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26.10.2021
Saures Aufstossen muss nicht sein
Reflux und Zwerchfellbruch
Wenn der Verschlussmechanismus zwischen dem Speiseröhrenausgang und dem Mageneingang zu schwach ist (sog. Kardiainsuffizienz), gelangen vermehrt Magensäure, Mageninhalt und Galleflüssigkeit in die Speiseröhre. Die Schleimhaut der Speiseröhre ist dieser Säure ungeschützt ausgesetzt. Dies verursacht Beschwerden wie saures Aufstossen oder ein Brennen hinter dem Brustbein.
«Die primäre Behandlung des Refluxes ist medikamentös, doch nur eine Operation behebt das mechanische Problem dauerhaft.»
Oftmals besteht zusätzlich ein Rückfluss von Mageninhalt und von galliger Flüssigkeit durch die Speiseröhre bis in den Hals- und Mundbereich, vor allem nachts und im Liegen. Die Flüssigkeit im Halsbereich verursacht dann häufig Husten- und sogar Erstickungsanfälle, die schlimmstenfalls zu Lungenentzündungen führen können. Ca. 25 Prozent der westlichen Bevölkerung leiden einmal oder öfters in ihrem Leben an derartigen Beschwerden. Treten diese häufiger auf, spricht man von einer chronischen gastroösophagealen Refluxkrankheit.
Bindegewebeschwäche als Ursache
Die genauen Ursachen der Refluxkrankheit sind nicht bekannt. Hauptgrund ist aber der ungenügende Verschluss zwischen Speiseröhrenausgang und Mageneingang. Man weiss, dass es sich um eine Bindegewebeschwäche handelt, die angeboren oder häufiger auch erworben ist. Begleitursache kann eine ungenügende Speiseröhrenfunktion sein, welche die Säure, die (auch beim Gesunden) gelegentlich in die Speiseröhre gelangt, nicht genügend schnell und kräftig wieder in den Magen zurückbefördert. Des Weiteren sind gewisse sog. exogene Faktoren mitverantwortlich, u. a. ein chronischer Nikotin- und Alkoholkonsum. Auch Übergewicht kann durch die Druckerhöhung im Bauchraum einen gewissen Einfluss haben. Die Refluxkrankheit kommt oft in Kombination mit einem Zwerchfellbruch vor. Allerdings ist ein solcher nicht zwingend notwendig, damit eine Refluxkrankheit entsteht. Ebenso wenig führt ein Zwerchfellbruch unwillkürlich zu Refluxbeschwerden.
Symptome der Speiseröhrenentzündung
Sichere Zeichen für eine Refluxkrankheit sind saures Aufstossen und brennende Schmerzen hinter dem Brustbein. Weitere Symptome können Übelkeit und Erbrechen, Rückfluss von Magensäure oder Nahrungsbestandteilen bis in den Hals- oder Mundbereich (vor allem im Liegen und/oder beim Bücken) mit Hustenanfällen, Verschlucken, Luftaufstossen und Schmerzen im Oberbauch sein. Die Symptome korrelieren häufig nicht mit dem Schweregrad der Speiseröhrenentzündung. So kann z. B. eine schwere Entzündung vorhanden sein, die nur geringe Beschwerden verursacht und umgekehrt. In schwersten Fällen (sog. Barrett-Ösophagus) besteht eine bis zu 10-prozentige Gefahr, dass innerhalb von zehn Jahren die Erkrankung bösartig wird und sich ein lebensgefährlicher Speiseröhrenkrebs entwickelt. Solche Symptome sollten deshalb immer abgeklärt und bei Bedarf behandelt und nachkontrolliert werden.
Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm
Sollten die Beschwerden länger als zwei bis drei Monate anhalten, ist eine Spiegelung der Speiseröhre, des Magens und des oberen Anteils des Dünndarms durchzuführen (sog. obere Panendoskopie). Allenfalls sind weiterführende Abklärungen notwendig, wie beispielsweise die Messung der Säureexposition und der Druckverhältnisse in der Speiseröhre. Diese Untersuchungen können ambulant vorgenommen werden und sind nicht belastend. Anhand dieser kann die Schwere einer Schleimhautentzündung in der Speiseröhre bestimmt werden, ebenso werden die Beweglichkeit und die Kraft der Speiseröhrenmuskulatur beurteilt. Zudem kann eine Übersäuerung der Speiseröhre objektiviert werden. Diese Befunde sind von grosser Bedeutung für eine allfällige chirurgische Behandlung der Refluxkrankheit.
Konservative Therapie
Die primäre Behandlung der Refluxkrankheit ist immer konservativ. In aller Regel erfolgt sie durch Medikamente, welche die Säureproduktion im Magen verringern bzw. blockieren. Dadurch können eine Speiseröhrenentzündung und die klassischen Beschwerden meistens sehr gut behandelt werden. Ein relativ grosser Prozentsatz der Bevölkerung nimmt mehr oder weniger regelmässig solche Medikamente (i.d.R. Protonenpumpenhemmer) zu sich, häufig jahre- oder sogar lebenslang. Zusätzlich bringen oftmals eine Ernährungsumstellung und eine Gewichtsreduktion eine Verbesserung der Symptomatik (z. B. frühes und leichtes Nachtessen, leichtes Hochstellen des Kopfendes am Bett). Doch die konservative, nicht chirurgische Behandlung der Refluxkrankheit bekämpft lediglich die Symptome, die Ursache wird dadurch nicht behoben.
Chirurgische Therapie
Ziel der chirurgischen Behandlung ist ein sicherer Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen. Dieser kann einerseits durch die Wiederherstellung der normalen anatomischen Verhältnisse (Verkleinerung der Zwerchfelllücke und Behebung eines allenfalls vorhandenen Zwerchfellbruches) erreicht werden, andererseits mittels zusätzlicher Bildung einer kleinen Magenmanschette, die wie ein Kragen um den untersten Speiseröhrenabschnitt angelegt wird. Dadurch wird der Übergang zwischen Magen und Speiseröhre verstärkt und das Zurückfliessen von Säure und Mageninhalt in die Speiseröhre verhindert. Der Vorteil der chirurgischen Therapie ist, dass die Refluxbeschwerden in der Regel vollständig verschwinden, keine Medikamente mehr benötigt werden und die mechanische Problematik, die der Krankheit zugrunde liegt, definitiv behoben werden kann.
Verfahren ohne Manschettenbildung
Seit nunmehr sieben Jahren führen wir fast ausschliesslich ein Verfahren ohne Manschettenbildung durch das sogenannte modifizierte BICORN-Verfahren. Dabei wird die normale Anatomie zwischen Speiseröhre und oberstem Magenanteil wiederhergestellt. Zusätzlich wird der sogenannte HIS-Winkel zwischen Speiseröhre und oberstem Magenanteil rekonstruiert. Auf eine Manschettenbildung (Fundoplikatio) verzichten wir bewusst, weil nach einer solchen in aller Regel unangenehme Nebenwirkungen auftreten wie nicht mehr aufstossen bzw. «rülpsen» und erbrechen zu können.
Auf andere mögliche Operationsverfahren (z.B. Implantation eines Magnetbandes u.a.) gehen wir hier nicht ein, da wir diese nicht für geeignet erachten und deshalb nicht durchführen.
Operation, Spitalaufenthalt und Nachbehandlung
Jede Anti-Refluxoperation erfolgt in Narkose. Die Operationszeit beträgt zwischen 40 und 90 Min., der Spitalaufenthalt dauert in der Regel zwei Nächte. Der Eingriff ist kaum schmerzhaft und wenig belastend. Die Patienten dürfen während zwei bis vier Tagen (je nach Operationsverfahren) nur flüssige und pürierte Nahrung zu sich nehmen. Danach sind während ein bis zwei Wochen mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag einzunehmen. Unabhängig von der Operationstechnik dürfen während sechs bis acht Wochen keine Lasten über 5 bis 7 kg gehoben werden.
WANN IST EINE CHIRURGISCHE BEHANDLUNG DER REFLUXKRANKHEIT SINNVOLL?
- Bei Rückfällen oder Komplikationen trotz korrekter medikamentöser Therapie
- Bei Erfolglosigkeit der medikamentösen Therapie oder Nebenwirkungen derselben
- Bei Patienten, die nicht lebenslang von Medikamenten abhängig sein wollen (vor allem junge Menschen)
- Bei sehr grossen Zwerchfellbrüchen (mechanische Probleme, Gefahr der Einklemmung des Bruches)
- Bei Langzeitpatienten mit Bedenken gegenüber medikamentösen Nebenwirkungen (z. B. Nierenprobleme, Osteoporose, Demenz u. a.)
- Auf Wunsch der Patientin / des Patienten
Übersicht der Operationsmethoden
Die chirurgische Behandlung der Refluxkrankheit (und von Zwerchfellbrüchen) erfolgt heutzutage
ausschliesslich minimalinvasiv bzw. laparoskopisch. Eine detaillierte Übersicht über die Operationsmethoden entnehmen Sie bitte dem Goldletter Beitrag «Refluxkrankheit».
Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter dem Fachgebiet Minimalinvasive Viszeralchirurgie.
Facharzt FMH für Chirurgie, spez. Viszeralchirurgie
Zürcher Referenzzentrum für Refluxchirurgie (ZRZR)
Tel. +41 43 499 16 99
<email-pii>
www.refluxkrankheit.ch