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Romi Andri sitzt in seiner kleinen Wohnung im Aathal. Erdgeschoss, direkt neben dem Dinosauriermuseum. Vor seinem Fenster fliesst das Flüsschen Aa, ab und zu rauscht die S-Bahn vorbei. Andri knüpft die Federn eines Bussards, den er im nahen Wald gefunden hat, zu einem Fächer. Das hat er bei den Navaho-Indianern gelernt.
Zwanzig Jahre lebte er mit ihnen in der Nähe von Los Angeles. Er lernte Instrumente und Schmuck herzustellen, zu tanzen und zu musizieren. Niemand glaubte ihm, dass er ein waschechter Schweizer, ein Bündner ist und kein indianisches Blut durch seine Adern fliesst. Nicht die Restaurants, die ihn abwiesen, nicht die Indianer die ihn bei sich aufnahmen. Romi Andri sieht aus wie einer von ihnen.
Zwischen den Kulturen
Das fasziniert auch die Schulkinder in verschiedenen Zürcher Schulen, vor denen er regelmässig auftritt. Er singt und tanzt mit ihnen und führt sie in die indianische Kultur ein. Vor 12 Jahren ist Andri in die Schweiz zurückgekommen. Eine Tournee mit indianischen Musikern hatte ihn in die Heimat geführt. Er verliebte sich und bekam mit seiner Partnerin einen Sohn, um den er sich nun kümmert. Nakai ist stolz auf seinen Vater, der doch so anders ist als die Väter seiner Schulkameraden.
Die Indianer nennen Romi Andri «Matto» – der Bär. Der Wald ist für den 63-Jährigen wichtig: Im Reservat bildete ihn ein Medizinmann zum Schamanen aus, seitdem begeht Andri im Wald regelmässig seine Rituale. Hier denkt er oft an seine indianischen Freunde; er vermisst sie. Vielleicht kehrt er irgendwann zurück ins Reservat, doch das steht, wie er sagt, noch in den Sternen.