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Vanille,
Vanilla, Familie der Knabenkräuter oder Orchideen, kletternde Sträucher mit Luftwurzeln in den Tropen,
kultiviert die gewüzhafte ^[richtig: gewürzhafte] V.,
Vanillewinde, V. aromatica - Epidendrum V., (engl.
vanille aromatic, frz.
vanille und vanillier aromatique, holl.
banille, span. vanilla und banylla) und V. planifolia Ando (in Westindien
und Mexiko).
Die Pflanzen treiben zahlreiche Luftwurzeln, dickfleischige ovale Blätter, gelblichgrüne geruchlose Blüten und schotenartige, dreiteilige Kapseln, gelb von Farbe, 15-25 cm lang, bis 13 cm breit, nach den Enden verschmälert, mit scharf klebriger Milch, zuletzt balsamischem Mus angefüllt, in welchem bis 20000 kleine Samen liegen. Die Heimat der V. ist Mexikos Ostküste, woselbst sie in feuchten schattigen Wäldern an den Bäumen empor wuchert. Angebaut wird die V. jetzt auch in der Westküste, in ganz Westindien, auf Mauritius, Bourbon und Java durch Setzranken, welche auf völlig gesäubertem Boden an dazu geeignete Bäume gesteckt und beim Weiterwachsen mehrfach, unter Reinhaltung des Bodens, angeheftet werden, solange bis sie fest an den Stamm gewurzelt sind. Vom dritten Jahre an gewinnt man die Schoten und bis zum 40. Jahre bleiben die Pflanzen tragbar. Die Befruchtung erfolgt durch besondere Insekten, in europäischen Gewächshäusern seit 1837 durch künstliche Übertragung des Pollens auf die weiblichen Teile.
Man erntet die Früchte von April bis Juni vor völliger Reife und muß das Mus künstlich eindicken, indem die Schoten zuerst an die Sonne gelegt und dann zum „Schwitzen“ in wollene Tücher gepackt werden, welche so lange in der Sonne liegen bleiben, bis eine braune oder grauschwarze Farbe erzielt ist, worauf man die Schoten auf Tafeln ausbreitet oder an luftig schattigen Orten aufhängt, oder auch künstliche Wärme zum Trocknen anwendet und zwar Kohlenfeuer, über welches die V. in hängenden, schaukelnd erhaltenen Horden, eingeschlagen in wollne Tücher, angebracht wird. Die Indianer, welche hauptsächlich mit dem Anbau sich beschäftigen, müssen es dabei zu verhindern verstehen, daß die Qualität nicht leidet. Anderwärts bringt man die Milch durch Anbohren der Schoten mit Nadeln zum Ausfließen. Die getrocknete Ware wird sorgfältig sortiert nach der Länge, in Bunde zu 50 St. gebunden und in Blechkisten mit 25-50 kg. Inhalt verpackt. Die Länge bedingt die Qualitätsgrade. -
Die V. enthält 12% Fett und
Wachs, 4%
Harz, 16,5%
Gummi und
Zucker, 4,5% Asche und das
Vanillin (s. d.), welches das Aroma bedingt,
im Verhältnis von 2,5 (Bourbon) bis 6,9% (Mexiko); die Java
vanille hat etwa 2,75%. Bei längerm Lagern überzieht sich die
V. mit nadelförmigen Kristallen von
Vanillin („Kristallisiert“; V. angentée ou grivée, V. cristallina),
auf welche der Kaufmann viel Gewicht legt, doch ist das Kristallisieren nicht als Beweis für höhere Güte anzusehen, da
auch unkristallisierte Ware gleich gut sein kann.
Die Kennzeichen guter V., abgesehen von der Länge, sind: Biegsamkeit, ohne brüchig zu werden, Unverletztheit, besonders die weiße etwas umgebogene Spitze, reichliche Füllmenge, Dünnschaligkeit, geringe Runzelung, gute Farbe und etwas Fettglanz, ohne auf Papier Flecken zu geben. Die V. leidet leicht durch Zerbrechen, Verletzungen, Austrocknen oder Schimmelbildung und muß deshalb in Staniol verpackt, gut hermetisch verschlossen und in trocknen Räumen und zwar in Glas oder Blech aufbewahrt werden. Java V. ist hartschaliger und geringwertiger als die amerikanische. Den Haupthandel hat Frankreich, welches jetzt von Bourbon und Mauritius fast mehr als Mexiko liefert, bis zu 40000 kg. Die mexikanische Ware geht besonders nach England. Die Gesamteinfuhr in Frankreich ist über 30000 kg, die Ausfuhr etwa 12-13000 kg. In Mexiko wird oft die V. mit Acajouöl bestrichen, wodurch aber die Güte verliert; derart ¶
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fettig gemachte V. gibt braune Flecken auf Papier. - Verfälscht wird V. durch Auffrischen bereits ausgezogener Schoten mit
Perubalsam und Acajouöl und durch Zumischen schlechter Schoten und ähnlich aussehender Früchte. Die künstliche Darstellung
von Vanillin, welches zu den meisten Zwecken die V. vollkommen ersetzen kann, hat den Preis, früher bis 300 Mk.
pro kg, wesentlich erniedrigt und damit die Verfälschungen weniger lohnend gemacht, sowie geringwertigere Früchte: Brasil,
Laguayra, Pompona etc. ganz verdrängt. - Verwendet wird die V. in der feinern Küche, zu Schokoladen,
Konditoreiwaren und medizinisch, der Extrakt mit Weingeist, die
Vanillentinktur, zu Parfüms, Likören und in Apotheken. -
Jetzige Preise sind: Bourbon, über Bordeaux oder Paris bezogen in Dosen von 3-10 kg, mit 12-24 cm langen
Schoten 16-70 Mk. je nach Jahrgang und Sorten, Mauritius über London, Mexiko über Hamburg 18-64
Mk. pro kg. -
Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 25 i.
Vanilletinktur Nr. 5 a.
Vanilleessenz, nicht oder
nur in ganz geringem Grade alkoholhaltig, zum Würzen von Speisen oder Getränken, Nr. 25 p 1.