Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03147.jsonl.gz/727

mehr
stösst man in einer Tiefe von 15-18 m auf Grundwasser. Eine grosse Zahl von Sodbrunnen entnimmt diesem Reservoir das Wasser zu gewerblichen Zwecken und zum Verbrauch. Da aber auf bebautem und bewohntem Terrain die Verunreinigung nicht ausbleiben konnte, so musste in neuerer Zeit, gestützt auf die chemische und bakteriologische Untersuchung, das Wasser der meisten Sodbrunnen als ungeniessbar erklärt werden. Wo die tertiären Lettschichten der Oberfläche nahe kommen oder zu Tage treten, wie im Rheinbett auf der Grossbasler Seite, im Birsigthälchen und am Rande der niedrigen Plateaux s. von Basel, bildet das Grundwasser Quellen, die längst gefasst worden sind, um laufende Brunnen zu speisen.
Eine gewisse Berühmtheit haben die Lochbrünnlein, die dem Untergrunde der Stadt selbst entströmen. Es bestehen jetzt noch deren zwei, nämlich eines an der Gerbergasse und eines an der Sattelgasse. Auch diese stehen unter scharfer Beobachtung und würden geschlossen, so bald sich in ihrem Wasser Verunreinigungen zeigten. Bereits ist im Jahre 1897 die obere Quelle des letztern abgeschnitten worden. Die übrigen laufenden Privat- und öffentlichen Brunnen der Stadt Basel wurden bis zum Jahre 1866 von sechs Brunnwerken gespiesen, nämlich vom St. Alban-, Gundoldinger-, Münster-, Steinen-, Spalen- und Riehenwerk.
Das St. Albanwerk befördert durch ein vom St. Albanteich getriebenes Pumpwerk die Lochbrunnen des St. Abanthales in ein höheres Reservoir, von dem aus die Brunnen versorgt werden können. Das Gundoldingerwerk besteht aus zwei Quellen am Ostrand des Bruderholzplateaus, die jetzt bloss noch einen öffentlichen Brunnen unterhalten. Das Münsterwerk sammelt die Quellen bei Gundoldingen, hinter St. Margrethen und im Käppeligraben und führt ihr Wasser in die Stadt.
Das Steinenwerk leitet das Wasser eines Lochbrunnens beim St. Margrethensteg zu drei öffentlichen Brunnen. Das Spalenwerk erhält sein Wasser von Quellen im Holee und im Allschwiler Wald. Das Riehenwerk führt jetzt noch die Nollen- und Moosquellen nach Kleinbasel; einige andere wurden der Gemeinde Riehen abgetreten. Früher gehörte zu demselben noch ein in der Stadt selbst gelegenes Pumpwerk, das jetzt eingestellt ist, weil es vom Riehenteich her verunreinigtes Wasser lieferte. Alle diese Brunnwerke ergaben in den letzten sieben Jahren einen mittleren täglichen Wasserguss von 2540 m3.
In den Jahren 1865 und 1866 erstellte eine Aktiengesellschaft für die Stadt Basel eine allgemeine Wasserversorgung, die am eröffnet wurde und am durch Kauf in den Besitz des Staates überging. Zu derselben lieferten Quellen im Kaltbrunnenthal und im Pelzmühlethal bei Grellingen und bei Angenstein das Wasser. Letzteres wird zunächst in natürlichem Gefäll in ein Reservoir auf dem Bruderholz und von dort aus in alle Teile der Stadt und seit 1896 auch nach dem basellandschaftlichen Dorfe Binningen geleitet. Da dieses sog. «Grellingerwasser» der sich rasch mehrenden Bevölkerung nicht mehr genügte, so wurde im Jahr 1882 ein seither wiederholt vergrössertes Pumpwerk errichtet.
Dieses ist am Ausgange des Wiesenthales, am Rande des Erlenparkes in die Niederterrasse eingesenkt und zwar an der Stelle, wo ein alter, nun durch diluviale Schotter ausgefüllter Rheinlauf in dem anstehenden Letten eine tiefere Rinne bildet als das jetzige Strombett. Aus vier Brunnenschächten, von denen wenigstens die drei ergiebigeren in jener alten Rinne zu liegen scheinen, wird das Grundwasser durch Heberrohre in den Sammelbrunnen geleitet und von da durch Pumpen in die Röhrenleitung eingepresst.
Der Druck beträgt 8-9 Atmosphären oder 85 m Saug- und Druckhöhe. Es kann dem Boden Wasser in beliebiger Quantität entnommen werden. Die natürliche Filtration durch die hier 10 m mächtige Kiesschicht ist eine so vollständige, dass das Wasser von bester Qualität ist und namentlich einen geringeren Härtegrad aufweist als das Grellingerwasser. Da eine Schutzzone das Pumpwerk umgiebt, so ist auch für die Zukunft eine Verunreinigung ausgeschlossen. Allwöchentlich wiederkehrende chemische und bakteriologische Untersuchungen wachen über die Reinheit des Wassers. Die gesamte Röhrenleitung des Wasserwerks hatte Ende 1899 eine Länge von 172831 m. Im Jahr 1899 wurden 6040000 m3 Wasser in die Stadt geleitet, wovon das Pumpwerk 4640000 m3, also 76,8%, lieferte. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch betrug 16549 m3 oder per Kopf der Bevölkerung 156 l. (Müller, Albr. Ueber das Grundwasser und die Bodenverhältnisse der Stadt Basel. 1867. - Rütimeyer, Ludwig. Bericht über die Brunnenmessungen in Basel von 1865-1869. Basel 1870. - Jahresberichte des Gas- und Wasserwerkes.)
Bodenkultur.
Die die Oberfläche bildenden Ablagerungen bedingen eine grosse Fruchtbarkeit des Bodens; einzig der Muschelkalk des Dinkelbergs ist wenig ergiebig. Dieses Gebiet ist darum grösstenteils bewaldet. Auch im Ausgang des Wiesenthales hat es einige Wäldchen, und in der Rheinebene dehnt sich die prächtige, der Bürgergemeinde Basel gehörende Hardt aus, die indessen schon auf dem Gebiete von Baselland gelegen ist. Von den 395 ha Wald sind 175 ha Gemeindewald und 220 ha Privatwaldungen. An den nach Süden gerichteten Abhängen des Tüllinger- und Dinkelberges wird ein guter Weisswein gebaut, und bei St. Jakob wächst das rote «Schweizerblut». In früherer Zeit dehnte sich auch rings um die Befestigungen der Stadt Basel Rebgelände aus, das indessen in den letzten Jahrzehnten der Vergrösserung der Stadt hat weichen müssen. Im Jahr 1898 wurden 716 hl Wein im Werte von 39380 Fr. gewonnen.
Der Löss und auch die Niederterrasse erweisen sich für den Ackerbau besonders günstig. Eine grosse Bedeutung hat der Gartenbau, jedoch genügt er den Bedürfnissen lange nicht. Die Stadt Basel wird hauptsächlich aus dem Elsass mit Gemüse versorgt. Die Wiesen treten etwas zurück, sie dehnen sich namentlich in die Ebene aus. Die sommerliche Trockenheit erfordert deren künstliche Bewässerung. Meistens sind sie von Obst-, besonders von Kirschbäumen bestanden. Die Verteilung des Areals ist nach den vom Grundbuchgeometer mitgeteilten Zahlen die folgende:
|Wald||3.9 km2|
|Rebland||0.7 km2|
|Gartenland||2.2 km2|
|Ackerland||15.0 km2|
|Wiesen||8.6 km2|
|Produktiv:||km2 30.4 = 81,9%|
|Flüsse, Bäche||1.3 km2|
|Schutthalden||0.2 km2|
|Schienenwege||0.7 km2|
|Strassen, Wege||2.1 km2|
|Gebäude, Hofräume||2.4 km2|
|Unproduktiv:||km2 6.7 = 18,1%|
|Total||km2 37.1 = 100,0%|
Flora.
Die wilde Flora des kleinen Gebietes von Basel-Stadt besteht wesentlich aus Bestandteilen des europäisch-nordasiatischen Florenreiches, und zwar gehören die ¶
mehr
interessantesten Arten der Vegetation der Ebenen Mitteleuropas, speziell des Elsasses an; einige sind Steppen- oder wenigstens Sandformen und zahlreiche andere erweisen sich als mediterrane Arten, die bis hieher vorgedrungen sind. Von den letzteren sind namentlich zu erwähnen: Tamus communis, Eragrostis minor, E. pilosa, Prunus Mahaleb, Trifolium scabrum, Verbascum floccosum, Asperula arvensis, Buxus sempervirens, Quercus pubescens, Coronilla Emerus. Hiezu kommt noch eine grosse Anzahl eingeschleppter Arten, deren Heimat im Süden, Westen, sogar in Amerika zu suchen ist, wie Chenopodium Botrys, Silene dichotoma, Lepidium perfoliatum, L. virginicum, Camelina microcarpa, Bunias orientalis, Berteroa incana, Senebiera Coronopus, S. didyma, Erysimum repandum, Sisymbrium Sinapistrum, Hibiscus Trionum, Oxalis corniculata, Bifora radians, Bupleurum rotundifolium, Vicia villosa, Solanum rostratum, Salvia silvestris, Asperugo procumbens, Anchusa officinalis, Linaria striata, Ammi majus, Xanthium strumarum, Hesperis matronalis, Salsola Kali, Elodea canadensis, Conringia orientalis. Besonders erwähnenswert ist das Vorkommen von Eranthis hiemalis in den Rebbergen bei Riehen und der Delia segetalis Dumart, welche auf dem Bruderholz ihre Ostgrenze erreicht. - Die Anzahl der im Kanton vorkommenden Arten wurde bis jetzt nicht genau festgestellt. Als besonders reiche Fundstellen sind zu bezeichnen: die Rheinufer, besonders die Rheinhalde gegen Grenzach und das Bruderholz. (Nach Dr. A. Binz, dessen Flora von Basel und Umgebung demnächst erscheint. Von älteren Werken vergleiche: Hagenbach, C. F. Tentamen florae Basiliensis. Basel 1821 f. Schneider. Flora von Basel.)
Fauna.
Auch das Tierleben weist einige charakteristische Züge auf. Der Wildbestand zwar ist gering - im Jahr 1899 wurden nur sechs Jagdscheine gelöst; aber von Wirbeltieren wurden nach den Sammlungen des Museums in letzter Zeit hier doch 259 Arten angetroffen, nämlich 39 Säugetiere, 173 Vögel, 6 Reptilien, 13 Amphibien und 28 Fische. Unter den Säugetieren sind insbesondere kleine Arten vertreten, so ein Dutzend Fledermäuse, 6 Insektenfresser (Igel, Maulwurf und 4 Spitzmäuse: Sorex vulgaris, S. pygmäus, Crossopus fodiens, Crocidura araneus), 8 Raubtiere (Fuchs, Baummarder, Hausmarder, Iltis, Hermelin, Kleines Wiesel, Dachs und Fischotter), 11 Nagetiere (Hausratte, Wanderratte, Hausmaus, Waldmaus, Wasserratte, Feldmaus, Haselmaus, Siebenschläfer, Gartenschläfer, Eichhorn, Hase); dann und wann zeigen sich im Bettinger Bann Reh und Wildschwein. - Von den Vögeln sind viele Wintergäste, wie die Möven und Taucher, andere ziehen bloss durch. (Die Arten siehe in: Th. Bühler-Lindenmeyer. Katalog der schweizer. Vogel-Fauna im naturhistor. Museum von Basel. 1895.) - Die 6 Reptilienarten sind: die giftige Juraviper (Vipera aspis), die Glatte Natter (Coronella laevis), die Ringelnatter, die Blindschleiche und drei weitere Eidechsen (Lacerta agilis, L. muralis und die grosse L. viridis);
mit Holz wurde ferner aus dem Jura eingeschleppt L. vivipara, während die Schildkröte Emys europaea, die dann und wann angetroffen wird, wohl nur verwildert ist. - Von den Amphibien gehören 4 zu den Molchen (Triton cristatus, T. alpestris, T. helveticus, Salamandra maculosa), 9 zu den Fröschen (Rana esculenta, R. fusca, R. arvalis, Alytes obstetricans, Pelobates fuscus, Bombinator pachypus, Bufo vulgaris, B. calamita und Hyla arborea). - Eine gar reiche Fauna beherbergt der Rhein (Leuthner. Die mittelrheinische Fischfauna. Basel 1877). Das Fischereigewerbe spielte daher von jeher eine grosse Rolle. Im Jahr 1899 gelangten 23 Fischerkarten zur Ausgabe, und die zwei Fischzuchtanstalten setzten in Birs und Wiese 34000 Forellen und 68000 Æschen aus.
An Arten- und Individuenzahl überwiegen selbstverständlich die wirbellosen Tiere. Insbesondere besitzt die Gegend von Basel wegen der Mannigfaltigkeit der Flora und wegen des milden Klimas einen grossen Reichtum von Insekten; man schätzt die Zahl ihrer Arten auf 4000. Ueber den Viehstand gibt nachstehende Tabelle Aufschluss:
|1827||1876||1898|
|Pferde||634||1213||1855|
|Esel||-||-||4|
|Rinder||1857||1961||1978|
|Schweine||481||592||805|
|Schafe||1122||244||262|
|Ziegen||-||293||214|
|Bienenstöcke||-||228||537|
Eine bedeutende Zunahme weisen also bloss die Pferde auf, was mit der Steigerung von Handel und Verkehr zusammenhängt. Im Jahr 1898 repräsentierte der gesamte Viehstand (ohne die Bienenstöcke, die auf 9670 Franken geschätzt waren) einen Wert von 2648040 Fr. Auf den Einwohner macht das 29 Fr., d. h. weniger als in irgend einem andern Kanton: für die ganze Schweiz beträgt diese Zahl 194 Fr.
Klima.
Das Klima der Stadt Basel und ihrer ebenen Umgebung zeichnet sich durch grosse Milde aus. Nach Peter Merians Beobachtungen, welche die Jahre 1826-1874 umfassen, und nach den Aufzeichnungen der am im Bernoullianum eröffneten meteorologischen Station (Höhe 278 m, Breite 47° 33', Länge 7° 35' ö. von Greenwich) beträgt der mittlere Luftdruck 737,8 mm, die mittlere Jahrestemperatur (im Zeitraum von 1864-97) 9,43 °C (die auf S. 142 mitgeteilte Zahl 9,10° bezieht sich auf den Zeitraum von 1888-97; die Jahre 1827-91 ergeben 9,50°), die Temperatur des wärmsten Monates (Juli) 19,17° die des kältesten (Januar) -0,44 °. Bis jetzt wurde die höchste Temperatur, 37,0° am gemessen, die niedrigste, -27,0°, am Frost tritt durchschnittlich an 66,0 Tagen ein, aber nur 28,5 mal dauert er den ganzen Tag an. Mit Ausnahme einiger eng umschlossener Alpenthäler (Engadin und Wallis) ist Basel die regenärmste Gegend der Schweiz. Die Summe aller Niederschläge beträgt 837 mm, wovon 15% im Winter, 24% im Frühling, 34% im Sommer und 27% im Herbst fallen. Der regenreichste Monat ist der Juni, der niederschlagärmste der Januar. Der Schnee macht 6% der Niederschläge aus. Im Mittel währt die Schneedecke 32,8 Tage; in vielen Jahren fehlt indessen eine eigentliche Decke. Sonnenschein geniesst Basel während 1737 Stunden im Jahr, also durchschnittlich 4,7 Stunden per Tag; am reichlichsten ist derselbe im August, 7,3 Stunden per Tag, am spärlichsten im Dezember, 1,8 Stunden. Im Gegensatz zur inneren Schweiz sind hier Nebel selten. Der häufigste und kälteste Wind ist der Nordwest. Gegen den Nord- und Nordostwind schützt der Schwarzwald; unter seinem Einfluss verwandeln sich diese beiden sonst so kalten Luftströmungen in Fallwinde von föhnartigem Charakter. Alle diese Verhältnisse bedingen eine frühzeitige Entfaltung der Vegetation; so geschieht z. B. das Aufblühen von Syringa vulgaris nach Aufzeichnungen in den Jahren 1854-74 durchschnittlich am 21. April, und im allgemeinen brechen die Frühlingsblüten 8 Tage früher hervor als in Liestal und 14 Tage früher als in der innern Schweiz. ¶