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Eine Rede ohne Sprichwort
- eine Speise ohne Salz
Wer sich mal die Mühe macht, ein Buch, einen Zeitungsabschnitt oder eine Geschichte auf Sprichwörter, Redensarten und Zitate durchzusehen, wird erstaunt sein, wie viele er darin finden wird. Das gilt für jede Sprache und für jedes Volk. Sprichwörter und Redensarten schöpfen einerseits aus einer tiefen "Volksweisheit", andererseits spielen sie oft mit Sprachbildern (Metaphern) und veranschaulichen so abstrakte Sachverhalte, die sonst nur schwer vorstellbar wären. Ein solider Grundstock an Sprichwörtern und Redensarten gehört in den Rucksack eines sprachkompetenten Schülers. Dabei ist die Kenntnis des Sprichworts bzw. der Redensart das eine, das Wissen um die Herkunft und Bedeutung das andere.
Von Bezirksschülern erwarte ich, dass sie Sprichwörter und Redensarten auch erklären können!
Sprichwort
Allgemein bekannte, unveränderliche meist in einen Satz "gegossene" Lebensweisheit oder Lebensregel. Oft hat das Sprichwort eine Moral.
Sprichwörter haben eine geschlossene Form, d.h. sie sind in ihrer Form nicht veränderbar!
z. B. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Erklärung: Besser etwas weniger, über das man verfügen kann, als etwas Grosses, das man nicht in der Hand hat.
Viele Köche verderben den Brei.
Erklärung: Wenn ein Haufen Leute dreinreden, wird die Sache nicht besser.
Wer A sagt, muss auch B sagen.
Erklärung: Wer etwas begonnen hat, muss es auch beenden.
Der Klügere gibt nach.
Erklärung: Es bringt nichts, einen Streit ausarten zu lassen, weil man unbedingt Recht haben will.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Erklärung: Manchmal ist es gescheiter zu schweigen als zu reden.
Sprichwörter sind - wie die Analogien bei den Metaphern - auf ihren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen!
So kann es z. B. in gewissen Situationen durchaus nutzbringender sein zu reden als zu schweigen (wodurch obiges Sprichwort umzuschreiben wäre. Aber wir wissen, dass Sprichwörter in ihrer Form nicht veränderbar sind. Wir können sie höchstens weglassen, d. h. nicht gebrauchen, wenn wir mit ihrem Inhalt nicht einverstanden sind.)
Redensart (Redewendung)
Allgemein bekannte, geläufige meist bildliche (metaphorische) Aussage, oft mit infinitem Verb.
Redensarten haben eine offen Form, d.h. die Ausdrücke müssen in den jeweiligen Zusammenhang grammatikalisch eingepasst werden, damit man versteht wer/was gemeint ist.
z. B. Redensart: Jemandem Honig um den Bart schmieren.
angepasst: Da haben sie dir aber kräftig Honig um den Bart geschmiert.
Erklärung: Um dich zu überzeugen, haben sie dir mächtig geschmeichelt.
Redensart: Jemandem ein X für ein U vormachen.
angepasst: Er wollte mir ein X für ein U vormachen.
Erklärung: Er wollte mir etwas einreden, was nicht stimmt.