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Als Mark Isham 1993 Nowhere to Run vertonte, hatte er gerade seine erste und bisher einzige Oscar Nomination (für A River Runs Through It, 1992) abgeholt. Er war gefragter denn je und scorte 1993 sechs Filme (ein Jahr später waren gar deren neun!): Das Whoopi Goldberg Vehikel Made in America, Fire in the Sky, Short Cuts für Robert Altman und Romeo is Bleeding (mit Gary Oldman und Lena Olin), dazu noch einen Kurzdokumentarfilm. Nowhere to Run war in dieser Reihe „trotz“ Jean Claude Van Damme ein ganz passabler Boxoffice Erfolg, sicher auch dank der Fangemeinde des belgischen Karatekloppers. Mit Regisseur Robert Harmon arbeitete Isham zuvor bereits bei The Hitcher. Van Damme spielt den geflohenen Knacki Sam, der auf der Farm von Clydie (Rosanna Arquette) Unterschlupf findet (tatsächlich ist auf der Farm die Beute von Sams Bankraub versteckt) und ihre Familie vor Einbrechern rettet. Als sich herausstellt, dass Clydie gegen einen Landaufkäufer ankämpft, der vor nichts zurückschreckt, nimmt sich Sam der Sache an.
Nowhere to Run beginnt sehr ruhig und bedächtig – für einen Actioner! In „Main Title“ etabliert Isham eine kleine, stille Melodie für Synthies, Streicher und Harfen-/Gitarrenklänge. „Billy’s Car Put to Rest“, „Billy’s Death“ etc. sind weitere eher ruhige Vertreter, schon mal mit Suspense angemischt, ehe Isham mit „Cow Fight“ zum ersten Mal in die Vollen geht. Elektronische Klänge sind deutlich präsent, klingt es doch als mixt Isham hier Orchestersamples mit realem Orchester (ein ähnliches Konzept ist in „Bulldozers“ zu hören)?! „Barnburning“ ist ein weiterer Actiontrack von entsprechendem, Muster, aber mit mehr Platz für das Orchester: Bläser, Perkussion, geschäftige Streicher. Eines meiner Lieblingsstücke ist „Motorbike Chase“ von dem ich gut und gerne noch ein Minütchen mehr gehört hätte, aber den Zweirädern ist scheinbar nach zwei Minuten der Saft ausgegangen.
Das von der Gitarre gespielte Hauptmotiv taucht in „Sam Wakes Up the Next Morning“ und „Sam Watches Clydie“ wieder auf, in ersterem wird es ausführlicher gezeigt, im zweiten bruchstückweise und mit dem Motiv für Clydie versehen. In Track 17, „Home Movies“, erhält das Hauptmotiv eine orchestrale Ausarbeitung, jetzt auch ohne Gitarre, während „Love Scene“ Sam und Clydie’s Motive vereint (hier wieder mit Gitarre sowie Klavier eingebettet in gefühlvolle Streicher und Holzbläser), ein hübscher, feinfühlger Track. Sams Motiv, das Beziehungsthema und das Familien-/Sohn-Motiv sind eng miteinander verbunden, kompositorisch ebenso wie die Instrumentierung betreffend.
Nowhere to Run ist ein weitaus friedlicherer Vertreter seines Genres als es die Ausgangslage – Van Damme eben – vermuten lässt; und Isham nützt und findet die Gelegenheit mehr Raum für emotionale Momente zu kreieren. Insgesamt wirklich ein sehr zugänglicher Isham.
Preseverance brachte diesen Score als Premiere heraus, bisher existierten nur zwei Tracks auf einem Sampler. Neben dem gesamten Score sind drei Bonusstücke enthalten, darunter alternative Versionen von Anfangs- und Schlusstitel. Während der Aufnahmesession wurde Isham gebeten doch ein neues Titelthema zu schreiben, was er innerhalb von 9 Stunden abzuliefern hatte (Der alternative „Main Title“ ist weitaus mehr auf Suspense aus als der schlussendlich verwendete: Track 1). Interessant auch die Aussage Ishams im Booklet, dass er zu jener Zeit dachte, eine Aufnahmesession sollte in einem Take durchgespielt und aufgenommen werden – was sich u.a. für einen Trompeter als problematisch herausstellte.
Phil, 3.5.2012