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Diese Woche habe ich mich auf dem Heimweg gefragt, ob man diese Statue nicht auch demontieren müsste. Vor dem Zürcher Hauptbahnhof steht Alfred Escher (1819–1882), der Mann, dem die Schweiz den ersten Gotthardtunnel, die ETH und die Credit Suisse zu verdanken hat.
Der Mann aber auch, der 1853 eine Million Schweizerfranken erbte, die sein Vater Heinrich auch dank Sklavenarbeit auf einer Kaffeeplantage in Kuba angehäuft haben soll. Dafür hat ein deutscher Forscher vor wenigen Wochen historische Belege präsentiert.
Was sieht man nun, wenn man auf dem Bahnhofplatz steht? Einen der grössten Wirtschaftspioniere der Schweiz? Oder den Sohn eines Sklaventreibers?
Denkmäler sind im öffentlichen Raum sichtbar gewordene Geschichte. Wie die Geschichte selbst unterliegen sie einer ständigen Umdeutung.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs etwa fielen im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion auch die Lenin-Denkmäler. In China dagegen begegnet man heute noch Schritt auf Tritt Maos Antlitz.
In der britischen Universitätsstadt Oxford wird seit Monaten darum gerungen, ob die Statue von Cecil Rhodes, der im 19. Jahrhundert im Auftrag der Krone das damalige Rhodesien ausbeutete, stehen bleiben darf.
Und in den USA findet in diesen Tagen ein regelrechter Denkmalsturm statt. Vorab in den Südstaaten stehen überall Statuen von Generälen und Soldaten der konföderierten Armee, die im US-Bürgerkrieg gegen den Norden kämpften.
Ihre Kritiker wollen sie abreissen, weil diese Monumente letztlich die Unterdrückung der Schwarzen symbolisieren. Andere – darunter auch Präsident Donald Trump – sehen in ihnen Zeugnisse der eigenen Geschichte, die alle zu akzeptieren haben.
Tapfere Kämpfer oder Sklaventreiber? Stehen lassen oder schleifen?
Die Umdeutung der Geschichte ist nie einfach. Denkmäler aber flächendeckend zu zerstören, ist auch ein Ausdruck der Hilflosigkeit, da man nicht fähig oder willens ist, sie als Zeugnisse der eigenen Geschichte zu akzeptieren und in ein neues Selbstverständnis zu integrieren. Das hat unser Kunstredaktor Gerhard Mack diese Woche in einer Diskussion eingeworfen.
Was Alfred Escher anbelangt, sind wir uns übrigens einig: Sein Denkmal kann man guten Gewissens stehen lassen.