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Wachstum abhängig von demografischem Wandel
Ob die Bevölkerung wächst oder schrumpft, wie sich die Altersstruktur verändert, wie hoch das Bildungsniveau ist – all das bestimmt den Wohlstand eines Landes. Obwohl der demografische Wandel ein sehr langsamer Prozess ist, lässt sich diese Entwicklung nicht mit einer Momentaufnahme analysieren. Langfristig dominiert die Demografie das wirtschaftliche Wachstum eines Landes, kurzfristig ist ihre Wirkung jedoch kaum messbar. Gemäss der UNO wird die Weltbevölkerung von derzeit 7.7 Mrd. bis 2050 auf 9.7 Mrd. Menschen anwachsen.
Während sich in den afrikanischen Ländern die Bevölkerung verdoppeln wird, wird sie in vielen Industrieländern schrumpfen. Die Geburtenrate insgesamt bleibt rückläufig und das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung steigt rasant an. Für die Schweiz rechnet das Bundesamt für Statistik mit einem Anstieg der Wohnbevölkerung auf 10.2 Mio. Personen im Jahr 2045. Die Geburtenhäufigkeit wird auf tiefem Niveau stagnieren, während sich die Lebenserwartung laufend erhöht.
Lebenszyklushypothese kurz erklärt
Ein Ansatz, der sich zur Analyse der Alterungseffekte grosser Beliebtheit erfreut, basiert auf der sogenannte Lebenszyklushypothese.
Im Zuge eines Menschenlebens ergeben sich unterschiedliche Phasen des Sparverhaltens. In jungen Jahren ist das Einkommen meistens gering und der Mensch ist gewöhnlich auf Zuwendungen der Eltern angewiesen. Im Laufe des Lebens steigt das Einkommen stetig und erreicht zwischen 45 und 55 Jahren ein Maximum. Die Sparquote steigt ebenfalls an und erreicht noch vor 60 Jahren ihren Höchstwert. Mit dem Rentenalter fällt das Einkommen und es findet ein Entsparen statt. Die Hypothese unterstreicht zudem, dass die Konsumausgaben während des gesamten Lebens relativ konstant bleiben.
Tieferes Wachstum, höhere Inflation
Das Trendwachstum einer Volkswirtschaft leidet unter der schrumpfenden Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Berechnungen für die Schweiz zeigen, dass das BIP-Trendwachstum aufgrund der Alterung heute um knapp 0.8 Prozentpunkte niedriger liegt als noch vor einem Jahrzehnt. Vermag die Zuwanderung diesen Rückgang nicht auszugleichen, werden die Fachkräfte rarer. Bei Unternehmen fallen somit höhere Kosten an, um eine freie Stelle zu besetzen. Die Löhne steigen dadurch, was sich positiv in der Inflationsrate niederschlägt. Eine sinkende Produktion bei gleichbleibendem Konsum spricht ebenfalls für steigende Inflationsraten. Jedoch sind nicht alle Branchen gleich von der alternden Gesellschaft betroffen. So dürften bei Rentnern die Ausgaben für Gesundheitspflege, Tourismus und Freizeit zunehmen, die Nachfrage nach Verkehr, Kommunikation und Bildung hingegen eher schrumpfen.
Auswirkungen auf Sparen und Zinsen
Der Anteil des Dienstleistungssektors an der gesamten Wirtschaftsaktivität nimmt stetig zu, was zu weniger Kapitalbedarf und somit zu rückläufigen Investitionen führt. Das hohe Angebot an Geld in Form von Sparguthaben trifft so auf eine niedrigere Geldnachfrage – der Preis für Kapital, sprich der Zins, sinkt folglich. Vor allem deshalb haben sich die Realzinsen in den letzten Jahrzehnten nur nach unten bewegt. Es ist anzunehmen, dass in den Wachstumsländern mit noch hohem Bevölkerungswachstum die erwerbstätige Mittelschicht in nächster Zeit einen deutlichen Sparüberhang generieren wird. Dieser dürfte vorerst den Entsparungsprozess in den Industrieländern bremsen. Auch der Trend hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft wird wohl anhalten. Es spricht folglich wenig für höhere Realzinsen, denn erst bei einer stagnierenden Weltbevölkerung dürften diese wieder merklich ansteigen. Natürlich ist aber ein Inflationsanstieg in den nächsten Jahren denkbar – das nominale Zinsniveau würde sich dann vom realen unterscheiden.
Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank