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Warum bist du in den Beziehungen, in denen du bist?
February 9, 2017
Hast du dich schon einmal gefragt, warum du in den Beziehungen bist, in denen du bist?
Gewohnheit? Zweckmässigkeit? Bequemlichkeit?
Weil sie Spass machen? Weil sie dich selbst gut fühlen lassen so wie du bist?
Weil die andere Person dich unterstützt und akzeptiert?
Aber worin besteht der ausschlaggebende Punkt, der darüber entscheidet, dass du gewisse Menschen in dein Leben lässt und andere nicht?
Und hier ist jetzt nicht die Rede von pathologischen Lügnern, manipulativen, unberechenbaren oder missbräuchlichen Menschen. Selbstverständlich sollten diese auf Distanz gehalten werden.
"Psychische Gesundheit ist Hingabe an die Realität um jeden Preis." M. Scott Peck
Doch wie viele von uns haben unsere Freundschaften und Beziehungen aus diesem Grund gewählt? Wie viele von uns schätzen ihre Beziehungen, weil sie uns zeigen, wer wir sind und uns einen adäquaten Spiegel vorhalten, um zu betrachten, wie wir sind und wie wir uns verhalten? Wie viele von uns wählen unsere Freunde danach, wie offen und ehrlich sie mit uns sind und weniger danach, wie sehr sie uns bestätigen und uns emotional schmeicheln?
Wie viele von uns entscheiden sich dafür, Beziehungen mit bestimmten Personen einzugehen, weil sie uns die Möglichkeit bieten, uns klarer zu sehen, weil die andere Person einigermassen weise ist und tiefgründig und klar denken kann? Wie viele von uns haben solche Freunde - Freunde, die bereit sind zu riskieren, offen und ehrlich mit uns zu sein?
Wie viele von uns wollen, dass unsere Freunde ehrlich zu uns sind oder bitten sie sogar darum, so zu sein? Wie viele von uns haben Beziehungen, in denen, wenn wir fragen: "Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist der/die Schönste im ganzen Land?" wir eine aufrichtige Antwort erwarten und dass uns unsere Freunde uns keinen Mist erzählen? Wie viele von uns können unsere Freunde ehrlich danach fragen, was wir tun können, um uns als Menschen zu verbessern, um als Individuen zu wachsen und woran wir noch arbeiten sollten?
Wenn du keine solchen Freunde und Beziehungen hast, warum ist das so? Kennst du keine ehrlichen, tiefgründig denkenden Menschen?
Oder ist es dir bisher einfach gut gelungen, ihnen aus dem Weg zu gehen und dich vor ihnen zu schützen? Erkennst du dich wieder? Falls ja, dann mach dir nichts draus, weil du in guter Gesellschaft bist, weil die Mehrheit der Männer und Frauen nicht mit der Wahrheit umgehen können!
Wie hast du es mit der Wahrheit? Kannst du sie ertragen? Kannst du damit umgehen?
Oder ziehst du es vor, dich vor dir selbst und vor dem Leben in deinen Beziehungen zu verstecken? Sind deine Beziehungen ein Mittel der Selbstvermeidung?
Oder ein Mittel zur Selbst-Offenbarung und zu mehr Selbst-Bewusstsein?
Nur durch Entschleunigung und aufrichtiges Beobachten - ohne Weichspüler, ohne Ausflüchte - wie du in deinen Beziehungen handelst, kannst du herausfinden, wer du wirklich bist. Wenn du manche Menschen meidest, was ist dein Beweggrund dafür? Was macht eine bestimmte Person "gefährlich" für dich? Was hält dich davon ab, mit dieser Person einen Tee zu trinken oder ein ehrliches Gespräch mit ihr/ihm zu riskieren? Hast du Angst, zu sehen, wie andere dich sehen? Hast du Angst zu sehen, wer du wirklich bist? Hast du Angst davor, aufzufliegen?
Wissen schafft Verpflichtung. Solange wir bloss unsere Möchtegern-Spiegel betrachten, uns ausschliesslich mit gekrümmten Spiegeln umgeben, mit "gegenseitigen Bewunderungspakten" (wie David Schnarch sie bezeichnet), mit denen wir einander bloss verzerrte, verzogene, übermässig grosszügige und übertrieben optimistische, ausschliesslich positive Bilder von uns spiegeln, können wir unsere Fassade aufrecht erhalten und auf unsere gedankenlose, vernunftswidrige und dreistige Art weiter fahren.
Aber in dem Moment, in dem eine ehrliche Widerspiegelung von uns selbst in unser Leben tritt, schafft dieser Moment eine immense potenzielle Gewissenskrise: Wenn wir eine solche Reflexion zulassen und nicht davon laufen oder den Spiegel zerbrechen, dann sind wir aufgerufen, etwas in Hinblick darauf zu tun, was wir über uns selbst gesehen haben – diese Selbsterkenntnis schafft eine Verpflichtung; Sie verpflichtet uns dazu, die Dissonanz zwischen dem, was wir denken, und dem, was wir soeben von uns selbst gesehen haben, zu beenden. Das heisst, wenn wir wirklich integer sind.
Oder wir werden aktiv, den Spiegel bzw. die andere Person aus unserem Leben hinauszuschaffen.
Aber machen wir uns nichts vor, ehrlich und klar denkende Menschen sind dazu da, uns das Fürchten zu lehren. Sie lassen uns auffliegen, führen uns unseren eigenen Mist vor Augen und servieren uns all unsere Unsinnigkeiten, all unseren Mumpitz, all unsere Flausen auf dem Tablett - all unsere Schwächen, unsere kleinen psychologischen Spiele, unsere Makel und üblen kleinen zwischenmenschlichen Gewohnheiten, Laster, Feigheiten und vermeidenden Tendenzen. Sie zeigen uns, was wir sind. Und weil wir nicht mögen, was wir sind (oder was wir sehen), oder weil wir bereits ein so geringes Selbstwertgefühl haben, dass wir glauben, nicht damit umgehen zu können, uns als das zu sehen, was wir sind, laufen wir weg, oder schliessen die andere Person aus unserem Leben aus. Wir handeln wie ein Feigling und verlieren dadurch noch mehr Respekt und Wertschätzung für uns selbst. Wir setzten die Messlatte für uns noch niedriger als zuvor.
Bist du wirklich so schwach und zerbrochen, dass du nicht mit einer ehrlichen Reflexion von dir selbst umgehen kannst? Ist es schon so weit in deinem Leben gekommen? Ist es das, worauf du dein Leben reduziert hast - ein Leben von Unehrlichkeit, Selbsttäuschung, der Vermeidung von Wirklichkeit und Wahrheit?