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(spr. kehmbridsch), 1) berühmte Universitätsstadt Englands in der nach ihr benannten Grafschaft (s. Cambridgeshire),
auf beiden Seiten des schiffbaren Cam, über den zehn Brücken führen, bietet, obwohl weniger von der Natur begünstigt als
ihre Rivalin Oxford, mit ihren stattlichen Bauten, teilweise engen Straßen und den zahlreichen Ruderbooten
auf ihrem Fluß immerhin ein recht anziehendes Bild. Cambridge zählte 1881: 35,372 Einw. Der Ruhm der Stadt beruht auf ihrer Universität,
die auf eine von Siegbert, dem König der Ostangeln, 630 hier gegründete Schule zurückgeführt wird, deren älteste
vorhandene Stiftungsurkunde von 1229 erst aus der Regierungszeit Heinrichs III. stammt. Zu Elisabeths Zeit wurde die jetzige
Verfassung im wesentlichen geschaffen, und dieselbe ist in neuerer Zeit (namentlich durch die Statuten von 1858
und das Zugeständnis
völliger Religionsfreiheit 1871) in freisinnigem Geist entwickelt worden.
Die Universität wird demnach gebildet aus 17 Studienanstalten (Colleges oder Halls), deren jede die Rechte
einer Korporation genießt und nach ihren eignen Gesetzen regiert wird, nebst den sogen. non-attached students, die unter Aufsicht
eines Censor außerhalb dieser Colleges wohnen. Die Angehörigen eines College sind:
1) Der Rektor (Master, Provost oder Präsident), der von 2) den Fellows gewählt wird, die selbst aus den
Reihen der Graduierten hervorgehen und im Genuß von festen Einnahmen aus dem Stiftungsfonds sind; ihre Gesamtzahl ist 430. 3)
Doctores, Magistri und Baccalaurei, die früher dem College als Studenten angehörten.
4) Die Studenten (Undergraduates), die wiederum in vier Klassen zerfallen, nämlich Fellow Commoners (jüngere
Söhne von Edelleuten oder reichen Bürgern, denen es gestattet ist, am Tisch der Fellows zu speisen), Scholars (die im Bezug
von Stipendien etc. sind), Pensioners (die für Kost und Wohnung etc. zahlen und die Mehrzahl der Studierenden ausmachen) und
Sizars (arme Studenten, die Kost od. dgl. frei haben). Im ersten
Jahr heißt der Student freshman, im zweiten junior soph, im dritten senior soph.
Die Studenten wohnen in ihrem College, in welchem sich auch der gemeinschaftliche Speisesaal (hall) befindet. Unattachierte
Studenten wohnen in Privatwohnungen, zu denen auch das 1876 gegründete Cavendish College, Selwyn College (1876 für Missionäre
gegründet) und Ridley Hall (für Theologen 1882 eröffnet) zu rechnen sind. So besteht denn die Universität
aus (1883) 11,470 Mitgliedern, nämlich 5200 Doktoren und Magistern, die Mitglieder des Senats sind, 3670 Baccalaurei und 2600 Studenten
oder Undergraduates.
Jedes College hat seine Tutors und Lecturers, und die Vorlesungen der außerhalb dieser Colleges stehenden 37 Universitätsprofessoren
werden fast nur von denjenigen besucht, die sich einem besondern Fach widmen. Die oberste Behörde der
Universität ist der Senat, aus dessen Mitte ein Rat von 22 Mitgliedern durch Wahl hervorgeht, an dessen Spitze der Kanzler steht,
und ohne dessen Bewilligung Vorlagen dem Senat nicht gemacht werden können. Die Hauptbeamten sind: der
Kanzler;
der Vizekanzler (der mit den Sexviri und dem Assessor ein Disziplinargericht für die graduierten Universitätsmitglieder
bildet);
der High Steward oder Oberrichter für Kriminalsachen;
der Commsssary als Richter für Zivilsachen;
ein Orator oder
öffentlicher Redner;
ein Bibliothekar;
ein Registrary (Archivar);
zwei Proctors mit Disziplinargewalt.
Früher beschränkte
sich der Unterricht fast nur auf Lateinisch, Griechisch, Theologie, Mathematik und Physik, in neuerer Zeit
aber sind die Naturwissenschaften, Philologie (Angelsächsisch, Arabisch, Hebräisch und Sanskrit), Rechtswissenschaften, Geschichte
und Kunst durch fähige Professoren vertreten, und deren Studium wird durch Examinationen gefördert. Ehe ein Student in Cambridge matrikulieren
kann, muß er den Vorstand des College, in welches er einzutreten gedenkt, davon überzeugen, daß er die
nötigen Vorkenntnisse besitzt, oder als unattachierter Student ein Eintrittsexamen bestehen. Die gewöhnlichen Universitätswürden
werden nach drei bestandenen Examina verliehen, wobei es Bedingung ist, daß der Kandidat (questioner) neun terms (deren drei
auf das Jahr gehen) an der Universität verbracht hat. Diese drei Examina sind: eine previous examination,
in der Studentensprache little go, in Griechisch,
mehr
Lateinisch, Religion, Geometrie, Algebra und Arithmetik; eine general examination in Griechisch, Lateinisch, Algebra und den Gesetzen
der Statik und eine special examination (great go), je nach Wahl des Kandidaten, in Theologie, Philosophie, Volkswirtschaft, Rechtswissenschaft,
Naturwissenschaft, Mechanik oder Musik. Kandidaten, die »mit Ehren« (with honours) promoviert zu werden wünschen, müssen sich
einem schwierigern Examen in denselben oder andern Gegenständen unterwerfen, aus dem sie als tripos (wranglers, senior und
junior optimes) hervorgehen.
Wer diese drei Examina besteht, erhält den Titel eines Baccalaureus oder Bachelor. Nach Ablauf einer weitern Frist von drei Jahren,
die indes nicht auf der Universität verbracht zu werden braucht, können Bachelors sich einen höhern
Grad als Magister oder Doktor erwerben und werden dadurch Mitglieder des Senats. Solange sie ihren jährlichen Beitrag zahlen,
bleiben sie Mitglieder der Universität. Man schlägt die Einnahmen sämtlicher Colleges auf 278,000 Pfd. Sterl. an, und sie
verfügen über 312 geistliche Pfründen im Wert von 136,000 Pfd. Sterl. jährlich. Im Parlament wird die
Universität durch zwei Mitglieder vertreten.
Wie bereits erwähnt, bilden die Universitätsgebäude und Colleges den Hauptanziehungspunkt von Cambridge Von der Universität als
solcher abhängig sind: die 1722-30 erbaute Halle des Senats nebst der 1842 erweiterten Bibliothek (250,000 Bände) und den Räumen
für die Examina oder Schools;
das von Lord Fitzwilliam 1816 gestiftete Museum in klassischem Gebäude (von
Basevi), mit Gemäldesammlung, Skulpturengalerie und Bibliothek;
das geologische, naturgeschichtliche und anatomische Museum;
die Sternwarte;
die Druckerei (Pitt press) und der botanische Garten.
Von den Colleges ist das 1257 gestiftete Peter House das älteste, das 1807 gestiftete Downing College das
jüngste, am berühmtesten aber und am meisten frequentiert sind Trinity und St. John's Colleges. Ersteres wurde 1546 von Heinrich
VIII. gestiftet, zählte Bacon, Newton, Bentley, Dryden und Byron zu seinen Schülern, und seine von Wren 1676 erbaute Bibliothek
ist nächst derjenigen der Universität die wertvollste. Es ist die reichste Anstalt in Cambridge, mit einer
Jahreseinnahme von 52,000 Pfd. Sterl. Der Master erhält einen Gehalt von 3000 Pfd. Sterl., 60 Fellows beziehen je 300-750 Pfd. Sterl.
und 78 Schüler Stipendien von 60 bis 90 Pfd. Sterl. St. John's College, 1511 von der Mutter Heinrichs VII. gestiftet, zeichnet
sich aus durch die von G. Scott 1869 vollendete prächtige Kapelle.
In der zu ihm gehörigen Merton Hall soll Erasmus gelehrt haben. King's College (1441 von Heinrich IV. gestiftet) kann sich seiner
Kapelle rühmen, des schönsten Bauwerks der Art in England. Gonville and Caius (spr. kihß) College, 1349 gestiftet, besteht
aus drei in italienischem Geschmack erbauten Höfen, deren erster von A. Waterhouse. In Christ's College, 1466 gestiftet,
studierte J. ^[John] Milton, und ein von ihm 1633 gepflanzter Maulbeerbaum wird noch jetzt gezeigt.
An sonstigen Bildungsanstalten in Cambridge verdienen Erwähnung: die beiden Colleges für Damen (Girton und Newnham), an welchen
ganz derselbe Bildungsgang verfolgt wird wie an den andern Colleges;
die in Verbindung mit dem 1863 erbauten
Addenbrooke Hospital stehende medizinische Schule und zwei Lateinschulen.
Unter den Kirchen ist die 1101 von den Tempelherren
erbaute runde Heilige Grabkirche die älteste, die 1478-1519 erbaute gotische Marienkirche die geräumigste und schönste.
Endlich muß der Spielplätze der
Studenten (Parker's Piece und Fenner's Ground), der Boothäuser der Ruderklubs
am Cam, des Ballspielhauses (Tennis-Court), des Hauses des Studentenvereins (Union) und des Theaters in der Vorstadt Barnwell
Erwähnung geschehen, wo auch die einst berühmte Stourbridge Fair noch jährlich stattfindet. - Cambridge ist eine der ältesten
Städte des Reichs, das (angeblich 75 v. Chr.) gegründete Camboricum der Alten, eine Stadt der Jeener im
römischen Britannien, und noch heutzutage findet man in der Nähe von Cambridge römische Altertümer. Im J. 871 wurde die Stadt von
den Dänen zerstört. Zur Zeit Wilhelms des Eroberers hieß sie nach dem damaligen Namen des Flusses Cam (Granta) Grantbridge.
Vgl. Fuller, History of Cambridge (1805);
F. Arnold, Oxford and Cambridge (1873);
Mullinger, The university of Cambridge (1881).
2) Stadt im nordamerikan. Staat Massachusetts, am Charles River, gegenüber Boston, mit dem es zwei Brücken verbinden, hat (1880)
52,669 Einw. und ist berühmt als Sitz der Harvard-Universität, die, 1638 vom Prediger Harvard gestiftet, die ehrwürdigste
und reichste Anstalt der Art in den Vereinigten Staaten ist. Die 18 großartigen Universitätsgebäude bedecken mit den sie
umgebenden Gärten und Höfen 14 Hektar. Unter ihnen ragen hervor: die zum Gedächtnis der im Sezessionskrieg gefallenen Studenten
erbaute Memorial Hall (mit Speisesaal und Theater), die Bibliothek (Gore Hall) mit 130,000 Bänden (und 100,000
mehr in andern Gebäuden), das zoologische und biologische Museum, die Turnhalle und die verschiedenen Hörsäle der unitarisch-theologischen,
juristischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten.
Ein botanischer Garten und eine Sternwarte (mit Teleskop aus München) sind mit der Universität verbunden. Es wirken an der Universität 47 Professoren
und 73 Lehrer. Die Zahl der Studenten ist 1300. Das eigentliche Cambridge wurde 1631 unter dem Namen Newtown gegründet,
hat breite, von Bäumen beschattete Straßen und ist Sitz der Wissenschaft, während Ostcambridge und Cambridge Port dem Geschäft gewidmet
sind. Oberhalb der Stadt, am Charles River, liegt der Friedhof Mount Auburn.
(spr. kehmbridsch), 1) Adolphus Frederick, Herzog von Cambridge, Graf von Tipperary, Baron von Culloden,
Generalstatthalter von Hannover und engl. Feldmarschall, jüngster Sohn König Georgs III., geb. 25. Febr. 1774 zu London, trat jung
in die Armee und studierte zu Göttingen. Im Feldzug 1793 wurde er als Befehlshaber eines Regiments 8. Sept. bei einem
kleinern Gefecht vor der Schlacht bei Hondschoote gefangen, aber bald von einem zu Hilfe eilenden Bataillon wieder befreit. Im
J. 1794 erhielt er den Rang eines Obersten, den Titel Herzog von Cambridge und die Peerswürde. Im Oberhaus trat er als eifriger Gegner
der französischen Revolution auf und unterstützte die Politik Pitts. Im J. 1803 übernahm er den Oberbefehl
in Hannover gegen die Franzosen, trat denselben aber, als von London hemmende Befehle kamen, bald an den General v. Wallmoden
ab. Im Oktober 1816 wurde er zum Generalstatthalter von Hannover und 22. Febr. 1831 infolge der Unruhen zum Vizekönig daselbst ernannt.
Er führte 1833 das von Wilhelm IX. verliehene neue Grundgesetz ein und gewann durch Milde und Leutseligkeit
wie durch die Begünstigung der Künste und der Wissenschaft die Liebe des Volkes (s. Hannover). Als 1837 sein Bruder, der König
Wilhelm von Großbritannien, starb und Ernst August, Herzog von Cumberland, den hannöverschen Thron bestieg,
kehrte er nach England zurück, wo ihn besonders die Protektion
mehr
zahlreicher wohlthätiger Vereine in Anspruch nahm. Er starb 8. Juni 1850 in London. Aus seiner Ehe mit der Prinzessin Auguste von
Hessen-Kassel hinterließ er einen Sohn und zwei Töchter: Auguste, geb. 19. Juli 1822, vermählt 28. Juni 1843 mit dem Großherzog
Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz, und Maria Adelaide, geb. 27. Nov. 1833, vermählt 12. Juni 1866 mit
Franz, Herzog von Teck, Sohn des Herzogs Alexander von Württemberg.
2) George Frederick William Charles, Herzog von, großbrit. General und Oberbefehlshaber des britischen Heers, Sohn des vorigen,
geb. 26. März 1819 zu Hannover, erbte nach dem Tod seines Vaters dessen Titel und Sitz im Oberhaus und erhielt
durch Parlamentsakte eine Apanage von 12,000 Pfd. Sterl. 1854 ward er Generalleutnant, erbielt in demselben Jahr das Kommando
der 1. Division in dem nach dem Orient bestimmten englischen Heer unter Lord Raglan und machte die Schlachten an der Alma und bei
Inkjerman sowie die Kämpfe vor Sebastopol mit; doch kehrte er vor Beendigung des Kriegs wegen geschwächte
Gesundheit nach England zurück. Im Juli 1856 ward er zum General ernannt und als Oberbefehlshaber an die Spitze der englischen
Armee gestellt, welchen Posten er noch jetzt bekleidet. Zu den wesentlichsten von Cambridge angebahnten und zum Teil bereits durchgeführten
Reformen gehören: die Abschaffung der Prügelstrafe, die erleichterte Equipierung und Feldausrüstung
der Truppen, die gesteigerte Ausbildung der Truppen im leichten Dienst, wozu permanente Lager errichtet wurden, sowie die Einführung
von Prüfungen für die Offizierskandidaten. Die Käuflichkeit der Offiziersstellen wurde von ihm lange in Schutz genommen,
doch gab er in diesem Punkte den allgemeinen Wünschen nach und befürwortete 1870 ihre Abschaffung.
(Universität.) Das meiste in den ältern Büchern über die eigentümlichen Universitätsverhältnisse in
Cambridge. Berichtete ist jetzt völlig veraltet, auch gilt das für ein bestimmtes College Richtige oft nicht für alle oder für
die Universität als solche, und besonders oft wird in ältern Aufsätzen keine Scheidung zwischen Oxford
und Cambridge gemacht, deren Einrichtungen, obschon in den Grundzügen sehr gleichartig, doch im einzelnen zahlreiche
Verschiedenheiten (auch in der Benennung) aufweisen.
Eine auf genauer Kenntnis der in neuerer Zeit vielfach umgestalteten Verhältnisse beruhende Darstellung, die sich nicht nur
auf die Verbesserung der alten Irrtümer, Ergänzung der Namen und Zahlen beschränkt, sondern auch das
innere Leben, die Verfassung und Arbeit der Universität und der Colleges, die Arbeiten, Prüfungen und Erholungen der Studenten
mit berücksichtigt, erscheint deshalb gegenwärtig, wo die Frage des öffentlichen Unterrichts durchweg in den Vordergrund
gerückt ist, von besonderm Interesse. Eine Ergänzung findet die nachfolgende Darstellung in den Artikeln
Oxford und Manchester (Victoria-University) dieses Bandes. Die University of London, gegenwärtig in einem Übergangsstadium,
konnte füglich nicht mit herangezogen werden.
Die Universitätsgebäude, welche ziemlich nahe bei einander liegen und teilweise ganz neu, teilweise Jahrhunderte alt sind,
haben meist ein stattliches Äußere. Wir erwähnen: die Universitätskirche (St. Mary the Great), welche
als Mittelpunkt der Universität gilt, das Senatshaus (1730 vollendet, in dem alle großen Versammlungen des Senats stattfinden,
Prüfungen und Wahlen abgehalten und die Grade der Universität verliehen werden), die Universitätsbibliothek, die Universitätsdruckerei
(Pitt Press), Addenbrooke's Hospital (mit 120 Betten), zahlreiche, mit den neuesten Apparaten aufs vorzüglichste ausgestattete
Laboratorien, eine etwas außerhalb der Stadt liegende Sternwarte.
Neben mehreren großen naturwissenschaftlichen Museen besitzt Cambridge auch ein Museum für klassische Archäologie, ein antiquarisches
Museum und das herrliche, in reinstem griechischen Stil (1837-75) erbaute Fitzwilliam-Museum für Gemälde, Kupferstiche und
sonstige Kunstgegenstände. Es fehlt noch immer ein einheitliches großes Gebäude für die Universitätsvorlesungen
(besonders der philosophischen und juristischen Disziplinen), welche jetzt über die ganze Stadt verstreut, vielfach in einzelnen
Colleges gehalten werden.
Der botanische Garten ist gut angelegt und sehr reichhaltig. Die Universitätsbibliothek enthält jetzt an die 400,000 Werke
und gut 6500 zum Teil sehr wertvolle Handschriften. Sie ist die drittgrößte und vermutlich älteste
Bibliothek Englands und genießt (neben denen von London, Oxford, Edinburgh und Dublin) das Vorrecht, von jedem in Großbritannien
gedruckten Buch ein Freiexemplar zu erhalten. Ein von den Universitätsmitgliedern, Graduierten wie Studenten, vielfach benutztes
und nur ihnen geöffnetes, aber nicht der Universität als solcher gehöriges Gebäude ist das Klubhaus der
Union Society, mit vielen Lesesälen, guter Bibliothek sowie einem großen Saal für die wöchentlichen studentischen Debatten
über politische und soziale Fragen, an denen sich jedoch nicht selten auch ältere Mitglieder der Universität beteiligen.
Ebenfalls nicht Universitätseigentum, aber ein großer Schmuck der Universitätsstadt, sind die zahlreichen, zum Teil sehr
mehr
alten Colleges, welche, von Grün umgeben und in sich abgeschlossen liegend, ein höchst charakteristisches, mittelalterlich-idyllisches
Bild gewähren, wie man es ähnlich nur noch in Orford sehen kann. Die beiden großen modernen Frauencolleges liegen nicht in
Cambridge selbst, aber auch das entferntere (Girton College) nur etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt.
Besonders anziehend sind die hinter den größten Colleges sich am Cam entlang erstreckenden sogen. Backs, prachtvolle Gartenanlagen
mit herrlichen Bäumen, weit ausgedehnten Spielplätzen der Studenten und besondern, auf das sorgfältigste gepflegten Gärten
der Fellows.
Der Ursprung der Universität ist (wie bei Oxford) in sagenhaftes Dunkel gehüllt. Oxford ist möglicherweise
etwas älter. Beide wurden ursprünglich nach dem Muster von Paris organisiert, und vor dem Anfang des 13. Jahrh. waren beide
bereits anerkannte Sitze gelehrter Bildung. In C. entwickelte sich unter dem Einfluß der nahen Diözese Ely die Universität
aus dem Unterricht, welcher seit mindestens dem 12. Jahrh. von Geistlichen in Cambridge erteilt zu sein scheint.
Am geistigen Leben der Nation hat Cambridge von jeher den lebhaftesten Anteil gehabt, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. hat
es noch einen besonders mächtigen Aufschwung genommen.
Die Beseitigung der alten, größtenteils zur Zeit Elisabeths festgesetzten und in zahlreichen Punkten vollständig veralteten
Verfassung und die Reform der Universität im Geiste der Neuzeit wurde durch die Untersuchungen und Beschlüsse
zweier königlicher Kommissionen und thätige Unterstützung durch die besten Elemente der Universität bewerkstelligt. Die
erste Kommission wurde 1850 eingesetzt, und die unmittelbare Folge ihrer Berichte waren die Statuten von 1858. Da sich jedoch
die hier beschlossenen Reformen als noch nicht ausreichend erwiesen, wurde 1872 eine neue Kommission eingesetzt,
aus deren eingehenden Untersuchungen und Beratungen die Universities of Oxford and Cabridge Act (1877) hervorging, welche 1882 von der
Königin offiziell bestätigt wurde.
Durch diese neuen Verfügungen sind mit der alten Universitäts- und Collegeverfassung eine Anzahl der
wichtigsten und heilsamsten Veränderungen vorgenommen worden; vor allen Dingen ist zu erwähnen die Abschaffung des Monopols
der englischen Hochkirche (abolition of religious tests, 1871) auf die Ämter und Einkünfte der Universität und der Colleges
sowie zahlreicher, von beiden abhängiger Stiftungen, welche jetzt auch fast alle von Dissenters errungen werden können;
die Umgestaltung des ganzen Fellowshipwesens in zeitgemäßer Weise u. a.
Die Universität ist völlig autonom, sie erhält keine Staatsunterstützung, steht unter keinem Unterrichtsminister (den
es überhaupt in England nicht gibt), verwaltet ihr eignes Vermögen selbständig und hat eine Anzahl alter Privilegien der
Stadt gegenüber bewahrt (z. B. die Aufrechterhaltung der Disziplin und Sittenpolizei durch Proctors; die
Überwachung der Häuser, in denen Studenten wohnen dürfen; das Verbot, gewisse Geschäfte zu besuchen [discommuning], welche
der Verschwendung der Studenten Vorschub leisten, etc.). Sie entsendet zwei Vertreter ins Parlament; sie ernennt alle ihre Beamten,
Lehrer wie Verwaltungsbeamte, nach eignem Ermessen und stellt Lehrpläne, Prüfungsordnungen etc. völlig
selbständig auf. In ihrer modernsten Form steht die Universität da als eine Korporation aus den Doctors und Masters der faculties
of arts, law, physic, divinity, literature, science und music,
welche größtenteils die Verwaltungsbehörde, früher Caput,
jetzt Senate genannt, bilden.
Mitglieder des Senats gibt es augenblicklich (1891) 6774, welche natürlich nur zum allergeringsten Teil
in Cambridge wohnen, von denen aber bei besonders wichtigen Anlässen viele behufs Abgabe ihrer Stimme nach C.kommen. Die Gesamtzahl
der Angehörigen der Universität, die jedoch größtenteils keine Stimme im Senat haben, ist augenblicklich 13,044 (im J. 1840:
5696; 1850: 7047). Die meisten in Cambridge ansässigen Mitglieder des Senats, meist Universitäts- und Privatlehrer,
auch Fellows der Colleges, bilden einen engern Ausschuß und haben, wenn sie gewisse Bedingungen erfüllen, ausgedehntere Rechte,
besonders Wahlrechte.
Solcher Senatsmitglieder (Graduates on the Electoral Roll) gibt es augenblicklich etwas über 500. Aus ihnen bildet die Universität
wieder Ausschüsse für die verschiedenen Lehr- und Verwaltungszwecke. Die Vertreter der Universität im
großen und ganzen und nach außen sind die folgenden: Der Chancellor, der High Steward, der Vice-Chancellor, der Deputy High Steward,
von welchen allen nur der Vice-Chancellor in der Universität ansässig ist und die laufenden Geschäfte als Vorsitzender der
verschiedensten Syndicates etc. leitet. Er ist stets der Master eines College und führt sein Amt meist
zwei Jahre lang.
Die andern drei Ämter werden hervorragenden Adligen übertragen, welche aber nur höchst selten wichtige Amtsgeschäfte vornehmen.
Sonstige Universitätsbeamte sind: ein Commissary, ein Registrary (Archivar), der Public Orator (welcher bei feierlichen
Gelegenheiten in lateinischer Sprache im Namen der Universität redet), der Librarian, der Counsel (Rechtsbeistand),
zwei den Vice-Chancellor stets begleitende graduierte Esquire Bedells, welche auch darauf zu achten haben, daß die Geschäfte
der Universität äußerlich in richtiger Weise vorgenommen werden.
Unabhängig von der Universität, aber höchst wichtig in ihr sind die Vorstehers der 17 Colleges (der alte Name ist
noch Heads of Houses). Der Lehrkörper setzt sich zusammen aus 41 University Professors (die älteste Professur besteht seit
1502, die jüngste seit 1889; 21 davon stammen aus unserm Jahrhundert), 6 Readers und 33 University Lecturers. Die beiden letztern
Ämter, welche sich nur hinsichtlich der Höhe des Gehaltes unterscheiden, aber beide etwa den deutschen
außerordentlichen Professoren (nicht den Privatdozenten) entsprechen, bestehen erst seit allerneuester Zeit (1884 und später).
Somit besitzt die Universität augenblicklich 80 offizielle Dozenten. Dazu kommen noch viele (an die 50) Teachers, Superintendents,
Curators, Demonstrators, und ferner treten in den Colleges eine große Anzahl von College Lecurers en University
Professors, Readers und Lecturers zur Seite. Die innere Verwaltung und Disziplin der Universität ist in folgender Weise geregelt:
Alle Vorlagen, welche vor den Senat gebracht und von diesem durch ein sogen. Grace angenommen werden sollen, müssen zunächst
von einem höchsten Ausschuß, dem Council, gebilligt sein. Dieser Rat besteht aus 16 von Zeit zu Zeit regelmäßig
wechselnden Mitgliedern und dem Vice-Chancellor als Vorsitzenden. Was vom Rat vorgeschlagen und vom Senat gebilligt ist, wird
Universitätsgesetz und als solches im offiziellen »University Reporter« veröffentlicht. Die Disziplin in ihren verschiedenen
Zweigen liegt in den Händen verschiedener Abordnungen, der Sex Viri (für Graduates, d. h. solche, welche
einen »Grad« [degree] errungen haben;
mehr
Studenten heißen offiziell undergraduates, des Court of Discipline (für persons in statu pupillari, d. h. Studenten und Baccalaurei),
der (2) Proctors und (4) Pro-Proctors. Die Finanzen der Universität verwaltet der Financial Board, dessen Bewilligung für alle
geplanten Ausgaben zuerst eingeholt werden muß. Die Rechnungen der Universität werden alljährlich von drei Mitgliedern
des Senats (Auditors of the Chest) geprüft. Fakultäten im Sinne der deutschen Universitäten hat man in Cambridge nicht, vielmehr werden
die einzelnen Studienzweige durch Sonderausschüsse unter dem Vorsitz des oder eines Fachprofessors vertreten.
Man nennt diese Ausschüsse die Special Boards of Studies; z. B. würde »the Special Board for Law« zwar im
allgemeinen der deutschen juristischen Fakultät entsprechen, aber nicht völlig, da fast nie alle Dozenten eines Faches im
Special Board Sitz und Stimme haben. Augenblicklich besitzt die Universität die folgenden 12 Special Boards: Divinity, Law, Medicine
und (an Stelle der deutschen philosophischen Fakultät) Classics, Oriental Studies, Medieval and Modern Languages,
History and Archaeology, Moral Science (d. h. Philosophie und Volkswirtschaftslehre), Music, Mathematics, Physics and Chemistry,
Biology and Geology.
Jeder Special Board entsendet einen Vertreter in die oberste Studienbehörde, den General Board of Studies. Reformvorschläge
werden erst im Schoße der Special Boards erwogen und ausgearbeitet, dann dem General Board zur Begutachtung vorgelegt
und von diesem dem Senat zur Annahme empfohlen, welcher meist eine längere öffentliche Diskussion vorhergeht. Die Anstellung
der meisten Universitätsdozenten erfolgt mit Bewilligung des Senats durch den General Board of Studies.
Die Sitzungen der Ausschüsse finden je nach Bedürfnis häufiger oder seltener in den terms (s. unten) statt; es ist
die Aufgabe der Special Boards, die Gegenstände für die verschiedenen Fachprüfungen alljährlich festzusetzen, das Vorlesungsverzeichnis
ihres Faches aufzustellen und die Examinatoren zu wählen, über Gesuche behufs Zulassung zur Doktorwürde zu entscheiden
u. dgl. Zum Referat über Einzelfragen erwählt der Special Board meist aus seiner Mitte besondere Kommissionen.
Zur Wahrnehmung sämtlicher andrer Interessen der Universität oder zur Entscheidung oder Vorberatung wichtiger
augenblicklicher Fragen fungieren ferner noch eine ganze Reihe von Sonderausschüssen (Syndicates). So gibt es das Press Syndicate,
Library Syndicate, Fire Prevention Syndicate, Museums and Lecture Rooms Syndicate u. a. Auch sind viele der angesehensten Graduates
Governors of Schools und üben als solche auf die Leitung vieler großer Schulen einen bedeutenden Einfluß
aus.
Das Einkommen der Universität, welche, wie gesagt, keinerlei Staatszuschüsse erhält, ist verhältnismäßig gering, da besonders
das ihr gehörige Land augenblicklich im Werte sehr gesunken ist. Die Universität Cambridge als solche ist arm (Oxford ist weit reicher),
und vieles Wünschenswerte wird verschoben aus Mangel an genügenden Mitteln. Manche Colleges sind allerdings
sehr reich, aber man darf aus deren Privatvermögen keine Schlüsse auf die Finanzlage der Universität im großen und ganzen
ziehen.
Das Vermögen der Universität war z. B. im J. 1890: 45,899 Pfd. Sterl.,
während das größte College (Trinity) allein 103,863, das zweitgrößte (St. John's) 50,161 Pfd. Sterl.
besaß. Das der Universität Cambridge etwa um 1575 verliehene Wappen ist ein durch ein großes
Kreuz in vier Felder geteilter Schild,
auf deren jedem ein Löwe mit erhobener rechter Pranke steht. Inmitten des Kreuzes befindet sich ein rotes Buch mit Goldverschluß
und -Ecken. Die Universität wird hierdurch als ein von der Krone beschützter Sitz der Wissenschaft bezeichnet.
Die Colleges, 17 an der Zahl, von denen die schönsten und größten (King's, Trinity, St. John's) nebeneinander in den Backs
am Cam liegen, sind teilweise sehr alt. Das älteste, St. Peter's College (meist Peterhouse genannt), stammt aus dem 13. Jahrh.
(1257, erste Charter 1284). Die Colleges sind unabhängige Korporationen, deren jede von ihren eignen Gesetzen regiert wird.
Sie sind historisch im Laufe des Mittelalters aus den verschiedensten Anlässen hervorgegangen und wahren, obwohl sie sich
allmählich einander mehr angenähert haben, doch zum Teil noch bis auf den heutigen Tag ihre bestimmte
Individualität.
Sie sind jünger als die Universität, deren Organisation von ihnen völlig unabhängig ist. Das ganze Collegesystem wurde
im 13. Jahrh. in Oxford von Walter de Merton gegründet und war ursprünglich gegen Mönchtum und Papst gerichtet. Es bezweckte
die Heranbildung einer von der Klosterbildung unabhängigen liberalen Geistlichkeit, und Bildung der Geistlichkeit
bedeutete damals Bildung der Nation. Hugh de Balsham, Bischof von Ely, stiftete nach W. de Mertons Vorbild das erste College (Peterhouse)
in Cambridge. Vorher, als die Universität aus einer freien Vereinigung von Lehrern und Studenten bestand, lebten die letztern, wo es
eben ging, meist in Häusern der Stadt, manchmal mehrere zusammen unter der Aufsicht eines Lehrers.
Solche Häuser hießen Inns, Hostels, gewöhnlich Halls (lat. aulae) und wurden später von der Universität anerkannte wichtige
Sammelplätze für Studenten. Die Hostels waren also ursprünglich Privatanstalten und ohne Stiftungsvermögen. Später gingen
mehrere in den Colleges auf, welche alle Stiftungen mit durch mannigfache Schenkungen oft zu bedeutender
Höhe angewachsenem Vermögen zur Erhaltung von Scholars sind. Bis zur Mitte des 15. Jahrh. kamen zu Peterhouse noch fünf der
noch jetzt bestehenden Colleges hinzu, einige andre sind jetzt eingegangen oder doch mit jetzt bestehenden verschmolzen.
Alle führen jetzt offiziell die Bezeichnung »College« außer Trinity Hall (zum Unterschied von Trinity College).
Die 17 Colleges sind dem Alter nach: St. Peter's College (Peterhouse), Clare, Pembroke, Gonville and Caius, Trinity Hall, Corpus Christi,
King's, Queens', St. Catherine's, Jesus, Christ's, St. John's, Trinity, Emmanuel, Sidney Sussex, Downing. Zu diesen kommen zwei sehr
junge Hostels: Selwyn College (weniger bemittelte Studenten, streng religiöse Richtung) sowie das Private
Hostel: Ayerst Hall. Das jährliche Einkommen der Colleges wird regelmäßig im »University Reporter« veröffentlicht.
Bei der augenblicklichen großen Entwertung des Landes sind die Einnahmen vieler Colleges sehr erheblich heruntergegangen und
damit der Wert der von ihnen verliehenen Fellowships ebenfalls. Die äußere Anlage der Colleges ist ziemlich
die gleiche: das College besteht aus einem oder mehreren Höfen, in deren Mitte sich ein wohlgepflegter Rasenplatz befindet.
Die Höfe sind von drei, meist von allen vier Seiten zugebaut und somit völlig vom Getriebe des Tages abgeschlossen. Jedes
College enthält einen geräumigen Speisesaal (hall) für sämtliche Mitglieder des College; einen
(spr. kehmbridsch).
1) Cambridge (Cambridgeshire oder Cambs), Grafschaft im südöstl. England, zwischen Lincoln im N., Northampton,
Huntington und Bedford im W., Hertford im S., Essex, Suffolk und Norfolk im O., zählt auf 2124 qkm (1891) 188862 E. Die Hauptflüsse
sind die kanalisierte Nene an der Nordgrenze und die von W. nach O. fließende Ouse mit Cam und Lark. Der nördl.
Teil gehört zum flachen korn- und viehreichen Fenn-Distrikt, ist fast durchweg drainiert und wird
mehr
von Kanälen und Dämmen durchzogen. Im N. der Ouse führt der Landstrich (nach der Stadt Ely, s. d.) den Namen der Elyinsel
(Isle of Ely). Das südliche Cambridge ist ein aus Kreide und Grünsand bestehendes Hügelland. Nur ein Drittel der
Grafschaft enthält Ackerboden, das übrige ist Grasland, namentlich das Nenethal fast nur Wiesen-
und Weideland. Bei Upware sind Lager von Koprolithen, die wegen ihres reichen Gehaltes an Phosphaten als künstlicher Dünger
dienen. Die Haupterwerbszweige sind Ackerbau und Viehzucht. Die Grafschaft schickt drei Mitglieder in das Parlament. In alter
Zeit war Cambridge Wohnsitz der Iceni. Es fehlt nicht an Überresten röm. Altertümer.
2) Hauptstadt der Grafschaft Cambridge, alte Municipalstadt, Parlamentsborough und nächst Oxford die bedeutendste engl.
Universitätsstadt, liegt an dem schiffbaren, hier zwölfmal überbrückten Cam in flacher Gegend, an 4 Bahnlinien, zählt
(1891) 36983 E. und hat mit ihren engen unregelmäßigen ältern Stadtteilen, den herrlichen alten Bäumen (besonders in den
Backs hinter den Colleges), den Wiesen und Spielplätzen den halb-mittelalterlichen, idyllischen
Charakter bis heute gewahrt.
Industrie und Manufaktur fehlen fast gänzlich; die Universität ist die Hauptnahrungsquelle der Einwohner. Cambridge besitzt an Sehenswürdigkeiten
die Universitätskirche St. Mary the Great, die Bibliothek, die älteste, drittgrößte Englands (400000 Werke und über 6500 Handschriften,
darunter der Codex Bezae, ein neues Testament von etwa 500 n. Chr.), das stattliche Fitzwilliam Museum (mit
wertvollen Kunstsammlungen), das Senate House, die Pitt Press (Universitätsdruckerei), Addenbrooke's Hospital sowie die 1101 eröffnete
altertümliche Round Church (Kirche des Heiligen Grabes) im frühnormann. Stil. - Cambridge, als Cair Grant eine Niederlassung der Briten,
hieß zur Römerzeit Camboritum, im spätern Mittelalter Grantebrigge oder Cantebrigge.
3) Die Universität bildet ein Gemeinwesen für sich und hat der Stadt gegenüber mehrere alte Privilegien, z. B.
die Aufrechterhaltung der öffentlichen Disciplin und Handhabung eines Teils der Sittenpolizei, die Überwachung der Häuser,
in denen Studenten wohnen dürfen (licensed lodgings), das Verbot des Besuchs gewisser Geschäfte, welche
der Verschwendungssucht der Studenten Vorschub leisten (Discommuning), zäh bewahrt. Über ihren Ursprung fehlt es an urkundlichen
Nachrichten.
Sie wurde, gleich Oxford, nach dem Muster der Universität Paris zu Anfang des 13. Jahrh. eingerichtet und entwickelte sich
vermutlich aus dem Unterricht, den Geistliche der Diöcese Ely hier bereits im 12. Jahrh.
erteilten. Der Anteil, den am geistigen Leben der Nation genommen, war nie bedeutender als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh.,
seitdem durch zwei königl. Kommissionen (1850 und 1872) und unter Beihilfe von Mitgliedern der Universität die größtenteils
aus der Zeit Elisabeths stammende Verfassung im Geiste der Neuzeit umgestaltet wurde.
Aus den Untersuchungen der ersten Kommission gingen die Statuten von 1858 hervor. Da die Änderungen alsbald nicht mehr genügten,
wurden durch die zweite Kommission die Reformen weiter geführt, in der Universities of Oxford and Cambridge Act (1877) festgelegt
und 1882 durch die Bestätigung der Königin rechtskräftig. Die wichtigsten Änderungen waren die Abschaffung
des Monopol der engl. Hochkirche (abolition of religious tests, 1871) auf Ämter und Einkünfte
der Universität und der Colleges
sowie auf viele Stiftungen, welche jetzt auch Dissenters erringen können, die Umgestaltung der Einrichtungen betreffend Fellowships
(Fellows dürfen jetzt heiraten und erhalten ihre Fellowship meist nur auf 6-7 Jahre), die Heranziehung
der Colleges zu Beiträgen für Universitätszwecke, die Umgestaltung älterer und Einrichtung neuer Studienzweige sowie
die Zulassung von Studentinnen für die höchsten Studien und Prüfungen.
Verwaltung und Einkünfte. Die Universität ist völlig selbständig in Bezug auf Verwaltung, Aufstellung von Lehrplänen, Prüfungsordnungen
und Anstellung ihrer Beamten. Sie erhält keinerlei Staatszuschüsse und hat zwei besondere Abgeordnete
im Parlament. Die Verwaltungsbehörde wird gebildet durch sämtliche Doctors und Masters der Faculties, welche in ihrer Gesamtheit
als Senate bezeichnet werden, und deren Zahl (1892) 6774 beträgt. Die Gesamtzahl aller Angehörigen der Universität beläuft
sich auf 13044. Ein engerer Ausschuß wird gebildet durch etwa 500 in Cambridge ansässige Senatsmitglieder,
meist Universitäts- und Privatlehrer, auch Fellows der Colleges, welche, unter gewissen Bedingungen, ausgedehntere Rechte,
besonders Wahlrechte, haben.
Man nennt sie Graduates on the Electoral Roll. Aus ihnen bildet die Universität wieder eine Reihe von Ausschüssen für die
verschiedenen Verwaltungs- und Lehrzwecke. Nach außen wird die Universität vertreten durch den Chancellor,
den High Steward und Deputy High Steward, die, den gewöhnlichen Geschäften fernstehend, hauptsächlich repräsentieren. Praktisch
steht an der Spitze der meist alle 2 Jahr wechselnde Vice-Chancellor, welcher stets Master eines Colleges sein muß.
Ihm zur Seite stehen der Registrary (Archivar), Commissary, Librarian, Counsil (Rechtsbeistand), 2 Esquire
Bedells sowie der Public Orator (der im Namen der Universität öffentliche Reden in lat. Sprache hält). Die innere Verwaltung
und Disciplin liegt in den Händen von Comittees. Die wichtigsten Fragen der Verfassung und Verwaltung berät der Council, ein
Rat aus 16 regelmäßig wechselnden Vertrauensmännern (außer dem Kanzler und Vicekanzler). Die Finanzen
verwaltet der Financial Board, dessen Bericht alljährlich im «University Reporter» veröffentlicht wird; die Disciplin wird
gehandhabt von den Sex Viri (für Graduates), vom Court of Diciplin (6, für Undergraduates).
Die Aufrechterhaltung der Ordnung in den Straßen und die Sittenpolizei besorgen die 2 Proctors und 4 Pro-Proctors
mit ihren Pedellen. Eine wichtige Rolle spielen auch die 17 Heads of Colleges sowie der Censor der Non-Collegiate Students.
Die oberste Studienleitung liegt in den Händen des General Board of Studies, in welchem die einzelnen Fächer durch je einen
Abgeordneten vertreten sind. Für die Sonderinteressen der Einzelfächer bestehen Special Boards of Studies,
welche teilweise den deutschen Fakultäten entsprechen.
Solcher Special Boards besitzt Cambridge 12, nämlich für Divinity, Law, Medicine, Classics, Medieval und Modern Languages, Oriental
Studies, History and Archæology, Moral Science (Philosophie und Volkswirtschaftslehre), Mathematics, Physics and Chemistry,
Biology and Geology und für Music. Alle Professoren und ältern Docenten sind Mitglieder der Special Boards,
von den jüngern Lehrkräften nur eine beschränkte Anzahl. Alle Lehrpläne, Prüfungsordnungen, An-
^[Artikel, die man unter C vermisst, sind unter K aufzusuchen.]
mehr
stellungen, Verleihungen von Doktorgraden geschehen auf seine Anregung durch den General Board oder durch Senatsbeschluß.
Wichtige Neuerungen werden ein- oder mehreremal vor dem Senat öffentlich erörtert und oft an den Special Board zurückverwiesen.
Durch offizielle Aufnahme eines vom Council und Senate gebilligten Reformvorschlags in den «University Reporter» wird derselbe
Gesetz. Während einzelne Colleges sehr reich sind, ist die Universität selbst verhältnismäßig arm.
Ihre Einnahmequellen sind: Pachtzins von jetzt stark entwertetem Grundbesitz, gesetzlich geregelte Beiträge der Colleges (1891: 17414 Pfd.
St.), Matrikulations-, Prüfungs- und Gradgebühren, regelmäßige Beiträge aller Senatsmitglieder und gelegentliche Schenkungen.
Ihr Einkommen belief sich 1890 auf 45899 Pfd. St., während Trinity College 103863
Pfd. St. und St. Johns (das zweitgrößte) 50161 Pfd. St. Einkommen besaß.
Docenten. Der Lehrkörper besteht (Anfang 1894) aus 43 Professoren (21 Professuren sind seit 1800 gegründet, die älteste
Stiftung besteht seit 1502; die mit den Professuren verbundenen Lehrpflichten und Gehälter sind außerordentlich verschieden), 6 Readers, 34 University
Lecturers. Die beiden letztern Grade entsprechen etwa den deutschen außerord. Professoren und sind erst seit 1884 für solche
Fächer geschaffen, in denen die Universitätsmittel die Errichtung ord.
Professuren nicht ermöglichten. So giebt es 80 fest angestellte und besoldete Universitätsdocenten, welche meist zugleich
Fellows von Colleges sind. Zu diesen gesellen sich etwa 50 Teachers, Superintendents, Demonstrators, Curators;
den University Lecturers treten zahlreiche College Lecturers und Private Tutors zur Seite. Zur Verwaltung von Universitätsanlagen
sowie zur Beratung gelegentlicher Fragen bestehen ferner eine Anzahl sog. Syndicates, z. B.
Library Syndicate, Press-, Senate House-, Museums and Lecture Rooms, Local Examinations and Lectures und
Teachers Training Syndicate. Viele Graduates sind auch Governors of Schools oder Examinatoren und überwachen als solche
eine Reihe der ersten Schulen des Landes. Die Disciplin über Studenten und Bachelors (persons in statu pupillari) liegt in
den Colleges in den Händen der Tutors, auf den Straßen in denen der Proctors.
Colleges. Cambridge besitzt 17 Colleges und 2 sog. Hostels. Unter
den erstern sind Trinity, St. John's und King's College die schönsten. Das älteste ist St. Peter's College (meist Peterhouse
genannt), das 1257 nach dem Vorbilde von Merton College zu Oxford gegründet und 1284 durch Charter anerkannt wurde. Dann
folgen: Clare (1326), Pembroke (1347), Gonville and Caius, Trinity Hall (1350), Corpus Christi (mit wertvoller
Bibliothek, 1352), King's- (1441) und Queen's College (1448 und neubegründet 1465), dessen Gebäude die ältesten sind, und
an dem Erasmus von Rotterdam jahrelang lehrte, St. Catherine's (1473), Jesus (1496), Christ's (1505), St. John's (1511), Magdalen
(1519) und das 1546 durch Heinrich VIII. aus verschiedenen ältern Colleges gebildete Trinity College,
das weitaus bedeutendste in Cambridge und in England überhaupt. Es zählt im J. 1894 614 Studenten und im ganzen 3681 Mitglieder;
ferner Emmanuel (1584), Sidney Sussex (1594) und nach zweihundertjähriger Pause Downing College (1800). In neuester Zeit sind
gegründet worden: 2 Hostels, das strengkirchliche, billige Selwyn College (1882)
sowie Ayerst' Hostel für ärmere Studenten (1884). In Ridley Hall (1881) bereiten sich Theologen nach beendeter Studienzeit
auf ihr Amt vor. Zu diesen kommen die außerhalb Cambridge gelegenen Frauencolleges: Girton College (1873 gegründet,
stark aufblühend mit etwa 110 Studentinnen) und Newnham College (1875 eröffnet, mit jetzt 3 Halls und 140 Studentinnen).
Den Studentinnen wird aber trotz der letzten Prüfungsresultate der akademische Grad nicht erteilt. Seit 1869 können Studenten
(1894: 107), auch ohne sich einem College anzuschließen, als Non-Collegiate Students in licensed lodgings unter der Aufsicht
eines Censor wohnen und genießen, bei billigerm Leben, die Rechte der andern Studenten. Alle Colleges sind
völlig selbständige Internate mit eigenen Gesetzen. Sie sind aus verschiedenen Anlässen historisch erwachsene, von der
Universität anerkannte Anstalten, in denen die Studenten leben, beaufsichtigt und in ihren Studien gefördert werden.
Die alten Colleges (auch Houses oder Halls, lat. aulae genannt) bestanden aus dem Head (Master, Provost,
President) und den Scholars. Letztere teilten sich später in Fellows (die ältern, Graduierten) und Scholars (die Undergraduates).
Der Master, die Fellows und die Scholars beziehen noch jetzt Stipendien vom College. Neuerdings zerfallen die Angehörigen eines
Colleges in den Head (fast immer Master genannt), Fellows (meist in senior und junior geschieden), Graduates,
welche nicht Fellows sind, Fellow-commoners (nur noch sehr wenige), Bachelors (of arts, etc.), Scholars (Stipendiaten, die besten
Studenten), Pensioners (die große Mehrzahl zahlender Studenten) und Sizars (ärmere Studenten). Die Verwaltung liegt in den
Händen des Masters sowie des Governing body der ältern Fellows. Jedes College besetzt aus der Zahl seiner
Fellows die Stellen des Masters, Dean, Bursar, Librarian und Tutor. (S. College.)
Studenten. Die Studenten (Undergraduates) bleiben meist 3, selten 4 Jahre in Cambridge. Sie heißen im ersten Jahre «Freshman»,
im zweiten «Junior Soph», im dritten «Senior Soph». Sie besuchen nicht nach deutscher Weise mehrere Universitäten.
Sie gehören fast alle irgend einem College an. Ihre Anzahl beläuft sich (1891) auf 3029 (darunter nur 156 Non-Collegiate
Students), die der Studentinnen auf etwa 250. Sie sind ungleichmäßig vorgebildet und haben jährlich mindestens eine
Prüfung zu bestehen.
Ihre Studien werden weniger frei und selbständig betrieben als in Deutschland, viele nehmen neben den Vorlesungen
regelmäßig Privatstunden, welche von Privatlehrern und den meisten jüngern Docenten erteilt werden. Die vorgeschriebene
Tracht bei Vorlesungen ist für Lehrer wie Schüler Barett und Talar (cap and gown). Der Talar der Studenten ist kurz, der der Masters
lang herabwallend und nach Grad und Profession verschieden. Nachmittags zwischen 2 und 5 Uhr wird ausschließlich
den verschiedenen Sports gehuldigt. Abends werden oft Klubs, seltener Theater und Konzerte besucht. Kneipenbesuch und Mensuren
sind völlig unbekannt. Die Kosten eines akademischen Jahres (3 terms, etwa 23 - 25 Wochen) sind erheblich höher als in
Deutschland. Sie belaufen sich auf 150 - 250 (oder 300) Pfd. St. Meist gilt 200 Pfd.
St. für ausreichend. Durch sehr zahlreiche Stipendien (Scholarships, Exhibitions, Prizes) können die Kosten erheblich vermindert
werden.
^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K auszusuchen.]