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Fips ist ein älteres Kaninchen und wird uns vorgestellt, weil er seit einiger Zeit weniger frisst und den Besitzern aufgefallen ist, dass die Augen weiter aus dem Kopf heraustreten als üblich. Auch seien die Augen etwas gerötet.
Tatsächlich treten beide Augen des Tieres stärker aus der Augenhöhle hervor als üblich (Exophtalmos); auch die Nickhaut im inneren Augenwinkel ist hervorgetreten. Die Augäpfel lassen sich aber problemlos und ohne Schmerzen in die Augenhöhlen zurückpressen, die Bindehaut ist nicht gerötet und eine Druckmessung zeigt, dass der Innendruck in den Augen normal ist. Nach lokaler Betäubung wird das Auge mittels Ultraschall untersucht um herauszufinden, ob sich zwischen Augenhöhle und Augapfel eine Geschwulst gebildet hat - bei Kaninchen ist ein Zahnwurzelabszess hinter dem Auge die häufigste Ursache für einen Exophtalmus; allerdings sollte dieser eigentlich nur einseitig auftreten. Der Ultraschall zeigt denn auch keine Hinweise für eine Geschwulst hinter dem Augapfel.
Da dieser beidseitig aufgetretene Exophtalmus nicht schlüssig erklärt werden kann, wird die Nagermedizin-Literatur konsultiert. In zwei Standartwerken ist das Problem nicht erwähnt, erst eine Internetrecherche weckt den Verdacht, dass das Problem durch einen Bluthochdruck bedingt sein könnte, welcher den Exophtalmos bewirken kann. Ein Bruströntgen zeigt denn auch einen grossen Schatten, welcher entweder durch ein stark vergrössertes Herz oder aber einen Tumor im Brustkorb hervorgerufen sein könnte. Ein Ultraschall zeigt dann, dass es sich beim Schatten tatsächlich um eine grosse Geschwulst handelt, welche im vorderen Teil des Brustkorbes entspringt, die Lunge verdrängt und auch etwas Flüssigkeitsbildung zwischen Lunge und Brustkorb (Pleuraerguss) provoziert hat. Trotz der starken Verkleinerung des Lungenvolumens zeigt das Tier aber keine Atemnot.
Wegen der schlechten Prognose der Krankheit entscheiden sich die Besitzer, das Tier einzuschläfern - ein Versuch, den Tumor chirurgisch aus dem Brustkorb zu entfernen würde grosse Risiken und eine grosse Belastung für das Tier mit sich bringen.
Ein einseitiger Exophtalmus kann beim Nager v.A. bei Abszessbildung zwischen Auge und knöcherner Augenhöhle infolge eines Zahnwurzelabszesses beobachtet werden. Ein beidseitiger Exophtalmus wird selten beobachtet - in diesem Fall war das Problem durch eine Störung des Blutrückflusses vom Kopf in das Herz verursacht worden: Die Geschwulst im Brustkorb erschwerte den Abfluss des venösen Blutes aus dem bei Nagern stark ausgeprägten Gefässsystem hinter dem Augapfel, wodurch ein Bluthochdruck entstand, diese Gefässe anschwollen und das Auge aus der Augenhöhle herausdrückten. Auch eine Störung der Förderleistung des Herzen könnte eine solche Problematik bewirken.