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Krämpfe, Rückenschmerzen und Übelkeit: Diese und andere Beschwerden während der Menstruation können so stark sein, dass nicht mehr an Arbeit zu denken ist. Doch weil das Thema schambehaftet ist, trauen sich viele Frauen nicht, sich krankzumelden und freizunehmen. Als Lösung wird nun der Menstruationsurlaub diskutiert.
Einen solchen Menstruationsurlaub haben am Mittwoch zwei Grünen-Politikerinnen im Zürcher Stadtparlament durchgebracht. Konkret verlangen sie dazu einen Pilotversuch in einer Abteilung der Stadtverwaltung. Betroffene sollen sich an bis zu fünf Tagen im Monat bezahlt freinehmen können.
«Es gibt Frauen, die haben Monat für Monat extrem starke Menstruationsbeschwerden», sagt Motionärin Anna-Béatrice Schmaltz. Mit dem Pilotversuch gelte es herauszufinden, ob Betroffene die Möglichkeit tatsächlich nutzen und ob sie ihnen zugutekommt. Auch wissenschaftlich solle der Versuch begleitet werden.
Asiatische Länder kennen Menstruationsurlaube schon länger
Menstruationsurlaub gibt es in anderen Ländern schon länger, insbesondere im asiatischen Raum. Japan gibt seit 1947 Frauen mit Regelschmerzen freie Tage. Ab den 1950er-Jahren ermöglichten das auch Indonesien und Südkorea. Begründet wurde die Massnahme damit, dass die Fruchtbarkeit der Frauen besser geschützt werde.
Ab den 1970er-Jahren wurde der Menstruationsurlaub als zusätzlicher Nutzen von Betroffenen mit starken Beschwerden gesehen. Auch in Teilen Chinas, in Taiwan (2002) und in Sambia (2015) erhielten die Frauen diese Möglichkeit. In westlichen Länder hat es die Idee hingegen schwer. Sowohl in Kanada (2010) als auch in Italien (2017) scheiterte die Idee.
In Europa könnte aber bald Spanien Vorreiter werden. Im Mai 2022 hat die spanische Regierung einen Gesetzesentwurf für einen Menstruationsurlaub vorgelegt. Frauen, die von starken Regelbeschwerden betroffen sind, sollen bis zu fünf freie Tage gewährt werden.
«Es gibt Betroffene mit starken Schmerzen, die darunter leiden, dass sie nicht offen darüber sprechen können», sagt Schmaltz. Deshalb erhofft sie sich mit dem Menstruationsurlaub auch eine Enttabuisierung und Entstigmatisierung der Regelblutung. Offen über das Thema zu sprechen, vermindere auch die Diskriminierung, argumentiert sie.
Kritikerinnen: Schädliche und unnötige Idee
Im Zürcher Gemeinderat übten bürgerliche Politikerinnen Kritik am Vorstoss zum Menstruationsurlaub. Die Idee sei unnötig, Frauen würden in eine Opferrolle gedrängt. Auch Zürcher SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann findet das Anliegen schädlich. Die fünf freien Tage entsprächen einem Viertel des Monats. «Das sendet das falsche Signal aus, auf diese Frauen könnte man im Arbeitsmarkt verzichten», sagt sie.
Aber was ist mit den Frauen, die von starken Beschwerden betroffen sind? Hier greife das Krankentaggeldsystem, sagt Steineman. «Wenn man mehr als drei Tage fehlt, muss man ein Arztzeugnis einholen.» Das gleiche gelte auch für Männer.
Weniger Produktiv während Periode
Tatsache ist, dass sich Menstruationsbeschwerden auf die Arbeitsleistung von Frauen auswirken, wie eine niederländische Studie zeigt. Von den über 32'000 befragten Frauen haben rund 80 Prozent angegeben, dass sie trotz Regelschmerzen arbeiten würden und dabei weniger produktiv seien – im Schnitt an 23 Tagen im Jahr. Knapp 68 Prozent wünschten sich zudem mehr Flexibilität bezüglich der Arbeitszeit.
Viel wichtiger als die wirtschaftlichen Implikationen sind die medizinischen Ursachen von starken Menstruationsbeschwerden. «Sechs bis zehn Prozent der Frauen sind wirklich davon geplagt», sagt Gynäkologie-Facharzt Patrick Imesch von der Privatklinik Bethanien. Eine typische Ursache sei Endometriose.
Sechs bis zehn Prozent der Frauen sind wirklich davon geplagt
Für Frauen, die wegen einer Endometriose unter starken Regelschmerzen leiden, wäre eine frühzeitige Diagnose wichtig, sagt Imesch. Deshalb sei der Menstruationsurlaub für ihn nur eine Symptombekämpfung. Er hofft aber –so wie die Befürworterin – auf die Enttabuisierung von starken Menstruationsbeschwerden, sodass ein grösseres Bewusstsein dafür entsteht und die Ursachen künftig schneller diagnostiziert werden.