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In meinem 3. Semester des Architekturstudiums besuchte ich das Erweiterungsmodul «Werkstatt Basic». In diesem Modul geht es in erster Linie um die Aneignung der Grundkenntnisse des Modellbaus.
Nach der theoretischen Einführung anhand verschiedener Beispiele, begannen wir auch schon mit unseren eigenen Modellen. Die Aufgabenstellung ist jedes Semester anders. Im Herbstsemester 2022 lautete die Aufgabe, eine Fussgängerbrücke zu bauen, welche die Isla Casti in Flims GR mit der gegenüberliegenden Seite der Rheinschlucht in Versam GR verbindet. Bei dem Modellbau der Brücke und dem damit verbundenen Landschaftsmodell lag der Fokus entsprechend dem Modulinhalt auf dem handwerklichen Können.
Dies gab uns Studierenden die Möglichkeit, verschiedene Techniken des Modellbaus, Materialien und Vorgehensweisen auszuprobieren, um für den Bau der kommenden Modelle gewappnet zu sein. Diese neuen Erkenntnisse werde ich im Frühlingssemester gut gebrauchen können, da bereits der nächste Entwurf ansteht.
Zwischen zwei ehemaligen Piers, an welche nur noch die in den Hudson-River gerammten Holzpfähle erinnern, die knapp aus dem Wasser ragen, steht seit Mai 2021 «Little Island». Der neue Touristen-Hotspot auf der Westseite von Manhattan liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Meatpacking District, wo seit 2015 das Whitney Museum beheimatet ist und der High Line Park beginnt.
«Little Island» ist eine quadratische Park-Plattform im Hudson-River in der Grösse von 100 x 100 Meter, welche mit 280 Betonpfählen fundiert ist. Die Plattform ist über zwei gleich breite Brücken mit Manhattan verbunden. Den Auftakt auf die südliche Brücke macht ein rostiger Torbogen, ein Relikt vom 1991 abgerissenen Pier 54 Gebäude-Portal. Die Park-Plattform steht städtebaulich leicht abgewinkelt zum Flussufer und nimmt so die Ausrichtung des orthogonalen Strassenrasters von Manhattan auf.
Die architektonische Hauptidee von «Little Island» besteht aus 132 fünfeckigen Töpfen, welche aus je 5 vorfabrizierten Beton-Kelchblättern zusammengefügt sind. Die pentagonförmigen Töpfe lassen im Grundriss viele Kombinationsmöglichkeiten zu. Sie ragen in unterschiedlichen Höhen zwischen 4.6 Meter und 18.9 Meter aus dem Wasser, was eine vielfältige Topografie auf der Plattform verspricht. Jeder dieser Töpfe, von denen es 39 verschiedene Typen gibt, wird von einem Betonpfahl getragen, der je nach Lage Lasten von 250 – 350 Tonnen aufnehmen kann. Die 132 organisch geformten Töpfe mit einem Gewicht bis zu 68 Tonnen legen nahe, dass sie mit Erde gefüllt sind und so den grossen Bäumen auf «Little Island» einen idealen Wurzelraum bieten. Das trifft leider nicht zu, siehe Schnittplan. So ist die Tulpenform der über 100 Töpfe, welche «Little Island» vierseitig umschliessen, «nur» ein dekoratives Element. In der Mitte des Parks ist eine ebene Betondecke, die von weiteren 148 Betonpfählen getragen wird. Auf dieser Ebene befinden sich versteckt unter dem Weg, der zur Aussichtsplattform in der Südwest-Ecke führt, WC-Anlagen, Garderoben und andere Räumlichkeiten. Architektonisch schade ist, dass auf der Park-Plattform die polygonale Struktur der Tulpen-Töpfe nur punktuell sichtbar ist. Viele Töpfe wurden mit einer Betondecke verbunden, so ist von dieser aufwendigen Architekturstruktur im Park kaum etwas lesbar. Nur an einigen wenigen Randbereichen und der Süderschliessung, wo die tulpenförmigen Töpfe ein Tor bilden, lässt sich die faszinierende Form erkennen.
Räumlich bietet «Little Island» auf einer Fläche von knapp 10’000 Quadratmeter einiges: Zwei Aussichtsplattformen, zwei Picknick-Wiesen, welche nach Osten ausgerichtet sind – ideal für Yoga, ein grosser Platz mit Verpflegungsmöglichkeit und ein Amphitheater mit 687 Sitzplätzen, das für hochwertige Aufführungen steht. Alles ist durch ein 550 Meter langes Wegnetz und 420 Treppenstufen miteinander verbunden. Es gibt differenzierte Raum- und Klimazonen, die neben einer vielfältigen Topografie durch eine breite Palette von unterschiedlichen Pflanzen geschaffen wird: 35 verschiedene Baumarten, 65 Buschtypen und 290 Gräsersorten stehen für eine üppige Vegetation. Für die gelungene Landschaftsarchitektur verantwortlich ist das New Yorker Büro Matthews Nielsen Landscape Architects.
«Little Island» kostet 281 Millionen US-Dollar. 260 Millionen der Baukosten trägt die Diller – von Furstenberg Family Foundation, welche zusätzlich für den Betrieb der nächsten 20 Jahre 120 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellt. Neben den hohen Kosten waren auch Einsprachen von Umweltschützern dafür verantwortlich, dass es im Jahr 2017 zu einem Bauabbruch kam. Ein sehr exklusiver Park, der pro Quadratmeter mit 36’000 US-Dollar Baukosten zu Buche schlägt …
In der Architektur ist neben städtebaulichen Fragen die Art der Erschliessung – Adressierung – im Besonderen bei öffentlichen Anlagen von grosser Bedeutung. Die um 90 Grad abgewinkelte Erschliessungsbrücke nordseitig der Plattform ist architektonisch gesehen eine Notlösung, verglichen zur Südbrücke, welche mit dem alten Pier Portal ihren Auftakt nimmt und die Besucher direkt unter den tulpenförmigen Töpfen elegant in den Park führt.
«Little Island» der Park über dem Hudson-River – istkeine Insel* – sondern eine Plattform auf Pfählen! Ein Besuch von «Little Plattform» in der Blauen Stunde lohnt sich trotz allem auf jeden Fall.
* Bauwerke in einem Gewässer, wie Bohrplattformen, Leuchttürme, Windkraftanlagen, Pfahlbauten und vergleichbare, fest mit dem Untergrund verbundene Objekte, sind hingegen keine Inseln, da es an dem Definitionsmerkmal Landmasse mangelt. Quelle Wickipedia: Insel
Der BMW i3, ein Smart Metropolitan Car, war das erste deutsche, in Grossserie gefertigte Elektroauto. In den vergangenen 9 Jahren wurden etwas mehr als 250’000 Autos produziert. Diesen Sommer hat BMW die Produktion eingestellt, ohne ein gleichwertiges Nachfolgemodell zu präsentieren – obwohl der US-amerikanische Autopapst Sandy Munro, in einem Interview auf Autoline Network im Jahr 2015 die Technik & Produktion des i3 als den grössten Durchbruch im Autobau, seit dem Ford Modell T aus dem Jahr 1908 bezeichnete.
Für BMW – wie für die gesamte deutsche Autoindustrie – war die Elektromobilität nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick. Um eine vom Tagesgeschäft möglichst unabhängige Produktentwicklung zu gewährleisten, wurde für deni3 sowie den i8 eine eigene AG gegründet. Die Designer und Konstrukteure unter der Hauptverantwortung von GestalterDaniel Starke hatten die Möglichkeit, ohne Zeitdruck und mit entsprechend hohem Budget ein Auto «Out of the Box» zu entwerfen. Die i-Serie sollte zeigen, wozu BMW im Jahr 2013 fähig war, – wenn sie denn wollten …
Das kompakte Carbon-Fahrzeug erschliesst sich einem nicht auf den ersten Blick. Das Verständnis für die Gestaltung als auch die inneren Werte erfordert genaueres Hinschauen. Das Design sowie die Technik waren in vieler Hinsicht der Zeit weit voraus. Obwohl das Auto bereits im Jahr 2013 am 29. Juli gleichzeitig in New York, London und Peking vorgestellt wurde, wirkt der BMW auch heute noch sehr futuristisch. Augenfällig sind neben der zukunftsorientierten Gestaltung – innen und aussen – die grossen, schmalen 20 Zoll Räder, welche für einen minimalen Rollwiderstand sorgen und im Weiteren sehr vorteilhaft für einen reduzierten Feinstaubabrieb im Zusammenspiel mit der Carbon-Fahrerzelle sind. Das Auto wiegt durch die Carbon-Leichtbauweise nur 1’300 kg. Das Material Carbon kannte man im Autobau bis dato nur im hochpreisigen Sportwagen-Segment. Weiter sind die vielen recycelbaren Materialien, welche verwendet wurden, selbst heute noch State of the Art.
Der BMW i3 hebt sich neben den oben genannten Punkten weiter durch eine expressive Seitenansicht vom durchschnittlichen Autodesign ab. Das fliegende Dach als Ergebnis des Verzichts auf eine B-Säule ermöglicht ein Türkonzept – Portaltüren – das oftmals nur aus Auto-Studien bekannt ist oder beim Rolls Royce Phantom, wobei dieser aus statischen Gründen eine B-Säule aufweist. Im Weiteren steht das abgesetzte Fenster in der Hintertür für eine selbstbewusste Silhouette und sorgt für einen grosszügigen Ausblick auch für Kinder.
Die Länge von 3.99 Meter macht das Auto zu einem zukunftsorientierten Fortbewegungsmittel. «Small Is Beautiful», weg von überdimensionierten Protzkarosserien, siehe auch Hochparterre 6/7 2020 «Die Hässlichkeit der Grösse». Grosse Autos verbrauchen nicht nur unnötig Ressourcen, sie sind durch ihr hohes Gewicht für viel Pneuabrieb (Feinstaub) verantwortlich. Ein weiterer Punkt, der für kleinere Autos spricht: pro Auto werden in Deutschland im Durchschnitt nur 1.5 Personen befördert.
Der BMW i3 hat Charakter und daher die besten Voraussetzungen, eine Designikone zu werden. Lange wird es aus meiner Sicht nicht mehr dauern, ich selbst fahre einen i3s seit Frühling 2019, da wird der BMW in Architekturreportagen auftauchen und eine Zeitenwende in der Antriebstechnik im Automobilbau manifestieren. Eine gelungene Auto & Architektur Reportage ist im Magazin «Lila Strauss» 2/2021 mit dem Titel «Antrieb aus Vergangenen Zeiten» publiziert worden. Andreas Fuh rimann’s Gedanken zu Autodesign und Architektur werden mit hochwertigen Auto- und Architektur Bildern abgerundet.
Wie hat der Chris vom grössten, deutschsprachigen Elektroauto YouTube Channel «Car Maniac» gesagt: Der BMW i3 ist ein Genie-Streich!
Das Architektur-Selfie ist auf unseren Büroausflügen seit 2017 ein wichtiger Bestandteil jeder Gebäudebesichtigung. Dieses Jahr waren die Architektur-Selfies besonders herausfordernd, da wir zusammen mit den Juho Nyberg Architekten aus Zürich unterwegs waren, drei zusätzliche »Architektur-Köpfe«, welche jeweils optimal mit dem architektonischen Objekt korrespondieren mussten …
Die diesjährige Büroreise führte uns zusammen mit den Architekten des Büros Juho Nyberg aus Zürich nach Helsinki. Bereits im Frühling begannen Juho Nyberg und ich den Büroausflug zu planen. Da Juho Nyberg Finne ist und die finnische Sprache beherrscht, gestaltete sich die Organisation des Ausfluges um einiges leichter. Dementsprechend gross war auch die Vorfreude, die Reise nun endlich anzutreten.
Nachdem wir am Donnerstagnachmittag im Hotel Fabian in Helsinki ankamen und unsere Koffer im Zimmer verstaut haben, konnte unsere Architektur-Reise nun richtig beginnen. Da aber die Besichtigung von Gebäuden mit leerem Magen nur halb so viel Freude macht, war unser erster Halt im Robert’s Coffee Jugend. Im Anschluss erkundeten wir zu Fuss das Zentrum von Helsinki. Unser Rundgang startete bei der Universitätsbibliothek und führte uns via Hauptbahnhof zum Kaufhaus Stockmann und von dort aus zum Dom von Helsinki. Das absolute Highlight des ersten Tages war das köstliche Abendessen im Restaurant Karl-Johan Oy. Ein kleines und unscheinbares Restaurant, welches durch Qualität und Service zu überzeugen vermag. Um den Abend ausklingen zu lassen, gab es auf dem Rückweg zu unserem Hotel einen Schlummertrunk in der Kämp Bar.
Am folgenden Tag machten wir uns nach dem Frühstück und einem leckeren Kaffee im Andante auf den Weg zum Stadtteil Tapiola in Espoo, welcher etwa 10 Kilometer ausserhalb von Helsinki liegt. Dort angekommen, besichtigten wir das Zentrum von Tapiola, wobei der Tapiola-Turm das architektonische Signet der Neustadt ist, und das Zentrum markiert. Im Anschluss ging es zu Fuss weiter zum Ausstellungszentrum WeeGee, wo sich auch das Espoo Museum of Modern Art (EMMA) befindet. Leider waren die aktuellen Ausstellungen eher ernüchternd, vielleicht aber auch aus dem Grund, dass ein Teil des Museums gerade im Umbau ist und eine neue Ausstellung entsteht.
Am zweiten Teil des Tages besuchten wir den Campus der Alvar-Aalto-Universität Helsinki in Otaniemi. Auf dem Campus angekommen, besichtigten wir das ehemalige Hauptgebäude der Technischen Universität von Alvar Aalto. Beim Anblick von aussen präsentierte sich das Auditorium im Knick des L-förmigen Gebäudeteils als Amphitheater. Natürlich wollten wir wissen, wie der Hörsaal im Inneren des Amphitheaters aussieht. Problemlos betraten wir das Haupt-Gebäude und fanden innert Kürze den Eingang zum Auditorium. Vorsichtig und mit wenig Aussichten auf Erfolg versuchten wir die Eingangstür des Hörsaals zu öffnen. Zu unserer Überraschung war der Saal offen und frei zugänglich. Dementsprechend gross war unser Staunen, als wir das Auditorium betraten und uns auf der Rückseite des Amphitheaters befanden. Viel Zeit zum Verweilen blieb uns jedoch nicht, da noch weitere Objekte auf dem Programm standen. So führte unser Weg weiter zum Studentenzentrum Dipoli und zur Otaniemi-Kapelle, welche sich zwischen Bäumen in einem kleinen Wald versteckt. Um die verschiedenen Eindrücke der Objekte zu verdauen, genossen wir am Nachmittag einen duftenden Kaffee in der Cafetoria Aalto und machten uns anschliessend auf den Weg zur letzten Besichtigung des Tages: das Didrichsen Kunstmuseum, welches auf der Insel Kuusisaari zwischen Helsinki und Espoo liegt. Die ursprüngliche Villa Didrichsen wurde als Wohnhaus erbaut, später mit einem Museumsflügel ergänzt und als Kunstmuseum für zeitgenössische Kunst umgenutzt. Bevor wir unser Abendessen im Restaurant KuuKuu genossen, machten wir einen Abstecher in die zwei finnischen Läden «Iittala», welcher für seine Alvar Aalto Vase bekannt ist, und «Marimekko», welcher sich mit seinem unverkennbaren Blumenmuster einen Namen geschaffen hat.
Am Samstag starteten wir mit einem herzhaften Frühstück in der Bakery Eatery Levain im Stadtteil Töölö in den Tag. Sie befindet sich neben der Temppeliaukion Kirche, welche unser erster Besichtigungspunkt an diesem Tag war. Die Felsenkirche ist ein regelrechter Touristenmagnet, – was uns aber nicht davon abhielt, die Kirche zu besichtigen. Via Olympiastadion ging es weiter zum Stadtteil Pasila, wo wir erneut eine kleine Enttäuschung hinnehmen mussten. Die neu erbauten Gebäude um und über dem Bahnhof in Pasila, waren kein architektonisches Highlight. Vielmehr wirkten sie wie grosse, graue, lieblos platzierte Gebäude. Umso mehr erfreuten wir uns am Programm, welches am Nachmittag folgte. Wir durften zuerst an einer Führung im Aalto House teilnehmen und gleich im Anschluss eine weitere Führung im Studio Aalto geniessen. Beide Gebäude waren grösstenteils mit der Originaleinrichtung erhalten und man konnte in das Arbeiten und Leben von Alvar Aalto eintauchen. Nach den zwei Führungen führte uns der Weg zurück ins Zentrum von Helsinki und zum Hotel. Den letzten Abend in Helsinki genossen wir mit einem Apéro im Löyly und anschliessendem Abendessen im Restaurant Seahorse.
Unser letzter Tag in Helsinki begann zur Abwechslung nicht mit einem Frühstück in einem Café, sondern am Markt mit einem typisch finnischen Filterkaffee und einer Zimtschnecke. Danach besichtigten wir den sogenannten «Zuckerwürfel»von Alvar Aalto und die daneben liegende Uspenski-Kathedrale. Da der Magen aber doch langsam anfing zu knurren, wurde es Zeit für den reservierten Brunch im Gastro Cafe Kallio. Mit vollem Magen machten wir uns nach dem Brunch auf zur alten Markthalle und schlenderten den Ständen entlang.
Als letzten Teil unserer Reise besichtigten wir das Gebiet westlich vom Hauptbahnhof Helsinki. Unsere Tour startete mit der Kamppi Kapelle und führte uns über das Amos Rex via dem Kiasma zur Zentralbibliothek Oodi und dem Musiikkitalo. Die Zentralbibliothek Oodi war ein toller Abschluss für unsere Reise. Im ersten Obergeschoss befinden sich diverse Angebote wie öffentliche Arbeitsplätze mit und ohne Computer, Drucker, Scanner, Plotter, 3D-Drucker, Meeting-Räume, Ton- und Fotostudios, Gaming-Räume, Nähmaschinen und Kochnischen. Im zweiten Obergeschoss befindet sich die eigentliche Bibliothek mit unzähligen Büchern in fast 20 Sprachen, einem Kinderbereich mit Spielteppich und weiteren Arbeitsplätzen. Nachdem wir die Zentralbibliothek bis in jede Ecke erkundet hatten, war es an der Zeit, uns zum Flughafen zu begeben. Bevor wir jedoch in den Zug Richtung Flughafen stiegen, gab es einen letzten Stopp in der Lebensmittelabteilung im Kaufhaus Stockmann, wo wir uns mit finnischen Köstlichkeiten eindeckten, um uns die Heimreise etwas zu erleichtern und ein Stück Helsinki mit nach Hause nehmen zu können.
Während unserer Entdeckungstouren in der Stadt Helsinki sprangen uns drei Details immer wieder ins Auge: Schuhbürsten vor den Eingängen der Gebäude, Swimmingpool-Leitern auf den Dächern oder Regenwasserabläufe quer über das Trottoir. Auf den ersten Blick erscheinen uns diese Dinge etwas merkwürdig, haben aber durchaus ihren Zweck, wenn man bedenkt, welche Schneemengen in Helsinki fallen können. So kann man die Schuhe vor dem Betreten des Gebäudes abwischen, den Schnee vom Dach schaufeln und das Schmelzwasser fliesst direkt auf die Strasse.
Ein besonderer Eindruck, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird, ist, wie ruhig und entschleunigend Helsinki auf uns wirkte. Selbst im Bereich um den Bahnhof und die Esplanade waren verhältnismässig wenig Autos unterwegs. Trotz des wunderbaren Wetters waren auch die Quartiere meist still, da sich fast keine Menschen auf den Strassen befanden. Unbewusst haben wir diese Gelassenheit in den vier Tagen übernommen und denken in ruhigen Minuten gerne an unsere Büroreise nach Helsinki zurück.
Im vergangenen Semester lag ein grosser Schwerpunkt auf dem Modul Identität. Wie es der Name bereits erraten lässt, befassten wir uns ein Semester lang mit der Identität unterschiedlichen Bauten. Doch was ist die Identität eines Gebäudes und wie erfasst man sie?
Im Rahmen des Moduls Identität wurde den Studierenden jeweils ein Gebäude zugeordnet, welches die Grundlage für das Semester bildete. In meinem Fall war es die ABL-Siedlung Tribschenstadt. Die Aufgabe bestand nun darin, während dem Semester ein Booklet zu gestalten, welches dazu dient, die Bauten einer dritten Person näher zu bringen und ihr ein Verständnis für den Raum und die Atmosphäre des Gebäudes zu geben. Bedingungen an den Inhalt des Booklets waren lediglich, dass ein Text von ungefähr 2000 Zeichen und mindestens 30 Handzeichnungen abgebildet sein müssen. Alles andere wie Titel, Layout und Zeichentechnik waren frei wählbar.
Somit gestaltete ich im vergangenen Semester das Booklet mit dem Titel «Konträr aber Konform» und versuchte damit die Identität der ABL-Siedlung Tribschenstadt festzuhalten.
Anfang April 2022 ist die erste Stufe des offenen Projektwettbewerbes, welcher in zwei Stufen durchgeführt wird, abgeschlossen. Im November 2022 wird voraussichtlich das Siegerprojekt aus der zweiten Stufe präsentiert.
Für den offenen Projektwettbewerb haben sich ca. 170 Architekturbüros angemeldet.
Ich habe mich gegen eine Teilnahme entschieden, da das Projekt meine Bürokapazitäten übersteigen würde.
Aus dem Programm des Wettbewerbes ist ersichtlich, dass für die erste Stufe Grundrisse, Schnitte und Fassaden im Massstab 1:200 verlangt werden. Für mich ein unverhältnismässig grosser Aufwand, welcher in keiner Weise für eine Beurteilung in dieser Phase des Wettbewerbes nötig ist. Für einen zweistufigen Wettbewerb muss für die erste Stufe der Aufwand möglichst klein gehalten werden für die teilnehmenden Architekten-Teams. In einer ersten Stufe geht es in erster Linie um die städtebauliche Setzung. Ein Figurgrundplan mit Silhouette im Massstab 1:500 und ein Gipsmodell erfüllen da den Zweck vollauf. Um zu prüfen, ob eine städtebauliche Idee auch das geforderte Raumprogramm erfüllt, quantitativ wie auch funktional, kann in Form von Schemaplänen, Grundrisse und Schnitte im Massstab 1:500 mit überschaubarem Aufwand ein Nachweis erbracht werden.
«Ideen-Skizze»: Stadtmodell Video
Wie die Planungstiefe für eine erste Stufe für solch einen Wettbewerb aussehen könnte, will ich mit diesem Blogbeitrag dokumentieren. Für die «Ideen-Skizze» hatte ich ca. 100 Stunden Aufwand inklusive Strichperspektive. Bei einer kleinen Umfrage bei vier Büros, welche am Wettbewerb teilnehmen, kam ein durchschnittlicher Stundenaufwand pro Büro für die erste Stufe von ca. 600 Stunden zusammen – ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn!
Ich habe bereits am 20. September 2020 einen Blogpost unter dem Titel – Neubau Luzerner Theater: Gebäude müssen kommunizieren! – publiziert, da ich mit der Testplanung, welche viel zu detailliert ausgearbeitet wurde, ohne die städtebaulichen Fragen genügend zu beantworten, nicht einverstanden war.
Es ist interessant zu sehen, wie das aktuelle Raumprogramm des Projekt-Wettbewerbs als «Ideen-Skizze» umzusetzen ist – mit der städte-baulichen Idee: Eines respektvollen Nebeneinanders in Form eines angemessenen Freiraums zwischen Kirche und Theater. Der Schlüssel zu einem grosszügigen Theaterplatz, von über 2’000 Quadratmeter Fläche zwischen Kirche und Theater, ohne in die Tiefe zu bauen und so mit dem Grundwasser in Konflikt zu kommen, liegt in der Platzierung des Saals im 1. Obergeschoss.
Alle Flächen im Raumprogramm sind Nettoflächen, das bedeutet, dass keine Innen- und Aussenwände eingerechnet sind. Daher sind für die «Ideen-Skizze» 12 Prozent zusätzliche Flächen zu den Nettoflächen aufgerechnet. Für die Erschliessungsflächen wurden im Raumprogramm keine Quadratmeter Angaben gemacht, da projektabhängig. Die Publikum-Erschliessungsflächen sind in der «Ideen-Skizze» den Publikums-Räumen (Vestibül, Foyer, Saal, Toiletten) angerechnet. Die internen Erschliessungen sind in der «Ideen-Skizze» hellgrau dargestellt und als einzelne Flächen nicht ausgewiesen. Weiter ist im Parterre eine zusätzliche Nutzung (Retail) in der «Ideen-Skizze» dazugekommen, welche im Raumprogramm nicht vorgesehen ist.
Die Gastroflächen (pink) sind in der «Ideen-Skizze» bewusst grösser, als im Raumprogramm gefordert, ausgewiesen. Im Parterre ist ein Bistro zur Bahnhofstrasse und Reuss vorgesehen. Im Attika ist ein Restaurant mit grosser Terrasse in Richtung Jesuitenkirche geplant. Weiter ist in unmittelbarer Nähe zum Restaurant nordseitig eine Bar / Lounge angedacht, mit einer grandiosen Sicht auf Altstadt und Reuss. Mit diesen drei Möglichkeiten der Gastronomie ist das Theaterhaus nicht nur für Theaterbesuche interessant.
In der «Ideen-Skizze» sind bis auf die beiden Funktionsgruppen Publikumsräume (998 m2 zu 3’034 m2) und Gastroräume (500 m2 zu 744 m2), welche grösser sind als gefordert, alle anderen Funktionsgruppen in ihren Nettoflächen nahezu identisch (siehe «Ideen-Skizze» Flächen / Volumen) mit dem vorgegebenen Raumprogramm.
Beim aktuellen Wettbewerb gab es die Möglichkeit, das die teilnehmenden Architekten-Teams schriftlich Fragen zum Raum-Programm stellen konnten. Bei der Frage, ob die beiden Hauptnutzungen: Grosser und Mittlerer Saal räumlich zusammengelegt werden müssen, wie im Betriebskonzept beschrieben, kam die Antwort vom Auslober, dass das technisch aus akustischen Gründen nicht machbar sei! Wenn so ein wichtiger Bestandteil des Raumprogramms erst mit der Fragebeantwortung abschliessend entschieden werden kann, ruft das doch gewisse Irritationen hervor bezüglich der Qualität der Vorabklärungen …
Die Qualität der Testplanung, wie auch die Art und Weise, wie das zweistufige Wettbewerbs-Verfahren durchgeführt wird, ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Daher ist zu hoffen, dass das ganze Theater um das Luzerner Theater mit einem grossartigen Sieger-Projekt ein glückliches Ende finden wird.
Dass eine städtebaulich wie auch betrieblich hochwertige Neubaulösung für das Luzerner Theater am bestehenden Ort möglich ist, soll mit dieser «Ideen-Skizze» aufgezeigt werden.
Ich hatte die Gelegenheit, vom 20. bis 26. November zusammen mit meinem ehemaligen Geschäftspartner August Keller, heute kpm3, die Weltausstellung in Dubai zu besuchen, so wie einen Abstecher nach Abu Dhabi zu machen. August hat zusammen mit Expo Event eine Weltausstellungs- und Architekturreise organisiert, an der über 20 Personen vorwiegend aus der Expo Branche teilgenommen haben.
Die Stadt Dubai erinnert mich sehr an den Film Metropolis von Fritz Lang aus dem Jahr 1927. Es gibt eine kleine Oberschicht, die in Hochhäuser wohnt. Der Burj Khalifa mit einer Höhe von 828 Meter steht für den «Turm zu Babel». Ebenso gibt es eine Arbeiterschicht, welche oftmals ausgebeutet wird.
Die junge Stadt ist stark auf das Auto ausgerichtet. Eine sechsspurige Autostrasse, parallel zur Küste wird begleitet von einer führerlosen 75 km langen Metro-Hochbahn, die 2009 eröffnet wurde. Fussgänger und Velofahrer sieht man kaum in Dubai.
Mit der Weltausstellung und dem Motto: «Connecting Minds, Creating the Future» will das Emirat eine Plattform für die teilnehmenden Länder bieten, wo Ideen aufgezeigt werden, wie »wir zusammen« leben wollen. Das Wort Nachhaltigkeit steht an jedem zweiten Pavillon, meist ohne genau aufzuzeigen, in welchem Zusammenhang …
Einige Pavillons sehen architektonisch von aussen vielversprechend aus, mit einem sinnigen oder unterhaltenden Inhalt tun sich dann die meisten Länder schwer. Das Äussere passt nicht zum Innern, Instagram-Zeitalter!
Der Schweizer Pavillon ist da eine löbliche Ausnahme. Die erfrischende und unterhaltende Art, wie sich die Schweiz repräsentiert, ist bis auf einen Punkt gut gelungen. Es beginnt vor dem Pavillon, jeder Besucher bekommt einen Sonnenschirm, um sich vor der heissen Sonne Dubais zu schützen. Die Sonnenschirme und der rote Teppich, auf dem die Besucher anstehen, reflektieren sich in der verspiegelten Eingangsfassade. Die Besucher werden so Teil der Pavillon-Fassadenarchitektur. Hat man es von der heissen Sonne in den Pavillon geschafft, wird man von einem im Nebel liegenden Wanderweg empfangen. Ein wohltuender Kontrast zur brennenden Hitze in Dubai. Oben auf dem nebelfreien Gipfel angekommen, wird man mit einer grafisch abstrahierten Bergkulisse belohnt – eine gelungene und zeitgemässe Inszenierung. Der zweite Teil des Pavillons ist inhaltlich dünn. Schindler und andere Sponsor-Partner bekommen einen relativ grossen Platz, an dem sie sich präsentieren können. Eine Werbeshow, die so nicht zum Pavillon passt. Die Confiserie Sprüngli macht den Abschluss, bevor man wieder in der drückenden Sonne von Dubai steht, – mit einem zwiespältigen Gefühl bezüglich Sponsoring.
Die Rooftop Bar des Schweizer Pavillons ist ein beliebter Treffpunkt in der Expo-Szene, wo Raclette, Rösti und Fondue in bester Qualität genossen werden können inklusive einem beeindruckenden Ausblick über das Expogelände.
Nach zwei Tagen Weltausstellung ging es nach Abu Dhabi mit einem Zwischenstopp in der Wüste, wo wir eine Desert Jeep Safari erleben durften. In Abu Dhabi besuchten wir neben der Scheich-Zayid-Moschee, den städtebaulich zukunftsorientierten Stadtteil Masdar City und das architektonische Highlight der ganzen Reise – das Louvre Museum von Jean Nouvel – welches 2017 eröffnet wurde.
Der Besuch von Mastar City, eine Ökostadt für 50’000 Menschen von Norman Foster geplant, war ernüchternd. Ein aufgestelztes Stadtzentrum 8 Meter über dem Boden thronend. Auf Strassen-Level übernehmen führerlose Kabinenfahrzeuge die Feinverteilung der Menschen, welche den Stadtteil Mastar City per U-Bahn oder Auto besuchen. Autos können nicht direkt im Zentrum abgestellt werden. Das Podium-Level ist für Fussgänger und Fahrräder reserviert. Es wirkt alles künstlich und wenig vertraut. Natürlich ist es sehr schwierig, – ein gewagter Versuch – einen Stadtteil bezüglich Mobilität und Nachhaltigkeit neu zu planen und auch umzusetzen. Trotz allem ein wertvoller Beitrag für die Entwicklung zukünftiger neuer Stadtgebiete.
Der «Hauptgrund», warum ich an der Reise teilnahm, war der Besuch des Louvre in Abu Dhabi. Der Dom ist eine architektonische Ikone. 7’500 Tonnen schwer mit einem Durchmesser von 180 Metern. Die Kuppel, welche die darunterliegenden Ausstellungs-Bereiche überspannt, eine Symphonie von Licht und Schatten. Die Dicke der gesamten Dom Schale beträgt 7 Meter. Der Dom ist aussen und innen mit je vier Schichten, also achte Ebenen aus sternförmigen Aluminium-Profilen verkleidet, welche eine Höhe von 7.5 Zentimeter haben. Die Sterne sind unterschiedlich dimensioniert, von 3.5 x 3.5 Meter bis 14 x 14 Meter und zusätzlich verschoben zueinander montiert in einem Abstand von 6.5 – 9.3 Zentimeter. Insgesamt ist die Kuppel auf der Innen- und Aussenseite mit 7’850 Sternen verkleidet, welche gefiltertes Licht in den darunterliegenden Aussenraum bringen und die Ausstellungs-Gebäude, Erschliessungsbereiche und Plätze elegant vor Hitze schützen.
Die Ausstellungsräume im Louvre wirken architektonisch zu unruhig. Beim Durchschreiten der Ausstellungsräume fragt man sich oft, ist die Architektur von Jean Nouvel wichtiger als die 600 Ausstellungsobjekte von der Antike bis zur Gegenwart, die gezeigt werden. Die Hälfte der Kunstobjekte stammt von Partnerinstituten aus Frankreich.
Der Louvre in Abu Dhabi ist eine geniale Zusammenführung zweier architektonischer Themen, welche Jean Nouvel bereits vor dem Louvre Projekt in Abu Dhabi bearbeitet hat: Licht – siehe Institut du Monde Arabe in Paris und Wasser – in Form des KKL in Luzern.
Zwischen meinem Studium, welches ich 1996 als Architekt HTL abgeschlossen habe und dem Bachelor Diplom von Stani (Stanislava Janjic) meiner Mitarbeiterin, liegt ein viertel Jahrhundert. Es hat sich einiges geändert in der Hochschullandschaft der Schweiz. Es gibt mehr Möglichkeiten, Architektur zu studieren, das heisst, dass viele Schulen schauen müssen, wie sie ihre Klassen zusammenbekommen. Was leider daher oft bedeutet – Quantität vor Qualität.
Es herrscht ein Konkurrenzkampf unter den Schulen, man sieht das an den Werbebroschüren aus der ganzen Schweiz, welche immer wieder in meinem Bürobriefkasten zum Thema Architekturstudium landen. So steht zum Beispiel im Studienführer der HSLU Luzern auf der Seite 6 geschrieben: Das Studiengangkonzept unserer Hochschule ist einmalig. Es bietet den Studierenden grösstmögliche Freiheiten bezüglich Modulwahl und Zeitmodell. Neben dem Hochschulkonkurrenzkampf, welcher vor 25 Jahren noch inexistent war, gibt es speziell in der Digitalisierung im Berufsalltag grosse Veränderungen. Heute wird fast nur noch mit dem Computer gearbeitet. Zu meiner Zeit haben in etwa 50 % der Klasse das Diplom mit einem CAD-Programm gezeichnet. Das CAD hat einen grossen Einfluss auf das Studium. Wenn das CAD im Entwurf geschickt eingesetzt wird, können in relativ kurzer Zeit viele verschiedene Varianten geprüft werden, was beim Entwerfen enorm hilft.
Was ich in meinem Studium sehr geschätzt habe, war der Klassenverband. Wir hatten immer alle zusammen das gleiche Fach. Zuerst die Theorie wie zum Beispiel zu den Sia-Normen (102, 116, 118, 416) oder zur EKG-Kostenberechnung, anschliessend ein Übungsbeispiel und dann einen Test. Heute wird die Theorie einem ganzen Jahrgang vermittelt und danach werden oft Gruppenarbeiten gemacht. Prüfungen werden nicht zwingend durchgeführt, was teilweise zu einem lückenhaften Wissen führt.
Gruppenarbeiten sind im heutigen Unterricht häufig anzutreffen. Auch wir hatten Gruppenarbeiten jedoch nicht in einem so grossen Umfang. Auch höre ich immer wieder, dass zu viele Gruppenarbeiten geschrieben werden müssen. Gruppenarbeiten sind für die Studierenden mit einem koordinativen Aufwand verbunden, der oft unterschätzt wird. Auch besteht die Gefahr bei Gruppenarbeiten, dass sich gewisse Studierende zu wenig tief mit einem Thema beschäftigen. Interdisziplinäre Gruppenarbeiten sind zu begrüssen, jedoch sollte zuerst ein solides Grundwissen vorhanden sein.
Ob in einem Bachelor Studium die Fächer (Modulwahl) à la carte zusammengestellt werden können sollten, bezweifle ich doch sehr. Im heutigen Bachelor Studium an der HSLU können theoretisch 50 Prozent der Fächer frei gewählt werden. So geht viel Grundwissen verloren, was für den Beruf des Architekten zwingend nötig ist, gerade mit dem Hintergrund das ca. 40 Prozent (2018) der Studierenden (Bachelor) keine Hochbauzeichnerlehre absolviert haben. Das Bachelor Studium ist ein Grundlagenstudium, und daher sollten sich alle dasselbe Grundwissen erarbeiten können, denn ein starkes Fundament ist in jedem Beruf unersetzlich.
Zudem müssen in einem Bachelor Studium überschaubare Entwurfsaufgaben bearbeitet werden können und nicht ganze Blockrandbebauungen städtebaulich entworfen werden (HSLU Turin Frühling 2020), ohne sich vorgängig mit den Themen Sockel, Fassade und Dach im städtischen Raum beschäftigt zu haben. Da wurden in meinem Studium noch kleinere Brötchen gebacken – zu Recht. Das Berufsbild des Architekten ist komplex, daraus folgend muss einem Bachelor Studiengang bezüglich Fächer (Module) einfach und klar strukturiert sein – also kein à la carte Studium!
Wir beide, Stani und ich, haben uns für das berufsbegleitende Studium entschieden. Zu meiner Zeit waren das Abendtechnikum und das Tagestechnikum getrennt geführte Schulen. Heute haben die berufsbegleitenden Studierenden teilweise mit den Vollzeitstudierenden Unterricht, was gut ankommt. Jedoch ist es für die berufsbegleitenden Studierenden mit dem aktuellen à la carte Stundenplan nicht immer möglich, alle Fächer zu besuchen, welche den Studierenden vom Vollzeitstudium angeboten werden.
Weiter sollte das Vollzeitstudium nur Studierenden offen stehen, welche eine Hochbauzeichnerlehre abgeschlossen haben. Alle anderen sollten zwingend das berufsbegleitende Studium absolvieren müssen, um sich so genügend Praxiswissen aneignen zu können, denn Praxiserfahrung ist ein wesentlicher Bestandteil des Architektenberufes und kann an keiner Schule gelernt werden.
Im Juli habe ich mein Architekturstudium mit der Diplomarbeit an der Hochschule Luzern abgeschlossen. Mit wenigen Monaten Abstand blicke ich zurück auf das intensive Abschlusssemester und lasse es Revue passieren.
In den ersten Semestern verbrachte ich viel Zeit im Atelier an der Schule. Entwerfen, Zeichnen und Modellbauen waren herausfordernd. Wir haben uns mit verschiedenen Themenbereichen auseinandergesetzt – von Badeanlage im vierten Semester bis zum Wohnungsbau im fünften Semester – um eine breite Grundlage für das spätere Berufsleben zu erhalten. Als grosse Schlussaufgabe stand immer die Diplomarbeit im Raum, bei der wir alles zusammenbringen sollten.
Das letzte Semester setzte sich aus einem Kurzentwurf und der eigentlichen Bachelordiplomarbeit zusammen. Der Kurzentwurf dauerte sechs Wochen und sollte eine Auflockerungsübung sein, wobei mit möglichst wenig Vorgaben zuerst aus drei Begriffen ein Szenario entwickelt und dann ein Raum entworfen werden sollte. In meiner Zweiergruppe haben Clau Item und ich aus der Beschäftigung mit den Begriffen «Freiraum», «Eingang» und «Bad» eine Nasszelle im Grünen entstehen lassen. (siehe Projekt)
Während des Kurzentwurfs begannen wir uns langsam, aber sicher auf die intensive Zeit während der Bachelorarbeit vorzubereiten. Da aufgrund der Corona-Einschränkungen unser Atelier an der Schule geschlossen wurde, haben wir uns zu sechst zusammengeschlossen und uns auf die Suche nach einem eigenen Atelier für die Bachelorarbeit gemacht. Wir fanden in der Nähe des Franziskanerplatzes in Luzern ein leer stehendes Ladenlokal, welches wir über drei Monate mieten konnten, so richteten wir uns auf knapp 30 m2 mehr oder weniger häuslich ein.
In den folgenden elf Wochen lebten wir fast ausschliesslich dort. Nur zum Schlafen sind wir nach Hause gegangen. Die Gruppendynamik, welche über die lange Zeit entstanden ist, hat es einfacher gemacht, am Ball zu bleiben und immer weiter zu arbeiten. Wir haben uns nach den Kritiken (zwei Entwurfsbesprechungen und eine Zwischenkritik) gegenseitig aufgebaut und die Inputs der Dozenten gemeinsam nachbesprochen. Die Diskussionen untereinander haben mir geholfen, dass ich meine Entwurfsschritte immer wieder selber hinterfragt habe. Für die Bachelorarbeit konnten wir zwischen zwei Entwurfsaufgaben wählen: Ein Schulprovisorium für die Hochschule in Horw oder ein Zentrumsbau im Dorf Schoried im Kanton Obwalden. Fünf Kolleg*innen im Atelier haben wie ich den Zentrumsbau ausgewählt. Die Befürchtung, dass sich unsere Projekte einander angleichen, war unberechtigt. Alle sind ehrgeizig, ihren eigenen Vorstellungen gefolgt. (siehe meine Diplomarbeit)
Nach vielen langen Tagen und Nächten haben wir Anfang Juli nach der Schlusskritik unser Atelier wieder geräumt. Wir sind alle froh, die Aufgabe gemeistert zu haben, aber auch wehmütig, dass diese schöne gemeinsame Zeit zu Ende geht. Auf einen Schlag war alles vorbei und die Blase, in der wir drei Monate gelebt haben, war auf einmal zerplatzt. Alles um uns herum hatten wir vergessen und die Zeit war reif für Erholung.
Zum Abschied vom Atelier kam auch der Abschied von der Hochschule Luzern. Ich ging immer gerne in die Schule. Das Studium hat mich zwar oft Nerven und Schlaf gekostet, aber die Menschen, die ich kennenlernen durfte und der Austausch mit den anderen Studierenden, welche die gleiche Motivation und das gleiche Interesse haben wie ich, werden mir fehlen.
Hinter mir liegen vier Jahre berufsbegleitendes Architekturstudium mit viel Arbeit, Erfahrungen und Eindrücken. Ich bin stolz auf mich, dass ich das Studium gemeistert habe und freue mich auf das, was im Arbeitsalltag kommt und schon ist!