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Dieses Thema ist wahrscheinlich auch für dich von Interesse, denn sonst würdest du den Beitrag ja nicht lesen. Deshalb besteht bereits eine Verbindung zwischen uns: Auch du kennst die ungeschriebenen Gesetze der Anwendung von «Sie» und «Du» im deutschen Sprachraum. Wer nicht unangenehm auffallen und anecken möchte, muss auch das Ungesagte kennen und verstehen. Wir lernen diese sprachlichen Regeln unserer Muttersprache von frühester Kindheit an und haben die Erfahrung der unterschiedlichen Sprechsituationen so verinnerlicht, dass wir im Einzelfall gar nicht mehr gross nachdenken müssen, ob es nun «Frau Müller» oder «Rita» heisst.
Im Allgemeinen herrscht im deutschen Sprachraum Einigkeit darüber, dass das Siezen
- als sachlich, förmlich und korrekt gilt,
- distanziert und professionell wirkt,
- respektvoll und grenzenwahrend gebraucht wird.
Während das Duzen
- persönlich, jugendlich und ungezwungen daherkommt,
- das Gefühl von Zusammengehörigkeit verstärkt,
- und allgemein eine lockere und vertrauliche Atmosphäre schafft.
Ein kurzer historischer Exkurs
Niemand weiss genau, wann in der deutschen Sprache die Höflichkeitsform erfunden wurde. Spätestens seit dem 9. Jahrhundert duzte und ihrzte man sich, im 16. Jahrhundert kam noch die dritte Person Singular dazu («Hat er gut gegessen?») und im 17. Jahrhundert das Plural-Sie («Haben Sie gut geschlafen?»). Der Universalgelehrte Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) stellte schliesslich fest, die Deutschen sagten ein und derselben Person «bald ‘Du’, bald ‘Er’, bald ‘Ihr’, bald ‘Sie’.
Neidvoll schielt man als Sprecherin der deutschen Sprache auf Engländer, Niederländer oder auch Schweden. Dort ist die korrekte Anrede kein Problem, sogar der gelb-blaue Möbelriese aus dem Land der Elche duzt seine Angestellten und die Kunden konsequent seit den 60er Jahren. (Wohingegen die Niederländer Gott im Gebet siezen und ihn mit der Höflichkeitsform «U» ansprechen.) Die Sache mit der Anrede wird also auch innerkulturell höchst unterschiedlich gehandhabt.
Bin ich nun unhöflich oder respektlos, wenn ich meine Kundinnen duze?
Ich finde nicht. Ich schätze das «Sie» beim ersten Kontakt, weil es für mich ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung ist – und ich natürlich noch nicht weiss, welche Anredeform Sie bevorzugen. Selbstverständlich bleibe ich auch gerne bei dieser Anrede, wenn Sie sich damit wohler fühlen. Denn das Wohlfühlen ist eine ganz wichtige Voraussetzung, damit Vertrauen entstehen kann.
Meistens wechsle ich mit meinen Klientinnen dann recht schnell zum «Du». Denn wir kommen uns sehr schnell sehr nahe und arbeiten an sehr persönlichen Themen.
Mir ist es wichtig, meine Klientinnen nicht nur anzusprechen, sondern sie wirklich kennen zu lernen. Im Verständnis meiner Position als Coach treffe ich mich auf Augenhöhe mit meinen Klientinnen, deshalb ergibt sich das «Du» oft ganz von selbst. Ich liebe die klare und wertschätzende Kommunikation und dazu gehört es für mich auch, authentisch und echt zu sein.
Also, sag mir doch einfach schon zu Beginn unseres gemeinsamen Weges, wie du es gerne hättest. Und dann sprechen wir über deine Herzensangelegenheit – ganz einfach von Frau zu Frau mit «Du» oder «Sie»!