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sich im Rhätikon, der eingangs erwähnten allgemeinen Biegung des ostalpinen Gebirgsbogens entsprechend, gegen
SW. und S.,
woselbst er durch transversal von W. herübergreifende Kreidebildungen plötzlich abgeschnitten wird. Weiter südlich, jenseit
des Einsturzgebietes des
Prättigaus, tauchen triasische Kalke wieder
auf und verbreiten sich
bis in die Gegend der
Bernhardin-
und Splügenpässe, nach Oberhalbstein und über den Albulapaß bis zum Ortler.
In den
Alpen
[* 3] westlich vom
Rhein fehlen die
Ablagerungen der
Trias- und Liasperiode entweder ganz, oder treten nur in einzelnen
Streifen auf, ohne zusammenhängende
Gebirgszüge von größerer
Ausdehnung
[* 4] zu bilden. Im
Süden fehlen die Kalk
alpen westlich vom
Lago Maggiore ganz.
Weitere Unterschiede zwischen
Ost- und West
alpen sind in letzter Linie durch die geogr. Verteilung der
dem
Alpengebirge im N. vorgelagerten alten krystallinischen
Massen bedingt. Während die Ost
alpen bei ihrer Entstehung nur
an ihrem östl. Ende mit der Südspitze der
«Böhmischen
Masse» zusammenstießen, stellten sich der Entfaltung der West
alpen
der
Schwarzwald, die Vogesen und das
Französische Centralplateau entgegen; infolgedessen wurde die faltende
Kraft,
[* 5] die sich in den Ost
alpen über weitere Entfernungen verteilen konnte, in den Westalpen gewissermaßen konzentriert
und mußte deshalb hier eine stärkere Aufbäumung der Gebirgsmassen bewirken.
Der
Mangel an großen Längenthälern ist eine unmittelbare Folge dieser Erscheinung; den drei großen
Längsthalzügen der Ost
alpen:
Inn-Salzach-Enns, Mur-Mürz, Rienz-Drau, ist in den West
alpen als gleichwertig nur der Thalzug
Rhône-Rhein gegenüberzustellen.
Ost- und Westalpen bestehen nämlich nach den neuern geolog. Forschungen aus einzelnen aneinandergeschobenen
Parallelketten, die ebensovielen Faltenzügen entsprechen.
In den Ostalpen war der Zusammenschub gering, der Faltenwurf beschränkte
sich auf Gewölbebildung, die
Ketten blieben voneinander getrennt, so daß sich in den
Mulden zwischen
ihnen Längsthäler herausbilden konnten; ja im äußersten
Osten treten die
Ketten sogar fingerförmig auseinander.
In den Westalpen dagegen war der Zusammenschub äußerst heftig, die Ketten konnten sich nach Norden [* 6] nicht ungehindert ausbreiten und wurden infolgedessen so heftig an- und ineinander gepreßt, daß sie in der Plastik des Gebirges nicht allenthalben selbständig hervortreten, sondern vielfach nur von dem Geologen nachgewiesen werden können. So sehr wurden die Falten zusammengepreßt, daß es zur vollständigen Überkippung kam, zur sog. Fächerbildung, die, im Gegensatze zu der Gewölbestruktur der Ostalpen, für einen großen Teil der Westalpen charakteristisch ist.
Die starke Krümmung des westalpinen Gebirgsbogens und die damit Hand [* 7] in Hand gehende Verkürzung seines innern Randes gegenüber dem äußern, hatte in dem erstern auch seitliche Druckwirkungen zur Folge, die senkrecht auf die allgemeine Faltung gerichtet waren und stellenweise das Übergewicht über diese gewannen. Daher kommt es, daß die Umbiegung des Adulasystems, die unter dem Widerstände der Ostalpen erfolgte, nicht das einzige Beispiel ihrer Art geblieben ist, sondern sich im Innern des Gebirgsbogens auch anderwärts wiederholt.
Das meridiane Streichen einzelner Glieder [* 8] der Tessiner und der Monte-Rosa-Gruppe, sowie die Hinneigung zu der Bildung von Ringgebirgen in den östl. Teilen der Grajischen und der Cottischen Alpen sind Folgen der Behinderung, die der Faltungsprozeß an der Innenseite des großen Bogens in sich selbst gefunden hat, und die Bedeutung dieser Erscheinung wird dadurch nicht wenig vermehrt, daß ähnliche Vorkommnisse an der Außenseite der Alpen gänzlich fehlen.
Das verwickelte innere Gefüge der Westalpen, ihre große Höhe und die häufige Wiederkehr der fächerförmigen Aufrichtung der Schichten erscheinen also in gleicher Weise durch den passiven Einfluß der alten ruhenden Massen bedingt, die sich einer weitern Ausbreitung des Gebirges gegen W., NW., N. und NO. entgegenstellten. Die bedeutende Höhe und die geringe Breite [* 9] dieses Gebirgsgürtels wiederum verursachen, daß man in demselben einer so außerordentlichen Tiefe der Thaleinschnitte begegnet.
Denn da sich hier das Gefälle der Flüsse [* 10] jederzeit auf eine kürzere Strecke verteilte als in den breitern Ostalpen, die noch dazu nicht gerade auf den kürzesten Wegen entwässert werden, so war die Wirkung der Erosion [* 11] gesteigert, und es konnte eine raschere Tieferlegung der Thalsohlen erzielt werden. Am Fuße des gewaltigsten Bergriesen der Alpen, des 4810 m hohen Montblanc, ist Chamonix in einer Höhe von nur 1052 m gelegen! Einen auffallenden Zug besitzen die Westalpen ferner in dem stark zickzackförmigen Verlauf ihrer Hauptwasserscheide, der als eine unmittelbare Folge der überwiegenden Querthalbildung zu betrachten ist.
In den Ostalpen, deren Entwässerung durch Längenthäler geregelt wird, nimmt der Höhenzug des Gebirges, und mit ihm die Wasserscheide, einen mehr geradlinigen Verlauf. Die Querthäler sind hier zu kurz, als daß sich wesentliche Unterschiede hinsichtlich ihrer Verzweigung geltend machen könnten, und vermögen deshalb die Wasserscheide nur zu ganz geringen Ausweichungen zu bewegen. Der nach Süden einspringende Winkel [* 12] der Wasserscheide in ihrem Verlaufe vom St. Gotthard über die Bernina zur Reschenscheideck ist jedoch durch den fast rechtwinkligen Aufeinanderstoß des westl. und des östl. Alpenbogens bedingt.
Die Thäler in den Alpen unterscheidet man als Längs- und Querthäler; erstere stimmen mit der Richtung der Gebirgsketten überein und zeichnen sich bei meist geringem Gefälle durch eine bedeutende Längenausdehnung aus; letztere verlaufen senkrecht zu der Gebirgsrichtung und sind meist kurz und steil. Beispiele ersterer Art sind die bereits erwähnten Thäler der Rhône, des Rheins, Inns, der Salzach, Enns, Mur, Mürz, Drau u. s. w., Beispiele der letztern Art sind die Thäler der Neuß, [* 13] des Tessin, Oglio, das Ötzthal, Zillerthal, Gasteiner Thal [* 14] u. a. m. Bezeichnend für die Querthäler ist ihre Stufenbildung, die darin besteht, daß in verschiedener Höhe gelegene, mehr ebene Thalböden durch Steilabfälle miteinander verbunden sind.
Ist der Abfall jäh und kurz, dann bildet der Thalbach daselbst einen Wasserfall (Handeckfall, Krimmler Fälle, Gasteiner Fall, Gößnitzfall, Waldbachstrub u. s. w.); verteilt sich die Abstufung jedoch auf eine längere Strecke, und fließt daselbst der Bach in einer tiefen Schlucht, dann nennt man dies eine «Klamm» (Kitzlochklamm, Liechtensteinklamm, Wimbachklamm u. s. w.). Eine dritte Gruppe von Thälern bilden die Durchbruchsthäler, die Gebirgsketten quer durchbrechen (Rhônethal zwischen Martigny und Genfer See, Innthal zwischen Wörgl und Kufstein, Salzach zwischen Bischofshofen und Salzburg, [* 15] Enns zwischen Admont und Steyr u.s. w.).
Die Alpen sind das Hauptquellengebiet von Mitteleuropa, doch nehmen sie nur auf einer kurzen ¶
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Strecke, von den Freiburger über die Berner den Gotthard, Albulapaß bis zum Arlberg, die europ. Hauptwasserscheide in sich auf. Diese tritt von den Vogesen her über den Jura, den Genfer See im N. umziehend, in die Alpen ein und verläßt diese, um nördlich um den Bodensee herum dem Schwarzwald und weiterhin dem Fichtelgebirge zuzustreben. Sie fällt innerhalb der Alpen mit der Wasserscheide des Rheingebietes gegen Rhône-, Po- und Donaugebiet zusammen. Das sind die Hauptstromgebiete der Alpen, denen gegenüber die Gebiete der Etsch und der adriatischen sowie der mittelländischen Küstenflüsse nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Mittelpunkt der Wasserverteilung der Alpen ist der Stock des St. Gotthard, im besondern der Pizzo Pesciora, von welchem Reuß [* 17] (Rhein), Rhône und Tessin sich in die Nordsee, das Mittelmeer und nach der Adria hin ergießen. Auch die Fuorcla di Lunghino zwischen Septimer und Maloja ist in dieser Beziehung von hervorragender Bedeutung, da sich auf ihr die Flußgebiete vom Rhein, Po und Inn (Donau) berühren. Sonst giebt es in den Alpen keinen Punkt, von dem die Gewässer nach drei verschiedenen Meeren hin abfließen. Als Berührungspunkte dreier Flußgebiete wären noch anzuführen: die Enchastraye in den Meeralpen (Rhône, Var, Po), der Passo dei Pastori in den Spölalpen (Donau, Etsch, Po), der Bodenknoten am Toblinger Riedl in den Ampezzaner Dolomiten (Donau, Etsch, Piave) und noch einige andere von geringerer Bedeutung.
An Mineralquellen sind die Alpen sehr reich, und manche derselben, wie die Thermen (Wildbäder) von Ragaz-Pfäffers im schweiz. Kanton [* 18] St. Gallen, Bormio im Oberveltlin und Gastein in den Tauern, die Schwefelthermen von Air-les-Bains in Savoyen und Leukerbad im Wallis, der Eisensäuerling von St. Moritz und der Natronsäuerling von Schuls-Tarasp im Engadin, die Solen von Ischl [* 19] im österr. Salzkammergut [* 20] und von Reichenhall in Oberbayern, gehören zu den geschätztesten und besuchtesten Heilquellen Europas.
Der Erzreichtum der Alpen ist im Verhältnis zu ihrer Ausdehnung nicht bedeutend, und der Bergbau [* 21] ist nur in den Ostalpen von Wichtigkeit. In den West- und Mittelalpen sind die meisten der ehemals sehr zahlreichen Bergwerke aufgegeben worden, einesteils wegen der durch die starken Lagerungsstörungen der Gesteine [* 22] bedingten Unsicherheit hinsichtlich der Bauwürdigkeit der Erzgänge, andernteils wegen des Mangels an billigen Brennstoffen, der die Verhüttung der Erze verteuert, sowie wegen der zu großen Transportkosten.
Der Bergbau liefert deshalb in den Alpengebieten der Schweiz, [* 23] Frankreichs und Italiens [* 24] nur Anthracitkohlen, etwas Eisen [* 25] und Nickel, Blei [* 26] und Steinsalz. Dagegen sind die Ostalpen verhältnismäßig reich an Erzen und Steinsalz. Steiermark [* 27] und Kärnten liefern das beste Eisen, Kärnten Blei, Krain [* 28] Zink und Quecksilber; Salinen finden sich in Oberösterreich und Salzburg, Tirol [* 29] und Oberbayern. Gold [* 30] und Silber fehlen fast ganz, abgesehen von einigen unbedeutenden Vorkommnissen in den Hohen Tauern, während nutzbare Bausteine (wie Granit, dichte Kalksteine, Marmor u. s. w.), Schiefer und Topfstein nicht selten sind. An Mineralien sind die Centralalpen überall reich. Berühmte Fundstätten sind u. a. die Umgebungen des Montblanc und des St. Gotthard, die Mussaalpe in Piemont, das Fassathal in Südtirol, der Greiner im Zillerthal u. s. w.
Über Alpenseen und Alpengletscher s. Seen und Gletscher.
Einteilung der Alpen. Schon die Römer [* 31] haben im Alpengebiete einzelne Territorien unterschieden, die zumeist nach Provinzen oder nach den Völkerstämmen benannt wurden, die sie bewohnten. So entstanden die Bezeichnungen Alpes poeniae, Alpes rhaeticae, Alpes carnicae u. s. w., die sich bis auf heute erhalten haben. Während jedoch die Römer, jeden Interesses an der Gebirgswelt bar, bei ihrer Einteilung nicht das Gebirge an und für sich, sondern lediglich das Land im Auge [* 32] hatten, hat man in unserer Zeit sich vielfach bestrebt, das Gebirge um seiner selbst willen Zu zergliedern.
Man hat sich jedoch hierbei meistenteils nicht so sehr von orographischen als vielmehr von hydrogr. Momenten leiten lassen und hat das Gebirge solcherart nach Maßgabe der wichtigern Flußläufe wohl in Parzellen zerschnitten, nicht aber in Gruppen zergliedert. Es war dieser Vorgang, den bis vor kurzem die ausgezeichnetsten Alpengeographen befolgten, ebenso einseitig wie der Versuch Désors, eine Alpeneinteilung einzig und allein auf Grund der Centralmassen zu schaffen.
Gegenwärtig hat sich die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß bei einer naturgemäßen Einteilung solche Teile des Gebirges in eine Gruppe zusammengefaßt werden müssen, die sich durch Einheitlichkeit ihrer Physiognomie auszeichnen, die also eine durch den innern Bau und die Zusammensetzung des Materials, sowie durch die Übereinstimmung des plastischen Aufbaues bedingte Ähnlichkeit [* 33] der orographischen Gestaltung aufweisen. Es ist nicht zu verkennen, daß die bisherige Einteilung der (von Sonklar, Studer, Wäber, von Haardt u. a.), die in Wirklichkeit einzig und allein das Flußnetz berücksichtigen, den Vorteil größerer Einfachheit für sich haben; aber diese Einfachheit ist nicht in der Natur des Gebirgen begründet und führt zu einer Täuschung über die wahre Anordnung der Gebirgsmassen. Die allgemeinen plastischen Verhältnisse und der geolog. Entwicklungsgang verlangen eine Zweiteilung des Alpengebirges in Ost- und Westalpen, und zwar erscheint nach den neuesten Forschungen als natürliche Grenze zwischen beiden eine vom Rhein über den Greinapaß zum Lago Maggiore gezogene Linie, was mit der Depression, [* 34] die der Gebirgszug in dieser Gegend erleidet, auf das beste übereinstimmt.
Demnach zerfällt das Alpengebirge in: I. Westalpen, diese teilen sich folgendermaßen: Alpen. Innerer Gneisalpenzug; B. Äußerer Gneisalpenzug; C. Französische Kalkalpen. II. Ostalpen, zu teilen in: Alpen Gneisalpen;
B. Schieferalpen;
C. Nördliche Kalkalpen;
D. Südliche Kalkalpen;
E. Becken von Klagenfurt. [* 35] (Die weitern Unterabteilungen s. unter den Artikeln Westalpen und Ostalpen; vgl. die Karten: Einteilung der Alpen, Westalpen, Ostalpen.)
Klimatische Verhältnisse. Die Alpen bilden eine wichtige klimatische Scheide, denn der Kamm ihrer südlichsten Hauptkette trennt das mitteleurop. Klimagebiet von dem mediterranen. Zu jenem, welches sich durch blattwechselnde Laubhölzer und gesellig lebende Gräser [* 36] auszeichnet, gehören die nördlich vorgelagerten Hochebenen mit einer mittlern Jahrestemperatur von 8 bis 10° C., zu dieser, der Zone der immergrünen Laubhölzer und der Olive, die lombard. und die provencal. Tiefebene mit 12-14° Mitteltemperatur. Der Alpengürtel zwischen beiden Zonen vereinigt auf dem engen Raume von fünf Breitengraden in scharfen Gegensätzen alle Klimate vom wärmern gemäßigten bis ¶
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zum kalten Polarklima. Südfrüchte und Edelkastanien, Rebe und Olive gedeihen am Fuße der firn- und gletschertragenden Spitzen; saftig grüne Alpentriften und fruchtbare Getreidefelder wechseln mit kahlen Felsen und Schutthalden, dunkle Nadelwälder mit üppigem Laubholz. Vom Fuße bis zu den Gipfeln nimmt die mittlere Temperatur der Alpen durchschnittlich um 0,58° C. für je 100 m Erhebung ad (1° C für 175 m). Die obere Grenze des Laubwaldes fällt ungefähr mit der Höhenisotherme von 4,8° C. zusammen, diejenige des Getreidebaues mit 5,2°, die des Nadelholzes mit 1°. Eine mittlere Temperatur von 0° findet sich am Nordrande bei etwa 2000 m Höhe, in den Centralalpen bei 2100, in den südlichen Alpen bei 2400 m. Die Firngrenze, d. h. die Linie, oberhalb der der Firn auch im Hochsommer bleibt, entspricht keiner bestimmten Mitteltemperatur, da ihre Lage auch noch durch andere Umstände, vor allem durch die Niederschlagsmenge mitbedingt wird (s. Gletscher).
Die mittlere Temperatur der höchsten Gipfel mag wohl -12 bis -15° C. betragen, und das Klima derselben entspricht ungefähr demjenigen des 70.° nördl. Br. Abgesehen von den örtlichen, durch die Gegensätze von Berg und Thal, von Firn und Vegetation u. s. w. bedingten Winden, [* 38] herrschen in den Alpen der Nordostpassat und der Südwest-Antipassat vor, zu dem auch der Föhn (s. d.) zu rechnen ist. Für die Alpen sind alle Winde [* 39] von SO. über S. bis gegen NW. feuchte Winde, nur das Viertel von N. bis O. bringt trockne Luft.
Die Regenmenge der Alpen ist größer als diejenige der Ebenen am Rande; am größten in den Thälern des Südabhangs, geringer in den Hochthälern des Innern, z. B. Engadin und Oberwallis. Die Regenmenge wächst mit der Höhe bis zu einer gewissen Grenze (etwa 2000 m), dann nimmt sie wieder ab. Im Mittel beträgt sie in den Alpen 1,08, am Südabhang 1,46, im Tessin sogar 1,7, am Nordabhange 0,92 und am Westabhange 1,19 m, während die süddeutsche Hochebene 0,68, das Engadin 0,85 und die Poebene 0,98 m aufweisen.
Im N. herrschen die Sommer-, im W. und S. die Herbstregen vor. Die Zahl der Regentage ist geringer, als man nach den Regenmengen erwarten sollte; so hat der St. Gotthard bei jährlich 278 Nebeltagen und einer Regenmenge von 1,98 m nur 107 Regen- und Schneetage, die nördlich vorgelagerte Hochebene dagegen bei dreimal geringerer Regenmenge durchschnittlich 120-160 Regen- und Schneetage. Bereits in einer Höhe von etwa 2300 m zählt jeder Monat Schneetage; in den Hochregionen, von etwa 3000 m aufwärts, nehmen dieselben rasch zu, ohne indes die Regentage ganz zu verdrängen.
Der Schnee [* 40] der Hochalpen ist trocken und feinkörnig und wird vom Winde oft in wilden Wirbelstürmen, im Berner Oberlande Guxeten genannt, um die Gipfel gejagt. Durch abwechselndes Schmelzen und Zusammenfrieren verwandelt er sich allmählich in Firn, und dieser wieder in Gletschereis. Lösen sich Schnee- oder Eismassen von hochgelegenen Punkten ab und stürzen zu Thale, so bilden sie die oft sehr gefährlichen Lauinen oder Lawinen (s. d.). Nicht weniger gefährlich als die Lawinen sind die Verheerungen des Wassers in den Alpen. Heftige Gewitter, am Südabhange oft von Hagel begleitet, lange andauernde Regen, starke, durch den Föhn bedingte Abschmelzung des Schnees und der Gletscher bringen die Bergbäche zu raschem Anschwellen.
Die tief eingeschnittenen, felsigen und steinigen Betten, die im Hochsommer fast wasserleer sind, füllen sich schnell mit trüben Wassermassen, die donnernd, mit wütender Gewalt Felsblöcke, Bäume u. s. w. mit sich reißend, durch die Runsen niederstürzen, um die Felder und Wälder der Thäler unter Geröll, Schutt und Schlamm zu begraben. Infolge der unsinnigen Entwaldung der Alpen, die leider auf dem Südabhange noch jetzt fortgesetzt wird, nimmt trotz aller Schutzbauten diese Gefahr nicht merklich ab; in der Schweiz sucht man in letzter Zeit dieselbe durch Aufforstung der Quellgebiete zu verringern.
Auf dieselbe Ursache, d. h. auf die Entblößung des Bodens von der schützenden Walddecke läßt sich großenteils auch der unregelmäßige Wasserstand der Alpengewässer überhaupt zurückführen, die in der trocknen Jahreszeit wasserarm sind, um zur Zeit der Schneeschmelze oder bei dem langen Regen des Herbstes zu verheerenden Fluten anzuschwellen. Auf die Wirkung des Wassers sind auch die vielen Erdschlipfe und Erdlawinen, Steinschläge und Bergstürze zurückzuführen, denen die Thäler der Alpen ausgesetzt sind.
Teils durch die chemische, teils durch die mechan. Wirkung des Wassers werden Erd- und Steinarten aufgelöst, verwittert oder weggeführt. Ganze Erdschichten können dadurch ihrer Stütze beraubt und an stark geneigten Stellen zum Gleiten gebracht werden; durch das Eindringen des atmosphärischen Wassers in die Spalten der Gesteine, verbunden mit der Einwirkung vou Frost und Hitze, werden manche Felsarten, besonders einzelne Schiefer-, Kalk- und Dolomitgesteine, in ihrem Zusammenhange gelockert, einzelne Massen lösen sich nach langem oder heftigem Regen, zur Zeit der Schneeschmelze u. s. w. ab und stürzen als Steinschläge zu Thal. Zeigt sich diese Erscheinung in großem Maßstabe, lösen sich ganze Felsschichten gleichzeitig ab, so entstehen Bergstürze (s. d.).
Pflanzenwelt. Die Alpenpflanzen bilden die hauptsächlichste Zierde der Flora Europas nördlich vom 40.° nördl. Br.; diese enthält hier die größte Zahl eigentümlicher, sonst nicht weiter auf der Erde verbreiteter Arten. Viele derselben sind zwar durch die ganze Alpenkette gemeinsam zu finden, viele andere aber sind beschränkt; die schönen Sträucher des Alpen-Goldregens (Cytisus alpinus Mill.) und der Coronilla emerus L. leben nur in den Westalpen bis zum Jura, der seltenere Cytisus Weldeni dagegen nur in den Ostalpen-Ausläufern; manche kalte Stauden sind auf einzelne Berggruppen beschränkt, und so lassen sich die Standorte zunächst nach vier Hauptgruppen sammeln: Westalpen (und Jura), Schweizer Central- und Nordalpen, Tiroler Südalpen, und Ostalpen.
Den West- und Südfuß des mächtigen Gebirges umrandet die mediterrane, südeurop. Flora, die im Tessin mit Cistusgebüschen und Baumheide bis 300 m hoch ansteigt. Der Nordfuß geht in die allgemeine mitteleurop. Flora (s. Europa) [* 41] über und zeigt eine weite Ausbreitung vieler gemeiner alpinen Arten über die Mittelgebirge und weiterhin. Der Ostfuß begegnet in Illyrien den Formen der pontischen Gebiete Europas, welche bis gegen Wien [* 42] hin die Oberhand haben. - Die natürliche Pflanzendecke, unten vielfältig durch Kultur verändert, bildet in der ganzen Kette gleichmäßig die fünf Schichten der vorherrschenden Laubwälder (Eiche, Buche, Ahorn u. s. w.), der vorherrschenden Tannen-, Fichten-, Arven- (oder Zirbelkiefer-) und Lärchenwaldungen, die der Alpensträucher (Krummholz, Alpenrosen oder Rhododendren), die der Alpenmatten ¶