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Dichtung & Barheit: Der Peer und ein Schlumpf in der Cocktailbar Oase

Über Ursache und Wirkung.
Oder: Trocknet die Oase aus! Trocknet sie! Trocknet sie!
Von Bojan Peric (Text) und Kushtrim Xhaferi (Illustration)
Die Cocktailbar Oase ist dunkel. Die Palmen verdorrt, das Mobiliar grösstenteils kaputt. Einen Barkeeper gibt es nicht; es scheint, dass sich jeder Gast mit dem zufrieden geben muss, was er gerade in der Hand hat. Das Neonlicht einer wackligen Juke-Box flackert ärmlich und unregelmässig. An der Bar sitzt ein Schlumpf, mit einem Glas undefinierbarer Flüssigkeit in der Hand, an welchem er offensichtlich sehr hängt. Der Peer stolziert herum, das Gesicht glühend, die Lederkleider enganliegend und in der Rechten eine Neunschwänzige. Gerade als der Schlumpf das Glas zum Mund führen will, durchbricht die Neunschwänzige die Schallmauer und zugleich sein Glas. Traurig betrachtet der Schlumpf die Scherben am Boden und in seiner Hand, während sich letztere in sein Fleisch bohren.
Der Schlumpf: Okay.
Der Peer: Ha! So geht das! Hoch fliegt siegdurchglühter Jünglinge Peitschenknall*! Du trinkst nichts, was ich nicht erlaube.
Der Schlumpf: Okay.
Der Peer: Na gut, ich will nicht so sein. Willst du ein Stück hiervon?
Er holt ein Zuckerbrot hervor und zeigt es dem Schlumpf. Dessen Augen leuchten.
Der Peer: Nichts da! Für dich gibt es nur die Peitsche. Dieses ist für mich. Wie sagt man heutzutage so schön – Peer 2 Peer!
Er schlingt das Brot.
Der Schlumpf: Okay.
Der Peer stolziert, sichtlich zuckergeflasht, zur ärmlich blinkenden Juke-Box. Er fummelt ungeschickt an den Tasten, und das Gerät gibt seltsame Geräusche von sich. Plötzlich leuchtet es auf, und in ohrenbetäubender Lautstärke singt ein erstaunlich stimmgewaltiger AIDS-Kranker «I want it all». Uncle Sam kichert und zeigt mit dem Finger auf die Juke-Box.
Uncle Sam: Been there, done that.
Der Peer: Geben ist seliger als nehmen, kleiner Schlumpf. Gib mir alles, und nimm nichts. Nur so wird das was.
Der Schlumpf: Okay.
Uncle Sam: Been there, done that.
Eine aufgebrachte Meute mit Fackeln, Heugabeln, leeren Geldbeuteln und sonstigen Gerätschaften stürmt den Raum.
Meute: Wo geht es hier zur HEXENVERBRENNUNG?!
Der Peer: Keine Hexen hier. Nur Indianer.
Meute (zeigt auf den Schlumpf): Aber DAS HIER? Ist das nicht DIE HEXE?!
Der Peer: Nein, nur ein Indianer.
Der Schlumpf: Okay.
Meute: Das ist doch EIN SCHLUMPF!
Der Peer: Eben.
Meute: SKANDAL!! Aber wir bleiben am Ball! Die Suche geht weiter! Bald ist es soweit!
Meute ab. Plötzlich verdunkelt sich die Bar vollständig, die Juke-Box fällt aus. Einige Sekunden Stille, dann hört man das Sausen der Neunschwänzigen. Knall. Uncle Sam beginnt zu kichern und steigert sich in ein schallendes Gelächter.
Der Schlumpf: Okay.
Der Vorhang fällt, und zwar buchstäblich. Es sind nur Umrisse zu erkennen, es lässt sich aber vermuten, dass er den Schlumpf unter sich begraben hat.
Eine kaum hörbare Stimme (qualvoll): Okay.
* vgl. Goethe, «Wandrers Sturmlied»: http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&add=&noheader=1&id=1626