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Die Investmentbank-Giganten JPMorgan oder Blackrock sind mitbeteiligt. Die wissen, wo sich Geld verdienen lässt. Immobilien in der Schweiz sind eine unglaublich rentable Investition.
Daher dürfte die nächste Abstimmung interessant werden. Mehr Boden für die Spekulation oder nicht? Eine komplexe Frage, wenn das BVG und der Staat Teil davon ist.
Danke für die erhellenden Daten. Sie zeigen deutlich, wie sich der Kapitalismus einmal mehr in den eigenen Schwanz beisst: Er legitimiert sich dadurch, dass er allen verspricht, man könne reich werden, wenn man nur hart arbeite, führt den Arbeitenden aber täglich vor Augen, dass die wirklichen Reichtümer von denen angehäuft werden, die andere für sich arbeiten und - hier konkret - Miete zahlen lassen. Eine gesellschaftliche Gruppe, die von der Abschöpfung von Abgaben leben kann, ohne arbeiten zu müssen, unterscheidet sich diesbezüglich wenig von den Grundherren im Feudalismus - und der endete bekanntlich in Revolutionen.
Ironischerweise werden wohl einmal mehr die KritikerInnen des Kapitalismus das System retten, indem ihrer Forderung nach einer Demokratisierung wirtschaftlicher Macht durch Regulierungen im Interesse der Allgemeinheit entgegengekommen wird.
Zwei Fragen noch an die Autorin: Inwiefern sind die Massnahmen des MV "unelegant"? Und wie sähen denn " elegante" Regulierungsinstrumente aus?
Vielen Dank, auch für Ihre Frage.
Unelegant finde ich den Vorschlag deswegen, weil er von oben zentral für das ganze Land einen Prozentsatz vorschreibt, der einigermassen willkürlich gewählt wurde. Wenn man sich nun über die konkrete Umsetzung Gedanken macht: Wie soll das funktionieren? Muss die Gemeinde Turgi, wenn sie ein Bauprojekt prüft, in irgendeinem Zentralregister nachschauen, ob der Prozentsatz jetzt schon erreicht ist - während dasselbe alle anderen Gemeinden auch tun?
In der Realität wird es wohl darauf hinauslaufen, dass man einfach den Fonds aufstocken würde, mit dem der Staat die Genossenschaften fördert.
Das wiederum löst aber ihr Hauptproblem nicht unbedingt, nämlich das, dass sie kaum an Bauland kommen.
Soll man das so in die Initiative schreiben, wenn man das will, und nicht anders.
Ist es ironischerweise ausgerechnet das, was passiert, wenn die Initiative abgelehnt wird. Siehe Abstimmungsbüchlein: https://www.admin.ch/gov/de/start/d…ungen.html
Ich finde es aber nicht nur aus praktischen Gründen schwierig, sondern auch philosophisch: Der Genossenschaftsgedanke ist für mich der Inbegriff davon, etwas von den Bürgerinnen her zu organisieren. Lokal, grassroots - also das Gegenteil einer Quote von oben.
Eine elegantere Lösung finde ich drum die, die wir teilweise schon haben: dass Gemeinden dezentral für sich die Förderung von Genossenschaften beschliessen - wie es etwa Zürich ja tut mit den 30%.
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Auch ich finde dezentrale, gemeinschaftliche Initiativen von unten eindeutig attraktiver als Verordnungen von oben. Allerdings stehen die Genossenschaften beim Kampf um das knappe Bauland finanziell viel potenteren Konkurrenten gegenüber. Deshalb muss hier meines Erachtens der Staat zugunsten der Schwächeren eingreifen:
1.) durch das Vorverkaufsrecht und die Weitergabe des erworbenen Landes an Genossenschaften;
2.) durch die Quote der 10%, die ja als nationaler Durchschnitt gelten soll (Zürich und laut neuster Strategie auch Bern drücken den dann ja nach oben, Turgi und andere Gemeinden können darunter liegen.)
P.S. Die Aufstockung des Fonds de Roulement wurde ja von den GegnerInnen der Initiative bereits in Aussicht gestellt - die indirekte Wirkung der Initiative (Sensibilisierung und Druckaufbau) ist daher auch nicht zu unterschätzen.
Vielen Dank für diesen erhellenden Artikel. Ich möchte noch eine Ergänzung anbringen: Nicht nur vermögende Investoren und Pensionskassen erzielen fette Gewinne mit Immobilien, nein, auch private Geschäftsbanken profitieren enorm von der Tatsache, dass sie ihr Buchgeld bei der Kreditvergabe selber schöpfen dürfen. Ich möchte die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt kurz erklären:
Bei der Bereitstellung von Hypotheken (Kredite) erzeugen die Banken Geld "aus dem Nichts", mit welchem dann die Schuldner ihre Immobilien kaufen oder bauen und dafür den Banken Zinsen bezahlen müssen. Die Banken profitieren ausserdem durch einen weiteren Mechanismus der Geldschöpfung: sie können durch eine einfache Bilanzverlängerung mit Geld "aus dem Nichts" selber Immobilien (und auch Wertpapiere und Edelmetalle) kaufen, indem sie dem Verkäufer wie bei der Kreditvergabe einen entsprechenden Betrag auf seinem Konto gutschreiben.
Diese beiden Mechanismen, wie Banken Buchgeld erzeugen, wurden in der Diskussion der Vollgeld-Initiative 2018 der Allgemeinheit bekannt gemacht und können u.a. im Buch "Geld aus dem Nichts" von Ökonomieprofessor Mathias Binswanger nachgelesen werden.
Aus diesen Gründen sind neben vermögenden Investoren und Pensionskassen auch Banken ein grosser Player auf dem Immobilienmarkt. Das finde ich wichtig zu wissen.
Danke für den Artikel, ich finde Genossenschaften grossartig. Nicht nur wegen dem tieferen Preis, sondern auch wegen ihren Möglichkeiten: bei einem Abbruch Mieter umzusiedeln oder aktiv kleinere Wohnungen anbieten wenn die Kinder ausgezogen sind usw.
Ein Punkt den ich bis jetzt in der Debatte noch nicht so gehört habe: Wie wirkt sich denn ein, sagen wir mal 25% Anteil an Wohnungen in kostenmiete auf die restlichen 75% privater Wohnungen aus? Hat das z.B. in Zürich mit knappen Angebot überhaupt einen Effekt?
Lieber Herr H., das finde ich auch eine sehr interessante Frage. Mir ist keine Studie bekannt, die genau das untersuchen würde. Anyone?
I'll give it a try, so ein bisschen aus dem hohlen Bauch, sorry, ohne (allenfalls von Bankern mitfinanzierte?) Studie. So wie ich die Kräfte des Kapitalismus einschätze, füllen sich erst mal die Wohnungen mit Kostenmiete. So im Stil 100 Meter Warteschlange. Wenn dann die Nachfrage nach Wohnraum noch immer gross ist, werden die Mieten der restlichen 75% Wohnungen möglichst hoch angesetzt (die Warteschlange hat Eindruck gemacht ...) und weil, wie Sie hübsch geschrieben haben, Wohnen relativ unvermeidlich ist, werden diese bisweilen grotesk hohen Preise dann auch tatsächlich bezahlt. Der einzige Effekt war, dass die Warteschlange nun einfach nur noch 75 Meter statt wie vorher 100 Meter lang war. Ergo, der Effekt von 25% fairer Mieten auf die privaten AnbieterInnen ist leider vernachlässigbar. Aber die MieterInnen der Kostenmiete sind natürlich nun beinahe gezwungen, dort zu bleiben, wo sie sind, weil sie die günstige Miete nicht aufgeben wollen. Gut daran ist, dass wenigstens sie keine absurd hohen Mietpreise zahlen müssen, aber den restlichen 75% wäre es auch zu gönnen.
Der Initiativtext hat nur einen kleinen Stellenfehler: Es sollte heissen 100% statt 10%.
Besten Dank Frau Kühni für diesen Artikel. Wie immer informativ und zum richtigen Zeitpunkt publiziert.
Mir brennt eine weiter Fragestellung auf der Zunge:
Der Schweizer Franken ist seit Jahren überbewertet, deshalb hat die SNB zur Schwächung bis jetzt ca. 800 Milliarden Euro gekauft, damit unsere Exportindustrie nicht zusammenbricht. Ein Grund für die Überbewertung ist die geöffnete Geldschleuse der EU, folglich Entwertung des Euro. Diese Entwertung steckt auch in den 800 Millarden Euro der SNB.
Meine Frage: Was spricht eigentlich gegen eine Geldmengenerweiterung in der Schweiz, quasi im Gleichschritt zur EU? Jährlich 10 Milliarden für die AHV, 10 Milliarden zur Schuldentilgung, oder ÖV-Ausbau. Wo steckt da der Denkfehler? Entstammen die 800 Millarden für den Eurokauf bereits aus Geldmengenerweiterung, also frisch "gedrucktes" Geld? Wenn nicht, wem nützt die strenge Geldmengenpolitik, bzw. wer würde bei einer Mengenerweiterung dermassen Schaden nehmen, dass man diese Möglichkeit schon gar nicht diskutiert?
Falls Sie die Fragestellung interessiert, freue ich mich bereits auf Ihren Text!
Wenn die Geldmenge zu fest steigt in Relation zum BIP, wird die Inflation zu gross, und das schadet uns allen. Aber die Idee, Geld nicht (nur) durch Kredite von privaten Geschäftsbanken in Umlauf zu bringen, sondern direkt über AHV, öV-Infrastrukturen oder Helikoptergeld, hat durchaus ihren Reiz, wurde schon als Teil der Vollgeld-Initiative 2018 vorgeschlagen, jedoch vom Volk abgelehnt.
Eigentlich war bei der Abstimmung zur Pensionskasse (BVG) schon klar dass dies die Folge sein wuerde. Sie wurde als Durchbruch gefeiert. Daher bedeutet die Abstimmung zu guenstigen Wohnungen - die nicht diesem Gesetz unterstehenden Wohnungen werden teurer. Ueber die Jahre immer teurere Wohnungen bedeutet die Jungen bezahlen fuer die Alten. Wie die AHV - plus einem Satz Profiteuren
Vielen Dank. Ja, das mit der BVG sehe ich auch so.
Für die, die's nicht mehr im Kopf haben: 2001 lehnten die Stimmbürgerinnen es ab, den Umwandlungssatz der PK von 6,8 Prozent auf 6,4 Prozent zu senken. Das Referendum kam damals von Gewerkschaften, SP und Grünen, die mit "Rentenklau" argumentierten.
Danke für den Artikel. Ein Grossteil der Vermögen der Schweizer sei nicht durch ersparte Löhne zusammen gekommen, sondern „produktivitätslos“ durch Wertsteigerung von Grundstücken; hab ich mal gehört. Würde mich interessieren mehr darüber zu lesen, wie signifikant und relevant dies ist. Spricht womöglich für Baurechtsvergabe durch Stadt/Staat statt privates Grundeigentum.
Leider sind die Pensionskassen Zusammenhaenge mitkoppelnd, dh selbstverstaerkend. Wegen des vielen anzulegenden Persionskassengeldes sind die Zinsen der Nationalbank negativ. Das Geld muss aber angelegt werden. Das Geld kann am effizientesten in teuren Wohnungen angelegt werden. Wie teuer ist technisch gesehen eigentlich egal. Maximal teuer, sodass sie noch weggehen. Entspannung beim knappen Boden wird es erst geben wenn der Permafrost weg ist, wenn die Bergsturzgefahr verschwindet. Alternativ .. wie werden wir die Pensionkassen wieder los. Ausbau der AHV und das investierte Vermoegen .. ?