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Ein Schulkollege von Tobias Kuster erinnert sich an die gemeinsame Kindheit. Er habe nie gedacht, dass Kuster gewalttätig werden könne.
«Am Samstag stand die Polizei bei mir vor der Tür», sagt ein ehemaliger Schulkollege von Tobias Kuster gegenüber dem «Landboten». Zuerst habe er Kuster auf dem Fahndungsbild gar nicht erkannt. «Früher war er so ein fröhlicher und lieber Mensch. Und auf dem Foto sieht er so gefühllos aus.»
Der Jugendfreund kann den Ermittlern nicht helfen: Er kenne Kuster zwar seit dem Kindergarten und habe diversen «Jugendscheiss» mit ihm gemacht, doch im Alter von 16 Jahren habe er den Kontakt abgebrochen.
Kusters Kindheit sei bis zur 3. Primarklasse normal verlaufen, steht im Urteil des Zürcher Obergerichts vom 29. September 2015. Dann infizierte er sich mit der oft durch Zecken übertragenen Borreliose und erblindete fast. Als Zehnjähriger besuchte er eine Schule für Sehbehinderte, die Sehstörung konnte erfolgreich behandelt werden. Nach Kusters Darstellung führte die Borreliose zu Depressionen. Auch nach der Behandlung seien Konzentrationsschwierigkeiten und psychische Probleme geblieben.
Der Jugendfreund erinnert sich, dass Kuster bereits im Alter von sieben Jahren das erste Mal gekifft habe. «Den Joint hatte er von älteren Jugendlichen auf dem Fussballplatz.» Als Zwölfjähriger sei Kuster wegen seines Kokain-Konsums in eine geschlossene Klinik eingewiesen worden, um einen Entzug zu machen. «Er ist sicher zehn Mal abgehauen.» Insofern verstehe er die Risikoeinschätzung des Amtes für Justizvollzug nicht.
Kuster komme aus einer wohlhabenden Familie im Zürcher Weinland, sagt der Jugendfreund. «Die Eltern wollten nur das beste für ihre Kinder.» Der Tatverdächtige hat einen älteren Bruder und zwei jüngere Schwestern. Im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren sei Tobias Kuster für Time-out-Programme nach Ungarn und Kroatien geschickt worden. Nach seiner Rückkehr zu den Eltern beginnt er eine Schreinerlehre. Es kommt zum Lehrabbruch – auch weil er eine Jugendstrafe absitzen muss. «Er wurde arbeitslos und es folgten Zeiten mit vielen Partys und Drogen», ist im Obergerichts-Urteil zu lesen.
Die Liste der Delikte von Kuster ist lang: Sie umfasst das halbe Strafgesetzbuch, unter anderem Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz, Raub und einfache Körperverletzung. Als Kuster Vater wurde, hoffte sein Jugendfreund auf Besserung. «Ich habe gedacht, dass ihn das Kind beruhigt.» Das Gegenteil war der Fall: Anfang 2015 verurteilte ihn das Bezirksgericht Winterthur wegen Freiheitsberaubung. Der Jugendfreund hätte nie gedacht, dass Kuster gewalttätig werden könnte. «Ich müsste mich zwingen, ihn trotz der schönen gemeinsamen Kindheitserinnerungen nicht mehr gern zu haben.» (maf) (aargauerzeitung.ch)