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santésuisse vergleicht jedes Jahr die Medikamentenpreise der Schweiz mit dem Ausland. Die Medikamentenpreise wurden in den letzten drei Jahren vom Bundesamt für Gesundheit auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Infolge der Wechselkursänderung vom Januar 2015 ergeben sich wieder grössere Unterschiede. Der im Dezember publizierte Auslandpreisvergleich zeigt, dass die Preise von patentgeschützten Medikamenten 10% über den Referenzländern liegen, gerechnet mit …weiterlesen »
santésuisse vergleicht jedes Jahr die Medikamentenpreise der Schweiz mit dem Ausland. Die Medikamentenpreise wurden in den letzten drei Jahren vom Bundesamt für Gesundheit auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Infolge der Wechselkursänderung vom Januar 2015 ergeben sich wieder grössere Unterschiede.
Der im Dezember publizierte Auslandpreisvergleich zeigt, dass die Preise von patentgeschützten Medikamenten 10% über den Referenzländern liegen, gerechnet mit dem offiziellen BAG Kurs von Fr. 1.20/€ (siehe Medienmitteilung). Bei den Generika zahlen die Krankenversicherer den doppelten Preis. Das Einsparpotential ist bei den Ausgaben für Medikamente dementsprechend gross. Mit verschiedenen Massnahmen könnten für die Prämienzahler mehr als eine Milliarde eingespart werden (siehe Präsentation Auslandpreisvergleich von santésuisse). Am Beispiel vom umsatzstärksten patentgeschützten Medikament, Humira® (Adalimumab), soll aufgezeigt werden, wie hoch das Einsparpotential bei einem konkreten Beispiel ist.
Was ist Humira?
Humira®, Adalimumab, ist ein Medikament, das in der rheumatoiden Arthritis, Psoriasis-Arthritis, bei Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis), Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Psoriasis bei Erwachsenen sowie der polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt wird. Der Wirkstoff Adalimumab ist ein humaner therapeutischer Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor (TNF) alpha. Monoklonale Antikörper bestehen aus Eiweissen, die andere Eiweisse mit Hilfe von Bindungsstellen erkennen und dadurch blockieren können. Damit wird rasch ein günstiger Einfluss auf die Entzündung erzielt, was zu einem verzögerten Fortschreiten der Erkrankung, zu einer Reduktion der Schmerzen, verbesserter körperlicher Funktionsfähigkeit und einer höheren Lebensqualität führt. Die TNF Blockierung kommt bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis, chronischen entzündlichen Darmerkrankungen oder Entzündungen der Wirbelsäure zur Anwendung. Humira wird alle zwei Wochen subkutan mit einer Fertigspritze verabreicht. Das Medikament wird eingesetzt wenn andere Therapien nicht mehr hilfreich sind.
Was kostet Humira?
Das Medikament ist teuer. Ein Packung mit einer Fertigspritze kostet Fr. 816.65. Die Kurkosten pro Jahr belaufen sich für Humira auf Publikumspreisebene (26* Fr. 816.65) auf Fr. 21‘232.90 pro Jahr.
Vergleich des Fabrikabgabepreises von Humira in der Schweiz mit den neun Referenzländern
Im Rahmen des Auslandpreisvergleiches den santésuisse im Dezember 2015 publiziert hat, wurde auch die Humira Preis in den 9 Referenzländern mit der Schweiz verglichen. Der Vergleich wird jeweils auf dem Niveau des Fabrikabgabepreises durchgeführt, weil dieser vom Bundesamt für Gesundheitswesen für die Preisfestsetzung verwendet wird. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Mehrwertsteuer und die Handelsmargen in den verschiedenen Ländern unterschiedlich hoch sind. Der Fabrikabgabepreis einer Fertigspritze Humira beträgt in der Schweiz Fr. 697.08.
Grafik: Vergleich der Fabrikabgabepreise von Humira der Schweiz mit den Referenzländern
Der Fabrikabgabepreis von Humira liegt, ausser in Deutschland, bei allen Ländern unter dem Schweizer Preis. Würde man den Schweizer Preis auf den Durchschnitt senken, ergäbe sich das Einsparpotential. Das Einsparpotential basiert auf dem Durchschnitt der neun Länder und beträgt bei Humira rund 16 Mio. Franken. Würde man England, das günstigste Land, als Massstab verwenden, liessen sich Einsparungen in der Grössenordnung von 26 Mio. Franken erzielen.
Kostengünstigkeit – eine Forderung des gesetzlichen Rahmens
Um dem gesetzlichen Rahmen der Kostengünstigkeit zu entsprechen, braucht es eine kontinuierliche Überprüfung der Aufnahmekriterien. Medikamente müssen regelmässig auf die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Diese Aufgabe obliegt dem Bundesamt für Gesundheit. Damit die Spezialitätenliste jederzeit aktuell ist, müsste die Überprüfung für alle Medikamente jährlich erfolgen, was heute noch nicht der Fall ist. Eine konsequentere Beachtung der Aufnahmekriterien liegt im Interesse der Prämienzahler und würde sich kostendämpfend auswirken. santésuisse wird sich weiterhin für die Beachtung der Wirtschaftlichkeit einsetzen und darum weiterhin Auslandpreisvergleiche durchführen.