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Die Franzosen haben unsere Nationaltrainer schon reihenweise aus dem Amt gekippt und selbst Ralph Krueger ins Wanken gebracht. Ein Rückblick als Ausblick auf die Partie gegen Frankreich.
Ausgerechnet die Partie gegen den rebellischen Aussenseiter Frankreich entscheidet heute Abend (20.15 Uhr, live auf watson und SRF2) über Ruhm oder Schmach unserer WM-Expedition. Frankreich. Immer wieder Frankreich. Gegen keinen anderen, vermeintlich kleinen Gegner haben die Schweizer bei Titelturnieren der Neuzeit so viele dramatischen Niederlagen erlitten.
Hier ein paar Beispiele: 1989 verpassten wir nach einem 1:4 gegen die Franzosen den Aufstieg. 1993 stellte ein 1:3 und 1995 ein 2:3 die Weichen Richtung Abstieg. 2011 kostete uns ein Punktverlust (1:0 nach Verlängerung) und 2012 eine Niederlage (2:4) das Viertelfinale.
Nur der grosse Bandengeneral Ralph Krueger hatte die Erben Napoléons zwischen 1998 und 2010 fast immer im Griff. 1998 öffnete ein 4:1 den Weg ins WM-Halbfinale. 1999 und 2004 siegten wir je 6:0, 2008 gar 9:0 und 2009 1:0.
Hinter dieser trockenen Aufzählung verbergen sich Dramen. Die Niederlage bei der WM 1993 kostete Nationaltrainer Bill Gilligan den Job. 1995 musste Mats Waltin nach der WM gehen. Selbst der grosse Ralph Krueger geriet ins Wanken. Das Niederlage bei der WM 2000 in St. Petersburg (2:4) vermochte er zwar mit dem Sensationssieg gegen Russland (3:2) noch zu kompensieren.
Aber 2002 vereitelte das 3:3 gegen Frankreich beim Olympischen Turnier das Weiterkommen und löste die einzige Krise seiner Ära aus, die mit dem grössten helvetischen Hockey-Eklat der Neuzeit endete: Reto von Arx und Marcel Jenni wurde vorzeitig nach Hause geschickt.
Und nun in Paris wieder gegen Frankreich. Vor 25 Jahren kam es zur bisher letzten WM- oder Olympia-Auseinandersetzung mit Frankreich auf französischem Boden. Die olympische Niederlage (2:4) von 1992 in Albertville fegte schliesslich Nationaltrainer Juhani Tamminen aus dem Amt. Er rächte sich an der WM 1995 als französischer Nationaltrainer mit einem 3:2-Sieg gegen die Schweiz. Vor dem Spiel hatte er auf der Taktiktafel einen Galgen gemalt und machte seine Jungs mit dem Spruch «Hängt sie auf» heiss.
Inzwischen ist er 66 und längst Finnlands Antwort auf Don Cherry geworden. In bunten Phantasiekostümen bringt er, halb Clown, halb Experte, wie ein «J.P. Love des Hockeys» den finnischen TV-Zuschauern auf höchst unterhaltsame Art und Weise das WM-Hockey näher. In diesen Tagen aus dem Studio in Paris.
Offiziell droht Patrick Fischer bei einer Niederlage gegen Frankreich kein ähnliches Schicksal. Obwohl der charismatische Kommunikator in einem TV-Studio eine bessere Figur als Tamminen machen würde. Er hat einen Vertrag bis und mit WM 2018 – und den wird er wahrscheinlich auch dann erfüllen, wenn es in Paris nicht für die Viertelfinals reichen sollte.
Aber ein wenig Polemik wird er im Falle eines Scheiterns aushalten müssen. Und kein Schelm, wer die Frage stellt: Kann sich Patrick Fischer heute gegen Frankreich tatsächlich eine Niederlage leisten?