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Herstellungsort unbekannt, vor 1655
Textil, Holz, Metall, Leder
Inv. 1889.81.
Über den berufsspezifischen und politischen Bereich hinaus erfüllten die Zünfte wichtige Aufgaben im Feuerlöschwesen sowie im Wach- und Kriegsdienst. Das Zelt der Zunft zum Goldenen Stern – das einzige noch erhaltene Zelt der Basler Zünfte – ist ein eindrückliches Zeugnis für die militärischen Aufgaben der Zünfte. Es ist wahrscheinlich in einem Inventar des Jahres 1655 aufgeführt als «ein zellten inn daz feldt.» Im Jahre 1712 wird es «sambt fahnen darauf» wieder erwähnt. Während der Trennungswirren richtete man das Zelt im Jahre 1832 «zum Auslüften» auf einer Matte bei der Malzgasse auf. Dort liess man es vom 3. bis zum 27. August stehen. Es wurde ausgebessert, «wieder eingepackt und auf die Zunft geführt.» Diese Aktenvermerke spiegeln die Wertschätzung, die man dem Zelt entgegenbrachte. Als die Zunft 1889 ihr Zunfthaus an der Freien Strasse verkaufte, schenkte sie das während Jahrhunderten sorgsam gehütete Zelt der Mittelalterlichen Sammlung.
Im Mittelalter hatten alle Basler Zünfte Zelte besessen. So berichtet der von 1433 bis 1435 in Basel weilende venezianische Konzils
gesandte Andrea Gattaro in seinem Tagebuch: «Jedes Gewerbe hat seinen Palast, wohin sie sich an Festtagen begeben; da spielen und tanzen sie nach Wohlgefallen. Daselbst verwalten sie auch ihre Munition, grosse und kleine Zelte und die zum Krieg notwendigen Dinge.»
In der Zunft zum Goldenen Stern waren die Scherer und Bader vereinigt. Die Scherer betätigten sich auch als Wundärzte und hatten sich im Felde der Verletzten anzunehmen. Das Zelt dürfte somit vorallem als Sanitätszelt gedient haben. Aus Schilderungen und aus bild-lichen Darstellungen geht hervor, dass die Zünfte ihre Zelte auch bei geselligen Anlässen, etwa bei Schützenfesten, aufrichteten.
Das Zelt mit rundem Grundriss läuft nach oben in einen Kegel aus. Die einzelnen Stoffbahnen sind von oben nach unten durch indigoblaue Stoffbändel miteinander verbunden. Ein Kranz von blauen Flammen zieht sich um die Kegelspitze. Darunter ist dreimal das Zunftwappen, der goldene Stern, aufgenäht. Auch die blecherne Wetterfahne ist mit dem Zunftwappen bemalt. Von anderen Basler Zunftzelten haben sich nur die Wetterfahnen erhalten.
Basel, hauptsächlich 1930er und 1940er Jahre Künstler: R. Münger, R. Trübner, W. Koch, Alexander Zschokke (1894-1981), Ed. Niethammer, Urech, E. Waldheuer, Aldo Patocchi (1907-1986), Emil Beurmann (1862-1951), Niklaus Stöcklin (1896-1982) Fotografin: Claire Roessiger Papier, Halbkarton, Lithographie, Buchdruck H. 35 cm, L. 50,3 cm Inv. 2007.4.