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wohl Basel, Mitte des 19. Jahrhunderts
Leinen, Baumwolltressenband
Metallreifen
L. 72,5 cm
Umfang (unten) 185 cm
Inv. 1911.129.2.
Krinolinenmode auch für kleine Mädchen
Um 1840 begann die wohl extremste Entwicklung in der Damenmode des 19. Jahrhunderts, die sog. Krinolinenmode. Sie brachte eine unerhörte Steigerung des Rockvolumens, so dass Frauen weitaus mehr Raum und Aufmerksamkeit als zuvor beanspruchten. Dieses modische Extrem, das zu zahllosen Karikaturen Anlass gab, wurde auch auf die Kindermode übertragen. In wohlhabenden Kreisen trugen Töchter modebewusster Mütter ab dem Alter von ungefähr acht bis zehn Jahren die Krinoline. Der einzige Unterschied war, dass ihre Krinolinen nicht so lang waren wie jene der Mütter, sondern ungefähr in Wadenhöhe endeten.
Die «Krinoline» im eigentlichen Sinne ist nicht das ganze Kleid, sondern nur der feste, formgebende Unterrock, über den noch weitere, weisse Unterröcke aus Baumwolle und schliesslich das Kleid gelegt wurden; unter der Krinoline trugen die kleineren Mädchen lange weisse Wäschehosen, deren spitzenbesetzter Abschluss unterhalb des Rockes sichtbar blieb.
Die Bezeichnung «Krinoline» leitet sich vom französischen Wort «crin» für Rosshaar ab und deutet auf die ursprüngliche Methode, dem Rock Volumen zu verleihen, indem man mit Rosshaar versteifte Unterröcke anzog.
Als preisgünstigere Alternative kam zu Mitte der 1850er Jahre eine Krinolinenform mit eingenähten Stahlreifen auf, die durch Bänder oder – wie im hier vorgestellten Exemplar – durch Stoff miteinander verbunden waren.
Der Besatz aus roter Zackenlitze linderte den prosaischen Anblick der bräunlichen Krinoline, falls die darüber getragenen Schichten einmal verrutschen sollten.
Mit kindlicher Unbefangenheit und lebhaftem Herumtoben war diese Kleidung nicht zu vereinbaren. So findet man in den Modejournalen jener Zeit, in denen Kindermode ein häufiges und wichtiges Thema ist, nur gesittete, sich ruhig und damenhaft gebende Mädchen dargestellt.
Diese Krinoline ist 1911 – zusammen mit einem weiteren Exemplar – für einen Franken bei der Basler Brockenhausgesellschaft erworben worden. Heute ist sie eine kulturgeschichtliche Besonderheit von hoher Aussagekraft.