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Lorenzo Maldonado, Wächter der Schule Pukllasunchis
Lorenzo ist 41 Jahre alt. Er und seine Frau Rosa Doris Challco haben zwei Söhne: Cristian ist 19 und hat vor 2 Jahren die Schule Pukllasunchis abgeschlossen, sein Bruder José Manuel ist 11 und geht in die 6. Klasse.
Die Lebensgeschichte von Lorenzo Maldonado
Ich wurde in Qoypa geboren. Diese Bauerngemeinde liegt in der Provinz von Paruro und ist von Cusco über eine Schotterpiste in drei Stunden erreichbar. Meine Eltern waren Bauern; sie pflanzten unter anderem Mais und Kartoffeln an, wir hatten auch zwei Kühe und einige Schafe. Von klein auf war es meine Aufgabe, die Tiere zu hüten und auf dem Acker mitzuhelfen – ich liebte die Feldarbeit!
Ich habe vier Brüder und vier Schwestern; ich bin der jüngste, deshalb haben sie mich alle verwöhnt. Unsere Eltern brachten uns allen die Arbeit auf dem Feld bei, das Umgraben
der kleinen Äcker, das Aussäen, die Pflege der wachsenden Pflanzen und das Ernten.
Mein Vater lebt schon lange nicht mehr, und meine Mutter ist vor fünf Jahren gestorben. In Qoypa sprechen wir fast nur Quechua, in der Schule lernten wir Spanisch. Die Primarschule
konnte ich in meinem Dorf besuchen, die Sekundarschule hingegen befand sich in Paqariqtambo, zwei Stunden Fussmarsch von unserem Dorf. Nach der zweiten Sekundarklasse zog ich zu einem meiner älteren Brüder nach Cusco und schloss in der Stadt die Sekundarschule ab. Es fiel mir sehr schwer, mein Dorf und meine Eltern zu verlassen, ich war doch immer der Kleine und Verwöhnte! Meine Eltern weinten auch – die Erinnerung daran macht mich heute noch traurig.
Nach dem Schulabschluss begann ich zu arbeiten, als Wandmaler und Bauarbeiter. Dank der Arbeit konnte ich mir bald ein Bett kaufen, ein eigenes Zimmer mieten und meine Eltern im Dorf besuchen und ihnen Nahrungsmittel, Werkzeuge und anderes Nützliches bringen.
Ich lernte meine Arbeit und mein selbstverdientes Geld zu schätzen. Vor allem unabhängig zu wohnen war für mich wichtig; denn in einer grossen Familie, gibt es immer wieder Konflikte. Ab und zu fand ich Arbeit auf Baustellen, wo ich aber schlecht oder gar nicht bezahlt wurde. Deshalb nahm ich eine Stelle für Unterhaltsarbeiten im Hotel Dorado Inn an. Dann erfuhr ich von einem Freund, dass auf dem Bauplatz der Schule Pukllasunchis ein Magazinverwalter gesucht werde. Ich bewarb mich und erhielt die Arbeit.
Meine Frau Rosa hatte zwei Monate vorher unseren ältesten Sohn geboren; sie wohnte zu dieser Zeit bei den Eltern im Dorf. Rosa ist auch von Paruro, wir kennen uns seit der Sekundarschule. Nach einigen Monaten kam sie mit Cristian nach Cusco, und wir teilten zu dritt mein Zimmer auf dem Bau.
Nach Abschluss des Baus fragte mich der Schulleiter, ob ich als Wächter arbeiten möchte, und seit 2004 bin ich nun hier angestellt. Mir gefällt der Kontakt mit den Kindern und den Lehrpersonen. Die Schule hat viele Grünzonen und einen grossen Schulgarten; es erinnert mich immer wieder an mein Heimatdorf.
Ich möchte auch in Zukunft bei Pukllasunchis arbeiten, sodass meine Söhne eine gute Ausbildung erhalten. Ich liebe meine Frau und meine Kinder, ich will ein gutes Vorbild für sie sein. Wann immer möglich besuche ich mein Dorf und helfe meinen Familienangehörigen auf dem Feld; ich schätze die Leute von Qoypa. Wenn ich dort bin, nutze ich die Gelegenheit, um auszureiten und die Natur zu geniessen. Pferde mag ich ganz besonders.