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Augsburg, 1515 (Original)
Hans Daucher (um 1485 - 1538)
Gipsabguss versilbert, Massivholz profiliert: Linde (Rahmen)
H. 33 cm, B. 22,4 cm (mit Rahmen)
Inv. 1932.1160.
Das Relief zeigt die Halbfigur Kaiser Maximilians I. (1486/1508–1519) in Wendung nach rechts, so dass sein Haupt scharf im Profil erscheint. Er steht an einer Brüstung, auf der er den rechten Unterarm ruhen lässt, während er mit der Linken ein vertikal stehendes Schwert am Heft greift. Bekleidet ist er mit einem antikisierenden Panzer aus Leder, der über der Brust und am Oberarm mit feinen Ranken verziert ist und dessen Armkachel als geflügelter Puttenkopf gestaltet ist. Darüber trägt er einen Mantel und auf dem Haupt ein Barett mit einer Agraffe. Auf der Brüstung findet sich die durch den Mantel halb verdeckte Inschrift: «M(AXIMILIANVS) CAESAR / M . D . X . V». Rechts auf Höhe seines Hauptes ist das Reichswappen mit dem Adler und den Wappen von Österreich und Burgund im Herzschild zu sehen, das von der Collane des Ordens vom Goldenen Vlies umrahmt und von der Kaiserkrone mit herabhängenden Infuln (Bändern) überhöht wird.
Das Relief ist der Abguss einer auf das Jahr 1515 datierten Vorlage des Augsburger Steinschneiders und Medailleurs Hans Daucher (um 1485 – 1537/38). Daucher schuf eine Anzahl von Flachreliefs in Jurakalkstein, die der unmittelbaren Anfertigung von Abgüssen dienten und die als reines Werkstattmedium gedacht waren. Besonders anschaulich ist dies bei einem Relief der Heiligen Familie, das als Gipsabguss unter anderem in einem Exemplar im Historischen Museum Basel (Inv. 1965.700.) vorliegt. Erhalten hat sich dazu im Kunsthistorischen Museum in Wien die bemerkenswert feine steinerne Vorlage, in der trotz der komplexen Raumarchitektur bewusst auf Hinterschneidungen verzichtet wird, um beim Abnehmen der Negativform ihrem Verkanten vorzubeugen. Auch ist der Wappenschild dort leer belassen, so dass die Empfänger der Abgüsse diese nach eigenem Bedürfnis gestalten konnten (Eser 1996, S. 50–55; 90–91, Kat. 1; S. 92–95, Kat. 2). Anders als das monochrome Steinrelief wurden die Abgüsse zumeist farblich gefasst, um die Illusion einer anderen, höherwertigen Beschaffenheit zu erzeugen. In diesem Fall soll die Fassung den Eindruck eines Metallreliefs wecken, denn der Gips ist mit einer nunmehr oxidierten Silberfolie überzogen. Nach Aussage Amerbachs sei er «verstaniolt», also mit einer Zinnschicht versehen.
Unter den Bildnissen Kaiser Maximilians lassen sich im Wesentlichen zwei Typen unterscheiden, die der schwäbische Maler Bernhard Strigel (1460–1528) prägte und die beide den halbfigurigen Kaiser nach rechts gewendet an einer Brüstung zeigen. Im Sinne eines offiziellen Staatsporträts trägt der Kaiser in der einen Variante einen zeitgenössischen Reiterharnisch, darüber die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies und einen reich geschmückten Mantel sowie auf dem Haupt die Krone. In der rechten Hand hält er das Zepter, die linke ist an einen Schwertgriff gelegt. Als Privatbildnis gilt die zweite Version, in der die Rüstung einer Schaube aus Brokat mit Pelzkragen gewichen ist und ein Pelzbarett seinen Kopf bedeckt. Die linke Hand greift ein Schriftstück, die rechte ist in einem ausdrucksvollen Zeigegestus wiedergegeben (vgl. Kat. Innsbruck 1992, S. 261, 340–347).
Daucher kombiniert hier Elemente aus beiden, in verschiedenen Versionen und auch in Münzen und Medaillen verbreiteten Porträttypen. Besonders auffällig ist darüber hinaus der antikisierende Brustpanzer, der in der Porträtikonografie dieses Kaisers einmalig ist. Während die Ergänzung einer solchen Lorica mit eigentlich unantiken Armkacheln wiederholt in der Kunst begegnet, ist die Gestalt der Unterarmschienen wiederum vollkommen ungewöhnlich. Nachgerade unbeholfen wirkt schliesslich das spärliche Rankengeflecht auf der viel zu schmalen Brustpartie. Ein sonderbares Detail sind sodann die Ringe an den Fingern, denn Maximilian pflegte in seinen Porträts sonst eine sehr zurückhaltende Bildsprache, die neben den Herrschafts- und Standesinsignien wie Krone, Zepter und Collane keinen persönlichen Schmuck zuliess. Vermutlich handelt es sich bei solchen Eigenheiten um eigenständige Bildfindungen Dauchers, die sich ebenso in der etwas steifen Haltung Maximilians äussern. Einer anderen Vorlage liegt vermutlich das Wappen zugrunde, das in ähnlicher Form in Albrecht Dürers Wiener Bildnis des Kaisers von 1519 wiederkehrt. Wer auch immer der unbekannte Auftraggeber Dauchers für dieses Relief war, der Kaiser selber war es sicher nicht. Eher ist das Bildnis als ein Kunstwerk anzusehen, das als Geschenk an Maximilian mit seinem Porträt ausgezeichnet wurde (vgl. Eser 1996, S. 62–65).
Basilius Amerbach besass insgesamt vier Gipsabgüsse nach Hans Daucher in seinem Kabinett. Als deren Vermittler wurden seit Fritz Gysin zwei gebürtige Augsburger Künstlerfamilien in Erwägung gezogen, die sich in Basel niedergelassen hatten. Der Goldschmied Jörg Schweiger und sein Sohn Hans scheiden vermutlich aus, weil Jörg bereits 1507 nach Basel kam und die Abgüsse nicht wie andere Stücke des Amerbach-Kabinetts zum typischen Nachlass eines Goldschmieds zählen. Als weiterer gebürtiger Augsburger traf 1515 Hans Holbein d. Ä. in Basel ein, und Eser vermutet wegen der Signatur HH (oder AA?) auf dem Gipsrelief der Heiligen Familie, der Maler und seine Familie könnten die Farbfassung und womöglich auch den Vertrieb der Abgüsse bewerkstelligt haben (Eser 1996, S. 94f, 191). Weil weitere Reliefs Dauchers aus Gips jedoch zu rar sind, um ihre Wege schlüssig zu rekonstruieren, bleibt auch die Provenienz des Basler Maximilianbildes hypothetisch.