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Interview mit Giovanni Ciriello
Woran forschen Sie, und welche Methoden kommen dabei zum Einsatz?
Mithilfe verschiedener Informatiktechniken analysieren wir genomische Daten von Tumoren. Dank der grossen technischen Fortschritte der letzten Jahre können wir aufdecken, inwiefern sich Tumorzellen gegenüber normalen Zellen unterscheiden, beispielsweise wie sie Proteine mutieren, um deren Funktion zu verändern. Meine Gruppe schaut aber nicht die einzelnen Veränderungen an, sondern analysiert insbesondere ganze Gruppen von Abwandlungen. Dies, um zu verstehen, welche Kombinationen häufig vorkommen oder besonders zerstörerisch sind. Man kann es ein wenig mit einem Menu im Restaurant vergleichen: Zu einem zarten Fisch passt ein leichter Weisswein besser als ein schwerer Bordeaux. Wir suchen also nach Gruppen von Zellveränderungen, die zusammen auftreten, weil sie gut miteinander funktionieren.
Findet Ihre Forschung direkte Anwendung in der Praxis? Und wo sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihrer Forschung und personalisierter Gesundheit?
Wir betreiben Grundlagenforschung, die noch nicht direkt in der medizinischen Praxis angewandt wird. Für die Medikamentenforschung ist unsere Arbeit wichtig. Denn wir haben gezeigt, dass es oft nicht reicht, aufgrund einer bestimmten genetischen Abwandlung des Tumors den passenden Wirkstoff zu empfehlen. Oft reagieren Patienten mit der gleichen charakteristischen Veränderung in der Tumorzelle unterschiedlich auf den Wirkstoff, der auf die Veränderung abzielt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass jeder Patient auch noch andere Mutationen in seinen Tumorzellen hat, welche die Reaktion auf die Behandlung beeinflussen können.
In welchen Bereichen sind Fortschritte unabdingbar, damit sich die personalisierte Gesundheitsversorgung weiter entwickeln kann?
Um weitere Fortschritte in der personalisierten Gesundheitsversorgung zu erzielen, wäre es wichtig, die Veränderungen von Tumoren eng verfolgen zu können. Dazu wären nicht invasive Methoden des Tumormonitorings erforderlich, beispielsweise auf der Grundlage von Blutanalysen. Wenn wir heute einen Patienten behandeln, kann sich sein Tumor in einem Monat stark verändern, und man müsste die Behandlung entsprechend anpassen können.
Wichtig ist auch zu sehen, dass sich ein einzelner Tumor aus Zellen mit unterschiedlichen Veränderungen zusammensetzt. Ein Medikament, das bei der einen Veränderung gut wirkt, bleibt bei einer anderen unter Umständen ohne Effekt. Es gehen also nicht alle Tumorzellen zugrunde, und diejenigen, die die Behandlung überleben, breiten sich unter Umständen umso mehr aus. Solche Phänomene müssten wir besser verstehen können, um die medizinische Behandlung erfolgreich zu gestalten.
September 2018