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Chronik
Die SP Wohlen BE wurde 1947 als eine Sektion der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz gegründet. Bei der Gründungsversammlung waren um die 30 Männer anwesend. Die Partei stellte einen von 11 Gemeinderäten. 2021 umfasst die Sektion als SPplus insgesamt 97 weibliche und männliche Mitglieder und 92 Sympathisantinnen und Sympathisanten. Das «plus» im Namen stammt aus der Zeit der «Offenen Liste», die zwischen 1985 und 1996 neben der SP als «Anti-Filz-Partei» eine progressive, grüne und an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Politik betrieb, schliesslich aber bei zunehmend gleicher Zielrichtung wie die SP in der neuen SPplus aufging. Seit 2014 stellt die Partei mit Bänz Müller den Gemeindepräsidenten, seit 2016 mit Eva Zanetti Ogniewicz eine Gemeinderätin und sie hält 13 Sitze in verschiedenen kommunalen Kommissionen. Seit 2020 ist der Gemeindepräsident auch Mitglied des Bernischen Grossen Rates.
Wie sind diese Veränderungen zu verstehen? Der folgende Abriss gibt einen Überblick über die letzten 100 Jahre Ortsgeschichte und versucht, übergeordnete Entwicklungen miteinzubeziehen. Als Quellen werden die Schrift «60 Jahre SP Wohlen» aus dem Jahr 2008 von Gusti Gisler, Franz Haag und Hans Zimmermann, die zeitlich anschliessenden Jahresberichte der Parteipräsidenten, das Buch «Wohlen BE im 19. und 20. Jahrhundert» von Thomas Brodbeck und Andrea Schüpbach aus dem Jahr 2006 und «Wikipedia» benützt.
Übergeordnete Entwicklungen ab 1918
Im Spätherbst 1918 fand zum Ende des ersten Weltkrieges der Landesstreik unter Führung des «Oltener Komitees» mit Robert Grimm, dem späteren Nationalrat und Bernischen Baudirektor, statt. Nach massiver militärischer Mobilisierung und bei drohender Gewalt brach das Komitee den Streik nach drei Tagen ab. Robert Grimm wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt, welche im Schloss Blankenburg vollzogen wurden. Die Forderungen des Komitees waren u.a.: Proporzwahl des Nationalrates (realisiert 1919), Frauenstimmrecht (1971), 48-Stunden-Woche (1920), AHV (1947). Einer der Streikführer, Ernst Nobs, wurde 1943 erster SP-Bundesrat.
In den 1910er-Jahren planten die BKW den Bau des Kraftwerks Mühleberg und weihten die Staumauer 1921 ein, welche die Aare zum Wohlensee aufstaute. Vorausgegangen waren langwierige juristische Auseinandersetzungen um die Landenteignungen. Auch der Bau selbst lief nicht ohne Kämpfe, Streiks und sogar polizeiliche und militärische Aufgebote ab. Der neue See hatte für Wohlen jedoch die erfreuliche Konsequenz, dass bei Hinterkappelen nach dem Abbruch der gedeckten Holzbrücke aus dem Jahr 1884 endlich eine steinerne Hochbrücke über die Aare gebaut wurde, die Kappelenbrücke, welche die direkte Verbindung nach Bern, resp. eine Strasse von Bern über Wohlen und Frieswil nach Aarberg mit sich brachte. Vor dem Bau dieser Verbindung hatte sich die Gemeinde Wohlen verkehrsmässig stets im Abseits gesehen, was zu vielerlei Klagen und Beschwerden bei der Regierung Anlass gegeben hatte. Auch der Verzicht von 1919 auf den Bau der geplanten elektrischen Strassenbahn von Bern über Uettligen resp. über Wohlen nach Frieswil, Aarberg und Biel bedeutete eine Enttäuschung. Der neue «Wohlensee» hingegen, der sich schliesslich gegen einen «Berner See» oder gar «Elektrosee» durchsetzte, wirkte vorerst noch wie ein Fremdkörper in der Landschaft und stank gelegentlich erbärmlich. Erst im Lauf der Jahre entwickelte er sich zu einem einzigartigen Naturschutzgebiet und Vogelparadies, einem beliebten Naherholungsgebiet der Stadt. Dies umso mehr, als der See nicht mehr als Speichersee mit stark schwankenden Pegelständen genutzt wurde. Das hatte wegen der Geruchsimmissionen immer wieder zu massiven Klagen geführt, weil sich bei tiefem Wasserstand viel Unrat an den Uferstreifen ansammelte. Die Gewässersanierung in der Schweiz mit dem Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA) seit den 50-er Jahren ermöglichte erst die heutige Idylle.
SP Wohlen seit 1947
In der Zwischenkriegszeit, u.a. geprägt von der Weltwirtschaftskrise, blieb Wohlen noch längere Zeit trotz neuen Strassenverbindungen und See und trotz langsam einsetzender Zuwanderung eine landwirtschaftlich geprägte, bäuerlich und kleingewerblich orientierte Gemeinde, politisch geprägt von der BGB (Vorläuferin der heutigen SVP), welche 10 von 11 Gemeinderatssitzen innehatte. Einem ersten Sozialdemokraten wurde grosszügigerweise 1946 ein Sitz im Gemeinderat zugestanden. Die 1947 neu entstehende sozialdemokratische Sektion verstand sich auch noch längere Zeit als eine Art Juniorpartner der herrschenden BGB. Mit ihr bestand viel emotionale Nähe, weil man sich durch die einfache Herkunft verbunden fühlte. Als «fremde Zuwanderer» empfand man hingegen Freisinnige, welche als «kapitalkräftige Städter» wahrgenommen wurden, die häufig auch in den neu entstehenden Einfamilienhausquartieren wohnten.
Innenpolitisch bewegte sich in den Jahren des Zweiten Weltkrieges wenig, da man sich als kleines, von den Achsenmächten eingeschlossenes Land vor existentielle Probleme wie die Bewahrung der Freiheit und die Landesverteidigung gestellt sah. Immerhin war die eidgenössische «das Boot ist voll»-Flüchtlingspolitik nicht unumstritten. Sie war geprägt beispielsweise vom Judenstempel «J», dem anpasserischen Kurs gegenüber Nazi-Deutschland mit der sogenannten «Clearingmilliarde», einer Art von Tributzahlung, und dem Ankauf von deutschem Raubgold, das damit dem Welthandel zugeführt werden konnte. Zwar hatte sich die schweizerische Sozialdemokratie 1936 der Not gehorchend von ihrer ursprünglich streng pazifistischen Haltung abgewendet und stand fortan hinter der militärischen Landesverteidigung und den zugehörigen Rüstungsausgaben. Die Versorgungslage der Bevölkerung blieb indessen prekär, doch verhinderte im Gegensatz zum 1. Weltkrieg eine staatliche Unterstützung die weitergehende Verarmung der Arbeiterschaft. Die SP blieb jedoch mindestens bis 1959 eine oppositionelle Kraft, als im Rahmen der «Zauberformel» der Sozialdemokratie ein zweiter Bundesratssitz gewährt wurde.
Wachstumseuphorie der 50er- und 60er-Jahre
Wenden wir uns wieder der Gemeinde Wohlen und der lokalen SP zu! In den 50-er Jahren bahnte sich in der Gemeinde eine planerische Wachstumseuphorie mit grossen Einzonungen von künftigen Wohngebieten und Industriebrachen an. Es war von Industriezonen in Hinterkappelen, im Brügelzopfe unterhalb von Uettligen und schliesslich gar von einem internationalen Flughafen Kirchlindach-Herrenschwanden-Uettligen die Rede. Allerdings setzte sich langsam die Erkenntnis durch, dass sich Wohnsiedlungen und Industriegebiete schlecht unter einen Hut bringen liessen und eine Gemeindegrösse von über 30'000 Einwohnern kein erstrebenswertes Ziel mehr sein konnte. Die SP ihrerseits buk noch immer kleine Brötchen, beschäftigte sich mit der Verbesserung der sozialen Bedingungen der Arbeiterschaft, mit einer «Sterbekasse» und mit dem Eintreiben der monatlich geschuldeten Mitgliederbeiträge. Dazu wurden eigens gewählte «Eintreiber» eingesetzt. Man achtete auch genau darauf, dass die Mitglieder getreulich an Wahlen und Abstimmungen teilnahmen, was sogar kontrolliert wurde und der Partei den Ruf einbrachte, «von strenger Hand geleitet» zu werden.
Urbanes Wohnen in Hinterkappelen
In der Zwischenzeit aber wurden ab 1965 mit dem Kappelenring, der Aumatt I und II und später der Schlossmatt attraktive und stadtnahe, gut erschlossene Wohnsiedlungen in Hinterkappelen in begehrter Wohnlage erbaut, sozusagen inmitten eines Naturschutzgebietes. Das zog viele neue Einwohnerinnen und Einwohner an, was die Bevölkerungszahl innert kurzer Zeit verdreifachte und auf gegen 9000 Personen anwachsen liess. Das veränderte auch die Demographie der Gemeinde nachhaltig, bestand die Zuzügerschaft doch mehrheitlich aus gut ausgebildeten, eher vermögenderen Menschen, Akademikern, Beamten und Angestellten. Der Anteil der ehemals bestimmenden Arbeiter/Handwerker/Gewerbler in der SP-Sektion reduzierte sich auf etwa 25%. Die Gemeindestrukturen und die parteipolitische Zusammensetzung des Gemeinderates hinkten der neuen Entwicklung jedoch weit hintennach. Eine Erneuerung wurde durch die Zuwanderer erzwungen, angeführt von der FDP mit ihren späteren Gemeinderäten Rolf Schneider und Luciano Camponovo. Nach turbulenten Gemeindeversammlungen, Wahlrechtsbeschwerden und Rekursen einigte man sich schliesslich auf ein Wahlsystem nach Parteienproporz und auf die Festlegung auf einen einzigen Wahlkreis innerhalb des Gemeindegebietes, nachdem das bisherige Majorzverfahren die dominierende BGB (seit 1971 SVP) unverhältnismässig begünstigt hatte. So führte die Urnenwahl von 1973 zu einer völlig neuen Sitzverteilung im 11-köpfigen Gemeinderat, nun bestehend aus fünf Vertretern der SVP, vier der FDP und zwei der SP. Das kostete die bisher dominierende Partei ihre Mehrheit. Die Zuzüger waren somit definitiv in der Gemeindepolitik angekommen. Das Gemeindepräsidium blieb jedoch in den Händen der SVP, auch als 1985 mit Agnes Sauser-Im Obersteg die erste Frau ins Amt gewählt wurde.
Mitzuberücksichtigen sind dabei immer auch nationale Entwicklungen, wie beispielsweise die Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts, der Ausbau des Nationalstrassennetzes ab den1960-er Jahren, welches der Gemeinde Wohlen einen optimalen Anschluss brachte, die Förderung des ÖV mit dem Ausbau der Postautoverbindungen in der Gemeinde, die zunehmende Verflechtung mit den europäischen Nachbarn sowie die wachsende Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften in die Schweiz als einer prosperierenden, innovativen und weltoffenen Wirtschaftsnation mit einer intakten Industrie und einem ausgebauten Dienstleistungs-, Finanz- und Versicherungssektor. Max Frisch brachte die Zuwanderungsproblematik auf den Punkt: «Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen».
Seit den 70-er und vor allem den 80-er Jahre wurden als Folge des rasanten Bevölkerungswachstums ganz neue Fragen an die Gemeinde herangetragen, auf die die bisherige Sozialdemokratie keine fertigen Antworten bereithielt. Es ging beispielsweise um die ausserhäusliche Kinderbetreuung und Tagesschulen, Jugend- und Alterspolitik, Förderung des öffentlichen Verkehrs, Ortsplanung, Finanz- und Bodenpolitik, den Uferweg entlang des Wohlensees und um die Organisation der Gemeindeverwaltung.
Die Verschuldung der Gemeinde, ein Eclat und die politische Neuorientierung
Im Jahr 1990 spitzte sich die Situation der Gemeinde wegen der ungebremsten Verschuldung, wegen «Parteienfilz», einer überforderten Verwaltung und fehlender Zukunftsaussichten krisenhaft zu. Eine externe Analyse ergab ein verheerendes Resultat, was 1991 zum kurzfristigen Rücktritt der amtierenden Gemeindepräsidentin führte. Vor allem aber hatten sich schon 1985 neben der bisherigen SP links-progressive, grüne und aktive Bürger und Bürgerinnen aus den neuen Siedlungen zur «Offenen Liste (OL)» zusammengefunden und der Gemeindepolitik eine neue Dynamik verliehen. Aus ihren Reihen war 1985 Bänz Friedli als «jüngster Gemeinderat der Schweiz» gewählt worden. Die nach dem Eclat von 1990 stattfindenden Gemeindewahlen von 1991 brachten die Sensation: Martin Gerber wurde mit Unterstützung der OL als erster, vollamtlicher SP-Gemeindepräsident bei einem mittlerweile auf sieben Personen verkleinerten Gemeinderat gewählt. Damit war der Weg frei für eine umfassende und nachhaltige Revision und einen entsprechenden Umbau der Gemeindestrukturen nach den Prinzipien des New Public Managements (NPM). Auch gelang es der neuen Führungscrew, die Gemeindefinanzen in den folgenden Jahren wieder ins Lot zu bringen. Die OL, die ab 1985 mehrmals zwei Gemeinderatssitze eroberte, schloss sich, wie schon erwähnt, 1996 mit der SP zur «SPplus» zusammen und gewann in dieser Konstellation bei den Wahlen ab dem Jahr 1997 drei Gemeinderatssitze. So erreichte die SPplus bei den Gemeindewahlen von 2005 mit 48,3% ein Glanzresultat.
Festzuhalten ist die Tatsache, dass die damals neu erarbeiteten Gemeindestrukturen im Wesentlichen bis heute - 2021 - Bestand haben, so dass dem damaligen Gemeindepräsidenten und Gemeinderat als verantwortlichem Führungsorgan hohe Anerkennung und uneingeschränkter Respekt gebührt.
Ein bedeutungsvolles Zeichen der gewandelten Gemeinde jener Zeit stellte der Bau des Stegmattsteges im Jahr 1999 dar, der von Bewohnern der Aumatt, vor allem aber von deren weiblichen Aktivistinnen, den «Stegmattfrauen», initiiert und mit unglaublicher Tatkraft und Fantasie vorangetrieben wurde. Es war der letzte Brückenschlag über die Aare in der Gemeinde.
Die SPplus erhält links-grüne Konkurrenz
Einen Aderlass musste die SPplus 2008 hinnehmen, als Maria Iannino, die bisherige Vizepräsidentin, die auf der Liste der Grünen eben in den Grossen Rat gewählt worden war, mit einer Anzahl von Getreuen die SPplus verliess und eine Grüne Partei Wohlen gründete. Sie wurde auch gleich in den Wohlener Gemeinderat gewählt, so dass der SPplus zwei Sitze in der Gemeindeexekutive blieben. Man gelobte zwar Kooperation, doch entwickelte sich eher Konkurrenz um ein ähnliches Wählersegment.
Die SPplus als ökologische und innovative Kraft
In den folgenden Jahren betrieb die SPplus unter der Präsidentschaft von Fred Scholl, Martin Lachat und Mariann Halasy-Nagy Liratni/Michael Meyer eine bürgernahe, ökologische und pragmatische Politik. Ein Problem bestand darin, dass die Gemeinde keine Baulandreserven mehr besass, da man in früheren Jahren schon alles verscherbelt hatte. Neue Einzonungen waren daher kaum mehr möglich, so dass es nur noch in kleinerem Umfang gelang, jüngere Familien mit Kindern anzusiedeln. Auch blieben ältere Menschen häufig in ihren zwar zu grossen, aber sehr günstig gewordenen Liegenschaften wohnen, so dass diese nicht mehr dem freien Markt zugeführt werden konnten. Die demographische Entwicklung der Gemeinde verlief darum nicht optimal. Immerhin wurden zwei Altersheime in Uettligen (1983) und Hinterkappelen (2006/07, erweitert 2020) gebaut, so dass auch ältere Personen in der Gemeinde eine Bleibe behalten können.
Der «Wohnbaugenossenschaft» gelang die Einzonung «Hofweid» an der Säriswilstrasse in Uettligen, was eine gewisse Entlastung auf dem Wohnungsmarkt bringen sollte. Dieses Projekt ist die Folge der 2016 erfolgreich eingereichten «Wohnbauinitiative» der SPplus. Schliesslich werden im Neubau der Migros in Hinterkappelen 35 rollstuhlgängige Wohnungen errichtet. Weiterer Wohnraum soll auf dem Parkplatz neben dem Gemeindehaus in Wohlen entstehen.
Auch mit der «Solarinitiative» hatte die Partei 2014 Erfolg, wurde die Gemeinde doch verpflichtet, auf allen neu zu erstellenden öffentlichen Gebäuden Solarpanels zu installieren. Beide erwähnten Initiativen mussten gegen erhebliche Widerstände der bürgerlichen Parteien durchgeboxt werden und passierten die Gemeindeversammlungen nicht ohne Abstriche.
Der Uferweg: Traum oder Trauma
Ein leidiges Thema war für die SPplus während Jahren der Uferweg entlang des Wohlensees, besonders im Bereich der Inselrainbucht, wo eine Anzahl gut Betuchter schöne Liegenschaften in privilegierter Lage besitzt. Nach längeren Diskussionen beschloss die Gemeindeversammlung 1991 auf Grund der Aktivitäten der SPplus eine ufernahe Wegführung als «Gewinn für alle». Allerdings beschritten darauf die direkt Betroffenen den Rechtsweg, was die weitere Planung um Jahre verzögerte. Erst im Jahr 2019 fällte das Bundesgericht das abschliessende Urteil zu Gunsten der Liegenschaftsbesitzenden. Als Begründung gegen den Uferweg wurde der Vogelschutz angeführt, der bei einer ufernahen Wegführung in Gefahr hätte geraten können. Für die SPplus kam das einem Witz gleich, war es doch in den vorausgegangenen Auseinandersetzungen höchstens am Rand um den «Vogelschutz» gegangen, sondern vor allem um den privaten Zugang zum See.
Neue Technologien
Zu einem Leuchtturmprojekt und Erfolgsmodell entwickelte sich der Wärmeverbund Kappelenring mit einer Gesamtinvestition von etwa 14 Mio Franken. Mit Wärme aus dem Wohlensee wird künftig unter Einsatz von Wärmepumpen der grössere Teil des Ringes beheizt und mit Warmwasser versorgt. Bis Herbst 2021 sollen alle interessierten Häuser, die Schulhäuser in Hinterkappelen, das Kipferhaus und weitere Liegenschaften im Dorf Hinterkappelen angeschlossen sein. In der Zwischenzeit werden die Leitungen sogar bis in die Aumatt I weitergezogen. Das komplexe Projekt stand mehrmals vor dem Totalabsturz und wäre ohne den ausserordentlichen Einsatz des Gemeindepräsidenten und der Gemeindeverwaltung gescheitert. Allen Beteiligten kommt darum grosser Dank und uneingeschränkte Anerkennung zu.
Erfreulicherweise ist auch der Wärmeverbund Uettligen seit 2019 in Betrieb. In der Heizzentrale auf dem Viehschauplatz wird mit der Verbrennung von Holz aus der Region Wärme gewonnen und über Fernleitungen verteilt. Neben etwa 40 privaten Liegenschaften sind im Moment bereits das Oberstufenschulhaus angeschlossen, künftig auch das Reberhaus und das Altersheim Hofmatt.
Die Gemeinde macht mit diesen beiden realisierten Projekten ihrem Label «Energiestadt Gold» alle Ehre.
Weniger erfolgreich war das 2019 lancierte Projekt «Windpark Murzelen». Unter Berücksichtigung des zu erwartenden Widerstandes der betroffenen Bevölkerung und in Anbetracht des grossen Potentials der Fotovoltaik in unserer Gemeinde distanzierte sich der Gemeinderat schliesslich vom Projekt.
Altlasten
In den Jahren 1962 bis 1975 wurde im Illiswilgraben eine riesige Deponie für Bauschutt, Industrieabfälle, Haushaltmüll und auch gefährlich und giftige Chemikalien im Umfang von schliesslich 1,5 Mio m³ betrieben. Dies entspricht einem Würfel von über 100 Meter Seitenlänge! Nach Schliessung der Deponie entstand über diesem problembefrachteten Untergrund wertvolles Kulturland. Der Illiswilbach war rechtzeitig in Röhren gefasst und unter der entstehenden Deponie durchgeführt worden. Die Rohre blieben jedoch nicht dicht, so dass der Bach unterhalb, zunehmend mit Giftstoffen belastet, wieder ans Tageslicht trat. Das war für die Gemeinde eine über lange Zeit schwärende Wunde, weil sich keine offensichtliche Lösung abzeichnete. Erst im Laufe der letzten 10 Jahre gelang es, das Sickerwasser aus der Deponie der ARA zuzuführen und den Illiswilbach in einem Stollen an der Deponie vorbei zum Mülibach zu leiten. Die etappenweise Sanierung kostete den Kanton Bern rund 10 Mio Franken, wobei die Deponie mit ihrem gefährlichen Inhalt bestehen bleibt.
Eine vergleichbare Kalamität stellt der Jagdschiessplatz Bergfeld dar, wo ein «Hobby für wenige» «Schiesslärm und Bodenverseuchung für alle» verursacht. Dass Jagdschützen eine seriöse Ausbildung mit Trainingsmöglichkeiten benötigen, steht dabei nicht zur Diskussion. Für zunehmenden Ärger aber sorgen die Sportschützen, die aus der halben Nordwestschweiz oder gar aus dem Ausland anreisen, um hier in Hinterkappelen in eigentlichen Schützenfesten ihrer Leidenschaft zu frönen. Diese absolut störenden Lärmimmissionen - im Klartext Knallereien - müssen nicht sein. Die SPplus nimmt sich des Themas seit Jahren an und ist jetzt entschlossen, mit aller Kraft und zum Wohl der betroffenen Bevölkerung eine zeitliche Reduktion des Schiessbetriebes herbeizuführen. Es kommt noch dazu, dass die Bodenverseuchung im Zielgebiet mit Blei und anderen Schwermetallen unaufhaltsam voranschreitet und die giftigen Substanzen über kurz oder lang ins Grundwasser eindringen. Die SPplus nimmt den Schiesplatz Bergfeld definitiv ins Visier.
Aktive Kommunikation
Kommunikativ war die Partei sehr aktiv, indem sie jedes Jahr im Hinblick auf Wahlen und Abstimmungen überzeugende Ausgaben der «SPitzen Botschaft» in alle Haushaltungen verschickte. Zu einem wirksamen und viel besuchten Kommunikationsanlass entwickelte sich das «Politcafé», in dem jährlich bis zu drei Mal in überparteilich zusammengesetzten Podien anstehende Gemeindethemen kontrovers diskutiert wurden. Dabei ging es beispielsweise um «Flüchtlinge unter uns», «Wie verträgt sich der Islam mit der Demokratie?», «Bleibt die Kirche im Dorf?», «Wir heizen die Erde auf - was kann eine Gemeinde tun?» oder um eine mögliche Fusion mit der Stadt Bern zu einer «Hauptstadtregion». An den Podien nahmen u.a. eine Bundesrätin, weitere nationale und kantonale Politikerinnen und Politiker und Experten und Spezialistinnen verschiedener Fachrichtungen teil.
Wie weiter?
Aktuell befindet sich die Partei in den Vorbereitungsarbeiten für die Gemeindewahlen vom November 2021. Wir setzen alles daran, zur Stärkung unserer Positionen einen dritten Sitz im Gemeinderat zu erringen. Es gilt das Motto für unsere Politik: Wir setzen uns ein «Für alle statt für wenige». Wichtig ist uns - trotz gegebener Differenzen - eine vertrauensvolle und lösungsorientierte Zusammenarbeit mit allen politischen Kräften zum Wohl aller Menschen in unserer wunderschönen Gemeinde.
Ueli Corrodi
Hinterkappelen, 1. Mai 2021