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Geben ist seliger denn nehmen
Peter Mathys, Gerolfingen
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich als Kind freute, wenn ich irgendwo ein Geldstück gefunden habe. Das Gefühl, etwas Wertvolles gefunden zu haben, Geld gefunden zu haben, hat in mir ein Glücksgefühl ausgelöst. Auch wenn es nur von kurzer Dauer war. Ich habe dann jeweils das Geldstück aufgehoben, geküsst und in meine Hosentasche gesteckt.
Manchmal braucht es eine Studie, um zu verstehen, was passiert und um verblüffende Zusammenhänge zu realisieren. Es gibt eine berühmte Studie von Matt Weinstein und Dale Larsen über den so genannten „Random Act of Kindness“, also den zufälligen Akt der Güte. Sie belegt, dass die spontane Hilfsbereitschaft eines Menschen zunimmt, wenn er kurz vor der Situation, in der seine Hilfe benötigt wird, ein Glückserlebnis hatte.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einem anderen hilft, ist viermal so hoch, wenn ihm kurz vorher etwas Gutes widerfahren ist!
Um zu ihrem Institut zu gelangen, mussten Weinstein und Larsen durch eine Zahlstelle fahren. An dieser Stelle machten sie es sich zur Gewohnheit, für den nachfolgenden Wagen gleich mit zu bezahlen. Das Spannende dabei ist nun: Diese Person, die ein kleines unverhofftes Geschenk erhält, besitzt laut dem Ergebnis der Studie ein sehr grosses Potenzial, die kleine Geste weiterzugeben, also zum Dank gleich der nächsten hinter ihr fahrenden Person die Taxe zu bezahlen. Und dann das gleiche wieder, eine Kette von Freundlichkeit, von der niemand einen Nachteil, aber jeder einen Nutzen hat. Stellen Sie sich vor, diese Geste würde sich ewig weiter fortpflanzen und sich wie eine Welle verbreiten, die eines Tages zufällig wieder beim Auslöser ankommt … was für eine schöne Vorstellung.
Sie können jederzeit eine solche Welle auslösen. Jemanden zum Kaffee einladen, ein Buch schenken, einen Besuch machen, ein Kompliment machen, ein Lächeln schenken. Die einzige Bedingung: der Beschenkte darf sich nicht beim Schenker revanchieren, sondern muss das bei einem anderen Menschen tun.
Das oben beschriebene Prozedere mit dem gefundenen Geldstück mache ich übrigens heute noch! Erst kürzlich hat an einem Schalter ein Mann vor mir einen Fünfräppler fallen lassen. Er hat kurz runter geschaut, um dann das Geschäft zu verlassen, ohne das Geldstück aufzuheben. Es war ihm offensichtlich zu wenig, um sich zu bücken. Selbstverständlich habe ich den Fünfer aufgelesen, unter Schmunzeln der Kassierin geküsst und in meine Hosentasche gesteckt.
Seit einiger Zeit lassen meine Frau und ich, wenn wir irgendwo einen Automaten bedient haben, noch ein wenig Kleingeld im Retourfach. Wir stellen uns dann jeweils vor, wie der- oder diejenige, die den 10er oder 20iger findet, ein glückliches Gesicht macht und sich über die kleine Überraschung freut.
Wem haben Sie heute schon eine Freude gemacht?
Oder vielleicht sollte ich besser fragen: wann haben Sie das letzte Mal jemandem eine Freude gemacht? Welche?
Schreiben Sie mir doch etwas über Ihre Art, anderen eine Freude zu bereiten. Ich freue mich über jede Idee. Und wer weiss, vielleicht kommt ja Ihre Geste irgendwann als Überraschung wieder zu Ihnen zurück.
<email-pii>