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Obwalden
|Gründung||25. November 1948|
|Präsident||Hans Spichtig-Hofer|
Bürgergemeinden, Korporationen, Teilsamen und Alpgenossenschaften im Kanton Obwalden
Der Kanton Obwalden – bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Unterwalden Ob dem Wald bezeichnet – ist mit einer Fläche von 491 Km2 ein mittelgrosser Kanton. Neben dem Hauptort Sarnen bilden weitere sechs Gemeinden, nämlich Alpnach, Kerns, Sachseln, Giswil und Lungern im sog. alten Kantonsteil oder landläufig im Sarneraatal sowie Engelberg als Exklave den Kanton; die Einwohnerzahl beträgt circa 37‘000 Einwohner (Stand 2015).
Die Anfänge der Besiedlung gehen in prähistorische Zeit zurück. Die frühesten Funde in unserer Region stammen auf dem 7. Jahrhundert v. Chr.
Obwalden war von Kelten und Römern besiedelt, bis sich ab 700 nach Christus Alemannen zwischen Brünig und Vierwaldstättersee niederliessen.
1291 beteiligte sich Obwalden zusammen mit Nidwalden an einem Landfriedensbündnis mit der Nachbarkantonen Uri und Schwyz, was zur Gründung der Eidgenossenschaft führte. Mit der Helvetik (1798-1803) verlor Obwalden vorübergehend die Eigenständigkeit, die Bevölkerung erlangte aber erstmals politische Rechte. 1815, also vor circa 200 Jahren, schlossen sich Kloster und Talgemeinde Engelberg Obwalden an.
Dr. Walter Omlin aus Sachseln beschreibt in seiner Schrift „Die Inkorporation der Obwaldner Bürgergemeinden nach Art. 100 KV“ Entstehung und Wesen der Bürgergemeinden:
Aus den früheren Grundherrschaften, die vor Ende des Mittelalters vollständig beseitigt wurden, entstanden die heutigen Gemeinden. Eine der wesentlichen Gründe für die Gemeindebildung war die Armenfürsorge, nachdem die Tagsatzung 1491 beschlossen hat, dass jeder Ort und jeder Flecken sowie jede „Kirchöre“ (Kirchgenossenschaft) seine armen Leute selbst nach jeden Vermögens erhalten solle.
Die Bildung und Entwicklung der Gemeinden wurde aber auch von der Kirche beeinflusst; die Kirchören haben neben Aufgaben kirchlicher Natur auch solche wahrgenommen, die heute als öffentlich-rechtliche bezeichnet werden. Die Kirchöre war jedoch nicht identisch mit den Nutzungseinheiten, den Teilsamen, Korporationen und Alpgenossenschaften; diese stellten innerhalb einer Dorfgemeinschaft eigene Gebilde dar.
Alle an der Landsgemeinde stimmfähigen und in der Gemeinde niedergelassenen, nutzungsberechtigten Personen bildeten die Kirchgenossengemeinde (später Bürgergemeinde); diese beaufsichtigte auch die Verwaltung des Korporationsguts.
Mit der Revision der Kantonsverfassung von 1867 wurde zum ersten Mal die Bezeichnung „Bürgergemeinde“ für die ehemalige Kirchgenossengemeinde genannt und es wurden verschiedene Kompetenzen von den Bürgergemeinden auf die Einwohnergemeinden übertragen.
Fortan wurden Lehrer, Pfarrer, Organisten u.a.m. nicht mehr von der Bürgergemeinde gewählt.
Die Kantonsverfassung von 1902 brachte schliesslich eine Trennung von Bürgergemeinde und Korporationen in personeller Hinsicht.
Die Bürgergemeinde umfasst alle in der betreffenden Gemeinde Heimatberechtigten ohne Rücksicht auf ihren Wohnsitz; sie regelt alle Angelegenheiten, die ihr durch die Gesetzgebung zugewiesen werden. Ihre Befugnisse sind die Aufnahme von Ausländern ins Gemeindebürgerrecht, Besorgung des Vormundschaftswesens für die im Kanton wohnenden Bürger, das Armenwesen für alle Gemeindebürger und die Aufsicht und die Verwaltung der Kapellen.
Im Laufe der Zeit wurden die ursprünglichen Befugnisse der Bürgergemeinden an die Einwohnergemeinden übertragen worden (Inkorporation); mit der vollständigen Übertragung der Befugnisse verzichtet die Bürgergemeinde auf ihre Rechtspersönlichkeit, löst sich also auf.
Diesen Prozess haben alle Bürgergemeinden im alten Kantonsteil – als letzte kürzlich die Bürgergemeinde Sarnen - vollzogen; in Engelberg dagegen besteht die Bürgergemeinde weiterhin.
Die im alten Kantonsteil bestehenden Korporationen, Teilsamen und Alpgenossenschaften werden als althergebrachte Einrichtungen des öffentlichen Rechts zur Verwaltung von Bürgergut anerkannt; sie dürfen nicht mit der Bürgergemeinde verwechselt werden, den sie sind ihrem Wesen nach reine Nutzungsgemeinschaften. Korporationen, Teilsamen und Alpgenossenschaften sind eigenständige, von der Gemeinde getrennte Rechtssubjekte.
Wald, Allmend und Alpen sind Gemeingut der Korporationen, Teilsamen und Alpgenossenschaften mit Ausnahme des bestehenden Güterrechts wie z.B. in Sachseln, wo der Alpboden der Korporation, die darauf stehenden Alpgebäude aber Privaten gehören.
Jede der sieben Gemeinden des Kantons Obwalden hat ihre Eigenheiten, die sich nicht nur in unterschiedlichen Dialekten – Lungern und Engelberg je eigenständig, in den übrigen Gemeinden durch Nuancen gekennzeichnet – sondern auch in ihrer Entwicklung manifestieren.
Engelberg als weltbekannte Tourismusdestination vorstellen zu wollen, wäre wohl Wasser in die Engelberge-Aa getragen. Bekannt ist auch die am Fusse des Titlis gelegene Benediktinerabtei, die bereits im Jahre 1120 durch Mönche gegründet wurde. Sarnen, die kürzlich die 10‘000er Grenze an Einwohnern überschritten hat und sich als Stadt bezeichnen könnte, ist der stolze Hauptort von Obwalden; von hier aus werden die Geschicke des Kantons bis hinein in die Gemeinden geleitet.
Wenn man Sachseln erwähnt, wird wahrscheinlich als Erstes der Name Bruder Klaus einfallen; wohl im gleichen Atemzug aber wird diese Gemeinde verbunden mit dem Mittelpunkt der Schweiz auf der Alp Aelggi und dem Lieferanten der Marsfahrzeugmotoren, der Firma „maxon motor“. In Sachseln befindet sich zurzeit auch der („wandernde“) Mittelpunkt des Schweizer Waldes.
Alpnach ist durch den Pilatus und die Pilatusbahn als steilste Zahnrad der Welt bestens bekannt, aber auch durch die beiden zu den grössten in der Schweiz gehörenden Wildbäche, die Grosse und die Kleine Schliere. Interessant ist dabei die Feststellung, dass die ausgedehnten Kahlschläge in den beiden Schlierentälern in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die unter anderem zur Finanzierung des überrissenen Kirchenbaus ausgeführt wurden, den Wildbachcharakter der beiden Schlieren extrem verstärkte. Im Zuge der laufenden Bachsanierung wurde 1904 der durch seinen harten Quarzsandstein bekannten Steinbruch Guber eröffnet; während früher viele Bachsperren aus diesem Fels erbaut wurden, ist der „Guber“ heute vorallem durch die „Bsetzi“steine bekannt, die so manchem historischen Platz ein besonderes Gepräge geben.
Die Gemeinde Kerns ist hauptsächlich bei Wintersportlern mit der Melchsee-Frutt im Gespräch; aber auch im Sommer bietet sie ausgedehnte Wander-Möglichkeiten. Die Sportbahnen Melchsee-Frutt sind der grösste Arbeitgeber der Korporation Kerns. Während der Saison sind bis zu 65 Mitarbeiter beschäftigt. Von Interesse sind sicher auch die laufenden Untersuchungen im ausgedehnten Höhlensystem im Karstgebiet der Melchsee-Frutt.
Die Gemeinde Giswil hatte stets durch die Wildbäche viel zu leiden. Im Jahre 1629 wurdeGiswil von der sog. „Laui“ mit Schutt und Geröll übersaart und der eigentliche Dorfkern unbewohnbar gemacht. Dies ist auch der Grund dafür, dass sich in Giswil später aus Angst vor weiteren Überschwemmungen kein eigentlicher Dorfkern mehr entwickeln konnte; vielmehr besteht die Gemeinde heute aus den drei getrennten Weilern Rudenz, Kleinteil und Grossteil.
Lungern liegt im obersten Teil des Kantons Obwalden auf 750 m.ü.M. am gleichnamigen idyllischen Bergsee und am Fusse des Brünigpasses; es ist das höchst gelegene Dorf im Sarneraatal.
Lungern ist neben dem charakteristischen, gemütlichen Dialekt auch geprägt durch die immer noch gepflegte Verwendung von „Übernamen“ oder Beinamen zur Kennzeichnung von Personen mit denselben Familiennamen wie etwa z‘„Zänzis“ oder z‘„Ohräringlers“.
Der Kanton Obwalden hält noch so manche Überraschungen bereit, die zu entdecken es sich alleweil lohnt, seien es die liebliche Gegend um den Sarner- und Lungerersee, eingebettet in sanft ansteigende Berge oder das Klosterdorf Engelberg, umrahmt von majestätischem Gebirge.