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In einer kürzlich veröffentlichten Studie , Link öffnet in einem neuen Fensterhat das Forschungsinstitut PEW rund 1800 Personen gefragt, ob sie sich in verschiedenen Situationen zu den Enthüllungen von Edward Snowden äussern würden. 41 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auf Twitter ihre Meinung dazu äussern würden, auf Facebook waren es etwas mehr. In verschiedenen Offline-Situationen hingegen würden sich doppelt so viele äussern.
Die schweigende Minderheit
Was hindert die Menschen daran, in sozialen Medien ihre Meinung zu sagen? Die Verfasser der Studie greifen als Erklärung auf ein 40 Jahre altes Modell zurück: Die Schweigespirale-Theorie. Sie geht davon aus, dass die Bereitschaft, seine Meinung zu einem Thema zu äussern, geringer ist, je stärker diese von der öffentlichen Meinung abweicht. Wer also glaubt, eine andere Meinung als die Mehrheit zu haben, schweigt, weil er fürchtet, ansonsten von anderen gemieden zu werden.
Anne Schulz ist Projektassistentin am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich. Sie hat ebenfalls über die Mechanismen der Schweigespirale in der Online-Kommunikation geforscht. Sie bezweifelt, dass die Schweigespirale die Resultate der US-Studie erklären kann.
Der grundlegende Befund der Studie deckt sich jedoch mit bisherigen Erkenntnissen, sagt sie: «Es konnte immer wieder gezeigt werden, dass Menschen, die sich zur Minderheit zählen, auch auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken tendenziell eher schweigen. Oder zumindest äussern sie sich nicht häufiger, als sie dies in nicht-virtuellen Situationen tun würden.»
Kaum politische Themen auf Facebook
Die Furcht vor sozialer Isolation muss aber nicht der Grund für das Schweigen sein. Schulz vermutet die Ursache eher darin, dass Facebook ganz allgemein wenig für politische Inhalte genutzt wird: «Das Nutzungsmotiv bei Facebook ist ein anderes, ich würde das als interpersonale private Kommunikation zusammenfassen.» Wer sich also auf Facebook einloggt, tut dies kaum, um sich mit politischen Themen zu befassen. Das würde bedeuten, dass sich die Befragten deshalb nicht zu den Snowden-Enthüllungen äussern, weil sie sich auf Facebook grundsätzlich nicht zu politischen Themen äussern.
Eine Studie der Universität Mainz, Link öffnet in einem neuen Fenster hat kürzlich gezeigt, dass sich die Nutzer auf Facebook kaum mit politischen Inhalten befassen. Auch die PEW-Studie zeigt, das nur 15 Prozent der Befragten sich via Facebook zum Beispiel über die NSA-Affäre informieren, über Twitter sogar nur 3 Prozent.
Enttäuschung für Netzoptimisten
Ist es denn problematisch, dass Facebook kaum für politische Themen genutzt wird? «Für Netzoptimisten ist dieser Befund natürlich enttäuschend», sagt Schulz. Diese erhofften sich, dass soziale Medien einen Raum für alternative Positionen zu einer öffentlichen Meinung bieten. Eine Hoffnung, die die PEW-Studie nicht stützt.
Soziale Medien spielen also weder als Informationsquelle noch als Diskussionsplattform bei politischen Themen eine grosse Rolle. Warum das so ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Facebook und Twitter sind aber keine Plattform für alternative Ansichten zur vorherrschenden öffentlichen Meinung – auch wenn sie dies vielleicht sein könnten.