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Sehr verehrte Anwesende Liebe Schw… und Brr…
Um namentlich unseren Gästen einen Einblick in unsere Arbeit heute Abend zu gewäh- ren, möchte ich meinen Vortrag an eine Arbeit anknüpfen, die unser Br… FH kürzlich vorgetragen hat und die wir an einem weiteren Zirkel miteinander intensiv besprochen haben. In seinem Vortrag wurde die Frage als Thema aufgeworfen: Hat uns Gott ver- lassen?
Diese Frage setzt voraus, dass man von einem Gott, von einem Schöpfer oder wie er in der FM genannt wird, vom Grossen Baumeister aller Welten, ausgeht. Kann man überhaupt von einem Schöpfer ausgehen oder ist diese Annahme durch den seit wenigen Jahrhunderten in der Menschheit gefassten Evolutionsgedanken, nachdem sich alle Lebewesen durch natürliche Selektion und mehr oder weniger zufällige Mutation weiter- entwickeln (Charles Darwin 1858)? Die Evolutionstheorie wurde bei ihrem Entstehen namentlich von den Kirchen heftig bekämpft und heute noch stehen sich bis in die Schulen und die Erziehung die beiden Standpunkte Evolution versus Kreation (soge- nannter Kreationismus) gegenüber und werden heftig diskutiert.
Müssen diese Standpunkte wirklich polar sich gegenüberstehen oder wäre es denkbar, dass die Beobachtungen, die zum Evolutionsbegriff führten, nur auch Ausfluss des Schöpfers sind?
Um diese Standpunkte besser zu verstehen, stellen wir uns einen Menschen vor, der zwar sehr intelligent ist, der aber noch nie die Schrift kennengelernt hat und der auch keine Wesen kennt, die fähig wären ein Schriftstück zu verfassen. Wenn er nun einen Zeitungsartikel oder sonst eine schriftliche Information zu Gesicht bekäme, so könnte er mit grossem Scharfsinn und technischen Mitteln Papier und Druckerfarbe genau untersuchen und feststellen, dass da Zeichen auf einer weissen Fläche aufgetragen sind. Er könnte in einem weiteren Schritt vielleicht sogar erahnen, dass die Zeichen eine Botschaft beinhalten. Er wird dann die Zeichen vergleichen und feststellen, dass nur 2 verschiedene Zeichen vorkommen, dass sie aber in ganz verschiedener Zusammenset- zung vorliegen. Er wird feststellen können, dass gewisse Buchstabenkombinationen immer wieder vorkommen und er wird daraus gar die Gesetze herausfinden, nach de- nen die Schrift aufgebaut ist. Mit viel Aufwand wird er vielleicht mit der Zeit herausfin- den, dass dem ganzen eine Grammatik, ein Satzaufbau etc zugrunde liegt. Wie könnte er aber auf das Wesen, auf den Menschen schliessen, der den Text ursprünglich ver- fasst hat, wenn er doch keine Erfahrung von solchen schreibenden Wesen hat? Wie kann er das Motiv des Wesens erkennen, seinen seelischen Zustand und seinen Willen, die dazu führten, dass es diesen Text verfasst hat.
Für uns ist ja ganz klar: hinter jedem Text steht ein Verfasser, ein Schöpfer der darin enthaltenen Information. Aber das wissen wir nur durch unsere Erfahrung, der vorlie- gende Zeitungsartikel wird uns das niemals offenbaren. Und wer schreibt hält sich an die grammatikalischen Gesetze, an den Schrift- und Satzaufbau und bedient sich dessen, um das entstehen zu lassen, was er schöpfen will: einen für alle verständlichen Text. Bei jeder Schöpfung muss man sich an die inneren Gesetze des Mediums halten. Wenn ich in dichterischer Form eine Aussage machen will, so muss ich mich an die Gesetze der Dichtkunst halten, aber diese Gesetze haben keinen Einfluss auf den Inhalt meines Gedichtes.
Mit dem Beispiel des Zeitungsartikels möchte ich aufzeigen, wie die Menschheit früher hinter jeder Naturerscheinung ein Wesen schaute, welches die Erscheinung selbst ver- ursacht. Die Menschen hatten früher eine unmittelbare Erfahrung dazu, weil sie sich selbst und alle Naturerscheinung so erlebten, dass überall ein geistiges Wesen in der Naturerscheinung wirkte. Dieses Erlebnis ist aus Gründen, die ich jetzt nicht weiter erör- tern möchte, die aber in der Entwicklung des Menschen selbst zu suchen sind, weitge- hend verschwunden.
Dies ist wohl der Grund, weshalb heute die Frage, ob es einen Schöpfer hinter allem gibt, überhaupt gestellt wird. Fragen tut man sich ja nur Dinge, die man nicht unmittel- bar erfahren kann. Aber, hinter jeder Frage steckt eine Ahnung und in jeder Frage liegt bereits der Ansatz zu ihrer Beantwortung. Und aus dem hier dargestellten drängt sich noch eine weitere Frage auf: gibt es einen Schöpfer, den GBAW oder Gott, oder gibt es eine Vielzahl Schöpfer, wie es die vielen vorchristlichen bzw. vorjüdischen Religionen angenommen haben. Auch diese Polarität kann aufgelöst werden, wenn das Zeitphänomen mitberücksichtigt wird: Die Evolutionstheorie wird ergänzt mit der Deszendenztheorie, die besagt, dass alles Leben auf der Erde einen gemeinsamen Ursprung hat. Folge dessen können möglicherweise die vielen Wesen auf ein Wesen zurückgeführt werden.
Dieses Eine, ursprüngliche Wesen, was könnte es als höchste Schöpfung realisieren wollen? Wäre das nicht die Schöpfung eines Wesens, welches ihm gleichkommt und über die Freiheit verfügte. Ein freies Wesen ihm gleich, der alles schöpfen kann. Ein Wesen, welches sogar durch die ihm gewährte Freiheit ihm entgegenwirken kann?
Lassen Sie mich zum Abschluss dieser Arbeit ein Märchen aus den Mysteriendramen von Rudolf Steiner vortragen, welches in einem Bild ausdrückt, was ich hier mit meinem Vortrag Euch vermitteln wollte.
Es lebt’ einmal ein Mann, der sann viel über Weltendinge nach. Es quälte sein Gehirn am meisten, wenn er des Bösen Ursprung kennen wollte. Da konnte er sich keine Antwort geben. „Es ist die Welt von Gott“ so sagt’ er sich“ und Gott kann nur das Gute in sich haben. Wie kommen böse Menschen aus dem Guten?“ Und immer wieder sann er ganz vergebens; die Antwort wollte sich nicht finden lassen. Da traf es sich einmal, dass jener Grübler auf seinem Wege einen Baum erblickte, der im Gesprä- che war mit einer Axt. Es sagte zu dem Baume jene Axt: „Was dir zu tun nicht möglich ist, ich kann es tun, ich kann dich fäl- len; du mich aber nicht.“ Da sagte zu der eitlen Axt der Baum: „vor einem Jahre nahm ein Mann das Holz, woraus er deinen Stiel verfertigt hat, durch eine andre Axt aus meinem Leib.“ Und als der Mann die Rede hatt’ gehört, erstand in seiner Seele ein Gedanke, den er nicht klar in Worte bringen konnte, der aber volle Antwort gab der Frage: Wie Böses aus dem Guten stammen kann.
Ehrw… Meister, mit dieser Geschichte möchte ich Dir das Wort zurückgeben.