Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03111.jsonl.gz/1146

Wer sich die Mühe macht, eine Bachelor- oder Masterarbeit zu schreiben, möchte gelesen und verstanden werden. Die besten Ergebnisse nützen nichts, wenn Sie beim Leser nicht verständlich ankommen.
Ergebnisse vergleichen und Nutzen hervorheben
Bildliches Erzählen ist unter literarischen Schreiberlingen ein weitverbreitetes Credo und in der Wissenschaft verpönt – so meint man. Tatsächlich kann aber eine bildhaftere Beschreibung von gewonnen Erkenntnissen das Interesse und Verständnis stark erhöhen, ohne dabei „unwissenschaftlich“ zu sein.
Beispiel:
In experimentellen Studien wurden nach wiederholter Gabe von 500 mg/kg der Substanz A bei 12 % der Probanden Nebenwirkungen beobachtet. In Untersuchungen mit Substanz B zeigten 3 % aller Probanden bei einer Dosierung von 500 mg/kg unerwünschte Wirkungen.
Es fällt in der Regel leichter, die Bedeutung eines Resultats zu erfassen, wenn der Autor seine Erkenntnisse in Beziehung zueinandersetzt:
Im Vergleich zu Substanz B verursacht Substanz A mit einer Häufigkeit von 12 % bei gleicher Dosierung dreimal so häufig unerwünschte Nebenwirkungen.
Allerdings haut ein nüchternes Berichten von Zahlen keinen Leser aus den Socken. Forschungsergebnisse sind oftmals spannender und verständlicher, wenn deren Bedeutung hervorgehoben wird:
Substanz B zeigte mit einer Häufigkeit von 3 % unerwünschte Nebenwirkungen und ist bei gleicher Dosierung damit besser verträglich als Substanz A.
Ergebnisse eindeutig formulieren
Verzichten Sie auf zweideutige oder wertende Aussagen, die unterschiedlich interpretiert werden können.
Beispiel:
Die Substanz XY wirkte sich auf das Bakterium XAB positiv aus.
Nehmen Sie die Interpretation besser vorweg, um Missverständnisse zu vermeiden:
Die Substanz XY hemmt das Wachstum des Bakterums XAB.
Ergebnisse positiv formulieren
Wo Theorie und Praxis aufeinandertreffen, kann erfahrungsgemäss eine Menge schiefgehen. Machen Sie in Ihrer Arbeit niemals Unternehmen, Projekte, Projektpartner oder Personen schlecht, denn Sie könnten schon morgen Ihre Arbeits- oder Auftraggeber sein. Versuchen Sie stattdessen, neutral und sachlich zu begründen, weshalb ein geplantes Ziel nicht erreicht werden konnte. Zeigen Sie dem Leser auf, was wider Erwarten und Hoffen nicht funktioniert hat, denn auch das ist ein Resultat und von Bedeutung.
Beispiel:
Mit der Substanz DRAF konnte die erwartete Ausbeute von 0.3 mol/mol Glucose nicht erreicht werden.
Lenken Sie den Fokus stattdessen auf die eigentliche Ausbeute Ihres Experiments:
Die geringe Ausbeute von 0.1 mol/mol Glucose unter der Gabe von DRAF deutet auf eine zytostatische Wirkung hin.
Was mir mein 3-jähriger Sohn immer wieder zeigt, gilt auch für wissenschaftliche Arbeiten: Verneinungen verstehen, ist nicht trivial. Insbesondere doppelte Verneinungen führen nicht selten zu Fehlinterpretationen.
Beispiel:
Der Mikroorganismus B3 gehört nicht zu den Zellgruppen ohne WA-Resistenz.
Der Einsatz von WA-Substanzen gegen B3-Mikroorganismen ist nicht unproblematisch.
Wer diese Sätze zweimal lesen muss, befindet sich in bester Gesellschaft. Beim Schreiben sollten Sie sich deshalb auf einfache Verneinungen beschränken oder besser: Sachverhalte positiv formulieren.
Die Mikroorganismus B3 ist WA-sensitiv.
Der Einsatz von WA-Substanzen gegen Mikroorganismen wie B3 ist problematisch.
Positiv formulierte Sätze sind anschaulicher, in der Regel kürzer, hinterlassen beim Lesen ein besseres Gefühl und tragen zu einem besseren Verständnis bei – und das ist nicht unerheblich.
Photo-Credits: Isaac Smith