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eh. Mit der Erkenntnis, dass Inhaber, die ihr Unternehmen selbst führen, sich nicht nur anders verhalten als Manager, die nur auf Zeit angestellt sind, hat Professor Eberhard Hamer nicht nur eine Lücke in der Volks- und Betriebswirtschaftslehre erkannt, sondern daraus auch eine eigenständige Ökonomie entwickelt. In der von ihm entwickelten Mittelstandsökonomie stellt er die Besonderheiten eines mittelständischen Unternehmens dar. Definiert werden mittelständische Unternehmen als «vom Inhaber selbst geführte Unternehmen». Dies ist grundsätzlich zu unterscheiden von der traditionellen Einteilung in kleine, mittlere und grosse Unternehmen, weil Eberhard Hamer erstmals eine qualitative Unterscheidung der Unternehmensformen der privaten Wirtschaft in inhabergeführte mittelständische Unternehmen und managementgeführte Kapitalgesellschaften differenzierte. Mittlerweile hat die qualitative Unterteilung privater Unternehmen nach Prof. Hamer nicht nur breite Akzeptanz gefunden, sondern ist auch in die öffentlichen Richtlinien und die Wissenschaft eingezogen.
Für die mittelständischen Unternehmen entwickelte Prof. Hamer eine eigenständige Ökonomie, die Mittelstandsökonomie, weil die auf Kapitalgesellschaften konzentrierte herkömmliche Volks- und Betriebswirtschaftslehre um diesen Teil wesentlich ergänzt werden musste. Weil die Unterschiede zwischen diesen beiden Betriebstypen derart grundlegend und gravierend sind, reicht es nicht aus, durch geringfügige Anpassungen der vorhandenen Literatur die herrschende Lehre auch für diese mittelständischen Unternehmen zutreffend werden zu lassen. Die von Prof. Hamer entwickelte Mittelstandsökonomie weist unter anderem auf folgende neue Erkenntnisse hin:
Inhaber- bzw. von der Inhaberfamilie selbst geführte Unternehmen funktionieren anders als durch Management geführte Kapitalgesellschaften.
In mittelständischen Unternehmen ist der Unternehmer die zentrale Figur, die zu über 50% für den Unternehmenserfolg verantwortlich ist. Er ist unverrückbare Grösse, die lebenslang unkündbar mit dem Betrieb verbunden ist.
Das Management in Kapitalgesellschaften hat im Gegensatz zu Unternehmern ein zeitlich befristetes Interesse am Unternehmen. Seine Entscheidungen werden von den arbeitsvertraglichen Bestimmungen einerseits und den Vorgaben der Eigentümer (Aufsichtsrat, Gesellschafter) andererseits bestimmt.
Unternehmer haften auch mit dem Privatvermögen für den Erfolg des Unternehmens. Manager dagegen übernehmen keine persönliche Vollhaftung. Ihre Haftung ist auf die eines Angestellten beschränkt.
In mittelständischen Unternehmen werden die betrieblichen Ziele den persönlichen Zielen des Unternehmers bzw. der Unternehmerfamilie untergeordnet. In Kapitalgesellschaften hat der Manager bzw. die Managerfamilie sich den Bedürfnissen des Betriebes unterzuordnen.
Unternehmer entscheiden unter längerfristigen Gesichtspunkten, während Manager im Sinne ihres Anstellungsverhältnisses kurzfristigere Zeiträume berücksichtigen.
Unternehmer sind auch bei ihren betrieblichen Entscheidungen nur sich selbst gegenüber verpflichtet. Manager dagegen müssen sämtliche Entscheidungen gegenüber dem Aufsichtsrat bzw. den Gesellschaftern rechtfertigen können und entscheiden deshalb eher rational als subjektiv-ökonomisch, wie es Unternehmer überwiegend tun.
Ordnungspolitisch haben die Kapitalgesellschaften und mittelständische Unternehmen unterschiedliche Ansprüche. Während für Kapitalgesellschaften die «harten Standortfaktoren» überwiegen, sind für mittelständische Unternehmen oftmals die «weichen Standortfaktoren» wichtiger. Dort, wo sich der Unternehmer wohl fühlt, baut er seinen Betrieb auf und aus. Fühlt er sich an einer Stelle nicht mehr wohl oder wird er durch Ordnungspolitik «verscheucht», zieht er mit seinem Unternehmen weg.
Erstmals hat Prof. Hamer mit der Mittelstandsökonomie einen ganzheitlichen Ansatz für inhabergeführte Unternehmen, deren Bedürfnisse und deren politische Bedeutung gefunden. Nach intensiven Forschungen kam er zu dem Ergebnis, dass die mittelständischen Unternehmen nicht nur Basis und einziger Nettozahler des Sozialstaates sind («Wer finanziert den Staat» 1986), sondern auch zu 80% Ausbilder der privaten Wirtschaft, Arbeitgeber für die Mehrheit der in der privaten Wirtschaft beschäftigten Mitarbeiter ist und sowohl die Konzerne als auch die Sozialsysteme subventioniert. Er ist Garant für Marktwirtschaft und Freiheit, weil er statt mit Marktmacht durch Spitzenleistung versucht, sich am Markt zu behaupten und dafür persönliche Freiheit braucht. Während Kapitalgesellschaften tendenziell zu Grösse und Monopolen tendieren, ist die Grösse von Inhaberbetrieben durch die Unternehmerperson begrenzt. Das Wachstum von Inhaberbetrieben hängt von den persönlichen Fähigkeiten der Unternehmerperson ab statt von der Kapitalausstattung, wie es in Kapitalgesellschaften der Fall ist.
In unzähligen Aufsätzen und mehr als 30 Büchern hat Prof. Hamer die Besonderheiten, die besonderen Anforderungen an eine Ordnungspolitik und die besondere Bedeutung in der Volkswirtschaft herausgestellt und in dem Buch «Was ist ein Unternehmer?» das erste Standardwerk geschaffen, welches die Eigenarten der mittelständischen Betriebe und Unterschiede zu den Kapitalgesellschaften herausstellt. Es gilt als Grundlage der Mittelstandsökonomie.
In dem 1975 von Prof. Hamer gegründeten Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V. wird die Mittelstandsforschung auch in Zukunft weitergeführt. Es ist zum bedeutendsten, privat finanzierten Mittelstandsforschungszentrum im deutschsprachigen Raum geworden. Für die Entwicklung der Mittelstandsökonomie wurde Prof. Hamer durch Verleihung des Bundesverdienstkreuzes öffentlich geehrt. •
eh. Prof. Dr. Eberhard Hamer, Gründer und Präsident des Mittelstandsinstituts Niedersachsen e.V. sowie der Deutschen Mittelstandsstiftung, wurde am 15.8.2012 80 Jahre alt. Der Jurist und Wirtschaftswissenschaftler gilt als Begründer der «Mittelstandsökonomie», der Ökonomie inhabergeführter Unternehmen. In mehr als 30 Büchern und zahlreichen Zeitungsartikeln hat er die Besonderheiten mittelständischer Inhaberbetriebe im Gegensatz zu managergeführten Kapitalgesellschaften herausgearbeitet und sich in der politischen Diskussion als selbstloser Vertreter der Interessen des Mittelstandes eingesetzt. Mit der Bestsellerpublikation «Was tun, wenn der Crash kommt?» hat er als erster auf die heute sichtbare Krise bereits 2002 hingewiesen und treffsicher prognostiziert und mit dem weiteren Bestseller «Der Weltgeldbetrug» einen Grundstein für zukünftige politische Diskussionen gelegt.
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