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Trockene Augen – jeder Lidschlag zählt
Der Lidschlag hat zur Folge, dass sich auf der Hornhaut des Auges eine superdünne Tränenschicht verteilt. An dieser Stelle eine kurze Beschreibung der menschlichen Hornhaut – sie hat im Normalfall einen Durchmesser von 10,6 x 11,7 mm und ist bei einem Radius von etwa 7,7 mm sphärisch gewölbt. Durch die durchsichtige Hornhaut als ein kleines Scheibchen hindurch gelangen Lichtstrahlen direkt in das Auge bis hin zur Netzhaut. Dadurch ist Sehen möglich. Die Wölbung der Hornhaut sorgt für die benötigte Brechkraft, um das Bild möglichst scharf auf der Netzhaut abzubilden. Dieser Tränenfilm auf der Hornhaut hat die Funktion einer Schutzschicht. Durch ihn wird die Augenoberfläche gleitfähig. Darüber hinaus werden Verunreinigungen ausgeschwemmt, die ansonsten das Auge verletzen oder die Sicht erschweren bis hin zu behindern würden.
Ist die Qualität oder die Quantität der von den Tränendrüsen produzierten Tränenflüssigkeit nicht ausreichend gut beziehungsweise zu viel, zieht das ein zu schnelles Verdunsten der Tränenflüssigkeit nach sich. Die Folge davon sind gereizte sowie trockene Augen. Sie sind keine medizinische Erkrankung, sondern ein Symptom, das indikativ vom Augenarzt festgestellt wird und anschliessend auf unterschiedliche Weise behandelt werden kann.
Zu den häufigen Ursachen für trockene Augen gehören
• allgemeiner Alterungsprozess
• lange Telearbeit [Endgeräte wie PC, Notebook, Smartphone, Tablet, …..]
• längeres ununterbrochenes Lesen
• abiotische Umweltfaktoren [Licht, Klima, Temperatur, chemische Faktoren, …..]
• dauerhaftes Tragen von Kontaktlinsen
• LASIK-Operation
• Medikamenteneinnahme
• ….. und weitere Anlässe
Schritte der Untersuchung von trockenen Augen
Die Untersuchung von trockenen Augen geht in mehreren Schritten vonstatten.
• Die Augen werden an derjenigen Stelle mit einer Spaltlampe untersucht, an der die Hornhaut, Bindehaut sowie einzelne Schichten des vorderen Augenabschnittes bis hin zur Linse betrachten werden können. Mit der Vergrösserung werden sowohl Rötung der Bindehaut als auch Trübung der Hornhaut erkannt.
• Danach folgt das Untersuchen der Augenoberfläche, das fachsprachliche Anfärben. Zum Feststellen von kleineren Schäden an der Augenoberfläche wird ein ungefährlicher Farbstoff wahlweise grün oder rot in das Auge geträufelt. Der Farbstoff färbt jegliche Defekte der Binde- und der Hornhaut sowie abgeschilferte Zellen an. Nach einigen Lidschlägen verfliegt die Farbe ohne jede Beeinträchtigung des Sehvermögens.
• Jetzt wird der Tränenfilm untersucht und zusätzlich noch die Stabilität von Tränenfilm nebst Tränenfilmmenge bestimmt. Dafür wird erneut ein Farbstoff eingetropft. Mit einem mehrmaligen Blinzeln verteilt er sich, wobei die Augen konstant offenbleiben. Per Stoppuhr und Zeitzählen wird der Abstand vom letzten Lidschlag bis zum Aufreissen des Tränenfilms ermittelt. Das zeigt sich durch dunkle Flecken auf der Hornhautoberfläche. Je länger es dauert, desto stabiler ist der Tränenfilm und umso länger ist das Auge durch den geschlossenen Oberflächenfilm geschützt. Der Wert von bis zu zehn Sekunden ist das starke Indiz für eine krankhafte Veränderung, über 15 Sekunden ist das Auge gesund.
• Als Letztes folgen die Augenlider. Per Lidschlag wird ein Tränenfilm auf der Augenoberfläche verteilt und so die Abgabe von Meibom-Drüsensekret unterstützt. Jetzt wird die Lidschlagfrequenz gemessen. Sie beträgt beim Sprechen etwa 15 Lidschläge/Minute; bei Lesen oder Telearbeit verringert sie sich auf bis zu ca. 5. Jede reduzierte Lidschlagfrequenz begünstigt das Verdunsten von Tränenflüssigkeit. Die Untersuchung des Lidrandes gibt Aufschluss über eine mögliche Entzündung oder eine Dysfunktion der Meibom-Drüsen. Lidfehlstellung und Lidschlussinsuffizienz wirken sich negativ auf die Tränenfilmstabilität aus. Hier kann im äussersten Fall ein chirurgischer Eingriff notwendig werden.
Letztendlich ist das Messen der Tränenfilm Osmolarität eine aussagefähige Diagnose über trockene Augen. Gemessen wird mit einem Osmometer, ob sich durch die Verdunstung von wässerigen Tränen deren Konzentration erhöht. Wenn ja, dann kann das zu einer Hyper-Osmolarität mit Zellschädigung führen.