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Als Joël Genazzi vor sechs Jahren vom EHC Visp zu den SCL Tigers wechselte, war der Zürcher noch Stürmer. Durchzusetzen vermochte er sich allerdings nicht. Genazzi wurde bis in den vierten Block durchgereicht und fand sich letztlich gar als 13. Stürmer wieder. «Ich erhielt kaum Eiszeit. Bis sich in einem Drittel gleich zwei Verteidiger verletzten und mich Trainer John Fust kurzerhand in die Abwehr stellte», erinnert sich der heute 28-Jährige.
Wochenlang spielte Genazzi neben dem Kanadier Curtis Murphy. «Ich war erstmals überhaupt Verteidiger. Also brauchte ich jemanden, der mich besser machte. Kanadier kommunizieren auf dem Eis viel mehr, als wir Europäer. Ich machte, was mir Murphy sagte.» Genazzi fand an seiner neuen Rolle sofort Gefallen. Bis er im Emmental zum Joker mutierte.
Einmal wurde er als Stürmer eingesetzt. Dann wieder als Verteidiger. «Irgendwann wusste ich nicht mehr, was für ein Spieler ich eigentlich bin. Ich hatte meine Identität verloren.» Die fand er erst 2013 nach seinem Wechsel zu Lausanne wieder. Unter Heinz Ehlers spielte Genazzi ausschliesslich in der Abwehr. Und wird seither immer besser.
In der letzten Saison schoss der frühere Kloten-Junior die meisten Tore aller NLA-Verteidiger (11). Heuer steht er bereits nach 26 Spielen bei elf Treffern, ist mit 23 Punkten der produktivste Verteidiger der Liga – und dazu Topskorer seines Teams.
In den letzten drei Spielen traf Genazzi viermal, war gegen Kloten, die ZSC Lions und Fribourg gar Matchwinner. Trotzdem sagt er: «Manchmal übertreibe ich es und habe fast etwas zu viel Offensiv-Drang. Gegen Fribourg verlor ich zweimal die Scheibe. Goalie Cristobal Huet musste mich dann retten.»
Der 18-fache Internationale ist keiner, der sich zufrieden gibt. Er sagt: «Ich will immer besser werden und denke mehr an die schlechten, statt an die positiven Momente.» Noch heute gäbe es Situationen, die er anders meistern würde, wäre er nicht gelernter Stürmer. «Dafür haue ich im Gegenzug auch mal die Scheibe rein.»
Genazzi liebäugelte zwar mit einem Wechsel nach Skandinavien, hat seinen Vertrag in Lausanne kürzlich aber gleich um fünf Jahre verlängert. Er schwärmt vom Klub, den Möglichkeiten, den lauten Fans und von der Stadt. «Ich liebe Lausanne. Die Stadt ist wunderschön. Meine Mutter ist hier aufgewachsen. Meine Grosseltern lebten hier. Ich bin einfach nur begeistert.»
Das ist man am Lac Léman auch von Genazzi. Schlägt der Punkte-Garant auch heute im Auswärtsspiel gegen den HCD zu?Publiziert am 02.12.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016