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Von eisernem Skelett und rotierenden Feierabenden
Panorama ja – aber welches? Die Geschichte beginnt bereits im Jahr 1885: Im Rahmen der 500-Jahrfeier der Schweizerischen Eidgenossenschaft soll Luzern ein Rundgemälde erhalten. Und darin die Schlacht von Sempach zur Präsentation kommen. Das Schlachtenpanorama findet allerdings nur wenig Anklang – Geldgeber fehlen. Der Wunsch nach einem gigantischen «Sehwunder» dagegen hält an ...
1889 kauft der belgische Bauunternehmer Benjamin Henneberg eine Parzelle am Löwenplatz. Ein Jahr zuvor hatte er in Genf das Rundbild Bourbaki Panorama erworben, dessen Betrieb hier soeben liquidiert wurde. Errichtet worden waren Gebäude und Bild bereits 1881, auf Hennebergs Grundstück am Boulevard de Plainpalais 30. Auftraggeber war eine belgische Panoramagesellschaft, der bereits Panoramen in Marseille und Lyon angehörten. Obwohl das Panorama vor der Zeit des Kinos als spektakuläres Unterhaltungsmedium viele Schaulustige anlockte, war das Interesse am Genfer Panorama nach einigen Jahren versiegt. Im sich zur touristischen Metropole entwickelnden Luzern dahingegen versprach man sich von der Attraktion eines Panoramas ein lukratives Geschäft.
Der Bau der sechszehneckigen Rotunde am Luzerner Löwenplatz beginnt im März 1889, bereits Ende August wird das Panorama als eine der Hauptattraktionen der Stadt eröffnet. Der grosse Erfolg des Kinos und der Einbruch des Tourismus aufgrund des 1. Weltkrieges schmälert ab den 1910er-Jahren allerdings das Panorama-Interesse auch in Luzern. 1926 steht das besondere Gebäude zum Verkauf. Kurz darauf wird es zum ersten Parkhaus Kontinentaleuropas. Ein rotierender Drehkranz chauffiert die Limousinen zu den Parkboxen. Heute erfreuen sich die Bargäste beim Feierabendbier über sporadisch einsetzend Drehrunden. Das Bild blieb über all die Jahre und Jahrzehnte still und stolz im Herzen des Gebäudes erhalten.
Nach der Nutzung des Gebäudes durch die «Panorama-Garage» Koch werden Rundbild und Rotunde von 1996 bis 2000 renoviert und mit einem Aussenbau aus Beton ergänzt. Heute umfasst der Komplex neben dem Museum mehrere Kinosäle, die Kunsthalle, die Stadtbibliothek, eine Bar sowie Gewerbeflächen. Die Einnahmen aus der Vermietung der Gewerberäume ermöglichen der Stiftung Bourbaki Panorama den Betrieb und Erhalt des Museums – und seinen Gästen eine verblüffende Reise zurück zu den Anfängen moderner Massenmedien und das Eintauchen in eine optische Illusionswelt. Bis heute bleibt das einstige Eisenskelett ein genauso beeindruckendes wie inspirierendes Spektakel.