Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03160.jsonl.gz/201

Das Zweisprachigkeitsbarometer wurde 2008 in Biel zum dritten Mal durchgeführt. Das Ziel dieser neuerlichen Erhebung war eine Bestandesaufnahme der aktuellen Einstellungen der Sprachgruppen zueinander. Die Ergebnisse sollten – soweit sinnvoll – mit den früheren Studien verglichen werden, um Tendenzen in der Beziehung zwischen deutschsprachigen und französischsprachigen Bielerinnen und Bielern aufzuzeigen. Zu diesem Zweck wurden insgesamt 506 Stadtbewohner/innen befragt, die repräsentativ für die sprachliche Situation sind. Die Ergebnisse, die heute vom Forum für die Zweisprachigkeit und dem Forschungsinstitut Gfs Bern präsentiert werden, beruhen auf den Angaben von 287 deutschsprachigen, 145 französischsprachigen und 76 bilinguen Personen im Alter von mindestens 18 Jahren.
Stolz darauf, Bieler/in zu sein
Als erstes zeigt sich, dass sich die Bewohner/innen von Biel, französisch- wie deutschsprachige, mehrheitlich als «Bieler» und «Bielerinnen», bzw. als «Biennois(es)» definieren. In zweiter Linie definieren sich Deutschsprachige als Schweizer/innen, während sich Französischsprachige als «Weltbürger/innen» empfinden. Die bilinguen Bieler/innen sprechen nicht nur zwei Sprachen, sie sind zweisprachig.
Der Begriff «Zweisprachigkeit» wird von den Einwohner/innen Biels stark mit der eigenen Stadt und positiven Vorstellungen wie «Vorteile» und «kulturelle Bereicherung» assoziiert. Die Thematisierung der Zweisprachigkeit erreicht aus der Sicht der Bieler/innen ein angemessenes Niveau. Im Vergleich zu 1998 hat sich die Einschätzung zu dieser Fragestellung in beiden Sprachgruppen deutlich positiv entwickelt.
Die Bedeutung von Hochdeutsch nimmt in der Wirtschaft zu
Im Zeitvergleich zeigt sich überdies, dass das Zusammenleben von Französisch- und Deutschsprachigen in der grössten zweisprachigen Stadt der Schweiz positiver eingeschätzt wird als 1998: Eine Mehrheit von 57 Prozent der Befragten ist der Ansicht, dass die beiden Sprachgruppen in Biel gleich behandelt werden.
Ein Teil der Studie, die an diesem Dienstag den Medien präsentiert wird, behandelt das Thema Zweisprachigkeit in der Arbeitswelt: Obschon der Dialekt und das Französisch noch immer die beiden Hauptsprachen sind, zeigt sich im Vergleich zu den Resultaten von 1998, dass die Bedeutung des Hochdeutsch in der Arbeitswelt zugenommen hat. Interessanterweise geben 45% der Befragten an, dass die Geschäftsleitung des Unternehmens, für das sie arbeiten, ebenso französisch- wie deutschsprachig ist.
Was die Zweisprachigkeit in den Schulen betrifft, befürworten 49% der Befragten die Einführung der zweiten Lokalsprache bereits ab Kindergartenniveau. Dieselben Befragten lehnen hingegen klar ab, dass Englisch anstelle der zweiten Lokalsprache gelernt wird.
Bezüglich der regionalen Situation zeigt das Zweisprachigkeitsbarometer, dass die Mehrheit (44%) der Personen, die an der Umfrage teilgenommen haben, die Beibehaltung des Status Quo wünschen: Sie befürworten weder eine Fusion des Berner Juras mit dem Kanton Jura noch eine Annäherung an die Kantone Neuenburg und Jura.
Weitere Auskünfte sind erhältlich beim Forum für die Zweisprachigkeit unter der Tel.-Nr. 032 323 22 80 oder auf der Seite www.bilinguisme.ch/barometer
Was die Medien sagten...
Zweisprachigkeitsbarometer Biel/Bienne: Ergebnisse 1998
Ein Barometer misst den Luftdruck und zeigt Wetterverbesserungen und Wetterver-schlechterungen an. Das Bieler-Bilingualismus-Barometer macht Hoch- und Tiefdruckgebiete im Zusammenleben der verschiedenen Sprachgruppen in Biel-Bienne aus, es versucht also, Chancen und Schwierigkeiten, die sich aus der offiziellen Zweisprachigkeit der Stadt ergeben, festzustellen und mögliche Veränderungen aufzuzeigen.
Eine erste Messung der Bieler Zweisprachigkeit erfolgte 1986 mittels einer repräsentativen Umfrage. 1998 wurde eine zweite Befragung durchgeführt. Diese beiden Umfragen stellen die Grundlage für den vorliegenden Bericht dar. Ein Vergleich der Ergebnisse von 1986 und 1998 soll Aufschluss über mögliche Veränderungen im Zusammenleben der Sprachgruppen geben.
Die "Sprach-Wetterlage" in Biel-Bienne soll von nun an periodisch untersucht werden. Aus diesem Grund sollen in den kommenden Jahren weitere Befragungen durchgeführt werden.
Auftraggeber der Studie von 1998 ist die Bieler Stiftung Forum für die Zweisprachigkeit – Forum du bilinguisme. Die Umfrage wurde vom GfS-Forschungsinsitut Bern durchgeführt. Das Universitäre Forschungszentrum für Mehrsprachigkeit (UFM) der Universität Bern erstellte aufgrund der GfS-Daten den Schlussbericht.