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Willkommen zum ersten Teil unserer Blogserie über die wichtigsten Themen rund um Term Sheets in Finanzierungsrunden.
Sowohl aus Sicht des Investors als auch aus Sicht des Startups geht es letztlich um drei Dinge in einer Finanzierungsrunde: Geld, Macht und Kontrolle.
In dieser Blogserie geht es um die wichtigsten wirtschaftlichen Komponenten des Term Sheets: Bewertung und Investitionsbetrag. Genauer gesagt um die Unterscheidung zwischen Pre-Money- und Post-Money-Bewertung.
Der Unterschied zwischen den beiden Begriffen kann vereinfacht so zusammengefasst werden:
- Die Pre-Money-Bewertung ist der Wert eines Unternehmens, bevor der potenzielle Investor Geld investiert hat;
- die Post-Money-Bewertung ist die Pre-Money-Bewertung plus den Betrag, den ein Investor investiert (oder investieren will).
Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Begriffen ist wichtig, um zu berechnen, wie gross der Anteil ist, den der Investor für seine Investition erhält.
Das Term Sheet in der Finanzierungsrunde
Nachdem Startups die ersten Meilensteine erreicht haben, kommt oft der Zeitpunkt, an dem Unternehmer neues Kapital durch Investoren aufnehmen wollen, damit ihr Startup weiterwachsen kann. Bevor der Investor in ein Unternehmen investiert, wird typischerweise ein Term Sheet als Grundlage für die späteren Verträge ausgehandelt. Das Term Sheet gibt den Rahmen für die Aushandlung der späteren Verträge vor (insb. Investitionsvertrag und Aktionärsbindungsvertrag). Obwohl ein Term Sheet den Investor nicht verpflichtet, tatsächlich einen bestimmten Geldbetrag zu investieren, sind die ausgehandelten Konditionen in der Praxis verbindlicher als viele Unternehmer denken.
Bewertung und Preis
Die Bewertung eines Unternehmens und damit der Preis pro Aktie entscheidet letztlich darüber, wie hoch der Anteil ist, den ein Investor für sein Investment erhält.
Doch wie lässt sich der Unternehmenswert berechnen? Nehmen wir dafür ein einfaches Beispiel:
Ein Unternehmer gründet eine Gesellschaft in Form einer Schweizer Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von CHF 100’000, eingeteilt in 100 Aktien mit einem Nennwert von CHF 1.
Einfach ausgedrückt, beträgt der Wert des Unternehmens unmittelbar nach der Gründung CHF 100’000.
Das Unternehmen entwickelt nun eine revolutionäre App, mit der es im Laufe der Zeit ein solides Einkommen erwirtschaften kann. Nach zwei Jahren ist der Kontostand der Gesellschaft bei CHF 500’000 und es gibt keine offenen Verbindlichkeiten und keine weiteren Vermögenswerte ausser Bargeld.
Wie viel ist das Unternehmen jetzt wert? Sind es CHF 500’000? Oder ist die Gesellschaft aufgrund der revolutionären App (die weiterwachsen wird) noch viel mehr wert?
Um diese Frage zu beantworten, gibt es verschiedene Bewertungsmethoden (z.B. die Discounted-Cashflow-Methode). Auf die spezifischen Bewertungsmethoden gehen wir in diesem Blogpost nicht im Detail ein, da diese mindestens einen eigenen oder viele weitere Blogposts füllen könnten.
Nehmen wir für unseren Fall daher vereinfacht an, dass das Unternehmen und der Investor sich auf eine Bewertung von CHF 1’000’000 für das Unternehmen einigen können.
Nun gibt es zwei verschiedene Bewertungsarten die mit dem Investor vereinbart werden können: Pre-Money und Post-Money Bewertung:
Pre-Money-Bewertung
Die Pre-Money-Bewertung ist der Wert, mit dem der Investor (und der Unternehmer) das Unternehmen heute, vor der Investition, bewertet. In unserem vereinfachten Beispiel würde die Pre-Money-Bewertung CHF 1’000’000 betragen.
Post-Money-Bewertung
Die Post-Money-Bewertung ist die Pre-Money-Bewertung plus den vom Investor investierten Betrag.
Um auf unser Beispiel zurückzukommen, nehmen wir an, dass der Investor beabsichtigt, CHF 250’000 zu investieren. Das bedeutet, dass die Post-Money-Bewertung des Unternehmens CHF 1’250’000 betragen würde.
Wie viele Aktien wird der Investor für seine Investition von CHF 250’000 erhalten?
Diese Rechnung ist einfach: Anteil des Investors = Investition / Post-Money-Bewertung
Mit einer Investition von CHF 250’000 und einer Post-Money Bewertung von CHF 1’250’000 erwirbt der Investor einen Anteil von 20% am Unternehmen (250’000/1’250’000).
Bei einem Aktienkapital von CHF 100’000 vor der Investition bedeutet dies, dass das Aktienkapital um CHF 25’000 erhöht werden muss (1’000 Gründeraktien sind 80% nach der Investition; d.h. 20% = 250 Aktien zu je CHF 100 Nominalwert).
Vorsicht Bewertungsfalle!
Wenn Investoren sagen: „Ich investiere CHF 250’000 bei einer Bewertung von CHF 1’000’000“, meint dieser in der Regel die Post-Money-Bewertung. In unserem Beispiel würde dies bedeuten, dass die Pre-Money-Bewertung nur CHF 750’000 betragen würde.
In diesem Szenario würde der Anteil des Investors nicht nur 20% sondern 25% (250’000/1’000’000) betragen. Unternehmer sollten daher immer sicherstellen, dass sie sich mit dem Investor über die Art der Bewertung im Klaren sind, sprich ob sie die Pre-Money- oder Post-Money-Bewertung meinen.