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Nach COP27 und kurz vor dem Black Friday haben der Berliner Public Interest Thinktank Hot or Cool Institute und das Netzwerk internationaler Organisationen Rapid Transition Alliance einen Bericht mit dem Titel „Unfit, Unfair, Unfashionable: Resizing Fashion for a Fair Consumption Space“ herausgebracht.
Dieser legt dar, wie die globale Modebranche mit dem 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Abkommens in Einklang gebracht werden kann und welche enormen Veränderungen in der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich sind. Insbesondere die wohlhabendsten Bürger:innen der reichsten Nationen müssten sofortige Maßnahmen ergreifen: So dürften Verbraucher:innen in Großbritannien, USA und Japan bis 2030 durchschnittlich nur fünf neue Kleidungsstücke pro Jahr kaufen.
Modebranche könnte ein Viertel des globalen Kohlenstoffbudgets ausmachen
Auch fand der Bericht, dass ohne dringende Maßnahmen von Regierungen, Industrie und Verbraucher:innen die Modebranche bis 2050 bis zu einem Viertel des globalen Kohlenstoffbudgets beanspruchen könnte.
„Die Modeindustrie muss ihr Verhalten so schnell ändern, wie ein Laufstegmodel seine Kleidung wechselt. System- und Verhaltensänderungen, insbesondere bei wohlhabenden Verbraucher:innen mit prall gefüllten Kleiderschränken, müssen zusammenkommen, damit die Menschen sich innerhalb der planetarischen und klimatischen Grenzen kleiden. Eine schnelle Umstellung, um ein bewohnbares Klima zu erhalten, beinhaltet jetzt ein Umdenken, denn Mega-Events im Einzelhandel wie der Schwarze Freitag sind völlig unvereinbar mit unseren globalen Klimaverpflichtungen,” kommentiert Andrew Simms, Koordinator der Rapid Transition Alliance, in einer Mitteilung.
Ohne solche Veränderungen wird der Anteil der Modebranche an den weltweiten Emissionen steigen, und zwar bis 2030 voraussichtlich um fast 50 Prozent. Das bedeutet die gleiche Menge an Emissionen der globalen Modeindustrie wie Indien im Jahr 2021, ein Land mit rund 1,4 Milliarden Menschen und der drittgrößte Emittent von Treibhausgasen nach China und den USA.
Generell ist der Einfluss der Modebranche auf das Klima in wohlhabenderen Ländern wie Großbritannien, Deutschland, Frankreich, USA und anderen weitaus größer, wo die reichsten 20 Prozent ihren Kohlenstoff-Fußabdruck durch Modekonsum bis 2030 um 83 Prozent reduzieren müssten, um das 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen. Im Durchschnitt verursacht der Modekonsum der reichsten 20 Prozent das 20-fache der Emissionen der ärmsten 20 Prozent, wobei es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern gibt.
Der Bericht empfiehlt deshalb, dass die Bekämpfung der Auswirkungen der Mode auf das Klima bei den wohlhabendsten Ländern und den reichsten Verbraucher:innen innerhalb dieser Länder ansetzen muss: Der CO2-Fußabdruck des Modekonsums in wohlhabenden G20-Ländern (wie Großbritannien, USA, Deutschland, Japan und Saudi-Arabien) muss bis 2030 um durchschnittlich 60 Prozent sinken. In Ländern mit mittlerem Einkommen, wie Brasilien und Südafrika, muss der Modefußabdruck bis 2030 um 40 Prozent sinken. In Ländern wie Indien und Indonesien liegt der durchschnittliche Kohlenstoff-Fußabdruck des Modekonsums derzeit unter der 1,5-Grad-Celsius-Grenze.
Konkret müssten die reichsten 20 Prozent in Großbritannien mit einem durchschnittlichen verfügbaren Einkommen von 69.126 Britischen Pfund ihren Modekonsum-Fußabdruck um 83 Prozent reduzieren, beziehungsweise die reichsten 20 Prozent in Deutschland und Italien um 75 Prozent und in Frankreich um 50 Prozent.
Weniger ist wirksamer als Reparatur, Slow Fashion
Dabei fand der Bericht heraus, dass die Reduzierung des Gesamtkaufs neuer Kleidungsstücke viermal wirksamer zur Emissionssenkung ist als die nächstbeste Lösung, nämlich die Erhöhung der Langlebigkeit von Kleidung.
„Um das 1,5-Grad-Celsius-Ziel nicht zu gefährden, muss der Pro-Kopf-Verbrauch von Mode in den meisten Ländern mit hohem Einkommen auf das Niveau von 2010 zurückkehren, zusätzlich zu einer Reform der Geschäftsmodelle und einer Reduzierung der Emissionen bei der Produktion, dem Einzelhandel und der Entsorgung von Kleidung“, empfiehlt der Bericht. Einzelhandels-Mega-Events wie der Black Friday stehen dabei außer Frage; sie sind „völlig unvereinbar mit unseren globalen Klimaverpflichtungen“.
Die Auswirkungen des Konsums und der Produktion von Mode gehen jedoch über die Kohlenstoffemissionen hinaus, da im Produktionsprozess große Mengen an Ressourcen wie Wasser verbraucht werden, während die zunehmende Verwendung von Kunstfasern wie Polyester, die in mehr als der Hälfte der Kleidungsstücke enthalten sind, die Nachfrage nach umweltschädlichem Öl und Gas in die Höhe treibt.
„Die Modeindustrie muss ihren Beitrag zur Umweltkrise und auch ihre Rolle bei der Aufrechterhaltung ungerechter sozialer und arbeitsrechtlicher Bedingungen in der ganzen Welt offenlegen. Die Zahlen in diesem Bericht machen das deutlich. Fast Fashion ist besonders rücksichtslos; ihre Aktivitäten sind hauptsächlich darauf ausgerichtet, Geld für einige wenige Leute zu verdienen, auf Kosten aller anderen und der Umwelt“, fasst Lewis Akenji, Geschäftsführer des Hot or Cool Institutes, zusammen.