Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03215.jsonl.gz/2480

Mit der Stromkennzeichnung werden Endkundinnen und Endkunden über die Zusammensetzung und Herkunft der von ihnen verbrauchten Elektrizität informiert. Mindestens einmal pro Jahr muss auf oder mit der Stromrechnung angegeben werden, aus welchen Energieträgern der Strom produziert wurde und ob dies in der Schweiz oder im Ausland erfolgt ist.
Dem Strom aus der Steckdose sieht man nicht an, woher er kommt. Deshalb kommt ein Bilanzierungssystem zum Einsatz: bei der Produktion von Strom wird ein Herkunftsnachweis erstellt, beim Verbrauch von Strom wird dieser entwertet. Mit diesem System können, unabhängig vom physikalischen und kommerziellen Stromfluss, Produktionsqualitäten dem Endverbrauch zugeordnet werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass eine bestimmte Stromqualität (z.B. 100 kWh Solarstrom aus der Schweiz) nur einmal als solche verkauft werden kann
Das Energiegesetz vom 26. Juni 1998 (EnG; SR 730.0) und die Energieverordnung vom 7. Dezember 1998 (EnV; SR 730.01) sind die Basis für die Kennzeichnung von Elektrizität. Art. 5bis EnG und Art. 1a bis Art 1e EnV geben die Richtlinien, im Anhang 4 EnV sind zusätzlich wichtige Ausführungsbestimmungen über die Kennzeichnung festgehalten.
Die Grösse der Tabelle zur Kennzeichnung ist klar vorgeschrieben. Diese muss mindestens 7cm hoch und 10cm breit sein. Ebenfalls sind die Bezeichnungen der einzelnen Energieträger vorgegeben. Nicht vorgegeben sind die Schriftgrösse, Schriftart und andere gestalterische Elemente.
Nein. Vom BFE wird lediglich eine jährliche Überprüfung der Elektrizitätsbuchhaltung empfohlen. Gut qualifiziert für eine unabhängige Prüfung sind in der Elektrizitätsbranche tätige Auditoren wie Naturemade, TÜV, PWC und andere.
Akzeptiert sind nach der "Verordnung des UVEK über den Nachweis der Produktionsart und der Herkunft von Elektrizität" vom 24. November 2006 (SR 730.010.1) ausgestellte Herkunftsnachweise. Weitere zugelassene Nachweise sind im BFE Leitfaden Stromkennzeichnung vom 1. August 2005 (Seite 15) aufgeführt. Der Leitfaden ist im Internet unter www.stromkennzeichnung.ch abrufbar.
Ja, es kann sowohl eine Informationspflicht wie auch eine Kennzeichnungspflicht bestehen. Diese Situation ist dann gegeben, wenn ein Unternehmen eigene Endkunden versorgt und auch Elektrizität an andere Weiterverteiler abgibt.
Ja. Die Mindestanforderung ist eine Tabelle mit den Mindestmassen 7 x 10 cm. Zusätzliche Diagramme oder Erweiterungen der Tabelle sind möglich, sofern sie die Verständlichkeit der Tabelle nicht reduzieren.
Es hat pro Kalenderjahr mindestens eine Kennzeichnung gegenüber den Endkunden zu erfolgen. Die Kennzeichnung muss sich spätestens ab 1. Juli auf die Daten des vorangegangenen Kalenderjahres beziehen. In der Praxis zeigt sich, dass die meisten Versorger ihren Endkunden im folgenden Jahr die Stromkennzeichnung für das abgelaufene Jahr zustellen.
Grundsätzlich ja. Es steht dem Verkäufer von Elektrizität frei, welchen Lieferanten-Mix er seinen Kunden abgeben will. Auch ein Lieferanten-Mix mit nahezu 100% nicht überprüfbaren Energieträgern ist möglich. Ein hoher Anteil an nicht überprüfbaren Energieträgern ist jedoch nicht wünschenswert, da so die Transparenz gegenüber den Endverbrauchern nur eingeschränkt gewährleistet ist.
Ja, die Kennzeichnung gegenüber den Endverbrauchern muss mindestens einmal pro Kalenderjahr erfolgen, und zwar auf oder zusammen mit der Elektrizitätsrechnung. Die Form und der Umfang der Beilage, welche die Stromkennzeichnung beinhaltet, kann frei gewählt werden, sofern die zwingenden Formvorschriften eingehalten werden.
Für die Erfüllung der Informationspflicht gelten keine Formvorschriften. Jedoch ist die Art der Information klar geregelt. Zur vollständigen Informationspflicht gehören mindestens: die gelieferte Elektrizitätsmenge, die Energieträger welche zur Produktion der Elektrizität eingesetzt wurden, die Herkunft der Elektrizität (Produktion im In- oder Ausland), die Lieferperiode.
Grundsätzlich müssen alle Endkunden einmal pro Jahr mit einer Stromkennzeichnung versorgt werden. Das bedeutet, dass auch Kunden mit temporären Anschlüssen eine Stromkennzeichnung erhalten sollten, was jedoch nicht in jedem Fall möglich ist.
Nein, die Stromkennzeichnung muss nicht zwingend auf der eigenen Internetseite publiziert werden. Sie muss jedoch auf der gemeinsamen Internetseite aller Schweizer Elektrizitätslieferanten veröffentlicht werden.
Sollen diese Kunden spezifisch informiert werden, muss sich der Elektrizitätslieferant für den Produktemix entscheiden. Dabei erhält jede Kundengruppe eine auf ihren Strombezug ausgerichtete Kennzeichnung. Beim Lieferantenmix hingegen erhalten alle Kunden dieselbe Kennzeichnung. Nähere Ausführungen finden sich im Leitfaden zur Stromkennzeichnung.
Ja. Die Stromkennzeichnung muss auf oder mit der Stromrechnung an die Endkunden gehen. Weitere Informationen, z.B. ein Angebot für ein Wasserstromprodukt oder ein Newsletter im gleichen Versand wie die Stromkennzeichnung sind zulässig.
Nein. Die Energieverordnung schreibt lediglich den Einsatz einer Elektrizitätsbuchhaltung vor. Diese kann in Papierform oder elektronisch sein. Entscheidend ist, dass die Buchhaltung übersichtlich und vollständig geführt ist und bei allfälligen Kontrollen die nötigen Daten plausibel enthält. Die BFE Musterbuchhaltung hat sich jedoch in der Praxis für viele Elektrizitätswerke als gute Ausgangslage bewährt.
Solange Sie kein Vertragspartner in dieser Wertschöpfungskette sind, ist dieses Geschäft nicht zu berücksichtigen. Ihre Elektrizitätsbuchhaltung und Kennzeichnung wird durch diese Verkäufe nicht tangiert.
Ja. Das Führen einer Elektrizitätsbuchhaltung ist Pflicht. Die Energieverordnung vom 10. November 2004 besagt, dass kennzeichnungs- und informationspflichtige Unternehmen eine Energiebuchhaltung führen müssen. Für Unternehmen, die sowohl kennzeichnungspflichtig als auch informationspflichtig sind, genügt eine einzige Buchhaltung. Die Buchhaltung kann in jeder geeigneten Form geführt werden. Auf der Internetseite www.bfe.admin.ch/stromkennzeichnung stellt das BFE Musterbuchhaltungen zur Verfügung.
Liefert ein Vorlieferant "nicht überprüfbare Energieträger", werden diese in der Elektrizitätsbuchhaltung nicht eingebucht. Die Menge "nicht überprüfbaren Energieträger" wird in der Elektrizitätsbuchhaltung als Differenz zwischen den an eigene Endkunden gelieferte Elektrizität und den vorhandenen Nachweisen errechnet.
Endverbraucher sind Kunden, welche Elektrizität für den eigenen Verbrauch kaufen. Ausgenommen hiervon ist der Elektrizitätsbezug für den Eigenbedarf eines Kraftwerkes sowie für den Antrieb von Pumpen in Pumpspeicherkraftwerken.
Ja. Grundsätzlich ist jede Form einer Elektrizitätsbuchhaltung denkbar, solange sie korrekt und übersichtlich geführt wird. Das BFE hat Excel-Elektrizitätsbuchhaltungen als Muster vorbereitet. Diese stehen auf www.bfe.admin.ch/stromkennzeichnung zur Verfügung.
Der Kennzeichnung von Elektrizität liegt das Kalenderjahr zu Grunde. Liegen keine zeitgenauen Ablesedaten für einzelne Lieferanten oder Kunden vor, muss mit einer Hochrechnung gearbeitet werden. Diese Hochrechnung ist Teil der Elektrizitätsbuchhaltung und muss im Falle einer Überprüfung zur Verfügung stehen.
Die Übertragungsverluste müssen in der Elektrizitätsbuchhaltung mitberücksichtigt werden.
Beispiel Verkauf von 100% Energie mit ausgewiesener Qualität, Einkauf von 103% Energie mit ausgewiesener Qualität, 3% Übertragungsverluste im eigenen Netz. Bei der Beschaffung wurden diese 3% auch in der Elektrizitätsbuchhaltung eingebucht. Somit resultiert ein Nachweisüberschuss von 3%. Diese 3% überbleibende Nachweise können nach eigenem Ermessen eingesetzt werden.
Da Pumpenergie eine Form der Stromspeicherung und nicht der Stromproduktion ist, werden dafür keine Herkunftsnachweise ausgestellt (siehe Leitfaden zum Einsatz von Pumpen). Es ist also nicht möglich, beispielsweise Kohle- oder Windstrom durch Pumpspeicherung in Wasserstrom umzuwandeln. Soll die Pumpenergie aus erneuerbaren Quellen stammen, müssen entsprechende Herkunftsnachweise vorhanden sein. Die Nachweise für die beim Pumpen verloren gegangene Energie müssen entwertet werden.
Hier spielt der freie Markt. Nachweise können unter Einhaltung der Regeln beliebig gekauft und verkauft werden und sind oft an keine physikalische Lieferung gebunden. In der Schweiz werden Nachweise von zahlreichen Grossproduzenten, Händlern, Weiterverteilern und Organisationen angeboten oder gekauft.
Wenn die Teilnehmer der Solarstrombörse ihren produzierten ökologischen Mehrwert an das Elektrizitätswerk weitergeben, gehen die Nachweise an das Elektrizitätswerk über. Diese Nachweise werden in der Elektrizitätsbuchhaltung unter Nachweisherkunft eingebucht. Die Zuteilung der Nachweise aus der Solarstrombörse erfolgt für die Kennzeichnung des Lieferantenmixes anteilsmässig an alle Endkunden. Die Kundengruppe mit einem Sonnenenergieprodukt (auch Teilmenge), kann bei der Kennzeichnung spezifisch informiert werden (Ihr Strommix: XY% Sonnenenergie), wenn sich der Lieferant für den Produktemix entscheidet.
Grundsätzlich werden für jede Art der Stromproduktion Nachweise generiert, somit auch bei der Produktion durch BHKW. Entscheidend ist, dass die produzierte Energie mit einem Ablesewert/Zähler nachgewiesen werden kann. Bei mit Erdöl betriebenen BHKW werden Nachweise der Kategorie Erdöl produziert, bei mit Erdgas betriebenen entsprechend Nachweise der Kategorie Erdgas.
Das OR legt die Pflicht zur ordnungsgemässen Aufbewahrung im Grundsatz fest. Danach sind die Geschäftsbücher, die Buchungsbelege und die Geschäftskorrespondenz während zehn Jahren aufzubewahren. Bei ISO-zertifizierten Unternehmen kann die Aufbewahrungsfrist länger sein.
Ja, der Verkauf der Nachweise an Dritte ist möglich. Der Netzbetreiber erhält dann nur noch die physikalische Energielieferung ohne bestimmte Qualität. Konkret bedeutet dies, dass der Produzent dem Netzbetreiber eine Information über die produzierte Menge "nicht überprüfbare Energieträger" zustellt.
Handels- und Grosshandelsgeschäfte werden an der Börse meist ohne Nachweise durchgeführt. Das bedeutet, dass es sich dabei um Elektrizität ohne bestimmte Qualität handelt. Diese muss somit in der Elektrizitätsbuchhaltung als "nicht überprüfbare Energieträger" aufgeführt werden.
In der Elektrizitätsbuchhaltung kann der Eigenverbrauch, d.h. die vom Elektrizitätswerk selbst verbrauchte Elektrizität, vom Total "Stromabsatz an Endkunden" abgezogen werden. Wird für den Eigenverbrauch 100% Wasserstrom eingesetzt, muss die entsprechende Menge Nachweise in der Buchhaltung als Eigenverbrauch ausgetragen werden. Wird der Eigenverbrauch mit demselben Strommix wie für die Endkunden gedeckt, kann der Eigenverbrauch auch in der Menge "Total Stromabsatz an Endkunden" integriert bleiben.
Der Vorlieferant hat bis zum 30. April Zeit, seiner Informationspflicht nachzukommen. Falls beide Parteien damit einverstanden sind, kann auch eine längere Frist vereinbart werden. Kommt der Vorlieferant seiner Informationspflicht nicht fristgerecht nach, kann dies beim BFE hinterlegt werden. Das BFE kann Kontrollen vornehmen und Sanktionen gegen den säumigen Vorlieferanten aussprechen.
Seit dem 1.1.2009 wird auf den Übertragungskosten des Hochspannungsnetzes ein Zuschlag zur Förderung der erneuerbaren Energien erhoben (kostendeckende Einspeisevergütung KEV). Dieser Zuschlag kann auf die tieferen Netzebenen und schliesslich an die Endkunden überwälzt werden. Bezahlt ein Endkunde die KEV-Abgabe, hat er auch ein Anrecht auf die entsprechende Stromqualität. Das BFE publiziert jedes Jahr den fixen Prozentsatz an gefördertem Strom, der den Endkunden ausgewiesen werden muss (www.bfe.admin.ch/stromkennzeichnung > Vollzugshilfen für Energieversorgungsunternehmen).
Der Lieferantenmix weist die Zusammensetzung der Gesamtlieferung an alle Endkunden eines Stromversorgers aus. Alle Kunden erhalten also denselben einheitlichen Strommix, unabhängig davon, welches Stromprodukt sie gekauft haben. Beim Produktemix hingegen wird den einzelnen Kundengruppen der spezifische Strommix zugeordnet.
Der Lieferantenmix ist von der Abwicklung her einfacher, erlaubt aber keine Differenzierung nach Kundengruppen. Die Darstellung des individuellen Produktemixes ist aufwändiger, da das Abrechnungssystem entsprechend vorbereitet werden muss. Dafür erlaubt es der Produktemix, jedem Kunden seine persönliche Stromzusammensetzung auszuweisen.
Ein Stromversorger muss sich entscheiden, ob er allen Endkunden den Lieferantenmix oder allen Endkunden den Produktemix ausweist. Eine freie Kombination von Produkte- und Lieferantenmix ist nicht möglich. Hat sich ein Stromversorger für den Produktemix entschieden, ist es zulässig, den Endkunden zusätzlich auch den Lieferantenmix mitzuteilen. Unabhängig davon, für welche Variante sich ein Versorger entschieden hat, muss er seinen Lieferantenmix auf www.stromkennzeichnung.ch publizieren.
Würden die beiden Methoden kombiniert, käme es zu einer doppelten Vermarktung bestimmter Stromqualitäten. Man stelle sich folgendes vereinfachtes Beispiel vor: Kunde A kauft nur Solarstrom und Kunde B nur Atomstrom. Dem Kunden A wird der Produktemix ausgewiesen und dem Kunden B der Lieferantenmix. In diesem Fall "sieht" der Kunde A nur seinen Solarstrom. Der Kunde B "sieht" aber einen Strommix, in dem auch der Solarstrom des Kunden A enthalten ist. Somit wird in diesem Beispiel der Solarstrom doppelt deklariert (und ein Teil des Atomstroms von Kunde B niemandem deklariert).
Es kann beispielsweise unterschieden werden in Kunden, die ein spezielles Produkt kaufen, und in Restkunden. Den Kunden, die sich für ein spezifisches Produkt entscheiden, wird dieses auch ausgewiesen. Den anderen Kunden wird der „Restmix“ aus den übrig gebliebenen Stromqualitäten ausgewiesen. Der Lieferantenmix setzt sich dann zusammen aus dem Restmix und den explizit als Produkte verkauften Stromqualitäten.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, zwar Produkte anzubieten, den Kunden aber den Lieferantenmix auszuweisen. Die gekauften Produkte dürfen in der Tabelle der Stromkennzeichnung nicht explizit als solche ausgewiesen werden. Mittels Text oder Grafiken kann jedoch auf das gekaufte Stromprodukt hingewiesen werden, im Sinne von "Ihr Kauf des Produkts XY unterstützt die Entwicklung der erneuerbaren Energien" oder "Mit dem Entscheid für das Produkt XY stellen Sie sicher, dass die entsprechende Menge (z.B.) Solarstrom produziert und ins Netz eingespeist wurde".
Die gesetzliche Grundlage für die Stromkennzeichnung findet sich in Artikel 5a des Energiegesetzes (SR 730.0). Die Bestimmungen zu Produkte- und Lieferantenmix stehen in Artikel 1a Absatz 2 der Energieverordnung (SR 730.01), sowie in den Figuren 1 und 2 des Anhangs 4 der Energieverordnung.
Eine umfassende Anleitung zur Erstellung der Stromkennzeichnung finden Sie im "Leitfaden Stromkennzeichnung" des Bundesamts für Energie (www.bfe.admin.ch/stromkennzeichnung > Vollzugshilfen für Energieversorgungsunternehmen).
Auf www.stromkennzeichnung.ch schliesslich gibt es eine Zusammenstellung aller Lieferantenmixe der Schweiz sowie Hintergrundinformationen zu Stromkennzeichnung, Herkunftsnachweisen und den verschiedenen Energieträgern.