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Larry Summers und die Verhaltensökonomen 16.05.2009 19:36

Ein am 4. 4. 09 vom Weißen Haus veröffentlichter Finanzbericht enthüllt, daß der Hauptverantwortliche für die Wirtschaftspolitik der Obama-Regierung, Larry Summers, im letzten Jahr von einem der weltgrößten Hedgefonds, nämlich D.E. Shaw, insgesamt 5,2 Millionen $ erhalten hat.
Zusätzlich kassierte Summers weitere 2,7 Millionen $ an Gagen für Reden vor fast all den Bankhäusern, die Milliarden aus staatlichen Rettungspaketen erhielten: J.P. Morgan Chase, Citigroup, Goldman Sachs, Lehman Brothers und Merrill Lynch. Im Jahre 2008 hielt Summers an die 40 Reden vor Finanzdienstleistern, Universitäten und anderen Gruppierungen, während er zeitgleich die Präsidentschaftskampagne Obamas beriet. Im Weißen Haus betont man, die Reden seien vor seinem Beitreten in das Übergangsteam des gewählten Präsidenten Obamas letzten Winter gehalten worden. Selbst wenn dem so ist, hat man mit Larry Summers nichtsdestotrotz den Bock zum Gärtner gemacht. Anstatt ihm eine der wichtigsten Positionen für die Wirtschaftspolitik der U.S.A. anzuvertrauen, gehörten seine Verbindungen wohl eher vor eine Pecora-Kommission, nach der in den USA immer lauter gerufen wird. Die inzwischen von der LaRouche-Bewegung eingeleitete Kampagne für die Entlassung des Vorsitzenden des Nationalen Wirtschaftsrates bekam frische Munition, als das Time Magazine die Existenz einer Clique von ›Verhaltensökonomen‹ im Weißen Haus enthüllte, die derzeit versuchen, die Kontrolle über die Politik der Regierung an sich zu reißen. Die New York Times konzentrierte sich am 6. April auf einen der Schützlinge von Summers, den bekannten Verhaltensökonomen Shleifer, der zu dem »kleinen Kreis von Finanzprofis, speziell Hedgefonds-Managern« zähle, den Summers »herangezogen habe, um ihm als informelle Denkfabrik zu dienen. Von seinem Hochsitz im Weißen Haus aus berät er sich mit ihnen in allen politischen Fragen.« In den frühen 90er Jahren koordinierte Summers als Chefökonom der Weltbank zusammen mit Vize-Premierminister Tschubais die Privatisierungen und die Plünderung Rußlands. Damals wurden Summers’ Mann Shleifer und die Harvard-Universität von der US-Regierung bezahlt, um Tschubais und die Russen über Privatisierung zu beraten. Zur gleichen Zeit - praktisch vom Hinterzimmer von Harvards Privatisierungsprojektbüro in Moskau aus - betrieb Shleifers Frau Nancy Zimmermann einen Hedgefonds.
Während er die Aufgabe hatte, einen Aktienmarkt aufzubauen und andere postsowjetische Projekte zu organisieren, langte Shleifer bei den daraus resultierenden Aktien und Anleihen mächtig zu, Rußland dagegen schlitterte immer mehr in die Misere. Die US-Regierung klagte deshalb Harvard, Shleifer und Zimmermann gemäß dem Gesetz gegen wissentlich unberechtigte Forderungen (false claims act) an, doch Harvard und Shleifer trafen 2005 eine Vereinbarung mit dem Justizministerium: Harvard hatte eine Buße von 26,5 Mio.$ zu zahlen; Shleifer zahlte 2 Mio.$ Schadensersatz, außerdem 1,5 Mio.$ Schadensanteil der Firma seiner Frau. Heute gehört die Firma der Familie Shleifer, Bracebridge Capital, zu den Förderern des ›Arbeitskreises Verhaltens-Ökonomik‹, der über das Nationale Büro für Wirtschaftsforschung gesteuert wird 1.
Verhaltensökonomen müssen vom Weißen Haus ferngehalten werden!
Das Time Magazine veröffentlichte Anfang April brisante Enthüllungen über eine »geheime Beratergruppe von 29 führenden amerikanischen Behavioristen«, die entscheidenden Einfluß auf die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Barack Obama ausüben und die Amerikaner dahingehend manipulieren wollten, ihre Art von Wandel hinzunehmen. Mit dem Platzen der Finanzblase sei die Ära der rationalen Marktteilnehmer beendet, erklären die Verhaltens-Ökonomen. Deshalb sei es Zeit für ›neue Werte‹, um die Bevölkerung psychologisch auf den unvermeidlichen Zusammenbruch von Lebensstandard und Bevölkerungszahl vorzubereiten. Die Verhaltensökonomen sind im wesentlichen keine Ökonomen, sondern Spezialisten für psychologische Kriegsführung, die ihre Maßnahmen als Wirtschaftspolitik tarnen. Sie sind Anhänger des britischen philosophischen Radikalismus von John Locke, Bernard de Mandeville, Adam Smith und Jeremy Bentham im 18. Jahrhundert, die behaupteten, der Mensch sei bloß ein Tier und werde irrational von Lust und Schmerz bestimmt. Den harten Kern der Gruppe behavioristischer Kultisten bildet der ›Behavioral Economists Roundtable‹, der seinen Sitz bei der ›Russell Sage Foundation‹ in Washington hat und von der ›Sage Foundation‹ und der ›Alfred P. Sloan Foundation‹ gemeinsam unterhalten wird [Anmerk.: Auch in diesem Fall kann mit Sicherheit angenommen werden, daß diese nicht einen Cent an Steuern entrichten, wodurch die Mittel für ihre Einflußnahme unaufhörlich wachsen]. Diese rechten Stiftungen sind Abkömmlinge der probritischen Netzwerke, die früher Hitler und Mussolini unterstützt, die faschistische ›American Liberty League‹ aufgebaut und Präsident Franklin Roosevelt mit allen Mitteln bekämpft haben. Das Time Magazine enthüllte ferner, daß Präsident Obama völlig von einem Sammelsurium dieser Behavioristen umgeben ist. Sie haben sich durch hirnrissige, pseudo-ökonomische Traktate mit Titeln wie Freakonomics, Nudge, Predictably Irrational, The Wisdom of Crowds und Animal Spirits - eine sektenartige Anhängerschaft herangezogen. Diese Ökonomen, darunter die langjährigen Obama-Berater Cass Sunstein, Richard Thaler, Dan Ariely und Daniel Kahneman, hätten ein engmaschiges Netz um den Präsidenten geknüpft. Einige bekannte neoklassische Ökonomen, die ursprünglich als Präsidentenberater vorgesehen waren, seien von der neuen Richtung verdrängt worden.
Ein weiterer Anhänger dieser sektenartigen neuen Richtung sei der Direktor des Verwaltungs- und Haushaltsamtes des Weißen Hauses (OMB), Peter Orszag. »Sein Stellvertreter, Jeff Liebmann von der Harvard-Universität, ist ein renommierter Verhaltensökonom, wie auch die Wirtschaftsberater des Weißen Hauses Austan Goolsbee von der Universität von Chicago und Alan Krueger von der Princeton-Universität, Kandidat für den Posten des stellvertretenden Finanzministers, sowie mehrere weitere Berater. Sunstein wurde von Obama für den Posten des Chefs der Finanzaufsicht nominiert. Selbst Larry Summers, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, hat Arbeiten zur verhaltensgesteuerten Finanzierungslehre (behavioral finance) verfaßt. Und der Harvard-Ökonom Sendhil Mulla-Thainan organisiert ein Netz von Verhaltensexperten außerhalb der Administration, um die Regierung mit Ideen zu versorgen«, so berichtet das Time Magazine. Leider spielt Obamas Ego den Verhaltensökonomen in die Hände, weil er narzißtisch auf Persönlichkeit und Erfolg fixiert ist und als Messias des Wandels erscheinen will. Für sie ist Obama ein leeres Gefäß, dem sie ihre Theorien eintrichtern können, während sie wiederum für Obama eine Art Schalter sind, den er betätigen kann, um Amerika nach seinem Bild umzugestalten.
Wer fördert die Verhaltensökonomen in Europa?
Die Clique der Verhaltensökonomen hat auch in Europa Gesinnungsgenossen, die mit dem politischen Establishment verwoben sind. Der ›Behavioral Economics Roundtable‹, von dessen 29 Mitgliedern drei Europäer sind, veranstaltet eine jährliche Sommerakademie für Verhaltensökonomik an der Universität von Trento in Italien. Sie wird vom Roundtable-Mitglied David Laibson von der Harvard-Universität organisiert und von der ›Russell Sage Foundation finanziert‹. Die Universität von Trento wird ihr diesjähriges Wirtschaftsfestival (29.5.-1.6.) der Psycho-Ökonomik widmen. U.a. wird dort Roundtable-Mitglied George Akerlof sein neues Buch ›Animal Spirits - Wie Wirtschaft wirklich funktioniert‹ vorstellen. An der elitären Stockholm School of Economics befaßte sich der führende Verhaltensökonom Schwedens, Magnus Johannesson, kürzlich mit der Wirkung von Östrogen und Testosteron auf das wirtschaftliche Verhalten, insbesondere die Risikobereitschaft. Nun versucht er mit seinem Team, die Gene zu isolieren, die Risikobereitschaft steuern. Auch der Leiter des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Zürich ist ein führendes Roundtable-Mitglied, der Österreicher Ernst Fehr. Er veröffentlichte jüngst eine angeblich bahnbrechende Studie, die belegt, daß Seidenaffen selbstloses Sozialverhalten an den Tag legen, während man bisher meinte, dies tue nur der Mensch. In Deutschland findet man Martin Weber, der Leiter der Fakultät für Betriebswirtschaft, Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim, die eine jährliche Sommer-Akademie für Empirische Forschung veranstaltet. Die Zeit nannte ihn den wichtigsten ›Missionar‹ der Verhaltensökonomik in Deutschland. In der deutschen Finanzpresse gilt Weber als großer Prognostiker, obwohl sich alle seine Prognosen als falsch erwiesen haben. Im Januar 2008 sagte er der Zeit, daß die Krise bei der Hypo Real Estate, der größten Hypothekenbank Deutschlands, bereits den Boden erreicht habe und es nun wieder aufwärts ginge. Vier Monate später wurde die Bank zum größten Insolvenzfall der deutschen Geschichte. Im April 2004 entstand das ›Europäische Netzwerk für die Förderung der Verhaltens-Ökonomik‹ (ENABLE), an dem neben den Universitäten Harvard und Princeton die großen Institute der Verhaltensökonomen in Europa beteiligt waren. Durch das Marie-Curie-Aktionsprogramm der Europäischen Kommission finanziert, veranstaltete ENABLE bis 2008 Sommerakademien und Konferenzen.
Das ›Center for Economic Policy Research‹ (CEPR) hat seinen Sitz in London und ist ein Netzwerk von 725 Ökonomen an Universitäten Europas und darüber hinaus (nicht alle davon sind jedoch Verhaltensökonomen). Es erhält finanzielle Unterstützung von der EU-Kommission und den Zentralbanken der Eurozone, von England, Schweden, Dänemark und 17 weiteren Zentralbanken, ebenso wie von 33 privaten Finanzinstituten wie Credit Suisse, Barclays, BNP Paribas, UBS und Lloyds TSB. CEPR-Mitarbeiter werden häufig in Aufsichtsräte von Zentralbanken und Wirtschaftskommissionen der Regierungen berufen oder beraten die Europäische Kommission. Das CEPR wurde 1983 von Richard Portes, einem Experten für Kreditausfall-Swaps und beliebten ›Experten‹ in den Wirtschaftsmedien, gegründet; er unterrichtet derzeit an der London Business School. Die Mitgliedsliste des CEPR-Aufsichtsrats umfaßt etliche Hauptverdächtige für Untersuchungen einer europäischen Pecora-Kommission, u.a. Petr Aven, Chef der russischen Alfa Bank, einer der führenden ›Reformer‹, die in den 90er Jahren Rußlands Realwirtschaft ruinierten, und Francesco Giavazzi von der Universität Bocconi, ein führender Sprecher der neoliberalen Ökonomen in Italien. Im wissenschaftlichen Beirat sitzt Tommaso Padoa-Schioppa, der frühere Wirtschafts- und Finanzminister Italiens 3.
1 http://www.bueso.de/news/larry-summers-und-heuschrecken 6. 4. 09 und
Strategic Alert, 23. Jahrg., Nr. 17 vom 22. April 2009
2 Strategic Alert, 23. Jahrg., Nr. 17 vom 22. April 200
3 Strategic Alert, Jahrg. 23, Nr. 19 vom 7. Mai 2009