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Die Maschinenfabrik BBC, Brown Boveri & Cie. in Baden wurde am 2. Oktober 1891 von den beiden Ingenieuren Walter Boveri und Charles E.L. Brown gegründet und entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Unternehmen der Schweiz, siehe auch
www.abb.ch
Walter Boveri (1865-1924) war ein deutscher Einwanderer und sein Partner Charles E.L Brown (1863-1924) war der Sohn eines englischen Ingenieurs in Winterthur (Mitbegründer der SLM, Schweiz. Lokomotiv- und Maschinenfabrik, Winterthur). Die beiden Gründer machten Bekanntschaft während ihrer Zeit bei der Maschinenfabrik Oerlikon und ungefähr ab 1888 beschäftigten sie sich mit der Planung und Gründung eines eigenen elektrotechnischen Unternehmens.
Die Firma produzierte vorerst elektrische Maschinen und Anlagen und ab 1900 wurde die BBC rasch zum internationalen Grosskonzern ausgebaut. Die ersten ausländischen Tochtergesellschaften wurden gegründet, 1900 in Deutschland, 1901 in Frankreich, 1903 in Italien, sowie in zahlreichen anderen Ländern Europas.
Nach dem zweiten Weltkrieg expandierte BBC auch nach Uebersee und wurde zum weltumspannenden Maschinenbaukonzern. Im Jahre 1988 fusionierte BBC mit ASEA in Schweden, einem anderen führenden Konzern in der Elektrobranche und es entstand die Firma ABB, Asea Brown Boveri mit Hauptsitz in Zürich.
Im Jahre 1900 stieg die Firma auch in die Entwicklung und Produktion von Dampfturbinen ein. Offensichtlich wurden auch Dampfturbinen für die Seefahrt produziert, jedoch der allergrösste Teil dieser Anlagen wurde für Kraftwerke und industrielle Anwendungen gefertigt. Gemäss unseren Informationen, produzierte das Werk in Baden im Jahre 1941 einen Turbinensatz von 70'000 PS für das Sowjetische Schlachtschiff SOVETSKIY SOYUZ (293 m lang, 9 x 40.6 cm-Geschütze und 80'000 Tonnen Wasserverdrängung).
Das Schlachtschiff wurde allerdings nie fertiggestellt und über den
Verbleib der Dampfturbinen ist nichts weiter bekannt.
Auf vielen Schiffen kamen auch Generatoren und Elektromotoren von BBC, sowie auch von ASEA zum Einsatz, heute werden diese Erzeugnisse, plus viele andere Produkte von ABB Firmen im Ausland angeboten. Dazu gehören komplette Systeme zur Elektrizitätserzeugung und Verteilung, elektrische Schiffsantriebe, die neuartigen Azipod-drives und CRP-azipods (CRP = Contra Rotating Propellers), um nur die wichtigsten Produkte zu nennen, siehe auch
www.abb.com/marine
Das weitaus wichtigste und am besten bekannte Produkt, das in der See- und in der Binnenschifffahrt Anwendung findet, ist der Turbolader für Dieselmotoren, dessen Geschichte im Jahr 2005 hundert Jahre alt geworden ist.
Das Prinzip der Turboladung verbessert die Leistung eines Dieselmotors, indem zusätzliche Luft in die Zylinder gepresst wird. Grundsätzlich kann man sagen, der Turbolader besteht aus einer Turbine und einem Kompressor, die auf einer Welle in einem Gehäuse zusammengefasst sind. Die Turbine nützt die beträchtliche Restenergie der Abgase und treibt den Kompressor. Der Kompressor saugt frische Luft an und presst sie mit Ueberdruck in die Zylinder des Motors. Dadurch kann mehr Brennstoff eingespritzt und verbrannt werden und die Leistung der Maschine steigt.
Der Winterthurer Ingenieur Alfred Büchi (1879-1959) der bei Gebrüder Sulzer AG arbeitete, hatte 1905 ein Patent zur Turboaufladung hinterlegt. Bis zur Herstellung des ersten Turboladers war es ein langer und wohl auch ein sehr steiniger Weg. Nach weitern Arbeiten auf diesem Gebiet, erlangte Alfred Büchi in Jahr 1915 das sogenannte "Spülpatent", sein wichtigstes Patent zur Turboaufladung. Im selben Jahr machte er seinen ersten Kontakt mit BBC, was jedoch erst in 1923 zur erwünschten Zusammenarbeit führte.
Zu dieser Zeit erhielt die Vulkan-Werft in Stettin (heute die polnische Stadt Szczecin) den Auftrag zum Bau zweier Passagierschiffe für den "Seedienst Ostpreussen". Diese beiden Schiffe, die PREUSSEN und die HANSESTADT DANZIG waren mit je zwei von MAN gebauten Dieselmotoren ausgerüstet und erstmals wurde eine Aufladung verwendet. Die Turbolader dieser Motoren wurden unter Aufsicht von Alfred Büchi in den Vulkan-Werken Hannover hergestellt und die Verdichterräder wurden bei BBC Mannheim fabriziert. Somit waren diese Schiffe die ersten Motorschiffe mit aufgeladenen Dieselmotoren.
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Im Jahr 1926 wird eine neue Gesellschaft unter dem Namen "Büchi Syndikat" gegründet, um die Turboaufladung weiterzuentwickeln. Alfred Büchi übernahm die Konstruktion, BBC die Produktion und die SLM Winterthur (Schweiz. Lokomotiv- und Maschinenfabrik) lieferte die Versuchsmotoren. Durch das "Büchi Syndikat" wurden auch neue Beziehungen zu vielen Motorenbauern geknüpft und die Turboaufladung wurde dadurch schnell verbreitet und angewendet. Ab 1928 wurden immer mehr neue Schiffe mit Aufladung ausgerüstet.

Fracht/Passagierschiff (408 Fahrgäste, 20 Knoten) DON ISIDRO von De la Rama Steam Ship Co., Iloilo gebaut 1939 bei Fried. Krupp Germaniawerft AG, Kiel an der Kieler Förde.

Maschinenraum von DON ISIDRO
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Der eigentliche Durchbruch der Turboaufladung erfolgte jedoch nach dem zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung und Einführung des Turboladers vom Typ VTR, der wohl auch vielen älteren Seeleuten noch bekannt ist.
Ursprünglich wurde die Turboaufladung für 4-takt Motoren verwendet, aber 1934 wurde in Zusammenarbeit mit Sulzer, Winterthur die Entwicklung zur Aufladung von 2-takt Motoren eingeleitet. Es dauerte jedoch bis 1952 bis die erste Anwendung in der Seefahrt erfolgte. Der Tanker DORTHE MAERSK (18'000 DWT) war das erste Schiff, dessen 2-takt Hauptmotor mit Aufladung ausgerüstet wurde. Die 6-zyliner Maschine wurde von Burmeister & Wain A/S in Kopenhagen gebaut. Die beiden VTR-630 Turbolader verbesserten die Leistung von 5530 PS auf 8000 PS.
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In den frühen 1990-er Jahren entwickelte ABB eine völlig neue Turbolader-Generation, den TPS für kleine Motoren bis 3000 kW Leistung und den TPL für grosse Motoren ab 2500 kW Leistung. Durch die Entwicklung neuer, effizienterer Dieselmotoren mussten auch die modernen Turbolader neuen Anforderungen genügen und sie arbeiten heute mit bedeutend höheren Druckverhältnissen und Wirkungsgraden. Eine neue Herausforderung stellen auch die gesetzlichen Vorgaben über die Emissionswerte neuer Motoren. Generell sind die Turbolader im Verhältnis zur Leistung leichter und kompakter geworden und dank neuer Werkstoffe konnte die Wasserkühlung eliminiert werden. Die Rollenlager der VTR-Lader sind heute durch Gleitlager ersetzt worden und werden vom Schmierölsystem der Motoren geschmiert und gekühlt. Für weitere technische Informationen, siehe auch unter:
www.abb.com/turbocharging
Heute werden die Turbolader immer noch von ABB Turbo Systems Ltd., Baden entworfen, geplant und gebaut. Die Turbolader können in einem gut eingerichteten Prüfstand unter Betriebsbedingungen getestet werden. Die Büros und die modernen Fabrikationshallen befinden sich auf einem Gelände innerhalb des alten Fabrikareals von BBC in Baden. Ein dichtes Netz von über 100 Servicestellen in 55 Ländern garantiert einen weltweiten Service für Ersatzteile, sowie für Ueberhol- und Reparaturarbeiten.
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Baden
Weitere Informationen:
- Broschüre "100 Jahre Turbolader"
- Buch von Ernst Jenny "Der BBC-Turbolader – Geschichte eines Schweizer Erfolges"
15. März 2009