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Die Sperrstelle 0805 Halden mit dem dazugehörenden Infanteriewerk A5808 im Hügel der Ortschaft Buechen (Gemeinde Thal) gelegen, liegt zwischen dem Flugplatz Altenrhein und der Autobahn A1. Aufgabe der
Sperrstelle war es, die Zufahrtsstrassen und Autobahn von Rheineck Richtung St. Gallen zu sperren und eine Luftlandung auf dem Flugplatz Altenrhein zu verhindern. Zusammen mit den umliegenden Sperrstellen
war der Halden ein Schlüsselelement der Verteidigung des so genannten Rorschacher Trichters.

Das Infanteriewerk Halden
Die Stellung für die Sperrstelle wurde 1935 erkundet. Der Bau der Werke begann 1939, und bis 1941 waren sie samt Panzerhindernissen fertig gestellt. Die Panzersperren bestehen aus einer Kombination von Tankgraben,
Tankmauer, Beton-Höckern und Schienen-Hindernissen bis zum Bodensee. Das Infanteriewerk bestand aus einem Südteil als Felswerk (2 MG, 1 Beob, 1 Ik) sowie einem Nordteil als Bunker (2 MG, 1 Beob, 1 Ik), der auch Turm genannt
wurde. Die beiden Anlagenteile waren über einen Stollen und vertikalen Schacht miteinander verbunden. Das Werk besass eine eigene Unterkunft, eine kleine Notstromgruppe und Filter. Zusammen mit zwei weiteren Bunkern
(A5809 und A5810), Unterständen und geschützten Beobachtungsständen bildeten sie die Verteidigung der Panzersperren.
Gegenüber dem Werk Halden liegt im Buechberg von Thal das grosse Infanteriewerk A5816 Steinig Tisch. Einige Bunker beim Infanteriewerk Steinig
Tisch hatten die Funktion von Gegenwerken zur Sperrstelle Halden. Die beiden Werke Halden und Steinig Tisch waren Teil einer ganzen Sperrkette von Werken zwischen Bodensee und Rheintal und zugleich
die grössten Infanteriewerke der Grenzbrigade 8. Das IW Halden war dabei der äusserste Pfeiler der Verteidigung im Rheintal / Bodenseegebiet.
Kleiner Übersichtsplan A5808 von 1943
Übersichtsplan A5808 von 1939 und 1943 [ Friends only ]
Umrüstung und Modernisierung
Das Besondere an dieser Sperrstelle und den Werken ist ihr modernisierter End-Zustand. Die Anlagen wurden im Laufe der Zeit in Etappen den aktuellen Bedrohungslagen angepasst. Neben einem ersten Umbau von
MG 11 auf MG 51 und von Ik auf Pak in den 60er Jahren, fand Anfang der 70er Jahre eine Umbewaffnung statt. Der Kampfstand 8 (MG) wurde umgebaut zu einem Pak-Stand. Dazu baute man die letzte noch
verfügbare Pak aus dem FWK Zentrallager ein. Gleichzeitig rüstete man den Lmg-Stand des Bunkers A5810 auf MG 51 auf Pivot-Lafette um. In diesem Zustand verblieb das Werk bis 1982.
In einem Modernisierungsprogramm wurde das Werk massiv umgebaut und verstärkt. Um den äusseren Schutz der Scharten zu erhöhen, verstärkte man diese durch zusätzlichen Beton und Aufschüttungen mit Steinen.
Gleichzeitig fand eine weitere Umbewaffnung statt. Der Turm erfuhr die grösste Veränderung. Beim Kampfstand 4 (MG) wurde eine Öffnung durch den 2.5 m dicken Beton gefräst und ein neuer Kampfstand mit Pak
angebaut. Auch der Kampfstand 5 (MG) wurde umgebaut und mit einer weiteren Pak ausgerüstet. Da keine Pak mehr vorrätig war für diese Umrüstungen, mussten auch bei diesem Umbau andere Werke Federn lassen.
Die notwendigen Geschütze wurden daher aus anderen Werken der Grenzbrigade 8 beschafft. Eine Pak wurde aus dem Werk A5857 Monstein und die zweite Pak aus dem Stand links des Werk A5888 Warmesberg am Stoss
entnommen. Die beiden ehemaligen Beobachterstände wurden im ganzen Werk von aussen verschlossen und dienten nur noch als Lagernischen. Im neuen Konzept hielt man Beobachter wohl für nutzlos. Das Werk umfasste
von nun an 5 PAK Stände und nur noch einen MG Stand.
Neben dieser Verstärkung der Bewaffnung fanden weitere Umbaumassnahmen im Inneren statt. So kehrte man von der zentralen Filteranlage ab. Jeder Kampfstand wurde einzeln mit einer modernen Filteranlage
ausgerüstet. Auch stattete man jeden Stand mit einer eigenen Gasschutztüre aus. Sämtliche Rohrleitungen und Stromkabel wurden ersetzt und die Beleuchtung modernisiert. Gleichzeitig verlor aber das Werk
seine Notstromgruppe durch den Ausbau des alten MWN Motors. Auch in der Unterkunft hat man massiv umgebaut und modernisiert. Diese "Modernisierung" ging soweit, dass man das ehemals vorhandene WC verschlossen
hat und neu nur noch ein Trockenabort vorhanden war. Eingebaut wurden eine neue Telefonzentrale und eine Filteranlage, welche nur noch die Unterkunft belüftete und nicht wie früher das ganze Werk. Die alten
Holzpritschen wurden ersetzt durch die Metallpritschen, wie man sie aus den ASU her kennt. Einziger kleiner Komfort war ein Metalllavabo mit 3 Wasserhähnen. Die alte Kochnische von früher wurde eliminiert.
Mit der Modernisierung verstärkte man auch die Aussenverteidigung des Infanteriewerks und der Panzersperren. Rund um die Sperre erstelle man einfache Nachverteidigungsstellungen aus Beton. Diese sollten auch
den Einsatz von Rak-Rohren und PAL ermöglichen. Daneben erhielten die beiden Aussenbunker A5809 und A5810 im Unterkunftsraum eine Gasschleuse und neue Filteranlage.
Die Sperre Halden war - neben der Sperrstelle Stadel - eine der letzten grosse Sperren aus dem Zweiten Weltkrieg,
welche vor dem Ende des Kalten Krieges komplett modernisiert wurde.
Übersichts- und Detailpläne A5808 vom Umbau von 1982 [ Friends only ]
Wichtige Stellung der Grenzbrigade 8
Die St. Galler/Appenzeller Grenzbrigade 8 hatte in diesem Raum den Auftrag, die A1 zwischen St. Margrethen und St. Gallen zu sperren. Dabei kamen den Werken zwischen Bodensee und Lutzenberg die
grösste Bedeutung zu, konnten doch von hier die wichtigsten Strassen und Bahnverbindungen Richtung St. Gallen und Rorschach geperrt werden. Alleine hier sind auf engstem Raum 10 (!) Pak verbaut worden.
Die Grenzbrigade 6 verfügte dagegen in ihrem gesamten Einsatzraum gerade mal über 12 Pak in Bunkern.
Die Wichtigkeit dieses Raumes ist auch daran zu erkennen, dass die Werke am Halden modernisiert und zahlreiche zusätzliche Waffenstellungen erstellt wurden. Ausserdem sollten zur
Vereitelung einer Luftlandung von lufttransportierten mechanisierten Mitteln auf dem Flugplatz Altenrhein und zur Sperrung der Autobahn drei Centi-Bunker (analog der Sperre Stadel)
errichtet werden. Sondierbohrungen dafür wurden bereits ausgeführt. Diese Pläne wurden dann aber nicht mehr verwirklicht, sondern das ganze Infanteriewerk - relativ spät - entklassifiziert und aufgegeben.
Im Dezember 2010 hat die Gemeinde Thal die Grundstücke und die Anlagen der Sperrstelle erworben.
Kartenausschnitt Sperrstelle 805 (1:25'000) [ Friends only ]
Zur Feuerunterstützung für den Kampf vor und im "Rorschacher Trichter" sind mehrere 12cm Festungsminenwerfer errichtet worden. Die genau Anzahl
gilt noch als geheim. Es kann aber gesagt werden, dass die Dichte an solchen Festungsminenwerfern im Raum Rorschach - gemessen am Einsatzraum - wesentlich grösser war als im Raum der Festung Sargans. Dort
sind von Sevelen bis Trimmis sechs solcher Anlagen gebaut worden (Quelle: Buch "Erinnerungen an die Fest Br 13"). Diese hohe Dichte an modernen 12cm Festungsminenwerfern ist nur an besonders wichtigen
Sperren zu finden. Daran erkennt man, welche Wichtigkeit den Sperren zwischen Bodensee und Rheintal beigemessen wurde.
Zusammen mit der Sperrstelle Stadel) ist die Sperrstelle Halden die einzige Sperrstelle aus dem Zweiten Weltkrieg, welche
im Kalten Krieg umfassend moderniseiert wurde. Zwar modernisierte man auch einzelne andere Bunker im Kalten Krieg, jedoch keine kompletten Sperrstellen. Dies macht die Sperrstelle Halden besonders
bedeutsam und ist auch ein Grund, warum dieses Werk in das Archiv der Militärischen Denkmäler des Kantons St. Gallen aufgenommen wurde.
Flugaufnahmen vom Halden und Steinig Tisch [ Friends only ]
Armee schützt Lebensraum
Unter diesem Motto wurde im Oktober 1995 eine Broschüre der BSS (Dr. Berthold Suhner-Stiftung für Natur-, Tier- und Landschaftsschutz), der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und dem Bundesamt für
Genie und Festung herausgegeben. Darin ist dokumentiert, wie auch der ökologische Wert der Sperren am Halden "modernisiert" wurde, als diese noch aktiv war. So wurden im Geländepanzerhindernis Hecken
gepflanzt, drei Weiher und eine wechselfeuchte Mulde ausgehoben und der Tankgraben wurde ausgeweitet, um Lebensräume für Amphibien und Libellen zu schaffen. Erste Erfolge für die Natur zeigten sich -
gemäss Broschüre - rasch. Dazu steht geschrieben:
"Besonders erfreulich ist die positive Bestandesentwicklung des Laubfroschs in einer Anlage, die bestehen bleibt. Darin wurden Weiher ausgehoben. Der Laubfrosch profitiert von diesen Massnahmen.
Wurden 1993 pro Begehung durchschnittlich 7 rufende Laubfrosch-Männchen innerhalb des Projekt-Perimeters gehört, waren es 1994 bereits deren 28. Diese rapide Bestandeszunahme ist Ausdruck der
verbesserten Lebensbedingungen.
Weil hier alles begann
Zum Werk am Halden verbindet uns eine ganze besondere Beziehung. Hier hat im Juli 2007 unser Igel-Projekt begonnen. Der Halden war die erste Anlage, welche wir fotografiert und erkundet haben. Damals
waren wir noch Unwissende und wir müssen heute noch schmunzeln, wie viel uns bei unserer ersten Tour entgangen ist. Heute aber schauen wir immer wieder gerne hier vorbei und freuen uns jedes Mal aufs Neue,
wenn wir hier ein neues Motiv sehen. Darum werden wir dieses Kapitel immer aktuell halten, markiert es doch den Start der Suche nach den "vergessenen Igeln".
Ein herzliches Danke geht an die Gemeinde Thal, welche uns im März 2011 einen ersten exklusiven Blick in den Halden ermöglicht hat. So waren wir die ersten Besucher, welche das Werk nach dem Erwerb durch die
Gemeinde besichtigen und fotografieren konnten.

Kapitel Hauptseite
Übersicht
Geländepanzerhindernis
T3110
Geländepanzerhindernis
T3111
A5808 Nord - Aussen
und F8029
A5808 Süd - Aussen
A5808 Süd - Innen
A5808 Unterkunft - Innen
A5808 Nord - Innen
Nahverteidigung Süd
A5809 und F8031
A5810 und F8032
Schiesspanorama 1941/67
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