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Kapitel 2.6.1 - Die PEDro-Skala
Die PEDro Skala des George Institute for Global Health, University of Sydney, Australien stellt eine der meist verwendeten methodischen Qualitätskontrollen für RCTs in der physikalischen Therapie dar. Mit dem Ziel, die Interpretationseignung von Studien einzustufen, wird geprüft, ob die Auswahl und Gruppeneinteilung der untersuchten Versuchspersonen statistischen Anforderungen genügt. Der Weiteren wurden Punktschätzungen und Streuungsmasse beurteilt.
Die Pedro-Skala beinhaltet eine validierte Checkliste, mit welcher die Studien mittels elf Kriterien auf ihre methodische Qualität bewertet werden können. Das erste Kriterium bezieht sich auf die externe Validität (Verallgemeinerungsfähigkeit der Studie). Die Kriterien zwei bis und mit elf beziehen sich auf die interne Validität, also ob andere Erklärungen als die dargelegten für die festgestellten Effekte weitgehend ausgeschlossen werden können. Kriterien zehn und elf bewerten speziell die statistische Interpretationseignung der Studie. Jedes Kriterium der Checkliste wird mit ja oder nein beantwortet. Für jedes Ja wird ein Punkt, für jedes Nein wird Null Punkt geschrieben. Die Punkte werden für die Gesamtbeurteilung addiert. Das erste Kriterium, welches die externe Validität beurteilt, erscheint nicht im Resultat. Somit liegt die maximale Punktzahl für die interne Validität einer Studie bei 10 (weitere Erklärungen hierzu siehe unten).
Die PEDro-Skala sollte nicht als Maß für die Validität in den Schlussfolgerungen einer Studie verwendet werden. Insbesondere warnen die Entwickler der PEDro-Skala davor, Studien so auf ihre klinische Relevanz zu beurteilen. Studien, die einen signifikanten Behandlungseffekt aufzeigen, und hohe Punktzahlen auf der PEDro-Skala erreichen, erbringen also nicht notwendigerweise den Nachweis dafür, dass die entsprechenden Behandlungen klinisch auch sinnvoll sind. Unabhängig von der quantitativen Wertung auf der PEDro-Skala muss überlegt werden, ob der Behandlungseffekt groß genug gewesen ist, um eine Aussage machen zu können. Weiter ist zu beurteilen, ob die positiven Effekte der Behandlung über die negativen überwiegen und schliesslich, wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Behandlung ist. Die PEDro-Skala sollte nicht dazu verwendet werden, die Qualität von Studien aus unterschiedlichen therapeutischen Bereichen zu vergleichen, weil es in manchen Bereichen der therapeutischen Praxis nicht möglich ist, allen Kriterien der Skala gerecht zu werden.
Als Grundlage der PEDro-Skala dient die Delphi-Liste, welche von Verhagen und Mitarbeitenden in 1998 an der Universität von Maastricht (NL) entwickelt worden ist (vgl. Verhagen et al. 1998: 1235ff). Die Delphi-Liste bezieht sich in einem Punkt, worin die Einschlusskriterien eruiert werden, auf die externe Validität. Da dies kein Qualitätsmerkmal darstellt, fließt dieses Kriterium nicht in die Berechnung der Punktesumme der PEDro-Skala ein. Damit aber sämtliche Punkte der Delphi-Liste erhalten bleiben, wurde dieses Kriterium in der PEDro-Skala belassen. Somit ergeben die elf Kriterien der PEDro-Skala als Summe – der sogenannte PEDro-Score – maximal zehn Punkte.
Die PEDro-Scale ist in Juni 1999 an der University Sydney, Australien, entwickelt und erstmals von Sherrington und Mitarbeitern im Jahre 2000 im Journal of Manual Therapy veröffentlicht worden (vgl. Sherrington et al. 2000: 223ff). Eine Publikation von Maher und Mitarbeitern im 2003 belegt, dass die Zuverlässigkeit der PEDro-Skala für Qualitätsbewertungen von klinischen Studien (RCTs) gegeben ist (vgl. Maher et al. 2003: 719f). Bhogal und Koautoren konnten 2005 zeigen, dass die PEDro-Skala der ebenfalls zur Qualitätsbewertung von RCT’s eingesetzten JADAD-Skala überlegen ist (vgl. Bhogal et al. 2005: 671f). De Morton veröffentlichte 2009 eine Untersuchung, welche die Validität der PEDro-Skala untermauert (vgl. De Morton 2009: 129ff). Blobaum empfahl 2006, die PEDro-Skala als Qualitätsangabe in Präsentationen und Programmen der evidence based medicine sowie bei der Verwaltung von Bibliotheksammlungen der Ausbildungsstätten in Gesundheitsberufen einzusetzen (vgl. Blobaum 2006: 48).
Der in dieser Arbeit verwendete Bewertungsbogen der PEDro-Skala ist dieser Arbeit als Appendix 1.3 angefügt.