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Im Februar waren meine Frau und ich in Kambodscha. Seit wir vor 20 Jahren unsere Hilfstätigkeit aufnahmen, hat sich das Land stark verändert.
Neue Regierungspaläste und spektakuläre Hochhäuser vermitteln das Bild eines Wirtschaftsbooms. Während früher fast alle Strassen naturbelassen (in der Trockenzeit staubig und bei Regen sumpfig) waren, sind heute fast alle grösseren Strassen geteert. Die wichtigsten Verkehrswege wurden zu grünbesäumten Boulevards aufgemöbelt.
Vor zwanzig Jahren waren die Leute zu Fuss, auf Velos oder Kleinmotorrädern unterwegs. Heute prägen immer mehr Autos das Strassenbild. Die wenigen öffentlichen Busse verkehren nur zufällig, denn in der Stadt herrscht ein unglaubliches Verkehrschaos. Zu den Stosszeiten ist an ein Fortkommen kaum zu denken. Viele Passanten tragen vor Mund und Nase eine Maske, um sich vor dem Smog zu schützen.
Einige Leute sind mit Handel oder mit dem Verkauf von Grundstücken reich geworden. Inmitten von Slums bauen sie neue Häuser, die sie mit hohen Mauern und Stacheldraht umgeben. Auf den Strassen verkehren mehr teure Offroader als in der Schweiz.
Abseits des vermeintlichen Wohlstands treffen wir bei unseren Besuchen auf grenzenlose Armut und Hunger. Es gibt keine Altersvorsorge und keine Krankenkassen. Die staatlichen Spitäler und Polikliniken sind besser geworden und kostenlos, doch niemand wird behandelt, der den Angestellten kein Trinkgeld zusteckt.
20-30% der erwachsenen Kambodschaner können nicht lesen und noch mehr haben keine regelmässige Arbeit. Gelegenheits- Jobs werden mit ca. 4 US-Dollars pro Tag entlöhnt.
Besser geht es den Näherinnen in den Kleiderfabriken. Sie arbeiten sechs Tage pro Woche und bringen am Monatsende 140 Dollars nach Hause. Die Saläre von Lehrpersonen oder Polizisten sind nur wenig höher. Eine Familie mit Kindern benötigt für Nahrung und eine armselige Wohnmöglichkeit mindestens 350 Dollars pro Monat.
Manche Familien erwirtschaften zuhause einen bescheidenen Verdienst. Im „HIV-Dorf“ trafen wir auf eine Gruppe von Frauen, die ballenweise alte und defekte Wäschestücke erwerben, flicken und wieder verkaufen.
An einem anderen Ort erhält eine Frau von einer Kleiderfabrik Jeans-Hosen zugeschickt, bei denen sie die überstehenden Fäden abschneiden muss. Sie schafft pro Tag 100 Stück und erhält für diese Arbeit 1½ Dollars.
Das Schul-Sponsoring-Programm von HOPE FOR ALL ermöglicht 80 Kindern aus ärmsten Verhältnissen nicht nur den Besuch der obligatorischen Schule. Nach Ende ihrer Schulzeit werden begabte Jugendliche weiter gefördert. HOPE FOR ALL übernimmt Kosten für Fortbildungs-Schulen, für Lehrstellen und vermittelt Stipendien.