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Freitag, 8.10.2021
Bevor wir weiterfahren, wollen wir uns noch die Rotonda del Minotauro oder Plaza del Minotauro anschauen, ein Kreisverkehr nahe des Bahnhofs. Hier steht eine gigantische Statue des Minotauros von Víctor Ochoa Sierra.
Der Neubau der Eisenbahnlinie in Jerez Ende der 1990er Jahre, die die Stadt bis dahin in zwei Teile geschnitten hatte, schuf neue städtische Räume. Eine dieser Flächen ermöglichte zusammen mit dem Verschwinden einiger veralterter Gebäude die Schaffung der Rotonda del Minotauro.
Das Denkmal mit dem Namen Minotauros befindet sich in der Mitte des grossen, grün gestalteten Kreisverkehrs. Es wurde im Juli 2003 eingeweiht und ist das Werk des Madrider Bildhauers und Architekten Víctor Ochoa Sierra (von ihm stammt auch die Skulptur El Zulo in Cartagena).
Die Statue des Minotauros ist eine der grössten Aussenskulpturen und die grösste städtische Bronzeskulptur Spaniens (23 m hoch!). Die Statue ist nach Kreta ausgerichtet und stellt den menschlichen Teil des Minotauros dar, der nach seinem Kampf gegen Theseus besiegt wurde und nach Kreta floh.
Die Statue des Minotauros ist in den letzten Jahren zu einem der Wahrzeichen des städtischen Wachstums von Jerez geworden. So wurde der Minotauros in Erwartung des bevorstehenden Aufstiegs des Hauptvereins der Stadt, Xerez Club Deportivo, in die erste Liga des spanischen Profifussballs im April 2009 mit dem Trikot der Fussballer ausgestattet.
Der Aufstieg in die Primera División glückte in der Saison 2008/09, als Xerez Club Deportivo Meister der Segunda División wurde. Nach anhaltender Talfahrt und nur einem Sieg in der Hinrunde, entschieden die Verantwortlichen des Vereins im Januar 2010, Trainer José Ángel Ziganda zu entlassen. Insgesamt erspielte die Mannschaft bis zu diesem Zeitpunkt der Spielzeit nur acht Punkte und war abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Trotz einer deutlichen Leistungssteigerung stieg der Klub am Ende der Saison 2009/10 wieder in die Segunda División ab. In der Saison 2012/13 folgte der Absturz in die drittklassige Segunda División B. Nach weiteren Abstiegen bis in die fünftklassige División de Honor Andaluza spielt der Verein aktuell in der Tercera División (fünfthöchste Klasse im spanischen Fussball).
25. November 2020…. Internationaler Tag gegen geschlechtsspezifische Gewalt, und Jerez de la Frontera macht diesen Tag sichtbar, wie es das jedes Mal tut, wenn es etwas zu feiern oder anzuprangern gibt: indem es den Minotauros mit den entsprechenden Farben und Botschaften verkleidet.
Auf diese interessante Geschichte bin ich im Laufe der Recherche von einigen geschichtlichen Details gestossen:
Das 19. Jahrhundert war in Jerez vor allem aufgrund der Verbindungen englischer Importeure zu Weinhändlern aus Jerez ein Jahrhundert wirtschaftlicher Stärke. Dies brachte auch ein ausgeprägtes Grossgrundbesitzertum mit sich, das eine starke anarchistische Bewegung zur Folge haben sollte. La Mano Negra (die Schwarze Hand), in der Stadt und den Landstrichen, wo sie Einfluss hatte, gab es häufige Tagelöhneraufstände, die bis in’s 20. Jahrhundert andauern sollten.
Die Mano Negra soll durch Erpressung Schutzgelder erhoben haben. Wer nicht zahlte, musste um sein Leben fürchten. Die Bande wurde neben Morden auch für Vernichtung von Getreide auf den Feldern verantwortlich gemacht. Die Strafen waren drastisch, wie das historische Bild aus dem Jahr 1892 unten zeigt.
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Noch zwei wissenswerte Dinge über Jerez de la Frontera:
Der Namenszusatz de la Frontera (an der Grenze) hinter vielen Orten weist die Region um Jerez als lange umkämpftes Gebiet zwischen Mauren und Christen aus. Nach dem Zusammenbruch der Almoraviden-Herrschaft in Al-Andalus war Jerez kurzzeitig ein selbständiges Taifa-Emirat, als sich im Jahre 1145 drei verschiedene Usurpatoren in kurzer Folge dort zum Emir aufschwangen: zunächst der Idriside Abu’l-Qaim Ahyal, dann der Galbunide Abu’l-Gammar, und schliesslich der Maimunide ’Ali. Doch schon gegen Jahresende hatten die Almohaden dieses Intermezzo beendet und Jerez ihrem Reich einverleibt. Dabei blieb es bis zur Reconquista. 1248 kam Jerez in den Besitz von Kastilien.
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Zu Beginn der 2010er Jahre war Jerez de la Frontera die Stadt mit dem höchsten Schuldenberg Spaniens (fast eine Milliarde Euro). Städtische Angestellte bekamen monatelang keinen Lohn, demonstrierten vor dem Rathaus und streikten, die Bürgermeisterin erhielt Morddrohungen.
Dieser Artikel im SPIEGEL vom 30.7.2012 beschreibt die Schuldenkrise in Spanien und geht auf die Situation in Jerez ein.
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Einige Sehenswürdigkeiten heben wir uns für den nächsten Besuch in Jerez de la Frontera auf:
Die Stierkampfarena von Jerez de la Frontera wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut und ist eine der ältesten und bedeutendsten Stierkampfarenen in Andalusien. Das Gebäude ist das Werk des Architekten Francisco Hernández Rubio. Es bietet derzeit Platz für 9.500 Zuschauer.
Fundación Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre (Königlich-Andalusische Reitschule)
Obwohl die Vorführung Cómo bailan los Caballos Andaluces (wie die andalusischen Pferde tanzen) nach aussen hin die wichtigste Arbeit der Reitschule ist und ihr Prestige und Ruf seit Jahren bekannt sind, geht ihre eigentliche Existenzberechtigung noch weit darüber hinaus.
Hauptsächlich sind dies:
– das kulturelle und soziale Tragen des reiterlichen Erbes,
– die Auswahl von Pferden für die Förderung,
– die Ausbildung von Reitern in der Hohen Schule,
– die Erhaltung und Förderung der Doma Clásica (klassisches Dressurreiten) und der Doma Vaquera,
– die Pflege und Bewahrung des Ansehens der Reiterei,
– den Erhalt der Reinrassigkeit spanischer Pferde,
– die Förderung spanischer Traditionen und Kultur,
– die Veranstaltung von Turnieren als Gastgeber der Provinz Cádiz und
– als Botschafter Spaniens im Ausland auf jährlichen Reisen in verschiedenen Ländern aufzutreten.
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Der Circuito Permanente de Jerez ist eine 4.428 km lange Motorsport-Rennstrecke in Jerez de la Frontera. Der Kurs wird im Uhrzeigersinn befahren, ist elf Meter breit und hat neun Rechts- und fünf Linkskurven. Die längste Gerade misst 600 Meter.
Die Rennstrecke wurde im Jahr 1985 gebaut, um den Formel-1-Grand-Prix von Spanien zu beherbergen, welcher ein Jahr später auf der Strecke ausgetragen wurde. Aufgrund der abgelegenen Lage im Süden Spaniens blieben die Zuschauerzahlen jedoch unter den Erwartungen und der Grand Prix wurde ab 1990 nach Barcelona verlegt.
Im Jahr 1994 wurde die Strecke umgebaut und die Sicherheit erhöht, deshalb konnte man in den Jahren 1994 und 1997 den Grand Prix von Europa ausrichten.
Im Jahr 2018 wurde der Name der Rennstrecke in Circuito de Jerez-Ángel Nieto geändert, in Gedenken an den 2017 verstorbenen Motorradrennfahrer Ángel Nieto.
Das sind nur die wichtigen Sehenswürdigkeiten für die nächste To-do-list…. viele weitere kleine Sehenswürdigkeiten warten darauf, entdeckt zu werden.
Jetzt geht’s weiter Richtung Sevilla. Der Wohnmobilstellplatz Area de Autocaravanas de Sevilla ist relativ neu, das letzte Mal waren wir auf einem kombinierten Parkplatz für PKWs und Stellplatz für Wohnmobile nahe der Puente de los Remedios. Von dort aus war es nur ein Katzensprung bis zur Plaza de España. Dieser Platz ist nicht mehr für Wohnmobile zugelassen, der hatte auch sicherheitstechnisch keinen allzu guten Ruf. Uns hatte das damals nicht so gestört, wir waren jeweils nur eine Nacht dort.
Da wir einige Nächte bleiben wollen, haben wir uns als Unterkunft den Camping Villsom Sevilla ausgesucht. Der Platz ist in Dos Hermanas, mit dem Bus sind es etwa 20 Min. in’s Stadtzentrum von Sevilla, der Bus fährt werktags alle halbe Stunde, an Sonn- und Feiertagen deutlich seltener, aber vollkommen ausreichend.
Obwohl der Campingplatz an ein Gewerbegebiet grenzt und die Umgebung nicht den allerbesten Eindruck macht, bekommt man davon auf dem Platz nichts mit. Es gibt viel Grün und damit auch viel Schatten, was wir bei der Hitze sehr schätzen. Gegenüber unserer Parzelle ist der Eingang zum Schwimmbad. Die ganze Anlage ist sehr gepflegt und in gutem Zustand, das Personal ist freundlich und hält alles in Ordnung.
Morgen geht’s nach Sevilla!
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