Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03213.jsonl.gz/2049

Ishkoonigan – Reste des Landes. Die Zwangsassimilierung der Mushkeegowuk in Kanada
Seit Menschengedenken lebten die Mushkeegowuk (Swampy Cree) im Einzugsgebiet der Meeresbucht Washaho, die den kolonialen Namen «Hudson Bay» trägt. Sie jagten, fischten, stellten Fallen und folgten im Jahresrhythmus einer festgelegten Route. Als die ersten Europäer im 17. Jahrhundert an ihren Gewässern auftauchten, integrierten sie sie in ihr Handelsnetz und tauschten Pelze gegen Metallwaren und Schusswaffen. Zu Beginn waren die Beziehungen auf Augenhöhe. Doch im 19. Jahrhundert verschlechterten sie sich zu Ungunsten der Mushkeegowuk. Heute leben sie in tristen Siedlungen, die jenen aus Drittweltgebieten gleichen. Von ihrem einst riesigen Territorium sind ihnen nur wenige Reservationen geblieben. Sie nennen sie «Ishkoonigan», «Überbleibsel des Landes».
Im Referat wird anhand der Interaktion zwischen Mushkeegowuk und euro-kanadischen Siedlern gezeigt, wie beide Gruppen «Natur» unterschiedlich wahrnahmen und welche interkulturellen Konfrontationen daraus resultierten. Während die Moorlandschaften im Norden der Provinz Ontario den Indigenen jahrhundertelang als Heimat und Lebensgrundlage gedient hatten, betrachteten sie euro-kanadische Siedler als «Wildnis», die unbewohnbar, aber reich an Bodenschätzen war.
Kanada verfolgte seit 1867 eine Politik der Zwangsassimilierung der Indigenen. Ziel war es, sie Teil der kanadischen Dominanzgesellschaft werden zu lassen, um ungehindert an die schier endlosen Ressourcen zu gelangen. Auch die Reservationen im Norden Ontarios waren als Übergangslösungen gedacht. Dass die abgelegenen Cree-Dörfer als winzige Inseln auf dem einstigen traditionellen Land jedoch weiterhin existieren, hat mit indigenem Widerstand zu tun. Und wenn Mushkeegowuk gegen auf ihrem Gebiet eingerichtete Naturparks protestieren, weil sie darin nicht mehr jagen dürfen, dann stellen sich Fragen nach den Funktionsweisen eines «Green Colonialism» und einer Freizeitgesellschaft, die Naturerfahrungen nicht mit Randgruppen teilen wollte.