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Die wenigen Einheimischen, mit denen ich in Kontakt kam, begegneten mir freundlich und zurückhaltend. Ich wusste, dass sie über mich sprachen. Doch stellten sie keine Fragen. Das änderte sich, nachdem der Postbote die Nachricht verbreitete, dass die einbeinige Möwe zum Haus des Alten zurückgekehrt war.
Die Besitzerin des Hafen-Cafés war klein und rund. Sie hatte ein freundliches, rosiges Gesicht. Es war mein erster Besuch und sie sprach mir ihr Beileid aus. Danach erkundigte sie sich, ob ich mich gut einlebte und sich der Sohn des Krabbenfischers gut um mich kümmerte. Ich bejahte. Dann fragte sie nach der Möwe. Sie hörte mir aufmerksam zu, als ich ihr die Geschichte erzählte. Sie hätte noch weitere Fragen gehabt. Ich war dankbar dafür, dass sie sich diese nicht zu stellen traute.
Nachdem ich mir zu Hause diese Begegnung im Café notiert hatte und erneut lustlos vor meinem Manuskript sass, rief ich meinen Agenten an. Ich würde den Zeitplan nicht einhalten können. Dann nahm ich den Schlüssel hervor und betrachtete ihn lange. Ich wusste, dass er nicht zu meinen Türen gehörte.
Text: Susan Brandy
Unangekündigter Besuch und endlose Gespräche, Joven liegt in seinem Bett in seinem Zimmer und beobachtet die Schatten an der Decke. Vermutlich bieten jetzt seine Eltern noch Kaffee an, dann geht es noch länger.
Die nächsten Tage versuchte ich eine Routine: Im Morgengrauen stand ich auf, fütterte Fräulein Mö, lief über die Insel oder fuhr mit dem Fahrrad herum.
Danach setzte ich mich ins Atelier vor das Manuskript. Ich korrigierte, schrieb Fragmente neuer Sätze nieder, strich diese wieder durch, zwang mich zum Nachdenken, verweigerte mich diesem Zwang und schaute Fräulein Mö dabei zu, wie sie auf dem Wasser schlief oder geduldig in einer Ecke sass. Ich war blockiert.
Die Vormittage verstrichen und die Nachmittage auch. Ich lenkte mich mit der Suche nach einem Makler ab und studierte die Unterlagen, die mir der Alte in einem Karton hinterlassen hatte. Grundstückpläne, Verträge, Akten, er hatte alles sorgfältig aufbewahrt. Und dann passierten zwei Dinge zur gleichen Zeit: Der Postbote entdeckte Fräulein Mö in meinem Garten und ich fand am Boden des Kartons einen Schlüssel.
Text: Susan Brandy
Nichts passte.
Nichts!
Frau Adler braucht neue Haargummis.
Sie mochte ihn nie und kann dem Film nichts abgewinnen, Frau Adler ist heute schlecht gelaunt, gestern musste sie bei einer Freundin nochmals den Film, «Und täglich grüsst das Murmeltier» erdulden.
Ich hob das Loch neben dem Atelier aus. Um den Rand legte ich Steine, die ich aus der Gartenmauer nahm. Die Wanne, die der Alte für das Schwimmbecken verwendet hatte, fand ich in einer Ecke des Schafstalls. Der Sohn des Krabbenfischers hatte sie aufbewahrt. Vermutlich weil er ahnte, dass die alte Möwe eines Tages zurückkehren würde. Auch der Holzsteg war noch da.
Als ich mit dem Bau von Fräulein Mös Bad fertig war, brachte der Sohn des Krabbenfischers Fisch und eine Art Behausung, die er aus Netzen und Fangkörben gefertigt hatte. Gemeinsam füllten wir die Wanne mit Wasser auf und machten die Behausung fest. Den Fisch legte ich in eine Schale, die ich neben das Bad stellte. Dann holten wir Fräulein Mö aus ihrem Krankenbett und legten sie in ihr neues, sicheres Zuhause.
Sie blieb eine Weile schwer atmend auf dem Boden sitzen. Dann versuchte sie sich aufzurichten, verlor aber das Gleichgewicht und fiel auf die Seite. Sie versuchte es weitere Male, und wir waren bereits in grosser Sorge, als sie es doch noch schaffte. Sie hüpfte in das Schwimmbecken und blieb. Später sass sie in einer Ecke ihrer neuen Behausung. Die Fischstücke waren verschwunden.
Jetzt hatte ich nicht nur ein Haus zu verkaufen und einen Roman zu beenden, sondern auch eine alte, verletzte Möwe zu pflegen.
Text: Susan Brandy
Kann er im Meerwasser alle Sorgen loswerden? Joven muss noch eine Weile im Meer bleiben.