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Gudrun Siegel
Als M. ging
von Gudrun Siegel
Als M. ausschied, musste sie die nutzlosen Dinge in ihrem Arbeitszimmer vernichten. Sie hatten sich in 32 Jahren in der Firma angesammelt. Tagelang war sie damit beschäftigt. Sie hatte sich so in einen von allem ablenkenden Aktionismus gestürzt. Es ging. Sie wurde zu dem selbst gesetzten Termin fertig. An dem besagten Tag waren nur noch einige vertrauliche Dokumente übrig geblieben. Mit diesen ging sie in den Keller. Zum Abschied hatte sie ein hübsches rotes Kleid mit großem Ausschnitt angezogen. Im 2. Untergeschoss tauchte sie in das Labyrinth der unterirdischen Gänge ein. Sie suchte nach den Aktenvernichtern. Das sehnsüchtige Ratschen, Kreischen und Klackern der Reißwölfe wies ihr den Weg. Die zähnefletschenden blutrünstigen Ungeheuer waren also in Aktion. Ein in einem orangeroten Overall steckender Beelzebub half mit einem langen Stock nach, wenn sich sperrige Gegenstände gegen ihr Schicksal wehrten. Er nahm ihr, beeindruckt von ihrem roten Kleid und ihren tomatenroten Pumps, alle Sachen ab: Ordner, Broschüren und Aktenbündel. Diese Dinge sollten ihrer endgültigen Bestimmung zugeführt werden. In Sekunden hatten die drei riesigen Maschinen alles zermalmt und verschluckt.
Beelzebub fragte, ob er noch etwas für sie tun könne. Sie nickte und sprang auf das Laufband. Es schleuderte sie in schnellem Lauf den Stahlzähnen entgegen. Es krachte und knackte. Die Zähne hatten Mühe, ihre Knochen zu zermalmen. Beelzebub schob die Reste mit dem Stock hinterher. Er ergriff einen großen Eimer Wasser. Das Wasser schüttete er über eine große Blutlache. Das Einzige, was von M. übrig geblieben war, aber nur für einige Minuten noch.