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Shanghai, 1874
Papier mit handschriftlichen Eintragungen, eingeklebte
Stoffproben; Seidenstreifen, bestickt
Inv. 1993.116.–123.
Reinhold Sarasin (1852–1926) war als der älteste Sohn des Karl Sarasin-Sauvain (1815–1886) aus zweiter Ehe in die vermögende städtische Oberschicht Basels und eine Zukunft als Bandfabrikant hineingeboren worden. Sein Vater, der zu Beginn seiner eigenen Berufslaufbahn unter seiner fehlenden Auslandserfahrung gelitten hatte (Kat.
47), sorgte dafür, dass sein Sohn diese in umfassender Weise erhielt. Ein Aufenthalt in Neuchâtel vermittelte die Kenntnis der französischen Sprache, ein weiterer in Bergamo machte ihn mit dem Italienischen und mit der Seidenverarbeitung bekannt. «Eine Reise um die Welt mit längerer Unterbrechung in Shanghai und Yokohama, zur Vervollkommnung der Kenntnisse in Seide und Seidenzucht, vollendete die berufl iche Vorbildung», heisst es in einem Nachruf. Von diesem mehrmonatigen Aufenthalt des erst 22-Jährigen in Shanghai, dem Zentrum der chinesischen Seidenproduktion, haben sich einige Notizen erhalten: Aufzeichnungen mit Stoffproben, Tabellen über die Temperaturen während seines Aufenthaltes im Sommer 1874 sowie Zusammenstellungen über die Entwicklung des Seidenpreises in den vorangegangenen Jahren. In einer tabellarischen Gesamtschau werden die verschiedenen Qualitäten farblich unterschieden und durch Eintragung jener weltpolitischen Ereignisse vervollständigt, die für die Preisschwankungen verantwortlich waren.
Nach seiner Rückkehr von der Weltreise trat Reinhold Sarasin in die väterliche Fabrik Sarasin & Co. ein, die er ab 1879 leitete. Nach seinem Rücktritt aus der Firmenleitung wandte er sich 1905 ganz seinen zahlreichen karitativen Aufgaben zu, die in seiner Wahl zum Präsidenten des Weltbundes der Vereine christlicher junger Männer ihre Krönung fanden. Fortan bereiste er die Welt mit neuen Aufgaben.