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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Achtes Buch
49. Christus ist Abbild Gottes, sofern er die Kraft des göttlichen Wesens besitzt.
Aber weder der Herr hat es ungewiß gelassen: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen,”1 noch auch der Apostel hat es verschwiegen, wer er sei: „der das Abbild des unsichtbaren Gottes ist”.2 Der Herr hatte nämlich gesagt: „Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt ihr mir nicht;”3 dadurch also wurde sein Vater, wie er lehrte, in ihm erkannt, daß er dessen Werke tat; die Erkenntnis der Kraft seines Wesens sollte nämlich das Wesen der erkannten Kraft4 aufweisen, deretwegen der Apostel die als ein Abbild Gottes bezeichnet hatte, wenn er sagte: „der das Abbild unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung; weil in ihm alles begründet ist im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, ob Throne, ob Gewalten, ob Machthaber, ob Herrschaften, alles ist durch ihn und in ihm gegründet; er ist vor allen, alles besteht für ihn; er ist das Haupt des Leibes der Kirche, er, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem in den Besitz des Vorranges gelange; denn in ihm, so hat er es beschlossen, soll die ganze Fülle wohnen, und durch ihn soll alles zu ihm hin versöhnt werden.”5
Durch den Vollzug dieser Taten ist er also das Abbild Gottes. Denn der Schöpfer der unsichtbaren Dinge unterliegt gewiß nicht einer solchen Naturgesetzlichkeit, daß er als Abbild des unsichtbaren Gottes sichtbar sei[n müsse]. Damit man ihn als das Abbild, nicht der [nur-äußerlichen] Gestalt, wohl aber des Wesens erkenne, deswegen ist er das Abbild des unsichtbaren Gottes, deswegen soll das Wesen Gottes in ihm durch die Kraft seines Wesens erkennbar sein, nicht [aber] durch eine unsichtbare Eigenschaft.
1: Joh 14,9
2: Kol 1,15
3: Joh 10,37
4: der Göttlichkeit
5: Kol 1,15-20