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Am Freitagabend gastierte das Freiburger Orgelfestival in der Pfarrkirche von Bösingen. Organist Tobias Willi zeigte mit seinem Programm «Bach à la française», wie Johann Sebastian Bach und die französische Musik sich wechselseitig inspirierten.
Sie gehören zum Freiburger Orgelfestival: die Konzerte ausserhalb der Stadt. Dieses Jahr war neben Romont, Payerne und Bulle auch Bösingen Spielort des Festivals. Tobias Willi spielte am Freitag ein Programm unter dem Titel «Bach à la française». «Johann Sebastian Bach interessierte sich stark für die verschiedenen Nationalstile, die damals aktuell waren», erklärte Willi vor dem Konzert, als er das Publikum auf der Empore ins Programm einführte. «So studierte er auch die französische Orgelmusik.»
Tobias Willi eröffnete das Konzert mit vier Sätzen aus der «Messe des couvents» von François Couperin. Von Bach spielte er zwei Choräle, ein «Pièce d’Orgue», eine Aria sowie drei Sätze aus der «Kunst der Fuge». Als Abschluss folgten zwei Stücke des Pariser Komponisten Alexandre Pierre François Boëly.
Geschickte Wahl der Register
Das Konzertprogramm wirkte musikalisch gelungen. Zu den Stärken gehörten die Wechsel im Klangbild. Passagen mit flächigem Orgelklang wechselten sich mit munteren und sanften Stücken ab. Ein schönes Beispiel ist Bachs dreisätziges «Pièce d’Orgue». «Dieses Stück könnte man als Metapher auf das Leben eines Menschen deuten», erklärte Tobias Willi vor dem Konzert. Tatsächlich erinnert «Très vitement» an ausgelassenes Kinderlachen, während «Gravement» die ganze Kraft der mittleren Jahre ausstrahlt. Im «Lentement» kehrten weichere Klangfarben zurück, bevor das Werk mit einem friedlich wirkenden Dur-Akkord endete.
Organisten beeinflussen den Klang ihrer Orgel vor allem über Register. Sie entsprechen quasi unterschiedlichen Instrumenten. Tobias Willi registrierte die Orgel geschickt. Das hörte man beispielsweise in Couperins Messe. In den mittleren Stücken hob sich die Hauptstimme deutlich ab, was die Melodie betonte. Der abschliessende Satz war ausgeglichener registriert, was dem Ensemble mehr Gewicht gab. Ebenso setzte Willi die Register ein, um einzelne Abschnitte deutlich voneinander abzugrenzen. Das half Zuhörerinnen und Zuhörern zum Beispiel, die komplexen Gebilde in Bachs «Kunst der Fuge» besser zu verstehen. Auch die Artikulation setzte Willi differenziert ein. Manchmal flossen die oberste und die unterste Stimme gleichmässig dahin, während in den Mittelstimmen Akzente für Lichttupfer sorgten.
Gegenseitige Inspiration
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts studierte Alexandre Pierre François Boëly Bachs Orgelmusik. Als Erster wagte er, den unvollendet gebliebenen Contrapunctus 14 aus der «Kunst der Fuge» zu komplettieren. Weil er in seinen Gottesdiensten zu viel Bach spielte, verlor er sogar seine Stelle. Mit den beiden Boëly-Stücken interpretierte Tobias Willi zum Schluss des Konzerts «Bach à la française» noch einmal neu: Bach wurde durch den französischen Stil inspiriert, beeinflusste aber selber auch die französische Musik.