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1984 Die Bank Teil 3
Nachdem ich also gewartet hatte, kam der Generaldirektor zurück in mein Büro. Was er mir zu übermitteln hatte, entsprach genau dem, was damals und auch noch heute in den Köpfen von Männern vorgeht, wenn es darum geht, die Gleichstellung von Frauen einzufordern.
Es wurde mir vorgeschlagen, dass ich zusammen mit der Bank einen Musterprozess führen sollte. Ich sollte mithilfe eines Anwalts der Bank, einen Prozess gegen den Gesetzgeber anstreben, der die Nachtarbeit für Frauen zu deren Schutz, verboten hatte.
Auf meine Rückfrage, ob es nicht einfacher sei, für Frauen, die Arbeitszeit in der Bank dem Gesetz anzupassen, erhielt ich folgende Antwort:
“Wir wollen keine Sonderrechte für Frauen einführen, wir wünschen uns eine Gleichberechtigung auf gleicher Ebene.”
Ich schluckte und fragte nach gleichen Löhnen und vor allem, wie das sei bei Ausfall eines Mannes durch Militärdienst bei vollem Gehalt und dann jemand, meist eine Frau, die Arbeit für zwei machen müsste und das bei gleichbleibendem Lohn?
“Dann müssten Sie als Frau auch bereit sein, die gleichen Dienste zu erbringen.”
Hatte er jetzt allen Ernstes mich gebeten, Militärdienst zu leisten?
Es sei die Ansicht der Generaldirektion, dass ich nur gleiche Rechte erhalten könne, wenn ich die gleichen Pflichten erfüllen würde. OK das Argument mit dem Kinderkriegen konnte ich nicht in die Waagschale werfen so schaute ich ihm tief in die Augen, fragte nochmals nach, ob ich die Stelle als Betriebsmanagerin nur bekommen würde, wenn a) ich Militärdienst geleistet hätte und b) ich einwillige gegen den Staat zu prozessieren.
Er schmunzelte und wiederholte: “Ja, das ist die Meinung der Generaldirektion”.
Entscheidung
Die Entscheidung viel mir relativ leicht. Das Jahr zuvor war spannend und abwechslungsreich, die Reise nach und durch Indien war ein faszinierendes aber auch erschöpfendes Abenteuer gewesen. Sollte ich jetzt schon wieder so etwas wagen? In mir drin, hatten sich Frust und Langeweile breitgemacht , die Bank erfüllte mich keineswegs. Nach Gesprächen mit Doris und Anderen, die bereits Militärdienst geleistet hatten, war meine Neugier geweckt. Auch wollte ich mir selber beweisen, dass ich das körperlich schaffe. Ich wollte die Schmerzen und meine rheumatische Erkrankung einfach hinter mir lassen und so tun, als ob ich nichts hätte. Wenn ich nur wollte, müsste mir das gelingen.
Aushebung
Ich meldete mich an und bekam sehr bald schon einen Brief in welchem die Angaben zur Aushebung (zu deutsch “Musterung”) enthalten waren. Ich sollte nach Winterthur in die Kaserne kommen, es werde ein kurzes Gespräch geben, eine ärztliche Untersuchung und eine schriftliche Aufnahmeprüfung.
Das kurze Gespräch
bestand darin, dass man mir klar machen wollte, dass für die Truppengattung, für welche ich mich entschieden hatte, keine weiteren Anwärterinnen aufgenommen würden.
Ich wollte zu den Sanitätsfahrerinnen, welche eine Sonderstellung im FHD (Frauen-Hilfs-Dienst) hatten. Es war keine “Kriegs”-Truppe, sondern eine Friedenstruppe, die Sanitätsangehörigen bekamen einen Ausweis des roten Kreuzes und durften im Krieg weder gefangengenommen werden, noch durften die Angehörigen dieser Truppen Waffen tragen oder transportieren. Ein weiteres Plus, war die Ausbildung in Sachen “erste Hilfe” und auch das Training auf allen Fahrzeugen, zu guter Letzt handelte es sich um eine reine Frauentruppe, das heisst es gab keine männlichen Vorgesetzten.
Ich erklärte, dass ich diesen Dienst freiwillig antrete und ich deshalb den Dienst da versehen würde, wo ich das möchte. Die Alternative wäre bei den Brieftauben gewesen, was nichts anderes verhiess, als Taubendreck zu putzen.
Widerspruchslos erhielt ich die Zuteilung zu den Sanitätsfahrerinnen.
Die ärztliche Untersuchung
war eine Farce, davor hatte ich jedoch am meisten Respekt. Man würde die grossen Narben an meinen Knien sehen und mich dazu befragen, wahrscheinlich würde ich für dienstuntauglich deklariert. Der Arzt war ungarischer Abstammung und musste seinen Hilfsdienst versehen, nachdem er den Schweizer Pass erhalten hatte. Wir wurden vermessen, auf die Waage gestellt, gefragt, ob wir uns gesund fühlten, es wurde Blut abgenommen zur Blutgruppenbestimmung, das war’s.
Die schriftliche Prüfung
empfand ich belustigend. Sie entsprach allen Klischees, die ich im Hinterkopf haben konnte. Es musste eine Aufsatz geschrieben werden zum Thema:
Sie kommen an ein Bahngleis, Sie sehen einen Felsen auf dem Geleise liegen, was tun Sie?
Wir hatten zwei! Stunden Zeit dafür, erwartet wurden zwei A4 Seiten handschriftlich. Ich erinnere mich gut, ich tobte mich verbal aus, immer mit der Absicht, die Richtigkeit von Gesetz und Ordnung, meine Hilfsbreitschaft und meine Loyalität in den Vordergrund zu stellen. Zunächst schilderte ich alle Optionen, wie der Fels dahin gelangt sein könnte, was von Naturkatastrophe über Zufall bis hin zum terroristischen Anschlag führte. Daraufhin malte ich aus, was alles passieren könnte, wenn ich jetzt nichts unternehmen würde, klar dass der Zug entgleisen würde. Ich brachte auch etwas Humor hinein und spielte mit dem Gedanken, nichts zu unternehmen und dann als Sanitätsfahrerin heldenhaft, die Verletzten zu retten. Letztendlich jedoch schlug ich Alarm, es wurde eine Weiche für die Züge gestellt, die Räumung des Felsens konnte beginnen. Nach einer Stunde hatte ich 10 Seiten voll und hatte genug. Ich gab das Skript unter Erstaunen ab und durfte nachhause gehen.
In zwei Wochen sollte ich das Aufgebot erhalten, falls man mich nehmen würde. Die Grundausbildung würde am 3. September 1984 beginnen, ziemlich genau ein Jahr nach dem Abenteuer in Indien.
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Es folgt eine spannende Fortsetzung!
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Auch über Kommentare zu meiner Erzählung würde ich mich sehr freuen 🙂