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«Irren ist menschlich», sagte der Igel und stieg vom Schrubber – aber Millionen von Menschen gehen durch das Leben und nehmen an (und bestehen manchmal darauf), dass sie mit fast allem Recht haben. Verlassen sich auf ihren «gesunden Menschenverstand», auf Commonsense.
Thomas A. Edison soll gesagt haben: »Die drei wichtigsten Voraussetzungen, um etwas Lohnenswertes zu erreichen, sind erstens harte Arbeit, zweitens Durchhaltevermögen und drittens gesunder Menschenverstand.»
Will Rogers sagte vor fast hundert Jahren: «Gesunder Menschenverstand ist nicht üblich» und ein halbes Jahrhundert davor sagte Horace Greely ebenfalls: «Gesunder Menschenverstand ist ungewöhnlich.»
In der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs aus dem 14. Jahrhundert war der «gesunde Menschenverstand» ein Sinn wie unsere anderen Sinne. Es war ein Gefühl, das als das Gemeinsame angesehen wurde, das alle anderen menschlichen Sinne vereinte und war so etwas, was wir heute «Herz» nennen würden.
Im 16. Jahrhundert änderte sich die Bedeutung in Richtung unseres heutigen Verständnisses, d.h. «die einfache Weisheit, die jeder besitzt». (George Joye verwendete den Ausdruck in Apology for William Tindale, 1535).
Gesunder Menschenverstand ist ein Paradox
Warum? Weil gesunder Menschenverstand nichts anderes ist als eine Sammlung von Informationen.
Er ist eine Sammlung von Vorurteilen, angenommenen Ratschlägen, gemachten Erfahrungen, erhaltenen Weisheiten und ererbten Überzeugungen über Jahre hinweg.
Er soll uns davor bewahren, irrationale Fehler oder Entscheidungen zu treffen. Er ist die wichtigste und doch am meisten missverstandene menschliche Fähigkeit.
Gesunder Menschenverstand wird oft als ein Mindestmass an Rationalität bezeichnet; und von Erwachsenen erwartet.
Das Problem mit dem gesunden Menschenverstand ist nicht, dass er nicht vernünftig ist, sondern dass das, was vernünftig ist, von vielen anderen Eigenschaften von Situationen, den «Kontexten» abhängig ist. Und im Allgemeinen ist es unmöglich zu wissen, welche dieser vielen Eigenschaften relevant sind, bis man sie im Nachhinein erkennt.
Ein grundlegendes Problem, das Philosophen und Kognitionswissenschaftler das «Rahmenproblem» nennen. Der Mensch beschränkt sich bei der Neubewertung auf relativ zu der Handlung relevante Erkenntnisse. Unklar ist jedoch, wie die Einschätzung der Relevanz abläuft.
Wir denken:
Gesunder Menschenverstand ist normalerweise ein Denken, das sich einfach richtig anfühlt.
Wir sind davon überzeugt, dass die einfache und geradlinige Handlung, die wir gerade ausführen wollen, die richtige ist.
Wir Menschen neigen dazu anzunehmen, dass unsere tief verwurzelten Überzeugungen gesunder Menschenverstand sind, weil wir uns schwerlich und selten vorstellen können, dass jemand anders denken könnte.
Aber es ist so: Was sich für den einen richtig anfühlt, kann sich für den anderen anders anfühlen. Was für den einen eine Selbstverständlichkeit ist, könnte der andere nur mit Kopfschütteln ablehnen.
Menschen prüfen den gesunden Menschenverstand selten auf Gültigkeit und Solidität, weil er richtig klingt. Wir akzeptieren unseren Commonsense, wenn er ein Spiegelbild der Weltanschauung und Ideologien ist, die verinnerlicht sind. Widerspruch zur eigenen Weltanschauung wird abgelehnt.
Recht haben
Viele von uns gehen durch das Leben in der Annahme, dass wir im Grunde genommen immer Recht haben, mit im Grunde genommen allem: mit unseren politischen und intellektuellen Überzeugungen, unseren religiösen und moralischen Überzeugungen, unserer Einschätzung anderer Menschen, unseren Erinnerungen, unserem Verständnis von Fakten. So absurd es klingt, scheint unser Dauerzustand darin zu bestehen, dass wir unbewusst davon ausgehen, dass wir nahezu allwissend sind.
Wenn man darüber nachdenkt, geht es beim gesunden Menschenverstand mehr um das Urteilen (basierend auf dem, was wir bereits wissen) als um objektives Denken.
Anders als bei Problemen in der Physik und der Biologie, wo wir Experten brauchen, die uns aufzeigen, was wahr ist, fühlen wir uns als «Experte», wenn es um menschliches oder soziales Verhalten geht, so dass wir unserer eigenen Meinung mindestens so sehr vertrauen wie der von Sozialwissenschaftlern.
Vieles erscheint uns offensichtlich: «Dann kommen wir zu Schlussfolgerungen, ohne nachzudenken, und die Ergebnisse fühlen sich wahr an, unabhängig davon, ob sie es auch sind», schreibt der Psychologe, Nobelpreisträger und Bestsellerautor von «Schnelles denken, langsames Denken», Daniel Kahneman.
Es gibt zudem »Planck-Wissen» und «Chauffeur-Wissen».
Wie man weniger falsch liegt
Anstatt sich darauf zu konzentrieren, immer Recht zu haben, konzentriere dich darauf, weniger falsch zu liegen.
Überprüfe dein Denken und frage dich: «Was wäre, wenn ich falsch liege?»
Komplexe Situationen brauchen komplexes Denken.
Du könntest prüfen, ob du die Dinge wirklich so gut durchdacht hast, wie du glaubst. Gerade bei Meinungsverschiedenheiten ist dies hilfreich.
Sich vor Augen halten, dass selbst deine wertvollsten Überzeugungen, Werte und Annahmen über das Leben und dessen Gestaltung falsch sein könnten, eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten.
Anstatt gegenteilige Ansichten zu ignorieren und Argumente zu verwerfen, die nicht deinem gesunden Menschenverstand entsprechen, sollten wir uns die Zeit nehmen, andere zu verstehen und zu überlegen, warum sie wohl bestimmte Aussagen machen oder bestimmte Entscheidungen treffen.
Die Quintessenz ist, dass wir lernen dürfen, offener und weiter zu denken, Schlussfolgerungen in Frage zu stellen, um die bestmöglichen Entscheidungen für die unzähligen Situationen, Anliegen und Probleme, mit denen wir jeden Tag konfrontiert sind, treffen zu können – seien sie nun banal oder komplex. Vielleicht kommen wir damit alle ein bisschen besser miteinander aus.
Nichts Genaues weiss man, und davon viel.
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