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Katholische Kirchgemeinde
Die Kirchgemeinde umfasst alle römisch-katholischen Einwohner der politischen Gemeinden Cazis und Tartar. Die Zugehörigkeit erlischt durch Austritt aus der katholischen Kirchgemeinde. Für den Austritt bedarf es einer schriftlichen Erklärung an den Kirchenvorstand.
Stimmberechtigt sind alle auf dem Gebiet der Kirchgemeinde wohnhaften römisch-katholischen Einwohner vom erfüllten 18. Altersjahr an, welche seit 3 Monaten auf dem Gebiet der Kirchgemeinde wohnen und das Schweizerbürgerrecht besitzen oder als Ausländer im Besitz der Niederlassungsbewilligung sind.
Die Organe der Kirchgemeinde sind
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die Kirchgemeindeversammlung
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der Kirchgemeindevorstand
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die Revisoren
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das Pfarramt
Die Kirchgemeinde erhebt zu Verwaltungszwecken alljährlich eine Kirchgemeindesteuer. Sie wird verwendet:
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zur Gewährleistung der Seelsorge und der damit zusammenhängenden Auslagen
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für andere sich geltend machende Interessen und Bedürfnisse der Kirchgemeinde.
Pfarrkirche St. Peter und Paul
Die Pfarr- und Klosterkirche ist nach St. Martin in Chur die grösste spätgotische Kirche Graubündens, neu erbaut von Andreas Bühler zwischen 1491 und 1504 unter Einbezug der Umfassungsmauern der romanischen Vorgängerkirche. Der Brand von 1768 zerstörte das ganze Kloster und brachte das Schiffsgewölbe der Kirche zum Einsturz. Neu eingeweiht 1772. Renoviert 1827 und 1939. Restauriert 1977–83. Der Turm wurde 1871 neu erbaut und erhöht und gleichzeitig eine neugotische Sakristei nördlich des Chors gebaut.
Über dem Westportal steht ein Dedikationsgemälde datiert auf 1504. Petrus im päpstlichen Ornat, daneben Paulus und kniend die Bauherrin Äbtissin Margareta von Raitnau (1456– 1508), mit dem geviertelten Wappen des Klosters (Andreaskreuz) und Reitnau (Kugel); stark übermalt 1933. Schiff mit barocken Kreuzgewölben auf Vorlagen, welche wahrscheinlich die Dienste des ehem. Netzrippengewölbes maskieren; Gewölbemalerei 1827 von Wilhelm Maria Rizzi. Im Westjoch gemauerte Empore auf dreiteiliger Arkadenstellung und Kreuzgewölben, früher als Nonnenchor benützt. Hinter dem wohl nachträglich erweiterten Chorbogen langgestreckter, dreiseitig geschlossener Chor mit Sterngewölbe auf Vorlagen und Runddiensten.
Über der einfachen Sakramentsnische ein Wandgemälde um 1504, als spätgotischer Altaraufsatz konzipiert: Abendmahl mit Wappen Reitnau und Mannalese als typologische Bilder zur Eucharistie, im Gesprenge Ecce homo; gleichzeitig das Gemälde in drei Streifen an der Südwand: unten Petronella, legendäre Tochter des hl. Petrus, und die Kirchenväter; darüber die hl. Petrus und Paulus, vor ihnen die Klostergründer, Bischof Victor und Bischof Paschalis von Chur mit Victors Mutter Episcopina und die kniende Bauherrin; im obersten Streifen Martyrium der Apostelfürsten. Stuckmarmoraltäre und -kanzel um 1770. In der Wand hinter dem Choraltar Nische mit den Gebeinen des legendären Lokalmärtyrers Victor aus Tomils, welche 1496 nach Cazis übergeführt worden sind. Die Orgel stammt aus dem Jahre 1984.
Die St. Martins Kirche ist nach St. Joh. Baptista auf Hohenrätien 4. Jh., die erste Talkirche im Domleschg und bis 1504 die alte Pfarrkirche von Cazis. Ihr Ursprung geht auf ein eisenzeitliches (Eisenzeit ab 800 v. Chr.) Sonnenheiligtum zurück. Dafür spricht das kombinierte Zeichen, ein-gearbeitet in den Putz des Kapitells links über dem Eingang: Sonnenrad (Swastika) umgeben von einem Dreieck mit aufsteigenden Linien (eisenzeitlicher Hausgiebel). Wahrscheinlich stand hier ein Megalith, von dem aus beobachtet die Sonne am Martinstag, 11. November und am 19. Januar (ca. 20 Tage vor und nach der Wintersonnenwende) die Sonne parallel über dem linken Kamm der Muttnerhöhe aufgeht und über dem rechten Kamm des Piz Beverin untergeht. In der Christianisierung wurde sehr wahrscheinlich der Standpunkt des Sonnenheiligtums für den Kirchenbau übernommen. Am Rande des Abbruchs zum Rheinlauf ist er baulich sehr ungünstig gelegen, aber aus Rücksicht auf das ehemalige Heiligtum beibehalten worden.
Der Erstbau wurde von Poeschel wegen der Nähe zu spätantiken Blendengliederungen (Basilika von Trier; S. Apollinare in Classe) und im Vergleich zum weniger antikischen Müstair mit Vorbehalt ins 7. Jh. datiert. Der Turm ursprünglich um 1100 angesetzt, stammt nach den Untersuchungen 1968-1971 eher aus dem 13. Jh. Die behauenen Ecktuffsteine (Kalk) beginnen erst in einer Höhe von ca. 3.50 m und bleiben trocken und stabil, was als Lerneffekt aus dem Bau von Türmen aus dem 11. Jh. betrachtet werden kann, da wurden die Tuffsteine mit Erdkontakt verbaut. Sie wurden feucht und verbröselten, was zu deren Einsturz führte.
1156 wurde die Kapelle erstmals urkundlich erwähnt. 1623 war die Kapelle bereits ausser Gebrauch. 1909 wurde das Turmobergeschoss aufgebaut. 1919 folgte die Restauration und die Rekonsekration des Gotteshauses. Die letzte Restauration fand 1968-1971 statt. Dabei wurden hauptsächlich an der Ostwand Reste von Fresken entdeckt. Heute sind sie unter weisser Kalkfarbe geschützt. Das ist eine Verschleissschicht, deren oberste Decke immer wieder durch ausblühende Mauersalze abgestossen wird, bis durch eine Restauration die vermuteten Bilder freilegt und stabilisiert werden können. Dazu fehlen aber noch die nötigen Mittel. Im Laufe der 90-er Jahre konnte die Kapelle im Sinne einer schönen, gelebten Oekumene von der evangelischen Pfarrgemeinde Cazis während der warmen Jahreszeit für ihre regelmässigen Sonntagsgottesdienste benutzt werden, bis zur Fertigstellung der neuen evangelischen „Steinkirche“ am nördlichen Ausgang des Dorfes im Juli 2002.
St. Nepomuk-Kapelle
Seit einiger Zeit erstrahlt mit der Kapelle St. Nepumuk von Oberrealta am Heinzenberg ein neues sakrales Zeichen in den Bergen. Erstellt hat sie 1994 das Architektbüro Rudolf Fontana, Domat/Ems, im Auftrag des Kapellenbauvereins Realta.
Ehemals St. Nepomuk-Kapelle
Die Kapelle steht als kristalliner Monolith auf einer Wiesenterrasse über dem Talboden des Hinterrheins, nahe an einem jäh abfallenden, nach Osten gerichteten Abhang. Die Kapelle, sie dürfte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet worden sein, hatte bis in dieses Jahrhundert Bestand. Die dem Heiligen Nepomuk geweihte Kapelle sollte einst das Gebiet von Realta (Riva alta = hohes Ufer) vor Überschwemmungen des Hinterrhein schützen. Flusskorrekturen mit Uferbefestigung liessen die Angst vor den Gefahren des Wassers weichen. Das war wohl auch ein Grund, dass die St. Nepomuk Kapelle mehr und mehr ihrem Schicksal überlassen wurde.
Monolith von archetypischer Form
Die Tektonik des Baus ist auf karge Betonflächen reduziert, die in ihrer Erscheinung die archetypische Elementarform eines Giebelhauses aufnimmt: ein klarer, scharfkantig begrenzter Körper, ähnlich einem aus dem Erdreich hervorstossenden Kristall. Die Kapelle ist ein Einraumhaus, kleiner und einfacher Feldkapelle und Bildstöcke. Deren traditionelle rechteckige Form findet eine skulpturale Abstrahierung zu einer wohlproportionierten geometrischen Idealform. In Kenntnis der Wirkung von Masse und Hohlraum ist der Monolith mit bildhauerischer Prägnanz ausgehöhlt. Das regelmässige Schalungsbild des nackten Körpers lässt den Eindruck eines einheitlichen Gusses und seiner physischen Präsenz verstärkt erscheinen. Die erhöhte Eingangsöffnung schafft ein Kontaktmittel zwischen Innen- und Aussenraum. Sie ist mit einer bildhauerisch gekonnten Selbstverständlichkeit in die Schale geschnitten, wodurch die Einheit des Kubus nicht zerstört wird. Das Dach ist ohne Vorkragung in einem Winkel von 45 Grad in Ortsbeton gegossen. Die Kantenschärfe des Baukörpers wird weder von einer Regenrinne noch durch eine Dachtraufe gestört. Er erscheint in seiner reinen Form. Der vertikale Schlitz in der rückwärtigen Ostwand lässt die den Raum begrenzenden Hülle und im Besonderen die innere Leere eine sakrale Spannung erfahren. Das minimale vertikale Lichtzeichen kann als archaische Metapher der „Hoffnung“ gelesen werden. Das einzige Zeichen des christlichen Glaubens ist ein kleines, griechisches Kreuz über dem Eingang. Es ist als Negativform in die Betonschale eingelassen.
Kontinuum von Raum und Zeit
Die Architektur der Kapelle schafft Raum und setzt Zeichen. Die Spannung, die sich zwischen dem alten Gemäuer der St. Nepomuk-Kapelle und dem metapherartigen Kubus, der an den Vorgängerbau erinnert, manifestiert das Spannungsfeld im fiktiven Zeichen der bergenden Schale. Der Bau ist mehr als nur funktionaler Behälter, mehr als ein Gefäss für Reste der Umfassungsmauer. Die Hülle und die damit gefasste Leere bilden eine versammelnde Kraft. Der Bau wird mit seiner ornamentlosen Nacktheit zum integrierten Teil des Geländes. Dadurch entwickelt sich das Gebäude zu einem eigentlichen „Nicht-Gebäude“ und folglich zu einem Ort, der Teil eines umfassenderen Ganzen ist. Die auf ihren geometrischen Grundgehalt abstrahierte Urzelle führt zu Fiktion: eine gebaute Metapher des Gewesenen, ein Ort der Erinnerung aber auch des Schutzes, des Vertrautseins und Mystischen. Der Bau zeigt ambivalentes Verhalten. Er ist historisch und modern, retrospektiv und progressiv, alt und neu, Gefäss und Spender, ganz im Sinne eines Kontinuums von Raum und Zeit.