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Musée Alexis Forel, Morges (MAF)
Grand-Rue 54
1110 Morges
Roland Blaettler, 2019
Alexis Forel (1852–1922) stammte aus einer Familie berühmter Wissenschaftler. Er wurde zunächst als Chemiker ausgebildet, bevor er in den 1880er-Jahren nach Paris zog, um sich künstlerisch zu betätigen. Er befasste sich intensiv mit der Technik der Radierung und stellte in den Pariser Salons aus. Ab 1887 zwang ihn seine angeschlagene Gesundheit, die Ausübung seiner Kunst aufzugeben. Er widmete sich fortan der Kunstkritik und dem Ausbau seiner Sammlungen von Stichen und Kunstgegenständen, eine Leidenschaft, die er mit seiner Frau Emmeline (1860–1957) teilte, die ihrerseits malte und zeichnete. Um den Fortbestand ihrer Sammlungen zu sichern und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen, war das Ehepaar schon früh darum bemüht, einen geeigneten und würdigen Ort für ihre gesammelten Kunstwerke zu finden. Mit diesem Hintergedanken schloss sich Alexis 1911 den Gründern der Société du Musée romand an (siehe Kapitel «Château de La Sarraz»), wurde ihr erster Präsident und seine Sammlung war der zukünftigen Institution versprochen. Im März 1916 jedoch zog sich Forel, «besorgt über die finanzielle Zukunft der Gesellschaft», vollständig aus dem Projekt zurück (Feuille d’avis de Lausanne vom 16. März 1916, S. 8, und vom 8. September 1916, S. 20).
Nachdem die Forels mehrere mögliche Standorte für ihr künstlerisches Erbe in Betracht gezogen hatten, fiel ihre Wahl auf das ehemalige Haus Blanchenay, ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert im Herzen der Altstadt von Morges, in dem die Vereinigung Vieux-Morges seit 1917 einen Raum gemietet hatte. Sie kauften das Gebäude im Jahr 1918, restaurierten es und liessen sich dort nieder, umgeben von ihren Sammlungen und denen der Gesellschaft Vieux-Morges.
Im Februar 1918 trat Emmeline dem Vorstand der Société du Vieux-Morges bei, während Alexis zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde (Feuille d’avis de Lausanne vom 26. Februar 1918, S. 12). Die im Dezember 1915 gegründete Gesellschaft hatte zum Ziel, «eine Sammlung von Objekten zu schaffen, die an die Vergangenheit von Morges und Umgebung erinnern sollten», und zwar durch Käufe und Schenkungen aus der Bevölkerung. Im Oktober 1916 präsentierte der Verein eine erste Ausstellung mit dem Titel «Morges im 18. Jahrhundert» mit Möbeln, Pendeluhren, Kunstgegenständen, Glaswaren und Porzellan, die von Privatpersonen ausgeliehen worden waren. Die zweite Ausstellung, die dem 17. Jahrhundert gewidmet war, fand vom 24. Mai bis zum 23. Juni 1918 im Haus Blanchenay statt. Die ausgestellten Möbel, Wandteppiche, Stiche, Zinnarbeiten und Keramiken (darunter Teller und Vasen aus China und Japan) stammten dieses Mal grösstenteils aus der Sammlung Forel (La Revue vom 24. Mai 1918, S. 3).
Das Musée du Vieux-Morges wurde 1920 in der Atmosphäre eines bewohnten Hauses eröffnet und erhielt 1943 auf Wunsch von Emmeline den Namen Musée Alexis Forel. Nach dem Tod von Oscar Forel im Jahr 1982, dem letzten aktiven Mäzen, verwaltete die Association du Musée Alexis Forel das Museum mit finanzieller Unterstützung der Stadt Morges.
Erst 1961 ernannte die Vereinigung mit Jean Gagnebin (1911–1980), einem Maler und Lehrer, ihren ersten Konservator. Fast zwei Jahrzehnte lang verwaltete und leitete Gagnebin die Institution mit Kompetenz und Strenge und spielte eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Sammlungen. Für die Zeit vor seinem Amtsantritt gibt es so gut wie keine Inventare. Bei fast der Hälfte der rund 250 ausgewählten Keramikobjekte ist nicht bekannt, wann und wie sie in die Sammlungen aufgenommen wurden (diese Objekte sind mit dem Vermerk «alter Bestand, ohne Datum» gekennzeichnet). Dazu gehören auch Objekte aus der ehemaligen Forel-Sammlung, die wir nicht mit Sicherheit identifizieren können. Eine Ausnahme bildet das Paar japanischer Vasen im «Imari»-Stil (MAF C 667), von denen eine im Hintergrund eines Porträts von Alexis zu sehen ist, einer Pastellmalerei, gemalt von Emmeline im Jahr 1916 (MAF, Inv. AP 0001249).
Für den Rest der Sammlung kann man nur Vermutungen anstellen. Es ist zum Beispiel gut möglich, dass Forel die meisten italienischen Fayencen aus Deruta dem Museum vermacht hat, wie die 1564 datierte Schale mit Apollo und den Musen, die dem Maler Giacomo Mancini zugeschrieben wird und ein wahres Meisterwerk der Sammlung ist (MAF C 1), und die wunderschöne Wasserkanne mit Lüstermotiven aus dem frühen 16. Jahrhundert (MAF C 6). Zu dieser Gruppe gehören auch die bekannteren Produkte aus derselben Manufaktur mit den typischen Dekoren des 17. Jahrhunderts: Groteske Ornamente (MAF C 3; MAF C 16; MAF C 15) oder Ornamente im sogenannten «calligrafico»-Stil (MAF C 13; MAF C 14; MAF C 12). Dieses Ensemble von Objekten zeugt von einem Keramikliebhaber mit erlesenem Geschmack.
In den kurzen Presseberichten über die Ausstellung von 1918, die hauptsächlich aus Leihgaben von Forel bestand, wurden japanische und chinesische Keramiken erwähnt. Neben den weiter oben zitierten Vasen ist eine bemerkenswerte Schale von Arita vom Ende des 17. Jahrhunderts erwähnenswert (MAF C 604) oder chinesische Stücke, die zwar weniger selten, aber von deutlich höherer Qualität als das einfache chinesische Exportporzellan sind, insbesondere im Stil der «Famille verte» (MAF C 602; MAF C 601; MAF C 603) oder der «Famille rose» (MAF C 616; MAF C 619; MAF C 618; MAF C 620). Es ist gut möglich, dass Forels Interesse an Porzellan aus Asien durch seine Bewunderung für die Sammlung von Aloys Revilliod in Genf genährt wurde (Baudin 1998, 24).
Im Bereich der französischen Fayencen enthält der «alte Bestand» ebenfalls einige erlesene Beispiele wie dieses seltene Beispiel aus Niderviller, das aus einem Service für den Besitzer der Manufaktur, den Grafen von Custine, stammt (MAF C 304); eine Schale aus Moustiers mit einem Groteskendekor von höchster Qualität (MAF C 318); einen schönen Wandbrunnen aus Rouen (MAF C 305) und eine Wasserkanne mit einem seltenen und schön gestalteten Motiv (MAF C 308). Was das Porzellan aus Nyon betrifft, so ist vor allem ein relativ frühes Trinkservice mit einem Blumenkranzdekor in Zickzackform zu erwähnen – wahrscheinlich das einzige Ensemble, das jemals mit diesem Motiv hergestellt wurde (MAF C 517).
Die Herkunft dieser Objekte ist keineswegs geklärt, einige könnten von der Gesellschaft Vieux-Morges oder von der Vereinigung des Alexis-Forel-Museums, die ihr folgte, gekauft worden sein, es sei denn, sie stammen aus Schenkungen an dieselben Körperschaften. Wir wissen zum Beispiel, dass Professor Ernest Roguin aus Lausanne, ein Mitglied des Komitees des Vieux-Morges, 1939 dem Museum rund 100 Kunstgegenstände vermachte, darunter Möbel, Bilder, Stiche und Porzellan (Feuille d’avis de Lausanne vom 29. Juli 1939, S. 8). Das Inventar enthält leider keine Hinweise auf die Herkunft der Objekte.
Die Keramiksammlung wurde vor allem unter Jean Gagnebin zwischen 1961 und 1980 bereichert, wobei Schenkungen und Vermächtnisse etwa 60 Prozent und Ankäufe den Rest ausmachten. In der ersten Kategorie wurden 43 Objekte dank der Grosszügigkeit von Nelty de Beausobre (1887–1977) in die Sammlung aufgenommen, der letzten Vertreterin des Schweizer Zweigs einer Hugenottenfamilie, die seit 1577 in Morges ansässig war (Archives cantonales vaudoises, www.davel.vd.ch/partnerdetail.aspx?ID=1373). Nach ihrem Tod vermachte sie den Grossteil ihres Vermögens der Stadt für verschiedene soziale Zwecke, während das Museum das Mobiliar erbte, darunter eine bedeutende Sammlung von Lausanner Silberwaren, Fayencen und Porzellan.
1973 und 1975, einige Jahre vor ihrem Tod, hatte Nelty bereits Teile eines relativ späten Trinkservices aus Nyoner Porzellan gestiftet, ein Set, das in der Familie sicherlich Anfang des 19. Jahrhunderts verwendet wurde (MAF C 526), sowie chinesisches Porzellan, darunter ein Service des Typs «Famille rose» (MAF C 669). Der Nachlass selbst enthielt ebenfalls einige chinesische Porzellane, eine Untertasse aus Nyon mit einem bislang unbekannten Rosenmuster und einem nicht identifizierten Wappen (MAF C 530), drei Teller und ein Brunnenbecken aus der Manufaktur Clérissy de Moustiers, schöne Beispiele für die frühe Produktion in Moustiers (MAF C 333; MAF C 334; MAF C 335; MAF C 336). Das Becken weist eine seltene Formvariante auf und trägt zwei in die Emaille eingravierte Besitzerzeichen: ein EB-Monogramm und zwei Sparren aus dem Wappen von Beausobre. Vermutlich befanden sich die meisten dieser Objekte wie dieses Becken seit Langem im Besitz der Familie.
Von den anderen Schenkungen sind vor allem drei Tassen und Untertassen aus «terre etrusque» von Dortu in Nyon zu erwähnen, die Pierre Cuénod 1970 dem Museum übergab (MAF C 451); eine wunderschöne und seltene Terrine aus Ludwigsburger Fayence mit einem Untersetzer, die im selben Jahr von Wendela Wyde gestiftet wurden (MAF C 322), und eine Tasse mit Untertasse aus Nyoner Porzellan mit dem Bildnis des Barons Robert Scipio de Lentulus. Beide Stücke wurden 1963 von Gagnebin selbst gestiftet (MAF C 501).
Im selben Zeitraum erwarb das Museum etwa fünfzig Keramiken, die höchstwahrscheinlich von Gagnebin selbst ausgewählt wurden. Es wird deutlich, dass der Kurator eine konsequente Ankaufspolitik verfolgte, die hauptsächlich darin bestand, die Kernstücke des Keramikbestands zu stärken. Er ergänzte die Gruppe der italienischen Objekte, indem er von Antiquitätenhändlern auf der Halbinsel drei klassische Beispiele von engobierter Irdenware mit Gravurdekor («ceramica sgraffita») aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts erwarb, eine Typologie, die im Museum noch nicht vertreten war und in Schweizer Museumsinstitutionen sehr selten ist (MAF C 8; MAF C 9; MAF C 22), sowie zwei Fayencen aus dem 17. Jahrhundert. Aus dem Register des Porzellans aus Nyon kaufte er etwa fünfzehn mit Bedacht ausgewählte Objekte: eine Salatschüssel und einen Teller mit Blumendekor aus der frühen Periode (MAF C 506; MAF C 505); ein seltenes Beispiel einer frühen Version einer zylindrischen Teekanne, die mit einem der wahrscheinlich frühesten Versuche eines «Mille-Fleurs»-Dekors verziert war (MAF C 519); eine Schale und Untertasse mit Dekor Typ «Marseille» (MAF C 518); eines von drei bekannten Beispielen einer Suppenschüssel mit «Holzdekor» (MAF C 531) oder einer von sechs bisher erfassten Tellern mit einem Dekor, das ein japanisches «Imari»-Motiv nachahmt, wahrscheinlich das schönste Beispiel unter den Nachbestellungen, die bei der Manufaktur in Nyon getätigt wurden (MAF C 511). Was das chinesische Porzellan betrifft, so war Gagnebin offensichtlich bestrebt, aussergewöhnliche Objekte zu sammeln, die vor allem mit Dekoren nach europäischen Vorbildern verziert waren, mit mythologischen oder allegorischen Themen (MAF C 680; MAF C 645; MAF C 675) oder auch mit Wappen oder Monogrammen der Auftraggeber (MAF C 662; MAF C 641; MAF C 637; MAF C 648; MAF C 636; MAF C 638).
Übersetzung Stephanie Tremp
Quellen:
La presse vaudoise, consultée sur Scriptorium, le site de la Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne.