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Die Kuppel des Suva-Hauptgebäudes ist heute nicht mehr aus dem Stadtbild von Luzern wegzudenken. Sie ist das Wahrzeichen des Monumentalbaus, was auch der Stadtrat in der Baubewilligung von 1914 festhielt: Kuppeln dienten «einem bestimmten Zwecke: Sie mussten den Bauten den Charakter des Monumentalen verleihen.»
Schon als das Siegerprojekt der Gebrüder Pfister im November 1913 feststand, entbrannte sich der Streit an der Grösse und Wucht der Kuppel.
Luzern kannte bereits mehrere Gebäude mit Kuppeln, die das Stadtbild prägten – nicht zuletzt den Bahnhof von 1896 und das Hotel Du Lac von 1897. Doch eine Kuppel auf einem Turm an erhöhter Lage sprengte den Rahmen des bisher Bekannten.
An der Kuppel wurde denn auch lange geplant. Schon das Preisgericht hatte Änderungen verlangt, im Verlauf der Planung wurde der Kuppelaufbau sogar noch leicht erhöht. Anstelle der gedrückten, spitzen Abdeckung der ursprünglichen «Laterne» (dem Turmaufbau auf der Kuppel) wurde im Juli 1914 ein erhöhter Aufsatz mit einer eigenen kleinen Kuppel als Podest für die Turmfigur präsentiert. Die angepassten Pläne wurden von der Stadt Luzern am 20. August 1914 bewilligt.
Besonders markant erscheint die Kuppel auch wegen ihres massiven Unterbaus, dessen gemauerter Teil mit einem ornamentierten Kranzgesims abgeschlossen ist, und wegen der geschwungenen Dreieckgiebel, die in den Mittelachsen des Turms mit Fresken ausgeschmückt sind. Hinzu kommt die Laterne, die von einem neubarocken Geländer umgeben ist und auf der bis in die Dreissigerjahre eine Kuppelfigur prangte.
Wie die Kuppelfigur aussah, ist im Detail nur zu erahnen – auf wenigen alten Fotografien. Pläne gibt es nicht, nur der in dünner Bronze gegossene Kopf ist erhalten. Die in den Plänen der Gebrüder Pfister dokumentierte Figur wurde nicht ausgeführt. Sie wäre eine drehbare Rundfigur gewesen und hätte als Wetterfahne gedient.
Die ursprünglichen Pläne zeigen eine Frauengestalt, die mit einem losen Gewandtuch bekleidet ist und das Tuch mit dem linken Arm über die Schulter schlägt. Ausgeführt wurde eine Frauengestalt, auch in ein leichtes Gewand gekleidet, aber fest verankert, beide Arme leicht nach Osten angehoben.
Die Kuppelfigur bildete auch den baulichen Schlusspunkt. Eine Fotografie, die vom 14. Januar 1916 datiert, zeigt das Montagegerüst und einen Bauarbeiter auf der Kuppellaterne, zwei Tage später fand der offizielle Tag der offenen Tür statt. Die Direktion und die Verwaltung waren bereits am 3. Dezember 1915 in das fertiggestellte Gebäude eingezogen.
Ein gewisser Symbolgehalt war der Kuppelfigur nicht abzusprechen. In seiner Berichterstattung über den Tag der offenen Tür wünschte sich das Luzerner «Vaterland» am 17. Januar 1916, der Bau «möge mit einem reichen Inhalt wertvoller patriotischer Arbeit zum Segen des Volkes ausgefüllt werden, damit zur Wahrheit werde, was … in der Figur angedeutet ist, die hoch über der Kuppel schwebt und die Arme von sich hinhält, wie um Unfall und Unglück liebevoll und in gemeineidgenössischer Solidarität zu tragen».
Wann die Figur vom Kuppeldach verschwand, ist nicht bekannt. Auf einer Postkarte von 1929 ist sie noch zu sehen, auf einer Fotografie aus dem Jahr 1933 nicht mehr. Auch weshalb sie entfernt wurde, ist ungeklärt. Dass sie mit scharfer Munition beschossen und so stark beschädigt worden sei, dass man sie aus Sicherheitsgründen habe demontieren müssen, ist nur ein Gerücht. 1938 entwarfen die Architekten des Suva-Gebäudes, die Gebrüder Pfister aus Zürich, einen neuen Abschluss der Kuppellaterne in Form einer goldenen Kugel.
Einen zaghaften Versuch, die Kuppelfigur zu rekonstruieren, gab es 1983, als der Turm saniert wurde. Der bekannte Luzerner Bildhauer Rolf Brem, der selber nicht an einer möglichen Ausführung interessiert war, erstellte im Auftrag der Suva eine Kostenschätzung – mit ernüchterndem Ergebnis. An einen Wiederaufbau war aus Kostengründen nicht zu denken.
Auch die Kuppel blieb nicht ohne Gegner. 1955, nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaus von August Boyer, kam die Kritik sogar von innen. François Buche, Baumeister aus Lutry (VD) und Verwaltungsratsmitglied der Suva, sprach von einer Verunstaltung des Landschaftsbildes und beantragte, die Entfernung der Kuppel zu prüfen. Unverzüglich gab die Suva einen Expertenbericht in Auftrag. Max Kopp, Architekt aus Zürich, kam im Juni 1955 zum Schluss, dass
«jede Umgestaltung entweder das Gesamtbild verschlechtern oder doch nicht derart verbessern würde, dass sich die Kosten verantworten liessen».
1961, im Zusammenhang mit dem letztlich von der Stadt Luzern nicht bewilligten Erweiterungsbau von Adolf Vallaster, schlug der Luzerner Architekt vor, die Kuppel zu entfernen und die Höhe des Turmes an die Höhe des Altbaus anzupassen. Anstelle der Kuppel wollte er die Form des bestehenden Walmdaches auch für den Turm übernehmen. Das Projekt scheiterte im Verwaltungsrat aber schon an den Kosten von 400 000 Franken. Man fragte sich, «ob sich eine Sozialversicherung den Luxus einer solchen Ausgabe aus rein ästhethischen Gründen leisten kann».
1963, im Rahmen des Wettbewerbs um den Neubau, wurde die Idee, den Turm auf die Höhe des Hauptgebäudes abzutragen, wiederum eingebracht – diesmal von Moritz Räber, der als einheimischer Architekt im Preisgericht sass. Allerdings wehrte sich die Stadt Luzern gegen eine solche Veränderung des Stadtbildes. Alfred Fehlmann, Stadtbaumeister von Luzern, sagte, dass in absehbarer Zeit ein Hochhaus am Löwenplatz erstellt werde, wodurch sich eine harmonische Silhouette von Hofkirche, Suva und Hochhaus ergebe.
Ein paar Jahre später, als der Wettbewerb für den Neubau von 1966 bis 1968 ausgeschrieben war, äusserte sich der renommierte Kunsthistoriker Linus Birchler aus Einsiedeln, der auch Präsident der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege war und das Preisgericht in Luzern beriet, über den Kuppelbau. Er bezeichnete «die wahrhaft monströse Kuppel» als das «missratene Kapitol» von Luzern – auch in Anspielung an die nationale Architektursymbolik des frühen 20. Jahrhunderts. «Ceterum censeo Capitolium Lucernensem esse delendam», sagte er über die «wüste Kuppel, heute geradezu das Wahrzeichen von Luzern».
In den Sechzigerjahren war der Historismus in der Architektur verpönt. Es war nicht populär, sich für die Repräsentanten des «nationalen Bauens» stark zu machen. Mit konkreten Folgen: Auch in Luzern verschwanden zahlreiche Prunkbauten der Belle Epoque. Denkmalschützer wie Hanspeter Rebsamen, der 1965 in der «Schweizerischen Bauzeitung» von der Suva als einem Stück städtebaulicher und architektonischer Tradition schrieb, waren damals in der Minderheit.
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