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Zum einen geht man aufgrund des heutigen Forschungsstandes davon aus, dass Störungen in bestimmten Hirnregionen (vor allem mesolimbisch und mesokortikal) dazu beitragen können, dass Wahnvorstellungen entstehen. Eine dopaminerge Überfunktion scheint eine Rolle zu spielen, weshalb Antipsychotika eine begrenzte Wirksamkeit in der Behandlung haben. Ausserdem scheint das Erbgut einen Einfluss auf die Entstehung zu haben. Aus Untersuchungen der Angehörigen von betroffenen Personen hat sich gezeigt, dass das familiäre Umfeld geprägt ist von Misstrauen, Erwartung von Feindseligkeiten und starren Regeln. Alleinstehende Personen und Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Kognitionspsychologisch werden Faktoren wie Fehler im schlussfolgernden Denken, Wahrnehmungsfehler und Defizite in der Vergegenwärtigung, was andere Menschen denken oder beabsichtigen («Theory of mind»), als verantwortlich gesehen. In psychoanalytischen Ansätzen geht man davon aus, dass eine wahnhafte Störung ein Kompensationsversuch für irgendeine psychische Schwäche ist (wie z.B. Selbstunsicherheit, Identitätsstörung).
Darüber hinaus können wahnhafte Symptome andere Auslöser haben oder bei anderen Erkrankungen auftreten:
- Toxische Substanzen wie zum Beispiel Drogen oder Alkohol
- Der Entzug solcher toxischer Substanzen
- Delir, Demenz
- Traumata
- Entzündungen (Fieber, Enzephalitis)
- Extremer Schlafentzug
- Neurodegenerative Erkrankungen
- Psychische Krankheiten (Schizophrenie, Schizoaffektive Störung, Depression, Bipolare Störung)
Der Auslöser eines Wahns kann ein ordinärer Anlass sein, wie zum Beispiel eine Kränkung durch einen Mitmenschen oder ein Verlusterlebnis. Die betroffenen Personen ziehen sich zurück, sind alleine und haben so keine Möglichkeit, ihre Gedanken und Gefühle mit der Realität zu vergleichen.
Ein typischer Verlauf einer wahnhaften Störung beginnt häufig mit ersten Verunsicherungen durch einzelne «Anzeichen», die ganz verschieden sein können, wie zum Beispiel ein Blick einer fremden Person. Schleichend entwickelt sich bei Betroffenen eine Wahnstimmung. Die Wahnstimmung ist besonders gekennzeichnet durch Bedeutungszumessen, Meinen, Vermuten, Verknüpfen und Erwarten. Die Mitmenschen können diese Gedanken nicht nachvollziehen. Nach und nach isoliert sich die betroffene Person mit ihrer Wahnstimmung. Die wahnhafte Störung entwickelt sich in einem Teufelskreis. Die Einsamkeit durch die Isolation wird als Beweis der Richtigkeit des Wahns interpretiert. Reale Sinneswahrnehmungen werden wahnhaft fehlinterpretiert: «Mit dem Nicken bei der Verabschiedung wollte mir die Ärztin mitteilen, dass ich Krebs habe.»
Die Wahnstimmung und die wahnhafte Fehlinterpretation von realen Sinneswahrnehmungen führen zunehmend zu Verunsicherung und weiterer Isolation. Häufig tritt in dieser Phase ein Wahneinfall auf. Der Wahneinfall ist das plötzliche Auftreten von wahnhaften Vorstellungen und Überzeugungen. Dieser schafft für betroffene Personen Sicherheit. Durch den Wahneinfall und die vorliegende Wahnstimmung entstehen Wahngedanken. Einzelne Wahnsymptome, Phänomene, Sinnestäuschungen oder andere Beobachtungen werden verknüpft. Diese Verknüpfungen haben oftmals einen kausalen Charakter, womit die Betroffenen sie als Beweis und Bestätigung ihrer Wahngedanken betrachten. Die Wahngedanken in Verbindung mit dem Sich-Zurückziehen führen zu einer wahnhaften Störung.
Im dritten von vier Teilen werden Behandlungsmöglichkeiten einer wahnhaften Störung beschrieben.