Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/2108

Klimawandel erhöht das Risiko von Kinderehen
Wie der Klimawandel Kinder und Jugendliche in Indien gefährdet: Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember macht Terre des hommes, führendes Schweizer Kinderhilfswerk, auf seine kürzlich veröffentlichte Studie aufmerksam.
Kinderarbeit, sexuelle Gewalt und Kinderehen – die Häufigkeit und Intensität von klimabedingten Extremereignissen erhöhen das Sicherheitsrisiko von Kindern und Jugendlichen in Indien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Terre des hommes (Tdh), welche ermittelt hat, wie gefährlich die Folgen des Klimawandels für Kinder und Jugendliche in der Sundarbans-Region in Indien sind. Die Studie beleuchtet die grundlegenden Auswirkungen auf die Migration, Gesundheit und den Kinderschutz.
Klimakrise verschärft Armut
Die Sundarbans-Region liegt im Golf von Bengalen und gilt als eine der weltweit am stärksten gefährdeten Gegenden durch die Klimakrise. Umweltveränderungen wie der Anstieg des Meeresspiegels und immer häufiger auftretende extreme Wetterereignisse drängen finanziell angeschlagene Familien in extreme Formen der Armut. Infolgedessen sind Kinder und Jugendliche verstärkt Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt, wie etwa Kinderheirat oder Kinderhandel.
«Für Kinder führt die Unterbrechung des normalen Lebens aufgrund extremer Wetterereignisse oft zu Trauma und Leid. Es gibt praktisch keine Angebote, die sie dabei unterstützen, das Erlebte zu verarbeiten», sagt Kyra Marwaha, Tdh Delegationsleiterin von Indien und Nepal.
Die Studie zeigt, dass Kinder in den Sundarbans vermehrt von ihren Eltern oder Betreuungspersonen ausgeführter Gewalt ausgesetzt sind, da diese selbst unter Stressfaktoren leiden, die vom Klimawandel ausgelöst werden. Zu diesen Faktoren zählen beispielsweise Sorgen um ihre finanzielle Situation und Unterkunft sowie um den Verlust ihrer Lebensgrundlage. Viele Eltern migrieren, um Arbeit zu finden, und lassen ihre Kinder zurück. Die Kinder müssen dann oftmals die Schule abbrechen, um zu arbeiten oder im Haushalt mitzuhelfen.
Zunehmendes Risiko von Kinderehen
Die Sundarbans sind bekannt für die hohe Anzahl an Fällen von Mädchenhandel und Kinderehen. In den letzten 10 Jahren wurde jedoch ein verstärkter Anstieg der Verheiratung von minderjährigen Mädchen beobachtet. Oft unterstützen Eltern solche Eheschliessungen, weil im Haushalt finanzielle Mittel fehlen, um die Grundbedürfnisse ihrer Kinder zu decken. Ein Mädchen aus dem Dorf Gosaba berichtet:
«Meine Eltern haben die Entscheidung für meine Heirat getroffen, weil sie an meine Sicherheit dachten. Ich wollte nicht so früh heiraten, aber es gab niemanden zu Hause, der sich um mich kümmern konnte.»
Kinderheiraten stellen sowohl für Jungen als auch für Mädchen erhebliche Gefahren dar: Jungen sind gezwungen, für den Unterhalt ihrer Familien zu sorgen und werden in jungem Alter in missliche Arbeitsverhältnisse gedrängt. Mädchen sind mit Teenagerschwangerschaften und Einschränkungen in ihrer Bildung konfrontiert, die ihre Zukunft belasten und sie in prekäre Verhältnisse bringen.
Kinder müssen an Lösungsfindung beteiligt werden
Für Kinder in den Sundarbans gibt es nur wenige Möglichkeiten, über katastrophenbedingte Risiken zu sprechen und ihre Ansichten mitzuteilen. Ihre Meinungen werden selten berücksichtigt und ihre Stimme bleibt weitgehend ungehört. «Es ist unbedingt notwendig, dass Kinder und Jugendliche aktiv an der Suche nach Lösungen für die Klimakrise beteiligt werden», sagt Kyra Marwaha. «Wir müssen ihnen zuhören und eine sichere Umgebung für sie schaffen, damit sie ihre Stimme einbringen können.»
Zugang zur Studie von Terre des hommes und dem South Asia Consortium for Interdisciplinary Water Resources Studies (SaciWATERs): kurze Version/ lange Version.
Für weitere Informationen:
Anna Bertschy, Medienreferentin
<email-pii> +41 58 611 07 44
Die Stiftung Terre des hommes (Tdh) ist das führende Kinderhilfswerk der Schweiz. Im Jahr 2021 haben wir zwei Millionen Kinder und Mitglieder ihrer Gemeinschaften auf der ganzen Welt unterstützt und besonderen Wert auf die Gesundheit von Mutter und Kind, den Zugang zur Justiz und die Migration von Kindern und Jugendlichen gelegt. Wir schulten Personen, die ihrerseits weitere 3,1 Millionen Kinder und Mitglieder ihrer Gemeinschaften unterstützten. www.tdh.ch
Quelle Bild: ©Tdh