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Gefleckter Adlerrochen
Aetobatus narinari
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Der Gefleckte Adlerrochen (Aetobatus narinari) gehört innerhalb der Klasse der Knorpelfische (Chondrichthyes) zur Ordnung der Stechrochenartigen (Myliobatiformes), die sich aus zehn Familien mit über 180 Arten zusammensetzt. Die Stechrochenartigen bilden die am höchsten entwickelten Rochen und sind unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass Kopf und Rumpf sowie die riesigen, flügelartigen Brustflossen eine rautenförmige Scheibe bilden, dass der Schwanz peitschenartig verlängert ist und dass sich beim Schwanzansatz ein oder mehrere Giftstachel befinden, die bei einem Angriff - meistens durch grosse Haie - als Abwehrwaffe dienen.
Der Gefleckte Adlerrochen ist - wie viele Knorpelfische - ein stattliches Tier. Ältere Individuen erreichen gewöhnlich eine Kopfrumpflänge von ungefähr 2,5 und eine Spannweite von etwa 3 Metern. Das Gewicht liegt bei bis zu 230 Kilogramm. Kennzeichnend für die Art ist die attraktive Zeichnung aus Punkten, Flecken und Ringen auf der Oberseite.
Das Verbreitungsgebiet des Gefleckten Adlerrochens erstreckt sich rund um den Erdball herum über praktisch alle tropischen und subtropischen Ozeanbereiche. Im Allgemeinen hält sich der eindrucksvolle Fisch in küstennahen Gewässern auf, und zwar sowohl im Bereich von Kontinenten und Kontinentalinseln als auch im Bereich von ozeanischen Inseln. Vorzugsweise bewegt er sich in den oberflächennahen Wasserschichten umher. Die grösste Tiefe, in der er bisher gesichtet wurde, beträgt achtzig Meter.
Wie die allermeisten Knorpelfische ist der Gefleckte Adlerrochen ein tüchtiger Jäger. Zu seinen Opfern gehören zur Hauptsache meeresbewohnende Wirbellose, darunter insbesondere Muscheln und Schnecken, aber auch Krebstiere, Seeigel und Tintenfische. Den Grossteil seiner Beutetiere sucht und findet der Gefleckte Adlerrochen auf und im Meeresboden. Teils gräbt er sie mit Hilfe seiner kräftigen, entenschnabelförmigen Schnauze aus, teils legt er sie frei, indem er durch kräftige Schläge seiner Brustflossen den Untergrund aufwühlt.
Wie bei allen Knorpelfischen, jedoch im Unterschied zu den meisten Knochenfischen, geben die weiblichen und die männlichen Gefleckten Adlerrochen ihre Eier bzw. Samen nicht einfach ins freie Wasser ab, wenn die Zeit zur Fortpflanzung gekommen ist, sondern sie paaren sich, so dass die Befruchtung der Eier im Mutterleib erfolgen kann. Das Männchen besitzt zu diesem Zweck ein Begattungsorgan, welches aus den Bauchflossen hervorgegangen ist.
Nach der Befruchtung entwickeln sich die Keimlinge eine Zeitlang in ihren Eiern, ohne dass diese abgelegt werden. Dann schlüpfen die Jungen innerhalb des Eileiters des Weibchens und entwickeln sich noch eine Weile weiter. Zunächst ernähren sie sich von ihrem recht grossen, auf der Bauchseite befindlichen Dottersack, später, wenn der Vorrat aufgezehrt ist, von einem milchartigen Sekret, das die Mutter in die Eileiterflüssigkeit absondert.
Über die Dauer der Tragzeit ist nichts bekannt. Sie dürfte aber gemäss der Einschätzung von Fachleuten im Bereich von zehn Monaten liegen. Schliesslich, wenn die Zeit gekommen ist, bringt das Weibchen meistens zwei bis vier Junge zur Welt. Diese weisen bei der Geburt eine Länge von 20 bis 30 Zentimetern auf. Im Alter von vier bis sechs Jahren, bei einer Länge von ungefähr einem Meter, erlangen sie die Geschlechtsreife. Über die Lebensdauer der Gefleckten Adlerrochen unter natürlichen Bedingungen ist nichts bekannt.
Der Gefleckte Adlerrochen gilt derzeit nicht als in seinem Fortbestand gefährdet, weil er überaus weit verbreitet ist und mancherorts umfangreiche Bestände aufweist. Seine Zukunft ist aber - wie bei vielen anderen grossen Fischen mit geringer Fortpflanzungsrate - keineswegs sicher. Das Hauptproblem lautet Überfischung: Zwar werden die Gefleckten Adlerrochen nirgendwo gezielt bejagt, obschon sie in verschiedenen Regionen als gute Speisefische gelten. Dennoch fallen allzu viele Individuen der weltweit intensiv betriebenen, ungezielten Küstenfischerei zum Opfer.
Gesicherte Informationen über die Bestandsentwicklung beim Gefleckten Adlerrochen liegen zwar keine vor. Bei gut untersuchten ähnlichen Arten betrug der Rückgang in Regionen mit starkem Fangdruck jedoch oft 75 und mehr Prozent innerhalb weniger Jahre. Eine Lösung des Problems des Überfischens - nicht allein des Gefleckten Adlerrochens - könnte die Einrichtung grossflächiger und gut geschützter Meeresschutzgebiete bilden. Die Zahl solcher Gebiete ist leider weltweit noch immer sehr gering, und ihre Ausdehnung in aller Regel zu klein, um die Zukunft von Arten wie dem Gefleckten Adlerrochen zu gewährleisten.
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