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4. Wirunt
Wirunt (996-1026). Wirendus, Wirund, Wem, Wirand, Verendus)60. Nach den Chronisten des 15. Jahrhunderts61 soll er «ein Graf von Wandelburg, des Stammes von Rapperswil» gewesen sein. Die Burg Wandelburg lag am Fuße des obern Buchbergs und erscheint später im Besitze der Grafen von Rapperswil. Irgendwelcher Beweis für die Annahme aber, daß Wirunt wirklich daher stammt, ist nicht zu erbringen; dies gilt auch von ähnlichen Angaben für die folgenden Äbten.
Seine Wahl zum Abte erfolgte, wie die Annales Einsidlenses ausdrücklich hervorheben, den 27. Dezember 99662. Auch Wirunt unterhielt fortwährend gute Beziehungen zu den deutschen Herrschern. Otto III. noch schenkte ihm den 28. April 998 vier Höfe in Billizhausen (Württemberg)63. Heinrich II. bestätigte 1004, den 17. Juni, als er in Zürich weilte, wo ihn der Abt jedenfalls persönlich aufsuchte, dem Kloster die Besitzungen und Rechte im Breisgau64 und den 5. Januar 1018 überhaupt alle Besitzungen und die Immunität65. Im gleichen Jahre, als der Kaiser nach Zürich kam, suchte ihn Wirunt wieder auf und erlangte von ihm den 2. September die Schenkung des ganzen finstern Waldes66. Dieses Gebiet, das 229,6 km2 umfaßte, schloß das ganze Sihl- und Alpthal in sich (von dem Bibertal ist hier noch nicht die Rede). Das Geschenk sollte insofern verhängnisvoll werden, als sich ein Jahrhundert später der sogen. Marchenstreit mit den Schwyzern darüber entspann. Auch der Nachfolger Heinrich des Heiligen, Konrad II., bewahrte dem Kloster seine Gunst. Den 15. Juli 1025 schenkte er auf Bitten der Königin Gisela und des Erzbischofs Aribo von Mainz dem Kloster 12 Höfe in Steinbrunn im Elsaß67.
Für den guten Stand der Disziplin unter Wirunt legt die Berufung einer Reihe von Mönchen auf auswärtige Bischofs- und Abtsitze Zeugnis ab. Als Gewährsmann dafür haben wir freilich nur Bonstetten, der sich aber jedenfalls auf das heute nicht mehr vorhandene Liber vitae stützte68. So wurde Otker, angeblich ein Bruder Wirunts, von 995-1012 Abt von Disentis, dem wiederum ein Einsiedler Mönch, der als Seliger verehrte Adelgott I. (1012 bis 1031) folgte69. Auch das Stift Pfäfers erhielt70 damals drei Äbte aus Einsiedeln, nämlich Gebene, Hartmann und Eberhard71. Nach St. Blasien im Schwarzwalde, wo man den Acta Murensia zufolge72 die Gewohnheiten von Einsiedeln angenommen hatte, soll nach Bonstetten der Einsiedler Mönch Bernhard als Propst gekommen sein73. Florat wurde nach dem gleichen Gewährsmann Abt des Klösterleins auf dem Hohentwiel, das später nach Stein a. Rh. verlegt wurde. Heinrich II. berief den Mönch Eberhard 1004 zum Bischof von Como74.
Nach 30jähriger Regierung starb Abt Wirunt den 11. Februar 1026, wie die Annales Einsidlenses berichten75. Auch das Nekrologium gibt den 11. Februar als Todestag an76. Auch ihm hat sein Nachfolger, gleich wie er seinem Vorgänger, ein Epitaphium gewidmet:
«Abba Wirunt tumbam sacris dicat ossibus istam
Sanguine sat celsus, moribus aetherius, Ingenio clarus, mitis, pius atque benignus,
Indeque percelebris regibus ac populis Sexies hic quinis heremi pater extitit annis.
Valde sibi durus, discipulis placidus. Idibus ast ternis februi sustollitur astris,
Nunc Sabahot domino pangit osanna polo.»
Oder wie die Übersetzung bei Ringholz (S. 56) lautet:
«Dieses Grab beglücken Abt Wirunts heilige Gebeine,
Hoch war u. edel sein Stamm, edel u. himmlisch sein Sinn. Herrlich strahlte sein Geist, voll Frömmigkeit, Milde u. Güte.
Drum war bei König und Volk weithin sein Name geehrt. Dreißig flüchtige Jahre war er unsrer Einöde Vater.
Sanft mit der Söhne Schar, hart nur gegen sich selbst. Doch des Hornungs elfter Tag nahm ihn fort zu den Selgen,
Nun singt er in der Höh, ewig Hosanna dem Herrn.»