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Oscar Wilde wurde 1854 in Dublin im damals britischen Irland geboren. Nach dem Studium in Oxford machte er sich einen Namen als Lyriker und Essayist. Weltweite Berühmtheit erlangte er 1891 mit dem Roman Das Bildnis des Dorian Gray. Sein dem Ästhetizismus verpflichteter Stil beruht auf der Maxime L’art pour l’art und entwickelte sich in fruchtbarer Auseinandersetzung mit dem Schaffen der französischen Symbolisten. Wilde war verheiratet und hatte zwei Kinder.
Oscar Wildes Werke leben von ihrem sprühenden Wortwitz und einer Leichtigkeit der Sprache, die ihresgleichen sucht. Im London des Fin-de-siècle war Wilde der Hektor aller Diners, Empfänge und Abendgesellschaften. Nie um eine Pointe oder bissige Bemerkung verlegen, entledigte er den Begriff „Plaudern“ seiner vulgären Konnotation und kultivierte es zur Kunstform. Zusammen mit seinem selbstbewussten Auftreten, seiner Eleganz und seiner ironischen Distanziertheit — auch zu sich selbst — prägte er nachhaltig das Bild des Dandys, der über den Problemen der „normalen“ Leute zu schweben scheint. Dabei war Oscar Wilde alles andere als oberflächlich. Er stand über den Dingen, weil er sie durchschaute. Seine Ironie, bis hin zum Sarkasmus, war eine schützende Maske, hinter der sich eine einfühlsame und ernsthafte Person verbarg, die früh Bekanntschaft mit den hässlichen Seiten der viktorianischen Gesellschaft gemacht hatte. Das Bild dieser Gesellschaft und das Scheitern des Individuums an ihren rigiden Erwartungen ist es, das uns immer wieder in Wildes Werken begegnet.
Fünf Theaterstücke begründeten Wildes Weltruhm als Theaterautor: Lady Windermeres Fächer, Salome, Eine Frau ohne Bedeutung, Ein idealer Gatte und Bunbury oder Ernst sein ist alles. Alle entstanden zwischen 1892 und 1895 und gehören, ausser Salome, zur Gattung der Gesellschaftskomödie. Auf den Höhepunkt seines Ruhms folgte abrupt der Fall, als er im Frühjahr 1895 – kurz nach den Premieren von Ein idealer Gatte und Bunbury – auf eine gezielte Provokation des Marquess von Queensberry mit einer Verleumdungsklage antwortete, die sich in kürzester Zeit gegen ihn selbst wandte und schliesslich zu seiner Verurteilung führte. Der Anklagepunkt: Homosexualität. Der heilige Zorn der Londoner Gesellschaft, die ihm eben noch emphathisch applaudiert hatte, richtete sich nun mit voller Wucht gegen den Starautor, der aus seiner Vorliebe für Männer keinen Hehl machte, und das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis. Wildes Karriere war beendet. Nach der Entlassung aus der Haft ging er ins Exil nach Italien und Frankreich und starb am 30. November 1900 mit sechundvierzig Jahren in Paris. In seinen unzerstörbaren Humor mischt sich düstere Vorahnung, wenn er seinem Verleger 1897 schreibt: „Die Popularität des Gedichts wird ins Unermessliche wachsen, sobald der Autor den bitteren Hungertod gestorben sein wird. Das Publikum liebt es, wenn die Dichter ein solches Ende finden. Es erscheint ihm dramatisch richtig. Und ist es vielleicht auch.“
Die auffällige Realitätsnähe, die Wildes dramatisches Werk prägt, ist Teil einer Ästhetik, die ihre epochenübergreifende Bedeutung aus der Vermählung eines absoluten Schönheitsideals mit der kritischen Rekonstruktion gesellschaftlicher Normen bezieht. Heute gehört Oscar Wilde zum Kanon der Weltliteratur und sein Leben hat unzählige Menschen inspiriert, die es bevorzugten mit gesellschaftlichen Konventionen zu spielen, statt sie nur zu erdulden.