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Brasilien besitzt ein riesiges Territorium und eine immense kulturelle Vielfalt, daher gibt es wahrscheinlich keinen anderen Ort auf der Welt, an dem man eine größere Anzahl von unterschiedlichen Weihnachtsfesten feiert.
Weihnachten ist in Brasilien nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch ein kulturelles Ereignis, und deshalb werden hier alle positiven Werte, wie Festtagsstimmung, Harmonie, Nächstenliebe, Frieden und Verständnis, ohne Unterschied gefeiert.
Wenn sich der Begriff Kultur einerseits auf die Gesamtheit der Sitten und Gebräuche eines Volkes bezieht, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, so steht in Brasilien die kulturelle Vielfalt für die Gesamtheit der verschiedenen Kulturen. Und es gibt keinen anderen Ort auf der Welt, an dem die kulturelle Vielfalt einer Nation mehr gefeiert werden kann als in Brasilien.
Brasilien hat eine kontinentale Ausdehnung, und weist eine entsprechend große kulturelle Vielfalt auf, die im Laufe der Zeit die einheimische Bevölkerung – bestehend aus Nachkommen der portugiesischen Eroberer, afrikanischen Sklaven und einheimischen Indios – durch eingewanderte Europäer, portugiesische, italienische, spanische, deutsche und japanische Siedler, ergänzt wurde.
Unter dem Einfluss des tropischen Sommers haben einige brasilianische Regionen, die gegen die Festlichkeiten in den großen Konsumzentren immun sind, ein differenziertes Weihnachtsfest geschaffen, das besser zu der einheimischen Volkskultur passt.
In diesem Weihnachtszyklus, der am 24. Dezember beginnt und mit dem “Fest der Könige“ bis zum 6. Januar andauert, schmücken die meisten Brasilianer ihre Häuser mit den gebräuchlichen Weihnachtssymbolen wie Weihnachtsmännern, Schlitten, Rentieren und Tannenbäumen, Königen, Königinnen und Hirten, durch die sie die Geburt des Erlösers mit Glauben, Einfallsreichtum und in brasilianischer Ausgelassenheit feiern.
Solche mitunter profan erscheinende Interpretationen sind das Ergebnis eines kulturellen Austauschs zwischen Indios, Afrikanern und Portugiesen und sind, zusammen mit den durch die europäischen Einwanderer mitgebrachten kulturellen Einflüssen, zur Weihnachtszeit in den unterschiedlichen Regionen Brasiliens zu sehen – als Dekoration und teilweise auch als lebende Figuren in einem Theaterstück.
Obwohl die Tradition des “Bumba-meu-Boi“- (einer theatralischen Episode, die sich um einen toten Ochsen dreht, der “wiedererweckt“ wird) – mit den Junifesten in Maranhão, Piauí, Pará und in einigen Gemeinden von Rio de Janeiro verbunden ist, wird man ihn auch bei den Weihnachtsfesten in den Bundesstaaten Pernambuco, Ceará, Bahia, Rio Grande do Norte und Rio Grande do Sul entdecken.
In diesem Spektakel gibt es neben dem Ochsen und zwei Cowboys, auch Matrosen, Soldaten, jenseitige Seelen, und Affen – alles Früchte der Fantasie und Kreativität des Volkes.
In Minas Gerais und São Paulo, gibt es sogenannte “Reisados und Guerreiros“, deren Ursprünge auf den großen Zyklus von Darstellungen zurückgehen, die von den portugiesischen Königen und ihren Vasallen abgeleitet sind und an das Weihnachtsfest erinnern.
Diese Figuren tragen karierte Unterröcke, mit goldenen und silbernen Borten verzierte Satinumhänge, mit Pailletten, Perlen und glänzenden Spiegeln geschmückte Kopfbedeckungen, verzierte Hüte mit runden Spiegeln, Blumen und bunten Bändern auf dem Kopf und singen und tanzen zu den Klängen von Akkordeon, Trommel und Tamburin.
In Alagoas ist das “Fest der Krieger“ eine Abwandlung des “Reisado“, wenn auch reicher an Kostümen und Episoden – und mit Einflüssen von anderen Folkloredarbietungen.
In Paraíba, Rio Grande do Norte, Pernambuco und Alagoas, die besonders vom portugiesischen Einfluss geprägt wurden, wird der “Auto do Pastoril“ oder “Pastorinhas“, wie er regional genannt wird, praktiziert, der sich von anderen Darbietungen gleichen Namens nur dadurch unterscheidet, dass seine Mitglieder Schleifen an den Armen tragen und Stöcke in den Händen halten, die mit Blumen und bunten Bändern geschmückt sind.
Im Amazonasgebiet haben einige indigene Völker noch keine eigenen Weihnachtsfeiern, andere begannen nach der Christianisierung, schon während der brasilianischen Kolonialzeit, dieses Datum zu feiern. Sie beten, lesen in der Bibel, singen Weihnachtslieder in ihrer eigenen Sprache und feiern Messen, bei denen die Hostie durch Tapioka-Oblaten aus Maniok-Stärke ersetzt wird.
In den Quilombola-Gemeinschaften (Gemeinden ehemaliger afrikanischer Sklaven und deren Nachkommen) wird Weihnachten auf traditionelle christliche Art und Weise gefeiert, aber einige dieser Gemeinschaften beziehen in ihre Feierlichkeiten auch Aktivitäten ein, die aus ihrer afrikanischen Kultur stammen.
Menschen, die in den Amazonas eingewandert sind, wie z. B. die Japaner, haben ihre Jahresendfeiern nach dem Zweiten Weltkrieg von Weihnachten beeinflussen lassen, auch wenn ihnen die christlich-religiöse Bedeutung kaum geläufig ist, da auch in der japanischen Gesellschaft Brasiliens der Shintoismus und der Buddhismus immer noch vorherrschen.
Bei den jüdischen Einwanderern ist der Jahresendkalender anders gestaltet, und Weihnachten wird nicht gefeiert. An diesem Tag gedenken sie, im gleichen Geist des Friedens, der Brüderlichkeit und der Einheit, der Wiederherstellung des Heiligen Tempels in Jerusalem nach seiner Zerstörung.
Was die kulturelle Vielfalt betrifft, so geht Weihnachten in Brasilien über den religiösen Aspekt hinaus, überschreitet die Grenzen, ignoriert die verschiedenen Rassen und ihre Herkunft, abstrahiert die Ideologien und weckt Gefühle der Liebe, Freundschaft, Solidarität, und des Respekts für andere Menschen – der Brüderlichkeit und des Glaubens.
Trotz der übermäßigen Kommerzialisierung, die in dieser Jahreszeit überall auf der Welt zu spüren ist, sind dies immer noch die deutlichsten kulturellen Aspekte, die unter diesen Völkern vorherrschen, die auf unserem großen grünen, gelben, blauen und weißen Kontinent vereint leben.