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Die Romanfiguren
Tavel zeichnet Romanfiguren, bei denen es sich weder um grosse Halunken noch um kitschige Übermenschen handelt, sondern zumeist um durchschnittliche Individuen mit einer guten Mischung von Idealismus und praktischem Lebensverstand. In ihren Krisen, die Ausdruck der Auflehnung sein können, durchschreiten sie einen Reifungsprozess, der nicht selten in Verzicht und Entsagung mündet. Dabei harren sie meistens am Platz aus, an den sie gehören, oder kehren nach einem Irrweg, der als solcher erkannt wird, geläutert dorthin zurück.
Ungefähr in der chronologischen Reihenfolge der Werke Tavels gewinnen diese an Tiefe und Problematik, vor allem nach dem Erlebnis des Ersten Weltkrieges. Im Erstlingsroman steht noch ganz die Schilderung einer Atmosphäre von Festlichkeit und Grazie im Vordergrund, durch die sich der patrizische Lebensstil des Ancien Régimes auszeichnete. Die Leitfiguren späterer Werke aber werden immer stärker mit grundsätzlichen Fragen und Problemen des Lebens konfrontiert. Es stellt sich ihnen etwa die Frage nach Verantwortung und nach der Pflicht, die neben dem Recht ihren Platz hat. Mit der Bedeutung der Familie, mit dem Verhältnis von Mann und Frau, von Eltern und Kindern haben sie sich auseinanderzusetzen, wobei das Familien- und Geschlechterbild traditionellen Mustern folgt.
Im Roman «Gueti Gspane» (1913) beispielsweise ist die zentrale Idee der Kontrast zwischen brutalem Streben nach äusserem Erfolg und der stillen Arbeit nach dem Grundsatz und dem Glauben an den Sieg selbstloser Pflichterfüllung, und im Roman «Der Donnergueg» (1916) heisst der Leitgedanke: «Selig sind die Sanftmütigen». Das letzte Buch, «Ds Schwärt vo Loupe», das nur noch zum Entwurf gedieh, sollte das Spannungsfeld der freien Entfaltung des Individuums einerseits und der Forderungen der Gesellschaft andererseits thematisieren.