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Ja, es stimmt. Ich habe mir heute mein erstes Tattoo stechen lassen.
Ich hatte bereits seit ungefähr vier Jahren davon gesprochen. Und als sich mir heute die Möglichkeit bot, tja da war es soweit. Als ich meine Frau gefragt hatte, was sie dazu meint, sagte sie nur: "Du redest doch schon seit Jahren davon. Tu es. Es passt."
Kennt ihr Popeye? Ja, den Dosen-Spinat essenden Matrosen mit den Anker-Tattoo's auf den muskulösen Unterarmen. Ein guter Bekannter meiner Kindheit. Und dann ist da Peter Maffay. Ebenfalls ein Bekannter meiner Kindheit. Für mich einer der besten Musiker, die es gibt. Seine Schallplatten drehten sich pausenlos auf meinem Plattenspieler. Und schon er sang: "Schatten in die Haut tätowiert. Spuren die für immer bleiben. Das ist für ihn Rock'n'Roll." Oder erinnert ihr euch an Captain Mike aus Benjamin Button? Ich hatte in einem früheren Blogbeitrag schon von ihm erzählt. Ja, "ich bin ein verdammter Künstler", wie seine Worte lauteten. Er stach sich seine Tattoo's selber.
Und es ist wohl auch schon wieder beinahe drei Jahre her, dass mir die Schwester meiner Frau ein Tattoo auf den Arm aufgemalt hatte. Nur so zum ausprobieren. Doch vielleicht war da doch mehr?
Während die Nadel der Tätowier-Pistole über meine Haut stocherte, da dachte ich an die Menschen, die mich fragen werden würden, was mein Tattoo denn bedeutet. Und mehr noch: Ich fragte mich selber, was mein Tattoo überhaupt bedeutete. Und lange hatte ich nicht wirklich eine echte Antwort darauf. Ich dachte, es ist wohl so, dass sich meine Erlebnisse aus der Kindheit hier in einem, oder genauer, diesem Wunsch vereinen. Doch als die Nadel ihren letzten Stich beendete, da hatte ich eine Antwort.
Commitment
Das Stichwort lautet Commitment (Verpflichtung, Versprechen). Tatsächlich habe ich mir einen Anker stechen lassen. Aber wieso der Anker? Wieso nicht eine Zündkerze? Würde doch zu meinem
Beruf passen und wäre stylisch. Oder ein Songtext? Ich liebe ja Musik. Oder ein Bär? Stark, mutig, gefährlich. Aber es sollte der Anker sein. Der Anker, von dem ich schon seit Jahren sprach und
dabei nie genau wusste, wieso.
Doch da war er. Der entscheidende Gedanke. Ich dachte an die hohe See. Das wilde Meer. Die Stürme, die da draussen wüten können. Ich dachte an Lieutenant Dan aus Forrest Gump, der im heftigen Sturm auf der Mastspitze des Fischkutters zum Himmel schrie: "Das nennst du einen Sturm?!" und dafür unzählige Shrimps und seinen Frieden mit Gott fand. Und ich dachte an die Zeit, in denen die mutigen Männer mit grossen knarrenden Holzsegelschiffen, vielleicht Dreimaster, in die Weite hinaus aufbrachen. Jeder von ihnen wusste, dass es vielleicht die letzte Reise sein könnte. Das letzte Abenteuer. Dass die Wellen brechen könnten. Und dass die Wellen auch sie brechen könnten. Ihr Leben beenden könnte. Dass sie nie mehr Land sehen würden. Oder ob sie schlicht und einfach verhungern würden. Oder an einer Krankheit sterben. Diese Männer wussten nicht, ob nicht tief in der Nacht die dunklen Wassermassen eines mächtigen Sturmes die letzten glimmenden Kerzen auf den Laternen an Deck verschlucken würden.
Doch der Lohn wäre es, neues Land zu entdecken. Auch wenn die Chance vielleicht nur verschwindend gering sein würde.
Und genau dieser Gedanke wollte ich festhalten. Keiner von uns weiss so genau, wohin die Seefahrt unseres Lebens uns hinführen wird. Keiner von uns weiss, welche schmierigen Piraten sich an unsere Ladung machen wollen. Keiner weiss, welche Stürme aufkommen werden. Doch ich möchte mir versprechen, dass ich einer dieser Männer sein werde, der bereit und mit der Hand an die Stirn gepresst aufgereiht steht, wenn der Captain an der Reihe der Männer vorbeiläuft, die ihm versprochen haben, seine Besatzung zu sein.
Nicht mitzufahren darf gar keine Option sein. Am Strand zu verweilen und Muscheln zu zählen, nur weil ich Angst habe, meine Sicherheit aufs Spiel zu setzen, ist nicht leben. Diese scheinbare Sicherheit wird sich nämlich früher oder später als sehr unsicher entpuppen: Dann, wenn sie mir die Zeit meines Lebens langsam, aber sicher wegsaugt. Wenn sie das leben aus meinem Leben ausradiert.
"Wo's not tut, Fährmann, läßt sich alles wagen." -Friedrich Schiller
Als wir mit Gadget Baron starteten, wussten wir nicht, was kommen würde. Als wir diesen Honest, Man! Blog gestartet haben, wussten wir das auch nicht. Als wir Monday Police gestartet haben- wir wussten's nicht. Doch verglichen mit anderen Entscheidungen im Leben war das ja auch eher eine gemütliche Kreuzfahrt. Schon ein wenig grösser war die Entscheidung, den Job zu künden, um selbstständig zu werden. Eine Garage zu eröffnen und dafür alle Ersparnisse zu tilgen. Oder zu beginnen, Motorrad zu fahren. (Für alle unter euch, die das noch nicht erfahren haben: Die Harley im Titelbild ist das Ding, mit dem ich seit kurzem ein Stück von mir selber neu kennenlerne. Schliesslich sang Maffay im selben Song auch: "Und die Straße hat ihn wieder. Um ihn das Dröhnen der Motoren. Und die Lichter die ihn blenden. Für einen Easy Rider, da ist der Highway nie zu Ende")
Bestimmt gibt es auch in deinem Leben Entscheidungen zu treffen, die dich beängstigen. Grosse Holzschiffe, die im Hafen knirschend schaukeln und auf dich warten. Vielleicht ist es ein Jobwechsel. Vielleicht eine Reise, die du machen solltest. Ein Traum, den du umsetzen möchtest. Oder der Mut, deiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Auch wenn dir der Wind um die Ohren heult, auch wenn sich Gewitterwolken in der Ferne zeigen, sich am Horizont aufleuchtende Blitze entladen und der Strand mit seinen Muscheln so verlockend gemütlich aussieht- wenn du weisst, dass es richtig ist, an Bord zu steigen, dann schrecke nicht zurück. Tu es.
Mani