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Die FDP ist, wie die Analyse der Wahlen 2007 zeigte, nur noch bedingt eine Milieupartei. Und die CVP? In der Literatur wird vor allem der ländlich-katholische Charakter der Partei herausgestrichen. Exemplarisch hierfür Wolf Linder:
„Hervorgegangen aus der Katholisch-Konservativen Opposition gegen den Bundesstaat 1848 (…) Stark verwurzelt in den katholischen, agrarisch- kleingewerblichen Gebieten.“ (Linder 2005: 107)
Zu erwarten ist also, dass die CVP-Wahlwahrscheinlichkeit in ländlichen und katholischen Milieus erhöht ist. Der Konflikt zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden ist bei der CVP hingegen weniger zentral. Bereits früh wurde die katholische Arbeitnehmerschaft über verschiedenste Organisationen in die Partei integriert. Allenfalls kann, wie aus dem Zitat von Linder hervorgeht, eine erhöhte Wahlwahrscheinlichkeit bei Kleinunternehmern und Selbständigen beobachtet werden.
Tatsächlich war 1995 die CVP-Wahlwahrscheinlichkeit bei der ländlichen Bevölkerung fünf Prozent höher als bei der städtischen Bevölkerung. Im Laufe der folgenden zwölf Jahren ging dieser Charakterzug der CVP zunehmend verloren. Heute ist die Frage ob jemand in städtischen oder in ländlichem Gebiet wohnt kein guter Indikator um seine Affinität gegenüber der CVP vorherzusagen.
In Bezug auf die Religion kann die erwartet starke Verankerung bei der katholischen Bevölkerung beobachtet werden. Allerdings (und dies gilt bereits 1995) spielt das religiöse Milieu ausschliesslich bei den praktizierenden Katholiken eine Rolle. Alle anderen Gruppen wählten weder häufiger noch seltener CVP als Personen ohne Religion. Werfen wir also einen Blick auf die praktizierenden Katholiken: Sie wählten im Jahr 2007 so treu CVP wie im Jahr 1995. Die Wahlwahrscheinlichkeit verstärkte sich sogar leicht, sodass sie 2007 18 Prozent höher liegt, als jene der Personen ohne Religion. Offensichtlich ist es der CVP, anders als der FDP, nicht gelungen ihr katholisches Image abzulegen. Im Anbetracht dessen, dass praktizierende Katholiken eine der am stärksten schwindenen sozialen Gruppen ist, kann die religiöse Prägung der Partei zu einer Hypothek werden. Gerade auch diese Beobachtung zeigt wie wertvoll ein Zusammenschluss mit der (protestantischen) BDP hätte sein können (resp. sein kann).
Die Analyse der Wahlen 1995 zeigt, dass nur wenige Klassen an die CVP angebunden sind. Nur zwei schwache Effekte können beobachtet werden: Sowohl soziokulturelle Spezialisten (etwa Lehrer, Journalisten) als auch Arbeiterinnen wählen leicht weniger wahrscheinlich CVP als die Referenzgruppe der Manager. Diese Abneigung hat sich sich im Laufe der Jahre bei beiden Gruppen weiter akzentuiert. Neu ist auch die Wahlwahrscheinlichkeit anderer Gruppen deutlich niedriger: So etwa jene der Dienstleistenden, jene der Selbständigen und jene der Kleinunternehmerinnen.
Welches Fazit können wir aus diesen Ergebnissen ziehen? Zunächst legen sie nahe, das Zitat von Wolf Linder zu zwei Drittel zu revidieren: Die CVP ist keine ländliche, kleingewerbliche Partei mehr. Aus methodischer Perspektive muss hier allerdings eingewendet werden, dass der unerwartet schwache Stadt-Land Effekt teilweise vom Religionseffekt überlagert sein könnte. Denn: die Anbindung des (praktizierenden) katholischen Milieus an die Partei ist nach wie vor enorm stark. Wie bereits angesprochen ist gerade aus dieser Perspektive eine Heirat von BDP und CVP attraktiv. Beide Parteien würden wohl, zumindest in Bezug auf die religiöse Prägung, eine unabhängige Wählerschaft in die Ehe mitbringen.
Die Analyse der sozialen Klassen zeigte eine starke Bewegung zwischen 1995 und 2007. Generell dürfen diese Entwicklungen der CVP nicht gefallen. Die Partei verliert bei Kleinunternehmern, Selbständigen, Arbeitern und Dienstleistenden (etwa Krankenpfleger oder Detailhändlerinnen) teilweise stark an Rückhalt. So wird sie verstärkt zu einer Partei der Besserverdienenden. Die CVP ist heute eine Partei der Manager.
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→Dies ist der Folgebeitrag zum Artikel Wer wählt die FDP?