Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03190.jsonl.gz/587

Themenliste
Der erste Schritt in der Revision eines Arzneimittels besteht in der Erstellung einer so genannten Themenliste. Dazu wird ein Teil der Prüfungssymptome nach bestimmten Kriterien geordnet. Wir stützen uns dabei vorwiegend auf die Originalsymptome aus den Materiae Medicae von Stapf, Hartlaub & Trinks, Hahnemann, Allen, Hering, sowie auf moderne Prüfungsberichte (vgl. die jeweiligen Quellen-Angaben). Die Symptome werden wörtlich und in der originalen Schreibweise zitiert, da Übersetzungen oder die Übertragung in die Repertoriumssprache eine reiche Fehlerquelle darstellen. Die Symptombeispiele in den folgenden Abschnitten stammen aus dem Kapitel Carbo animalis.
Welche Symptome werden in einer Themenliste berücksichtigt?
1. Sämtliche Mind-Symptome Beispiel: „Die Gegenstände auf der Strasse scheinen ihm verändert, z.B. weiter auseinander und heller, als gewöhnlich, wie in einer leeren, verlassenen Stadt“. Allgemeine psychische Reaktionen wie Trauer, Furcht, Zorn oder Freude können in einem Thema zusammengefasst werden, (vgl. Nr. 7 „Traurig, verzweifelt, deprimiert“ oder Nr. 15 „Lustig“), wenn sich eine Empfindung oft wiederholt und damit etwas von der Stimmung eines Mittels zum Ausdruck bringt. Für die Hypothesenbildung sind diese Themen aber von geringem Interesse. Entscheidend sind vielmehr die Inhalte der Symptome, z.B. „Er fühlt sich, früh, wie verlassen, und voll Heimweh“, oder „nicht zu vertreibende grämliche Gedanken und Unmut über Gegenwärtiges und Vergangenes, bis zum Weinen“.
2. Alle Trauminhalte oder Wahnideen Beispiel: „Lebhafte Träume über wissenschaftliche Gegenstände".
3. Körpersymptome, die mit einem Mind-Anteil „dotiert“ sind. Beispiel: „Zusammenschnürung der Brust, zum Ersticken, früh im Bette; sie glaubt zu sterben, bekommt vom Sprechen Stiche im Herzen, und bei Bewegung der Arme ein Gefühl, als ob das Herz und die Brust zerreissen wollte“. Siehe auch das ganze Thema 29, „Körpersymptome mit Ängstlichkeit“. Der Sexualität ist in dem Sinne ebenfalls immer ein eigenes Thema gewidmet.
4. Auffällige Körpersymptome, Lokalisationen und Modalitäten. Beispiele: „Zuckendes Reissen in der linken Hinterhauptsseite: es schiesst wie ein Blitz sehr schmerzhaft in verschiedener Richtung hin und her“ oder „Am Unterbauche, auf der rechten Seite, schmerzhafte Empfindung, als wolle sich da etwas durchquetschen“. Als Modalität fällt bei Carbo animalis z.B. die Frühverschlimmerung, Th 20, ins Auge.
5. Als-ob-Symptome Beispiele: "Beim Ergreifen von irgendetwas werden die Finger steif, als ob sie nicht genügend Kraft hätten" oder "bei Bewegung der Arme ein Gefühl, als ob das Herz und die Brust zerreissen wollte".
6. Allgemeine Schmerzqualitäten wie stechen, brennen, reissen, ziehen usw. werden oft nur als Auflistung der Symptomnummern aufgeführt, da ihre Bedeutung für die Hypothesenbildung meist gering ist.
Geordnet werden die Symptome nun nach thematischer Aussage, so dass unter einem einzelnen Thementitel Mind-Symptome, Träume, Als-ob-Empfindungen usw. zusammen-gefasst werden können. Vgl. Thema 8 "Will oder kann nicht sprechen".
Umgekehrt ist es möglich, dass ein einzelnes Symptom zwei oder mehr thematische Inhalte aufweist und daher in der Themenliste mehrfach auftaucht. So erscheint das Symptom "er fühlt sich früh wie verlassen, und voll Heimweh" einmal unter Thema 1 "Verlassenheit", einmal unter Thema 4 "Heimweh".
Ebenso tauchen am Ende eines Themas manchmal Quellenangaben mit zahlreichen Symptomnummern auf: Diese belegen den Umfang eines Themas, die entsprechenden Symptome sind bereits unter einem andern Thema aufgeführt, oder sie sind wenig speziell und lohnen nicht, im einzelnen zitiert zu werden. Vgl. Th 40, "Behinderte Sicht".
Schon das Durchlesen einer Themenliste kann hilfreich sein, wenn es darum geht, sich für eine Differentialdiagnose rasch einen umfassenden Überblick über die wesentlichen Inhalte eines Arzneimittels zu verschaffen.
Wenn man mehrere Themenlisten hintereinander durchblättert, wird man erkennen, dass einige allgemeine Lebensbereiche bei den meisten Arzneimitteln auftauchen: Arbeit, Beziehung zu anderen Menschen, der eigene Körper, Gesundheit, Krankheit, Tod, Intellekt, Lernen, usw. Damit die Nuance des einzelnen Arzneimittels herausgearbeitet werden kann, bedarf es also einer weiterführenden Fragestellung.