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Der grosse Schatten eines Königs ist nur erkennbar durch die spitzen Zacken seiner Krone. Als graue Fläche dominiert er die Bleistiftzeichnung im Hochformat. Im Vordergrund sitzt, dem König zugewendet, ein Harfenspieler. Mit überdimensional langen Fingern seiner linken Hand zupft er an den Saiten des Instruments. Diese stehen als vertikale schwarze Linien in markantem Kontrast zur einzig hellen Stelle, die die dunkle Silhouette des Königs durchbricht. Der Musiker ist David. Er singt nach alttestamentlicher Quelle vor dem kranken König Saul, um dessen Schwermut zu lindern. Trudy Schlatter illustriert hier den literarischen Stoff nach einem Gedicht von Rainer Maria Rilke (1875–1926). Aus der Perspektive Davids formuliert, handelt es von Sehnsucht und Begehren, vom Altern und Vergeben. Schlatter fertigt zahlreiche Illustrationen zu Lyrik und Prosa der europäischen literarischen Moderne an, die sie allerdings nicht veröffentlicht. Darunter finden sich Autoren wie Baudelaire, Flaubert, Nietzsche, Tolstoi oder Zola.
Laura Bohnenblust
Oft zeichnet die Künstlerin zu Gedichten.
Die Zeichnung zeigt ein Gedicht von Rainer Maria Rilke.
Es ist die Geschichte von David und Saul.
Mächtig füllt König Saul den Hinter-Grund.
Er trägt eine Krone.
Saul ist krank.
Er ist schwer-mütig.
David will ihm helfen.
Er spielt Musik vor.
Die Saiten der Harfe haben einen hellen Hinter-Grund
im Schatten des Königs.
Hilft die Melodie dem König?
Sara Smidt