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Ashkira Darman (Audio folgt bald...)
TRIGGERWARNUNG: Der folgende Beitrag enthält Quellenzitate, die sich rassistischer Sprache bedienen.
Für das Haus am Neumarkt 22 ist der Name “Zum kleinen Mohr” ab 1671 belegt. Laut Susan Arndt und Nadia Ofuatey-Alazard, den beiden Verfasserinnen des Sachbuchs “Wie Rassismus aus Wörtern spricht”, ist der Begriff “M***” “die älteste deutsche Bezeichnung, mit der Weisse Schwarze Menschen als anders konstruiert haben”. Im Verlauf seiner Geschichte ist er zunehmend negativ konnotiert worden. Während er im Mittelalter noch von einer gewissen Mehrdeutigkeit geprägt war, diente er im späteren Verlauf mehrheitlich dazu, die damit bezeichneten Menschen herabzumindern. Spätestens ab dem 20. Jahrhundert überschnitt sich seine Bedeutung mit jener des N-Wortes. Gleichzeitig zu dieser Bedeutungsverschiebung hin zum eindeutig Negativen rückte auch die Behauptung ins Zentrum, dass die Hautfarbe angeblich wesenhafte und hierarchische Unterschiede zwischen den Menschen zeige .
Doch nicht nur der im 17. Jahrhundert dokumentierte Name verbindet das Haus mit dem Begriff des “M***” und der damit einhergehenden Figur, sondern auch das wesentlich jüngere Wandbild, das an seiner Fassade prangt. Es stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und wurde als Werbebild für eine damalige Bäckerei gemalt, die sich im Haus befand. Abgebildet ist ein junger, Schwarz gezeichneter Mann im Schneidersitz, der stereotype und rassistische Merkmale aufweist, welche damals Schwarzen Menschen zugeschrieben wurden und in Darstellungen stark verbreitet waren. Er wurde mit spezifischen Attributen, wie goldenem Ohrring und Speer, ausgestattet. Der grüne Grund und die Pflanzen neben ihm sollen andeuten, dass er sich in der Natur befindet. Begeistert schaut er auf eine goldfarbene Brezel in seiner linken Hand. Auf der rechten Seite steht ein Korb, der mit weiteren Produkten aus der Bäckerei gefüllt ist.
Dieses Motiv lag im Trend der Zeit. In der damaligen Werbeindustrie gehörten rassistische Darstellungen Schwarzer Menschen – darunter auch die eben beschriebene Figur des angeblich “primitiven M***” – zur populären Bilderwelt. (vgl. Station Bahnhof Wiedikon) Sie sollten das vermeintlich “Exotische” und “Fremde” symbolisieren und wurden häufig als primitiv und in einer dienenden Haltung abgebildet, was schliesslich die koloniale Ordnung festigen sollte.
Aus Sicht der Zürcher Bäckerfamilie mag die Andeutung von Exotik und luxuriösen Kolonialwaren die Backwaren zu etwas Besonderem gemacht haben und verdeutlicht ausserdem, wie die moderne kapitalistische Konsumkultur und die damit einhergehende rassistische Denkweisen die Schweiz und ihre Bevölkerung durchdrangen.
Auf diese Verbindung zwischen dem Namen des Hauses, seinem Wandbild und seiner heute wie im 19. Jahrhundert klar rassistischen Bedeutung wies im Mai 2020 auch das Kollektiv “Vo Da” hin und forderte die Stadt Zürich in einem offenen Brief dazu auf, dieses, sowie zwei weitere, betroffenen Häuser, umzubenennen und die rassistischen Darstellungen zu entfernen. Daraufhin entschied der Zürcher Stadtrat im April 2021, dass koloniale und rassistische Zeichen im Stadtraum entfernt oder kontextualisiert werden sollen. Dies ist ein weiterer kleiner, jedoch wichtiger Schritt im Kampf gegen Rassismus.
Quellenverzeichnis:
Weiterführende Literatur: