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14 Apr Corona auf Kolumbianisch
Über das Coronavirus wurde bereits viel berichtet. Aber wie ist es wohl, in Kolumbien eine Quarantäne durchstehen zu müssen?
Der kolumbianische Präsident Iván Duque kommunizierte am 20. März, dass eine einmonatige Quarantäne mit Start am 24. März für Kolumbien die beste Option sei, um die Ausbreitung von Covid-19 zu stoppen. Mittlerweile wurde die Massnahme bis zum 26. April verlängert.
Kolumbianerinnen und Kolumbianer decken sich vor Beginn der Quarantäne mit Lebensmitteln ein (Quelle: https://www.eltiempo.com/bogota/no-hay-desabastecimiento-de-alimentos-en-bogota-por-coronavirus-472718)
«Regeln» der Quarantäne in Kolumbien
Der Präsident ordnete folgende Massnahmen an, damit die Quarantäne erfolgreich umgesetzt werden konnte:
1. Hohe Bussen
Obwohl es schwierig erscheint, konnte die kolumbianische Nationalpolizei die fast 48 Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer bisher mehr oder weniger in ihren Häusern halten. Ein Grund dafür ist, dass jemandem, der ohne Bewilligung auf der Strasse erwischt wird, eine Busse von fast einer Million kolumbianischer Pesos (ca. 250 CHF) aufgebrummt wird.
2. Bewilligung «Pico y Cédula»
Das eigens für die Quarantäne geschaffene Bewilligungssystem wird «Pico y Cédula» genannt. Aufgrund der langen Warteschlagen vor den Supermärkten und Geldautomaten haben die Behörden verschiedener Städte diese einfache Strategie in Anlehnung an das Fahrverbot «Pico y Placa» eingeführt. Die Menschen können ihre Häuser für den Einkauf von Lebensmitteln, Bankgeschäfte und Arztbesuche nur dann verlassen, wenn die letzte Nummer ihres Ausweises mit dem entsprechenden Wochentag übereinstimmt. Mit der Endziffer 1 im Ausweis ist beispielsweise der Ausgang in der Stadt Barranquilla nur am Montag und Donnerstag möglich.
Ein Polizist kontrolliert vor dem Supermarkt die Ausweise der Personen für «Pico y Cédula» (Quelle: https://www.eltiempo.com/colombia/otras-ciudades/pico-y-cedula-en-colombia-por-cuarentena-480854)
3. Staatliche Unterstützung
Die ärmste Bevölkerungsgruppe sowie Personen, die durch die Krise ihren Job verloren haben, können staatliche Hilfe beantragen. Theoretisch. Selbst in der Quarantäne ist die Korruption in Kolumbien nicht verschwunden. In einem Grossauftrag, den die nationale Regierung an Unternehmen vergab, um auf lokaler Ebene Lebensmittel für die am stärksten betroffenen Personen bereitzustellen, sind auf mysteriöse Art und Weise Milliarden Pesos an Hilfsgütern «verloren» gegangen.[1]
Hat die Krise auch etwas Gutes?
Die harten Massnahmen und Rahmenbedingungen der Quarantäne fordern die Menschen im Kolumbien derzeit also ziemlich. Alles hat aber zwei Seiten und so gibt es auch durchaus Positives zu berichten:
1. Engere Familienbande
Auch wenn die Statistik zeigt, dass die Gewalt gegen Frauen während der Quarantäne zugenommen hat, konnte ebenfalls beobachtet werden, dass sich die Kommunikation in den Familien erheblich verbessert hat. Gezwungen zu sein, in den Familien gemeinsam unter einem Dach auszuharren und sich die Zeit mit Kartenspiel oder Fernsehschauen zu vertreiben, führte wohl auch dazu, dass man wieder häufiger vertiefte Gespräche geführt hat.
2. Stärkung des Glaubens
Die Menschen fühlen sich in ihrem Glauben gestärkt. Die Kolumbianerinnen und Kolumbianer beschreiben sich als Land mit einem heiligen Herzen. Dies hat damit zu tun, dass rund 90 % der Einwohner katholisch sind. Das tägliche Beten, dass die Krise bald aufhört, stärkt die Zuversicht der Menschen und gibt ihnen Halt.
3. Rückgang der Kriminalität
Kriminelle Delikte wie Raub, Todschlag und Überfälle sind während der Quarantäne stark zurückgegangen.[2]
Genau betrachtet, hat Covid-19 also nicht nur Schlechtes nach Kolumbien gebracht. Ich hoffe, dass die Krise bald vorbei ist, dass aber die positiven Seiten der Quarantäne auch zukünftig noch Bestand haben werden!
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