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Bei St. Jost auf dem Raten, St. Verena oberhalb von Zug sowie der Dreifaltigkeits-kapelle in Mittenägeri lebten während Jahrhunderten Einsiedler.
Welche Aufgaben hatten die Eremiten, die einst hier lebten?
Aufgabe der Eremiten war es, die Kapelle zu hüten und die Einsiedelei in Stand zu halten, die Betglocke zu läuten, den Alpsegen zu rufen, und zwar den Sommer hindurch um 6 Uhr abends, und schliesslich die vorbeiziehende Pilger zu betreuen.
Die 1654 geweihte heutige Kapelle befindet sich auf dem höchsten Punkt des Pilgerwegs vom Ägerital nach Einsiedeln. Auf dem Altar steht in einer vierfach gestuften Wolkengloriole eine Kopie des dortigen Gnadenbilds: der Einsiedler Madonna. Links davon ist der hl. Jost zu sehen; er ist (zusammen mit dem hl. Jakobus) der Schutzpatron der Pilger. Rechts von der Muttergottes steht der hl. Wendelin; er gilt als Schutzpatron der Hirten und Bauern.
Das älteste Zeugnis der Zuger Wallfahrt nach Einsiedeln datiert vom 31. Juli 1426. Darin ist festgelegt, dass es zu den Pflichten des Stadtpfarrers von Zug gehöre, jährlich am Auffahrtstag eine Prozession nach Einsiedeln durchzuführen. Diese Tradition bestehe schon seit altersher. Und schon 1479 findet sich ein Hinweis auf eine Kapelle auf dem höchsten Punkt des Wallfahrtswegs von Zug nach Einsiedeln.
Seit Anfang des 17. Jahrhunderts gibt es auf St. Jost auch eine Einsiedelei. Der erste Eremit, Hans Merz, wohl aus Ägeri, verstarb dort 1625. Der letzte, Josef Huber, alias Bruder Benedikt, der aus dem Aargau stammte, verliess St. Jost 1883. Weil die Zeiten und, wie der Kirchenrat von Oberägeri damals schrieb, vor allem die Verkehrswege sich total verändert hatten, bestand in der Folge kein Bedürfnis mehr nach einem Eremiten. Und da auch der Lebenswandel der letzten Einsiedler zum Teil zu wünschen übrig liess, war der Oberägerer Pfarrer sogar froh über das Ende der alten Tradition und befand: "Aussterben ist da Gewinn."
Aus der seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Innerschweizer Eremitenkongregation, zu der auch die verschiedenen Eremiten im Zugerland gehörten, wurde 1907 - lange nach dem Wegzug des letzten Eremiten von St. Jost - eine Vereinigung von Barmherzigen Brüdern. Sie führte ab 1909 das Franziskusheim in Oberwil als Nervenheilanstalt für katholische Männer. Daraus ist die heutige Psychiatrische Klinik Zugersee entstanden.
Geschichten
Bildergalerie
Standort
Weiterführende Informationen
- Josef Grünenfelder, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, NA I, Basel 1999, S. 302-305.
- Renato Morosoli, »... und den Barth soviel möglich wachsen lassen«. Eremiten und Einsiedeleien im Ägerital, in: Tugium 20/2004, S. 147-173, beso. S. 148-151.
- Benedikt Hegner, Die Wallfahrt des Standes Zug nach Einsiedeln, in: Zuger Kunstgesellschaft (Hrg.), Unterwegs. Religion in Kunst und Brauchtum, Katalog Kunsthaus Zug 1984, o. S.