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Es ist eine Syssiphusarbeit, die der brasilianische Staat zu bewältigen hat. Während noch daran gearbeitet wird, die Schäden der letzten Katastrophe zu beseitigen, ereignet sich oft schon die nächste an einem anderen Ort. Und die Ausgaben für Soforthilfen und den Wiederaufbau steigen von Jahr zu Jahr. Während sich die Kosten im Jahr 2004 noch auf umgerechnet 43 Millionen Euro beliefen, waren es 2010 bereits über eine Milliarde Euro. Allein für die Vorsorgemaßnahmen und den Wiederaufbau, die im Katastrophenschutzplan von 2012 vorgesehen sind, hatte die Regierung jedoch bereits umgerechnet gut 6 Milliarden Euro veranschlagt.
Während daran gearbeitet wird, den Katastrophenschutz zu verbessern und die Schäden der immer wieder neu auftretenden gewaltigen Naturereignisse zu beseitigen, gewinnt auf der anderen Seite der Schutz der Mata Atlântica mehr und mehr an Bedeutung. Dass der Regenwald die beste Vorsorge gegen Erdrutsche ist, zeigt eine Untersuchung der Katastrophe im November 2008 im Bundesstaat Santa Catarina. Danach gingen nur 15,6 Prozent der Muren an den mit dichtem Regenwald bestandenen Hängen ab, während auf Monokulturen wie Eucalyptus 23,4 Prozent der Muren entfielen und auf Bananenplantagen 18,75 Prozent. Bei den starken Unwettern Anfang Januar 2011 in der Küstenregion von Rio de Janeiro lagen sogar nur acht Prozent der Erdrutsche in den vom Menschen nicht oder kaum veränderten Regenwaldbereichen.
Der Atlantische Regenwald bietet den besten Schutz gegen die Auswirkungen von extremen Wetterereignissen, wie Erosionen, da sind sich die Wissenschaftler einig. Darüber hinaus kommt ihm aber auch eine wichtige Funktion zu, was das Klima betrifft. Unter anderem sorgt er für ein ausgeglicheneres Lokalklima und in seiner Biomasse speichert er Unmengen von Kohlendioxid. Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass es 110,3 Tonnen pro Hektar Regenwald sind. „Die Mata Atlântica ist ein verletzliches Ökosystem, gleichzeitig hilft sie uns aber gegen den Treibhauseffekt“, sagt Nelcilandia Oliveira vom brasilianischen Umweltministerium. Dabei spricht sie nicht nur den Erhalt der noch vorhandenen Mata Atlântica an. Vielmehr geht es auch um eine Wiederbewaldung degradierter Flächen.
Enormes Potential zur Wiederbewaldung vorhanden
Das Potential des Atlantischen Regenwaldes zur Wiederbewaldung ist enorm. Im Umweltministerium wird es auf 17 Millionen Hektar geschätzt. Geht es nach dem Nationalen Programm zum Erhalt und der Rekuperation der Mata Atlântica soll mindestens ein Drittel der ursprünglichen Fläche des Atlantischen Regenwaldes wieder seine ursprüngliche Vegetation erhalten, sprich aufgeforstet werden. Viele Nichtregierungsorganisationen haben längst schon Baumschulen eingerichtet, in denen sie heimische Baum- und Palmarten anziehen. So produziert die Apremavi in Santa Catarina 700.000 Bäumchen von über hundert verschiedenen heimischen Arten im Jahr. Mit ihnen werden unter anderem degradierte Biotope bepflanzt.
Ein besonderes Programm hat die Fundation SOS Mata Atlântica vor über zehn Jahren ins Leben gerufen, das „Click a Arvore“, zu deutsch „Klick dir einen Baum“. Mit dem Programm konnten bereits 1.300 Projekte zur Wiederherstellung des Regenwaldes realisiert werden. Darüber hinaus wurden 36 Baumschulen eingerichtet, die 350 Munizipien in zehn verschiedenen Bundesstaaten Brasiliens abdecken. Ebenso von der SOS Mata Atlântica entwickelt wurde das Programm „Wälder der Zukunft“, über das über 2,3 Millionen Bäumchen gepflanzt wurden. Auch staatliche Einrichtungen wie das Umweltinstitut von Paraná (IAP) trägt mit seinen Baumschulen zur Wiederbepflanzung von Uferrandstreifen, Biotopen und degradierten Flächen bei.
Es mag ehrgeizig erscheinen, die vielen kleinen Mosaikteilchen der Mata Atlântica wieder miteinander verbinden und den Wald auf eine Fläche von 433.000 Quadratkilometern ausweiten zu wollen, einer Fläche, die größer ist als die Bundesrepublik Deutschland. Doch könnte davon nicht nur Brasilien profitieren. Durch die Wiederbewaldung können enorme Mengen an Carbon gespeichert werden, weit mehr als dies in bestehenden Wäldern der Fall ist, da durch das schnellere Wachstum der Sekundärvegetation mehr CO2 aufgenommen wird. Die Wiederaufforstung der Mata Atlântica ist somit ein wichtiger Beitrag zum Weltklima.