Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03226.jsonl.gz/175

Die national und international bekannte Schriftstellerin Eveline Hasler, mit Wurzeln im Kanton Glarus, erhält den Glarner Kulturpreis 2023.
Eveline Hasler, 1933 in Glarus geboren, ist mit ihrem umfangreichen Werk eine vielfach ausgezeichnete und international bekannte Schriftstellerin. Sie studierte Psychologie und Geschichte an der Universität Freiburg und in Paris. Anschliessend war sie an ihrem Wohnsitz St. Gallen unter anderem Sekundar-Lehrerin. In den Sechziger und Siebzigerjahren verfasste sie Kinder- und Jugendbücher, danach auch zunehmend Lyrik und erzählerische Werke für Erwachsene. Ihre Romane behandeln meist Stoffe aus der Schweizer Geschichte. Haslers Werk ist vielfach ausgezeichnet. Beispielsweise ist die Arbeit „Komm wieder , Pepino“ auf der Ehrenliste des Hans-Christian-Andersen-Preises aufgeführt. Ihre Bücher sind in zwölf Sprachen übersetzt.
Mit der ersten historischen Biografie „Anna Göldin. Letzte Hexe, 1982“ hat sie das Leben der Anna beschrieben, die der Hexerei bezichtigt worden ist und am 13.6.1782 hingerichtet wurde. 2008 ist Anna Göldin, auch dank den Recherchearbeiten von Walter Hauser – bis 2022 – rehabilitiert worden. Andere, historische Persönlichkeiten, denen sich Eveline Hasler angenommen hat, sind Emilie Kempin-Spyri, die erste Schweizer Juristin mit Doktortitel, Rösy Fäh, eine Schweizerin, die in Frankreich hunderte jüdische Kinder vor den Nationalsozialisten beschützt hat, Julie Bondeli, die im Bern des 18. Jahrhunderts Salonnière war und den Mittelpunkt des kulturellen Lebens darstellte oder Henry Dunant, der Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Andere Figuren aus der Glarner Gesichte „Ibicaba. Das Paradies in den Köpfen“. Eine Geschichte von Auswanderern aus der Ostschweiz und dem Kleintal, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Versuch unternahmen, in Brasilien ein neues Leben zu beginnen. „Der Riese des Baums“ zeichnet das Leben des in Linthal geborenen Melchior Thut nach, der über 2,30 Meter grosse Riese, der auf Jahrmärkten zur Schau gestellt worden ist und in deutschen Heeren diente. Aktuell ist das Buch von 2020 „Liebe ist ewig, doch nicht immer beständig“. Ein Erzählband, der sich mit Schriftstellern und Künstlern:innen beschäftigt.
Evelin Haslers Werke basieren auf historischen Recherchen und beschäftigen sich mit Aussenseitern:innen der Gesellschaft. Es geht ihr um Figuren, die die Gesellschaft und ihre Zeit anders erlebt haben als die Mehrheit ihrer Zeitgenossen. So sind Widersprüche zum Zeitgeist entstanden. Es geht um Frauen, deren Umfeld nicht bereit oder nicht in der Lage war, ihre Fähigkeiten zu erkennen. Frauen, denen man die Anerkennung versagt hat und gegen alle Widerstände ankämpfen mussten. Die Autorin zeichnet sich durch ein feines Sensorium für gesellschaftliche Strukturen aus, für Macht und Ordnung der Geschlechter. Sie versteht es, diese durch die Geschichte ihrer Figuren offenzulegen. Es handelt sich um Themen, die auch 2022 noch aktuell sind. Ausgerechnet der Roman um Anna Göldin, hat die Autorin international bekannt und anerkannt gemacht. Die Glarner Obrigkeit hat mit ihren Versäumnissen wahrlich keinen „Blumentopf“ gewonnen. Heute ist der Kanton stolz auf „seine Autorin“, die mit ihrer Schaffenskraft auch im fortgeschrittenen Alter überzeugt.
Die 89-ig Jährige Autorin lebt in Ronco im Tessin. Der mit CHF 20 000.—dotierte Kulturpreis wird in Absprache mit der Autorin überreicht. Der Regierungsrat spricht ihr höchste Anerkennung aus und folgt dem Antrag der Glarner Kulturkommission.
Eduard Hauser