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10.08.2015 – Die erneute Hitzewelle und anhaltende Trockenheit haben die Schweizer Gewässer auf tiefe Niveaus sinken lassen. Informationen zu Niedrigwasser, Waldbrandgefahr sowie weiteren Auswirkungen des Hitzesommers des Bundesamtes für Umwelt BAFU.
Die Wasserstände und Abflüsse der Schweizer Gewässer liegen gegenwärtig unter den jahreszeitlichen Normen. Insbesondere im Mittelland, im Jura sowie im Tessin führen viele kleinere und mittlere Fliessgewässer Niedrigwasser, einzelne kleine Fliessgewässer können sogar abschnittsweise trocken fallen. Aber auch grosse Fliessgewässer, wie beispielsweise die Aare, die Limmat, die Reuss und der Rhein weisen zurzeit einen sehr tiefen Abfluss auf. Auch an den Seen, insbesondere am Walen-, am Vierwaldstätter-, am Zürich-, am Zuger- sowie am Sarnersee, liegen die Pegel weit unter der jahreszeitlichen Norm. Die Pegelstände dürften in den nächsten Tagen weiter sinken, wobei infolge von Gewittern kleine und mittelgrosse Fliessgewässer kurzzeitig ansteigen dürften. Die Niedrigwassersituation wird sich insgesamt kaum entschärfen.
In den Alpen weisen die von Gletschern gespiesenen Flüsse mehrheitlich jahreszeitübliche Abflusswerte auf. An der Massa (VS) sowie im Oberlauf der Rhone sind die Abflüsse aufgrund der intensiven Gletscherschmelze sogar erhöht. Allgemein reagieren kleine und mittlere Fliessgewässer (ohne Gletscherspeisung) schneller auf ausbleibende Niederschläge und Temperaturschwankungen.
Grundwasserstände und Quellschüttungen sind derzeit mit weiterhin sinkender Tendenz zu verzeichnen, jedoch meist immer noch im Normalbereich. Ende Mai lagen aufgrund der vorangegangenen ergiebigen Niederschläge noch hohe Grundwasserstände und Quellschüttungen vor. Im Laufe der Monate Juni und Juli sanken diese infolge der anhaltend geringen Niederschlagsmengen kontinuierlich ab. Von den zwischenzeitlichen Niederschlägen konnten die Grundwasserleiter nur lokal und kurzfristig profitieren.
Während es im Hitzesommer 2003 bereits in der ersten Jahreshälfte ausserordentlich warm und trocken war, war es 2015 zu Beginn des Sommers recht regnerisch. Die diesjährige Hitzewelle hat im Juli begonnen und weil es im Unterschied zu 2003 im Frühjahr geregnet hat, ist die Ausgangslage vergleichsweise besser. Der Juli 2015 war jedoch auf der Alpensüdseite, im Engadin, im Wallis und in der Westschweiz der heisseste Monat seit Wetteraufzeichnung im Jahre 1864. Im Sommer 2003 war es hingegen vor allem in der ersten Augusthälfte wiederum sehr heiss. Nach aktuellen Vorhersagen wird der Sommer 2015, den Sommer 2003 in Bezug auf die Temperatur nicht erreichen, wird aber aller voraussichtlich der 2. wärmste Sommer seit 150 Jahren werden.
Aufgrund der Trockenheit kann es lokal Einschränkungen der Wassernutzung geben, dies vor allem an kleineren und mittleren Fliessgewässern sowie lokalen Grundwasservorkommen. Kantone und Gemeinden können Einschränkungen verfügen, etwa für die landwirtschaftliche Nutzung, oder auch Verbote und Wassersparaufrufe aussprechen. Dies ist in einigen Kantonen geschehen.
Mit einer flächendeckenden Wasserknappheit ist zur Zeit aber nicht zu rechnen. Als Wasserschloss Europas verfügt die Schweiz über grosse Wasserreserven. 80 Prozent des schweizerischen Trinkwassers werden aus Grundwasser gewonnen, das erst mit einer Verzögerung von Wochen bis Monaten und deshalb weniger akut auf Trockenheit reagiert.
Die Wasserreserven werden aktuell aber intensiv genutzt, sei es zur Deckung des Trink- und Brauchwasserbedarfs, für die landwirtschaftliche Bewässerung oder die Energieproduktion, für Freizeit und Erholung oder für die Abwasserbeseitigung.
Niedrige Wasserstände und hohe Wassertemperaturen wirken sich auch auf die Lebewesen im Wasser aus. Sehr hohe Temperaturen können bei Fischen zu Stresssymptomen und sogar zum Tod führen und erhöhen das Risiko von Erkrankungen. In Gewässern mit wenig Wasser kann die Temperatur rascher ansteigen, insbesondere wenn die Beschattung fehlt, vor allem vom Ufergehölze. Steigen in Gewässern die Temperaturen stark an, können die kantonalen Behörden die Fische beispielsweise ausfischent und in Flüsse mit mehr und kühlerem Wasser bringen. In naturnahen und vernetzten Gewässer können Fische kühlere Abschnitte aufsuchen. Das verdeutlicht die grosse Bedeutung von naturnahen und revitalisierten Gewässern.
Die Temperaturen der Fliessgewässer im Mittelland liegen aktuell über dem jahreszeitlichen Durchschnitt. An einigen Messstationen wurden neue Juli-Monatsmaxima oder gar neue absolute Maxima in den 30-40-jährigen Messreihen registriert. Flüsse, die durch Schneeschmelze und Gletscher gespiesen werden, bleiben generell kühler, weisen derzeit aber auch überdurchschnittliche Temperaturen aus.
Die grosse und anhaltende Hitze brachte die Eisriesen in den Alpen in den letzten Wochen stark zum Schwitzen. Entsprechend gross waren die Eisverluste: Gemäss Messungen büssten der Grosse Aletschgletscher und der Rhonegletscher in den letzten Tagen zwischen 6 und 8 cm pro Tag an Eisdicke ein. Diese intensive Gletscherschmelze wird sich auch in der nächsten Woche fortsetzen. Der Sommer 2015 wird wiederum ein starkes Schwundjahr für die Gletscher werden. Im Hitzesommer 2003 büssten die Schweizer Gletscher 3 bis 5 Prozent ihrer Massen ein. In diesem Sommer haben die Schweizer Gletscher anhand von Berechnungen aus den Gletscherabflüssen bis jetzt 1 bis 2 Prozent ihrer Masse verloren. Grosse, dicke Gletscher werden prozentual weniger verlieren als kleine und dünne Gletscher. Die definitive Bilanz für dieses Jahr kann erst anfangs Oktober aus den hydrologischen Daten errechnet und Ende Jahr aus den glaziologischen Messungen eruiert werden.
Das hängt von der Wetterentwicklung ab. Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um ein Wasserdefizit in den Böden und im Grundwasser wieder auszugleichen und damit sich die Abflussmengen in den Fliessgewässern wieder normalisieren. Kaltfronten können die Wassertemperaturen relativ rasch abkühlen, wie zum Beispiel Ende Juli. Die Waldbrandgefahr wird ebenfalls erst durch länger anhaltende Niederschläge eingedämmt.
Noch immer herrscht in Teilen der Westschweiz, im Wallis, im Tessin und in Graubünden sehr grosse Waldbrandgefahr. In der Ost- und Zentralschweiz ist sie noch gross. In verschiedenen Kantonen gelten noch immer Massnahmen wie Feuerverbote im Wald und in Waldesnähe, sowie absolutes Feuerverbot im Freien. Den Anweisungen der lokalen Behörden ist unbedingt Folge zu leisten. Das Bundesamt für Umwelt BAFU und die Kantone beobachten die Situation weiterhin.
Mehr Informationen zur aktuellen Waldbrand-Gefahrenlage in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein, sowie Verhaltensempfehlungen sind unter www.waldbrandgefahr.ch zu finden. Generell ist beim Umgang mit Feuer im Freien immer Vorsicht geboten.
Während bei anhaltend sonnigem Wetter wenig oder kein Wind weht, können aus Vorläuferschadstoffen hohe Ozonbelastungen (Sommersmog) entstehen. Auf der Alpennordseite liegen die Ozonstundenmittel - ähnlich wie in früheren Jahren - teilweise über dem Anderthalbfachen des Immissionsgrenzwertes, jedoch bisher nicht so hoch wie im Hitzesommer 2003. Auf der Alpensüdseite werden wesentlich höhere Werte erreicht als auf der Alpennordseite. Sie liegen über dem doppelten Immissionsgrenzwert. Empfindlichen Personen sollten intensive körperliche oder sportliche Betätigung auf die ozonärmeren Morgenstunden verlegen.
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