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One of this „Oh $#!T“ Moments oder wie es uns schon Tibull (nicht zu verwechseln mit Bull) lehrte: Das leichte Rad des Schicksals dreht sich in schnellen Kreisen. Im Falle von VELBOSSITY sind es leider nicht nur schnelle, sondern vor allem weitläufige Kreise…!
Man erinnere sich: an den Worldmasters 2018 in Budapest versaubeutelte VELBOSSITY drei Posten vor Schluss eine sicher geglaubte Medaille und brauchte sich um den Spott fortan nicht mehr zu kümmern. Mehr Schaden, mehr Spott? Die nahe Zukunft wirds weisen, denn was in Fachkreisen kaum für möglich gehalten wurde, ist eingetreten: der Spitzenfahrer von VELBOSSITY, welcher hier verständlicherweise anonym bleiben will, versemmelte auch seine zweite Grosschance auf Edelmetall aufs Übelste! Doch warum die Sache überstürzen? Nach diesen Titelkämpfen erhärtet sich das Gerücht, dass VELBOSSITY zuerst sämtliche nicht medaillenberechtigte Top-10 Ränge einfahren will, bevor an seinen vierten Championships die Plämpel angesteuert werden. Der Zwischenstand lässt für 2020 hoffen: nach den Rängen 4, 5, 6, 8 und 9 fehlen folglich nur noch Ränge 7 und 10, bevor am 12. September 2020 in Vierumäki in der Mitteldistanz das Podium gerockt wird. Die Hoffung darf für VELBOSSITY zuletzt sterben, ist doch Hoffnungslosigkeit schon eine vorweggenommene Niederlage (sic!).
Die Titelkämpfe im Osten Deutschlands begannen mit der Mitteldistanz vielversprechend. Zwar verlor VELBOSSITY in einem Trialpark (Massstab 1:2’500, siehe kleiner Kartenausschnitt, zum Vergrössern hier oder auf Karte klicken) rund 2:30 Minuten, konnte danach allerdings das Tempo ohne grössere Unsicherheiten konstant hoch halten. So bestätigen die Zwischenzeiten (nachträglich) noch am drittletzten Posten einen dritten Platz mit einem beruhigenden Vorsprung von rund einer Minute auf die direkten Verfolger. Zum zweitletzten Posten standen noch zwei Routenwahlen zur Option: eine schwer sichtbare, über eine orange (fahrbare) Wiesenpassage führend, bei welcher der Posten von oben angefahren werden musste und eine südlichere Variante, bei welcher zuerst der letzte Posten passiert und der zweitletzte Posten von unten angefahren werden musste. Auf den ersten Blick wurde nur diese zweite Route erkannt. „Kein Problem“ denkt sich unser übermütiger Asphalt-Cowboy, seinen Drahtesel über eine wunderbar gewellte Singletrailpassage rechts runter auf eine Strasse weiter antreibend. Doch der Unpaarhufer auf zwei Rädern zeigt sich störrisch und der Cowboy stürzte höllisch, ohne sich allerdings zumindest körperlich zu verletzen (mental allerdings wurde da sprichwörtlich einiges verrückt…). Doch ein Cowboy (oder wars ein Indianer?) kennt keinen Schmerz, allerdings: was nicht schmerzt taugt nicht! Also mit Schwung zurück aufs Rad und zur Strasse hinunter gerast, als wäre der Teufel hinter dem Mann aus dem Westen her. Sekunden später die Passage beim letzten Posten. „Letzter Posten? Warum schon der letzte Posten? Müsste da nicht noch ein zweitletzter Posten kommen?“ fragt sich der sichtlich desorientierte Hampelmann. Ein (zu) kurzer Kontrollblick auf die Karte und was vorher nicht gesehen wurde, nämlich die Route, bei welcher der Posten von oben angefahren wird, schien nun bittere Realität: „Oh, $#!1!1T, zweitletzter Posten überfahren, nochmals zurück“. Und ab gings kehrtum zurück zum in dieser Richtung nicht existierenden Posten (für einmal wäre der Gebrauch des Kompasses oder noch besser des Kopfes angebracht gewesen….).
Unterdessen malmt die Uhr unerbittlich weiter und man ahnt es: rund unheilvolle 1:30 Minuten später kehrte die massiv überforderte Dumpfbacke reichlich entnervt an den letzten Posten zurück, orientierte sich neu und bog geläutert, doch ziemlich ang3p!$$7, in den richtigen Trail Richtung zweitletzten Posten ein, um danach den Lauf zu beenden. „Ey, alles gut gegangen, chill mal ’ne Runde. Rang unter den ersten Zehn sollte drinliegen“ dachte sich das tropfende Elend auf zwei Beinen beim Auslesen der SI-Card. Doch dann der fokkin Schlag in die Magengrube: 5. Rang mit 18 Sekunden (!) Rückstand auf Bronze (bei 1:30 Minuten Fehler ca. 200 m vor dem Ziel…:). Von wegen „Hey, alles gut gegangen, chill mal’ne Runde!!„. In solchen $#!T Momenten fällt es schwer, seiner Tendenz zur Skatologie zu widerstehen!! ☠️🤬👿.
Vom schnell drehenden Schicksalsrad derart voll an der Rübe erwischt ging es am nächsten Tag weiter mit der Langdistanz auf den Rabenberg. Aufgrund der Analyse früherer Rennen an gleicher Stelle durfte man sich in den Reihen von VELBOSSITY doch Hoffnungen auf eine Spitzenrangierung machen. Physisch in guter Form, Wege nicht allzu schlammig, viele Anstiege: Radlerherz, was begehrst du mehr? Doch die Routenwahlen (wahrlich nicht immer die Stärke unseres Vorzeigeathleten) bei den H50 erwiesen sich als kniffliger und interessanter als erwartet. Eigentliche Fehler hielten sich aber in Grenzen: sicher ärgerlich, dass aufgrund des getrigen Nasenstübers das richtige Gespür ein wenig verloren ging (Zitat Lukas Erne: den Posten muss man riechen…..) und wohl vor allem das Selbstvertrauen ein wenig angekackt war. So wähnte sich VELBOSSITY Richtung erster Posten wissenschaftlich gesprochem auf dem falsch positiven Weg, kehrte zur Überprüfung der These zu einer Weggabelung zurück, nur um festzustellen, dass er sozusagen falsch negativ gedacht hat. Oder mit anderen Worten: der Dussel befand sich auf dem richtigen Weg (was ja an und für sich schon eine bemerkenswerte Tatsache ist….), verfolgte diesen aber zu wenig konsequent (1:30 Minuten Verlust). Beim Kartenwechsel kämpfte der Unglücksrabe am Berg wie oft mit administrativen Problemen (wo zum Kuckuck ist der nächste Posten ?) und versenkte so ärgerliche 2 Minuten. Nach der Zielfurchfahrt war das Gefühl demnach nicht mal so schlecht. Im Verlauf des Rennens kehrte aber mit dem Eintreffen der Favoriten eine gewisse Ernüchterung ein: die Rückstande auf Gold (15:30 Minuten auf B. Hoffmann), zur Silbermedaille (9:20 Minuten auf Pfischi, herzliche Gratulation) und zu Bronze (T. Damsgaard, 7:30 Minuten) waren doch erschreckend gross. Doch die Wettkampfanalyse brachte es an den verregneten Tag: VELBOSSITY entschied sich leider bei einigen Routenwahlen für die suboptimale Variante und verlor hier wohl entscheidenden Minuten (siehe Karte). Insbesondere bei Posten 5 (1:30 Minuten), Posten 6 (rund 2:20 Minuten), Posten 13 (30 Sekunden), Posten 17 (rund 2 Minten) und Posten 19 (30 Sekunden) waren die gewählten Umwege wohl zu gross. Aber hey, hätte, hätte, Fahrradkette! Während des Rennens wurde eigentlich nur die Alternativroute zu Posten 17 erkannt, alle anderen Varianten standen nicht mal zur Diskussion! Deshalb: 6. Rang ist zwar OK, aber wenn die Beine schneller drehen als die Mechanik im Kopf nützt alles nichts!!
War bis anhin das Wetter im Erzgebirge schon eher als nass-trüb zu bezeichnen, erwartete die Wettkämpfer zum Massenstart eine ziemliche Herausforderung. Nicht wenige Senioren- und Seniorinnen verzichteten gar auf einen Start. Schon bei der Einfahrt auf den zentralen Loipenparkplatz direkt vor der Skiarena Oberwiesenthal war allen Teilnehmern bewusst, dass dieser Wettkampftag nur etwas für ganz hartgesottene Mountainbiker sein wird. Bei Temperaturen um 2 Grad erwartete die Wackeren eine dichte Nebelwand und eine feucht-windige Begrüssung. Einige gingen am Fichtelberg bis an ihre Grenzen oder sogar darüber hinaus: so war doch die Kuhnagel-Dichte an diesem Tag aussergewöhnlich hoch und das Gejammere dieser Weicheier war für den indolenten Werksfahrer von VELBOSSITY einerseits schwer zu ertragen, doch zugegebenermassen auch ein wenig nachvollziehbar. Das Rennen selber verlief einigermassen zufriedenstellend, konnte doch lange in den erweitereten Top-5 mitgefahren werden. Einmal mehr führten allerdings administrative Probleme beim Kartenwechsel (wo zum Teufel ist Posten 21…) dazu, dass die Gruppe um Rang 4-6 ziehen gelassen werden musste. Des weiteren musste sich der Schönwetterfrosch eingestehen, dass er für den schlammigen Untergrund technisch zu wenig versiert ist und der Luftdruck der Reifen für diese Verhältnisse wohl zu prall eingestellt war (na ja, wieder einmal ein Versagen des wieder eingestellten VELBOSSITY-Chefmechanikers von Gottes Gnaden…). Immerhin, am Ende resultierte der 9. Rang mit 4:30 Minuten Rückstand auf Bronze. Das Ziel, in allen Wettkämpfen unter die Top-10 zu fahren, rückte somit in greifbare Nähe!
Hier gehts zu den Ranglisten des Massenstartes, die Karte steckt noch im Sumpf.
Interessanterweise verbrachte VELBOSSITY die restliche Zeit des Tages noch im Spital Erlabrunn, einem äusserst eindrücklichen Trutzbau, welcher 1950 von den Sowiets erbaut wurde. Der Reisepartner aus der Romandie, Alain Junod hatte einen unglücklichen Zusammenstoss mit einer Konkurrentin und zog sich einen ziemlich komplizierten Fingerbruch zu, welcher möglichst schnell operiert werden musste. So beschloss das erweiterte VELBOSSITY-Team, auf den Sprint am Sonntag zu verzichten und die vorzeitige Rückreise in heimische Gefilde am frühen Sonntagmorgen anzutreten. So endete der Ausflug aus dem wilden Osten relativ abrupt (nichts gegen deutsche Spitäler, dennoch…) und auf der Heimfahrt blieb genug Zeit um Bilanz zu ziehen: aufgrund der Meldeliste wurde seitens der anspruchsvollen Teamleitung regelmässige Top-10-Rangierungen gefordert. Dies wurde erfüllt. So konnten doch einige Angstgegner aus Russland (Igor Bondarenko), Japan (Kazushige Hatori), der Tschechei (Jan Kral) und Italien (Daniel Sacchet) in allen Rennen beinahe schon souverän geschlagen weren. Nichts desto trotz bleibt vor allem hinsichtlich der Mittel- und der Langdistanz ein schaler Nachgeschmack, hat unser Klub des Herzens doch arg nahe an den Medaillen geschnuppert…!😤
Bildliche Zusammenfassung der Ereignisse um den Rabenberg: