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Marta von Meyenburg war zusammen mit Mentona Moser und Maria Fierz eine Wegbereiterin der Sozialarbeit in der Schweiz. Mit der Sozialen Frauenschule Zürich initiierte sie eine frühe Einrichtung zur Professionalisierung der Fürsorge in der Schweiz.
Marta von Meyenburg (1882-1972) stammte aus einer Schaffhauser Patrizierfamilie und wurde in Dresden geboren, wo ihr Vater Viktor von Meyenburg als Bildhauer tätig war. Sie wuchs in Herrliberg auf und absolvierte die Schweizerische Pflegerinnenschule Zürich, die 1901 auf Initiative der Ärztin Anna Heer und des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins gegründet worden war. Ihr Bruder Hanns von Meyenburg schlug eine medizinische Karriere ein, wurde zum Professor in Pathologie berufen und bekleidete später das Amt des Rektors der Universität Zürich.
Nach der Pflegerinnenausbildung engagierte sich von Meyenburg im Bereich der Armenfürsorge und arbeitete von 1908 bis 1910 als erste weibliche Gehilfin an der Zürcher Amtsvormundschaft. Ab 1910 führte sie als Nachfolgerin von Mentona Moser „Kurse zur Einführung in weibliche Hilfstätigkeit für soziale Aufgaben“ durch. Zusammen mit Maria Fierz entwickelte sie das Bildungsangebot für Sozialarbeit weiter und gründete 1920 die Soziale Frauenschule Zürich, als deren Leiterin sie bis 1934 wirkte.
Die Soziale Frauenschule – später Schule für Soziale Arbeit und heute Departement Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) – richtete sich vor allem an Frauen aus bürgerlichen Familien, denen nur wenige Berufsfelder offenstanden. Sie trug entscheidend zur Professionalisierung der Fürsorge als „Sozialarbeit“ und zur Entwicklung qualifizierter, spezifisch weiblicher Berufstätigkeit bei. Finanziert wurde die Schule mit relativ hohen Semestergebühren und mit Subventionen der kantonalen Erziehungsdirektion. Ähnliche Schulen existierten bereits in Luzern und Genf (beide seit 1918), Freiburg i. Ü. (1919) sowie in verschiedenen europäischen Städten seit der Wende zum 20. Jahrhundert. In den 1930er-Jahren wurden an der Sozialen Frauenschule auch Säuglingsfürsorgerinnen, Kirchgemeindehelferinnen und Personal von Heimen und Anstalten ausgebildet. 1946 traten die ersten Männer in die Schule ein.
Marta von Meyenburg engagierte sich auch anderweitig für die weibliche Fürsorge und die Berufsausbildung von Frauen. Sie war 1914 an der Gründung der Frauenzentrale Zürich beteiligt, dem Dachverband der lokalen Frauenorganisationen, und wirkte bis 1947 in deren Vorstand mit. Von 1934 bis 1957 war sie zudem Vorstandsmitglied der Schweizerischen Pflegerinnenschule und während des Zweiten Weltkriegs engagierte sie sich im Zivilen Frauenhilfsdienst. Für ihren Beitrag an der „sozialen Erziehung des weiblichen Geschlechts“ wurde sie 1945 mit einem Ehrendoktorat ausgezeichnet.
Literatur / Bibliographie / Bibliografia / References: Matter Sonja (2011), Der Armut auf den Leib rücken: Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit in der Schweiz (1900–1960), Zürich ; Ruckstuhl Brigitte, Ryter Elisabeth (2014), Beraten, Bewegen, Bewirken: Zürcher Frauenzentrale 1914-2014, Zürich ; HLS / DHS / DSS: Marta von Meyenburg
(12/2016)