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Sportaktivität reduziert die körperliche Reaktion auf psychosozialen Stress, hat aber scheinbar keinen Einfluss auf höhere geistige Funktionen unter Stress
Psychosozialer Stress hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern beeinträchtigt möglicherweise auch unsere geistige Leistungsfähigkeit. Dies kann sich in akuten Stresssituationen zum Beispiel auf das Abschneiden in wichtigen Prüfungen oder Vorstellungsgesprächen niederschlagen. Zudem zeigten Untersuchungen, dass Bereiche des Gehirns, die mit höheren geistigen Fähigkeiten assoziiert sind (z.B. der dorsolaterale präfrontale Cortex, kurz DLPFC), unter akutem Stress möglicherweise nur eingeschränkt funktionieren.
Anhand der hier präsentierten Studie sollte herausgefunden werden, ob regelmässige Sportaktivität diese negativen Effekte von akuten Stresssituationen auf höhere geistige Funktionen abpuffern kann. Dabei lag der Fokus auf der Untersuchung der Inhibitionsfähigkeit, die besonders wichtig ist, um beispielsweise störende Reize auszublenden, und sich auf seine Ziele zu konzentrieren. Als Zweites wurde untersucht, ob Sportaktivität mit einer Veränderung der psychischen und physischen Reaktion auf einen Stressor assoziiert ist.
Dafür nahmen 42 Jugendliche im Alter von 16-20 Jahren an einer Untersuchung teil. Bei einem Stresstest (Scheinvorstellungsgespräch vor einer zweiköpfigen Jury) wurde die physiologische (Speichelcortisol und -Alpha-Amylase) sowie psychologische Stressreaktivität (Zustandsangst) gemessen. Vor und nach dem Stresstest wurde ein Inhibitionstest (Stroop Color-Word Test) durchgeführt, während dem die Gehirnaktivität im DLPFC mit dem Verfahren der Nahinfrarotspektroskopie erfasst wurde. Zudem wurde die aerobe Fitness gemessen und die wöchentliche Sportaktivität erfragt.
Während die aerobe Fitness keine Auswirkungen auf Cortisolwerte und die Zustandsangst in Reaktion auf den Stressor hatte, zeigte sich ein geringerer Anstieg im Speichelenzym Alpha-Amylase bei fitteren Probanden. Alpha-Amylase repräsentiert die Stressreaktion des autonomen Nervensystems. Dieses Ergebnis legt nahe, dass körperliche Fitness als möglicher Schutzfaktor vor zu hohen physiologischen Stressreaktionen wirkt. Die Ergebnisse des Inhibitionstests zeigten zwar keinen negativen Effekt von Stress auf die Testleistung; die Untersuchung der Gehirnaktivität legte jedoch nahe, dass dem DLPFC bei Inhibitionsaufgaben unter Stress weniger Ressourcen zur Verfügung stehen als in stressfreien Situationen. Sportaktivität hatte in der vorliegenden Studie keinen Einfluss auf die inhibitorische Leistung unter Stress. Eine Veränderung der Parameter (z.B. Stressintensität, Aufgabenschwierigkeit, oder Art der Sportaktivität) könnte möglicherweise andere Ergebnisse hervorrufen und sollte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.