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Der «schwarze» Humor hat viele Facetten. Sowohl das Lachen aus Verzweiflung wie auch das Lächeln aus bitterer Ironie gehören dazu. Unter schwarzem Humor verstehen wir das wohlig-schauerliche Gruseln über eine Gespenstergeschichte wie auch den scharfen Zynismus und den bissigen Sarkasmus. Es gibt Kulturen, die sich auf unterschiedliche Aspekte des schwarzen Humors spezialisiert haben. In unseren Breitengraden sind dies die Österreicher, die Engländer und die Franzosen. Die Österreicher verbinden Morbidität mit Absurdität. Wenn schon die Welt untergeht, dann aber gemütlich. Die Melancholie ist die vergnügte Schwester der Depression. Die Engländer wiederum kultivieren feine Wortspiele, die in bitterbösem Sarkasmus enden. Und die Franzosen sind Meister der Groteske, deren prominentester Vertreter Quasimodo, der Glöckner von Notre-Dame, ist.
Bizarrerie
In dieser kulturellen Spezialisierung auf gewisse Aspekte des Humors ist der Grund zu suchen, warum uns die Karikaturen des «Charlie Hebdo» zu weit gehen oder warum wir sie geschmacklos finden. Sie sind bizarr. Denn es handelt sich um Pointen von Franzosen für Franzosen. Skurrilität und Bizarrerie sind Eigenheiten der französischen Komödie. Wer dieser Tatsache nicht Rechnung trägt, ignoriert nicht nur, dass andere Kulturen anders sind, sondern zeigt vor allem auch eine beängstigende Intoleranz gegenüber diesen.
Zynismus und Sarkasmus
Zynismus und Sarkasmus sind die beiden bissigen Brüder der Ironie und die bekanntesten Vertreter des schwarzen Humors. Der Zynismus ist eher angriffig, der Sarkasmus eher missmutig.Zynismus kommt von Griechisch kynikos, «hündisch» bzw. «zur Philosophieschule der Kyniker zugehörig», was sich von Kyon, «Hund», ableitet und für «bissig und schamlos» steht (Duden). Sarkasmus leitet sich von Griechisch sarkasmos, «beissender Spott», bzw. sarkazein, «zerfleischen», ab, womit «Hohn» und «Spott» gemeint sind (Duden).
Der Zyniker und der Sarkast sind zwei Hunde aus der gleichen Meute. Der Zyniker ist der junge und der Sarkast der alte Hund. Der Zyniker beisst mit Enthusiasmus und wedelt dabei noch mit dem Schwanz. Es kann sich aber auch um ein Angstbeissen handeln. Der Sarkast ist grimmiger, aber auch selbstironischer. Er schnappt eher missmutig um sich, als dass er beisst.
Tonfall
Interessant ist das Verhältnis der beiden zur Ironie, welche eine feinsinnige Lichtgestalt, eine Freundin und Helferin ist. Denn der Unterschied liegt im Tonfall. Nehmen wir an, die Lehrtochter schütte während des Meetings Kaffee über die Unterlagen. Um die Situation zu entspannen, sagt der Chef: «Ach, der Vorschlag gefiel mir sowieso nicht.» Das ist eine klassische ironische Auflösung einer peinlichen Situation. Sagt er es fröhlich mit einem Augenzwinkern zur Lehrtochter, dann entlastet er sie. Wenn er es aber in die Runde zischt, ohne die Lehrtochter anzuschauen, dann wird aus der Ironie Zynismus auf Kosten der Lehrtochter.
Bei Zynismus und Sarkasmus gilt also das gleiche Prinzip, wie wir es bereits bei der Schadenfreude kennengelernt haben: Es wird nur von unten nach oben geschossen. Auf Schwächere zu schiessen, ist keine Tugend. Ganz anders verhält es sich im umgekehrten Sinn. Wenn bei der Vorbereitung des Firmenfests alle Vorschläge der Lehrtochter, lustige Spiele zu veranstalten, abgelehnt werden, dann darf sie beleidigt sagen: «Okay! Das ist die erste Beerdigung, die ich mitorganisiere. Aber ich gehe mit euch einig, dass man nichts tun sollte, was die Stimmung hebt.» Das ist sarkastisch, aber erlaubt, denn hier verschafft sich die Unterlegene auf ironische Weise Luft, indem sie die Stärkeren verspottet.
Die bekannteste sarkastische Bemerkung der Geschichte darf sich Winston Churchill zuschreiben lassen. Während eines Streits mit Lady Nancy Astor liess sich diese zur zynischen Äusserung hinreissen, wenn sie seine Frau wäre, würde sie ihm den Tee vergiften. Churchill antwortete, wenn sie seine Frau wäre, würde er den Tee trinken.