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Bartgeier (Gypaetus barbatus)
Mit einer Spannweite von bis zu 2.8 m ist der Bartgeier der grösste Vogel des Alpenraums. Trotz seiner Grösse gleitet der Geier ohne einen Flügelschlag stundenlang durch die Alpen. Ein wahrer Künstler der Lüfte!
Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Gypaetus barbatus
Klasse: Vögel
Ordnung: Greifvögel
Familie: Habichtartige
Länge: 100-115 cm
Spannweite: 250-280 cm
Gewicht: 5-7 kg
Verbreitung: Mittel- und Südeuropa, Ostafrika, Westasien
Brutbestand CH: 9-15 Paare
Lebensraum: Gebirge
Zugverhalten: Standvogel
Wie sieht der Bartgeier aus?
Der Bartgeier fällt schon alleine durch seine schiere Grösse auf. Männchen und Weibchen sind äusserlich nicht unterscheidbar. Bevor die Vögel ihr adultes Kleid erhalten besitzen sie mehrere Jahre lang ein stark variables Immatur-Kleid. Das Alter zu bestimmen ist aber recht schwierig.
Der Bartgeier hat seinen Namen wegen einem Federbüschel an der Schnabelbasis. Bis auf einen schwarzen Überaugenstreif, der bis zum Bart hinunterreicht, hat der Bartgeier einen hellen bis leicht orangen Kopf. An einer scharfen Kante geht diese helle Färbung in das schwarze Gefieder über des Rückens und den Flügeln. Die Unterseite des Bartgeiers bleibt hell bis orange gefärbt. Der Bartgeier hat ein weisses Auge mit einer knallroten Umrandung.
Im Flug werden die Füsse meist eingezogen. Anders als z.B. der Steinadler hat der Bartgeier spitze Flügelenden und die Federn sind relativ regelmässig angeordnet. Die Schwanzfedern sind meist nach hinten gestreckt.
Jungvögel haben anstatt des hellen Kopfs einen dunklen, fast schwarzen Kopf. Dieser reicht auch auf der Unterseite bis zum Flügelansatz. Auf der Unterseite gibt es eine scharfe Kante zwischen dem dunklen Gefieder und dem etwas helleren Gefieder am Bauch. Generell sind die Jungvögel etwas dunkler und vor allem brauner gefärbt.
Verwechslungsmöglichkeit
Neben dem Bartgeier kann in der Schweiz im Sommer auch der Gänsegeier beobachtet werden. Der Gänsegeier ist fast gleich so gross wie der Bartgeier. Der Gänsegeier hat aber einen grauen, flauschigen Kopf. Am Flügelansatz hat der Gänsegeier einen Art Kragen. Im Flug können die beiden Geier an der Form der Flügel unterschieden werden. Der Gänsegeier hat nämlich breitere und geradere Flügel. Der Bartgeier wiederum hat eher schmalere und spitzere Flügel.
Wo lebt der Bartgeier?
Der Bartgeier brütet in der Schweiz ausschliesslich in den Alpen. Bartgeier haben sehr grosse Reviere, in denen sie umherstreifen. Dementsprechend ist der Bartgeier zwar weit verbreitet, dennoch braucht es immer etwas Glück, um einen Bartgeier in den Alpen beobachten zu können. Die Bartgeier kreisen meist hoch über dem Tal entlang der Felsen. Hinab in die Bergtäler fliegen Bartgeier selten bis nie.
Vorkommen in der Schweiz
Weil der Bartgeier lange Zeit als, auch für Menschen gefährlicher, Greifvogel gesehen wurde, wurde der eigentliche Aasvogel stark durch den Menschen verfolgt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwand der Bartgeier schliesslich gänzlich aus dem Alpenraum.
Im Jahre 1986 wurde in Österreich im Rahmen eines Wiederansieldungsprojekts der erste Bartgeier ausgesetzt. Im Jahr 1991 wurde in der Schweiz zum ersten Mal ein Bartgeier ausgesetzt. Auch heute noch werden alle paar Jahre einige wenige junge Bartgeier ausgesetzt. So wurden erst gerade 2 Bartgeier auf der Melchsee-Frutt ausgesetzt (Stand 2020). Bis 2020 wurden in der Alpenregion insgesamt 229 junge Bartgeier ausgesetzt.
Insgesamt wird der Bestand auf gut 300 Tiere geschätzt. Durch die Wiederansiedlung ist der Genpool aber noch recht klein. Um der Gefahr von Inzucht aus dem Weg zu gehen, müssen deshalb noch immer, aus anderen Populationen stammende Bartgeier ausgewildert werden.
Was frisst der Bartgeier?
Der Bartgeier ernährt sich hauptsächlich von Knochen verendeter Tiere. Das sind z.B. Gämsen, Steinböcke, Murmeltiere oder Hirsche. Um grosse Knochen schlucken zu können, lässt er diese aus grosser Höhe auf den Boden fallen. Dabei zersplittern die Knochen in kleine, «schnabelgerechte» Stücke.
Auf der Suche nach verendeten Tieren fliegt der Bartgeier oft stundenlang durch die Alpen. Dabei legen die Vögel unglaubliche Distanzen zurück. Und dass mit nur wenigen Flügelschlägen! Der Bartgeier ist mit seinen riesigen Flügeln ein ausgezeichneter Segler und nutzt die Aufwinde und die Thermik um praktisch ohne Energieaufwand durch sein Revier zu streifen.
Fortpflanzung
Bartgeier bleiben meist eine Leben lang zusammen. Der bis zu 3m breite Horst aus Ästen und Knochen befindet sich meist inmitten von steilen Felswänden. Das Weibchen legt Ende Dezember, im Abstand von ungefähr einer Woche, zwei Eier. Diese werden für die nächsten 55-60 Tage bebrütet. Nachdem die Jungen schlüpfen, werden diese von beiden Eltern gefüttert. Das schwächere der beiden Jungvögel, meist jenes welches später schlüpfte, wird durch die Eltern vernachlässigt. Meist schon nach wenigen Tagen stirbt das schwächere Junge.
Das überlebende Jungtier wird von den Eltern in den ersten Tagen mit Muskelfleisch von verendeten Tieren gefüttert. Erst später werden die Jungen dann mit Knochen gefüttert. Nach gut 100 Tagen erreicht das Jungtier die Flugfähigkeit. Auf ihren Streifzügen entfernen sich die Jungvögel immer mehr aus dem Revier der Eltern bis sie schliesslich selbständig werden. Erst aber nach ungefähr 5 bis 7 Jahren erreichen Bartgeier die Geschlechtsreife.
Bartgeier haben demnach eine sehr langsame Reproduktionsrate. Bei einer Lebenserwartung von ungefähr 30 Jahren genügt dies aber völlig aus, um den Bestand zu sichern. Tatsächlich brüten Bartgeier auch nicht alle Jahre, sondern nur alle 2 bis 3 Jahre.
Zugverhalten
Bartgeier sind keine Zugvögel, sondern Standvögel. Sie bleiben also das ganze Jahr in ihrem Revier. Einzig Jungvögel wandern, nachdem sie selbständig werden, weit umher. Auf der Suche nach einem eigenen Revier legen die Jungvögel oft weite Distanzen zurück. So wurde z.B. vor kurzem ein junger Bartgeier in England beobachtet, fernab vom üblichen Verbreitungsgebiet.
Bartgeier fotografieren
Um Bartgeier fotografieren zu können braucht es neben viel Geduld auch ein wenig Glück. Wie bereits erwähnt haben Bartgeier ein sehr grosses Revier. In diesem streifen die grossen Vögel umher. Einen Bartgeier also zu sehen braucht viel Glück. Da die Vögel aber durch die Auswilderung in Kontakt mit Menschen kamen sind die Vögel nicht unbedingt scheu. Besonders in der Luft stören sich die Bartgeier überhaupt nicht ab der Anwesenheit eines Menschen. Einen sitzenden Bartgeier zu erwischen ist dagegen schon viel schwieriger und bedarf viel Glück.
Quellen
Die Bestandeszahlen, Länge, Gewicht und Spannweite entsprechen den Daten der Vogelwarte Sempach
Informationen über Verhalten, Verbreitung usw. entsprechen meinen eigenen Beobachtungen und wurden mit Informationen aus folgenden Quellen ergänzt:
Die Vögel der Schweiz (2007) Lionel Maumary et al.
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016
Der Kosmos Vogelführer (2017) Lars Svensson et al.