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Leider ja - und zwar sehr viele. Am letzten Freitag hatte ich 56 Anrufe von Leuten, die draussen abgemagerte, untergewichtige Igel gefunden hatten. Dass es dieses Jahr so viele Igel gibt, die zu dieser Jahreszeit noch nicht mit ihrem Winterschlaf begonnen haben, liegt daran, dass der November so warm war. Deshalb gab es viele späte Würfe, einige Jungtiere sind erst ein paar Wochen alt.Warum gehen diese Igel nicht vor dem Kälteeinbruch in den Winterschlaf?
Die Igel, die noch draussen sind, sind entweder untergewichtig - wie eben diese Jungigel - oder krank.Wie sollte man reagieren, wenn man im Winter auf einen Igel trifft?
Wer jetzt tagsüber einen Igel findet, sollte ihn unbedingt ins Haus nehmen und ihn mit der Küchenwaage wiegen. Tiere, die nicht mindestens 600 Gramm auf die Waage bringen, müssen zum Tierarzt.Und wenn er genügend Winterspeck hat?Liegt das Gewicht des Tiers über 600 Gramm, ist der Igel in der Lage, den Winterschlaf unbeschadet zu überstehen. Dann rate ich, den Igel in eine mit Zeitungspapier ausgelegte Schachtel zu setzen, ein Loch zu machen, damit der Igel raus kann, und einen Kehrichtsack darüber zu stülpen, damit es trocken bleibt. Diese Schachtel wird dann am Abend draussen an einem geschützten Plätzchen in der Nähe des Ortes hingestellt, wo man den Igel gefunden hat. Man kann dem Igel dieses Nest anbieten. Wenn er irgendwo eine bessere Behausung hat, wird er nicht da bleiben. Aber falls nicht, wird er die Kartonschachtel als Winternest annehmen. Gibt es weitere Anzeichen, die darauf hinweisen, dass ein Igel Hilfe braucht?Die Form eines Igels sagt ebenfalls viel über seinen Gesundheitszustand aus. Ein Igel muss, wenn er läuft oder steht, rundlich wirken. Ist er eher länglich oder sieht man seine Hüftknochen, sollte man ihn reinnehmen und eine Fachstelle oder einen Tierarzt kontaktieren.
Mit Katzen-Trocken- oder Nassfutter. Und ganz wichtig: Der Igel braucht immer Wasser.Was sind die grössten Fehler, die man machen kann?
Es gibt drei Mythen, die sich rund um den Igel hartnäckig halten: Dass er Wald, Äpfel und Milch mag. Doch der Igel lebt nicht im Wald und will auch nicht dort ausgesetzt werden. Äpfel isst er höchstens, wenn er sehr grossen Hunger hat. Aber der Igel ist kein Vegetarier. Und Milch ist für den Igel unverträglich.Fällt es den Leuten teilweise schwer, den Igel wieder auszuwildern?Ja, erst kürzlich hat mich eine Frau angerufen, deren Igel inzwischen 700 Gramm schwer war. Ich erklärte ihr, wie sie ihn mit einer Kartonschachtel auswildern soll, als sie meinte: «Es ist traurig, dass der Igel draussen so kalt haben muss.» Doch die Kälte macht dem Igel nichts aus, er schläft ja, so will es die Natur. Wenn er gesund ist und genügend Winterspeck hat, überlebt er den Winterschlaf. Einen Igel zu überwintern, bedeutet nicht, ihn bis im Frühling durchzufüttern, sondern sich nur solange um ihn zu kümmern, bis er in der Lage ist, den Winter selbst zu meistern. Igel sind Wildtiere, die nach spätestens drei Wochen wieder ausgewildert werden müssen. Ausser er ist krank, aber dann gehört er zum Tierarzt oder in die Igelstation.