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Inhaltsverzeichnis
Zuständigkeit des Bildungsrats
Der Bildungsrat regelt die Verwendung von Lehrmitteln im Unterricht und kann sie für obligatorisch erklären (§ 22 Abs. 1 Volksschulgesetz vom 7. Februar 2005 [VSG; LS 412.100]). Er bestellt eine Lehrmittelkommission. Diese ist dafür besorgt, dass geeignete, auf den Lehrplan ausgerichtete und praxistaugliche Lehrmittel zur Verfügung stehen (§ 22 Abs. 3 VSG).
Der Bildungsrat bestimmt die Ausrichtung des kantonalen Lehrmittelwesens (§ 1 Abs. 1 Lehrmittelverordnung für die Volksschule vom 20. August 2014 [LS 412.14]). Er legt für Lehrmittel, die im Unterricht verwendet werden, Qualitätsanforderungen fest (§ 1 Abs. 2 Lehrmittelverordnung). Er bestimmt, in welchen Fachbereichen obligatorische Lehrmittel verwendet werden (§ 2 Lehrmittelverordnung). Er beschliesst für die obligatorischen Lehrmittel eine mittelfristige Planung. Diese umfasst: a) einen Anforderungskatalog an das Lehrmittel und b) ein Konzept für Entwicklung oder Beschaffung, Einführung, Nutzung und Ablösung des Lehrmittels (§ 3 Lehrmittelverordnung).
Die Bildungsdirektion stellt die Mitwirkung der Lehrpersonen der Volksschule bei der Schaffung und Beschaffung von Lehrmitteln sicher. Sie informiert die Lehrpersonen über die Planung im Bereich der obligatorischen Lehrmittel (§ 4 Lehrmittelverordnung).
Ausgangslage
Im Kanton Zürich besteht für Englisch ein Alternativobligatorium; dieses gilt seit dem Schuljahr 2013/14 und ist bis Ende Schuljahr 2027/28 befristet (BRB Nrn. 42/2012 und 7/2021). In der Primarschule stehen zwei und in der Sekundarschule drei verschiedene unterrichtsleitende Lehrmittel zur Auswahl. Die Schulpflegen legen fest, welche Lehrmittel eingesetzt werden.
Im September 2016 hat der Bildungsrat die Lehrmittelsituation für Englisch neu beurteilt (BRB Nr. 17/2016) und im Mai 2017 einen Anforderungskatalog für ein neues Lehrmittel für den 2. und 3. Zyklus verabschiedet (BRB Nr. 13/2017). Die Bildungsdirektion und der Lehrmittelverlag Zürich (LMVZ) prüfen seither die Ausarbeitung von Entwicklungs- und Umsetzungsmassnahmen, die den erforderlichen Ansprüchen entsprechen.
Der LMVZ beauftragte 2021 die Pädagogischen Hochschulen Zürich und St. Gallen mit der Erarbeitung eines inhaltlich-didaktischen Konzepts. Zudem wurde pro Zyklus ein Musterkapitel bestellt. Konzept und Musterkapitel wurden im April 2022 beim Verlag eingereicht.
Im Mai 2022 liess der LMVZ die Unterlagen von Fachexpertinnen und -experten sowie von Lehrpersonen beider Stufen begutachten. Die Expertinnen und Experten reichten auf 1. Juni 2022 einen schriftlichen Bericht ein; mit den Lehrpersonen wurde Anfang Juni 2022 ein Hearing durchgeführt. In beiden Kreisen wurde das Konzept grundsätzlich positiv bewertet, wobei der Einbezug von Kinder- und Jugendliteratur sowie der hybride Ansatz des Lehrmittels (Zusammenspiel von gedruckten und digitalen Medien) besonders positiv hervorgehoben wurden. Gewünscht werden eine angemessene Balance zwischen Stoffmenge und Auswahlmöglichkeit sowie ein breites Differenzierungsangebot, das auch die Ränder des Leistungsspektrums der Schülerinnen und Schüler abdeckt. Die Erkenntnisse aus dieser Begutachtungsrunde fliessen in die Inhaltsentwicklung ein.
Anforderungen
Mit dem neuen Englischlehrmittel für den 2. und 3. Zyklus sollen die Anforderungen an ein modernes, insbesondere dem digitalen Wandel genügendes Lehrmittel erfüllt und folgende Ziele erreicht werden:
- Durchdachte Differenzierung,
- Förderung der Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler,
- Nutzung der digitalen Möglichkeiten und
- Einbezug von innovativen methodisch-didaktischen Ansätzen.
Didaktischer Ansatz
Das neue Englischlehrmittel für den 2. und 3. Zyklus orientiert sich an dem im Lehrplan 21 formulierten Ziel der funktionalen Mehrsprachigkeit. Die Schülerinnen und Schüler erleben Sprache als Werkzeug der Kommunikation und werden befähigt, sich in unterschiedlichen Kontexten sprachlich angemessen auszudrücken. Angestrebt wird ein kompetenz-, aufgaben- und handlungsorientierter Unterricht.
Im Englischunterricht sind die Sprachkompetenzen bzw. der Sprachlernstand der Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedlich. Das neue Lehrmittel bietet deshalb verschiedene methodisch-didaktische Ansätze und eine grosse Auswahl an Möglichkeiten zur Differenzierung. Im 2. Zyklus erfolgt die Differenzierung innerhalb des Jahrgangsbands, sodass die Schülerinnen und Schüler für eine Aufgabe mehr oder weniger Hilfestellung heranziehen können. Im 3. Zyklus sind die Materialien für jedes Schuljahr auf zwei Leistungsstufen verfügbar (Grundanforderungen im Niveau G und erweiterte Anforderungen im Niveau E). Auf beiden Leistungsstufen bieten zusätzliche Angebote Unterstützung für Schülerinnen und Schüler, die die Grundanforderungen nach Lehrplan 21 nicht oder nur knapp erreichen, sowie Herausforderungen für Schülerinnen und Schüler, die den Übertritt ins Gymnasium anstreben. Gerade im Bereich der Differenzierung werden die Möglichkeiten der digitalen Medien genutzt. Das neue Lehrmittel setzt hier einen Schwerpunkt.
Das neue Lehrmittel bezieht Kinder- und Jugendliteratur ein, womit es sich von den derzeitigen Fremdsprachenlehrmitteln abhebt. Kinder- und Jugendliteratur eröffnet ein grosses Potenzial für das Erlernen einer Fremdsprache und für Begegnungen mit unterschiedlichen Kulturräumen. Sie führt die Schülerinnen und Schüler in andere Lebenswelten ein und ermutigt sie gegenüber der fremden Sprache.
Struktur und Lehrwerkteile
Strukturell verfolgt das neue Englischlehrmittel für den 2. und 3. Zyklus einen hybriden Ansatz, also das Zusammenspiel von gedruckten und digitalen Medien. Je nach Lernziel und Lerninhalt wird dasjenige Medium gewählt, das sich mit seinen spezifischen Eigenschaften und seinem didaktischen Nutzen am besten eignet. Geplant sind folgende Materialien für die Schülerinnen und Schüler und die Lehrpersonen: Die Schülerinnen und Schüler erhalten pro Schuljahr ein persönliches Lehrmittel aus gedruckten und digitalen Elementen. Es ist gleichzeitig ein Lern- und Arbeitsmedium. Ergänzende Materialien sind im digitalen Lehrwerkteil integriert.
Die Lehrpersonen erhalten ein digitales Leitinstrument. Es unterstützt sie bei der Unterrichtsplanung und -durchführung und enthält Unterlagen für die formative und die summative Beurteilung der Schülerinnen und Schüler. Das digitale Leitinstrument kann individuell ergänzt werden.
Im 2. Zyklus gibt es pro Schuljahr sechs Standardunits, zwei Literaturunits («Storytime») und zwei «Workshops» zur weiteren Differenzierung. Im Sinne des altersdurchmischten Lernens ist die inhaltliche Themenwahl einheitlich über alle vier Schuljahre hinweg ausgestaltet (vertikale Kohärenz). Im 3. Zyklus gibt es pro Schuljahr vier Standardunits sowie je eine «Culture unit» und eine «Freak unit» (Arbeitstitel). Die Themenwahl im 3. Zyklus ist freier gestaltet und stärker auf den Einbezug der Lebenswelt der Jugendlichen, auf ihre Interessen und Motivation ausgerichtet. Schliesslich greift ein Lehrwerkteil pro Jahrgangsstufe (Arbeitstitel: «Memofun») spielerisch Inhalt aus bereits bearbeiteten Units wieder auf. Dieses Wiederholen, Üben und Erweitern von Kompetenzen kann je nach Planung unmittelbar nach einer Unit, einem Quartal, einem Semester oder einem Schuljahr stattfinden.
Projektorganisation
- Programmleitung LMVZ: Dr. Dirk Vaihinger (Verlagsleiter, Leiter Redaktion und Programm)
- Projektleitung digital und Redaktion LMVZ: 2. Zyklus: Dr. Lea Braun (digital), Angelika Klein (Redaktion), 3. Zyklus: Gabriel Erismann (digital), Matthias Grüter (Redaktion)
- Projektleitung Inhalt: 2. Zyklus: n.n. (PHZH), Marlies Keller-Lee (PHZH), 3. Zyklus: Christof Chesini (PHSG), Katharina Fischer (PHLU), Christine Rast (PHZH)
- Autorenteam: Je Zyklus ein Team mit vier bis sechs Autorinnen und Autoren.
- Fachexpertinnen und -experten: Fallweiser Beizug von Expertinnen und Experten aus angrenzenden, fachfremden oder fächerübergreifenden Disziplinen zur Beurteilung von Manuskripten oder Manuskriptteilen.
- Praxisexpertinnen und -experten: Lehrpersonen aller Stufen für die Erprobung der Entwurfsversion in ihren Klassen.
Planung
Die inhaltliche Entwicklung für das neue Englischlehrmittel beginnt im August 2022 gleichzeitig für den 2. und 3. Zyklus. Im 2. Zyklus werden die Materialien ab Schuljahr 2023/24 ab der 3. Primarklasse in 15 bis 25 Klassen aus verschiedenen Kantonen integral erprobt. Im 3. Zyklus beginnt die gleich angelegte Erprobung ab Schuljahr 2024/25 ab der 1. Sekundarklasse. Die regelmässigen Rückmeldungen der Erprobungslehrpersonen sowie die Erkenntnisse aus den halbjährlichen Schülerinnen- und Schülerbefragungen fliessen in die Überarbeitung der Erprobungsversion im Hinblick auf die definitive Ausgabe des Lehrmittels ein. Die Erscheinungstermine sind wie folgt geplant:
|Auf Schuljahr||2026/27||2027/28||2028/29||2029/30|
|2. Zyklus||3. Primar||4. Primar||5. Primar||6. Primar|
|3. Zyklus||1. Sek||2. Sek||3. Sek|