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Hier finden Sie häufig gestellte Fragen, Antworten sowie Empfehlungen von medizinischen Fachpersonen rund um die Impfung gegen COVID-19. Unsere Informationen werden laufend aktualisiert. Die Antworten wurden von verschiedenen Fachexpert*innen beantwortet und geprüft.
Abkürzungen:
BAG = Bundesamt für Gesundheit
EKIF = Eidgenössische Kommission für Impffragen
mRNA = Messenger-RNA = Botenstoff-RNA
Aktivierung eines Schubes, Immunantwort, Booster
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nutzen der Impfung überwiegt das theoretische Risiko einer geringen bzw. vorübergehenden Aktivierung (Schub) der Grunderkrankung.
- Es gibt aktuell keinen Hinweis auf eine dauerhafte Aktivierung (Schub) einer entzündlich rheumatologischen Erkrankung. Die Sorge vor einem Schub ist kein Grund, von einer Impfung abzusehen.
- Obwohl die Immunantwort eingeschränkt sein kann, erreicht ein Grossteil der Personen mit Immunsuppressiva einen ausreichenden Impfschutz.
- Die Impfung bzw. die Auffrischimpfung wird dringend empfohlen, weil diese grundsätzlich vor einer schweren Erkrankung schützt (auch bei der Omikron-Variante).
- Das BAG empfiehlt bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. mRNA-Impfstoffe reduzieren das Risiko einer Infektion, einer Übertragung, einer Hospitalisierung und eines Todes bei immunschwachen Rheumabetroffenen stark.
- Die Auffrischimpfung (Booster-Impfung) wird auch für Menschen mit entzündlichem Rheuma empfohlen. Nach der Grundimmunisierung mit zwei Dosierungen soll die Auffrischimpfung frühstens nach vier Monaten und spätestens nach sechs Monaten erfolgen.
- Das BAG empfiehlt immungeschwächten Personen sowie Menschen über 80 Jahre eine weitere Auffrischimpfung (vierte Dosis).
- Menschen mit Autoimmunerkrankungen und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, weshalb sie auch nach vollständiger Impfung zu den Risikopersonen gehören.
Immunsuppression, Nebenwirkungen, Antikörpermessung
Das Wichtigste in Kürze
- Rheumabetroffene mit einer immunsupprimierenden Therapie vertragen die COVID-19-Impfungen ähnlich gut wie gesunde Menschen. Sie erleiden nur selten einen Rheuma-Schub und sehr selten schwere Nebenwirkungen.
- Geimpfte Rheumabetroffene sollten bei anhaltendem Fieber, Muskelschmerzen oder Leistungsabfall den behandelnden Arzt bzw. die behandelnde Ärztin kontaktieren.
- Ob und wie lange eine immunsupprimierende Therapie vor und nach der COVID-19-Impfung pausiert werden soll, soll individuell in der rheumatologischen Praxis abgesprochen werden.
- Basismedikamente und Immunsuppressiva schwächen die Wirkung der COVID-19-Impfung ab. Umso mehr wird Rheumabetroffenen zur Grundimmunisierung und zur anschliessender Boosterung geraten.
- Ob nach der COVID-19-Impfung eine Antikörpermessung erfolgen soll, ergibt sich aus der ärztlichen Sprechstunde heraus.
- Eine Immuntherapie mit monoklonalen Antikörpern ist spezialisierten Zentren mit infektiologischem Knowhow vorbehalten und wird nur unter bestimmen klinischen Voraussetzungen empfohlen.
COVID-19-Impfung bei rheumabetroffenen Kindern und Jugendlichen
Das Wichtigste in Kürze
- Allgemein haben Kinder und Jugendliche ein sehr geringes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Die Infektion verläuft bei ihnen zumeist milde oder symptomfrei.
- Wie die Daten zeigen, gilt dies auch für Kinder mit entzündlichem Rheuma unter medikamentöser Immunsuppression. Schwere Verläufe wurden nur vereinzelt beobachtet; dabei spielen Aktivität und Schwere der Grunderkrankung, Begleiterkrankungen und die aktuelle Medikamentengabe eine Rolle.
- Zugelassen für Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren sind zwei mRNA-Impfstoffe: Comirnaty® von Pfizer/BioNTech und Spikevax® von Moderna.
- Kinder von 5 bis 11 Jahren dürfen nur eine spezielle Kinder-Dosierung des Pfizer/BioNTech-Impfstoffes erhalten.
- Es handelt sich um befristete Zulassungen.
Antworten: Dr. med. Daniela Kaiser, Leitende Ärztin Pädiatrie am Kinderspital Luzern, Präsidentin der Gruppe der Schweizer KinderrheumatologInnen
Die COVID-19-Impfung im Alter von 5 bis 11 Jahren wird insbesondere bei Kindern mit Vorerkrankungen empfohlen. Zusätzlich wird die Impfung Kindern empfohlen, in deren Umfeld sich Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren COVID -19-Verlauf befinden. Bei gesunden Kindern ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis von den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten abzuwägen: Die Komplikation von Long-COVID und PIMS (einem entzündlichen Multisystemsyndrom) kann gemindert werden, beides ist aber sehr selten.
Eine Infektion bedeutet häufig auch eine Unterbrechung der Therapie mit einer möglichen Verschlechterung der Grunderkrankung. Deshalb wird generell empfohlen, alle Schutzimpfungen regelmässig aufzufrischen und auch gegen SARS-CoV-2 zu impfen.
Die Zulassung der Impfungen erfolgte anhand von Studien mit gesunden Kindern. Weltweit wurden bisher Millionen von Kindern geimpft. Die Impfung ist sicher, ernsthafte Nebenwirkungen werden sehr selten berichtet. Bisher gibt es einzelne Studien mit kleineren Patientenzahlen, die diese Resultate auch für Kinder mit entzündlichem Rheuma bestätigen.
Antirheumatische Therapien können die Immunantwort auf die Impfung mindern. Bei Betroffenen mit einer gut kontrollierten Krankheit (Remission oder geringe Krankheitsaktivität) raten Experten deshalb zu einer kurzen Unterbrechung (2 Wochen) einer Therapie mit Methotrexat (MTX), Mycophenolat-Mofetil (MMF) oder Abatacept. Der Unterbruch kann die Impfantwort verbessern. Es gilt zu beachten, dass eine Impfung während 4 Monaten nach Verabreichung von Rituximab oder während einer Therapie mit Prednison (> 20 mg/Tag) häufig keine signifikante Impfantwort hervorruft.
Die Kinderrheumatologin oder der Kinderrheumatologe kann in Kenntnis der Schwere der Erkrankung und der aktuellen Therapie Jugendliche individuell beraten, wann die Impfung am besten durchgeführt wird und ob ein Therapieunterbruch sinnvoll ist.
Kinder unter 5 Jahren können geschützt werden, indem sich die Familie vor einer Infektion schützt hinsichtlich Kontakte und durch das Impfen. Aufgrund der milden Verläufe wird aber nicht empfohlen, Kinder deswegen aus der Kita, der Spielgruppe oder dem Kindergarten zu nehmen.
Hintergrundinformationen
Aktuell sind in der Schweiz drei Impfstoffe zugelassen: die beiden mRNA-Impfstoffe Comirnaty® von Pfizer/BioNTech und Spikevax® von Moderna sowie der Vektorimpfstoff COVID-19 Vaccine Janssen® von Johnson&Johnson. Die Zulassungen dieser Impfstoffe sind befristet. Für Kinder und Jugendliche gelten weitere Einschränkungen. Die Grundimmunisierung erfolgt mit einer Injektion des Vektorimpfstoffes oder je zwei Injektionen eines mRNA-Impfstoffes.
Die mRNA-Impfstoffe haben zum Ziel, das Virus, wenn es in den Körper gelangt, mit seiner eigenen Waffe zu bekämpfen. Im Labor werden synthetisch kleinste mRNA-Teile des Virus hergestellt bzw. nachgestellt. Diese mRNA-Teile bilden die Grundlage des Impfstoffes. Die kleinen mRNA-Teilchen bringen die Körperzelle dazu, sogenannte Spike-Proteine zu produzieren, welche dann vom eigenen Immunsystem als Gefahr erkannt werden. Ähnlich wie bei einer echten Virusinfektion wird eine Abwehrreaktion gegen diese Virusproteine ausgelöst und produziert das Immunsystem passende Antikörper. Bei einer Infektion mit dem Virus kann das Immunsystem dann schneller auf die echten Viren reagieren.
Mit der mRNA-Methode ist es einfacher, Impfstoffe schnell zu konstruieren. mRNA- und Impfstoffe können in kürzeren Zeiträumen in grosser Menge hergestellt werden. Zudem ist die Produktion unter geringeren Sicherheitsbedingungen erlaubt.
Vektorimpfstoffe bestehen aus für den Menschen harmlosen Erregern, den Vektoren, die ein oder mehrere Moleküle (Antigene) des Krankheitserregers tragen. Es wird beispielsweise ein Molekül aus der Virushülle des Vektors gegen ein Molekül aus der Hülle des Krankheitserregers ausgetauscht. Bei diesen Veränderungen des Vektors wird darauf geachtet, dass er unbedenklich für Mensch und Umwelt ist. Die Vektoren dienen dazu, das Antigen des Krankheitserregers dem Immunsystem zu präsentieren, um damit eine gute Immunantwort auszulösen.
Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2022