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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Vierundachtzigstes Hauptstück.
Lasset uns nun sehen, was die nicänische Synode dadurch beabsichtiget habe, daß sie das Homousion, das ist, die Einheit der Substanz bekannte; gewiß nicht die Erzeugung einer Irrlehre, welche aus einer irrigen Ansicht des Homousions geschöpft wird. Ich glaube nicht, daß sie dieses behaupten werden, weil der Vater und der Sohn Eine frühere Substanz in ihre Substanz durch Spaltung getheilt haben sollen. Und wir werden das damals auf eine der [S. 36] Religion entsprechende Weise niedergeschriebene Glaubensbekenntniß auch jetzt in diese unsere Abhandlung auf eine der Religion nicht widersprechende Weise einreihen.
„Wir glauben an Einen allmächtigen Gott Vater, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Jesus Christus, unsern Herrn, den Sohn Gottes, den aus dem Vater gebornen Eingebornen, das ist, aus der Wesenheit des Vaters, welcher Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott von dem wahren Gotte ist, geboren, nicht gemacht, Einer Wesenheit mit dem Vater, was in der griechischen Sprache Homousion heißt, durch welchen Alles gemacht ist, im Himmel und auf Erden. Welcher um unseres Heiles willen von dem Himmel herabgestiegen, und Fleisch und Mensch geworden ist, welcher gelitten hat, und auferstanden ist am dritten Tage, und aufgefahren in den Himmel, und kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten.
Und an den heiligen Geist. Diejenigen aber, welche sagen: Es war eine Zeit, wo er nicht war, und er war nicht, ehe er geboren wurde, und er ist aus Nichts gemacht worden, oder aus einer andern Substanz oder Wesenheit; sie, welche Gott wandelbar und veränderlich nennen, diese verflucht die katholische Kirche.
Hier führt die hochheilige Synode der frommen Männer nicht eine frühere, ich weiß nicht welche, Substanz an, welche in Zwei getheilt worden wäre, sondern den Sohn, geboren aus der Wesenheit des Vaters. Läugnen auch wir eine solche? Oder was bekennen wir anders? Und nach den übrigen Auseinandersetzungen des allgemeinen Glaubens sagt sie: „Geboren, nicht gemacht, Einer Wesenheit mit dem Vater, was in der griechischen Sprache Homousion heißt.“ Was ist hier für eine Veranlassung, eine fehlerhafte Ansicht in diesen Worten zu erblicken? Es wird behauptet, der Sohn sey aus der Substanz des Vaters geboren, nicht gemacht worden; damit nicht die Geburt der [S. 37] Gottheit für ein Gebilde der Schöpfung gelte. Beigefügt wird aber: „Einer Wesenheit,“ nicht damit es Einen oder Eine Person bezeichne, sondern damit man glaube, der aus der Wesenheit Gottes Geborne habe sein Daseyn nicht anderswoher, und damit man nicht meine, sein Daseyn gründe sich auf irgend eine Verschiedenheit einer ungleichen Wesenheit. Oder ist denn nicht dieses unser Glaube, daß er nicht anderswoher sein Daseyn habe, und daß er keine ungleiche Wesenheit habe? Oder spricht hier das Homousion etwas anders aus, als daß die Wesenheit Beider vermöge der Abstammung der Natur Eine und gleich sey, weil die Wesenheit des Sohnes nicht anderswoher ist? Denn weil diese nicht anderswoher ist, wird man mit Recht glauben, daß Beide Einer Wesenheit sind; da der Sohn die ihm angeborne Substanz nur dem Ursprunge aus der väterlichen Natur zu verdanken hat.