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Von Hans Jakob Bürger
Was wirklich «Freundschaft» ist, wird heute genauso wenig in rechter Weise verstanden wie Zölibat, Spiritualität oder Mystik. Während jedem seine eigene, ganz persönliche Mystik zugestanden und Spiritualität als irgendein Bewusstseinszustand beschrieben wird, ist Zölibat zum Kampfbegriff geworden, um gegen die Kirche zu agitieren. Die Freundschaft ist in unserer Zeit, in der sich jeder, ohne je einem Menschen zu begegnen, Hunderte, ja Tausende «Freunde» in den «Sozialen Medien» anschaffen kann, inflationär und nichts sagend zugleich. Dennoch sehnt sich jeder nach Freundschaft.
Einem Zisterziensermönch aus dem 12. Jahrhundert ist es zu verdanken, dass wir Wesentliches von der Freundschaft und ihren Kennzeichen wissen. Er schrieb ein Buch über die «geistliche Freundschaft», eine tiefe Freundschaft zum Menschen, die einen starken Bezug zu Gott impliziert. Seinen Traktat «De spiritali amicitia» (Über die geistliche Freundschaft) verfasste Aelred in seinen letzten Lebensjahren.
Aelred wurde 1109 im Norden von England geboren. Er trat 1134 in das Zisterzienserkloster Rievaulx in Yorkshire ein, wo er 1142 das Amt des Novizenmeisters übernahm. 1143 gründete er, bereits als Abt, zusammen mit 12 Mitbrüdern das Kloster Revesby. 1147 wurde Aelred von den Mönchen seines Mutterklosters zum Abt gewählt. Als solcher lebte er fortan in Rievaulx bis zu seinem Tod am 12. Januar 1167. Er starb wohl aufgrund der strengen asketischen Lebensbedingungen in seinem Kloster, die bei ihm zu chronischen Krankheiten führten, welche Aelred durch viele Jahre ertragen hat. Für seine Mönche starb er im Rufe der Heiligkeit, die 1191 von Papst Coelestin III. bestätigt wurde.