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Ein Spitzenplatz lag im teuren Wettstreit der beiden Clubs aus Manchester nicht drin. Aber immerhin hat das viertplatzierte Manchester City einen Champions-League-Platz fast auf sicher, während United sich wohl mit der Europa League abfinden muss.
Es wäre jetzt interessant gewesen, zu wissen, ob Pep Guardiola sich auf der Meisterfeier des FC Bayern am Sonntagnachmittag über das Ergebnis seines zukünftigen Klubs Manchester City informiert hat. Parallel zu den Festlichkeiten auf dem Münchner Rathausbalkon beendete City die Spielzeit bei Swansea City. Das 1:1 war gerade mal gut genug, um den vierten Platz, der zu den Playoffs für die Champions League berechtigt, vor Manchester United zu schützen. Bei drei Punkten Rückstand in der Tabelle auf City müsste United die noch ausstehende Partie gegen den AFC Bournemouth mit 19:0 gewinnen, um noch einmal Bewegung in die Tabelle zu bekommen.
«Ein unglaublich echt wirkender Sprengsatz» hatte dafür gesorgt, dass Old Trafford kurz vor Spielbeginn evakuiert werden musste. Bei einer Übung mit Sprengstoffsuchhunden soll ein verdächtiges Paket vergessen worden sein. Ein Nachholtermin ist noch nicht festgelegt, an Uniteds Herabstufung in die Europa League ändert sich jedoch nichts mehr. Champions-League-Qualifikation und Europa League heissen die Preise für Manchester, deren Vereine in den vergangenen Spielzeiten jeweils mehr Geld für neues Personal ausgegeben haben als jeder andere europäische Spitzenklub.
Finanzielles Wettrüsten
Das Duell um die Vorherrschaft in der Stadt hat sich seit der Übernahme Citys im Sommer 2008 durch Scheich Mansour zu einem finanziellen Wettrüsten entwickelt. Das bis dahin dem Schicksal ergebene City hat sein fatalistisch angehauchtes Dasein, das die Vereinshymne «Blue Moon» am besten darstellt, abgelegt. In einer Liedzeile heisst es: «We are standing alone, without a dream in my heart.» Alleine und ohne Hoffnung standen die Citizens am Saisonende tatsächlich meistens da, weil der grosse Bruder bei der Trophäenverteilung nichts übrig liess.
Aufgespritzt und abgesichert vom Vermögen des Klubeigentümers hat City nach dessen Ankunft bis in die Gegenwart mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler auf den Markt geworfen. Spielend leicht entfernten sich die Himmelblauen in dieser Hinsicht von der Konkurrenz. Mit horrenden Ablösesummen für qualitativ durchschnittliche Spieler ruinierten sie sich aber selber die Preise. Der Verdacht kam auf, dass City kaufte, was sich im Weg befand. Sportlich entwickelt sich der Verein seit dem Meistertitel von vor zwei Jahren nämlich rückläufig.
Mit Guardiola zurück auf den Boden
Die grösste Errungenschaft dieser Zeitspanne ist nicht etwa der Titelgewinn in einem landesübergreifenden Wettbewerb, sondern die Verpflichtung Guardiolas. Die Citizens verbinden mit dem katalanischen Trainerguru die Hoffnung zur Bodenständigkeit. Es ist genug mit der Masslosigkeit, finden sie. Keinem ist es in der grauen Industriestadt verborgen geblieben, dass der Klub seiner eigenen Stadt – sprich den Menschen – entschwebt ist. Geld im Überfluss zu haben, mag Probleme lösen, bringt aber auch neue mit sich.
Das erstmalige Erreichen des Halbfinals in der Königsklasse beschafft dem europäischen Spitzenfussball keinen neuen Mitspieler, sondern eine Warnung. City trat die grundlegenden Werte eines Vereins mit Füssen, als sich die Spieler nach dem Aus gegen Real Madrid nahezu grusslos von ihren Fans verabschiedeten. Identifikation baut sich dort auf, wo Profis den eigenen Arbeitgeber repräsentieren. City trägt bis jetzt das Emblem einer Station, in der Spieler auf der Zielgerade ihrer Karrieren viel Geld für wenig Leistung verdienen.
United zum Umdenken gezwungen
Die Suche nach sich selbst löste bei Manchester United der Abtritt von Sir Alex Ferguson im Sommer 2013 aus. Das eigene Selbstverständnis, das von Trophäen in kurzen Abständen lebte, erzeugte nach einer erfolglosen Saison unter Leitung des unscheinbaren David Moyes, eine beinahe hektische Ungeduld, die der Klub nach dem Trainerwechsel zu Louis van Gaal mit Einkäufen beruhigen wollte. Der 75 Millionen Euro teure Aussenbahnstürmer Angel di Maria avancierte dabei nicht zum Heilsbringer, sondern veranlasste die Verantwortungsträger des Klubs zum Umdenken.
Van Gaal fing an, in der Akademie nach talentierten Nachwuchskräften Ausschau zu halten. In seiner zweijährigen Amtszeit hat er nun 14 Jungprofis das Debüt in der Premier League ermöglicht. An der Spitze werden Marcus Rushford und Jesse Lingard viel versprechende Karrieren prognostiziert. Beide stammen aus Greater Manchester; sie sind mit der «class of 92» aufgewachsen. Dieser Begriff steht für das glorreiche Ferguson-Team um die Eigengewächse Paul Scholes, Nicky Butt, Gary und Phil Neville. ManUnited wird sich immer auch über kostspielige Zukäufe definieren, um das Dasein eines Branchengiganten zu wahren, aber das Skelett des Kaders sollte für den nachhaltigen Erfolg die Gepflogenheiten des Standortes kennen.
Hoffnung auf den Nachwuchs
Der neu eingeschlagene Weg von United birgt zwar die Gefahr, bei nicht ausreichendem Talent der hochgezogenen Spieler weiter von der Spitze abgehängt zu werden. Momentan sieht es aber eher danach aus, dass sich eine neue Generation den Weg nach oben freischaufelt. Der Kontrast zu City würde grösser werden, es sei denn, Guardiola läuft ab Juli über die symbolische Brücke, die City extra bauen liess, um die Profiabteilung mit dem Nachwuchs zu verknüpfen.
Feststeht, dass sich das City-Team zum Start der kommenden Saison verändern wird. Schon Anfang Februar, direkt nach Guardiolas Verpflichtung, hat Yaya Toure als Erster seinen Abgang verkündet. Der Altersschnitt der Abwehrkette um Kapitän Vincent Kompany liegt bei über 30 Jahren. Eine Verjüngung des gesamten Kaders ist nicht zu vermeiden. Einen Vorgriff haben die Vereinslenker um Sportdirektor Txiki Begiristain mit den kostspieligen Verpflichtungen der Angreifer Kevin de Bruyne und Raheem Sterling im vergangenen Sommer schon getätigt.
Zu einer Generalüberholung hat sich der zurücktretende Trainer Manuel Pellegrini nie durchringen können. Selbst in seinen letzten Tagen bei City vermied es Pellegrini, sich mit unpopulären Massnahmen den Ärger einiger Profis zuzuziehen. Die Chance aufs Finale in der Champions League vercoachte der Chilene unter anderem damit, indem er den unfitten Toure nach einer Verletzung in die Startelf beförderte. Zum Abschied überreichte Manuel Pellegrini den Fans nach dem Spiel gegen Swansea sein Sakko. Es ist das einzige, was von ihm neben der Meisterschaft 2014 bei Manchester City übrig bleiben wird. Die Sicherung von Rang vier in dieser Saison ist letztlich nur die Abwendung eines Desasters.