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Landschaftlich lässt sich die Gemeinde in mehrere Zonen untergliedern (nach Stricker 1981b, XVI-XXI, basierend auf Peter 1960, 6-18).
Die Schwemmebene des Rheins: Wo der Talfluss unweit Trübbachs das Gemeindegebiet erreicht und sich in scharfer Biegung nach Nordosten wendet, tritt er sehr nahe an die ins Tal hervorstossende Kuppe des Schollbergs heran. Weiter nördlich öffnet sich die Ebene der linken Talseite rasch und erreicht an der Grenze zur Gemeinde Sevelen eine Breite von beinahe zwei Kilometer. Diese Ebene dient heute zur Hauptsache dem Wies- und Ackerbau, ist aber ausserdem, besonders in der Nähe des Rheins, noch mit beträchtlichen Auenwaldpartien bedeckt. Landwirtschaftliche Siedlungen: Hörnli, Erlenhof, Pflanzwerk, Lindenhof, Föhrenhof, Alberwald2.
Die Wartauer Neugüeter mit dem Mülbach (links), rechts die Grundwasseraufstösse genannt Giessen. Dahinter der Höwisenwald. Hinten Triesen und darüber Triesenberg, links oben die Drei Schwestern.
Das Rundhöcker- und Terrassengebiet: Westlich der Rheinebene erheben sich eine ganze Reihe teils weit ins Tal hervortretender Rundhöcker und felsiger Sporne, deren einer die Ruine des einstigen Schlosses Wartau trägt. Die Hügel, Lonna, Melsana, Major, Ochsenberg und, weiter südlich, auch der Höhenzug südlich Fontnas, sind durch tiefe Einkerbungen voneinander bzw. von der Berglehne getrennt. Eigenartig gestaltete, verschiedentlich von Bächen zerschnittene Terrassen in dieser Rundhöckerlandschaft und an den benachbarten Hängen bis nach Malans und Oberschan verleihen der Gegend ein eigenes Gepräge. Der Boden wird heute fast ausschliesslich graswirtschaftlich genutzt, während früher hier weite Flächen unter dem Pflug standen. An dafür geeigneten Hängen und Flächen (bei Trübbach, Azmoos, Malans, Oberschan, Gretschins, Fontnas und an der Burghalde) wird seit alters Rebbau in nicht unbedeutendem Ausmass betrieben.
Blick vom Ochsenberg auf die Lonna (den Lonnabühel), einen der in die Talebene vorstossenden Wartauer Rundhöcker.
Die Bachschuttkegel: Zwischen Azmoos und Trübbach und bis zum Schollberg liegt auf einer Breite von fast 1,5 km der grosse Schwemmfächer des Trüebbachs. Nach unten sanft auslaufend, bricht er nördlich Trübbachs in einer sehr steilen, 3-5 m hohen Böschung als alter Prallhang des Rheins (Rufabort genannt) in die Ebene ab. Die übrigen wartauischen Nebengewässer haben nur sehr kleine Schuttmengen an ihrer Ausmündung abgelagert.
Trübbach (vorn) und Azmoos (Bildmitte) liegen auf dem breiten Schwemmfächer des Trüebbachs.
Als Waldregion bezeichnet Oskar Peter die Gebiete oberhalb der bisher umschriebenen bis hinauf zur oberen Waldgrenze. Sie nimmt im allgemeinen Flächen ein, die sich durch ihre Bodengestalt für intensive Nutzung nicht eignen, abgesehen von den Weiden in ihren tieferen Lagen und am Walserberg. Sie lässt sich wieder in eine Anzahl Einzellandschaften unterteilen, die nicht durchgehend von Wald beherrscht sind und in ihrer Oberflächengestalt ziemlich voneinander abweichen. Die nördliche Abteilung liegt nordwestlich über Oberschan unterhalb der Schaner Alp. Hier hält sich der Wald hauptsächlich an die steilen Halden und Bachtobel, während die flacheren Partien (Brög, Refina) durch Rodung zu Weideland gemacht worden sind. Die mittlere Abteilung erstreckt sich von der Felswand, die die Schaner Alp südlich begrenzt (Flidachöpf), südwärts bis an den Trüebbach. Sie ist fast vollständig bewaldet, als altes Bergsturzgebiet aber von zahllosen Felsblöcken übersät. Die südliche Abteilung zwischen dem Trüebbachlauf und der Grenze gegen Sargans trägt wieder ein ganz anderes Gepräge. Die gleichmässig ostwärts fallenden Steilhänge sind hier durch die zahlreichen Bachläufe des Trüebbachs und seiner Nebengewässer mit ihren fast ungangbaren Tobeln mannigfach zerschnitten worden. Grosse Teile des steilen Geländes sind gerodet, namentlich in den höheren Lagen am Walserberg.
Bei der Alpregion sind die Gebiete östlich und westlich der Wasserscheide auseinanderzuhalten. Diesseits des Gebirgskammes (Chamm) wird das Alpgebiet durch den von der Gauschla ostwärts abfallenden Grat der Flidachöpf vertikal unterteilt. Der nördliche Teil, die Schaner Alp, stellt eine gegen Nordosten geneigte Fläche dar, die von ca. 1300 m bis auf 2000 m zu den felsigen Gipfeln von Gauschla und Alvier emporsteigt und in ihren obersten Teilen ständiger Vergandung ausgesetzt ist. Im südlichen Teil dieses Alpgebietes, in den Alpen Elabria und Riet, treffen wir ganz andere landschaftliche Verhältnisse an. Während die Weiden in der Nähe der Gauschla noch in das Bergsturzgebiet hineinreichen, das die tiefer gelegenen Waldzonen kennzeichnet, zeigt die mittlere Zone sehr starke Gliederung durch die tief eingefressenen Rinnen des Trüebbachs und seiner Nebenbäche. Auch die südwärts anschliessende Zone der Alp Riet (†Falserein) ist kräftig geformt durch den Luterbach und dessen Zuflüsse. In den oberen Lagen des Alpgebietes von Elabria fallen grossflächige Rutschgebiete und Lawinenhänge auf, welche den Verlauf der Alpstrasse nach Palfris immer wieder beeinträchtigen.
Alp Riet1 mit der Rieterhütte, dahinter aufsteigend die Obetweid; im Hintergrund von links Chlin Alver, Alvier, Abglöst, Gauschla, Giren-Chele, Girenspitz, rechts absteigend die Flidachöpf. Links hinter dem Horizont die Alpterrasse von Palfris.
Das Alpgebiet von Palfris jenseits des Chamms, im Einzugsgebiet der Seez, zieht sich von der Wasserscheide über eine Gesamtlänge von rund 6 km dahin. Das Weidegebiet liegt auf einer Terrasse in einer mittleren Höhenlage zwischen 1500 und 1800 m; in den tieferen Waldpartien (Talruns) fällt das Gelände bis auf 1200 m ab; es ist meist sehr steil und von Bachtrichtern durchfurcht. Die oberen Lagen der Alpterrasse steigen in nordöstlicher Richtung in zunehmender Steilheit zu den Felsgebilden von Gauschla und Alvier empor und sind mit Schutt und Bergsturzmaterial übersät.
Blick vom Chriegguet am Tschuggen1 aus auf die Alpterrasse von Palfris. Am hinteren Ende der Terrasse Stralrüfi und Forggili, unter der Bildmitte das Rütiguet, darüber die Müllerighütte (Hinderpalfris), weiter rechts das Alpenrösli, dann Vorderpalfris und rechts aussen der Tschuggnersess. Im Hintergrund links die Churfirsten, in Bildmitte Sichelchamm und Gämsler, rechts oben der Alvier.
Hinter der Alpterrasse von Palfris, unweit der Stralegg, auf dem Chänzeli (Walenstadt). Weiter Ausblick auf Seeztal und Walensee. Rechts der Alpilichopf und dahinter die Churfirsten, über der Bildmitte Walenstadt, links unten Flums.
Die Gipfelregion: Zu ihr sind die stattlichen Häupter von Alvier, Gauschla und Girenspitz zu zählen, welche, in südöstlicher Richtung sich folgend, die Hochweiden von Palfris und Schaner Alp überragen. Auf der Ostseite des Grates ziehen sich die Alpweiden an einigen Stellen bis auf die Gipfel hinauf; die südwestlichen Abstürze dagegen sind sehr steil.
«Wartau stellt sich in Bezug auf Anlage der Siedlungen abseits aller andern Gemeinden des Bezirks Werdenberg. Zunächst ist die Aufspaltung des Gemeinwesens in verschiedene geschlossene Dorfschaften auffällig. Einzelsiedlungen sind wenige vorhanden und neueren Datums. Die Dörfer wiesen frühzeitig eine starke Geschlossenheit auf, obwohl sie alle einem Kirchspiel angehörten und gemeinsam eine «Genossame» bildeten, wobei diese wie jene ihr gesondertes Eigentum an Wald und Weide besassen. Auffälliger aber ist der Unterschied im Hinblick auf die Lage der Siedlungen. Sowohl die links- und rechtsrheinischen Dörfer wie auch jene des Seeztales sind grösstenteils auf Bach- oder Rüfe-Schuttkegeln entstanden, welche von den Berghängen zur Ebene überleiten (z. B. Grabs, Studen, Lims, Sevelen, Balzers in Liechtenstein, Mels, Flums, Ragaz usw.). Perlschnurartig reihen sie sich am Fusse der Hänge, meist in geschützter Winkellage am Austritt von Seitentälern und Tobeln ins Haupttal [...]. Ganz anders in Wartau! Ein einziges der alten Dörfer liegt ähnlich (Azmoos), alle andern liegen bedeutend höher als die Talsohle. Auch in der Verwendung des Baumaterials unterscheiden sich die Wartauer Siedlungen wesentlich von denen der nördlicheren Werdenberger Gemeinden. Massive Steinbauten prägen eigenartige Dorfpersönlichkeiten, wie sie weiter nordwärts nicht angetroffen werden. Es ist ein eigenes Ländchen, das Wartauer Gebiet mit den Hügelspornen, Terrassen und toten Tälchen, den enggescharten alten und den langgestreckten neuen Siedlungen, den ausgedehnten Wäldern und Alpen und der fruchtbaren Ebene. Neun mehr oder weniger geschlossene Siedlungen beherbergen den grössten Teil der Bevölkerung. Es sind dies Trübbach, Azmoos, Malans, Oberschan, Gretschins, Fontnas, Weite, Murris und Plattis. Weitere kleinere Scharungen von Wohngebäuden liegen am Mülbach (Tobel2 490 m und Sidenbom 472 m) und auf Matug (731 m), Fies (ca. 800 m) und Naus (990 m). Die wenigen Einzelsiedlungen umsäumen die engere Dorfzone. Die zerstreuten, hochgelegenen Höfe der ‚freien Walser‘ sind nur noch in spärlichen Resten vorhanden.» (Peter 1960, 156-158).
Blick auf die Gemeinde Wartau "vor dem Chamm" (Luftaufnahme). In Bildmitte Weite und darüber Fontnas, weiter hinten links Trübbach und Azmoos, im Mittelgrund rechts Oberschan. Am Horizont rechts Gauschla und Alvier, links der Bildmitte der Gonzen.
Die Dörfer und grösseren Weiler im einzelnen:
Trübbach (480 m): Das junge Dorf liegt grösstenteils in der Ebene unmittelbar am Rhein nordöstlich des Schollbergs. Als geschlossene Siedlung reicht das heute recht grosse Dorf nicht vor das 19. Jh. zurück; die Siedlung ist herausgewachsen aus dem Standort einer Rheinfähre sowie einer «Sust», also eines Umlade- und Lagerhauses mit Pferdewechselstation vor dem Aufstieg über den alten Schollbergweg. Die Entwicklung zur eigentlichen Dorfsiedlung geschah als Folge der Verlegung der Schollbergstrasse an den Bergfuss und mit dem Eisenbahn- und Rheinbrückenbau. Nur die westlichsten Teile des Dorfes stehen auf dem breiten Schuttfächer des Trüebbachs, dessen unberechenbare Hochwasser früher eine stete Gefahr für die Bewohner bedeuteten und nur dank gewaltigen Verbauungen heute weitgehend gebändigt scheinen.
Azmoos (480-510 m): Der schmucke Dorfkern sitzt dem äussersten Teil des Trüebbach-Schwemmfächers auf, ebenso die neueren südseitigen Quartiere. Die westlichen Partien schmiegen sich an den Berghang. Dieser trägt über den Häusern eine Reihe von Rebparzellen, welche aber bald dem Wald Platz machen. Die Siedlung weist ganz den Charakter eines alten Haufendorfes auf; die 1735 erbaute zweite Pfarrkirche Wartaus steht denn auch nicht in dessen Zentrum, sondern am südlichen Dorfrand. Der deutsche Name Azmoos lässt vermuten, dass die Gründung der Dorfsiedlung in die Zeit des beginnenden Hochmittelalters (um das 11. Jh.?) gefallen sein könnte; jedenfalls ist sie nicht zu den allerältesten Siedlungen der Gemeinde zu zählen mit deren romanischen bzw. teils in vorrömische Epoche zurückgehenden Namen (wie etwa Malans, Schan, Gretschins, Murris). Azmoos ist durch mehrere Brandkatastrophen heimgesucht, aber immer wieder aufgebaut worden. In der 2. Hälfte des 19. Jhs. erhielt das Dorf durch den Bau der Weberei (auf dem kleinen Schuttkegel vor dem Malanser Tobel) nebst dem bäuerlichen auch industriellen Einschlag. In neuester Zeit ist namentlich das flach ansteigende Azmooser Feld gegen Trübbach hin starker Überbauung ausgesetzt.
Stattliche Häuser im Zentrum von Azmoos. Links vorne das Grau Hus, rechts Gasthaus Traube. Im Hintergrund über dem Hof2 der Weinberg Spunnis, darüber der Eichwald.
Das heutige Rathaus der Gemeinde Wartau in Azmoos, erbaut kurz nach 1800 von den Handelsherren Sulser.
Die Kirche in Azmoos, die zweite Gemeindekirche von Wartau. - Bild: Werdenberger Namenbuch.
Malans (615 m): Sonnige Terrassensiedlung mit freiem Ausblick, liegt auf Rheingletschergeschiebe, westlich über dem Falstobel. Zwei Häuserzeilen säumen die Strasse Azmoos-Oberschan; nördlich des Dorfkerns hat sich in den letzten Jahrzehnten ein eigentliches Neubauquartier gebildet. Es ist das einzige alte Dorf der Gemeinde, das (in seinem herkömmlichen Teil) fast ganz aus Holz gebaut ist.
Das Dörfchen Malans, im Vordergrund das Wiesland Pramalans, links davon zwischen den Bächen die Reblage von Finga1; hinten rechts Oberschan. Ganz hinten rechts die Alpsteinsüdwand.
Oberschan (670 m): Das höchstgelegene Dorf der Gemeinde liegt auf breiter Terrasse, in guter nordwindgeschützter Lage, über dem tiefen Einschnitt des Mülbachs, um zwei felsige Rippen (Büel3 und Putel) gruppiert, die teils mit Gebäuden besetzt sind.
Blick von oben auf Oberschan. Im Hintergrund Balzers (FL), die Luziensteig und Mäls. Links oben (dunkel) der Mittagspitz, dahinter der Falknis; rechts vom Passübergang der Fläscherberg.
Gretschins (590-630 m) hat sich trotz seiner Stellung als des einzigen alten Pfarrdorfes der Gemeinde nie zu grösserer Bedeutung neben den übrigen Siedlungen aufzuschwingen vermocht. Das bescheidene Haufendörfchen liegt auf einer kleinen Hangverebnung über dem rechten Ufer des Gretschinser Bachs, an der Strasse von Fontnas nach Oberschan.
Die alte Wartauer Gemeindekirche in Gretschins, 1493 erbaut, von Ferfingis aus über das Feldloch hinweg gesehen.
Fontnas (540 m): Das Dörfchen liegt in geschützter Terrassenlage über dem jungen Taldorf Weite. Es bildet ein einheitliches, eng um eine Kapelle geschartes Haufendörfchen, ehedem mit vorwiegend landwirtschaftlichem Charakter. Ähnlich wie in Oberschan und Azmoos treten auch hier massive Steinhäuser hervor, die an die Bauweise der benachbarten Bündner Herrschaft erinnern. In den letzten Jahrzehnten hat in seiner Umgebung eine starke Bautätigkeit eingesetzt: Die junge Überbauung im Gebiet Zagg2-Underfeld-Scherm liess das alte Dörfchen mit dem Siedlungsgebiet der Weite zusammenwachsen.
Im Dörfchen Fontnas mit der Erasmuskapelle und den stattlichen, an die Bündner Herrschaft erinnernden Steinbauten.
Ansicht von Fontnas aus dem Jahr 1857 (Zeichnung Jakob Rietmann).
Weite (469 m): Das Dorf liegt in der Ebene nordöstlich unterhalb Fontnas (das Gebiet hiess älter Fontnaser Witi, daraus abgekürzt Witi), kleinere Teile etwas über der Talsohle am Hang. Gegen den Nordwind schützt es der Höhenzug Major-Melsana-Lonna. Es ist, gleich wie Trübbach, eine Siedlung ohne alte Tradition, entstanden im 19. Jh. aus einer wenige Häuser umfassenden Gebäudezeile längs der Landstrasse.
Das Dorf Weite von Süden her gesehen (Luftaufnahme). Links darüber Fontnas; hinten links die Burgruine Wartau, rechts darunter der Weiler Murris.
Zu den Dörfern gesellen sich die folgenden Weiler:
Murris (480 m): In sehr geschützter Terrassenlage, auf einem wenig über die Ebene aufragenden Sporn, der in das Murriser Riet vorstösst. Auf drei Seiten umschlossen, gegen Süden offen, ist es das mildeste Örtchen von Wartau.
Der Weiler Murris.
Plattis2 (465 m): Liegt in der Ebene nördlich des Rundhügels Major, an der Strasse Weite-Sevelen.
Matug (730 m): Auf der Einsattelung zwischen Schollberg und Walserberg-Gonzen; ehemalige Walsersiedlung.
Sidenbom (472 m): Der Weiler liegt östlich von Azmoos und ist, angelehnt an den Brügglirain, in die Ebene gebaut.
Tobel (570-580 m): Wenige Häuser im schmalen Einschnitt des Mülbachtobels zwischen Malans und Gretschins, zwischen steilen Ufern eingezwängt.
Der Hof Muntjol nördlich von Plattis, unweit der Seveler Grenze.
Im Moos am Fuss des Schaner Bergs kamen Funde aus der Mittelsteinzeit zutage. Die «Prochen Burg» unweit nördlich der Burgruine Wartau war in der Frühbronzezeit und im Mittelalter besiedelt.
Blick vom Ochsenberg auf den Felssporn der Prochnen Burg. Im Hintergrund einige Häuser von Sevelen.
Der Felssporn des Ochsenbergs, rechts die Ruine Wartau, unweit Gretschins, davor das Herrenfeld. Im Hintergrund rechts der Cholauwald in der Talebene.
Der unweit gelegene Ochsenberg war seit der Spätjungsteinzeit bewohnt; in der Eisenzeit war hier ein Brandopferplatz. Der Eisenbergbau am Gonzen bestand seit der Antike und wurde erst 1966 endgültig eingestellt. Die alten Dörfer der Gemeinde und das sie umgebende Kulturland zeugen mit ihrer Häufung romanischer Flur- und Geländenamen von einer langen, ununterbrochenen Siedlungskontinuität. Die Gebiete Matug, Walserberg und die Alp Palfris (Hinderpalfris) wurden seit Anfang des 14. Jhs. durch Walser besiedelt; durch diesen Zuzug wurde die Verdeutschung von Wartau als einer letzten romanischen Sprachinsel sicher nicht unbedeutend beschleunigt. Im Lauf des 17./18. Jhs. büssten die Walser ihre Vorrechte ein, sie verliessen ihre Güter, nahmen Wohnsitz im Tal und gingen in der übrigen Bevölkerung auf. Gretschins mit seiner 1493 neu erbauten gotischen Kirche war lange das einzige Pfarrdorf der Gemeinde. 1526-1529 setzte sich in Werdenberg und Wartau die Reformation durch. Azmoos hat eine eigene Pfarrkirche seit 1735; entsprechend bestand seit 1743 neben Gretschins auch eine eigene evangelische Kirchgemeinde Wartau-Azmoos. Seit 2015 haben die beiden Kirchgemeinden fusioniert zur evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau. 1892 wurde in Azmoos auch eine katholische Kirche errichtet. Seit 1415 ist eine Fähre über den Rhein zwischen Trübbach und Balzers nachweisbar, sie bestand bis 1870; 1871 erfolgte der Bau einer Holzbrücke (die 1972 abbrannte). In Trübbach gab es bis ins 19. Jh. eine Pferdewechselstation (Sust). Die über den Schollberghang führende Strasse wurde 1822 auf den Talboden verlegt. Ab dem 15. Jh. sind Nutzungs- und Wuhrstreitigkeiten zwischen Wartau und den benachbarten liechtensteinischen Gemeinden Balzers und Triesen überliefert, was aufgrund des oft wechselnden Rheinbetts nicht verwundert. Mit Triesen kam es zu Streit um die Höwisen. Erst mit der Rheinkorrektion im 19. Jh. wurden die nachbarlichen Differenzen endgültig beigelegt. 1868 Bau der Weberei Azmoos. In der Folge auch Aufblühen der Stickereiindustrie in der Gemeinde. 1798 Untergang der Herrschaft Wartau, 1803 Eingliederung in den neu gegründeten Kanton St.Gallen. (Teils nach M. Bugg in HLFL 2, 1045f.)
St.Martin (abgegangen; wohl das älteste Kirchlein von Wartau, dessen Reste 1932 auf dem Burghügel, nördlich der Burgruine, entdeckt wurden). Auch die Kirche Gretschins, einst Mutterkirche der ganzen Herrschaft Wartau, war dem hl. Martin geweiht (vgl. WJ 2000, 58; ferner Hilty 1926, 105-118).
St.Nikolaus (abgegangen; einstige Kapelle bei Azmoos; vgl. WJ 2000, 55).
St.Laurenz (abgegangen; einstige Kapelle in Malans: der Turm steht noch, an ihn ist das Schulhäuschen angebaut; vgl. WJ 2000, 58).
St.Erasmus (Kapelle Fontnas; vgl. WJ 2000, 56f.).
St.Oswald (abgegangen; einstige Kapelle in Oberschan, wo jetzt das Schulhaus steht; vgl. WJ 2000, 58).
5 255 (31.12.2017). Ältere Zahlen: 1950: 3 316, 1900: 3 149; 1850: 2 097, 1809: 1 214.
Grundfläche: 41,73 km2
Höhenlage: Evang. Kirche Gretschins: 593 m; evang. Kirche Azmoos: 500 m
Höchster Punkt: Alvier (2343 m)
Tiefster Punkt: An der Grenze zu Sevelen in Rheinnähe (462 m)
Palfris (mit Alpili, Stralrüfi, Forggili, Müllerighütte, Geissegg, Vorderpalfris, Hirtenhütte, Waldguet, Rütiguet, Chammboden, Tschuggnersess, Ober - und Under Steinersess). Eigentümer: Alpkorporation Palfris (Private, Korporationen und Ortsgemeinde). 483 ha.
Auf der Alpterrasse von Palfris: in Hinderpalfris, beim Forggili. In der Bildmitte hinten der waldige Runenberg, oben linksder Tschuggen1. Im Hintergrund rechts der Eingang ins Weisstannental (Gemeinde Mels, Sarganserland).
Riet (mit Rieterhütte und Folla1). Eigentümer: Alpkorporation Riet (Private, Ortsgemeinde, Dorfkorporation Erasmus, Fontnas). 125 ha.
Elabria (mit Gresta1 und Gletti). Eigentümer: Korporation Labria. 49 ha.
Schaner Alp (Arlans) (mit Stofel und Schanerberg/Brög). Eigentümer: Alpkorporation Oberschan. 406 ha.
Schaner Holz (mit Malanser Holz). Eigentümer: Ortsgemeinde Wartau. 87 ha.
Gretschinser Holz. Eigentümer: Ortsgemeinde Wartau. 14 ha.
Pöschen (Weidegut). Eigentümer: Ortsgemeinde Wartau. 6 ha.
Salaza. Eigentümer: Private. 8 ha.
Älpli (Weidegut). Eigentümer: Private. 23 ha.
Schollberg (Weidegut, verpachtet): Eigentümer. Ortsgemeinde Wartau. 13 ha.
Alpen ausserhalb der Gemeinde:
Egg (Gemeinde Pfäfers, mit Stockboden, Mittel- und Obersess: Galtviehalp). Eigentümer: Dorfkorporation Erasmus, Fontnas, und Private). 182 ha.
Der bewaldete Gipfel des Gonzen mit dem Älpchen Folla1, von östlich vom Tschuggen1 aus gesehen. Hinten rechts der Rhein um Landquart, links unten Balzers (FL).