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Ich glaube ohne alle Angeberei behaupten zu dürfen, dass ich als Musikerin und als Mitglied der „gehobenen Gesellschaft“ weit über dem weiblichen Bildungsniveau meiner Zeit stand. Denn nicht nur, dass mein Vater im Dienste des Nuntius in der österreichischen Hauptstadt stand, sondern auch, dass mein langjähriger privater Lehrer in Musik, in den Sprachen und in der Literatur ein bekannter Dichter am Kaiser-Hof war. Sogar beim grossen Haydn nahm ich eine Zeitlang Klavierunterricht.
Messen und Oratorien
Bereits als Siebzehnjährige konnte ich erste Messevertonungen vorlegen, die auf allgemeines Lob der Öffentlichkeit stiessen. Leider waren meine einzigen gedruckten Stücke zu Lebzeiten zwei Klaviersonaten. Doch aufgeführt wurden meine Werke sehr wohl, z.B. meine Oratorien, und dies teils von bekannten Chören und Orchestern wie der Wiener Tonkünstler-Sozietät.
Posthume Vergessenheit
Mein Kompositionsstil wurde allenhalben gerühmt und mit Komplimenten wie „genial“, „erstaunlich präzis“ oder „professionell“ und „adeliger Ausdruck“ überhäuft. Dass die berühmte Enzyklopädie „Musik in Geschichte und Gegenwart“ lang Zeit meine kompositorische Arbeit als „mittelmässig“ einstufte, ist nicht nur ein tragisches Fehlurteil aufgrund von Nichtwissen und Chauvinismus, sondern grenzt geradezu an bewusste Geschichtsverfälschung. Heute bin ich eigentlich komplett vergessen – zu unrecht!
Der untenstehende Partitur-Ausschnitt entstammt einem meiner Oratorien.
Ich war wenig mehr als zehn Jahre alt, als ich bereits ein erstes Mal auf den Brettern stand, die die Welt bedeuten. Seitdem hält mich das Theater gefangen, sei es als Schauspielerin auf grossen bundesdeutschen Bühnen u.a. in Brecht-, Kroetz oder Tschechow-Rollen, oder auch als Assistentin bedeutender Regisseure wie Besson oder Langhoff im früheren Ost-Berlin.
Neben meiner Leidenschaft fürs Theaterspielen kristallisierte sich ebenfalls schon sehr bald meine zweite Hochbegabung heraus: Das Schreiben. Mein nach und nach umfangreiches belletristisches Oeuvre an Romanen, Theaterstücken und Erzählungen brachte mir zahlreiche internationale Auszeichnungen ein, u.a. die Mitgliedschaft in der exklusiven Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Eine besonders hohe Ehre war auch die Aufnahme eines meiner Romane in die Sammlung „1001 Books You Must Read Before You Die“.
Also: Wer bin ich?
Der(Die) erste Einsender(in) der richtigen Lösung via „Kommentar“ unten erhält 50 Euro überwiesen (bitte keinen Nicknamen, sondern realen Vor-/Nachnamen angeben). – Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. – Einsende-Schluss ist am 28. Juni 2018 (13 Uhr).
Dass ich eine der bedeutendsten Komponistinnen in der Mitte des romantischen 19. Jahrhunderts werden würde, wurde mir alles andere als schon in der Wiege gesungen. Meine Eltern lebten quasi „illegal“ getrennt, ich ward also in einer moralisch „zweifelhaften“ Umgebung grossgezogen, und obendrein war ich noch als Teenager entsetzlich schüchtern.
Doch immerhin entdeckte man meine Hochbegabung, wonach ich erst den bekannten Mozart-Schüler Reicha, dann den einflussreichen Pianisten Hummel als erste Lehrer erhielt.
1821 heiratete ich, widmete mich u.a. auch intensiven kontrapunktischen Barock-Techniken und gab zusammen mit meinem Mann ein monumentales 20-bändiges Sammelwerk alter und neuer Klaviermusik heraus, das in seiner wissenschaftlich-philologischen Orientierung eine eigentliche Kampfansage gegen die damals grassierende süsslich-sentimentale Salonmusik des mondän-versnobten Pariser Publikums darstellte.
Musikalische Emanzipation vom Zeitgeist
Zwar komponierte ich selber in meinen Anfängen so einiges an üblichem Repertoire meiner Zeit, aber im Gegensatz zu vielen damaligen Salonlöwen wie Herz oder Hünten vermied ich eitles Klavier-Passagenwerk ebenso wie tränenseliges Sentiment und parfümierte Phrasen. Noble Zurückhaltung, kontrolliertes Engagement, durchdachte Satztechniken, weit umspannendes Kalkül sowohl in der Kammer- wie in der grossräumigen sinfonischen Musik – das wurden im Laufe der Jahre meine eigentlichen Markenzeichen. So sehr, dass sich bald auch die Genies jener Tage allmählich über mein Schaffen höchst lobend äusserten – zum Beispiel ein Schumann, der über meine Klaviervariationen op. 17 schrieb: „… so sicher im Umriss, so verständig in der Ausführung, so fertig mit einem Worte… und dies alles leicht und gesangreich!“
Solches und weiteres Lob aus berufenem Munde führte schliesslich dazu, dass auch kleinere, aber einflussreiche männliche Geister des damaligen Kultur- und Konzertbetriebes das Problem „Frau und Komposition“ nicht mehr länger chauvinistisch bewirtschaften konnten, sondern meine Karriere sogar mit einer Professur am heilig-berühmten Pariser Conservatoire beförderten.
Es ist bedauerlich, dass mein umfangreiches kompositorisches Schaffen inzwischen zwar im französisch sprechenden, auch im osteuropäischen Kulturraum Anerkennung und Konzertaufführungen erlebt, ja teils gar auf Schallplatten eingespielt wurde – aber leider im deutschsprachigen Teil des kulturellen Europa immer noch in quasi feministischer Isolation verharren muss…
Das neue 50-Euro-GLAREAN-Preisrätsel richtet sich an die Schach-Freunde unter unseren Lesern. Und die Preis-Frage lautet auch diesmal: „Wer bin ich?“
Trotz meines sehr jugendlichen Alters und trotz meines Geschlechts darf ich darauf hinweisen, dass ich bereits unter den 2’500 besten Aktiv-Schachspielern der Welt figuriere – womit ich also nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Männern sehr erfolgreich Turnierschach spiele. Natürlich erlernte ich das Spiel früh; schon in meinem fünften Lebensjahr wurde es mir von meinem Vater beigebracht. In der Schule hatte ich dann einmal wöchentlich Schach-Unterricht; mein Lehrer bemerkte mein Talent und schlug vor, Schach ernsthaft zu studieren.
Seither eile ich von Erfolg zu Erfolg, und zu meinem Palmarès zählen inzwischen gar Europameister-Titel. Mein Lieblingssportler? Natürlich Magnus Carlsen! Der ist nicht nur die Nummer eins der Welt, sondern auch ein Top-Model 🙂 Die nachstehende Stellung dokumentiert meine hohe taktische Begabung mit einem nicht einfach zu sehenden Gewinnzug.
Also: Wer bin ich?
weiss am Zuge
1. g6! [Das Bauernopfer ist viel stärker als der Bauerngewinn: 1. fxe6 Se5 2. exf7+ Sxf7 und Schwarz spielt noch mit] 1… Da1+ [Auch das bessere 1… hxg6 hilft nicht: 2. fxg6 Lxc3 (2… Sf6 3. e5+-) 2. Lxc3 und weiss steht auf Gewinn] 2. Sb1 Sc5 [2… Lxd2+ 3. Txd2 fxg6 3. fxg6 Sf8 4. gxh7+ +-] 3. Dxh7+ Kf8 3. Lc4 Sa4 4. Dh8+ Ke7 5. Lg5+ Kd7 6. fxe6+ fxe6 7. Dxg7+ Kc6 8. Lxe6 1-0
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Wer zuerst die Lösung des Rätsels präsentiert, erhält wie immer 50 Euro. Einsende-Schluss ist am 22. April 2012 (12 Uhr). Für die Einsendung ist die untenstehende „Kommentar“-Funktion zu benützen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. – Viel Spass und Erfolg!
Mikrokosmische Schilderungen mit universalem Aussagegehalt
von Walter Eigenmann
Als Tochter eines Missionars hatte auch ich eine Mission: Schon früh war mir die Vermittlung zwischen fernöstlicher und westlicher Kultur sowohl in meiner belletristischen Arbeit als auch in meinem Privatleben ein zentrales Anliegen. Erzogen in China, aber später dann Literaturprofessorin in Amerika, bildeten auch Rassengleichheit und Völkerverständigung die ethischen Grundlagen meiner Romane, Biographien, Dramen, Essays und Gedichte.
Literarisch trugen dabei meine Überhöhung des Realismus durch biblische und asiatische Stilelemente sowie die Verbindung mikrokosmischer Schilderung mit universalem Aussagegehalt ganz wesentlich zum Weltruhm meines vielfach ausgezeichneten Schaffens bei.
Ohne gleich einen „Wunderkind“-Status unter den Komponistinnen für mich reklamieren zu wollen, kann ich doch musikalische „Frühreife“ in Anspruch nehmen, denn schon als Siebenjährige erhielt ich intensiven Klavier- und Orgelunterricht, u.a. beim tschechischen Virtuosen Leopold Kozeluch. Dabei standen die Sterne für eine Pianisten- (und später Komponisten-)Karriere alles andere als gut: Schon in meinem vierten Lebensjahr erblindete ich, und in der Folge kamen schwerste familiäre und gesundheitliche Probleme hinzu. Trotzdem gelangte ich in späteren Reisejahren zu internationalem Ruhm als Konzertpianistin.
Alle Gattungen der weltlichen Kunstmusik
1786 gab ich das öffentliche Konzertieren auf und widmete mich fast ausschliesslich dem Komponieren. Dieses fiel enorm umfangreich aus, obwohl nur ein kleiner Teil davon in Autographen oder Druckausgaben erhalten geblieben ist. Mein Schaffen umfasst beinahe alle damals gängigen Gattungen der weltlichen Kunstmusik. Lange Zeit völlig verkannt, hat die Musikforschung mein Oeuvre längst einer genaueren Durchsicht und inzwischen auch das früher eher marginalisierende Urteil einer grundlegenden Revision unterzogen. Das nachstehende Notenbeispiel gibt den Anfang meiner „Klavierfantasie in G-Dur“ wieder:
Mein Geburtsland war und ist noch immer für seine stolze Schachtradition bekannt, und dass ich als 16-jähriges Mädchen bereits Frauen-Grossmeisterin wurde, ist in meiner Heimat eine so grosse Sensation nicht. Immerhin bewies es mein grosses Talent für das Spiel, wenngleich neben der Begabung die intensive und und für meine Karriere bedeutsame damalige Zusammenarbeit mit dem Meisterspieler Mowsesyan mindestens im gleichen Masse zum Erfolg beitrug.
Mein Schach-Palmarès kann sich sehen lassen: Top-20-Ranking bei den FIDE-Women-GM (Oktober ’96), regelmässig Podest-Plätze bei den Europameisterschaften, Elo-Performances von über 2’600 an European Club Cups, hervorragende Ergebnisse an Olypiaden u.v.a. Dabei ist mein Kampfstil nicht unbedingt durch besondere taktische Rafinesse ausgezeichnet, sondern eher von positineller Sorgfalt und strategische Vorausschau geprägt. Allerdings lasse ich mir kombinatorische Fingerübungen nie entgehen, wenn sie mir von der Gegnerschaft auf dem Tablet serviert werden – wie beispielsweise in der untenstehenden Positon, wo ich mit den weissen Steinen am Zuge bin.
Anfangs des letzten Jahrhunderts erschien ein Buch von mir, von dem die zeitgenössische Presse schrieb, es schaue „von hoher Warte“ mit prüfendem Blick und „strenger Selbstkritik“ auf den Weg zurück, der mich „zu künstlerischer Höhe“, zu „ehrenden Triumphen“ geführt habe. Und in der Tat darf ich für mich in Anspruch nehmen, dass mein kompositorisches Werk sogar ungleich produktiver und vielseitiger noch als jenes meiner Zeitgenossin Clara Schumann – deren Klavierschülerin ich übrigens eine Zeitlang war – ist; im Gegensatz zu dieser habe ich mich sehr schnell von der reinen Klavierkomposition, auch von den ausschliesslich kammermusikalischen Gattungen gelöst.
Anfeindungen als Komponistin
Allerdings musste ich mich als komponierende Frau auch jahrzehntelang mit übelmeinenden, ja betrügerischen Agenten, Dirigenten, Verlegern und Intendanten herumärgern, wobei ich nicht selten auf geradezu haarsträubende Frauenfeindlichkeit stiess. Oder wie soll man sonst das folgende Lob des damals hochberühmten Chef-Kritikers Eduard Hanslick über meine Arbeiten interpretieren: „Überall symmetrische Verhältnisse, gesunde Harmonie und Modulation, korrekt und selbständig einherschreitende Bässe, wie man sie bei einer Dame kaum vermuten würde…“
Geendet als mürrische alte Jungfer
Dass ich in meiner Jugend als hochbegabte Komponistin und Pianistin begann, doch im Alter an pathologischem Geiz erkrankte und mit meinen seltsamen religiösen Ideen als mürrisch-eigenbrötlerische Jungfer endete, hat meine feindliche, diskriminierende Lebenssituation, aber auch meine elitäre und unselbstständige Erziehung wesentlich mitverschuldet. Der folgende Klavier-Auszug zeigt eine Terzett-Passage aus meinem Oratorium.
Ob meine Heirat und meine letztjährigen Mutterfreuden vielleicht mein Spiel am Brett beeinflussen werden, kann ich nur schwer voraussehen. Fest steht aber, dass ich seit langem zu den 30 stärksten Spielerinnen der Welt zähle. Was kein Zufall ist: Das Schachspiel fasziniert mich, seit ich fünf Jahre alt war und es damals von meinem russischen Grossvater erklärt bekommen habe. Inzwischen arbeitete ich schachlich mit verschiedenen Trainern zusammen, was schliesslich zu grossen internationalen Turniererfolgen – neben dreimaligem Europameisterin-Titel u.a. Memorial-Turnier-Siege in Wladimir und St. Petersburg – führte. Mit der Logik und mit der Präzision habe ich es auch als Berufsfrau: seit zwei Jahren bin ich studierte Juristin.
Mein Schachstil ist vielleicht nicht ganz so spektakulär wie z.B. jener meiner guten Freundin Alexandra Kosteniuk, aber ich spiele sehr solide und gewiss nicht ohne Mut zum Risiko, wie meine nachstehende Partie (mit Weiss) zeigt:
Eine Kennerin sowohl meiner Person als auch meiner Kompositionen hat einmal geschrieben, mein Konzept der strengen Materialbeschränkung laufe darauf hinaus, „aus kleinsten, immer wieder anders kombinierten Motiven ein überschaubares Ganzes zu gestalten und die hochgestochenen Ansprüche des Avantgarde-Hörers soweit zurückzuschrauben, dass auch einfachste musikalische Vorgänge wie die Verdichtung einzelner Töne zu einem Dominantseptakkord und dessen allmähliches Wiederzerbröckeln als Erlebnis wahrgenommen“ werde.
Und in der Tat: Vokabeln wie „Kleinstmotivik“ oder „Verdichtung“ treffen meine Musik recht genau, wie überhaupt die klangliche und strukturbildende „Sensation des Mikrokosmosmischen“ und die „Beschränkung aufs Wesentliche“ als quasi ein Leitmotiv mein Komponieren seit den frühesten Stücken in der seriell strengen Tradition meiner damals hochverehrten Vorbilder Berg und Webern durchziehen.
Formale Geschlossenheit bis zur mathematischen Abstraktion
Auch später, in meiner Schaffensphase der freien, doch gleichzeitig detailliert durchdachten Atonalität bilden planvolles Vorgehen, formale Geschlossenheit und manchmal fast mathematische Abstraktion wesentliche Pfeiler meiner Musik. In einer nächsten Periode der Beeinflussung stand mir die amerikanische Minimal-Music um Steve Reich sehr nahe. Mein aktuelles Komponieren schliesslich hat sich erweitert zu einer eigenwilligen kompositorischen Überlagerungstechnik: Unterschiedlichste Geschwindigkeiten, Metren und Taktarten werden eigenständig instrumentalgruppiert und in Simultaneität übereinander „geschichtet“ – es entstehen Rhythmus-Strukturen, deren Komplexität nur noch „im Ganzen“ wahrgenommen werden können, und die auch herkömmliche Unterscheidungen in Orchester- und Kammermusik oft überflüssig machen.
Solche Konzeption hat dazu geführt, dass mein textbezogenes Komponieren bis heute nicht allzu umfangreich ist. Dazu trug aber sicher auch bei, dass mir das Instrumentale gegenüber dem Vokalen schon immer etwas näher stand, was sich bereits in meiner Jugend zeigte, da ich als frühe Violinistin und Pianistin begann. Immerhin zählen u.a. Orchester- und Klavier-Lieder, Geistliche Konzerte und Balladen zu meinem bisherigen Gesangs-Oeuvre, wobei der Dichterin M.L. Kaschnitz meine ganz besondere Aufmerksamkeit gilt.
Wie viele meiner Berufskolleginnen und -kollegen widme ich mich neben dem Komponieren noch der akademischen Lehre; den Umgang mit meiner Studentenschaft erfahre ich als „fruchtbar und anregend“. Und schliesslich freut es mich besonders, dass meiner Musik in Form zahlreicher öffentlicher Ehrungen immer stärkere Anerkennung zuteil wird, nicht nur in meiner nördlich gelegenen Geburtsstadt.
Also: Wer bin ich?
(Einsende-Schluss ist am 10. Februar 2010, den Preis von 50 EUR in bar erhält, wer als erste(r) via untenstehende Kommentar-Funktion den richtigen Namen der gesuchten Komponistin nennt) ♦
Es ist kein Zufall, dass ich als erste Dirigentin meines Heimatlandes Verdis „La Traviata“ dirigieren „durfte“. Denn führende Musik-Kenner und Könner attestieren mir eine wichtige Rolle nicht nur in der internationalen Dirigentinnen-, sondern auch in der Komponistinnen-„Szene“.
Ich begann (schon früh) als Pianistin, doch bald nahmen das Orchesterdirigieren und das Komponieren neuzeitlicher Musik den breitesten Raum in meinem Schaffen ein, wobei meine Lehrerschaft sich aus so herausragenden Persönlichkeiten wie Hans Werner Henze, Bernhard Haitink, Karlheinz Stockhausen und Günter Wand zusammensetzte. Prägend wirkte sich ausserdem meine Assistenz bei Claudio Abbado und dessen Berliner Philharmonikern aus.
Die Avantgarde vermittelt
Seit meinen frühesten Jahren als professionelle Musikerin gilt meine grösste Leidenschaft und mein umfangreichstes Engagement nicht nur der Vermittlung, sondern auch der Kreation avantgardistischer Musik. Verschiedene vielbeachtete CD-Produktionen mit Werken von Arnold Schönberg über Luciano Berio und Steve Reich bis hin zu meinen eigenen Stücken weisen mich als ebenso originale Schöpferin wie einfühlsame Nachschöpferin neuzeitlicher Kompositionen aus. Ein Schwergewicht meines kompositorischen Schaffens liegt dabei in der Kammermusik.
Als vielseitig interessierte Förderin der modernen Musik beschränke ich mich allerdings keineswegs auf den „klassischen“ Konzertbetrieb: Mein gesamtkünstlerisches Engagement bezieht die Schul- und Jugendmusik ebenso mit ein wie die Grenzgebiete Bildende Kunst, Theater oder Film. Das Aufbrechen herkömmlicher Standorte und die Erschliessung neuer musikalischer Erfahrungsebenen sind dabei treibende Motive meiner künstlerischen Arbeit. Diese Zielsetzung, dokumentiert in einer grossen Anzahl von Konzerten, medialen Events und internationalen Workshops, erfährt schon seit Jahren immer wieder bedeutende öffentliche Aufmerksamkeit und Auszeichnung, zumal in Deutschland. ♦
Musikalische Auseinandersetzung mit Auschwitz und Tschernobyl
von Walter Eigenmann
Dass ich einen genialen Komponisten als Lehrer hatte, war meiner Karriere sicher nicht hinderlich. Mehr noch, eben dieser Lehrer beeinflusste mein schöpferisches Werk massgeblich. Gleichwohl gelang es mir im Laufe meines langen Lebens, einen unverwechselbaren Personalstil zu entwickeln. Dazu gehört, zumal in meinen Vokalwerken, auch der Einbezug von stilistischen Strömungen und Techniken der Neuen Musik nach 1945 bis hin zu aktuellen improvisatorischen Komponenten. Allerdings blieb mein kompositorisches Bestreben, auch wo es unerwartet kühn und artifiziell erscheint, immer der künstlerischen Aussage bis hin zum religiösen Bekenntnis verpflichtet.
Epochale Chiffren als Zentren des musikalischen Schaffens
Die musikalische wie die ethische Auseinandersetzung mit „meinem“ Jahrhundert ist die tiefste Basis meines Schaffens. Zwangsläufig wurden mir epochale Chiffren wie „Auschwitz“, „Hiroshima“ oder „Tschernobyl“ nicht nur zum Gegenstand existentieller Reflexion, sondern auch zu Zentren meines umfangreichen Opern-, Sololied-, Chormusik und Kantaten-Schaffens.
Der nachfolgende Noten-Ausschnitt ist ein Beispiel meiner zwölftönig konzipierten Zahlensymbolik und entstammt einer im Jahre 1974 komponierten Chor-Motette.
Aus einem hochmusikalischen Elternhaus stammend, kam ich mit meinem Lieblingsinstrument schon früh in Berührung, und später wurde ich zu einer gefeierten Solistin in meinem Heimatland. Danach konzentrierte ich mich allerdings ganz auf die Komposition und die Literatur, und auch in diesen beiden Welten galt ich bald als eine sehr erfolgreiche Künstlerin. Aus meiner Feder stammen Romane und Erzählungen, einen internationalen Namen machte ich mir aber v.a. als einflussreiche Komponistin zahlreicher Orchesterstücke, Instrumentalkonzerte und Kammermusikwerke sowie eines umfangreichen Oeuvres von Sologesangs- und Chormusiken.
Trotz Qualität in Vergessenheit geraten
Leider geriet ich in den folgenden Jahrzehnten nach und nach in Vergessenheit, und heute steht mein ebenso qualitätsvolles wie thematisch sehr breites schöpferisches Schaffen in keinem Verhältnis mehr zu meinem geringen Bekanntheitsgrad, obwohl mein Kompositionsstil keineswegs als avantgardistisch zu beschreiben, sondern vielmehr dezidiert tonal, teils gar folkloristisch, wenngleich sehr strukturiert, fast „anti-expressionistisch“ gehalten ist, und obwohl sich Kenner und Könner immer mal wieder in Konzerten und auf Schallplatten meiner Kompositionen annahmen.
Das Notenbeispiel zeigt den Anfang einer Transkription meiner mehrsätzigen Kammersonate für Cello und Klavier.
Hineingeboren in eine Mathematiker-Familie, brachte man mir das Schachspiel schon im vierten Lebensjahr bei. Und folgerichtig startete ich meine Karriere als sog. „Wunderkind“, welches im Alter von 9 Jahren mit 9 Punkten aus 9 Partien seinen ersten überregionalen Sieg in einem ansonsten nur von Jungs bestrittenen Turnier erzielte. Meine weiteren Lorbeeren: (Ex-)jugoslawische Meisterin, Belgrader Meisterin, danach IM- und anschliessend Frauen-GM-Titel, und schlussendlich Vorstoss in die absolute Weltspitze als zweimalige Drittplatzierte der FIDE-Weltrangliste.
Nach Höherem gestrebt – bis zur Professorin
Aber ehrgeizig wie ich schon von Kindheit an bin, genügte und genügt mir das Schach allein nicht, auch beruflich strebte ich stets nach Höherem. Also musste noch ein Doktor-Titel her – aber damit nicht genug: seit September letzten Jahres bin ich sogar Professorin an einer Universität meines Heimatlandes in der „Faculty of Culture and Media“.
Besonders stolz bin ich darauf, dass auf der Liste meiner Schach-Opfer auch eine ganze Menge sehr prominenter Namen stehen: Die Klinge kreuzte ich mit solchen berühmten Grossmeistern wie Anand, Miles oder Nisipeaunu, oder wie Chiburdanidze, Cramling, Zhu Chen, und Z. Polgar bei den Frauen – und sie alle zogen schon mal den Kürzeren gegen mich. Ein taktisch spannendes Exempel meiner Spielkunst findet sich nachstehend:
Meine Gegner(innen) meinen oft, ich hätte einen besonders „sanften Blick“, und sie denken, so ein zierliches Persönchen wie ich könne kein Wässerchen trüben. Aber wie so oft trügt der äussere Schein: Mut und Angriffsfreude waren mir schon seit Kindertagen eigen – anders hätte ich nicht mehrere „U-Turniere“ gewinnen können -, meine Nervenstärke ist in der Szene bekannt, und später gesellte sich noch ein kleiner Hang zum Exquisiten hinzu, was sich – trotz meiner theoretischen Beschlagenheit (siehe Bild) – zeigte in weissen Eröffnungszügen wie 1.Sf3 2.b3 mit oft späterem g3 und ähnlich Unorthodoxem.
Mein Land vertrat ich in jüngster Vergangenheit an einer besonders Prestige-trächtigen Veranstaltung derart erfolgreich, dass unsere Mannschaft gar die Bronze-Medaille holte. Eine amüsante Kostprobe meiner Kombinationsfertigkeit findet sich in nachstehender Stellung, wo es für mich (Schwarz) heisst: ich ziehe und gewinne: