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Die nachfolgenden Reise-Tipps sollen Ihnen dazu dienen, Ihre (Brasilien) Ferien anzutreten im Bewusstsein, dass der Tourismus für viele von Vorteil sein kann: für die Reisenden, für die lokalen Kommunen und für die Umwelt.
Die Anreise
Egal ob per Flugzeug, Omnibus, Auto, Zug oder Boot, denken Sie daran: Sowie Sie die Füsse auf Ihre gewählte Destination setzen, interagieren Sie bereits mit der Umwelt und der Kultur des Ortes. Also kommen Sie mit Ruhe, mit Zeit und in Bescheidenheit dort an. Wenn Sie sich hektisch in die Ferien stürzen, mit grossen Erwartungen – stopp! Packen Sie keinen Stress in Ihr Gepäck! “Der zeitgenössische Tourist in seiner Begierde, seine Reise bis zum letzten Highlight auszukosten, verwandelt das Erlebnis in einen Konsumartikel”, sagt ein Professor der Kurse im erhaltenden Tourismus, beim SENAC in São Paulo, gibt. Multipliziert man ein solches Verhalten, dann kann man verstehen, warum dies die Zerstörung der natürlichen Ressourcen und die kulturelle wie gesellschaftliche Entcharakterisierung nach sich zieht. Wenn eine Destination anfängt, ihren Charme durch den Massentourismus zu verlieren, dann ist dies das Ende der Geschichte: Die Destination wird von Besuchern gemieden, die jetzt nach einem neuen Paradies suchen, um es zu degradieren.
Die Idee des erhaltenden Tourismus entstand zusammen mit den ambientalen Bewegungen der 1980er Jahre, in der Absicht, die jeweilige Identität der touristischen Sehenswürdigkeiten zu schützen und ihr natürliches Ambiente zu erhalten. “Heute bemühen sich zirka 20% der Touristen weltweit darum, diesem Anspruch gerecht zu werden. Und diese Zahl wächst, zum Wohl unseres Planeten“, sagt der Professor.
Wo sollte man sich einquartieren
In Hotels und Pousadas, die in ihre natürliche Umwelt integriert sind, und die die lokale Architektur respektieren, das heisst, sich ihr angepasst haben. Seit der Mitte des Jahres 2007 werden Hotels, Pousadas und Resorts vom “Instituto de Hospitalidade“ zertifiziert, einer NGO, die an Entwicklungsprojekten für den erhaltenden Tourismus arbeitet. “Sie können Ihren Teil dazu beitragen, indem Sie kontrollieren, ob die Besitzer keine Tiere in Gefangenschaft halten, ob sie für eine Wiederaufbereitung des Mülls Sorge tragen, ob sie Wasser sparen, ob sie saubere Energie verwenden (wie zum Beispiel Solarenergie) und ob sie sich an einem Programm zur Erhaltung der lokalen Flora und Fauna beteiligen“, sagt ein Sprecher vom “Instituto de Hospitalidade“. Ein gutes Beispiel ist die Vereinigung der Pousadas “Roteiros de Charme“, die nur solche Betriebe aufnimmt, die sich einen ethischen und ambiental korrekten Code auf ihre Fahne geschrieben haben.
Suchen Sie Unterkünfte auf, die lokale Guides, Dienstleistungen und Produkte anbieten. Das Carioca-Projekt “Cama e Café (Bett und Kaffee)“ zum Beispiel, befähigt Bewohner des charmanten Stadtteils “Santa Teresa“, ihr Heim in Herbergen umzuwandeln, mit Frühstück. Dieser Herbergs-Stil ist bereits weit entwickelt in Europa (hier kennt man ihn unter “Bed and Breakfast“), er fördert die Interaktion zwischen Tourist und Bewohner und, ganz anders als in den grossen Hotelpalästen, fliesst das Geld direkt in die Hände der lokalen Kommune.
Was sollte man sich ansehen
Alles was an empfohlenen Sehenswürdigkeiten vor Ort existiert: In erster Linie das typische kulturelle Programm der Region. Besuchen Sie eine Disko, die Musik spielt, welche Sie schon in Ihrer Stadt mal gehört haben, oder gehen Sie zu einer Präsentation von regionalen Akkordeonspielern – unterhalten Sie sich mit den Musikern. Erstens stimulieren Sie auf diese Art die künstlerische Produktion, und zweitens werden Sie so authentische Kompositionen kennenlernen. Ein Projekt, das sich über ganz Brasilien erstreckt, ist zum Beispiel “Diamantina Sempre Viva“, es wiederbelebt die lokale Kultur der historischen Stadt in Minas Gerais und verleiht ihr neue Attraktivität. Unter den organisierten Programmen ist auch das religiöse Tanz- und Musik-Spektakel “Caminho de Todos os Santos“, oder das Projekt “Tropeiros“, das der Folklore der Ochsentreiber gewidmet ist, und “Serestar“, hier versammeln sich Gruppen von Kantaten-Sängern die der Volksmusik des Ortes neues Leben geben. Hier versammeln sich auch Bewohner, bislang ohne Perspektiven, um ihre Kultur zu diskutieren und dem Besucher ein künstlerisches Programm mit lokalen Wurzeln anzubieten.
Beachten Sie auch die historischen Plätze und die Natur ringsum – ohne etwas zu unterbrechen, mitzunehmen oder zu zerstören. Dies ist ein Prinzip des Ökotourismus, der Reisen in unberührte Naturlandschaften propagiert. Weder Muscheln, Bruchstücke von Ruinen, oder historische Objekte sollten Sie als Souvenirs mitnehmen. Machen sie stattdessen ein Foto, kaufen Sie eine Postkarte, nehmen Sie ein Heft mit auf die Reise für Zeichnungen oder Notizen.
Wo sollte man essen
Vorzugsweise in traditionellen Restaurants, die regionale Speisen servieren. Lassen Sie mal die internationalen Restaurants weg und auch die Fast-Food-Ketten. So trainieren Sie Ihre Geschmackssensoren auf neue Zutaten und unbekannte Rezepte, und Sie gewinnen einen Einblick in die lokale Gastronomie, die vielleicht in spezieller Begleitung erscheint: einer warmherzigen Bedienung, mit Akzent und Gewürz der Region.
Sie haben sicher schon bemerkt, dass Restaurants, Unterkünfte und Shows sich weltweit immer mehr vereinheitlichen – besonders in Regionen mit Massentourismus. Das Phänomen der Destinationen ohne Personalität macht sich breit – keine einzigartigen Attraktionen mehr und kein kulturelles Flair. Und das passiert überall, wo der Massentourismus die Singularität verschlingt: in Sidney, Hongkong oder Rio de Janeiro. In der Gegenrichtung dieser Bewegung suchen viele Touristen etwas, das noch nicht “pasteurisiert“ wurde, das anders ist, weil es seine Originalität bewahren konnte. “Vor zwanzig Jahren suchte der Tourist seine Reise nach dem Hotel aus und dem Komfort, den dieses Hotel ihm zu bieten versprach. Die grundsätzlichen Fragen richteten sich auf Aircondition, Fernseher und Minibar im Zimmer“, bemerkt ein Touristik-Professor. Der Tourist von heute, anstatt sich nach solcher Einrichtung zu erkundigen, möchte wissen, ob das Hotel in Harmonie mit der Umwelt steht, und ob das von ihm benutzte Wasser in eine Wiederaufbereitungsanlage fliesst. Und vielleicht, ob er dort auch typische regionale Speisen serviert bekommt.
Gute Einkäufe
Legen Sie Wert darauf, die kunsthandwerklichen Produkte kennenzulernen, die von den einzelnen Kommunen hergestellt werden. Im Kunsthandwerk kommen Materialien der Region zur Anwendung, und ihre Verarbeitung repräsentiert die Identität der Bevölkerung. Lassen Sie die Kioske und Andenkenläden links liegen, die alle das Gleiche anbieten, wenden Sie sich lieber an die einzelnen Kunsthandwerker auf den offenen Märkten, wo sie ihre Produkte anzubieten pflegen. Informieren Sie sich über die Herkunft der einzelnen Produkte und die Geschichte der Kunsthandwerker. Noch besser: Machen Sie einen Besuch in der Werkstatt, wo das Kunsthandwerk angefertigt wird, um den Arbeitsprozess aus der Nähe zu verfolgen!
Es gibt verschiedene Bewegungen in Brasilien, die die kunsthandwerkliche Produktion inzentivieren (anreizen). In “Luz de Bonito“, zum Beispiel, hat das fast ausgestorbene Kunsthandwerk den kleinen Ort in Süd-Mato-Grosso, bekannt durch den Ökotourismus, mit seinen wiederbelebten Arbeiten in Leder und am Webstuhl, der regionalen Kultur sichtbaren Auftrieb gegeben. Die Bewohner haben ihre Identität mit dem Kommerz, der Produktion und dem Verkauf ihrer Artikel, gefördert durch den erhaltenden Tourismus, wiedergewonnen. Wenn Sie nun die kleinen Geschenke für Ihre Familie kaufen, vermeiden Sie Produkte, deren Rohmaterial aus Teilen von Tieren besteht, die von der Ausrottung bedroht sind. Streichen Sie auch Objekte von ihrer Liste, die aus der Natur in die Umwelt schädigender Weise entfernt wurden, wie Muscheln, Steine oder Korallen. Mit einer solchen Haltung tragen Sie dazu bei, zukünftiges Sammeln solcher Materialien zu verringern.
Wann reisen
Vermeiden Sie die populären Reiseziele während der Hochsaison und in den Ferien, sie sind dann überlaufen. Auf diese Weise lassen Sie auch der Natur ein bisschen mehr Luft, und zu ruhigeren Zeiten haben Sie auch eher die Möglichkeit, die lokalen Sitten und Gebräuche besser kennenzulernen. Ausserdem ist alles ausserhalb der Saison in der Regel billiger, Sie vermeiden Menschenschlangen und können alle Sehenswürdigkeiten in Ruhe besichtigen.
Einige Tourist konzentrieren sich ausschliesslich auf die Sommermonate, um zu reisen. Haben Sie sich schon mal überlegt, dass andere Jahreszeiten auch andere Sehenswürdigkeiten, andere Feste und andere kulturelle Aspekte derselben Destination präsentieren, die man zum Beispiel in der Hitze des Sommers nicht zu sehen bekommt? Mit dieser Einstellung vermeiden Sie garantiert jene grossen Touristenströme.
Bevorzugen Sie Touristik-Unternehmen, deren Programme in sozialer Verantwortung gestaltet sind. Und bevor Sie die Koffer schliessen, studieren Sie Bücher, Reiseführer, Zeitungen und das Internet hinsichtlich der Destination, die Sie gewählt haben, um Ihre Ferien zu verbringen. “Das kleine Städtchen Paraty, zum Beispiel, ist sehr viel mehr als nur ein historischer Ort mit schönen Stränden. Es gibt dort interessante Fischer-Kommunen und Quilombos (Kommunen von Nachkommen ehemaliger Sklaven). Meer und Sonne hat man an vielen Orten unseres Planeten“, sagt der Direktor vom “SOS Mata Atlântica“, einer NGO, die das Projekt “Pólo Ecoturístico do Lagamar“, an der Südküste des Bundesstaates São Paulo, betreut. Das Projekt qualifiziert die Kommunen für touristische Begegnungen und Agenturen für eine Arbeit im Sinne des Ökotourismus.
Was nimmt man mit auf die Reise
Vor allem eine grosse Menge an Neugier, um etwas mehr zu erleben, als die Postkarten Ihrer Destination bereits ausweisen. Lassen Sie sich von unerwarteten Einfällen inspirieren, die jene bekannten und voraussichtlichen Attraktionen durchdringen. Versuchen Sie mal, in Kontakt mit der lokalen Seele zu treten – was Sie entdecken werden, ist die Essenz des Reisens selbst. Nehmen Sie als Beispiel mal das ein Paar, das mit Rucksack auf dem Rücken, durch die Welt reiste – eine Reise, die acht Monate dauerte (ihre Erfahrungen und herrlichen Geschichten haben sie in einem Blog zusammengefasst. Von den grossen urbanen Zentren , wie London oder Wien, bis zu den italienischen Dörfchen und entlegensten Orten in Thailand, was sie ausser den Naturlandschaften interessierte, waren die Gefühle, die diese Orte in ihnen weckten, der Kontakt mit den Bewohnern und die typischen Realitäten. Deshalb bringen Sie auch Ihre Sensibilität mit. Je mehr Sie sich dem Verständnis der Anderen widmen, desto mehr werden Sie von sich selbst verstehen. Reisen verändert uns – manchmal nur oberflächlich, ein anderes Mal aber auch tief im Innern.
Unverzichtbar
Machen Sie nicht den Fehler, die Realität durch ein Auto-, Taxi- oder Busfenster sehen zu wollen. Durch sie ist es unmöglich, die Geschichten, Formen, Musik und Düfte eines Ortes zu erkunden. Wenn Sie dagegen durch Strassen und Gassen gehen, suchen Sie den Kontakt mit den Einheimischen. Versuchen Sie mal einen Alltag innerhalb der lokalen Kommunen zu erleben. Fangen Sie ein Gespräch mit einem Händler auf dem Markt an, tauschen Sie Ideen aus mit der Besitzerin Ihrer Herberge, lauschen Sie der Erzählungen altehrwürdiger Bewohner über ihr Dorf. Nichts geht über einen guten Kontakt, um eine andere Kultur besser verstehen zu können. Ohne dass Sie deshalb als Eindringling betrachtet werden, wenn Sie die lokalen Sitten respektieren.
Mark Twain schrieb in seinem Buch “The Innocents Abroad“: “Reisen ist fatal für Vorurteile, für den Fanatismus und für eine unflexible Mentalität“. Halten Sie sich frei von Vorurteilen, um durch andere Realitäten kennenzulernen und zu lernen. Wenn Sie auf diese Weise Ihre Ferien antreten, werden Sie ein paar gute Ergebnisse mit nach Hause bringen: Ein sensibleres Gemüt, einen fröhlicheren Geist und ein virtuoses Hochgefühl, das ansteckend ist. Gute Reise!