Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/2622

Seit es Menschen und Staaten gibt bilden Berge, Gewässer oder andere natürliche Hindernisse Grenzen. So auch der Rhein. Über seine gesamte Länge vom Bündnerland bis an die
Nordsee trennt er Völker, Länder oder Imperien. Immer wieder wurden Kämpfe geführt, um eine Grenze bis an den Rhein zu schieben oder einen Übergang über den Rhein zu
schaffen oder zu sichern. Besonders gefährdet waren daher alle möglichen Übersetzstellen.

Kartenausschnitt Sperrestellen Hemishofen und Rheinklingen (1:25'000)
[ Friends only ]
Die Furt bei Rheinklingen
Der als am gefährlichsten beurteilte und in erster Staffel vielleicht auch wahrscheinlichste Rheinübergang im Abschnit des Inf Rgt 52 war die Furt bei Bibermüli - Rheinklingen
westlich von Stein am Rhein. Hier konnte der Rhein nämlich mit Panzern, bei Niedrigwasser sogar mit Lastwagen, ohne weitere Vorbereitungsmassnahmen einfach durchfahren werden.
Kein Wunder also, hat man bereits ab 1938 diesen Abschnitt recht umfangreich mit MG Bunkern und Stosstrupp-Unterständen dotiert.
Im Kalten Krieg verstärkte man das Dispositiv nochmals mit zahlreichen Unterständen (U4, U12, ASU). Trotzdem erstaunt es, dass in diesem Abschnitt keine Permanenzen für
die Panzerabwehr zu finden sind. Diese wurden erst in der zweiten Verteidigungslinie bei der Stammheimer Senke
errichtet. Der Gegner wäre hier primär durch die MG Bunker, PAL Trupps, eine umfangreiche Verminung und die Artillerie (8.1 cm
Festungsminenwerfer) bekämpft worden.

Der Feind kommt von Moskau her!

Sind wir ehrlich, wir haben es immer gewusst, dass der Feind von Moskau her kommen wird. Für Rheinklingen galt dies in ganz besonderem Masse. Habt Ihr gewusst, dass ein Gegner der
hier übergesetzt hätte, sehr direkt von Moskau gekommen wäre? Denn Moskau liegt bloss 3.5 km von hier entfernt. Warum? Moskau heisst ein kleiner Weiler von Ramsen, direkt an der Grenze.
Der Feind war also näher als ihr alle dachtet. ;-)
Die Rheinbrücke des Herrn Eiffel bei Hemishofen
Bereits in römischer Zeit führte eine Strasse von Tasgetium (Eschenz) über Hemishofen in den Hegau hinaus. Am 13. Juli 1863 wurde die Bahn
Waldshut-Schaffhausen-Singen-Konstanz eingeweiht. Damit war die Region Stein am Rhein erstmals in die Nähe einer Bahnlinie gerückt. Es entstand auch in der Region der
Wunsch nach einer Anbindung an eine Bahnlinie. Im Frühjahr 1872 schlug ein Winterthurer Komitee die direkte Strecke Winterthur-Singen vor, welche eine Brücke bei
Hemishofen vorsah. Im Februar 1875 nahm man das grösste und spektakulärste Bauwerk der Strecke Etzwilen -Singen in Angriff: Die 254 m lange und 25 m hohe
Eisenfachwerkbrücke über den Rhein. Dieses Bauwerk besticht noch heute durch ihre Eleganz, und man ist erstaunt über die verhältnismässig kurze Zeit, die es zu ihrer
Erbauung brauchte. Weniger bekannt aber ist die Tatsache, dass diese Brücke geplant wurde vom bekannten französischen Ingenieur Alexandre Gustave Eiffel, dem Erbauer des
berühmten Eiffel-Turms in Paris. Fachleute bezeichnen sie als wertvolles Zeitdokument für die Blütezeit des Bahnbaus in der Schweiz.
Die Brücke ist als Übergang über den Rhein nicht nur für die Schweiz wichtig gewesen, sondern auch für das benachbarte Deutschland. Davon zeugt die Tatsache, dass während
des Zweiten Weltkrieges deutsche Kohlenzüge die Strecke derart strapazierten, dass nach Kriegsende die Hemishofer Brücke nur noch mit halb beladenen Güterzügen befahren
werden konnte.
Die Brücke selber wurde als permanentes Sprengobjekt für eine Sprengung vorbereitet. Tag und Nacht wachten Soldaten über die Brücke und hätten im Ernstfall diese Brücke
sprengen sollen. Davon zeugen noch heute die Wächterhäuschen und Unterstände für die Soldaten, die Leitungen und Verteilkästen für die Sprengleitungen sowie die Sprengschächte
an der Brücke.
Plan der Innenausrüstung des MG Bunkers A5522 von 1939 [ Friends only ]
Brücke und Bunker heute
Ende der 60er Jahre wurde der Personen und Güterverkehr über diese Brücke eingestellt und die Linie auf ein Industriegeleis zurück gestuft. Sie ist von der Stiftung
Eisenbahnbrücke Hemishofen übernommen worden, damit sie als wertvolles Baudenkmal von nationaler Bedeutung erhalten werden kann. Die Stiftung Museumsbahn SEHR & RS hat
käuflich von den SBB die gesamte Infrastruktur der Bahnlinie Etzwilen - Rielasingen mit Ausnahme der Rheinbrücke bei Hemishofen übernommen und führt diese als Museumsbahn
heute weiter. Alle Sprengschächte wurden geleert und die Bunker sind zum Teil in den Besitz der
militärhistorischen Stiftung des Kantons Zürich übergangen.

Kapitel Hauptseite
Wagenhausen
Sperrstelle 605
Hemishofen
Sperrstelle 609
Hemishofen
Sperrstelle 609 - M0733
Rheinklingen
Sperrstelle 613
Rheinklingen
Sperrstelle 615
Schiesspanorama 1942
[Historisches Exklusiv Material]
[ Friends only ]