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«Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft wird über Jahre hinaus nicht zu besiegen sein», meinte Franz Beckenbauer in einem Interview nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 1990. An der WM 1994 scheiterte der Weltmeister aber kläglich gegen Aussenseiter Bulgarien im Viertelfinale.
Beckenbauer hatte einen Irrtum begangen, den Todd Feldman von der Universität San Francisco als den kostspieligsten Fehler bei Anlegern identifiziert hat: Davon auszugehen, dass das aktuelle Geschehen sich nur unwesentlich vom zukünftigen unterscheiden werde. Besonders gefährlich wird dieser Fehler, wenn die jüngere Vergangenheit perfekt ist, wie etwa nach dem Gewinn eines WM-Titels oder einem starken Preisanstieg an der Börse. Die Chance ist gross, dass sich diese Perfektion als vorübergehende Anomalie entpuppt.
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Wachstum ist Random
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Ist Apple wirklich drei Billionen Dollar wert? Die Antwort: Nur wenn die Zukunft des Unternehmens so perfekt ist wie die Vergangenheit. Nur dann, wenn die enormen Wachstumsraten anhalten.
Die Wahrscheinlichkeit spricht hier gegen Apple. So kommen ökonometrische Untersuchungen, etwa eine Metastudie des Ökonomen Alex Coad, zum Schluss, dass Firmenwachstum einem «Random Walk» folgt, also vom Zufall bestimmt wird. Das heisst im Klartext: Selbst grosses Wachstum in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftigen Erfolg.
Die Preise für Apple-Aktien zeugen aber von einem grossen Vertrauen in die Schaffenskraft der Firma. Mit einer PE-Ratio von über 32 und einer PEG-Ratio von fast 4 ist Apple selbst für ein Wachstumsunternehmen teuer. Dabei deuten sich für den Technologie-Giganten aus Cupertino wachsende Herausforderungen an. Analytiker prognostizieren für die nächsten Jahre ein begrenztes Umsatz- und EPS-Wachstum.
Bescheidene Investitionen
So haben viele Apple-Fans aufgrund des neuen 5G-Standards ein neues Gerät angeschafft, während die Pandemie den Kauf von Digitalprodukten angekurbelt hat. Wegen dieser Sondereffekte dürfte das zukünftige Wachstum geringer ausfallen als in jüngster Zeit. Dazu kommt der Umstand, dass die jährlichen Investitionsausgaben von Apple mit 11 Milliarden Dollar im Vergleich zu anderen Tech-Giganten bescheiden sind. Google und Microsoft etwa geben das Doppelte für Investitionen aus.
Apple ist angesichts einer sich abzeichnenden Verlangsamung bei Handy-Verkäufen auf neue Produkte angewiesen. Und das bedingt fast sicher höhere Investitionsausgaben, was die zukünftige Rentabilität schmälern dürfte. Zur Erinnerung: Als Apple noch ein wirklich innovatives Unternehmen war und das iPhone sowie den iPad erfand, hatte es die höchsten Investitionsausgaben der gesamten Technologiebranche.
Unterm Strich heisst das: Ja, es ist richtig, Apple ist eine Geldmaschine mit einer enthusiastischen Fan-Basis. Gewinne und Wachstum waren in der Vergangenheit enorm. Das heisst jedoch nichts anderes als dass die letzten Jahre für das Unternehmen nahezu perfekt waren.
Aus dem Umstand einer perfekten Vergangenheit zu schliessen, dass auch die Zukunft perfekt sein wird, ist für Investoren aber gefährlich. Und mindestens so fahrlässig wie für Fussballtrainer.
Lassen Sie sich nicht blenden!
Die aktuellen Kursrekorde in den USA sind nicht unbedingt ein Zeichen für ein formidables Börsenklima. Der S&P 500 zeigt zunehmend bloss noch an, wie sich die Aktien von Apple, Google, Tesla und Co. entwickeln, während die Performance aller anderen Aktien immer weniger abgebildet wird. Investoren sollten jedoch nicht übersehen, dass viele dieser anderen Aktien den Index-Rekorden zum Trotz bereits deutliche Schwächesymptome zeigen.
Das Niveau der Börsenkurse ist sogar vielen professionellen Marktakteuren nicht mehr geheuer. In einer Umfrage des französischen Finanzunternehmens Natixis sagten über 70 Prozent der institutionellen Anleger, die Aktienbewertungen reflektierten nicht die Fundamentaldaten der Unternehmen. Jeder fünfte war sogar der Ansicht, Bewertungen spielten aktuell keine Rolle mehr.
Wenn fundamentale Gesichtspunkte nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, wäre es wichtiger, mehr auf Stimmungsindikatoren zu achten und weniger auf Fundamentaldaten, die an Bedeutung verlieren. Insbesondere dürfte es sich lohnen, eine Gruppe von Marktakteuren zu studieren, deren Verhalten Hinweise auf die Börsenstimmung gibt. Und auch über mögliche künftige Kursentwicklung.
Lesen Sie mehr hier in der grossen Auslegeordnung von «Handelszeitung»-Autor Patrick Herger. Er erklärt auch, was von den aktuell besonders beliebten Aktienrückkaufprogrammen zu halten ist. Und warum Anleger aufpassen sollten, wenn Apple-CEO Tim Cook eine Villa für 10 Millionen Dollar kauft.
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