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Nach dem Chile Asiens nun das Norwegen Japans. Denn „Hokkai“ bedeutet „Nordmeer“ und die Silbe „-do“ kann mit „Weg“ übersetzt werden – wie bei den Kampfsportkünsten Judo, Aikido, Kendo etc. Geographisch gesehen liegt Hokkaido jedoch eher auf der Höhe Italiens oder Spaniens, nur im Winter teilt es das Klima mit (fast) Namensvetter Norwegen. Die Ureinwohner Hokkaidos heissen Ainu, was Kreuzworträtsellösern sicher ein Begriff sein wird (Japanisches Urvolk mit vier Buchstaben).
Mit rund 83,5 Tausend km2 ist Hokkaido doppelt so gross wie die Schweiz, hat jedoch etwa 2 mio Einwohner weniger. Mit Zügen und Bussen ist die Insel relativ gut erschlossen, doch um in eher abgelegene Gebiete zu gelangen und zügig voranzukommen, haben wir ein Auto gemietet. Eine Episode dazu findet sich hier.
Unsere Route könnte man als eine liegende Acht mit Sapporo im Schnittpunkt beschreiben. Vom Flughafen Sapporo Chitose aus gings direkt nach Otaru (1 Nacht), der Küste entlang erkundeten wir die Shakotan-Halbinsel und gelangten via Iwanai und Niseko nach Toyako (1 Nacht). Von dort aus erreichten wir via Noboribetsu und Sapporo nach einer sehr langen Fahrt Kushiro im Osten (1 Nacht). Von Kushiro aus gings nach Abashiri (1 Nacht) und von dieser Stadt am Ochotskischen Meer gelangten wir schliesslich über Asahikawa zurück nach Sapporo (2 Nächte).
Auch wenn im Zentrum Tokyos noch kaum etwas ersichtlich ist, hat die japanische Wirtschaftsrezession Hokkaido schon länger erreicht. In Dörfern und Städten haben zahlreiche Läden dicht gemacht und viele Landstriche sehen ziemlich heruntergekommen aus. Vielleicht war meine Erfahrung individuell, doch vor allem im Osten und im Nordosten (Kushiro, Abashiri) der Insel wurde ich oft auf Russisch angesprochen und wenn ich auf Japanisch antwortete, reagierten viele Gesprächspartner komisch und sprachen ein Ausländerjapanisch mit mir. Auch dies ist eine Erfahrung, die ich in Tokyo und anderen japanischen Städten so bisher noch nie gemacht habe.
Hokkaido verfügt zwar eine äusserst ausgeklügelte Tourismus-Homepage, doch ich bin damit nicht zurechtgekommen. Deshalb hier stichwortartige Hinweise zu den von uns erkundeten Orten.
Otaru: Durch die malerische Altstadt fliesst ein Kanal, der auf der Meeresseite mit steinernen Lagerhäusern gesäumt ist, die zu Restaurants umfunktioniert worden sind. Die Stadt ist bekannt für die Glasbläserkunst und im Winter Ausgangspunkt für mehrere Skigebiete. Mit etwas mehr Zeit hätte ich gerne von Otaru nach Sachalin übergesetzt.
Toyako: Kaum zu glauben, dass hier 2008 der G8-Gipfel stattgefunden hat. Das Dorf mit seinen riesigen Hotelanlagen sieht ziemlich heruntergekommen aus. Die Natur ist jedoch einzigartig. Der Toya-Vulkansee mit der Insel Nakajima ist einer der grössten Kraterseen Japans. Vom Vulkan Usuzan aus hat man einen prächtigen Überblick über die ganze Szenerie.
Kushiro: diese abgelegene Stadt ist praktischer Ausgangspunkt, um die Feuchtgebiete sowie die Seen Akan-ko, Kussharo-ko und Mashu-ko auf dem Weg nach Abashiri zu besuchen. Die Feuchtgebiete heissen auf Japanisch Kushiro Shitsugen. Der Akan-ko ist bekannt für die runden Marimo-Algen. Der Kussharo-ko wird gerne für den warmen Sand am Ufer besucht und der Mashu-ko der splendiden Aussicht wegen (die aber schlecht für die Liebe ist). Ein praktischer Link mit allerlei Wissenswertem findet sich hier. Im Winter würde ich gern mit dem Kushiro-Shibecha-Dampfzug fahren und ich das Omiwatari-Phänomen beobachten.
Abashiri gilt als Alcatraz Japans. Das Gefängnismuseum ist ein Muss. Im Gegensatz zu Alcatraz existiert jedoch gar nicht mal so weit entfernt vom ursprünglichen Gefängnis noch immer eine Haftanstalt. Ebenfalls ein Besuch wert ist das Hokkaido Museum of Northern Peoples, das von aussen sehr hässlich, von innen sehr gut gemacht und von oben wie ein Greifvogel aussieht. Das Museum beschränkt sich nicht nur auf die Ainu, sondern zeigt Exponate aller indigenen Völker des kalten Nordens – mehr als Ersatz für die kitschigen Ainu-Touristen-Dörfer überall in Hokkaido. Auch hier gibts im Winter ein einzigartiges Abenteuer, nämlich die Ausfahrt mit einem Eisbrecher!
Über Sapporo und die kulinarischen Höhepunkte Hokkaidos werde ich in einem separaten Beitrag berichten.
Beitrag von Udo Habermann