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Eine Kopie für drei Originale
Die knappe Neunzig-Grad-Kurve war einem Junglenker im Jahre 2008 zum Verhängnis geworden. Mit übersetzter Geschwindigkeit brach der Wagen aus und krachte mitten in die am äusseren Kurvenrand befindliche, kleine Wegkapelle. Wie durch ein Wunder blieb der Mann unverletzt. Gut möglich, dass Maria, welcher der kleine Andachtsraum geweiht ist, alles Unheil über den Materialschaden hinaus abgewendet hatte. Die kleine Kapelle erlitt zwar nicht wie der Wagen Totalschaden, wurde aber dennoch arg beschädigt. Die Narben sind in der Bausubstanz noch heute gut zu erkennen. Unglücklicherweise geschah der Unfall nur knapp zehn Jahre nach der letzten Renovation, bei der die kleine Wegkapelle um ein paar Meter zurückversetzt worden war. Nach Erweiterung der Niesenbergstrasse gegen Ende der 1990er Jahre behinderte die Kapelle am alten Standort die Sicht. Der Eigentümer überschrieb die Kapelle der Kirchgemeinde und bot mit einem kleinen Grundstück zugleich Hand, den kleinen Andachtsraum an einen besseren Standort in unmittelbarer Nähe zu versetzen.
Privater Stifter
Über den genauen Ursprung der Salve Regina-Kapelle ist nichts bekannt. Dass sie in der Bachsenke des Oberdorfs am alten Pfad der Murianer Mönche vom Kloster in Richtung Badhof und Jagdhaus liegt, ist Zufall. Jedenfalls ist in den Aufzeichnungen des Klosters nichts verzeichnet, was auf eine unmittelbare Bedeutung der Wegkapelle für die Konventualen hindeutet. Wie viele Wegkapellen, so geht auch die Salve Regina-Kapelle in Boswil auf eine private Initiative zurück. Möglich, dass der Stifter eine Krankheit überstanden hatte, sich um sein Seelenheil nach dem Tode sorgte oder schlicht und einfach seine Frömmigkeit zur Schau stellen wollte. Jedenfalls scheint der Stifter vermögend gewesen zu sein, da der Bau eines knapp zwei auf zwei Meter grossen Raumes samt Inventar gewisse Mittel erforderte.
Schmuckes Altärchen
Im Inneren der Kapelle findet sich ein Rokoko-Altar samt Madonnenfigur. Die ursprünglich in der Kapelle befindliche Dreiergruppe um eine spätgotische Mondsichelmadonna, flankiert von den Heiligen Verena und Wolfgang werden seit geraumer Zeit im Pfarrhaus Boswil aufbewahrt. Es handelt sich um Werke des in der Region einschlägig bekannten Künstlers Caspar Wolf, Schätzungen zufolge um 1570 geschaffen. In der Vitrine befand sich vormals die Inschrift «Maria Hilf», diese wurde bei der Restauration der Kapelle gegen Ende des 20. Jahrhunderts durch Reliquiare ersetzt. (acm)
Spiritueller Impuls
«Sei gegrüsst, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit...»
So beginnt die Marianische Salve Regina-Antiphon aus dem katholischen Stundengebet.
Im Versuch, sich dem Geheimnis Marias zu nähern, erweist sich Maria mehr und mehr als Vorbild oder Leitbild dessen, wozu wir als Menschen berufen sind, Frauen wie Männer.
Sie zu verehren ist das eine. Doch dabei stehen zu bleiben würde unserer Berufung nicht gerecht. Denn die Aussagen über Maria betreffen nicht nur sie, sondern auch uns. Sie deuten unser Menschsein als Gabe und Aufgabe:
Von Gott her sind wir ausgestattet mit „königlicher“ Würde, allerdings nicht in den Kategorien dieser Welt. Unsere Macht und Würde besteht darin, anderen wertfrei zu begegnen und mütterlich-zärtliche Liebe in uns zuzulassen. Das will eingeübt sein.
Unser Herz ist der Ort, in dem wir Mitgefühl und mütterliche Barmherzigkeit entwickeln.
Unser Herz ist der Ort, aus dem heraus die mütterliche Liebe Gottes Gestalt annimmt.
Claudia Nothelfer
Standort
Weggabelung Oberdorf-/Niesenbergstrasse
Von der Haltestelle «Boswil–Bünzen» zu Fuss in 15 Minuten: Bahnhofstrasse in Richtung Westen/Zentrum, dann links Zentralstrasse bis vor Volg. Dort rechts in die Oberdorfstrasse abbiegen (führt direkt zur Kapelle).
Mit dem Auto beim Volg abbiegen und weiter wie oben. Parkieren bei Volg oder Japangarten Notter, zu Fuss noch 5 Minuten.
Öffnungszeiten
Uneingeschränkt besuchbar. Der Innenraum der Kapelle ist verschlossen, allenfalls auf Voranmeldung zugänglich.
Kontakt
Sekretariat Pfarrei Boswil-Kallern
T 056 666 22 17, www.pfarrei-boswil-kallern.ch