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In den Jahren 965/72 schenkten die deutschen Kaiser dem Kloster Einsiedeln die beiden Höfe Pfäffikon und Wollerau. Das Benediktinerstift errichtete in Pfäffikon einen Speicher zur Aufbewahrung von Naturalabgaben der Bevölkerung.
Mitte des 13. Jahrhunderts liess Abt Anselm von Schwanden den heutigen Schlossturm bauen zur Abwehr feindlicher Angriffe und zum Schutz der Einkünfte aus den Klosterländereien.
1299 verstärkte man mit grossem Aufwand die Anlage mit Mauern, Wällen und Wassergräben.
Da die Anlage wiederholt auch als Abtsresidenz dienen musste, wurden unter der Leitung von Abt Burkhard von Weissenburg zu Beginn des 15. Jahrhunderts Wohnbauten bei der Turmanlage errichtet. Von nun an wurde das Schloss die «Weissenburg» genannt.
1567 errichtete Abt Joachim von Eichhorn an der jetzigen Stelle eine gotische Kapelle, die 1785 im Barockstil umgestaltet wurde.
Für das Kloster Einsiedeln war die Anlage sehr wichtig, wie dies die folgenden Beispiele veranschaulichen. 1480 fand hier die Abtwahl statt, und 1577 diente sie den Einsiedler Mönchen während 7 Monaten als Zufluchtsort, als das Kloster und das Dorf Einsiedeln einem Grossbrand zum Opfer fielen. Die "Weissenburg" empfing ausserdem immer wieder bedeutende Besucher wie beispielsweise verschiedene Schwyzer Landvögte und Landammänner und den päpstlichen Nuntius.
Die Schlossanlage diente dem Kloster bis ins 18. Jahrhundert als Verwaltungszentrum und wurde schliesslich durch die neu daneben erstellte barocke Statthalterei abgelöst.
Als Wehrbau unterstand die Burg Pfäffikon nicht nur dem Kloster Einsiedeln, sondern auch den Schirmvögten über die Höfe, den Herren von Rapperwil, dem Grafen von Habsburg, Zürich und Schwyz. Dadurch wurde das Schloss in zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt:
– 1347/48 Plünderung durch den Grafen von Rapperswil.
– 1439-1445 Alter Zürichkrieg.
– 1656/1712 Villmerger Kriege.
Das Ende der Weissenburg:
– 1798 Die Schlossanlage wurde durch die Truppen Napoléons grösstenteils verwüstet.
– 1820 Die übrig gebliebenen Mauern rund um den Turm wurden abgerissen, die Stiftsstatthalterei und die Kapelle wurden wieder aufgebaut.
– 1839 Das morsche Turmdach wurde durch den jetzigen Dachstuhl ersetzt.
– 1928 Renovation der Schlosskapelle.
– 1986-88 Kapelle, Turm und Wassergraben werden unter der Leitung des Klosters Einsiedeln und des Vereins Pro Schloss Pfäffikon renoviert.
November 1440: Ein Bote von Lachen überbringt den Zürchern die Absagebriefe von Sarnen, Gersau und Weggis nicht ganz vorschriftsgemäss, worauf die erbosten Soldaten den Meldeläufer auf dem Graben hin und her führen und drohen, ihn zu ertränken oder zu erstechen (Schodoler Chronik). Rechts der Weissenburg das Unterdorf mit Fachwerkbauten und Strohdächern.
Schlossanlage anfangs des 19. Jahrhundert, noch vor dem Dachumbau am Turm von 1839.
Von 1820 bis 1986 fehlte dem Schlossturm eine sinnvolle Nutzung. Obschon die Erhaltung des Turms nie in Frage stand, konnte sich niemand so recht für eine blosse Konservierung dieses Baudenkmals begeistern, ohne ihm durch bestimmte Aufgaben auch neues «Leben» zu geben.
Dach und Mauerwerk hatten jedoch durch Witterungseinflüsse erhebliche Schäden erlitten, die eine Restaurierung erforderlich machten. Nach Jahren intensiver Gedankenarbeit entwickelten das Kloster und der 1983 gegründete Verein Pro Schloss gemeinsam ein Konzept: Der Turm wird der Öffentlichkeit als kulturelles Zentrum erschlossen.
Von Anfang an stand die Substanzerhaltung des Baus im Vordergrund. Die Räume des Turms bekamen folgende Zweckbestimmungen: Das Erdgeschoss dient als Gaststube, der grosse Saal im 1. Stock mit Platz für bis zu 100 Personen kann für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt werden. Im 2. Obergeschoss befindet sich ein Sitzungszimmer, und das Regionalmuseum im 3. Stock ergänzt das kulturelle Angebot des Schlosses.
Der vollständige Erhalt der Räume im Turm war nur möglich, weil alle technischen Einrichtungen im Anbau untergebracht werden konnten. Dieser Anbau ist - mit Ausnahme der alten Mauer im Westen - nach dem Abbruch der Weissenburg, also im Laufe des 19. Jahrhunderts, entstanden. Bei der Renovation 1986-88 wurde er leicht erhöht und innen modern gestaltet.
Am 18. August 1986 begannen die Bauarbeiten an der Schlossanlage. Die Restaurierung musste sich ganz auf die Raumhülle beschränken; denn von der ursprünglichen, sicher reichen Ausstattung einzelner Räume ist ausser einem romanischen Kamin nichts erhalten geblieben. Auch die sorgfältigen Untersuchungen am Turm vor und während der Bauarbeiten förderten keine neuen Erkenntnisse oder bedeutsame Funde zutage.
Bereits 1970 hat man die Aussenflächen der meterdicken Natursteinmauern gereinigt und Schäden behoben. Die Restauratoren konzentrierten sich darum vorwiegend auf die Konservierung des Mauerwerks im Innern. Dazu gehörte im Saal des 1. Obergeschosses eine grössere zusammenhängende Fläche mit romanischem Verputz aus der Zeit um 1250! Sanierungsbedürftig waren auch Teile der mittelalterlichen Decken und Böden, während die massiven Stützpfeiler aus Eiche ihren Dienst noch weitere Jahrhunderte erfüllen können.
Am äusseren Bild des Turms hat sich vor allem etwas geändert: Das Gelände unmittelbar um den Bau, welches im Laufe der Zeit durch allerlei Schutt- und Schwemmaterial um 1,5 Meter angehoben wurde, wurde auf das spätmittelalterliche Niveau abgetieft. So führt der Haupteingang wieder eben ins Erdgeschoss, und die Proportionen des Turms stimmen ebenfalls erneut.
Durch viele Jahrzehnte seinem Schicksal überlassen, war der Schlossgraben zu Beginn der Restaurierung der Schlossanlage vollkommen verlandet und verwachsen, und die Brücke als Zugang zum Turm war eingebrochen.
Mit den Bauarbeiten begann man im März 1987. Vorgesehen war ein Ausbau in mehreren Etappen. Es zeigte sich jedoch, dass die Standfestigkeit der bestehenden Grabenmauern auch nach dem Entfernen des angeschwemmten Materials grösser war als angenommen. So konnte der ganze Aushub ohne Unterbruch getätigt werden. Insgesamt wurden ca. 2500 m3 Material ausgehoben und abtransportiert. Anschliessend wurde der Graben in aufwendiger Arbeit mit grossen Steinblöcken neu ausgelegt.
Die Speisung des Grabens mit Frischwasser erfolgt über ein Entnahmebauwerk im Dorfbach. Der Wasseranfall dieses Baches ist auch bei längerer Trockenheit ausreichend, um eine genügende Wassererneuerung im Graben zu gewährleisten. Das Auslaufwerk wurde neu konzipiert, und zwei Schieber sorgen nun dafür, dass die Höhe des Wasserstandes sehr fein reguliert und der Graben im Bedarfsfall entleert werden kann.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte man der Gestaltung des Geländes um den Wassergraben. Durch die Verlegung der Unterdorfstrasse entstand im Osten ein Freiraum, in dem eine kleine Parkanlage entstand. Ein Parkplatz auf der Nordseite dient vor allem dem Betrieb des Schlossturms.
Der Schlossturm vor der Restauration: Die oberste Partie des Schaftes ist im Erdreich verschwunden, der Schlossgraben nahezu verlandet.
Nach der Restaurierung sind die Proportionen des Turms durch das Abtiefen des Geländes verbessert und verschiedene Maueröffnungen originaltreu wiederhergestellt.
Der ehemalige Wohnraum im 2. Obergeschoss mit einem stark beschädigten Kachelofen und den Resten eines romanischen Cheminées an der Ostwand (13. Jh.).
Das nach Befund rekonstruierte romanische Cheminée
Für den Spatenstich einer solchen Restaurierung hätte eine Schaufel allein nicht gereicht.
Spätgotik und Einsiedler Neubarock
Bereits im 15. Jahrhundert ist in den Quellen eine Kapelle der Weissenburg bezeugt.
1566-68 liessen der Einsiedler Fürstabt Joachim Eichhorn und der Pfäffiker Statthalter Wolfgang Kalchofner am Eingang der Schlossanlage ein freistehendes Gotteshaus mit einem angefügten Torbau errichten. Am 7. November 1568 fand die Weihe der Kapelle statt.
1606 baute man ein Türmchen, 1691-1696 wurde bereits eine grössere Renovation nötig. Eine zweite Barockisierung des Gotteshauses erfolgte 1780-85. Mit der Besetzung des Schlossareals durch die Truppen Napoléons 1798 wurde die Kapelle grösstenteils verwüstet, dass sich umfassende Erneuerungsarbeiten aufdrängten.
1892-95 erhielt das Innere unter Abt Basil Oberholzer und Statthalter Dominik Matter sein heutiges Gesicht, das bei seiner letzten Renovation 1928 einige Änderungen erfuhr. Bei der Renovation 1986-88 wurde der Zustand Ende des 19. Jahrhunderts im wesentlichen wiederhergestellt.
Blick ins stark verschmutzte, von Feuchtigkeit beeinträchtigte Innere der Kapelle vor der Restaurierung.
Die Schlosskapelle vor der Restaurierung mit dem weitgehend verlandeten Schlossgraben.
Die Restaurierung: 1986–1988
Vor der Restaurierung waren erhebliche statische Probleme zu lösen. Die Kapelle steht - wie der Schlossturm - aufgrund seiner Nähe zum See auf weichem, stark durchnässtem Baugrund und litt seit Jahrhunderten an immer wieder auftretenden Rissbildungen und Feuchtigkeitsschäden. Auch die schriftlichen Quellen sprechen von auffallend vielen Innenrenovationen. Neben Massnahmen gegen Feuchtigkeitsschäden wurde um die Kapelle eine Art "Stahlkorsett" gelegt, um ein künftiges Absenken des Baus zu verhindern: Man legte auf drei Ebenen - auf Höhe der Fundamente, unter den Fensterbänken und bei der Dachtraufe - Vorspannkabel mit 18 Tonnen Zug zusammen, was jedoch unter einer Netzarmierung und dem Verputz verborgen bleibt.
Die jüngste Restaurierung setzte sich zum Ziel, dieses einzigartige Beispiel eines fast vollständig von Einsiedler Klosterangehörigen geschaffenen Interieurs des Neubarocks als ganzes zu belassen. Damit wurde das Kapelleninnere nicht in seinen frühesten Zustand zurückversetzt. Im neubarocken Raum sind aber auch ältere Bauzeugnisse zu finden, so zum Beispiel die beiden wertvollen sogenannten Thesaurien zur Aufbewahrung von Messgeräten von 1567 in der Ostwand des Schiffs.
Mit ihrem Zwiebeltürmchen und den hohen Rundbogenfenstern erscheint die Schlosskapelle heute auf den ersten Blick als Barockbau. Überschreitet man jedoch auf der steinernen Brücke den Graben längs der Kapelle, fühlt man sich im Torbau ins Spätmittelalter versetzt: Spätgotische Steinmetzarbeit prägt die Halle, die zugleich Vorraum zur Kapelle und Eingangsraum mit Durchfahrt zur gesamten Schlossanlage und zur ehemaligen Wohnung im Obergeschoss ist.
Die Schlosskapelle heute
Mit dem Schritt in die Kapelle vollzieht der Besucher einen Sprung von 300 Jahren in der Geschichte des Baus. Der Innenraum präsentiert sich mit seiner neubarocken Ausstattung als Kunstwerk des späten 19. Jahrhunderts.
Der lichte Innenraum nach der Restaurierung - ein Ensemble aus Louis-seize-Stukkaturen, neubarocken Dekorationsmalereien, Glasgemälden und Mobiliar aus den Einsiedler Klosterwerkstätten.
Das im Sinne des Barocks restaurierte Äussere der Kapelle mit roten Quadermalereien an den Gebäudedecken.