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Ein politisch hochaktuelles Thema - 2015 stimmte das Schweizer Volk mit grosser Mehrheit von 62% einer Liberalisierung der Fortpflanzungsmedizin auf Verfassungsebene zu. Gegen die Präimplantationsdiagnostik, insbesondere gegen die Erlaubnis, auch ohne vorbestehende familiäre Erbkrankheiten auf Chromosomenstörungen der Embryonen zu untersuchen (sog. Aneuploidie-Screening oder PGS), wurde das Referendum ergriffen, weshalb wir am 5. Juni 2016 nochmals über das Thema abstimmen müssen. Bei einem - von allen Fortpflanzungsmedizinern erhoffen - JA könnten wir dann ab 2017 die hier geschilderte Technik auch den von uns betreuten Paaren anbieten.
Bereits in jungen Jahren weicht die Mehrzahl der natürlich entstandenen Embryonen von der normalen Chromosomenzahl ab, meistens weil die weibliche Eizelle dem Embryo statt eine Kopie eines Chromosoms deren zwei (führt zu einer Trisomie) oder gar keine (führt zu einer Monosomie) mitgibt. Diese Fehlverteilungen werden als Neumutation, bzw. präziser non-disjunction bezeichnet; die so entstandenen Embryonen mit zahlenmässiger Fehlverteilung sind aneuploid. Ihre Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter der Frau exponentiell an; dies ist die biologische Grundlage der steil abnehmenden Fruchtbarkeit wie auch der zunehmenden Häufigkeit von Fehlgeburten jenseits von 35 Jahren.
Seit etwa 2015 ist es prinzipiell möglich, Embryonen vor der Einpflanzung darauf zu untersuchen, ob ihr Erbgut korrekt ist. In früheren Jahren waren die genetischen Untersuchungsmethoden noch zuwenig präzise, und auch heute muss man erheblichen Aufwand treiben, um dem Embryo - entweder am Tag 3, oder, neuerdings häufiger, am Tag 5 - eine Biopsie zu entnehmen. Die gewonnenen Zellen werden dann im hochspezialisierten Labor genetisch untersucht. Handelt es sich um ein Paar mit vorbestehender Erbkrankheit, so bezeichnet man die Methode als PID (Präimplantationsdiagnostik) bzw. PGD (preimplantation genetic diagnosis); handelt es sich hingegen um ein Testen aller Embryonen auf Neumutationen wie Trisomien oder Monosomien, so sprechen wir von PGS (preimplantation genetic screening, Aneuploidie-Screening). Das bekannte Zentrum in Valencia (Spanien) hat den Zusammenhang zwischen Alter und Anteil abweichender Embryonen untersucht:
Blaue Säulen: der Anteil abweichender Embryonen steigt stetig von 69% in der Altersgruppe unter 35 Jahren auf sage und schreibe 91% mit 42 Jahren.
Rote Säulen: bei der Mehrzahl der Frauen über 40 konnte gar kein Embryotransfer durchgeführt werden, weil kein einziger Embryo gesund war.
Als nächstes untersuchten die spanischen Forscher, wie es sich auswirkt, wenn ausschliesslich genetisch normale Embryonen eingepflanzt werden. Die Auswirkungen sind eindrücklich (nächste Tabelle): auch über 40jährige können zu über 50% schwanger werden und haben fast keine Fehlgeburten.
Blaue Säulen: sofern normale Embryonen verfügbar sind, können Frauen praktisch unabhängig vom Alter eine Erfolgsquote über 50% erreichen.
Rote Säulen: die Häufigkeit von Fehlgeburten (die bei Frauen über 40 sonst gegen 50% beträgt!) bleibt gering.
Das «Aussortieren» genetisch abweichender Embryonen stösst auf politischen und ethischen Widerspruch. Stimmt der Vorwurf, dass mit PGS kaltherzig Embryonen abgewählt werden, die lebensfähig gewesen wären? Dafür müssen wir eine weitere Grafik betrachten.
In einer Studie aus New York wurden 1069 abweichende Embryonen untersucht.
Nur 4% hatten eine Trisomie 21, die übrigen 96% wiesen eine andere der 46 möglichen Fehlverteilungen auf (Klick auf Bild zeigt Originaldaten).
Nur die Trisomie 21 (Down-Syndrom) führt zu lebensfähigen Kindern, allerdings mit unterschiedlich ausgeprägten Fehlbildungen bzw. Behinderungen. Die übrigen 96% der untersuchten Embryonen waren somit gar nicht lebensfähig. Sie hätten zu einem Misserfolg der Behandlung oder, schlimmer, zu einer psychisch wie physisch schmerzhaften Fehlgeburt mit weiterem Verlust wertvoller Zeit geführt.
Eine Embryo-Biopsie (Bild rechts) mit anschliessender PGS kann in Erwägung gezogen werden bei:
Präimplantationsdiagnostik mit Aneuploidie-Screening (PGS) ist ein vielversprechendes, zeitgemässes, im grössten Teil von Europa erlaubtes Hilfsmittel für eine Minderheit von IVF-Paaren, nämlich jene in schwierigen Situationen und/oder mit zerrinnender Zeit.
Nur eine Minderheit von IVF-Paaren mit klarer medizinischer Indikation werden die PGS durchführen, nur schon aus Aufwand- und Kostengründen.
PGS erkennt in 96% der Fälle Embryonen, die ohnehin völlig chancenlos wären und zu Fehlversuchen bzw. Fehlgeburten geführt hätten.
PGS verbessert die Effizienz schwieriger Behandlungen, verhindert schmerzhafte Fehlgeburten und kann bei älteren Frauen den Unterschied zwischen Kind und Kinderlosigkeit ausmachen.
Die gesellschaftliche Kontroverse über die vorgeburtliche Erkennung von Trisomie 21 kommentiere ich auf einer eigenen Seite; grundsätzlich darf man keine Frau zwingen, eine «Schwangerschaft auf Probe» einzugehen und dann - völlig legal - die Diagnose der Trisomie 21 erst mit 11-12 Schwangerschaftswochen zu erfahren, nur um dann über Abtreibung nachdenken zu müssen.
Aus Anlass einer prominenten über 50jährigen Schwangeren konnte ich das biologische Altern der Eierstöcke ausführlich darlegen.
Link zum vollständigen Interview als PDF
Seit Anfang 2015 sind Dr. Niklaus Lang und Dr. Michael Singer Mitglieder des Ärzte-Netzwerks Brust-Zentrum Zürich. Bei Erkrankungen der Brust behandeln wir unsere Patientinnen in Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Fachspezialisten ...
... des Brust-Zentrums Zürich Seefeld. Diese interdisziplinäre Vernetzung hat für unsere Patientinnen den Vorteil, dass sie - auch bei bösartigen Erkrankungen - nach neuesten Richtlinien behandelt werden und Zugriff auf sämtliche Fachspezialisten haben, wobei Ihr langjähriger Frauenarzt den Überblick über Ihren Krankheitsverlauf behält.
Gerne stehen wir Ihnen bei sämtlichen Erkrankungen der weiblichen Brust weiterhin als primäre Anlaufstelle zur Verfügung.
Seit 1. Juli 2015 werden die Kosten des Bluttests auf Trisomie 21, 18 und 13 (NIPT) von der Grundversicherung übernommen, sofern zuvor der Ersttrimester-Bluttest durchgeführt wurde und ein Risiko von höher als 1:1000 ergeben hat. Unser Ärzteteam kann sie kompetent beraten.
Die vom Parlament verabschiedete Gesetzesrevision und die notwendige Verfassungsänderung bringen den von uns behandelten Paaren mit Kinderwunsch wesentliche Fortschritte, weil sie eine optimale Behandlung ermöglichen, medizinische Risiken für Mutter und Kind reduzieren und unnötige seelische Belastungen für die betroffenen Paare vermeiden:
Die Gesetzesrevision ist ethisch breit abgestützt. Geschlechtsselektion und «Designer-Babys» bleiben verboten. Die fraglichen Methoden sind in 27 von 28 EU-Staaten (ausser Litauen) erlaubt.
Meine persönliche Meinung: Fortpflanzungsmedizin lässt niemanden kalt. Allzu schnell werden - auch wieder in den letzten Tagen - in den Leserkommentaren Meinungen laut, Kinderlosigkeit sei als natur- oder gottgegeben zu akzeptieren, Kinderwunsch sei ohnehin teure Selbstverwirklichung, und jegliche Methoden zur Auswahl der lebensfähigen Embryonen seien abzulehnen. Dabei geht es im Kern um die Frage, ob bestimmte Kreise aufgrund ihrer ethischen oder religiösen Überzeugungen das Recht haben, dem Rest der Gesellschaft vorzuschreiben, ob und wie sie im Falle von medizinischen Problemen ihren Kinderwunsch verwirklichen können. Unerfüllter Kinderwunsch wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO längst als Krankheit anerkannt; bei Krebsleiden wird der Staat auch nicht festlegen wollen, ob eine bestimmte Tumorart optimal behandelt werden darf oder nicht. Die Schweizer Stimmbürger setzten seit jeher auf die Eigenverantwortlichkeit der Betroffenen; wenn eine Frau Ja sagen kann zum Schwangerschaftsabbruch, soll sie auch Ja sagen können zur Auswahl lebensfähiger entwickelter Eizellen.
Der reflexartige Vorwurf, wir würden die Tür zu einer Entwicklung in Richtung «Designer-Babys» öffnen, ist aus drei Gründen falsch (und eigentlich intellektuell unredlich). Erstens bleibt der wichtige Gesetzesartikel 5 unverändert in Kraft, der die Herbeiführung bestimmter Eigenschaften beim Kind verbietet und Fortpflanzungsverfahren ohne medizinischen Grund ausschliesst:
Zweitens ist die Auswahl von Embryonen nach bestimmten Eigenschaften (ausser Erbkrankheiten) auch technisch noch reine Zukunftsmusik, und drittens würde niemand, der auf natürliche Art schwanger werden kann, die Strapazen einer IVF-Behandlung auf sich nehmen, nur um ein Kind mit blauen Augen zu haben. Als verantwortungsbewusste und seriöse Fortpflanzungsmediziner bekennen wir uns zum Artikel 5 und zum Prinzip, dass Verfahren im Reagenzglas jenen vorbehalten bleiben, die nur so überhaupt ein Kind haben können.
Aufgeklärte Gesellschaften können sehr wohl mit den neuen Möglichkeiten umgehen; dies sieht man daran, dass in ganz Europa keine unerwünschten Auswirkungen oder Skandale im Zusammenhang mit Präimplantationsdiagnostik bekannt sind. Die Anzahl Neugeborener mit Trisomie 21 ist in der Schweiz trotz neuer Möglichkeiten vorgeburtlicher Untersuchungen sogar leicht am Steigen, weil selbstbestimmte und verantwortungsbewusste Mütter ein Kind mit Trisomie in Kauf nehmen. Es ist nicht einzusehen, wieso ausgerechnet die Schweiz an einem überholten und starren Gesetz festhalten soll.
Dr. med. Michael Singer
Zwei Studien aus Skandinavien konnten zeigen, dass eine Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft zu auffälligen Verhaltensmuster beim Kind führen kann wie etwa ADS.
Voraussetzung für einen solchen statistischen Zusammenhang war unter anderem eine minimale Einnahmedauer von 28 Tagen! Da es bei diesen sogenannten Kohortenstudien verschiedene methodische Mängel gab (unklare Dosis / Menge des Paracetamols, Diagnosen ausschliesslich auf elterlichen Beobachtungen basierend, unklare familiäre Faktoren wie Drogenkonsum etc.) und der Zusammenhang zwischen dem Paracetamol und den Verhaltensauffälligkeiten völlig unklar ist, lassen die Ergebnisse zwar aufhorchen, müssen aber kritisch hinterfragt werden.
Nach wie vor gilt deshalb Paracetamol immer noch als Schmerzmedikament der ersten Wahl bei Schwangeren. Gleichzeitig gilt aber auch hier, dass Medikamente in der Schwangerschaft insgesamt zurückhaltend eingenommen werden sollten, da letztlich das Risiko einer negativen Beeinflussung des Kindes durch das Medikament nie vollends ausgeschlossen werden kann. (Aber welche schwangere Frau nimmt schon 4 Wochen lang Paracetamol?)
Da der postulierte Zusammenhang mit Paracetamol auch bei längerer Einnahmedauer keineswegs bewiesen ist, können alle schwangeren Frauen, welche Paracetamol eingenommen haben und nun verunsichert sind, beruhigt werden. Das Risiko, dass ihr Kind dadurch einen möglichen Schaden erlitten hat, ist verschwindend klein.
Wenn ein Wirtschaftsmagazin des Schweizer Fernsehens unwidersprochen über das lukrative Geschäft von Kinderwunschpraxen in der Schweiz und in Spanien berichtet, so ist eine Klarstellung angezeigt (ECO Spezial «Das Geschäft mit dem Kind», 6. Oktober 2014).
Das Bedürfnis nach maximaler Medienpräsenz macht es den Journalisten leicht, eine kommerzielle Grundnote herauszuarbeiten, die eben nicht Triebfeder der Betreuung betroffener Paare sein sollte. Dies mag von den porträtierten Ärzten nicht in diesem Ausmass beabsichtigt gewesen sein, ich fürchte aber, dass es bei Patienten, Stimmbürgern und Politikern schlecht ankommt. Vorbeugung, Abklärung und Behandlung von unerfülltem Kinderwunsch betrachte ich weiterhin als ureigene ärztliche Aufgabe und nicht als Geschäftsmodell.
Oktober 2014 / Dr. med. Michael Singer
Eizellvorsorge (engl. social egg freezing) ist das Tiefkühlen unbefruchteter weiblicher Eizellen als Vorsorge für den Fall, dass es später mit dem Kinderkriegen nicht auf natürliche Weise klappt. Hintergrund ist die rapide abnehmende Fruchtbarkeit der Frau ab 35 Jahren (bei etlichen Frauen schon ab 30 Jahren). Das Verfahren ist seit 2012 auch in unserem Labor «IVF Zürich» verfügbar, sollte aber nur nach ausführlicher ärztlicher Beratung angewendet werden.
Ist es einfacher und mehrheitsfähiger, weibliche Eizellen zu konservieren als männliche Karrierestrukturen aufzubrechen? - Kommentar von Nicole Althaus, NZZ am Sonntag vom 18.05.2014
Das Verfahren entspricht einer In vitro-Fertilisation in zwei Etappen: bei der Einlagerung werden die Eierstöcke der Frau mit Hormoninjektionen stimuliert, um dann die Eizellen in einer ca. zehnminütigen Kurznarkose durch die Scheide zu entnehmen, mit einer ultraschnellen Abkühlungsmethode (Vitrifikation) einzufrieren und in flüssigem Stickstoff bei -196 Grad Celsius zu lagern.
Um die eingelagerten Eizellen in einer zweiten Phase zu benützen, werden diese portionenweise aufgetaut und mit dem Samen des Partners im Reagenzglas befruchtet. 80-90% der Eizellen überleben das Einfrieren und Auftauen; wegen der natürlichen Ineffizienz der menschlichen Fortpflanzung beträgt die Chance auf ein Kind aber nur knapp fünf Prozent pro Eizelle. Aus diesem Grund sollte eine Frau zwischen 15 und 20 Eizellen einlagern, wofür unter Umständen mehrere Stimulationen nötig sind. Weder die Einlagerung noch die spätere In vitro-Fertilisation werden von der Krankenkasse übernommen; die Einlagerung kostet um 5000 Franken, die spätere In vitro-Fertilisation zwischen 8000 und 10'000 Franken.
Die eingelagerten Eizellen könnten sehr lange aufbewahrt werden. In der Schweiz ist die Lagerung jedoch im Moment noch auf fünf Jahre beschränkt (das entsprechende Gesetz ist aber in Revision, und eine Ausdehnung auf zehn Jahre ist absehbar). Wichtiger ist die Überlegung, die eigene Mutterschaft nicht beliebig lange hinauszuzögern und sich zu fragen, ob das eigene Kind wohl eine Mutter im Grossmutteralter möchte. Die Eizellen sollten aus unserer Sicht vor dem Alter von 45 Jahren verbraucht oder bei Nichtgebrauch vernichtet werden. Die Grenze von 45 Jahren gilt nur bei tadelloser Gesundheit (Nichtraucherin, kein Übergewicht, kein Bluthochdruck, kein Diabetes), da die Schwangerschaft sonst mit einem inakzeptabel hohem Risiko für Mutter und Kind einhergehen könnte.
Die Eizellvorsorge ist eine Notlösung - besser und einfacher wäre es, die Familie zu gründen, bevor man 30 Jahre alt ist. Kinderfreundliche Gesellschaftsmodelle wie in Frankreich und in Skandinavien beweisen, dass dies möglich ist. Es gibt aber Lebenssituationen, in denen die Eizellvorsorge legitim ist und einen Teil des grossen psychologischen Drucks wegnehmen kann. In meiner Praxis sehe ich relativ selten die klischeehaften Karrierefrauen, die den Kinderwunsch vor sich herschieben; viel häufiger sehe ich Frauen, die sich immer schon Kinder wünschten, aber von ihren männlichen Partnern hingehalten oder im entscheidenden Moment verlassen wurden. Für diese Frauen ist das Vorhandensein eigener eingelagerter Eizellen eine attraktive Alternative zur (in der Schweiz verbotenen) Eizellspende. Kritiker des social freezing sollten sich fragen, ob sie mit derselben Verve auch Männer kritisieren, die im Alter von 50 oder 55 Jahren erst (oder nochmals) Vater werden.
Ich distanziere mich in aller Form von der hedonistisch-kommerziellen Werbung anderer Zentren, die nach dem Motto «Alles zu meiner Zeit» den Frauen suggerieren, sie sollen «das Leben unbeschwert geniessen, Karriere machen, erst den richtigen Partner fürs Leben finden ...». Diese Zentren bringen die Methode in Verruf und fördern den Irrglauben, das eigene Leben voll unter Kontrolle zu haben. Aus meiner Sicht ist die Fortpflanzung ein Grundbedürfnis des Menschen, das keiner Rechtfertigung bedarf und nicht ohne Not jenseits von 30 bzw. 35 Jahren hinausgeschoben werden sollte. Ein Kind stellt das - vorher ach so egozentrische und planbare - Leben im positiven Sinn auf den Kopf.
Dr. Michael Singer / Dezember 2013 / Mai 2014
Im Rahmen der Ärztefortbildung «Neue Aspekte zum Kaiserschnitt» durfte Dr. Singer am Universitätsspital Zürich den Werdegang der nationalen Aufklärungsbroschüre «Wie bringen Sie Ihr Kind zur Welt?» vorstellen:
Mit ausdrücklicher Unterstützung der Patientenorganisationen wird heutzutage sowohl über die natürliche Geburt und deren mögliche Folgen, als auch über den geplanten Kaiserschnitt aufgeklärt. Diese Aufklärung muss neutral und wertfrei erfolgen und die jeweiligen Vor- und Nachteile für Mutter und Kind darstellen.
Die Stärke der Mammographie-Brustvorsorge liegt in der exakten Abbildung von Kalkablagerungen, dem sogenannten Mikrokalk. Mikrokalk kann, muss aber nicht Hinweis auf eine frühe bösartige Veränderung sein. Je nach Situation kann die mit Kalk durchsetzte Region der Brust in offener Technik oder mit einem sog. stereotaktischen Eingriff entfernt werden.
In offener Technik wird die Region mit einem Draht markiert, chirurgisch entfernt und noch während der Operation im mobilen Röntgengerät untersucht.
Im oben dargestellten Fall konnten wir schön zeigen, dass alle verdächtigen Kalkherde entfernt wurden. Die Gewebeuntersuchung ergab eine gutartige Veränderung.
«Gesundheit heute» des Schweizer Fernsehens beschäftigte sich am 21.12.2013 mit Fehlgeburten und deren Ursachen. Bei wiederholten Fehlgeburten sollte unbedingt eine Spezialabklärung der Blutgerinnung durchgeführt und ggf. eine Behandlung mit Aspirin und/oder blutverdünnenden Injektionen angeschlossen werden.
Dr. Michael Singer im Fernsehinterview.
Die meisten Fehlgeburten sind allerdings nach wie vor unvermeidlich, weil der Embryo nicht das korrekte Erbgut besitzt und von der Natur im Verlauf der ersten drei Monate der Schwangerschaft wieder eliminiert wird. Je älter die Frau und damit ihre Eizellen, desto eher kommen bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle Fehler vor. Aus diesem Grund ist es in bestimmten Situationen wichtig, bei einer chirurgischen Absaugung von Fehlgeburten eine genetische Untersuchung des dabei gewonnenen Materials durchzuführen.
Es war eine berührende Geschichte, die im vergangenen Jahr von Tele Züri begleitet und in mehreren Folgen ausgestrahlt wurde - die Kinderwunsch-Behandlung, Schwangerschaft und Geburt von Patricia Z., Patientin von Dr. Niklaus Lang.
Dr. Niklaus Lang im Fernsehinterview.
Die Abklärung von Frau Z. wegen unerfülltem Kinderwunsch ergab eine schwere Endometriose, die zusammen mit Spezialisten in der Klinik Hirslanden operiert wurde. Anschliessend wurde Frau Z. beim Gyné am See-Praxispartner Dr. Michael Singer im ersten Versuch mittels In vitro-Fertilisation schwanger.
Das Ehepaar Patricia und Peter Z.
Vorgeburtlicher Ultraschall - Dr. Lang gibt das Geschlecht des Kindes bekannt.
Blick der werdenden Mutter auf den Ultraschall-Monitor.
Sammlung der Fotos aus dem Reagenzglas sowie von den Ultraschalluntersuchungen daheim im Badezimmer.
Visite von Dr. Lang im Krankenzimmer - Frau Z. musste wegen vorzeitiger Wehen sechs Wochen im Spital verbringen.
Die beiden Gyné am See-Partner Dr. Niklaus Lang und Dr. Michael Singer beim nächtlichen Kaiserschnitt - auch das Fernsehteam rückte zur ungeplanten Operation aus und kam gerade noch rechtzeitig.
Dr. Lang über die moderne Technik der Kaiserschnittoperation.
Messen und Wägen der neugeborenen Stella.
Der Neugeborenenmediziner Dr. Schams nahm Stella beim Kaiserschnitt entgegen.
Interview während der noch laufenden Kaiserschnittoperation, mit dem Neugeborenen auf der Brust.
Angelika Brandenstein, leitende Hebamme der Klinik Hirslanden, mit Stella Z.
Angelika Brandenstein, Dr. Niklaus Lang, Dr. Michael Singer, Dr. Mohammad Schams.
Mit der neugeborenen Stella im Aufwachraum.
Bei den ersten In vitro-Fertilisationen im Jahr 1978 liess man die Patientinnen noch während 48 Stunden strikte Bettruhe einhalten. Seither sind wir einen langen Weg gegangen; seit geraumer Zeit weiss man, dass Bettruhe nach der Einpflanzung von Embryonen (Embryotransfer) keinen Vorteil bietet gegenüber dem sofortigen Aufstehen. Viele Zentren - wie auch wir - gönnten den Patientinnen bisher nach dem Transfer eine (psychologische) Ruhepause im Liegen, um die intensiven Eindrücke zu verarbeiten.
Mit der qualitativ hochstehenden wissenschaftlichen Studie aus Valencia hat sich nun die Ausgangslage verändert: sofortiges Aufstehen bringt nämlich mehr Schwangerschaften als Liegenbleiben.
Über die Gründe werden folgende Mutmassungen angestellt:
Für die Embryotransfers haben wir diese Erkenntnisse seit 2014 erfolgreich umgesetzt. Unsere Patientinnen können nach dem Embryotransfer deshalb aufsitzen und nach der Verabschiedung durch mich - in aller Ruhe, aber ohne zu liegen - ihr normales Alltagsleben wieder aufnehmen.
Social Media sind in aller Munde. Die Ärzteschaft der Praxisgemeinschaft Gyné am See beschloss nach sorgfältiger Abwägung, neue Seiten unserer Website über den Twitter-Kanal @GyneAmSee anzukündigen.
Warum Twitter?
Social Media erlauben keine klare Trennung zwischen beruflichen und privaten Informationen. Die Arzt-Patienten-Beziehung eignet sich deshalb nicht für «Freundschaften» à la Facebook - dies ist nicht nur unsere Meinung, sondern offizielle Position nationaler Ärztegesellschaften wie der British Medical Association. Es ist nur schon aus Datenschutzgründen undenkbar, über Social Media einen medizinischen Dialog zwischen Arzt und Patientin zu führen.
Hingegen eignet sich Twitter mit seinen Kurznachrichten gut, interessierten Patientinnen einen direkten Draht zu neuen Informationen auf unserer Website bieten. Inwiefern sich aus dieser Einweg-Kommunikation ein Dialog unter Followern ergibt, müssen wir - als Neulinge auf diesem Gebiet - abwarten. Auf keinen Fall sollen Patientinnen individuelle medizinische Situationen über Twitter übermitteln.
Gerne nehmen wir zu diesem Thema Ihr Feedback entgegen!
Dr. Niklaus Lang und Dr. Michael Singer
Die Frauenklinik der Universität Basel führte am 4.5.2013 einen vielbesuchten Wochenendkurs über neue Erkenntnisse bei geburtshilflichen Blutungen durch.
Dr. Niklaus Lang und Dr. Michael Singer informierten sich über die seltenen, aber rasches Handeln erfordernden Notfälle mit vermehrter Blutung nach Geburt des Kindes. Unter Leitung von Frau Prof. Irène Hösli und Prof. Thierry Girard trainierten Geburtshelfer aus der ganzen Schweiz die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Geburtshelfern, Anästhesieärzten und Hebammen in solchen Notfallsituationen. Dabei kamen moderne Simulatoren der Universität Basel zum Einsatz.
Erwähnenswert sind folgende Neuerungen:
Mit diesen Neuerungen kann eine chirurgische Gebärmutterentfernung in den allermeisten Fällen vermieden werden. Erneut hat sich zudem gezeigt, dass eine Geburt daheim oder im Geburtshaus gerade im Fall einer unerwarteten Blutung unnötige Risiken mit sich bringt.
Wir freuen uns mit jedem Paar, welches im ersten Behandlungszyklus die erträumte Schwangerschaft erzielt. Statistisch gesehen sind aber im Durchschnitt mehrere Versuche nötig. Die renommierte Forschergruppe von IVI Valencia hat anhand eigener Zahlen berechnet, wieviele Embryonen notwendig sind, um eine Lebendgeburt zu erzielen (pro Versuch werden durchschnittlich zwei Embryonen eingesetzt):
(Garrido et al., Fertility and Sterility 2011)
Dabei zeigt sich (Grafik oben) die eklatante Abhängigkeit vom Alter der Frau. Nach zehn Embryonen beträgt die Wahrscheinlichkeit für ein Kind bei unter 35jährigen Frauen 70%, zwischen 35 und 37 Jahren 65%, zwischen 38 und 40 Jahren 60% und jenseits von 40 Jahren bloss 30%.
(Garrido et al., Fertility and Sterility 2012)
Im Gegensatz dazu besteht bei der Eizellspende (Grafik oben) überhaupt kein Zusammenhang zwischen Alter der Frau und Erfolgswahrscheinlichkeit. Dies zeigt, dass allein die Eierstöcke vorzeitig altern, während der übrige Organismus bis 45 oder maximal 50 Jahre durchaus in der Lage wäre, ein Kind auszutragen.
Viele Frauen zweifeln nach ein oder zwei IVF-Fehlversuchen sehr schnell an ihrem Körper und nehmen an, dass dieser die Embryonen «nicht angenommen» oder gar «abgestossen» habe. Weltweit werden viel zu früh und viel zu viele Tests auf sogenannte Einnistungsprobleme (repeated implantation failure) durchgeführt. Die untenstehende Tabelle zeigt, dass unter 35jährige Frauen erst nach sechs, 40jährige Frauen erst nach über zehn nicht eingenisteten Embryonen gewisse Abklärungen durchführen lassen sollten.
(Juan Garcia Velasco / Tin-Chiu Li
Jahreskongress ESHRE 2012, Istanbul)
Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs je nach Anzahl transferierter Embryonen. Rote Spalte = Frischzyklen bei Frauen unter 35, blaue Spalte = Auftauzyklen bzw. Frischzyklen bei Frauen über 40 Jahre. Nur bei Prozentzahlen unter 30% könnte man von einem Einnistungsproblem ausgehen.
Gesichert ist lediglich die Gebärmutter- und Bauchspiegelung mit Entfernung von Einnistungshindernissen (Myome, Polypen) und verstopften wassergefüllten Eileitern. Sehr umstritten ist der Nutzen von Blutgerinnungs- und Immunabklärungen; lassen Sie sich bei uns beraten.
Die obigen Statistiken zeigen, dass die Betroffenen nach ein oder zwei Fehlversuchen weder am eigenen Körper noch am betreuenden Team zweifeln sollten. Man sollte sich für ein Zentrum entscheiden, in welches man Vertrauen hat, und dann eine Anzahl Versuche durchführen, ohne ständig alles zu hinterfragen.