Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03608.jsonl.gz/557

Forschungsteam bohrt auf dem Monte Rosa
Ein italienisch-schweizerisches Forschungsteam beginnt am Montag eine Expedition auf dem Monte Rosa-Massiv. Es will aus dem Gornergletscher in 80 Metern Tiefe einen Eiskern entnehmen.
Die Forscherinnen und Forscher werden sich zunächst während zwei Nächten in der Gnifetti-Hütte akklimatisieren, bevor sie dann am Mittwoch, sofern das Wetter mitspielt, aufbrechen, um im Gletscher auf 4500 Metern über Meer den Eiskern zu extrahieren. Wenn die Entnahme des Eiskerns erfolgreich ist, soll dieser für weitere Forschung in die Antarktis gebracht werden.
Der Gornergletschter ist mit 40 Quadratkilometern der zweitgrösste Gletscher der Alpen und hat eine maximale Dicke von 80 Metern. Er ist auch der am meisten untersuchte Gletscher.
Am Projekt nehmen Forschende des Schweizerischen Paul Scherrer-Instituts, dem italienischen nationalen Forschungsrat und einer Universität in Venedig teil. Ein ähnliches Projekt war im vergangenen Jahr gescheitert. Die Forscherinnen und Forscher mussten ihre Eiskernbohrungen auf dem Grand-Combin-Gletscher unterbrechen, weil sie in einer Tiefe von 20 Metern auf Wasser gestossen waren. Das hat sie daran gehindert, die Probe zu entnehmen.
Die Expedition ist Teil des internationalen Projekts „Ice Memory“, mit dem Informationen über die Umwelt und das Klima aus den vergangenen 10’000 Jahren gesammelt werden sollen. Das im Jahr 2015 von französischen und italienischen Glaziologen lancierte Programm sieht vor, in den nächsten zwei Jahrzehnten an etwa 20 Gletschern Bohrungen vorzunehmen. Die ersten Bohrungen wurden in Frankreich, Bolivien und Russland vorgenommen.
Die Proben werden in einem unter Schnee eingegrabenen Keller gelagert. Das antarktische Hochland, wo die Temperaturen normalerweise unter minus 50 Grad Celsius liegen, gilt als einer der zuverlässigsten „natürlichen Gefrierschränke“ der Welt.
Das Ziel der Wissenschaftler ist es, eine globale Bibliothek von Gletscherarchiven in der Antarktis aus Gletschern aufzubauen, die von der globalen Erwärmung bedroht sind. Dies soll zukünftigen Generationen ermöglichen, Umweltbedingungen und Klimaschwankungen in der Vergangenheit zu studieren.
(text:sda/bild:pixabay)