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Bibliothek der Familie Garbald
Die Bibliothek der Familie Garbald ist von grosser kulturgeschichtlicher Bedeutung nicht nur für die Fondazione Garbald, sondern auch für das Bergell. Die mit rund 2000 Bänden sehr umfassende Sammlung gewährt einerseits einen Einblick in die Lesegewohnheiten einer gebildeten, liberal geprägten und kulturell engagierten Familie der sozialen Oberschicht aus der Zeit zwischen 1860 und 1950; andererseits gibt sie auch Aufschluss über die spezifischen Interessen der einzelnen Familienmitglieder.
Die Bibliothek umfasst Literatur aus dem 17. bis zum 20. Jahrhundert mit einem weiten thematischen Spektrum und in verschiedenen Sprachen wie Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Rätoromanisch, Griechisch, Lateinisch bis hin zu Sanskrit.
Die ältesten Bücher – Gesangbücher, Bibeln, Werke zur Rechtsgeschichte und Religion aus den Jahren 1610–1775 – haben Besitzvermerke der Vorfahren Agostino Garbalds. Der grössere Teil der Bibliothek wurde jedoch vom Ehepaar Garbald erworben. Viele Bände deutscher, aber auch italienischer Klassiker und aktueller naturwissenschaftlicher Literatur wurden von Agostino Garbald gekauft und mit in die Ehe gebracht. Kurz nach der Hochzeit 1861 kamen Nachschlagewerke hinzu.
Agostino Garbald sammelte und las von Berufs wegen Literatur zur Schweizer Geschichte, zu Recht und Politik. Er interessierte sich auch für Botanik, Bienenzucht und Meteorologie, wovon die naturwissenschaftliche Literatur zeugt.
Johanna Garbald-Gredig alias Silvia Andrea schreibt in «Autobiographisches», was sie gelesen und was sie als Schriftstellerin beeinflusst hat. Vorab Literatur, deutsche und italienische Klassiker, dann Geschichtliches über das alte Rätien, Graubünden und die Schweiz, und in späteren Jahren Philosophie und Bücher zu verschiedenen Weltreligionen.
Agostino und Johanna Garbald
Andrea Garbald
Margherita Garbald
Augusto Garbald
Den drei Kindern Andrea, Margherita, Augusto sind Lesebücher der Grundschule, Lehrbücher zu Mathematik, Italienisch, Biologie, Chemie und Musiknoten zuzuordnen. Andrea Garbald bildete sich am Fotografischen Laboratorium des Eidgenössischen Polytechnikums Zürich (der späteren ETH) und bei der Firma Ganz in Zürich zum Fotografen aus. Ihm ist v.a. die Literatur über Fotografie, Fototechnik, Fotochemie und Optik zuzuschreiben. Margherita Garbald hatte eine kunstgewerbliche Werkstatt und eine kleine private Haushaltschule in Castasegna und assistierte ihrem Bruder auch im Fotolabor. Ihre Interessenschwerpunkte waren Philosophie und Literatur, aber auch Zeichnen und Hauswirtschaft. Augusto Garbald studierte Medizin und wanderte in den 1930er Jahren nach Brasilien aus. Ihm ist hauptsächlich Literatur zur Medizin und Biologie zuzuschreiben, aber auch ein Teil der erhaltenen Reiseberichte.
2014 wurde der Bestand der Bibliothek unter der Leitung der Kantonsbibliothek Graubünden systematisch aufgenommen und in den Bündner Bibliotheksverbund integriert, www.opac.gr.ch. Dank eines Beitrags aus dem Lotteriefonds kann der Stiftungsrat durch Restaurierungsmassnahmen und Entsäuerung Bücher mit speziellem Bezug zur Familie Garbald langfristig sichern.
Die Garbald-Bibliothek ist öffentlich und für die Forschung zugänglich. Sie kann nach Absprache mit der Betriebsleitung der Villa Garbald vor Ort eingesehen werden.