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„Die in Muri bei Bern gefundene Bärengöttin“ von Kaspar Weber (in: Bulletin der Blum-Zulliger-Stiftung Bern, März 2005, Nr. 27, S. 109)
„Wie kann man die DEA ARTIO aus Muri mit der Psychoanalyse verbinden? In „Totem und Tabu“ zitiert Freud ausführlich aus dem Werk von Salomon Reinach „Cultes, Mythes et Religion“. Dessen erster Band, Paris 1908, (steht in unserer Bibliothek) beginnt mit den Kapiteln „Quelques observations sur le Tabou“, „Phénomènes généraux du totemisme animal“ und dann „Les survivances du totemisme chez les anciens Celtes“. Als Hauptbeispiel für dieses Überleben des Totemismus bei den Kelten, zu denen die Helvetier gehörten, bildet Reinach auf S. 31 die Bärengöttin aus Muri ab. Für Reinach besteht kein Zweifel daran, dass der Berner Wappen-Bär auf diese im Aaretal heimische Gottheit zurückgeht. S. Freud besass Reinachs Werk, hatte es gründlich gelesen und war somit auch unserer Bären-Göttin begegnet, die als erste Abbildung den Band ziert. Vor Reinach hatte sich der grosse Basler Johann Jakob Bachofen (1815-1887), der Schöpfer der Theorie des „Mutterrechts“ (Freud wusste auch davon) mit der gleichen Statuettengruppe befasst. Seine Schrift „Der Bär in den Religionen des Altertums“ beginnt mit dem Satz „Am 16. Mai 1832 fanden die Söhne des Geistlichen Ries in der Nähe ihrer Pfarrwohnung zu Muri sieben römische Bronzen, die in dem Museum von Bern aufbewahrt werden.“ Dieses Pfarrhaus ist heute verschwunden, es stand etwas unterhalb des Schlosses gegen die Kirche zu, und die Fundstelle lag etwas östlich davon auf dem Schlosshügel.
Heute ist man der angedeuteten Beziehungen nicht mehr so sicher, weder der Bedeutung des Totemismus allgemein, noch des Berner Bären als ehemaligem keltischem Totemtier. Auch wenn man jetzt ziemlich sicher weiss, dass das keltisch-römische Städtchen auf der Engehalbinsel „Brenodor“ hiess, was eventuell einen Anklang an den Namen „Bern“ enthält, ergibt sich daraus wieder keine Verbindung zu „arktos“, griechisch „Bär“, womit wohl der Name der Göttin „artio“ zu tun hat. Man zweifelt aber nicht daran, dass die Bärengöttin einerseits als Bärin, andrerseits als Frau erscheint. In dieser Gleichsetzung von tier- und menschengestaltigen Gottheiten liegen wiederum religionspsychologische Probleme, die in die Zuständigkeit der Psychoanalyse fallen. Darin kann man eine weitere Rechtfertigung dafür sehen, dass wir die bei Bern einst heimische Bärengöttin in unser Signet aufgenommen haben.“