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Schwäbisch-Gmünd (?), um 1810
Silber, vergoldet; Wachs (?), aus Modeln genommen,
mit Gold- und Silberauflage; Glas
B. 14 cm, H. 3,2 cm
Inv. 2009.429.
Die Damenmode des frühen 19. Jahrhunderts bevorzugte die sog. Chemisenkleider, die aus weissem Stoff bestanden, unterhalb der Brust gegürtet waren und in klassisch anmutender Schlichtheit gerade herabfielen. In Kombination mit der Einfachheit dieser Kleider kamen Accessoires besonders gut zur Geltung, und Shawls, Ketten, Ohr- und Haarschmuck erlebten eine besondere Prachtentfaltung. Die damals modischen, kunstvoll aufgetürmten Frisuren erlaubten die Anbringung von Zierkämmen oder Diademen, die gern bei besonderen Anlässen und Festen getragen wurden. Dieser Begeisterung für die klassische Antike entsprach auch die Gestaltung des kleinen Diadems, zu dem noch das originale Etui erhalten geblieben ist. Das Diadem konnte mit einem Steckkamm verbunden werden, wie es drei unten angebrachte Löcher und eine Hohlschiene nahe legen. Dass es nicht fest mit einem Kamm verbunden ist, liegt vermutlich daran, dass man die Freiheit behalten wollte, Kämme unterschiedlicher Form und Länge anzubringen, so wie es die jeweilige Frisur erforderte. Das Diadem ist mit fünf gefassten Medaillons unterschiedlicher Grösse besetzt, die - abwechselnd mit rotem bzw. grünem Hintergrund - in vergoldeten und versilberten Reliefs antike Figuren und Darstellungen zeigen. Links sieht man die Aphrodite Kallipygos (ein bekannter Statuentypus, die «Aphrodite mit dem schönen Hintern»), dann einen Erosknaben auf einem Löwen reitend; das zentrale Medaillon zeigt möglicherweise die Hochzeit von Perseus und Andromeda. Rechts davon folgen die Darstellungen von Herakles‘ Kampf mit der arkadischen Hirschkuh sowie der tanzenden Psyche. Die prachtvolle Erscheinung des Diadems beruht auf der Kombination von nicht besonders kostbaren Materialien.
Ersatzmaterialien dieser Art (Jet, Farbglas, Strass u.a.m.) wurden seit dem späten 18. Jahrhundert an Stelle echter Edelsteine und Edelmetalle verwendet, insbesondere in den neu entstehenden Zentren fabrikmässiger Schmuckfertigung. Durch die preiswerteren Materialien und die vereinfachte Fertigung war der Erwerb prachtvoller Schmuckstücke nicht mehr auf den Adel beschränkt, und man konnte zudem den schnell wechselnden Moden folgen. So war dieses Diadem im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hochaktuell, aber nach 1815 bereits veraltet.