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Sie dominiert ihren Sport, ist hochintelligent und mit 18 Jahren ein international gefragtes Fashion-Model: Die Freestylerin Eileen Gu ist an den Olympischen Spielen das grosse Aushängeschild von Gastgeber China.
Plötzlich war sie da. Schlagartig rissen sich die Sponsoren um sie. Und sah sich China auf den Plan gerufen. Eileen Gu, von der FIS als Ailing Eileen Gu geführt, kam, sah und dominierte. Ohne grosse Anlaufzeit erklomm die zunächst in den US-Farben in Erscheinung getretene Luftakrobatin die Spitze der Freestyle-Szene. Olympiagold ist der nächste logische Schritt, aber jetzt für China.
Eine Karriere aus dem Reagenzglas ist es keineswegs. Eileen Gu kam im kalifornischen San Francisco als Tochter einer ausgewanderten chinesischen Studentin und eines Amerikaners auf die Welt. Eher zufällig kam sie zum Skifahren. «Meine Mutter hat aus Versehen eine Profi-Skifahrerin kreiert», sagte Gu in einem Interview mit dem Forbes Magazine.
Gus Mutter Yan studierte in New York, als sie zum ersten Mal auf Ski stand. Nach ihrem Umzug nach San Francisco an die Stanford University entwickelte sie eine Leidenschaft. Als ihre Tochter drei Jahre alt war, schickte sie diese in Lake Tahoe in die Skischule. Von da an wurde Gus Aufstieg zum Selbstläufer, obwohl sie zunächst nur an den Wochenenden Ski fuhr.
Senkrechtstart im Weltcup
Nach nationalen Erfolgen als Juniorin und ersten internationalen Auftritten auf Nachwuchsstufe trat Gu im November 2018 auf dem österreichischen Stubai-Gletscher zum ersten Mal im Weltcup an und wurde Elfte im Slopestyle. In ihrem zweiten Wettkampf auf höchster Stufe wurde sie zwei Monate später Zweite, den dritten gewann sie.
Seither sprang Gu kaum einmal nicht auf das Podest. Bei ihrer ersten Teilnahme an den X-Games, dem Gipfeltreffen der Freestyle-Szene in Aspen, gewann sie zweimal Gold und einmal Silber. Aus der ersten WM-Teilnahme resultierten kurz darauf zwei Goldmedaillen und eine bronzene. In dieser Saison siegte sie im Weltcup fünfmal, einmal wurde sie als Zweite geschlagen. Wiederholt verschob sie die Grenzen nach oben. Unter anderem sprang sie als erste Frau einen Double Cork 1440 – einen Zweifach-Salto mit vier vollen Umdrehungen.
Ein Global Player
Vom Nationenwechsel liess sich Gu 2019 überzeugen. Es sei ein unglaublich schwieriger Entscheid gewesen, räumte sie ein. Letztlich habe sie die Gelegenheit wahrnehmen wollen, viele Leute im Heimatland ihrer Mutter zu inspirieren und ihren Sport zu fördern. Ausserdem hoffe sie, Menschen zu vereinen und Freundschaften zwischen Nationen zu schmieden.
Selbstredend blieb der steile Aufstieg potenziellen Sponsoren nicht verborgen. Wer die perfekte Symbiose zwischen Style und Sport verkörpert, gleichzeitig den US- und den China-Markt bedient, erreicht ein riesiges Publikum. Mit 18 Jahren steht Gu unter anderem bei der renommierten Modelagentur IMG und beim potenten Sportförderer Red Bull unter Vertrag. Ausserdem hat sie sich an der Stanford University einen Studienplatz gesichert.
Ja, bei dem in einer Randsportart tätigen, zweisprachig aufgewachsenen und Piano spielenden Wunderkind handelt es sich zweifelsohne schon jetzt um einen Global Player.
An den Olympischen Spielen in Peking greift Gu in den nächsten Tagen dreimal nach Gold. Slopestyle, Halfpipe, Big Air – die Ausnahmekönnerin beherrscht alle Disziplinen. Die Frage ist weniger, ob Gu Gold gewinnt, sondern wie häufig.
sda