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Nelson Freire, Klavier
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) – Orgelpräludium g-moll BWV 535
für Klavier übertragen von Alexander Siloti
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) – Sonate C-dur op. 53 „Waldstein-Sonate“ (1804)
Allegro con brio
Introduzione: Adagio molto
Rondo: Allegretto moderato
***
Claude Debussy (1862 – 1918) – Soirée dans Grenade (1903)
Poissons d’or (1907)
Frédéric Chopin (1810 – 1849) – Sonate h-moll op. 58 (1844)
Allegro maestoso
Scherzo: Molto vivace
Largo
Finale: Presto, non tanto
In Boa Esperança, einer kleinen Stadt in Minas Gerais (Brasilien), kam der heute weltweit gefeierte Künstler zur Welt. Als Nelson Freire fünf Jahre alt war, zogen seine Eltern nach Rio de Janeiro, um dem Hochbegabten eine gute musikalische Ausbildung ermöglichen zu können. Und die Bemühungen fruchteten: Unter der Obhut zweier herausragender Lehrer, Nise Obino aus Rio Grande do Sul und Lucia Branco aus Saõ Paolo, hatte sich Freire bereits mit 14 Jahren zum grossen Meister des Klavierspiels entwickelt. Zwölfjährig hatte er sich ins Finale des ersten Internationalen Klavierwettbewerbs von Rio de Janeiro gespielt und empfing ein Stipendium des Präsidenten von Brasilien, Juscelino Kubitschek. So konnte er in Wien bei Bruno Seidlhofer, dem Lehrer Friedrich Guldas, studieren.
Im Alter von 19 Jahren verlieh man Nelson Freire in London die Dinu Lipatti Medaille und er gewann den ersten Preis beim International Vianna da Motta Competition in Lissabon, was ihm einen Vertrag mit der Madrider Agentur Conciertos Daniel eintrug. In jener Zeit konzertierte er in den meisten Ländern Südamerikas und in Spanien. Bei seinem Londoner Debüt im Alter von 23 Jahren wurde er von The Times als „junger Tastenlöwe“ gefeiert. Nach seinem New York-Debüt mit New York Philharmonic pries man ihn im Folgejahr als „einen der aufregendsten Pianisten dieser und aller Zeiten“ (Time Magazin) an.
Das war der Beginn einer glänzenden Karriere, die Nelson Freire über fünf Dekaden hinweg in mehr als 70 Länder führte. Er empfing Ehrungen und Auszeichnungen in zahlreichen Ländern, wurde in die berühmtesten Konzertsäle eingeladen, spielte mit den renommiertesten Orchestern und Dirigenten. Mit der Decca schloss er einen Exklusivvertrag ab und seine regelmäßig erscheinenden Aufnahmen dringen tiefer und tiefer in das Repertoire vor. Mit einzigartiger kreativer Kraft präsentiert er immer neue Interpretationen. Er wurde zum großen Star der internationalen Musikszene. Seine Aufnahmen wurden mit Preisen wie dem Diapason d’Or, dem Grand Prix du Disque, mit Edison und Gramophone Awards ausgezeichnet, und seine jüngste CD „Brasileiro“ brachte ihm einen Grammy ein. Die höchsten Ehrungen wurden ihm zuteil: Die Ehrenbürgerschaft Rios wurde ihm verliehen, er wurde zum Ritter des Ordens von Rio Branco, erhielt Ehrenmedaillen von Paris und Buenos Aires, führt die Titel Commandeur des Arts et des Lettres, Chevalier de la Légion d’Honneur und empfing die Ehrendoktorwürde der Musikhochschule der Universität von Rio de Janeiro. Wichtige Stationen seiner Laufbahn sind dokumentiert im Film »Nelson Freire: a Man and his Music« (2001, Regie: João Moreira Salles). Mittlerweile ist er als Jurymitglied bei zahlreichen Wettbewerben gefragt (darunter der Chopin-, Tschaikowsky- und Van Cliburn-Wettbewerb).
Beim Gewandhausorchester ist Nelson Freire immer wieder gern zu Gast: Erstmalig spielte er am 11./12. Februar 1993 unter Kurt Masur in einem Großen Concert, damals mit de Fallas Noches en los jardines de Espan͂a – Sinfonische Impressionen und Francks Variations symphoniques im Programm. Klavierabende solo im Gewandhaus gab Freire 2009 und 2014. Unter Riccardo Chailly spielte er 2005, 2006 und 2014 umjubelte Konzerte mit Brahms’ 1. und 2. Klavierkonzert sowie Beethovens 5. Klavierkonzert. An die Großen Concerte 2014 schloss sich eine Asientournee mit dem Gewandhausorchester und Riccardo Chailly an, auf der Freire in Tokio Beethovens 5. Klavierkonzert interpretierte.
Liebhaber klassischer Musik loben einhellig die Kunst von Nelson Freire für ihre Transzendenz. Worauf beruht eine solche Einschätzung? Ein bemerkenswertes Phänomen: Nachdem er sein ganzes Leben der Interpretation des grossen pianistischen Repertoires gewidmet hat, hat der Künstler heute einen Kulminationspunkt erreicht, der jedes Werk unter seinen Fingern zu einer hochpoetischen, perfekten, tiefbewegenden Version werden lässt. Nelson Freire, der mehrere Sprachen fliessend spricht, hat sich Rio de Janeiro zur Heimat erkoren: Regelmässig kehrt er zwischen den Tourneen in diese Stadt, in der die Weichen für seine Karriere gestellt wurden, zurück.