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Jedes Jahr zeichnet die ETH Zürich besonders bemerkenswerte Dissertationen und Masterarbeiten mit ihrer Silbermedaille aus. In Vergessenheit geraten ist, dass ursprünglich auch die Verleihung von Goldmedaillen vorgesehen war.
Signatur: ETH-Bibliothek, Archive, Med. 204
Goldmedaille des Eidgenössischen Polytechnikums von 1869 mit Westfassade des ETH-Hauptgebäudes. In die leere Kartusche konnte der Name des Preisträgers nachträglich eingraviert werden.
Avers: In der Mitte das Schweizerwappen umringt von 22 Sternen, die die Schweizer Kantone symbolisieren, eingerahmt von zwei weiblichen Allegorien (vermutlich Freiheit und Amtsgewalt). Die lateinische Inschrift STUDIO und LABORI bezog sich auf den Eifer und die Arbeit der Preisträger. Ganz unten findet sich der Name des Graveurs Antoine Bovy, sc. = sculpsit (gestochen) im Jahr 1869.
Schon in ihrem ersten Reglement von 1854 legte die ETH Zürich (damals noch Polytechnikum) grossen Wert darauf, den Wettbewerbsgedanken unter ihren Studierenden zu fördern. „Zur Wekung (!) und Beförderung des wissenschaftlichen Lebens der Schüler, sowie zur Aufmunterung ihres Fleisses“ wurden den Schülern jedes Jahr Preisaufgaben gestellt. Die besten schriftlichen Arbeiten wurden jeweils öffentlich prämiert und mit einem Geldpreis belohnt.
Um den Siegern eine bleibende Erinnerung an die Hochschule mitzugeben, regte der damalige Schulratspräsident Johann Karl Kappeler im Jahr 1866 an, eine Preismedaille prägen zu lassen. Bis zur ersten Verleihung der Medaille sollte es jedoch vier Jahre dauern. Immer wieder holte Kappeler bei verschiedenen Experten Gutachten über mögliche Motive und deren Verbesserung ein. Unter anderem arbeitete auch Gottfried Semper, der damalige Architektur-Professor am Polytechnikum an der Medaille mit. Schliesslich zeigte die Rückseite der Medaille die Westfassade des nach seinen Plänen gebauten Hauptgebäudes.
Als Graveur wählte Kappeler den damals schon renommierten – und entsprechend teuren – Antoine Bovy, ein französischer Medailleur mit Schweizer Wurzeln, dessen Darstellung der Helvetia noch heute auf den Schweizer Münzen zu finden ist. Anlässlich der Weltausstellung 1867 reiste auch eine kleine Delegation des Polytechnikums nach Paris und besprach bei dieser Gelegenheit mit Bovy die laufenden Gravurarbeiten.
Erst 1869 war der Schulratspräsident überzeugt davon, eine perfekte Preismedaille vor sich zu haben, die auch den kritischen Blicken der Schweizer Öffentlichkeit standhalten würde.
Die allererste Medaille wurde in Gold hergestellt, alle folgenden in Silber. Die Kartusche der goldenen Preismedaille blieb jedoch leer, bis heute, denn verliehen wurde die Goldmedaille nie – obwohl dies ursprünglich für „in jeder Beziehung vollständige und vorzügliche Preislösungen“ vorgesehen war. Ob kein Student je den Ansprüchen des Schulrates genügte?
Die silberne Preismedaille erhielt als erster Preisträger der Maschineningenieur Friedrich von Schulthess-Rechberg im Jahr 1870 für seine Schrift zum Thema Zentrifugalpumpen, inklusive Geldpreis von 130 Fr.
Die Silbermedaille von 1869 sollte fast 100 Jahre in Verwendung bleiben, bis sie durch ein neues Motiv abgelöst wurde, doch dazu ein andermal…
Quellen:
Protokolle des Schweizerischen Schulrates sowie Präsidialverfügungen, recherchierbar in Schulratsprotokolle online