Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03230.jsonl.gz/1447

Mit der Wortendung "-ik" verweise ich im Falle von Technik auf eine relative Indifferenz zwischen Gegenstand und Widerspiegelung, die ich beispielsweise durch die Wortendung "-logie" in Technologie aufhebe, weil ich damit im Sinne eines re-enrtys eine Lehre zur Technik bezeichne, die im Ausdruck Technik mitgemeint ist.
Das Referenzproblem verdoppelt sich dadurch, dass Technologie oft diffus mit Physik verwechselt oder gleichgesetzt wird, weil Ingenieure - im gängigen Wissenschaftsdikurs - als Anwender der Naturwissenschaften beobachtet werden. Vergleiche dazu Technik und Wissenschaft.

Den Ausdruck Technik verwende ich für die Kunst des Effizient-Seins.
Technik heisst in diesem Sinne die intendiert wiederholbar Verursachungen von institutionalisierten Verfahren, die im entwickelten Fall im externen Gedächtnis, also in Artefakten, die das Verfahren rekonstruierbar machen, gespeichert sind.
Erläuterung am Beispiel:

Wasser schöpfen kann ich, indem ich mit meinen Händen eine Schale forme. Ich kann jemandem zeigen, wie ich mittels meiner Hände Wasser aus einem Bach trinke. Er kann das Verfahren kopieren und wendet dann eine bestimmte Technik an, die beispielsweise meine Katze nicht anwendet.
Als Technik bezeichne ich mithin einen Handlungszusammenhang, in welchem Verfahren in Artefakten aufgehoben werden.
Im Kontext der ökonomischen Produktion dient die Technik der materiellen Verbesserung des Wohlstandes oder anders ausgedrückt, dem Erübrigen von Arbeit. Ein Roboter kann einen Arbeiter ersetzen, ein PC kann eine Sekretärin zehn Mal schneller machen. "Technik = Arbeit sparen" (Ortega y Gasset, Ropohl, 1979:197)

Im Kontext der Theorie sehe ich den Sinn der Technik in der Entwicklung der Technologie, also in der Entwicklung des Wissens darüber, was wie funktioniert. Die Entwicklung von immer komplizierteren Mechanismen erlaubt die Erklärung von immer komplexeren Phänomenen.
Die Technologie im engeren Sinn beschreibt die Entwicklung der Technik und gibt umgekehrt als Theorie auch eine kategoriale Logik, durch welche ich diese Entwicklung rekonstruiere. Die bislang entwickelste Technik sind Automaten wie Computer, deren Technologie ich als Kybernologie bezeichne, weil ich den spezifischen Aspekt dieser Technik als Kybernetik bezeichne.
Auf der Entwicklungsstufe der Kraftmaschinen erscheint die Technologie noch in den sogenannten Naturwissenschaften, etwa in der Thermodynamik aufgehoben. Erst auf der Stufe der Automaten hat sich die Technologie als Engineering - etwa als Informatik - von den Naturwissenschaften getrennt.
Als Technologie im weiteren Sinn verstehe ich Auffassung (die ich gerne teile), wonach sich der Mensch als toolmaking animal begreifen lässt, wie B. Franklin und nach ihm K. Marx geschrieben haben, um die Wichtigkeit der der Werkzeugentwicklung in ihren Selbstverständnissen hervorzuheben. Das Primitive des Neandertalers waren seine Werkzeuge.
Ich kann beim Gattungswesen Mensch (toolmaking animal) keine wesentliche Entwicklung erkennen, ich erkenne aber leicht, dass die Gattung ihre Technik und mithin ihre Technologie entwickelt. Die "alten" Griechen waren wohl mindestens so intelligent und beweglich wie ich, aber sie hatten keine Computer und deshalb natürlich auch kein Wissen über Computer. Ich - und andere Menschen, die nicht im unberührten Urwald oder in sogenannten Entwicklungsländern leben - scheinen allenfalls entwickelter, weil wir eine entwickeltere Technik (zur Verfügung) haben. Insofern die Werkzeugherstellung ein Gattungskriterium ist, hatten (tauto)logischerweise bereits die ersten Menschen Werkzeuge, wenn auch sehr primitive. Die menschliche Gattung enwickelt nur ihre Technik, Tiere entwickeln sich - von Genmutationen abgesehen - gar nicht.
Aristoteles lebte in einer Epoche der antiken Polis, in welcher die Werkzeuge noch von Sklaven benutzt wurden. Aristoteles entwickelt deshalb sein Geschlecht nicht im Umgang mit Werkzeugen, sondern politisch im Umgang mit Sklaven. Deshalb schien ihm der Menschen ein politisches Tier. B. Franklin, dagegen war als einer der Begründer der USA ein Yankee, der Werkzeuge und Maschinen anstelle der Sklavenhaltung setzen wollte, deshalb sah er das toolmaking animal. Und unabhängig von den beiden, neigt die Geschichtsschreibung dazu, ihre Epochen anhand der Entwicklung der Technologie einzuteilen. In diesem - etwas tierischen - Sinne würde ich allenfalls sagen, der Mensch unserer Epoche ist ein systemerzeugendes Tier.
Ich betrachte hier Werkzeuge als exemplarische Technik. Entwicklungslogisch unterscheide ich bei den Werkzeugen drei Stufen:
|eigentliches Werkzeug

Maschine
Automat
|wird von Hand angetrieben und gesteuert

wird durch einen Motor angetrieben und von Hand gesteuert
wird durch einen Motor angetrieben und automatisch gesteuert
Diese Einteilung ist natürlich beliebig. Sie passt aber zu meinen Erklärungstypen: Um ein Phänomen zu produzieren, brauche ich mindestens eine Maschine, weil sich ja wie bei den Tempeltüren etwas bewegen muss. Für ein komplexes Problem wie etwa eine konstante Raumtemperatur brauche ich eine geregelte Maschine, also einen Automaten. In diesem Sinne bestimmt die Systemtheorie die vorliegende Ordnung der Technologie.
Im Buch "Technische Intelligenz" (Todesco, 1992) ist diese technologische Einteilung abbildungstheoretische begründet. Maschinen kann man durch (Konstruktions-)Zeichnungen vollständig definieren, Automaten muss man durch (Programm-)Sprachen bestimmen. Das sagt auch viel über den Unterschied von Bild und Wort.
John Stuart Mill sagt in seinen "Prinzipien der politischen Ökonomie": "Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tagesmühe irgendeines menschlichen Wesens erleichtert haben."(86)
Solches ist jedoch auch keineswegs der Zweck der kapitalistisch verwandten Maschinerie. Gleich jeder andren Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit soll sie Waren verwohlfeilern und den Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter für sich selbst braucht, verkürzen, um den andren Teil seines Arbeitstags, den er dem Kapitalisten umsonst gibt, zu verlängern. Sie ist Mittel zur Produktion von Mehrwert." K. Marx, Das Kapital, S.391
Literatur
- Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung (darin: Wille und Natur, die technischen Utopien)
- Martin Heidegger: Die Technik und die Kehre
Rammert, W.: Technik
Definitionen,
siehe auch Elektro(tech)nik, Technik als soziales System, Technizität, Technizismus, Technikkritik, Techniksoziologie
diasynchron: Technik
Blog Kybernetiks
Blog zu Technik, Technologie und zugehörigen Theorien, dort zB: Was ist Technik/ [] Tabuisierung der Technik []
noch mehr Links:
Differenzia: Erlösungsmaschine [ ]
[FB Jörg Friedrich]
[wp]