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Das Schloss in 1767 Herrliberger
Zwischen Baldegger- und Hallwilersee liegt in der Talsohle auf einem rundlichen Hügel die Siedlung Richensee. Im Zentrum des ehemaligen Städtchens erhebt sich ein mächtiger Megalithturm, im Volksmund auch „Römerturm“ geheissen. Der Turm von Richensee wurde aus gewaltigen Findlingsblöcken, meist aus Granit, aufgemauert. Für den Mauerkern verwendeten die Bauleute kleinere Steine und einen Mörtelguss. Das Bauwerk bildet im Grundriss ein Quadrat von 11.4 Metern Seitenlänge. Die Eckquader sind mit einem senkrechten Kantenschlag versehen. Die Mauerdicke verjüngt sich von 3.7 Metern im Erdgeschoss auf 2.9 Metern im obersten Geschoss. Der ursprüngliche Eingang befindet sich in zehn Metern Höhe auf der Westseite. Ein frühgotisches Sandsteingewände mit leichtem Spitzbogen ziert die Aussenseite. Der ebenerdige Zugang ist in moderner Zeit eingebrochen worden. Unterhalb des Hocheingangs finden sich vier Balkenlöcher, die einst für die Tragkonstruktion der ehemaligen Holzlaube dienten. Diese war wohl nur mit Holz- oder Strickleitern zu erreichen. An der Ost- und Westfassade befinden sich in rund sieben Metern Höhe schmale Fensterschlitze. Ein Mauerabsatz im Innern des Gebäudes diente für die Bodenkonstruktion des Wohnraums. Den Turm hat man sich mit hölzernen, vorkragenden Aufbau, der die Wohnräume enthielt, vorzustellen. Sondierungen in den Jahren 1938/39 im Zusammenhang mit der Suche nach den ehemaligen Stadtmauern des Städtchens haben auch den Baugrund des Turms erfasst. Dabei liess sich feststellen, dass die Fundamente des mächtigen Bauwerks in rund einem Meter Tiefe direkt auf dem anstehenden Molassefelsen ruhen. Gleiches megalithisches Mauerwerk und fast identische Abmessungen weist auch das um dieselbe Zeit entstandene „Schlössli“ in Aarau auf.
Das altertümliche Aussehen und die mächtigen Steine des Turms von Richensee haben die forscher dazu verleitet, für dieses Bauwerk ein besonders hohes Alter anzunehmen. Die Versuche, den Megalithturm in die Zeit um die Jahrtausendwende oder gar in die römische Zeit zu datieren, entbehren indessen jeglicher gesicherter Grundlage. Gerade für den Turm von Richensee kommen uns die Urkunden für die Datierung zu Hilfe: 1237 wird in einem Vertrag zwischen den Grafen von Kyburg und dem Stift Beromünster der Bau einer grösseren Befestigung mitgeteilt. Hartmann IV von Kyburg und sein gleichnamiger Neffe erstatteten dem Stift widerrechtlich in Besitz genommene Güter zurück und erhielten dafür ein Grundstück bei Ermensee, auf welchem sie eine Befestigung errichten wollten. Bei dieser Befestigung handelte es sich ganz eindeutig um das nachmalige Städtchen Richensee. Die Gründung der Siedlung muss bald nach der Vertragsschliessung erfolgt sein, den seit 1242 ist der kyburgische Vogt Arnold von Richensee urkundlich belegt. Die erwähnte Urkunde enthält jedoch keinen Hinweis auf einen bereits bestehenden Wehrturm. Seine Errichtung könnte deshalb am ehesten mit der Stadtgründung um 1240 erfolgt sein.
Das kleine Städtchen erlebte seine Blütezeit um 1300 unter den Nachfolgern des Grafenhauses Kyburg, nämlich unter den Grafen von Habsburg. In der Nähe von Richensee liegen die Überreste der Feste Grünenberg, Stammsitz der gleichnamigen Herren. Diese hatten im 13. Jahrhundert die Oberhoheit des Hauses Kyburg am eigenen Leib zu spüren bekommen.
Im 14. Jahrhundert lehnten sie sich politisch eng an die Habsburger an und wurden zu deren eifrigsten Parteigängern. Richensee geriet als österreichisches Lehen unter die Kontrolle der Grünenberger. Bei den Eidgenossen machten sie sich bald als Inhaber verschiedener habsburgischer Vogteien verhasst. Johann der Grimme von Grünenberg zog im Sempacherkrieg mehrmals gegen die verbündeten eidgenössischen Orte.
Aus Angst vor Ausschreitungen der Luzerner Truppen traten die Einwohner des Städtchens Richensee ins Burgrecht mit Luzern. Die Eidgenossen legten eine Besatzung in die Mauern, welche bald die Verwüstung der beiden nahen Grünenberger Festen vornahm. Anfang Februar rückte aber eine österreichische Abteilung in Richensee ein. Hart war die Vergeltung der Österreicher. Der Ort ging in Flammen auf, und viele Eidgenossen wurden getötet. Die Klingenberger Chronik von etwa 1450 schildert den Überfall wie folgt: „... darnach bald in den selben tagen überfilend die Heren von Österrich und pranten dz stättli Richensee und namend was da was und erstachen wol zwai hundert aidgenossen, es verbran och vil lütt in der statt und ertruncken och vil jn dem see...“ Das geplünderte Richensee verlor sein Stadtrecht und sank wieder zum offenen Bauerndorf herab. Der Turm aber schient noch längere Zeit als Wohnung gedient zu haben, denn 1412 wurde da Bauwerk mit einem Zins von 18 Mütt Kernen und 6 Pfund Pfenningen belastet. 1415 wurde dies Siedlung bei der Eroberung des Aargaus luzernisch, aber 1425 wie andere Ortschaften der gegen dem von den Sieben Orten verwalteten Freiamt unterstellt. Die ehemalige Bedeutung für Richensee blieb für immer verloren. Auch der Turm wurde nicht mehr instand gesetzt.
1803 wurde das Dörfchen dem Kanton Luzern zugeschrieben, und 1897 löste man die noch 15 Wohnhäuser zählende Gemeinde auf und vereinigte sie mit dem benachbarten Hitzkirch. Um 1920 liess der Kanton Luzern störende neuzeitliche Anbauten am Turm entfernen und das Mauerwerk gründlich restaurieren. Der Turm ragt heute noch gut 16 Meter in die Höhe und erinnert als wohl erhaltene Ruine an die kyburgische Territorialpolitik des 12. Jahrhunderts.
Bibliographie