Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03398.jsonl.gz/659

Von Frostbeulen und Heissblütern
Warum klappern die einen mit den Zähnen, während die andern noch seelenruhig mit offener Jacke herumspazieren? Weshalb ziehen Frauen Bettsocken an, während ihre Männer unter der Decke schwitzen? Prof. Dr. med. Daniel Hayoz, Chefarzt transversal der Klinik für Innere Medizin, erklärt, warum die Kälte nicht allen gleich zusetzt.
Wie empfinden wir Kälte?
Die Haut verfügt über Thermorezeptoren, die je nach Körperstelle unterschiedlich dicht verteilt sind. Die sogenannten Kaltrezeptoren, die dreimal so zahlreich sind wie Warmrezeptoren, geben einen Nervenimpuls ab, dessen Frequenz ab 10°C abnimmt.
Weshalb frieren manche Menschen schneller als andere?
Das Temperaturempfinden ist individuell, aber es gibt bestimmte Faktoren, die zu einer ausgeprägten Kälteempfindlichkeit führen, so etwa Blutarmut, Eisenmangel, Schilddrüsenunterfunktion, eine gestörte Temperatursteuerung im Hypothalamus, Magersucht, Diabetes oder gewisse Medikamente.
Frieren Frauen wirklich schneller als Männer?
Es stimmt, dass die Blutgefässe von Frauen ein bisschen schneller auf Kälte reagieren als die von Männern. Bei Kälte nimmt ihre Blutzirkulation stärker ab und bleibt länger eingeschränkt. Auch die Östrogene erhöhen die Kälteempfindlichkeit der weiblichen Blut- gefässe. Dazu kommt, dass Frauen einen zehn Prozent höheren Körperfettanteil haben als Männer. Das Körperfett schützt zwar die lebenswichtigen Organe vor Kälte, sorgt gleichzeitig aber auch dafür, dass weniger Körperwärme bis zur Haut vordringt.
Blutgefässe von Frauen reagieren schneller auf Kälte als die von Männern
Warum bekommen wir kalte Hände und Füsse?
Hände und Füsse werden allein durch die Blutzirkulation gewärmt; Extremitäten verfügen über keinerlei Fettreserven. Wenn die Blutgefässe allzu empfindlich auf eine Temperaturabnahme reagieren, führt die verminderte Blutzirku- lation rasch zu einem Kältegefühl.
Wie komme ich durch den Winter, ohne zu frösteln?
Als Erstes kann man zum Beispiel die Heizung zurückdrehen. Eine Zimmertemperatur von 20°C ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern hilft auch, den Körper nicht zu hohen Temperaturschwankungen auszusetzen. Um den Körper daran zu gewöhnen, mit Temperaturschwankungen zurecht zu kommen, wird auch empfohlen, sich regelmässig draussen aufzuhalten oder Sport zu treiben.
Helfen heisse Getränke beim Aufwärmen?
Kurzfristig ja, da der Mund eine der temperaturempfindlichsten Körperstellen ist. Die heisse Flüssigkeit vermag die Temperatur im Körperinnern jedoch nicht zu erhöhen.
Sind kälteempfindliche Menschen anfälliger für Krankheiten?
Menschen, die aufgrund einer Erkrankung kälteempfindlich sind, sind tatsächlich anfälliger. Wer einfach sonst schnell friert, kommt mit den üblichen Massnahmen zum Schutz gegen die Kälte problemlos durch den Winter, sofern er keine Grippe erwischt.
Büro Eine Polemik in den USA hat kürzlich gezeigt, dass die Klimasysteme in Büros auf die Wärmeproduktion von Männern eingestellt sind. Diese liegt jedoch 35 Prozent höher als jene von Frauen. Und eben erst ergab eine Studie, dass Frauen für eine optimale geistige Leistungsfähigkeit höhere Temperaturen benötigen als Männer.