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Ein Kaiserpalast ohne Nachtlichter
Es ist die einzige Burganlage in Japan, die ihren ursprünglichen Zweck noch erfüllt. Die Rede ist vom kaiserlichen Palast in Tokio. Diese riesige Anlage befindet sich in der Mitte der japanischen Hauptstadt und war über 250 Jahre Sitz der Kriegsherren der Tokugawa-Dynastie, die in der Edo-Zeit (1603 bis 1868) regierten. Nach der Entmachtung der Shōgune wurde der Kaisersitz von Kyoto hierhin verlegt. Edo erhielt den Namen Tōkyō («östliche Hauptstadt») und war fortan Regierungs- und Kaisersitz. Auf dem ehemaligen Burgareal entstanden die kaiserlichen Residenzen. 1888 wurde der grosse Kaiserpalast fertiggestellt – und nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut.
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Zwei separate Brücken, die Nijūbashi, bilden den Eingang zu diesem gut bewachten Ort. So markieren noch immer Wassergräben die Grenze. Die weitläufige, grüne Palastanlage, die aus einem Komplex verschiedener Gebäude, Residenzen und einem Schrein besteht, darf man ohne Zulassung nicht betreten. Exakt zwei Mal im Jahr, bei der Neujahrsbegrüssung durch die Kaiserfamilie am 2. Januar und am Tennō-Geburtstag am 23. Dezember, wird eine Ausnahme gemacht. Dann werden die Nijubashi-Brücken geöffnet. Daneben werden fast täglich Führungen durch einen kleinen Teil der abgesperrten Anlage angeboten.
Öffentlich zugänglich sind derweil der Nordteil mit der Veranstaltungshalle Budōkan und den Museen, der begrünte grosse Platz (Kōkyo Gaien) vor dem Haupteingang des Palastes sowie die östliche Gartenanlage (Kōkyo Higashi Gyoen). An letzterem Ort findet man neben einer weitläufigen Parkanlage auch die Ruinen des einstigen Hauptturms, der 1657 durch ein Feuer zerstört wurde.
Ein Lichtkonzept für die Kaiserpalast-Anlage
Und so bleibt dieses Zentrum der Kapitale für viele ein unbekannter Fleck auf der Stadtkarte – der ausserdem in der Dunkelheit fast komplett verschwindet. Denn die kaiserliche Anlage wird im Gegensatz zum Rest der Metropole kaum beleuchtet. Selbst im öffentlich zugänglichen Kōkyo-Gaien-Garten ist es überraschend dunkel. Ausser Joggern und Autofahrern ist zur nächtlichen Uhrzeit kaum jemand anzutreffen. Dieser Umstand ist auf einen Entscheid von 1952 zurückzuführen. Damals beschloss die Regierung, die Schönheit und Ruhe vor dem Kaiserpalast zu bewahren, wie die Asahi Shimbun berichtet.
Doch die Zeiten ändern sich. Seit sechs Jahren werden während der Neujahrszeit die Nijūbashi-Brücken und andere Eingänge bereits nächtlich beleuchtet. Nun soll dieses Lichtkonzept erweitert werden. Künftig soll eine sanfte Beleuchtung die Bäume, Brücken und Gräben der Kōkyo-Gaien-Gegend nächtlich verschönern. Hierfür beauftragt wurde die renommierte Lichtgestalterin Motoko Ishii. Ein erster Test wird diesen Dezember stattfinden. Noch vor den Sommerspielen 2020 soll die Installation permanent eingerichtet sein.
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