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Sind die Tage des Dromedars als Lasttier gezählt?
Das Dromedar wurde schon 4000 v. Chr. zum Haustier. Davor lebte es wahrscheinlich auf freier Wildbahn in Nordafrika und Arabien.
Heute kennt man zwei Haupttypen: ein schwer gebautes, langsames Lasttier sowie ein leichteres, zierliches und schnellfüssiges Reittier. Beide haben ein Fell aus kurzem, zottigem Haar. Scheitel, Nacken, Hals und Rumpf sind mit längerem Haar bedeckt.
Dromedare ernähren sich von Gras und anderen Pflanzen. Selbst in Gebieten mit spärlicher Vegetation können sie überleben. Gewisse Anpassungen ermöglichen es dem Dromedar, in warmem, trockenem Klima zu leben. Seine auffallendste Eigenschaft ist seine Fähigkeit, lange ohne Wasser auszukommen; dies in Verbindung mit der Möglichkeit, sehr viel Wasser im Körper zu speichern. Die wichtigste Anpassung ist jedoch der Rückenhöcker: Er bietet Schutz vor der Sonne, indem er Wärme absorbiert. Gleichzeitig enthält er Fettvorräte, die das Tier verbrennen kann, um Energie und Flüssigkeit zu gewinnen. Seinen Wasservorrat legt das Dromedar nicht in seinem Höcker an, wie man früher glaubte, sondern in seinem Magen. Die Nieren resorbieren einen Grossteil der Flüssigkeit, indem sie sehr konzentrierten Urin ausscheiden, und auch dem Kot kann vor der Ausscheidung Flüssigkeit entzogen werden.
Die Körpertemperatur von Kamelen und Dromedaren sinkt nachts sehr stark ab, und tagsüber wird der Körper so langsam aufgewärmt, dass das Tier lange Zeit nicht zu schwitzen braucht, um seine Temperatur niedrig zu halten. Während Trockenperioden kann ein Kamel bis zu 27 Prozent seines Körpergewichts verlieren, ohne dass es Gefahr läuft, zu verdursten. Wenn es 10 Minuten lang trinkt, hat es sich das verlorene Körpergewicht bereits wieder angeeignet.
Traktor statt Dromedar
Das Umfeld der Nomaden hat in den letzten 20 Jahren einen derartigen Wandel miterlebt, dass das Umsteigen auf Kleinlastwagen oder Traktoren überlebensnotwendig wurde. Ob in der Türkei oder im Iran – die Gründe sind nahezu die gleichen: Die Weideflächen in der Winterweide werden immer kleiner, dies einerseits durch die Ausbreitung der Dorfbevölkerung und das Überbauen der Weideflächen mit landwirtschaftlichen Bauten (Treibhäuser in der Türkei). Andererseits hat die weisse Revolution im Iran mit ihrer Landreform die Nomaden teilweise landlos gemacht. Viele Sommer- und Winterweiden wurden verstaatlicht oder in Reservate umgewandelt. Den Herden entstanden grosse Futterprobleme – Futter musste für teures Geld zugekauft werden.
Ausserdem führen die Wanderwege meistens den Flussläufen entlang. Die Dörfer, welche die Tiere auf ihrer Wanderung durchqueren, fordern hohe Schadensabfindungen für die durch die Schaf-, Ziegen- und Dromedarherden verursachten Flurschäden.
Die Iranische Regierung hat seit der islamischen Revolution 1979 sehr viel für die abgelegenen Dörfer unternommen: Zufahrtsstrassen, Wasser- leitungen, ja sogar Telefonleitungen wurden gebaut.
Auch in der Westtürkei wurden vorwiegend für die Waldbewirtschaftung, in Ostanatolien für militärische Zwecke viele Strasse ausgebaut und gebaut. Durch diese Veränderungen entfiel der Zwischenverdienst der Nomaden für Transportaufträge, welche sie oft mit ihren Lasttieren für die Landwirte in den Dörfern durchführten. Die Gütertransporte der früher nicht erschlossenen Kleindörfer werden heute mit Kleinlastwagen gefahren.
Leider wurde auch das Pferd Opfer der Motorisierung. Während der Wanderung diente es als Reit- und Tragtier. Die neugeborenen Lämmer wurden in den Satteltaschen der Pferde untergebracht. Da heute bei vielen Nomaden das Lammen früher erfolgt und die Jungtiere selbständig der Herde folgen können, hat das Pferd diese Trägerfunktion verloren. Das Pferd wurde mit wenigen Ausnahmen durch Motorräder und Mopeds ersetzt, deren Unterhalt erst noch billiger kommt. Der Iranische Staat hat zudem die Bauern bei der Anschaffung von Traktoren subventioniert.
Mit dem Verkauf der Tragtiere haben viele traditionelle Flachgewebe ihre Funktion verloren. Die von Lager zu Lager ziehenden Viehhändler hatten die Tragtiere oft mit dem gesamten Kopf- und Halsschmuck, den Satteldecken und den Doppeltaschen gekauft.
Taschen und die nach wie vor nützlich Tschowals haben ihre Funktion beibehalten: Früher wurde links und rechts am Dromedar je ein Tschowal festgebunden. Auf den Traktoranhängern und Lastern müssen die Kleider und Hausratgegenstände auch in Behältern transportiert werden. Da erfüllen die Säcke nach wie vor ihren Dienst. Im Innenzelt dienen sie zudem als Schutzmauer vor den Tieren und dem Wind, der im Sommerlager recht kräftig blasen kann.
Für mich war es immer ein besonderes Erlebnis, wenn mir auf meinen Reisen Dromedare entgegenkamen: Es ist sehr eindrucksvoll, einer Grossfamilie zu begegnen, die mit Sack, Pack und Herde unterwegs ist.
Die mit dem ganzen Zeltmaterial beladenen Dromedare schreiten stolz voran. Auch ein Hirte, der hoch oben auf dem Dromedar sitzend die ganze Schaf- und Ziegenherde beobachtet und bewacht, beeindruckte mich sehr.
Mir ist aber bewusst, dass niemand das Rad der Zeit zurückdrehen kann – das hat sogar meine romantische Seele erkannt.