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Als Meister der kleinen Form ging Anton Webern in die Musikgeschichte ein. Nicht mehr als eine Handvoll Orchesterwerke stammt aus seiner Feder. Mit einem von ihnen trat er 1908, nach Beendigung seines Kompositionsunterrichts bei Arnold Schönberg, an die Öffentlichkeit: der Passacaglia op. 1. Es ist ein Schwellenwerk im besten Sinne, retrospektiv und zukunftsweisend in einem Atemzug.
Wäre dieses op. 1 ein reines «Gesellenstück», hätte man ein Anknüpfen an die Klangwelt der Spätromantik erwarten können. Stattdessen wählte Webern die strenge Form der barocken Passacaglia: Variationen über ein kurzes, meist im Bass liegendes Thema. Zu seinen historischen Vorbildern zählten Komponisten wie Frescobaldi, Purcell und Bach, aber auch Brahms (Finale 4. Sinfonie). Zudem hatte sich Webern in den Jahren zuvor intensiv mit der Musik Heinrich Isaacs beschäftigt.
Das Thema seiner Passacaglia wird zu Beginn von den Streichern präsentiert. Es besteht aus acht Tönen, die sich d-Moll zuordnen lassen. Aufgabe der folgenden, insgesamt 23 Variationen ist es, den emotionalen Gehalt dieses Rohmaterials zu heben. Das Thema selbst verschwindet dabei zusehends hinter einem Netz von Umspielungen und Gegenstimmen. Allerdings lassen die emotionale Dichte der letzten Variationen und der verlöschende Schluss erahnen, dass diese Musik nicht allein dem Nachweis handwerklicher Kunstfertigkeit dient. Vielmehr verarbeitete Webern in der Passacaglia auch einen persönlichen Schicksalsschlag, den Tod der Mutter im
Jahr 1906.