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Mit der raumbezogenen Intervention für den Turmsaal des neuen, von Jean Nouvel erbauten Kunstmuseums Luzern wird Armin Meilis Kunst- und Kongresshaus der Stadt Luzern (erbaut 1931-1933) Referenz erwiesen. Das alte Kunsthaus musste dem Neubau weichen, obschon Nouvels Siegerprojekt im internationalen Architekturwettbewerb noch eine Integration des Meili-Baus mit ergänzenden Bauten vorsah, das ganze Ensemble vereint unter einem riesigen Deckel.
Meili berichtet in seinen Memoiren vom Entschluss, sich am Wettbewerb für das Luzerner Kunst-und Kongresshaus zu beteiligen, so geschehen in Granada, auf seiner Hochzeitsreise, im Hintergrund noch “das Plätschern der Fontänen im Rosenhof des maurischen Palastes Generalife” im Dezember 1929, also vor genau 80 Jahren.
Insbesondere berichtet der Architekt aber von seinen ersten Entwürfen auf der Heimreise aus dem Süden via Eisenbahn, wo ihm die “glückliche Eingebung” wiederfuhr, die Basilika Santa Maria Maggiore zu Rom als Vorbild für seine Grundrissdisposition zu verwenden.
Die “Erfindung” der Gestalt der päpstlichen Patriarchalbasilika Santa Maria Maggiore gründet selbst bereits auf etwas, was sich mit “glücklicher Eingebung” nicht fassen lässt: Der legendären Überlieferung zufolge soll Papst Sixtus III. einen Flecken Neuschnee, als Fanal und marianische Willensbekundung erkannt haben, und so Dimension und Umriss des späteren Baus definiert haben. Bei einem Besuch im neuen Museum von Luzern riefen mir die drei monumentalen Lichtschächte, welche die Decke des Turmsaals gliedern, Meilis legendären gedanklichen Ausgangspunkt wieder in Erinnerung, und zwar in mehrfacher Hinsicht: In den drei von schwarzen schmalen Deckenöffnungen gesäumten Lichtbändern, glaubte ich nun einen letzten Rest jener basilikalen Dreigliederung zu erblicken, gleichzeitig erinnerte mich die Turmsaaldecke in einer weiteren Hinsicht an Santa Maria Maggiore, nämlich an das bestimmende Element des römischen Kirchenbaus, die kolossale Kassettendecke des Giuliano da Sangallo, erbaut 1493-98, jene gewaltige Struktur, welche der traditionellen Überlieferung nach mit dem ersten Gold aus der neuen Welt gefasst worden sein soll.
Die Installation jedoch handelt von der neuen Welt in noch anderem Sinne und hat mit Antonín Dvořák nur wenig zu tun, falls nicht zufällig Arturo Toscanini am Dirigentenpult stehen sollte. Thematisiert wird der kulturelle Transfer mit der prägendsten Kultur unserer Epoche, derjenigen Amerikas.
Sie schlägt den Bogen zu Andy Warhols “Silver Factory” und den “Specific Objects” eines Donald Judd, mit dem Versuch diese beiden massgeblichen bildnerischen Sprachen der amerikanischen Nachmoderne zu verbinden.
Luzern, im Dezember 2009