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«Fiktionale Figuren haben kein Nachleben», sagte Alain Tanner einst in einem Interview, und so war es auch nur konsequent, dass er umgehend einschlug, als ihn das Westschweizer Fernsehen TSR an einem sonnigen Frühlingstag im Jahr 1976 um die Rechte an den Figuren seines Welterfolges Jonas qui aura vingt ans dans l’an 2000 anging. Für den symbolischen Betrag von einem Schweizerfranken wechselten die Nutzungs- und Nachwerverwertungsrechte die Hand, und die Produktionsabteilung der TSR machte sich umgehend an die Arbeit. Eine Sitcom wollte man aus Jonas entwickeln, mit den Schauplätzen und Schauspielern, die man schon aus dem Film kannte, ein Fortsetzungsprogramm, angesiedelt in einem versponnenen Familienzusammenhang, etwas in der Art von I Love Lucy, nur eben für die Schweiz, für die Siebziger, und für ein eher intellektuelles Publikum.
Der Rest ist Geschichte. Jonas - Wir Kinder vom Genfer Vorstadtbauernhof, wie die deutschsprachige Fassung hiess, schlug ein wie eine Bombe und entwickelte sich zur erfolgreichsten Eigenproduktion einer Schweizer Fernsehenstation überhaupt. Auf weit über tausend Folgen hat es die Serie mit ihren wöchentlichen halbstündigen Folgen in den 25 Jahren ihrer bisherigen Laufzeit gebracht, in 36 Länder wurde sie verkauft, und mit ihrer Mischung aus dokumentarischen Elementen - Jean-Claude Plüss, der Darsteller der Titelfigur, ist seit 25 Jahren derselbe -, improvisierten Spielszenen und geschriebenen Partien gilt Jonas für viele Fernsehhistoriker als wichtiger Vorläufer der heute so weit verbreiteten Reality-TV-Formate. Mit sicherem Gespür für den Publikumsgeschmack schufen die Produzenten immer wieder Anknüpfungen an aktuelle Themen und Entwicklungen. Besonders hohe Einschaltquoten verzeichnete etwa wie Folge «Jonas fährt zur Demo nach Gösgen» aus dem Jahr 1986, oder die siebzehn Folgen von Sommer 1995 über Jonas’ Zeit in der Rekrutenschule, in denen die weltanschaulichen Differenzen zwischen Jonas und seinen Eltern den Stoff für packende Auseinandersetzungen lieferten. Als besonders geschickt erwies sich auch der Schachzug, Jonas mitten in der weltweiten Interneteuphorie vorletztes Jahr zum Informatikstudium nach Stanford zu schicken.
Nach dem Tanner sich über den Erfolg der Serie anfänglich noch überrascht und erfreut gezeigt hatte (TSR revidierte den ursprünglichen Vertrag und beteiligte Tanner und Drehbuchautor John Berger an den Einnahmen), konnte er sich mit ihrer Entwicklung ab Mitte der Achtzigerjahre immer weniger einverstanden erklären. 1999 schliesslich nahm er die Dinge selbst in die Hand und drehte eine Fortsetzung zum ersten Jonas-Film. In Jonas et Lila, à demain sehen wir einen ganz anderen Jonas: einen engagierten und kämpferischen Nachwuchsfilmer. Ähnlich wie in der Fernsehserie allerdings, in der sich Jonas in Stanford in die etwas ältere nigerianische Physikprofessorin Grace M’bano verliebt, stammt auch im Kinofilm Jonas’ Lebensgefährtin aus Afrika.