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Kant gilt als einer der wichtigsten DDR-Schriftsteller und war ein einflussreicher Funktionär in der ostdeutschen Kulturszene.
Viele Jahre war er Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbandes und Mitglied im Zentralkomitee der SED, dafür wurde er von vielen Seiten kritisiert.
Wichtiger Schriftsteller und SED-Funktionär
Günter Grass prangerte Kant dafür an, dass er während seiner Zeit als Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbandes, Kollegen gegen Angriffe aus der Politik nicht verteildigte, sondern sich daran beteiligte.
Ihm wurde angelastet, Kritik an der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 abgewiesen zu haben. Zudem soll er für den Rauswurf von Stefan Heym und acht Kollegen 1979 aus dem Schriftstellerverband verantwortlich sein.
Schwere Vorwürfe von Günter Grass
Grass ging sogar so weit, ihn mitverantwortlich zu machen für den «schmählichen Niedergang der DDR». Ausserdem hätte Kant, durch seine Art den Schriftstellerverband zu führen, «ein Zerrbild vom Sozialismus» hinterlassen.
Kant verteidigte sich in dem er sagte, dass er den Verband vor dem Verbot gerettet habe. Er sah im legalen Verband mehr Möglichkeiten, Schriftsteller zu unterstützen als im Untergrund.
«Vielleicht ist er ein Halunke, aber schreiben kann er»
Kant selbst hat immer betont, er habe an einem «neuen, besseren Deutschland ehrlichen Herzens mitbauen wollen».
Dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» sagte er vor einigen Monaten am Telefon: «Ich war ein überzeugter Erbauer der DDR, ich wollte die. Ich wollte sie zwar nicht so, wie sie dann geworden ist, aber ich wollte einen Sieg. Das alte Deutschland wollte ich nicht mehr.»
Der 2013 gestorbene «Literaturpapst» Marcel Reich-Ranicki meinte knapp: «Vielleicht ist er ein Halunke, aber schreiben kann er.»
Millionenauflagen in der DDR
Kant war am 14. Juni 1926 in Hamburg geboren worden, seine Eltern gingen mit ihm 1940 nach Parchim in Mecklenburg. Anfang dieses Jahres war der betagte Autor aus seinem Haus im mecklenburgischen Prälank ins betreute Wohnen nach Neustrelitz gezogen.
Die Romane «Die Aula», «Das Impressum» und «Der Aufenthalt» erzielten in der DDR Millionenauflagen. Der berühmteste Roman des DDR-Schriftstellers war «Die Aula» (1965). Grosse Anerkennung erhielt auch der 1983 vorgestellte DEFA-Film «Der Aufenthalt» von Frank Beyer nach dem autobiografischen Roman Kants.
Im Westen auch teils Schullektüre
650'000 Exemplare sind nach Angaben des Berliner Aufbau-Verlages davon bislang verkauft worden, in 15 Sprachen wurde er übersetzt. Wegen seines Sprachwitzes zählte der Roman selbst im Westen teils zur Schullektüre.
Kaum jemand habe den Apparat, den sich die DDR-Gesellschaft aufgebaut hat, so kompetent beschrieben wie Kant und auch so ironisch, schätzte der Verlag seinen Autor ein.
Kant starb im Alter von 90 Jahren, wie die Verlegerin Simone Barrientos vom Verlag Kulturmaschinen bestätigte. Zuerst hatte die Zeitung «Neues Deutschland» berichtet.
Sendung: Radio SRF 4, Nachrichten, 14.8.2016, 12:30 Uhr.