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|Wilhelm Lehmbruck
1881-1919

Biografie und Ausstellung im Georg Kolbe Museum in Berlin (bis am 13.8.2000), im Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg
(3.9.2000-4.2.2001) und in der Städtischen Kunsthalle Mannheim (17.2.-6.5.2000)
Biographie und Ausstellung
Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) hat kein einheitliches
Oeuvre hinterlassen. Er ist zwar vor allem als Expressionist - und hier
zuallererst als Bildhauer des Gestürzten - in Erinnerung
geblieben, doch daneben schuf er Werke im Stil des wilhelminischen
Naturalismus, der Neoklassik in der Nachfolge von Hans von Marées und der
durch elegante Abstraktion gekennzeichneten Formensprache von Alexander
Archipenko. Als Zeichner und Maler war er vor allem Symbolist.
Ausstellung und Katalog präsentieren nicht nur seine Hauptwerke wie den
erwähnten Gestürzten, sondern analysieren auch an ausgewählten
Beispielen Lehmbrucks Methode der Reduzierung und Fragmentierung, mit der
er neue Möglichkeiten der Skulptur aufzeigte. Daneben wird sein Umgang
mit verschiedenen Bildhauermaterialien wie Marmor, Bronze, Gips, Stein-
sowie Zementguss untersucht.
Der 1881 in Duisburg-Meiderich geborene Wilhelm Lehmbruck
besuchte in Düsseldorf, das damals den zweifelhaften Ruf der künstlerisch
konservativsten Stadt Deutschland genoss, die Kunstgewerbeschule, später die
Akademie. Über die zu Beginn des Jahrhunderts blühende Grabmalplastik erwarb
er sich erste Lorbeeren. Ab 1907 nahm er regelmässig am Pariser Salon teil.
1910 schliesslich übersiedelte er mit seiner Familie in
die französische Hauptstadt, wo er seinem Vorbild - eigentlich demjenigen
aller Bildhauer seiner Zeit - näher war: Auguste Rodin. Lehmbruck nutzte die
Kunsthauptstadt jedoch nicht, um enge Kontakte zu anderen Künstlern zu
pflegen, wie oft behauptet wurde. Der Katalog bringt hier erstmals Licht ins
Dunkel. Lehmbruck war noch stark in der Kunst des 19. Jahrhunderts verankert
und sprach wie seine Frau nur schlecht französisch, was einen engen Austausch
verhinderte. Trotzdem wurde er von den Werken Archipenkos, Brancusis,
Modiglianis und anderer beeinflusst. Er experimentierte mit neuen Materialen
und löste sich vom Dogma der Naturabbildung. Die durch verlängerte
Gliedmassen erreichte Abkehr von den klassischen Proportionen erlaubte ihm die
Etablierung einer eigenen Formensprache.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrte er nach
Deutschland zurück. In Berlin begegnete er der attraktiven Schauspielerin
Elisabeth Bergner - seiner unglücklichen Liebe. Er wurde nicht eingezogen und
konnte so 1916 in die neutrale Schweiz ausreisen. Die Krise und seine innere
Verzweiflung verstärkten die Expressivität seiner Kunst nochmals, trieben
ihn aber 1919 auch in den Freitod.
Katalog: Wilhelm Lehmbruck, hg. von Martina Rudloff und Dietrich Schubert,
2000, 273 S. Ausstellung im Gerhard Marcks-Haus Bremen (endete am 30.4.2000),
im Georg-Kolbe-Museum in Berlin (noch bis am 13.8.2000), im Wilhelm Lehmbruck
Museum in Duisburg (3.9.2000-4.2.2001) und in der Städtischen Kunsthalle
Mannheim (17.2.-6.5.2000). Für die Websites des Georg Kolbe Museums in Berlin: Links.

Lehmbruck: Torso der Grossen Stehenden, 1910. Foto: Katalog.
Lehmbruck: Gestürzter, 1915/16. Bronze.
Foto: Katalog.