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Der Pirarucu ist einer der größten Süßwasserfische der Welt. Er kann eine Größe von drei Metern erreichen und ein Gewicht von bis zu 200 Kilogramm. Verwertet wird von ihm alles, sein Fleisch, seine Schuppen und auch seine Haut. Für seine Heimat, die Flüsse Amazoniens, und dessen Anlieger ist er von enormer Bedeutung. Verschiedene Projekte widmen sich deshalb seiner Zucht in natürlichen Seen und ebenso seiner nachhaltigen Nutzung, unter anderem in der Region, in der der Indigenist Bruno Pereira und der Journalist Dom Phillips vor einem Jahr ermordet wurden.
Die Heimat des Pirarucu ist die Amazonasregion. Dort und ebenso in anderen Städten Südamerikas wie Rio de Janeiro, Bogotá und Lima wird er als Delikatesse in Restaurants angeboten. Für die heimische Bevölkerung ist er indes wichtiger Bestandteil der Nahrung.
Seine Beliebtheit hat in den 1990er Jahren allerdings auch beinahe zu seinem Verschwinden geführt. Im Jahr 2004 wurde von der Umweltbehörde Ibama deshalb ein Befischungsverbot ausgesprochen. Ausgenommen davon waren Indigene und Flussanlieger, die den Pirarucu zur eigenen Ernährung weiter fischen durften. Später wurden strenge Regeln zur Befischung des Riesen aufgestellt.
Seine Bestände scheinen sich erholt zu haben. Dennoch ist er weiterhin bedroht, unter anderem durch die Zerstörung oder Degradierung seines Lebensraumes, allen voran aber auch durch die illegale Fischerei.
Gewalt und illegale Befischung
Kriminelle bejagen den Amazonasriesen, nach wie vor ohne sich um irgendwelche Regeln zur Bestandskontrolle zu kümmern. Ihre Machenschaften treiben sie dabei auch in Indioterritorien. Illegale Fischerei und Invasionen des Indioterritoriums Vale do Javari wurden in den vergangenen Jahren von Bruno Pereira mehrfach angeprangert. Der lizenzierte Mitarbeiter der Indigenenbehörde Fuani hatte mit den Indigenen des Indioterrirtoriums Vale do Javari ein System zum Schutz des Gebietes vor Invasionen und illegaler Fischerei aufgebaut.
Die kriminelle Fischerei geht mit enormen Problemen einher. Anlieger und Kleinfischer verlieren Einnahmen oder werden kurzerhand mit Gewinnversprechen für die illegale Fischerei angeheuert. Die Folge ist nicht nur eine Überfischung und Bedrohung der Bestände. Sie geht ebenso mit Gewalt einher. Die führte bereits zu mehreren Toten. Trauriges Beispiel sind der Tod von Bruno Pereira und Dom Phillips. Der Indigenist und der Journalist wurden am 5. Juni 2022 im Gebiet der Gemeinschaft São Rafael kaltblütig ermordet.
Bruno Pereira, der sich für die Belange der Indigenen einsetzte, hatte sich im Vorfeld mit Bewohnern des Vale do Javari getroffen. Er unterstütze die Indigenen der Region, das Gebiet zu monitorieren. Begleitet wurde er vom Briten Dom Phillips, der an einer Reportage über Amazonien arbeitete. Nach einer von offizieller Seite nur langsam anlaufenden Suche wurden ihre Körper schließlich mit Hilfe der Indigenen gefunden. Drei der mutmaßlichen Täter wurden festgenommen. Indizien deuten daraufhin, dass sie in die illegale Fischerei verwickelt sind.
Die Umweltbehörde Ibama versucht seit Jahren, die illegale Fischerei zu unterbinden. Auch in der Gemeinde São Rafael, in dessen Nähe Bruno und Dom umgebracht wurden, gab es ein entsprechendes Projekt. Das lag seit 2020 jedoch auf Eis. Laut der Umweltbehörde Ibama sei es zu Konflikten gekommen, weil einige Mitglieder der Gemeinschaft wegen finanzieller Motive und weil sie von illegalen Händlern für die Raubfischerei von Pirarucu, anderen Fischen, Säugetieren, Alligatoren und Schildkröten kooptiert wurden. Verschärft wurde die Situation laut der Behörde durch die Coronavirus-Pandemie.
Pirarucu in Form von Ohrringen und Taschen
Jetzt sollen Pflege und kontrollierte Befischung der Pirarucubestände in São Rafael wieder aufgenommen werden. Auch im angrenzenden Indioterritorium läuft ein entsprechendes Projekt mit den Völkern Kanamaris und Mayorunas. Mit ihrem Wissen über den Pirarucu und der Kombination von Forschungsergebnissen wurde ein Pflegeplan für den Fisch in den Seen entlang der Flüsse Javari und Curuçá aufgestellt. Sie sind Grundlage für eine Art natürliche Aquakultur. Nach einer Bestandsaufnahme wurden dort jetzt Quoten erarbeitet, mit denen eine Fischentnahme zur Ernährung und kommerzielle Nutzung möglich ist, ohne den Bestand zu gefährden.
Der Pirarucu bedeutet für die Indigenen nicht nur Nahrung. Verwertet wird von dem Amazonasriesen beinahe alles. Aus seinen Schuppen fertigen Indigene und Nicht-Indigene Flussanlieger Ohrringe, Schlüsselanhänger, Ketten oder künstliche Blumen. Ein Teil der Schuppen wird auch roh an Kleinkunsthandwerker verkauft. Die Haut des Fisches eignet sich zudem hervorragend zur Gerbung. Aus ihr wird Fischleder gewonnen, das Indigene, Flußanlieger, Kunsthandwerker und auch Designer zu Taschen, Röcken oder anderen Dingen verarbeiten. Der Pirarucu bringt den Bewohnern der Region Einnahmen über den Verkauf von Fischfilets hinaus.
Auftauchen zum Schnaufen
Der Amazonasfisch mit wissenschaftlichen Namen Arapaima gigas ist in jeder Hinsicht besonders. Mindestens alle 20 Minuten taucht er auf, um Luft zu schnappen. Er ernährt sich von fast allem, was ihm die Gewässer Amazoniens bieten, dazu gehören Fische, Krebstiere und auch Reptilien. Und er hat eine Chamäleonseele. Er passt seine Körperfarbe seiner Umgebung an, um weniger wahrgenommen zu werden und so besser Beute erjagen zu können.
Viele Legenden ranken sich um ihn. Eine der mythischen Geschichten wird vom Volk der Kanamari erzählt. Nach dieser fiel ein großes Blatt eines Baumes ins Wasser. Das Blatt hat sich dabei in einen gigantischen Fisch verwandelt, den Pirarucu.