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SONIC 4
Die Geschichte von Sonic Team ist die Geschichte eines unvergleichbaren Niedergangs. In den 90ern war Sonic Team ein Spiele-Studio, welches in den Augen vieler Gamer auf gleicher Ebene mit Nintendo stand. Ob die Sonic-Games oder die Mario-Games besser sind war damals eine offene Frage, die in Schulzimmern und auf Pausenhöfen heiss diskutiert wurde. Dann kam das Ende der Megadrive-Konsole — und das Ende der guten Sonic-Spiele.
Quasi über Nacht verwandelte sich Sonic Team von einem erstklassigen Spiele-Entwickler zu einer enormen Enttäuschung. Die beiden Sonic-Adventure-Spiele auf der Dreamcast waren noch einigermassen erträglich, aber danach lieferte Sonic Team nur noch Spiele, die man beim besten Willen nur als Mist bezeichnen kann.
Auf dem NeoGeo Pocket, dem GameBoy Advance und dem DS wurden ab und zu akzeptable Sonic-Spiele veröffentlicht, aber auch da wurde die Qualität der Megadrive-Sonic-Games nie erreicht.
Bis jetzt.
Um ehrlich zu sein, ich habe von Sonic 4 nichts erwartet. Es ist offensichtlich, dass die ehemaligen Mitglieder vom Sonic Team schon lange nicht mehr bei Sega arbeiten. Von diesem neuen Sonic Team zu erwarten, dass sie beinahe 20 Jahre lang Abfall produzieren, nur um dann plötzlich wieder einen Volltreffer zu landen, das war nicht realistisch.
Aber Sonic 4 ist genau so ein Volltreffer.
Sonic 4 ist das Spiel, auf das wir seit Sonic & Knuckles gewartet haben. Sonic 4 ist das beste Sonic-Spiel seit 1994. Um ehrlich zu sein, es ist sogar besser als einige der originalen Sonic-Spiele. Vielleicht ist es das beste Sonic-Spiel aller Zeiten.
Wenn Gamer darüber diskutieren, woran es den neuen Sonic-Spielen gefehlt hat, dann kommen sie meistens zum Schluss, dass die neueren Sonic-Spiele nicht "schnell genug" sind. Das ist Blödsinn. Die Sonic-Spiele waren noch nie besonders schnell. Schon immer wurde Speed in den Sonic-Games nur als Belohnung eingesetzt. Wer besonders gut spielt, darf dann ein paar Sekunden lang durch ein Level rennen, bis er wieder zu einer Plattform-Sektion kommt, wo langsamer vorgegangen werden muss. Und dieses Zusammenspiel zwischen Hüpfen als Aufgabe und Rennen als Belohnung — Jump'N'Run — findet man auch in Sonic 4 wieder.
Aber was die alten Sonic-Spiele meiner Meinung nach zu tollen Games gemacht hat ist die Erforschung. Die Levels sind extrem vertikal. Fast immer gibt es mehrere Pfade, die zum Ziel führen. Dazu kommt, dass es viele versteckte Goodies gibt. Manchmal kann man Wände durchbrechen, um an Leben zu kommen. Oder einfach durch eine falsche Wand gehen, um ein Schild zu gewinnen. Wer den schwierigeren hohen Weg nimmt, wird für diesen Aufwand oft mit Goldringen belohnt; wer den tiefen Weg nimmt muss aufpassen, dass er nicht in ein Loch fällt.
Der Effekt dieses Aufbaus ist, dass man die Levels gerne noch ein zweites mal durchspielt, um zu schauen ob man einen besseren Pfad findet. Und dann noch ein drittes Mal, um zu schauen ob man ein paar versteckte Power-Ups vergessen hat. Und dann nochmals, um die eigene Punktezahl zu schlagen. Und dann nochmals um zu schauen wie schnell man durch's Level rennen kann. Und nochmals. Und nochmals. Und nochmals.
Das Level-Design macht die Sonic-Spiele genial, und das Level-Design ist in Sonic 4 wirklich gut gelungen.
Klar, an Sonic 4 ist nicht alles perfekt. Die Physik des Spiels beispielsweise fühlt sich zunächst etwas seltsam an, vor allem wenn man sich an die älteren Sonic-Spiele gewöhnt hat. Deren Physik war zwar auch nicht über alle Zweifel erhaben, aber die alten Spiele haben wir so lange gespielt dass uns das nicht mehr auffällt.
Die Grafik ist zumeist hübsch, andere Games haben aber gezeigt, dass man aus modernen Konsolen durchaus noch ein bisschen bessere 2D-Grafik kitzeln kann. Sogar das Fan-Remix hat da teilweise bessere Effekte auf Lager.
Es gibt ein paar unfaire Todesfälle in dem Spiel. An einigen Stellen hüpft man ins Nichts (was in Sonic-Games aber nichts neues ist). An anderen Stellen gibt es unbesiegbare Gegner, die plötzlich erscheinen und Feuerbälle spucken —Â aber auch das ist für Sonic-Fans keine neue Erfahrung.
Sonic 4 hat einen Spin-Dash, der in der Luft aktiviert wird, und manchmal nicht den Gegner trifft, den man eigentlich treffen wollte.
Die Kamera ist manchmal etwas zu Nahe am Spielgeschehen. Andere Games haben toll gezeigt, wie man 2D-Plattformer mit einer zoombaren Kamera ausstatten kann, die zwar Details zeigt, dem Spieler aber trotzdem erlaubt, den Überblick über das Spielfeld zu behalten.
Und Sonic 4 hat keinen Multiplayer-Modus.
Aber trotz diesen kleinen Problemen bleibt am Ende das Fazit: Auf dieses Spiel haben wir beinahe 20 Jahre gewartet. Und es ist gut. Vielleicht das beste Sonic-Spiel aller Zeiten.
Wir haben die PS3-Version getestet.
Zweite Meinung von shinobi
Meine Erwartungen waren gross.
Wurde der kleine blaue Igel doch jahrelang von SEGA eher stiefmütterlich behandelt, und in allerlei unpassende Klamotten gesteckt.
Umso erfreuter war ich über die Ankündiung der Rückkehr auf zweidimensionaler Ebene auf den Next Gen. Konsolen.
Wem in den letzten 10 jahren ein Sonic-Spiel in die Hände geriet weiss: nur weil es wie Sonic aussieht, Sonic heisst und sogar wie Sonic klingt, muss es sich noch lange nicht wie Sonic anfühlen. Und leider, leider tut das auch Sonic4 nicht. Das haben merkwürdigerweise nur die Programmierer des Fangames hinbekommen.
AABER, muss es das unbedingt? Hätte sich nicht so manche Spieleserie kaum weiterentwickelt, wenn es jeweils nach den Hardcore-Fans gegangen wär? kann man überhaupt nach 16 jahren einen Folgetitel für eine Next Gen. Konsole programmieren der Gameplaytechnisch nahtlos an die Vorgänger anschliesst?
Auch die Titel der 16bit Ära hatten ihre Schwachstellen; vorallem wenn es um die Präzision ging: Sonic war ein echter Naturbursche; wild, unzähmbar und seeehr eigenwillig. Und offensichtlich hat das aktuelle Sonic Team genau hier angesetzt, und sämtliche physikalischen Eigenschaften der Teile 1-3 ignoriert. Das wäre auch nicht weiter schlimm wenn das Spiel einfach z.b. „sonic next gen 2D“ heissen würde. Angekündigt wurde jedoch ein auf den „Classics“ basierendes Sequel. das Resultat ist ein grafisch und akustisch sehr anmutendes Jump’n’Run, welches so manchen 2D Sonic-Titel der letzten Jahre in den Schatten stellt. Aber das old-school Sonic Feeling welches ich mir erhofft hatte kommt nicht wirklich auf. Trotzdem liegt uns hier ein solide programmierter Titel vor, an dem Sonic-Fans und Freunde des Genres ihre Freude haben werden. Der Charme der Classics jedoch bleibt meines Erachtens weiterhin unerreicht.
Sonic 4
Positiv
Geniales Leve-Design, gute Musik
Negativ
Grafik könnte besser sein, Physik fühlt sich zu Beginn etwas seltsam an, Kamera manchmal etwas zu nahe am Spielgeschehen
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