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Das zweite Telegramm besonders, durch welches ich ermächtigt wurde zu erklären, dass wir bereit seien uns einer gemeinsamen Aktion der Neutralen betreffend die Sanktionen anzuschliessen, wurde hier sehr günstig aufgenommen. Mit Genugtuung wird es von dem hiesigen Ministerium des Äusseren empfunden, in dieser Sache die Schweiz mit sich zu haben. Es scheint wohl, dass von anderen neutralen Staaten noch keine, wenigstens noch keine bestimmt zusagende, Antwort eingetroffen ist. Hingegen sind inzwischen heute morgen aus Amerika Meldungen eingetroffen, die die Lage ändern.
In den heutigen Morgenzeitungen erschien der Bericht, dass Deutschland die Entscheidung über die Entschädigungsfrage in die Hände des Präsidenten Harding gelegt habe. Und wie ich bei Graf Wrangel war, kam gerade das Telegramm, worin es heisst, dass Harding zwar die Rolle eines Schiedsrichters ablehne, wohl aber geneigt sei, diejenige eines Vermittlers anzunehmen. Wrangel verlas mir das Telegramm und bemerkte, dass wir nun mit einer Intervention der Neutralen wie «moutarde après dîner» kommen würden. Immerhin meinte ich, dass wir unsere erste Absicht nicht aus den Augen lassen sollten, denn wir können uns eigentlich noch nicht genau vorstellen, was die Amerikaner unter solchen deutschen Entschädigungsvorschlägen verstehen, welche geeignet wären, neuen Verhandlungen als Basis zu dienen. Der Abstand zwischen den Forderungen der Alliierten und dem Maximum, zu dem sich Simons früher bereit erklärt hatte, war ja so gross, dass man sich eine Verständigung noch nicht vorstellen kann. Ferner: auch wenn die amerikanische Aktion wirklich eingreift und etwas ausrichten kann, so würde das Vorgehen Amerikas vielleicht durch einen Anschluss der Neutralen an Gewicht gewinnen.
Der Minister stimmte bei, er wollte sich aber selbstverständlich nicht binden und behielt sich vor, mit seinen Kollegen Rücksprache zu nehmen. Er schien hauptsächlich Wert auf die Prüfung der Frage zu legen, wie der Anschluss der Neutralen von Amerika und von den Alliierten aufgenommen werden könnte. Über die Form und Tragweite des Anschlusses oder eines eventuellen selbständigen Vorgehens konnte sich Hr. Minister Wrangel auch noch nicht äussen.
Es ist mir deswegen nicht möglich, Ihnen, wie Sie wünschen, Näheres über die diesbezüglichen hiesigen Absichten zu berichten. Die Schwedische Regierung wollte zunächst nur wissen, ob wir überhaupt geneigt seien, einen gemeinsamen Schritt mitzumachen. Über das Weitere sollte nachher verhandelt werden. In dem Stadium, in das die ganze Frage durch die letzten Berliner und Washingtoner Schritte eingetreten ist, lässt sich augenblicklich noch nicht übersehen, in welcher Richtung sich eine eventuelle gemeinsame Aktion der Neutralen bewegen soll. Bisher scheint mir die Schwedische Regierung hauptsächlich die Absicht gehabt zu haben, die wirtschaftlichen Momente vom Standpunkt der eigenen Interessen der Neutralen zu betonen, wogegen die eventuelle Aktion Amerikas natürlich weit mehr als eine allgemein politische betrachtet werden muss, die sehr leicht weit über das hinausgeht, was die Neutralen von ihrem Standpunkt aus verantworten können.
Ich behalte enge Fühlung mit dem Minister Wrangel und werde Sie von jeder wichtigen neuen Wendung in Kenntnis setzen. Ich bitte Sie, diesen Bericht dem Volkswirtschaftsdepartement mitzuteilen, und möchte noch betonen, dass man hier das grösste Gewicht darauf legt, dass ja nichts von dieser schwedischen Initiative in die Öffentlichkeit dringt.3
- 1
- E 2001 (B) 8/23.↩
- 2
- Non reproduits.↩
- 3
- Motta a noté en tête du document: Cette lettre et les pourparlers qui s’y rattachent sont l’objet d'un grand malentendu. Le Conseil fédéral n’a jamais songé à une intervention des neutres. La seule question est celle de savoir comment les neutres pourraient organiser la protection de leurs intérêts lésés par les sanctions. 27.4.21. M.↩
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