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Es ist das Jahr 1984 und Aomame ist in einem Taxi, zu einem wichtigen Termin unterwegs. Sie steht im Stau und wird dadurch höchstwahrscheinlich zu spät kommen. Sie befolgt den Tipp des Taxifahrers und versucht über eine Notfalltreppe zu einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel zu gelangen.
Tengo bekommt einen eigenartigen Auftrag. Er soll den Roman der eher ungewöhnlichen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, alles streng geheim versteht sich, damit jene mit ihren Roman einen bestimmten Literaturpreis verliehen bekommt. Der Inhalt des zu überarbeitenden Romans ist sehr originell, es geht unter anderem darin um die mysteriösen little People. Allerdings ist er eher schlecht verfasst.
Wenn sich zwei Sprachen so sehr unterscheiden, wie es die deutsche und die japanische Sprache tun, ist es eine wahrlich meisterliche Anstrengung, ein über eintausend Seiten langes Werk zu übersetzen. Zwei Meister haben sich hier, literarisch wohl angemerkt getroffen. Ursula Gräfe ist die deutsche Stimme Murakmis und in einem Interview meinte sie zu ihrer Arbeit, dass man sehr wohl aufpassen müsste, um keinen Unsinn zu machen. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass Gefährliche Geliebte, von ihr direkt aus dem japanischen neu übersetzt wurde(=Südlich der Grenze, westlich der Sonne), und ich wäre ja gespannt, ob denn nicht das eine oder andere alte Werk Murakamis auch wert wäre neuübersetzt zu werden. Auch wenn ich finde, dass man den Übersetzern zu wenig Tribut zollt, möchte ich mich zu diesem Thema kurz halten und auf Murakami und 1Q84 zurückkommen.
Er ist einer meiner liebsten japanischen Schriftsteller und auch mit 1Q84 hat er bei mir, was seine Werke angeht, voll ins Schwarze getroffen. Erzählt wird die Geschichte von Aomame, die schnell erkennt, dass sie in einer Art parallelen Welt gestrandet ist. Sie nennt diese Welt 1Q84. Der Titel ist ein Wortspiel, dessen Erklärung der Leser im Roman findet und nicht nur ein Bezug zu George Orwells wohl bekanntestem Werk ist. Abwechselnd wird aber auch aus Tengos Sicht erzählt, wobei sich nicht sofort erschließt, in welchen Kontext die Beiden zu einander stehen. Altbekannte Verdächtige sind auch wieder mit von der Partie. Sei es nun der übliche Cutty Sark der getrunken wird, die surreale Welt mit der sich die Hauptprotagonisten auseinandersetzen, oder die Sexualität und Anziehungskraft der Großstadtmenschen der sie sich stellen müssen. Hier liegt auch wieder eine Besonderheit verboren, die man ebenfalls in seinen anderen Werken wiederfindet: Die Charaktere die er so überaus gelungen in Szene setzt, könnten Großstadtmenschen von überall auf dieser Welt sein. Man kann sich jetzt fragen ob die Entwicklung in den Städten überall gleich ist, oder ob Murakamis Beschreibungen zu Allgemeint gehalten sind. Ich tendiere noch immer ersteres zu glauben. Diese wirklich wunderbar gelungene Mischung und sein Erzählstil(=das Zusammenspiel wie er Zeiten und Perspektive wechselt ist wirklich einmalig) ist für mich ausschlaggebend, um seine Werke immer wieder zu lesen. Die ersten beiden japanischen Bände, sind im deutschen als ein Roman erschienen, was auch die ungewöhnliche Länge des Romans erklärt. Ich bin schon sehr auf den eigentlich dritten und abschließenden Roman gespannt. Jene Leser, die nun Haruki Murakami gar nicht kennen, könnten nun nach der Lektüre des Romans, dem großen Maestro Langatmigkeit und Textwiederholungen vorwerfen und der Anhänger Murakamis weiß es zu schätzen, dass er nirgends in unziemliche Hast verfällt. Mit der ihm zustehenden Aufmerksamkeit und Geduld sollte 1Q84 gelesen werden, erst dann wird man seinen Stil und seine Erzählweise zu schätzen wissen und auch anerkennen können. Schließlich ist die Abwechslung die Würze des Lebens und so kann ich guten Gewissens auf eine japanisch-amerikanische Autorin verweisen, die mich mit ihrer Erzählkunst mindestens genauso verzaubert hat wie Murakami. Ruht Ozeki hat mit "Geschichte für den Augenblick" ihr deutsches Debüt gegeben und ist wie ich finde, eine wirklich wunderbare Schriftstellerin die wärmstens weiterempfehlt werden kann.
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