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Moralitäten
(frz. moralités; engl. moralities), im Mittelalter
geistliche Schauspiele, die im Gegensatz zu den
Mysterien (s. d.) nicht die evang. Erzählung
oder Heiligenlegenden in dramat. Form darstellten, sondern einzelne
Sittenlehren durch erfundene
Beispiele oder geistliche
Parabeln unmittelbar veranschaulichten.
Außer wirklichen
Personen der weltlichen und heiligen Geschichte traten in den
Moralitäten alle
möglichen
Tugenden und Laster und sonstige Personifikationen allgemein sittlicher Zustände und Eigenschaften
auf.
Während die
Mysterien sich an die überlieferte Erzählung hielten, sind die
Moralitäten ein erster Anfang von dramat.
Erfindung. Die
Moralitäten sind eine franz. Erfindung, die im 14. Jahrh.
aufkam. Auch in England,
Italien
[* 2] und den
Niederlanden faßten sie um dieselbe Zeit Fuß. Diese
Stücke erhielten
in den Aufführungen der
Basoche (s. d.) und anderer franz. Spielgesellschaften
nicht selten eine satir.
Wendung. In der ersten Hälfte des 16. Jahrh. werden auch polit. und religiöse Zeitfragen
in den
Moralitäten behandelt. Seit 1550 verschwinden sie aus der Litteratur. In
Deutschland
[* 3] scheinen
Moralitäten neben den
Mysterien nie recht aufgekommen zu sein. Eine spätere Erneuerung der
Moralitäten sind in
Spanien
[* 4] die
Autos sacramentales von Lope de
Vega und
Calderon.