Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03535.jsonl.gz/2082

Francis Poulenc
Quatre motets pour le temps de Noël
Für gemischten Chor A cappella
Ensemble Sequentiae
Mathieu Bonnin – Dirigent
- O magnum mysterium
- Quem vidistis pastores dicite
- Videntes stellam
- Hodie Christus natus est
Über den Komponisten
Francis Poulenc (1899 –1963) war ein wichtiger Mittler zwischen den Klangwelten der Spätromantik und der melodischen Moderne. Ersten Klavierunterricht bekam er als Kind von seiner Mutter, studierte daraufhin in Paris bei Charles Koechlin und war in den 1920er Jahren Teil der künstlerisch aktiven Bohème der französischen Hauptstadt.
Zu seinem Freundeskreis gehörten Dichter wie Paul Éluard und Guillaume Appolinaire, aber auch der Bariton Pierre Bernac, für den der zahlreiche Lieder schrieb. Wichtig wurde ausserdem seine Freundschaft zu Kollegen wie Erik Satie und Jean Cocteau, mit denen zusammen er sich in der «Groupe der Six» gegen die akustischen Verschleierungen des Impressionismus wandte, denen er anfänglich mit Klavierwerken wie den «Préludes» (1916) durchaus nahe stand.
Die abstrakte Moderne aber blieb für ihn ebenso eine Spielerei wie die Gefühlswallungen der Debussy- und Ravel-Schule. Francis Poulenc sah sich in der Tradition des Neo-Klassizismus, der sich wiederum unter anderem auf Konzertformen des 18. Jahrhunderts berief. Nach dem Unfalltod eines engen Freundes und einem religiösen Initiationserlebnis wandte er sich 1936 dem katholischen Glauben zu und begann, geistliche Werke wie die «Litanies à la vierge noire» (1936) zu schreiben. Dem folgten weitere, gross angelegte Vokalkompositionen wie die «Messe G-Dur» (1937) oder das «Stabat Mater» (1950), mit der Francis Poulenc an romantische und frühere Klangwelten anknüpfte.
Typisch für seine Kompositionen war dabei die Beibehaltung des melodischen Elements in Zeiten zunehmender Abstraktion.
Über das Werk
Diese exquisiten Miniaturen malen vier farbenfrohe Szenen aus der Krippe zu Bethlehem. «O magnum mysterium» ist das tiefste: langsam und harmonisch streng. Es wächst in der Intensität zur letzten Wiederholung des Haupttextes, über einen intimen Vers zum Lob der Jungfrau.
«Quem vidistis» ist eine Cantilène, begleitet von einer suchenden Achtelbewegung; im Gegensatz dazu ist der Imperativ «Sprich und verkünde die Geburt Christi» ein Trompetenstoss, der den Verkündigungsengeln selbst würdig ist.
Der kristalline Refrain von «Videntes stellam» erinnert an eine ruhige, sternenklare Nacht, durch welche die Könige mit aufkeimender Aufregung reisen: Diese erreicht ihren Höhepunkt, wenn sie den Stall betreten und ihre Gaben präsentieren.
In der letzten Motette «Hodie Christus natus est» antworten die Gläubigen mit Überschwang auf die Nachricht: «Gloria in excelsis Deo».