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Bezeichnet seit dem 16. Jh. das Wort B. grosse Gastmähler im allg., so erhielt es im Umfeld der Französischen Revolution eine eminent polit. Bedeutung: Anknüpfend an die Tradition der regelmässigen Festessen der lokalen Bogenschützen- und Musketen-Gesellschaften, vielleicht auch in Anlehnung an freimaurer. Riten, fanden 1791 in der Waadt B. statt, die als polit. Manifestationen zu Ehren der Franz. Revolution und als Demonstrationen gegen die bern. Herrschaft durchgeführt wurden. Der Jahrestag des Bastillesturms vom 14.7.1789, der in Frankreich mit Kommemorationen und Festessen gefeiert wurde, diente als direktes Vorbild. Nach vorbereitenden Versammlungen, v.a. im Juni 1791, fanden am 14. Juli auf dem Landsitz Les Jordils bei Lausanne und am folgenden Tag in Rolle grosse B. (Banquets révolutionnaires) statt, wo Mitglieder der örtl. Honoratioren offen die Revolution hochleben liessen und sich zu deren Symbolen bekannten. Weitere Revolutionsbankette, die sich zu eigentl. Volksfesten ausweiteten, folgten in Vevey, Yverdon, Bex und Moudon. Am 25. Juli verbot die Berner Regierung alle derartigen Festlichkeiten, verhaftete die vermeintl. Führer und besetzte die Waadt militärisch. Am 30. Sept. mussten Delegierte aller Städte formell Abbitte leisten. Der Bruch zwischen der bern. Obrigkeit und der Waadt war damit besiegelt.
Als polit. Demonstration konnte das B. auf eine lange Reihe von Vorbildern im Ancien Régime zurückgreifen: Neben den Zunft- und Staatsessen hatten auch die Festessen der Logen und Gesellschaften im 18. Jh. ein reiches republikan. Festritual ausgeprägt. Während der Helvetik wurde vielerorts die Ablegung des Bürgereids mit einem B. verbunden. Das gemeinsame Mahl sollte zum Symbol der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit werden.
In der schweiz. Festkultur des 19. Jh. (Eidgenössische Feste) kam dem B. eine zentrale Bedeutung zu als ritualisierte Beschwörung der nationalen Einheit und der Demokratie. Reden, Toasts, Lieder und Darbietungen begleiteten die grossen Essen anlässl. der Vereins- und Jubiläumsfeste. Die riesigen Festhütten waren auf die Bedürfnisse solcher B. ausgerichtet, an denen bisweilen mehrere tausend Gäste teilnahmen. Wie während der 2. und 3. Republik in Frankreich war in der Schweiz des 19. Jh. das B. eine wichtige Form der republikan. Selbstdarstellung. Eine Versachlichung der Festkultur im 20. Jh., veränderte Ess- und Trinkgewohnheiten und eine völlig neue Medienlandschaft haben die polit. Bedeutung der B. nach und nach in den Hintergrund treten lassen.
Literatur
– F. de Capitani, «Die Ideen der Franz. Revolution und die schweiz. Festkultur», in Jber. Schweiz. Akad. der Geisteswiss., 1989, 15-25
– P. Chessex, «La campagne des banquets», in La Suisse et la Révolution Française, Ausstellungskat. Lausanne, 1989, 88, (gekürzte dt. Übers. 1989)
– F. de Capitani et al., Das nationale Fest, 1991
Autorin/Autor: François de Capitani