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In einem Unternehmen gibt es die verschiedensten Aufgaben, die von Mitarbeitern mit unterschiedlichen Qualifikationen erledigt werden müssen, um die Wirtschaftlichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit und somit die Beständigkeit eines Unternehmens zu sichern.
Im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte haben sich die Strukturen eines Unternehmens immer weiterentwickelt und verfeinert. Das liegt unter anderem daran, dass die wirtschaftlichen, technischen, ökologischen und ökonomischen Aspekte der Entwicklung sich im Laufe der Zeit verändert haben.
Je nach Unternehmen und dessen Produkte haben sich die einzelnen Tätigkeiten immer weiter verfeinert. Mit der Zeit wurden die Produkte immer ausgereifter und somit benötigte man Spezialisten für das Produkt selbst, für bestimmte Einzelteile oder für dessen Herstellungsverfahren.
Die Spezialisten haben zunehmend einen – im wahrsten Sinne des Wortes – speziellen Stellenwert im Unternehmen bekommen und somit veränderte sich auch ihre berufliche Identität.
Je wichtiger diese Positionen wurden, umso mehr dachten diese Mitarbeiter und vermutlich auch deren Vorgesetzten, dass diese nicht zu ersetzen sind, da ihre Fähigkeiten und Kenntnisse unersetzlich schienen.
Je stärker die verschiedenen Bereiche dieser oben genannten Entwicklungen gewachsen sind, umso mehr Spezialisten sind hinzugekommen und umso leichter war es, Nachschub zu finden, falls ein Spezialist mal ausgefallen oder sogar aus der Position ausgeschieden ist.
So konnten die Unternehmen aufgrund der erhöhten Popularität der bestimmten Berufe diese Expertenposition relativ schnell wieder besetzen.
Ein treffendes Beispiel für eine solche Entwicklung zeigt die große Welle der ausgebildeten Ingenieure der 90er-Jahre.
Gemäß dem Volksmund ist in einem Unternehmen jeder ersetzbar.
Es stellt sich jedoch die Frage, was das Unternehmen denn genau ersetzt.
Die Person in der Rolle des Spezialisten? Oder irgendeine Person, welche die Arbeit verrichtet? Oder den Menschen mit allen seinen individuellen Fähigkeiten wie sozialer Kompetenz, Kollegialität, Offenheit für Erneuerungen? Oder schlicht und einfach seine ganz persönlichen Erfahrungen?
Bezüglich seiner Arbeitstätigkeit unterliegt der Mensch drei rollentheoretischen Faktoren (nach David Kantor).
1. Persönlichkeit. Welche Eigenschaften
machen ihn als Menschen aus?
2. Profession. Welche beruflichen
Kompetenzen und Erfahrungen bringt er mit und wie haben
diese ihn geprägt?
3. Rolle. In welcher Rolle ist er im Moment,
die allerdings von den beiden vorherigen Faktoren
beeinflusst wird?
Die Frage stellt sich, ob es möglich ist, eine Arbeitskraft auszutauschen, ohne dabei die Qualität der Arbeit, die er verrichtet hat, die sozialen Beziehungen, die er im Laufe seiner Tätigkeit gestiftet und aufrecht gehalten hat, zu beeinträchtigen. Insbesondere bei Tätigkeiten im Kundenkontakt ist dies ausschlaggebend.
Wenn ein Mitarbeiter oder in dem Fall ein Repräsentant seines Unternehmens mit dem Kunden eine Geschäftsbeziehung eingeht, geschieht dies als Erstes auf der humanen Ebene.
Der geschäftliche Aspekt dient nur als Rahmen für das Aufeinandertreffen der beiden Personen. Wie in jeder Arbeitsbeziehung ist die Chemie zwischen den beiden Personen – erlauben Sie mir, es so auszudrücken – ausschlaggebend!
Wenn Sie das Gefühl haben, mit Ihrem Gesprächspartner nicht auf Augenhöhe zu sein, dann ist er Ihnen entweder überlegen oder Sie ordnen sich unter. Oder Sie sind Ihrem Gesprächspartner überlegen und er unterliegt Ihnen. Beide Ausgangssituationen sind ungünstig für die Gründung einer Geschäftsbeziehung.
Die Idee ist jedoch, dass eine Win-win-Situation entsteht, denn das Ergebnis des Gesprächs soll als ein Fundament der künftigen Geschäftsbeziehung dienen.
Ähnlich gestaltet sich der Gedanke zwischen Mitarbeiter und Unternehmen.
Auch hier sollen die Faktoren der sozialen Beziehung, Kompatibilität bzw. Anpassung der Kompetenzen und die Identifikation mit dem Unternehmen möglichst im Gleichgewicht sein.
Nun möchte ich mit dem Thema der Austauschbarkeit fortfahren und meine Gedanken anhand interner Arbeitsverhältnisse verdeutlichen.
Ein ausgeglichenes Arbeitsverhältnis gilt es auch innerhalb eines Unternehmens aufrechtzuerhalten.
Vorhin erwähnte ich die Idee, dass zufriedene Mitarbeiter Kundenzufriedenheit erzeugen.
Die Mitarbeiter, die für interne Arbeitsabläufe zuständig sind, tragen ebenfalls und sogar maßgeblich dazu bei, dass der Kunde, obwohl er ihn nicht zu Gesicht bekommt, zufrieden gestellt wird. Die Arbeit dient als Grundlage des Kollegen, der im Kundenkontakt ist und somit in einer indirekten Arbeitsbeziehung zum Kunden steht.
Das zeigt uns, wie vielschichtig und weitsichtig Mitarbeiter sein müssen, um Kundenzufriedenheit zu erzeugen.
Der springende Punkt ist, dass nicht jeder Mitarbeiter in der Lage ist, jede Arbeit konstant zu erledigen, sondern dies ist von der Individualität einer Person und der drei beschriebenen Faktoren abhängig.
Solche Fähigkeiten werden weder in der Schule noch an der Universität gelehrt!
Sie lernen sie auch nicht aus den Büchern. Es gibt Menschen, die solche Fähigkeiten besitzen und somit sind sie mit dieser Eigenschaft einzigartig. Es gibt wiederum andere Mitarbeiter, die über andere Fähigkeiten verfügen, die damit zum Fortbestehen von gelingenden Arbeitsabläufen beitragen.
Ich möchte diese Idee anhand eines Beispiels, das Sie aus dem Chemieunterricht aus der Schule kennen, verdeutlichen.
Stellen Sie sich vor, jeder Mitarbeiter wäre ein alleinstehendes Atom – wie im Periodensystem – mit unterschiedlichen Koppelmöglichkeiten.
Atome können aufgrund ihrer Verschiedenheiten unterschiedliche Verbindungen eingehen und gestalten. Es gibt Verbindungen, bei denen nur bestimmte Atome eine Verbindung eingehen und somit Moleküle bilden können.
Dann können die Moleküle in Verbindung miteinander einen bestimmten Stoff erzeugen.
Natürlich kann man durch Umwege dieselbe Verbindung herstellen, bloß die Qualität der Verbindung ist eine andere, wenn nicht exakt das gleiche Atom und somit auch nicht die einzigartigen Eigenschaften eines einzelnen Atoms Verwendung finden.
Die Qualität eines einzelnen Atoms kann folglich die Eigenschaften des gesamten Gestaltungsprozesses beeinflussen.
Wenn ich immer wieder nach Alternativen suche, so kostet es mich mehr Energie, und ich muss immer wieder kontrollieren, ob die Basiselemente im Prozess kompatibel sind.
In dieser Betrachtung können wir die Bedeutung einzelner Mitarbeiter stärker in ihrer Einzigartigkeit wahrnehmen und die Überlegung starten, wie wichtig die Position eines Mitarbeiters ist. Weiter ist es notwendig, sich darüber Gedanken machen, über welche Qualitäten diese Person Mensch verfügt.
So wiederhole ich die Frage: Ist in einem Unternehmen wirklich jeder ersetzbar?
Julius Hargitai, Zürich, 26. Juni 2013