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Wer nach Longyearbyen fliegt, sieht oberhalb der Ortschaft ein grosses Netzwerk von 100 Antennen. Diese Installation gehört Kongsberg Satellite Services oder KSAT, einer norwegischen Firma, die Satellitenkommunikationstechnik verschiedenen Partnern anbietet. Darunter ist auch die NASA, die mit ihrem Artemis-Programm wieder zurück auf den Mond möchte. KSAT hat nun ein Projekt vorgestellt, welches die Kommunikation für diese Missionen verbessern soll. Doch das ist nur der Anfang einer noch grösseren Idee.
Nachdem man gefrorenes Wasser in einem Krater am Südpol des Mondes entdeckt hatte, scheint der Bau einer zukünftigen Mondbasis gewaltige Schritte nach vorne zu machen. Und KSAT will dabei aktiv mit dabei sein. Ein Bodennetzwerk aus 20m-Klasse-Antennen, welches die Kommunikation mit den zukünftigen Mondmissionen und sogar mit einer geplanten Mondbasis (oder Basen) gewährleisten soll, das ist die Vision von KSAT-CEO Rolf Skatteboe. Dazu sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren ein ganzes Netzwerk von solchen neuen Antennen auf der Erde entstehen. Diese sollen dann mit mehreren Satelliten, die auf Umlaufbahnen um den Mond kreisen, in Verbindung stehen, um so einer Basis auf dem Mondsüdpol die Kommunikation mit der Erde zu ermöglichen. Diese Pläne hat der CEO im Rahmen der Silicon Valley Raumfahrtwoche vorgestellt.
Seit Januar 2022 ist KSAT Teil eines Projektes, welches die Verbindung mit Mondmissionen und Basen sicherstellen soll. Mehr als 100 Mondmissionen sollen gemäss Expertenberichten in den kommenden Jahren gestartet werden, ein lukrativer Markt für eine Kommunikationsfirma wie KSAT. «Wir sehen die aufstrebenden Mond- und Cislunar-Märkte als Bereiche, in denen die Erfahrung von KSAT genutzt werden kann, um ein integriertes und kosteneffizientes Bodenstationsdienstangebot jenseits des LEO und in weltraumnahen Umlaufbahnen zu etablieren» meint Arnulf Kjeldsen, stellvertretender Direktor für Strategie und Technologie bei KSAT. «Mondkommunikation ist ein natürlicher nächster Schritt für uns.» Dazu müssen aber neue Satellitenantennen an den verschiedensten Standorten auf der Erde gebaut werden, die den schwierigen Anforderungen einer kontinuierlichen Verbindung mit dem Mond und den Raumfahrzeugen während der Mondmissionen gerecht werden. «Die Anforderungen zukünftiger Missionen, die eine Rund-um-die-Uhr-Abdeckung des Mondes mit höchster Zuverlässigkeit und die Unterstützung großer Datenübertragungen durch die Nutzung spezifischer Frequenzen erfordern, haben KSAT dazu bewogen, sich der Herausforderung zu stellen, bei der Entwicklung kommerzieller Bodenstationen für Mondnetze durch den Bau spezieller Antennen der 20m-Klasse führend zu sein,» erklärt Rolf Skatteboe. Deswegen wird seine Firma grosse Investitionen tätigen, damit das Projekt in den kommenden zwei bis drei Jahren realisiert werden kann.
Die bisherigen 25 Standorte mit den 260 Antennen, von denen 100 alleine oberhalb von Svalbard stehen, werden die bisherigen Serviceleistungen auch weiterhin anbieten. Denn gerade der Standort Svalbard bietet einen einzigartigen Vorteil, nämlich die gesamte Abdeckung der Satellitenkommunikation im obersten Bereich der Nordhalbkugel mit Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen. Von hier aus können also die meisten Satelliten angepeilt werden, um mit ihnen zu kommunizieren und Daten zu senden und zu erhalten. Die einzelnen Antennen verbinden sich dabei mit einzelnen Satelliten oder mit ganzen Missionen. Zu den Kunden von KSAT auf Svalbard zählen neben den Raumfahrtbehörden NASA und ESA auch die National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA, die japanische und die deutschen Luft- und Raumfahrtbehörden, aber auch Privatfirmen wie Iridium. Die Daten, die geschickt und erhalten werden, laufen von der Station aus via Glasfaserkabel zum Festland und zu den Endkunden. Auch in der Antarktis betreibt KSAT auf der norwegischen Station einen Antennenstandort, der zusammen mit Punta Arenas dasselbe auf der Südhemisphäre anbietet. Durch die Abdeckung der beiden Polarregionen scheint daher der Schritt auf die nächste Stufe, nämlich zum Südpol des Mondes fast schon logisch.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal