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Das Attribut «neu» muss als Vorwegnahme einer Stimmung betrachtet werden, die den Innovationsgeist der 1920er-Jahre mit Schlagworten wie «Neue Sachlichkeit» und «Esprit Nouveau» charakterisieren sollten.
«Wir sind nicht nur Künstler, sondern auch Menschen und fühlen uns verpflichtet, im Leben wieder eine positiv wirkende Kraft zu werden. […] Die Ausstellung zeigt Versuche, die Kunst wieder ins Leben zu führen. Man sieht viele neubehandelte Materialien, fast keine ‘Bilder’ im eigentlichen Sinne mehr.» Mit diesen Worten bringt es Marcel Janco lakonisch auf den Punkt, was es mit der lose um Fritz Baumann gegründeten Bewegung «Das Neue Leben» mit dem Anspruch, sich als Künstlergruppe zu etablieren, auf sich hatte. Das Attribut «neu» muss dabei als Vorwegnahme einer Stimmung betrachtet werden, die den Innovationsgeist der 1920er-Jahre mit Schlagworten wie «Neue Sachlichkeit» und «Esprit Nouveau» charakterisieren sollten. In der Künstlerliste sind formal so unterschiedliche Positionen wie die des Franzosen Francis Picabia und diejenige der beiden Rumänen Tristan Tzara und Marcel Janco zu finden, die in diesem Zusammenhang erstaunlicherweise als «Schweizer Expressionisten» bezeichnet werden, was aber insofern zutrifft, als sie zum Zeitpunkt der Ausstellung alle in der Schweiz ansässig waren. Die Ausstellung umfasste 249 Werke von rund 24 Künstlern, darunter 9 Frauen. Die Ausstellung war bereits zuvor, im November 1918, in der Kunsthalle Basel zu sehen, später folgten Stationen unter demselben Titel und ähnlichem Anspruch wie beispielsweise vom 14.01.-08.02.1920 in der Kunsthalle Bern. Zur Ausstellung in Zürich sind zwei kleine Kataloge mit sämtlichen ausgestellten Werken und Schwarzweiss-Reproduktionen von Fritz Baumann, Hans Arp, Augusto Giacometti, Marcel Janco, Oskar Lüthy, Otto Morach, Niklaus Stoecklin und Sophie H. Taeuber erschienen. Aus dem zum Kauf stehenden Werken wurden Ankäufe für das Kunsthaus Zürich getätigt, darunter Niklaus Stoecklins Perückenstock (1917, siehe Link).
Die Kunstkritik stand der Ausstellung insgesamt wohlgesinnt gegenüber, die Herstellung einer Analogie zwischen Politik und Kunst ist dabei bemerkenswert: «Wie im politischen Leben, so braust gegenwärtig auch durch das Reich der Kunst ein Sturm, der alles bislang Verwurzelte niederstürzen soll, um Raum für eine neue Kunst zu schaffen. ‘Neues Leben’ soll aus den Ruinen blühen» (Winterthurer Tagblatt, 4.2.1919)
«Wir glauben, dass […] die eigentliche Kunstwende und der eigentliche neue umfassende Stil erst noch zu erwarten ist.» (Fritz Baumann, Ausstellungskatalog)
24 Tage
23 Künstler:innen
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