Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/1454

Zug hat gute, aber nicht die besten Ausländer der Liga. Was ein Blick auf die Skorerliste bis zu einem gewissen Grad bestätigt. Daher ist Trainer Dan Tangnes kürzlich gefragt worden, wie es sein könne, dass der EV Zug mit seiner Finanzkraft und seinem Beziehungsnetz nicht noch besseres ausländisches Personal habe.
Zugs Trainer, der in seiner Art ein wenig an Jürgen Klopp mahnt, antwortete auf diese Frage mit überraschender Offenheit: «Wir wollten ausländische Spieler verpflichten, die wir nicht bekommen haben, weil andere Klubs mehr geboten haben.» Klubs aus der National League? «Ja, aus der Westschweiz.» Also sind Ausländer, die eigentlich Zug wollte, aufgrund eines besseren finanziellen Angebotes zu welschen Klubs gegangen? «Ja».
Kurzfristig hat sich die Strategie des Investments in ausländisches Personal für Servette ausbezahlt: erstmals in der Geschichte Meister und nun die Qualifikation für den Final der Champions League. Auf dem Weg zur Meisterschaft haben die Genfer im letzten Frühjahr im Halbfinal Titelverteidiger Zug ausgeschaltet. Servettes Ausländer erzielten in diesem Halbfiinal sieben Tore, Zugs Ausländer drei. Die Rechnung ist aufgegangen, weil Servettes Sportchef Marc Gautschi das Geld richtig investiert hat.
Hätten die Zuger die Türen zu den Geldspeichern ein wenig weiter geöffnet, hätten sie vielleicht im letzten Frühjahr nach 2021 und 2022 die Meisterschaft zum dritten Mal hintereinander gewonnen. Aber macht es für ein Hockeyunternehmen wie Zug Sinn, mit Geld die bestmöglichen Ausländer zu verpflichten? Oder noch anders gefragt: Sind die teuersten Ausländer auch immer die besten und bringen sie dem Klub den grössten sportlichen Ertrag?
Wenn es darum geht, zum ersten Mal überhaupt oder nach Jahrzehnten endlich wieder einmal Meister zu werden, dann sind hohe Investitionen richtig. Aber es ist höchst riskant, mit Geldeinsatz eine Spitzenposition über einen längeren Zeitraum zu konsolidieren. Auf Dauer garantiert Geld nicht die besten Spieler. Es ist wirtschaftlich höchst riskant, jedes Jahr den Erfolg um jeden Preis auf dem Transfermarkt zu suchen: Ein gut geführtes Hockeyunternehmen lebt nicht von Titelgewinnen allein. Nichts ist im Hockey-Business so teuer wie ein Serienmeister. Der zweite oder dritte Titel ist in der Regel noch teurer als der vorangehende. Eine Serie von gewonnenen Meisterschaften – mehrere Titel hintereinander – sind in der Regel nicht mehr refinanzierbar und führen zu roten Zahlen. Weil mit dem Erfolg die finanziellen Begehrlichkeiten auf allen Ebenen steigen.
Zug beweist, dass es als ambitioniertes Hockeyunternehmen möglich ist, auch ohne Meisterfeier attraktiv und am Markt erfolgreich zu sein. Die Stadionauslastung ist diese Saison mit 97,21 Prozent hinter Gottéron (100 Prozent, alle Heimspiele ausverkauft) die zweithöchste der Liga. Und sie ist höher als in der Qualifikation der Meistersaison 2021/22 (93,16 Prozent) und auch höher als letzte Saison (96,88 Prozent) als die Zuger Titelverteidiger waren. Zug wie Gottéron sind Beispiele dafür, dass es nicht immer Titel sein müssen. Wichtiger ist der Komfort im Stadion und ein Team, das attraktiv spielt und so gut ist, dass es in jeder Heimpartie auf Augenhöhe mit dem Gegner spielen kann. Ein Sieg in jedem Heimspiel ist nicht erforderlich.
Dan Tangnes sagt, bei der Rekrutierung der Spieler – auch der Ausländer – sei entscheidend, dass einer bereit sein, die Werte und die Philosophie des Klubs zu leben. «Wenn sich ein Spieler wegen des Geldes gegen uns entscheidet, dann sind wir nicht bereit, ihn mit einem höheren Angebot umzustimmen.»
In der Aussenwahrnehmung steht der EV Zug für Geld, für Spitzensaläre und weniger für sportlichen Geist. Zug ist eine der reichsten Städte der Welt und EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel gilt als Milliardär. Aber bereits mit dem Aufbau des Spitzensportzentrums OYM hat Hans-Peter Strebel seine Strategie der nachhaltigen Entwicklung unter Beweis gestellt. Konsequenterweise gilt auch bei seinem EV Zug das Primat der Nachhaltigkeit über den kurzfristigen Erfolg. Dazu gehören Investitionen in den Nachwuchs und die erfolgreiche Integration eigener Junioren in die erste Mannschaft: Nicht weniger als neun in Zug ausgebildete Spieler haben diese Saison im Schnitt bereits mehr als neun Minuten Eiszeit bekommen. Mittelfristig dürften noch mehr eigene Spieler zum Zuge kommen.
Es kann sein, dass Zug seinen Titel nicht verteidigen konnte und auch diese Saison nicht Meister wird, weil Sportchef Reto Kläy zu wenig Geld für die Ausländer ausgeben durfte. Aber noch wichtiger dürfte sein: Zug ist langfristig ein sportlich und wirtschaftlich stabiles Spitzenteam, weil Sportchef Reto Kläy nicht zu viel Geld für Ausländer ausgeben darf.
Er ist
Er kann
Erwarte