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Beratungsformen
Mediation
«Man läuft Gefahr zu verlieren, wenn man zu viel gewinnen möchte.»
La Fontaine
Ausgangslage
Mediation ist ein Konfliktlösungsverfahren, das in den angelsächsischen Ländern eine bald zwanzigjährige Tradition hat. In den USA werden immer mehr Rechtsstreitfälle nicht mehr vor den Schranken eines Gerichts ausgetragen, sondern via Mediation gelöst. Die Schweiz hinkte lange hinterher; die Methode wurde hier vor allem bei Ehe- und Scheidungsstreitigkeiten angewandt. Inzwischen macht Mediation als aussergerichtliche und kooperative Konfliktlösungsmethode, mit der Kontrahenten Geld, Zeit und Nerven sparen können, auch in der Schweiz Schule. Zum Beispiel bei Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen, etwa bei Marketings-Streitigkeiten. Zunehmend kommen Vermittler auch bei politischen Auseinandersetzungen und bei Konflikten innerhalb von Unternehmen, Verwaltungen, Organisationen und Schulen zum Einsatz.
Mediation kann nicht immer den Weg vor Gericht ersetzen. Trotzdem kann es sinnvoll sein, diese Konfliktbehandlung durch Vermittlung ergänzend zu einem Gerichtsverfahren einzusetzen.
Ziel
Mediation zielt darauf ab, eine Konfliktlösung ohne Verlierer zu finden. Am Schluss soll es keinen Verlierer geben, sondern eine sogenannte Gewinner-Gewinner-Situation.
Vorgehen
Der Mediationsprozess verläuft nach einem festen Muster in mehreren Phasen:
1. Phase:
Hier werden die Streitparteien zugunsten einer Mediation sensibilisiert und anschliessend wird Kontakt zu möglichen Mediatorinnen und Mediatoren aufgenommen.
2. Phase:
Hier werden gemeinsam Informationen beschafft, analysiert, die Lage wird beurteilt, ein Vorgehensplan erarbeitet, Vertraulichkeit zugesichert, Regeln werden erklärt, das Ziel wird verdeutlicht, das Verfahren erläutert, die Rolle der Mediatorin/des Mediators erklärt und eine Mediationsvereinbarung wird unterzeichnet.
3. Phase:
Hier werden Standpunkte vorgetragen, zusammengefasst und wenn nötig umformuliert.
4. Phase:
Hier wird nachgefragt, geklärt, werden Motive und Gefühle herausgefunden und Wünsche formuliert.
5. Phase:
Hier werden möglichst viele Lösungsansätze zusammengetragen, diskutiert und bewertet (gegebenenfalls zuerst auch in verschiedenen Gruppen und Gremien separat), und es wird nach einem Konsens gesucht.
6. Phase:
Das Ergebnis der Mediation ist eine in allen Details gemeinsam erarbeitete Vereinbarung. Zu einer solchen kommt es aber nur, wenn alle Konfliktparteien der Lösung zustimmen. Die Vereinbarung wird in der Regel schriftlich festgehalten, von allen unterschrieben und ist verbindlich.
Prinzipien
Im Zentrum der Mediation steht weder die Vergangenheitsbewältigung noch die Frage nach Schuld und Unschuld oder die Frage nach Gewinnen und Verlieren, sondern die Suche nach einer Lösung, die alle Parteien als optimal und fair bezeichnen können. Die Mediation ist ihrem Wesen nach zukunftsgerichtet und lösungsorientiert. Bei der Konfliktregelung finden emotional-psychodynamische Aspekte die gleiche Beachtung wie rechtlich-wirtschaftliche Fragen. Das Suchen nach Vorteilen für beide Seiten hat weniger mit Moral als vielmehr mit Vernunft und Logik zu tun, weil Gewinner-Verlierer-Lösungen über kurz oder lang immer wieder zu neuen Konflikten führen. Die weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen sind ein trauriges Beispiel dafür, aber das Gleiche gilt für Verhandlungen zwischen Geschäftspartnern und im zwischenmenschlichen Alltag.
Im Gegensatz zu einem Gerichts- oder Schiedsgerichtsverfahren sind die Parteien für die Lösung selber verantwortlich.
Einige Erfolgsvoraussetzungen
Für den Erfolg von Mediation ist es unabdingbar nötig, dass alle Konfliktparteien an einer Konfliktlösung interessiert sind, eine einvernehmliche Lösung (Gewinner-Gewinner-Lösung) finden wollen und dass keine der Parteien massiv schlechtere Karten hat.
Die Mediatorin/der Mediator muss von allen Konfliktparteien akzeptiert und respektiert werden.
Rolle der Mediatorin/des Mediators
Die Mediatorin/der Mediator hilft den Konfliktparteien mittels Gesprächs- und Verhandlungshilfen, eigenständig und eigenverantwortlich eine Lösung des Konflikts zu finden, die dann eine bessere Tragfähigkeit verspricht als ein gerichtlicher Urteilsspruch oder der Vorschlag eines formellen Schlichters.
Die Mediatorin/der Mediator kann tragfähige Lösungen skizzieren, hat jedoch keine Entscheidungskompetenz. Sie/er muss neutral sein, was das Ergebnis betrifft, aber genau auf Handlungen und Verhaltensweisen der Parteien achten. Die Mediatorin/der Mediator baut Brücken des Verstehens. Sie/er schafft zu diesem Zweck eine angenehme Atmosphäre. Der Mediatorin/dem Mediator obliegt auch, die Kommunikation aufrechtzuerhalten und zu verbessern und die Kontrolle über den Ablauf und den Rahmen des Gesprächs zu behalten.
Die Mediatorin/der Mediator kann das Gespräch von sich aus abbrechen, wenn keine vernünftige und/oder ethisch verantwortbare Lösung gefunden wird.
Dauer
Je nach Konflikt kann ein einzelnes Gespräch für die Erarbeitung einer gemeinsamen Vereinbarung reichen. Oft sind aber mehrere Sitzungen nötig.
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