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Natürlich war Alcaraz der Favorit gewesen im vierten Aufeinandertreffen mit Medwedew - nicht nur, weil er als Nummer 1 der Welt angetreten war, sondern auch, weil er die Nummer 3 der Welt in den vorangegangen zwei Duellen in dieser Saison deutlich bezwungen hatte. Im Final im März beim Masters-1000-Turnier in Indian Wells, Kalifornien, und vor zwei Monaten im Halbfinal in Wimbledon war der 20-jährige Spanier ohne Satzverlust geblieben.
In der Nacht auf Samstag stand Alcaraz aber einem anderen Medwedew gegenüber. Der Russe spielte beim 7:6 (7:3), 6:1, 3:6, 6:3 grandios und hatte auch auf den verlorenen dritten Satz eine Antwort parat. Der Lohn war die dritte Final-Qualifikation in Flushing Meadows, dank der er nun die Möglichkeit hat, das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres nach seinem Triumph in der vorletzten Saison zum zweiten Mal zu gewinnen.
Vor dem Halbfinal gegen Alcaraz hatte Medwedew vorgerechnet, auf einer Zehner-Skala auf Stufe elf spielen zu müssen, um gegen den Spanier eine Chance zu haben. Nach eigener Einschätzung trat er noch besser auf. «Ich habe, mit Ausnahme des dritten Satzes, ‹zwölf von zehn› gespielt», lobte er seine Vorstellung (zurecht) in den höchsten Tönen. «Es war aber auch der einzige Weg, um Alcaraz zu schlagen.»
Der letzte Schritt zum zweiten Gewinn einer Grand-Slam-Krone wird nicht leichter sein. Auch gegen Djokovic muss selbstredend wieder alles stimmen, um am Ende wie vor zwei Jahren als Gewinner dazustehen. Damals hatte Medwedew den Serben in drei Sätzen geschlagen und ihm damit den Grand Slam versaut, den Gewinn aller vier Major-Events in einem Kalenderjahr. Djokovic wäre der erste Mann seit 52 Jahren und Rod Laver gewesen, dem dies gelungen wäre.
«Die Herausforderung besteht darin, gegen einen Gegner zu spielen, der 23 Grand-Slam-Turniere gewonnen hat.» Medwedew nutzt den Finalsieg vor zwei Jahren als Motivation. Als er Djokovic damals geschlagen habe, habe er es geschafft, über sich hinauszuwachsen. «Ich muss es auch am Sonntag wieder tun. Es gibt keinen anderen Weg.»
Medwedew wird womöglich auch daran denken, dass Djokovic, der am Montag unabhängig vom Ergebnis Alcaraz wieder als Weltnummer 1 ablösen wird, bei seinen bisherigen neun Final-Teilnahmen beim US Open den Platz nur dreimal als Sieger verlassen hat.