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In Zürich feiert man die Eröffnung des Mobimo-Tower und freut sich auf die Fertigstellung des Prime Tower in den kommenden Monaten. Wohnen und Arbeiten im Hochhaus ist nun auch in der Schweiz en vogue. Der städtebauliche Akzent ist auch aus raumplanerischer Sicht gutzuheissen – wäre doch in den Schweizer Metropolitanregionen kompakteres und dichteres Bauen generell sinnvoll
Obwohl sich die zusätzliche Nachfrage nach Wohnraum in den letzten Jahren vor allem auf die Grossstädte konzentrierte, wurde hier sehr wenig gebaut.
In der Stadt Genf ging die relative Bautätigkeit – der Neubau im Verhältnis zum Wohnungsbestand – im letzten Jahrzehnt merklich zurück und bewegte sich noch zwischen 0% und 0,5% (vgl. Abb.).
Im Kanton Genf (inkl. der Stadt) zeigte sich diese Entwicklung ebenfalls, mit Werten leicht über 0,5% allerdings in abgeschwächter Form. Ausserhalb der Stadt Genf dürfte der Wohnungsbestand um durchschnittlich gut 1% ausgedehnt worden sein. In der gleichen Zeit nahm die Bevölkerung in der Agglomeration ausserhalb der Stadt um jährlich 1,3% zu. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Grossteil der Zusatznachfrage nach Wohnungen in der Stadt in die Agglomeration (und in die französischen Grenzgebiete) verwiesen wurde.
Nicht ganz so tief wie in Genf liegt die relative Bautätigkeit in der Stadt Zürich. Seit den achtziger Jahren pendelt sie um Werte von 0,5%, sie hatte in den siebziger Jahren aber noch knapp unter 1% gelegen. Auch hier ist Verdrängung ins Umland der Stadt zu vermuten, denn im Kanton Zürich wurde der Bestand in der Periode 2000 – 2010 mit etwas über 1% jährlich doppelt so stark ausgeweitet.
Diese Zahlen belegen vor allem eines: die verbreitete Ablehnung einer höheren städtischen Dichte. Diese «Dichteaversion» äussert sich in vergleichsweise restriktiven Bauvorschriften. Im Zusammenspiel mit der Kostenmiete, die eine Unterbelegung des Wohnungsbestandes fördert, entsteht in den Schweizer Städten auf diesem Weg eine Einwohnerdichte (Bewohner pro Hektare), die weit unter den Werten vergleichbarer Metropolen liegt. Nur wenige Stadtzürcher Quartiere erreichen eine urbane Dichte von internationalem Format. Auch die Dichte der Vorstädte in den inneren Agglomerationsgürteln ist relativ bescheiden.
Der Rückgang der relativen Bestandesausweitung in den Städten hängt auch damit zusammen, dass kaum noch freie Baulandreserven vorhanden sind und die Umnutzung ehemaliger Industrieareale – sofern sie Wohnzwecken dient – an Grenzen stösst. Die Nachverdichtung bestehender Quartiere bleibt bis heute die Ausnahme. Unbestritten ist, dass die Nachverdichtung gewachsener städtischer Strukturen – wo sie möglich erscheint – eine planerische und städtebauliche Herausforderung ersten Ranges darstellt. Trotzdem sollte der Weg zu kompakteren und dichteren Städten nicht durch übertriebene Bauvorschriften behindert werden. Gefragt ist der Mut zu einer massvollen Deregulierung der städtischen Bauordnungen. Finanzielle Anreize für mehr städtischen Wohnraum sind vorhanden, die ökonomischen Risiken erscheinen bescheiden. Wer niedrige Mieten fordert, für die Personenfreizügigkeit einsteht, die Siedlungsfläche beschränken oder gar reduzieren will und gleichzeitig keine höhere städtische Dichte zulassen möchte, sucht letztendlich nach der Quadratur des Kreises.
Weitere Informationen zur Lage auf dem Schweizer Wohnungsmarkt können Sie der im Juli von Avenir Suisse publizierten Studie Wanderung, Wohnen und Wohlstand entnehmen.