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Der Freiberger heute ist ein äusserst vielseitiges, zuverlässiges und robustes Pferd mit gutem Charakter. Freiberger Pferde können überall eingesetzt werden, in der Freizeit, im Sport, im Militär und nach wie vor in der Landwirtschaft als gutes und zuverlässiges Arbeitspferd.
Alle heutigen Freiberger-Linien sind entstanden durch Einfluss von fremdem Blut, das ungefähr ab Mitte des 19. Jh. eingekreuzt worden ist. Heute existieren verschiedene Exterieur-Typen und verschiedene Eigenschaften. Diese Vielfältigkeit macht den Freiberger zu einem unschlagbaren Freizeit-, Sport-, Arbeits- und Militärpferd!
Die im 18. Jh. blühende Schweizer Pferdezucht wurde nach und nach geschwächt durch Aufhebung von Massnahmen zur Pferdezucht mit Einbruch der französischen Revolution 1798, durch übermässige Exporte ins Ausland, durch das Aufkommen der Eisenbahn und durch das Erstarken der rentableren Rindviehzucht. Mitte des 19. Jh. erreichte die schweizerische Pferdezucht einen Tiefstand.
Zur Verbesserung dieser Situation und zur Förderung der schweizerischen Pferdezucht wurden deshalb ab 1868 während mehrerer Jahrzehnte immer wieder Importe ausländischer Zuchthengste verschiedenster Rassen durchgeführt, es wurden vor allem Vollblut- und Halbbluthengste, Anglo-Normänner, Norfolk-Bretonen, Shires, Percherons und Ardenner eingeführt.
Die Hengste VAILLANT und IMPRÉVU sind die Begründer der ältesten, heute noch bestehenden Freiberger-Hengstlinien:
VAILLANT wurde 1891 in Saignelégier geboren. Seine Abstammung ist nicht ganz zweifelsfrei geklärt, doch dem "Schweiz. Stammzuchtbuch" ist zu entnehmen, dass er englisches Halbblut führte über den 1865 importierten Léo I sowie Anglonormänner-Blut und französisches Vollblut aus der Mutterlinie von Paulette. VAILLANT hat sich erfolgreich in der Zucht durchgesetzt. VAILLANT ist der Begründer der heute noch existierenden fünf Linien H, E, V, D und R.
IMPRÉVU, geb. 1886, war ein dunkelbrauner Anglo-Normänner-Hengst, der 1889 aus Frankreich importiert wurde. IMPRÉVU hat über Chasseur - Lafayette - Jurassien ebenfalls eine grosse Nachkommenschaft hinterlassen. IMPRÉVU ist Begründer der heutigen Linie C.
Gegen Ende des 19. Jh. wurden die ersten Pferdezucht-Genossenschaften gegründet.
1901 wurde das Nationalgestüt in Avenches eröffnet.
1904 mussten sich Pferdezucht-Genossenschaften erstmals zu einem der beiden neu aufgestellten Zuchtziele entscheiden, um in den Genuss von Prämien zu kommen: für die Zucht eines "Dragoner- und Artilleriepferdes" oder für die Zucht eines "Zugpferdes mit Masse und Gang".
1924 erfolge die erste Ausgabe des Stammzuchtbuches für das Zugpferd.
1930 existierten 60 Genossenschaften für die Zucht der Zugpferdes.
1935 wurde der Anglo-Normänner URAN sowie mehrere Araberhengste für die Zucht zugelassen.
1950 wurde eine Trenn-Linie gezogen, um die ursprünglichen Freiberger von den Freibergern mit Fremdblut-Einfluss zu unterschieden. Obwohl sämtliche bestehenden Freiberger-Linien auf Linienbegründer mit Warm- oder Vollblutrassen väterlicherseits zurückgeführt werden können, galten fortan alle vor 1950 geborene Freiberger Pferde als Pferde mit 0 % Fremdblut-Anteil.
Ab den 50er-Jahren wurden folgende neue Blutlinien eingeführt:
Ab 1958 wurde der polnische Vollblut-Araberhengst DOKTRYNER AV (geb. 1950) eingesetzt und wurde mit seinem Sohn DON PABLO der Begründer der Linie Don.
In den 70er-Jahren kam ALSACIEN, geb. 1969, zum Einsatz, dessen Vater der schwedische Warmbluthengst ALADIN SW (Abst. Nepal SW) war. ALSACIEN begründete die heutige Linie L.
NELLO, geb. 1975, abstammend vom schwedischen Warmbluthengst NEPAL SW, ist der Begründer der Linie Nello-Nolo, 2018 umbenannt in P-Linie.
Ab 1990 war der Warmbluthengst NOÉ CH in der Zucht. Er führt über seine Mutter Einsiedlerblut und begründete die Linie N.
Die Linie Q wurde ab 1991 vom Warmbluthengst QUIT-SAIT CH begründet. QUI-SAIT CH stammt von der selben Mutter wie NOÉ CH.
1997 wurde das Stud-Book für Fremdblut-Einkreuzungen geschlossen.
2017 wurde ein Versuch der erneuten Fremdblut-Einkreuzung zur Senkung des Inzuchtfaktors abgelehnt.