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Vierhundert kleinformatige Farbkreide-Skizzen hat der expressionistische Maler Emil Nolde hinterlassen. Sie dienten dazu, schnell Eindrücke und Stimmungen einzufangen, um sie später als Vorlage für Gemälde zu verwenden. Dreißig dieser ausdrucksstarken und farblich intensiven Kreidezeichnungen wurden für diesen kleinen Band zusammengestellt. Etwa die Hälfte davon entstand in den Jahren 1913/14 auf einer Reise nach Papua-Neuguinea, die andere Hälfte wenig später in der schleswigschen Heimat des Malers. Oft ist es der Himmel, der Nolde in seiner monumentalen Plastizität und Farbigkeit beeindruckt, aber auch Blüten sind ein geschätztes Motiv, während die flache norddeutsche Landschaft – mit Ausnahme der Dünen – zum Strich reduziert wird.
Christian Ring verschweigt nicht, dass Nolde Anhänger des NS-Regimes war – und das, obwohl er 1941 selbst Berufsverbot erhielt. Ein Malverbot war dies jedoch nicht. Indem er das behauptete, stilisierte sich der Künstler trotz seiner erwiesenen antisemitischen Einstellung später selbst zum Opfer. Seiner Bedeutung als Künstler tut dies zwar keinen Abbruch, es stellt aber einen Wermutstropfen dar.
Dass die eindrücklichen Kreidezeichnungen mit dieser Veröffentlichung einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurden, ist erfreulich. Der Text ist zweisprachig deutsch und englisch.