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Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ausbreitung von Malaria
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ausbreitung von Malaria
Der Klimawandel: Ein Überblick
Unter Klimawandel versteht man jede statistisch signifikante Veränderung des durchschnittlichen Zustands eines Klimas und seiner Höchst-/Tiefstwerte. Damit es sich um signifikante Veränderungen handelt, müssen diese über einen längeren Zeitraum, in der Regel Jahrzehnte oder länger, andauern.
Die Begriffe Klimawandel und globale Erwärmung werden häufig synonym verwendet. Der Begriff globale Erwärmung suggeriert jedoch, dass der Klimawandel lediglich zu einem Temperaturanstieg führt. In Wirklichkeit handelt es sich um ein breiteres Spektrum an Veränderungen, zu denen zunehmende Feuchtigkeit, extreme Wetterereignisse und natürlich wärmere Sommer gehören können.
Die globale Erwärmung ist ein sehr schleichender Prozess, der trotz des geringen Anstiegs von grosser Bedeutung ist.
Hierzu einige Ereignisse, die derzeit vom Temperaturanstieg der Erde betroffen sind:
- steigende Meeresspiegel
- Überschwemmung
- Veränderungen der Regenmuster
- Veränderungen in der Nahrungsmittelproduktion
Ein Bereich, der vermutlich durch den Klimawandel erheblich beeiflusst wird, ist die Verbreitung von durch Insekten übertragene Krankheiten, wie z. B. Malaria.
Was ist Malaria?
Malaria ist eine durch Mücken übertragene Krankheit, die von den weiblichen Anopheles-Mücken übertragen wird. Diese Mücken bevorzugen warme, nasse und feuchte Klimazonen. Das am stärksten von Malaria betroffene Gebiet ist Afrika, wo 94 % aller Malariafälle im Jahr 2020 auftraten.
Der Klimawandel führt jedoch dazu, dass in immer mehr Gebieten der Welt das ideale Klima für die Übertragung von Malaria herrscht, und dies über längere Zeiträume hinweg.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Malaria
Es wurden in der Vergangenheit bereits viele Fortschritte gemacht, um Menschen, die in Gebieten mit hohem Malariarisiko leben, zu schützen. Der Klimawandel droht nun jedoch diesen Fortschritten wieder entgegen zu wirken. Im Wesentlichen schaffen die Veränderungen von Temperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit eine Umgebung, in der Moskitos optimal gedeihen.
Zur Veranschaulichung des Ausmasses dieser steigenden Temperaturen, hat die NASA berichtet, dass neunzehn der wärmsten jemals aufgezeichneten Tage in der Zeit nach dem Jahr 2000 waren. Ausserdem waren 2020 und 2016 die wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Wenn Sie also das Gefühl haben, dass die letzten Sommer wärmer waren als sonst, haben Sie wahrscheinlich recht!
Geografische Risikobereiche im Wandel
Die steigenden Temperaturen und andere klimatische Veränderungen begünstigen die Lebensbedingungen der Stechmücken. Dies führt nicht nur zu einem Anstieg der Übertragungsfälle, sondern auch zu einer Veränderung der von Malaria betroffenen geografischen Gebiete.
An Orten, an denen zuvor kein Malariarisiko bestand, treten aktuell vermehrt Fälle auf, da das Klima dort für Mücken attraktiv geworden ist. Dies gilt insbesondere für höher gelegene Gebiete, in denen Temperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit zunehmen.
Schnellere Wachstumszyklen von Parasiten
Der Wachstumszyklus des Parasiten, der die Malaria verursacht, verändert sich jedoch auch in tiefer gelegenen Gebieten mit steigenden Temperaturen. Forschende stellten fest, dass Moskitos sich schneller mit Malaria infizieren, was bedeutet, dass sie die Krankheit auch schneller auf den Menschen übertragen könnten.
Wiederauftretende Malaria-Fälle
Bisher haben einige Studien über das Wiederauftreten der Malaria an Orten berichtet, an denen sie zuvor unter Kontrolle gewesen war. Dies führte dazu, dass die dort lebenden Bevölkerungsgruppen nun erneut anfällig für die Übertragung von Malaria sind.
Während in Regionen wie Afrika derzeit das grösste Malariarisiko besteht, gab es in Europa selbst einmal eine endemische Malaria. Sie wurde jedoch 1975 aufgrund verbesserter Be- und Entwässerung, besserer sozioökonomischer Bedingungen, Verhaltensänderungen, neuer landwirtschaftlicher Methoden und des Zugangs zu einer besseren Gesundheitsversorgung ausgerottet.
In letzter Zeit wurden erneut einige Fälle von Malaria in Europa gemeldet. Diese Fälle deuten auf eine erneute Ausbreitung der Malaria in diesen Regionen hin.
Im Jahr 2020 publizierten Forschende der Universität Zürich eine systematische Übersichtsarbeit über die Häufigkeit von Malaria in Europa aufgrund steigender Temperaturen. Die zehn Studien, die in dieser Übersichtsarbeit miteinbezogen wurden, sagten voraus, dass sich die Anopheles-Mücken aufgrund der steigenden Temperaturen nach Norden ausbreiten werden. Ausserdem prognostizierten sie, dass sich die Hochrisikosaison der Malaria auf sechs Monate verlängern werde.
Die indirekten Auswirkungen des Klimawandels
Zusätzlich zu den direkten Auswirkungen des Klimas auf die Malaria (durch steigende Temperaturen und Regen) gibt es auch indirekte Auswirkungen. Zu diesen indirekten Auswirkungen gehören unter anderem die vielen sozioökonomischen Faktoren, die das Malariarisiko beeinflussen. Diese indirekten Faktoren sind jedoch in hohem Masse unvorhersehbar und daher wenig erforscht.
Einer dieser mutmasslichen Faktoren sind extreme Wetterereignisse, wie tropische Wirbelstürme, Sturmfluten, starke Regenfälle und Überschwemmungen. Diese Wetterereignisse können die normalen Abläufe in der Gesellschaft erheblich stören und so den Zugang zu Diagnostika, Medikamenten oder Impfstoffen beeinträchtigen. Extreme Wetterereignisse können auch dazu führen, dass Strassen oder andere Transportlinien ausser Betrieb gesetzt werden. Dies kann den Transport dieser Hilfsgüter erschweren, insbesondere in abgelegenen ländlichen Gebieten.
Eine weitere indirekte Auswirkung des Klimawandels auf die Malariaübertragung hat mit der Bereitschaft zu tun, vorbeugende Massnahmen zu ergreifen. Zwei der am häufigsten empfohlenen Massnahmen sind das Tragen langer Kleidung (z. B. lange Ärmel und lange Hosen) und das Schlafen unter einem Moskitonetz in der Nacht. Steigende Temperaturen können diese Massnahmen jedoch sehr unattraktiv machen. Für diejenigen, die auf lange Ärmel, lange Hosen und Moskitonetze verzichten, ist das Risiko eines Moskitostichs deutlich erhöht.
Ausserdem nutzte die Risikokartierung bisher historische Muster, um das regionale Risiko von Malaria zu bestimmen und Sie zu informieren, wenn Sie an einen Ort mit hohem Malariarisiko reisen. Diese kann jedoch an Wirksamkeit verlieren, wenn die saisonalen Veränderungen weiterhin von den historischen Mustern abweichen.
Ein Wandel mit unklarem Ausgang
Der Temperaturanstieg kann sich auf verschiedenste Weisen auf uns auswirken, und dies nicht nur, weil wir zögern, uns nach draussen in die grosse Hitze zu begeben. Die steigende Temperatur der Erde führt zu Klimaveränderungen wie vermehrten Regenfällen und hoher Luftfeuchtigkeit, die günstigere Bedingungen für die Malaria-übertragenden Mücken bieten.
Die extremen Wetterereignisse, die mit dem Klimawandel einhergehen, können auch den Zugang zu Hilfsmitteln beeinträchtigen, die zur Diagnose, Behandlung und Vorbeugung von Malaria eingesetzt werden. Darüber hinaus kann der Klimawandel dazu führen, dass die Malaria in Regionen, in denen sie zuvor ausgerottet war, wie z. B. in Europa, wieder auftaucht.
Eine genaue Vorhersage, wie stark sich der Klimawandel auf Malaria auswirken wird, lässt sich nur schwer treffen. Aufgrund dieser Ungewissheit ist es für jeden jedoch wichtig, sich den möglichen Veränderungen in Malaria-Risikogebieten bewusst zu sein und sich vor Reisen entsprechend vorzubereiten.
Referenzen
- Klimawandel und Malaria - ein komplexes Verhältnis | Vereinte Nationen. (2022). Abgerufen am 11. Juli 2022, von https://www.un.org/en/chronicle/article/climate-change-and-malaria-complex-relationship
- Nissan, H., Ukawuba, I., & Thomson, M. (2021). Klimasicherheit einer Strategie zur Ausrottung von Malaria. Malaria Journal, 20(1). doi: 10.1186/s12936-021-03718-x
- NASA-Analyse zeigt, dass 2020 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen sein wird. (2022). Abgerufen am 11. Juli 2022, von https://www.nasa.gov/press-release/2020-tied-for-warmest-year-on-record-nasa-analysis-shows
- Nabi, S., & Qader, S. (2009). Ist es wahrscheinlich, dass die globale Erwärmung zu einem erhöhten Auftreten von Malaria führt? Libysche Zeitschrift für Medizin, 4(2). doi: 10.4176/090105
- Fischer, L., Gültekin, N., Kaelin, M., Fehr, J., & Schlagenhauf, P. (2020). Steigende Temperaturen und ihre Auswirkungen auf die Empfänglichkeit für Malariaübertragung in Europa: A systematic review. Travel Medicine And Infectious Disease, 36, 101815. doi: 10.1016/j.tmaid.2020.101815
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