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Die brasilianische Batista Familie gründete und kontrolliert den Fleischkonzern JBS, einer der grössten Lebensmittelkonzerne der Welt. JBS war in den letzten Jahren der weltweit grösste Produzent und Verpacker von Fleisch. 2020 war JBS nach Umsatz das zweitgrösste lateinamerikanische Unternehmen und ist in 190 Ländern aktiv. Mehr als die Hälfte seiner Einnahmen macht der Konzern mit Geschäften in den USA. Die Batista Familie besitzt knapp 40 Prozent der Anteile an JBS. Derzeit wird das Vermögen der Familie auf 7,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Die Batista Familie kontrolliert über ihre Holding J&F Investimentos noch kleinere brasilianische Unternehmen:
- Banco Original: Eine Bank.
- Canal Rural: Ein Fernsehsender.
- Âmbar Energia: Ein Stromerzeugungsunternehmen.
- Flora: Ein Kosmetik- und Reinigungsmittelhersteller.
- Eldorado Brasil: Ein Zellstoffhersteller.
- PicPay: Ein Fintech-Unternehmen.
JBS sorgte für viele Skandale und ist ständig mit Behörden im Konflikt. JBS hat viele Politiker bestochen. Ein JBS-Manager sagte aus, der Konzern habe mehr als 1800 Politiker aus insgesamt 28 Parteien bestochen. Eine Zeit lang war etwa ein Drittel des brasilianischen Kongresses von der Fleischfirma geschmiert. JBS ist berüchtigt dafür, staatliche Fleischverträge, also staatliche Gelder, zu ergattern. Die staatliche Brasilianische Entwicklungsbank (BNDES) versorgt JBS mit zinsgünstigen Krediten und besitzt derzeit 21 Prozent der Anteile an JBS. Staatliche Banken gewährten auch illegale Kredite an JBS. Seine erste Fleischfabrik in den USA erwarb JBS im Jahr 2007 mit Hilfe von illegalen Krediten aus Brasilien. JBS wird verdächtigt, mit Cargill und Tyson Preisabsprachen zu treffen (die drei Konzerne kontrollieren den Löwenanteil der Fleischindustrie in den USA). In einer 2016 eingereichten Klage wird behauptet, dass JBS und andere Geflügelunternehmen absichtlich Herden von Zuchthühnern vernichtet haben, um das Geflügelangebot zu reduzieren und damit eine 50-prozentige Erhöhung des Grosshandelspreises für Masthähnchen zu bewirken. (Quelle: 1, 2, 3)
Henrique Meirelles war Vorsitzender der Holding der Batista Familie. Er war von 2003 bis 2010 Präsident der brasilianischen Zentralbank und zwei Jahre lang Finanzminister. Er arbeitete für die US-amerikanischen Finanzkonzerne Lazard und KKR. Er ist Mitglied des Weltwirtschaftsforums (WEF).
JBS bestach Gesundheitsbehörden und Lebensmittelinspektoren, damit sie den Verkauf und Export von kontaminiertem Fleisch genehmigen. Es wurden Chemikalien beigemischt, um den Fäulnisgeruch des Fleisches zu verbergen. JBS verstösst gegen Arbeitssicherheit und weitere Arbeitsgesetze. Im Jahr 2014 wurde JBS beispielsweise mit einer Geldstrafe belegt, weil es Mitarbeiter gezwungen hatte, bis zu 20 Stunden am Tag zu arbeiten, und ihnen von Maden befallenes Fleisch serviert hatte. JBS beutet auch viele Bauern aus, die Zulieferer des Konzerns sind. In der Lieferkette von JBS finden sich Zwangsarbeit und sklavenähnliche Bedingungen. Es wird geschätzt, dass in Brasilien über 150 000 Menschen in moderner Sklaverei gefangen sind. (Quelle)
Für die Tierhaltung von JBS und seiner Zulieferer wird Regenwald abgeholzt. Hinzu kommen grosse Agrarkonzerne, die Tiernahrung für JBS produzieren und dabei ebenfalls Regenwald roden. Umweltschützer sehen JBS als einer der Hauptübeltäter bezüglich der Abholzung des Amazonas an. (Quelle) Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA sagte, dass 84 Prozent der Tiere, die man als aus abgeholzten Gebieten stammend erkannt hat, von JBS gekauft wurden (Quelle). 2019 wurde Jair Bolsonaro Präsident von Brasilien, der die Interessen der Viehzüchter und der Agrarindustrie vertritt. In den 8 Monaten nach Bolsonaros Amtsantritt verdreifachte sich der Aktienkurs von JBS (Quelle). Laut einer Studie übertrifft der CO2-Fussabdruck von JBS den von Ländern wie Italien (Quelle).
Wesley und sein Bruder Joesley Batista (beide Milliardäre) willigten 2017 ein, die Bestechungen von Politikern zu gestehen. Sie bekamen eine Kronzeugenregelung, die sie vor dem Gefängnis bewahrt hat. Als Gegenleistung lieferten sie den Ermittlern einen grossen Fisch, nämlich den damaligen Präsidenten Michel Temer. Joesley Batista traf Präsident Temer und hatte ein Aufnahmegerät versteckt dabei. Batista erzählte dem Präsidenten von seinen kriminellen Aktivitäten, worauf Temer erwiderte: „Sehr gut, sehr gut“. Batista erzählte ihm, dass man dem Ex-Vorsitzenden des Parlaments, der wegen Korruption im Gefängnis sitzt, Schweigegeld zahle, was Temer ebenfalls wohlwollend kommentierte. Batista, der das Gespräch heimlich aufgenommen hatte, brachte die Aufnahme zur Polizei. Da die brasilianische Öffentlichkeit erfuhr, dass ihr Präsident und viele ihrer Politiker korrupt sind, kam es zu einer politischen Krise. (Quelle) Die Batista-Brüder mussten nicht ins Gefängnis, aber ihr Konzern musste eine Rekordstrafe von 10,3 Milliarden Real zahlen. Bereits wenige Monate nach dem Vergleich wurde Wesley Batista wegen Verdachts auf Insiderhandel festgenommen (Quelle).
JBS wurde 1953 von der Batista Familie als kleiner Schlachtbetrieb gegründet. Das Unternehmen hat sich innerhalb der letzten 15 Jahren zu einem Weltkonzern entwickelt, also ein sehr rasanter Aufstieg. Man kann davon ausgehen, dass der schnelle Aufstieg in den letzten Jahren vor allem mit der Korruption und der grosszügigen Unterstützung des brasilianischen Staates zu tun hat.
Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.