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Was trug man in der Steinzeit?
Die Nadel kannte er damals wahrscheinlich noch nicht, wohl aber die Ahle, mit welcher er Löcher in die Felle bohren konnte und diese mit Sehnen von Tieren oder Lederbändel zusammen nähte. Mit Leder lässt sich prima ohne Nadel nähen.
Wenn man das Ende mit Wasser netzt oder ankaut und dann trocknen lässt, wird das Leder hart. Wenn man schon mit einer Ahle Löcher gebohrt hat, geht das Nähen wunderbar.
Kleiderfunde aus der Steinzeit sind ein sehr seltener Glücksfall. Das ausführlichste Beispiel, das zeigt, was die Menschen in der Steinzeit trugen, lieferte Ötzi, der in der Jungsteinzeit lebte. Doch was trug man während der Altsteinzeit? Diese Frage muss sicherlich auch im Hinblick auf die herrschenden klimatischen Verhältnisse und Zonen gestellt werden.
Während der Eiszeit waren beispielsweise die Neandertaler und die modernen Menschen auf Fellarten angewiesen, die sie vor den eisigen Temperaturen schützten. Um zu überleben, wählten sie sicherlich sehr gezielt die Fellarten für die jeweiligen Kleidungsstücke aus, wie zum Beispiel für Beinlinge, Oberbekleidung, Schuhe und alle anderen Bekleidungsstücke. Was man mit Sicherheit weiss: Aufgrund unverkennbarer Darstellungen auf geschnitzten Figürchen: Die Menschen in der Eiszeit kannten die Kapuze.
Wahrscheinlich kommt auch Überbekleidung in Frage, wie zum Beispiel Mäntel aus Rentierfell. Das Rentier war das Hauptbeutetier des Eiszeitmenschen. Das Fell dieses kälteangepassten Tieres ist luftgepolstert und wirkt sehr isolierend gegen Kälte. Rentierfelle werden noch heute bevorzugt von den nördlich lebenden Völkern verwendet.
Auch Biberfell eignet sich sehr gut, denn der Biber besitzt eines der dichtesten Felle in der Tierwelt. Dieses Tier ist kälteliebend und leidet bei wärmeren Temperaturen schnell an Überhitzung.
Mit dem Einzug der Holozän-Warmzeit, in welcher die Temperaturen permanent stiegen, griff der Mensch vermutlich abermals zu anderen Rohstoffen für seine Garderobe. Möglicherweise kamen hier vermehrt verschiedene Lederarten zum Zuge. Vielleicht auch daher, da diese Menschen vermutlich öfters mit Wasser in Berührung kamen, als ihre Vorfahren, aufgrund der grossen Gletscherschmelzen, während der hereinbrechenden Warmzeit. Leder, das mit Fett oder Wachs eingerieben wird, hat eine wasserabstossende Eigenschaft und es trocknet auch sehr viel schneller als Fell. Doch dies sind auch nur Vermutungen. Vielleicht griff der Mensch in der Mittelsteinzeit zu ganz anderen Rohstoffen.
Mögliche Optionen der Bekleidung in der Mittelsteinzeit
Eine mögliche Option wäre die Kleiderherstellung aus Fischhaut. In China, beim Volk der Hezhe, wurde Kleidung aus Fischhaut vor allem im Frühling und Herbst getragen. Sie ist wasserdicht, weich zum Tragen und wärmt.
Quelle: Radio China International
Kleine Erfindung mit grosser Wirkung
Ein sehr kleines Gerät, das bis heute eine enorme Wirkung auf unsere Zivilisation ausübt, ist die Nadel. Sie ist in der jüngeren Altsteinzeit erfunden worden. Sehr charmant berichtet Louis-René Nougier in seinem Buch, “Die Welt der Höhlenmenschen” über die Erfindung der Nadel. Dieses winzige Etwas, das eine grosse Welt veränderte. Die Nadel prägt unsere Welt bis heute in jeder Saison von Neuem. Die kleine Beherrscherin der grossen Welt der Mode. Ursprünglich wurde die Nadel aus Knochen oder Horn gefertigt. Das Material hat sich mittlerweile verändert. Aber die Form der Nadel ist bis zum heutigen Tage die Gleiche geblieben.
Spinnen und Weben
Die Webtechniken hatten ihren Ursprung in der Jungsteinzeit. Die alten Ägypter beispielsweise, vermochten hauchfeines Leinen zu weben, welches den modernen, maschinell hergestellten Geweben in Nichts nachsteht. In der jüngeren Altsteinzeit bis in die Mittelsteinzeit, begnügte man allerdings noch sich mit der Fell-, und Ledermode. Wohlgemerkt, bislang wurden noch keine Funde entdeckt, welche belegen würden, dass die Menschen bereits in der Altsteinzeit das Spinn-, und Webhandwerk beherrschten. Folglich muss man davon ausgehen, dass die Menschen bis zur Jungsteinzeit nur Fell und Leder zur Schaffung ihrer Garderobe kannten.
Hatte man in der Steinzeit Schmuck?
Eine weit verbreitete Schmuckart waren die Knochenperlen. Um eine Knochenperle herzustellen, benötigt man relativ viel Zeit. Für Schmuck wendeten die Menschen der jüngeren Altsteinzeit viel Zeit auf oder legten weite Strecken zurück. Auf dem Martinsberg bei Andernach fand man einen Hort von 40 Schneckenhäuschen aus dem Mittelmeer. Die Menschen kannten also ein Handelsnetz, oder vielmehr ein Kommunikations-, und Tauschnetz, das sich über viele hundert Kilometer weit erstreckte.
(Quelle: Steinzeit von Almut Bick)
Geschmückte Kleidung
Die Menschen der Steinzeit hielten es vermutlich ähnlich, wie die heute noch lebenden Angehörigen der Naturvölker, die gerne reichgeschmückte Kleidung und Accessoires tragen. Die Metallverarbeitung war damals schlichtweg noch ferne Zukunftsmusik, man kannte dieses Handwerk noch nicht. Schmuck wurde vor allem in Form von Knochenperlen, Muscheln, Tierzähnen, Schneckenschalen, Federn, Steinen, Holz, Elfenbein, Fell und Haaren getragen
Gleichwohl wurden in der Schmuckherstellung so manche künstlerischen Meisterwerke vollbracht. Man kannte die hohe Kunst der Perlenschnitzerei, bereits vor 30’000 Jahren.
Ein gutes Beispiel repräsentiert der Fund aus Sungir in Russland. 200 Kilometer östlich von Moskau, entdeckte man die Gräber zweier Kinder und eines erwachsenen Mannes, die vor etwa 30’000 Jahren dort beigesetzt wurden. Die Kleider der Verstorbenen waren sehr aufwendig geschmückt. Sie waren mit 4000 aufgenähten Perlen aus Mammut-Elfenbein bestickt. Gefunden wurde auch ein Gürtel mit insgesamt 250 Polarfuchszähnen und andere kunstvolle Accessoires.
Körperschmuck – Tatauieren
Mit der Entdeckung der Gletschermumie Ötzi, fand man heraus, dass die Menschen in der Jungsteinzeit die Praktiken des Tätowierens bereits kannten. Im ethnologischen Sinne heisst das Tatauieren. Das praktizieren viele Völker noch heute, indem sie das gewünschte Muster in die Haut ritzen und Asche von Pflanzen auf die frischen Ritzwunden reiben, die gleichzeitig auch die Wundheilung fördern, um Entzündungen vorzubeugen. Wenn diese Ritzwunden ausgeheilt sind, bleibt nur das Tatauierungsmuster sichtbar.
Körperbemalung
Ocker war früher sehr weit verbreitet. Vielleicht bemalte man sich die Haut mit diesem Pigment, ähnlich wie der Körperschmuck bei den verschiedenen Kulturen heute, wie es zum Beispiel viele östlichen Kulturen mit Henna tun. Auch dieses Pigment färbt rot. Damit werden kunstvolle Muster auf Hände, Füsse oder auf das Gesicht gemalt. Man spricht den Mustern eine hohe Schutzkraft zu, die Unheil und Krankheiten vom Träger fern halten soll.