Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/278

Ein Gericht hat entschieden, dass der französische Staat es versäumt hat, ausreichende Massnahmen zur Eindämmung der Luftverschmutzung in Paris zu ergreifen, was als eine bahnbrechende Entscheidung begrüsst wird.
Der Fall wurde von einer Mutter und einer Tochter eingebracht, die sagten, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe, als sie in der Nähe einer belebten Ringstrasse in der Stadt lebten. >> Artikel in BBC news
Die Luftverschmutzung ist laut der Agentur Public Health France für 48'000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich, eine halbe Million vorzeitige Todesfälle in Europa.
Der von NGO's unterstützte Fall war der erste, der von Einzelpersonen gegen den französischen Staat wegen gesundheitlicher Probleme durch Luftverschmutzung eingeleitet wurde.
Die Mutter, 52, und ihre Tochter, 16, sagten, dass die Behörden keine wirksamen Massnahmen gegen die Luftverschmutzung ergriffen hätten, insbesondere während einer schlechten Zeit im Dezember 2016.
"Der Staat hat einen Fehler begangen, indem er unzureichende Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen hat", als er es zwischen 2012 und 2016 versäumt hat, den Gehalt bestimmter Schadgase zu senken, sagte das Verwaltungsgericht in Montreuil ausserhalb von Paris in einer Erklärung.
"Für die Opfer der Umweltverschmutzung ist dies eine Premiere", sagte der Anwalt der Kläger, Francois Lafforgue, der Nachrichtenagentur AFP.
"Von nun an muss der Staat wirksame Massnahmen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung ergreifen, und die Opfer können hoffen, die Anerkennung ihrer Vorurteile zu erhalten", fügte er hinzu.
Das Gericht wies jedoch die Forderung der Mutter und der Tochter nach 160.000 € Schadenersatz zurück und sagte, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen ihren gesundheitlichen Problemen und der Untätigkeit des Staates finden könne.
Die beiden sagten, dass ihre Atemwegsprobleme - chronische Bronchitis und Asthmaanfälle - während Episoden von Spitzenbelastungen schlimmer waren. Sie verliessen Paris, um in Orléans, im Zentrum des Landes, zu leben, und sagen, dass sich ihre Gesundheit deutlich verbessert hat.
Etwa 40 Fälle zu diesem Thema wurden in den Städten Lyon, Lille oder Grenoble eingereicht und warten auf ein Urteil, heisst es in Berichten.
Paris kämpft seit Jahren gegen den hohen Smog, und die Behörden haben Geldbussen für jedes Fahrzeug eingeführt, das keine Plakette der Abgaskategorie "Crit'Air" trägt - Teil eines Systems zur Förderung emissionsärmerer Fahrzeuge.
Die Pariser Polizei sagte am Dienstag, dass nur Fahrzeuge, die in die Kategorie Crit'Air 0 bis 2 fallen, am Mittwoch in der Stadt zugelassen werden, da Ozonwerte Spitzenwerte erreichen werden und das Land sich im Griff einer möglicherweise rekordverdächtigen Hitzewelle befindet.
Mehrere Routen in der Hauptstadt sind nun für die Benutzung von Autos gesperrt, und ein 3 km langer Abschnitt des rechten Ufers der Seine ist zu Fuss zugänglich geworden.
Im Mai letzten Jahres wurde Frankreich - zusammen mit Grossbritannien, Deutschland, Italien, Rumänien und Ungarn - von der Europäischen Kommission wegen seiner langjährigen Nichteinhaltung der EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid vor Gericht gestellt (NO₂).
Früherer Artikel, Paris kämpft um Luftqualität
Bessere Luft in Paris dank Einschränkungen. Zum dritten Mal seit 1997 hat die französische Regierung am Montag in Paris und andernorts ein partielles Fahrverbot erlassen.
Wider Erwarten ist die drastische Verkehrsbeschränkung zur Verbesserung der Luftqualität von den meisten respektiert worden. Die Qualität der übermässig mit Feinpartikeln aus Heizungen, Industrie und Fahrzeugmotoren belasteten Luft hat sich merklich verbessert.
Empfehlung zur eigenenen Gesundheit: Komfortlüftung elliminiert bis 80 % der Feinstoffpartikel und entlastet damit die Lunge und den Blutkreislauf.
Bessere Luft in Paris dank Einschränkungen
Mit geraden Autonummern Fahrverbot für einen guten Zweck Neue Zürcher Zeitung vom 24.03.2015, rbp. Paris:
Mit einem Fahrverbot für Autos mit geraden Nummernschildern haben die Pariser Behörden am Montag versucht, die seit Tagen anhaltende Luftverschmutzung zu senken. Alle Automobilisten mit ungeraden Schildern durften ihr Fahrzeug benutzen. Freilich haben sich nicht alle sehr diszipliniert an dieses «alternierende Fahrverbot» gehalten. Wer mit einer geraden Nummer unterwegs war, riskierte aber eine Busse in Höhe von 22 Euro. Der öffentliche Verkehr und die Parkplätze waren dafür ausnahmsweise für alle gratis.
Erst zum dritten Mal in den vergangenen achtzehn Jahren haben die Behörden zu dieser drastischen Restriktion gegriffen. Seit Tagen schon waren bei den Messungen die Alarmwerte erreicht oder übertroffen worden. Man brauchte keine raffinierten Messinstrumente, um festzustellen, wie stark schon in der vergangenen Woche die Luft verschmutzt war. Vor allem die von schlecht gefilterten Dieselmotoren ausgestossenen Feinpartikel waren beim Blick gegen das Sonnenlicht von blossem Auge zu erkennen. Viele reagieren allergisch mit Kopfweh, tränenden Augen, gereizten Nasenschleimhäuten oder asthmatischem Husten.
Aufgrund der Erfahrung weiss man, dass solche Beschränkungen zwar unpopulär, aber effizient sind. Das letzte Mal, vor einem Jahr, wurde der Verkehr durch das teilweise Fahrverbot in der Innenstadt um 18 Prozent und im Vorortsgürtel um Paris um 13 Prozent vermindert. Die Belastung der Luft durch Feinpartikel sank um 6, diejenige durch Stickoxide um 10 Prozent. Schon für Dienstag konnte dank einer leichten Verbesserung der Luftqualität auf ein erneutes Fahrverbot, dieses Mal für die ungeraden Nummern, verzichtet werden.
Rudolf Balmer, Paris (nzz 18.3.14)
Erstmals seit 1997 hat die französische Regierung am Montag in Paris und andernorts ein partielles Fahrverbot erlassen. Mehr als 4000 Undisziplinierte sind von der Polizei gebüsst worden.
Der erste Tag mit der «circulation alternée» hat den notorischen Schwarzmalern und Nörglern in Paris nicht recht gegeben. Wider Erwarten nämlich ist die drastische Verkehrsbeschränkung zur Verbesserung der Luftqualität von den meisten respektiert worden. Die Qualität der übermässig mit Feinpartikeln aus Heizungen, Industrie und Fahrzeugmotoren belasteten Luft hat sich merklich verbessert. Ob das direkt mit der Verkehrsbeschränkung zusammenhängt oder mit veränderten Wetterbedingungen, ist noch nicht definitiv geklärt. Am Montag durften in der Hauptstadt und zwanzig anderen Gemeinden nur Fahrzeuge mit ungeraden Nummern verkehren. Am heutigen Dienstag wäre dann prinzipiell die andere Hälfte der Automobilisten vom Fahrverbot betroffen. Diese aussergewöhnliche Restriktion der Luft zuliebe wurde teils mit dem Hinweis auf den «guten Zweck» gebilligt, teils aber bloss murrend akzeptiert, wie das Konversationen von Passagieren in der Metro zu entnehmen war, die nur gezwungenermassen die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt haben.
Auf den Zufahrten haben rund 700 Polizisten dem teilweisen Fahrverbot mit Kontrollen Nachachtung verschafft. Bis Mitte Nachmittag sind laut offiziellen Angaben bereits mehr als 4000 Undisziplinierte gebüsst worden. Manche von ihnen glaubten, eine gute Ausrede zu haben, oder versuchten, sich auf die zahlreichen Ausnahmebewilligungen zu berufen, welche die Polizeipräfektur vor allem für berufliche Transporte angekündigt hatte: So durften beispielsweise Ambulanzen, Fahrzeuge von Leichenbestattern und Lieferanten verderblicher Lebensmittel, Handwerker sowie auch die Journalisten ungeachtet ihres Nummernschilds fahren. Für die ausländischen Touristen war das Verbot ebenfalls nicht gültig.
Auch so hatte diese drakonisch anmutende Massnahme bereits positive Nebenwirkungen. Da Autos mit mindestens drei Personen nicht von den Einschränkungen betroffen sind, haben sich oft Nachbarn, Arbeits- oder Studienkollegen aus den Vororten für den Transport zusammengetan. Die Online-Mitfahrzentralen registrierten Anfragen und Angebote in Rekordzahl. Bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben, die zum Teil von der zusätzlichen Nachfrage überfordert waren, setzt ein Umdenken ein: Die RATP (Pariser Metro- und Busbetriebe) verspricht, anstelle der jetzigen Dieselfahrzeuge würden bis 2025 nur noch saubere elektrisch betriebene Busse eingesetzt.