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Titel
Konstantinopel
[* 2] (hierzu der Stadtplan), türk.
Stambul, auch Deri-Seadet,
»Pforte der
Glückseligkeit«, oder Kostantanieh,
griech.
Konstantinúpolis, levantisch-ital. Cospoli, von den
Slawen Zarigrad, »Kaiserstadt«, genannt, die Hauptstadt des osmanischen
Reichs und
Residenz des
Sultans, liegt unter 41° nördl.
Br. und 28° 58' östl. L. v. Gr. auf
der europäischen
Küste am südlichen Eingang zum
Bosporus
[* 3] und zwar amphitheatralisch auf der dreieckigen
Landzunge, welche
im N. von einer schmalen
Bucht, dem
Goldenen
Horn, im O. vom
Bosporus, im S. vom
Marmarameer eingeschlossen ist, und deren Westseite
mit dem
Festland
Rumeliens zusammenhängt.
Auf ihrer östlichsten
Spitze trägt diese
Halbinsel das
Serail; das Ganze mag
ca. 18 km im
Umfang haben.
Nach
NW. hin schließt sich längs des
Goldenen
Horns die Vorstadt
Ejub an. Jenseit des
Goldenen
Horns liegen die Vorstädte
Pera,
Galata,
Top-Hane, Kassim
Pascha, die
Werften (Ters-hane),
Hasköj, Südlüdsche; auf der asiatischen
Küste jenseit des
Bosporus
befinden sich
Skutari und Kadiköj (das alte
Chalcedon), die ebenfalls als Vorstädte
Konstantinopels betrachtet
werden (s. unten).
Das Goldene Horn (im Altertum Chrysokeras genannt), der Marktplatz zweier Weltteile, einer der größten und sichersten Ankerplätze der Erde und zugleich von solcher Tiefe, daß sich die schwersten Kriegsschiffe fast überall dicht an das Ufer legen können, ist an der Mündung zwischen der Serailspitze u. Top-Hane über 600 m breit, in der Mitte ungleich ausgeweitet, bis zur innersten, stark gekrümmten Spitze aber, wo zwei unversiegbare Bäche, Alibei-Su (der alte Kydaris) und Kiaghat-Hane-Su (Barbyses), einströmen, fast 7 km lang und von der Natur so eingerichtet, daß sich infolge der reinigenden Strömung, die, bei der Serailspitze eindringend, den Golf umkreist, kein Flußschlamm darin anhäufen kann.
Zwei
Schiffbrücken verbinden
Galata und
Stambul. Der
Hafen zerfällt in drei Teile: den für
Dampfschiffe
vor der östlichen
Brücke,
[* 4] den Handelshafen zwischen den beiden
Brücken
[* 5] und den Kriegshafen jenseit der innern
Brücke. Trotz seiner
gesunden
Lage ist
Konstantinopel kein durchaus gesunder Aufenthalt. Infolge der Unreinlichkeit der
Straßen, die übrigens im Griechen-
und Armenierquartier größer ist als in den von
Türken bewohnten Stadtteilen, kommen häufig
Fieber, infolge des plötzlichen
Temperaturwechsels
Ruhr, gastrische
Leiden
[* 6] und
Lungenkrankheiten vor.
Der Winter beginnt mit dem Dezember und ist gewöhnlich nicht streng; es fällt zwar Schnee, [* 7] doch bleibt er selten mehrere Tage hindurch liegen; der Sommer ist infolge der beständig vom Schwarzen Meer wehenden Nordwinde nicht so heiß, als es die südliche Lage der Stadt erwarten läßt. Der Frühling tritt spät ein und ist die unfreundlichste Jahreszeit, der Herbst aber ist außerordentlich mild und schön. Im abschreckenden Gegensatz zu der herrlichen Lage der Stadt, welche, auf sieben Hügeln hingebreitet, mit ihren von Baumgruppen unterbrochenen und von zahllosen Kuppeln und Minarets überragten Häusermassen, besonders vom Meer aus gesehen, den imponierendsten Anblick gewährt, steht deren Inneres, das in zahllosen engen, krummen und schmutzigen, schlecht oder gar nicht gepflasterten Gassen nur wenige und unbedeutende öffentliche Plätze, unzählige elende, von Holz [* 8] und Lehm erbaute Hütten [* 9] neben wenigen Prachtgebäuden, ganze Strecken voller Trümmer und Brandstätten und andre öde Plätze aufweist. Erst in der neuesten Zeit fing man unter Leitung »fränkischer« (d. h. westeuropäischer) Baumeister an, etwas besser und in Stein zu bauen. Auch hat der Bau einer Eisenbahn vom Serail längs der Küste des Marmarameers nach W. und die Anlegung von Pferdebahnen mehr Licht [* 10] und Luft in die Stadt gebracht.
Stadtteile, Bauwerke.
[Mauern, Thore, Plätze.]
Das eigentliche
Konstantinopel ist von Ringmauern umgeben, die aber, namentlich
an der dem
Meer zugekehrten Seite, teilweise in verfallenem Zustand sind. Die durch
Türme flankierten Theodosianischen
Mauern
auf der Landseite bilden eine dreifache Umwallung; die dazwischen befindlichen
Gräben aber sind in
Gärten mit Obstbäumen,
Cypressen und
Platanen verwandelt. Die innerste und zugleich am höchsten gelegene
Mauer ist 6 m dick und 19 m
hoch, während die
Türme bis zu 25 m ansteigen.
Unmittelbar vor den
Mauern dehnen sich weithin mohammedanische und armenische
Kirchhöfe aus.
Konstantinopel hat auf der europäischen Seite 16 Vorstädte
und zählt außer 9
Pforten 29
Thore und zwar 14 auf der Hafenseite, 8 auf der Landseite und 7 auf der
Seeseite. Unter den
Thoren ist das merkwürdigste
Top-Kapussi, durch welches 1453 die stürmenden
Türken eindrangen, und wo
der letzte
Paläolog,
Konstantin XI., kämpfend fiel. Unter den öffentlichen
Plätzen (Meidan) der Stadt ist der berühmteste
der Atmeidan (»Roßplatz«),
der ehemalige Hippodrom, ein längliches Viereck [* 11] von 250 Schritt Länge und 150 Schritt Breite, [* 12] von den Cäsaren Severus und Konstantin angelegt. Von seiner ehemaligen Pracht zeugen noch der ägyptische Obelisk Theodosius' II. aus grobkörnigem Granit, 30 m hoch, mit Hieroglyphen und einer reliefgeschmückten byzantinischen Basis aus weißem Marmor versehen, und die kahle Säule des Konstantinos Porphyrogennetos, deren bronzene ¶
Maßstab [* 14] 1:25,000.
Die Zahlen im Wasser bezeichnen die Meerestiefen in Metern.
Zum Artikel »Konstantinopel«. ¶
mehr
Reliefplatten die Kreuzfahrer abrissen; zwischen beiden die berühmte Schlangensäule, welche einst den Untersatz zu jenem goldenen Dreifuß bildete, welchen die Griechen nach dem Sieg von Platää in Delphi weihten.
[Moscheen und Kirchen.]
Unter den zahlreichen Moscheen behauptet die Sophienmoschee (die ehemalige Sophienkirche, Hagia Sofia, s. Tafel »Baukunst [* 16] VII«, [* 17] Fig. 9-12) den ersten Rang. Sie wurde von Konstantin 325 der heiligen Weisheit (woraus man später eine Persönlichkeit machte) geweiht, dann durch Feuer zerstört und unter Justinian I. von Anthemius von Tralles, Isidor von Milet und Ignatius größer und prächtiger wieder hergestellt. Die kostbarsten Marmor-, Porphyr- und Granitarten wurden aus allen Teilen des römischen Reichs herbeigeschafft, z. B. acht Porphyrsäulen aus dem Tempel [* 18] von Baalbek und acht grüne Brecciensäulen aus dem Dianentempel zu Ephesos. [* 19]
Aber schon nach elf Jahren zerstörte ein Erdbeben [* 20] die östliche Hälfte der Kuppel und beschädigte das Innere. Der Dom wurde zwar wiederhergestellt, aber ohne die vorige Pracht. Später wurde die Sophienkirche von den Lateinern geplündert. Infolge der Eroberung der Stadt durch Mohammed II. fiel sie in die Hände der Türken und ward nun in eine Moschee verwandelt. Mohammed ließ ein Minaret und die beiden Strebepfeiler an der Südostseite errichten; Selim II. fügte ein zweites Minaret hinzu, Murad III. die beiden andern.
Ein von Murad III. aufgepflanzter riesiger bronzener Halbmond prangt auf der Hauptkuppel des Riesenbaues. Letztere ist sehr flach gewölbt und von noch acht niedrigern Kuppeln, zwei größern und sechs kleinern, die allmählich zur Hauptkuppel ansteigen, umgeben. Der Blick in das Innere zeigt eine Menge von kolossalen Säulen, [* 21] zwischen denen die mit weißem Marmor und Porphyr bekleideten Wände sichtbar sind. Im untern Raum der Kirche befindet sich in einer weiten Nische der mit vergoldeten Inschriften versehene Behälter des Korans. In einer Nische rechts ist eine Tribüne für die Geistlichen, links die mit einem vergoldeten Gitter geschlossene Loge des Sultans.
Große grüne Schilde mit den Namen des Propheten und der vier ersten Kalifen sind an den Wänden aufgehängt. In den Nächten des Ramasan wird die Kuppel mit Tausenden von Lampen [* 22] prachtvoll erleuchtet. Den Grundriß der Kirche bildet ein fast gleichschenkeliges Kreuz [* 23] (76 m lang, 71 m breit), in dessen Mitte sich die Hauptkuppel erhebt. Die Höhe der Hauptkuppel über dem Fußboden beträgt im Innern 67 m, der Durchmesser 25 m. Ihr Licht empfängt sie durch 44 Fenster. Die Mosaiken auf Goldgrund sind jetzt übertüncht, soweit sie die durch den Islam verpönten menschlichen Figuren zeigen.
Die Kleine Hagia Sofia, die frühere Kirche des heil. Sergius und heil. Bachus, ein von einer Kuppel überdecktes Oktogon, wurde von der Kaiserin Theodora, der Gemahlin Justinians I., erbaut. Außerdem gibt es noch an 20 Moscheen, welche früher christliche Kirchen waren und von Mohammed II. in Moscheen verwandelt wurden. Unter den zehn von Sultanen erbauten und nach ihnen benannten ist die schönste die Moschee Solimans, die Suleimanije (1550-66 vom Architekten Sinan mit dem Material der Euphemiakirche von Chalcedon erbaut).
Sie ist ein Meisterstück türkischer Baukunst, ohne jedoch den fremden Ursprung zu verleugnen; das ganze Kuppelsystem ist dem der Hagia Sofia nachgebildet. An den großen Mitteldom schließen sich im O. und W. je eine Halbkuppel von geringerer Höhe an. Zu beiden Seiten rechts und links wölben sich fünf kleinere Kuppeln von verschiedener Größe. Die Kuppel ist 5 m höher als die der Sophienkirche, aber von gleichem Durchmesser. An der Westseite liegt ein quadratischer Vorhof mit einem Portikus von 24 Porphyr- und Granitsäulen und mit einer Fontäne in der Mitte.
Auf der Ostseite grenzt ein gartenähnlicher Friedhof an die Moschee, in welchem sich die Grabmäler (Türbe) des Sultans Suleiman und seiner Gattin Churrem (Roxelane), zwei nicht minder ausgezeichnete Prachtstücke türkischer Baukunst, befinden. Von den übrigen Moscheen sind bemerkenswert: die Achmed-Moschee (Ahmedije) auf dem Atmeidan (1610 von Achmed I. erbaut), mit sechs Minarets;
die Bajesid-Moschee (von 1505);
die Moschee Mohammeds des Eroberers (Mohammedije, 1469 auf dem Fundament der alten Apostelkirche erbaut);
die Moschee Selims I.;
die Jeni-Dschami (Neue Moschee) oder Moschee der Sultan-Walide;
die Schahsade- und die Laleli-Moschee, die Nuri-Osmanije, die Moschee Kachrije, ehedem christliche Klosterkirche mit wertvollen (neuerdings aufgedeckten) Darstellungen in Mosaik und Stuck;
die Seirek-Dschami (ehedem die Pantokratorkirche) u. a. Die griechisch-katholische Hauptkirche und der Sitz des ökumenischen Patriarchats befinden sich in der nördlichen Gegend der Stadt, am Hafen, wo das Fanar (s. d.) genannte Quartier der Griechen liegt.
Außerdem gibt es noch 40 griechische Kirchen, Klöster und Kapellen.
[Paläste und öffentliche Gebäude.]
Unter den Residenzschlössern der Sultane und den öffentlichen Gebäuden der Stadt steht in erster Linie das alte Serail oder Serai (»Palast«),
ein ganzes Stadtviertel, das die südöstlichste Spitze von
Konstantinopel einnimmt.
Hier lagen das alte Byzanz und die Akropolis;
[* 24] später befanden sich an dieser Stelle der Palast der Kaiserin
Placidia, weiter gegen O. die Bäder des Arcadius, die Kirche des heil. Demetrios und die der Mutter Gottes Hodegetria; der große
Palast der griechischen Kaiser lag etwas weiter südlich und nahm nur einen Teil der Gärten des Serails
ein. Die Gebäude des heutigen Serails wurden von Mohammed II. errichtet und dienten als Wohnung der Sultane.
Nachdem der Sultan Abd ul Medschid seine Residenz nach Dolma-Baghtsche verlegt hatte, war das Serail der Wohnsitz der frühern Sultaninnen, die bisher im sogen. Eski-Serai (s. unten) residiert hatten, bis zum großen Brand von 1865. Der größte Teil des Palastes ist verbrannt; doch sind die Säle, welche ein historisches Interesse bieten, verschont geblieben. Das Serail ist von allen Seiten mit einer krenelierten und von viereckigen Türmen flankierten Mauer umgeben, die nach der Seeseite hin zugleich die Stadtmauer bildet, längs deren sich ein steiniges Ufer hinzieht.
Den ungeheuern von dieser Mauer umschlossenen Raum nehmen große, hauptsächlich mit Cypressen bestandene Gärten ein, in denen sich ganz unregelmäßig Gebäude und Kioske von einfacher, aber geschmackvoller Bauart erheben. Die Hauptgebäude befinden sich auf dem Gipfel des Hügels; neben denen, welche der Brand verschont hat, stehen noch die Ruinen derjenigen, welche er zerstörte. Insbesondere unterscheidet man von draußen einen ziemlich hohen viereckigen Turm und [* 25] eine größere Anzahl von kleinen Kuppeln. Durch das Hauptthor, Babi-Humaiun, in dessen Nähe der reizende Brunnen [* 26] Achmeds III. sich befindet, gelangt man in den ersten Hof, [* 27] den der Janitscharen, wo sich die Münze (Zarbhane) und die ehemalige, von Konstantin d. Gr. erbaute, dann nach einem Brand von Leo dem Isaurier restaurierte Kirche der heil. Irene (seither als ¶
mehr
Waffenmuseum benutzt) sowie seit kurzem auch das Antiquitätenmuseum (im Tschinili-Kiosk) und die Kunstschule befinden. Ein zweites Thor (Orta-Kapussi) führt zu einem andern, von Säulen umgebenen Hof, an dessen hinterer Fronte der Sultan früher bei großen Festen Empfang hielt. Ein drittes Thor, Babi-Seadet (»Pforte der Glückseligkeit«) genannt, führt zu dem innersten Hof und dem Diwansaal, wo die Versammlungen des Reichsrats stattfanden, und wo die Gesandten Audienz erhielten.
Hier befindet sich auch der kaiserliche Schatz. Die Ereignisse, welche dem Regierungsantritt Mahmuds II. (s. d.) vorangingen, bestimmten ihn, das Serail zu verlassen. Er bezog den 1679 erbauten Palast von Beschiktasch in der Vorstadt gleichen Namens. In unmittelbarer Nähe desselben liegt der Palast von Dolma-Baghtsche, welchen Sultan Abd ul Medschid (s. d.) erbaut und zu seiner definitiven Residenz gemacht hatte. Der Palast zeigt in seinem Äußern eine Vermischung aller Stile und einen überladenen Reichtum an Ornamenten.
Das Innere ist nach modernem Geschmack dekoriert und enthält außer schönen Wohnräumen einen prachtvollen Thronsaal von außergewöhnlicher Höhe. Noch prächtiger ist der von Sultan Abd ul Asis 1863-67 erbaute, zwischen den Dörfern Beschiktasch und Ortaköj am Ufer des Bosporus gelegene Palast von Tschiraghan. Der jetzige Sultan, Abd ul Hamid II., residiert in dem über Beschiktasch auf der Höhe gelegenen Palast von Jildis; vor dem Thor desselben erhebt sich eine schöne, im J. 1886 erbaute Moschee (Hamidije genannt) von eleganten architektonischen Formen.
Von den öffentlichen Gebäuden in
Konstantinopel ist zunächst hervorzuheben: die Hohe Pforte (Babi-Ali, auch Pascha Kapussi, d. h. Pforte
des Paschas, genannt), in welcher die Bureaus des Großwesirats, der Ministerien des Äußern und des
Innern und diejenigen des Staatsrats sich befinden. Dieselbe liegt neben den Mauern des Serail nach der Stadt hin und macht,
vom Goldenen Horn aus gesehen, einen imposanten Eindruck. Das Hauptthor ist mit Marmorpfeilern geschmückt und trägt an der
Spitze eine türkische Inschrift.
Bei der Hagia Sofia liegt das große von Sultan Abd ul Medschid 1847 erbaute, Dar
[* 29] ul Funun (»Haus der Wissenschaften«)
genannte Gebäude (so benannt, weil der Erbauer es zu einer Universität bestimmt hatte), in welchem jetzt verschiedene Ministerien
untergebracht sind. Ferner ist das Seraskierat (Kriegsministerium) zu erwähnen, das im Innern der Stadt auf dem
Platz des Eski-Serai oder des Alten Serails steht, das nach der Eroberung von
Konstantinopel anfangs vom Sultan Mohammed II. bewohnt wurde,
dann, wie schon erwähnt, den frühern Sultaninnen zur Wohnung diente.
Das Gebäude nimmt einen weiten Raum ein, in welchen man durch zwei Thore gelangt. Seitwärts von dem einen Hauptthor (nach dem Platz Bajesid) sind zwei Pavillons angebracht, in welchen der Sultan bisweilen bei Paraden und Festlichkeiten Platz nimmt. Die Gebäude selbst sind neu und im modernen Baustil gehalten. Gegen die Mitte des weiten Hofs hin ragt ein hoher Turm, dessen Spitze, der höchste Punkt Konstantinopels, eine großartige Rundschau gewährt. Das sogen. Schloß der sieben Türme (Heptapyrgion, türk. Jedi-Kule), worin ehemals bei ausgebrochenem Krieg die Gesandten der feindlichen Mächte eingesperrt wurden, liegt am äußersten Südwestende der Stadt, unweit des Meers. Es ist ein ziemlich regelmäßiges Fünfeck, [* 30] von starken Mauern gebildet, in dessen Winkeln runde Türme standen; seine jetzige Gestalt erhielt es erst durch Mohammed II. In früherer Zeit diente es zur Aufbewahrung des Staatsschatzes, dann als Staatsgefängnis.
[Bazare, antike Überreste.]
Konstantinopel hat eine beträchtliche Anzahl von offenen Märkten und gedeckten Bazaren (Besestan), die mit
allem, was der Orient Kostbares hat, angefüllt sind. Ziemlich in der Mitte der Stadt liegt der Große
Bazar, der aus vielen gewölbten Hallen besteht. Der interessanteste Teil desselben ist der Bazar der Waffenhändler, wo Waffen
[* 31] aller Art, alte und neue, zum Gebrauch oder als Schaustücke aufgehängt sind. Die Läden mit Waren derselben Art befinden sich
immer nebeneinander.
Der Verkauf von Negerkindern und Tscherkessenmädchen findet nur noch im geheimen statt. Außer den eigentlichen Märkten gibt es auch Chane oder Karawanseraien, eine Art Hotels für Wechsler und Großhändler, welche hier ihre Geschäfte betreiben. Es sind meist viereckige, einen Hof einschließende Gebäude, innerhalb mit vielen Zellen und Säulengängen versehen, gewöhnlich fromme Stiftungen, welche zu Moscheen, Spitälern, Schulen u. dgl. gehören, denen ihr Ertrag zu gute kommt.
Außer den schon gelegentlich erwähnten Denkmälern alter Kunst haben sich wenige Überreste aus dem Altertum erhalten. Die sogen. Verbrannte Säule (türk. Dschemberli-Tasch), so genannt, weil sie von den Feuersbrünsten viel gelitten hat, in der neu hergerichteten Hauptstraße, hieß früher die purpurne Säule und besteht aus neun Cylindern von rotem Porphyr. Ursprünglich 55 m hoch und die eherne Statue des Kaisers Konstantin, der als Apollo-Helios dargestellt war, tragend, wurde sie unter Alexios Komnenos vom Blitz getroffen und zweier Cylinder sowie der Statue beraubt, aber durch den Kaiser Emanuel Komnenos (1180) wiederhergestellt.
Die Säule des Kaisers Marcian (Kys-Tasch genannt), ziemlich im Mittelpunkt der Stadt, ist 15 m hoch; ihr Kapitäl und Fußgestell sind aber sehr beschädigt. Die schönste Säule von allen, nämlich die, welche Arcadius seinem Vater Theodosius zu Ehren 401 errichten ließ, und welche nach Art der Trajanssäule in Rom [* 32] mit Basreliefs bedeckt war, mußte 1695 abgetragen werden; man sieht nur noch die Basis, einen kolossalen Marmorblock (jetzt Awret-Tasch genannt). Von den herrlichen Palästen der griechischen Kaiser, z. B. dem Bukoleon, in der Nähe des Atmeidan, sind kaum noch Spuren vorhanden; nur von einem, dem Hebdomonpalast (jetzt Tekir- oder Tekfur-Serai, »Palast des Prinzen«),
am nördlichen
Ende der Stadt, sind noch ausgedehnte Ruinen übrig. Ferner gehören hierher die Überreste des Palastes Blachernä und der
berühmten Blachernenkirche der heiligen Jungfrau, mit einem heiligen Quell (Hagiasma), sowie die korinthische Säule, welche
zum Andenken eines Siegs über die Goten unter Claudius II. errichtet ward und in einem Garten
[* 33] des Serails
steht. Die meisten der antiken und mittelalterlichen Statuen und Basreliefs sind jedoch von den Türken verstümmelt worden;
auch richteten die venezianischen u. französischen Kreuzfahrer, welche 1204
Konstantinopel eroberten, unter ihnen große Verwüstungen
an. Noch sind die alten Zisternen und Wasserleitungen zu erwähnen, von denen eine noch heute benutzte, die
sogen. Wasserleitung
[* 34] des Valens (türk. Bosdoghan Kemeri), bis zu Hadrians Zeiten hinaufreicht, andre von den spätern griechischen
Kaisern herrühren. Am bekanntesten sind außerdem die Zisterne Basilika
[* 35] (Jere-Batan Serai), die der Tausendundeinen Säule (Binbir-Direk)
und die Wasserleitung
¶