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|Elham Manea wurde in Ägypten als Tochter eines jemenitischen Diplomaten geboren. Sie ist Buchautorin (u.a. „Ich will nicht mehr schweigen: Der Islam, der Westen und die Menschenrechte (Herder, 2009)) und Privatdozentin an der Universität Zürich. Sie engagiert sich für einen humanistischen Islam; Menschenrechte sind für sie das höchste Gut und dürfen nicht angetastet werden. Im folgenden Text erfahren wir, wie sie sich für ihre Überzeugungen einsetzt. Amina Chaudri|
Text von Elham Manea, Bern, Teil 2 – Englischer Originaltext hier
Ein kompromissloser Einsatz gegen die Verletzung der Menschenrechte bedingt, dass man etwas tut. Das beste Mittel dazu ist für mich das Wort; schreiben war schon immer meine Art, das Schweigen zu brechen. Durch die Worte kann ich atmen.
Ich schreibe und veröffentliche in drei Formen: Literatur, Meinungsartikel und wissenschaftliche Texte. Vielleicht sind Sie überrascht zu erfahren, dass keine der Geschichten in meinen zwei Romanen, „Echoes of Pain” صدى الأنين (Beirut: Saqi Books, 2005) und “Sins” خطايا(Beirut: Saqi Books, 2008) erfunden sind. Warum sollte ich Geschichten erfinden, wenn die Wirklichkeit weit brutaler und absurder als jede Fiktion ist? Das literarische Schreiben ist meine Art, einer Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und aufzuzeigen, woran die Gesellschaft krankt und wie scheinheilig sie ist. Ich bin daran, Material für einen dritten Roman zusammenzutragen, aber die Zeit läuft mir davon.
Durch die Meinungsartikel, die ich seit 2005 schreibe, habe ich mir einen Namen gemacht. Dank Internet kann ich über Themen und Ideen schreiben, die in den arabischen Medien verboten sind und zensuriert werden. Durch die Lücke, die das Internet geschaffen hat, kann ich Themen diskutieren wie die Erneuerung des Islam, die menschlichen Züge des Koran, Menschenrechte (welche die Rechte der Frau beinhalten), Bürgerrechte (Rechte von Minderheiten und die Gleichheit vor dem Gesetz) und demokratische Reformen. Diese Artikel sind auf verschiedenen arabischen Websites und in Online-Magazinen veröffentlicht worden. Auch wenn ich Hassbotschaften erhalten habe, habe ich mir durch meine Hartnäckigkeit eine widerwillige Anerkennung erarbeitet, denn offensichtlich glaube ich an das, was ich sage.
In der Forschung dagegen versuche ich, die Realität wissenschaftlich zu untersuchen, um die Wurzeln unserer Probleme zu ergründen und herauszufinden, wie eine Veränderung und Neuausrichtung angepackt werden müsste. Ich bin Politikwissenschaftlerin, aber ich habe wenig Respekt vor grossen Theorien, wenn diese die Realität, die sie zu erklären versuchen, ausser Acht lassen. Ich schaue mir lieber den Kontext des zu untersuchenden Phänomens an und zeige die Muster auf, die es erklären können. So bin ich auch vorgegangen, als ich die politische Dimension der Frauenrechte – oder genauer das Fehlen dieser Rechte – in den arabischen Gesellschaften untersucht habe. Das Resultat wurde 2011 in London veröffentlicht; das Buch beim Routledge-Verlag heisst „The Arab State and Women’s Rights: The Trap of Authoritarian Governance”. Darauf aufbauend arbeite ich nun an einem Forschungsprojekt, das Rechtspluralismus in verschiedenen Zusammenhängen untersucht, besonders in europäischen Gesellschaften, wo die wachsende Gemeinde muslimischer Einwanderer ein Land wie Grossbritannien dazu gebracht hat, das islamische Gesetz in sein Rechtssystem aufzunehmen. Ich möchte die Konsequenzen untersuchen, welche die Einführung des islamischen Familiengesetzes in ein europäisch geprägtes Umfeld hat.
Kurz gesagt ist es das, was ich tue: Ich schreibe in der Hoffnung, dass dies, zusammen mit der Arbeit und den Anstrengungen vieler Vordenker in der islamischen Welt, längerfristig etwas bewirken wird. Ich sage immer, dass ich erst dann aufhöre zu schreiben, wenn ich die Hoffnung aufgebe, dass wir fähig sind, uns zu wandeln und zu verbessern. Bis jetzt habe ich nicht zu schreiben aufgehört. Trotz unzähliger Enttäuschungen lebt die Hoffnung immer noch.
Übersetzung ins Deutsche, Sabine Gysi, Zürich
*Teil 1 von Elham Manea ist am 25. März erschienen.
|Weiterführende Links:

Buch: Ich will nicht mehr schweigen. Der Islam, der Westen und die Menschenrechte.
Samstagsinterview im Bund vom 11. Februar 2012
Einführung der Scharia in das westliche Rechtssystem, Legitimation systematischer Diskriminierung, Qantara.de, 2012
Fotografie:
Elham Manea, Bern
Taking a clear stance against violations of human rights requires action – mine almost always has involved words- writing has been my way of breaking the wall of silence. I can breathe through the words.
I write in three forms: literary, opinion articles and research. Would you be surprised to know that I did not invent any of the stories that I told in my two novels Echoes of Pain صدى الأنين (Beirut: Saqi Books, 2005) or Sins خطايا(Beirut: Saqi Books, 2008)? Why should I invent a fiction, when reality surpasses any fiction in its brutality and absurdity? Writing in a literary fashion is one way to hold a mirror and reflect the social diseases and hypocrisy that plague my societies. I am gathering material for a third novel, but time has not been kind to me.
I made my name through the opinion articles I have been writing since 2005. Thanks to the internet I was able to write about issues and ideas that were until then forbidden and censored in Arab media. Through this window it was possible to discuss issues of reformation of Islam and the human nature of Quran, human rights (which include women’s rights), citizenship rights (minority rights and equality before the law) and democratic reform. These articles have been published by different Arab websites and online magazines. Despite the hate messages I have been receiving, overtime, with persistence and stubbornness, I seem to have gained a reluctant acknowledgment that I do actually believe in what I say.
As a researcher, on the other hand, I try to investigate reality scientifically to learn the roots of our problems and how best to change and reform. I am a political scientist, but I have little respect to grand theories, when they neglect the very reality they try to explain. I prefer to look at the context of the phenomenon under investigation and from there draw the patterns that can explain it. It was this approach that I used when I tried to research the political dimension of women’s rights or more accurately the lack thereof in Arab societies. The result was published in a book by Routledge in Londonin 2011 entitled The Arab State and Women’s Rights: The trap of authoritarian governance. Building on this project, I am trying now to launch a research project that investigates legal pluralism in different context, especially in European societies, where the presence of Muslim migrant communities has led a country likeBritain to introduce Islamic law in its legal system. I would like to research the consequences of introducing Islamic family laws in a European context.
This is the sum of what I am doing now: to write hoping that this, together with the work and efforts of the many reformers in the region will have some impact on the long term. I have always said I will stop writing when I give up hope in our ability to change and reform. So far, I have not stopped writing. Hope is still alive despite the disappointments, and these are plenty!