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«Wo ist der Rock-Sender?», fragt Nils Nielsen und lacht. Der Trainer des Schweizer Frauen-Nationalteams sitzt auf einem Podium im Bauch des Leigh Sports Village und hat sich soeben zwei weisse Kopfhörer in die Ohren gesteckt. Damit könnte sich der Däne die Fragen der Schar an Medienschaffenden übersetzen lassen, die vor ihm sitzt.
«Es war eine lange Reise»
Er ist offensichtlich gut aufgelegt. Als eine portugiesische Journalistin fragt, ob sie auch in Englisch Fragen stellen könne, antwortet er mit breitem Grinsen «sehr gern», zumal Nielsen immer mal wieder in Englisch antwortet, wenn er das Gefühl hat, seine Gedanken so besser artikulieren zu können als in Deutsch. Die gute Laune des 50-Jährigen hat auch damit zu tun, dass es nun endlich losgeht mit der Euro 2022 und ihm dafür alle Spielerinnen zur Verfügung stehen. «Es war eine lange Reise bis hierher», sagt Nielsen und meint damit nicht den Weg von der Schweiz nach England, sondern den ganzen Prozess der Qualifikation, der erst in der Barrage erfolgreich zu Ende ging.
Nielsens ambitionierter Plan
Am Samstag um 17 Uhr Ortszeit stehen die Schweizerinnen mit Portugal einem Team auf Augenhöhe gegenüber. Und obwohl das Turnier für beide damit erst beginnt, könnte es je nach Resultat praktisch vorbei sein. Nielsen drückt es diplomatisch aus, wenn er sagt: «Der Verlierer hat nicht so eine grosse Chance weiterzukommen.» Daran will im Schweizer Lager aber niemand denken.
Angesprochen darauf, dass die Schweiz immer noch auf den ersten Sieg 2022 wartet und das letzte Erfolgserlebnis aus der WM-Qualifikation im November gegen Litauen datiert, sagt Nielsen, er gewinne lieber gegen Portugal als dass sein Team eines der letzten Vorbereitungsspiele gewonnen hätte. Fünf bis sechs Punkte budgetiert er für ein Überstehen der Gruppenphase, was neben einem Sieg zum Auftakt auch mindestens zwei Unentschieden gegen Schweden und die als Titelverteidiger antretende Niederlande bedingen würde. Ein ambitionierter Plan. Gelingt der erste Schritt dazu, wird Nielsen sicher erneut bestens aufgelegt sein, wenn er auf dem Podium sitzt und nach Rockmusik sucht.