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Wie kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin?
Im Zug nach Liverpool? Warum eigentlich nicht! Wer die Schweiz am Morgen mit dem ersten TGV verlässt, in Paris nach einem Bahnhofwechsel den Eurostar nimmt und in London umsteigt, kann schon um 16.30 Uhr in der Stadt der Beatles sein! Zwischen London und Liverpool verkehren bequeme Pendolino-Züge von Virgin Trains. In London kann man den Fussweg zwischen den Bahnhöfen St-Pancras und Euston unterbrechen, um Halt in der British Library zu machen und die Handschriftenausstellung zu besuchen: Nebst der Magna Carta oder Originalen von Jane Austen ist hier beispielsweise das Original-Manuskript des Beatles-Songs «Yesterday» zu bewundern.
Warum lohnt sich die Reise?
Wegen des Fussballs und der Musik, aber auch um zu sehen, wie aus einer alten Hafen- und Industriestadt mit schlechtem Image eine dynamische und touristische Stadt geworden ist.
Fussball? Zwei Teams rivalisieren sich: die Blauen (Everton) und die Roten (Liverpool FC). Beide haben ihre Fans, ihre Geschäfte mit Fanartikeln im Stadtzentrum und ihre Supporter. Die grösste Schwierigkeit: einen Eintritt zu einem Match zu erhalten. Man kann sich aber mit dem Besuch des Fussballstadions ausserhalb der Spielzeiten trösten oder ein Spiel in einem Pub verfolgen. Gute Stimmung ist garantiert. Vor dem Betreten des Stadions oder des Pubs empfiehlt es sich, die Hymne des Liverpool FC zu lernen: «You’ll never walk alone» …
Musik? Liverpool, das ist die Stadt der Beatles. Für die «Fab Four» begann hier alles: in einem Club namens «The Cavern» im Untergeschoss eines Geschäftshauses in der Matthew Street, einer kleinen Strasse im Stadtzentrum. Der ursprüngliche Club wurde 1973 abgerissen, jedoch 1982 gleich gegenüber wieder nachgebaut. Seither stehen regelmässig Bands auf dem Programm, die Musik des legendären Quartetts spielen. Seit einigen Jahren nutzt die Stadt Liverpool die Bekanntheit der Beatles voll aus, um Touristen anzulocken: zahlreiche Skulpturen überall in der Stadt verteilt, spezielle Stadtführungen mit Besuch der Geburtshäuser der Bandmitglieder. Highlight: die «Beatleweek», eine Veranstaltung, die jedes Jahr Ende August Fans und Musizierende aus aller Welt zu fünf Tagen fast ununterbrochener Musik auf rund zehn Bühnen in der Stadt vereinigt. Letztes Jahr waren Beatles-Songs von englischen, Schweizer, mexikanischen und sogar japanischen Gruppen zu hören.
Was darf man nicht verpassen?
Den Besuch der Beatles Story: Dieses umfangreiche Museum in einem alten Hafendockquartier, in dem sich noch viele weitere Museen befinden, erzählt die Geschichte der Beatles von ihren Anfängen bis zu den grössten Erfolgen nach. Während die Besucherinnen und Besucher eine Replik des berühmten «Cavern» und anschliessend ein gelbes Unterseeboot betreten, hören sie den Erklärungen des im Eintrittspreis inbegriffenen Audioguide zu.
Das noch sehr neue Museum of Liverpool wurde 2011 in einem ausgesprochen modernen Gebäude am Ufer des River Mersey eröffnet. Das modern und attraktiv gestaltete Museum erzählt die Geschichte der Industrie- und Hafenstadt nach. Man erfährt hier zum Beispiel, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts den Docks entlang eine heute verschwundene Hochbahn gab.
Für Kunstliebhaberinnen und -liebhaber hat die Tate Gallery vor einigen Jahren im sanierten Dock-Quartier eine Liverpooler Dependance eröffnet, die häufig Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigt.
Essen und übernachten
Als Unterkunft wählen Beatles-Fans das Hard Days Night Hotel, ein ganz den Beatles gewidmetes Vier-Sterne-Haus in nächster Nähe zum «Cavern»: Skulpturen an der Fassade, Bilder in den Zimmern und zum Frühstück sogar Beatles-Musik …
Das Adelphi Hotel, ein ehemaliger Palast mit dem verblichenen Charme der Jahrhundertwende, ist während der «Beatleweek» empfehlenswert. Es verfügt über mehrere Bars und Sitzungsräume, die in dieser Zeit als Musikbühnen dienen. Das Hotel wurde einst von der wohlhabenden Transatlantik-Kundschaft frequentiert und hat unter anderem Franklin Roosevelt, Laurel & Hardy oder Bob Dylan zu seinen Gästen gezählt.
Einfacher, günstiger und sehr gut gelegen in nächster Nähe zum Bahnhof ist das Hotel The Liner. Es bietet Familienzimmer mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Zum Essen hat man die Qual der Wahl – wie in allen grossen Städten. Die Pubs verfügen immer über ein stimmiges Speiseangebot zu guten Preisen. Das «Pump House» in einem Gebäude, das einst ein System hydraulischer Dampfpumpen beherbergte, verfügt über eine angenehme Terrasse am Ufer der ehemaligen Docks in der Nähe der Museen.
Das Liverpooler Restaurant der Kette «Jamie’s Italian» bietet eine hervorragende italienische Küche in der Interpretation von Jamie Oliver. Hervorragend sind die kalten Fleisch-Antipasti und die Teigwaren mit Wurst.
Ein weiteres gutes italienisches Restaurant: «Il Forno», italienische Qualitätsküche.
Geheimtipp
Geben Sie nicht auf! In den ersten Stunden in der Stadt werden Sie den Eindruck nicht los, Ihr Englisch verlernt zu haben … Wohl ein Trugschluss: Wahrscheinlich verunsichert Sie einfach der Liverpooler Akzent, der «Scouse». Manchmal muss man mehrmals um Wiederholung desselben Satzes bitten. Aber eines ist gewiss: Wenn Sie beim Kellner im Pub ein lokales Bier bestellen, wird er Sie problemlos verstehen.
Der Autor
Ich bin Mediensprecher der SBB und reise in meiner Freizeit gerne mit meiner Familie im Zug. Natürlich ist Easyjet (manchmal) günstiger, aber wenn ich vor der Wahl zwischen einem Fensterchen ohne Aussicht und dem Panoramablick aus dem Zugfenster stehe, ist meine Entscheidung schnell gefällt!
Triptipp
Wohin soll die Reise gehen? Tipps für interessante Städtereisen, Tagesausflüge, Ferien, Wanderungen, Velotouren und vieles mehr finden Sie regelmässig in dieser Rubrik.