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Bislang unbekanntes Sonatenfragment
Die Komposition seiner Sonate für Violoncello und Klavier fiel Camille Saint-Saëns schwer. Und die Überlieferung hat es auch nicht gut mit ihr gemeint.
Die Cello-Literatur enthält mehrere unvollständige Werke bedeutender Komponisten: Mozarts einziges Werk für Violoncello und Klavier, das Andantino cantabile KV 374 g (Anh. 46), blieb Fragment und existiert in mehreren fremden Ergänzungen, von Antonín Dvořáks frühem Cellokonzert in A-Dur sind lediglich die Solostimme und der Klavierauszug überliefert und Othmar Schoeck hinterliess den letzten Satz seiner Cello-Sonate unvollendet.
Diese (unvollständige) Liste kann nun um eine bedeutende Entdeckung erweitert werden: Als Teil der Bärenreiter-Gesamtausgabe von Camille Saint-Saëns’ Werken ist eine bisher unbekannte Cellosonate erstmals veröffentlicht worden. Ein Brief des Komponisten aus dem Jahre 1919 belegt, dass das Werk zu Lebzeiten des Komponisten vollständig aufgeführt worden ist. Trotzdem sind von den angeblich vier komponierten Sätzen lediglich die ersten zwei erhalten, wobei das überlieferte Manuskript des 2. Satzes nach 82 Takten abbricht.
Die Konzeption der Sonate reicht ins Jahr 1913 zurück und Saint-Saëns scheint sich mit der definitiven Niederschrift schwergetan zu haben, wie er 1914 in einem Brief an seinen Verleger Durand schrieb: «Ich arbeite an meinem Duo, das nur mühsam vorangeht. Welch schwer zu behandelndes Genre!»
Wie in den beiden Sonaten op. 32 und op. 123 spielt Saint-Saëns gekonnt mit rhythmisch prägnanten und lyrischen Passagen. Kühne harmonische Wechsel erinnern zudem an die Tonsprache des 1919 entstanden Prière op. 158 für Violoncello und Orgel.
Saint-Saëns’ Cello-Œuvre erfährt durch diese Erstausgabe eine erfreuliche Erweiterung.
Camille Saint-Saëns: Sonate für Violoncello und Klavier D-Dur (unvollständig), Erstausgabe, hg. von Denis Herlin, BA 10910, € 17.95, Bärenreiter, Kassel
Bildquelle: Musée de la Musique, Paris, Inventarnummer E.995.6.27 / wikimedia commons