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FAQ
Allgemeines
Wie bekomme ich einen Überblick über nachhaltige Entwicklung in der Schweiz?
In der Schweiz wird Nachhaltige Entwicklung anhand von über 120 Indikatoren gemessen. Da diese Indikatoren unterschiedliche Masseinheiten haben, kann man sie einfach addieren um ein Gesamtbild zu bekommen. Dank diesem Überblick kann man rasch Tendenzen und Wechselwirkungen erfassen. Das Bundesamt für Statistik hat ein neues Instrument entwickelt, welches durch das Armaturenbrett eines Autos oder Flugzeugs inspiriert wurde. Mit dem so genannten Cockpit der Nachhaltigen Entwicklung kann der Fortschritt der elf Schlüsselherausforderungen der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2008-2011 des Bundesrates auf einen Blick abgelesen werden.
> Cockpit
Nachhaltige Entwicklung
Was ist Nachhaltige Entwicklung?
"Der Begriff « nachhaltige Entwicklung » entstand 1987 in Genf während der Arbeiten der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Das Konzept ist sehr vielfältig. Den Sinn, den wir ihm geben ist derjenige eines Entwicklungsmodells, das uns erlaubt, die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. (diese Definition entspricht jener der Brundtland-Kommission, 1987, Genf).
Die nachhaltige Entwicklung zielt auf einen Entwicklungsprozess ab, der ein Gleichgewicht zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft schaffen soll und damit diese drei Pole sinnvoll verbindet. Es ist eine Entwicklung, die auf Respekt gegenüber den natürlichen Ressourcen und dem Ökosystem beruht und dabei die ökonomische Effizienz garantiert, ohne die sozialen Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren (Bekämpfung der Armut, des Ungleichgewichts, der Ausgrenzung und der Suche nach Gerechtigkeit).
Nachhaltige Entwicklung ist kein Zustand, es ist eine Perspektive und ein laufendes Projekt (ein Prozess). Der Begriff umschreibt die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt." (Geduc)
Warum eine Nachhaltige Entwicklung?
Heute leben auf der Erde fast sieben Mal mehr Menschen als noch vor zwei Jahrhunderten. Neben der Bevölkerungszahl nehmen auch der private Konsum und das wirtschaftliche und soziale Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Gesellschaften zu. Armut im Süden und kurzfristig gewinnorientierte Unternehmen im Norden provozieren grosse Umweltprobleme. Gravierende Umweltverschmutzung und Naturkatastrophen führten zu einer Hinterfragung des aktuellen Wachstums. Als Lösung gilt eine Nachhaltige Entwicklung, welche langfristiges wirtschaftliches, soziales und ökologisches Wachstum gewährleistet.
Welches sind die Ziele einer Nachhaltigen Entwicklung?
Im Zusammenhang einer Nachhaltigen Entwicklung müssen drei Aspekte berücksichtig werden:
- Wirtschaftlichkeit
- Gerechtigkeit zwischen Nationen, Einzelpersonen und Generationen
- Ökologische Verantwortung gegenüber der Umwelt
Nachhaltiger Wachstum ist nur möglich wenn er wirtschaftlich effizient, sozial gerecht und ökologisch akzeptabel ist. Die Herausforderung einer Nachhaltigen Entwicklung besteht also darin, diese drei Eckpfeiler möglichst gleichzeitig und ausgeglichen zu berücksichtigen.
Welches sind die wirtschaftlichen Aspekte?
Nachhaltige Entwicklung zielt in erster Linie darauf ab, Wirtschaftswachstum durch Effizienzsteigerung zu gewährleisten. Zur Schaffung von Wohlstand ist Wirtschaftswachstum unumgänglich, Produktion und Konsum sollten jedoch nachhaltig sein. Dies beinhaltet einerseits ein sinnvoller Umgang der natürlichen Ressourcen und der Umwelt und andererseits eine Anpassung der internationalen wirtschaftlichen Beziehungen.
Welches sind die sozialen Aspekte?
Nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, menschliche Bedürfnisse zu erfüllen und die soziale Gerechtigkeit zu verbessern. Wichtige Schritte hierzu sind: Zugang zu Bildung, Beschäftigung, medizinische Versorgung, Unterkunft, kulturelle Freiheit, Armutsbekämpfung, Menschenrechte, Beteiligung und Mitbestimmung der Gesellschaft an Zukunftsentscheidungen.
Welches sind die ökologischen Aspekte?
Nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, die Umwelt als ganzheitliches System zu betrachten. Dazu gehören nicht nur die Erhaltung der Artenvielfalt und von natürlichen Ökosystemen, sondern ebenfalls die langfristige Qualitätssicherung. Erwähnenswert gilt der nachhaltige Umgang von natürlichen Ressourcen, Minderung der negativen Einflüsse auf die Umwelt, Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts (Biodiversität, Klima, Wälder, Meere) etc.
Welches sind die Voraussetzungen für eine Nachhaltige Entwicklung?
Das Ökosystem unseres Planeten besitzt eine begrenzte Kapazität Abfälle aufzunehmen und natürliche Ressourcen zu regenerieren. Natürliche Systeme sind durch ungebremsten Konsum und Produktion grosser Abnützung ausgesetzt. Um eine Nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten sind folgende Aspekte erforderlich:
- Die Menge an Abfall und Verschmutzung übersteigt nicht die die Menge welche die Umwelt aufzunehmen vermag
- Der Verbrauch von natürlichen Ressourcen übersteigt nicht die Regenerationsfähigkeit von natürlichen Ressourcen
- Nicht erneuerbare Ressourcen werden durch erneuerbare Ressourcen ersetzt
Die heutige Gesellschaft ist noch nicht fähig all diese Voraussetzungen zu gewährleisten, insbesondere wenn es sich darum handelt alle Punkte gleichzeitig zu erfüllen. Wir müssen also lernen damit umzugehen, dass unsere Erde ein begrenzter Rohstofflieferant und Abfallbehälter ist.
Wie erwerbe ich die Grundlagen für eine Nachhaltige Entwicklung?
Bildung (insbesondere Schulunterricht), Ausbildung und die Sensibilisierung der Bevölkerung sind wichtige Grundlagen für eine Nachhaltige Entwicklung. Diese Punkte führen zu einem erhöhten Problembewusstsein, was wiederum zu einem verantwortungsbewussteren Verhalten führt. Bildung, schulischer Herkunft oder nicht, ist notwendig um Menschen die Fähigkeit zu verschaffen, Probleme hinsichtlich Nachhaltiger Entwicklung zu erfassen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
Wer ist von der Nachhaltigen Entwicklung betroffen?
Die Liste der Betroffenen ist lang, ob es sich um Regierungen, Verbände, private oder öffentliche Institutionen etc. handelt, jeder hat eine Rolle zu spielen. Erfolgreiche Nachhaltige Entwicklung hängt von Individuen und Entscheidungsträgern auf kommunaler, kantonaler, nationaler aber auch globaler Ebene ab. Daher muss jeder Einzelne seine Verantwortung bei beruflichen und privaten Aktivitäten wahrnehmen.
Agenda 21
Was bedeutet Agenda 21?
Der Startschuss zur offiziellen Schweizer Nachhaltigkeitspolitik fiel an der Konferenz von Rio de Janeiro im Jahr 1992, wo sich die Schweiz mit 178 weiteren Staaten zur Agenda 21 bekannte. Dieses globale Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert umfasst ein Leitpapier mit 40 Punkten. Weil zahlreiche Zusammenhänge zwischen globaler und lokaler Ebene bestehen, weist die Agenda 21 den lokalen Gebietskörperschaften eine Schlüsselrolle zu. Nachfolgend einige Beispiele: Armut, Klimawandel, Ausdehnung der Wüste, Abholzung, Wasserverschmutzung, Bodenerosion, Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern…
Was ist eine "Lokale Agenda 21"?
Kapitel 28 der Agenda 21 gibt den Lokalbehörden – insbesondere den Gemeinden – ausdrücklich den Auftrag die Nachhaltige Entwicklung auch auf lokaler Ebene zu fördern. Damit verbunden ist die Aufforderung, die Bevölkerung und weitere relevante lokale Akteure wie Vereine, Vereinigungen und Betriebe zu involvieren. Zentrales Anliegen ein LA21 ist deshalb die umfassende Einbindung aller Akteure der Nachhaltigen Entwicklung in die Gemeindepolitik. Ein Drittel der Schweizer Bevölkerung lebt in einer Gemeinde mit einer Lokalen Agenda 21. Typische Themen einer LA21 sind Verkehr und Mobilität. Raumplanung, Natur und Landschaft, Sensibilisierung und Bildung, Kommunikation, Energie und Tourismus.
Welche sind die Ziele einer "Lokalen Agenda 21"?
Die Prozesse im Sinn einer „Lokalen Agenda 21“ sind je nach Gemeinde sehr unterschiedlich ausgestaltet. Doch überall haben sie dasselbe Ziel: Sie möchten partnerschaftlich den Weg in eine wirtschaftlich effiziente, ökologisch verträgliche und sozial gerechte Zukunft beschreiten. Ein offizieller Nachhaltigkeitsprozess ist ein fortlaufender Optimierungsprozess, der folgende Etappen umfasst: Bestandesaufnahme, Zielsetzung, Aktionsprogramm, Umsetzungsphase sowie eine Auswertung als Grundlage für weiterführende Aktionen. Nachfolgend einige Beispiele: Förderung von Gesundheit und einer sauberen Umwelt, Verbesserung von Lebensqualität und Lebensraum, soziale Gerechtigkeit, Sicherstellung wirtschaftlicher Existenz…
Wer ist verantwortlich für die Ausarbeitung einer "Lokalen Agenda 21"
Da ein Engagement der Politik unumgänglich ist, sind für die Ausarbeitung einer "Lokalen Agenda 21" in erster Linie lokale Gemeindevertreter verantwortlich. Bei der Umsetzung sind jedoch alle lokalen Akteure involviert, dass heisst der Erfolg hängt stark von der Beteiligung der Bevölkerung ab. Vielfach basiert eine Agenda 21 auf einem Führungsorgan, mehreren Arbeits- / Interessengruppen und auf einer öffentlichen Diskussion. Umfragen in der Bevölkerung, von verschiedenen Vereinen und Schulklassen etc. dienen zur Bestandesaufnahme der Bedenken und Bedürfnissen in der Gesellschaft.
Welches sind die verschiedenen Schritte einer Agenda 21?
Der erste Schritt einer Agenda 21 ist eine umfassende Diagnose der Region bezüglich der Kriterien einer Nachhaltigen Entwicklung. Basierend auf dieser Bestandesaufnahme wird ein Leitpapier erstellt, welches die Herausforderungen für die Gesellschaft enthält. Schlussendlich wird ein Aktionsprogramm mit konkreten Projekten zusammengestellt. Eine "Lokale Agenda 21" enthält kurz-, mittel – und langfristige Ziele, Strategien und Mittel um diese zu erreichen, beteiligte Akteure und Partner und schliesslich Bewertungskriterien für die Auswertung der Umsetzung.
Warum soll ich mich für eine Agenda 21 engagieren?
Mit Hilfe einer Agenda 21 werden für gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen auf lokaler Ebene, kohärente und umfassende Lösungen gesucht. Eine Agenda 21 besteht aus einem Leitpapier und einem Aktionsplan, welche es erlauben die Region dynamischer zu gestalten. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung, werden auch soziale Entwicklung und Umweltschutz mitberücksichtigt.
Welchen Nutzen zieht die Bevölkerung von einer Agenda 21?
Neben dem Auftrag für ein verantwortungsvolles Verhalten der Behörden gegenüber der Bevölkerung, ermöglicht eine Agenda 21 der Bevölkerung sich aktiv an der Zukunftsgestaltung zu beteiligen. Ein Beteiligngsprozess fördert soziale Bindungen und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft und Region, wodurch sich die Mitbewohner sozial und ökologisch verantwortungsbewusster verhalten.
Was für Fortschritte kann man bei einer Agenda 21 beobachten?
Eine "lokale Agenda 21" leistet einen grossen Beitrag zu einer Verbesserung von Dienstleistungen, Wohn – und Lebensqualität und Mobilität. Durch diese Attraktivitätssteigerungen erhält die Region ein besseres Image bei einzelnen Personen und Unternehmungen. Eine „lokale Agenda 21“ spielt also die Rolle als Träger der lokalen Entwicklung und führt im Idealfall zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.