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«Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur.» So lautet der erste Grundsatz in der Schlusserklärung, die am Erdgipfel von 1992 in Rio de Janeiro formuliert wurde. Dabei beschlossen die in Rio versammelten Regierungen je eine völkerrechtlich verbindliche Konvention zum Klima- und zum Artenschutz. Beide sind inzwischen von genügend Staaten ratifiziert worden und in Kraft getreten:
Die Papiere von Rio
> Die Klimakonvention verlangt von den Industrieländern, ihre Treibhausgase auf dem Stand von 1990 zu stabilisieren, liess aber offen, bis wann das geschehen muss. Zudem sollen sie ihre Wälder und Meere, die CO2 und andere Gase absorbieren, gesund erhalten und die Entwicklungsländer unterstützen, damit diese eigene Massnahmen gegen den Klimawandel ergreifen können. Die Klimakonvention wurde 1997 ergänzt und konkretisiert durch den Kyoto-Vertrag. Dieser verpflichtet die Vertragsstaaten, ihre Treibhausgase bis 2012 um acht Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Keine Stabilisierungs- oder Reduktionsziele enthalten Klimakonvention und Kyoto-Abkommen für Entwicklungsländer, weil diese pro Kopf (noch) weniger klimawirksame Gase emittieren und ihre wirtschaftliche Entwicklung Vorrang haben soll. Die USA als grösster Treibhausgas-Produzentin stimmte der Konvention zu, lehnte den griffigeren Kyoto-Vertrag aber ab.
> Die Artenschutz-Konvention schreibt den Schutz der biologischen Vielfalt vor mit dem Ziel, das Artensterben zu stoppen. Andererseits verlangt sie eine «gerechte und nachhaltige Nutzung» der genetischen Ressourcen. Den reichen Ländern im Norden sichert diese Konvention den Zugang zu den Ressourcen im genreichen Süden und verpflichtet sie, die Entwicklungsländer dafür finanziell gerecht zu entschädigen.
Zu den weiteren Rio-Papieren gehören «Rahmenprinzipien über den Schutz der Wälder» sowie die «Agenda 21» . Diese Agenda bietet eine praktische, aber unverbindliche Anleitung, um die globalen Grundsätze zur Nachhaltigkeit national und lokal umzusetzen.
Ernüchternde Resultate
Betrachtet man 20 Jahre nach Rio die Resultate, fällt die Bilanz ernüchternd aus: Die Welt setzt ihren nicht nachhaltigen Weg fort; dies trotz unzähligen Vereinbarungen zur Verbesserung des gesellschaftlichen Wohlergehens und der natürlichen Umwelt. Das konstatiert nach vielen andern Studien jetzt auch der Umweltbericht «Geo 5», den die Uno-Organisation Unep am 6. Juni 2012 veröffentlichte. In lediglich vier von neunzig wichtigen Umweltzielen, die sich die Uno nach dem Weltgipfel in Rio setzte, habe es wesentliche Fortschritte gegeben. So wurden die Stoffe, welche die Ozonschicht schädigen, stark reduziert. Das Benzin ist heute weitgehend bleibfrei. Zudem sei die Verschmutzung der Meere vermindert und der Zugang zur Wasserversorgung verbessert worden.
Keine Verbesserung resultierte insbesondere bei den Kernthemen der ersten Rio-Konferenz. Im Gegenteil: Die Vielfalt an Tieren, Pflanzen sowie Mikroorganismen, die uns mit Nahrung, Kleidung und Medikamenten versorgt, schrumpfte weiter; viele Tier- und Pflanzenarten sind seit 1992 ausgestorben. Der Ausstoss von klimawirksamen Gasen und ihre Konzentration in der Atmosphäre nahmen ungebremst zu. Die Ausdehnung der Wüstengebiete und die Abholzung der Urwälder schritten voran, die Plünderung der Weltmeere verminderte den Fischbestand, etc.
Nicht nur global, auch in der Schweiz lässt die Nachhaltigkeit zu wünschen übrig. Das belegen die Resultate zu 72 ökologischen, ökonomischen und sozialen Indikatoren, mit denen der Bund den vieldeutigen Begriff Nachhaltigkeit konkretisierte und messbar machte: Bei etwas mehr als der Hälfte aller Indikatoren verfehlt die Schweiz die erwünschte Entwicklung (siehe auch Artikel vom 7.2.2012: «Die Schweiz entwickelt sich nicht nachhaltig). Im Detail zeigte die Auswertung, dass die Schweiz ihre ökonomischen Nachhaltigkeits-Ziele häufiger erreicht als ihre ökologischen und sozialen Ziele. Das Gleiche gilt auch weltweit: Während die Wirtschaft vor allem in den Schwellenländern Ostasiens und Südamerikas florierte, verminderten sich die natürlichen Ressourcen und die Umweltverschmutzung nahm zu.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine