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Mei Tjen Tjin Bearth, 54, hat chinesische Wurzeln und ist in Indonesien aufgewachsen. Sie erzählt, wie sie vom buddhistischen zum katholischen Glauben gefunden hat.
Von Anouk Hiedl
In Indonesien ist nur ein Bruchteil der Bevölkerung buddhistisch. Ein Grossteil der Menschen sind Muslim:innen. Die meisten Buddhist:innen gehören der chinesischen Minderheit an – wie Mei Tjen Tjin Bearth und ihre Familie. Ihre Mutter habe sie und ihre zehn Geschwister allein erzogen, erzählt die heute 54-Jährige. Sie sei sehr gläubig gewesen, so dass sie buddhistisch aufgewachsen seien und auch danach gelebt hätten.
Schlüsselfigur
«Mama sagte immer, dass wir einen Glauben haben sollen», erinnert sich Mei Tjen Tjin Bearth. «Vom Islam und vom Hinduismus hielt sie wenig. Da fehlte ihr der Respekt vor den Frauen.» Als Jugendliche merkte sie, dass ihr Herz nicht im Buddhismus ankam. An der christlichen Schule, die sie besuchte – der Zugang zu muslimischen Schulen war ihr als Buddhistin verwehrt – lernte sie verschiedene Religionen kennen. Sie wollte mehr wissen und ging in verschiedene Kirchen. «Oft war es mir dabei nicht so wohl. In einer Marienkirche war es anders. Das war, was ich gesucht hatte. Seither bin ich in Maria verliebt. Mama hat mich umarmt, als ich ihr davon erzählte.»
Als Mei Tjen Tjin Bearth die Hotelfachhochschule in Thun machte, kam sie während eines Spaziergangs zu einem Abendgebet in Scherzligen. «Das hat mir gefallen», sagt sie schlicht. Sie fuhr fort, die Bibel vertieft zu lesen. Ein weiterer Schlüsselmoment folgte ein paar Monate später im Weihnachtsgottesdienst der Marienkirche in Frankfurt, als sie merkte: «Ich bin bereit für die Taufe.» So wandte sie sich wieder an den reformierten Pfarrer in Scherzligen, und er begann mit ihrer Unterweisung. Da Mei Tjen Tjin Bearth die Bibel bereits gut kannte, taufte er sie 1997 im Ostergottesdienst. Drei Jahre später heirateten sie und ihr katholischer Mann. Ihre beiden Kinder sind reformiert getauft, «unter anderem, damit unsere Tochter später Pfarrerin werden kann, falls sie dies möchte», hält Mei Tjen Tjin Bearth fest. Sie selbst engagierte sich ehrenamtlich stark in der reformierten Kirche. Zu Hause hingegen lebte die Familie auf ihre Initiative hin mehr den katholischen Glauben und fuhr oft nach Lourdes.
Halt und Hoffnung
2017 starb Mei Tjen Tjin Bearths Mutter, 2018 trennte sie sich von ihrem Mann und erkrankte im selben Jahr an Brustkrebs. «Anfangs hatte ich um den Knoten in der Brust ein warmes Gefühl. Als die Chemo einsetzte, war das weg. Erst habe ich im Glauben meine Arbeit getan, dann tat die Chemie die ihre. Der reformierte Pfarrer Martin Stüdeli und der katholische Seelsorger Felix Weder haben mich damals sehr gut begleitet. Ich dachte in dieser Zeit zwischen Leben und Tod oft an meinen Taufspruch «Mein Gott, ich trage mein Kreuz mit dir». Ich habe oft zu Gottvater und Maria gebetet und darauf vertraut, dass die neuste Chemotherapie helfen würde. Beides hat gewirkt.» Auf der Onkologie habe man Mei Tjen Tjin Bearth mehrmals gefragt, ob sie gläubig sei. Ihre Ärztin meinte, es sei ein Wunder, dass der bösartige Tumor nicht weitergewachsen sei und keine Metastasen gestreut habe. «Ich versprach Gott damals: Wenn ich überleben darf, werde ich meine Berufung als Katechetin leben und die christlichen Werte weitergeben.»
Seit 2019 ist Mei Tjen Tjin Bearth an ihrer Heimatpfarrei Münchenbuchsee Mitarbeiterin für kirchliche Unterweisung. Als Felix Weder sie fragte, ob sie die Ausbildung zur katholischen Katechetin besuchen möchte, sagte sie zu. «Mir wurde bewusst, dass ich meinen Glauben in der indonesischen Marienkirche gefunden hatte. Seither schlägt mein Herz für Mutter Maria. Für mich ist sie eine Brücke zu Gott und zu Jesus. Wegen ihr bin ich nun katholisch geworden.» Mei Tjen Tjin Bearth war es sehr wichtig, einen Bezug zu den Menschen und dem Ort ihrer Erwachsenenfirmung zu haben. So liess sie sich im Frühling nicht von Bischof Felix in Solothurn, sondern von Ruedi Heim in Zollikofen firmen.
Angekommen
In ihren Glauben hat sie manche Grundsätze des Buddhismus integriert, etwa «die Idee vom guten und schlechten Karma. Zum einen gehören Liebe, Barmherzigkeit, Toleranz und Respekt, zum anderen Diebstahl, Lüge und Betrug. Die zehn Gebote sind da ganz ähnlich.» Mei Tjen Tjin Bearth spricht «auf Augenhöhe» über religiösen Pluralismus, und erklärt gerne, warum sie sich mehr zum Christentum als zum Buddhismus hingezogen fühlt. Wenn es ihre Gesundheit zulässt, wird sie ab 2022 als katholische Katechetin anfangen. Ihren Glauben versucht sie, auch im Alltag zu leben. «Wie bei Jesus stehen Liebe und Barmherzigkeit da ganz weit oben.»