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Durch die COVID-19-Pandemie sind in allen Ländern schwere Reiserestriktionen verordnet worden, um die Ausbreitung zu verhindern. Das hat viele Transportfirmen in grosse Schwierigkeiten gebracht, darunter zahlreiche Fluggesellschaften. Einige kleine Firmen mussten bereits Konkurs anmelden. Doch in Alaska, wo Flugzeuge häufig die einzige Transportmöglichkeit ist, hat der Shutdown die grösste regionale Fluggesellschaft, Ravn Air Group, ins Elend gestürzt und mit ihr tausende von Menschen in abgelegenen Orten. Denn nun sind sie definitiv von der Aussenwelt abgeschnitten.
Seit dem 5. April 2020 hat die Regionalgesellschaft Ravn Air Group sämtlichen Flugbetrieb eingestellt und Konkurs angemeldet. Dadurch sind zahlreiche kleine Gemeinden in Alaska von der Aussenwelt noch stärker abgeschnitten, da weder Strassen noch erschlossene Wasserwege zu den Orten führen. Mehr als 100 Gemeinden in den Weiten Alaskas sind von den Flügen, die von der Ravn Air Group durchgeführt worden waren, abhängig. Diese Orte sind nun alle in einer Art Limbo festgesetzt, ohne klares Wissen, wie es weitergehen soll. Zwar versuchen die Anwälte und die Firma, den endgültigen Bankrott noch abzuwenden, doch die Karten dafür stehen nicht besonders gut. «Ravn arbeitet aktiv mit der Regierung zusammen, um Gelder für den Betrieb noch zu erhalten. Und sollte das gelingen, können wir mit einem Restrukturierungsplan neu starten», erklärt der Anwalt Tobias Keller während einer Insolvenzverhandlung. Er hebt aber auch hervor, dass die Firma Erleichterungen benötigt, um diese Schritte zu machen. Diese Erleichterung beinhaltet auch ein US$ 12 Millionen Darlehen. Doch andere Hilfen müssten von der Regierung kommen, da ansonsten das Darlehen lediglich eine «kurze Landebahn» für eine ordentliche Liquidation bilden würde, gemäss Keller.
Die Gesellschaft Ravn Air Group wurde im Zuge einer Konsolidierung der Fluggesellschaften in Alaska gegründet und beinhaltete neben der eigenen Airline noch einige weitere Gesellschaften. Zusammen mit Partner konnten so insgesamt 132 Flugzeuge betrieben werden, von denen 72 alleine Ravn gehörte. Der Passagierservice machte mehr als die Hälfte des Firmeneinkommens aus, der Rest kam aus dem Warentransport. Doch schon seit längerem hatte die Gesellschaft unter Liquiditätsproblemen zu leiden. Als dann im März der Gouverneur von Alaska einen Reisestopp verordnet hatte, verschärfte sich die finanzielle Lage von Ravn dramatisch. Trotz Einsparungen und Entlassungen konnte nicht genügend Kapital für ausstehende Zahlungen erzeugt werden. Staatliche Hilfe gab es auch keine und das vor kurzem beschlossene Hilfspaket sieht nur die Lohnzahlungen der Arbeiter vor, nicht die Begleichung von Schulden. Daher waren die Eigentümer, die an der Ostküste der USA sind, auch nicht interessiert an Staatshilfen. Dies hat zu grossem Befremden bei den Politikern geführt: «Das ist eine Lektion für alle aus Alaska: Zählt nicht darauf, dass die Wall Street-Typen sich um unsere Probleme scheren», meinte US-Senator Dan Sullivan an einem Meeting. Zwar wurde jetzt Hilfe auf Bundesebene beantragt, damit zumindest die Angestellten noch ihre Löhne erhalten. Doch ob und wann diese Hilfe kommt, ist unklar.
Auch was mit den Flugstrecken geschehen soll und wie die kleinen Gemeinden jetzt versorgt werden sollen, ist noch nicht geklärt. Zwar sind ein paar kleine Flugfirmen in die Bresche gesprungen. Doch diese haben das Problem, dass sie bei einer Ausweitung der Services auf andere Gemeinden ihre regulären Services nicht adäquat bereitstellen können. Und eine Übernahme der Flugzeuge der Ravn-Gruppe ist nicht so einfach, da notwendige Zertifizierungen und Finanzierungen zuerst gesichert werden müssen. Das alles braucht Zeit. Langfristig würde sich die Situation für die Bewohner der Gemeinden sicher wieder normalisieren, meint ein ehemaliger Airline-Besitzer. Die Luftfahrtindustrie werde geprägt von Turbulenzen wie dieser, meinte er. Doch davon haben die Bewohner kleiner Gemeinden und Inseln zurzeit nicht viel. Güter- und Personentransporte, vor allem für medizinische Versorgung, sind von den Flügen abhängig. Und da ist Zeit in der gegenwärtigen Lage etwas, das man nicht einfach mal hat.
Quelle: Alaska Public Media / Anchorage Daily News