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Durch die anhaltenden Treibhausgasemissionen des Menschen verändert sich das Klima der Welt. Auch in der Schweiz ist es in den vergangenen Jahrzehnten laufend wärmer geworden. Aufzeichnungen von MeteoSchweiz zeigen, dass sich die Jahresmitteltemperatur seit dem Jahr 1864 um etwa 1.8 Grad erhöht hat. Der weltweite Durchschnitt der Erderwärmung ist etwa halb so gross und liegt bei rund 0.85 Grad. Gründe für die verstärkte Erwärmung in der Schweiz sind einerseits die meerferne Lage, weiterhin die Alpen - welche durch den Massenerhebungseffekt mehr Wärme aufnehmen können als das Flachland - sowie die abnehmende Reflexion der Sonneneinstrahlung durch die schwindenden Gletscher und Schneeflächen. Nebst der Erwärmung und der daraus resultierenden stärkeren Verdunstung sowie dem Rückgang der sommerlichen Niederschläge wird es in der Schweiz zukünftig zunehmend trockener.
Die Provence in der Schweiz
Für die Wälder der Schweiz bedeutet diese Veränderung des Klimas eine Verschiebung der Vegetationszonen um 500-700 Höhenmeter nach oben. Inwiefern die einzelnen Bäume auf die zunehmende Wärme und Trockenheit reagieren, ist artspezifisch und hängt von Standortfaktoren wie dem (Mikro-)Klima, dem Boden und der Topografie ab. Die «Verlierer» der Baumarten werden in Zukunft langsamer wachsen oder ganz absterben, während die «Gewinner» bestenfalls von den neuen Gegebenheiten profitieren können. Durch diesen Konkurrenzkampf wird es zu einer Veränderung in der Baumartenzusammensetzung kommen: Bereits heute weisen Fichten und Buchen in tieferen Lagen einen rückläufigen Bestand auf. Die kolline Stufe wird sich daher in Zukunft von Genf und dem Rohnetal ins Mittelland ausbreiten und Buchen-Fichten-Mischwälder werden dort vermehrt durch Eichen ersetzt. Gemäss einer Studie des Forschungsprogrammes «Wald und Klimawandel» des BAFU und der WSL wird das Klima in den Regionen Genf und auch Basel vergleichbar mit jenem der französischen Provence werden.
Die trockenheitstolerante Eiche wird zusammen mit dem Kirschbaum ausserdem in höhere Lagen vordringen. Auch unsere submontanen Buchenwälder werden weit ins Voralpengebiet vorstossen. In tiefergelegenen Bergwäldern, in welchen heute Nadelbäume dominieren, werden daher in Zukunft mehr Laubbäume wachsen – falls sich die Wälder auf die veränderten Bedingungen schnell genug einstellen können.
Stress im Wald
Ein Wald kann sich nur begrenzt an die schnelle Klimaveränderung anpassen. Die steigenden Temperaturen und die zunehmende Trockenheit während der Vegetationszeit setzen unsere Bäume unter Stress. Dadurch erhöhen sich die Waldbrandgefahr und der Befall von Schadorganismen wie dem Borkenkäfer. Dieser «Stress im Wald» wird in den kommenden Jahrzehnten wichtige Waldleistungen gefährden: die Schutzwirkungen gegenüber Naturgefahren, die Holzproduktion für Rohstoffe und als Energieträger oder die Erholungsleistung für die Bevölkerung werden in Zukunft nicht mehr im gewohnten Ausmass geleistet. Wie stark sich der Klimawandel aber auf den Schweizer Wald auswirkt, hängt von der Entwicklung der Treibhausgasemissionen ab. Aktuell wird davon ausgegangen, dass die klimatische Veränderung so stark und so schnell abläuft, dass sich der Wald ohne menschliche Hilfe nicht rasch genug anpassen kann, um die von ihm gewünschte «Leistung» zu erbringen. Die Anpassung der Waldzusammensetzung wird der klimatischen Entwicklung hinterherhinken, da Bäume auch an Standorten überleben können, an welchen für sie keine Verjüngung mehr möglich ist, sie aber den Neubewuchs trotzdem hemmen. Störereignisse wie Waldbrände oder Naturgefahren können den Wechsel zwar beschleunigen, ziehen aber teure Aufforstungs- und Schutzmassnahmen nach sich. Der Wald wird daher in seinem Wandel unterstützt werden müssen. Durch eine entsprechende Bewirtschaftung kann eine sanfte und sukzessive Anpassung gefördert werden.
Quellen und weitere Informationen:
Bafu: Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald
B. Allgaier Leuch, K. Streit, P. Brang: Wälder, die es bei uns bald gibt? Eine Reise in die Provence
WSL: Der Schweizer Wald im Klimawandel: Welche Entwicklungen kommen auf uns zu?