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Kann das Tessin aufatmen?
GOTTHARD-SANIERUNGSTUNNEL – Wird eine Sanierungsröhre gebaut, so bleibt die Verbindung ins Tessin jederzeit gewährleistet, sagt der Bundesrat.
Jean-François Dominé – Der Gemeindepräsident von Biasca befürchtet fatale Konsequenzen für das Tessin, wenn im Februar nicht ein JA zur Sanierungsröhre am Gotthard zustandekommt.
Jean-François Dominé befürchtet, dass seine Gemeinde für allfällige Verladestationen im engen Tal die besten Böden hergeben und verbauen lassen muss.
Bild: André Albrecht
Schweizerische Gewerbezeitung: Im Februar stimmt das Volk über eine zweite Röhre am Gotthardtunnel ab, um den Verkehr im Tessin und besonders auch hier in Biasca während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels aufrecht zu erhalten. Was bedeutet dies für Sie?
Jean-François Dominé: Schliessen Sie für einen Moment die Augen und stellen Sie sich den Kanton Baselstadt, den Kanton Genf oder den Kanton Schaffhausen vor, wenn diese nur mit dem Zug erreicht werden könnten. Und dies während drei Jahren. Es wäre für das Tessin fatal, während drei Jahren vom Rest der Schweiz abgeschnitten zu sein.
Welches sind die wirtschaftlichen Konsequenzen für das Tessin, wenn es zu einer Vollsperrung kommen würde?
Die wirtschaftlichen Konsequenzen für Biasca, für die Leventina und für das gesamte Tessin wären katastrophal. Die Verbindungen zum Rest der Schweiz sind sehr wichtig und dürfen unter keinen Umständen gekappt werden.
Studien haben gezeigt, dass die Kantone Uri, Tessin und Graubünden bis zu 300 Millionen Franken Verlust machen würden, wenn die Vollsperrung eintrifft. Wie stehen Sie dieser Prognose gegenüber?
Diese Prognose ist meiner Meinung nach immer noch zu optimistisch. Der wirtschaftliche Verlust im Tessin wäre wesentlich grösser. Die Region hat bereits heute wirtschaftliche Probleme, weil wir von Italien abhängig sind. Ich würde den Verlust auf 100 Millionen Franken für das Tessin schätzen.
Für den Kanton Tessin ist auch der Tourismus ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Werden die Touristen ausbleiben, wenn sie nicht mehr flexibel an- und abreisen können?
Das Tessin investiert viel in den Tourismus. Die Mehrheit der Kunden kommt aus der Alpenregion. Die meisten kommen mit dem Auto in unsere Region. Wenn das plötzlich nicht mehr gehen würde, wäre das ein grosser Schock.
Erwarten Sie eine Abwanderung aus Biasca, wenn es zur Vollsperrung kommt?
Die Bevölkerungsentwicklung von Biasca ist relativ stabil. Die Bevölkerung der Leventina hingegen nimmt seit Jahren stetig ab. Es ist klar, dass eine Vollsperrung diese Abwanderung noch fördern würde.
In Airolo soll die Verladestation für Personenwagen gebaut werden, in Biasca diejenige für den LkW-Verlad. Gibt es überhaupt genügend Landreserven für eine solch grosse Anlage?
Nein, definitiv nicht. Wir haben nicht genug Platz. Den wenigen Platz, den wir noch haben, wollen wir dazu nutzen, unsere industriellen Zonen auszubauen.
Dieses Land gehört teils den Kantonen, teils Privaten. Wird es zu Enteignungen kommen?
Dieses Risiko ist hoch und muss unbedingt vermieden werden. Politisch wäre dies fatal. Wir müssen dies unbedingt vermeiden. Deshalb müssen auch solche Verladestationen verhindert werden.
Werden Sie sich gegen eine eventuelle Enteignung wehren?
Die Gemeinde Biasca wird mit allen dazu stehenden Kräften und Mitteln dagegen ankämpfen.
Interview: Stéphanie Jenzer
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