigt, bis es nach 3 — 4 Seillängen möglich wird, durch eine schräge Spalte ( schwer und ausgesetzt ) die Rippe zu gewinnen, die das große Couloir links ( östlich ) begrenzt. Über die Rippe in angenehmer Kletterei rasch aufwärts, bis man allmählich in das Couloir gedrängt wird. Nun hart an dessen östlichem Rande über nicht ganz leichte Felsen an der Mündung eines kurzen Seitencouloirs vorbei ( von hier aus Versuch, die östliche Sellaspitze zu erklettern, der an überhängenden Wänden scheiterte ), dann stufentretend oder -schlagend, bis das Couloir ganz eng wird; links mächtige Eisüberhänge. Sehr schwer 6—7 m hinauf; nach einem leichten Stück folgt wieder ein schweres. Das Couloir wird dann weniger steil und leitet bald zur Scharte, von welcher aus die beiden Spitzen in 15 — 20 Minuten leicht zu erreichen sind ( 4—5 Stunden vom Fuße ).
Pizzo del Ferro occidentale ( 3293 m Lurani ). Traversierung mit Aufstieg über den Südgrat und Abstieg über die Ostkante. 17. August. Die nämlichen. Vom südwestlichen Ende des kleinen Gletschers südlich des Passo del Ferro leiten zwei steile, ganz enge Schneecouloirs zum Sttdgrat, von denen das rechte ( nördliche ) benutzt wird. Von der Scharte zuerst etwas in die Westflanke in angenehmer Kletterei; dann auf dem Grate selbst zu einem auffallenden Abbruch, der nicht ganz leicht erklettert wird. Sodann östlich, unterhalb des Grates traversierend, leicht zum Gipfel ( 2 Stunden ). Über die Ostkante leicht hinunter bis zu einem Abbruch; auf der Nordseite desselben wurden etwa 10—12 m ( zum Teil frei ) abgeseilt und über einen kurzen steilen Schneehang der oben genannte Gletscher erreichtStunde ). A.V.S.B.., XV. Jahresbericht, pag. 94—96.
Ofenpassgruppe.
Pis Nair von Norden und Überschreitung. 23. Juli 1909. Dr. Günther Di/hren-furth mit Serafln Gabi gingen von der Alp Sampuoir ein paar Schritte talaufwärts bis zu einer Brücke, über den Bach hinüber und auf der andern Talseite in nordöstlicher Richtung schräg aufwärts zum Beginne einer auf der Karte deutlich eingetragenen, sehr markanten Schlucht. Eine Steilwand am Beginne der Schlucht rechts umgehend ( Erdrinne, Knieholzgestrüpp ), steigt man in diesem Tälchen über Gras bequem hinauf zu dem großen Geröllfeld, das der Nordwand des Piz Nair angelagert ist. Die wild zerzackte Nordostkante des Berges links liegen lassend, benutzten sie eine flache, allmählich immer steiler werdende Schneerinne, die schräg rechts ( Südsüdwest ) durch die Nordwand hinaufzieht, und erreichten so, bereits hoch oben, eine Gratrippe nordwestlich des Gipfels. Auf dieser Gratrippe — durch eine unangenehme Traverse und ein schweres Wändchen nur kurze Zeit aufgehalten — zum nördlichen Vorgipfel und hinüber zum Hauptgipfel des Piz Nair. Abstieg über den Sttdgrat und durch das Plattaskar zurück in die Val Sampuoir.
Piz Murtèra über den Nordostgrat und Überschreitung. 4. September 1909. Herren Dr. Günther Dyhrenfurth und Dr. Albrecht Spitz stiegen von der Alp Tamangur dadaint nach Ostnordost über bequeme Grashänge hinauf und gingen unter den Wänden des Piz Murtèra entlang, bis sie oberhalb des Tälchens Valbella waren. Hier schwenkten sie nach Südosten ab und arbeiteten sich über einen steilen Schutthang mühsam empor; sich schließlich südlich wendend, erreichten sie, zuletzt über Schnee, die Scharte zwischen dem Murtèra- und dem Starlerkamm, die nur 60—70 m niedriger ist als der Gipfel des Piz Murtèra. Sein Nordostgrat, der nahezu horizontal verläuft, beginnt mit zwei mächtigen Türmen, von denen der erste ( unmittelbar über der Scharte und nur um 20—30 m hinter der Höhe des Hauptgipfels zurückbleibend ) durch eine kaminartige Rinne und über leichte Schrofen erstiegen wurde. Auf der andern Seite unschwierig hinab zur Scharte zwischen den beiden Türmen. Von hier aus unangenehme Eistraverse nach rechts ( Westendann in mittelschwerer Kletterei etwa in der Fallirne auf den zweiten Gratturm hinauf. Die obersten 10 m auf demselben Wege wieder zurück und ein paar Schritte nach links ( Südwest ) hinüber zu einer kleinen Scharte; von dort mäßig schwierig nach Süden hinunter auf ein kleines Band und auf diesem einige Schritte nach links. Mauerhaken und Rebschnurschlinge, Abseilen ( im ganzen etwa 15 m ). Auf einen ersten Überhang folgt ein schlechter Stand, dann ein zweiter gelbroter Überhang, darunter ein schmales Gesims; auf diesem nach links zu einem schräg nach rechts hinabziehenden Kamin. Durch diesen Kamin ( mit Benützung des Abseiltaues ) zu einer breiten Schutterrasse hinunter; hier nach links zur zweiten Rebschnurschlinge. Es folgt eine zweite, etwa 10 m hohe Abseilstelle, größtenteils frei durch die Luft, bis zu einem Schuttband, auf dem man ( nach links ) zur Scharte hinter dem zweiten Turm gelangt. Die nun folgenden Gratzacken wurden teils überklettert, teils auf Schuttbändern ( meist auf der Südwestseite ) umgangen; auch die Gipfelwand erstiegen sie in unschwerer Kletterei links von der Gratkante. Abstieg über den Südwestgrat ( mit einigen unbedeutenden Umgehungen ) bis zum Vorgipfel; von hier aus — meist über Schutt, zuletzt über Gras — zur Alp Tamangur dadaint.
Pizzo Aguzzo—Punkt 2703— Monte del Ferro ( 3033 m und 3050 m)—Cassa del Monte del Ferro ( 3137 m)—Punkt 2987—Punkt 3053—Punkt 2911. Überschreitung des gesamten Ferromassivs. 7. September 1909. Die nämlichen gingen von San Giacomo di Fraële durch die Valle Bisella bis zum zweiten See ( Sorgenti dell' Adda ), bogen hier von der bisherigen Richtung im rechten Winkel nach Norden ab und erreichten über steile Grashalden, zuletzt durch eine unangenehme Geröllrinne die Scharte unmittelbar westlich vom Pizzo Aguzzo. Das Gepäck in der Scharte zurücklassend, erkletterten sie den höchsten der drei Gipfelzacken ( Westgipfel des Pizzo Aguzzo ). Zur Scharte zurückgekehrt, begannen sie die Gratwanderung nach Westnordwest zum Monte del Ferro. Meist über Geröll, stellenweise über Schrofen, stiegen sie längere Zeit mühsam hinauf, bis sie durch wilde Zacken und einen Abbruch genötigt wurden, nach rechts durch eine unangenehme vereiste Schlucht ein Stück abzusteigen und eine Weile zu queren, bis sie den Grat jenseits der Zacken wieder gewinnen konnten. Nun wieder ganz leicht, meist über Geröll, hinauf auf einen zweiten Vorgipfel des Ferro ( etwa 2900 m, mit Steinmann ). Auf der andern Seite tief hinunter zu einer markanten Scharte ( Punkt 2703 It.K.. ?), und in langem ermüdendem Aufstieg über Schutt und leichte Felsen zum Südostgipfel des Monte del Ferro ( 3033 m It.K.., Steinmanndann wieder ein Stück hinunter und auf der linken ( westlichen ) Seite ausweichend auf den nördlichen Hauptgipfel ( 3050 m It.K..; keine Spuren früherer Besteigung ). Indem sie aus Zeitmangel darauf verzichteten, einen dritten Gratzacken oder Gipfel, der vor dem tiefen Sattel zwischen Monte del Ferro und Cassa del Monte del Ferro liegt, zu ersteigen, stiegen sie nach Nordosten in das von Cassa und Monte del Ferro umrahmte oberste Kar der Val Bruna ab, wo sie auf 2850 m Höhe ein Zeltlager aufschlugen.
9. September 1909. Die nämlichen mit Serafin Gabi querten die breite Geröllmulde, die von dem Sattel zwischen Cassa und Monte del Ferro herabzieht, und erreichten, sich ziemlich weit rechts ( östlich ) haltend, auf bequemen Schuttbändern den Kamm, der vom Südgipfel der Cassa del Monte del Ferro ( 3128 m It.K .) nach Osten hinabzieht. Indem sie auf die Besteigung des niedrigeren Südgipfels verzichteten, gingen sie durch das zwischen den beiden Gipfeln eingebettete, nach Osten sich öffnende kleine Kar zu dem Gratrücken hinüber, der vom Nordgipfel der Cassa nach Osten, sich stark senkend, zur Cima di Prà Grata verläuft. Hier wandten sie sich links ( westlich ) und stiegen, meist über Geröll, stellenweise in leichter Kletterei zum Nordgipfel ( 3137 m It.K ., großer Steinmann ) hinauf. Da der Gipfelgrat nach Norden zu senkrecht abbricht, holten sie zu einer größeren Umgehung aus: Zunächst ein Stück auf der Anstiegsroute über den Ostgrat zurück, dann ein paar Seillängen nach Norden steil hinunter und in langwierigen Traversen nach Westen über steile Schneeflecken und Eisrinnen ( Stufenarbeit und Steinschlagzum Hauptgrat des Ferromassivs dicht unter dem Nordabbruch der Cassa. Weiter über den Grat nach Norden zu ( Laufgrat mit eingeschobenen Kletterstellen ) über Punkt 2987 It.K.und mehrere andere nicht kotierte Graterhebungen hinüber und hinauf zu Punkt 3053, dem wichtigsten und höchsten Gratgipfel nördlich der Cassa. In brüchigem Gestein links unterhalb der sich nun stark senkenden Gratkante zu der tiefsten Scharte zwischen Punkt 3053 und Punkt 2911. Von hier aus auf dem Grat ohne ernstliche Schwierigkeit zu Punkt 2911, dem nördlichsten und letzten Gratgipfel des Ferromassivs. Über Geröll, Grashänge und durch steilen Wald hinab zum Ponte del Gallo, von wo sie auf dem Spölweg und der Ofenbergstraße zum Ofenberggasthaus „ II Fuorn " wanderten. Ö.A.Z. 1910, pag. 203 — 206.
Silvrettagruppe.
Stammerspitze ( oder Piz Tschütta ), über den Ostgrat auf den Hauptgipfel. 26. September. Herr E. Sigrist ging über die Schutthänge „ Roßboden " in der Richtung gegen den Hauptgipfel auf den Gletscher; dann Aufstieg nach links in die große Scharte vor dem Ostgrat. Über den Grat ( schwieriger Einstieg wegen bröckligen Kalkes ) mit öfterem Ausweichen in die Südwand. Beim letzten Grataufschwung vor dem Hauptgipfel macht man einen kurzen Quergang nach links, dann zirka 3 m hinauf, wieder Quergang nach rechts zu einem Block, der auf dem Bande steht. Von diesem erreicht man einen guten Griff, mit dessen Hülfe man nach rechts in eine enge Verschneidung hineinkommt. In diesem Riß aufwärts ( kleiner Steinmann ), dann wieder auf und neben dem Grat auf den Ostturm des Hauptgipfels. A.A.V.M.., XVIII. Jahresbericht, pag. 64.
Redaktion.