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Dissertationsprojekt von Nadja Heimlicher
Gegenstand der geplanten Dissertation ist Gregor von Nazianzens Verständnis von Gottes unfassbarem Wesen und Gottes wahrnehmbarem Wirken.
Seit der Antike wird die christliche Theologie von einem Paradox bewegt: Einerseits gilt Gottes Wesen unfassbar und unerkennbar. Andererseits beschreiben Theologen es als zentralen Glaubensinhalt, dass der gänzlich transzendente Gott ins Immanente eintritt und durch sein Wirken erfahrbar wird. Die Gegensätzlichkeit der beiden Sachverhalte stellt ein logisches Problem dar, das Theologen zu einer Lösung herausfordert. Ein Versuch, innerhalb dieser Spannung sprachfähig zu werden, ist die Lehre vom Wesen und den Energien Gottes: Durch die Unterscheidung von Gottes unbegreifbarem Wesen und seinem erfahrbaren Wirken soll beides zusammen denk- und aussagbar gemacht werden.
In der Diskussion um die Unterscheidung von Wesen und Wirken Gottes kommt Gregor von Nazianz eine zentrale Rolle zu. So sieht z.B. der orthodoxe Theologe Ioannis Zizioulas den Ursprung einer christlichen Energienlehre bei ihm (Zizioulas, Being as Communion, 1985, S.91).
Anhand von ausgewählten Quellen soll herausgearbeitet werden, a) inwiefern die Unterscheidung von Gottes unbegreiflichem Wesen und Gottes erfahrbarem Wirken in Gregors Werk relevant ist und b) was diese Unterscheidung in konkreten theologischen Fragestellungen leisten kann.
In einem ersten Schritt nach den Methoden der historischen Quellenkritik wird untersucht, wie Gregor in seinen Reden (bes. or. 27-31) die Begriffe οὐσία und ἐνέργεια/δύναμις und ihre Äquivalente verwendet und welchen theologischen Rahmen er mit ihnen absteckt. Im zweiten Schritt werden Gregors sprachliche Bilder im Zusammenhang mit Gottes Wesen und Gottes Wirken untersucht: Geht der Theologe in seinen Reden und in seinen poetischen Schriften möglicherweise motivisch weiter als er es terminologisch vermag?