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Es gibt zwei Sorten Sisal. Hier in Tansania wird die beste Qualität – Hybride - angebaut. Ich staune für was alles Sisal Verwendung findet.
In der Autoindustrie meistens Teil des Armaturenbrettes und der Gurte. In Japan wird das Notengeld auf Sisal gedruckt. Im Luftseilbahn-, Lift- und Brückenbau werden die Stahlseile mit einem Sisalkern versehen und mit ÖL Ummantelt. Das Stahlseil wird so geschmeidiger (dehnbarer) und der Öl-Mantel verhindert, dass das Stahlseil nicht von innen nach aussen rosten kann. Könnte mir gut vorstellen, dass genau das in Genua gefehlt hat.
In der Medizin wird Sisal dito verwendet. Heute weniger, da Kortison künstlich herstellbar ist. Es ist nur eine Sorte Sisal geeignet, die Chemiekeule herzustellen. Seile und Teppiche, Bodenbelege etc. aus Sisal sind bekannt für ihre Unverwüstlichkeit. Ja, auch Kleidung wäre möglich, habe ich hier bisher keine gesehen. Denke, das ist einfach zu teuer für die Bevölkerung.
Die Lebensdauer einer Sisalpflanze ist 4-6Jahre. Sobald der 2 - 4 Meter lange Stiel ausschlägt, ist die Zeit reif, die Pflanze zu ersetzen. Sie kann trotzdem noch geerntet werden. Die Ernte kann alle 6 - 7 Monate von statten gehen. Sisal wird immer geerntet. Die Kunst ist es, die Felder so auszulegen und zu bepflanzen, dass das möglich wird. Der Sisalbauer will konstant über das ganze Jahr ernten, dazu hat er einen landwirtschaftlichen Leiter. Die Setzlinge können aus den Blumensamen des Stängels gezogen werden oder mit dem Wurzelwerk. Fachmeinungen gehen da Auseinander. Jeder schwört auf seine Methode.
Der Agronom, oder landwirtschaftliche Leiter, berechnet und legt fest, welche Felder zu welcher Zeit abgeerntet werden. Wo und wie gepflanzt wird. Sucht nach Wasser, um Brunnen zu bohren etc. Eine Farm hat meistens einen Technischen (Maschinen und Geräte), Landwirtschaftlichen (Landwirt, Agronom etc.) und einen Leiter für Verkauf/Administration/Finanzen (Direktor oberste Funktion nach dem Besitzer). Die schiere Grösse dieser Farmen setzt diese Organisationsweise voraus. Farmen mit 8‘000 Hektaren Grösse, sind keine Ausnahme. China hat ja vor kurzem von der Regierung Tansanias 100‘000 Hektaren bestes Ackerland geschenkt bekommen. Dort soll Sisal im grossen Stil angebaut werden.
Der Sisal wird aktuell für USD 1‘400 die Tonne gehandelt. Der Wasserverbrauch und die Maschinenkraft die nötig sind, um die Faser zu gewinnen - gigantisch. Maschinen sind nach wie vor mit Transmissionsriemen angetrieben und mehrfach übersetzt. Das ist nötig, damit die volle Kraft auf das Lösen des Sisalfadens umgeleitet werden kann. Der Faden ist gut eingebettet in die Blätter. Das weisse Gold ist gefangen und kann nur mit schierer Kraft gelöst werden.
Das Pflanzen wie das Ernten kann nur per Hand erfolgen. Bisher sind Automatisierungs-Vorhaben kläglich gescheitert. So robust die Pflanze daher kommt, so sensibel reagiert sie – beim Setzen. Beim Ernten werden die Blätter, Ring für Ring geschnitten. Die Auslese dieser Blattringe kann nur von Hand bewältigt werden. Die Blattschattierungen gehen von schneeweiss bis gelb und am Ende braun. Dazwischen allerlei Schattierungen, die der einen oder anderen Qualität zugeordnet werden. Je weisser der Sisal ist umso höher die Qualität. Aufkäufer besuchen die Farmen regelmässig vor dem Verpacken und Abtransport. Sie wollen sicher sein und sich ein Bild der Qualität vor Ort machen.
Das Sisalblatt wird in der Länge 2/3 (Spitze abwärts) und 1/3 (Stamm her aufwärts) aufgeteilt. 2/3 wird für die beste Qualität benutzt, wenn das Blatt absolut „weiss“ ist.
Der Besuch auf einer Sisal Farm ist so etwas wie geheim. Die Besitzer sind weit ab – hier meistens Inder und Chinesen. Teilweise auch Amerikaner, Europäer und Schweizer. Bisher haben Direktbesuche vor Ort wenig gefruchtet. Regelmässig kommt der Verweis, dass der Besitzer angefragt werden muss oder keine Führungen gemacht werden. Ich bleibe dran.