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Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass die ersten Bauern der Menschheit aus dem Gebiet des «Fruchtbaren Halbmondes» stammten: der Region zwischen Südostanatolien, Iran, Irak und Syrien. Dort habe vor rund 10 000 Jahren erstmals der Wandel vom Jagen und Sammeln hin zur Landwirtschaft und Sesshaftigkeit stattgefunden. Und von dort sei die Landwirtschaft auch nach Zentraleuropa gedrungen.
Die Theorie der «Neolithischen Revolution» wird nun über den Haufen geworfen. Ein internationales Forscherteam, dem auch Professor Daniel Wegmann vom Institut für Biologie der Universität Freiburg angehört, hat nämlich herausgefunden, dass die ersten Bauern aus dem Zagrosgebiet im Iran nur sehr entfernt mit den westanatolischen und europäischen Bauern verwandt sind. Sie unterschieden sich wohl in Aussehen und Sprache.
«Grosse Überraschung»
Für Wegmann, der die bioinformatische Analyse der Daten der rund 10 000 alten Skelette vornahm, war dies eine grosse Überraschung, schreibt die Universität in einer Mitteilung. «Es scheint, als breche die Migrationsroute nach Europa irgendwo in Ostanatolien ab», wird Wegmann zitiert. Mit Wegmann haben Forschende der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und des University College London an diesem Thema gearbeitet.
Als neue Erkenntnis geht hervor, dass sich die Landwirtschaft zwar als Kultur nach Europa ausbreitete, nicht aber in genetischer Hinsicht.
Vielmehr scheint es so, dass mindestens zwei unterschiedliche Volksgruppen die Vorfahren der ersten Bauern waren. Sie haben mit grosser Wahrscheinlichkeit gleichzeitig den Wechsel zum landwirtschaftlichen Lebensstil vollzogen, heisst es im Communiqué.
Für die Ursprünge der ersten europäischen Bauern steht somit bei den Forschern heute die Region Griechenland und Nordwestanatolien im Vordergrund. Sie haben Europa vor rund 8000 Jahren kolonialisiert. uh