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Linksbüchneriade 27
Wenn Georg Büchner jeweils auf dem Zürcher Fischmarkt unter den Lauben beim Rüden seine Barbe bei Fritz Peyer fürs Präparieren ausgewählt hatte, begab er sich zusammen mit dem Fischer zum Fischwäger, der ihnen das Gewicht beschied, worauf Georg den entsprechenden Preis entrichtete. Gelegentlich, bemerkte er, betrachteten die Zürcher Fischer den fremden Fötzel aus dem Schaffhausischen mit scheelen Augen, und ein, zwei Mal war es schon vorgekommen, dass sich einer der Zürcher in der Reihe vor Fritz Peyer geschoben hatte. Zumeist allerdings verlief alles manierlich, man war ja in Zürich, dieser behäbigen Republik.
Obwohl, vielleicht konnte man sich da auch ein wenig täuschen, denn es schien mehr Konflikte zu geben, als sich dem blossen Auge erschlossen, und einer davon drang gar an die Öffentlichkeit, wenige Monate nachdem der so jung verstorbene Georg Büchner ins Grab auf dem Krautgartenfriedhof gesenkt worden war. Im November 1837 erschien nämlich in dem Anfang Jahr erstmals publizierten Tagblatt der Stadt Zürich eine anonyme Zuschrift, in der schwerwiegende Vorwürfe gegen den Fischwäger erhoben wurden, der jene Lieferanten bevorzuge, die ihm zum Voraus günstige Versprechungen in seinen Sack zusicherten, und andere Fische so lange liegen lasse, bis sie verdorben seien. Wenige Tage später replizierte im gleichen Blatt eben dieser Fischwäger, Jakob Peter, in kunstvoll gedrechselten sarkastischen Sätzen. Dabei erhielt der Konflikt plötzlich eine politische Note. Der Fischwäger, nachdem er sich gegen die üblen Schmierereien verwahrt hatte, identifizierte den Kläger nämlich umstandslos mit einem reichen Fabrikbesitzer im Drahtschmidli, der sich gelegentlich zum Beruf eines Fischers huldvollst herunterlasse, und, um den Wäglohn zu sparen, durch seine Mägde und Knechte die Fische direkt in Wirtschaften anbiete und erst dann zu ihm, dem Wäger, komme, wenn er seine Ware nicht anderweitig abgebracht habe.
Nun wäre zu klären, was denn ein Fabrikbesitzer im damaligen kleinstädtischen Zürich darstellte, und in der Funktion des Wägmeisters zeigen sich wohl noch alte zünftische Vorrechte, und dennoch ist unzweideutig klar, auf welcher Seite Georg Büchner in diesem Klassenkampf auf dem Zürcher Fischmarkt gestanden hätte.