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- Veröffentlicht: 22. August 2018
Die ältesten archäologischen Funde von der Rütihard datieren in die Altsteinzeit (Paläolithikum), der ältesten und längsten Epoche der Steinzeit (über 2 Mio. Jahre bis ca. 9000 v. Chr.). Dieses Zeitalter war geprägt durch starke klimatische Schwankungen. In der Schweiz, die über lange Zeiträume immer wieder in weiten Teilen vergletschert wurde, sind die Spuren menschlicher Besiedlung aus wärmeren Abschnitten rar, da die Siedlungsreste durch die vorrückenden Gletscher der Kaltphasen und durch Schmelzwasser jeweils wieder wegerodiert wurden.
Die Funde der Rütihard stammen nach der Machart und Zusammensetzung der aus Silex gefertigten Steingeräte aus einem späteren Abschnitt des Mittelpaläolithikums (ca. 60 000 – 40 000 v. Chr.) und des Spätpaläolithikums (ca. 12 000 v. Chr.) (Abb. 1/2). Die Menschen von damals lebten vermutlich in Gruppen von 20 bis 30 Personen. Sie waren Nomaden, deren Subsistenz auf Jagd, Fischerei und dem Sammeln von Pflanzen und Pilzen basierte. Im Lauf des Jahres wurden grosse Strecken zurückgelegt. Im Freien suchte man in Zelten aus Tierfellen und Laubwerk Schutz gegen die Witterung (Abb.). Auch Rastplätze unter Felsvorsprüngen wurden benutzt. Siedlungsspuren sind dort vor Erosion geschützter und leichter auffindbar als in Freilandstationen, was zur weit verbreiteten, aberüberholten Vorstellung vom altsteinzeitlichen «Höhlenbewohner » führte. Keramikgeschirr war noch unbekannt. Neben Silex stellen verschiedene organische Materialien (Knochen, Geweih, Sehnen, Tierzähne, Häute, Federn, Holz und andere Pflanzenteile) wichtige Rohstoffe für Gebrauchsgegenstände dar. Da organische Materialien sich nur unter speziellen Bedingungen (z.B. Feuchtboden, Eis) erhalten können, erklärt sich, dass auf der Rütihard nur noch Steingeräte gefunden wurden. Die Fundzone auf der Rütihard erstreckt sich bis auf die Anhöhe des Geispels, wo vor allem Funde aus dem Spätpaläolithikum (12 – 10 000 v. Chr.) gemacht wurden. Die Rütihard war als Rastplatz ideal, da von dort aus die durch Birs- und Rheintal ziehenden Wildtierherden beobachtet werden konnten (Abb. 3). Gejagt wurden hauptsächlich Rentier und Wildpferd, ab dem Spätpaläolithikum infolge der Klimaverbesserung vermehrt auch Rothirsch und Reh.
|Die Rütihard am Ende der Eiszeit, Mittelsteinzeit, um

7500 v. Chr.
|Foto: H.P. Meier|
Muttenz-Rütihard: Um 7500 v. Chr. lebten die Menschen als Jäger und Sammler in saisonalen Lagern. Diese dienten ihnen beispielsweise als Basis für die Hirschjagd in den immer dichter werdenden Wäldern. Die warmen Sommer brachten Nahrung im Überfluss, die kalten Winter erforderten das Anlegen von ausreichenden Vorräten. Bild und Bildtext: Archäologische Bodenforschung Basel.
Nach der letzten Eiszeit sorgte ein rascher Klimawandel für die Bewaldung der Region. Damit veränderte sich auch die Tierwelt. Statt mit Speer und Speerschleuder Rentiere zu jagen, stellten die Menschen nun mit Pfeil und Bogen dem Hirsch und anderen Waldtieren nach. Dies hatte auch Auswirkungen auf die überlieferten Steingeräte: Für die Mittelsteinzeit (Mesolithikum: ab ca. 9000 v. Chr.) sind kleine, messerscharfe Silexgeräte – sog. «Mikrolithen» – charakteristisch, die jeweils zu mehreren mittels Birkenteer zum Beispiel als Bewehrung in hölzerne Pfeilschäfte eingeklebt wurde. Die Menschen des Mesolithikums lebten nach wie vor als nomadisierende Jäger und Sammler. Die Rütihard war daher auch in dieser Zeit ein geeigneter und gerne aufgesuchter Rastplatz, wie Silexfunde zeigen.
Rütihard und Geispel. Auswahl steinzeitlicher Funde.
Unten links: mittelpaläolithischer Levallois-Kern 60 000–40 000 v.Chr.(Rütihard), der bislang älteste Fund von Muttenz; oben links: spätpaläolithische Kerbspitzen, Rückenmesser, Stichel und Kratzer (Geispel) oben rechts: mesolithische Mikrolithen
(Rütihard), unten rechts: neolithische Steinbeile (Rütihard). Archiv Archäologie BL
An der Hurlistrasse bei Liestal wurden kürzlich die ältesten Gefässe der Region aus gebranntem Ton entdeckt. Diese Funde, die um 5500 v. Chr. datieren, markieren in unserem Gebiet den Beginn einer neuen Epoche: der Jungsteinzeit (Neolithikum). Mit ihr hielt eine neue Lebensweise Einzug: Die Menschen der Jungsteinzeit errichteten feste Häuser, siedelten für längere Zeit (oft über Generationen) am selben Ort und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Die Jagd- und Sammelwirtschaft spielte nur noch bei Nahrungsengpässen durch Ernteausfälle eine grössere Rolle. Silex, Knochen und Geweih blieben wichtige Rohmaterialien für die Herstellung von Geräten. Hinzu kamen neue Technologien: die Herstellung von Keramikgefässen und die Verwendung von Beilklingen aus geschliffenem Felsgestein.
Die Rütihard blieb auch in der Jungsteinzeit ein wichtiger Siedlungsplatz, wie Lesefunde von Silexgeräten und Steinbeilen bezeugen. Daneben sind aber, wohl als Folge der dauerhafteren Siedlungsweise dieser Epoche, auch an weiteren Orten Funde vorhanden. So zeichnet sich aufgrund von Lesefunden eine weitere jungneolithische Landsiedlung im Zinggibrunn, auf der Anhöhe hinter dem Wartenberg an der Grenze zu Pratteln ab. Von dort liegen auch Funde der Bronze- und älteren Eisenzeit vor.
Hinzu kommen erste erhaltene Bestattungen, die zeitlich ans Ende der Jungsteinzeit gehören: So sind 1946 im Stegacker, nordwestlich des Ortes hart an der Bahnlinie, inmitten eines Haufens kleinerer Steinplatten die Reste mehrerer menschlicher Skelette entdeckt worden. Die Ausgräber interpretierten die 4 x 7 m messende Anlage als so genanntes Dolmengrab, obwohl die hierfür nötigen, mächtigen Steinplatten fehlten. Diese könnten indes durchaus dem späteren Steinraub zum Opfer gefallen sein. So liess sich etwa an einem endneolithischen Dolmengrab in Laufen nachweisen, dass die Römer die grossen Steine systematisch abbauten, wohl um Baumaterial für einen in der Nähe befindlichen Gutshof zu gewinnen. Wie eine solche aus riesigen Steinplatten gefügte, mit einem Erdhügel überdeckte Grabkammer ausgesehen haben könnte, zeigen besser untersuchte Funde aus Aesch, Laufen, Schwörstadt und Courgenay.
1944 kam ausserdem am Wachtelweg ein Henkelgefäss der endneolithischen Glockenbecherkultur (ca. 2450– 2200 v. Chr.) zu Tage, das wohl ebenfalls eine ursprüngliche Grabbeigabe darstellt.
Henkelgefäss der jungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur (ca. 2450 – 2200 v. Chr.), gefunden am Wachtelweg. Archiv Archäologie BL
Diese Kultur, die ganz Mittel-, West- und Südwesteuropa umfasste, hat ihren Namen von den meist fein verzierten, glockenförmigen Keramikbechern, die häufig als Grabbeigaben in den Boden gelangten. Ein weiterer Nachweis eines Grabes der Glockenbecherkultur stammt im Kantonsgebiet nur noch aus Allschwil.
Vorzeit und Mittelalter Elisabeth Marti und Reto Marti, Heimatkunde Muttenz: Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, S. 228-231, 2009
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