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Annaïk Lou Pitteloud wurde mit grossformatigen Fotografien bekannt, die bereits früh ihr konzeptuelles Interesse an der Konstruktion visueller Welten zwischen Virtualität und Realität verrieten. In Zeichnungen, Videos und Installationen reflektiert sie darüber hinaus in oft äusserst reduzierter Form die kulturellen, sozialen und theoretischen Bedingungen des Bildermachens sowie die Mechanismen der Kunstwelt.
In Lausanne geboren, studierte Pitteloud von 2002 bis 2005 an der Hochschule der Künste Bern. Noch während des Studiums begann sie, mit der Digitalkamera und Bildbearbeitungsprogrammen eine von Klassikern wie Botticelli bis Caravaggio inspirierte Ikonografie zu entwickeln, die einen kunsthistorisch gefilterten Blick auf die Gegenwart warf und im scheinbar Alltäglichen das Allegorische suchte. Ihre Tableaus entstanden aus bis zu 250 sorgfältig inszenierten Einzelmotiven, die Pitteloud zu fiktiven Momentaufnahmen montierte. Drei dieser Arbeiten befinden sich im Besitz der Mobiliar. All Yesterdays (2007) zeigt das bühnenartig ausgeleuchtete Interieur einer Alternativkneipe, bevölkert von jungen Menschen in modellhaften Posen der Geselligkeit. Auch das Panoramaformat Highlights (2007) wirkt wie das Produktionsstill eines Theaterstücks. Schauplatz der abendlichen Szene ist ein hell erleuchteter, unter einer Brücke gelegener Parkplatz, über den Menschen in alle Richtungen hasten. My My (2007) schliesslich lenkt den Blick auf eine graue Mauer mit vergittertem Fenster, hinter dem zwei Männer im Schein einer Lampe miteinander reden, während im Hintergrund eine Frau mit Baby auf dem Arm im Rahmen einer Tür lehnt, die auf eine dahinter liegende Strasse führt. Jede dieser komplexen Inszenierungen wirkt unwirklich und plausibel zugleich und wirft damit Fragen zum Verhältnis von Dokument und Komposition, Bericht und Erzählung, Stillstand und Bewegung auf.
Pitteloud entwickelte ihr fotografisches Frühwerk konsequent aus der an Künstlern wie Gregory Crewdson oder Bill Viola geschulten Idee des fotografischen Bildes als hochverdichteter und dennoch offener Erzählung. Es markiert den Anfang ihres konzeptuellen Werks, das im Schweizer Kunstgeschehen eine eigenständige Position einnimmt.
Annaïk Lou Pitteloud, 1980 in Lausanne (CHE) geboren, lebt und arbeitet in Brüssel (BEL) und Bern (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Konzeptkunst, Fotografie, Video, Zeichnung, Skulptur, Installation