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Für Birkenblätter kennt die Phytotherapie als anerkannte Anwendung die Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß (Kommission E, ECOP). Die Kommission E schreibt den Birkenblättern noch eine unterstützend Wirkung bei rheumatischen Beschwerden zu. Für diese Indikation sind die Belege allerdings schwach und es ist ungeklärt, was Birkenblätter bei Rheuma genau bewirken sollen.
Darüber hinaus gibt es aber weitere interessante Erkenntnisse zur Wirkung der Birke.
„Antipyretische Wirkung: Durch Bäckerhefe induziertes Fieber bei Ratten wurde durch einen 25%igen wäßrigen Birkenblätterextrakt signifikant für eine kurze Zeit gesenkt. Die maximale Hemmung des Fieberanstiegs betrug 40 % nach 5 Stunden.“
Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Birkenblatt.html
Antipyretisch = Fieber senkend
Ob ein solches Resultat mit induziertem Fieber bei Ratten irgendetwas aussagt über die Behandlung von Fieber beim Menschen ist sehr ungeklärt.
Für Birkenrinde gibt es potenzielle Anwendungsbereiche in der Dermatologie:
„Birkenrinde: ein Birkenrindentrockenextrakts erwies sich in einer klinischen Studie als äußerlich wirksam bei Aktinischer Keratose und Schuppenflechte. Derzeit sind jedoch nur Pflegepräparate und keine Arzneimittel im Handel.“
Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/birke.php
Die Birke also sehr wird vielseitig genutzt.
Neben Birkenblättertee und Birkenrinde ist Birkenteer bekannt. Er soll eine Wirkung gegen Parasiten (Krätze) entfalten und wirksam sein bei Hautkrankheiten wie Hautjucken, Akne und Ekzemen sowie Schuppenflechte und anderen Hautleiden (trockenen Flechten und Dermatosen). Birkenteer wird aber kaum mehr verwendet, weil er wie andere Teerpräparate Hautreizungen auslösen kann und wegen möglicher Mutagenität (Erbgutschädigung).
Birkensaft: In der Volksmedizin wird Birkensaft gegen Rheuma und Gicht angewendet, wobei auch hier nicht ersichtlich ist, wie eine solche Wirkung zustande kommen soll. Genauso fraglich ist die Empfehlung von Birkensaft zu Frühjahrskuren, zur Blutreinigung, gegen Cellulite und als Haarwuchsmittel
Siehe dazu auch:
Plausible Gründe für die Notwendigkeit solcher Frühlingskuren und Blutreinigungsmittel gibt es meines Erachtens nicht. Wenn jemand aber davon überzeugt ist, dass ihm oder ihr ein solches „Putzritual“ gut tut, dann ist Birkenblättertee oder Birkensaft zu mindestens eine unschädliche Variante und Zubereitungen auf der Basis von Abführmitteln (Senna, Aloe) alle weil vorzuziehen.
Wer also Birkensaft und / oder Birkenelixier gern hat, kann sie ruhig trinken oder in die Kopfhaut einmassieren. Unerwünschte Nebenwirkungen sind hierbei nicht zu befürchten.
Es ist im übrigen auch keineswegs meine Absicht, die Birke „schlechtzumachen“. Nur die Verkaufsargumente und Heilungsversprechungen, die mit Birkensaft und Birkenelixier verbunden werden, halte ich für ziemlich überzogen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch