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Die mit 11,26 ha grösste Insel der Schweiz ist Teil eines Molasserückens, der sich über die Lützelau nach Rapperswil hinzieht. Südlich davon bildet der Arnstein, ein Nagelfluhfelsen, die höchste Erhebung des zur politischen Gemeinde Freienbach gehörenden Eilandes.
Im Umfeld der Ufnau vor Rapperswil, Hurden und Freienbach lagen Seerandsiedlungen der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Archäologisch nachgewiesen ist auch ein Holzsteg zwischen Rapperswil und Hurden, datiert in die Zeit um 1550 v. Chr.
Die Ufnau war sicher in der Römerzeit besiedelt. Um 200 n. Chr. stand am Platz der heutigen Kirche St. Peter und Paul an der Wasserstrasse von Turicum (Zürich) nach den Bündnerpässen und nahe der Römersiedlung Centum prata (Kempraten) ein gallorömischer Tempel.
Urkundlich erstmals erwähnt wird die Insel im Jahre 741 als Hupinauia, als Au eines Ufo, Offo oder Ubo. Dies zusammen mit der kleineren Nachbarinsel, der Lützelau, auf der die alemannische Grossgrundbesitzerin Beata ein kleines Eigenkloster stiftete, das sie 744 der Benediktinerabtei St. Gallen übertrug. Ob Beata auch Eigentümerin der Ufnau war, ist nicht bekannt. Im Frühmittelalter gehörte die Insel dem Kloster Säckingen und war mit der spätestens im 7. Jahrhundert gebauten ersten christlichen Kirche Zentrum einer Grosspfarrei, die von Altendorf bis Wädenswil und von Feldbach und Hombrechtikon bis Erlenbach reichte. Verwaltungszentrum war Phaffinchova (Pfäffikon), der Hof des Ufnau-Pfaffen.
In der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zog sich die Schwabenherzogin Reginlinde Witwe und angeblich vom Aussatz befallen mit ihrem Sohn Adalrich auf die Insel Ufnau zurück. Reginlinde, auch Laienäbtissin des Zürcher Fraumünsters, liess an der Stelle des zerfallenen römischen Tempels eine Peter und Paul geweihte Kirche erbauen, den Vorläufer des heutigen Baus aus dem 12. Jahrhundert. Überdies entstand durch sie die erste Martinskapelle mit dazugehörendem Wohnhaus auf der Südseite. Reginlinde starb um 958 und wurde im Kloster Einsiedeln, das sie mit Gütern bedacht hatte, bestattet.
Adalrich, Benediktiner in Einsiedeln geworden, lebte bis zum Tod im Jahre 973 auf der Insel Ufnau, hatte gemäss Legende Visionen und konnte kranke Kinder heilen. Die Gebeine des später heilig Gesprochenen ruhten im Reliquienschrein und seit 1663 im barocken Hochgrab der Kirche St. Peter und Paul, bevor sie nach Einsiedeln transferiert wurden.
Eberhard, Dompropst von Strassburg, gründete im Jahre 934 bei der Einsiedelei des 861 von Mördern erschlagenen hl. Meinrad eine Klostergemeinschaft nach der Benediktsregel. Kaiser Otto der Grosse (936 bis 973) und seine Gemahlin Adelheid, eine Enkelin der Reginlinde, vergabten diesem Kloster am 23. Januar 965 Güter am Zürichsee: die Insel Ufnau, den Frauenwinkel, die Höfe Pfäffikon und Ürikon sowie die Kirche Meilen.
Einsiedeln liess die Kirche St. Peter und Paul vor der Mitte des 12. Jahrhunderts neu bauen. Auch die Martinskapelle wurde um diese Zeit auf den Fundamenten des 10. Jahrhunderts erneuert. Zur 1141 geweihten Pfarrkirche gehörte wie schon zu den früheren Bauten ein Friedhof, auf dem bis 1674 bestattet wurde, sowie seit dem 13./14. Jahrhundert ein Beinhaus im Erdgeschoss des Sakristeianbaus auf der Nordseite der Kirche.
Im Mittelalter lösten sich die grösseren Dörfer rings um die Insel Ufnau von der Mutterkirche: zuerst Stäfa, Altendorf, Wädenswil und Richterswil, 1308 Freienbach, 1376 Hombrechtikon. 1564 übertrug das Kloster die Pfarrstelle dem jeweiligen Statthalter von Pfäffikon. Obwohl damals zur Pfarrei nur noch rund 140 Leute gehörten, blieb die Pfarrstelle besetzt, da viele Wallfahrer das Grab des heiligen Adalrich besuchten.
1523 erhielt der todkranke Humanist Ulrich von Hutten dank Zwinglis Beziehungen auf der Klosterinsel Ufnau Asyl und wurde von Pfarrer Hans Klarer genannt Schnegg gepflegt. Hutten starb am 23. August 1523 und fand auf dem Inselfriedhof die letzte Ruhe. Mit der Dichtung «Huttens letzte Tage» setzte Conrad Ferdinand Meyer dem Verfolgten 1871 ein literarisches Denkmal. 1959 glaubte man Huttens Skelett gefunden zu haben und setzte es unter einer Platte südlich der Kirche bei. 1968 stiess der Anthropologe Eric Hug auf ein Skelett, das sich einwandfrei als dasjenige von Hutten erwies. Es wurde ebenfalls unter der Grabplatte von 1959 bestattet.
Im Spätmittelalter, als der Personalbestand des Klosters stark zurückging, wurden die vier Hofstätten der Ufnau vorübergehend Eigentum der Lehenleute; später gelang Einsiedeln der Rückkauf. Bei ihren Einfällen richteten die Zürcher während der Villmergerkriege von 1656 und 1712 sowie die Franzosen 1798 auf der Insel beträchtlichen Schaden an. Die Helvetik erklärte das Kloster Einsiedeln wie alle andern Klöster in der Eidgenossenschaft als aufgehoben und Nationaleigentum. In einer öffentlichen Versteigerung verkaufte der Kanton Linth die Insel im Jahre 1801 an Karl Ludwig Curti in Rapperswil. Nach der Wiederherstellung des Klosters durch die Mediationsakte konnte das Stift die Insel 1805 zurückkaufen.
Die Kirche St. Peter und Paul mit ihren Wandmalereien aus dem 13. bis 17. Jahrhundert erhielt 1630 einen Turmaufbau mit Käsbissen und 1676 zwei kleine barocke Querschiffe. Diese wurden im Zuge der Gesamtrestaurierung von 1958/59 abgebrochen. Die Martinskapelle, seit 1869 mit Dachreiter und Glocke versehen, enthält Fresken des 14. bis 17. Jahrhunderts, restauriert 1964/65. 2007/2008 wurden die Mauern saniert und die Malereien im Chorbogen und im Chor gefestigt und aufgefrischt. Man verlegte einen neuen Sandsteinboden und die Holzdecke von 1964 erhielt einen hellgrauen Anstrich. Einen besonderen Akzent setzt das Adalrichsgrab von 1663. Das leere barocke Hochgrab stand ursprünglich in der Kirche St. Peter und Paul und wurde nun in die Kapelle St. Martin versetzt.
1831 gestattete das Kloster Einsiedeln der Pächterfamilie, im 1681 erstellten Pächterhaus Gäste zu bewirten. 1939 erweiterte man das Gasthaus um den Saalanbau; 1965 erfolgte der Anschluss an die Wasserversorgung der Korporation Pfäffikon und an das Stromnetz der Elektrizitätswerke Höfe. Seit 1987 wachsen auf der Insel auch wieder Reben, aus denen die Gebr. Kümin AG den Ufnau-Wein gekeltert haben. Nach Ablauf der Pachtzeit hat das Kloster im Jahre 2012 die Bewirtschaftung des Ufnau-Rebberges in Eigenregie übernommen.
1866 bis 1868 legte das Kloster Einsiedeln Spazierwege an, 1872 den Schiffssteg auf der Südseite und 1881 den Landesteg auf der Nordseite der Insel. Damit war die Ufnau touristisch erschlossen. Erste Schutzbestimmungen aus dem Jahre 1927, die kantonale Verordnung zum Schutze des Frauenwinkels von 1980 sowie die klaren Weisungen der Klostergemeinschaft, haben mögliche negative Auswirkungen der touristischen Erschliessung erfolgreich verhindert. Seit 2006 trägt auch die Ausdehnung der bootsfreien Wasserzone südlich der Ufnau der Jahrhunderte alten Absicht des Klosters Rechnung, die Insel als Ort der Ruhe und stillen Beschaulichkeit zu erhalten.