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Auf der Landeskarte entdeckt man unschwer das Rechteck, das der Bischof von Konstanz vor 750 Jahren auf seinen Boden gelegt hat.
Das Städtli Neunkirch
Erstmals urkundlich erwähnt wird „Niuchilchun“ anlässlich seiner Vergabung an das Kloster Rheinau an einem 21. September, vermutlich im Jahr 850.
1260 erwirbt Graf Eberhard II. von Waldburg (1248 – 1274), Bischof von Konstanz, dem grössten Bistum nördlich der Alpen, von den Herren von Krenkingen für insgesamt 350 Mark Silber die Herrschaftsrechte über «niu chilchun» und dehnt damit seine Einflusssphäre nach Westen aus. Kurz darauf gründet er das Städtchen.
In dieser Zeit wurden im schweizerischen Mittelland und in Süddeutschland dutzende weitere Städte gegründet. Aber keine dieser Stadtgründungen ist so akkurat wie die von Neunkirch.
mit städtischem Charakter
an Schaffhausen verkauft
eine Stadt mit Mauer aber ohne Marktrecht
1798 der «Kongress zu Neunkirch»
Die Offnung von 1330 hielt die Rechte und Pflichten der Bürger fest. Sie zeigt den städtischen Charakter: die Einwohner werden als «cives» bezeichnet; Neunkirch hatte ein Spital und ein Siechenhaus; belegt sind auch Lehrer, Schulpfründe und Leutpriester.
Während des Schwabenkriegs 1499 besetzten und brandschatzten die Eidgenossen das Städtchen.
1525 verkaufte Bischof Hugo von Landenberg Neunkirch zusammen mit Hallau für 8'500 Gulden an die Stadt Schaffhausen. Bis 1798 war Neunkirch eine Schaffhauser Obervogtei.
Das Städtchen hatte wohl eine Mauer, aber kein Marktrecht. Die Stadt Schaffhausen zwang die Einwohner, ihren Wochenmarkt zu benutzen. Erst 1795 wurden zwei eintägige Jahrmärkte in Neunkirch bewilligt.
Am Neujahrstag 1798 hob der Rat in Schaffhausen die Leibeigenschaft auf. Damit war der Bann gebrochen: anfangs Februar, auf dem «Kongress zu Neunkirch» nötigten 22 Gemeinden den Schaffhauser Rat, die Freiheit und Gleichheit von Stadt und Land zu proklamieren. Darauf verliess der letzte Landvogt Neunkirch.
Aufschwung im 19. Jahrhundert
und nach dem 2. Weltkrieg
1811 beschloss der Rat, die Stadtmauern zu schleifen und die Gräben aufzufüllen. Bis zur Ausführung dauerte es dann aber noch etliche Jahre.
Im Jahr 1530 lebten 460 Einwohner in 92 Häusern, 1798 waren es 1'087 Einwohner in 140 Häusern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl, 1850 hatte das Städtli mit 1’640 die grösste Einwohnerzahl. Doch die Wirtschaftskrise von 1848 zwang viele Einwohner auszuwandern. 1852 emigrierten 46 Personen nach Amerika. Um 1900 waren es 1’206 Einwohner; heute noch etwa 400.
Ab 1840 gab es einen täglichen Postverkehr nach Schaffhausen, 1844 wurde eine unterirdische Wasserleitung gebaut, 1860-63 entstand die Eisenbahnlinie Waldshut-Konstanz der grossherzoglich-badischen Eisenbahn sowie das Telegrafenbüro, 1909 kam die Elektrizität.
Erst in den 1950er Jahren begann Neunkirch sich über den mittelalterlichen Stadtkern hinaus zu entwickeln. Fabriken siedelten sich an und Einfamilienhausquartiere entstanden. 1996 wurde ein neues Einkaufszentrum und die neue Gemeindeverwaltung beim Bahnhof eröffnet.
Stadt als Rechteck mit Mauer, Türmen und Graben
Seit seiner Gründung 1260 ist das Städtchen ein Rechteck von von 870 x 470 röm. Fuss (257 x 139 m). Die Häuser wurden an die Stadtmauern angebaut, ausserhalb zog sich ein Graben um die Mauern, der auf der Südseite Wasser führte.
Die Hauptgasse wurde im Osten durch den Obertorturm, im Westen durch den Untertorturm abgeschlossen. Der Untertorturm brannte 1825 ab und wurde geschleift; im Obertorturm sind noch Inschriften von Wein- und Kornpreisen zu sehen. In der Mitte des Städtchens, an der Hauptgasse, liegt das 1568 erbaute spätgotische Gemeindehaus.
Der bischöfliche Dinghof wird 1330 bezeugt und liegt in der Nordostecke, am höchsten Punkt des Städtchens. Vor 1436 erfolgte der Ausbau zum Schloss, heute Oberhof genannt.
Die Bergkirche liegt ausserhalb des Städtchens auf einer Anhöhe und wurde im 12. Jahrhundert auf dem karolingischen Vorgängerbau erbaut. 1155 wird sie urkundlich erwähnt. Die Glocke stammt von 1299. Die Stadtkirche St. Johann, geht auf die erste Phase des Städtchens zurück und war Filialkirche der Bergkirche.
Die Bergkirche
Verein Forum Städtli Neunkirch 2017 Gestaltung und Text: H. Michel Neunkirch Bilder: Archiv Koch bei R. Wessendorf, Schaffhausen, Kantonale Denkmalpflege, Schaffhausen, Forum Städtli Neunkirch Quellen: W. Wildberger, Geschichte der Stadt Neunkirch 1917, Historisches Lexikon der Schweiz