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Über die Vor- und Nachteile einer Kastration wird unter Tierhaltern und auch Tierärzten heftig diskutiert – besonders bei der Früh-Kastration werden viele emotional. Deswegen haben wir uns gefragt: Gibt es dazu Studien? DeineTierwelt stellt Dir den aktuellen Stand der Wissenschaft vor.
Bei der Kastration werden die Organe entfernt, die die Sexualhormone produzieren. Diese Hormone sorgen nicht nur für das Wachstum von Geschlechtsorganen, sondern auch von Muskeln, Sehnen, Bändern und Knochen. Bei weiblichen Tieren ist das vor allem das Östrogen, bei männlichen Tieren das Testosteron.
Vor der Pubertät befinden sich die Geschlechtsorgane in einer Art Dornröschenschlaf. Durch ein Signal aus der Hinranhangsdrüse werden sie in einem bestimmten Alter aufgeweckt und beginnen mit ihrer Arbeit. Früher nahm man an, dass das Sexualverhalten erst mit der Pubertät beginnt. Mittlerweile weiß man aus Studien beim Menschen, dass bereits Kleinkinder sexuelle Regungen haben.
Die Kastration sorgt also dafür, dass nicht nur das Sexualverhalten gehemmt wird, sondern auch das Wachstum. Doch welche Folgen hat das für den Hund?
Da das Wachstum der Geschlechtsorgane verlangsamt wird, bleibt auch die Vulva der Hündin klein. Insbesondere bei adipösen Tieren kann die eingezogene Vulva mit der umliegenden Haut eine tiefe Falte bilden. Dort können sich hartnäckige Entzündungen entwickeln, die in den meisten Fällen erst nach einem chirurgischen Eingriff abheilen.
Viele Hundebesitzer lassen ihre Hündin kastrieren, um das Risiko von Mammatumoren, Vaginaltumoren und Gebärmutterentzündung für ihr Tier zu minimieren. Doch gewisse Tumoren (Herz-, Harnwegs-, Mastzelltumor, Lymphosarkom, Osteosarkom) kommen gerade bei früh kastrierten Hunden häufiger vor als bei unkastrierten.
Da das Wachstum von Knochen und Bändern nach einer Kastration eingeschränkt wird, zieht dies auch orthopädische Probleme nach sich: Es ist bewiesen, dass der Riss des vorderen Kreuzbands und die Hüftgelenkdysplasie tatsächlich häufiger bei früh kastrierten Hunden bestimmter Rassen auftreten als bei unkastrierten Hunden. Inwieweit das Übergewicht, was häufig nach einer Kastration auftritt, damit in Zusammenhang steht, ist noch nicht erforscht.
Eine bekannte Nebenwirkung bei der Hündinnen-Kastration ist die Inkontinenz, gerade bei Tieren über 20 Kilogramm. Bei Hündinnen, die kurz vor der Pubertät kastriert wurden, tritt die Harninkontinenz laut Studien zwar seltener auf, dafür sind die Symptome häufig schlimmer als bei spät kastrierten Hündinnen.
Die Auswirkungen einer Frühkastration auf das Verhalten sind hingegen noch wenig erforscht. Die allgemeine Lehrmeinung ist aber, dass eine Kastration, egal zu welchem Zeitpunkt, nur sexuell motiviertes Verhalten positiv beeinflussen kann.
Ein aggressiver Hund, der etwas traumatisches erlebt hat, wird durch eine Kastration nicht plötzlich lammfromm. Aber einem Rüde, der in Anwesenheit von Hündinnen ständig gestresst ist (Hypersexualität), kann durch eine Kastration der Leidensdruck genommen werden.
Die wenigen Studien, die es bisher gib, sind nicht eindeutig. So nimmt die Angst vor Lärm bei früh kastrierten Hündinnen zu, Trennungsangst und Fluchtverhalten aber nicht. Eine Studie entdeckte, dass früh kastrierte Hunde generell aktiver sind als ihre unkastrierten und spät kastrierten Geschwister.
Allerdings zeigte eine andere Umfrage einen Zusammenhang zwischen der Kastration und der Zunahme von Aggression und Angst, sowohl bei Rüden, als auch bei Hündinnen. Eine Kastration bei einem Hund mit angst-aggresivem Verhalten ist deswegen sehr gut abzuwägen.
Fakt ist: Eine Kastration ist eine Operation, die nicht ohne Risiken ist und Dein Tier in vielerlei Hinsicht verändern kann. Lass Dich ausführlich beraten und treffe die Entscheidung nicht leichtfertig.
Dennoch ist ein Hund, der früh kastriert wurde, nicht automatisch ein Problemfall. Eine vernünftige Sozialisierung und Erziehung können auch aus einem früh kastrierten Hund einen tollen Begleiter werden lassen.
Quelle: Deine Tierwelt Magazin