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Der “Parque Indigena do Xingu“ (PIX) befindet sich in der Nordostregion des Bundesstaates von Mato Grosso und im südlichen Abschnitt des brasilianischen Amazonien. Auf ihren 2.642.003 Hektar bietet die lokale Landschaft eine eindrucksvolle Biovielfalt, innerhalb einer Region des ökologischen Übergangs – von den Savannen und trockeneren Wäldern des südlichen Teils zum Amazonas-Regenwald gegen Norden, präsentiert sie “Cerrados“ und “Campos“, Wälder der “Várzea“ und solche der “Terra Firme“ sowie Wälder auf schwarzer, besonders fruchtbarer Erde. Das Klima unterscheidet zwischen einer Regenzeit – von November bis April, wenn die Flüsse anschwellen und der Fischfang schwierig wird – und einer Trockenzeit – in den übrigen Monaten, der Zeit der Wasserschildkröte, der reichlichen Nahrung und der grossen “inter-dörflichen“ Zeremonien.
Im Süden des Parkgeländes liegen die Quellflüsse des Rio Xingu, einem Becken, in dem sich die Flüsse Rio von den Steinen, Rio Jatobá, Rio Ronuro, Rio Batovi, Rio Kurisevo und Rio Kuluene vereinen – letzterer bringt zusammen mit dem Bativi und Ronuro die Hauptwassermenge heran.
Die Demarkation des Parks wurde 1961 abgeschlossen und registriert – betroffen sind davon Teile der Distrikte Mato Grossos von Canarana, Paranatinga, São Félix do Araguaia, São José do Xingu, Gaúcha do Norte, Feliz Natal, Querência, União do Sul, Nova Ubiratã und Marcelândia.
Die Idee seiner Gründung entstand am runden Tisch des Vizepräsidenten der Republik im Jahr 1952, damals der Vorläufer eines viel grösseren Parkgeländes als schliesslich nach seiner endgültigen Konkretisierung übrig geblieben war. Ungeachtet der Anwesenheit von Legislative und Exekutive des Bundesstaates Mato Grosso an diesem runden Tisch, inklusive der Präsenz des Gouverneurs, begann die Landesregierung später Abschnitte aus dem beschlossenen Parkareal an Kolonisierungs-Unternehmen zu vergeben. Und als dann der “Parque Nacional do Xingu“ schliesslich gegründet wurde – durch das Dekret nº 50.455, vom 14/04/1961, unterzeichnet vom Präsidenten Jânio Quadros, entsprach seine definitive Fläche nur noch einem Viertel der ursprünglich beschlossenen. Der Park wurde dann reglementiert durch das Dekret nº 51.084, vom 31/07/1961 – Veränderungen wurden von den Dekreten nº 63.082, vom 6/08/1968 und nº 68.909, vom 13/07/1971 vorgenommen, und seine endgültige Demarkation in den heutigen Grenzen wurde 1978 abgeschlossen.
Anfangs befand sich der neu gegründete “Parque Nacional” in einer gewissen “Zwitter-Situation”, wegen seiner einerseits geschützten Landschaft und andererseits der geschützten Indianer-Bevölkerung, auf der seine eigentliche Einrichtung gründete – und somit war sein Areal einerseits der Behörde für Naturschutz unterstellt als auch, andererseits, der Behörde für den Schutz der Indianer. Erst mit der Gründung der FUNAI (1967, in Ablösung des alten SPI – Serviço de Proteção aos Índios) wurde aus dem “Nationalpark“ ein “Indianer-Park“ – in dem man in erster Linie zum Schutz der eingeborenen Gesellschaftsdiversität überging.
Angesichts der verschiedenen Völker, die dort leben, kann man den „Parque Indígena do Xingu“ in drei Teile trennen:
Einen im Norden (bekannt als “Unterer Xingu“), einen in seiner zentralen Region (den so genannten “Mittleren Xingu“) und einen anderen im Süden (den “Oberen Xingu“).
Im südlichen Teil befinden sich die Quellflüsse des Xingu-Stroms – der mittlere Teil reicht von “Morená“ (Treffpunkt der Flüsse Ronuro, Batovi und Kuluene, von den Völkern des Oberen Xingu als Ort der Schöpfung und Anfang des Rio Xingu bezeichnet) bis zur “Ilha Grande“ – und wenn man dem Rio Xingu folgt, erreicht man den nördlichen Teil des Parks (die beigefügte Karte zeigt alle Dörfer und FUNAI-Posten).
Im Süden leben die kulturell sich ähnelnden Völker, innerhalb des so genannten kulturellen Areals des “Oberen Xingu“, dessen Ethnien vom „Posto Indígena Leonardo Villas Bôas“ versorgt werden. Am “Mittleren Xingu“ leben die Trumai, die Ikpeng und die Kaiabi, welche vom “Posto Pavuru“ versorgt werden. Im Norden leben die Suyá, Yudjá und Kaiabi, in deren Nähe sich der “Posto Diauarum“ befindet. Jeder FUNAI-Posten unterstützt die Logistik von Projekten und Aktivitäten, welche im Park entwickelt werden – wie zum Beispiel Erziehung und Gesundheit – und in jedem Posten existiert eine UBS (Unidade Básica de Saúde – Gesundheitsversorgung), dort arbeiten eingeborene Agenten für medizinische Betreuung und Mitarbeiter der UNIFESP (Universidade Federal de São Paulo), akkreditiert von der FUNASA. Es gibt noch weitere elf Wachposten an den Parkgrenzen verteilt, an den Ufern der wichtigsten Quellflüsse des Rio Xingu.
In den achtziger Jahren begannen die ersten Invasionen von Anglern und Jägern im Territorium des PIX. Ende der neunziger Jahre drohten die Flächenbrände auf Fazendas im Nordosten vom Parkgelände das Schutzgebiet zu erreichen, und der Vormarsch der Sägewerke im Westen kam in bedrohliche Nähe der von der Demarkation definierten Parkgrenzen. Darüber hinaus begannen die rund herum angesiedelte lokale Bevölkerung die Quellflüsse des Xingu zu verschmutzen, welche sich dummerweise ausserhalb der demarkierten Zone befinden. Während dieser Geschehnisse stellten die PIX-Bewohner fest, dass sich eine unwillkommene “Umarmung“ anbahnt: Der Park wird umzingelt von einem Besiedelungsprozess und dadurch immer mehr zu einer “bewaldeten Insel“ inmitten von Weideflächen und Monokulturen in der Region des Xingu.
Unter den Problemen, denen die Bewohner des Parks sich täglich gegenüber sehen, entstammen die meisten wohl jenem ungeregelten Besiedlungsprozess in seinem Umfeld. Unter “Umfeld des PIX“ versteht man diejenige Region von Mato Grosso, welche sich um die bedeutendsten Nebenflüsse des Rio Xingu erstreckt – angefangen von seinen Quellen. Parallel zum Xingu verlaufen zwei Autostrassen, die als Achsen der Landbesetzung durch Neusiedler funktionieren: im Westen des PIX die “Cuiabá-Santarém“ (BR-163) – und im Osten die BR-158. Durch diese “feindlichen“ Zustände sind die natürlichen Ressourcen und die Gesellschaftsdiversität des Parks entlang eines Radius von 900 km besonders gefährdet.
Während der neunziger Jahre stimulierte die Sorge der Indianer wegen solcher Bedrohungen eine bemerkenswerte Serie von gemeinschaftlichen territorialen Klagen. Zwei davon, die angehört wurden, erreichten eine zusätzliche Demarkation der Indianer-Territorien “Wawi und Batovi“ – für die Stämme Suyá und Waurá – gesetzlich abgesegnet 1998. Darüber hinaus erweiterte man den Park nun auf 2.797.491 Hektar.
Im Anschluss an diesen Prozess artikulieren sich derzeit die Ikpeng, um sich wenigstens einen Teil ihres angestammten Territoriums im Gebiet des Rio Jatobá zurück zu holen, das ausserhalb der Parkgrenzen liegt. Auch die Waura verhandeln noch, um eine Region, welche sie “Kamukuaká“ nennen, die auf dem Gebiet einer Fazenda liegt und die ihnen heilig ist, in ein Naturschutzgebiet umgewandelt wird.
Die Frage der Kontrolle über das Territorium ist stets eins der wichtigsten politischen Themen im Zusammenhang mit dem Park und wird sowohl bei Versammlungen von Stammesführern als auch bei Meetings der ATIX (Associação Terra Indígena Xingu), im Gespräch mit der FUNAI oder der Naturschutzbehörde IBAMA (der Föderation) und der FEMA (bundesstaatlich) diskutiert. In diesem Sinne wurde auch die Infrastruktur jener erwähnten elf Wachposten montiert, welche alle in den Park führenden Flüsse oder Erdpisten kontrollieren, die einen direkten Zugang zum Parkgelände zulassen.
Trotz alledem sind diese Posten allein nicht in der Lage, mit den Situationen fertig zu werden, die den Park von allen Seiten seines Umfeldes mit Problemen bedrohen und wird deshalb durch weitere Aktionen unterstützt, die im Umkreis des “Projeto Fronteiras“, einer Gemeinschaftsarbeit von ATIX und ISA, entwickelt wurden. Dieses Projekt kontrolliert die Dynamik der Waldabholzung mittels Satellitenfotos, sowie die Identifizierung von neuen Besetzungsvektoren im Umfeld des PIX. Ausserdem kontrolliert es die kapazitativen Fähigkeiten der Posten-Kommandanten, die Instandsetzung und Erhaltung der Markierungen an den physischen Grenzen des Park-Territoriums und offeriert eine Datenbank aller Fazenda-Besitzer, deren Land an das Gelände des PIX grenzt. Diese Einrichtungen ermöglichen den Indianern aus der Nähe jegliche Veränderungen an den Parkgrenzen einzuschätzen und zu verfolgen, und sie mobilisieren die Kommunen bei eventuellen Bedrohungen von aussen – sowohl durch inter-dörfliche Diskussionen als auch durch Alarmierung der verantwortlichen öffentlichen Organe (FUNAI, IBAMA und die Landesregierung).