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Die politische Unsicherheit betrifft weiterhin Palästina
Dank SOS-Kinderdorf haben Kinder ohne elterliche Fürsorge eine bessere Zukunft (Foto: SOS-Archiv)
Palästina liegt im Nahen Osten an der Ostküste des Mittelmeeres. Die exakten Grenzverläufe sind zwar umstritten, umfassen jedoch sowohl Teile des Gazastreifens und des Westjordanlandes als auch die Städte Jericho, Jenin, Nablus, Tulkarm, Ramallah, Bethlehem, Jerusalem und Hebron. Die Bevölkerung beläuft sich auf über vier Millionen Menschen (2011, Schätzung), von denen ca. 1,7 Millionen im stark überbevölkerten Gazastreifen und 2,7 Millionen im Westjordanland leben. Der Großteil der Bevölkerung besteht aus palästinensischen Arabern, aber es gibt auch eine israelische Minderheit.
Obwohl über einhundert Länder Palästina mittlerweise als eigenständigen Staat anerkennen, hat das Land noch keine vollständige internationale Anerkennung erfahren . Die Zukunft des Landes ist nach wie vor umstritten. Der anhaltende Konflikt in der Region hat zu einer palästinensischen Diaspora geführt; über sechs Millionen Palästinenser leben im Ausland, vor allem in den Nachbarländern. Es gibt schätzungsweise mehr als vier Millionen palästinensische Flüchtlinge. Die meisten von ihnen leben in Flüchtlingslagern im Libanon, in Syrien und in Jordanien.
Eine durch Gewalt gekennzeichnete Gesellschaft
Das Leben der Menschen ist durch die anhaltende Gewalt in der Region gekennzeichnet. Die Wirtschaft des Landes leidet unter den wechselnden Strategien der israelischen Politik, vor allem was die Freizügigkeit von Waren und Personen in der Region betrifft. Die israelische Regierung hat mehrfach den Zugang zu Palästina abgeriegelt. Wenn die Grenzen offen sind, verbessern sich die Lebensbedingungen der Menschen in Palästina; in den Jahren 2009 und 2010 war beispielsweise die Sicherheitslage relativ entspannt, was zu einem Wirtschaftswachstum von ca. sieben Prozent führte.
Die Situation im Gazastreifen unterscheidet sich von der Lage im Westjordanland. Im Jahr 2007 verhängte Israel eine Wirtschaftsblockade gegen den Gazastreifen, was zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Armutsquote führte. Die Menschen, die ohnehin schon unter ungünstigen Bedingungen leben mussten, wurden von humanitärer Hilfe und vom Schwarzmarkt-Tunnel zwischen dem Gazastreifen und Ägypten abhängig. Im Jahr 2010 lebten 38 Prozent der Menschen im Gazastreifen unterhalb der Armutsgrenze, und die Arbeitslosenquote lag bei ca. 23 Prozent. Im Westjordanland leben ca. 18 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze, 23 Prozent sind arbeitslos gemeldet. Männer auf der Suche nach Arbeit lassen sich häufig von Menschenschmugglern nach Israel bringen, wo sie illegal beschäftigt werden.
Die Menschen in Palästina haben nicht immer Zugang zu einer guten Gesundheitsfürsorge. In einigen Fällen behindern die Grenzen die Freizügigkeit und Patienten können nicht rechtzeitig medizinisch versorgt werden. In anderen Fällen fehlt es an notwendigen Medikamenten. Das Gesundheitssystem in Gaza stand aufgrund dieser Engpässe schon mehrfach vor dem völligen Zusammenbruch.
Kinder brauchen Schutz
Kinder in unserer Obhut wachsen in Familien auf und werden von SOS-Muttern versorgt (Foto: SOS-Archiv).
In Palästina lebt eine sehr junge Bevölkerung - über 53 Prozent sind jünger als 18 Jahre. Das Leben der Kinder in Palästina ist durch jahrelange Konflikte und Instabilität geprägt worden. Da sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert hat, gibt es immer weniger staatliche Programme zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Kinder. Obwohl einige internationale Organisationen in Palästina tätig sind, ist es manchmal aufgrund der vorherrschenden Gewalt schwierig, die Bevölkerung zu erreichen.
Es fehlt an Investitionen in den Wohnungsbau, das Bildungssystem und die Gesundheitsversorgung. Die Zahl der Haushalte, die in Armut leben, nimmt stetig zu; vor allem Familien mit mehr als drei Kindern sind davon betroffen. Da das Einkommensniveau gesunken ist, sind Nahrungsmittel teurer geworden. Diese Umstände zwingen Kinder zum Arbeiten; die meisten sind in landwirtschaftlichen Familienbetrieben oder in Familienunternehmen tätig. Der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen ist von den Behörden offiziell als Problem erkannt worden, und sie sind sich der Tatsache bewusst, dass das Leben für zukünftige Generationen noch härter sein wird, wenn sich die Situation nicht grundlegend ändert.
Kinder und Jugendliche in Palästina sind aufgrund der internen und externen politischen Auseinandersetzungen und Straßenkämpfe einem extrem hohen Grad an öffentlicher Gewalt ausgesetzt. Sie leiden auch häufig an häuslicher Gewalt innerhalb der Familie.
SOS-Kinderdorf in Palästina
SOS-Kinderdorf arbeitet in Palästine an sechs verschiedenen Standorten mit Kindern und Familien. SOS-Kindergärten bieten Betreuung für kleine Kinder der lokalen Gemeinde an, während ihre Eltern arbeiten oder an Ausbildungsmaßnahmen teilnehmen. Ältere Kinder können die SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen besuchen.
Die SOS-Sozialzentren in Bethlehem und Gaza arbeiten eng mit den lokalen Gemeinden zusammen, um zu verhindern, dass Kinder die elterliche Fürsorge verlieren. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie. Junge Erwachsene können in speziellen Wohnungen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit von ausgebildeten Fachkräften betreut werden.