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Reuben (Ben Stiller) ist ein überängstlicher Versicherungs-Risiko-Analytiker, der jede seiner täglichen Entscheidungen zuerst mal auf einer Pro- und Contra-Liste hin- und herwälzt, bis er schliesslich "seinen" Weg gefunden hat. Als seine etwas unbeständige Frau Lisa (Debra Messing) ihn just während der gemeinsamen Honeymoon auf den himmlischen Barbadoes mit dem schleimigen Franzosen Jacques (Hank Azaria) betrügt, nützt ihm die Risiko-Analyse allerdings herzlich wenig. Denn passé ist passé...
Nach diesem Betrugs-Schock muss Reuben erst mal wieder seine Linie finden. Zurück in New York besucht er die Eröffnung irgend einer Galerie. Und da geschieht es: Er trifft Polly Price (Jennifer Aniston), die schrullige, abenteuerliche Seele, deren einziger Fehler generell das Manko an allgemeinen Engagement ist.
Der einst Sperma-besessene (man erinnere sich an die Haargel-Szene mit), immer so kontrollierte Reuben lässt sich durch Pollys freien Geist, von ihrer Vorliebe für scharfes, würziges Essen und von ihrem Frettchen inspirieren und fängt an das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Pollys Liebe für Salsa bringt ihn zwar beinah zur Eifersuchts-Verzweiflung. Aber sein Herz, das brennt, züngelt und verlangt nach genau dieser einen Frau.
Along came Polly ist eine romantische Komödie der ganz lauen Art. Von A bis Z genrekonform mit einer Ausnahme: hier zaudert Frau. Jennifer Aniston spielt die titelgebende Polly als einen Rachel-Klon. Dem Audiokommentar zufolge hat man vieles versucht, um die tagtäglich am Fernsehen gezeigte Komödiantin anders zu stylen. Operation misslungen, Patientin zeigt Hotpants und tanzt Salsa. Mir soll es recht sein. Das hat Rachel in Friends nie getan.
Ben Stiller ist der Zweite im baldigen Ehebunde (Oops, ich hoffe nicht zuviel verraten zu haben). Er bringt im Grunde nur zwei Typen auf die Leinwand. Er wechselt vom Coolio aus Zoolander oder Starsky and Hutch zum Schusselkopf, der Mary nachhechelt oder die Schwiegereltern trifft. Der Reuben aus diesem Film ist einer der Schusselköpfe.
Zum Glück hat dieser Schusselkopf Freunde. Was Reuben mit seinem Kumpel , dem glücklosen Ex-Kinderstar Sandy Lyle verbindet, ist zwar gänzlich unklar, aber Philip Seymore Hoffman ist auch in solchen Rollen unverwüstlich und kommt dem, das man als Sympathieträger bezeichnen könnte, am nächsten.
Das ausführlichste Extra ist der Audiommentar vom Drehbuchautor der erstmals Regie führte. John Hamburg langweilt mit seinen Eindrücken von verschiedenen Test-Screenings und will uns in der Tat weiss machen, dass es ihm bei der Toilettenszene um eine Urangst geht, die alle Männer beim ersten Date befällt und nicht einfach kruden Humor. Das blinde Frettchen Rodolfo, für viele der heimliche Star des Films, kriegt sein eigenes Special. Mässig härzig und wenig lustig. Sieben geschnittene Szenen hätten den Film noch länger gemacht. Aber Hoffman mit Dudelsack ist sehenswert. Andere Schauspieler patzen. Sowas kommt dann als verpatzte Szenen auf die DVD. Spätestens beim Making-of-Gelobhudel ist dann auch der letzte Fan vergrault.
Roland Meier [rm]
Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.