Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03135.jsonl.gz/1675

http://www.muemliswil-ramiswil.ch/de/gemeindeprotrait/geschichte/?action=showinfo&info_id=665
26.11.2020 05:17:01

Vom Bauerndorf zur Wohngemeinde1800 - 2002
weitere Informationen: http://www.haefely.info
Wir sind in der glücklichen Lage, uns über das Dorf und seine Entwicklung im 19. Jahrhundert von authentischer Seite unterrichten zu lassen.
Ein Mümliswiler, Beat Walter, der im Jahre 1819 geboren wurde und später während 28 Jahren der Gemeinde als Ammann vorstand, hat seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben. Er hat über Handel und Wandel, über gute und schlechte Jahre und nicht zuletzt über die damaligen heftigen politischen Kämpfe getreu Buch geführt. So schreibt er im Kapitel "Jugenderinnerungen": "Das Dorf Mümliswil hatte kein freundliches Aussehen, es wahren 12 Häuser mit Schindlendächern, auch der Kirchthurm war mit Schindlen bedeckt..."
Dies mag in der frühen Jugend des Schreibers wohl zugetroffen haben. Aber schon im Jahre 1836 schreibt U.P. Strohmeier in seinem Buch "Der Kanton Solothurn": "Wenige Dörfer des Kantons Solothurn haben sich in den letzten dreissig Jahren so verschönert, wie Mümliswil. Wo man früher ärmliche Hütten sah, stehen jetzt neue, ansehnliche Häuser, die für den Wohlstand der Bevölkerung sprechen." Der Wohlstand bewirkte auch eine rasche Zunahme der Bevölkerung. Beides aber war eine Folge der schon früh in Mümliswil eingerichteten Industrien (siehe Kapitel "Alte Gewerbe und Industrien").
Trotzdem war Mümliswil ein Bauerndorf. Beat Walter schreibt weiter: "Jeden Morgen im Sommer um 5 that der Kuhhirt mit dem Horn blasen durchs Dorf hinab, und trieb die Kühe, welche aus den Ställen gelassen wurden durchs Dorf hinab bis aufs Zelgli, und am Abend wurden selbe durch Hirten wieder ins Dorf gebracht. Der Neuigkeitenplatz wahr der Lindenplatz. Da wo jetzt das Schulhaus steht, standen drei grosse Prachtslinden, die grössere wahr ringsum ganz mit einem Bank eingeschlossen und an Sonntagen wurde dort mit Frühobst, Weggen und Lebkuchen Wochenmarkt gehalten". Das erwähnte Schulhaus, erbaut 1839 und abgebrochen 1980, wurde im Volksmund "VATIKAN" genannt. Der nach dem Abbruch des Schulhauses entstandene Platz ist der heutige Lindenplatz mitten im Dorf Mümliswil.
Bis zum Jahre 1830 ging jede Woche einmal ein Bote von Dornach über den Passwang nach Solothurn. Im Gasthof Ochsen nahm er mit , was dort für ihn abgegeben worden war. Am folgenden Tag kam er wieder zurück und brachte die Post aus Solothurn. Ab 1830 brachte das "Botenanneli" dreimal wöchentlich die Post nach Balsthal, und wiederum einige Jahre später wurde eine Postkutsche eingerichtet.
Trotzdem blieb Mümliswil in diesen Jahren vom Trubel der weiten Welt verschont. Im Jahre 1873 sollte sich dies aber schlagartig ändern. Plötzlich bekam unser Dorf den Hauch einer neuen Welt zu spüren. Das Eisenbahnzeitalter brach auch für Mümliswil an. Es wurde mit dem Bau der "Wasserfallenbahn" von Liestal nach Oensingen begonnen. Aber schon nach elf Monaten war der Traum vom Anschluss an die weite Welt vorbei. Der Wasserfallentunnel, der Mümliswil mit Reigoldswil hätte verbinden sollen und bereits eine Länge von 1360 m aufwies, wurde wieder verschlossen. Die vielen Arbeiter, die vermehrten Verdienst hätten bringen sollen, verschwanden. Nur noch das "Spital" und die "Linie" erinnern uns noch heute an diese Zeit. Dieser Rückschlag blieb nicht ohne Folgen, wie aus der Bevölkerungsstatistik zu ersehen ist.
Erst die neunziger Jahre brachten wieder einen Aufschwung, und anno 1900 war die Bevölkerungszahl wieder auf 1820 angewachsen. Die stetige Entwicklung Mümliswils hielt an bis zum Beginn der Rezession um 1975. Mit 2 702 Einwohnern anlässlich der Volkszählung von 1970 war ein Höhepunkt erreicht. Die allgemeine Rezession hatte einen Rückgang der Bevölkerung zur Folge. Die Industrialisierung bewirkte auch in unserer Gemeinde eine Wandlung der Dorfstruktur. War Mümliswil im 19. Jahrhundert zum grössten Teil ein Bauerndorf, so hat sich dies bis heute grundlegend geändert.
Bevoelkerungsentwicklung_seit_1830.pdf (pdf, 12.7 kB)
|zur Übersicht|