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Das jüdische Altersheim La Charmille wurde 1947 vom Verein Jüdisches Altersheim am nordwestlichen Dorfrand Riehens an der Inzlingerstrasse 235 eröffnet. Damit wurde den Angehörigen des jüdischen Glaubens ein betreuter Ruhestand nach ihren religiösen Grundsätzen ermöglicht. 2002 spannte der Trägerverein der Charmille mit dem Bürgerspital Basel zusammen und verlegte das Heim ins Alterszentrum Holbeinhof an die Leimenstrasse 67 in Basel.
1942 gründete Lucien Levaillant (1890–1965), der Vorsitzende der Alfons und Eugénie Levy-Wohlfahrts-Stiftung, den Verein Jüdisches Altersheim. Von dieser Stiftung finanziell getragen eröffnete der Verein noch im selben Jahr an der Bachofenstrasse im Gundeldingerquartier in Basel ein Heim für alte und pflegebedürftige Menschen jüdischer Religionszugehörigkeit. Ziel des jüdischen Altersheims war es, den betagten Menschen einen gemeinsamen Lebensabend nach den Grundsätzen jüdischer Lebensführung zu ermöglichen. Dazu gehörte die Einhaltung des Sabbats und der jüdischen Festtage, die Einhaltung der Essensgebote wie auch die Teilnahme an Gottesdiensten.
Ein Grossteil der ersten Generation der Bewohnerinnen und Bewohner war vor dem Nationalsozialismus in die Schweiz geflüchtet und fand im sogenannten Bachofenschlössli eine Zufluchtsstätte. Infolge der grossen Nachfrage nach Heimplätzen und nachdem der Fünfjahresvertrag mit dem Schlössli 1947 ausgelaufen war, verlegte der Verein das jüdische Altersheim nach Riehen in das im Vorjahr erworbene Sanatorium La Charmille an der Inzlingerstrasse 235. La Charmille, 1907 vom Arzt und Pharmakologen Alfred Jaquet gegründet, hatte zuvor als Privatklinik für Herz- und Stoffwechselkrankheiten gedient.
1956 wurde eine in der Charmille integrierte Synagoge eröffnet, die auch anderen in Riehen wohnhaften Personen jüdischen Glaubens offenstand.
La Charmille war auch ein kultureller Veranstaltungsort: Im Speisesaal fanden Lesungen, Vorträge, Theater- und Filmvorstellungen oder Kunstausstellungen statt.
Um mehr Kapazitäten für die Unterbringung von pflegebedürftigen Menschen zu gewinnen, wurde der Charmille von 1958 bis 1959 eine neue Pflegeabteilung angegliedert. Es folgten weitere Umbauten, um den Bedarf an zusätzlichen Räumlichkeiten abzudecken.
Nach der Jahrtausendwende wich die Charmille schliesslich der Wohnüberbauung Inzlingerpark. Das jüdische Altersheim wurde 2002 nach Basel an die Leimenstrasse verlegt und als interreligiöses Alterszentrum Holbeinhof neu eröffnet. Der Verein Jüdisches Altersheim La Charmille und das Bürgerspital Basel gründeten gemeinsam eine Stiftung, welche die Trägerschaft übernahm.
In La Charmille verbrachten einige namhafte Künstlerinnen und Wissenschaftler ihren Lebensabend, wie die Historikerin Selma Stern, die Schauspielerin Betty Isolani-Perl, die Schriftstellerin Gertrud Isolani oder der Schriftsteller Hermann Kesten.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 23.6.2022
Jüdisches Alters-und Pflegeheim «La Charmille»-Riehen. 1963–1997: SWA Soz. Inst. 372.
Jüdisches Alters- und Pflegeheim La Charmille (1938–2006): PA 1220.
Baumann, Christoph Peter: Das religiöse Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 2009. S. 9–17.
Jaquet-Dolder, Nicolas: Das Sanatorium La Charmille und sein Begründer. In: Jahrbuch z’Rieche 1967. S. 5–11.
Meyrat, Sibylle und Arlette Schnyder: Älter werden und alt sein in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 2014. S. 10–22.
Schüler, Hanna: Das jüdische Heim La Charmille in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1967. S. 12–19.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 253.