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Die Entwicklung einer Gesellschaft oder Kultur ist eng verbunden mit der Art und Weise, wie sie mit Wasser umgeht. Eine gute Wasserversorgung verbessert die Gesundheit der Bevölkerung, ist die Basis wirtschaftlicher Tätigkeiten und setzt Zeitressourcen frei, um Bildungsangebote wahrzunehmen und einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
Einen ersten Höhepunkt erlebt die systematische Wasserversorgung der Schweiz in den römerzeitlichen Städten. Anschliessend gab es bis weit in die Neuzeit kaum Haushaltanschlüsse für Wasser. Der grösste Teil der Bevölkerung bezog Trink-, Wasch- und Kochwasser von Brunnen, was viele gesellschaftliche Entwicklungen stark hemmte. Erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begannen die grösseren Schweizer Städte zentrale Wasserversorgungen aufzubauen (Bern und Zürich 1868, Luzern 1873). Dabei war zunächst der Feuerschutz der dicht gebauten Städte der Hauptgrund für die Modernisierungen.
Historischer Abriss:
- Römerzeit: Erste systematische Wasserversorgungen
- Bis in die Neuzeit: Trinkwasser aus Brunnen
- Ende 19. Jh.: Beginn der zentralisierten Wasserversorgung
- 20. Jh.: Bau von Nasszellen in Haushalten, hygienische Revolution
- Mitte 20. Jh.: Generationenwerk Abwasserreinigungsanlagen
- Bis heute: Verbesserter Gewässerschutz
- In Zukunft: Herausforderung Mikroverunreinigungen und Klimawandel
Die Anwendung der neuen Infrastruktur überforderte die Behörden allerdings. Aufgrund mangelhafter Aufbereitung des Wassers kam es gerade wegen dem neuen Verteilungssystem vermehrt zu weiträumigen Cholera- und Typhus-Epidemien. So zum Beispiel in Zürich, wo 1884 1'600 Menschen an Typhus erkrankten (bei ca. 100'000 EinwohnerInnen).
Als man um die Jahrhundertwende Wasser als Infektionsweg von Cholera (1883) und Typhus (1906) entdeckte und erkannte, dass ein mangelhaft gewartetes Leitungswassersystem Krankheitserreger verbreitet, wurden Gesundheit und Hygiene der Bevölkerung zur treibenden Innovationskraft für die Modernisierung der Leitungswasserversorgung.
Luzern, 1874: Bau des ersten Wasserreservoirs zur Versorgung der Haushalte.
Aufgrund der hygienisch mangelhaften Trinkwasserversorgung kommt es in der Schweiz bis ins 20. Jahrhundert zu Cholera- und Typhusepidemien.
Die Integration der Nasszellen in die Haushalte erfolgte schrittweise. Zunächst wurden die Grundstücke an das Wassernetz angeschlossen, danach Leitungen in die Küchen geführt. Die sanitäre Grundversorgung, dazu gehören Toiletten, Badezimmer und Duschen, verbreiteten sich erst um die Wende zum 20. Jh., im ländlichen Raum oft erst nach dem 2. Weltkrieg. Diese 'hygienische Revolution' brachte enorme Mehrwerte für die Gesellschaft.
Zu politischen Diskussionen führte insbesondere die Organisationsstruktur der Wasserversorgung. Nachdem bei privaten Versorgern Probleme wie ungleiche Verteilung und mangelhafte Qualität vergleichsweise mehr hervortraten, setzten die grossen Städte nach und nach auf öffentliche oder öffentlich-private Schemata.
Der erhöhte Zugang zu Wasser im Haus und der Ausbau einzelner Produktionssektoren liess den Wasserverbrauch bis in die 1970er-Jahre stark ansteigen. Die Auslagerung einzelner Sektoren (z.B. der Textilbranche) sowie technische Neuerungen (z.B. sparsamere Waschmaschinen) führte trotz Bevölkerungsanstieg zu einem sinkenden Wasserverbrauch bis heute.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts war durch kontinuierlich verbesserte Infrastruktur und der Erschliessung von Seewasser die gesamte Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt, sodass Cholera und Typhus aus der Schweiz verschwanden. Der Fokus verschob sich nun zunehmend in Richtung des Abwassermanagements und damit zusammenhängend des Gewässer- und Grundwasserschutzes.
Grundwasserschutz & Abwassermanagement
Zunehmende Industrialisierung (verschmutztes Abwasser), neue Anwendungen in der Landwirtschaft (Dünger, Pestizide) oder neue Produkte für die Pflege von Körper und Kleidern (Waschmittel) belasteten die Gewässer der Schweiz mit Spurenstoffen. Besonders in Städten kam es teilweise zu offenen Kloaken. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erliess der Bund ein Gesetz zum Schutz der Fischbestände. Dies auf Initiative der Fischereiverbände.
Offene Kloake in Basel, 1865
Weitere Massnahmen zeigten zunächst wenig Wirkung. Die Belastung von Oberflächengewässer durch Spurenstoffe wirkte sich negativ auf Grundwasser, eine der wichtigsten Wasserressourcen der Schweiz, aus. Erst nach und nach wurden Grundwasserschutzzonen (1971) oder verbindliche numerische Höchstwerte für den Eintrag von Abwasser und Düngemittel in Natur und Gewässer (1998) gesetzlich verankert.
Grundwasser ist eine der wichtigsten, aber auch eine sehr empfindliche Wasserressource der Schweiz. Aufgrund sehr langsamer Wasserströme können Verunreinigungen über Jahrzehnte hinweg bestehen bleiben.
Baden verboten!
Bis in die 80er-Jahre gehörten schäumende Bäche, Flüsse und Seen aufgrund der hohen Verschmutzung zum Schweizer Alltag. Das Baden in offenen Gewässern war verboten oder nur auf eigene Gefahr erlaubt. Dies vor allem, da Abwässer ohne jegliche Aufbereitung in Oberflächengewässer geleitet wurden. Mit zunehmender Bevölkerung wurde diese Situation untragbar und Schritt für Schritt wurden Massnahmen eingeleitet.
Mitte des 20. Jahrhunderts startete das Generationenwerk Abwasserreinigung: der vom Bund mitfinanzierte, systematische Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA). So erhöhte sich der prozentuale Anteil der an ARA angeschlossenen Haushalte alleine zwischen 1971 und 1990 von 30% auf 90%. All diese Massnahmen zeigten Wirkung: Das Baden in Oberflächengewässern ist praktisch schweizweit bedenkenlos möglich, der Eintrag von Spurenstoffen nachhaltig verringert.
Entwicklung des Abwasserzugangs in der Schweiz.
Obwohl sich die Lage in den letzten Jahrzehnten stark verbessert hat, braucht es weitere Massnahmen zum Schutz der Gewässer. Dazu gehören insbesondere verbesserte ARA zur Filterung neuer Spurenstoffe sowie eine Reduzierung der Pestizid- und Nitrat-Einträge in die Natur.
Vor allem in zwei grossen Bereichen besteht Handlungsbedarf. Erstens soll gegen Mikroverunreinigungen aus dicht besiedelten Gebieten vorgegangen werden. Hierzu werden derzeit die ARA so aufgerüstet, dass sie die meisten Spurenstoffe bereits vor Eintrag in die Natur herausfiltern. Zweitens braucht es weitere Reduzierungen von Pestizid- und Düngemittel-Rückständen, die in Flüsse und Bäche eingetragen werden.
Um zu verhindern, dass kleinere und mittlere Bäche und Flüsse stark belastet werden, sind grosse Anstrengungen in der Landwirtschaft nötig. Aus diesem Grund wurde ein Aktionsplan des Bundes zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erarbeitet. Dieser hält diverse Massnahmen fest, wird jedoch u.a. von dem Verbund der Wasserversorger und dem schweizerischen Fachverband für Gewässerschutz kritisiert, zu niedere Ziele zu setzen. Weitere Akteure sind also gefordert, das Grundwasser und damit das Trinkwasser zu schützen. Denn dieses ist eine äusserst empfindliche Trinkwasserressource, die sich nur langsam von allfälligen Verschmutzungen erholt. Das BAFU informiert hier über den aktuellen Stand, Risiken und Massnahmen bezüglich Wasserqualität.