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Mit 1,36 Mio. t stieg der Güterumschlag in den Schweizerischen Rheinhäfen im 1. Quartal 2023 gegenüber der entsprechenden Vorjahreszeit (1,2 Mio. t) um 17%. Verantwortlich dafür war eine massive Steigerung bei den Importen von Mineralölprodukten. Rückläufig waren dagegen die Einfuhren von landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie Nahrungs- und Futtermitteln. Mit dem starken Ergebnis der Vergleichszeit konnte der Containerbereich nicht ganz mithalten, erreichte aber immer noch gut 31‘000 TEU.
1’360’466 t wurden im ersten Quartal 2023 umgeschlagen, 1’163’114 t waren es in der Vergleichszeit des Vorjahres. Dies entspricht einem Zuwachs von 17%. Sogar eine Zunahme um 24% auf ein Total von 1’140’139 t verzeichnete der anteilmässig bedeutendere Importverkehr. Der Exportverkehr nahm bei 220’327 t gegenüber dem Vergleichsquartal um 9,4% ab.
Unterschiedlich verlief die Entwicklung in den einzelnen Häfen: Im Auhafen Muttenz mit den Schwerpunkten Mineralöl und trockene Massengüter stieg der Umschlag gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um fast 38% auf nahezu 450‘000 t. Der Hafen Birsfelden übertraf mit fast 500’000 t den Vorjahreswert um knapp 25%. Der Hafen Kleinhüningen mit Schwerpunkt Containerverkehr büsste mit knapp 350‘000 t auf den Vorjahreswert beinahe 8% ein.
31’475 TEU wurden im Berichtszeitraum in den Schweizerischen Rheinhäfen wasserseitig umgeschlagen. Gegenüber dem 1. Quartal 2022 (36‘827 TEU) bedeutet dies eine Verminderung um knapp 15%.
Die detaillierten Angaben und Grafiken zu den einzelnen Gütergruppen finden Sie auf folgenden Seiten.
Containerverkehr
Im Berichtszeitraum wurden in den Schweizerischen Rheinhäfen wasserseitig 31’475 TEU umgeschlagen. Gegenüber dem 1. Quartal 2022 (36‘827 TEU) bedeutet dies eine Verminderung um 14,5%. Die Entwicklung ist allerdings zu relativieren, da die Vergleichsperiode von starken «Nachholverkehren» nach den verschiedenen Lockdown-Phasen in China geprägt war und wegen Umschlagsproblemen in Rotterdam und Antwerpen viele Behälter verspätet in die Schweizer Rheinhäfen gekommen waren. Diese Sonderfaktoren fielen im 2023 weg.
Ein massives Hoch hatten in der Vergleichsperiode 2022 ausserdem die Verkehre mit Leercontainern. Diese Transporte zwischen Binnen- und Seehäfen dienen dem Ausgleich in den Depots. Im 1.Quartal 2023 fielen deutlich weniger dieser Transporte an: im einkommenden Verkehr sank die Zahl gegenüber dem 1. Quartal 2022 um 36% auf 4’084 TEU, im ausgehenden Verkehr um 21% auf 5’611 TEU.
Dies lässt den Schluss zu, dass die Containerverkehre mit der Schweiz im Berichtszeitraum nicht so stark unpaarig waren und damit weniger Transporte von leeren Behältern erforderten.
Deutlich geringer waren die Einbussen bei den beladenen Containern. Im Exportverkehr resultierte mit einem Total von 9’833 TEU ein Minus von 10%. Der Importverkehr nahm gegenüber dem Vergleichsquartal 2022 lediglich um 3,5% auf 11’947 TEU ab.
Prognosen für den weiteren Verlauf 2023 sind mit vielen Unsicherheiten behaftet: Immerhin darf gehofft werden, dass die Engpässe bei den Verkehren aus Fernost nach und nach geringer werden, da China von der «Zero Covid-Politik» definitiv abgerückt ist, welche die Wirtschaft und die Logistik stark behindert hatte. Unabwägbar bleibt aber, wie sich der Krieg zwischen Russland und der Ukraine weiter entwickeln wird. Schliesslich bleibt abzuwarten, ob die Streikwelle in Frankreich nun endlich abebbt, welche mit Schleusen-Blockaden am Rhein im ersten Quartal 2023 negativen Einfluss auf die Schifffahrt hatte.
Positiv sind die Wasserstände, welche eine gute Auslastung der Schiffe erlauben. Zurzeit ist keine Änderung zu erwarten, es sind weder Hochwasser- noch Niedrigwasser-Perioden in Sicht.
Flüssige Treib- und Brennstoffe
Im ersten Quartal 2023 sind 696’324 t flüssige Treib- und Brennstoffe über die Rheinhäfen importiert worden. Gegenüber den 380’427 t in der Vergleichszeit des Vorjahres entspricht dies einem massiven Zuwachs um rund 83%. Dieser hat seine Ursachen in Sonderfaktoren der Vergleichszeit.
Zum einen hatte der starke Preisanstieg für Mineralölprodukte im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine ab Februar 2022 die Kunden beim Heizöl kaum motiviert, ihre Tanks zu füllen. Die Preisentwicklung hat sich etwas beruhigt und irgendwann sind die Tanks nun einmal leer und müssen gefüllt werden. Dies zeigt sich exemplarisch in der Sparte Gas-, Diesel und leichtes Heizöl, in der im ersten Quartal 2023 knapp 183’000 t über die Häfen eingeführt wurden; in der Vergleichszeit des Vorjahres waren es lediglich 66’200 t. Die Steigerung beträgt damit 176%.
In der oben erwähnten Sparte ist auch der Diesel-Treibstoff inkludiert – und hier kommt der zweite Sonderfaktor ins Spiel: Zur Entlastung ihrer Bevölkerung hatten die Nachbarstaaten der Schweiz bei den Treibstoffen 2022 in verschiedener Form «Tankrabatte» eingeführt. Dadurch hatte sich der jahrelang gewohnte «Tank-Tourismus» umgekehrt: Die in Grenznähe wohnenden Schweizer tankten in Frankreich, Italien und Deutschland, da die Preise dort künstlich tief gehalten wurden. Diese Massnahmen sind längst ausgelaufen, so dass Tanken in der Schweiz in der Berichtszeit wieder konkurrenzfähig war. Dies beeinflusste auch die Sparte Motorbenzin und andere Leichtöle entscheidend: knapp 32’000 t an Einfuhren in der Berichtszeit stehen etwas mehr als 21’000 t im ersten Quartal 2022 gegenüber. Die Steigerung beträgt hier ziemlich genau 50%.
Ein zusätzlicher Faktor für die Mengensteigerung ist auch die Wiederherstellung der Pflichtlagerbestände. Aufgrund der tiefen Wasserstände sowie der Leistungsprobleme der Bahnen im 2. Halbjahr 2022 musste die Schweiz für einen Teil der Versorgung des Marktes auf Pflichtlagerbestände zurückgreifen. Die Marktteilnehmer haben die Verpflichtung, diese Mengen wieder einzulagern. Es handelt sich dabei also zu einem Teil um eine Kompensation der fehlenden Importmengen aus dem letzten Jahr.
Auch bereinigt um diese Sonderfaktoren kann im ersten Quartal 2023 von einem sehr guten Ergebnis gesprochen werden: In der Vergleichszeit 2021 hatte die Importmenge bei den flüssigen Treib-und Brennstoffen 584’583 t betragen; in diesem Vergleich beträgt die Steigerung in der Berichtszeit fast 20%.
Die Prognose für das gesamte 2023 hängt im Wesentlichen von den Marktentwicklungen und damit von den weiteren Entwicklungen in der Ukraine-Krise sowie von den Wasserständen ab.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Das 1. Quartal ist im Vergleich zum Vorjahr mit einer Mindermenge von 37’000 t resp. -19% gestartet. Grund für diesen verhaltenen Start ist die Tatsache, dass die Warenströme bei Gütern mit europäischem Ursprung zugelegt haben und die Importe ab Übersee rückläufig sind. Die Waren europäischen Ursprungs gelangen hauptsächlich über den Landweg per Bahn oder LKW in die Schweiz und gehen somit an den Schweizerischen Rheinhäfen vorbei, was zu den entsprechenden Konsequenzen führt.
Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr im 1. Quartal einen Rückgang von 21%, was 16’500 t entspricht.
Bei den Nahrungs- und Futtermitteln musste im 1. Quartal 2023 gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode ein Rückgang von 18% resp. 20’500 t verkraftet werden.
Die Frachten auf dem Rhein sind nach wie vor relativ hoch, jedoch nicht mehr auf dem sehr hohen Vorjahresniveau. Trotz dieser Entwicklung sind die Importe über den Rhein aktuell rückläufig.
Die Lagerkapazitäten in den Schweizerischen Rheinhäfen sind gut ausgelastet, dies kommt daher, dass sich die Einkaufspreise wieder normalisiert haben und auch die Zollabgaben im Moment relativ tief sind. Daher bleibt die ältere (teuer eingekaufte Ware vom Vorjahr) in den Lagern liegen und die neue günstigere Ware gelangt direkt in den Verkauf.
Übrige Güter
Bei der Gütergruppe Feste Brennstoffe wurde bereits häufig das Ende der Kohleimporte in die Schweiz erwartet, aber in Anbetracht der weltweit steigenden Nutzung der Kohle als Energieträger ist es wenig überraschend, das seit August 2022 jeden Monat Schiffsladungen mit Kohle in den Schweizerischen Rheinhäfen eintreffen, und dies trotz der hohen CO2-Abgaben. Es muss aber angemerkt werden, dass alle Importe über die Rheinhäfen ausschliesslich in der Zementproduktion und nicht in der Stromerzeugung verwendet werden. Im 1. Quartal 2023 wurden 8’831 t importiert, bereits die Hälfte der im gesamten 2022 umgeschlagenen Menge. Mit den hohen Lagerbeständen an Kohle in den europäischen Seehäfen sind weitere Importe in die Schweiz nicht auszuschliessen. Umstellungen bei der Wahl der Energiequelle in den Zementwerken kann aber schnell das Ende der Einfuhren bedeuten.
Die sehr hohen Einfuhren im 1. Quartal 2022 für Produkte der Gruppe Eisen, Stahl und NE-Metalle konnten in diesem Jahr nicht wiederholt werden. Mit 60’233 t sind die Importe um rund 12% geringer als in der Vergleichsperiode. Die Ausfuhren sind mit 3’152 t im 1. Quartal 2023 sogar um knapp 21% niedriger als in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Jedoch entsprechen die monatlichen Importe wie Exporte den durchschnittlichen monatlichen Mengen des letzten Jahres. Diese Momentaufnahme muss also nicht als Indikator für den weiteren Jahresverlauf angesehen werden.
Nach einem zögerlichen Start in den Monaten Januar und Februar zogen die Importe und Exporte in der Gruppe Steine, Erden und Baustoffe im März wieder an. Mit insgesamt 105‘826 t resultierte im 1. Quartal 2023 trotzdem ein Minus von fast 33% im Vergleich zur Vorjahresperiode. Besonders ist der Januar 2023 mit Einfuhren von nur 19‘935 t für diesen Rückgang verantwortlich.
Bei den Ausfuhren waren in den ersten zwei Monaten des Jahres die Mengen mit respektive 6‘271 t und 9‘391 t noch weit unter den im 2022 erreichten durchschnittlichen 20‘000 t. Im März 2023 wurden mit 37‘385 t Ausfuhrmengen weit über den Durchschnitt erreicht. Total resultierte bei 53’047 t ein Minus von knapp 18%
Nach den stark gestiegenen Preisen im Bausektor war ein Rückgang der Einfuhren zu erwarten. Mit einer Normalisierung der Preissituation sollten sich diese aber wieder einpendeln. Das Potenzial dieser Gütergruppe ist weiterhin gross. Der Bereich der Recyclingbaustoffe hat ebenfalls ein sehr grosses Ausbaupotenzial auch in Hinblick auf die Problematiken mit den Deponien in der Schweiz.
Das kleine Hoch im Vergleichsquartal konnten die Chemischen Erzeugnisse mit einer Einfuhrmenge von fast 39’000 t (+3,2%) in der Berichtszeit bestätigen. Bei den Ausfuhren verminderte sich die Menge um gut 20% auf etwas mehr als 9’000 t.