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Die physische Beschaffenheit des Landes im Innern ist von wechselnden, aber großartigem Charakter. Den auffallenden Zug
des Gesamtbildes
stellen die Andes dar, die mit ihren hohen Plateaus und Kämmen, der Küste parallel laufend, das Gebiet
durchziehen, überall vom Meer aus sichtbar sind, aber nirgends bis an den Strand reichen (s. Kordilleren). Die westliche Hauptkette
oder die Küstenkordillere begleitet die Küste in einer durchschnittlichen Entfernung von 110-125 km und ragt mit ihren Gipfeln
vielfach in die Region des ewigen Schnees hinein.
Ihr höchster Gipfel ist der Misti oder Vulkan von Arequipa (6102 m). Die mittlere Höhe ihrer Pässe beträgt 3600 m; viele,
und gerade die am meisten begangenen, steigen bis 4800 m Höhe an. Der schmale Saum im W. dieser Kordillere ist teils Ebene,
teils niedriges Bergland (la Cuesta genannt), teils höheres, schluchtenreiches Mittelgebirge (la Sierra),
indem zahlreiche Bergzüge von der Andeskette nach W. abgehen und, allmählich niedriger werdend, an der Küste auslaufen.
Der größte Teil dieses Küstenstrichs, bis zur Vorstufe der Andes hin (in einer Breite
[* 11] von 25-60 km), besteht aus wüsten
Sandebenen. Mehr landeinwärts bildet diese Sandregion vielfach Plateaus von 500-1200 m Hohe, die durch
Längshöhenzüge voneinander getrennt werden. Zwischen den beiden Hauptteilen des Hochlandes, der
Küstenkordillere und der
innern Kordillere, erstrecken sich weite Plateaus, die Paramos oder Punas, von durchschnittlich 4000 m Meereshöhe.
Bisweilen reicht die Puna ununterbrochen von der Binnen- bis zur Küstenkordillere; in andern Gegenden
ist sie von tiefen Thälern durchschnitten, die durch herrliches Klima
[* 12] und erstaunliche Fruchtbarkeit den schlagendsten Gegensatz
zu den nahegelegenen hohen und eisig kalten Punas bilden. Die beiden Kordilleren haben verschiedene Formen. Die Küstenkordillere
ist schroffer und wilder; ihr Kamm ist breiter, ihre Gipfel sind weniger pyramidenförmig, sondern meist
nach N. oder W. senkrecht abfallende Gebirgsstöcke, welche in minder steiler Neigung nach O. auslaufen, während die der
Binnenkordilleren Pyramiden oder Kegel sind, oft sogar Nadeln.
[* 13]
Gegen die zwischen beiden Ketten liegende Hochebene dacht sich die erstere terrassenförmig ab, die Binnenkordillere dagegen
in fast gleichmäßiger Neigung. Endlich ist die Ostabdachung der Binnenkordillere schroffer als die Westabdachung
der Küstenkordillere, welche nur auf den letzten 1000 m Höhe sehr steil ansteigt. Im nördlichen Peru laufen vom Gebirgsknoten
von Pasco fast parallel gegen N. drei Zweige der Andes aus: die Küstenkordillere, die mittlere und östliche Kette genannt,
welche zwei sehr ausgedehnte Längenthäler einschließen, das des obern Marañon (das Thal
[* 14] von Tunguragua)
und das des Huallaga.
Südwärts von dem Knoten von Pasco ist dagegen das Gebirge in zwei Ketten gespalten, die sich weiterhin (13° südl. Br.) im
Gebirgsknoten von Cuzco wieder vereinigen. Die zwischen denselben auf dieser Strecke liegende Region bildet ein allgemeines
Plateau, das jedoch durch mehrere Querketten in größere Unterabteilungen zerfällt. Letztere sind: das Plateau von Junin oder
Bombon (4400 m hoch), das von Huancavelica (3900-4200 m), das von Cangallo (3900 m) und das von Cotobamba.
Der ausgedehnte Gebirgsknoten erstreckt sich südwärts bis zum 15.° südl. Br., wo er durch die hohe
Querkette von Vilcanota (5300 m) begrenzt wird. Auf diesem Bergknoten liegt südöstlich das hohe Plateau von Quispicanchi,
das vom obern Rio Vilcamayu durchflossen wird, und aus welchem der Nevado von Azungata hervorragt. Unter 15° südl.
Br. spalten sich die Andes abermals in zwei Ketten, von denen die Küstenkette gegen SSO., wie bisher, weiter
zieht, die Binnenkordillere dagegen, einen großen Bogen
[* 15] (Andes von Carabaya) gegen O. beschreibend, nach Bolivia übertritt
und mit jener das 3800-4000 m hohe Plateau von Bolivia einschließt, in dessen nördlichen Teil das Becken des Titicacasees liegt,
von welchem aber nur die nordwestliche Hälfte zum Gebiet von Peru gehört.
Die Region zwischen diesem Becken und der Küstenkordillere, Collao genannt, besteht aus Punas von 4600 m Höhe ohne tief eingeschnittene
Thäler und gehört zu den ödesten Gegenden Perus. Gegen O. fällt das Gebirge durchgängig sehr steil ab gegen die Region
der mit Urwald bedeckten Gebirgsausläufer (la Montaña) und der gleichfalls mit Wald überzogenen Ebenen,
die sich bis zur Grenze von Brasilien erstrecken. In der Montaña finden sich scharfe Gebirgskämme (Chuchillas, »Messer«)
[* 16] und
zwischen denselben tief eingeschnittene Thäler. Die bedeutendste dieser Ketten ist die große Apurimackette, die zwischen 12 und
13° südl. Br. von der Binnenkordillere abzweigt, später nach N. streicht und sich unter 8° südl.
Br. in das niedrige Flachland des Amazonenbeckens verliert. Die östliche Region ist fast ganz unbekannt und
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Die reichsten Silbererzgänge finden sich vorzugsweise in einem schwärzlichen Thonschiefer oder Wacke (Esquito negruzco);
andre treten in Porphyren, noch andre in einer sekundären Sandsteinformation oder in der obern Oolithengruppe
auf. Wie in der Küstenkordillere die Porphyre, so spielt in der Binnenkordillere das Übergangsgebirge, besonders versteinerungsleere,
dem silurischen System angehörige Schiefer, die Hauptrolle. Im N., zwischen dem untern Huallaga und dem obern Marañon, im nördlichen
Teil der Zentralkordillere, scheint die Triasgruppe (mit mächtigen Steinsalzlagern) ganz vorzuherrschen.
Die BewässerungPerus ist eine sehr ungleiche. Sehr dürftig mit fließendem Gewässer ausgestattet ist das Küstengebiet,
sehr reich daran sind die Ebenen im O. des Gebirges, der Ostabfall desselben und zum Teil auch das Hochland
selbst. Die Hauptwasserscheide zwischen dem Stillen und dem Atlantischen Ozean wird durch die Küstenkordillere gebildet. Der
vornehmste Fluß ist der Marañon, welcher hier unter 10° 30' südl. Br. auf dem Ostabhang der Küstenkordillere entsteht.
Er nimmt an der Nordgrenze Perus den Huallaga und den mächtigen Ucayali auf, welcher aus dem Apurimac und dem Urubamba entsteht.
Nachdem der Marañon nach Brasilien übergegangen ist, empfängt er noch mehrere aus den EbenenPerus kommende ansehnliche Nebenflüsse,
unter andern den Yavari; dessen unterer Lauf die GrenzePerus bildet, und den Purus. Von dem Abhang des Gebirges
nach W. ergießen sich, wie bemerkt, nur unbedeutende Flüsse;
[* 24] am Fuß angelangt, versiegen sie schnell in dem bis zu großen
Tiefen aus Sand bestehenden Küstenland, so daß außer der Regenzeit nur wenige von ihnen den Ozean erreichen.
Das Klima und dem entsprechend die organische WeltPerus sind je nach der Beschaffenheit und Lage des Landes sehr mannigfaltig.
Die Schneelinie liegt nachTschudi im mittlern Peru auf der Küstenkordillere in 5200 m, auf der Binnenkordillere
in 4850 m Höhe, und in der Regenverteilung herrscht der auffallendste Gegensatz, indem im O. der Andes die Regenmenge ebenso
exzessiv ist wie an der Küste der Mangel. Man unterscheidet in klimatographischer Hinsicht die West- und die Ostabdachung
des Landes, deren jede wieder in verschiedene Unterabteilungen zerfällt.
Auf der Westabdachung ist zunächst die Küstenregion zu bemerken; dieselbe besteht unmittelbar am Meer aus dem oben erwähnten 2150 km
langen Sandstreifen, der bis 500 m ü. M. ansteigt und nur längs der Flüsse einige fruchtbare Oasen enthält. Mit wenigen
Ausnahmen hat es seit Jahrhunderten auf diesem Küstenstrich nicht geregnet. FünfMonate hindurch, vom
November an, ist derselbe, mit Ausnahme der Oasen längs der Flüsse, eine schauerlich öde Wüste ohne Pflanzen und Tiere, bis
(vom Mai an) rieselnde Nebel (Garrun genannt) das Land erfrischen und dann einen Teil der Sandflächen, vorzüglich die Hügelreihen,
in wenigen Tagen mit einer üppigen Gras- und Blumendecke überkleiden.
Die Vegetation, aus niedrigen Kakteen, Kruciferen
[* 34] und Dryadeen bestehend, steigt bis zu 4900 m an. Auf der
Ostabdachung folgt nun zunächst die ausgebreitete Punaregion, welche das etwa 3900 m hohe, zwischen der Küsten- und Binnenkordillere
sich ausbreitende Plateau von Peru einnimmt. Die Eingebornen unterscheiden die noch getreidereiche Puna von der rauhern Puna brava.
Zahlreiche kleine Seen, kristallhelle Bäche und weite Sümpfe wechseln mit spärlich bewachsenen Flächen
ab. KalteWest- und Südwestwinde wehen das ganze Jahr hindurch, und furchtbare Gewitter, denen in der Regel in der Nacht ein
Schneegestöber folgt, entladen sich fast täglich.
Amphibien sind spärlich, noch seltener Insekten.
[* 41] Weiter östlich hinabsteigend, gelangt man in die östliche Sierraregion,
welche aus den sanft nach O. sich neigenden Thälern zwischen 3600 und 2600 m Höhe besteht, die von der Punaregion meist durch
schroff abfallende Felsenrücken getrennt sind. Die mittlere Tagestemperatur beträgt hier im Winter +14°,
im Sommer +17° C. Der Winter oder die Regenzeit beginnt im Oktober, und der Regen hört dann wochenlang nicht auf; Gewitter sind
häufig und zwar oft von Hagel, aber nie von Schnee begleitet. Im Mai beginnt der Sommer und mit ihm nächtlicher Frost.
Die Fauna hat in dieser Region, in welcher die Bevölkerung
[* 43] am meisten zusammengedrängt ist, nichts Eigentümliches. Die
letzte Region ist die Waldregion, welche durch die östliche Abdachung der Binnenkordillere des mittlern und südlichen Peru, das
Längenthal des Huallaga zwischen der mittlern und östlichen Kordillere und die Ostabdachung dieser letztern in Nordperu gebildet
wird. Man unterscheidet noch die obere Wald- oder Cejaregion, zwischen 2600 und 1800 m Höhe, und die eigentliche
Waldregion unterhalb jener.
Für die Kultur ist diese naßkalte Region wenig geeignet, weder Mais noch Cerealien gedeihen; nur die Kartoffel
gibt reiche Ernte.
[* 44] Die Fauna ist sehr arm; unter den Vögeln sind bemerkenswert der Turqui (Rupicola peruviana) und der Toropisju
(Cephalopterus ornatus), die sich beide durch widerwärtiges Geschrei auszeichnen. Die untere, eigentliche Waldregion (la
Montaña und los Bosques) dehnt sich von 1800 m Höhe abwärts in die großen Ebenen aus. Die mittlere Temperatur
ist hier nachTschudi zu 30° C. anzunehmen, nachts sinkt sie bis 19° C. Im Oktober beginnt die Regenzeit, die bis März und
April anhält; auch außer derselben kommen Regen und Gewitter nicht selten vor.
Die Vegetation hat den eigentümlich düstern Charakter der tropischen Urwälder, hier treten auch namentlich
die herrlichsten Palmen
[* 45] auf. Die Kultur ist fast noch gar nicht in diese Region vorgedrungen. Das Tierleben gestaltet sich hier
am mannigfaltigsten. Zahlreiche Affen
[* 46] bevölkern den Wald; auch die Fledermäuse (darunter das große Phyllostoma hastatum und
die als Blutsauger gefürchtete Blattnase, Ph. erythromos) sind zahlreich. Unter den Raubtieren sind die
bemerkenswertesten: der schwarze Hucumari, der Omeyro, mehrere Katzen,
[* 47] wie die Yaguarundi, Oscollo, Uturunco und die gelbgraue
Tigerkatze;
unter den Nagern: die kaum zolllange Baummaus, die Stachelratte, das Aguti.