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Alpine Unglücksfälle 1917
Wiederum soll die Besprechung auf das gesamte europäische Alpengebiet ausgedehnt und innerhalb desselben sollen nur die tödlich verlaufenen Unfälle, welche Touristen und Führer bei Ausübung des Bergsportes betrafen, berücksichtigt werden. Und dies nur in der knappesten Form, ohne Diskussion der Ursachen und Lehren, welche doch nicht erschöpfend sein könnte. Aus den gleichen Gründen wie letztes Jahr verzichte ich auf die Trennung der Fälle nach West-, Zentral- und Ostalpen und daherige Vergleichung. Selbstverständlich auch auf die Erwähnung der Fälle, welche mit dem Krieg und der Grenzbesetzung in irgendeinem Zusammenhange stehen.
Mit diesen Einschränkungen ergibt sich für uns folgendes Bild: Im Jahre 1917 stehen für winterliche Touren verzeichnet 13 Fälle mit 18 Toten, darunter 1 Vermißter; im Mittel- und Voralpengebirge 28 Fälle mit 30 Toten, darunter 2 Vermißte; im Hochgebirge 9 Fälle mit 14 Toten, darunter 1 Vermißter; zusammen 50 Fälle mit 62 Toten. In Anbetracht des auch 1917 oft recht ungünstigen Wetters und der durch den Krieg bedingten geringen Frequenz der Touristen ist dies ein betrübendes Resultat. In den beiden ersten Kategorien haben gegenüber 1916 sowohl die Zahl der Fälle ( 13 und 28 gegen 8 und 18 ) als die der Opfer ( 18 und 30 gegen 12 und 20 ) erheblich zugenommen. Im Hochgebirge ist die Zahl der Fälle ( 9 gegen 12 ) zwar geringer als letztes Jahr, aber die der Toten ( 14 gegen 15 ) beinahe gleich. Auffällig ist die große Zahl der Jugendlichen, die in allen drei Kategorien dem Bergsport zum Opfer fielen. In Kategorie B ist, wie begreiflich, die Zahl der verunglückten Alleingänger besonders groß. Es ist kein einziger Führer 1917 verunglückt, während 1916 noch ein solcher aufgeführt wird. Man darf daraus wohl auch schließen, daß die Zahl der mit Führer ausgeführten Besteigungen noch mehr abgenommen hat, als die der ohne Führer gemachten. Die Einzelheiten für 1917 sind folgende:
A. Winterliche Touren.
12. Januar. Durch eine von der Rofanspitze abgehende Lawine wurden in der Nähe der Erfurterhütte der Münchner Privatdozent Dr. v. Kemnitz und Fräulein Wally Gregorovius erfaßt und begraben. Der Leichnam der Dame wurde am 6. Juni, der von Dr. v. Kemnitz etwas später gefunden und geborgen. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 10, 50, 81, 94.
26. Januar. Auf der Raxalpe sind der 19jährige Julius Brunner und die gleichaltrige Maria Weiser aus Wien, die in der Speckbacherhütte genächtigt hatten, durch Umherirren in Kälte und Sturm ums Leben gekommen. Der Leichnam der Dame wurde am B. April auf dem Preiner-Schütt-Wege gefunden und geborgen. D. & Ü. A. V. M. 1917, pag. 10 und 51.
37. Januar. Auf dem Wiener Schneeberg glitt beim Aufstieg von Puchberg über das Schneeberghotel zum Kaiserstein vor Erreichung des Zieles der Landes-rechnungsrat Karl Fahrnbauer auf vereistem Wege aus und stürzte über die Brunnen-wände ( Nordostseite ) ab. Die von seinen Begleitern herbeigeholte Hilfe fand ihn tot. Da er keine nennenswerten Verletzungen aufwies, anderseits die Bergung sich wegen des Mangels an Rettungsmaterial im nahen Schneeberghotel über Gebühr verzögerte, so ist wahrscheinlich, daß der Verunglückte der Kälte erlag. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 9, 18, 51.
47. Januar. Ebenfalls auf dem Wiener Schneeberg, und zwar auf dem Faden-steig, haben die Brüder Viktor und Franz Parma aus Wien, die in zahlreicher Gesellschaft von der Sparbacherhütte aus dem Gipfel zustrebten, im Schneesturm und Nebel wahrscheinlich durch Verirren und Kälte den Tod gefunden. Der Leichnam des Viktor Parma wurde am 15. April von Wiener Touristen geborgen; von dem jüngeren Bruder wurde nur der Rucksack gefunden. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 10, 51.
59. Januar. Auf den Radstätter Tauern ist bei einer Schneeschuhfahrt die 22jährige Tochter des Generals der Infanterie J. H. v. Martiny durch eine Lawine tödlich verunglückt. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 10.
617. Februar. Auf der Alp Salanfe ( Wallis ) verirrten sich der 40jährige Buchhändler Stach aus Posen, vorübergehend in Lausanne, und die 30jährige Jeanne Vaucher, Lehrerin in Lausanne, welche von Salvan aus eine Alphütte, zu der sie den Schlüssel bei sich hatten, aufsuchen wollten, bei einbrechender Nacht und stürzten über eine 70 m hohe Felswand zu Tode. Die vollständig gefrorenen Leichname wurden am 22. Februar gefunden und zur Bestattung nach Salvan gebracht.Bund " vom 23. Februar 1917.
725. Februar. Beim Abstieg von der Rotwandspitze auf dem Krügerweg glitt der mit einem Herrn und einer Dame gehende Eisenbahnsekretär Anton Hofmann bei den ersten Schritten aus und glitt über die Böschung und die anschließende Wächte ab. Die von seinen Begleitern herbeigeholte Hilfe konnte ihn unter großen Schwierigkeiten und mit viel Zeitverlust bis zur nächsten Alp schaffen, wo ihn ein zufällig im Rotwandhaus weilender Militärarzt in Pflege nahm. Am folgenden Tag wurde der Verunglückte von einer Sanitätsmannschaft zu Tal geschafft und in eine chirurgische Klinik nach München übergeführt. Aber die Verletzung ( Schädelfraktur ) war so schwer, daß Hofmann ihr dort erlag. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 50, 81.
8 ) 3. März. Auf einer Skitour nach der Alp Palfries beim Alvier wurden drei Lehrer von Wartau und Trübbach von einer Lawine verschüttet, als sie südlich des Alvier und der Gauschla eine Mulde durchschritten. Einer konnte sich herausarbeiten und Rettungsmannschaft herbeiholen, welche aber E. Schön und J. Litscher nur als Leichen dem Schneegrab entreißen konnte. Alp. 1917, pag. 50.
9 ) 4. März. Am Risserkogel verunglückte der in Münchener Kreisen durch zahlreiche führerlose Fahrten in den Ost- und Westalpen bekannte Kassier Heitzmann. Er wurde wahrscheinlich durch eine an jenem Tage bei starkem Nebel abgehende Lawine verschüttet. Nachsuchungen, die auf der vermutlichen Unglücksstelle am 11. März angestellt wurden, führten zu keinem Resultate. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 50.
109. März. Am Alpspitz ( Wetterstein ) verunglückte der nach seiner dritten schweren Verwundung im Felde zu Partenkirchen auf Urlaub weilende Gefreite Fritz Wurzweiler aus München, während er einen Ausflug zum Stuhleck unternahm. Die Leiche wurde am 9. Juli unterhalb der „ Schönen Gänge " aufgefunden und nach der Bergung nach München gebracht. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 50 und 93.
1111. März. Im Alpsteingebiet wurde der 21jährige Student Willy Herzig auf einer Skitour von einer Lawine erfaßt und begraben. Die Leiche wurde am 21. Mai auf der Alp Sol aufgefunden. Alp. 1917, pag. 108.
1219. März. Im Val Bever wurde Lieutenant Jörimann von Chur, als er mit einem Kameraden von einer Skitour zurückkehrend von Valetta da Samaden nach Spinas hinunterstieg, von einer Lawine verschüttet. Die herbeigeholte Hilfe konnte am folgenden Tage nur die Leiche bergen. Alp. 1917, pag. 67.
13 ) 5. April. Bei einer mit vier Kameraden zur Piz Sol-Hütte unternommenen Skifahrt starb der 171/2Jährige Fritz Lewinsky aus Zürich nach langem Umherirren vor Kälte, Angst und gänzlicher Erschöpfung nahe den Hütten von Pardiel Obersäß, bis wohin ihn seine Kameraden mit großer Aufopferung geleitet hatten. Die am folgenden Morgen herbeigeholte Bergungsmannschaft der Rettungsstation brachte den Leichnam nach Ragaz, von wo er nach Zürich übergeführt wurde. Alp. 1917, p. 67.
B. Im Mittelgebirge und in den Yoralpen.
1 ) 28. Mai ( Pfingstmontag ). Auf der Raiteralpe stürzte der Brauereibesitzers-sohn Karl Sailer, als er mit seinem Bruder die mit dichten Latschen bewachsenen Südhänge des „ Mittleren Bruders " querte, vielleicht von einem Herzschlag betroffen, lautlos ab und fiel über Plattenhänge in einen trockenen Wasserriß, wo der Leichnam noch am gleichen Tage geborgen wurde. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 81.
2 ) 28. Mai. Im Ötschergebiet ( Niederösterreich ) ist der Senatspräsident des Obersten Gerichtshofes Julius Neukirch, vielleicht beim Botanisieren, durch Absturz tödlich verunglückt. Der Leichnam, mit zerschmettertem Schädel, wurde am 2. Juni nächst den Ötschereishöhlen aufgehoben. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 81.
3 ) 28. Mai. Auf dem Herzogstand ( bayrische Voralpen ) stürzte der 14jährige Sohn des Hofrats Dr. Gröbl in Tutzing, welcher mit seiner Schwester und einer anderen Dame den Abstieg über die schwierige Nordwand vom Verbindungsgrat zwischen Herzogstand und Heimgarten durchführen wollte, etwa 60 m unterhalb des Grates ab. Seine Begleiterinnen wurden am folgenden Morgen durch eine Rettungskolonne aus ihrer mißlichen Lage befreit und die Leiche des Knaben geborgen. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 81.
429. Mai. Im Kaisergebirge wird der Steuereinnehmer i. R. Ed. v. Kleiner aus Kufstein vermißt, der an diesem Tage eine Wanderung über das Brentenjoch und den Steinberg zum Hintersteinersee antrat und weder auf der Steinbergalm noch am Hintersteinersee gesehen wurde. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 94.
511. Juni. Auf dem Gaisberg bei Salzburg ist der Salzburger Kaufmann Max Hofmann abgestürzt und bald nach der Auffindung seinen Verletzungen erlegen. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 94.
622. Juni. Der zu einer Besteigung des Nebelhorns an diesem Tage von Oberstdorf ( Allgäueralpen ) aufgebrochene Oberpostinspektor Himmerlich aus Konstanz wird vermißt und es wird ein Unfall angenommen. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 94.
7 ) 25. Juni. Am Hochschwab, in der sogenannten Wildgrube, ist der städtische Beamte Dr. Otmar Sorger aus Graz, der mit seiner Familie im Fölzhotel wohnte und einen Ausflug unternahm, um für seine Kinder Milch zu beschaffen, durch Absturz tödlich verunglückt. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 110.
8 ) 30. Juni. Auf der Raiteralpe verunglückte der Kegierungsakzessist in Landshut Dr. Gustav Wehner aus München, der von der Traunsteinerhütte das Wagen-drischelhorn erstiegen hatte und den Übergang zum Großen Häuselhorn machte, als er auf dem Sattel zwischen Großem und Kleinem Häuselhorn angelangt den markierten Steig verließ und über ein Schneefeld abfuhr, wobei er um i/i 2 Uhr nachmittags über eine Wandstufe abstürzte. Seine Hilferufe wurden erst abends 6 Uhr von der Traunsteinerhütte aus gehört und der Schwerverletzte konnte erst am nächsten Tage aufgefunden und abends zu einem bequemeren Platz abgeseilt werden, wo er jedoch 3412 Uhr nachts seinen Verletzungen erlag. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 93.
92. Juli. Am Männlichen bei Lauterbrunnen verunglückte der 16jährige Albrecht Steffen aus Allenstein ( Preußen ), der mit einer Dame als Kurgast in Wengen verweilte, indem er bei einem einsamen Spaziergang über die sogenannte Hohfluh abstürzte. Die Leiche wurde mit zerschmettertem Kopfe am Fuße des Felsens ge-borgen.Bund " vom 4. Juli 1917.
10 ) 8. Juli. Vom Niederhorn stürzte auf unabgeklärte Weise der Progymnasiallehrer Dr. Julius Lauterburg, der auf einem Spaziergang begriffen war, ins Justistal ab, wo seine total zerschlagene Leiche am 12. Juli aufgefunden und zum Begräbnis nach Thun übergeführt wurde.Bund " vom 12. Juli 1917.
11 ) 8. Juli. An der Riffelscharte ( Wettersteingebirge ), über welche ein guter Steig vom Höllentale zum Eibsee führt, verunglückte der 16jährige Sohn des Bankbeamten Albrecht aus Feldmoching bei München, vermutlich weil er vom gesicherten Wege abging. Der Leichnam des Abgestürzten wurde noch am gleichen Tage geborgen und nach Garmisch gebracht. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 93.
1215. Juli. An der Mutribergkette im Wäggital ( Kanton Schwyz ) stürzte der 26jährige Franz Roth, Bureauangestellter in Zürich, der mit zwei Freunden eine Besteigung unternahm, wahrscheinlich infolge eines Schwindelanfalls, etwa 70 m in die Tiefe, wo er mit zerschmettertem Körper liegen blieb. Die Leiche konnte mit Hilfe eines Bergführers von Innerthal geborgen und nach Zürich übergeführt wer-den.Bund " vom 18. Juli 1917.
1318. Juli. Im Kaisergebirge wurde seit diesem Datum Prof. Otto Hettwer aus Berlin vermißt, der, schlecht ausgerüstet, vom Hinterbärenbad eine Besteigung der Ellmauer Halt beabsichtigte und weder auf dem Gipfel war noch über die Roterinnscharte zur Gruttenhütte abgestiegen ist. Später wurde seine Leiche im Gebiet des Kleinen Kaiser gefunden und am 7. August in Kufstein beerdigt. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 111 und 121.
1419. Juli. Am Hochkalter glitt der 17jährige Gymnasialschüler Richard Fränkel an einer vereisten, aber sonst ungefährlichen Stelle aus und stürzte so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt, dem er trotz sofortiger Hilfe durch seine Kameraden bald erlag. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 110.
1519. Juli. An der Nünenen ( Gantristgebiet ) verunglückte der 16jährige Ernst Berger, Schüler der Lehrwerkstätte Bern, der von einem Ferienaufenthalte über Ochsen, Gantrist und Nünenen nach Bern zurückkehren wollte. Die Leiche wurde nach längerem Suchen am 22. Juli kaum 15 Minuten oberhalb den Nünenenalphütten am Fuß eines Couloirs aufgefunden. Der Verunglückte trug den Rucksack noch auf dem Rücken und kann nicht tief abgestürzt sein. Eine etwa 10 cm lange Wunde am Hinterkopf infolge Auffallens auf eine Felskante wird den sofortigen Tod herbeigeführt haben.Bund " vom 22. Juli 1917.
1622. Juli. Am Monte Mucrone stürzten, wahrscheinlich infolge von Irregehen im Nebel, Fräulein Maria Ramma, diplomierte Lehrerin, deren Freundin Ester Bertagnolio und ihr Vetter, der Zahntechniker Francesco Bartolatti aus Turin, Soldat auf Urlaub, welche einen Ausflug zu der Kapelle auf diesem vielbesuchten Berge gemacht hatten, bei der Heimkehr in den „ Limbo " genannten Abgrund, wo ihre Leichen nach längerem Suchen am 25. Juli geborgen werden konnten. R.M. 1917, pag. 206.
17Juli. Auf dem Graukogel ( nach anderen Meldungen auf dem Hüttenkogel ) bei Gastein stürzte der 17jährige Sohn Fritz des Badearztes von Bad Gastein, Dr. Geerke, ab und war sofort tot. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 110.
18Juli. Am Fluhbrig ( Wäggital ) wurde am 7. August ein seit ungefähr 14 Tagen vermißter Tourist, namens Menzi, aus Basel, tot aufgefunden. Alp. 1917, pag. 148.
19 ) 7. August. Am Zindelspitz stürzte ein im Wäggital zur Kur weilendes Fräulein ab und war sofort tot. Alp. 1917, pag. 148.
2018. August. Am Kienberg ( Bayrische Kalkalpen ) wurde die abgestürzte Lehrerin Alice Rehm aus Augsburg, eine geübte Bergsteigerin, tot aufgefunden und nach Pfronten gebracht. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 121.
2119. August. Am Mürtschenstock ist der 23jährige Kaufmann Alfred Senn, ein geübter Bergsteiger, durch Absturz ums Leben gekommen. Er wollte mit einem Freunde von der Jägernase aus den „ Bösen " durch den Fynn-Riß zum oberen Band ersteigen, und sie waren schon in nächster Nähe des Gipfelgrates angelangt, als der in Kletterschuhen und mit doppelter Seilsicherung voransteigende Senn in der glatten Wand keinen Griff mehr fand und über den unter ihm stehenden Hans Waldvogel hinaus stürzte, wobei die eine Seilsicherung abgeschnellt wurde, die andere durch den Ungeheuern Ruck in freier Luft riß, was Herrn Waldvogel rettete. Der Verunglückte stürzte, mehrmals aufschlagend, bis in das Anstiegscouloir unter der Jägernase hinunter, wo er tot liegen blieb. Eine durch Hilferufe aufmerksam gemachte Touristenkolonne hob ihn dort auf und nahm sich auch des Herrn Waldvogel an, der auf einem Umwege l1/2 Stunden später zu der Fundstelle gelangte. Eine von Obstalden herbeigerufene Rettungskolonne brachte den Toten am nächsten Tage nach Tros und Obstalden, wo er beerdigt wurde. Neue Zürcher Zeitung Nr. 1583 vom 28. August 1917 und Alp. 1917, pag. 166 f.
22 ) 26. August. Am Ochsenkopf ( Klöntal ) stürzte die 25jährige Hulda Weidmann aus Zürich etwa 200 m tief ab und erlitt einen Schädelbruch, an dem sie verschied, bevor die Rettungskolonne mit ihr in Glarus eingetroffen war.Bund " vom 28. August 1917.
23September. In der Puszta Dolina ( Hohe Tatra ) stürzte bei dem Versuche, die äußerst schwierige Südwand der Zamarla Turnia zu ersteigen, der bekannte polnische Kletterer Bronikowski tödlich ab, während sein Begleiter Malczewski dadurch gerettet wurde, daß das Sicherungsseil zwischen den beiden riß. Er wurde am folgenden Tage durch eine Rettungskolonne aus seiner mißlichen Lage befreit. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 163.
2413. September. Im Grossen Kohlbachtale ( Hohe Tatra ) scheint die 35jährige Breslauer Rotkreuz-Pflegerin Elisabeth Möbius auf dem Abstieg vom Kämmchen nach Tatra Lomnic vom Wege abgekommen zu sein oder, als sie die steilen Serpentinen des Fußwegs an der Seewand abschneiden wollte, auf den steilen Platten vornüber gefallen und abgekollert zu sein. Ihre Leiche wurde am 26. September hart am Wege mit einem Bruche der rechten Schläfe und des linken Schenkels aufgefunden. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 164.
2515. September. Im Karwendelgebirge ist die 28jährige Buchhalterin Anna Kaufmann aus München durch Absturz tödlich verunglückt. Nähere Angaben fehlen. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 134.
2616. September ( Bettag ). Am I. Kreuzberg ( Alpsteingebirge ) stürzte der 21jährige, aber sehr geübte Holderegger aus Teufen in Verfolgung der Variante Rist, welche den großen Kamin nur bis zu einer Gabelung benutzt, dann aber links abzweigt und in direktem Anstieg den Grund der Gratscharte ( siehe S.A.C.J.. LI, pag. 58 ) erreicht, etwa 8 m unterhalb der Scharte, in welcher sein Gefährte, Herr Spiller aus St. Gallen, bereits stand, lautlos und rücklings in den Kamin hinunter und blieb in unmittelbarer Nähe des Weges, der von Roslen nach der Unteralp führt, tot liegen. Wahrscheinlich hat sich Holderegger beim Losseilen, das geschah, damit der Obenstehende die bei Holderegger zurückgelassenen Effekten aufziehen könne, angeschlagen und dadurch eine momentane Schwäche zugezogen. Spiller erkletterte nun die westliche Schartenwand, die man sonst nur am herabhängenden Doppelseil bewältigt, freihändig und eilte auf der normalen Abstiegsroute zu Tal, wo er die Rettungsstation Sax verständigte, die den Körper abholte. Alp. 1917, pag. 189.
2717. September. Am Hohtürli kam Füsilier Müller aus Basel, der mit sechs Kameraden von dem Erholungshaus für schweizerische Wehrmänner auf der Griesalp ( Kiental ) einen Ausflug machte, beim Rückweg über eine steile Schneehalde, welche die Gesellschaft rutschend passieren wollte, aus dem Gleichgewicht und schoß kopfvoran hinunter in eine Geröllhalde, wo er mit einem schweren Schädelbruche tot liegen blieb. Eine Rettungskolonne aus Kandersteg hat dann den Toten und einen andern erheblich verletzten Soldaten geborgen.Bund " vom 17. September 1917.
2815. Oktober. In den Steineralpen ( Krain ) verunglückte der evangelische Pfarrer Dr. O. Hegemann aus Laibach, als er mit vier Realschülern, die sich ihm unterwegs angeschlossen hatten, von der Okreschelhütte über das Rinkator und unter den Wänden der Skuta hinwanderte. Ob der Felswand „ Gamsov Skret " bückte er sich um eine Blume und verschwand vor den Augen seiner Begleiter in die Tiefe, 250 bis 300 m weit. Diese eilten den gleichen Weg zurück und veranlaßten Suchpartien, von denen eine am 20. Oktober den Leichnam in der von einer Schneezunge und den benachbarten Felsen gebildeten meterbreiten Kluft auffand. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 134 und 163.
€. Im Hochgebirge.
1 ) 13. Juli. Auf dem Rhonegletscher stürzte der 15jährige Sohn des Bergführers Alexander Tännler, welcher mit einem Touristen Fischer und dem Führer Heinrich Fuhrer eine Besteigung des Dammastocks unternehmen wollte, in eine verdeckte Gletscherspalte, in deren Nähe sie eben Rast gemacht hatten. Beim Sturze riß der angeseilte Knabe zwei Pickel mit sich hinab. Da Fuhrer und Fischer den Verunglückten nicht aus dem Schrunde heraufbefördern konnten, eilte der Tourist um Hilfe nach der Furka, während Fuhrer den frei Hangenden noch eine Zeitlang festhielt, bis ihm, der ohne Pickel war und gegen den Schrund gezerrt wurde, die Kräfte schwanden und er die Last fahren lassen mußte. Der Knabe, der schon vorher kein Lebenszeichen mehr gegeben haben soll, fiel noch tiefer und wurde später von Hilfskolonnen, die teils von der Fortwache auf der Furka, teils von Guttannern gestellt wurden, in der Tiefe des Schrundes, 1 m hoch mit Schnee und Eis bedeckt, aufgefunden und geborgen.Bund " Nr. 326 und 331 vom 14. und 18. Juli 1917.
219. Juli. Beim Abstieg vom Wetterhorn gegen die Glecksteinhütte stürzten die Basler Touristen Ernst und Willy Frank, geb. 1890 und 1896, beide Postkommis, Hans Wagner, geb. 1889, Bureaugehilfe beim Kreiskommando, und Karl Hindenlang, geb. 1889, Postkommis, welche von der Dossenhütte aus das Wetterhorn erstiegen hatten und zum Pavillon Dollfus wollten, im bekannten Couloir schon nach den ersten Schritten, die sie vorwärts tretend in von einer hier aufgestiegenen Partie geschlagenen Stufen zurückgelegt hatten, ab ( wohl infolge Ausgleitens des zuhinterst gehenden ) und etwa 700 m tief auf den Krinnenfirn hinunter. Der Unfall wurde von der genannten Partie — ein Holländer mit Ulrich Almer und Christian Almer jun., welche die Basler auf dem Sattel gekreuzt hatte, beobachtet. Diese stieg gleichen Tags über die Dossenhütte, wo sie noch eine Eintragung der Verunglückten fand, nach Rosenlaui ab und machte telephonisch Meldung nach Grindelwald, von wo eine Bergungskolonne am 20. die Leichen abholte und nach Grindelwald hinunterschaffte.Bund " vom 20. Juli; Alp. 1917, pag. 148; D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 94 und 111; A, J. XXXII, pag. 123.
319. Juli. Am Scheerhorn verunglückte auf unaufgeklärte Weise der 19jährige Gustav Baumann aus Altorf, Schüler der kantonalen Handelsschule in Zürich. Er hatte am Vorabend mit zwei Kameraden des Kollegiums in Altorf im Brunnital genächtigt und hatte mit ihnen, die nicht gut ausgerüstet waren, den Griesstock erstiegen. Hier verließ er seine Freunde, um noch allein dem Scheerhorn einen Besuch abzustatten und sich dann mit ihnen auf der Klausenpaßhöhe zu treffen. Baumann überschritt nun, von den beiden eine Zeitlang noch beobachtet, den Scheer-horn-Griggelipaß und schlug die Richtung gegen den Hälsigrat-Kleines Scheerhorn ein. In dieser gefährlichen Gegend muß er durch Steinschlag oder Gletscherabbruch ums Leben gekommen sein. Die Leiche konnte trotz eifrigem Nachsuchen nicht gefunden werden. Alp. 1917, pag. 148 und 167.
4 ) 27. Juli. An der Zugspitze ( Bayern ), und zwar auf dem Höllentalferner, ist die Volksschullehrerin Maria Drescher aus Nürnberg abgestürzt und später erfroren aufgefunden worden. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 110.
5 ) 28. Juli. Am Mont Colomb ( Seealpen ) stürzte der 17jährige Andrea Magmen, welcher mit einem 16jährigen Kameraden unter Leitung des cav. de Cessole diesen bekannten Gipfel bei St. Martin en Vésubie besuchen wollte, ab, bei dem Versuch, von einer grasigen Terrasse aus über nicht besonders schwierig scheinende Felsen den nur etwa 10 m höheren Gipfelgrat als erster zu erreichen. Schon dem Ziele nahe, stürzte er plötzlich, ohne einen Laut von sich zu geben, ab, sei es, daß ein Stein unter ihm wich oder daß er einen Schwächeanfall bekam. Auf der Terrasse, wo die beiden andern hilflos zusehen mußten, aufschlagend, fiel er dann noch über weitere Felssätze hinunter auf die Felsen und den gefrornen Schnee am Fuße des Berges. In Eile abgestiegen, fanden ihn de Cessole und Bovis als Leiche vor, brachten ihn an eine sichere Stelle und holten dann eine Kolonne herbei, welche den Leichnam nach Madonna di Finestra und St. Martin-Vésubie brachte, von wo er'zur Bestattung nach Nizza übergeführt wurde. R.M. 1918, pag. 29.
6 ) 29. Juli. Auf der Ostseite der Berglifelsen stürzten bei dem Versuch, in ungünstigem Wetter und vorgerückter Tageszeit den Übergang von der Station Eismeer der Jungfraubahn zur Berglihütte zu erzwingen, vier führerlose Touristen, drei Herren und eine Dame, an der Fiescherwand etwa 30 m ab, wobei der 26jährige Buchdrucker Albert Nußbaum aus Bern .tot blieb. Der Hüttenwart der Berglihütte hatte den Fall beobachtet und eilte mit drei Mann zu Hilfe. Es gelang ihm, die drei nicht schwer Verletzten, die durch das Seil an einem Felsblock zurückgehalten wurden, zu retten. Aber ausbrechender Schneesturm erlaubte erst am 2. August die Bergung der Leiche, resp. den Transport zur Station Eismeer und weiter.Alp. 1917, pag. 148, und „ Bund " vom 2. August, 7 ) 2. August. Auf dem Federbettkees am Riffler stürzte Direktor Dr. Eugen Fischer aus Biebrich a/Rh ., welcher mit seinem Sohn, Professor in Innsbruck, und einem Enkel von Roßhag- aus den Riffler überschritten hatte, etwa 5 m tief in eine meterbreite Spalte. Ein aus Hintertux herbeigeholter Mann half bei den Versuchen, den Gestürzten aus der Spalte heraufzubringen, was zweimal bis an den Rand des Überhangs gelang. Aber zweimal glitt der schon halb Erstarrte aus der Seilschlinge und stürzte schließlich noch tiefer in die Kluft, so daß an eine Rettung mit den vorhandenen Hilfsmitteln nicht zu denken war. Eine zahlreiche Mannschaft brachte am nächsten Tage den Leichnam nach Hintertux, von wo er nach Deutschland übergeführt wurde. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 121.
8 ) Anfang August. An der Parseyerspitze ist Prof. Dr. Seifft aus Prag durch Absturz tödlich verunglückt. Nähere Angaben fehlen. D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 121.
927. September. Am Klein Spannort verunglückten durch Absturz in die Randkluft der 60jährige Karl Seelig, Färbereibesitzer aus Zürich, ein in Bergsteigerkreisen auch außerhalb der Schweiz wohlbekannter Alpinist, und seine Begleiter, der 27jährige Walter Hurter aus Zürich, ebenfalls ein geübter Berggänger, und Fräulein Rose Cabanis aus Berlin. Die gut ausgerüstete Partie — alle trugen Pickel und Steigeisen — war am Morgen von der Spannorthütte aufgebrochen mit der Absicht, den Übergang ins Meiental zu machen und unterwegs das Große oder Kleine Spannort zu besteigen. Nach den Spuren zu schließen, sind sie in die Spannortlücke gelangt und von dort zu dem Nordwestfuß des Kleinen Spannorts herumgegangen, ohne dessen Gipfel zu betreten. An dieser Ecke, Nordflanke des Ostgrates, muß das Unglück passiert sein, als sie versuchten, ohne Stufen zu schlagen, mit Steigeisen einen nicht mehr als 20 m langen, aber unten in einen enormen Bergschrund auslaufenden Eishang zu queren. Im Augenblick, wo das Unglück geschah, scheinen sie, durch das Seil verbunden, nahe beieinander gestanden zu haben. Sie mögen, unfreiwillig, etwa 20 m weit gerutscht sein, wurden dann am obern Rand des Bergschrundes, der 23 in höher liegt als der untere, in die Luft geschleudert und stürzten senkrecht auf einen 18 m tiefer im Schrund eingeklemmten Eisblock, Das Aufschlagen brachte ihnen jedenfalls sofortigen Tod, und die Unglücklichen, zwischen denen das Seil mehrfach riß, stürzten rechts und links von dem Eisblock noch weitere 9, beziehungsweise 13 und 17 Meter in die Tiefe des Schrundes, wo ihre Leichen von den von Engelberg aus geschickten Rettungskolonnen am 1. und 2. Oktober gefunden und geborgen wurden.Bund " vom 3. Oktober 1917; Alp. 1917, pag. 189; A.J. XXXII, pag. 123; D.&Ö.A.V.M.. 1917, pag. 134.