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Dr. Pop, wie viel Musik gibt es?
Das musikalische Universum dehnt sich unaufhaltsam aus. Wie viel Musik umfasst es gegenwärtig?
Im Deutschen Musikarchiv lagern rund 400’000 CDs. Weil man bei einigen Silberlingen erste Zersetzungserscheinungen festgestellt hat, wollen die Verwalter des Archivs in naher Zukunft ein Backup des gesamten Bestandes anlegen. Einen ersten Probelauf startete man mit den 20’000 Tonträgern, die 2006 im Archiv eingegangen sind. Diese nahmen rund 14 Terabyte in Anspruch, der Gesamtumfang des digitalisierten Deutschen Musikarchivs würde sich also auf rund 280 Terabyte (=280’000’000 MB) belaufen.
Diese Hochrechnung ist allerdings relativ. Einerseits, weil das Deutsche Musikarchiv bei weitem nicht alle Tonträger umfasst, sondern nur jene, die in der Bundesrepublik erschienen sind. Andererseits, weil die Gesamtdatenmenge aller jemals auf Schellack, Vinyl, CD oder Tonband veröffentlichten Musik natürlich in erster Linie von der Codierung abhängt, mit der diese digitalisiert wird. Lädt man die Musik – wie das Deutsche Musikarchiv – unkomprimiert auf den Rechner, fallen pro Tonträger rund 700 Megabyte an. Konvertiert man die CDs jedoch ins MP3-Format, benötigt man nur etwa einen Zehntel so viel Speicherplatz. Würde man das Deutsche Musikarchiv mit 320kbit/s auf Festplatte rippen, wäre eine Kapazität von rund 30 Terabyte ausreichend.
Bedeutend mehr Tonträger als das Deutsche Musikarchiv nennt Paul Mawhinney sein Eigen. Über 3 Millionen Platten hat der Mann mit der grössten Plattensammlung der Welt angehäuft. Wie riesig seine Sammlung ist, veranschaulicht ein Vergleich mit itunes: Das Archiv des grössten Downloadportals umfasst in etwa 10 Millionen Songs, also lediglich etwa ein Drittel dessen, was in Mawhinneys Lagerhalle archiviert ist, wenn man von durchschnittlich 10 Songs pro LP ausgeht. Würde Mawhinney seine gesamte Sammlung mit einer Qualität von 320kbit/s auf Festplatte konvertieren, müsste diese über 200 Terabyte Speicherplatz bieten.
Selbst Paul Mawhinney ist jedoch meilenweit davon entfernt, alle Platten der Welt zu besitzen. Der 70-Jährige hat in seinem Sammelwahn zwar fast die ganze USA abgeklappert, aber nie Platten in Kolumbien, Russland oder Jamaika gekauft. Er besitzt keine Schellackplatten, hat nie Musik heruntergeladen und dürfte nur wenige Aufnahmen aus dem neuen Jahrtausend besitzen. Man muss deshalb davon ausgehen, dass das musikalische Universum die Petabyte-Marke (= 1 Million MB) längst gesprengt hat. Laut einer Studie des Library of Congress gibt es insgesamt 30 Petabyte Musik, wobei die Forscher ihre Hochrechnungen im unkomprimierten CD-Format anstellten. Ins MP3-Format konvertiert entspricht dies einer Datenmenge von etwa 3 Petabyte. Rund 40’000 80GB-iPods würden also ausreichen, um sämtliche Musik zu archivieren.
Etwa 5’000 Jahre müsste man ununterbrochen Musik hören, um sich die gesamte auf Tonträger dokumentierte Musikgeschichte anzuhören. Schätzungsweise drei Milliarden Songs kämen einem dabei zu Ohren. In der Zwischenzeit würde sich das musikalische Universum weiter ausdehnen. Wenn man sich im Jahre 7009 schliesslich durch 45 Millionen Stunden Musik gekämpft hätte, wären bereits Billionen von neuen Songs hinzugekommen. Genauso wie das astronomische Universum scheint auch das musikalische auf lange Frist die Unendlichkeit anzustreben.
> Leserfragen an: dr.pop(ät)78s.ch
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