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Eine Geburt geht nicht ohne einen gewissen Blutverlust ab. Bis zu einem halben Liter innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt ist dabei noch normal.
Als postpartale Hämorrhagien (PPH) werden stärkere, nicht mehr normale Blutungen bezeichnet, die in der Nachgeburtsperiode, also unmittelbar nach der Geburt des Babys auftreten. Dabei kann es zu einem lebensbedrohlichem Blutverlust von einem Liter und mehr kommen - die häufigste Ursache der Müttersterblichkeit weltweit.
Was begünstigt starke Blutungen nach der Geburt?
Postpartale Blutungen werden vor allem nach langer Einleitungsdauer, lang anhaltenden Wehen, einer Wehenschwäche in der Austreibungsphase, einem Kaiserschnitt und bei Mehrlingsgeburten beobachtet.
Zwei Ursachen für nachgeburtliche Blutungen
Bei Blutungen in der Nachgeburtszeit ist es wichtig, zwischen zwei Blutungsursachen zu unterscheiden. Einerseits kann die Stelle, an der die Plazenta (der Mutterkuchen) an der Gebärmutterwand befestigt war, stark bluten. Wenn sich die Plazenta ablöst, entsteht eine offene Wundfläche an der Gebärmutter. Bei einer normalen Blutgerinnung schliesst sich diese Wunde rasch. Besteht allerding eine Blutgerinnungsstörung oder zieht sich die Wundfläche nicht genügend zusammen wegen einer Kontraktionsschwäche der Gebärmutter (Uterusatonie), blutet es stark aus der Gebärmutter. Oder blutet es aus einem Dammschnitt bzw. Riss im Geburtskanal (Scheidenriss)? Um diesen Unterschied festzustellen, führt die Hebamme oder der/die Geburtshelfer/in nach jeder Geburt regelmässige Kontrollen der Gebärmutter und der Genitalorgane durch.
Gründe für Blutungen aus der Gebärmutter:
Zurückbleiben eines Stücks der Plazenta in der Gebärmutter (Placenta accreta) oder
fehlende/ nicht ausreichende Kontraktion der Gebärmutter (atonischer Uterus) zur Blutungsstillung. Hier ist es wichtig zu unterscheiden, ob die Plazenta bereits ausgestossen worden ist oder sich noch in der Gebärmutter befindet.
Bei fehlender Kontraktion der Gebärmutter, wird eine Massage von Bauchdecke und Uterus erfolgen, um das Zusammenziehen zu fördern. Zudem wird Ihnen ein Medikament verabreicht, das die Kontraktionen der Gebärmutter unterstützen soll. Ausserdem wird man dafür sorgen, dass die Harnblase leer ist und gegebenenfalls einen Ultraschall durchführen, der bei der Suhe nach der Blutungsursache helfen soll. Wenn der Verdacht besteht, dass ein Stück Plazenta zurückgeblieben ist, werden Sie unter Narkose eine Nachtastung oder Curretage (Ausschabung) erhalten. Ein starker Blutverlust muss gegebenenfalls durch eine Bluttransfusion ausgeglichen und ein eventueller Schock bei der Mutter behandelt werden - möglicherweise auch ohne langwierige Erklärungen, denn jetzt ist die Situation lebensbedrohlich.
Gründe für Blutungen aus dem Scheidenbereich:
Handelt es sich bei der Blutungsursache um einen Riss im Geburtskanal oder einen Dammschnitt, muss die Verletzung durch die Hebamme oder den Arzt/ die Ärztin genäht werden.
Wie sieht es bei der nächsten Geburt aus?
Das Risiko für eine weitere Blutung nach der nächsten Geburt ist erhöht, v.a. wenn die Blutung mit einer Bluttransfusion behandelt wurde oder die Plazenta manuell gelöst werden musste, weil Reste in der Gebärmutter verblieben waren (Placenta accreta) oder bei einem vorliegenden Mutterkuchen (Placenta praevia). Ein erhöhtes Wiederholungsrisiko bei der nächsten Geburt gibt es auch, wenn dann folgende Situationen bzw. Komplikationen auftreten: eingeleitete Geburt, Frühgeburt, Oxytocinstimulation, vaginale Entbindung, Gewicht des Kindes von mehr als 4000 g, antikoagulative Therapie, Epiduralanästhesie und nach einem Notfallkaiserschnitt. Ein geplanter Kaiserschnitt hingegen senkte die Gefahr bei der nächsten Geburt deutlich. (Quelle: Birkmose Thams A et al. Incidence of postpartum hemorrhage and risk factors for recurrence in the subsequent pregnancy. Arch Gynecol Obstet 2022)