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Von den Bibliotheken sind in erster Linie zu nennen: 1. Die im Jahr 1636 gegründete Stadtbibliothek Schaffhausen. Sie ist eine öffentliche Bibliothek von wissenschaftlichem Charakter, Eigentum der Stadt Schaffhausen u. wird durch eine vom Grossen Stadtrat ernannte Bibliothekkommission geleitet. Ihre Bändezahl beläuft sich auf etwa 40000. Sie besitzt auch eine Anzahl zurre Teil sehr wertvoller Handschriften u. Inkunabeln. Die Benutzung ist jedem Einwohner der Stadt gestattet; aber auch den Einwohnern des Kantons u. Auswärtigen gegenüber zeigt die Verwaltung der Bibliothek das bereitwilligste Entgegenkommen.
Die Benutzung von Seite des Publikums steigert sich von Jahr zu Jahr. 2. Die Ministerialbibliothek. Sie ist gleichsam die Fortsetzung der Bibliothek des früheren Klosters Allerheiligen zu Schaffhausen, jetzt die Bibliothek der Geistlichkeit des Kantons Schaffhausen. Sie besitzt ebenfalls eine Anzahl von wertvollen Manuskripten und Inkunabeln und berücksichtigt in ihren Neuanschaffungen vornehmlich die Gebiete der Theologie und Philosophie. Sie steht unter der Leitung des Konventes der Geistlichkeit des Kantons und wird durch die Beiträge der Geistlichen vermehrt; steht den Pfarrern des Kantons offen, zeigt sich aber auch andern Benutzern gegenüber sehr liberal. Sie hat übrigens ausschliesslich den Charakter einer wissenschaftlichen Bibliothek.
Nicht unbeträchtliche Bibliotheken besitzen auch die Regierung des Kantons, das Obergericht, das Staatsarchiv, das eine besondere Erwähnung verdient wegen seines überaus reichen und in vortrefflicher Weise geordneten mittelalterlichen Urkundenmaterials, ferner verschiedene Vereine, wie der historisch-antiquarische Verein, die naturforschende Gesellschaft, der Juristenverein, kantonale Offiziersverein, Gewerbeverein; der letztere hat ein eigenes Lesezimmer eingerichtet.
Dem grossen Publikum dienen mehrere Leihbibliotheken, Lesegesellschaften, die Sonntagslesesäle für Arbeiter, der Arbeiterbildungsverein etc. Die Kasinogesellschaft legt in ihrem Lesezimmer eine grosse Anzahl politischer und wissenschaftlicher Zeitungen auf und steht mit den ähnlichen Gesellschaften der andern Schweizerstädte in Verbindung. Von wissenschaftlichen Vereinen sind hervorzuheben der historisch-antiquarische Verein, der von Zeit zu Zeit als wissenschaftliche Publikation die Beiträge zur vaterländischen Geschichte (bis jetzt erschienen 7 Hefte) und in Verbindung mit dem Kunstverein Neujahrsblätter geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Inhalts herausgibt; er besitzt eine wertvolle Sammlung von Altertümern, die gegenwärtig im Gebäude der Stadtbibliothek aufgestellt ist.
Ferner die Museumsgesellschaft, die Eigentümerin des sehr reichhaltigen und interessanten naturhistorischen Museums, die naturforschende Gesellschaft, der Kunstverein mit einer zwar kleinen aber sehenswerten Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Kupferstichen im Imthurneum. Diese drei Sammlungen sind gegenwärtig in durchaus unzureichenden Lokalitäten aufgestellt; wenn das eifrige Bestreben der interessierten Kreise, für sie ein neues, gemeinsames und zweckentsprechendes Ausstellungsgebäude zu erlangen, in Erfüllung geht, dann erst werden diese Sammlungen der Stadt Schaffhausen zu ihrer vollen Wirkung kommen.
Eine kleine Sammlung von Altertümern besitzt auch das Staatsarchiv im «Onyxgewölbe», dessen berühmtestes Kabinettstück der «Schaffhauser Onyx», eine prächtige antike Gemme in sehr wertvoller Goldfassung aus dem 14. Jahrhundert, nach der Ueberlieferung ein Beutestück aus der Schlacht bei Grandson, ist. Bestimmte wissenschaftliche Ziele und Bildungszwecke verfolgen auch der Juristenverein, die kantonale ärztliche Gesellschaft, die medizinisch-pharmazeutische Gesellschaft, der kaufmännische Verein, dessen Handelsschule bereits erwähnt worden ist. Von musikalischen Vereinigungen ist vor allem hervorzuheben das Musikkollegium, das alljährlich eine Anzahl bedeutender Abonnementskonzerte im Imthurneum veranstaltet, die Stadtmusik Schaffhausen und eine grössere Anzahl von Gesangvereinen.
Von politischen Zeitungen erscheinen in Schaffhausen und dem benachbarten Neuhausen das Tageblatt, das Intelligenzblatt und das Echo vom Rheinfall, welch' letzteres in erster Linie die Interessen der Arbeiterschaft vertritt. Alle drei werden täglich ausgegeben. Zeitungen katholischer Richtung sind Der Arbeiter und die Schaffhauser Zeitung (letztere erst seit Dezember 1904). Als Fachzeitung wird in Schaffhausen herausgegeben die Schweizerische Milchzeitung. Für die amtlichen Publikationen gibt die Staatskanzlei wöchentlich einmal das Amtsblatt des Kantons Schaffhausen heraus; in seinen Beilagen enthält es die Protokolle der Sitzungen des Grossen Rates und des Regierungsrates.
[Prof. Dr. K. Henking.]
Organisation der Verwaltung.
Die innere Einrichtung der Gemeinde stützt sich auf die Kantonsverfassung, das Gemeindegesetz vom die Gemeindeverfassung vom und die Bürgerordnung vom Die Einwohnergemeinde ist die öffentlich-rechtliche Korporation für örtliche Zwecke, und es dient ihre Organisation zur Ausübung der eidgenössischen und kantonalen politischen Rechte. Alle Gemeindeangelegenheiten, welche das Gesetz nicht einem andern Gemeindeverband zuteilt, gehören in den Wirkungskreis der Einwohnergemeinde.
Stimmberechtigt in derselben sind die im Genuss des Aktivbürgerrechts befindlichen ortsansässigen Bürger und die kantonalen und schweizerischen Niedergelassenen. Die Organe der Gemeinde sind: die Gemeindeversammlung, der Einwohnerausschuss (fakultativ in den Gemeinden) und der Gemeinderat. Als Hauptgeschäfte der Gemeindeversammlung in innern Angelegenheiten sind zu nennen: die Wahlen der Mitglieder des Gemeinderates, des Einwohnerausschusses und der Ortsschulbehörde, wie auch des Friedensrichters;
die Festsetzung der jährlichen Voranschläge und die Abnahme der Jahresrechnungen, sowie die Aufsicht über die Verwaltung des Gemeindevermögens;
die Bewilligung von Steuern und neuen Ausgaben, die entweder eine einmalige Leistung von mehr als Fr. 30000 oder eine jährlich wiederkehrende von über Fr. 2000 verursachen.
Die erweiterte Gemeindeversammlung (Zuzug der kantonalen Aufenthalter bezw. aller ortsanwesenden Schweizerbürger) ist das Organ für kantonale bezw. eidgenössische Wahlen und Abstimmungen. Dem aus 36 Mitgliedern bestehenden Einwohnerausschuss oder Grossen Stadtrat kommt als Hauptaufgabe die unmittelbare Aufsicht über den Gemeindehaushalt und die Amtsverrichtungen des Gemeinderates zu, wie auch die Vorberatung aller an die Gemeindeversammlungen gelangenden Geschäfte. Er trifft sodann auch einige Wahlen, von denen diejenigen der Mitglieder der Aufsichtskommission über die städtischen Licht- und Wasserwerke, der Kommission für Durchführung des Markt- und Hausiergesetzes, der Elementarlehrer und einzelner Beamten hervorzuheben sind. Der Gemeinderat oder Kleine Stadtrat, welcher 5 Mitglieder zählt, besorgt mit den ihm beigegebenen und meist von ihm direkt gewählten Beamten den gesamten Haushalt der Einwohnergemeinde. Einzelne ihm zustehende Obliegenheiten, wie die Besorgung des Vormundschafts- und Teilungswesens, der Flurangelegenheiten, der ¶
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Steuereinschätzung etc. kann und hat er besonderen, aus seiner Mitte bestellten Kommissionen übertragen. Das Vermögen der sämtlichen Gemeindefonds betrug am Fr. 5117183. Die Gemeindesteuer à 3‰ vom Vermögen (Fr. 91892035), à ½‰ von den Gütern (2098899) und 3% vom Einkommen (Fr. 7580128) lieferte nach Abzug des dreifachen Existenzminimums auf jedem Steuerbetreffnis (Fr. 15) und Zuschlag der Personalsteuer für jeden männlichen Einwohner (Fr. 4) ein reines Jahreserträgnis von Fr. 443996.
Die Bürgergemeinde ist die öffentlich-rechtliche Korporation für den Bestand des ortsbürgerlichen Organismus, die Handhabung des bezüglichen Armenwesens und für korporative Zwecke. Ihre Organe sind: die Bürgerversammlung, der Bürgerausschuss und der Bürgerrat. Die Kompetenzen sind bezüglich der Verwaltung des Vermögens, worauf sich neben der Besorgung des bürgerlichen Armenwesens die Haupttätigkeit der Bürgergemeinde beschränkt, ähnlich ausgeschieden wie bei der Einwohnergemeinde. Ueber Neuaufnahmen von Bürgern, die seit 1892 wesentlich erleichtert worden sind, entscheidet auf Begutachtung durch den Bürgerausschuss die Bürgerversammlung, in welcher jeder ortsansässige, im Genuss des Aktivbürgerrechts befindliche Bürger stimmberechtigt ist.
In kirchlicher Beziehung zerfällt die Stadt in 3 Kirchgemeinden, welche die öffentlich-rechtlichen Korporationen für die Besorgung des Kirchenwesens bilden. Die Kirchgemeinden wählen ihre Geistlichen, ihren Kirchenstand und ihre Angestellten.
[Robert Harder.]
Gesellschaftliche Verhältnisse.
a) Zünfte. Aus der Zeit der Zunftverfassung, welche im Jahr 1411 eingeführt wurde, besitzt Schaffhausen noch 2 Gesellschaften und 10 Zünfte. Die erstern, aus den adeligen Geschlechtern gebildet, führen den Namen «zun Herren» und «zun Kaufleuten». Die letztern, als ursprüngliche Handwerksinnungen, benennen sich nach den Fischern, Gerbern, Krämern (zum «Rüden»),
Metzgern, Pfistern (Bäckern), Rebleuten, Schmieden, Schneidern, Schuhmachern und Webern. Heute haben diese Vereinigungen jede politische und gewerbliche Bedeutung verloren. Sie dienen nur noch der Geselligkeit und der ökonomischen Unterstützung ihrer Angehörigen sowohl, als auch gemeinnütziger Bestrebungen. Ihr Vermögen, dessen Grundstock in der Hauptsache aus dem Verkauf der Zunfthäuser (Stuben) und des Silbergeschirres besteht, ist steueramtlich insgesamt zu Fr. 1200000 deklariert. Es zerfällt in die Gesellschaftsfonds, aus deren Erträgnissen die gesellschaftlichen Anlässe und die Beiträge zu wohltätigen und gemeinnützigen Zwecken bestritten werden, und die Spezialfonds.
Aus den Zinsen der letztern, die in einigen Fällen alte Stiftungen sind, werden die Witwen und Waisen, die älteren Genossen und ledigen Töchter, wie auch unbemittelte Angehörige unterstützt oder Studierende mit Stipendien ausgestattet. Die Berechtigung zur Erwerbung des Gesellschafts- oder Zunftrechts wird vererbt und dieses selbst erlangt durch Entrichtung der «Praestanda» oder des «Schildgeldes» (Fr. 10-15). Aufnahmen von Angehörigen neuer Familien sind sehr selten und meist an hohe Einkaufssummen und verschiedene sonstige Bedingungen geknüpft.
[Robert Harder.]
b) Zum neueren Vereins- und Gesellschaftswesen übergehend, nennen wir - unter Rückweisung auf die mehr kantonalen - die hervorragendsten Gesellschaften und Vereine, die der Stadt allein angehören. Sowohl an Alter als an Bedeutung steht die Hilfsgesellschaft voran, deren Gründung in das Jahr 1816 zurückreicht und die gegenwärtig ein Vermögen von Fr. 99400 besitzt. Sie leistet bedeutende jährliche Beiträge an die Armen- und Krankenpflege und an eine Reihe von wohltätigen Instituten, wie Kinderspital, Krippe, Asyl Schönbühl u. a. Sie hat 1817 eine Ersparniskasse und 1893 den Kinderspital gegründet.
Gleich ehrwürdig steht neben ihr der Verein zur Unterstützung bürgerlicher Blinder und Augenkranker, der 1904 seinen 93. Jahresbericht herausgegeben hat, damals 76 Mitglieder zählte und ein reines Vermögen von Fr. 115457 hatte. Seit mehreren Jahren werden auch nicht-bürgerliche Einwohner berücksichtigt. Der Verein hat eine Augenklinik eingerichtet und verabreicht schöne Unterstützungen an Blinde. Unter den Vereinen von allgemein-volkswirtschaftlicher Bedeutung, zu welchen die verschiedenen Versicherungsanstalten und Sparvereine gehören, wirkt die schon 1855 gegründete «Biene» noch heute sehr wohltätig; ebenso die Ersparniskasse der Hilfsgesellschaft und die Spar- und Leihkasse Schaffhausen. An sie reihen sich die verschiedenen Witwen- und Waisenkassen, der allgemeine Lebensmittelverein (1854), der Konsumverein (1873) und der Verein zur Erstellung billiger Wohnhäuser (1892). Eine weiteren Klasse bilden die Vereine für Kleinkinderbewahranstalten und Kindergärten (1875), der Verein für Ferienversorgung armer kränklicher Schulkinder (1879) mit einem Ferienheim bei Büttenhard, jetzt unter der Protektion der gemeinnützigen Gesellschaft stehend; ferner der Marthaverein mit dem Mädchenheim (1892), der Verein gegen die Tierquälerei (1863), für Vogelschutz etc. Unter den Vereinen religiös-kirchlicher Natur datieren die ältesten, nämlich die Bibel- und die Missionsgesellschaft, schon aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts (s. die geschichtlichen Darstellungen von Kirchhofer und Beck).
Von hervorragender Bedeutung ist die 1873 gegründete Evangelische Gesellschaft mit ihren Werken (Vereinshaus mit Hospiz, Bücherdepot und Asyl Schönbühl). Den Vereinen zu allgemeinen und speziellen Bildungszwecken, die im Art. Kanton Schaffhausen bereits erwähnt worden sind, und denen wir noch den deutschen Arbeiterbildungsverein und die zahlreichen Lesezirkel der Stadt beigesellen, reihen wir diejenigen an, welche sich die Erhaltung der schaffhauserischen Altertümer zum Ziel gesetzt haben, unter welchen der 1840 gegründete Munotverein besonders erwähnt werden muss.
Von den vorwiegend die Geselligkeit pflegenden Vereinen ist der älteste die «Gesellschaft der Freunde», jetzt Kasino-Gesellschaft genannt; ihre Gründung fällt in das Jahr 1806. Die Geselligkeit, wie sie ja in dem alten behäbigen Bürgertum der Städte ihre wohligste Blüte trieb, wird von dem Schaffhauser Bürger, dessen Stadt auch im Aeusseren noch jenen alten gemütlichen Charakter trägt, heute noch mit besonderer Liebe gepflegt, wovon die sömmerlichen Abendunterhaltungen auf der Munotzinne das schönste Zeugnis ablegen.
[Dr. C. A. Bæchtold.]
Wohlfahrtseinrichtungen.
Dass auch in dieser Beziehung die Stadt nicht stiefmütterlich bedacht ist, hat schon der rasche Blick auf das Schaffhauser Vereinswesen zu erkennen gegeben. Wir nennen zuerst die bürgerlichen Anstalten dieser Art. Die älteste Stiftung ist der Bürgerspital, der in der Reformationszeit sein früheres notdürftiges Lokal mit dem ehemaligen Frauenkloster ¶