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| Cyprian von Karthago († 258) - Briefe

64. Brief
1. Kapitel
1 Cyprianus und die übrigen Sechsundsechzig Amtsgenossen, die bei der Versammlung zugegen waren, entbieten ihrem Bruder Fidus ihren Gruß.
Wir haben, teuerster Bruder, dein Schreiben gelesen, in dem du über den ehemaligen Presbyter Victor mitteiltest, unser Amtsgenosse Therapius habe ihm unbesonnenerweise vorzeitig und in übereilter Hast den Frieden gewährt, bevor er noch volle Buße getan und Gott, dem Herrn, gegen den er sich verfehlte, Genugtuung geleistet habe. Es hat uns recht beunruhigt, daß man sich über unseren maßgebenden Beschluß hinwegsetzte und ihm vor Ablauf der vorgeschriebenen Bußzeit und ohne Verlangen und Mitwissen des Volkes den Frieden zugestand, ohne daß eine Krankheit dazu drängte oder irgendein anderer zwingender Grund vorlag. Nach langer Erwägung und gemeinsamer Beratung jedoch begnügten wir uns damit, unserem Amtsgenossen Therapius wegen seines unbesonnenen Vorgehens eine Rüge zu erteilen und ihn zu belehren, daß er in Zukunft nichts Derartiges mehr tun dürfe. Den Frieden jedoch, den nun einmal, gleichviel auf welche Weise, ein Priester Gottes erteilt hat, glaubten wir nicht aufheben zu sollen, und wir haben deshalb Victor gestattet, von der ihm gewährten Gemeinschaft Gebrauch zu machen.
1: Inhalt: Der Brief ist die Antwort Cyprians auf das Schreiben eines Bischofs Fidus. Dieser hatte ihm mitgeteilt, der ihm vielleicht benachbarte Bischof Therapius von Bulla habe den gefallenen ehemaligen Presbyter Victor vor Ablauf der Bußzeit wieder in die Kirche aufgenommen. Cyprian legt diesen Fall der gerade in Karthago tagenden Synode vor, die Therapius einen Verweis erteilt, Victor aber in der kirchlichen Gemeinschaft beläßt. Eine weitere Anfrage in jenem Brief betraf die Taufe der Neugeborenen, die Fidus bis zum achten Tag verschieben möchte. Diese Ansicht wird von den versammelten 67 Bischöfen als falsch verworfen. Beide Entscheidungen bringt Cyprian in diesem Brief im Namen der Synode dem Fidus unter eingehender Begründung zur Kenntnis. Fraglich ist, von welcher Synode dieses Schreiben ausgeht. Meist denkt man an das Konzil des Jahres 253. Bayard hingegen bringt den Brief mit dem Herbstkonzil 251 in Zusammenhang; auch Harnack und Soden reihen ihn unter die Briefe dieses Jahres ein. Der Brief wurde auch ins Griechische und aus dem Griechischen ins Syrische übersetzt; erhalten ist jedoch nur noch die syrische Übersetzung. Geschrieben im Jahre 253 [bzw. 251].