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Fragen: Pascal Nydegger, www.swissbillard.ch, Bild: EPBF

Übersetzung (Englisch-Deutsch): Tran Nghia, Genf
Name: Jonathan Fulcher
Geboren: 22. September 1974, Inverness / Schottland
Wohnort: Meyrin, Genf
Beruf: Physiker
Jonathan Fulcher ist im 2003 aus Berufsgründen in den Kanton Genf gezogen und arbeitet seither bei der CERN. Wie er selber sagt ist die Schweiz das Land wessen er in seiner Seele repräsentieren möchte. Er ist stolz darauf dies in Frauenfeld erfolgreich gemacht zu haben.
Ein paar Fragen die Swissbillard nach dem Euro-Tour Sieg an den glücklichen Jonathan Fulcher gestellt hat:
Hättest du dir zugetraut in diesem Jahr eine Euro Tour zu gewinnen?
Ich wusste, dass ich fähig bin ein Eurotour Anlass zu gewinnen. Aber ich wusste auch, dass ein Sieg in einem Eurotour Anlass nicht gut genug ist, Glück gehört auch dazu.
Dieses Wochenende, wie auch in den letzten Eurotour Anlässen, habe ich sehr gutes Pool gespielt, nicht sehr viel besser als üblich. Der Unterschied war, dass die Bälle dieses mal auf meiner Seite waren.
Wieviel trainierst du täglich?
Nicht genug. Vielleicht 1 oder 2 Stunden alle zwei Tage. Mein Training sind hauptsächlich die Turniere an den Wochenenden.
Welches sind deine Ziele im Poolbillard?
Ich würde gerne bald noch ein Eurotour Anlass gewinnen, um zu zeigen, dass dieses Wochenende nicht nur Glück war. Meine nächsten Ziele momentan sind, eine IPT Tour Card zu erspielen und die Weltmeisterschaften zu gewinnen.
Mit deinem Riesensprung im EPBF Ranking wirst du nun von weiteren Vorteilen profitieren können. Welche sind das?
Als ein Eurotour Finalist bekomme ich einen Platz in den Weltmeisterschaften 2007. Und falls ich unter den besten 16 Spielern bleibe, werde ich wahrscheinlich auch zu anderen Turnieren, wie z.B 8er Ball und vielleicht auch 14/1-endlos Weltmeisterschaften, eingeladen werden. Jetzt habe ich auch bessere Möglichkeiten vielleicht Sponsoren, die für meine Turnier-Ausgaben aufkommen, zu finden.
Erzählst du mir ein wenig von der Euro-Tour in Frauenfeld? (Stimmung, Leute, Deine Spiele und Gegner)
Es war wieder einmal ein fantastisches Turnier. Ehrlich gesagt, hatte ich dieses mal ein viel einfacheres Feld. Mein erstes Spiel war gegen Matjaz Erculj, der es sehr spannend gemacht hatte. Bei 9:9 hatte ich keine andere Wahl als den Tisch zu räumen, was ich dann auch gemacht habe. Leider musste ich dann in der nächsten Runde gegen einen Schweizer, Gaëtan Roux, spielen. Ich versuchte jedoch, mich nicht in meine Leistung beeinflussen zu lassen. Dieser Sieg, den ich 10:3 für mich entscheiden konnte, brachte mir Ralph Souquet als nächsten Gegner für Freitag Morgen um 9 Uhr. Sowie er als auch ich, haben fast fehlerloses Pool gespielt. Wir beide haben meist die Tische abgeräumt bis zum Stand von 9:9. Ralph hat nun Anstoss. Perfekt!!! Er hatte einen einfachen Stoss auf die erste Kugel. Er wollte sich auf eine Kombination auf die Neun stellen, jedoch hatte er nicht die Position, die er sich gewünscht hätte. Er verfehlte die Kombination und liess die Neun vor dem Loch. Er hinterliess mir eine Kombination, die durch einen schwierigen Rückzieher über die Drei auf die Neun, für den Match. Das war für mich ein hervorragendes Ergebnis. Aber nachdem ich Engert in Weert besiegt hatte, wusste ich, dass ich dieses Spiel gewinnen kann.
Aber auch nach diesem Spiel wurde es nicht einfacher. Als erstes musste ich gegen den Italiener Vittoria de Falco spielen. Jedoch liefen die Kugeln überhaupt nicht für ihn und ich konnte den Match schnell mit sehr gutem Spiel 10:2 für mich entscheiden. Das war, um mich für die letzten 32 zu qualifizieren. Dies wiederum bedeutete, dass ich mein Startgeld zurückgewonnen habe, dass ich mich nun entspannen konnte, meinen Magen ruhigstellen und frühzeitig zu Bett konnte. Mein Ziel am letzten Tag des Turniers, ist es immer mich zu entspannen und das Spiel zu geniessen. Ich hatte mich bereits schon bei den letzten beiden Eurotour Anlässen für die letzten 32 qualifiziert, bin jedoch beide Male sofort in der ersten Runde ausgeschieden. Deshalb hatte ich auch dieses Mal nicht allzuviel erwartet, wollte nur den Moment geniessen.
Wiederum hatte ich ein schweres Los mit dem Deutschen Philip Ruthemann, der bisher auch grossartiges Pool gespielt hatte. Er ist mit perfektem Spiel 9:6 in Führung gegangen, das für mich eigentlich der Untergang gewesen wäre. Ich habe aber noch nicht aufgegeben. Er hat mir dann eine Chance gelassen, die ich ausnutzte und auf 9:7 verkürzen konnte. Beim Stand von 9:9 hatte ich den Anstoss für den Match. Glücklicherweise war mein Anstoss gut gelungen und ich konnte den Tisch abräumen. Ich denke, dass dies mein bester Sieg des Turniers war.
Danach hiessen meine Gegner Hudji See, Roman Hybler und Dejan Dabovic. Alles hervorragende Spieler. Ich habe in allen Spielen gut gespielt, besonders gegen Roman. Dieses Spiel war grossartig, mit einem grossen einheimischen Publikum, das mich unterstützt hatte und eine fantastische Stimmung in den Saal brachte. Auch wenn der Sieg mit 10:5 anscheinend einfach erscheinen mochte ..... ganz im Gegenteil.
Das Halbfinale gegen Dejan war ein bisschen chaotisch. Ich hatte nicht mein Bestes gespielt, aber es war für mich auch das erste mal an einem Fernsehtisch. Es braucht schon ein Weilchen, bis man sich an neue Bedingungen angepasst hat. Zum Glück waren die Kugeln in diesem Spiel auf meiner Seite. Zweimal lagen die Kugeln glücklich versteckt, so dass ich diese zwei Spiele für mich entscheiden konnte. Danach wurde Dejan so unruhig, dass er die Chancen die er bekam nicht ausnutzen konnte. Dies gab mir die Möglichkeit das Finale gegen Tony Drago zu spielen.
Es war ein echtes Vergnügen und Ehre gegen einen Gentleman wie Tony spielen zu dürfen. Wir beide haben hervorragend gespielt. Er nutzte die von mir hinterlassenen Chancen, und ging mit 8:7 in Führung. Zum Glück war ich nun an der Reihe mit den nächsten drei Anstössen. Dann, als ich zum Tisch lief, um anzustossen, sagt Tony "Aber räume nicht gleich alle drei Tische ab", worauf ich mit "Ich tue mein Bestes" antwortete. Doch unglücklicherweise für Tony, wurde seine grösste Angst zur Realität. Die Anstösse waren mir sehr gut gelungen und hatte auch immer eine gute Möglichkeit auf die ersten Kugeln. Ich konnte die letzten drei Spiele für den Match 10:8 abräumen. Diese letzten drei Spiele waren wahrscheinlich die besten Abräumer meiner bisherigen Karriere. Und es ist noch besser das in einem Eurotour-Finale, gegen Tony Drago am Fernsehtisch zu schaffen.
Das war für mich eine aussergewöhnliche Woche sowie ein aussergewöhnlicher Abschluss eines grossartigen Finals. Es war schön, so viele einheimische Anhänger sehen zu dürfen. Ich denke und hoffe, dass ich ihnen das zeigen konnte, was sie vielleicht von einem Schweizer Spieler sehen wollten. Obwohl ich noch immer nicht im Besitz bin von einem Schweizer Pass, das mir die Möglichkeit geben würde für die Schweiz zu spielen, repräsentiere ich die Schweiz mit meiner Seele. Und ich denke ihr alle wisst das.
Ich bedanke mich bei der Schweizer Billard Federation und allen Leuten, die das Turnier in Frauenfeld zum Erfolg gemacht haben. Ich möchte mich aber auch bei Nghia für ihre Unterstützung badanken. Ich bedanke mich auch bei meinem Spielpartner Robert Derendinger, meinem besten Freund und Eurotour-Kamerad aus England Paul Kellet. Ohne diese Leute, hätte ich all dies nicht realisieren können.
Vielen Dank für das Gespräch, Jonni

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