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"Mein Bauch ist zu dick. Er ist nicht schön!".
Wie kommt es, dass bereits sehr junge Mädchen ein irreales Schönheitsideal verinnerlichen und sich selbst verurteilen? Wann und wie bringen wir unseren Töchtern unbewusst bei, sich selbst nicht zu akzeptieren und nicht zu lieben? Und was können wir dagegen tun?
Wie nehmen unsere Kinder "Schönheit" war? Was ist schön? Was ist hässlich? Und genau da liegt meiner Meinung nach das Problem:
Wir definieren Schönheit hauptsächlich durch das äussere Erscheinungsbild und unser Sprachgebrauch untermauert dies zusätzlich.
Wo liegt der Unterschied zwischen "Ich bin schön" und "Ich fühle mich schön" und warum spielt das unter Umständen eine grosse Rolle?
Ob man nun "Ich bin hässlich" oder "Ich bin schön" sagt oder denkt: es bleibt die eigene oder fremde, subjektive BeURTEILung des äusseren Erscheinungsbildes. Zwar mag "Ich bin schön" für die Kinder konstruktiver klingen: die Betonung bleibt jedoch auf dem äusseren Erscheinungsbild.
Ich bin schön. Du bist schön. Sie ist schön. Wir sagen solche Sätze, wenn wir uns zu einem Anlass treffen und gegenseitig das schöne Outfit bewundern. Wir sagen sie, wenn wir jemanden treffen, der gerade eine neue Frisur gemacht hat. Wir sagen sie, wenn wir selbst vor dem Spiegel stehen und uns gerade hübsch gemacht haben. Wir sagen sie, wenn wir auf der Strasse eine attraktive Person kreuzen. Äussere Schönheit ist jedoch relativ und nicht jeder Mensch findet dieselben Menschen schön oder hässlich. Sie ist geprägt durch Kulturen und Normen. Sie ist schwer definier- und greifbar.
Ganz kleine Kinder sehen Schönheit durch die Augen der Liebe: "Meine Mama ist die schönste Mama der Welt!"... wenn auch diese Mama gerade mit geröteten Augen, triefender Nase, Husten und Fieber im Bett liegt! Diese Art Schönheit - die innere Schönheit - hat absolut nichts mit dem äusseren Erscheinungsbild zu tun. Sie wird rein durch das innere Gefühl von Liebe und Zuneigung eingeschätzt und ausgedrückt "Ichfühle, dass meine Mama für mich die schönste Mama der Welt ist!". Wenn kleine Kinder "Ich bin schön"sagen, meinen sie in Wirklichkeit noch "Ich fühle mich schön". Es geht von einem tiefen, inneren Gefühl aus, welches noch nicht durch unsere Gesellschaftsnormen getrübt wurde.
Die Kinder lernen jedoch bald, dass Schönheit in unserer Gesellschaft auf die äussere Schönheit reduziert wird.
Sie wird zur rein visuellen Angelegenheit, die von äusseren Faktoren und Menschen beURTEILt wird. Von den Medien. Vom direkten Umfeld. Vom Spiegelbild. Von uns selbst. So sind Kinder (und wir selbst!) den Urteilen hilflos ausgesetzt, welche all zu oft zu Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln führen.
Was aber passiert,
...wenn wir innere Schönheit in unserem alltäglichen Sprachgebrauch zurückerobern?
...wenn wir dem Gefühl wieder Vorrang lassen?
...wenn wir öfters "Ich fühle mich schön" sagen?
Wir lernen,
...uns von dem rein äusseren Schönheitsideal zu distanzieren.
...mit unserem Gefühl in Kontakt zu treten.
...Schönheit wie die Kinder von innen zu fühlen, anstatt von aussen zu beURTEILen.
Dann können wir "Ich fühle mich schön" auch mal in der Hängematte laut heraus posaunen, wenn wir dort gerade mit den Kindern die Seele baumeln lassen, den Blick in den weiten Himmel schweifend und weit und Breit kein Spiegelbild zu sehen ist. Dann fällt uns auch ein dankbares "Ich fühle mich schön" vor dem Spiegel viel leichter. Den Unterschied werden die Kinder schnell spüren, wenn auch unbewusst. Und wir auch!
12.07.2013 - Franziska Neuhaus
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
- Antoine de Saint-Exupéry