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Erziehung ist keine autonome Wissenschaft. Sie stützt sich innerhalb eines Kollektivs auf dessen ethische Ideal, auf die staatspolitischen Ziele, auf die Philosophien, richtet ihre Ziele und praktischen Massnahmen darnach aus; bei uns ist sie von der christlichen Weltanschauung getragen (Anmerkung: Erscheinungsjahr 1960) und gesteuert.
Damit ist aber nicht ausgesagt, dass die Erziehung unwichtig sei, weil sie unselbständig ist. Sie ist im Gegenteil von äusserster Wichtigkeit, weil sie die einzige Garantie dafür ist, dass die errungene Kultur … erhalten werden kann. … Besteht unser Ideal darin, eine kriegerische Rasse erstehen zu lassen, die Macht entfalten soll, dann erziehen wir unsere Jugend gänzlich anders, als wenn wir darauf hinarbeiten, aus unserem Nachwuchs gütige Menschen zu bilden, die das Höchste darin sehen, sich in den Dienst der christlichen Gottes- und Nächstenliebe zu stellen. … Man kann Menschen heranzüchten, die Kadavergehorsam entwickeln, und man kann die Erziehung so einrichten, dass aus den Kindern Erwachsene entstehen, die das Prinzip Gewaltlosigkeit als höchste Gewalt erblicken und ihr eigenes und das gemeinsame Leben entsprechend einrichten.
Hans Zulliger. Gespräche über Erziehung. Verlag Hans Huber: Bern/Stuttgart 1960. S. 12-13.