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Das Hepatitis-E-Virus ist weit verbreitet: Jedes Jahr stecken sich weltweit etwa 20 Millionen Menschen mit Hepatitis E an, über drei Millionen erkranken akut und gut 50'000 sterben an den Folgen des Virus. Lange galt Hepatitis E als Reisekrankheit, ähnlich wie Hepatitis A. In Ländern mit eingeschränkten Hygienestandards wird das Hepatitis-E-Virus (HEV) - wie Hepatitis A – vor allem über Trinkwasser und Nahrungsmittel übertragen, welche mit virushaltigem Kot verunreinigt sind. In diesen Ländern kommt es immer wieder zu grossen Epidemien mit Tausenden von Erkrankten.
In Industrieländern wird in der letzten Zeit ein Anstieg von Infektionen mit einem anderen Typ des Hepatitis-E-Virus beobachtet, der über die Nahrungskette vom Tier auf den Menschen übertragen wird. Als risikoreich gilt der Verzehr von rohem oder nicht ausreichend durchgegartem Fleisch und insbesondere Fleischprodukte, die rohe Schweineleber enthalten.
Auch in der Schweiz ist eine Zunahme der diagnostizierten Krankheitsfälle zu beobachten. Seit dem 1. Januar 2018 hat das Bundesamt für Gesundheit BAG deshalb eine Meldepflicht für Hepatitis E eingeführt.
Die Inkubationszeit, also die Dauer vom Kontakt mit dem Virus bis zum Ausbruch der Krankheit, dauert beim Hepatitis-E-Virus drei bis acht Wochen. Meist verläuft die Krankheit ohne Symptome. Es können aber auch die typischen Hepatitis-Symptome wie Gelbfärbung der Haut und Augen, vergrösserte Leber, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber auftreten. Die Krankheit dauert in der Regel vier bis sechs Wochen. Besonders gefährdet sind Schwangere. Die Infektion kann bei ihnen zu Fehl- und Totgeburten oder zu Leberversagen führen. Eine chronische Infektion ist sehr selten und wird ausschliesslich bei immunsupprimierten Patienten beobachtet.
Ein Anstieg der Leberwerte kann ein Hinweis auf eine Hepatitis-E-Infektion sein. Ein Antikörpertest gibt einen weiteren Hinweis auf eine bestehende Infektion. Ein positiver Antikörpertest muss aber noch durch einen Virusnachweis (einen sogenannten PCR-Test) im Stuhl oder Blut bestätigt werden, um festzustellen, ob eine aktive Infektion vorliegt. Dann nach einem Kontakt bleiben die Antikörper ein Leben lang im Blut. Immunsupprimierte Patienten sollten bei Verdacht direkt ein Virusnachweis gemacht werden, da der Antikörpertest bei ihnen unzuverlässig ist.
Die Infektion heilt in den meisten Fällen spontan aus. Bei Personen mit Risikofaktoren wie Immunsuppression kann die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen. Hier kann die Reduktion der Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, und/oder die Behandlung mit Ribavirin helfen. Personen mit einem Risiko sowie immunsupprimierte Personen mit einer chronischen Infektion sollten Spezialisten zur Behandlung aufsuchen.
In den Verbreitungsgebieten sollte das Trinkwasser immer abgekocht werden und man sollte auf den Verzehr von rohem Obst und Gemüse verzichten. Die Faustregel dazu lautet: «Cook it, boil it, peel it or leave it» (Gare es, koche es, schäle es oder lass es sein).
Beim Verzehr von rohem Fleisch und Schalentieren ist Vorsicht walten zu lassen: Immunsupprimierte Personen, Schwangere und Personen mit einer vorbestehenden Lebererkrankung sollten ganz darauf verzichten. Schweinefleisch oder Wild sollten durchgegart sein.
Ein wirksamer Impfstoff ist bislang nur in China zugelassen. Er könnte zukünftig bei immunsupprimierten Patienten, Patienten mit Lebererkrankung, Personen, die auf eine Organtransplantation warten oder bei Reisen in Gebiete mit erhöhtem Vorkommen von Hepatitis E zum Einsatz kommen.