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Werke sind, eines hat der Hermes vor ihnen voraus: er hat die Weihe, welche nur die Hand des Meisters geben kann.
Auch die beste Abbildung kann von den Schönheiten des Kunstwerkes eben nur einen Begriff geben. Um aber doch das Möglichste zu bieten, ist der Kopf des Hermes so groß wie zulässig auf der Tafel wiedergegeben. Der Kopf ist tadellos erhalten und giebt uns das schönste Bild der Kunstweise des Praxiteles. Die Schönheiten sind so leicht erkennbar, daß eine Beschreibung unnötig ist. Ich beschränke mich deshalb darauf, auf die Einfachheit und Größe der Auffassung und die sorgfältige Arbeit hinzuweisen.
In der Haltung nähert sich der Hermes schon mehr dem Apoll, doch ist die Entlastung des linken Fußes noch nicht so vollständig. Die Körperformen sind, obwohl kräftiger als die des Apoll und Satyr, doch weit entfernt von jener Herbheit, welche Phidias selbst seinen Frauen gab. Das Ideal des Praxiteles ist ja die schöne weiche Form, die Bildung des zarteren schwellenden Fleisches. Man vergleiche, um sich dessen recht bewußt zu sein, den Hermes mit den Wettkämpfern und mit Phidias Schöpfungen.
Der Sinn der Gruppe ist der folgende: Hermes ruht auf der Wanderung nach Nysa in Böotien, wohin er auf Zeus Befehl sein Brüderchen, den kleinen Dionysos, zu den Nymphen zu bringen hat. Das abgestreifte Gewand hat er über den Baumstamm geworfen, auf welchen er sich mit dem linken Arm, mit dem er sanft das Kind hält, stützt. In der Rechten hielt er wahrscheinlich eine Traube, nach welcher der kleine Dionysos verlangend greift. Ein kraftvoller Körper in weicher edelster Form ist das Bezeichnende des Praxitelesschen Götterbildes.
Andere Hermesbilder. Der ruhende Hermes ist noch öfter dargestellt worden, und ich füge (Fig. 119) zum Vergleich ein Werk bei, dessen Urbild in späterer Zeit entstanden und vielleicht einem Schüler des Lysippos zuzuteilen ist. Hier sitzt zwar der Gott, doch die Ruhe, die aus dem stehenden Hermes so deutlich spricht, ist hier nur scheinbar. Jeden Augenblick zum Aufspringen bereit, macht der Gott einen etwas unruhigen Eindruck.
Ares Ludovisi (Fig. 120). Auch ein ruhender Ares soll gleich hier angeführt werden, da er ein Beispiel der Ruhe eines kräftigen Manneskörpers ist und zugleich eine Anschauung davon giebt, wie der Kreis um Lysippos und Skopas das Fleisch bildete. Der Eros und die Beigaben sind jedenfalls vom Nachbildner zugefügt und verderben die schöne Wirkung des edel geformten Fußes.
Eros von Centocello. Dionysostorso. Zur weiteren Erläuterung der Art, wie die Künstler dieser Zeit den jugendlichen und reiferen männlichen Körper darstellten, dienen die zwei folgenden Bilder. - Der Eros von Centocello wird jetzt dem Praxiteles zugeschrieben und scheint wohl auch die Nachbildung jenes praxitelesischen Eros zu sein, welcher nach Berichten der Zeitgenossen in Thespiä 360-350 aufgestellt wurde.
Im Gegensatz zu den schmächtigen Formen des Eros steht der Dionysostorso. Ein weichlicher üppiger Manneskörper, der Art des Praxiteles nur in der Arbeit nachstehend. Die Gefahr, daß die schönen weichen Formen schon jetzt ins weichliche übergingen, lag
^[Abb.: Fig. 150. Perikles.
London, British Museum.] ¶
nahe, doch trat dem der größere Realismus des Lysippos und seines Anhanges entgegen. (Fig. 121, 122.)
Apollon vom Belvedere. Allmählich entwickelte sich in der Apollodarstellung eine Auffassung, die mehr das göttliche Hoheitsgefühl zum Ausdruck zu bringen suchte. Der Gott wurde nicht als ruhiger schöner Jüngling, wie z. B. «Apollon Sauroktonos» des Praxiteles dargestellt, sondern in einer vom Apollon von Olympia (Fig. 99, Mitte) abgeleiteten Form, nur daß er auch am Kampfe, den er dort gebietend leitet, selbst Teil nimmt. Der berühmteste Vertreter dieser Auffassung ist der Apollon vom Belvedere, dessen Urbild jedenfalls ein Bronzestandbild von Leochares, einem jüngeren Zeitgenossen des Praxiteles und Skopas, war und den Gott in einer Haltung dargestellt giebt, die darauf schließen läßt, daß er in der linken Hand einen eben abgeschossenen Bogen hielt. Ich gebe in Fig. 123 nur eine Abbildung des Kopfes, da es mir darauf ankommt, die geistige Umwandlung, die die Apollondarstellung im 4. Jahrhundert erfahren hatte, zu zeigen.
Das Gesicht hat nicht mehr den milden, sanften, fast weiblichen Ausdruck des Praxitelesschen Apolls, sondern einen ungleich hoheitsvolleren, der das Strahlende des Lichtgottes und das Heldenhafte, zugleich mit dem edlen Ausdruck hervorragender Geistesschönheit, wiederzugeben suchte.
Apollon mit der Kithara. Einer ganz anderen Auffassung begegnen wir in den Standbildern Apolls, die den Gott in langen schönfaltigen Gewändern, ein Musikinstrument, die Kithara, im Arm haltend, darstellen. Auch an diesen Werken hat der Kopf einen durchaus hoheitsvollen Ausdruck, der Gott ist in seiner Eigenschaft als Schützer des Gesanges und der Dichtkunst dargestellt, oder als Führer der Musen, deren Gesang er mit seinem Instrument begleitete. Als dieser wird er besonders in dem zweiten Werke (Fig. 125) angesehen, dessen Beiname: «Musagetes» Anführer der Musen bedeutet.
Bekleidete Männergestalten sind in der älteren griechischen Kunst sehr selten, deshalb wurde der Apollon Fig. 124 früher für die Darstellung einer weiblichen Gestalt - einer Muse - gehalten. Der Meister des Urbildes dieses Werkes ist unbekannt, doch darf man aus der Gewandbehandlung schließen, daß er dem Kreise des Phidias angehörte. Der Schöpfer des Urbildes des schreitenden Apollons Fig. 125 ist vielleicht Skopas gewesen; jedenfalls erlaubt die schwungvolle Auffassung und der Ausdruck größerer Bewegung, das Werk seinem Kreise zuzuteilen.
Darstellung des Weibes. Der bekleidete männliche Körper tritt uns in der griechischen Kunst von Anfang an selten entgegen; fast immer werden die männlichen Gestalten nackt dargestellt, mit Ausnahme
^[Abb.: Fig. 151. Sophokles.
Rom, Lateran.]
^[Abb.: Fig. 152. Herakles.
Sog. Herakles Farnese. Florenz, Pal. Pitti.] ¶