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Endlich eine Kunsteisbahn
Article - Endlich eine Kunsteisbahn
01.12.2020
Als letzter Club der Nationalliga A – die erste Schweizer Kunsteisbahn war 30 Jahre zuvor in Zürich entstanden – erhielt der Hockey Club Davos 1960 innerhalb von sieben Monaten eine Kunsteisbahn. Besondere Herausforderungen waren die Technik, die Finanzen und das Grundwasser.
Wo trainieren? Das war in der Saisonvorbereitung der 1950er-Jahre die grosse Frage beim Davoser Verein. Die Natureisbahn war immer erst Ende November bereit. Deshalb fuhr die Mannschaft zuvor oft zum Training aufden Flüelapass und befreite einen zugefrorenen See vom Schnee, um auf dem Eis trainieren zu können. Fehlende Spielpraxis und somit Anlaufschwierigkeiten waren die Folge in der Meisterschaft. Zudem liessen Wärmeeinbrüche das Eis oft schmelzen. 1957 stiess Landammann Christian Jost das Projekt Kunsteisbahn im Freudentaumel des Spengler Cup-Siegs des Hockey Club Davos an.
Kritische Stimmen schnell verstummt
Der Bau der Kunsteisbahn ausserhalb des Sportzentrums wurde diskutiert, aber aus betrieblichen und wirtschaftlichen Gründen als untragbar erachtet. Wegen des schwachen Baugrunds mussten sieben bis neun Meter lange Betonpfähle in den Grund getrieben werden. Insgesamt 314 an der Zahl. Grosse Schwierigkeiten bereiteten auch die übrigen Fundierungs- und Wasserabdichtungsarbeiten. Für den Betrieb der Anlage waren grosse Mengen Kühlwasser (40 Liter pro Sekunde) erforderlich, die dank des vorhandenen Grundwassers in der südöstlichen Ecke des Kurparks mit einer Pumpanlage gewonnen werden konnten. Nach anfänglich kritischen Stimmen verfolgten die Einwohnerinnen und Einwohner mit zunehmender Anerkennung den 1,8 Millionen Franken teuren Bau. Die Kunsteisbahn und die neue Tribüne, die die von 1926 ersetzte, waren einfach konzipiert, aber nach den neuesten technischen und organisatorischen Grundsätzen erstellt worden. Neben den 750 überdachten Sitzplätzen gab es 5500 Stehplätze, 2000 davon auf provisorischen Schneerampen gegenüber der Haupttribüne. Für die Medien wurden Kabinen verglast und im Inneren entstanden Garderoben.
Der hohe Stahlpreis als Aus für das Projekt
Einige Jahre später sah das Überdachungsprojekt von Ernst Gisel und Ingenieur Heinz Hossdorf ein festes Dach aus Stahl vor, das an vier hohen Pfeilern aufgehängt werden sollte. Die Arbeiten verliefen bis zur Fertigstellung der vier Betonfundamente planmässig. Der Kurvereinsvorstand ebenso wie die Baukommission war der Auffassung, dass im budgetierten Betrag Planungs-, Architekten- und Ingenieurshonorare sowie eine Teuerungsreserve enthalten seien. Durch die Stahlpreisaufschläge – je nach Qualität zwischen 67 und 86 Prozent – musste mit einer Kostenüberschreitung von 440 000 Franken gerechnet werden. Bauführer Georges Häsler stellte den Antrag, entweder das Projekt zurückzustellen oder einen Nachtragskredit anzufordern. In der Folge stellte man zudem fest, dass das Ingenieurshonorar von rund 200 000 Franken wohl nicht im Budget enthalten war. Einen Nachtragskredit von 235 000 Franken lehnte der Grosse Landrat ab.
Die vier Betonpfeiler bildeten zehn Jahre später die Basis für die Halle aus Holz.
- Bereits in den 60er Jahren berichtete das Schweizer Fernsehen SRF vom Spengler Cup aus Davos. Das eindrückliche Video von einem der ersten Spiele auf dem neuen Kunsteis finden Sie im Video-Folder.
- Weitere spannende Geschichten aus den ersten 46 Jahren Spengler Cup Davos finden Sie in den bisher erschienenen fünf Jahrbüchern.