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Kirchenaustritte werden von Seiten der Kirche oft mit Informationsschreiben beantwortet, welche viele der austrittswilligen Personen verunsichern. Wir möchten mit diesem Blogeintrag Klarheit schaffen.
Die besagte Antwort der Kirche bezieht sich jeweils auf die rechtliche Sachlage und besagt, dass man in der Schweiz zwar aus der öffentlich-rechtlichen Körperschaft (Kirchgemeinde), nicht aber aus der religiösen Taufgemeinde (Glaube) austreten kann.
(...) Sie können auf jeden Fall aus der öffentlich-rechtlichen Körperschaft,
nicht aber aus der Gemeinschaft der Getauften austreten (...)
Was bedeutet das?
Um die Sachlage verstehen zu können muss man wissen, dass die (reformierte und katholische) Kirchen in der Schweiz in zwei Organisationen unterteilt sind.
Kirchgemeinde
Die Kirchgemeinde ist die öffentlich-rechtliche Körperschaft, welche die Beziehung zwischen Staat und Kirche regelt. Die Kirchgemeinden in der Schweiz funktionieren wie Einwohnergemeinden absolut demokratisch und sind 100% unabhängig von der Kirche in Rom.
Wer aus der Kirche austritt, tritt aus der Kirchgemeinde (öffentlich-rechtliche Körperschaft) aus.
Das ist rechtlich gesehen die einzige Möglichkeit in der Schweiz.
Kirchgemeinden in der Schweiz können mit Unternehmen verglichen werden. Kirchgemeinden erhalten Einnahmen in Form von Kirchensteuern. Diese werden direkt von der Einwohnergemeinde mit den ordentlichen Steuern eingenommen und an die Kirchgemeinden ausbezahlt. Das Ziel einer Kirchgemeinde ist die Finanzierung und Förderung der religiösen Organisation (Kirchengebäude, Pfarreileben, Pfarreimitarbeiter, Spenden, Soziales, Investitionen, etc.)
Pfarrei
Die Pfarrei regelt die Beziehung zwischen den Gläubigen und Gott. Zweck der Pfarrei ist u.a. die Verbreitung und Vertiefung des Glaubens. Die Pfarrei stützt sich hinsichtlich des Glaubens auf die Bibel und den religiösen Gesetzen. Finanziert werden die Pfarreien in der Schweiz von der jeweiligen Kirchgemeinde und über Spenden.
Der reformierte und katholische Glaube wird u.a. mit Hilfe von symbolischen Feierlichkeiten wie Taufe, Kommunion, Konfirmation, Gottesdienste, etc. zeremoniert. Diese Feierlichkeiten haben 100% sinnbildlichen Charakter und sind rechtliche gesehen nicht relevant, gültig oder verbindlich. Die einzige Verbindlichkeit besteht im Gaube an diese Zeremonien.
Eine kirchliche Heirat hat vor dem Gesetz somit keine Gültigkeit. Dafür ist das Standesamt zuständig. Der Glaube hat keinen rechtlichen Hintergrund. Dementsprechend kann man nicht aus dem «Glaube» austreten. Entweder man glaubt an die kirchlichen Gesetzmässigkeiten oder nicht.
Deshalb können Personen in der Schweiz nur aus der öffentlich-rechtlichen Organisation «Kirchgemeinde» austreten, nicht aber aus der Glaubensgemeinschaft (Pfarrei).