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Fokus Medizin
Brusterhaltende Operation der Mastektomie mindestens gleichwertig
Bislang fehlten Langzeitdaten zum Überleben für die brusterhaltende Operation plus Radiatio. Niederländische Kollegen liefern diese nun in einer sehr umfangreichen Registerstudie mit mehr als 37 000 Patientinnen.
Nach zehn Jahren ist das Gesamtüberleben wahrscheinlich sogar deutlich überlegen
Bereits in den 1980er-Jahren wurde in randomisierten, kontrollierten Studien gezeigt, dass beim frühen Mammakarzinom die brusterhaltende Operation in Kombination mit einer adjuvanten Bestrahlung hinsichtlich des Überlebens der Mastektomie ohne Radiotherapie gleichwertig ist.
Die randomisierte, kontrollierte Studie ist zwar der Goldstandard in der klinischen Forschung, der den höchsten Grad an klinischer Evidenz liefert. Da aber die dort eingeschlossenen Populationen von Patienten oft hochgradig selektiert sind, können die Ergebnisse nicht immer beliebig verallgemeinert werden. Sorgfältig durchgeführte Beobachtungsstudien können hier wertvolle Zusatzinformationen liefern: So legten solche Beobachtungsstudien mittlerweile nahe, dass die brusterhaltende Behandlung sogar mit einem besseren Überleben einhergehen kann als die Totaloperation.
Brusterhaltende Op. mit Vorteil beim Gesamtüberleben?
Ein Manko dieser Untersuchungen war jedoch, dass keine von ihnen Zehnjahres-Daten lieferte und dass sie auch nichts zum brustkrebsspezifischen Überleben aussagten. Niederländische Epidemiologen und Onkologen nahmen sich daher eine große Kohorte von Patientinnen aus dem niederländischen Krebsregister vor. Sie hatten in den Jahren 2000 bis 2004 eine Behandlung wegen eines frühen invasiven Mammakarzinoms (T1-2, N0-1, M0) erhalten. Von insgesamt 37 207 Patientinnen waren 21 734 (58 %) brusterhaltend operiert und bestrahlt worden, während bei den übrigen 15 473 (42 %) eine Mastektomie erfolgt war.
Beim Zehnjahres-Überleben in der Gesamtkohorte war die brusterhaltende Therapie deutlich überlegen: Das Sterberisiko hatte sich in diesem Zeitraum halbiert (HR 0,51; p < 0,0001 bzw. für mögliche Störvariablen adjustierter HR 0,81; p < 0,0001; Abb.). Dieser Vorteil eines zurückhaltenderen Vorgehens war in allen untersuchten Subgruppen zu sehen, unabhängig vom T- und N-Stadium.
In einer Subkohorte von Patientinnen, deren Mammakarzinome im Jahr 2003 diagnostiziert worden waren, konnte das fernmetastasenfreie Zehnjahres-Überleben durch die brusterhaltende Therapie insgesamt nicht signifikant verbessert werden (adjustierter HR 0,88; p = 0,07), wohl hingegen in der Subgruppe mit T1N0-Tumoren (adjustierte HR 0,74; p = 0,014).
Die Zehnjahres-Daten zu Gesamtüberleben nach brusterhaltender Therapie waren in der 2003er-Kohorte ebenso signifikant verbessert (adjustierte HR 0,76; p = 0,003) wie in der T1N0-Subgruppe (adjustierte HR 0,60; p = 0,004).
Mehr Sicherheit im Gespräch mit den Patientinnen
Diese Ergebnisse belegen an einem sehr großen Kollektiv, dass die brusterhaltende Operation mit nachfolgender Bestrahlung der Mastektomie ohne Bestrahlung über zehn Jahre hinweg zumindest gleichwertig und vermutlich sogar deutlich überlegen ist, auch wenn beim fernmetastasenfreien Überleben möglicherweise nur Patientinnen mit sehr frühen Erkrankungen einen signifikanten Vorteil von diesem Vorgehen haben.
Diese Daten beziehen sich nur auf Überlebensparameter und lassen weitere Vorteile des weniger invasiven Vorgehens außer Acht. Im Gespräch mit Patientinnen mit frühem invasivem Mammakarzinom geben diese Ergebnisse jedenfalls künftig noch mehr Sicherheit, wenn es um die Entscheidung für und wider eine der beiden Operationsmethoden geht.
van Maaren MC et al. Lancet Oncol 2016; 17: 1158–1170