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Das Kino Kunstmuseum widmet traditionellerweise regelmässig auch dem lateinamerikanischen Filmschaffen einen Programmschwerpunkt – diesmal im Rahmen des Festivals ‹Filmar en América Latina›, das im November in Genf und weiteren Schweizer Städten stattfindet.
Der Fokus der Berner Auswahlschau gilt dem Kinoland Kolumbien mit einer Werkschau des grossen kolumbianischen Regisseurs Sergio Cabrera, der spätestens mit La estrategia del caracol auch in Europa die Herzen des Publikums erobert hat. Sergio Cabrera, Sohn eines Schauspielers und einer Theaterdirektorin, wächst bis zu seinem zehnten Lebensjahr in Kolumbien auf. Danach zieht die Familie nach China, wo Cabrera in Beijing Philosophie studiert.
Mit 18 Jahren kehrt er nach Kolumbien zurück, wo er sich in der Guerillabewegung der EPL engagiert. Nach seiner Filmausbildung in London ist er von 1977 bis 1997 in Kolumbien als Filmregisseur tätig. Seit 1992 führt er zudem in Spanien und Kolumbien Regie für verschiedene Fernsehserien, so auch für die in Spanien vielfach ausgezeichnete Serie Cuéntame cómo se pasó. Neben den Werken Cabreras steht eine Auswahl an neueren und älteren kolumbianischen Filmproduktionen auf dem Programm.
Zu den Neuheiten gehören der Festivalrenner Vuelco del cangrejo, der im März am Internationalen Filmfestival Freiburg mit dem Publikumspreis ausgezeichnet worden ist, und Sumas y restas von Victor Gaviria, der als Berner Premiere zu sehen ist. Mittlerweile zum offiziellen Kanon der kolumbianischen Filmgeschichte gehören La gente de la Universal von Felipe Aljure und auch Jaime Osorio Gómez’ Confesión a Laura.
Ilona llega con la lluvia
(Ilona Comes with the Rain)
Kolumbien / Italien / Spanien 1996
Eine Geschichte von Leuten, die auf allen sieben Meeren zu Hause sind, Abenteurern, die in den grossen Seehäfen Schiffe ersteigern, um mit einer Ladung Elfenbein oder Baumwolle von Tanger nach Shanghai oder von Cartagena nach Oostende zu fahren, und immer wieder diese wunderbare Ansicht von Panama, im Morgennebel, im Abendlicht, und selbst der Regen, der in diesem Film fällt, ist schön. Und in die erste Geschichte eingelassen ist eine zweite, die Geschichte einer Frau, die sich auf einem Frachter zwischen Syrakus und Panama in zwei Geister verliebt (...). Und so langsam, wie der Film voranschreitet, wirkt auch sein Zauber, der Zauber einer grenzenlosen Welt, in der nichts anderes zählt als das, was zwischen den Menschen passiert, den Freunden und den Feinden und den Liebenden (...). Andreas Kilb
Sa 06. 11. 18.00 h
Di 09. 11. 18.00 h
La estrategia del caracol
(Die Strategie der Schnecke)
Kolumbien / Italien / Frankreich 1993
Ein altes Mietshaus in einem Vorort der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Der Besitzer, ein aufgeblasener Emporkömmling, will das Haus «entmieten», die Bewohner auf die Strasse setzen. Doch hier leben schon seit Jahren eine Reihe von Menschen zusammen, die sich trotz der Enge in diesem Haus heimisch fühlen: Don Jacinto, der alte Anarchist; Romero, der Anwalt, der keine Zulassung hat, doch die Gesetzestricks kennt; ein junger Revolutionär, der sich gern auf die Massen stürzt; ein Pater, der im Diesseits Befriedigung sucht; Gabriel, der sich als Gabriela verkauft; eine Alte, die mit einem Scheintoten lebt und der ein Wunder geschieht. Sie alle haben keine Chance, aber nutzen sie.
Sa 06. 11. 20.30 h
So 07. 11. 18.00 h (In Anwesenheit von Sergio Cabrera, Regisseur, Kolumbien)
Mo 08. 11. 20.30 h
Perder es cuestión de método
(Perdre est une question de méthode)
Kolumbien / Spanien 2004
Weitab von Drogendeal und Bürgerkrieg entdeckt der Journalist Victor bei Recherchen eine grauenvoll zugerichtete Leiche. Auf eigene Faust versucht er, den Fall aufzuklären, und gerät immer tiefer in die dunkelsten Welten von Bogotá. Mit Hilfe der Prostituierten Quica gelingt es ihm, ein weitgreifendes Netz an Immobilienspekulationen aufzudecken. Meisterhafte Verquickung von Film Noir und Sozialkritik.
So 07. 11. 15.30 h (In Anwesenheit von Sergio Cabrera, Regisseur, Kolumbien)
Mo 08. 11. 18.00 h
Di 09. 11. 20.30 h
El vuelco del cangrejo
(La chute du crabe)
Kolumbien 2009
Die Geschichte ist im afro-kolumbianischen Fischerdorf La Barra angesiedelt, das abgelegen an der kolumbianischen Pazifikküste liegt. Hier liefert sich der Führer der Einheimischen heftige Auseinandersetzungen mit einem mächtigen Gutsbesitzer, der den Bau eines Hotels am Strand plant. Daniel, ein sonderbarer stiller Städter, kommt eines Nachmittags und bleibt einige Tage im Ort. Er wartet auf ein illegales Motorboot, das ihn aus dem Land bringen kann. Ein Mädchen und zwei Jugendliche, die Geld brauchen, sind die einzigen, die ihm zu helfen versuchen. Doch das Vorhaben nimmt mehr Zeit in Anspruch als geplant.
Sa 20. 11. 18.30 h
So 21. 11. 16.00 h
Golpe de estadio
(Stadium Putsch)
Kolumbien / Spanien / Italien 1998
Eine schwarzhumorige Allegorie, die die zwei Dominanten des kolumbianischen Lebens ineinander verwebt: Fussball und Bürgerunruhen. Während der Fussball als völkerverbindend gilt, entzweit der Bürgerkrieg das Volk. Der Film beginnt damit, dass kolumbianische Soldaten im Südosten des Landes einen Ölturm vor einer Gruppe lokaler Guerillas beschützen, der einem US-Multi gehört. Zur gleichen Zeit findet das Qualifikationsspiel zwischen Kolumbien und Peru statt, das über die Teilnahme an der Fussballweltmeisterschaft 1994 bestimmen wird. Als Kolumbien das entscheidende Tor schiesst, gerät die Situation unvermittelt ausser Kontrolle.
Sa 20. 11. 20.30 h
So 21. 11. 18.00 h
Maria Full of Grace
(María, llena eres de gracia)
USA / Kolumbien 2004
Die 17-jährige Kolumbianerin Maria lebt in einem ärmlichen Dorf in der Nähe Bogotás. Auf der Suche nach einem besseren Job fliegt sie, den Bauch voll mit Drogen und einem Baby, als Drogenkurierin nach Amerika. Sie bekommt ihr Geld und kehrt – in der Hoffnung auf ein besseres Leben – nicht mehr nach Kolumbien zurück. Maria Full of Grace ist ein grossartiger Versuch, im Mainstream-Kino Authentizität zu vermitteln, ohne die Autonomie des Autorenfilms zu verraten.
Mo 22. 11. 18.00 h
Di 23. 11. 20.30 h
Sa 27. 11. 20.30 h
La gente de la Universal
(The People at the Universal)
Kolumbien / Spanien / UK / Bulgarien 1991
Diógenes führt zusammen mit seiner Frau Fabiola und seinem Neffen Clemente eine kleine Privatdetektei in Bogotá. Wenn Diógenes jeweils unterwegs ist, nutzen Fabiola und Clemente gerne die gewonnene Freiheit für körperliche Vergnügungen. Um sexuelles Verlangen, Seitensprünge und Rachegefühle geht es auch bei den meisten ihrer Aufträge. Mit viel schwarzem Humor erzählt der in Zentralkolumbien geborene Felipe Aljure von Liebesdingen – seine Exaltiertheit erinnert ein wenig an den jungen Almodóvar. Sehr beschwingt geht Aljure mit der Kamera um, filmt aus der subjektiven Perspektive oder fängt Blicke in die Kamera ein.
Mo 22. 11. 20.30 h
Di 23. 11. 18.00 h
Confesión a Laura
(Geständnis an Laura)
Kolumbien / Spanien / Kuba 1990
Als am 9. April 1948 in Bogotá der populäre Präsidentschaftskandidat der Liberalen Partei, Jorge E. Gaitán, ermordet wurde, kam es zu einem tagelangen blutigen Massenaufruhr, der als ‹Bogotázo› in die Geschichte einging und den Auftakt für die ‹Violencia› bildete, die zehnjährige Epoche eines grausamen Bürgerkriegs. Das Chaos unmittelbar nach dem Mordanschlag bildet den politischen Hintergrund für die intime Dreiecksgeschichte, die Jaime Osorio Gómez in seinem Erstlingsfilm erzählt. Santiago und Josefina, die eine in Höflichkeit erstarrte Ehe führen, werden auf unterschiedliche Weise von den Ereignissen berührt.
Sa 27. 11. 18.30 h
So 28. 11. 16.00 h
Di 30. 11. 21.00 h
Sumas y restas
(Additions and Subtractions)
Kolumbien / Spanien 2004
Medellín 1984. Alles scheint wunderbar: Santiago lebt mit Frau und Kind in einer lauschigen Villa mit Swimmingpool. Der aufrechte Unternehmer kauft Landstücke auf und überbaut sie mit Luxus-Einfamilienhäusern. Doch da er beim Verkauf der Häuser kein Drogengeld annehmen will, steckt er schon bald in argen finanziellen Schwierigkeiten, aus denen ihm auch sein reicher Vater nicht heraushilft. Anhand von Santiagos Aufstieg und Fall zeigt Víctor Gaviria im dritten Teil seiner Medellín- Trilogie, wie das Drogengeschäft alle gesellschaftlichen Schichten Kolumbiens durchdringt. Dank seiner Authentizität überzeugender als andere Drogenfilme wie Blow oder Traffic.
So 28. 11. 18.30 h
Mo 29. 11. 20.30 h
Kino Kunstmuseum
Hodlerstr. 8
3011 Bern
Reservation: 031 328 09 99
www.kinokunstmuseum.ch