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Scheidungen sind emotional aufwühlend. Wenn es zudem ein Haus zu «teilen» gilt, wird die Trennung auch rechnerisch schwierig.
Die Banken frohlocken. Das Hypothekargeschäft boomt. Das Schöne an diesem Geschäft: Die Ausfallrisiken sind gering – mit einer Ausnahme: die Scheidung. Plötzlich ist das Haus nicht mehr tragbar. Das Risiko einer Scheidung ist hoch: 17'600 Ehen wurden 2011 geschieden, mehr als vier von zehn Ehen. Beim Kauf des Eigenheims sollten deshalb auch Heissverliebte das Szenario einer Scheidung ins Kalkül ziehen.
Beispiel 1:
Das Eigenheim wurde vor 15 Jahren für 500'000 Franken gekauft. Die Hypothek liegt bei 400000 Franken. Das Paar steuerte 100'000 Franken bei, davon stammten 20'000 Franken vom Eigengut des Mannes. Wie viel muss er nun seiner Frau zahlen, wenn er das Haus behalten will, dessen Marktwert inzwischen um 16 Prozent auf 580'000 Franken angestiegen ist? Die Antwort: 78'400 Franken.
Die Begründung: Vom Erlös von 580'000 Franken ist die Hypothek von 400'000 Franken in Abzug zu bringen. Das ergibt 180'000 Franken, welche zu teilen sind. Vor der Teilung sind aber noch das Eigengut des Mannes von 20'000 und der Mehrwert auf dem Eigengut von 3200 Franken in Abzug bringen. Das ergibt einen Betrag von 156'800 Franken, geteilt durch zwei sind 78'400 Franken.
Beispiel 2:
Wenn nun gemäss dem eben genannten Beispiel der Marktwert der Liegenschaft um 10 Prozent auf 450'000 Franken gefallen ist, muss der Ehemann der Frau noch 15'000 Franken bezahlen. Wegen der Wertminderung der Liegenschaft schmolz das Eigenkapital von 100'000 auf 50'000 Franken. Davon ist noch das Eigengut des Mannes abzuziehen. Die Hälfte der verbleibenden 30'000 Franken sind 15'000 Franken. Der Wertverlust kann nicht verrechnet werden. Es gilt der Grundsatz: Hilft ein Ehepartner mit dem Eigengut, ein gemeinsames Haus zu erwerben, ist er anteilmässig an einer Wertsteigerung des Objektes beteiligt. Erleidet dieses eine Wertverminderung, so erhält er mindestens sein Eigengut zurück.
Beispiel 3:
Wenn gemäss Beispiel 1 die Frau 50'000 Franken erbt und mit diesem Geld die Hypothek amortisiert, so stecken im Haus neben den 20'000 Franken Eigengut des Mannes zusätzlich noch 50'000 Franken Eigengut der Frau. In diesem Fall müsste der Mann seiner Frau 132'400 Franken bezahlen.
Die Begründung: Die Hypothek beträgt nur noch 350'000 Franken, deshalb sind nur noch 230'000 Franken zu teilen. Davon sind die beiden Eigengüter sowie der Mehrwert von 16 Prozent auf dem Eigengut in Abzug zu bringen, sprich 148'800 Franken. Die Hälfte davon sind 74'400 Franken. Auf diesen Betrag sind Eigentum und Mehrwert auf dem Eigengut der Frau wieder zu addieren. Ihr Anspruch beläuft sich demnach auf 132'400 Franken.
Nun wird der Mann womöglich einwenden, dass der 16-prozentige Wertzuwachs auf den geerbten 50'000 Franken nicht gerechtfertigt sei. Als die Frau die vererbten 50'000 Franken ins Haus gesteckt habe, habe das Haus bereits einen höheren Wert gehabt als beim Kauf. In solchen Fällen muss man sich irgendwie finden. Um es ganz genau zu nehmen, müsste vor der Hypothekarreduktion eine Marktwertschätzung des Hauses vorgenommen werden. Wer macht das schon?
Werterhalt oder Mehrwert?
Diese Beispiele sind bereits recht kompliziert. In der Praxis wird es häufig noch schwieriger. In Beispiel 3 wurde mit der Erbschaft der Frau die gemeinsame Hypothek reduziert. Aber wie verhält es sich, wenn mit dem geerbten Eigengut die Küche renoviert wird? Bei einer Renovation von 40'000 Franken müsste man streng genommen im Nachhinein eruieren können, wie weit die 40'000 Franken zum Werterhalt und wie weit sie zum Mehrwert beigetragen haben.
Eigengut und Errungenschaft
Probleme gibt es vor allem dann, wenn nicht klar ist, was Eigengut und was Errungenschaft ist. Wer sich der Problematik bewusst ist, wird darauf achten, Eigengut und Errungenschaft nicht zu vermischen. Am einfachsten ist es, wenn die Partner das Eigenheim nur mit Mitteln aus der Errungenschaft finanzieren und das Eigengut nicht für die Finanzierung des gemeinsamen Hauses verwenden. Klar sind auch die Verhältnisse, wenn das Haus nur mit dem Eigengut des einen Partners finanziert wird. Und wenn der andere Partner erben kann, muss man sich gut überlegen, ob es klug ist, mit dem Eigengut des einen Partners die Hypothek des anderen Partners abzuzahlen.