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Rüstungsprogramm 1996
Keywords : Pressemitteilung, Rüstungsprogramm, 1996, EMD
(Ti) Rüstungsprogramm 1996 :
Vom Frequenzhüpfer bis zur Schutzweste
(Pressemitteilung vom 15.03.96)
(Ld) Der Bundesrat hat das Rüstungsprogramm 1996 verabschiedet. Verteilt über
mehrere Jahre sollen dreizehn verschiedene Beschaffungen getätigt werden. Dafür
wird ein Verpflichtungskredit von 1594 Millionen Franken angefordert.
Wichtigste Vorhaben sind neue Funkgeräte und Radschützenpanzer. Zusammen mit
den geplanten Kompensationsgeschäften beträgt der Inlandanteil dieses
Rüstungsprogrammes 81 Prozent (1290 Mio. Fr.). Die Beschäftigungswirksamkeit
wird auf über 1400 Personen während rund fünf Jahren veranschlagt.
(Tx) Die neuen Funkgeräte (490 Mio.) vom Typ SE-235/435 wirken in der
Betriebsart Frequenzhüpfen dem Abhören und Stören entgegen, indem sie die
Sende- und Empfangsfrequenz einige hundert Mal pro Sekunde wechseln. In einer
konventionellen Betriebsart ist der Funkverkehr auf einer festen Frequenz auch
mit den alten Geräten möglich. Auch digitale Daten können übertragen werden.
Die in Frankreich entwickelten Geräte sollen in der Schweiz durch Ascom in
Lizenz hergestellt werden.
Die 205 Radschützenpanzer (284 Mio.) sind für die Infanterie bestimmt. Eine
erste Tranche wurde schon mit dem Rüstungsprogramm 1993 bewilligt. Der Piranha
8x8 der Firma Mowag in Kreuzlingen ist mit einem Scheitelturm mit
12,7-mm-Maschinengewehr ausgerüstet und dient dem Tranport von 8 bis 10 Mann
samt voller Kampfausrüstung einschliesslich Panzerfäusten oder
Dragon-Lenkwaffen.
Ein System zur Koordination des Fliegerabwehrfeuers mit den Bewegungen der
Militärflugzeuge (36 Mio.) soll den koordinierten Einsatz der Mittel der
Flugwaffe sicherstellen und insbesondere den Abschuss eigener Flugzeuge durch
die eigene Fliegerabwehr verhindern.
Beantragt werden ferner sechs elektronische Aufklärungssysteme (174 Mio.). Sie
ermöglichen, das Dispositiv eines Gegners aufgrund seiner Funkaktivitäten
nahezu zeitverzugslos über Distanzen bis zu 80 km aufzuklären. Die gegnerischen
Dispositive werden auf einer geografischen Bildschirmkarte sichtbar gemacht.
Die Beschaffung von Richtstrahlstationen und Bündelschlüsselungsgeräten (100
Mio.) dient dem Weiterausbau des bereits mit früheren Beschaffungen
beschlossenen Integrierten Militärischen Fernmeldesystems (IMFS).
Die neuen Feldtelefone (52 Mio.) können auf induktive Weise an jeder beliebigen
Stelle unter Beibehaltung der eigenen Nummer an ein gewöhnliches Feldkabel
angeschlossen werden. Es können gleichzeitig bis zu sieben Gespräche
gleichzeitig geführt werden. Eine Zentrale wird nicht benötigt. Der Teilnehmer
kann den gewünschten Partner selber wählen.
Zur Verbesserung der Nachtkampftauglichkeit sollen Restlichtverstärker und
Nachtzielgeräte zum Sturmgewehr (Laser-Pointer) für 89 Millionen beschafft
werden .
Zum Schutz der Armeeangehörigen gegen Splitter und Geschosse von leichten
Infanteriewaffen werden 64000 Schutzwesten gekauft. Es sind drei verschiedene
Ausführungen vorgesehen, die sich nach Gewicht und Schutzgrad unterscheiden und
die der jeweiligen Lage entsprechend zum Einsatz kommen.Die Schutzwesten
verfügen teils über Front- und Rückenplatten aus Keramik.
Beantragt wird ferner die Beschaffung von Material für die Rettungstruppen und
die Sanitätshilfsstellen, von selbstzielsuchender Munition für die
12-cm-Minenwerfer, von 310 Lastwagen sowie von zwei Schiessausbildungsanlagen
für die Panzerhaubitzen.
Jedes Rüstungsprogramm ist ein folgerichtiger Realisierungsschritt gemäss
Armeeleitbild 95, das den eidgenössischen Räten zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Armeeleitbild enthält im Bereich der Rüstungsbeschaffung folgende
Schwergewichte
· Schutz des Luftraumes,
· Führung, Übermittlung, Aufklärung, elektronische Kriegführung,
· Feuerkampf,
· Mobilität,
· Ausbildung,
· Allgemeine Ausrüstung.
Mit der Flugzeugbeschaffung und weiteren vom Parlament bewilligten Vorhaben
verlagert sich das Schwergewicht der Rüstungsausgaben vom ersten zum zweiten
dieser Ausbauschwergewichte. In der mittelfristigen Planung des EMD für die
Jahre 1996-1999 ist dafür nahezu die Hälfte der Rüstungsausgaben vorgesehen. Im
Rüstungsprogramm 1996 beträgt der entsprechende Anteil 57 Prozent. In diesem
Bereich elektronischer Anwendungen besteht ein bedeutender Nachhol- und
Anpassungsbedarf an die weltweite Entwicklung. Es geht dabei darum, die
militärischen Führer aller Stufen jederzeit bei Tag und Nacht und bei jedem
Wetter durch Aufklärung und Lagedarstellung bei ihrer Entscheidfindung optimal
zu unterstützen und ihre Befehle zuverlässig und rasch an die Truppe zu
übermitteln.
Das Rüstungsprogramm 1996 (RP 96) ist rund 250 Millionen höher als das letzte.
Die Rüstungsausgaben steigen deswegen jedoch nicht. Gegenüber dem Stand von
1990 nehmen die Rüstungsausgaben real um 26 Prozent ab. Die Ausgaben der
einzelnen Rüstungsprogramme verteilen sich immer über mehrere Jahre. In den
Jahren 1995 und 1996 waren sehr hohe Zahlungen für die F/A-18 nötig. Diese
einmalig grosse Beschaffung hatte den Verzicht auf ein RP 94 und ein
unterdurchschnittliches RP 95 zur Folge. Andere nötige Vorhaben wurden als
Folge der Flugzeugbeschaffung zurückgestellt. Der Rückgang der Zahlungen für
die F/A-18 ermöglicht nun, diese für andere Bereiche der Armee nötigen
Beschaffungen einzuleiten.
Für zusätzliche Auskünfte: Hugo Wermelinger, Informationschef Gruppe Rüstung,
Tel, 031 324 60 42