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Heute vor einer Woche stattete ich dem Schwingermuseum Winterthur einen Besuch ab. Dieses Museum befindet sich im Obergeschoss des Restaurants Sternen an der Löwenstrasse in Winterthur. In Schwingerkreisen sind das Schwingermuseum und das Restaurant Sternen bestens bekannt.
Auf Initiative von Irène Bodenmann-Meli, der Tochter von der Schwingerlegende Karl Meli, entstand 2009 dieses Schwingermuseum. Man findet dort viele herausgeschwungene Preise von Karl Meli, aber auch Sammlungsstücke von anderen ehemaligen Schwingern.
Ich traf mich in der Gartenwirtschaft des Restaurants Sternen mit Irène, der Wirtin und Köchin des Sternens, zum Gespräch. Irgendwann nach dem Nachtessen und dem Kaffee machten wir einen Rundgang durch das Schwingermuseum. Dabei machte ich viele Fotos und lauschte den Ausführungen von ihr.
Ich entschied mich hinterher für 14 Fotos, welche ich in zwei Blogbeiträgen mit Text versehe. Heute kommen die ersten sieben Fotos an die Reihe.
Irène führte mich in den ersten Raum des wirklich sehr schön gestalteten und heimeligen Museums. Dabei liess ich mein iPhone als Aufnahmegerät mitlaufen.
Karl Melis bestes und erfolgreichstes Jahr war 1967, notabene mein Geburtsjahr. Der Schwingerkönig von 1961 und 1964 bestritt in jenem Jahr 22 Anlässe und gewann sage und schreibe 19 davon. Bei den anderen drei Anlässen belegte der neunfache Eidgenosse jeweils den zweiten Rang. Als absolute Höhepunkte im Jahr 1967 ragen der Sieg beim Kilchberger Schwinget und der zweite Platz beim Eidgenössischen Turnfest in Bern heraus. Meli beendete seine äusserst erfolgreiche Karriere 1978.
Auf den Gestellen befinden sich nebst Preisen von dem Winterthurer Turnerschwinger viele Schriften, Bücher und Dokumentationen rund ums Schwingen. Irène wies mich darauf hin, dass sie stets auf der Suche nach alten Chroniken, Büchern und Material rund ums Schwingen sei. Sie zeigte mir ein Schwingerlehrbuch aus dem Jahre 1900. Angeblich soll das nicht das Älteste sein, sondern eines aus den 1850iger Jahren. Die sehr schwingkundige Frau meinte, dass sie leider nicht im Besitz einer solchen Ausgabe sei und sich sehr glücklich schätzen würde, so ein Exemplar für ihr Museum zu bekommen.
Weiter erklärte mir Irène, dass es von Anfang an nie ihr Ziel war, ein Museum als Hommage an ihren Vater zu machen. „Wenn man sich nur auf eine Person bezieht, ist die Geschichte irgendwann fertig und es kommt nichts mehr Neues. Das Ziel eines Museums kann es nicht sein, irgendwann fertig zu werden. Es muss sich bewegen, wachsen und verändern. Ich möchte das Museum möglichst umfassend über die gesamte Schwingerei halten. Es ist zudem mein Ziel, das Museum stetig auszubauen“, ergänzte die ehemalige Schwingerin.
Alle hängenden Treicheln, Glocken und Schellen hat Karl Meli im Verlaufe seiner Karriere herausgeschwungen. Diejenigen Stücke am Boden sind Preise von Enrico Matossi und Hansueli Gasser, ebenfalls zwei ehemalige Schwinger.
Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Nebst den Angaben, wo und wann die Schwingfeste stattfanden, erkennt man auf den herrlichen Gaben auch den Anlass, und wer ihn durchgeführt hat. Die Stickereien und Verzierungen auf den Gurten, sowie die Malereien auf dem Metall sind allesamt wunderschön.
Auf diesem Bild erkennt man Theodor Dietschi, den Grossvater von Irène mütterlicherseits. Es handelt sich dabei um den stehenden Schwinger.
Gemalt wurde das Bild von Jwan E. Hugentobler, einem damals bekannten Künstler. Dieser malte unter anderem auch die Radsport-Legende Ferdi Kübler oder fertigte wunderschöne alte Farbstiftzeichnungen von den Pferderennen in Frauenfeld und Thun an.
Wie das Bild damals in die Stube der Grosseltern kam, wusste Irène auch nicht. Sie nimmt aber an, dass es der Maler dem Schwinger geschenkt hatte. Wie man unten rechts erkennen kann, malte es Hugentobler im Jahr 1929.
Dieses Bild hing bei Irène‘s Grosseltern in der Stube, und war für sie als Kind schon wie ein Magnet. Ihre Gotte sorgte viele Jahre später dafür, dass das Bild ins Schwingermuseum kam.
Für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld wurden nebst den traditionellen beigen Schwinghosen erstmals auch braune Schwinghosen eingesetzt. Die Idee mit den braunen Schwinghosen, respektive andersfarbigen als den klassischen, ist aber nicht neu. Anno 1931 waren nämlich am St. Galler Kantonalen in Lichtensteig an einem einzigen Schwingfest, nebst den beigen, auch blaue Schwinghosen im Einsatz. Die blaue Schwinghose auf dem Bild ist übrigens eine Nachbildung, welche Paul Eggimann für Irène fabrizierte.
Die drei Glocken sind zusammen ein sogenanntes Geläut oder „Senntum“ und bildeten eine Gabe. Das Spezielle daran: Karl Meli verzichtete am Nordostschweizerischen Schwingertag 1969 in Rapperswil als Sieger auf den Muni, und nahm stattdessen diese ganz seltene Erinnerung mit nach Hause. Meli, sonst ein sehr traditionsbewusster Schwinger, war sich bewusst, dass er mit seiner Absicht damals auch auf Kritik stiess.
Irène erklärte mir zu dieser Urkunde: „Mein Vater war einer der fairsten, korrektesten und anständigsten Schwinger. Trotz einem sehr hohen Gerechtigkeitsempfinden habe ich ihn auf einem Schwingplatz nie reklamieren oder mit den Kampfrichtern diskutieren gesehen. Er hat alles klaglos hingenommen, und wenn er irgendwann mal unfair behandelt wurde, hatte er die grosse Stärke, dies in positive Energie umzusetzen.“
Erwähnt sind auf der Urkunde die beiden Eidgenössischen in La Chaux-de-Fonds und Schwyz, wo es bedenkliche Kampfrichterentscheide gegeben haben muss. Seine Schwingerfreunde entschieden sich deshalb 1974, Karl Meli mit dieser schönen Urkunde zum Professor der Schwingkunst zu ernennen.
In Bälde folgt Teil 2 meiner Bilder und Ausführungen zum Schwingermuseum in Winterthur. Beim Besuch liess ich mich richtiggehend in die Geschichte des Schwingsportes zurückversetzen. Wie ich finde, macht Irène das wunderbar und erhält so das Andenken an die früheren Schwinger würdig aufrecht.
feldwaldwiesenblogger