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Kurz vor Jahresende beraubt uns dieses in allen Belangen schwierige 2020 nochmals eines namhaften Filmkomponisten. Am 29. Dezember starb Claude Bolling im Alter von 90 Jahren.
Der in Cannes geborene Franzose galt als musikalisches Wunderkind und gewann bereits im Alter von 14 Jahren einen Jazzwettbewerb. Daraufhin gründete er zunächst eine Combo, die auf Schallplatten von Jazz-Grössen wie Lionel Hampton zu hören ist, und später eine Big Band. Auch begann Bolling Musik zu schreiben, und das Charakteristische seiner Kompositionen ist die Fusion von Jazz und Klassik. Für deren Aufführung konnte er bekannte Exponenten beider Sparten wie Jean-Pierre Rampal, Maurice André, Yo-Yo Ma, George Shearing und Angel Romero gewinnen. Bolling machte sich darüber hinaus auch als Pianist verdient, und sein grosses musikalisches Vorbild war Duke Ellington.
Die Einflüsse von Jazz und Klassik machen sich auch in den über einhundert Soundtracks, die Bolling für Kino und Fernsehen schrieb, bemerkbar. Zu seinen bekanntesten gehören das Gangsterdrama BORSALINO ‒einer der wenigen gemeinsamen Filme von Jean-Paul Belmondo und Alain Delon ‒und Herbert Ross‘ formidabel besetzte Neil-Simon-Komödie CALIFORNIA SUITE. Auch den Lucky-Luke-Zeichentrickfilmen hat Bolling seinen musikalischen Stempel aufgedrückt. Dass er bei Gelegenheit auch anders konnte, bewies er durch den auf einem Roman von Bram Stoker basierenden Mumien-Horrorstreifen THE AWAKENING, mit dem er wohl nicht nur Genrefans zu beeindrucken vermochte. Seine letzte Filmmusik schrieb Bolling 2010 für LA VIE DEVANT SOI, danach schien er sich aus dem Geschäft zurückgezogen zu haben.
Andi Süess 31.12.2020