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Erster Vortrag der KredoKonfernz 2010, vom 18. September 2010, zum ersten Kapitel des Hohenliedes. Teil 2 von 4.
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Vorgehensweise bei der Auslegung
Das Hohelied ist ein Lied, in dem mehrere Leute zu Wort kommen. Einmal singt eine Frau, die die meisten Ausleger Sulamith nennen, weil sie im siebten Kapitel so genannt wird; ein anderes Mal hören wir von einem König, der mit Salomo in Verbindung gebracht wird; schliesslich kommen Töchter Jerusalems zu Wort – vermutlich junge Mädchen aus vornehmen Hause. Diese drei Personen und Personengruppen wechseln sich ab. Man muss den Text gut beobachten, um erkennen zu können, wer wann spricht und wer was zu wem sagt. In einem ersten Teil hören wir die Frauen vom begehrenswerten König schwärmen. Das tut auch Sulamith. Aber für sie gibt es einige Hindernisse, die einer Begegnung und vor allem einer Freund- und Liebschaft mit dem König im Wege stehen. Davon ist in einem zweiten Abschnitt die Rede. Der König selbst muss die Bedenken ausmerzen. Im letzten Abschnitt wird schliesslich von der Freude der beiden Liebenden gesungen.
Der begehrenswerte König
Hohelied 1,2-4
Die Frauen schwärmen vom herrlichen König. Er ist der begehrteste Mann im ganzen Land. Wenn es schon damals, wie heute in den Medien, eine Liste mit den begehrtesten Männern gegeben hätte, so hätte er diese bestimmt mit Abstand angeführt. Das Bild, das die Frauen hier malen ist grossartig. Von ihm geliebt zu werden, ist besser als jeder andere Genuss. Zweimal wird erwähnt, dass seine Liebe besser ist als Wein, der zur Zeit Salomos ein Zeichen von wahrer Lebensfreude war. Wer den Wein geniessen kann, hat lange und hart gearbeitet und kann nun ausruhen und sich einfach freuen – es sich gut gehen lassen. Das alles ist aber nichts gegen die Liebe dieses Mannes. Salomo roch wunderbar. Die Liebe geht, und das ist ein offenes Geheimnis, nicht bloss durch den Magen, sondern auch durch die Nase. Wer frisch verliebt ist, sich noch nicht an den Geruch des Partners gewöhnt hat, der freut sich auch noch nach Stunden, nachdem der Partner längst gegangen ist, seinen Duft an den eignen Kleidern zu tragen. Jene Freude empfinden diese Frauen schon, wenn bloss der Name des herrlichen Königs genannt wird. Er ist ein Wohlgeruch, wie ausgeschüttete Salbe oder Parfüm. Erst wenn es freigesetzt wird, entfaltet es seinen herrlichen Duft. Dieser Mann, der König, das weiss jede Frau, ist der begehrenswerteste Mann der ganzen Welt.