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“Wohlfühlbuch” … Ich weiss nicht, ob ein Verlag oder ein Buchhändler zuerst auf die Idee gekommen ist, diesen Begriff als Marketinginstrument einzusetzen, oder ob er nicht doch in einem Blog oder einem Forum zuerst verwendet worden ist. Jedenfalls assoziiere ich damit weitere Begriffe, die meist parallel dazu verwendet werden: Kuscheldecke, Kerze, Tasse Tee. Als “Wohlfühlbuch” qualifizieren sich Romane um die Liebe (keine tragischen, bitte!), um Kinder oder mit Kindersprüchen (keine pädagogischen Ratgeber, bitte!), mit oder über Tiere (keine Sachbücher, bitte!). Bücher also, die von ihrem Leser nicht verlangen, aus dem Gelesenen irgendwelche weitergehenden Konsequenzen zu ziehen, als die, sich noch eine Tasse Tee zu brauen. Wenn ein Buchblog ein “Wohlfühlbuch” vorstellt, darf ein entsprechendes Bild dazu nicht fehlen: das Buch, darum herum drapiert ein Stück farblich abgestimmten Tuchs, eventuell tatsächlich eine Kerze, ganz sicher eine Tasse Heissgetränks, meist noch weiteres Deko-Material, zum Thema gehörend und aus der Natur herbeigeholt. Das Ganze gerne mit leichtem Weichzeichner fotografiert. Kitsch as Kitsch can.
Warum ich auf dieses Thema komme? Weil Tanja Brandts Buch wohl von den meisten Leser(innen) der Kategorie “Wohlfühlbuch” zugezählt würde. Es erfüllt die Kategorie “über und mit Tieren” und weist einen hohen “Jöö-Effekt” aus – sprich: das dargestellte Tier ist niedlich dargestellt. Nun lese ich natürlich auch lieber Bücher, die mir behagen, als welche, zu deren Lektüre ich mich zwingen muss. Und Tanja Brandts Buch hat den Vorzug, dass die tierischen Protagonisten mindestens zum Teil recht ungewöhnlich sind: In den Hauptrollen ein Steinkauz und ein belgischer Schäferhund (ein Malinois, um genau zu sein), in Nebenrollen eine Schneeeule, eine Weissgesichtseule und ein Wüstenbussard. Tanja Brandt ist nämlich nicht nur Fotografin, sie ist auch Falknerin. Sie ist eine sehr gute Fotografin; und da die Szenen, die sie ablichtet, allesamt gestellt sind, zeigt das, dass sie auch eine gute Tiertrainerin ist. Immerhin braucht es sehr viel Geduld, bis ein Steinkauz und ein Malinois zusammen so lange so still halten, dass man sie fotografieren kann. Und das bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Natürlich wirkt vor allem der Steinkauz mit seinem Baby-Gesicht einfach nur niedlich. Ein Malinois ist bedeutend weniger niedlich; da bewundere ich das Talent von Fr. Brandt, diese (heute in den meisten Fällen hypernervös überzüchtete) Hunderasse so weit beruhigen zu können, dass der Steinkauz genügend Vertrauen fasst, sich vor dessen Schnauze hinzusetzen.
Natürlich vermenschlicht Fr. Brandt ihre Tiere im Text bis zum Geht-nicht-mehr. Seien wir ehrlich: Das tut jeder Tierhalter. Und jeder Tierhalter hat das Gefühl, gerade sein Hund, seine Katze, sein Meerschweinchen seien nun die aller-allerspeziellsten Charaktere in der gesamten Menschen- und Tierwelt. Insofern trifft die Autorin den Nerv eines jeden Tierhalters; das Buch kann eigentlich nur zum kommerziellen Erfolg werden. (Den ich der Autorin übrigens durchaus gönne.)
Rasch gelesen (die Bilder anzuschauen braucht mehr Zeit, als den Text zu lesen), etwas für zwischendurch oder kurz vor dem Einschlafen. Aber amüsant.
Tanja Brandt: Wo die Liebe hinfliegt. Ingo und Poldi – Die Geschichte einer Freundschaft. Köln: Bastei Lübbe, 32016.