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Der Zufall ist der Feind des Mathematikers. Aber Zufälle sind es, die das Leben des mathematischen «Wunderkinds» Siem Sigerius, Rector magnificus der Tubantia-Universität von Enschede, umwälzen. Mit Tineke und den beiden Töchtern Joni und Janis repräsentiert Sigerius eine respektable, erfolgreiche niederländische Familie.
Als Janis ihren Freund Aaron, einen Fotografen, der Siem tief bewundert, in die Familie einführt, weiss dieser noch nicht, dass die beiden Töchter nicht von Sigerius abstammen, dieser aber einen leiblichen Sohn hat, der wegen Mord im Gefängnis sitzt. Andererseits haben auch Aaron und Joni ein die Familie sprengendes Geheimnis, das zündet, als in Enschede, wie die Chronik verbürgt, am 13. Mai 2000 eine Feuerwerksfabrik explodiert.
Peter Buwaldas Roman «Bonita Avenue» spielt auf verschiedenen Zeitebenen zwischen 1974 und 2008. In drei Erzählperspektiven geht Buwalda der Frage nach, was einen Menschen bestimmt: «Nature», seine Anlagen – oder doch eher «Nurture», die umweltbedingten Prägungen? Für den Mathematiker Siem sind die Mengenverhältnisse ausschlaggebend. Doch es zeigt sich, dass nicht alles Angelegte überformbar ist und Natur sich nicht in jedem Fall gegen andere Einflüsse durchsetzt. Die Katastrophe, die sich daraus entwickelt, war für Sigerius jedenfalls nicht berechenbar.
Das wäre ein spannendes literarisches Thema in einer Zeit, in der die Identität von leiblicher und gelebter Elternschaft nicht mehr so selbstverständlich ist; doch es wird überflutet von der opulenten Erzählwut Buwaldas, der in den Niederlanden bereits als «Antwort auf Jonathan Franzen» gehandelt wird. Das ist er, trotz raffinierter Komposition und (zuweilen ausufernder) Bildersprache sicher nicht. Der 1971 in Brüssel geborene und in Haarlem lebende Autor ist mehr an Dramatik und Sensation interessiert als an den Figuren. Das Versprechen hat er nicht eingelöst. Aber vielleicht hat er den Stoff für einen Blockbuster geliefert.