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Einheimische Vögel: «Der Zustand der Vogelwelt in der Schweiz ist beunruhigend», schreibt das Bundesamt für Umwelt auf seiner Website. Trotz der bisherigen Anstrengungen von Bund, Kantonen und Organisationen seien 40 Prozent beziehungsweise 77 Arten im Fortbestand gefährdet. Ohne zusätzliche Schutzbemühungen drohten weitere Arten aus der Schweiz zu verschwinden. «Besonders gefährdet sind viele Langstreckenzieher», sagt Livio Rey, Biologe der Vogelwarte Sempach.
Langstreckenzieher: Darunter versteht man einheimische Vögel, die bis nach Afrika fliegen, um dort zur überwintern. Diese Vögel sind meist Spezialisten, die nur während weniger Monate in der Schweiz sind und auf diesen Lebensraum angepasst sind. Es sind häufig Vögel, die auf Kulturland leben. Dieses wird intensiv genutzt oder überbaut. So geht ihr Lebensraum verloren.
Hier im Winterquartier: Während die heimische Vogelpopulation spätestens Anfang November in den Süden zieht, fliegen andere im November und Dezember in unsere Region. Rund 200’000 Reiherenten kommen in die Schweiz ein. Sie kommen vor allem aus dem Ostseeraum und Westsibirien und überwintern hier. Kommen die heimischen Vögel im Frühling zurück, verlassen die Reiherenten unsere Seen wieder.
Kurzstreckenzieher: Das sind Zugvögel, die in Europa bleiben. Auch ihre Lebensräume, die Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete, werden je länger je mehr zerstört. Doch Ornithologe Rey sagt: «Den meisten Kurzstreckenziehern geht es gut, jedenfalls besser als vor 20 Jahren.» Der entscheidende Unterschied zwischen Kurz- und Langstreckenziehern sei die Möglichkeit der Kurzstreckenzieher, auf das aktuelle Klima in Europa zu reagieren, während die Langstreckenzieher sich auf ihr genetisches Programm verlassen müssten.
Als Beispiel das gefährdete Braunkehlchen: Die Population des Braunkehlchens nimmt stark ab. Es gehört zu den Langstreckenziehern. Braunkehlchen bauen ihre Nester am Boden, deshalb werden sie oft durch frühe Grasschnitte zerstört, und die Jungvögel werden dabei getötet. Wenn das Braunkehlchen Mitte April zurückkommt, sind viele der Insekten, die es frisst und für die Aufzucht des Nachwuchses braucht, aufgrund des wärmeren Klimas bereits verpuppt. So hat das Braunkehlchen nichts zu fressen.
Folgen intensiver Landwirtschaft: Auch Pestizide und Dünger vernichten die Nahrung der Vögel, und es werden immer mehr Flächen überbaut. «Die zu intensive Landwirtschaft mit hohem Dünger- und Pestizideinsatz, zu frühem und zu häufigem Grasschnitt und der Zerstörung von Kleinstrukturen wie Hecken fordert ihren Tribut. Diese Entwicklung muss bei der zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik dringend korrigiert werden“, sagt Rey.