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Flugpost aus Liechtenstein im zweiten Weltkrieg nach Amerika (I)
(Ein Beitrag zur Postgeschichte von Liechtenstein)
1. Einführung
Das Fürstentum Liechtenstein, ein deutschsprachiger Kleinstaat am Oberrhein zwischen dem österreichischen Bundesland Vorarlberg und den Schweizer Kantonen St. Gallen und Graubünden gelegen, ist seit dem 1. Februar 1921 zoll-, wirtschafts-, währungs- und postmäßig vertraglich mit der Schweizer Eidgenossenschaft verbunden. Da die Kreispostdirektion in St. Gallen den Postverkehr innerhalb, von und nach Liechtenstein im Auftrage der Fürstlichen Regierung regelt, gelten für den nachfolgend zu behandelnden Zeitraum die Schweizer PTT-Veröffentlichungen für die Luftpost aus dem Fürstentum Liechtenstein nach dem amerikanischen Kontinent. Die Luftpost aus Liechtenstein wurde von den liechtensteinischen Postämtern gesammelt und beim Schweizer Postamt Buchs (Kanton St. Gallen, an der Bahnlinie Zürich-Wien gelegen) mit Leitvermerken und (in der Regel rückseitig) mit dem Durchgangsstempel versehen. Der Leitvermerk wurde handschriftlich in einem schwarzen rechteckigen Kastenstempelabdruck (Größe 49.5 x 12 mm) eingetragen, und zwar links das Gewicht in Gramm und rechts "über-via" (wie auf den diversen Abbildungen ersichtlich) das gewählte Schweizer Auswechslungs- oder Leitpostamt (Basel, Genf, Zürich oder Chiasso), über das die Sendung zu verschicken war.
Während Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre nur Zeppelin-Luftschiffe in der Lage waren, von Europa aus problemlos den Nord- oder Südatlantik zum amerikanischen Kontinent zu überwinden, behalf man sich zur gleichen Zeit vielfach mit einer Kombination von Schiff und Katapultflugzeug zur Beschleunigung des transatlantischen Luftverkehrs. So wurden ab 1928 bis Mitte der 30er Jahre von dem französischen Dampfer "Ile de France", sowie den deutschen Passagierschiffen "Bremen" und "Europa" aus Vorausflüge mit kleinen Katapultflugzeugen durchgeführt, die die Postlaufzeit über den Nordatlantik um l - 2 Tage in beiden Richtungen verkürzten. Flugpost von Europa nach Südamerika transportierte die französische Gesellschaft "Ae"ropostale" (später "Air France") ab 1930 bis Dakar (Senegal) per Flugzeug, dann mit kleinen schnellen Schiffen über den Südatlantik nach Natal (Brasilien) und von dort aus wieder per Flugpost innerhalb Südamerikas.
Bei dem von der deutschen Lufthansa ab 1934 aufgenommenen Südamerikadienst wurde die Post ab Stuttgart bis Brasilien durchgehend in Flugzeugen transportiert. Zur Überwindung des Südatlantiks waren die Schiffe ("Flugstützpunkte") Westfalen und Schwabenland im Südatlantik stationiert, die es den Flugbooten ermöglichten, im offenen Meer zu landen, sich mit Treibstoff neu zu versorgen und dann von der Katapultanlage des betreffenden Schiffes neu zu starten, um den Rest des Meeres zu bewältigen
Nachdem der Flugzeugbau ständige Fortschritte gemacht hatte, überquerten seit Frühsommer 1939 die amerikanische Gesellschaft PAA (siehe Foto) und die englische Gesellschaft Imperial Airways (IA) im Direktflug den Nordatlantik.
Ein Flugboot (Clipper) derPan American Airways (PAA) Fluglinie FAM 18 beim Start
Eine Nordroute führte von Southampton über Irland, Neufundland und Canada nach New York, während die Südroute von Marseille aus über Lissabon und Horta (Azoren) nach New York führte. Nach Südamerika flogen regelmäßig im Wechsel die Air France von Marseille über Dakar und Natal nach Rio de Janeiro, sowie die Deutsche Lufthansa von Frankfurt/ Main über Sevilla - Las Palmas (Spanien) und Bathurst (Gambia) nach Natal mit direkten Anschlüssen nach sämtlichen wichtigen Städten des Halbkontinents.
Ein Großteil dieses gut funktionierenden Netzes von Flugverbindungen wurde durch die kriegerischen Ereignisse des zweiten Weltkrieges schlagartig unterbrochen. Für die nachfolgende Betrachtung soll die Zeit vom 1. September 1939, als deutsche Truppen in Polen einfielen, bis zum 9. Mai 1945, als nach der totalen Kapitulation Großdeutschlands in Europa die Waffen schwiegen, zugrunde gelegt werden, weil sich dann auch allmählich die postalischen Verhältnisse über den Atlantik wieder normalisierten, obwohl der Weltkrieg erst mit der Kapitulation Japans am 2.9.1945 endete.
Kurz nach Kriegsausbruch gab der Landesfürst von Liechtenstein, Franz Josef II., am 7. September 1939 eine Neutralitätserklärung an alle an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Regierungen ab.
Fortsetzung folgt
© Schweizerische Vereinigung für Postgeschichte / SVPg