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Vor 220 Jahren, anno 1803, beschlossen die Regierungsräte des Kantons St.Gallen die Aufstellung eines Landjägerkorps, um die Sicherheit der Bevölkerung im gesamten Kantonsgebiet zu erhöhen. Am 23. September 1803 verfasste der Kleine Rat die Vollzugsverordnung über die Aufstellung und Organisation des Landjägerkorps – und am 29. Dezember 1803 wurde Hauptmann Josef Stierli erster Kommandant des damals 115 Mann zählenden Landjägerkorps.
In der Stadt St.Gallen sorgten aber nicht die Landjäger, sondern die Stadtpolizei für Sicherheit. Deren erste beide bekannte Standorte befanden sich von 1831 bis 1846 an der Marktgasse, im Bereich des Heiliggeistspitals. Ergänzend zur Hauptwache gab es rund zehn über das Stadtgebiet verteilte Polizeiposten, welche die Nähe zur stark wachsenden städtischen Bevölkerung gewährleisteten.
1846 übersiedelte die Stadtpolizei ins St.Galler Rathaus an der Marktgasse und 1877 ins Kaufhaus auf dem Bohl (Waaghaus).
Im August 1885 lehnte der Gemeinderat die vom Regierungsrat des Kantons angeregte Zusammenlegung der Stadtpolizei und des kantonalen Landjägerkorps ab. Allerdings standen ab September 1887 zivil gekleidete Landjäger – sogenannte «Detektive», die kriminalpolizeiliche Aufgaben übernahmen – auf dem Stadtgebiet im Einsatz.
1919 übersiedelte die Stadtpolizei St. Gallen ins Amtshaus in der Neugasse – und 1921 erhielt sie das erste Einsatzfahrzeug, das für Erstversorgungen, Krankentransporte und Diensteinsätze genutzt wurde. 1930 wurde die Mobilität der Stadtpolizei mit der Anschaffung von vier Autodroschken und drei Motorrädern nachhaltig gesteigert, woraufhin einige Polizeiposten in den Quartieren aufgehoben wurden. Da sich aber rasch zeigte, dass die Bevölkerung die gewohnte Nähe zur Polizei vermisste und sich weniger sicher fühlte, wurden ab 1983 Kontaktbeamte eingesetzt. Diese waren jeweils für ein Quartier zuständig und pflegten den Kontakt mit der Quartierbevölkerung. Bis heute sind in den acht Quartieren der Stadt Quartierpolizisten tätig. Diese sorgen, flankiert von Onlineangeboten und Social-Media-Kanälen, für eine hohe Bürgernähe der Stadtpolizei St. Gallen.
Mitte der 1970er-Jahre – unter dem Eindruck des Olympia-Attentats in München anno 1972 – gründeten die Stadtpolizei St.Gallen und die 1954 gegründete, aus den Landjägern hervorgegangene Kantonspolizei jeweils eine eigene Polizeigrenadiergruppe (heute: Interventions- respektive Sondereinheiten).
1979 wurde die Stadtfahndung der Stadtpolizei St.Gallen in die Kantonspolizei St.Gallen eingegliedert, die seither sämtliche kriminalpolizeilichen Aufgaben auf Kantons- und Stadtgebiet wahrnimmt.
1998 übersiedelte die Stadtpolizei zusammen mit der kriminalpolizeilichen Abteilung der Kantonspolizei ins heutige Gebäude an der Vadianstrasse 57.
Aufgaben der Stadtpolizei St.Gallen
Der Stadtpolizei St.Gallen obliegen alle Aufgaben der Verkehrspolizei (mit Ausnahme der Stadtautobahn) sowie der Sicherheitspolizei im gesamten Gebiet der Stadt St.Gallen. Bei sicherheitspolizeilichen Vorkommnissen mit besonderem Gefahrenpotenzial kommt die Sondereinheit «SE S.T.E.P.» zum Einsatz (siehe gesonderter Artikel in dieser Ausgabe). Zudem verantwortet die Stadtpolizei alle gemeindepolizeilichen Aufgaben, was vor allem diverse Arten von Bewilligungen – beispielsweise für Veranstaltungen im öffentlichen Raum, Patente für Gastrobetriebe, aber auch Parkbewilligungen – umfasst.
Einsatzraum der Stadtpolizei St.Gallen
St.Gallen ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Ostschweiz. Eingebettet in die hügelige Landschaft erstreckt sich die Stadt im Höhenbereich von 496 bis 1’074 m ü. M. über eine Fläche von rund 39,4 Quadratkilometern. Mit rund 80’000 dauerhaften Bewohnern liegt die Einwohnerdichte bei etwa 1’950 Personen/km2. In der Hochschul- und Wirtschaftsmetropole verfügt knapp jede dritte Person nicht über das Schweizer Bürgerrecht. In der Agglomeration der Stadt leben, die Gemeinden Gossau, Herisau und Rorschach mitgezählt, rund 165’000 Menschen.
Die Stadt ist seit der Stadtverschmelzung 1918 in drei Stadtkreise und (je nach Zählweise) acht Quartiere mit je einem Quartierverein aufgeteilt.
St.Galler Stadtpolizeigeschichte zum Anfassen
Anno 2007 entdeckte der ehemalige Stadtpolizist Josef Eberhard bei Recherchen über die Geschichte der Stadtpolizei St.Gallen an der Unterstrasse 45 in St.Gallen einen alten Polizeiposten. Dieser wurde in den Jahren danach von der IG Historischer Polizeiposten in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege der Stadt liebevoll restauriert. Am 13. Juni 2016 wurde der Historische Polizeiposten eröffnet – und kann seither im Rahmen der jeweils im September stattfindenden St.Galler Museumsnacht sowie auf Anfrage (über www.stadtsg.ch/histpp) besichtigt werden. Die Besucher erwartet eine Zeitreise in den Alltag der Stadtpolizei in den Jahren 1907 bis 1933 – Gefängniszelle inklusive.