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Die Karten im afrikanischen Saatgutmarkt werden gerade neu verteilt – nach Vorgaben des Nordens und nicht zum Vorteil des Südens. Bald dürften die Kleinbauern in Tansania unter rigorosen Vorschriften leiden.
Anders als in Europa produzieren die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Afrika das Saatgut meistens selber und entwickeln so viele lokale Sorten weiter. Zwar liefern diese Sorten tiefere Erträge als die Hochertragssorten aus den internationalen Forschungslabors. Doch sie sind widerstandsfähiger und besser an das lokale Klima und den Boden angepasst.
Das Potenzial dieser lokalen Sorten ist gross. Doch anstatt dass die Bäuerinnen und Bauern bei der Verbesserung ihrer Sorten unterstützt werden, drohen sie an den Rand gedrängt zu werden. Derzeit setzen Saatgutkonzerne und internationale Entwicklungsagenturen wie die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) alles daran, den afrikanischen Saatgutmarkt komplett umzukrempeln. Sie wollen auch in afrikanischen Ländern globale Qualitätsstandards und intellektuelle Eigentumsrechte nach dem Vorbild der Industrieländer einführen. Zertifizierte Standardsorten, deren Nutzung streng reglementiert ist, werden die lokalen Bauernsorten zu Nischenprodukten machen.
In diesem Zusammenhang steht auch die Initiative der Afrikanischen Organisation für Intellektuelles Eigentum (APIRO) für eine „Harmonisierung der afrikanischen Saatgutgesetze“. Die APIRO legte vergangenen November einen Entwurf für ein Sortenschutzgesetz vor, das für alle 18 Mitgliedsstaaten im östlichen und südlichen Afrika gelten soll. Statt der Regierungen würde neu die APIRO darüber entscheiden, wer unter welchen Bedingungen welche Pflanzensorten nutzen darf.
Ein Gesetz der Industrieländer
Der Gesetzesentwurf entspricht in weiten Teilen dem internationalen Übereinkommen für Sortenschutz (UPOV 91), das vor über 20 Jahren von den Industrieländern ausgehandelt wurde. Die Situation in Entwicklungsländern mit ihrer kleinbäuerlichen Landwirtschaft wird überhaupt nicht berücksichtigt.
Im Kern geht es im APIRO-Entwurf darum, das Recht von Züchtern und Saatgutunternehmen durchzusetzen, über „ihre“ Sorten alleine zu verfügen. Traditionelle Rechte der Bauernfamilien, das Saatgut aus der eigenen Ernte wieder zu nutzen, zu tauschen und zu verkaufen, werden drastisch beschnitten. Umgekehrt können Bauerngemeinschaften ihre lokalen Sorten nicht „schützen“, weil diese die globalen Standards für den Sortenschutz nicht erfüllen. Die Übernahme des UPOV-Textes ist umso stossender, als das von der Afrikanischen Union 2001 verabschiedete „African Model Law“ Gesetzesvorschläge bietet, die die Rechte der Züchter und der Bäuerinnen schützen. In den APIRO-Entwurf flossen sie nicht ein.
Schutz für Saatgutunternehmen
Dass die Befürchtungen der Bäuerinnen und Bauern berechtigt sind, zeigt ein Blick nach Tansania. Dort hat das Parlament im November ein Sortenschutzgesetz ganz im Sinne des UPOV-Abkommens verabschiedet. Für die lokalen Partnerorganisationen von SWISSAID kommt dies einer Katastrophe gleich. Nun werden die entsprechenden Verordnungen ausgearbeitet. SWISSAID unterstützt die Partnerorganisationen darin, die Interessen der Kleinbauernfamilien einzubringen.