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Der an der Hauptversammlung 2019 des Deutschen Geschichtsforschenden Vereins des Kantons Freiburg vergebene Preis für die beste an einem Freiburger Kollegium entstandene Maturaarbeit zu einem historischen Thema geht dieses Jahr an Antilia Wyss vom Kollegium Heilig Kreuz. In ihrer Arbeit «Stimmen aus dem Kongo, die Haltung der ‹évolués› zum belgischen Kolonialreich und zu dessen Untergang» widmet sich Wyss einer Gruppe von der allgemeinen Geschichtsschreibung weitgehend vernachlässigter kongolesischer Intellektueller. Es geht um die sogenannten «évolués», die sich durch ihre Bildung, ihre Arbeit und ihr Benehmen sowie ihre «moralité» von der Masse abhoben. Sie sahen sich selbst als indigene Elite, während sie in den Augen gerade der europäischen Kolonialkritiker als «abendländische Neger» diffamiert wurden, so die in der Arbeit wiedergegebenen Worte von Jean-Paul Sartre.
Teil ihres Elitebewusstseins war ein – nicht anders als herablassend zu nennendes – Überlegenheitsgefühl gegenüber ihren «frères primitifs». Dieser Ausdruck stammt aus der zwischen 1945 und 1959 erscheinenden Zeitung «La Voix du Congolais», die von «évolués» für «évolués» produziert wurde und die Hauptquelle für Antilia Wyss’ Arbeit bildet. In dieser Quelle widerspiegelt sich die diffizile Situation dieser «évolués», die kulturell und sozial gleichsam zwischen Stuhl und Bank, zwischen den europäischen Kolonialherren und der Mehrheit der einheimischen Bevölkerung, sassen. Diese schwierige Position wird von Antilia Wyss sehr feinfühlig analysiert, wobei ihr Text von einer aussergewöhnlich tiefen gedanklichen Durchdringung der Materie zeugt.