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Den ganzen November über schneite es an jedem Wochenende, und das teils intensiv. Damit war der Grundstein gelegt für einen aus touristischer Sicht grossartigen Winter. Ende November lag im Norden oberhalb der Waldgrenze bereits 1 m Schnee, und auch der Dezember brachte dynamisches Wetter mit weiteren Schneefällen, dazu auch Stürme und wiederholt grosse Lawinengefahr (Stufe 4).
Im Januar fielen in hohen Lagen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee, so viel wie an gewissen Stationen nur alle 75 Jahre. Nebst vielfach grosser Lawinengefahr (Stufe 4) wurde am 9. Januar für ein kleines Gebiet im Wallis und am 22./23. Januar dann grossflächig die höchste Gefahrenstufe (5, sehr gross) prognostiziert. Es gingen viele grosse und mehrfach sehr grosse Lawinen ab, wobei das Wallis am stärksten betroffen war (vgl. Abbildung 1). Der feuchte Schnee in mittleren Lagen bremste die weiter oben trocken angerissenen Staublawinen auf dem Weg ins Tal, so dass keine Siedlungen betroffen waren. Teilweise wurden sie aber nur knapp verfehlt. Insgesamt bewährten sich die baulichen, raumplanerischen und organisatorischen Schutzmassnahmen gut, so dass in dieser Periode zwar Sachwerte, aber keine Personen Schaden nahmen.
Nach den Grossschneefällen vom Januar war die Lawinensituation günstig. In einer zweiwöchigen Kälteperiode Anfang Februar wurde die Schneeoberfläche aber in grosse, kantige Kristalle umgewandelt. Sobald diese eingeschneit wurden, stellten sie eine kritische Schwachschicht dar, in der Wintersportler noch längere Zeit Schneebrettlawinen auslösen konnten. Auch danach wurden immer wieder Schwachschichten eingeschneit und Lawinen durch Personen ausgelöst.
Gleitschneelawinen entstehen, wenn die Schneedecke am Übergang zum Boden feucht wird und auf glattem Gras oder Felsplatten abrutscht. Sie sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Diesen Winter waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen eine anhaltende Bedrohung, die leider auch zu zwei tödlichen Unfällen führte.
Nach drei mageren Jahren war 2017/18 zumindest in den Bergen ein «richtiger» Winter. Nach einem frühen Winterstart war vor allem der Januar sehr niederschlagsreich, aber auch rekordmässig warm. Während es in tiefen Lagen oft regnete, fielen in hohen Lagen enorme Schneemengen. In der Höhe erreichten die Schneehöhen in der zweiten Januarhälfte an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum. Bis Ende März blieben die Schneemengen in der Höhe stark überdurchschnittlich, danach nahmen sie im sehr warmen und trockenen April rasch ab. Über den ganzen Winter betrachtet, lag oberhalb von 1500 m etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Unterhalb von 1000 m lag hingegen nur knapp halb so viel Schnee wie üblich. Im Lawinenwinter 1998/99 wurden sehr grosse, maximale Schneehöhen erreicht. Wegen des schneearmen Winteranfangs blieben die über den ganzen Winter gemittelten Schneehöhen aber unter denen des aktuellen Winters.
Im Winter 2017/18 wurden die hohen Gefahrenstufen häufiger prognostiziert als im langjährigen Mittel. Die Stufe 4 (gross) wurde mit 3.4% dreimal so oft verwendet wie im Mittel der letzten 10 Jahre, die Stufe 5 (sehr gross) erstmals wieder grossflächig seit dem Lawinenwinter 1999.
Diesen Winter wurden dem SLF 361 Lawinen mit Personen- oder Sachschäden gemeldet. Im hydrologischen Jahr 2017/18 starben insgesamt 27 Personen in Lawinen, eine davon im Sommer (Juni). Dies ist mehr als der Durchschnitt der letzten 20 Jahre von 23 Opfern. Alle Lawinenopfer waren Wintersportler, die sich mit einer Ausnahme im ungesicherten Gelände aufhielten. Gut zwei Drittel der Personen (19) waren auf Touren unterwegs, sieben auf Variantenabfahrten und eine auf einem offenen Fussweg. Beim grössten Lawinenunfall des Winters wurden vier Personen von einer grossen Gleitschneelawine getötet. Es war dies der folgenschwerste Unfall mit einer Gleitschneelawine in den Aufzeichnungen des SLF.
Im Herbst 2017 waren West- und Nordwestlagen, im Frühling 2018 dann Südostanströmungen etwas häufiger als normal (Abbildung 2). Sonst waren die Strömungslagen gleich verteilt wie im langjährigen Mittel.
Im Winter 2017/18 wichen die Durchschnittstemperaturen der einzelnen Monate teils stark vom langjährigen Mittel ab, und das sowohl nach unten als auch nach oben. Auf den sehr sonnigen und überdurchschnittlich warmen Oktober folgten zwei in den Bergen etwas zu kalte Monate. Der Januar war der wärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864, der April der zweitwärmste. Dazwischen lagen zwei zu kalte Monate. Der Februar, und im Süden auch der März, gehörten zu den kältesten der letzten 30 Jahre. Insgesamt war der Hochwinter (Dezember bis Februar) gemäss MeteoSchweiz in den Bergen geringfügig kühler und im Flachland geringfügig wärmer als im Durchschnitt der Vergleichsperiode 1981 bis 2010. Abbildung 3 zeigt den Verlauf der Nullgradgrenze im Winter 2017/18 im Vergleich zum Durchschnitt der 15 Vorjahre.
Nach einem im Westen und im Süden extrem trockenen Herbst fiel im November wiederholt Niederschlag, so dass ab dem 6. November in den ganzen Schweizer Alpen eine Winterschneedecke lag. Im Dezember und besonders im Januar fiel verbreitet viel Niederschlag (Abbildung 4). Insgesamt waren bis am 23. Januar in hohen Lagen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee gefallen, wobei die grössten Mengen im sonst eher trockenen Wallis registriert wurden. An gewissen Stationen ist das so viel, wie nur alle 75 Jahre zu erwarten ist. In der zweiten Januarhälfte erreichte die Schneehöhe an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum.
Der weitere Verlauf des Winters verlief eher zu trocken, bis auf einen Grossschneefall Ende März. Nach diesem lagen auf 2000 m in fast allen Gebieten der Schweizer Alpen 2 bis 4 m Schnee. Damit waren die Schneehöhen vielerorts 1.5 bis 2-mal so hoch wie üblich. In tiefen Lagen dagegen erreichten die Schneehöhen über den ganzen Winter betrachtet nur knapp die Hälfte der üblichenWerte. Im trockenen und warmen April nahm die Schneehöhe schnell ab und lag Ende Monat vielerorts nur noch im Bereich des langjährigen Mittels.
Der Winter 2017/18 war oberhalb von rund 1500 m so schneereich wie schon lange nicht mehr (Abbildung 5). Über das ganze Winterhalbjahr betrachtet, also von November bis April, lag im Mittel etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Der Lawinenwinter 1998/99 erreichte wegen seinem schneearmen Winteranfang nicht ganz die Werte des aktuellen Winters. Unterhalb von 1000 m lag im Winter 2017/18 nur knapp halb so viel Schnee wie üblich.
Ein Vergleich der Lawinenaktivität des Winters 2017/18 mit allen Wintern seit Beginn der Berechnungen des Lawinenaktivitätsindexes im Winter 2001/02 zeigt Folgendes (Abbildung 6):
Wie bereits der April und Mai, waren auch alle Sommermonate viel zu warm, mit Temperatur- Spitzenplätzen zwischen dem zweiten und fünften Rang, bzw. je nach Region etwa dem 8. Rang im September. Als Folge davon war auch der Sommer der drittwärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz, nach 2003 und 2015.
Weil zudem in allen Monaten weniger Niederschlag fiel als üblich, schmolz der viele Schnee des Winters auch im Hochgebirge schnell dahin. Bereits im August waren die Berge weitestgehend ausgeapert, mit Ausnahme der Nordhänge an den höchsten Gipfeln.
Im Juni wurden dem SLF nur noch wenige Lawinen gemeldet. Darunter waren aber drei Lawinen mit Personenschäden, alle an Tagen mit einer Nullgradgrenze auf über 4000 m. Dabei verunglückte am 10. Juni eine Person tödlich.
Im weiteren Verlauf des Sommers war Lawinengefahr nur kurzzeitig nach Schneefällen im Hochgebirge ein Thema. Am 31. August und am 30. September wurden situationsbezogene Lawinenbulletins publiziert.
Im Folgenden wird die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2017/2018 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Periode von 1971 bis 2000 dargestellt. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau eingefärbt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz sowie den automatischen IMIS-Stationen (IMIS: Interkantonales Mess- und Informationssystem). Grossräumige Muster sind aussagekräftig, kleinräumige Muster oder Wertesprünge dagegen sollten nicht zu stark gewichtet werden. Zur zeitlichen Entwicklung siehe auch Abschnitt "Schneehöhenverlauf an ausgewählten Beobachterstationen".
Der Oktober 2017 war wärmer als normal und glänzte mit viel Sonne. Im Westen und im Süden war es regional der sonnigste Oktober seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz. Während des prächtigen Altweibersommers zur Monatsmitte lag die Nullgradgrenze meist im Hochgebirge, was für den Oktober ungewöhnlich hoch ist. Markante Kaltlufteinbrüche gab es am 6. und 23. Oktober. Vor allem im Norden und Osten fiel dabei auch Schnee, so dass es dort am Monatsende oberhalb von rund 2500m schon recht winterlich war (Abbildung 7). Im Westen und Süden dagegen war der Oktober extrem trocken, und die Berge entsprechend bis ins Hochgebirge meist schneefrei (Abbildung 8).
Den ganzen November über schneite es an jedem Wochenende, und das teils intensiv (Abbildung 4). Damit wurde der Grundstein gelegt für einen aus touristischer Sicht grossartigen Winter. Am ergiebigsten war der Schneefall des Nordstaus vom 11./12. November, während dem am Alpennordhang und im nördlichen Unterwallis 50 bis 80 cm Neuschnee fielen, lokal sogar bis über ein Meter. Vom Alpennordhang, wo die Altschneedecke vom Oktober an Nordhängen oberhalb von rund 2500m kantig aufgebaut und zusammenhängend war, wurden bereits einzelne grössere Lawinenabgänge gemeldet. Dabei ereignete sich der erste tödliche Lawinenunfall der Saison.
Ab dem 6. November lag in mittleren und hohen Lagen in allen Gebieten eine zusammenhängende Winterschneedecke. Bis Ende Monat war diese im Norden oberhalb der Waldgrenze auf einen Meter angewachsen. Über den ganzen Monat gesehen, waren die Schneehöhen im November in den Bergen des Alpennordhanges und des nördlichen Wallis überdurchschnittlich (blaue Farben in Abbildung 9/1), sonst verbreitet leicht unterdurchschnittlich. In tiefen Lagen lag viel weniger Schnee als üblich.
Nach einem meist sonnigen Monatsanfang fielen am 8. Dezember in den Urner und Glarner Alpen bis zu 70 cm Neuschnee. Ab dem 10. Dezember tobte über den Bergen und in den Tälern des Nordens ein Föhnsturm, bei dem an einzelnen Gipfeln noch nie gemessene Windgeschwindigkeiten erreicht wurden. So z.B. am Piz Martegnas (Savognin, GR) mit einer Böe von 196 km/h.
In einer ersten Phase fiel vom Morgen des 10. bis am Morgen des 11. Dezembers in grossen Teilen des Wallis ergiebig Schnee. Die herangeführte, feuchtwarme Luft konnte die darunterliegende, kältere Luft am Alpennordhang verdrängen, nicht aber aus den inneren Alpentälern. Die Folge waren sehr unterschiedliche Schneefallgrenzen. Während es am Alpennordhang bis auf über 2000 m regnete, schneite es im Wallis bis in die Talsohle. Dabei wurde in Sion am 11. Dezember mit 60 cm der mit Abstand grösste 1-Tages-Schneefall gemessen (Quelle: Blog von MeteoSchweiz). Er liegt nicht nur weit über dem bisherigen Rekord an dieser Station von 43 cm (gemessen am 22. November 1971), sondern auch deutlich über der bisher höchsten 2-Tages-Neuschneesumme von 52 cm (im Februar 1976). Tags darauf verlagerten sich die weiterhin intensiven Schneefälle in den Südosten der Schweiz.
Nach einer kurzen Beruhigung fielen vor und nach Monatsmitte im Westen und am östlichen Alpennordhang nochmals je 50 bis 80 cm Schnee. Danach war es bis an Weihnachten oft sonnig und mild. In einer Südstaulage fiel vom 26. bis 28. Dezember im Westen und im Süden rund ein halber Meter Neuschnee, in den letzten zwei Tagen des Jahres dann nochmals eine ähnliche Menge im Westen und Norden. Die Schneefallgrenze stieg am Schluss auf deutlich über 2000 m.
Insgesamt waren die Schneehöhen im Dezember am Alpenhauptkamm vom Oberwallis bis ins Oberengadin und im Flachland der Deutschschweiz unterdurchschnittlich (Abbildung 9/2), in allen anderen Gebieten überdurchschnittlich. Sogar viel mehr Schnee als üblich lag am östlichen Alpennordhang und als Folge der Schneefälle vom 11./12. Dezember auch in den Talsohlen des Wallis und Tessins.
Das neue Jahr startete extrem niederschlagsreich und mild, es wurde der wärmste Januar seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864. In der Höhe fielen sehr grosse Schneemengen:
Insgesamt waren bis am 23. Januar in hohen Lagen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee gefallen, wobei die grössten Mengen im sonst eher trockenen Wallis registriert wurden. An gewissen Stationen ist das so viel, wie nur alle 75 Jahre zu erwarten ist.
Im Vergleich mit der 30-tägigen Neuschneesumme im Januar/Februar 1999 sind das 60 bis 80% der damals am Alpennordhang gemessenen Neuschneesummen. In der zweiten Januarhälfte erreichte die Schneehöhe an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum. Für absolute Schneehöhen-Maxima reichte es in aller Regel aber nicht, diese werden in hohen Lagen meist deutlich später im Jahr registriert.
Auch wenn es ab dem 23. Januar im Wesentlichen trocken blieb, waren die Schneehöhen im Januar insgesamt in mittleren und hohen Lagen doch klar überdurchschnittlich, im Wallis sogar massiv überdurchschnittlich (Abbildung 9/3). In tiefen Lagen dagegen waren die Schneemengen stark unterdurchschnittlich. Wärme und Regen hatten den Schnee weggeschmolzen und es kam kaum neuer dazu.
Der Februar gehörte gemäss MeteoSchweiz in Berglagen zu den kältesten der letzten 30 Jahre. Am Alpensüdhang, im Wallis und in Graubünden war er zudem sehr trocken.
In einer längeren, trockenen Periode wurde die Schneeoberfläche Anfang Februar in grosse, kantige Kristalle umgewandelt. Auf diese schwache Schicht wurden die drei Schneefälle vom 11. bis 17. Februar abgelagert. Es entstand eine kritische Situation, bei der Wintersportler leicht Schneebrettlawinen auslösen konnten. Gegen Ende Monat brachte eine anhaltend kräftige Bisenströmung kontinentale Luft und eine Kältewelle.
In den Niederungen fiel den ganzen Februar über kaum Schnee. Damit zeigten die Schneehöhen das gleiche Bild wie bereits im Januar: in tiefen Lagen kein Schnee, in der Höhe dagegen durchwegs überdurchschnittlich und im Wallis sogar stark überdurchschnittlich viel Schnee (Abbildung 9/4).
Kalt und trüb, brachte der März keine Spur von Frühling. Mehrere schwache Schneefälle bescherten im Norden auch dem Flachland vorübergehend etwas Schnee, und mit den kräftigen Niederschlägen am Monatsende wurden in der Höhe leicht überdurchschnittliche Neuschneesummen registriert. Im Süden war es einer der kältesten Märzmonate der letzten 30 Jahre und es fiel 1.5 bis 2-mal so viel Niederschlag wie üblich. Die beiden grössten Niederschlagsereignisse waren:
Ohne Wärmeperiode und mit wenig Sonne blieben die Verhältnisse in den Bergen winterlich. Nasse Lawinen wurden vor allem mit dem Regen am 31. März beobachtet.
Ende März lagen auf 2000m in den ganzen Schweizer Alpen ausser dem mittleren und südlichen Tessin sowie Teilen des Engadins 2 bis 4 m Schnee. Damit waren die Schneehöhen vielerorts 1.5- bis 2-mal so hoch wie üblich. Auch über den ganzen März betrachtet waren die Schneehöhen in der Höhe über-, in tiefen Lagen dagegen verbreitet unterdurchschnittlich (Abbildung 9/5).
Der April 2018 bescherte der Schweiz viel Sonnenschein mit frühsommerlicher Wärme. Im landesweiten Mittel war es der zweitwärmste April seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864, auf dem Jungfraujoch der wärmste seit Beginn der dortigen Messungen im Jahre 1933. Vor allem in der Zentral- und Ostschweiz war der April zudem aussergewöhnlich trocken.
Die Schneeschmelze schritt rasch voran. In hohen Lagen nahm die Schneehöhe im April nördlich einer Linie Rhone-Rhein um mehr als einen Meter ab, südlich davon um knapp einen Meter. Bis Ende April hatte sich die Schneehöhe auch in hohen Lagen vielerorts dem langjährigen Mittel angenähert. Über den ganzen Monat betrachtet waren die Schneehöhen im Westen und Süden in der Höhe überdurchschnittlich, im Nordosten nur noch durchschnittlich. In tiefen Lagen waren sie im Westen durchschnittlich, in den übrigen Regionen unterdurchschnittlich (Abbildung 9/6).
Wie schon der Vormonat war auch der Mai aussergewöhnlich warm und, trotz anhaltender Gewittertätigkeit, in den meisten Gebieten niederschlagsarm. Die Schneehöhen nahmen weiterhin schnell ab. In hohen Lagen waren sie am Monatsende am zentralen und östlichen Alpennordhang, in Graubünden und im Tessin unterdurchschnittlich. Im Westen waren sie immer noch leicht überdurchschnittlich, in den Vispertälern sowie im Simplon Gebiet stark überdurchschnittlich. Dies war die Folge der in diesen Gebieten schon seit Januar extremen Schneemengen und von grösseren Schneefällen Anfangs und Mitte Mai.
Nach drei mageren Jahren war 2017/18 zumindest in den Bergen ein „richtiger“ Winter (Abbildung 5). Der Grossteil der höher gelegenen Messstationen wurde am 6. November eingeschneit. Nach diesem frühen Winterstart wuchsen die Schneehöhen vor allem im Westen und im Norden deutlich an. Der Januar war sehr niederschlagsreich, aber auch rekordmässig warm. Während es in tiefen Lagen oft regnete, fielen in hohen Lagen enorme Schneemengen. In der Höhe erreichten die Schneehöhen in der zweiten Januarhälfte an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum. Bis Ende März lag in hohen Lagen mit 2 bis 4 m immer noch 1.5- bis 2-mal so viel Schnee wie üblich. In den sehr warmen und trockenen Monaten April und Mai nahmen diese dann aber markant ab und erreichten überall ausser in den Vispertälern und im Simplon Gebiet normale Werte.
Über den ganzen Winter betrachtet (November bis April), lag oberhalb von 1500 m etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Unterhalb von 1000 m lag hingegen nur knapp halb so viel Schnee wie üblich. Trotz dieser Schneearmut in tiefen Lagen lag das über die ganze Schweiz gemittelte Schneewasseräquivalent von Mitte Dezember bis Ende April klar über dem Mittelwert der letzten 18 Jahre (Abbildung 10).
In den folgenden Grafiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jeden Tag dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2017 ist in der Grafik vermerkt. Die Beobachter messen in der Regel vom 1. November bis mindestens 30. April. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2017/18 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.
Am Alpennordhang fiel auch im Hochwinter wiederholt Regen bis über die Waldgrenze. Die Schneehöhenentwicklung wird deshalb anhand der Vergleichsstation Hasliberg (Abbildung 11) verfolgt, mit 1825m eine der höchstgelegenen, langjährigen Stationen am Alpennordhang. Allerdings erhielt auch diese Station, insbesondere im Januar, mehrmals Regen.
Beim Einschneien am 6. November stieg die Schneehöhe sogleich auf überdurchschnittliche Werte. Wiederholte Schneefälle liessen die Schneedecke ansteigen bis zu einer Spitze am 17. Dezember. Dieser Wert wurde erst am 19. Januar übertroffen, nicht zuletzt weil ein grosser Teil des Niederschlags vom 1. bis 4. Januar als Regen fiel. Auch am 22. Januar fiel zeitweise Regen, sodass die Schneehöhe trotz intensiver Niederschläge nur noch wenig anstieg. Die bereits mehrfach verregnete Schneedecke setzte sich in der Folge nur noch wenig, es kamen aber lange Zeit auch keine grösseren Schneefälle dazu. Erst an den Ostertagen führte ein intensiver Niederschlag zum Schneehöhenmaximum, welches mit 3 m exakt dem höchsten, bereits früher einmal an einem 1. April gemessenen Wert entspricht.
Kurz danach setzte die Schneeschmelze ein. Mit den hohen Temperaturen und praktisch ohne weitere Schneefälle erfolgte diese ungewöhnlich schnell, so dass die Schneehöhe bereits Anfang Mai unter den Durchschnitt fiel und die Station am 12. Mai, früher als üblich, ausgeapert war.
Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 187 Tagen. In dieser Zeit wurde an 89 Tagen Neuschnee gemessen. Die grösste Neuschneemenge fiel am 31. März mit 66 cm (Tabelle 1). Der maximale Wasserwert wurde denn auch Ende März mit 947 mm gemessen, gut einen Viertel mehr als im Durchschnitt der 48-jährigen Wasserwert-Messreihe.
Die Schneehöhenentwicklung im Wallis wird anhand der hoch gelegenen Messstation Kühboden (Fiesch, VS) aufgezeigt.
Wie an den meisten höher gelegenen Stationen schneite es auch im Kühboden am 6. November ein (Abbildung 12). Zunächst waren die Schneehöhen durchschnittlich, mit den Niederschlägen vom 8. bis 11. Dezember eine Zeit lang überdurchschnittlich. Im Unterwallis und insbesondere in dessen westlichstem Teil, waren die Schneefälle Anfang Winter ergiebiger und die Schneehöhen klar überdurchschnittlich.
Mit weiteren Schneefällen vom 28. Dezember bis 4. Januar, am 9. und vom 17. bis 23. Januar wurden die Schneehöhen auch im nördlichen Wallis stark überdurchschnittlich. Mit 274 cm wurde das Schneehöhenmaximum des Winters an der Station Kühboden bereits am 23. Januar erreicht. Dabei war Kühboden eine der wenigen Stationen, bei der sogar das Allzeit-Maximum gemessen wurde - allerdings bei einer Messreihe von nur 30 Jahren.
In der Folge verharrten die Schneehöhen im Wallis bis Mitte April auf konstant hohem Niveau. Dabei wurden immer wieder die höchsten Schneehöhen der entsprechenden Kalendertage registriert. Am 31. März erhielt vor allem das Oberwallis nochmals grössere Neuschneemengen. Die Schneeschmelze ab Mitte April führte zu einer kontinuierlichen und schnellen Abnahme der Schneehöhe. Ab der ersten Maihälfte waren die Schneehöhen an der Station Kühboden nur noch durchschnittlich, am 30. Mai war sie ausgeapert.
Eine durchgehende Winterschneedecke lag an der Station Kühboden während 205 Tagen. In dieser Zeit wurde an 95 Tagen Neuschnee gemessen, dabei 3-mal mehr als 50 cm (Tabelle 2). Der maximale Wasserwert wurde Mitte April mit 779 mm gemessen. Dieser Wert liegt um mehr als die Hälfte über dem Maximum eines durchschnittlichen Winters, und nur noch 21 mm unter dem Allzeit-Maximum der 29-jährigen Messreihe.
Wie im ganzen Wallis war der Winter 2017/18 auch in den Vispertälern aussergewöhnlich schneereich. Sie werden hier separat behandelt, weil hier zusätzlich zwei Südostanströmungen am 8./9. Januar und Anfangs Mai grosse Niederschläge brachten. Die Schneehöhenentwicklung wird anhand der langjährigen Vergleichsstation Saas Fee (Abbildung 13) verfolgt. Weil auf dieser Höhe der Niederschlag teils als Regen fiel, wird zusätzlich die höher gelegene, automatische IMIS-Schneestation Gornergratsee abgebildet (Abbildung 14). Diese weist allerdings eine Messreihe von erst 26 Jahren auf.
Wie im übrigen Wallis schneite es auch im eher südbeeinflussten Saas Fee am 6. November ein, doch blieb die Schneedecke längere Zeit bei wenigen Zentimetern. Richtig Winter wurde es erst Mitte Dezember. An der fast 3000 m hohen Station Gornergratsee waren die Schneemengen bereits im November grösser, aber bis Ende Jahr unterdurchschnittlich.
Ab dem 28. Dezember liessen mehrere Grossschneefälle die Schneehöhen stark ansteigen bis zur Spitze am 22. Januar. Dabei wurden bereits mit dem intensiven Schneefall vom 9. Januar an beiden Stationen die maximalen Schneehöhen des entsprechenden Kalendertages gemessen. In der Folge wurden an der hoch gelegenen, aber noch jungen Station Gornergratsee bis am 3. März und danach nochmals am 7./8. März neue Tagesrekorde gemessen. Am 22. Januar wurde mit 332 cm das absolute Maximum um lediglich 3 cm verfehlt. Auch im tiefer gelegenen Saas Fee wurde die grösste Schneehöhe des laufenden Winters am 22. Januar erreicht, doch lag diese mit 159 cm weit unter dem Allzeitmaximum dieser langjährigen Messstation. Immerhin wurden aber auch hier vom 21. bis 30. Januar neue Tagesmaxima registriert. Danach verharrte die Schneehöhe auf konstant hohem Niveau, bevor mit dem Schneefall vom 31. März nochmals für drei Tage die maximalen Schneehöhen der entsprechenden Kalendertage gemessen wurden.
Ab Mitte April setzte eine intensive Schmelze ein, so dass die Station Saas Fee bereits am 4. Mai ausaperte. In der Höhe dagegen fiel Anfang Mai nochmals Schnee und die Schneehöhen waren auch Ende Juni noch klar überdurchschnittlich.
Eine durchgehende Winterschneedecke lag in Saas Fee während 179 Tagen. In dieser Zeit wurde lediglich an 67 Tagen Neuschnee gemessen (37 %), dabei 3 Mal zwischen 20 und 30 cm und einmal über 30 cm (Tabelle 3). Mit 466 mm wurde an der Station Saas Fee Ende Februar der grösste, je gemessene Wasserwert erreicht, gut doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Jahr. Allerdings ist die Messreihe bei den Wasserwerten mit 46 Jahren etwas kürzer als bei den Schneehöhen.
Die Schneehöhenentwicklung in den hohen Lagen Nord- und Mittelbündens sowie des Unterengadins kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540m (Abbildung 19) verfolgt werden.
Nach einem durchschnittlichen Winterstart liessen ab Mitte Dezember mehrere Grossschneefälle die Schneehöhe stark ansteigen bis zur Spitze von 313 cm am 23. Januar. An insgesamt 14 Tagen, konkret am 5. und vom 21. bis 29. Januar sowie vom 2. bis 5. Februar wurden die maximalen Schneehöhen der entsprechenden Kalendertage registriert. Bis zur maximalen, je erreichten Schneehöhe fehlten aber noch 53 cm. Nach einer setzungsbedingten Abnahme der Schneehöhe stagnierte diese in der Folge über eine längere Zeit bei 2.5 bis 3 m und lag damit weiterhin klar über dem Durchschnitt. Ab Mitte April setzte eine intensive Schneeschmelze ein. Diese liess die Schneehöhe bereits Anfang Mai unter das langjährige Mittel fallen. Trotz des schneereichen Winters war die Station bereits am 21. Juni ausgeapert, deutlich früher als normal (7. Juli).
Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 242 Tagen. In dieser Zeit wurden an mehr als der Hälfte der Tage (127) Neuschnee gemessen, dabei 6 Mal über 30 cm (Tabelle 4). Der maximale Wasserwert lag mit 1063 mm über dem Durchschnitt der 82-jährigen Wasserwert-Messreihe von 847 mm, aber weit unter dem absoluten Maximum von 1447 mm des Winters 1944/45.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpensüdhang wird anhand der manuellen Messstation Robiei, 1890 m, beschrieben (Abbildung 16).
Im Süden war der Vorwinter schneearm, bevor Mitte Dezember durchschnittliche Werte erreicht wurden. Die Schneefälle im Januar waren vor allem im nordwestlichen Tessin ergiebig. Dort wurden teils maximale Schneehöhen für gewisse Kalendertage registriert, so auch in Robiei vom 22. bis 25. und am 27./28. Januar. Diese Schneehöhen lagen aber weit unter den maximalen, je gemessenen Schneehöhen, in Robiei z.B. bei nur wenig mehr als der Hälfte. Danach blieben die Schneehöhen bis Mitte April im nordwestlichen Tessin für lange Zeit überdurchschnittlich, in den anderen Gebieten im Durchschnitt oder leicht darüber. Ab Mitte April setze auch im Süden eine intensive Schneeschmelze ein. Am 28. Mai war die Station früher als üblich ausgeapert.
Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 203 Tagen. In dieser Zeit wurde nur an 89 Tagen Neuschnee gemessen (44 %), dabei 8-mal zwischen 30 und 50 cm und 3 Mal über 5 cm (Tabelle 5). Der maximale Wasserwert wurde Mitte April gemessen. Er lag mit 1212 mm um fast die Hälfte über dem Durchschnitt der 44-jährigen Wasserwert-Messreihe, aber weit unter dem absoluten Maximum von 2141 mm im Winter 1985/86.
Im Oberengadin und am östlichen Alpensüdhang war der Winter 2017/18 nicht ganz so schneereich wie in den anderen Regionen. Die Schneehöhenentwicklung wird anhand der manuellen Messstation Maloja, 1810 m, beschrieben (Abbildung 17).
Wie die meisten hochgelegenen Stationen wurde auch die Station Maloja am 6. November eingeschneit. Bis zum 10. Dezember blieben die Schneemengen aber bescheiden. Am 11./12. Januar wurden mit 21 und 56 cm der grösste Schneefall des Winters und von da an überdurchschnittliche Schneehöhen registriert. An anderen Stationen des betrachteten Gebietes waren diese Niederschläge nicht ganz so ergiebig und die Schneehöhen damit auch in der Folge nahe am langjährigen Mittelwert. Es folgten diverse weitere Schneefälle bis am 2. Februar, und dann wieder vom 8. März bis am 14. April. Erst danach nahm die Schneedecke rasch ab. Am 10. Mai war die Station ausgeapert.
Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 181 Tagen. In dieser Zeit wurde lediglich an 76 Tagen (42 %) Neuschnee gemessen (Tabelle 6). Der maximale Wasserwert wurde Mitte April erreicht. Er lag mit 604 mm um fast die Hälfte über dem Durchschnitt der 65-jährigen Wasserwert-Messreihe, aber klar unter dem absoluten Maximum von 762 mm im Winter 1959/60.
Der Schnee vom Spätherbst wurde kantig aufgebaut. Er wurde im November und Dezember überschneit und bildete zunächst eine ausgesprochen schwache Basis der Schneedecke (Abbildung 18 und 19). Lawinen lösten sich spontan, und auch Personen konnten leicht Lawinen auslösen. Dieses schwache Schneedeckenfundament war dafür verantwortlich, dass Wintersportler bereits im Dezember mehrfach vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt werden mussten.
Bereits im Verlaufe des Dezembers, vor allem dann aber mit den Grossschneefällen im Januar, wurde der schwache Profilfuss immer stärker überschneit und war damit durch Personen nicht mehr auslösbar. Mit zunehmender Schneehöhe verfestigte sich die Schneedecke immer stärker. In der Folge war die mächtige Altschneedecke ausgesprochen günstig aufgebaut. Allerdings wurden im Februar und im März vielerorts dünne Schwachschichten eingeschneit. Damit konnten trotz des sonst günstigen Schneedeckenaufbaus über längere Zeit Lawinen im oberflächennahen Altschnee ausgelöst werden. Am wenigsten Schnee lag im Engadin und in den Bündner Südtälern. Dort war die Schneedecke lockerer, und Lawinen konnten auch in tieferen Schichten des Altschnees ausgelöst werden.
In tiefen und mittleren Lagen führten Wärme und Regen schon im Hochwinter wiederholt zu einer Anfeuchtung der Schneedecke. Dies besonders am Alpennordhang. Danach war die Schneedecke verbreitet stabil. In hohen Lagen setzte die Durchnässung der Schneedecke erst im April ein, ging mit der grossen Wärme und dem sonnigen Wetter dann aber sehr rasch voran. In den meisten Gebieten war die Basis der Schneedecke recht stabil, so dass nasse Lawinen oft nur den oberen Teil der Schneedecke umfassten.
Im Norden, und besonders im Nordosten, lag oberhalb von rund 2500 m bereits im Oktober eine zusammenhängende Schneedecke, die in der Folge kantig aufgebaut und schwach wurde. Im Süden dagegen fiel der erste Schnee am 5. November bis ins Hochgebirge verbreitet auf den aperen Boden.
Am 10. November lag an der Schneeoberfläche verbreitet Oberflächenreif. Darauf fiel vom 11. bis 14. November mit teils stürmischem Wind genügend Schnee, um ein Schneebrett zu bilden. So war vor allem im Norden ein heikles Altschneeproblem entstanden (Abbildung 19), und es wurden bereits einzelne grossflächige Lawinenabgänge beobachtet.
In der Folge fiel vor allem im Norden immer wieder Schnee mit teils starkem Wind. Die Schneedecke war vom Wind geprägt. Im Norden wurde das schwache Schneedeckenfundament immer stärker überlagert. Die Schneedecke wurde dabei immer günstiger aufgebaut und Brüche in tieferen Schichten des Altschnees immer seltener. Die Gefahr ging mit der Zeit vor allem von den jeweils frisch abgelagerten Neu- und Triebschneeschichten aus.
Inneralpin und im Süden dagegen war die Schneedecke lange Zeit nur dünn und mit der Zeit auch aufbauend umgewandelt. Dies stellte ein schwaches Fundament dar für die grossen Neu- und Triebschneemengen vom 11./12. Dezember. Entsprechend gingen in diesen Gebieten viele Lawinen spontan ab oder sie wurden erfolgreich gesprengt (Abbildung 21).
Auf den 15. Dezember fiel im Westen und im Norden ergiebig Schnee. Tagsüber wurden bei schönstem Wetter sehr erfolgreich Lawinen gesprengt. Die Schwachschicht war aber nur kurzlebig und die Schneedecke stabilisierte sich in der Folge schnell. Im Westen und im Norden war die Schneedecke überdurchschnittlich mächtig, aber günstig aufgebaut.
Am 30. Dezember begann eine bis am 23. Januar andauernde Phase, in der im Wallis, am Alpennordhang und in grossen Teilen Graubündens in mehreren Ereignissen grosse Niederschlagsmengen fielen.
In der Nacht auf Silvester stieg die Schneefallgrenze im Norden auf 2000 bis 2300 m. Bis auf diese Höhe wurde die Schneeoberfläche zumindest oberflächlich nass (Abbildung 23), was sich längerfristig positiv auf deren Stabilität auswirkte. Im bisher eher schneearmen südlichen Oberwallis bildeten Neu- und Triebschnee auf der bodennahen Schwachschicht ein Schneebrett, was zur Lawinenperiode Nr. 4 führte (Abbildungen 22 und 35).
Vom 1. bis 4. Januar fielen oberhalb von rund 2200 m aussergewöhnliche Schneemengen. Insbesondere im Wallis, in Mittelbünden und im Unterengadin gingen viele grosse Lawinen nieder (siehe Lawinenperiode Nr. 5 und Abbildungen 25 und 35). Diese brachen oft im bodennahen Altschnee an. Auch Südhänge waren stark betroffen, vermutlich infolge einer ungünstigen Abfolge von kantigkörnigen Schwachschichten und Krusten. Am Alpennordhang mit seiner gut verfestigen Altschneedecke gingen nur wenige grosse, trockene Lawinen ab.
Unterhalb von rund 2000 m wechselten sich Schnee und Regen ab. Die Schneedecke wurde oberflächlich mehrmals durchnässt. Nass- und Gleitschneelawinen wurden beobachtet.
Kurz darauf folgte vom 6. bis 9. Januar eine weitere, viertägige Schneefallperiode, die den Vispertälern und dem südlichen Simplon Gebiet grosse Schneemengen brachte. In den Hauptniederschlagsgebieten gingen viele grosse und auch sehr grosse Lawinen ab, ebenfalls oft im Altschnee. Inzwischen waren die Schneemengen so gross, dass diverse Lawinen Sachschäden anrichteten (siehe Lawinenperiode Nr. 6 und Abbildung 35).
Nach diesen Niederschlägen war die Schneedecke im Norden günstig aufgebaut. Weiche Schichten aus kantigen Körnern, wie sie für Schwachschichten typisch sind, waren kaum vorhanden. Im Wallis waren solche potenziellen Schwachschichten zwar vorhanden, aber inzwischen bereits mächtig überlagert und damit nur noch schwer auslösbar. Im Süden und in weiten Teilen Graubündens war der Schneedeckenaufbau etwas weniger günstig. Die potenziellen Schwachschichten waren hier häufiger und zudem weniger stark überdeckt (Abbildungen 25 und 26).
In der Folge herrschte bis am 15. Januar meist sonniges Wetter. Dabei bildete sich verbreitet teils grosser Oberflächenreif (Abbildung 27) und die oberflächennahen Schichten wurden an Schattenhängen kantig aufgebaut und locker. Beides stellte eine potenzielle Schwachschicht dar für die folgenden Schneefälle.
Vom 15. bis 23. Januar führten extreme Neuschneemengen zu einer ausserordentlichen Lawinensituation. Die tiefen Schwachschichten von Anfang Winter waren, im Unterschied zu den Lawinenperioden von Anfang Januar, nur noch sehr vereinzelt störanfällig. Dafür war die Schneeoberfläche vom 15. Januar zumindest zu Beginn der Niederschlagsperiode eine deutliche Schwachschicht. Es ist davon auszugehen, dass die Lawinen am Anfang dieser Niederschlagsperiode meist dort anrissen. Die Lawinen vom 21. bis 23. Januar rissen zwar teils flächig, aber nicht immer so tiefgründig an, dass die Schneeoberfläche vom 15. Januar als Schwachschicht in Frage käme. Oft brachen sie wohl auch in kurzlebigen Schwachschichten innerhalb des Neu- und Triebschnees an. Eine detailliertere Beschreibung dieser Periode findet sich in Kapitel „Lawinenperiode vom 21. bis 23. Januar“.
Nach dem Ende der Schneefälle stabilisierte sich die Schneedecke sehr schnell, und es wurden auch in Schneedeckenuntersuchungen innerhalb der riesigen Neu- und Triebschneeschichten kaum noch ausgeprägte Schwachschichten gefunden. Es folgte eine Phase mit meist günstigen Lawinenverhältnissen. Allerdings wurde die Schneeoberfläche bei kalten Temperaturen und oft klaren Nächten aufbauend umgewandelt und locker (Abbildung 28).
Am 12. Februar wurden diese Schichten überschneit und stellten in der Folge eine langlebige Schwachschicht dar, in der Wintersportler leicht Lawinen auslösen konnten. Auch im weiteren Verlauf des Winters wurden mehrmals aufbauend umgewandelte Altschneeoberflächen oder Oberflächenreif eingeschneit, so dass oft ein oberflächennahes Altschneeproblem herrschte (Abbildung 29). Die mittleren und tiefen Schichten der Schneedecke dagegen waren in den meisten Gebieten gut verfestigt und stabil. Einzig im Süden und in Teilen Graubündens, und dort besonders vom Calancatal bis ins Oberengadin, war die Schneedecke dünner und auch in ihrem mittleren und unteren Teil etwas schwächer (Abbildung 30). Dies wirkte sich vorerst aber noch nicht aus.
Nach einer längeren, weitgehend trockenen Phase schneite es in Südbünden und im Oberengadin ab dem 8. März immer wieder (Abbildungen 16 und 17). Dort waren mächtige Schichten der Altschneedecke, teils sogar die gesamte Altschneedecke kantig aufgebaut und locker (Abbildung 29). Entsprechend rissen Lawinen tiefere Schichten der Schneedecke mit und erreichten teils grössere Ausmasse (Abbildung 31).
Vor dem Grossschneefall vom 31. März war die Schneedecke an Südhängen unterhalb von rund 2300 m durchgehend nass, an Nordhängen unterhalb von rund 1800 m (vgl. Abbildung 33). In Lagen darüber waren trockene Schwachschichten meist nur innerhalb des Neu- und Triebschnees vorhanden, im Wallis und in Graubünden teils auch im oberen Teil der Altschneedecke. Die anschliessende Erwärmung führte vom 5. bis 8. April zur ersten grossen Nassschneelawinenperiode.
In einer weiteren Wärmeperiode vom 17. bis 20. April stieg die Nullgradgrenze auf bis zu 3500 m. Dies führte zur ersten Anfeuchtung auch der hoch gelegenen Hänge und damit zu einer weiteren Periode mit nassen Lawinen. Dabei wurden vor allem im Engadin und in Mittelbünden Schwachschichten tief in der Altschneedecke aktiviert, was zwar nicht zu besonders vielen, aber teils grossen Lawinen führte.
Nachdem der Schnee in den meisten Hängen bereits einmal feucht war, stabilisierte sich die Schneedecke. Es wurden aber immer noch einzelne Gleitschneelawinen gemeldet. Bei den eher seltenen Niederschlägen konnten vor allem im Hochgebirge jeweils kurzzeitig Lawinen ausgelöst werden. Diese umfassten meist nur die oberflächennahen Schichten. Am Oberwalliser Alpenhauptkamm fielen Ende April und Anfang Mai nochmals grössere Schneemengen. Diese führten vorübergehend nochmals zu einer kritischen Lawinensituation mit teils flächigen, trockenen Lawinen.
Die mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK simulierten Schneeprofile an den automatischen Messstationen (Flachfelder) zeigen, ob potenzielle Schwachschichten in der Schneedecke vorhanden sind. Die Schweizer Alpen wurden dafür von Norden nach Süden in drei Grossregionen unterteilt: nördliche Gebiete, inneralpine Gebiete, südliche Gebiete. Für jede dieser Grossregionen wurde der Anteil an Profilen bestimmt, die solche potentielle Schwachschichten enthalten (Abbildung 32).
Der Grad der Durchfeuchtung wurde aus dem simulierten Wassergehalt der Schneedecke mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK ermittelt (jeweils nachmittags). Die Darstellung des Wassergehaltes wird in vier Klassen unterteilt: trocken, teilweise feucht, durchfeuchtet oder kein Schnee. Die Schneedecke gilt dabei als durchfeuchtet, wenn so viel Wasser in der simulierten Schneedecke vorhanden ist, dass im Mittel ein volumetrischer Wassergehalt von 3% erreicht oder überschritten ist.
Abbildung 33 zeigt den Wassergehalt der Schneedecke an Flachfeldern im zeitlichen Verlauf von Dezember 2017 bis April 2018. Auf Höhe der IMIS-Stationen, also oberhalb der Waldgrenze, war die Schneedecke im Dezember meist trocken. Nach einer leichten Anfeuchtung Anfangs Januar blieb der Schnee an den tiefen Stationen teils angefeuchtet. Die Durchnässung begann erst im April und schritt Mitte April ungewöhnlich schnell voran. Ende April war die Schneedecke an ein paar wenigen IMIS-Stationen feucht und an allen anderen nass.
2017/18 war ein lawinenreicher Winter. Dies zeigt der Lawinenaktivitätsindex, eine dimensionslose Grösse, mit der die Lawinenaktivität zwischen verschiedenen Wintern verglichen und innerhalb eines Winters die Lawinenperioden bestimmt werden können. Zu seiner Berechnung werden alle dem SLF gemeldeten Lawinen nach Grösse und Auslöseart gewichtet und aufsummiert.Weil besonders aus abgelegenen Gebieten oder bei schlechter Sicht längst nicht alle Lawinen gemeldet werden, ist die wahre Anzahl der Lawinen höher. Zur Berechnung des Lawinenaktivitätsindexes liegen Daten seit dem Winter 2001/02 vor.
Der Vergleich des Lawinenaktivitätsindexes mit den Wintern seit 2001/02 zeigt, dass 2017/18 ein aussergewöhnlich lawinenreicher Winter war (Abbildung 34):
Im Verlaufe des Winters 2017/18 (Abbildung 35), stechen sowohl der 4. als auch der 22./23. Januar heraus mit sehr vielen trockenen (blau), feuchten (orange) und nassen (rot) Lawinen. Die wichtigsten Lawinenperioden sind in der Abbildung nummeriert und werden nachfolgend beschrieben. Der Lawinenperiode vom 22./23. Januar (Periode Nr. 7) ist ein eigenes Kapitel gewidmet.
Vom 8. bis 12. Dezember führten stürmische Winde wiederholt feuchte Luft zu den Alpen, wodurch sich verschiedene grosse Schneefälle folgten. Am 8./9. Dezember schneite es mit Nordwestwind vor allem im Norden und Westen. In der Folge tobte im Norden ein Föhnsturm. Während imWallis sehr viel Neuschnee bis in die Talsohle fiel, regnete es am Alpennordhang bis auf über 2000 m. Anschliessend verlagerte sich der Niederschlagsschwerpunkt am 11./12. Dezember in das Tessin und das südliche Graubünden, wobei die Niederschläge mit den teils orkanartigen Winden weit nach Norden übergriffen. Insgesamt fielen vom 8. bis 12. Dezember oberhalb von rund 2200m folgende Schneemengen (Abbildung 36):
Im südlichen Wallis, in Mittelbünden, im Engadin und am Alpensüdhang lag vor diesem Ereignis erst wenig Schnee. Dieser war zumindest in windgeschützten Lagen aufbauend umgewandelt und stellte damit eine ungünstige Basis dar für den darauf abgelagerten Neu- und Triebschnee. In dieser Phase wurde insgesamt dreimal vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt:
Vor allem in den Gebieten mit schwachem Schneedeckenaufbau gingen viele Lawinen spontan ab (Abbildungen 37 und 38). In der Nacht auf den 12. Dezember wurden im Südosten viele Verkehrswege gesperrt. Tagsüber wurden in diesen Gebieten bei guter Sicht dann auch viele Lawinen erfolgreich gesprengt. Dabei wurden auch in den Niederschlags-Randgebieten (grün-blaue Gebiete in Abbildung 36) Kettenauslösungen vieler Schneebrettlawinen über grössere Distanzen beobachtet.
In der Nacht auf den 15. Dezember schneite es im Westen und am östlichen Alpennordhang intensiv, wobei die Schneefallgrenze von 1500m bis in tiefe Lagen sank. Zeitweise starker Westwind begleitete den Schneefall. Insgesamt fielen vom 13. bis 15. Dezember im nördlichen Wallis sowie in den zentralen und östlichen Voralpen 50 bis 80 cm Schnee, sonst weniger (Abbildung 39).
In den Hauptniederschlagsgebieten wurde für den 15. Dezember die Gefahrenstufe 4 (gross) herausgegeben. Trotz nicht allzu grossen Neuschneemengen wurde der 15. Dezember schweizweit zum viert aktivsten Lawinentag des Winters (Abbildungen 35 und 42). Dazu dürfte auch die tagsüber gute Sicht beigetragen haben. Diese erlaubte eine gute Beobachtung der abgegangenen Lawinen und wurde zudem von den Sicherungsdiensten zur künstlichen Lawinenauslösung genutzt. Dabei wurden vor allem im Wallis überraschend viele mittlere und grosse Lawinen ausgelöst.
Die Lawinen rissen teils flächig an, aber oft relativ oberflächennah (Abbildung 43). Damit kommen als Schwachschichten vor allem die Verbindungen zwischen den neueren Schneeschichten in Frage. Weil der obere Teil der Schneedecke kaum kantige Schneekristalle enthielt, war von kurzlebigen Schwachschichten auszugehen.
Dieser Abschnitt beschreibt keine kurzen Lawinenperiode, sondern die lange andauernde Gefahr von Gleitschneelawinen. Diese entstehen, wenn die Schneedecke am Übergang zum Boden feucht wird und auf glattem Gras oder Felsplatten abrutscht. Sie sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Im Winter 2017/18 waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen eine anhaltende Bedrohung, die leider auch zu zwei tödlichen Unfällen führte, darunter der folgenschwerste des Winters.
Nachdem Mitte Dezember regional auch in tiefen Lagen viel Schnee gefallen war, gingen auch in tiefen Lagen Gleitschneelawinen ab (Abbildung 42). Dies stellte vor allem in der Ostschweiz etliche Behörden auf die Probe, weil in ihren sonst nicht ernsthaft von Lawinen bedrohten Gebieten keine Lawinendienste existieren.
Nachdem an den beiden Tagen davor lokal bis zu 50 cm Schnee gefallen waren, gab es am 29. Dezember eine Niederschlagspause. Diese wurde für Sicherungsaktionen genutzt, doch waren die Sprengungen nur teilweise erfolgreich. Die mit stürmischem Wind entstandenen, harten Triebschneeansammlungen erwiesen sich oft als kaum noch auslösbar.
Am 30. Dezember fielen mit starkem bis stürmischem Westwind im Wallis 40 bis 70 cm Schnee, am übrigen nördlichen Alpenkamm 30 bis 50 cm. Die Schneefallgrenze stieg von tiefen Lagen auf 2300 m im Westen und 2000 m im Osten. Aufgrund der intensiven Schneefälle und der stark steigenden Schneefallgrenze war für das Wallis und grosse Teile des westlichen und zentralen Alpennordhangs die Gefahrenstufe 4 (gross) prognostiziert worden. Zusätzlich zu den spontanen Lawinen aus hohen Lagen, welche vereinzelt bis in die Täler vorstiessen (Abbildung 43), lösten sich unterhalb von rund 2200 m viele Nass- und Gleitschneelawinen. Exponierte Verkehrswege waren gebietsweise gefährdet. Aus den Gebieten mit einer schwachen Altschneedecke – dem südlichen Wallis, dem Oberwallis, aus Mittelbünden, dem Engadin und vom Alpensüdhang – wurden auch Lawinenauslösungen in bodennahen, schwachen Schichten der Schneedecke gemeldet. Im Wallis waren diese oft gross.
In der Nacht auf den 31. Dezember endeten die Niederschläge, und tagsüber wurde es in den Bergen sonnig. Die spontane Lawinenaktivität nahm deutlich ab. Für Schneesportler war die Situation weiterhin kritisch.
Vom 1. bis 4. Januar schneite es mehr oder weniger durchgehend, am Schluss ergiebig und intensiv. Die Schneefallgrenze schwankte innerhalb von 48 h zweimal zwischen tiefen Lagen und rund 2000 m. Begleitet wurden die Schneefälle von meist starkem Wind aus westlichen Richtungen. Am 3. Januar brachte das Sturmtief «Burglind» in den Bergen Windspitzen zwischen 140 und 180 km/h. Oberhalb von rund 2200 m fielen insgesamt folgende Schneemengen (Abbildung 44):
Oberhalb von rund 2200 m, wo der gesamte Niederschlag als Schnee fiel, waren die Neuschneemengen aussergewöhnlich hoch. So wurden am Morgen des 4. Januars an der Station Oberer Stelligletscher 83 cm und an der Station Triftchumme 81 cm gemessen. Das bedeutet Rang 1 bzw. Rang 4 in den jeweils 18-jährigen Messreihen.
Am 4. Januar waren die Schneehöhen verbreitet überdurchschnittlich. In grossen Teilen des westlichen und östlichen Alpennordhanges sowie im Wallis, am zentralen Alpenhauptkamm sowie in Nord- und Mittelbünden und im Unterengadin lag doppelt so viel Schnee wie normalerweise Anfang Januar. Neun IMIS und drei SLF-Beobachterstationen mit jeweils mehr als 20-jähriger Messreihe verzeichneten neue Schneehöhenrekorde für den Kalendertag.
Ab dem 2. Januar spitzte sich die Lawinensituation im Westen und Norden laufend zu. Mit viel Neuschnee und Sturm entstanden umfangreiche Triebschneeansammlungen. Ab dem Morgen des 3. Januars herrschte gebietsweise im Westen, an den beiden folgenden Tagen dann verbreitet die Gefahrenstufe 4 (gross). So grossflächig wird die Gefahrenstufe 4 im Durchschnitt nur einmal pro Winter verwendet.
Mehrere Strassen- oder Bahnabschnitte wurden infolge Lawinengefahr gesperrt. Insbesondere im Wallis, in Mittelbünden und im Unterengadin gingen viele grosse Lawinen nieder (Abbildungen 45 und 46). In diesen Gebieten war die Kombination der Überlast vom Neuschnee bzw. vom Regen und von der teils noch eher schwachen Altschneedecke am ungünstigsten. Am Alpennordhang war die Altschneedecke bereits so gut verfestigt, dass deutlich weniger grosse Lawinen abgingen. Dort wurden vor allem unterhalb von rund 2000 m Nass- und Gleitschneelawinen beobachtet. Betrachtet man nur die Lawinenmeldungen der Beobachter (ohne Kartierung durch Satellitenaufnahmen), so war der 4. Januar der aktivste Lawinentag des Winters und zugleich der zweit aktivste seit Beginn der Berechnungen des Lawinenaktivitätsindexes im Winter 2001/02. Trotz dieser grossen Lawinenaktivität waren nur vereinzelte Sachschäden zu verzeichnen.
Günstiger war die Situation einzig ganz im Süden, wo es praktisch trocken blieb und die Hauptgefahr von den frischen Triebschneeansammlungen ausging, die mit teils starkem Wind entstanden waren.
Bereits am 6. Januar setzte im Süden wieder Niederschlag ein. Bis Abend des 7. Januars fielen im Simplon Gebiet und im Bedrettotal rund 50 cm Schnee. Die Schneefallgrenze lag dabei bei 1500 bis 1800 m.
Am 8. und in der Nacht auf den 9. Januar griffen dann die Niederschläge weiter ins Wallis über und wurden deutlich intensiver. Dabei fielen zeitweise 10 cm Schnee pro Stunde, was nur selten beobachtet wird. Die Schneefallgrenze sank von 1500 bis 1800 m im Laufe des Niederschlags auf etwa 1300 bis 1600 m.
In diesen vier Tagen fielen in den Hauptniederschlagsgebieten in den südlichen Vispertälern und im südlichen Simplongebiet bis zu 2 m Schnee (Abbildung 47). Weil zudem der letzte Grossschneefall im Wallis erst wenige Tage alt war, stieg die Lawinengefahr markant an. Für den 9. Januar wurde in den Vispertälern und im südlichen Simplongebiet die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) herausgegeben. Die höchste Gefahrenstufe war letztmals im Jahr 2008 verwendet worden. Im Norden fiel kaum Schnee, so dass dort die Lawinengefahr abnahm.
In hohen Lagen waren die 3-, 5- und 7- Tages-Neuschneesummen sowohl vom 1. bis 5. als auch vom 6. bis 9. Januar zwar sehr gross, aber keine Rekorde. Anders sah es für die 12-Tages-Neuschneesumme aus. Nachdem es seit dem 30. Dezember fast jeden Tag geschneit hatte, lagen diese in den Hauptniederschlagsgebieten bei 3.5 bis 5 m. Damit lagen sie an den Stationen im Mattertal klar auf Rang 1 (Tabelle 7). Im Simplon Gebiet dagegen hatten die beiden Stationen Wenghorn (SPN3) und Bortelsee (BOR2) schon Ereignisse mit rund 20-30 % grösseren Werten erlebt. Im Saastal, welches zwischen dem Mattertal und dem Simplon Gebiet liegt, fielen die Neuschneesummen vergleichsweise klein aus. Hier waren die Stationen vom Wind beeinflusst, und auf dem Messfeld Egginer (4EG) oberhalb von Saas Fee konnte in diesen Tagen nicht gemessen werden.
Ein Vergleich mit den maximal gemessenen 12-Tages-Neuschneesummen am Alpennordhang zeigt ähnlich grosse Werte. So wurden im Februar 1999 an der Station Gadmen (GAD2) im Sustengebiet 12-Tages Neuschneesummen von 509 cm und an der Vergleichsstation Elm (3EL) von 452 cm gemessen.
Die grösste Lawinenaktivität herrschte in den Vispertälern vom Nachmittag des 8. bis in die Nacht auf den 9. Januar (Abbildung 48). Vor allem aus Ost- und Nordhängen, seltener aus Westhängen, gingen viele grosse und teils auch sehr grosse Lawinen nieder. Im Unterschied zu 1999 erreichten diese wegen des nassen Schnees den Talboden nicht als Staublawinen. Die Auslaufstrecken waren aber teils gross, und so entstanden etlichen Sachschäden (Abbildung 49).
Vom 21. bis 23. Januar erlebten die Schweizer Alpen die grösste dreitägige Lawinenperiode seit dem Lawinenwinter 1999. Schon seit dem 15. Januar schneite es anhaltend und am Schluss sehr intensiv. Dabei wurden in der Höhe teils Rekordschneehöhen erreicht. Anhaltend starker bis stürmischer Westwind und ein Anstieg der Schneefallgrenze auf 2000 m führten zu einer ausserordentlichen Lawinensituation mit sehr grosser Lawinengefahr (Stufe 5). Es gingen viele grosse, gebietsweise auch sehr grosse spontane Lawinen nieder. Dies führte vielerorts zu Sachschäden. Die Bewohner der Alpentäler und die Gäste selbst blieben aber verschont. Der Lawinenschutz hatte sich bewährt.
Diese aktivste Lawinenperiode des Winters wird im Kapitel „Lawinenperiode vom 21. bis 23. Januar“ im Detail beschrieben.
In der Nacht auf den 30. März setzten im Süden Niederschläge ein, die sich in der Nacht auf den 31. März intensivierten und in einer Gegenstromlage auch auf den Norden übergriffen. In der intensivsten Phase fiel in den zentralen Gebieten des Alpennordhanges vom Brienzersee bis ins Muotatal 50 bis 80 cm Schnee in 12 Stunden. Der Südwind blies im Süden und in der Höhe stark. Am 1. April fiel dann im Norden und Westen verbreitet Niederschlag mit mässigem bis starkem Nordwestwind. Insgesamt fielen bis am Morgen des 1. Aprils von den Haslitälern bis in die Schwyzer Alpen, in den Urner Alpen und im Gotthardgebiet 80 bis 120 cm Schnee (Abbildung 52). Nach Westen und Osten nahmen die Neuschneemengen deutlich ab. Die Schneefallgrenze sank von 1800 m in tiefe Lagen.
Die Schneedecke war an Südhängen unterhalb von rund 2300 m durchnässt, an Nordhängen unterhalb von rund 1800 m. Darüber lagen trockene Schwachschichten innerhalb des Neu- und Triebschnees, vor allem im Wallis und in Graubünden teils aber auch im oberen Teil der Altschneedecke.
Diese komplexe Situation am Übergang vom Winter zum Frühling, kombiniert mit viel Wind und starken Niederschlägen, führte zu vielen nassen und trockenen Lawinen. Diese erreichten oft mittlere, teils aber auch gross Ausmasse. In den schneeärmeren, südlicheren Gebieten rissen die Lawinen teils bis in bodennahe Schichten durch (Abbildung 51). In den Hauptniederschlagsgebieten rissen die Lawinen in ihrer Sturzbahn oft viel nassen Schnee mit und stiessen teils bis in die Täler vor.
Bis am Morgen des 5. April fielen ganz im Westen 20 bis 40 cm Schnee, im Süden 15 bis 30 cm. Nach einer bedeckten Nacht herrschte tagsüber typisches Aprilwetter mit sonnigen Abschnitten und Quellwolken. Auch wenn es mit etwa 0 °C auf 2000 m nicht sonderlich warm war, führten die Sonneneinstrahlung und die feuchte Luft zu einer hohen Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen.
Vom 6. bis 8. April lag die Nullgradgrenze im Norden bei etwa 3000 m (Abbildung 52), und auf 2000 m wurden am 7./8. April in den Föhngebieten Tageshöchsttemperaturen von bis zu 12 Grad gemessen. Nach einer etwas kleineren Lawinenaktivität am 6. April, erreichte diese am 7./8. wieder hohe Werte. Aufgrund der grossen Schneemengen wurden die Lawinen teils gross (Abbildung 53), verursachten aber nur wenige Schäden.
Nach einer teils bewölkten Nacht auf den 17. April stellte sich Hochdruckwetter mit sonnigen Tagen und klaren Nächten ein. Es wurde frühsommerlich warm mit einer Nullgradgrenze auf bis zu 3500 m. Am Morgen waren die Lawinenverhältnisse recht günstig. Im Tagesverlauf stieg die Gefahr von Nassund Gleitschneelawinen jeweils markant an. Mit ihrer ersten Anfeuchtung wurde die Schneedecke an Nordhängen in einem Höhenband von ca. 2200 bis 2600 m geschwächt. Dabei wurden besonders im Engadin und in Mittelbünden auch einzelne grosse Schneebrettlawinen beobachtet (Abbildung 54). An steilen Ost-, Süd- und Westhängen war die Durchfeuchtung bereits bis in grössere Höhen fortgeschritten. Dort brachen nasse Lawinen bis in Höhenlagen von 3000 m an, wobei Südhänge teils grossflächig entladen wurden. Einige Lawinen verursachten Sachschäden an Verkehrswegen.
Trotz des weiter anhaltenden, warmen Wetters gingen mit der Zeit immer weniger Lawinen pro Tag ab. Aufgrund der verbreitet mächtigen Schneedecke waren diese vereinzelt aber beeindruckend gross.
Während des hydrologischen Jahres 2017/2018 wurden 200 Lawinenbulletins veröffentlicht (Abendausgaben), vom 10.11.2017 bis am 07.05.2018 täglich (Tabelle 8). Die 177 Bulletins vom 11.11.2017 bis am 06.05.2018 enthielten eine Gefahrenkarte, alle anderen wurden im Textformat verfasst. In der Hauptsaison wurde vom 9. Dezember bis am 15. April jeweils zusätzlich um 8 Uhr ein Morgenbulletin herausgegeben, ebenfalls mit Gefahrenkarte.
Bereits Mitte November herrschte in den Schweizer Alpen während 5 Tagen verbreitet Gefahrenstufe 3 (erheblich). Danach entspannte sich die Situation. Ab dem 8. Dezember liessen verschiedene Schneefälle die Lawinengefahr erneut ansteigen (Abbildung 55). Bis am 25. Januar lag sie oft und verbreitet auf Stufe 3 (erheblich). Mit der anfangs noch schwachen Schneedecke wurde ab dem 9. Dezember wiederholt die Stufe 4 (gross) erreicht. Meist waren davon nur kleinere Gebiete und dort vor allem Wintersportler im freien Gelände betroffen. Am 4./5. Januar wurde die Gefahrenstufe 4 dann erstmals in diesem Winter grossflächig prognostiziert, wobei dieses Mal auch Verkehrswege verbreitet gefährdet waren. Im Wesentlichen davon betroffen waren der gesamte Alpennordhang ohne die Voralpen, das Wallis und grosse Teile Graubündens.
Während sich in der Folge die Situation im Norden etwas entspannte, erhielt das südliche Oberwallis nochmals viel Schnee, so dass für die Vispertäler und das Simplon Gebiet am 9. Januar die höchste Gefahrenstufe 5 (sehr gross) prognostiziert wurde.
Nach einer nur kurzen Beruhigung folgten intensive Schneefälle und damit ab dem 16. Januar wiederum oft grosse Lawinengefahr (Stufe 4), am Ende der Periode am 22. Januar sogar grossflächig sehr grosse Lawinengefahr (Stufe 5). Nach dem Ende der Schneefälle in der Nacht konnte die Lawinengefahr am Morgen des 23. Januars bereits zurückgestuft werden. Die Lawinengefahr nahm in der Folge rasch ab, und schon am Abend des 23. Januars wurde nur noch vor Gefahrenstufe 3 (erheblich) gewarnt. Die Lawinensituation wurde in der Folge zunehmend günstig.
Ab dem 12. Februar wurden wiederholt langlebige Schwachschichten eingeschneit. Auch wenn vergleichsweise wenig Schnee fiel und die tieferen Schichten der Schneedecke weitgehend stabil waren, führte dies trotzdem zu einer teils mässigen, oft aber auch erheblichen Lawinengefahr (Stufen 2 und 3).
Da der März kalt war, setzte die Durchfeuchtung der Schneedecke erst spät ein. Deshalb wurde erst am 4. April mit der ersten Doppelkarte vor einem Anstieg der Lawinengefahr im Tagesverlauf gewarnt. Mitte April erst folgte die erste längere Periode des Winters mit grossflächig geringer Gefahr (Stufe 1) von trockenen Lawinen.
Insgesamt wurde an 2.5 Tagen die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) prognostiziert. Die Stufe 4 (gross) wurde an 22 Tagen verwendet. An einem einzigen dieser Tage, dem 18. April, wurde die Stufe 4 in der Doppelkarte für nasse Lawinen im Tagesverlauf verwendet. Im Nachhinein war die Lawinenaktivität an diesem Tag dann aber kleiner als erwartet, so dass die Stufe 3 (erheblich) ausgereicht hätte.
Im Winter 2017/18 wurden die hohen Gefahrenstufen für die Alpen häufiger prognostiziert als im langjährigen Mittel (Abbildungen 56 und 57). Die Stufe 4 (gross) wurde mit 3.8% dreieinhalbmal so oft verwendet wie im Mittel der letzten 10 Jahre (1.1 %). Die Stufe 5 (sehr gross) wurde grossflächig an 1.5 Tagen und einmal kleinräumig prognostiziert. Sie war seit 2008 nicht mehr verwendet worden, und auch damals nur für ein kleines Gebiet. Zum letzten Mal grossflächig prognostiziert wurde die Stufe 5 im Lawinenwinter 1999, damals aber über eine längere Zeitspanne. Günstige Situationen mit Gefahrenstufe 1 (gering) dagegen waren mit 12% deutlich seltener als im langjährigen Mittel (21 %).
Bis zum Winter 2016/17 wurde für den Jura nur ein Lawinenbulletin herausgegeben, wenn dort mindestens eine erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) herrschte. Seit dem Winter 2017/18 wird der Jura, eine genügende Schneelage vorausgesetzt, in jedem Lawinenbulletin eingeschätzt. Er wird damit gleich behandelt wie die Schweizer Alpen und Liechtenstein. Für diese Erweiterung des Lawinenbulletins wurden die drei vom SLF bisher benutzten, grossen Regionen aufgeteilt in die 18 Jura-Warnregionen von MeteoSchweiz und BAFU. Eingeschätzt werden im Lawinenbulletin normalerweise aber nur die 12 Warnregionen, die Erhebungen von mindestens 1000 m Meereshöhe enthalten.
Wegen der kleineren Meereshöhen wurde im Jura in zwei Drittel der Fälle die Gefahrenstufe 1 (gering) prognostiziert, in den Alpen gerade mal in jedem achten Fall. Die hohen Stufen (4, gross und 5, sehr gross) wurden im Jura nicht verwendet. Weil vom Gelände her kaum grosse Lawinen möglich sind, ist im Jura generell nicht mit einer Anwendung der Stufen 4 und 5 zu rechnen. Wegen dieser Unterschiede erfolgt die Auswertung der verwendeten Gefahrenstufen ab diesem Winterbericht jeweils separat für die Alpen (Abbildungen 55 bis 57) und den Jura (Abbildungen 58 und 59). Im Winter 2017/18 wurde im Jura die Gefahrenstufe nur an 10 Tagen regional differenziert.
Die Lawinengefahrenstufen sind europäisch normiert, wobei die wenig detaillierte Definition der Gefahrenstufen einen grossen Interpretationsspielraum zulassen. Zudem lässt sich die reale Lawinengefahr in der Regel nicht exakt messen. Die Verwendung der Gefahrenstufe durch die Lawinenwarndienste ist deshalb trotz der einheitlichen Skala immer auch etwas subjektiv geprägt.
Mit dem Ziel eines möglichst gleichmässigen Einsatzes der Gefahrenstufen, sowohl über die Zeit als auch durch die verschiedenen Lawinenwarndienste, wurde deren Verwendung statistisch untersucht. Für die Schweiz zeigte sich dabei folgendes:
Weil sich diese Unterschiede nicht schneeklimatologisch erklären lassen, gründen sie in einer unterschiedlichen Interpretation der Gefahrenstufen. Im Zuge der angestrebten Harmonisierung versucht die Lawinenwarnung am SLF deshalb seit 2017/18, die Gefahrenstufe 4 (gross) etwas häufiger zu verwenden als in den Jahren davor. Damit soll auch die heute sehr grosse Breite der Stufe 3 (erheblich) etwas reduziert werden. Gleichzeitig ist es das Ziel anderer Länder, die Stufe 4 etwas weniger häufig zu verwenden.
Inwieweit diese Harmonisierung gelingt, kann nach dem ersten Jahr noch nicht beurteilt werden. Im Winter 2017/18 wurde in der Schweiz die Stufe 4 mit 3.8 % zwar tatsächlich weit häufiger verwendet als üblich, doch ist das in einem Winter mit diversen Grossschneefällen ohnehin zu erwarten.
Die Verwendung der 5 typischen Lawinenprobleme im Lawinenbulletin ist in Tabelle 9 und in Abbildung 62 dargestellt. Bei (mehrheitlich) günstigen Lawinensituationen kann die Gefahr manchmal nicht klar den typischen Lawinenproblemen zugeordnet werden. In diesen Fällen wurde bis zum Winter 2016/17 das typische Lawinenproblem ersetzt durch „günstige Situation“. Auf Empfehlung der EAWS wurde ab dem Winter 2017/18 auf „günstige Situation“ verzichtet, und stattdessen in solchen Fällen das typische Lawinenproblem weggelassen. Im Winter 2017/18 war das vor allem im Jura oft der Fall.
Das Neuschneeproblem wurde in den Schweizer Alpen inkl. Liechtenstein mit 27 % am wenigsten verwendet, in den niederschlagsarmen inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens noch etwas seltener als in den übrigen Gebieten. Deutlich seltener wurde das Neuschneeproblem in den Voralpen verwendet, weil dort der Niederschlag an gewissen Tagen als Regen fiel.
Im Jura wurde das Neuschneemuster fast nie verwendet (0.7 %). Weil der Neuschnee meist mit starkem oder stürmischem Wind fiel, war dort auch bei Neuschnee meist das Triebschneeproblem dominant.
Mit 82 % in den Alpen und 42 % im Jura wurde das Triebschneeproblem am meisten verwendet. Weil es bei einer so häufigen Verwendung wenig spezifisch ist, sucht die Lawinenwarnung nach Möglichkeiten, es in Zukunft etwas weniger oft einzusetzen.
Obwohl im Jura oft kräftige Winde bliesen, wurde dort nur halb so oft vor Triebschnee gewarnt als in den Alpen. Oft fehlte es an verfrachtbarem Schnee, nachdem die Schneedecke von Regen oder Wärme durchnässt worden war.
In den Alpen wurde an der Hälfte der Tage vor einem Altschneeproblem gewarnt, im Jura nur an 2 % der Tage. Für das Altschneeproblem verantwortlich waren bis im Dezember vor allem bodennahen Schwachschichten, ab Februar dann vor allem Schwachschichten im oberen Teil der Schneedecke. Wie üblich wurde es in den inneralpinen Gebieten am häufigsten verwendet. Dabei war das Wallis mit seinen stark überdurchschnittlichen Schneehöhen etwas weniger betroffen als Graubünden. Unüblich lange vorhanden war das Altschneeproblem dieses Jahr im Süden. Am Alpennordhang und im Jura dagegen hatten teils stürmische Winde und wiederholte Wärmeeinbrüche die Schneedecke besser stabilisiert.
Nasse Lawinen waren mit 35 % in den Alpen und 27 % im Jura das am zweitwenigsten verwendete Lawinenproblem. Die räumliche Verteilung war recht ausgeglichen, auch wenn die Alpen nördlich einer Linie Rhone – Rhein tendenziell etwas häufiger betroffen waren als die anderen Gebiete.
Gleitschneelawinen sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Diesen Winter waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen vor allem nördlich einer Linie Rhone – Rhein, im westlichsten Unterwallis und im Prättigau eine anhaltende Bedrohung. Dies äussert sich in 59 % Erwähnungen in den Alpen bzw. 23 % im Jura. In den meisten Fällen wurde vor Gleitschneelawinen nicht als Hauptgefahr, sondern als „Weitere Gefahr“ gewarnt.
Alle Sommermonate waren zu trocken und viel zu warm, mit Temperatur-Spitzenplätzen zwischen dem zweiten und fünften Rang, bzw. etwa dem 8. Rang im September. Als Folge davon war auch der Sommer der drittwärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz, nach 2003 und 2015. Zudem waren alle Sommermonate zu trocken. Der viele Schnee des Winters schmolz auch im Hochgebirge schnell dahin, übrig blieben bald nur noch die grossen Lawinenablagerungen (Abbildung 61). Bereits im August waren die Berge weitestgehend ausgeapert, mit Ausnahme der Nordhänge an den höchsten Gipfeln.
Kaltlufteinbrüche mit bedeutenden Niederschlägen waren in diesem Sommer nur selten (Abbildung 62). Die wichtigsten Perioden mit erhöhter Lawinengefahr sind nachfolgend aufgelistet.
Im Juni war es oft sonnig und warm. Die Lawinengefahr ging vor allem noch vom Nassschnee aus, doch wurden dem SLF nur noch wenige Lawinen gemeldet. Leider waren dabei auch drei Lawinen mit Personenschäden, alle an Tagen mit einer Nullgradgrenze auf über 4000 m. Eine dieser Lawinen forderte am 10. Juni ein Todesopfer an der Lenzspitze Nordostwand.
Bei oft flacher Druckverteilung gewitterte es immer wieder, lokal auch heftig. Nach zwei eher trüben und teils nassen Tagen zog in der Nacht auf den 13. Juni eine Kaltfront über die Alpen. Vom 11. bis 13. Juni fielen insgesamt bis zu 60 mm Regen, bzw. 60 cm Schnee oberhalb von 3500 m. Auch wenn die Kriterien für ein situationsbezogenes Sommer- Lawinenbulletin nicht erreicht wurden, war damit an den höchsten Gipfeln die Lawinengefahr zu beachten.
Der Juli und der August waren überwiegend sonnig und heiss. Die Nullgradgrenze lag konstant über 3000 m, teils sogar auf rund 5000 m. Um den 5., sowie am 15. und 20. Juli fielen gebietsweise jeweils etwa 30 cm Neuschnee. Das aber erst oberhalb von rund 3500 m. Erst am 24./25. August liess eine Kaltfront die Schneefallgrenze auf 2000 m sinken. Sie brachte mit 10 bis 20 mm aber nur wenig Niederschlag. Vom 31. August bis am 1. September fielen im Osten verbreitet 40 bis 60 mm Regen, im Hochgebirge ebenso viele Zentimeter Schnee. Am meisten Schnee fiel in den Gipfellagen des Berninagebiets mit etwa 80 cm. Im ersten Lawinenbulletin des Sommers wurde vor kritischen Lawinenverhältnissen im Hochgebirge gewarnt. Unterhalb von rund 3000 m bestand kaum Lawinengefahr. Die Schneefallgrenze sank im Nordosten zwar kurzzeitig auf 2200 m, doch fiel auf dieser Höhe nur wenig Schnee.
Anfang und Mitte September fielen gebietsweise bedeutendere Niederschlagsmengen.Weil sie aber auch auf den höchsten Gipfeln zu einem Grossteil als Regen fielen, beeinflussten sie die Lawinengefahr kaum. Erst in der Nacht auf den 24. September brachte eine markante Kaltfront Abkühlung kombiniert mit Niederschlag. Mit starkem und lokal stürmischem West- bis Nordwestwind sank die Schneefallgrenze von ca. 3400 m bis in den Bereich der Waldgrenze. Am meisten Schnee fiel von den Obwaldner über die nördlichen Urner bis zu den St. Galler Alpen mit 25 bis 45 cm. Nur auf den höchsten Gipfeln des Hochgebirges fiel der gesamte Niederschlag in Form von Schnee. Dort musste mit einer kritischen Lawinensituation gerechnet werden.
Danach war es bis Ende Monat meist sonnig, und auch im Nordosten wieder warm.
Vom 21. bis 23. Januar ereignete sich in den Schweizer Alpen die intensivste dreitägige Lawinenperiode seit dem Lawinenwinter 1999, bei der erstmals wieder grossflächig die höchste Lawinengefahrenstufe (5, sehr gross) prognostiziert wurde. Schon seit dem 15. Januar hatte es anhaltend und gegen Schluss intensiv geschneit. Dabei wurden in der Höhe vielfach Rekordschneehöhen für diese Jahreszeit erreicht. Mit anhaltend starkem bis stürmischemWestwind und einem Anstieg der Schneefallgrenze auf 2000 m gingen viele grosse (Grösse 4) und gebietsweise auch sehr grosse (Grösse 5) spontane Lawinen nieder. Dies führte zu vielen Sachschäden. Im Siedlungsraum und auf offenen Verkehrswegen waren keine Todesopfer zu beklagen.
Das Bundesamt für Umwelt BAFU beauftragte das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF mit der Erstellung einer Ereignisanalyse dieser Lawinensituation (Bründl et al., 2019). Dabei wurde insbesondere geprüft, ob sich die Anstrengungen im integralen Lawinenschutz bewährt haben und wo allenfalls noch Handlungsbedarf besteht. Für diese Ereignisanalyse wurden auch erstmals über ein grosses Gebiet Lawinenabgänge anhand von Satellitenbildern systematisch erfasst und ausgewertet. Dieses Winterberichts-Kapitel ist ein Ausschnitt des Kapitels 2 der Ereignisanalyse.
Bereits früh im Winter fiel Schnee, so dass ab dem 6. November 2017 in den ganzen Schweizer Alpen eine Winterschneedecke lag. Mit weiteren Schneefällen im November und Dezember waren die Schneehöhen Ende Dezember in der Höhe überdurchschnittlich. Nachdem bereits am 30./31. Dezember 2017 verbreitet etwa ein halber Meter Schnee gefallen war, kam in den ersten vier Tagen des neuen Jahrs im Wallis und im Norden nochmals etwa ein Meter Schnee dazu, mit Schwergewicht im Westen. Die Schneefallgrenze schwankte stark und stieg dabei mehrmals auf etwa 2000 m. Nach einer nur kurzen Pause fielen vom 5. bis 9. Januar in den oberen Vispertälern und im Simplon Gebiet weitere 1.5 bis 2 m Schnee. In den folgenden Tagen war es teils klar.Die Schneehöhenentwicklung in den einzelnen Klimaregionen ist im Kapitel 2, Abschnitt «Schneehöhenverlauf » beschrieben.
Während der gesamten Periode vom 15. bis 23. Januar bliesen die Höhenwinde aus West- bis Nordwest. Gemäss der auf Hess und Brezowsky zurückgehenden Klassierung (Gerstengarbe et al., 1999) wurden anhand der Strömung auf 500 hPa jeweils für 0 Uhr folgende Wetterlagen bestimmt:
Die Temperatur und damit auch die Schneefallgrenze variierten während der Niederschläge oft und stark (Abbildung 63). Längere Zeit lag die Schneefallgrenze im Bereich von 1500 m. Dazwischen fiel sie am 17. Januar, am 19./20. Januar und abermals kurzzeitig am 21. Januar jeweils bis in tiefe Lagen. Gegen den Schluss der Niederschlagsperiode, am Nachmittag des 22. Januars, stieg sie auf 1800 bis 2000 m, lokal sogar noch höher.
Insgesamt war der Januar 2018 der wärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864. Massgebend war dabei der sehr grosse Wärmeüberschuss in tiefen Lagen. Bereits Anfang Januar regnete es im Norden, am 22. Januar dann in allen Gebieten, bis auf 2000 m. Damit lag unterhalb von rund 1300 m nur wenig Schnee. Zum Zeitpunkt der grössten Lawinenaktivität am 22./23. Januar war der Schnee unterhalb von rund 2000 m oberflächlich feucht.
Mit anhaltend starkem bis stürmischem West- bis Nordwestwind fiel vom Abend des 15. bis am Morgen des 23. Januars anhaltend Niederschlag (Abbildungen 64 bis 67, 69). Eine längere trockene Phase gab es nur am 20. Januar.
In der Nacht auf den 16. Januar schneite es im Wallis, im Gotthardgebiet sowie am zentralen und östlichen Alpennordhang etwa 10 cm. In den folgenden vier Tagen fielen vor allem am nördlichen Alpenkamm und im Wallis täglich etwa 20 bis 40 cm Schnee, wobei die Neuschneemengen aufgrund des zeitweise schauerartigen Charakters der Niederschläge lokal unterschiedlich ausfielen (Abbildung 64). Im Süden und im Engadin waren die Neuschneemengen deutlich kleiner. Die Schneefallgrenze schwankte zwischen den Niederungen und 1600 m (Abbildung 63).
Damit fielen im ersten Teil der Niederschlagsperiode, vom Abend des 15. bis am Morgen des 20. Januars oberhalb von 1800 m insgesamt folgende Schneemengen (Abbildung 64):
Begleitet wurden diese Schneefälle von starken bis stürmischen Westwinden. Mit anhaltend gleicher Windrichtung entstanden vor allem an Osthängen mächtige Triebschneeansammlungen. Am 19. Januar liess der Wind am Abend etwas nach und wehte verbreitet schwach bis mässig aus Nordwest.
Am 20. Januar erhielten der zentrale Alpensüdhang ohne Gotthardgebiet, Teile Mittelbündens, das Engadin und die angrenzenden Südtäler wenige Sonnenstunden. Auch in den übrigen Gebieten war es vorübergehend trocken, aber bedeckt. In der Nacht auf den 21. Januar setzten erneut intensive Niederschläge ein; im Wallis und im Norden fielen gebietsweise etwa 80 cm Schnee innerhalb von 24 Stunden (Abbildung 66). Die Schneefallgrenze stieg am 22. Januar markant an, im Westen und im Norden bis auf rund 2000 m; danach sank sie wieder leicht ab (Abbildung 63). In der Nacht auf den 23. Januar endeten die Niederschläge, und tagsüber war es oberhalb von 2000 m recht sonnig.
Auch diese Schneefälle wurden von starken bis stürmischen West- bis Nordwestwinden begleitet. Damit wuchsen die bereits mächtigen Triebschneeansammlungen der Vortage weiter an. In der Nacht auf den 23. Januar nahm der Wind von Westen her langsam ab und blies nur noch im Hochgebirge und im Engadin stark bis stürmisch. Im Süden blies in der Nacht auf den 23. Januar starker Nordwind bis in die Täler.
Damit fielen im zweiten Teil der Niederschlagsperiode vom Samstagabend, 20. bis am Dienstagmorgen, 23. Januar oberhalb von 2200 m insgesamt folgende Schneemengen (Abbildung 67):
Diese Schneemengen sind gross und teilweise auch aussergewöhnlich. Je nach Region treten sie ca. alle 10 bis 50 Jahre auf (Abbildung 68). Stationen mit Jährlichkeiten von mehr als 20 Jahren finden sich fast ausnahmslos im sonst gebietsweise eher niederschlagsarmen Wallis und den direkt angrenzenden Gebieten.
Weil die berechnete Jährlichkeit stark von der Länge der vorhandenen Messreihe abhängt, wurden nur Messstationen berücksichtigt, die bereits im Lawinenwinter 1999 operationell waren, d.h. mindestens 20 Jahre alt sind. Dies reduziert das IMISNetz auf rund 30 Stationen. Manuelle Stationen mit langjährigen Messreihen gibt es zwar deutlich mehr, aber viele davon liegen eher tief. Aufgrund der relativ hohen Schneefallgrenze werden in diesem Ereignis die Jährlichkeiten nur für Stationen oberhalb von 1500 m gezeigt. Wirklich aussergewöhnliche Schneemengen verzeichneten fast nur Stationen oberhalb von 2000 m. Manuelle langjährige Stationen in dieser Höhenzone gibt es nur gerade 8, wovon alle ausser Weissfluhjoch erst seit ca. 30 Jahren operationell sind. Der Einfluss der Länge der Messreihe auf die Jährlichkeiten wird am Beispiel der 25-Tages-Neuschneesumme gezeigt (Abbildung 72).
Fehlerhafte Inputdaten oder Lawinenabgänge auf die Stationen können dazu führen, dass an IMISStationen falsche Neuschneemengen berechnet werden. Deshalb wurden Perioden mit bekannten Lawinenabgängen oder offensichtlich falschen Extremwerten von der Analyse ausgeschlossen. Trotzdem zeigt die Erfahrung, dass fehlerhafte Extremwerte im «normalen» Bereich manchmal nicht als solche erkannt werden. Solche falschen jährlichen Extremwerte können an IMIS-Stationen zu einer Unterschätzung der Jährlichkeiten führen. Häufig treten Extremwerte während Sturmperioden auf, so auch im Januar 2018. Dabei kann der Wind die Werte auf die eine oder andere Weise beeinflussen. So kann die Schneehöhe z.B. trotz starken Schneefalls abnehmen, weil gleichzeitig die Winderosion grösser ist.
Insgesamt fielen in dieser einwöchigen Niederschlagsperiode bis am Dienstagmorgen, 23. Januar oberhalb von rund 2200 m folgende Schneemengen (Abbildung 69):
Mit 2 bis 3m sind die gemessenen 7-Tages- Neuschneesummen (Summe des täglich um 8 Uhr gemessenen oder berechneten Neuschnees) aussergewöhnlich. In den sonst eher niederschlagsarmen Gebieten des Wallis und Graubündens kommen diese Mengen vielfach nur alle 15 bis 30 Jahre vor. Die grössten Jährlichkeiten (> 40 Jahre) zeigen sich an einzelnen Stationen im Wallis oberhalb 2000 m (Abbildung 70). Verschiedene Stationen erreichten am 23. Januar 2018 neue Rekordwerte der 7-Tages-Neuschneesummen (Tabelle 10):
Bereits vor dem 15. Januar gab es vor allem im südlichen Wallis, im Oberwallis und im nordwestlichen Tessin grössere Schneefälle, und zwar vom 28. Dezember bis zum 5. Januar und vom 8. bis 10. Januar, was bis zum 23. Januar eine Neuschneesumme über 27 Tage ergäbe. Im Folgenden fokussieren wir aber auf die 25-Tages-Neuschneesumme, weil das besonders betroffene Gebiet der Vispertäler die grössten Jährlichkeiten über 25 Tage zeigt, und die Unterschiede in der Jährlichkeit sonst nur klein sind.
Ab dem 30. Dezember summierten sich innerhalb von 25 Tagen oberhalb von rund 2200 m folgende Neuschneemengen (Abbildung 71):
Verschiedene Stationen erreichten am 23. Januar 2018 neue Rekordwerte der 25-Tages- Neuschneesumme (Tabelle 11). Die Station Triftchumme (ZER2) mass ebenfalls sehr hohe Werte, wurde aber am 4. Januar von einer Lawine getroffen, so dass dort keine verlässliche Auswertung möglich ist.
Eine Analyse der Stationen mit mindestens 20 Jahren Messdauer zeigt für die 25-Tages- Neuschneesummen folgende Jährlichkeiten (Abbildung 72, oben):
Um den Einfluss der Datenreihenlänge auf die Jährlichkeit zu zeigen, wird in Abbildung 72 (unten) dieselbe Analyse gezeigt, wenn bei allen Stationen jeweils nur die Daten der letzten 20 Jahre (1999-2018) verwendet werden. Damit werden die Unterschiede zwischen den Stationen kleiner. Vor allem die grossen Jährlichkeiten an den Stationen Zermatt und Saas Fee, wo seit rund 70 Jahren gemessen wird, nehmen um rund die Hälfte auf nur noch 25 bis 40 Jahre ab. Grund der Abnahme ist, dass die Einzigartigkeit der Rekordwerte vom Januar 2018 in den kürzeren Reihen weniger stark zu Tage tritt. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, dass die Jährlichkeit zunimmt. In Grächen mit seiner 50-jährigen Messreihe z.B. von 8 auf 28 Jahre. In diesem Fall liegt 2018 auf Rang 8, und die 7 schneereicheren Winter traten alle vor 1999 auf.
Wie aussergewöhnlich war die Lawinenperiode vom 21. bis 23. Januar 2018? Diese Frage kann nicht pauschal, sondern nur für einzelne Parameter beantwortet werden. Dabei muss zwischen Schneefallereignissen und Lawinenabgängen unterschieden werden.
In der Ereignisanalyse zum Lawinenwinter 1999 wurde untersucht, welche Wetterlagen bis dahin zu grösseren Lawinenereignissen geführt hatten. Dabei zeigte sich, dass im Norden Perioden hoher Lawinenaktivität (mit mehr als 20 Schadenlawinen) vorwiegend bei Nordweststaulagen auftraten. Eine solche herrschte auch während der Hauptphase der hier beschriebenen Lawinenperiode um den 22. Januar. Im folgenden Vergleich beschränken wir uns deshalb auf von Nordweststaulagen verursachte Lawinenperioden. Die Daten wurden der Ereignisanalyse zum Lawinenwinter 1999 entnommen.
Für den Januar 2018 wurden die Neuschneesummen über 3 Tage (Abbildung 67), 7 Tage (Abbildung 69) sowie 25 und 27 Tage (Abbildung 71 und Abbildung 80) dargestellt. Eine Karte mit den Schadenlawinen wird in Abbildung 130 gezeigt, wobei diese den ganzen Winter 2017/18 darstellt. Ein Vergleich mit früheren Lawinenperioden (Abbildung 73 bis Abbildung 79) zeigt Folgendes:
Auch 1998/1999, im letzten grossen Lawinenwinter, folgten kurz hintereinander drei Niederschlagsperioden (SLF, 2000). Dabei waren 1998/99 die Pausen zwischen den Schneefallperioden kürzer, so dass sich damals die Schneedecke zwischenzeitlich weniger stabilisieren konnte. Wie im Winter 2017/18 war auch 1998/99 die letzte der drei Niederschlagsperioden die intensivste. Sie hatte in den niederschlagsreichsten Regionen in 9 Tagen Neuschneesummen zwischen 2.5 und 3.5 m gebracht. Allerdings wurden diese maximalen Werte damals am gewöhnlich eher niederschlagsreichen Alpennordhang gemessen. Die maximalen Neuschneesummen der letzten Niederschlagsperiode im Februar 1999 waren damit klar grösser als die vom 16. bis 23. Januar 2018.
Für den Lawinenwinter 1999 relevant war die 30- Tages-Neuschneesumme über alle drei Niederschlagsperioden. Am höchsten war diese am Alpennordhang mit 5.5 bis 7.5 m, was einer Jährlichkeit von gegen 80 bis 100 Jahren entspricht (SLF, 2000).
Im Winter 2017/18 dauerte das gesamte Ereignis über die gesamte Schweiz gesehen 27 Tage. Deshalb wurde für einen Vergleich auch die grösste 27-Tages-Neuschneesumme des Winters 1999 bestimmt, ebenfalls oberhalb von rund 2000m (Abbildung 80). Für den Februar 1999 betrachten wir die 27-Tages-Neuschneesume vom 30. Januar bis 25. Februar; sie zeigt Folgendes:
Ein Vergleich der entsprechenden Jährlichkeiten für die 27-Tages-Neuschneesumme in den beiden Wintern zeigt klar grössere Jährlichkeiten im 1999 vor allem am Alpennordhang und in Nordbünden (Abbildung 81). Die einzige Region mit massiv grösseren Jährlichkeiten im 2018 sind die hinteren Vispertäler, die im 1999 nur relativ wenig Niederschlag erhielten. Es gilt zu beachten, dass Jährlichkeiten von mehr als 150 Jahren nicht zu stark zu werten sind, da methodenbedingt Jährlichkeiten grösser als die dreifache Länge der Datenreihe grosse Unsicherheiten aufweisen.
Nach einem frühen Winterstart und wiederholten Schneefällen im November und Dezember waren die Schneehöhen bereits Ende Dezember in der Höhe überdurchschnittlich. Vom 30. Dezember bis am 9. Januar fiel verbreitet viel Niederschlag. Im Norden stieg die Schneefallgrenze mehrmals auf etwa 2000 m. Mitte Januar lagen folgende Schneemengen (Abbildung 82 bis 84, jeweils oben):
Der Vergleich zum langjährigen Mittel an diesem Kalendertag zeigt Folgendes (Abbildung 85 bis 87, jeweils oben):
Am Ende der Niederschlagsperiode lagen folgende Schneemengen (Abbildung 82 bis 84, jeweils unten):
Der Vergleich zum langjährigen Mittel an diesem Kalendertag zeigt folgendes (Abbildung 85 bis 87, jeweils unten):
Derart grosse Schneehöhen bereits im Januar sind aussergewöhnlich und werden statistisch an vielen Stationen nur alle 20 bis 100 Jahre erwartet (Abbildung 88). Die grosse Mehrheit der Stationen (12 von 17) mit einer Jährlichkeit von mehr als 50 Jahren für die Schneehöhe im Januar befindet sich im Wallis. Der Rest der Stationen (mit einer Ausnahme) konzentriert sich im östlichen Graubünden.
Infolge des extrem warmen Januars 2018 war die Jährlichkeit der Schneehöhen stark von der Meereshöhe abhängig. Dies zeigt sich exemplarisch an den drei Stationen Klosters (1200 m), Davos (1560 m) und Weissfluhjoch (2536 m). Die entsprechenden Jährlichkeiten für die Januar- Schneehöhen (basierend auf den 20 Jahren 1999 bis 2018) betragen 8, 16 und 29 Jahre.
Rund ein Drittel aller langjährigen Beobachterstationen unterhalb von 2000 m hatte an einem 23. Januar noch nie so viel Schnee gemessen wie 2018. Absolute Rekordschneehöhen an Stationen mit mindestens 20-jähriger Messreihe wurden aber nur an drei Stationen im Wallis und einer Station in Graubünden erreicht (Tabelle 12). Eine Analyse bezogen auf den ganzen Winter zeigt, dass maximale Schneehöhen wie sie 2018 erreicht wurden, in den besonders betroffenen Gebieten des Wallis und Graubündens trotzdem nur alle 15 bis 30 Jahre erwartet werden können.
Auch wenn am 23. Januar 2018 die maximalen, je gemessenen Schneehöhen nur sehr vereinzelt erreicht wurden, barg eine so grosse Schneehöhe so früh im Winter trotzdem Gefahren:
Der Januar 2018 war deutlich wärmer als der Februar 1999. Deshalb fiel der Niederschlag 2018 in tiefen und mittleren Lagen oft als Regen. Damit lag vor allem unterhalb von rund 1300 m deutlich weniger Schnee als im Februar 1999, und unterhalb von rund 2000 bis 2200 m wurde dieser gegen Ende der Niederschläge oberflächlich feucht. In hohen Lagen erreichten die Schneehöhen am 23. Januar 2018 im südlichen Wallis ähnlich hohe Werte wie im Februar 1999, sonst lagen sie darunter.
Die hohe Nullgradgrenze und der Regen bis in hohe Lagen im Januar 2018 könnten zur Schlussfolgerung verleiten, dass diese Phänomene im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung stehen. Dazu ist zu bemerken, dass von einem Einzelereignis wie der Lawinensituation im Januar 2018 kein Bezug zum Klimawandel hergestellt werden kann. Auch im Februar 1999 stieg die Schneefallgrenze zwischenzeitlich am 19./20. Februar bis über 2000 m an. Bei der jüngsten Grossschneefallsituation im Januar 2019 waren die Temperaturen hingegen durchwegs tief. Der Einfluss der Klimaerwärmung auf die Lawinenaktivität ist bisher generell unklar.
Im schneereichen Januar 2018 waren auch die Schneelasten auf Dächern oberhalb von rund 1000 m gross. Zusätzlich zu den grossen Neuschneemengen fiel bis in grosse Höhen Regen. In solchen Situationen stellt sich oft die Frage, ob die Bemessungsschneelast eines Daches erreicht sein könnte und ob als Notmassnahme die Schneeräumung des Daches angezeigt ist. Die Dachschneelast im Gebirge ist für die Bemessung eines Gebäudes oft massgebend. Die Berechnung der Schneelast ist in der Norm SIA261 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins geregelt (SIA, 2014). Der charakteristische Wert der Schneelast wird für eine Wiederkehrperiode von 50 Jahren in Funktion der Höhenlage ermittelt. Die Höhenlage wird in Abhängigkeit des regionalen Klimas korrigiert. Die Korrektur variiert von -200 m bis maximal +500 m. Dieser Wert der Schneelast gilt für horizontales Gelände und wird dann mit verschiedenen Beiwerten für das jeweilige Dach korrigiert (die Beiwerte berücksichtigen die Dachform, die Windexposition und den Wärmedurchgang durchs Dach).
Im Winter 2017/18 wurde an 48 Vergleichsstationen alle 14 Tage die Schneelast resp. der Wasserwert der Gesamtschneedecke (SWE) bestimmt. Am 23. Januar 2018 betrug in Davos die Schneelast 380 kg/m2. Dieser Wert entspricht rund 60% der SIA Schneelast von 640 kg/m2. Da davon auszugehen war, dass im weiteren Verlauf des Winters die Schneelast weiter ansteigen könnte, wurde beispielsweise Schnee vom Dach der Eishalle in Davos geräumt (Abbildung 89). Die maximale Schneelast des Winters betrug in Davos am 3. April 2018 500 kg/m2 was 78% der SIA-Schneelast entspricht (Abbildung 90).
An vier Vergleichsstationen mit Messreihen von mindestens 30 Jahren wurden im Winter 2017/18 neue Maximalwerte der Schneelast gemessen. Beispielsweise auf der Rigi (1640 m, 57 Jahre) wurde eine neue Rekordschneelast von 950 kg/m2 gemessen. Ein Vergleich der im Winter 2017/18 gemessenen Schneelasten mit der Schneelast gemäss der Norm SIA 261 zeigt erwartungsgemäss, dass an keiner Messstelle die SIA-Schneelast erreicht wurde (Abbildung 91). Folglich sind uns nur wenige Gebäudeschäden infolge zu grosser Dachschneelast bekannt. Im Lawinenwinter 1999 lag insbesondere in tieferen Lagen bedeutend mehr Schnee als im Winter 2017/18 und die Schneelasten waren mehrheitlich grösser. Im Winter 1999 betrugen die Schneelastschäden an Gebäuden gegen 100 Millionen Franken.
Vor der Niederschlagsperiode vom 16. bis 23. Januar war die Schneedecke am 15. Januar im Norden günstig aufgebaut. Weiche Schichten aus kantigen Körnern, wie sie für Schwachschichten typisch sind, waren kaum vorhanden (Abbildung 92). Im Wallis waren solche potenziellen Schwachschichten zwar vorhanden, aber bereits mächtig überlagert und damit nur noch schwer auslösbar. Im Süden und in weiten Teilen Graubündens war der Schneedeckenaufbau etwas weniger günstig. Die potenziellen Schwachschichten waren hier häufiger und zudem weniger stark überdeckt.
Einige schöne Tage mit klaren Nächten (10. bis 15. Januar 2018) hatten aber dazu geführt, dass die oberflächennahen Schichten an Schattenhängen kantig aufgebaut und locker waren. Zudem lag an der Oberfläche verbreitet teils grosser Oberflächenreif (Abbildung 93). Die Altschneeoberfläche stellte damit eine potenzielle Schwachschicht für die folgenden Schneefälle dar.
Während der gesamten Niederschlagsperiode wehte der Wind immer wieder stark bis stürmisch aus West bis Nordwest. Damit entstanden in immer denselben Windschattenhängen sehr grosse Triebschneeansammlungen. Diese wurden besonders an windgeschützten Hängen und im Bereich der Waldgrenze auf die schwache Altschneeoberfläche vom 15. Januar abgelagert (Abbildung 94 und 95). Es ist davon auszugehen, dass viele der am 17./18. Januar abgegangenen, spontanen und im Wallis teils grossen Lawinen (Grösse 4) in dieser Schicht anrissen.
In der Folge zeigten Stabilitätstests und Lawinenanrisse, dass sich die oberflächennahen Schichten vom 15. Januar im Verlaufe der Niederschlagsperioden etwas verfestigt hatten. Die Lawinen vom 21. bis 23. Januar rissen zwar teils flächig, aber nicht immer so tiefgründig an, dass die Schneeoberfläche vom 15. Januar als Schwachschicht in Frage käme.
Schneedeckenuntersuchungen während dieser Tage liegen kaum vor. In den später durchgeführten Untersuchungen wurden innerhalb der riesigen Neu- und Triebschneeschichten keine ausgeprägten Schwachschichten mehr gefunden (Abbildung 96 und 97). Damit dürften viele Lawinen in kurzlebigen Schwachschichten innerhalb der verschiedenen Neu- und Triebschneeschichten angebrochen sein. Das erklärt auch die teils hohe Lawinenaktivität an Südosthängen. Diverse Aufnahmen von Lawinen deuten darauf hin, dass die Lawinen in ihrer Sturzbahn teils grosse Teile der noch frischen Schneedecke mitrissen (bedeutendes Entrainment).
Die tiefen Schwachschichten waren, im Unterschied zu den Lawinenperioden von Anfang Januar 2018, nur noch sehr vereinzelt störanfällig. Auf den Satellitenbildern jedenfalls sind nur einige wenige Lawinen zu erkennen, die bodennah angerissen waren.
Mit der stark schwankenden Schneefallgrenze wurde die Schneeoberfläche in mittleren Lagen immer wieder angefeuchtet (Abbildung 98). Dies führte vor allem am 22. Januar unterhalb von rund 2200 m zu teils grossen, nassen Lawinen (Grösse 4), die bis ins Grüne vorstiessen. Gleichzeitig aber bremste der feuchte Schnee weiter oben in der trockenen Schneedecke angerissene Staublawinen auf ihrem Weg ins Tal. Unterhalb von rund 1300 m lag nur wenig Schnee.
Im Winter 1998/99 waren die Schneehöhen bis im Januar nur durchschnittlich. Vor den Grossschneefällen war die Schneedecke teils kantig aufgebaut mit mehreren eingelagerten Krusten. Sie war damit meist schwächer als im Winter 2017/18.
Bereits um den 4. Januar, und in den Vispertälern dann sehr ausgeprägt am 9. Januar, waren viele grosse (Grösse 4) und teils auch sehr grosse Lawinen (Grösse 5) abgegangen. Damit war in diesen Gebieten bereits in vielen Lawinenzügen die Bodenrauigkeit ausgeglättet. In den Auslaufbereichen bestand zudem die Gefahr, dass neue Lawinen an alten Lawinenablagerungen abgelenkt wurden und die üblichen Bahnen seitlich verliessen.
Der viele Neuschnee, starker bis stürmischer Wind und eine teils ungünstige Altschneeoberfläche liessen die Lawinengefahr vielerorts markant ansteigen (Abbildungen 99 bis 104). Neu- und Triebschnee waren anfangs leicht auslösbar, und bereits am 16. Januar gingen im Wallis erste Lawinen spontan ab.
Am 17. Januar wurde für das westlichste und nördliche Unterwallis die Gefahrenstufe 4 (gross) vorhergesagt, am 18. Januar für das gesamte Wallis und grosse Teile des Alpennordhangs (Abbildungen 99 bis 104). An beiden Tagen wurden vor allem aus dem Wallis Lawinenabgänge gemeldet (Abbildungen 105 bis 108). Darunter waren am Nachmittag des 17. Januars auch zwei mächtige Staublawinen am Grand Chavalard (Fully, VS) und im Mattertal (VS). Die Beobachtungen dürften aber sehr unvollständig sein, da die Sichtverhältnisse sehr eingeschränkt und viele Skigebiete wegen des Sturms geschlossen waren. Während dieser Phase wurden auch grössere spontane Lawinen von Radaranlagen detektiert, z.B. in Lawinenzügen, welche die Strasse nach Zermatt (VS) gefährden können, und im SLF-Versuchsgelände im Vallée de la Sionne (VS). Letztere erreichte eine Geschwindigkeit von über 200 km/h und war damit eine der grössten Staublawinen der letzten Jahre in diesem Gebiet.
Von Sonntagabend, 21. Januar bis Dienstagmorgen, 23. Januar wurde praktisch für das gesamte Wallis, Teile des nördlichen Alpenkammes sowie vom Prättigau bis ins Samnaun die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) prognostiziert (Abbildungen 109 bis 112).
Die Lawinenaktivität wurde anhand des Lawinenaktivitätsindexes AAI bestimmt. Zur Berechnung dieses dimensionslosen Indexes werden die von den SLF-Beobachtern gemeldeten Lawinen nach Anzahl, Grösse und Auslöseart gewichtet und dann addiert.
2017/18 war der lawinenreichste Winter seit Beginn der Berechnungen des Lawinenaktivitätsindexes im Winter 2001/02 und damit wohl seit dem Lawinenwinter 1998/99 (Abbildung 113). Vom 21. bis 23. Januar war die grösste 3-tägige Lawinenperiode seit der Lawinenaktivitätsindex berechnet wird, und damit wohl ebenfalls seit Februar 1999.
Der zeitliche Verlauf der Lawinenaktivität wird mit den Beobachtermeldungen und dem daraus berechneten Lawinenaktivitätsindex abgeschätzt (Abbildungen 114 bis 119). Im Unterschied zu den Satellitenbildern liegen für diese Lawinen (bekannte oder geschätzte) Abgangsdaten und meist auch Angaben zu Lawinentyp und Feuchtigkeit vor. Allerdings sind diese Daten besonders bei schlechtem Wetter und in abgelegenen Gebieten sehr unvollständig.
Besonders am 22. und 23. Januar 2018 gingen sehr viele Lawinen ab, darunter auch viele grosse und mehrfach sehr grosse (Grössen 4 und 5). Dies führte an beiden Tagen zu einem hohen Lawinenaktivitätsindex. Während der ganzen Periode war die Lawinenaktivität im Wallis am grössten, gefolgt vom Alpennordhang und von Graubünden (Abbildung 114).
Am 23. Januar war die Lawinenaktivität im Wallis und in Graubünden etwas weniger hoch als am 22. Januar. In Graubünden traf die Erwärmung etwas später ein als in den übrigen Gebieten, so dass hier an beiden Tagen eine ähnlich hohe Lawinenaktivität verzeichnet wurde. Am zentralen Alpensüdhang beschränkten sich die ergiebigen Niederschläge und damit auch die grösseren Lawinenabgänge im Wesentlichen auf das nordwestliche Tessin. Damit war die Lawinenaktivität im Süden gesamthaft gesehen nur klein.
Mit dem Anstieg der Schneefallgrenze wurden ab dem 21. Januar in den meisten Gebieten nicht mehr nur trockene, sondern unterhalb von rund 2200 m vermehrt auch nasse Lawinen gemeldet (Abbildung 115). Oft trafen weiter oben in der trockenen Schneedecke angerissene Lawinen in mittleren Lagen auf feuchten Schnee (gemischte Lawinen). Dadurch wurden insbesondere Staublawinen gebremst, so dass diese kaum bis in tiefe Lagen vorstiessen.
In dieser 3-tägigen Lawinenperiode kamen zum Glück keine Personen ums Leben, doch entstanden Sachschäden und indirekte Kosten infolge gesperrter Verkehrswege sowie Evakuationen. Eine Bilanz der Schäden findet sich in der Ereignisanalyse (Bründl et al., 2019).
Nach drei mageren Jahren war 2017/18 zumindest in den Bergen ein „richtiger“ Winter. Über den ganzen Winter betrachtet, war es einer der schneereichsten der letzten 30 Jahre. Bereits im November schneite es im Norden überdurchschnittlich viel. Der Januar war extrem warm und niederschlagsreich. Während es in tiefen Lagen oft regnete, fielen in hohen Lagen enorme Schneemengen. Es kam zu vielen grossen Lawinenabgängen, und am 22. Januar musste erstmals seit dem Lawinenwinter 1999 grossflächig vor „sehr grosser“ Lawinengefahr (Stufe 5) gewarnt werden. Danach waren die tiefen Schichten der Schneedecke gut verfestigt und stabil. Ab Mitte Februar wurden aber wiederholt Schwachschichten eingeschneit, was für Schneesportler zu teils heiklen Verhältnissen führte. Bereits im Hochwinter und dann vermehrt im Frühling gingen viele Gleitschneelawinen ab, die infolge der mächtigen Schneedecke auch grosse Ausmasse annahmen.
Bis Ende April wurden über 250 Schadenlawinen (Personen- oder Sachschäden) gemeldet. Insgesamt starben 26 Personen in Lawinen. Dies liegt etwas über dem langjährigen Mittel von 21 Opfern bis Ende April. Die Opfer waren allesamt Wintersportler. Eine Person wurde auf einem geöffneten Winterwanderweg von einer Lawine getötet, alle anderen im ungesicherten Touren- und Variantengelände.
Den ganzen November über schneite es an jedem Wochenende, und das teils intensiv. Damit war der Grundstein gelegt für einen aus touristischer Sicht grossartigen Winter. Ende November lag im Norden oberhalb der Waldgrenze bereits 1 m Schnee, und auch der Dezember brachte dynamisches Wetter mit weiteren Schneefällen, dazu aber auch Stürme und wiederholt „grosse“ Lawinengefahr (Stufe 4).
Das neue Jahr startete extrem niederschlagsreich und mild, es wurde der wärmste Januar seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864. In hohen Lagen fielen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee, wobei die grössten Mengen im sonst eher trockenen Wallis registriert wurden. An gewissen Stationen ist das so viel, wie nur alle 75 Jahre zu erwarten. Am intensivsten waren die Schneefälle am Schluss dieser Periode mit 2 bis 3 m innert einer Woche. Auch diese Mengen sind selten, sie werden nur alle 15 bis 30 Jahre gemessen. Am Ende der Niederschläge, am 22. Januar, stieg die Schneefallgrenze auf etwa 2000 m. Trotz des günstigen Schneedeckenaufbaus musste grossflächig die höchste Gefahrenstufe (5, sehr gross) ausgegeben werden, zum ersten Mal seit dem Lawinenwinter 1999. Vor allem im Wallis und in Teilen Graubündens gingen viele grosse und teils sehr grosse Lawinen ab. Der feuchte Schnee in mittleren Lagen bremste die weiter oben trocken angerissenen Staublawinen auf dem Weg ins Tal, sodass keine Siedlungen getroffen wurden. Teilweise wurden sie aber nur sehr knapp verfehlt. Insgesamt bewährten sich die baulichen, raumplanerischen und organisatorischen Schutzmassnahmen gut, sodass in dieser Periode zwar Sachwerte wie eine Hochspannungsleitung, Alphütten, Strassen und Wald, aber keine Personen zu Schaden kamen.
Der viele Niederschlag im Januar führte oberhalb der Waldgrenze, und ganz besonders im Wallis, zu stark überdurchschnittlichen Schneehöhen. In tiefen Lagen lag nach dem Regen kaum noch Schnee.
Nach den Grossschneefällen vom Januar war die Lawinensituation günstig. In einer zweiwöchigen Kälteperiode Anfang Februar wurde die Schneeoberfläche aber in grosse, kantige Kristalle umgewandelt. Sobald diese eingeschneit wurden, stellten sie eine heikle Schwachschicht dar, in der Wintersportler noch längere Zeit Schneebrettlawinen auslösen konnten. Auch danach wurden immer wieder Schwachschichten eingeschneit und Lawinen durch Personen ausgelöst.
Gleitschneelawinen entstehen, wenn die Schneedecke am Übergang zum Boden feucht wird und auf glattem Gras oder Felsplatten grossflächig abrutscht. Sie sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Diesen Winter waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen eine anhaltende Bedrohung, die leider auch zu zwei tödlichen Unfällen führte. Darunter war auch der grösste Unfall des Winters.
Wegen des kühlen und oft bewölkten März wurde die Schneedecke erst im April bis in grössere Höhen feucht. Bei den grossen Schneehöhen hatten vor allem die Gleitschneelawinen mächtige Anrisse, weil diese immer die ganze Schneedecke mitreissen. Wegen dem günstigen Schneedeckenaufbau gingen nur lokal grosse Nassschneelawinen ab, sonst hielt sich die Aktivität von nassen Lawinen in Grenzen.
Bereits nach den Schneefällen der ersten Novemberhälfte lag oberhalb von rund 1000 m eine durchgehende Winterschneedecke. Ein in den Bergen kalter Dezember mit überdurchschnittlichen Niederschlägen liess diese kontinuierlich anwachsen. In den tiefen Lagen des Zentralwallis fielen am 11. Dezember aussergewöhnliche Schneemengen, wobei die MeteoSchweiz Station Sion (480 m) mit 60 cm Neuschnee innert 24 Stunden einen neuen Rekordwert registrierte. Im Gegensatz zu den letzten zwei schneearmen Frühwintern lag Ende Jahr im Alpenraum rund das Anderthalbfache der normalen Schneemenge.
Der Januar war aussergewöhnlich niederschlagsreich und gleichzeitig der wärmste seit Messbeginn. Dies führte einerseits zum Wegschmelzen des Schnees in tiefen Lagen und andererseits zu extremen Schneemengen in den mittleren und hohen Lagen. Die langjährigen Stationen Saas-Fee und Zermatt registrierten dabei die höchsten Januar-Neuschneesummen seit Messbeginn vor mehr als 70 Jahren. Insgesamt wurden während der 25-tägigen Niederschlagsperiode vom 30. Dezember bis 23. Januar in Teilen des Wallis und Tessins oberhalb 2000 m bis zu 5 m Neuschnee gemessen. Im Vergleich mit der 30-tägigen Neuschneesumme im Januar/Februar 1999 sind das 60 bis 80 % der damals am Alpennordhang gemessenen Neuschneesummen. In der zweiten Januarhälfte erreichte die Schneehöhe an viele Orten in den ganzen Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum.
Der Februar war kälter und trockener als üblich. Auch der März war eher kühl, aber trüb, und der Süden und die Zentralschweiz erhielten nochmals bedeutende Schneemengen. Die Schneehöhen waren darum auch anfangs April vielerorts immer noch 1.5- bis 2.5-mal so hoch wie üblich.
Der April war ausserordentlich warm, auf dem Jungfraujoch der wärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1933. Dies führte zu einer schnellen Schneeschmelze, und in hohen Lagen zu einer Abnahme der Schneehöhe von mehr als einem Meter nördlich einer Linie Rhone-Rhein, bzw. knapp einem Meter südlich davon. Trotzdem war der Winter oberhalb von rund 1500 m so schneereich wie schon lange nicht mehr. Über das ganze Winterhalbjahr betrachtet, also von November bis April, lag im Mittel etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Unterhalb von 1000 m lag hingegen nur knapp halb so viel Schnee wie üblich.
Im Winter 2017/18 wurden die hohen Gefahrenstufen (4 und 5) häufiger prognostiziert als im langjährigen Mittel. Die Stufe 4 (gross) wurde mit 3.4 % dreimal so oft verwendet wie im Mittel der letzten 10 Jahre (1.1 %). Die Stufe 5 (sehr gross) wurde grossflächig an 1.5 Tagen heraus gegeben. Sie war seit 2008 nicht mehr verwendet worden, und auch damals nur für ein kleines Gebiet. Zum letzten Mal grossflächig prognostiziert wurde die Stufe 5 im Lawinenwinter 1999, damals aber über eine längere Zeitspanne. Günstige Situationen mit Gefahrenstufe 1 (gering) dagegen waren mit 17 % etwas seltener als im langjährigen Mittel (21 %).
Diesen Winter wurden dem SLF bis Ende April über 250 Schadenlawinen gemeldet. Darunter waren 143 Personenlawinen mit insgesamt 208 erfassten Personen, gut 5 % mehr als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Bei 19 Lawinenunfällen starben insgesamt 26 Personen. Das ist mehr als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre, der zum 30. April bei 21 Todesopfern liegt. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2018 dauert, liegt der Durchschnitt der letzten 20 Jahre bei 22 Lawinentoten.
Alle Lawinenopfer waren Wintersportler, die sich mit einer Ausnahme im ungesicherten Gelände aufhielten. Zwei Drittel der Personen (18) waren auf Touren unterwegs, sieben auf Variantenabfahrten und eine auf einem offenen Fussweg. Sechs Personen verunglückten tödlich bei Gefahrenstufe 2 (mässig), 19 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und eine Person bei Stufe 4 (gross). Das Wallis war mit zwei Dritteln der Todesopfer (18) mit Abstand am stärksten betroffen, gefolgt von den Kantonen Bern mit vier Lawinentoten, Graubünden mit drei und Obwalden mit einem.
Zwei Unfälle forderten mehr als 2 Todesopfer:
Die Jahresbilanz wird erst am Ende des hydrologischen Jahres (30. September 2018) gezogen und bis dann kann sich die Unfallstatistik noch ändern.
Das Lawinenbulletin erscheint seit dem 5. November 2017 und noch bis auf Weiteres täglich um 17 Uhr. Vom 9. Dezember bis am 15. April wurde jeweils zusätzlich um 8 Uhr ein Morgenbulletin herausgegeben. Das Lawinenbulletin enthält eine Prognose der Lawinengefahr und allgemeine Informationen zur Schneesituation. Es deckt die Schweizer Alpen, Liechtenstein und seit dem Winter 2017/18 neu auch täglich den Jura ab. Abgerufen werden kann es über www.slf.ch und die SLF-App „White Risk“.
Bei grossen Schneefällen erscheinen situationsbezogene Lawinenbulletins auch im Sommer und im Herbst. Sie können sich darüber von der App „White Risk“ mit einem Push Alert informieren lassen, oder eine SMS abonnieren. Senden Sie dazu eine SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234 (Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).
Informationen zum Bergwetter finden sich auch im Alpenwetterbericht der MeteoSchweiz, Telefon 0900 162 138 (1.20 CHF/Min.) sowie auf der App MeteoSwiss.