Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/150162

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Zunahme von Arbeitsplätzen im Bildungs- und Sozialbereich scheint unvermindert voranzuschreiten. Die Produktivität im selben Sektor bleibt aber unterproportional. Der Bundesrat wird daher eingeladen, folgende Fragen zum Fachkräftewachstum im Bildungs- und Sozialbereich zu beantworten:</p><p>1. Wie hoch war der Zuwachs an Arbeitsplätzen im Bildungs- und Sozialbereich in den letzten fünf Jahren? Wie viel betrug er in den fünf Jahren zuvor (2004-2009)? Aufgeteilt nach den verschiedenen Dienstleistungserbringern.</p><p>2. Wie viel beträgt der Anteil der ausländischen Stelleninhaber in den beiden Zeiträumen (2004-2009 bzw. seit 2009)?</p><p>3. Wie hoch war die Zunahme der ausländischen Stelleninhaber in denselben Zeiträumen in absoluten Zahlen und prozentual?</p><p>4. Um wie viel hat die Arbeitsproduktivität im Bildungs- und Sozialbereich in den beiden Zeiträumen zugenommen?</p><p>5. Erachtet er es nicht als nötig, die Produktivität im Bildungs- und Sozialbereich zu erhöhen, um zur Verringerung des Fachkräftemangels beizutragen? Falls ja, welche Massnahmen plant er?</p><p>6. Durch welche Anreize wird im Bildungs- und Sozialbereich sichergestellt, dass sich arbeitssparender technischer Fortschritt rasch durchsetzen kann?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Alle nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf eine Spezialauswertung aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake), der Grenzgängerstatistik (GGS) sowie dem Zentralen Migrationsinformationssystem (Zemis) jeweils für das zweite Quartal. Zwischen 2004 und 2014 wuchs die Zahl der Erwerbstätigen im Bereich Erziehung und Unterricht (alle Bildungsstufen) um 58 000 Personen (plus 19 Prozent), in Heimen und im Sozialwesen (u. a. Pflege-, Alten-, Erziehungsheime, soziale Betreuung älterer und behinderter Menschen, Tagesbetreuung von Kindern) um 88 000 Personen (plus 45 Prozent). Beide Bereiche expandierten überdurchschnittlich stark: Über alle Branchen hinweg stieg die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 2004 und 2014 um 669 000 Personen (plus 16 Prozent). Aufgrund der Revision der Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige (Noga) und zu grosser statistischer Unschärfen können die Zahlen für die Perioden 2004-2009 und 2009-2014 nicht ausgewiesen werden.</p><p>2. Über alle Branchen hinweg stieg der Anteil ausländischer Erwerbstätiger von 25 Prozent im Jahr 2004 auf 30 Prozent im Jahr 2014. Im Bildungsbereich nahm der Anteil von 14 auf 19 Prozent zu, in Heimen und im Sozialwesen von 21 auf 24 Prozent. Der Ausländeranteil stieg in beiden genannten Bereichen an, blieb aber auch 2014 unter dem durchschnittlichen Anteil von 30 Prozent über alle Branchen.</p><p>3. Über alle Branchen hinweg war im Zeitraum 2004-2014 eine Zunahme der Erwerbstätigkeit von Ausländerinnen und Ausländern von 406 000 Personen (plus 39 Prozent) zu verzeichnen. Im Bildungs- und Sozialbereich erhöhte sich die Erwerbstätigkeit von Ausländerinnen und Ausländern im selben Zeitraum um 53 000 Personen (plus 62 Prozent) und damit überdurchschnittlich stark. Insgesamt wuchs die Erwerbstätigkeit in den beiden Bereichen, wie bereits in der Antwort auf Frage 1 dargestellt, um 146 000 Personen (plus 29 Prozent). Das starke Beschäftigungswachstum im Bildungs- und Sozialbereich war nicht nur durch Zuwanderung, sondern auch wesentlich durch einen Zuwachs bei Schweizerinnen und Schweizern geprägt.</p><p>4. Gemäss Bundesamt für Statistik wuchs die Arbeitsproduktivität in der Periode 2004-2012 im Bereich Erziehung und Unterricht mit durchschnittlich 1,2 Prozent pro Jahr etwas stärker als im Durchschnitt aller marktwirtschaftlichen Unternehmen (0,8 Prozent), während sie sich bei Heimen und im Sozialwesen (-minus 3,3 Prozent) negativ entwickelte. Bei der Interpretation solcher Zahlen sind allerdings zahlreiche Besonderheiten der Wertschöpfungsmessung zu berücksichtigen, welche eine vertiefte Analyse des Themas erfordern.</p><p>5. Der Bundesrat hat im Rahmen der Fachkräfteinitiative (FKI) den Auftrag für die Erstellung von Berichten zu den Gründen des Beschäftigungswachstums und möglichen Produktivitätssteigerungen im Bildungs- und Sozialbereich gegeben. Entsprechende Analysen werden in Zusammenarbeit mit den Kantonen erarbeitet und sollen aufzeigen, welche Möglichkeiten bestehen, die Produktivität im Bildungs- und Sozialbereich zu erhöhen. Produktivität ist dabei nicht zu eng zu definieren und soll insbesondere auch die Qualität der erbrachten Dienstleistungen mitberücksichtigen.</p><p>Ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung im Bildungsbereich ist das Bildungsmonitoring, das dafür sorgt, dass die politischen Behörden und die verantwortlichen Institutionen von Bund und Kantonen bei der Steuerung des Bildungssystems auf aktuelle Daten und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreifen können. Der alle vier Jahre erscheinende nationale Bildungsbericht Schweiz informiert über relevante Kontextbedingungen und institutionelle Merkmale jeder Bildungsstufe und beurteilt die Leistungen des Bildungswesens anhand der drei Kriterien Effektivität, Effizienz und Equity. Dadurch ergibt sich ein sehr differenziertes Bild, auch bezüglich allfälliger Ineffizienzen.</p><p>6. Der Einsatz neuer Technologien wird im Bildungsbereich laufend und gezielt vorangetrieben. Beispiele dafür sind virtuelle Klassenzimmer, massive offene Online-Kurse (MOOC) oder die Nutzung neuer Kommunikationstechnologien. Gerade in der Berufsbildung ist das Thema angesichts der engen Verknüpfung mit der Wirtschaft von Bedeutung. Im Rahmen der Berufsbildungsforschung setzt der Bund deshalb einen Schwerpunkt in diesem Bereich. Die ETH Lausanne betreibt zusammen mit den Universitäten Genf und Freiburg sowie dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung das Leading House "Technologien für die Berufsbildung". Ziel ist in erster Linie die Gestaltung einer Lernumgebung, dank der die Verknüpfung zwischen den drei Lernorten der Berufsbildung verbessert werden kann. Im Hochschulbereich setzt das Grundfinanzierungsmodell des neuen Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetzes (HFKG) mit den sogenannten Referenzkosten sowie leistungsorientierten Bemessungskriterien bei der Mittelverteilung auch Anreize für Kostenoptimierungen.</p><p>Deutlich stärker als in der Bildung besteht im Sozialbereich aufgrund der arbeitsintensiven und persönlichen Dienstleistungen zum Beispiel in Alters- und Pflegeheimen das grundsätzliche Dilemma, dass eine Steigerung der Arbeitsproduktivität eine verminderte Qualität der Leistung zur Folge haben kann. Dennoch bestehen auch in diesem Bereich Potenziale zur Effizienzsteigerung, die auch aufgrund des bestehenden Kostendrucks realisiert werden. Zum Beispiel werden in der Invalidenversicherung durch die Erarbeitung von Leitlinien für Diagnose und Behandlung von psychischen Leiden und die Standardisierung von Bearbeitungsprozessen die verfügbaren Fachkräfte effizienter eingesetzt. Ein weiteres Beispiel aus der Arbeitslosenversicherung: Hier sorgt der Bund durch eine wirkungsorientierte Steuerung für einen gezielten Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel. Die Förderung von Informationstechnologien und Prozessevaluationen im Sozialbereich setzen einen Anreiz, die Leistungen in diesem Bereich effizienter erbringen zu können. Inwieweit es möglich sein wird, Anreize zu setzen, um die heute persönliche Betreuung von Kindern, Betagten, Arbeitslosen oder Bedürftigen ohne Qualitätseinbussen und mittels technischen Fortschritts arbeitssparender zu erbringen, wird in dem unter Punkt 5 erwähnten Bericht zu analysieren sein.</p>  Antwort des Bundesrates.