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Kurzbeschreibung 2012
Mutter und Vater unbekannt – keinerlei verwandtschaftlichen Verhältnisse. Die Mutter „entledigte“ sich meiner, fünf Tage nach der Geburt in einem Säuglingsheim. Da sie einen Amerikaner als Vater angab, fahndeten Interpol und die deutsche Polizei nach ihr, – ohne Erfolg. Man geht davon aus, dass sämtliche von ihr abgegebenen Personenstandsdaten frei erfunden sind.
Insgesamt fünf Kinder – und Jugendheime, drei Pflegefamilien „kümmerten“ sich um mich. Ein kurzer Knastaufenthalt in einer Jugendstrafanstalt und- als letzte Station eine halbgeschlossene Erziehungsanstalt – bildeten das Ende der „Fürsorgemaßnahmen“.
Zum Erstaunen aller, und dem Entsetzen einiger, beschloss ich damals Erzieher zu werden. Ich kenne kaum jemanden, der mir seinerzeit eine Chance gegeben hätte, woraus der Titel des Buches „Du hast keine Zukunft, nutze sie“ resultiert. Mit Ende sechzehn (ich bin 1953 geboren), also etwa 1970 begann ich ein Praktikum, das mir mein Vormund besorgt hatte. Ich begann danach (die Abschlüsse der Hauptschule und der mittleren Reife hatte ich erfolgreich abgeschlossen) die Ausbildung zum Erzieher, die ich 1973 abschloss. Bis 1985 arbeitete ich (zuletzt in der Schweiz) als Erzieher in verschiedenen zumeist therapeutischen Einrichtungen. Parallel zu allem besuchte ich Ausbildungskurse in Gestalttherapie, Transaktionsanalyse und Primärtherapie.
Mit dem immer öfter aufkeimenden Gefühl, mich noch immer „in einem Heim zu befinden“, nahm ich mehr und mehr Abstand zu meiner Arbeit. Ich gab den Beruf auf. Einige Jahre betrieb ich einen Autohandel (wohlgemerkt nur mit Neuwagen), entwickelte mit einem Kollegen einen „Hi-Fi-Tisch“ und widmete mich mehr und mehr dem Hausbau. Seit 1989 saniere ich alte (zumeist denkmalgeschützte Gebäude) und lebe davon.
Nebenbei schrieb ich die Bücher „Du hast keine Zukunft, nutze sie“ Teil 1 und 2.
Wie hast du mit Schreiben angefangen? (Erzähl es uns in einer kurzen Episode)
Es ging um ein Geschenk für meinen alten Vormund. Ich habe ihm als Kind und Jugendlicher Briefe geschrieben. Da ich jeweils dachte, es interessiere ihn ohnehin nicht, was mich so kümmert, habe ich sie nie abgeschickt. Zu seinem 75ten Geburtstag wollte ich ihm einen Brief schreiben – der wurde über 280 DinA4 Seiten stark. Er war begeistert und hatte die Idee zum Buch. So wurde es als Buch ein Brief an die Welt – Empfänger unbekannt.
Warum schreibst du?
Das habe ich oben eigentlich schon beschrieben. Ich wollte, dass mein Vormund weiß, wie es mir ging und wie ich zu ihm stehe, bevor er mal nicht mehr da ist…
Deine Themen?
Meine Themen sind die Entwicklung, die Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Daran habe ich auch später als Erzieher mit Jugendlichen gearbeitet.
Wie findest du sie? Woher kommen deine Ideen? Wie entstehen sie?
Das Leben gab die Ideen vor. Ich brauchte nichts erfinden.
Schreibst du mit Musik? Wenn ja, mit welcher?
Ja, das ist seltsam – mit Musik – gerade aus der Zeit in der die Ereignisse stattfanden,
steigt die Emotion. Da bin ich plötzlich wieder mittendrin und überspringe Jahrzehnte
mühelos rückwärts.
Wenn nein, was hilft dir? Dein Rezept.
Der Blick aus dem Fenster…nicht zielgerichtet…einfach so. Darf ich das poetisch ausdrücken? Die Wolken malen dir Ideen an den Himmel…
Wo schreibst du? (Plätze, Orte, Räume)
Ich schreibe an meinem Schreibtisch – der steht im Wohnzimmer.
Wenn du einen Sonnenuntergang betrachtest, was löst es in dir aus?
Der Sonnenuntergang lässt mich meist schon an den nächsten Tag denken und hoffen, dass dieser so schön wird, wie das Bild des Sonnenuntergangs…
Wenn du übers Meer oder übers Land schaust, welche Gedanken schweben dir zu?
Dazu habe ich in meinem Buch einen Satz geschrieben. Sehnsucht. Sie geht weiter, wie dein Blick dich trägt. Unendlich. Vergiss nicht – niemanden. Ausgangspunkt bist immer du.
Was fällt dir spontan ein, wenn du die Baumrinde eines alten Baumes ansiehst?
Bestehen. Einfach da sein und im Drumherum bestehen. Und wachsen…
Was siehst und denkst du, wenn du den Mond betrachtest?
Der Mond gibt mir nicht allzu viel. Ich weiß, dass er durch Gravitation großen Einfluss auf die Erde hat. Emotional stehe ich der Sonne näher.
Was für Wünsche hast du?
Gerade mache ich mir (das liegt wohl am Alter) Gedanken über die existenzielle Sicherung des Lebens. Ich bin anspruchslos, möchte aber gerne, dass ich habe was man braucht, ohne den Anderen zur Last zu fallen. Das würde ich mir wünschen.
Wie siehst du die Erde und ihre Bewohner?
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Menschen Egoisten sind und zum Erreichen ihrer Ziele fast alles tun – oder tun würden – was den ethischen Normen widerspricht. Ich denke, das Größte, wozu Menschen in der Lage sein können, ist – zu wissen, dass sie nicht von Grund auf NUR gut sind, sondern dass sie das Destruktive in sich tragen – und es versuchen, zu bezähmen. Das hört sich ein bisschen wüst an – ich weiß. Ich bin aber ebenso davon überzeugt, dass die meisten genau das können, was ich beschrieben habe und das macht sie so wertvoll. Die meisten, die ich kenne sind wertvoll und ich gehe fest davon aus, dass es auch die sind, die ich nicht kenne.
Wie entspannst du dich?
Bei einem Spaziergang oder indem ich mich einfach auf`s Sofa lege und Musik höre.
Dein Buch, das dir gerade jetzt am wichtigsten und liebsten ist:
Ich kam endlich dazu, „Die Säulen der Erde“ zu lesen. Sehr eindrucksvoll.
Was möchtest du deinen Lesern und Leserinnen gerne sagen?
Ich möchte meinen Lesern (wenn überhaupt) sagen, dass wir – außer Krieg, Tod oder Krankheit – unser Leben selbst bestimmen können. Und manchmal ist es gar nicht so wichtig, WAS wir tun, sondern DASS wir etwas tun. Bewegung im geistigen, körperlichen und Mental. Es ist wie mit einem Bankkonto. Entscheidend ist nicht, wie viel drauf ist, sondern dass ablesbar ist, ob Bewegung stattfindet.
Ich danke dir ganz herzlich für das Interview und wünsche dir viel Erfolg in deinem Tun.
Ich danke dir, für die Aufmerksamkeit und dass ich mich äußern durfte. Gruß, James.