Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/2457

Warum ist der Feuerkreis nicht koedukativ?
Vor allem bei neuen Mitgliedern taucht diese Frage immer wieder auf. Für Baden-Powell, den Begründer des Pfafindertums, wären gemischte Gruppen von Buben und Mädchen einfach undenkbar gewesen. Warum?
Das Pfadfindertum hat die Kulturstufentheorie in sein Programm aufgenommen: Spiele mit Steinzeit-, Indianer-, Soldaten-, Seeräubercharakter spielen eine wichtige Rolle. "Es sieht so aus, als ob das Nachleben und vielleicht auch das Ausleben urtümlicher Verhaltensweisen den Heranwachsenden helfen würde, sich tätig und stufenweise an die komplizierten Gemeinschaftsformen der Gegenwart heranzuarbeiten", schreibt ein Pädagoge.
Die Koedukation:
Unter Koedukation werden gemischte Gruppen von Buben und Mädchen ganz allgemein verstanden.
Besonders in den Primarschulen hat sich die Koedukation bewährt und ist in Mitteleuropa ganz selbstverständlich geworden. Jedoch innerhalb des Pfadfindertums liegen gute Gründe vor bei den pfadfinderischen Aktionen die Koedukation abzulehnen.
Die Sauvagerie:
Dieser Begriff bedeutet etwa "das wilde Tun". Die Pädagogen Bourise und Sauer wenden sich in einem Artikel "Lasst die Jungen wieder Jungen sein" gegen das "Modeübel der Koedukation". In einer bestimmten Altersstufe behindern sich die verschiedenen Geschlechter in ihrer Entwicklung gegenseitig. "Aufgrund stammesgeschichtlicher Anpassungen würden sich die Jungen in einem Alter von etwa 11 bis 14 Jahren nach den ursprünglichen Formen eines Lebens nach Art der Wilden (=Sauvagerie) sehnen: Schlammschlachten, Höhlen bauen, Überfälle (...), Mutproben, (...) wüste Geländespiele als Ventile unausrottbarer Rauflust, das freiwillige Aufsuchen von Gefahren und Schmerzen - all das sind (...) uralte, tief verwurzelte Formen knabenhaften Lernens und Erlebens, (...)". Weiter schreiben die Autoren: "Es bedeutet eine jämmerliche Verarmung seiner bildsamsten Jahre, wenn man dem Jungen all diese Möglichkeiten durch die Vermischung mit den ganz anders gearteten Mädchen verwässert". Für die Mädchen wiederum würde die Sauvagerie der Buben eine unerträgliche Zumutung bedeuten, da sie häufig als Zielscheibe des Spottes dienen.
Auf die Buben bezogen jedoch meinen Bourise und Sauer: "Wer das Stadium der Sauvagerie in aktiver Weise durchlief, der wird für das Leben - sogar für das Leben in unserer Superzivilisation - besser gerüstet sein als der fernsehverseuchte, passive und verhätschelte Luxusknabe, der heute die Regel ist".
Das Pfadfindertum versucht die Tendenzen der Sauvagerie aufzugreifen und durch Spiele und geregelte Abenteuer, wo niemand zu Schaden kommen darf, in die richtigen Bahnen zu lenken. Dabei werden Fairness, gegenseitige Hilfsbereitschaft mit der Neigung verbunden Abenteuer zu bestehen und ein gemeinsames gutes Ziel zu erreichen.
Der Hl. Georg ist das dieser Stufe angemessene Ideal und der Kampf des Heiligen gegen den Drachen. Starke und aktive Menschen besiegen den inneren Drachen der Bequemlichkeit, damit sie fähiger sein können für den Dienst an Gott und den Mitmenschen.
Text: Dom