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«Rauchende» Seen
Im Winter, wenn die Luft kalt und trocken ist, lässt sich man manchmal Verdunstungsnebel über den Seeoberflächen beobachten. Dabei entsteht der Eindruck, dass der See direkt über der Oberfläche «raucht».
Im Winter, wenn die Luft kalt und trocken ist, lässt sich man manchmal Verdunstungsnebel über den Seeoberflächen beobachten. Dabei entsteht der Eindruck, dass der See direkt über der Oberfläche «raucht».
Verdunstungsnebel tritt auf, wenn sich eine eher trockene und kalte oder sogar sehr kalte Luftmasse über eine relativ laue Wasseroberfläche bewegt. Die dünne Luftschicht, die sich in direktem Kontakt mit der Wasseroberfläche befindet, wird durch diese aufgeheizt und nimmt Wasserdampf (Luftfeuchtigkeit) auf. Da sich diese dünne Schicht mit der noch kälteren Luftschicht, die sich darüber befindet, vermischt, kondensiert der Wasserdampf und es bildet sich Verdunstungsnebel (Nebel).
Dieses Phänomen kann ebenfalls auf eine zweite Art und Weise in Bodennähe entstehen, wenn Wasser aus kürzlich erfolgten Niederschlägen, beispielsweise nach einem Sommergewitter, auf dem warmen Boden (zum Beispiel einer Teerfläche) verdunstet. Eine ähnliche Erfahrung können auch Sportlerinnen und Sportler machen, wenn ihre schweissgetränkten Kleider im Winter in der kälteren Umgebungsluft durch die Verdunstung zu «rauchen» beginnen.
Verdunstungsnebel entsteht, wenn sich kontinentale Subpolarluft oder kontinentale, arktische Luftmassen über relativ milde Wasseroberflächen schieben. Da die kalte Luft weniger Feuchtigkeit als die warme Luft aufnehmen kann, ist der kontinentale (trockene) Aspekt wichtig. Er macht möglich, dass eine ausreichende Menge an Wasserdampf verdunstet und kondensiert, damit der «Rauch» entsteht.
In den meisten Fällen ist ein Temperaturunterschied von mindestens 10 bis 12°C zwischen der Wasseroberfläche und der Luftmasse nötig, damit Verdunstungsnebel entsteht. Dieses instabile Profil, angetrieben durch die Übertragung von fühlbarer und latenter Wärme vom Wasser in Richtung kalter und trockener Luft, verleiht dem «Rauch» ein oft turbulentes Erscheinungsbild. Über der Nord- oder Ostsee oder auf dem Atlantik kann es sogar durch kleinere Wärmegewitter begleitet werden kann, aber nicht für Schweizer Seen.
Der Verdunstungsnebel entsteht in der Regel Ende Herbst oder Anfang Winter mit dem Einfliessen der ersten wirklich kalten Luftmassen, wenn das Wasser der Seen immer noch relativ warm und noch nicht gefroren ist. Er kann sowohl bei starken Winden, etwa einer Bisenströmung als auch bei Windstille entstehen, was ihn vom Strahlungsnebel unterscheidet, der ausschliesslich bei windschwacher Wetterlage gebildet wird.