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Ecuador: «Gutes Leben» mit der Mine
Im Nordwesten Ecuadors sollte ein nachhaltiges Wasserkraftprojekt die Bergbaupläne der Regierung bremsen. Der wiedergewählte Präsident Rafael Correa will aber den Kupferabbau forcieren.
Die sattgrünen Hänge der Anden sind erneut vom Bergbau bedroht. «Es tut mir leid, dass ich kein schöneres Panorama bieten kann», sagt José Cueva. Er ist Leiter des Dachverbands Konsortium Toisán, eines Zusammenschlusses von nichtstaatlichen Organisationen mit dem Ziel, den Bergbau von der Region Íntag fernzuhalten. Der Präsident Ecuadors, Rafael Correa, will davon aber nichts wissen: «Wir können nicht wie Bettler auf einem Sack voll Gold sitzen», sagte er Ende Februar kurz nach seiner Wiederwahl.
Íntag ist eine tropische Bergregion im Nordwesten Ecuadors. Die BewohnerInnen haben mehrmals den Kupferabbau verhindern können – 23 Lizenzen wurden bisher abgeschmettert. Zuletzt im Jahr 2007, als die kanadische Firma Ascendent Copper versuchte, mithilfe eingeschleuster Paramilitärs den Bergbau in der Gemeinde Junín durchzusetzen. Das Konzessionsgebiet von Junín hat die Regierung Correa 2012 in «Llurimagua» umbenannt. «Als ob diese Namensänderung etwas bewirken würde», sagt José Rivera, Vorsitzender der Kaffeekooperative Aacri. Die Leute wüssten doch, dass dasselbe Gebiet betroffen sei.
Ein guter Plan, auf Eis gelegt
Die Kooperative Aacri gehört zu den Organisationen, die MinengegnerInnen in der Region gründeten, weil sie Alternativen zum Bergbau entwickeln wollten. Sie wollten dem Argument für den Bergbau, das bei der lokalen Bevölkerung am ehesten ankommt – dass er die Arbeitslosigkeit vermindere –, etwas entgegensetzen: «Wir werden Arbeitsplätze schaffen!», erinnert sich Mary Ellen Vieweger, Mitbegründerin der Zeitung «Periódico Íntag», an den zündenden Funken der Bewegung. Neben zahlreichen Projekten für gemeindebasierten Tourismus und Umweltschutz entstand damals auch die Idee Hidro-Íntag (siehe WOZ Nr. 4/12): Das Projekt sieht den Bau mehrerer kleiner Wasserkraftwerke vor. Damit würde Energie für die rund 1700 Quadratkilometer grosse Region erzeugt; Überschüsse würden ans staatliche Netz verkauft und die erzielten Gewinne von jährlich zirka vier Millionen US-Dollar in einen gemeinnützigen Fonds fliessen.
So weit der Plan. José Cuevas Augen leuchten nicht mehr, wenn er davon spricht. Seit Oktober 2012 liegt Hidro-Íntag auf Eis. Ein Schreiben der Regierung sei eingetroffen, sagt der Agronom: Das Projekt sei zu klein, um als Modell auf nationaler Ebene gefördert zu werden. Gleichzeitig sei es aber zu gross, um von einer Gemeinde allein umgesetzt zu werden, stand darin.
In den letzten Jahren hat sich in Íntag viel getan: Noch vor elf Jahren gab es hier keinen Strom, kein fliessend Wasser. Doch viele BewohnerInnen sind noch immer auf staatliche Sozialleistungen angewiesen. Nun wird auch die seit langem geforderte Asphaltstrasse gebaut. Das alles finanziert die Regierung, wohl nicht zuletzt, um den Kupferabbau voranzutreiben.
Auch bei der Konzession in der Gemeinde Junín hat sich einiges verändert: Es sind nicht mehr nur Privatfirmen, die 318 Millionen Tonnen Gestein auf dem knapp 5000 Hektar grossen Gebiet ausbeuten wollen. Heute ist es das staatliche Bergbauunternehmen Enami, das eine Übereinkunft mit der chilenischen Firma Codelco getroffen hat. Der zuständige Bürgermeister von Cotacachi, Alberto Anrango, nahm die staatliche Beteiligung zum Anlass, seine Zustimmung zu den Explorationsarbeiten zu verteidigen: «Wenn ein Privatunternehmen darum bitten würde, wäre das etwas anderes. Doch es ist ein staatliches Unternehmen, und wir sind staatliche Funktionäre, da können wir uns nicht dagegenstemmen», sagte er auf einer Versammlung Mitte Februar. Eine einzige Stimme gab schliesslich den Ausschlag für das Ja zur Exploration.
«Wir messen weiter»
Ein entscheidender Schritt in Richtung Kupferabbau war damit, kurz vor der Wiederwahl Correas, getan. Das knappe Ergebnis, das Lavieren von Anrango und die widersprüchliche Absage an die regionalen Entwicklungspläne sind sinnbildlich für die Interessenkonflikte. Enami habe seit März ein Büro in Íntag angemietet, sagen UmweltaktivistInnen; die Explorationsarbeiten würden bald beginnen. Eine «verantwortungsvolle» Ressourcennutzung werde angestrebt, sagte Rafael Correa kurz nach den Wahlen. «Bergbau für das ‹buen vivir›», so lautet der Leitsatz auf der Internetseite des Enami. Dass die Ausbeutung von Rohstoffen zu dem in der Verfassung verankerten, indigenen Prinzip des guten Lebens beiträgt, bezweifeln die BewohnerInnen in Íntag und geben deshalb auch das Projekt der Wasserkraftwerke nicht so schnell auf: «Wir führen weiterhin Messungen in den Flüssen durch», sagt José Cueva vom Konsortium Toisán.