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Für eine solche Party kaufte der Mieter einer Wohnung alkoholische Getränke, was heimlich passieren musste, denn in den USA gab es zu dieser Zeit die Prohibition. Des Weiteren engagierte er eine Band mit einem guten Boogie-Woogie-Pianisten und sorgte dafür, dass möglichst viele Leute davon erfuhren, dass am Abend in der Wohnung eine Boogie-Woogie Party stattfindet. Von den Gästen, die kamen, wurde dann Eintritt verlangt und mit diesem Geld wurde schließlich die Miete bezahlt.
Auf einer solchen Party hat auch der Autodidakt aus Alabama – Clarence Pinetop Smith (1904-1929) seinen Pinetop`s Boogie zum ersten Mal gespielt. Das Stück basiert auf dem 1925 veröffentlichten „Jimmys Blue´s“ von Jimmy Blythe (1901-1931), dem einflussreichen Boogie Pianisten, der schon mit 30 Jahren an den Folgen einer Meningitis verstarb.
Pinetop Smith, von dem kein Foto existiert, wurde zur Legende, weil er als erster Pianist ein Stück mit dem Namen „Boogie Woogie“ auf einer Schallplatte betitelte.
Am 29 Dezember 1928 wurde „Pinetop`s Boogie“ zum ersten mal veröffentlicht und somit entstand der erste Hit des Boogie Woogie. Leider konnte er sein Chart-Erfolg nicht mehr miterleben, da er im im Februar 1929 im Alter von 24 Jahren, bei einer Schießerei, an der er nicht beteiligt war, ums Leben kam. Einen Tag vor der geplanten zweiten Plattenaufnahme.
Die meisten Boogie-Pianisten der Folgegenerationen nahmen in ihr Programm einen „eigenen“ Pinetop´s Boogie auf. Jimmy Yancey (1898-1951), geboren in Chicago, zählt in der Boogie Geschichte zu „The Outstanding Figures“. Das Vorbild für Ammons, Lewis und Johnson – hatte selbst nie auf einer „echten“ Bühne Piano gespielt. Am liebsten spielte er privat, unter Freunden. In seiner Wohnung traf sich die Boogie-Szene von Chicago – auch Albert Ammons und Meade Lux Lewis. Erst durch die „Öffentlichkeitsarbeit“ des Duos wurden Produzenten auf ihn aufmerksam: „Yancey Stomp“ wird 1939 aufgenommen. Ein besonderes Ereignis im Leben des Musikers, der am liebsten nie die Stadtgrenzen von Chicago verließ, war ein Trip nach Europa, wo er vor dem Königshaus im Buckingham Palace spielte. Yancey wurde in den achtziger Jahren in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen.
Als die exzentrischste Entertainerpersönlichkeit der Chicagoer Boogie und Blues Szene ist sicherlich „Cripple“ Clarence Lofton (1896 -1957) zu nennen. Er beeindruckte das Publikum durch sein undiszipliniertes Pianospiel und die Showeinlagen während seiner Auftritte. Mit äußerst expressiver Mimik sang er, schnippte gleichzeitig mit den Fingern wie ein spanischer Tänzer, wechselte blitzschnell vom Piano zum Schlagzeug und steppte dabei beeindruckend trotz seines lahmen Beines. Musikalisch passierte es häufig, dass er einen neuen Chorus begann, bevor er den ersten beendete. Das Zwölftaktmuster des Blues wurde auf 9, 10 oder 11,5 Takte reduziert (z.B. „I Don’t Know“). Seine bekanntesten Werke sind: “Strut That Thing”, “Monkey Man Blues”, “I Don’t Know” und “Pitchin’ Boogie”.
Exkurs: Der Boogie Pianist auf den "House-Rent-Parties"
Der Boogie-Pianist erreichte in dieser Zeit eine besondere soziale Stellung. Er spielte auf verschiedenen Parties, wo Spezialitäten wie Kutteln, gekochter Eibisch, Bratfisch oder Eierpuntsch serviert wurden. Seine Dienste waren sehr gefragt, und er hatte Zugang zu all diesen Pay-Parties ohne bezahlen zu müssen. Der “Vater des stride pianos” James P. Johnson erzählte: “Wenn du gut Klavier spielen konntest, wurdest du von einer Party zur anderen herumgereicht und alle waren sehr um dich bemüht, fütterten dich mit Eiscreme, Kuchen, Speisen und Getränken. Tatsächlich waren einige der größten Könner der Branche auch als die größten Esser bekannt, die wir hatten. Auf einer Party, die die ganze Nacht dauerte, fingst du um ein Uhr morgens an, um vier Uhr bekamst du die zweite Mahlzeit. Viele von uns hatten später unter Eß- und Trinkgewohnheiten zu leiden, die wir uns in unseren jungen, geselligen Tagen angewöhnt hatten” (aus LeRoi Jones: “Blues People”, S. 156) Auch Pinetop Smith “erzählt ” in seinem “I’m Sober Now” folgendes: ”I don’t mind playin’ anytime y’all can get me drunk, but Mr. Pinetop is sober now. I’ve been playing the piano round here all night long and y’all ain’t bought the first drink somehow”
Boogie Piano und die Great Depression
“ Bevor das Boogie-Piano den Höhepunkt seiner Entwicklung in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre erreichte, brachte die große Wirtschaftskrise aus. Auch für die Boogiepianisten begann eine längere Durststrecke. Die „Grosse Depression“, die am 29. Oktober 1929 („Schwarzer Dienstag“) mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Börse begann, setzte sich bis zur Mitte der 1930er Jahre fort. Viele Fabriken und Büros mussten schließen. Um die 15 Millionen Menschen wurden arbeitslos und die Durchschnittslöhne fielen um 60%. Lange Menschenschlangen, die auf Arbeit- oder Lebensmittel warteten, prägten das Straßenbild. Die Musikindustrie wurde ebenfalls erschüttert: Viele Nachtklubs, Jazzkeller und Kabaretts mussten schließen oder ihre Künstler entlassen, die Schallplattenindustrie war fast mit einem Schlag ruiniert. Ein Großteil der Musiker, insbesondere die Afroamerikaner, arbeitete nun in schlecht bezahlten Jobs, um sich und ihre Familie über Wasser zu halten. So z.B. Meade „Lux“ Lewis: „Meade “Lux” Lewis found great difficulty in obtaining work as a pianist and spend some time on relief working on a Works Progress Administation (WPA) shovel gang. These government projects gave work to the millions of unemployed and involved them in labouring or contruction work on community-service or public-service projects. Lewis also worked on relief washing cars.” (P. Silvester: “A Left Hand like God: A Study of Boogie Woogie”, S. 95)
Die Goldenen Jahre: Carnegie Hall und Cafe Society
Die „goldenen“ Zeiten für Boogie Piano wurden einerseits durch den Aufschwung im Musikleben nach der Überwindung der großen Wirtschaftskrise Mitte der 1930er Jahre begünstigt. Andererseits spielte bei dieser Entwicklung der Talent-Scout John