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Der Juli 2015 will es wissen und strebt in Richtung heissester Monat seit Messbeginn in der Schweiz. Dies alleine wäre ein Punkt, den man einfach zur Kenntnis nehmen könnte, denn nach dem Rekordsommer 2003 wurde bereits davor gewarnt, dass sich ähnliche Kaliber in Zukunft häufen werden. Hinzu kommt aktuell die Trockenheit, die weite Teile des Mittellands und inzwischen auch den Jura heimsuchen. Der letzte nennenswerte Niederschlag in diesen Gebieten datiert vom 23. Juni, und es ist nach den aktuellen Karten gut möglich, dass die niederschlagsfreie Zeit an der einen oder anderen Station den Monat voll macht. Eine ähnlich lange Trockenperiode im Hochsommer zu finden, wäre eine interessante Aufgabe für Klimahistoriker. Doch wenden wir uns nun den Möglichkeiten zu, die zumindest eine punktuelle Linderung der Trockenheit bringen könnten.
Zunächst die allgemeine Lage: Der Westwindgürtel über dem Atlantik ist relativ gut ausgeprägt und produziert Tiefdruckgebiete am Laufmeter, die jedoch über Europa nach Norden abgedrängt werden. In Mitteleuropa hat sich eine recht beständige antizyklonale Südwestlage eingestellt, bei der eingequetschte Reste von Kaltlufteinschlüssen und Fronten den Alpenraum gelegentlich zu streifen vermögen. Dieses Muster soll nach den heutigen Unterlagen bis mindestens nächsten Donnerstag anhalten.
Heute Freitag schwenkt ein schwach ausgeprägter Höhentrog (nur in höher aufgelösten Karten der mittleren Troposphäre zu finden) über die Schweiz hinweg nach Osten und bringt eine Spur Feuchtigkeit und wohl gerade ausreichend Labilität für regionale Gewitterauslöse mit sich. Am Nachmittag kommt es in den Hochalpen, ganz vereinzelt wohl auch über den Voralpen und mit viel Glück auch im Jura zur Bildung von Einzelzellen. Da die Grundschicht nach wie vor recht trocken ist und die Böden abseits von Schnee- und Gletscherschmelze der Hochalpen keinen Feuchtenachschub mehr liefern können, dürften Avancen in Richtung Flachland von bescheidenem Erfolg gekrönt sein. Am Abend erreicht oben erwähntes „Trögli“ die Ostschweiz. Hier sind aufgrund von sich aufschaukelnden Outflows im komplexen orografischen Gelände durchaus gewisse Wahrscheinlichkeiten für Clusterbildung vorhanden. Im Lauf des Abends fliesst in der Höhe wieder wärmere Luft ein, womit sich die Lage von Westen her rasch stabilisiert.
Nach einer ruhigen Nacht nähert sich im Lauf des Samstags von Westen her eine schwach ausgeprägte Kaltfront. Sie wird die Schweiz nicht überqueren, sondern knapp nordwestlich eine schleifende Position einnehmen. Jeder Versuch, sich hier auf ein Modell festlegen und einen regionalen wie zeitlichen Ablauf vorhersagen zu wollen, dürfte zum Scheitern verurteilt sein. Gute Chancen dürfte die Jura-Schwarzwald-Schiene haben, die sich am nähesten an der Kaltfront befindet. Ansonsten ist wie immer bei Hitzelagen im Hochsommer die Auslöse von lokalen Gewitterzellen in den Hochalpen zu favorisieren. Ob die Advektion feuchterer Luftmassen aus Südwesten auch ausreicht, um die Voralpenschiene zu aktivieren und einzelne, aber durchaus heftige Gewitter mit gröberem Hagelpotenzial ins benachbarte Mittelland ziehen zu lassen, wird man wohl erst sehr kurzfristig beantworten können.
Am Sonntag wird sich an den Voraussetzungen nicht allzu viel ändern: Die schleifende und verwellende Front bestimmt nach wie vor den Takt der schwülen Luftmasse. Über die genaue Position sowie die Abfolge von Bodentiefs und Zwischenhochs sind sich die Modelle nicht einig, somit bleibt auch hier nur auf die zeitnahe Beobachtung des Donnerradars zu verweisen. Aufgrund der etwas anziehenden Höhenströmung ist ein Ausgreifen von einzelnen Zellen ins Flachland gut möglich, niederschlagsmässig wären die rasch ziehenden Gewitter aber nicht mehr als der buchstäbliche Tropfen auf den heissen Stein auf schmalem Pfad.
Am Montagmorgen dürfte die „kühlste“ Luftmasse über die Schweiz hinwegziehen, darüber sorgt ein erneut erstarkendes Hoch mit markanter Warmluftadvektion (etwa -8 Grad in 5900 m) für einen soliden Deckel bis inklusive Dienstag. Vorderseitig eines sich allmählich über Westeuropa bildenden Trogs dürfte zur Wochenmitte wieder markant heissere und allmählich auch feuchtere Luft für ein Ansteigen der Gewittergefahr sorgen, mangels synoptischer Antriebe wird sich die Sache aber vorerst wieder auf die Hochalpen beschränken. Die Karte mit den aufkumulierten Niederschlagsmengen bis Donnerstag früh zeigt jedenfalls, dass im Gebirge lokales Potenzial für gröbere Sachen besteht, man darf die Mengen des Globalmodells aber keineswegs für bare Münze nehmen und bedenken, dass die Regenmengen zu stark in die Fläche gewalzt werden:
Einmal mehr rechnen die Modelle für den Zeitraum irgendwann zwischen Donnerstag und Samstag nächster Woche den Durchzug eines markanten Troges mit breiter Kaltfront und nachträglicher Abkühlung und somit für zumindest eine vorübergehende Linderung der Trockenheit. Da sich solche Szenarien aber auch in den letzten Wochen immer wieder am Modellhorizont zeigten und sich schlussendlich als Fata Morgana erwiesen, lautet unsere Empfehlung auch diesmal wieder: Abwarten und (Eis-)Tee trinken…