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Auf schmalem Grat: Von der Nutzung marginaler Flächen zum politischen Gemeinwesen. Wirtschaftliche Erfolgsfaktoren ländlicher Kommunen
Die Schweizerische Eidgenossenschaft umfasst vereinfachend gesagt Städte- und Länderorte. Während die zunehmende Teilhabe von Städten an der Herrschaft ein allgemeines Phänomen des Europäischen Spätmittelalters ist, haben nur wenige ländliche Kommunen ihre politische Handlungsfähigkeit über das Spätmittelalter hinaus erhalten können. Der Beitrag beleuchtet die wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen ländlicher Handlungsspielräume anhand ausgewählter Beispiele. Die Entwicklung der Inneren Länderorte wird als Kontrastfolie zu den im Referat untersuchten «Grenzfällen» genutzt. Im Zentrum stehen Entwicklungen in Glarus, Appenzell, im Gaster, Toggenburg und in Saanen/Oesch vom Ende des 13. bis ins beginnende 16. Jahrhundert.
Anhand der Fallbeispiele kann gezeigt werden, dass sich im Raum der späteren Eidgenossenschaft zahlreiche ländliche Kommunen bildeten, von denen nur wenige politisch «oben blieben». Diese verdankten ihre politische Entwicklung spezifischen Konstellationen, sowie auch einer dynamischen Ausreizung ihres sozioökonomischen Potentials. Anhand dieser Beispiele können die unterschiedlichen Strategien spätmittelalterlicher Kommunalisierung und ihr spezifisches Erfolgspotential eingeordnet werden. Dazu zählt insbesondere die Erschliessung marginaler Flächen in den Alpzonen, deren Mehrwert von den lokalen Eliten kollektiv oder individuell abgeschöpft werden konnte.
Methodisch werden die Handlungsspielräume ländlicher Kommunen primär entlang ihres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potentials und der zeitgenössischen formalen Merkmale kollektiver Handlungsfähigkeit beleuchtet. Als Konsequenz daraus können der formale «Autonomie-Grad» der ländlichen Kommunen anhand der eingegangenen Bündnisse und Verträge einerseits, ihrer faktischen Durchsetzung in der Dauer andererseits näher beurteilt werden. In einem kurzen Ausblick wird die dichotomische Einteilung in Städte und Länder durch eine differenzierte Sichtweise im Sinne der Verflechtungsgeschichte abgelöst.