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Johann Wolfgang Goethe hat auf der Schweizerreise 1797 in seinem Tagebuch vermerkt, dass die Wasser der Sihl bei Schindellegi «zur Wässerung und Werken in die unterhalb liegende Gegend» geleitet werden sollten, «ein Unternehmen, das freilich in einem demokratischen Kanton und bei der Kompliziertheit der Grundstücke, die es betreffen würde, nicht denkbar ist». Und doch wurde viel später diese Idee - wenn auch in abgeänderter Weise - Tatsache.
Um 1897 ist ein Projekt Kürsteiner diskutiert worden, das vorsah, die Wasser der Sihl bei der Schlagen zu stauen und unter Ausnützung des Gefälles für ein Elektrizitätswerk zu nutzen. Den Gedanken übernahm die 1929 gegründete Etzelwerk AG (SBB und NOK). Es gab wohl keine so wichtige offene Landsgemeinde, wie jene von 1926, als an die Schweizerischen Bundesbahnen mit Zweidrittels-Mehrheit die Konzession zum Bau des Sihlsees erteilt wurde. Diesem Beschluss gingen langwierige Verhandlungen bezüglich der Landentschädigung, des Strassenbaus und der Erstellung von Viadukten zwischen dem westlichen und östlichen Seeufer voraus. Bereits 1925 hatte die Baukommission für den zu erstellenden Stausee um die 85 % des benötigten Landes erworben. Diskussionen über die Höhe des Stauwerkes, die Abgeltung von Inkonvenienzen, wegen der Entschädigung an die Bauern und Genossamen, welche Land abzutreten hatten, strapazierten die Geduld der Behörden und Einwohner wie der am See Interessierten.
Wegen der herrschenden allgemeinen Arbeitslosigkeit entschloss man sich, bereits 1932 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Zuerst mussten die Strassen um den geplanten See, etwa 29 km, erstellt werden. Dann folgten die beiden Viadukte Birchli - Willerzell und Steinbach -Ruostel, der eine 1115, der andere 412 Meter lang. Das wichtigste Bauwerk, die Staumauer bei der Schlagen, hat eine Höhe von 28 m, eine Kronenlänge von 124 m, eine Mauerkubatur von 28 000 m3. Der Druckstollen von der Staumauer bis zum Wasserschloss misst 2900m, jener vom Wasserschloss zum Maschinenhaus in Altendorf 2200 m. Die Ausmasse des Sihlsees sind: 8,5 km grösste Länge, 2,5 km grösste Breite, 25 m grösste Tiefe; 11,3 km2 Fläche, somit flächenmässig grösster Stausee der Schweiz, Stauhöhe: 892,60 m ü. M. Heutiger Alleineigentümer der Etzelwerk AG sind die SBB. Sie benötigen den Sihlseestrom für die Eisenbahn. Am 1. Mai 1937 wurde mit dem Stau begonnen, und im Oktober konnte die kirchliche Weihe vorgenommen werden.
Die Opferbereitschaft der Einsiedler Bevölkerung war gross. Sie setzte im Interesse der Allgemeinheit Eigennutz hinter Gemeinnutz. Um die 11 Mio. m2 Grund und Boden mussten die Waldleute an die Konzessionsnehmer abtreten. Davon gehörten 46,7 % den Genossamen, 53,3 % waren privater Besitz. Von dem verkauften Land waren 14 % unproduktiv, 45 % Torf- und Streuland, 41 % Pflanz-, Wies- und Weidland. 356 Heimwesen mit einer Bevölkerung von rund 1800 Personen wurden durch den Bau des Sihlsees irgendwie in Mitleidenschaft gezogen. 107 Familien mussten ihre angestammte Heimat verlassen. 34 Haushaltungen konnten in Neuansiedlungen um den See und in dessen Nachbarschaft eine neue Wohnstatt finden.
Heute sieht niemand mehr, dass der Sihlsee künstlich angelegt wurde. Er erfreut Anwohner wie Fremde. Fischer suchen den See gerne auf und machen reichen Fang. Segler und Surfer lieben es, die Wasser zu befahren. Rund um den See sind zahlreiche Ferien- und Wochenendhäuser entstanden. Am Bergwasser finden viele Ruhe, Entspannung, Erholung und Kraft für den Alltag. ©