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Taiwan hat einen weiteren diplomatischen Verbündeten verloren: Vier Tage nach den Salomonen bricht auch der andere kleine Südseestaat Kiribas mit der demokratischen Inselrepublik und nimmt diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf.
Als Reaktion auf den Wechsel teilte der taiwanische Aussenminister Joseph Wu mit, dass die Botschaft und alle Kooperationsprojekte in dem nur 117’000 Einwohner zählenden pazifischen Inselstaat geschlossen werden.
Damit hat Taiwan nur noch 15 diplomatische Verbündete, meist kleinere Staaten, darunter den Vatikan. Der Aussenminister berichtete, Kiribas sei durch die vorausgegangene Entscheidung der Salomonen beeinflusst worden.
Dollar-Demokratie in der Südsee
Aus Angst vor einem Domino-Effekt will Taiwan nun seine Beziehungen zu den anderen Südseestaaten wie Tuvalu, Palau, Nauru und den Marshall Inseln aufmerksam verfolgen. Wu warnte die kleinen Länder vor einer Schuldenfalle, wenn sie Pekings Geld annehmen.
Das Ganze nennt sich Dollar-Demokratie, wie Ostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi erklärt: Die mit Taiwan verbündeten Staaten erhalten finanzielle Unterstützung und Entwicklungshilfe, erkennen deshalb Taipeh diplomatisch an und unterhalten dort Botschaften. Die Volksrepublik hat allerdings das grössere Budget als Taiwan und sitzt bei den kleineren und oft auch ärmeren Ländern am längeren Hebel.
Weitere Aktionen von Peking zu erwarten
Mit dem Verlust von Kiribas wird Taiwan weiter isoliert. China will mit dem Vorgehen Druck auf Taiwan ausüben und den internationalen Spielraum Taiwans verkleinern. Denn die allermeisten Länder, auch die Schweiz, anerkennen Taiwan nicht offiziell. Jetzt wird Peking versuchen, auch noch die restlichen Länder auf seine Seite zu ziehen.
Zudem sind in Taiwan in ein paar Monaten Wahlen. Wenn die Präsidentin und Favoritin Tsai Ing-wen gewinnt, wird China versuchen, ihr noch weitere Verbündete abspenstig zu machen. In Europa anerkennt lediglich noch der Vatikan Taiwan offiziell. Aber auch hier gab es in der jüngsten Zeit Fortschritte, sodass auch der Vatikan eines Tages die Seiten wechseln könnte.
Einverleibung als Fernziel
Seit in Taiwan die Fortschrittspartei (DPP) im Mai 2016 die Wahl gewonnen hat und die china-kritische Tsai Ing-wen Präsidentin geworden ist, hat Peking seine Bemühungen weiter verstärkt, mit seiner Wirtschaftsmacht Taiwan diplomatische Verbündete abzuwerben.
Mit seiner Ein-China-Doktrin erlaubt die kommunistische Führung in Peking keinem Land, diplomatische Beziehungen sowohl mit China als auch mit Taiwan zu unterhalten. Die freiheitliche Insel wird von Peking als Teil der Volksrepublik angesehen, obwohl sie nie dazu gehört hat.