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Sokrates: „Ich weiss dass ich nicht weiss“
In Sokrates‘ Wissen, dass er über kein absolutes Wissen verfügt, zeigt er auf, dass er damit mehr weiss als Andere, die meinen, über eben dieses absolut sichere Wissen zu verfügen. Die paradoxe Gewissheit, dass jede vermeintliche Gewissheit falsch sein, eine Scheinwahrheit sein kann, ist die Basis seiner beständig fragenden und hinterfragenden Philosophie.
Der Satz des Archimedes bezieht sich auf das von ihm entdeckte Hebelgesetz. Hätte er diesen, inzwischen sprichwörtlichen archimedischen Punkt gehabt (und einen ausreichend langen Hebel), so wäre er in der Tat in der Lage gewesen, die Welt aus den Angeln zu heben – zumindest theoretisch. Sinngemäss kann man seinen Satz ähnlich verstehen, wie den oben zitierten Satz des Sokrates. Wir haben keine absoluten Fixpunkte, an denen wir unser Weltbild ausrichten und „aufhängen“ können.
Albert Einstein: „Alles ist relativ“
Mit diesem Satz sagt Einstein, dass alles Erkennen relativ zueinander ist. Er hatte erkannt, dass alles was wir erkennen können, vom Standpunkt des Beobachters abhängt. Auch er war sich offenbar bewusst, dass es den Einen festen archimedischen Punkt, von dem aus man das Universum definieren und vermessen kann, nicht gibt oder zumindest, dass wir ihn mit unserer menschlich begrenzten Begriffswelt nicht finden und erkennen können.
Die Bibel: Genesis -Vertreibung aus dem Paradies
Auch in der biblischen Schöpfungsgeschichte finden sich wiederholt Hinweise, dass die Erkenntnis der Menschen beschränkt ist. Den Menschen war es verboten, vom „Baum der Erkenntnis“ zu essen. Als sie es trotzdem taten, wurden sie von Gott aus dem Paradies verbannt. Der Zugang zum Baum der Erkenntnis war ihnen damit für immer verwehrt. Auch aus dieser Geschichte kann man schliessen, dass es uns Menschen nicht vergönnt ist, über absolut sicheres Wissen zu verfügen.
Gibt es absolutes Wissen, absolute Wahrheiten überhaupt?
Die oben erwähnten Zitate weisen darauf hin, dass wir Menschen mit unseren begrenzten Sinnen und unserer irdisch begrenzten Begriffswelt nicht über absolutes, über alle Zweifel erhabenes Wissen oder absolut gesicherte Wahrheiten verfügen, dass wir nicht einmal mit letzter Sicherheit sagen können, ob es solches Wissen oder solche Wahrheiten überhaupt gibt. Jede gründliche Untersuchung verschiedenster Philosophien, Religionen, Wissenschaften oder sonstiger Lehren fördert am Ende Prämissen zu Tage, die letztendlich nicht beweisbar sind. Bei den Religionen sind dies meist Ueberlieferungen oder so genannte Heilige Schriften, die von Gott gegeben sind und damit per Definiton als wahr angenommen und geglaubt werden. Selbst die Mathematik basiert auf Annahmen (Axiomen), die letztendlich nicht logisch beweisbar sind. Die mathemetischen Axiome sind klar beschrieben und definiert. Es gibt kaum Zweifel, welches die Axiome und welches die daraus abgeleiteten Schlüsse sind. Anders werden bei Gesellschaftssytemen häufig die grundlegenden Prämissen mehr oder weniger bewusst verschleiert, als natürliche oder historische Gesetzmässigkeiten deklariert und so als absolute und nicht diskutierbare Wahrheiten angenommen und geglaubt. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei häufig um historisch entstandene Paradigmen, die im Gegensatz zu absolut geltenden Gesetzmässigkeiten, hinterfragt und diskutiert werden dürfen und allenfalls verändert werden können. Fazit Wenn wir also, wie oben beschrieben, davon ausgehen müssen, dass wir nicht über absolute Wahrheiten verfügen, so sind wir darauf angewiesen, die Regeln für unser individuelles und gesellschaftliches Zusammenleben mit Hilfe letztendlich nicht beweisbarer Prämissen oder eben Paradigmen zu begründen. Selbst vermeintlich natürliche oder historische Gesetzmässigkeiten können nicht als absolut sicher angenommen werden. Die Aussage, dass es keine absoluten Wahrheiten gebe, ist insofern paradox, weil wir auch nicht mit letzter Sicherheit sagen können, ob es nicht doch diesen absolut festen, achimedischen Punkt geben könnte.
Das erste Paradigma
Ich gehe also davon aus, dass wir Menschen über keine absolut sicheren Wahrheiten verfügen. Dies ist meine erste Prämisse, mein erstes Paradigma. Es gilt, den Dingen auf den Grund zu gehen, Paradigmen als solche zu erkennen, zu beschreiben, zu diskutieren und wo sinnvoll, zu verändern.