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Nr. 741
Das Bauernhaus von Escholzmatt repräsentiert einen Bautyp, der ausschliesslich im luzernischen Entlebuch während einer Zeitspanne von rund 100 Jahren (ca. 1750–1850) Verbreitung gefunden hat. Die Bauernhausforschung bezeichnet das so genannte Entlebucherhaus gar als eine der eigenständigsten Leistungen auf dem Gebiet der bäuerlichen Architektur der Schweiz.
Obwohl das «Wissämmeli», wie das Haus genannt wird, zu den jüngsten Museumsobjekten gehört, ergaben sich bei der Datierung grössere Schwierigkeiten. Denn für einmal stimmen die dendrochronologischen Ergebnisse nicht mit den Nachforschungen in den schriftlichen Quellen überein. Anlässlich einer Schatzung im Jahre 1860 wurde das Gebäude als «neu und gut gebaut» beschrieben, und ein Eintrag in einem Kaufprotokoll aus dem gleichen Jahr erhärtet die These eines Neubaus oder zumindest einer wesentlichen Umgestaltung. Die Dendrountersuchungen ergaben hingegen drei Bauphasen Mitte und Ende des 18. sowie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wurde also Mitte des 19. Jahrhunderts Holz von einem älteren Bau verwendet oder gar ein ganzes Haus versetzt?
Grundriss und Organisation des «Wissämmeli» entsprechen dem Bautyp des Entlebucher Hauses. Auch hier sind an der Hauptfront des Erdgeschosses die Stube in der Ecke mit der Nebenstube und dahinter die Küche angeordnet. Der schmale Schopf führt im rückwärtigen Teil über die ganze Breite des Hauses. Im Obergeschoss befinden sich zwei Schlafkammern und auf der Rückseite des Hauses ein grosser Gaden, der temporär als Schlafzimmer benutzt wurde.
Um 1940 fügte man einen Schopf an, der fortan vorwiegend als Werkstatt genutzt wurde. Der letzte Bewohner des «Wissämmeli» führte hier mit grossem Einfallsreichtum Reparaturen aus und sammelte Altmaterial unterschiedlichster Herkunft.
Josef Felder gilt als frühster aus den schriftlichen Quellen eruierbarer Besitzer. Er hat das «Wissämmeli» 1744 an einen Anton Stutzmann verkauft. In der Folge wechselte das Heimwesen nicht weniger als 35-mal die Hand. 1898 kaufte Alois Portmann, «Schitzer-Wisu» genannt, die Liegenschaft. Seither blieb der Hof im Familienbesitz. Im Februar 1986 verstarb Johann Portmann, der letzte Bewohner und Besitzer, kurz vor seinem 72. Geburtstag an den Folgen eines Unfalls.
Johann Portmann, der «Wissämmeli-Hans», lebte bis zu seinem Tode allein auf dem Hof, nachdem seine jüngste Schwester 1957 geheiratet hatte. Neben der Führung des landwirtschaftlichen Kleinbetriebes verdiente er sich ein Zugeld mit verschiedenen Hilfsarbeiten. In seinem Heim schuf er sich seinen eigenen Kosmos und liess gegen sein Lebensende kaum mehr jemanden ins Haus. Am liebsten hielt er sich in seiner Werkstatt auf. Hier reparierte er die unterschiedlichsten Geräte und Gegenstände und kreierte Neues aus Weggeworfenem. Er sammelte praktisch alles, was ihm noch irgendwie brauchbar erschien. Sein Sammlertrieb beschränkte sich jedoch nicht nur auf Gegenstände, sondern auch auf Schriften und Zeugnisse seines ländlich-bäuerlichen Alltags. So fehlen weder Schulnoten noch Taglöhnerabrechnungen. Sogar die Einlösebescheinigungen für die Nummernschilder seines Fahrrades hat er aufbewahrt. Im Nachlass zu finden sind auch alte Kaufbriefe, das Notizbuch des Grossvaters, die Abrechnung über die massiven Unwetterschäden von 1936 sowie Zeugnisse aus der Zeit als Aktivmitglied des Radfahrervereins «Frohsinn» oder Urkunden von religiösen Bruderschaften. Alles Dinge, die materiell gesehen kaum einen Wert haben, die aber wichtige Zeugen aus dem Leben eines Mannes, der sein ganzes Leben auf dem Hof «Wissämmeli» verbracht hat, sind.