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Der Bayerische Fußball-Verband strukturiert auf den Juli hin den Kinderfussball neu. Zukünftig sollen sowohl die G-Junioren (U6/U7) als auch die F-Junioren (U8/U9) lediglich Drei gegen Drei auf insgesamt vier Minitore und ohne Torhüter spielen. Resultate und Tabellen sollen dabei durch Turniere und Spielfestivals ersetzt werden. Um allen Kindern gleiche Spielzeit zu gewähren wird zudem ein Rotationsprinzip eingeführt. Der jüngere E-Junioren Jahrgang (U10) soll neu im 5 gegen 5 spielen und ebenfalls Turniere austragen.
Die Grundidee solcher kleinen Spiele ist keinesfalls neu und wurde bereits von einigen Jahren vom deutschen Horst Wein mit dem Namen “FUNiño” publiziert.
Nachfolgend sollen die Grundgedanken dieser Spielform und dessen Vor- und Nachteile erläutert werden.
Wie geht „FUNiño“?
Grundsätzliches
Gespielt wird jeweils 3 gegen 3 auf vier Minitore gespielt. Ein Team kann aus vier Feldspielern bestehen und verfügt über keinen Torwart. Die Spieler beider Mannschaften werden nach jedem Tor gewechselt. Tore können immer nur innerhalb der gegnerischen Schusszone erzielt werden. (Siehe Titelbild; zwei schwarze Linien, welche das Feld dritteln.)
Da es im „FUNiño“ keine Eckstösse, Elfmeter, Abseits oder Einwürfe gibt, wird der Ball mit dem Fuss von der Aussenlinie ins Feld gedribbelt. Anstelle eines Freistosses darf der Spieler mit drei Metern Abstand zu den Gegenspielern den Ball passen oder dribbeln. Einen Strafangriff gibt es bei einem Regelverstoss innerhalb der Schusszone. Ein Spieler dribbelt mit dem Ball auf die zwei Tore, welche von einem Verteidiger beschützt werden, und versucht im 1 gegen 1 ein Tor zu erzielen. Auf Kommando des Trainers darf sich der verteidigende Spieler zum Angreifer bewegen. Zeitgleich starten alle restlichen Spieler hinter der Mittellinie und das Spiel wird normal fortgesetzt. Entweder schafft es der Angreifer also im 1 gegen 1 oder mit Hilfe der restlichen Mitspieler ein Tor zu erzielen.
Das Spielfeld
Gespielt wird auf ein 20-25 x 27-30 Meter grosses Feld. Dabei haben auf einem durchschnittlichen Fussballfeld rund acht Mini-Spielfelder platz. Die Tore auf der Grundlinie sollten etwa zwei Meter breit sein und mindestens 12 Meter auseinander stehen, damit tatsächlich die Breite genutzt werden kann. Die Schusszone befindet sich sechs Meter vor der Grundlinie.
Grundgedanken von „FUNiño“
Als zentraler Aspekt gilt der von Wein definierte Vorteil, dass das Spiel auf vier Tore die Entwicklung der Spielintelligenz fördert. Weiter wirbt er mit der Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit, der Entscheidungsfindung, Fantasie, Kreativität und der Vorstellungskraft. Dies begründet er damit, dass die Spielerinnen und Spieler immer wieder in ähnliche Situationen auf dem Platz kommen und daher die Möglichkeit haben, eine Vielzahl an Ideen auszupobieren und umzusetzen. Die Kinder werden also stets mit Problemen konfrontiert, für welche sie Lösungen entwickeln sollen.
Weiter wird mit einer erhöhten Anzahl an Ballkontakten geworben. Durch die doppelte Anzahl an Toren gegenüber dem klassischen Fussballspiel sollen mehr Tormöglichkeiten und Tore garantiert werden. Das definierte Regelwerk und die reduzierte Spieleranzahl soll dazu beitragen, dass alle Kinder involviert sind und sich niemand dem Spiel entziehen kann. Alle müssen deshalb aktiv mitdenken und am Spiel mit und ohne Ball teilnehmen. Dies sorgt- gemäss Wein- für mehr Freude bei den Kindern.
Das Spiel auf vier Tore soll zudem das Flügelspiel fördern und damit das unübersichtliche ansammeln der Spieler vor dem zentral stehenden Tor verhindern. Durch die weniger Spieler auf dem Feld erhalten die Kinder ferner mehr Spielraum und Platz für ein konstruktives Spiel. Da sich die Kinder zudem in einer Dreiecksformation aufstellen, sollten immer zwei mögliche Anspielstationen gefunden werden, was das Kombinationsspiel vereinfacht. Aufgrund der nicht fest definierten Positionen spielen alle Kinder überall, was ferner auch die ganzheitliche Ausbildung fördert.
„FUNiño“ in der Analyse
Über die sogenannten „small sided games“ gibt es etliche Studien. Im der Saison 2002-2003 untersuchte Dr. Rick Fenoglio mit Hilfe von Manchester United jeweils 15 Spiele im 4:4 und dieselbe Anzahl im 8:8. Jedes Spiel dauerte acht Minuten und wurde zur Auswertung auf Video aufgezeichnet. Die entstandenen Daten sprechen für einen positiven Effekt von 4:4 in Bezug auf die untenstehenden Fähigkeiten. In der folgenden Grafik wurden jeweils drei Spiele verglichen.
In einer weiteren Studie mit schottischen Jugendspielern wurden detaillierte Werte für Ballkontakte und Pässe genannt. Die Spieler aus den Leistungsfussball- Teams (Performance) und den lokalen Breitenfussball-Teams (Juvenile) spielten jeweils untereinander im 4:4, 7:7 und 11:11. Folgend werden die Werte der „Juvenile“-Spieler im 4:4 und 7:7 verglichen.
Durchschnittliche Ballkontakte/ Spieler: Im 4:4 etwa doppelt so viele wie im 7:7
1:1 Duelle: Rund 30% mehr Duelle im 4:4
Erzielte Tore: Wiederum 30% mehr Tore im 4:4
Gespielte Pässe/ Spiel: Im 4:4 wurden leicht mehr Pässe gespielt (261 zu 242)
Erfolgreiche Pässe in Prozent: Etwa 30% mehr erfolgreiche Pässe im 4:4
Fazit
Anhand der Studien lässt sich deutlich feststellen, dass Spiele mit reduzierten Spieleranzahlen- wie beispielsweise “FUNiño”- einen deutlichen Einfluss auf die Anzahl Ballkontakte haben. Die gängige Faustregel von 1000 Ballkontakten pro Einheit scheint durch eine Verdoppelung der Anzahl Ballkontakten daher durchaus erreichbar. Weiter auffallend sind die erfolgreichen Pässe, da rund 30% mehr an die Mitspielerinnen und Mitspieler gebracht werden. Dies führt nicht nur zu Erfolgserlebnissen, sondern zweifelsohne auch zu einer Förderung der technischen Elemente wie Ballan- und mitnahme. Auch dem zurzeit heiss diskutierten Thema von zu wenigen 1 gegen 1 Situationen können kleine Spiele entgegenwirken. Wiederum finden etwa 30% mehr Duelle im 4:4 statt. Da vor allem jüngere Kinder Tore schiessen möchten und dies die Freude und das Selbstvertrauen steigert, eignen sich solche Spiele aufgrund von deutlich mehr Torchancen ebenfalls.
Dies lässt uns darauf schliessen, dass es zweifelsohne Sinn ergibt, auf kleine Spiele zu setzen und nicht zu früh zum klassischen 7:7 zu greifen. Ob sich die Spielintelligenz dabei tatsächlich verbessert lässt sich nur vage bestätigen, da darüber zu wenig Studien geführt wurden. Sicher ist es aber, dass weniger Spieler auf dem Feld mehr Räume und daher auch unterschiedlichere Lösungsmöglichkeiten bieten.
Quellen
Wein, Horst (2016): Spielintelligenz im Fußball: kindgemäß trainieren.Meyer&Meyer Verlag.
Fenoglio, Rick (2003): The Manchester United 4 v 4 pilot scheme for U9s: Part II -the Analysis. Manchester metropolitan university.
Small, Grant (2006): Small-sided games study of young football players in Scottland. University of Albertay Dundee.
FUNino.ch
Funino.info
deinfussballtrainer.de