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Ein Auszug von Arlette Yildiz. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.
Rückblickend erkenne ich, dass ich bereits mit fünfzehn Jahren eine erste Depression erlebte. Aber das merkte niemand. Mein innerer Rettungsplan damals: wenn es wirklich nicht mehr gehen würde, würde ich alle rezeptfrei zu erhaltenden Schlaftabletten in allen Apotheken in Winterthur, wo ich das Gymnasium besuchte, kaufen und mich dann umbringen. Dieses Versprechen, mich selber nicht unendlich leiden zu lassen, hat mir über lange Zeit das Leben gerettet, denn ich hatte einen Notausgang.
Die erste diagnostizierte Depression hatte ich dann 1998. Diese Phase ist mit zwei Erinnerungen verbunden: Lindt Milchschokolade und Zombies. Nur dank der Lindt Schokolade fühlte ich manchmal so etwas wie Freude, nämlich dann, wenn ich wieder eine Tafel davon in mich ‘reingeschlungen hatte und mutierte so vom Zombie, der nichts fühlte - zumindest am Tag, denn nachts hatte ich Panikanfälle - zum menschlich fühlenden Wesen. Eigentlich dachte ich vor dieser Episode, dass nicht-fühlen ein er- strebenswerter Zustand wäre. Es war Horror pur. Ich war wie ein Nichts - ein doppeltes. Denn als Nichts fühlte ich mich schon als Grundgefühl.
In seinem Buch «Revolution in Psychiatry» beschreibt Ernest Becker Depression als «wissentlich eingesperrte Alternativen». Das bedeutet, sobald wir ein verurteilendes Gespräch mit uns selbst führen, entfremden wir uns von dem, was wir wirklich brauchen, und wir können dann auch nicht entsprechend handeln, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Depression weist uns dar- auf hin, dass wir von unseren eigenen Bedürfnissen abgetrennt sind. Dieser Definition stimme ich zu. 1998 hatte ich noch wenig Ahnung von meinen seelischen Bedürfnissen. Ich wusste nur, dass ich zutiefst unglücklich und traurig über etwas Verlorenes war. Was ich verloren hatte, das sollte ich erst nach und nach erkennen.