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Die anglikanische Diözese von Auckland (Neuseeland) hat die Mitglieder kleiner Gemeinden dazu angeleitet, Teams zu bilden, die miteinander das Pfarramt und weitere Dienste übernehmen. Der zu «Local Shared Ministry» (LSM) führende Prozess wurde am 17. November an einer Tagung in Winterthur-Veltheim vorgestellt. Die Teilnehmenden diskutierten, was von LSM hierzulande aufgenommen werden kann.
Die Veranstalter, das Hittnauer Pfarrerehepaar Marcus Maitland und Christine Reibenschuh und Professor Ralph Kunz von der Universität Zürich, erörterten mit den 80 Teilnehmenden, welche Aspekte von LSM nach den in Neuseeland gemachten Erfahrungen hierzulande nützlich sein könnten.
Dass die getauften Gemeindeglieder alle zum Einbringen ihrer Begabungen berufen sind und darin gefördert werden sollen, entdeckten die Reformatoren zwar als urkirchliche Dynamik wieder – doch brachten sie es in den evangelischen Kirchen nicht zum Tragen. Seither begleitet das «Priestertum aller Gläubigen» die protestantischen Grosskirchen als irritierende Verheissung.
Nöte kleiner Gemeinden
Es waren die Schwierigkeiten kleiner Pfarreien, Geistliche zu finden und zu bezahlen, welche die anglikanische Kirche Neuseelands in den 1990er Jahren dazu brachten, lokal Teams für ein geteiltes Pfarramt zu bilden. Ralph Kunz verwies auf den grundlegenden Wandel: Die Gemeinden in Neuseeland hätten angefangen, den «Laien» zuzutrauen, dass sie das Evangelium bezeugen, die Menschen segnen und ihnen dienen können. Sie hätten wieder zur Erkenntnis zurückgefunden, dass es mit Christus in der Mitte eine Mündigkeit der Gläubigen gibt.
Das Pfarramt hat im Laufe der Zeit verschiedene Gaben und Dienste in einer Person und einer Profession gebündelt. LSM basiere dagegen auf der Berufung von verschiedenen Gabenträgern, sagte Kunz. Beide Modelle haben Chancen und Risiken. Die Landeskirchen tendieren dazu, die Professionalisierungs- und Zentralisierungsstrategie zu favorisieren. Im Sinne einer Mixed Economy gelte es, auch alternative Ansätze zu prüfen, Umsetzungsoptionen zu diskutieren und zu erproben.
Leuchttürme…
Nachdem Christine Reibenschuh Erfahrungen in Neuseeland geschildert hatte, legte Marcus Maitland Voraussetzungen für einen Veränderungs-Prozess mit LSM dar, dies ohne die grossen Unterschiede zwischen Neuseeland und der Schweiz auszublenden. (Im Inselstaat forderte der Bischof der Diözese Auckland die kleinen Gemeinden heraus, Neues zu wagen; er wurde über alle Schritte in den Gemeinden informiert und stützte die Teamentwicklung mit seiner geistlichen Autorität und mit Massnahmen.)
Damit das Gemeindeschiff mit LSM nicht in die Irre fährt und auf einem Riff aufläuft, braucht es laut Maitland Leuchttürme zur Orientierung. Wenn Nicht-Theologen in Teams geschult werden, den Pfarrdienst miteinander zu übernehmen, ist erstens die «Expertise des Nichtwissens» (Buchinger, Klinkhammer) gefragt. Die Dynamik der Abläufe sei viel komplexer als eine einfache Kausalkette. «Was ich in eine Gemeinde hineingebe, bewirkt mehr und anderes, als ich mir vorstelle.» Die Gemeinde und der Prozess entzögen sich der Kontrolle. Leitende hätten sich selbst als Teil des Prozesses zu verstehen. «Es ist legitim, sich von Antworten überraschen zu lassen.»
… für einen komplexen Prozess
Zweitens ist beim Abschied vom Vertrauten (Trauer!) die bisherige Arbeit zu würdigen. Wesentlich ist gemäss Maitland drittens ein lösungsorientierter Fokus. Viertens habe die Gemeinde «zu einem Dialog und Verständnis über geistliche Entwicklung zu kommen: dass das Vorbereiten, das Feiern und das soziale Engagement eine geistliche Quelle haben». Dazu gehört die Frage: Was für ein Gottesdienst nährt uns wirklich?
Fünftens braucht der Prozess die Rückbindung an das Evangelium (sola scriptura) und theologische Reflexion. In Neuseeland stand jeder Gemeinde, die sich zu LSM entschloss, ein vom Bischof eingesetzter «Enabler» (Ermächtiger) mit einem kleinen, von der Gemeinde zu bezahlenden Pensum bei. Er leitete den Prozess, gab Ermutigung und Korrektur und schulte die Beteiligten.
Ganze Gemeinde gefragt
Marcus Maitland, Dekan des Bezirks Pfäffikon, erläuterte anschliessend das Vorgehen bei LSM. Grundlegend: Die ganze Gemeinde muss beteiligt werden; sie muss wissen, worauf sie sich einlässt, und den Prozess mittragen. Mit grosser Sorgfalt, in definierten Schritten, verlief in der anglikanischen Kirche die Suche und Berufung von Personen für die Ämter und ihre Einsetzung. Der Bischof erteilte dann der Gemeinde die Lizenz, als LSM-Gemeinde weiterzubestehen. Die neu Verantwortlichen wurden geschult und begleitet und ihr Wirken auch überprüft, dann – bei dreijähriger Amtszeit – auch Nachfolger gesucht.
Die Transformation zu LSM gelang einem guten Dutzend Gemeinden in der anglikanischen Kirche von Neuseeland, weil der Bischof sich dafür engagierte, eine Gesamt-Koordinatorin viel Goodwill schuf und die Synode neue Strukturen zuliess. Maitland erwähnte auch Stolpersteine; das langfristige Fortbestehen der LSM-Gemeinden versteht sich nicht von selbst.
Nach den Vorträgen diskutierten die Versammelten im KGH Veltheim Aspekte von LSM und was es für hiesige Gemeinden bedeuten könnte. Die Anstösse werden da und dort zu reden geben.