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Die Ausgangslage
Eigentlich ist es unmöglich, genau zu bestimmen, wie ähnlich sich gewisse Sprachen oder Dialekte sind. Aber man kann zum Beispiel den Wortschatz zweier Sprachen vergleichen und messen, wie gross oder klein der Anteil der gemeinsam verwendeten Wörter ist.
Nur ist bisher kein solcher Wortschatzvergleich für Hochdeutsch und schweizerdeutsche Dialekte gemacht worden. Ausserdem bestehen Sprachen ja nicht nur aus dem Wortschatz, sondern auch aus Lautung, Satzbau oder Wortformen. Diese Aspekte zu vergleichen, ist deutlich schwieriger als beim Wortschatz.
Der Vergleich
Um herauszufinden, welcher schweizerdeutsche Dialekt dem Hochdeutschen (oder Standarddeutschen) am nächsten ist, bleibt also nichts Anderes übrig als ein exemplarischer Vergleich in den Bereichen Lautung, Satzbau und Wortformen.
Lautung
Am auffälligsten sind sprachliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Lautung: Und hier tun sich vor allem Baseldeutsch und Churerdeutsch als hochdeutschnah hervor.
Augenscheinlich ist dies etwa bei den «typisch» schweizerdeutschen Lauten [ch] und [kch]: Während man im Schweizerdeutschen allgemein kehlig von Chue und Sack redet, tönt es in Basel und Chur (Khuur) weicher: Khue und Sagg – genau wie auch im Hochdeutschen.
Noch weiter verbreitet ist die Längung jener Vokale, die in mittelhochdeutscher Zeit noch kurz waren: In der Nordwestschweiz (inkl. Basel), im Rheintal (inkl. Chur) und im Kanton Uri spricht man Baasel, Oofe, Stuube und siibe lang aus – genau wie im Standarddeutschen. In den anderen schweizerdeutschen Dialekte sind diese Vokale mehrheitlich kurz geblieben: Basel, Ofe, Stube, sibe.
Nur in Basel hingegen heisst es wie im Hochdeutschen saage, während man in allen anderen schweizerdeutschen Dialekten sä(ä)ge sagt.
In einem lautlichen Aspekt allerdings unterscheiden sich das Basel- und das Churerdeutsche vom Hochdeutschen, während andere Dialekte mit dem Hochdeutschen übereinstimmen. In der Nordwest- und der Ostschweiz wurde das mittelhochdeutsche lange «a» zu «o»: Strooss, während die anderen schweizerdeutsche Dialekte wie das Standarddeutsche das alte lange «a» bewahrt haben: Straass.
Satzbau
Dennoch bleiben Basel- und Churerdeutsch die zwei heissesten Kandidaten auf den Titel «hochdeutschnächster Schweizer Dialekt». Das zeigt sich auch im Satzbau:
Während man in vielen schweizerdeutschen Dialekten d Ambulanz laat (la) cho, tut man in Basel und der Ostschweiz (inkl. Chur) d Ambulanz kho lo. Die Wortreihenfolge ist dort also gleich wie im Standarddeutschen.
Wortformen
Bei den Wortformen schliesslich hängt das Baseldeutsche seinen Konkurrenten aus der Graubündner Kantonshauptstadt ab.
Während fast alle schweizerdeutschen Dialekte von zwänzg, zwenzg oder zwanzg sprechen, benutzt man in Basel zwanzig – eine weitere Gemeinsamkeit mit der Standardsprache.
Ebenso hat das Baseldeutsche zusammen mit dem Hochdeutschen das alte uns erhalten – die schweizerdeutschen Dialekte verwenden hingegen üüs, öis, ünsch oder ähnlich.
Das Fazit
Baseldeutsch macht – zumindest bei den untersuchten Merkmalen – recht klar das Rennen und verweist das Churerdeutsche auf den zweiten Platz. Ob man sich in Basel über diesen Sieg freuen wird?
Warum ist Baseldeutsch dem Hochdeutschen am nächsten?
Dass Baseldeutsch dem Standarddeutschen ähnlicher ist als die anderen schweizerdeutschen Dialekte, hat wohl weniger mit der geografischen Nähe zu Deutschland zu tun als mit der Basler Geschichte.
Nach dem Mittelalter orientierte sich Basel viel stärker als andere Schweizer Städte an süd- und mitteldeutschen Städten – auch sprachlich. Und weil sich Hochdeutsch aus süd- und mitteldeutschen Sprachmerkmalen zusammensetzt, ergeben sich dadurch mehr Gemeinsamkeiten mit dem Baseldeutschen.
Der zweite Platz des Churerdeutschen lässt sich damit erklären, dass das Churerdeutsche von vielen zugewanderten Handwerkern aus dem Gebiet des heutigen Deutschland mitgeprägt wurde.