Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03150.jsonl.gz/252

There Will Be Blood, film de Paul Thomas Anderson, 2007
Internationale Wirtschaftsmacht: Von Staaten, Erdöl und der Schweiz
Mehrere Panels der Schweizerischen Geschichtstage führen Spezialistinnen und Spezialisten der Wirtschafts- und Finanzgeschichte zusammen. Sie analysieren die wirtschaftliche Globalisierung, welche von der frühen Neuzeit bis heute unsere Welt prägt.
Der Historiker Fernand Braudel, ein Denker der longue durée, schrieb, dass der Kapitalismus der Frühen Neuzeit (15.–16. Jahrhundert) anders funktionierte als bisherige Wirtschaftssysteme, die auf Wettbewerbsfähigkeit und Transparenz beruhten. Er charakterisierte den Kapitalismus folgendermassen: hochgradig spekulativ, komplex, undurchsichtig und auf Monopolen basierend. Entgegen der landläufigen Meinung argumentierte Braudel, dass sich der Kapitalismus nur dann durchsetzen konnte, wenn er sich mit dem Staat vermischte, wenn er Staat wurde. Mit dieser mächtigen Fusion zwischen Kapitalismus und Staat im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts befassen sich Historikerinnen und Historiker im Panel A symbiotic relationship? State power and early modern capitalism. Ein Panel mit dem Titel Puissance et finance führt diese Reflexion bis in die heutige Zeit fort. Welche Rolle spielen Staaten und welche Aspekte der Macht verbergen sich hinter dem Erlass von Regulierungsvorschriften für das internationale Finanzsystem, die als lediglich technisch dargestellt werden? Oder hinter Geschäftsgängen wie der Ausgabe von Anleihen, die auf den ersten Blick rein wirtschaftlich erscheinen? Wer sind die Hauptakteure der finanziellen Globalisierung des 20. Jahrhunderts?
Im Mittelpunkt der internationalen Wirtschaftsmacht stehen Energierohstoffe. Wie das Panel Energie und Macht erklären wird, hat die Sowjetunion dies sehr früh erkannt. Bereits 1920 setzten ihre Machthaber auf die enormen Erdölreserven, um die Entwicklung des Staates voranzutreiben. Das schwarze Gold: Ein Rohstoff, eine Waffe, ein Lebenselixier der heutigen Welt. Seit dem Ende der 1950er Jahre ist die Waffe Erdöl zum wirkungsvollsten Druckmittel in der Welt der Wirtschaft und der politischen Beziehungen geworden. Die Erdölkrise von 1973, welche Volkswirtschaften auf der ganzen Welt erschütterte, machte deutlich, dass es nicht möglich ist, die internationale Wirtschaftsmacht zu verstehen, ohne die Rolle des Öls mit einzubeziehen. Mit Professor David S. Painter von der Georgetown University wird das Panel Rohstoffe als Waffen einen der international bedeutendsten Spezialisten der Geschichte des Erdöls begrüssen dürfen.
Und die Schweiz? Mehrere Panels der Schweizerischen Geschichtstage befassen sich mit der Internationalisierung der schweizerischen Wirtschaft. Das Doppelpanel Globale Schweiz wird diskutieren, wie die schweizerische Wirtschaft seit der Kolonialzeit durch die Aktivitäten von Händlern, Missionarinnen und Missionaren sowie reisenden Forschern nach Asien, Afrika und Amerika expandierte. Diese Reflexion wird im Panel Multinationales suisses après 1945 fortgeführt, welches sich mit der Rolle und der Bedeutung schweizerischer Grossfirmen in der Globalisierung befasst.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Prof. Janick Marina Schaufelbuehl: <email-pii>