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Auf den Spuren…
…der Seide von Lyon, dem Böhmischen Kristallglas, den Diamanten von Antwerpen und des Schweizer Goldes.
Auf der Spuren der Seide von Lyon
Das Geheimnis der Seidenherstellung mithilfe der Kokons der Seidenraupen des Maulbeerbaumes bringen im Mittelalter Handelsreisende von China nach Oberitalien. Ab 1419 findet in Lyon auf den grossen Märkten ein reger Austausch mit dem Nachbarland statt. Aber die kostbare Seide ist sehr teuer! Der französische König Louis XI entscheidet sich für eine Seidenfabrikation in Frankreich, die ab 1466 ihren Anfang nimmt. Da Lyon davon vorerst nichts wissen will, beginnt alles in Tours. Der Austausch mit Italien bricht aber 1540 ab, und so erhält die Stadt Lyon vom König das Import-Monopol für Rohseide. Damit diese für die Seidenhändler bezahlbar bleibt, werden Webstühle aus Bologna importiert und 4 Millionen Maulbeerbäume gepflanzt. Es entwickelt sich das typische Produktionssystem der „fabrique lyonnaise“: Der Fabrikant beschafft die Rohstoffe und hält die Fäden der Kommerzialisierung der Seide in der Hand, deren Verarbeitung von den „Canuts“, den Seidenwebern, in Heimarbeit erfolgt. Rund 14 000 solcher Seidenwebereien ernähren einen Drittel der Bevölkerung. Lyon wird zur europäischen Kapitale der Seide. Im 18. Jahrhundert arbeiten 28 000 Personen in der Seidenfabrikation und durch den mechanischen Webstuhl von Joseph-Marie Jacquard entstehen die kostbaren Gobelins, die von allen europäischen Königshöfen bestellt werden. Wegen der miserablen Arbeitsbedingungen kommt es zwischen 1831 und 1834 zu mehreren blutigen Aufständen der Lyoner Seidenweber, die täglich die edelsten Stoffe herstellen und selber in Lumpen gehen. Als Reaktion verlagern die Unternehmer einen Grossteil der Herstellung in die Peripherie, wo die Arbeitskräfte noch billiger und williger sind. Gegen 1865 macht die Seide in Lyon mit rund 100 000 Betrieben 75% der Industrie aus. Doch 1930 folgt die Krise. Die Fabrikation erholt sich nicht von der neuen Konkurrenz der synthetischen Stoffe und der Epidemie, von der die Seidenraupen betroffen sind, und so geht die Seidenproduktion zurück nach Asien. Heute bewahren die noch aktiven Traditionswerkstätten das Know-how à la Lyonnaise, indem sie alte Gewebe restaurieren und hochstehende Stoffe für die Innendekoration, die Dessous und die Haute Couture herstellen.
Die Seide in Lyon
Musée des Tissus et Arts décoratifs, 34, rue de la Charité – www.mtmad.fr
Maison des Canuts, 10 rue d’Ivry – www.maisondescanuts.com
Brochier Soieries, 16 rue du Bœuf – www.brochiersoieries.com
Auf den Spuren des Böhmischen Kristallglases
Das Böhmische Kristallglas ist wertvoller Teil des tschechischen Nationalerbes. Die ersten Glashütten wurden im Mittelalter vor allem im Norden und Westen des einstigen Königreichs Böhmen gegründet, das heute zur Republik Tschechien gehört. Im 14. Jahrhundert waren die grünen Gläser in ganz Europa sehr beliebt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts tüfteln die Glashütten an einer neuen Zusammensetzung, die dem Bergkristall gleicht. Dies gelingt 1683 dem Glasmeister Michael Müller. Dieses hochwertige Glas mit einem hohen Anteil an Bleioxid wird ab nun Bleikristall genannt und eignet sich gut zum Feinschleifen und Gravieren. Zudem wird das einfallende Licht auf dem Glas so gebrochen, dass regenbogenartige Farben entstehen. Das Böhmische Kristallglas erobert mit Gläsern, Dosen, Vasen und Kristalllüstern die Paläste in aller Welt und erreicht seinen Höhepunkt im 18. Jahrhundert. Aber das aus Grossbritannien importierte Bleiglas wird seinen Erfolg bald stoppen, denn es ist billiger, glänzender und lässt sich leichter schleifen. Die böhmischen Glasmeister versuchen neue Zusammensetzungen. Einem nach Böhmen ausgewanderten französischen Adligen gelingt die Herstellung von schwarzem und rotem Opalglas. Leider nimmt er die Formel mit ins Grab. Erst mit der Entdeckung von glänzendem Email, Biskuit und gelber und roter Lasur erlebt das Böhmische Kristall ein Comeback. Heute enthält das Bleikristall aus Tschechien einen Anteil von rund 24% Bleioxid. Aber der wohl luxuriöseste Hersteller von Glaswaren in Tschechien, die Karlsbader Glashütte Moser (gegründet 1857) stellt Kristallglas her, das kein Bleioxid enthält, aber trotzdem eine besondere Härte aufweist. Die Glashütte Moser gehört zu den seltenen ausländischen Marken, die vom Comité Colbert in den illustren Kreis der französischen Luxusmarken aufgenommen wurde.
Das Böhmische Kristallglas in Prag
Museum Moser – 15 Platz in der Altstadt – und Boutique Moser – 12 Na Příkopě – www.moser-glass.com
Erpet Bohemia Crystal – 27 Platz in der Altstadt – www.erpetcrystal.cz
Auf den Spuren der Diamanten in Antwerpen
Die Stadt Antwerpen in der belgischen Region Flandern ist das weltweit wichtigste Zentrum für die Verarbeitung und den Handel mit Diamanten. Die Geschichte beginnt 1447 mit den ersten Diamantschleifern und dem Handel zwischen Antwerpen und Amsterdam. Aber das 16. Jahrhundert ist das goldene Zeitalter der Stadt, geprägt durch den berühmten „Antwerpener Schliff“. 40% des weltweiten Diamantenhandels und die Gründung der berühmten Diamonds Cutters Guild im Jahre 1582 erhöhen noch das Prestige der Stadt. Danach folgt eine Periode der Latenz und der Kriege. Zwischen 1863 und 1866 folgt ein neuer Aufschwung durch die Entdeckung von Diamantminen in Südafrika. Im zweiten Weltkrieg wird die Stadt schwer von Bomben getroffen und viele jüdische Diamanthändler kommen in Konzentrationslagern um (von 27000 vor dem Krieg sind es noch 2500 bei der Befreiung). Am Ende des 2. Weltkrieges, von 1945-1975 ermöglicht die World Federation of Diamond Bourses einen Wirtschaftsboom. Heute arbeiten 1800 spezialisierte Diamantschleifer in Antwerpen, und die grössten geschliffenen Diamanten werden hier gehandelt, wobei die Geschäfte noch immer mit den hebräischen Worten „Mazal“ abgeschlossen werden. Obwohl sich Antwerpen heute gegen die Konkurrenz aus New York, Tel Aviv, Mumbay, Hong Kong und Dubai behaupten muss, sind hier in den drei Strassen Rijfstraat, Schupstraat und Hoverniersstraat, die von den Diamanthändlern „One Square Mile“ genannt werden, noch immer vier der zwanzig grössten Diamantbörsen ansässig, darunter der Diamantclub van Antwerpen (1893) und die Beurs voor Diamanthandel (1904). Man begegnet hier dunkelgekleideten Männern mit Geschäftsköfferchen. Es sind Juden, deren Vorfahren im 15. Jahrhundert aus Spanien vertrieben wurden oder Jainistische Inder, die in den 1970ern hier ankamen. Noch immer kommen 54% der geschliffenen Diamanten und 85% der Rohdiamanten weltweit aus Antwerpen. Man sagt, dass es sich um die reichsten zwei km2 der Welt handelt!
Die Diamanten in Antwerpen
Diamantenmuseum der Provinz Antwerpen, Koningin Astridplein 19 – 23 – www.diamantmuseum.be
Auf den Spuren des Schweizer Goldes
Wie überall in der Welt kann man auch bei uns in der Schweiz Gold finden. Meistens handelt es sich dabei um kleine Nuggets, die mit Schaufel und Goldwaschpfanne aus den Flüssen gewonnen werden. In der Vergangenheit wurde das gelbe Metall aber in den Bergen abgebaut. Ein keltischer Stamm der Helvetier entdeckte im Napfgebiet das erste Goldvorkommen in der Schweiz, das dann von den Römern gewonnen wurde. Die Gletscherablagerungen in den Ostschweizer Kantonen Appenzell, St. Gallen, Thurgau und Zürich, und in den Westschweizer Kantonen Wallis, Genf und Fribourg enthalten ebenfalls Golderz. Die Region Basel ist seit dem Mittelalter für das Gold aus dem Rhein bekannt. Die Schweiz besitzt aber auch echte Goldminen! Im Wallis wurde das Gold der Ottan-Mine auf einer Höhe von 2200 m zwischen 1904 und 1928 von rund vierzig Arbeitern abgebaut. Ein anderer Ort im Wallis, nämlich Gondo, ist für sein Goldvorkommen seit der Römerzeit bekannt. Von 1660 bis 1691 und von 1890 bis 1897 wurde das Gold von rund 500 Arbeitern abgebaut. Aus dem gewonnenen Gold konnte eine limitierte Serie von Goldvreneli geprägt werden, während das aus dem zwischen 1809 und 1856 gewonnenen Gold im Calandagebiet bei Chur für 70 Bündner Dublonen reichte. Aus der 1672 entdeckten Mine in Disentis wurde 1997 der grösste Goldklumpen mit einem Gewicht von 123 Gramm gewonnen. Und die seit dem Mittelalter bekannten Tessiner Minen von Sessa, die zwischen 1856 und 1954 von bis zu 400 Mineuren abgebaut wurden, ergaben noch in den letzten Jahren eine Ausbeute von 500 Kilos Gold. Heute sind die Minen verlassen. Man kann aber noch die Bergwerke besichtigen, die Goldmühlen in Gondo erforschen, den Versuch wagen, mit dem Meissel etwas Golderz zu schlagen oder mit anderen Goldwäschern entlang der Flüsse auf den grossen Fund hoffen.
Das Schweizer Gold www.myswitzerland.com