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Viele Leute glauben bei Schmerzen im Rücken, dass ein Wirbel «verrenkt» oder «verschoben» ist und folglich «gerichtet» werden muss. Teilweise wird ihnen auch erklärt, dass dieser oder jene Wirbel wieder «eingerenkt» werden muss. Doch wie kann ein Wirbel sich verschieben? Und was hat es mit dem Knacksen auf sich, wenn ein Wirbel wieder «eingerenkt» wird?
Unsere Wirbelsäule ist eine sehr robuste Struktur. Äusserst starke, zugfeste Bänder und die Bandscheiben halten unsere Wirbel fest zusammen. Zusammen mit den Gelenken definieren sie die Bewegungsrichtungen und das Bewegungsausmass der Wirbelsäule. Ein gewisses Ausmass an Spiel in den Gelenken ist vorhanden, jedoch lässt dies keine unphysiologischen Bewegungen zu. Eine Ausnahme bildet dasKrankheitsbild der Spondylolisthesis; hier entsteht durch eine Schädigung in der Knochenstruktur des Wirbels ein Gleitwirbel. Im Normalfall bleiben die Wirbel genau wo sie sein sollten, Wirbel können daher nicht «verrutschen» oder «verschieben». Darüber hinaus helfen unsere Muskeln die Stabilität zu erhöhen, was unsere Wirbelsäule extrem stabil uns sicher macht. Daher ist es auch nicht nötig, dass etwas «eingerenkt» werden muss.
Auch ist fraglich, ob Stellungsveränderungen der Gelenke (ausser in Fällen von echten Luxationen, wo es äusserlich sichtbar wird wie zum Beispiel bei einer ausgekugelten Schulter) ertastet werden können von aussen. Studien zeigen, dass dies keine zuverlässige Methode der Untersuchung ist. Unsere Knochen weisen häufig Abweichungen in ihrer anatomischen Formen auf und sind somit sehr variabel und oft auch asymmetrisch. Wie kann daher von aussen genau deren Position ermittelt werden. Studien haben ebenfalls gezeigt, dass die Untersuchung von Stellung des Gelenks und das Bewegungsausmass einzelnder Wirbelgelenke ebenfalls nicht zuverlässsig beurteilt werden kann. Experten, welche gebeten wurden, dies an Versuchspersonen zu testen, kamen auf eine deutliche Streuung von Resulaten, also konnte kein einheitliches Urteil über die getesteten Sachverhalte gefunden werden. Dies zeigt, dass diese Tests sehr ungenau sind. Somit kann man «verrutschte» Wirbel nicht testen, oder mit einer Manipulation «einrenken».
Wenn eine Manipulation nichts «richtet», was bewirkt sie denn? Eine Gelenksmanipulation ist eine Art der Mobilisation, welche mit hoher Geschwindikeit und geringer Amplitude ein Gelenkspartner gegen den Anderen bewegt. Das Knacken, welche häufig eine Manipulation begleitet wird durch Gasbläschen und den Unterdruck im Gelenkspalt erzeugt. Das Gelenk wird auseinander gezogen, es entsteht ein Hohlraum (Gasbläschen) in der Gelenksflüssigkeit, da im Gelenk eigentlich ein Unterdruck herrscht, nach der Manipulation ist das Gasbläschen wieder verschwunden. Das Knacken entsteht somit nicht durch ein «Wiedereinrenken». Der Effekt der Manipulation ist am ehesten durch die Wirkung auf das Nervensystem zu erklären. Sensorische Reize aus den Gelenksstrukturen überfluten das Rückenmark und können so das Schmerzempfinden beeinflussen. Ausserdem beeinflusst unsere möglichen Überzeugung, durch die Manipulation geheilt zu werden, ebenfalls unsere Schmerzwahrnehmung. Wie die Wissenschaft gezeigt jedoch, dass die Effekte der Manipulation meist kurzfristig wirken und es keine Rolle spielt ob es eine gezielte, spezifische oder eine globale Manipulation erfolgt um den Schmerz unmittelbar zu beeinflussen. Ausserdem zeigte sich, dass sich längerfristig eine Behandlung mit Manipulationen keine Vorteile gegenüber anderen Therapieansätzen bringt.
Der Wirbel ist nicht «verschoben», wieso tut er dann weh? Meist sind es Strukturen des Gelenkes und des umliegenden Gewebes, welche irritiert sind. Diese Strukturen können durch Überbelastung, kleine Verletzungen oder entzündliche Prozesse gereizt sein und lösen Schmerzen aus. Das Nervensystem ist in diesem Segment überaktiv und löst verschiedene Prozesse aus. Die Spannung der Muskeln kann erhöht sein, die Empfindlichkeit gegenüber Reizen im Segment kann erhöht sein, was schneller zu Schmerzen und Missempfindungen führen können. Diese Prozesse sind reversibel und verschwinden nach dem Abklingen der Irritation meist wieder komplett.
Wir können diesen Heilungsprozess unterstützen, in dem wir unsere Belastung anpassen und gezielte Bewegungen machen um den Stoffwechsel in dem Bereich zu optimieren. In der Physiotherapie im radiuszwei zeigen wir Euch gerne, was Du alles tun kannst, damit sich Dein Wirbel auch langfristig nicht mehr «verrutscht» anfühlt.