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Studienauftrag auf Einladung: 2018
Bauherrschaft: Tellco AG
Mitarbeit: Johannes Walterbusch, Fanni Müller
Landschaftsarchitektur: Müller Illien Landschaftsarchitekten
«Die Gesellschaften sind zunehmend komplex und ungleichartig geworden, die Städte vielgestaltiger und fragmentierter»
Vittorio Magnano Lampugnani in «Die Stadt von der Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert»
Ein dichtes Konglomerat
Das Areal Heinrich liegt am Rande der gründerzeitlichen Stadterweiterung des zwanzigsten Jahrhunderts direkt neben dem Bahndamm. Ausserhalb des Bahndammes entwickelten sich durch die Ansiedlung von Löwenbräu, Steinfels und Escher Wyss im Verlauf des Jahrhunderts grossmasstäblich und heterogen bebaute Industrieareale heraus. Stadtseitig des Bahndammes wurde das gründerzeitliche Strassenraster mehrheitlich mit grossen zusammenhängenden Blockrandbauten der Genossenschaften überbaut. Auf dem neu zu beplanenden Areal treffen die beiden Welten von Arbeiten und Wohnen in Form einer heterogenen Bebauung von verschiedensten Hallen und Gewerbebauten, verwinkelten Gassen, Höfen und einem gründerzeitlichen Blockrandfragment an der Limmatstrasse aufeinander.
Die von uns vorgeschlagene Bebauung orientiert sich an der vorgefundenen Heterogenität und Vielfalt des Ortes und trägt durch die Weiterführung des vertrauten Bebauungsmusters und der Aussenräume zu einer organischen Weiterentwicklung des Ortes bei. Die Gesetzmässigkeiten der verschiedenen Masstäbe der Baukörper und Höfe des Areals werden aufgenommen und auf die neue Bebauung übertragen. Die Erweiterung besteht aus vier unterschiedlichen Baukörpern, die sich um einen Hof gruppieren. Diese werden so auf das Areal gesetzt, dass sie zu den umliegenden Strassenräumen, zum Viadukt und auch zur Gründerzeitbebauung an der Limmatstrasse räumlich unterschiedliche Beziehungen aufbauen und sich so mit dem Quartier verzahnen. Gassen und schmale Durchgänge, vernetzten den Strassenraum mit dem Hof, offene gerüstartige Erschliessungsgänge und -türme die Baukörper mit dem Aussenraum.
Von der Heinrichstrasse und auch vom Viadukt etwas zurückversetzt in der zweiten Baureihe steht der Wohnturm im Zentrum des neuen Konglomerats. Zusammen mit dem Hof bildet er den Schwerpunkt des Gevierts. Er orientiert sich zum Viadukt hin, der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über die Heinrichstrasse und den Hof oder vom Viadukt. Die leichte Verformung in der Vertikalen verbindet das Hochhaus ikonographisch mit den ebenfalls plastisch geformten Türmen im Löwenbräu Areal und dem Siloturm im Dreieck der Viadukte. In der Höhe (62.6 m) ordnet sich der neue Turm zwischen den beiden Bestehenden (70 m und 46 m) ein.
Die Aussenräume werden ihrer Bedeutung gemäss unterschiedlich formuliert. Zum Viadukt hin markiert das Hochhaus den bedeutenden öffentlichen Aussenraum durch einen kleinen eingezogenen Vorplatz mit publikumsorientierten Nutzungen (Restaurant, Läden). Eine Baumgruppe stärkt den platzartigen Charakter. Die Baumreihe der Heinrichstrasse soll zu einer städtischen Allee ergänzt werden, verschiedene gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss sollen die Strasse beleben. Die entspannte Stimmung in der Roggenstrasse, einer ruhigen Quartierstrasse, wird durch erdgeschossige Wohnateliers gestärkt. Der Gartenraum und das bestehende Gartenrestaurant auf der Rückseite der Gründerzeitbauten an der Limmatstrasse wird durch die zusätzliche Bepflanzungen als grüne Oase im Geviert gestärkt. Im Gegensatz dazu ist der neue Hof – ein urbaner Ort der Begegnung – geprägt durch ein grosses Wasserbecken und die Zugänge und offenen Laubengänge der vier angrenzenden Häuser.
Auf Grund der baulichen Verdichtigung sollen die Dächer den BewohnerInnen und Bewohnern zugänglich gemacht werden. Sie werden verschieden ausgebildet damit sie unterschiedlich genutzt werden können. Das Dach des Hochhauses krönt ein Stadtgarten für die Gemeinschaft mit Föhren, Flieder und Felsenbirnen. So können auch die Bewohner der unteren Geschosse vom Hochhauswohnen profitieren. Das Dach des Stadthauses an der Heinrichstrasse wird mit Photovoltaikelementen und extensiver Begrünung zum Powerdach. Das Genossenschaftsdach des Wohnhauses an der Roggenstrasse kann durch die Hausgemeinschaft vielfältig genutzt werden. Kleine Aufbauten für ein Gästezimmer, die Waschküchen und Trocknungsräume sowie Pergolas und «Urban Gardening» sorgen für eine natürliche vielfältige Lebendigkeit. Das Dach des Hofhauses wird zum aneigenbaren Freiraum, zum Begegnungsdach für alle. Der begrünte wilde Garten bietet Platz zu vielfältigem Spiel, Picknicken und Grillieren, entspanntem Lesen und für verschiedene Formen der Kommunikation.
Die Verbindung unterschiedlicher Baukörper zu einem dichten Konglomerat schafft einen Bezug zu den gewachsenen Industriearealen des Quartiers. Gleichzeitig erlaubt das Konzept der heterogenen Bautypen eine weitestgehend flexible Entwicklung in einer Weiterbearbeitung und im gesamten Planungsprozess.