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17 Heliade Radulescu den «Currier românescu» (1828–48),
dann den «Currier de ambe sexe» (1843–48) zu Bukarest [* 2] begründete, zwei einflußreiche Zeitschriften, welche als die Zeichen der beginnenden Umgestaltung nach dem Vorbild westl. Civilisation zu betrachten sind. Wertvoll durch Mitteilung geschichtlicher Dokumente war das von Laurianu und Balcescu 1845 begonnene «Magasinul istoricu pentru Dacia». In späterer Zeit war unter den Bukarester Blättern besonders der «Românul» (seit 1857),
das täglich erscheinende Organ der liberalen Partei, von Bedeutung, die jedoch seit dem Tode C. A. Rosettis (1885) abnahm. In der Moldau begann die litterar. Bewegung etwas später. 1840 erschien die «Dacia literara» von Cogalniceanu, Alexandri und Negruzzi, 1841 die «Archiva Romanesca» von Cogalniceanu. Aus späterer Zeit ist die erst zu Jassy, dann in Bukarest erscheinende Revue «Convorbiri literare» hervorzuheben. Unter den täglich erscheinenden Blättern sind folgende hervorzuheben: Nationalliberal sind «Voinţa Natională», «Românul», «Naţionalul», «Gazeta Poporuluĭ», «La Patrie»;
konservativ: «Timpul», «Constituţionalul», «Ţara», «Lupta», «L’Indépendance roumaine»;
socialistisch: «Lumea noua».
Wichtige Zeitschriften: «Analele Academieĭ», «Convorbiri literare», «Ateneul», «Revista nouă», «Archiva din Jaši», «Jiul», «Lumina pentru toţi» und die «Economia naţională». Geschichte. (Für die ältere Geschichte vgl. Moldau und Walachei.) Mit dem Pariser Frieden beginnt die neuere Geschichte R.s. Durch denselben wurde das russ. Protektorat in den Donaufürstentümern aufgehoben und durch die Garantie der Nichtintervention der Großmächte ersetzt, der Moldau der südl. Teil (Ismail, Kagul, Bolgrad) Bessarabiens zuerteilt und zugleich bestimmt, daß die Bevölkerung über die künftige Gestaltung ihrer Staaten durch eigene, die gesamten Interessen des Landes vertretende Volksversammlungen (Diwans ad hoc) unter Aufsicht einer Kommission der Großmächte befragt werden solle. Die Hospodare (Ghika und Stirbei) wurden 1857 durch provisorische Statthalter (Kaimakams) ersetzt: Balsch und nach dessen Tode Nikolaus Bogorides in der Moldau, Alexander Ghika in der Walachei. Die Diwans erklärten (19.und als Hauptwünsche beider Länder: die Achtung der durch die alten Verträge mit der Pforte verbrieften Rechte der Fürstentümer und deren Neutralität sowie ihre Vereinigung zu einem konstitutionellen Staate unter einem erblichen Fürsten aus einer europ. Dynastie. In der darauf folgenden Pariser Konvention vom regelten die Großmächte die rumän. Verfassungsfragen, indem sie die Höhe der der Pforte zu zahlenden Tribute, die Wahl zweier Landesfürsten und ein neues Wahlgesetz für die Deputiertenkammern festsetzten. Die Zusammengehörigkeit der beiden Länder erhielt ihren Ausdruck in einer permanenten Centralkommission zu Focşani, welche die gemeinsamen Gesetze ausarbeiten sollte.
Unter dem Vorsitze von provisorischen Regierungen fand 1859 durch die neuen Volksvertretungen die Fürstenwahl statt, und zwar wurde in beiden Ländern der Oberst Alexander Cusa (s. d.) gewählt (17. Jan. in Jassy, 5. Febr. in Bukarest), nachdem er sich zuvor urkundlich verpflichtet hatte, die Vereinigung der Fürstentümer zu Gunsten eines fremden Fürsten zu verwirklichen. Auf Empfehlung der Vertragsmächte erteilte die Pforte ihm Okt. 1859 die Investitur. Sogleich stellten sich die aus der neuen Verfassung entspringenden Schwierigkeiten heraus: der Landesfürst hatte zu regieren mit zwei Ministerien, zwei Deputiertenkammern und einer Centralkommission, die fern von den beiden Residenzen in einer dritten Stadt ihren Sitz hatte.
Dazu kam ein fortwährender Hader um die Macht, woraus häufige Ministerwechsel und ebenso häufige Kammerauflösungen folgten. Nach längern Verhandlungen genehmigte die Pforte endlich die zeitweilige Vereinigung der Fürstentümer, die Aufhebung der Centralkommission, ein gemeinsames Ministerium und eine gemeinsame Deputiertenkammer. Am wurde durch den Fürsten die Gründung des einheitlichen Staates Rumänien [* 3] proklamiert. Unter dem Kabinettspräsidium des hochkonservativen Barbu Catargiu trat die erste einheitliche Kammer in Bukarest zusammen. Am wurde Barbu Catargiu beim Verlassen der Kammer meuchlings erschossen.
Die nun folgenden Ministerien vermochten sich nicht zu halten gegen die immer mehr überhandnehmende Maitressen- und Günstlingswirtschaft, und Cusa suchte endlich seine Rettung in einem Staatsstreich, indem er die Kammern auflöste und eigenmächtig ein der Napoleonischen Verfassung nachgebildetes sog. Statut mit zwei Kammern erließ. Die Genehmigung dieses Aktes durch die Pforte und die Mächte erfolgte im Juli desselben Jahres. Kraft [* 4] der unumschränkten Gewalt, die Cusa vom 14. Mai bis ausübte, oktroyierte er mehrere wichtige Gesetze: das Civil- und Kriminalgesetzbuch, Gesetze für Gerichtsorganisation, Gemeinde- und Distriktsverwaltung, für Pensionswesen, für das Unterrichtswesen sowie für den Belagerungszustand.
Die wichtigste Reform war die der grundherrlich-bäuerlichen Verhältnisse, wodurch die seit dem 16. Jahrh. herrschende Robotpflichtigkeit der Bauern aufgehoben und 406898 Bauernfamilien zu Grundeigentümern gemacht wurden. Mutwillige Verschwendung zerrüttete aber die Finanzen, Mißernten und Hungersnot verschlimmerten noch die Lage, und es kam zur Einstellung der notwendigsten Zahlungen. Diese Umstünde sowie die Verwahrlosung der Verwaltung veranlaßten allgemeine Unzufriedenheit und führten endlich zu einer Verschwörung, die Cusa (11.) stürzte.
Auf Vorschlag einer sofort gebildeten provisorischen Negierung (Golescu, Haralambie, Lascar Catargiu) wählten beide Kammern noch an demselben Tage einstimmig den Grafen von Flandern, Bruder des Königs von Belgien, [* 5] zum Fürsten. Als dieser die Wahl ablehnte, ordnete die Regierung, im Einvernehmen mit Napoleon III., eine Volksabstimmung über die Berufung des Prinzen Karl von Hohenzollern-Sigmaringen an, die 14. bis 20. April die fast einstimmige Wahl des Prinzen zur Folge hatte und 13. Mai durch die neugewählte Deputiertenkammer bestätigt wurde. Fürst Karl hielt 22. Mai seinen Einzug in Bukarest und beschwor die neue liberale, der belgischen nachgebildete Verfassung 12. Juli. Die Großmächte erkannten die neue Ordnung der Dinge im Laufe des Jahres an.
Die Thronbesteigung Karls I. war für R.s Schicksale entscheidend. Bald traten zwei Parteien scharf gegeneinander auf: die Bojaren, die in der Änderung der bestehenden Verhältnisse und in den konstitutionellen Freiheiten eine Gefahr für ihre Macht erblickten, und die Nationalliberalen, die voll ¶
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Ver-18 trauen auf die Entwicklungsfähigkeit des Volks und des Staates energisch zu entschiedenen Reformen drängten. Der Führer der Bojaren, Lascar Catargiu, bildete das erste Kabinett des Fürsten Karl. Es folgten bald mehrere liberaler Färbung. In diese Zeit fallen das von Joan Bratianu angeregte weittragende Gesetz über die Erbauung einer Eisenbahn, welche die Mitte des Landes durchziehen sollte und deren Ausführung Strousberg und Oppenheim übertragen wurde, und die durchgreifenden Reformen in Verwaltung und Finanzen.
Viel Aufsehen erregten die ebenfalls 1868 in der Moldau stattfindenden Krawalle gegen die Juden sowie das Eindringen bulgar. Freischärler in türk. Gebiet. Man schob ohne haltbare Gründe für beides Bratianu die Schuld zu, und dieser nahm im November seine Entlassung. Drei aufeinander folgende konservative Ministerien konnten die erwünschte Ruhe im Staatswesen nicht herbeiführen, und während Joan Ghika bis die Staatsgeschäfte leitete, fanden zwei wichtige Begebenheiten statt, die beinahe den Zusammenbruch des neuen rumän. Staates nach sich gezogen hätten: Strousbergs Bankrotterklärung, die die Vollendung der Eisenbahn in Frage stellte, und 22. März die Störung des deutschen Friedensfestes in Bukarest, die sich als eine direkte Kundgebung gegen den Fürsten kennzeichnete.
Der Abdankung des Fürsten wurde glücklich vorgebeugt, und die Regierung ging auf den hochkonservativen Lascar Catargiu über, der bis zum im Amte blieb. Durch ein Übereinkommen mit Bleichröder und der Diskontobank (1872) wurde der Ausbau der Eisenbahnen gesichert. 1875 wurden die ersten Handelsverträge auf freihändlerischer Grundlage abgeschlossen. Das Kabinett zeigte sich jedoch den Zeitforderungen nicht gewachsen; man stand am Vorabend des Orientalischen Krieges ohne ein zielbewußtes polit. Programm, vor einer ungedeckten Staatsschuld von 97 ½ Mill. Lëi, und so gingen die Zügel der Regierung wieder in die Hände der Nationalliberalen über unter der Führung Joan Bratianus, der 12 Jahre lang (bis die rumän. Angelegenheiten leitete. An dem Russisch-Türkischen Krieg von 1877 und 1878 (s. d.) sollte die Lebensfähigkeit des rumän. Staates erprobt werden.
Bis dahin hatte beim Ausbruch eines Türkenkrieges Rußland regelmäßig Rumänien in Besitz genommen und es durch russ. Generale verwalten lassen. Nun mußte es sich überzeugen, daß Rumänien nicht ohne weiteres mehr ein Durchzugsland für seine Heere war. Diese Erklärung gab Bratianu in Livadia ab, als er im Herbst 1876 den Kaiser Alexander II. auf Befehl des Fürsten Karl begrüßte, und Rußland mußte sich herbeilassen, mit Rumänien einen Vertrag abzuschließen, worin allerdings der verlangte Durchzug gewährt wurde, der aber zugleich die feierliche Zusage der Achtung aller rumän. Staatseinrichtungen und die Garantie des vollen Territorialbestandes enthielt.
Noch bevor der russ. Aufmarsch an der Donau sich vollzogen hatte, proklamierte Rumänien seine Unabhängigkeit und stellte die Zahlung des Tributs an die Pforte ein Nachdem die Russen die Donau überschritten hatten und vor Plevna (s. d.) in eine gefahrvolle Lage geraten waren, sah sich der Oberbefehlshaber Großfürst Nikolaus gezwungen, sich an den Fürsten Karl um Hilfe zu wenden, der 20. Aug. mit seiner Armee über die Donau ging und den Oberbefehl über die gesamten russ.-rumän. Truppen vor Plevna übernahm, mit denen die von Osman Pascha heldenmütig verteidigte Festung [* 7] 10. Dez. erobert wurde. Nach diesem Siege zogen die Russen über den Balkan, die Rumänen längs der Donau gegen die Festungen Rahova und Vidin. Nach deren Übergabe durch die Türken und kehrte Fürst Karl mit seiner Armee nach Rumänien zurück. Am schlossen Russen und Türken vor den Thoren Konstantinopels den Vertrag von San Stefano (s. d.) ab, worin, trotz des russ.-rumän. Abkommens vom die Rückgabe der südbessarab.
Distrikte an Rußland festgesetzt wurde. Obgleich Rumänien feierlichen Protest gegen diesen Vertragsbruch einlegte, fügte es sich endlich doch den Beschlüssen des Berliner [* 8] Kongresses (s. d.) und nahm Nov. 1878 anstatt der bessarab. Distrikte von der Dobrudscha Besitz. Die von den Kongreßmächten verlangte Emancipation der Juden und Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse machte eine Verfassungsrevision notwendig, die Okt. 1879 alle auf die Religion begründete Unterschiede in der staatsbürgerlichen Stellung aufhob, dagegen den Erwerb des ländlichen Grundbesitzes von dem Besitze des rumän. Staatsbürgerrechts abhängig machte. Rußland und Österreich-Ungarn [* 9] erkannten die Unabhängigkeit R.s 1878 an, Italien [* 10] 1879, die übrigen Mächte 1880.
Nach Beendigung des Krieges ging man an den Ausbau des Staatswesens. Die alten, von den Bojaren beherrschten engen Wahlkollegien machten eine Verfassungsrevision zu ihrer Erweiterung im liberalen Sinne nötig (1884). Es wurden tiefgreifende Gesetze erlassen für Decentralisation der Verwaltung, Besserung des Gerichtswesens, Verbreitung des öffentlichen Unterrichts, Ausbau der Eisenbahnen, Errichtung von Kreditanstalten, vor allem aber für Regelung der Finanzen.
Das Tabaksmonopol, das sich in den Händen engl. Pächter befand, und die Eisenbahnen wurden verstaatlicht, die Kopfsteuer zu zwei Dritteln nachgelassen, die technische Verbesserung der Salzbergwerke durchgeführt und das Gleichgewicht [* 11] im Staatshaushalt trotz der steigenden Staatsbedürfnisse hergestellt. Man schritt zu dem Ausbau der Donauhäfen, zur Errichtung von Staatssilos in Galatz und Braila zur Aufbewahrung des Getreides und von Viehmärkten in Turn-Severin und Küstendže.
Mit Ablauf [* 12] der alten Handelsverträge wurde 1886 ein Schutzzolltarif erlassen und die neue Handelspolitik auf die beschränkte Meistbegünstigungsklausel gegründet. Der erste derartig abgeschlossene Vertrag war der mit der Schweiz [* 13] (1886): diesem folgten (1887) die Verträge mit Deutschland [* 14] und der Türkei. [* 15] Diese veränderte volkswirtschaftliche Politik führte zu einem Zollkriege mit Österreich-Ungarn, der erst 1891 mit dem Erlasse eines mildern, die österr.-ungar. Interessen mehr berücksichtigenden Zolltarifs endigte.
Ganz besonders richtete sich das Augenmerk auf die Armee: die Ausgaben für den jährlichen Unterhalt wurden verdoppelt, mehrere hundert Millionen für den Bau von Kasernen, Militärschulen, Arsenalen, Festungen sowie für Bewaffnung und Munition verwendet. Dies konnte nicht ohne Einfluß auf die polit. Stellung R.s im europ. Staatengebilde bleiben. Am erhob ein Parlamentsbeschluß Rumänien zum Königreich, Fürst Karl wurde zum König gekrönt und 1885 die rumän. orthodoxe Kirche durch feierlichen Akt für ¶