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1940 in Luzern geboren. 1945 Umzug nach Bern, wo er die Mittelschule besucht und anschliessend am Konservatorium und an der Universität studiert (Musikgeschichte, Theaterwissenschaften).
Mit zwanzig beginnt er mit seinem ersten Roman. Danach kurze Zeit als Musiklehrer tätig.
1972 bis 1976 als Musikrezensent und Essayist bei den «Basler Nachrichten».
Lebt ab 1972 als freier Schriftsteller und Schauspieler in Basel, ab 1997 bis zu seinem Tod in St.Gallen.
Mit dem ersten Teil «Gilgamesch» seiner schlussendlich 1600 Seiten langen Romantrilogie «Zeit und Ewigkeit» legt er als Schriftsteller bereits 1966 den Grundstein zu seinem Hauptwerk.
Im Musikerroman, der zugleich auch Kriminal- und Entwicklungsroman ist, werden die beiden Protagonisten trotz langen Phasen der Lähmung, Alpträumen und obskuren Gegenspielern immer wieder von rauschhafter Kreativität gepackt.
Dieses Buch verursacht bei seinem Erscheinen wegen der darin thematisierten Homosexualität einen Skandal. Die Basler Zeitung erinnerte sich 1997: «Das freimütige Bekenntnis zur Homosexualität sorgte für einen Skandal [...] Gleichzeitig war es der Auftakt zu einem Lebenswerk, in dem ein ebenso sprachgewaltiger wie obsessiver Künstler sich existentiell der eigenen Identität zu vergewissern versuchte.»
Zu Beginn erscheint die Lektüre der drei Romane wie ein Gang durch ein Labyrinth. Verschiedene Mythen werden in den Text eingearbeitet, zeitlich und räumlich Getrenntes wird ineinander geflochten. Die Erzählweise wird immer kühner und spielerischer. Variation und Wiederholung strukturieren musikalisch den Lesetaumel.
Die Trilogie endet mit dem Tod des Protagonisten. Dieser jedoch springt in der darauf folgenden Novelle «Der Basilisk» (1987) gleichsam als Wiedergänger dieser Existenz durch die Zeiten und landet direkt auf Freuds Couch in Wien, die eigentlich in London steht.
Vom Basilisken belauert und getrieben, dämmert es ihm, dass dieses Tier zu tun hat mit seiner Fähigkeit, in der Zeit und durch sie hindurch zu hüpfen und sie in ewiger Wiederkehr auszuhebeln, während er sich gleichzeitig in einem Akt des Ergebens mit einer Hundeleine am Ast eines Baumes erhängt.
Zeit ist ein zentrales Thema in allen seinen Werken, und im folgenden Roman «Dionysos» (1990) wird sie auf den Bruchteil von 0,0108 Sekunden verdichtet – den Augenblick des Todes von Dino Bodoni, seines Zeichens Terrorist und Maler.
In dieser kurzen Zeitspanne, die über 220 Seiten dargestellt wird, verknüpfen sich die Bilder und Visionen des Protagonisten, seine Freund- und Liebschaften, die schmerzlichen und die festlichen Erinnerungen im Todesmoment auf der Insel Santorin mit dem Mythos des sagenumwobenen Atlantis, wird der persönliche Zusammenbruch zum späten Nachhall des Erdbebens von 1956 auf Santorin, welches wiederum selber der Nachhall einer grossen antiken Katastrophe ist: des Untergangs von Atlantis.
Im nächsten Roman «Die Wirklichkeitsmaschine» (1994) überlebt der Protagonist, ein besessener Büchersammler, nur auf diffuse Weise und nicht wirklich – er stolpert im Keller des Schlosses seines Freundes Kilian, eines genialen Cyberspace-Forschers, der seit 30 Jahren an einer intelligenten Wirklichkeitsmaschine arbeitet, in vollkommener Dunkelheit über sich selber. Und so kommt ihm alles abhanden: seine Liebe zu Maya und Raphael, seine Kundschaft, seine Zähne, seine Sammlung mit 144000 kostbaren Büchern, seine ganze Wirklichkeit.
Inspiriert von Motiven der 22 Kapitel der Apokalypse und der 22 Bilder des Tarots, entwirft der Roman ein desillusioniertes Bild vom Menschen des 21. Jahrhunderts.
In seinem letzten Roman «Sommerweide» (2002) zeigt der Autor nochmals die ganze Meisterschaft seines literarischen Könnens.
In prägnanten Bildern schildert er das ausweglose Leiden seines fünfundzwanzigjährigen Protagonisten, der in der psychiatrischen Klinik Sommerweide einsitzt. Er steht im Verdacht, seine Mutter ermordet zu haben. In der Absurdität des Klinikalltags spiegelt sich ihm eine Sinnlosigkeit des Lebens an sich, erinnert er sich schemenhaft an sein Leben zwischen Verletzung, Lüge, Ablehnung und Alkoholsucht, das sich spiralartig immer mehr verengt hatte und schliesslich in einem wahnhaften Gewaltausbruch explodierte.
In kunstvollen Verknüpfungen überlappen sich Klinikgegenwart und dunkel Erinnertes mit der Vision einer apokalyptischen Stadt, Megalopolis, die von einem demagogischen Staatspräsidenten regiert wird und wo sich der Protagonist als verfolgter Züchter von geklonten Blutwegschleckschnecken auf die Suche nach seinem verlorenen Gedächtnis macht, um schliesslich in einem kafkaesken Fundbüro zu landen.
Die Ausweglosigkeit seiner Vision entlarvt die Ausweglosigkeit seines Lebens, der er in einem archaischen Akt der Selbstvernichtung Tribut zollt.
Wenn der Schriftsteller Guido Bachmann etwas nicht ausstehen konnte, so waren das Heuchelei und Verlogenheit. Die Radikalität, mit der er dagegen angeschrieben hat, hat er auch gelebt. Er war ein unbequemer Zeitgenosse, einer, der sich nicht einordnen liess.
Guido Bachmann sagte 2001 in einem Radiointerview, dass er bereits mit 14 Jahren der Gesellschaft den Rücken gekehrt und diese Haltung seither beibehalten hätte.
Schon als Bub war ihm aufgefallen, dass die Menschen Angst haben und diese Angst hinter der Macht verstecken. Solchen Machtspielen entzog er sich – als Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und als ein Mensch, der sein Leben lustvoll bis zum Exzess ausschöpfte.
Guido Bachmann, der in Luzern geboren, in Bern aufgewachsen, in Basel und die letzen Jahre in St.Gallen gelebt hat, ist als Künstler nicht leicht einzuordnen.
Seine Hauptberufung war auf jeden Fall das Schreiben, studiert hatte er aber Musik- und Theaterwissenschaften, einen Teil seines Lebensunterhalts durch die Schauspielerei verdient. Er konnte das einfach, das Spielen.
Guido Bachmann bezeichnete sich als «Papageientalent», das einfach Hochdeutsch sprechen konnte. Hörte man ihm zu, wusste man, was er meinte. Er besass jene Begabung, die unter Schreibenden äusserst rar ist: Er vermochte seinen eigenen Texten im Sprechen Leben einzuhauchen.
Am Schreiben interessierte ihn vor allem eines: die Form. Schreibend stellte er sich immer wieder von neuem der Aufgabe, etwas Gedachtes in die geeignete Form zu bringen.
Der Schriftsteller hinterlässt ein umfangreiches Romanwerk, für das ihm Basel 1990 den Literaturpreis verlieh.
1997 zeichnete ihn der Kanton Bern für «lebenslänglich. Eine Jugend», seinen ersten der zwei autobiografischen Texte, mit dem Literaturpreis aus. Die Stadt Bern ehrte ihn ein Jahr später mit dem Buchpreis.
Abgesehen davon erhielt sein Schaffen nicht die Würdigung, die es verdient hätte. Unter der Tatsache, dass seine Bücher verkaufsmässig nie ein Erfolg waren, hat er gelitten.
In einer Würdigung charakterisierte der Schriftsteller Martin R. Dean das Schreiben seines Kollegen mit folgenden Worten: «Mit einer für schweizerische Schreibart unüblichen Sinnlichkeit, gepaart mit einem Willen zur Form, der die Schrift der reinen Musikalität zutrieb, hatte der Autor seine Lebensgeschichte mit der Fiktion verschwistert.» Sein Hauptwerk, die Trilogie «Zeit und Ewigkeit», legt Zeugnis von dieser Verschwisterung von Leben und Literatur ab.
1997 zog Guido Bachmann nach St.Gallen. Die Stadt wurde ihm Heimat, so weit einem, der sich in der Heimatlosigkeit zu Hause fühlt, ein Ort eben heimisch werden kann. Nach St.Gallen zog er, um in der Nähe seines Partners, Urs Tremp, zu leben.
Zu seinen Lieblingsorten in der Stadt gehörten der Panoramaweg, das Klösterli und die Drei Linden, anzutreffen war er im «Hirschen» und, solange sein Partner das Lokal führte, im «Haus zur letzten Latern».
Guido Bachmann bezeichnete sich zwar als Agnostiker, war aber den Mythen zugewandt. Sie enthielten für ihn die menschliche Wahrheit. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er 1988 am von Urs Tremp organisierten «Symposium für Alchemie» mitwirkte.