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Bei seiner Ausbildung als Grafiker stösst Binyam Taye Tadele auf ungeahnte Hindernisse.
«Es ist schwierig über Kunstarbeit zu entscheiden. Wenn ich etwas sehr schön finde, ist es für dich vielleicht sehr hässlich.» Binyam macht an der F+F Schule für Kunst und Design eine Ausbildung als Grafiker. «Es ist kompliziert. Ich bin anders aufgewachsen. Die Farbbedeutung und Typographie sind hier anders.»
Binyam kommt aus Äthiopien. In der Hauptstadt Addis Abeba war er Schlosser, abends lernte er in einer Privatschule Buchhaltung. Es fällt ihm leicht, die Schulen in Addis Abeba und Zürich zu vergleichen: «Wir hatten nur eine Maschine und wir waren mehr als zwanzig Personen in der Klasse, und wir hatten nicht genug Zeit, um damit zu üben. Der Lehrer hatte nicht genug Zeit, um die Schüler zu begleiten. In der Buchhaltung arbeitet man meistens mit Computern, und wir hatten nicht genug Computer, obwohl es eine Privatschule war.»
Er kommt auch auf seine Klasse an der F+F Schule zu sprechen. «Ich lerne mit jungen Menschen von Anfang zwanzig bis vierundzwanzig, und sie haben als Kinder mit Computertechnik angefangen, und ich habe spät angefangen. Und sie sind schnell, die Sprache ist einfach, und sie sind auch unglaublich kreativ. Und sie vergleichen ihre Arbeiten miteinander.»
Er erinnert sich an seine Ausbildung als Schlosser. «Bei uns bekommt man jeden Monat einen Test, den man bestehen muss, man vergleicht sich nicht miteinander. Du bekommst eine Frage und die Antwort ist klar. Aber bei der kreativen Arbeit weiss man nicht, was die richtigen Antworten sind. Die anderen Schüler wissen automatisch, welche Typographien zueinander passen. Manchmal verstehen sie nicht was ich zeigen wollte. Wenn ich es erklären will, sehen sie nicht, was ich dahinter gedacht habe. Sie sagen, dass sie nicht automatisch sehen, was ich dabei gedacht habe. Das passiert immer wieder. Und die Farbauswahl; wir sind Afrikaner, wir benutzen meistens Farbe. Und manchmal sagen sie, dass es zu viele Farben sind. Aber das ist wegen der Kultur. Man muss sich daran gewöhnen.»
Darauf angesprochen, ob er sich mehr Unterstützung erhofft hätte, winkt er ab. «Es ist kreative Arbeit, man muss eigene Ideen einbringen. Die Schulleiterin nimmt sich für mich mehr Zeit als für die anderen Schüler. Aber es ist eine kreative Arbeit, da muss jeder sein eigenes Ding machen.» Das gilt aber nicht für andere Bereiche. «Ich muss jedes Mal schriftliche Arbeiten abgeben, und das ist wirklich mühsam. In der Autonomen Schule unterstützt man mich beim Schreiben und Korrigieren.» Auch der Laptop wurde ihm von der Autonomen Schule und dem Solinetz gestiftet.
Wie es nach der Ausbildung weitergeht? «Ich weiss es nicht. Ich will als Grafiker arbeiten, aber jetzt ist alles geschlossen. Ich suche immer noch ein Praktikum. Wenn es nach der Ausbildung nicht funktioniert, kann ich auch noch als selbstständiger Grafiker 20 oder 40 Prozent arbeiten, und dann noch einen anderen Job machen, um Geld zu verdienen. Egal ob angestellt oder selbständig, werde ich als Grafiker arbeiten. Ich habe die Ausbildung selber ausgewählt, weil ich es interessant finde und es Spass macht. Nicht für das Geld.»