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Ein Tesla im Jahre 1914
«Jeder Arbeiter muss möglichst wenige und möglichst einfache Handgriffe immer wiederholen – und das möglichst schnell.» So begründete der US-amerikanische Ingenieur Frederick W. Taylor (1856– 1915) seine Forderung, wonach in Zukunft nicht mehr der Mensch, sondern das System Priorität hat.
Der Wunsch nach Automatisierung, Beschleunigung und Gewinnoptimierung führte Mitte des 19. Jahrhunderts zu den Demontagebändern in den Schlachthöfen von Detroit. Eine Gruppe schlitzte im Akkord Rinder auf, die nächste Gruppe entfernte die Eingeweide, und das Fliessband gab den Takt an. Brauchte ein Schlachter bisher zehn Stunden, um mit seinen Gehilfen eine ganze Kuh zu zerlegen, reduzierten ab 1865 die Fliessbänder die Arbeit auf fünfzehn Minuten. Was früher noch drei Dollar die Stunde kostete, schlug gerade noch mit einem halben Dollar zu Buche, denn jetzt konnten auch Ungelernte eingesetzt werden.
Das hat den Farmersohn Henry Ford (1863–1947) nachhaltig beeindruckt. Er war seit frühester Jugend ein Technikfreak und träumte davon, ein Auto zu entwickeln, das sich günstig produzieren liess. Bereits 1914 führte Ford in seinen Werkhallen fliessende Montagebänder ein und ermöglichte mit seinem «Fordismus» auch anderen Branchen billige Massenfertigung.
Was heute vor den Toren Berlins entsteht, halten Analysten für ähnlich revolutionär wie Fords Fliessbänder vor rund hundert Jahren. Hier findet die Revolution des Karosseriebaus statt. Benötigte der Unterboden des Models 3 bisher 70 verschiedene Metallteile, pressen nun gigantische Gussmaschinen alles in ein einziges Teil, so einfach und schnell, als handle es sich um ein Spielzeugauto. Während bei der Konkurrenz ein Auto die Fertigungshalle verlässt, werden es bei Elon Musk gleich drei sein.
Weniger revolutionär gebärdet sich der Berliner Stadtrat, der zwar Elektrofahrzeuge fördern will, aber immer noch keine definitive Baugenehmigung für die «Gigafactory» ausgestellt hat. An Weihnachten sollte der erste von jährlich 500 000 Teslas die Fabrik verlassen, aber Elon Musk macht gerade die Erfahrung, dass es wohl einfacher ist, den Mars zu kolonisieren, als die ideologisch gelähmte Berliner Bürokratie zu bewegen.