Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03220.jsonl.gz/760

Was sind Isotopen
Viele chemische Elemente treten in der Natur als Gemisch verschiedenartiger Atomvarianten, sogenannter Isotope, auf. Lebewesen nehmen die Elemente und ihre Isotope über die Nahrung und das Trinkwasser auf und lagern sie in ihren Hartgeweben ein, wo sie auch nach ihrem Tod überdauern. Die archäologische Isotopenforschung untersucht die isotopische Zusammensetzung von menschlichen und tierischen Knochen und Zähnen sowie von Getreide oder anderen Nahrungspflanzen. Die Untersuchungen der verschiedenen Isotope liefern Hinweise zu Fragen nach der Ernährung, nach Formen der Landnutzung und nach Wirtschaftsstrategien, nach der Mobilität von Mensch und Tier, oder auch nach den Klimaverhältnissen in der Vergangenheit. Alle diese Informationen sind wichtig für das Verständnis (prä)historischer Wirtschafts- und Lebensweisen.
Fragestellungen
Die Isotopenarchäologie am IPNA beschäftigt sich mit vielfältigen und gesellschaftspolitisch relevanten Forschungsfragen aus allen archäologischen und historischen Epochen:
- Wie mobil waren die Menschen in früheren Zeiten?
- Welche Informationen liefern Isotopenanalysen zur Frage nach Migration und Integration von „fremden“ Personen?
- Wo weideten die Menschen ihre Kühe, Schafe und Ziegen? Lassen sich jahreszeitliche Unterschiede erkennen?
- In welchen Gebieten wurde Getreide angebaut? Wurden die Felder gedüngt?
- Sind bei der Ernährung soziale Unterschiede erkennbar, etwa hinsichtlich des Zugangs zu Fleisch oder Fisch, die möglicherweise mit Alter und Geschlecht zusammenhängen?
- Welche Auswirkungen hatte der allmähliche Wandel von der Natur- zur Kulturlandschaft auf die Menschen, die Haus- und die Wildtiere?
- Wie detailliert lassen sich klimatische Bedingungen rekonstruieren?
Um derartige Fragen zu beantworten, werden im Sinne einer integrativen Archäologie naturwissenschaftliche Ergebnisse mit kulturwissenschaftlichem Wissen verknüpft. Ein fundiertes archäologisches Hintergrundwissen ist eine wichtige Voraussetzung für zielgerichtete und forschungsrelevante Isotopenanalysen an archäologischem Fundmaterial und der kulturgeschichtlich verankerten Interpretation der Ergebnisse. In jedem Projekt werden in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten neue spezifische Fragestellungen entwickelt.