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Akute Schmerzen sind die Folge einer Verletzung, Erkrankung oder Operation. Sie treten plötzlich auf und haben eine wichtige Schutzfunktion, denn sie machen auf eine krankhafte Veränderung im Körper aufmerksam. Das löst eine Schutzreaktion aus (die Hand wird von der heissen Herdplatte weggezogen), was eine weitere Beschädigung des Organismus verhindert. Der akute Schmerz fördert auch die Wundheilung, wenn zum Beispiel ein verstauchtes Handgelenk ruhig gestellt wird. Akute Schmerzen klingen nach Beseitigung der Ursache oder Heilung wieder ab.
Chronische Schmerzen dauern länger als sechs Monate. Sie haben die oben beschriebene Schutzfunktion verloren. Chronische Schmerzen können permanent (z. B. Krebsschmerzen) oder periodisch wiederkehrend (z. B. Migräne) sein. Schmerz kann aber auch selber zu einer Erkrankung werden. Dieser Schmerz hat seine Warnfunktion verloren. Die Behandlung chronischer Schmerzen ist meistens schwierig.
Schmerzarten
Oft setzen sich Schmerzen aus verschiedenen Schmerzarten zusammen (sogenannter Mischschmerz).
Endorphine
Der menschliche Körper stellt bei Bedarf sein eigenes Schmerzmittel her: Endorphine. Sie sollen Extremsituationen erträglicher machen und werden beispielsweise bei intensiven sportlichen Anstrengungen, während der Geburt oder auch bei Verletzungen von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und dem Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) ausgeschüttet. Die Endorphine docken an speziellen Rezeptoren der Nervenzellen an, der Schmerzreiz wird gehemmt oder ganz blockiert, der Schmerz wird folglich nicht mehr wahrgenommen. Morphium wirkt ähnlich wie Endorphine.
So entsteht Schmerz
Am Anfang des Schmerzes steht ein Reiz (Verletzung). Er kann thermisch (Hitze, Kälte), chemisch (Säure) oder physikalisch (Schlag) sein. An der Stelle, wo die Verletzung passiert, werden Gewebshormone (Mediatoren) freigesetzt, die freiliegende Nervenendigungen erregen. Die Nervenendigungen heissen auch Schmerzrezeptoren (Rezeptor = Aufnehmer), Wissenschaftler nennen sie Nozizeptoren. Sticht sich jemand in den Finger, werden chemische Botenstoffe freigesetzt und von diesen Nozizeptoren aufgenommen. Sie wandeln den Reiz in ein elektrisches Signal um und leiten es weiter. Über eine Kette von Nervenzellen wird die Schmerzinformation bis zum Rückenmark transportiert. Von dort gelangt die Information zum Gehirn. Erst ab diesem Moment nimmt der Mensch den Schmerz bewusst wahr. Das Gehirn entscheidet schliesslich, wie der Körper reagieren soll. Zum Beispiel mit entzündungshemmenden oder schmerzlindernden Botenstoffen. Vom Rückenmark geht das Signal ausserdem über den Reflexbogen zurück, beispielsweise in den Finger, um ihn von der heissen Herdplatte zu ziehen: Der Finger ist weg, bevor das Gehirn registriert, dass es wehtut.
Umfrage
- Quellen
Drogistenstern
Monika Specht-Tomann, Andreas Sander-Kiesling: «Schmerz. Ganzheitliche Wege zu mehr Lebensqualität», Verlag Hans Huber, 2014
Medical Tribune, Basel (Hrsg.): «Erfolgreiches Management von Schmerzpatienten», swissprofessionalmedia AG
Patienteninformationsbroschüre der Österreichischen Schmerzgesellschaft: «Schmerzen richtig behandeln»
Schweizerisches Rotes Kreuz: «Ich habe Schmerzen. Was kann ich tun?», 2014
Deutsche Schmerzgesellschaft
Marion Grillparzer: «KörperWissen» Gräfe und Unzer Verlag, 2007
«Der Brockhaus. Ernährung», F.A. Brockhaus, 2001
Cornelia Fischer-Börold: «Schmerz», Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2006
Fachdossier «Schmerz», Schweizerischer Drogistenverband, 2016