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Mit dem Nobelpreis sollen Personen ausgezeichnet werden, die bemerkenswerte Beiträge für die Gesellschaft geleistet haben. Bild: Shutterstock
Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hat den Nobelpreis für Chemie an die beiden Wissenschaftlerinnen vergeben, welche die sogenannte Genschere CRISPR/Cas für die Genomeditierungstechnologie entwickelt haben: die Französin Emmanuelle Charpentier und die Amerikanerin Jennifer A. Doudna. Mit dem Nobelpreis sollen Personen ausgezeichnet werden, die herausragende Forschungsarbeit und so bemerkenswerte Beiträge zur Gesellschaft geleistet haben. Doch betrachtet man die Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre wird klar, dass die Verleihungen meist sehr wirtschafts- und technologiefreundlich ausfallen. James Watson und Francis Crick, die ein Modell der Struktur der DNA vorgeschlagen haben, wurden 1962 mit einem Nobelpreis ausgezeichnet.
Mehrere der Nobelpreisträger waren Förderer und Verfechter der angewandten Biotechnologie in der Landwirtschaft. Der vielleicht bekannteste darunter ist Norman Borlaug, Friedensnobelpreisträger von 1970. Er wird als Vater der heute äusserst umstrittenen grünen Revolution gefeiert. Die Ehrung der Genomeditierung mit einem Nobelpreis droht der Biotechnologie zu einem weiteren Schub in der Landwirtschaft zu verhelfen, ohne kritische Würdigung der negativen Auswirkungen der Grünen Revolution.
Einen Nobelpreis für Umweltschutz oder für Armutsbekämpfung lehnte die Nobelstiftung in Stockholm 1979 hingegen ab. Daraufhin nahm der schwedische Schriftsteller Jakob von Uexküll die Sache selbst in die Hand und stiftete den sogenannten Alternativen Nobelpreis.
CRISPR/Cas wird von Organisationen, die sich mit der Bewertung neuer Technologien befassen, kritisch beurteilt. Christoph Then von Testbiotech schreibt: „Das ist ein Nobelpreis für die Büchse der Pandora. Diese Technologie und der Nobelpreis bedeuten eine enorme Herausforderung und Verantwortung für alle Beteiligten. Die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten hängt ganz wesentlich davon ab, ob wir es schaffen, den Anwendungen dieser neuen Gentechnik klare Grenzen zu setzen. Wir müssen insbesondere verhindern, dass das Erbgut von Mensch, Tier und Pflanzen zum Spielball von Profitinteressen und technischer Hybris wird.“
Testbiotech warnt vor einem unkontrollierten Einsatz von CRISPR/Cas im Bereich Landwirtschaft und Umwelt und zudem vor einer zunehmenden Zahl von Patenten auf Pflanzen und Nutztiere. Diese haben zur Folge, dass die wirtschaftlichen Erwartungen die Diskussion dominieren. Chancen werden hervorgehoben, die Risiken dagegen heruntergespielt. Darunter leidet die Risikoforschung, die unabhängig von den Profiteur*innen der neuen Techniken ist.
Wie stark wirtschaftliche Interessen solche Entdeckungen prägen, zeigt der langjährige Streit um das lukrative Patent auf CRISPR. Bis heute laufen juristische Auseinandersetzungen zwischen Charpentier, Doudna und ihren Universitäten auf der einen Seite und dem Forscher Feng Zhang, der ebenfalls zu CRISPR forschte, auf der anderen Seite. Auch grosse Pharmafirmen haben mittlerweile Ansprüche angemeldet. Derzeit existieren in den USA 300 und in Europa 100 Patente zu CRISPR/Cas. Experten schätzen den künftigen Marktwert für CRISPR/Cas-Anwendungen auf mehrere Milliarden Dollar weltweit.