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Der Besitzer berichtet uns, dass der Windhund seit einigen Tagen kaum mehr Appetit zeigt und beim Spazieren sofort ermüdet.
Der Untersuch zeigt, dass der Hund verstärkt atmet; über beiden Lungenhälften ist ein knisterndes Geräusch zu hören, und auf der linken Brustseite ist ein deutliches Herzgeräusch zu hören, welches während der Auspumpphase des Blutes entsteht. Die Befunde sind verdächtig für ein Herzproblem, und der Brustkorb des Tieres wird mittels Röntgen und Ultraschall genauer untersucht.
Radiologisch wird schnell klar, weshalb der Hund verstärkt atmet: Weite Teile der Lunge scheinen diffus verdichtet (d.h. weiss); Art und Verteilung der Veränderungen sprechen für eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge, ein Lungenödem. Die Herzsilhouette ist ausserdem vergrössert, insbesondere die linke Herzkammer und der linke Herzvorhof erscheinen erweitert.
Der Herzultraschall bestätigt den röntgenologischen Verdacht eines Herzproblems: Sowohl die Hauptkammer als auch der linke Vorhof sind bei Karammaz stark erweitert; die Kammer zieht sich ausserdem in der Pumpphase des Herzen zu wenig zusammen, wodurch das Organ zuwenig Blut fördern kann. Im Doppler-Ultraschall ist zu erkennen, dass durch die Erweiterung des Herzen auch die Klappen zwischen linkem Vorhof und linker Kammer undicht geworden sind und Blut beim Pumpen zum Teil nicht in den Körper, sondern zurück in den Vorhof gepumpt wird. Sonografisch ist also ein typisches Bild einer sogenannten Dilatativen Cardiomyopathie (DCM, Herzmuskelerkrankung, welche mit einer Erweiterung einhergeht) vorhanden; als Folge der geringen Pumpleistung des Herzen hat sich ausserdem ein Lungenödem gebildet.
Der Hund erhält zuerst per Injektion, später in Tablettenform ein Medikament zur Entwässerung, welches das Lungenödem beseitigt. Ausserdem wird ein Medikament verabreicht, welches gleichzeitig die Pumpkraft des Herzens erhöht und den Widerstand, gegen welchen das Herz pumpen muss, erniedrigt. Schon wenige Tage später geht es dem Hund wieder viel besser; ein Lungenröntgen bestätigt das Verschwinden des Lungenödems. Allerdings bleibt das Herz natürlich geschädigt (und deshalb im Röntgen vergrössert), und Karammaz muss weiterhin Medikamente schlucken, welche das Organ unterstützen.
Die Ursachen der dilatativen (dilatativ = von Erweiterung begleitet) Cardiomyopathie (Cardiomyopathie = Herzmuskelerkrankung) DCM beim Hund sind nicht restlos geklärt. Bei einigen Rassen (Boxer, Dobermann) scheint ein vererblicher Hintergrund wahrscheinlich, möglich sind auch Schädigungen durch Krankheitserreger, Medikamente (zB das Krebsmedikament Doxorubicin), Durchblutungsstörungen und andere. Betroffen sind insbesondere grosse Hunderassen wie Doggen, Afghanen, Deerhounds und Boxer.
Eine DCM mündet primär in einer verminderten Kontraktionskraft der Herzmuskelzellen. Das Herz erweitert sich in der Folge durch den Versuch einer Kompensation - dadurch kann pro Pumpaktion etwas mehr Blut befördert werden, was zu Beginn den Verlust an Kontraktionsfähigkeit auffangen kann. Schliesslich wird aber auch dieser Mechanismus überfordert, und es kommt zur Blutstauung auf der venösen Seite und dadurch zu Bildung von Lungenödem ("Wasser in der Lunge") und schlussendlich zu einem Kreislaufkollaps.
Die Therapie besteht insbesondere aus der Verabreichung eines Medikamentes, welches die Pumpkraft des Herzen verbessert. Falls dies nicht genügt, oder schon Lungenödem vorhanden ist, kann ein Medikament zur Entwässerung eingesetzt werden.
DCM-Patienten haben eine verhaltene Prognose, da sich die Herzmuskelleistung trotz Medikamenten verschlechtert und schliesslich häufig auch Herzrhythmusstörungen auftreten.