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Nue propriété (2006)
Nue propriété (2006)
Oder: Familienzwist im trauten Heim
Pascale (Isabelle Huppert) lebt mit ihren zwei Söhnen, den zweieiigen Zwillingen Thierry und François (Jérémie Renier, Yannick Renier) auf einem alten restaurierten Bauernhof. Obwohl sie den beiden sehr nahe steht, sehnt sie sich nach einer Veränderung in ihrem Leben. Ihr Traum, die Arbeitsstelle aufzugeben, das Haus zu verkaufen und sich zusammen mit ihrem Freund, dem Nachbarn Jan (Kris Cuppens), selbständig zu machen, stösst bei den Söhnen, insbesondere bei Thierry, auf starke Ablehnung.
Thierrys Auseinandersetzungen mit seiner Mutter belasten auch das Verhältnis der beiden Brüder zueinander, welches zuvor sehr eng war. Je länger, je mehr kommt es zu Spannungen. Als Pascale die Situation nicht mehr ertragen kann, zieht sie vorübergehend aus und lässt die beiden alleine im Haus zurück. Damit verschärft sich der Konflikt. Während François vermehrt Partei für seine Mutter ergreift, wächst Thierry in die Rolle seines Vaters. Anfängliche noch harmlose Sticheleien weiten sich bald aus zu einem handfesten und folgenschweren Streit...
Film-Rating
Nue propriété ist ein ausgezeichnet inszenierter Film über den Zwiespalt einer alleinerziehenden Mutter zwischen Familienleben und Selbständigkeit. Es ist aber auch ein Film über eine Bruderliebe, die unter anderem durch diesen mütterlichen Zwiespalt zu zerbrechen droht. Im Zentrum des Konfliktes steht dabei das gemeinsame Haus: "Nue propriété" - Privatbesitz. Daran, dass Pascale das Haus verkaufen will, in welchem die beiden Brüder aufgewachsen sind und an welchem sie sehr hängen, entzündet sich der Streit. Sehr eindrücklich wird die anfängliche Intimität in der Beziehung zwischen Söhnen und Mutter auf der einen, zwischen Thierry und François untereinander auf der anderen Seite in Szene gesetzt. So sitzen die beiden Brüder beispielsweise zusammen in der Badewanne und waschen sich gegenseitig die Haare auf eine Weise, die man fast als "zärtlich" bezeichnen möchte. Nur in kleinen Schritten zeigt sich, wie die beiden anfänglich unzertrennlichen jungen Männer sich allmählich voneinander entfernen und sich gegenseitig zu misstrauen beginnen.
Der Film wird besonders Scheidungskinder ansprechen, denen gewisse Verhaltensmuster sowohl von der elterlichen Seite als auch von derjenigen der Kinder aus eigener Erfahrung bekannt vorkommen dürften. Isabelle Huppert, Star des Films, ist als Mutter, welche für ihre Söhne nicht ihre Freiheit aufgeben will, eine Idealbesetzung. Aber auch die beiden jungen Darsteller von Thierry und François, Jérémie und Yannick Renier, im realen Leben übrigens ebenfalls ein Brüderpaar, leisten ausgezeichnete Arbeit.
Es ist etwas schade, dass die Geschichte gegen Ende eine stark melodramatische Wendung nimmt. Auf diese Weise verliert er an genau derjenigen Glaubwürdigkeit, welche er zuvor so präzise aufgebaut hat: Kleine familiäre Dramen müssen nicht immer spektakulär enden. Viele, die selbst Ähnliches in ihrem Umfeld erlebt haben, werden dies bestätigen können. Die Schlussszene des Filmes ist zudem zwar rührend, andererseits aber durch deren penetrant durchscheinende offensichtliche Metapher ein bisschen zu simpel.
Trotzdem sorgen vor allem die hervorragenden Darsteller, aber auch eine sehr präzise Beobachtungsgabe von Seiten des Regisseurs dafür, dass Nue propriété als gelungenes und intensives Portrait einer zerrütteten Familie in Erinnerung bleiben wird. Nicht nur Scheidungskindern.
OutNow.CH:
08.09.2006 / ebe
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