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Auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter haben die OECD-Länder seit 2012 nur geringe Fortschritte erzielt. Regierungen sollten daher ihre Anstrengungen verstärken, um die Gleichstellung von Mann und Frau in Bereichen wie Bildung, Erwerbstätigkeit und Unternehmertum voranzutreiben. Zu diesem Schluss kommt die OECD-Studie „The Pursuit of Gender Equality – An Uphill Battle“, die Anfang Oktober 2017 in Paris veröffentlicht wurde.
Gewalt gegen Frauen, Einkommensunterschiede und die Aufteilung unbezahlter Arbeit sind laut einer Umfrage im Rahmen der Studie die drei wichtigsten Themen zur Gleichstellung der Geschlechter.
Zum Thema Bildung ergibt die Studie ein gemischtes Bild. So zeigt sie, dass junge Frauen in den Mitgliedsländern mittlerweile mit grösserer Wahrscheinlichkeit einen tertiären Bildungsabschluss erreichen als junge Männer. Allerdings studieren sie seltener in lukrativen Fächern wie Naturwissenschaft, Technik, Ingenieurswesen oder Mathematik. In der Schweiz liegt der Frauenanteil bei den Bachelorabschlüssen bei 48.8 Prozent, in den naturwissenschaftlichen Fächern sind es aber nur 32.2 Prozent. (Die Zahlen des Berichts beziehen sich auf das Jahr 2014).
Auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr an die der Männer angenähert. Eine Lücke bleibt jedoch nach wie vor bestehen: Wenn Frauen bezahlter Arbeit nachgehen, erfahren sie häufiger Diskriminierung. Zudem arbeiten sie öfter in Teilzeit, sind seltener in Managementpositionen vertreten (in der Schweiz beträgt der Frauenanteil dort 35.2 Prozent) und verdienen auch bei vergleichbaren Tätigkeiten weniger als Männer (in der Schweiz 16.9 Prozent weniger). Damit liegt die durchschnittliche Lohnungleichheit hier über dem OECD-Durchschnitt von 15 Prozent. Der Bericht weist darauf hin, dass sich das Einkommensgefälle seit 2010 kaum verringert hat.
Die Prozentzahlen zur Erwerbsbeteiligung und Angaben zur durchschnittlichen Lohndifferenz stellen die Situation der Frauen in der Arbeitswelt nur ungenau da. In Ländern mit einer hohen Teilzeitquote wie der Schweiz ist es notwendig, auch das reale Einkommensniveau anzusehen, wenn von Gleichstellung die Rede ist. Frauen leisten viel unbezahlte und weniger bezahlte Arbeit, daher ist ihr reales Einkommen am Ende des Monats deutlich niedriger als das der Männer. Das wirkt sich auch auf ihre Renten aus: Die Frauenrenten aus der zweiten Säule betragen nur etwas mehr als ein Drittel der Männerrenten.
Um die Gleichstellung voranzubringen, braucht es also nicht nur Fortschritte bei der Lohngleichheit, sondern dringend auch Verbesserungen in Bezug auf Vereinbarkeit von Betreuungsaufgaben und Erwerbsarbeit.
OECD-Medienmitteilung "Gleichstellung kommt nur langsam voran"