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Kürzlich hat die kanadische Familie Staal für Aufsehen gesorgt. Nach Eric und Jordan erreichte mit Marc Staal ein dritter Bruder die Marke von 1000 Spielen in der Regular Season. Das gab es in der NHL noch nie.
Doch die beste Eishockey-Liga der Welt war auch schon vorher ab und zu ein besseres Familientreffen. Brüder gewannen gemeinsam den Stanley Cup, Söhne traten in die Fussstapfen ihrer Väter, Grossväter oder Onkel – und in einem Fall lief gar ein Vater mit zwei Söhnen auf.
Gordie Howe ist eine der allergrössten Legenden des Eishockey-Sports. Er spielte noch als 52-Jähriger in der NHL, seine 1767 Spiele bedeuteten bis im April 2021 Rekord (Patrick Marleau löste ihn ab). 1979/80 bei den Hartford Whalers spielte Gordie Howe in einem Team mit seinen Söhnen Marty (197 NHL-Partien) und Mark (929).
Der Ausdruck «Gordie Howe Hattrick» kommt aber nicht daher, dass drei Familienmitglieder gemeinsam auf dem Eis standen. Er bezeichnet die Errungenschaft, in einer Partie ein Tor zu erzielen, einen Assist zu geben und sich bei einer Schlägerei mindestens eine Fünf-Minuten-Strafe einzuhandeln. Rekordhalter mit 18 dieser Hattricks ist übrigens Rick Tocchet, 1992 Stanley-Cup-Sieger mit den Pittsburgh Penguins.
In der 1800er-Jahren wanderte der Schweizer Jakob Friedrich Sutter nach Kanada aus, wo seine Nachkommen eine einzigartige Familiengeschichte schrieben. Nicht weniger als sechs Brüder schafften es in die NHL: Brian, Darryl, Duane, Brent und die Zwillinge Rich und Ron. Zwischen 1976 und 2001 spielte während 24 Saisons immer mindestens einer der Sutter-Brüder in der NHL.
Der siebte Bruder, Gary, verzichtete auf eine Eishockey-Karriere, um als Ältester den elterlichen Bauernhof zu führen. Eigentlich schade – denn die anderen behaupteten, Gary sei der beste Spieler von ihnen allen gewesen.
Drei Väter durften es erleben, dass ihre Söhne ebenfalls NHL-Eis betraten: Brett (Sohn von Darryl), Brandon (Sohn von Brent) und Brody (Sohn von Duane). Der 22-jährige Riley Sutter (Sohn von Ron) spielt aktuell in der AHL, er wurde ebenso von einem NHL-Team gedraftet wie Lukas (Sohn von Rich, zurückgetreten) und Shaun (Sohn von Brian, zurückgetreten).
Von der ersten Generation gewannen Duane (vier Mal) und Brent (zwei Mal) den Stanley Cup als Spieler, Bruder Darryl errang ihn zwei Mal als Head Coach.
Ins Geschichtsbuch ging eine Partie am 30. Oktober 1983 ein: Mit Duane und Brent (New York Islanders) sowie den Zwillingen Rich und Ron (Philadelphia Flyers) standen erstmals in der Geschichte der Liga vier Brüder im gleichen Spiel im Einsatz.
Duane Sutter schilderte in der «Calgary Sun» einst diese Anekdote:
Die gemeinsame Karriere-Bilanz der sechs Sutter-Brüder (Regular Season und Playoffs zusammengezählt): 5597 Partien, 1442 Tore, 3209 Punkte und 8394 Strafminuten.
Zwei Gretzkys halten den NHL-Rekord für die meisten Skorerpunkte eines Brüderpaars, gemeinsam sammelten sie 2861 Punkte. Allerdings kam Brent nie über den Status des kleinen Bruders des grossen Wayne Gretzky hinaus. In dieser Grafik ist Brents Anteil an den gemeinsamen Skorerwerten rot markiert:
Die effektiven Zahlen:
Die beiden haben noch einen dritten Bruder. Keith Gretzky spielte in den Minor Leagues und schaffte es später als Interims-GM der Edmonton Oilers ebenfalls in die NHL.
Die drei Brüder Reg, Doug und Max Bentley spielten 1943 bei den Chicago Blackhawks gemeinsam in einer Linie – das gab es bis dahin nie. Beim einzigen NHL-Tor von Reg gaben Doug und Max beide einen Assist.
Während es Reg Bentley nur zu elf NHL-Partien brachte, waren seine Brüder grosse Stars. Sowohl Doug (1943) wie auch Max (1946 und 1947) wurden Liga-Topskorer und in die Hall of Fame aufgenommen.
Hüben und «dryden» stand im März 1971 ein Bruder im Tor: Dave Dryden bei den Buffalo Sabres und Ken Dryden für die Montreal Canadiens. Dass beide Goalies wurden, lag auch am Altersunterschied von sechs Jahren: So kamen sie sich auf dem Eisfeld als Kinder nie gross in die Quere.
Die Zuschauer waren vor dem möglichen Brüder-Duell gespannt, doch den Coach der Canadiens interessierte das nicht. Er brachte Rogie Vacheron als Torhüter, weshalb Buffalos Trainer Dave Dryden schon nach zwei Minuten aus dem Spiel nahm, da das Brüder-Duell nicht zustande kam. Aber im Mittelabschnitt wurde Vacheron so vom Puck getroffen, dass er ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Ken Dryden – und umgehend brachten die Sabres Bruder Dave.
Ken Dryden, damals aus dem Farmteam geholt, wurde zu einer grossen Nummer. Noch in der gleichen Saison führte er die Canadiens als Playoff-MVP zum Stanley-Cup-Sieg, fünf Mal erhielt er die Vezina-Trophäe für den besten Goalie. Dave Dryden seinerseits schuf sich besonders dadurch einen Namen, dass er als erster Goalie eine moderne Maske mit Gitterschutz trug.
Im Prinzip war es wie einst, als Phil und Tony Esposito als Kinder gegeneinander spielten. Bloss, dass sie nun im Dezember 1968 auf NHL-Eis standen. Tony gab als Goalie der Montreal Canadiens sein Debüt in der besten Liga der Welt – und auf der Gegenseite stand dabei Bruder Phil. Der zeigte keine Gnade und schoss beide Tore der Boston Bruins beim 2:2.
On this day in 1968, a 25-year old Tony Esposito makes his 1st career NHL start as he backs the @CanadiensMTL to a 2-2 tie against the Bruins at the Boston Garden. While he stops everything sent his way by players who aren't his brother, he does surrender 2 goals to Phil Esposito pic.twitter.com/FjXQaX2fTi— StatsCentre (@StatsCentre) December 6, 2020
Die Espositos legten fabelhafte Karrieren hin, die sie in die Hall of Fame führten. Goalie Tony erhielt drei Mal die Vezina-Trophäe als bester Torhüter, Stürmer Phil gewann zwei Mal den Stanley Cup und wurde mehrfacher Liga-Topskorer und Liga-MVP.
Die Zwillinge Henrik und Daniel Sedin verbrachten ihre gesamte NHL-Karriere gemeinsam bei den Vancouver Canucks. Die beiden Schweden wurden 1999 als Nummern 2 (Daniel) und 3 gedraftet, und spielten von 2000 bis 2018. Die beeindruckenden Skorerwerte: Henrik holte 1070 Punkte in 1330 Spielen, Daniel 1041 Punkte in 1306 Spielen. Sie besitzen mit diesen Werten zahlreiche Franchise-Rekorde und ihre Rückennummern 22 (Daniel) und 33 werden in Vancouver nicht mehr vergeben.
Mit den Canucks schafften es die Sedins in den Stanley-Cup-Final 2011, der episch verloren ging. Vancouver hatte mit 2:0 und 3:2 Siegen vorgelegt, doch es verlor in sieben Spielen gegen die Boston Bruins, frustrierte Fans lieferten sich danach in der Stadt Strassenschlachten mit der Polizei. Durch die Niederlage verpassten die Sedins auch die Aufnahme in den Triple-Gold-Club: Mit Schweden gewannen sie 2006 Olympia-Gold und 2013 den WM-Titel.
Saku und Mikko Koivu bildeten das erste Brüderpaar aus Europa, bei dem beide Captain eines NHL-Teams waren. Der neun Jahre ältere Saku führte die Montreal Canadiens von 1999 bis 2009 an, ehe er zu den Anaheim Ducks wechselte.
Mikko war zwischen 2009 und 2020 Captain der Minnesota Wild. Bei Olympischen Spielen gewannen die Brüder mit Finnland gemeinsam Silber (2006) und Bronze (2010), Weltmeister wurden sie ohne den anderen: Saku bei der finnischen Titelpremiere 1995, Mikko im Jahr 2011.
Howie Morenz war in den 1920er- und 1930er-Jahren eine grosse Nummer: Bester Torschütze, bester Skorer, All-Star, dreifacher Stanley-Cup-Sieger. Bei den Montreal Canadiens hängt seine Rückennummer 7 unter dem Hallendach – neben der 5 seines Schwiegersohns Bernie Geoffrion, ein Superstar der 1950er- und 1960er-Jahre.
Auch Bernies Sprössling Dan Geoffrion schaffte es in den 1970er-Jahren in die NHL (111 Spiele). Und als dessen Sohn Blake Geoffrion (55 Spiele) in der Saison 2011/12 bei den Montreal Canadiens spielte, war Howie Morenz' Ur-Enkel die vierte Generation der Familie beim selben Team.
Im Sommer 2021 heiratete Yannick Weber von den ZSC Lions seine langjährige Freundin Kayla Price. Die lernte der Verteidiger in Nordamerika kennen, wo Weber insgesamt 499 NHL-Spiele für Montreal, Vancouver, Nashville und Pittsburgh absolvierte. Seine Frau ist die Schwester der Canadiens-Goalie-Legende Carey Price, der zwischen 2009 und 2013 Webers Teamkollege war.
Sie waren keine grossen Stars, dafür gelang es ihnen, identische Werte zu erreichen. Vater Ron (1967/68) und Sohn Bob Attwell (1979-1981) schafften es beide in die NHL. Sie gelangten jeweils 22 Mal zum Einsatz – und beide schossen dabei je ein Tor.