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Zwei von jedem
Ein Leben lang verbunden. So geht es Eli und Luli, den zwei jüdischen Kindern im bewegenden Kinderbuch "Zwei von jedem" von Rose und Rebecka Lagercrantz.
Wie vermittelt man Kindern den Holocaust? Rose und Rebecka Lagercrantz gelingt das mit ihrem illustrierten Kinderbuch "Zwei von jedem" auf berührende und trotz allem Schrecken kindgerechte Weise.
Zwei, die zusammengehören
Eli und Luli wachsen in Siebenbürgen auf. Sie sind neun Jahre alt, als die Geschichte einsetzt. Aus der Perspektive von Eli, eigentlich Elias, erfahren wir in einfachen Worten mehr über ihr Leben in einem rumänischen Städtchen mit zwei Flüssen, zwei Hauptstrassen, zwei Friedhöfen und zwei Sprachen, oder drei, wenn man neben Ungarisch und Rumänisch auch noch Jiddisch dazuzählt. Und wir erfahren mehr über ihre innige Freundschaft.
Während Eli ohne Vater aufwächst, hat Luli keine Mutter mehr. Da ihr Vater in der Not nach Amerika ausgewandert ist, lebt sie mit ihrer Schwester bei einer Tante. Der Vater will seine Töchter so schnell wie möglich nachholen. Eli fürchtet den Tag, an dem er von Luli getrennt wird. Neben den alltäglichen Herausforderungen des Familienlebens und dem jüdischen Hintergrund, verbindet die beiden ihre Liebe zum Laufen. Sie sind die schnellsten in der Klasse und verbringen ihre Freizeit praktisch nur rennend. So erinnert sich zumindest Eli:
"Luli lachen zu hören, war für mich das Schönste. Sie sollte jeden Tag lachen. Lachen und mit mir um die Wette laufen." (S. 25)
Von der Weltgeschichte eingeholt
Eli wünscht, sein Leben würde immer so weitergehen, doch es kommt anders. Eli erkrankt schwer und ist dem Tod nahe und schliesslich kommt auch der von Luli so ersehnte Brief aus Amerika mit den Tickets für die Überfahrt. Und so gehen ihre Leben getrennt weiter. In Europa bricht der Zweite Weltkrieg aus und irgendwann erreicht er auch das rumänische Städtchen. Die Jüdinnen und Juden, darunter auch Eli und seine Familie, haben unter Antisemitismus und schrecklichen neuen Gesetzen zu leiden. Dann werden sie von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager deportiert. Auch Eli kommt nach Auschwitz, später nach Bergen-Belsen. Doch er und sein Bruder Adam überleben.
Die ganze Zeit über vergisst Eli nicht seine Freundin Luli in den USA. In schweren Momenten hält ihn die Sehnsucht nach ihr am Leben. Ihre imaginäre Stimme gibt ihm Kraft. Und auch in Schweden, wo er sich nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager ein neues Leben aufgebaut hat, lässt ihn der Gedanke an Luli nie los. Und tatsächlich, irgendwann trifft ein langersehnter Brief aus New York ein.
Wie dem Nachwort zu entnehmen ist, liegen vielen Elementen der Geschichte wahre Begebenheiten aus Rose Lagercrantz' Verwandtschaft zugrunde. Ihre Mutter Ella und ihre Tante Rosalia haben den Holocaust ebenfalls überlebt und sind danach nach Schweden emigriert, wo dann Rose und später deren Tochter Rebecka Lagercrantz geboren wurden. Letztere hat zum Buch wunderschöne Illustrationen in Aquarell beigesteuert. Sie lassen das kleine Städtchen und seine Bewohner*innen, allen voran Eli und Luli, und die jüdischen Traditionen vor unseren Augen lebendig werden.
Fazit
"Zwei von jedem" von Rose und Rebecka Lagercrantz ist ein bewegendes, kindgerechtes Buch über jüdisches Leben, den Holocaust und damit auch ein Kinderbuch gegen das Vergessen. Eine grosse Leseempfehlung für Kinder ab 9 Jahren. Es eignet sich auch gut zur Behandlung der Thematik in der Schule.
Die Fakten
Rose Lagercrantz (Text)
Rebecka Lagercrantz (Illustration)
Angelika Kutsch (Übersetzung aus dem Schwedischen)
Moritz Verlag
120 Seiten
Erschienen am 18.08.2021
Hardcover
ISBN: 978-3-89565-419-0
Ab 9 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den Moritz Verlag für das Rezensionsexemplar.
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Zusätzlich möchte ich euch die Podcastfolge von buuu.ch mit dem Titel "Der Umgang mit Antisemitismus in Schulen (und Kindergärten) und antisemitismuskritische Kinderbücher" empfehlen. Hört mal rein! Ein Abo des Podcasts lohnt sich eh.
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