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Es ist eines der grössten Datenlecks überhaupt: Im Jahr 2015 meldete sich ein Whistleblower bei der «Süddeutschen Zeitung». Im Gepäck hatte er eine riesige Datenmenge der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca , Link öffnet in einem neuen Fensterin Panama, die sich darauf spezialisiert hat, Briefkastenfirmen einzurichten. Die Daten reichen zurück bis ins Jahr 1977 und sind umfassender als alles, was Wikileaks je veröffentlicht hat.
Die «Süddeutsche» entschied sich, die sogenannten «Panama Papers» in Zusammenarbeit mit über 100 Medien auszuwerten. In monatelanger Arbeit haben Journalisten 214'000 Briefkastenfirmen in einer Datenbank erfasst. Brisant: Unter deren Kunden finden sich Staatsoberhäupter, Politiker, Prominente oder Leute, die ihnen nahestehen. Am Sonntagabend haben sämtliche beteiligten Medien ihre ersten Rechercheergebnisse veröffentlicht. Weitere Publikationen sollen folgen.
Der gute Freund Putins und die Schweizer Bank
Zumindest in einem Fall führen auch Spuren in die Schweiz, wie Oliver Zihlmann, Leiter des Recherchedesks der «Sonntagszeitung», erklärt. Er ist hierzulande federführend in der Auswertung der Daten: «In den Dokumenten taucht Sergei Roldugin, ein enger Familienfreund Wladimir Putins auf, der Transaktionen ausführt, die Fragen aufwerfen.»
Roldugin nutze dafür Offshore-Strukturen, die «in der Regel dazu dienen, Vermögen zu verstecken». Über diese soll er grosse Vermögen verwalten und Rechte an Aktien von Rüstungs- und Medienkonzernen innehaben. «Roldugin ist Musiker, es ist nicht ersichtlich, wie er dazu kommt», so Zihlmann.
Und: Roldugin hatte ein Konto bei einer kleineren Schweizer Bank, der Gazprombank, eröffnet und dabei «seine Nähe zum russischen Präsidenten verschwiegen», wie Zihlmann ausführt. Dies werfe die Frage auf, ob auch Geldbeträge über diese Bank geflossen sind – und ob die Bank wusste, dass der Mann Putin nahe steht. Denn dann, so Zihlmann, stellten sich Fragen der Sorgfaltspflicht. «Dies müssen aber die Finanzaufsicht oder die Behörden klären.» Die ausgewerteten Daten würden nur einen «Anfangshinweis» geben, dem man «auf den Grund» gehen müsse.
«Kreml nimmt die Enthüllungen ernst»
Dmitri Peskow, der Pressesprecher von Präsident Putin, hatte bereits am 28. März auf die kommenden Veröffentlichungen der 100 Medien reagiert. «Wir haben sehr unfreundliche Anfragen im Verhörstil erhalten, von einer Organisation, die sich Internationales Konsortium für Investigative Journalisten nennt», erklärte Peskow.
Diese Vorankündigung sei recht aussergewöhnlich, sagt SRF-Russland-Korrespondent David Nauer. Der Kreml scheine die Enthüllungen also schon ziemlich ernst zu nehmen. Jetzt – unmittelbar nach der Publikation – gibt es keine offizielle Reaktion aus Moskau. Die Verteidigungsstrategie des Kremls sei wohl, dass man auf die konkreten Vorwürfe gar nicht erst eingehe. «Stattdessen werden die Enthüllungen als Angriff feindlicher Kräfte oder als Angriff des Westens auf Russland dargestellt.»