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Es schneite erneut intensiv im Süden, während im Norden ein kräftiger Föhnsturm Neu- und Altschnee verfrachtete. In Graubünden führte ein Altschneeproblem zu zahlreichen Lawinenauslösungen. Der Samstag war der Tag mit den bisher meisten personenausgelösten Lawinen des Winters. Bei zwei Lawinenunfällen am Samstag verstarb je eine Person.
Nachdem es bereits während der Periode des letzten AvaBlogs im Süden sehr viel geschneit hatte, war es nur am Donnerstag, 29. Februar einen Tag lag sonnig und in allen Gebieten trocken, bevor in der Nacht auf Freitag, 1. März im Einfluss einer Südstaulage im Süden erneut Schneefall einsetzte. Dieser war vor allem von Samstagabend, 2. März bis Sonntagabend, 3. März sehr intensiv. Die Schneefallgrenze lag zwischen 1200 m und 1500 m. Der meiste Schnee fiel in der Region vom Saastaal bis ins südliche Obergoms, entlang der Grenze zu Italien und im westlichen Tessin. In diesen Regionen wurden an zahlreichen automatischen IMIS-Stationen in Summe unglaubliche 150 bis 200 cm Neuschnee modelliert, an einigen Stationen sogar bis zu 230 cm (Abbildungen 1 und 2). Wie realistisch diese Werte sind, ist schwierig abzuschätzen, da bei derart grossen Schneefällen die Setzung des Neuschnees fast ebenso schnell ist wie der Neuschneezuwachs, so dass die Schneehöhe trotz intensivem Schneefall nur noch wenig anwächst. Die Neuschneewerte an den IMIS-Stationen werden mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK modelliert. An den tiefer gelegenen manuellen Beobachterstationen wurden in der gleichen Periode 80 bis 140 cm Neuschnee gemessen. Da diese Stationen jedoch im Bereich der Schneefallgrenze lagen, sind die Neuschneemengen dort sicher deutlich geringer als in der Höhe.
Obwohl diese Neuschneemengen aussergewöhnlich erscheinen, sind solche Ereignisse im Süden nicht so selten. In mittleren Lagen entsprechen die 4-Tagesneuschneesumme rund einem 3-jährlichen Ereignis, die 11-Tagesneuschneesumme etwa einem 5-jährlichen Ereignis. In hohen Lagen, wo mehr Schnee fiel, fehlen langjährige manuelle Beobachterstationen, um eine robuste klimatologische Einordnung zu machen.
Mit dem intensiven Schneefall wurde von Samstagmorgen, 02. März bis am Montag, 04. März in den Hauptniederschlagsgebieten vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt (s. Verlauf der Lawinengefahr ganz unten auf der Seite). Es gingen auch tatsächlich zahlreiche spontane Lawinen ab (Abbildung 3), teilweise auch sehr grosse, die den Talboden erreichten (Abbildung 4).
Während es im Süden schneite, blies von Samstagnachmittag bis Sonntagabend im Norden stürmischer Südwind, in den Tälern starker Föhn. Dieser verfrachtete noch lockeren Neuschnee und teilweise auch Altschnee.
Mit dem Föhn entstanden zahlreiche störanfällige Triebschneeansammlungen. In diesen Triebschneeansammlungen wurden einige kleine und mittlere Lawinen ausgelöst (Abbildung 5).
In den inneralpinen Gebieten Graubündens rückte ab Mitte der Woche ein Altschneeproblem in den Vordergrund. Unter einer Schicht mit dem Schnee der letzten ein bis zwei Wochen war verbreitet eine Schmelzharschkruste vorhanden. Darunter befanden sich teilweise grosse, kantig aufgebaute Körner. In dieser ausgeprägten Schwachschicht reagierten in Schneeprofilen die Stabilitätstests (s. Abbildung 6) und es wurden am Wochenende zahlreiche Lawinen ausgelöst (Abbildung 7).
Es handelt sich hierbei im Gegensatz zu den Altschneeproblemen der letzten zwei Winter nicht um ein bodennahes Altschneeproblem (s. z.B. AvaBlog 16.-20. März 2023). Die Überlagerung der Schwachschicht ist aber mächtig genug, dass trotzdem gefährlich grosse Lawinen ausgelöst werden können.
Im zentralen Wallis gab es vor allem am Wochenende von Ende Februar ebenfalls einige Lawinenauslösungen in einer solchen Schwachschicht. Seitdem gab es dort aber kaum noch Anzeichen für ein aktives Altschneeproblem.
In dieser Berichtsperiode ereigneten sich zahlreiche Lawinenunfälle, die leider nicht alle glimpflich ausgingen.
Am Samstag, 2. März ging im Skigebiet Hohsaas (Saas-Grund, VS) eine Lawine auf eine geöffnete Skipiste nieder. Eine Person wurde von dieser Lawine ganz verschüttet und verstarb. Ebenfalls am Samstag verstarb eine Person im freien Gelände in einem Lawinenabgang in der Nordwestflanke des Leidbachhorns (Davos, GR). Im Variantengelände des Skigebietes Lenzerheide-Arosa (GR) wurde am Samstag eine Person tot in einer Lawine aufgefunden, die seit Samstag, 24. Februar vermisst worden war.
Zusätzlich wurden in der Berichtsperiode rund 50 personenausgelöste Lawinen gemeldet. In diesen wurden 15 Personen erfasst, fünf davon ganz verschüttet und zwei davon verletzt, eine schwer. Der Samstag, 2. März war der Tag mit den meisten personenausgelösten Lawinen des bisherigen Winters (Abbildung 8).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.