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Gestaltung | Architektur | Künste
Iseult Holman, 2001 | Herznach, AG
Thema dieser Matura-Arbeit sind antike Mosaike, deren Geschichte und Herstellungsweise. Der Schwerpunkt liegt auf der Erstellung eines Mosaiks im römischen Stil mit einem helvetischen Motiv. Die Bergwelt erwies sich als passend, da sie, wie die Mythologie im römischen Reich, eine enorme kulturelle Bedeutung trägt. Als Motiv wurde die Bergkette «Dents du Midi» in Champéry gewählt, als Methode die indirekte Technik. Aufgrund der Beschaffenheit eines Mosaiks konnten nur beschränkt bildnerische Mittel eingesetzt werden, doch durch unterschiedlicher Setzweise der «tesserae» (lat. Mosaiksteine) konnte ein Bildraum gestaltet werden.
Fragestellung
Angenommen, dass Bildmosaike als Boden- und Wandausschmückung in Schweizer Häusern ebenso im Trend lägen wie vor 2000 Jahren zur Römerzeit, stellen sich folgende Fragen: (I) Welches Motiv würde am ehesten gewählt werden? (II) Wie könnte man dieses am besten darstellen? Daraus ergaben sich die folgenden Leitfragen: (III) Welches Motiv hat heute in der Schweiz den gleichen Stellenwert oder dieselbe Bedeutung wie die Motive der römischen Bildmosaiken? (IV) Welche bildnerischen Mittel kommen wie zur Anwendung?
Methodik
Zunächst wurde über antike Mosaike recherchiert, wobei insbesondere die römischen Bildmosaike betrachtet wurden. Somit wurde ein allgemeines Verständnis für diese Kunstform aufgebaut. Zur selben Zeit war die Material- und Motivsuche im Gange: Um die Methode der römischen Mosaike authentisch anzuwenden, wurde Naturstein gewählt. Dieser musste mit Hammer und Dorn, denselben Werkzeugen wie vor 2000 Jahren, in sogenannte «tesserae» gebrochen werden. Das Material wurde im Mosaikshop in Altstetten besorgt, dessen Geschäftsführer Marcel Merkli wertvolle Informationen zur Mosaikherstellung bereitstellte. Bei der Motivwahl wurde darauf geachtet, dass das Motiv mit dem begrenzten Farbspektrum der Natursteine dargestellt werden kann. Berge erwiesen sich als passend, da deren Farben typisch für römische Mosaike sind, und die Bergkette «Dents du Midi» wurde aufgrund der persönlichen Präferenz gewählt. Der nächste Schritt bestand darin, die gewählte Methode, nämlich das indirekte Verfahren, für die Zusammenstellung des Mosaiks anhand der Anfertigung von Minimosaiken auszuprobieren. Bei diesem Verfahren werden die Steine mit einem wasserlöslichen Klebstoff auf ein Trägermaterial zu einem Mosaik zusammengefügt, das nach dem Verfugen entfernt wird. Dadurch erhält das Mosaik eine ebene Oberfläche trotz der Grössenunterschiede der «tesserae». Zudem kann der Arbeitsplatz frei gewählt werden. Packpapier und verdünnter Weissleim erwiesen sich als geeignet. Mithilfe des Grafikprogrammes «Gimp» wurde eine digitale Vorlage des Mosaiks erstellt. Diese wurde im Format 30 mal 90 Zentimenter ausgedruckt und auf Packpapier abgepaust. Danach wurden während zweier Wochen die Steine erst auf der Vorlage ausgelegt, um dann mit der Vorderseite nach unten auf das Packpapier geklebt zu werden. Beim Hintergrund folgen die Steine horizontalen Linien und beim Vordergrund den Konturen der Bildelemente, beispielsweise den Bergspitzen. In der Szenerie wurden noch zwei Steinböcke versteckt. Schliesslich wurde mit Herrn Merklis Hilfe das Mosaik vollendet. Die Rückseite wurde mit einem grauen Klebemörtel auf Epoxidharzbasis überzogen, als Armierung diente ein darin eingebrachtes Netz. Nach 48 Stunden konnte das Packpapier entfernt und die Vorderseite verfugt werden. Zum Schluss wurde die Mosaikoberfläche von überschüssiger Fugenmasse befreit.
Ergebnisse
Das Produkt dieser Arbeit ist ein Mosaik, das bezüglich des Materials und der Methode nach römischem Vorbild hergestellt wurde. Zur Beantwortung der Leitfrage wurden «Les Dents du Midi» als ein der römischen Mythologie entsprechendes Motiv gewählt. Zudem wurde der Entstehungsprozess des Mosaiks mit einem Arbeitsjournal dokumentiert.
Diskussion
Sind die Schweizer Berge mit der römischen Mythologie gleichzustellen? Die Berge bilden, wie auch die Mythologie für die Römer, einen wichtigen Teil der Schweizer Kultur. So sind sie zwar nicht Teil unserer Religion, dafür jedoch ein integraler Bestandteil unserer Landesidentität.
Der Darstellung meines Motivs waren Grenzen gesetzt, insbesondere aufgrund der geringen Farbauswahl. Als bildnerisches Mittel kam der Bildraum zur Verwendung, indem die Setzweise der Steine variiert wurde.
Schlussfolgerungen
In die Experimentierphase mit der Methode hätte ich gerne mehr Zeit investiert, jedoch ich habe mir für zukünftige Mosaike viel Wissen angeeignet, was beispielsweise die Herstellungsweise angeht. Durch diese Arbeit wurde mir bewusst, wie kostbar die historische Bedeutung und wie aufwändig die handwerkliche Produktion eines Mosaiks war und immer noch ist.
Würdigung durch den Experten
Felix Forrer
Die Arbeit ist in einen ersten Teil gegliedert, der die handwerklichen Techniken und die Gestaltung von antiken Mosaiken beleuchtet. Mit dieser theoretischen Grundlage wird in einem zweiten, praktischen Teil die Realisierung eines Mosaiks mit dem zeitgenössischen Motiv einer Bergwelt aufwändig erarbeitet. Mit dieser experimentellen Methode werden eigene kreative und handwerklich herausfordernde Lösungen gesucht und gemeistert. Die praktische Arbeit wird auch im schriftlichen Teil verständlich, wissenschaftlich und präzise beschrieben und originell präsentiert.
Prädikat:
sehr gut
Alte Kantonsschule Aarau
Lehrer: Erich Obrist