Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03259.jsonl.gz/1693

Serena Williams scheitert erneut bei ihrem Versuch, den lang ersehnten 24. Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Im Halbfinal des Australian Open verliert die 39-jährige Amerikanerin deutlich 3:6, 4:6 gegen die als Nummer 3 gesetzte Japanerin Naomi Osaka. Williams bleibt damit weiterhin einen Major-Sieg hinter der Rekordhalterin Margaret Court.
Osaka zeigte eine nahezu perfekte Leistung und wackelte nur zweimal. Sie startete nervös und geriet 0:2 in Rückstand, und Williams hatte Bälle zu einer 3:0- und dann 3:1-Führung. Dann aber gewann die Tochter eines Haitianers und einer Japanerin acht Games in Serie. Bei 4:3 im zweiten Satz unterliefen ihr drei Doppelfehler, doch auf das 4:4 reagierte sie gleich wieder mit einem Break und servierte nach eineinviertel Stunden souverän zu null aus.
Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel kam es dann zu emotionalen Szenen: Williams brach nach wenigen Minuten in Tränen aus und musste das Frage-Antwort-Spiel mit den Journalisten aufgelöst abbrechen. Auf die Frage, ob sie sich beim Gang aus der Rod-Laver-Arena bereits von den Zuschauern verabschiedet habe und ob dies vielleicht ihr letzter Auftritt in Down Under gewesen sei, antwortete die ehemalige Weltnummer 1 noch lächelnd: «Ich weiss es nicht. Wenn ich irgendwann Farewell sage, würde ich es keinem verraten. Also ...»
Als Williams danach auf ihren vielen leichten Fehlern angesprochen wurde und ob es einfach ein schlechter Tag gewesen sei, sagte sie: «Ich weiss nicht. Das war’s.» Williams stand auf und verliess unter Tränen den Pressesaal.
Später meldete sich Williams auf Instagram zu Wort, liess aber auch dort offen, ob sie im nächsten Jahr zurückkommen wird: «Melbourne und meine australischen Fans – das war heute nicht der erhoffte Ausgang, aber das kann passieren ... Ich fühle mich sehr geehrt, vor euch allen spielen zu dürfen. Eure Unterstützung, euer Jubel – ich wünschte nur, ich hätte es heute besser machen können. Ich stehe für immer in eurer Schuld und bin jedem einzelnen von euch unendlich dankbar. Ich liebe euch. Ich liebe euch. Ich liebe euch. Ich verehre euch.»
Seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im Herbst 2017 hat Williams nun elfmal versucht, Courts Allzeit-Rekord zu egalisieren und ist gescheitert, viermal davon im Final. Unter anderem verlor sie schon 2018 im US-Open-Final in zwei Sätzen gegen Osaka. Damals war dies sensationell, nun war es fast schon erwartet. In den letzten zweieinhalb Jahren ist die Japanerin mit Abstand die stärkste Hartplatz-Spielerin der Welt.
Osaka trifft im Final auf eine Aussenseiterin. Im zweiten Halbfinal setzte sich die Amerikanerin Jennifer Brady (WTA 24) in drei hart umkämpften, aber nur selten hochklassigen Sätzen 6:4, 3:6, 6:4 gegen die drei Positionen schlechter klassierte Tschechin Karolina Muchova durch. Während Osaka ihre bisherigen drei Grand-Slam-Finals – am US Open 2018 und 2020 sowie dem Australian Open 2019 – gewonnen hat, setzte sich die 25-jährige Brady im letzten August in ihrem ersten und bisher einzigen WTA-Final beim kleinen Turnier in Lexington durch – im Final gegen Jil Teichmann.
Bradys Erfolg kommt nicht völlig aus dem Nichts. Sie erreichte am letzten US Open ihren ersten Grand-Slam-Halbfinal, in dem sie Osaka drei Sätze lang hart forderte. Gegen Muchova kämpfte sie am Ende mit den Nerven, nützte dann aber nach knapp zwei Stunden den fünften Matchball. (pre/sda)