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|Abt Coelestin Gugger von Staudach (1740-1767)

Abt Cölestin Gugger von Staudach
Cölestin Gugger von Staudach, 1740-1767. *28.6.1701 (Michael Anton) in Feldkirch als Sohn von Stadtrat Michael Anton Gugger von Staudach und der Maria Oexlin. Er trat 1712 in die Jesuitenschule zu Feldkirch ein, die er während sieben Jahren besuchte. Am 31.10.1719 wechselte er an die St. Galler Schule. Profeß am 16.10.1721. Die niederen Weihen erhielt er am 10.7.1722, Subdiakon wurde er am 31.7.1723, Diakon am 23.9.1724, Priester am 22.9.1725. Die Primiz feierte er am 14.10.1729. Am 6.9.1726 wird er zum Professor Theologiae speculativae ernannt. In äbtlichem Auftrag reist er am 18.10.1729 zusammen mit P. Bernhard Frank von Frankenberg zur Erledigung von Rechtsgeschäften und zum Studium nach Rom, von wo er am 16.11.1730 als Dr. iur. utr. zurückkehrt. Am 18.1.1731 ernannte ihn Abt Joseph erneut zum Professor der Theologie. Seit dem 14.7.1731 ist er Unteroflizial. Sein Abt kreierte ihn am 7.12.1731 zum Apostolischen Notar. Beichtiger zu Notkersegg wurde er am 27.6.1732. Am 2.9.1733 erscheint er als Professor des kanonischen Rechts. Seit dem 17.10.1733 ist er als Küchenmeister bezeugt, am 17.11.1733 als Bibliothekars, seit dem 20.3.1734 als Subprior. Unter dem Vorsitz von Nuntius Carlo Francesco Durini wurde er am 23.3.1740 zum Abt erkoren. Konfirmation am 30.9.1740 durch Benedikt XIV. Benediktion am 10.9.1741 durch den Nuntius unter Assistenz der Äbte von Muri und Einsiedeln. Die Huldigung nahm er im Mai und Juni 1740 ein, im Toggenburg wurde sie jedoch größtenteils verweigert. Er konnte sie in dieser Grafschaft erst am 30. Oktober durchführen; diesmal unterblieben alle Zwischenfälle. Am 11.7.1745 huldigten noch die Ebringer Untertanen. Sein Mitbruder und Konkurrent bei der Abtwahl, P. Bernhard Frank von Frankenberg, wurde 1742 Disentiser Abt. Im September 1747 besuchte Kardinal Angelo Maria Quirini OSB St. Gallen, ihm folgte im Juli 1748 der gelehrte Benediktiner Augustin Calmet, 176o Martin Gerbert, 1762 Kardinal Garampi. In Wil konnte am 17.7.1748 zwischen St. Gallen und Konstanz ein langwierige Auseinandersetzungen beendender Vertrag geschlossen werden, in welchem der Bischof von Konstanz auf die Visitation der St. Galler Kollaturpfarreien verzichtete und dem Kloster St. Gallen die geistliche Jurisdiktion weitgehend überließ. In einem Nebenvertrag trennte sich St. Gallen zugunsten von Konstanz von der Herrschaft Stahringen, von der Kollatur Mundelfingen u.a.m., während Konstanz dem Galluskloster die ihm verbliebenen weltlichen Rechte im Rorschacher- und Landeshofmeisteramt abtrat. Papst Benedikt XIV. bestätigte die Übereinkunft am 18.2.1749. Im Zeichen der neugewonnenen Eintracht erwiesen sich noch 1748 Bischof und Abt Besuch und Gegenbesuch in Meersburg und St. Gallen. Auch den Toggenburger Mannschaftsrechtsstreit vermochte er nach langen Auseinandersetzungen und Verhandlungen mit Zürich und Bern am 30.3.1759 endlich einer Lösung zuzuführen (Frauenfelder Vertrag), die das Mannschaftsrecht der Abtei faktisch bestätigte. Es wurde ein Kriegsrat geschaffen, der, präsidiert von einem äbtlichen Beamten, sich aus zwölf Toggenburgern zusammensetzte und zur Hälfte vom Land, zur anderen Hälfte vom Abt gewählt wurde. Die Rechte der Landsgemeinde beschränkten sich auf Ein-nahmen der Huldigung, Erneuerung des Landrechts mit Schwyz und Glarus und die Wahl des Pannerherrn. Als Bauherr hat Cölestin II. der Nachwelt bedeutende Werke hinterlassen: 1746-1749 wurde unter Leitung von Johann Kaspar Bagnato in Rorschach das Kornhaus errichtet. Am 29.8.1756 legte er die Grundsteine zur neuen Gallus- und Otmarkirche, deren Bau Peter Thumb leitete. Das Schiff konnte am 15.11.1760 benediziert werden. Die Vollendung der Ausstattung erlebte er jedoch nicht mehr. Unter Leitung des gleichen Peter Thumb erstand 1758-1767 der Neubau der Bibliothek und des daran anschließenden Krankenhaustraktes. Abt Cölestin II. Gugger von Staudach ist als einer der hervorragendsten St. Galler Äbte der Neuzeit in die Geschichte eingegangen. Treffend charakterisiert ihn Ildefons von Arx: "Fürstabt Cölestin Gugger ward allgemein geachtet, und geliebt, weil er Ernst und Güte, Kraft und Nachgiebigkeit in gehörigem Maße zu mischen wußte. Er führte die Geschäfte mit vieler Umsicht und Rathe, und eben darum, weil ihm zugleich der Stand, in dem sich die öffentlichen Angelegenheiten befanden, günstig war, gelungen ihm fast alle. Er kam deßwegen bey seinen Zeitgenossen in großen Ruf, und von allen Orten her zog man ihn zu Rath. Seine Tagebücher, und die in den angestellten Geistesübungen niedergeschriebenen Lebens- und Regierungs-Vorsätze zeugen von einer gründlichen Frömmigkeit, und machen es bewundern, wie ein Prälat von so ausgedehntem Geschäftskreise eine so große Versammlung des Geistes beybehalten konnte. Ohne haushälterisch zu scheinen, schlug er bloß mit einer genauen Aufsicht, und Vermeiden alles unnötigen Aufwandes im Durchschnitt in jedem Jahre 34 000 fl. vor, welches ihn in Stand setzte, das Stift von den Schulden, mit welchen es seit vierhundert Jahren behaftet war, zu befreyen, mit 12 000 fl. Wartensee, mit 29 912 fl. das Schloß Roggwil, Hefenhofen und Moos anzukaufen, für 40 000 fl. Stiftungen zu machen, 59 487 fl. auf Prozesse, 12 000 f1. auf die Confirmation, Benediktion und den Lehenempfang zu verwenden, zum Behufe des Handels und zum Vorteile des Landes mit 37 050 fl. im J. 1746 zu Rorschach am See nach dem Risse des Italiäners Bognato das Kornhaus und in St. Gallen mit einem Aufwande von 457 929 fl. das dreyhundert zwölf Fuß lange St. Gallen-Münster, einen Theil des Klosters, das Schützenhaus in St. Fiden zu bauen, und noch 300 000 11. zu hinterlassen." Abt Cölestin Gugger von Staudach starb am 24.2.1767.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)