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Mama Africa:
Regie: Fanta Régina Nacro, Burkina Faso 2001
Sprache: Moré; Untertitel: Deutsch und Französisch
|Inhalt

Bintou lebt mit ihrem Mann Abel und ihren Kindern in der Stadt Ouagadougou. Eines Tages entsteht ein Ehestreit: Bintou möchte ihre Tochter Biba zur (kostenpflichtigen) Schule schicken, doch ihr Mann ist nicht bereit, dafür zu bezahlen. Bintou will deshalb selbst Geld verdienen. Dank eines Kleinkredits und viel Hartnäckigkeit gelingt es ihr, ein kleines Geschäft mit dem Mälzen von Hirse zu beginnen. Ihr Mann beeinflusst von seinen Freunden und seiner Mutter ist alles andere als begeistert über die neue Unabhängigkeit seiner Frau...
Die stimmungsvolle Komödie behandelt Themen wie Geschlechterbeziehung, die Rolle von Frauen und Männern innerhalb der Gesellschaft, Gewalt in der Familie sowie die Bedeutung von eigenem Einkommen für Frauen.1 Ein Schwerpunkt des Filmes sind die ungleichen Bildungschancen für Mädchen.
1 Zu einem besseren und tieferen Verständnis für den Inhalt des Filmes empfielt es sich, den Film zweimal anzusehen.
Mädchenbildung
Im September 2000 verabschiedeten alle 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zum Abschluss des Milleniumsgipfels in New York die Millenniumserklärung. Diese beinhaltete acht Millenniumsentwicklungsziele (MDGs = Millennium Development Goals) um Hunger und Armut zu bekämpfen sowie Bildung, Gesundheit, die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Qualität der Umwelt bis zum Jahr 2015 zu verbessern. Diese Ziele sind eine internationale Verpflichtung, die alle Regierungen durch die Zustimmung ihrer Regierungschefs eingegangen sind. Das Entwicklungsziel 2 will die Grundschulausbildung für alle Kinder gewährleisten, d.h. bis zum Jahr 2015 sicherstellen, dass alle Kinder in der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen, eine Grundschule vollständig abschliessen können.
Die Gesamtzahl der Grundschüler und Grundschülerinnen stieg zwischen 1990 und 2000 weltweit betrachtet um insgesamt 8,7%, in den Ländern Afrikas südlich der Sahara war sogar der grösste relative Anstieg (38%) zu verzeichnen. Trotzdem sind Mädchen beim Zugang zur Schulbildung nach wie vor stark benachteiligt. In elf Ländern, darunter sieben in Afrika südlich der Sahara, werden Mädchen mit einer um 20% geringeren Wahrscheinlichkeit als Jungen eingeschult. Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Pakistan und Tschad stehen beim Zugang der Mädchen zur Schule am schlechtesten da. Diese Länder zählen zugleich zu den wirtschaftlich schwächsten Ländern, in denen das Pro-Kopf-Einkommen bei weniger als einem Dollar pro Tag liegt.
57% der Kinder, die weltweit keine Schule besuchen, sind Mädchen. Die Anzahl der Mädchen, die nicht zur Schule gehen, ist in Afrika südlich der Sahara am höchsten (23 Millionen), gefolgt von Süd- und Westasien (21 Millionen).
Siehe dazu auch:
Burkina Faso die Heimat der Regisseurin Fanta Régina Nacro kann mit seinem biennalen Fimfestival, seiner Kulturbiennale und mit seiner Rolle als Gastgeber zahlreicher Filmfestivals durchaus als kulturelle Hochburg Afrikas bezeichnet werden.
Fanta Régina Nacro wurde 1962 in Burkina Faso geboren. Nach der Ausbildung zur Filmemacherin und dem anschliessenden filmwissenschaftlichen Studium in Paris gründete sie ihre eigene Produktionsfirma «Les Films du Défi» in Ouagadougou. Seither arbeitet sie als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin. In ihren mehrfach preisgekrönten Filmen behandelt sie offen, humorvoll und provokativ aktuelle gesellschaftspolitische Themen wie beispielsweise Aids oder die Gleichberechtigung der Frauen.
1992 drehte sie als erste Frau in Burkina Faso einen Kurzspielfilm. Sie hat mit ihren beiden Kurzfilmen «Puk Nini» und «Un certain matin» auf den Festivals in San Francisco und Montreal Erfolge gefeiert. Mit «Bintou» hat sie bei mehreren Festivals, unter anderem in Amiens, Burkina Faso, Clermont-Ferrand und Marakesch Hauptpreise Preise gewonnen und das Publikum begeistert. Mit ihrem ersten Langspielfilm, La nuit de la vérité, hat sie am Internationalen Filmfestival von Freiburg dieses Jahr den Hauptpreis gewonnen. «Bintou» lief ebenfalls 2001 bei den «Quinzaine des Réalisateurs» in Cannes.
Impuls 1: Bildung für alle - ein Rollenspiel
Spielsituation: gespielt wird eine Diskussion zwischen einer Mutter und einem Vater, bei der die Entscheidung getroffen werden muss, ob die weiblichen Kinder der Familie auch wie die männlichen Kinder zur Schule geschickt werden können oder nicht.
Erster Spieldurchgang: je fünf Schülerinnen und Schüler bilden je eine Gruppe.
Die fünf Schülerinnen bekommen den Text der Mutter und sammeln gemeinsam stichhaltige Argumente und Meinungen, wie sie den Vater davon überzeugen könnten, auch die Mädchen in die Schule zu schicken. Sie überlegen auch, was sie selbst tun könnten, damit ihre Töchter eine gute Ausbildung bekommen.
Die fünf Schüler bekommen den Text des Vaters und suchen nach Argumenten und Meinungen, warum es sehr wichtig ist, in erster Linie den Söhnen eine gute Schulausbildung zu ermöglichen, wenn das Geld dafür nicht reicht, um alle Kinder zur Schule schicken zu können. Denn diese müssen einmal eine Familie erhalten und dafür brauchen sie eine gute Ausbildung.
Je eine Schülerin und ein Schüler aus der Gruppe spielt nun die Szene «Streitgespräch» zwischen Mutter und Vater. Die anderen SchülerInnen aus der jeweiligen Gruppe unterstützen die Spielenden mit den vorher gefundenen Argumenten. Die restlichen SchülerInnen sind Beobachtende.
Mutter:
Sie war nicht damit zufrieden, dass sie nur wenig Schulbildung geniessen durfte und sehr früh schwanger wurde und deshalb möchte sie jetzt, dass alle ihre drei Töchter zur Schule gehen und eine gute Ausbildung bekommen können, damit sie es einmal besser haben als sie selbst. Die Schulbildung ist teuer und die Familie hat zu wenig Geld um allen fünf Kindern die Schule zu ermöglichen. Sie setzt sich dafür ein, die Tradition, dass Mädchen zu Hause bleiben, zu durchbrechen, findet bei ihrem Mann aber kein Gehör.
Vater:
Er ist der Meinung, dass es Mädchen so wie seine Frau ja auch nicht sehr weit bringen, weil sie nur die Burschen und das Kinderkriegen im Kopf haben. Ausserdem lernen Mädchen von vornherein nicht so gut wie die Buben, weil sie nicht logisch denken können. Er möchte nur seine beiden Söhne zur Schule schicken, weil das etwas zählt: ein Mann muss ja schliesslich eine Familie erhalten und könne auf eine gute Ausbildung nicht verzichten.
Nach dem Spiel werden zunächst die Spielenden befragt:
Danach werden auch die Beobachtenden befragt:
In einem zweiten Spieldurchgang wird von den vorher Beobachtenden mit vertauschten Rollen gespielt: je 5 Schüler bilden die Gruppe der Mutter und wählen einen, der die Rolle der Mutter spielt. Je fünf Schülerinnen bilden die Gruppe des Vaters und wählen eine aus, die die Rolle des Vaters spielt. Die anderen sind Beobachtende. Anschliessend analysieren die Spielenden und die Beobachtenden die Szene mit Hilfe der Fragen (siehe oben) wie zuvor.
Zusätzlich können sehr engagierte SchülerInnen im Internet zu folgenden Bereichen recherchieren (s.a. weitere Links)
Impuls 2: Bintou. Reflexionen zum Film
Die SchülerInnen schreiben unmittelbar nach dem ersten Ansehen des Films oder bei einem zweiten Ansehen des Films wichtige Stichwörter oder Aussagen, die ihnen auffallen auf Kärtchen (pro Kärtchen nur ein Stichwort bzw. eine Aussage).
Anschliessend werden die Kärtchen von den SchülerInnen vorgelesen und auf eine Pinnwand geheftet (bzw. grosses Papier geklebt): z.B. Abel, warum schlägst du deine Frau? Was kannst du, Bintou, was hast du gelernt? Ich möchte ein eigenes Einkommen, damit meine Tochter in die Schule gehen kann, mein Mann zahlt nicht dafür! Gib nicht auf! Abel, deine Frau darf kein eigenes Geld verdienen, du bist ein Schlappschwanz, wenn du es zulässt! usw.
Gemeinsam mit den SchülerInnen werden die Kärtchen strukturiert und zu den geclusterten Kärtchen Übertiteln bzw. Themenbereiche (mit Kärtchen in einer anderen Farbe) gefunden (z.B. Gewalt in der Familie, moderne traditionelle Ansichten, Rollenaufteilung Frau Mann, Geschlechterbeziehung, Einkommen für Frauen, Bildung für weibliche Kinder, Einfluss der Gesellschaft,...)
Zu den einzelnen Themenbereichen tauschen die SchülerInnen ihre eigene Lebens- bzw. Alltagserfahrung aus und bringen ihre persönliche/eigene Meinung und Einstellung dazu ein. Dafür können u. a. folgende Fragen verwendet werden:
Impuls 3: Einander solidarisch stärken
In unserer Gesellschaft, Schule, Freundeskreis, Familie,... erleben wir es immer wieder, dass durch die Einflussnahme von anderen einzelne Personen gestärkt oder geschwächt werden können. Im Film sehen wir Abel, der sich von seiner Mutter und seinen Freunden negativ beeinflussen lässt gegen seine eigene Frau, ihre Arbeit zerstört und sie in ihrer Eigenständigkeit nicht akzeptieren will, obwohl es ihm selbst auch zu Gute kommt. Andererseits wird Bintou von ihren Freundinnen und der Frauenorganisation Afi sehr positiv beeinflusst, gestärkt und ermächtigt, dass sie ihr Ziel schliesslich erreicht und nicht aufgibt.
Die SchülerInnen analysieren positive und negative Einflüsse innerhalb ihrer Klasse:
© Birgit Henökl-Mbwisi, BAOBAB 2005