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Oltner Kinogeschichte beginnt mit dem Kinematographen in der Kronenhalle
Historisches Es war schon sehr früh so weit, dass in Olten die Bilder laufen lernten. Bereits am 8. November 1896 läutete man in der «Kronenhalle» neben dem Gasthaus «zur Krone» am Kirchplatz die Geschichte des Kinos ein.
Von: Urs Amacher
Die Ära der Filmvorstellungen beginnt bekanntlich Ende des Jahres 1895, als am 29. Dezember die Brüder Auguste und Louis Lumière ihren neuen «Cinématographe» – wörtlich «Bewegungsschreiber» – in Paris öffentlich vorführten. Mit diesem Apparat konnte man bewegte Bilder sowohl aufzeichnen als auch an eine Wand projizieren. Bereits im folgenden Frühjahr erreichte diese Erfindung die Schweiz. An der Schweizerischen Landesausstellung in Genf, die vom 1. Mai bis 15. Oktober 1896 dauerte, gab es einen «Pavillon Edison» sowie einen japanischen «palais des fées», einen «Feenpalast», der Firma «Sunlight».
François-Henri Lavanchy-Clarke, damals noch Generalagent der englischen Seifenfabrikanten Lever in Lausanne, hatte die Schweizer Lizenz des Cinéma Lumière erworben und wertete sie für sein Unternehmen aus. Parallel zum «Feenpalast» an der Genfer Expo unternahm Lavanchy-Clarke ab Juli 1896 für die Lever-Tochterfirma «Sunlight / Helvetia Seifen» eine Schweizer Tournee mit dem Filmapparat. So machte der «einzig echte Lumière’sche Kinematograph» mit seinen «lebenden Photographien in natürlicher Grösse» auch Station in Olten.
Ziemlich genau einen Monat nach der feierlichen Eröffnung der «Seifenfabrik Helvetia Savonnerie» am 12. Oktober 1898 im Oltner Industriequartier lud die Firma mit Inseraten in der lokalen Presse ihre Kundinnen in den Konzertsaal ein. Am Freitag, den 11., und Samstag, den 12. November 1898, fanden Kinovorstellungen jeweils 8 und 9 Uhr abends statt, zudem am folgenden Sonntag drei Vorstellungen abends um 7, 8 und 9 Uhr.
Die Eintritts-Karten waren nicht käuflich, sondern «eine Garantie-Marke der Sunlight-Seife» berechtigte «das verehrte Publikum zum Zutritt der Vorführungen am künftigen Wochenende». Angekündigt wurden «viele neue Bilder: Der historische Festzug zur Eröffnung des Landesmuseums in Zürich. Schweizer Ringkampf, ausgeführt von jungen Baslern auf der Froburg. etc.». Tatsächlich stellte der Reporter der Lokalzeitung fest: «Am meisten gaudierten diejenigen Bilder, die dem Alltagsleben entnommen waren: Die Wäsche eines Knaben durch einen Mohren, oder die Waschfrauen mit den mit Sunlightseife schneeweiss gewaschenen Linnen.»
«Die Sensationellste Erfindung dieses Jahrhunderts»
Lavanchy war aber nicht einmal der Erste, der in Olten Filme vorführte. Nachdem die Genfer Expo die Tore geschlossen hatte, reisten verschiedene Marktfahrer mit dem Kinematographen durch die Schweiz. In Olten wird der Schausteller nicht genannt, das Inserat unterzeichnete nur «Der Besitzer», es war aber fast sicher Otto Thiele aus Carouge. Der ursprünglich aus Sentheim im Elsass stammende Besitzer der «Bierhalle zur Krone» oben an der Mühlegasse, Heinrich Hempele, war der lokale Organisator. Er kündigte in einem Zeitungsinserat an, dass am 8. November 1896 ein Kinematograph in seiner Kronenhalle zu bestaunen sein werde und lud die Bevölkerung «zu zahlreichem Besuche» ein.
Er sparte nicht mit Superlativen und rühmte seinen Kinematographen als «die Sensationellste Erfindung dieses Jahrhunderts», welcher «die lebende Photographie in natürlicher Grösse und Farbenpracht» zeige. Das war etwas übertrieben, bestanden doch die Filme aus Schwarz/weiss-Aufnahmen, die nachträglich von Hand koloriert wurden. Farbfilme, die diesen Namen verdienen, kamen erst in den 1930er Jahren auf.
In der Annonce wird das Modell des Kinematograph als «Edisons Ideal!» bezeichnet, im Sinne von «Edisons Wunschvorstellung». In Wirklichkeit hatte der verwendete Projektor nichts mit dem amerikanischen Erfinder Edison zu tun, sondern sonnt sich bloss im Licht seines Namens. Tatsächlich wurde der Filmvorführapparat durch den deutschen Filmtechnikpionier Hermann Otto Foersterling produziert, der ihn unter den Labels «Vitagraph» oder eben «Edison’s Ideal» vertrieb. Allerdings bemängelte der Journalist, der eine Vorführung besucht hatte, «dass dieses Verfahren noch sehr in den Windeln liegt oder vom Vorsteller nicht recht praktiziert wird. Ein verbesserter Nebelbild-Apparat würde fast ähnliches leisten. Das Blitzen und Knistern im Bilde ist unangenehm, ebenso die ganze Unsicherheit mit dem Vorzeigen der Bilder selbst. In 10 Minuten wurde das Programm einfach herunter gehaspelt, so dass das einzelne Bild kaum recht betrachtet werden konnte.» Und sein Fazit lautete: «nur wenige Zuschauer, die schon Aehnliches gesehen [haben], sind befriedigt von dannen gezogen».