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| Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Erstes Buch. Briefe aus den Jahren 590—591.
XXIII. (44.) An den Subdiakon Petrus in Sicilien.
Inhalt
XXIII.
Gesammtausgabe 44.
An den Subdiakon Petrus in Sicilien.
Inhalt: Entscheidung vieler Rechtsfälle, woraus Gregors große Gerechtigkeitsliebe und Fürsorge für das Landvolk ersichtlich ist. Ueber den Cölibat der Subdiakonen.
Daß Wir Deinen Geschäftsträger erst so spät entlassen, hat seinen Grund in den Verrichtungen des Osterfestes, denen Wir obliegen mußten, so daß Wir ihn unmöglich früher hätten abordnen können. Die Angelegenheiten aber, die Du Uns zur Kenntniß bringen ließest, haben Wir sorgfältig untersucht, und Du wirst im weitern Verlauf ersehen, wie Wir sie entschieden haben. [S. 69]
Wir haben in Erfahrung gebracht, daß man die Bauern auf den Kirchengütern in Bezug auf den Getreidepreis sehr beschwere, indem man ihnen die bestimmte Ablösungssumme in fruchtbaren Jahren nicht einhalte. Wir wollen also, daß ihnen jederzeit nach dem öffentlichen Marktpreis, es mag nun viel oder wenig Getreide gegeben haben, die Ablösung gestattet werde.1 Was aber von Getreidelieferungen durch Schiffbruch verloren geht, das soll ihnen durchaus angerechnet werden, unter der Bedingung jedoch, daß Du keine Nachlässigkeit bei der Übersendung begangen habest und nicht etwa der Schaden durch Deine Schuld entstanden sei, weil Du die rechte Sendungszeit2versäumt hattest.3 Für sehr unbillig und ungerecht haben Wir es aber befunden, daß man von den Bauern der Kirche noch Etwas über die 16 Theile eines Modius annimmt und man sie zwingt, den Modius nach einem größeren Maße zu liefern, als er in den kirchlichen Scheunen üblich ist. Deßbalb verordnen Wir durch gegenwärtiges Schreiben, daß man von den Kirch-Bauern nie einen größern Modius (Schäffel) als einen solchen, der 18 Sextare faßt, annehmen dürfe.4 Hie- [S. 70] von werde jedoch die gewohnheitsmäßige Dazugabe für die Schiffer nicht berührt, da nach deren Angabe das Getreide auf dem Schiffe sich mindert.
Auch haben Wir in Erfahrung gebracht, daß man an einige Landgüter der Kirche eine höchst ungerechte Forderung stelle, indem man den Pächtern von 70 Modien 3½ abverlangt; 5und auch Dieß ist noch nicht genug, sondern — man kann es kaum aussprechen, — aber wie man sagt, fordert man von ihnen unter dem Vorwand langer Verjährung noch Etwas darüber. Diesen Unfug verabscheuen Wir und wollen, daß er auf unsern Ländereien gänzlich abgeschafft werde. Deine Wohlerfahrenheit schätze ab, was von den Landleuten zu viel verlangt wird, sei es in Bezug auf Maß und Gewicht, oder hinsichtlich kleiner Gefälle, oder sonst gegen Recht und Billigkeit. Bringe Alles unter eine Abgabe zusammen und lasse, wie es der Landmann zu leisten vermag, als ganze und abgeschätzte Abgabe 2 Modien von 70 einliefern; weder eine Verkaufsteuer, noch ein höheres Maß, noch andere höhere Abgaben sollen von ihnen verlangt werden ausser jener Schätzungs-Abgabe; sondern nach Deiner Schätzung soll Jeder je nach seinem Vermögen seine Gesammtabgabe zugewiesen bekommen und so der schändlichen Ausbeutung ein Ende gemacht werden. [S. 71]
Damit aber nicht nach meinem Tode jene Auflagen, die Wir als ungehörige aufgehoben und statt derer Wir den Schätzungs-Preis erhöht haben, 6wieder Jedem angerechnet werden und so einerseits der erhöhte Schätzungspreis bleibe, anderseits aber doch wieder die Nebenabgaben eingetrieben werben, so wollen Wir, daß Du über die abgeschätzte Gesammtabgabe einen Revers ausstellest, in welchem die Gesammtabgabe genau angegeben und dazu bemerkt ist, daß der Betreffende frei sei von Verkaufgebühren, Nebenabgaben und sonstigen kleinen Gefällen. Was von diesen kleinen Abgaben bisher dem Verwalter zu Gute kam, das soll, wie Wir hiemit befehlen, Dir aus der Gesammtabgabe zu Theil werden.
Vor Allem wollen Wir, daß Du sorgfältig darauf Acht habest, daß ja bei der Einforderung der Abgabe kein ungerechtes Gewicht gebraucht werde. Findest Du irgendwo ein solches, so zerbrich es und setze ein neues und rechtes an dessen Stelle. Auch mein Sohn, der Diakon Servusdei, hat schon solche gefunden, die ihm mißfielen; ader er hattte nicht die Vollmacht zu einer Abänderung. Ausser dem schon oben Ausgenommenen und den geringen Kirchengefällen soll also Nichts von den Pächtern der Kirche über das rechte Gewicht gefordert werden.
Ausserdem haben Wir erfahren, daß der erste Steuertermin Unsre Landleute in große Noth versetzt, weil man sie den Zins zu zahlen zwingt, noch ehe sie ihre Ernte verkaufen konnten. Wenn sie dann ausser Stande sind, aus ihrem Eigenen zu geben, so entlehnen sie bei öffentlichen Mäklern und geben noch bedeutendes Aufgeld für diese Aushilfe; so kommen sie in schwere Verluste. Deßhalb befehlen Wir [S. 72] durch Gegenwärtiges, daß Du nach Deiner Wohlerfahrenheit für diesen Zweck jeden Vorschuß von Amtswegen machest, den sie sonst bei fremden Leuten sich geben ließen, und daß ihnen gestattet sein solle, ihre Schuldigkeit ratenweise, wie sie es gerade vermögen, zu entrichten. Denn wenn man sie zur unrechten Zeit drängt, so müssen sie, was ihnen sonst zur Abgabe ausgereicht hätte, früher und billiger verkaufen, und dann reicht es ihnen nicht zu.
Es ist Uns auch zugekommen, daß man bei den Heirathen der Landleute übermäßige Sporteln erhebe. In dieser Hinsicht verordnen Wir, daß keine Heirathssportel die Höhe eines Solidus7übersteigen solle. Wenn die Leute arm sind, sollen sie auch weniger geben dürfen; sind sie aber auch reich, so werde doch der genannte Solidus nicht überschritten. Auch soll diese Heirathssportel nicht in Unsre Kasse fließen, sondern zum Nutzen der Pächter verwendet werden.
Auch ist Uns kund geworden, daß man mehrmals beim Tode der Pächter deren Eltern nicht gestatten wollte, als Erben in die Pacht einzutreten, sondern daß man das Erbgut zum Kirchenfond schlug. In dieser Beziehung bestimmen Wir, daß die Eltern der gestorbenen Pächter, wofern sie im Gebiete der Kirche leben, als Erben in die Pacht eintreten sollen, und es soll Nichts von dem Vermögen der Verstorbenen abgezogen werden. Wenn aber ein Pächter unmündige Söhne hinterläßt, so soll man zuverlässige Personen aufstellen, denen man ihr Elterngut zur Bewahrung übergeben kann, bis die Kinder das gehörige Alter erlangt haben, um ihr Vermögen selbst zu verwalten.
Man hat Uns auch gemeldet, daß, wenn Jemand aus einer Familie einen Fehler begeht, man ihn nicht an seiner Person, sondern am Vermögen bestrafe. Wir befehlen deßhalb, daß jeder Schuldige an seiner Person nach [S. 73] Verdienst bestraft werde. Sein Eigenthum aber bleibe unberührt, das Wenige ausgenommen, was dem abgeordneten Gerichtsdiener zu geben ist.
So haben Wir auch erfahren, daß man zwar von dem Pächter allzeit Dasjenige zurückfordert, was er auf ungerechte Weise seinem Unterpächter8entzogen hat, aber dasselbe dem Beschädigten nicht einhändigt. Deßhalb befehlen Wir, daß, was immer aus einem Hause gewaltsam entfremdet worden, dem Beschädigten zurückzuerstatten sei und nicht Uns zugewendet werden dürfe; denn Wir wollen nicht als Vorwand einer Gewaltthat erscheinen. Ausserdem ist es Unser Wille, daß die Diener Deiner Wohlerfahrenheit, wenn Du sie in vorkommenden Angelegenheiten ausserhalb des Kirchengutes sendest, zwar einige kleine Vortheile davon haben sollen, jedoch sollen dieselben nur ihnen selbst zu gute kommen; denn Wir wollen nicht, daß die Kirchenkasse durch schändlichen Gewinn verunreinigt werde. Auch befehlen Wir Deiner Wohlerfahrenheit, wohl darauf zu achten, daß die Verpachtung der Kirchenguter nicht nach dem Angebot des größern Pachtschillings geschehe, weil bei der ausschließlichen Rücksicht auf denselben ein zu großer Wechsel in den Pächtern veranlaßt wird. Wohin kommt es aber mit diesem Wechsel, als dahin, daß die Landgüter der Kirche unkultivirt bleiben? Ja ermäßige sogar die Pachtbriefe, wenn die Gesammtabgabe zu groß ist. Nimm nicht mehr in die Scheunen und Getreideböden aus den Landgütern der Kirche, als Gewohnheit ist. Was Wir aber für Dich anzuschaffen befohlen haben, soll hei Auswärtigen gekauft werden.
Man hat Uns auch gemeldet, daß man dem Pächter Petrus von Suppatriana drei Pfund Gold ungerecht abgenommen habe; forsche den Defensor Fantinus vorsichtig über diesen Punkt aus, und wenn das Gold offenbar wider Recht und Gebühr abgenommen wurde, so gib es ungesäumt wieder zurück. Auch wissen Wir, daß die Steuer, welche [S. 74] Theodosius eingefordert, aber nicht abgeliefert hatte, von den Landleuten nochmals bezahlt worden ist, so daß sie doppelt besteuert wurden. Dieß geschah, weil das Vermögen des Theodosius nicht hinreichte, um den der Kirche zugefügten Schaden zu decken. Weil Uns aber Unser Sohn, der Diakon Servusdei, in Kenntniß setzt, der Schaden könne deßungeachtet aus seinem Vermögen hinreichend gut gemacht werden, so wollen Wir, daß den Landleuten 507 Solidi unverkürzt erstattet werden sollen, damit sie nicht als doppelt besteuert erscheinen. Wenn aber noch ausserdem jene 40 Solidi aus dem Vermögen des Theodosius übrig bleiben, die sich in Deinem Gewahrsam befinden sollen, so sollst Du dieselben seiner Tochter übergeben, damit sie ihr Eigenthum einlösen könne, das sie zum Pfand gegeben. Auch das Trinkgeschirr ihres Vaters soll ihr zurückgegeben werden.
Der ruhmvolle Kriegsoberst Campanianus hat seinem Geheimschreiber Johannes eine Rente von 12 Solidi aus dem Varrontanischen Landgut hinterlassen; ohne alles Bedenken geben Wir Dir den Befehl dieselben jährUch der Nichte des Pächters Euplus auszubezahlen, obrwohl sie auch alles bewegliche Eigenthum des Euplus in Empfang genommen hat, das baare Geld allein ausgenommen; auch von diesem gib ihr 25 Solidi.
Ein silberner Untersatz soll zu einem, ein Becher zu sechs Solidi angesetzt worden sein. Frage hierüber den Sekretär Dominikus oder Andere, die es wissen können, nimm die Schuld in Empfang und gib die genannten Geräthschaften zurück.
Deiner Wohlbeflissenheit aber müssen Wir gar sehr danken, denn ich habe Dir in der Sache meines Bruders den Befehl gegeben, sein Silber zurückzuschicken, und Du hast es so in Vergessenheit gerathen lassen, als ob Dir von Deinem geringsten Sklaven Etwas gesagt worden wäre. Möge sich jetzt nicht sowohl Deine Wohlerfahrenheit, sondern viel mehr Deine Wohtvergeßlichkeit bemühen, die Sache in‘s Reine zu bringen, und Alles, wovon Du weißt, daß es sich bei Antoninus befunden habe, schleunigst übersenden. [S. 75]
In Bezug auf die Sache des Juden Salpingus hat sich ein Brief vorgefunden, den Wir Dir überschicken lassen, damit Du ihn durchlesest, sorgfältig seine oder seiner Wittwe Sache, die in dasselbe Geschäft verflochten sein soll, untersuchest und hinsichtlich der 51 Solidi, um deren Rückgabe es sich bekanntlich handelt, nach Deinem Gutbefinden eine Rechtsentscheidung fällest. Auf keinen Fall darfst Du gestatten, daß fremdes Eigenthum von den Leihanstalten ungerecht zurückbehalten werde.
Dem Antonius ist die Hälfte seines Vermächtnisses bereits ausgehändigt worden, die andere Hälfte wird mit Geld abgelöst werden. Dieß wollen Wir aus dem Kirchenvermögen bestreiten und nicht nur für ihn, sondern auch für die Defensoren und Pilger, denen Etwas als Vermächtnis hinterlassen wurde. Auch der Familie wollen Wir ihr Vermächtniß auszahlen lassen, obwohl dasselbe eigentlich Uns zusteht. Berücksichtige also auch Unsre Ansprüche und zahle ¾ der Verlassenschaft hinaus.
Was die Solidi der Kirche zu Canosa anlangt, so wollen Wir, daß Du der Geistlichkeit jener Kirche Etwas schenkest, damit Jene, die sich jetzt in Noth befinden, einen Lebensunterhalt besitzen und, wenn Gott will, daß dort ein Bischof eingesetzt werde, er auch ein Einkommen habe.
Hinsichtlich gefallener Priester oder anderer gefallener Kleriker wollen Wir Dich gewarnt haben, Dir mit ihrem Vermögen schmutzige Hände zu machen. Suche hingegen sehr arme, aber regelgetreue Klöster, in welchen man ein gottgefälliges Leben zu führen versteht, und liefere die Gefallenen zu ihrer Buße in solche Klöster. Das Vermögen der Gefallenen soll dann jenen Orten zu gute kommen, an die sie zur Abbüßung verwiesen wurden. Denn Jene haben einen Anspruch auf ihr Vermögen, welche sich um ihre Besserung bemühen. Haben sie aber Eltern, so soll ihr Vermögen den rechtmäßigen Eltern übergeben werden, jedoch so, daß ihr Unterhalt während der Bußzeit immer noch bestritten werden kann. Wenn aber Priester, Leviten, Mönche [S. 76] oder Mönche aus der Kirchenfamilie9gefallen stnd, so wollen Wir, daß sie zwar auch in Bußhäuser gethan werden, die Kirche aber soll den Rechtsanspruch auf ihr Vermögen dadurch nicht verlieren. Sie sollen so viel erhalten, als sie für ihre Buße bedürfen, damit sie nicht als Vermögenslose den Orten zur Last fallen, an die sie gewiesen werden. Haben sie aber vermögliche Eltern, so sollen diese ihr Einkommen beziehen und die Rechte der Kirche wahren.10
Vor drei Jahren ist es den Subdiakonen der asiatischen Kirche geboten worden, nach der Sitte der römischen Kirche sich des ehelichen Umgangs zu enthalten. Es scheint mir hart und ungebührlich, Jene zur Trennung von ihren Frauen zu zwingen, welche sich in die Enthaltsamkett noch nicht hineingefunden und auch früher die Keuschheit nicht gelobt hatten; sie könnten, was fern bleiben möge, gerade in Folge dieser Strenge noch tiefer fallen. Darum dünkt es mir gut, daß vom heutigen Tage an alle Bischöfe verpflichtet werden, keinen zum Subdiakon zu weihen, der nicht keusch zu leben versprochen hat. So soll, was in der Vergangenheit nicht im Vorsatz und Willen gelegen war, jetzt nicht zwangsweise gefordert, für die Zukunft aber weise Sorge getragen werden. Diejenigen aber, welche seit jenem vor drei Jahren ergangenen Verbot enthaltsam mit ihren Frauen gelebt haben, soll man beloben und belohnen, auch ermahnen, in ihrer Tugend standhaft zu bleiben. Jene aber, welche nach ergangenem Verbot sich ihrer Frauen nicht enthalten wollten, sollen zu keiner höheren Weibe zugelassen werden; denn Keiner darf zum Altardienste11 zugelassen werden, dessen [S. 77] Keuschheit sich nicht schon vor der Übernahme dieses Dienstes bewährt hat.
Dem Handelsmann Liberatus, der sich der Kirche empfohlen hat und auf dem Cincinianischen Landgute wohnt, soll von Dir ein jährlicher Unterhalt gereicht werden. Bestimme selbst die Höhe dieser Summe und mache Uns davon Anzeige, damit Wir sie bei Deinen Abrechnungen in Anschlag bringen. Für das laufende Jahr habe ich die Anzeige schon von Unserm Sohn, dem Diakon Servusdei, erhalten.
Ein gewisser Mönch12Johannes hat auf seinem Todbette den Defensor Fatinus zum Erben seines halben Vermögens eingesetzt Gib ihm die Verlassenschaft zwar hinaus, aber beschwöre ihn, so Etwas in Zufunft nicht mehr geschehen zu lassen. Setze fest, was er als Taxe zu bekommen habe, damit seine Mühe nicht unbezahlt bleibe, aber er soll auch eingedenk bleiben, daß auf seinen eigenen Vortheil nicht bedacht sein soll, wer vom Kirchenvermögen lebt. Wenn aber ohne Sünde, ohne Geldgier durch die Sachwalter der Kirche Etwas der Kirche zukommt, so geziemt es sich, daß sie für ihre Mühe auch Etwas bekommen. Unserm Urtheil aber bleibe es vorbehalten, wie sie zu belohnen seien.13
Die Streitfache wegen des Silbers des Rusticianus untersuche mit aller Genauigkeit und thue, was Dir recht scheint. Den erlauchten Mann Alexander ermahne, seine Sache mit der heiligen Kirche in Richtigkeit zu setzen. Sollte er sich dessen weigern, so bringe die Sache in Gottesfurcht und mit Rücksicht auf die Ehrbarkeit nach bestem Vermögen in's Reine. Wir wollen auch, daß Du Dich dabei nachgiebig erweisest und, wenn möglich, lasse ihm nach, was er [S. 78] Andern schuldet. Sorge nur, daß Wir ganz von ihm loskommen.
Die Schenkung der Dienerin Gottes, welche gefallen und in ein Kloster gewiesen worden war, erstatte ungesäumt zurück. Denn, wie oben bemerkt, jener Ort soll den Vortheil von ihrem Vermögen haben, der die Last, für sie zu sorgen, auf sich genommen hat. Aber auch was Andere von ihrem Vermögen in Händen haben, laß Dir ausliefern und gib es dem genannten Kloster.
Die Gelder des Spitales am neuen Weg, die sich nach Deinem Berichte in Deinen Händen befinden, schicke mir zu. Dem Verwalter aber, den Du über die Spitalgüter gesetzt hast, gib Etwas nach Deinem Ermessen.
Der Dienerin Gottes, Namens Extranea, die mit dem Theodosius gelebt hat, sollst Du, wie mir scheint, ein Einkommen zusichern oder jedenfalls die Schenkung erstatten, die sie gemacht hat. Das dem Kloster zugehörige Haus, welches Antoninus um 30 Solidi an sich gebracht, stelle ungesäumt nach Rückgabe der Solidi dem Kloster wieder zu. Auch die Meßkännchen von Onyxstein, die ich durch den Überbringer dieses Schreibens übermache, stelle zurück, nachdem ihre Ächtheit sorgfältig geprüft worden.
Schicke den Saturninus zu Uns, wenn er gerade entbehrlich und nicht für Dich in Anspruch genommen ist.
Felix, der Pächter der Frau Campana, den sie freigelassen, und den man nach ihrem Befehl nicht gerichtlich vernehmen sollte, hat erklärt, es seien ihm von dem Subdiakon Maximus 72 Solidi genommen worden; um sie geben zu können, mußte er nach seiner Behauptung alle seine Güter in Sicilien verkaufen oder verpfänden. Die Rechtskundigen haben nun behauptet, in Betrugssachen dürfe Niemand der gerichtlichen Vernehmung entzogen werden. Als sich aber Felix von Campanien zu Uns begeben wollte, büßte er hei einem Ungewitter das Leben ein. Suche seine Frau unb seine Kinder auf, löse ein, was er verpfändet, erstatte, was er verkauft hat, und reiche noch überdieß ihnen einen Lebensunterhalt. Denn Maximus hatte ihn nach Sicilen geschickt [S. 79] und ihm das Angegebene abgenommen. Suche also zu erfahren, was man ihm genommen hat, und gib es unverzüglich zurück.
Lies Dieß alles mit Bedachtsamkeit und setze jene Nachlässigkeit ganz bei Seite, der Du Dich nicht ungern hingibst. Laß die Schreiben, die ich an alle Landbewohner gerichtet habe, auf allen Landgütern verlesen, damit sie wissen, worin sie sich gegen Gewaltthätigkeit durch Berufung auf Unsre Autorität vertheidigen können. Auch sollen ihnen beglaubigte Abschriften derselben mitgetheilt werden. Sieh wohl zu, daß Du Alles aufs Genaueste befolgest. Dadurch, daß ich Dir schreibe, was die Handhabung der Gerechtigkeit erfordert, entledige ich mich meiner Pflicht: bist Du aber lässig, so fällt es auf Dich zurück. Denke an das Kommen des furchtbaren Richters und laß jetzt Dein Gewissen vor seiner Ankunft zittern,- damit es nicht vergebens dann zittern müsse, wenn Himmel und Erde vor ihm zittern werden. Du hast gehört, was ich will; habe Acht, wie Du es ausführst.
1: Die Bauern mußten alljährlich ein Quantum Getreide in die römischen Kirchenscheunen liefern, jedoch war ihnen die Ablösung in Geld gestattet. Ihre Klage bestand nun darin, daß man ihnen in fruchtbaren Jahren mehr abfordere, als das Getreide gerade auf dem Markte kostete.
2: In späterer Jahreszeit war das sicilische Meer stürmisch.
3: Die Zinspflichtigen waren schuldig, selbst das Getreide in die Scheunen zu liefern, gehörte also auf dem Meere noch ihnen, obgleich der Kirchenverwalter bie Uebersendung besorgte. Letzterer war Mandatar und also nur für Schaden verantwortlich, der durch seine Schuld entstanden.
4: Die römische Amphora enthielt drei Modius (Metzen); der Modius aber theilte sich in 16 Sextare. Wie Gregor im 34. Brief des 13. Buches sagt, pflegte man aber von den Kirch-Bauern einen Modius zu 25 Sextaren zu fordern. Er reducirt ihn auf 18, da der in den kirchlichen Scheunen übliche übliche Modius diese Eintheilung gehabt zu haben scheint.
5: „A septuaginta terni semis." So sehr auch die Lesarten an dieser Stelle aus einander gehen, so macht doch keine Variante den Sinn vollkommen klar; derselbe wird immer dunkel bleiben und nur auf dem Wege der Konjekturen auszuhessen sein. Das Wahrscheinlichste scheint uns zu sein, daß Gregor, nachdem er im vorigen Absatz daß Maß, in welchem der Bobenzins geleistet wurde, als ungebührlich verworfen, nun auch den Prozentsatz selbst zu hoch findet, derselbe wäre 5%, wenn von 70 Modien 3½ verlangt werden, Gregor setzt ihn im Verlauf auf 2 6/7 % herab, indem er von 70 Modien nur 2 zu nehmen ge stattet. — Ohne Zweifel waren jene Pächter auch sonst schwer belastet, sonst würde wohl auch in der bisherigen Besteuerung, wenigstens nach unsern Begriffen, keine sonderliche Bedrückung zu finden sein.
6: Es könnte Scheinen, Gregor habe (siehe vorige Anmerkung) auch den Bodenzins erniedrigt; allein Dieß galt nur vom Prozentsatz. Durch die höhere Schätzung wurde die Gesammtabgabe zwar größer als der frühere Bobenzins, immerhin aber geringer als die Summe des Bodenzinses und der verschiebenen aufgehobenen Nebenabgaben.
7: Eine große Münze von wechselndem Werth, dem heutigen Scudo entsprechend.
8: Colonus; der eigentliche Pächter heißt conductor.
9: Wahrscheinlich sind darunter die am Bischofssitz weilenden Kleriker zu verstehen, welche nicht eigenes Vermögen hatten, sondern von den Kirchengütern lebten.
10: D. h. für die Verwendung des Einkommens verantwortlich sein.
11: Früher durften sie Subdiakonen nicht am Altar dienen; erst nachdem der Zölibat von ihnen beobachtet wurde, war ihnen der (nähere) Altardienst gestattet.
12: Man sieht, es herrschte nicht überall jene strenge Auffassung der klösterlichen Armuth, wie sie Gregor selbst (Dialoge S. 288—291) übte. Uebrigens halten einige diesen „Mönch" für einen sog. Tertiarier, Andere halten gar „Mönch" für seinen Geschlechtsnamen.
13: Ueber die Defensoren siehe Dialoge S. 40.