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Es hieß einmal „nomen est omen.“ Heute kann man nur hoffen, dass dies nicht stimmt. Eltern scheinen auf der Suche nach Namen für ihre Kinder Klatschhefte mit den neusten News aus Hollywood durchzublättern oder sich von Sendungen des Privatfernsehens inspirieren zu lassen. Wie sonst kann man auf Namen wie Blue, Dakota oder Clementine kommen? Aktuelle Forschungsthemen in der Onomastik sind Phänomene wie „Chantallismus“ oder „Kevinismus.“ Wer daran leidet, nennt seine Kinder etwa Kristall-Schakeline oder Justin-Horst. Wenn „Brandon Phoenix" oder "Ashley-Rihanna“ eingeschult werden, treffen sie auf Maximilian-Otto, Charlotte-Clara und Johanna. Als ich das erste Mal „Georg on board“ auf dem Heck eines Autos las, dachte ich, es handle sich um ein Seniorentaxi. Es erschliesst sich mir nicht, warum man wissen muss, wer jeweils mitfährt. Die einzige plausible Erklärung für diese Kleber am Auto scheint mir eine Art Warnbotschaft zu sein: „Achtung, durch Kleinkind abgelenkter und gestresster Elternteil am Steuer.“
Eine ganz besondere Bedeutung erlangte eingangs erwähntes Sprichwort für mich, als ich erfuhr, dass der neue Mitschüler meiner Tochter Damien heisst (warum habe ich damals bloß „Omen II“ geschaut?).
Dass eine Namensgebung trotz bester Absichten scheitern kann, erfährt man manchmal im Rahmen der therapeutischen Arbeit. Die Identitätsstiftende Wirkung von Namen ist nicht zu unterschätzen. Ab und zu entsteht im Rahmen der Therapie, wenn persönliches Empfinden und der ursprüngliche Namen nicht mehr übereinstimmen, der Wunsch nach einer Namensänderung. Dabei genügt mitunter schon das Weglassen des Diminutivs, um eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen, z.B. wenn aus „dem Rösli“ „Rosa“ oder aus „der Pätti,“ „Patricia“ wird. Es kann aber auch sein, dass aus Verena gar eine Chantale werden muss, oder aus dem Ruedi ein Luca. Und dann gibt es noch besonders krasse Fälle von Identitätsproblemen, beispielsweise dann, wenn sich Leute plötzlich Miriam Shrinkman nennen.