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Der Zugang zu sauberem Wasser und funktionierenden Sanitäranlagen ist lebensnotwendig und ein essentieller Teil unseres Lebens. So wichtig sogar, dass dieser eines der Sustainable Development Goals (SDG) der UN ist. Den heutigen Beitrag in unserer Artikelserie zu den SDGs widmen wir deshalb dem sechsten Nachhaltigen Entwicklungsziel: Sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen.
SDG 6: Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
Das sechste Nachhaltige Entwicklungsziel sieht vor, die „Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle“ zu gewährleisten. Um dieses übergeordnete Ziel zu erreichen, sind ihm sechs ergebnisorientierte Ziele untergeordnet. Dazu gehören der Zugang zu sicherem und erschwinglichem Trinkwasser und Süsswasser, die Verbesserung der Wasserqualität und der Schutz von Wasser-Ökosystemen. Ein zentrales Element ist zudem die Beendigung der offenen Defäkation und anstelle dessen der Zugang zu sauberen, sicheren Sanitäreinrichtungen, die Abwasser-Wiederaufbereitung sowie die Steigerung der Wassernutzungseffizienz weltweit.
Noch heute fehlt es 2,2 Milliarden Menschen an gut verwaltetem Trinkwasser. 4,3 Milliarden Menschen leben ohne Zugang zu Sanitäranlagen, die hygienischen Anforderungen gerecht werden. Hygiene ist ausserdem eine absolute Notwendigkeit in Gesundheitsvorrichtungen. Dennoch stehen zwei von fünf medizinischen Einrichtungen nicht einmal Wasser und Seife zur Verfügung. Diese Umstände sind keine geringfügigen Unannehmlichkeiten, sondern verursachen allerlei Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Umwelt.
Hygiene-Probleme
Die Verunreinigung der Gewässer und des Bodens durch Abwässer und Fäkalien ist der häufigste Grund für Ausbrüche von Krankheiten wie klassischerweise der Cholera. Die fehlende Trennung zwischen Wasser- und Abwassersystemen ist auch der Auslöser weiterer Krankheiten wie Typhus, Giardiasis, Amöbenruhr und Bakterienruhr. Diese Krankheiten führen neben anderen Symptomen hauptsächlich zu Durchfall, welcher bei mangelnder medizinischer Versorgung zu lebensbedrohlichem Flüssigkeitsmangel führt — in Ländern ohne ausreichendes Trinkwasser und fehlender medizinischer Versorgung eine verheerende Bedrohung. In vielen Ländern Afrikas und Südostasiens sind Todesfälle im Zusammenhang mit verschmutztem Wasser weit verbreitet. Die WHO schätzt, dass jährlich rund 485’000 Menschen an den Folgen von verschmutztem Wasser sterben. Ausserdem beschwört der Toilettengang im Freien Sicherheitsprobleme herauf. Vor allem Mädchen und Frauen sind davon betroffen: Wer die Notdurft draussen verrichten muss, ist in einem intimen Moment ungeschützt. In diesem Zusammenhang sind gehäuft Fälle von Vergewaltigungen bekannt.
Toiletten und Sanitäranlagen helfen, Fäkalien sicher zu entsorgen und verhelfen den Menschen zu einem geschützten Ort, wo sie ihr Geschäft verrichten können. Der Zugang zu sauberem Wasser ist weiterhin notwendig, um eine gute Hygiene zu ermöglichen. Die momentane Corona-Pandemie zeigt das deutlich. Häufiges Händewaschen und persönliche Hygiene sind entscheidend, um diese und ähnliche, zukünftige Krankheitsausbrüche in Schach zu halten.
„COVID-19 macht uns unsere geteilte Verwundbarkeit akut bewusst. Die Konsequenzen der unzureichenden Investitionen in Wasser- und Sanitäreinrichtungen für Milliarden von Leuten zeigen sich deutlich auf.“
Gilbert F. Houngbo, Vorsitzender von UN-Wasser
Notdurft ist in Not
Auswirkungen des Klimawandels wie Überflutungen, Trockenperioden und der steigende Meeresspiegel gefährden die Sanitärsysteme auf der ganzen Welt zunehmend — von den Toiletten über die Klärtanks bis hin zu den Kläranlagen. Überflutungen können Trinkwasserquellen mit Abwasser kontaminieren oder Toilettenanlagen beschädigen. So gelangen Fäkalien in Wohngebiete oder auf Landwirtschaftsflächen und führen zu Krankheitsausbrüchen. Abwässer und Klärschlacken beinhalten zudem kostbares Süsswasser und Nährstoffe, die mithilfe eines effizienten Klärsystems wiederverwendet werden können, beispielsweise in der Landwirtschaft. Deshalb ist es für die Gesundheit aller Menschen, aber auch für die lebendige Umwelt entscheidend, dass überall nachhaltige und sichere Sanitäranlagen verfügbar sind.
Verschwenderischer Luxus
Während es in anderen Teilen der Welt an Sanitäranlagen fehlt, müssen wir uns im Gegenzug Gedanken über unsere verschwenderischen Vorrichtungen machen. Jede Schweizerin und jeder Schweizer verbraucht im Durchschnitt täglich 300 Liter Trinkwasser. Dusche, Bad und Toilette haben mehr als die Hälfte des Wasserverbrauchs in den Privathaushalten zu verantworten. Das WC (water closet) ist hiervon der grösste Wasserschlucker: Pro Spülung fliessen zwischen 9 und 14 Liter Wasser ab, was sich zu einem Tagesdurchschnitt von 40 Litern pro Person aufsummiert. Dieses Toilettensystem ist zwar hygienisch, doch aus ökologischer Sicht keineswegs effizient, denn es bewirkt eine grosse Wasser- und Papierverschwendung. Mit jeder Spülung vermischen sich die Nährstoff- und Wasserkreisläufe, die in Kläranlagen mit grossem Aufwand wieder getrennt werden müssen. Übrig bleiben verunreinigtes (Trink-)Wasser und die Reste unserer Fäkalien als ein Abfallprodukt, das anschliessend verbrannt wird. Wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff und das schon stark ausgebeutete Phosphor, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden könnten, gehen dadurch verloren. In Ländern, die bereits unter Wasserknappheit leiden, sind deshalb andere Systeme gefragt. Doch nicht nur dort, sondern auch bei uns muss über den nachhaltigen Umgang mit den menschlichen Ausscheidungen neu nachgedacht werden.