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Parallel zu den Geschehnissen in England wurde auch Frankreich Anfang des 18. Jahrhunderts Opfer einer Spekulationsblase. Interessant ist dabei, dass die Vorgänge in Frankreich eine gewisse Ähnlichkeit zu den Vorfällen in England zeigen. Wie in England begründete sich die Krise in Frankreich aus dem im Jahr 1702 begonnenen Krieg der beiden Europa-Mächte. Auch war bei beiden Krisen die Suche der Regierung nach einem Ausweg aus der enormen Schuldenlast der Hauptgrund für das Entstehen der Spekulations-Blasen.
Der Krieg zwischen Frankreich und England hatte die Staatskassen beider Länder geleert. In Frankreich war die Wirtschaft durch Krieg, Aufstände in der Bevölkerung und die hohen Steuerabgaben nahezu zum Erliegen gekommen. Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. am 01. September 1715 starb, hinterließ er einen Schuldenberg von 2,4 Milliarden Livre (Livre = damals gültige Silbermünze). Wie hoch dieser Schuldenberg war, läßt sich dadurch verdeutlichen, dass allein die Zinsen für die Schulden 90 Mio. Livre jährlich betrugen, während die Gesamtsteuereinnahmen aber bei lediglich 160 Mio. Livre und der vorhandene Staatsschatz bei 700.000 bis 800.000 Livre lagen. Zudem hatte Ludwig XIV. die Steuereinnahmen der kommenden drei Jahre bereits zur Hälfte im Voraus ausgegeben. In den Monaten nach dem Tod des Königs wuchs der Schuldenberg trotz verschiedenartiger Restrukturierungsversuche (z.B. Reduzierung der Beamten oder Kürzung der Pensionen) stetig weiter. 1716 drohte ein Defizit von 5 Milliarden den Staat zu ruinieren. In dieser Phase war die Regierung offen für alle erfolgversprechenden Möglichkeiten den Schuldenberg zu tilgen. Dies war die Geburststunde der Finanzkrise, die vor allem mit der Person John Laws in Verbindung gebracht wird.
Um John Law ranken sich viele Legenden, doch trotz seiner Fähigkeiten war Law eigentlich nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Schon früh verfiel der Sohn eines schottischen Goldschmieds und Bankiers der Spekulation, allerdings nicht an der Börse, sondern vielmehr in den Spielhöllen Europas. Als er 17 war starb sein Vater und Law erbte das nicht unbeträchtliche Vermögen des Vaters. Kurz darauf zog er nach London, wo er in den kommenden neun Jahren ein Großteil des Erbes verzockte. Im Jahr 1697 erschoss er in einem Duell seinen Widersacher und wurde deswegen zum Tode verurteilt. Es gelang ihm aber die Flucht aus dem Gefängnis. Um nicht wieder gefasst zu werden, setzte er sich nach Amsterdam ab. Dort vertrieb er sich die Zeit mit Studien im Finanzbereich. In den Nächten versuchte er das Erlernte dann in den dortigen Spielbanken in bare Münze umzuwandeln.
Schon zu dieser Zeit hatte Law die Idee einer Bodenkreditbank, deren Sicherheit sich auf ein Stück Land begründen. Doch scheiterte Law im Jahr 1700 bei dem Versuch das schottische Parlament von seiner Idee zu überzeugen. Auch seine Versuche in der noch bestehenden Mordanklage begnadigt zu werden, verliefen im Sand und so kehrte Law wieder auf das europäische Festland zurück. Die folgenden 14 Jahre streifte er durch Europas Spielsalons und hielt sich damit einigermaßen über Wasser. In Paris lernte er kurz vor dem Tod Ludwig XIV. schließlich den Herzog Philipp II. von Orleans kennen - eine Begegnung, die sowohl sein als auch das Leben vieler Franzosen entscheidend verändern sollte.
Mit dem Tod Ludwig XIV. wurde sein Urenkel Ludwig XV. dessen Nachfolger. Da Ludwig XV. zu dieser Zeit noch ein Kind von sieben Jahren war, übernahm Herzog Philipp II. von Orleans bis zu seiner Mündigkeit 1723 die Regentschaft des Landes. Das oberste Ziel des Herzogs war die Verringerung der Staatsschulden, ohne Rücksicht auf den Zustand der Volkwirtschaft oder der Bevölkerung. Da seine Maßnahmen aber nicht den gewünschten Erfolg brachten, stieß Law mit seiner "Landbank" bei ihm auf offenen Ohren. Law wollte eine Bank gründen, die sowohl die Verwaltung der königlichen Einnahmen übernehmen, als auch eigene Banknoten herausgeben sollte. Diese Banknoten sollten durch die Steuereinnahmen und in Besitz der Bank befindlichen Ländereien abgesichert werden. Schon bald galt Law am Hof als Finanzexperte und erhielt von den Adligen die nötige Unterstützung für sein Projekt.

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Am 5. Mai 1716 wurde John Law per königlichem Edikt bevollmächtigt, die Banque Generale zu gründen. Die Bank hatte außerdem das Recht verliehen bekommen, eigene Geldscheine herauszugeben, die auch zur Bezahlung von Steuern zugelassen waren. Das Kapital betrug zum Gründungszeitpunkt 6 Millionen Livres, eingeteilt in 1.200 Aktien im Nennwert von je 5..000 Livre pro Aktie. Um einen Anreiz zur Zeichnung zu schaffen, wurden damals zu einem Teil auch sogenannte billets d'etat als Bezahlung zugelassen. Diese von der Regierung zur Absicherung der Schulden herausgegebenen Staatspapiere notierten damals nur noch zu 50 Prozent ihres Nennwertes. Trotzdem wurde beim Kauf von Aktien der Banque Generale der komplette Nennwert verrechnet. Während die Privatbanknoten bald im Wert verloren, konnten die Bankaktien aufgrund des florienenden Handels innerhalb eines Jahres um 15 Prozent steigen. Gleichzeitig schüttete die Bank eine Halbjahresdividende von 7,5 Prozent aus.
Diese Anfangserfolge trübte die Sicht der Regierung für die Gefahr und veranlasste gleichzeitig Law das Vorhaben in Angriff zu nehmen, mit dem sein Name bis heute verbunden ist: das Mississippi-Projekt. Zu dieser Zeit wurde gerade der Westen der USA erschlossen. In den Regionen um den Mississippi und Louisiana wurden damals große Edelmetallvorkommen vermutet, was reiche Gewinne für den versprach, der das Handelsmonopol für diese Region besaß. Bis dato oblag das Monopol für die nordamerikanischen Kronkolonien dem angesehenen Kaufmann Crozat. Aufgrund der bislang mangelnden Rentabilität konnte Law aber im September 1717 die Rechte von Crozat erwerben. Zur Ausnützung der erworbenen Konzession gründete Law kurz darauf die Comapgnie des Indes occidentales (auch als westindische oder Mississippi-Kompanie bezeichnet) in Form einer Aktiengesellschaft. Aufgrund der zu erwartenden Reichtümer aus Amerika lag das Grundkapital mit 100 Millionen Livre deutlich über dem der Banque Generale. Um weite Bevölkerungsschichten in die Spekulation einbeziehen zu können, setzte Law den Nennwert der Aktien auf 500 Livre fest. Allerdings konnten diese 200.000 Aktien nur mit den Privatnoten von Laws Bank erworben werden.
Doch trotz großen Werbeaktionen war es zunächst schwer alle Aktien der Gesellschaft unters Volk zu bringen. Viele Anleger misstrauten dem Projekt, da der als tüchtig bekannte Kaufmann Crozat sein Privileg so schnell verkauft hatte. Im Spätsommer 1718 stand die Aktie mit 530 Livre noch immer nur geringfügig über dem Zeichnungspreis. Die Gründung weiterer Aktiengesellschaften, darunter auch die der Brüder Paris, die die Generalsteuerpacht erworben hatten, drückte zudem auf den Kurs der Mississippi-Aktien.
Mit Hilfe der neuen Gesellschaft errichtete Law am Mississippi die Stadt "La Novelle Orleans" (heutige New Orleans) und verteilte anschließend über die Westindische Kompagnie Land, Kredite und andere Hilfsleistungen an Franzosen, die dort ihr Glück versuchen wollten. Da bislang die großen Edelmetallvorkommen noch nicht entdeckt worden waren, bauten die meisten dieser Aussiedler Kaffee, Zucker oder Tabak an. Aber der Kurs der Aktie sackte weiter nach unten - bis zum Herbst auf 280 Livre. Doch Law hatte schon einen Ausweg. Da die Staatsschulden weiter stiegen, wandelte Law mit der Unterstützung des Regenten Philipp II. von Orleans seine Bank in eine offizielle königlich Bank um. Das jetzt als Banque Royale firmierende Finanzinstitut bekam somit auch das Münzrecht - das Recht offizielle Banknoten zu drucken.
Mit diesem Recht ausgestattet, konnte Law nun sein Werk vollenden. Er druckte Banknoten, die vollkommen ungedeckt waren. Mit diesem Geld konnte Law auf Einkaufstour gehen. Er ersteigerte das Tabakmonopol und überließ dafür dem Staat 100 Millionen Livre für einen niedrigen Zinssatz. Nachdem die Comapgnie des Indes occidentales auch noch die Rechte der Senegal-Gesellschaft erworben hatte, zog der Aktienkurs endlich an und stieg bis Anfang Dezember 1718 auf 300 Livre. Im Mai 1719 erwarb Law die Privilegien der Ostindischen und der Chinesischen Kompagnie. Anschließend verschmolz er seine Comapgnie des Indes occidentales mit den erworbenen Gesellschaften zur Compagnie Perpetuelle des Indes. Diese Gesellschaft besaß nun neben dem bisherigen nordamerikanischen Rechten auch die Handelsmonopole für Ostindien, China, Teile der Südsee und alle Besitzungen der Compagnie des Indes Orientales. Der Börsenkurs zog daraufhin weiter an und erreichte schon bald den Erstkurs von 500 Livren. Schon bald gab es erste Stimmen im Parlament, die einen Bankrott befürchteten, wenn Law weiter Papiergeld im Umlauf brachte. Doch die Warnungen verhallten noch ungehört.
Law rührte weiter kräftig die Werbetrommel und sprach von unermesslichen Gewinnen, die die Gesellschaft bald einbrächte - der Beginn der Spekulationsblase. Um weiter Geld in die Kassen zu bekommen gab Law neue Aktien aus. Das Interesse war so groß, dass zunächst nur die Altaktionäre zum Bezug zugelassen wurden. Der Kurs der Aktie betrug zu diesem Zeitpunkt schon 750 Livre. Das große Interesse innerhalb der französischen Bevölkerung veranlassten Law aber in kurzen Abständen weitere Kapitalerhöhungen durchzuführen. Insgesamt wurden so 600.000 neue Aktien im Wert von 300 Millionen Livre ausgegeben.
Die Spekulation heizte sich weiter an. Bis zum September 1719 stieg der Kurs der Aktien auf 8.000 Livre. Auf der am 30. September 1719 stattfindenden ordentlichen Generalversammlung versprach Law eine Dividendenerhöhung von zwölf auf 40 Prozent des Nominalkapitals. Wenig später stieg der Kurs auf astronomische 18.000 Livre pro Aktie - dem ersten Höhepunkt der Mississippi-Hausse. Kurz danach stiegen vermehrt Aktionäre aus, was den Kurs wieder nach unten drückte. Wenige Wochen später hatte sich der Kurs mit 9.600 Livre nahezu halbiert. Doch Law gab noch nicht auf. Er kaufte rund 100.000 eigene Aktien zurück und erhöhte so das Vertrauen der Anleger. Das nötige Kapital beschaffte er sich mit den druckfrischen Banknoten der Banque Royale, die damit seit Jahresmitte bereits neue Banknoten in Höhe von 2,1 Milliarden Livre ausgegeben hatte..
Doch die zügellose Vermehrung der Geldmenge hatte erste Wirkungen in der Gesellschaft. Insbesondere Verbrauchsgüter stiegen im Preis deutlich an. So kosteten Brennmaterialien bereits das doppelte, Kerzen waren von 32 Sous auf 9 Livre angestiegen und Kaffee von 50 Sous auf 18 Livre. Diejenigen die das Spiel durchschauten wechselten das gewonnene Papiergeld schon bald in Münzen oder Gold- oder Silbergeschirr, das anschließend ausser Landes gebracht wurde.
Doch die Zahl derer, die das System durchschauten war bislang nur gering.. Durch umfangreiche Werbung und einer weiteren Ausgabe von Geldscheinen in Höhe von 360 Millionen Livre zur Aktienbeleihung schaffte es Law nochmal die Kurse ansteigen zu lassen. Bis Anfang Januar 1720 stieg der Kurs wieder bis auf 18.000 Livre (andere Quellen sprechen sogar von 20.000 Livre) an. Doch danach übernahmen die Baissiers das Ruder. Immer mehr Anleger machten Kasse und tauschten das Geld in sicheres Hartgeld oder Edelmetall um. Um dies zu verhindern setzt Law beim Regenten die Abwertung des Hartgeldes und als dies nichts half den Verbot des Hartgeldes durch. Auch der Ankauf von Tafelsilber, Schmuck oder Edelsteinen wurde verboten. Zahlungen durften ab sofort nur noch in Papiergeld erfolgen.
Doch die Kurse fielen weiter. Erst die Fusion der Banque Royale mit der Compagnie des Indes Orientales beendete den Sturz. Law versuchte alles um den Kurs der Aktie wieder zu drehen. So lies er kurzerhand 6.000 Bürger von Paris zwangsrekrutieren und tagelang mit Schaufel und Hacke durch die französische Haupstadt ziehen. Gleichzeitig setzte er das Gerücht in die Welt die Menschen sollten demnächst nach Amerika verschifft werden, um dort in den reichen Goldminen zu arbeiten. Anfang 1720 druckte Law nochmal Banknoten im Wert von 1.5 Milliarden Livre, doch das Vertrauen in das Papiergeld war schon zerstört.
Auch in der Regierung und am Hof regte sich mittlerweile der Widerstand gegen John Law. Schließlich verweigerte das Parlament die Zustimmung für weiterer Edikte. Herzog Philipp II. von Orleans zog die Konsequenzen und entließ John Law im Mai 1720 aus seinen Ämtern. Gleichzeitig wältze er alle Schuld an dem Disaster an Law ab. Sowohl die Banque Royale als auch die Colonie des Indes brachen daraufhin zusammen. Der ohnehin schon unter Druck stehende Aktienkurs fiel weiter und John Law musste vor der wütenden Menge aus Frankreich fliehen. Er starb schließlich 1729 verarmt in Venedig.
Erst am 10. Juni 1720 öffnete die königliche Bank wieder ihre Pforten, damit das Papiergeld wieder gegen Hartgeld umgetauscht werden konnte. Aufgrund der großen Wertdifferenz zwischen Papier- und Münzgeld unterschied die Gesellschaft nun zwischen Livre (in Papier) in Livre und Metall. Das Papiergeld war stark abgewertet worden, so dass für einen ganzen Sack voll Papier nur noch 50 Livre in Metall gezahlt wurden. Der Regent bemühte sich den Schaden, den er und Law angerichtet hatten, zu begrenzen. Immerhin waren die Staatschulden dank Laws System um 900 Millionen - auf Kosten der Spekulanten - verringert worden.
Der Indienkompagnie, die die Bürgschaft für einen großen Teil der Staatschulden übernommen hatte, wurde ein Großteil der Privilegien wieder abgenommen, darunter u.a. das Recht auf Verwaltung der Münze oder die Steuereintreibung. Am 11. November 1720 wurde die Aktie schließlich vom Handel ausgesetzt mit der Folge, dass der Kurs weit unter den Nominalwert fiel. Die niedrigste überlieferte Notierung liegt bei etwa 40 Livre in Metall. Ende 1720 besaß die Gesellschaft Vermögenswerte in Höhe von 289 Mio. Livre dem ein Papiernotenumlauf von 3 Milliarden Livre gegenüberstand. Da die Gesellschaft aber für einen Großteil der Staatschulden gebürgt hatte, wurde sie Ende Januar 1721 unter königliche Verwaltung gestellt. Am 22. März 1723 wurde im Rahmen einer Reorganisation das Kapital zusammengelegt und die Aktienanzahl auf 56.000 vermindert.
Im Gegensatz zur englischen Südsee-Bubble war durch Laws Machenschaften ganz Frankreich in Mitleidenschaft gezogen worden. Durch die explosionsartige Geldmengenvermehrung waren auch Unbeteiligte durch Preissteigerungen und Münzverschlechterungen von der Spekulation betroffen. Da viele Kaufleute und Bankiers aber rechtzeitig abgesprungen waren, kam es in Frankreich nicht zu der Konkurswelle wie in England. Dies ist wohl auch der Grund, dass es bereits wenige Jahre später in Frankreich erneut zu Spekulationen kam, in denen die Comapgnie des Indes wieder eine wichtige Rolle spielte.