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Der grosse Bankier Robert Holzach ist am 24. März verstorben. Der Finanzplatz verliert eine Persönlichkeit, wie sie heute mehr denn je gebraucht würde.
Die Abdankung findet am 30. März 2009 um 15 Uhr in der Kirche St. Peter in Zürich statt. Details sind der Todesanzeige zu entnehmen, die in der «Neuen Zürcher Zeitung», der «Zürichsee-Zeitung» und der «Thurgauer Zeitung» erschienen ist.
Der Thurgauer Robert Holzach (Bild) verstarb am 24. März nach einem kurzen Spitalaufenthalt, wie die UBS Informationen von finews.ch bestätigte. Holzach wurde am 28. September 1922 in Zürich geboren, wuchs in Kreuzlingen auf und besuchte die Mittelschule in Trogen. Er schloss das Studium der Rechte 1949 mit dem Doktortitel ab und war dann kurze Zeit in einem Thurgauer Anwaltsbüro in Arbon tätig.
Im Jahr 1951 trat er als Praktikant in die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) ein und brachte es bis zum Präsidenten des Verwaltungsrats – ein Amt, das er von 1980 bis 1988 inne hatte. In der Folge war er Ehrenpräsident, bis ihm dieser Titel nach der Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS aberkannt wurde.
Wichtiger Mitarbeiter von Alfred Schaefer
Robert Holzach war 1962 Direktor geworden. Damals leitete er die Kommerzabteilung am Hauptsitz. Im Jahr 1968 wurde er Generaldirektor und übernahm in der Folge auch die Leitung des Bereichs Dienste.
Holzach galt stets als ein wichtiger Mitarbeiter von Alfred Schaefer, dem Vater der modernen Bankgesellschaft. Im Jahr 1976 wurde er Koordinator der Generaldirektion und Leiter der Stabsstellen der Generaldirektion.
Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit, Seriosität
Im Militär war er Oberst – Kommandant des Infanterie-Regiments 31 (1966-1969) –, und zu seinen Hobbies zählten das Wandern, Schwimmen und die Lektüre. Robert Holzach hat die Bankgesellschaft und mit ihr auch die gesamte Schweizer Finanzbranche massgeblich geprägt. Er gilt als einer der wegweisenden Schweizer Bankiers, der mit seinen geradezu visionären Reflektionen vieles vorweg nahm, was die Finanzbranche später umso mehr beschäftigen sollte: Gigantomanie, Selbstüberschätzung, Amerikanisierung, Mangel an gesundem Menschenverstand.
Holzach lebte noch Werte vor wie Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Seriosität. Er war ein grossartiger Publizist, der lange an seinen einzelnen Sätzen feilte, und er blieb bis heute einer der wenigen Bankiers, die Themen aus der Finanzwelt in einen gesellschaftlichen Kontext überführen konnten.
Spektisch gegenüber Allmachtsphantasien
Viele Jahre hielt der Thurgauer, der bei seiner Arbeit meist dreiteilige Anzüge trug, seine Alltagsbeobachtungen in Notizbüchern fest. Aus diesen Texten bezog er jene Anregungen, auf denen seine viel beachteten Referate und Aufsätze schliesslich beruhten. In den achtziger Jahren nahm er unglaublich viel vorweg, was die Branche später revolutionieren sollte: Bereits 1985 hinterfragte er die Allmachtsphantasien in der Branche.
«Die Vorstellung der Bank, die auf dem ganzen Globus alle Dienstleistungen und erst noch zu Gunsten von jedermann erbringt, mag zunächst bestechend sein. Sie hält näherem Zusehen indessen nicht stand.» Mit anderen Worten: Zwei Jahrzehnte vor der Gigantomanie, die der UBS zum Verhängnis werden sollte, hatte Holzach schon davor gewarnt.
«Ertragserpichte Händlernaturen»
In einer Zeit, in der das typisch amerikanische Investmentbanking noch nicht bis in die Schweiz vorgedrungen war, zeichnete Holzach bereits ein kritisches, aber treffendes Bild jener Untugenden, welche die Schweizer Grossbanken einige Male teuer zu stehen kommen sollten.
Von Robert Holzach stammt der viel zitierte Begriff der «ertragserpichten Händlernaturen», die einzig dem persönlichen und kurzfristigen Profit huldigen. Die Harvard-Absolventen, die sich der Wall Street zuwandten, um ihre elitäre Berufung als «Fast-track-kids» (Schnellaufsteiger) unter Beweis zu stellen, irrriterten ihn. «Sie tun es in einer Weise», sagte er einmal, «ohne irgendwelche berufsethische Verpflichtung, nur um innert Monaten möglichst ein Millionen-Plansoll im persönlichen Dollar-Einkommen zu erreichen oder zu übertreffen.»
«Für viele Finanzinstrumente fehlen die Erfahrungen»
Holzach formulierte pointiert. Seine Texte sollten dazu dienen, «möglicherweise brauchbare Erfahrungen weiterzugeben». Seine Feststellungen über neue Anlagevehikel lassen heute jedoch ahnen, wie wenig die Finanzwelt aus ihren Fehlern lernt: «So vielfältig die neuen Finanzinstrumente auch sein mögen, gemeinsam ist ihnen allen das Problem der erschwerten Beurteilung», schrieb er 1987.
Und weiter: «Es bestehen zwar zahlreiche Modelle, um die Risiken und das Ausmass der erforderlichen Absicherungsmassnahmen zu errechnen. Der Praktiker bleibt gegenüber diesem mathematischen Kalkül aber skeptisch. Die Möglichkeit, Finanzkontrakte in einzelne Elemente zu zerlegen und diese voneinander losgelöst zu behandeln, erschwert die Übersicht über die beteiligten Risikoträger. Für viele der neuen Finanzinstrumente fehlen aber Erfahrungen über einen ausreichenden Zeitraum. Deshalb sind brutale Ernüchterungen für allzu eifrige Finanzalchemisten zu erwarten.»
Es waren Sätze, die man unverändert zur Erklärung der jüngsten Finanzkrise heranziehen könnte. Holzachs prägnanteste Äusserungen fielen in eine Übergangszeit. Denn Ende der achtziger Jahre setzte in der schweizerischen Finanzbranche ein Paradigmenwechsel ein, der die Banken erst zu dem machen sollte, was sie heute sind.
Kontroverse um antisemitische Äusserungen
Der Thurgauer geriet ein Jahrzehnt nach seinem Rücktritt als SBG-Präsident noch einmal in die internationalen Schlagzeilen: 1997 zitierte die amerikanische Kolumnistin und Schriftstellerin Jane Kramer in der Wochenzeitschrift «The New Yorker» angebliche antisemitische Äusserungen des Schweizer Bankiers.
Holzach habe gesagt, die Kontroverse um die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg habe mit einer jüdischen Verschwörung zu tun – deren Ziel sei die Übernahme der prestigeträchtigsten Finanzmärkte. Holzach erklärte, nie solche Äusserungen gemacht zu haben. Ein juristisches Verfahren wurde denn auch eingestellt.