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Drei arktische Raubmöwenarten — Spatelraubmöwe, Schmarotzerraubmöwe und Falkenraubmöwe — teilen sich in der kanadischen Hocharktis dasselbe Brutgebiet. Doch wo verbringen sie den Winter? Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Smithsonian Conservation Biology Institute, Canadian Wildlife Service und von der Acadia University ging dieser Frage nach und verfolgte die Flugrouten mehrerer Raubmöwen. Dabei entdeckten sie, dass sich die drei verwandten Arten von ihren gemeinsamen Brutplätzen aus im Winter über vier verschiedene Ozeane verteilen.
Die Kenntnis über die Aufenthaltsorte der Vögel außerhalb der Brutzeit ist für die internationalen Schutzbemühungen von entscheidender Bedeutung. Die Bedingungen in der Arktis und in den Ozeanen ändern sich aufgrund des Klimawandels so rasch, dass diese Veränderungen Auswirkungen auf die Vögel, die jedes Jahr von der Arktis in Hochseegebiete und zurück wandern, haben können. Für die drei kleinsten Raubmöwenarten der Gattung Stercorarius konnten die Forscher in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Ecology and Evolution erschien, mithilfe von Satellitensendern einige Wissenslücken schließen.
Das Forscherteam stattete auf Bathurst Island, Nunavut in der kanadischen Hocharktis insgesamt sieben Vögel mit Telemetriesendern aus, die dann von ihrem gemeinsamen Brutgebiet völlig unterschiedliche Richtungen einschlugen. Während die Spatelraubmöwe (Stercorarius pomarinus) nach der Überquerung des Arktischen Ozeans in den westlichen Pazifik flog, wanderten die Schmarotzerraubmöwen (Stercorarius parasiticus) und die Falkenraubmöwen (Stercorarius longicaudus) in den Nordatlantik, wobei letztere sogar bis in den Indischen Ozean in das Seegebiet zwischen Ostafrika und Madagaskar weiterzogen.
«Diese drei verwandten Seevogelarten haben ihre gemeinsame Sommerinsel in der kanadischen Arktis verlassen, um ganz unterschiedliche Zugrouten über vier Weltmeere zu nehmen. Jeder, der schon einmal eine andere Route als der Rest seiner Familie genommen hat, kann diese erstaunliche Migrationsgeschichte nachempfinden. In diesem goldenen Zeitalter der Tierverfolgung haben Vögel immer noch die Fähigkeit, uns zu überraschen.»Autumn-Lynn Harrison, Hauptautorin und Forschungsökologin für das Migratory Bird Center des Smithsonian Conservation Biology Institute
Raubmöwen sind eine wichtige Komponente der marinen und terrestrischen Nahrungsnetze. Sie fangen teilweise ihre Beute (u.a. Fische, Lemminge, Wühlmäuse) selbst, jagen aber auch anderen Seevögeln deren Beute ab, was als Kleptoparasitismus bezeichnet wird. In den Brutgebieten hängen die Falkenraubmöwe und die Spatelraubmöwe von gesunden Populationen von Lemmingen und anderen kleinen Nagetieren ab. Da diese wiederum abhängig sind von guten Schneebedingungen im Herbst und Winter, sind diese beiden Raubmöwenarten durch den Klimawandel besonders gefährdet.
Die neuen Daten liefern den Autoren zufolge weitere Beweise für die Verbindungen zwischen der marinen Biodiversität in der Arktis und der Hochsee. Sie hoffen, dass ihre Ergebnisse in die laufenden Verhandlungen über ein international verbindliches Rechtsinstrument für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere in den Gebieten außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeit einfließen.
Die ausgedehnten Wanderungen der Raubmöwen verbinden auch lokale Küstengemeinden von der Arktis bis zu den Tropen miteinander. Um den Bewohnern der Gemeinden die Lebensgeschichte der drei Seevogelarten näherzubringen, haben sich die Studienautoren mit der Künstlerin Laurel Mundy zusammengetan und eine Comic-Version der Forschungsarbeit kreiert, wie Smithsonian’s National Zoo & Conservation Biology Institute auf seiner Webseite schreibt. Der Comic ist online in fünf Sprachen verfügbar, darunter Inuktitut und Englisch, und kann auf der Webseite heruntergeladen werden.
Julia Hager, PolarJournal
Link zur Studie: Autumn‐Lynn Harrison, Paul F. Woodard, Mark L. Mallory, Jennie Rausch. Sympatrically breeding congeneric seabirds ( Stercorarius spp.) from Arctic Canada migrate to four oceans. Ecology and Evolution, 2021; DOI: 10.1002/ece3.8451
Link zur Künstlerin Laurel Mundy: http://www.laurelmundy.com/