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Vor einigen Monaten ging die Meldung, dass US-Präsident Trump Grönland kaufen wolle, wie ein Lauffeuer durch die Medien. Sowohl Grönlands Premierminister wie auch Dänemarks Regierung erteilten daraufhin dem ungewöhnlichen Vorschlag eine klare Absage. Trotzdem scheint die US-Regierung gewillt, seine Verbindungen nach Grönland auszubauen. Im diesjährigen Budgetvorschlag des US-Präsidenten sind auch Gelder für die Etablierung eines Konsulats in Grönlands Hauptstadt Nuuk aufgelistet.
Die von der Trump-Administration vorgelegte Liste führte neben Gelder für den Bau eines zweiten schweren Eisbrechers auch rund US$ 587’000 auf, die für «den Aufbau einer permanenten diplomatischen Präsenz in Grönland» verwendet werden sollen. Damit soll ein Gebäude in Nuuk, Grönlands Hauptstadt, mit zwei Diplomaten und 5 lokalen Angestellten finanziert werden. Der Schritt einer diplomatischen Vertretung in Grönland wurde bereits 2017 von der US-Senatorin Lisa Murkowski vorgeschlagen und im vergangenen Mai von Aussenminister Mike Pompeo am Arktisrat-Treffen in Rovaniemi wieder aufgegriffen und vorgestellt. Dieser Schritt geschah vor Trump’s Ankündigung, Grönland einfach kaufen zu wollen. Ob das Geld tatsächlich gesprochen wird, ist noch nicht klar. Denn über das vorgelegte Budget, das lediglich ein Wunsch des Präsidenten ist, werden Repräsentantenhaus und Kongress noch abstimmen. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Budget in dieser Form keine Mehrheit erhalten wird.
Grönlands Premierminister Kim Kielsen war von dem Angebot wenig angetan und schickte eine klare Absage an die Adresse des US-Präsidenten. Doch gleichzeitig liess man aus Nuuk verlauten, dass man offen für Geschäfte mit den Grossen der arktischen Politik sei. Daher liefen im Hintergrund auf verschiedenen Kanälen die Verhandlungen über wirtschaftliche und politische Verbindungen weiter, während die Welt weiter über Trumps Kaufangebot den Kopf schüttelte. Im November begannen die Anstellungsgespräche für den Mitarbeiterstab in Nuuk und gleichzeitig die Bewilligungen und das «OK» aus Kopenhagen. Denn in den Sicherheitsüberlegungen der USA spielt Grönland schon seit dem 2. Weltkrieg eine wichtige Rolle. Die Etablierung einer Luftwaffenbasis bei Thule und die Pläne, auch Lenkwaffen in Grönland während des Kalten Krieges zu stationieren, sprechen dafür.
Auch Grönland kann von der diplomatischen Beziehung zu Washington profitieren. Sie untermauert Grönlands neues selbstbewusste Auftreten und die Erkenntnis, eine wichtige Rolle auf der weltpolitischen Bühne zu spielen. Dieses neue Grönland möchte sich auch wirtschaftlich weiter von Dänemark loslösen und weniger von den finanziellen Subventionen aus Kopenhagen abhängig sein. Der Aufbau einer konsularischen US-Vertretung wird ein entsprechend starkes Signal aussenden. Für die USA gilt auch, dass dieses Signal sowohl in Moskau und in Beijing klar erkannt werden soll. Denn während Russland militärisch und wirtschaftlich und China vor allem wirtschaftlich in die Arktis investiert hatten, blieb der hohe Norden vor allem sicherheitspolitisch in den Überlegungen Washingtons ein Stiefkind. Präsident Trump hatte zwar hochfliegende Pläne zum Ausbau der Rohstoffförderung, die aber praktisch alle an der klimatischen und/oder politischen Realität scheiterten. Daher kommt der geplanten Vertretung in Nuuk auch eine wirtschaftliche Bedeutung zu. Es ist wahrscheinlich, dass die Regierung in Washington sich einen leichteren Zugang zu den Rohstoffen Grönlands für sich erhofft.
Quelle: Arctic Today, Krestia DeGeorge