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Regisseur Justin Chadwick zeigt mit seinem neuen Film, wie Literatur nicht verfilmt werden darf: «Tulip Fever» ist oft so zähflüssig, dass er nur unfreiwillig komisch wirkt. Darüber hinaus ist der Film, der Geschichten aus den Niederlanden in den Zeiten des Tulpen-Hypes erzählt, eine ganz üble Apologie des Kolonialismus.
Niederlande, 17. Jhdt. Der wohlhabende Kaufmann Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) will heiraten, und da er genug Geld hat, kann er sich auch eine Frau leisten, direkt aus dem Kloster. Sophia (Alicia Vikander) aber verliebt sich in den Maler Jan van Loos (Dane DeHaan) – und zu allem Unglück wird sie auch nicht schwanger…
Wenn Paul Verhoeven diesen Film gedreht hätte (und natürlich auf Niederländisch!), hätte da durchaus was draus werden können – aber in den Händen von Justin Chadwick («The Other Boleyn Girl») wird aus dem Drehbuch von Tom Stoppard («Brazil», «Shakespeare in Love»), das auf dem Roman von Deborah Moggach («Best Exotic Marigold Hotel») basiert, ein wirklich ungeniessbarer und dazu noch viel zu langer und mit zu vielen Handlungssträngen vollgestopfter, überfüllter Mix aus Liebes- und Historienfilm.
Schlimm ist aber nicht nur, dass der Film als Film versagt. Besonders übel ist auch, dass «Tulip Fever» den Kolonialismus verharmlost: zwar sind immer wieder Schwarze zu sehen, was wohl zeigen soll, wie fortgeschritten die Niederlande schon damals waren – obwohl im Land von «Zwarte Piet» (Black Pete, dem Schwarzen Peter) doch schon immer der Mythos der «White Innocence» [1] kultiviert wurde, obwohl das Land ja gerade durch die Ausbeutung des Südens so gross wurde («Make the Netherlands Great Again» indeed). Doch am Schluss zeigt Chadwicks Film seine «true colours»: das «Happy Ending» kann es nur deshalb geben, weil einer der Protagonisten nach Niederländisch-Indien auswandert, wo er das Land ausbeutet und eine neue Familie gründet. Alle steht und fällt also mit der Ausbeutung der «damnés de la terre». Dieser Film soll also nur Menschen empfohlen werden, die sich vielleicht alle paar Jahre mal in die Tempel der siebten Kunst verwirren. Alle anderen sollten lieber zu Hause bleiben und den Beamer anstellen.
Zum Schluss noch ein Wort zu den schauspielerischen Leistungen: Christoph Waltz ist wie immer nicht schlecht, aber er ist eben immer Christoph Waltz. Möglicherweise könnte er noch mehr, aber die Rollen, die ihm angeboten werden, sind halt wohl doch zu ähnlich. Dane DeHaan hingegen wirkt zumindest in «Tulip Fever» wie ein substanzloser Schönling, weshalb ausgerechnet er für die Rolle des Valérian in Bessons Comicverfilmung («Valérian et la Cité des mille planètes») ausgewählt wurde, ist ebenfalls völlig unklar. Interessanterweise ist die Film-Laureline auch in «Tulip Fever» mit von der Partie – Cara Delevingne. Anders als DeHaan kann sie aber wirklich schauspielern…
«Tulip Fever». UK/USA 2017. Regie: Justin Chadwick. Mit Christoph Waltz, Alicia Vikander, Cara Delevingne, Dane DeHaan, Zack Galifianakis, Tom Hollander, Judi Dench, Holliday Grainger u.a. Deutschschweizer Kinostart am 24. August 2017.
[1] https://www.dukeupress.edu/white-innocence
- Mystische Reise in Finsternis und Licht – João P. Rodrigues’ «O ornitólogo»
- Literaturverfilmung mit postkolonialem Schliff – William Oldroyds «Lady Macbeth»