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N°6
Den vier Bingo-Losen folgten vier von Super Podium, dann vier Lose von Glücksrad, schliesslich weitere vier auf denen Traum-Los stand. Gerubbelt hat der Mann, der mir gegenüber sass, schon vor der Abfahrt am Tiefenbrunnen, jetzt hielt der 4er an der Feldeggstrasse. Alles ging erstaunlich schnell und mit System. Die meisten Lose legte der Mann nach der Rubbelei links auf den freien Sitz, die anderen, es waren deren drei, in einen Umschlag, den er auf seinem Schoss zwischen den Beinen festklemmte. Während seiner flinken Fingerübungen - in der Rechten hielt er jeweils die Zettel, mit der linken Hand einen immerzu herumwirbelnden Schaber - verriet seine Mimik rein gar nichts, sein Spiel schien keine Emotionen auszulösen. Als er fertig war, packte er alles fein säuberlich in ein bereits abgegriffenes Sudoku-Rätselheft, schaute mich an und meinte, dass man eben Glück haben müsse. Heute habe er Glück gehabt, ein bisschen zumindest, den gesetzten Betrag habe er wieder hereingeholt. Meistens würden sich Einsatz und Gewinn ausgleichen, unter dem Strich, wie er es formulierte. Gelegentlich müsse er mal etwas draufzahlen, manchmal habe er einen Gewinn, das sei eben Glücksache. Aber einige Male, er spiele ja schon seit über einem Vierteljahrhundert, habe er schon mächtig etwas abgeholt, echt gewonnen, Glück gehabt. Den Hauptgewinn hätte er zwar noch nie abholen können, aber ein paar tausend Franken, das sei schon hie und da vorgekommen. Die Vier sei seine Glückszahl, er setze immer auf die Vier, nicht nur beim Spiel, immer, sogar wenn er in die Stadt fahre, nähme er nie den 2er, immer den 4er, man wisse ja nie, man müsse mit dem Glück sorgsam umgehen. Er sei an einem 4. geboren, hätte vier Frauen gehabt in seinem Leben – er lachte – seine Mutter, seine Schwester, seine erste Freundin und eben seine Frau. Ja, das Glück sei so eine Sache, um Glück zu haben, müsse man auch daran glauben, so einfach sei das. Mit einem «mached-Sie's-guet» verabschiedete er sich am Bellevue. Ich musste noch ein paar Stationen weiter, hatte eine wichtige Verabredung, bei der es um viel ging, sozusagen um Haben oder Nichthaben. Ich nahm mir vor, an das Glück zu glauben.
Sonntag, 29. März 2015