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Ich mag mich noch gut erinnern, als ich bei meinem ersten Japan-Aufenthalt 1995 eine Fahrkarte ausgestellt bekam. Der Schalterangestellte bediente hierzu ein Touch-Panel, das zusätzlich mit Tasten bestückt war. Ein Monitor mit schwarzem Display zeigte ihm alle wichtigen Informationen an. Die Szene hielt ich sogleich auf meiner Hi8-Kamera fest:
Bei diesem Computer handelte es sich um das Modell L, das damals einen grossen technischen Fortschritt darstellte. Denn der Vorgänger, das Modell M, war noch ein überdimensioniertes Gerät mit einem kleinen monochromen Bildschirm, unzähligen Tasten und einem komplexen Lochsystem, mit dem der Schalterangestellte Reservationen erstellen und Fahrkarten drucken konnte.
Heute findet man in den Bahnhöfen elegante Touchscreen-Bildschirme vor. Geübte Bahnangestellte bedienen diese Geräte in einer Geschwindigkeit, bei der das normale Auge gar nicht nachkommt (siehe Video oben). Das allein ist schon eine Sehenswürdigkeit.
JR setzt seit 1959 auf Computer
Hinter all diesen Geräten steckt das weltweit älteste computerisierte Fahrkartensystem mit dem Namen MARS (Multi Access seat Reservation System), das von allen JR-Bahnbetreibern genutzt wird. 1959 wurde die erste Generation in Betrieb genommen. Es war quasi Japans erstes Internet. MARS1 ermöglichte eine koordinierte Online-Bearbeitung von 4000 Sitzplatz-Reservationen pro Tag. 1964, als Japans erste Shinkansen-Strecke zwischen Tokio und Osaka eröffnet wurde, konnten bereits über 100‘000 Sitzplätze über das einheitliche Computersystem reserviert werden.
1974 war schon die fünfte MARS-Generation im Einsatz. 1650 Bahnschalter-Computer waren damals mit dem System verbunden. Täglich wurden damit 1 Million Sitzplatzreservationen getätigt. Seit 2004 läuft die neueste Generation, MARS501. Die Server, die in einem hochgesicherten Gebäude in Tokio lagern, müssen im Zeitalter der Digitalisierung gigantische Rechenleistungen vollbringen, damit es zu keinen Störungen im komplexen japanischen Bahnsystem kommt. Heute werden täglich über 1,8 Millionen Fahrkarten verkauft. Pro Sekunde kann das System 250 Anfragen bearbeiten und innerhalb von 6 Sekunden eine Fahrkarte ausstellen.