Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03454.jsonl.gz/249

1. Leistenbruch (Leistenhernie)
Eine der bekanntesten Ursachen für Leistenschmerzen ist der Leistenbruch, auch Leistenhernie (hernia inguinalis) genannt. In den meisten Fällen ist eine Operation unumgänglich. 80-90% der Betroffenen sind Männer. Dies liegt an einer natürlichen Schwachstelle in der Leiste des Mannes. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 300 000 Operationen durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis Leistenbruch
Sicherung der inneren Organe
Die inneren Organe Leber, Milz, Magen und ein Grossteil des Darms werden von einer dünnen Haut umschlossen: dem Bauchfell (Peritoneum). Bei der Frau liegen auch die Eierstöcke und der Eileiter innerhalb des Bauchfells. Das Bauchfell schliesst den Bauchraum nach unten ab und verhindert so, dass die inneren Organe nach unten sinken.
Hohe Druckbelastung in der Leiste
In der Leiste ist der Druck der Organe aufgrund der Schwerkraft sehr hoch. Deshalb wird die Leiste zusätzlich durch kräftige Muskeln, Bänder und starkes Bindegewebe verstärkt. Diese halten dem Druck der Organe normalerweis stand.
Schwachstelle in der Leistengegend
In der Leiste gibt es eine natürliche Schwachstelle: den Leistenkanal. Eine röhrenförmige Verbindung von etwa 4-5cm Länge, welche den Bauchraum mit den äusseren Genitalien verbindet. Beide Geschlechter verfügen über einen linken und einen rechten Leistenkanal. Bei Männern ist der Leistenkanal eine potenzielle Schwachstelle.
Weitere Ursachen für Schwachstellen sind bereits durchgeführte Operationen in der Leistengegend oder eine Bindegewebsschwäche.
Warum sind Männer häufiger betroffen?
Im Geschlechtervergleich treten Leistenhernien bei Männer ca. 8-9mal häufiger auf, als bei Frauen. Woran liegt das?
Der Leistenkanal des Mannes ist von Natur her weiter als der der Frau. Dies liegt daran, dass beim männlichen Fötus die Hoden vor der Geburt durch den Leistenkanal in den Hodensack absinken. Dieser Kanal verschliesst sich in der Regel nach der Geburt. Trotzdem bleibt er eine potenzielle Schwachstelle. Hier kann eine Leistenhernie entstehen. Der Leistenkanal der Frau ist grundsätzlich stabiler und enger.
Wie entsteht ein Leistenbruch?
Wird der Druck im Bauchraum kurzfristig stark erhöht (z.B. beim Heben von Lasten), kann das Bauchfell durch eine Schwachstelle in der Leiste hindurchgedrückt werden. Häufig sinkt auch eine Darmschlaufe in die Bruchstelle hinein. Diese Vorwölbung nennt man Bruchsack. Er kann häufig als Schwellung oder Knoten in der Leiste ertastet werden.
Wie kommt es zu einer Druckerhöhung im Bauchraum?
Beim Heben von Lasten zum Beispiel werden die Rumpfmuskeln (insbesondere die Bauchmuskeln) mittels Pressatmung angespannt, um den Oberkörper zu stabilisieren. Dabei kommt es zu einer Druckerhöhung innerhalb des Bauchraumes.
Einige mögliche Ursachen für eine Druckerhöhung im Bauchraum, welche zu einem Leistenbruch führen kann:
Heben von schweren Lasten
Starkes Pressen (Stuhlgang)
Wie erkennt man einen Leistenbruch?
Wie fühlt sich ein Leistenbruch an? Eine Vorwölbung in der Leiste (oberhalb des Leistenbandes) ist das sicherste Anzeichen für einen Leistenbruch. Sie wird auch als Schwellung oder Knoten wahrgenommen und kann ertastet werden. Häufig ist sie von blossem Auge erkennbar.
Begleitet wird sie häufig von einem Druckgefühl oder einem Ziehen in der Leiste. Anfangs kommt es in vielen Fällen nicht zu Schmerzen, oder nur zu Belastungsschmerzen. Treten akute Schmerzen auf, dann ist dies ein deutliches Anzeichen für Komplikationen. Diese können lebensgefährlich sein.
Ist ein Leistenbruch gefährlich?
Es ist möglich, dass eine Darmschlinge oder andere Teile von inneren Organen in die Bruchstelle hineinrutschen und dort eingeklemmt werden. Dadurch kann die Durchblutung des betroffenen Organs abgeklemmt werden, wobei es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommt.
Das Gewebe kann absterben (Nekrose). Es können z.B. Löcher in der Darmwand entstehen. Stuhl kann in die Bauchhöhle austreten. Eine Bauchfellentzündung, ein Darmverschluss oder eine Sepsis (Blutvergiftung) können die Folge sein. Eine lebensbedrohliche Situation kann sich entwickeln.
Ist ein Leistenbruch ein Notfall?
Starke, akute Schmerzen
im Bereich des Bauches, der Leiste
oder der Geschlechtsorgane sind ein Notfall
. Es muss schnell gehandelt werden, um eine mögliche Nekrose (Absterben von Gewebe) oder andere lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern.
Wann muss ich zum Arzt?
Ertasten Sie in der Leistengegend eine Schwellung, welche von einem Druckgefühl oder einem Ziehen begleitet werden, sollten Sie Ihre Hausärztin bzw. Ihren Hausarzt kontaktieren. Bei einer Schwellung am Hodensack kann auch eine Urologin bzw. ein Urologe und bei einer Schwellung an den Schamlippen eine Gynäkologin bzw. ein Gynäkologe die nötigen Abklärungen treffen.
Achtung: Akute, starke Schmerzen sind immer ein Notfall!
Anzeichen für einen Leistenbruch (Symptome)
Man muss unterscheiden, ob es sich um einen Leistenbruch mit oder ohne Einklemmung von inneren Organen handelt. Die Symptome sind nicht geschlechtsspezifisch und sind bei der Frau dieselben wie beim Mann.
Symptome bei Leistenbruch ohne Einklemmung von inneren Organen
Vorwölbung in der Leistengegend (Bruchsack)
Schmerzen beim Husten, Niessen, Gehen
Schmerzen im Schambereich (Frau/Mann)
Hausärztin oder Hausarzt kontaktieren
Zusätzliche Anzeichen für Leistenbruch mit Einklemmung von inneren Organen (Notfall!)
Starke bzw. akute Schmerzen in der Leiste, im Bauchraum oder in den Geschlechtsorganen
Starke bzw. akute Schmerzen in der Leiste, im Bauchraum oder in den Geschlechtsorganen
Notfall: es muss sofort gehandelt werden!
Leistenbruch Diagnose
Die Ärztin bzw. der Arzt kann meist schon anhand eines Gesprächs (Anamnese) mit der Patientin bzw. dem Patienten erkennen, ob es sich um einen Leistenbruch handelt. Der Erstverdacht wird durch eine körperliche Untersuchung bekräftigt.
Das sicherste Anzeichen für einen Leistenbruch ist die Vorwölbung (Schwellung) in der Leistengegend, welche von der untersuchenden Fachperson einfach ertastet werden kann.
Ultraschall und MRT
Manchmal wird auch ein bildgebendes Verfahren zur Bestätigung der Diagnose hinzugezogen. Dabei kommen vor allem Ultraschall oder MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) zum Einsatz.
Warum kein Röntgenbild bei einem Leistenbruch?
Da es sich bei einem Leistenbruch nicht tatsächlich um einen Knochenbruch (Fraktur) handelt, macht ein Röntgenbild nicht viel Sinn. Auf diesem sind vor allem knöcherne Strukturen zu erkennen. Beim Leistenbruch handelt es sich um einen Eingeweidebruch, eine sogenannte Hernie. Diese ist auf einem Röntgenbild nicht zu erkennen.
Operation
In den meisten Fällen ist eine Operation unumgänglich. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Routineoperation, da sie sehr häufig durchgeführt wird.
Warum muss fast immer operiert werden?
Der Leistenbruch wird mit der Zeit grösser. Wodurch das Risiko steigt, dass eine Darmschlaufe in den Bruch sinkt und dort eingeklemmt wird (Notfall!). Zudem kommt es bei alltäglichen Belastungen wie Heben von Gewichten, Husten, Niessen oder Pressen auf der Toilette zu Schmerzen.
Selbst beim Gehen können Schmerzen auftreten. Sportliche Aktivitäten können aufgrund der Schmerzen nicht mehr ausgeführt werden. Die Betroffenen sind in ihrem Alltag sehr eingeschränkt. Deshalb lässt sich eine Operation meistens nicht vermeiden.
Wann wird ein Leistenbruch nicht operiert?
Bei älteren Menschen mit vielen Nebenerkrankungen, muss abgewogen werden, ob das Operationsrisiko höher ist als die Gefahr, die vom Leistenbruch ausgeht. Je nachdem kann/muss auf eine Operation verzichtet werden.
Behandlung:
Operation (in den meisten Fällen)
Fachärztliche Behandlung durch:
Hausarzt*in; Chirurg*in
Notfall:
Ja (bei akuten Schmerzen)