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Zur diagnostischen Bedeutung des Wartegg-Tests
Der Wartegg-Test ist ein athematisches Zeichenverfahren. Er wurde 1939 vom Leipziger Psychologen Ehrig Wartegg (1897 – 1983) publiziert und entwickelte sich zu einem beliebten diagnostischen Instrument. Die Aufgabe der zu analysierenden Persönlichkeit besteht darin, in jedes der acht vorhandenen Felder ein Bild zu zeichnen.
Dabei können bzw. müssen die bestehenden Zeichenelemente weitergeführt, dürfen also nicht verändert werden. Die Wahl der Motive bleibt dem Zeichner überlassen.
Der Test erfordert allerdings – ähnlich wie die graphologische Analyse – eine intensive analytische Erfahrung, im Speziellen vertiefte Erfahrungen im Umgang mit Symbolen (wie Rauch, Schlangen usw., vgl. Feld 2, bzw. Feld 7). Erfahrene Gutachter wissen beispielsweise, dass eine Uhr oder eine Zielscheibe im Feld 1 oft mit einer widersprüchlichen, ambivalenten Einstellung zur eigenen beruflichen Situation zu tun hat. Ökonomisch interessierte Personen zeichnen im 3. Feld häufig ein Diagramm, im 4. Feld die Oberfläche eines Würfels. Das fünfte Feld gibt Hinweise zum Thema der Aggression. Hardseller, die in einem stark konkurrierten Umfeld akquirieren, zeichnen häufig ein Messer. Das Feld 6 vermittelt Hinweise über die Kooperationsbereitschaft. Harmoniebedürftige Testpersonen zeichnen hier oft ein Einfamilienhaus. Das Feld 8 hat im weitesten Sinn mit der Frage der Einstellung zur Gesellschaft zu tun, aber auch mit dem eigenen Autonomie-Anspruch. Erstaunlich viele Testpersonen zeichnen in diesem Feld einen Fallschirm.
Es würde in diesem Rahmen zu weit führen, die diagnostischen Möglichkeiten umfassend darzustellen. Ich wurde auf den Wartegg-Test in den achtziger Jahren aufmerksam, weil er seit dieser Zeit nicht nur als Instrument für die Berufsberatung, sondern auch bei der Durchführung von Einzelassessments genutzt wird. Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Warteggtest zeigten – nach einer anfänglichen Skepsis – immer wieder deutlich, dass die Testpersonen sehr persönliche, „ausdruckshaltige“ Visionen in die einzelnen Felder projizieren. Wenn sich eine Handschrift nur sehr langsam verändert, so ist die Qualität eines Warteggtests viel intensiver an die momentane Stimmungslage der Testperson gebunden. Vor allem in Krisensituationen bei Managern, die unter grossem Druck stehen, wird der Wartegg-Test zu einem sehr informativen Instrument. Ich denke, dass die Nachfrage nach einer kombinierten Anwendung von Grapho- und Wartegg-Analysen in den kommenden Jahren steigen wird.