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Was zunächst die Ordnung und Einteilung des sogen. Alten Testaments, d. h. der von dem nachexilischen Judentum als inspirierte
Religionsurkunden gefaßten Überreste der althebräischen Litteratur, betrifft, so folgt unsre deutsche Lutherbibel darin
der Vulgata (s. d.) und diese wieder der griechischen Übersetzung
der Alexandriner (sogen. Septuaginta, s. d.), nur daß hier die Apokryphen, welche Luther als Anhang geordnet hat, mitten unter
den kanonischen Büchern sich befinden.
Der zweite Teil der Bibel, das die ältesten Schriftdenkmäler des Christentums enthaltende Neue Testament, zerfiel ursprünglich
in das Evangelienbuch und in das Apostelbuch, woran sich die Apostelgeschichte und Apokalypse anschlossen.
Auch diese Sammlung ist aus historischen, didaktischen Schriften und einer prophetischen Schrift zusammengesetzt. Im Apostelbuch
schieden sich die 14 dem Paulus beigelegten Briefe leicht von den sieben Schreiben andrer Apostel, welche ursprünglich eine
weniger lokal beschränkte Bestimmung hatten und darum gewöhnlich katholische, d. h.
allgemeine, Briefe genannt wurden.
Das erste Zeichen von dem Vorhandensein der alttestamentlichen Sammlung ist die Erwähnung derselben im Prolog des Jesus Sirach
(132 v. Chr.); später führt Philo das Alte Testament als ein Ganzes an und citiert Stellen daraus, aber erst Josephus kennt nachweisbar
die jetzigen alttestamentlichen Bücher. Dieselben haben sich ohne Zweifel erst allmählich zusammengefunden.
Die jüdische Tradition, wonach unter Esra die »große Synagoge« (s. d.) die Sammlung zu stande gebracht haben soll, ist
nachweisbar ebenso unhistorisch wie die Sage, daß Esra durch göttliche Eingebung die alttestamentlichen Bücher wiederhergestellt
und zusammengefaßt habe.
Wohl aber war er an der Redaktion der ältesten der drei Sammlungen beteiligt, d. h.
an der Abfassung des Gesetzes. Die Verlesung desselben an den Sabbaten nach einem feststehenden Lesekreis galt schon zu Jesu
Zeiten als alte Gewohnheit, und die Samaritaner kennen noch keine andern heiligen Schriften. Erst später kam es zu einer zweiten
Sammlung, welche die Propheten umschloß. Den gottesdienstlichen Gebrauch derselben ersehen wir aus
Luk.
4, 16-21. Man nannte die Lesestücke aus dem Gesetz Paraschen, die aus den Propheten Haphtharen.
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Die ersten Gemeinden schöpften ihre Erbauung aus dem Alten Testament, dessen Auslegung man nach Maßgabe
der neuen Offenbarung umgestaltete. Daher findet sich auch bis in die zweite Hälfte des 2. Jahrh. herab noch keine Berufung
auf neutestamentliche Schriften als beweiskräftige, nur namentliche Anführungen einzelner Sentenzen, meist Sprüche Jesu.
Zuerst suchten sich die häretischen Sekten für ihre abweichenden Lehrmeinungen eine sichernde Unterlage
in einem Kanon zu schaffen.
Kapiteleinteilung. Verse. Von ihrem Ursprung bis zur Erfindung der Buchdruckerkunst erfuhren die biblischen
Bücher eine doppelte Reihe von Veränderungen, zunächst solche, welche nur teils von den Fortschritten der Schreibkunst,
[* 11] teils
von den wechselnden Versuchen, das Lesen und Verstehen zu erleichtern, abhingen; dann auch solche, welche die Worte und Gedanken,
also die wesentliche, innere Gestalt des Bibeltextes, betrafen. Der Text des Alten Testaments wurde schon
von den Rabbinern in Verse abgeteilt; ihre Bezeichnung mit Zahlen ist aber erst spät, zuerst durch RobertStephanus in der Vulgata
1555-58, eingeführt worden. Im hebräischen Text erschien sie vollständig erst in Athias' Bibelausgabe von 1661. Weit jünger
und christlichen Ursprungs ist die heutige Kapiteleinteilung, welche zuerst Daniel Bomberg in den gedruckten
hebräischen Text (1525) aufgenommen hat. Im NeuenTestament ist die Versabteilung noch jüngern Ursprungs als im Alten Testament.
Zum Behuf des Vorlesens teilte der alexandrinische Diakonus Euthalios in seiner um 60 veranstalteten Ausgabe der Apostelgeschichte
und Briefe den Text nach Stichen oder Verszeilen ab, auf die so viel Worte kamen, als beim Vorlesen zusammen
gelesen werden sollten. Diese Einteilungs- und Zahlungsart wurde Stichometrie genannt und, da sie Beifall fand, von andern
auch auf die Evangelien übertragen. Um denRaum zu ersparen, setzte man später die Stichen nicht mehr ab, sondern begnügte
sich, das Ende derselben durch Punkte oder andre Zeichen zu bemerken. Mit unsern heutigen Versen haben
diese Lesezeilen jedoch nur entfernte Ähnlichkeit.
[* 12] Eine Kapiteleinteilung wird zwar schon bei den Kirchenvätern erwähnt,
doch sind
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Der Bibeltext, wie er uns jetzt vorliegt, ist sowohl im Alten als im NeuenTestament ein vielfach verderbter
und zwar um der vielen Abschriften willen mehr als bei irgend einem Werk des Altertums. Bei der Art und Weise, wie vor Erfindung
des Buchdrucks die Schriften vervielfältigt wurden, waren Fehler unvermeidlich, die durch die mancherlei Selbsttäuschungen
des Auges, des Ohrs, des Gedächtnisses und des Urteils veranlaßt wurden, wenn beim Lesen ähnliche Buchstaben,
Silben oder Wörter verwechselt, Zeilen oder Sätze mit gleichem Anfang oder gleichem Ende übersehen, beim Diktieren Gleichlautendes
falsch aufgefaßt, beim gedächtnismäßigen Aufschreiben in der Eile Synonymen und Sätze miteinander vertauscht, Abkürzungen
falsch aufgelöst, Randbemerkungen in den Text gezogen oder in der Wortabteilung Fehler gemacht wurden.
Anderseits veränderte man den Text mit Absicht, indem man mit unkritischer Geschäftigkeit angebliche Verbesserungen wirklicher
oder vermeintlicher Fehler einschob, wo ein Wort dunkel oder anstößig schien, Konjekturen sich erlaubte etc. Besonders bezüglich
des NeuenTestaments kam auch ein dogmatisches Interesse hinzu; oft haben sich die Parteien den Vorwurf absichtlicher
Textfälschung gegenseitig gemacht, und anerkannt ist, daß namentlich die Stelle von den drei Zeugen im Himmel
[* 14]
(1. Joh. 5,
7). in der abendländischen Kirche des 5. Jahrh. entstanden ist.
Altes Testament. Die erste Periode der alttestamentlichen Textgeschichte reicht bis zur Schließung des Kanon in der neutestamentlichen
Zeit. Hier wurde der Text zunächst aus der althebräischen in die sogen. Quadratschrift umgeschrieben. Da die Bücher vor ihrer
Sammlung von den Abschreibern gewissermaßen als Privateigentum betrachtet zu werden pflegten, so konnte die Willkür, die
damals durch keine kirchliche Autorität im Zaum gehalten wurde, am ungehinderten mit ihnen schalten.
Die Scheu vor jeder Änderung des heiligen Textes (Chetib) rief die Sitte hervor, da,
wo man aus exegetischen oder kritischen Gründen ein Wort, welches im Text stand, nicht las oder umgekehrt,
oder es anders las, die Textänderung (Keri) am Rand zu bemerken. In der folgenden masoretischen (s. Masora) Periode vom 6. bis 11. Jahrh.
war neben der Fortführung und Aufzeichnung der kritisch-exegetischen Studien zum Texte das Hauptsächlichste seine Vokalisation
und Punktation.
Neues Testament. Weit verderbter als der alttestamentliche ist der neutestamentliche Text, denn hier wirkten in erhöhtem Maß
alle die Umstände ein, aus denen Textänderungen hervorgehen, und es fehlte der sichernde Schutz, den
die jüdischen Akademien dem Alten Testament gewährten. Es wird die Zahl der Lesarten und Varianten im NeuenTestament auf 30,000
angegeben. (Vgl. Tischendorf, Haben wir den echten Schrifttext? Leipz. 1873.) Die Wiederherstellung des echten Textes ist daher
eine nie völlig lösbare Aufgabe. Als Mittel dazu dienen die alten Handschriften, die Übersetzungen und
die Citate bei
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