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Ernst Krenek und die Schweiz
Dieses Buch dokumentiert die vielfältigen Beziehungen des Komponisten zur Schweiz. Zahlreiche Aufenthalte und Freundschaften hinterliessen Spuren in seinem Werk.
In der Biografie und im Œuvre des in Wien geborenen Schreker-Schülers Ernst Krenek (1900–1991) spielte die Schweiz während sechs Jahrzehnten eine wesentliche Rolle. Von seinen insgesamt 240 Kompositionen mit Opuszahlen sind rund 60 durch Entstehungsort, Auftraggeber, Widmungsträger oder Uraufführung mit der Schweiz verbunden.
1923 wurde Krenek vom Handelsunternehmer und Mäzen Werner Reinhart nach Winterthur eingeladen. 1924 komponierte der damals mit Anna Mahler verheiratete Musiker in Zürich für Alma Moodie sein 1. Violinkonzert op. 29. Mit ihr und Reinhart besuchte er Rilke auf Schloss Muzot im Wallis, das er später mit seiner südkalifornischen Wahlheimat verglich.
Die Swiss Connections, wie der Titel der Krenek gewidmeten Ausstellung der Vera-Oeri-Bibliothek der Musik-Akademie Basel 2015 lautete, dauerten bis zum letzten Aufenthalt in unserem Land im Jahr 1986. Prägend für die musikalischen Beziehungen waren die freundschaftlichen Kontakte zu Reinhart, dem Basler Altphilologen Werner Batschelet und seiner als Violoncellistin ausgebildeten Frau Annegret Massini und ganz besonders zu Paul Sacher. Für ihn und sein Basler Kammerorchester schrieb er u. a. das Symphonische Stück op. 86 für Streichorchester (1939), Kette, Kreis und Spiegel. Sinfonische Zeichnung für Orchester op. 160 (1957) und Statisch und ekstatisch op. 214 (1972).
Krenek bewunderte in den 1930er-Jahren das Schweizer Modell eines föderalistischen Gemeinwesens, wie es seine österreichische Heimat gewesen war. Er verteidigte das für ihn zum Fluchtort gewordene Land gegen die Klischees «von Kuhhirten, Jodlern, Bergführern und Kellnern» und schätzte die Schweiz als bedeutenden Aufführungsplatz seiner Werke.
In die Kapitel «Fluchtpunkt», «Netzwerk», «Werknetz» und «Imagination» gegliedert, dokumentiert ein reich bebildertes Buch, das von Julia Beier und Matthias Schmidt herausgegeben wurde, Kreneks vielfältige Schweizer Beziehungen. Unter den von einem Dutzend Autorinnen und Autoren beigesteuerten Fachbeiträgen sei hier derjenige von Camille Bork herausgehoben: «Zum Verhältnis von Natur und Technik in Jonny spielt auf». Darin wird nachgewiesen, dass die Gletscherepisode in der vom Jazz und von amerikanischen Modetänzen inspirierten Oper von 1926 vom Gornergrat angeregt wurde.
Wirklichkeitsgefühl. Ernst Krenek und die Schweiz, hg. von Julia Beier und Matthias Schmidt, 145 S., € 24.80, Edition Alea, Badenweiler 2015