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Ombudsfall: Sprachsensible «Comedy Talent Show»
Die Beiträge von Lisa Christ und Renato Kaiser in der «Comedy Talent Show» seien «unsittlich» und «primitiv» gewesen, findet ein Beanstander. Die Ombudsstelle kommt jedoch zum Schluss, dass es sich eher um Beiträge zur (Sprach-)Sensibilisierung handelt, als um Verstösse gegen das Radio- und Fernsehgesetz.
Das Satireformat «Comedy Talent Show», mit Lisa Christ als Moderatorin, bietet in erster Linie noch nicht so bekannten Comedians und Newcomerinnen eine Plattform. Aber auch für gestandene Komikerinnen und Komiker ist es eine Gelegenheit, sich mit ihren Nummern dem Fernsehpublikum zu präsentieren.
In der Sendung vom 13. September 2020 war unter anderem der Satiriker und Preisträger des Salzburger Stiers Renato Kaiser zu Gast. Er sprach darüber, dass das Wort «Sextäter» als Bezeichnung für jemanden, der eine Vergewaltigung begangen hat, kein adäquater Begriff sei. Denn «Sex» mache auch er, also sei auch er ein «Sextäter»; aber das sei er doch eben genau nicht, denn «Sextäter» hätten nicht «Sex», sondern begingen eine Vergewaltigung; und das tue er nicht.
Weiter wurden Aussagen der Moderatorin Lisa Christ in derselben Sendung moniert. Christ sprach über unrealistische Darstellungen von Sex in Spielfilmen.
Die Auftritte von Kaiser und Christ befand ein Beanstander für «primitiv». Comedy habe eher lustig zu sein, oder zumindest so, dass man sich dafür nicht zu schämen brauche, schreibt er weiter. Er wünscht sich, dass ein «gewisses Niveau» nicht unterschritten und «undiskutable Inhalte nicht als künstlerische Werke» verstanden werden sollten.
Schwer nachvollziehbare Kritik
Die Redaktion weist in ihrer Stellungnahme zunächst darauf hin, dass es sich bei der «Comedy Talent Show» um ein Satireformat handle. Die Satire wiederum übersteigert, verfremdet oder banalisiert die Wirklichkeit, karikiert sie oder macht sie lächerlich. Zentral ist nach Meinung der Redaktion, dass der satirische Charakter für das Publikum erkennbar ist. Beim Format «Comedy Talent Show» sei dies klar der Fall. Der Beitrag von Renato Kaiser zum Begriff «Sextäter» sei ausserdem weder unsittlich noch primitiv, sondern ein Diskussionsbeitrag zur Sensibilisierung der Sprache.
Verständliche Empfindung
Die Ombudsstelle folgt bei der Beurteilung von Renato Kaisers Beitrag der Einschätzung der Redaktion. Auch sie empfindet seinen Auftritt in keiner Weise als unseriös, peinlich oder unsittlich.
In Bezug auf den Beitrag von Moderatorin Lisa Christ (vom Beanstander wahrscheinlich missverständlicherweise als «Moderatorin Michelle Kalt» bezeichnet) hebt die Ombudsstelle hervor, dass man den Auftritt durchaus als unmoralisch empfinden könne. Lisa Christ nahm die Romantik von Sexszenen in Hollywood-«Schnulzen» aufs Korn. Diese entsprächen in keiner Weise der Realität. In der Folge beschrieb Lisa Christ unmissverständlich explizit «Begleiterscheinungen» beim Sex, die man, nach Auffassung der Ombudspersonen, je nach persönlichem Empfinden als unanständig und primitiv wahrnehmen könne. Es sei jedoch kein Verstoss gegen die Menschenwürde, weshalb die Ombudsstelle die Beanstandung nicht unterstützen kann.
Text: SRG.D/lh
Bild: Illustration Cleverclip/SRG.D
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