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In den früheren Jahren, als die Kommunikationsmöglichkeiten noch nicht in moderner Form vorhanden waren, kamen für die Übertagung von Informationen Läutwerke zum Einsatz. Einige der alten Läutwerke sind noch heute an Bahnhöfen zu sehen.
Die Läutwerke signalisierten dem Bahnpersonal und den Reisenden mittels Hammerschlägen an den Schallkörper, welche Zugsverbindungen erwartet bzw. bei der Nachbarstation abgefahren oder fahrbereit sind. Im Jahre 1847, dem Eröffnungsjahr der Schweizer Eisenbahn, erfand die Berliner Firma Simens & Halske das erste Läutewerk.
Es gab verschiedene Ausführungen von Läutwerken. Das «Mantelläutwerk» ist in einem zylindrischen eiseren Gehäuse (Mantelbude) mit äusserer Verblechung aufgestellt. Zum Schutz des Elektromagneten wurde zudem ein Blitzableiter in diese Konstruktion eingebaut. Diese Bauweise wurde beispielsweise oft auf der Gotthardlinie angewendet. Andere Bahnen oder Linien hatten «Spindel- oder Einradläutwerke», die über eine etwas einfachere Konstruktion verfügten.
Grundsätzlich war der Funktionsaufbau dieser Konstruktionen immer identisch: Im oberen Bereich der Läutwerke befand sich eine horizontale Welle, auf der ein Seilzug aufgespult war und mittels einer Kurbel aufgezogen werden konnte. Am anderen Ende des Seils befand sich hängend ein Gewichtsstein, der die Energie für das Schlagwerk lieferte. Im Laufe der Läutvorgänge im Innern der Stehsäule bewegte sich der Gewichtsstein gegen unten. Diese Form von «autonomer Energieversorgung» machte es möglich, dass das Abläutwerk rund 25 Läutvorgänge abgeben konnte, bevor es durch das Stationspersonal wieder aufgezogen werden musste. An der oberen Seinwelle war das Schlagwerk mit dem Hammerstiel und Hammer angeordnet. Der Hammer schlug dabei an den inneren Rand der Glocke.
In der Anfangszeit erfolgte die Versorgung der Elektromagnete für das Schlagwerk über eine Freileitung und Einführung von oben via Isolatoren und einem Abgriff. Später wurden diese Signale über bodenverlegte Kabel zugeführt. Durch die Betätigung eines Auslösemechanismus (Läutinduktors) durch den Fahrdienstleiter wurde der jeweilige Schaltimpuls an den Läutwerken eingeleitet. Diese über eine Gleichstrominstallation geführte Impulssteuerung generierte die unterschiedlichen Klangbilder.
In Arth-Goldau beispielsweise war das einzige 3-Schlagläutwerk der Schweiz installiert. Hier wurden für die Züge aus den drei zusammenführenden Linien unterschiedliche Töne und Klangbilder verwendet. So wurden Züge von Steinerberg (Steinen SOB) oder von Steinen (SBB) anders angekündet als jene von Walchwil oder Immensee. Mit diesen akustisch unterschiedlichen Informationen konnten sich die im Umkreis der Bahnhofsglocken befindlichen Personen über die Verkehrstätigkeit des Bahnbetriebs orientieren. Dabei wurden diese Glockenschläge bis zu einer Distanz von mehreren hundert Metern gehört. Das einmalige Schlagwerk von Arth-Goldau kann heute im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern bestaunt werden.
Aber nicht nur das Abläuten von Zügen von und nach Destinationen war die Aufgabe der Läutwerke. Die Läutwerke konnten Signale abgeben, wenn Wagen sich ungewollt selbständig machten (4 x 4 Schläge 4-4-4-4), alle Züge augfehalten werden mussten (5 x 5 Schläge 5-5-5-5-5), oder ein Stationsbeamter ans Telefon kommen musste (2 x 6 Schläge 6-6-6-6-6-6). Die Beispiele sind passend für ein Einzelschläger-Läutwerk. Bei Gruppenschlägern verhält sich die Anzahl an Schlägen in einer Salve leicht anders. Läutbuden, Perron- und Tunnelläutweke waren Einzelschläger, während die Spindelläutweke sowohl als Einzel- als auch als Gruppenschläger gebräuchlich waren. Es wurden vor allem Läutwerke von Siemens & Halske verwendet. Es kamen aber auch eigene Entwicklungen zum Einsatu:
- Einschlagwecker, deren Hammer direkt durch Elektromagneten angezogen wurde und an die Glockenschale schlug. Sie gaben wie die Einzelschläger bei jedem Stromschluss einen einfachen Schlag.
- Rasselwecker mit zwei Glockenschalen, zwischen denen der Hammer sich so lange hin und her bewegte und das Läuten erzeugte, wie der Strom gegeben wurde (wie bei einer alten Telefonklingel).
Die Einzelschläger und Einschlagwecker wurden für jeden Schlag getrennt durch einen Stromimpuls ausgelöst. Dazu dienten Signalgeber, d.h. automatische Impulsgeber mit Gewichtsantrieb nach vorher eingestellter Signalwahl. Die Stromversorgung dieser Geräte erfolgte mittels Batterien. Bei den Gruppenschlägern wurde jede einzelne Gruppe mit einem Gleichstromimpuls ausgeläst, der durch Magnetinduktoren erzeugt wurde. Die Rasselwecker wurden mit dem Wechselstrom-Induktor ausgelöst.
Text: Andreas Gerber