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Im Text eines Arbeitszeugnisses sind wesentliche Anteile des Textverfassers enthalten. Im Zeugnis enthaltene Schreibfehler, veraltete Formulierungen oder dergleichen sind deshalb nicht auf den Arbeitnehmer zu projizieren. Es ist vielmehr zu beachten, um was für einen Arbeitgeber es sich bei dem Zeugnissausteller handelt.
Je nachdem, ob es sich um ein kleines, mittleres oder grosses Unternehmen, um ein traditionelles oder modernes Unternehmen handelt und je nachdem aus welcher Branche es stammt, sind unterschiedlich professionelle Zeugnisse und unterschiedlich gut formulierte Zeugnisse zu erwarten.
Die folgende Checkliste zur Arbeitszeugnis-Bewertung soll Ihnen dazu dienen, anhand von 22 wichtigen Kriterien ein Arbeitszeugnis professionell zu beurteilen.
Vollständigkeit
- Liegen für alle Arbeitsstellen Arbeitszeugnisse vor?
- Ist das Fehlen von Zeugnissen plausibel? (z.B. nur sehr kurze Anstellung, bestimmte Branchen, Saisonstellen, einzelne Verluste, welche nicht mehr beigebracht werden können, etc.)
- Handelt es sich bei allen längeren Arbeitsstellen um Vollzeugnisse (qualifizierte Zeugnisse)?
- Sind die Gründe für das Vorliegen von Arbeitsbestätigungen statt Vollzeugnissen (einfache statt qualifizierte Zeugnisse) nachvollziehbar?
Korrektheit der Angaben
- Entsprechen die angegebenen Anstellungszeiten den Angaben im Lebenslauf oder ergeben sich daraus Widersprüche und/oder Lücken in der beruflichen Laufbahn?
- Entsprechen die Zeugnisangaben betreff end der Position und dem Tätigkeitsgebiet den Angaben im Lebenslauf, im Begleitschreiben und den mündlichen Angaben?
Echtheit
Gibt es Hinweise auf fragliche Echtheit eines Zeugnisses wie
- Widersprüche zwischen Anstellungsdauer, Position und Bewertung.
- Brüche in den Formulierungsstilen, unprofessionelle Formulierungen, sich in verschiedenen Zeugnissen wiederholende Formulierungen
- Schriftwechsel innerhalb eines Dokumentes, falsche Formatierungen, ungenaue Anordnungen etc.?
Plausibilität
- Wird der Berufsweg aus dem Zusammenhang der vorgelegten Zeugnisse nachvollziehbar?
- Gibt es abrupte «Brüche» wie mehrfaches Ausscheiden in der Probezeit, eine Kündigung kurz nach einer Beförderung, nicht nachvollziehbare Wechsel der Tätigkeiten oder Anstellungen etc.? Hinweise auf zu ausgeprägte Dauer einer Anstellung?
Bewertung von Leistung und Verhalten aus einem einzelnen Arbeitszeugnis
- Ist die Tätigkeit ihrer Bedeutung entsprechend beschrieben (nicht zu kurz oder zu lang)?
- Ist das Aufgabengebiet angemessen und vollständig? Oder fehlen bestimmte, normalerweise zur Tätigkeit gehörende Aufgaben? Werden Aufgaben angeführt, die mit dem Tätigkeitsbereich nichts oder nur am Rande zu tun haben?
- Ist der Umfang des Zeugnisses/der Umfang der Tätigkeitsbeschreibung und der Umfang der Beurteilung von Leistung und Verhalten der Anstellungsdauer und der Position angemessen (nicht zu kurz oder zu lang)?
- Erstreckt sich die Beurteilung von Leistung und Verhalten auf alle wichtigen Aufgabengebiete oder bleiben wichtige Merkmale unbeurteilt?
- Welche Hinweise auf die Arbeitsleistungen, das Arbeitsverhalten, die Zusammenarbeit, etc. ergeben sich aus dem Zeugnis? Welche wichtigen Eigenschaft en sind als mögliche Stärken erkennbar? In welchen Arbeitsbereichen sind allfällige Bedenken angebracht?
- Ist der Austrittsgrund aufgeführt? Ist der Grund für die Kündigung resp. eine allfällige Entlassung plausibel?
- Wird das Ausscheiden bedauert? Welche Dankesworte und Wünsche werden geäussert? Steht dies in einem glaubwürdigen Verhältnis zur Tätigkeit, Position und Beurteilung?
Beurteilung von Leistung und Verhalten insgesamt
- Sind die Beurteilungen und Verhaltenshinweise einheitlich oder widersprüchlich?
- Gibt es Hinweise auf systematische Problemfelder?
- Wie lassen sich allfällige Häufungen oder Widersprüche erklären und/oder wo gibt es weiteren Abklärungsbedarf?
- Lassen sich aus den verschiedenen Zeugnissen Hinweise auf mögliche Stärken und Schwächen verdichten?