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Das Parlament des Kantons Zürich will die ausländischen Studierenden stärker zur Kasse bitten, um die hohen Ausgaben in der Hochschulbildung zu bremsen. Die Diskussion um höhere Gebüren für ausländische Studierende wird schweizweit geführt.Dieser Inhalt wurde am 19. April 2010 - 15:35 publiziert
Je nach Zustand der Finanzen der Kantone taucht die Frage der Gebührenerhöhungen für Studierende immer wieder auf. In der Schweiz gehören die Universitäten zu den Kantonen. Nur die zwei Technischen Hochschulen, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) und die Ecole Polytechnique Féderale Lausanne (EPFL), sind dem Bund unterstellt.
Zur Zeit stehen die ausländischen Studierenden im Zentrum der Diskussion. In Zürich sind in diesem Jahr an der Uni und der ETH 28% ausländische Studierende immatrikuliert. Die Forderung nach einer Gebührenerhöhung dürfte sich auch in andern Kantonen konkretisieren, wenn sie in Zürich umgesetzt wird.
Am 19. April hat das Zürcher Parlament zwei Postulate der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und der Christlich demokratischen Volkspartei (CVP) überwiesen, die eine Erhöhung der Studiengebühren für junge Ausländer fordern.
Die Unterzeichnenden des Postulats erinnern an einen föderalistischen Mechanismus. Die Kantone verrechnen einander die Kosten für die ausserkantonalen Studierenden.
So bringt ein Jurassier, der in Zürich studiert, seinem Gastkanton 10'000 Franken bei einem geisteswissenschaftlichen Studium, 24'400 Franken bei einem naturwissenschaftlichen Studium und 46'800 Franken bei einem Medizinstudium.
Eine studierende Person aus dem Ausland hingegen bezahlt den Kantonen nur die Immatrikulationsgebühren, die zwischen 1000 und 2340 Franken liegen.
Zürich unter Beobachtung
Laut der NZZ am Sonntag sind es insgesamt 560 Millionen Franken, die die Kantone und die Eidgenossenschaft 2008 bezahlt haben, um die Differenz zwischen den Immatrikulationsgebühren und den wirklichen Kosten, die die ausländischen Studierenden verursachen, zu begleichen.
"Wir wissen nicht, wie sie auf diese Zahl gekommen sind. Wie viel es wirklich ist, ist sehr schwierig zu berechnen", kommentiert Valérie Clerc, stellvertretende Generalsekretärin der Schweizerischen Universitätskonferenz (SUK).
Die SUK hat zwar keine eigene Schätzung. Clerc bestätigt aber, dass die Summe, welche die Eidgenossenschaft den Kantonen für die ausländischen Studierenden überweist, nicht mehr ausreicht. Es sind 52 Millionen Franken oder 10% der Basissubventionen.
An der nächsten Sitzung der SUK im Juni werde der Entscheid, den das Zürcher Parlemant gefällt hat, von den anderen Kantonen kritisch angeschaut werden.
In Basel zum Beispiel hat die SVP ebenfalls eine parlamentarische Interpellation eingereicht, welche eine Erhöhung der Gebühren für ausländische Studierende vorsieht.
Was den Kanton Waadt betrifft, zeigt sich, dass eine Erhöhung nicht einfach so möglich ist. Im Jahr 2008, hat die Eidgenössiche Technische Hochschule Lausanne (EPFL) versucht, die Gebühren zu erhöhen, sowohl für die Schweizerinnen und Schweizer als auch für die aus Europa stammenden Studierenden, und noch mehr für die aussereuropäischen Studierenden. Sie musste schliesslich darauf verzichten.
"Eine Erhöhung der Gebühren ruft oft grossen Widerstand hervor bei den Studierenden und den Universitäten, und die Kantone krebsen dann zurück", unterstreicht Valérie Clerc.
Nach der Mobilisierung der Studierenden im Herbst 2009 gegen die Kommerzialisierung der Studien schätzt der Verband der Schweizer Studierenden (VSS), dass eine Erhöhung der Studiengebühren neuen Widerstand hervorrufen dürfte.
"Höhere Gebühren gefährden die Chanchengleichheit und dies ist besonders im Rahmen der Bologna-Reform absurd", sagt Aline Burki, Vertretin des VSS. Sie ist der Meinung, dass es in dieser Frage wünschenswert wäre, wenn ein Lastenausgleich zwischen den Kantonen zustande käme, oder sogar zwischen den Staaten.
Eine nationale Diskussion
Auf der eidgenössischen Ebene wird die Frage höherer Gebühren für ausländische Studierende ein Thema bleiben. Bereits ist eine Arbeitsgruppe zusammengestellt worden unter der Leitung von CVP-Nationalrat Gerhard Pfister.
Er wird die Einführung eines neuen Gebührenmodells an der ETHZ in der Sommersession fordern. Ein Modell, das von den Universitäten übernommen werden könnte.
Als Diskussionsrahmen könnte in den eidgenössischen Kammern das neue Hochschulgesetz dienen. Aber die schwierige Frage der Aufteilung der Kompetenzen zwischen der Eidgenossenschaft und den Kantonen könnte das Projekt in die Länge ziehen, denn auch ohne die Frage der Gebühren sind die politischen Positionen sehr verschieden.
Auf der politisch rechten Seite ist es nicht ausgeschlossen, dass sich einige für das Modell von Gerhard Pfister einsetzen werden. Aber die Freisinnigen (FDP.Die Liberalen) zum Beispiel zeigen sich skeptisch.
Befragt vom Tages-Anzeiger zeigen sie sich besorgt, dass eine Erhöhung der Gebühren ausländische Studierende abschrecken würde und die europäischen Länder Gegenmassnahmen ergreifen könnten. Die politische Linke teilt diese Bedenken und bekennt sich zum Prinzip der Demokratisierung der Hochschulausbildungen.
In Akademikerkreisen ist man sich einig, dass man ausländische Studierende ausbilden will. Die Höhe der Gebühren hingegen ruft Meinungsverschiedenheiten hervor.
Der Präsident der Konferenz der Hochschulrektoren (HRK), Antonio Loprieno der Uni Basel, hat sich dahingehend geäussert, dass die Massnahme nur bei den Masterstudiengängen und den Studierenden aus dem nicht-europäischen Ausland eingeführt werden sollen.
In der Westschweiz hingegen ist der Widerstand deutlich spürbar. Für Yves Flückiger, Vizerektor der Uni Genf, ist die Entscheidung der Zürcher "nicht die richtige Antwort auf ein nachvollziehbares Problem der Steuerordnung".
Nach ihm wäre es vernünftiger, die Integration der Studierenden in die Wirtschaft zu fördern, wenn sie einmal ihre Ausbildung abgeschlossen haben. "Um die Investitionen zurückzuerhalten", meint er," muss das menschliche Kapital Früchte hervorbringen."
Carole Waelti, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Französischen von Eveline Kobler)
Die umstrittenen Gebühren
In der Schweiz wie auch in den meisten europäischen Ländern sind die Gebühren für die Hochschulen relativ tief.
Sie sind an den meisten Unis für die ausländischen Studierenden nicht höher als für die einheimischen. Die Differenz ist nicht sehr gross. An der Uni St. Gallen beträgt sie 300 Franken.
Nur an der Uni im Tessin bezahlen die ausländischen Studierenden das Doppelte: 4000 Franken für Einheimische, 8000 für Ausländerinnen und Ausländer.
Zum Vergleich: einige deutsche Universitäten verlangen gar keine Gebühren, andere Beträge,die bis zu 3900 ansteigen können. In Frankreich überschreiten die Gebühren 2000 Franken an den öffentlichen Universitäten nicht.
Die Fachhochschulen in der Schweiz verlangen seit Jahren verschieden hohe Gebüren für ausländische Studierende. An privaten Schulen ist dies eine gängige Praxis, zum beispiel an der Hotelfachschule.
Immer mehr ausländische Studierende
In den letzten dreissig Jahren , besonders im Rahmen der Bologna-Reform, ist die Zahl der ausländischen Stuidierenden in der Schweiz rapide angewachsen
1980 studierten in der Schweiz auf 8191 ausländische Studierende, von total 61373 immatrikulierten Studierenden (13.3%)
2000 waren es 13'987, von 96673 Studierenden (14,4%)
2009 waren es 26867 von 126940 (21.1%)
Es sind vor allem Deutsche (31%), die in der Schweiz studieren. Nach ihnen kommen die Franzosen (11,3%) und die Italiener (8,6%). Studierenden aus anderen Kontinenten kamen aus Asien (10,2%), vor denen aus Amerika (7,5%) und Afrika (5,6%).
Die Universität Genf zog 2009 am meisten ausländische Studierende an, 4736, vor der ETH Zürich (4382), der Uni Zürich (3180) und der EPF in Lausanne (2947).
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