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Glausers Stunde als Autor schlug spät
von Christa Baumberger
Hier liegen sie: Die zwei ersten Bücher von Friedrich Glauser. „Wachtmeister Studer" und „Matto regiert" sind fast gleichzeitig im Dezember 1936 erschienen. Doch der Weg dahin war lang und gewunden. Zwar fühlte sich Glauser 1916 bereits als Gymnasiast in Genf zum Schriftsteller berufen: Er inszenierte sich als literarischer Rebell und umgab sich mit einem „Rimbaudschimmer". 1917 trat er als einziger Schweizer Autor an Dada-Soiréen in Zürich auf. Doch erst mit der Erfindung von Wachtmeister Studer Mitte der 1930er Jahre fand er Eingang ins literarische Leben der Schweiz. Seine Figur Studer ist ins kollektive Gedächtnis der Schweiz eingegangen. Das ist insbesondere der Verkörperung durch Heinrich Gretler zu verdanken: Die Verfilmung von Glausers „Wachtmeister Studer" kommt 1939 ins Kino und wird zu einem durchschlagenden Erfolg. Doch zu diesem Zeitpunkt ist Glauser bereits verstorben und gerät rasch in Vergessenheit.
Die hier präsentierten Ausgaben sind vor einem Jahr ins Schweizerische Literaturarchiv gelangt. Es sind echte Raritäten, denn es handelt sich nicht einfach um Erstausgaben, sondern um Widmungsexemplare. Und diese lassen sich bei Glauser an einer Hand abzählen. Den Kriminalroman „Wachtmeister Studer" widmet er am 21. Dezember 1936 „dem lieben Professor Altwegg als Zeichen dankbarer Verehrung". Wilhelm Altwegg, seines Zeichens Germanistikprofessor in Basel, gehörte zum Herausgebergremium der „Guten Schriften". Als einer der ersten Förderer Glausers setzte er sich dafür ein, dass die Erzählung „Im Dunkel" 1937 in dieser Reihe erscheinen konnte. „Matto regiert" ist Karl Naef, dem damaligen Sekretär des Schweizerischen Schriftstellerverbandes, „als kleine Erinnerung an Glauser" gewidmet (23. April 1937). Glauser wurde im Oktober 1936 in den SSV aufgenommen und erhielt im Februar 1937 vom SSV ein Honorar, um den Zeitungsroman „Der Chinese" fertig zu schreiben.
So erzählt jede Widmung, verborgen zwischen Umschlag und Text, eine eigene kleine Geschichte. Gemeinsam legen sie Zeugnis ab von Glausers beschwerlichem Weg zum Autor.
Das Museum Strauhof in Zürich zeigt vom 5.2-1.5.2016 die Ausstellung „Friedrich Glauser - Ce n'est pas très beau".