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Soll die SVP ihren Kandidaten Stéphane Peiry am 27. November alleine in den zweiten Wahlgang für die Staatsratswahlen schicken? Oder soll die Partei Peiry zusammen mit dem FDP-Kandidaten Peter Wüthrich auf der Liste des bürgerlichen Bündnisses ins Rennen schicken?
Diese beiden heiklen Fragen musste die Freiburger SVP bis zur Versammlung ihres Zentralvorstandes gestern Abend in Le Mouret für sich beantworten. Beide Varianten präsentierten sich für die Partei mit Tücken. Bei einem Alleingang von Peiry gegen drei Kandidatinnen und Kandidaten der linken Liste riskiert das bürgerliche Bündnis, das Ziel eines fünften Sitzes im Staatsrat zu verfehlen. Und bei einem Zweierticket mit Wüthrich läuft die SVP Gefahr, dass der FDP-Kandidat erneut mehr Stimmen macht und anstelle Peirys in die Regierung einzieht. Am Sonntag hatte Wüthrich mit 35 801 Stimmen den SVP-Mann mit 33 847 Stimmen relativ deutlich distanziert.
Einstimmiger Entscheid
Die SVP hat sich für den Alleingang entschieden. Der Zentralvorstand der Partei unterstützte diesen Vorschlag des Komitees gestern einstimmig. Parteipräsident Roland Mesot begründete diesen Schritt wie folgt: «Das Ziel unseres Bündnisses ist der Gewinn eines fünften Sitzes in der Regierung. Würden wir mit zwei Kandidaten antreten, hiesse das, dass wir sogar sechs Sitze anstreben. Das wäre arrogant.» Roland Mesot erwähnte noch ein zweites Argument: «Ein bürgerliches Zweierticket könnte eine Spaltung der Wählerschaft mit sich ziehen.»
Mit der alleinigen Kandidatur von Peiry greife man voll an, um den zusätzlichen Sitz zu holen, so Mesot. Er sagte: «Die Linke hat Angst vor uns.»
Mesot betonte, dass Peiry auch die Unterstützung der anderen bürgerlichen Parteien sicher sei. Peiry selber traf erst in Le Mouret ein, als der Entscheid für seine Einerkandidatur bereits gefallen war. Er war nämlich zuvor bereits bei der Generalversammlung der CVP (siehe Text unten), um dort für seine Kandidatur zu werben.
Aus den Reihen des rund 40-köpfigen SVP-Zentralvorstandes wurde die gewählte Strategie für den zweiten Wahlgang von niemandem infrage gestellt. Nationalrat Pierre-André Page erinnerte an seine Kandidatur vor fünf Jahren, als er auf bürgerlicher Seite alleine antreten musste und keine Chance hatte. Nun habe aber das Bündnis gespielt und Peiry ein viel besseres Resultat erzielt als er damals.
Jean-François Rime steht ebenfalls hinter der Strategie, sagte aber, dass bisher nicht alle Seiten mitgespielt hätten. Nun müsse man die Wähler der Bündnispartner CVP und FDP gewinnen und ihnen klar machen, dass sie auf die Unterstützung der SVP bei den Oberamtwahlen angewiesen sind.
Fraktionschef Emanuel Waeber zeigte sich besorgt über die tiefe Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang: «Jetzt geht es darum, zu mobilisieren. Die Linke wird ihre Wähler sicher auch mobilisieren.»
In der Diskussion wurde dem Vorstand zum Teil vorgeworfen, zu wenig intensiv Wahlkampf betrieben zu haben. Parteipräsident Mesot erklärte dies damit, dass vieles unter dem Banner des Bündnisses geschehen sei. Vizepräsident Gabriel Kolly erklärte, dass die Kampagne für den zweiten Wahlgang bereit sei. Man habe die Szenarien vorbereitet und können gleich loslegen. Auf den Plakaten und Anzeigen würden sich auch die bereits gewählten Staatsräte an der Seite Peirys zeigen.
Peiry von Sieg überzeugt
Skepsis wurde auch darüber laut, ob die FDP wirklich nicht im letzten Moment doch noch ihren Kandidaten ins Rennen schickt. Mesot betonte, dass FDP-Präsident Didier Castella versichert habe, die FDP würde die gemeinsame Strategie respektieren. Die Eingabe von Kandidaten für den zweiten Wahlgang ist bis heute Mittag möglich, die FDP hat aber erst am Abend ihre Versammlung.
Stéphane Peiry selber ist überzeugt, dass die gewählte Strategie ihn und somit die SVP in den Staatsrat bringt, wie er gegenüber den FN sagte. «Mit einer Zweierkandidatur würden wir vom Ziel des Bündnisses abkommen», sagte er. Peiry glaubt auch nicht, dass Wüthrichs Stimmen einen entscheidenden Vorteil bringen würden. «Wir könnten nur verlieren, wenn die bürgerlichen Stimmen zwischen zwei Kandidaten aufgeteilt würden.» Er sei sich mit dem Parteivorstand sofort einig gewesen: «Eine Einerkandidatur ist die einzige mögliche Strategie.»
Peter Wüthrich
«Der beste Spieler schiesst doch den Penalty»
«Ich wäre lieber mit Stéphane Peiry in den zweiten Wahlgang gezogen», sagte FDP-Mann Peter Wüthrich gestern den FN, nachdem die SVP ihren Entscheid gefällt hatte. Er sagte, der Entscheid sei in den Händen der Parteipräsidenten gelegen, und diesem füge er sich auch. «Aber ich halte den Entscheid für taktisch falsch», so Wüthrich. «Ein Fussballtrainer lässt doch den besten Spieler den Penalty schiessen. Ich habe das beste Resultat der nicht direkt Gewählten erzielt. Aber als Sportler halte ich mich an die Regeln.» Für FDP-Parteipräsident Didier Castella ist es «eine enorme Frustration», Peter Wüthrich zurückziehen zu müssen. Aber er bestätige den FN: «Die FDP respektiert die Abmachung.»
«Eine Einerkandidatur ist die einzige
mögliche Strategie.»
Stéphane Peiry
SVP-Staatsratskandidat