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Grosser Schritt in der Therapie von sekundär progredienter MS
Bisher war man in diesem fortgeschrittenen Krankheitsstadium weitgehend machtlos. Jetzt zeigt eine grosse internationale Studie erste Erfolge mit einem neuen Medikament.
In den vergangenen Jahren konnten in der Behandlung der Multiplen Sklerose grosse Fortschritte erzielt werden. Menschen mit einem schubförmigen MS-Verlauf haben, wenn sie rasch nach den ersten Anzeichen der Krankheit diagnostiziert und konsequent behandelt werden, sehr gute Aussichten auf ein Leben ohne oder mit nur geringen Beeinträchtigungen. Anders in der sekundär progredienten Phase der MS, die bei der Mehrheit der MS-Betroffenen nach durchschnittlich 15 bis 20 Jahren auftritt. Bei Menschen mit sekundär progredienter MS schreitet die Behinderung kontinuierlich fort, und es existiert bisher keine Behandlung, welche eine Zunahme der Behinderung zuverlässig aufhalten kann.
Nun konnte für die Behandlung der sekundär progredienten MS erstmals die Wirksamkeit eines Medikaments nachgewiesen werden. Das geht aus einer klinischen Phase III-Studie hervor, die federführend am Universitätsspital Basel gestaltet und in der renommierten britischen Fachzeitschrift «The Lancet» publiziert wurde. Die Studie zeigt, dass das Medikament Siponimod das Fortschreiten der Krankheit aufhalten kann. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der S1P-Modulatoren und wird als Tablette verabreicht.
Die Therapiestudie schloss in 31 Ländern 1‘645 Patientinnen und Patienten meist mit fortgeschrittener sekundär progredienter MS ein. Es handelt sich um die erste grosse klinische Studie überhaupt, welche die Wirkung eines Medikaments auf die Zunahme der Behinderung bei MS-Betroffenen in der sekundär progredienten Phase der MS nachgewiesen hat. Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Ludwig Kappos, Chefarzt Neurologische Klinik und Poliklinik am USB und Professor an der Universität Basel, verglich die Wirksamkeit von Siponimod mit einem Scheinmedikament.
Es zeigte sich, dass nach einer mittleren Behandlungsdauer von 18 Monaten Patienten mit Siponimod im Vergleich zu Placebo zwischen 21 und 26 Prozent weniger häufig eine nach 3 und 6 Monaten bestätigte Behinderungsprogression erlitten. Auch die in der Magnetresonanztomografie gemessene Zahl der Krankheitsherde sowie die Abnahme des Hirnvolumens waren unter dem neuen Wirkstoff signifikant geringer. Insgesamt war das Medikament gut verträglich.
„Obwohl unsere Studie nur einen relativen Erfolg von Siponimod zeigt, gibt sie speziell bereits länger Erkrankten und stärker behinderten Menschen mit MS Hoffnung auf längeren Erhalt ihrer Selbständigkeit und Lebensqualität“, sagt Prof. Kappos. „Der Nachweis einer Wirkung dieses Medikaments auch in fortgeschrittenen Stadien der MS ist ein positives Signal für die weitere Forschung für bessere Therapien gegen die progredient verlaufende MS.“