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Campocologno
Erstaunlicherweise gibt es eine ziemlich grosse Anzahl von frühen Postkarten von diesem Grenzort. Ob es nur die Berninabahn ist? Oder die imposanten Röhren des Kraftwerks? Hier kommt wohl die Antwort: "Das Kraftwerk Campocologno 1 wurde zwischen 1904 und 1907 gebaut und stellte zu jenem Zeitpunkt einen Weltrekord dar. Das Kraftwerk war weltweit dasjenige mit dem höchsten genutzten Gefälle, was technisch interessierte Besucher aus aller Welt ins Puschlav lockte." Quelle: Repower
Zurück zur Berninabahn:
Campocologno war ursprünglich nur als einfache Haltestelle der Berninabahn geplant, erhielt dann aber aus zolltechnischen Gründen eine grössere Bedeutung und wurde als "kompletter" Bahnhof gebaut.
Ein bisheriges Einzelstück, das mir in meiner langen Sammeltätigkeit begegnet ist!
Historisch interessant sind folgende Dinge: Das Dörfchen Campocologno ist noch gedrängt und kompakt auf dem Hügel, die Kirche existiert noch nicht.
weitere Details sind im Kapitel über das Kraftwerk beschrieben
Eine zweite Top-Rarität!
Sehr frühe Ansicht von Campocologno, die Strasse ist noch schmal und staubig, es gibt kaum Häuser bergseits der Strasse. (Vgl. 570-002)
Unten links die kleine Zollstation. Die Berninabahn ist noch nicht erstellt.....
....aber mit grosser Wahrscheinlichkeit im Bau. In der Vergrösserung meine ich Geländeabtragung zu erkennen, genau in der Bildmitte, die Strecke verläuft dann oberhalb des Hauses am linken Rand.
Wenn das so ist, schreiben wir etwa das Jahr 1906, kurz vor der Inbetriebnahme des Kraftwerks (1907). Das Gebäude der Zentrale steht schon, aber das ist der einfachste Teil der Arbeit....
Die Strecke der Berninabahn von Tirano nach Poschiavo wurde am 1.7.1908 offiziell eröffnet. Da die Aufnahme im Sommer gemacht wurde passt 1906 ziemlich gut. Damals konnte man Bahnanlagen in atemberaubendem Tempo bauen.
Dass das Kraftwerk noch nicht in Betrieb ist, zeigt die offensichtliche Manipulation der Foto: Die Druckrohre wurden im obersten Abschnitt von Hand eingezeichnet. Die Spuren der Geländebearbeitung sind schon da, aber sicherlich die Rohre noch nicht gelegt.
Hier ist das Mini-Dorf Campocologno zu sehen, aufgenommen von der anderen Seite des Flusses, etwa von dort, wo sich heute der Öl- und Freiverlad befindet.
Die Kirche dominiert die übrigen Häuser und auch das Bahnhofsgebäude. Strassenverkenr ist nicht erkennbar, es herrscht zur dieser Zeit der erste Weltkrieg und das Bündner Autofahrverbot.
Hier der Fokus auf das frühe Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen samt Verladerampe und den Zollbüros.
Eine herrliche Ansicht des Bahnhofs von Campocologno!
Gut erkennbar ist die einfache Gleisanlage. Die Aufnahme ist nach 1912 entstanden (Fertigstellung der Kirche).
Die Vergrösserung bringt einige interessante Details hervor, wenn auch nicht in einer besseren Qualität, weil die Karte noch nicht als Foto gedruckt wurde.
Vorne sehen wir die Fe2 51, mit dem normalen Pantografen. Widerlegt sind hier ein weiteres Mal die (unverständlichen) Stimmen, welche behaupten, dass es auf der BB keine weissen (hellen) Güterwagen gegeben hat...
Interessant ist auch der mit Weinfässern beladene LKW mit Speichenrädern und die Weinfässer auf der Rampe. Die Winzer von Campascio mit ihren Veltliner Importen setzten Zeichen an diesem Bahnhof.
Eine sehr frühe Karte der Berninabahn!
Interessante Kombination der Sujets: Einerseits die Ausfahrt der Berninabahn nahe der Grenze zu Italien und anderseits eine pittoreske Ansicht des Dorflebens in Campocologno.
Der Schreibende Hans Hartmann teilt mit, dass er "glücklich in meinem alten Nest angelangt" sei und schlägt der Empfängerin vor, dass sie "nach Beendigung der ....saison den Winter über hierher kommen aufs hiesige Pöstler..." Er erwartet gerne ein Lebenszeichen.
Naja, da musste man wohl sehr verliebt sein, um es sich in diesem "Nest" gutgehen zu lassen!
Der Text auf der Vorderseite "Eine schöne Gegend, oder was meinst?" weist darauf hin, dass Hans eifrig Werbung für die Destination machen muss...
Interessant ist, dass die Karte aus dem Verlag Orell Füssli in Zürich stammt. Es ist mir noch keine andere BB-Karte dieses Verlags bekannt.
Ausschnitt der oberen Hälfte, das Bahntrassee ist noch ganz hell und somit noch nicht oder erst seit kurzem benutzt, der Bremsstaub der talwärts fahrenden Züge hat sich noch nicht festgesetzt.
Die Kirche von Campocologno steht noch nicht, sie wurde von 1910 bis 1912 erbaut. Somit können wir diese Karte auf die Zeit davor terminieren.
In der Vergrösserung erkennen wir zwei Grenzwächter im Vordergrund mit ihren unterschiedlichen Uniformen.
Dorfidyll in Campocologno. Man beachte die Kühe, die sich unbehelligt auf der Strasse tummeln (Autofahrverbot in Graubünden bis 1926) und die Menschen, die hier posieren. Es fällt ein Zöllner oder Polizist in schwarzer Uniform auf, ebenso ein Mann mit Mütze, der ein Baby auf dem Arm hält.
Das Haus ist mit "Gambrinushalle" angeschrieben. Rechts der Türe steht "Caffe e Tabacchi" auf der andern Seite "Zucchero e Cioccolato"
Gambrinus gilt in der Legende als der Erfinder des Biers und als Gegenspieler von Bacchus, dem Weingott. Es handelt sich hier also (auch) um einen Bierausschank. Soso, "Caffe" anschreiben und Bier ausschenken also... :-)
Eine ungewohnte Perspektive auf Campocologno und die Druckleitungen.
Es scheint ein trüber Tag gewesen zu sein, als der Fotograf anrückte...
Eine bekannte Ansicht von Campocologno, aber eine aufschlussreiche trotzdem:
Die Dominanz der Kraftwerkszentrale Campocologno I ist nicht zu bestreiten. Eindrücklich das Gefälle der Druckrohre - damals mit 420 Metern Weltrekord (siehe Text ganz oben). Das Wasser fliesst vom Lago di Poschiavo bei Meschino in einem unterirdisch angelegten Stollen bis zum hier ganz oben sichtbaren Wasserschloss.
In der Vergrösserung erkennen wir die Eisenbrücke der Berninabahn oben und die Strassenbrücke unten, welche über die fünf Druckrohre führen.
Die Rückseite trägt nebem dem Poststempel noch einen Werbestempel des Restaurant Zanolari mit dem Vermerk "Buffet" im Kreis.
Nicht sichtbar ist der sog. BRB Vermerk (Nr. 1501), das war die Bewilligung des Militärdepartements während des Zweiten Weltkriegs. Man zensierte Postkarten, die Wehranlagen zeigen.
Die Poststelle Campocologno existierte von 1.6.1864 bis zum 18.1.1965, also fast 101 Jahre!
Ein stimmungsvolles Bild - Leute kommen zur Kirche hinaus, die Treppe hinunter, queren das Bahngleis und bewegen sich in Richtung Hauptstrasse.
Hmm, weshalb ist dieser Moment von einem Fotografen und Postkartenverleger aus Tirano festgehalten worden?
Es muss etwas besonderes gewesen sein, sonst wäre daraus keine Postkarte gedruckt worden. Eine Beerdigung oder ein Gottesdienst kann es nicht sein.
Meine Vermutung: Einweihung der Kirche im Jahr 1912.
Andere Ideen?
Die Fassade ganz links ist auf anderen Ansichten von Campocologno angeschrieben, leider unlesbar. Hier ist es (noch) nicht oder nicht mehr.
Das "neuere Campocologno" könnte man diese Postkarte beschreiben.
Die fünf Druckrohre sind noch da, sie wurden in den 60er-Jahren abgebaut und durch eine einzige ersetzt.
Aufnahme vermutlich 50er/Anfangs 60er-Jahre.
Das Boutique Hotel Albergo Stazione von Sylvia Seiler in Campocologno liegt direkt am Bahnhof der Berninabahn und nicht weit entfernt vom berühmten Kreisviadukt in Brusio. Die ideale
Unterkunft nicht nur für Eisenbahnfreunde!
Im Hause befindet sich auch eine permanente Fotoausstellung mit Bildern der historischen Berninabahn. Öffnunszeiten siehe Webseite des Hotels.
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