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Der erste Rainsch, zwei Seitentüren, 1,7 Tonnen leicht.
Im Februar 1970 stürzte eine Coronado der Swissair bei Würenlingen wegen eines Sprengkörpers ab, 47 Menschen verloren ihr Leben, später im Jahr begannen europäische Fernsehanstalten in Farbe zu senden. Weitere schlimme und schöne Ereignisse läuteten das neue Jahrzehnt ein, als Land Rover eine zweite Modelllinie namens Range Rover vorstellte.
Die seit 1966 zum British Leyland gehörende Marke avisierte vorwiegend die bestehende Kundschaft. Hauptsächlich für gut situierte Grossgrundbesitzer, welchen ein pw-ähnlicherer Fahrkomfort geboten werden sollte, als der Land Rover Series II (später Defender) zu offerieren vermochte.
Luxuriös
Worunter man ein weniger hemdsärmeliges Styling, mehr verkleidete Innenraumflächen und einen gediegenen V8-Motor verstand. Vordere und hintere Starrachse blieben ebenso gesetzt wie die Geländeuntersetzung.
Im 75er Foto-Auto leistet der von GM eingekaufte Alu-V8 132 DIN-PS und bringt den 1,77 t schweren Wagen auf eine V/max von 155 km/h.
Selbst unsere Enkel erkennen die erste Generation auf Anhieb als «Räinsch». Ab Juli 1981 (Motorleistung damals: 190 PS), löste The Rover Company Limited den Dreitürer durch einen Fünftürer ab, die Kunden hatten lange danach verlangt. Zuvorderst die Frey-Gruppe als CH-Importeur, welcher 1976 an Monteverdi herantrat. Der Basler stellte daraufhin 1979 in Genf seinen viertürigen «Range Rover Monteverdi» vor. Insgesamt liess er 167 Fahrzeuge umbauen. Die meisten Exemplare blieben im Land, einige gingen zurück nach Grossbritannien. Zwei davon soll die britische Krone in den Fuhrpark gestellt haben.
Sehr luftig wirkendes Innenleben
Kompakt
Der 75er führt vor, dass sich optisch nicht allzu viel verändert hat. Im Vergleich zum aktuellen Range Rover ist er kompakter, ginge heutzutage als Kompakt-SUV durch, während er seinerzeit allein schon durch seine Grösse Respekt einsammelte. Zum Vergleich: 1. Gen. 445x181x180 cm, 1,7 Tonnen leicht, 4. Gen. 500x199x184 cm, 2,5 t schwer. Innen kommt dieses Grössenwachstum kaum an: Der erste Range Rover gibt sich luftiger. Was mit dem Fehlen der schattenspendenden Kopfstützen zusammenhängt. Die Seitentüre öffnet über einen arbeiter-handschuhtauglichen, senkrechten Griff. Grobstollige Pedale erinnern daran, dass man sein Land einst mit Stiefeln bewirtschaftete und die Fahrzeuge über Schaltbewegungen dirigierte. Autofahren war früher mehr, als den Empfehlungen des Navigationsgerätes zu folgen. Eine zweitteilige Heckklappe hatte der erste RR schon; der flachliegende Deckel ist als Picknick-Tisch nutzbar. Klimaanlage und beheizte Sitze waren noch lange nicht. Dafür geriet der Ascher grösser.
Exklusiv
Trotz der frugalen Ausstattung hat sich der RR schnell einen exklusiven Nimbus erarbeitet und sich mit Allradantrieb bald für Winterreisen ins Engadin empfohlen; der Niedergang der Schneekettenfabrikation. Forsche Piloten mussten dann erfahren, dass talwärts Allrad nicht wirklich hilft. Aber der Damm war gebrochen. Allrad wurde zum Wohlstandssymbol, Damit kann man Boote lockerer aus dem Wasser ziehen, und/oder bleibt mit dem Pferdeanhänger nicht mehr stecken, wenn Regen die Wiese genässt hat. Schliesslich entdeckten Gutbetuchte und später Mittelständler, dass das neue Konzept SUV durch den Range Rover im Zuge der wachsenden Autodimensionen – dem Crashtest geschuldet – noch andere Vorteile hat als «keine Schneeketten montieren müssen». Dank höherer Bauweise mehr Raum und bessere Übersicht, sowie bequemeren Einstieg.
Mittlerweile hat der Land Rover die bis in die neunziger Jahre dominierenden Limousinen und Kombis praktisch abgelöst und der Range ist unbestrittener Wegbereiter; der Oldiewert der ersten Generation nähert sich dem damaligen Neupreis (Fr. 26 950.-) und steigt weiter.
Türgriff arbeiter-handschuhtauglich.