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Hintergrund
Wenn Konzerne bestimmen, was wir essen
In den meisten Entwicklungsländern wird Saatgut traditionellerweise von den Bauernfamilien selbst hergestellt. Neue Sortenschutzgesetze wollen dies stark einschränken und treiben die Bauernfamilien in die Abhängigkeit der globalen Agrarkonzerne.
Damit bahnt sich in den Entwicklungsländern an, was in weiten Teilen Europas und in den USA, wo die industrielle Landwirtschaft weit verbreitet ist, bereits traurige Realität ist: Die Dominanz von ein paar wenigen Saatgutherstellern und damit auch ein enormer Rückgang der Kulturpflanzenvielfalt.
Für die Bäuerinnen im Süden ist diese Entwicklung fatal: Anstatt weiterhin eigenständig Pflanzenzucht, Saatguttausch und Kleinhandel betreiben zu können, sind sie gezwungen, für viel Geld Saatgut und Düngemittel zu kaufen, und geraten damit in eine Spirale von Abhängigkeit und Verschuldung.
Zahlen und Fakten
Goliath wird immer grösser
- 1Die zehn grössten Saatgutkonzerne machen heute ¾ des kommerziellen Saatgutmarktes unter sich aus. Die meisten der weltweit agierenden Saatguthersteller sind gleichzeitig auch die grössten Hersteller von Pestiziden.
- 2Mehr als 50 Prozent des global gehandelten Saatguts stammen heute von Monsanto, Syngenta und DuPont
- 3Während die Landwirtschaft in den Industrieländern hauptsächlich mit kommerziellem Saatgut versorgt wird, liegt der Anteil in Afrika derzeit noch unter 10 Prozent.
- 41.5 Milliarden Bäuerinnen und Bauern sind abhängig von selbst nachgebautem Saatgut.
- 5Traditionell liegt das Saatgut in der Verantwortung der Frauen. In vielen Regionen der Welt sind sie für die Auswahl und Lagerung des Saatguts zuständig.
- 6Laut Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO sind im Laufe des 20. Jahrhunderts etwa 75 Prozent der Kulturpflanzen verloren gegangen.
Das tut Brot für alle
Ernährungssouveränität beginnt beim Saatgut
Gemeinsam mit Partnern im Norden und im Süden, wehrt sich Brot für alle gegen die Konzentration auf den Saatgutmärkten und für die Selbstbestimmung der lokalen Bauernfamilien.
Im Süden:
- Vernetzung fördern: Brot für alle ermöglicht den Partnerorganisationen die Teilnahme an in Workshops und internationalen Treffen und fördert ihre Vernetzung, damit sie ihre Erfahrungen und Strategien im Kampf gegen die neuen Saatgutgesetze austauschen können. So profitieren beispielsweise verschiedene südamerikanische Partner von den Erfahrungen in Guatemala oder Kolumbien, wo ein entsprechendes Gesetz durch den Kampf von Bauern- und Indigenen-Organisationen erfolgreich verhindert werden konnte.
- Anwaltschaftliche Arbeit der Südpartner unterstützen: Brot für alle unterstützt ihre Südpartner mit Wissen und Geld im Kampf gegen neue Saatgutgesetze, welche die Rechte der Bauern und Bäuerinnen einschränken und die Agrarkonzerne bevorteilen. Dies zum Beispiel über Inputs zu Gesetzesrevisionen, die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen, Wissensvermittlung über Praktiken in anderen Ländern, juristischen Analysen etc.
- Informationsarbeit fördern: Viele Bauern und Bäuerinnen kennen die möglichen Auswirkungen von Saatgut- und Sortenschutzgesetzen nicht. Brot für alle unterstützt die Partnerorganisationen darin, Informations- und Bildungsarbeit vor Ort zu machen und Alternativen zu fördern (Saatgutmessen, alternative Gesetzesvorschläge etc.)
- Saatgutbanken fördern: Brot für alle fördert den Aufbau von Saatgutbanken, in denen das Saatgut von traditionellen Sorten aufbewahrt und geschützt wird.
Im Norden:
- Vernetzung im Norden: Brot für alle fördert die Vernetzung mit anderen Hilfswerken in der Schweiz und der EU, um das Wissen und den Austausch zu vertiefen, gemeinsam Lobbyarbeit zu betreiben und Stellungnahmen zu veröffentlichen.
- Sensibilisierung: Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist nicht bewusst, dass unsere Ernährung in den Händen einiger weniger Konzerne liegt. Brot für alle informiert die Bevölkerung mit Zeitungsartikeln, Newsletter und in eigenen Publikationen über die Problematik und zeigt Handlungsoptionen auf.
- Syngenta beobachten: Einer der grössten Saatguthersteller weltweit hat seinen Sitz in der Schweiz. Brot für alle beobachtet deshalb die Tätigkeiten von Syngenta besonders genau und versucht, auf dessen Tätigkeiten über politische Massnahmen und öffentlichen Druck Einfluss zu nehmen.
- Die Gesetzgebungen in Europa im Auge behalten: Auch in der EU findet derzeit eine Verschärfung der Saatgutbestimmungen statt, die die grossen Saatgutkonzerne bevorteilen. Brot für alle unterstützt Initiativen und Petitionen, die sich gegen diese unüberlegte EU-Politik wehren.
Unsere Partner
International / Süden
- Grain: Die internationale NGO veröffentlicht regelmässig Berichte über neue Saatgutgesetze in Afrika, Lateinamerika und Asien, wer davon profitiert und wer verliert. Sie bilden eine wichtige Grundlage soziale Bewegungen und Bauernorganisation, die sich für ihre Rechte und Lebensgrundlagen wehren.
Zum Projektbeschrieb „Natürliche Vielfalt und Land als Grundlage für eine sichere Ernährung“
- Kefra, Kenia: Das Kenianische Netzwerk für das Recht auf Nahrung wehrt sich gegen die Umsetzung strenger Saatgutgesetze, die bäuerliche Saatgutsysteme zurückdrängen und die Zulassung gentechnisch veränderter Maissorten im Land. www.kenyafoodrightsalliance.net
- Anafae, Honduras: Das nationale Netzwerk für Agrarökologie kämpft gegen die Umsetzung des „Monsanto-Gesetzes“, das einen umfassenden Sortenschutz in Honduras einführen will. Das Gesetz wurde in einer Nacht- und-Nebel-Aktion durch den Kongress gebracht, ohne dass die Auswirkungen für die Ernährungssicherheit im Land bekannt sind. Zum Projektbeschrieb „Lebensperspektiven für Bauernfamilien schaffen“
- La Via Campesina, weltweit: die wichtigste, internationale Kleinbauernbewegung arbeitet daran, die Rechte der Bäuerinnen und Bauern – insbesondere an Land, Saatgut und Wasser, menschenrechtlich innerhalb der Vereinten Nationen zu verankern.
Zum Projektbeschrieb „Einsatz für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern“
- Redsag, Guatemala: Das nationale Netzwerk für Ernährungssouveränität erarbeitet in einem partizipativen Prozess Grundlagen für ein Gesetz zum Schutz der biologischen Vielfalt und der Rechte der Bäuer/innen, nachdem massive Proteste erfolgreich der Monsanto-Gesetz im Land verhindern konnten.
Zum Projektbeschrieb: „Engagement für die Rechte der Bauernfamilien“
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