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Er ist gerade mal 31 Jahre alt, aber in seinem Tal und auch darüber hinaus wird er bereits als alter Politfuchs wahrgenommen. Philippe Nantermod hat immer davon geträumt, im eidgenössischen Parlament zu sitzen. Nach dem vierten Wahlkampf ist er nun dort und will sich als "sehr liberaler Rechter" einbringen.
"Soweit ich mich erinnern kann, wollte ich immer Politik machen. Und wenn ich Recht studiert und den Anwaltsberuf gewählt habe, so geschah das aus Liebe zur Politik." 1998, als Pascal Couchepin, der Grandseigneur des Walliser Freisinns, in den Bundesrat gewählt wurde, war Philippe Nantermodexterner Link erst 14-jährig. "Damals begann es, mich etwas zu reizen", erinnert sich der junge Mann, der den berühmten alt Bundesrat sehr bewundert. Und die Sache kam in Gang…
2003, als er gerade alt genug war, kandidierte er erstmals für den Nationalrat. Eine Erinnerung, die er mit Schalk erwähnt. "Seit ich das Wahlrecht habe, konnte ich bei allen Nationalratswahlen für mich stimmen. Bei den ersten zwei Malen, 2003 und 2007, war ich auf der Liste der Jungen und hatte logischerweise null Chancen. Diese Wahlkämpfe machten mir aber enorm Spass. Es ist die Gelegenheit, Ideen vorzubringen, zu debattieren und zu lernen, vor Publikum zu reden."
Philippe Nantermod
27. März 1984: Geboren in Morgins, einem Skiort am Eingang der Walliser Alpen, wo er noch heute wohnt.
1999: Mit 15 arbeitet er für einige Monate als Projektleiter für ein Informatikunternehmen in New York. 2001 gründete er eine kleine Software-Firma, die auch Internetseiten kreierte.
2001: Er wird Mitglied der Freisinnigen Partei des Kantons Wallis. Von 2007 – 2012 ist er Vizepräsident der Jungfreisinnigen der Schweiz und deren Ko-Präsident im Jahr darauf.
2009: Wahl in den Grossen Rat des Kantons Wallis.
2012: An der Universität Lausanne schliesst er mit dem Anwaltspatent ab. Heute hat er eine eigene Kanzlei in Sitten.
18. Oktober 2015: Er ergattert einen der acht Nationalratssitze, die dem Wallis zustehen.Infobox Ende
Und auch ein Weg, sich bekannt zu machen. 2009, mit 25 Jahren, schaffte er den Sprung in den Grossen Rat (Kantonsparlament) – mit dem besten Resultat seines Wahlbezirks. In der Zwischenzeit war die Freisinnige Partei zur FDP.Die Liberalen geworden, durch Zusammenschluss mit den historischen "Cousins", die auf der politischen Skala weiter rechts waren.
Eine Positionierung, die Philippe Nantermod perfekt entspricht. "Ich bin durch und durch liberal, was Vertrauen in die Individuen und ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Staat voraussetzt. Ich stelle die individuellen Freiheiten über die kollektiven Freiheiten."
Der gute Weg
In Sitten, im Grossen Rat, stösst er mit seinen Protesten, die er jeweils ohne Streitsucht, aber immer mit grosser Entschiedenheit und Überzeugungskraft vorträgt, auf grosse Resonanz. So kam es, dank ihm oder wegen ihm, dazu, dass das Wallis der einzige Kanton ist, in dem die Regierungsmitglieder mit der gleichen Rente wie andere Bürger in Pension gehen und keine lebenslängliche vom Staat erhalten.
Ein Vorschlag, den er trotz anfänglichem Widerstand von fast allen seinen Kollegen durchbrachte, wenn auch mit Mühe. Er ist auch der Initiant eines Gesetzes, das die Sozialhilfeempfänger, die dazu in der Lage sind, verpflichtet, in ihrer Gemeinde behilflich zu sein und Hand anzulegen.
Der scharfe Kritiker der obligatorischen Radio- und Fernsehgebühren für den Service public, hat auch bei der Schliessung der Raffinerie Tamoil in Collombey von sich reden gemacht. Das auf seinen Anstoss hin angenommene Gesetz erlaubt es dem Staat, vom Unternehmen zu verlangen, dass es sein Gelände nach Einstellung der Nutzung reinigen muss. Dies zeigt, dass ein kleiner Verstoss gegen die strikte liberale Doktrin nicht schlecht sein muss.
In seiner Herkunftsregion könnte aber ein Projekt, das von gewissen Leuten als verrückt bezeichnet wird, mit seinem Namen verknüpft werden: die Idee, die Eisenbahn müsse durch Monthey, die zweitgrösste Stadt im Kanton Wallis, fahren. Seit 150 Jahren befindet sich die Stadt ausserhalb des nationalen Eisenbahnnetzes. 2013 verlangte der junge Parlamentarier von der Kantonsregierung, eine neue Linienführung zu prüfen. Sein Argument: Der Zug muss dort durchfahren, wo die Leute sind. Die Agglomeration Monthey-Collombey zählt bereits 25'000 Einwohner und sollte bis 2030 auf rund 40'000 anwachsen.
"Es müssen lediglich 1,7 km neue Schienen verlegt, eine Brücke und ein Bahnhof gebaut werden, dies in einer fast vollständigen Agrarzone, und man sagt, das sei nicht möglich!?", bemerkt der engagierte Abgeordnete. "Es ist nur eine Frage des politischen Willens. Die lokalen Gewählten sind zu defätistisch. In Bern werde ich mich dafür einsetzen."
Effizient, transparent und hyperaktiv
"Monthey auf der Simplon-Strecke": Dieser Slogan stand diesen Herbst auf den Wahlplakaten. Und er überzeugte. Hatte Philippe Nantermod 2011 die Wahl noch knapp verfehlt, so wurde er in diesem Jahr mit dem besten Resultat der Walliser Freisinnigen und dem zweibesten unter den neu-gewählten Walliser Nationalräten gewählt.
Sein auffälliger und wirksamer Wahlkampf soll 75'000 Franken gekostet haben. Und die Herkunft der Gelder gibt der Freisinnige freimütig bekannt: 5000 stammen aus dem eigenen Sack, 14'000 von der Partei, der Rest von Spenden und verschiedenen Sponsoren, hauptsächlich von Privatpersonen und kleinen Unternehmen aus der Gegend. Aber, präzisiert er: "keine wichtigen Lobbys, keine Krankenkasse, keine Bank". Klar und transparent seine Aussage, wenn man daran denkt, dass die Schweiz von der Staatengruppe gegen Korruption (GRECO) des Europarats regelmässig wegen mangelnder Transparenz bei der Parteienfinanzierungexterner Link kritisiert wird.
Der junge Mann ist nicht nur äussert aktiv im Wahlkampf, sondern auch in den sozialen Medien. "Ich nutze sie, um eine Message zu verbreiten, um zu debattieren, zu diskutieren, um mich zu informieren. Ich suche auch regelmässig Informationen auf Twitter. Meine Freundin würde Ihnen sagen, ich sei total süchtig und müsse mich behandeln lassen. Ich aber finde, es geht noch so…"
"Digital native" und Brit-Pop-Fan
Ganz im Trend der Zeit hat sich Philippe Nantermod, der sich als eifrigen und wählerischen Leser bezeichnet, ein elektronisches Lesegerät (E-Book Reader) zugelegt: "Ich erinnere mich noch gut an diese Umzüge mit all diesen Kisten voller Bücher, die ich dann nicht mehr öffnete, oder vielleicht eine von zwanzig, und die so viel Platz umsonst einnehmen. Mit dem E-Reader hingegen hat man alles dabei." Sogar das Alte Testament, seine jetzige Lektüre. "Nach einer Reise nach Israel sagte ich mir, ich müsste es einmal lesen."
Neu im Parlament
Die Tochter von Christoph Blocher, ein kommunistischer Gemeindepräsident, der Chef der Weltwoche, eine junge Grüne: swissinfo.ch publiziert eine Auswahl von Porträts neuer Abgeordneter, die bei den Wahlen vom 18. Oktober 2015 ins Parlament gewählt wurden.
Entdecken Sie diese neuen Gesichter unter der Bundeshauskuppel, seien es Vertreterinnen oder Vertreter von Regierungsparteien oder kleiner Gruppierungen.Infobox Ende
Dieselbe "Dematerialisierung" bei der Musik, der grossen Passion seiner Jugend. Heute hat er noch hunderte CDs im Keller, aber die Musik, die er regelmässig hört, hat er in seiner "Cloud". Was die Musik betrifft, die er macht, so gehört dieses Kapitel eher der Vergangenheit an. Der grosse Bewunderer der Gruppe Oasis (er hat 20 ihrer Konzerte besucht, vor allem in England) hatte vor 15 Jahren "the Mondrians" gegründet, eine Brit-Pop-Band, die mit Tournees in Frankreich und Grossbritannien Karriere machte. "Irgendwann muss man eine Wahl treffen", seufzt er. Es komme aber immer noch vor, dass er auf seiner Gitarre spiele, "aber leider weniger oft, als ich möchte".
Herausforderungen
Sport hingegen treibt Philippe Nantermod so häufig wie möglich. Ihn, der wie alle Kinder der Berge quasi mit den Skiern an den Füssen geboren wurde, zieht es bei der geringsten Gelegenheit auf die Piste. Auch an Läufen nimmt er teil, so etwa am Berglauf Sierre-Zinal (31 km, 2200 m Austieg, 800 m Abstieg).
Seine grössten Ambitionen liegen jedoch ganz klar in der Politik. Das höchste Amt, das er anstrebt? Daran denke er nicht. Noch nicht? "Mein Ziel war es immer, Nationalrat zu werden. Jetzt, wo ich das bin, will ich ein guter Nationalrat werden."
(Übertragung aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein), swissinfo.ch