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Die Aktivität eines Mitarbeiters basiert auf Vertrauen! Ein Beispiel, wie Vertrauen falsch verstanden werden kann!
Marion Weber (1993) beschreibt in einem amüsanten Aufsatz, wie man sich eine auf Abschreckung basierende Kooperation vorzustellen hat:
“Wir befinden uns auf Robinsons Insel, zu einer Zeit, da Freitag bereits auf den Plan getreten ist. In einem Tal der Insel wächst eine besondere Palmenart die köstliche und nahrhafte Kokosnüsse trägt, wenn auch nicht in allzu üppiger Zahl. Robinson und Freitag schätzen die Baumfrüchte sehr und sind begierig, möglichst viele Nüsse einzuheimsen. Die Palmen wachsen jedoch sehr hoch, und es erfordert einige Kraft und Geschicklichkeit, die Nüsse zu ernten. Eine besonders zeit- und kräftesparende Möglichkeit, an die leckeren Nüsse zu kommen, ist diejenige, die Ernte des jeweils anderen zu plündern. Da Robinson und Freitag beide sowohl pflücken als auch plündern, müssen beide viel Zeit und Mühe darauf verwenden, ihre gehorteten Nüsse vor dem Zugriff des anderen zu schützen.
Nun sind unsere Inselbewohner keineswegs von primitivem Naturell: Sie erkennen sehr wohl, dass sie sich besser stellen würden, wenn sie das Palmenwäldchen in zwei Hälften aufteilen und diese, einschließlich der Ernte, als das Eigentum des jeweils anderen respektieren würden. Allein das rational verfolgte Eigeninteresse veranlasst jeden von beiden, für sich selbst Ausnahmen von einer solchen Regel in Anspruch zu nehmen. Jeder stellt sich nämlich dann am allerbesten, wenn der andere arg- und schutzlos vor sich hin pflückt. während er selbst sich die Mühe nicht macht, sondern einfach die gepflückten Nüsse des anderen stiehlt. Robinson und Freitag sind im Dschungel der Anarchie gefangen. Was können sie tun?
Während die beiden noch überlegen, ergibt sich – an einem Donnerstag – eine Fügung des Schicksals: Ein Schiffbrüchiger strandet, der fortan Donnerstag genannt wird. Robinson und Freitag beschließen, den Dritten im Bunde damit zu beauftragen, die Einhaltung der einfachen Rechtsordnung zu überwachen. Sollten Robinson oder Freitag versuchen zu stehlen, ist Donnerstag beauftragt Ohrfeigen zu erteilen, und zwar so gewaltig, dass der Delinquent lieber auf die fremden Nüsse verzichtet.
Donnerstag soll also Sanktionen im Auftrag der beiden Kokosnusspflücker ausüben, welche rationale Egoisten daran hindern, sich als Trittbrettfahrer zu betätigen.
Am ersten Tag verteilt Donnerstag zahlreiche Ohrfeigen an Robinson und Freitag. ln der Folge sind beide davon überzeugt, dass ihre bescheidene Rechts- und Wirtschaftsordnung tatsächlich geschützt wird. Beide können nun ihre gesamte Zeit darauf verwenden, Kokosnüsse zu pflücken, ohne ihr Hab und Gut gegen räuberische Übergriffe verteidigen zu müssen.
Bald schon stellt sich jedoch heraus, dass Donnerstag seine Aufgabe keineswegs uneigennützig erfüllt: gegen Nusszahlungen drückt er ein Auge zu und erlaubt mal dem Robinson, mal dem Freitag Ausnahmen von der Regel. Als die beiden Missetäter erkennen, dass Donnerstag sie zum eigenen Vorteil gegeneinander ausspielt, beschließen sie, den bestechlichen Schiedsrichter wieder dorthin zu schicken, wo er hergekommen ist.
Als sie ihn gerade auf einem Floß aussetzen, stoßen sie auf ungewöhnliches Strandgut: eine roboterähnliche Maschine, die – mitsamt Gebrauchsanleitung – angespült worden ist. Da wiederum Donnerstag ist, geben sie ihr den Namen: «Donnerstagsmaschine». Robinson und Freitag einigen sich darauf, einen zweiten Versuch zu starten, zu einem friedlichen Nebeneinander zu gelangen. Sie stellen die Maschine, die mit langen Greifarmen ausgestattet ist, an der Grenze ihrer Waldhälften auf und programmieren sie so, dass sie jeden versuchten Grenzüberschritt mit Schlägen quittiert (wohlwissend, dass sie diese Programmierung nur gemeinsam würden abändern können). Wie unsere Palmenfreunde in der Folge zunächst unter Schmerzen, dann jedoch zufrieden feststellen, haben sie eine vollkommene Selbstbindung erreicht: Die Maschine arbeitet absolut zuverlässig; es ist unmöglich, sie zur Nachsicht zu bewegen, weder durch Bestechung noch durch Bitten und Betteln.”
Ein ausgeklügeltes Kontrollsystem kann also das Problem der Kooperation ganz ohne Vertrauen lösen. An dieser Stelle soll es genügen, auf drei Probleme einer rein auf Abschreckung basierenden Kooperation hinzuweisen:
- Wie in der Geschichte dargestellt, sind die Kontrolleure bzw. die Donnerstags durchaus versucht, ihre Position auszunutzen. Eine erste Frage heißt also: Wer kontrolliert die Kontrolleure?
- Auch die Donnerstagsmaschine – die automatische, standardisierte Kontrolle – hat in der Praxis ihre Tücken. Je standardisierter die Regeln sind, desto mehr Unflexibilität wird erzeugt. Sollte Robinson einmal krank werden, gäbe es für Freitag keine Möglichkeit, zu Hilfe zu eilen. Die Maschine würde jeden seiner Rettungsversuche bestrafen.
- Eine rein auf Abschreckung beruhende Zusammenarbeit wird sich nur schwer in eine vertrauensvolle Zusammenarbeit wandeln. Damit sind solche Kooperationsmöglichkeiten ausgeschlossen, die sich der Kontrolle entziehen. Wie unsere Fallstudien zeigen, sind diese in Unternehmen zahlreich.