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Der ganze Kongress ein spirituelles Fest
In matriarchalen Kulturen sind Wissen, Politik und Spiritualität miteinander verbunden und nicht abgespalten. So fassten auch die Leiterinnen diesen Kongress für Matriarchatsforschung und -politik auf. Deshalb gestalteten sie den gesamten Kongress als ein spirituelles Fest.
Schon das gesamte Kongressgebäude, die Tonhalle in St. Gallen mit ihren Treppen und Räumen, war festlich mit den Bannern von Lydia Ruyle geschmückt, die Göttinnen aus der ganzen Welt darstellen. Sie umgaben die TeilnehmerInnen überall und schufen eine Atmosphäre von Feierlichkeit und Frieden. An jedem Morgen eröffnete eine der international bekannten Forscherinnen, die zugleich Priesterinnen sind, den Kongresstag: die Künstlerin Lydia Ruyle (USA), Kathy Jones aus England, die den Göttin-Tempel von Glastonbury (Avalon) gründete, und die international bekannte Autorin Vicki Noble (USA).
Den spirituellen Bogen des Kongresses schuf mit allen TeilnehmerInnen Cécile Keller, die im Park neben der Tonhalle das täglich sich erweiternde zentrale Ritual gestaltete: den „Weltenkreis“. Er ist das symbolische Abbild der Erde: ein Kreis mit den vier Quadranten in den Himmelsrichtungen, ein Symbol, das in Europa seit der Altsteinzeit bekannt ist und bei indigenen Völkern bis heute weiterlebt. Darin versammelten sich von Tag zu Tag die verschiedenen Kontinente durch die Frauen, deren Völker und Kulturen aus diesen Kontinenten kommen. Begleitet wurden alle Rituale von den beiden Priesterinnen-Trommlerinnen Isabella Verbruggen und Loes Moezelaar aus Holland.
Am ersten Tag erschien das „Licht der Hoffnung“ in Weiß im Osten des Weltenkreises, und die indigenen Frauen aus Asien traten hinzu und brachten Gebete und Lieder aus ihren Kulturen mit. Am zweiten Tag erschien das „Licht der Liebe“ in Rot im südlichen Quadranten, und die indigenen Frauen aus Afrika tanzten und sangen für die Erde. Am dritten Tag war es das „Licht der Heilung“ in Blau, das im Westen im strömenden Regen unbeirrt in seinem Quadranten stand, und die indigenen Frauen aus Amerika brachten Gaben aus ihren Kulturen herein. Am vierten Tag füllte sich der nördliche Quadrant mit dem „Licht der Verwirklichung“ in Schwarz und den Frauen aus Europa. So wurde der Weltenkreis, der durch alle Frauen und ihre geistige Kraft auf dem Kongress gegenwärtig war, im Ritual sichtbar, ebenso ihre schwesterliche Verbundenheit miteinander. Die Energien der vier Lichter wurden der Mutter Erde zur Heilung und zum Dank geschenkt.
Das Licht der Hoffnung erscheint
Osten. Das Licht der Hoffnung – Frauen aus Asien beim Licht der Hoffnung
1. Das Licht der Hoffnung
Wir alle bringen Dir, Mutter Erde, das Licht der Hoffnung in diese dunkle Zeit.
- Das Licht der Hoffnung für die Kinder auf eine Zukunft ohne Angst und mit Schutz und Liebe;
- Das Licht der Hoffnung für alle Hungernden auf Nahrung und Auskommen;
- Das Licht der Hoffnung für alle Ausgegrenzten auf Integration und Sicherheit;
- Das Licht der Hoffnung für uns Frauen, dass wir unsere Werte leben können;
- Das Licht der Hoffnung, dass viele Menschen das Wissen von einem Leben ohne Gewalt und in Frieden gewinnen;
- Das Licht der Hoffnung auf Lebensweisen, die mit der Erde im Einklang sind.
Wir bringen das Licht der Hoffnung für Deine Erneuerung, Mutter Erde.
Süden. Das Licht der Liebe und Frauen aus Afrika
2. Das Licht der Liebe
Wir alle bringen Dir, Mutter Erde, das Licht der Liebe in diese lieblose Zeit.
- Das Licht der Liebe für alle deine Erscheinungen:
deinen Himmel, deine Sonne, deine Gewitter,
deine Bäche, deine Flüsse, deine Meere,
deine Winde, deine Stürme, dein Atem,
deine Schluchten, deine Berge, deine tiefen Höhlen;
- Das Licht der Liebe für all deine Schönheit!
- Das Licht der Liebe für alle deine Wesen,
deine Blumen, Bäume,Wälder,
deine Tiere im Wasser, an Land und in der Luft;
- Das Licht der Liebe für deine Menschen in allen Kontinenten,
die so verschieden sind, dass es dir sehr gefällt;
- Das Licht der Liebe für all deine Vielfalt!
Wir bringen dir das Licht der Liebe, damit du dich rundum erneuern kannst!
Westen. Das Licht der Heilung und Frauen aus Amerika
3. Das Licht der Heilung
Wir alle bringen Dir, Mutter Erde, das Licht der Heilung in diese gewalttätige Zeit.
- Das Licht der Heilung für alle verletzten Wesen, Pflanzen, Tiere und Menschen, damit sie die Ganzheit und Schönheit wieder finden;
- Das Licht der Heilung für Frauen und Kinder, die Gewalt erfahren, damit sie in Sicherheit leben und Achtung und Liebe empfangen;
- Das Licht der Heilung für matriarchale Völker, die missachtet werden, damit ihre Würde, ihr Wissen und ihre Kultur ans Licht kommen;
- Das Licht der Heilung für Gewässer, Seen und Meere, damit sie in ihrer Reinheit und Klarheit als Lebensquellen für alle da sind;
- Das Licht der Heilung für das, was abgespalten ist, damit das Ganze, das Zusammengehörende wieder zueinander kommt.
Wir bringen Dir das Licht der Heilung, Mutter Erde, damit Du in ein neues Gleichgewicht kommst.
Norden. Das Licht der Verwirklichung und Frauen aus Europa
4. Das Licht der Verwirklichung
Wir alle bringen Dir, Mutter Erde, das Licht der Verwirklichung einer neuen Zeit.
Das Licht der Verwirklichung
- durch den Mut, gegen das Falsche und Tödliche zu handeln,
- durch den Mut, unsere Menschlichkeit in allen Situationen einzusetzen,
- durch den Mut, vorwärts ins Unbekannte zu gehen und das Neue zu wagen
Das Licht der Verwirklichung
- durch unsere Kraft fortwährend neues Leben zu gebären und es zu schützen,
- durch unsere Kraft Ordnungen zu schaffen, in denen junges Leben groß werden kann,
- durch unsere Kraft, dauerhafte Lebensformen des Friedens für alle zu bilden.
Wir bringen Dir das Licht der Verwirklichung, damit Du wieder jung wirst und ganz neu, Mutter Erde.
Wir danken Dir, dass Du uns den Leib und die Energie geschenkt hast, dies zu tun!
Texte: Heide Göttner Abendroth / Cécile Keller
Lied für Mutter Erde
Wir bringen das Licht der Liebe zu Dir, zu Dir, Mutter Erde.
Damit Deine Tochter wächst und gedeiht, Deine Tochter die
Neue Erde.
Dir Mutter Erde, Dir Neue Erde, bringen wir das Licht in
dieser Zeit.
Wir bringen das Licht der Heilung zu Dir, zu Dir, Mutter Erde.
Damit Deine Tochter wächst und gedeiht, Deine Tochter die
Neue Erde.
Dir Mutter Erde, Dir Neue Erde, bringen wir das Licht in
dieser Zeit.
Wir bringen das Licht der Verwiklichung zu Dir, zu Dir,
Mutter Erde.
Damit Deine Tochter wächst und gedeiht, Deine Tochter die
Neue Erde.
Dir Mutter Erde, Dir Neue Erde, bringen wir das Licht in
dieser Zeit
Text und Melodie: Cécile Keller
Am Schluss brachen die Frauen zum großen Zug durch die Stadt St. Gallen auf, um die Energie des matriarchalen Kongresses in die Öffentlichkeit zu tragen. Den beiden
Trommlerinnen und den Priesterinnen der Akademie HAGIA, alle in leuchtendem Weiß, folgten mehr als 200 Frauen. Sie trugen die farbenprächtigen Göttinnen-Banner von Lydia Ruyle mit sich, die über ihren Köpfen wehten. Mit Gesang gingen sie vorbei am Labyrinth der Zürcher Frauen im Park und hinein in die Gassen der Altstadt zu alten heiligen Plätzen.
Einst hatte Gallus, nach dem die Stadt heißt, hier missioniert und die alte Göttinreligion verdrängt. Er gründete das Kloster St. Gallen mit seiner weltberühmten Stiftsbibliothek und erbaute es genau vor der kleinen Schlucht mit dem heiligen Flüsschen, das damals verehrt worden war. Nach der christlichen Legende vertrieb Gallus an dieser Stelle „zwei Dämonen mit nackten, weiblichen Körpern“, was auf die Vertreibung von Wasserpriesterinnen hinweist, die das Wasserheiligtum mit seinen natürlichen Becken gehütet hatten.
Heute allerdings gibt es in St. Gallen auch eine Matriarchatsbibliothek, und die Frauenprozession ehrte auf dem Klosterplatz die verschwundenen Priesterinnen und Göttinnen und rief ihre Energie zurück.
Ein anderer Platz war der Brunnen der weisen und heiligen Frau Wyborada, wo der Zug der Frauen hielt. Wieder wurden die Wassernymphen und Göttinnen gerufen, damit die Welt wieder vollständig werden würde, und in ihrem Namen wurde das Wasser aus dem Brunnen verspritzt.
Über den Köpfen der Frauen entfaltete sich das große Banner „Grüß Göttin“ von Ursula Beiler.
Zurückgekehrt wurde der Zirkel geöffnet, der zu Beginn des Kongresses von den Priesterinnen aus aller Welt geschlossen worden war, so dass das gesamte Ereignis in diesem spirituellen Rahmen stattgefunden hatte.