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Nach 20 Jahren Kampf für die Umwelt des malaiischen Stamms der Penan will sich der Schweizer Bruno Manser Fonds nun gegen die lokale Korruption in der Politik auf der Insel Borneo einsetzen. Diese sei das Hauptproblem hinter der Abholzung.
Die Penan leben in einem tropischen Regenwald mit riesiger Biodiversität in Sarawak auf der Insel Borneo, deren nördlicher Teil hauptsächlich zu Malaysia gehört.
Zwei Drittel ihrer Wälder wurden in den letzten Jahren abgeholzt, sei es zur Holzgewinnung oder zum Anbau von Palmöl-Plantagen. Nun nimmt der Bruno Manser Fonds (BMF) die politischen Kräfte hinter diesen Entwicklungen ins Visier.
Der in Basel ansässige BMF ist eine von wenigen nicht malaiischen Nichtregierungs-Organisationen (NGO), die sich vor Ort für die Penan einsetzen. In den letzten elf Jahren hat er den von seinem charismatischen Gründer angefangenen Kampf gegen die Abholzung weitergeführt.
Der Schweizer Aktivist hatte während sechs Jahren mit dem Volk gelebt und friedliche Strassenblockaden durchgeführt, um die Abholzung der Tropenwälder zu behindern.
Am 7. Dezember 1990 hatte Manser seine Organisation gegründet. Zehn Jahre später verschwand er auf einer Reise in Sarawak. 2005 erklärte ein Basler Gericht ihn für vermisst und vermutlich verstorben.
Laut der Organisation hat man in den letzten 20 Jahren Fortschritte gemacht, obschon ein Grossteil des Urwaldes gerodet worden sei.
"Wir waren in Sarawak erfolgreich mit der Kampagne, den Widerstand gegen den Holzschlag weiterzuführen, indem wir den lokalen Eingeborenen halfen, sich zu organisieren und sie dazu befähigten, selber das Richtige zu machen. Sie wissen nun, dass sie Rechte an ihrem Land haben und sich zu ihrer Umgebung äussern dürfen", sagt Lukas Straumann, Direktor des BMF, gegenüber swissinfo.ch.
Neben der Landvermessung und der Errichtung einer Vorschule und eines Gesundheitssystems hat der BMF den Penan auch dabei geholfen, mehrere Verfahren wegen Landbesitz vor lokale Gerichte zu bringen und die Situation in Europa bekannt zu machen.
"Kleptokratische" Regierung
Doch angesichts der "diktatur-ähnlichen Regierung" in Sarawak sei dies nicht genug gewesen, um wesentliche Änderungen herbeizuführen, sagt die Organisation.
"Unsere grösste Sorge ist, dass in Sarawak während der letzten drei Jahrzehnte immer die gleiche Regierung an der Macht war und die gleiche Familie diesen malaiischen Bundesstaat in einer kleptokratischen Art von Regierung führt", so Straumann.
Die in Frage gestellte Familie ist jene von Chefminister Abdul Taib Mahmud, der laut Straumann die Politik, die Wirtschaft und die Medien im Bundesstaat kontrolliert. Taib ist ebenfalls Minister für Finanzen und Planung.
Die Website des BMF berichtet regelmässig über Korruptionsvorwürfe in Sarawak. Im Februar lancierte die Organisation eine Online-Kampagne gegen Taib und 48 Unternehmen auf einer "schwarzen Liste".
Diese Woche hat sie die Kampagne noch intensiviert, indem sie eine Liste von 332 Firmen in Malaysia publizierte, die Verbindungen zu Verwandten von Taib haben, viele von ihnen sind Direktoren und Aktionäre. Weitere 101 Unternehmen befinden sich anderswo auf der Welt.
Der BMF fand die Daten in Geschäftsberichten und Handelsregistern und versuchte, Muster zu finden. Eine genauere Analyse der Daten zeigte, dass Taibs vier Kinder an 342 Firmen in der ganzen Welt beteiligt sind.
"Es ist wirklich unglaublich. Sie kontrollieren gewissermassen den gesamten Bundesstaat", sagt Straumann.
Korruption ausrotten
Der BMF behauptet auch, der Taib-Clan verstecke Gelder im Ausland. Untersuchungen betreffend vermuteter illegaler Gewinne werden derzeit in der Schweiz und in Grossbritannien durchgeführt.
Laut Straumann ist die Zeit jetzt gekommen, um den Fokus zu erweitern: "Wir denken, die Korruption ist eines jener Hauptübel, die zur Umweltzerstörung in Borneo führen, und das ist in anderen Ländern auch der Fall. Daher ist es für uns als Umwelt- und Menschenrechts-Organisation wirklich wichtig, etwas umfassender aktiv zu werden", sagt er.
"Wir mussten uns nach 20 Jahren der Kampagnen fragen, warum diese auf lokaler Ebene nicht erfolgreich waren. Die Regierung von Malaysia und jene des Bundesstaats Sarawak sind uns nicht einen Millimeter entgegengekommen. Und dann haben wir herausgefunden, dass es nur um die Korruption geht."
Taib verneint, Bestechungsgelder angenommen oder Gelder im Ausland versteckt zu haben. Er behauptet, die Abholzung finde statt, um das Land zu entwickeln. Laut Straumann hatte Manser selber versucht, es mit Taib aufzunehmen. Er habe aber feststellen müssen, dass dieser zu mächtig sei.
Rolle der NGO
Neben ihrer Kampagne gegen Korruption will der BMF nächstes Jahr auch 12 Dammprojekte in Sarawak unter die Lupe nehmen, die Dörfer überschwemmen würden und für die Lebensgrundlage der Penan "verheerend" werden könnten.
2010, an der Gedächtnisfeier zum zehnjährigen Jubiläum des Verschwindens von Bruno Manser, bemängelte Forstwirtschafts-Aktivistin Saskia Ozinga die fehlende Unterstützung von Organisationen für das Penan-Volk – eine Sache, die in den 1980er- und 90er-Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten hatte, wegen Unstimmigkeiten innerhalb der malaiischen NGO und vermutlich auch wegen dem falschen Fokus der europäischen NGO auf den Holzschlag statt auf die Menschenrechte aber in letzter Zeit in Vergessenheit geraten ist.
"Weil die Probleme in Sarawak durch die inkompetente und korrupte Regierung verursacht werden, ist es eine gute Idee, dass sich der BMF auf die Korruption fokussiert", sagte Ozinga gegenüber swissinfo.ch.
Die Schweizer Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker erklärt, Organisationen wie der BMF seien "extrem wichtig" für indigene Völker, die oft marginalisiert oder ignoriert würden. "Ohne Bruno Manser, da bin ich mir ziemlich sicher, würde niemand etwas über das Schicksal der Penan wissen", sagt Sektionschef Christoph Wiedmer gegenüber swissinfo.ch.
"Es ist sehr wichtig, dass die Unterstützung auf eine positive Art geschieht, um nicht gegen die Interessen der indigenen Völker zu wirken."
Laut Wiedmer spielen Organisationen wie der BMF eine Rolle, indem sie Themen auf Ebene der Vereinten Nationen (UNO) einbringen, Druck auf Regierungen und Unternehmen ausüben, bei der Verteidigung in Gerichtsfällen helfen und sozioökonomische Projekte vor Ort durchführen.
Das Volk der Penan
Die Penan sind einer von 24 Stämmen in Sarawak, dem grössten Bundesstaat von Malaysia auf der Insel Borneo. Vor etwa 50 Jahren lebten 100'000 Penan als Nomaden oder Halbnomaden, die in den Wäldern jagten und Nahrung sammelten. Heute leben nur noch rund 200 Menschen auf diese Art.
Holzschlag gilt als grösste Bedrohung des Lebensweise der Penang, weil er den Regenwald in den Bergen betrifft, wo andere Industrien nicht tätig sind. Er führt auch zu Erosion und verschmutztem Trinkwasser.
Laut dem BMF sind weniger als 10% der Urwälder Sarawaks noch intakt. Die Penan und andere Volksgruppen warten noch immer auf die Anerkennung ihrer Rechte am Land in den Waldgebieten, das sie traditionellerweise bewohnen.
Bruno Manser
Manser hat jahrelang für die Penan, bei denen er zwischen 1984 und 1990 lebte, Kampagnen durchgeführt.
Mit 30 Jahren hatte er eine Gesellschaft gesucht, die nahe der Natur lebt – er fand sie in den Penan. Er lebte mit ihnen, lernte ihre Sprache und zeichnete ihren Alltag auf. Dazu gehören Zeichnungen, Notizen, Tonaufnahmen und über 10'000 Fotos.
Er ermutigte die Penan, sich mit friedlichen Strassenblockaden gegen die Holzfäller zu wehren. 1990 kehrte er in die Schweiz zurück und gründete den BMF, um der Sache der Penan mehr Publizität zu ermöglichen.
Er publizierte das Buch "Stimmen aus dem Regenwald", hielt Vorträge und veranstaltete zahlreiche Protestaktionen. 1993 trat er vor dem Schweizer Parlament in einen 60-tägigen Hungerstreik, in der Hoffnung, ein Importverbot für Tropenholz zu erreichen.
1999 landete er mit einem Hängegleiter auf der Liegenschaft des Chefministers von Sarawak, Abdul Taib Mahmud.
2000 verschwand er bei einem erneuten Besuch in Sarawak. Die letzte bekannte Spur war am 25. Mai 2000 im Regenwald Borneos. Zahlreiche Suchaktionen blieben erfolglos. 2005 erklärte ihn ein Basler Zivilgericht für verschollen und vermutlich verstorben.
Bruno Manser Fonds (BMF)
Der in Basel ansässige BMF setzt sich für gefährdete tropische Regenwälder und die Rechte ihrer Bewohner ein.
Er fokussiert seine Aktivitäten auf die Penan, mit Projekten in Malaysia sowie Projekten und Kampagnen in Europa.
Projekte in Malaysia: Vermessung der Penan-Länder, Errichtung eines Gesundheitswesens, Vorschule für nomadische Penan-Kinder. In der Schweiz: Foto- und Dokumenten-Archiv von Mansers Zeit auf Borneo, Online-Kampagne gegen Tropenholz.
Der Fonds wird finanziert durch Spenden von Privaten, Stiftungen und ausgewählten Unternehmen. Individuelle Projekte erhalten auch Unterstützung von kommunalen und kantonalen Stiftungen.
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub), swissinfo.ch