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Bis jetzt wurden zwei Versuche gemacht, eine Theatergeschichte der Stadt Bern zu schreiben: Während Armand Streits „Geschichte des bernischen Bühnenwesens“ in zwei Bänden 1873 und 1874 erschien, blieb der Versuch Edmund Stadlers unvollendet. Seine in den 1950er Jahren begonnene Arbeit ist Typoskript geblieben. Mittlerweile wurde Stadlers Theatergeschichte digitalisiert und als CD-Rom der Forschung zugänglich gemacht. Eine den heutigen theaterwissenschaftlichen Ansprüchen genügende und bis in die Gegenwart reichende Berner Theatergeschichte fehlt jedoch weiterhin. Es gibt wohl neuere theatergeschichtliche Forschungen zu einzelnen Berner Themen. Das Schaffen der gesellschaftspolitisch engagierten Berner Theatermänner Niklaus Manuel und Hans von Rüte im 16. Jahrhundert zum Beispiel fand in jüngster Zeit durch hervorragende Editionen und Untersuchungen auch international Beachtung. Andere Epochen und Schauereignisse der Berner Theaterkultur wurden bisher jedoch nicht oder nur in Ansätzen erforscht. Das Forschungsprojekt „Berner Theatergeschichte“ versucht, die unterschiedlichsten Theaterformen zu dokumentieren, neue Entwicklungen festzustellen, Berner Eigenarten wie auch fremde Einflüsse festzumachen. Der theaterwissenschaftliche Ansatz erlaubt es, mit weitem Visier auf die Theaterlandschaft zu schauen, so dass zum Beispiel szenische Vorgänge bei Prozessionen, Umzügen oder Feierlichkeiten genauso unter die Lupe genommen werden wie Theatergruppen oder Theaterinstitutionen. Auch wie sich das Theaterverständnis in Bern während der Jahrhunderte verändert hat, soll aus den Arbeiten ersichtlich werden. Es gilt einen Überblick über die Vielfalt der nebeneinander existierenden Spielformen und -traditionen zu geben. Dabei wird ein wissenschaftlich fundierter historischer Längsschnitt wie auch die vertiefte exemplarische Erforschung von bisher vernachlässigten Komplexen szenischer Vorgänge in der Stadt Bern angestrebt. Zwei Doktorandinnen und ein Doktorand bearbeiten jeweils einen Zeitabschnitt, wobei die Quellenlage ein nicht unwesentliches Kriterium für die Aufteilung diese Abschnitte darstellte. Der erste Teil der Berner Theatergeschichte reicht von der Stadtgründung bis circa 1700, der zweite Teil umfasst das 18. und das 19. Jahrhundert, der dritte Teil schliesslich befasst sich mit dem Berner Theaterwesen der letzten 100 Jahre. Die „Berner Theatergeschichte“ ist ein gemeinsames Forschungsprojekt des Instituts für Theaterwissenschaft (ITW) der Universität Bern und der Schweizerischen Theatersammlung (STS) in Bern.
Projektteam
Prof. Dr. Andreas Kotte (ITW) und PD Dr. Heidy Greco-Kaufmann (STS, PL); lic. phil. Regula Gámiz-Brunner, lic. phil. Susanna Tschui, lic. phil. Manfred Veraguth.
Projektdauer
2008 – 2011 Status: laufend
Universitäre Einheit
Institut für Theaterwissenschaft
Fachbereich
Historische und Kulturwissenschaften, Theater- und Filmwissenschaften