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Das Projekt "Öffentliches Abschiednehmen: Trauer im Internet" untersucht aus linguistischer Perspektive, wie Menschen ihre Trauer im Internet digital ausdrücken, wie sie Beileidsbekundungen nach dem Verlust eines geliebten Menschen oder einem anderen tragischen Ereignis verbalisieren und wie sich der öffentliche Diskurs über diese Art des Trauerns gestaltet.
Zur Untersuchung dieser Fragen werden zwei Korpora aufgebaut: Korpus 1 enthält Daten aus unterschiedlichen Webquellen (bspw. Online-Gedenkseiten, soziale Netzwerke), Korpus 2 besteht aus Medienberichten über Online-Trauerpraktiken. Die Auswertung der Daten erfolgt mithilfe einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden.
Dieses Vorgehen erlaubt es, Dynamiken der Vergemeinschaftung im Netz zu erfassen und die Auswirkungen digitaler Abschieds- und Kondolenzgemeinschaften auf den gesellschaftlichen Trauerdiskurs im Allgemeinen zu untersuchen – ein Thema, das in der derzeitigen Pandemie-Situation aktueller denn je ist.
Zudem leistet das Projekt einen Beitrag zur Debatte über die Dimensionen des Privaten und Öffentlichen und über den Umgang mit sensiblen Daten im Internet: Individuelle (aber oft stark stereotypisierte) Trauerbekundungen werden mit Fremden geteilt, Bilder von Verstorbenen werden veröffentlicht, persönliche Leidensgeschichten werden zugänglich gemacht. All dies hat Auswirkungen auf unser Verständnis von Privatsphäre. Und das wiederum ist ein brisantes gesellschaftspolitisches Thema.