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Das Theodizee-Problem bezeichnet den Versuch, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie das empfundene Leid in der Welt erklärt werden kann, wenn Gott sowohl allmächtig, allwissend als auch gut ist. Diese jahrhundertealte Frage kombiniert Martin Schacher in seiner Dissertation "Die Evolution des natürlichen Übels? Eine historisch-systematische Betrachtung" mit den neusten Erkenntnissen der Evolutionsbiologie. "In der Natur beobachtet man im Prozess der Evolution ziemlich brutales Verhalten zwischen verschiedenen Organismen, welches das Aussterben von Individuen und Arten zur Folge hat. Die Frage, wie das mit der Güte Gottes vereinbar ist, beleuchte ich in meinem Projekt mit einem interdisziplinären Ansatz", so der Doktorand an der Theologischen Fakultät. Insbesondere die Verbindung von Theologie und Naturwissenschaft interessiere ihn. "Theorien zur Kooperation und Aggression zwischen Organismen werden in der Theologie zwar meist kurz angesprochen, jedoch nicht im Detail behandelt." Sein Ziel sei es, diese Theorien detaillierter zu besprechen und dadurch die Theodizee-Problematik differenzierter abzubilden.
Forschungsaufenthalt in Paris
Martin Schachers Dissertation wird von Prof. Dr. Wolfgang W. Müller, Professor für Dogmatik und Leiter des Ökumenischen Instituts, betreut. Das Projekt gliedert sich in drei Abschnitte. Im ersten Teil stellt Schacher aktuelle evolutionsbiologische Erklärungsmodelle zur Kooperation und Aggression von Organismen in der Natur vor. Anschliessend trägt er theologisch-naturphilosophische Konzeptionen über das Phänomen des Übels in der Natur zusammen. Zu diesem Zweck geht Martin Schacher für ein Jahr nach Paris, ans "Centre Sèvres", wo er im "Archives Teilhard de Chardin" forscht. Die darin aufbewahrten Schriften des gleichnamigen Philosophen und Theologen (1881–1955) gehören zu einer seiner Hauptquellen. Im letzten Teil wird Schacher den Versuch unternehmen, die gewonnenen Erkenntnisse in einer kompakten Zusammenfassung darzustellen und offen gebliebene Fragen aufzuzeigen. Martin Schacher: "Ich erwarte, dass ich schlussendlich das komplexe Beziehungsgefüge zwischen den beiden Disziplinen analysieren und daraus ein vertieftes theologisches Verständnis für die Autonomie der Natur entwickeln kann."
Unterstützung für Nachwuchsforschende
Martin Schacher erhält für sein Projekt 231'000 Franken (gerundet) vom SNF. Die Förderung ist auf vier Jahre angelegt; das Projekt startet am 1. März 2020. Die sogenannten Doc.CH-Beiträge des SNF ermöglichen aussichtsreichen Nachwuchsforschenden der Geistes- und Sozialwissenschaften, ihre Doktorarbeit zu einem selbstgewählten Thema zu verfassen. Die Förderung beinhaltet das eigene Gehalt der Doktorierenden und trägt zur Deckung anfallender Projektkosten bei.