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Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Monaten auch den Sportkalender diktiert. Von den Olympischen Sommerspielen über die Fussball-EM und die Eishockey-WM bis hin zur Tour de Suisse und die Athletissima in Lausanne - nichts konnte 2020 wie geplant stattfinden.
Herausragende sportliche Leistungen gab es in diesem Jahr allemal - auch von Schweizern: Die zahlreichen WM- und EM-Medaillen im Radsport, die gewonnen Kristallkugeln im Schneesport oder der Triumph der Alpinen in der Nationenwertung, um nur einige zu nennen.
Trotzdem wird 2020 als das Jahr in die Annalen eingehen, in dem zum ersten Mal in der Geschichte der Sports Awards nicht die erfolgreichsten Sportpersönlichkeiten des Jahres im Fokus stehen, sondern die Besten seit Beginn der Preisverleihung. In den fünf Kategorien Sportlerin, Sportler, Team, Trainer und Paralympische Sportler stehen die Preistragenden der Vergangenheit aufs Neue zur Wahl. Das hat der zuständige Wahlausschuss - bestehend aus Swiss Olympic, der Athletes Commission von Swiss Olympic, der SRG und des Verbands der Schweizer Sportjournalisten (sportpress.ch) - entschieden.
Als «Töfflibueb» Lüthi den Weltstar ausstach
Ein Blick in die Chronik der Schweizer Sportlerwahlen zeigt, wie sich die Preisverleihung über die sieben Jahrzehnte gewandelt hat. Als Armin Scheurer, ein Fussballer, Leichtathlet und Magglinger Sportlehrer aus Biel, im Jahr 1950 von den Schweizer Sportjournalisten für seine «sportlichen Verdienste» ausgezeichnet wurde, drehte sich längst nicht alles um Bestleistungen. Die Wahl fand noch in einem kleinen, familiären Rahmen statt. Ab 1972 wurden die Männer und Frauen in getrennten Kategorien geehrt. Erst viel später, mit dem Einstieg der Grossbank Credit Suisse im Jahr 1997, wurden die alljährlich durchgeführten Sportlerwahlen einem breiten Publikum zugänglich. Seit 2001 wird die Preisverleihung als Livesendung von den SRG-Sendern ausgestrahlt, bis 2018 mit der Credit Suisse als Mitveranstalterin und Titelsponsorin. Mittlerweile ist die TV-Gala zu einer der beliebtesten Sendungen geworden, die Jahr für Jahr beste Einschaltquoten generiert.
Die Sports Awards waren auch immer wieder für Überraschungen gut, so wie 2005, als der 19-jährige Tom Lüthi als Motorrad-Weltmeister in der 125er-Kategorie den Weltstar Roger Federer ausstach, der im gleichen Jahr Wimbledon und das US Open gewann. Nicht wenige empfanden dies damals als Affront gegenüber Federer, der Monate später die Auszeichnung zum Weltsportler des Jahres erhielt. Jenes Beispiel zeigt, dass der Ausgang solcher Wahlen, in jenem Fall von den Fernsehzuschauern herbeigeführt, nicht immer rational zu erklären ist.
Federer war auch in den Jahren danach «Dauergast» bei den Sports Awards, wenn auch oft nur aus dem Trainingscamp in Dubai zugeschaltet. Bis heute wurde der Baselbieter sieben Mal zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt - so häufig wie kein anderer. Logisch hat er es auch bei der besonderen Wahl in diesem Jahr unter die Top 6 geschafft.
Von «Kugel-Werni» bis «Gold-Vreni»
Weil sich der Start der Tennis-Saison 2021 verzögert, stehen die Chancen gut, dass Federer für einmal wieder live in der TV-Show anwesend sein wird. Flankiert wird der Rekord-Grand-Slam-Sieger in der Kategorie «Bester Sportler» von den beiden erfolgreichsten Schweizer Winterolympioniken Simon Ammann und Dario Cologna, dem dreifachen Kugelstoss-Weltmeister Werner Günthör sowie den beiden Ski-Assen Bernhard Russi und Pirmin Zurbriggen.
Bei den Frauen sind mit Lise-Marie Morerod, Erika Reymond-Hess und Vreni Schneider sogar drei ehemalige Spitzen-Skifahrerinnen nominiert. Sie treten in der Kategorie «Beste Sportlerin» gegen die einstiege Eiskunstlaufkönigin Denise Biellmann, Kunstturnerin Ariella Kaeslin und OL-Ikone Simone Niggli-Luder an.
Für die Nominationen verantwortlich zeichnet die sogenannte «Sports Awards Academy». Das eigens für diese Wahl gegründete Gremium besteht aus 120 preisgekrönten Personen, die alle in der Vergangenheit mit einer Trophäe der Sports Awards ausgezeichnet wurden. Deren im Vorfeld abgegebene Stimmen machen 50 Prozent der Wahl aus, die andere Hälfte steuern am Sonntag die TV-Zuschauer mittels Televoting bei.
Die von Sandra Studer und Rainer Maria Salzgeber moderierte Livesendung aus den Studios von Schweizer Radio und Fernsehen beginnt um 20.05 Uhr und wird auf SRF 1, RTS 2 und RSI LA 2 ausgestrahlt.
Hingis steht nicht zur Wahl
Wenn am Sonntag die grössten Schweizer Sportlerinnen und Sportler geehrt werden, fehlt Martina Hingis. Die einstiege Tennis-Queen wurde von der Wahl ausgeschlossen.
Martina Hingis ist zweifelsohne eine der grössten Sportlerinnen hierzulande. Sie war die jüngste Nummer 1 im Frauen-Tennis, gewann 5 Grand-Slam-Titel im Einzel, 13 im Doppel und 7 im Mixed. Mit ihren Erfolgen hat die 40-jährige Ostschweizerin, die mehrfach für die Sports Awards nominiert wurde, der Tennis-Schweiz Türen geöffnet. 1997 erhielt sie die Auszeichnung zur Schweizer Sportlerin des Jahres überreicht.
Dass es Hingis bei der Wahl zur «Besten Sportlerin» nicht unter die Top 6 geschafft hat, hängt damit zusammen, dass sie gar nie zur Wahl stand. Der Grund dafür ist ein Dopingvergehen aus dem Jahr 2007, als sie positiv auf Kokain getestet und daraufhin von Swiss Olympic für zwei Jahre gesperrt wurde.
Genau diese Dopingsperre wird Hingis nun zum Verhängnis. Denn im Wahlreglement ist ein Ethikzusatz festgeschrieben, der besagt, dass jene Sports-Awards-Gewinner ausgeschlossen werden, «die während ihrer Karriere eines Dopingvergehens überführt und mit einer Sperre bestraft wurden.»
Hingis ist nicht die einzige ehemalige Preisträgerin, welcher dieser Passus im Reglement zum Verhängnis wird. Auch die Rad-Weltmeister Oscar Camenzind und Urs Freuler oder die Olympiasiegerinnen Brigitte McMahon (Triathlon) und Christine Stückelberger (Dressurreiten) schafften es aufgrund ihrer Dopingvergangenheit nicht auf die illustre Wahlliste.