Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03252.jsonl.gz/1957

Die niedrigeren Ausläufer mit östlicher und westlicher Exposition sind von zahlreichen Tälern durchschnitten, im Südosten liegt das Land flach ausgestreckt da und reicht beinahe zur Sado-Ebene. Ebenso wie Form variert der Boden: Kiessand, Lehm und Kalk prägen den hiesigen Wein.
Auf der fruchtbaren, sandigen Ebene östlich von Palmela wachsen hauptsächlich einheimische Sorten für trockene Rot- und Weissweine. Aus der Umgebung von Algeruz kommen die Trauben für Fonsecas „Periquita“, mit seinem Ursprung im 19. Jahrhundert eine der ältesten Marken des Landes. Vor allem José Maria da Fonseca bewahrt erfolgreich den regionalen Stil, aber mit eigener Handschrift. Periquita, die bekannteste rote Rebe der Region, auch Castelão Francês genannt, ergibt Weine, die gut altern und ein charakteristisches Aroma entwickeln. Bacalhôa Vinhos arbeitet seit den siebziger Jahren vermehrt mit importierten Sorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay, die in neuer Eiche ausgebaut werden. Die Firma hat sich vor allem mit dem „Quinta de Bacalhôa“, einer Assemblage aus Cabernet und Merlot, einen guten Namen gemacht. Sie erzeugt unter anderen süsse Moscatels, für deren Produktion sie zusammen mit Fonseca fast das Monopol besitzt.
Das Klima ist mittelmeerähnliche, und wie überall, hat das Mikroklima grossen Einfluss: während des letzten Reifungsstadiums der Trauben kommt vom Tejo-Becken nächtliche Feuchtigkeit. Sie spielt eine wichtige Rolle, da es im Sommer selten regnet und den Pflanzen auf diese Weise Wasser zugeführt wird. Die Temperaturen schwanken nur gering.
Die Gegend war bereits für ihre süssen, gespriteten Muskateller bekannt, als José Maria da Fonseca 1834 seine Firma in Azeitão, am Fusse der Serra da Arrábida, gründete. 1860 wurde Moscatel de Setúbal in drei Kontinente expediert, im 20. Jahrhundert ist die Bedeutung des Moscatel zugunster roter und weisser Tafelweine zurückgegangen.
Moscatel de Setúbal ist der dritte in der Gruppe der grossen Süssweine Portugals. Wie Portwein und Madeira ist er ein „vinho generoso“, aufgespritet mit hochprozentigem Branntwein, um die Gärung zu unterbrechen. Durch den hohen Gehalt an Restzucker bleibt ein starker, süsser Wein, dessen Qualitäten am besten nach langer Reifezeit zum Ausdruck kommen. Die Moscatel d’Alexandria gedeiht im warmen Klima gut und entwickelt trotz der hohen Erträge einen erstaunlichen Zuckergehalt. Für ihn am besten geeignet sind die nach Norden ausgerichteten Ton-Kalk-Böden der Serra da Arrábida.
1907 wurde die Gegend um Setúbal zur Região Demarcada für Muskateller erklärt. Die Herstellung verläuft heute noch gemäss alter Tradition. Nach dem Gärungsunterbruch erhält der Wein durch die fünfmonatige Mazeration sein intensives Aroma und die dunkel-goldene Farbe. Anschliessend wird er gepresst und in grossen Eichenfässern gelagert, in denen durch die Verdunstung die Konzentration zunimmt. Junger Moscatel kommt erstmals als fünf- bis sechsjähriger Jahrgangswein auf den Markt.
Das Bouquet eines jungen Moscatel de Setúbal springt förmlich entgegen, es ist frisch und lebendig und erinnert mit dem trocken-würzigen Duft an Bitterorangen. Im Hintergrund spielt die Süsse von dunklem Honig und bildet einen Gegensatz zum herben Geruch von Harz und frischem Gras. Der Körper ist süss wie dunkles Karamel und scharf wie Pfeffer. Feurig und herb-süss, hat er den intensiven Geschmack getrockneter Muskatellertrauben, ein Aroma, das sich mit zunehmendem Alter des Weines in den Körper einbindet. Er verfügt über kräftige Säure und endet mit einem rosinenartigen Abgang. Ein Teil des jungen Weines wird zurückbehalten und in 600-Liter-Fässern aufbewahrt, bis er nach zwanzig Jahren, mittlerweilen dunkelbraun und von öliger Konsistenz, abgefüllt wird.
Die Halbinsel von Setúbal ist sanft touristisch erschlossen, der Badeort Sesimbra ist bei Einheimischen und Fremden als Sommerfrische gleichermassen beliebt. Das ausgeglichene Klima und die reizvolle Landschaft lockten den Lissaboner Adel, der hier im 16., 17. und 18. Jahrhundert seine Paläste und Landhäuser bauen liess. Mittlerweilen hat sich Lissabon über den Tejo gestreckt, und seine Vororte kriechen entlang der Schnellstrasse immer weiter nach Süden. In Vila Nogueira da Azeitão sind immer noch die schönen alten Firmengebäude von José Maria da Fonseca zu besichtigen.