Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03306.jsonl.gz/2162

Das Irish Council for Civil Liberties (ICCL) hat das Tracking der User und die Nutzung von persönlichen Daten bei Onlinewerbung untersucht. Im Fokus stehen Echtzeitgebotssysteme (Real Time Bidding, RTB) für User-Tracking und Werbe-Targeting. Diese Echtzeitgebote beinhalten die Weitergabe von Informationen über Internetnutzer, und zwar immer dann, wenn eine Person auf einer Website landet, die Werbung anbietet.
Die mit den Werbetreibenden geteilten Informationen können laut den Autoren fast alles umfassen, was hilft, Werbung zielgerichteter auszurichten. Dies reicht vom Standort, dem Alter und Geschlecht über die mögliche politische Ausrichtung, Einkommensstufe und vieles mehr, wie die Taxonomie des internationalen Wirtschaftsverbands der Onlinewerbebranche (IAB)
zeigt.
Das ICCL bezeichnet RTB als "den grössten Daten-Breach, der je verzeichnet" wurde. 197 Milliarden Mal täglich verfolge und teile RTB in Europa, was Menschen online sehen und wo sie sich befinden. In den USA sei es gar 294 Milliarden Mal täglich.
Die Ergebnisse stützen sich laut dem ICCL auf Branchen-Zahlen, die man aus vertraulichen Quellen erhalten habe. Rechne man die Zahlen herunter, bedeute dies, dass die Daten eines einzelnen Nutzers in Europa dem RTB 376-mal pro Tag ausgesetzt sind.
Die privaten Daten von Internetusern "werden an Firmen in der ganzen Welt, einschliesslich Russland und China, gesendet, ohne dass kontrolliert werden kann, was mit den Daten geschieht", heisst es im Report.
Im vergangenen Jahr war der RTB-Markt laut dem ICCL 117 Milliarden Dollar schwer. Der Web-Gigant Google ist gemäss dem Bericht der grösste Player. Zu den weiteren Anbietern gehören beispielsweise Facebook, Microsoft mit dem 2021 übernommenen Anbieter Xandr sowie Verizon oder Yandex. Google beispielsweise erlaube über 4500 Unternehmen RTB-Daten über Personen in den USA zu erhalten.
Nicht im ICCL-Bericht enthalten sind die RTB-Netzwerke von Amazon oder Facebook, da die für den Bericht verwendeten Kennzahlen deren Werbenetzwerke nicht umfassen würden, so das Council. Zusammen mit der Tatsache, dass nur ein Teil der Welt untersucht wurde, bedeutet dies wahrscheinlich, dass der Umfang der RTB-Branche noch viel grösser ist.
Und wie legal ist das Ganze?
Das ICCL spricht bei RTB von einem "Daten-Leck",
also Daten, die nicht ausreichend geschützt und exponiert werden. Von den Anbietern gerechtfertigt werde die Verwendung von RTB mit "legitimen Geschäftsinteresse" im Sinne der DSGVO. Aber, so ein Gartner-Analyst zu 'The Register'
, mehrere Regulierungsbehörden hätten diese Einschätzung bereits zurückgewiesen. Somit verstosse RTB gegen die DSGVO.
Die belgische Datenschutzbehörde hat jedenfalls festgehalten, dass RTB-Praktiken gegen die DSGVO verstossen. Zudem läuft dem 'Register'-Bericht zufolge derzeit eine Untersuchung gegen Google in Grossbritannien. Von Organisationen, die mit dem IAB zusammenarbeiten, wurde zudem verlangt, Daten zu löschen.