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Die Stella Awards wurden an Personen verliehen, die ungeheuerliche Rechtsstreite ausfochten, welche zu enormen und oft unverständlichen Kosten führten. Inspiration fand der Erschaffer der Stella Awards in einer Gerichtsverhandlung, die 1992 für weltweite Schlagzeilen sorgte.
Stella Liebeck, damals 79 Jahre alt, bestellte sich im McDonald’s Drive-Thru einen Becher Kaffee. Sie war an diesem Tag Beifahrerin ihres Enkels. Als sie versuchte, den Deckel des Bechers zu lösen – sie hatte den Becher zu diesem Zweck zwischen ihre Beine geklemmt –, um Zucker und Kaffeerahm hinzuzufügen, schüttete sie sich den heissen Inhalt des Bechers über ihren Schoss und zog sich dabei üble Verbrennungen zu.
Als McDonald’s sich weigerte, für die Kosten der Hauttransplantationen aufzukommen, verklagte Liebeck die Restaurantkette und gewann. Der Richter sprach ihr eine Summe von 640’000 US-Dollar zu, welche er zuvor von 2.9 Millionen US-Dollar senkte, die ihr die Geschworenen zugesprochen hätten. Wie viel ihr McDonald’s schliesslich wirklich gab ist unbekannt, da sie sich aussergerichtlich einigen konnten – man geht aber von einem Betrag weit darunter aus.
2011 veröffentlichte der amerikanische Fernsehprogrammanbieter HBO den Dokumentarfilm Hot Coffee, der zeigt, dass grosse Firmen anscheinend Millionenbeträge in Kampagnen investierten und den Liebeck-Fall dazumals missbrauchten, um Schadensersatzreformen durchzubringen. Die Kampagnen schafften es, dass sich die Öffentlichkeit über die angebliche Dreistigkeit gewisser Personen aufregte und der Reform zustimmte. Diese sollte Firmen künftig vor Schadensersatzforderungen schützen – ganz zum Nachteil von Einzelpersonen.
Dass Liebeck nämlich auf dieses Geld angewiesen war, da es in den USA kein Krankenkassenmodell wie bei uns gibt, welches anfallende Gesundheitskosten deckt, wird weitgehend ignoriert. Auch wenn es für uns unverständlich klingt, dass man eine Firma für einen selbstverschuldeten Unfall verklagen will, war dies für sie die einzige Möglichkeit, sich vor einem finanziellen Ruin zu schützen, der durch Gesundheitskosten und Gerichtskosten drohte. Das eigentliche Problem – ein funktionierendes Gesundheitssystem – wurde also gar nie angesprochen.