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Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2013 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt aus der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz sowie den automatischen Stationen des IMIS (Interkantonales Mess- und Informationssystem). Bei der Interpretation muss beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt "Ausgewählte Beobachterstationen" (vgl. unten) ist die zeitliche Entwicklung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.
Der Oktober war eher mild und niederschlagsreich. Zunächst regnete es bis fast ins Hochgebirge. Dann fiel zweimal Schnee bis in tiefe Lagen. Dazwischen kletterte die Nullgradgrenze auf über 4000 m.
In der ersten Novemberhälfte fiel oberhalb von rund 2500 m wiederholt Schnee. Im Anschluss daran folgte meist sonniges und mildes Spätherbstwetter. Dadurch aperten Südhänge zunehmend aus. Zum Monatsende schneite es zuerst im Süden ergiebig, dann fiel auch im Norden Schnee. Ende November (Abbildung 1, oben) waren die Schneehöhen in hohen Lagen des Wallis und des Alpenhauptkammes durchschnittlich, sonst eher unterdurchschnittlich.
Der Dezember begann vor allem im Norden und im Westen neuschneereich. Mitte Dezember betrugen die Schneehöhen auf 2000 m dort mit 120 bis 200 cm bereits das Zwei- bis Dreifache des langjährigen Mittelwerts. Die vielen Neuschneetage sorgten im Mittelland verbreitet für eine 30 bis 50 cm dicke Schneedecke. Auch in der zweiten Dezemberhälfte fiel wiederholt Niederschlag, teils in Form von Regen bis über 2000 m. Das weihnachtliche Tauwetter war so gründlich, dass sich der Schnee nur oberhalb von 800 m halten konnte. Die Schneehöhen waren Ende Dezember (Abbildung 1, unten) im Norden und Westen stark überdurchschnittlich, in den übrigen Gebieten durchschnittlich bis leicht überdurchschnittlich.
Der Januar startete zunächst recht sonnig. Dann schneite es vor allem im Norden wiederholt bis in tiefe Lagen, teils mit sehr hoher Intensität: innert sieben Stunden schneite es beispielsweise an der IMIS-Schneestation „Schilthorn“ (BE) knapp 40 cm. Kurz nach Monatsmitte setzte eine kräftige Südföhnlage ein. Die Mittagstemperaturen stiegen im Norden innerhalb von zwei Tagen um etwa 20 Grad. Mit dem Ende der Südföhnlage begann eine Phase mit Hochnebel im Norden. Die Obergrenze lag bei rund 2000 m. Darüber war es grösstenteils sonnig. Gegen Monatsende fiel Niederschlag mit einer Schneefallgrenze über 2000 m. Ende Januar waren die Schneehöhen (Abbildung 2, oben) in grossen Teilen des Alpennordhangs und des Wallis leicht überdurchschnittlich, sonst verbreitet durchschnittlich. In grossen Teilen des Alpensüdhangs waren die Schneehöhen bereits unterdurchschnittlich.
Der Februar begann mit viel Neuschnee, vor allem im Norden. Dort fielen bis zum 10. Januar in drei Niederschlagsperioden über 200 cm Schnee. Dann sanken die Temperaturen deutlich. Am kältesten war es in der Nacht vom 10. Februar auf der Glattalp im Muotatal (1850 m) mit -40 °C. Mit der Kälte setzte sich der Schnee nur langsam. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wurde es ab Monatsmitte recht sonnig, abgesehen vom Hochnebel am Alpennordhang mit einer Obergrenze um 1800 m. Aus dem Nebel fiel zeitweise Schnee. Kurz vor Monatsende schneite es im Süden. Das Monatsende war über dem Hochnebel im Norden und auch in den übrigen Gebieten sonnig und milder. Die Schneehöhen waren Ende Februar (Abbildung 2, unten) im Norden und Westen mit 200 bis 300 cm überdurchschnittlich, im Süden unterdurchschnittlich. In den übrigen Gebieten lagen mit rund 100 cm in etwa der Jahreszeit entsprechende Schneemengen.
Über dem Hochnebel am Alpennordhang begann der März sonnig. Mit der Sonneneinstrahlung wurde die Schneedecke zunehmend durchfeuchtet. Die darauffolgende Abkühlung stabilisierte die Schneedecke wieder. Nach Monatsmitte und zum Monatsende schneite es zweimal, was zu hochwinterlichen Verhältnissen über Ostern führte. Ende März waren die Schneehöhen (Abbildung 3, oben) vor allem im Unterwallis und im Berner Oberland noch leicht überdurchschnittlich, in den übrigen Gebieten durchschnittlich bis leicht unterdurchschnittlich.
Der April war wechselhalft. Ab dem 11. April stiegen die Temperaturen deutlich an. Die Durchfeuchtung der Schneedecke drang in hohe Lagen und nordseitige Expositionen vor. Dann gab es einen Wintereinbruch mit für die Jahreszeit aussergewöhnlichen Starkschneefällen. Im Weiteren Verlauf waren die Verhältnisse kurzzeitig frühlingshaft, zum Monatsende schneite es erneut. Die Schneehöhen (Abbildung 3, unten) waren am Alpennordhang, in grossen Teilen des Wallis, in Nord- und Mittelbünden, im Unterengadin sowie im Münstertal durchschnittlich, im Goms, am Alpensüdhang sowie im Oberengadin unterdurchschnittlich.
Auch im Mai schneite es wiederholt, teils ergiebig und bis in tiefe Lagen. Mit Ausnahme des Engadins zeigte die Mehrheit der Stationen oberhalb von rund 1400 m eine überdurchschnittliche Anzahl Neuschneetage. Ende Mai lag die Schneegrenze im Norden bei rund 2000 bis 2200 m, im Süden war sie leicht höher. Auf 2500 m lagen verbreitet noch 120 bis 200 cm Schnee, im nördlichen und westlichen Wallis und am zentralen Alpenhauptkamm bis gegen 300 cm. Normalerweise nehmen die Schneehöhen im Monat Mai stark ab. Im Winter 2012/13 nahmen die Schneehöhen an den automatischen IMIS-Stationen zwischen Mitte und Ende Mai aber verbreitet zu, besonders deutlich am Alpenhauptkamm.
Im Winter 2012/13 (November bis April) waren die Niederschlagsmengen vor allem im Mittelland grösser als normal. Oberhalb von rund 1700 m verzeichnete keine einzige Station mit Ausnahme des Mittel- und Unterwallis überdurchschnittliche Neuschneemengen. Im Mitteland zwischen Genf, Basel, Zürich und St. Gallen waren die Neuschneemengen doppelt so gross wie normal. Wirklich ungewöhnlich waren aber nicht die Neuschneemengen, sondern die grosse Anzahl Tage mit Neuschnee. An vielen Stationen im Schweizer Mitteland wurden letztmals im Winter 1986/87 mehr Neuschneetage registriert. Grob gesagt hat es zwischen Dezember und März unterhalb von 1000 m jeden 4. bis 6. Tag geschneit, oberhalb davon war es sogar jeder 2. bis 3.Tag. Die vielen Neuschneetage sorgten Mitte Dezember im Mittelland verbreitet für eine 30 bis 50 cm dicke Schneedecke, was zum Teil die Schneehöhen vom Dezember 1998 (Lawinenwinter 1999) egalisierte und an den höher gelegenen westlichen Stationen teilweise sogar neue Maximalwerte bedeutete. Das anschliessende weihnachtliche Tauwetter war dann aber so gründlich, dass sich der Schnee nur oberhalb von 800 m halten konnte.
Betrachtet man die über den ganzen Winter gemittelten Schneehöhen, so waren diese im Wallis ohne Goms sowie am Alpennordhang überdurchschnittlich
(Abbildung 4). Im Goms, im Gotthardgebiet und im Oberengadin waren die Schneehöhen durchschnittlich, am Alpensüdhang, in Nord- und Mittelbünden
und im Unterengadin unterdurchschnittlich.
Auf den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jedem Tag dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2013 (n) wird in der Legende erwähnt. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2013 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Hasliberg, 1825 m (Abbildung 5) verfolgt werden: Zwei Wintereinbrüche liessen die Schneehöhe bereits im Oktober ansteigen. Ende Oktober lagen rund 20 cm Schnee auf dem Messfeld. Das sonnige und milde Spätherbstwetter in der ersten Novemberhälfte liess das Messfeld vom 17. bis zum 28.11. wieder ausapern. Mit den Grossschneefällen von Anfang Dezember bis Mitte Januar stieg die Schneehöhe rasch an und war bereits ab Anfang Dezember überdurchschnittlich. Die drei ergiebigen Schneefälle Anfang Februar führten zu einem Schneehöhenanstieg vom 01. bis zum 09.02. um 93 cm auf 241 cm. Dies war das Maximum im Winter 2012/13. Es wurde rund 2 Monate früher erreicht als normal. Der März war mit Ausnahme von zwei Schneefällen mehrheitlich trocken, sodass sich die Gesamtschneehöhe wieder um den Mittelwert bewegte. Die Gegenstromlage nach Mitte April liess die zuvor unterdurchschnittliche Schneehöhe wieder über den langjährigen Mittelwert ansteigen. Danach war die Schneehöhe in etwa durchschnittlich bevor die eher aussergewöhnlichen Niederschläge gegen Ende Mai erneut zu überdurchschnittlichen Schneehöhenwerten führten.
Die Schneehöhen im Winter 2012/13 waren am Alpennordhang von Anfang Dezember bis Mitte April überdurchschnittlich.
Die Schneehöhenentwicklung im Wallis kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Fionnay, 1500 m (Abbildung 6) verfolgt werden. Das Messfeld war abgesehen vom Schneefall Ende Oktober schneefrei bis zum 27.11. Die ergiebigen Schneefälle von Anfang Dezember bis Mitte Januar und in der ersten Februarhälfte sowie im März waren Grund dafür, dass die Schneehöhe vom 29.11. bis zum 26.04. über dem langjährigen Mittelwert lag. Das Schneehöhenmaximum wurde am 08.02. mit 164 cm erreicht, ähnlich wie am Alpennordhang rund 2 Monate früher als normal. Genauso rasch, wie die Schneehöhe Ende November/Anfang Dezember angestiegen war, so rasch nahm sie Ende April auch wieder ab. Sie verlor vom 20.04. innerhalb von 14 Tagen 110 cm. Ähnlich rasch schmolz der letzte Meter Schnee in den Wintern 1986, 1994, 1995, 1996, 2001 und 2002. Noch schneller verlief das Abschmelzen des letzten Meters im Jahr 1938 (11 Tage) und in den Jahren 1968, 1983 und 1985 (13 Tage). Der diesjährige Wert liegt somit auf Rang 3 im langjährigen Vergleich. Am 04.05. war das Messfeld erstmals aper im Winter 2012/13. Das wechselhafte Wetter im Frühjahr mit wiederholten Schneefällen bis auf Stationshöhe liessen die Schneehöhe im Mai immer wieder kurzzeitig leicht ansteigen.
Die Charakteristik des Schneehöhenverlaufes ist den Stationen am Alpennordhang im Winter 2012/13 sehr ähnlich. Die Schneehöhen waren ebenfalls von Anfang Dezember bis Mitte April überdurchschnittlich.
Die Schneehöhenentwicklung in Nord- und Mittelbünden sowie im Unterengadin kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Abbildung 7) verfolgt werden: Bei der Interpretation des Schneehöhenverlaufes ist zu beachten, dass im Unterschied zu den anderen Stationen das ganze Jahr abgebildet wird und dass die Station mit 2540 m auch deutlich höher liegt als Hasliberg, Fionnay und San Bernardino. Im Gegensatz zu den Stationen am Alpennordhang und im Wallis war die Schneehöhe am Weissfluhjoch über den ganzen Winter gesehen „nur“ durchschnittlich, im November, im März, im April und im Mai unterdurchschnittlich.
Die zwei Wintereinbrüche von Mitte und Ende Oktober liessen die Schneehöhe kurzzeitig ansteigen. Dazwischen war das Messfeld vom 23. bis zum 27.10. aper. Die grossen Schneefälle ab Anfang Dezember hatten zur Folge, dass die Schneehöhe im Winter 2012/13 am Weissfluhjoch ab dem 11.12. durchschnittlich war. Ab Mitte Februar war sie wieder unterdurchschnittlich. Die maximale Schneehöhe von 190 cm wurde am 21., 31.03., 01.04. und am 02.06. erreicht. Das wechselhafte Wetter im Mai führte zu einem erneuten Anstieg der Schneehöhe. Ende Mai kletterte die Schneehöhe auf dem Weissfluhjoch wiederum über den langjährigen Durchschnitt.
Danach nahm die Schneehöhe rasch ab. Nach einer kalten Periode Ende Juni mit einem Unterbruch der Schneeschmelze, schmolzen anfangs Juli durchschnittlich 6 bis 7 cm Schnee pro Tag. Das Messfeld war am 13. Juli ausgeapert – vier Tage nach dem langjährigen, mittleren Ausaperungsdatum.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpensüdhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (Abbildung 8) verfolgt werden: Im Gegensatz zu den Stationen am Alpennordhang war die Schneehöhe in mittleren Lagen des Alpensüdhanges abgesehen von wenigen Tagen im ganzen Winter 2012/13 unterdurchschnittlich.
Da die Schneefallgrenze auch während der kräftigen Südstaulage von Ende November auf rund 1800 m oder höher lag, fiel der einzige nennenswerte Herbstniederschlag im Süden in dieser Höhenlage als Regen. Die Station San Bernardino profitierte hauptsächlich von kräftigen Nordstaulagen in welchen die Niederschläge dank der intensiven Strömung bis in den Süden übergriffen, aber auch von drei Südstaulagen (20. bis 22.01. / 17. bis 19.03. / 26. bis 30.04.) mit Schnee bis in tiefe Lagen. Das Schneehöhenmaximum auf dem Messfeld in San Bernardino wurde am 19.13. mit 93 cm erreicht. Am 26.04. aperte das Messfeld erstmals aus, bevor das wechselhafte Wetter im Mai mit wiederholten Schneefällen bis in tiefe Lagen auch dem Alpensüdhang nochmals etwas Schnee brachte.
Die Schneehöhenentwicklung in den hohen Lagen des Oberengadins kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Corvatsch, 2690 m (Abbildung 9) verfolgt werden: Bei der Interpretation des Schneehöhenverlaufes ist zu beachten, dass die Station mit 2690 m deutlich höher liegt als Hasliberg, Fionnay und San Bernardino.
Der Verlauf der Schneehöhe zeigt, dass die Schneehöhe in hohen Lagen des Oberengadins im Winter 2012/13 bereits ab dem Oktober überdurchschnittlich war. Mit einer intensiven Südstaulage erreichte die Schneehöhe am 12.11. mit 108 cm und am 13.11. mit 105 cm sogar einen neuen Maximalwert. Bemerkenswert war auch der zweimalige Neuschneezuwachs von 47 cm in zwei Tagen im März und im April. Dies aufgrund einer starken Südwestströmung vom 17.03. bis zum 19.03. sowie mit einer Gegenstromlage vom 19.04. bis zum 22.04. Die maximale Schneehöhe im Winter 2012/13 mit 210 cm wurde am 21.04. erreicht. Dies ist leicht früher als normal. Mitte und Ende Mai fiel in zwei Südstaulagen erneut ergiebig Schnee, was zu Schneehöhen im Rahmen der bis jetzt gemessenen Maximalwerten führte.
Im Folgenden werden Niederschlagsperioden mit besonderer Relevanz für die Schnee- und Lawinensituation im Winter 2012/13 kurz kommentiert. „Besondere Relevanz“ bedeutet beispielsweise Schneefallperioden mit einer Neuschneesumme von mehr als 50 cm in drei Tagen, Schneefälle bei sehr tief liegender Schneefallgrenze oder Schneefälle, welche zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr führten. Zwischen den unten aufgelisteten, grösseren Schneefällen gab es auch kleinere Schneefälle. Die Zahlen in Klammer beziehen sich auf die Lawinenzyklen, die im Kapitel Lawinenaktivität beschrieben sind.
31.05. bis 03.06.2013: Ein Tief über Polen führte zu ergiebigen Niederschlägen im Norden. Oberhalb von rund 2500 m fielen am nördlichen Alpenkamm östlich vom Wildstrubel sowie in Nordbünden 50 bis 80 cm, lokal bis 100 cm Schnee. In den übrigen Gebieten des Alpennordhanges, in Mittelbünden sowie im nördlichen Engadin fielen 20 bis 50 cm, sonst weniger. Im langjährigen Durchschnitt ist ein solches Ereignis nur etwa alle 5 bis 10 Jahre zu erwarten.
An den SLF-Beobachterstationen, an welchen alle zwei Wochen die Wasserwerte der Gesamtschneedecke erhoben werden, wurden im Winter 2012/13 keine neuen Minima gemessen. Ein neues Maximum trat im westlichen Unterwallis auf, an der Station la Creusaz (1720 m, 686 mm, Messreihe seit 14 Jahren).
Der Vergleich der im Winter 2012/13 gemessenen maximalen Wasserwerte mit dem Mittelwert der maximalen Wasserwerte aller Jahre pro Station ergibt folgendes: Unterhalb von 1500 m betrugen die aktuellen maximalen Wasserwerte 89% (Standardabweichung 18%) des Mittelwertes (Vergleich zum schneereichen Vorwinter 2011/12: 128% / 34%), zwischen 1500 und 1800 m waren es 96% (Standardabweichung 31%) (2011/12: 125% / 41%) und oberhalb von 1800 m 97% (Standardabweichung 22%) (2011/12: 123% / 26%). Diese Werte zeigen, dass die Schneehöhen in Höhenlagen oberhalb von rund 1500 m im Winter 2012/13 in etwa durchschnittlich waren. Darunter waren sie leicht unterdurchschnittlich.
Überdurchschnittliche maximale Wasserwerte lagen an folgenden Stationen vor:
Vor allem an Stationen des westlichen und zentralen Alpennordhangs sowie des Wallis waren in mittleren Höhenlagen die maximalen Wasserwerte überdurchschnittlich.
Nach Region ergibt der Vergleich der aktuellen mit den mittleren maximalen Wasserwerten folgendes:
Diese Werte spiegeln die mittlere Schneehöhenverteilung des Winters 2012/13 gut wider: Die Schneehöhen waren am westlichen und zentralen Alpennordhang sowie im Wallis am grössten, in Nord- und Mittelbünden sowie am zentralen Alpensüdhang am kleinsten.
Der Zeitpunkt der maximalen Wasserwerte tritt normalerweise mit zunehmender Höhenlage später im Winter auf. Mit Mitte Februar wurde das früheste Datum an den Stationen Hasliberg, BE (1825 m), Zuoz, GR (1710 m), Bourg St. Pierre, VS (1670 m), Rigi, SZ (1640 m), Malbun, FL (1610 m), Ulrichen, VS (1350 m), Adelboden, BE (1350 m) und Klosters Kraftwerk (1200 m) erreicht. Das späteste Datum wurde mit Anfang Mai an den Stationen Corvatsch (2690 m) und mit den wiederholten Niederschlägen am Alpensüdhang auch in San Bernardino (1640 m) erreicht. An den meisten Stationen unter 1500 m wurde der Zeitpunkt des höchsten Wasserwertes zwischen Mitte Februar und Anfang April, an Stationen von 1500 bis 1800 m zwischen Mitte Februar und Anfang Mai und an Stationen oberhalb 1800 m zwischen Anfang März und Anfang Mai erreicht.
Im Vergleich mit den letzten 16 Wintern (Abbildung 10) war die Schneedecke in den Schweizer Alpen im Winter 2012/13 insgesamt überdurchschnittlich gut verfestigt.
Die Grossschneefälle von Anfang Dezember bis Mitte Januar im Norden und im Westen sorgten für eine mächtige Schneedecke ohne wesentliche Schwachschichten tiefer in der Schneedecke. Ungünstiger war der Schneedeckenaufbau im südlichen Wallis und in grossen Teilen Graubündens, wo schwache Schichten bis in Frühjahr hinein immer wieder zu Lawinenauslösungen tiefer in der Schneedecke führten.
Ende Februar war der Schneedeckenaufbau im Winter 2012/13 „am schlechtesten“.
Die Schneedeckenstabilität ist ein Mass, wie gut sich in der Schneedecke Brüche erzeugen lassen und wie gut sich diese ausbreiten können. Die folgenden Schneedeckenstabilitätskarten stellen die Ergebnisse zahlreicher Schneedeckenuntersuchungen in den Schweizer Alpen dar. Diese Schneeprofile wurden nach einheitlichen Kriterien beurteilt und einer von drei Klassen zugeordnet, die auf den Karten als grüne (gute Schneedeckenstabilität), gelbe (mittlere Schneedeckenstabilität) und rote (schwache Schneedeckenstabilität) Profilsymbole dargestellt sind. Fast alle Schneeprofile mit Rutschblocktest wurden an Hängen von 30° bis 40° Neigung aufgenommen.
In die Bewertung der Schneedeckenstabilität flossen nebst den Profilen noch weitere Beobachterinformationen zur Schneedecke, zu Lawinenabgängen etc. ein.
Es werden jeweils zwei Karten, zu Monatsbeginn und zu Monatsmitte, abgebildet und beschrieben.
Anfang Oktober war die Schneedecke vor allem im Hochgebirge des Alpenhauptkammes vom Nordtessin bis ins Berninagebiet nur schwach verfestigt. Grund dafür war der grosse Niederschlag von Ende September. Während der milden Schönwetterperiode in der zweiten Oktoberhälfte schmolz die Schneedecke an Südhängen bis auf rund 3000 m nochmals komplett ab. An Nordhängen blieb oberhalb von rund 2500 m verbreitet eine zusammenhängende Schneedecke zurück. In schattigen Lagen bildete sich eine stark umgewandelte, kantig aufgebaute und lockere Altschneedecke. Der Schnee zum Monatsende fiel somit vor allem an Nordhängen oberhalb von etwa 2500 m und im Hochgebirge auf eine geschlossene Altschneedecke. Sie war nicht sehr mächtig, sodass die Bodenrauigkeiten noch nicht überall ausgeglichen waren. Dort wo aber genügend Altschnee lag (z.B. in eingewehten Rinnen, in Gelände mit wenig Bodenrauigkeit und auf Gletschern) kamen diese bodennahen Schichten als Schwachschicht in Frage. Vor allem frische Triebschneeansammlungen waren störanfällig. Zudem führten die Schneefälle bis in tiefe Lagen vor allem in den neuschneereichen Gebieten zu Gleitschneelawinen.
In drei Süd/Südweststaulagen Anfang November fiel vor allem am Alpenhauptkamm oberhalb von rund 2500 m teils ergiebig Schnee. Neu- und Triebschneeschichten waren störanfällig. In hochliegenden Nordhängen fiel dieser Schnee auf eine schwache Altschneedecke (vgl. Oktober). Dort wurden vereinzelt auch grosse Lawinen beobachtet. Im Anschluss daran folgte bis zum 25. November meist sonniges und mildes Spätherbstwetter. Dadurch aperten Südhänge zunehmend aus, an Schattenhängen wandelte sich die Schneedecke aufbauend um und es bildeten sich kantige und lockere Schneeschichten. Damit fielen auch die ergiebigen Schneemengen von Ende Monat auf eine schwache Altschneedecke.
Drei ergiebige Schneefälle führten bereits Mitte Dezember zu deutlich überdurchschnittlichen Schneehöhen im Norden und im Westen. Dadurch entwickelte sich in den meisten Gebieten des Nordens und Westens ein günstiger Schneedeckenaufbau und die Schneedeckenstabilität war mittel bis gut (Abbildung 11, oben). Lawinen wurden vor allem in oberflächennahen, aber teils mächtigen Neu- und Triebschneeschichten ausgelöst. In hohen Lagen besonders an Nordhängen war die Basis der Schneedecke aber auch im Norden und im Westen teils noch schwach verfestigt. Durch die grosse Überlagerung konnten aber kaum mehr Lawinen tiefer in der Schneedecke ausgelöst werden. Im südlichen Wallis, in Nord- und Mittelbünden, im Engadin und im Münstertal waren tiefe und mittlere Schichten der Schneedecke kantig aufgebaut, schwach verfestigt und meist nur geringmächtig überlagert. Daher brachen Lawinen dort auch in tieferen Schichten. Am Alpensüdhang ohne Münstertal war die Schneedecke Mitte Dezember meist gut verfestigt.
Zum Monatsende war die Schneedecke am Alpennordhang, im Wallis und am Alpensüdhang vom Wind aber auch vom Regen vor Weihnachten bis über 2000 m geprägt (Abbildung 11, unten). Tiefe und mittlere Schichten der Schneedecke waren teils schwach verfestigt aber oft von festen Schichten überdeckt, sodass Brüche oft nur in oberflächennahen Schichten erzeugt werden konnten. Dabei handelte es sich häufig um Teilbrüche bei höheren Belastungsstufen. In den übrigen Gebieten waren die schwachen Schichten weiterhin nur geringmächtig überdeckt. Es wurden etliche Lawinen und Stabilitätstests in diesen schwachen Schichten tiefer in der Schneedecke ausgelöst.
Unter dem Neuschnee von Mitte Januar war die Schneedecke in den meisten Gebieten stark vom Wind geprägt. Die Schneehöhen waren im Norden und im Westen überdurchschnittlich. In den übrigen Gebieten lag der Jahreszeit entsprechend Schnee oder weniger. Nördlich einer Linie Rhone-Rhein waren die Instabilitäten am Übergang vom Neu- zum Altschnee oder im Neuschnee zu finden und stabilisierten sich schnell. Südlich dieser Linie brachen Stabilitätstests meist in tieferen Schneeschichten. Brüche in bodennahen Schneeschichten waren vor allem noch in den inneralpinen Gebieten Graubündens möglich, dies vor allem an eher schneearmen Stellen oder sehr steilen Schattenhängen. Am Alpensüdhang war die Schneedecke meist günstig aufgebaut und die Stabilität war mittel bis gut (Abbildung 12, oben).
Ergiebige Niederschläge mit zeitweiser hoher Schneefallgrenze zum Monatsende durchfeuchteten die Schneedecke unterhalb von rund 1500 m. An der Oberfläche bildete sich im Westen unterhalb von rund 2500 m, sonst unterhalb von rund 2200 m eine Regenkruste. Unter dieser war der Schnee noch weich und trocken. In höheren Lagen war die Oberfläche meist windgeprägt. Rutschblockversuche brachen teils bei geringer Zusatzlast in den Neu- und Triebschneeschichten (Abbildung 12, unten). Im südlichen Wallis und in Graubünden rissen Lawinen vereinzelt auch in mittleren Schichten der Schneedecke an.
In der ersten Monatshälfte war es kalt mit ergiebigen Schneefällen. Es genügte bereits ein schwacher Wind, um den Schnee zu verfrachten. Neu- und Triebschnee lagen verbreitet auf einer Schmelzharschkruste, unter welcher sich oft eine weiche, kantig aufgebaute Schicht gebildet hatte. Nördlich einer Linie Rhone-Rhein sowie im westlichen Unterwallis und im Prättigau war die Schneedeckenbasis meist gut verfestigt, Rutschblockversuche brachen in den oberflächennahen Schichten, vereinzelt auch unterhalb dieser Kruste im mittleren Teil der Schneedecke. In den übrigen Gebieten ausser am Alpensüdhang hatte sich die Schneedecke vor allem an schneearmen Hängen sowie im Waldgrenzbereich mit den kalten Temperaturen stark aufbauend umgewandelt. Dort existieren in mittleren und tiefen Schichten weiche, kantig aufgebaute Schichten sowie Schmelzharschkrusten. Lawinen brachen teils in diesen schwachen Schichten (Abbildung 13, oben).
Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wurde es ab der zweiten Monatshälfte sonnig und gegen Monatsende auch deutlich milder. Dazwischen fiel am Alpenhauptkamm von Saas Fee bis ins Binntal sowie im westlichen Tessin etwas Schnee. Der Neuschnee fiel mit wenig Wind, im Wallis aber auf eine ungünstige Altschneeoberfläche. Rutschblocktests brachen dort am Übergang vom Neu- zum Altschnee bei meist tiefen Belastungsstufen (Abbildung 13, unten). Nördliche einer Linie Rhone-Rhein, im westlichen Unterwallis sowie im Prättigau und im Tessin war die Schneedecke Ende Februar mehrheitlich günstig aufgebaut. In den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens erfolgten Brüche aufgrund des meist schwachen Schneedeckenaufbaus auch in tiefen Schichten. Die Durchfeuchtung an sehr steilen Südhängen war bis unterhalb von etwa 2200 m fortgeschritten.
Mit dem sonnigen und milden Wetter Anfang März schritt die Durchfeuchtung weiter voran und die Schneedecke verlor an Festigkeit. Die Abkühlung Mitte März führte in mittleren Lagen an der Oberfläche verbreitet zur Bildung einer dicken Schmelzharschkruste. Darunter war die Schneedecke an Ost- und Westhängen unterhalb von rund 2000 m, an Südhängen unterhalb von rund 2500 m feucht. Stabilitätstests und Lawinenauslösungen zeigten, dass vor allem frische Triebschneeansammlungen störanfällig waren (Abbildung 14, oben). Die Altschneedecke war verbreitet günstig aufgebaut. Teilweise ungünstig war der Schneedeckenaufbau in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens, im Engadin und im Münstertal. Mittlere und tiefe Schichten der Schneedecke waren dort weiterhin teils kantig aufgebaut und schwach.
Der Neuschnee zum Monatsende führte in den Gebieten mit einer schwachen Altschneedecke (südliches Wallis und grosse Teile Graubündens) zu Brüchen in tieferen Schichten (Abbildung 14, unten). Teils rissen Lawinen auch bodennahe Schneeschichten mit. Günstiger war der Schneedeckenaufbau am Alpennordhang, im nördlichen Wallis, im Tessin sowie in Graubünden nördlich des Rheins und im Prättigau.
In der ersten Aprilhälfte fiel wiederholt Schnee bei kalten Temperaturen. Die oberflächennahen Neu- und Triebschneeschichten waren teils störanfällig. Darunter war die Schneedecke mit Ausnahme des südlichen Wallis und grossen Teilen Graubündens meist günstig aufgebaut (Abbildung 15).
Als Folge der hohen Temperaturen Mitte April schritt die Durchfeuchtung der Schneedecke in hohe Lagen rasch voran. Südhänge waren unterhalb von rund 3000 m isotherm und feucht, Nordhänge unterhalb von rund 2400 m. Oberflächlich waren diese bis auf rund 2700 m feucht. Die Anfeuchtung führte zu einer deutlichen Schwächung der Schneedecke.
Nach Monatsmitte folgte ein Wintereinbruch mit für die Jahreszeit aussergewöhnlichen Starkschneefällen. Die Schneedecke war durchnässt, sodass feuchte Lockerschneelawinen in ihrer Sturzbahn oft die ganze Schneedecke mitrissen. Ende April war die Schneedecke in allen Expositionen bis in hohe Lagen durchfeuchtet.
Aufgrund der wiederholten Schneefälle mit vergleichsweise tiefer Schneefallgrenze war die Lawinensituation vor allem im Hochgebirge winterlich. In den Hauptniederschlagsgebieten bildeten sich jeweils mächtige Neu- und Triebschneeschichten. In der ersten Monatshälfte lagen diese teils auf einer glatten Schmelzharschkruste.
Mit den Schneefällen bis in tiefe Lagen lag die Schneegrenze zum Monatsende im Norden bei rund 2000 bis 2200 m, im Süden war diese leicht höher. Oberflächennahe Schichten waren trocken, darunter war die Schneedecke bis ins Hochgebirge weitgehend durchfeuchtet, an Nordhängen bis unterhalb von rund 2600 m. In hohen Lagen gab es noch viel Schnee.
Aufgrund der meist gut verfestigten Altschneedecke in den neuschneereichen Gebieten des Nordens und des Westens lösten sich dort meist nur die Neu- und Triebschneeschichten der jeweiligen Niederschlagsphasen. Dadurch wurden die Lawinen nicht sehr gross und blieben meist in ihren bekannten Lawinenzügen. Im Index der Lawinenaktivität (Abbildung 16) zeigt sich, dass in aktiveren Phasen relativ hohe Werte erreicht werden. Die meisten trockenen Lawinen gingen im Dezember 2012 und in der ersten Februarhälfte 2013 nieder und waren an die wiederholten Phasen mit ergiebigen Schneefällen verbunden. Aussergewöhnlich hohe Temperaturen Mitte April hatten eine markante Phase mit hoher Aktivität von Nassschneelawinen zur Folge. Danach waren die meisten Hänge entladen. Die gute Schneelage, kühle Temperaturen und wiederholte Schneefälle führten im weiteren Verlauf bis spät ins Frühjahr hinein häufig zu heiklen Lawinenverhältnissen für Schneesportler, besonders in hohen Lagen und im Hochgebirge.
Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B. durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt, was in Abbildung 16 deutlich zu sehen ist. Die bemerkenswertesten Perioden des Winters 2012/13 sind in Abbildung 16 mit Nummern markiert und werden im Folgenden beschrieben.
Im Oktober schneite es zunächst nur im Hochgebirge. Mit einem markanten Kaltluftvorstoss in der Nacht auf den 15.10. fiel Schnee bis in tiefe Lagen. Danach wurde es wieder wärmer. Die Nullgradgrenze kletterte am 21. und 22.10. auf über 4000 m. Etliche feuchte Rutsche aus dem Neuschnee waren die Folge. Am 27.10. erfolgte der zweite Wintereinbruch. Oberhalb von rund 2500 m fiel dieser Neuschnee auf eine geschlossene Altschneedecke. Es wurden wenige kleine Schneebrettlawinen gemeldet. Meist lösten sich die Lawinen im frischen Triebschnee, welcher sich mit dem zeitweise stürmischen Nordostwind gebildet hatte. In den neuschneereichen Gebieten gingen zudem einige Gleitschneelawinen ab.
Am 08.10., 14.10., 25.10., 28.10. und am 30.10.2012 erschienen situationsbezogene Lawinenbulletins.
In drei Süd/Südweststaulagen Anfang November fiel vor allem am Alpenhauptkamm oberhalb von rund 2500 m teils ergiebig Schnee. Während der Schneefälle gingen in den Hauptniederschlagsgebieten kleine bis mittlere Lawinen ab. Aus hochliegenden Nordhängen wurden zudem grosse Lawinen beobachtet. Am 12.11. wurde ein Variantenfahrer auf der Diavolezza (GR) ganz verschüttet und verstarb. Ab Monatsmitte folgte bis zum 25.11. meist sonniges und mildes Spätherbstwetter. Die ergiebigen Schneefälle zum Monatsende fielen schattseitig auf eine schwache Altschneedecke. In den Hauptniederschlagsgebieten gingen mittlere, vereinzelt auch grosse spontane Lawinen nieder.
Am 02.11., 06.11., 09.11., 11.11., 15.11., 19.11., 22.11., und 25.11. erschienen situationsbezogene Lawinenbulletins. Für den 28.11. wurde die erste Gefahrenkarte im Winter 2012/13 herausgegeben. Ab diesem Zeitpunkt erschien das Lawinenbulletin täglich.
Nach kurzem Zwischenhocheinfluss Anfang Dezember schneite es wiederholt und ergiebig. Die tägliche Ausgabe der Morgeneinschätzung begann bereits am 04.12.
Die ergiebigen Schneefälle mit teils hoher Schneefallgrenze führten im Dezember zu vier Phasen mit hoher Lawinenaktivität (1, 2, 3, 4).
(1) 06. bis 08.12.: Nachdem bereits vom 03. bis zum 06.12. vor allem im Unterwallis und am Alpennordhang ergiebig Schnee fiel, folgte vom 07. bis zum 08. am Alpennordhang schon der nächste Grossschneefall. Mit mässigem bis starkem Wind entstanden Triebschneeschichten, welche sich schlecht mit dem darunterliegenden Neuschnee verbanden. Schattseitig wurde eine schwache Schneedecke eingeschneit, sodass Lawinen auch in tiefen Schichten anbrachen und grosse Ausmasse annahmen. Am 07. und 08. Dezember wurde ganz im Westen und in Teilen des Alpennordhangs die Gefahrenstufe 4 (gross) herausgegeben.
(2) 17. bis 19.12.: In einer Westwindlage fiel vor allem im Wallis und am westlichen Alpennordhang ergiebig Schnee. Im Westen und im Norden gingen einige, teils grosse, spontane Lawinen nieder. Im Trient-Gebiet stiessen die Lawinen bis in Tallagen vor. In den neuschneereichen Gebieten waren tiefere, schwache Schichten zunehmend überdeckt, sodass meist „nur“ Neu- und Triebschnee als Lawinen abgingen. Im Zusammenhang mit den milden Temperaturen und Regen bis gegen 1800 m wurde eine erhöhte Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen beobachtet. Gleitschneelawinen gingen an Südhängen bis auf eine Höhe von über 2000 m ab. Nasse Lawinen gingen vor allem unterhalb von rund 1500 m ab, wo die Schneedecke durch Regen teils stark durchnässt wurde. Ganz im Westen wurde am 17. und 18.12. die Gefahrenstufe 4 (gross) herausgegeben. Am 19.12. ereignete sich ein tödlicher Lawinenunfall in Nendaz (VS).
(3) 22. bis 24.12.: In der Nacht auf den 23.12. fielen mit 20 bis 40 cm keine ausserordentlich grossen Schneemengen, allerdings stieg die Schneefallgrenze teils über 2000 m. Dadurch wurde der Schneedecke rasch Wärme zugeführt. Die Festigkeit nahm deutlich ab. Es gingen viele, teils grosse Nass- und Gleitschneelawinen ab. Der Lawinenaktivitätsindex stieg auf über 700. Damit war der 23.12. einer der zwei Tage im Winter 2012/13 mit den meisten gemeldeten Lawinenabgängen. Knapp 90% der gemeldeten Lawinenabgänge wurden als gemischt oder nass klassiert. Eine Person verstarb in einer Lawine am Gamidaurspitz (SG). In Teilen Graubündens, des östlichen Alpennordhangs und des Wallis wurde am Morgen des 23.12. die Gefahrenstufe 4 (gross) prognostiziert.
(4) 27.12. bis 28.12.: Mit stürmischem Nordwestwind und bis zu 50 cm Neuschnee in den Hauptniederschlagsgebieten entstanden grosse Triebschneeansammlungen. Lawinen konnten bereits leicht von Einzelpersonen ausgelöst werden oder gingen spontan ab. In den Gebieten mit schwachem Altschnee brachen die Lawinen vermehrt in bodennahen Schneeschichten. Es wurden auch Fernauslösungen gemeldet.
Insgesamt war die Lawinenaktivität im Januar relativ bescheiden. Drei Lawinenunfälle endeten jeweils für eine Person tödlich, am 19.01. am Ärmighore (BE), am 24.01. im Val dil Guert (GR) und am 29.01. in Teysachaux – Moléson (FR). Es ereignete sich nur eine Phase mit erhöhter Lawinenaktivität (5).
(5) 11. bis 12.01.: Mit mässigem Nordwestwind schneite es bei kalten Temperaturen. Am 11.01. wurden kleine, vereinzelt mittelgrosse spontane Lawinenabgänge gemeldet sowie erfolgreiche Lawinensprengungen in den Skigebieten, teils mit Fernauslösungen über mehr als 100 m. Die Gleitschicht lag dabei am Alpennordhang verbreitet auf einer sehr glatten Eiskruste, welche sich mit dem Regen am 05. und 06.01. bis gegen 2200 m hinauf gebildet hatte. In den übrigen Regionen fiel der Neuschnee auf eine leicht aufbauend umgewandelte Schneeoberfläche. Die Auslösebereitschaft nahm sehr rasch ab, sodass bereits am 12.01. nur noch wenige Lawinenabgänge gemeldet wurden.
Der Februar begann mit viel Neuschnee im Norden und im Westen. Die Schneefallgrenze stieg zeitweise auf rund 2000 m. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wurde es ab Mitte Februar recht sonnig. Bei Gefahrenstufe 2 (mässig) ereigneten sich im südlichen Unterwallis 5 Lawinenunfälle mit insgesamt 6 Toten: am 12.02. am Corne de Sorbois (1 Person), am 13.02. am Plan du Fou-Prafleuri (1 Person), ebenfalls am 13.02. am Bec des Etagnes (2 Personen), am 16.02. in La Breya (1 Person) und ebenfalls am 16.02. in Le Toûno (1 Person).
Eine Phase mit erhöhter Lawinenaktivität ereignete sich in Zusammenhang mit den ergiebigen Schneefällen zu Monatsbeginn (6).
(6) 02. bis 04.02.: Mit den intensiven Niederschlägen und der zeitweise hohen Schneefallgrenze gingen besonders in den westlichsten Gebieten des Wallis zahlreiche spontane Lawinen ab. Im Trientgebiet stiessen einzelne Lawinen in steilen Rinnen bis unter die Schneegrenze vor. Am 02.02. galt für Teile des Unterwallis Gefahrenstufe 4 (gross). Mit der Verlagerung der Niederschläge auf die östlichen Gebiete wurden am 04.02. vor allem am Alpennordhang und in Nordbünden etliche kleine bis mittlere Lawinen gemeldet, die entweder leicht ausgelöst werden konnten oder auch spontan abgingen.
Im März ereignete sich der erste Frühjahrslawinenzyklus im Winter 2012/13 (7). Dann führten zwei Wintereinbrüche kurz nach Monatsmitte und am Monatsende zu einer erhöhten Aktivität von trockenen Lawinen (8, 9). Es ereigneten sich vier Lawinenunfälle mit tödlichem Ausgang für jeweils eine Person. Einer davon ereignete sich ausserhalb der unten beschriebenen Zyklen mit erhöhter Lawinenaktivität, am 21.03. am Péz Gendusas (GR).
(7) 02. bis 04.03.: Mit dem sonnigen Wetter Anfang März gingen viele kleine und mittlere, vereinzelt auch grosse Nass- und Gleitschneelawinen ab. Die Höhenlage der Anrisse kletterte von etwa 2200 m auf 2400 m bis 2600 m. Für den 02.03. wurde die erste Doppelkarte des Winters 2012/13 publiziert. Die Gefahr für Nass- und Gleitschneelawinen wurde mit Gefahrenstufe 2 (mässig) eingeschätzt. Für den 03.03. und 04.03. wurde sie im Westen auf Gefahrenstufe 3 (erheblich) angehoben, weil dort die Temperaturen gegenüber dem Osten etwas höher und die Lawinenaktivität etwas grösser war. Günstiger war die Nass- und Gleitschneelawinensituation während der ganzen Periode im Engadin, in den Bündner Südtälern und im Tessin: Nass- und Gleitschneelawinen waren dort kaum ein Thema. Am 03.03. verschob und zerstörte eine Gleitschneelawine ein Gebäude im Gebiet Grindelwald-First (BE). Am 04.03. wurde eine Person im Gebiet Calmut-Tschamut (GR) von einer Gleitschneelawine erfasst und konnte nur noch tot geborgen werden.
(8) 18. bis 19.03.: Starker Südwestwind führte zu umfangreicher Triebschneebildung. Zahlreiche mittlere, vereinzelt auch grosse Lawinen wurden beobachtet. Letztere gingen vor allem im westlichsten und im nördlichen Wallis ab, wo am meisten Neuschnee gefallen war. Während am 18.03. der Grossteil der Lawinen spontan abging, wurden am 19.03. die meisten Lawinen künstlich ausgelöst (Sprengungen, Pistenfahrzeuge und Personen). Am 19.03. ereignete sich an der Tête de Balme (VS) – an der Grenze zu Frankreich – ein tödlicher Lawinenunfall.
(9) 29. bis 31.03.: Neu- und Triebschnee wurden besonders am Alpennordhang, im westlichen Unterwallis, im Tessin und im Prättigau auf kantig aufgebaute Oberflächenschichten abgelagert. Darunter war die Schneedecke meist günstig aufgebaut. In diesen Gebieten erfolgten Brüche am Übergang zur Altschneedecke. Vor allem in den neuschneereichen Gebieten des Westens wurden Lawinen erfolgreich künstlich ausgelöst oder gingen zum Teil spontan ab. In den übrigen Gebieten waren schwache, kantig aufgebaute Schichten in der Schneedecke vorhanden. Hier brachen Lawinen am Übergang vom Neu- und Triebschnee zum Altschnee oder auch in tieferen Schichten. Teils wurden mittelgrosse Schneebrettlawinen fernausgelöst oder gingen spontan ab. Am 29.03. ereignete sich im Val da Camp (GR) ein Lawinenunfall mit tödlichem Ausgang für zwei Personen.
In der ersten Aprilhälfte fiel wiederholt Schnee. Im Hochgebirge des Nordens und des Westens war die Gefahr von trockenen Lawinen erhöht. Mit den hohen Temperaturen Mitte April schritt die Durchfeuchtung der Schneedecke auch in hohen Lagen rasch voran. Dies führte zu einer hohen Nass- und Gleitschneelawinenaktivität (10). Nach Monatsmitte folge ein Wintereinbruch.
Am 14.04. endete die Ausgabe der Morgeneinschätzung.
(10) 11.04. bis 21.04.: Zu Beginn ereigneten sich im Hochgebirge bei mässiger (Stufe 2) und erheblicher (Stufe 3) Gefahr für trockene Lawinen drei Unfälle mit tödlichem Ausgang für jeweils eine Person: am 12.04. bei der Grünhornlücke (VS), am 13.04. am Matterhorn (VS) und am 14.04. am Trugberg (VS).
Vom 14.04. bis zum 18.04. gingen mit einer Nullgradgrenze über 3000 m zahlreiche mittelgrosse, vereinzelt auch grosse Nassschneelawinen ab. Die grösste Aktivität wurde am 15.04. beobachtet, einem der zwei Tage mit den meisten gemeldeten Lawinenabgängen im Winter 2012/13. Am 17.04. und 18.04. gingen weiterhin viele Nassschneelawinen ab. Diese lösten sich zunehmend ebenfalls an Nordhängen. Da viele Einzugsgebiete schon entleert waren nahm die Lawinenaktivität etwas ab.
Dann folgte ein Wintereinbruch mit für die Jahreszeit aussergewöhnlichen Starkschneefällen. Vor allem an Nordhängen rissen feuchte Lockerschneelawinen in ihrer Sturzbahn oft die ganze nasse Schneedecke mit. Dies nicht nur in den inneralpinen Gebieten, sondern auch am Alpennordhang und ganz im Westen. Es gingen viele kleine und mittelgrosse, vereinzelt auch grosse spontane Lawinen nieder. In mittleren Lagen lösten sich viele Gleitschneerutsche.
In der ersten Monatshälfte fiel vor allem oberhalb von rund 2500 resp. 2800 m Schnee. Frische Triebschneeansammlungen waren teils störanfällig. Es wurden nur Rutsche oder kleine trockene Lawinen gemeldet. An Nordhängen oberhalb von rund 2500 m gingen einige oberflächliche, nasse Lawinen ab. Aufgrund der wiederholten Schneefälle mit teils tiefer Schneefallgrenze in der zweiten Monatshälfte war die Lawinensituation vor allem oberhalb von rund 2600 m winterlich. Die Hauptgefahr ging dort von trockenen Lawinen aus. Besonders nach grösseren Schneefällen wurden von den wenigen Beobachtern, welche sich noch in hohen Lagen aufhielten, auch mittelgrosse bis grosse spontane Lawinen beobachtet. Zum Monatsende fiel vor allem im Norden ergiebig Schnee. Oberhalb von rund 2600 m ging die Hauptgefahr von Neu- und Triebschneeschichten aus, welche leicht auslösbar waren oder auch spontan abgingen. Darunter war die Aktivität von nassen Lawinen mit dem intensiven Regen bis in hohe Lagen erhöht.
Am 05.05. endete die Ausgabe der täglichen Lawinenbulletins. Bis Ende Mai erschienen weitere 10 situationsbezogene Lawinenbulletins (10.05., 13.05., 15.05., 17.05., 19.05., 21.05., 23.05., 24.05., 27.05. und 30.05.2013).
Im Winter 2012/13 wurden dem SLF 143 Lawinen mit 232 erfassten Personen gemeldet (Abbildung 17). 47 Personen wurden in Lawinen verletzt. 22 Personen haben bei 20 Lawinenunfällen ihr Leben verloren (Stand 31.05.2013). Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2013 dauert, liegt der langjährige Mittelwert bei 25 Lawinentoten.
12 Personen starben bei einer prognostizierten Gefahrenstufe mässig (Stufe 2), 1 Person bei gering (Stufe 1) mit einem tageszeitlichen Anstieg der Nassschneelawinengefahr auf mässig (Stufe 2), 5 Personen bei erheblich (Stufe 3) und eine Person bei gross (Stufe 4). 2 Personen verstarben in Lawinen bevor Gefahrenstufen ausgegeben wurden. Eine Person wurde von einer Lawine verschüttet, konnte aber bisher noch nicht gefunden werden. Die Lawinenopfer betrafen: Touren-Bereich: 14 Personen, Varianten-Bereich: 7 Personen. 3 Unfälle mit 3 Todesopfern ereigneten sich am Alpennordhang, 10 Unfälle mit 11 Todesopfern im Wallis und 6 Unfälle mit 7 Todesopfern in Graubünden (Abbildung 18). Besonders viele tödliche Unfälle ereigneten sich im südlichen Wallis zwischen dem 12. und 16.02. (5 Unfälle mit 6 Todesopfern) sowie im Hochgebirge zwischen dem 12. und 14.04. (3 Unfälle mit je einem Todesopfer).
Bei 42 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt (Abbildung 19). Besonders Gleitschneelawinenabgänge führten zu Sachschäden und Suchaktionen.
Der detaillierte Bericht zu Lawinen mit Personen- und Sachschäden erscheint in der Regel nach Erfassung und Auswertung aller Daten im folgenden Jahr in der Publikation „Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2012/13“.
Wie in Abbildung 20 (oben) ersichtlich ist, wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) an zehn Tagen prognostiziert: Am 07.12. und 08.12.2012 ganz im Westen sowie in Teilen des nördlichen Wallis und des Alpennordhangs, am 17.12. und 18.12.2012 nur ganz im Westen, am 02.02.2013 in grossen Teilen des Unterwallis sowie in Teilen des Chablais und der Waadtländer Alpen, am 16.04.2013 in grossen Teilen des Wallis und des nördlichen Alpenkamms (nasse Lawinen als Hauptgefahr), am 20. und 21.04.2013 zunächst für die ganzen Schweizer Alpen ohne Voralpen und ohne Teile des zentralen Alpensüdhangs, dann für Teile des Oberwalliser Alpenhauptkamms und des nördlichen Tessins (jeweils trockene und nasse Lawinen als Hauptgefahr) und am 27.04. und 28.04.2013 in Teilen des Oberwalliser Alpenhauptkamms und des nördlichen Tessins (jeweils trockene und nasse Lawinen als Hauptgefahr).
Erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) wurde in 36% und grosse Lawinengefahr (Stufe 4) in 1% der Zeit prognostiziert, was in etwa dem langjährigen Durchschnitt entspricht (Abbildung 21). Mässige Lawinengefahr (Stufe 2) wurde mit 56% häufiger, geringe Lawinengefahr (Stufe 1) mit 7% weniger häufig prognostiziert als normal. Die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) kam nie zur Anwendung.
Die Lawinengefahr wurde im Dezember aufgrund der wiederholt ergiebigen Schneefälle mehrheitlich mit erheblich (Stufe 3) prognostiziert. Mässig (Stufe 2) wurde wenig, gering (Stufe 1) kaum verwendet. Bereits zum Jahreswechsel zeigte sich der schwache Schneedeckenaufbau im südlichen Wallis sowie in grossen Teilen Graubündens, welcher mitunter ein Grund war für die seltenere Verwendung der Gefahrenstufe gering (Stufe 1) im Vergleich zum langjährigen Mittel. In der ersten Januarhälfte konnte die Lawinengefahr in Teilen des Alpennordhangs mit gering (Stufe 1) eingeschätzt werden. Teils starker Wind und die Schneefälle in der zweiten Monatshälfte führten zu einer häufigen Verwendung der Gefahrenstufen mässig (Stufe 2) und erheblich (Stufe 3). Die wiederholt ergiebigen Schneefälle von Anfang Februar waren Grund für die Verwendung der Gefahrenstufe erheblich (Stufe 3) und verunmöglichten einen Rückgang auf mässig (Stufe 2). In der zweiten Februarhälfte kam die Schweiz unter Hochdruckeinfluss und die Lawinensituation entwickelte sich zunehmend günstig. Die Lawinengefahr wurde mehrheitlich mit mässig (Stufe 2) und gering (Stufe 1) eingeschätzt. In der ersten Märzhälfte war die Lawinengefahr mehrheitlich einem Tagesgang unterworfen. Dann wurde es kurzfristig kalt und einige kleinere Schneefälle liessen die Lawinengefahr auf mässig (Stufe 2) und erheblich (Stufe 3) ansteigen. Im April entwickelte sich mangels Schönwetterperiode keine klassische Frühjahrsituation mit geringer Lawinengefahr am Morgen und einem tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr über mehrere Tage. Ein weiterer Grund für die seltenere Verwendung von gering (Stufe 1) im Vergleich zum langjährigen Mittel. Die Lawinensituation in hohen Lagen und im Hochgebirge war im April häufig winterlich mit erheblicher (Stufe 3) und mässiger (Stufe 2) Gefahr für trockene Lawinen (Abbildung 20, oben). Zudem führten ein ausgeprägter Nassschneelawinenzyklus und zwei grössere Schneefälle zur mehrmaligen Verwendung der Gefahrenstufe gross (Stufe 4) in der zweiten Aprilhälfte.
Wie die Verteilung der Gefahrenstufen (Abbildungen 21 und 22) zeigt, war der Winter 2012/13 etwas gefährlicher als ein Winter, der dem langjährigen Mittelwert entspricht. Der aktuelle Winter ist, von der Verteilung der Gefahrenstufen her mit dem Winter 2005/06 vergleichbar. Auch dieser Winter war geprägt von intensiven Schneefällen von Dezember bis Februar, einem schlechten Schneedeckenaufbau in den inneralpinen Gebieten und einer hoher Nassschneelawinenaktivität im Frühjahr.
Während des hydrologischen Jahres 2013 wurden 187 Lawinenbulletins veröffentlicht. Davon erschienen 161 als tägliche Lawinenbulletins vom 27.11.2012 bis zum 05.05.2013. Die übrigen 26 erschienen als situationsbezogene Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten oder im Sommer.
Ausgabedaten der Lawinenbulletins im Winter 2012/13 (Stand 30. September 2013).
|Produkt||Ausgabedatum|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins im Herbst 2012 (13)||08.10., 14.10., 25.10., 28.10., 30.10., 02.11., 06.11., 09.11., 11.11., 15.11., 19.11., 22.11. und 25.11.2012|
|Erstes tägliches Lawinenbulletin||27.11.2012|
|Erste Morgeneinschätzung||04.12.2012|
|Letzte Morgeneinschätzung||14.04.2013|
|Letztes tägliches Lawinenbulletin||05.05.2013|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins zu Winterende und im Sommer 2013 (13)||10.05., 13.05., 15.05., 17.05., 19.05., 21.05., 23.05., 24.05., 27.05., 30.05., 01.06., 03.06. und 16.09.2013|
Das Nationale Lawinenbulletin wird seit 1945 herausgegeben, seit 1997/98 erschienen zudem am Morgen die Regionalen Lawinenbulletins. Auf den Winter 2012/13 wurden die Lawinenbulletins erneuert und für Internet und Smartphones optimiert.
Als Grundlage für die Gliederung der Information diente die „Informationspyramide“: Für einen groben Überblick steht die Gefahrenstufe zuoberst, dann folgen die „Kernzone“ (besonders gefährdete Höhenlagen und Expositionen) und anschliessend die Gefahrenbeschreibung, sowie Zusatzinfos zu Schneedecke und Wetter und Messwerte (Abbildung 23).
Das Lawinenbulletin erscheint ab dem Winter 2012/13 zweimal täglich um 8 Uhr und 17 Uhr, konsequent viersprachig (deutsch, französisch, italienisch, englisch), für die ganzen Schweizer Alpen und fallweise auch für den Jura.
Dies ist möglich dank einer automatisierten Übersetzung auf Basis eines Satzkataloges. Die Gefahrenbeschreibung wird dabei aus einem Set vorgegebener Sätze „zusammengeklickt“. Jeder dieser Sätze ist in der Datenbank auch auf Französisch, Italienisch und Englisch abgespeichert, so dass alle Übersetzungen sofort verfügbar sind.
Die einzelnen Sätze sind nicht fix, sondern bestehen aus verschiedenen Satzteilen, bei denen jeweils vordefinierte Begriffe aus einer Liste ausgewählt werden können (z.B. „Die Gefahr steigt/sinkt auf die Stufe mässig/erheblich/gross.“). Dies erlaubt die Bildung von Abermilliarden verschiedener Sätze. Damit ist die Gefahrenbeschreibung in jeder Situation genügend genau.
Nachfolgend sind die bemerkenswerten schnee- oder lawinenrelevanten Perioden zwischen Juni und September, die in Abbildung 24 nummeriert sind, kurz beschrieben:
1: Nach starker Schneeschmelze schneite es Ende Juni wieder auf 2000 m herunter
Am 27.06. und 28.06. fielen oberhalb von rund 2000 m verbreitet wenige Zentimeter Schnee. Am 29.06. fielen im Wallis und in Nordbünden oberhalb von rund 2500 m nochmals 10 bis 25 cm Schnee. Der Neuschnee wurde von mässigem bis starkem Westwind verfrachtet. Im Hochgebirge war der frische Triebschnee vor allem an Nord- und Osthängen störanfällig. Mit dem nachfolgenden Anstieg der Nullgradgrenze auf 3000 m und darüber lösten sich an steilen Sonnenhängen feuchte Lockerschneerutsche. Am 30.06. wurden aus dem Walliser Hochgebirge drei Lawinenauslösungen gemeldet, wobei mindestens eine Seilschaft teilverschüttet wurde.
Die Schneegrenze lag Ende Juni am Alpennordhang, im nördlichen Wallis sowie in Nord- und Mittelbünden auf rund 2400 m, im südlichen Wallis, am Alpensüdhang und im Engadin auf 2600 m bis 2800 m. Vor allem am nördlichen Alpenkamm und im ganzen Gotthardgebiet lag auf 2500 m mit 1 bis 2 Meter gebietsweise noch relativ viel Schnee.
2: Im Juli war es mehrheitlich sonnig, die Nullgradgrenze sank nur einmal deutlich unter 4000 m
Im Juli führten hochsommerliche Temperaturen zu intensiver Schneeschmelze. Am 28.07. ereignete sich mit dem Durchzug einer Kaltfront ein Temperatursturz von rund 15 Grad. In teils heftigen Gewittern fielen verbreitet 30 bis 50 mm, ganz im Westen bis 80 mm Niederschlag. In den östlichen Teilen Graubündens regnete es mit 10 bis 30 mm am wenigsten. Die Millimeter Regen konnten nur oberhalb von etwa 4000 m als Zentimeter Schnee angenommen werden.
3: Der August war mehrheitlich sonnig und mild, Schnee fiel zunächst nur im Hochgebirge
In der ersten Augusthälfte lag die Nullgradgrenze mehrheitlich über 4000 m. Vom 07.08. bis zum 09.08. fiel in einer Südstaulage mit anschliessendem Kaltfrontdurchgang mit 80 bis 120 mm am Alpensüdhang ohne Sotto Ceneri am meisten Niederschlag. Nach Norden hin nahmen die Niederschlagsmengen deutlich ab. Die Schneefallgrenze lag bei rund 3200 m. Danach blieb es 10 Tage trocken. Am 19.08. und 20.08. führte eine weitere Kaltfront mit kurzer Stauphase zu rund 50 mm Niederschlag in den östlichen Gebieten. Die Schneefallgrenze lag bei rund 3000 m.
4: Kaltfrontdurchgang mit Schnee bis auf rund 2200 m
Eine Kaltfront brachte am 25.08. in den westlichen Voralpen, am östlichen Alpennordhang, in Nordbünden sowie im Engadin 20 bis 40 mm Niederschlag. Die Schneefallgrenze sank vorübergehend auf rund 2200 m. Oberhalb von rund 3300 m fiel dieser Niederschlag komplett in Form von Schnee.
5: Intensiver Regen unterbricht das goldige Herbstwetter von Anfang September
Nach einer mehrheitlich sonnigen und warmen ersten Septemberwoche regnete es am 08.09. und besonders in der Nacht auf den 09.09. gebietsweise intensiv. Die Schneefallgrenze lag zu Beginn auf über 3000 m und sank erst gegen Ende des Niederschlags auf rund 2400 m ab. Am Alpensüdhang fielen verbreitet 80 bis 100 mm, am meisten im westlichsten Tessin mit bis zu 150 mm Niederschlag. In den übrigen Gebieten fiel deutlich weniger Niederschlag. Die gesamte Niederschlagsmenge fiel nur oberhalb von rund 3000 m komplett in Form von Schnee.
6: Markantester Wintereinbruch des Sommers 2013In teils intensiven Niederschlägen fielen vom 16.09. bis zum 19.09. an den zentralen und östlichen Voralpen 50 bis 80 mm. Am übrigen Alpennordhang und im westlichen Unterwallis fielen 30 bis 50 mm Niederschlag, sonst weniger. Die Schneefallgrenze sank aufgrund kühler Polarluft am 17.09. vorübergehend unter 1500 m, stieg dann am 18.09. kurzfristig wieder auf 2700 m an und pendelte sich am 19.09. auf rund 2200 m ein. Damit fiel der gesamte Niederschlag nur oberhalb von rund 3000 m in Form von Schnee. Am 16.09. wurde ein situationsbezogenes Lawinenbulletin publiziert. In hohen Lagen, wo der Neuschnee auf aperen Boden fiel, wurde vor allem vor feuchten, im Hochgebirge vor trockenen Lawinen gewarnt.Trotz mehrerer Schneefälle bis in mittlere Lagen war die Lawinengefahr im Sommer 2013 meist nur im Hochgebirge ein Thema. Mit dem milden Wetter zum Ende des hydrologischen Jahres setzte sich der September-Neuschnee auch im Hochgebirge vor allem an stark besonnten Hängen nochmals stark. An Schattenhängen war der Schnee jedoch zunehmend kantig aufgebaut und locker.
Der Winter startete bereits im Oktober mit zwei Schneefällen bis in tiefe Lagen. Von Ende November bis Mitte Dezember schneite es wiederholt ergiebig. Die Schneehöhen betrugen Mitte Dezember im Westen und im Norden bereits das Zwei- bis Dreifache des langjährigen Mittelwerts. Die grossen Schneefälle setzten sich noch bis Mitte Januar fort. Dann wurde es sehr kalt. Im Februar schneite es vor allem im Norden häufig und ergiebig. Im März gab es nur zeitweise Nass- und Gleitschneelawinen, dafür immer wieder Schnee bis in tiefe Lagen beidseits der Alpen. Über die ganze Berichtsperiode betrachtet, waren die Schneehöhen im Westen und Norden mehrheitlich überdurchschnittlich, in Nord- und Mittelbünden durchschnittlich und im Engadin und auf der Alpensüdseite unterdurchschnittlich.
Durchschnittlich sterben in der Schweiz jährlich 25 Menschen in Lawinen. Dieses Jahr waren bis Mitte April 21 Lawinentote zu verzeichnen.
Der Oktober begann ziemlich sonnig und mild. Am 7. Oktober setzten im Norden Niederschläge ein. Insgesamt fielen vom 7. bis zum 11. Oktober am Alpennordhang verbreitet 50 bis 100 mm. Dieser Niederschlag fiel nur im Hochgebirge in Form von Schnee. Danach war es wechselnd bewölkt. Mit einem markanten Kaltluftvorstoss in der Nacht auf den 15. Oktober sank die Schneefallgrenze bis gegen 600 m. Dies war der erste Wintereinbruch im hydrologischen Jahr 2013. Am meisten Schnee fiel am zentralen Alpenhauptkamm mit 50 bis 70 cm, im Norden reichte es für rund 20 cm. Danach wurde es wieder wärmer. Die Nullgradgrenze kletterte am 21. und 22. Oktober auf über 4000 m. Am 27. Oktober erfolgte der zweite Wintereinbruch. Mit einer starken Nordwestströmung sank die Schneefallgrenze rasch bis in tiefe Lagen. Bis zum 29. Oktober fielen in Teilen des Alpennordhangs, im südlichen Oberwallis und am Alpenhauptkamm vom Hinterrhein bis ins Oberengadin 30 bis 50 cm Schnee. Anschliessend war es meist sonnig, aber kalt. Am 31. Oktober begann es im Süden zu schneien.
Der Niederschlag von Ende Oktober dauerte bis zum 02. November. Am Alpenhauptkamm und südlich davon fielen oberhalb von etwa 2000 m 15 bis 30 cm Schnee. Vom 03. bis zum 06. November folgte bereits die nächste Südweststaulage. Oberhalb von rund 2500 m schneite es verbreitet 20 bis 40 cm. Danach war es bis zum 09. November teils sonnig und rund 10 Grad wärmer als an den Tagen zuvor. Am 10. und 11. November fiel am Alpenhauptkamm vom Monte Rosa bis zum Berninagebiet und südlich davon oberhalb von etwa 2500 m rund ein halber Meter Schnee. Aus hochliegenden Nordhängen wurden vereinzelt spontane Lawinenabgänge beobachtet. Im Anschluss daran folgte für die nächsten zwei Wochen bis zum 25. November meist sonniges und mildes Spätherbstwetter. Dadurch aperten Südhänge zunehmend aus. In Schattenhängen wandelte sich die Schneedecke um und es bildeten sich kantige Schneekristalle. Damit entstand eine schlechte Basis für die weiteren Schneefälle, welche am 26. November einsetzten und bis zum 30. November andauerten. Zunächst schneite es am Alpenhauptkamm und südlich davon mit 80 bis 140 cm ergiebig. Die Schneefallgrenze lag bei rund 1800 m. Danach drehte der Wind auf Nord und es schneite auch am Alpennordhang. Dort fielen rund 20 bis 40 cm Schnee bis in tiefe Lagen. In den Hauptniederschlagsgebieten gingen mittlere, vereinzelt auch grosse spontane Lawinen nieder. Für den 28. November wurde auf der ersten Gefahrenkarte im Winter 2012/13 in den Hauptniederschlagsgebieten bereits die Gefahrenstufe 4 (gross) verwendet.
Nach kurzem Zwischenhocheinfluss anfang Dezember schneite es mit stürmischem Wind vom 03. bis zum 06. Dezember meist bis in tiefe Lagen. Im Unterwallis, im nördlichen Wallis und am Alpennordhang fielen 80 bis 120 cm, im südlichen Oberwallis, im Gotthardgebiet und im Prättigau 40 bis 80 cm. Am 6. und 07. Dezember kam es zu einer „längeren“ Niederschlagspause, dann setzten erneut Schneefälle ein. Bis zum Morgen des 12. Dezembers fielen am Alpennordhang 80 bis 160 cm, im Wallis 20 bis 40 cm Schnee. Der Wind blies mässig bis stark aus nördlichen Richtungen. Es entstanden Triebschneeschichten, welche sich schlecht mit dem darunterliegenden Neuschnee verbanden. Schattseitig wurde eine schwache Schneedecke eingeschneit, sodass Lawinen auch in tiefen Schichten anbrachen und grosse Ausmasse annahmen. Die Lawinengefahr wurde verbreitet mit der Gefahrenstufe 3 (erheblich) eingeschätzt, am 07. und 08. Dezember ganz im Westen und in Teilen des Alpennordhangs, am 10. Dezember in Teilen des zentralen Alpennordhangs sogar mit Gefahrenstufe 4 (gross). Mitte Dezember betrugen die Schneehöhen auf 2000 m im Westen und Norden mit 120 bis 200 cm bereits das Zwei- bis Dreifache des langjährigen Mittelwerts. Auch im Mittelland - beispielsweise in St. Gallen mit 48 cm - lag eine beachtliche Schneedecke.
Am 15. Dezember begann es erneut zu schneien. Bis zum 19. Dezember fielen oberhalb von rund 1800 m mit 100 bis 140 cm die grössten Neuschneemengen im westlichsten Unterwallis und im nördlichen Wallis. Am westlichen Alpennordhang, im übrigen Wallis sowie im Gotthard- und im Berninagebiet fielen 30 bis 80 cm Schnee. Im Westen und im Norden gingen einige, teils grosse, spontane Lawinen nieder. Im Trient-Gebiet stiessen die Lawinen bis in Tallagen vor. Ganz im Westen wurde am 17. und 18. Dezember die Gefahrenstufe 4 (gross) herausgegeben. Vom 19. bis zum 22. Dezember war es dann teils sonnig. In der Nacht auf den 23. Dezember fielen verbreitet 20 bis 40 cm Schnee. Mit hoher Schneefallgrenze regnete es jedoch bis über 2000 m hinauf. Es gingen viele, teils grosse, Nass- und Gleitschneelawinen ab. Der 23. Dezember war der lawinenaktivste Tag im Winter 2012/13 (Abbildung 1). In Teilen Graubündens und des Wallis wurde am Morgen die Gefahrenstufe 4 (gross) prognostiziert.
Mit Föhn wurde es über Weihnachten kurzzeitig mild und es blieb trocken. Am 26. Dezember begann es im Westen und Süden wieder zu schneien. Am 27. Dezember verlagerten sich die Niederschläge auch auf den Osten. Bis zum 28. Dezember fielen ganz im Westen, am nördlichen Alpenkamm, in Nordbünden sowie im Unterengadin 30 bis 50 cm Schnee. Zum Jahresende gab es dann viel Sonnenschein.
Der Januar startete im Norden zunächst wolkenverhangen, danach war es in allen Gebieten recht sonnig. Ab dem 04. Januar begann eine Phase mit starkem Nordwind, welcher lockeren Altschnee verfrachtete. Besonders entlang des Alpenhauptkammes entstanden mittelgrosse Triebschneeansammlungen. Kurzeitig wurde deshalb in der Höhe mit Gefahrenstufe 3 (erheblich) gewarnt. Am 10. Januar beendete eine Kaltfront das schöne und milde Wetter der Vortage. Bis in die frühen Morgenstunden des 12. Januars fielen am Alpennordhang und in Teilen des Wallis 30 bis 50 cm, lokal bis 70 cm Schnee. Die Schneefallgrenze lag bei rund 800 m. Im Tagesverlauf wurde es überall sonnig, es wurden aber trotz grösseren Neuschneemengen kaum Lawinenauslösungen gemeldet.
Vom 13. bis zum 17. Januar war das Wetter tiefdruckbestimmt. Es war kalt und schneite immer wieder, mit teils sehr hoher Intensität: innert sieben Stunden schneite es beispielsweise an der IMIS-Schneestation „Schilthorn“ (BE) knapp 40 cm. Am 19. Januar drehte der Wind auf Südwest und eine kräftige Südföhnlage setzte ein. Die Mittagstemperaturen stiegen im Norden innerhalb von zwei Tagen um etwa 20 Grad. Am 22. Januar endeten der Südföhn und der Niederschlag im Süden. Insgesamt fielen im östlichen Tessin, im Calancatal und im Misox, im Rheinwald sowie im Bergell und Puschlav 30 bis 50 cm Schnee. Nach Norden nahmen die Neuschneemengen deutlich ab. Danach war es meist sonnig. Am 24. Januar drückte der Hochnebel mit einer Obergrenze bis rund 2000 m von Norden her in die Alpentäler hinein. Darüber blieb es bis zum 27. Januar uneingeschränkt sonnig.
In der Nacht auf den 28. Januar fielen im Norden und ganz im Westen 10 bis 25 cm Schnee bis in tiefe Lagen. Neu- und Triebschnee wurden vor allem in Schattenlagen auf eine oft kantig aufgebaute Altschneeoberfläche abgelagert. Deshalb genügte bereits wenig Neuschnee um die Lawinengefahr auf Stufe 3 (erheblich) ansteigen zu lassen. Nachdem es am 28. Januar meist sonnig war, zogen am 29. Januar wieder Wolken auf. Ausser im Süden fiel in allen Gebieten etwas Niederschlag. Die Schneefallgrenze lag verbreitet über 2000 m. Mit den Regen gingen feuchte oder nasse Rutsche und Lawinen ab. Ab dem 29. Januar wehte im Hochgebirge ein teils stürmischer Westwind. Die Lawinengefahr wurde verbreitet mit Stufe 3 (erheblich) eingeschätzt.
Der Februar begann mit viel Neuschnee. Oberhalb von rund 2000 m fielen am Alpennordhang, im Unterwallis und im nördlichen Wallis 60 bis 80 cm Schnee. Mit den intensiven Niederschlägen gingen besonders in den westlichsten Gebieten des Wallis zahlreiche spontane Lawinen ab, am 02. Februar wurde dort die Gefahrenstufe 4 (gross) herausgegeben. Am 03. Februar war es vorübergehend sonnig. In der Nacht auf den 04. Februar setzte aus Nordwesten erneut Schneefall ein. Bis zum 05. Februar fiel am zentralen und östlichen Alpennordhang mit bis zu einem halben Meter am meisten Schnee. Nach einer Wetterberuhigung schneite es vom 06. bis zum 10. Februar wiederum im Norden. In den Voralpen schneite es in vier Tagen lokal bis 140 cm. Die Temperaturen sanken deutlich. Am kältesten war es in der Nacht vom 10. Februar auf der Glattalp im Muotatal (1850 m) mit -40 °C. Mit der Kälte setzte sich der Schnee nur langsam. Es genügte bereits ein schwacher Westwind, um den sehr lockeren Schnee zu verfrachten. Die Lawinengefahr bewegte sich in den Hauptniederschlagsgebieten im oberen Bereich der Gefahrenstufe 3 (erheblich). Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wurde es ab dem 16. Februar recht sonnig, abgesehen vom Hochnebel am Alpennordhang mit einer Obergrenze um 1800 m. Aus dem Nebel fiel zeitweise Schnee, am meisten an den Voralpen mit lokal bis zu 40 cm.
Vom 24. bis zum 26. Februar fielen im Mendrisiotto und im Simplon Gebiet 50 bis 70 cm, am übrigen Alpenhauptkamm von Saas Fee bis ins Binntal sowie im westlichen Tessin 20 bis 30 cm Schnee. Der Neuschnee fiel mit wenig Wind, im Wallis aber auf eine ungünstige Altschneeoberfläche.
Ab dem 26. Februar wurde es über dem Hochnebel im Norden und auch in den übrigen Gebieten sonnig und milder. Die Lawinengefahr nahm in den Hauptniederschlagsgebieten des Wallis mit der schwachen Altschneedecke nur langsam ab. In den übrigen Gebieten herrschten zunehmend günstige Tourenbedingungen.
Über dem Hochnebel am Alpennordhang begann der März sonnig. Mit der Sonneneinstrahlung stieg die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen zunehmend an. Am 02. März wurde die erste Doppelkarte des Winters 2012/13 publiziert, am 03. und 04. März mit gebietsweiser Stufe 3 (erheblich) für nasse Lawinen. Die Gefahr für trockene Lawinen wurde verbreitet mit Gefahrenstufe 1 (gering) eingeschätzt. Am 09. März führten wenig Regen und eine bedeckte Nacht bereits am Vormittag zu zahlreichen Nass- und Gleitschneelawinen. Diesmal waren auch Nordhänge unterhalb von rund 2000 m betroffen. Mit der darauffolgenden Abkühlung stabilisierte sich die Schneedecke ab dem 10. März wieder. Die Gefahr von trockenen Lawinen blieb günstig bis zum 14. März. Dann schneite es im Norden bis zum 15. März etwa 30 cm. Am 16. März war es meist sonnig und deutlich weniger kalt. Vom 17. bis zum 19. März fielen mit stürmischem Südwestwind am westlichen Alpennordhang, im westlichsten Unterwallis sowie im nördlichen Wallis, am Alpensüdhang und im Oberengadin rund 50 cm Schnee. Es wurde verbreitet mit Gefahrenstufe 3 (erheblich) gewarnt. Nebst vielen Personenauslösungen wurden vor allem aus den neuschneereichen Gebieten des Wallis auch zahlreiche spontane Lawinenabgänge gemeldet.
Ab dem 19. März setzte wechselhaftes Westwindwetter ein. Bis zum 21. März fielen 10 bis 20 cm. Am 22. März wurde es kurzfristig mild. Durch die erstmalige Erwärmung des Neuschnees war die Lawinensituation verbreitet heikel. Danach herrschten zunehmend günstige Verhältnisse, ausser im südlichen Wallis und in grossen Teilen Graubündens. Dort überlagerten Neu- und Triebschneeschichten eine schwache Altschneedecke und blieben somit länger störanfällig.
Zum Monatsende schneite es vom 28. bis zum 31. März erneut. Oberhalb von rund 1600 m fielen ganz im Westen, im nördlichen Wallis und am Alpennordhang 30 bis 60 cm Schnee, in den übrigen Gebieten 10 bis 30 cm. In den neuschneereichen Gebieten konnten Lawinen erfolgreich künstlich ausgelöst werden. Es wurden aber auch viele Personenauslösungen gemeldet, vor allem aus den Gebieten mit einer schwachen Altschneedecke.
Der April begann in den Bergen mehrheitlich sonnig. Aufgrund der relativ „kalten“ Temperaturen wurden nur vereinzelt Nass- und Gleitschneelawinen gemeldet. Die Lawinensituation wurde zunehmend günstig eingeschätzt. Am 5. April fiel im Süden wenig Schnee. Danach war es im Norden mit hochreichender Nebeldecke meist stark bewölkt. Im Süden war es recht sonnig. Vom 8. bis zum 10. April fielen oberhalb von rund 1600 m am Alpennordhang westlich der Reuss sowie im Unterwallis 20 bis 40 cm Schnee, sonst weniger. In Kombination mit starkem Südwestwind entstanden störanfällige Triebschneeansammlungen. Die Lawinengefahr wurde in den neuschneereichen Gebieten mit Stufe 3 (erheblich) eingeschätzt. Es herrschten hochwinterliche Verhältnisse.
Ab dem 11. April stiegen die Temperaturen deutlich an. In Höhenlagen oberhalb von rund 2400 m stand im Winter 2012/13 die erste Anfeuchtung des Schnees bevor. In den darauffolgenden Tagen musste mit einer erhöhten Nass- und Gleitschneelawinenaktivität gerechnet werden. Mitte April lag mit 200 bis 300 cm im Norden und ganz im Westen deutlich mehr Schnee als im langjährigen Mittelwert. In Graubünden waren die Schneehöhen verbreitet durchschnittlich, im Tessin leicht unterdurchschnittlich.
Der vergangene Winter (November 2012 – März 2013) war gemäss den Messungen an den MeteoSchweiz-Stationen in der ganzen Schweiz leicht zu kalt. Nur gerade der November war wärmer als normal. Die Niederschlagsmengen waren vor allem im Mittelland grösser als normal, in den Alpen dagegen leicht unterdurchschnittlich. Wegen der relativ kalten Temperaturen waren entsprechend auch die Neuschneemengen auf der Alpennordseite vielerorts überdurchschnittlich. Im Mitteland zwischen Genf, Basel, Zürich und St. Gallen waren sie sogar doppelt so gross wie normal. Im Tessin, im Engadin und in Mittelbünden waren die Neuschneemengen dagegen leicht unterdurchschnittlich. Wirklich ungewöhnlich waren aber nicht die Neuschneemengen, sondern die grosse Anzahl Tage mit Neuschnee. An vielen Stationen im Schweizer Mitteland wurde letztmals im Winter 1986/87 mehr Neuschneetage registriert. Grob gesagt hat es zwischen Dezember und März unterhalb von 1000 m jeden 4. bis 6. Tag geschneit, oberhalb davon war es sogar jeder 2. bis 3.Tag. In Anbetracht dieser Tatsache blieben nicht mehr allzu viele Tage übrig, an denen sich die Sonne zeigen konnte. Darum ist es nicht verwunderlich, dass die MeteoSchweiz-Stationen in der untersuchten Periode eine klar geringere Sonnenscheindauer registriert haben als normal. Die vielen Neuschneetage sorgten Mitte Dezember im Mittelland verbreitet für eine 30 - 50 cm dicke Schneedecke, was zum Teil die Schneehöhen vom Dezember 1999 egalisierte und an den höher gelegenen westlichen Stationen teilweise sogar neue Maximalwerte bedeutete. Das anschliessende weihnachtliche Tauwetter war dann aber so gründlich, dass sich der Schnee nur oberhalb von 800 m halten konnte. Die grösseren Schneefälle im Westen waren dafür verantwortlich, dass die Schneehöhen oberhalb von 1000 m an allen Stationen westlich des Gotthardgebietes von Anfang Dezember bis Ende März immer überdurchschnittlich blieben. Im Gegensatz dazu waren die Schneehöhen in Nord- und Mittelbünden nur durchschnittlich und im Engadin und am Alpensüdhang mehrheitlich unterdurchschnittlich.
Im Winter 2012/13 wurde die Lawinengefahr wie folgt eingeschätzt (Werte in Klammern: Mittelwert der letzten 15 Jahre, jeweils Dezember bis April, vgl. Abbildung 2): Gefahrenstufe 1 (gering): 6% (16%), Gefahrenstufe 2 (mässig): 56% (48%), Gefahrenstufe 3 (erheblich): 37% (34%), Gefahrenstufe 4 (gross): 1% (2%), Gefahrenstufe 5 (sehr gross): 0% (0.2%).
Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2012/13 entsprach in etwa dem langjährigen Mittelwert. Die Gefahrenstufe 1 (gering) wurde seltener prognostiziert, die Gefahrenstufen 2 (mässig) und 3 (erheblich) etwas häufiger als im Durchschnitt der letzten 15 Jahre. Die Gefahrenstufe 4 (gross) wurde in der Abendeinschätzung an 5 Tagen prognostiziert. Dies vor allem am Alpennordhang und im Unterwallis.
Die Schneedecke war im Norden und ganz im Westen aufgrund der grossen Neuschneemengen verbreitet gut aufgebaut, sodass meist „nur“ die Neu- und Triebschneeschichten als Lawinen ausgelöst werden konnten. Im Gegensatz dazu war die Schneedecke in den inneralpinen und südlichen Gebieten des Wallis und Graubündens besonders an schneearmen Stellen und im Waldgrenzbereich stark aufbauend umgewandelt und weich. Darin eingelagert waren verschiedene Schmelzharschkrusten. Lawinen brachen deshalb teils auch in tieferen Schichten an.
Bis am 15.04.2013 wurden dem SLF für den Winter 2012/13 135 Lawinen mit 212 erfassten Personen gemeldet. 44 Personen wurden in Lawinen verletzt und 21 Personen haben bei 19 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. 12 Personen starben bei einer prognostizierten Lawinengefahr Stufe 2 (mässig), 1 Person bei Stufe 1 (gering) mit einem tageszeitlichen Anstieg der Nassschneelawinengefahr auf Stufe 2 (mässig), 5 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und eine Person bei Stufe 4 (gross). 2 Personen verstarben in Lawinen bevor Gefahrenstufen ausgegeben wurden. Eine Person wurde von einer Lawine verschüttet, konnte aber bisher noch nicht gefunden werden.
Die Lawinenopfer waren: Touren-Bereich: 14 Personen, Varianten-Bereich: 7 Personen. 3 Unfälle mit insgesamt 3 Todesopfern ereigneten sich am Alpennordhang, 10 Unfälle mit insgesamt 11 Todesopfern im Wallis und 6 Unfälle mit insgesamt 7 Todesopfern in Graubünden. Besonders viele tödliche Unfälle ereigneten sich im südlichen Wallis zwischen dem 12. und 16.02.2013 (5 Unfälle mit insgesamt 6 Todesopfern).
Die Gesamtopferzahl liegt für 15.04.2013 mit 21 Todesopfern im langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2013 dauert, liegt der langjährige Mittelwert bei 25 Lawinentoten.
Bei 38 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt.
Die Herausgabe der täglichen Lawinenbulletins wurde am 27. November 2012 gestartet. Gleichzeitig war dies der Startschuss für das neue Lawinenbulletin mit der interaktiven Gefahrenkarte. Eine Morgeneinschätzung wurde vom 04. Dezember 2012 bis zum 14. April 2013 publiziert. Der Jura wurde an 10 Tagen mit einer Einschätzung und damit mit Gefahrenstufe 3 (erheblich) bedient.
Das Lawinenbulletin mit der Prognose der Lawinengefahr und allgemeinen Informationen zur Schneesituation in den Schweizer Alpen erscheint bis auf Weiteres täglich. Es kann über www.slf.ch und die SLF App „White Risk“ abgerufen werden. Zudem können RSS-Feeds und ein SMS-Service abonniert werden, welche auch in Winterrandzeiten und über den Sommer auf die Herausgabe eines Lawinenbulletins hinweisen (Service abonnieren: SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234, Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).
Des Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht der MeteoSchweiz www.meteoschweiz.admin.ch, Fax 0900 162 338 (2.00 CHF/Min.) oder Telefon 0900 162 138 (1.20 CHF/Min.).
Die Verbreitung des Lawinenbulletins über Teletext, MMS, WAP und die Kurznummer 187 wurde im November 2012 eingestellt. Die Daten der automatischen Stationen bleiben noch bis Ende April 2013 über die Kurznummer 187 verfügbar.