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Polit. Gem. NE, Bez. Neuenburg. Die befestigte Kleinstadt liegt nahe des Bielersees auf einer Moräneninsel inmitten der sumpfigen Zihlebene und umfasst Einzelhöfe und Weiler an den Jurahängen. Der grösste Weiler Combes wurde 1888 eingemeindet. Um 1209 Landiron. Die Stadt wurde zum Schutz des östl. Teils der Grafschaft Neuenburg gegründet, um die Strassen und Wasserwege am Jurafuss zu kontrollieren. Von seiner Gründung bis 1848 war Le L. Hauptort der gleichnamigen Kastlanei. 1750 591 Einw.; 1850 1'012; 1900 1'423; 1950 1'724; 2000 4'227.
Am Ufer der Zihl stiess man auf Überreste einer Töpferwerkstatt (961-957 v.Chr.), bei Les Carougets auf ein Grab aus der Spätbronzezeit, auf Spuren einer röm. Villa sowie auf Fundamente von Hütten aus dem FrühMA. Ferner wurden mehrere röm. Statuetten - Herkules, ein Hahn, ein Pfau (?) - entdeckt. Der Name Le L. erscheint zum ersten Mal um 1209 als Flurname anlässlich der Verleihung von Fischereirechten durch das benachbarte Benediktinerkloster St. Johannsen in Erlach; daraus lässt sich schliessen, dass die Gegend nicht bewohnt war. Die Häuser befanden sich vielmehr an den Jurahängen und wurden unter dem Namen Nugerol zusammengefasst. In La Tour befand sich ein befestigter Ort, der nach 1309 zerstört wurde und dessen Wiederaufbau der Hzg. von Österreich in einem Schiedsspruch verbot. Am 1.9.1325 kaufte Gf. Rudolf IV. von Neuenburg in der Zihlebene eine Le L. genannte Wiese und baute hier um 1328/29 eine befestigte Stadt. Le L. übernahm die Freiheitsrechte von Nugerol, die mit denen von Neuenburg vergleichbar sind und die 1350 Gf. Ludwig von Neuenburg von Neuem anerkannte. 1373 gewährte die neue Herrin Varenne von Neuenburg der Stadt Le L. Rechte, die 1424 beim Rückfall der Baronie Le L. unter die direkte Herrschaft der Gf. von Neuenburg bestätigt wurden. Die Bürgerschaft von Le L., die nach derjenigen von Neuenburg die bedeutendste war, verwaltete sich selbst. Sie hatte ein eigenes Banner und einen Rat, in dem die Leute von Cressier ein Drittel der Mitglieder stellten. Dieser Rat bestand im 18. Jh. aus einem Kl. Rat mit 12 und einem Gr. Rat mit 24 Ratsherren. 1449 schloss Le L. ein Burgrecht mit Solothurn, das die religiösen Geschicke der Stadt prägen sollte. Bei der Kirche handelte es sich wahrscheinlich um eine Gründung der Abtei Saint-Maurice d'Agaune. Im Rahmen eines Abtauschs wurde sie zu Beginn des 11. Jh. durch den Kastvogt Rudolf erworben. Das Kollaturrecht, das den Gf. von Neuenburg gehörte, ging 1231 an das Kloster St. Johannsen, nach der Reformation an Bern und schliesslich 1827 an den Staat Neuenburg. In der Altstadt befindet sich die Kapelle der 10'000 Märtyrer, die 1455 geweiht und ab 1695 von den Kapuzinern betreut wurde. In Combes steht eine weitere, 1681 errichtete Kapelle. Le L. blieb dank der Unterstützung durch Solothurn dem kath. Glauben treu. Nur Lignières wurde 1556 reformiert. Seitdem verteidigte Le L. hartnäckig seine konfessionelle Besonderheit. Die Stadt hielt treu zur Herzogin von Nemours und unterwarf sich 1707 dem Kg. von Preussen erst nach Androhung von Waffengewalt. Im 19. Jh. wandelte sich das vom Acker- und Weinbau lebende Städtchen gründlich. Nach der Gründung der Republik Neuenburg 1848 wurde der Besitz der Bürgerschaft 1868 zwischen Le L. und Cressier aufgeteilt. Die 1875 geschaffene Einwohnergemeinde (Munizipalität) bestand aus den beiden Bürgergemeinden Le L. und Combes. Diese Organisationsform wurde mit dem Neuenburger Gemeindegesetz von 1888 abgeschafft, wobei der Begriff der Munizipalität mit demjenigen der Gem. in ihrem modernen Sinn ersetzt wurde. Die Juragewässerkorrektion legte die umliegende Sumpfebene trocken, so dass Gemüsekulturen angelegt werden konnten. 1869-70 wurde ein Bahnhof gebaut und Industrie - bis anhin existierten nur einige Mühlen - siedelte sich an. Die heute verschwundenen Betriebe arbeiteten für die Uhrenindustrie (Rohwerke, Uhrensteine). Während die Stadt ihre abgeschlossene Lage bewahrte, entstanden an den Jurahängen zahlreiche Häuser. Da die Zuzüger in der Mehrheit Reformierte waren, wurde 1894 eine ref. Kirchgemeinde gegründet. Im Lauf des 20. Jh. verlor der 1. Sektor an Bedeutung (1910 320 Arbeitsplätze, 2000 noch 45). Anfang des 21. Jh. verfügte Le L. über das zweitgrösste Rebbaugebiet des Kantons (ein Zehntel der Reben). Seit 1973 findet alljährlich einer der grössten schweiz. Antiquitätenmärkte (Fête de la brocante) statt. Le L. ist seit 1974 an die A5 angeschlossen. 1991 wurde eines der fünf regionalen Sekundarschulzentren des Kt. Neuenburg (Les Deux-Thielles) eröffnet. Anfang des 21. Jh. ist Le L. eine Wohngemeinde, die zahlreiche, v.a. auf Mikrotechnik spezialisierte Kleinbetriebe beherbergt.
Literatur
– Le L.: histoires d'une ville, 2001
– L. Bartolini, Une résistance à la Réforme dans le pays de Neuchâtel: Le Landeron et sa région (1530-1562), 2006
Autorin/Autor: Germain Hausmann / AW