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Wildhorngruppe
(Kt. Bern, Wallis und Waadt). Unter dieser Bezeichnung versteht man den von der Gemmi bis zur Rhone sich erstreckenden westlichen Teil der Berneralpen. Wenn auch diese Kette die unmittelbare Fortsetzung der Finsteraarhorngruppe bildet, unterscheidet sie sich von letzterer doch genügend, um die Teilung der Berneralpen in zwei orographische Gruppen zu rechtfertigen. Während nämlich im östlichen Teil die Kristallinen Gesteine vorherrschen, ist die ¶
Karte der Wildhorngruppe
Lief. 270.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg.
^[Karte: 5° 0’ O;
46° 15’ N;
1:300000]
Mce. Borel & Cie.
Neuchâtel.
V. Attinger sc.
KARTE DER WILDHORNGRUPPE ¶
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Wildhorngruppe fast ausschliesslich aus Sedimenten aufgebaut. Dieser Unterschied im geologischen Bau hat zur Folge, dass
die beiden Ketten auch einen verschiedenen Anblick darbieten; in der
Wildhorngruppe sind die Bergumrisse im allgemeinen mehr
abgerundet, die Gräte und Gipfel mehr abgestumpft. Sie unterscheidet sich von der Finsteraarhorngruppe ferner durch die relativ
geringere Höhe (ihre höchsten Gipfel sind um mehr als 1000 m niedriger als diejenigen des Finsteraarhorngebietes), sowie
durch die Einfachheit der topographischen Formen.
Ebenso ist die Vergletscherung, die in der Finsteraarhorngruppe eine gewaltige Entwicklung erreicht, in der
Wildhorngruppe
viel weniger intensiv; besitzt letztere doch keinen einzigen Thalgletscher. Dagegen stimmt die
Wildhorngruppe
in vielen Punkten, namentlich im geologischen und tektonischen Bau, in der allgemeinen Erscheinung und im Grad der Vergletscherung
mit der Gruppe der Dents du Midi überein, obschon sie von ihr durch den tiefen Einschnitt des Rhonethales getrennt ist.
Hätte der Rhonelauf die beiden Gruppen nicht voneinander geschieden, so wäre die eine die direkte Fortsetzung
der andern und beide würden eine einheitliche Gebirgsmasse bilden. Die
Wildhorngruppe stellt im Grundriss ein ungleichseitiges
Parallelogramm dar, dessen längere Mittellinie von der Wasserscheide gebildet wird und von Nordost nach Südwest verläuft.
Die Süd- und Westseite dieses Vierecks werden durch den Rhonelauf von der Mündung der Dala bei Leuk bis
zur Mündung der Grande Eau bei Aigle gebildet. Im Norden wird die Gebirgsgruppe durch eine Linie begrenzt, die zunächst der
Grande Eau folgt und dann über den Col de Pillon (1550 m), Gsteig, den Krinnenpass, (1660 m), Lauenen (1258 m), den Trüttlispass
(2040 m), die Lenk (1070 m), das Hahnenmoos (1954 m), Adelboden (1357 m) und den Krinden (2387 m) bis nach
Kandersteg verläuft.
Das Viereck, das die Gruppe darstellt, berührt mit seinen vier Seiten vier andere Gebirgsgruppen: im N. die Saane- und Simmengruppe,
im O. die Finsteraarhorngruppe, im S. die Matterhorngruppe, im W. das Dent du Midi-Massiv in den Alpen des
Chablais. Der tiefe Einschnitt des Rhonethales trennt die
Wildhorngruppe von den beiden letztern Gebieten. Die beiden Diagonalen
des Vierecks, von denen die eine von Kandersteg bis zum Rhoneknie bei Martinach, die zweite von der Dalamündung bis zur Mündung
der Grande Eau verläuft, messen 63 bezw. 54 km. Die rechtwinklig zur Streichrichtung gemessene grösste
Breite der Gruppe zwischen Le Sepey und Riddes beträgt 24 km, die längere Mittellinie zwischen der Gemmi und der Rhone 50 km.
Die Gruppe bedeckt ein Areal von rund 1080 km2. Ihr höchster Punkt ist der Gipfel des Wildhorn (3252
m), ihr tiefster die Mündung der Grande Eau in die Rhone (386 m).
In orographischer Beziehung ist die
Wildhorngruppe verhältnismässig einfach gebaut. Sie stellt eine Kette dar, von der
auf den beiden Abdachungen rechtwinklig zur Hauptachse verlaufende Seitenketten abzweigen. Zwischen letztern öffnen sich
Erosionsthäler, von denen einige (z. B. die Thäler der Lizerne, der Salenze, der Liène) tiefe, enge Schluchten
oder sogar wirkliche Canyons sind. Die Seitenketten der Südabdachung steigen stufenweise
gegen das Rhonethal hinunter.
Die viel kürzere Zweigketten der Nordseite sinken auf wenig tiefe Einschnitte hinunter (Col du Pillon 1550 m), Krinnenpass
(1660 m), Trüttlispass (2040 m), Hahnenmoos (1954 m) und Krindenpass (2387 m), um jenseits derselben
sich in den Kämmen der Saane- und Simmengruppe wieder fortzusetzen. Im westl. Teil der
Wildhorngruppe, zwischen dem Diableretsmassiv
und dem durch den Rhonelauf zwischen Riddes und Aigle gebildeten Winkel, wird der orographische Bau viel komplizierter; die
Ketten gruppieren sich hier strahlenförmig um drei Hauptgipfel, den Haut de Cry, den Grand Muveran und
die Dent de Morcles.
Der östl. Abschnitt der Gruppe wird durch drei nebeneinander liegende, scharf umgrenzte Gebirgsmassen gebildet, die Wildstrubelgruppe
im O., die Diableretsgruppe im W. und das Wild hornmassiv in der Mitte. Sie werden durch wenig tiefe, von Saumpfaden überschrittene
Einschnitte voneinander getrennt; es sind dies der Rawilpass (2415 m) zwischen dem Wildstrubel und dem Wildhorn, und der Sanetschpass
(2234 m) zwischen dem Wildhorn und den Diablerets. Im östl. Teil der Gruppe sind auch die beidseitigen Abhänge der Seitenketten
durch blosse Fusspfade miteinander verbunden, so dass also in der
Wildhorngruppe weder der Hauptkamm
noch die davon abzweigenden Seitenketten von fahrbaren Strassen überschritten werden.
Wie wir bereits hervorhoben, sind die Gletscher in der
Wildhorngruppe nur schwach entwickelt, da eben die relativ geringe
Höhe dieses Gebietes und der einfache orographische Bau seiner höchsten Ketten die Entstehung zahlreicher und ausgedehnter
Eismassen verhindern. So findet man denn, abgesehen vom Zanfleurongletscher (Diablerets) und dem Gletscher
der Plaine Morte (Wildstrubel), welche weite, flache Firnfelder darstellen (Gletscher von skandinavischem Typus), in der
Wildhorngruppe
bloss Gletscher zweiter Ordnung und von geringer Ausdehnung, wenigstens im Vergleich mit denjenigen der benachbarten Finsteraarhorngruppe
und der Matterhorngruppe. Auch die Zahl dieser Gletscher ist ziemlich klein; es sind deren 31 vorhanden,
wovon 9 auf den Wildstrubel, 8 auf das Wildhorn, 8 auf die Diablerets, 5 auf den Muveran und 1 auf die Dent de Morcles fallen.
Die
Wildhorngruppe gehört zu 4/5 dem Einzugsgebiet der Rhone, zu 1/5 demjenigen der Aare an. Einzig der
zwischen der Gemmi und den Diablerets liegende Teil der N.-Abdachung wird nach der Aare entwässert. Dennoch erhält letztere
einen beträchtlichen Zuwachs aus diesem Gebiete, weil es die mächtigsten Gletschermassen der ganzen Gruppe besitzt und
zwei bedeutende Zuflüsse der Aare, die Saane und die Simme, hier entspringen. Die Wasserscheide zwischen Rhone
und Aare fällt von der Gemmi bis zum Oldenhorn mit der Hauptkammlinie zusammen und wendet sich von dort an nordwärts nach
dem Col du Pillon. Die Grenze der beiden Flussgebiete bildet gleichzeitig die Grenze des Kantons Bern,
mit Ausnahme der Strecke vom Arpelistock
bis zu den Diablerets, wo diese etwas nach N. zurückweicht.
Der östl. Teil der N.-Abdachung der
Wildhorngruppe gehört, wie wir soeben gesehen haben, zum Flussgebiet der Aare; er bildet
den obern Teil der Einzugsgebiete
¶
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von Saane und Simme und mittels des Engstligenbaches auch des westl. Abschnittes des Kandergebietes. Engstligenbach und Saane
entspringen beide am Wildstrubel in weiten Amphitheatern, deren oberste Stufen von Gletschern bedeckt sind, im Zirkus der
Engstligenalp und in demjenigen des Räzliberges. Die Saane und ihr rechtsseitiger Zufluss, der Lauibach, entfliessen
den Gletschern an den Diablerets und des Wildhorns. Diese Zuflüsse der Aare sind mit der nach der Rhone gehenden Grande Eau,
welche die
Wildhorngruppe im W. begrenzt die wichtigsten Gewässer des Gebietes und fliessen alle vier durch ziemlich breite
Thäler. Im Gegensatz dazu sind die auf der S.-Abdachung der Gruppe entspringenden Bäche weniger wasserreich,
dafür aber zahlreicher.
Sie fliessen im Grunde enger, tiefer Thäler; einige haben sogar, um ihr Gefälle auszugleichen, wahre Canyons eingeschnitten. Manche derselben werden nicht von Gletschern genährt; da sie aber die Sammeladern ganzer Becken sind, ist ihre Wasserführung noch viel veränderlicher als diejenige der Gletscherbäche. Die wichtigsten unter ihnen sind: die Raspille (Wildstrubel), die Liène (Rawil), die Sionne (Wildhorn), die Morge (Abfluss des Zanfleurongletschers), die Lizerne (Diablerets), die Lozenze und die Salenze (Muverankette);
die genannten ergiessen sich alle in die Rhone oberhalb des Knies von Martinach;
endlich der Avançon (Kette des Muveran und der Diablerets) und die Gryonne (Diablerets).
Die
Wildhorngruppe beginnt im O. mit der Gebirgsmasse des Wildstrubel, deren verschiedene Gipfel, das Schneehorn (3185), der
Wildstrubel (3251 und 3248 m) und Grossstrubel (3253 m), sich inmitten eines weiten Gletscherplateaus erheben, das von dem
Eismassen der Plaine Morte, dem Wildstrubelgletscher, den Lämmerngletscher und dem Ammertengletscher gebildet
wird und das ausgedehnteste Gletschergebiet der ganzen Gruppe darstellt. Die Wildstrubelmasse wird von einer Anzahl Gipfel
zweiter Ordnung umschwärmt;
deren wichtigste sind: im Süden das Tothorn oder Sex Mort (2942 m), der Mont Bonvin (3000 m) und seine beiden Trabanten, der Tubang (2852 m) und der Kleine Mont Bonvin (2413 m), der lange wilde Grat von Autannaz, (2975, 2844 und 2823 m) und das Rothhorn (3115 m);
im O. das Schwarzhorn (3111 m) mit dem nach S. vorgeschobenen Felssporn des Trubelnstocks (3004 m), das Daubenhorn (2952 m), das den Daubensee und den Gemmipass überragt und nach S. die lange Felswand der Kellerfluh aussendet;
endlich im NO. das Steghorn (3152 m).
Von letzterm strahlen nach NO. zwei Felsgräte aus, aus, die das wilde Ueschinenthälchen einrahmen; der östliche derselben trägt als höchste Erhebungen den Roten Totz (2855 m), das Felsenhorn (2791 m) und die Weissefluh (2477 m) und setzt sich als gradlinige, regelmässige Felswand fort, die mit dem Gellihorn (2289 m) endigt; der westliche Grat mit dem Thierhörnli (2900 m), dem Kindbettihorn (2657 m), dem Engstligengrat (2619 m), und dem Tschingellochtighorn (2665 m) als Hauptgipfel hängt im N. mit der mächtigen Felsmasse des Lohner zusammen, deren wichtigste Gipfel der Gross Lohner (3055 m), das Nünihorn (2715 m) und das Mittaghorn (2680 m) sind.
Unter den Gipfeln, die das Wildstrubelmassiv umgeben, treffen wir ferner im N.
den Ammertengrat (2615 m), den Rotstock (2637
m) und den Fizer (2548 m), eine Gipfelreihe, die mit dem vom Steghorn abzweigenden Kamm das gewaltige Amphitheater der Engstligenalp
einrahmt; im W. des Wildstrubel endlich erheben sich das Ammertenhorn (2664 m), das Gletscherhorn (2948 m) und das Weisshorn
(2953 m). Jenseits dieses Gipfels und seiner Ausläufer Laufbodenhorn (2704 m), Rohrbachstein (2953 m) und Wetzsteinhorn (2708
m) sinkt die Kammlinie der
Wildhorngruppe mässig tief ein, um dem Saumpfad des Rawil (2415 m), der das
Rhonethal mit dem Simmenthal verbindet, den Uebergang zu gestatten. Im W. wird der Rawilpass vom Rawilhorn oder Six des Eaux Froides,
dem Schneidehorn (2939 m) und dem langen Grat des Mittaghorns (2687 m) überragt.
Diese Gipfel bilden mit dem Wildgrat, dem Niesenhorn (2780 m) und dem Hahnenschritthorn (2836 m) im Norden, dem Spitzhorn (2811 m), dem Arpelistock (3040 m) und dem Geltenhorn (3074 m) im W. und dem Sex Rouge (2907 m) im S. gleichsam eine Leibwache um das Wildhorn, den höchsten Punkt der ganzen Gruppe. Dieses sendet nach S. einen langen, fast gradlinigen Felsgrat aus, der als wichtigste Gipfel den Six Neir (2727 m) und die Crêtabessa (2711 m) trägt und das Thal der Sionne von demjenigen der Morge trennt. Unter den Ausläufern des Wildhorns sind noch der Sérac (2836 m) und der Sublage (2735 m) zu nennen, deren kahle Felsmauern sich östlich vom Sanetsch erheben.
Die Scheitellinie der
Wildhorngruppe zeigt westl. von diesen Gipfeln einen neuen Einschnitt, den soeben erwähnten Sanetschpass
oder Senin (2234 m), der das Wallis
mit dem obern Teil des Saanethales verbindet. Jenseits des Sanetsch erhebt sich die Kammlinie
ziemlich rasch, um das Diableretsmassiv zu bilden. Sein höchster Gipfel, der Dôme des Diablerets (3222
m), erhebt sich über dem weiten Erosionszirkus des Creux de Champ, dessen oberste Stufen durch kleine Hängegletscher geschmückt
sind. Um diesen Hauptgipfel herum gruppieren sich einige Gipfel von etwas geringerer Höhe und bilden in ihrer Gesamtheit
die Diablerets; es sind dies das Oldenhorn oder Becca d'Audon (3126 m) und die Tour Saint Martin oder Quille du Diable
(2913 m), zwischen welche der ausgedehnte Zanfleurongletscher eingebettet ist, die Tête Ronde oder Pointe de la Houille (3043
m), die Tête d'Enfer (2769 m), der Sex Rouge (2977 m) und einige weniger wichtige Spitzen.
Vom Diableretsmassiv zweigen drei felsige Ketten ab. Die erste erstreckt sich westlich vom Sanetsch und dem Oberlauf der Saane als kurzer Zweig nach N. und trägt den Mont Brun oder das Sanetschhorn (2946 m), das Gstellihorn (2807 m) und das Schlauchhorn (2587 m). Eine zweite Kette mit der Fava (2614 m), dem Mont Gond (2701 m) und dem Praz Rotsé (2489 m) läuft südwärts parallel zur bereits genannten Kette der Crêtabessa, rahmt mit letzterer das von der Morge durchflossene Thal ein und bildet den O.-Abhang des wilden Thales von Triqueut. Die dritte Kette endlich strahlt nach W. aus und trägt eine Reihe von felsigen Gipfeln, den Culand (2798 m), die Pointes de Châtillon (2377 m), die Coins Grands (2238 m) und die Chaux Ronde oder die Rochers du Van (2022 m). Die beiden letztern Ketten senken sich langsam gegen das Rhonethal und endigen dort mit ¶