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Kolonialismus im Baselbiet soll aufgearbeitet werden
Der Auftrag für den Forschungsbericht wird innerhalb der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission kontrovers diskutiert. Trotzdem empfiehlt sie dem Landrat, die Erstellung des Berichts in Auftrag zu geben.
Von: Hans-Caspar Kellenberger
Die historische Aufarbeitung des Verhältnisses des Kantons zu Kolonialismus und Sklavenhandel ist gemäss einem Bericht des Regierungsrats bisher noch nicht erfolgt. Die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportkommission hat darum in ihrem Auftrag geprüft, wie die koloniale Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten aufgearbeitet werden kann.
Ursprung war ein Postulat vom Aescher Landrat Jan Kirchmayr (SP). Sein Vorstoss, der im Juni 2021 an den Regierungsrat überwiesen wurde, hatte zum Ziel, die Rolle von «Baselbieter Persönlichkeiten mit kolonialer Vergangenheit» historisch zu reflektieren.
Ursprung und Fokus des Vorstosses ist Johann August Sutter – genannt General Sutter. 1834 wanderte der Rünenberger nach Amerika aus und gründete in Kalifornien die Kolonie «Neu-Helvetien». Später legte sein Sohn den Grundstein für die Gründung von Kaliforniens Hauptstadt Sacramento. Entsprechend ehrt in Rünenberg ein Denkmal den Pionier. Dass Sutter gemäss einer wissenschaftlichen Arbeit der Baselbieter Historikerin Rachel Huber aber auch indigene Frauen und Kinder versklavte und dabei besonders brutal vorging, wurde lange ausgeblendet.
Basler Handelsfirmen, Kaufleute und Seidenbandfabrikanten waren eng mit der Weltwirtschaft verflochten, legten ihr dabei erworbenes Kapital in Grundeigentum und Liegenschaften auf der Landschaft an und finanzierten mit dem Gewinn die regionale Industrialisierung. Diverse Personen aus der Region Basel wirkten in einstigen Kolonien.
100000 Franken für Bericht
Nun liegt der Bericht der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission an den Landrat vor. Während Einigkeit über die Abschreibung des Postulats bestand, war der Auftrag für die Erstellung eines eigentlichen Forschungsberichts umstritten, wie die Kommission schreibt. Trotzdem stimmte eine Mehrheit der Kommission für die Empfehlung der Erstellung des Forschungsberichts.
Die Kommissionsmehrheit, die sich für die Erstellung des Berichts aussprach, habe die Bedeutung des Vermittlungsaspekts betont. Die Ergebnisse sollen einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine Kommissionsminderheit habe hingegen argumentiert, dass es sich um keine Staatsaufgabe handle, eine Geschichtsaufarbeitung in einem solch kleinen Bereich zu finanzieren.
Ferner bestehe die Gefahr, dass die Ergebnisse des Berichts isoliert und nicht im Gesamtkontext der lokalen Geschichte betrachtet werden könnten, wie die Kommissionsminderheit anführte. Vonseiten des Staatsarchivs wurde aber betont, dass es sich um eine «Erweiterung der Blickwinkel und Erkenntnisse» und nicht um eine «Revolution» handle. Auch die Finanzierung des Forschungsberichts hat in der Kommission zu reden gegeben. Eine Finanzierung ohne Kantonsbeitrag wurde verworfen, da vonseiten der Verwaltung erklärt wurde, dass eine Finanzierung über einen Sponsor oder die Forschung über eine Doktorarbeit bei einem so spezifischen Thema unwahrscheinlich sei. So beantragt die Kommission nun beim Landrat ein Kostendach von 100000 Franken für die Erstellung des Forschungsberichts – und damit die Zustimmung zum von ihr geänderten Landratsbeschluss.