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Am 24.06.2020 ist Dr. Alfred Neufeld Friesen kurz vor seinem 65. Geburtstag verstorben. Im Dezember 1994 schloss er als erster seine Promotion an der STH Basel ab. Die Arbeit mit dem Titel „Fatalismus als missionstheologisches Problem. Die Kontextualisation des Evangeliums in einer Kultur fatalistischen Denkens. Das Beispiel Paraguay“ entstand unter der Ägide von Thomas Schirrmacher. Sie erschien (mit 558 Seiten) im Verlag für Kultur und Wissenschaft.
Neufeld zeigt darin, dass das biblische Denken den Fatalismus durchbrechen kann. Diese Schicksalsgläubigkeit wurde in Paraguay durch die indianische Religiosität grundgelegt und durch den spanischen Katholizismus der Eroberer noch verstärkt. Kontextualisierung, wenn sie von der Unveränderlichkeit der biblischen Offenbarung ausgeht, kann eine solche Haltung aber ablösen und damit auch die Strukturen von Angst und Apathie durchbrechen. Dies hat positive Folgen auch für die Gesellschaftsstruktur eines Landes. Die systematische Entfaltung biblischen Denkens (es geht von Gottes Souveränität aus, es ist Tora-Denken, Bundesdenken, Bekehrungs- und Mitarbeitsdenken und hat eine eschatologische Perspektive) ist eindrucksvoll. Die fundierte Kritik an der Befreiungstheologie ist bis heute missionstheologisch hoch relevant.
Zum Zeitpunkt seiner Promotion hatte Alfred Neufeld bereits erfüllte Lebensjahre hinter sich. Schon mit 20 Jahren wurde er zum Prediger berufen. Er studierte seit 1977 drei Jahre lang Theologie an der damaligen FETA. Im Rückblick führte er seine Fähigkeit und Neigung zu Debatten auf diese Prägung zurück. Ein Studium zum Master of Divinity am Mennonite Brethren Biblical Seminary in Fresno (USA) schloss sich an. Alfred Neufeld wirkte als Pastor, als Dozent an Instituto Bíblico Asunción und als Prediger. Von Januar 1992 bis Dezember 1994 lebte er mit seiner Frau Wilma und ihren vier Kindern in Basel und wirkte parallel zur Promotion in einer Teilzeitanstellung als Pastor der Mennonitengemeinde Basel-Holee.
Nach der Promotion trat die Arbeit an der Universidad Evangélica del Paraguay, zu deren Gründung er massgeblich beigetragen hatte, in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „educar para servir“ („bilden, um zu dienen“) wurde dort die Theologie mit Studiengängen u. a. für Musik, Pädagogik, Psychologie, Sozialarbeit und Wirtschaft verbunden: Ein Weg-weisendes Modell.
Alfred Neufeld nahm auf verschiedenen Ebenen Verantwortung wahr. Sein Blick galt dem globalen Christentum, in das er gute Einblicke gewonnen hatte, seine besondere Liebe der indigenen Bevölkerung Paraguays. Er wirkte mit Leidenschaft, konnte auch provozieren und suchte dann immer den Weg der Versöhnung und Vergebung.
Die letzten Lebensjahre Alfred Neufeld waren von schweren Krankheiten gezeichnet. Er arbeitete unverdrossen weiter. Schon sehr viel früher schränkte ihn eine starke Kurzsichtigkeit im Lesen und Schreiben ein. Dank der Unterstützung seiner Ehefrau Wilma blieb er dennoch als Buchautor aktiv, u. a. indem er in den letzten Jahren die Geschichte der Mennoniten in Paraguay und darüber hinaus aufarbeitete. Auf einem solchen Leben liegt Gottes Segen. Es hat viele bleibende Früchte gebracht. Die enge Verbindung zur FETA und heutigen STH Basel erfüllt uns mit grosser Dankbarkeit.
Prof. Dr. Harald Seubert/Prof. Dr. Jacob Thiessen