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Wieder bekommen wir einen Goldsmith beschert, der bisher nur im Film zu hören war, dieses Mal ist es Seven Days in May (1964) – ein Politthriller von John Frankenheimer mit Burt Lancaster, Kirk Douglas, dem charismatischen Frederic March und der akttraktiven Ava Gardner in den Hauptrollen. Der Film beschreibt den Versuch von US-Militärs den Präsidenten zu stürzen, der sich für die Abrüstung nuklearer Waffen einsetzt. Mit der tollen Besetzung schafft Frankenheimer eine bedrückende Atmosphäre in einem packenden Film, der an nur wenigen Schauplätzen spielt (was zur klaustrophobischen Art des Streifens beiträgt).
Für Jerry Goldsmith sollte Seven Days in May der Start eines Filmtrios mit John Frankenheimer werden. 1966 vertonte er Seconds, 1982 The Challenge. Und jeder dieser Scores hat eine eigene musikalische Sprache. Für Seven Daysentschied sich Goldsmith für einen rein perkussiven Score (plus Klavier) in der Art des „Time Out“ Segments aus Twilight Zone: The Movie, fast zwanzig Jahre später.
Nur 17 Minuten lang ist der Score, dieser Umstand, gepaart mit der speziellen Tonwelt der Partitur, sorgt für eine spezielle Stimmung, beispielhaft eingesetzt.
Goldsmith beginnt mit Tubalar Bells ehe verschieden grosse Snares und Tom Toms ihren Einsatz kriegen. Es folgt ein Marsch ähnliches Stück alleine für die diversen Snares geschrieben, ehe Timpani, Klavier und schliesslich Xylophon übernehmen: „Main Title (Original Version)“. Mehr Spannung erzeugt Goldsmith in „Pickets“, aber nur Timpani, Snares und Vibraphone erklingen. Weitaus wilder geht es in „Pentrice Spills the Beans“ zu und her, während in „Midnight Rendezvous“ Supsense vor allem vom Klavier und Vibraphone ausgehen und die Snares und Timpani den Cue schliesslich zum Spannungsabschluss führen. „The Meeting is Over“ wird vom Klavier und ausgehaltenen, leisen Vipraphonklängen sowie schnellen Schlägen (pp) auf dem Xylophon geführt, nur kurz zeigt sich das militärische Ambiente, dafür umso wuchtiger. Rhythmische Klavierfiguren (zwei Noten) beherrschen „Secret Rendezvous“, der Track steigert sich immer mehr, Snares und verfremdetes Vipraphon, Bongos, Timpani und leise Schläge auf die Cymbals lassen weitere Spannung spüren. Marimba und Xylophon eröffnen „Escape from ECOMCOM“ unterstützt von den allgegenwärtigen Snares, dann wird es wild und Klavier, Xylophon und Timpani geben eine kurze Kakaphonie bis zum pfundigen Crescendo zum Ende des Tracks. In „Scott Defeated“ spielen Snares (ohne Teppich) eine Art Elegie für den gescheiterten Putsch.
Danach folgt die Film Version des „Main Titles“, die mehr geradeaus ist, als der Originaltitel und weniger Tubular Bells verwendet. Die Instrumente sind hier massiger eingesetzt.
Der andere Score auf der Scheibe ist Maurice Jarres The Mackintosh Man mit Paul Newman unter der Regie von John Huston mit dem er zuvor bei Judge Roy Bean und später nochmals bei The Man who would be King zusamenarbeitete.
Das Hauptthema von The Mackintosh Man beginnt sogleich den Score von Maurice Jarre, er zweigt eine fast verspielte, „europäische“ Form mit Akkordeon, dem Cimbalom und einem leicht verstimmten Piano. Wenig variiert Jarre Gestalt als auch Orchestration dieses Themas, das beinahe andauernd zu hören sein wird. Mal setzt er eine Gitarre, mal ein Piccolo ein. Irgendwie verleiht Jarre so dem Thriller eine ironische Seite, ob von ihm oder den Machern so gewollt…?! Grundsätzlich bleibt es bei Repetitionen des Hauptthemas, viel mehr ist da nicht. Die ein oder andere Harfe (etwa in „Drugs for Reardon“) und das Ondes Martenot (in „Escape Route“), einige Streicher hie und da, vor allem in den psychedellisch wirkenden Passagen.
Die beiden Party Stücke, die auch noch fast die längsten von Mackintosh Mansind, sind nicht unbedingt das war der Filmmusikhörer sich wünscht. Doch danach geht es auch gleich wieder im gleichen Mackintosh-Titelmusik-Rahmen weiter.
Diese beiden grundverschiedenen Scores zusammen auf eine CD zu bringen, ist etwas fragwürdig. Viel treffender hätte sich eine Paarung von Seven Days in May mit Shock Treatment anerboten, hui, das wäre eine feine Einzelscheibe geworden. Nun, da wir auf beide so oder so zurückgreifen können, ist es an sich nicht schlimm, aber am Kopf kratzen deswegen tut sich der ein oder andere, als ich, sich schon (plus das Booklet ist etwas gar kurz gehalten, leider).
Auf jeden Fall sticht Seven Days in Mays hier hausweit heraus!
SEVEN DAYS IN MAY / THE MACKINTOSH MAN Jerry Goldsmith Maurice Jarre Intrada Special Collection Volume 235 53:31 Min. / 26 Tracks