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Lectio XXX
Wann ist eine militärische Auseinandersetzung gerechtfertigt? Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center im September 2001 kam zum Beispiel die Diskussion auf, ob damit die militärischen Operationen in Afghanistan – nicht nur der USA, sondern auch ihrer Bündnispartner – moralisch gerechtfertigt seien. Ein oft genanntes Beispiel für eine gerechtfertigte Intervention ist auch der Einsatz der alliierten Truppen gegen Nazi-Deutschland.
Ob ein Krieg rechtmässig oder sogar notwendig ist, fragten sich bereits die Ägypter. Ausführliche theoretische Überlegungen dazu finden wir in der griechischen Antike bei Platon und Aristoteles. Platon vertritt in seinem Werk Politeia die Ansicht, dass die Eroberung von anderen Staaten gerechtfertigt sei, wenn diese nicht vernünftig und moralisch korrekt geleitet werden. Aristoteles war gar der Meinung, es gebe Gesellschaften, die von Natur aus schwächer seien und unterworfen werden müssten.
Im Römischen Reich gab es religiöse Zeremonien, die dazu dienen sollten, die Götter auf die Seite der Römer zu bringen und damit gleichzeitig einen Kriegszug als gerechtfertigt oder sogar notwendig erscheinen zu lassen. Diese Praxis wurde allerdings auch in der Antike schon kritisiert. Cicero hat sich in mehreren Werken genauer mit der Frage nach dem «gerechten Krieg» auseinandergesetzt; von ihm stammt auch der Begriff bellum iustum, der dann durch das ganze Mittelalter und die Neuzeit bis heute Verwendung findet. Ob Cicero damit meint, dass ein Krieg moralisch als «gerecht» angesehen werden soll oder nur als «erlaubt» im legalen Sinn, ist bis heute umstritten.