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Seit einigen Jahren werden im deutschsprachigen Raum Diskussionen dazu geführt, ob es sich noch lohnt, eine Schreibschrift zu lernen. Bereits heute lernen die Kinder die «Schnürlischrift» nicht mehr an jeder Schule. Vor 100 Jahren war eine ähnliche Diskussion im Gange. Nur ging es damals darum, ob es sich lohnt, das Schreiben neu mit Druckschrift zu erlernen anstatt gleich von Beginn weg mit einer der Schreibschriften.
Am 4. August 1923 plädierte ein Lehrer in der «Schweizerischen Lehrerzeitung» dafür, dass Kinder das Schreiben mit Druckbuchstaben erlernen sollen. Dafür berief er sich auf einen Satz, der Teil seiner Pädagogikseminare gewesen war: «vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten». Der Autor argumentiert, dass ein Kind bis zum Schulbeginn bestenfalls selten mit Schreibschrift in Kontakt kommt. Druckbuchstaben sieht es hingegen überall, etwa auf Plakaten, Schildern und Büchern – ein Vorteil für das Lernen.
Einfachere Formen
«Die Druckschrift hat aber noch einen anderen gewaltigen Vorteil. Die Buchstaben der grossen römischen Steinschrift sind viel einfacher als die Formen der Schreibschrift», so der Lehrer. «Auch der schwächste Schüler wird ein grosses lateinisches E zustande bringen, während er an der Form des Schreibbuchstabens angstvoll verzweifelt.»
100 Jahre später wird nun diskutiert, ob die Schreibschrift überhaupt noch gelehrt werden soll. Das ist unter anderem den vollen Lehrplänen geschuldet: Wieso zweimal schreiben lernen, wenn doch einmal reicht? Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die «Schnürlischrift» bald ihr letztes Kapitel erreicht.