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Was tun, wenn sich nach einem vertragslosen Austritt Grossbritanniens aus der EU die Lastwagen vor dem Fährhafen Dover wegen Zollkontrollen kilometerlang stauen? Dieses Szenario eines harten Brexit hat die Regierung heute getestet und dafür 150 Lastwagenfahrer aufgeboten.
Martin Alioth
Grossbritannien- und Irland-Korrespondent, SRF
Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.
SRF News: Wie muss man sich diesen Brexit-Test vorstellen?
Martin Alioth: Die 150 Lastwagen sind auf dem ehemaligen Militärflughafen Manston nahe der Hafenstadt Ramsgate parkiert. Diese werden dann tröpfchenweise auf die Fahrt nach Dover geschickt. Um herauszufinden, in welcher Kadenz diese Lastwagen losfahren können, damit im Verladehafen Dover kein Stau entsteht.
Im Ernstfall wären es tausende von Lastwagen, die warten müssten. Wie sinnvoll ist dieser Test?
Das ist tatsächlich fraglich. Manston allein hat eine Kapazität für 6000 Lastwagen. Das ist aber nur der Überlauf. Die eigentliche Masse von gestauten Lastwagen wird auf zwei Spuren der Autobahn zwischen London und Dover parkiert werden. Manston käme also nur im schlimmsten Fall ins Spiel. Der eigentliche Stau ist woanders.
Die Regierung hat zusätzliche Fähren gebucht. Ein Millionenauftrag ging an eine Firma, die noch nie ein Frachtschiff betrieben hat. Das kam nicht gut an?
Nein, aber es hat für Amusement gesorgt. Die gewählte Firma «Seaborne Freight» hat gar keine Schiffe und keine Erfahrung mit Fährbetrieb. Deren Chef Glenn Dudley auch schon einmal bankrottgegangen, weil er seine Steuern nicht bezahlte. Nun erhielt er einen Auftrag über 13,8 Millionen Pfund, um Lastwagen von Ramsgate nach dem belgischen Ostende zu befördern. Allerdings ist der Hafen von Ramsgate für Fährschiffe zurzeit nicht zugänglich. Die Regierung hat ihr Vorgehen damit begründet, dass neue Firmen mit unternehmerischem Elan gefördert werden sollen. Die beiden anderen Aufträge gingen immerhin an erfahrene Fährdienstfirmen.
Was sagen die jüngsten Entwicklungen über den Brexit-Prozess aus?
Man kann das von zwei Seiten betrachten. Eine erste Perspektive gesteht der Regierung eine gewisse Raffinesse zu, wonach sie eine Drohkulisse aufbaue, um ihren wankelmütigen Abgeordneten vorzuführen, wie katastrophal dereinst ein vertragsloser Zustand wäre. Deshalb sollen sie in etwa zehn Tagen für den mit Brüssel ausgehandelten Kompromiss stimmen.
Die Aktion ist wohl eher dilettantisch als raffiniert.
Eine zweite Perspektive ist, dass die eine Hand der Regierung nicht weiss, was die andere tut und dass es sich tatsächlich um Dilettantismus und Inkompetenz handelt. Der lange Sündenkatalog mit Pannen, Fehlern und Fehleinschätzungen von Transportminister Chris Grayling legt die zweite Variante nahe.
Das Gespräch führte Antonia Moser.