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Es gibt keine Stoffvorschrift mehr für die einzelne Schuljahre und auch kein Schulbuch, welches den Schulalltag bestimmt, denn „Ausgangspunkt der Betrachtung des Stoffes ist nun der Schüler“ (ebd., 161). Lernen umfasst immer mehrere Aspekte und ist nie nur auf das Aneignen von Stoff oder Techniken zurückzuführen, sondern es beinhaltet immer auch noch nichtschulisches und soziales Lernen. Alle Bereiche sind stark miteinander verbunden. Kinder können durch soziale und psychische Probleme in ihrem Lernfortschritt behindert werden. Dies kann durch ein hohes Mass an Einzelbetreuung und Einzelbeschäftigung zwar umgangen werden, wird aber ohne wirkliche Aufarbeitung keine überdauernde Wirkung zeigen. Aus diesem Grund sollte der Unterricht an die individuellen Voraussetzungen der Kinder anknüpfen. Vorgegebene Stoffpläne tun dies oft nicht, weil sie von einem bestimmten Grundwissen ausgehen müssen und somit bereits zu Beginn die Voraussetzungen der Kinder ignorieren. Schwache Kinder werden dabei überfordert und starke Kinder unterfordert. Im Gegenteil dazu steht der Lernraum des Offenen Unterrichts. Er stellt eine „produktive Überforderung“ (ebd., 161) für die Kinder dar.
„’Überforderungen‘ sind dabei zu rechtfertigen, wenn man in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens ohne Druck und Zwang arbeitet, den ‚zu früh aufgegriffenen‘ Stoff nicht als schon zu beherrschenden darstellt und eine gleichsam experimentelle, neugierige Lernhaltung einnimmt.“ (Reichen 1991, 116 In: Peschel 2005a, 161-162)
Das einzelne Kind soll möglichst erfolgreich lernen können. Nicht die Vermittlung des Stoffes rückt ins Zentrum, sondern der Lernraum, der die Grundlage für das Lernen der Kinder bietet. Mit Hilfe der Norm des Lehrplans kann festgestellt werden an welcher Stelle ein Kind im Moment steht. Der Lehrplan wird nicht als Stoffplan verwendet, sondern das Ziel ist das Fortschreiten des Kindes. Dabei ist „das Kind […] das einzige Mass, das etwas über die nächsten Schritt aussagen kann“ (Peschel 2005a, 162). Dieser Idee folgend, ist es notwendig die Lehrplaninhalte auf einen nötigen Minimalkonsens zu reduzieren. Dazu sind die entsprechenden Werkzeuge und Impulse notwendig, welche fachspezifisch ausgeprägt sind und die Kinder zur Auseinandersetzung auffordern. (vgl. Peschel 2005a, 160-163)