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In Kumanovo, der zweitgrössten Stadt Nordmazedoniens, bemüht sich eine kleine Kirchengemeinde trotz fehlender Ressourcen um ein eigenes Gotteshaus. Auch dem Bischof von Mazedonien, Kiro Stojanov, ist dies ein wichtiges Anliegen. Er ist noch bis 03.03.2024 zu Gast in der Schweiz, um über die Lage der katholischen Kirche Mazedoniens zu Informieren.
Kumanovo ist eine Stadt mit etwa 75 000 Einwohnern. In der gesamten Stadt leben heute gerade einmal 400 Katholiken. Die Anzahl der Gläubigen ist seit der Zeit des Kommunismus stark zurückgegangen. Früher trafen sie sich in einer kleinen Kapelle. Doch diese wurde von den Kommunisten kurz nach dem zweiten Weltkrieg zerstört. Der Staat beschlagnahmte damals zahlreiche kirchliche Besitztümer im ganzen Land.
Die Mazedonische Kirche leidet unter den Folgen des Kommunismus
Nach dem Abriss ihrer Kirche trafen sich die Gläubigen mit Genehmigung der Obrigkeit in einem kleinen Raum am Rande der Stadt. Doch auch dieser Gebetsort wurde den Gläubigen von der religionsfeindlichen Regierung genommen. Die Gemeindemitglieder in Kumanovo mussten aufhören gemeinsam zu beten, weil sie keinen Ort mehr hatten, an dem sie sich versammeln durften. Einige hielten aber am Glauben fest. Für den Empfang der Sakramente nahmen sie den 50km langen Weg nach Skopje auf sich. Die Folgen der kommunistischen Herrschaft sind in Mazedonien vielerorts noch immer spürbar. Der katholischen Bevölkerung Kumanovos fehlt bis heute ein angemessenes Gotteshaus.
Gottesdienste in einem feuchten Kellerraum
Der Raum, in dem sich Kumanovos Katholiken gegenwärtig treffen, befindet sich im Keller eines Hauses, das von aussen nicht an eine Kirche erinnert. Unten in der kleinen Kapelle ist die feuchte Luft ist deutlich zu spüren – Wasserflecken sind am Boden und den Wänden erkennbar. Jüngst drang nach anhaltenden Regenfällen Wasser durch die Aussenwände des Kellerraums, in dem die katholische Bevölkerung von Kumanovo ihre Gottesdienste feiert. Schimmel beginnt sich an den feuchten Wänden auszubreiten und die Gesundheit der Gläubigen zu gefährden. Maximal 60 Personen haben Platz, sich zum Gottesdienst zu versammeln. Das Haus, in dem sich die unterirdische Kapelle befindet, wurde von der Kirchengemeinde angemietet. Dass sie sich dies überhaupt leisten kann, verdankt sie einem Spender aus dem Ausland, der für sie die Miete des Hauses übernimmt. Auch die liebevoll bemalten Wände täuschen kaum darüber hinweg, dass der aktuelle Gebetsort mehr ein Provisorium darstellt als eine dauerhafte Lösung.
Der Traum von einer richtigen Kirche in der zweitgrössten Stadt Mazedoniens
«Eine neue Kirche ist bereits in Arbeit. Doch das Geld für die Fortsetzung der Bauarbeiten ist uns ausgegangen; gestiegene Preise für Baustoffe und Handwerker sowie der Mangel an finanziellen Ressourcen haben für einen Stillstand auf der Baustelle gesorgt», berichtet Anton, der Architekt, der neuen Kirche, von der gerade einmal das Kellergeschoss erkennbar ist. «Viele Arbeiter arbeiten gerade lieber im Ausland, wo die Inflation weniger stark zugeschlagen hat als in Mazedonien. Die verbliebenen Arbeiter haben ihre Preise stark erhöht», erklärt Anton. Er ist der Kreative Kopf hinter den Bauplänen für die neue Kirche, die in Kumanovo entstehen soll. 18 Meter hoch soll der Kirchturm später in die Höhe ragen. Die Spitze soll ein grosses Kreuz zieren. Im Untergeschoss der Kirche, dessen Form bereits an Fundament und Betonwänden erkennbar ist, soll sich einmal ein Begegnungsraum für die Gemeinde befinden. Bisher ist dieser allerdings alles andere als einladend.
Kirchenbaustelle wartet auf Unterstützer
Die Decke fehlt. Der Boden ist von Nägeln und Bauschutt bedeckt. Armierungseisen ragen in die Luft. Der Architekt würde zumindest den ersten Bauabschnitt gerne bald abschliessen. «Die Baustelle ist gefährlich und wir haben Angst, dass die Nachbarskinder auf die Idee kommen, auf der Baustelle zu spielen und sich verletzen», sagt der Architekt, der mit dem gegenwärtigen Projekt seinen ersten Kirchenneubau realisiert. Das an die Kirche anschliessende Pfarrhaus besitzt schon zwei Stockwerke. Es soll Pfarrer Tomasz den Priester der Gemeinde, sowie Gäste der Pfarrei beherbergen können und auch die Möglichkeit für pastorale Arbeit bieten.
Die Neue Kirche soll der Barmherzigkeit Gottes geweiht sein.
«Wir wollen die Barmherzigkeit Gottes zu den Menschen in Kumanovo bringen», erläutert Pfarrer Tomasz, der vor 10 Jahren aus dem katholischen Polen in die Nordmazedonische Diaspora kam, um der kleinen Kirche des Landes beizustehen. «Wir wollen als katholische Kirche in Kumanovo Präsenz zeigen und für die Menschen da sein. Die Menschen kommen mit ihren Sorgen und Nöten zu mir und fragen mich bei den kleineren und grösseren Problemen ihres Alltags um Rat. Als Priester ist man auf dem Balkan Mädchen für alles.» Mit dem Kirchenbau hofft der junge Priester den Menschen ihre Sehnsucht nach einem Ort für das gemeinsame Gebet gerecht werden zu können. «Viele Leute haben das Bedürfnis nach einer Kirche. Nordmazezedonien ist ein Multikulturelles und multireligiöses Land. Die Orthodoxen und die Muslime haben alle ihre Gebetshäuser und auch wir brauchen ein Gotteshaus. Es ist hier ist ein sehr belebtes Viertel, es gibt viele junge Familien mit Kindern. Als wir den Bauplatz segneten und Kirchenlieder sangen, öffneten sich die Fenster der angrenzenden Hochhäuser und Kinder fingen an zu klatschen. Das macht uns Hoffnung», erklärt Pfarrer Tomasz, «Aber nur wenn es Hilfe gibt, kann ein Raum entstehen, in dem unsere Kirche weiter wachsen kann».
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