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Säliquartier: Stadtrat lässt Auswirkungen der Phase zwei messen
Anfang 2021 hat der Oltner Stadtrat einen befristeten Versuch mit Verkehrsmassnahmen zur Reduktion des Schleichverkehrs im Säliquartier beschlossen, nachdem das seit Jahren bestehende Fahrverbot mit Zubringerdienst in der Praxis zu wenig beachtet wurde und mit polizeilichen Kontrollen nicht ausreichend durchgesetzt werden kann. Zudem sollte eine Umfahrung der aktuellen kantonalen Baustelle auf der Nord-Süd-Achse via Säliquartier unterbunden werden. In einer ersten Phase wurden an der Riggenbachstrasse und an der Gartenstrasse je eine Barriere, die nur durch die Linienbusse, Notfall- und Kommunalfahrzeuge geöffnet werden kann, montiert und am Maria-Felchlin-Platz die Durchfahrt auf der Engelbergstrasse mit Betonblöcken verhindert. Zudem wurden neue Einbahnstrassen eingerichtet sowie das Einbahnsystem an der Maienstrasse umgedreht.
Schleichverkehr reduziert, aber auch Mehrbelastungen
Für ein Monitoring der ersten Phase wurde im Februar und im Mai während je einer Woche an neun Querschnitten das Verkehrsaufkommen vor und nach der Einführung der Verkehrsmassnahmen gemessen. Zudem wurden die Zahlen der städtischen Messstelle an der Reiserstrasse, die derzeit rund einen Drittel unter den Werten vor der Einführung der Verkehrsmassnahmen liegen, sowie die Belastungen auf dem Kantonsstrassennetz zur Auswertung beigezogen. Dabei konnte festgestellt werden, dass grundsätzlich das Ziel, den Schleichverkehr durchs Quartier zu reduzieren, durch die getroffenen Massnahmen erreicht wurde. Zugenommen haben die Belastungen auf dem Wilerweg und auf der Engelbergstrasse, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau, was die absoluten Zahlen betrifft. Angewachsen ist auch die Belastung auf dem kantonalen Strassennetz, zumal durch die Massnahmen nicht nur der unerlaubte Fluchtverkehr verdrängt wird, sondern auch der Ziel-Quell-Verkehr aus dem Quartier zu Umwegfahrten veranlasst wird. Eine nachträgliche Korrektur der ermittelten Werte aufgrund eines entdeckten Softwarefehlers ergab keine entgegengesetzten neuen Erkenntnisse; es konnte lediglich festgestellt werden, dass es auch in der Feldstrasse zu leichten Entlastungen und in der Maienstrasse zu deutlichen Entlastungen gekommen ist und weniger hohe Mehrbelastungen als zuerst ermittelt am Wilerweg verzeichnet wurden.
Nach kurzer Zeit haben sich anfängliche Belastungen auf schmaleren Strassen offenbar wieder reduziert, nachdem die Verkehrsmassnahmen einem grösseren Kreis von Autofahrenden bekannt waren, wie Messungen in der ersten Julihälfte ergaben: Auf dem Pfarrweg fuhren pro Tag 180 Fahrzeuge, auf der Kreuzstrasse 167 Fahrzeuge, auf dem Krummackerweg West (zwischen Riggenbachstrasse und Engelbergstrasse) 53 Fahrzeuge; lediglich der Krummackerweg Ost (zwischen Wilerweg und Engelbergstrasse) wies in der ersten Phase einen Wert von 617 Fahrzeugen auf; hier muss je nach Ergebnis der Auswertung der zweiten Phase allenfalls eine Änderung oder eine zusätzliche Massnahme geprüft werden.
Die ermittelten Strassenbelastungen vor der Einführung der Verkehrsmassnahmen stimmen im Übrigen grösstenteils mit den Daten der Verkehrszählung überein, welche – koordiniert mit der kantonalen Verkehrszählung – mittels Handzählungen im September 2020 durchgeführt und im September 2021 veröffentlicht wurde.
Lockerung auf der Gartenstrasse ab August
Aufgrund von Rückmeldungen hat der Stadtrat im Sommer 2021 beschlossen, in einer zweiten Versuchsphase ab August die Barriere an der Gartenstrasse nur noch Montag bis Freitag von 6 bis 9 Uhr und von 16 bis 19 Uhr zu den Stosszeiten zu schliessen. Dies durchaus im Bewusstsein, dass dadurch zwar in der Hauptverkehrszeit unberechtigter Fremdverkehr vom Quartier ferngehalten wird und insbesondere die in dieser Zeit zirkulierenden Schulkinder geschützt werden, dass dadurch jedoch auch der berechtigte Quartierverkehr auf dem Weg zur und von der Arbeit beeinträchtigt wird.
Nach anfänglich zahlreichen negativen Rückmeldungen aus der Bevölkerung gegen die Massnahmen generell erfolgten in den Folgewochen immer mehr positive Signale. Nach den Veränderungen für die zweite Phase überwiegen derzeit unterstützende, differenzierte Rückmeldungen, wenn auch die Lockerung der Sperrung an der Gartenstrasse ihrerseits wieder vereinzelte negative Statements zur Folge hatte.
Quartierschutz vs. Quartierschliessung
Der Stadtrat ist der Ansicht, dass mit der Lockerung der Sperrung an der Gartenstrasse die unterschiedlichen Interessen innerhalb des Quartiers – zwischen Quartierschutz und Quartiererschliessung – in einem besseren Verhältnis stehen als in der Versuchsphase eins und als im Zustand vor den zusätzlichen Verkehrsmassnahmen. Er hat daher beschlossen, auch für die Phase zwei eine Verkehrsmessung durchzuführen, deren Resultate dann denjenigen der Phase eins und des ursprünglichen Zustandes gegenübergestellt werden können. Weiter ausgewertet werden zudem die Ergebnisse der zusätzlichen städtischen Messungen mit Seitenradar in der Reiserstrasse sowie in kleineren Strassen im Quartier. Weil die Kosten für die zusätzliche Messung nicht budgetiert werden konnten, wurde dafür ein Nachtragskredit von rund 13'000 Franken gesprochen.
Es ist geplant, die zusätzliche Messung möglichst rasch durchzuführen und auszuwerten. Sofern sich daraus kein grundlegender weiterer Änderungsbedarf gegenüber der Phase zwei ergibt, möchte der Stadtrat anschliessend eine Bevölkerungsbefragung im Säliquartier durchführen. Diese soll qualitativen Charakter haben und dem Stadtrat als Grundlage für seinen Entscheid über das definitive Vorgehen dienen.