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Was für ein Empfinden Václav Havel für seinen Standort bezüglich des Glaubens hatte! Es fehlte der „äusserst wichtige letzte Tropfen“, nämlich die übernatürliche Ansprache der göttlichen Offenbarung.
Ich habe das Gefühl, dass doch etwas mehr als nur intellektualistische Ausflüchte mich hindern, den Glauben an einen persönlichen Gott zuzugeben. Hinter diesen ‚Ausflüchten‘ verbirgt sich etwas Tieferes: mir fehlt das mystische Erlebnis der tatsächlichen Ansprache oder Offenbarung, also der äusserst wichtige ‚letzte Tropfen‘. Sicherlich könnte ich mein ‚irgend etwas‘ oder den ‚absoluten Horizont‘ einfach durch das Wort ‚Gott‘ ersetzen, jedoch scheint mir dies nicht seriös zu sein. Ich versuche, so genau wie möglich die Sache so zu beschreiben, wie sie sich mir darstellt und wie ich sie fühle, also keine Gewissheiten dort vorzutäuschen, wo sie nicht sind.
Václav Havel. Briefe an Olga. Betrachtungen aus dem Gefängnis. Rowohlt: Hamburg, 1989. (208)