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In Verbier kursiert das Gerücht, der US-Gigant wolle sich das Skigebiet aneignen. Einheimische schmieden Pläne, um selber die Bergbahnen zu kaufen.
Ein Gespenst geht um in den Schweizer Bergen: Vail Resorts. Der grösste Skigebietsbetreiber der Welt hat im Sommer 2022 das Gebiet in Andermatt übernommen und im vergangenen Herbst angekündigt, dass er die Bergbahnen in Crans-Montana kauft. Gleichzeitig hat das Unternehmen aus Colorado mitgeteilt, dass es gerne noch mehr Skigebiete in Europa akquirieren würde.
Vielleicht steht als Nächstes Verbier auf der Liste der Amerikaner. Das erste Indiz: Im Januar fuhr Laurent Vaucher, der CEO von Téléverbier, dem grössten Bergbahnunternehmen in der Westschweiz, gemeinsam mit Jean-Albert Ferrez für eine Woche nach Vail. Ferrez ist Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen. Christian Burrus, den Hauptaktionär und Vize-Verwaltungsratspräsidenten von Téléverbier, nahmen sie auch mit.
Anonymer Brief warnt vor Kaufgelüsten
Diese Reise hat zu Spekulationen in Verbier geführt. Verkauft Burrus, der 26 Prozent der Bergbahnen besitzt, sein Aktienpaket an Vail Resorts?
Genau dies vermutet der Verfasser eines anonymen Briefs, der auf den 20. Januar datiert ist. Die Person hat das Schreiben an reiche Chalet- und Wohnungsbesitzer im Ort verschickt – und ruft dazu auf, Geld zu sammeln, um ein potenzielles Angebot von Vail Resorts an Burrus auszustechen.
Der Verfasser rechnet vor, dass es 150 Millionen Franken brauche, um ausreichend Aktien zu kaufen. Das soll im Falle eines Angebots von Vail Resorts die Gemeinde tun, um die Amerikaner auszustechen – mit der finanziellen Unterstützung der Chalet- und Wohnungsbesitzer. Je eine bis drei Millionen Franken sollen 100 Personen locker machen, um zusammen mit der Gemeinde die absolute Mehrheit der Aktien erstehen zu können. So blieben die Bergbahnen in «lokalen Händen».
Nicolas Leuba hat Verständnis für den Vorschlag. Es gehe auch darum, den Charme von Verbier zu erhalten, sagt der Vizepräsident der lokalen Vereinigung der Chalet- und Wohnungseigentümer. Leuba unterstützt grundsätzlich das Anliegen. Er und andere Chaletbesitzer fürchten amerikanische Ticketpreise bei einer allfälligen Übernahme durch Vail Resorts. In den Skigebieten des Unternehmens in den USA und Kanada kann eine Tageskarte umgerechnet bis zu 250 Franken kosten.
Chaletbesitzer wollen, dass alles gleichbleibt
Dafür ist das Jahresabonnement relativ günstig. Der Epic Pass, der für alle 41 Skigebiete von Vail Resorts gilt, hat für diese Saison 969 Dollar gekostet. Er kann nur im Vorsaisonverkauf bezogen werden. Leuba sagt, dass einige Chaletbesitzer in Verbier heute kein Saisonabonnement hätten und auch künftig keines möchten. Generell würden sich viele von ihnen vor einer Veränderung fürchten. Sie möchten ihr Verbier so behalten, wie es ist.
Doch es geht nicht nur um Charme, sondern auch um Geld. Das zeigt der Aktienkurs von Téléverbier. Nachdem das anonyme Schreiben am 20. Januar in Umlauf gebracht worden war – und noch bevor es in den Medien thematisiert wurde –, ist der Kurs um bis zu 20 Prozent gestiegen. Am vergangenen Freitag erreichte er mit 57 Euro den höchsten Stand seit knapp zehn Jahren, bevor er am Montag wieder leicht zurückfiel. Ein möglicher Grund für die Avancen: Im Brief wird ausführlich über den Aufschlag spekuliert, den Vail bieten könnte.
Laurent Vaucher, CEO von Téléverbier, sagt gegenüber der NZZ, er sei sich der Kursentwicklung nicht bewusst. Und er dementiert: Die Annahme, dass Vail das Skigebiet kaufen wolle, sei falsch. Ihm seien keine Gespräche bekannt. Allerdings: Das war in Andermatt auch so. Der dortige Geschäftsführer der Bergbahnen wurde erst bei Bekanntgabe der Übernahme involviert.
Téléverbier-Geschäftsreise ging «per Zufall» nach Vail
Die Reise nach Vail sei eine Geschäftsreise gewesen, so Vaucher. Es sei darum gegangen, andere Skigebiete kennenzulernen. Sie habe per Zufall nach Colorado geführt. Solche Reisen mit Mitgliedern der Besitzerfamilie und dem VR-Präsidenten der Bergbahnen würden regelmässig stattfinden, führt der CEO aus.
Auch der Unternehmer Burrus sagt auf Anfrage, dass nichts dran sei an dem Verkaufsgerücht. Seine Familie sei seit über 25 Jahren in Verbier engagiert. Falls dennoch eines Tages ein Verkauf infrage käme, würde er zuerst mit der Gemeinde sprechen.
Neben Burrus besitzt die Gemeinde und Bürgergemeinde Val de Bagnes 26 Prozent von Téléverbier. 35 Prozent der Aktien sind in öffentlichem Umlauf. Die 70 Jahre alte Bergbahngesellschaft führt die drei Skigebiete Verbier, La Tzoumaz und Bruson.
Ihr gehören neben den Bahnen auch Gastrobetriebe, Sportgeschäfte, eine Skischule und ein Hotelkomplex. Die diversifizierte Struktur würde gut ins Beuteschema von Vail Resorts passen. Ihre Gebiete in Übersee sind ähnlich strukturiert.