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In meinem letzten Beitrag habe ich den Erwerb von Grundeigentum durch Konkubinatspaare etwas näher betrachtet. Heute möchten wir dieselbe Situation aus Sicht verheirateter Paare genauer unter die Lupe nehmen.
Gemäss Notariatsinspektorat des Kantons Zürich erwerben Ehepaare Wohneigentum in 95% aller Fälle als Miteigentümer je zur Hälfte. Anlässlich des Erwerbsprozesses wird dabei jedoch kaum abgeklärt, aus welchen Mitteln der Kaufpreis bezahlt wird. Dies kann sich bei Auflösung der Ehe durch Tod oder Scheidung, zumindest für einen Ehegatten, nachteilig auswirken.
Die meisten Ehepaare unterstehen dem ordentlichen Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung. Dies bedeutet, es wurde bisher kein Ehevertrag zur Änderung des Güterstandes vereinbart und es gelten die Regelungen gemäss Gesetz. In diesem Güterstand verfügt jeder Ehegatte über zwei Vermögensmassen, nämlich die Errungenschaft und das Eigengut. In der Errungenschaft befinden sich Vermögenswerte, die während der Ehe erworben wurden. Zum Eigengut werden u.a. Vermögenswerte gezählt, die bereits zu Beginn der Ehe vorhanden waren oder durch Erbschaft erlangt wurden.
Gehen wir nun davon aus, ein Ehepaar erwirbt eine Eigentumswohnung für
CHF 500‘000.-. Die Ehefrau hat vor kurzem eine grössere Erbschaft gemacht und bezahlt den ganzen Kaufpreis alleine. Beide Ehegatten sind berufstätig und verdienen etwa gleich viel. Da man alles miteinander teilt, soll natürlich auch die Wohnung beiden gehören und so lassen sich die Ehepartner als Miteigentümer je zur Hälfte eintragen.
Nach 10 Jahren wollen sich die Ehegatten scheiden lassen. Die Eigentumswohnung soll verkauft werden. Der Verkaufspreis liegt aufgrund der Wertsteigerung bei Fr. 1 Mio. Im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung wird nicht nur die ursprüngliche Investition sondern auf die Verteilung des Gewinnes geregelt. Gemäss einem Urteil des Bundesgerichtes ist dabei ein allfälliger Mehrwert hälftig zu teilen. Da der Gewinnanteil des Ehemannes Errungenschaft darstellt, muss er diesen nochmals mit der Ehefrau teilen. Es verbleiben ihm dennoch CHF 125‘000.-, obwohl er beim Kauf der Wohnung keinen Beitrag geleistet hat.
Es ist also wichtig, dass sich Ehegatten beim Erwerb von Grundeigentum kurz darüber
Gedanken machen, aus welchen Vermögensmassen der Kaufpreis stammt und wie sie sich im Grundbuch eintragen lassen wollen. Genau gleich wie bei den Konkubinatspaaren stellt sich die Frage, ob zu einem solchen Zeitpunkt nicht grundsätzlich eine ausführliche Beratung zum Ehe- und Erbrecht angebracht wäre.
Selbstverständlich können Sie aber auch jederzeit vor oder während der Ehe einen Ehevertrag abschliessen und/oder ein, allenfalls ergänzendes, Testament aufsetzen. Denn durch vorausschauende Planung lassen sich unerwünschte Folgen bei der Auflösung der Ehe, sei es durch Scheidung oder Tod, weitgehend verhindern.
Für weitere Informationen steht Ihnen Michael Tanner unter 044 276 63 35 gerne zur Verfügung.
Weiterführende Informationen:
Links: Die Schweizer Bundesbehörden