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Über 50 Jahre liegen zwischen diesen beiden Auftritten: Lys Assia 1956 am ersten Gesangswettbewerb der Eurovision in Lugano. Im Blumenmeer ist sie kaum auszumachen. Eine elegante junge Frau. Auf Französisch singt sie: «Refrain d’amour, parfum de mes vingt ans.» Dazu ein Orchester, Musiker im weissen Smoking. Und zwei Buben in kurzen Hosen, die sich schüchtern an ihren Blumensträussen festhalten.
Und dann, 2013: Lys Assia bewirbt sich mit vier Rappern erneut für eine Teilnahme am Eurovision Song Contest. Vor den Backsteinwänden Zürcher Industriebauten umtanzen die Vier eine blendend aussehende Grande Dame. Der Text diesmal: «It’s all in your head, everything's in your mind.»
Alles ist im Kopf. Doch was ist geblieben? Die junge Frau mit französischem Charme und die reife Künstlerin – beide wirken souverän. Wussten genau, was sie wollen. Bezauberten das Publikum. Gaben dem Zeitgeschmack, was er will.
2013 reichte es allerdings nicht für die ESC-Teilnahme. 1956 aber gewann die 22-jährige Lys Assia mit «Refrain» als erste und bislang einzige gebürtige Schweizerin den Eurovisions-Wettbewerb.
Amateurorchester mit der Familie
Geboren wurde Lys Assia am 3. März 1924 im aargauischen Rupperswil. Der Vater leitete eine Spenglerei, die Mutter adligen Ursprungs. Zu Hause wurde Musik gemacht. «Wir bildeten so eine Art Amateurorchester», erinnerte sich Assia in einer SRF-Sendung zu ihrem 90. Geburtstag.
Das Geschäft mit der Musik lernte Rosa Mina Schärer, wie sie damals noch hiess, schnell. «Wir gingen auf die Höfe. Mein Bruder spielte Gitarre, ich sang. Bald regnete es Fünf- und Zehnrappenstücke», so Assia in der Sendung.
In Paris vertrat sie Josephine Baker
Ob sie sich damit tatsächlich die ersten Ballett- und Gesangsstunden bezahlt hat, ist als Anekdote wertvoller als dass es tatsächlich stimmen muss. Schnell zog es die junge Künstlerin nach Paris. Dorthin, wo das Musikleben, tagsüber und in den Nachtclubs, brodelte. 1948 sprang sie in einem diese glamourösen Nachtlokale für niemand geringeren ein als Josephine Baker.
Den Durchbruch sodann brachte ein Lied, das wohl auf ewig mit Lys Assia verbunden sein wird. «O mein Papa!» von Paul Burkhard. Ob es dieses Lied gewesen sei, das sie berühmt gemacht habe, wurde Assia immer wieder gefragt. Nein, entgegnete sie: «Ich hatte damals bereits eine Weltkarriere. Ich habe das Lied in die Welt hinausgetragen.»
Die Welt von damals sah anders aus. Die Bühnen standen Lys Assia auch im Nahen Osten offen. Mit dem ägyptischen König Faruq war Assia bekannt. Durch ihn lernte sie die persische Königsfamilie kennen. Und in Venezuela hatte sie eine Fernsehshow. Hinter den Bühnen, auf den Filmsets war Assia mit Grössen wie Zarah Leander, Hildegard Knef oder Maurice Chevalier anzutreffen.
Ihre Karriere im Musik- und Filmbusiness wurde durch zwei Ehen unterbrochen. Mit einem Industriellen und einem Hotelier. Kurzfristig stieg Assia ins Hotelgeschäft ein. International natürlich. Doch sie kehrte auf die Bühnen zurück. Bis kurz vor ihrem Tod 2018 mit 94 Jahren.