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Was bedeutet es, Raum in Besitz zu nehmen? Räume strukturieren unsere Bewegung. Was passiert, wenn wir die Bewegung ändern?
Bisher habe ich die Eingangshalle des Schulhauses Remisberg bei meinen mittwöchlichen Besuchen fast sakral leer angetroffen, doch heute steht dort eine Gruppe Schüler.innen mit Lehrpersonen und lassen ihre gefalteten Papierflieger durch die Luft gleiten. Geordnet einer nach dem anderen werden sie auf Flugtauglichkeit geprüft. Ich beobachte kein Ausscheren. Einen zögerlichen poetischen Moment lang vermögen sie den Luftraum zu beanspruchen, dann stürzen sie, wenige in einer Spirale, meistens gerade auf den Boden.
Was bedeutet es, Raum in Besitz zu nehmen? Räume strukturieren unsere Bewegung. Was passiert, wenn wir die Bewegung ändern?
Gillian Wearing «Dancing in Peckham», 1994
Ein Mädchen in einem Einkaufszentrum tanzt allein, ohne Kopfhörer. Sie wiegt sich zu privaten Rhythmen, die nur für sie hörbar sind. Die Passant.innen reagieren nicht, die ungewohnte Bewegung der Tänzerin verändert den Raum. Die insgeheime Befürchtung die Tänzerin könnte verrückt sein verändert das Raumempfinden, auf einmal ist das Einkaufszentrum kein sicherer Ort mehr. Ein Camcorder ist Zeuge des Ereignisses.
Zwei erste Sekundarklassen durchbrechen die Bewegungsmuster ihrer Schulräume am Remisberg. Sie toben in der Bibliothek, rasen und tanzen durch die Halle oder gruseln sich im Keller. Stühle werden ver-rückt, räumliche Strukturen, Gewohnheiten und Funktionalitäten werden aufgehoben und Wahrnehmung und Erleben verschoben. «Darf ich das?» Eine Frage, die ich öfters zu hören bekomme. Ja, der performative Raum zeichnet sich dadurch aus, dass er eine andere als die vorgesehene Verwendung ermöglicht. iPads sind Zeugen der Ereignisse. Eine poetische Verknüpfung von Raum.
Wir schaffen neue Bezüge, streben eine Verschiebung von Innen und Aussen an. In einem Guckkasten präsentieren die Klassen ihre Filme. Nur alleine können die Videos erlebt werden. Durch den Austausch, die Nacherzählung werden sie mit der Gegenwart verflochten, das Erlebte als Erfahrung ausgetauscht. Und in perfekter (Kultur)Agent.innenmanier können die Urheber.innen die Betrachter.innen und ihre Reaktionen beobachten.
Meine Reise als Kulturagentin am Schulhaus Remisberg hat begonnen.