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Nur der Name von Wildenberg erinnert noch an die ersten Eigentümer, die Herrschaften von Wildenberg, die das Schloss zur Zeit seiner ersten offiziellen Erwähnung besassen, das heisst gegen 1280 und bis in 1290. Danach wurde es zum Eigentum des Bischofs im 14. Jahrhundert. Wildenberg wurde gegen 1400 zum Familieschloss der Planta von Wildenberg bis 1850.
Die erste Beschreibung des Schlosses stammt aus dem voluminösen Werk von Ulrich Campell (vollendet in 1582), das sich der rhätischen Geschichte widmete. Der massive Turm entspricht noch dem ursprünglichen Werk, von dem Campell bemerkte, dass es unzugänglich und nur für die Verteidigung geplant sei. Wenn die Grundmauer tatsächlich ins Mittelalter zurückdatieren, so stammen doch die oberen Etagen, die von Schiessscharten durchsäht sind aus den Zeiten, nachdem das Schloss während den Unruhen von Graubünden geplündert wurde und in 1618 zerstört worden war. Der damalige Schlossherr, Ritter Rudolf von Planta, und sein Bruder Pompejus, beide Mitglieder der hispano-österreichischen Partei, wurden von den politischen Kämpfen angetrieben. Die Wappen von Johann Planta von Steinsberg - vom Zweig der Planta von Ardez und seiner Frau Maria Jecklin (1649), sowie derjenigen von Hartmann von Planta und von Flandrina von Planta (ca. 1650) bestätigen, dass die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Zeit von starker architektonischer Aktivität war.
Gemäss unseren Erkenntnissen, datiert das Schloss hauptsächlich zurück zu den Renovations- und Vergrössungsarbeiten, die im Laufe der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unternommen wurde. Der eindrucksvolle Winkelturm, der seit dem 18. Jahrhundert einem aufgeblasenen Pfeil ähnlich sieht, bildet zusammen mit den zwei Wohnhäusern eine Gesamtheit. Eine Mauer verschliesst den Garten. Dekorative Zusätze im Geschmack des 18. Jahrhunderts wie die Akzente in den Winkeln durch eine Imitation von Ketten und Diamantspitzen gelingen es, die Strenge der Fassade zu dämpfen. Gearbeitete Beschläge aus Meisterhand verdoppeln die Fenster des Erdgeschosses und bilden die Brüstung des Balkons im ersten Stockwerk.
Ein Treppenhaus verbindet die zwei Hallen, die sowohl im Erdgeschoss wie auch im ersten Stockwerk - die Gründrisse sind identisch - die ganze Tiefe des Gebäudes besetzen. Die Halle des ersten Stockwerkes besitzt ein mit Stuck prächtig geschmücktes Gewölbe, das von Malereien verziert wird, ein Werk des neuen Klassizismus, der die Kunst des Gewölbes zu einem sehr hohen Grad der Perfektion erhob. Der Engadiner praktizierte diese Kunst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts, und man kann sie sogar in bescheideneren Gebäuden sehen.
Heute wird das Schloss von Wildenberg, das unterhalb der Hauptstrasse liegt, von Verwaltungsbüros der Gemeinde von Zernez besetzt.
Bibliographie