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Mit dem Nein der Griechen zur Sparpolitik der EU wird ein Ausstieg aus dem Euro wahrscheinlicher. Griechenland wäre nicht das erste Land, das plötzlich eine neue Währung erhält. Deutschland hat's erlebt – mehrmals.
Der klare Ausgang des Referendums in Griechenland lässt kaum noch Spielraum übrig: In den kommenden Wochen wird Athen wohl eine neue Währung einführen müssen. Möglicherweise wird es eine Übergangslösung in der Form von Schuldscheinen als Zahlungsmittel geben. Griechenland wäre nicht das erste Land, das den Ausweg aus einer ökonomischen Sackgasse in einer neuen Währung sucht. Ausgerechnet Deutschland hat dies schon mehrmals erlebt:
Die deutsche Währung, 1871 mit der Gründung des Kaiserreichs eingeführt, war bis 1914 sehr stabil. Dann, mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, wurde die Golddeckung der Mark aufgegeben. In den folgenden neun Jahren, die von Krieg, Revolution und Unruhen geprägt waren, wurde die Mark vollkommen zerrüttet. Im Dezember 1922 gab es für einen Dollar nur noch 2000 Mark, doch im November 1923 kostete ein Dollar sage und schreibe 4,2 Billionen Mark. Zum Vergleich: 1914 waren es noch 4,20 Mark gewesen.
Es folgte ein radikaler Währungsschnitt: Die «Rentenmark» wurde ausgegeben und löste die Papiermark im Verhältnis 1:1 Billion ab. Die neue Währung gewann das Vertrauen der Deutschen. Allerdings kam es dabei zu einer beispiellosen Umverteilung: Sparer und Rentner guckten in die Röhre; Schuldner – der grösste war der Staat selbst – sowie Besitzer von Sachwerten profitierten. 1924 löste dann die Reichsmark die Rentenmark ab. Sie blieb bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 weitgehend stabil.
Die Hyperinflation traumatisierte die Deutschen. Noch heute ist die Furcht vor Inflation ins kollektive Unterbewusstsein der Deutschen eingeschrieben. Die Zerstörung des deutschen Mittelstandes begünstigte überdies den Aufstieg der Nazis, der 1929 in der Deflation und Depression der Weltwirtschaftskrise einsetzte.
Noch vor Kriegsausbruch hatte das Nazi-Regime viel ungedecktes Geld ausgegeben, die daraus folgende Inflation aber durch staatliche Preis- und Lohnkontrollen gedrückt. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg brach diese rückgestaute Inflation voll aus. Die Reichsmark verlor ihre Funktion als Mittel für Zahlung und Wertaufbewahrung fast vollständig; Sachwerte – zum Beispiel Zigaretten – dienten als Parallelwährung auf dem schwarzen Markt.
Die Währungsreform wurde von den drei westlichen Militärregierungen am Sonntag, dem 20. Juni 1948 in ihren jeweiligen Besatzungszonen durchgeführt. Ab dem 21. Juni war die D-Mark alleiniges Zahlungsmittel, die Bevölkerung erhielt ein Kopfgeld in bar. Alle Altgeldbestände mussten auf ein Konto einbezahlt werden und wurden dann im Verhältnis 10:1 in D-Mark umgewandelt. Durch die neue Währung entfiel auch die Preisbindung; die Schaufenster füllten sich und der Schwarzmarkt verschwand.
Die erfolgreiche Währungsreform von 1948 war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entstehung der Bundesrepublik und damit auch der deutschen Teilung. Zugleich bildete sie die Basis des sogenannten Wirtschaftswunders, das wiederum den Mythos der D-Mark festigte.
Im November 1989 fiel die Mauer. Die moribunde DDR blieb noch bis zur Wiedervereingung am 3. Oktober 1990 bestehen – doch ihre Bürger wollten die D-Mark sofort. «Entweder die D-Mark kommt zu uns oder wir kommen zur D-Mark», war die Losung. Tatsächlich verliessen allein im Januar 1990 mehr als 200'000 Menschen die DDR. Im Alleingang beschloss daher Bundeskanzler Helmut Kohl am 7. Februar eine Währungsunion zwischen den beiden Staaten, die am 1. Juli in Kraft treten sollte.
Die Währungsunion vereinte zwei Staaten mit einer völlig unterschiedlichen Wirtschaftsordnung und -leistung und bedeutete für die DDR zugleich den plötzlichen Übergang zur Marktwirtschaft. Der Wechselkurs betrug grundsätzlich 1:2, wobei ein persönlicher Festbetrag von 4000 Mark 1:1 umgetauscht werden konnte. Auch die Löhne wurden 1:1 umgestellt.
Dieser hohe Kurs war politisch begründet; er kam den Wünschen der DDR-Bürger entgegen. Aber er war einer der Faktoren, der für den Zusammenbruch der Wirtschaft in der Noch-DDR führte. Die Unternehmen in Ostdeutschland verloren jede Chance, im internationalen Wettbewerb zu bestehen – im Gegensatz zu den Firmen in anderen ehemaligen Ostblockstaaten, die keine Währungsunion erlebten.
Erst ab dem 1. Januar 2002 hielten die Menschen in der Eurozone tatsächlich Euro-Noten und -Münzen in den Händen. Doch als Buchgeld war die Gemeinschaftswährung bereits auf den 1. Januar 1999 eingeführt worden. Die Währungen der Euroländer waren seither fest an den Euro gekoppelt, die D-Mark im Verhältnis von beinahe 1:2. Ab 2002 verloren sie ihre Eigenschaft als gesetzliche Zahlungsmittel.
Besonders in Deutschland schlug der neuen Währung viel Misstrauen entgegen. Zum einen verlor die D-Mark mit der Umstellung ihre Rolle als europäische Leitwährung. Zum andern aber war sie schon längst Symbol für Wirtschaftswunder, Stabilität und Wohlstand. Demgegenüber galt die ungeliebte Einheitswährung bald als «Teuro».
Vorteile wie der Wegfall von Geldumtausch, Wechselgebühren und Wechselkursrisiken innerhalb der Eurozone konnten die Deutschen mit der neuen Währung nicht wirklich versöhnen, zumal spätestens mit der Schuldenkrise ab 2009 deren Mängel sichtbar wurden. Vergessen ging dabei, dass auch die D-Mark nicht immer stabil gewesen war: In den 70er und 90er Jahren hatte sie inflationäre Schübe erlebt. Paradoxerweise profitiert heute ausgerechnet Exportweltmeister Deutschland, der die Inflation fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, von der Schwäche des Euro.