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Von der Schifflände zum SeidenhofIn der frühen Zeit der Stadt Basel, als sich die geschlossene Siedlung einzig auf dem Münsterhügel befand, hatte es zur Sicherung der Rheinseite nur wenig bedurft. Die steile Halde über dem stark ziehenden, an sein Ufer schlagenden Strom trug selber zum Schutz das meiste bei. Zudem besass die Häuserreihe, die vom Münsterplatz zum Rheinsprung den Hochrand des Ufers begleitete, derart hohe fensterlose Fundamentmauern, dass sie während Jahrhunderten zur Sicherung dieser Stadtseite vollauf genügten.
Auch die erste Talstadt mochte - ausser den beiden Landestellen beim Salzturm - eine geschlossene Häuserfront gegen den Rhein aufgewiesen haben, die das Eindringen eines Feindes verunmöglichte. Da die Uferböschung nördlich der Schifflände anstieg, wird der Schutz durch die stets höher werdende Häuserzeile rheinabwärts immer stärker geworden sein. Erst beim St. Urbansbrunnen am Blumenrain zeigte sich - wie heute noch - zwischen den Häusern eine Lücke nach dem Fluss hin, die vermutlich von einer hier ansetzenden Zwischenbefestigung herrührt. Sie war durch eine hohe Zinnenmauer abgeschlossen.
Die Ecke der um 1200 errichteten ersten einheitlichen Stadtmauer bildete das Haus "Hus Österrich", der heutige Seidenhof, der noch auf Merians Stadtprospekten wie eine feste Stadtburg wirkt. An der äusseren Mauerecke fiel ein gewaltiger Stützpfeiler in Stufen zum Rhein hinunter. Vom tiefen Graben her gesehen, der als Ende des inneren Stadtberings hier in den Rhein mündete, erschien das alte Adelshaus wirklich wie ein Turmbau. Wie weit der merkwürdige Laubenvorbau am Nachbarhaus "Zum Brandis" (Blumenrain 32) der Verteidigung der Rheinfront zu dienen hatte, entzieht sich unserer Kenntnis. Auf zwei hohen Stützpfeilern hing der hölzerne Vorbau weit über das Wasser hinaus und ermöglichte den Blick stromauf- und stromabwärts.
Vom Seidenhof zum ThomasturmAusserhalb des inneren Stadtgrabens, der an seinem Ende gegen den Rhein durch eine zinnenbekrönte Quermauer abgeschlossen war, stieg im 16. Jahrhundert vom Totentanz ein Weg durch ein schmales Törchen steil zum Rheinufer hinab, an einen Ländeplatz, der ins Wasser auslief und mit Pfahlreihen geschützt war. Vermutlich hatte er schon bestanden, als das Gelände vor dem St. Johann-Schwibbogen noch unbebaut gewesen war. An dieser Stelle wurde auf den Rat von Adam Stapf, der 1623 ein Gutachten über die Verstärkung der Befestigung auszuarbeiten hatte, eine kleine Bastion angelegt, die bereits auf Merians Stich in der "Topographia Helvetiae" 1642 erscheint. Die Zeichnung eines Unbekannten aus der Zeit um 1700 gibt uns die Einzelheiten dieses damals "Türkenschänzlein" genannten Festungswerks. An der einen Ecke des Schanzenhofs bog sich ein vieleckiges Wachthäuslein über die Brüstungsmauer vor; an der unteren Ecke der Bastion stand unter einem Dach ein Geschütz in der Richtung gegen die kurz zuvor nach den neuen Kriegsregeln erbaute französische Festung Hüningen bereit. Ein Glück, dass es nie zu einem Duell zwischen hier und dort gekommen ist! Die St. Johannvorstadt lief nahe dem Rheinufer entlang. Ihr äussere Häuserreihe schützte mit den hohen, zum Ufer hinunterfallenden Aussenmauern nach mittelalterlichen Begriffen genügend. An zwei Stellen war die Rheinfront der Vorstadt durch kleine Brunnenplätze unterbrochen, die nach aussen hin durch Zinnenmäuerchen abgeschlossen wurden. Der äussere dieser Plätze, dem Vorstadthaus "Zur Mägd" gegenüber, ist noch heute erhalten und fällt mit einer senkrechten Mauer gegen den Fluss (heute gegen den Rheinweg) ab.
In der äusseren St. Johannvorstadt war die Böschung weniger steil, da sich der geradeaus strebende ehemalige Landstrassenzug langsam vom Bogen des Rheins löste. Schon bald nach dem äusseren Brunnenplatz fanden Gärten am Ufer hinter den Häusern Raum, und kurz vor dem Tor gelang es den Johanniter-Rittern sogar, ihre stattliche Kapelle quer zwischen Strasse und Rhein hineinzustellen. Dahinter bauten sie parallel zum Ufersaum das ansehnliche Wohngebäude, das mit seiner hohen Mauer direkt ins Wasser abfiel. Zwischen diesem Haus, der Kirche und der Stadtmauer beim Thomasturm war offenbar schon im 15. oder 16. Jahrhundert das Gebäude eingeebnet oder aufgefüllt worden, um die Gärten bis zur Ufermauer vorzuziehen. Das Stadtbild des Conrad Morand aus der Zeit um 1535 zeigt zwischen Johanniterhaus und Eckturm eine hohe Mauer, an der ein malerischer Fachwerkerker hing. Mauer und Erker sah auch Merian noch 1615 in der gleichen Weise.
Südlich vom Ritterhaus erhob sich, etwas zurückstehend, eine Plattform, die, der Pfalz beim Münster ähnlich, durch hohe Pfeiler gegen den Rhein abgestützt war. Vor dieses sicher mittelalterliche Bauwerk wurde, wohl auf das Gutachten von Adam Stapf von 1624 hin, eine Bastion gebaut, die etwas tiefer lag, dafür aber in den Strom vorstand und so die Bestreichung des Ufersaums auf- und abwärts ermöglichte. Ohne Zweifel war dies das "Endten Schänzlin", das in einem Streit zwischen dem Rat und dem Johanniter-Schaffner genannt wird; der letztere hatte eine Tür hierhin ausbrechen lassen und so die Ufersicherung gefährdet.
Aber auch der Raum zwischen der Johanniterkapelle und dem nördlich davon durchziehenden Teil der Stadtbefestigung wurde durch neu angelegte Werke um 1623-1624 verändert. Die "Rheinschanze", die von Büchel mit besonderer Vorliebe dargestellt wurde, zog sich in einem Winkel vom Rheinufer bis zum St. Johanntor hin und war auf ihrem Scheitel mit Bäumen bestanden, die schon zu Büchels Zeiten recht stattlich aussahen. Auf einer Nahansicht, die wir ebenfalls Büchel zu verdanken haben, stehen drohend die Geschütze bereit, diesen äussersten Vorsprung Basels zu verteidigen. Ihrer Geschossbahn war jedoch der an der Ecke der Schanze stehende Thomasturm im Weg, so dass er schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts Dach und Obergeschoss verlor. Aber auch so schwand der fortifikatorische Wert der Schanze dahin, und ihr Hügel wurde schliesslich zu Gartenanlagen umgewandelt.
Die Befestigung an der unteren Uferstrecke Grossbasels war völlig sinnlos geworden, als der Rhein den Fuss des Thomasturms und der anschliessenden Mauern nicht mehr bespülte. Seit dem 18. Jahrhundert hatte sich der Strom tiefer eingegraben und seine Richtung verändert. Auf dem schmalen, vor der Befestigung zum Vorschein kommenden Uferstreifen muss sogar bald ein Pfad ausgetreten worden sein, der die Umgehung des St. Johanntors erlaubte. Besonders die Bewohner der Vorstadt benützten diesen Durchgang mit Vorliebe. Dies bereitete den Stadtvätern jedoch grosse Sorge, da sie jeglichen Verkehr einzig durch die Tore geleitet wissen wollten, aus zollpolitischen wie polizeilichen Gründen. Als im Jahre 1856 unter Ingenieur Tulla die Rheinkorrektion begann, sank der Wasserspiegel des Rheins noch mehr. So wurde der Weg am Thomasturm vorbei bis zum Totentanz für jeden begehbar; ein Bild von J.J. Schneider zeigt uns den Zustand, wie er vor 1870 war, recht deutlich. Bald darauf entstand durch Aufschüttung der St. Johann-Rheinweg, der das alte Aussehen der Häuserfront am Strom unterhalb des Seidenhofs einschneidend veränderte. Als Material für den 1876/77 ausgeführten Teil, der vom Seidenhof zum "Entenloch" oberhalb des Johanniterhauses reichte, dienten die Wälle der 1843/44 geschaffenen Befestigungen am unteren Klingelberg; das untere Teilstück vom "Entenloch" zum neuen Schlachthof entstand sechs Jahre später, 1882/83. Seither stecken die unteren Geschosse des Thomasturms im Boden.