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HP bezahlt Intel einen Beitrag an die Itanium-Weiterentwicklung. HP findet das ganz normal, Oracle ganz schlimm.
Die juristische Auseinandersetzung zwischen HP und Oracle um die Itanium-CPU hat am Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht. In einer Eingabe ans Gericht erklärt Oracle, die Itanium-Story sei eigentlich ein Remake der bekannten makabren Komödie "Weekend at Bernie's" aus dem Jahr 1989, dieses Mal mit HP und Intel in den Hauptrollen. Oracle hat dem 'All Things D'-Blog des 'Wall Street Journal' eine zensurierte Fassung dieser Eingabe
zur Verfügung gestellt.
In "Weekend at Bernie's" ("Immer Ärger mit Bernie") versuchen zwei junge Männer unter Einsatz von viel Schminke und anderen Gerätschaften vorzugeben, dass ihr toter Chef noch am Leben sei, was zu vielerlei Verstrickungen führt. Unter anderem versucht der frustrierte und wie die beiden Hauptpersonen nicht sehr helle Killer, als er entdeckt, dass sein Opfer anscheinend doch noch lebt, immer wieder ihn erneut umzubringen.
Wenn HP und Intel die beiden jungen Männer sind, dann wäre Oracle vielleicht, um den Gedanken weiterzuspinnen, der frustrierte Killer?
Wie dem auch sei, die eigentliche Enthüllung Oracles in der Eingabe ist, dass HP und Intel in einem Vertrag vereinbart haben, den Itanium noch über mindestens zwei weitere Technologiegenerationen weiterzuentwickeln. HP hatte dies kurz zuvor in einer eigenen Eingabe so erklärt. HP habe jedoch seit Jahren versucht, dies vor dem Markt geheim zu halten, findet nun Oracle. Auf den ersten Blick könnte man dies vielleicht unerheblich finden, so Oracle, aber es bedeute, dass der Itanium nur weiterlebe, weil HP Intel dafür bezahle. Wenn Intel seine normale Businesslogik angewendet hätte, dann hätte der Chipriese den Itanium schon vor Jahren eingeschläfert, erklärt Oracle. HP habe dagegen in unzähligen Statements immer wieder behauptet, dass Intels eigener Glaube an die Zukunft der High-End-CPU hinter dem Investment stehe.
Oracle will deshalb nun in einer Gegenklage HP vorwerfen, Fakten im Zusammenhang mit Itanium wissentlich falsch dargestellt zu haben, um Oracle beziehungsweise Sun Marktanteile im High-end-Servermarkt abzunehmen und damit letztlich ein Duopol mit IBM anzustreben.
HP: Das war doch nie ein Geheimnis
HP dagegen stellt sich auf den Standpunkt, dass der Vertrag mit Intel ein ganz normaler Geschäftsvorgang gewesen sei. Ausserdem sei es Oracle sehr wohl schon länger bekannt gewesen, dss HP und Intel sich gegenseitig dazu verpflichtet hätten, den Itanium weiterzuentwickeln und noch mindestens bis zum Ende dieses Jahrzehnts verfügbar zu halten.
Die Eingabe Oracles, so ein HP-Sprecher am Freitag, sei lediglich eine "verzweifelte Verzögerungstaktik", um die "paralysierende Unsicherheit" im Markt zu verlängern.
Intels Itanium ist ein 64-Bit-Mikroprozessor, der gemeinsam von HP und Intel für den von jeweils herstellerspezifischen CPUs wie IBMs "Power-" oder Suns/Oracles "Sparc"-Chips geprägten High-end-Unix-Servermarkt entwickelt wurde, und der 2001 erstmals auf den Markt kam. Ursprünglich hofften Intel und HP, Itanium im High-end-Bereich als ähnliche Quasi-Standard etablieren zu können, wie die Xeons bei Standardservern, um die Entwicklungskosten auf mehrere Schultern zu verteilen. Anfangs sprangen auch einige Konkurrenten ohne eigene High-end-CPUs wie beispielsweise Dell oder Fujitsu auf den Itanium-Zug auf. IBM und Sun liessen sich aber nicht dazu verlocken, die eigene CPU-Entwicklung einzustellen, und die erstgenannten sprangen wieder ab. Mittlerweile ist HP seit längerer Zeit der einzige bedeutende Hersteller, der noch Itanium verwendet. HP gab zugunsten des Itanium die Weiterentwcklung seiner eigenen CPUs Alpha und PA-RISC auf. (hjm)