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Das Ausgrabungsprojekt des Fachbereiches Klassische Archäologie in Sizilien
Seit dem Jahr 1971 führt der Fachbereich Klassische Archäologie, früher Archäologisches Institut, der Universität Zürich auf dem Monte Iato (Provinz Palermo) in Sizilien Ausgrabungen durch. Das Grabungsgelände befindet sich etwa dreissig Autokilometer südwestlich von Palermo, oberhalb der Ortschaften San Cipirello und San Giuseppe Iato. Wegen der langen Dauer der Besiedlung gehört der Monte Iato zu den interessantesten westsizilischen Fundplätzen. Die untersuchte Stadt hiess IAITAS in der griechischen und IETAS in der lateinischen Form. Im Mittelalter war die Namensform GIATO. Die jährlichen Ausgrabungskampagnen unter der Leitung von Professor Christoph Reusser finden jeweils im Juni statt.
Am Anfang stand eine frühgeschichtliche einheimische Siedlung. Allmählich wurde in diesem einheimischen Kontext griechischer Einfluss wirksam. Erste griechische Importgegenstände erreichten den Monte Iato am Ende des 7. Jh. v.Chr. Seit der Mitte des 6. Jahrhunderts waren Griechen hier ansässig. Gegen 300 v.Chr. wurde die Siedlung nach dem Muster einer griechischen Stadt neu errichtet, mit einer Stadtbefestigung, einem Strassensystem, öffentlichen Bauten wie einem Theater und einer Agora sowie prachtvollen Wohnhäusern. In der römischen Kaiserzeit lebte die Stadt auf bescheidenerem Niveau weiter.
Einen neuen Aufschwung nahm die Siedlung im späteren 10. Jahrhundert n.Chr. nach der arabischen Invasion, welche nach und nach neue Bevölkerungsgruppen ins Land brachte. Die Bewohner von Giato waren in dieser Zeit grossenteils Muslime und blieben dies auch unter der Herrschaft der christlichen Normannen, welche Sizilien im 11. Jahrhundert eroberten, und unter den Stauferkaisern Heinrich VI. und Friedrich II. Seit 1182 gehörte die Siedlung zusammen mit einem grossen umliegenden Territorium dem Kloster Santa Maria La Nuova in Monreale. Als letztes Zentrum des muslimischen Widerstands in Sizilien gegen den christlichen Kaiser Friedrich II. wurde die Stadt 1246 n.Chr. nach längerer Belagerung endgültig zerstört. Die Überlebenden wurden nach Apulien deportiert. Die Orte San Giuseppe Iato und San Cipirello am Fusse des Berges existieren erst seit dem späten 18. bzw. dem 19. Jh.
Die Ausgrabungen der letzten Jahre konzentrierten sich insbesondere auf die griechische Stadt und vor allem auf das öffentliche Zentrum, die Agora und das benachbarte Theater, dessen Untersuchung vor kurzem abgeschlossen werden konnte. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Wohnbauforschung. Neben verschiedenen prächtigen Peristylhäusern im Westen, Süden und Osten des hellenistischen Stadtzentrums fand sich im Westquartier ein spätarchaisches Wohnhaus, welches aufgrund seiner Grösse und seiner Funde zu den bedeutendsten seiner Art gehört. Wichtige Ergebnisse der Grabung betreffen aber auch die einheimische Frühzeit und die mittelalterliche Besiedlung, insbesondere die letzten Jahre der Stadt zur Zeit Friedrichs II.
Das Grabungsteam, welches in den letzten Jahren 12-15 Mitarbeiter umfasste, besteht aus dem Ausgrabungsleiter, dem Grabungsassistenten, ausgebildeten und angehenden Archäologen aus Zürich, gelegentlich auch von anderen Universitäten in der Schweiz und im Ausland. Hinzu kommen zwei Architekturstudenten der ETH Zürich.
Die erfahrenen Teilnehmer nehmen die Grabungsaufsicht über einzelne Teilprojekte wahr. Weniger weit fortgeschrittene Studenten führen die Inventare, zeichnen Schnitt- und Gefässprofile und erfüllen allgemeine Assistenzaufgaben. Daneben gibt es Verantwortliche für die Numismatik, die Restaurierung und die photographische Dokumentation der Grabung und der Funde. Die Architekturstudenten sind mit der zeichnerischen Aufnahme der Steinpläne und Bauglieder betraut.
Bilder
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Kontakt:
Dr. Martin Mohr
Universität Zürich - Institut für Archäologie, Fachbereich Klassische Archäologie
Zürcher Ietas-Grabung
Rämistr. 73, CH-8006 Zürich
Tel. 044 634 28 17, Fax 044 634 49 02
E-mail-Adresse: <email-pii>