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Franz Abart, Innerschweiz, um 1800
Lindenholz, geschnitzt
H. 18,8 cm
Inv. 1906.1043.
«Gekauft 15. November 1804 aus dem Kunstsaal des Chr. Winkelblech: Figur in Holz von Abartz in Unterwalden verfertigt: ‹Bettler, welcher Almosen fordert – 1 ½ Louis d’or», heisst es im Kunstjournal des Baslers Daniel Burckhardt- Wildt (Kat. 143), in dem er die Neuerwerbungen für seine Kunstsammlung aufl istete. Mit «Abartz» ist Franz Abart (1769–1863) gemeint, der in Schlinig im Vinschgau (Südtirol) geboren wurde und dort eine Lehre zum Bildschnitzer machte. Mit 14 Jahren begab er sich auf Wanderschaft ins Elsass; bei Ausbruch der Französischen Revolution zog er in die Innerschweiz, wo er erfolgreich tätig war und bis zu seinem Tod blieb.
Die Statuette aus ungefasstem Lindenholz ist eine bemerkenswert ausdrucksstarke Darstellung. Der Bettler, ein Mann mittleren Alters von kräftiger Statur, hält dem Betrachter auffordernd einen grossen Hut entgegen. Nach vorn gelehnt und auf zwei Stöcke gestützt steht er wie schwankend.
Unter buschigen Brauen und dickem Haarschopf blickt er fast trotzig, und seine kräftigen Gesichtszüge, die breite Stirn und das emporgereckte Kinn verstärken den Eindruck eines festen Willens. Seine untersetzte, muskulöse Statur wird durch die breite Sockelplatte und den kräftigen Baumstrunk an seiner Seite noch betont. Dies ist kein demütiger, vom Leben gebrochener Bettler, keine mitleiderregende Jammergestalt, sondern einer, der – wie Burckhardt-Wildt zu Recht formuliert – «Almosen fordert», nicht erbittet; ein beunruhigender Charakter, der einfordert, was ihm zusteht. Denn Nächstenliebe und Almosengeben waren Christenpfl icht, und auf den Gaben der Wohlhabenden beruhte die noch nicht institutionalisierte Fürsorge für die Armen.