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Gespaltenes Verhältnis: Kein Europäer darf an der Feier reden
- Dienstag, 10. Dezember 2013, 11:50 Uhr
Zwar sind viele europäische Staatschefs nach Südafrika gereist. Doch kein europäischer Staatschef ist auf der Rednerliste der Trauerfeier. Das ist kein Zufall.
Buren und Briten
1806 wurde die niederländische Kapkolonie von den Briten in Besitz genommen. Die niederländischen «Buren» gründeten darauf Republiken im Norden. Später wurden diese ins Empire eingegliedert. 1910 entstand die Südafrikanische Union, als selbst regiertes Herrschaftsgebiet im britischen Commonwealth. 1926 erhielt Südafrika die faktische Souveränität.
Das Verhältnis von Südafrika zu Grossbritannien ist belastet: Noch bis 1926 war Südafrika Herrschaftsgebiet im britischen Commonwealth. Zu Zeiten von Premierministerin Margreth Thatcher war Nelson Mandela noch auf Grossbritanniens Terrorliste.
Grossbritannien noch immer verschmäht
«Es ist vor allem kein einfaches Verhältnis zum jetzigen Regierungschef Grossbritanniens, David Cameron», sagt Barbara Müller. Sie ist Geschäftsführerin des Fonds für Entwicklung und Partnerschaft in Afrika. «Cameron war 1989 in Südafrika. Damals hatte er sich noch überhaupt nicht für die Freilassung von Mandela ausgesprochen», sagt Müller.
Cameron hat die Apartheidregierung, den rassistischen Sonderweg, unterstützt. «Auch wenn man viel von Versöhnung spricht. Das heisst nicht, dass die Südafrikaner alles vergessen. Sie wissen genau, wer wann was getan hat. Das Verhältnis ist also noch immer belastet», so Müller.
Grossbritannien ist denn auch nicht auf der offiziellen Rednerliste für die Trauerfeier von Mandela vertreten. Auch europäische Staatsmänner sind auf der Liste nicht zu finden. Es sei nicht nur die Geschichte zu den Europäern, die belaste, sagt Ruedi Küng, ehemaliger Afrika-Korrespondent von Radio SRF. Auch die aktuelle Situation sei ausschlaggebend.
Europas Stern ist im Sinken begriffen
«Wir stellen fest: Europa hat an Einfluss verloren. Der amerikanische Stern sinkt auch etwas. Aber nicht so stark wie der europäische», so Küng. Das habe wahrscheinlich mit dem amerikanischem Mythos zu tun, dass man alles erreichen kann, dass alles möglich ist. «Das wird bewundert.» Im Moment geht vor allem der asiatische Stern auf.
Weg zur Demokratie
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschritt Südafrika mit dem System der Apartheid einen rassistischen «Sonderweg», der erst nach 1989/90 überwunden wurde. 1961 schied das Land auf aussenpolitischen Druck wegen der Apartheidspolitik aus dem Commonwealth aus und gründete die Republik Südafrika. Die erste demokratische Wahl fand 1994 statt.
«Wir denken dabei nur an China, was falsch ist. Denn mit China kommen Indien und andere ostasiatische Staaten, die finanzstark sind. Sie treten als mögliche und tatsächliche Investoren in Südafrika und an anderen Orten in Afrika auf», so Küng. Die neuen Allianzen sind für Südafrika wichtig. Denn das Land am Kap gehört zu den BRICS-Staaten. Das sind jene wirtschaftlich aufstrebende Staaten, die zusammen mit Brasilien, Russland, Indien und China eine neue Einheit bilden.
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