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Wohin der Blick auch fällt, am Ende bleibt er beim Betrachten der Arbeiten von Richard Paul Lohse immer an einem Quadrat hängen. Es ist Nenner und Summe all seiner Kompositionen, Bildfeld und Element zugleich – und ein Garant dafür, dass in dieser Kunst alles mit rechten Dingen zugeht. Denn das war Lohse wichtig: Er wollte Rationalität, Transparenz und Nachvollziehbarkeit seiner Werke durch die systematische Verwendung standardisierter Bildmittel erreichen.
Nach einer Kindheit in Armut hatte der gebürtige Zürcher zunächst eine Ausbildung zum Reklamezeichner absolviert, arbeitete anschliessend in einer grossen Zürcher Werbeagentur, machte sich 1930 als Grafiker selbstständig und begann nebenher autodidaktisch zu malen. Gemeinsam mit Leo Leuppi, der 1936 im Kunsthaus Zürich einen ersten Überblick über die Schweizer Avantgarde der surrealistisch-gestischen und der konkret-konstruktiven Kunst kuratiert hatte, gründete Lohse 1937 die Künstlervereinigung «Allianz», in deren Zentrum sich mit Max Bill, Camille Graeser, Verena Loewensberg und ihm selbst die international einflussreichen «Zürcher Konkreten» formierten.
In den frühen 1940er-Jahren formulierte Lohse – inspiriert durch die Kunst der russischen Konstruktivisten und der niederländischen Gruppe De Stijl – erste Ideen zu einer nach logischen Prinzipien entwickelten Kunst ohne hierarchische Ordnungen, die sich konsequent dem Schema von Figur und Grund verweigerte. Sie basiert auf Ideen der Elementierung, Kombinatorik und Farbdynamik, die Lohse in seiner über 40-jährigen künstlerischen Karriere in schier unendlichem Variationsreichtum durchdeklinierte. Die Mobiliar verfügt in ihrer Sammlung über mehrere Serigrafien aus seinem Spätwerk – darunter die Serie vier vertikale Strukturen, ‘80 (1980) als Transformation einer identischen formalen Ordnung in verschiedenen chromatischen Spektralfarbfolgen sowie eine Gruppe von quadratischen Kompositionen, die schon in ihrer Betitelung auf Lohses Interesse an einer über die blosse Selbstreferenzialität von Farbe und Form hinausweisenden Qualität seiner Arbeiten hindeuten: Gegenseitigkeit, Aktion, Ruhe und Sicherheit (alle 1977) erzählen vom grossen poetischen Potenzial seines Bildsprachsystems.
Mit seinem umfangreichen Œuvre, das immer nur einen Ausschnitt jener Bildwelt zu repräsentieren schien, die durch seine Methode der nahezu grenzenlosen Kombination von Formen und Farben vorstellbar war, gehörte Richard Paul Lohse zu den einflussreichsten Künstlern der Schweiz im 20. Jahrhundert. Als Teilnehmer der Biennale von Venedig 1972 und der documenta 7 (1982) trug er auch international zur Neupositionierung der konkret-konstruktiven Kunst bei.
Richard Paul Lohse wurde 1902 in Zürich (CHE) geboren und starb dort 1988.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Wandbild, Multiple, Grafikdesign, Plakat