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Bei der Explosion ihres Autos ist Darja, die Tochter des russischen Ultranationalisten Alexander Dugin, bei Moskau ums Leben gekommen. Alexander Dugin wird von Medien immer wieder als Einflüsterer oder als «Gehirn» Putins bezeichnet. Andreas Umland erklärt, wer Alexander Dugin ist, und was er denkt.
Andreas Umland
Osteuropa-Experte
Andreas Umland ist Analyst am Stockholmer Institut für Osteuropa-Studien
SRF: Alexander Dugin gilt als Ultranationalist. Wie lässt sich seine Ideologie umreissen?
Andreas Umland: Kurz gesagt: Das ist eine russische Variante des Faschismus. Dugin lehnt sich auch an westliche faschistische Denker aus Italien und Deutschland an und hat eine eigene neofaschistische Ideologie entworfen, die er manchmal Vierte Theorie nennt, manchmal Neo-Eurasismus, manchmal Traditionalismus. Er ist ein waschechter russischer Faschist.
Wie sieht diese neo-eurasische Ideologie aus?
Sie ist schwer zu fassen, weil Dugin eine Art postmodernistischer Denker ist, der je nach Situation und je nach Publikum verschiedene Weltentwürfe vorstellt. Meistens geht es aber um das Ende der liberalen Ordnung, der westlichen Ordnung und die Neuschaffung einer postmodernen, postliberalen Zivilisation, die hierarchisch, kollektivistisch, illiberal ist und eine völlig neue Welt darstellen würde.
Welches Russland schwebt ihm vor und was heisst dies für die Ukraine?
Die Ukraine spielt in Dugins Schriften schon seit den neunziger Jahren eine bedeutende Rolle. In seinem wichtigsten Werk, «Die Grundlagen der Geopolitik», hat er das entworfen, was wir jetzt seit sechs Monaten beobachten: nämlich eine Eroberung der ukrainischen Gebiete im Osten und im Süden entlang der Schwarzmeerküste und deren Eingliederung ins russische Reich.
Und für ihn ist – ähnlich wie für Putin – die Ukraine quasi ein Anti-Russland, ein verloren gegangenes Kind der russischen Zivilisation, das wieder heimgeholt und gereinigt werden muss. Konkret entwirft er da schon die Idee, dass der ukrainische Staat nicht weiter existieren könne.
Insbesondere die gesamte ukrainische Schwarzmeerregion müsse unter russische Kontrolle kommen, sei es durch eine Angliederung, eine Annexion an die Russische Föderation oder eben die Schaffung eines neuen Pseudo-Staates Neurussland «Noworossija». Das ist etwas, was er bemerkenswerterweise jetzt schon ein Vierteljahrhundert lang gepredigt hat. Und jetzt findet das tatsächlich Eingang in die offiziellen Reden von russischen staatlichen Staatsvertretern, zu denen Dugin allerdings erheblichen Abstand hat. Er ist kein Teil des russischen Staates.
Dugin ist kein offizieller Berater des Kremls.
In den westlichen Medien wird Dugin oft als «Putins Hirn» dargestellt. Wie gross ist sein Einfluss tatsächlich?
Der Einfluss Dugins ist schwer zu messen, weil er – wenn er überhaupt Einfluss ausübt auf den Kreml – dies nur indirekt tut. Es ist nicht bekannt, dass er jemals Putin getroffen hätte. Und seine Aktivität ist hauptsächlich im Medienbereich. Mit Büchern, mit Vorlesungen, mit verschieden Publikationen überschwemmt er seit inzwischen drei Jahrzehnten die russische Medienlandschaft und das akademische Leben mit diesen alternativen Geschichtstheorien und Zukunftsvisionen. Was das für Rückwirkungen hat auf das Denken im Kreml, ist sehr schwer festzustellen.
Dugin ist ein besonders profilierter Sprecher des antiwestlichen Diskurses in Russland, aber bei weitem nicht der einzige.
Welche Rolle spielen Dugin und seine Tochter in der russischen Öffentlichkeit?
Dugin und seine Anhänger sind nur ein Teil des antiwestlichen Diskurses in Russland. Dugin ist ein besonders profilierter Sprecher, aber bei weitem nicht der einzige. Und er ist natürlich ein Kriegshetzer. Seit 30 Jahren hat er sich diesen Krieg, der jetzt stattfindet, gewünscht und hat ihn mit seiner Rhetorik in der Öffentlichkeit, im akademischen Bereich, im intellektuellen Diskurs, in den Buchläden vorbereitet. Allerdings ist er kein Sprecher für den Kreml und er ist auch kein direkter Ideologe des Kremls.
Das Gespräch führte Ben Huwyler.
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