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Der britische Premierminister Boris Johnson ist wegen seiner Covid-19-Erkrankung vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden. Das teilte der Regierungssitz Downing Street in London am Sonntagabend mit. Er solle dort Tests unterzogen werden.
"Es handelt sich um einen vorsorglichen Schritt, da der Premierminister noch zehn Tage, nachdem er positiv auf das Coronavirus getestet wurde, Symptome hat", hiess es in der Mitteilung. Der Schritt weckte Zweifel an seiner Fähigkeit, die Amtsgeschäfte trotz Covid-19-Erkrankung fortzuführen.
Johnson führe die Regierung weiterhin, sagte ein Sprecher am Abend. Dennoch wurde damit gerechnet, dass sein Stellvertreter, Aussenminister Dominic Raab, für die Leitung einer Sitzung am Montag einspringen würde.
Johnson hatte seine Infektion am 27. März bekannt gemacht und sich in Selbstisolation in seiner Dienstwohnung zurückgezogen. Noch am Freitag meldete er sich mit einer Videobotschaft zu Wort. Er fühle sich zwar besser, habe aber weiterhin Fieber. "Dem Ratschlag der Regierung zufolge muss ich meine Selbstisolation weiterführen", sagte der Premier.
Der 55 Jahre alte konservative Politiker wirkte erschöpft, trotzdem gab er sich optimistisch. Von seiner Dienstwohnung aus hatte er die vergangenen zehn Tage weiter gearbeitet. Selbst Kabinettssitzungen hatte er per Videokonferenz geleitet. Nun sind seine Ärzte wohl eingeschritten. Erwartet wird, dass nun seine Lungen mit verschiedenen Methoden untersucht werden. Auch Herz-, Leber- und Nierenfunktion werden sehr wahrscheinlich überprüft und ein Blutbild vorgenommen, wie britische Medien berichteten.
US-Präsident Trump wünschte Johnson nach dessen Einlieferung ins Krankenhaus eine rasche Genesung. "Ich bin voller Hoffnung und sicher, dass er in Ordnung sein wird", sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) im Weissen Haus. "Er ist ein starker Mann." Auch der neue Chef der oppositionellen Labour-Partei, Keir Starmer, sowie die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon wünschten dem Premierminister eine "schnelle Genesung".
Die Zahl der Toten durch die Coronavirus-Pandemie stieg in Grossbritannien am Sonntag um 621 auf 4934 an. Johnsons Regierung steht unter erheblichem Druck: Durch einen Schlingerkurs hat sie im Kampf gegen das neuartige Virus wertvolle Zeit verloren. Im chronisch unterfinanzierten Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) gibt es zudem nicht genügend Tests, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte. Erste Kliniken meldeten britischen Medien zufolge sogar einen Mangel an Sauerstoff für die Beatmung der Lungenkranken.
Queen: "Wir werden uns wiedersehen"
Königin Elizabeth II. hatte sich am Sonntagabend in einer historischen Fernsehansprache an die Briten gewandt und sie zum Durchhalten aufgerufen. Sie machte aber auch Mut, dass die Pandemie besiegt werden kann. Noch müsse womöglich mehr ertragen werden. "Aber es werden wieder bessere Tage kommen, wir werden mit unseren Freunden vereint sein, wir werden mit unseren Familien vereint sein. Wir werden uns wiedersehen", so die 93 Jahre alte Monarchin.
Abgesehen von den traditionellen Weihnachtsansprachen war es erst die vierte solche Rede des seit 1952 amtierenden britischen Staatsoberhaupts. Zuvor hatte sich Elizabeth II. 2002 beim Tod ihrer Mutter, Queen Mum, sowie vor der Beisetzung Prinzessin Dianas 1997 und während des Golfkriegs 1991 an die Briten gewandt.
Auch Johnsons schwangere Verlobte Carrie Symonds hat nach eigenen Angaben eine Woche mit Symptomen der Lungenkrankheit Covid-19 im Bett verbracht. Das teilte die 32 Jahre alte ehemalige Kommunikationschefin der Konservativen Partei am Samstag per Twitter mit. Getestet worden sei sie aber nicht.
"Nach sieben Tage Ausruhen fühle ich mich stärker und bin auf dem Weg der Besserung", so Symonds. Schwanger zu sein mit Covid-19 sei offensichtlich beunruhigend, fügte sie hinzu und teilte eine Online-Infobroschüre mit ihren Followern. "Bitte lesen Sie und befolgen Sie die aktuellsten Leitlinien, die ich sehr beruhigend fand", schrieb sie. Johnson und Symonds hatten erst Ende Februar ihre Verlobung und die Schwangerschaft bekanntgegeben. Das gemeinsame Baby soll im Frühsommer auf die Welt kommen.
Christoph Meyer, dpa
NACHRICHTENÜBERBLICK INTERNATIONAL
Begeistertes Echo auf Rede der Queen in der Corona-Krise
Mit ihrem Appell zum Durchhalten und zu eiserner Disziplin während der Coronavirus-Pandemie hat Königin Elizabeth II. den Nerv der Briten getroffen. "Die Königin spricht für das ganze Land und für unsere Entschlossenheit, das Coronavirus zu bekämpfen", teilte der neue Chef der oppositionellen Labour-Partei, Keir Starmer, am Montag mit.
Die Ministerin für internationalen Handel, Liz Truss, bezeichnete die Rede als "inspirierend". Londons Bürgermeister Sadiq Khan lobte, dass die 93 Jahre alte Queen die "hart arbeitenden Helden" etwa in Krankenhäusern hervorgehoben habe.
In ihrer am Sonntagabend ausgestrahlten Rede machte die Monarchin auch Mut, dass die Pandemie besiegt werden kann: "Es werden wieder bessere Tage kommen, wir werden mit unseren Freunden vereint sein, wir werden mit unseren Familien vereint sein.
Wir werden uns wiedersehen." Auch auf die Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs spielte die Queen an. Sie hoffe, "dass die Eigenschaften der Selbstdisziplin, der stillen, gutmütigen Entschlossenheit und des Mitgefühls dieses Land noch immer auszeichnen".
Ihre Rede war auf Schloss Windsor in der Nähe von London unter grossen Sicherheitsvorkehrungen aufgenommen worden. Dorthin hat sich die Königin mit Ehemann Philip (98) zurückgezogen. Aufgrund ihres hohen Alters gelten beide als besonders gefährdet während der Pandemie.
Abgesehen von den traditionellen Weihnachtsansprachen war es erst die vierte Rede des seit 1952 amtierenden Staatsoberhaupts an die Nation. Zuvor hatte sich Elizabeth II. bei dem Tod ihrer Mutter (2002), der Beisetzung Prinzessin Dianas (1997) und während des Golfkriegs (1991) an das britische Volk gewandt.
Schottische Regierungsexpertin missachtet Regeln und tritt zurück
Die oberste Gesundheitsexpertin der schottischen Regierung ist nach Verstössen gegen die eigenen Ausgangsbeschränkungen zurückgetreten. Sie hatte für Empörung gesorgt.
Obwohl sich Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon gegen einen Rücktritt von Catherine Calderwood als Chief Medical Adviser ausgesprochen hatte, zog diese am Sonntagabend die Konsequenzen, nachdem sie mit ihrem Fehlverhalten für Aufsehen in Grossbritannien gesorgt hatte. Durch ihre Fehler habe sie das Vertrauen in die Arbeit der Gesundheitsbehörden "in diesem kritischen Moment" untergraben, wurde Sturgeon am Sonntagabend von der Nachrichtenagentur PA zitiert.
Calderwood gab am Sonntag zu, an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden zu einem Landhaus ihrer Familie gefahren zu sein. Zuvor hatte die Zeitung "Scottish Sun" Fotos der Expertin von einem beliebten Ausflugsziel an der Küste veröffentlicht. "Ich habe den Ratschlag nicht befolgt, den ich anderen gegeben habe", sagte Calderwood bei einer Pressekonferenz. "Es tut mir sehr leid."
Die Medizinerin hatte die wegen der Coronavirus-Pandemie angeordneten Auflagen immer wieder auch vor laufender Kamera verteidigt und zu deren Einhaltung aufgerufen. Die schottische Polizei teilte mit, Calderwood sei von Beamten ermahnt worden, die Auflagen einzuhalten.
Einwohner von Abidjan zerstören Zentrum für Coronavirus-Tests
In der Millionenmetropole Abidjan in der Elfenbeinküste haben Einwohner ein Zentrum für Coronavirus-Tests zerstört. Dies geschah, weil sie ihre Ansteckung durch Besucher der Einrichtung fürchteten.
In Webvideos war zu sehen, wie dutzende Menschen am Sonntag in dem Arbeiterviertel Yopougon das noch im Bau befindliche Gebäude auseinander nahmen. Einige von ihnen riefen: "Wir wollen es nicht!"
Anwohner hatte zuvor gegen das Testzentrum demonstriert, wie ein Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AFP sagte. Sie kritisierten, dass sich das Gebäude zu nahe an ihren Häusern befinde. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sagte, die Einrichtung sei nie für die Behandlung von Coronavirus-Patienten bestimmt gewesen, sondern lediglich für Tests.
Präsident Alassane Ouattara hatte wegen der Pandemie vor zwei Wochen den Ausnahmezustand ausgerufen. Schulen, Kirchen und nicht unbedingt gebrauchte Läden sind in der Elfenbeinküste geschlossen und Versammlungen verboten. In dem westafrikanischen Land wurden bis Sonntag 261 Corona-Infektionsfälle gezählt, mindestens drei Menschen starben dort an der von dem neuartigen Erreger ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19.
Österreich verdreifacht Mittel für Kurzarbeit
Wegen des hohen Bedarfs an Kurzarbeit verdreifacht die österreichische Regierung ihre dafür vorgesehenen Finanzmittel. Der Finanzrahmen solle per Verordnung von einer auf drei Milliarden Euro angehoben werden, teilten Finanzminister Gernot Blümel und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) am Montag der österreichischen Nachrichtenagentur APA mit.
Bis Freitag wurden demnach bereits Corona-Kurzarbeitsanträge im Ausmass von einer Milliarde Euro bewilligt. "Die Corona-Kurzarbeit hat bisher rund 400 000 Arbeitsplätze in Österreich gesichert", sagte Aschbacher laut APA. Das Modell werde sehr stark angenommen. Insgesamt gingen demnach bis Freitag etwas mehr als 23 000 Anträge ein.
"Wir haben immer gesagt, dass es mehr Geld gibt, wenn es mehr braucht", wird Finanzminister Blümel zitiert. Erst vor gut einer Woche, am 28. März, hatte die österreichische Regierung die erstmalige Erhöhung des Finanzrahmens für Kurzarbeit von 400 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro verkündet. Dafür gab es breites Lob: Die Arbeiterkammer, der Gewerkschaftsbund, die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer begrüssten die Ausweitung.
Österreich will direkt nach Ostern Anti-Corona-Massnahmen lockern
Nach Ostern soll in Österreich in der Corona-Krise der langsame Weg zurück in Richtung Normalität beginnen. Ziel sei es, dass ab dem 14. April kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen, teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag in Wien mit.
Ab 1. Mai sollen dann alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure wieder öffnen dürfen. Hotels und die Gastronomie sollen frühestens Mitte Mai folgen. Die Ausgangsbeschränkungen werden allerdings bis Ende April verlängert, die Schulen bleiben bis Mitte Mai zu. Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden. Zudem wird das Tragen eines Mundschutz künftig nicht nur in Supermärkten und Drogerien zur Pflicht.
"Die schnelle und restriktive Reaktion gibt uns jetzt auch die Möglichkeit, schneller wieder aus dieser Krise herauszukommen", sagte Kurz. "Allerdings nur, wenn wir weiter alle konsequent die Massnahmen einhalten und so gut zusammenstehen, wie wir das bisher gemacht haben."
Vor allem mit Blick auf das Osterfest bat Kurz die Menschen darum, weiter soziale Kontakte zu meiden und voneinander Abstand zu halten. Er fügte hinzu: "Bleiben sie zusammen mit den Menschen, mit denen sie gemeinsam wohnen."
Österreich ist damit eines der ersten europäischen Länder, das im Kampf gegen das Coronavirus seine Massnahmen schon direkt nach Ostern wieder etwas lockern will. Auch in Dänemark hat Regierungschefin Mette Frederiksen angekündigt, das Land wahrscheinlich nach Ostern schrittweise wieder öffnen zu wollen. Einen genauen Plan hat sie aber noch nicht vorgelegt.
In Tschechien wird aktuell über kleinere Ausnahmeregelungen für den Handel diskutiert, das Minderheitskabinett ist in dieser Frage aber heftig zerstritten.
Österreich läuft seit dem 16. März auf Minimalbetrieb: Mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Drogerien ist der Einzelhandel geschlossen, sämtliche Lokale und Restaurants sind ebenfalls zu. Ausserdem gelten Ausgangsbeschränkungen, das Zusammenstehen in Gruppen ist nicht erlaubt. Im besonders betroffenen Bundesland Tirol gilt zudem bis Ostermontag eine Quarantäne für alle Gemeinden.
Die Menschen dürfen dort ihren Wohnort nur mit triftigem Grund verlassen. Auch im Bundesland Salzburg stehen Gemeinden unter Quarantäne, darunter etwa das bei Wintersportlern beliebte Saalbach-Hinterglemm.
Zuletzt wurde deutlich, dass diese Massnahmen offensichtlich wirken: Die Zahl der bestätigten Infektionen mit Sars-CoV-2 steigt seit mehreren Tagen nur noch langsam an, die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen stagniert. Mit Stand Montag, 8.00 Uhr, gab es in Österreich 12 008 bestätigte Infektionen - das entspricht rund 136 Fällen pro 100 000 Einwohnern.
Die tägliche Steigerungsrate bei den Neuinfektionen lag zuletzt bei rund zwei Prozent - im Vergleich zu 20 Prozent und mehr zu Beginn der Massnahmen Mitte März. Seit Samstag steigt zudem die Zahl der Genesenen schneller als die der neu bestätigten Fälle. Weniger als 3 aus 100 000 Menschen infizieren sich in Österreich derzeit pro Tag neu mit Sars-CoV-2.
Tschechisches Fernsehen dreht Coronavirus-Sitcom
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Tschechien macht die Coronavirus-Pandemie zum Thema einer Sitcom. Die Dreharbeiten für die neue Serie mit dem Titel "Die Liebe in Zeiten von Corona" sollen bereits in einer Woche beginnen, wie eine Sprecherin des Senders CT am Montag mitteilte.
Man habe sich entschlossen, gegen die derzeitige belastende Situation mit Humor anzukämpfen.
In sechs Episoden sollen unter dem Motto "ein Haus, drei Generationen, eine globale Pandemie" die Erlebnisse der Bewohner einer Prager Mietskaserne erzählt werden. Hauptfiguren sind der Teenager Franta, dessen Eltern im Ausland hängengeblieben sind, und der Rentner Libor, der auf einmal allein für sich sorgen muss. Und dann ist da noch das junge Ehepaar Petr und Anna, deren Beziehung unter den Bedingungen der Quarantäne auf die Probe gestellt wird.
Die Fernsehzuschauer sind aufgerufen, ihre eigenen Erfahrungen mit den seit drei Wochen geltenden, drastischen Ausgangsbeschränkungen in Tschechien einzubringen. Dafür haben die Macher eine Internetseite eingerichtet. Ein festes Drehbuch gebe es bisher nur für den ersten Teil, sagte Produzent Tomas Baldynsky.
Die Dreharbeiten finden mit einer Minimalbesetzung statt, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. So sollen die Kameras ferngesteuert werden. Erster Ausstrahlungstermin ist der 27. April. In Tschechien gab es bis Montag 4591 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Bis dahin sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums 72 Menschen gestorben.
Apple liefert Gesichtsschutz für medizinisches Personal
Im Kampf gegen die Corona-Pandemie produziert der US-Computerhersteller Apple jetzt gemeinsam mit Zulieferern Gesichtsschutz für medizinisches Personal. Dies teilte Apple-Chef Tim Cook am Sonntag (Ortszeit) auf Twitter mit.
Die erste Lieferung sei vorige Woche an ein Krankenhaus in den USA gegangen, und das Feedback der Ärzte sei sehr positiv gewesen. Künftig sollen davon eine Million pro Woche hergestellt und bald auch über die USA hinaus verteilt werden. Der Schutz ist durchsichtig und bedeckt grosse Teile des Gesichts.
Apple habe ausserdem weltweit mehr als 20 Millionen Atemschutzmasken über die eigenen Zulieferer besorgt, hiess es. "Wir arbeiten eng mit Regierungen auf allen Ebenen zusammen um sicherzustellen, dass diese den Orten mit dem grössten Bedarf gespendet werden", sagte Cook und sprach von einer "wahrhaft globalen Anstrengung". Apple sehe sich verpflichtet, den weltweiten Kampf gegen Covid-19 zu unterstützen.
Trump sieht Zeichen der Hoffnung in den USA
US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag (Ortszeit) die Hoffnung geäussert, dass in einigen Brandherden der Coronavirus-Krise in den USA ein Abflachen auszumachen sei. Er verweist dabei auf jüngste Mitteilungen aus dem am schlimmsten betroffenen Bundesstaat New York.
Dort meldeten die Behörden am Sonntag erstmals seit einer Woche, dass weniger Menschen als am Vortag verstorben seien. "Vielleicht ist das ein gutes Zeichen", betonte Trump. "Wir beginnen, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen", sagte er vor Journalisten in Washington. "Man kann aber nie glücklich sein, wenn so viele Menschen sterben."
Der US-Präsident rief die Amerikaner angesichts der verheerenden Coronavirus-Pandemie auf, für Ärzte und Pflegepersonal zu beten. Die Mitarbeiter im Gesundheitswesens zögen jeden Tag trotz "enormer Gefahr" gegen das Coronavirus "in den Krieg", sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) im Weissen Haus vor Journalisten. "Es ist ein sehr harter Feind", betonte Trump. Der US-Präsident dankte ausdrücklich den Angestellten von Logistikunternehmen und Einzelhändlern, welche die Versorgung im Land aufrecht erhielten.
Übertragung von Mensch zum Tier
Derweil ist in einem New Yorker Zoo ein Tiger positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Das vierjährige Weibchen Nadia leide an einem trockenen Husten, teilen die Betreiber des zoologischen Gartens im Stadtteil Bronx am Sonntag (Ortszeit) mit.
Die Tigerdame habe sich mutmasslich bei einem Pfleger angesteckt, teilte die für die Verwaltung weiter mit. Der Pfleger hatte noch keine Symptome des Virus gezeigt, als er weiterhin seiner Berufstätigkeit nachgegangen sei, hiess es weiter.
Es sei weltweit die erste bekannte Infektion bei einem Tiger und das erste Mal, dass die Krankheit bei einem Tier in den USA nachgewiesen worden sei, hiess es weiter.
Nadia werde sich aber voraussichtlich erholen, teilten die Verantwortlichen zudem mit. Es sei nicht bekannt, in welcher Weise das Coronavirus auf den Organismus von Grosskatzen wirke, erläuterte der Zoo weiter. Die Tiere würden deshalb genau beobachtet.
Die Coronavirus-Pandemie soll durch Übertragung des Erregers von einem Wildtier auf einen oder mehrere Menschen auf einem Markt der chinesischen Millionenmetropole Wuhan entstanden sein. Seither wurden mehrere Fälle bekannt, in dem der Erreger mutmasslich von Menschen auf Tiere übersprang. So wurden zwei Hunde in Hongkong und eine Hauskatze in Belgien positiv auf das Coronavirus getestet.
Ärzte in Pakistan nach Protesten für mehr Schutzkleidung festgenommen
Mehrere Ärzte sind nach Protesten in Pakistan für mehr Schutzkleidung gegen das Coronavirus von der Polizei festgenommen worden. Die Polizei sei in der westpakistanischen Provinzhauptstadt Quetta in Baluchistan gewaltsam gegen die Mediziner vorgegangen, sagte der Arzt Jassir Achaksai der Deutschen Presse-Agentur am Montag.
Mindestens ein Dutzend Ärzte seien festgenommen worden, sagte Achaksai, der selbst demonstriert hatte. Die Polizei äusserte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Pakistan hat seit Verbreitung des Coronavirus im Land laut Gesundheitsminister Safar Mirsa tausende Masken und Anzüge für medizinisches Personal aus China erhalten. Weltweit ist Schutzausrüstung jedoch knapp. Nur etwa die Hälfte der Ärzte in der Provinz könne derzeit mit Schutzausrüstung ausgestattet werden, sagte Achaksai.
In Pakistan gibt es derzeit über 3200 registrierte Infektionen mit Corona sowie 50 bestätigte Todesfälle. Besonders betroffen sind die Provinzen Sindh mit der regionalen Hauptstadt Lahore sowie Punjab. Das Gesundheitssystem in dem Land mit über 200 Millionen Menschen gilt in vielen Provinzen als schwach ausgestattet.
China meldet leichten Anstieg von Coronavirus-Infektionen
Die Gesundheitsbehörden in China verzeichnen einen leichten Anstieg der Neuinfektionen. Per Sonntag seien 39 neue Fälle in Festland-China registriert worden, hiess es am Montag in Peking. Dies sei nach 30 Neuinfektionen am Vortag verzeichnet worden, hiess es.
38 davon seien Menschen, die aus dem Ausland eingereist seien. Die Zahl der asymptomatischen Fälle, also bei denen Infizierte selbst keine Symptome zeigen, das Virus aber auf andere übertragen können, sei auf 78 von 47 am Samstag gestiegen.
Insgesamt liegt die Zahl der erfassten Erkrankungen in China den Angaben zufolge nunmehr bei 81'708, 3331 Personen starben.
Südkorea meldet am Montag 47 Neuinfektionen. Es ist das erste Mal, dass das Land weniger als 50 neue Krankheitsfälle verzeichnet, seit die Pandemie dort am 29. Februar ihren Höhepunkt erreichte. Insgesamt wurden nach Angaben der Behörden bisher 10'284 Fälle erfasst. 186 Menschen seien gestorben.
Zahl der Neuinfektionen in Südkorea fällt auf unter 50
Die Zahl der täglich erfassten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Südkorea ist zum ersten Mal seit dem Höhepunkt Ende Februar auf unter 50 gefallen. Am Sonntag seien 47 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, teilten die Gesundheitsbehörden am Montag mit. Südkorea gilt mittlerweile unter anderem dank seines rigiden Testprogramms als Vorbild für die Eindämmung des Virus.
Vizegesundheitsminister Kim Gang Lip warnte jedoch angesichts von lokalen Häufungen und neuer "importierter" Fälle, den Zahlen zu hohe Bedeutung beizumessen. Am Wochenende seien nur etwa 6000 Virustests am Tag durchgeführt worden, statt etwa 10 000 an Wochentagen.
Auch äusserten sich die Behörden besorgt darüber, dass die Teilnahme an der Kampagne zur Vermeidung sozialer Kontakte wegen des Frühlingswetters und Ermüdungserscheinungen nachgelassen habe. Laut Kim wurden am Wochenende "um 20 Prozent mehr Bewegungen der Menschen" registriert. Der Erfolg im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus hänge letztlich vom Verhalten der Menschen ab, sagte Kim.
Bei den Neuerkrankungen hatte sich im März - nach dem Höhepunkt Ende Februar mit mehr als 900 Fällen pro Tag - ein deutlicher Abwärtstrend eingestellt. In den vergangenen Wochen hatte sich die Zahl bei etwa 100 täglichen Nachweisen eingepegelt.
Die Gesamtzahl der Infektionsfälle stieg auf 10 284. Bisher wurden 184 Todesopfer in Verbindung mit Covid-19 gezählt.
Im Mittelpunkt der Epidemie in Südkorea steht aufgrund eines Massenausbruchs unter Anhängern einer christlichen Sekte die südöstliche Millionenstadt Daegu, wo bisher weitaus mehr als die Hälfte aller Infektionen gemeldet wurden.
Auch Japan erwartet Ausgangssperren wegen des Coronavirus
Auch Japan steht wegen der Ausbreitung des Coronavirus kurz vor Ausgangssperren. Wie japanische Medien am Montag berichteten, will der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe den Notstand für Tokio und andere Grossstädte wie Osaka ausrufen. Damit werden die Behörden ermächtigt, die Bürger anzuweisen, in ihren Häusern zu bleiben und Schulen geschlossen zu lassen.
Hintergrund ist ein zuletzt deutlicher Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus in der Hauptstadt Tokio sowie anderen grossen Städten des Inselreiches wie Osaka. Im besonders schwer betroffenen Tokio waren am Sonntag weitere 143 Infektionsfälle bestätigt worden - der bislang höchste Anstieg innerhalb eines Tages. Damit zählt die japanische Millionenmetropole bereits mehr als 1000 Infektionsfälle.
Vor diesem Hintergrund war der Druck auf Abe gewachsen, den Notstand auszurufen. Auch Tokios Gouverneurin Yuriko Koike hatte diesen für Japan beispiellosen Schritt gefordert. Analytiker hatten Abe vorgeworfen, die Situation anfangs nicht richtig ernst genommen und unzureichend darauf reagiert zu haben. Seiner Regierung wurde zudem vorgeworfen, sie lasse nicht genügend testen, angeblich um mit Blick auf die Olympischen Spiele die Infektionszahlen niedrig zu halten.
Seitdem die Spiele jüngst wegen der Pandemie auf den Sommer nächsten Jahres verschoben worden waren, nehmen die Infektionszahlen in Japan deutlich zu. Bis zum Sonntag zählte die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt 4563 Coronavirus-Fälle, davon rund 700 Menschen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Bislang sind 104 Todesfälle zu beklagen.
Corona-Impfung für Milliarden: Bill Gates fordert globale Lösung
Die gegenwärtige Lage kann sich nach Ansicht von Bill Gates erst dann wieder normalisieren, falls es für alle Menschen auf der Welt einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt. Es müsse mit Hochdruck an dessen Entwicklung gearbeitet werden.
Dies sagte der Microsoft-Gründer und Co-Vorsitzende der Bill und Melinda Gates Stiftung am Sonntag (Ortszeit) dem Sender Fox News. Dieser Impfstoff müsse mit einer "Kapazität von Milliarden Dosen" verfügbar sein, hiess es weiter. Mit einem regulären Impfstoff wird aber frühestens nächstes Jahr gerechnet.
Kaum Normalzustand bis zum Impfstoff
"Wir sitzen hier alle im gleichen Boot", sagte Gates. Reiche Länder wie die USA könnten das Virus früher oder später eindämmen. Wenn es sich dann aber in ärmeren Ländern ausbreite, werde es auch wieder in die USA zurückkommen, warnte er. "Wir müssen das Virus auf der ganzen Welt besiegen", forderte Gates. Das sei langfristig nur mit einem wirksamen Impfstoff für alle Menschen auf der Welt möglich. Bis es soweit sei, könne das Leben nicht zum Normalzustand zurückkehren.
Gates hatte die US-Regierung am Donnerstag aufgefordert, schon jetzt Fabriken zur Produktion der zur Zeit erprobten Impfstoffe zu bauen. Davon würden manche wohl nie gebraucht werden, womit Milliarden Dollar in den Sand gesetzt würden. Deswegen könne kein Privatunternehmen ein solches Risiko eingehen, argumentierte Gates. Aber nur so könne eine sofortige Massenproduktion eines zugelassenen Impfstoffs sichergestellt werden.
Die Gates-Stiftung, die vor allem Gesundheitsprogramme finanziert, hat nach eigenen Angaben bereits 105 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie bereitgestellt. Weltweit gibt es nach Angaben von US-Forschern bereits 1,2 Millionen bekannte Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann.
Grundrechte in vielen EU-Staaten wegen Corona eingeschränkt
Die meisten EU-Länder haben nach Ansicht der Vizepräsidentin der EU-Kommission, Vera Jourova, im Kampf gegen das Coronavirus mittlerweile die Grundrechte ihrer Bürger eingeschränkt. "Bisher haben 20 EU-Länder eine Art Notstandsgesetzgebung verabschiedet, um die Corona-Krise erfolgreich zu bekämpfen und die notwendigen Massnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und den Schutz der Menschen gegen das Virus durchsetzen zu können", sagte die für Rechtsstaatsfragen zuständige Kommissarin der Zeitung "Die Welt" (Montag).
Auf lange Sicht bestehe jedoch die Gefahr, dass die Demokratie durch diese Massnahmen geschwächt wird, meinte Jourova. "Darum ist Kontrolle in diesem Moment so wichtig." Eine demokratische Balance sei dringend erforderlich. "Das Coronavirus darf die demokratische Ordnung nicht killen", betonte Jourova. Nach ihren Angaben untersucht die EU-Kommission derzeit in allen betroffenen Ländern die Notfallmassnahmen und prüft, ob sie gegen demokratische Grundwerte (Artikel 2, EU-Vertrag) verstossen. "Wenn das der Fall sein sollte, werden wir einschreiten", sagte die Politikerin aus Tschechien.
Mit Blick auf die umstrittene Notstandsgesetzgebung in Ungarn sagte sie, dass auch diese "im Detail" analysiert werden müsse. "Ich habe aber meine Bedenken, was die Zeitbegrenzung und eine effektive parlamentarische Kontrolle angeht." Zudem bestehe "die Gefahr, dass es bei der Berichterstattung über die Corona-Krise durch die Medien zu einer Zensur kommen könnte". Die Kommission werde jetzt aber genau verfolgen, wie das Gesetz in der Praxis angewendet wird.
"Wir werden genau verfolgen, wann die Massnahmen in Ungarn beendet werden", betonte sie. "Ich erwarte von der Regierung, dass das in naher Zukunft passieren wird. Dann ist der Moment der Wahrheit gekommen."
Was über das Coronavirus bekannt ist - und was nicht
Seit mehr als drei Monaten breitet sich das Coronavirus immer rasanter in der Welt aus. Was wir über den Erreger wissen - und was nicht:
AUSBREITUNG: Wenn das Virus nicht aufgehalten wird, stecken sich immer mehr Menschen damit an. Zehn Wochen nach Bekanntwerden des Virus waren der Weltgesundheitsorganisation (WHO) global 100 000 Fälle bekannt, derzeit werden in nicht einmal zwei Tagen so viele Neuinfizierte registriert. Allein am Sonntag wurde mit mehr als 82 000 neuen Fällen weltweit innerhalb von 24 Stunden ein weiterer Höhepunkt erreicht.
ÜBERTRAGUNG: Wie stark sich Sars-CoV-2 überträgt, lässt sich bislang nicht genau feststellen. Das Robert Koch-Institut (RKI) verweist auf Studien, nach denen ein Infizierter im Schnitt zwischen 2,4 und 3,3 andere ansteckt - vor allem über Tröpfchen in der Luft. Prinzipiell nicht ausschliessen will das RKI, dass man sich infiziert, wenn man eine kontaminierte Oberfläche berührt und dann ins Gesicht fasst. Wie häufig das Virus auf diesem Weg übertragen wird, ist nicht bekannt.
PATIENTEN: Infizieren können sich alle, die noch nicht immun sind. Gerade für ältere Menschen besteht die grösste Gefahr, eine schwere Form der Lungenkrankheit Covid-19 zu entwickeln. Genauso betroffen können allgemein gesunde Patienten mit vorgeschädigter Lunge sein, also etwa langjährige Raucher und Asthmatiker aber auch Diabetiker und Menschen mit Bluthochdruck. Mediziner betonen, dass auch jüngere Patienten nicht vor einem schweren Krankheitsverlauf gefeit seien.
KRANKHEITSVERLAUF: Die Spannbreite der Lungenkrankheit Covid-19 reicht von symptomlosen Verläufen bis zu Lungenversagen und Tod. Nach Auswertung der Fälle in der besonders betroffenen chinesischen Region Hubei verliefen dem RKI zufolge rund 80 Prozent der Erkrankungen mild bis moderat. Bei etwa 6 Prozent wird es aber kritisch oder lebensbedrohlich. Für Regionen ausserhalb Hubeis gibt es Studien, die von einem etwas niedrigeren Anteil schwerer Verläufe ausgehen.
TODESFÄLLE: Weltweit sind auch nach WHO-Angaben mehr als 64 000 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus bekannt. Nach einer Studie von Forschern des Londoner Imperial College von Mitte März starben bis dahin praktisch keine infizierten Kinder und Teenager, bei den 20- bis 29-Jährigen waren es auch nur 0,03 Prozent der Infizierten. Von den über 80-Jährigen hingegen starb etwa jeder elfte.
IMMUNITÄT: Anders als bei der saisonalen Grippe gibt es gegen Sars-CoV-2 bisher keine Impfung. Forscher erwarten einen Impfstoff erst in mehreren Monaten. Viele Experten sind sich sicher, dass zuvor ein Medikament auf den Markt kommen wird. Bisher beschränkt sich die Corona-Therapie vor allem auf die Linderung der Symptome. Wer einmal eine Infektion hinter sich gebracht hat, ist nach RKI-Annahmen wegen der Bildung von Antikörpern voraussichtlich für ein paar Jahre immun.
EINDÄMMUNG: In vielen Staaten gelten drastische Einschränkungen zur Unterdrückung der Pandemie, um die Gesundheitssysteme nicht zu überlasten. Zuletzt hatten Forscher aus Singapur herausgefunden, dass eine Kombination aus Schulschliessungen, Homeoffice und Quarantäne die Corona-Ausbreitung stark bremsen kann. Viele Experten aber halten die Datenlage bislang noch zu dünn, um die genauen Auswirkungen endgültig zu bewerten. Ohne Gegenmassnahmen allerdings könnte die Pandemie nach einer Studie des Londoner Imperial College bis Jahresende weltweit mehr als 40 Millionen Menschen das Leben kosten.
Sebastian Fischer, dpa
Was Corona-Krise und Finanzkrise unterscheidet
Leere Strassen, geschlossene Läden, ausgebremste Produktion: Die Corona-Pandemie legt das öffentliche Leben lahm und trifft die Wirtschaft mit voller Wucht. Ist die Krise verheerender als der Einbruch 2008/2009? Immer wieder werden Parallelen zur Finanzkrise gezogen - auch wenn damals das Leben der meisten Menschen weiterhin in gewohnten Bahnen verlief.
"Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, über die aktuellen Lage. Der Chef des Münchner Flughafens Jost Lammers stellte fest: "Die Auswirkungen der Corona-Krise sind massiver als die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 oder der weltweiten Finanzkrise von 2008." Und der Chef der staatlichen Förderbank KfW, Günther Bräunig, erklärte: Mittlerweile sei absehbar, "dass das Ausmass der Krise deutlich über das hinausgeht, was wir aus der Finanzkrise kennen".
Gibt es Parallelen zwischen 2020 und der Finanzkrise? Oder hinkt der Vergleich? Eine Einordnung:
URSACHEN: Anders als die von einem Virus ausgelöste aktuelle Krise hatte die Finanzkrise ihren Ursprung im weltweiten Bankennetz - und laxen Regeln. Erst finanzierten Geldhäuser über Jahre Zehntausenden Amerikanern Häuser und Wohnungen - auch solchen, die sich ein Leben auf Pump nicht leisten konnten. Die schlecht besicherten Kredite - sogenannte Subprime-Hypotheken - bündelten findige Finanzjongleure zu Päckchen und verkauften sie in grossem Stil. Weil Ratingagenturen die undurchschaubaren Wertpapiere mit Bestnoten adelten, interessierte sich bald niemand mehr für deren riskanten Inhalt.
Die Blase platzte, als viele Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr zahlen konnten. Was im Frühjahr 2007 wie ein auf die USA begrenztes Problem aussah, wuchs sich spätestens mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 zu einer weltweiten Bankenkrise aus. Banken mussten Milliardenverluste verkraften, das Vertrauen in Geschäftspartner erodierte, etliche Institute wurden mit Steuermilliarden vor dem Kollaps gerettet.
REAKTIONEN: Die Verwerfungen im Finanzsystem trafen die Weltwirtschaft mit Wucht, nahezu alle Volkswirtschaften rund um den Globus stürzten 2009 in eine Rezession, in Deutschland schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 5,7 Prozent. Für den noch jungen Euroraum wurden die Jahre ab 2010 zur Zerreissprobe. Weil politische Rezepte zunächst fehlten, wurden Zentralbanker zu den "Helden der Krise", wie es die heutige EZB-Präsidentin und damalige IWF-Chefin Christine Lagarde 2014 formulierte. US-Fed, Europäische Zentralbank (EZB) und weitere Notenbanken senkten die Zinsen drastisch und pumpten Milliarden in die Märkte, um ein Austrocknen der für Unternehmen und Verbraucher so wichtigen weltweiten Geldströme zu verhindern.
Die Politik bemühte sich, Lücken bei der Überwachung von Banken zu schliessen und schärfere Regeln international festzuzurren. Doch das dauerte. Immerhin: Vieles, was nach der Finanzkrise auf den Weg gebracht wurde, erweist sich in der Corona-Krise als solides Fundament. Banken müssen zum Beispiel deutlich mehr Eigenkapital vorweisen, mit dem sie in Krisen Verluste abpuffern können. Die EZB überwacht die grossen Banken im Euroraum zentral und sollte die Abwicklung einer maroden Bank nötig sein, gibt es auch dafür nun europäische Regeln. Für Staaten zogen die Europäer als Rettungsnetz den Euro-Rettungsschirm ESM ein und Notenbanken haben inzwischen reichlich Erfahrung mit Notfallmassnahmen wie Anleihenkäufen.
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT: Die Finanzkrise katapultierte die G20 - die Gruppe der grossen Industrie- und Schwellenländer - zum zentralen Forum der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. 2008 kamen erstmals auch die Staats- und Regierungschefs der G20 zusammen und koordinierten ihr Vorgehen. Seit der Finanzkrise habe sich in diesem Format gezeigt, "dass wir gemeinsam besser die weltweiten wirtschaftlichen Probleme lösen können und Entwicklung überall fördern können", bilanzierte später Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Der gemeinsame Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie lief zögerlich an. Selbst innerhalb der Europäischen Union schlossen Staaten im Alleingang Grenzen. "Wir haben anfangs in den Abgrund geschaut", befand EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen. Inzwischen arbeiten die Finanzminister der Eurozone mit Hochdruck an einem Rettungsschirm für EU-Staaten. Von der Leyen verspricht Hilfen in Milliardenhöhe. Streit um die richtigen Instrumente gibt es weiter.
Und die Staats- und Regierungschefs der G20 beschlossen kürzlich ein gemeinsames Vorgehen. Was aber alles andere als einfach ist - auch weil US-Präsident Donald Trump seit seinem Amtsantritt die America-First-Strategie verfolgt und Chinesen sowie Europäer mit Vorwürfen überzieht. Auch die Spannungen unter den G20-Partnern - dazu gehören unter anderen die Türkei, Saudi-Arabien, Brasilien oder Russland - haben zuletzt zugenommen.
STAATSVERSCHULDUNG: Konjunkturprogramme und Rettungsmilliarden für Banken in der Finanzkrise liessen ohnehin schon gewaltige staatliche Schuldenberge weiter wachsen - ein Problem vor allem für die schwächeren Euro-Volkswirtschaften. Sie mussten immer höhere Zinsen aufbringen, um frisches Geld am Kapitalmarkt zu bekommen, was die Schulden weiter in die Höhe trieb. Für Griechenland, Portugal, Irland und Zypern wurden internationale Hilfsprogramme aufgelegt - jeweils gegen strenge Reform- und Sparauflagen der Geldgeber.
Auch in der Corona-Krise wird die Staatsverschuldung angesichts billionenschwerer Rettungspakete, höherer Ausgaben für steigende Arbeitslosigkeit und sinkender Steuereinnahmen steigen. "Im laufenden Jahr werden die Staatsschulden angesichts der Coronavirus-Pandemie stark zunehmen", erwartet die Bundesbank für Deutschland. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zur Finanzkrise: Die Notenbanken feuern aus allen Rohren. Die Staatsanleihenkäufe der EZB sicherten hochverschuldeten Eurostaaten den Zugang zum Kapitalmarkt, argumentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
DAUER: Die Finanzkrise kündigte sich schleichend an. Auch nach Bekanntwerden der neuartigen Lungenkrankheit in China Anfang dieses Jahres gab es zunächst die Hoffnung, es bleibe regional begrenzt. So zeigte sich etwa US-Notenbankchef Jerome Powell Ende Januar mit Blick auf das globale Wachstum noch "vorsichtig optimistisch".
Hoffnung bereitet im Rückblick das schnelle Wiederanspringen der deutschen Wirtschaft nach dem schweren Konjunktureinbruch 2009: Nur ein Jahr später meldete sich Europas grösste Volkswirtschaft eindrucksvoll zurück, es folgte ein zehnjähriger Aufschwung. Ökonomen rechnen aktuell mit einer ähnlichen Entwicklung: Die deutsche Wirtschaft dürfte im kommenden Jahr wieder wachsen, weil die Krise eine im Kern gesunde Volkswirtschaft trifft. Der Wirtschaftsweise Volker Wieland fasst es so: "Es ist nicht wie in einem Krieg, wo der Kapitalstock zerbombt wäre und die Arbeiter an der Front sind."