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Risikofaktoren für Behandlungsversagen bei GCA
Treatment failure in giant cell arteritis
Unizony S.H. et al. Ann Rheum Dis 2021:online ahead of print
Diese retrospektive Analyse befasst sich mit den 250 Patienten der Giant Cell Arteritis (GCA) Actemra-Studie, die Tocilizumab (TCZ, 149 Patienten) oder Placebo (PBO, 101 Patienten) in Kombination mit Glukokortikoiden (GC) erhielten. Das Behandlungsversagen in der TCZ-Gruppe war weniger wahrscheinlich als in der PBO-Gruppe (p<0.0001). Das Risiko für ein Versagen der Behandlung war bei Frauen in der PBO-Gruppe höher als bei Männern (p=0.007), jedoch nicht in der TCZ-Gruppe. Zu den Prädiktoren für Therapieversagen in der TCZ-Gruppe gehörten niedrigere Prednison-Ausgangsdosen und schlechtere Patient-Reported Outcomes (PROs) am Anfang.
Es ist für den Kliniker keine Überraschung, dass initiale hohe Krankheitsaktivität bei GCA, welche hohe GC-Dosen erfordert, und schlechte PROs den Verlauf unter Therapie ungünstig beeinflussen. Beruhigend ist nun die studiengestützte Bestätigung. Nicht bewusst war mir, dass Frauen auf GC weniger gut ansprechen, und erfreulich, dass sie mit TCZ ebenso gut fahren wie Männer.
Osteophyten und Hüftschmerzen
Osteophyte size and location on hip DXA scans are associated with hip pain: Findings from a cross sectional study in UK Biobank
Faber B. G. et al. Bone 2021:online ahead of print
Arthroseschmerzen der Hüfte sind ein häufiges Problem in der Praxis. Woher diese Schmerzen allerdings stammen, ist weniger klar. Diese Studie untersuchte die Rolle von Osteophyten an verschiedenen Stellen der Hüfte, deren Grösse sowie die Gelenksspaltverschmälerung in Bezug auf Hüftschmerzen bei Arthrose-Patienten. Die Erfassung der arthrotischen Veränderungen erfolgte mit einem DXA (Dual Energy X-ray Absorptiometry) – Verfahren, welches mit speziellen Programmen optimiert wurde.
Als Resultat zeigte sich, das vor allem die Osteophyten mit Hüftschmerz assoziiert sind, nur zu einem geringen Grad die Abnahme des Gelenksspaltes. Eine Assoziation mit der Gelenksspaltweite fand sich nur bei höhergradigen Arthrose-Stadien. Es waren aber insbesondere die acetabulären, superioren und inferioren fermoralen Osteophyten, welche sich unabhängig voneinander mit Hüftschmerz assoziiert erwiesen.
Fazit:
Hüftschmerzen bei Arthrose scheinen vorwiegend durch die Ausbildung von Osteophyten zustande zu kommen, weniger durch die Veränderung des Gelenksspaltes.
Als Querschnittstudie ist es nicht möglich, eine kausale Verknüpfung zu sichern. Dazu müsste eine prospektive Verlaufsstudie mit grosser Patientenzahl erfolgen. Immerhin zeigt diese Studie, dass die Osteophyten offensichtlich sehr wichtig sind für die Hüftschmerzen bei Arthrose; demzufolge sollten auch Studien über krankheitsmodifizierende Effekte von Medikamenten als Outcome die Osteophyten miteinschliessen.
Häufigkeit einer anterioren Uveitis bei Patienten mit SpA unter Secukinumab und TNF-Blockern
Anterior uveitis in patients with spondyloarthritis treated with secukinumab or tumour necrosis factor inhibitors in routine care: does the choice of biological therapy matter?
Lindström U, et al. Ann Rheum Dis 2021;80:1445
In dieser Registerstudie aus Schweden wurde die Häufigkeit des Auftretens einer anterioren Uveitis bei Patienten mit einer Spondyloarthritis (SpA) unter Therapie mit TNF-Blockern oder Secukinumab untersucht. Basierend auf Behandlungsstarts mit TNF-Blockern (n=4395) und Secukinumab (n=456) wurden folgende Inzidenzen für das Auftreten einer anterioren Uveitis unter Behandlung gefunden: 6.8/100 Patient Years für Secukinumab, 7.5/100 PY für Etanercept, 4.0 für Adalimumab und 2.9 für Infliximab. Die adjustierten Hazard Ratios (HR) waren signifikant für Secukinumab mit 2.32 und Etanercept mit 1.82. Während sie nicht signifikant waren für alle anderen TNF-Blocker (Adalimumab, Infliximab, Certolizumab und Golimumab).
Fazit:
Anteriore Uveitiden bei Patienten mit einer Spondyloarthritis scheinen häufiger aufzutreten unter einer Behandlung mit Secukinumab oder Etanercept als unter einer Behandlung mit den TNF-Blockern Infliximab, Adalimumab, Certolizumab oder Golimumab.
Meiner Meinung nach sprechen diese Daten aber nicht für ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer anterioren Uveitis unter Secukinumab oder Etanercept, sondern dass die TNF-Blocker (insbesondere die monoklonalen Antikörper) dies besser verhindern. Es gibt gute Daten, dass die monoklonalen TNF-Blocker sehr wirksam in der Behandlung der SpA assoziierten anterioren Uveitiden sind. Während Secukinumab und das TNF-Fusionsprotein Etanercept bei der Uveitis keine Wirkung zeigen.
Bewegungstherapie bei chronischen Schmerzen wirksam, aber nicht gegenüber Placebobehandlung
Attempting to Separate Placebo Effects from Exercise in Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-analysis
Miller C.T. et al. Sports Med 2021:online ahead of print
Diese Metaanalyse von 79 Studien untersucht die Wirkung von Bewegungstherapie auf die Schmerzintensität bei Muskel-Skelett-Erkrankungen und vergleicht sie mit Placebobehandlung, mit einer Kontrollgruppe oder mit Standardtherapie. Das Bewegungstraining war wirksamer als Kontrollgruppe oder übliche Behandlung (p<0.001, n=33) oder als alle Kontrollen kombiniert (p<0.001, n=79). Nur 4 Studien (bei Arthrose, Kreuzschmerz, Patellofemoralschmerz und Fibromyalgie) verglichen Bewegungstraining vs. Placebobehandlung (Schein-Elektrotherapie oder Supplemente [wie Fettsäuren oder Vit. D], kein Bewegungs-Placebo); bei niedriger Evidenz (GRADE-Kriterien) war Trainingstherapie nicht wirksamer als Placebo.
Die Metaanalyse zeigt, dass Bewegungstraining Kontrollpatienten oder medizinischer Standardversorgung zur Schmerzreduktion bei Erwachsenen mit chronischen Muskel-Skelett-Schmerzen überlegen ist. Enttäuschend ist, dass keine Wirksamkeit der Trainingstherapie bei chronischen Schmerzen verglichen mit Placebo-Behandlungen gezeigt werden konnte. Chronische Schmerzen bleiben ein Rätsel.