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Etwa 95% aller Menschen infizieren sich im Verlaufe ihres Lebens mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), schreiben die Forscher im Fachblatt Neurology.
Ältere Studien zu möglichen MS-Risikofaktoren lassen vermuten, dass das EBV (das Virus gehört zu den Herpesviren) eine Rolle bei der Multiplen Sklerose spielt. Erfolgt eine EBV-Infektion in früher Kindheit, bleibt dies meist ohne Folgen.
Eine EBV-Infektion im späteren Kindes- oder Jugendalter erhöht aber das spätere MS-Risiko um das Zehnfache. Eine Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber (eine Erkrankung, die ebenfalls durch das EBV ausgelöst wird) im selben Alter erhöht das spätere MS-Risiko sogar um das Zwanzigfache.
Unter den vielen vermuteten Erregern galt das EBV als wahrscheinlichster Auslöser der Multiplen Sklerose, wie Experten in den Annals of Neurology im Jahr 2007 berichtet hatten. Das EB-Virus befällt B-Lymphozyten (Weisse Blutkörperchen, gehören zur Immunabwehr) und legt seine Gene im Erbgut der Zellen ab. Sie vermehren sich aber nicht. So bleibt eine EBV-Infektion wenn auch nicht aktiv, ein Leben lang bestehen. Um als tatsächlicher Auslöser für MS zu gelten, fehlte aber bis heute der Nachweis von EB-Viren in Hirnläsionen bei MS-Patienten.
Nach den neuesten Erkenntnissen einer Hirnforscherin der Queen Mary University in London zur Folge, hat sich dies nun geändert. Die Hirnforscherin wies in Hirnläsionen von 10 verstorbenen MS-Patienten das Virus nach. Das EB-Virus selbst war zwar nicht aktiv, schien aber entzündliche Prozesse anzuregen, die zu einer MS führen können . Die Expertin vermutet, dass die EB-Viren mittels B-Lymphozyten ins Gehirn gelangen. Ausserdem war es der Forscherin im Laborexperiment gelungen, die Produktion der entzündungsauslösenden Proteine durch EBV-infizierte Zellen auszulösen.
Stimmt diese Hypothese, müssten bei Autoimmunerkrankungen wie MS Medikamente helfen, die gezielt die mit EBV infizierten B-Zellen ausschalten.
In einer ersten Pilotstudie zeigte ein Wirkstoff, der speziell aktivierte B-Zellen auslöscht und auch bei Krebs eingesetzt wird, vielversprechende Erfolge.. Es handelte sich dabei um einen monoklonalen Antikörper (Rituximab), welcher heute in klinischen Studien zur Behandlung von MS eingesetzt wird.
Eine frühere Studie im Jahr 2008 mit dem gleichen Wirkstoff reduzierte die Schubrate bei MS deutlich. Diese Resultate müssten aber noch in grösseren Studien bestätigt werden, so die Forscher.