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Die meisten heute führenden Cruise-Reedereien sind im Zuge der Popularisierung der Seereisen entstanden, die in den 1960er-Jahren in den USA mit Karibik- Kreuzfahrten ihren Anfang nahm. Die erste Neugründung einer Reederei, die sich nach dem Aus der Linien Schifffahrt reinen Vergnügungsfahrten verschrieb, war 1966 Norwegian Cruise Line. Einer der Mitbegründer, Ted Arison, trennte sich 1972 von NCL und gründete eine eigene Reederei, Carnival Cruise Lines. CCL sorgte mit ihrem «Fun-Ship»-Konzept für Furore und revolutionierte damit den Markt – Kreuzfahrten wurden zur Ferienformel für jedermann.
Weitere bekannte Reedereien, die in jener Zeit ihren Betrieb aufnahmen, waren etwa Royal Caribbean Cruise Line oder Princess Cruises. Die kontinuierliche Entwicklung der Kreuzfahrten hatte über die folgenden Jahre immer mehr und immer grössere Schiffsneubauten zur Folge, was gewaltige Investitionen erforderte. Gleichzeitig verschärfte sich laufend der Wettbewerb, was ebenfalls den Konsolidierungsdruck in der Cruise-Industrie erhöhte. In den 1990er-Jahren kam es zu ersten Fusionen und Übernahmen, die 2003 in einem Paukenschlag gipfelten.
DOMINIERENDE AMERIKANER
Treibende Konsolidierungskraft war Carnival, an deren Spitze inzwischen Gründer-Sohn Mickey Arison das Zepter übernommen hatte. Das in Miami beheimatete, rasant expandierende Cruise-Unternehmen übernahm einen Mitbewerber nach dem anderen: Die traditionsreiche Holland America Line, die ebenso berühmte britische Cunard Line, die norwegische Seabourn Cruise Line oder die italienische Costa Crociere. 2003 schluckte Carnival in einem heissen Übernahmekampf schliess-lich gar einen der Top-3-Mitbewerber, die britische P&O Princess Cruises (die zuvor die deutsche Aida übernahm). Heute weist der «Cruise Industry News Annual Report» für die börsenkotierte Carnival Corporation mit neun Reederei-Marken einen globalen Marktanteil (nach Betten) von rund 45% aus, was Carnival als das weltweit grösste Kreuzfahrt-Unternehmen positioniert.
Auch Royal Caribbean (RCL Cruises) expandierte massiv (und tut dies heute noch), wobei das Wachstum vor allem durch den Ausbau der Flotte mit grossen, spektakulären Neubauten erfolgt. Die Marke Royal Caribbean International ist derzeit mit insgesamt 67 454 Betten der grösste einzelne Kreuzfahrt-Anbieter der Welt. Wichtigste Übernahme war 1997 die griechische Chandris Lines, die heute erfolgreich unter der Marke Celebrity Cruises segelt. Später übernahm RCL die spanische Pullmantur und die französische Croisières de France, beteiligte sich an der deutschen TUI Cruises und kürzlich an der chinesischen Sky Sea. Und mit Azamara wurde eine eigene Marke im Premium-Bereich gegründet. Insgesamt ist RCL Cruises mit einem Marktanteil von knapp 25% heute der zweitgrösste globale Cruise-Anbieter.
Pionier Norwegian Cruise Line schliesslich übernahm einst die renommierte Royal Viking Line, führte diese Marke aber später nicht mehr weiter. Hier wurde die Reederei selber zum Übernahme-Gegenstand: 2000 stieg die asiatische Star Cruises ein, inzwischen wurde diese Beteiligung auf 25% reduziert, 50% hält die US-Investmentfirma Apollo, der Rest ist an der Börse. Aufhorchen liess Norwegian im letzten Jahr mit der Übernahme von Prestige Cruises, dem Dach für die Reedereien Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises. Die Norwegian Holding hält heute einen globalen Marktanteil von 9%.
NEUE GLOBAL PLAYER
Ein interessante Anmerkung zu Star Cruises, die mit fünf Schiffen Marktführerin in Asien ist und hinter der die malaysischen Investoren von Genting stehen: Genting (Hong Kong) hat diesen Sommer die japanisch- amerikanische Reederei Crystal Cruises mit derzeit zwei bekannten Luxus-Schiffen (und drei geplanten Neubauten) übernommen – würde man die Beteiligung an Norwegian rechnerisch berücksichtigen, wäre Genting schon heute einer der wichtigsten globalen Player. In der Liste der grössten Kreuzfahrtreedereien der Welt liegt aber nach wie vor die italienisch-schweizerische MSC Cruises (Firmensitz in Genf) mit einem Marktanteil von gut 6% auf dem vierten Platz. Das ist insofern erstaunlich, als dass sich diese Reederei in gut einer Dekade aus eigener Kraft und mit Investitionen in den Ausbau der eigenen Flotte von einem Nischenanbieter zu einem führenden Player entwickelte. Und: MSC ist als einziger der vier grossen Konglomerate nach wie vor vollständig in Familienbesitz: Dahinter steht die Familie Aponte, die mit ihrer Mediterranean Shipping Company auch die zweitgrösste Container-Flotte der Welt betreibt. Diese Zahlen zeigen: Für sämtliche übrigen Kreuzfahrtreedereien, die sich im globalen Markt tummeln, verbleibt noch ein Marktanteil nach Betten von rund 15%. Darunter befinden sich weitere «Schwergewichte » und natürlich sämtliche bekannten Luxus-, Expeditions- und Segments-Spezialisten.