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Die Ernährung der Tessiner Bauernbevölkerung war in den vergangenen im
allgemeinen arm und eintonig. Kastanien, Polenta und später Kartoffeln bildeten
die Grundnahrungsmittel. Fleisch tauchte selten auf dem Esstisch der
Bauernfamilien auf, meist nur an Festtagen. Nicht umsonst wurde Weihnachten auch
als "der Tag, an dem man Fleisch isst" genannt. Auch Brot (Roggen, Mais oder
Weizen) wurde nur aus besonderem Anlass gegessen. Kastanien hingegen gab es das
ganze Jahr: gekocht, über dem Feuer gebraten oder zu Kastanienkuchen
verarbeitet. Zur Aufbewahrung wurden die Kastanien getrocknet.
Die Polenta, die auch zum Frühstuck gereicht wurde, war früher aus anderen
Getreidearten, zum Beispiel Hirse, zubereitet worden. Erst seit im 19.
Jahrhundert Mais angepflanzt wurde, konnte die Polenta so gemacht werden, wie
wir sie heute schätzen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts tauchte auch die Kartoffel im Tessin auf und fand bald eine starke
Verbreitung.
Das Abendessen bestand oft aus Minestrone mit Gemüse, Rüben oder Bohnen und
Reis.
Die Älpler genossen eine bessere Ernährung, denn sie konnten auch die Früchte
ihrer Arbeit wie Rahm, Butter und Quark verwenden, um die gewohnte Polenta
anzureichern.
Die Essgewohnheiten entwickelten sich langsam, aber ständig. Im 19. vor allem
aber im 20. Jahrhundert gelangten immer häufiger Speisen wie Risotto und Fleisch
auf den Tisch. Was früher nur aus besonderem Anlass oder an Sonn- und Feiertagen
gegessen würde, gehörte nach und nach zum Alltag. Die Teigwaren eroberten sich
erst in 20. Jahrhundert einen festen Platz auf dem Tessiner Speisezettel.
Die Tessiner widmeten sich immer weniger der Landwirtschaft und verdienten vor
allem nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Brot vermehrt als Arbeiter und Angestellte.
Die Unterschiede in der Ernährungsweise verflachten, die Küche wurde für alle
abwechslungsreicher.