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Die estnische Regierung hatte im April 2021 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um den Bedarf und die Rahmenbedingungen einer möglichen Einführung der Kernenergie in Estland prüfen zu lassen – mit Fokus auf kleine, modulare Reaktoren (SMRs). Unter anderem wurden dabei folgende Aspekte untersucht: Notwendigkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Kernenergie sowie deren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele Estlands bis 2050. Themen waren auch der Personalbedarf zur Einführung der Technologie und die Energieversorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Estlands. Die Arbeitsgruppe wurde vom stellvertretenden Unterstaatssekretär im Klimaministerium, Antti Tooming, geleitet, umfasste Vertreter mehrere Ministerien und hielt sich an Vorgaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) für Kernenergie-Neueinsteiger. Nach rund zweieinhalb Jahren Arbeit wurde Ende 2023 der Schlussbericht vorgelegt.
«Laut den Schlussfolgerungen des Abschlussberichts der Kernenergie-Arbeitsgruppe würde die Nutzung der Kernenergie in Estland das Erreichen der Klimaziele, die Versorgungssicherheit und die Stabilität des Energiesystems unterstützen», schrieb das estnische Klimaministerium. Laut Bericht bedürfe es nach den Vorarbeiten für einen Kernenergie-Neueinsteiger wie Estland etwa 9 bis 11 Jahre von der Umsetzung des Nuklearprogramms bis zum Beginn der Stromerzeugung. Der Staat würde sich mit rund EUR 73 Mio. auf die Schaffung von Rahmenbedingungen für die Nutzung der Kernenergie konzentrieren. Es müsste zum Beispiel eine neue nationale Regulierungsbehörde mit rund 80 Personen geschaffen werden. «Auch wenn es einer gründlichen Vorbereitung bedarf, ist die Arbeitsgruppe der Ansicht, dass die Einführung der Kernenergie in Estland bei rechtzeitiger Planung, angemessener Finanzierung sowie politischer und öffentlicher Unterstützung machbar ist», verkündete das Klimaministerium.
Privatwirtschaft soll SMR finanzieren und Staat würde profitieren
Der Bau des SMR selbst soll von der Privatwirtschaft finanziert werden. «Die Kernenergie hat das Potenzial, in Estland eine stabile Energieversorgung für künftige Generationen zu gewährleisten», sagte Tooming, der die Kernenergie als Ergänzung zu den erneuerbaren Energien sieht. «Die Einführung der Kernenergie würde dem Staat auch zusätzliche Einnahmen bringen, insbesondere in Form höherer Steuereinnahmen und wirtschaftlicher Anreize, welche die Kosten für die Schaffung und Aufrechterhaltung der nationalen Rahmenbedingungen übersteigen würden, wahrscheinlich schon in der Bauphase des Kraftwerks», schrieb das Klimaministerium.
Die estnische Regierung und das Parlament werden «in den ersten Monaten des Jahres 2024» darüber beraten, ob Estland in die Kernenergie einsteigen wird.
Quelle
B.G. nach estnischem Klimaministerium, Medienmitteilung, 29. Dezember 2023
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