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Ich bleibe weiterhin dabei, daß eine Übernahme durch MFE (Berlusconi) in absehbarer Zeit ziemlich unwahrscheinlich ist. Das Problem dürfte nicht so sehr die Kartellamtsfrage sein, sondern die (bayr.) Politik und die Finanzierung. Im Frühjahr gab man der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien die rechtliche Möglichkeit, Anteilserhöhungen über 25 % zu blockieren. Ich habe kaum Zweifel, daß man bei Berlusconi davon nötigenfalls gebrauch machen wird. Auch Söder hat sich klar positioniert. Natürlich weiß man bei Söder nie, wie lange er an seiner Meinung festhält, aber am 08.10.23 sind in Bayern LTW und wahlkampftaktisch wird es der CSU eher helfen, wenn man gegen eine Übernahme opponiert (und die gesetzliche Grundlage dafür wurde ja gelegt). Deshalb wird man sich das nicht entgehen lassen.

Zur Finanzierung ist zu sagen, daß der Übernehmende bei Vorlage eines Angebotes nicht nur für einen Teil der Aktien eine Finanzierung vorlegen muss, sondern für alle im Umlauf befindliche Aktien. Nehmen wir z.B. einen Angebotspreis von 10 € an, dann müßte Berlusconi ca. 1,8 Mrd. € für die Übernahme vorweisen. Pier Silvio Berlusconi hat - ich meine, es war Anfang des Jahres - mal davon gesprochen, daß MFE ca. 1 Mrd. € für Übernahmen zur Verfügung hätte. Somit würde da noch was fehlen.
Aus derzeitiger Sicht glaube ich, daß es am wahrscheinlichsten ist, daß erst mal in der Causa nichts Wesentliches passiert. MFE wird versuchen, mit Zuckerbrot und Peitsche eine engere Zusammenarbeit zu erreichen. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es politische/rechtlich eher möglich ist, wird man ggfls. ein Übernahmeangebot vorlegen. Vielleicht wird man versuchen, über ein anders Konstrukt eine Übernahme zeitnah zu stemmen. Es gab einmal das Gerücht, daß die TX-Group die Anteile von Pro7 von MFE übernimmt und im Gegenzug sich Berlusconi Anteile an der TX-Group sichert. Dann könnte die TX-Group ein Übernahmeangebot vorlegen. Ich halte das Gerücht zwar für sehr dünn, aber wenn man zeitnah eine Übernahme ausführen möchte, so wäre eine solche Vorgehensweise eher erfolgversprechend.
Wie immer wird die grobe Börsentendenz für den deutschen Aktienmarkt auch im nächsten Jahr von unseren amerikanischen Freunden bestimmt. Geht es an der Wall Street aufwärts, wird es auch bei uns mehr oder weniger freundlich, geht es runter, dann werden auch die heimischen Börsenindizes nicht gerade haussieren. Die großen amerikanischen Investmenthäuser sind sich in ihrer Prognose nahezu einig. Im 1.Q. prognostizieren sie deutlich fallende Notierungen, danach bis zum JE sollen die Börsenbarometer wieder das Niveau von Jahresende 2022 erreichen. Da es meist anders kommt, wenn (fast) alle der gleichen Meinung sind, bin ich auch für das 1.Q. '23 börsentechnisch nicht so negativ gestimmt. M.E. kommen wir dem Ende des Bärenmarktes zumindest deutlich näher.
Ich gehe davon aus, daß im Jahresverlauf die Chancen für IPO's allmählich steigen. Traditionell sind Technologiewerte die Ersten, die in einem frühen Bullenmarkt Favoriten sind. Somit dürften sich auch für Pro7 in der 2. Jahreshälfte Chancen ergeben, die Beteiligungen zu versilbern.
Bei Pro7 muß sich zeigen, ob der neue CEO in der Lage ist, der Aktie wieder zu beleben. Ich denke, er kann es, aber man wird sehen.
Fazit für mich : Ich habe meine Position bei Pro7 im Jahresverlauf immer wieder mal aufgestockt und bin recht zuversichtlich, meinen persönlichen Break-Even, der bei etwas über 10 € liegt, im kommenden Jahr nicht nur zu erreichen, sondern zu übertreffen.
PS: Statistisch gesehen sollen im Januar die Werte besonders gut performen, die im vergangenen Jahr besonders abgestraft wurden. Da Pro7 sicher nicht zu den Highflyern gehörte, könnte es technisch gesehen für die Aktie aus diesem Blickwinkel im Januar ganz gut aussehen.
https://www.deutschlandfunk.de/...ernahme-von-prosiebensat-1-100.html