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| Tertullian († um 220) - Über das Gebet (De oratione)

25. Kap. Über die Gebetszeiten.
Hinsichtlich der Zeiten aber dürfte die äußerliche Beobachtung gewisser Stunden nichts Überflüssiges sein, jener gemeinschaftlichen Stunden nämlich, welche die Hauptabschnitte des Tages bezeichnen, die dritte, sechste und neunte, welche man auch in der Hl. Schrift als die ausgezeichneteren genannt findet. Zum ersten Male wurde der Hl, Geist auf die versammelten Jünger ausgegossen um die dritte Stunde1. An dem Tage, als Petrus in jenem Geräte die Vision von der Gemeinsamkeit [S. 270] hatte, war er um die sechste Stunde in das obere Stockwerk hinaufgestiegen, um zu beten2. Derselbe ging mit Johannes um die neunte Stunde nach dem Tempel, wo er dem Gelähmten seine Gesundheit wiedergab3. Wenn sie auch absichtslos verfahren, ohne die Darnachachtung vorzuschreiben, so möchte es doch gut sein, darauf eine Anschauung zu begründen, welche der Ermahnung zum Gebete eine feste Form gibt, wie ein Gesetz zuweilen von den Geschäften losreißt und zu dieser Pflicht hintreibt, damit wir nicht etwa weniger als wenigstens dreimal am Tage - als Schuldner der drei Personen, des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes - anbeten, was schon von Daniel, wie wir lesen4, beobachtet wurde, natürlich gemäß dem Gebrauche des Volkes Israel, abgesehen natürlich von den pflichtmäßigen Gebeten, welche wir auch ohne besondere Ermahnung beim Beginne des Tages und der Nacht schuldig sind. Auch Speise genießen und ein Bad nehmen, bevor man ein Gebet hat vorausgehen lassen, geziemt sich nicht für Gläubige. Denn die Erquickung und Nahrung der Seele muß der des Fleisches vorangehen, weil das Himmlische früher ist als das Irdische.
1: Apostelg. 2,15.
2: Apostelg. 10,9.
3: Apostelg. 3,1.
4: Dan. 6,10.