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Bis zum Einsetzen der Gemeinderatsprotokolle im 19. Jahrhundert sind die älteren Kirchenbücher oft die einzigen Quellen für ländliche Ortsgeschichten.
Neben den zu erwartenden Pfarrerlisten, Eintragungen zu Bau und Ausstattung der Kirche, ortsspezifischen Kirchenfeiern und Vergabungen an die Kirche finden sich in den Kirchenbüchern auch Notizen zu ausserordentlichen Ereignissen wie Pest und Kriege. Demografisch interessant sind ferner Angaben zur frühen Auswanderung im 18. und 19. Jahrhundert.
Kirchenbücher dienten und dienen der Seelsorge und der christlichen Vitalstatistik einer Kirchgemeinde. Auch nach dem Einsetzen der eidgenössischen zivilen Einzelregister ab 1876 wurden die Seelenregister (Tauf-, Ehe-, Sterbe- und Konfirmandenregister) von den Geistlichen weitergeführt. Zum religiös-sozialen Umfeld enthalten die Kirchenbücher mehr Informationen als die zivilen Register.
Historische und konfessionelle Heterogenität
Als Inventarisierungsgebiet für Kirchenbücher ist der Kanton Aargau historisch und konfessionell heterogen.
Historisch sind seit 1415/60 bis zur Kantonsgründung 1803 drei grob umrissene Untertanengebiete zu unterscheiden:
- Bernischer Unteraargau mit den Bezirken Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen
- Gemeine Herrschaften der eidgenössischen Orte in der Grafschaft Baden und in den Freien Ämtern mit den Bezirken Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach
- Vorderösterreichisches Fricktal mit den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden
Eine erste konfessionelle Trennung erfolgte 1528 mit der Einführung der Reformation im Unteraargau durch Bern. Die katholisch verbliebenen Gebiete gehörten zu zwei Bistümern, nämlich zu Konstanz (rechts der Aare) und Basel, das als reorganisiertes Bistum seit 1828 für das ganze Kantonsgebiet zuständig ist. Ein weitere konfessionelle Trennung ergab sich in Folge des Kulturkampfes seit den 1870er Jahren durch die Abspaltung der Christkatholiken (Altkatholiken), besonders in den Kirchgemeinden des Bezirkes Rheinfelden und in Aarau.