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15 Prozent. So hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Brasilien die WM 2022 in Katar gewinnen wird. «Das heisst zugleich, dass die Mannschaft zu 85 Prozent nicht Turniersieger werden kann», sagt Andreas Groll von der TU Dortmund, der an der Studie mitgearbeitet hat.
Wie funktioniert die Prognose?
100'000 Mal wurde die gesamte WM durchgespielt. Dabei gibt es mehrere Faktoren, die berücksichtigt worden sind: Die Spielstärke jedes Teams auf Basis aller Länderspiele der vergangenen acht Jahre, die Wettquoten von 28 internationalen Buchmachern, den Marktwert und die Bevölkerungszahl. Durch ein «Machine-Learning-Modell» wurde die Simulation schrittweise optimiert.
«Wir haben das Modell mit den vergangenen fünf Weltmeisterschaften, also zwischen 2002 und 2018, gefüttert und mit den tatsächlichen Spielausgängen aller Spiele vergleichen lassen.
Wie zuverlässig kann der WM-Gewinner vorhergesagt werden?
Das sogenannte «Innsbrucker Modell» konnte unter anderem bereits 2008 das EM-Finale, sowie 2010 und 2012 Welt- und Europameister Spanien richtig vorhersehen.
Dieses Jahr wurde zum zweiten Mal nach der EM 2021 als Teil eines kombinierten Modells eingesetzt, das von Teams der TU Dortmund, der TU München und der Universität Luxemburg entwickelt worden ist. Bei der WM 2018 schnitt es besser ab als die Prognosen der Wettanbieter.
Der Zeitpunkt als Faktor
Erstmals findet ein solches Grossturnier in den Herbst- und Wintermonaten statt. «Neben den weithin diskutierten ethischen Problemen dieser WM ergeben sich so auch sehr kritische sportliche Fragen: In den Wintermonaten müssen alle grossen Fussballligen in Europa und Südamerika ihren Spielplan unterbrechen, um das Turnier unterzubringen. Dadurch haben die Nationalmannschaften weniger Zeit zur Vorbereitung und die Spieler weniger Zeit zur Erholung vor und nach der WM», sagt Achim Zeileis von der Universität Innsbruck.
Eine Mannschaft mit vielen Spielern in internationalen Ligen – Champions League, Europa League oder Conference League – könnte deshalb dieses Jahr einen Nachteil haben. Andreas Groll: «Alle diese Faktoren erschweren die Vorhersage des Turnierverlaufs, da Variablen, die sich bei früheren Weltmeisterschaften als sehr aussagekräftig erwiesen haben, möglicherweise nicht oder anders funktionieren.»
Und für so etwas geben die Unis Forschungsgelder aus?
Was nach Spielerei tönt, hat auch einen ernsthaften Hintergrund. Prognose-Modelle mit hoher Treffsicherheit können in vielen weiteren Bereichen eingesetzt werden.
Anhand einer Fussball-WM mit sehr klaren Ergebnissen können diese Modelle gut getestet und verbessert werden.
Wie stehen nun die Chancen der Schweizer Nati?
Die Gewinnwahrscheinlichkeit der Schweizer Nati liegt bei gerade mal 2,8 Prozent. Das ist wirklich nicht berauschend. Aber immerhin besser als zum Beispiel die Vorhersagen für Kroatien (1,1 Prozent), Serbien (1 Prozent), Mexiko (0,2 Prozent) oder Ghana (0,1 Prozent).
Favoriten sind nebst Brasilien Argentinien (11,2 Prozent), Niederlande (9,7 Prozent), Deutschland (9,2 Prozent) und Frankreich (9,1 Prozent). Die üblichen Verdächtigen also.
Hier gibt es die komplette Übersicht der Teams mit ihren Gewinnchancen: