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Der einstige Bau, ein barockes einstöckiges Doppelhaus mit schlichter, eleganter Fassade und imposantem Ziegelwalmdach, diente dem Kleinbasel ursprünglich als Hauptpfarrhaus. Der schlechte bauliche Zustand des einstigen Nordflügels des St. Claraklosters veranlasste 1746 die Verordneten zur Haushaltung, das "Gebäu des Pfrundhauses eines Pfarrers der Minderen Statt" unter Verwendung der alten Fundamente, der Mauersteine, Türrahmen und Kreuzstöcke neu aufrichten zu lassen. Die Ausführung des Baus übernahm gegen eine Pauschalsumme von 6535 Pfund der 26jährige Ingenieur und Architekt Johann Jakob Raillard, derweil Samuel Werenfels mit einem Gesellen die Pläne und Werkzeichnungen dazu anfertigte. Bei den 1748 vollendeten Umbauarbeiten, die auch Ausbesserungen am angrenzedenen Clarabollwerk und an der Stadtmauer umfassten, war die verderbliche Bodenfeuchte unbeachtet geblieben. Und diese belebte nach kurzer Zeit eine rote, sich stark ausbreitende Schwammkultur. So musste der Keller einer Trockenlegung unterzogen werden, die durch Ingenieur Johann Jakob Fechter unter Verwendung von 154 Karren Letten durchgeführt wurde.
Im August 1802 beklagte sich der neu gewählte Oberpfarrer J.J. Faesch, dass er "unter dem gleichen Dache eine obrigkeitliche Fruchtschütte (Kornkammer) und mitten in seiner Wohnung ein geräumiges Magasin dulden müsse, wovon die Erstere eine Menge Mäuse und Ratten" anzögen und ihn in seiner Ruhe störten. Auch das Heizen der hohen Räume bot immer wieder Schwierigkeiten, und die in "erbärmlichsten Umständen" sich befindlichen Türschlösser liessen den feinfühligen Pfarrherrn des Nachts oft keinen Schlaf finden. 1832 erkannte das Kirchenamt, dass sich das aufwändige Pfarrhaus, das für ein Wohnhaus "vielen überflüssigen Platz enthält", sich eher für eine Fabrik eigne. Als Käufer trat Seidenfärber Johann Rudolf Wegner auf, der für das Pfarrhaus samt Stallungen, Holzschopf, Waschhaus und dem von einem Arm des Kleinbasler Teichs geteilten Garten Fr. 28'000,- zu erlegen hatte. Die vom neuen Besitzer betriebene Seidenfärberei im an den Teich stossenden ehemaligen Klostergarten entwickelte sich zu einem blühenden Unternehmen. Der noch unüberbaute Teil des Gartens, "in dessen Gehegen junge Rehe sich versteckten, in dessen geräumiger Volière die verschiedensten Vögel lärmten und sangen und in dessen langgestrecktem Treibhaus die buntesten fremdartigen Blumen blühten", bildete einen wohltuenden Gegenpol zum Lärm und Getriebe der industriellen Betriebsamkeit. Infolge des plötzlichen Todes des 28jährigens Juniorchefs gelangten Färberei und Schwefelhaus 1855 in den Besitz von Alexander Clavel, der in den Gebäulichkeiten aus Anilin blaue, violette und rote Farbstoffe erzeugte. 1863 brannte die Fabrik nieder, und Clavel liess an der Klybeckstrasse einen Neubau errichten (später Ciba).
Den Äbtischen Hof bewohnte Stadtrat Wegner bis 1873, dann verkaufte er ihn seinem ehemaligen Lehrling Joseph Schetty, dem Sohn eines früh verstorbenen Taglöhners, der durch aussergewöhnliche Tüchtigkeit zum Patron der renommierten Färbereien im Rappoltshof und zum Chef der städtischen Feuerwehr aufgestiegen war. Nach dem Hinschied Schettys, der "im Leben alle im Kleinbasel an Wichtigkeit und Mass überragte" und sich auch durch "werkthätige Arbeiterfreundlichkeit" auszeichnete, ging im Jahre 1894 die Rede um, der Kommandant des Pompiercorps habe sich in voller Uniform und mit einem goldenen Offiziershelm auf der Stirn in einem Metallsarg beerdigen lassen. Die "unglaubliche, lange Zeit das einzig interessierende Stadtgespräch bildende Geschichte" erwies sich nach Jahren, als der Gottesacker auf dem Horburg aufgehoben wurde, als Tatsache!"
Anno 1938 versuchten "fortschrittliche Kreise" den beeindruckenden Äbtischen Hof, der "in Klarheit und Grösse der Anlage für Kleinbasel von ähnlicher Bedeutung war, wie das Weisse und Blaue Haus für die Rheinhalde", der Arbeitsbeschaffung zu opfern. Denkmalpflege und Heimatschutz vermochten das Vorhaben vorläufig abzuwenden. Trotz energischen Protestes und reger öffentlicher Diskussion gelang die Erhaltung der Schetty-Häuser auf die Dauer jedoch nicht. Im Frühjahr 1951 wurde der Äbtische Hof, eines der letzten besonders wertvollen Kleinbasler Baudenkmäler, abgerissen und der Neuüberbauung durch die Architekten Rickenbacher, Baumann und Tittel überlassen. "Wie vorher diese prägt nun der Neubau das Erscheinungsbild des Platzes. Das Wohn- und Geschäftshaus ist ein Zeuge der sich in den 1950er Jahren vollziehenden Entwicklung Basels zur modernen Geschäfts-City, eine Entwicklung die in den 1930er Jahren begann und durch die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Dem Anspruch zur Modernität geschuldet war dabei der Erlass einer speziellen Bauvorschrift, welche für den repräsentativen Kopfbau das Flachdach vorschrieb, das sich damals als Dachform durchzusetzen begann. Am Neubau schieden sich denn auch die Geister. Seine Gegner sahen in ihm einen «kommerziellen Grossbau internationalen Charakters», dagegen bildete er für seine Befürworter das Wahrzeichen von «Basels modernstem Platz». Das von den Architekten Fritz Rickenbacher und Walter Baumann errichtete Gebäude verkörpert in exemplarischer Weise den Stil der 1950er Jahre: Expressivität der plastisch aufgefassten Rasterfassade; durch Gitter, Lamellen, Stab- und Linienraster strukturierten Flächen; starke Farbkontraste (hier im Eingangsbereich) und «Flugdach»." (DPF)
Quellen:
- Meier 1995: 344ff.
- Basler Denkmalpflege