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Die junge Architektin aus Düdingen im Kanton Freiburg zog es schon in jungen Jahren immer wieder nach draussen. Mit ihrem Partner unternahm sie viele Ski-, Snowboard- und Schneeschuhtouren und bereiste mit dem vollgepackten Liegerad die nördlichen Länder. Bei einer Schneeschuhtour im Jahr 2002 geschah der Unfall, bei dem Ursula Schwaller sich eine Querschnittlähmung zuzog. Schon während der Rehabilitation begann sie wieder Sport zu treiben. Da Schwaller früher auf dem Liegerad unterwegs war, lag es für sie nahe, sich mit dem Handbike zu versuchen.
Paralympics Peking und London
Schwaller trainierte intensiv. Sie setzte sich die Vorgabe, noch im selben Jahr Handbikerennen zu fahren. Als grosses und übergeordnetes Ziel hatte sie die Paralympics in Peking 2008 im Auge. Der Weg dorthin führte Ursula Schwaller über diverse Meisterschaften und Wettkämpfe in den Disziplinen Marathon, Strassenrennen, Einzelzeitfahren und Teamwettbewerb. Mit Erfolg!
- 2008, 4. Rang Zeitfahren, Paralympics Peking (CHN)
- 2009, Weltmeisterin Zeitfahren, UCI Paracycling World Championships (ITA)
- 2010, Weltmeisterin Strasse, UCI Paracycling World Championships (CAN)
- 2012, Bronze Zeitfahren, Paralympics London (GBR)
- 2012, Bronze Team Relay, Paralympics London (GBR)
- 2013, 1. Rang UCI Schweiz in Recherswil (SUI) Zeitfahren
- 2015 absolvierte Schwaller als erste Paraplegikerin die 300 km lange Vätternrundan in 12 Stunden und 17 Minuten
- 2017 gelangte sie als erste Rollstuhlsportlerin in die offizielle Rangliste des Mallorca 312 in einer Zeit 8:05:51 Stunden
Der Handbikesport hat sich zu einem vollwertigen, internationalen Spitzensport entwickelt mit einem immer professionelleren Umfeld und Leistungen auf höchstem Niveau. Hier mischt Ursula Schwaller an vorderste Front mit. Es scheint, als hätte sie einen Podestplatz für sich reserviert.
EnableMe hat sich mit Ursula Schwaller über ihre Person, ihre Motivation und den Handbike-Sport unterhalten:
Wie wichtig erscheint es Ihnen, dass Sie schon vor dem Unfall sportlich aktiv waren?
Es ist dahingehend ein Vorteil, dass ich dadurch im Rollstuhl schneller unabhängig wurde. Eine gewisse Bewegung ist für mein Wohlbefinden notwendig. Mein Bewegungsdrang hat mir dabei sicher geholfen.
Haben Sie das Gefühl, dass Sie jetzt im Behindertensport ehrgeiziger geworden sind als früher?
Es liegt in meiner Natur, mir Ziele zu stecken und auf diese hin zu arbeiten. Wie auch im Beruf versuche ich im Sport, mich an meine Grenzen heranzutasten. Das hat mit der Behinderung eigentlich wenig zu tun. Als ich Rollstuhlfahrerin wurde, hatte ich jedoch keine Ahnung, welche Möglichkeiten mir nun offen sind. Die Menschen in der Sportszene waren für mich Vorbilder. Ich konnte mich an ihnen orientieren.
Wie erleben Sie die Sportszene?
Unter den Sportlern wird die Behinderung zur Nebensache. Es herrscht ein ganz natürlicher Umgang. Man diskutiert über Resultate, Technik und Training. Der Rollstuhl spielt eigentlich keine Rolle. Die Szene ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Aber der Kern mit den Pionieren, wozu auch viele Funktionäre gehören, ist sehr familiär und von grossem gegenseitigem Respekt geprägt. Leider fehlt bei uns Frauen etwas der Nachwuchs. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die Athleten bei den momentan rasanten Fortschritten auch aktiv Entwicklungsarbeit leisten müssen, um vorne dabei zu sein. In dem Bereich sind die Männer vielleicht etwas neugieriger und verspielter.
Wie sehen Sie die Entwicklung im Handbike-Sport in Bezug auf Training und Technik?
Die Sportart ist noch jung und daher waren die Handbikes bis vor Kurzem auch noch recht schwer. Jetzt schreitet die Entwicklung aber sehr schnell voran. Die Rennposition ist unterdessen extrem flach und beim Material wird im Bereich Gewicht und Aerodynamik investiert wie noch nie.
Der ganze Sport wird in allen Bereichen immer professioneller. Ich selber wende zum Beispiel etwa 25 bis 30 Stunden pro Woche für den Sport auf und fahre über 1000 Kilometer im Monat auf dem Handbike. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten der schnellsten Männer liegen bereits über 40km/h.
Mit der Professionalisierung orientiert sich der Handbikesport immer mehr am Nichtbehindertensport. So sind die Handbiker seit zwei Jahren auch der Union Cycliste Internationale, dem internationalen Radsport-Verband, angeschlossen. Bei meinen Clubs, Trainern und Betreuern, aber auch bei Swisscycling, ist Paracycling eine Sparte wie jede andere. Auch Swiss Olympic und Swiss Paralympic arbeiten eng zusammen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Handbike-Sports?
Die Entwicklung des Handbikesports finde ich sehr spannend. Die Sportart wächst auch stark in die Breite, das sieht man, wenn bei einem Marathon manchmal gegen 200 Sportler am Start stehen. Wenn mehr Rollstuhlfahrer Handbike als Freizeitsport entdecken, fördert das die Gesundheit und beschert uns mehr Nachwuchs. Die Schweizer Medien sollten sich aber mehr für unseren Sport interessieren. Im Ausland ist die Berichterstattung über die Handbike-Wettbewerbe besser und umfangreicher. Ich finde es schön, wenn man wie zum Beispiel in Italien teilweise mit Vornamen angefeuert wird. In Peking versuchten ganze Familien ein Foto mit einem Rollstuhlsportler zu erhaschen.