Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03370.jsonl.gz/1693

Let's go golfing!
Khaled Mohamed Khaled, wie der US-amerikanische DJ und Musikproduzent mit bürgerlichem Namen heisst, entdeckte das Golfspiel schon als Teenager. Zu sagen, er habe den Sport damals nicht besonders ernst genommen, wäre allerdings eine Untertreibung. Statt zu versuchen, den Ball ins Loch zu schlagen, waren er und sein bester Freund mehr damit beschäftigt, mit Golf-Carts über Bunker zu springen. «Wir waren verrückt», lacht er im Nachhinein.
Bis er dem Golf genügend Seriosität entgegenbrachte, um es immerhin zu Handicap 14 zu bringen, sollten mehr als zwei Jahrzehnte vergehen. In der Zwischenzeit war Khaled anderweitig beschäftigt: Er veröffentlichte insgesamt 13 Studioalben, die ihm über 130 Nominierungen für Musikpreise und 31 Auszeichnungen einbrachten, gründete sein eigenes Label, verdiente sich einen Stern auf Hollywoods «Walk of Fame» und baute ein regelrechtes Imperium auf. Der heute 47-Jährige gilt als einer der bestvernetzten und umtriebigsten Männer der Unterhaltungsbranche. Sein Vermögen wird auf rund 75 Millionen US-Dollar geschätzt.
Als Sohn palästinensischer Immigranten, die ihr Geld sieben Tage in der Woche auf Flohmärkten verdienen mussten, hatte Khaled schon früh den Ehrgeiz, seine Leidenschaft für R&B und Hip-Hop zum Beruf zu machen. Mitte der Neunzigerjahre zog er von seiner Heimatstadt New Orleans nach Miami, um als DJ beim College-Radio anzuheuern. Es dauerte nicht lange, bis 99 Jamz, der bekannteste Sender der Region, auf ihn aufmerksam wurde und ihm eine wöchentliche Show anbot. Wenig später kam er durch die Hip-Hop-Gruppe Terror Squad zu seinem ersten Engagement als Musikproduzent – der Grundstein für seine Karriere war gelegt.
Wer damit wenig anzufangen weiss, dem dürfte zumindest Will Smith ein Begriff sein: Mit dem Hollywood-Star nahm Khaled den Song «Friends Like Me» für die 2019er-Neuauflage des Disney-Klassikers «Aladdin» auf.
2006 veröffentlichte er als DJ Khaled sein Debütalbum. «Listennn… The Album» erreichte Platz 1 in den America Independent Charts; die Single «Holla at Me» schaffte es in die Billboard Hot 100. Der Nachfolger «We the Best» brachte mit «I’m So Hood» eine erste Top-20-Single hervor, aber der internationale Durchbruch kam erst drei Alben später im Jahr 2011 mit «We the Best Forever», und der endgültige Weltruhm 2020 mit dem dreifach mit Platin ausgezeichneten Hit «All I Do Is Win», den einst sogar Präsident Obama als Einzugsmusik nutzte. Sein jüngstes Album «God Did» von 2022 stieg auf Platz 1 der Billboard Charts ein und verschaffte dem Co-Sieger der Grammy Awards von 2019 fünf weitere Nominierungen beim renommiertesten aller Musikpreise.
Fat Joe, Kanye West, Lil Wayne, Akon, The Game, Usher, Drake, Rick Ross, Chris Brown, French Montana, Ludacris, Snoop Dogg, Beyoncé, Jay-Z, Nicki Minaj, John Legend, Rihanna – die Liste der Musikerinnen und Musiker, mit denen Khaled im Laufe der Jahre Kooperationen einging, liest sich wie das «Who is who» der R&B- und Hip-Hop-Szene. Wer damit wenig anzufangen weiss, dem dürfte zumindest Will Smith ein Begriff sein: Mit dem Hollywood-Star nahm Khaled den Song «Friends Like Me» für die 2019er-Neuauflage des Disney-Klassikers «Aladdin» auf.
Top News
golf.news.async-loader.error-message
Er selbst war auch schon mehrmals auf der Leinwand zu sehen: 2017 etwa in einer Nebenrolle in der Komödie «Pitch Perfect 3» und 2020 in der Action-Filmreihe «Bad Boys for Life». Damit nicht genug, veröffentlichte Khaled 2016 das Buch «The Keys: A Memoir» und schaffte es damit in die Bestsellerliste der «New York Times». Er beteiligte sich an der Miami-Style-Restaurantkette The Licking. Als leidenschaftlicher Sneaker-Sammler brachte er in Zusammenarbeit mit Nike eine eigene Turnschuhkollektion heraus. Und nachdem er sich 2017 durch den Kauf von Robbie Williams’ ehemaligem Haus in Los Angeles und einen weiteren Hauskauf in Miami eingehend mit Inneneinrichtungen beschäftigt hatte, begann er sogar mit dem Design von Möbelstücken, die unter dem Namen «We the Best Home» vertrieben werden. Die Maximen des multitalentierten Künstlers und gläubigen Muslims: harte Arbeit, positive Vibes und viel, viel Dankbarkeit. Anders als viele seiner Musikkollegen positionierte sich Khaled nie als drogenvernebelter, frauenaufreissender Gangster.
Entscheidend zu seinem Erfolg trug aber auch bei, dass er sich in den sozialen Medien stets zu inszenieren wusste – was uns wieder zum eigentlichen Thema zurückbringt, nämlich zu seiner Liebe zu Golf. Denn wenn man sich seine Internetbeiträge anschaut, kommt man leicht auf die Idee, dass der Musikmogul diese Tage wenig anderes im Kopf hat. Nicht nur, dass er sich mit Teenie-Idol Justin Bieber im Video zum gemeinsamen Song «Let it Go» auf einem Golfplatz tummelt: In zahlreichen YouTube-Clips ist Khaled privat als Golfer zu sehen. Und auch sein Instagram-Account, dem fast 35 Millionen Menschen folgen, ist voll von Golfinhalten. Bei jeder Gelegenheit, ja fast schon mantramässig lässt er dabei seinen Slogan verlauten: «Let’s go golfing!» Und gleich wird klar, dass ein Mann, der schon seine eigene Sneaker-Kollektion hat, nicht ohne eigenes Golf-Equipment auskommt: Auf jedem seiner von PXG bereitgestellten Schläger steht ein Wort oder Satz, der ihm etwas bedeutet – von «We the Best» bis hin zu den Namen seiner Söhne Asahd (6) und Aalam (3).
Wie die konservativeren Herrschaften wohl reagieren, wenn der bunte Vogel von einem Musiker in einem seiner vielen Rolls-Royces unter pumpenden Bässen vor dem Clubhaus vorfährt? Aber fast wichtiger noch: Meint er es im Gegensatz zu früher wirklich ernst? In auffällig vielen Clips präsentiert sich Khaled mit viel Humor als unbedarfter Spieler, der verzweifelt verschossene Bälle sucht oder die einfachsten Putts verfehlt. In dem 2022 von der PGA Tour veröffentlichten Video «DJ Khaled and the rules of Golf» macht er sich sogar über die offiziellen Spielregeln lustig. «Ich möchte klarstellen: Das ist für mich kein Witz», betont er jedoch in der Coverstory, die ihm die US-Zeitschrift «Golf Digest» im Mai 2023 widmete und die er in einem Instagram-Post als «Traum, der wahrgeworden ist» bezeichnete. Er habe erst vor zwei Jahren seine Leidenschaft fürs Golfen entdeckt, nachdem ihn die Pandemie zum Kürzertreten zwang und er keine Ausrede mehr gefunden habe, die Einladung seiner golfenden Nachbarn zu einem gemeinsamen Spiel abzulehnen. Doch seither lasse es ihn nicht mehr los.
Durch Golf sei er gelassener geworden und habe verstanden, dass man den Ball so spielen müsse, wie er liegt – sprichwörtlich. Und selbst mit seinem Glauben konnte er das Spiel in Einklang bringen: «Ich liebe Golf, weil es mich wie die Musik näher zu Gott bringt», sagt er. Es fühle sich so an, als würde er auf dem Golfplatz Alleinzeit mit Gott verbringen. Und anders als die schiere Anzahl von Golfbeiträgen auf seinen Social-Media-Kanälen befürchten lässt, bringt ihn die neu entdeckte Leidenschaft offenbar auch nicht von der Suche nach dem nächsten grossen Hit ab: «Wenn ich nach dem Golfen ins Studio gehe, habe ich einen klaren Kopf. Viele meiner Ideen zum neuen Album kamen mir, als ich auf dem Golfplatz war, über das Fairway spazierte und einfach nur meinen Gedanken nachhing.» Und so springe er jeden Morgen, wenn das Wetter schön sei, aus seinem Bett direkt auf den Balkon und posaune erst einmal «Let’s go golfing!» in die Welt hinaus.
Let’s go golfing! bedeutet, neun Löcher spielen, Cheeseburger essen, eine ausgedehnte Pause machen und dann die Runde fertig spielen.
Wie Khaled gegenüber der amerikanischen Wochenzeitschrift «People Magazine» verriet, gibt es allerdings einen Unterschied zwischen «Let’s go golfing!» und dem knapperen «Let’s golf!» Ersteres bedeutet, neun Löcher zu spielen, Cheeseburger zu essen, eine ausgedehnte Pause zu machen und dann die Runde fertigzuspielen. Manchmal – oder wie er sagt: «Leider» – erhalte er von Freunden aber auch die Aufforderung «Let’s golf!» Dann werde es für ihn unbequem. Dann müsse er kämpfen. Zu diesem Zweck hat der Musiker sogar eine spezielle Playlist erstellt: Während ihn vor lockeren Runden Bob Marleys grösste Reggae-Hits in Stimmung bringen, hört er sich vor ernsthaften Spielen entweder seine eigenen Songs oder die härteren Stücke von Jay-Z's Album «The Blueprint» an. Genau diese unbequemeren Partien sollen dem nur 1,69 Meter grossen 47-Jährigen aber geholfen haben, in den letzten Monaten sieben Kilo abzunehmen. «Ich hatte es schon mit Yoga versucht und war im Gym, aber das, was für mich am besten funktioniert, ist Golf», erzählt er. «Ich liebe das Spiel und ich liebe, was es mit meinem Körper macht, ohne dass ich dabei ans Gewichtverlieren denke.»
So oder so geht es Khaled beim Golfen vor allem um das Gemeinschaftserlebnis. Seine Familie, Ehefrau Nicole und die beiden Söhne, konnte er für den Sport bereits begeistern. Und an Freunden und Bekannten, die mit ihm eine Runde spielen wollen, mangelt es sowieso nicht: «Ich habe eine Milliarde Textnachrichten auf meinem Handy. Jeder möchte spielen – von Miami bis Schottland, von England bis Barbados, von Jamaica bis zu den Bahamas, von Kalifornien bis Vegas», sagt er ganz unbescheiden. Eine dieser Nachrichten soll sogar vom zweimaligen Major-Sieger John Daly stammen. Gut möglich, dass der rauchende, Bier trinkende Golfstar darin nicht «Let’s golf!» schrieb, sondern eher: «Let’s go golfing!»