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Werner Reinhart wurde am 19. März 1884 als drittes von fünf Kindern von Dr. Theodor Reinhart und Lilly Reinhart, geborene Volkart, in Winterthur geboren. Früh entwickelte er grosse Freude an Musik. Nach dem Gymnasium begann Reinhart eine Lehre in der Firma seines Vaters, der Gebrüder Volkart. Nach Absolvierung derselben arbeitete er für ein Jahr bei einem Pariser Bankhaus als Volontär und lebte anschliessend als Angestellter der Fa. Gebrüder Volkart während weiteren Jahren in London, Indien, China und Japan. Im Jahr 1912 wurde Reinhart Teilhaber der Gebrüder Volkart. Neben seiner weitverzweigten Tätigkeit im Geschäft galt seine ganze Liebe und Hingabe dem Reich der Musik. Als sein Vater, Theodor Reinhart, 1919 starb, übernahm Werner Reinhart das elterliche Haus an der Rychenbergstrasse 94.
Reinhart war als Mäzen primär von Musikern (u.a. Clara Haskil, Alma Moodie, Ernest Ansermet, Hermann Scherchen, Adolf und Fritz Busch) und Komponisten (u.a. Othmar Schoeck, Igor Strawinsky, Paul Hindemith, Arthur Honegger, Alban Berg, Anton von Webern), aber auch von bildenden Künstlern (Alice Bailly, René Auberjonois) und Schriftstellern bekannt, so von Rainer Maria Rilke, dem er das Schloss Muzot bei Siders zur Verfügung stellte. Sein Wohnhaus Rychenberg in Winterthur vermachte er dem Musikkollegium Winterthur als Musikschule.
Das Musikkollegium Winterthur war für Werner Reinhart das «Instrument» seines Mäzenatentums, wie für Paul Sacher das Basler Kammerorchester und für Serge Koussevitzky u.a. das Boston Symphony Orchestra: Das Musikkollegium war die Institution, durch welche und für die Reinhart nicht nur als aktiver Musiker, sondern auch als Förderer in Erscheinung trat, jedoch nach aussen «unmerklich» und «einer wohltätigen unterirdischen Strömung» gleich. Während aber Dirigenten sich auch als Person exponieren müssen, war für Reinhart die Institution ein willkommener Schutzmantel, so wie er seine eigene musikalische Tätigkeit auf die Halböffentlichkeit gelegentlicher Feierstunden beschränkte oder die schützende Masse des Orchesters suchte, während er Hermann Scherchen und anderen berufenen Orchesterleitern auf dem Podium die Aufmerksamkeit überliess.
Paul Sacher, für den Werner Reinharts Wirken in verschiedener Weise sogar Vorbildwirkung hatte, würdigte den eine Generation älteren Mäzen:
«Wer sich dereinst mit der Musikgeschichte und dem Schicksal der Musiker des 20. Jahrhunderts beschäftigt, wird immer wieder Ihrem Namen begegnen. Die musikalische Revolution, die sich während und nach dem ersten Weltkrieg abspielte, haben Sie teilnehmend und unterstützend verwirklichen helfen. Es gibt wohl kaum einen Künstler von Rang, der Sie nicht gekannt und Ihre Förderung nicht erfahren hätte.»