Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03296.jsonl.gz/1934

Der scheidende Präsident Moon Jae-in hatte die Politik verfolgt, die 24 Kernkraftwerkseinheiten Südkoreas, die etwa 30% der Stromerzeugung des Landes ausmachen, stillzulegen und keine neuen zu bauen.
Die Zeitung «The Korea Herald» berichtete am 10. März 2022, dass der designierte Präsident Yoon hingegen der Notwendigkeit der Kernenergienutzung sehr positiv gegenüberstehe. Während seiner Wahlkampagne schrieb Yoon auf seiner Facebook-Seite: «Ich werde das Ökosystem der Atomstromerzeugung wiederherstellen und sichere Nukleartechnologien voranbringen, damit sie zu einer zentralen Antriebskraft für das Land werden können». Er fügte hinzu: «Die Regierung sagte, sie werde den Anteil der Kernenergie bis 2050 auf 7% reduzieren und Strom aus China und Russland importieren, wenn es einen Engpass gibt. Dieser Plan ist jedoch selbst dann nicht realisierbar, wenn unser gesamter Boden mit Sonnenkollektoren belegt würde.»
Yoon erklärte, der Bau von Kernkraftwerken sei ein globaler Trend und für die Verringerung des Kohlenstoffausstosses und für die Energieversorgungssicherheit unerlässlich. Er wies darauf hin, dass die EU vor Kurzem die Kernenergie in ihrer Taxonomie für nachhaltige Finanzen als grüne Energie eingestuft habe.
Es wird erwartet, dass die neue Regierung als ersten Schritt den sistierten Bau der APR-1400-Einheiten Shin-Hanul-3 und -4 wieder aufnehmen wird. Diese befinden sich 330 km von Seoul entfernt im Südosten des Landes. Die Arbeiten an den beiden Anlagen sind seit 2017 im Rahmen des Kernenergieausstiegs gestoppt worden.
Projekte im In- und Ausland
Yoon hat ausserdem zugesagt, den derzeitigen Kernkraftwerksparks des Landes so lange wie möglich zu betreiben und den Anteil der Kernkraft am Energiemix bei 30% zu halten. Er kündigte zudem an, erneut in die Forschung für kleine, modulare Reaktoren zu investieren, und gab das Ziel aus, bis 2030 mindestens zehn Kernkraftwerkseinheiten ins Ausland zu verkaufen und damit 100ʼ000 Arbeitsplätze zu schaffen.
Die Emirates Nuclear Energy Corporation (Enec) hatte die Korea Electric Power Corporation (Kepco) Ende 2009 beauftragt, vier fortgeschrittene Druckwasserreaktoreinheiten des südkoreanischen Typs APR-1400 am Standort Barakah in den Vereinigten Arabischen Emirate zu bauen. Barakah-1 und -2 sind seit 2020 und 2021 am Netz, der Bau von Barakah-3 ist abgeschlossen und Barakah-4 ist zu 92% fertiggestellt. Wenn die Anlage vollständig in Betrieb ist, wird sie ein Viertel des Strombedarfs der Vereinigten Arabischen Emirate decken.
Südkorea ist auch an Ausschreibungen für andere grosse Nuklearprojekte beteiligt, darunter Pläne für Neubauten in der Tschechischen Republik und in Polen.
Quelle
M.A. nach NucNet, 22. März 2022