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Die Diskussion über die Gleichstellung von Menschen, die zur LGBTQI-Gemeinde zählen, wird auch in den arktischen Ländern geführt. Wie sind sie rechtlich und gesellschaftlich gestellt, wie werden sie anerkannt oder eher kriminalisiert. Eine von Equaldex, einer Online-Publikationsquelle für LGBTQI-Rechte, erstellte Statistik zeigt dabei ein positives Bild für einige arktische Länder.
Der von Equaldex erstellte LGBTQI-Gleichheitsindex, der für 197 Länder erstellt worden ist, wird gleich von drei arktischen Nationen angeführt: Island, Dänemark und Norwegen. Auf Platz fünf folgt Kanada, das damit die Hälfte der arktischen Nationen in den Top 5 der Länder mit den höchsten Gleichstellungsindex komplettiert. Die anderen vier Länder liegen etwas weiter hinten auf den Rängen 15 (Finnland), 17 (Schweden), 23 (USA) und 130 (Russland). Zum Vergleich: Deutschland wird auf Rang 12 geführt, Frankreich auf Rang 20, Österreich auf Rang 25 und die Schweiz auf Rang 32. Damit zählen die nordischen Länder insgesamt zu den Ländern, in denen die LGBTQI-Gemeinde sowohl rechtlich wie auch gesellschaftlich am besten anerkannt sind.
Der erstellte Index ist ein Durchschnittswert, der von Null (keinerlei Gleichstellung) bis 100 (völlige Gleichstellung) reicht. Er wird aus zwei weiteren Indices berechnet: dem Legal Index und dem Public Opinion Index. Der Erstere stellt die gegenwärtig existierende Gesetzeslage dar, der die LGBTQI-Gemeinde im jeweiligen Land betrifft und Gesetze wie Gleichgeschlechtliche Heirat, Homosexualität und Zensurgesetze beinhaltet. Der Public Opinion Index auf der anderen Seite umfasst die öffentliche Meinung und Einstellung gegenüber der LGBTQI-Gemeinde und beruht auf Umfragen von seriösen Meinungsinstituten. Beide Indices wurden von Equaldex entwickelt und sind klar mathematisch nachvollziehbar.
Die Organisation betrachtete nicht nur die einzelnen Länder, sondern fasste diese auch in Regionen zusammen. Und auch hier zeigte sich, dass die nordische Region die LGBTQI-freundlichste der insgesamt 23 Regionen ist, gefolgt von der nordamerikanischen und der australisch-neuseeländischen Region.
Sind also die nordischen und arktischen Nationen die besten Orte für die LGBTQI-Gemeinde? Nicht unbedingt, wie ein etwas detaillierterer Blick zeigt. Zwar sind die meisten Regionen wie Alaska, Grönland, Nunavut oder die nordischen Regionen jenseits des Polarkreises rechtlich den nationalen Gesetzen unterworfen und profitieren besonders beim Public Opinion Index POI von den liberalen Orten und Grossstädten im Süden. Würde man nur den POI der arktischen Regionen selbst in den Index einfliessen lassen, würde sich das Bild etwas relativieren. Beispielsweise sind für Grönland und Nunavut gar keine Daten für einen POI verfügbar, obwohl beide beim rechtlichen Index sagenhafte 94 (Grönland), bzw. 93 (Nunavut) von 100 erreicht; und in Alaska rangiert der Staat auf nationaler Ebene am mittleren bis unteren Ende des Index, vor allem durch eine relativ hohe Ablehnung von Transgender-Anliegen, gleichgeschlechtlicher Ehe und Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare in der Bevölkerung. Auch in den arktischen Regionen der nordischen Ländern und Kanada kämpft die LGBTQI-Gemeinde immer noch gegen viele Vorurteile, besonders LGBTQI-Angehörige aus den indigenen Teilen der Bevölkerung, die mit ihrer modernen Lebensweise auf Unverständnis und sogar Ablehnung durch traditionalistische Kreise stossen.
Ganz am Ende des Rankings der arktischen Nationen und in der Länderliste steht auch noch Russland. Schon seit 10 Jahren wurden dort laufend Gesetze verabschiedet, die das Leben der Angehörigen in der LGBTQI-Gemeinde immer schwerer machten. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte man nun durch ein Gesetz Ende November, welches die Gemeinde als «extremistisch» einstuft und damit den Weg für eine Verfolgung durch die Behörden ebnet.
Es zeigt sich also, dass einige arktische Nationen zwar eine Hoffnung für die LGBTQI-Gemeinde bieten können. Aber trotzdem bläst immer noch ein kalter Wind, der den Regenbogen nur schwer entstehen lässt.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal
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