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Wussten Sie, dass Amazonien während des Gummi-Booms (1879 – 1912) für fast 40% des brasilianischen Exportvolumens verantwortlich war?
Manaus war auch die Weltmetropole für den An- und Verkauf von Diamanten, und sein Theater, mit 681 Sitzplätzen, wurde in Europa angefertigt und dann in Einzelteilen per Schiff herüber gebracht, um vor Ort montiert zu werden. Unter einer Sonnenhitze von 40 Grad schritten die reichen Herren im Anzug, mit Fliege und Weste, einher und ahmten die Engländer nach, während die Damen sich Modellkleider aus Paris kommen liessen.
…dass es in Amazonien einen Baum gibt, der Treibstoff produziert?
Der “Louro Inamoim” wird von den Waldbewohnern auch “Gasolin-Baum” genannt. Er kann eine Höhe von 25 Metern erreichen und produziert eine grünliche Flüssigkeit, aus der man einen Treibstoff gewinnen kann, der dem Benzin sehr ähnlich ist. Allerdings gibt es noch keine Untersuchungsergebnisse über seine mögliche Anwendung.
…dass es in Amazonien eine Skorpion-Spezies gibt, deren Stich beim Opfer ähnliche Zuckungen und Krämpfe hervorruft, wie bei einem Elektroschock?
Das ist kein Mythos. Wissenschaftler von der „Universidade do Pará“ haben diese Skorpionart in Santarém und Ituiutaba geortet. Während 24 Stunden nach dem Stich erlitt das menschliche Opfer Muskelkrämpfe am gesamten Körper – so als ob man seinen Finger in eine Steckdose von 220 Volt hineingesteckt hätte.
.…dass verschiedene Flüsse Amazoniens bis zur Höhe eines achtstöckigen Gebäudes anschwellen können?
In einigen Flüssen des Amazonasgebiets kann der unterschiedliche Wasserstand zwischen der Trockenperiode und der Regenzeit einem Gebäude von acht Stockwerken entsprechen. Deshalb hat man viele Wohnhäuser, Geschäfte, Lagerhallen und sogar Tankstellen schwimmend konstruiert, auf dicken Baumstämmen und am Ufer vertäut. Während der Überschwemmungen steigen sie zusammen mit der Flut hoch. Es gibt sogar schwimmende Viehpferche und Gärten. Wenn die Hausfrau also ein paar Kräuter braucht, um den Fisch zu würzen, geht sie zur Haustür und zieht den Gemüsegarten, der ein paar Meter weiter auf dem Wasser dümpelt, an einem Strick zu sich heran.
…dass die erste Riesenbaustelle in Amazonien die Konstruktion der Eisenbahn “Madeira-Mamoré” in Rondônia gewesen ist?
Brasilien erfüllte damit einen Vertrag gegenüber dem Nachbarland Bolivien: die Bahn (mit der Bolivien seine Exportgüter über Porto Velho nach Manaus und dann den Amazonas stromab bis zum Meer in Belém transportieren könnte) gegen die Überlassung des Territoriums “Acre” (heute ein brasilianischer Bundesstaat). Während dem Bau der Schienenstrecke (zwischen 1907 und 1912) starben mehr als 6.000 Arbeiter an Malaria – ein geflügeltes Wort sagt: “für jede Schwelle ein Leben”. Heute werden nur noch 7 Kilometer von der 366 km langen Strecke touristisch genutzt.
…dass in den 60er Jahren der Vorschlag eines amerikanischen Futurologen die Brasilianer gegen die USA aufbrachte, er hiess Herman Kahn und kam vom Hudson Institute?
Sein Vorschlag: sieben riesige Stauseen im Amazonasbecken anzulegen, um den wirtschaftlichen Aufschwung zwischen den Ländern Südamerikas und ausländischen Investoren zu stimulieren – und zwar auf dem Gebiet der Fischerei, den Bodenschätzen und des Erdöls der Region. In den Ohren der damaligen brasilianischen Militärregierung klang dies nach “Internationalisierung Amazoniens”, und die Gegenreaktionen waren heftig. Einige der damals von den Militärs begonnenen “Pharaonischen Projekte” in Amazonien wurden getrieben von diesem drohenden Hintergrund: “Integrar para não entregar” (Integrieren, um nicht zu abzugeben) war der offizielle brasilianische Slogan jener Zeit.
…dass der Amazonas mehr Wasser, als alle Flüsse Europas zusammengenommen transportiert?
Der Amazonas hat tausend Nebenarme, und einige – wie der Rio Madeira, der Tapajós oder der Xingú – zählen selbst zu den mächtigsten Strömen der Erde. Die Grösse des Amazonasbeckens entspricht dem Dreieck Moskau-London-Dakar oder der Fläche Australiens. Sieben Millionen Quadratkilometer.
…dass in nur 12 Monaten 1,3 Milliarden Bäume in Amazonien abgeholzt wurden?
Die nicht-staatliche Organisation “Conservação Internacional“ hat die Abholzung Amazoniens einmal der Population von Säugetieren und Vögeln der Region gegenüber gestellt. Die Studie legte den Zeitraum zwischen August 2003 und August 2004 zugrunde, in dem allein 26.000 Quadratkilometer an Wald abgeholzt wurden.
In nur zwölf Monaten wurden 1,3 Milliarden Bäume in Amazonien abgeholzt – das entspricht zirka 0,7% des gesamten Amazonas-Regenwaldes.
…dass uns das nachdenklich stimmen sollte:
Wie aus Geräuschen der Abholzung ein Musikstück wird
In Konsequenz verschwanden…
… 32,6 Millionen Vögel – das entspricht 0,5% der Amazonas-Population.
… 1,1 Millionen Affen – das entspricht 0,5% der Amazonas-Population.
… 3,1 Millionen anderer Säugetiere = 0,9% ihrer Population in Amazonien.
… dass es allein in Amazonien 300 verschiedene Arten von Reptilien gibt?
Wir haben uns gedacht, dass Sie, der (oder die) Sie weder ein Eidechsen- noch Schlangen-Fan sind, und vielleicht auch keine Kaimane oder Alligatoren lieben, das wissen sollten.
…dass die ältesten archäologischen Funde, die auf eine Existenz von Menschen in Amazonien hinweisen, wenigstens 12.000 Jahre alt sind?
…dass von den 483 Säugetierarten, die es in Brasilien gibt, 342 in Amazonien leben?
Das sind 67%. Allein von den 141 Fledermaus-Arten leben 125 im Amazonasgebiet.
…dass eigentlich die “hässlichsten” Ströme Amazoniens, nämlich die mit lehmig trübem Wasser, die lebensspendenden für die Region sind?
Sie führen Sedimente mit sich, welche sie aus den Anden und vielen anderen Regionen herausgespült haben, die sie durcheilen. Während der zahlreichen Überschwemmungen lagern sie diese Sedimente auf den Böden ab und düngen damit viele Quadratkilometer Boden um ihre Ufer herum. Und auf ihnen legen die Uferbewohner dann ihre Pflanzungen an, wenn das Wasser zurückgeht. Ausserdem gibt es in solchen Flüssen mehr Fische.
…dass der Amazonas so enorme Erd- und Sandmassen ins Meer spült, dass die Küste des Bundesstaates Amapá und die von Französisch Guyana zusehends wachsen?
Und diese Vergrösserung der Landmasse – die man bisher noch nicht exakt vermessen hat – ist bereits auf Satellitenfotos klar zu erkennen.
…dass die Marajó-Insel eigentlich ein Archipel ist?
Die genaue Zahl der Inseln hat noch nie jemand exakt zählen können, aber es sind mindestens 2.000 – und die besetzen ein Areal von 50.000 Quadratkilometern, grösser als die Schweiz.
…dass Haie und andere Meeresfische mit einer gewissen Regelmässigkeit in den Amazonasstrom eindringen?
Sie pflanzen sich im Süsswasser zwar nicht fort, können sich aber relativ gut in diesem Ambiente halten. Man hat schon Haifische oben in Iquitos/Peru gefangen – 4.000 Kilometer vom Meer entfernt.
…dass die Insekten mit 30 Millionen Arten die grösste Gruppe von Lebewesen auf unserem Planeten bilden?
Allerdings ohne Bakterien und Mikroorganismen mitzuzählen. In Amazonien hält sich ein Drittel aller Insekten unseres Planeten auf!
…dass der grösste Teil der Erde unter dem Amazonas-Regenwald für landwirtschaftliche Nutzung nicht taugt?
Aber es gibt so genannte “Manchas de terra rocha” (Streifen mit roter Erde), die sehr fruchtbar sein können und von Einheimischen entsprechend genutzt werden.
…dass der berühmte brasilianische Dichter und Schriftsteller Euclides da Cunha auch seine Gefühle und persönlichen Eindrücke gegenüber dem Amazonas-Regenwald ausgedrückt hat?
Schon bekannt durch sein Epos “Os Sert” (Die Sertões” – trockenes Inland des Nordostens), reiste er auf den Flüssen Rio Purus, Rio Juruá und Rio Acre durch den Regenwald (1905). Seine Überraschung hielt er folgendermassen fest:
“Der Mensch ist dort noch ein ungebetener Eindringling. Er kam, ohne dass man ihn erwartet hatte oder haben wollte – als die Natur noch im Begriff war, ihren schönsten und grössten Salon herzurichten”.
…dass auf einer Fläche von 1 mal 1 Meter des tropischen Regenwaldes mehr Insekten leben, als Menschen auf der ganzen Welt?
In einer Tiefe von 30 cm leben pro Quadratmeter (1 Meter mal 1 Meter) Boden: u.a. 60 Billionen (<ip-pii>.000) Bakterien, 1 Milliarde (<ip-pii>) Einzeller, 100.000 Springschwänze, 200 Regenwürmer, 50 Schnecken/Spinnen und 100 Käfer.
Zum Vergleich: Anfang April 2005 lebten 6.456.767.597 Menschen auf unserem Planeten.
…dass der Amazonas an einem einzigen Tag mehr Wasser in den Atlantischen Ozean befördert, als zum Beispiel die englische Themse in einem ganzen Jahr?
Und, dass das Becken des Rio Negro, einem Nebenfluss des Amazonas, mehr Wasser enthält als ganz Europa?
…dass eine Vogelspinne Amazoniens wesentlich grösser sein kann als ein Handy-Telefon?
Die grösste Spinne der Welt kann eine Länge von 28 Zentimetern mit ausgestreckten Beinen erreichen. Das entspricht fast der doppelte Grösse eines normalen Handys.
…dass eine Anakonda-Schlange mehr als 10 Meter lang werden kann?
Berühmt geworden durch den gleichnamigen Film mit Jennifer Lopez (in dem einer Anakonda allerdings Eigenschaften angedichtet werden, die ihre tatsächlichen Fähigkeiten bis zur Absurdität überzeichnen) kann diese auch in Amazonien heimische Würgeschlange eine Länge von 10 Metern nicht nur erreichen sondern sogar übertreffen. Das längste, offiziell registrierte Exemplar brachte es auf 11,60 Meter – mehr als doppelt so lang wie ein durchschnittliches Auto. Trotzdem ist die Anakonda nicht die längste Schlange unseres Planeten, denn sie verliert gegen den afrikanischen Python, aber sie ist die schwerste und die mit dem grössten Volumen.
…dass die Kinder in Amazonien mit Schildkröten spielen?
Indianer und “Caboclos“ (Mischlinge) lieben Schildkröten – um sie zu essen. Ihre Kinder – die sie ebenfalls gerne essen – lieben Schildkröten auch um mit ihnen zu spielen. Sie bohren ein Loch in den Rand des Panzers und ziehen einen Strick durch, den sie verknoten. Jetzt können sie die Schildkröte durch den Hof führen, wie ein Hündchen.
…dass der Wollaffe in Amazonien als Maskottchen und Haustier gehalten wird?
In Brasilien nennen sie ihn “Barrigudo“ (den Dickbauch) – er ist von Natur aus friedlich und leicht zu zähmen, deshalb halten ihn Indianer und Flussbewohner Amazoniens gerne als Haustier. Von den 75 Primaten-Arten Brasiliens springen 58 im Geäst des Amazonas-Regenwaldes herum.
…dass in den Flüssen Amazoniens mehr Fischarten leben als in ganz Europa?
Richtig – in den Flüssen Amazoniens gibt es die grösste Anzahl von Fisch-Spezies der ganzen Welt. Schon 1.500 Arten von ihnen wurden wissenschaftlich beschrieben, man darf jedoch annehmen, dass es mindestens doppelt so viele sind. Und das entspricht zirka 15-mal der Zahl von Fischarten, die man in den Flüssen Europas katalogisiert hat.
…dass Sie sich für eine Dschungeltour entsprechend vorbereiten sollten?
- Wenn Sie sich erst vor Ort, zum Beispiel in Manaus, für einen Tagesausflug oder eine Expedition in den Regenwald entschliessen sollten, dann unternehmen Sie keine solche Tour ohne einheimischen, qualifizierten Reiseführer (“Guia“ in portugiesisch). Sind Sie einer Gruppe angeschlossen, entfernen Sie sich nicht auf eigene Faust von ihr. Wollen Sie alleine oder in einer kleinen Gruppe einen Tagesausflug oder eine Expedition unternehmen (letztere nicht ohne ortskundigen Führer), dann melden Sie sich an der Hotelrezeption ab und geben Sie dort auch bekannt, wann Sie wieder zurück sein wollen – und melden Sie sich später wieder zurück.
- Wir empfehlen für eine Dschungeltour langärmlige Hemden und lange weite Hosen – die schützen gegen Moskitos am besten – vorzugsweise aus leichtem Baumwollstoff. Durch eng anliegende Jeans stechen Moskitos problemlos hindurch, dünne, weiter weg von der Haut fallende Stoffe sind deshalb vorzuziehen. Wählen Sie nur atmungsaktive und schnell trocknende Materialien. Im Regenwald sind Regenschutz für Mensch und Foto- oder Filmapparatur zu empfehlen, wasserdichtes, geschlossenes Schuhwerk aber unverzichtbar.
- Trinken Sie mindestens 3 Liter Flüssigkeit pro Tag. Essen Sie viele Früchte und gut gesalzene Speisen, oder gleichen Sie den Salzverlust mit Tabletten aus.
- Berühren Sie vorzugsweise gar keine Pflanzen und Tiere, ohne Ihren “Guia“ vorher gefragt zu haben. Viele dieser Spezies besitzen Gifthaare, Stacheln, Dornen und Ausscheidungen, die nach Berührung zu unangenehmen Hautreizungen, in manchen Fällen sogar zu Fieber, führen können.
- Gehen Sie festen Schrittes durch den Dschungel – die Bodenerschütterungen vertreiben eventuelle Schlangen und andere Kriechtiere.
- Denken Sie bei der Planung einer Dschungeltour daran: Ab 17:00 Uhr wird es schnell dunkel!!
- Fotografen und Filmern sei geraten: ein Blitzgerät, ein kleines Stativ und eine Regenhülle gehören zusätzlich ins Gepäck.