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Rauscher,
Joseph Othmar: Ritter von, Kardinal und Fürst-Erzbischof von Wien, [* 2] geb. zu Wien, erhielt 1823 die Weihen, ward 1829 Professor des Kirchenrechts und der Kirchengeschichte am Lyceum zu Salzburg, [* 3] 1832 Direktor der k. k. orientalischen Akademie und infulierter Abt von Monostor ob Komorn. Als solcher ward er Lehrer des jetzigen Kaisers Franz Joseph in der Philosophie. 1848 ward er zum Bischof von Seckau, 1853 zum Fürst-Erzbischof von Wien ernannt.
Zum
Lohn für den
Abschluß des
Konkordats vom welches
Rauscher im
Rate des
Kaisers durchgesetzt hatte, verlieh ihm der
Papst 17. Dez. die Kardinalswürde.
Seiner innigen Beziehungen zum
Kaiser und seiner treuen deutsch-österreichischen
Gesinnung wegen erlangte er auch politischen Einfluß und verfocht bei aller kirchlichen Gläubigkeit und Unterwürfigkeit
gegen den
Papst die österreichische Reichsidee den föderalistischen Bestrebungen gegenüber mit Aufrichtigkeit und Entschiedenheit. 1860 in
den
Reichsrat berufen, förderte er die Februarverfassung sowie die
Regierung
Schmerlings und trat als Mitglied
in das
Herrenhaus, in
dem er zwar das
Konkordat, aber auch die liberale
Verfassung verteidigte.
Auf dem Konzil 1870 zeigte er sich der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas, welches er in einer Denkschrift bekämpfte, abgeneigt und verließ Rom [* 4] vor der Abstimmung, verkündete aber später das Dogma in seiner Diözese. Die moderne Wissenschaft, namentlich die deutsche Philosophie, bekämpfte er in Hirtenbriefen und Predigten; dagegen förderte er die kirchliche Kunst durch Kirchenbauten und Restaurationen. Er starb Von seinen Schriften erwähnen wir die unvollendete »Geschichte der christlichen Kirche« (Sulzb. 1829, 2 Bde.).