Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03572.jsonl.gz/3013

Natürlich schielt man ein bisschen nach Davos, das weniger als 20 km entfernt ist. Arosa gehörte bis 1851 als ärmliche Fraktion auch politisch zu Davos und wäre beinahe ausgestorben: In der abgeschiedenen, durch keine Strasse mit dem Tal verbundenen Bergregion lebten 1850 nur noch 52 Menschen. Doch Davos ist weiter weg, als die 20 km erahnen lassen: Mit der (1914 eröffneten) Bahn und auf der Strasse sind es fast 90 km vom einen zum anderen Ort: eineinhalb Stunden mit dem Auto, zweieinhalb bis drei mit den Rhätischen Bahnen.
Arosa nahm gegen 1870 sein Schicksal selber in die Hand: Der Zuckerbäcker Hans Hold erwarb das Nachbargebäude neben seinem Bauernhaus; seine Sohn Thomas verband die zwei Häuser durch ein drittes, woraus 1882 ein „Kurhaus“ mit 30 Zimmern und 48 Betten entstand – das heutige Kulm. Und der deutsche Arzt Otto Herwig eröffnete 1888 ein erstes Sanatorium. Anfang des 20.Jahrhunderts wurde Arosa auch zur schneesicheren Winterdestination; 1938 nahmen die ersten Skilifte den Betrieb auf.
Mit Davos, das sich als alpine Stadt versteht, will man sich nicht vergleichen. „Arosa soll eine familiäre Destination bleiben“, sagt André Salamin. Der Sohn eines Wallisers und einer Tessinerin ist seit 2008 Direktor des 5-Sterne-Hauses Arosa Kulm, das sich mit den Jahrzehnten aus dem einstigen Kurhaus entwickelt hat.
Familiär, nicht vornehm
Das Arosa Kulm, das zu den Swiss Deluxe Hotels sowie zur Vereinigung Relais & Châteaux gehört, liegt im oberen Dorfteil direkt an den Skipisten. Die Sesselbahn zum Hausberg Tschuggen ist in wenigen Schritten erreichbar. Der Hörnliexpress, der Arosas Skigebiet mit jenem der Lenzerheide verbindet, ist nur zwei Minuten mit dem Gratisbus entfernt, der direkt vor dem Kulm hält. Ski- und Snowboardschule, Kinderskischule und diverse Sportgeschäfte befinden sich ebenfalls in nächster Nähe.
1914 machte das Arosa Kulm als „vornehmes Familienhotel mit modernstem Komfort“ für sich Werbung. Daran hat sich nichts geändert ausser dem „Vornehm“. „Wir sind anders als traditionelle 5-Sterne-Hotels“, sagt der Direktor: „Statt steifer Konventionen wollen wir unseren Gästen Stil und Emotionen bieten.“ Kinder sind höchst willkommen; sie werden in einem eigenen Kinderhort betreut. „Während den Ferien haben wir Dutzende Kinder hier“, sagt Christian Frautschi, der Marketing-Verantwortliche. Zimmer und Suiten können je nach Bedürfnis untereinander verbunden werden. Der „modernste Komfort“ ist geblieben: Das Hotel ist stetig aus- und umgebaut worden: Millionen wurden in das Hallenbad, in Seminarräume, in den Wellness-Bereich, in die einladende Lobby Lounge, die Bar, die Rezeption und die Zimmer investiert.
Natürlich legt das Arosa Kulm grössten Wert auf die Küche. Eines der sechs Restaurants, das Muntanella (14 Punkte GaultMillau), ist das Gourmet-Lokal; eines, das Stüva Cuolm (15 GM-Punkte), bietet hochstehende italienische Küche. Dass das Fünfsternehaus neben einem Fondue- und Raclette-Stübli und dem Familienrestaurant namens Taverne mit dem Ahaan Thai auch ein erstklassiges thailändisches Restaurant besitzt, mit 13 Gault-Millau-Punkten bewertet, ist hingegen eher überraschend.
König Bhumibol an der Wand
Die Geschichte geht so: Die thailändische Königsfamilie lebte in den 1930er-Jahren vorwiegend in Lausanne. Ananda Mahidol, der 1934 als Neunjähriger König geworden war, ging dort zur Schule, ebenso sein jüngerer, 1927 geborener Bruder Bhumibol Adulyadej. Um das Skifahren zu erlernen, kam die Royal Family bis 1943 regelmässig nach Arosa ins Kulm. Eine Schwarz-weiss-Fotografie zeigt Bhumibol als Knaben in einem doppelreihigen Anzug mit Krawatte und umgeschnallten Skis. König Ananda starb 1946 unter mysteriösen Umständen; Bhumibol rückte nach, blieb bis zu seinem Tod im vergangenen Oktober volle 70 Jahre auf dem Thron und war so der am längsten amtierende Staatschef des 20. Jahrhunderts. Sein Porträt ziert das elegante Thai-Lokal im Kulm.
Doch ein Hotel allein macht noch keinen Winter. André Salamin engagiert sich deshalb aktiv für die Destination und sitzt im Vorstand von Arosa Tourismus. Dieser hat im Oktober den Tourismuspreis „Milestone“ in der Sparte „Innovation“ abholen können. Das Team von Arosa-Tourismus habe sich neben den „gängigen Destinations-Aufgaben zu Event-Spezialisten entwickelt“ und „Arosa als Event-Destination positioniert“, hiess es in der Laudatio. „Ski- und Snowboardfahren ist immer noch rückläufig“, stellt André Salamin nüchtern fest. Da braucht es andere Tourismus-Magneten. Zum Beispiel das Humor-Festival, das dieses Jahr vom 8. bis 18. Dezember stattfindet. „Es ist ein idealer Auftakt für die Saison“, freut sich Salamin.
www.arosakulm.ch
BEWERTUNGEN
Anzahl Bewertungen auf Tripadvisor.ch: 270
Davon «Ausgezeichnet»: 234
Davon «Sehr gut»: 24
Das Humor-Festival
Schon 25 Jahre gibt es das Humor-Festival Arosa, das aus schierer Verzweiflung in einem schneearmen Winter von Tourismusleuten in Arosa gegründet worden war. Aus kleinen Anfängen hat es sich zu einer wichtigen, teilweise vom Fernsehen SRF übertragenen Veranstaltung gemausert. Zwischen dem 8. und dem 18. Dezember treten im Zelt bei der Tschuggen-Hütte ungefähr alle auf, die in der Schweizer Comedy-Szene Rang und Namen haben, von Bänz Friedli über Fräulein Da Capo, Hazel Brugger und Gardi Hutter bis zu Stahlberger oder Victor Giacobbo, um nur ein paar herauszupicken. Es sind diverse Arrangements buchbar, auch mit Hotel-Übernachtungen.
www.humorfestival.ch
Mit Wintersport allein kann kein Ferienort überleben. Arosa hat sich deshalb zu einer Event-Destination entwickelt, mit dem Humor-Festival zum Saison-Auftakt, und dafür soeben den Tourismuspreis „Milestone“ erhalten. Mitten im Geschehen befindet sich das traditionsreiche Hotel Kulm.
Natürlich schielt man ein bisschen nach Davos, das weniger als 20 km entfernt ist. Arosa gehörte bis 1851 als ärmliche Fraktion auch politisch zu Davos und wäre beinahe ausgestorben: In der abgeschiedenen, durch keine Strasse mit dem Tal verbundenen Bergregion lebten 1850 nur noch 52 Menschen. Doch Davos ist weiter weg, als die 20 km erahnen lassen: Mit der (1914 eröffneten) Bahn und auf der Strasse sind es fast 90 km vom einen zum anderen Ort: eineinhalb Stunden mit dem Auto, zweieinhalb bis drei mit den Rhätischen Bahnen.