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Die vergessenen internationalen Finanzströme
Nicht nur im nationalen, auch im internationalen Kontext geht die gängige Wirtschaftstheorie zu wenig auf die Bedeutung der Finanzströme und der Banken ein. Das hat gefährliche Konsequenzen.
Dass es die Banken sind, die am Ursprung der Geldschöpfung in einem Land stehen, war Thema dieses Beitrags. Auch im internationalen Zusammenhang, bei den grenzüberschreitenden Handelsbeziehungen, spielen Banken und Geldströme eine wichtigere und auch eine problematischere Rolle, als sie ihnen von den Lehrbüchern zuerkannt wird. Die gängige Betrachtung der Leistungsbilanz bzw. Zahlungsbilanz sieht für sie nur eine passive Rolle vor. Im Zentrum stehen dort Güterbeziehungen.
Der Reihe nach:
Internationale Wirtschaftszusammenhänge werden vielfach schon in der gängigen Leistungsbilanz-Sicht nicht ausreichend verstanden. Meist deshalb, weil ein Land mit einem Unternehmen verglichen wird und daraus die total verkehrte Schlussfolgerung gezogen wird: Je mehr ein Land ins Ausland verkauft, desto besser.
Tatsächlich besteht der ökonomische Zweck des Aussenhandels im Austausch, nicht in der Anhäufung von Kapitalanlagen im Ausland. Schauen wir uns dazu die Leistungsbilanz an: Nettoexportüberschüsse (NX) aus einem Land A – Land A exportiert mehr, als es importiert – bedeuten, dass es die Einkünfte aus diesen Exporten nicht für die Binnenwirtschaft nützt und diese im Ausland belässt.
Nettoexportüberschüsse eines Landes bedeuten also, dass es im Inland auf den Konsum mindestens eines Teils der eigenen Produktion verzichtet – diesen Verzicht nennen Ökonomen Sparen (S) – und dass es die inländischen Ersparnisse nicht vollständig für inländische Investitionen (I) braucht. Es gilt also
NX = S – I
Die simple Herleitung dieser Identität war Thema dieses Beitrags. Netto kann nur mehr ins Ausland abfliessen, als im Inland verzehrt wird, wenn nicht die ganze inländische Produktion im Inland verbraucht wird. Irgendwo in der Welt müssen sich aber entsprechende Nettoimportüberschüsse zeigen. Andere Länder müssen mehr investieren bzw. konsumieren, als sie produzieren.
Diese Betrachtungen aus der Leistungsbilanz lehren alleine schon, dass Nettoexportüberschüsse problematisch sein können. Doch diese Betrachtung – für sich schon oft falsch verstanden – zeigt uns wie eingangs angetönt nur die halbe Geschichte, und sie kann zu Missverständnissen führen.
Gehen wir nun einen Schritt weiter und schauen uns an, welche Rolle Banken und Geldströme spielen. In einer neuen Studie gehen die Ökonomen Claudio Borio und Piti Disyatat von der Bank für Internationale Zusammenarbeit (BIZ) darauf ein. Sie machen das anhand einer Reihe von einfachen Beispielen, die es wert sind, hier wiedergegeben zu werden. Starten wir mit dem ersten:
Das Beispiel zeigt Land A mit Nettoexportüberschüssen. Um das Beispiel einfacher (wenn auch unrealistisch) zu machen, konsumiert das Land gleich überhaupt nichts und exportiert die gesamte Produktion ins Ausland. Der Konsum in A ist daher gleich null, das Sparen (S) dort gleich gross wie die gesamte Produktion von A (Y). Der Nettoexportüberschuss ist daher ebenfalls die gesamte Produktion von A (Y). Land B dagegen verzeichnet einen Nettoimportüberschuss im Ausmass der Produktion von A (Y). B nutzt diese Importe für Investitionen in Lagerhäuser. In einer weiteren Periode verkauft das Land die Produkte wieder an A zurück. (Diese künftige Periode betrachten wir hier nicht, weil sie für den zu zeigenden Zusammenhang nicht entscheidend ist. Mehr dazu in der Originalstudie).
In der klassischen Leistungsbilanz-Sicht müsste nun Land B gegenüber Land A im Ausmass von Y verschuldet sein. Gehen wir jetzt auf die Rolle der Banken ein: In diesem ersten Beispiel befinden sich alle Banken in B (alle Beispiele unterscheiden sich nur im Standort der Banken). Die Banken in B liefern vorab die Kredite an die Produktionsfirmen in A und für die Einkäufe der Nettoexporte aus A an die Lagerhäuser in B.
Jeder der Kredite kreiert Depositen: Mit dem Kredit an die Produktionsfirmen müssen diese für Kapital und Löhne der Haushalte aufkommen. Die Haushalte belassen diese Einkünfte als Depositen bei den (einzigen) Banken in B. Den Kredit an die Lagerhäuser in B benützen diese für die Zahlung an die Produktionsfirmen in A als Entgelt für die gekauften Produkte. Die Produktionsfirmen von A wiederum belassen auch dieses Geld als Depositen bei den Banken in B.
Die Verschuldung von Land B als Folge des Nettoexportdefizits besteht nun nicht gegenüber Land A, sondern gegenüber den eigenen Banken. Land A hat ein entsprechendes Guthaben bei diesen Banken. Tatsächlich sind die Kredite (und entsprechenden Depositen) sogar doppelt so hoch wie die Produktion von A (und der gleich hohe Nettoexportüberschuss), weil die Produktion gleich hohe Kredite erfordert hat wie die Finanzierung des Kaufs dieser Produktion durch B.
Der einzige Unterschied zur obigen Grafik ist bei der folgenden, dass sich hier die Banken nicht in B, sondern in A befinden:
Wiederum besteht der Nettoexportüberschuss von A im vereinfachten Beispiel im Gesamtprodukt (Y) von A. In B entspricht das dem Nettodefizit. Doch diesmal nehmen die Produktionsfirmen in A die Kredite bei den (einzigen) Banken in A auf, wie auch die Lagerhäuser von B. Die Kredite schaffen die Depositen und finanzieren/ermöglichen die Produktion genau wie im obigen Beispiel. Jetzt aber sind die Lagerhäuser in B am Ende gegenüber den Banken in A verschuldet, während die Unternehmen in A ein entsprechendes Guthaben aufweisen, zusätzlich aber für die Produktionskredite hier bei den eigenen Banken verschuldet sind, während die Haushalte für die Entlöhnung der von ihnen bereitgestellten Produktionsfaktoren (Kapital und Arbeit) dort Depositen halten.
Zwischenfazit: Wie deutlich wird, trifft die oben beschriebene Leistungsbilanz-Logik noch immer zu, nämlich dass die Leistungsbilanzdefizite in B nur dank dem Konsumverzicht bzw. Sparen und Investitionsverzicht in A möglich wurden, bzw. dass die Nettoexportüberschüsse von A die Netttoimportüberschüsse in B bedingen. Die Finanzierungsbedingungen, also die Schulden- und Guthabenverhältnisse, sind aber nicht von der Leistungsbilanz abhängig, sondern einzig davon, wer die Finanzierung von wo aus vorgenommen hat. Die Banken und ihr Standort sind entscheidend.
Das wird im letzten Beispiel besonders deutlich. Hier nehmen wir an, dass die Banken in keinem der beiden Länder ansässig sind, die miteinander Handel treiben, sondern in einem Drittland C.
An der Leistungsbilanz verändert sich im Vergleich zu den bisherigen Beispielen wiederum überhaupt nichts. Wieder resultiert der gleiche Nettoexportüberschuss von A gegenüber B wie in den vorigen Beispielen, bzw. das entsprechende Aussenhandelsdefizit von B. Was ändert, sind wiederum nur die Finanzierungsströme. In diesem Fall sind es die Kredite der Banken in C (das keinen Handel mit A und B treibt), die die Produktion in A und die Käufe durch B finanzieren und dadurch möglich machen. Entsprechend ist am Ende Land B bei den Banken in C verschuldet, und A hat bei ihnen ein entsprechendes Guthaben.
Zugegeben, die ganze Betrachtung war bisher ziemlich theoretisch. Das war notwendig, um die Sache nicht zu kompliziert zu machen. Zum Schluss für dieses Mal ein paar allgemeine Schlussfolgerungen, die Hinweise auf die grosse Bedeutung der obigen Betrachtungen liefern bzw. auf die von der klassischen, Güterstrom-basierten Leistungsbilanz-Sichtweise unterschätzten Risiken der Rolle von Banken und von Finanzströmen:
- Die Aussagen über die Guthaben- bzw. Schuldverhältnisse zwischen Ländern lassen sich aus den Leistungsbilanzen (Nettoexportüberschüsse oder -defizite) nur unter sehr eingeschränkten und unrealistischen Bedingungen lesen. Etwa dann, wenn alle Finanzierungen nur durch die Banken im eigenen Land erfolgen. Ansonsten sind die Guthaben- und Schuldverhältnisse viel komplexer und verwobener und wie erwähnt von den Banken bzw. Finanzierungsverhältnissen abhängig. Damit sind die Risiken weniger einfach zu erkennen – die sich etwa durch eine Gefährdung des Finanzsystems durch Fehlinvestitionen ergeben.
- Die in der Leistungsbilanz im Vordergrund stehenden Nettowerte (Nettoüberschuss oder Nettodefizit) sind ungenügend. Die Bruttobetrachtung wird sehr viel wichtiger, da sie nicht gleich alle Finanzströme saldiert. Wenn zum Beispiel bei Krediten nach Land A und aus dem Land A hinaus (bzw. bei Rückzahlungen) nur der Saldo betrachtet wird, bleiben die Risiken unbeachtet, die sich durch einen Zahlungsausfall in die eine oder andere Richtung ergeben können. In diesem Sinne kann auch aus einer ausgeglichenen Leistungsbilanz nicht geschlossen werden, dass keine Risiken bestehen.
- Finanzierungen sind nicht so passiv, wie in der herkömmlichen Theorie gedacht. Sie sind nicht nur das Ergebnis der konkreten Produktionsstruktur, sondern oft auch ihre Ursache. So wäre die Blase an den spanischen Immobilienmärkten in den 2000er-Jahren unmöglich gewesen, hätten nicht internationale Banken dort massive Investitionen getätigt. Generell: Finanzströme können Fehlentwicklungen in der Realwirtschaft fördern oder sogar initiieren.
- Schliesslich ist auch der Einfluss auf die Währungen komplizierter, als es die herkömmliche Leistungsbilanz-Sicht suggeriert. Das ist nur die Konsequenz der Finanzierungsströme. Welche Währung sich aufzuwerten oder abzuwerten droht, hängt stark von diesen Finanzverhältnissen ab und von der Währung, in der diese anfallen. Wie das letzte der obigen Beispiele deutlich gemacht hat, kann hier auch die Währung eines Landes (wie oben C) eine Rolle spielen, das noch nicht einmal in den direkten Handel mit anderen betroffenen Ländern (wie im Beispiel A und B) verwickelt ist. Ein Praxisbeispiel dafür ist die Rolle der US-Banken und anderer Finanzinvestoren, die die Währungsverhältnisse zwischen vielen Ländern allein durch die Finanzierungsströme beeinflussen und vielfach bedrohen, während die Handelsbeziehungen eine im Vergleich dazu untergeordnete Rolle spielen.
41 Kommentare zu «Die vergessenen internationalen Finanzströme»
„So wäre die Blase an den spanischen Immobilienmärkten in den 2000er-Jahren unmöglich gewesen, hätten nicht internationale Banken dort massive Investitionen getätigt.“
Wäre die Blase möglich gewesen, wenn internationale Rentner dort massive Investitionen getätigt? – Ich meine ja!
Wäre die Blase mölglich gewesen, wenn nationale Investoren massive Investitionen getätigt hätten? – Ich meine ja!
Also bleibt von der wichtigen Erkenntnis, die Blase wäre nicht möglich gewesen, wenn niemand in sie investiert hätte, was ich auch ohne volkswirtschaftliches Studium vermutet hätte.
„Finally, once attention shifts from current account imbalances to
financial imbalances, the role of central banks takes centre stage. Through its ability to set
the price of leverage, monetary policy can have a first-order influence on financial conditions
and the evolution of financial imbalances, both within and across countries.“
Na ja, wie sollen diese Zentralbanker wissen, welches der richtige Preis für „Leverage“ sein soll? Ach so, wenn die Inflationsrate zu tief, die Arbeitslosigkeit zu hoch und die Kapazitätsauslastung zu schwach ist, müssen die Zinsen runter. Dass zu tiefe Zinsen andere das System destabilisierende Wirkungen erzeugen mögen, entgeht ihnen komplett.
Ted Cruz für Präsident 🙂
https://www.youtube.com/watch?v=fr3HZmcSFaI
@Linus Huber:
Ach so, wenn also die Inflationsrate zu tief oder sogar Deflation, die Arbeitslosigkeit zu hoch und die Kapazitätsauslastung zu schwach ist, dann ist das systemstabilisierend?!
– „der richtige Preis“
Da die Fed bzw. der US-Staat das Monopol von US$ hat, kann sie auch dessen Preis/Zinsen bestimmen. Interveniert die Fed oder der Staat nicht, dann ist der natürliche Zinssatz immer 0.
In einem Monopol gibt es keinen ‚richtigen Preis‘, denn der Monopolist hat die Macht ihn willkürlich bzw. ihn entsprechend gewisser Ziele zu setzen.
Hier eine interessante Diskussion für Sie:
MMT (Modern Monetary Theory) vs. Austrian School Debate:
https://www.youtube…
Nochmals der Link:
https://www.youtube.com/watch?v=cUTLCDBONok
https://www.youtube.com/watch?v=cUTLCDBONok
„Interveniert die Fed oder der Staat nicht, dann ist der natürliche Zinssatz immer 0.“
Wo haben Sie diesen Unsinn aufgelesen.
„In einem Monopol gibt es keinen ‘richtigen Preis’.“
Wer sagt was anderes?
Haben Sie schon vergessen, dass wir hier, um ein Beispiel heraus zu pflücken, kürzlich die fehlerhafte Anwendung der vom Fed verwendeten Phillips-Kurve diskutierten, wo erläutert wurde, dass eben z.B. Inflationsrate und Arbeitslosigkeit keinen kausalen Zusammenhang besitzen. Ähnlich verhält es sich mit der Kapazitätsauslastung, indem eben künstliche Nachfrage geschaffen wird, was zu Fehlinvestitionen führt, welche sich schlussendlich in schwacher Kapazitätsauslastung bemerkbar…
@Linus Huber:
Erklären Sie uns den Unterschied zwischen künstlicher und natürlicher Nachfrage? Und seit wann ist ‚künstlich‘ ein Schimpfwort geworden? Ohne Kunst wären wir Menschen wohl eher Tiere und das im vollen Respekt ggü. Tiere, und überhaupt wachsen Computer z. B. nicht auf Bäumen, die sind ziemlich ‚künstlich‘. Auch Sie haben offenbar eine ‚künstliche‘ Nachfrage bzw. eine Nachfrage nach künstlichen Dingen …
Solange es Arbeitslosigkeit gibt, gibt es immer eine ’natürliche‘ Kapazitäts-Unterauslastung und der Staat hat die moralische Aufgabe seine verfügbaren Mittel, wie das Monopol einer Währung dessen Menge beliebig vermehrt werden kann heutzutage, dementsprechend…
Eben, Sie sind der fehlerhaften Überzeugung, dass Geldpolitik mit dem Ziel eine leichte Inflation zu erzeugen, einen Einfluss auf die Arbeitslosenrate besitzt, was empirisch widerlegt ist. Was jedoch gut belegt wird, ist der Umstand, dass sich durch diese geldpolitische Planungswirtschaft, die Vermögenskonzentration sich erhöhte.
@Linus Huber:
Was empirisch belegt ist bezweifle ich nicht. Und ich zweifle überhaupt, das ein moderates Inflationsziel von 2% offenbar irgendwie stabilisierend sein soll.
– „die Vermögenskonzentration sich erhöhte“
Das stimmt.
Der grundlegende Fehler von MMT dürfte darin liegen, dass anstatt die Menschen von immer mehr Bürokratie, Überwachung, Bevormundung etc. zu befreien, die Idee vorherrscht, dass alles noch bedeutend stärker zentralistisch geplant werden soll. Haben wir schon vergessen, dass Planwirtschaft nicht wirklich funktioniert, weil selbst wenn der gute Wille vorherrschen mag, die Komplexität viel zu hoch ist um damit erfolgreich zu sein. Grundlegende ökonomische und menschliche Prinzipien können nicht gesetzlich durch Planwirtschaft ausser Kraft gesetzt werden, sondern führen trotz bester Absichten in den Ruin. Und ja, Systemstabilität bedingt, dass nicht systemgefährdende Instabilität zugelassen wird.
@Linus Huber:
– „dass Planwirtschaft nicht wirklich funktioniert“
Da haben Sie vollkommen recht, genauso wenig funktioniert aber das andere Extrem, nämlich ein totaler oder reiner Kapitalismus oder eine totale freie Marktwirtschaft. Gut das wissen wir zwar noch nicht genügend, weil ein totaler Kapitalismus eigentlich nirgends wirklich existiert. Doch seitdem seit einigen Jahrzehnten die Übung vollzogen wurde vermehrt in diese Richtung zu tendieren und man heute die Ergebnisse solcher Politik begutachten kann, sollte auch jedem langsam klar werden, dass ein rechts-extremistisches System (totale freie Märkte) genauso wenig funktionieren kann wie ein links-extremes (Kommunismus,…
„Doch seitdem seit einigen Jahrzehnten die Übung vollzogen wurde vermehrt in diese Richtung zu tendieren“ (reiner Kapitalismus)
Ja sicher doch, daher haben wir ausser im Bereiche der Deregulierung des Finanzsektors eine Flut von Regulierungen und Gesetzen, welche jedes Jahr quasi unter sämtlichen Regierungen neue Rekorde in Bezug auf deren Anzahl und Umfang erzielten.
Hier nochmals der Link:
https://www.youtube.com/watch?v=cUTLCDBONok
Interessanter Vortrag zu diesem Thema von Frau Bedia Sahin:
https://youtu.be/z3YxZJqfgMA?t=1665
Gibt es neuerdings eine Zeichenbeschränkung von 700 Zeichen für die Kommentare im NMTM??
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Na ja das hat immerhin den Vorteil, dass man nicht mehr ellenlange Kommentare schreibt, die dann irgendwo sang- und klanglos im Nichts des Internets verschwinden —- hoffe dieses Problem, das vermutlich schon alle Kommentarschreiber hier mal geärgert hat, ist damit behoben — war wirklich ärgerlich!
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Jetzt muss man halt Fortsetzungskommentare schreiben, wenn es etwas längeres werden sollte 🙂
@Senn, geht mir gleich, habe zuletzt dieses Verfahren mit Fortsetzung bei Beitrag Mindestreserven verwendet. Ich glaube auch so wird es nicht gelesen. Man hofft natürlich immer auf eine Reaktion, auch wenn diese einem sagt, daß man völlig falsch liegt und nichts versteht.
Genau dieser Artikel trifft wieder mal auf den Punkt und zeigt ein paar Schwächen der klassischen Oekonoemie schonungslos auf, dass eben auch z.B die Gross International Investement Positions kaum berücksichtigt werden in den Modell — um wirklich sauber zu analysieren darf man nicht die Net international Investment Position nehmen
Hier mal ein Anschauungsbeispiel für die USA
http://www.bea.gov/newsreleases/international/intinv/intinvnewsrelease.htm
Es werden die Effekte von Schulden resp. Zinszahlungen und Amortisation für alle Akteure meines Erachtens in der klass. Oekonomie viel zu wenig berücksichtigt, ebensowenig die Effekte von Derivaten und anderen Finanzinstrumenten.
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Dieser Artikel legt meiner Ansicht nach einen besonderen Wert auf die Qualität eines Leistungs-Bilanz-Defizit und deren Finanzierung. Man sollte dies eigentlich an Beispielen erklären. Brasilien wäre dazu ein gutes Beispiel. Defizit wegen dem Import von Kapitalgütern zur Aufbau der Infrastruktur und der Industrie, finanziert durch Dollar-Kredite von US-Banken. Eine langfristige Finanzierung, die nicht unmittelbar den Multiplikator-Effekt der Export-Industrie fördert. Wegen diesen aufgenommenen Dollarschulden und Cruzeiro Ausgaben im Inland Wirtschaftskrise anfangs der 80er Jahre, weil die US-Zinsen durch das Dach gingen mit gleichzeitiger Erhöhung des Rohölpreises.
Daraus ergibt sich folgendes:
Wie wird eine Leistungsbilanz-Defizit finanziert? Mit einer Reservewährung oder der eigenen Landeswährung? Ist diese Finanzierung langfristig mit fixem Zinssatz oder ist es ein Roll-Over Kredit, der jederzeit kurzfristig kündbar ist?
Ist das Leistungsbilanz-Defizit verursacht durch den laufenden Konsum der einheimischen Bevölkerung oder durch den Import von Kapitalgütern für den Aufbau der einheimischen Infrastruktur und einer eigenen Industrie. Wie schnell kann man diese Industrie heranziehen für Import-Substitution und eigene Industrie-Exporte (Multiplikator-Effekt)?
Wird die Leistungsbilanz-Defizit durch eigene Reservewährung erleichtert?
Zach: Ich war 1983 ein halbes Jahr in Brasilien und habe die ganze Problematik mit der schwachen Währung zu spüren bekommen — allerdings für mich im postiven Sinne — Brasilien war damals wirklich spottbillig für uns Schweizer wie glaub sonst nie mehr.
Aber die lateinamerikanische Schuldenkrise der 80er war für die Länder damals nicht sehr angenehem — man kann nur hoffen, dass sich das nicht so schnell wiederholt…allerdings siehts in Argentinien auch wieder mal übel aus – von den offiziellen Devisenreserven sind von 26 Mrd $ sind nur noch so um die 2.8 Mrd $ wirklich verfügbare Reserven – der Rest sind (wertlose) arg. Staatspapieren in $ oder Verpflichtungen (z.B. der China Swap)
Dass die aus andauernden Exportüberschüssen resultierende „Anhäufung von Kapitalanlagen im Ausland“ nicht ohne Risiken sein kann ist kaum verwunderlich, auch Inlandinvestitionen sind nicht risikolos. Die Pensionsfonds saugen sich voll mit ausländischen Aktien, Bonds und Staatsanleihen. Ob aber die Schuldner ausländische Banken, Staaten oder Firmen sind ist wohl eher untergeordnet, das Verlustrisiko dürfte für alle etwa gleich hoch sein. Ob wie im Beispiel Spanien va. Private und Banken Auslandsschulden aufbauen oder wie in GR der Staat, kann in beiden Fällen zu Wertberichtigungsbedarf bei den Gläubigern führen.
Letztlich stellt sich die Frage, ob diese Schuldner in absehbarer Zukunft in der Lage sein werden die erwarteten Renten für die bald pensionierten Babyboomer zu bezahlen.
Ihr Beitrag beweist die Überlegenheit des Umlageverfahrens gegenüber dem Kapitaldeckungsverfahren. Meiner Ansicht nach kann einer einer Hochleistungswirtschaft kaum mehr 10 bis 15 % des Volkseinkommen aus Löhnen und Gewinnanteilen bestehen. Ist dieser Prozentsatz höher, ergibt sich daraus schnell eine Bankenkrise in Ländern mit einer Reservewährung (siehe Spanien) oder eine Zahlungsbilanzkrise für Länder mit Weichwährung (wie sie Argentinien hatte und wie sie nächstens in der Türkei zu befürchten ist). In Entwicklungsländern ist diese Zinsdecke zwangsläufig niedriger und brandgefährlich, wenn sie sich nicht in der eigenen Währung verschulden können. Man wird dies sehen bei den BRIC Staaten.
Zach: Ihre Aussage mit den 10-15% ist etwas befremdlich – Deutschland ist doch sicher eine Hochleistungswirtschaft und die hatten 2013 ein BIP von 2.735 Bio € und ein Volkseinkommen von 2.11 Bio € (davon 695 Mrd Unternehmens- und Vermögenseinkommen) und 1417 Mrd Arbeitnehmerentgelte — siehe seite 16)
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2014/BIP2013/Pressebroschuere_BIP2013.pdf?__blob=publicationFile
Ich verstehe nicht was Sie mit Ihrem Kommentar meinen – oder ist das nur auf die Altersvorsorge bezogen, dass diese 10-15% des Volkseinkommens nicht überschreiten soll?
Ich vermute mal das bezog sich auf die Altersvorsorge. In der CH machen die AHV und PK Beiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber schnell mal über 30% des Bruttolohns aus. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht hat Herr Zach sicher recht; vgl. die Kritik an der Riester Rente:
Der ehemalige Bundestagsabgeordnete, Publizist und Diplom-Volkswirt Albrecht Müller stellt in seinem Artikel Riester-Rürup-Täuschung – prüfen Sie selbst nach dem Konzept der Riester-Rente insgesamt ein vernichtendes Urteil aus. Er kritisiert, dass die Riester-Rente aus Sicht des Allgemeinwohls betrachtet eine Verschwendung von Steuergeldern sei, und begründet das damit, dass das bisherige Umlageverfahren um vieles günstiger
und effizienter sowie insgesamt sozialer sei. Die Förderung der Riester-Rente subventioniere hingegen die Finanz- und Versicherungswirtschaft, ohne dass das zu einem Vorteil für die Gesellschaft führe. Zusammenfassend führt er aus: „Man kann die Entscheidung für den teuren Umweg zur kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge nur verstehen, wenn man fragt, wer daran verdient: Die Finanzwirtschaft, die an der Umstellung beteiligten Wissenschaftler und auch viele Politiker. Die Zerstörung der gesetzlichen Rente zugunsten einer privaten Altersvorsorge ist ein heutzutage leider typischer Fall von politischer Korruption.“
Banken sind längst keine einfachen Dienstleister mehr. Sie sind die Ursache jeder wirtschaftlichen Entwicklung. Leider sind sie sich dessen gar nicht bewusst. Die Entscheidungsträger haben es an den Universitäten halt anders gelernt. Immerhin beginnen wir nach bald 8 Jahren Finanz- und Wirtschaftskrise aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen (wahrscheinlich liegt es daran, dass das Methadon der Zentralbanken dieser Welt an Wirkung verliert).
Ich komme nicht weiter als: „Die Produktionsfirmen von A wiederum belassen auch dieses Geld [das Entgelt für die Produkte]als Depositen bei den Banken in B.“
Die Produktionsfirmen haben Kredit erhalten, für Löhne um zu produzieren. Wenn die Produkte verkauft werden, müssten diese Kredite zurückbezahlt werden, und nicht der Erlös auf Banken als Depositen liegen.
?
Eine Bank, welche eine Produktion finanziert, muss doch aus eigenem Interesse dafür sorgen (z.B. mit Debitorenglobalzession = Abtretung aller Forderungen aus dem Verkauf der Produkte an die Bank), dass die Erlöse aus dem Verkauf der Produktion verwendet werden, um den Kredit zurück zu zahlen.
Das macht schon Sinn in dieser Phase. Der ganze Wertschöpfungsprozess steht theoretisch erst einmal in der Bankbilanz. Durch die produktive Tätigkeit aller Beteiligten ergibt sich eine Wechselwirkung im Wertschöpfungsprozess. Die Kreditkosten sorgen schlussendlich dafür, dass sich Forderungen und Guthaben rein aus ökonomischen Überlegungen gegenseitig eliminieren. Die Bank erhöht also nur übergangsweise (virtuell) die Geldmenge. Auf nationaler Ebene besteht nun die Herausforderung, optimalen Ausgleich bei möglichst hoher Vermögensakkumulation für Investitionen zu schaffen und dabei die Handelsbilanz ausgeglichen zu halten.
@Roman Günter: Ich kann keinen Sinn in Ihrer Erklärung erkennen.
Anmerken möchte ich zu meinem Post, dass sich, gemäss meinen Erfahrungen, eine Bank, welche einen Betriebs- also Produktionskredit gibt, verlangt, dass sämtliche Umsätze des Betriebes über ein Konto bei dieser Bank abgewickelt werden. (Würden die das nicht verlangen, wären sie doof)
Meines Erachtens können als Depositen im Ausland nur die Gewinne der Produzenten liegen bleiben, die von der kreditgebenden Bank vorgeschossenen Produktionskosten müssen mit dem Erlös aus den Produkten beglichen werden
Kaufe ich ein in D produziertes Produkt von einem deutschen Lieferanten, will der das Geld doch meistens auf seinem deutschen Geschäftskonto. (Nur Ausnahmsweise wird ein Konto in der Schweiz angegeben, was meistens schon einen Verdacht auf zumindest Steuerhinterziehung entstehen lässt.) Der Abschnitt dieses Beitrages sagt doch, ein Produzent hätte im Ausland eine andere Bank, auf die Erlöse fliessen und da liegen bleiben, währen da, wo er produziert, seine Produktion laufend mit neuen Krediten von den Inlandbanken finanziert werden. Ich weiss nicht, ob dies so gesagt wird, aber ich weiss, es ist, was ich verstehe
Das Thema sollte volkswirtschaftlich betrachtet werden, Anh Toan. Der Fokus lag ja darauf, dass Güter- und Finanzströme unabhängig voneinander betrachtet, resp. Finanzströme separat analog zum Güter- und Dienstleistungsaustausch gemessen wurden, was schlussendlich zu unkorrekten Aussagen zur internationalen Handelsbilanz führte, wenn ich den Artikel richtig verstehe. Wie einzelne Partizipanten betriebswirtschaftlich darauf reagieren, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant.
„Tatsächlich sind die Kredite (und entsprechenden Depositen) sogar doppelt so hoch wie die Produktion von A (und der gleich hohe Nettoexportüberschuss), weil die Produktion gleich hohe Kredite erfordert hat wie die Finanzierung des Kaufs dieser Produktion durch B“
Also der Produzent muss sich verschulden zum produzieren, der Konsument zum kaufen nochmals. Stimmt, solange es kein Clearing gibt: Das Verkaufsentgelt wird von der Bank des Konsumenten ja an die Bank des Produzenten überwiesen, indem dieser ein Guthaben gegen die Bank des Konsumenten eingeräumt wird. In der Bank des Produzenten wird das Guthaben gegen den Produzenten zu einem Guthaben an die Bank des Konsumenten. (…)
(…) Es geht also keine Forderung weg, Bei der Bank des Konsumenten steht in den Aktiven das Guthaben gegen den Konsumenten und in den Passiven die Schuld gegenüber der Bank des Produzenten. Also steht auch hier eine Forderung. Formell werden Kredite wohl tatsächlich verdoppelt, wenn es keine Möglichkeit für Clearing gibt, wachsen die Forderungen unter den Banken unendlich an, materiell sind diese Forderungen aber die gleichen, wie die Kredite. Darum erscheint es mir falsch, die Targetsalden zusätzlich zu den Auslandsschulden zu rechnen, es sind die gleichen (netto-)Forderungen.
Ich versuche es zu verstehen, aber der Beitrag ist zumindest bei mir eher verwirrend als erhellend.
„Also der Produzent muss sich verschulden zum produzieren, der Konsument zum kaufen nochmals“
Der Konsument verschuldet sich nicht, bringt jedoch seinen Lohn zur Bank (darum Deposits) und verlängert damit ihre Bilanz ebenfalls, .
Der Produzent scheint mir nicht gerade effizient zu sein:
Hätte er einfach den Kredit zur ausländischen Bank überwiesen, wäre er gleich weit. Wozu der Stress mit Produktion und Verkauf und Mitarbeitern?
Es sind nicht Produzenten von Exportgütern, welche ihre Guthaben im Land ihrer Abnehmer als Depositen lassen (investieren), auch wenn diese Länder Handelsbilanzdefizite haben. Produzenten haben nie wesentlich Cash für Depositen. Irgendwer investiert dort, sonst könnten keine Güter mehr importiert werden, weil die Produzenten nicht mehr liefern wollen, wenn sie den Erlös als Depositen liegen lassen müssen.
Kann schon vorkommen, zum Beispiel Südafrika ist ein krasses Beispiel dafür. In der Apartheid haben Mercedes und VW ganz einfach ihre alten Maschinen für ihre neuen Fabriken nach dort geliefert. Gleichzeitig haben ihren südafrikanischen Töchter diese Maschinen zu Preisen fakturiert, die denjenigen von fabrikneuen Maschinen entsprach. Wenn man zum Beispiel die Leistungsbilanz der Türkei ansieht betreffend Automobil-Exporte aus diesem Land erkennt man folgendes. Jedes Auto, daß von dort ausgeführt wird, hat einen erheblichen Anteil seines Exportwertes, ca. mehr als die Hälfte, die wiederum importiert werden muß. Für das Land kein Gewinn, dient nur als Prestige-Objekt.
@Rolf Zach: Es kann auch vorkommen bei Pharma- oder Softwareproduzenten: deren Produktions- (ohne Entwicklungskosten) sind derart gering, dass die auch liefern ohne Bezahlung, um die Marktanteile zu halten.
Aber es ist nicht die Regel, in der Regel brauchen die Exporteure die Erlöse zu Hause, um die Produktion bzw. die dafür gewährten Kredite zu bezahlen.
Das wäre dann dort wo die Strasse keine Namen braucht. Das wäre dann mal die Milchstrasse. Die Arena. Das Ein-Zoll-Lager. Oder einfach NMTM. Ich hatte dafür zwei Bilder im KunstSchauWerk. Letztes Jahr im Sommer. REchts ein Rechteck. LInks eine viereckige Insel.