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Lichtensteiger, Alfred
Gestorben: 1952
Sohn einer Gastwirtin und eines Notars und Fürsprechers im toggenburgischen Dietfurt. Lehre als Metzger in Rorschach, die Arbeit im Kühlraum führte zu Arthrose. Kuren in Italien. Eintritt in die Schweizer Garde im Vatikan. Dort erlernte Lichtensteiger neben dem Geigen auch das Fotografieren. Nach sechs Jahren in Italien kehrte Lichtensteiger, rundum kuriert, ins Toggenburg zurück und begann zu fotografieren. Per Hochrad (später mit dem Motorrad) und mit schwerer Ausrüstung unternahm er talauf- und talabwärts Fotoexpeditionen. Daneben trat er in der Traube, dem Wirtshaus seiner Mutter, in seiner alten Gardeuniform auf und gab „Römer Episoden“ zum besten. 1906 übernahm er die Traube, überliess die Leitung aber seiner Frau Filomena Casanova. Er selbst führte sein „Spezialgeschäft für die Anfertigung von Ansichtskarten“. Hier entstand ein Grossteil der Toggenburger Ansichtskarten aus dieser Zeit. Bei aufsehenerregenden Ereignissen war Lichtensteiger stets zur Stelle: bei der Eröffnung der Bodensee-Toggenburg-Bahn 1910, dem Besuch des deutschen Kaisers in Kirchberg, bei einem Flugzeugabsturz 1929. Während Lichtensteiger dem wenig gewinnbringenden Fotografieren nachging, ernährte seine Frau die achtköpfige Familie mit dem Wirtshaus und einem Lebensmittelgeschäft. Lichtensteigers Nachlass wurde, wie viele Fotografennachlässe, auf einem Dachboden entdeckt. Die rund 2000 Glasplatten werden im Bütschwiler Ortsmuseum verwahrt.
SAMMELPUBLIKATIONEN
Sylvia Bärtschi-Baumann, «Chronisten des Aufbruchs. Zur Bildkultur der St. Galler und Appenzeller Fotografen 1839-1950», Offizin, Zürich 1996.