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Hans Erni arbeitete nicht nur viel, er arbeitete auch vielseitig. Waren es in jungen Jahren noch abstrakte Gemälde, die an Braque oder Hans Arp erinnerten, entstand 1939 das 91 Meter lange Wandgemälde «Die Schweiz, das Ferienland der Völker» – das berühmte Landi-Gemälde.
Erni beliess es nicht beim Malen
Danach tat Erni, was man im Wirtschaftsjargon mit «diversifizieren» beschreiben würde: Statt beim Gemälde zu bleiben, betätigte sich Erni in den kommenden Jahrzehnten in ganz unterschiedlichen Kunstsparten – und gestaltete Kirchenfenster ebenso wie Flugzeuge.
Sieben Bereiche aus dem Universum Hans Erni
Der Avantgarde-Künstler
Das Wandbild «Die Schweiz, das Ferienland der Völker» begründete Hans Ernis Karriere – und zugleich auch das Naserümpfen der Kunstkritik. Erni war den Kritikern zu populär und gegenständlich. Aber er konnte auch anders: In den 1930er-Jahren schuf er abstrakte Gemälde, die – ganz im Zeichen der Zeit – kubistisch oder surrealistisch anmuteten. (Bild: ein Gemälde aus der Serie «Komposition» von 1935).
Der Briefmarken-Künstler
Briefeschreiber dieser Welt hatten immer mal wieder einen Erni auf der Zunge: Ab 1969 gestaltete er drei Briefmarkenserien für das Fürstentum Liechtenstein. Aber auch für die Uno und die Schweiz entwarf er Briefmarken – über 200 kamen insgesamt zusammen. Berühmt ist etwa die Porträtserie von 1972 mit Zeichnungen von Alberto Giacometti, Charles F.Ramuz, Le Corbusier und Albert Einstein. 2009, zu Ernis 100. Geburtstag, erschienen wiederum zwei Marken (Bild).
Der Kirchenfenster-Künstler
Was Chagall kann, kann auch ein Erni: Wie der russische Künstler gestaltete auch Hans Erni Kirchenfenster für die Stadt Zürich. Statt für die Fraumünster-Kirche jedoch für die Ökumenische Kirche im Sihlcity-Center – der Kapelle des Einkaufszentrums. Das 2007 eingeweihte Glasfenster heisst «Evolution» (Bild).
Der Medaillen-Künstler
Die Bartgeier-Medaille für den Tierpark in Goldau, die Weltmeisterschaft-Medaille für die Ruderer, die Zirkus-Knie-Medaille, die Uno-Medaille für das Internationale Jahr des Waldes – bei gewichtigen Anlässen durfte es schon mal ein Erni sein. Er gestaltete rund 25 Entwürfe für Medaillen (und erhielt auch selbst eine: die Ehrenmedaille für sein Lebenswerk).
Der Plakat-Künstler
Immer wieder trat Hans Erni als Plakatkünstler hervor: Bereits 1927 entwarf er das erste Plakat, bis zu seinem Lebensende sollten über 300 folgen. Einerseits gestaltete er Ausstellungs- und Werbeplakate (etwa für die SBB), aber immer wieder auch politische Plakate: Er engagierte sich für die AHV, das Frauenstimmrecht, die Uno-Mitgliedschaft oder für den Umweltschutz («Rettet die Luft», siehe Bild).
Der Flugzeug-Künstler
Ein Pilatus-Flugzeug ganz im Erni-Design: Zum 75. Jubiläum liessen sich die Pilatus Flugzeugwerke AG nicht lumpen und konnten Hans Erni für sich verpflichten: Er gestaltete 2014 das Farbschema für das neue PC-12 Demoflugzeug – königsblau, verziert mit Pferden, Friedenstauben und einem Pegasus. Laut Mitteilung von Pilatus soll das Flugzeug jedoch ein Unikat bleiben.
Der Dosen-Künstler
Hans Erni hat für zum 100-jährigen Bestehen der Krebsliga Schweiz eine Bisquit-Dose gestaltet. Und auch bei der Schweizer Gebäcksmarke Kambly prangte einst Ernis berühmte Friedenstaube auf dem Deckel. In Zeiten von Kunstvermarktung nur konsequent: Die «Mona Lisa» auf der Kaffeetasse, ein Monet auf dem Mousepad – und ein Erni auf der Guetzli-Box.