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Calcutta Rescue behandelt auch COPD-Patienten
200-300 Millionen Menschen leiden weltweit an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), die durch Husten, vermehrten Auswurf und Atemnot bei Belastung gekennzeichnet ist. Risikofaktoren für diese Erkrankung sind regelmässiges Rauchen, genetische Komponenten, Luftverschmutzung (z. B. Ozon, Feinstaub), berufliche Belastung (Gase, Stäube oder Dämpfe) und wiederholte Atemwegsinfektionen in der Kindheit.
In Indien sterben jedes Jahr etwa eine halbe Million Menschen an COPD. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist COPD in Südostasien die häufigere Todesursache als HIV, Malaria und Tuberkulose zusammen. Zudem wird angenommen, dass die Sterblichkeitsrate durch COPD in den nächsten zwanzig Jahren um 160% steigen wird.
Bei Asthma bronchiale handelt es sich um eine wiederkehrende Verengung der Atemwege, die mit einer Entzündung der Schleimhaut in den Atemwegen und daraus folgend einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Reizen einhergeht. Asthmakranke können unter pfeifender Atmung, Atemnot (häufig anfallsartig), Engegefühl in der Brust und Husten leiden. Zu den Risikofaktoren zählen eine erbliche Komponente, Umweltfaktoren wie Aktiv- und Passivrauchen und Luftschadstoffe und der Lebensstil (Übergewicht, Bewegungsmangel). Asthma ist eine häufige Erkrankung bei Kindern. Obwohl es Medikamente gibt, mit denen Asthma effektiv behandelt werden kann, erreichen diese kaum mehr als 1% der Inderinnen und Inder, die davon profieren könnten. Laut WHO waren 2004 in Indien 57‘000 Todesfälle auf Asthma zurückzuführen.
Aufgrund der hohen Luftverschmutzung sind die 14 Millionen Menschen der Stadt Kolkata besonders von diesen Lungenerkrankungen betroffen.
Seit 1995 werden von Calcutta Rescue Asthma- und COPD-Kranke in den beiden Kliniken Talapark und Sealdah behandelt. Das Programm ist fortlaufend und wurde in den letzten Jahren deutlich erweitert. Zurzeit werden 121 Kranke in der Talapark-Klinik und 42 in der Sealdah-Klinik versorgt. Voraussetzung für die Patientinnen und Patienten für die Aufnahme ins Programm ist das Leben unter der Armutsgrenze. Das bedeutet derzeit, dass das monatliche Pro-Kopf-Einkommen unter 830.60 Indische Rupien (12.50 CHF) in Kolkata und unter 643.20 Indische Rupien (9.70 CHF) im ländlichen Westbengalen beträgt. Die wirtschaftliche Situation neuer Patientinnen und Patienten wird durch einen Hausbesuch überprüft.
Alle Kranken werden zuerst in ein staatliches Spital überwiesen, wo sie die Untersuchungen erhalten, die jedem indischen Bürger zustehen. Danach bringen sie ihre Unterlagen in eine der Kliniken von Calcutta Rescue. Dort erhalten sie alle notwendigen Medikamente und werden auch in deren korrekten Anwendung geschult. Die meisten Asthma- und COPD-Medikamente werden nämlich durch den Mund inhaliert, und die korrekte Handhabung der Inhalationssysteme ist für die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit sehr wichtig. Es werden regelmässig Lungenfunktionstests durchgeführt und die Dosierung der Medikamente gegebenenfalls angepasst. Die Kranken und ihre Verwandten werden auch über die Erkrankung informiert, damit sie sie besser verstehen und durch das Meiden von Risikofaktoren wie z.B. Rauchen ihre Lebensqualität verbessern können. Zusätzlich erhalten sie kleine Lebensmittelgaben und eine Reisekostenerstattung, um die regelmässige Teilnahme am Programm sicherzustellen. Erscheint ein Patient nicht mehr zu den Terminen, werden Hausbesuche durchgeführt. ■