Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03215.jsonl.gz/3078

10. Mai 1970: Bobby Orr gilt bis heute als einer der besten Eishockey-Spieler aller Zeiten. Zwei Mal sorgt der Verteidiger dafür, dass die Boston Bruins den Stanley Cup holen. Beim ersten Mal entsteht ein Moment für die Ewigkeit.
3:3 steht es im Boston Garden nach 60 Minuten gegen die St.Louis Blues. Die Meisterfeier der Bruins ist aufgeschoben. Aber nicht aufgehoben. Nur 40 Sekunden sind in der Verlängerung absolviert, als Bobby Orr hinters Tor zu Derek Sanderson spielt. Der passt die Scheibe zurück zu Orr – der Rest ist Geschichte.
Es ist der erste Stanley-Cup-Triumph der Boston Bruins seit 29 Jahren. Und das Bild, wie Orr sein Tor zum 4:3-Sieg im vierten Spiel bejubelt, wird zu einer Ikone der Eishockey-Fotografie.
731 NHL-Spiele (657 Regular Season, 74 Playoffs). 1007 Skorerpunkte: 296 Tore (270/26), 711 Assists (645/66). Von «The Hockey News» im Jahr 1997 zum zweitbesten Eishockey-Spieler aller Zeiten gewählt (hinter Wayne Gretzky und vor Gordie Howe). Bis heute der einzige Verteidiger, der Topskorer in der Regular Season wurde (1970 und 1975).
Zum «Flying Goal» kommt es, weil Orr im Moment der Schussabgabe von Blues-Verteidiger Noel Picard gefoult wird. Da Orr sieht, wie der Puck in den Kasten geht, kümmert ihn dies nicht weiter. Mit weit aufgerissenem Mund und mit den Armen in die Höhe gestreckt fliegt er jubelnd durch die Luft.
Dieses Bild des triumphierenden Orr hat sich in Nordamerika so sehr in den Köpfen eingebrannt, dass es in Bronze verewigt wurde. Seit 2010 steht die Statue, welche diesen Moment zeigt, vor dem TD Garden, der Heimstätte der Boston Bruins.
Bobby Orr wird nach dem gewonnenen Final 1970 zum MVP gekürt. Dieselbe Auszeichnung erhält er zwei Jahre später – als er die Bruins erneut zum Stanley-Cup-Sieg führt.
Der Status Orrs in der Hockey-Welt ist umso beeindruckender, weil er wegen Verletzungen nur zwölf Saisons in der NHL spielen kann. Nach seinem 27. Geburtstag absolviert er nur noch 47 Partien in der besten Liga der Welt.
Alleine seine statistischen Werte – 1007 Skorerpunkte in 731 Spielen – würden zur Untermauerung seines Stellenwerts genügen. Aber Zahlen sind nur das eine, Orrs Spielstil war das andere. Er gilt als erster echter Offensiv-Verteidiger und ist in der NHL eine solche Attraktion, dass Bostons Auswärtsspiele in der Regel ausverkauft sind.
Als Bobby Orr zurücktritt, ehren die Bruins ihn, indem sie seine Rückennummer 4 nie mehr vergeben. Der Applaus des Publikums ist so lang anhaltend, dass fast alle anderen Elemente der Unterhaltung vor dem Spiel gestrichen werden müssen.
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!
15. November 1994: Im NHL-Lockout holt ausgerechnet der Aufsteiger einen der grössten Eishockey-Stars der Welt. Der SC Rapperswil-Jona verpflichtet den Defensiv-Center Doug Gilmour – dessen erste NLA-Partie in die Geschichte eingeht.
1994 ist das Schweizer Eishockey noch so weit von der NHL entfernt wie die Erde vom Mond. Kein Schweizer hat jemals eine einzige Minute in der besten Eishockeyliga der Welt gespielt, das Nationalteam pendelt zwischen A- und B-WM. Doch als es in der NHL zu einem Lockout kommt, weil sich die Teambesitzer und die Spielergewerkschaft nicht über einen Gesamtarbeitsvertrag einigen können, schrumpft die Distanz. Der Mond wird für Schweizer Klubs plötzlich erreichbar: Mehrere engagieren einige der …