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Angst Paul, 1932-2019, Stadtammann
Paul Angst ist ein arrivierte Winterthurer der in seiner beruflichen Tätigkeit als Stadtammann und als freisinniger Politiker stadtbekannt war und ist. Seine charmante und offene Art hat ihm in allen Bevölkerungskreisen Sympathie entgegengebracht.
Paul Angst ist in Bülach aufgewachsen. Er absolvierte auf dem Notariat Wülflingen die Notariatslehre. In verschiedenen Zürcher Notariaten holte sich Angst anschliessend umfassende Erfahrungen im Notariatswesen. Es folgte dann das Studium an der Uni Zürich, das ihm 1957 das Wahlfähigkeitszeugnis als Notar brachte.
Nahtlos ging sein Werdegang weiter. Ebenfalls 1957, als 25-Jähriger, wurde Paul Angst als Stadtammann des Kreises I in Winterthur gewählt. In dieser Tätigkeit war er auch Betreibungsbeamter.
Bis zu seiner Pensionierung 1997 amtete Angst in dieser Funktion. Seine vertieften Kenntnisse im Schuldbetreibungs- und Konkursrecht machte ihn zum gefragten Spezialisten und Experten in diesem Fach.
Als Chefredaktor der Blätter „Schuldbetreibungs- und Konkursrecht“ sowie als Mitautor in einem gesamtschweizerischen hochstehenden Kommentar machte Angst von sich reden.
Er wurde auch zu Beratungen und für Zweitmeinungen beigezogen und wirkte in der Expertenkommission zur Revision des SchKGs (Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs). Mit viel Einfühlungsvermögen stand er der Winterthurer Bevölkerung in der unentgeltlichen Rechtauskunftstelle zur Verfügung.
Auch auf dem politischen Parkett stand Paul Angst nicht in den hinteren Reihen. Als Mitglied der Demokratischen Partei rückte Angst 1967 in den Gemeinderat der Stadt Winterthur nach. Er präsidierte diese Partei bis sich diese 1972 mit der Freisinnigen Partei vereinte. Angst engagierte sich in der neuen politischen Kraft als Vizepräsident. 1983/84 präsidierte er das Stadtparlament.
Bereits seit 1977 gehörte er auch dem Kantonsrat an. Als Mitglied des kantonsrätlichen Büros (heute Geschäftsleitung) und Präsident in wichtigen Kommissionen schaffte sich Angst auch auf dieser Ebene bald Anerkennung und Achtung. Das führte zum Höhepunkt in Paul Angst‘ politischer Karriere. Für das Amtsjahr 1991/92 zum Präsidenten des Kantonsrates gewählt.
Paul Angst liebt als Besitzer eines Rebberges natürlich ein Glas Wein und den schalkhaften Humor. Es versteht sich daraus, dass er gerne in einer geselligen Runde mit dabei ist.
Ein Beispiel dazu, Zitat Landbote vom 20.12.1983: „Ratspräsident Angst hat kürzlich die Journalisten in drei Kategorien eingeteilt und charakterisiert. Die einen hielten es mit der Wahrheit, die anderen mit der Lüge. Dann gebe es noch jene, welche das eine nicht vom anderen unterscheiden könnten.“
Paul Angst war ein immer positiv denkender Mensch gewesen. Zuerst sah er in seinem ganzen Leben das Gute. Das hielt er auch in seinen letzten Lebensjahren so. Sie waren geprägt vom Verlust des Augenlichts. Er nahm das hin ohne zu hadern und verlor nie seinen feinen Humor.
Bewundernswert, wenn man weiss, wie belesen und somit wie informiert Paul immer gewesen ist. Zusätzliche Beschwerden führten zu seinem Tode am letzten Freitag des Aprils 2019 (26.04.2019).