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Beim wichtigsten Geschäft ihres Vorgängers Guy Parmelin (SVP), der unter dem Projektnamen Air2030 bekannten Erneuerung der Luftverteidigung, hatte die neue Verteidigungsministerin Viola Amherd bereits vor zehn Tagen einen Marschhalt angekündigt. Sie werde sich erst ein «umfassendes Bild» vom Vorhaben machen, bevor sie mit dem Geschäft in die parlamentarische Beratung geht.
Nebst einer neuen «Analyse der heutigen Bedrohungslage» und verwaltungsinternen Gesprächen mit Fachleuten kündigte Bundesrätin Amherd an, eine «externe Zweitmeinung» zum Expertenbericht «Luftverteidigung der Zukunft» einholen, den Parmelin in Auftrag gegeben hatte. Nun gab das VBS bekannt, wer dieser Experte sein soll: Es ist Claude Nicollier, erster und einziger Schweizer Astronaut.
Der Waadtländer Astrophysiker und ehemalige Milizmilitärpilot (bis 2004) soll Amherd bis Ende April eine unabhängige externe Analyse zur Beschaffung der notwendigen Mittel für den Schutz der Bevölkerung vor Gefahren aus der Luft vorlegen. Er ist gemäss Medienmitteilung «im Auftrag der VBS-Chefin tätig und wird ausschliesslich ihr berichten». sein Honorar aus diesem Grund einer noch zu bestimmenden wohltätigen Institution zukommen lassen.
Der 1944 in Vevey geborene Claude Nicollier war nach dem Studium der Physik in Lausanne und der Astrophysik in Genf als Astrophysiker tätig. Er liess sich zudem zum Militär-, Linien- und Testpiloten (Empire Test Pilotsʼ School, Boscombe Down, UK) ausbilden.
1978 wurde er für die erste Astronautengruppe der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) ausgewählt. Im Rahmen eines Abkommens zwischen ESA und NASA erhielt er am Johnson Space Center der NASA in Houston eine umfassende Ausbildung auf der amerikanischen Raumfähre «Space Shuttle». Nach mehreren Jahren in Houston, in denen er nebst seiner Ausbildung verschiedenste Aufgaben übernahm, nahm er zwischen 1992 und 1999 an vier Weltraummissionen teil, wobei er insgesamt mehr als 1000 Stunden im Orbit verbrachte.
Heute ist Claude Nicollier Mitglied des «Swiss Space Center» in Lausanne und und unterrichtet als Professor an der EPFL in Lausanne, wo er auf Masterstufe eine Lehrveranstaltung unterhält. Er will sein Honorar aus der Beratertätigkeit für Amherd einer noch zu bestimmenden wohltätigen Institution zukommen lassen. (jaw)