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«Das letzte Hemd hat leider keine Taschen. Man lebt nur einmal auf der Welt. […] Im Himmel braucht der Mensch bestimmt kein Geld», sang Hans Albers im Spielfilm «Das Herz von St. Pauli» und machte den Schlager von Michael Jary damit berühmt. Das «letzte Hemd» meint das Totenhemd, das man den Verstorbenen früher anzog, und die Botschaft des von Hans Stani getexteten Liedes ist klar: Mit dem Tod verlieren die auf Erden gesammelten Schätze ihren Wert. «Wir haben nichts in die Welt mitgebracht und können auch nichts aus ihr mitnehmen», heisst es schon im ersten Timotheusbrief. In dem Film von 1957 soll das Lied einen Kollegen trösten, der trotz grosser Sparsamkeit knapp bei Kasse ist. Auch heute wird das Sprichwort vom «letzten Hemd» noch bemüht, um Menschen auf ihren Geiz hinzuweisen oder um jemanden aufzufordern, sein Herz nicht zu sehr an Materielles zu hängen. Denn wie das Leben, so ist auch die Freude an den irdischen Dingen früher oder später vorbei. Wer Besitztümer anhäufe, so ist im Timotheusbrief weiter zu lesen, verstricke sich in sinnlose Begierden, die die Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzten. Die Wurzel aller Übel sei die Habgier.
Diese «Todsünde» verurteilten auch die Kirchenväter des vierten Jahrhunderts, die mit ihren Predigten den Grundstein für die bis heute gültige christliche Sicht auf privates Eigentum legten. Sie vertraten keine rein negative Sicht auf menschlichen Reichtum, forderten aber die Besitzhabenden dazu auf, sich für die Armen und für das Wohl der Gemeinschaft zu engagieren. In der scholastischen Theologie des Mittelalters wurde das christliche Eigentumsverständnis auf die Formel «destinatio universalis et proprietas privata bonorum» gebracht. Diese beinhaltet als Kerngedanken die universale Bestimmung aller Güter, die sich aus der Überzeugung ergibt, dass Gott als Schöpfer (und eigentlicher Eigentümer) der Welt die irdischen Güter nicht nur für einige wenige, sondern für alle Menschen gleichermassen vorgesehen hat. Das menschliche Eigentumsrecht ist nur ein von Gott und seinem Schöpfungswillen abgeleitetes Recht, das allein aus pragmatischen Gründen – um Unfriede zu verhindern – der universalen Bestimmung aller Güter hinzugefügt wurde.
Diese traditionelle Sicht auf das Eigentum hat sich in Kirche und Theologie bis heute gehalten und wird etwa von Papst Franziskus in seiner jüngsten Sozialenzyklika «Fratelli tutti» von 2020 vertreten. Sozialethisch kann das moraltheologische Eigentumsverständnis in die Norm der Sozialpflichtigkeit des Eigentums übersetzt werden, etwa so, dass der Gebrauch des Privateigentums «zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen» soll, wie es in Artikel 14 des deutschen Grundgesetzes heisst. Was dies im Einzelnen bedeutet, muss angesichts konkreter sozialer Herausforderungen diskutiert und bestimmt werden. Es geht darum, die Güter so zu verteilen, dass ein gutes und gerechtes Zusammenleben für alle möglich ist. So entstehen im besten Fall Schätze, die man zwar nicht in Taschen stecken kann, die aber vielleicht trotzdem den Weg in den Himmel finden.
Elisabeth Zschiedrich*