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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

II. Rede
107.
[Forts. v. [S. 61] ] Wie ich von einem bibelkundigen Manne, der nicht ungeschickt das, was an der Geschichte ungereimt erscheint, löste und die Fähigkeit besaß, in die Tiefe der Prophetie einzudringen, gehört habe, war es nicht der angegebene Grund, der den seligen Jonas zur Flucht veranlaßte, seine Flucht dem Meere anvertrauen hieß, ihn nach Joppe führte und von Joppe gegen Tharsis trieb. Es ist nicht wahrscheinlich, daß ihm, einem Propheten, unbekannt war, daß Gott in seiner großen Weisheit, in seinem unerforschlichen Ratschluß, auf seinen unergründlichen, unbegreiflichen Wegen durch die Drohung bezweckte, den Niniviten die angedrohten Leiden zu ersparen. Und wenn er davon wußte, ist es nicht wahrscheinlich, daß er Gott den Gehorsam verweigerte, mochte er den Niniviten so oder anders Rettung verschaffen wollen. Die Meinung aber, Jonas habe gehofft, auf dem Meere sich zu verbergen und durch die Flucht dem weitblickenden Auge Gottes zu entgehen, wäre doch recht ungereimt und töricht, und man soll sie nicht einem Propheten, ja nicht einmal irgendeinem Menschen zutrauen, der noch ein normales Verständnis für Gott und seine Allmacht besitzt.