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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit
New York – Frauen haben in den ersten Jahren nach einer Frühgeburt ein erhöhtes Risiko, eine arterielle Hypertonie zu entwickeln. Das Risiko war laut einer bevölkerungsweiten Studie unabhängig von Präeklampsie oder Schwangerschaftshypertonie. Es war in den ersten 10 Jahren am höchsten und ließ danach langsam nach, weshalb Kardiologen in JAMA Cardiology (2021; DOI: 10.1001/jamacardio.2021.4127) einen kausalen Zusammenhang vermuten.
Jede 2. Frau erkrankt im Verlauf ihres Lebens an einer Hypertonie. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören wie bei Männern ein höheres Alter, Adipositas, ungesunde Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum und Bewegungsmangel. Ein zusätzliches Risiko ergibt sich für Frauen aus Schwangerschaftskomplikationen, insbesondere der Präeklampsie oder einer Schwangerschaftshypertonie, die in früheren Studien bereits mit der späteren Entwicklung einer Hypertonie in Verbindung gebracht wurden.
Präeklampsie oder Schwangerschaftshypertonie sind auch bekannte Ursachen für eine Frühgeburt. Sie können jedoch die Auswirkungen von Frühgeburten auf das Hypertonierisiko nicht vollständig erklären, wie Casey Crump von der Icahn School of Medicine in New York jetzt in einer Analyse von 2,2 Mio. Frauen zeigt, die in den Jahren 1973 bis 2015 in Schweden nach einer Einzelschwangerschaft von einem Kind entbunden wurden. Von diesen hatten etwa 194.000 eine Frühgeburt. Crump konnte in den Patientenregistern des Landes ermitteln, bei welchen Frauen in den Folgejahren eine arterielle Hypertonie diagnostiziert wurde.
Dies war bei den Frauen, die eine Frühgeburt hatten, häufiger der Fall. Crump ermittelt für die ersten 10 Jahre nach der Entbindung eine adjustierte Hazard Ratio von 1,67 (95-%-Konfidenzintervall 1,61 bis 1,74), also ein und 67 % erhöhtes Risiko. Das Risiko war abhängig von der Dauer der Schwangerschaft.
Nach einer Frühgeburt in der 37. bis 38. Schwangerschaftswoche war mit einer Hazard Ratio von 1,26 (1,22 bis 1,30) nur leicht erhöht. Nach einer Frühgeburt in der 34. bis 36. Woche stieg die Hazard Ratio auf 1,55 (1,48 bis 1,63) und nach einer Frühgeburt in der 28. bis 33. Woche auf 1,85 (1,74 bis 1,97). Nach einer extremen Frühgeburt (22 bis 27. Schwangerschaftswoche) entwickelten die Frauen mehr als doppelt so häufig wie andere Frauen in den ersten 10 Jahren eine Hypertonie: Hazard Ratio 2,23 (1,98 bis 2,52).
Die Risiken nahmen danach ab, waren jedoch auch im Zeitraum von 10 bis 19 Jahren nach einer Frühgeburt noch erhöht. Die Abhängigkeit von der Gestationsdauer und die langsame Abschwächung des Risikos mit zunehmendem Abstand von der Schwangerschaft sprechen für einen kausalen Zusammenhang. Crump konnte in seiner Analyse neben den Diagnosen von Präeklampsie und Schwangerschaftshypertonie noch einige andere mögliche Faktoren berücksichtigen wie mütterliches Alter, Geburtsjahr, Zahl der Schwangerschaften, Bildungsstand, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Herkunftsregion, Body-Mass-Index und Rauchen.
In einer epidemiologischen Studie lässt sich jedoch niemals ausschließen, dass andere Ursachen nicht doch übersehen wurden. Unabhängig von den möglichen Ursachen bleibt es am Ende jedoch bei der Tatsache, dass Frauen, die eine Frühgeburt erlebt haben, deutlich häufiger an einer Hypertonie erkranken und deshalb ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren sollten.