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Die menschliche Aufmerksamkeits-Spanne wird immer kürzer. Das Handy summt, am Laptop blinkt eine neue Nachricht auf und schon bist du wieder abgelenkt. Können wir uns bald gar nicht mehr konzentrieren?
Was bedeutet Aufmerksamkeit überhaupt?
Forschende sind sich bis heute nicht komplett darüber einig, was die genaue Definition der Aufmerksamkeit ausmacht. Eine Definition aus der Kognitions-Psychologie lautet aber folgendermaßen:
Vereinfacht gesagt bedeutet es, dass es sich um die Zuweisung von Bewusstseins-Ressourcen auf bestimmte Themen oder Aufgaben handelt. Die Aufmerksamkeit muss auch nicht zwingend auf etwas Äußeres gerichtet sein, sondern kann sich auch auf das eigene Innere fokussiert sein, um Gefühle und Gedanken zu erfassen.
Verkürzte Aufmerksamkeits-Spanne: Was steckt hinter der Generation Goldfisch?
Die Bezeichnung der "Generation Goldfisch" entstand ursprünglich durch eine Studie von Microsoft, die 2015 durchgeführt wurde. Dabei wurde gemessen, dass die menschliche Aufmerksamkeits-Spanne acht Sekunden beträgt, 2000 waren es anscheinend noch zwölf Sekunden. In dieser Studie wurde auch der Vergleich mit einem Goldfisch gezogen, dem eine Aufmerksamkeitsspanne von neun Sekunden zugewiesen wurde - dieser Fakt ist allerdings nicht nachweisbar. Die Untersuchung kam jedoch auch zu dem Ergebnis, dass Menschen, die sich häufig mit digitalen Medien auseinandersetzen, Informationen intensiver und effizienter aufnehmen und Relevantes schneller herausfiltern.
Forscher:innen der Technischen Universität in Dänemark haben herausgefunden, dass sich auch die öffentliche Aufmerksamkeit beschleunigt, dies ist am Beispiel von X (ehemals Twitter) zu erklären. 2013 waren populäre Hashtags noch für 17.5 Stunden unter den Top-50, 2016 dann schon nur noch für 11.9 Stunden. Ähnlich passiert auch bei dem Verkauf von Kinokarten oder für Suchanfragen von Google. Die Forschenden begründen diese Veränderung mit der Masse der Information, die es heutzutage gibt.
Im Video: So wird unsere Aufmerksamkeit mit Clickbaiting erregt
Verschiedene Arten der Aufmerksamkeit
- Kontinuierliche Aufmerksamkeit: Bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Du benötigst dies, wenn du beispielsweise im Unterricht sitzt und über Stunden hinweg den Lehrkräften zuhören und dich beteiligen musst.
- Selektive Aufmerksamkeit: Diese Art wird auch als fokussierte Aufmerksamkeit bezeichnet. Sie beschreibt das Phänomen, wenn du durch vollends auf eine Sache konzentrierst und dabei jede Ablenkung ausblendest. Die selektive Aufmerksamkeit hilft dir, dein Gehirn vor Reizüberflutung zu schützen.
- Wechselhafte Aufmerksamkeit: Die wechselhafte Aufmerksamkeit zeichnet sich dadurch aus, dass du in der Lage bist, deine Aufmerksamkeit von einer Aufgabe auf die andere zu lenken und zu wechseln. Ein Beispiel ist das Aufbauen eines Möbelstückes. Dabei musst du regelmäßig zwischen der Anleitung und den einzelnen Arbeitsschritten sowieso den ganzen Brettern hin- und herwechseln.
Aufmerksamkeit vs. Konzentration: Wo liegt der Unterschied?
Konzentration und Aufmerksamkeit sind zwei Begriffe, die häufig gleichgesetzt werden. Aufmerksamkeit ist, wie oben beschrieben, eine Fähigkeit. Ein Teilbereich davon ist beispielsweise auch die Vigilanz, also die allgemeine Wachsamkeit. Sie steht für die Bereitschaft, genau wahrzunehmen und prompt zu reagieren - früher war das eine überlebenswichtige Fähigkeit. Die Konzentration ist, wie die Vigilanz auch, ein Teilbereich der Aufmerksamkeit. Ein Beispiel dafür ist das Fokussieren für einen längeren Zeitraum auf eine Aufgabe, ohne sich ablenken zu lassen.
Diese Auswirkungen hat die Smartphone-Nutzung auf unsere Aufmerksamkeit
Eine Studie der Universität Paderborn zeigte, dass alleine schon die Anwesenheit des Smartphones ausreicht, um Konzentrations-Fähigkeit zu senken. Das wurde so begründet, dass der Denkprozess, der benötigt wird, nicht an das Smartphone denken, die kognitiven Ressourcen für die Aufgaben beeinträchtigt, die man eigentlich erledigen sollte. Es benötigt eine übergeordnete Instanz, um den Drang zu unterdrücken, sich augenblicklich mit dem Smartphone beschäftigen zu wollen.
Durchschnittlich schauen wir 88 Mal täglich auf unser Smartphone. Der Grund dahinter: Wir erhoffen uns vom Smartphone eine positive soziale Interaktion. Ein Mechanismus im Belohnungs-System wird betätigt und die Hirn-Aktivität dort steigt. Das führt wiederum zu einem positiven Gefühl. Schon Unterbrechungen von 2,8 Sekunden bringen uns aus dem Konzept und bis wir danach zurück zur eigentlichen Tätigkeit finden und konzentriert weiterarbeiten können, dauert es eine Weile."
Kannst du deine Aufmerksamkeitsspanne (wieder) verlängern?
Die gute Nachricht: Es ist trainierbar, sich zu konzentrieren. Es gibt viele kleine Dinge, die du in deinen Alltag einbauen kannst, sei es Zeit-Management, bewusste Pausen und achtsames Konsumieren von digitalen Inhalten.
4 Tipps: So bleibst du länger aufmerksam
📴 Ablenkungen reduzieren: Multitasking ist schlecht für unsere Aufmerksamkeit, denn wenn du versuchst, dich auf vieles gleichzeitig zu fokussieren, dann verlierst du ziemlich sich er den Fokus. Es kann dir im ersten Schritt schon helfen, die Benachrichtigungen auf deinem Smartphone zu deaktivieren oder das Handy während der Arbeit oder einer Aufgabe ganz auszuschalten und in einen anderen Raum zu legen.
🏃♀️ Bewegung fördert die Konzentration: Durch Sport wird die Gehirnleistung gefördert. Wenn du deine Ausdauer trainierst und dabei deinen Puls in die Höhe treibst, kannst du dich danach besser konzentrieren und dich an Gelerntes erinnern.
⏰ Regelmäßige Pausen einlegen: Konzentrierst du dich länger auf eine Aufgabe, dann ist es umso wichtiger, zwischendurch Pause einzulegen. Eine Technik, die dir dabei helfen kann, ist beispielsweise die Pomodoro-Technik: Dabei stellst du dir den Wecker auf 25 Minuten und machst dann fünf Minuten Pause. Das wiederholst du drei Mal. Durch die Pausen hält die Leistungsfähigkeit über eine längere Zeit hinweg an.
🥛 Wasser trinken: Mit ausreichend Wasser sorgst du dafür, dass Sauerstoff und Nährstoffe schneller durch deinen Körper transportiert werden und somit auch schneller im Gehirn ankommen. Das hilft beispielsweise, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrations-Schwäche vorzubeugen.