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naissance spricht, so hat man es mit einem Misch-Stil zu thun, dessen wesentliche Grundzüge noch gotisch sind und der nur im Aeußerlichen, in dem Zierwerk, antike Formen aufgenommen hat.
In der Grundanlage und in der ganzen Baufügung bleibt die deutsche Renaissance den Grundsätzen der Gotik treu; wir finden die Entwicklung in die Höhe, die schlanken Verhältnisse, die Verringerung der Mauermassen, die Steildächer und Hochgiebel festgehalten. Ein Zugeständnis an die neue Richtung liegt darin, daß man das Innere weiter und geräumiger, die Stockwerke etwas niedriger gestaltet, also das Verhältnis zwischen Höhe und Breite zu Gunsten der letzteren sich verschiebt.
Schon in der sogenannten spätgotischen Zeit hatte sich der innige Zusammenhang zwischen Baufügung und Schmuckwerk, der ein Hauptgrundzug der Hochgotik war, gelockert; das letztere wurde willkürlich, ohne Rücksicht auf die bauliche Einheit, beigefügt und erscheint gewissermaßen unabhängig als rein äußerliches Beiwerk. Dies erleichterte nun die Aufnahme antiker Zierformen, da diese überhaupt nicht mehr durch die Baufügung bedingt und mit dieser in voller Uebereinstimmung sein mußten. Man fügte also die flachen Wandpfeiler und Halbsäulen mit den römischen Kapitälen, die Gesimse und das vielgestaltige Zierwerk von Blumengewinden, Laub, abenteuerlichen Tier- und Menschengestalten, neben den gotischen Pfeilern und Spitzbogen ein, ersetzte die Fialen (Spitzpfeiler)
^[Abb.: Fig. 471. Rathaus in Köln.] ¶
durch Kegel, Obelisken oder geschweifte Aufsätze, schloß die Fenster oben mit Rundbogen oder Flachbogen, vielfach auch gerade ab, oder bildete das gotische Stab- und Maßwerk um, indem man beispielsweise die Pfosten durch Tragfiguren ersetzte. Auch das Rippenwerk spitzbogiger Gewölbe erhält zuweilen antike Formen. Kurz gesagt, es zeigt sich eine Vermengung des Gotischen und Antiken, ersteres giebt die Grundzüge und Leitlinien, letzteres die äußerliche Bildung der Formen an. Daß dadurch die innere Einheitlichkeit, die Uebereinstimmung der Teile mit dem Ganzen verloren gehen mußte, ist begreiflich; es war auch nicht leicht, diese verschiedenen Grundteile mit einander in Einklang zu bringen, immerhin ergab sich aber daraus eine eigenartige, oft ungemein reizvolle Wirkung. Man kann diese deutsche Renaissance in hohem Sinne «malerisch» nennen; ihre Schöpfungen sind zierlich und gefallsam und machen mit ihrem reichen Schmuck und durch ebenmäßige Verhältnisse einen nachhaltigen Eindruck auf das Auge.
Als ein Hauptverdienst darf man es den Baukünstlern jener Zeit anrechnen, daß sie Maß zu halten verstanden und ihrer lebhaften Einbildungskraft nicht ungezügelten Lauf ließen. Die Formen der italienischen Renaissance waren ihnen hauptsächlich durch die Werke der Maler und Bildner vermittelt worden; und darin lag auch ein gewisser Vorteil, denn dies bewahrte sie vor bloßer Nachahmung und gab eigentlich nur «Anregung» zur Verwertung und Ausgestaltung derselben.
Wenn auch die deutschen Baumeister durch die Zunfteinrichtung immer etwas im Banne des Handwerksmäßigen gehalten wurden und nicht zur freien und vollen Entfaltung ihrer künstlerischen Persönlichkeit gelangen konnten, so besaßen sie doch eine so reiche schöpferische Kraft und Erfindungsgabe, daß sie völlig Selbständiges leisten konnten. Vermochte
^[Abb.: Fig. 472. Rathaus in Rothenburg o. T.] ¶