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Dass wir keine ausserirdischen Zivilisationen beobachten, liegt vielleicht gar nicht daran, dass es nur ganz wenig höher entwickeltes Leben im Universum gibt – möglicherweise stellen wir uns die Entstehung einer Zivilisation viel zu einfach vor…
Die Drake-Gleichung ist relativ einfach zu verstehen: Man multipliziert die Wahrscheinlichkeiten für einzelne „Fortschritte“ auf dem Weg vom geeigneten Planeten über den Einzeller und komplexen Lebensformen bis zur technischen Zivilisation – und multipliziert dann die erhaltene Zahl mit der Anzahl Sterne im Universum. So erhält man – theoretisch – die Anzahl der Zivilisationen, mit denen wir heute kommunizieren könnten.
Das Universum, das wir heute beobachten, ist frei von verdächtigen Spuren, die auf die Anwesenheit von mächtigen interstellaren Imperien hindeuten: Offenbar kann man sagen, dass raumfahrende Aliens rar sind… Wir können uns nun fragen – woran liegt das?
Einerseits könnte es sein, dass komplexes Leben einfach zu selten ist, um regelmässig intelligentes Leben und danach auch Zivilisationen hervor zu bringen. Wenn wir die Erde als Massstab nehmen, sehen wir, dass es rund 3.5 Milliarden Jahre dauerte, bis sich das erste Mal komplexes Leben entwickelte – man könnte also davon ausgehen, dass nur rund ein siebtel aller erdähnlichen Planeten zu einem bestimmten Zeitpunkt komplexes Leben trägt. Dennoch würde das, selbst wenn man pessimistische Zahlen für die Anzahl der erdähnlichen Planeten in der Galaxis oder gar im Universum einsetzt, immer noch viele tausend erdähnliche Planeten mit komplexem Leben ergeben. Und trotzdem keine Zivilisationen?
Ich glaube, dass eines der wichtigsten Probleme die Entstehung einer Zivilisation an sich ist. Da wir auf unsere Geschichte zurückblicken können, scheint es für uns klar, dass wir uns entwickeln mussten – tatsächlich ist das überhaupt nicht gesagt.
Schauen wir uns mal in der Natur um: auf der Erde gibt es einige intelligente Arten: Schimpansen etwa, aber auch Delfine, Elefanten und Tintenfische zeigen Anzeichen von höherer Intelligenz. Wir haben also heute ein halbes Dutzend an mehr oder weniger intelligenten Tierarten.
Da wir nicht davon ausgehen können, dass wir in einer besonderen Zeit leben, in der es ausserordentlich viele dieser intelligenten Tierarten gibt, könnte man argumentieren, dass das wohl in früheren Zeiten nicht viel anders war – es gab beispielsweise auch eine ganze Reihe von Dinosauriern mit hohen Gehirn-zu-Körper-Verhältnissen. Geht man von einer mittleren „Lebenszeit“ von 1 Million Jahre pro Tierart an, dann gab es seit dem Beginn des Erdmittelalters mindestens 1000 intelligente Arten. Und keine von ihnen hat jemals eine Zivilisation entwickelt?!? Auf jeden Fall gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass es vor der Menschheit schon jemals eine andere Zivilisation gegeben hätte – wenn, dann war sie sehr „sauber“ und hat (im Gegensatz zu uns) keine Spuren hinterlassen.
Betrachten wir mal, was es denn alles braucht, um eine Zivilisation zu begründen, ohne dabei allzu „anthropozentrisch“ zu werden. Eine Zivilisation braucht Werkzeuge irgend einer Art, um damit ihre Umwelt zu beeinflussen und Dinge zu bauen. Die Evolution ist viel zu langsam, um „von sich aus“ wirkliche, sich entwickelnde „Zivilisation“ hervor zu bringen. Um diese Werkzeuge zu bedienen, sind Körperteile erforderlich, die flink und flexibel genug sind, um diese Werkzeuge zu formen und zu gebrauchen. Damit fallen zum Beispiel die Delfine schon weg, die keine Hände oder sonstigen Hilfsmittel haben, mit denen sie Werkzeuge bearbeiten könnten. Auch die Elefanten kommen bereits etwas in Bedrängnis. Dann braucht eine Zivilisation irgend eine Form, um ein „soziales Erbe“ aufrecht zu erhalten und Wissen zu vermitteln. Diese „Sprache“ kann verschiedenste Formen haben, es kann sich um Laute, aber vermutlich auch um Gesten, Gerüche etc. handeln. Diese Sprache muss flexibel sein, um sich entwickeln zu können – die einzelnen Elemente der Sprache dürfen also nicht evolutionär vorgegeben werden (etwa bestimmte Klangabfolgen, die eine bestimmte Bedeutung haben, wie bei Singvögeln). Gleichzeitig mit Werkzeuggebrauch und flexibler „Sprache“ muss sich auch die Intelligenz entwickeln, und die zukünftig „zivilisierte“ Spezies muss auf günstige Umweltbedingungen treffen. Weiter sollte sie anpassungsfähig sein, um durch weltweite Verbreitung das Aussterbensrisiko bis zur Zivilisation zu minimieren und viele, lokale Wege zur Zivilisation zu testen. Und dann sollte die Spezies während der ganzen Entwicklung auch nicht aussterben, wie dies der Menschheit vor 74000 Jahren, beim Ausbruch des Supervulkans Toba in Indonesien, beinahe wiederfahren wäre: Damals lebten, genetischen Informationen zufolge, nur noch knapp 7000 Menschen weltweit.
Es müssen also eine Menge an günstigen Bedingungen zusammenkommen, damit es eine intelligente Zivilisation bis zur Raumfahrt schafft. Dass sie bei uns zusammenkamen, ist klar – wenn es nicht so gewesen wäre, wären wir heute nicht da, um es festzustellen. Die Entwicklung von Einzellern über komplexes Leben und intelligenten Lebensformen muss keineswegs immer in der Zivilisation enden. Dass diese Zivilisationen sich dann (darüber hinaus) keineswegs stets zu den Sternen aufmachen müssen, werde ich in einem anderen Beitrag erläutern.
So könnte es gut sein, dass wir in einem Universum voller komplexer Lebensformen leben, von denen aber kaum eine mal so etwas wie eine „Zivilisation“ entwickelt.