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Maurus Lauber
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 5. Oktober 1912
Priesterweihe: 15. Juli 1916
Primiz: 16. Mai 1915
Kaplan in Maria-Rickenbach: 1917–1921
Präfekt des Juvenats des Stifts Břevnov-Braunau in Braunau: 1921–1934
Spiritual in Leiden Christi: 1934–1935
Spiritual in St. Niklaus von Flüe: 1935–1941
Spiritual in St. Andreas: 1941–1950
Spiritual in Maria-Rickenbach: 1950–1954
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Johann Lauber und der Maria Reichlin.
Lebensbeschreibung[1]
Hans Lauber wurde am 28. August 1890 in Rüti im Zürcher Oberland geboren, wo sein Vater, ein Luzerner aus Buchrain, in der Maschinenfabrik tätig war und daneben ein kleines bäuerliches Heimwesen bewirtschaftete. Die Jugend des verstorbenen Mitbruders war nicht die Jugend des verwöhnten Herrensohnes, denn Vater Lauber und seine Gattin mussten unter schwerer Arbeit und vielen Entbehrungen ihren Kindern, drei Söhnen und einer Tochter, die künftige Lebensexistenz schaffen.
Schon früh zeigte Hans Lauber, der Ministrant sein durfte, Neigung zum Priesterstand. Im Herbst 1905 kam er nach Engelberg in die zweite Klasse, nachdem er sich durch Privatunterricht die nötigen Vorkenntnisse im Lateinischen erworben hatte. Für Vater Lauber war die Wahl einer Klosterschule als Studienort seines Ältesten nicht selbstverständlich. Seine Berufskollegen und Bekannten, zu denen er ein gutes Verhältnis pflegte, die aber alle reformiert waren, konnten einen solchen Entschluss begreiflicher weise nicht verstehen und sparten nicht mit Bedenken und Vorwürfen. Im Zürcher Oberland hatte der Katholizismus sich damals erst eine ganz bescheidene Stellung erobert.
Die spätere Primiz von P. Maurus war die erste Primiz eines Bewohners der Ortschaft Rüti seit der Reformation. Hans Lauber wurde ein tüchtiger Schüler und brachte gute Zeugnisse nach Hause. Und als sich zeigte, dass der Klosterschüler ein vernünftiger Mensch geblieben war, mit dem jedermann gut reden konnte, wurde der ganze Fall auch in der reformierten Dorfschaft ruhiger beurteilt. P. Maurus war zeitlebens tolerant Andersgläubigen und Andersdenkenden gegenüber.
Durch alle Gymnasialjahre hindurch behauptete Hans Lauber in seiner Klasse infolge seiner Intelligenz und Arbeitsamkeit einen der ersten Ränge. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit seinem Klassenkameraden Baschi Vogler, dem nachmaligen P. Heinrich Vogler. Nach der siebten Klasse trat Hans Lauber als Novize ins Kloster ein und am St. Plazidustag, am 5. Oktober, 1912 legte der ernste junge Mann mit dem Namen Maurus die Mönchsgelübde ab. Es folgte das letzte Gymnasialjahr und eine vorzüglich bestandene Matura, an die sich die üblichen theologischen Studien an der klösterlichen Hauslehranstalt anschlossen. Am 15. Juli 1916 empfing Fr. Maurus die Priesterweihe und am Skapuliersonntag, einem strahlend schönen Sommertag, feierte er seine erste heilige Messe.
Der junge, für die kirchlichen Ideale begeisterte Neupriester musste nach der Primiz noch seine theologischen Studien vollenden und trat dann 1917 wohlvorbereitet in die praktische Arbeit ein. Seine Arbeitsfelder sollten sehr mannigfaltig werden und lagen meistens ausserhalb des Klosters. Das Stift Břevnov-Braunau in Prag geriet durch die Trennung von Tschechien und Österreich in eine gewisse Vereinsamung. Die geschichtlich gegebene Doppelsprachigkeit des Konvents, die in früheren Zeiten keine besonderen Probleme barg, führte nun infolge der national-tschechischen Bewegung zu gewissen Schwierigkeiten. Dazu kamen die Nachwirkungen der Josephinischen Aufklärung, welche den monastischen Charakter der alten Stiftung beeinflussten. Um eine neue Entwicklung einzuleiten, beschlossen Abt und Konvent in den Zwanzigerjahren, zwei sogenannte Juvenate zu errichten, eines für den tschechischen Nachwuchs in Břevnov und eines für den deutschsprachigen in Braunau (Broumov). In diesen Juvenaten erhielten Schüler, die Eignung und Neigung zum Priester- und Ordensberuf verrieten, eine entsprechende religiöse Erziehung, besuchten aber daneben den Unterricht am öffentlichen Gymnasium des betreffenden Stifts. Für sein Braunauer Juvenat erbat sich Abt Dominik Procop im Sommer 1920 als Präfekten einen Engelberger Pater. Abt Bonaventura, der für die Wichtigkeit der Sache volles Verständnis hatte, bestimmte für die Aufgabe P. Maurus. Der Domizilwechsel von der Rickenbacher Kaplanei in die Braunauer Juvenatspräfektur war für P. Maurus eine Herausforderung.
Ganze 13 Jahre teilte P. Maurus mit den ihm anvertrauten Buben das Alltagsleben, ass mit ihnen am gleichen Tisch, schlief mit ihnen im gleichen Schlafsaal, ging mit ihnen an heissen Sommertagen ins Wasser, machte mit ihnen Ausflüge und war ihre Zuflucht in allen ihren Anliegen. Wenn auch das Kirchenrecht ihm verbot, Beichtvater seiner Schutzbefohlenen zu sein, so vernahm er doch alles, was in ihrem Leben vor sich ging, kannte ihre Familienverhältnisse und musste in allen Fragen Rat und Weisung erteilen. Da er trotz allem stets an Heimweh litt und zudem das fremde Klima nicht restlos gut vertrug, bat er im Sommer 1934 um die Heimberufung. Sie wurde ihm umso lieber gewährt, weil die Inangriffnahme der Kameruner Mission eine Einschränkung der Aussenposten notwendig machte. Von Braunau her kam P. Maurus als Gehilfe des erkrankten P. Ambros Schnyder als Spirituale ins Klosters Leiden Christi im Appenzellerland. Fortan war die Seelsorge in Frauenklöstern seine ständige Aufgabe. Er wirkte ein Jahr in Leiden Christi, sechs Jahre (1935/41) in Melchtal, neun Jahre (1941/50) bei den Frauen von St. Andreas in Sarnen und die letzten Jahre (1950/54) in Rickenbach.
P. Maurus liebte Wanderungen, Bergtouren und schöne Reisen. Er machte in seinen Ferien erinnerungsreiche Reisen ins Ausland, nach Italien, Spanien, Belgien, Deutschland und dank einer Spenderin reiste er sogar ins Heilige Land. P. Maurus, der meist allein reiste, brachte von seinen Reisen viel innere Freude und Erinnerungen mit; denn er schaute die Welt mit offenen, intelligenten Augen an und bildete sich über alles sein persönliches Urteil. Doch für eines hatte er zu wenig Interesse, für das Erlernen fremder Sprachen: So unterliess er es während seines vierjährigen Aufenthaltes in Tschechien, die tschechische Sprache zu erlernen, wozu sich reichlich Gelegenheit geboten hätte.
Für P. Maurus war 1953 der unerwartete Tod seines Mitbruders Heinrich Vogler, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband, ein schwerer Schlag, von dem er sich nie recht erholte. Bei ihm zeigten sich gesundheitliche Störungen, die eine gewisse Unsicherheit des Auftretens und eine auffällige Schwächung der Sehkraft zur Folge hatten. Eine gründliche Untersuchung der Augen führte zum Ergebnis, dass es sich um Vorboten eines Hirnschlages handle, also um eine ernstliche Erkrankung. Ende Januar kam der leidende Mitbruder heim ins Kloster, wo er sich eine Zeit lang zu erholen schien. Dann aber verschlimmerte sich sein Zustand und ab Mitte Mai musste er ständig das Bett hüten, da eine fortwährende Schwächung zu beobachten war. Am Nachmittag des 3. Juli bereitete dann ein heftiger Hirnschlag dem Leben von P. Maurus ein rasches Ende.
Professnummer
- Nr. 706
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 40, 1953/54, S. 86-95, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf P. Maurus Lauber, in: Titlisgrüsse 40, 1953/54, S. 86-95.