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In Ermangelung geeigneter Plätze, wo ihre erwachsenen Kinder tagsüber oder auch über Nacht professionell betreut werden konnten, ergriffen betroffene Eltern von Kindern mit geistiger und mehrfacher Behinderung 1971 die Initiative zur Gründung der SSBL.
Sofern die Kinder nicht zu Hause wohnten, lebten die meisten in psychiatrischen Kliniken oder Altersheimen. Es kam auch vor, dass Kinder versteckt wurden, weil man sich ihrer schämte.
Ein Tabu wird gebrochen
Menschen mit einer Behinderung waren lange stigmatisiert: Man wollte sie nicht sehen und betroffene Eltern hatten Hemmungen, mit ihren behinderten Kindern öffentlich aufzutreten. Diese hatten kein Recht auf Teilnahme am Schulunterricht und wurden nicht selten versteckt. Es gab aber auch engagierte Leute, die sich mit den betroffenen Eltern solidarisierten. Durch Selbsthilfe wurde beispielsweise erreicht, dass pensionierte Lehrer in improvisierten Räumen Unterricht erteilten, Mütter die Verpflegung organisierten und Väter die Transporte übernahmen.
Meilenstein Invalidenversicherungsgesetz 1959: Im Kanton Luzern wurde 1968 die Stiftung Brändi gegründet, doch konnte damit nicht für alle Betroffenen eine Lösung gefunden werden. Für Menschen mit besonders schwerer geistiger und mehrfacher Behinderung wurde 1971 auf Initiative von Elternvereinigungen die „Stiftung für Schwerstbehinderte“ gegründet.
Einzug ins Kinderheim Rathausen
Seit ihren Anfängen ist die SSBL aufgrund der hohen Nachfrage nach solchen Plätzen stark gewachsen. Im Kanton Luzern entstanden zahlreiche Wohnplätze und Tagesstrukturen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Der grösste Standort entstand auf dem Areal des ehemaligen Klosters Rathausen.
Mit dem Einzug der SSBL in Rathausen 1983 lebten ihre Bewohnerinnen und Bewohner eine Weile Tür an Tür mit den Kindern des «Kinderdörfli Rathausen». Die SSBL nutzte leerstehende Gebäude des sich allmählich leerenden Kinderheims.
Im ehemaligen Kloster
Nachdem die erste Wohngruppe in einen der bestehenden Pavillons eingezogen war, realisierte man bald, dass der Platz nicht ausreichte. Die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner kam deshalb vorübergehend in das ehemalige Kloster, bevor sie wenige Jahre später in ein neu renoviertes Wohnhaus umziehen konnte. Wie sich ein Bewohner erinnert, sollen im alten Kloster in der Küche Mäuse und im Estrich Marder gelebt haben. Wenn es regnete, habe es manchmal hineingetropft, und das Dach oder die Fenster mussten ausgebessert werden.
Die Geschichte der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL im Überblick
Die Anfänge: 1971 wurde die «Stiftung für Schwerstbehinderte Luzern» durch Elternvereinigungen zusammen mit dem Kanton Luzern gegründet.
Die Stiftung wächst: 1972 wurde die Tages-Beschäftigungsstätte «Eichwäldli» in Luzern eröffnet, 1979 folgte die erste Wohngruppe in Gunzwil. In der Folge wuchs die Stiftung kontinuierlich und schuf überall im Kanton Luzern Wohnplätze und Tagesstrukturen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Die SSBL wurde zur grössten Betreiberin von Betreuungsangeboten für Menschen mit Beeinträchtigungen im Kanton Luzern.
Die SSBL zieht nach Rathausen: Seit 1983 konnte die SSBL die leerstehenden Gebäude des «Kinderdörfli Rathausen» nutzen. Rathausen wurde zum Geschäftssitz der SSBL. 1986 konnte in Rathausen die erste Wohngruppe eröffnet werden. Das Kinderheim Weidmatt kam 1985 zur SSBL.
Die SSBL als neue Eigentümerin der Anlage Rathausen: 1989 wurde die durch den Grossen Rat des Kantons Luzern beschlossene Fusion der «Stiftung Kinderdörfli Rathausen» mit der «Stiftung für Schwerstbehinderte Luzern» vollzogen.
Die Anlage Rathausen wurde der SSBL im Jahr 1990 als neuer Eigentümerin übertragen. Sie entwickelte sich zum grössten Standort der SSBL. Im gleichen Jahr erfolgte die Änderung des Stiftungsnamens in «Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL».
Ein Begegnungsort entsteht: 2007 wurde das Café auf dem Rathauser Klosterplatz eröffnet. Rathausen sollte vermehrt ein Begegnungsort zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern und der übrigen Bevölkerung werden. Dies ist bis heute ein wichtiges Credo der SSBL geblieben.
Masterplan Rathausen: 2011 wurden in Rathausen provisorische Wohnpavillons eröffnet. Eine umfassende Sanierung, Erweiterung und Aufwertung des Areals wurden als nächster Schritt angegangen. 2016 konnten drei neue Wohnhäuser sowie das renovierte ehemalige Kloster eingeweiht werden. Es folgte die Neugestaltung des Aussenareals mit seinen Gärten.