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31. Januar 2011
Kommentar von Gary Stokes, Fotograf an Bord der Bob Barker
Am frühen Morgen des 30. Januar 2011 ließ die Bob Barker ihre beiden Schlauchboote, die Hunter und die Delta, zu Wasser. Die Bob Barker war seit Beginn der Kampagne zuerst von der Yushin Maru Nr. 2 verfolgt worden und in letzter Zeit von der Yushin Maru Nr. 3. Die letzten paar Tage hindurch war die Yushin Maru Nr. 3 der Bob Barker gefährlich nahe gekommen, bei mehreren Gelegenheiten weniger als eine Meile bis an unser Schiff heran, das einen beständigen und gleichmäßigen Kurs verfolgte. Das mag nicht nach großer Nähe klingen, doch in einer so ausgedehnten Weite im offenen Meer ist ein solcher Abstand wirklich sehr klein.
Darum wies Kapitän Alex Cornelissen die Crews der Schlauchboote an, das angreifende Schiff abzuwehren, dessen Skipper zufällig auch noch der frühere Kapitän der Shonan Maru Nr. 2 war, genau des Schiffes, das während der Antarktiskampagne im letzten Jahr die Ady Gil in zwei Teile zerlegt hatte. Dieser Kapitän ist nicht einmal zu seinem aggressiven Vorgehen im letzten Jahr befragt oder vernommen worden, darum sind wir uns sehr wohl darüber im Klaren, dass, wenn er einmal damit davongekommen ist, er es sehr wohl wieder tun würde. Diese Vorgeschichte macht es nur umso gefährlicher für unsere Crews, wenn wir unsere gewaltlosen Aktionen durchführen, um gegen das illegale Walschlachten im Walschutzgebiet des Südpolarmeers einzuschreiten.
Wir wurden in der Nähe eines großen Eisbergs abgesetzt, während die Bob Barker ihren Kurs fortsetzte. Die Yushin Maru Nr. 3 (YM3) änderte umgehend ihren Kurs, also sprangen wir zwischen den Eisbergen hin und her und nutzten sie als Deckung, bis wir nah genug an der YM3 waren. Die Delta übernahm dann die Führung und raste los, um die YM3 anzugreifen, während wir in der Hunter folgten. Die Delta kreuzte einige Male vor ihrem Bug hin und her, während wir uns ihrem Heck zuwandten.
Wir kamen mit 20 und mehr Knoten heran und kamen auf die Heckwelle, bevor wir abdrehten und entlang der Backbordseite ihres Schiffs vorrückten, wobei wir versuchten, den automatischen Wasserwerfern zu entkommen, die kürzlich installiert worden sind. Die YM3 wurde dieses Jahr zum sogenannten Sicherheitsschiff der Walfangflotte bestimmt; wir nahmen einige ganz in Schwarz gekleidete Crewmitglieder auf den Brückennocks und der Achterbrücke wahr. Sie heben sich vom Rest der Walfangcrew ab, die leicht unterschieden werden kann durch ihre weißen oder chromfarbenen Helme.
Nach etwa einer Stunde wurde die See immer rauher, was dazu führte, dass wir unsere Geschwindigkeit deutlich drosseln mußten. Nachdem wir nicht mehr den Vorteil der höheren Geschwindigkeit gegenüber der YM3 hatten, funkten wir die Bob Barker an und Kapitän Cornelissen traf im Interesse unserer Sicherheit die Entscheidung, den Angriff abzubrechen und ordnete den Rückzug zur Bob Barker an.
Seit dem Start der diesjährigen Antarktiskampagne haben wir einige atemberaubend schöne Aussichten genossen und es befremdet und ärgert mich zutiefst, dass irgendwelche Menschen hier herunter kommen wollen, um ein solches Gemetzel anzurichten, wie es die Waljäger in jedem Jahr für drei Monate tun.
Glücklicherweise werden unsere Direct-Action-Kampagnen mit jedem Jahr effektiver und wir glauben, dass dieses Jahr sogar unser effektivstes wird. Hoffentlich wird dies die letzte antarktische Walschutzkampagne, so dass dieses Schutzgebiet wirklich zu einem unantastbaren Zufluchtsort wird, an dem diese wunderbaren, fühlenden Geschöpfe für alle kommenden Generationen in Sicherheit sind.
* „sentient“, in Anlehnung an den buddhistischen Begriff des „fühlenden Wesens“, „sentient being“, i.S.d. „leidenden Mitgeschöpfs“, dem ein Buddhist kein Leid zufügen will (Anm. d. Ü.)