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Vieles, was wir über Wasser zu wissen glauben, stammt aus dem Reich der populären Mythen. Stimmt es, dass wir täglich drei Liter trinken sollten? Sterben Menschen nach drei Tagen ohne Wasser? Kann man auch zu viel trinken? Und kann Trinkwasser eigentlich verderben? 13 Antworten aus der Medizin.
Stimmt es, dass man drei Liter pro Tag trinken sollte?
Aus medizinischer Sicht gibt es keine eindeutige Antwort auf die Frage, wie viel man täglich trinken sollte. Die beste Regel lautet: Trinken nach Durst. Der menschliche Körper ist unheimlich genau im Signalisieren, wie viel Wasser er braucht. Wenn zu wenig Flüssigkeit vorhanden ist, steigt im Blut und in den Körperzellen die Anzahl der kleinsten gelösten Teilchen, die insbesondere aus Natriumsalzmolekülen bestehen. Diese erhöhte Teilchenkonzentration erzeugt eine Drucksteigerung und befiehlt sozusagen dem Körper über das Durstgefühl, etwas zu trinken, damit die Teilchen sich wieder verdünnen können. Grundsätzlich gilt: etwa 1,5 bis 2,5 Liter pro Tag sollte ein erwachsener Mensch trinken.
Was ist gesünder: Hahnenwasser oder Mineralwasser?
In der Schweiz ist beides gleich gesund. Wir haben exzellente Wasserqualität – und selbst wenn das Hahnenwasser weniger Mineralstoffe aufweist, entzieht es deswegen dem Körper keine Mineralstoffe, wie man das hie und da lesen kann. Ausserdem ist Hahnenwasser bedeutend günstiger. Hinter der Betonung, Mineralwasser sei gesünder oder auch edler, stehen vor allem Marketingmechanismen der Getränke industrie, die Wasser verkaufen will.
Zu wie viel Prozent besteht der Mensch aus Wasser?
Bei Babys sind es 80 bis 90 Prozent, im hohen Alter nur noch etwa 50 Prozent. Ein gesunder erwachsener Mann besteht zu 60 Prozent aus Wasser, eine Frau zu ungefähr 55 Prozent, dafür ist der Fettgehalt im Körper bei ihr leicht höher.
Worauf muss man bei körperlicher Anstrengung achten?
Bei Anstrengung, Hitze oder Fieber versucht der Körper, seine normale Temperatur zu halten; er verdunstet Wasser in Form von Schweiss. Wir verlieren also Flüssigkeit, die wir uns wieder zuführen sollten – am besten gemäss Durstgefühl. Wir sollten aber nicht mehr Flüssigkeit trinken, als wir verlieren, um eine Überwässerung zu vermeiden.
Kann zu viel Wassertrinken tatsächlich gefährlich sein?
Ja, wenn man schnell mehr Flüssigkeit trinkt, als man verliert, verdünnen sich die kleinsten Teilchen im Blut sehr stark. Weil durch die BlutHirnSchranke die Konzentration dieser Teilchen im Gehirn aber vorerst normal bleibt, zieht das Gehirn Wasser aus dem Körper und bildet Flüssigkeitseinlagerungen – es entstehen lebensbedrohliche Hirnödeme. Es gab solche Todesfälle zum Beispiel bei Marathonläufern. Im Alltag könnte es kritisch werden, wenn man grosse Mengen wie über drei Liter Wasser pro Stunde trinkt und den Salzhaushalt nicht ausgleicht.
Kann man sich besser konzentrieren, wenn man viel trinkt?
Nein. Das gilt nur im Extremfall: Wenn man bereits unter markantem Flüssigkeitsmangel leidet, hilft Wassertrinken, um wieder leistungsfähiger zu werden – und sich damit auch besser konzentrieren zu können.
Entzieht Kaffee dem Körper tatsächlich Wasser?
Ja. Koffein wie auch Teein und Alkohol entziehen dem Körper tendenziell Wasser, weshalb es nicht schadet, wenn man dazu ein Glas Wasser trinkt.
Wie merkt man überhaupt, dass man zu wenig getrunken hat?
Als Erstes hat man einfach Durst und Lust, etwas zu trinken. Ein stärkeres Zeichen ist die Mundtrockenheit.
Was passiert im Körper, wenn zu wenig Wasser vorhanden ist?
Für einen normal leistungsfähigen Stoffwechsel – auch Metabolismus genannt – brauchen wir einen ausreichenden Wassergehalt, insbesondere zur Erhaltung der normalen Körpertemperatur. Entsteht ein Wasserdefizit, versucht der Körper, möglichst viel Wasser zu behalten: Zuerst schwitzen wir weniger und scheiden weniger Wasser über den Urin aus, dieser wird konzentriert und sieht deshalb sehr gelb aus. Danach wird der ganze Metabolismus des Körpers gedrosselt.
Wie wirkt sich anhaltender Wassermangel aus?
Die geistige und die körperliche Leistungsfähigkeit nehmen ab, dann können Verwirrtheit oder Lethargie auftreten, man wird benommen und trübt schliesslich ein, wie die Mediziner sagen.
Stirbt man nach drei Tagen ohne Wasser?
Nein, meistens überlebt man deutlich länger als drei Tage. Das ist abhängig von Faktoren wie Alter, Umgebungstemperatur, sonstigen Erkrankungen und Nierenfunktion. Unser Körper kennt viele Mechanismen, um Wasserverlust zu überstehen. Die Nieren filtern pro Tag rund 180 Liter Flüssigkeit, 99 Prozent davon bleiben im Körper. Diesen Anteil können die Nieren bei Notsituationen erhöhen. Im Extremfall stellen sie die Urinausscheidung völlig ein, was dann aber langsam fortschreitend zur Vergiftung und schliesslich zum Tod führt.
Man hört immer wieder von Hungerstreiks – warum praktisch nie von Durststreiks?
Hunger kann man willentlich unterdrücken, Durst nicht. Von der Evolution her steht die Sättigung des Flüssigkeitsbedarfs ganz oben auf der Prioritätenliste. Es ist deswegen praktisch unmöglich, aufs Trinken zu verzichten. Betagte oder sehr kranke Menschen allerdings verlieren manchmal das Durstgefühl oder entwickeln eine Trinkabscheu. Sie muss man unter Umständen bewusst zum Trinken animieren oder künstlich mit Flüssigkeit versorgen.
Kann auch sauberes Wasser schlecht werden oder verderben?
Das kommt auf die Umgebung an. Keime sind überall. Generell können sie ins Wasser gelangen und sich dort, je wärmer es ist, desto schneller vermehren. Das heisst: Stehen ein Glas oder ein (unverschlossenes) Gefäss mit Wasser bei Zimmertemperatur herum, vermehren sich darin mit der Zeit die Keime – was beispielsweise Durchfall auslösen kann.
Auskunft gab Thomas Müller, leitender Arzt der Klinik für Nephrologie (Erkrankungen der Niere) am Unispital Zürich.