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Dein Podcast «Assurance», der von Zalando unterstützt wird und Teil der #shareherpower Campaign ist, ist ein follow-up deines Dokumentarfilms, der die Erfahrungen weiblicher DJs in Nigeria verfolgt. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Juba: Das alles war das Ergebnis von Gesprächen zwischen mir und meiner Cousine, einer in Lagos ansässigen Videografin und Fotografin. Sie hatte grosses Interesse daran, die Gesellschaft und die Jugendkultur zu dokumentieren, und während unserer ersten Assurance-Diskussion arbeitete sie bereits an anderen dokumentarischen Ideen. Meinerseits habe ich immer versucht, die Gesellschaft besonders durch Kunst und Kreativität zu erkunden, und ich habe kürzlich auch selbst mit dem DJing begonnen, mit einem Schwerpunkt auf Musik aus Afrika und der afrikanischen Diaspora. Ich wurde von Mina und Tash LC vom Boko im Djing unterrichtet. Boko, das Kollektiv, dessen drittes Mitglied ich wurde und dessen Fokus darauf liegt, ein Geschlechtergleichgewicht hinter den Decks zu schaffen – wie auch bei meinem Leidenschaftsprojekt. Meine Cousine musste dann aufgrund anderer Verpflichtungen vom Projekt zurücktreten, nun setzte ich es alleine fort.
Erzähl uns mehr über «Assurance». Was ist die wichtigste Message, die du mit deinem Podcast an die Menschen weitergeben möchtest?
Der Titel enthält bereits eine eigene Botschaft. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Dokumentarfilms gab es einen sehr beliebten Song namens Assurance von Davido, einem der grössten Afrobeats-Stars in Nigeria. Das Lied handelt von einem Mann, der «eine Frau niederhält», für sie sorgt und die Frau im Wesentlichen ermutigt, sich auf ihn zu verlassen, um Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Die Wörterbuchdefinition von Assurance ist jedoch das Gefühl des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten.
Den Titel meines Podcasts basierend auf dem Hintergrund des Songs, aber mit Blick auf die offizielle Bedeutung zu setzen, hat die Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt, dass diese Künstlerinnen, gegen die Erwartungen, der (nigerianischen) Gesellschaft, an Frauen verstiessen, indem sie diese unorthodoxe Karriere mit Überzeugung und Vertrauen verfolgten. Ich wollte vermitteln, wie wichtig es ist, nach seinen Zielen zu streben, unabhängig von allem rundherum. Mit dem Podcast untersuche ich die geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Frauen sowie geschlechtsspezifischen Minderheiten in der Musikszene im globalen Süden. Dies, weil ich der Meinung bin, dass die Gespräche über Geschlechtergleichgewichte in der Musik vom globalen Norden dominiert werden, insbesondere wenn es um elektronische Musik und die Clubszene geht.
So sehr ich die Gesellschaft in einem kritischen Sinne erforschen möchte, konzentriert sich der Podcast aber nicht nur auf Negativität und Kampf. Ich spreche darin auch über Fortschritte und versuche, negative Stereotypen zu entlarven. Dies ist ebenfalls eine Botschaft, die ich vermitteln möchte. Aus diesem Grund bitte ich die Gäste im Podcast, die sich positiv für die Vertretung der Geschlechter in der Musik in ihren Regionen einsetzen, den Zuhörern Ratschläge und Einblicke zu geben, um sie zu proaktiven Massnahmen zu inspirieren.
Der erste Dokumentarfilm konzentrierte sich auf Nigeria, da ich dort Wurzeln habe, aber im Podcast spreche ich mit weiblichen DJs aus Ländern wie dem Libanon, Uganda und Japan. Ich möchte, dass die Gespräche augenöffnend, inspirierend und facettenreich sind.
Was denkst du, trägt dazu bei, dass die weibliche Vertretung hinter den Decks, in Show-Lineups und der Musikindustrie weiter zunimmt?
Ich denke, die Gespräche über Frauen in der Musik finden schon seit einiger Zeit statt, und das Bedürfnis nach Veränderung hat langsam aber sicher bei Menschen und Entscheidungsträgern in der Musikindustrie Resonanz gefunden. In den letzten Jahren haben Organisationen, Kollektive und Bewegungen zugenommen, die sich dafür einsetzen, das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Musikindustrie zu beseitigen. Ich bin Teil von Keychange EU, einer von der EU finanzierten Initiative, die darauf abzielt, die Vertretung von Frauen und nicht-binären Personen in der Musikindustrie zu verbessern, indem ausgewogene Festivalaufstellungen gefördert und Workshops, Mentoring- und Networking-Möglichkeiten für Frauen und andere unterrepräsentierte Personen angeboten werden.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kollektive oder Einzelpersonen, die sich mit dem Problem der Unterrepräsentation in der Musik befassen. Viele dieser Kollektive schaffen ihre eigenen Räume und kuratieren ihre eigenen Aufstellungen, die Frauen und geschlechtsspezifische Minderheiten hervorheben. Dies bringt mehr Menschen, die keine Männer sind, hinter die Decks und in andere Bereiche der Musikindustrie, in denen sie möglicherweise zuvor ausgeschlossen wurden.
Du leistest einen erstaunlichen und wichtigen Job, indem du diese Frauen unterstützt. Jetzt wirst von Adidas und Zalando unterstützt. Wie ist das zustande gekommen?
Lustigerweise haben sich Adidas und Zalando an mich gewandt, um in einer anderen Funktion an ihrer #shareherpower-Kampagne teilzunehmen, dies konnte ich leider nicht, da ich (noch) keine eigene Musik produziere. Aber es stellte sich heraus, dass es dennoch ein gutes Timing war, denn zu dieser Zeit hatte ich die Podcast-Idee entwickelt und nach Sponsoring und Partnerschaften gesucht. Also nutzte ich die Gelegenheit und kam mit der Idee einer Partnerschaft zwischen Adidas, Zalando und dem Podcast. Das Team schien meine Vision zu verstehen und nach einigen Besprechungen fuhren wir mit dem Podcast in Zusammenarbeit mit der #shareherpower-Kampagne fort.
Kannst du deine Power mit uns teilen? Was ist dein Geheimnis?
Als ich in meinem letzten Schuljahr war, wollte ich Schulsprecherin werden, aber ich hatte Angst, dass es nicht klappt. Ich war zwar eine gute aber keine herausragende Schülerin. Ich erinnere mich, wie ich mich damals meinem Englischlehrer anvertraute und er sagte: «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt». Ich wurde schlussendlich zwar nicht zur Schulsprecherin gewählt, jedoch hatte ich mich für etwas entschieden und obwohl das schlimmste Szenario eintraf, hatte ich mir zumindest eine Chance gegeben. Dieser Rat und das, was ich aus der Situation gelernt habe, habe ich in meine Power verwandelt.
Meine Power ist eine Kühnheit und Zuversicht, die mich bei der Verfolgung meiner Ziele furchtlos macht. Sie ermutigt mich, ohne zu zögern alles zu tun, was ich will, auch wenn es unerreichbar scheint. Diese Denkweise hat die Idee des Scheiterns für mich auf den Kopf gestellt und weniger beängstigend gemacht. Scheitern mag enttäuschend sein, aber ich verliere nichts, was ich vorher hatte. Ich glaube, dass wir oft nicht das bekommen, was wir wollen, weil wir es nicht versuchen, nicht aufgrund mangelnder Fähigkeiten. «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt» hat mich dazu gebracht, letztendlich mehr zu erreichen.
25. März 2021