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Epaphras stammte aus Kolossä und war ein Gläubiger, der die Gefangenschaft in Rom mit Paulus teilte. In seinem Brief an die Kolosser spricht Paulus zweimal von diesem Bruder. Ein weiteres Mal erwähnt er ihn in seinem Brief an Philemon:
«So wie ihr gelernt habt von Epaphras, unserem geliebten Mitknecht, der ein treuer Diener des Christus für euch ist, der uns auch eure Liebe im Geist kundgetan hat» (Kol 1,7.8).
«Es grüsst euch Epaphras, der von euch ist, ein Knecht Christi Jesu, der allezeit für euch ringt in den Gebeten, damit ihr vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes steht. Denn ich gebe ihm Zeugnis, dass er viel Mühe hat um euch und die in Laodizea und die in Hierapolis» (Kol 4,12.13).
«Es grüsst dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christus Jesus» (Phlm V. 23).
Diese wenigen Verse werfen Licht auf einen bemerkenswerten Diener des Herrn, von dem wir sonst nichts Weiteres wissen. Epaphras vereinigte zwei wichtige Dinge in sich, die unbedingt zusammen gehören. Er war erstens ein Mitknecht und ein Diener und zweitens ein intensiver Beter. Man kann ihn – wie Paulus – als einen betenden Diener oder einen dienenden Beter bezeichnen.
Epaphras – ein Lehrer
Es wird uns nicht gesagt, welche Gabe Epaphras hatte. Wir wissen nicht, ob er im Sinn von Epheser 4,11 ein «Lehrer» oder ein «Evangelist» war. Dennoch hat er die Kolosser unterwiesen. Sie hatten von ihm gelernt. Das bestätigt Paulus am Anfang seines Briefs. Das Wort der Wahrheit des Evangeliums war zu ihnen gekommen. Sie hatten es gehört und die Gnade Gottes in Wahrheit erkannt (Kol 1,5.6). Genau das muss Epaphras ihnen bezeugt haben, denn sie hatten es von ihm gelernt. Paulus selbst war auf seinen Reisen nicht in Kolossä gewesen. Gott hat in jener Stadt Epaphras als Werkzeug benutzt. Die Art und Weise, wie dieses «Lehren» geschah, wird nicht näher mitgeteilt. Zugleich übermittelte Epaphras dem Apostel Paulus eine Nachricht. Er tat ihm die Liebe der Gläubigen in Kolossä kund.
Epaphras – ein Knecht und Diener
- Epaphras war ein Knecht – oder ein Sklave – Christi Jesu: Er stand seinem Herrn für die Dienste zur Verfügung, die Er ihm auftrug. Der Dienst wird hier nicht – wie sonst häufig – mit dem «Herrn» verbunden, sondern mit «Christus Jesus». Natürlich dienen wir dem Herrn, der alle Autorität hat. Zugleich dienen wir Dem, der jetzt zur Rechten Gottes hoch erhoben ist (Christus) und einmal selbst als Mensch in Niedrigkeit auf der Erde gelebt und Gott gedient hat (Jesus). Der Ausdruck «Knecht Christi Jesu» wird von Paulus sonst nur noch für sich selbst und für Timotheus gebraucht. Es war eine besondere Ehre, dass er Epaphras so nannte.
- Epaphras war ein Mitknecht: Es ist eine Sache, ein treuer Knecht Christi Jesu zu sein. Es ist eine andere Sache, gemeinsam mit anderen zu dienen. Das ist Chance und Herausforderung zugleich. Epaphras diente gemeinsam mit Paulus und denen, die bei ihm waren. Er war bereit zu kooperieren und sich unterzuordnen. Gemeinsame Arbeit für den Herrn ist ein besonderer Segen, weil man miteinander oft mehr tun kann, als wenn jeder individuell arbeitet.
- Epaphras war ein geliebter Mitknecht: Von einem Diener erwartet man vielleicht als Letztes einen Hinweis auf die Liebe, denn das Wesen des Knechts ist es, die Aufträge seines Herrn zu erfüllen. Dennoch betont Paulus ausdrücklich, dass Epaphras geliebt war. Dabei sagt er nicht, von wem er geliebt wurde. Wir denken zuerst an Gott, sodann an Paulus und sicher an die Geschwister, unter denen er arbeitete. Es ist eine weitere Auszeichnung für diesen Bruder, die zugleich Ansporn für uns ist.
- Epaphras war ein Diener: Das Wort «Diener» (Diakon) hier ist ein anderes als das Wort «Knecht» (oder Sklave). Epaphras war ein Diener des Christus, d.h. von Ihm gesandt. Zugleich war er ein Diener für die Gläubigen in Kolossä und für Paulus. Den Kolossern hatte er geistlichen Unterricht erteilt und Paulus hatte er die Liebe der Geschwister überbracht. Es gibt eine grosse Vielfalt von Diensten, zu denen der Herr Jesus uns benutzen möchte. Das Beispiel von Epaphras soll uns motivieren.
- Er war ein treuer Diener: Epaphras bekommt noch eine Auszeichnung. Er hat seinen Dienst nicht einfach getan, weil es seine Pflicht war oder weil sich niemand anders dazu bereit erklärte. Er hat ihn auch nicht nachlässig getan. Nein, er war in seiner Aufgabe treu, d.h. zuverlässig und konstant. In Philipper 4,3 spricht Paulus ebenfalls von einem Diener, den er einen «treuen Mitknecht» nennt. Gott sucht in seinem Dienst solche treuen und zuverlässigen Leute, die eine Aufgabe bis zum Ende erfüllen.
Epaphras – ein Mitgefangener
Epaphras war ein Mitgefangener von Paulus in Rom. Obwohl Paulus ihn «mein Mitgefangener» nennt, fügt er sofort hinzu: «in Christus Jesus». Beide litten nicht schuldhaft, sondern weil sie Christen waren und Christus angehörten (vgl. 1. Pet 4,16). Es wird nicht gesagt, ob er die Gefangenschaft freiwillig mit Paulus teilte oder wie dieser zwangsweise inhaftiert worden war. Wie dem auch sei, dieser Bruder war bereit, für den christlichen Glauben zu kämpfen und für das Evangelium Trübsal zu leiden. Er war bereit, die Schmach des Christus auf sich zu nehmen. Er war ebenfalls entschlossen, sich mit dem gefangenen Apostel Paulus zu identifizieren. Er war anders als jene, die Paulus in seinen Fesseln Trübsale erwecken wollten (Phil 1,17). Er verwirklichte das, was Paulus einige Jahre später Timotheus schrieb: «So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes» (2. Tim 1,8).
Epaphras – ein Beter
Die Tatsache des Gebets wird besonders betont. Paulus nennt wichtige Einzelheiten:
- Er betete allezeit: Epaphras hat nicht dann und wann für die Kolosser gebetet, sondern es war ein beständiges Beten. Das beschreibt, wie dauerhaft und nachhaltig er gebetet hat. Er «verharrte» tatsächlich im Gebet – eine Aufforderung, die bis heute wichtig ist (Röm 12,12; Kol 4,2).
- Er rang in den Gebeten: Das Wort «ringen» deutet einen Kampf an und zeigt die Intensität des Gebets für die Gläubigen. Es beschreibt eigentlich einen Waffenkampf oder einen Wettkampf (z.B. Joh 18,36; 1. Kor 9,25), wird jedoch häufig im übertragenen Sinn gebraucht (z.B. Lk 13,24; 1. Tim 6,12; 2. Tim 4,7). Epaphras macht uns Mut, ebenso zu beten, wie Paulus und andere es taten.
- Es war ein Gebet für die Gläubigen: Epaphras hatte eine klare Zielgruppe vor Augen. Es ist denkbar, dass er jeden einzelnen der Gläubigen der örtlichen Versammlung von Kolossä im Gebet vor Gott brachte. Wir lernen daraus, wie wichtig das Gebet für die Geschwister an unserem Wohnort ist. Hätten wir nur mehr Beter vom Format eines Epaphras!
- Er betete zielorientiert: Epaphras wusste nicht nur genau, für wen er betete, sondern er hatte einen klaren Gebetsgegenstand. Er betete nicht pauschal, sondern konkret. Paulus muss ihn mehrfach beten gehört haben, sonst hätte er das so nicht schreiben können. Vielleicht haben die beiden sogar gemeinsam für die Kolosser gebetet.
- Das Gebet hatte geistliche Inhalte: Epaphras betete nicht für das äussere Wohlergehen und die Gesundheit der Kolosser (was ihm sicher nicht unwichtig war). Er konzentrierte sich aber auf die geistliche Gesundheit seiner Glaubensgeschwister. Drei Details werden genannt:
- Die Kolosser sollten im Willen Gottes stehen: Der Ausdruck deutet auf Standfestigkeit im Glaubensleben und -kampf hin. Er beschreibt eigentlich einen Zustand, in dem sich jemand befindet. Die Gläubigen sollen nicht nur dann und wann im Willen Gottes feststehen, sondern es soll immer der Fall sein. Diese Standfestigkeit benötigen wir alle, um vor Irrtum bewahrt zu bleiben und nicht eine Beute des Feindes zu werden.
- Die Kolosser sollten vollkommen sein: Das Wort «vollkommen» bedeutet hier «erwachsen» zu sein und spricht von geistlicher Reife. Das geistliche Wachstum und die Reife anderer lagen Paulus und Epaphras besonders am Herzen. Geistlich gereift sind Gläubige, die mit der Erkenntnis des Willens des Herrn erfüllt und vom Willen Gottes überzeugt sind (Kol 1,9; 4,12).
- Die Kolosser sollten völlig überzeugt sein: Von etwas überzeugt zu sein bedeutet, davon voll oder erfüllt zu sein. Das vom Heiligen Geist verwendete Wort hat die Grundbedeutung, dass etwas Unfertiges auf das volle Mass gebracht wird. Es geht um Gewissheit. Für uns gilt, dass wir in dem bleiben sollen, wovon wir völlig überzeugt sind (2. Tim 3,14). Das Ziel von Epaphras und Paulus war, dass die Gläubigen in ihrem Christenleben eine persönliche Überzeugung von der christlichen Wahrheit bekamen.
Epaphras – ein Mann, der nicht so leicht aufgab
Paulus stellt ihm ein weiteres Zeugnis aus. Epaphras hatte Mühe um die Gläubigen in Kolossä sowie die in Laodizea und in Hierapolis (Nachbarstädte von Kolossä). Er war nicht nur ein guter Lehrer, Knecht, Diener und Beter, sondern er war jemand, der engagiert handelte. Er hatte Mühe (oder Eifer) um seine Glaubensgeschwister. Das Wort bedeutet zugleich «Schmerz» oder «Kummer» oder sogar «Qual» (vgl. Off 16,10.11; 21,4). Zum einen kann damit eine Arbeit gemeint sein, in der man alles gibt und sich vollständig verausgabt, um sie zu erfüllen. Zum anderen kann man an die inneren Empfindungen denken, die Epaphras für die Gläubigen hatte und in denen er mit Paulus übereinstimmte. Er war in Sorge um sie, weil sie in Gefahr standen, durch die Philosophie von Christus weggeführt zu werden. Leute von solchem Format werden unbedingt gebraucht.
Zusammenfassung
Es fällt auf, dass Paulus die Beziehung von Epaphras zu den Gläubigen mit den drei Worten von euch, für euch und um euch beschreibt. Erstens war er «von ihnen». Das zeigt seine Herkunft an. Er war ein Teil der Versammlung in Kolossä. Zweitens tat er etwas «für sie» – nämlich das Gebet und den Dienst. Drittens hatte er Sorge «um sie». Das spricht von der Zuneigung und Liebe, die dieser treue Diener des Herrn für die Gläubigen hatte. Der betende Diener und dienende Beter Epaphras ist bis heute ein leuchtendes Beispiel für alle, die sich von ihrem Meister im Dienst einsetzen lassen möchten.