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Die Ära von Gunten (1977-1987)
Nach dem Weggang von Robert Favre folgte bei der Eintracht eine längere Konsolidierungsphase. Unter der Leitung von Gerhard von Gunten gab die Stadtharmonie vielbejubelte Jahreskonzerte und Unterhaltungen. Bei Wettbewerben erzielte sie beachtliche Resultate, konnte aber nicht ganz an die Leistungen der Vorjahre anknüpfen.
Gerhard von Gunten war bereits langjähriges Eintracht-Mitglied, als er 1977 das Dirigentenpult übernahm. Schon beim Debüt-Konzert 1978 fiel seine äusserst präzise und ruhige Stabführung auf. Den Übergangsprozess, den die Eintracht unter Gerhard von Gunten vollzog, beschrieb der Korrespondent der Rorschacher Zeitung wie folgt: Die Eintracht befinde sich "auf einem begonnenen Weg, der aber bereits sehr effektive Ansätze einer konkreten Linie erhält und auch vom Formalen her ganz eindrückliche Substanz aufweist." Was auch immer damit gemeint war, die Stadtharmonie legte musikalisch noch einen Zacken zu und bewältigte schwierige Blasmusikkompositionen mit Bravour! Auf die folgenden Jahreskonzerte hin vermochte Gerhard von Gunten die technischen und gestalterischen Fähigkeiten der Musikantinnen und Musikanten noch zu steigern. Die Presse dankte es ihm wiederum mit wohlwollenden Kritiken.
Als Aufführungsort diente mittlerweile die Aula des Lehrerseminars, die zwar recht eng war, dafür aber über eine hervorragende Akustik verfügte. Die spektakulären Showprogramme der Eintracht fanden aber auf grösseren Bühnen der Welt statt. Mehrmals reiste sie ins deutsche Rosenfeld, mit dessen Musikverein sie befreundet war. Der unverwüstliche Willi Graf zauberte Showeinlagen hervor, dass dem Publikum Hören und Sehen verging. Er hatte eine jahrzehntelange Übung als Moderator, Regisseur und Produzent von Unterhaltungsspektakeln. Unter Gerhard von Guntens Leitung schien er aber zur Höchstform aufzulaufen, immerhin hiess es nach der Unterhaltung: "So etwas haben wir in Rosenfeld noch nicht gesehen und gehört."
Eine grössere Bühne fand sich schliesslich auch in Rorschach. Der Bau des Stadthofsaales kam der Eintracht sehr entgegen. Nach rund zwei Jahrzehnten gab es endlich wieder einen Saal im Stadtzentrum! Zusätzlich zum Jahreskonzert führte die Eintracht dort ihre Abendunterhaltung durch. Willi Graf jagte Clowns, Affen, Kamele, ja sogar milchspendende Zuchtstiere und echte Ziegen auf die Showbühne und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.
Wenn auch die Jahreskonzerte und Abendunterhaltungen von hoher Qualität waren, konnte die Stadtharmonie gleichzeitig nicht ganz an die früheren Wettbewerbserfolge anknüpfen. Beim Kantonalen Musikfest 1979 in Wattwil starteten die Einträchtler zwar nicht schlecht: Ein vierter Rang in der ersten Klasse und ein "sehr gut" in der Marschmusik waren Lohn für eine sorgfältige Vorbereitung. Beim Eidgenössischen Musikfest 1981 in Lausanne gab es mehrere Jurys, deshalb waren die Resultate nicht besonders aussagekräftig. Beim Konzertteil lag die Eintracht auf dem vierten Rang bei ihrer Jury und erreichte dabei gute 108,5 von 120 möglichen Punkten. Bei der Marschmusik mit Evolutionen schauten 47,5 von 50 Punkten heraus, eine fast schon ölzweigwürdige Leistung im "Stade Olympique"! Beim nächsten "Eidgenössischen", 1986 in Winterthur durchgeführt, ging dann leider einiges schief. Nachdem das Selbstwahlstück sehr gut gelungen war, wähnten sich die Musikantinnen und Musikanten schon auf der Gewinnerstrasse. Beim Pflichtstück, einem "sinfonischen Samba", liess die Eintracht aber eine rhythmische Genauigkeit nach brasilianischem Muster vermissen und fiel (musikalisch) fast auseinander. Die Konsequenz waren 24 Punkte Abzug, welche ihrerseits den 24. Rang zur Folge hatten. Die Einträchtler konnten ihre Enttäuschung nicht verbergen, waren sie sich doch mittlerweile bessere Platzierungen gewohnt! Ein erster Rang in der Disziplin "Platzevolutionen" mochte sie auch nicht richtig trösten, da ausser ihnen kein anderer Verein in dieser Sparte antrat.
In anderen Bereichen der Vereinstätigkeit erlebte die Eintracht ebenfalls Hochs und Tiefs. Zur Feier ihres 75-jährigen Bestehens stellte sie ein attraktives Festprogramm zusammen. Namhafte Bandleader und Fernsehgrössen wurden verpflichtet, doch der grosse Publikumsaufmarsch blieb aus. Das Fest schloss mit einem riesigen Defizit, was nicht unbedingt den Absichten des Organisationskomittees entsprach. Wesentlich erfolgreicher geschäftete die Eintracht, als sie 1983 bei der Rad-Weltmeisterschaft in Altenrhein als einziger Verein überhaupt schwarze Zahlen schrieb! Weniger ein finanzieller, als vielmehr ein moralischer Erfolg stellte sich 1984 ein, als die Stadtharmonie gemeinsam mit der Stadtmusik das Kantonale Musikfest in Rorschach durchführte. Das Gleiche gilt auch für den festlichen Empfang von Bundespräsident Furgler im Jahr 1984. Von ihm bekamen die Einträchtler und Stadtmusikanten lobende Worte für ihren gemeinsamen Auftritt zu hören.
Bleibt noch, die Vereinsreisen zu erwähnen. Dies ist schnell getan, denn die Ausflüge in den Jura und ins Südtirol fielen zur vollsten Zufriedenheit aller aus. Mehrmals organisierte die Eintracht auch einen Extrazug an die Winzerfeste von Morges, Lugano und Neuenburg. Während sie ihre besten Lokomotivführer in den Führerstand beorderte, ging es hinten im dekorierten Gepäckwagen bei Tanz, Musik und Wein ausgelassen zu und her.
Alles in allem waren die Jahre 1977 bis 1987 eine lehrreiche und spannende Zeit für die Eintracht. Sie erlebte Erfolge und Misserfolge, insbesondere bei musikalischen Wettbewerben. Bei ihren Konzerten konnte sie Fortschritte verzeichnen. Den "letzten musikalischen Schliff" verpasste ihr allerdings erst der nächste musikalische Leiter, Martin Casentieri.