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Kiyohiko Tanahashi kann die ganze Aufregung um die Wale nicht verstehen. "Die Leute meinen, man sollte Wale nicht töten, weil man sie nicht züchten könne und sie so niedlich seien. Aber wir Menschen sind schließlich auch Lebewesen. Wir müssen andere töten, um zu leben. Das ist die Natur", sagt Tanahashi. Deswegen hat er auch kein schlechtes Gewissen, jeden Tag Walfleisch aufzutischen. Tanahashi ist Geschäftsführer der "Gaststätte zum Wal". Im "Kujiraya" in Tokios Szene-Stadtteil Shibuya bietet er Walsteaks an wie andere ihre Rindersteaks. Schließlich seien auch Rinder für manche Menschen niedlich, und trotzdem würden sie gegessen, argumentiert Tanahashi.
"Wir haben keinen Grund, mit Walen eine Ausnahme zu machen", sagt auch Takaaki Sakamoto von der Fischereibehörde in Tokio. Wale sollten wie andere Tiere auch unter wissenschaftlicher Kontrolle dauerhaft genutzt werden dürfen, solange ihr Bestand nicht bedroht sei. Japan fange denn auch keine Wale, die vom Aussterben bedroht seien. "Die Kritik an Japan ist daher grundlos", sagt Sakamoto. Vielmehr gehe es um Minkwale, und von denen meint Japan, gebe es inzwischen mehr denn je. Jedes Jahr fängt Japan rund 400 Wale, seit vergangenem Jahr auch Pottwale - zu "Forschungszwecken", wie es offiziell heißt.
Dabei gehe es auch um den Einfluss der Meeressäuger auf die Fischbestände, sagt Sakamoto und rechnet vor, dass allein Minkwale jedes Jahr ein bis zwei Millionen Tonnen Fisch verschlingen. Auch in der Internationalen Walfangkommission (IWC) soll es wissenschaftlich die Ansicht geben, das Walfangverbot könne teilweise aufgehoben werden, da einige Arten tatsächlich nicht mehr bedroht seien.
Im übrigen gebe es unterschiedliche Kulturen und Essgewohnheiten, die sollten respektiert werden, findet Sakamoto. So werde in Japan seit dem Mittelalter Wal gegessen. Allerdings trifft dies nur auf einzelne Fischerdörfer mit Walfangtradition zu. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die japanische Regierung der verarmten Bevölkerung geraten, Walfleisch zu essen, um den Bedarf an Proteinen zu decken.
Walschützer argumentieren, dass Japans "Forschungsprojekte" ein Vorwand seien, um den millionenschweren Markt für Walfleisch zu versorgen. Heute kaufe er nur Fleisch von Minkwalen, die für die Forschung gefangen wurden, versichert Restaurantbetreiber Tanahashi. Illegales Walfleisch sei ihm noch nie untergekommen. Tierschützer hatten in einigen Walprodukten Fleisch von bedrohten und geschützten Walarten wie dem Buckelwal entdeckt.
Dies zeigt nach Meinung von Naoko Funahashi vom Internationalen Tierschutzfonds (IFAW), "dass der so genannte wissenschaftliche Walfang den Deckmantel für den ungesetzlichen Handel mit gefährdeten Arten liefert". "Wenn der Bestand bedroht ist, sollte man sie natürlich nicht essen", sagt Tanahashi, der für seine Wal- Gerichte auch im Internet wirbt. Als Delikatesse des Hauses empfiehlt er unter anderem gedünsteten Wal-Darm. In dünne Scheiben geschnitten, zubereitet mit Senf und Sojasoße. "Mein Job ist es, unseren Gästen das Walfleisch so lecker wie möglich anzubieten", sagt Tanahashi.
Dass er als Chef eines politisch so unkorrekten Restaurants von ausländischen Journalisten zu seinen Ansichten befragt wird, stört ihn nicht - auch wenn sie nichts bei ihm essen. Bei Minkwalen, argumentiert er dann, sei es nun einmal "wissenschaftlich bewiesen", dass man 2000 davon im Jahr ruhig fangen könne, ohne ihren Bestand zu gefährden. Es sei geradezu nötig, Minkwale zu fangen, da das Ökosystem von Walen beschädigt werde. "Ich verstehe nicht, warum das dann trotzdem verboten werden sollte", sagt Tanahashi (dpa, 24. Juli 2001).