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Forschungsprojekt
"Während meines Corti-Fellowships werde ich über unsere Pflichten zur Beseitigung von Übeln, insbesondere des Weltarmutsproblems, forschen. Die Frage, die mich beschäftigt ist, welcher Art diese Pflichten sind und welche Stärke sie haben. Üblicher Weise geht man davon aus, dass es ich um Wohltätigkeitspflichten handelt, die es der Akteurin überlassen, wann sie wem wie viel spenden will. Dabei legt die Idee der Spende nahe, dass es sich vielleicht gar nicht um eine Pflicht, sondern um eine freiwillige, supererogatorische (jenseits der Pflicht liegende Leistung) handelt. Dagegen haben u.a. sowohl Peter Singer als auch Thomas Pogge Positionen etabliert, die uns, den BürgerInnen der reichen Staaten, starke Armutsbeseitigungspflichten zuweisen. Singer glaubt, dass nichts abzugeben einer unterlassenen Hilfeleistung mit Todesfolge gleich kommt. Pogges Idee ist, dass wir in das Weltarmutsproblem verstrickt sind, da unsere Regierungen mit unserer demokratischen Legitimation eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung formen und aufrechterhalten, die die Armen schädigt. Daraus erwachen uns nach Pogge Kompensationsverpflichtungen der Hilfs- und Reformanstrengungen. Mich interessiert das moralphilosophische Problem der Überforderung: wie viele Pflichten kann man einem Individuum zumuten? Ist die Moral nur ein Ideal, dem es sich anzunähern gilt, obwohl die allermeisten Menschen ihr nicht gerecht werden können? Sollte man daher starke Pflichten nur für einen Basisbereich behaupten und alle weiteren Leistungen für supererogatorisch erklären? Wo kann man zwischen diesen Bereichen sinnvoll eine Grenze ziehen? Welche Handlungen (oder Unterlassungen) können wir tatsächlich mit guten Gründen von uns selbst und anderen verlangen? Es scheint, dass wir zwar einerseits intuitiv von starken Hilfspflichten ausgehen, diese aber andererseits nur fallweise erfüllen. Müssen Individuen hier durch institutionelle Regelungen entlastet werden (z.B. durch das Zahlen von Steuern)? Sind sie dann gänzlich entlastet? Was für Pflichten haben wir, wenn keine gerechten Institutionen vorhanden sind, die eine faire Lastenallokation bei der Beseitigung von Übeln sicherstellen könnten? Mit diesen Fragen werde ich mich in den kommenden drei Monaten befassen."