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Da die bei Menschen mit MS eingesetzten Medikamente ins Immunsystem eingreifen, können sie dazu führen, dass die behandelten Personen ein höheres Risiko für Infektionskrankheiten aufweisen. Damit gehören MS-Betroffene in einer Situation wie der Corona-Pandemie zu den Risikopersonen. Fraglich ist zudem, ob es neben der Therapie noch andere Faktoren gibt, die dazu beitragen, dass MS-Betroffene eher und womöglich schwerer an Covid-19 erkranken als die Allgemeinbevölkerung. Um solche Fragen klären zu können, wurden in Frankreich die medizinischen Daten von MS-Betroffenen in einer Datenbank zusammengetragen. Für die von Dr. Louapre präsentierten Resultate wurden die Daten von Menschen mit MS verwendet, bei denen zwischen dem 1. März 2020 und dem 11. Januar 2021 eine Covid-19-Infektion diagnostiziert wurde oder bei denen zumindest ein starker Verdacht für die Erkrankung bestand.
Daten von fast 900 Betroffenen ausgewertet
Sämtliche MS-Zentren in Frankreich und einige aus der französischen Schweiz, aber auch viele Spitäler und niedergelassene Neurologen beteiligten sich an der Sammlung aller notwendigen Daten in der eigens dafür geschaffenen Datenbank. Wie Dr. Louapre erklärte, konnten so bisher die Angaben von 899 MS-Betroffenen gesammelt werden. Es handelte sich dabei zum grössten Teil um Menschen mit schubförmig verlaufender MS. Das mittlere Alter in der gesamten Gruppe lag bei 44 Jahren, und die MS bestand im Mittel seit knapp 13 Jahren. Insgesamt 185 der Betroffenen (20,6 %) erhielten keine MS-spezifische Therapie. Bei den übrigen war das ganze Spektrum der verfügbaren Behandlungsoptionen vertreten. Ebenfalls erfasst wurde, ob die MS-Betroffenen noch weitere Erkrankungen aufwiesen, wie z. B. Übergewicht, Herzkreislauf-Erkrankung, Diabetes oder Lungenerkrankungen, und ob sie rauchten oder nicht. Die einzelnen Erkrankungen fanden sich bei rund 3 % bis 8 % der Menschen mit MS.
Erkrankungsverlauf meist günstig
Als häufigste Symptome einer Covid-19-Erkrankung identifizierte die Datenauswertung Schwäche/Kraftlosigkeit, Husten, Fieber, Kopfschmerzen, Verlust von Geruchs-/Geschmackssinn, Atemnot, Verdauungsstörungen und Schwindel. Wie Dr. Louapre erklärte, waren Fieber und Atemnot vor allem bei den Betroffenen mit einem schweren Verlauf der Erkrankung beobachtet worden. Kopfschmerzen und ein Verlust des Geruchs-/Geschmackssinn wurde häufiger bei denjenigen Personen festgestellt, die nicht ins Spital eingeliefert werden mussten. Insgesamt gesehen verlief die Covid-19-Infektion bei den meisten MS Betroffenen aber günstig. So mussten lediglich 120 Personen (13,3 %) aufgrund einer schweren Erkrankung ins Spital. Fünfzehn Erkrankte verstarben.
Therapie scheint keinen Einfluss zu haben
Dr. Louapre konnte anhand der gesammelten Daten feststellen, dass Männer mit MS, ältere Betroffene und solche mit stärkeren neurologischen Einschränkungen (insbesondere so genannter EDSS-Wert von 6 oder höher) ein höheres Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung hatten als Frauen, jüngere und solche mit geringeren neurologischen Einschränkungen. Auch MS-Betroffene mit Herzkreislauf-Erkrankungen oder Übergewicht hatten ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf.
Auf der anderen Seite lieferte die Analyse keine Hinweise darauf, dass eines der bei MS eingesetzten Medikamente das Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung erhöhen würde. Zum Schluss ihres Referats wies Dr. Louapre darauf hin, dass eine italienische Forschergruppe soeben die Resultate einer vergleichbaren Untersuchung mit MS-Betroffenen in Italien in einer Fachzeitschrift publiziert hat. Diese Gruppe fand ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bei MS-Betroffenen unter bestimmten Therapien (Kortison und bestimmte Antikörper-Therapien, die auf B-Lymphozyten abzielen). Die französischen und italienischen Forscher wollen nun ihre Daten zusammenlegen und erhoffen sich, dadurch weitere, noch detailliertere Resultate zu erhalten.