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Die Beiträge dieses Bands formulieren in vielfältiger Form und Thematik eine Gegenthese zur autonomieästhetischen Perspektive auf Musik: Sie verstehen Musik als Wahrnehmungsgegenstand, der gegenüber harter Konkurrenz zu bestehen hat. Musik ist ein Element der «urbanen Klanglandschaft» und muss sich gegen Verkehrslärm, die Bohrmaschine des Nachbarn und sogar die Unmutsbezeugungen eines indignierten Konzertpublikums durchsetzen. Sie ist ein Teil der Collage, den unsere «akustische Umwelt» darstellt, und fungiert darin nicht selten als hübsches, aber grundsätzlich entbehrliches Accessoire.
Musik ist einerseits selbst eine kulturelle Praxis, andererseits Medium und Katalysator für gesellschaftliche Strukturierung: eine Projektionsfläche, die Identität stiftet und Grenzen schafft. Menschen definieren ihr Selbstbild über ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die sich ein musikalisches Genre als differenzierendes akustisches Attribut zulegt – ganz unabhängig davon, welche Bedeutung diese Musik für die Individuen dieser Gruppe hat. Diese mehr segmentierende als vereinigende Funktion der Musiken dekonstruiert implizit auch den Mythos von der global verständlichen «Weltsprache Musik»: Keine Musik hat universelle Bedeutung, jede produziert «Sprechakte», die immer wieder neu als Geschichten gelesen werden müssen. In dieser Lektüre werden gesprochene oder geschriebene Sprache (etwa die Sprache der musikalischen Analyse), metaphorische Synästhesie (Schönbergs «Klangfarbenmelodie»), theoretische Konzepte (Skrjabins harmonisches System) oder Klangleinwände zu hermeneutischen Instrumenten, die individuell Sinn stiften.