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Wem verdankt Italien die Pasta? Natürlich Marco Polo! Der hat doch seinerzeit die Teigwaren aus China mitgebracht. Oder etwa nicht?
Die Geschichte kennt man: Ein junger Mann aus Venedig reiste mit seinem Vater und seinem Onkel im 13. Jahrhundert bis ins ferne China, an den Hof von Kublai Khan. Später schrieb Marco Polo dann ein ausführliches Buch über seine Erlebnisse, das ein riesiger Erfolg wurde und das europäische China-Bild für Jahrhunderte prägte. Aber es gibt da einige Punkte, die bei genauerer Betrachtung doch recht verdächtig sind:
- Aus Polos Angaben lässt sich kaum eine nachvollziehbare Reiseroute rekonstruieren. Alle Versuche, auf seine Spuren zu reisen, sind bisher gescheitert.
- Wenn Polo in China wirklich eine so bedeutende Persönlichkeit war, wie er selbst sagt, dann müsste es doch chinesische bzw. mongolische Quellen geben, in denen er erwähnt wird. Davon ist jedoch bis heute nichts bekannt, trotz des umfangreichen Schrifttums jener Zeit.
- Polos Text ist über weite Strecken auffallend unpersönlich und klingt mehr wie eine Art Reiseführer als wie ein individueller Erlebnisbericht.
- Wenn Polo wirklich, wie behauptet wird, mit nichts als seinen Kleidern am Leibe nach Europa zurückkehrte, dann hatte er auch keine persönlichen Aufzeichnungen bei sich. Trotzdem offenbart er im Rückblick eine Fülle von Informationen, anscheinend alles aus dem Gedächtnis.
- Trotz diese Fülle von Informationen gibt es einige auffallende Lücken. Die chinesische Mauer beispielsweise (zweifellos erwähnenswert) fehlt ebenso wie das Nationalgetränk Tee.
Man könnte diese Liste auch noch verlängern. Frances Wood untersucht in ihrem Buch Marco Polo kam nicht bis China den historischen Sachverhalt und stellt die Gretchenfrage: War der berühmte Reisende etwa ein Aufschneider? Hat er vielleicht fremde Reiseberichte kopiert und sich selbst „dazugeschrieben“? Hat er China in Wirklichkeit nie gesehen? Aber wenn er nicht dort war, wo war er dann von 1271 bis 1295? Die Geschichte mit den Teigwaren ist jedenfalls sehr wahrscheinlich eine Legende.