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Wenn auf der Leinwand gejazzt wird, swingt auch das Publikum. Jazz-Filme boomen wie nie zuvor.
Dazu kommt: Regisseur Damien Chazelle hat ein Händchen für Musikfilme. 2016 liess er Ryan Gosling und Emma Stone in «La La Land» in den Himmel tanzen, zuvor hatte er schon «Whiplash» (2014) über einen virtuosen jungen Schlagzeuger gedreht, der auf einen sadistischen Lehrer trifft.
Beide Filme haben dem Regisseur mehrere Oscars eingebracht. Und in beiden Filmen ging es um Chazelles Lieblingsthema: Jazz. Nicht nur sind die Hauptpersonen Jazzmusiker, auch der Rhythmus der Filme ist von der Musik inspiriert.
Schäbiger Jazzclub, illegale Aufträge
«The Eddy» ist aus demselben Muster gestrickt. Die Serie erzählt die Geschichte von Elliot Udo, einer fiktiven Jazzlegende aus New York. Seit dem Tod seines Sohnes ist Elliot Udo nicht mehr in der Lage, selbst auf der Bühne zu stehen.
Inzwischen lebt er in Paris, betreibt dort zusammen mit seinem Freund Farid den etwas schäbigen Jazzclub «The Eddy» und managt die Band, die dort regelmässig auftritt. Farid macht illegale Geschäfte, um sich, den Club und die Band über Wasser zu halten. Dann wird er ermordet.
Elliott wird nach und nach in kriminelle Machenschaften verwickelt. Gleichzeitig arbeitet er an neuen Songs und dann ist da noch seine rebellierende 16-jährige Tochter Julie, die gerade aus den USA zu ihm gezogen ist.
Hier spielt die Musik
Während sich die Haupthandlung um Elliot im Hintergrund weiterentwickelt und sich jede der acht Folgen auf einen der Charaktere konzentriert, mausert sich die Musik zum eigentlichen Star von «The Eddy». Sie ist kein Soundtrack im herkömmlichen Sinne, sondern spielt die Hauptrolle. Die Musik findet auch nur dann statt, wenn sie Teil der Szene ist – zum Beispiel, wenn die Band im Club probt oder spielt.
Komponiert haben sie Grammy-Gewinner Glen Ballard und Randy Kerber, der auch den Pianisten der Hausband von «The Eddy» spielt, die so multikulturell wie die reale Pariser Jazzszene ist.
Dargeboten werden die rund 20 neuen Songs von Profis wie der kroatischen Schlagzeugerin Lada Obradović oder dem haitianisch-kanadischen Saxophonisten Jowee Omicil. Ein eklektischer Mix diverser Jazz-Spielarten, ohne Berührungsängste mit anderen Genres.
Schwungvolle Musik, lahme Krimi-Story
Wenn der Streaming-Gigant Netflix sich mit einem Regisseur wie Damien Chazelle zusammentut, sind die Erwartungen hoch. Doch was spannend mit einem Mord begann, wird schnell platt und zum Gähnen langweilig.
Wer die Musik ins Zentrum stellt – was grossartig ist – bremst unweigerlich die Handlung aus. Insgesamt wirkt die Serie wie ein aufgeblasener Kinofilm ohne Spannungsbogen oder Cliffhanger, was für einen Krimi nun mal essenziell ist.
Serie «The Eddy»
Die acht Folgen der ersten Staffel sind seit dem 8. Mai auf Netflix zu sehen. Eine Folge dauert jeweils ungefähr eine Stunde. Die Serie ins Leben gerufen haben Alan Poul, Damien Chazelle, Jack Thorne und Glen Ballard. Letzter schrieb die Songs und gründete die Band The Eddy, Link öffnet in einem neuen Fenster.
«The Eddy» bringt alles mit, was ein unterhaltendes Format ausmachen sollte – und genau das ist das Problem. Damien Chazelle will zu viel: komplizierte Probleme von komplizierten Menschen erzählen, die bunte Pariser Jazz-Szene porträtieren, verschiedene Kulturen, ihre Einflüsse auf die Musik. Stattdessen kratzt er nur an der Oberfläche.
Es fehlt eine klare Struktur, alles wirkt wie improvisiert. Wie im Jazz eben. Nur die Musik hält all das überhaupt zusammen.