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Monatsbeiträge
Dezember 2019, Christian Märki
Eine Ehrenurkunde
Die Kirchgemeinde Gontenschwil / Zetzwil konnte dieses Jahr ihr 400 Jahr-Jubiläum feiern. Durch Urteilsspruch der Berner Obrigkeit vom Februar 1619 wurden die Streitigkeiten zwischen den Dörfern Gontenschwil und Zetzwil wegen der Kostentbeteiligung in kirchlichen Belangen entschieden und damit die Grundlage für die Kirchgemeinde Gontenschwil/Zetzwil als eigenständiger Gebietskörperschaft gelegt. Wie in allen Berner Kirchgemeinden amtete auch in Gontenschwil/Zetzwil ein Chorgericht, das sich aus Gemeindemitgliedern zusammensetzte und in dem der Untervogt den Vorsitz hatte und der Pfarrer das Protokoll führte. Nach dem Fall des Ancien Régime und der Gründung des Kantons Aargau wurde diese Institution unter der Bezeichnung «Sittengericht» weitergeführt; neu führte der Gemeindeammann den Vorsitz. Im Jahr 1868 wurde mit dem kantonalen Gesetz über die «Organisation der Kirchgemeinden» die Kirchenpflege geschaffen, wie sie heute noch existiert.
Im Laufe der Zeit engagierte sich eine Vielzahl von Gemeindemitgliedern in der Kirchenpflege, manchmal jahrzehntelang. Von der Arbeit des Kirchenpflegemitglieds Rudolf Stauber hat sich eine Ehrenurkunde erhalten, welche ihm zum Rücktritt aus der Kirchenpflege nach zwanzigjähriger Zugehörigkeit überreicht wurde. Aus den Protokollen der Kirchenpflege geht hervor, dass Rudolf Stauber in der Weihermatt in Zetzwil wohnhaft war. Stauber gehörte, wie aus der Ehrenkunde hervorgeht, der Kirchenpflege von 1910 bis 1930 an. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm an Ostern 1930 die untenstehende Urkunde gewidmet.
Die Urkunde weist die Masse 50 x 36 cm auf und ist in einem Holzrahmen gefasst; das Glas ist gesprungen. Die Urkunde zeigt die Gontenschwiler Kirche von Südwesten; über der Kirchentüre ist noch das alte Vordach zu sehen. Neben der Kirche sind Grabsteine erkennbar. Der Text der Urkunde ist kalligraphisch ausgeführt; in die Grossbuchstaben E und U sind Engel mit Blumenranken gezeichnet. Die besonders aufwändig gezeichneten Grossbuchstaben waren ursprünglich wohl rot gefasst, die Farbe ist jedoch verblichen. Die Urkunde ist unterzeichnet von Rudolf Läser, Gemeindeammann, welcher die Kirchenpflege von 1930 bis 1933 als Präsident leitete, und Pfarrer Fritz Buhofer, der von 1914 bis 1951 Pfarrer in Gontenschwil war.
Aus den Protokollen der Kirchenpflege geht hervor, dass die Urkunde für Rudolf Stauber eine von dreien war, welche Hans Keller, Lehrer in Gontenschwil, im Auftrag der Kirchenpflege, der er angehörte, eigenhändig anfertigte. Die drei Urkunden wurden 1930 den aus der Kirchenpflege scheidenden Mitgliedern Samuel Frey, Präsident, Heinrich Müller und Rudolf Stauber überreicht. Kellers Aufwand wurde mit Fr. 50.- vergütet.
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Dokument
- Titel:Eine Ehrenurkunde
- Autor:Christian Märki
- Veröffentlichung:1. Dez. 2019
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Quellen
- Kirchenpflegeprotokolle vom 14. Januar 1930, 11. März 1930 und 04. April 1930
- Kirchengeschichte Gontenschwil / Zetzwil, bearbeitet von Rolf Bolliger und Markus Widmer-Dean, Gontenschwil 2019
- Andreas Steigmeier: 200 Jahre Helvetik – Kirche und Staat in den letzten 200 Jahren, Vortrag an der Feier «200 Jahre Kirchenrat» der Reformierten Landeskirche Aargau, am 15. November 1999 im Tagungs-Zentrum Rügel
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Anmerkungen
- Der Autor dankt Herrn Rolf Bolliger, Gontenschwil, für die Aufbereitung der Protokolle der Kirchenpflege und Hinweise zum Empfänger der Urkunde.