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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

12. Buch
10. Die Meinung, das Menschengeschlecht sei wie die Welt von jeher gewesen.
Übergehen wir also die Vermutungen, die aufgestellt worden sind von Menschen, die nicht wußten, was sie über die Natur und Entstehung des Menschengeschlechtes sagen sollten. Andere wiederum wähnen, es habe von jeher Menschen gegeben, wie sie das auch von der Welt selbst meinen1 . In diesem Sinne sagt Apuleius, wo er diese Art von Lebewesen beschreibt: „Als Einzelwesen sterblich, als Gesamtheit jedoch, sofern sie das Menschengeschlecht bilden, ewig“2 . Hält man ihnen ihre Geschichte entgegen, die da zu berichten weiß, wer der Erfinder aller und jeglicher Dinge gewesen, wer zuerst die freien Wissenschaften und andere Künste gelehrt, welches die ersten Siedler in dem und jenem Gebiet und Erdteil, auf der und jener Insel gewesen, und weist man sie hin auf den Widerspruch zwischen ihrer Annahme und diesen Berichten, so reden sie von Überschwemmungen und mächtigen Bränden, die angeblich von Zeit zu Zeit die Erde größtenteils, doch nicht völlig, verwüsten, so daß die Zahl der Menschen auf ein Häuflein zusammenschmelze, deren Nachkommenschaft sich dann wieder zur früheren Zahl ergänze. Es handle sich also nur dem Scheine nach um einen Anfang, in Wirklichkeit um Wiederherstellung dessen, was durch jene gewaltigen Verheerungen unterbrochen und vernichtet worden sei, und übrigens könne der Mensch überhaupt nur wieder aus einem Menschen Dasein gewinnen. Allein sie sprechen damit Annahmen aus, nicht eine wissenschaftliche Erkenntnis.
1: Vgl. oben XI 4.
2: Vgl. die ganze Stelle oben IX 8.