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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Erstes Buch
V. Kapitel
29.
1. Es gibt freilich nur einen einzigen Weg zur Wahrheit, aber in ihn münden wie in einen unversieglichen Strom die Gewässer von allen Seiten ein.
2. Mit göttlicher Weisheit ist daher gesagt: "Höre, mein Sohn, und nimm meine Worte auf", so heißt es, "damit dir viele Lebenswege zuteil werden. Denn Weisheitswege will ich dich lehren, damit dir die Quellen nicht mangeln",1 die aus der nämlichen Erde hervorsprudeln.
3. Jedoch hat er nicht nur bei einem einzigen Gerechten von mehreren Heilswegen geredet, er fährt vielmehr etwa folgendermaßen fort, wobei er auf viele andere Wege vieler Gerechter hinweist:2 "Die Wege der Gerechten leuchten gleich dem Licht."3 Auch die Gebote und die Vorstufen der Bildung dürften ja Wege und Ausgangspunkte für das Leben sein.
4. "Jerusalem, Jerusalem, wie oft wollte ich deine Kinder sammeln wie eine Henne ihre Jungen!"4 Jerusalem wird aber mit "Gesicht des Friedens" übersetzt. Der Herr gibt also in prophetischer Weise zu verstehen, daß die friedlich Schauenden auf [S. 33] mancherlei Art für die Berufung erzogen worden sind.
5.Wie nun? Er wollte, aber er konnte nicht. Wie oft oder wo? Zweimal, durch die Propheten und durch sein Kommen. Als vielgestaltig erweist also die Weisheit der Ausdruck "wie oft", und in jeder möglichen Gestalt sowohl hinsichtlich der Art und Weise als auch der Zahl der Wiederholungen rettet sie unter allen Umständen einige in der Zeit und in der Ewigkeit. "Denn der Geist des Herrn hat den Erdkreis erfüllt."5
6. Und wenn jemand den Text vergewaltigt und behauptet, mit den Worten: "Merke nicht auf ein schlechtes Weib; denn Honig träufelt von den Lippen der Dirne",6 sei die griechische Bildung gemeint, so höre er die folgenden Worte: "und eine Zeitlang ergötzt sie deinen Gaumen",7 wie es heißt; die Philosophie aber schmeichelt nicht.
7. Wen meint nun die Schrift mit dem Weib, das zur Dirne wurde? Sie sagt es ausdrücklich in den folgenden Versen: "Denn die Füße der Torheit führen die, die sich mit ihr abgeben, mit dem Tode in die Unterwelt; ihre Fußspuren haben keinen festen Stand. Nimm also deinen Weg fern von der törichten Lust; tritt nicht an die Türen ihrer Wohnung, auf daß du nicht andern dein Leben preisgebest."8
8. Und sie versichert noch dazu: "Dann wirst du es im Alter bereuen, wenn das Fleisch deines Körpers kraftlos geworden ist."9 Denn dieses ist das Ende der törichten Lust.
9.Und so viel darüber. Wenn die Schrift aber sagt: "Verkehre nicht viel mit einem fremden Weibe!"10 so ermahnt sie damit, die weltliche Weisheit zwar zu verwenden, aber sich nicht anhaltend mit ihr zu beschäftigen und nicht andauernd bei ihr zu verweilen. Denn nur ein auf das Wort des Herrn vorbereitender Unterricht ist in dem enthalten, was zur rechten Zeit jedem Geschlecht zu seinem Nutzen gegeben worden ist.
10. "Denn schon manche haben, von den Reizen der Dienerinnen berückt, die Herrin, die Philosophie, vernachlässigt und sind alt geworden"11 teils in der Musik, teils in der Geometrie, teils in der Grammatik, die meisten aber in der Rhetorik.
1: Spr 4,10 ac.11a.21 a.
2: das Komma nach (xxx) hodous ist zu tilgen.
3: Spr 4,18.
4: Mt 23,37; Lk 13,34.
5: Weish 1,7.
6: Spr 5,3 ab.
7: Spr 5,3c.
8: Spr 5,5.8f.
9: Spr 5,11.
10: Spr 5,20.
11: Vgl. Ariston von Chios bei Stob. Flor. 4,110; Philon, De congr. erud. gr. 77.