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Am Vormittag fahren wir mit dem Bus bis nach Gamboa am Gatúnsee und wechseln dort auf das Touristenschiff Pacific Queen. Der Panamakanal kann freitags und samstags partiell durchfahren werden.
Eine ganze Durchfahrt ist für Touristen nur einmal im Monat möglich und dauert 8 bis 9 Stunden.
Wir erwischen einen strahlenden Tag; selbst ein Krokodil sonnt sich am Ufer des Gatúnsees. Bis zur ersten Schleuse dauert es ca. 1 Stunde. Wir werden am heutigen Tag drei Schleusen passieren. Da
der Stausee 26 Meter über dem Meeresspiegel liegt, reduziert sich der Höhenunterschied bei jeder Schleuse um ca. 9 Meter. Wir passieren die drei Schleusen jeweils zusammen mit dem Containerschiff
'Mare Tracer'. Sie ist 190m lang und 32m breit. Da eine Schleuse 305m lang und 33.5m breit ist, passen wir da auch noch rein.
Der Panamakanal prägt eine Schiffsklasse - die Panamax - mit welcher bis zu 5000 Container transportiert werden können. 5000 LKW's für eine Schiffsladung. Mit einer Maximalabmessung von 294.3m
Länge, 32.3m Breite und 12.03m Tiefgang passt ein Schiff dieser Klasse satt in eine Schleuse.
Pro Hebungs- bzw. Senkungsvorgang werden durchschnittlich 100'000 Kubikmeter Wasser benötigt und das sechs mal bei einer kompletten Durchquerung. Dieses Wasser wird von den Flüssen, die den
Gatúnsee speisen, bezogen. Der Panamakanal kommt ganz ohne Pumpen aus. Alle grösseren Schiffe werden links uns rechts mit Zahnradlokomotiven - sogenannten 'Mulis' - in die Schleusen geschleppt
und stabilisiert. Die Pacific Queen gehört zu den kleinen Boten und muss nicht angeseilt werden.
Sind die beiden 800 Tonnen schweren Tore einmal geschlossen, wird das Wasser abgelassen und das Schiff senkt sich. Hat man das Niveau des unteren Wasserspiegels nach ungefähr 10 Minuten erreicht, werden die 20 Meter breiten und 2 Meter dicken Schleusentore geöffnet und die Schleuse kann verlassen werden. Die gesamte Anlage ist immernoch im Originalzustand; d.h. wie bei der ersten Durchfahrt am 15. August 1914.
Die Durchfahrt durch die Doppelschleuse bei Miraflores ist besonders eindrücklich. Da bei der letzten Schleuse ganz viele Süsswasserfische ins salzige Meereswasser gespült werden und verenden, warten duzende Pelikane und andere Meeresvögel auf das immer wieder neu angerichtete Sushi-Buffet.
Um halb fünf haben wir alle drei Schleusen durchfahren und das Gefühl etwas wirklich einmaliges erlebt zu haben - nicht umsonst wird der Panamakanal das achte Weltwunder genannt.