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Sein erstes Geld verdiente er mit Lastwagen, doch seine Leidenschaft gehörte dem Motorsport: Jean Rédélé machte Karriere als junger Renault-Händler, doch in die Automobilgeschichte schrieb er sich als Gründer der legendären Marke Alpine ein.
Sein erster Rennerfolg entsprang einer Wette. Sein neuer 203 werde ihm um die Ohren fahren, prophezeite der lokale Peugeot-Händler – und zog doch gegen den von Jean Rédélé pilotierten Renault 4CV den Kürzeren. Sein zweites Rennen bestreitet der dann gleich an der Rallye von Dieppe. Und danach muss es gleich ein Start bei der legendären Rallye Monte Carlo sein. Jean Rédélé ist nicht nur überzeugt von sich selbst, sondern auch von seinem Renault 4CV. Im Jahr 1952 fährt er mit ihm sogar die Mille Miglia und holt einen Klassensieg.
Mit gerade einmal 24 Jahren hatte Jean Rédélé im Jahr 1946 die Werkstatt seines Vaters in Dieppe an der französischen Kanalküste übernommen. Ihren Wiederaufbau verdiente er sich mit der Aufarbeitung US-amerikanischer Lastwagen – Überbleibsel des Weltkriegs, die in Frankreich gestrandet waren – und avanciert dann zum jüngsten Renault-Händler des Landes. Allerdings fehlte der Marke ein sportliches Modell – Rédélé beschloss, es selbst zu konzipieren. Im Jahr 1955 gründete er Alpine. Rédélé bemühte sich, so viele Komponenten und Produktionsprozesse wie möglich von Renault zu übernehmen und seinen Modellen mit leichten, aerodynamisch ausgefeilten und attraktiven Karosserien Eigenständigkeit zu verleihen.
Den Beginn markierte die Alpine A106 mit einer Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der Frontscheibe des Renault Frégate und darunter der nicht mehr ganz taufrischen, aber bewährten Technik des 4CV. Immerhin 251 Autos mit 21 bis 42 PS Leistung wurden zwischen 1955 und 1960 verkauft. Ab 1957 folgte die A108, die technisch auf den deutlich moderneren Renault 8 zurückging und mit bis zu 70 PS beinahe 185 km/h schnell war. Vor allem beim Preis konnte Rédélé punkten: Eine Basis-A108 kostete etwa 50 Prozent weniger als ein Abarth 850 GT und gut zehn Prozent weniger als ein Austin-Healey Sprite.
Im Jahr 1962 erschien dann die legendäre erste A110. Eine Modellpflege brachte ihr 1967 die charakteristischen Doppelscheinwerfer ein; gleichzeitig wurden grössere Motoren mit bis zu 1,6 Liter Hubraum und maximal 138 PS verbaut. Sie fuhr die meisten Rallyeerfolge für die Marke ein: Europameister 1970, Markenweltmeister 1971, dazu Weltmeistertitel 1973 und ein zweiter Platz zwei Jahre später.
Darüber hinaus entwickelte Alpine auch reine Rennwagen für Formel 3 und Formel 1 und startet mehrfach bei den 24 Stunden von Le Mans – und holt 1978 mit den Fahrern Didier Pironi und Jean-Pierre Jaussaud dort einen Gesamtsieg. Im Jahr 1970 plante Rédélé sogar einen verbrauchsgünstigen Kleinwagen, der allerdings an zu hohen Kosten scheiterte. Die A310, konzipiert, um an die bisherigen Erfolge anzuknüpfen, konnte den Erwartungen nicht gerecht werden. Die Modelle GTA von 1984 und die A610 1991 brachen dann endgültig mit der Markentradition – kleiner Motor, leichtes Auto, das war einmal.
Im Jahr 1973 hatte Rédélé bereits Teile des Unternehmens an die französische Traditionsmarke verkauft; 1978 folgte der Rest, und Rédélé zog sich zurück. Er starb am 10. August 2007. Zu diesem Zeitpunkt war seine Marke längst zu einer Art Sport-Gütesiegel im Renault-Konzern degeneriert. Bis zu ihrem Neustart in diesem Jahr.