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Ausgelöst durch die Klimaerwärmung schmilzt das Eis des Nordpolarmeeres zusehends und ermöglicht den Anrainerstaaten den Zugriff auf Rohstoffe, die bisher nur unter Schwierigkeiten ausgebeutet werden konnten. Dazu gehören Erdöl- und Erdgasvorkommen. Das US Geological Survey schätzt, dass in der Arktis 90 Milliarden Barrels der bis anhin nicht entdeckten Erdölvorkommen lagern. Dies dürften 13% der globalen Schätzungen sein. Des Weiteren werden die Erdgasvorkommen in der Arktis auf 30% der noch zu entdeckten Vorkommen der Erde geschätzt.[1]
Dazu kommen noch die reichen Fischgründe der Arktis, mit denen grosse Bevölkerungen ernährt werden könnten und die Vorkommen an seltenen Erden auf Grönland. Ein weiteres Ergebnis des Schmelzprozesses ist die Benutzung der Schifffahrt durch die Nord- und die Nordwestpassagen, die in absehbarer Zeit auch im Winter möglich sein könnte.
1996 wurde für den Klimaschutz und die Sicherheit in der Arktis im kanadischen Ottawa der Arktische Rat gegründet. Ständige Mitglieder des Rates sind:
Dänemark (mit Grönland), Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden und die USA. Sechs Dachorganisationen der Ureinwohner der Arktis sind auch ständige Teilnehmer des Rates.
Beobachterstatus können nicht-arktische Staaten, zwischenstaatliche Organisationen und Nichtregierungsorganisationen einnehmen. Folgende nicht-arktische Staaten haben einen Beobachterstatus:
Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Niederlande, Polen, die Schweiz, Singapur, Spanien, Südkorea, Vereinigtes Königreich und die Volksrepublik China.
China hat diesen Status dank der Fürsprache von Russland 2013 erlangt. Obwohl das Territorium von China 3’000 km vom Polarkreis entfernt ist, bezeichnet sich die Volksrepublik als «Near-Arctic State»[2]. Beijing hat für die Erschliessung der Arktis einen Wirtschaftsplan mit der Bezeichnung «Polar Silk Road» publiziert. An einer vor kurzem in Shanghai stattfindenden Ausstellung hat China Modelle von Flüssiggasschiffen vorgestellt, die dank der gepanzerten Rümpfe das ganze Jahr in der Arktis eingesetzt werden könnten. Damit könnte die Volksrepublik den Schiffsweg der Nordpassage, der 4’600 km kürzer ist als jener durch den Suezkanal, auch im Winter benützen.
China investiert in Zusammenarbeit mit Russland Milliarden in die Ausbeutung der Energieressourcen (Erdöl, Erdgas), die unter dem Permafrost auf der Yamal-Halbinsel lagern. China stellt für die Versorgung der eigenen Bevölkerung auch Ansprüche auf die ungehinderte Ausbeutung der arktischen Fischgründe. China hat des Weiteren Forschungsstationen in Island und Norwegen errichtet. Das Hauptaugenmerk der Chinesen gilt aber Grönland. Für die Ausbeutung der seltenen Erden hat China den Grönländer die Reaktivierung früherer Flugplätze angeboten. Dazu wollten die Chinesen auch eine frühere Militärstation auf Grönland erwerben.
Seit 2016 blockiert Dänemark, unterstützt durch die USA, das Vordringen der Chinesen in Grönland. 2019 hat die EU China als strategischen Rivalen bezeichnet. Die Abwehrmassnahmen Brüssels gegenüber dem Vordringen Chinas nach Europa werden aber durch die Mittel- und Osteuropäer torpediert, die von Beijing im Zusammenhang mit dem Projekt der neuen Seidenstrasse Investitionen in Milliarden für sich erhofften.[3] Dabei übersehen sie den Pferdefuss des politischen Einflusses Chinas auf ihre Staaten.
Die USA haben als Gegenmassnahmen zur chinesischen Infiltration mit der NATO den Einsatz der Seestreitkräfte, so der neu begründeten zweiten Flotte (US 2nd Fleet), in der Arktis reaktiviert. Die US Navy und die NATO führen neu wieder Manöver in der Arktis durch. So war eine Trägerkampfgruppe mit dem Träger USS Harry S. Truman (Nimitz-Klasse) 2018 im Einsatz nördlich des Polarkreises. Im Oktober-November 2018 führte die NATO in der Arktis das Manöver Trident Juncture durch. 2019 übte die US Navy mit einer Trägerkampfgruppe im nahen Alaska.[4]
Bis anhin sah es so aus, als ob die Ambitionen von China nur durch die Aktivität der USA und der NATO konterkariert werden könnten. Nun besteht aber die Möglichkeit, dass die Ziele Chinas angesichts der Unfähigkeit der Führungsclique in Beijing mit der Epidemie des Coronavirus fertig zu werden, als Luftschlösser platzen könnten.
[1] Lino, M.R., Understanding China’s Arctic Activities, The International Institute For Strategic Studies, London, 25th February, 2020, P. 2.
[2] Lino, M.R., P. 1.
[3] Lino, M.R., P. 3.
[4] Lino, M.R., P. 4.