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Iran, Drehscheibe zwischen Ost und West
Iran (Islamische Republik Iran) ist ein Staat in Zentral-/Südwestasien. Der offizielle Name Iran geht auf den Begriff „aria“ = Arier zurück und wurde bereits in der Heiligen Schrift der Zoroastrier (Avesta) um ca. 6. Jh. v.Chr. für die Bevölkerung des iranischen Hochland sowie für die ethnisch verwandten Inder verwendet. Die im Westen oft gebräuchliche Bezeichnung Persien geht auf das Reich der Achämeniden „Parsa“ zurück, die um ca. 6. Jh. v.Chr. ein erstes persisches Grossreich schufen. Davon leitet sich der Name der heutigen Provinz Fars um Schiraz sowie der persischen Sprache ab, dem Farsi.
Iran ist kulturhistorisch eines der bedeutendsten Länder unserer Erde: Der Iran mit seiner mehrere tausend Jahre alten Kultur war seit jeher Schnitt- und Treffpunkt verschiedener Zivilisationen und Kulturen: Von den Feuertempeln der Zarathustra-Anhänger, über Persepolis, die Stadt der Könige im antiken Persien, die klassisch – islamische Epoche bis hin zur Gegenwart. Das achämenidische Reich, gegründet von Kyros II im Jahre 553 v. Chr., war das größte Weltreich in der Antike. Die eindrucksvolle Ruinenstätte Persepolis und Pasargadae sind Zeugnisse aus dieser Zeit. Berühmt sind die persische Poesie und die Rosengärten von Shiraz. Die Stadt Isfahan mit den türkisblauen Moscheen mit Goldkuppeln wie in 1001 Nacht ist überwältigend.
Iran ist ein Land der Gegensätze: verschiedene Völker und Stämme; unterschiedlichste Vegetations- und Klimazonen; moderne Hochhäuser, Nomadenzelte und Moscheen; sehr religiöse Gebiete und Menschen, erstaunlich liberale Bewohner in grossen Städten; etc. Grossartige Landschaften lassen uns staunen: Gebirge mit schneebedeckten Gipfeln im Elburz- und Zagrosgebirge, Vulkane (der höchste Berg Irans ist der erloschene, schneebedeckte Vulkan Damavand, 5671m ü.M), Seen, Salz- und Sandwüsten, Reisfelder und die Vielfältigkeit der subtropischen Küstenregionen des Kaspischen Meeres und des Persischen Golfes.
Hauptstadt sowie auch kulturelles, kommerzielles und industrielles Zentrum des Landes ist Teheran mit mehr als 14 Mio Einwohnern. Die Stadt liegt im Norden des zentraliranischen Hochlands auf einer Höhe zwischen etwa 1‘000 m ü.M. und 1‘700 m ü.M..
Wichtiges Land auf der Seidenstrasse zwischen dem Mittelmeer und China. Seit Jahrhunderten findet Austausch von wichtigen Kulturen, Sprachen, Rohstoffen und Produkten statt. Dadurch mischten sich verschiedene Völker. Iran ist bis heute ein Multiethnisches Staatsgebilde.
Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist ebenso vielfältig wie die Landschaft Irans. Es werden insgesamt 77 Sprachen und Idiome gesprochen.
Über 50% der Bevölkerung sind Perser, sprechen also Farsi, eine indoeuropäische Sprache. Ebenfalls eine indoeuropäische Sprache sprechen die Kurden (7% der Bev.), die Tadschiken, die Belutschen (5%) sowie die Nomadenvölker der Luren (6%) und der Bakhtiari.
Im Iran leben aber auch viele Turk-sprachige Völker (24% der Bev.) wie z.B. die Aserbaidschaner (Azeri), die Turkmenen und die Qashqai. Ca. 3% der Bevölkerung sprechen arabisch, 1% andere Sprachen wie z.B. armenisch. Seit der Zeit der Achämeniden (ab ca. 6 Jh. v.Chr.) bekennt sich der Vielvölkerstaat Iran zu all diesen Ethnien, im Grossen und Ganzen auch die heutige Regierung.
Iraner unterscheiden sich grundlegend von den Arabern: Rasse, Sprache, Religion, Kultur sind unterschiedlich. Für die Iraner ist diese Unterscheidung wichtig. Nur die arabische Schrift wird heute noch von den Iranern benutzt.
Ca 98% aller IranerInnen sind Muslime. Die meisten davon sind Schiiten; die Kurden, Turkmenen, Belutschen, Araber hingegen sind vorwiegend Sunniten. Es gibt im Iran aber auch Christen (Armenier, Assyrer), Juden und Zoroastrier, die unbehelligt ihre Religion leben können. Lediglich die Religionsgemeinschaft der Bahai wird diskriminiert und teilweise verfolgt.
Religiosität in Iran ist sichtbar, auffällig aber selten fanatisch. Iraner sind gastfreundlich, interessiert an Fremden und aufgeschlossen.
Iran öffnet sich nach jahrelanger Isolierung seit 2015 dem Tourismus. Der ausländische Tourist ist inmitten tausender inländischer Touristen ein umgarnter Exot. Noch ist es möglich in die fremde Kultur völlig einzutauchen.
Seit den letzten, umstrittenen Präsidentenwahlen 2009 stellen immer mehr insbesondere junge, die Mehrheit der Bevölkerung bildenden IranerInnen die Situation in Frage und drängen zunehmend heftig auf Veränderung. BesucherInnen dieses Landes spüren kaum etwas von den teilweise schwierigen Lebensverhältnissen der Menschen. Im Gegenteil: Ihnen wird mit einer überwältigenden Gastfreundschaft, Weltoffenheit und Kontaktfreudigkeit begegnet und am Ende der Reise wird sich so manches Vorurteil in Begeisterung verwandeln.
Iran ist gross und mächtig: Mit ca. 80 Mio Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich stärksten Länder der Region. 1‘648‘000km2, dh. ca. 4 ½ mal die Fläche von Deutschland. Die grossen Städte sind heute pulsierende Metropolen: Teheran ist die Hauptstadt mit ca. 13 Mio Einwohnern. Der grösste Teil Irans liegt auf einem Hochplateau von über 1000m. Diese Region nennt man Zentraliran. Das Klima hier ist sehr trocken, der Winter kalt, der Sommer heiss. Hier waren früher die Weidegebiete der Nomaden. Heute sind viele sesshaft geworden.
Sicherheit im Iran:
Bis in die 70er Jahre war der Iran modern und westlich geprägt. Seit der Iranischen Revolution 1979 ist das Land eine Islamische Republik. Mit der Wahl des gemässigten Präsidenten Rohani 2013 und seit der Aufhebung der westlichen Sanktionen ist zunehmend eine leichte Öffnung den westlichen Ländern gegenüber zu spüren. Allgemein kann die Lage im Iran als ruhig und für Touristen als sicher bezeichnet werden. In grösseren Städten und insbesondere während religiösen Feiertagen kann es vermehrt zu Kundgebungen kommen. Versuchen Sie Menschenansammlungen generell zu vermeiden. Die Mehrheit der jungen Erwachsenen sträubt sich gegen die vielen Verbote der stark religiös geprägten Politik. Illegal und teils mit absurd charmanten Tricks versucht sich diese Generation ein Stück Freiheit zurückzuerobern – speziell in den Städten.
Wenn Sie auf Reisen oder über Bekannte die Möglichkeit haben, einen Blick «hinter die Kulisse» zu werfen, so nutzen Sie diese. Im privaten Bereich werden Sie auf aufgeschlossene und herzliche Gastgeber treffen.
Darauf sollten wir achten:
Iraner legen Wert auf das richtige Auftreten. Wenn Sie sich daran halten, erweist man Ihnen Respekt.
- Als Mann sollten Sie Beine und Schultern (Arme bis mindestens zu den Ellbogen) stets bedecken. Frauen sollten in der Öffentlichkeit alle Körperteile ausser Hände und Gesicht bedecken. Frau trägt am besten einen Mantel, der bis mindestens zum Knie reicht. Darunter sind Hosen angebracht. Das Kopftuch wird – je nach Situation - locker über Haar, Hals und Schultern gelegt.
- Tragen sie saubere und intakte Kleidung.
- Beim Besuch in privaten Wohnungen wie auch Moscheen muss man die Schuhe ausziehen.
- Begegnung und Begrüssung:
Die unterschiedlichen Geschlechter begrüssen sich verbal. Man gibt sich nicht die Hand (ausser die iranische Seite streckt die Hand aus). Männer begrüssen einander mit Handschlag oder einer Umarmung.
Männer sollten Frauen gegenüber zurückhaltend auftreten.
- Alkoholkonsum ist streng verboten. Nur privat werden alkoholische Getränke (im Verborgenen) angeboten
- Während dem Fastenmonat ziemt es sich nicht in der Oeffentlichkeit zu essen und zu trinken.
- Im Trauermonat Ashura ist besonders dunkle und konservative Kleidung angebracht.
- Fotografieren: Uniformierte Personen, militärische Einrichtungen und Fahrzeuge sowie manche öffentliche Gebäude dürfen nicht fotografiert werden. Fotografieren und Filmen von Privatpersonen sollte ebenfalls restriktiv gehandhabt werden. Um Probleme zu vermeiden, lieber einmal zu viel nachfragen, ob eine Foto gemacht werden darf.
- Feilschen ist Alltagskultur und gehört insbesondere auf Basaren und bei höherwertigen Produkten dazu. Es gilt als ehrenhaft, durch das Feilschen einen fairen Interessenausgleich zwischen Verkäufer und Käufer herzustellen. Verhandeln Sie jedoch nur, wenn Sie auch eine ehrliche Kaufabsicht haben.
- Über Small Talk zu den Hard Facts. Sprechen Sie mit Ihrem Gegenüber zuerst über unproblematische Themen bevor Sie auf das eigentliche Thema zu sprechen kommen. Themen, die man eher vermeiden sollte sind Politik und Religion.
- Sich laut die Nase zu putzen gilt als äusserst unhöflich.
- Der iranische Alltag besteht aus vielen Höflichkeitsfloskeln und Anstandsregeln. Manchmal wird einem aus Anstand etwas angeboten. Auch Einladungen können aus Höflichkeit ausgesprochen werden. Man sollte zunächst alles höflich ablehnen.
- Reisen Sie bei Tag. Von nächtlichen Überlandfahrten wird abgeraten. Zudem wird von Reisen ins Grenzgebiet zu Afghanistan, Irak und Pakistan abgeraten. Für Reisen mit einem Personenauto ist es empfehlenswert, nicht selbst zu fahren, sondern einen Wagen mit Chauffeur zu mieten.