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Die Liebe und das Geld: Nichts gefährdet den menschlichen Verstand so sehr wie diese beiden. Bedeutender aber ist die Frage: Wer war zuerst auf Erden das Geld? Oder der Verstand?
Nachweislich wurden 25000 Jahre vor Christus in Westeuropa Steinchen als Zahlungsmittel benutzt. Das heutige Wort «Schatz» geht auf ein gotisches Wort zurück, das «Rindvieh» bedeutet. Das lateinische «pecus» (Vieh) ist verwandt mit «pecunia» (Geld).
Zahlungsmittel, Wertmesser, Tauschinstrument: Für Dostojewski war das Geld «geprägte Freiheit» für seinen Landsmann Tolstoi die neue Form der Sklaverei. John Davison Rockefeller, vor Bill Gates lange Zeit der reichste Mann der Welt, soll das Geld für eine «Gabe Gottes» gehalten haben.
Wie das Geld auf Erden kam, weiss niemand so genau. Die einen nennen religiöse Motive. Andere Philosophen erkennen den Drang nach Prestige, laut der Devise: Wer mehr wert sein will, muss dies auch beweisen können. Wo und wann Münzen zu klingeln begannen, steht nicht fest. Die ersten geprägten Geldstücke kursierten 600 Jahre vor Christus an den Küsten Kleinasiens.
Dort entstanden auch die frühesten Edelmetallmünzen, bestehend aus drei Teilen Gold und einem Teil Silber. Wohlklingend waren die Namen auf den griechischen Münzen: Es waren darauf häufig Aphrodite, die Liebesgöttin, der Sonnengott Helios oder Zeus, der Vater aller Götter, abgebildet. Der Gebrauch der Münzen aber war der Oberschicht vorbehalten.
Alexander der Grosse, der erste Herrscher eines Weltreichs (gestorben 323 vor Christus), liess Münzen in bis anhin beispiellosen Mengen prägen: die erste einheitliche Weltwährung mit festen Wechselkursen. Geld wurde durch ihn erstmals breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich. Vor allem natürlich seinen Soldaten als Sold.
Korn, Milch, Obst und Früchte lassen sich tauschen ausleihen kaum. Die Erfindung des Geldes öffnete ungeahnte Möglichkeiten und schuf neue ethische Fragen. Soll geschützt werden, wer Geld hat oder derjenige, der es benötigt? Für Thomas von Aquin (gestorben 1274) stand ausser Zweifel: «Es ist nicht erlaubt, für ausgeliehenes Geld Zins zu nehmen.» Während des Mittelalters herrschte striktes Zinsverbot.
Die christliche Lehre blieb in Geldfragen widersprüchlich. Das mittelalterliche Rom forderte von seinen Sündern per Ablass Unsummen von Geld mit dem Versprechen, sie zu erlösen. Wichtige Mönche priesen die Bedeutungslosigkeit irdischen Guts. Und kirchliche Banken wickelten die Finanzierung der Kreuzzüge ab, dieses bewaffneten Aufbruchs in den Nahen Osten, der im Jahr 1096 im Namen der Liebe begann. Bis zirka 1600 durften in vielen Gemeinden keine Geldhändler am Abendmahl teilnehmen.
Geräuschlose Transaktion
Der Wechsel vom Tauschhandel zum Metallgeld war ein Prozess von Jahrtausenden. Der spätere Abschied von der Magie des Metallglanzes vollzog sich schnell: Friedrich der Grosse (gestorben 1786) führte das Papiergeld ein. Heute neigt sich das Zeitalter der Noten seinem Ende zu. Aus klingelnden Münzen, knisternden Papieren sind geräuschlose Transaktionen, sind Ziffern auf Kontoauszügen geworden.
Sogar der Begriff «Arbeit» hat eine neue Dimension bekommen. Ohne Handel, ohne Tausch, ohne Hand- und ohne Kopfarbeit lässt sich leicht aus Geld viel Geld machen.
Im Wettrennen um den mühelosen Gewinn verlieren die meisten Anleger das Wissen, wo ihr Geld «arbeitet». Das Spiel an der Börse ist zum Volkssport geworden. Doch der Glaube an das schnelle Geld schwindet es «arbeitet» schlecht zurzeit. Eine Gelegenheit, um den Verstand zu trainieren?