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Bild des Monats Juni 2010: Boten auf dem Feld von Joflanze
Die Seite aus der Münchner Wolfram-Handschrift (Cgm 19, Mitte des 13. Jahrhunderts) zeigt auf drei Bildstreifen Schritte eines kommunikativen Prozesses. In allen Bildern stehen im Vordergrund zwei Zelte, die Anordnung und Zugewandtheit der dargestellten Figuren ändert sich jedoch: Während im ersten Bildstreifen der Zwischenraum zwischen den Zelten bis auf zwei wartende Pferde frei bleibt und die Figuren in den Zelten konzentriert sind, treffen in der nächsten Darstellung zwei berittene Gruppen aufeinander, die sich im untersten Bild ganz zusammenzufinden und zu vermischen scheinen. Illustriert wird hier ein Handlungsabschnitt aus dem Parzival Wolframs von Eschenbach (um 1200), der eine Ansammlung höfischer Zeltlager auf dem so genannten ‹Feld von Joflanze› zum Ort des Geschehens macht. Es geht vor allem um einen geplanten Zweikampf und eine Liebesbeziehung, die beide auf den Austausch von Boten angewiesen sind. Die Boten sind in verschiedener Hinsicht Vermittler, sowohl auf der Ebene der Handlung wie auch auf der Ebene der Textorganisation. Die wartenden Pferde im ersten Bild gehören zu Boten, die am Ende sowohl Gegner als auch Liebende zusammenbringen. Wie das kommunikations- und erzähltechnisch genau geschieht, ist eine der Fragen, die im Rahmen des Projekts zu Botenfiguren im Parzival gestellt wird.