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Diese Marschrichtung hat Verteidigungsminister Guy Parmelin am Montag bekannt gegeben. "Wir sind im Zeitplan", sagte er vor den Medien in Bern. Eine raschere Beschaffung neuer Flugzeuge, wie sie manche Parlamentarier fordern, kommt für ihn nicht in Frage. Eile wäre das Schlimmste, sagte Parmelin. Um Rückschläge zu verhindern, brauche es ein seriöses Vorgehen.
Damit keine Lücke entsteht, bis die neue Flugzeugflotte voll einsatzfähig ist, müssen aber einige Schritte bereits jetzt eingeleitet werden. Das ist das Ergebnis eines Zwischenberichts der Expertengruppe, welche die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs vorbereitet.
So soll dem Parlament rasch ein Kredit unterbreitet werden für die Projektierung, Erprobung und Beschaffungsvorbereitung (PEB), also das Evaluations- und Auswahlverfahren. Dieser Kredit beläuft sich zunächst auf 10 Millionen Franken. Der Antrag des Bundesrats ans Parlament mit der Armeebotschaft 2017 würde den formellen Beginn eines neuen Beschaffungsprojekts markieren.
Der Umfang der Evaluation ist gemäss dem Bericht noch offen. Möglich ist, dass das Verfahren auf jene Flugzeuge beschränkt wird, die schon beim letzten Anlauf im Rennen waren - also Gripen, Eurofighter und Rafale. Damit müssten nur die in der Zwischenzeit vorgenommenen Änderungen geprüft werden, wie die Expertengruppe schreibt.
Noch kleiner wäre der Aufwand, wenn nur einer der drei bekannten Typen ins Rennen geschickt würde. Falls die Luftwaffe andere Flugzeuge ins Auge fasst, ist dagegen eine umfangreiche Evaluation mit Testflügen in der Schweiz nötig. Damit könnten auch weitere Kredite nötig werden. Zu möglichen Typen oder der Anzahl neuer Kampfjets äussert sich die Expertengruppe in dem Bericht nicht.
Unabhängig vom Umfang der Evaluation sieht der Zeitplan vor, die Typenwahl 2020 zu treffen und dem Parlament 2022 die nötigen Mittel für den Flugzeugkauf zu beantragen. Die neuen Jets sollen zwischen 2025 und 2030 eingeführt werden.
In der Zwischenzeit müssen die F/A-18 den Schweizer Luftraum sichern. Die meisten Maschinen werden im Jahr 2025 mit 5000 Flugstunden das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Ernsthafte Alterserscheinungen und Belastungsspuren werden die Struktur der Flugzeuge, die Bordelektronik oder die Bewaffnung aufweisen.
Die Expertengruppe schlägt daher vor, die Lebensdauer der verbleibenden 30 F/A-18-Kampfjets auf 6000 Flugstunden zu verlängern. Dafür müssen rund 80 mögliche Schwachstellen an der Struktur der Maschinen untersucht und bei Bedarf verstärkt werden.
Gewisse Komponenten müssen ersetzt oder angepasst werden, darunter die Radarlenkwaffen, das Kommunikationssystem, das Nachtsichtgerät, die Avionik oder das Missionsplanungssystem. Gemäss dem Bericht wird der F/A-18-Jet trotz dieser Massnahmen gegenüber modernen Kampfjets im Luftkampf immer stärker in Nachteil geraten. Für den Luftpolizeidienst eigne sich das Flugzeug aber bis 2030 immer noch sehr gut, heisst es.
Bis dahin soll die F/A-18 endgültig ausser Betrieb genommen werden. Das Kostendach für die Nutzungsdauerverlängerung beträgt 490 Millionen Franken. Den entsprechenden Kredit will Parmelin dem Parlament nächstes oder übernächstes Jahr vorlegen.
Schliesslich hat der Verteidigungsminister entschieden, einen Teil der Tiger-Flotte weiterfliegen zu lassen. Ursprünglich wollte der Bundesrat die veralteten Kampfjets schon dieses Jahr aus dem Verkehr ziehen. Nach dem Nein zum Gripen leistete das Parlament Widerstand gegen die Ausserdienststellung.
Nun will auch Parmelin darauf verzichten. Zwar bleibt das Verteidigungsdepartement bei seiner Einschätzung, dass die Tiger für den Luftpolizeidienst nur noch sehr beschränkt taugen und für die Luftverteidigung nicht mehr sinnvoll eingesetzt werden können, wie Divisionär Claude Meier im Namen der Expertengruppe sagte.
Die Gruppe habe den Weiterbetrieb aber nochmals geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass die Tiger als "Service-Flugzeuge" verwendet werden könnten. Zum Beispiel zur Zieldarstellung, als Aggressor im Luftkampftraining oder auch für Messflüge. Deshalb sollen 26 Tiger weiterbetrieben werden. Die Patrouille Suisse sei mit ein Grund für diese Zahl, sagte Meier. Die Kosten für den Weiterbetrieb schätzt die Expertengruppe auf 30 Millionen Franken.
Den Bedarf nach einem neuen Kampfflugzeug hat die Expertengruppe nicht in Frage gestellt. Das Nein zum Gripen an der Urne habe nichts geändert an der Notwendigkeit, sagte Meier.
Drohnen, Helikopter oder Fliegerabwehrraketen seien keine Alternativen, weil diese nicht für den Luftpolizeidienst eingesetzt werden können. Die Auslagerung der Aufgaben an einen Kooperationspartner sei aus Neutralitätsgründen keine Option. Die Schweiz müsse ihre territoriale Integrität selbst schützen können.
Ihren endgültigen Bericht will die Expertengruppe im kommenden Frühling vorlegen. Diese setzt sich zusammen aus Vertretern von Armee, armasuisse und VBS.
(SDA)