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In die Gruppe der frühzyklischen Metalle gehört Kupfer. Der Kupferpreis hat bereits im Dezember 2008 die Talsohle erreicht. Aluminium hingegen hat erst im Februar 2009 Boden gefunden. Kupfer ist ein Infrastruktur-Metall und wird auch im Rahmen von Konjunkturprogrammen früh eingesetzt, das Erneuern der Strominfrastruktur ist nur ein Beispiel. Aluminium ist hingegen ein Konsum-Metall, welches von der Auto-mobil- und der Verpackungsindustrie nachgefragt wird. Dazu kommt, dass ein grosser Teil recycliert wird, bestes Beispiel sind Getränkedosen. Während Aluminium-Kontrakte deutlich im Contango (Die Preis mit einem Liefertermin in der Zukunft liegt höher als der aktuelle Preis) handeln, sind Kupfer und Nickel bereits wieder in einer Backwardation (Die Preis mit einem Liefertermin in der Zukunft liegt niedriger als der aktuelle Preis). Die grösste Sorge unter den Marktteilnehmern ist, dass der Bedarf der westlichen Welt den auslaufenden Wiederaufstockungs- Zyklus in China nicht ersetzen kann. In den ersten sechs Monaten des Jahres hat das Reich der Mitte rund 1,8 Millionen Tonnen veredeltes Kupfer importiert. Chinas Nachfrage nach Kupferdrähten und röhren hat also dafür gesorgt, dass sich die Kupferpreise im laufenden Jahr verdoppelt haben.
Auf der Angebotsseite tut sich einiges, was den Kupferpreis zumindest kurzfristig belasten wird. So ist der Kupferausstoss im weltgrössten Herstellerland Chile im August gegenüber dem Vorjahr um fast acht Prozent auf rund 460 000 Tonnen gestiegen. Klar, dass die staatlich beherrschte Fördergesellschaft Codelco vom jüngsten Preisanstieg profitieren möchte, solange es noch geht. Aber auch der
Minenriese BHP Billiton ist in Chile tätig und hat die Produktion ebenfalls erhöht. Schliesslich ist der Lagerbestand an der London Metal Exchange (LME) von 264 000 Tonnen im Juni auf 340000 Tonnen angestiegen, was den Kupfer-Bullen weiteren Wind aus den Segeln nimmt.
- Ganz anderes bei Nickel
Der Preisverlauf von Nickel gleicht jenem von Kupfer, obwohl das Anwendungsgebiet ein ganz anderes ist. Als Legierungsmetall, das mehrheitlich von Edelstahlproduzenten nachgefragt wird, hat der Nickelpreis indirekt stark unter der kollabierten Automobil- und Maschinenindustrie gelitten. Die Abwärtskorrektur ist beim Nickel bereits im vollen Gang. Dazu beitragen wird der Minenriese Vale, dessen Nickel Produktion zu drei Viertel aus Kanada stammt. Jetzt nehmen die Brasilianer ihre grösste Nickelmine in Sudbury wieder in Betrieb. Tatsächlich lohnt das sich, denn der Nickelpreis ist von 9025 US-Dollar pro Tonne im März auf 21155 Dollar gestiegen. Auf diesem Höhepunkt Mitte August war aber bereits viel spekulatives Geld im Markt. Kurzfristig dürften die Kurse also weiter fallen, um sich dann bei 15 000 Dollar einzupendeln, wenn das zwischenzeitliche Überangebot abgebaut ist.
- Im Aufwärtstrend befindet sich Zink
Aber an den Terminmärkten ist das Übergangsmetall bereits in der Backwardation, was nicht mehr allzu üppiges Aufwärtspotenzial verspricht. Auf hohem Niveau befindet sich das Angebot aus recycliertem Zink. Aussergewöhnlich ist, dass ein einziger Inhaber über 80 Prozent des Lagerbestands an der LME kontrolliert. Dort liegen derzeit rund 25 000 Tonnen, und der Verkaufsdruck steigt. Zink ist kein Rohstoff, welcher der Menschheit bald ausgehen wird, denn das spröde Metall kommt in der Erdkruste noch häufiger vor als Kupfer oder Blei. Zink ist ein typisches Nebenprodukt, das bei der Förderung von Blei und Silber anfällt. Weil sich das Fördern von Blei und Silber derzeit lohnt, bleibt auch immer mehr Zink übrig. So sind die Förderer selbst gar nicht mehr «bullish» für Zink. Deshalb drängt sich in diesem Bereich keine Investition auf. Auch das weiche Schwermetall Zinn wird in naher Zukunft keine grossen Preissprünge zeigen, deshalb hat der grösste Zinnproduzent aus Indonesien, PT Timah, die Fördermenge bereits wieder gedrosselt. Die Lagerbestände an der LME sind auf über 23 000 Tonnen geklettert, daran ändert das kurzfristige Kaufinteresse von einzelnen europäischen Ländern oder Japan nur wenig.
- Eine tadellose Rally legt Blei
Der Preis hat die Marke bei 2400 Dollar pro Tonne zwischenzeitlich überschritten. Beeindruckend, wenn man in Betracht zieht, dass die Notierung am Ende des vergangenen Jahres noch dreistellig war. Ein Grund für die imposante Hausse sind sicherlich Probleme beim Angebot. Es wurden Umweltauflagen erlassen, welche – insbesondere chinesische – Schmelzereien zu Schliessungen gezwungen haben. Kapazitätseinschnitte von bis zu 240000 Tonnen pro Jahr sind die Folge. Zusätzliche Umweltstandards verteuern die Produktion und schliesslich das Produkt. Auch in Zukunft dürften die Raffinerie Probleme bekunden, die geförderten Konzentrate zeitgemäss zu verarbeiten. So wird der aktuelle Überschuss von 31000 Tonnen im kommenden Jahr auf 17 000 Tonnen schmelzen. Weil das Nachfragewachstum die Produktionskapazitäten nachhaltig übertrifft, dürfte es bereits im Jahr 2011 zu Engpässen kommen.
Auf der Nachfrageseite steht unter anderem die Automobilindustrie. Bleisäure wird noch eine Weile die dominante Komponente für den Bau von Auto- und Lastwagenbatterien bleiben. Gerade in diesem Bereich werden die Schwellenländer in den kommenden zwei Dekaden eine gewaltige Nachfrage erzeugen. Weltweit dürften bereits in zehn Jahren doppelt so viele Autos unterwegs sein wie heute. Die Tage des billigen Bleis sind gezählt, vielleicht nicht für immer, aber zumindest für die kommenden Jahre.