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Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern «Unliebe» (übersetzt mit «Loveless»). Auch Boris und Zhenya empfinden schon lange nichts mehr füreinander. Beide pflegen bereits neue Partnerschaften, die Scheidung steht bevor. Einzig für den gemeinsamen Sohn Alyosha, der nicht in die neuen Leben passen will, finden sie keine Lösung. Bis zu dem Tag, an dem der zwölfjährige Junge verschwindet.
Sein Familiendrama ist zugleich vernichtende Gesellschaftsparabel: «Die Familie als kleinste soziale Einheit steht bei Zvyagintsev stellvertretend für eine entfremdete Gesellschaft, der alles fehlt, was eine Gemeinschaft zusammenhält: Liebe, Freundschaft, Respekt, Empathie. Stattdessen kreist das sinnentleerte Leben der russischen Mittelschicht um Äusserlichkeiten und Statusfragen. Dazu kommt der Druck orthodoxer Kräfte, die alle Bürger in ein bestimmtes Lebensmodell zwingen wollen. (...) In der russischen Gesellschaft, wie der Drehbuchautor und Regisseur sie sieht, ist jeder auf sich selbst zurückgeworfen. Während Zvyagintsevs letzter Film ‹Leviathan› zeigte, wie ein despotischer Staat seine Bürger quält, übernehmen die Menschen in ‹Loveless› diese Aufgabe selbst. Das macht den Film so niederschmetternd, durch seine erzählerische Meisterschaft aber gleichzeitig so grossartig.» (Julia Haungs, SWR2, 14.3.18)
Der neue Film des russischen Filmemachers Andrey Zvyagintsev («Elena» und «Leviathan») wurde 2017 in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.