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Geschichte
Ein Einblick in die Geschichte der gewerblichen Möbelherstellung seit 1881.
( 1991 von Urs Roesch )
1881 begann der junge Schreinermeister Titus Roesch (1860 – 1934)) In einer kleinen Werkstatt Möbel nach eigenen Ideen zu machen. Als begabter Konstrukteur baute er eigene, die Herstellung rationalisierende Maschinen. Er hatte rasch Erfolg und konnte 1904 die für damalige Begriffe grosse „Budik“ gegenüber dem noch ganz neuen Bahnhof Diessenhofen errichten. Zur mechanischen Schreinerei und der angegliederten Säge lieferte ein Petrolmotor die Energie, vorausgesetzt er lief.
Offenbar arbeitete die kleine Schreinerei gut und billig. Der Kundenkreis weitete sich aus und reichte bis nach Basel. Vor dem Bau der Bahnlinie „Schaffhausen -Rorschach“ (1900) gingen die Möbel per Dampfschiff nach Schaffhausen und wurden dort dann Bahnverladen. Bis zu drei Schnitzer und 15 Schreiner fertigten reiche, gutbürgerliche Neurenaissancemöbel. Nach 1900 flossen dann mehr und mehr auch Jugendstilformen ein.
Die Unrast des Gründers, der unablässig neue und oft utopische Ideen zu realisieren suchte, setzte der anfänglich so prosperierenden Möbelwerkstatt sehr zu. Bereits als Zwanzigjähriger musste Sohn Titus (1887 – 1967) die Werkstätte mit grosser Schuldenlast , übernehmen. Der erste Weltkrieg 1914 / 18 schränkte die Möglichkelten noch mehr ein. Die Werkstätte bildete sich zu einer kleinen Schreinerei zurück.
Nach dem Krieg begann eine harte Aufbauphase. Es gelang Titus mitten in der alles erschütternden Weltwirtschaftskrise, bei drückender Arbeitslosigkeit, ganz grosse Aufträge hereinzuholen. Der Ausbau der Sihlpost und vor allem Einrichtungen für die Warenhäuser „Brann“ , nachmals „EPA“ und „Oscar Weber“, konnten von der kleinen Schreinerei nur dank dem aussergewöhnlichen Organisationstalent und dem eisernen Durchhaltewillen des neuen Chef gemeistert werden.
1932 wurde die Säge abgebrochen und das Raumangebot der alten „Budik“ durch Anbauten vervierfacht Die maschinelle Ausrüstung wurde grundlegend verbessert.
Auch legte Titus Roesch wieder mehr Gewicht auf die eigenständige Möbelkollektion. Seine Schwägerin, die Kunstmalerin Margrit Roesch-Tanner gab ihm Anregungen. Er zog gute Entwerfer bei. Zu nennen ist Hermann Krieger. Bald gehörte der Betrieb zur überregional vorbildlichen Avantgarde. 1934 wurde ein Ausstellungsgebäude der Werkstadt eingegliedert. Ein modernes, den Ideen der Bauhaus-Architekten nahestehendes Angebot stellte selbst anspruchsvollste Kunden zufrieden.
Das Ende der grossen Krise kündete sich ab mitte des Jahrzehntes durch eine Welle interessanter Gestaltungsimpulse an. Die Bauhaus-Ideen und von Skandinavien ausgehende Rückbesinnungen auf traditionell-ländliche Wohnkultur vermählten sich und gebaren vielversprechende Ansätze. In Deutschland gingen sie bald Im Diktat der politischen Unkultur unter. In Skandinavien führten sie nach dem zweiten Weltkrieg zum Höhenflug des „nordischen Design“, In Diessenhofen fanden sie In der Möbelwerkstätte Roesch besten Nährboden.
Die Schweiz konnte bei diesen Ansätzen auf den reichen Born ihrer Bauernkulturen zurückgreifen. In Zürich gab es bald einige Entwerferzirkel, die hervorragende, richtungsweisende Werke schufen. Es gelang, einen begabten Mann aus der Schule des Altmeisters Leuppi nach Diessenhofen zu holen: Paul Huggel. „Roesch Möbel“ wurden zu einem Begriff über die engere Region hinaus. Einladungen zu Ausstellungen – unter anderem als Sonderaussteller an die Landesausstellung 1939 – beweisen die diesem Schaffen entgegengebrachte Wertschätzung. Der Rahmen einer Schreinerwerkstatt wurde gesprengt: Die Vorhangnäherei und eine Polsterei wurden angegliedert.
Leider fiel die so hoffnungsvoll begonnene Gestaltungsrichtung rasch einer umfassenden Vulgarisierung, dem „Heimatstiel“ zum Opfer. Vielleicht verhinderte der zweite Weltkrieg (1939 – 1946) eine erfreulichere Entwicklung Es gab für eine dem guten Wohnen verpflichtete Werkstätte kaum mehr ein Weiterschreiten . Einigen Entwerferpersönlichkelten – zu nennen Ist Hans Späti und Ehrhard Schaffner – gelang es zwar, bei Roesch doch noch eine vom abgedroschenen Heimatstil“ deutlich abgehobene Linie zu halten. Aber der Erfolg ging zurück. Rote Zahlen brachten existenzgefährdende Bedrängnisse. Nur dank einiger grosser Bauaufträge gelang das Überleben.
Seit 1941 arbeitete die dritte Generation „Roesch“ mit im Betrieb. Nach der 1952 bestandenen Meisterprüfung übernahm Urs Roesch (* 1925) die Entwurfsverantwortung.
Einem neuen Aufbruch stand das skandinavische Wohnen, der Werkbund und das Wiederaufgreifen der Bauhausideen Pate. Materialgerecht, dekorlos und schlicht der technischen Form gemäss gestalten wurde zum Credo. Die Werkstatt errang eine ganze Anzahl der begehrten Werkbund-Auszeichnung „Die gute Form“. Sie stellte an der Mustermesse aus, und wirkte aktiv zuerst als Produzent, dann auch als Gestalter bei der Werkgenossenschaft Wohnhilfe In Zürich mit. Die zu den bekanntesten Exponenten der neuen Richtung zählte.
Alle Abteilungen der Firma prosperierten. Zum nun einsetzenden, guten Gedeihen der Firma trugen die von der Warenhauskette EPA erteilten Aufträge viel bei. Bis zu 50 Mitarbeiter wurden beschäftigt. Die Überbauung des Werkhofes 1961 und eine weiterer Anbau 1962 vergrösserte die Werkstätte räumlich. Auch die Ausstellung wurde erweitert und In Schaffhausen. Im „Roten Ochsen“. Vorstadt 17. ein kleiner Laden für moderne Möbel und Kunstgewerbe eröffnet. 1965 konnte das Grossrestaurant „zum Rüden“ an der Bahnhofstrasse 10 In Schaffhausen mietweise übernommen werden. Mit erheblichen Investitionen wurde dort ein grösserer Laden gebaut.
Doch der Höhenflug hielt nicht an. Die neue, helle, kühle Einrichtlinie, anfänglich von Vielen belächelt, aber von umsatzausreichend Wenigen umso heisser geliebt, wurde populärer und von den Warenhäusern aufgenommen. Bald gab es solche Möbel in Masse aus Billiglohnländern. Trotz der gewaltigen Qualitätsunterschiede wanderten Kunden ab. Beim Ladenbau stellten die Warenhäuser auf Metallgestelle um. Mit einer Redimensionierung auf 20 bis 25 Mitarbeiter gelang es aber im finanziellen Gleichgewicht zu bleiben. Um die Risiken besser auffangen zu können, wurde die Firma E. und U. Roesch, vormals Titus Roesch, 1974 in die Aktiengesellschaft Roesch Möbelhandwerk AG überführt.
Bis etwa 1965 verkaufte die Firma ausschliesslich Möbel aus eigener Werkstatt. Der Bau einer beträchtlichen Ausstellungsvergrösserung mitten im Rezessionsjahr 1973 gestattete, zu den „Roesch Möbel“ vermehrt auch sorgfältig selektionierte Modelle anderer Hersteller zu zeigen.
Es kamen so zwei Vorteile zusammen:
Die eigene Werkstatt fertigt ganz individuell für den einzelnen Kunden nach Mass und Wunsch. Gebaute Einrichtungen. Die eigene Entwurfsabteilung schafft, eine Roesch-Kollektion mit eigenständigem Charakter und aussergewöhnlich hohem Qualitätsstandard.
Nun wurde dazu eine Interessante Kollektion guter Markenprodukte selektioniert. Ideenreiche Entwürfe aus ganz Europa ergänzten die traditionell moderne Eigenkollektion. Unter einem Dach konnte so das Beste aus dem nationalen und Internationalen Möbelangebot und die exklusiv für Roesch-Kunden geschaffenen Eigenmodelle gezeigt werden.
Diese Kombination erwies und erweist sich als sehr erfolgreich. Anfangs 1976 trat Rudolf Wettstein als Innenarchitekt und Verkaufsleiter in die Firma ein. Sehr positiv wirkten sich die durch die Schweizerische Vereinigung „Gestaltendes Handwerk“ erhaltenen Impulse aus. Die Firma konnte auf einen eigenen Stand an der Mustermesse verzichten, musste sich jedes Jahr einer leistungsstimullierenden Jurierung unterziehen und erhielt viele Anregungen. Der Stil, die Eigenart der Roesch-Modelle erwarb sich Freunde, eine treue Kundschaft.
Allerdings brachten die auf hohe technische und formale Qualität ausgerichteten Produkte nur knappe Gewinne. Wünschenswerte. Ja nötige Verbesserungen mussten hinausgeschoben werden. Zwar könnte mit Umsatzsteigerungen rationeller produziert und die Ertragsschwäche behoben werden. Doch die Umsatzziele Messen sich aber im gegebenen Einzugsgebiet und mit der beschränkten Ausstellfläche nicht erreichen. Mehr Ausstellfläche wurde schliesslich 1987 In Winterthur durch den Bau eines eigenen Ausstellungsgebäudes bei der N l – Autobahnausfahrt „Ohringen / Schaffhausen“ geschaffen. Diese Erweiterung brachte rasch erfreuliche Früchte. Das Sortiment konnte besser gezeigt werden. Die nötige Umsatzzunahme wurde erreicht.
Für die doch kleine Produktionsgemeinschaft „Roesch Möbelhandwerk“ war diese Erweiterung auf doppelte Ausstellgrösse ein anspruchsvolles Unterfangen. Nur mit einer eingespielten, treuen und tüchtigen Belegschaft konnte es gewagt werden. Im neuen Verkaufsort leistete dann Verkaufsleiter Wettstein grosse Aufbauarbeit. Nicht zuletzt seinem Wirken ist es zu verdanken, dass „Winterthur“ ohne grosse Anlaufzeit prosperierte.
Im Lauf des Jahres 1989 übernahm Rudolf Wettstein die Aktienmehrheit von Roesch Möbelhandwerk. Einige Mitarbeiter erwarben kleinere Beteiligungen. Die Familie Roesch behielt nur eher symbolisch einige wenige Aktien. Urs Roesch zog sich auf Ende 1989 aus der Geschäftsleitung zurück. Zu 110 Jahren Schreinermeisterfolge „Roesch“ hat es nicht ganz gereicht.
Verschiedene Bauträger hatten schon Neu- und Umbauten auf dem Rüden-Areal geplant. Der Roesch-Laden Schaffhausen konnte nur noch auf Zeit dort bleiben. Anfangs 1991 wurde klar, dass es mit dem Jahr auch mit dem Laden an der Bahnhofstrasse zu Ende gehen wird.
Schaffhausen und Diessenhofen liegen sich nahe. Es ist kein Problem, von Schaffhausen aus die Ausstellung Roesch zu besuchen. Doch fühlen sich die Diessenhofer Möbelmacher so zu Schaffhausen gehörig, dass sie mit einem Stadtladen dort präsent sein wollen. Am 29. November 1991 geht nun der neue Laden „Roesch Möbel“ an der Vorstadt 53 in Schaffhausen auf. Direkt neben der Kantonalbank, nahe am Schwabentor, unweit des ersten Ladens an der Vorstadt 17.
Mit der Natur im Bunde: Der Beitrag von Roesch für ein gesundes Wohnen. Der verarbeitende und gestaltende Handwerker steht dem Material nahe. Das regt an, über den Einfluss der Materialien auf den Menschen und seine Nahumgebung „Wohnen“ nachzudenken. Als Resultat dieses Denkprozesses werden die meisten Roesch Möbel heute offenporig belassen und mit natürlichem Leinöl imprägniert.
Die guten Eigenschaften des Holzes, wie Klimaausgleich, positive haptische Gefühle, angenehme Reflexion von Schall und Wärme werden so erhalten und verstärkt. Besonders wirksam werden diese guten Eigenschaften bei der Verarbeitung des vollen, massiven Holzes. Roesch gehört zu den Pionieren einer modernen, biologisch aktivierenden Massivholzverarbeitung.
Auch das grösste Möbelhaus kann die umfassenden Möglichkeiten eines Möbelmachers überbieten: Jede denkbare Holzart kann er verarbeiten, jede Möbelgrösse herstellen, allen Wünschen Rechnung tragen. Sinnvoll ist die fast ausgestorbene und bei Roesch so lebendige Union von Entwerfer, Hersteller und Verkäufer auch aus ökologischer Sicht. Es ist ein kurzer Weg vom Holzeinkauf in der Region zum Verkauf in der Region. Da werden Recourcen geschont!
In gleicher Richtung wirkt sich die Langlebigkeit der Möbel aus. Sie werden nicht für modische Trends entworfen. Ziel ist, dass sie ein Leben lang dienen und dank ihrer schlichten, richtigen Formgebung über Jahrzehnte gefallen. Die hohe Ausführ- und Materialqualitäten unterstützen diese Zielsetzungen.
Roesch Schreinerei AG ab 2004
Die 2004 neu gegründete Firma Roesch Schreinerei AG beschäftigt rund 25 Mitarbeiter. Ausnahmslos alles gelernte Berufsleute und Lehrlinge. Sie ist modern eingerichtet.
Die CNC Maschine HOMAG BMG512 von bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten in der 5-Achs-Bearbeitung. Unterstützt durch den automatische Beschicker TBA 340 arbeitet die Anlage Vollautomatisch.
Mit der neuen Plattenaufteilsäge wurde die Kapazität nahezu verdoppelt.
Türen, Küchenbau ,allgemeine Schreinerarbeiten, ganze Innenausbauten, Restauranteinrichtungen, Ladenbau uvm. sind die Stärken.
Doch mehr gewichtet die langjährige, hochqualifizierte Belegschaft.
In der Werkleitung arbeitet das Projektleiterteam: Andreas Mark, Willi Ullmann, Michael Frühwirth und Fabian Leemann.
Geht es um Schreinereitechnik, Innenausbau und Ladenbau ist hier die richtige Anlaufstelle.
In der Ausstellung wird dem Möbel aus der eigenen Werkstatt besonders viel Platz eingeräumt.