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Seit einigen Wochen läuft unser dreizehnter Kurs, der von uns “The Green Room” genannt wird. Der “Green Room” ist in Fernsehstudios und im Theater der Raum, in dem sich die auftretenden “Stars” vorbereiten können. Und bei uns ist er ebenfalls eine Art Ruhezone bevor der recht intensive Kurs-Start beginnt.
Während des Green Room-Kurses sprechen wir mit unseren neuen Teilnehmern auch über ihre oder auch unsere “Stakeholders”, übersetzt: Interessensgruppen. Dabei unterscheiden wir zwischen “Focus Group”, denjenigen mit denen wir zusammenarbeiten, der “Target Group”, diejenigen, die wir adressieren und den “Beneficiaries”, die Gruppe, die von unserem Tun einen Nutzen hat.
“Und wer hat von uns, kanthari einen Nutzen?”, fragen wir in einem Workshop.
“Natürlich wir, die Teilnehmenden!”.
Aber ist das so? Nun, es ist schön, dass sie sich als Nutznießer verstehen, wir sehen sie aber eher als unsere Focus Gruppe, denn gemeinsam mit den kanthari Absolventen streben wir eine positive Veränderung an. Die eigentlichen “Nutznießer” von kanthari sind in unseren Augen die Beneficiaries unserer Teilnehmenden. Und in den kommenden Blogposts werden wir diese Beneficiaries und damit auch ein wenig unsere Teilnehmenden vorstellen, das heißt, sie erzählen selbst.
Als Deepu drei Jahre alt war, wurde sie von ihren Eltern ausgesetzt.
Deepu konnte zwar sprechen, aber außer ihrem eigenen Namen kannte sie die Namen ihrer Eltern nicht. Als ich sie fragte, ob sie ihre Eltern ausfindig machen wolle, sagte sie, sie sei nicht erpicht darauf, sie kennen zu lernen, aber sie sei auch nicht böse auf sie. “Wenn ich sie sehen würde, würde ich ihnen für das gute Leben danken, das ich in Kiran hatte“.
Die örtliche Polizei brachte sie damals zu Kiran, einer Organisation, die von Sangeeta, einer leidenschaftlich engagierten Krankenschwester gegründet und geleitet wurde. Vor einigen Tagen besuchte Sangeeta uns und die kürzlich eingetroffenen Deepu auf dem kanthari Campus. Sangeeta kommt ursprünglich aus der Schweiz, lebt aber mittlerweile seit 50 Jahre in Indien. Wir hatten uns viel zu erzählen und hätten sicherlich noch lange miteinander sprechen können und es wird bestimmt einen Extra-Blog über Sangeeta und ihr beeindruckendes Zentrum geben. Aber in diesem Blog fokussieren wir uns auf Deepu oder besser, wir lassen sie selbst erzählen. Sie wird hier noch nicht über ihren eigenen spannenden Werdegang berichten, sondern über ihre Zielgruppe.
Frühkindliche Förderung von Müttern mit Behinderung und von Kindern mit und ohne Behinderung
Deepu bewarb sich als kanthari-Teilnehmerin mit einer Projektidee, die eine frühkindliche Förderung von Müttern mit Behinderung und von Kindern mit und ohne Behinderung vorsieht. In einer kurzen Darstellung beschreibt sie eine Person ihrer zukünftigen Zielgruppe. Es ist eine Einwohnerin des Kiran Dorfes.
“Ihr Name ist Asha und sie kommt aus Varanasi. Genau wie ich hat Asha Polio in beiden Beinen. Sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen, kann aber auch mit einer Stützvorrichtung laufen. Asha kam im Jahr 2001 zu Kiran. Damals war Kiran auch mein Zuhause. Kiran Society ist eine gemeinnützige, unpolitische Organisation, die sich für die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Menschen mit und ohne Behinderungen einsetzt.
Die Ernährerin der Familie
Als Asha zu Kiran kam, erhielt sie zunächst eine physiotherapeutische Behandlung und wurde dann für 3 Jahre in Grihini aufgenommen. Grihini ist ein Verein, der sich für die Stärkung der Rolle der Frau einsetzt. Dort lernte sie alles über Kunst und Design. Ihre Mutter ist Hausfrau, ihr Vater starb vor 10 Jahren. Sie hat sechs Geschwister, und heute ist Asha als Älteste die Ernährerin der Familie.
Wie viele Frauen mit Behinderungen war sie immer besorgt, dass sie nie heiraten und selbst Kinder haben würde. Aber 2016 hat sie geheiratet. Dann kam ein kleiner Junge in ihr Leben. Asha fühlte sich gesegnet und sehr glücklich. Doch als behinderte Mutter ein Kind großzuziehen, brachte viele Probleme mit sich. Während ihre Schwiegereltern sie unterstützten, half ihre eigene Familie ihr überhaupt nicht. Immer, wenn der Junge krank wurde, brachte ihr Mann ihn ins Krankenhaus. Die Tatsache, dass sie dies nicht selbst tun konnte, gab ihr ein schlechtes Gefühl. Sie erwähnte oft, wie sehr sie sich wünschte, sich so um ihr Kind kümmern zu können, wie es eine nicht behinderte Mutter könnte.
Jetzt wünscht sie sich, dass ihr Kind schnell heranwächst, damit sie sich keine Sorgen mehr machen muss.
Gute Manieren lernen
Asha ist nicht sehr gebildet. Aber für sie ist es wichtig, ihrem Sohn gute Manieren und gute Gewohnheiten beizubringen, wie zum Beispiel, dass man andere Menschen respektiert, den Müll in die Mülltonne wirft und so weiter. Der Junge ist jetzt zwei Jahre alt. Ein schüchterner kleiner Junge. Aber sobald er unter vertrauten Menschen ist, wird er sehr gesprächig. Er lernt ganz unkompliziert und merkt sich alles schnell. Außerdem ist er hilfsbereit und versteht, dass seine Eltern behindert sind.”
Deepus zukünftiges Projekt wird für Menschen wie Asha sehr hilfreich sein.
Der 13. kanthari-Kurs hat begonnen und wir freuen uns darauf, Deepu‘s Weg bis zur Realisierung des Zentrums zu begleiten!
Wir wünschen Deepu alles Gute für die Verwirklichung ihres Traums.