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Nein, deshalb wurde die Bezeichnung geändert. Wenn kein Ödem vorliegt, ist die Therapie mit manueller Lymphdrainage nicht zielführend und deshalb sinnlos. Nur wenn die Schmerzen sehr stark sind, kann zu Beginn der Therapie kurzfristig manuelle Lymphdrainage zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, damit die Kompressionstherapie besser ertragen wird.
Lipödem-Syndrom
Inhaltsverzeichnis
Ursache
Wenn Sie über längere Zeit zu viel essen und sich zu wenig bewegen, steigt einerseits das Körpergewicht, andererseits werden auch die Fettzellen grösser. In der Folge wird das Fettgewebe nur ungenügend mit Sauerstoff versorgt. Dadurch werden Zellen angelockt, die eine Entzündung auslösen.
Eine Steigerung der Energie-Aufnahme sowie Bewegungsmangel setzen im Fettgewebe verschiedene Prozesse in Gang. Am besten lässt sich das anhand des folgenden Bildes erklären:
Durch die Vermehrung der Fettzellen kommt es im Gewebe zu entzündlichen Reaktionen, die Schmerzen verursachen. Zudem verschlechtert sich die Sauerstoffzufuhr, weil Blutgefässe sich langsamer bilden als Fettzellen. Das führt zu einer Unterversorgung, die Schmerzen begünstigt.
Zusätzlich werden Betroffene durch die Chronifizierung der Schmerzen belastet. Chronische Schmerzen, egal welcher Art, beeinflussen das Empfinden nachhaltig. Ein bewusster Umgang mit Schmerzen kann trainiert werden, und es ist ratsam, sich frühzeitig beraten zu lassen.
Akute Schmerzen haben die Funktion eines Warnsignals. Bei chronischen Schmerzen geht diese Funktion verloren. Obwohl keine Gewebeschädigung vorliegt, schickt das System permanent Signale, als ob dies der Fall wäre, und die Betroffenen verspüren ständig Schmerzen. Durch Faktoren wie Stress, Angst oder Depressionen verändert sich zudem die Schmerzwahrnehmung. Bei der Chronifizierung von Schmerzen könnte die Sensibilisierung des zentralen Nervensystems eine Rolle spielen.
Chronischer Stress, Angst oder Depressionen verstärken den Schmerz auch über die Entzündungsmediatoren, was wiederum starken mentalen Stress verursacht. Somit ist klar, dass im Behandlungskonzept auch die psychische Gesundheit eine wichtige Rolle spielen muss. Der Umgang mit chronischen Schmerzen will geübt sein.
Erscheinungsbild
Bei den Betroffenen kommt es zu einer überproportionalen Vermehrung des Unterhautfettgewebes vor allem an den Beinen, manchmal auch an den Armen. Da der Rumpf davon nicht betroffen ist, zeigt sich eine sogenannte Disproportionalität zwischen Ober- und Unterkörper. Auch die Füsse sind nicht betroffen (siehe auch «Typen des Lipödem-Syndroms»).
Die Stadien des Lipödem-Syndroms
Der Schweregrad der Beschwerden hängt nicht zwingend mit dem Stadium der Erkrankung zusammen. Wir sehen in der Sprechstunde resp. der Therapie Patienten/-innen im Stadium 1, die sehr starke Schmerzen haben. Umgekehrt gibt es auch Patienten/-innen im Stadium 3, die kaum unter Schmerzen leiden.
Die Entwicklung des Lipödem-Syndroms wird in drei Stadien unterteilt:
Typen des Lipödem-Syndroms
Je nach Lokalisation des Lipödem-Syndroms werden mehrere Typen unterschieden:
Es können verschiedene Körperregionen in unterschiedlicher Ausprägung betroffen sein.
Der Krankheitsverlauf ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Früher wurde angenommen, dass er kontinuierlich fortschreitet, heute wissen wir, dass das nicht stimmt.
Zwischen dem Lipödem-Syndrom und einer Gewichtszunahme sowie Übergewicht gibt es einen Zusammenhang: Beide verstärken die Beschwerden. Für die Betroffenen sind daher ein stabiles Gewicht und moderate, regelmässige körperliche Bewegung wichtig.
Komplizierend kann es bei starkem Übergewicht zusätzlich zu einem Lymphödem kommen. Dabei entsteht im betroffenen Bereich (z. B. im Bein)
eine Schwellung, weil die Lymphe nicht mehr abtransportiert wird. Ein Lymphödem ist progredient, weist also einen zunehmend schweren Verlauf auf, und das Gewebe verhärtet sich. Später wird die lokale Immunabwehr geschwächt, wodurch die Entzündungsgefahr steigt.
Es stellen sich dann drei Probleme: Lipödem-Syndrom, Adipositas und Lymphödem. Alle drei Erkrankungen müssen behandelt werden.
Nur weil Sie vom Lipödem-Syndrom betroffen sind, bekommen Sie kein Lymphödem. In dem Sinne gibt es die Diagnose Lipo-Lymphödem nicht mehr.
Übergewicht kann allerdings die Ursache für ein Lymphödem sein. Wenn dies der Fall ist, muss nicht nur das Lymphödem behandelt, sondern auch das Gewicht reduziert werden.
Häufige Fragen
Beinhaltet das Lipödem ein Ödem, also eine Ansammlung von Flüssigkeit?
Handelt es sich beim Lipödem um eine progressive (fortschreitende) Krankheit?
Nein, die Beschwerden werden nicht automatisch schlimmer. Es wurde festgestellt, dass die Zunahme der Schmerzen oft mit einer Gewichtszunahme einhergeht. Deshalb ist es sehr wichtig, das Körpergewicht stabil zu halten oder sogar zu verringern.
Hat eine Gewichtsreduktion Einfluss auf die Beschwerden?
Früher wurde angenommen, dass Abnehmen keinen Einfluss auf die Beschwerden hat. Dies wurde in verschiedenen Studien widerlegt.
Bekommt man mit einem Lipödem automatisch auch ein Lymphödem?
Unabhängig davon, ob ein Lipödem-Syndrom diagnostiziert wurde, könnte durch starkes Übergewicht auch ein Lymphödem verursacht werden.
Hilft eine Liposuktion immer bei einem Lipödem?
Wenn durch die konservative Behandlung keine Besserung erzielt werden kann, kann eine Liposuktion in Frage kommen. Wichtig ist, immer in Absprache mit dem Behandlungsteam zu agieren. Denn eine solche Operation sollte von Fachleuten durchgeführt werden (siehe operative Behandlung).