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Abstimmung über den Kredit für den Ersatzneubau der Eishalle in den Zweckverbandsgemeinden Au, Berneck, Diepoldsau und Widnau
Die Gemeindepräsidien der beteiligten Zweckverbandsgemeinden Au, Berneck, Diepoldsau und Widnau haben mit Blick auf die Kreditabstimmung vom 19. November 2023 über den Ersatzneubau der Eishalle eine Broschüre mit Fakten und Informationen verfasst, die in den nächsten Tagen in alle Haushalte der beteiligten Gemeinden verteilt wird. Diese Vorinformation wird ergänzt durch zwei Informationsveranstaltungen Ende Oktober und Anfang November. Da am 19. November unter Umständen der 2. Wahlgang für den Ständerat stattfindet, werden die Abstimmungsunterlagen kurzfristiger verschickt als sonst für kommunale Abstimmungen üblich. Die Vorinformationen ermöglichen den Stimmberechtigten eine erste Auseinandersetzung. Sie sind ein Beitrag zu einem überzeugten JA in allen Zweckverbandsgemeinden. Bei nur einem NEIN wird die Eishalle Ende Saison 2023/24 durch den Kanton geschlossen. Der Zweckverband wird in der Folge Gebäude und Anlagen sauber und gesetzeskonform abbrechen.
Von der Genossenschaft zum Zweckverband
Die bestehende Eishalle in Widnau wurde 1978 von der Genossenschaft Kunsteisbahn Mittelrheintal in kurzer Bauzeit mit Betonfertigelementen «auf der grünen Wiese» neben dem Freibad Widnau erstellt. Finanziert wurde der Bau durch die Zeichnung von Genossenschaftsanteilen von Privatpersonen, durch Sponsoring von Gewerbe und Industrie sowie Baubeiträge der Gemeinden des Mittelrheintals und Bundessubventionen. Balgach leistete wegen des Hallenbads, das gleichzeitig gebaut wurde, nur einen Baubetrag; die Gemeinden Au, Berneck, Diepoldsau und Widnau hingegen finanzieren seither auch den Betrieb mit. Ende der 1990 Jahre explodierten die Betriebskosten und die Gemeindeanteile mussten markant erhöht werden. 2003 drohte der Genossenschaft Kunsteisbahn Mittelrheintal die Illiquidität. Die vier beteiligten Gemeinden haben eine «Auffanglösung» entworfen: Sie gründeten einen Zweckverband und übernahmen die Eishalle gemeinsam in Eigentum und Unterhalt. Der Zweckverband Kunsteisbahn Rheintal - kurz KEB - hat dann mit der Standortgemeinde Widnau eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen. Diese führt den Betrieb nun seit 20 Jahren. Der Leistungsauftrag ist eine Win-Win-Situation, die sowohl den Sportanlagen Widnau wie der Eisbahn einen kostengünstigen Betrieb ermöglicht.
Längerfristige Unterhaltsplanung
Dem Verwaltungsrat des Zweckverbands KEB war der Unterhalt der Eishalle immer wichtig; er hat in den letzten 20 Jahren regelmässig investiert. Seit dem Bau funktioniert die Eishalle mit derselben Kühltechnik, einer Einkreisanlage mit Ammoniak. 2004/5 wurde auf Anordnung des Kantons bzw. des kantonalen Amts für Umwelt AfU mit einem technischen Massnahmenpaket das eingesetzte Ammoniak von 4'000 kg auf 1'800 kg reduziert. In den folgenden Jahren tätigte der Zweckverband KEB weitere Investitionen, um das Störfallrisiko zu verringern. 2018 hat das kantonale Amt für Umwelt AfU die Kunsteisbahn Mittelrheintal aus dem Geltungsbereich der Störfallverordnung entlassen. Zur längerfristigen Zukunftssicherung der Eishalle hat der Verwaltungsrat des Zweckverbands 2020/21 eine Sanierungsstudie in Auftrag gegeben. Dabei haben die Fachingenieure festgestellt, dass trotz einer kostspieligen Sanierung erhebliche bauliche, betriebliche und anlagentechnische Defizite nicht zu korrigieren sind. Wegen des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses einer Sanierung haben die Fachleute dringend empfohlen, mittel- bis längerfristig einen Ersatzneubau in Erwägung zu ziehen. Der Verwaltungsrat hat daraufhin im Februar 2022 eine Machbarkeitsstudie mit Kostenschätzung in Auftrag gegeben. Die entsprechenden Ergebnisse liegen seit Oktober 2022 vor.
Schliessungsverfügung und Grundsatzabstimmung
Und es kommt oft anders als geplant: Im Sommer 2022 hat der Kanton St. Gallen bzw. das Amt für Umwelt AfU eine bau- und anlagentechnische Kontrolle durchgeführt. Das Ergebnis war unerwartet negativ: Nebst anderen konstruktiven Defiziten stufte das AfU das bestehende Kühlsystem als erhebliches Sicherheitsrisiko ein und verfügte Anfang September 2022 die sofortige Schliessung der Eishalle. Der Zweckverband hat gegen diese Verfügung rekurriert. In Einigungsverhandlungen erlaubte das AfU dann aufgrund der Umsetzung von Sofortmassnahmen, die Saison 2023/24 trotzdem zu eröffnen, allerdings unter dem Vorbehalt der Anlagenschliessung auf Saisonende. Der KEB-Verwaltungsrat und die Räte der beteiligten Gemeinden haben angesichts dieser Sachlage beschlossen, umgehend zu handeln. Sie entschieden, auf der Basis der vorliegenden Machbarkeitsstudie und der Kostenschätzung eine Kreditabstimmung über einen Ersatzneubau der Eishalle zu organisieren. Sie informierten darüber an den Bürgerversammlungen im März 2023. Mit diesem Vorgehen soll verhindert werden, dass die «alte» Eishalle ohne Anschlusslösung geschlossen werden muss. Die Kreditabstimmung am 19. November 2023 ist somit eine Grundsatzabstimmung über die Zukunft des Eissports im Rheintal.
Machbarkeitsstudie als Grundlage
Die vorliegende Machbarkeitsstudie umfasst einen Ersatzneubau mit folgendem Raumprogramm: Im Untergeschoss ist wieder eine Tiefgarage vorgesehen, mit 85 Parkplätze, wie heute, sowie Lager- und Technikräume. Im Erdgeschoss befindet sich das Eisfeld mit dazugehörigen Service- und Technikräumen und Garderoben; im Obergeschoss eine Tribüne mit rund 400 Sitz- und 900 Stehplätzen, im Dachgeschoss und auf dem Dach technische Armaturen sowie eine Photovoltaikanlage. Die Kostenschätzung für den Ersatzneubau wurde von den spezialisierten Fachplanern mit Vergleichszahlen von Eishallen-Neubauten erarbeitet, die in den letzten Jahren in der Schweiz erstellt wurden. Auf diesem Planungsstand ist von einer Investitionssumme von 24 Mio. Franken auszugehen mit einer Unsicherheit von ± 25 Prozent gemessen am Baukostenindex vom April 2022. Die Machbarkeitsstudie ist kein ausformuliertes Bauprojekt. Aufträge für die detaillierte Ausarbeitung des Bauprojekts werden erst und nur dann ausgeschrieben, wenn die Zweckverbandsgemeinden den Kreditbeschluss am 19. November 2023 genehmigt haben.
Synergien mit der Standortgemeinde
Das Raumprogramm für den Ersatzneubau der Eishalle sieht vor, Synergien zu stärken und dadurch Vorteile und Mehrwerte für den Zweckverband und die Standortgemeinde Widnau zu generieren. So soll der bestehende Zwischentrakt komplett neu gebaut werden, was eine kompakte Raumanordnung ermöglicht. Vorgesehen ist ein gemeinsamer zentraler Eingang für Eishalle und Sportzentrum, der neu auch als Eingang für das Schwimmbad dient. So soll nur noch eine zentrale Kasse und ein einziger Gastrobetrieb für alle Sportanlagen auf der Aegeten geführt werden. Das entspricht der räumlichen Entwicklungsperspektive, die der Gemeinderat Widnau in seiner Masterplanung von 2016 für das Sportzentrum Aegeten skizziert hat. Mit dem Ersatzneubau der Eishalle kann zudem ein stimmiges gebäudetechnisches Konzept umgesetzt werden, was für das Energie- und Abwärme-Management der Eishalle unabdingbar ist. Die gemeinsam genutzten Räume werden kostenmässig hälftig von der Standortgemeinde Widnau getragen (3 Mio. Franken); Räume und Technikanlagen, die nur der Gemeinde Widnau dienen, werden von dieser alleine finanziert (Fr. 700'000). Ohne Ersatzneubau der Eishalle ist eine räumliche Optimierung für das Sportzentrum nicht möglich und ohne die baulichen Ergänzungen der Anlagenteile der Gemeinde Widnau kann der Ersatzneubau der Eishalle nicht optimal konzipiert werden. Damit ist das vorgeschlagene Raumkonzept für alle Beteiligten eine Win-Win-Lösung.
Grundinfrastruktur für Veranstaltungen in der eisfreien Zeit
Bei der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie wurde auch die Frage der Mehrfachnutzung thematisiert. Eine Multifunktionsnutzung bedeutet, dass auch während der Eissaison die Eishalle schnell und perfekt für andere Nutzungen oder (Sport-)Events umgerüstet werden kann. Solche Hallen sind bedeutend teurer als einfache Eishallen oder einfache Mehrzweckhallen, weil sie erhöhte bautechnische und räumliche Voraussetzungen erfüllen müssen. Der Verwaltungsrat der KEB und die Gemeinderäte der Zweckverbandsgemeinden haben deshalb auf die Multifunktionsoption verzichtet. In der eisfreien Zeit ist die Nutzung für Firmenveranstaltungen jedoch möglich. Die Eishalle soll mit Leitungen und Vorrichtungen so vorbereitet werden, dass Veranstalter solcher Anlässe die nötigen audio-visuellen Ausrüstungen schnell montieren können.
Attraktives Angebot von Sportstätten in der Region: Eishalle im Mittelrheintal
Im Rheintal sind die Verantwortlichkeiten für die grossen überkommunalen und regionalen Sportanlagen fair verteilt. Balgach hat das Hallenbad, das soeben grundsaniert und erweitert wurde. Die Oberrheintaler Gemeinden betreiben – ebenfalls in einem Zweckverband – den rundum erneuerten Bäderpark in Altstätten. Mit der Eishalle in Widnau leisten die Mittelrheintaler Gemeinden ihren Beitrag an das attraktive Angebot an Sportstätten im Rheintal. Eine Umfrage bei den anderen Rheintaler Gemeinden hat gezeigt, dass der bisherige Standort in Widnau für einen Ersatzneubau der Eishalle alternativlose Vorteile hat. So z.B. die optimale Verkehrsanbindung (künftig auch mit dem Ortsbus), Parkierungsmöglichkeiten, Gastronomie, sportliche Umgebungsattraktivität und betriebliche Synergien. Zudem stellt die Gemeinde Widnau das Baurecht nach wie vor kostenlos zur Verfügung.
Finanzierung durch die vier Zweckverbandsgemeinden
Gemäss der Zweckverbandsvereinbarung müssen die Stimmberechtigten aller vier beteiligten Gemeinden dem Kreditantrag zustimmen, und zwar jede Gemeinde über ihren Anteil an den Investitionen von 24 Mio. Franken proportional zu ihrer Einwohnerzahl (Au: Fr. 6'750'000, Berneck: Fr. 3'260'000; Diepoldsau: Fr. 5'560'000; Widnau: Fr. 8'342'000). Für die Standortgemeinde Widnau kommen zu ihrem Investitionsanteil im Zweckverband noch rund 3,7 Mio. Franken zusätzlich dazu für die gemeinsam oder allein genutzten Räume, sodass Widnau insgesamt 12 Mio. Franken oder 42 Prozent trägt vom Gesamtkreditvolumen von 27,5 Mio. Franken (Zweckverband: 24 Mio. Fran-ken, Widnau: 3,7 Mio. Franken). Amortisiert werden soll die Investition innert 35 Jahren.
Konsequenzen der Abstimmung
Bei einem JA in allen Gemeinden wird mit einer Planungsdauer von rund 1½ Jahren und einer Bauzeit von rund 18 Monaten gerechnet. Während der Bauzeit müssen die beiden „Hausvereine“ - der Schlittschuhclub Rheintal SCR und der Eislaufverein Mittelrheintal EVM - ihren Trainingsbetrieb reduzieren und auf andere Anlagen ausweichen. Auch die rund 8‘000 Eisportlerinnen und Eissportler, die den öffentlichen Eislauf nutzen, müssen sich während der Bauzeit nach Alternativen umsehen.
Bei einem NEIN in einer oder mehreren Zweckverbandsgemeinden kann der Ersatzneubau der Eishalle nicht realisiert werden. Die bestehende «alte» Eishalle wird nach Saisonende 2023/24 geschlossen; die Eisaufbereitungsanlagen stillgelegt. Der Zweck-verband wird in der Folge Gebäude und Anlagen sauber und gesetzeskonform abbrechen.
Beilagen: siehe "Dokumente" unten
Zugehörige Objekte
|Name|
|Machbarkeitsstudie Ersatzneubau Kunsteisbahn Rheintal||Download||0||Machbarkeitsstudie Ersatzneubau Kunsteisbahn Rheintal|
|Informationsbroschüre Ersatzneubau Kunsteisbahn Rheintal||Download||1||Informationsbroschüre Ersatzneubau Kunsteisbahn Rheintal|