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| Papstbriefe - Echte und unechte Papstbriefe 2 (310—401)

Liberius (253 — 366)
10. Schreiben der Macedonianer an Liberius 366
Schreiben der Macedoniaer an den Papst Liberius.1
Einleitung.
Zwischen diesem und dem vorhergehenden Briefe liegt ein Zeitraum von zehn Jahren; die demselben angeblich angehörenden Briefe werden als unechte hernach aufgeführt werden. Zum Verständnisse dieses Schreibens dienen folgende Notizen: Als die Arianer auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt waren und der nicänische Glaube schon verloren schien, theilten sie sich in zwei Haupt-Parteien, die der strengen Arianer (Anomöer,2 Aetianer,3 Eunomianer 4 [S. 227] genannt) und in jene der Semiarianer oder Macedonianer5(auch Homoiusiasten)6, welche einander auf das heftigste bekämpften. So hielten Letztere mit Erlaubniß des Kaisers Valens unter dem Vorsitz des Eleusius von Cyzikus im J. 365 eine Synode zu Lampsakus am Hellespont, welche das, was das acacianische Concil zu Constantinopel im J. 360 beschlossen hatte, namentlich die Absetzung der Semiarianer sammt dem Glaubensbekenntniß dieser Synode7 für ungiltig erklärte, den semiarianischen Ausdruck „ähnlich der Wesenheit nach" sanctionirte und den Eudoxius8 und Acacius9für abgesetzt erklärte. Eudoxius aber setzte es durch, daß der Kaiser nicht nur die Beschlüsse dieser Synode nicht annahm, sondern auch die Anhänger derselben verbannte. Um sich vor dem völligen Untergange zu retten, hielten sie hierauf (im J. 366) verschiedene Synoden zu Smyrna, in Pisidien, Isaurien. Pamphilien und Lycien, überhaupt in Kleinasien und beschloßen hier, Deputirte an den abendländischen Kaiser Valentinian und an Papst Liberius abzusenden, um ihnen eine Glaubens-Union anzubieten. Als aber ihre Gesandten in Rom ankamen, war Valentinian bereits nach Gallien gegangen; der Papst aber wollte sie Anfangs nicht vorlassen, weil sie Arianer seien. Sie erklärten jedoch, seit länger wieder den rechten Weg gefunden und die Wahrheit eingesehen zu haben; sie überreichten auf Verlangen des Papstes eine schriftliche Glaubens- [S. 228] erklärung, worin sie auch das nicänische Symbolum wörtlich recitirten. Wir besitzen demnach in diesem Schreiben das Document über die Rückkehr (des weitaus größten Theiles der Semiarianer zur Kirche; seine Abfassung fällt dem Gesagten gemäß in das J. 366.
1: Socrat. IV. 12., Sozon. VI. 11.; die Änderung der Überschrift bei Coustant (p. 453 ), welche: „Brief der Gesandten der Lampsacen. Synode an den P. Lib." lautet, rechtfertigt sich ans der folgenden Einleitung.
2: Nach ihrem Schlagworte ἀνόμοιος , der Sohn sei Gott unähnlich.
3: Nach dem Gründer dieser Partei Aetius, einige Zeit Diakon in Antiochien, gestorben in Constantinopel c. 570.
4: Nach dem berühmten Schüler des Aetius, Eunomius, einige Zeit Bisch. v. Cyzikus in Mösten.
5: So hießen die Semiarianer auch Anfangs nach Macedonius, Bisch. v. Constantinopel, dem späteren Haupte der Pneumatomachen.
6: Weil sie erklärten, der Sohn sei dem Vater ὁμοιούσιος , welcher Ausdruck ein recht dehnbares Mittelding zwischen dem nicänischen ὁμοούσιος und dem streng arianischen ἀνόμοιος war.
7: Daselbst wurde der Sohn als dem Vater ὅμοιος , ähnlich überhaupt erklärt.
8: Bisch. v. Constantinopel.
9: Bisch. v. Cäsarea in Palästina, Führer einer Mittelpartel zwischen Anomäern und Semiarianern.