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Die Königswürde geht 919 an Heinrich I, den mächtigen Herzog von Sachsen (aus dem Haus der Ottonen). Ironie des Schicksals: Der Volksstamm, den Karl der Grosse am heftigsten bekämpft hat, beerbt die Karolinger! Während seiner Regierungszeit wird das Ostreich zum ersten Mal als "Reich der Deutschen" bezeichnet. Der Papst krönt 962 dessen Sohn und Nachfolger Otto I. zum Kaiser. Seit dieser Zeit wird die Kaiserwürde immer nur deutschen Königen verliehen.
Das Hochmittelalter ist die Zeit der aufstrebenden höfischen Kultur, des Minnesangs, des Rittertums und der Kreuzzüge. Die Grundstimmung des Hochmittelalters ist eine positive, zukunftsweisende. Das Land erfährt einen Aufschwung durch neue landwirtschaftliche Produktionsmethoden (Dreizelgen- bzw. Dreifelderwirtschaft) und die Erschliessung neuer Anbauflächen (Rodungen). Mit der Zeit erstarken die Städte durch die Ausweitung des Handels, der Geldwirtschaft und durch die Organisation der Handwerker.
Grafen, Bischöfe und Äbte müssen für ihre Dienste belohnt werden. Da in der Zeit nicht Geld, sondern Land Macht bedeutet, erhalten sie vom König Land. Diese Güter werden aber vom König nicht verschenkt, sondern nur geliehen. Sie heissen deshalb "Lehen (lat. feudum)".
Wer sein Lehen vom König erhält, ist ein Kronvasall (Vasall = Knecht, Gefolgsmann). Die Lehen kann sehr gross sein. Die Übergabe des Lehens erfolgt in feierlicher Form. Der Vasall kniet nieder und legt seine Hände zwischen die Hände seines Herrn. Dann schwört er seinem Lehnsherrn die Treue mit den Worten: "Deine Feinde sind meine Feinde. Deine Freunde sind meine Freunde. Ich will dir allezeit treu zugetan und gegenwärtig sein, wenn du mich brauchst."
Die gleiche Treue schwört auch der Lehnsherr seinem Vasallen. Er verspricht, ihm, wenn nötig, zu seinem Recht zu verhelfen. Der Kronvasall kann das vom König erhaltene Land wiederum weitergeben an "Untervasallen". So entsteht im Laufe der Zeit ein Lehnssystem (Feudalsystem) mit vielfältigen Abhängigkeiten. Ein Lehen kann auch in einem Amt, z. B. dem Grafenamt, dem Amt eines Bischofs oder Abtes bestehen. Stirbt ein Vasall, so fällt das Lehen an den Lehnsherren zurück. Der Lehnsherr kann dann frei entscheiden, ob und wem er das Lehen weitergeben will. Das gibt dem Lehnsherrn einige Macht. Erst später setzt der Adel durch, dass ein Lehen in der Familie weitervererbt wird.
Der Ausdruck Feudalismus (Feudalgesellschaft) bezeichnet die Gesellschaftsform des europäischen Mittelalters. Er hat folgende Merkmale:
- Die Gesellschaft ist hierarchisch geordnet (Lehnspyramide).
- Die Produktion ist stark von der Naturalwirtschaft (Landwirtschaft) geprägt.
- Der überwiegende Teil der Bevölkerung (über 80%) besteht aus Bauern. Sie sind aber nicht Eigentümer des von ihnen bestellten Landes. Dieses Land befindet sich im Besitz des Grundherren. Die Bauern befinden sich im Zustand der Leibeigenschaft, sind also persönlich abhängig vom Grundherren und damit unfrei.
Das bedeutete:
- Sie sind an die Scholle gebunden und haben nicht das Recht, das von ihnen bestellte Land zu verlassen.
- Sie sind der Rechtsprechung ihres Herren unterworfen.
- Sie schuldeten dem Grundherren Abgaben, sowohl in Form von Arbeitsleistungen (Fron), als auch in Form von Naturalabgaben. Die Abgaben können im Verlauf der Entwicklung auch durch Geld abgelöst werden (Steuern).
- Der König verkehrt mit seinen Vasallen, nicht mit seinen Untertanen.
Die Kirche wird im Mittelalter eine selbstständige feudale Institution (seit der „Pippinischen Schenkung“), die ihre eigenen Interessen verfolgt. Deshalb gibt es häufig Spannungen zwischen weltlichen und religiösen Herrschaften. Was dabei oft auf der Strecke bleibt ist die geistliche, seelsorgerische Aufgabe der Kirche.
Aufgaben und Recherchen
Wer „beerbt“ die Karolinger (Franken) nach deren Aussterben. In welchem Jahrhundert?
Was endet mit den Karolingern geschichtlich auch?
Nenne drei typische Merkmale des Hochmittelalters!
Das Hochmittelalter erlebt einen starken Bevölkerungszuwachs. Was macht ihn möglich?
Worin zeigt sich der Bevölkerungszuwachs auch noch?
Wieso sind die Fürsten interessiert, Städte zu gründen?
Was ist eine Feudalgesellschaft? Erkläre in eigenen Worten!
Durch was ist die Feudalgesellschaft geprägt? Was haben wir heute für eine Gesellschaft?
Welche vier Stufen bilden die Lehnspyramide?
Was sind Hörige?