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Ulrich Becher darf wohl als einer der aufregendsten, sprachmächtigsten und nicht zuletzt humorbegabtesten Autoren der deutschsprachigen Exilliteratur gelten. Davon zeugt insbesondere sein irrwitziges «opus magnum», der autobiographisch grundierte und in Pontresina spielende Kriminal-, Schauer- und Exilroman «Murmeljagd» (1969).
Die kritische Auseinandersetzung mit der Epoche des Nationalsozialismus und der prekären Rolle des Künstlers steht auch im Zentrum weiterer Werke Bechers wie den New Yorker Novellen (1950) oder den Romanen Kurz nach 4 (1957), William’s Ex-Casino und Das Profil (1973). Neben den formal expressionistisch anmutenden Prosawerken schrieb Becher ausserdem Lyrik und mehrere Dramen wie das 1981 erfolgreich verfilmte Zeitstück Der Bockerer (1948).
Ulrich Becher wurde am 2. Januar 1910 in Berlin geboren. Nach dem Besuch des Wickersdorfer Reformgymnasiums studierte er in Genf und Berlin ab 1928 Jura. Zugleich ging der künstlerisch mehrfach Begabte ab 1927 als Grafikschüler beim berühmten Maler George Grosz in die Lehre, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Bechers 1932 im Rowohlt Verlag erschienener Novellenband Männer machen Fehler soll der NS-Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 zum Opfer gefallen sein.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwang Becher zum Gang ins Exil. Am 27. Februar 1933 flüchtete er nach Wien, wo er Dana Roda, die Tochter des österreichischen Schriftstellers Alexander Roda Roda, heiratete. Im Zuge des sog. «Anschluss» 1938 emigrierten Ulrich und Dana Becher in die Schweiz nach Pontresina. Es folgten weitere Exilstationen in Brasilien (1941–1944) und New York (1944–1948), ehe Becher 1948 nach Europa zurückkehrte, wo er ab 1954 bis zu seinem Tod am 15. April 1990 in einem Apartmenthaus in Basel lebte.
Ulrich Bechers Nachlass liegt zu gleichen Teilen im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern sowie im Deutschen Exilarchiv in Frankfurt am Main.
Letzte Änderung 16.03.2021