Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03388.jsonl.gz/485

Kortison wird oft als Sammelbegriff für die Hormone der Nebennierenrinde („Steroide“) und künstlich hergestellte, ähnlich wirkende Medikamente, verwendet. Die korrekte Bezeichnung ist eigentlich Kortikosteroide.
Kortikosteroide sind Hormone, die vom menschlichen Körper in der Nebennierenrinde produziert werden. Die Hormone sind für viele Körpervorgänge unentbehrlich. Der menschliche Körper produziert pro Tag ca. 7 bis 15 mg Kortison.
Etwa vor 60 Jahren hat man entdeckt, dass Kortison äusserst günstig auf Entzündungszustände wirkt und diese bekämpfen kann. Kortison wird heute unter anderem gegen Asthma, in der Rheuma- und Hauttherapie, sowie gegen akute Entzündungen des Bewegungsapparates eingesetzt.
Kortison kann Asthma zwar nicht heilen, aber die Beschwerden und die typischen Anfälle von Asthma-Patienten lindern und damit das Leben der Patienten erträglicher machen.
Wie wird Kortison bei Asthma eingesetzt?
Früher gab es das Medikament Kortison nur in Tablettenform oder als Spritze. Damit aber genügend Wirkstoff in die Lungen gelangt, musste der gesamte Körper deshalb regelrecht mit hohen Kortison-Dosen überschwemmt werden. Daraufhin stellt die Nebennierenrinde ihre Kortison-Produktion ein. Durch das verabreichte Medikament war ja dann genügend Kortison im Körper vorhanden.
Wird so eine Kortisonbehandlung abrupt abgesetzt, kann dies zu schweren Mangelerscheinungen führen. Deshalb ist es wichtig, dass Kortisonbehandlungen immer langsam (ausschleichend) aufgehört werden, damit die körpereigene Produktion wieder anläuft.
Erst vor rund 30 Jahren wurde Kortison in inhalierbarer Form entwickelt. Mit den Dosieraerosolen konnte nun das Asthma gezielt, lokal und deshalb niedriger dosiert behandelt werden. Diese Behandlungsform erlaubt es, winzig kleine Mengen von Kortison sofort und am richtigen Ort – in den Lungen - zu platzieren. Heute gibt es sogar inhalierbare Kortisonpräparate, die nur noch direkt von den entzündeten Schleimhäuten aufgenommen werden. Sobald dieses Kortison ins Blut übertritt, zerfällt der Wirkstoff in unwirksame Stoffwechselprodukte. Das erklärt, warum solche Kortisone über Jahre hinweg, auch dem kindlichen Körper zugemutet werden können, ohne dass das Kind unter Nebenwirkungen leiden muss.
Welche Nebenwirkungen sind bei Kortisonbehandlungen zu erwarten?
Hohe Kortison-Mengen, die als Sirup oder als Tabletten über längere Zeit eingenommen werden müssen, können Nebenwirkungen hervorrufen.
Bei Kindern kann es dabei zu folgenden Nebenwirkungen kommen:
- Wachstumshemmung, respektive –verzögerung
- Knochenschwund (Osteoporose)
- Gewichtszunahme
- Fetteinlagerung, typischerweise im Gesicht (Vollmondgesicht)
- Sehschwierigkeiten durch Linsentrübungen
- Hautveränderungen
Meistens gehen die Nebenwirkungen zurück, wenn die Dosis verringert wird.
Nebenwirkungen beim Inhalieren von Kortison?
Im Vergleich zu den Tabletten, ist die Dosis beim Inhalieren bis zu 200 Mal kleiner. Bei den normalerweise verschriebenen Inhalationsdosen sind deshalb praktisch keine Nebenwirkungen zu erwarten. Lokale Nebenwirkungen können sein: Pilzinfektionen im Mund, Heiserkeit.
Wenn sehr hohe Dosen Kortison inhaliert werden müssen, z.B. bei extrem starkem Asthma, kann es zu Wachstumsverzögerungen kommen. Als Erwachsene erreichen die Betroffenen aber in der Regel eine normale Grösse.
Was muss bei Kortisonbehandlungen beachtet werden?
Alle 3-6 Monate sollte das Kind vom Arzt kontrolliert werden.
Wenn immer möglich, sollten kortisonhaltige Sirups und Tabletten asthmatischen Kindern nie länger als eine Woche verabreicht werden.
Beim Inhalieren bleibt oft ein Teil der Dosis in der Mundhöhle zurück. Deshalb sollte nach dem Inhalieren sofort der Mund gespült, etwas gegessen oder getrunken werden. Dadurch wird das Rest-Kortison in den Magen gespült und durch die Magensäure neutralisiert. Bei Kleinkindern, bei denen eine Inhalationsmaske verwendet wird, muss das Gesicht nach der Behandlung mit einem feuchten Tuch abgewaschen werden.
Dosierung während eines Asthma-Anfalles
Bei einem schweren Asthmaanfall benötigt das Kind höhere Dosen von Kortison, meist für 3-5 Tage. Deshalb, und auch weil beim akuten Asthmaanfall die Bronchien stark verengt sind, kann das Kortison nicht inhaliert werden und muss in diesem Fall in Tabletten-form verabreicht werden. Wenn dies nicht öfter als 5x pro Jahr vorkommt, treten in der Regel keine Nebenwirkungen auf.
Inhaliertes Kortison zur Vorbeugung eines Asthma-Anfalles
Mit der inhalierbaren Kortisionverabreichung sollen schwere Asthmaanfälle verhindert werden. Im Normalfall sind die Atemwege offen genug, damit der Wirkstoff rasch an die entzündeten Stellen gelangt. Die inhalierte Kortisonmenge über das ganze Jahr verteilt entspricht derjenigen Menge, die bei einem einzigen schweren Asthma-Anfall über 3-5 Tage geschluckt werden muss.
Mehr zum Thema
Quelle: Merkblatt der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie Pneumologie, Dr. J. Barben
19.04.2007