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I cha mi not guet dra erinnere, wie mir vor wenige Tage e schöne Wiehnachtsmärit bsuecht hei. Es het fein nach Öpfelpunsch u Glüehwy gschmöckt, ir Mitti vom Platz het es Füür inere schmidisige Schale brönnt, Bsuecher hei die stiife Finger dran chönne werme. D Ständ si mit vil Liebi und Fantasie dekoriert gsy, mängs schöns Gschänkli het’s dert z’entdecke gäh: Feins Gebäck, Sache us Holz, Schmuck us Glas, wo im Liecht vom Füür farbig glüchtet het, sälber glismeti Händsche u Chappe, wo o am cheltischte Wintertag warm gäh. U no mängs, mängs meh! U de isch da ja no öppis: A Wiehnachtsmärit geit Alt u Jung ja nid nume zum kömerle. O d Stimmig, wo erfüllt isch vo der Fröid uf ds Wiehnachtsfescht, zieht Mönsch vo nah u färn a! I möcht itz aber no vo öppis angerem rede, nämlich vo dene Mönsche vo jedes Jahr vil Zyt häregäh zum das alles müglich z’mache. Mängs mues vorbereitet wärde, z Ufstelle vo de Ständ, ds Dekoriere, der Verchehr mues greglet wärde u d Bsuecher mit em Outo möchte gärn wüsse, won es no e freie Parkplatz het. Hinger all däm steckt e Huufe Arbeit! U wär im Advänt villicht lieber ir warme Stube wet blybe u es Cherzli aazünte, git si Zyt häre, hilft mit u steit mängi Stund am Märitstand oder i der Feschtwirtschaft. Das isch sehr asträngend! I möcht drum hüt all dene danke säge, wo sich Jahr um Jahr ehreamtlich für ne Wiehnachtsmärit engagiere. Dank Eurer Hilf dörfe mit eifach härecho, verwyle u gniesse. Danke!
U we de der Aabe chunt, de wird der Wiehnachtsmärit erfüllt mit Liecht, a jedem Stand het es e Liechterchetti, am Wägrand lüchte Latärne. Lampe, Cherzli u ds Füür spände Heiteri u Wermi uf em ganze Platz.
Wiehnachte isch es Sinnbild für ds Liecht. Scho i der heilige Nacht het e hälle Stärn am Himmel glüchtet, als Zeiche für alli Mönsche, dass Jesus isch uf d Ärde cho. «I bi ds Liecht vo der Wält», het Jesus zu sine Jünger gseit, «wär mit mir chunt, louft nid i der Fyschteri desume, nei, er het ds Liecht für ds Läbe.» (Joh. 8, 12 – Ds nöie Teschtamänt, bärndütsch). Gott isch Liecht, het si Jünger, der Johannes, i sim erschte Brief gseit.
I wünsche Euch es Wiehnachtsfescht wo erfüllt isch mit Liecht. Mit Liecht a de Cherze u Latärne wo üs iiladt zum e Ougeblick still z’sy und Bsinnig z’finde. Es Liecht wo d Familie im Advänt und am heilige Aabe zämebringt. I wünsche Euch offeni Türe für liebi Mönsche u es offnigs Härz für das Liecht, wo nie verlöscht.
Der Jonathan isch glücklich gsy. Ihm isch es vorcho, als ob das e ganz e bsundrigi Nacht isch. E Nacht, wo nid isch wie jedi angeri. Ja gwüss, der alt Samuel het ihm o scho einisch erzellt, dass jede Tag sis eigete Gheimnis het u einzigartig isch, das het der Jonathan nid vergässe. U glich! Töif im Härz het der Hirtebueb öppis gspürt; öppis, won är nid mit Wort het chönne beschribe. Mit dene Gedanke im Chopf het der Jonathan die schöni, warmi Wulledechi übere Chopf zoge, wo si Vater ihm vor es paar Tag gschänkt het. Es isch e chalti Winternacht gsy, aber der Jonathan het sich fescht igmummelet u drum schön warm gha. Är het ds Sprätzle u chnischtere vom Lagerfüür ghört u het de Hirte chönne zuelose. Die si um ds Füür ume ghocket, hei brichtet u Gschichte vo früecher erzellt. Bsunders die alte Hirte, der Jakob u der Samuel hei mängs gwüsst z’brichte us ihrem länge Läbe. Wie gärn het der Jonathan die alte Gschichte ghört, wo der Samuel so läbig het chönne erzelle; grad so, als ob alles geschter passiert wär. Vom grosse König David, wo grad so wien är, der Jonathan, e eifache Hirtebueb isch gsy. U vom gschyde Salomon, wo zu allne Mönsche, ob frömd oder vertrout, isch gerächt u grosszügig gsy.
I gloube fescht dra, het der Jakob gseit, einisch chunt wider e grosse Chünig zu üs, wo zu allne Mönsche guet isch, o zum eifache Hirtevolch. Der Samuel het zueglost u isch ob settnige Gschichte ganz nachdänklich worde. E grosse Herrscher wo zu de Schafhirte geit? U als ob der Jakob em Samuel sini Gedanke hätt chönne läse, het är gantwortet: Ja, o zu üs. Der Samuel het mit em Chopf gnickt u gseit, ja. O zu üs!
Der Jonathan het für ne Ougeblick unger sire Dechi füregluegt u het der chalt Luft im Gsicht gspürt, är het der Himmel gschouet u gstunnet, wie häll ds Stärnemeer glüchtet het. Der Herrgott het alli Stärne erschaffe u het e jedem sy eiget Name gäh; das isch o so e Gschicht gsy, wo der Hirtebueb gärn het ghört. U de het är zum Füür gluegt u het gseh, wie im flackernde Liecht vo de Flamme d Gsichter vo de Hirte si z’gseh gsy. D Gsichter vo Jakob, Samuel u vo sim Vater, em Chajm. De isch der Jonathan mit em Chopf wider unger d Dechi gschloffe, ganz geborge het är sich gfüehlt, warm u sicher ufghobe. So wie bi der Mueter, wenn si ihn zuedeckt het u isch am Bett blibe, bis der Schlaf sini Schwinge über em Ching het usbreitet.
Während är d Hirte het ghöre brichte, isch am Jonathan düre Chopf, was alles isch passiert a däm Tag. Am Morge hätt är uf ne Tschuppele mit junge Schaf sölle ufpasse. Aber es isch halt no früech am Morge gsy. Der Jonathan het sich ane Stei aglehnt, het der Mantel umgleit, dass är nid friert u isch e Ougeblick später iigschlafe. Wo ihn der Chajm u der Samuel hei gweckt, si fasch d Helfti vo de Schaf niene me z’gseh gsy. Der Vatter het zerscht welle balge, aber denn het ihm der Samuel d Hand uf d Schultere gleit u het gseit: Chajm, es isch ja no es Ching, mir wei die Tier ga sueche, gwüss si si nid nid wyt. Denn isch är mit em Jonathan d Schaf ga sueche. U es isch chum e Stund vergange, isch die ganzi Härde wider binenand gsy. Überchume i e kei Straf? het der Jonathan gfragt. Nei, het der Samuel gantwortet u derzue güetig glächlet. U de het är noi gseit: D Liebe straft nid, si wott nüt zwinge u nimmt di a, so wie Du bisch. Wo Liebi isch, da isch Vergäbig. U wo Vergäbig isch, da isch Liebi.
A all das het der Jonathan däicht, e Momänt später isch är iigschlafe.
Jonathan, Jonathan! het plötzlich e hälli Stimm grüeft. Der Bueb het nid gwüsst, wohär die Stimm isch cho u wäm si ghört. Är het d Ouge ufgmacht u het es Liecht gseh, wo so häll gstrahlet het, wie d Sunne. Es isch es Liecht gsy, wie’s der Jonathan no nie het erläbt. U wo sich sini Ouge langsam a die guldige Strahle het gwahnet, het är gmerkt dass da öpper vor ihm steit. Es fründlichs Gsicht het ihn mit usbreitete Händ aagluegt, grad so wie wenn är ihn wett anes Ärfeli näh. U itz het der jung Hirt gmerkt, dass das liebe Liechtwäse mit ihm redt. Jonathan, het der Ängel gseit. Pressier u gang mit de Hirte uf Betlehem, es isch öppis passiert, wo du nid darfsch verpasse! Dert lyt es Chind inere Chrippe. Us däm wird einisch e grosse Chünig wärde.
Der Jonathan het wie der Ängel sini Arme uusgstreckt: Liebe Ängel, bitte heb mi. Nume fürne Momänt!
So isch es rächt, het e Stimm gseit, häb Di fescht, mir wei pressiere! Aber es isch nid der Klang vom Himmelswäse gsy. Nei, der Jonathan het plötzlich die vertrouti Stimm vo sim guete Vater ghört. Dä het ihn uf de Arme treit u isch zäme mit de andere Hirte mit gleitige Schritte em Dorf Betlehem zue. Jonathan, wo du gschlafe hesch, isch es grosses, grosses Wunder passiert! Ja, het der Bueb gantwortet, e Ängel isch erschyne, z Betlehem isch öppis passiert, wo mir gschwind müesse ga gschoue! Itz isch der Chajm blibe stah! Bueb, wohär weisch du das? Du hesch töif gschlafe under dire Dechi! Der Samuel, wo näb em Vater zue gstande isch, het grossi Ouge gmacht, won är der Jonathan het ghört brichte. Denn hei der Chajm u der Samuel sich fragend aagluegt, e Momänt lang isch es ganz still gsy, e fragende Uusdruck het sich uf d Gsichter vo de Manne gleit.
Der Samuel het zerscht gseit, was die beide Hirte hei dänkt: Wahrhaftig! Gottes Säge lyt uf Dir, Jonathan! Der Ängel, wo üs Bscheid het gäh, isch Dir im Troum erschine. Denn het der Samuel e Momänt überleit u het wyter gredt: Gott het üs Mönsche öppis z’säge! Mängisch rede siner Ängle ganz diräkt zu üs, mängisch erschyne Zeiche am Himmel, mängisch passiere Wunder, mängisch schickt är e Prophet! U ja, mängisch redt är zu üs im Troum.
Der Jonathan, der Chajm u die angere Hirte hei em Samuel zueglost. Was isch es, was Gott üs wott säge? het druf der Jakob gfragt. Der Samuel het e Ougeblick überleit u het druf gantwortet: Das mir ihm immer dörfe vertroue! U dass är üs nid vergässe het.
So si d Hirte zum Stall cho, wo ds Ching ir Chrippe isch gläge. E heilige Stilli het d Nacht erfüllt, am Himmel het e hälle Stärn glüchtet, gheimnisvolli Frömdi vo wyt här si vor em Chindli gstande u hei still bättet. Lüt us em Dorf hei sich derzue gsellt u immer meh Hirte si us der Nacht uftoucht, alti Manne mit töife Wätterfurche im Gsicht u länge Mäntle, jungi Bursche, wo heiter i d Wält gluegt hei u sich geng wyder lyslig öppis zuegchüschelet hei. U Froue wo d Ouge nid vom Ching i der Chrippe hei chönne lah. Der Jonathan het das alles gseh u het geng wyder a das däicht, was ihm der Samuel het gseit: O für üs!
Der Bueb het später nümme chönne säge, wie lang si bim Stall sy blibe. Wo si wyder zu ihrem Lager bi de Schaf sy cho, isch der Jonathan unger si Dechi gschloffe. Aber iigschlafe isch är no lang nid. Es isch so vil passiert i dere Nacht. U wo är am angere Morge isch erwacht, het är ei Gedanke im Chopf gha. D Wält isch e angeri worde!
Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch
Schon im Titel des neuen Testaments klingt Freude an und dies zieht sich wie ein roter Faden durch alle 27 Bücher. Das griechische «Euangelion» – Evangelium kann mit «Frohe Botschaft» oder auch mit «Gute Nachricht» übersetzt werden. Das soll indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im neuen Testament um etwas sehr ernstes geht, um unsere persönliche Beziehung zu Gott. Aber in den Berichten der Evangelisten und in den Briefen leuchten immer wieder fröhliche und geistreiche Momente auf. Manchmal versteckt. Manchmal aber auch ganz offen und zuweilen sogar derb so wie im Brief des Paulus an die Galater.
Jesus hatte nichts gegen Feiern und fröhliches Beisammensein. Der Apostel Johannes erzählt, wie der Mann aus Nazareth an einer Hochzeitsfeier teilnahm und das Fest ganz offensichtlich genoss, denn als Maria ihm mitteilte, dass der Wein knapp wird, wurde er sofort aktiv. Hunderte Liter Wasser verwandelte er in Wein, der so süss und bekömmlich war, dass alle staunten! Oder begleiten wir Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger (Jesus wurde stets auch von mehreren Frauen begleitet, Lukas erwähnt einige von ihnen namentlich) an einem Abend, wenn sie irgendwo Rast machen und nach einem langen Tag die Abendruhe geniessen. Wir dürfen davon ausgehen, dass auch im Kreis um Jesus gesungen und musiziert wurde, dass Geschichten zu hören waren und dass es spannende Diskussionen mit pointierten Bemerkungen gab! Wer’s nicht glauben will, der besuche einfach ein jüdisches Volksfest!
Jesus ging immer wieder auf Freud und Leid im Menschenleben ein, er nahm Anteil an den Tränen der Bedrückten und tröstete sie: «Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen». Seine Predigten waren so spannend und lebendig, dass die Zuhörer nicht mehr nach Hause gehen wollten, denn sie bekamen zu hören, dass Gott alle Tränen der Menschen trocknen wird. Die Botschaft traf die Menschen mitten in ihr Herz, zumal bei Jesus alle eingeladen waren, auch Arme und Verstossene, niemand wurde zurückgewiesen. Das war neu, das schlug ein wie ein Blitz und trieb den Menschen Freudentränen in die Augen!
Schlagen Sie einmal das zweite Kapitel in der Apostelgeschichte auf, das ist das Kapitel, das vom Pfingstwunder berichtet: Die Apostel empfangen den heiligen Geist, über ihren Köpfen leuchten Flammen, dann gehen sie in die Stadt und reden zu den Fremden aus aller Welt in ihren Sprachen (es ist gerade Pessach, tausende Besucher als aller Welt weilen in der Stadt). Aber Einheimische verstanden diese fremden Sprachen nicht und behaupteten, die Apostel seien schlicht und einfach betrunken. Und Petrus erwies sich als schlagfertig: Nein, nicht betrunken, es ist ja erst neun Uhr am Morgen.
Wenn Paulus predigte, brachen die Zuhörer in Jubel aus. Besonders dann, wenn sie Heiden waren und das Angebot, Kinder Gottes zu werden, für sie völlig unerwartet kam. Lukas berichtet von so einem Erlebnis in der Apostelgeschichte, als Paulus in Antiochia in der Synagoge eine gewaltige Predigt hielt. Apropos Paulus, er war nicht nicht nur ein glänzender Theologe, der auch jederzeit die berühmten Schriftsteller seiner Zeit zitieren konnte. Paulus mochte auch Humor, etwa während seiner Gefangenschaft (!) in Cäsarea. Zu den anwesenden Herrschern sagte er während einem Verhör, dass er hoffe, dass sie zum Glauben an Jesus kommen und so würden wie er. Und fügte pointiert hinzu: «Natürlich ohne Handschellen!» Paulus schreckte auch von derben Sprüchen nicht zurück. Im Brief an die Galater gibt er all denjenigen, die sich beschneiden lassen wollen (und damit beweisen, dass die sie Botschaft der Gnade nicht verstanden haben) den Rat: «Lasst Euch doch gleich kastrieren!» Bleiben wir bei Paulus. Als er in Jerusalem verhaftet wurde, wandte er einen rhetorischen Kniff an, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Als Pharisäer wusste er, dass die Sadduzäer nicht an die Wiederauferstehung glauben. Deshalb kam er in Anwesenheit der Sadduzäer und zahlreicher Pharisäer auf dieses heisse Eisen zu sprechen – und hatte Erfolg. Denn nun gerieten sich die Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen in die Haare! Und Paulus konnte sich in Sicherheit bringen!
«Freut euch!» Mehr als 20 Mal ist diese Aufmunterung allein im neuen Testament zu finden. Und wer kennt nicht den Vers aus dem 118. Psalm, der uns auffordert, jedem Tag etwas schönes abzugewinnen. Und etwas, das Menschen zum Lachen bringt: «Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; heute wollen wir fröhlich jubeln und unsere Freude haben.» (Neue Genfer Übersetzung). Jesus hat diesen Psalm sicher gekannt.
Was für ein lebhaftes Treiben herrscht doch in diesen letzten Tagen vor Weihnachten in der Stadt. Auf den Strassen, unter den Lauben der Altstadt und in den Geschäften, überall eilen Menschen, die noch ein Weihnachtsgeschenk kaufen möchten. Eine Atempause verschaffen die Musiker der Heilsarmee mit ihren schönen Weihnachtsliedern in der belebten Fussgängerzone. Verheissungsvoll und feierlich klingen die Trompeten und Posaunen, die von Chorgesang begleitet werden. Viele bleiben einen Moment stehen, kommen zur Ruhe, hören hin und lassen die vertrauten Klänge, die sie schon aus ihrer Kindheit kennen, auf sich wirken. Doch schon im nächsten Moment stürzen sie sich wieder ins Getümmel…
Was macht Weihnachten aus? Sicher auch Geschenke. Denn schenken heisst, an die Beschenkten denken. Sich Zeit nehmen und fragen, was sie freut, was sie sich wünschen. Schenken können wir auch unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuneigung, unsere Zeit.
Schon neigt sich der Stundenzeiger auf der alten Turmuhr nach unten, nun beginnen überall die Lichter zu brennen, die Stadt hüllt sich in einen weihnachtlichen Glanz, während die Schneeberge in der Ferne und der winterliche Himmel von der ersten Abenddämmerung verdunkelt werden. Auf den Gassen, an den Häusern und beim Weihnachtsmarkt vor dem Münster brennen nun unzählige Lichter und Kerzen. Viele Menschen haben bereits den Heimweg angetreten, sie haben etwas für ihre Liebsten gefunden. Andere sind immer noch in Eile. Eile? Waren nicht auch die Hirten in Eile, nachdem sie die gute Nachricht von den Himmelsboten vernahmen? Als ihnen ein von Glanz umgebener Engel die Geburt des Messias verkündete, machten sie sich rasch auf durch die Nacht, um das Neugeborene zu sehen. Eilig hatte es auch Maria, als sie erfuhr, dass Elisabeth schwanger war. Es sind Menschen mit offenen Herzen, denen wir in diesen biblischen Geschichten begegnen. Ein offenes Herz macht sie empfänglich für das Wirken Gottes, wohl deshalb wünschte sich der weise Salomo nichts anderes von Gott als ein hörendes Herz. So kommen wir Gott näher, und damit dem grössten Glück in unserem irdischen Leben.
Wohin eilen wir? Eilen wir so wie die bescheidenen Hirten der Krippe entgegen, während am Himmel der Stern leuchtet? Gott jedenfalls ist da. Er ist in der heiligen Nacht Mensch geworden. Und während die Hirten das neugeborene Kind bestaunten, das ihnen als Retter verheissen worden ist, trafen drei geheimnisvolle Sterndeuter beim Stall ein. Weise, Astronomen, einflussreiche Träger alten Wissens auf jeden Fall! Gewiss eilten auch sie, als ihnen der strahlende Stern den Weg wies. Wir eilen, doch welches ist der schnellste Weg zu Gott? Es ist Jesus, denn er hat gesagt, ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Er kam vom Himmel und wies uns den Weg in den Himmel.
Lasst uns eilen, zum Weihnachtsfest, zum Stall, zu Jesus, der als Kind in der Krippe in die Welt gekommen ist. Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest.
Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch
In idylischer Umgebung, auf einer Anhöhe über dem Dorf, steht die kleine Kirche von Rüegsbach. Umgeben ist sie von Fruchtbäumen, Gärten und alten Emmentaler Bauernhäusern. Wer die Eichentüre öffnet und das Gotteshaus betritt, entdeckt neben einer aus Stein gemeisselten Kanzel und einer gezimmerten Empore auch einen Spruch an der Wand, der aus dem Hebräerbrief stammt: «Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit» (Heb. 13,8). Diese Aussage hat etwas sehr tröstliches, denn sie bedeutet, dass Jesus sich nicht verändert; wir können uneingeschränkt auf das vertrauen, was er uns verspricht. Gerade in unserer Zeit der raschen Veränderungen schenkt die Zusage von Jesus Zuversicht und inneren Frieden, der in einer schnelllebigen Zeit so wichtig ist.
Jesus drückt sich an einer anderen Stelle im neuen Testament ganz unmissverständlich aus: «Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen» (Mk 13,31). Und weiter: «Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit». Damit ist nicht der irdische Tod gemeint, dem niemand entrinnen kann. Jesus weist auf die Zukunft jedes einzelnen Menschen hin. Wir sterben zwar, aber wenn wir an ihn glauben, dann werden wir zu einem ewigen Leben auferstehen. Auch zu Martha sagte er genau dies, als Martha, verzweifelt über den Tod ihres Bruders zu ihm kam: «Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben» (Joh. 11.25-26). Und dann folgt die Frage, die Jesus Martha stellt, mit der wir aber letztendlich alle gemeint sind: «Glaubst du das?».
Und da ist noch etwas, das von grosser Bedeutung ist, ich meine damit ein Wort das gerne im Text übersehen wird: Ewigkeit. Mehr als fünfzig Mal ist dieses Wort im neuen Testament zu finden (Luth.84). Und Paulus spricht es an mehreren Stellen doppelt aus: «Von Ewigkeit zu Ewigkeit». Wenn wir dieses Wort hören, denken wir gerne an etwas, das uns unendlich erscheint. Etwa in einer klaren Sommernacht der Sternenhimmel. Oder vielleicht an die hübsche Geschichte von einem Hirtenjungen der Gebrüder Grimm. Dieser wird von seinem König gefragt, wie viele Sekunden die Ewigkeit hat. Und der so antwortet: Stell Dir vor mein König, ein kleiner Vogel wetzt alle hundert Jahre einmal seinen Schnabel an einem Berg. Wenn der Berg dadurch abgetragen ist, dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vergangen.
Mit Beispielen und Vergleichen können wir uns ein Bild davon machen was Ewigkeit sein könnte. Mehr vermögen wir nicht. Jesus wusste es ganz genau, sonst hätte er nicht davon gesprochen. Und wenn nun bald Ostern kommt und wir uns an schön gedeckten Tischen zum Feiern versammeln, dann wäre doch der Moment gekommen, wieder an Jesus zu denken. Und daran, weshalb er starb. Er hat uns damit ein neues Leben geschenkt. Eines für die Ewigkeit.
D Wiehnachtszyt isch da, die heilige Nacht isch ganz nach zu üs Mönsche häre cho. Ds Fescht vo de letschte Tage vom Jahr, wo erfüllt isch mit so vilne Erinnerige. Es heisst o, dass i dere Zyt bsungeri Sache passiere, dass der Himmel u d Ärde sich berüehre. U dass d Ängel ganz nach bi üs Mönsche möchte sy. So wie denn z Betlehem uf der nächtliche Weid unger em Stärnehimmel, wo Ängel für d Hirte gsunge hei. «Heid kein Angscht» hei si zu de Hirte gseit, wo die vom Liecht u Glanz vo de himmlische Wäse si blängt gsy. Ängel u Mönsche si sich begägnet i dere Nacht voll Wunder, u dermit Wäse us zwene Wälte. D Hirte vo dere Wält, d Ängel vo däm Riich wo mir scho so vil dervo hei ghört, wo mir aber mit üsem Sinne u Dänke nie ganz chöi fasse. «Rabbi, säg, wie isch es dert?» hei d Apostel der Jesus meh als einisch gfragt.
Ganz töif uf em Grund vor Seel hei alli Mönsche e fiini, aber doch läbigi Ahnig vo dere verborgene Wält, wo o Jesus üs dervo erzellt het: «Heit Vertroue zu Gott u zu mir», het Jesus einisch gseit, «im Huus vo mim Vater git es vili Wohnige.» Jedem Mönsch isch e Funke vo dere ewige Heimat i ds Härz gleit, e Funke wo nie verglimmt u e Ahnig i üs am Läbe erhaltet. Am Tag, wenn Verpflichtige üsi ganzi Ufmerksamkeit i Aspruch näh. I der Nacht, wenn mir tröime. Der Funke lüchtet u wyst üs der Wäg derthi wo Jesus mit üs möcht zäme sy.
Mängisch isch es, als ob e Türe i die gheimnissvolli Wält e Spalt wyt ufgeit. Villicht grad denn, wenn mir angerne Mönsche chöi hälfe u ir Dankbarkeit es töifs Glücksgfüehl erfahre. Oder wenn mir e schöne Ort uf dere Wält entdecke, e Momänt still wärde u stuune ob all dere Pracht. U derby alles, was süsch um üse ume isch für ne Ougeblick vergässe. Oder wenn e liebe Mönsch üs i d Arme nimmt u seit: «I ha di gärn». Denn lüchtet öppis i üs wo der Blick uf die ewigi Heimat wyt u häll macht. «I ga vorus, zum Euch es Plätzli parat z’mache», het Jesus wyter gseit.
Werum isch sy üs grad itz ir Wiehnachtszyt so nach, die lichterfüllti Wält? Gwüss wil si üs a all die Gschicht us der Bible erinneret. A ds Liecht, d Hirte, e Heerschar vo Ängle u ds Chind i der Chrippe im Stall. U wil mängi schöni Erinnerig us der eigete Chinderzyt dermit uf e eigeti Art verwobe isch. U will Jesus zu üs Mönsche isch cho; är het kennt, was üs verborge isch.
I dene dunkle letschte Tage vom alte Jahr macht ds Hie u Itz e Schritt zrügg i Hingergrund. Macht Platz, dass üse Blick cha wyt wärde für ne angeri Wält.
Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch
«Lasst uns an einen Ort gehen, an dem wir etwas ausruhen können», das sagten sich Jesus und seine Jünger. Möglicherweise ging diesem Entschluss eines der vielen Streitgespräche mit den Pharisäern voraus, das neue Testament berichtet wiederholt von solchen Auseinandersetzungen mit den Theologen und Kirchenverbandsoberen der damaligen Zeit! Es konnte dabei zu wüsten Szenen kommen, der Apostel Johannes hat miterlebt, wie Jesus Gegner – ausser sich vor Wut – die Fäuste ballten und Steine aufhoben (Johannes, 8, 57-59).
Mit Tyrus war rasch ein Ort gefunden, der sich zum Entspannen gut eignete. Die phönizische Hafenstadt war nur etwa 50 Kilometer von Kafarnaum entfernt. Es war zudem eine heidnischer Ort, Jesus und seine Jünger konnten sicher sein, dass ihnen dort keine eifernden Pharisäer nachstellen würden. Und Tyrus, die Handelsstadt am Mittelmeer, muss Besucher mit seiner bunten Vielfalt fasziniert haben. Die unter römischer Herrschaft stehende Metropole war im Jahr 30 nach Christus ein blühendes Handelszentrum. Schiffe mit Waren aus dem ganzen Mittelmeerraum legten hier an; auf den Plätzen und Märkten der Stadt herrschte ein buntes Treiben! Aber: Das pulsierende Leben der Stadt war nicht das, was Jesus, Petrus, Johannes und Jakobus suchten. Vielleicht kamen sie gegen Abend in Tyrus an und setzten sich, erschöpft von der langen Wanderung, an den Strand, wo sie die Sonne über dem Mittelmeer untergehen sahen.
Ganz egal, ob sie den Sonnenuntergang über dem Meer das erste Mal miterleben konnten, oder ob sie das Naturschauspiel bereits kannten: Das leuchtenden Rot der letzten Sonnentrahlen, die auf der Weite des Meeres leuchten, bewegt Menschen immer wieder. (Kein Wunder, dass heute jede Kompaktkamera ein spezielles Aufnahmeprogramm für Sonnenutergänge hat, bei dem die Rottöne besonders betont werden…)
Und vielleicht machte sich der Jüngerkreis um Jesus in diesem Moment Gedanken über die Weite des Meeres, das glitzernd vor ihnen lag. Sie verglichen es möglicherweise mit der Liebe Gottes, die im Gegensatz zum Meer keinen Horizont kennt – die ohne Grenzen ist und weiter führt, als wir es mit unserem Verstand je fassen können. Und als dann die Sonne unterging, das Meer tiefblau wurde und am Himmel die Sterne zu leuchten begannen, staunten alle über die Schöpfung, die uns mit ihrer Schönheit und mit ihrem Geheimnissen immer wieder zu fesseln vermag. Manch einer der Jünger wird in diesem Moment an das gedacht haben, was Jesus sagte: Dass dieser Gott, der diese wunderbare Welt und alle Sterne schuf, sich uns Menschen zuwendet, jedem von uns – ganz persönlich.
Später ging es dann doch noch in die Stadt hinein. Die Evangelisten überliefern eine schöne Geschichte, die sich dort zutrug (Matthäus 15,21/Markus 7,24). Eine einheimische Frau, eine Nichtjüdin also, kam mit einer Bitte zu Jesus. Sie hatte eine Tochter, die unheilbar krank war und bat Jesus um Hilfe. Wir dürfen in ihr eine der ersten Angehörigen des römisch/griechischen Kulturraumes sehen, die zum Glauben an Jesus kam. Denn sie muss im Vorfeld von den Wundern gehört haben, die Jesus vollbrachte. Sie war fest davon überzeugt, dass Jesus ihrer Tochter helfen konnte. Wie anders lässt es sich erklären, dass sie trotz einer deutlichen Zurückweisung nicht locker lässt? Die Frau konnte Jesus schlussendlich überzeugen, denn dieser bestätigte ihr einen starken Glauben und hiess sie, nach Haus zu gehen, wo ihre geheilte Tochter aus sie wartete.
Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. (Matth. 2,1-2 Luth. 84)
Scho als Chind het üs d Gschicht vom Stärn u de drei Chünige bsunders fasziniert. U jedes Jahr, wenn d Lehrerin bi der Wiehnachtsfiir vom Betlehem-Stärn erzellt het, de isch es ganz still worde im Schuelzimmer, adächtig hei mir zueglost. I üsne Gedanke hei mir die drei gheimnsvolle Manne gseh, wie si uf de Kamel gritte sy u d Ouge zum Himmel grichtet hei. Dert het e guldige Stärn der Himnel erlüchtet u de Stärndüter der Wäg zum Jesus-Chind gwise. D Lehrerein het sich i däm Momänt gwüss gwünscht, mir hätte meh als einisch im Jahr so guet zueglost wie a däm lang erwartete Tag!
Der Stärn vo Betlehem het üs dür d Wiehnachtszyt begleitet. Und i der heilge Nacht, wenn der Glanz vom Wiehnachtsboum d Stube erfüllt het, de het uf em Spitz vom Tanneböimli wider e guldige Stärn glitzeret. Nie wärs üs denn i Sinn cho a der Gschicht vom Stärn z’zwyfle. Ganz im Gägeteil, der Stärn vo Betlehem isch es gsy, wo am Himmel vo üsem Chinderläbe uufgange isch, u so wie är de drei Chünige der Wäg gwyse het, so isch der Stärn üs es heiligs Zeiche derfür gsy, dass d Wiehnachtszyt nümme färn isch. Wenn der Winter isch cho, de hei mir mängisch am Abe i die dunkli Nacht use gluegt, hei üs gfragt, wo ächt denn die drei Chünige dä Stärn entdeckt hei.
I de folgende Jahre, wo mir sy elter worde, isch de aber der Stärn verblasst. D Chinderzyt isch vergange u dermit o der chindlich Gloube. Wo sys si alli blibe, die Wunder? Der Gloube a Ängel u a Stärn am nächtliche Himmel vo Betlehem? I der Schuel isch erzellt worde, die Gschicht mit däm Stärn sig eifach erfunde, so e Stärn, wie-ne der Mätthäus beschribt, chönns gar nid gäh ha! Aber was hätt de der Matthäus vo settigne erfundene Gschichte gha? U wie steits de mit em Räschte vo sire guete Nachricht? U de hei mir erfahre, dass scho vor Jahrhunderte nach em Stärn isch gforscht worde. Me het agnoh, es sig e Komet gsy. Oder e Stärnekonjunktion, so wie se der Johannes Kepler scho vor 500 Jahr vermuetet het.
U wie steits mit de drei Chünige? Ohni Stärn hätt’s ja o die drei gheimnissvolle Manne us em färne Oschte nid gäh i der Gschicht! Wie hätte sy der Wäg ohni Stärn sölle finde? Mir wüsse nid vil über die drei vornähme Stärndüter. Es sy Astronome u weisi Manne gsy, Nachkomme us uralte Prieschtergschlächt vo Babylon. Si he gwüsst, dass e hälle Stärn am Himmel si Bahn wird zieh zum Zeiche, dass e grosse Chünig gebore isch. Mir dörfe dervo usgah, dass die Prophezeig wyt ume isch bekannt gsi, nid nume z’Judäa vo dennzumal. So hei die drei a nächtlich Himmel gluegt u der Stärn gsuecht. U denn, wo die erwarteti Erschynig am Himmel isch ufgange, hei si sich uf e läng Wäg nach Israel gmacht. «Wo isch der neu gebornig Chünig?» hei si gfragt, «mir hei si Stärn gseh!» Si hei a das gloubt, wo si i alte Schrifte gläse hei.
Wo isch der Stärn vo Betlehem hüt? Finge mir im Advänt no Zyt, zum a klar Nachthimmel z’luege, so wie die drei Chünige? Natürlich lüchtet dä Stärn, wo die drei Weise hei entdeckt hüt nümme. Aber villicht lüchtet der Stärn i üs sälber? Uf em Wäg dür d Nacht hei mir ds Stärnemeer beobachtet, grad so wie die drei Reisende vor langer Zyt. U was passiert, wenn mit i däm Momänt wei gloube, dass alles so passiert isch, wie mir’s scho als Chinder ghört hei? Mit em Gloube a Stärn wird die ganzi Wiehnachtsgschicht wahr. Wahr wird d Gschicht vom häll strahlende Himmelsbotschafter, wo de Hirte erschyne isch, der Chor vo de Ängel isch z’ghöre gsy u bi der Chrippe mit em Chind sy die drei Stärndüter gstande mit ihrne Gschänk: Gold, Weihrauch u Myrrhe. 30 Jahr später het der Jesus sälber gseit: «Gloubet a die guet Nachricht», är het üs iiglade, Gmeinschaft mit ihm z’ha. Am sym Himmelsrych, wo är jede Tag dervo erzellt het. Aber o a all däm, wo i der Chrischtnacht passiert isch.
Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch
Blaise Pascal und einige weitere berühmte Philosophen wiesen auf ein Phänomen hin, wie wir mit der Zeit umgehen: allzuoft sind wir in Gedanken in der Vergangenheit, mit unserer Erinnerung können wir sie ein Stück weit festhalten. Oder das Denken schweift in die Zukunft, mit Hoffnung und Phantasie versuchen wir uns vorzustellen, was einmal sein wird, wie es gemäss unseren Wünschen werden könnte. Dabei denken wir fast überhaupt nicht an die Gegenwart, beklagt der grosse französische Philosoph. Und wenn dann nur, «um aus ihr die Einsicht zu gewinnen, mit der wir über die Zukunft verfügen wollen.».
Wie hielten es Jesus und die Apostel? Oft predigten sie vom zukünftigen Reich Gottes, von einem ewigen Leben nach dem irdischen Tod, in dem wir mit Gott vereint sein werden. Aber: In ihrer Hinwendung zum Reich Gottes verloren Jesus und die Apostel den Blick für das Gegenwärtige nie. Wenn Kranke, Blinde und Gelähmte zu Jesus kamen, dann vertröstete er sie nicht auf später. Im Gegenteil, er unterbrach seine Predigt, legte den Bittstellern die Hände auf und heilte sie. Es störte ihn nicht, wenn es gerade Sabbat war und er damit bei den Strenggläubigen für Zornesausbrüche sorgte. Ein braver Kirchgänger war Jesus nie!
Seine Jünger traten in seine Fussstapfen. Als Petrus und Johannes es gerade eilig hatten, um nicht zu spät zum Nachmittagsgebet zu kommen, trafen sie auf einem lahmen Bettler, der sie um etwas Geld bat. Die beiden Apostel hätten den armen Mann stehen lasen können, um rechtzeitig zum Gebet zu kommen. Doch gerade das taten sie nicht. Petrus wendete sich dem Bettler zu, und sprach den berühmten Satz aus der Apostelgeschichte: «Gold und Silber habe ich nicht. Was ich aber habe, das gebe ich Dir!» Und dann kam es zu einer Spontanheilung, Petrus musste dem Mann, der nicht wusste, wie ihm geschah, nur noch auf die Beine helfen.
Auch Paulus war ein Meister, wenn es darum ging, im Hier und Jetzt zu sein. Er konnte nicht nur spontan und ohne jede Vorbereitung zu jedem beliebigen Thema eine ausgedehnte Predigt halten, er nahm auch spontan mehrtägige Einladungen an, obwohl er gerade Reisepläne schmiedete. Und wenn er um Hilfe gebeten wurde, liess er oft alles andere stehen, um Menschen aus der Not zu helfen. Er hatte Zeit für das Hiersein und lebte damit eine der wichtigsten christlichen Tugenden vor.
Alle vier Evangelien berichten davon, dass Jesus Christus vom Tod auferweckt worden ist. Am ersten Morgen nach dem Sabbat ist das Grab, in das er nach der Kreuzigung gelegt worden war, leer. Frauen spielen in den Zeugnissen aller vier Evangelisten eine wichtige Rolle, sie erfahren zuerst von der Auferstehung, als sie mit Salben und Binden zum Grab kommen. Engel verkünden ihnen, dass Jesus den Tod überwunden hat und der Apostel Johannes berichtet, wie Maria von Magdala als erstes dem Messias begegnet:
Die beiden Jünger gingen nun wieder nach Hause. Maria aber blieb draußen vor dem Grab stehen; sie weinte. Und während sie weinte, beugte sie sich vor, um ins Grab hineinzuschauen. Da sah sie an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen am Kopfende und den anderen am Fußende. »Warum weinst du, liebe Frau?«, fragten die Engel. Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn gebracht haben.«
Auf einmal stand Jesus hinter ihr. Sie drehte sich nach ihm um und sah ihn, erkannte ihn jedoch nicht. »Warum weinst du, liebe Frau?«, fragte er sie. »Wen suchst du?« Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.« – »Maria!«, sagte Jesus. Da wandte sie sich um und rief: »Rabbuni!« (Das bedeutet »Meister«; Maria gebrauchte den hebräischen Ausdruck.) Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt. Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zu ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.« Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück. »Ich habe den Herrn gesehen!«, verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte. (Joh. 20, 10-18, Neue Genfer Übersetzung)
Die Auferstehung ist das wichtigste Ereignis im Christentum. Stellvertretend für unsere Sünden ist Jesus Christus am Kreuz einen furchtbaren Tod gestorben. Mit seinem Leiden und Sterben hat er uns von allen Sünden losgekauft; wir sind von unserer Schuld frei, wenn wir sein Erlösungswerk annehmen.
Was wäre der christliche Glaube ohne Auferstehung? Der Apostel Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Korinter, dass das ganze Christentum ein Irrtum wäre, wenn es keine Auferstehung gäbe, denn dann wäre auch Jesus nicht auferstanden, dann wäre auch unser Glaube nichts wert, da unsere Sünden weiter auf uns lasten. Doch dann stimmt Paulus in die Frohbotschaft ein, die schon die ersten Apostel und Maria aus Magdala bezeugt haben: Nun aber ist Christus auferstanden!
Aber wie konnte sich Paulus da so sicher sein? Jemand der ihm diese Frage stellte, bekam glaubwürdige Antworten: Paulus hatte selbst eine Begegnung mit dem Nazarener auf seinem Weg von Jerusalem nach Damaskus. Also genau zu dem Zeitpunkt, als er im Begriff war, in Damaskus Christen zu verfolgen. Kurz vor der Stadt stürzte er zu Boden und hörte, wie Jesus zu ihm sprach und ihn zur Mission berief. Und da waren Zeugnisse, die er aus erster Hand vernommen hatte, die Augenzeugenberichte von Petrus, Johannes und den anderen Aposteln. Was wir im neuen Testament lesen, sind ja nicht Mythen oder Fälschungen aus dem Mittelalter, so wie es gerne behauptet wird. Die Evangelien bestehen aus Augenzeugerichten. Ein schönes Beispiel ist die Ankunft von Jesus in Kafernaum, im Haus von Petrus. Markus erzählt, wie Jesus dort übernachtete und am frühen nächsen Morgen aufbrach. Diese Berichte hat er von Petrus selbst erhalten, dem er in Rom Dolmetscherdienste leistete.