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Aufgrund eines Gerichtsentscheids in Deutschland mehren sich die Artikel darüber, dass in einer Patientenverfügung präzise Angaben gemacht werden sollen. Es leuchtet ein, dass nicht genügen kann, wenn man darin schreibt, dass keine Wiederbelebungsmassnahmen gewünscht werden. Das ist zu vage. Auch über die Frage nach künstlicher Ernährung oder einer künstlichen Beatmung kann zusätzlich ausgeführt werden, unter welchen genauen Umständen dies nicht mehr geschehen soll.
Es ist kaum zu glauben, aber vielleicht trotzdem so gewesen. Dieser Bericht weist aber einmal mehr darauf hin, dass die Spitäler entweder nicht gerne das Szepter aus der Hand geben wollen oder sonst tatsächlich mit zu vagen Formulierungen in Patientenverfügungen konfrontiert sind, die sie vor Probleme stellen. Wieder einmal wird aufgeworfen, dass die Formulierung „wünsche keine lebenserhaltenden Massnahmen“ viele Ärzte vor ein Dilemma stellen würde. Inwiefern dies ein Problem sein sollte, dazu wird im Bericht nichts gesagt. Mir scheint jedoch klar, dass diese Formulierung immer in einem Gesamtzusammenhang gesehen werden muss. Es ist doch völlig einleuchtend, dass damit bspw. nicht gemeint sein kann, dass ein Patient/Patientin die vorübergehend beatmet oder auch intubiert werden muss, ohne dass irgendwelche gravierende Schäden erkennbar oder absehbar sind, keine derartigen „lebenserhaltenden Massnahmen“ mehr möchte. Zum guten Glück herrschen in der Schweiz keine US-Verhältnisse mit drohenden ruinösen Klagen gegen Spitäler, sodass der gesunde Menschenverstand immer noch walten kann.
Man konnte es in jüngster Zeit schon oft lesen, dass der Passus in einer Patientenverfügung, „lebenserhaltende Massnahmen sollen unterbleiben“ zu unbestimmt sei, um als Anweisung für ärztliches Personal zu dienen. Ich habe eine Internetseite gefunden, die zu diesem Thema Bezug nimmt in Zusammenhang mit einem Entscheid des deutschen Bundesgerichtshofs (BGH). Die auf dieser Seite den Entscheid kommentierende deutsche Rechtsanwältin ist der Meinung, dass durch diesen Beschluss des BGH tausende von Patientenverfügungen unwirksam werden und deshalb dringend anhand der neuen Maßgaben überprüft werden müssen.
Für die Schweiz wird wohl ähnliches zu erwarten sein. Wenn also die Patientenverfügung nicht konkret genug ist und daher möglicherweise mehrdeutig zu verstehen, können die Ärzte nicht anhand dieser handeln, da sie sich nicht darauf verlassen können, dass die Verfügung dem Willen des Patienten zu 100 % und in dieser konkreten Situation entspricht. Ist das wirklich so?
Die neuen Regelungen zur Patientenverfügung traten am 1. Januar 2013 in Kraft. Ein Publikumsvortrag des Stadtspitals Waid in Zürich mit Datum vom 27. Februar 2013 ist im Internet abrufbar. Daraus einige Auszüge sowie ganz unten der entsprechende Link zum gesamten PDF-Dokument.
„Knackpunkte“ im Umgang mit Patientenverfügungen:
– Wie ausführlich oder detailliert ist die Patientenverfügung?
– Muss der Inhalt interpretiert werden, oder „passen“ die Entscheidungen auf die momentane Situation?
– Wie viel wusste der Patient über medizinische Entscheidungen
und deren Folgen?
– Hat der Patient mit nahestehenden Personen gesprochen?
Wissen diese, was er sich zu den Entscheidungen überlegt hat?
Kritik am Konzept der Patientenverfügung
• „…eine Verfügung auszustellen für eine Situation,
die noch nicht Bestandteil der eigenen
Erfahrungswelt ist.“
• „überzeichnete Logik der autonomen Kontrolle“,
„Betrachtung des Angewiesenseins auf andere eo
ipso als Katastrophe.“
• -> stattdessen: „Tugend der Gelassenheit“
, der „Zuversicht auf das, was kommen wird.“