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Reinacher Preis 2012 geht an Françoise Zöldy
17.03.12 | abgelegt inReinach
Die Reinacher Geigerin und Violinpädagogin Françoise Zöldy-Pfister hat mit ihrer Musik ein Leben lang Jung und Alt begeistert. Die Gemeinde Reinach ehrt sie nun mit dem Reinacher Preis 2012.
Bescheiden wirkt sie, die fast 80-jährige Geigerin, aber ihre Augen strahlen, wenn sie aus ihrem Leben erzählt. In Belfort geboren, lebte sie als Kind während des Kriegs in Montbéliard bei den Grosseltern. In Paris kam sie mit 13 Jahren zur Musik und war schon früh als Geigerin an Konzerten zu hören. Während einer Konzerttournee in England traf sie zufällig die Direktorin ihrer Schule, die ihr fortan ermöglichte, weniger Schulstunden präsent zu sein, was ihr letztlich den Weg zum renommierten Pariser Conservatoire national supérieur erleichterte, wo sie ihr Violinstudium vertiefen konnte. Bald lernte sie ihren Mann kennen, der ein erfolgreicher Musiker in einem Quartett war.
Hervorragende Geigerin von Kindsbeinen an
Auch wenn sie während des Gesprächs immer wieder auf ihren Mann und ihre zahlreichen Schülerinnen und Schüler zu sprechen kommt, ist ihre Bescheidenheit unbegründet: Nach dem Krieg gewann Françoise Zöldy den ersten Musikwettbewerb, und zwar mit Bravour, und das Konservatorium in Paris hatte sie als Beste ihres Jahrgangs abgeschlossen. Das ebnete ihr den Weg für eine Musikkarriere, den sie nicht weiterverfolgt hätte, wenn ihr Erfolg nicht so klar gewesen wäre. In jungen Jahren lebten sie und ihr inzwischen angetrauter Mann bescheiden und kamen für ihre Unterkunft jeweils mit Konzerten auf. 1956 zogen sie zusammen mit ihrer kleinen Tochter nach Reinach, wo sie ein Haus gekauft hatten. Ihr Mann feierte mit seinem Quartett zu der Zeit grosse Erfolge, sie selbst gab damals nur wenige Konzerte. Doch dann ging es mit ihrer Karriere steil bergauf: Ab 1976 unterrichtete sie Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Welt an der Musikakademie in Basel, so unter anderem Kamilla Schatz, die schon als höchst talentierte FünfjaÅNhrige bei ihr Geigenstunden nahm, Regine Guthauser, die heute zum Orchester des Opernhauses Zürich gehört, und Yuki Kasai, die neben zahlreichen Engagements weltweit seit 2011 im Kammerorchester Basel Konzertmeisterin ist. Überhaupt haben viele ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler ihre Musiklaufbahn mit einigem Erfolg weitergeführt, entweder mit den grossen Orchestern oder an einem Konservatorium. Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit spielte Françoise Zöldy als Solistin mit zahlreichen Orchestern, unter anderem mit dem Sinfonieorchester Basel und dem Kammerorchester Basel unter Paul Sacher. Doch als ihr Mann krankheitshalber kürzertreten sollte, gab sie ihre Konzerttätigkeit ebenfalls auf.
Mit Leib und Seele Reinacherin
In der Schweiz habe sie ein freundliches Klima vorgefunden, schwärmt Françoise Zöldy. Die gute Nachbarschaft in Reinach habe sie sehr geschätzt. Dass sie zu Beginn kein Wort Deutsch sprach, obwohl sie als geborene Pfister Deutschschweizer Wurzeln hat, störte niemanden. Im Sommer fuhren die Zöldys jeweils ans Meer in ihr Feriendomizil nach Quercianella, südlich Livornos. Hierhin haben sie immer wieder auch viele ihrer 2 Schülerinnen und Schüler eingeladen und man hatte stundenlang gemeinsam musiziert und lebte wie in einer Familie zusammen. Und im Winter fuhren sie mit ihren Schülern zum Musizieren jeweils für längere Zeit nach Silvaplana, wo ihnen Freunde ihr Haus zur Verfügung stellten. Wenn man sie heute fragt, ob sie noch immer Geige spielt in ihrem beachtlichen Alter, schaut sie einen ungläubig an. Was für eine Frage! Noch immer nimmt sie täglich ihr Instrument hervor und spielt mit Hingabe Stücke von sämtlichen Komponisten aus der Klassik bis zur Moderne – manchmal stundenlang. Françoise Zöldy lebte bisher acht Jahrzehnte für die Musik. „Ich hatte ein gutes Leben“, sagt sie. Und sie hat für die Musikwelt einiges geleistet. Die Gemeinde Reinach ehrt sie deshalb nun mit dem Reinacher Preis 2012.
Medienecho: BaZ_120315_Zoeldy, Gemeinde-TV (Preisverleihung), Gemeinde-TV (Portrait).