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Vergeschlechtlichte Übergänge in der Schweiz
Im Projekt wird untersucht wie das Schweizer Bildungssystem horizontale Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt verursacht. Das Bildungssystem verzahnt biographisch frühe Bildungs- und Berufsaspirationen mit späteren Arbeitsmarktpositionen und ist damit an der Vergeschlechtlichung individueller Verläufe von der Schule in den Beruf mitbeteiligt.
Theoretisch lassen sich vier Bildungslogiken identifizieren, die in spezifischer Kombination ein regionales Bildungssystem formen, und die sich auf die Geschlechterverhältnisse auswirken. Unterschieden werden eine akademische, eine berufliche, eine universalistische sowie eine marktförmige Logik. Ein verschultes Bildungssystem basiert auf der akademischen Logik. Es ist hierarchisch in unterschiedliche Bildungsstufen unterteilt und – in der Gegenwart zum Vorteil von Mädchen – selektiv. Die berufliche Logik liegt einem beruflichen Verständnis von Bildung zugrunde. Das Bildungssystem zeichnet sich durch eine hohe berufliche Spezifität und Segmentation aus. Diese berufliche Bildung fördert eine geschlechterstereotype berufliche Ordnung. Die universalistische Logik fordert gleiche Bildung für alle und steht für ein Bildungssystem, das Bildungs- und Geschlechterungleichheiten zu vermeiden versucht. Wo die Logik des Marktes ein Bildungssystem prägt, konkurrieren (Aus)Bildungsorganisationen um ‚kostengünstige’ Schülerinnen oder Auszubildende. Auf dem Ausbildungsstellenmarkt etwa wird Geschlecht zum Ausbildungsrisiko für Betriebe wenn sie von weiblichen Auszubildenden erwarten, dass sie frühzeitig den Beruf verlassen könnten.
Die kantonalen Bildungsangebote der Schweizer Sekundarstufe II unterscheiden sich beträchtlich hinsichtlich ihres Verhältnisses von Allgemeinbildung und Berufsbildung und damit unter anderem in der Bedeutung der beruflichen Bildungslogik. Die Kantone lassen sich entsprechend in Abhängigkeit ihrer Gymnasialquote unterschiedlichen regionalen Bildungssystemen zuordnen. Für Kantone mit einer stärker schulisch organisierten Sekundarstufe II erwarten wir, dass die Ausbildungs(ab)gänger weniger stark geschlechtertypische Berufe ergreifen als in Kantonen, in denen die Berufsausbildung verbreitet und der betriebliche Lehrstellenmarkt besonders bedeutsam ist. Die Daten der Jugendlängsschnittstudie TREE ermöglichen die empirische Klärung der Frage, ob regionale Bildungssysteme in der Schweiz die individuellen Übergänge von der Schule in den Beruf unterschiedlich stark geschlechtertypisch strukturieren.
Dieses Projekt wurde mit der Publikation How cantonal education systems in Switzerland promote gender-typical school-to-work transitions in der Schweizerischen Zeitschrift für Soziologie (Vol. 40 Nr. 2) abgeschlossen.