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Spuren...
für Violine/Stimme und Ensemble
In vergangenen Zeiten wählten die Komponisten für ihre Violinkonzerte öfters die Tonart D-Dur: Beethoven, Brahms, Tschaikowsky... Sie ist ideal fürs Instrument, ähnlich wie Es-Dur, das sich für Hornkonzerte besonders bewährt hat.
Die Resonanzverhältnisse der Violine werden durch die Wahl dieser Tonart günstig ausgenützt. Die mitschwingenden leeren Saiten des Dominant- und Subdominantbereiches des Instrumentes beeinflussen die Klangfarbe und das Volumen in besonderer Weise.
Der oft wiederkehrende Ton „ d’ “ in Spuren... ist in diesem Sinne ein Relikt aus früheren Zeiten. Er wirkt quasi als eine „moderne Tonika“. Oft spinnen sich meine Kompositionen um zentrale Töne, die als Ausgangs- und Endpunkt, als „notes pivot“ (Angelpunkt-Töne), sowie als Bindeglieder zwischen verschiedenen Entwicklungen dienen und als Resonanzen ausklingender Phrasen mitschwingen und damit das Stück strukturieren. Diese Disposition erlaubt einerseits Anklänge an ältere Musik, stellt aber auch Ausgangspunkte für ganz leise „Zitate“ neuer Musik dar. Mikrointervalle, geräuschhafte Episoden und dichte, cluster-artige Tonaggregate, die selber bereits an zurückliegende Zeiten erinnern, wo die Entdeckung neuer, andersartiger Klangquellen der Instrumente die Hauptbeschäftigung der Komponisten bildete (60er und 70er Jahre).
Interessanterweise fällt diese Phase der Musikgeschichte in die gleiche Epoche, wie der Höhepunkt der Forschung in Bezug auf die Wiedergabe alter Musik auf historischen Instrumenten. Der Beizug der Stimme zum Instrumentalspiel hätte eigentlich bereits in alten Zeiten „entdeckt“ werden können...
Die Suche nach der Vorstellung der von Bernd Alois Zimmermann postulierten und in den Mittelpunkt gestellten „Kugelgestalt der Zeit“ im musikalischen Ausdruck, findet in Spuren... auf verschiedenen Ebenen statt. Gravitationskräfte, die der Musik grundsätzlich innewohnen, ermöglichen eine Synthese und eine Annäherung reich verzweigter Tendenzen der Musiksprache, die zu einer umfassenden Einheit führt.
J-L.D.