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Der derzeitige Optimismus an den globalen Märkten hat zu einer vorübergehenden Überhitzung der Weltwirtschaft geführt. Die Lieferketten sind überlastet, die Rohstoffpreise stark gestiegen und die Lohnerwartungen haben sich zumindest in den USA erhöht. Auch wenn der Lohndruck aufgrund des Nachholbedarfs hoch bleiben dürfte, ist Sébastien Galy, Senior Macro Strategist bei Nordea Asset Management, der Ansicht, dass die Ursachen für die derzeitige Inflation mehrheitlich vorübergehend sind.
Inflation hat positiven Effekt auf Erträge
In einem Nachfrageaufschwung wirke sich der zyklische Teil der Inflation positiv auf die Unternehmensgewinne aus, da die Unternehmen die steigenden Kosten, beispielsweise für die ESG-Internalisierung, leicht weitergeben könnten. Das setze mittelfristig steigende Reallöhne oder die Erwartung derselben voraus. Unternehmen, die ihre Produktivität nur geringfügig steigern können, seien zudem gezwungen, die gestiegenen Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, insbesondere bei niedrigen Gewinnmargen und starker Nachfrage. "Unter dem Strich dürfte sich diese Inflation in höheren Gewinnen niederschlagen, was Aktieninvestments stützen dürfte", sagt Galy. "Wir sehen Chancen bei Value-Titeln bzw. zyklischen Aktien."
Ein vorübergehender Anstieg der Inflation
Die Probleme in den Lieferketten könnten nach Einschätzung Galys mehrere Monate andauern, während der Basiseffekt des letzten Jahres bei den Preisen nachlasse. Angesichts der expansiven Geldpolitik und folglich steigender Kosten würden die Unternehmen die Preise erhöhen, und es sei zu befürchten, dass sich die Inflation so selbst verstärke. "Unternehmen dürften anfangen, eine steigende Inflation zu antizipieren und die Preise noch höher anzusetzen, wodurch eine Inflationsspirale entsteht", sagt Galy. "Erste Anzeichen einer solchen Entwicklung zeigen sich in den USA." Auf der anderen Seite hätten einige Arbeitnehmer unter niedrigem Reallohnwachstum gelitten, oft schon seit Jahrzehnten. Ihre Lohnerwartungen scheinen sich nach Ansicht des Experten nun nach oben verschoben zu haben, unterstützt durch eine bessere Lage am Arbeitsmarkt. "Wir denken, dass der Inflationsdruck vorübergehend ist und nur der Lohndruck aufgrund des Nachholbedarfs erhöht bleiben wird", fasst Galy zusammen.
Verspätete Reaktionen von Fed & EZB – zum Vorteil für Aktien
Auch die US-Notenbank Fed habe bislang die Ansicht vertreten, dass der Inflationsdruck vorübergehend sei. Sie werde jedoch der Tatsache ins Auge sehen müssen, dass der Lohndruck erhöht sei und dies auch bleiben werde. Entsprechend habe sie zuletzt eine vorsichtigere Haltung eingenommen und zwei Zinserhöhungen im Jahr 2023 vorausgesagt. "Wir erwarten, dass sich diese weniger aggressive Haltung im dritten Quartal fortsetzt", sagt Galy.
Die Europäische Zentralbank (EZB) sei hingegen hauptsächlich mit vorübergehenden Inflationseffekten konfrontiert. "Sie kann es sich deshalb leisten, länger als die Fed ‹Geld zu drucken›, was den EUR/USDKurs nach unten treiben dürfte", argumentiert der Makro-Stratege. "Dennoch erwarten wir, dass die EZB ihre umfangreichen, Pandemie-bedingten Anleihekäufe im September zurückfahren wird."
Was bedeutet das für Investoren?
"Wir setzen auf globale Value-Aktien sowie auf Value- bzw. zyklische Aktien aus Europa", so Galy. Ebenfalls interessant sei börsenkotierte Infrastruktur. "Wenn die Wirtschaft überhitzt, sollten globale Infrastrukturaktien immer noch von den Staatsausgaben in Europa und den USA profitieren", sagt Galy. "Hierbei handelt es sich um eine defensive Anlageklasse, die derzeit mit historischen Abschlägen gehandelt wird und in hohem Masse von langfristigen Trends wie der Überalterung bestehender Infrastrukturanlagen, der Dekarbonisierung und dem Datenwachstum profitieren dürfte, was für das Wachstumspotenzial dieser Anlageklasse spricht." Angesichts einer erwarteten geldpolitischen Straffung lohne sich zudem ein Blick auf die Möglichkeiten zur Alpha-Generierung mit kurzlaufenden Pfandbriefen. "Im Gegensatz dazu sind wir vorsichtig bei Hochzinsanleihen in den USA, da sie aktuell perfekt bepreist sind", erläutert Galy.
Im dritten Quartal dürfte aus Sicht Galys das Umfeld für risikoreiche Anlagen noch immer weitgehend günstig sein. Die Angst vor einer anhaltend hohen Inflation könne dies jedoch ändern. Sie dürfte zu Volatilitätsschüben und Phasen mit niedrigeren Wachstumserwartungen führen. "All dies spricht weiterhin dafür, unter anderem flexible Lösungen zu halten, die sich schnell an neue Umstände anpassen können", resümiert der Stratege.
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