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Zu Funktion gibt es eine alte Variante, in welcher ich noch nicht erkannte habe, dass die Funktion nicht einem Gegenstand oder einem System zukommt, sondern diesem vorrangig ist. Ein Gegenstand erfüllt eine Funktion oder die Bedingungen der Funktion.
Ich verwende den Ausdruck Funktion auf zwei verschiedene Arten, weiss aber nicht, ob ich dabei von einem Homonym sprechen soll(te). Die erste Art scheint mir umgangssprachlich naiv, die zweite reflektiert.

Funktionsweise
Als Funktion bezeichne ich
Beispiel:
Die Funktion einer Tasse ist das Transportieren von Flüssigkeit zum Mund
Die Funktion des Herzen ist das Blut durch den Körper zu pumpen
Die Funktion der Liegenschaftsverwaltungn ist die administrativen Aufgaben des Eigentümers zu erledigen
Wenn ich - in Bezug auf Artefakte - eine Wozu-Frage stelle, frage ich entweder nach dem Zweck des Artefaktes, also nach dessen Gegenstandsbedeutung, also nach der Herstellerintention.
Beispiel:
Wozu ist eine/diese Tasse oder ein/dieser Hammer (gut = hergestellt worden)?
Das entspricht genau der Wortbedeutung von Artefakt bei Ausgrabungen, wo ich das Artefakt als solches erkenne, aber keine Ahnung habe, was es ist oder wozu es gut ist.
Die Frage nach der Funktion bezieht sich in diesem Fall auf die Verwendung: Welche Funktion erfüllt ein bestimmter Gegenstand, nicht welche Funktion hat er. Die Funktionsfrage zielt nicht auf die Gegenstandsbedeutung, sondern auf einen situativen Zweck, der eine situative wozu-Frage beantwortet.
Beispiel:
Das Transportieren von Flüssigkeit zum Mund, wofür es eine Menge von möglichen Verfahren gibt, die ich als potentielle Funktionsträger bezeichne.
Es handelt sich um zwei verschiedene Perspektiven. In der ersten hat ein Gegenstand verschiedene Funktionen, in der zweiten hat eine Funktion verschiedene Realisierungen.
"Funktionen haben keinerlei Erklärungswert" (Maturana: Erkennen). In Erklärungen beschreibe ich Funktionsweisen.
Ein paar Anmerkungen:
In der Mathematik wird Funktion homonym für die Zuordnung durch eine Gleichung verwendet: F(x)=y, die auch Abbildung - ein weiteres Homonym - genannt wird, explizit bezeichnet.
Ich unterscheide in Anlehnung an P. Achinstein - umgangssprachlich - drei Funktions-Typen:
Natürlich kann man für jede Funktion verschiedene Maschinen bauen, Fliegen kann man mit einem Ballon, einem Flugzeug oder einem Helikopter. Jede einzelne Maschine repräsentiert dann eine Methode (vergl. Konstruktives Wissensmanagement)
"Wenn wir x = F(y) schreiben, steht 'F' für den abstrakten Aspekt des Automaten, den wir Funktion nennen" (Todesco 1992:223)
Literatur
R. Keil: "Generell kann man sagen, dass Funktionen beschreiben, wie ein technisches System auf Einwirkungen des Menschen oder Signale und Impulse anderer technischer Systeme reagiert. Die Gesamtheit der Funktionen gibt also an, welche Einwirkungen bzw. Eingaben insgesamt zulässig sind; die Funktionalität ist somit das wesentliche Merkmal im Hinblick auf die zweckbestimmte Verwendung" (Keil-Slawik, 1990 , 81).
"Generell kann man sagen, dass Funktionen beschreiben, wie ein technisches System auf Einwirkungen des Menschen oder Signale und Impulse anderer technischer Systeme reagiert. Die Gesamtheit der Funktionen gibt also an, welche Einwirkungen bzw. Eingaben insgesamt zulässig sind; die Funktionalität ist somit das wesentliche Merkmal im Hinblick auf die zweckbestimmte Verwendung" (Keil-Slawik, 1990 , 81).
"Zunächst müssen wir uns also über den Gebrauch des Begriffs der Funktion verständigen. Wir abstrahieren diesen Begriff sowohl von mathematischen als auch von teleologischen oder empirisch-kausalwissenschaftlichen Verwendungen. In der Abstraktion bleibt als Funktion ein Bezugsproblem zurück, das mehrere Lösungen annehmen kann. Da es anderenfalls kein Problem wäre, kann man eine Funktion auch als Einheit der Differenz von Problem und mehreren, funktional äquivalenten Problemlösungen definieren, gleichviel ob eine oder mehrere Problemlösungen schon bekannt sind oder nicht. Die Problemlösung kann im Erreichen eines Zwecks bestehen oder auch in der Konkretisierung von mathematischen Gleichungen (=Variationskonditionierungen) oder im Finden einer Antwort auf eine Was- oder Wie-Frage. Der mit Funktionalisierung angestrebte Gewinn liegt nicht in der Problemlösung selbst (denn es kann sich ja auch, ja es wird sich zumeist um längst gelöste Probleme handeln), sondern im Hinweis auf eine Mehrheit von funktional äquivalenten Problemlösungen, also in der Etablierung von Alternativität oder funktionaler Äquivalenz."(Luhmann, Religion der Gesellschaft, 116f)
"Wenn wir x = f(y) schreiben, steht 'f' für den abstrakten Aspekt eines Automaten, den wir Funktion nennen. Wir sagen, eine Maschine "hat" die Funktion, die sie verkörpert." (Todesco 1992:223).
Das autopietische System hat keinen Zweck, es hat eine Funktionsweise, die mit systeminternen Funktionen beschrieben werden können. Das Herz etwa ist kein autopoietisches System, es hat innerhalb eines Systems die Funktion einer Pumpe. Wenn Funktionssysteme als autopoietische Systeme aufgefasst werden, haben sie keinen Zweck, aber sie erfüllen im autopoietischen Gesellschaftssystem eine Funktion, die interessenabhängig hinbeobachtet wird.