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Das Schützenhaus in Niederwangen bei Bern war 1913 gebaut worden. Schon damals fand man 26 Bestattungen aus dem 6. und 7. Jahrhundert, teilweise mit reichverzierten Gürtelschnallen und Waffen. Fast 100 Jahre später kamen beim Rückbau nun mindestens 20 Bestattungen in drei Gräberreihen desselben Friedhofs zum Vorschein.
Der schlechte Zustand macht eine archäologische Dokumentation notwendig, wie die bernische Erziehungsdirektion am Freitag mitteilte. Die Ausgrabungen dauern noch bis im Frühling; die zurzeit freigelegten Bestattungen können am 13. Februar besichtigt werden.
Die Gräber sind meist Nord-Süd ausgerichtet und weisen wenige Grabbeigaben auf, die ins frühe 7. Jahrhundert weisen. Eine Grube mit einem Pfosteneinbau und grosse römische Gefässscherben lassen vermuten, dass der Fundplatz schon besiedelt war, bevor das Gräberfeld angelegt wurde.
Noch viele offene Fragen
Die Orientierung der jetzt freigelegten Gräber unterscheidet sich von denjenigen, die 1913 beim Bau des Schützenhauses zum Vorschein kamen. Diese waren nämlich eher Ost-West ausgerichtet. Offen ist, ob es sich bei den zwei Gruppen des Gräberfeldes um zeitlich unterschiedliche Belegungsphasen handelt oder eher um gleichzeitige, aber unterschiedliche Bestattungstraditionen. Der Archäologische Dienst des Kantons Bern geht dieser Frage zurzeit nach.
Wangental als beliebter Siedlungsraum
Die Menschen, die auf der Hügelkuppe westlich des Stegenwegs bestattet wurden, lebten wohl in nur etwa hundert Metern Entfernung. Denn hangabwärts wurde Ende der 1990er-Jahre ein Teil einer frühmittelalterlichen Siedlung entdeckt. Das Dorf dürfte vom 7. bis ins 10. Jahrhundert bestanden haben.
Das Wangental war seit der Bronzezeit ein beliebter Siedlungsraum. Spätestens ab der Römerzeit lag er an einer Verkehrsachse von regionaler Bedeutung. Die frühmittelalterliche Besiedlung ist mit weiteren Siedlungsresten, einem Gräberfeld in Oberwangen und den neusten Funden in Niederwangen ungewöhnlich gut belegt. Erst im 10. und 11. Jahrhundert scheine sich der Siedlungsschwerpunkt nach Bümpliz beziehungsweise Köniz verschoben zu haben, vermuten die bernischen Archäologen.