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Wichtige Fakten
Die Vereinten Nationen haben das Bienensterben zu einem globalen Problem erklärt. Es betrifft vor allem die nördliche Hemisphäre, also Europa, Nordamerika und Asien. Seit 1998 werden in Europa zusätzliche Verlustraten von Bienenvölkern von bis zu 30% festgestellt. Im Winter 2011/12 verzeichnete auch die Schweiz einen Bienenvölkerverlust von 50%. Die grössten Verlustraten treten im Frühjahr auf – viele Völker überleben jeweils den Winter nicht. Sämtliche Kantone waren von diesen Verlusten mehr oder weniger stark betroffen. 50% entspricht rund 100‘000 Bienenvölkern. Es sind dies die schlimmsten Verluste, seitdem diese Zahlen systematisch erfasst werden. Wertmässig entsteht dabei den Schweizer Imker/-innen ein Verlust von rund 25 Millionen Franken, welchen sie selber zu tragen haben.
Nutzpflanzen (Obst, Gemüse, Hülsenfürchte) und Wildpflanzen sind für ihr Überleben auf die Bestäubung angewiesen. Diese ökologische Funktion nehmen vor allem Honig- und Wildbienen, Hummeln, Fliegen, Schmetterlinge aber auch Vögel oder Fledermäuse wahr. Alle diese sogenannten Bestäuber sind heute unter Druck. Das Bienensterben betrifft also nicht nur die Honigbiene.
Zur Sterblichkeit bei Honigbienen liegen aufgrund ihrer Nutzung und Bedeutung für den Menschen mehr Informationen vor. Viel weniger ist über die anderen Bestäuber bekannt.
Klar ist, dass die für Bestäuber überlebenswichtigen Futterpflanzen und Lebensräume markant zurück gegangen sind. Die IUCN erwartet, dass in den nächsten Jahrzehnten weltweit weitere 20'000 Blütenpflanzen verschwinden werden. Damit fehlt die Lebensgrundlage für spezialisierte Bestäuber.
Wie relevant sind die (Wild)bienen und andere Insekten für die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen?
Die Landwirtschaft hängt trotz technischem Fortschritt von Bestäubern ab. Grundnahrungsmittel wie Reis, Weizen, Mais oder Soja bestäuben sich selbst oder sind windbestäubt. Nahrungsmittel, die wichtig für die Gesundheit sind, also Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte, werden von Tieren bestäubt. Bei einigen Pflanzen ergibt die Bestäubung durch Tiere eine Steigerung des Ertrages und eine bessere Qualität des Produktes. Wichtig sind Bestäuber auch bei der Saatgutproduktion.
Auf Bestäuber angewiesene Pflanzen produzieren 35% der weltweit produzierten Lebensmittel und bei 5% ist unklar, wie sie bestäubt werden. In Europa werden 4000 Gemüsesorten von Bienen bestäubt. Honigbienen sind vor allem im grossflächigen Anbau von Kulturpflanzen essentiell wichtig.
Bienen werden vom Menschen gezielt für die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen eingesetzt. In Nordamerika bezahlen Landwirte Imker dafür, dass sie ihre Völker in ihre Obst- und Gemüseanlagen stellen. Die „Mietkosten“ für ein Bienenvolk sind wegen dem Bienensterben enorm gestiegen. In der Schweiz ist die Imkerei kein professioneller Bereich, für die Bestäubung wie auch für Völkerverluste werden die Imker nicht entschädigt.
Honigbienen sind wichtig für die Bestäubung. Aber sie erledigen diese Aufgabe nicht alleine. Es ist enorm wichtig, die Honigbiene als auch andere Bestäuber zu schützen und zu fördern.
Neue Krankheiten wie die Varroa-Milbe, Lebensraumverluste, Umweltgifte und generell eine höhere Krankheitsanfälligkeit sind die Hauptursachen für das Bienensterben.
Lebensräume
Eine immer eintönigere Landschaft ist nicht nur unästhetisch. Den Bienen wurde in den letzten Jahrzehnten regelrecht die Nahrungsgrundlage entzogen. Hecken, Bäume, Saumstreifen, Gewässer oder abgestufte natürliche Waldränder sind monotonem, artenarmem Grünland und Äckern mit wenigen Nutzpflanzen gewichen.
Während Honigbienen überleben, weil sie vom Menschen zugefüttert, gepflegt und vor dem Befall mit Schädlingen geschützt werden, sind Wildbienen auf intakte Lebensräume zwingend angewiesen. Sie finden dort nicht nur Futter, sondern auch Nistplätze. Die IUCN erwartet in den kommenden Jahrzehnten weltweit einen weiteren Rückgang von Blütenpflanzen von 20'000.
Forscher vermuten, dass die erhöhte Anfälligkeit der Honigbiene auf Schädlinge und Krankheiten auch damit zu tun haben könnte, dass Parasiten von zerstörten Lebensräume profitieren können. Sie haben in einem monotonen Umfeld weniger natürliche Feinde.
Auch Luft- und Wasserverschmutzung kann Bienen beinträchtigen.
Ob elektrische und magnetische Felder das Verhalten der Bienen beeinflussen, ist nicht abschliessend geklärt.
Pestizide
In der Landwirtschaft und in anderen kultivierten Flächen wie Gärten oder Parks eingesetzte Pestizide schädigen Bienen. Selbst Herstellerfirmen streiten nicht ab, dass der direkte Kontakt für Bienen akut toxisch sein kann. Schädliche Wirkung können aber auch konstante sehr niedrige Dosierungen haben. Das heisst, Bienen tragen Schäden davon, wenn sie regelmässig mit geringsten Mengen von Pflanzenschutzmitteln in Berührung kommen, etwa durch Rückstände im Nektar, Pollen oder im Wasser, das Kultur- und andere Pflanzen ausscheiden.
Besonders bienenschädlich sind sogenannte systemische Pestizide, die nicht nur oberflächlich auf Pflanzen aufgetragen werden, sondern sich in der ganzen Pflanze verteilen. Dazu gehören Insektizide der Gruppe der Neonicotinoiden, die seit den 1990er Jahren prophylaktisch als Saatgut- oder Bodenbehandlung vor der Aussaat angewendet werden oder direkt auf Kulturpflanzen gespritzt werden. Neonicotinoide sind um ein Hunderfaches giftiger als andere Insektizide. Ein mit 0.5mg Clothianidin gebeiztes Maiskorn könnte 80'000 Honigbienen töten.
Besonders in der Kritik stehen die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxan sowie Fipronil der Agrokonzerne Bayer und Syngenta.
Bienen können mit Neonicotinoiden auf unterschiedliche Weise in Kontakt kommen:
- Hohe Exposition bei der Aussaat von behandeltem Saatgut
- Dauernde niedrige Exposition
- Rückstände in Pollen oder Nektar (auch von nicht behandelten Pflanzen, die via Boden/Luft diese Rückstände aufnehmen)
- Rückstände im Guttationswasser („Pflanzentau“), das Bienen trinken
- Rückstände im Bienenbrot, das von den Bienenlarven gegessen wird
Von den rund 2000 Tonnen in der Schweiz eingesetzten Pflanzenschutzmitteln gehören rund 3 Tonnen der Wirkstoffklasse der Neonicotinoiden (systemische Pestizide) an. Laut Bundesrat wird mit Neonicotinoiden gebeiztes Mais-Saatgut auf 5-10% der gesamten Maisfläche der Schweiz angewendet, beim Raps sind es 100%, bei den Zuckerrüben 95% und bei Getreide rund 10%.
Neue Studien zeigen, dass regelmässig mit diesen Giften in Kontakt kommende Bienen Navigations- und Kommunikationsprobleme aufweisen, die Nahrungssuche beeinträchtigt wird und das Wachstums- und Fortpflanzungsverhalten gestört wird. Der Kontakt mit Imidacloprid oder Thiamethoxam kann dazu führen, dass Bienen nicht mehr zurück zum Bienenstock finden und irgendwo verenden.
Zudem kann der Einsatz von Neonicotinoiden zusammen mit anderen Pestiziden die Toxizität eines neonicotinoidhaltigen Mittels um ein Tausendfaches erhöhen.
Schädlinge und Krankheiten
Die Varroamilbe, ursprünglich aus Asien stammend, ist mittlerweile auch in Europa und Nordamerika der am meisten verbreitete Feind der Honigbienenvölker. Die Varroa-Milbe überträgt das Flügeldeformationsvirus (deformed wing virus, DWV). Es führt dazu, dass Puppen verstümmelte Flügel haben und junge Bienen früh sterben. Mitunter geht schon die Brut ein. Erwachsene Bienen können als Reservoir für das Virus dienen, im schlimmsten Fall bricht das Volk binnen Tagen zusammen.
Andere Milben, virale oder bakterielle Erkrankungen fördern die Anfälligkeit von Bienenvölkern ebenfalls.
Es wird vermutet, dass die Kombination der Faktoren (artenarme Umwelt mit geringem oder einseitigem Futterangebot und konstant vorhandene niedrige/höhere Dosen von chemischen Pestiziden) sich negativ auf die Widerstandsfähigkeit von Bienen auswirken.
Nicht zuletzt kann sich aber auch die Schädlingsbekämpfung mit Antibiotika und chemischen Insektiziden auf die Gesundheit eines Bienenvolkes negativ auswirken.
Bienen würden Bio kaufen. Der Verzicht auf Pestizide und die Vielfalt an Lebensräumen und Pflanzen, die im Biolandbau gelten, fördern die Bienen.
Bienenschädliche Insektizide wie Neonicotinoide müssen verboten werden. Untersuchungen in Italien haben gezeigt, dass ungebeiztes Saatgut nicht zwangsläufig zu geringeren Ernteerträgen führt, aber die Bienen davon profitieren können: Winterverluste in Bienenvölker sind merklich zurück gegangen. Forschungsgelder und Direktzahlungsgelder müssen zukünftig in Anbausysteme fliessen, die ohne chemische Pflanzenschutzmittel auskommen und die die Artenvielfalt in der Landwirtschaft nicht als Konkurrenz, sondern als integrativer Bestandteil einer ökologischen, in sich geschlossenen Anbauweise sehen (bspw. Biolandbau).
Es braucht ein besseres Wissen über die Leistung der Bestäuber für die Lebensmittelproduktion. Nur so erhalten sie die Wertschätzung und den notwendigen Schutz
Einfache Massnahmen helfen oft schon, um einen Lebensraum für Bienen zu verbessern: Wildbienenhotels, Aussaat von Bienenweiden mit lokalen Mischungen – als auch Reduktion der Pestizide.
Die Zucht der Honigbiene war bis jetzt primär auf hohen Honigertrag und Sanftmut ausgerichtet. Hier braucht es ein Umdenken. Züchtungsziel sollte eine gesunde Biene mit einem guten Ertrag sein.
Warum prangert Greenpeace Pestizide an, wo doch das Bienensterben vor allem auf die Varroa-Milbe zurück zu führen ist?
Die Gründe für das Bienensterben sind sehr vielfältig. Entsprechend braucht es auch eine Bandbreite von Lösungsansätzen. Eine natürliche Bekämpfung von Parasiten oder die Verbesserung und der Schutz von natürlichen Lebensräumen ist unabdingbar, aber auch sehr zeitintensiv. Bis hier Fortschritte erzielt werden können, braucht es aber auch kurzfristiger umsetzbare Massnahmen. Die alarmierende Situation erfordert Massnahmen auf allen Ebenen: ein reduzierter Pestizideneinsatz kann sofort umgesetzt werden. Bereits gibt es in Italien, Frankreich oder Slowenien partielle Einschränkungen von Neonicotionoiden - zum Schutz der Bienen und vielen anderen Lebewesen. Der Verzicht von systemischen und anderen umwelt- und gesundheitsgefährdenden Pestiziden muss und kann sofort angestrebt werden. Die Lösung sind ökologische Anbausysteme. Die haben sich in der Praxis bestens bewährt (Bio-Landbau, IP-Richtlinien).
Die parasitische Milbe Varroa destructor ist hauptverantwortlich und sichtbarster Grund für das nahezu weltweite Bienensterben. Die Milbenbekämpfung ist deshalb von erheblicher Relevanz und steht auch in der Schweiz im Zentrum der Forschung. Es braucht aber auch zwingend vermehrte Erforschung möglicher weniger sichtbarer Zusammenhänge zwischen Umweltgiften, Lebensraumverlusten und erhöhter Krankheitsanfälligkeit von Bienenvölkern. Während in Ländern wie Frankreich, Italien oder Slowenien zumindest Teil-Einschränkungen von Neonicotinoiden erlassen worden sind, sieht die Schweiz hier keinen Handlungsbedarf. Das muss sich ändern! Auch braucht es dringend mehr Gelder und entsprechende Richtlinien für einen ökologischen Landbau. Eine chemiefreie- und ökosystemschonende Lebensmittelproduktion muss zur Norm werden.
- Ich konsumiere biologische Lebensmittel
- In meinem Garten verwende ich keine chemischen Pflanzenschutzmittel – es gibt genügend biologische Alternativen
- In meinem Garten pflanze ich einheimische Blumen und Sträucher an (Nahrungsquelle für einheimische Insekten!)
- Auf dem Fensterbrett säe ich eine Wildblumenmischung an (Nahrungsquelle für einheimische Insekten!)
- Ich setze mich auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene für mehr Biodiversität und eine ökologischere Landwirtschaft ein
Die Petition richtet sich an Politik und Behörden. Greenpeace-AktivistInnen werden sie im Frühjahr 2013 den entsprechenden Stellen und dem Parlament überreichen.