Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/290

Noemi Lapzeson wurde in Argentinien geboren. Ihre ersten Tanzschritte machte sie an einer Ballettschule und zog als 16-Jährige nach New York, wo sie eine Ausbildung an der renommierten Julliard School absolvierte. Später landete sie in der Dance Company von Martha Graham. Dort habe sie viel gelernt, sagt die heute 77-Jährige.
Zunächst als Tänzerin in der Tanztruppe und später als Solotänzerin habe sie erfahren, was es heisst, wirklich hart zu arbeiten, ein Profi zu sein. Die Zeit in New York um Martha Graham war eine Zeit des Umbruchs.
Damals wurde der klassische Tanz revolutioniert – auch in New York. Weg vom braven Handlungsballett im Tutu, hin zu radikalen, neuen Kunstformen, zum Modern Dance.
Wegbereiterin in der Schweiz
Als Noemi Lapzeson dann 1980 nach Genf zog, unterrichtete sie zunächst das Ballet du Grand Théâtre und mischte die Tanz-Szene – auch politisch – auf.
Es war nicht ihre Absicht, eine Wegbereiterin des zeitgenössischen Tanzes in der Schweiz zu sein. Sie gründete zusammen mit ein paar Tänzerinnen und Tänzern ihre Compagnie Vertical Danse. Noemi Lapzeson schuf ein grosses Oeuvre, das in die zeitgenössische Tanzgeschichte eingegangen ist und internationalen Erfolg hatte.
Abstrakt und sinnlich
«Das oberflächlich Schöne hat mich dabei nie interessiert», sagt Noemi Lapzeson. Ihren Stücken, die immer ausschliesslich mit Live-Musik gezeigt wurden, lagen oft literarische Stoffe zu Grunde. Mal ein Gedicht von Heiner Müller oder eine Geschichte aus der griechischen Mythologie.
Die Musik spielte in ihren Choreografien auch immer eine Hauptrolle. Sie und ihre Truppe erforschten mit dem Tanz die Stoffe, die als Grundlage dienten, und schuf abstrakt-sinnliche Stücke.
Basta. Jetzt ist genug.
Die 77-Jährige hat vor etwas mehr als einem Jahr mit dem Arbeiten aufgehört. Trotzdem spürt sie den Tanz täglich. Das Leben als Tänzerin sei sehr hart gewesen, brutal zu ihrem Körper, deshalb habe sie bis heute unglaublich starke körperliche Schmerzen.
Jetzt ist genug. Sie tanze nicht mehr. Dennoch stellt Noemi Lapzeson den Tanz nicht in Frage. Denn Leben und Tanz sind für sie immer eins.
BAK vergibt Tanzpreise
|Das Bundesamt für Kultur verlieh am 12. Oktober in Fribourg zum dritten |
Mal die Schweizer Tanzpreise. Ausgezeichnet wurden neben Noemi Lapzeson die
Tessiner Gruppe AiEP von Claudio Prati und Ariella Vidach (Spezialpreis
Tanz), Marthe Krummenacher und Tamara Bacci (herausragende Tänzerinnen)
sowie Antibodies/Kiriakos Hadjiioannou («June Johnson Dance Prize»). Preise erhielten ausserdem die vier von der Eidgenössischen Jury für Tanz ausgewählten Gewinnerstücke des Wettbewerbs «Aktuelles Tanzschaffen».
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 13.10.2017, 6.50 Uhr.