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Im Sommer ist Haines eine hektische Hafenstadt an der Route der Alaska Marine Highway. Dann ankern hier oftmals mehrere Cruise Schiffe am selben Tag und fast täglich verkehren grosse Fährschiffe, die auf der sogenannten Inside-Passage die Küstenstädte Alaskas bis hinunter nach Seattle verbinden. In der Winterzeit ist Haines hingegen beschaulich. Die Einwohner die von den Touristen leben und es sich leisten können, verbringen diese Monate im Süden – in Kalifornien, Arizona, Miami oder anderen Sonnendestinationen der USA. Schade für uns, weil deshalb die meisten Museen geschlossen sind, wie auch viele von aussen gluschtig aussehenden Restaurants. Die winterharten Einwohner lieben jedoch diese Jahreszeit, nicht zuletzt, weil sie mit ihren Schneemobilen und Hundeschlitten über die gefrorenen Seen und Flüsse Orte erreichen, die im Sommer unerreichbar im Sumpf liegen. Etwas ganz Besonderes, vermutlich auch Einmaliges zeichnet Haines als amerikanische Kleinstad aus: Keine einzige Fast-Food-Kette führt hier einen Laden, weder McDonald noch KFC, nichts. Dafür finden wir einen Farmers Markt Laden, der gleichzeitig auch Treffpunkt für Einheimische ist. Da wir über zwei Wochen dort verkehrten, werden wir bald wie Einheimische begrüsst – man kennt sich.
Haines ist eine Ansammlung von verschiedenen Völker. Neben den eigentlichen Ureinwohner, den Tlingit, leben hier viele Mischlinge von Tlingits und US Soldaten, die in den frühen 1900 in Haines ein grosses Fort betrieben. Hinzu kommen viele Russische Einwanderer und Abenteurer aus der ganzen Welt. Die Tlingit, die in der Minderzahl sind, wohnen in Kiklawan, einem Dorf ein bisschen ausserhalb Haines. Dort führen sie heute eine eigene Schule, zwei, drei kleine Dorfläden und ein wunderschönes Museum, das sehr anschaulich von vergangenen Zeiten erzählt.
Die Tlingit konnten an diesem Ort schon immer vom Wald mit den vielen Früchten und dem Fischreichtum, insbesondere von den 5 Lachsarten profitieren die hier jährlich laichen. Sie brauchten viel weniger Zeit für die Nahrungssuche und das Beschaffen von Wintervorräten, und konnten sich deshalb anderen Dingen zuwenden und wurden gute Handwerker und Schnitzer. Ihre wunderschönen Totempfähle, die Schnitzereien ihrer Gemeinschaftshäuser, wie auch die filigran geflochtenen Gegenstände und Webkünste sind weitherum berühmt.
Ein unvergesslicher Abend war ein Anlass des Bald Eagel Festivals, der den Tlingit gewidmet war. Der Clan Häuptling des Raven-Clans erzählte uns von den Werten ihrer ursprünglichen Gesellschaft, das Verweben der Natur mit ihrem Alltag und vor allem über ihren Respekt gegenüber der Natur. Vier Jugendliche zeigten uns in Kleinvorträgen verschiedene Aspekte ihres Lebens mit einem Bein in einer fast vergessenen Tradition und dem anderen in der modernen Welt. Sie wollen die Weisheiten und Fertigkeiten ihrer Grossväter und Grossmütter wieder erlernen und in die moderne Welt einbeziehen. Das selbstbewusste Auftreten und das Engagement dieser jungen Generation lässt viel Hoffnung aufkommen, dass eine neue Art von Integration möglich wird.
Bald werden wir Haines mit der Fähre nach Juneau verlassen, was gar nicht so leicht fällt. Diese 17 Tage waren wunderschön, wir lebten uns ein bisschen ein, lernten Leute kennen und ich bin voll auf meine Kosten gekommen mit Adler-und Nordlichtfotografie.