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In welchem Alter man einen Hengst am besten legen lässt, ist
ein hoch emotionales Thema. Liest man zum Beispiel in einem Forum etwas dazu,
weiss man am Ende meist nicht mehr was korrekt ist und was nicht. Die Meinungen
und Ansichten gehen sehr stark auseinander und nebenbei fällt es bei diesem
Thema sehr vielen schwer von Fakten zu sprechen.
Warum überhaupt einen
Hengst kastrieren lassen?
Die Frage, ob Hengste, die nicht zur Zucht vorgesehen sind,
kastriert werden sollen, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Klar ist, dass die
Haltung und der Umgang mit Hengsten eine gewisse Herausforderung mit sich
bringt. In der Schweiz wird die überwiegende Mehrheit an männlichen Tieren, die
nicht für den Zuchteinsatz vorgesehen sind, kastriert. Es werden jedoch
vermehrt Hengste für Sport und Freizeit ohne Zuchtambitionen gehalten. Dabei
stellt sich für Forscher die Frage, ob diese Tendenz mit der generell
festgestellten Feminisierung der Pferdebranche gekoppelt ist.
Die Vorschriften der Tierschutzgesetzgebung machen im Bezug
auf die Pferdehaltung keinen Unterschied zwischen den einzelnen Geschlechtern.
Es ist also verboten, Hengste ohne Sicht-, Hör- und Riechkontakt zu mindestens
einem anderen Artgenossen zu halten. Viele Hengste werden bei uns in der Schweiz in
Einzelboxen ohne Auslauf gehalten. Diese Haltungsform bringt grosse
Einschränkungen mit sich bezüglich des Sozialkontakts mit Artgenossen. Damit
die sexuelle Frustration vermieden werden kann, sollte dem Hengst dieser
Kontakt jedoch ermöglicht werden.
Um den Umgang mit Menschen und Artgenossen zu vereinfachen,
werden viele Hengste kastriert. Ebenfalls Gründe für die Kastration sind die
einfachere Haltung des Tieres und eventuell auch der leichtere Verkauf. Dazu
kommt, dass ein Pensionsplatz für einen Hengst schwieriger zu finden ist, als
für einen Wallach oder eine Stute. Laut eines Ethikberichtes ist die Kastration
von Hengsten, die nicht zur Zucht eingesetzt werden, gerechtfertigt. Die
Operation muss jedoch fachgerecht durchgeführt werden und danach hat ein
angepasstes Schmerzmanagement zu erfolgen. Ebenfalls ist die Kastration ethisch
gerechtfertigt, den Hengst nicht dem Risiko einer sexuellen Frustration
aussetzen zu wollen, die unerwünschte oder sogar gefährliche
Verhaltensstörungen hervorrufen können.
Nur selten hat die Kastration medizinischen Hintergrund. Sie
kann jedoch im Fall einer Hodenverdrehung oder bei Hodentumoren medizinisch
notwendig sein.
Allgemein:
Hengste werden im Alter von etwa 12 bis 18 Monaten
geschlechtsreif. Die Tiere die nicht in der Zucht eingesetzt werden, kastriert
man in den häufigsten Fällen. Ziel einer Kastration ist es, die sexuellen
Merkmale ihres Territorialverhaltens zu entfernen und damit ihr Sozialverhalten
im Herdenverband zu verändern. Für die Pferde ermöglicht das ein Leben in der
Gruppe ohne sozialen Stress. Die Pferde werden nach der Entfernung der Hoden
ruhiger und umgänglicher, da kein Testosteron mehr gebildet wird. In den
meisten Fällen wird die Kastration im Alter zwischen eineinhalb und vier Jahren
durchgeführt. Je früher Hengste kastriert werden, desto weniger sieht man ihr
typisches Exterieur. Wallache wachsen vermehrt in die Länge und haben einen leicht reduzierten Muskelaufbau.
Ebenfalls erreichen sie nicht eine so imposante Erscheinung und faszinierende
Ausstrahlung wie Hengste. Kastrierte
Tiere werden in der Regel etwas grösser, da sich bei ihnen die Wachstumsfugen
der Knochen etwas später schliessen.
Für den Eingriff müssen die Hengste in einer guten
körperlichen Verfassung sein. Eine Tetanusimpfung im Voraus ist sehr wichtig.
Es ist von Vorteil die kühlere Jahreszeit zur Kastration zu wählen. Dadurch kann die Gefahr von Infektionen und
Heilungsverzögerung reduziert werden. Denn die Wärme kann vermehrt Schwellung
induzieren und die Wunde von Insekten befallen werden.
Methoden:
·
Kastration im Stehen
·
Kastration im Liegen
·
bedecktes Kastrationsverfahren
·
unbedecktes Kastrationsverfahren
Im Normalfall wird sich der Tierarzt für eine Operation mit
anschliessendem Vernähen der Wunde nur dann entschliessen, wenn annähernd
sterile Bedingungen für den Eingriff geschaffen werden können. Daher kommt
diese Kastrationsmethode nur in der Klinik in Frage. Bei einer Kastration auf
dem Hof wird in der Regel die Wunde nicht verschlossen. Die Schwellung ist bei
dieser Methode meist grösser. Der
Pferdehalter wird von Tierarzt aufgefordert, sein Pferd bereits 12 bis 24
Stunden nach dem Eingriff zu Bewegen, um den Abfluss von Wundsekret zu fördern.
Bei jungen Pferden im Alter zwischen eineinhalb- und drei-
jährig wird meist im Stehen kastriert. Sie ist preislich am günstigsten. Die
Hengste erhalten bei dieser Methode eine Beruhigungsspritze und eine lokale
örtliche Betäubung. Die Vorteile dieser Methode sind der geringe Aufwand, der Ausschluss des
Narkoserisikos und der Preis. Nachteile bei der unbedeckten Kastration sind
eventuelle Nachblutungen und Schwierigkeiten, die bei komplizierten Pferden
auftreten können. Ebenfalls besteht bei dieser Kastrationsart die Gefahr von
Darmvorfall, bei dem die Darmschlingen durch den geöffneten Hodensack treten
können. Dies kann tödlich enden.
Ebenfalls kann die unbedeckte Operation auch am liegenden Pferd durchgeführt
werden, wobei hier dann wieder die Narkosegefahr besteht.
Bei älteren Pferden entscheiden sich die meisten
Hengsthalter und Tierärzte für die bedeckte Kastration in Vollnarkose. Dieser Eingriff kann entweder in einer Klinik,
in der Boxe oder auf der Weide durchgeführt werden. Bei der bedeckten Methode
wird der Hodensack des Pferdes nicht vollständig geöffnet. Die Vorteile von
dieser Variante sind das geringere Nachblutungsrisiko und die minimierte Gefahr
eines Darmvorfalls. Jedoch besteht das Risiko der Vollnarkose. Ebenfalls
handelt es sich hierbei um einen meist teuren Eingriff.
Bei Hengsten im Alter von über sechs Jahren kann der abrupte
Hormonabbruch zu Mangelerscheinungen führen. Dies äussert sich durch Mattigkeit
und Fressunlust. Ebenfalls können Temperament und Ausstrahlung verloren gehen. Beim Auftreten derartiger Probleme muss durch
Hormongaben über den Tierarzt der Hormonspiegel langsam gesenkt werden.
Alternativen zur
chirurgischen Kastration:
Die chirurgische Methode ist irreversibel und durch das
Entfernen beider Hoden wird die Testosteron- Quelle definitiv entfernt. Dadurch
kann bei erfolgreichen und wertvollen Wallachen gutes Zuchtmaterial verloren
gehen. Alternativen ohne diesen Nachteil sind „immunologische“ und „hormonale“
Methoden. Die hormonelle Methode ist in der Praxis nicht befriedigend. Hingegen
kann die immunologische Kastration neuerdings eine echte Alternative zur
definitiven Kastration sein. Bei dieser Behandlung wird eine Impfung gegen das
körpereigene GnRH Hormon durchgeführt und somit die Hormonproduktion blockiert.
Dies führt schliesslich zu einer geringeren Testosteronproduktion in den Hoden.
Die Verträglichkeit ist beim Hengst je nach verwendetem Impfstoff
unterschiedlich. Die Reversibilität ist jedoch nur bei rund 80% der geimpften
Pferde gegeben.
Nach der Kastration:
Die Tiere dürfen bereits nach der Operation, sobald die
Sedierung nachgelassen hat wieder auf die Weide oder den Paddock. Ebenfalls
dürfen die Tiere ein bis zwei Tage nach dem Eingriff wieder leicht geritten
oder spazieren geführt werden. Nach drei Wochen dürfen die Wallache wieder
normal bewegt werden.
Spätestens sieben bis acht Tage nach der Kastration findet
man beim Wallach keine beweglichen Spermien mehr. Der direkte Kontakt mit
Stuten sollte daher bis zu diesem Zeitpunkt gemieden werden.
Hengstigkeit bei Wallachen gilt als angelerntes Verhalten
und ist häufig bei spät kastrierten Pferden festzustellen. In erfahrenen
Züchterkreisen spricht man davon, dass die Wallache 4- 8 Wochen nach der
Kastration ihr Hengstverhalten zum grössten Teil ablegen.