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Das Centrum der Depretis lag bei Liverpool. Der Baro- meterstand betrug hier weniger als 72? mm (im Niveau des Meers). Die Isobaren legen sich als Ovale um das Centrum und lassen eine schnelle Zunahme des Druckes nach allen Seiten erkennen. Stellt man sich die Isobaren als Linien gleicher Höhe (Isohypsen, Niveaulinien) vor, so würde die Karte eine Vertiefung, etwa ein Seebecken, zur Dar- stellung bringen. Von dieser Vorstellung rührt das Wort Depretis her. Das Centrum der Depretis umkreisen Luft- ströme, ziemlich parallel den Isobaren, aber doch etwas dein Centrum zugewendet und zwar um so mehr, je weiter man sich vom Centrum befindet. Im Centrum steigt die Luft auf; von allen Seiten strömt Ersatz zu, das Centrum vorher in Spiral- linien umkreisend. (S. Luftwirbel.) Die Wind- stärke hängt von dem Abstand der Isobaren ab. Überall, wo dieselben dicht gedrängt sind, also die Zunahme des Luftdruckes eine bedeutende ist, sind die Winde start und stürmisch (s. Gradient).
Die Form der Depretis sollte ein Kreis sein, weicht aber stets mehr oder minder hiervon ab. Vielfach zeigen die Isobaren eigentümliche Gestaltung. Sie treten an manchen Stellen weit auseinander, oder es bilden sich Ausbuchtungen, Nasen u. s. w. In allen solchen Fällen kann man vermuten, daß an diesen Stellen sich flache Depretis vorfinden, die bei dich- terer Beschaffenheit des Beobachtungsnetzes zum Ausdruck kommen würden. Oft kommen solcke flache Depretis zur Entwicklung und werden dann als Teildcpres- sionen oder Teilminima bezeichnet, die sich von den Hauptdepressionen ablösen und selbständig weiter be- wegen.- Die Depretis zeigen gewisse fortschreitende Bewe- gungen.
Bei uns bewegen sie sich vorwiegend von Westennach Osten. Hierbei befolgen sie gern gewisse Wege, die als Zugstraßen bezeichnet worden sind. Van Bebbcr unterscheidet hauptsächlich fünf Zug- straßen derD. Die erste geht längs des Golfstroms auf dem Meere hin und führt erst im hohen Norden beim Polarkreis über die Nordspitze Schwedens und Norwegens. Zwei weitere beginnen auf dem Meere an der Nordspitze von Schottland. Die eine führt fast genau nach Ost durch Norwegen, Schweden, die Ostsee in das Russische Neich, die andere nach Südost herab über Skager-Rack und Kattegat nach dem Fest- land, etwa zwischen Danzig und Königsberg.
Die vierte Zugstraße beginnt beim Kanal, zieht sich längs der deutschen Nordseeküste hin und führt längs der Ostsee nach dem hohen Nordosten. Die fünfte Zug- straße endlich geht von Brest durch Frankreich nach Norditalien, biegt hierum und zieht durch Aster- reich, Russisch-Polen nach Norden hinauf. Vielfach ziehen die aber auch von den Ebenen des Po fast genau nach Ost zur Adria hin. Die Geschwindigkeit der Fortpflanzung ist eine außerordentlich verschie- dene. ImAlitteltommenauf24Stunden6-700ilm Weg. Es giebt aber Fälle, wo die Vahnlänge in 24 Stunden über 1500 km betrug. Die Jahreszeit, Bahn und Beschaffenheit der Depretis hat hierauf großen Einfluß. - Der Witterungscharakter ist an den ein- zelnen Stellen einer Depretis verschieden, man unterscheidet namentlich die vordere Hälfte, das Centrum und die hintere Hälfte. Im Centrum findet man fast stets bewölkten Himmel, schwache Luftbewegung und Nie- derschläge meist in Form von Regen.
Die Witte- rungsvcrhältnisse, die um das Centrum in einiger Entfernung von demselben zu herrschen pflegen, lassen sich nicht so allgemein charakterisieren. Näheres darüber s. Witterung. In der Physik ist Depretis infolge der Kapillarität (s. d.) der niedrigere Stand oder die Senkung von Flüssigkeiten in Haarröhrchen, verglichen mit dem Spiegel (Niveau) der Flüssigkeit, in die jene Röhrchen getaucht sind, z. B. von Quecksilber in engen Glasröhrchen, die in Quecksilber tauchen.
Die Kapillaritätsdepression muß bei der Beobach- tung an gewöhnlichen Barometern, deren Röhren- weite gering ist, mittels eigener Tabellen in Rech- nung gezogen werden. Depretis des Eis- oder Nullpunktes an Quecksilberthermometern heißt der tiefere Queck- silberstand, den solche Instrumente zeigen, wenn sie nach einer höhern Erwärmung, etwa nach der Be- stimmung ihres Siedepunktes, in schmelzendes Eis getaucht werden, verglichen mit ihrem Quecksilber- stande in auftauendem Eise, bevor sie erhitzt wor- den sind. Diese Depretis rührt von einer nachdauernden Ausdehnung des Thermometergefäßes her und ist eine so große Fehlerquelle, daß sie für genaue Beobachtungen berichtigt werden muß, am besten nach der Methode von Pernet. -
Vgl. Pernet, Bei- träge zur Thermometrie (Münch. 1875).
Depressionslafetten, Festungslafetten, die auf sehr hohen Punkten Aufstellung finden und daher fast nur mit Senkung des Rohres (Depression) schießen können. Da ein derartiges Schießen die Lafetten sehr anstrengt, so müssen sie besondere Ein- richtungen erhalten. geneigter Achse des Geschützrohrs, wie er in Berg- festnngen zur Bestreichung der Abhänge von oben her vorkommt. (S. Depressionslafetten und Lafette.) Depressionsseen, s. See. Depressiv, in der Psychologie soviel wie nieder- gedrückt oder mit Unlustgefühlen verbunden.
Depretiieren (lat.), entwerten, herabsetzen; Depretiation, Herabsetzung, Unterschätzung. Depretis, Agostino, ital. Minister, geb. zu Mezzana bei Stradella, studierte zu Pavia die Rechte, wurde Anwalt, ging aber nach seines Vaters Tod 1836 zur Verwaltung seiner Güter über. Dem «Jungen Italien» ls. depretis) stand er jeden- salls nahe; auch in der Kammer, in die ihn 1848 Stradella wählte, saß er auf der Linken und begrün- dete zu Turin die Zeitung «II Iro3i'688o», die Vor- gängerin des «Diritto».
Cavour sandte Depretis als Gouverneur 1859 nach Vrescia, obwohl er ihm mehrmals entschieden entgegengetreten war; auf Wunsch Garibaldis wurde dann Depretis 1860 als Pro- diktator und königl. Statthalter nach Palermo ge- sandt, wo er eifrig für den Anschluß Siciliens an das Königreich Italien wirkte. In das Ministerium trat Depretis zuerst unter Nattazzi, März bis Dez. 1862, ein; er entfaltete in seinem Amtskrcis, den öffent- lichen Arbeiten, eine rege Thätigkeit zur Ausdeh- nung des Bahn- und Telegraphennetzes in den neuerworbenen Gebieten und verbesserte deren Be- trieb.
Unter Ricasoli erhielt Depretis das Ministerium der Marine, an dessen Statt er nach der Niederlage bei Lissa die Finanzen übernahm. Nach Rattazzis Tod (1873) wurde Depretis Führer der Linken und 1876 bildete er selbst ein Kabinett, worin er die Finanzen für sich behielt. Cairoli, der März 1878 an seine Stelle trat, mußte ihm schon im Dezember den Platz wieder räumen; Depretis übernahm Vorsitz, Inneres und aushilfsweise das Äußere, sah sich jedoch schon Juli 1879 genötigt, wieder Cairoli zu weichen, in dessen Kabinett er aber im November als Minister des Innern eintrat, um nach Cairolis