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Kognitive Beeinträchtigungen bei Zwangserkrankungen
Habe ich die Tür tatsächlich abgeschlossen? Kann ich sicher sein, dass ich vorhin im Gespräch nichts Falsches erzählt habe?
Habe ich wirklich niemanden im Straßenverkehr gefährdet?
Da Menschen mit Zwangserkrankungen in zwangsauslösenden Situationen häufig an der eigenen Wahrnehmung zweifeln oder wenig Vertrauen in ihre Erinnerungsfähigkeit haben, liegt die Vermutung nahe, dass Zwangserkrankungen mit allgemeinen Gedächtnisbeeinträchtigungen einhergehen. Tatsächlich aber scheint sich die Merkfähigkeit für Ereignisse bei Zwangserkrankten nicht wesentlich von der Merkfähigkeit Gesunder zu unterscheiden. Neueren Untersuchungen zufolge berichten auch nur wenige Zwangserkrankte generelle Gedächtnisprobleme. Selbst dann, wenn sie unter Kontrollzwängen leiden, besitzen Patienten mit Zwangsstörung ein geringes Vertrauen in die eigene Gedächtnisleistung zumeist nur dort, wo übergeordnete Themen wie etwa Verantwortlichkeit oder Schuld eine Rolle spielen. Die lange Zeit diskutierte Gedächtnis- Defizit-Hypothese, der zufolge Zwänge aus einer tatsächlich oder vermeintlich verminderten allgemeinen Gedächtnisleistung resultierten, gilt daher heute im Wesentlichen als entkräftet.