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SSP hat sich besonders bewährt bei Klienten mit:
- mangelnder Fähigkeit zur Selbstregulation,
- sozialen und emotionalen Schwierigkeiten und Stress,
- Empfindlichkeiten auf Hörgeräusche,
- chronischer innerer Unruhe, Ängsten und Panikattacken,
- der Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit auf etwas zu fokussieren,
- Folgen von Schock- und Entwicklungstraumata.
Folgende Wirkungen wurden von Anwendern beschrieben:
- Sie können sich besser entspannen.
- Sie schlafen besser.
- Konkrete Ängste und diffuse Angstzustände nehmen ab.
- Sie können in Stresssituationen leichter Ruhe bewahren.
- Sie kommen aus Erregungszuständen schneller wieder in die Balance.
- Sie können unangenehme Empfindungen und Gefühle besser halten.
- In lauten Umgebungen kann Gesprächen leichter gefolgt werden.
- Sie kamen mit weniger Medikamenten aus.
- Der Atem ging leichter.
- Schmerzen nahmen ab.
- Es fiel leichter, mit anderen in Kontakt zu kommen.
SSP wurde auf Grund während zwanzig Jahren durchgeführten universitären Studien entwickelt und stützt sich auf die «Polyvagaltheorie» von Dr. Stephen Porges, Professor am Kinsey Institute, Indiana University Bloomington und Leiter der Abteilung für Psychiatrie an der University of North Carolina.
Porges entdeckte, dass bei Säugetieren und somit auch bei uns Menschen der Vagusnerv, der für den Parasympathikus (unser Beruhigungssystem) zuständige Gehirnnerv, zweigeteilt ist: in einen dorsalen (rückwärtigen) und einen ventralen (vorderen) Zweig, die unterschiedlichen Funktionen erfüllen. Der ventrale Vagus ist nämlich für den Betrieb des Kommunikationsystems zuständig – sogenannt «social engagement system» SES. Dieses soziale Nervensystem ist ständig auf Empfang. Es überprüft pausenlos innere und äussere Signale, um herauszufinden, wie sicher die aktuelle Situation ist. Das Ergebnis dieser Prüfung bestimmt zum Beispiel, ob wir uns in Beziehungen aufgehoben und zugehörig fühlen, ob wir den Kontakt zu anderen als angenehm oder eher als anstrengend empfinden, ob wir nach erlebtem Stress (schlechte Nachrichten, Schocks, Konflikten) wieder in die Entspannung kommen können oder auch aus Zuständen wie Resignation und Depression wieder in die Lebendigkeit kommen können.
Die Verknüpfung von Muskeln und Nerven im sozialen Nervensystem ist sehr komplex. Ist auch nur eine Funktion dieses Systems beeinträchtigt, leidet das ganze soziale Verhalten und unsere Selbstregulation darunter. Andererseits kann durch das Optimieren der Funktionen eine nachhaltige Veränderung unserer Lebensqualität im sozialen und neuroregulatorischen Bereich erreicht werden. Da setzt das SSP an.
Denn je stärker der ventrale Vagusnerv aktiviert ist, desto besser funktioniert der Mensch in seiner Lebenswelt - und desto zufriedener, entspannter und gesünder ist er. Direkt mit dem SES-Nervensystem verbunden sind die Gesichts-, Augen- und Mittelohrmuskeln. Auch wichtige regulatorische Nerven gehören dem SES an, darunter die Gesichtsnerven für Mimik und Sensorik. Ebenso Teil dieses Systems ist der Musculus Stapedius im Innenohr, welche für das Differenzieren der angenehmen Stimmfrequenzen von tiefen, bedrohlichen Frequenzen verantwortlich ist.
Der Musculus Stapedius, ein kleiner Muskel im Mittelohr und der kleinste längsgestreifte Muskel der menschlichen Muskulatur, ist dafür zuständig, tiefe Frequenzen aus unserem akustischen Wahrnehmungsfeld herauszufiltern, so dass die menschliche Stimme in den Vordergrund tritt. Innerviert wird er vom 7. Hirnnerv, dem Faszialnerv. Dieser ist ein wichtiger Muskel des sozialen Nervensystems und während Stress- und traumatischen Zutänden nicht aktiv. Er leitet Impuls ans autonome Nervensystem weiter, welches aufgrund der Informationen entscheidet, ob wir uns in Gefahr oder Sicherheit befinden.
Ist der Musculus Stapedius in seiner Funktion beeinträchtigt, können Frequenzimpulse nicht mehr richtig gefiltert werden. Da tiefe Frequenzen evolutionsbedingt im Hirnstamm als Gefahr gedeutet werden, erfährt das Nervensystem eine Überlastung. Die Umwelt wird als «zu viel» empfunden. Es können Stressempfinden, Schlafstörungen, Ängste, sozialer Rückzug, (auditive) Hypersensitivität und Reagibilität, bis hin zu Störungen der Affektregulation, Sozialphobien und Depressionen folgen.
Das SSP-Training vom Musculus Stapedius lehrt dem Nervensystem, die menschliche Stimme wieder aus Hintergrund- und Nebengeräuschen herauszuhören, zu interpretieren und die Emotionen dahinter zu erkennen. So wird die zwischenmenschliche Interaktion gestärkt, was Sicherheit vermittelt. Und auf diese psychophysische Sicherheit kann jede weitere therapeutische Behandlung aufbauen.
Quelle: Die Polyvagale Theorie, Steven Porges, Junfermann Verlag, 2010