Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03269.jsonl.gz/237

Man braucht nur ein Foto von Sifaya von vergangenem November einem aktuellen gegenüber zu stellen um zu sehen, dass es ihr gut geht.
kurz nach dem Tsumani im Flüchtlingslager 1 Jahr später in der Siedlung
Auch ihr Vater, dem wir als ersten im Flüchtlingscamp über den Weg liefen, sieht um Jahre jünger aus. Er war dort zu Besuch und ich musste ihn nicht lange bitten, für ein Foto mit seinem Motorrad zu posieren.
Stolz wie Oskar und mit Helm auf dem Kopf tat er mir den Gefallen.
Circa die Hälfte der 16qm Hütten sind noch bewohnt, es hat jedoch zwischen den Hütten Platz gegeben. Die nicht mehr benötigten Hütten wurden abgerissen und das Holz anderen Zwecken zugeführt.
Wir haben Sifaya in ihrem Haus besucht, der Vater war vorausgefahren, um unseren Besuch anzukündigen. Sie hat im Vorgarten Blumen gepflanzt und aus dem Holz des Flüchtlingscamps einen kleinen Laden errichtet. Am Haus selber hat sich nicht viel geändert; beim Versuch, einen Nagel in den Fensterrahmen zu schlagen, um Vorhänge zu befestigen, war der ganze Rahmen aus der Wand gefallen. Der Vater hat den Schaden wieder behoben.
Als abends ein Gewitter einsetzte, regnete es an verschiedenen Stellen durchs Dach.
Ich hatte im November versucht, die massgeblichen Leute vom SLAASC, die ihr Haus gebaut hatten, zu kontaktieren. Erfolglos – einzig deren Homepage wurde mittlerweile vom Netz genommen. Da ich in den Besitz der Postadresse des Präsidenten des Vereins gelangt war, sandte ich ihm eine Postkarte aus Hambantota mit meiner Mailadresse. Die Hoffnungen, dass er sich melden wird, sind jedoch gering.
Bereits beim zweiten Besuch in Sifayas Haus ging es wieder um eine Heirat. Der Antragsteller, auch ein Tsunami Witwer mit einer zwölfjährigen Tochter und einem achtjährigen Sohn, hätte seinen Antrag bereits vor acht Monaten gestellt und würde nicht ewig warten. Als Witwe mit zwei kleinen Kindern könne sie sich glücklich schätzen, dass ein so guter Mann angefragt habe. Der Wortführer war der Vater, die Mutter warf schluchzend ihre altbekannten Argumente ein und Sifaya war sichtlich peinlich berührt, während Viktor (unser Fahrer) übersetzte.
Ein Nachbar, der gut englisch sprach war mit seiner Frau ebenfalls anwesend. Wie sich später herausstellte handel-te es sich um den Fürsprecher des An-tragsstellers.
Er sei auch bei dem Tsunami verwitwet, wie auch seine jetzige Frau. Was sei da also näher gelegen, als gemeinsam eine neue Ehe einzugehen. Die Frau nickte bekräftigend.
Nun ja, Fahrgemeinschaften sind auch eine durchaus praktische Sache...........
Von Sifaya selber war kein Ton zu hören, ausser, dass er gut zu ihren Kindern sei. Zu erfahren, dass sie noch kein persönliches Wort mit dem Zukünftigen gesprochen hatte, versetzte mich gelinde gesagt in Erstaunen.
Immerhin soweit mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut, dass keine Entscheidung übers Knie gebrochen wird, verabschiedete ich mich mit dem Versprechen, mir die Sache durch den Kopf gehen zu lassen.
Der Nachbar fügte noch ein paar Vorzüge an. Der Mann sei fleissig und würde Tuk – Tuk fahren. Nein, gehören würde es ihm nicht, aber er besässe viel Werkzeug und er sei seiner ersten Frau ein guter Mann gewesen und habe ihr Schmuck und Kleider gekauft. Wenn das keine Argumente sind!?
Ich habe kurz darauf Faye angerufen mit der Bitte, sich persönlich mit Sifaya in Verbindung zu setzen, ich wolle endlich ihre Meinung hören.
Die Auskunft einen Tag später war nicht wirklich überraschend. Es sei ein guter Mann, der gut zu ihren Kindern sei und früher oder später müsse/wolle sie sowieso wieder heiraten. Sie habe Anträge von Männern erhalten, die ihr Vater hätten sein können, und etwas Besseres würde in ihrer Situation nicht nachkommen.
Zudem würden ihre Eltern bald ein eigenes Haus bekommen und sie könne nicht allein wohnen – es würde jetzt schon über sie gesprochen.
Den ultimativen Höhepunkt setzte Roy (der uns alle Kontakte in Hambantota vermittelt hat) : ich könne selbstverständlich meinen potentiellen „Schwiegersohn“ kennenlernen, und setzte kurzerhand ein Treffen am Abend an.
Sifaya kam im Sonntagsstaat mit Mutter und Nasmila und stand uns Frauen im Haus Rede und Antwort. Roy interviewte den Bräutigam samt Fürsprecher vor dem Haus. Als er endlich ins Haus kam schlug Sifaya die Augen nieder und er hielt sich eine Hand vors Gesicht und kicherte wie ein Schulmädchen. Von da an redeten nur noch die Mutter und der Fürsprecher.
Faye hat sich ob meines Unverständnisses später halb totgelacht. Etliches in diesem Land wird sich mir nie erschliessen.
Er wird zu ihr ziehen, obwohl er von einer anderen Organisation ein viel besseres Haus bekommen hat. Dort sind jedoch Zusatzbauten (Laden etc.) nicht erlaubt und der Besitz ihres Hauses ist an die Bedingung gekoppelt, dass sie dort für mindestens zehn Jahre selber wohnt!? Damit hat sich ein allfälliger Neubau auf ihrem Grundstück an der Lagune erledigt.
Als Hochzeitsgeschenk habe ich ihr den Laden mit Kartoffeln, Zwiebeln, Reis, Linsen, Tee, Milchpulver, Zucker, Seifen, Waschmittel, Gewürzen und anderem Kleinkram gefüllt. Ich wünschte ihr alles Gute für die Hochzeit und gute Geschäfte. Eine Woche später war sie verheiratet.
Wir werden mit der monatlichen Unterstützung für Sifaya vorerst weiterfahren und im September neu entscheiden.