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Grounding
Sie war der Stolz der Nation: die Swissair. Als die Airline 2001 für immer am Boden blieb, stand das Land unter Schock.
Das Parlament lag sich in den Haaren. Ganz links riefen die einen, die Swissair gehöre jetzt endlich verstaatlicht. Ganz rechts wollten sie andere lieber dem Markt überlassen – und damit dem Konkurs. Aufgelockert wurde die Debatte durch Nationalrat Duttweiler: Der Migros-Chef scherzte, er habe Erfahrung mit bankrotten Firmen und sei drum bereit, die Swissair zu übernehmen. Schliesslich unterstützte der Bund die Airline grosszügig mit Steuergeldern und kaufte ihr zudem zwei neue Flugzeuge. Die Swissair musste im Gegenzug aber endlich nach Amerika fliegen, mit ausländischen Partnern kooperieren und die Aktionäre konnten sich 30 Prozent ihres Kapitals ans Bein streichen. Das war 1950.
In den nächsten zwei Jahrzehnten machte die Swissair alles richtig. Die Amerikaflüge waren enorm profitabel, Neutralität und Bankgeheimnis brachten attraktive Flugrechte und viele Erste-Klasse-Passagiere. Zuverlässigkeit, Service und gutes Marketing machten die Swissair zu einer der besten Airlines überhaupt und die Angestellten waren so stolz auf ihre Firma, dass sie sich etwa als «Swissair-Sekretärin» im Telefonbuch eintragen liessen. Die Swissair hatte Rückenwind und die Schweiz hatte eine Airline, die rund einen Drittel der Grösse von Air France, British Airways oder Lufthansa erreichte.
Die Turbulenzen kamen 1971. Der Franken stieg dramatisch im Kurs, die Swissair kam unter Druck und sie verschlief wichtige Neuheiten. Zwar baute sie den Betrieb weiter aus, aber die Gewinne stagnierten.
Um 1990 geriet sie in Abwinde. Der europäische Markt wurde liberalisiert, der Treibstoff teurer, die Kunden preisbewusster, die Schweiz sagte Nein zum EWR, Billig-Airlines kamen auf und das Fluggeschäft wurde unberechenbar. Eine Fusion mit gleich grossen Partnern scheiterte. Dann begann die Swissair kleinere Gesellschaften zu kaufen. Das war riskant, dreist, verwegen – und kam nicht gut. Verwaltungsrat, Geschäftsleitung, Piloten, Kontrollstellen: niemand kann sich für die 1990er-Jahre ein gutes Zeugnis ausstellen. Der Markt veränderte sich und der Swissair gelang es nicht, darauf die richtige Antwort zu finden.
Es endete mit grosser Symbolik. Das Ableben der Swissair stand bereits fest, als am 3. und 4. Oktober 2001 die Flugzeuge am Boden blieben – CS und UBS hatten den täglichen Kapitalbedarf unterschätzt. Bei der Rettung von 1950 war es um zehn Millionen Franken gegangen – 2001 fehlten über zwei Milliarden. Das war dann auch dem Bundesrat zu viel.