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Er war keiner der Lauten. Als Kind mied er zum Leidwesen des Vaters das Getümmel auf dem Fussballplatz und schuf sich seine imaginäre Welt auf Karton und Papier: Er bevölkerte Inseln, durch Brücken und Eisenbahnen verbunden mit exakten Fahrplänen und dem Detailprogramm des zugehörigen Theaters. Erwachsen und psychologisch gebildet, auch durch einen längeren Aufenthalt in den USA, half er Jüngeren, sich in der realen Welt der Universität zurechtzufinden und den eigenen Weg zu wählen. Es war die Zeit der «Ausschöpfung der Bildungsreserven», der Förderung von sogenannt bildungsfernen Schichten, der Steigerung der Maturitätsquote.
Als Pionier baute er in den 1960er Jahren in Bern die Akademische Studien- und Berufsberatung auf, vernetzte diese mit verwandten Einrichtungen im Land und entwickelte als Präsident das Netzwerk weiter. Als Urs Pulver 1988 frühzeitig in Pension ging, war sein berufliches Lebenswerk etabliert.
Und doch nicht. Von den Amtspflichten befreit, schrieb Urs Pulver weiter Tagebuch: Exakte Notate als teilnehmender Beobachter seiner selbst, als psychologischer Analysand seiner Tage, seines Alltags. Ein Buch blieb fast echolos, aber er setzte die persönliche Erkundung in stiller Arbeit schreibend, nachdenkend auf Tausenden von Seiten fort.
Mit seiner bescheidenen Art und der Präsenz in der Familie ermöglichte Urs Pulver seiner Frau Elsbeth, als Literaturwissenschaftlerin, -vermittlerin, -rezensentin und -förderin zu glänzen. Elsbeths Krankheit und ihr Angewiesensein auf ihn forderte seine Kräfte extrem. Nach dem Tod seiner Frau begann er im Heim einen neuen Lebensabschnitt, in dem er als gütiger, warmherziger und spannender Gesprächspartner manchen viel bedeutete. Doch die Kräfte liessen nach. Am 18. September ist Urs Pulver friedlich eingeschlafen, er war 94-jährig. Einer, der in der Familie, im Beruf, in der Wissenschaft mehr geleistet hat als viele der Lauten. Ein Gentleman.