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Trump – Diener für Amerika oder für die Menschheit?
Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten heißt Donald Trump. Die Inaugurations-Rede Trumps* wirkte wie eine Ohrfeige, für das US-Establishment und die US-Medien, und war zugleich eine verbale Huldigung an den wahren Souverän – das amerikanische Volk. Getragen vom üblichen Auserwähltheits-Bewusstsein der USA und ihrer Sendung in der Welt. «America first», «We will make America great again» waren wiederholt geäußerte und applaudierte Slogans.
Der Geist von Nordamerika
Der in mehreren Inaugurations-Reden und auch in der von Trump beschworene «Gott» kann allerdings nicht mit einem Gott für die ganze Menschheit gleichgesetzt werden. Er ist ein Volksgott, der im Zeitalter des Menschheits-Geistes Michael im Unterschied zu diesem ein ahrimanischer Geist ist. Er gehört zu «abnormen Geistern der Persönlichkeit», «die nicht auf Weiterentwickelung wirken», wie Steiner im Volksseelen-Zyklus 1910 vorsichtig andeutet: «Sie brauchen sich nur den Charakter des nordamerikanischen Volkes klar zu legen, so haben Sie ein Volk, das vorderhand auf diesem Prinzip beruht.»** Zu einer wahren «Weiterentwicklung» gehört heute insbesondere eine solche auf spirituell-kulturellem Gebiet; und von der war auch in Trumps Rede – «selbstverständlich» – nichts zu hören. Neue Straßen, Züge und Tunnels mögen äußerlich erstrebenswert sein; der «Weiterentwicklung» im umfassenden Sinne können sie höchstens indirekt dienen.
Fragen an erste Amtshandlungen Trumps
Warum hat er – um nur ein paar der vielen Fragen an die Intentionen seiner Administration aufzuwerfen – mit Nikki Haley eine UN-Botschafterin nominieren lassen, die für die Interessen Israels und gegen die von Russland eintritt? Warum galt sein erster (jovial-freundlicher) Antrittsbesuch in den USA dem CIA-Hauptquartier, wo er 400 Anwesende für ihre Arbeit lobte und sie seiner uneingeschränkten Unterstützung versicherte? Warum wird die britische Premierministerin May, die Trumps prorussische Äußerungen gewiss nicht teilt, der erste Staatsgast aus dem Ausland sein? Will er mit alldem nur seinen internen und externen Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen?
Im Geist von Churchill?
Trump ließ die von Obama entfernte Churchill-Büste – ein Geschenk von Tony Blair an W.G. Bush – wieder im Oval Office aufstellen (siehe Foto). Der von Trump bewunderte Hochgradfreimaurer Churchill diente nicht dem wahren Zeitgeist, sondern dem anglo-amerikanischen Geist einer «wirksamen Superweltregierung», für welche die Einigung Europas lediglich ein Vorspiel darstellt.*** Europa gleicht heute einer sinkenden Titanic, die von den Briten soeben verlassen wurde. Nun könnten die Repräsentanten des okkultistisch orientierten wahren britischen Establishments, vom «vereinten» Europa befreit, mit ihren US-Brüdern ungebremst an der Realisierung einer solchen Superweltregierung mitwirken. Deren Ziel der Weltherrschaft ist nach Steiner auf Jahrhunderte gerichtet.**** Diese Jahrhunderte sind, allem äußeren Schein zum Trotz, noch nicht abgelaufen. Man sollte beim Lärm aller Fassadenpolitik, zu der auch Präsidentenwahlen und Wahlparolen gehören, nicht versäumen, die Langzeitinteressen solcher Gruppierungen, die beispielsweise das «sozialistische Experiment» eingefädelt hatten, im Auge behalten. Wird Trump deren vielleicht gutwilliges, aber naives neues Vollzugsorgan sein?
Eines steht fest: Wer Amerika «wieder groß» machen will, ist dadurch noch kein Menschheitsdiener.
Thomas Meyer
* www.theblaze.com/news/2017/01/20/watch-donald-trumps-inauguration-ceremony-live
** GA 121, Oslo 8. Juni 1910.
*** Churchill am 14. Mai 1947, zitiert nach https://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/11/22/hintergrunde-der-europaischen-integrationsbewegung
**** R. Steiner am 21. März 1921, in GA 174b.