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Ich sitze gerade in einem Café und schreibe an meinem Blog, und dabei frieren mir fast die Hände ab. Draussen scheint die Sonne, und es ist angenehm warm. Hier drin, wie fast überall in den USA, ist es „dank“ der Klimaanlage a***kalt. Nicht 25°. Nicht 22°. Nicht 18°. Sondern a***kalt. Irgendwie fehlt hier oft ein gesundes Mittelmass, nicht nur bei der Temperatur.
Die Leute sind, wie von den USA gewohnt, sehr nett, aufgeschlossen, neugierig. Wir werden oft angesprochen. „Whe’re you from?“ ist eine Standardfrage. Die Antwort ruft meistens ein „Da war ich schon“ oder „Mein Grossvater ist von da“ oder „Da will ich unbedingt mal hin“ oder irgendwas in der Art hervor. Jeder will helfen, oder wenigstens etwas Small Talk betreiben und nett sein. Davon könnten wir uns ruhig etwas abschneiden.
Eine halbe Stunde östlich von Flagstaff, an der I-40, die hier auf der alten historischen Route 66 verläuft, und entlang der Santa Fee Bahnlinie, liegt Winslow. Ein Kaff, aber immerhin mit Gas Stations und Safeway und ein paar Restaurants und Bars. Und dem Hotel „La Posada“ (http://laposada.org/). Ursprünglich ab 1930 teil einer Gastronomie-Kette (Fred Harvey’s) entlang der Santa Fe Bahnlinie, bei der man den Reisenden überall denselben hohen Standard offerierte, dann (1957) aufgegeben, verlassen und verfallen, und später von Mary Colter gekauft, renoviert und sehr geschmackvoll ausgestattet, dann übernommen von Allan Affelt und seiner Frau, der Malerin Tina Mion. Die Gästeliste des ursprünglichen Hotels enthält Namen wie Amelia Earhart, Albert Einsteiln, John Wayne, Franklin D. Roosevelt, Gary Cooper, Charles Lindbergh, James Stewart, Lauren Hutton und viele andere mehr. Schade, dass sie heute nicht mehr durch die Lobby schlendern – man könnte sich das ein oder andere amüsante Gespräch vorstellen.
Der Antelope Canyon war bis 1997 wohl nur Insidern ein Begriff. Im Navajo-Gebiet liegend und bis dahin nicht vermarktet, war es National Geographic, das 1996 ein Fototeam in den Canyon schickte und 1997 die entstandenen Bilder in einer Ausgabe des National Geographic Magazin publizierte. Und dann brach die Hölle los… Zu recht mittlerweile sehr populär und oft überlaufen.
Nur wenige Kilometer vom Antelope Canyon und von Page (am Lake Powell) entfernt hat der Colorado River eine beeindruckende Schleife in den Stein gegraben. Der Saarschleife nicht ganz unähnlich. Unten im Loch der von Algen grün gefärbte Fluss, und zu beiden Seiten heller leicht rötlicher Sandstein. Oben auf der Klippe Hunderte von Touris, manchmal sehr nah am Abgrund herum kletternd auf der Suche nach dem perfekten Selfie oder DEM Landschaftsfoto schlechthin. Dabei wird mitunter der Blitz ausgeklappt und die gegenüber liegende Seite und der Rest des Weltalls angeblitzt…mittags…im August…bei wolkenlosem Himmel. Einige lassen ihre geleerten Wasserflaschen und sonstige Proviantverpackungen einfach so in der Gegend liegen. Eine Karavane von Leuten zieht sich vom nahen Parktplatz zur Klippe, eine andere Caravane wieder zurück. Zum Abgewöhnen. Aber man ist auch nach einer halben Stunde fertig mit dem Pflichtprogramm und kann sich wieder verziehen. Zum Beispiel zum Antelope Canyon (Blog-Post folgt…)
Der Grand Canyon ist natürlich ein Muss, wenn man in Utah und Arizona unterwegs ist, und Canyons anschauen will. Aber wohin genau? Schliesslich ist der Canyon wirklich riesig. Die Wahl ist einfacher, als man vielleicht zunächst denkt, denn der Grossteil liegt im Navajo-Reservat und ist ohne Bewilligung nicht öffentlich zugänglich, und Infrastruktur fehlt dort auch. Es bleibt die Wahl zwischen dem überlaufenen South Rim (Grand Canyon Village, mit Geschäften, Flugplatz, RV Camps, Hotels etc.) und dem stilleren North Rim. Beide liegen sich in Sichtweite gegenüber, sind aber durch ca. 4 Stunden Autofahrt voneinander getrennt. Der South Rim liegt etwa 300 m tiefer, in der Wüste, aber erlaubt die deutlich bessere Sicht auf den Canyon, da man Richtung Westen und Osten sehr weit gucken kann und insgesamt vielleicht ein Viertel des Canyons überblickt.
Nachdem wir einen perfekten Platz gefunden hatten, alles aufgebaut war und der Himmel perfekte Bedingungen bot, konnten wir in Ruhe zusehen, wie sich die Show entwickelte. Erster Kontakt, tolle Sonneflecken im Teleskop, immer fahler werdendes Licht, flirrende Schatten, und dann überschlugen sich die Ereignisse. Zuerst wird es von Westen her rasant dunkler. Man beachte die beiden fast gleich ausehenden Fotos, vor Allem den Hügel rechts von der Mitte, der auf dem ersten Bild noch in der Sonne liegt und auf dem Zweiten bereits im Schatten. Dazwischen liegt maximal eine Sekunde (Aufnahmen im Serienbildmodus der Camera geschossen). Weiterlesen…