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Ruhi hat eine neue Cousine und schlechtere Noten! Allerdings nur in Arabisch und Religion, in allen anderen Fächer waren sie gewohnt brillant. Stolz trug sie ein Schild mit der Aufschrift „Monitor“ auf ihrer Schuluniform.
Dieses darf der Schüler mit der besten Prüfung tragen, und sie hätte die letzten beiden Prüfungen in Englisch und Singhalesisch mit der maximalen Punktezahl bestanden.
Wir übergaben ihr die Karte und das Geschenk von ihren Paten. Wir hatten den Brief mit der Karte geöffnet, um das Schweizer Geld gegen Rupien auszutauschen, und Ruhi hat das Geld ganz verschämt zur Seite geschoben, um die Karte zu lesen. Das Geschenk wurde auch gleich weggeräumt, da es sich in Sri Lanka nicht gehört, vor den Augen des Schenkenden (oder Überbringers) dieses zu inspizieren.
Ganz erstaunt hörten wir ihr zu, wie sie akzentfrei Englisch las, sie geriet einzig ins Stocken bei einigen sehr unleserlichen Passagen. Max wird sich in Zukunft mehr Mühe geben müssen, leserlicher zu schreiben. Ganz alles verstand sie jedoch nicht, und Roy hat ihr die Nachricht noch übersetzt. Vor allem den Teil, dass sich ihre Paten über eine von ihr selber geschriebene Nachricht freuen würden. Egal in welcher Sprache.
Nächsten Sommer schliesst sie die Grundschule ab und möchte dann an eine grössere Schule in der Nähe von Colombo gehen. Dort lebt ein Bruder ihres Vaters mit seiner Familie, und sie würden Ruhi aufnehmen. Je besser ihre Noten sein werden, umso grösser die Chancen, von der Schule aufgenommen zu werden. Um sehr gute Schüler würden sich die Schulen reissen. Sonst sei die Aufnahme fast nur möglich, falls der Vater auch bereits auf der Schule gewesen sei und/oder in der Lage, der Schule eine grössere Spende zukommen zu lassen.
Roy hat den Grossvater über den Christian Child Fund befragt, und die Antwort war wie jedes Jahr dieselbe: Schultasche zum Schulanfang und Rs. 1000 (CHF. 7.20) zum Geburtstag. Dafür muss er halbjährlich einen Dankesbrief an deren Büro abliefern.
Ende der Woche sassen wir vor dem Haus von Roys Schwägerin. Alle waren ausgeflogen und er und Humaid waren zum Freitagsgebet in der Moschee, als der Grossvater mit Ruhi auf einem Motorrad angefahren kam. Sie brachten einen Brief für Max und Christine in Singhalesisch.
Mit dem Grossvater hatten wir keine gemeinsame Sprache, und er beschränkte sich auf lächeln und Kopf wackeln. Michel hielt sich ebenfalls vornehm zurück, und so entspann sich ein Gespräch unter Frauen……..streckenweise war Ruhis Englisch sehr gut, dann wieder ging es nur noch mit Händen und Füssen.
Ob sie wirklich nach Colombo und damit von Grosseltern und Cousinen weg an die Schule möchte? Sie nickte heftig, schliesslich wolle sie Ärztin werden, und das ginge nur, wenn sie eine bessere Schule besuchen könne.
Eine Ärztin für Babies, oder für Frauen oder gar Chirurgin und Leute aufschneiden?? Ihr Kopfschütteln wurde immer rigoroser. Sie wolle im Krankenhaus arbeiten und Leuten helfen. Dass sie dabei aber zumindest Leute wieder zusammenflicken müsse, sei ihr aber schon bewusst? So ganz ausgereift scheint ihr Berufsziel noch nicht zu sein.
Es war ein vergnügliches Plauderstündchen, bis der Rest von Roys Familie nach Hause kam und Übersetzungshilfe bei ein paar Ungereimtheiten leistete.
Sie würde sich ausserordentlich freuen, wenn ihre Paten sie tatsächlich besuchen würden!