Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03285.jsonl.gz/1598

- Aktuelles
- Biodiversität
- Gemeinde
- Burgergemeinde
- Kirche
- Tourismus
- Rundgang
- Bildung
- Gesundheit
- Gewerbebetriebe
Mit dem Projekt Kastanienselve Salzgäb hat die Burgergemeinde Mörel die Kastanienkultur wieder aufleben lassen. Diese weist in der Region eine lange Tradition auf. Der Weiler „Cheschteholz“ im Ortsteil Filet wurde 1279 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1870 hat die Burgergemeinde Mörel beschlossen, im Salzgäb einen Kastanienhain anzulegen. In der Burgerrechnung von 1871 ist denn auch aufgeführt, dass die Burgerschaft für 206 Franken 103 Kastaniensetzlinge kaufte und dem Eugen de Sepibus 40,50 Franken bezahlte für die Taglöhne, «um die Arbeit für Säher der Kastanienbäume» zu be[zahlen] und Mist zu tragen». Gemäss mündlicher Überlieferung spielte die Kastanienkultur über Jahrzehnte in der Landwirtschaft von Mörel eine nicht unwesentliche Rolle. Erst in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie aufgegeben. Die Selve im «Salzgäb» verwilderte und damit ging ein prägendes Landschaftselement verloren.
Die Burgergemeinde Mörel hat sich zum Ziel gesetzt, die frühere Kastanienselve wieder herzustellen. 2003 erfolgte der Spatenstich. Die eigentliche Selve auf ehemaligen Ackerterrassen hat eine Fläche von rund drei Hektaren, etwa 110 Kastanienbäumchen wurden neu gepflanzt. Auf dem ganzen Gemeindeterritorium gibt es rund 300 Kastanienbäume, die vorwiegend auf der Südseite wachsen, bis auf eine Höhe von rund 1100 m ü. M. Im Jahr 2006 konnte der erste Teil mit der Kernzone der Selve eingeweiht werden, ein Jahr später auch die Erweiterung im östlichen Teil mit dem Begegnungszentrum in einer instand gestellten Steinscheune.
Die Bewirtschaftung wurde mit Pachtverträgen geregelt. Die Landwirte garantieren die übliche Bewirtschaftung mit zweimal Schneiden und einer Beweidung im Herbst. Eines ist dabei besonders interessant: Eine Kastanienselve ist ein Sonderwaldreservat, das der Forstgesetzgebung unterstellt ist. Gleichzeitig aber wird sie auch von der Landwirtschaftsgesetzgebung anerkannt. Das heisst, dass die Bewirtschafter sowohl für die Wiesen und Weiden als auch für die Bäume Direktzahlungen erhalten. Die Kastanien gelten als Obstbäume.
Um den Unterhalt und die Pflege der Selve kümmert sich neben den beiden Landwirten zudem eine Zunft (www.cheschtene-zunft.ch. 170 Personen, davon über 100 aus der Gemeinde Mörel-Filet, sind Zunftmitglieder.
Die Gesamtkosten des Projekts von rund 980'000 Franken sind im Wesentlichen mit Subventionen von Bund, Kanton und Gemeinde sowie Beiträgen vom Fonds Landschaft Schweiz, von der Loterie Romande, der Schweizer Berghilfe und der Stiftung für Landschaftsschutz finanziert worden. Der Burgergemeinde Mörel verblieben Restkosten von etwa Fr. 170'000.