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«Ich habe aufgehört die Pille zu nehmen, weil ich spürte, wie ich häufig schlecht gelaunt war und auch die Lust nach Sex verschwand», erzählt die 27-jährige Lisa und ist damit nicht alleine. «Immer mehr junge Frauen haben eine gewisse Hormonmüdigkeit», sagt Christine Heinl, die in St.Gallen ihre Frauenarztpraxis hat. «Vor allem jüngere Frauen sagen, sie wollen eine sichere, aber hormonfreie Verhütung.» Die Pille werde häufiger hinterfragt.
Antibabypille führte zu Lungenembolien
Dieses Hinterfragen komme nicht von ungefähr. Spätestens seit dem «Fall Céline» haben viele Frauen «Schiss», die Antibabypille zu nehmen. Bei Céline handelt es sich um eine Frau, die im Januar 2008 mit 16 Jahren nach dem Einnehmen der Antibabypille «Yasmin» einen Zusammenbruch hatte. Die Ärzte diagnostizierten eine Lungenembolie, die zu einem Sauerstoffmangel und zu schweren Hirnschäden führte. Céline ist heute gelähmt und lebt in einem Heim für schwerbehinderte Menschen in Schaffhausen.
Céline ist nicht die einzige, die durch die Pille eine Lungenembolie bekam. In den Jahren 1990 bis Ende 2015 gab es in der Schweiz gemäss Swissmedic 16 Berichte über tödliche Lungenembolien, die in Zusammenhang mit der hormonellen Verhütung stehen, heisst es in einem Bericht des Tages Anzeigers.
Die Mutter von Céline spricht in einem Interview mit dem Schaffhauser Fernsehen über den Fall:
Selbstmordgefährdet durch Hormone
Lungenembolien sind aber nur eine Nebenwirkung: Eine Studie aus Dänemark, die im American Journal of Psychiatry veröffentlicht worden ist, stellte fest, dass Frauen, die hormonell verhüten, einem höheren Suizidrisiko ausgesetzt sind. Die Forscher haben Daten einer halben Million Frauen ausgewertet, bei denen knapp 7000 einen Selbstmordversuch unternahmen und 71 starben. Bei Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel nutzten, stellten die Forscher ein doppelt so hohes Risiko für Suizidversuche fest und ein dreifach so hohes Risiko für vollendeten Suizid als bei Frauen, die ganz auf eine hormonelle Verhütung verzichteten.
Auf Empfehlung der europäischen Arzneimittelagentur wird bei Antibabypillen deshalb in Zukunft auf ein erhöhtes Risiko bei Depressionen hingewiesen.
Ohne Pille mehr Lust auf Sex
Während Lungenembolien und Depressionen eher zu den speziellen Fällen gehören, ist das Verlieren der Lust am Sex ein gängigeres Problem, über das Frauen klagen. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass durch die hormonelle Verhütung der natürliche Zyklus der Frau unterdrückt wird. Die Verhütung kann den Eisprung verhindern und so zu einem Verlust der Libido führen. Ärzte berichten, dass Frauen rund um den Eisprung mehr Lust auf Sex haben. Dies hat mit dem höheren Östrogengehalt im Körper zu tun. Einige Frauen fühlen sich in dieser Zeit auch attraktiver oder reagieren sensibler auf Berührungen.
«Manchmal fühlen sich Frauen aktiver, kreativer oder offener als sonst», sagt die amerikanische Gynäkologin Eden Fromberg in einem Interview mit Bustle. Findet kein Eisprung statt, fällt dieses gesteigerte Lustgefühl weg.
Gel, das die Spermien verletzt
Alternativen zur hormonellen Verhütung gibt es mittlerweile zur Genüge, sagt Chrstine Heinl. In ihrer Praxis in St.Gallen berät sie junge Frauen immer wieder über Spiralen. «Viele wünschen sich eine Kupferspirale, die ganz ohne Hormone auskommt oder eine hormonelle Spirale, die deutlich weniger Hormone enthält.» Es gäbe aber auch immer mehr Frauen, die mit der Temperaturmethode verhüten oder bei denen der Mann ein Kondom benutzt.
Übrigens wird auch immer wieder an Verhütungsmöglichkeiten für den Mann herumgetüftelt. Als erfolgsversprechend gilt das Vasalgel. Dieses Gel wird durch eine Injektion im Samenleiter platziert. Das Gel setzt sich am Samenleiter fest und führt zur Unfruchtbarkeit der Spermien. Die Spermien können den Samenleiter nicht verlassen, ohne Verletzungen zu erleiden und so unfruchtbar zu werden. Diese Methode kommt ganz ohne Hormone aus und schützt für ungefähr zehn Jahre. Der Eileiter wird durch den Eingriff nicht verletzt, die Fruchtbarkeit geht deshalb nicht verloren.