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In den letzten Jahren wurde viel über den Klimawandel im Alpenraum gesprochen und geschrieben. Es interessierte vor allem, ob sich da überhaupt etwas zu verändern beginnt. Im Gespräch fällt häufig auf, dass Gesprächspartner vom Klima sprechen, aber eigentlich das Wetter meinen. So möchte ich zuerst einmal die verschiedenen Begriffe erklären. Anschliessend fragen wir, ob man auch in unserer Region schon einen Klimawandel ableiten kann. Sie haben richtig gelesen: Wir sprechen nicht von der Beobachtung des Klimawandels, sondern von einem «Ableiten» des Klimawandels – und damit sind wir schon mitten in den Definitionen. Was ist denn der Unterschied zwischen Wetter und Klima?
Das Wetter spüren wir direkt
Unter «Wetter» versteht der Meteorologe die Beschreibung des aktuellen Zustandes der wetteraktiven Luftschicht über einem bestimmten Ort oder einer Region. Zur Beschreibung dieses Zustandes dienen die Messwerte der Wetterelemente wie Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Lufttemperatur, Sonnenschein, Niederschläge und Winde.
Diese Messwerte werden durch verschiedene Wetterbeobachtungsstationen am Ort oder in der Umgebung aufgezeichnet. Das «Wetter» sehen und spüren wir direkt als Regen, Bewölkung, Wind, Sonnenschein, Hitze oder Kälte und können uns darauf einstellen.
Durchschnitt mehrerer Jahre
«Klima» beschreibt den durchschnittlichen Zustand der Atmosphäre über einen längeren Zeitraum, mindestens aber über 30 Jahre. Gemittelt wird über alle Messwerte der Wetterelemente, normale und extreme. Das Klima eines Ortes oder einer Region wird also mit statistischen Werten beschrieben, und diese spüren und sehen wir nicht.
Sprechen wir nun von einem «Klimawandel», dann ergeht es uns ganz ähnlich wie beim Klima. Auch den Klimawandel spüren und sehen wir nicht direkt. Er erstreckt sich ebenfalls über mindestens 30 Jahre. Man hört aber gelegentlich die Leute sagen, dass es nicht mehr wie früher ist …
Abweichungen vergleichen
Hitzeperioden wie in den Sommermonaten der Jahre 2003, 2018 und 2019 sind Wetterextreme, die dann in die jährlichen Durchschnittswerte der entsprechenden Wetterelemente wie zum Beispiel Lufttemperatur, Niederschläge, Niederschlagstage, Sommer- und Hitzetage usw. einfliessen. Warme und schneearme Winter beeinflussen in der Statistik die durchschnittlichen Werte von Lufttemperatur, Schnee-, Nebel- und Eistagen.
Um einen Klimawandel zu erkennen, muss man also die jährlichen Klimawerte aufzeichnen und diese mit den Normwerten vergleichen. Die Normwerte der entsprechenden Klimaelemente werden als Mittelwerte aus den 30-jährigen Aufzeichnungen einer Messstation berechnet. In einem Klima-Diagramm lässt sich dann mit einer linearen Trendlinie erkennen, ob sich das betreffende Klima zu verändern beginnt.
36 Jahre lückenlos
Für die Wetter- und Regenmessstation Tafers liegen die täglich aufgezeichneten und ausgewerteten Messwerte von 1983 bis 2019 vor. Das sind 36 vollständige Jahre, mehr als eine normale 30-jährige Klimaperiode, und da können nun schon ganz interessante Beobachtungen aufgezeigt werden.
Leicht weniger Niederschläge
Beginnen wir einmal mit den Niederschlägen. Abbildung 1 zeigt die Jahressummen der Niederschläge von 1983 bis 2019. Der Normwert, das heisst die mittlere jährliche Niederschlagssumme, beträgt 1111,8 mm, also 1111,8 Liter Wasser pro Quadratmeter Fläche. Die gepunktete lineare Trendlinie zeigt nun, dass die jährlichen Niederschlagssummen leicht abnehmen.
Da wollen wir mal nachfragen, ob dieser Trend auch bei der Anzahl Niederschlagstage pro Jahr zu erkennen ist. Abbildung 2 zeigt einen Überblick. Normal wären 130 Niederschlagstage pro Jahr (= Normwert). Das sind Tage, an denen mindesten ein Millimeter Niederschlag (Regen, Schnee, Graupel, Hagel usw.) fällt, und das entspricht einem Liter Wasser pro Quadratmeter Fläche.
Die Trendlinie zeigt hier auch eine leichte, noch nicht signifikante Abnahme der Niederschlagstage, also einen schwachen Hinweis zu längerfristig trockenerem Wetter.
Wenn nun eine Tendenz zur Abnahme der Niederschläge besteht, ist die Frage nach der Temperaturentwicklung interessant. Abbildung 3 zeigt die Aufzeichnungen der mittleren Jahreshöchsttemperaturen. Diese werden in Tafers aus den wöchentlichen Höchsttemperaturen in der Wetterstation mit einem Maximum-Thermometer ermittelt: Die Wetterstation besteht aus einer allseits durchlüfteten Wetterhütte, die zwei Meter über dem Boden steht.
Zwei Grad wärmer
Aus den wöchentlichen Werten werden die monatlichen und aus diesen die jährlichen Durchschnittswerte berechnet. Der Normwert für die durchschnittliche Jahreshöchsttemperatur in Tafers beträgt 17,2 Grad Celsius.
Auffällig sind die Werte der letzten sechs Jahre, die alle wesentlich über dem Normwert liegen. Die Trendlinie zeigt eine Klimaerwärmung von fast zwei Grad Celsius an, was für den Standort Tafers und Umgebung gilt. Meteo Schweiz spricht zurzeit ebenfalls von einer Klimaerwärmung von zwei Grad Celsius für die ganze Schweiz. Nicht umsonst sind wir beeindruckt vom Wegschmelzen unserer Gletscher.
Sommer- und Hitzetage
Im kommenden Juli-Beitrag wollen wir der Frage nachgehen, ob man allein aus den Messwerten der Station Tafers auch Veränderungen bezüglich der Anzahl Sommer- und Hitzetage sieht. Und wie steht es im Winterhalbjahr mit den Nebel- Schnee- und Eistagen? Mehr in den FN vom 28. Juli.
Mario Slongo ist ehemaliger DRS- Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Weitere Beiträge finden Sie unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».