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07.
Von Kiew nach Prag
Die Prague Games schreiben auch immer ganz besondere zwischenmenschliche Geschichten. Da ist zum Beispiel Artem Zolotar, 39-jährig aus Kiew, offizieller Schiedsrichter der International Floorball Federation (IFF), der letzte Woche bei den Prague Games Spiele leitete.
Der ukrainische IFF-Schiedsrichter Artem Zolotar stand vergangene Woche in seinem Prager Exil am weltgrössten Juniorenturnier im Einsatz. Wegen des Krieges verliessen er und seine Frau die Ukraine. «Am Tag vor Kriegsbeginn hatte ich ein spezielles Gefühl, das ich nicht erklären kann. Ich sagte meiner Frau, sie solle unsere wichtigsten Dokumente zusammenpacken. Am Morgen des 24. Februar wachte ich um 5 Uhr auf und wir hörten Explosionen und Schüsse», sagt er.
Den ersten Kriegstag hätten sie zu Hause verbracht und versucht zu entscheiden, was zu tun sei, falls russische Soldaten Kiew erreichen würden. Auch in der nächsten Nacht habe er nicht geschlafen: «Wir hörten Bomben und beschlossen, in die Westukraine zu gehen. Meine Frau arbeitet bei einer Bank, die die Reise an einen sichereren Ort organisiert hat.» Zusammen mit ihren beiden Katzen hätten sie die lange Reise mit dem Auto in die Westukraine angetreten. «Als wir aus Kiew herausfuhren, war die Brücke, über die wir nur eine Stunde zuvor gefahren waren, zerstört.»
Während ihres Aufenthalts in der Westukraine hätten sie sich in Freiwilligenarbeit engagiert, zusammen mit einem Freund. «Am 20. März verliessen wir die Ukraine, zuerst nach Polen, dann nach Prag, wo uns Freunde eine Wohnung besorgten. Jetzt arbeite seine Frau online in Prag für dieselbe ukrainische Bank, und er sei als Unihockey-Schiedsrichter engagiert bei einigen Turnieren, reise viel herum. Aber jetzt suche er auch einen Job; er und seine Frau sammeln zudem Geld für das ukrainische Unihockey zu Hause.
Letzte Woche nun genoss er die Prague Games: Hier traf er gute Freunde aus Zug, der Kontakt kam vor vier Jahren zustande: «Ein Mitglied der Zuger Delegation, David Rühle, war 2018 bei uns in der Ukraine und wir wurden gute Freunde. Meine Frau und ich besuchten Zug ein Jahr später und hatten eine tolle Zeit. Wir freuen uns, die Zuger Delegation hier wiederzusehen, wir haben ein gutes Verhältnis. Und wir sind sehr dankbar für all die Hilfe und Unterstützung, die unsere Schweizer Freunde für das ukrainische Volk leisten.»
Er und seine Frau sehen ihre Zukunft nun in Prag, «solange dies möglich ist». Es ist ihnen nicht möglich, zu Hause Arbeit zu finden. «Wir werden sehen, was als nächstes passiert.»