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Hierzu ein Auszug aus einem weiteren Vortrag, hier von Prof. Michael Job, Universität Göttingen:
„……Latein ist, sagt man, eine „tote“ Sprache. Das heißt: Es ist nicht mehr die Muttersprache eines Menschen unserer Tage. Latein ist aber auch eine sehr alt bezeugte Sprache.
In dem sich immer weiter ausbreitenden römischen Reich traf das Lateinische auf anderssprachige Völker, die im Laufe der Zeit das gesprochene Latein als Muttersprache übernahmen. Daraus haben sich in den ersten tausend Jahren nach Christus die verschiedenen romanischen Sprachen (Französisch, Italienisch, Spanisch, usw.) entwickelt.
Wer heute eine romanische Sprache als Muttersprache spricht, muss Latein wie eine Fremdsprache lernen (auch deutsche Muttersprachler können ja übrigens nicht auf Anhieb einen althochdeutschen Text verstehen). Trotzdem lebt das Lateinische streng genommen in den heutigen romanischen Sprachen fort und ist insofern nicht „tot“.
Lautveränderungen unterliegen ziemlich stabilen Gesetzmäßigkeiten, aus denen wir Rückschlüsse auf ältere Aussprachegewohnheiten ziehen können.
Das Wort für „hundert“ wird im Lateinischen geschrieben und in unterschiedlichen Schulaussprachen [tsentum] oder [kentum] ausgesprochen. Die romanischen Sprachen zeigen eine Vielfalt von Aussprachen für den ersten Laut dieses Wortes: italienisch cento mit „tsch“, französisch cent mit „s“, spanisch ciento mit „th“ (wie englisch).
Hinzu kommen lateinische Wörter, die in andere Sprachen entlehnt worden sind. (Kaiser – Caesar)
Eine weitere und sehr wichtige Quelle unserer Erkenntnisse stammt aus der Wissenschaft des antiken Roms selbst:
Viele römische Grammatiker haben zum Teil sehr ins einzelne gehende Beschreibungen der Aussprache des Lateinischen geliefert. Nur ein Beispiel: Der Grammatiker Probus tadelt Aussprachefehler seiner Zeit und sagt, wie es richtig heißen muss, z.B. „aqua, non acqua“, womit er die Länge des [k] in der volkstümlichen Aussprache anprangert (die sich aber im Italienischen durchgesetzt hat).
Schließlich liefern die zahlreichen Inschriften vielfache Hinweise auf die tatsächliche Aussprache von Wörtern, insbesondere dort, wo geschrieben wurde, wie gesprochen wurde, …..
Insgesamt haben wir ein sehr verlässliches Bild davon, wie das Latein der klassischen Zeit gesprochen wurde. ….“https://youtu.be/ek7oM2ffi_I