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Es war wieder soweit: in «Spectre» kehrte James Bond im Auftrag ihrer Majestät auf die Kinoleinwand zurück. Seit über fünfzig Jahren steht ihm dabei die britische Automarke Aston Martin zur Seite. 1964 kam der Sportwagen im Film «Goldfinger» erstmals zum Einsatz.
Text Silvan Lipp
James Bond hat nicht zum ersten Mal mit «Spectre» zu tun. In den James Bond-Filmen aus den 1960er und 1970er Jahren versuchte der MI6 mehrmals, diese mächtige Verbrecherorganisation zu zerschlagen. Dabei setzte der Geheimdienst auf seinen besten Agenten, 007. Nachdem James Bond die Führungsfiguren von «Spectre» – wie zum Beispiel Dr. No oder Blofeld – nach und nach beseitigen konnte, verschwand die Verbrecherorganisation von der Bildfläche.
Im neusten James Bond-Film, der ab November 2015 in den Kinos lief, drehte sich alles wieder um «Spectre». Auf seiner Mission darf der elegante Gentleman auch im neusten Film auf einen ebenso eleganten Sportboliden zählen: einen Aston Martin DB10. Seit dem frühen Bond-Klassiker «Goldfinger» vor über fünfzig Jahren besteht zwischen Bond und der britischen Automarke Aston Martin eine innige Beziehung.
In der Romanvorlage für «Goldfinger» setzte James-Bond-Erfinder Ian Fleming seinen Geheimagenten 007 hinter einen Aston Martin DB Mark III. Als 1964 die Dreharbeiten zu «Goldfinger» anliefen, hatte Aston Martin gerade kurz davor den neuen DB5 auf den Markt gebracht und so war es naheliegend, dass die neueste Version des britischen Sportwagens für den Dreh zum Einsatz kommen sollte.
Für Aston Martin war es ein Glücksfall, seinen neusten Wagen in einem James Bond–Film präsentieren zu dürfen. Der britische Kleinserienhersteller hatte schwierige Zeiten hinter sich. Mehrere Male wechselten die Eigentümer und der Name der 1913 gegründeten Automarke. Was konnte also Besseres passieren, als ein Product-Placement in einem James Bond–Film? Die Szenen, in denen 007 in «Goldfinger» mit seinem silbernen Aston Martin mit quietschenden Reifen durch die Schweizer Alpen raste und so manches Duell gewann, waren beste Werbung für den britischen Sportwagenhersteller. Es war der Anfang der Legende «Aston Martin DB5»
«Wo ist mein Bentley?»
Auch die Szene der Einführung des Aston Martin im Film «Goldfinger» ist inzwischen legendär, denn Sean Connery alias James Bond nahm den neuen Dienstwagen etwas widerwillig in Empfang. Er musste zunächst vom Quartiermeister «Q» überzeugt werden. James Bond war nämlich mit seinem bisherigen Dienstwagen, einem Bentley Mark IV, ganz zufrieden. «Wo ist mein Bentley?», fragt 007 denn auch den Quartiermeister in «Goldfinger». Die Tage des Bentleys seien gezählt, antwortet «Q». «Er hat mich nie im Stich gelassen», entgegnet Bond. «Befehl von M, 007», erwidert «Q», «Sie fahren jetzt diesen Aston Martin DB5.»
Der Aston Martin DB5 – das Kürzel DB steht für den langjährigen Aston Martin Eigentümer David Brown, der die Automarke 1947 übernahm – war eine weiterentwickelte Version des Vorgängers DB4. Was das Design betrifft, baute man weitgehend auf dem DB4 auf. Das Modell DB4 wurde 1958 eingeführt und unterschied sich im Äusseren deutlich von den bisherigen Modellen. Entworfen von einem italienischen Karosseriehersteller, zeichnete sich der DB4 durch eine neue schnittige und sportliche Eleganz aus. Daran wollte man bei der Entwicklung des DB5 nichts ändern.
Während beim Äusseren die Stilelemente vom DB4 beibehalten wurden, haben die Autobauer beim Motor und Getriebe neue Akzente gesetzt. Der Motor des DB5 wurde von 3,8 auf 4 Liter Hubraum vergrössert und neu fand ein Fünfgang-Getriebe Eingang. Der Sechszylinder-Reihenmotor leistet über 280 PS. Trotz stolzem Gewicht von 1,5 Tonnen schaffte es der DB5 in nur etwas mehr als sieben Sekunden auf Tempo 100 und auf maximal rund 230 km/h. Ein leistungsstarkes Sportgerät, mit dem sich Bond auf die Jagd von Bösewichten begeben konnte. Doch Motorkraft alleine genügt dem Gentleman-Agenten bekanntlich nicht. Bei James Bond gehört auch Exklusivität und Eleganz dazu. Der Aston Martin DB5 bot beides: er wurde zwischen 1963 und 1965 nur gerade rund tausend Mal hergestellt und die sportliche Eleganz des DB5 passte so gut zu Bond wie sein massgeschneiderter Anzug.
Der Aston Martin DB5 von 007 war nicht nur ein Sportauto, sondern auch ein Spielzeug. Der neue Dienstwagen ging selbstverständlich über die Standardausrüstung hinaus. Für den Kampf gegen den Bösewicht Goldfinger versah Quartiermeister «Q» den Aston Martin mit einer Reihe von Gadgets, so unter anderem mit einem Maschinengewehr hinter den vorderen Blinklichtern, ausfahrbaren Reifenschlitzern, ausfahrbarer und kugelsicherer Rückwand, Rauchgenerator, Ölspray hinter den Rücklichteinheiten, Radaranlage, Schleudersitz oder – wie praktisch – mit automatischen Wechselnummernschildern mit Kennzeichen aus England, Frankreich und der Schweiz. Der Aston Martin DB5 war also nicht nur Sportwagen, sondern auch Waffentransporter. Fast alle diese Extras kamen dann auch tatsächlich zum Einsatz. James Bond verfolgt in seinem Aston Martin Goldfingers Rolls Royce von England in die Schweiz, setzt die ausfahrbaren Klingen ein, um einen weissen Ford Mustang auszuschalten und setzt mehrere Mercedes unter Einsatz diverser Gadgets ausser Gefecht – bevor die elegante britische Luxuskarosse schliesslich in eine Fabrikwand kracht. Auch das gehört zu James Bond: kaum eines seiner Einsatzinstrumente findet den Weg ohne Kratzer zurück in die Londoner Zentrale.
Hinter den Gadgets des Aston Martin steht Sir Ken Adam, der legendäre Production Designer, der in den frühen Bond-Filmen als Szenenbildner und Filmausstatter das Design und den Stil massgeblich prägte und auch an der Ausrüstung des Aston Martin tüftelte. In einem NZZ-Interview aus dem Jahr 2009 gab der Autoliebhaber Einblick, wie es zum bewaffneten Aston Martin in «Goldfinger» kam. «Ich hatte zu dieser Zeit selbst einen Sportwagen, einen Jaguar E-Type. Jedes Mal, wenn ich ihn in London parkiert habe, wurde er von jemandem geschrammt oder gar zerbeult. Also habe ich im Geiste Rache genommen. Die Gadgets wurden fortan zu einem wichtigen Bestandteil der James-Bond-Filme.»
Auch im Film «Feuerball» (1965) setzte James Bond auf den Aston Martin DB5. Diesmal wurde hinten zusätzlich eine Wasserkanone installiert, die wirkungsvoll eingesetzt wurde, um die Bösewichte auf Abstand zu halten. In «Feuerball» trat der graue Klassiker DB5 dann vorerst das letzte Mal auf. Trotzdem stellte die britische Automarke Aston Martin in weiteren James Bond-Filmen den Dienstwagen. In «Geheimdienst ihrer Majestät» (1969) mit George Lazenby als James Bond war es ein Aston Martin DBS und im Streifen «Der Hauch des Todes» aus dem Jahr 1987 stand dem Bond-Darsteller Timothy Dalton ein Aston Martin V8 Vantage zur Verfügung.
DB5 kehrt zurück
Es dauerte rund dreissig Jahre, bis der Kult-Aston Martin DB5 im Jahr 1995 mit dem Filmdebüt von Pierce Brosnan in «Goldeneye» in einem spektakulären Duell mit einem roten Ferrari auf die Kinoleinwand zurückkehrte. Es folgten weitere Auftritte des DB5 in den Filmen «Der Morgen stirbt nie», «Casino Royale» und zuletzt in «Skyfall». Apropos «Skyfall»: auch der jetzige James Bond–Darsteller Daniel Craig weiss, wie man den DB5 elegant zerstört. Nachdem der Klassiker von feindlichen Kugeln durchlöchert wurde, jagte Bond ihn mit einer Explosion in die Luft. Wie auch immer: durch die Filmauftritte in mehreren James Bond-Filmen hat der DB5 längst Legendenstatus erreicht.
DB10 in «Spectre»
Im Dezember 2014 gab Aston Martin bekannt, dass im neusten 007-Streifen ein Unikat zum Einsatz kommt, nämlich der DB10. Das Fahrzeug wurde speziell für den Bond-Streifen entworfen und gibt einen Ausblick auf das neue Design des Sportwagens. Ganz ein Unikat soll es dann doch nicht bleiben, denn später soll eine kleine, sehr exklusive Anzahl des top-modernen Sportflitzers hergestellt werden: Die Anzahl DB 10 werde aber auf strikt 10 Exemplare limitiert, teilte Aston Martin mit. Über die Frage, ob im neusten Bond-Film auch der legendäre DB5 eine Rolle haben wird, wird derzeit genauso spekuliert wie darüber, ob es dem Gentlemen-Agenten wohl dieses Mal gelingen möge, den Aston Martin in seiner Vollständigkeit und ohne Kratzer von A nach B zu bewegen.
Alle Bilder: © Aston Martin
Ausser dasjenige mit Sean Connery: Raoul Luoar I flickr I CC BY 2.0
Aus Vintage Times 2/2015