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Nadeln,
[* 2] die Benennung zahlreicher Arten von Drahtfabrikaten, deren charakteristische Unterschiede durch die Ausbildung der beiderseitigen Enden zu verschieden geformten Spitzen, Haken oder Öhren bedingt sind.
Die wichtigsten derselben dienen entweder
zum direkten Festhalten von
Stoffen oder zur mechan.
Vereinigung solcher mittels Fäden. Zu den erstern gehören die
Stecknadeln
samt den Vorsteck-,
Tuch-,
Hut-,
Haar-, Sicherheits- und Dressier
nadeln, zu den letztern die Näh
nadeln
einschließlich der
Stick- und Stopf
nadeln, sowie die
Schnür-, Pack-, Tapezier-,
Strick-, Häkel-,
¶
forlaufend
Filet-146
und Spicknadeln, ferner die
Nadeln für Näh-, Stick-, Strick- und Wirkmaschinen.
Als
Nadeln bezeichnet man auch die nadelsörmigen
Instrumente für chirurg. Zwecke.
Beim Iacquardstuhl (s. Weberei)
[* 4] nennt man
Nadeln die zur Verschiebung der Platinen dienen- den
Drahtstäbchen;
in der Sammetweberei heißen so Drähte von herzförmigem oder rundem Querschnitt, die
neben den Schußfäden eingetragen werden, um die Maschen (Noppen) für den Sammetflor zu bilden. Die Fabrikation der
Nadeln läßt
sich am besten an den beiden wichtigsten Arten derselben, den Steck-
nadeln und den Näh
nadeln, erläutern.
Die Herstellung dieser beiden Arten, die früher als ein Gewerbe betrieben wurde, reicht bis ins 14. Jahrh, zurück (um 1370 blühte das Nadlergewerbe bereits in Nürnberg). [* 5]
Jetzt ist sie durch den ungeheuren Bedarf zum rationellen Betrieb in gesonderten Fa- briken ausgebildet, wobei der äußerst niedrige Preis durch die Massenfabrikation mit weitgehender Ar- beitsteilung ermöglicht wird;
eine Nähnadel geht bis zur Fertigstellung durch 30 bis 40 Hände. Stecknadeln. Die Stecknadel besteht aus zwei Teilen: dem unten zugespitzten Schaft und dem kugelförmigen Kopf.
Als Material dient entweder Messing- oder Eisendraht.
Man unterscheidet Steck-
nadeln aus einem Stück und solche mit angesetztem Kopf aus Eisen,
[* 6] Messing oder Glas.
[* 7]
Der gerichtete Draht [* 8] wird in einige Meter lange Stücke zerteilt und, zu Bündeln von 20-30 solcher Enden ver- einigt, auf einer Stockschere in Stücke von der doppelten Schaftlänge zerschnitten.
Ein Arbeiter ist im stände, bis 50000 Doppelschäfte,
die also 100000
Nadeln geben, in einer Stunde zu schneiden. Die Schäfte werden beiderseitig zugespitzt, wozu man Schleifsteine
aus Sandstein oder Schmirgel benutzt.
Ein Arbeiter faßt mit der linken Hand [* 9] 20- 40 Schäfte und hält sie gegen den rasch rotierenden Schleifstein, während er sie mit dem Daumen der rechten Hand langsam rollt, wodurch eine schlanke Spitze entsteht.
Die angespitzten Schäfte werden in der Mitte durchgeschnitten und sind alsdann zum Ansetzen der Köpfe fertig.
Diese werden aus sehr feinem Draht in der Weise gebildet, daß derselbe auf einer Drehbank [* 10] zu langen Spiralen von solcher Weite aufgewickelt («gesponnen») wird, daß sie ge- rade noch bequem auf die Schäfte aufgezogen werden können.
Die Spiralen werden in Stücke von zwei Nmwindungen geschnitten, die, nachdem sie durch Glühen erweicht worden sind, auf die Schäfte auf- gesteckt werden und, in Gesenken von Kugelform festgeschlagen, die Nadelköpfe ergeben.
Jetzt wird ledoch der weitaus größte Teil der Stecknadeln auch mit Hilfe von Maschinen aus einem Stück hergestellt.
Hierbei werden die Köpfe mittels federnder Hämmer ähnlich wie bei den Drahtstiftmaschinen (s. d.) an die Schäfte angestaucht.
Die gleiche Maschine
[* 11] spitzt dann die
Nadeln selbstthätig zu.
Die fertigen Stecknadeln werden entweder nur gebeizt, so daß sie die reine Messingfarbe zeigen, oder oberflächlich verzinnt, oder auch weih gesotten;
die sog. Trauernadeln erhalten durch Abbrennen mit Öl ihre schwarze Farbe.
Öfters werden die Stecknadeln in ungeord- neten Massen dem Gewicht nach verkauft, meist findet man sie jedoch auf Papierstreifen gesteckt.
Zum Aus- lesen der Stecknadeln aus dem wirren Haufen be- nutzt man eine mit Kämmen versehene endlose Kette, die bei langsamer Bewegung die Nadeln aufnimmt. Nähnadeln. Das Material für die Nähnadeln ist meist Stahldraht, für geringere Sorten auch Eisendraht, der erst im Gang [* 12] des Fabrikations- prozesses oberflächlich in Stahl umgewandelt wird. Der Draht wird, wie bei den Stecknadeln, mittels besonderer Drahtschneidemaschinen in Stücke von der doppelten Nadellänge geschnitten.
Eine solche Maschine ist im stände, täglich 360000 Schäfte (alfo für 720000 Nadeln) zu schneiden.
Die zugeschnit- tenen Schäfte werden gerichtet, indem man sie mit- tels eiserner Ringe in Bündel von 500 bis 600 packt, dann gemeinsam schwach glüht und in noch warmem Zustand mittels der Nichtmaschine rollt.
Die nächste Arbeit ist das Anschleifen der Spitzen mittels besonderer Nadelspitzmaschinen.
Zur Herstellung des Nadelöhrs werden die Schaft- enden zunächst breit geschlagen («gepflöckt»);
dann erfolgt das Ausstechen oder Aushacken des Öyrs, das jetzt ausschließlich durch Maschinen be- sorgt wird.
Das Pflöcken auf mechan. Wege gefchieht mittels der Stampfmaschine, einer Art Präg- werk. Es kann jetzt das Aushacken erfolgen, wofür jetzt allgemein selbstthätige Stechmaschinen in Gebrauch sind.
Zum beiderseitigen Überseilen wer- den die Schäfte zu etwa 100 Stück Zwischen flache Schienen gespannt, durchgebrochen und reihenweise in Feilkloben [* 13] oder breitmäulige Zangen gespannt, um sie beim Abnehmen des Grats, sowie beim Ab- runden des stumpfen Endes bequem handhaben zu können. Diese Arbeit erfolgt entweder mit der Hand durch Feilen oder Schleifen, oder mechanisch mittels Schleifmaschinen.
Hiermit ist die Grundform der Nadeln vollendet;
die nun noch folgenden Arbeits- phasen gehen meist darauf hinaus, das Fabrikat nachzuarbeiten.
Zunächst erhalten die Nadeln die er- forderliche Härte, zu welchem Zweck die wirren Haufen vorläufig durch Schütteln und Schwingen in Blechmulden geordnet werden. So nebeneinander aufgereiht, kommen sie auf Schiebern von Eisenblech in den Härteofen, um bis zur Rotglut erhitzt zu werden, worauf man sie sofort in kaltem Wasser oder Öl (Bergener Thran) abschreckt.
Durch das Ab- schrecken sind die Nadeln zu spröde geworden, weshalb sie wieder angelassen werden müssen, was entweder durch gelindes Erhitzen auf Eisenplatten (auch in einer großen Trommel, die einer Kaffeetrommel ähnlich ist), bis sie violett anlaufen, oder durch Sieden in Öl geschieht.
Auf einer groben, gehörig festen Leinwand werden nun die parallel gelegten Nadeln mit dazwischen gestreutem scharfem Sand oder Schmirgelpulver in mehrern Lagen geschichtet und mit Rüb- oder Leinöl (auch mit Olivenöl und Pott- asche) durchfeuchtet.
Die Leinwand wird gerollt und durch Umwickeln von schmalen Lederstreifen zu einer Walze gebildet;
12 solcher Walzen, stark beschwert, werden in der Scheuerbank, einer der Wäsche- mangel ähnlichen Maschine, hin und her gerollt. Der Rolltisch der Scheuerbank ist entsprechend den Riffeln der Walzen mit Rippen versehen, so daß die Nadeln auf einer möglichst großen Oberfläche encrgifch gegeneinander gerieben werden.
Das Scheuern dauert je nach der Qualität der Nadeln einige Stunden bis einige Tage.
Die Walzen werden öfter gewickelt, die aus Sand, Schleifstaub, Öl u. s. w. bestehende Masse wird entfernt und die Nadeln werden, nachdem sie in Sägespänen getrocknet und mittels einer Ge- bläsemaschine oder auf eine andere Art von diesen gereinigt sind, mit neuem Schleifmaterial in der vorhin beschriebenen Weise verpackt.
Das Scheuern wird oft wiederholt, wobei jedesmal ein feineres Schleifmittel, schließlich ein Poliermittel, wie ¶