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grottenartige Aushöhlungen, die offenbar von Menschenhand herrühren und deren Deutung lange Zeit die Forscher beschäftigt
hat. Aus dem gotischen Gewölbebogen, mit dem eine dieser
Höhlen geschmückt ist, lässt sich auf ein nicht gar weit zurückliegendes
Alter dieser Arbeiten schliessen. Es scheint ferner die Annahme gestattet, dass einst alle diese
Höhlen durch einen oder mehrere «en corniche» längs der Felswand
hinziehende Fusswege zugänglich gewesen sind.
Erosion und Verwitterung mögen dann in der Folge diese in wenig widerstandsfähigem Gestein angelegten
Wege wieder zerstört
haben, wie ihnen seither auch einige der
Höhlen selbst beinahe ganz oder zu einem grossen Teil zum Opfer
gefallen sind. Auf dem
Rücken des Hügels sieht man ausser den letzten Ueberbleibseln von längst zerstörten Bauten noch
das ehemalige Karthäuserkloster Géronde, das hier an der Stelle eines noch älteren Filialhauses der Abtei
Abondance in
Savoyen 1331 von
Bischof Aymon de
la Tour errichtet worden ist.
Die wegen der endlosen Fehden zwischen den Wallisern und Savoyarden in steter Unsicherheit lebenden Karthäuser
verliessen aber schon 1354 diesen
Ort wieder, worauf sie 1425 durch Karmeliter ersetzt wurden, denen 1656 die Jesuiten folgten.
Von 1743 an befand sich hier das Diözesanseminar bis zur französischen Invasion von 1799, unter der das Kloster Géronde,
seine Kirche und eine benachbarte
Kapelle besonders stark zu leiden hatten. Nachher blieben die zur Hälfte
verlassenen Gebäulichkeiten auf längere Zeit allen möglichen Antiquitätenjägern schutzlos preisgegeben, unter deren
Händen denn auch die von den Franzosen zufällig verschonten prachtvollen Glasmalereien verschwunden sind.
Nachdem das
Kloster im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu drei wiederholten Malen französischen Trappisten
und Dominikanern Zuflucht geboten, ist es 1893 zu einer Taubstummenanstalt umgewandelt worden, die unter der Leitung von
Schwestern aus dem Kloster zum h.
Kreuz zu
Ingenbohl in voller Blüte steht. Bei dieser Gelegenheit hat der Staat Wallis
mit Aufwand
einer Summe von 40000 Franken die Klosterbauten restaurieren, vergrössern und ausstatten lassen, wie
er auch jetzt noch an die Verpflegungskosten für arme Insassen 4000-4500 Franken jährlich zuschiesst. Heute zählt die
Anstalt etwa 50 Zöglinge, die mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt werden. Bei der Anlage eines
Rebberges hat man
in der Nachbarschaft des
Klosters vorrömische Gräber aufgedeckt. Ohne Zweifel stand hier schon mehrere
Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung eine Siedelung. 1285: Gyrunda. Vergl. Reber, B. Die vorhistor. Denkmäler imEinfischthal.
(Kt. Tessin,
Bez. Locarno).
208 m. Gem. und Pfarrdorf, am linken Ufer des
Langensees, mitten in Weinlauben und Kastanienhainen, 1 km
nö. der Station
Ranzo-Gerra der LinieBellinzona-Luino der Gotthardbahn. Postablage, Telegraph. 128
Häuser, 451 kathol.
Ew. Weinbau, Waldwirtschaft, Viehzucht. Tiefst gelegener Standort der rostblätterigen
Alpenrose.
Anzahl von über die Hänge zerstreut gelegenen Höfen und Häusergruppen besteht. Zusammen 242 Häuser mit 398 Haushaltungen
und 1887 Ew. (wovon 1425 Katholiken). Landwirtschaft, Seidenweberei und Fremdenindustrie. Die vielen Obstbäume liefern einen
schönen u. weithin geschätzten Ertrag. Gersau hat sich seines gesunden Klimas und seiner reizenden landschaftlichen Lage
wegen zu einem beliebten Kurort für gesunde und kranke Gäste entwickelt. Mehrere Gasthöfe, worunter
das Kurhaus auf Rigi Scheidegg.
Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen:
1886
1896
1901
Hornvieh
649
678
699
Pferde
8
10
13
Schweine
144
213
212
Schafe
27
4
5
Ziegen
193
98
72
Bienenstöcke
75
77
89
An den Hängen des Föhnenbergs und der Rigi Hochfluh zahlreiche erratische Blöcke des ehemaligen Reussgletschers. Längs
dem Seeufer die neue Strasse Vitznau-Brunnen. Dampfschiffstation Gersau. Der Bezirk hat seiner isolierten Lage wegen in der
Geschichte eine ziemlich selbständige Rolle gespielt, die sich heute noch in den eigenartigen Sitten und Bräuchen
seiner Bewohner spiegelt.
Gasthöfe. Industrielle Tätigkeit: 3 Seidenwebereien, 2 Mühlen, 2 Sägen, 3 Ziegeleien. Der Brüggen-, Tiefen- und Röhrlisbach,
die einst zu Hochwasserszeiten grosse Verheerungen anzurichten pflegten, sind heute verbaut und in ihrem
Unterlauf gerade gelegt. Der klimatisch ausserordentlich begünstigte Winkel von Gersau hat sich seit einigen Jahren zu einem
wichtigen Kurort entwickelt, der sehr wohl mit Montreux zu rivalisieren vermag. Montreux und Gersau sind die einzigen nördl.
der Alpen gelegenen Stationen mit einem jährlichen Temperaturmittel über 10 °C.
Folgendes sind die wichtigsten klimatologischen Daten für diese beiden bemerkenswerten Orte: Jährliche Mitteltemperatur
für Gersau 10,07°, für Montreux10,54° 10,14°;
mittlere Temperaturminima für Gersau -8,5°, für Montreux -8,7°;
mittlere
Maxima für Gersau 29,2°, für Montreux 29,7°;
jährlicher Niederschlag in Gersau 804 mm, in Montreux815 mm 735 mm;
mittlerer Barometerstand in Gersau 724,2 mm, in Montreux 729,4 mm;
mittlere Schwankungen des Barometers in Gersau 20,3 mm,
in Montreux 26 mm.
Gersau hat im Jahr durchschnittlich 71, Montreux70 123 Regentage, wozu für Gersau noch 5,5 und für Montreux
5,8 bewölkte Tage ohne Regen kommen.
Nebel ist in Gersau ein noch seltenerer Gast als in Montreux. Gersau
ist vor den kalten N.- und O.-Winden beinahe völlig geschützt, hat volle südliche Exposition und ist dem wärmenden Föhn
zugänglich. In keinem Monat sinkt hier das Temperaturmittel bis auf 0°, indem die Mitteltemperatur des Januar als des kältesten
Monates sich immer noch auf 0,64 °C hält. Der Temperaturgang ist ein regelmässiger; im Dezember und
Januar sind die Morgen weniger kalt, die Nachmittage dagegen etwas weniger warm als in Montreux.
Die Kastanienwäldchen entwickeln sich in Gersau in derselben Weise wie im insubrischen Seengebiet und reifen essbare Früchte.
Gersau ist die Heimat von P. Beat Küttel, der 1780-1808 Fürstabt von Einsiedeln war und dessen Klugheit
und Gewandtheit dieses Kloster es zu verdanken hat, dass es während der stürmischen Zeiten zu Ende des 18. Jahrhunderts
vor jedem Schaden verschont geblieben ist. Gersauer Bürger war ferner noch der 1883 gestorbene apostolische Protonotarius,
Benediktinerpater Joh. Bapt. Müller, ein eifriger Schulmann, Geschichtschreiber und Theologe und Verfasser
von zahlreichen Schriften.
Die geographisch isolierte Lage von Gersau hat auch in ganz besonderem Masse dessen geschichtliche Entwicklung als kleiner
Freistaat begünstigt. Zunächst war Gersau zusammen mit vielen Alpweiden am Rigi Eigentum des KlostersMuri, aber schon 1036 gehörten
diesem hier blos noch ein einziger Bauernhof, einige wenige Bergweiden und ein Fischplatz. 1210 kam Gersau durch Tausch an
die Grafen von Habsburg, die diesen ihren Besitz später an die Freiherren von Ramstein und nachher an die urnerischen Edeln
von Moos verpfändeten. 1315 musste es seine Grenzen gegen Luzern
schützen. Im Archiv zu Gersau befinden sich
heute noch eine Kopie des Bundesbriefes vom und des 1332 mit Luzern
und den übrigen Waldstätten geschlossenen Bundes,
sowie das Original des Bundesbriefes von 1359. 1386 kämpften 100 Bürger von Gersau bei Sempach an der Seite der Eidgenossen,
und einer von ihnen brachte aus diesem Kampf das Panner von Hohenzollern als Siegeszeichen mit nach Hause. 1390 kaufte
sich Gersau um die Summe von 3450 Gulden von seinen Pfandherren vollständig los. 1422 stellte die kleine Republik ein kleines
Kontingent zu den im Tessin
kämpfenden Eidgenossen, und 1433 anerkannte Kaiser Sigismund ihre Unabhängigkeit.
Im alten Zürichkrieg 1440 hatten sich 20 Gersauer den Schwyzern angeschlossen, 100 Bürger des Ortes zeichneten sich 1531 in
der Schlacht bei Kappel aus, und im Bauernkrieg von 1653 hielt der kleine Freistaat fest zu Luzern.
Auch 1655, 1664 und 1712 stellte
Gersau seine Mannschaft getreu den Waldstätten zur Verfügung. Nachdem sich Gersau 1712-1798 einer Zeit
glücklicher Ruhe
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