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Ella RonenDas «Sommer statt Pause»-Programm 2023
Auch während der Sommerzeit erwartet dich im Konzerthaus Schüür ein abwechslungsreiches Live-Programm. Ob Folk, Pop, Indie-Rock, Dream-Pop, Blues, Trash, Punk, Garage, Neo Soul oder Hip-Hop, ob Newcomer oder Geheimtipp – da ist für (fast) jeden Geschmack etwas Spannendes dabei. Schnapp dir an der Bar einen erfrischenden Drink oder ein kühles Blondes und mach es dir im chilligen Garten unter dem Sonnensegel gemütlich – dann kommt auch zuhause Ferien-Feeling auf.
An diesem Abend im Garten: Die Geschichte von Ella Ronen liest sich, wie ihre Lieder, wie ein Werk des magischen Realismus. Ein stilles Chorkind, das zur Undercover-Agentin der israelischen Armee wurde, später dann zur Dichterin. Berichten zufolge begann sie bereits im Mutterleib zu singen und verfasste lange, detaillierte Geschichten, bevor sie schreiben konnte, indem sie sie Erwachsenen diktierte. Die Details ihres Lebens sind in ihre Lieder eingewoben.
16 Jahre alt, in einem israelischen Vorort, war Tel Aviv für sie die ganze Welt. Es war das, was dem scheinbar unerreichbaren Amerika am nächsten kam – welches in einer anderen, mythischen Ebene existierte. In einer Bar, die dafür bekannt war, dass Minderjährige dort trinken durften, fing ein bekannter Dichter und Journalist an, mit ihr zu plaudern. Er lud sie in seine Wohnung ein und wurde übergriffig, sie entkam nur knapp. Vor einem Jahr beteiligte sich Ronen, längst eine erwachsene Frau, Künstlerin und Aktivistin, an der Veröffentlichung eines grossen Exposés, welches den Dichter als Raubtier entlarvte. Der Song «Truth» wurde in den angespannten Tagen vor der Veröffentlichung dieses Textes geschrieben.
18-jährig begann Ronen ihren obligatorischen Militärdienst. Sie hatte das zweifelhafte Privileg, als verdeckte Ermittlerin ausgewählt zu werden. Als Pazifistin und sensible Tagträumerin war es eine Ironie des Schicksals, dass die gleichen Fähigkeiten, die sie zur Künstlerin machen, sie auch für diese problematische Aufgabe qualifizierten. In dem langen Prozess der Heilung, den sie danach durchlief, schrieb Ronen den Song «Undercover», was in Anbetracht ihrer Herkunft nicht weiter verwunderlich ist.
Ronen gehört einer Familie an, deren Erbe von Widerstand und Widerstandskraft geprägt ist. Ihre beiden Grossmütter mussten als jüdische Frauen Gewalt und Unterdrückung ertragen. Beide überlebten und flohen illegal – die eine aus Europa, die andere aus dem Iran – um dann im gelobten Land weiter gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit zu kämpfen. Ronen, die sehr nahe bei ihren beiden Grossmüttern aufgewachsen ist, hat Israel schliesslich selbst verlassen. Heute zieht sie ihre Kinder in Zürich auf.
2020 begann Ronen, nach Produzenten zu suchen. Zwei Songs, die von verschiedenen Künstler*innen in verschiedenen Jahren produziert wurden, gefielen ihr so gut, dass sie deren Credits überprüfte. Und sie führten zu einer Person: Sam Cohen. Ellas Recherche war abgeschlossen. Einige Monate später erhielt Cohen eine E-Mail von ihr. Die Betreffzeile lautete «Produktion eines Albums», und sie enthielt einen ersten Song für dieses zukünftige Album. Cohen erzählt, dass Ronen zwar vergessen hatte, die Aufnahmedatei beizufügen, aber der Songtext reichte ihm aus, um zu wissen, dass er dieses Album machen wollte. Dieser Song war: «The Girl with no Skin».
Um Mitternacht erwartet dich im EG zudem ein Konzert auf Kollekte statt Eintritt. Von wegen Sommerpause...