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Nationalrat Emil Schaffer, Bern (soz.), reichte die folgende Kleine Anfrage ein:
«Es kann immer wieder festgestellt werden, daß die Mehrzahl der deutschsprachigen Leute die Rechtschreibung ihrer Muttersprache nicht gut beherrscht. Von den Briefen aus der Bevölkerung an öffentliche Verwaltungen wird nur ein verhältnismäßig kleiner Anteil fehlerfrei geschrieben. Ich habe beispielsweise 56 Stellenbewerbungen für ein öffentliches Amt eingesehen, von denen nur drei ohne Fehler geschrieben worden waren. Man braucht sich darüber kaum zu verwundern, wenn man bedenkt, daß selbst das bekannte deutsche Rechtschreibebuch «Der Große Duden» in der schwierigen Frage der Groß- und Kleinschreibung nicht restlos gültige Regeln aufstellen konnte. Anderssprachige haben große Mühe, die deutsche Rechtschreibung zu erlernen.
Währenddem die Erwachsenen nach einer fortlaufenden Verkürzung der Arbeitszeit streben, nimmt der Wissensstoff im Lehrplan unserer Schulen ständig zu. Dies bedingt eine vermehrte Rationalisierung und Konzentration auf das Wesentliche. Nicht zuletzt sollte auch das verstandesmäßige Denken gefördert werden. Unnötige grammatikalische Erschwernisse, wie sie andere Sprachen nicht kennen, sind heute überlebt. Sinnvolle Entlastungen sollten somit auch bei der sprachlichen Grundschulung erreicht werden.
Die deutsche Rechtschreibekonferenz hat im Jahre 1958 der gemäßigten Kleinschreibung zugestimmt; in Oesterreich blieb es 1961 noch bei Stimmengleichheit. Unserem Land und seinen zuständigen Behörden wird vorgeworfen, sie bildeten den größten Hemmschuh gegen die Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung, obschon angeblich rund neun Zehntel der Lehrerschaft einer gemäßigten Kleinschreibung zustimmen würden.
Der Bundesrat wird angefragt,
- wie er die Frage der Vereinfachung der deutschen Rechtschreibeform, vor allem die Einführung der Kleinschreibung mit Ausnahme der Namen und des Satzanfangs, beurteilt;
- ob er bereit ist, dieses Problem an einer Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren zur Sprache zu bringen, und
- ob er sich allenfalls dazu bereitfinden könnte, sich mit den zuständigen Ministerien der andern Länder des deutschen Sprachraumes zwecks Verhandlungen über die Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung in Verbindung zu setzen.»