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Manchmal denke ich, dass ich keine gute Businessfrau bin. Dann nämlich, wenn ich Eltern erfolgreich eine Potenzialanalyse, landläufig auch als Intelligenztest bekannt, ausgeredet habe. Wie die meisten Dinge, so haben auch Intelligenztests Vor- und Nachteile. Nur aus Neugierde sollte man (s)einem Kind eine Potenzialanalyse nicht zumuten. Dieser Artikel versteht sich als knackige Ergänzung zum Blogpost „vom Unsinn der IQ-Tests“, den ich im Mai 2021 verfasst habe.
Was ist Intelligenz?
In der Psychologie wird der Begriff Intelligenz für die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen benutzt. Er bezeichnet die Fähigkeit, Dinge durch logisches Denken zu erkennen und Probleme zu lösen. In welchem Ausmass diese bei einer Person vorhanden ist, lässt sich durch einen Intelligenztest feststellen. Dabei werden ihr eine verschiedene Problemstellungen vorgelegt, die in einer bestimmten Zeit gelöst werden müssen. Das End-Ergebnis aus der Anzahl der richtigen Antworten wird mit dem Durchschnitt einer Normstichprobe verglichen, die dem Kind bezüglich Alter möglichst ähnlich sein sollte. Das Verhältnis der beiden Zahlen ergibt den Intelligenzquotienten, kurz IQ genannt. Bei der Mehrheit der Menschen liegt dieser Wert etwa bei 100. Im Bereich von 70 bis 85 spricht man von niedriger Intelligenz, bei 115 bis 129 von überdurchschnittlicher Intelligenz. Ab 130 beginnt der Bereich der Hochbegabung.
Was misst ein Intelligenztest?
Der IQ-Test ermöglicht optimalerweise eine zuverlässige Einschätzung der Höhe der Intelligenz. Das Testergebnis zeigt den IQ-Wert eines Kindes im Vergleich zur Altersnorm an. Vielen Menschen reicht dies dann auch. Eine gute Diagnostik aber leistet mehr: Ein Intelligenztest kann, wenn er richtig interpretiert wird, als Erziehungshilfe und als Grundlage eines pädagogischen Förderkonzeptes dienen. Die Ergebnisse der einzelnen Untertests können Hinweise geben
- worauf sollte in der Erziehung geachtet werden soll
- wo die Stärken des Kindes liegen
- ob eventuelle Besonderheiten zu erkennen sind
- wo Förderbedarf (auch zu weitergehenden Leistungen) besteht
Wann ist ein Intelligenztest sinnvoll?
Ich versuche hier eine subjektiv gefärbte Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen von Intelligenztests aufzulisten
|Vorteile||Nachteile|
|Neutrale Instanz, wenn die Einschätzungen von |
Eltern und Lehrpersonen differieren
|IQ ist immer nur eine Momentaufnahme|
|Möglichkeiten zur Erstellung eines individuellen Förderkonzepts||Testsituation ist für das Kind u.U. belastend|
|Türöffner zu Förderprogrammen und -schulen||Test Ist störungsanfällig (Motivation, Angst etc.)|
|Ein Intelligenztest kann mehr aussagen als nur den IQ||Das Gefühl „etwas ist falsch mit mir“ kann beim Kind aufkommen, gerade bei Nachtestungen|
|Unklare Leistungsprobleme können identifiziert werden,|
gerade auch bei Teilleistungsproblematiken
|Kinder mit Sprachbehinderungen können je nach Test |
falsch eingeschätzt werden
|….||Das Kind wird an einer Zahl „festgemacht“|
|…..||Geschwisterkinder können verglichen werden|
Lernbehindert oder hochbegabt?
Häufig werden Intelligenztests bei Kindern zur Diagnose von Hochbegabung oder, auf der anderen Seite, von geistiger Behinderung oder Störungen wie Legasthenie, Dyskalkulie oder ADHS herangezogen. Kinder mit Werten über 130 kann man als hochbegabt bezeichnen, alle unter 70 gelten als geistig behindert. Ausser dem reinen IQ-Wert kann ein Intelligenztest aber noch mehr liefern. Wenn die Ergebnisse von einem Experten oder einer Expertin richtig interpretiert werden, stellen sie die Stärken und Schwächen eines Kindes dar. Daher ist es besonders wichtig, dass ein Intelligenztest von erfahrenen Pädagoginnen oder Pädagogen durchgeführt und nicht auf Schnelltests im Internet zurückgegriffen wird. Die Resultate können eine gute Grundlage für Förder- und Fordermöglichkeiten in Schule und Freizeit sein. Elternteile können das Verhalten ihres Kindes damit besser nachvollziehen und wissen, worauf sie in der Erziehung achten müssen. Das ist förderlich für die Entwicklung des Kindes und kann durchaus auch zum Familienfrieden beitragen.
Je früher man bei einem Kind eine Hochbegabung oder eine geistige Beeinträchtigung diagnostiziert, desto besser kann man darauf reagieren und das Kind entsprechend unterstützen. Beobachtet man bei Kindern Verhaltensauffälligkeiten oder Unlust, kann ein erster Intelligenztest bereits vor der Schule im Kindergartenalter durchgeführt werden. Über- oder Unterforderung kann sich auch darin äussern, dass sich das Kind sehr zurückzieht oder aggressiv verhält und im Unterricht stört. Es ist unglücklich und findet keine Freunde. Es ist wichtig zu wissen, dass ein IQ-Ergebnis nur eine Momentaufnahme der Entwicklung des Kindes ist. Nicht selten erlangen Kinder zu einem späteren Zeitpunkt abweichende Ergebnisse.
Fazit
Es gibt zweifelsfrei Situationen, in denen ein Intelligenztest, oder eben eine Potenzialanalyse, Sinn macht oder als Zulassung für eine Schule oder einen Kurs unumgänglich ist. Diese Entscheidung sollte aber sorgfältig überlegt und gerne auch mit Fachpersonen besprochen werden. Es gilt die Vor- und Nachteile eines Intelligenztests gut gegeneinander abzuwägen. Eine „Abklärung“ sollte einen bestimmten Anlass haben und optimalerweise auch ein Ziel verfolgen. Nur aus Neugierde sollte man (s)ein Kind keinesfalls testen lassen, weil eine Testung doch meist mit Stress und Unsicherheit verbunden ist. Kommt dazu, dass Eltern – abhängig vom Wohnort – meist recht viel Geld und Zeit investieren müssen.
Ich bin überzeugt, dass durch genaues Beobachten des Kindes sehr treffende Aussagen über sein Potenzial und seine Fähigkeiten gemacht werden können. In diesem Bereich sind wohl noch einige Schulungen der Lehrpersonen vonnöten, aber ich bin zuversichtlich, dass wir da bald einen Schritt weiter sind!