Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03172.jsonl.gz/1364

Mitte der 80er-Jahre fuhren Roland von Siebenthal und ich zu zwei nationalen Springkonkurrenzen auf Schnee: im Januar 1984 nach St. Moritz, im Februar 1986 nach Crans-Montana. 1986 war für die Concours auf Schnee ein spezielles Jahr. Nachdem der Pionieranlass von Gstaad um 1970, 50 Jahre nach seiner ersten Austragung, aufgegeben hatte und 1973 der CSI Davos auf Schnee ebenfalls zum letzten Mal durchgeführt wurde, kam es 1986 gleich zu drei Neuschöpfungen von Concours auf Schnee. Neben dem erwähnten nationalen Crans-Montana zwei internationale im Ausland: in Cortina d’Ampezzo (ITA) und in Kössen (AUT). Mit dem Traditionsanlass von St. Moritz eröffneten also gleich vier Schneeconcours die Turniersaison 1986.
Zu wenig Schnee, zu dünnes Eis
Unsere beiden Besuche von 1984 in St. Moritz und 1986 in Crans-Montana zeigten auch auf fast brutale Weise die Probleme, die sich Reitanlässen auf Schnee stellten. In St. Moritz gab es in jenem Januar 1984 überhaupt keinen Schnee. Es war so kalt, dass sich die Zuschauer während der Prüfung immer wieder ins nahe Restaurant verzogen, um sich aufzuwärmen. Komplexer waren die Probleme in Crans-Montana. Die Organisatoren von Crans wollten ihren ersten Concours auf Schnee auf einem der gefrorenen Reservoirseen durchführen. Einige Tage vor Turnierbeginn realisierten sie, dass die Eisdecke zu dünn war. Sie disponierten um und begannen, eine 50 mal 50 Meter grosse Wiese «La Cocagne» beim Campingplatz für die Prüfungen vorzubereiten. Diese wurden am Samstag zur jedermanns Zufriedenheit durchgeführt. In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag fiel 30 Zentimeter Neuschnee. Die erste Sonntagsprüfung war problematisch. So zog man für das Hauptereignis in die kleine, dunkle Reithalle, praktisch ohne Zuschauer. Unter den obigen Problemen litten über die Jahre praktisch alle Springturniere auf Schnee. Beim Eis war es entweder zu dünn oder zu weich. Beim Schnee auf einer Wiese gab es gelegentlich keinen Schnee oder zu wenig – oder dann zu viel oder es schneite während der Concourstage. Der nationale Concours von St. Moritz versuchte beides: Schnee auf Eis (im Olympiastadion von 1948), dann Schnee auf Gras (auf der Polowiese), dann wieder Schnee auf Eis (auf dem gefrorenen See) und schliesslich wieder auf der Polowiese.
Pionieranlass in Gstaad
Der wohl erste Concours Hippique auf Schnee fand 1920 in Gstaad statt und wurde bis zum Zweiten Weltkrieg durchgeführt. Das Gstaader Programm der Zwischenkriegsjahre bestand aus zwei Springen für Offiziere und Herrenreiter, drei Springen für Unteroffiziere, Gefreite und Soldaten sowie aus zwei Skikjörings für Damen und Herren. 1924, bei der fünften Austragung in Gstaad, gewann der Schimmel Colette von Charles Kuhn einen der beiden Skikjörings. Es war der erste Sieg der Stute, die im Laufe ihrer Karriere auch Siege im Springen, in der Dressur, in der Military und in Offiziersrennen errang. Gstaad wagte 1958 nach 17-jährigem Unterbruch einen Neubeginn, bis es um 1970 zu Ende ging. Neben Gstaad weiss man vor dem Zweiten Weltkrieg nur von einem weiteren Concours auf Schnee: im polnischen Zakopane, am Fusse des Tatra-Gebirges.
Château-d’Oex und Davos
Nach dem Krieg wagte sich Château-d’Oex am 26. Januar 1947 an einen Concours auf Schnee, 1951 folgte Davos. Vorerst vier Jahre lang national, dann ab 1955 als CHI. Dieser CHI Davos wurde schnell zu einem der populärsten internationalen Turniere. Mit dem Motto, neben dem Pferdesport noch Sonne, Ski und Schlitteln zu bieten, kamen Jahr für Jahr die Spitzenreiter Europas nach Davos. Der Grosse Preis der Landschaft Davos war eine begehrte Trophäe. Die zweite Austragung 1952 gewann Arnold Mettler mit Dagmar, 1953 der spätere olympische Dressurreiter Hermann Dür mit Bascule und 1957 Hans Möhr mit Hanko. Anfangs der 70er-Jahre begann es zu kriseln – der CSI von 1973 war der letzte.
In der 70er- und 80er-Jahren wurde in Davos auch ein Fahrturnier auf Schnee mit Pferdeschlitten ausgetragen. Bei der zehnten Austragung im Jahr 1985 gewann Heini Syfrig bei der Einspännern und Paul Mohn bei den Zweispännern.
St. Moritz, Cortina, Kössen
1959 kam es, auf Initiative von Ernst Kriemler, zum ersten Schneeconcours in St. Moritz, organisiert vom lokalen Reitclub, mit Unterstützung des Kurvereins. Jahrzehntelang wurde der Concours St. Moritz vom Ehepaar Kurt und Fränzi Döbeli geleitet. Der erwähnte Concous auf Schnee in Cortina d’Ampezzo wurde im olympischen Eisstadion von 1956 ausgetragen – mit zu viel Schnee! Kössen, im Bezirk Kitzbühel im Tirol, mit nur 4500 Einwohnern, aber 3000 Gästebetten, war einige Jahre das beliebteste internationale Turnier auf Schnee. Bekannt ist das Dorf durch seinen Noriker-Zuchtverein, der dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Zu erwähnen noch das erste Fahrturnier auf Schnee von 1975 auf dem gefrorenen Aroser See sowie ein Schnee Concours in Emmetten.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 4/2023)
Die «PferdeWoche» auf Facebook mit speziellen News und Attraktionen.
Sie haben noch kein Abonnement der PferdeWoche?
Die «PferdeWoche» auf Twitter mit attraktiven Tweets aus der Pferdewelt.