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In den letzten Wochen wurde viel geschrieben und diskutiert über die neue Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik (BFS). Einmal mehr wurde von verschiedenen Seiten versucht, daraus abzuleiten, wie gross die Lohnunterschiede in der Schweiz zwischen Männern und Frauen sind. Das Ziel dieser Erhebung ist allerdings nicht die Überprüfung der Lohngleichheit und deswegen ist die LSE auch nur mit grossen Einschränkungen geeignet als Basis von Aussagen zur Lohngleichheit.
So muss bei der LSE zum Beispiel für jeden Mitarbeitenden der höchste erworbene Ausbildungsabschluss eingegeben werden. Richtschnur für die Festsetzung des Lohnes ist aber nicht der höchste erworbene Abschluss, sondern die Ausbildung, die für die Ausübung einer Funktion vorausgesetzt wird. Ein weiteres Beispiel: In der LSE wird nicht unterschieden zwischen Lehrabschlüssen mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis und solchen mit einem Berufsbildungsattest. Dass hier eine Lohnungleichheit besteht, ist nicht überraschend und hat nichts mit einer Lohndiskriminierung zu tun.
Hilfreich wäre, wenn zumindest die grossen Unternehmen ein schriftlich festgelegtes Lohnsystem hätten mit klaren und transparenten Kriterien für die Zuordnung der Stellen zu Lohnklassen und für die Einordnung der Mitarbeitenden auf diesen Stellen innerhalb der Lohnbänder der jeweiligen Lohnklasse. Diese Kriterien könnten darauf überprüft werden, ob sie diskriminierungsfrei sind. Wenn das sichergestellt ist, könnte anhand von Stichproben analysiert werden, ob das Unternehmen die Kriterien konsequent anwendet und damit die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen gewährleistet.
In diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Studie der Firma Hay Group interessant. Sie hat aktuelle Löhne von mehr als 60’000 Personen in über 200 Unternehmen verglichen und festgestellt, dass wir in der Schweiz auf dem untersten Joblevel, auf dem sich typischerweise einfache Arbeiter, Ungelernte und Hilfsarbeiter finden, tatsächlich Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen von 9.6 Prozent haben. Dort gibt es ganz offensichtlich Handlungsbedarf. Die Studie zeigt aber auch, dass der Unterschied auf dem höchsten Joblevel bei Mitgliedern des mittleren und oberen Kaders gerade nur 0.6 Prozent beträgt.