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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Fünftes Buch
21. Dazu reicht weltliche Weisheit und schuldloses Leben nicht hin.
Von Gott darf man nicht mit menschlichen Maßstäben denken. Denn wir besitzen kein solches Wesen, daß es mit eigener Kraft sich zu himmlischer Erkenntnis zu erheben vermöchte. Von Gott muß man erfahren, was an Erkenntnis möglich ist, sofern es Gott betrifft; denn er wird nur unter seiner Hilfe erkannt. Mag auch ausführliche Lehre weltlicher Weisheit zu Gebote stehen, mag Reinheit des Lebens da sein: das wird zwar zu einem frohen Zustand des Bewußtseins von Nutzen sein, nicht aber wird es die Erkenntnis Gottes erreichen. Moses wurde als Sohn der Königin angenommen, wurde in aller Wissenschaft der Ägypter unterrichtet;1 als er aber im Aufwallen seines Gemütes das Unrecht an dem Hebräer durch den Tod des Ägypters gerächt hatte,2 da wußte er nichts vom Gott der väterlichen Segnungen. Denn [erst], als er aus Furcht wegen des verübten Totschlages Ägypten verließ und im Lande Madian Schafhirt war, sah er im Busch die Flamme lodern, ohne daß der Busch verbrannte; er hörte Gott, er fragte seinen Namen, er erkannte sein Wesen.3 Denn diese Erkenntnisse über Gott waren unmöglich, es sei denn, sie wurden von Gott gewährt. Man darf also von Gott nicht anders sprechen, als er selbst zu unserer Belehrung von sich gesprochen hat.
1: Apg 7,22
2: Ex 2,12
3: Ex 3,1ff