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(Erste Fortsetzung des Artikels: Gemeinsames Eigentum: ein altes Modell mit Zukunft)
Ein Anachronismus? Ein unbedeutendes Relikt der Geschichte?
Sind die Korporationen ein unbedeutendes, längst überholtes Relikt der Geschichte? Ein Anachronismus? Mitnichten. Die Korporationen haben in vielen Schweizer Kantonen eine starke Position, politisch und vor allem auch wirtschaftlich. Und dies nicht nur, weil sie eine jahrhundertealte Tradition haben. Sondern weil viele von ihnen auch steinreich sind!
Der Kanton Schwyz, als Beispiel, hat auf 900 Quadratkilometern lediglich 148’000 Einwohner (Berlin hat auf gleichviel Quadratkilometern dreieinhalb Millionen!). Aber allein schon in diesem relativ kleinen Kanton zählt man mehrere Dutzend selbständige Korporationen, die nicht, wie die politischen Gemeinden, die Schulgemeinden oder die Kirchgemeinden, über ein Territorium definiert sind, sondern ausschliesslich über Personen. 45 der dortigen Korporationen sind in einem Verband zusammengefasst. Die grösste, die Oberallmeinkorporation Schwyz, zählt knapp 18’000 Bürger und Bürgerinnen. Die kleinste, die Genossame Buttikon, wenn es denn wirklich die kleinste ist, gerade etwas mehr als 100. Kanton und Verband geben vor, keine Zahlen zu haben.
Ursprünglich waren die Bürger einer Korporation die Angehörigen von Familien, definiert über den Namen des Geschlechts: Fässler, Reding, Ruoss, von Euw, Auf der Maur zum Beispiel. Die Nachfolge ging vom Vater auf die Söhne, so wie der Name. Das allerdings liess sich nicht ganz bis heute halten. Aufgrund mehrerer Entscheide des Bundesgerichts bzw. aufgrund des sogenannten Gleichstellungsgebotes von Mann und Frau läuft seit einigen Jahren die Vererbung des Korporationen-Bürgerrechts auch über die Frau, selbst wenn sie bei ihrer Heirat den Namen des Mannes annimmt. Bei einzelnen Korporationen gilt diese Regelung allerdings erst seit 2005 oder gar 2007, sie hatten sich lange, aber schliesslich vergeblich, für die Beibehaltung des ausschliesslich männlichen Erbrechts gewehrt – der traditionellen Bürger-Namen wegen, wie sie sagen. Jetzt aber gibt es eben auch Adornetto, Costa, Varga, Zalokar oder Dimitriev in den Bürger-Verzeichnissen der Korporationen.
Gemeinsame Nutzung gemeinsamen Bodens als Grundidee
Am Anfang stand die Nutzung des Bodens, der Alpweiden, des Waldes. Die Einwohner verstanden sich – wir reden vom Mittelalter – als Eigentümer: als gemeinsame Eigentümer des Bodens. Keiner hatte mehr als ein Anderer. Und die Nutzung des Bodens wurde gemeinsam geregelt: Jeder wusste, wann er seine Tiere auf welche Alp zur Sömmerung bringen konnte.
Dieses Prinzip hatte über Jahrhunderte Bestand und funktioniert bis heute. Und dies, obwohl der Boden nicht mehr nur landwirtschaftlich genutzt wird. Die Erträge des Waldes etwa, früher lediglich Bau- und Brennholz für die Bürger der Korporation, finden heute ihren Weg in die holzverarbeitende Industrie und bringen Geld. Noch wichtiger, und zunehmend von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, ist das Wasser: die Nutzung der Flüsse für Wasserkraftwerke und des Grundwassers für ganze Wasserversorgungen. Wasser, das Gold der Zukunft! Und mehr und mehr werden die Korporationen auch zu Immobilien-Unternehmen, bauen grosse Wohn- und gewerbliche Überbauungen.
Der Reichtum der Korporationen ist kaum eruierbar
Reich sind die Korporationen heute, weil sie Land besitzen, vor allem dort, wo dieses Land nicht nur landwirtschaftlich genutzt werden kann. Die Oberallmeinkorporation Schwyz – sie ist mit knapp 18’000 Bürgern und Bürgerinnen im Kanton Schwyz die grösste – hat ca. 24’000 Hektaren Land. Das sind 240 Millionen Quadratmeter! Davon sind allerdings 8000 Hektaren Alpweiden, 9000 Hektaren Wald und 7000 Hektaren überhaupt nicht nutzbares Land, zum Bespiel Geröllhalden, wie Geschäftsführer Daniel von Euw erklärt. Zu ihrem Besitz gehören aber auch etliche Mehrfamilienhäuser mit zusammen 75 Wohnungen, mit mehreren Arztpraxen und grossen Büroräumlichkeiten, und es wird erschlossenes Bauland im Baurecht abgegeben. Auf den Weiden der Korporation sömmern 6000 Schafe und Ziegen, über 5000 Kühe und Rinder und 150 Pferde. Aus dem Wald kommen jährlich 30’000 Kubikmeter Holz. Und die Korporationsbürger kommen – siehe oben – einmal im Jahr zusammen und stimmen demokratisch ab, mit Handerheben! Ein «Betriebsgewinn» oder eine «Dividende», in der Sprache der Korporationen ein «Bürgernutzen», wurde in den letzten zehn Jahren aber keiner mehr ausbezahlt, auch wenn die Ländereien dieser Korporation mit stolzen 33 Millionen Franken in den Büchern stehen.
Auch andere Korporationen im Kanton Schwyz realisieren keine Erträge, die es zu verteilen lohnt. Oder doch nur sehr kleine. Die Genossame Schwyz etwa mit rund 560 Hektaren Grundeigentum und 120 Mietwohnungen im Portefeuille zahlte im Jahr 2009 an ihre etwas mehr als 4000 Bürger nur je 70 Franken pro Kopf und als Naturalgabe ein Stück Mythen-Alpkäse.
Heute ist das wichtigste Gebot der Korporationen die Substanz-Erhaltung. Eine Verteilung des Besitzes der Korporation an die Bürger ist nicht erlaubt. Das gemeinsame Eigentum muss in der Substanz auf jeden Fall erhalten bleiben. Für private Bauten wird das Land nicht verkauft, sondern nur im Baurecht abgegeben.
Die Landabgabe im Baurecht kann sehr profitabel sein
Während in Alpthal, sieben Kilometer hinter dem Kloster-Dorf Einsiedeln, ein Quadratmeter Bauland im Baurecht zu 7 Franken im Jahr abgegeben wird, kann der Preis andernorts auch das dreifache sein, in Siebnen zum Beispiel 22 Franken, oder auch das fünffache: In Freienbach am Zürichsee etwa – die Gemeinde gehört immer noch zum Kanton Schwyz, liegt aber am Zürichsee – beträgt er bis zu 35 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Was nach viel ausschaut, ist im Vergleich zum Markt-Kaufpreis eines Quadratmeters Bauland allerdings immer noch moderat. Im heutigen Steuerparadies Freienbach zum Beispiel zahlt man allein schon für das Grundstück eines Einfamilienhauses schnell mehr als eine Million Franken.
So kommt es, dass vor allem die Korporationen in «Ausserschwyz» am Zürichsee des Landbesitzes wegen hochprofitabel sind. Die 300 Bürger der Korporation Freienbach zum Beispiel erhalten zur Zeit etwa 1500 Franken im Jahr, die 1100 Bürger der Korporation Pfäffikon sogar 7000 Franken jährlich. Noch deutlich reicher sei die Korporation Lachen, heisst es. Auskunft dazu allerdings will die Verwaltungsstelle nicht geben…
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Weitere Informationen über das Leben der Korporation der Bernburger in Bern können als Folge 3 ebenfalls auf Infosperber gelesen werden:
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Der Artikel wurde für die deutsche Vierteljahres-Zeitschrift «Die Gazette» geschrieben und erschien in deren Ausgabe vom Dezember 2012. Zum Thema Korporationen in der Zentralschweiz erschien auch in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» vom 19. Juli 2012 ein Artikel des gleichen Autors. Teile davon wurden hier übernommen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine