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Die Konsensprognosen für Wachstum und Beschäftigung wurden entsprechend angehoben. Andererseits ist der durch COVID-19 verursachte wirtschaftliche Schaden immer noch recht beträchtlich (die Beschäftigung auf der Lohn- und Gehaltsliste verzeichnet nach wie vor zehn Millionen Arbeitsplätze weniger als im Februar), und es besteht echte Besorgnis über die Ungleichmässigkeit der Erholung in den verschiedenen Sektoren und Einkommensgruppen.
Vermutlich aufgrund dieser vielfältigen Widersprüche hatten viele Mitglieder des Offenmarktausschuss der US-amerikanischen Notenbank geäussert, zunächst mehr Klarheit über die wirtschaftlichen Aussichten abwarten zu wollen, bevor Änderungen der Politik angekündigt werden. Wenngleich der Wunsch nach Klarheit sicherlich verständlich ist, birgt das Warten auf politische Ankündigungen das Risiko, das Vertrauen der Investoren in die obersten Ziele der Fed zu untergraben. Notenbankpräsident Jerome Powell hatte bereits zuvor betont, dass die Öffentlichkeit darauf zählen solle, dass die Federal Reserve für eine kräftige Erholung da sei. Diese Art von Äusserungen legt nahe, dass die Unterstützung der US-Notenbank nicht davon abhängt, wie die nächsten Monate verlaufen werden. Im Gegenteil, damit die Öffentlichkeit Vertrauen in das Engagement der Fed setzt, sollte man davon ausgehen, dass diese unabhängig vom Verlauf der nächsten Monate den Aufschwung unterstützen wird.
Das FOMC beschloss gestern, dass es besser sei, einige politische Ankündigungen eher früher als später zu tätigen. In der Erklärung nach der Sitzung wurden insbesondere Leitlinien für den künftigen Weg der Zinssätze vorgestellt. Die vorgezogene Ankündigung der Prognose, trotz der weiterhin teilweise unklaren Aussichten, war für viele überraschend.
Die Richtlinien fielen etwas ambitionierter aus als von vielen erwartet. Beim darin enthaltenen dreiteiligen Test ist vorgesehen, dass nur bei der Erfüllung aller drei Kriterien, eine Zinserhöhung zu rechtfertigen ist. Damit das FOMC die Zinssätze erhöhen kann: muss erstens die Inflation „auf 2% gestiegen sein”, sie muss sich zweitens „auf dem Kurs befinden, für einige Zeit moderat über 2% zu steigen” und drittens muss der Arbeitsmarkt eine „maximaler Beschäftigung”aufweisen. Es handelt sich hierbei um die erste Erwähnung einer Inflation von über 2% in einer offiziellen Erklärung nach der Sitzung. Mit dieser Einbeziehung verspricht das FOMC, den neuen Rahmen für die Festlegung der durchschnittlichen Inflationsziele zu erfüllen. Bemerkenswert ist ausserdem die Bedingung der „maximalen Beschäftigung”. Der Fokus auf die Beschäftigungslage ist kohärent mit Powells Aussagen bei der Jackson-Hole-Rede Ende letzten Monats. Wie Ihnen jeder Bachelorstudent des Fachs Statistik bestätigen kann, senkt die Angabe einer dritten Bedingung zwangsläufig die Wahrscheinlichkeit, dass alle Bedingungen in einem bestimmten Zeitraum erfüllt werden.
Da die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses eine Reihe von Fragen zu dessen Programm zum Erwerb von Vermögenswerten unbeantwortet liess, waren die heutigen Ankündigungen lückenhaft. In der Erklärung nach der Sitzung hiess es u.a., dass die US-Notenbank weiterhin Vermögenswerte zumindest in ihrem derzeitigen Tempo kaufen werde (80 Milliarden USD an Staatspapieren und 40 Milliarden USD an Mortgage-Backed Securities pro Monat). Der Ausschuss bezeichnete diese Käufe zudem „als Förderung akkumuliernender finanzieller Bedingungen”. Unklar bleibt, wie lange diese Käufe noch andauern werden und ob es Änderungen in der Zusammensetzung der Käufe geben wird. Powell wurde während der Pressekonferenz in beiden Punkten gedrängt. Aus seinen Antworten ging hervor, dass das FOMC noch keine Entscheidung getroffen hat, jedoch sämtliche Dimensionen des Programms in Betracht zieht.
Wir waren der Ansicht, dass das Ausmass der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen in Verbindung mit einer unverkennbar entgegenkommenden Haltung der politischen Entscheidungsträger der Fed die Chancen dafür stehen liessen, dass das FOMC seine Käufe noch einige Zeit fortsetzen und seine Käufe schliesslich auf Wertpapiere mit längeren Laufzeiten ausrichten würde. Der Mangel an Fortschritten hat die Aussichten für die Zukunft erschwert. Es ist jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, dass keine Optionen ausgeschlossen wurden und die Debatte noch nicht abgeschlossen ist. Auf einer höheren Ebene könnte das Offenlassen von Fragen die unbeabsichtigte Folge haben, dass das Vertrauen der Investoren in die Bemühungen der Fed untergraben wird. Dies wäre sehr schade, zumal die Notenbank anscheinend alles daran gesetzt hat, die Bekanntgabe der zukunftsgerichteten Leitlinien zu beschleunigen, um genau diese Art von Fragen anzugehen.