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Wissen sie, dass von allen höchstens 30-jährigen Tennisprofis erst zwei an allen Grand-Slam-Turnieren im Viertelfinal standen? Der eine ist Matteo Berrettini, der andere Karen Chatschanow.
Der 26-jährige Russe fliegt auch am Australian Open wieder unter dem Radar. Niemand hatte die Nummer 20 der Welt auf der Rechnung. Aber wie schon im Spätsommer am US Open steht Karen Chatschanow erneut unter den letzten vier.
Mit dem Abschneiden in Flushing Meadows habe er die Basis für Australien gelegt. Damals am US Open hätten alle davon gesprochen, dass wohl Nick Kyrgios bereit sei für den grossen Coup. Dann aber schlug Chatschanow den Australier in fünf Sätzen. «Und das war es dann auch für mich», so Chatschanow. «Die Partie endete um halb zwei in der Nacht. Ins Bett kam ich erst um fünf. Und so kannst du deine Chancen gleich vergessen. Ernährung und Regeneration sind an einem Slam zu wichtig, als dass man sich mitten im Turnier erlauben könnte, eine Nacht durchzumachen.»
Besser als Medwedew und Rublew
Chatschanow ging im Halbfinal in vier Sätzen gegen Casper Ruud unter. «Aber jetzt ist alles anders: Mittlerweile weiss ich, dass ich auch auf höchster Stufe bestehen kann. Am Australian Open verbrauchte ich noch nicht zu viel Energie. Ich kann den Halbfinal selber kaum erwarten.»
Die letzten fünf Jahre blieb Chatschanow hinter den Erwartungen zurück – obwohl er 2018 in Paris-Bercy seinen ersten Titel gleich an einem 1000er-Event gewann, obwohl er es unter die Top 10 schaffte, obwohl er an den Olympischen Sommerspielen 2021 Silber holte, und obwohl er eben an allen Grand-Slam-Turnieren schon mindestens die Viertelfinals erreicht hat. Denn die Erwartungen lagen noch höher: Als Junior versprach Chatschanow mehr als Daniil Medwedew oder Andrej Rublew, die es dann schneller weiter nach oben schafften als er.
«Hat mir das etwas ausgemacht? Nein! So geht Wettkampf, Kompetition. Die einen werden schneller besser. Andere bleiben stehen. Es geht immer rauf und runter. Schaut euch nur mal Roger (Federer), Rafa (Nadal) und Novak (Djokovic) an. Und es ist nicht so, dass ich uns Russen jetzt mit diesen dreien vergleichen will. Aber bei diesen drei war es auch so, dass mal der eine, dann der andere die Nase vorne hatte.»
Politische Botschaften…
Chatschanow schaffte es zwar unter dem medialen Radar in die Achtelfinals, unspektakulär waren seine Darbietungen jedoch nicht. Er sorgte für Aufruhr, weil er politische Botschaften jeweils nach den Siegen auf die Kamera schrieb. Dabei geht es nicht um den Ukraine-Krieg, sondern um den Zwist zwischen Armenien und Aserbaidschan. «Mein Vater, die Mutter, die Grosseltern sind alle Armenier. Ich bin mehr als ein halber Armenier. Und ich unterstütze nur meine Freunde in Jerewan.»
Das offizielle Aserbaidschan soll beim Australian Open wegen Chatschanow interveniert haben. Affaire à suivre.
… und ein Bronze-Satz
Spektakulär verlief auch Chatschanows Achtelfinal gegen den als Nummer 31 gesetzten Japaner Yoshihita Nishioka. Beinahe wäre es Chatschanow gelungen, als erster Spieler überhaupt an einem Grand-Slam-Turnier gegen einen Gesetzten 6:0, 6:0, 6:0 zu gewinnen. Zuletzt schaffte Sergi Bruguera am French Open – aber gegen einen Ungesetzten – dreimal ein 6:0. Chatschanow führte gegen Nishioka schon 6:0, 6:0, 2:0 und 40:15. Im zweiten Set gelang ihm ein sogenannter «Bronze Satz». In einem perfekten Satz (Golden Set) gewinnt der Sieger alle 24 Punkte. Nishioka gewann im zweiten Satz gegen Chatschanow bloss zwei Ballwechsel. Wäre Chatschanow auch das 3:0 im dritten Satz gelungen, Nishioka hätte womöglich die Gegenwehr eingestellt.
Im Halbfinal trifft Chatschanow auf Stefanos Tsitsipas. Gegen den Griechen hat er in fünf Partien erst zwei Sätze gewonnen. Und überhaupt hat er die letzten 22 Duelle gegen Top-10-Spieler alle verloren. «Aber wer weiss», so Chatschanow. «Tsitsipas musste gegen Sinner über fünf Sätze gehen. Er hat bislang mehr Energie verbraucht als ich. Vielleicht öffnet sich für mich wieder eine Tür.»