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In der Region sind zwei Lindenarten heimisch. Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) erkennt man an ihren weichen Blättern, behaarten Blattnerven und den weisslichen Bärtchen in den Nervenwinkeln erkennt. Ihre Früchte weisen vier bis fünf vortretende Längsrippen auf. Die Bäume können sehr mächtig werden, einen Stammdurchmesser von vier m bis fünf m erreichen und 35 Meter hoch und bis zu 1000 Jahre alt werden. Die etwas kleinere Winterlinde (Tilia cordata) besitzt steife Blätter mit blaugrüner Unterseite und rostfarbenen Bärtchen in den Nervenwinkeln. Die Früchte weisen zwei bis drei undeutliche Längsrippen auf. Dort, wo beide Arten vorkommen, entstehen auch Kreuzungen (Hybriden). In Parkanlagen gepflanzt findet sich zudem die Silberlinde (Tilia tomentosa), die aus Südosteuropa und Westasien stammt.
Die Winterlinde als wärmeliebende Art wächst optimal in Eichen-Hagebuchenwäldern und kommt in der Region vorwiegend in grösseren Flusstälern und in den angrenzenden Hügeln vor. Die Sommerlinde liebt es feuchter und ist in Buchenwäldern und in kühlen Schluchtwäldern anzutreffen. Sie steigt auch in die Jurahöhen. Für das Landschaftsbild viel bedeutender sind jedoch die zahlreichen Einzelbäume und Baumgruppen, die an Ihren Kronenformen von weitem erkennbar sind.
Die typische Form der Baumkrone kommt durch das sogenannte sympodiale Wachstum zustande. Die Endknospe eines Jahrestriebes stirbt ab und die Seitenknospe bildet im Frühjahr den Fortsetzungstrieb in der Richtung des Hauptsprosses. Das wiederholt sich in jedem Jahr, so dass der Haupttrieb aus aufeinanderfolgenden Seitentrieben besteht. Dadurch entwickelt sich eine geschlossene, hochgewölbte Wuchsform ohne abstehende Seitenäste. Wegen ihrer kompakten Laubkronen sind die einzeln stehenden Linden auffällige Landschaftsgestalterinnen.
Die Linde ist eine sehr vielfältige Nutzpflanze. In Siedlungen, Alleen, Parks und Gärten angepflanzt, ist sie stets in Menschennähe. Seit der Jungsteinzeit wurde Bast unter der Rinde herausgelöst, indem man armdicke Äste mehrere Wochen im Wasser einlegte. Lindenholz ist leicht, elastisch und gleichmässig strukturiert und in der Holzschnitzerei, für Musikinstrumente und Spielzeuge sehr begehrt. Blätter und geschnittene Zweige dienten im Winter bis ins 19. Jh. als Futter für Kleinvieh wie Ziegen und Schafe. Bis heute sehr beliebt ist der Lindenblütentee, der aus den Blütenständen mitsamt dem Hochblatt gebraut wird.
Die Linde ist das wichtigste Bienennährgehölz. Zur Blütezeit im Sommer bieten die Blüten reichlich Nektar und Pollen. Der Nektar wird aus den gewölbten Kelchblättern ausgeschieden, weshalb er auch für andere Insekten erreichbar ist. So werden die Lindenblüten auch von Hummeln, Fliegen und Käfern besucht und bestäubt. Der Honigtau wird ebenfalls von Bienen gesammelt. Er wird von Blattläusen ausgeschieden, wenn sie an Blättern und jungen Trieben der Linde saugen. Dabei stechen sie die Leitbahnen der Pflanzen an und geben den zucker- und eiweissreichen Saft ab. Dieser ist auch für die Klebrigkeit der Stellen unter Lindenbäumen verantwortlich. Das Phänomen des ausgeschiedenen Honigtaus wurde erst um 1770 von einem französischen Naturforscher erkannt und beschrieben.
Linden wurden oft am zentralen Platz im Dorf gepflanzt und sind Treffpunkt und Ort für Volksfeste. Nicht selten sind die Bäume von einer Sitzbank umgeben, die bei grossen Exemplaren auch den Stamm umrundet. Die Linden sind der ruhende Punkt in einer bewegten Umgebung. Unter Tanzlinden wurde getanzt. Bändeltänze fanden unter dem Maibaum statt, der zwar meistens eine Fichte war; zuweilen wurden aber auch junge Linden gebraucht. Neben Bauernhöfen pflanzte man Linden und liess sie beachtlich gross werden, damit sie den Blitz auf sich zogen und Hof und Scheune schützten.
Friedhofslinden bereichern die Ruhestätten und wirken freundlicher als die dunklen Eiben, die stets etwas Mystisches und Unheimliches verbreiten. In katholischen Gegenden wurden Marien und Heilandfiguren gerne an Linden angebracht. Kirchlinden stehen neben Klöstern, Kirchen und Kapellen und symbolisieren Ruhe und Sicherheit. Mit Pestlinden versuchte man den schwarzen Tod zu vertreiben. Sie wurden bei Massengräbern verstorbener Pestopfer gepflanzt. In Pratteln soll eine inzwischen längst verschwundene Pestlinde gestanden haben.
Gedenk- und Friedenslinden wurden zur Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis gesetzt. Ein gutes Beispiel ist das Ende des Zweiten Weltkrieges: Am Nachmittag des 8. Mai 1945 pflanzten in Liestal rund 800 Schülerinnen und Schüler eine Friedenslinde. Das Pflanzen von Freiheitslinden hatte ihren Ursprung in der Französischen Revolution. In diesem Zusammenhang stellten 1798 Revolutionsanhänger einen Freiheitsbaum in Liestal auf. Aus dem Mittelalter stammen die Gerichtslinden, unter denen das Gericht tagte und die Rechtsprechung stattfand. Die häufige urkundliche Bezeichnungen «judicium sub tilia» bedeutet soviel wie «Gericht unter der Linde». Die aufgrund des weichen Holzes als sanft geltende Linde sollte die Richter milde stimmen.
Schloss- und Burglinden zierten die Einfahrten und Eingangspforten von Burgen, Schlössern und Herrschaftssitzen, wo sie mächtige Alleen bildeten. Lindenbaumreihen und Lindenalleen stehen bis heute entlang von Strassen und säumen auch das Rheinufer auf der Seite des Kleinbasels. Leider sind Linden anfällig auf Luftschadstoffe, weshalb Neupflanzungen von Linden im städtischen Umfeld zurückhaltend erfolgen.
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