Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03627.jsonl.gz/197

Mitte November 2013 klopfte ein 54-jähriger Mann an die Tore des Kapuzinerklosters an der Murtengasse in Freiburg. Er gab sich als Schäfer aus und sagte, er habe soeben seine Herde verkauft, um seine finanziellen Probleme zu lösen. Nun möchte er sich eine Weile zurückziehen; er wolle erfahren, wie das Leben als Eremit sei. Er versprach der Gemeinschaft, er werde für sein Essen aufkommen. Der Mann betete mit den Kapuzinern und lebte bei ihnen bis Mitte März – als er plötzlich verschwand, samt seinem Zimmerschlüssel, der auch die Haupttüre und mehrere Räume im Kloster öffnet.
Die Kapuziner zeigten den Mann an, und der Freiburger Staatsanwalt Jean-Luc Mooser verurteilte ihn jetzt mittels Strafbefehl wegen Betrugs und Veruntreuung. Mooser hält fest, dass der angebliche Schäfer mit seinem Verhalten und mit seinen kaum überprüfbaren Angaben die Kapuziner absichtlich in die Irre geführt habe. «Dabei hat er vom altruistischen Charakter eines religiösen Ordens profitiert, mit dem Ziel, gratis leben zu können.»
Der Mann war bereits einmal wegen Zechprellerei verurteilt worden. Nun erhält er eine bedingte Freiheitsstrafe von 40 Tagen mit einer Bewährungsfrist von vier Jahren. Der Staatsanwalt hält fest, dass er die Freiheitsstrafe vor allem darum ausspricht, weil der Mann angesichts seiner finanziellen Situation kaum eine Geldstrafe bezahlen könne. So kann er auch beantragen, die zusätzliche Busse von 300 Franken als gemeinnützige Arbeit – das wären zwölf Stunden – abzuarbeiten. Die Verfahrenskosten von knapp 300 Franken hingegen muss er bezahlen.