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Differenztheoretisch beobachte ich Geschenk durch die Differenz zwischen Geschenk und Tausch, wobei als Geschenk erscheint, was in einem Tausch nicht durch einen Gegenwert ausgelichen wird. Das Re-entry besteht im Gegengeschenk.
Ausleihen unterscheide ich von Schenken und von Tauschen. Schenken ist quasi ein Ausleihen, bei welchem ich nichts zurückbekomme. Tauschen ist quasi ein Ausleihen, bei welchem der geliehene Betrag sofort in anderer Form zurückkommt.
Das Geschenk ist auch ein Tatbestand im Steuerrecht. Dort geht es allerdings nicht ums Schenken, sondern um Eigentumsverhältnisse, die mit dem Wort "schenken" belegt werden. In einem auch metaphorischen Sinn kann ich auch Aufmerksamkeit oder Liebe schenken.
Oft werden Geschenke zusätzlich gekennzeichnet, etwa durch Geschenkspapier, das auf die Situation verweisen soll. Es gibt auch spezifische Inversionen, die in Redeweisen erscheinen wie: das möchte ich nicht geschenkt oder da hat er das Geschenk. Auf Seiten des Schenkenden heissen invertierte Geschenke troianische Pferde oder Danaergeschenk.
Man kann hinter den Geschenken - die dann eben nur bedingt Geschenke sind - Absichten sehen: "Mit der Wurst nach der Speckseite werfen".
im einfachsten Fall bezweckt das Geschenk die positive Wahrnehmung durch den Beschenkten,
es kann auch als Trost im Sinne von Ersatz gesehen werden
es kann auch als Gastgeschenk gesehen werden
es kann auch als Spende gesehen werden
es kann auch als Belohnung gesehen werden
es kann auch als Werbegeschenk gesehen werden
Literatur
Jacques Derrida: Donner Présent
J. Derrida schreibt unter dem sinnigen Titel „Falschgeld“ in einer paradoxen Formulierung, dass Geschenke nicht möglich sind. In der Gemeinschaft kann ich nichts schenken, weil alles dem andern schon gehört und in der Gesellschaft kann ich nichts schenken, weil jedes Geschenk als Tauschobjekt aufgefasst wird.
J. Derrida diskutiert Geschenk im Zusammenhang mit Begriffen wie Gastfreundschaft, Ökonomie und Zeit (vgl. die französische Polysemie von présent gegenwärtig/anwesend und Geschenk). Eine Gabe, so Derrida, sei ohne Erwartung einer Gegengabe praktisch nicht denkbar, gleichzeitig aber schlösse das Konzept „Gabe“ in Reinform eine solche Erwartung gerade aus. Diese „unmögliche Möglichkeit“ ist Grundlage einer Ethik der Dekonstruktion.
Die Analysen von J. Derrida beziehen sich besonders auf M. Heidegger und dessen Begriff des „es gibt“ sowie den berühmten Essai sur le don des französischen Soziologen Marcel Mauss von 1925.