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Dyskalkulie und Legasthenie
Emma, zehn acht Jahre alt, ist eigentlich ein cleveres Mädchen mit einer schnellen Auffassungsgabe. Aber lesen kann sie immer noch nicht richtig obwohl sie schon die zweite Klasse besucht und ihre Mutter regelmässig mit ihr übt. Trotzdem schafft sie es ohne Hilfe kaum Buchstaben zu Wörtern zusammenzuziehen. Auch beim Schreiben hat sie Probleme, sie vertauscht das "b" und das "d". Emmas Lehrerin wird zunehmend ungeduldig mit ihr und das Mädchen mag schon nicht mehr in die Schule gehen weil sie Angst hat ihre Mitschüler könnten Sie auslachen.
Jana, 12, schreibt gute Noten in all ihren Fächern - nur nicht in Mathematik. Wenn sie eine schriftliche Prüfung hat, gibt sie meist ein leeres Blatt ab. Auch im Alltag kann sie kaum verbergen, dass sie Schwierigkeiten mit Zahlen hat. An der Kasse gibt sie immer einen grossen Schein ab, weil sie genau weiss, dass es ewig dauern würde bis sie einen Betrag von 12,55 abgezählt hätte. Und wenn noch viele Leute ungeduldig hinter hier stehen würde sie sicher einen Fehler machen. Als Jana in die Schule kam konnte sie im Rechnen noch etwa ein halbes Jahr mit ihren Klassenkameraden mithalten. Dann war es nicht mehr möglich mit den Fingern zu rechnen, weil sich die Aufgaben nun im Zahlenraum bis 20 bewegten und Jana verlor den Anschluss.
Auch in der Schweiz sind fünf bis zehn Prozent der Schüler betroffen
Die Mädchen beiden oben genannten Mädchen sind durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich intelligent, haben aber eine sogenannte Teilleistungsstörung. Emma leidet unter eine Lese-Rechtschreibschwäche, bei Jana, gäbe es sie wirklich, würden Tests wahrscheinlich die Diagnose "Dyskalkulie" nahe legen. Beides keine Krankheiten im allgemeinen Sinne, aber Defizite, die sich nicht allein mit Nachhilfe oder einem erhöhten Lernpensum ausgleichen lassen.
Zwischen fünf und zehn Prozent der Schüler in Industrieländern haben eine Legasthenie oder Dyskallkulie. Vermutlich sind beide Teilleistungsstörungen auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen, die erblich ist. Über Legasthenie ist bekannt, dass sogenannte "Late-Talkers" also Kinder, die sehr spät sprechen lernen, eher darunter leiden. Auch ein bildungsfernes Elternhaus und ein hoher Medienkonsum begünstigen die Entstehung.
Das Selbstwertgefühl der Betroffenen ist oft angeknackst
Wer unter Dyskalkulie leidet, hat kein abstraktes Zahlenverständnis und erkennt den Zusammenhang zwischen Mengen und Zahlen nicht. Das Rechnen ohne anschauliche Hilfsmittel fällt betroffenen Kindern und Erwachsenen schwer. Legastheniker hingegen haben Probleme einzelne Buchstaben als Wort wahrzunehmen. Auch mit dem Schreiben tun sie sich schwer, weil sie Rechtschreibregeln nur unzureichend beherrschen und teilweise auch Buchstaben vertauschen.
Heilen lassen sich beide Teilleistungsstörungen nicht. Dafür sind sie zu komplex. Betroffene können aber lernen ihre Probleme zu kompensieren, wenn sie Hilfestellungen von Experten erhalten. Neben einer Lerntherapie benötigen Schüler häufig auch psychologische Beratung, da sie oft unter Versagensängsten leiden und ihr Selbstbewusstsein aufgrund vieler frustrierender Erfahrungen nur sehr gering ausgeprägt ist.
Tipp: Individuelle Massnahmen so früh wie möglich ergreifen
Je früher eine Teilleistungsstörung erkannt wird desto besser, damit ein Kind nicht unter Stigmatisierungen zu leiden hat. "Die kann nicht schreiben, die muss dumm sein." - Das tut weh! Wenn Du also vermutest, Dein Kind könnte unter Dyskalkulie oder Legasthenie leiden solltest Du unbedingt sofort einen Kinderarzt aufsuchen, der Dich dann an speziell ausgebildete Experten verweisen kann. Diese entwickeln individuelle Lerntherapien, die Deinem Kind helfen.
Bildquelle: adamova1210 / pixabay.com