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Workshop "Material und Wahrheit"
Wird Material als ästhetische Kategorie verstanden, so bezeichnet es den Stoff, woran sich künstlerische Gestaltung betätigt. Die Kategorie des Materials bestimmt, woraus Kunstwerke gemacht sind. Spätestens seit der Moderne ist aber die Frage, was sich als künstlerisches Material eignet und wodurch es sich als solches qualifiziert, selbst zur Aushandlung künstlerischer Tätigkeit geworden. Die Kunst bewegt sich nicht mehr in vorgegebenen und tradierten Formen und Materialien, Gattungen und Regeln, sondern handelt ihren eigenen Rahmen stets aufs Neue in selbstkritischen Gesten aus. Insofern wurde die Ungewissheit über das Material der Kunst nicht nur als Moment einer Krise aufgefasst, sondern ebenso als Möglichkeit einer kritischen Wendung, hin zu einer Ästhetik, die sich wesentlich nicht mehr auf Schönheit, sondern auf Wahrheit bezieht. Nahezu alle ästhetischen Schriften Theodor W. Adornos zeugen davon, dass diese Frage nach der Wahrheit von Kunstwerken von zentraler Bedeutung für seine materialistische Ästhetik ist. Damit steht Adorno in Kontinuität zu so verschiedenen Denkern wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Walter Benjamin und Arnold Schönberg. Besonderen Akzent auf den Wahrheitsgehalt legt Adorno in seiner Ästhetischen Theorie. Dort betont er, dass alle ästhetischen Fragen in der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Kunstwerke terminieren. Er geht sogar so weit, zu behaupten, dass die alleinige Rechtfertigung der Ästhetik als Disziplin in der Tatsache bestehe, dass der Wahrheitsgehalt der Werke nur durch philosophische Reflexion zu gewinnen sei. Gleichzeitig verschärft er das Problem des künstlerischen Materials dadurch, dass er es – unter anderem – als sedimentierten Geist, also als vergegenständlichte Subjektivität auffasst.
Anlässlich des fünfzigsten Jubiläums der Veröffentlichung von Adornos Ästhetischer Theorie widmet sich die Konferenz der Konstellation der Begriffe des Materials und der Wahrheit im ästhetischen Feld. Dabei stehen folgende Fragen im Fokus: Was und wodurch qualifiziert sich künstlerisches Material überhaupt als solches? Wie steht künstlerisches Material zu künstlerischer Tätigkeit? Wie lässt sich Adornos Begriff des Wahrheitsgehalts eines Kunstwerks genauer bestimmen? Was bedeutet der nicht-diskursive, nicht-apophantische Charakter einer solchen Wahrheit? Auf welchem Wege gewinnt philosophische Reflexion und Kritik den Wahrheitsgehalt der Werke? Und welches Verhältnis besteht zwischen Material und Wahrheit eines Kunstwerks?
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