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In meiner Arbeit gelang es mir zu zeigen, dass in unserer Kultur ein Ideal der Kontrolle vorherrscht, wenn auch immer wieder unserer Freiheit und unserer liberalen Haltung das Wort geredet wird. Die Kontrolle hat sich lediglich verschoben bzw. wurde derart internalisiert, dass sie z.T. nicht mehr bewusst wahrgenommen wird. Dieses Ideal läuft vor allem Personen mit Beziehungsorientierung zuwider. Dies trifft z.B. für viele Frauen zu. Ihnen wird einerseits die Möglichkeit eines unabhängigen Lebens vorgegaukelt (wenn sie nur genügend schlank sind), gleichzeitig werden sie aber stärkeren sozialen Normen unterworfen. So gleicht die Widersprüchlichkeit ihrer Situation derjenigen ihrer Krankheit. Weiter zeigte ich, dass Schlankheit ein Mittel ist, um die Kontrolle (über den Hungertrieb) bzw. die eigene Willenstärke zu visualisieren. Ich zeigte, dass die Anorexiefülle zunehmen, wenn eine schlanke Figur gefragt ist, aber dass dies immer auch mit der politischen Situation zusammenhängt (z.B. wenn Frauen mehr Rechte verlangen). Dass junge Frauen besonders gefährdet sind zu erkranken, weil sie sich in einer schwachen Position befinden, lässt sich mit ethnologischer, soziologischer wie auch psychologischer Literatur belegen. Ich fand für meine Arbeit viele fruchtbare Theorien und Überlegungen in der Literatur verschiedener Fachrichtungen. Mir scheint die Ethnologie besonders geeignet zu sein, um Ideologien zu durchschauen, da der ethnologische Blick, wenn er auf die eigene Gesellschaft angewendet wird, vermeintlich Natürliches entlarvt. Im Zusammenhang mit der Anorexie fand ich es besonders wichtig, dass Kranke nicht als ausserhalb der Gesellschaft stehend betrachtet werden, sondern dass Krankheiten (insbesondere ethnische Störungen) Aussagen über die Gesellschaft erlauben. Dazu fand ich das Bild, dass die Gesellschaft analog zum anatomischen einen sozialen Körper bildet, aufschlussreich.
27.10.97/hb