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Wenn Küsse die Karriere unterbrechen
Heute ein Beitrag von Dr. med. Martin Narozny-Willi*
Viele Sportler mussten deswegen schon eine längere Pause einlegen: Sie hatten eine zugegeben recht heftige Erkältung. Aber im Unterschied zu früher kommen Sie nicht so recht wieder auf Touren. Was ist mit Ihnen los? Der Arzt hat schon eine Verdachtsdiagnose gestellt, die Bestätigung ist mit der Blutanalyse gekommen: Pfeiffersches Drüsenfieber!
Geschichte
Bereits im 19. Jahrhundert wurde das Drüsenfieber erstmals vom Kinderarzt Emil Pfeiffer erwähnt. In den 1920er-Jahren wurde wegen der Blutbildveränderungen der Begriff Mononukleose geprägt, und in den 60er-Jahren wurde schliesslich die Verbindung zum auslösenden Faktor, dem Epstein-Barr-Virus, hergestellt. Darum verweisen die verschiedenen Begriffe wie Pfeiffersches Drüsenfieber, infektiöses Mononukleose und Epstein-Barr-Virus-Infektion alle auf dieselbe Erkrankung.
Infektion
Das Epstein-Barr-Virus stammt aus der Gruppe der Herpesviren. Es ist eine akute, aber selbstlimitierende Erkrankung. Das Virus wird durch Speichel übertragen. Darum wird die Krankheit im englischen Sprachraum auch kissing disease genannt. Das Virus wird also unter Liebespaaren ausgetauscht, nicht aber zwischen Teammitgliedern. Die Inkubationszeit (Zeit vom Viruskontakt bis zum Ausbruch der Krankheit) beträgt 30 bis 50 Tage. Diese lange Zeitspanne verunmöglicht es in den meisten Fällen den genauen Ansteckungszeitpunkt festzulegen. 95 Prozent aller Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit dem Virus in Kontakt. Das Epstein-Barr-Virus verbleibt zeitlebens im Körper. In der Regel erkrankt man nur einmal daran, die Krankheit kann aber bei Schwächung des Immunsystems und bei andauernd zu hartem Training in seltenen Fällen wieder zum Ausbruch kommen. Das dürfte wohl bei den meisten Sportlern im Erwachsenenalter der Fall sein, wenn sie wegen des Pfeifferschen Drüsenfiebers pausieren müssen.
Symptome und Blutanalysen
Drei Hauptsymptome stehen im Vordergrund: Fieber, Rachenentzündung und beidseitige Entzündung der Gaumenmandeln. Hinzu kommen Entzündung der Halslymphknoten, Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Appetitlosigkeit. Ausserdem kommt es zu einer Milzschwellung und zu einer Leberentzündung. Die akuten Symptome dauern etwa zwei Wochen an, nach einer Woche fühlt man sich bereits deutlich besser. Restbeschwerden können aber einen Monat andauern und zum Teil über mehrere Monate persistieren. In der Blutanalyse findet sich ein Anstieg von bestimmten weissen Blutzellen, den Leukocyten. Im weiteren Verlauf lassen sich verschiedene Antikörper gegen das Virus nachweisen, anhand derer man auch bestimmen kann, ob es sich um einen frischen Infekt oder eine Reaktivierung handelt. Zudem finden sich auch erhöhte Leberwerte durch die Entzündung.
Therapie
Es gibt leider keine ursächliche Therapie. Symptomatisch können das Fieber gesenkt und die Schmerzen mit entsprechenden Schmerzmitteln gelindert werden.
Komplikationen
Als sehr seltene Komplikation kann es durch die Milzschwellung (um das Zwei- bis Dreifache) zu einer Milzruptur kommen, was lebensgefährlich sein kann. Dies geschieht allerdings nur in 0,1 Prozent der Fälle. Die meisten Milzrupturen ereignen sich bis zu drei Wochen nach Eintritt der Symptome. Die Milzschwellung kann durch Abtasten des Bauchraumes alleine meist nicht genügend genau bestimmt werden, die Methode der Wahl ist der Ultraschall. Damit kann einerseits die Grösse während der Erkrankung und andererseits auch vor erneuter sportlicher Betätigung gemessen werden.
Erholung – return to sport
Sportler scheinen sich schneller zu erholen als unsportliche Personen. Es gibt unterschiedliche Empfehlungen, wann ein Athlet wieder Sport treiben darf. Grundsätzlich kann man sagen, dass bei guter Erholung, fieberfreiem und asymptomatischem Allgemeinzustand sowie bei normalen Leberwerten mit einem aeroben Training nach drei Wochen ab Krankheitsausbruch begonnen werden kann. Wer diese erste Aufbaustufe gut erträgt, kann nach einer Ultraschallkontrolle bezüglich der Normalisierung der Milzgrösse ab der vierten Woche auch wieder mit Kontaktsportarten beginnen. Erste Wettkämpfe sind nach ungefähr zwei bis drei Monaten möglich. Insgesamt muss aber mit einer vollständigen Rehabilitationsdauer von bis sechs Monaten gerechnet werden. Wie aus den Medien bekannt, kann es aber auch zu deutlich langwierigeren Verläufen kommen, vor allem wenn zu früh und zu intensiv trainiert wird.
Darum ist es wichtig, Geduld zu zeigen und in der Rehabilitationsphase nichts zu forcieren. Der Körper und die Krankheitssymptome bestimmen die Geschwindigkeit der Rehabilitation. Wer darauf nicht achtet, bezahlt mit einer noch längeren Rehabilitation, auch in den Zeiten der Spitzenmedizin.
*Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. Medbase Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base.