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Miljenko Jergović (BA)
Mama Leone
Folio Verlag, 2000
Aus: Miljenko Jergović. Mama Leone. Übersetzt von Klaus Detlef Olof. Folio Verlag, 2000
Als ich geboren wurde, bellte auf dem Flur der Entbindungsanstalt ein Hund; Doktor Srec´ko riss sich wütend die Maske vom Gesicht, rannte aus dem Kreissaal und sagte scheiss auf eine Welt, in der die Kinder in Hundeställen geboren werden! Mir war zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nichts klar, ich jappte aus voller Lunge nach Luft und befand mich zum erstenmal vor einem Lebensparadox: Die Welt, in die ich mich verirrt hatte, war schrecklich, obwohl ich sie nicht mit anderen Welten vergleichen konnte, aber irgendein Teufel trieb mich an, zu atmen und mich an diese Welt zu binden, wie ich mich niemals an eine Frau binden werde. Wenn ich dieses Erlebnis später erzählte, zuerst meiner Mutter, dann meinem Vater und, als ich erwachsen war, auch meinen Freunden, winkten sie ab und sagten, ich phantasiere, ich könne mich daran gar nicht erinnern, und es sei völlig unmöglich, dass ich mit dem ersten Schrei bereits ontologische Schlüsse gezogen hätte. Am Anfang ärgerte es mich, dass sie mich für einen Lügner hielten, ich vergoss bittere Tränen, schlug mir mit den Fäusten gegen den Kopf und brüllte ihr werdet schon sehen, wenn ich erst tot bin! Mit den Jahren wurde ich ruhiger...