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Bei einem Abendessen mit Unternehmern kam kürzlich eine interessante These zur Schuldenkrise in Europa auf. Sie war mir neu, aber sie schien mir dermassen plausibel, dass ich sie hier gerne darstellen will.
Die These sagt, dass es zur Beurteilung einer Volkswirtschaft nur ein wirklich zuverlässiges Kriterium gibt. Das Kriterium ist die Qualität des Leitungswassers.
Ist die Qualität des Leitungswassers hoch, dann muss man sich um diesen Staat und seine Finanzen keine Sorgen machen. Ist die Qualität des Leitungswassers schlecht, dann ist der finanzielle Zustand des Staates miserabel, auch wenn man das von aussen vielleicht noch gar nicht wahrnimmt.
Die These geht davon aus, dass gutes Trinkwasser so etwas wie die Staatsaufgabe aller Staatsaufgaben ist. Überlebenswichtiges Wasser ist das absolute Grundbedürfnis der Bürger, wichtiger als Schulen, Strassen, Spitäler und Sozialversicherungen.
Schauen wir mal, wer in Europa das schlechteste Leitungswasser hat. Wir nehmen dazu den letzten Unesco-Bericht zur globalen Wassersituation.
Wer hat die schlechteste Wasserqualität aller europäischen Länder? Es ist Belgien. Volltreffer. Mit einer Schuldenquote von 100 Prozent liegt das Land in der EU ganz hinten in der Rangliste der Larifari-Staaten. Und wer hat die zweitschlechteste Wasserqualität aller europäischen Länder? Es ist Deutschland. Wieder ein Volltreffer. Die deutsche Staatsverschuldung ist inzwischen auf über zwei Billionen Euro angestiegen. Nur die boomende Wirtschaft sorgt dafür, dass man den katastrophalen Zustand in der deutschen Finanzpolitik derzeit noch grosszügig übersieht.
Auch die Spanier und Italiener liegen bei der Güte des Leitungswassers auf den hintersten Rängen in Europa. Das erstaunt wenig.
In Neapel und Palermo taugt das Wasser allenfalls zum Zähneputzen
Gestützt wird unsere These auch dann, wenn wir die Spitzenreiter der Wasserqualität betrachten. Das beste Hahnenwasser Europas fliesst in Finnland, in Norwegen und in Schweden. Das sogenannte nordische Modell, wie man sieht, funktioniert in der Kehle genauso wie in der Kasse. Finnland und Schweden haben, anders als die Länder Mitteleuropas, ihre Staatsfinanzen längstens saniert. Nach ihren abenteuerlichen Ausflügen hin zum Wohlfahrtsstaat haben sie schon in den neunziger Jahren erkannt, dass Staatsdefizite bloss einen scheinbaren Wohlstand auf Pump erzeugen. Auch die Schweiz, auf Platz acht der flüssigen Liste, schlägt sich, wie zu erwarten war, sehr gut.
Überzeugend an der These, so ging unsere Diskussion beim Abendessen weiter, ist auch der Umstand, dass sie regionale Unterschiede erklären kann. In Norditalien etwa, in Bozen, Varese und Turin, kann man Leitungswasser bedenkenlos trinken. Im Süden, in Neapel, Palermo und Lecce, taugt es allenfalls zum Zähneputzen. Gegen den Durst hilft hier nur die Mineralwasserflasche.
Damit kommen wir zum wirtschaftlichen Ausblick auf die Vereinigten Staaten. Trotz den Rekorddefiziten, die der leichtsinnige Präsident Barack Obama angehäuft hat, müssen wir uns hier keine Sorgen machen. Die Wasserqualität der USA ist hervorragend.
Im Grossraum New York zum Beispiel fliessen täglich 3,8 Milliarden Liter aus dem Hahn. Und das Leitungswasser von New York gehört zu den besten Wassern der Welt.
Kurt W. Zimmermann ist Verlagsunternehmer. Er ist Kolumnist und Buchautor zu den Themen Medien und Outdoor-Sport. Zudem studiert er Biologie.