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Ralph Caspers selbst bezeichnet sein Buch als eine Sammlung von «Notfallplänen» im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, wenn eine ihnen nahestehende Person oder ein Tier gestorben ist. Man könnte es auch als Nachschlagewerk oder Ratgeber bezeichnen, weil man es nicht ganz durchlesen muss, sondern je nach Situation Informationshäppchen herauspicken kann.
Der Wissensvermittler, der neben der «Sendung mit der Maus» auch «Wissen macht Ah!» moderiert hat, gibt im ersten Teil des Buches kurze und klare Antworten auf Fragen rund um den Tod. Sie reichen von «Wie informiere ich ein Kind über einen Todesfall?» bis zu «Wann muss ich Arzt und Bestatter rufen?».
Die Wahrheit ist immer besser
Im zweiten Teil bricht er die Informationen auf das jeweilige Alter der Kinder (von Baby bis junger Erwachsener) herunter. Er schlüsselt das Wissen auch nach dem Verwandtschaftsgrad der verstorbenen Person auf, also von «Elternteil verstorben», über «Grossvater, Grossmutter, Tante oder Onkel verstorben» bis «Haustier verstorben». Er verhandelt auf diese Weise spannende Fragen; zum Beispiel wie viel ein Baby vom Tod eines Elternteils mitbekommt und wie Ablösung im Teenageralter von einem schwerkranken oder sterbenden Elternteil gelingen kann.
In klarer Sprache und kurzen Paragrafen formuliert der Autor praktische Tipps für Menschen, die sich in einer extrem herausfordernden Situation befinden. Zur Frage, wie viel Klartext Kinder vertragen, sagt er mehrfach: «Die Wahrheit ist immer besser für Kinder und Jugendliche.» Lügen oder Drumherumreden würde nichts bringen, sondern die jungen Menschen eher verwirren oder belasten. Man solle aber auch nicht zu viel, sondern nur so viel wie nötig sagen.
Ralph Caspers plädiert sehr dafür, durch Handeln Abschied nehmen zu lassen. Also zum Beispiel, indem die Kinder etwas basteln, malen oder eine Kerze anzünden.
Neben Transparenz rät er auch dazu, Kinder in ihrer eigenen Art und altersgerecht trauern zu lassen. Er nennt die bekannten «Trauerpfützen», durch die Kinder springen, und plädiert sehr dafür, durch Handeln Abschied nehmen zu lassen. Also zum Beispiel, indem sie etwas basteln, malen oder eine Kerze anzünden. Viele Kinder wollten nach einem Todesfall schnell wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Das sei gut, weil es «stabilisierende Systeme» für sie seien. Zudem sei wichtig für sie, dass «der Alltag weitgehend aufrechterhalten werden kann».
Ist die Person, die den Ratgeber liest, zu stark mit ihrer eigenen Trauer beschäftigt, rät Caspers auch an mehreren Stellen dazu, sich oder der ganzen betroffenen Familie Hilfe zu holen, bei Trauerbegleitern oder Psychotherapeuten. Oder er plädiert für die «Caring Community», ohne sie so zu nennen: Nachbarn oder Freunde also, die helfen, den Alltag für die Kinder aufrechtzuerhalten.
Schön ist, wie der Verfasser mehrmals ermahnt, Kinder und Jugendliche nicht zu «Young Carers» zu machen, ohne den Fachbegriff zu erwähnen. Er schreibt etwa, dass man als Erwachsener gemeinsam mit einem Kind trauern und sich so gegenseitig Trost spenden kann. «Sie sollten ein Kind oder einen Jugendlichen nicht dauerhaft die Rolle eines Erwachsenen einnehmen lassen, weder emotional (trösten, Familiensystem stabilisieren) noch sachlich (Wocheneinkauf, Haushalt, gegebenenfalls Betreuung jüngerer Geschwister).» Eine solche Paternalisierung störe die psychologische Entwicklung der Kinder.
Eigene Betroffenheit
Der Autor engagiert sich in einem gemeinnützigen Verein in Köln, der Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Trauer nach dem Tod eines wichtigen Menschen begleitet und unterstützt. Daher kam einerseits die Motivation, dieses Buch zu verfassen. Andererseits verlor Caspers als 15-Jähriger seinen Vater an Krebs, wie er im Nachwort schreibt. «Hätte es damals Trauergruppen für Jugendliche gegeben, ich wäre nicht weniger traurig gewesen, aber wir hätten es vielleicht leichter gehabt, einander zu verstehen und zu unterstützen.»
Das Buch gibt viele handfeste Tipps oder verweist auf konkrete Angebote, die aber erstens nur für Deutschland gelten. Zweitens machen die Links nur in der E-Book-Version Sinn.
Man merkt an einigen falschen Angaben, dass Caspers kein Fachmann fürs Sterben ist. Bei der Frage, wie lange man eine verstorbene Person zu Hause aufbahren kann, plädiert er zwar dafür, die Toten zu betrachten und zu berühren, aber «nach vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden muss ein Toter gekühlt werden, sonst setzt die Verwesung ein». Praktikerinnen und Praktiker halten ein bis zwei Tage länger für unbedenklich, wenn nicht gerade hochsommerliche Temperaturen herrschen.
Caspers widerlegt seine Aussage, dass der Tod meistens überraschend komme, gleicht selbst mit einer Statistik der «häufigsten Todesursachen 2017»: Ausser dem Herzinfarkt (an dem 27 Prozent der Männer sterben) dominieren Ursachen, die den Tod vorhersehbar machen, wie chronische Herzkrankheit, Lungenkrebs und Demenz. In diesen Fällen überrascht der Tod nicht, und wir hätten genug Zeit, um Abschied zu nehmen – auch Kinder und Jugendliche hätten sie.