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Es gibt wunderbare mythische Baumgeschichten, Märchen von Feen, Zauberbäumen, Waldgeistern und Zauberfrüchten.Lesen Sie hier einige Beispiele aus den Baummärchen aus aller Welt.
Warum die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen
Vor langer Zeit, da wuchsen die Bäume viel höher, und der Himmel wölbte sich viel niedriger als heute. Die Baumkronen durchkämmten die Wolken wie Kämme, und ihre Wipfel berührten das Himmelsgewölbe. Das war etwas für die Kinder! Sie kletterten auf den Bäumen bis in den Himmel hin-auf, obwohl die älteren und klügeren Leute sich sorgten und es ihnen immer wieder verboten. Und damit hatten sie recht. Die Kinder trieben da oben nämlich solchen Unsinn, dass es dem Himmel eines Tages zu viel wurde und er sich ein ganzes Stück in die Höhe erhob, sodass die Bäume nicht mehr bis zu ihm hinauf reichten. Und so ist es bis heute geblieben.
Märchen aus China - © Mutabor Verlag, Baummärchen aus aller Welt
Die Baumfrau
Vor langer Zeit veranstaltete ein Landesherr eine Falkenjagd. Dabei entflog der Falke und versteckte sich zwischen den Blättern einer Weide. Das Gefolge beschloss, den Baum zu fällen, um den Falken zu fangen. Da trat ein Samurai hervor und sagte: «Mir tut diese schöne Weide leid. Lasst mich versuchen, den Falken zu fangen.» Und es gelang ihm tatsächlich, den Falken hervorzulocken und zu fangen. So blieb der Baum stehen. Der Samurai war unverheiratet und von niedrigem Stand. Eines Abends kam eine fremde Schöne zu ihm und bat um ein Nachtlager. Der Samurai antwortete: »Du kannst gern hier übernachten, aber ich habe nur eine bescheidene Unterkunft.» Zum Dank begann die Frau, fleissig zu arbeiten. Sie kochte Essen, hielt die Zimmer sauber und wusch die Wäsche. Schliesslich wollte sie bei dem Samurai bleiben und seine Frau werden. Eine glückliche Zeit verging. Die Frau gebar einen Sohn. Eines Tages sah die Frau blass und ängstlich aus. «Was ist los mit dir? Bist du vielleicht krank?», fragte der Samurai. Die Frau antwortete: «Nein, krank bin ich nicht.» «Du siehst aber sehr blass aus», entgegnete der Samurai. Da erzählte ihm seine Frau: «Ich bin in Wirklichkeit der Geist der Weide, die du damals gerettet hast. Trotz der schönen Zeit bei dir muss ich dich nun verlassen, weil der Landesherr mich für den Bau seines neuen Palastes fällen lassen will. Wegen unseres armen Kindes aber habe ich eine Bitte. Wenn ich an dem und dem Tag gefällt werde, dann lass das Kind den mit mir beladenen Wagen ziehen.» Damit verschwand die Frau. Der genannte Tag kam. Die Weide wurde gefällt und auf einen Wagen geladen. Aber er wollte und wollte sich nicht bewegen, obwohl viele Leute daran zogen. Schliesslich rief man den Jungen des Samurai. Kaum griff der Junge nach dem Seil, da wurde der Baumstamm ganz leicht und liess sich zu der Stelle ziehen, wo der neue Palast gebaut werden sollte. Der Junge wurde vom Landesherrn reich belohnt. Und so konnten der Samurai und sein Sohn sorglos leben.
Märchen aus Japan © Mutabor Verlag, Baummärchen aus aller Welt
Der verzauberte Apfelbaum
Es war einmal eine alte Frau, die hiess Elend. Sie besass nichts als einen Apfelbaum, und auch dieser Apfelbaum machte ihr mehr Kummer als Freude. Wenn die Äpfel reif waren, kamen die Lausbuben aus dem Dorf und stahlen sie alle vom Baum. Das ging so Jahr für Jahr, bis eines Tages ein alter Mann mit einem langen weissen Bart an Elends Tür klopfte.
«Liebe Frau», bat er, «gib mir ein Stückchen Brot.»
«Du bist auch eine armselige Kreatur», sagte Elend. «Hier ist ein halber Laib Brot, nimm ihn, mehr habe ich nicht. Lass ihn dir schmecken, ich hoffe, er stärkt dich ein wenig.»
«Weil du so gütig bist, hast du einen Wunsch frei», sagte der alte Mann.
«Ach», seufzte Elend, «ich habe nur einen einzigen Wunsch: Jeder, der meinen Apfelbaum berührt, soll daran kleben bleiben, bis ich ihn erlöse. Es ist einfach unerträglich, dass mir immer wieder alle Äpfel gestohlen werden.»
«Dein Wunsch wird in Erfüllung gehen», sagte der alte Mann und ging seines Weges. Zwei Tage später ging Elend hin, um nach dem Baum zu schauen. An seinen Ästen hingen und klebten zahllose Kinder, Dienstboten und Mütter, die gekommen waren, um ihre Kinder zu retten, Väter, die versucht hatten, ihre Frauen zu retten, zwei Papageien, die aus ihrem Käfig entflogen waren, ein Hahn, eine Gans, eine Eule, verschiedene Vögel und auch eine Ziege.Bei diesem erstaunlichen Anblick brach Elend in lautes Gelächter aus und rieb sich vor Freude die Hände. Sie liess sie alle noch ein Weilchen dort hängen, bevor sie sie schliesslich befreite. Die Diebe hatten ihre Lektion gelernt und stahlen nie wieder Äpfel von ihrem Baum. Einige Zeit war vergangen, da klopfte es eines Tages wieder an der Tür der alten Frau. «Herein», rief Elend. «Was glaubst du, wer ich bin?», sagte eine Stimme. «Ich bin der Gevatter Tod. Hör zu, Mütterchen», fuhr er fort, «du und dein alter Hund, ihr habt jetzt lange genug gelebt, ich bin gekommen, um euch beide zu holen.»
«Du bist allmächtig», sagte Elend, «ich werde mich deinem Willen beugen. Aber erlaube mir noch einen Wunsch, bevor ich meine Sachen packe. An dem Baum dort drüben wachsen die wunderbarsten Äpfel, die du je gekostet hast. Wäre es nicht ein Jammer, wenn du gehen würdest, ohne einen einzigen Apfel zu probieren?»
«Weil du mich so freundlich bittest, werd ich mir einen holen», sagte der Tod, und das Wasser lief ihm schon im Mund zusammen, als er zu dem Baum ging. Er kletterte in die höchsten Zweige des Baumes, um einen grossen rosigen Apfel zu pflücken, doch kaum hatte er ihn berührt, blieb er mit seiner langen knochigen Hand an dem Baum kleben. So sehr er sich auch bemühte, er konnte sich nicht wieder losreissen.
«So, du alter Tyrann, da hängst du jetzt und bist ausser Gefecht», sagte Elend.
Weil aber der Tod an dem Baum hing, starb niemand mehr. Fiel einer ins Wasser, ertrank er nicht mehr. Wurde jemand von einem Wagen überrollt, spürte er es gar nicht. Die Leute starben nicht einmal mehr, wenn man ihnen den Kopf abschlug. Nachdem der Tod im Winter wie im Sommer und bei jedem Wetter zehn lange Jahre an dem Baum gehangen hatte, bekam die alte Frau Mitleid mit ihm und erlaubte ihm herunterzukommen, aber nur unter der Bedingung, dass sie so lange leben durfte, wie sie wollte. Gevatter Tod ging auf den Handel ein, und das ist der Grund, weshalb die Menschen länger leben als die Spatzen und weshalb es immer Elend auf der Welt gibt und wohl auch bis in alle Ewigkeit geben wird.
Märchen aus Flandern © Mutabor Verlag, Baummärchen aus aller Welt
Laotse und der Baum
Man erzählt sich von Laotse, dass er einmal mit seinen Jüngern unterwegs war und zu einem Wald kam. Dort waren hunderte von Holzfällern dabei, den ganzen Wald zu fällen. Tausende von Bäumen lagen bereits am Boden, nur ein einziger Baum stand noch. Es war ein riesiger Baum mit unzähligen Ästen, der seine Krone weit über die Erde ausbreitete. Er war so gross, dass das unzählige Menschen unter seinem Schatten sitzen konnten.
Laotse bat nun seine Jünger nachzufragen, warum dieser eine Baum nicht gefällt worden sei. Diese gingen zu den Holzfällern und fragten, und alle erhielten die gleiche Antwort: «Dieser Baum ist zu nichts nütze. Seine Äste sind krumm gewachsen und voller Knoten, so dass man keine Möbel daraus bauen kann. Noch nicht einmal als Brennholz kann man ihn gebrauchen, denn der Rauch schadet den Augen. Da dieser Baum zu nichts nütze ist, haben wir ihn stehen lassen.»
Als Laotse die Antworten hörte, lachte er und sagte: «Werdet wie dieser Baum, denn er lehrt uns, dass wir, wenn wir nützlich sind, zu Gegenständen im Haus eines anderen gemacht werden. Und dass wir, wenn wir schön sind, auf dem Marktplatz als Ware verkauft werden. Werdet wie dieser Baum, wachst in die Höhe und Breite, dann werden andere Menschen in eurem Schatten Schutz und Ruhe finden.»
Märchen aus China © Mutabor Verlag, Baummärchen aus aller Welt