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Quelltypisierung mit fliessendem Übergang
Entsteht ein Engpass für den sich langsam dahinbewegenden Grundwasserstrom unter der Erdoberfläche, tritt er als Quelle zutage. Die Vielfalt an Erscheinungsformen von Quellen ist trotz des eigentlich einfachen Prinzips gross. Zur Übersicht und zum besseren Verständnis wurden sie geologisch danach typisiert, wie das Wasser unterirdisch gestaut und geleitet wird. Da aber die Art der Wasserführung im Untergrund für das Erscheinungsbild und die ökologischen Bedingungen in den Quellen weniger bedeutsam ist, basiert eine gängigere Klassifizierung auf der Art des Wasseraustritts.
Hier werden im Wesentlichen drei Typen unterschieden, wobei die Übergänge im wahrsten Sinne des Wortes fliessend sind. Sickert das Wasser in kleineren Mengen auf einer mehr oder weniger grossen Fläche aus dem Boden, spricht man von Sumpf- oder Sickerquellen. In Weiherquellen erfolgt der Wasseraustritt aus dem Erdreich in eine darüber liegende wassergefüllte Mulde und fliesst dann an einem Überlauf als Quellbach ab. Bachanfänge, deren Wasser rasch fliessend und mehr oder weniger punktuell an die Oberfläche tritt, werden den Fliess- oder Sturzquellen zugeteilt. Letztere wurden für den Schweizer Jura weiter unterteilt in Alluvialquellen, Karst-Fliessquellen, Kalksinter-Fliessquellen, unversinterte Fliessquellen und lineare Quellen, zu denen die meisten unbeeinträchtigten Quellen des Baselbieter Juras gezählt werden können.
Kühler, klarer und nährstoffarmer Lebensraum
Wegen des plötzlichen und zuweilen eindrucksvollen Erscheinens des Wassers sind Quellen ein faszinierendes Gewässerelement. Sie zeichnen sich durch ganz spezielle Bedingungen aus, welche die Zusammensetzung ihrer Lebensgemeinschaften entscheidend beeinflussen. Neben den verschiedenen Quellaustrittsformen, der Geologie des Untergrundes oder der Schüttung, das heisst der austretenden Wassermenge pro Zeit, spielen dabei auch Höhenlage, Temperatur und Besonnung eine Rolle. Die fast konstante Temperatur des Quellwassers entspricht etwa der mittleren Jahrestemperatur der Region – sie ist somit im Sommer kühler und im Winter wärmer als die Umgebung. Ist das Wasser jedoch erst wenige Wochen oder Monate vorher versickert, können die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede bei ihrem Quellaustritt relativ hoch sein.
Häufig sind die Pflanzen in und um Quellen keine eigentlichen Quellspezialisten, sie sind lediglich an feuchte bis nasse und kühle Gebiete angepasst. Als charakteristisch für Quellgebiete und -bäche sind einerseits Kiesel- und Rotalgen und andererseits Moose zu nennen. Die im Wald gelegenen Quellfluren auf den Kalktuffkaskaden im Dübachtal in Rothenfluh zum Beispiel werden vom Tuff-Starknervenmoos ( früher: Cratoneuron commutatum
) dominiert. Im Offenland säumt häufig ein dichter Pflanzengürtel aus Hochstauden
die Quellen. Auch an den Randbereichen der Fliessquellen können sich höhere Pflanzen wie das Bittere Schaumkraut (), die Echte Brunnenkresse () oder der Schmalblättrige Merk (Berula erecta
) ansiedeln – alle regional gefährdet und deshalb besonders schützenswert.
Nur bei genauem Hinsehen entdeckt man die Vertreter der Quellfauna. Viele Tiere in und an Quellen sind kleine Wirbellose beziehungsweise deren Larven im Grössenbereich von einigen Millimetern bis etwa zwei Zentimeter. Insekten, Krebstiere und Weichtiere wie Schnecken oder Muscheln gehören genau so dazu wie Strudelwürmer und Wassermilben. Pflanzenreste aus Falllaub oder von Quellbewohnern selbst und in geringerem Umfang tote Tierkörper aus der Quelle und der Umgebung bilden in Waldquellen, einem grossen Teil der Quellen der Region um Basel, ihre Nahrungsgrundlage.
Als einziger regelmässiger Vertreter der Wirbeltiere in diesem Lebensraum ist der Feuersalamander (), der Steinfliege (Plectoptera sp.) oder dem Höhlenflohkrebs () könnten sie so etwas wie die «flagship species» für Schutzprojekte des Quell-Lebensraumes sein – das heisst Sympathieträger der Quellfluren.
Wenn Mobilität einen Lebensraum in Gefahr bringt
Dass die Nutzung von Quellwasser als Trinkwasser eine lange Tradition hat, liegt wohl daran, dass dieses Wasser in der Regel eine gute Qualität aufweist. Es ist noch nicht verschmutzt durch Abwässer, Landwirtschaft und Wassernutzung unterschiedlichster Art. Eine Intensivierung der Nutzung hat aber eine Beeinträchtigung der Lebensgemeinschaften und einen massiven Verlust der Biodiversität zur Folge. Durch Quellfassungen, Drainage
n und Verrohrungen, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Strassenbau, sowie durch Grundwasserentnahmen, Zufluss von Dünger und Pestiziden oder durch Beweidung werden die Quell(flur)-Lebensgemeinschaften stark beschädigt.
Während der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg wurden viele Quellen durch Drainage
n aus der Landschaft verbannt. Der Rückgang unbeeinträchtigter Quell-Lebensräume in der Schweiz hat aber schon früher eingesetzt. Viele Eingriffe im Kulturland sind weit über das hinausgegangen, was aus landwirtschaftlicher Sicht notwendig gewesen wäre. Es widerspiegelt nicht nur unseren übertriebenen Ordnungssinn, sondern auch unser massloses «In-Besitz-nehmen». Das Verschwinden von kleinen, unscheinbaren Quellbewohnern scheint dabei von geringerer Bedeutung zu sein.
Damit der Wert dieser Lebensräume ermittelt und ein Schutzkonzept überhaupt formuliert werden kann, müssen ihre Lage, ihre Struktur und auch ihre Fauna und Flora erfasst und bekannt gemacht werden. Die Dringlichkeit und unsere Verantwortung zum Schutz und zur Förderung dieser Quell-Lebensräume wird langsam erkannt. Erste nationale und regionale Projekte wurden und werden initiiert und umgesetzt.
EB/DK