Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03311.jsonl.gz/1532

Tom Lüthi und Motorradrennen, das gehört in der Schweiz seit zwei Jahrzehnten unzertrennbar zusammen. Der Emmentaler wird früh in seiner Karriere 125-ccm-Weltmeister und brilliert später viele Jahre.
Es gibt ein Ranking, in welchem Thomas Lüthi, der von allen nur Tom genannt werden wollte, direkt hinter den italienischen Stars Valentino Rossi, Loris Capirossi und Andrea Dovizioso auftaucht. Einzig der vor wenigen Tagen ebenfalls auf Ende Saison zurückgetretene Rossi – mit bislang 425 Grands Prix klarer Rekordhalter – und seine zwei Landsleute bestritten in der Strassen-WM mehr Rennen als der Berner mit seinen 311 Starts. Sieben Grands Prix, der letzte am 14. November in Valencia, hat Lüthi noch vor sich.
Natürlich steht Lüthi bezüglich Erfolgen nicht auf der gleichen Stufe wie diese zuvor genannten Grössen des Motorradrennsports. Aber alleine, dass sich der bald 35-Jährige aus Linden ähnlich lange im von Haus aus schnelllebigen Rennsport-Business halten konnte, ist eine bemerkenswerte Leistung.
Erstes Podest 2003, das letzte 2019
Lüthi gab im Juli 2002 auf dem Sachsenring als 26. in der damaligen 125-ccm-Klasse sein GP-Debüt. Zwei Rennen später klassierte er sich in Estoril als Neunter bereits erstmals in den Punkten. 2005 gewann Lüthi in der untersten Kategorie der Strassen-WM den Titel, als erster Schweizer in einer Solo-Kategorie seit Stefan Dörflinger 1985. Am Ende seines Weltmeisterjahres sah sich Lüthi gar vor Roger Federer zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt.
Beeindruckend ist zudem auch die Zeitspanne, die zwischen Lüthis erstem und letztem GP-Podestplatz liegt: Am 13. Juni 2003 belegte er im GP von Katalonien den 2. Rang hinter dem nachmaligen 125er-Weltmeister Dani Pedrosa. Mehr als 16 Jahre später – am 17. November 2019 in Valencia – wurde er hinter dem danach in die MotoGP aufgestiegenen Südafrikaner Brad Binder wiederum Zweiter, seine 65. und bislang letzte Top-3-Rangierung in der Strassen-WM. Nur gerade bei Rossi und Dovizioso liegen der Durchbruch an die Weltspitze und das letzte Erfolgserlebnis weiter auseinander.
Schwierige letzte Saisons
Die letzten zwei Jahre seiner Karriere liefen für Lüthi, den WM-Zweiten von 2016 und 2017 sowie WM-Dritten von 2019 in der Moto2-Klasse, allerdings nicht mehr wie geplant. Gestartet als Titelanwärter, musste er sich 2020 mit zwei 5. Plätzen als besten Resultaten begnügen. Die 19. und zugleich letzte komplette Saison wurde für den 17-fachen GP-Sieger gar zu einer riesigen Enttäuschung. Erst am vergangenen Sonntag in Spielberg, dem elften Moto2-Saisonrennen, reichte es Lüthi als Neuntem erstmals überhaupt in die Top 10.
Er fand in diesen zwei Jahren nie mehr zur vormals gewohnten Stärke und Regelmässigkeit zurück. Trotz Team- und Crew-Wechsel im November 2020 konnte Lüthi die Kalex, auf welcher er zuvor so viele Erfolge gefeiert hatte, nie mehr so genau und gut abstimmen, dass er um Podestplätze oder gar Siege kämpfen konnte. Der Routinier aus der kleinen emmentalischen Gemeinde Linden wirkte oft rat- und gegen die teils halb so alten Konkurrenten manchmal gar hilflos.