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Am Ostersonntag sind bei Explosionen in Kirchen und Hotels auf Sri Lanka viele Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Nachrichtenagenturen berichteten zunächst von bis zu 100 Toten, diese Zahl wurde später auf 290 korrigiert. Unter den Opfern sollen 35 Ausländer sein – sie stammen aus Grossbritannien, den USA, Pakistan, Indien, China, Japan und Belgien. 500 Menschen wurden verletzt.
Die Explosionen trafen unter anderem Ostergottesdienste. Sri Lankas Wirtschaftsminister Harsha de Silva berichtete auf Twitter kurz nach den Anschlägen von zahlreichen Opfern, unter ihnen Ausländer. Er rief dazu auf, die Ruhe zu bewahren und zu Hause zu bleiben.
Zu den Kirchen, die von Explosionen getroffen wurden, zählen laut Medienberichten St. Anthony’s Shrine in Kochchikade in Colombo sowie St. Sebastian’s Church in Katuwapitiya in Negombo, einer Stadt mit einer katholischen Mehrheit nördlich von Colombo. Eine weitere Kirche, wo es zu einer Explosion gekommen sein soll, ist in Batticaloa an der Ostküste. Die Polizei hat das Gebiet um die Kirchen abgeriegelt.
Ausserdem wurden mehrere Luxushotels in Colombo, der Hauptstadt von Sri Lanka, von Explosionen erschüttert. Laut BBC und anderen Medien handelt es sich dabei um die Hotels Shangri La, Cinnamon Grand und Kingsbury - die ersten sechs Explosionen sollen innerhalb von 30 Minuten stattgefunden haben. Zwei weitere Explosionen ereigneten sich einige Stunden später: Eine in einem kleineren Hotel in Dehiwala, südlich von Colombo sowie in Dematagoda, einem Vorort der Hauptstadt.
Zunächst war unklar, wer hinter den Anschlägen steckt. Mittlerweile sagt die Regierung, dass die lokale islamistische Splitter-Gruppe «National Thowheed Jamath» (NTJ) für den Anschlag verantwortlich sein soll und dabei wahrscheinlich auf internationale Unterstützung hat zählen können. Diese hat sich bislang noch nicht zu den Anschlägen bekannt. Bislang gab es im Land keine islamistisch motivierten Anschläge - rund 70 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten, 12,6 Prozent Hindus, 9,7 Prozent Muslime und 7,4 Prozent Christen.
Landesweite Ausgangssperre
Auch vom 22.4. auf den 23.4.2019 gilt eine landesweite Ausgangssperre von 20 Uhr bis um 4 Uhr morgens. Airlines fordern Passagiere dazu auf, mindestens vier Stunden vor dem Abflug am Flughafen Colombo zu erscheinen, da die Sicherheitskontrollen massiv hochgefahren wurden. Touristen, die Ausreisen, können trotz der geltenden Ausgangssperre zum Flughafen fahren – sie müssen das Flugticket der Polizei bei den verschiedenen Checkpoints vorweisen:
Keine Kunden von Hotelplan Suisse betroffen
Hotelplan Suisse hat derzeit 73 Gäste auf Sri Lanka – keiner davon halte sich aktuell in Colombo auf, wie der Veranstalter auf Twitter mitteilt. Kunden, die in den kommenden vier Tagen nach den Anschlägen einen Aufenthalt in Colombo gebucht haben, buche man in andere Hotels ausserhalb der Stadt um.
Das eidgenössische Department für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat bereits reagiert und schreibt in den Reisehinweisen: «Am 21. April 2019 wurden mehrere Anschläge auf Hotels in Colombo sowie auf Kirchen in Batticaloa, Negombo und Colombo überübt. Sie haben über 290 Todesopfer und rund 500 Verletzte gefordert. Es muss damit gerechnet werden, dass die sozialen Medien zeitweise eingeschränkt sind.
Erneute Anschläge können nicht ausgeschlossen werden. Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien und bei Ihrer Reiseleitung über die Entwicklung der Lage. Lassen Sie grösste Vorsicht walten und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden. Erkundigen Sie sich lokal (Medien, Hotel, etc.) über allfällige Ausgangssperren, die kurzfristig verhängt und aufgehoben werden können. Bleiben Sie mit Ihrem Reiseveranstalter und Ihren Angehörigen in Kontakt.»
Shangri-La bleibt bis auf Weiteres geschlossen
Gegen 09:05 Uhr Ortszeit kam es am Ostersonntag zu einer Explosion im Shangri-La Hotel im Table One Restaurant. Auf Facebook schreibt das Hotel: «Mit grosser Trauer können wir bestätigen, dass wir unter unseren Gästen und Kollegen eine Reihe von Verlusten zu verzeichnen haben. Darunter befinden sich drei unserer Kollegen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit tödlich verletzt wurden. Unser Hotel ist von Militär und Polizei gesichert. Wir haben auch entschieden, dass das Hotel bis auf weiteres geschlossen bleibt.»
Das Hotel bietet betroffenen Gästen alternative Unterkünfte an und hat Mitarbeiter am Flughafen sowie in den Krankenhäuser stationiert, um bei Bedarf Hilfe zu leisten. Für betroffene Gäste und/oder ihre Angehörigen wurde eine eigene Anruf-Hotline eingerichtet: +603 2025 4619. Auch auf Twitter teilt das Hotel seine Betroffenheit mit:
39 Ausländer starben - 19 wurden verletzt
Laut einem Forensiker der Regierung sollen sich insgesamt sieben Selbstmord-Attentäter in die Luft gesprengt haben: Zwei im Shangri-La-Hotel, einer im Cinamon Grand und ein anderer im Kingsbury. Zur gleichen Zeit hätten sich drei weitere Personen in je einer Kirche in die Luft gesprengt. Die Explosionen, die einige Zeit später registriert wurden, werden noch untersucht.
Die meisten Opfer gab es in den Kirchen – wo gerade die Ostergottesdienste stattfanden. Am Abend des Ostersonntags wurde in der Nähe des Flughafens ein weiterer Sprengsatz gefunden, der von Experten entschärft werden konnte. Am Montag fand die Polizei an der zentralen Busstation in Colombo zahlreiche Zünder für Bomben: 87 sollen es laut einem Polizeisprecher gewesen sein. Ausserdem wurde eine Autobombe in einem Fahrzeug entdeckt. Dieses stand Nahe der Kirche, die am Sonntag Ziel der Anschläge war.
Unter den 39 ausländischen Todesopfer sollen sich mindestens drei Briten, zwei Amerikaner, zwei Türken, drei Inder und ein Portugiese befinden. Laut dem niederländischen Aussenminister, Stef Blok, wurde auch ein niederländischer Staatsbürger getötet. Die chinesische Regierung meldet den Tod von zwei Chinesen. Von den zahlreichen Verletzten sollen nach bisherigen Erkenntnissen 19 Ausländer sein.
Sri Lanka hat am Ostermontag den Notstand ausgerufen, dieser soll um Mitternacht in Kraft treten - damit könne die Polizei und Armee die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten, wie es in lokalen Medien heisst.
(Dieser Artikel wird laufend aktualisiert)