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Edoardo Bellotti ist bekannt als Experte für Renaissance- und Barockmusik sowie für Generalbass und Improvisation. Nach seiner Ausbildung in den Fächern Orgel und Cembalo an der Universität Pavia (Italien) studierte er Humanwissenschaft und Theologie. Seine Tätigkeit als Pädagoge zieht sich durch Italien und Deutschland bis in die USA, wo er von 2012 bis 2018 eine Professur für Orgel, Cembalo und Improvisation an der renommierten Eastman School of Music (University of Rochester) innehatte.
Edoardo Bellotti verbindet seine Konzertpraxis mit musikwissenschaftlicher Forschung. Regelmässig veröffentlicht er Artikel und Texte für kritische Ausgaben von Cembalo- und Orgelkompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts. Konzerte, Workshops und Meisterklassen führen ihn nach Europa, USA, Kanada, Korea und Japan. Seine zahlreichen Aufnahmen auf historischen Orgeln rufen begeisterte Reaktionen in der Musikszene hervor. Bellotti ist derzeit Professor für Orgel an der Hochschule für Künste in Bremen (Deutschland).
Georg Muffat (1653-1704) – eine europäische Künstlerpersönlichkeit Instrumentalmusik aus „Armonico tributo“ (1682), Orgelwerke aus „Apparatus musico-organisticus“ (1690), Sonata in D für Violine und Basso continuo
Eva Saladin (Violine), NN (Violine), Stella Wilkinson (Viola), Eveleen Olsen (Viola), Armin Bereuter (Violone), Emanuele Forni (Theorbe), Dirk Trüten (Orgel)
Georg Muffat war eine wahrhaft europäische Künstlerpersönlichkeit. Mit schottischen Wurzeln in Savoyen geboren und aufgewachsen im Elsass, erhielt er seine musikalische Ausbildung zunächst in Paris. 1674 schrieb er sich im bayerischen Ingolstadt als Student der Rechtswissenschaften ein. Sein Frühwerk, die 1677 in Prag entstandene Violinsonate, zeugt von seiner Lust am harmonischen Experiment, denn Muffat lässt das schlichte Viertonmotiv durch den ganzen Quintenzirkel wandern, und fast alle Tonarten werden im Lauf der Sonate einmal berührt. Für die damalige Zeit etwas wahrhaft Unerhörtes!
1678 erhielt er einen Ruf als Organist an den Hof des Salzburger Fürsterzbischofs Max Gandolf, der ihm 1681 ein Studienjahr bei Pasquini und Corelli in Rom gewährte. Als Frucht dieser Reise widmete Muffat dem Bischof ein Jahr später die Sonaten des Armonico tributo anlässlich der 1100-jährigen Gründung des Salzburger Erzbistums. Mit diesem Pionierwerk gelang es Muffat als einem der ersten, die vielfältigen musikalischen Möglichkeiten des Concerto grosso in ihrer ganzen Tiefe auszuloten. Im Januar 1690 spielte er Joseph I. anlässlich von dessen Königskrönung in Augsburg aus seiner damals neu erschienenen Sammlung „Apparatus musico-organisticus“ vor. Vor allem die Toccaten dieser Sammlung stellen zusammen mit der Musik der Hansestädte die bedeutendsten deutschen Orgelwerke dieser Zeit dar und beeinflussten auch entsprechende Werke Johann Sebastian Bachs. Nach dem Tod seines Förderers Max Gandolf wechselte Muffat nach Passau, wo er 1704 starb.
Muffats überaus kosmopolitische Persönlichkeit kommt viel mehr noch als in seiner Biographie in seiner Musik zum Ausdruck. So war er der erste Deutsche, der den italienischen und den französischen Stil in Paris und Rom von führenden Meistern erlernte und beide Stile mit der deutschen kontrapunktischen Schreibweise vereinigte. Seine gedruckten Werke versah er mit bis zu viersprachigen Vorreden, worin er u.a. auch seine – bis heute aktuellen – Auffassungen vom friedlichen Zusammenleben aller Völker darlegte: „Die Kriegerische Waffen und ihre Ursachen seyn ferne von mir; Die Noten, die Seiten, die liebliche Music-Thonen geben mir meine Verrichtungen, und da ich die Französische Art der Teutschen und Welschen einmenge, keinen Krieg anstiffte, sondern vielleicht deren Völker erwünschter Zusammenstimmung, dem lieben Frieden etwann vorspiele.“
All dies lohnt, diesen grossen Komponisten einmal näher kennen zu lernen!
Werke u.a. von Hieronymus Praetorius (1560-1629), Dietrich Buxtehude (1637-1707) und Nicolaus Bruhns (1665-1697)
Während des coronabedingten Lockdowns 2021 bot sich mir die Chance zur Realisierung einer CD-Einspielung mit Werken der norddeutschen Orgelschule auf der Edskes-Orgel der Kirche Maria Frieden Dübendorf. Nachdem sich das renommierte französische Label „Evidence Classics“ dankenswerterweise bereit erklärt hat, die Aufnahme in sein Programm aufzunehmen, freue ich mich sehr, diese neue Produktion der Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen.
Unter dem Titel „Splendour & Fantasy“ umfassen die eingespielten Werke den gesamten Zeitraum der norddeutschen Orgelschule von ca. 1600-1740. Zu hören sind bekannte und unbekanntere Stücke von Hieronymus Praetorius (1560-1629), Matthias Weckmann (1616-1674), Franz Tunder (1614-1667), Dietrich Buxtehude (1637-1707), Georg Dietrich Leyding (1664-1710), Christoph Wolfgang Druckenmüller (1687-1741), Johann Nicolaus Hanff (1663-1711) und Nicolaus Bruhns (1665-1697).
Im Anschluss an das Konzert lädt die kath. Pfarrei Dübendorf zu einem Apéro ein. Ich freue mich, mit Ihnen auf dieses besondere Ereignis anstossen zu dürfen!
Ulrike Hofbauer (Sopran) Irene Olshevskaia (Sopran) Brian Franklin (Gambe) Emanuele Forni (Theorbe) Dirk Trüten (Orgel)
Im Zentrum unseres diesjährigen Passionskonzerts steht die Vertonung von Abschnitten aus den Klageliedern des Propheten Jeremia. Diese Texte gehören zu den bewegendsten Passagen des Alten Testaments. Jeremia trauert über die Besetzung und den Untergang der Stadt Jerusalem, die Zerstörung des Tempels und die Vertreibung der Juden. In der katholischen Liturgie bilden die Klagelieder traditionell die Lesungen der Matutin in der Karwoche. Jede Lektion schliesst mit dem flehentlichen Aufruf an das Volk: „Jerusalem, wende dich zu Gott, deinem Herrn“. Unter den zahlreichen Vertonungen nehmen die 1714 erschienenen Leçons de Ténèbres von François Couperin einen herausragenden Rang ein. Selten findet die Kirchenmusik des Barock zu einer Sprache, die an Tiefe der Aussage diesen Lamentationen gleichkommt. Im Gegensatz zu den ersten beiden Lesungen, die als Solokantaten konzipiert sind, hat Couperin die dritte als Duett ausgestaltet. Im liturgischen Rahmen eines nach und nach dunkler werdenden Kirchenraums trägt diese Besetzung zur Steigerung des dramatischen Effekts bei: es ist eine Musik, die dem langsamen Verlöschen mit zunehmender Intensität der Leidenschaft begegnet. Diesen Effekt hat der Komponist im Sinne eines barocken „Gesamtkunstwerks“ sehr bewusst in sein kompositorisches Konzept integriert.
Die international renommierte Sopranistin Ulrike Hofbauer studierte Gesang und Gesangspädagogik an den Hochschulen in Würzburg und Salzburg sowie an der Schola Cantorum Basiliensis. Die in Oberbayern geborene Sängerin musizierte als Solistin u.a. mit dem Collegium Vocale Gent, L’Arpeggiata, La Chapelle Rhénane, L’Orfeo Barockorchester und Cantus Cölln und arbeitete u.a. mit Philippe Herreweghe, Christina Pluhar, Andrea Marcon, Gustav Leonhardt, Rudolf Lutz und Jörg-Andreas Bötticher zusammen. Von 2014 bis 2019 war Ulrike Hofbauer Professorin für Barockgesang am Mozarteum in Salzburg. Seit 2017 unterrichtet sie historischen Gesang in Strassburg und ab September 2019 ebenfalls an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel. Neben Radiomitschnitten und Live-Auftritten dokumentieren zahlreiche CD- und Filmproduktionen ihre Vielseitigkeit.
Informationen
Interpreten:Ulrike Hofbauer (Sopran), Irene Olshevskaia (Sopran), Brian Franklin (Gambe), Emanuele Forni (Theorbe), Dirk Trüten (Orgel)
Werke englischer Komponisten sowie Werke von Georg Friedrich Händel (1685-1759) undFelix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Daniel Moult, renommierter Konzertorganist und Filmemacher, ist bekannt als „einer der besten Organisten unserer Zeit“ (The Organ). Berühmt für seine virtuosen, intelligenten und mitreissenden Darbietungen, wurde seine Musikalität als „berauschend“ (Gramophone), „umwerfend“ (The Organ) und „beeindruckend“ (Organists‘ Review) gelobt.
Als Solist tritt Daniel Moult an wichtigen Veranstaltungen und bei Festivals in Grossbritannien, in Europa, Asien und Australien auf und gibt Konzerte in verschiedenen weiteren Ländern. Der in Manchester geborene und heute in London lebende Daniel Moult studierte an der Universität Oxford und am Konservatorium von Amsterdam. Er ist Leiter der Orgelklasse am Royal Birmingham Conservatoire, wo er u.a. auch die Anschaffung von drei bedeutenden neuen Orgeln veranlasst hat. Er leitet Meisterkurse und Workshops auf der ganzen Welt. Daniel Moult tritt häufig im BBC-Fernsehen und -Radio auf und hat Aufnahmen für verschiedene Plattenfirmen realisiert, darunter Sony BMG, Signum, Regent und Fugue State Films. Dazu zählen die erste Soloaufnahme der neu restaurierten Orgel der Kathedrale von Arundel und eines der Orgelkonzerte Händels mit dem London Early Opera Orchestra.
Daniels Moults innovativer Ansatz zur Förderung der Orgelmusik hat dazu geführt, dass er in einer Reihe von Filmen auftrat, von denen der jüngste „The English Organ“ ist. Hierbei handelt es sich um das grösste Filmprojekt, das jemals über dieses Instrument realisiert wurde. Das Projekt bietet eine detaillierte Geschichte des englischen Orgelbaus, wobei Daniel Moult insgesamt zwölf Stunden Musik von der Tudorzeit bis zur Gegenwart eingespielt hat. Das Repertoire umfasst 500 Jahre und wurde an 33 Orten in Großbritannien, den USA, Australien und Neuseeland gefilmt. „Einfach ausgedrückt, ist dies eine der wichtigsten Orgelaufnahmen aller Zeiten“ (Fanfare). Er ist „ein idealer Fürsprecher für die englische Orgel … Jede seiner Darbietungen hier ist sehr empfehlenswert“ (Gramophone).
Kantaten „Schwingt freudig euch empor“ (BWV 36) und „Bereitet die Wege, bereitet die Bahn!“ (BWV 132)
Christina Boner (Sopran), Tobias Knaus (Altus), Akinobu Ono (Tenor), Sebastian Leon (Bass), Ensemble Le Phénix, Dirk Trüten (Orgel)
Bachs Kirchenkantaten gehören zweifelsohne zu den grossartigsten Werken dieser Gattung. In unserem diesjährigen Adventskonzert erklingen mit den Kantaten „Schwingt freudig euch empor“ (BWV 36) und „Bereitet die Wege, bereitet die Bahn!“ (BWV 132) gleich zwei Meisterwerke Bachs, die textlich die gesamte Adventszeit umschliessen.
Bach brachte seine Kantate BWV 36 erstmals am 1. Advent 1731 zur Aufführung. Das Werk beruht auf einer Glückwunschkantate für Charlotte Friederike Wilhelmine von Anhalt-Köthen, die er einige Jahre zuvor verfasst hatte. Da er diese Musik offenbar für gelungen erachtete, arbeitete Bach sie zu der vorliegenden Adventskantate um, wobei er sie um drei Strophen des alten Adventslieds „Nun komm, der Heiden Heiland“ erweiterte. Zugleich untergliederte er das Werk dergestalt, dass der erste Teil vor der Predigt und der zweite Teil nach der Predigt erklingen sollte. Die erste Aufführung der für den vierten Adventssonntag bestimmten Kantate BWV 132 fand am 22. Dezember 1715 in Weimar statt. Das Libretto nimmt Bezug auf das Evangelium dieses Sonntags, welches die Geschichte von Johannes dem Täufer erzählt. So erscheint die Ermahnung, dem Herrn die Wege zu bereiten, bereits in der einleitenden Sopranarie. Der Schlusschoral ist ein Gebet um Gottes Güte und Gnade.
Seit dem Jahr 2000 spielen und organisieren die beiden Cellisten Mathias Kleiböhmer und Christine Meyer Projekte unter dem Namen „le phénix“, sei es als Celloduo, Kammermusik-Ensemble oder in Orchesterbesetzung. Allen Projekten gemeinsam ist der Anspruch auf höchste musikalische Qualität, basierend auf den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis. Alle Mitwirkenden haben sowohl modernes als auch historisches Instrumentalspiel studiert und bringen durch ihr Engagement bei „le phénix“ vielfältige Impulse in die Arbeit ein. „le phénix“ besteht aus einer festen Stammbesetzung, die gleichermassen für Qualität und Kontinuität steht. Daraus formieren sich immer wieder Kammermusikensembles für einzelne Projekte. Das „orchester le phénix“ trat mit Solisten wie John Holloway, Heinz Holliger, Maurice Steger, Pierre Favre, Christophe Coin, Giora Feidman, Andreas Staier, Sergio Azzolini, Nuria Rial und Emma Kirkby auf. In regelmässigen Abständen spielt das Orchester CDs ein, und wurde dafür schon zweimal mit dem renommierten Echo Klassik Preis ausgezeichnet (Duport Cellokonzerte 2010, Wagenseil Cellokonzerte 2016). Die Produktion mit inszenierten Bach-Kantaten war am Theater Chur und am Bergen International Festival (Norwegen) zu sehen. Das Schaffen von „le phénix“ wird in ausserdem in regelmässigen Radio-Übertragungen von Konzerten dokumentiert. Die neueste CD mit Cembalokonzerten von Michel Corrette (Solist: Vital Julian Frey) erschien Ende 2021.
Contrapunct sopra la Bassigaglos d’Altr. – Passacaglia und Fantasie über den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (mgl. Nicolaus Bruhns 1665-1697)
Eva Saladin (Barockvioline), Emanuele Forni (Theorbe), Elizabeth Rumsey (Gambe), Dirk Trüten (Orgel)
Im Zentrum unseres Programms steht die anonym überlieferte Fantasie über den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ für Violine und Basso continuo. Diese grossangelegte Komposition gehört zu den schönsten, aber auch rätselhaftesten Werken der Geigenliteratur des 17. Jahrhunderts. Schon der in einer Handschrift des Minoritenkonvents Wien überlieferte Titel „Contrapunct sopra la Bassigaglos d’Altr.“ wirft Fragen auf. Klar ist nur, dass der Begriff „Bassigaglos“ auf die einleitende Passacaglia, also eine Variationenreihe über ein gleichbleibendes Bassthema verweist. Die darauf folgende Choralfantasie steht in der Literatur für Streichinstrumente der Zeit einzig da. Auch ist der Autor in der Quelle nicht genannt. Obwohl ausschliesslich in der erwähnten Wiener Handschrift überliefert, verweist der Typus der Choralfantasie eher in den Norden. So ist aufgrund stilistischer Eigenheiten in jüngster Zeit v.a. Nicolaus Bruhns (1665-1697) als möglicher Komponist ins Spiel gebracht worden. Dies erscheint durchaus plausibel, da er für sein virtuoses Geigenspiel bekannt und als Schüler des Lübecker Marienorganisten Dieterich Buxtehude ebenso mit der norddeutschen Orgelmusik vertraut war, in der der Typus der Choralfantasie einen festen Platz hatte.
Eva Saladin studierte zunächst Geige am Konservatorium Amsterdam. Danach widmete sie sich der Barockgeige bei Leila Schayegh und David Plantier an der Schola Cantorum Basiliensis und schloss das Studium 2013 mit Auszeichnung ab. Auch beschäftigte sie sich intensiv mit historischer Improvisation in der Klasse von Rudolf Lutz. Heute lebt sie als freischaffende Musikerin in Basel. Ihre Arbeit setzt sich zusammen aus Kammermusik- und Orchesterprojekten sowie Solorezitals mit einem Repertoire vom Frühbarock bis zur Frühromantik. Neben ihrer Arbeit als Leiterin des Ensemble Odyssee in Amsterdam ist sie eine der Konzertmeisterinnen der Barockorchester La Cetra Basel (Andrea Marcon) und Gli Angeli Genève (Stephan MacLeod). Darüber hinaus spielt sie regelmässig mit dem Orchester der J.S. Bachstiftung St. Gallen und Ensembles wie Il Gusto Barocco und dem Capricornus Ensemble Stuttgart.
Sie ist in internationalen Konzertreihen und an Festivals wie dem renommierten Oude Muziek Festival Utrecht zu hören, wo sie 2020/21 Artist in Residence war. Ausserdem ist sie regelmässig Gast an Veranstaltungen wie den Festtagen für Alte Musik Basel, dem Festival de Saintes, den Barockfestspielen Bad Arolsen, den Händelfestspielen Halle, den Barockfestspielen Sanssouci, den Thüringer Bachwochen und dem Festival de Verbier. Sie nahm CDs u.a. für die Labels Resonando, Glossa, Panclassics und BrilliantClassics auf.
Werke von Samuel Scheidt (1587-1654), Franz Tunder (1614-1667), Dietrich Buxtehude (1637-1707) und Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Martin Gester ist Dirigent, Organist und Cembalist und studierte sowohl Literatur als auch Musik an der Universität Strassburg wie auch am dortigen Konservatorium. Mit seinen musikwissenschaftlichen Studien hat er sich vornehmlich der musikalischen Aufführungspraxis des 17. und 18. Jahrhunderts verschrieben. Heute ist er ein international gefragter Experte in Sachen Barockmusik. Seine Interpretationen alter Meister sind auf annähernd 40 CD-Einspielungen dokumentiert.
1990 gründete er das Ensemble „Parlement de Musique“, ein einfallsreiches und experimentierfreudiges Ensemble, das sich an der Schnittstelle zwischen Barock und Klassik, zwischen Konzert und Bühne bewegt und sich sowohl um die Entdeckung neuer Talente als auch um die Zusammenarbeit mit etablierten Künstlern bemüht. Mit „génération baroque“ gründete er zudem einen alljährlichen internationalen Opernworkshop in Strassburg, in dem er junge Musiktalente an Barockmusik und ihre besondere Spielweise heranführt.
Gleichzeitig setzte seine Tätigkeit als Organist und Cembalist fort. Seine bei Ligia erschienene Einspielung der 6 Partiten für Cembalo von Bach (Clavier-Übung 1) veranschaulicht seine Suche nach der Beziehung zwischen anspruchsvoller Musik und Tanz. Es folgten Aufnahmen der Musik von Jacques Duphly und Sinfonien im Salon von Johann Schobert. In jüngerer Zeit hat sich Martin Gester im Rahmen der Interpretation der Werke von C.P.E. und W.F. Bach und J. Haydn auch dem Clavichord zugewandt.
Martin Gester unterrichtet Cembalo und die Interpretation des barocken und klassischen Repertoires für Sänger und Instrumentalisten (Orgel, Pianoforte, Kammermusik und Barockorchester) an der Académie Supérieure de Musique und am Conservatoire de Strasbourg und gibt regelmäßig Meisterkurse auf mehreren Kontinenten. Er wurde vom französischen und vom polnischen Kulturministerium zum Chevalier des Arts et Lettres ernannt und in den Verdienstorden aufgenommen.
Mitwirkende Ensemble Voces Suaves (Basel) Léon Berben (Köln), Orgel und Cembalo Prof. Jörg-Andreas Bötticher (Basel), Orgel Dirk Trüten (Zürich), Orgel Andreas Müller-Crepon (ehem. Journalist Radio SRF 2 Kultur), Wort
Spielstätten: Kirche Maria Frieden Dübendorf, Neuhausstrasse 34, 8600 Dübendorf Kirche Allerheiligen Zürich, Wehntalerstrasse 224, 8057 Zürich
Freitag, 1.10.2021 (Kirche Maria Frieden Dübendorf)
19.30 Uhr: Eröffnungskonzert Léon Berben (Orgel) und Andreas Müller-Crepon Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Heinrich Scheidemann und Matthias Weckmann
Samstag, 2.10.2021 (Kirche Allerheiligen Zürich)
10.00 Uhr: Meisterkurs Orgel und Cembalo Léon Berben: Jan Pieterszoon Sweelinck und seine Schüler 19.30 Uhr: Gesprächskonzert Léon Berben (Orgel und Cembalo) und Dirk Trüten
Sonntag, 3.10.2021 (Kirche Maria Frieden Dübendorf)
17.00 Uhr: Abschlusskonzert Ensemble Voces Suaves und Prof. Jörg-Andreas Bötticher (Orgel) Geistliche und weltliche Vokalmusik sowie Orgelwerke von Jan Pieterszoon Sweelinck
Einen Schwerpunkt im diesjährigen Programm der Dübendorfer Abendmusiken bildet unser kleines Festival zu Ehren des Organisten Komponisten und Pädagogen Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621). Als „Orpheus von Amsterdam“ war dieser eine internationale Berühmtheit und zog eine illustre Schülerschar an, die seine Musik über ganz Europa verbreitete. Im Gedächtnis ist er daher vor allem als „Organistenmacher von Amsterdam“ geblieben. Weniger bekannt ist, dass seine Vertonungen des Genfer Psalters sogar noch in der Schweiz des 18. Jahrhunderts gesungen wurden. Parallel zu diesem Manifest des Calvinismus publizierte Sweelinck 1619 in Antwerpen auch Vertonungen aus der katholischen Liturgie und setzte so ein Zeichen für das Gemeinsame der damals verfeindeten Konfessionen.
Voces Suaves ist ein Vokalensemble aus Basel, das Musik der Renaissance und des Barock in solistischer Besetzung aufführt. Historisch informiert strebt es eine fesselnde Rhetorik verbunden mit einem warmen und vollen Gesamtklang an, der die Musik emotional unmittelbar erlebbar macht. Durch die mehrjährige intensive Zusammenarbeit ist eine grosse Vertrautheit im musikalischen Schaffen entstanden. Voces Suaves tritt an bedeutenden Festivals in ganz Europa auf. Seit 2015 sind verschiedene Einspielungen von Voces Suaves bei bekannten Labels erschienen und mit diversen internationalen Preisen ausgezeichnet worden.
Léon Berben studierte am Königlichen Konservatorium von Den Haag und am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam. Zu seinen Lehrern gehörten u.a. Gustav Leonhardt und Ton Koopman. Früh spezialisierte er sich auf die Musik für Tasteninstrumente von 1550 bis 1790, wobei sein Hauptinteresse den deutschen Komponisten, den englischen Virginalisten und dem Schaffen Sweelincks gilt. Léon Berbens zahlreiche Solo-Einspielungen (u.a. die Gesamtaufnahme der Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck) wurden mit einer Fülle von Preisen bedacht, darunter gleich siebenmal der «Preis der deutschen Schallplattenkritik».
Jörg-Andreas Bötticher stammt aus Berlin und studierte Alte Musik in Basel. Einem Diplom für Orgel bei Jean-Claude Zehnder und für Cembalo bei Andreas Staier schlossen sich Studien bei Jesper B. Christensen und Gustav Leonhardt an. Mit dem Ensemble „La Fenice“ und der Violonistin Helène Schmitt erkundete er die Musik des italienischen Frühbarock. Er konzertiert als Solist, mit der Geigerin Plamena Nikitassova sowie mit verschiedenen Kammermusik- und Orchesterformationen (u.a. Akademie für Alte Musik, La Cetra, Bachstiftung St. Gallen). Darüber hinaus wirkte er bei Aufführungen der Matthäuspassion mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle mit (u.a. in London und New York). Bötticher ist Professor für Cembalo, Orgel und Generalbass an der Schola Cantorum Basiliensis. An der Hochschule für Musik in Basel unterrichtete er bis 2016 Aufführungspraxis älterer Musik. Kurse und Vorträge führten ihn an verschiedene europäische Musikhochschulen und nach Südamerika. Er ist Organist an der Predigerkirche Basel und künstlerischer Leiter der „Abendmusiken in der Predigerkirche“. Daneben wirkt er auch als Juror bei internationalen Orgelwettbewerben wie z.B. in Innsbruck, Lausanne oder Lübeck.
Als Musikwissenschafter publiziert er zu den Themen Generalbass, Musikästhetik sowie zum Kantatenoeuvre Bachs. Verschiedene CD-Aufnahmen dokumentieren sein Interesse für unbekanntere Komponisten, wie z.B. Alessandro Poglietti, Michelangelo Rossi und Gottlieb Muffat, Carlo Zuccari und Gaspard Fritz. Seine Einspielungen der Bach-Sonaten für Violine und Cembalo obligato und der Triosonaten von Caldara (mit Amandine Beyer und Leila Schayegh) erhielten den Diapason d’or. 2020 erhielt er den Wissenschaftspreis der Stadt Basel für seine herausragende Grundlagenforschung zur Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre engagierte Vermittlung an die Öffentlichkeit.
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Informationen
Interpreten:Ensemble Voces Suaves, Léon Berben, Prof. Jörg-Andreas Bötticher
Motetten, Laudi und Canzonette von Palestrina, Victoria, Marenzio u.a.
Mitwirkende: Maria Cristina Khier (Sopran), Katarina Livljanić (Alt), Matthieu Romanens (Tenor), Sebastian León (Bariton und Leitung), Dirk Trüten, Orgel
Zur Zeit der Gegenreformation waren die spanische Kultur und Sprache in Rom – vor allem in den Kirchen von San Giacomo und Santa Maria – sehr präsent. Cristóbal de Morales wirkte als Sänger in der päpstlichen Kapelle und veröffentlichte einige seiner Werke zusammen mit anderen dort tätigen Komponisten. Tomás Luis de Victoria reiste seinerseits nach Rom, um bei Palestrina zu studieren und Musik für die Kirche von Santiago zu komponieren. Die meisten dieser Werke wurden auch in der Papststadt gedruckt. In unserem Konzert sind neben lateinischen Motetten von Palestrina, Morales und Victoria auch Stücke auf italienisch zu hören: die Laudi spirituali, welche von dem spanischen Jesuiten Francisco Soto de Langa gesammelt wurden. Diese strophischen Lieder wurden für das Oratorium von Filipo Neri komponiert und verbinden die lange und populäre Tradition der Poesie und der Musik, die ausserhalb der Liturgie gesungen wurde. In diesen Sammlungen finden sich auch einige spanische Villancicos. Sie stammen vor allem von dem einflussreichen und bekannten Komponisten Francisco Guerrero, dessen Werke auch in Venedig gedruckt wurden. In unserem Programm werden sowohl die imposante Klangwelt der liturgischen Musik als auch die Spontanität und Schlichtheit der traditionellen Lieder zu hören sein, die die Weihnachtsfeierlichkeiten in Rom gegen Ende des 16 Jahrhunderts begleiteten.
Informationen
Interpreten:Maria Cristina Khier (Sopran), Katarina Livljanić (Alt), Matthieu Romanens (Tenor), Sebastian León (Bariton), Dirk Trüten, Orgel