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Der langjährige Credit Suisse-Aktionär Harris Associates ist komplett bei der krisengeplagten Schweizer Bank ausgestiegen. Harris habe mit der Reduzierung des Anteils im Oktober begonnen und sich nun vollständig davon getrennt, sagte Harris-Vize-Chef David Herro der «Financial Times» vom Sonntag. Der Zeitung zufolge hat Harris noch im vergangenen Jahr bis zu zehn Prozent der CS-Aktien besessen. «Es stellt sich die Frage nach der Zukunft des Geschäftsbereichs. Es hat grosse Abflüsse aus dem Wealth Management gegeben», sagte Herro.
Die Credit Suisse hatte in den vergangenen Monaten mit einem Vertrauensverlust der Kunden zu kämpfen und im Geschäftsjahr 2022 mit 7,3 Milliarden Franken den höchsten Verlust seit der Finanzkrise eingefahren. Die Aktien der Credit Suisse haben seit Sommer 2007 rund 95 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Die Bank verpasste den Aufschwung ihrer europäischen Konkurrenten, der Ende letzten Jahres einsetzte, als die Straffung der Geldpolitik die Aussichten für die Kreditrentabilität verbesserte.
Harris sagte der «Financial Times», es gebe viele andere Möglichkeiten zu investieren. «Steigende Zinssätze bedeuten, dass viele europäische Finanzwerte in die andere Richtung gehen. Warum sollte man in etwas investieren, das Kapital verbrennt, wenn der Rest des Sektors es jetzt erwirtschaftet?»
Umbaupläne werden skeptisch beäugt
Die Credit Suisse hat ihre Bemühungen verstärkt, Kunden zurückzugewinnen und die Abwanderung von Führungskräften einzudämmen, die ihrem Vermögensverwaltungsgeschäft, das sie als Schlüssel zur Wiederbelebung des Unternehmens betrachtet, einen Schlag versetzt hat. Die Kunden zogen im vierten Quartal 110,5 Milliarden Schweizer Franken (118 Milliarden Dollar) ab, so viel wie nie zuvor.
Herro kritisierte auch den Plan der Credit Suisse, ihre Investmentbank unter der Führung von Michael Klein auszugliedern. Der Vorschlag sei «aber schwerfällig und in Bezug auf den Cash-Burn weitaus kostspieliger, als wir erwartet haben. (...) Wir waren auch nicht zufrieden mit dem, was wir an Erlösen aus dem Verkauf von verbrieften Produkten erhalten haben.»
Harris Associates besitzt seit Anfang dieses Jahrhunderts Aktien der Credit Suisse und hat nach der Finanzkrise 2008 seine Wette verdoppelt. Während Herro die Bank zu Beginn ihrer Probleme verteidigte, wurde er gegenüber dem Vorstand zunehmend kritischer, als der Kreditgeber darum kämpfte, seine Investmentbank zu sanieren und Verluste und Skandale hinter sich zu lassen.
Saudi-Arabien grösster Stakeholder jetzt
Die saudische Nationalbank ist nun der grösste Anteilseigner der Credit Suisse, wie aus der Website des in Zürich ansässigen Kreditinstituts und den von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht. Auch die Qatar Investment Authority hat ihren Anteil erhöht, nachdem die Credit Suisse Ende letzten Jahres im Rahmen einer Kapitalerhöhung in Höhe von 4 Milliarden Schweizer Franken neue Aktien ausgegeben hatte.
Die Credit Suisse teilte zu dem Interview auf Anfrage mit, die Bank sei ihrem Plan voraus und habe klare strategische Ziele. «Wir konzentrieren uns voll und ganz auf die erfolgreiche Umsetzung unseres Plans und die Erreichung unserer Ziele, um sicherzustellen, dass die neue Credit Suisse nachhaltigen Wert für alle unsere Stakeholder schafft.»
(reuters/bloomberg/rul)