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Obligatorische Schule
Schlüsselbegriffe: Bildungsausgaben / Bildungsstandards / HarmoS / Qualitätsentwicklung und -sicherung im Bildungsbereich / Sprachregionale Lehrpläne / Rechtliche Rahmenbedingungen in der Sonderpädagogik / Mobilität und Austausch
Die Schulpflicht dauert elf Jahre. Die Primarstufe – inklusive zwei Jahre Kindergarten oder die ersten beiden Jahre einer Eingangsstufe – umfasst acht Jahre, die Sekundarstufe I drei Jahre. Im Kanton Tessin dauert die Sekundarstufe I (Scuola media) vier Jahre. Bei Beginn der Schulpflicht sind die Kinder in der Regel vier Jahre alt.
Es gibt einige wenige Kantone in der Deutschschweiz, in denen der Besuch des Kindergartens nicht obligatorisch ist oder nur ein Jahr obligatorisch besucht wird, aber auch in diesen Fällen besucht in der Regel die grosse Mehrheit der Kinder während zwei Jahren den Kindergarten. In einigen Kantonen der Deutschschweiz können die Gemeinden eine Grund- oder Basisstufe (Form der Eingangsstufe) führen. Bei dieser Organisationsform besuchen vier- bis achtjährige resp. vier- bis siebenjährige Kinder die gleiche Klasse. In der Westschweiz zählt man die Kindergartenjahre in der Regel zum «cycle 1» oder «cycle primaire1», der vier Jahre dauert. Im Kanton Tessin wird zusätzlich zu den zwei obligatorischen Kindergartenjahren noch ein fakultatives Jahr für Kinder ab drei Jahren angeboten.
Organisation der obligatorischen Schule
Die Kantone sind für die obligatorische Schule zuständig. Sie legen die Lehrpläne und Stundentafeln fest und bestimmen die Lehrmittel. Gemäss der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule erfolgt die Harmonisierung der Lehrpläne und die Koordination der Lehrmittel auf sprachregionaler Ebene. Die Westschweiz hat den «Plan d’études romand (PER)» bereits eingeführt. In den deutsch- und mehrsprachigen Kantonen liegt der Lehrplan 21 vor. Die Einführung des Lehrplans obliegt den Kantonen. Im Kanton Tessin befindet sich der Lehrplan in Überarbeitung.Die Gemeinden organisieren den Schulbetrieb. Die hohe lokale Verankerung erlaubt angepasste Lösungen vor Ort.
Der Besuch der öffentlichen obligatorischen Schule ist für alle Kinder unentgeltlich. 95% der Kinder besuchen öffentliche Einrichtungen. Die Schulpflicht gilt auch für Kinder ohne geregelten Aufenthaltsstatus. In der Schule treffen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichem Entwicklungsstand, unterschiedlicher Leistungsfähigkeit, sozialer und sprachlicher Herkunft sowie unterschiedlichem Verhalten aufeinander. Diese Leistungs- und Begabungsheterogenität der Schülerinnen und Schüler sowie die kulturelle Heterogenität der Klassen stellen die Schule vor grosse Herausforderungen. Mit entsprechenden Massnahmen gewährleistet die Schule ein gemeinsames Lernen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten differenzierenden und individualisierten Unterricht und werden durch die Regelschullehrpersonen oder ggf. durch Fachpersonen (bspw. schulische Heilpädagogen/Heilpädagoginnen) individuell unterstützt. Zu fördernden Massnahmen in der Regelschule gehören u.a. Begabtenförderung, Sprachförderung, Sprachförderung für fremdsprachige Kinder, Förderung in einzelnen Fächern, Logopädie, Psychomotorik etc. Übersteigt der Förderbedarf die Möglichkeiten des Regelunterrichts, kommen verstärkte Massnahmen zum Tragen.