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Max Ackermann (1887-1975) zählt heute unbestritten zu den Lichtgestalten der Künstler der sogenannten zweiten Moderne und als Vertreter abstrakter Malerei zu ihren Pionieren. Bereits 1912 – also noch lange vor dem Durchbruch dieser Ausdrucksform im Deutschland der Nachkriegszeit – entstehen unter dem Einfluss von Adolf Hölzels Farb- und Formtheorie in Stuttgart bereits erste ungegenständliche Arbeiten. Dort begegnet Ackermann im Frühjahr 1928 Kandinsky anlässlich einer gemeinsamen Ausstellung. Nach der Machtergreifung Hitlers zog sich Ackermann in die „innere Emigration“ nach Hornstaad am Bodensee zurück, ein Schicksal, das er mit Künstlern wie Fred Thieler, Fathwinter, Otto Ritschl oder Mac Zimmermann teilen musste, die ebenfalls mit repräsentativen Arbeiten in der Kunsthalle Schweinfurt vertreten sind.
Bietet die Sammlung Joseph Hierling mit Werken zum expressiven Realismus in der Kunsthalle Schweinfurt Einblicke in die Zeit zwischen den Weltkriegen, so setzt die Sammlung in städtischem Besitz Wegzeichen im weiten Feld der deutschen Kunst nach 1945. Bereits seit den 1980er Jahren konzentrieren sich das Sammlungskonzept und die Wechselausstellungen auf deutsche Kunstäußerungen der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart - etwa Quadriga, ZEN 49, Junger Westen, SPUR und andere. Neben diesen Epoche prägenden Künstlergruppen sind es vor allem einige wenige Einzelpersönlichkeiten, die entscheidend deutsche Kunstgeschichte im Neu- oder Wiederbeginn nach 1945 und im Dialog zwischen Figuration und Abstraktion schrieben, dazu zählt Max Ackermann.
Max Ackermann wurde 1887 in Berlin geboren. Die Familie stammte aus Thüringen und lebte fortan wieder im thüringischen Ilmenau. 1906–1912 studierte er in Weimar, Dresden, München und Stuttgart. 1912 Bekanntschaft mit Adolf Hoelzel. Erste gegenstandsfreie Experimente. 1921 Einrichtung einer „Lehrwerkstätte für Neue Kunst“: Auseinandersetzung mit Konstruktivismus. 1930 Stuttgarter Volkshochschule „Seminar für absolute Malerei“. Tessin-Aufenthalt. 1936 Lehrverbot an der Stuttgarter Volkshochschule. Heirat, Umzug nach Horn am Bodensee. 1953 Studienreise in die Provence. 1956 Aufenthalt auf Teneriffa. 1957 zum 70. Geburtstag Verleihung des Professorentitels. 1964 Ehrengast der Villa Massimo in Rom. Reise nach Neapel. Aufenthalt auf Ischia. 1975 Tod von Max Ackermann am 14. November.
Max Ackermanns „Strukturbilder“ waren bisher der Öffentlichkeit unbekannt und diejenigen, die von der Existenz dieser Werke Kenntnis hatten, hielten diese für missglückte Experimente oder unvollendete Bilder im Anfangsstadium. Eine solche Beurteilung lag nahe, da diese Werke in Farbe, Form und Komposition nicht der Harmonie zu entsprechen scheinen, die man von den bekannten lyrischen Abstraktionen Ackermanns kennt und schätzt. Nach Studien der Bilder, Notizen und Tagebüchern Ackermanns wuchs für den Kurator und Katalogautor Markus Döbele die Gewissheit, dass der Künstler selbst diese Bilder vollendet und auch in diesen sein künstlerisches Konzept verwirklicht sah. Es kam ein „anderer“ Ackermann zum Vorschein als derjenige, den man zu kennen glaubte und dessen „Anders-Sein“ auf Entdeckung wartete. Eine Erforschung dieser Werkgruppe gewann an Reiz, weil mit den gewonnenen Erkenntnissen eine differenziertere Sicht auf das Gesamtwerk und Ackermanns Kunst- und Harmoniebegriff möglich wird. Die Ausstellung ist als Zusammenfassung der bisherigen Forschungsergebnisse zu den Strukturbildern zu verstehen. Es geht dabei nicht darum, den einen bisher „untypischen“ gegen den „typischen“ Ackermann auszuspielen. Vielmehr soll die Betrachtung des Gesamtwerks und somit auch des „typischen“ Ackermanns um einige Aspekte bereichert werden.