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Das Sahel-Land mit der weltweit höchsten Fertilitätsrate wächst schnell und steht vor grossen Herausforderungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Wirtschaft.
Die Bevölkerung, die zu mehr als 93% aus Muslimen und zu weniger als 1,6% aus Christen besteht, sehnt sich nach dem Wirken Gottes.
Mit unserer Partnerkirche in Kamerun haben wir 2014 mit dem Bau eines Bildungs- und Begegnungszentrums begonnen. Nun folgt nach vielen Abenteuern der letzte Schliff an den Gebäuden. Letztendlich wird das Zentrum nicht nur ein Segen für den Niger, sondern auch für die Nachbarländer sein. Die angebotenen Schulungen sollen die Teilnehmenden sowohl in spiritueller als auch in beruflicher Hinsicht weiterbringen.
Ein Blick zurück
2011 sendet Kamerun seinen ersten Missionar, Pastor Théodore, aus. Er leitet den Aufbau des Zentrums und eröffnet eine Kirche. Diese Gemeinde besteht hauptsächlich aus Gläubigen aus der Diaspora, doch Théodore investiert sich auch in die Entwicklung guter Beziehungen zur lokalen Bevölkerung. 2020 soll Théodore nach Kamerun zurückkehren und die Leitung an Cedric* übergeben. Komplikationen aufgrund der Pandemie, des Krieges in Westkamerun, erschwerten Reisens und schliesslich Théodores plötzlicher Tod im März 2021 machen den Übergang kompliziert.
Anfang 2021, als Cédric die Leitung des Zentrums übernimmt, befindet sich die kamerunische Kirche aufgrund des bürgerkriegsähnlichen Konfliktes in grosser Not. Zahlreiche Pastoren und Gläubige fliehen und stehen vor dem Nichts. Die Kirche tut ihr Bestes, um sie zu unterstützen. Es bleiben kaum Ressourcen und Kraft übrig, um sich um das Pionierteam im Niger zu kümmern. Auch die Familien können nicht nachreisen. Als Verantwortliche von MissionPlus für den Niger ermutigen Samuel und später Franck die Mitarbeiter des Zentrums aus der Ferne.
Und heute?
Im September 2021 können Samuel und Franck endlich wieder in den Niger reisen. Voller Freude sehen sie, dass sich Cedric trotz begrenzter Mittel voll und ganz für seine Cousins** einsetzt. Bei einer mehrwöchigen Ausbildung in Äthiopien wurde er entsprechend ausgerüstet. Eine Gruppe von 15-20 neuen Nachfolgern von Issa (Jesus) wird von ihm begleitet und gelehrt. Man sitzt auf dem Teppichboden, das heilige Buch liegt auf dem niedrigen Ständer, und wie es sich gehört, wird mit offenen Händen gebetet. Cedric passt sich den kulturellen und religiösen Gewohnheiten seiner Zuhörer an. Es sind auch einige Frauen dabei. Die Anpassung an die klimatischen und kulturellen Bedingungen im Niger fordert viel. Es ist ein völlig anderes Leben, daran ändert auch die gemeinsame Hautfarbe nichts. Cedric knüpft Kontakte in der Nachbarschaft und lädt zu Treffen ein. Er wird regelmässig für Befreiungsgebete gerufen; der traditionelle Glaube vermischt sich mit Animismus, und dämonische Mächte zeigen sich häufig. Das Befreiungsgebet öffnet Türen – wie es auch bei Jesus der Fall war.
Bewegend ist auch der Gottesdienst der Diaspora-Gemeinde. Sie besteht hauptsächlich aus Menschen, die ihren Lebensunterhalt im Niger zu verdienen versuchen. Samuel verabschiedet sich von den Gläubigen, er ist pensioniert und gibt die Leitung nun auch offiziell an Franck weiter. Samuel weiss, wie er die Herzen der Afrikaner berühren kann, und ruft die Jugendlichen auf, sich für das Reich Gottes einzusetzen.
Wie kann die Arbeit im Niger gelingen?
Diese Frage, wie auch die Frage nach der gelingenden Partnerschaft mit Kamerun, bewegt MissionPlus immer wieder. Nun zeigen sich erste Zeichen des «Frühlings». 15 Studierende vertiefen ihre Bibelkenntnisse und lernen, wie man Cousins erreicht. Seit Herbst 2021 treffen sie sich zweimal pro Woche. «AINA School of mission» beinhaltet auch praktische Aspekte. Jeder Teilnehmende soll vor Abschluss des Kurses seine eigene kleine «Jüngerschaftsgruppe» haben. Auch berufsbildende Aktivitäten stehen auf dem Programm. In Kürze beginnt eine Ausbildung zur Schneiderin – wenn Frauen erreicht werden, wird die ganze Familie erreicht. Eine Ausbildung in Motorradmechanik ist in Planung.
Fakt ist, dass mutige Pioniere Unterstützung brauchen, sonst bleibt der Erfolg aus.
Deshalb setzen wir alles daran, dass Cedrics Familie zum Schuljahresbeginn 2022 nachziehen kann und entsprechende Lebensbedingungen vorfindet. Als ersten Schritt haben Franck und Samuel die Mitarbeiter mit einem Kühlschrank ausgestattet. Bislang lebten sie ohne Kühlschrank – in den heissesten Monaten herrschen tagsüber oft über 40 Grad, und auch die «kühlen Monate» bleiben heiss. Une histoire à suivre!
Franck
*Name geändert
**Cousins: Freundschaftliche Bezeichnung für Muslime. Weist auf die Verwandtschaft von Isaak-Ismael hin.