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Andere Namen: Mundart Siil, im Oberlauf Altsiil, im Unterlauf wilde und zahme Sihl. Die zahme Sihl hiess anfänglich auch Sihlgraben, speziell, als sie noch neben dem Fröschengraben verlief.
Hydrologie: Die Sihl ist 73 Kilometer lang und entwässert ein Gebiet von 344 km². Sie entspringt beim Chräloch am Druesberg im Kanton Schwyz. Sie durchfliesst den Sihlsee und wechselt bei Schindellegi in den Kanton Zürich und mündet in Zürich in die Limmat. Sie führt im Normalfall etwa 10 m³ Wasser pro Sekunde.
Urkundlich überlieferte Namen: Sylaha 1018, Altsila, Altsyli 1217, Syla vor 1218, 1221, Sile 1254, 1256, 1257, Sila 1259/60, 1263 Sile, Sihl 1318, Sile 1331. Für die zahme Sihl: Graben zu Woloshofen Türlin 1293, Sihlgraben um 1700, äusserer Graben um 1800, Sihl-Kanal 1900.
Namensentwicklung: *Segula/*Silava => Sylaha => Sila => Sile => Sil => Sihl
Etymologie:
1. Der frühe keltische Name könnte *Segula = 'die Mächtige' oder 'die Starke' gelautet haben.
2. Er wird aber auch zurückgeführt auf keltisch *sil = tröpfeln, rinnen, dann wäre ihr keltischer Name eher *Silava gewesen.
3. Von indoeuropäisch *sila = 'tobend', 'wütend'.
Diese drei Deutungsrichtungen bringen das Wesen der Sihl alle gleichermassen zum Ausdruck: Bei Trockenheit ist sie ein kleines Rinnsal und nach einem kräftigen Gewitterregen kann sie alles überschwemmen und über 100 x mehr Wasser führen, so als wäre sie ein Wildwasser. Seit der Sihlsee gestaut wurde, ist der Fluss um einiges ruhiger geworden.
Flussnamentyp: Sie gehört am ehesten zum Typ *sil-.
Geologie: Ab Sihlbrugg floss die Sihl aussen an der Seitenmoräne des Zürichseearms des Linth-Rheingletschers entlang bis nach Zürch, wo sie beim Platzspitz in die Limmat mündet.
Flussgeschichte:
Nacheiszeitlicher Sihlsee: Während der letzten Eiszeit war das obere Sihltal bedeckt durch den Sihlgletscher, einen linken Seitenarm des Linth-Rheingletschers. Am nördlichen Ende der Sihlebene bei Einsiedeln befand sich die Seitenmoräne des erwähnten Gletschers. Diese stauten damals beim Rückzug des Sihlgletschers einen See, welcher ganz ähnliche Umrisse hatte wie der heutige Sihl-Stausee, nur war er erheblich tiefer, da die Seitenmoräne noch die volle Höhe aufwies. Dieser See bildete sich vor etwa 15'000 Jahren und blieb etwa 5'000 Jahre bestehen, also genau so lange, bis die Sihl und die Minster das Becken mit ihrem Geschiebe immer mehr auffüllten und bis die Sihl die bereist erwähnte Seitenmoräne soweit durchfressen hatten.
Am meisten Geschiebe führte damals wie heute die Minster, deren Einzugsgebiet im weichen Flyschgestein liegt. Der See wurde, entsprechend der Flussrichtung der Bäche, von Süder her gegen Norden hin aufgefüllt. Dies kommt wie nachfolgend beschrieben auch in der Schichtung der Sedimente zum Ausdruck: Wenn ein Fluss Material in einen See schwemmt, sinkt das grobe Geröll sehr rasch zu Boden. Kies wird ein Stück weiter in den See hinausgetragen. Sand erreicht einen beträchtlichen Abstand zum Flussdelta, und Mergel verteilt sich sogar im ganzen See. Während der Auffüllung eines Sees schreitet das Flussdelta vorwärts, so dass nach gewisser Zeit dort grobes Geröll abgelagert wird, wo früher nur Kies oder Sand hingetragen wurde. Dadurch entsteht eine Schichtfolge mit Mergel am Grund, überlagert von unten nach oben mit Sand, Kies und Geröll.
Die Sihl frass sich am Seeausfluss immer tiefer in eine der Moränen ein. An der Stelle, wo die Sihl im Lauf der Jahrtausende einen tiefen Einschnitt gegraben und sogar die darunterliegende Süsswassermolasse angenagt hat, steht heute die Staumauer.
Der Seespiegel senkte sich also langsam. Wo das Wasser seicht wurde, entwickelte sich Verlandungsvegetation. Auf der allmählich an Mächtigkeit zunehmenden organischen Schicht entstanden Flachmoore und stellenweise Hochmoore. Die Moore wurden zeitweilig von hochwasserführenden Bächen überschwemmt, so dass zwischen Torflagen hie und da Lehm und Geröll auftreten. Der Geologe Werner Lüdi untersuchte die Sedimente im Bereich des nacheiszeitlichen Sihlsees kurz vor dem Stau des heutigen Sihlsees in den 1930er Jahren pollenanalytisch. Durch Analyse der in einer Sedimentschicht eingelagerten Pollen kann die betreffende Schicht datiert werden. Somit ist feststellbar, wie weit die Verlandung des nacheiszeitlichen Sees zu verschiedenen Zeiten fortgeschritten war. Text nach: Meinrad Küchler: Die Moore des Sihltals. Erschienen in: Saurer, Karl (Hrsg.). Der Sihlsee, Eine Landschaft ändert ihr Gesicht. Zürich: Offizin (2002).
Überschwemmungen in Wiedikon und Aussersihl:
Vor 1000 Jahren und früher floss die Sihl in ihren letzten Kilometern vor der Einmündung in die Limmat zopfmusterartig. Ungefähr zwischen der heutigen Sihl- und der Stauffacherbrücke zweigte ein Seitenarm nach rechts in Richtung Bürkliplatz und mündete in mehreren Armen in den Zürichsee. Bei dieser Abzweigung hatte die Sihl mehrere Flussarme. Bei jedem Hochwasser überschwemmte sie die umliegenden Gebiete und die Lage dieser Flussarme änderten recht oft.
Die alte Mündung der Sihl in die Limmat
Mit dem Anwachsen der Stadt Zürich beschloss man zur Sicherung der Stadt zusätzlich zur ersten Stadtmauer und dem Fröschengraben, den zopfmusterartig fliessenden rechten Seitenarm der Sihl in die Stadtbefestigung mit einzubeziehen. Dazu plante man, diesen Wasserlauf zu begradigen und parallel zum Fröschengraben, aber mit umgekehrter Fliessrichtung zum Zürichsee zu führen. Mit dem Bau dieses Sihl-Kanals, den man danach die zahle Sihl nannte, begann man bereits im Jahre 1293 oder etwas früher und kurz nach 1300 war er fertig erstellt. Oliver Lüde hat von diesem Lauf Computerbilder erstellt, welche die Sihl vor und nach dem Bau des Sihl-Kanals zeigt. Auf der Website "Gang dur Züri" kann man diese Bildrekonstruktion ansehen.
In den nachfolgenden Jahrhunderten hat man die Abzweigung des rechten Sihllaufs von der Stauffacherbrücke hinauf bis zum Bahnhof Giesshübel verlegt. Damit bezweckte man folgendes:
- Er diente als Auffang für die Holzflösserei - Man benötigte das Wasser für den Betrieb zahlreicher Wasserräder in der Stadt Zürich. - Er sollte der wilden Sihl soviel Wasser entziehen, dass sie bei Hochwasser nicht mehr so viel Schaden anrichten konnte. Zwischen den beiden Flussläufen gab es mehrere sogenannte Leerläufe zum alten Flussbett, die dafür sorgten, dass nie zuviel Sihlwasser in die Stadt floss. Üblicherweise waren es so um 6 m³ pro Sekunde.
Dieser Sihl-Kanal zweigte beim Giesshübel von der Sihl ab. Giesshübel war die Bezeichnung für das Wehr, das ursprünglich eine rein geologische Formation war, eben ein Laufen oder eine Schwelle über die sich Wasser ergoss und die man so umbaute, dass sie das Sihlwasser auf die beiden Flussarme aufteilte. Die Abzweigung war so gestaltet, dass der Sihl-Kanal das Sihlwasser in einem weiten Bogen bei der Sihlhölzli-Anlage übernahm und jene Wassermenge, die der Kanal nicht zu fassen vermochte, über einen felsigen, steinigen Laufen, der als Wehr (Wuhr) diente, im alten Flussbett der Sihl weiterfluss. Bei sehr niedrigem Wasserstand blieb der 'wilden Sihl' nicht mehr viel Wasser, während bei Hochwasser das meiste Wasser über den Laufen stürzte. Damit nie zuviel Wasser im Sihl-Kanal verblieb gab es mehrere Leerläufe zur wilden Sihl hinüber. Diese sogenannte zahme Sihl folgte dem Lauf der wilden Sihl bis zum Sihlhölzli und weiter vorbei am Bahnhof Selnau und floss dabei stets etwa 3 Meter über dem Niveau der wilden Sihl.
Bei der Stauffacherbücke zweigte der Sihl-Kanal dann vom alten Flusslauf ab, floss hinter den Stallungen der Militäranlagen vorbei bis zum Parkplatz des Hallenbades. Hier machte der Kanal einen 80°-Bogen, überquerte den Schanzengraben anfänglich auf einer hölzernen Brücke, die 1900 durch eine steinerne ersetzt wurde und floss vor der späteren Epa zur Sihlporte. Kurz danach zweigte ein Kanal ab zum Sihlwisli und vereinigte sich dann wieder mit Sihl-Kanal. Nun folgte sie dem Verlauf der heutigen Uraniastrasse und erreichte die Bahnhofstrasse. Hier beim Rennwegtor folgte sie nun in umgekehrter Fliessrichtung und parallel zum Fröschengraben und mündete in den Zürichsee. Die beiden Wasserläufe waren durch einen hohen Wall getrennt.
Der Verlauf der zahmen Sihl, ab dem Rennweg auch äusserer Graben oder Sihlgraben genannt, verkümmerte aber immer mehr, sodass man um 1720 den äusseren Sihlgraben still legte und das Wasser des Sihl-Kanals parallel zum Fröschengraben führte, der beim Rennwegtor um 70° nach Osten in Richtung Papierwerdareal abbog. Hier verliefen die beiden Kanäle parallel nebeneinander. Das Wasser des Fröschengrabens stürzte über eine Schleuse in einen schmalen Graben und floss bei den Mühlen am Werdmühleplatz unter dem Oetenbachturm hindurch, wo er sich mit dem Sihl-Kanal vereinigte und vor dem Oetenbachbollwerk beim gedeckten Brüggli in die Limmat stürzte. Dazu gab es um 1865 noch ein grosses Tosbecken, welches später der Limmat abgerungen wurde. Die obererwähnte Schleuse diente dazu, im Fröschengraben einen Rückstau durch das Wasser des Sihlkanals zu verhindern. Schon um 1800 war der ganze äussere Graben des Sihl-Kanals bereits zugedeckt. 1864 wurde auch der Fröschengraben trocken gelegt und ein Jahr später zugedeckt. Es gab jetzt nur noch den Sihl-Kanal oder die zahme Sihl, welche ab der Bahnhofstrasse in zwei schmalen Kanälen zur Limmat floss. Ergänzend sei noch vermerkt, dass der Sihl-Kanal beim gedeckten Brüggli in einem hohen Wasserfall in den Werdarm der Limmat stürzte. Den tosenden Wasserfall konnte man um 1900 allerdings nur noch hören, denn er erfolgte untertags.
Dieser Sihl-Kanal wurde erst stillgelegt und aufgefüllt, als kurz nach 1920 die Verlegung der wilden Sihl beim Sihlhölzli abgeschlossen war. Dabei wurde die Sihl nun weiter östlich und geradeaus geleitet. Der alte Giesshübel wurde dabei durch einen künstlichen Wasserfall ersetzt der etwa 700 m weiter flussabwärts auf Höhe der Turnhallen der Sihlhölzlianlage liegt. Auf den Stadtplänen von Zürich aus den Jahren 1865 und 1900 kann man den Verlauf des alten Sihlkanals und des Fröschengrabens sehr schön verfolgen.
Heutiger Sihl-Stausee: Der Sihlsee ist ein Stausee im Hochtal von Einsiedeln. Er wird von der Sihl durchflossen. Die Staumauer ist 33 Meter hoch und 124 Meter lang. Der See weist eine Fläche von 10,72 km² auf. Von der Fläche her ist er der grösste Stausee der Schweiz. Die grösste Tiefe erreicht er vor der Staumauer mit 23 Metern. Der Sihlsee hat ein Volumen von rund 96 Mio. m³ und speist das Etzelwerk in Altendorf SZ am oberen Zürichsee, das jährlich 270 Mio. kWh Bahnstrom für das SBB-Netz produziert.
An einer Gemeindeversammlung wurden 1926 wurde der Bau des Stausees deutlich gutgeheissen. Mit dem Bau wurde 1932 begonnen und 1937 wurde der See geflutet. Rund 500 Leute mussten umgesiedelt werden und weitere 1300 kamen anderweitig zu Schaden. Sie wurden alle angemessen entschädigt. Das Umsiedlungsprojekt umfasste den Bau von 30 neuen Bauernhöfen sowie der Bau von Wohnhäuser für 175 Personen. Die meusten Flach- und Hochmoore gingen in den Fluten unter. Immerhin blieb die Schwantenau bei Biberbrugg erhalten, sodass man sich hier ein Bild machen kann vom ehemaligen Charakter der Landschaft. Diesen Nachteilen steht heute eine einmalig schöne Seenlandschaft gegenüber, im weiteren der gewonnen Strom und die erheblich reduzierten Überschwemmungen der Sihl.
Quellen: Kläui und Schobinger, Wikipedia. GLS, 1908, Bd. 5, Seite 533, Greule. Stadtplan von Zürich 1900, Ortsmuseum Wiedikon (unter Sihl)