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Vor fünfeinhalb Monaten entkam Romain Grosjean dem Tod nur knapp, jetzt geniesst er sein neues Leben in der IndyCar-Serie. Von seinen ehemaligen Formel-1-Kollegen ist er enttäuscht.
Fühlt sich wie neugeboren: Romain Grosjean blüht in der IndyCar-Serie auf.
Foto: Michaele Conroy (Keystone)
Er ist der Mann, der dem Feuerball entstieg. Obwohl Romain Grosjean als Pilot in der Formel 1 keineswegs ein Nobody war, machte ihn erst dieser fürchterliche Unfall in Bahrain Ende November weltbekannt. 27 Sekunden sass er im lodernden Wrack seines Haas-Boliden, ehe er entkam und über die Leitplanke flüchtete. 27 Sekunden und ein Sprung über die Leitplanke, die ihn zum Helden machten.
Dabei hatte der mit französischer Lizenz fahrende Genfer bereits mit dem Leben abgeschlossen, «ich dachte, ich würde sterben», sagte er später. Die Gedanken an seine drei Kinder gaben ihm jedoch die Kraft für einen letzten Befreiungsversuch. Er entging dem Tod, geblieben sind die Erinnerungen an die Feuerhölle und die von den Flammen gezeichneten Hände.
Ein Bild, das um die Welt ging: Romain Grosjean entkommt in Bahrain den Flammen.
Foto: Twitter
Inzwischen ist der 35-Jährige so weit genesen, dass er wieder Rennen fahren kann. Er tut das in der IndyCar-Serie und mit beachtlichem Erfolg. Am Wochenende raste er auf dem Strassenkurs des Indianapolis Motor Speedway in seinem Dale-Coyne-Honda zur Pole-Position – in seinem erst dritten Qualifying. «Ich fühle mich wie neugeboren», sagte Grosjean. Bei ihm will das etwas heissen.
Im Rennen führte er das Feld während 44 von 85 Runden an, am Ende musste er sich nur Rinus VeeKay geschlagen geben und feierte seinen ersten Podestplatz im neuen Umfeld. «Es fühlt sich an wie in den guten alten Zeiten, als ich es noch genossen habe, Rennen zu gewinnen», sagte er sichtlich stolz. In der Formel 1 hatte Grosjean zehnmal auf dem Podium gestanden, letztmals im August 2015 in Spa, als er noch für Lotus fuhr, zu einem Sieg reichte es nie.
Im dritten Rennen schon auf dem Podest: Romain Grosjean (l.) mit dem niederländischen Sieger Rinus VeeKay (M.) und Alex Palou aus Spanien.
Foto: Darron Cummings (Keystone)
Grosjean fühlt sich wohl in der IndyCar-Szene, das offenbart er auch im Podcast «Beyond The Grid». Man begegne sich ungezwungener als in der Königsklasse des Motorsports, erzählt er. Die gestandenen Piloten hätten ihm sogar Tipps gegeben, etwa, dass es im Gegensatz zur Formel 1 wenig sinnvoll sei, die Reifen mit Zickzackfahren aufzuwärmen, weil die Strecke uneben sei und viel Reifenabrieb herumliege.
«Nach meinem Unfall hat sich kaum einer dafür interessiert, wie ich mich davon erholt habe.»
Diese Offenheit hat Grosjean in der Formel 1 vermisst. «Ich weiss nicht, wieso, aber aus irgendeinem Grund war es im vergangenen Jahr – abgesehen von Daniel (Ricciardo) und Lando (Norris) – komplizierter, eine Beziehung aufzubauen», sagt er. Überhaupt sei er etwas enttäuscht von seinen ehemaligen Kollegen, zu denen er fast keinen Kontakt mehr habe. «Nach meinem Unfall in Bahrain hat sich kaum einer dafür interessiert, wie ich mich davon erholt habe.»
Vielleicht bekommen seine früheren Weggefährten ja auf Instagram mit, wie es um Grosjean steht. Dass ihn der Unfall zwar für immer gebrandmarkt, ihm seine Leidenschaft aber nicht genommen hat. Am Montag postete er ein Bild, das seine geschundene Hand zeigt, die nach der Trophäe greift, die er für Platz 2 erhalten hat. Dazu steht: «Es geht darum, niemals aufzugeben.»
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