Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03443.jsonl.gz/1188

Frauen wollen selber über ihren Körper bestimmen.
Recht auf Abtreibung in Verfassung
In Frankreich soll die Verfassung Frauen das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper und den gleichen Zugang zur Macht garantieren.
Die französische Regierung will Anfang Mai einen Vorschlag für eine Verfassungsrevision vorlegen. Der Gleichstellungsrat (Haut Conseil à l’Egalité entre les femmes et les hommes), ein Beratungsgremium der Regierung, hat Vorschläge für eine geschlechtergerechte Verfassung gemacht.
Abtreibung soll Grundrecht werden
Der Rat schlägt Änderungen in drei Bereichen vor:
- Grundrechte: Neu soll ein «Recht auf Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch» und ein «Recht auf ein Leben ohne sexistische und sexuelle Gewalt» in der Verfassung verankert werden. Weiter schlägt der Rat vor, dass die finanziellen Ressourcen beiden Geschlechtern zu gleichen Teilen zugute kommen müssen.
- Sprache: Die Verfassung soll sprachlich geschlechtsneutral werden. Der Rat schlägt zum Beispiel vor, «Brüderlichkeit» durch «Solidarität» und «Rechte des Mannes» durch «Menschenrechte» zu ersetzen. Bei Funktionen sollen auch die weiblichen Bezeichnungen stehen: «Präsident oder Präsidentin».
- Politische Macht: Der Rat schlägt vor, dass die Verfassung den gleichen Zugang von Frauen und Männern zu politischen Mandaten und Funktionen nicht bloss «fördern», sondern «garantieren» muss. Für bestimmte parlamentarische Gremien soll eine Quotenregelung in die Verfassung.
Die 57-jährige Zora prostituierte sich während zehn Jahren: «Sich zu prostituieren, geht wirklich jeder Frau an die Gefühle. Wenn du einen nackten Mann vor dir hast, der geil ist und dich anhechelt – das geht nicht ohne Drogen. Diese Tätigkeit erschüttert dich im Innersten. Ich habe Interviews gelesen von Frauen, die sagen, sie könnten diese Arbeit in ihr Leben integrieren. Ich selber habe niemanden kennengelernt, der das ohne Drogen konnte – aber vielleicht gibt es ja wirklich solche.»
Die 33-jährige Bulgarin Dina erzählte, dass sie täglich eine Flasche Wein trinkt, «damit das alles besser geht». Sie wolle aufhören. Später hörte Reporterin Wüst, dass sie den Ausstieg nicht geschafft hatte, harte Drogen nimmt und völlig abgemagert ist. Eine der Kolleginnen von Dina aus dem Bordell sagte: «Ich kenne Dina schon eine Weile. Schon ihr ganzes Leben sucht sie verzweifelt nach Liebe, nach irgendjemandem, der sie liebt.» Nun sei es zu spät. «Ich glaube nicht, dass Dina noch lange leben wird.»
Das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung zu garantieren, wäre weltweit wohl einmalig und würde das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihren Körper stärken. Völlig frei und ohne Einschränkungen können Frauen heute nirgends entscheiden. In liberalen Staaten schreiben Gesetze oder Gerichtsurteile die Voraussetzungen vor. Diese können jederzeit über Gesetzesänderungen oder auf dem Rechtsweg geändert werden.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
keine
Weiterführende Informationen
Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende
Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden machen dies möglich.
Mit Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
<iban-pii> (CHF)