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«Start läuft normal», hiess es, während die weisse Rakete von der Satish Dhawan Space Station im Bundesstaat Andhra Pradesh aus in den bewölkten Himmel stieg. Und: «Jeder Inder, der dem Start live zuschaut, ist froh, zuzuschauen, wie Geschichte geschrieben wird.»
Mit der unbemannten Mission «Chandrayaan-3» will Indien die kaum untersuchte Südseite des Mondes rund zwei Wochen lang erforschen. Zunächst muss aber die Landung klappen, die nach Plan am 23. oder 24. August erfolgen soll. Eine sanfte Landung schafften bislang nur die USA, die Sowjetunion und China. «Chandrayaan» bedeutet «Mondfahrzeug» auf Sanskrit.
Der erste Versuch Indiens war 2019 misslungen. Bei der Mission Chandrayaan-2 krachte das Landemodul auf die Oberfläche des Erdtrabanten. Später teilte die Weltraumbehörde dem Parlament in Neu Delhi mit, dass es während der Annäherung an den Mond Probleme mit dem Bremsen gab. Zuvor hatte Indien bereits eine andere Mission zum Mond: Die Sonde «Chandrayaan-1» war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen. Bei der aktuellen Mission soll die Mondumlaufbahn nach rund 15 bis 20 Tagen erreicht werden, hiess es. «Chandrayaan-3» wird auch Unterstützung von Bodenstationen rund um den Globus erhalten, auch von der europäischen Weltraumorganisation Esa, wie diese mitteilte.
Vor dem zweiten Versuch besuchten Mitarbeiter der Weltraumbehörde den hinduistischen Tempel in der Stadt Tirupati im Bundesstaat Andhra Pradesh und baten um göttlichen Beistand. Der Chef der Behörde, Sreedhara Panicker Somanath, sagte Reportern dort am Donnerstag mit Blick auf das Weltraumfahrzeug: «Wir hoffen, dass alles gut geht und die Sonde am 23. August auf dem Mond landet.» In Indien ist Religion für viele Menschen wichtig. Die meisten sind Hindus.
Indiens Weltraumprogramm begann in den 1960er Jahren. In den ersten Jahrzehnten lag der Fokus vorwiegend darauf, bestimmte Satelliten günstig ins All zu befördern. Das Land schaffte sich so einen Ruf, vergleichsweise günstig Satelliten ins All zu bringen - auch für andere Länder.
Inzwischen hat Indien ehrgeizigere Ziele. Zuletzt wurde bei einem Besuch von Indiens Premierminister Narendra Modi bei US-Präsident Joe Biden eine verstärkte Zusammenarbeit in Sachen Raumfahrt angekündigt.
Neben der jetzigen Mondmission sind weitere Projekte geplant, die voraussichtlich ab Ende 2024 starten sollen. So soll es Missionen zur Venus («Shukrayaan-1») und zum Mars («Mangalyaan-2») geben. Zudem sollen Astronauten ins All geschickt werden («Gaganyaan»). Die Regierung möchte auch zunehmend auf den Privatsektor setzen, Privatfirmen dürfen die Infrastruktur der Weltraumbehörde nutzen. Kürzlich schoss diese erstmals eine von einem einheimischen privaten Unternehmen entwickelte Rakete ins Weltall.
Einige Experten kritisieren, dass das Schwellenland mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern viel Geld für grosse Weltraumprojekte ausgibt, während noch viele Menschen in Armut leben.