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Keine Gemeinde mag Strassenverkehr mitten im Ortszentrum. Doch die Hürden zur Behebung dieses Zustandes sind hoch. Projekte für richtige Umfahrungsstrassen, von denen eine ganze Reihe im kantonalen Richtplan eingetragen ist, scheitern entweder an den enormen Kosten oder am Landschafts- und Naturschutz. Kleinräumige Lösungen tangieren zwangsläufig das Siedlungsgebiet. Die Toleranz von Anwohnern gegenüber zusätzlichem Strassenverkehr aber tendiert gegen null.
Heftiger Abstimmungskampf
All das zeigt sich derzeit wie unter dem Brennglas in Egg, obwohl oder gerade weil es sich bei der Gemeinde am Pfannenstiel um ein typisches Strassendorf handelt. Es wird in der Hauptverkehrsrichtung von und nach Zürich zwar bereits seit den siebziger Jahren von der Forchautostrasse umfahren. Doch auch quer dazu nimmt der Verkehr zu. Weil die Strassen von Uster und Meilen versetzt auf Egg treffen, rollt er auf wenigen hundert Metern am Gemeindehaus vorbei über die Forchstrasse, die Hauptachse durch das Dorf. Über eine Entlastung des Zentrums wird seit mehr als 30 Jahren gebrütet. Ein Tunnel wurde 1984 verworfen. Auslöser des jüngsten Anlaufs ist die Forchbahn, welche die Bahnübergänge sanieren muss. Teilweise müssen diese nun geschlossen werden, weshalb befürchtet wird, das Dorf werde entzweigeschnitten.
Nun verfügt Egg in Form der Neuen Meilenerstrasse bereits über eine angefangene Ortskernumfahrung von etwa 300 Metern Länge. In der Variante, die der Gemeinderat jetzt favorisiert, soll diese «Spange» mit einem neuen, 150 Meter langen Strassenstück durch einen Obstgarten geschlossen werden (siehe Karte). Ausserdem könnte auf diese Weise im Oberdorf eine Baulandreserve erschlossen werden. Vor allem aber soll der Verkehr zwischen See und Oberland in Zukunft über die «Spange» geleitet werden. Der Haken an der Sache ist, dass die Neue Meilenerstrasse inzwischen eher eine Quartierstrasse ist, die dicht von Wohnhäusern gesäumt an einem Schulhaus mit Sportanlage vorbeiführt. Die Exekutive liess vorsichtshalber drei Varianten ausarbeiten. Jene, welche die Verlegung des heutigen Abschnitts in den Boden vorgesehen hatte, fiel aus Kostengründen weg. Sie hätte eine Erhöhung des Steuerfusses um gegen 10 Prozentpunkte nötig gemacht.
Die Egger haben in der Abstimmung nun die Wahl zwischen der «Spange» und der Variante, den Verkehr wie bis anhin durch das Zentrum zu führen. In diesem Fall ist eine Verlegung der Bahngeleise um eineinhalb Meter vorgesehen. Damit würde Platz geschaffen, um die Forchstrasse im Zentrum ansprechender zu gestalten. Beide Vorschläge verursachen für Egg Kosten zwischen 3,5 und 4 Millionen Franken.
Für den Gemeinderat überwiegen die Vorteile der «Spange», weil sie Egg die besten Möglichkeiten für die künftige Entwicklung des Ortszentrums eröffne. Der Knackpunkt, das wird im Abstimmungsbüchlein eingeräumt, ist der Umstand, dass an der Neuen Meilenerstrasse etwa doppelt so viele Wohneinheiten wie im Zentrum von der erhöhten Verkehrsbelastung betroffen sind. Absehbar ist, dass nach einem Ja zur «Spange» das Projekt noch auf gerichtlichem Weg bekämpft würde.
Derzeit erlebt die Gemeinde mit gut 8000 Einwohnern aber einen heftigen Abstimmungskampf mit Plakaten am Strassenrand. Er trennt das Ober- und das Unterdorf noch mehr als die Forchbahn. Eine Prognose ist schwierig, denn es stimmen auch Esslingen und Hinteregg mit, die kaum betroffen sind. Möglich ist neben dem Ja zu einer Variante auch ein doppeltes Nein. Das wäre am billigsten, ist aber nach Meinung des Gemeinderats unbedingt zu vermeiden.
Route über Egg wird attraktiv
Der Kanton, dem Forchstrasse und Neue Meilener Strasse gehören, liess ausrichten, er könne mit beiden Varianten leben. Einen Nullentscheid möchte auch er nicht. Lange war geplant, dass Autofahrer von der Goldküste, damit sie nicht durch Zürich fahren müssten, ab Küsnacht über neue Umfahrungen an Fällanden und Schwerzenbach vorbei zur Oberlandautobahn gelangen sollten. Im März strich der Kantonsrat jedoch die Umfahrung Fällanden aus dem Richtplan.
Deshalb könnte die Route über Egg – trotz geschlossenen Bahnschranken in Uster und Staus vor dem Brüttiseller Kreuz – attraktiver werden. Auch über eine grossräumige Nord-Süd-Umfahrung von Egg wird seit Jahrzehnten nachgedacht. Aber dieser Ansatz, meint der Gemeinderat, benötige viel Zeit.