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DIPO-Trainer
Nach einer Behandlung ist das konsequente und geziehlte Aufbauen und/oder weitere Trainieren eines tragfähigen Muskelapparates zu empfehlen. Der DIPO-Trainer bietet dafür eine sinnvolle Unterstützung.
Der DIPO-Trainer
Der DIPO-Trainer ist ein Trainingszügel, der im Gegensatz zu herkömmlichen Hilfszügeln nicht über Druck aufs Genick oder Maul wirkt und die Pferde nicht eng sondern lang im Hals macht.
Die drei häufigsten Manipulationen der vorgenannten Hilfsmittel Druck aufs Maul, Genick und enger Hals verhindern, dass das Pferd losgelassen geht. Es versucht vielmehr über das Wegdrücken des Rückens sich zu entziehen und es ist nur zu häufig dokumentiert, dass das vermehrte Untertreten der Hinterhand durch die Manipulationen vorne gerade nicht erreicht wird.
Stellen Sie sich einmal vor, es hakt Ihnen jemand eine Klammer in den Mund, die Sie herunterzieht, gleichzeitig zieht jemand heftig mit Hilfe eines Lederriemens Ihren Kopf herunter. Dann sollen Sie schwungvolle gymnastische Bewegungen machen, obwohl Sie bei dieser Haltung schon kaum Luft bekommen.
Statt Schmerzen auf die Kinnlade, das Genick und die verkürzte Halsmuskulatur auszuüben, die ihrerseits wieder auf Nerven drückt und ausstrahlende Schmerzen verursacht, belohnt der DIPO-Trainer das Pferd durch augenblickliches Nachgeben, wenn es den Hals dehnt. Diese Funktion wird durch den vorderen Halsriegel (F) ausgeübt. Er gibt einen Reiz auf die Luftröhre, wenn das Pferd den Kopf hochhebt. Der Riegel schiebt sich dann hoch und drückt die Luftröhre. Reflexartig nimmt das Pferd den Kopf und Hals herunter, augenblicklich rutscht der Riegel auch herunter und entlastet den Hals. Es kann keine fehlerhafte Reiterhand wie z. B. beim Schlaufzügel, Stoßzügel, Ausbinder, Halsverlängerer usw. dagegenwirken, die trotzdem zieht, auch wenn das Pferd nachgibt.
Senken des Halses und Anspannung der Bauchmuskulatur:
Auseinanderrücken der Brustwirbeldornfortsätze und damit Entgegenwirken der "Kissing spine" Heben der Brustwirbelsäule und Sattellage
Zusätzlich ergibt sich folgende Funktion der Brustwirbelsäule. Wenn das Pferd den Hals nach vorwärts und abwärts dehnt, wölbt sich die Brustwirbelsäule im Bereich des Widerristes und der Sattellage nach oben auf. Die Schulter- + Halsmuskulatur ist dadurch frei beweglich, die Rippen können sich ihrer anatomischen Anordnung entsprechend zur Seite und nach vorne bewegen, ebenso das Brustbein. Alle genannten Körperteile benötigen die volle Bewegungs-freiheit für die Atmung und die ungehinderte Beweglichkeit des Zwerchfells.
Vom Brustbein und den Rippen zieht die gerade Bauchmuskulatur nach hinten zum Becken und setzt dort an. Wenn das Pferd nun den Widerrist und die Brustwirbelsäule aufwölbt, hilft die Anspannung der Bauchmuskulatur auch den hinteren Rücken zu wölben (Lenden bzw. Nierenpartie).
Kopfheben mit Unterhalspositionierung und Anspannung der Rückenmuskulatur:
Annäherung der Brustwirbeldornfortsätze und Bewegung in Richtung "Kissing spine"
Absenken der Brustwirbelsäule und Wegdrücken des Rückens - fehlende Spannung der Bauchmuskulatur
Gleichzeitig kommt das Becken des Pferdes mit den Hüftgelenken über die abfallende Kruppe dazu, die Hinterbeine vermehrt unter den Bauch zu setzen. Diese Muskelketten, die in der klassischen Reiterei trainiert werden, werden mit Hilfe des DIPO-Trainers aktiviert und ebenfalls trainiert, so dass der DIPO-Trainer ein idealer Unterstützer für das funktionelle Muskelaufbautraining des gesamten Pferdes ist.
Natürlich kann er nicht den Reiter ersetzen, denn zwei Dinge vermag er nicht.
1) Entsprechend der Skala der Ausbildung wird er nicht die Geraderichtung des Pferdes erreichen
2) Er kann nicht die Biegearbeit des Reiterschenkels leisten. Das kann aber bekanntlich keine Bodenarbeit.
Reiten können ist also trotz DIPO-Trainer unerlässlich, um ein Pferd auszubilden + zu fördern.
Der DIPO-Trainer hilft aber den Rücken aufzuwölben, damit Sie Ihr Pferd leicht über den Rücken reiten können. Er hilft von vorne bis hinten, denn er gibt vorne den Impuls und erreicht seine Funktionskette bis zur Aktivierung der Hinterhand.
Achtung: Falsche und schlechtsitzende Sättel mit zu niedrigen Sattelkammern kann er nicht ausgleichen, das gleiche gilt für Longiergurte.
Überprüfen Sie deshalb unbedingt ob genügend Kammerfreiheit vorhanden ist und polstern Sie den Longiergurt rechts und links genügend weich und hoch. Der DIPO-Trainer löst eine enorme Wirbelsäulenreaktion aus.
Das Anlegen des DIPO-Trainers:
Der DIPO-Trainer wird mit dem Stirnband (breites Lederstück A) und dem Genickstück (schmales Lederstück B) über die Ohren des Pferdes gelegt, nachdem dieses aufgetrenst ist.
Die Schlaufe (C) wird zwischen den Vorderbeinen durchlaufend am Gurt befestigt. Die Karabinerhaken (D) werden auf dem Weg von der Stallgasse bis zum Longierzirkel lediglich ineinandergehakt über den Hals gelegt oder der guten Ordnung halber rechts und links in die Ringe am Kopfstück eingehakt.
Zu Beginn der Longenarbeit werden die Karabinerhaken seitlich in die Metallösen des Sattels eingeschnallt in denen sonst das Halteriemchen befestigt ist, oder entsprechend an den oberen Ringen des Longiergurtes.
Die Verschnallung bei durchschnittlich großen Warmblütern ist etwa so, dass die seitlichen Riemen vom vorderen Karabinerhaken (D) zum vorderen Ring (E) etwa ins 4. Loch geschnallt werden. Die Verschnallung der vorderen Schlaufe (C) wird zu Beginn länger sein und kann während des Trainings verkürzt werden.
Schon im Schritt werden sie bald die aktiver untertretende Hinterhand wahrnehmen.
Dosierung des Trainings mit dem DIPO-Trainer.
Bei der enormen Funktion, die über den ganzen Pferdekörper geht, ist zu Anfang äußerste Vorsicht bei der Dauer des Trainings geboten. Ebenso wie ein untrainierter oder falsch trainierter Mensch nach Aufnahme des richtigen Trainings Muskelkater bekommt, wird auch Ihr Pferd anfangs darunter leiden und möglicherweise muskulär reagieren.
Deshalb soll der DIPO-Trainer an den ersten 3 - 4 Tagen insgesamt nur 15 - 20 min. eingesetzt werden. Hierbei soll das Verhältnis von Schritt und Trab so sein, dass das Pferd ca. 2/3 Schritt und nur 1/3 Trab auf jeder Hand geht, z. B. 6 Min. Schritt, 3 Min. Trab linke Hand, anschließend dasselbe rechts. Zum Schluß die Karabiner vom Sattel oder Longiergurt lösen und das Pferd noch ca. 5 Min. Schritt mit langem Hals gehen lassen.
Auf keinen Fall sollte während der ersten Trainingsintervalle galoppiert werden. Frühestens nach 1 Woche.
Achtung: Der DIPO-Trainer ist kein Ersatz für eine osteotherapeutische Behandlung. Er kann seine physiologische Wirkung nur ausüben, wenn die Gelenke und Muskeln des Pferdes frei beweglich sind. Er ist ein idealer Traningszügel auch nach der osteotherapeutischen Behandlung und zur Entlastungsarbeit bei nicht bewegungsblockierten Pferden.
© mit Erlaubnis des Deutschen Institus für Pferdeosteopathie (DIPO)