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1818-1897, geboren und gestorben in Basel
Jacob Burckhardt wurde am 25.5.1818 in Basel geboren und starb ebenda am 8.8.1897. Der Kultur- und Kunsthistoriker studierte zuerst Theologie, dann in Berlin und Bonn 1839-1843, Geschichte und Kunstgeschichte. 1855 wurde er Professor in Zürich, 1858 in Basel, wo er bis 1893 lehrte. „Sein Hauptwerk, die 'Kultur der Renaissance', 1860, zeigt in grossartigem Querschnitt das Bewusstwerden des Individuums in dieser Zeit. Seine pessimistische Kulturkritik verurteilte den Fortschrittsglauben und hielt die Macht an sich für böse. Letztlich sei Kultur nur in einer staatenlosen Welt möglich." (Brockhaus). Im Sommer 1837 reiste der neunzehnjährige Jacob Burckhardt zusammen mit drei Freunden das erste Mal in den Süden. Die Erlebnisse dieser Reise fasste er unter Mitarbeit eines seiner Begleiter, Alois Biedermann, in einem Bericht zusammen, der 1838 in der Zeitschrift "Der Wanderer in der Schweiz", Hefte Nr. 29- 41, 4. Jahrgang, erschien. 1978 gab Peter Schifferli den Bericht zusammen mit weiteren Texten Jacob Burckhardts über das Tessin im Archebändchen "Von der Schönheit des Tessin" heraus. Das mit Zeichnungen von Lis Boehner versehene Buch ist vergriffen.
Jacob Burckhardts Konterfei und Hinweise zu seinem Schaffen zieren die 1000-Franken-Note. Die Schweizerische Nationalbank schreibt dazu: „Jacob Burckhardt hat das Verständnis für die Entwicklung unserer modernen Kultur entscheidend geprägt. Seinen Ruhm verdankt er seiner wissenschaftlich fundierten und künstlerisch sensiblen Untersuchung der italienischen Renaissance. Burckhardt war aber immer auch ein weitsichtiger Kritiker des staatlichen Machtstrebens. Er gilt heute nicht nur als brillanter Historiker, einzigartiger Kunsthistoriker und prophetischer Zeitkritiker. Er hat Geschichtsschreibung mit literarischem Können betrieben und mit seinem Werk die heutige wissenschaftliche Kunstgeschichte mitbegründet.
Die Zeit Konstantins des Grossen (1853). Dieses erste Hauptwerk Burckhardts zeigt die Zeit des Kaisers Konstantin des Grossen als entscheidende Übergangsphase zwischen der untergehenden Antike und dem aufkommenden Christentum und als Voraussetzung für die mittelalterliche Kultur.
Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens (1855). Der Cicerone ist ein gelehrter Führer durch die Kunstschätze Italiens und zugleich eine umfassende Geschichte der Architektur, der Plastik und der Malerei von der römischen Antike bis zum 18. Jahrhundert. Dieses Werk stellte während rund 60 Jahren das wichtigste Handbuch für deutschsprachige Italien-Reisende dar.
Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch (1860). Mit dieser umfassenden und geistvoll geschriebenen Geschichte der Renaissance eröffnete Burckhardt eine grundlegende Diskussion über die Entwicklung der Neuzeit, insbesondere des modernen Europa. Nach seiner These empfand sich der Mensch des Mittelalters nur als Teil der Gesellschaft. Erst mit der höheren Bewertung des Einzelnen in der Renaissance entstand das individuelle Bewusstsein der Neuzeit.
Griechische Kulturgeschichte (1898-1902 aus dem Nachlass publiziert). Im zweiten Hauptwerk seines Alters setzte sich Burckhardt mit geschichtsphilosophischen Grundfragen auseinander. Anders als Hegel und Marx, die einen Gesamtablauf der Geschichte zu konstruieren suchten, an deren Ende die „Erfüllung aller Zeit“ steht, arbeitete Burckhardt in seiner Beschreibung historischer Entwicklungen das Konstante und Typische heraus.
Weltgeschichtliche Betrachtungen (1905 aus dem Nachlass publiziert). Die vier Bände der Griechischen Kulturgeschichte sind nicht als Reihenfolge von Ereignissen und Fakten aufgebaut. Vielmehr stellen sie die gesellschaftlichen Grundlagen und Kräfte dar, aus denen die Ereignisse hervorgegangen sind. Burckhardt gehörte auch zu den ersten, die es wagten, der idealen Auffassung der griechischen Antike ein möglichst wirklichkeitsnahes Bild entgegenzusetzen. Gerade dadurch, dass er die grossen Persönlichkeiten – etwa Perikles oder Platon - kritisierte, zeigte er das Einzigartige der alten Griechen um so deutlicher auf. Im Zentrum steht die Behandlung der «drei Potenzen Staat, Religion und Kultur». Die geschichtlichen Kräfte Staat und Religion erhalten die Stabilität von Lebensformen und beanspruchen für sich umfassende Geltung. Sie stützen ihre Macht gegebenenfalls mit Zwang und Gewalt. Kultur dagegen bietet einen Raum, in dem man sich frei bewegen kann. Staat, Kultur und Religion stehen in einer Wechselwirkung und haben unterschiedliche Epochen geprägt: Kultur zeigt sich im antiken Athen oder im Florenz der Renaissance als die bestimmende Potenz. Die Religion des Christentums ersetzt den spätrömischen Staat und dominiert die Kultur des Mittelalters. Der absolutistische Staat versucht seine Zwangsmacht über alle Bereiche der Kultur auszudehnen. Der moderne zentralisierte Staat sieht sich bedrängt durch die wachsende Macht von Technik und Industrie. Neben Phasen mit sehr langsamen Entwicklungen untersucht Burckhardt auch die „beschleunigten Prozesse“, die „geschichtlichen Krisen“: Völkerwanderungen, „Erhebungen von Klassen und Kasten“, Ereignisse wie die Reformation oder die Französische Revolution. Er stellt fest, dass Krisen erstarrte Formen von Staaten und Religionen auflösen und Neues entstehen lassen, und er registriert gleichzeitig die Gefahr des Umschlagens in Terror oder Militarismus. Burckhardt stellt schliesslich die Frage nach Glück und Unglück in der Weltgeschichte. Er zeigt sich skeptisch gegenüber allen Vorstellungen, die von politischen Utopien, gesteigerter nationaler Grösse, wirtschaftlicher Expansion oder zivilisatorischer Sicherheit eine Zunahme des gesellschaftlichen Glücks erwarten. Anders als viele seiner Zeitgenossen sieht er im Verlauf der Weltgeschichte nicht einseitig den sogenannten Fortschritt, sondern auch die „unterlegenen Kräfte, die vielleicht edler und besser waren“.
Lebensstationen
1818 Jacob Burckhardt wird am 25. Mai in Basel als Pfarrersohn geboren.
1837-1843 Studium der Theologie, der Geschichte und der Kunstgeschichte in Basel, Berlin und Bonn.
1843 Jacob Burckhardt hält sich in Paris auf und gerät dort in Berührung mit französischer und spanischer Kunst.
1844-1845 Lehrtätigkeit für Geschichte an der Universität Basel, daneben journalistische Tätigkeit bei der Basler Zeitung.
1846-1848 Aufenthalte in Rom, letzter grosser Aufenthalt in Berlin. Neubearbeitung der Handbücher seines Lehrers Franz Kugler zur gesamten Kunstgeschichte.
1848-1852 Lehrtätigkeit in Basel.
1853-1854 Kunstreise durch Italien, aus der „Der Cicerone“ hervorgeht.
1855-1858 Dozent für Kunstgeschichte am Polytechnikum Zürich.
1858-1893 Jacob Burckhardt arbeitet als Ordinarius für Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Basel. Er unternimmt zahlreiche Reisen, vor allem nach Italien und Frankreich. Berufungen nach Tübingen und nach Berlin, als Nachfolger seines Lehrers Leopold von Ranke, lehnt er 1872 ab.1897 Jacob Burckhardt stirbt am 8. August in Basel."