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Extrem milder und sonniger Januar
Die Schweiz registrierte in Höhenlagen über 1000 m den drittwärmsten Januar seit Messbeginn 1864. Lokal wurden die bisherigen Januarrekorde erreicht oder leicht überschritten. Auf der Alpennordseite war es regional der sonnigste Januar seit Messbeginn vor über 100 Jahren. In der ganzen Schweiz zeigte sich der Januar sehr niederschlagsarm.
Extrem milder Januar in den Bergen
Vor Jahresfrist verzeichneten die Schweizer Berglagen oberhalb 1000 m mit einem regionalen Mittel von -8,2 °C den kältesten Januar seit über 30 Jahren. In diesem Jahr lieferte der Januar mit milden -2,3 °C den dritthöchsten Wert seit Messbeginn. Nur unbedeutend milder zeigten sich in den Berglagen die Januarmonate 1989 und 1898 mit je -1,9 °C.
Lokal im Rekordbereich
Am Messstandort Grächen wurde der bisherige Januarrekord erneut erreicht. Auf der Grimsel gab es einen knappen Rekord und an den Standorten Jungfraujoch und Chaumont war es Rang 2 (Tabelle 1). In hohen Lagen stammen die bisherigen Januarrekorde meist aus den Jahren 1989 oder 1898.
Auf der Alpennordseite unterhalb von 1000 m gehörte der Januar 2020 nicht zu den zehn mildesten seit Messbeginn 1864. Auf der Alpensüdseite war es im regionalen Mittel der fünftmildeste, lokal auch der zweitmildeste Januar. Im schweizweiten Mittel liegt der Januar 2020 mit 2,3 °C über der Norm auf Rang 7 in der Liste der mildesten Januarmonate seit Messbeginn 1864.
Anhaltendes Hochdruckwetter
Vom 1. bis am 25. Januar zogen mehrere Hochdruckgebiete aus Westen und Südwesten über die Schweiz. Sie brachten in den Alpen und auf der Alpensüdseite viel Sonnenschein. In Berglagen und auf den Jurahöhen herrschten tagsüber fast durchwegs sehr milde Verhältnisse. Über dem zentralen und östlichen Mittelland lag oft Nebel oder Hochnebel, der sich an einigen Tagen nicht auflöste. Das westliche Mittelland war weniger vom ganztägigen Nebel betroffen.
Sonnenscheinrekorde
An den Messstandorten Bern, Genf, Zürich und Basel mit über 100-jährigen Aufzeichnungen lieferte der Januar neue Sonnenscheinrekorde oder den Rang 2. Massiv war der Rekord in Bern mit 129 Sonnenstunden. Bern erlebte drei volle Sonnentage mehr als während der bisher sonnigsten Januarmonate.
Genf registrierte mit 111 Sonnenstunden rund einen vollen Sonnentag mehr als in den bisher sonnigsten Januarmonaten. In Zürich übertraf der Januar mit 101 Sonnenstunden die bisherigen Höchstwerte nur knapp. In Basel blieb der Januar mit 110 Sonnenstunden bisher knapp unter dem Rekord vom Januar 1990 (Tabelle 2).
Nur selten nass
Das anhaltende Hochdruckwetter wurde nur an wenigen Tagen von durchziehenden schwachen Störungszonen unterbrochen. Vom 3. auf den 4. brachte eine Westströmung vor allem nachts etwas Niederschlag mit hoch liegender Schneefallgrenze um 1300 m. Tagsüber war es aber recht sonnig. Am 7. und 10. Januar zogen am frühen Morgen schwache Kaltfronten mit wenig Niederschlag über die Schweiz. Der restliche Tag zeigte sich aber wieder verbreitet recht sonnig. Am 17. erfasste ein Frontensystem aus Westen die Schweiz mit Schneefall bis auf 600 m hinunter. Recht sonnig blieb es nur in den Ostalpen. Bereits am 18. machten die nach Osten abziehenden Wolken wieder der Sonne Platz.
Stürmischer Wetterwechsel
Ab dem 26. Januar wurde das Wetter in der Schweiz tiefdruckbestimmt. Zunächst fiel vor allem auf der Alpennordseite etwas Niederschlag. In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar stellte sich eine stürmische Westströmung ein. Am Vormittag und am Abend des 28. Januar fielen verbreitet kräftige Schauer, zum Teil als Graupel und Schnee, begleitet von Blitz und Donner und stürmischem Wind. Die Schneefallgrenze sank regional auf 400 m hinunter.
Die Windspitzen erreichten im Flachland der Alpennordseite 55 bis 90 km/h, regional bis 120 km/h. In Zürich-Affoltern wurde mit 123 km/h die zweithöchste Windspitze, in Zürich-Kloten mit 110 km/h und in St. Gallen mit 120 km/h die dritthöchste Windspitze seit Messbeginn 1981 registriert. In Zürich-Affoltern und St. Gallen brachte bisher nur der legendäre Wintersturm Lothar vom Dezember 1999 etwas höhere Windspitzen.
In Gipfellagen erreichten die Windspitzen 110 bis 150 km/h. Die Werte fielen nicht unter die zehn höchsten der Messreihen. Eine Windspitzenkarte der Schweiz liefert der Wetterblog vom 28. Januar 2020.
Warten auf den ersten Schnee
Im laufenden Winter 2019/2020 lässt der erste Schnee in einigen Regionen nördlich der Alpen noch immer auf sich warten. Einer der betroffenen Messstandorte ist Neuchâtel. Der bisher späteste erste Neuschnee wurde hier am 28. Januar 1990 registriert. Beim Datum des spätesten ersten Schnees ist in Neuchâtel also ein neuer Rekord fällig.
In Basel und in Genf, im laufenden Winter ebenfalls noch schneelos, muss man sich für einen allfälligen Rekord noch eine Weile gedulden. In Basel fiel der bisher späteste erste Schnee am 23. März 2008, in Genf am 20. März 2008. All drei erwähnten Schnee-Messreihen reichen zurück bis in den Winter 1931/1932.
Mehr zum Thema erster Schnee ist in der Rubrik Klima-Spezialitäten zu finden.
Sehr frühe Haselblüte
Schon an Weihnachten wurde an unserer Beobachtungsstation Therwil (BL) der Blühbeginn des Haselstrauchs beobachtet. Ab dem 2. Januar meldeten weitere Beobachter den Blühbeginn der Hasel aus dem ganzen Mittelland und dem Tessin. Am 23. Januar fand der Blühbeginn in Leysin (VD) auf 1250 m statt. Der Blühbeginn der Hasel wird seit 1996 beobachtet. An drei der bisher 29 Stationen fand der Blühbeginn noch nie so früh statt wie im aktuellen Jahr, an 6 Stationen war es der zweitfrüheste und an 11 Stationen der drittfrüheste Blühbeginn. Noch früher fand der Blühbeginn an vielen Stationen im Jahr 2016 statt.
Bei der allgemeinen Blüte der Hasel liegen bis jetzt Meldungen von 20 Stationen vor. An 10 dieser Stationen war es die früheste allgemeine Blüte der 30-jährigen Vergleichsperiode 1981–2010. An 6 Stationen war es die früheste seit Messbeginn, d.h. von Datenreihen, die je nach Station 25–68 Jahre betragen, so zum Beispiel in Rafz, wo die allgemeine Blüte der Hasel seit 1952 noch nie so früh beobachtet wurde. An diesen 20 Stationen fand die allgemeine Blüte 35 Tage früher statt als im Mittel der Periode 1981–2010.
Pflanze mit Heizung
Eine weitere einheimische Pflanze, die sehr früh im Jahr blüht, ist die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus), die in Wäldern auf Kalk vorkommt. Normalerweise blüht sie im späten Winter. In warmen Wintern kann sie jedoch schon um den Jahreswechsel blühen. Ihre Blüten werden von Hummeln bestäubt, die bereits bei tieferen Temperaturen ausfliegen als die Bienen. Spannend ist, dass Hefepilze im Blütennektar Wärme freisetzen und so die Blüten erwärmen können. Die Hummeln besuchen die Blüten auch wegen dieser Wärme.
Der definitive Bericht zum Januar 2020 ist ab dem 11. Februar 2020 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.