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"Kosten (und Kopfschmerzen), die wir nicht eingeplant hatten"
Erfahrungsbericht zu Gerätespenden
Von Dr. Daniel Etya'al
Das Enongal Central Hospital verfügt über 200 Betten und versorgt als Distriktkrankenhaus ungefähr 125.000 Menschen. Wegen seiner verhältnismässig guten Ausstattung werden Patienten aus der gesamten Provinz überwiesen, und das Krankenhaus erreicht so eine halbe Million Menschen. Bis Mitte der 50er Jahre wurde Enongal vollständig von der Amerikanischen Presbyterianischen Mission finanziert, die das Krankenhaus Anfang des Jahrhunderts aufgebaut hatte. Heute deckt es als gemeinnützige Institution 80 Prozent seiner Kosten selbst; die restlichen 20 Prozent kommen in Form von Gerätespenden oder Zuschüssen von aussen.
Das knappe Budget, mit dem Krankenhäuser wie Enongal auskommen müssen, wird in erster Linie für Gehälter, Medikamente und andere absolut notwendige Verbrauchsgüter ausgegeben. Für neue Geräte und die Wartung von Einrichtungen und Gebäuden kann nur wenig zur Seite gelegt werden. Daraus erklärt sich die totale Abhängigkeit von Spendern für alles, was - zu Recht oder zu unrecht - nicht als unabdingbar für den täglichen Krankenhausbetrieb eingeschätzt wird.
Viele Geräte in Enongal stammen aus Amerika, dem Sitz der Mission, die das Krankenhaus gegründet hat. Sie sind für eine Stromspannung von 110 Volt ausgestattet, hier in Kamerun arbeiten wir jedoch mit 220 Volt. Für jedes gespendete 110 Volt-Gerät müssen wir deshalb einen Transformator hinzukaufen. Viele Spender wissen auch nicht genau, welche Geräte der Empfänger bereits benutzt und was er noch benötigt. So macht es wenig Sinn, einen 286er PC mit 20 MB Festplatte zu spenden, wenn das Krankenhaus bereits mit modernen Computersystemen arbeitet. Es entstehen uns also Kosten (und Kopfschmerzen), die wir nicht eingeplant hatten. Die meisten Gerätespenden stammen aus zweiter Hand, und nicht wenige sind älter als zehn Jahre. Je älter die Geräte sind, desto schwerer kommt man an Ersatzteile, selbst in den Herkunftsländern. Lange Wartezeiten sind hier die Regel.
Natürlich sind nicht allein die Spender für diese Probleme verantwortlich. Viele Empfänger wissen selbst nicht genau, was sie wollen. Die Krankenhäuser geben einfach eine Liste von Geräten weiter, die sie brauchen könnten, ohne den Spendern ihre Gerätestandards mitzuteilen. Viele Krankenhausmanager müssen sich noch darüber klarwerden, dass auch ein gemeinnütziges Krankenhaus eine Menge Geld sparen kann, wenn es einen Wartungsdienst einrichtet.
*Der Autor des Erfahrungsberichtes, Dr. Daniel Etya'alé, arbeitete 10 Jahre als Arzt und Direktor des Enongal Central Hospital in Kamerun. Seit 1994 arbeitet er im WHO-Programm zur Verhütung von Blindheit.. Aus: Leitlinien für Gerätespenden, herausgegeben vom Evangelischen Missionswerk in Deutschland, MISEREOR und FAKT,