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Das Rennen um das Amt des US-Präsidenten ist erwartungsgemäss noch nicht entschieden. Sowohl Donald Trump als auch Joe Biden gewinnen in denjenigen Gliedstaaten, in denen sie bereits vor der Wahl als Gewinner galten. Donald Trump konnte einige umkämpfte Staaten für sich entscheiden.
Beide Parteien geben sich weiterhin siegessicher. An der Pressekonferenz im Weissen Haus, erklärte sich Donald Trump als Sieger in den wichtigen Staaten Georgia und North Carolina, obwohl diese Stimmen noch nicht ausgezählt sind, und bezeichnete sich sogar als Sieger der Präsidentschaftswahl. Er betonte, er werde bis vor den Supreme Court ziehen, um die Auszählung der Briefwahl-Stimmen zu stoppen.
Der amtierende US-Präsident Donald Trump kommt aktuell auf 214 Stimmen, sein Herausforderer Joe Biden auf 264 Stimmen. Für die Wahl sind insgesamt 270 Stimmen notwendig. Von den entscheidenden «Swing States» konnte Donald Trump bis jetzt Florida (29), was für ihn einen wichtigen Sieg darstellt, Texas (38) und Ohio (18) für sich gewinnen. Joe Biden setzt sich in Arizona (11) durch. Das Rennen bleibt offen und dürfte sich, wie vor vier Jahren, in den drei Staaten des «Rust Belt» im Nordosten entscheiden, die Trump damals überraschend gewonnen hatte.
Ein weiterer entscheidender Faktor für die zukünftige Regierbarkeit des Landes sind die Kräfteverhältnisse im US-Kongress. Neben dem Amt des Präsidenten standen auch alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat zur Wahl. Auch hier ist noch nichts entschieden. Es zeichnet sich ein knappes Rennen ab. Mit der definitiven Verteilung im Senat kann erst im Januar nach der Stichwahl in Georgia, gerechnet werden. Die Chance auf eine «blaue Welle» ist deutlich tiefer als noch vor dem Wahltag angenommen. Die Mehrheit im Repräsentantenhaus dürften die Demokraten laut aktuellsten Umfragen indes verteidigen.
Der weitere Wahlverlauf
In diversen Bundesstaaten werden die Briefwahl-Stimmen noch ausgezählt. Die Auszählung der Stimmen dürfte noch weitere Zeit in Anspruch nehmen. Diese Auszählungen droht Donald Trump nun mit dem Gang vor den Supreme Court zu stoppen. Dies dürfte für Unsicherheit im weiteren Wahlverlauf sorgen. Wichtig ist jetzt, dass der Wahlprozess trotz der Aussagen von Donald Trump in geordneten Bahnen verläuft. Entscheidend sind nun die Stimmen aus Nevada, North Carolina, Pennsylvania und Georgia.
Das «Electoral College» wählt anschliessend am 14. Dezember 2020 den neuen Präsidenten und den neuen Vizepräsidenten der USA. Am 6. Januar 2021 folgt die Auszählung dieser Stimmen und das offizielle Ergebnis wird bekannt gegeben. Am 20. Januar 2021 findet die Amtseinführung des neuen Präsidenten in Washington D.C. statt. Je länger es dauert, bis ein Wahlergebnis feststeht, desto höher könnte die Unsicherheit an den Finanzmärkten werden.
Reaktionen der Finanzmärkte
Anders als bei der Wahl 2016 haben die Finanzmärkte in der Nacht ohne grössere Verwerfungen auf die ersten Wahlergebnisse reagiert. Der Hauptgrund hierfür dürfte sein, dass die Wahlen geordnet ablaufen und das befürchtete Chaos nicht eingetreten war. Dies änderte sich dann mit dem ersten offiziellen Auftritt von Donald Trump, in welchem er seinen Sieg ausrief und dazu aufrief die Wahl jetzt zu stoppen.
Auf diese Aussage des amtierenden Präsidenten Donald Trump haben die Aktienmärkte mit deutlichen Verlusten reagiert. US-Futures liegen aktuell mit 0.5-1 Prozent im Minus. Bemerkenswert ist, dass der technologielastige Index Nasdaq noch immer Gewinne verzeichnet.
Für Europa wird – nach der gestrigen Rally – dagegen mit einer schwächeren Eröffnung gerechnet. Die Aktienmärkte in Europa werden zur Eröffnung zwischen 1-2 Prozent tiefer erwartet. Der Schweizer Aktienmarkt hält sich mit Verlusten von unter 1 Prozent dagegen noch relativ gut. Der Markt wird über den Tag nach Orientierung suchen.
Mit der durch den Präsidenten verursachten Unsicherheit sind die Zinsen in den meisten Staaten deutlich gesunken. Dies ist ein Zeichen für die grosse Verunsicherung der Märkte.
Auch auf der Währungsseite sieht man die erhöhten Risiken. So können die als sichere Häfen geltenden Währungen wie der US-Dollar oder der Schweizer Franken Gewinne verzeichnen.
Die anfänglichen Verluste an den Aktienmärkten konnten im Tagesverlauf an breiter Front wettgemacht werden. Die Aktienmärkte steigen, trotz weiterhin ungewissem Wahlausgang und dem Risiko juristischer Anfechtungen seitens Donald Trump, rund um den Globus zwischen 1.5 und 5 Prozent an. Insbesondere der NASDAQ 100 konnte stark zulegen.