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Spätestens bei der Geburt eines Kindes müssen die Eltern über die berufliche Zukunft der Mutter entscheiden. Viele Fragen türmen sich dann auf, beispielsweise folgende: Wer soll wie lange Elternzeit nehmen? Sollen beide Partner danach wieder voll in den Beruf zurückkehren? Wer reduziert allenfalls seine Arbeitszeit und widmet sich dem Nachwuchs?
Psychologinnen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) wollten diesen Fragen respektive den Antworten der Eltern auf den Grund gehen und interviewten dazu 306 Paare. Dabei zeigte sich betreffend Rollenvorstellungen und beruflichen Veränderungen im Nachgang zur Vaterschaft die dominante Rolle des Mannes, wenn Frauen über ihre Berufskarriere zu befinden haben. Väter wiederum treffen ihre Entscheidungen unabhängiger.
Insbesondere spielen dabei die Einstellungen zu Geschlechterrollen eine entscheidende Rolle. Analysiert wurden Daten aus zwei grösseren längsschnittlichen Forschungsprojekten. Insbesondere ging es um die Wechselbeziehung zwischen der eigenen Geschlechterrollenvorstellung und jener des Partners in Bezug auf die beruflichen Entscheidungen. Dabei zeigte sich – nicht wirklich überraschend! – die eingangs erwähnte dominierende Rolle des Mannes, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. So nahmen Frauen mit traditionelleren Partnern längere berufliche Auszeiten und reduzierten ihre Arbeitsstunden deutlicher als Mütter mit gleichberechtigt eingestellten Ehemännern. Diese Frauen wählten vergleichsweise kürzere Auszeiten, bevor sie wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrten. Man könne allerdings nicht behaupten, dass die Einstellungen der Frauen völlig unbedeutend seien, erklärt die Studienleiterin, aber das Rollenverständnis des Partners hätte einen wichtigen Einfluss auf die Frauen. «Dabei spielen die Einstellungen zu Geschlechterrollen eine entscheidende Rolle.»
Wie aber beurteilen die Studienautorinnen die Tatsache, dass gleichberechtigt eingestellte Väter ihre Arbeitszeiten stärker verringerten als die «Traditionalisten»? Frauen neigten generell eben stärker dazu, die Bedürfnisse ihres Umfeldes zu berücksichtigen. Auch verändere sich die Lebenssituation mit der Schwangerschaft und der Geburt des Kindes für die Mütter stärker als für die Väter. Dieser Lebensabschnitt ist zudem gepaart mit Verunsicherungen nach der Geburt eines Kindes, wobei Mütter davon stärker betroffen sind als Väter. In dieser Phase könnte eine Orientierung an den Vorlieben des Partners hilfreich und entlastend sein, meint die Psychologin. So liesse sich gemäss ihrer Einschätzung auch erklären, weshalb die Frauen die Ansicht des Partners wichtiger einschätzen als die eigenen Positionen. Die Männer wären dann ihrerseits eher geneigt, über ihren eigenen Schatten zu springen.
Das erste der beiden Forschungsprojekte untersuchte die berufliche und familiäre Situation werdender Eltern und erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Jahren. Erfasst und befragt wurden 138 Paare, wobei die erste Befragung während der Schwangerschaft erfolgte und auf die Geschlechterrollenvorstellungen zielte. Die werdenden Eltern beurteilten Aussagen wie «Frauen, die sich stark im Job engagieren, können nicht gleichzeitig gute Mütter sein»; hohe Zustimmungswerte sprachen für eine traditionelle Einstellung zu Geschlechterrollen, niedrige dagegen für egalitäre, also gleichberechtigte Rollenverteilung. Zusätzlich ging es um Fragen zur Dauer der Elternzeit sowie zu Veränderungen der wöchentlichen Arbeitszeit. Nach sechs, zwölf und 24 Monaten wurden erneut die gleichen Fragen unterbreitet. Das zweite Projekt lotete die erfolgreiche Berufsrückkehr von Müttern nach ihrer Babypause aus. An der Befragung beteiligten sich 168 Mütter, die sich zum ersten Zeitpunkt in der Elternzeit, aber kurz vor ihrem beruflichen Neustart befanden. Fünf Wochen danach wurden zusätzlich auch die Väter interviewt, und beide Elternteile beantworteten Fragen zu ihren jeweiligen Geschlechterrollenvorstellungen und aktuellen
Arbeitszeiten. Elf Wochen später sowie sechs Monate nach Rückkehr an den Arbeitsplatz folgten weitere Befragungen.
Erstaunlich war, wie beide Forschungsprojekte die genau gleichen Resultate erbrachten. Man darf gespannt sein auf kommende Studien, ob und wieweit herkömmliche Verhaltensmuster sich aufweichen – oder eben nicht. Entscheidende Elemente werden wohl sein, ob einerseits der Arbeitsmarkt eine ausreichende Anzahl Teilzeitjobs zur Verfügung stellt und andererseits neue Arbeitszeitmodelle Fuss fassen. Nach wie vor erstaunt es, wie wenig die Wirtschaft auf das stattliche, schlummernde Potenzial der weiblichen Arbeitskräfte setzt und stattdessen jammert über angeblichen Fachkräftemangel. Denn dieser Mangel könnte zum Nutzen aller durch vermehrten Einbezug der Frauen überwunden werden. Im Tösstal wie im Rest der Welt!