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TEIL 1: 1919-1949
30 Jahre VESLIC
Jubiläumsbericht zum 30-Jährigen
Bestehen des Vereins Schweizerischer Lederindustrie-Chemiker (VESLIC)
Von
Dr. A. Gansser
28. Juni 1949
DREISSIG JAHRE VESLIC
Es war am 18. Mai 1919, als im Hotel "Rütli" in Luzern, also nicht auf dem Rütli, unser Verein gegründet wurde. Immerhin ein gutes Omen für lange Dauer, habe ich mir gedacht.
Ich hatte bereits am 29./30. September 1918 an der Generalversammlung des Verbandes Schweizerischer Gerbereibesitzer (V.S.G.) im Hotel Union, Luzern, den Antrag zur Gründung gestellt. Am 31. März 1919 habe ich mit dem damaligen Sekretär des V.S.G., Herrn Dr. A. Stahel, ein Rundschreiben an Firmen versandt in welchem die Gründe aufgeführt wurden, welche die Zweckmässigkeit eines solchen Vereins darlegte. Die Hauptveranlassung zur Gründung war der Umstand, dass als Folge des ersten Weltkrieges der Internationale Verein der Lederindustrie Chemiker (IVLIC) sich in zwei Verbände aufteilte, indem die damaligen alliierten Länder einen neuen Verband gründeten, nämlich die Society of Leather Trades Chemists (SLTC). Da die Schweizer vordem keinen eigenen Verband und auch keine Sektion im IVLIC bildeten, waren sie in den verschiedenen Landessektionen zerstreut und so bildete sich eine unhaltbare Situation; denn der Trennungsstrich zwischen IVLIC und ISLTC schien eher länger als kürzer zu werden.
Es war aber noch ein zweiter Grund, welcher mich zu diesem Schritte bewog. Es erschien mir als eine schweizerische Pflicht, eine „Brücke“ zu bauen, um eine gelegentliche Verständigung zwischen den Angehörigen der Zentralstaaten und den Ententestaaten zu erleichtern. Sollte diese Verständigung erfolgen, so wäre dar VESLIC unter Umständen bereit gewesen, als Sektion den wiedervereinigten bei den Gesellschaften beizutreten. Deshalb wurden die Statuten denjenigen der Internationalen Verbände angepasst und die Möglichkeit des Anschlusses an einen andern Verband in unsern statuten vorgesehene.
Der V.S.G. stimmte diesem Projekt zu. Schon im April 1919 hatte sich eine grössere Anzahl Einzel-Mitglieder und Firmen angemeldet.
Bereits am 19. Juli 1919 lief ein Glückwunschbrief des Vorsitizenden des IVLIC, Herrn Prof. Dr. H. Becker in Frankfurt a/M, Erfinder des Erodins, ein. Er sagte unter anderem: "Auch Ihrem edlen Schweizervolk hat der Krieg gar manche Opfer auferlegt und wie manches Mal hatten wir Deutsche Gelegenheit, die wohlwollende Haltung der Neutralen, - an erster Stelle der Schweiz, - dankbarst zu empfinden. Auch unserm IVLIC und seinem Collegium kam diese Stellungnahme zugute und auch dafür spreche ich Ihnen und den mit Ihnen vereinten Schweizermitgliedern, so weit es an mir ist, den allerherzlichsten Dank aus ……"
Von beiden Mächtegruppen konnten an der Vorstandsitzung vom 23. Juli 1919 in St. Gallen Glückwunschreiben verlesen werden.
Die interne Organisation des VESLIC gestaltete sich wie folgt:
Präsident: Dr. A. Gansser, Basel, Generalsekretär der SLTC.
Vize-Präsident: H. Staerkle, Präsident des Verbandes Schweizerischer
Gerbereibesitzer,
(V.S.G.)
Sekretär: Dr. A. Stahel, Sekretär des V.S.G
Quästor: Dr. A. Besson, Betriebs-Chef der Chemischen Fabrik
Althaus AG., Zollikofen /Bern
Mit dem IVLIC wurde ein zweijähriger Vertrag für Lieferung des Collegiums an unsere Mitglieder abgeschlossen; ebenfalls mit Le Cuir technique. Ein analoges Abkommen mit der SLTC für Abgabe des "Journal" kam nicht zustande (Mitteilung in der Vorstandsitzung vom 11.9.1920). Am 23. Januar 1919 fand die erste Vorstandsitzung statt und zwar in der Handelshochschule in St. Gallen.
Am 24. Juli 1919 zählte der Verein 29 Mitglieder
am 31. Dezember 1920 48 Mitglieder
am 30. Juli 1926 54 Mitglieder
Der Mitgliedsbeitrag pro Jahr betrug Fr. 25.-- plus Fr. 5.-- Eintrittsgebühr nebst Gratislieferung des Collegiums oder Cuir technique. Ohne Collegium Fr. 10.-- oder ohne Cuir technique Fr. 10.--. Ihr derzeitiger Präsident, Herr Prof. Dr. Engeler, ist am 23. Oktober 1925 zum ordentlichen Mitglied ernannt worden.
Abermals im "Rütli" wurde in der Vorstandsitzung vom 11. September 1920 auf Antrag des Präsidenten Herr Dr. A. Kägi zum Sekretär und Kassier des VESLIC ernannt, da Herr Dr. Stahel eine anderweitige Betätigung gefunden hatte und Dr. Besson als Professor für Chemie am Technikum Winterthur ernannt wurde. Sekretariat und Kasse kamen daher in seine Hand.
Da die Zeitschrift der Ententegruppe nicht erhältlich
war, wurde die Schaffung einer eigenen Rundschau beraten unter Anschluss an
eine bestehende Zeitschrift, jedoch fallengelassen und die Sohweizerische
Lederindustrie-Zeitung in Rapperswil als offizielles
Organ bestimmt.
Die Tätigkeit des VESLIC verlief in den nächsten
Jahren ohne wesentliche Ereignisse. Je nach Bedarf wurden im Laufe des Jahres
Vorstandsitzungen abgehalten und der Vorstand erweitert. Die Jahresversammlung
wurde jeweilen mit derjenigen des V.S.G. zusammengelegt. Bereits schon im Jahre
1920 zeigte sich jedoch das Bedürfnis, eigene Mitgliederversammlungen
abzuhalten und somit auf gemeinsame Vorträge mit dem V.S.G. zu verzichten. Auf
Vorschlag, von Herrn Dir. Kurz wurden alljährlich sogenannte "Freie
Vereinigungen" organisiert. Die erste fand am 11. September 1920 in Luzern
statt. Ein oder mehrere Kurz-Vorträge in Verbindung mit einem Betriebsbesuch im
Spätherbst war das übliche. Diese Veranstaltungen haben sich bis auf den
heutigen Tag bewährt. Der VESLIC nahm überdies regen Anteil am internationalen
Verbandsleben und wurde an alle Veranstaltungen der beiden internationalen
Verbände eingeladen, denen auch meistens Folge geleistet werden konnte, sei es
durch besondere Delegierte, sei es durch den Präsidenten, der 1919 - 1923 als
Generalsekretär der SLTC und 1923 - 1925 als deren Präsident exufficio
teilnahm. An den wissenschaftlichen
Kommissionen der SLTC und des IVLIC nahm der VESLIC regen Anteil. In erster Linie war es Herr Prof. J. Jovanovits sel. von der Versuchsanstalt St. Gallen und später sein Nachfolger Prof. Dr. A. Engeler. Da man sich damals in enger Zusammenarbeit mit den internationalen Vereinen befand, ergab sich keine Notwendigkeit zum Ausbau eigener Studienkornmissionen. Überdies wurde im Schosse des V.S.G. eine besondere Technische Kommission geschaffen. Immerhin wurde eine Analysenkommission für Gerbstoffe äm Jahre 1921 gegründet, für' welche Prof. Jovanovits als Referent am nächsten internationalen Kongress bestimmt wurde. Weitere Kommissionsmitglieglieder waren der Präsident, Dr , Besson und Dr , Schenkcr. In Lausanne (20.9.1921) wurde das erste Arbeitsprogramrn der Analysenkommission durch Prof Jovanovits vorgelegt.
An der Jahresversammlung 1920 und dann wieder in der "Freien" am 15. Januar 1921 referierte der Präsident über die Frage der Bekämpfung der Dasselfliege in der Schweiz und wies auf die Notwendigkeit einer Bekämpfungs-Organisation hin. Der VESLIC entschied sich in der Folge zur Schaffung einer besondern Kommission, der Schweizerischen Häuteschädekommission (SHSK), die am 2L April 1921 in Basel gegründet wurde.
Es ist eine allgemeine Erscheinung, dass nach dem ersten begeisterten Vorstoss ein Abflauen festzustellen ist , So steht beispielsweise im Jahresbericht für das Jahr 1921:
"Die finanzielle Situation des Vereins ist keine hoffnungsvolle, wie aus dem Kassenbericht ersichtlich ist. Der Kassier war veranlasst, säumige Mitglieder an die Bezahlung ihrer Beiträge zu erinnern.
Der Vorstand war und ist bestrebt, den Mitgliedern durch Versammlungen, Vorträge und Publikationen möglichst viel zu bieten."
Im Jahresbericht pro 1923 wird dem Bedauern darüber
Ausdruck gegeben, dass die 3. Freie Vereinigung schlecht besucht war , trotz
dem aktuellen Vortrag von Prof , Jovanovits über "Künstliche Gerbstoffe und Gerbstoffersatz". Wir hatten leider den Fehler begangen, die Veranstaltung während der Mustermesse in Basel abzuhalten.
Besser ging es in der "Freien" vom 5. Dezember 1924 in Schönenwerd. Gemäss Präsenzliste waren 52 Mitglieder anwesend. (1926 zählte der Verein 54 Mitglieder).
Programm: Einladung zur Besichtigung der Bally Schuhfabriken AG., des Bally-Museums unter Führung von a. Nationalrat
E.
Bally-Prior, - anschliessend Mittagessen im "Storchen",
von der Firma offeriert und zum Kaffee Vortrag von Herrn
Chollet, Chemiker der Firma Bally, über Lederschäden in der Schuhfabrikation. Kommentar überflüssig.
Es würde zu weit führen, alle Betriebsbesuche und die Gastfreudigkeit der betreffenden Unternehmen zu beschreiben, - ebenso die zahlreichen Vorträge im eigenen Rahmen oder an ausländischen Kongressen.
Immerhin sei erwähnt, dass uns der Nobelpreisträger, Prof. Karrer, einige Jahre als Mitglied angehörte und am Basler-Kongress im Jahre 1931 den Eröffnungs-Vortrag hielt. Ebenso war später ein zweiter Nobelpreisträger, Herr Dr. Muller von der Firma Geigy AG. unser Mitglied. Er beschäftigte sich damals mit den synthetischen Gerbstoffen, wodurch er dann in die Schädlingsbekämpfung übersetzte.
Während die Häuteschädenkommission in den Sektionen der internationalen Vereine fast ausschliesslich aus Chemikern bestand, wurde bei uns anders vorgegangen, d.h., man gelangte hauptsächlich an Irrteressenten-Verbände und deren Exponenten. Es ergab sich in der Folge, dass die SHSK sich auf eigene Füsse stellten musste und es seither so geblieben ist. Auch hatte sie anfangs das Budget des VESLIC zu sehr belastet.
Im Jahre 1924 erachtete der VESLIC es für nötig, einen Beschluss über einheitliche Verwendung des Hautpulvers zu fassen, um dem Durcheinander zu steuern. Die Schüttel- und Filtermethode stehen im Kreuzfeuer und der VESLIC dazwischen.
Nach aussen wurde unser selbständiger Verband ab und zu gerne als Sektion des einen oder andern internationalen Vereins angesprochen, wogegen sich der Präsident des öftern ebenso höflich als energisch wehren musste. An Schreibereien fehlte es daher Jahr aus Jahr ein nicht, - mit dem Inland wie mit dem Ausland.
Nach zahlreichen Vernichtungen von unwesentlichem verbleiben 4 dicke Dossiers (die Dossiers des Basler-Kongresses nicht mitgerechnet), die mir bei der Niederschrift dieser Erinnerungen zu statten kamen und die ich dem VESLIC zur Verfügung halte, dem ich an die 30 Jahre als Präsident dienen durfte. Neben der gerbereichemischen Tätigkeit im Interesse unserer Lederindustrie war ich stets bestrebt, die Fäden zwischen den beiden internationalen Verbänden nicht ganz abreissen zu lassen, um sie nach und nach wieder kräftiger zu gestalten. Am 28. August 1922 bedauerte der Vize-Präsident der SLTC, Dr. J. Gordon Parker in London, an einer unserer Veranstaltungen nicht teilnehmen zu können, nachdem der VESLIC bereits zur Teilnahme am Londoner-Kongress 1921 eingeladen worden war.
Der Wunsch der Zusammenarbeit und des Wiedersehens
der fremden
Kollegen unter sich äusserte sich dadurch, dass man von beiden Seiten an Veranstaltungen des VESLIC gerne eingeladen sein wollte, indem die politischen Verhältnisse eine offizielle Fühlungnahme verunmöglichten. In den Jahren 1923 - 1925 war der Präsident zugleich Präsident der SLTC. Der Kongress war im Jahre 1925 in Paris an der Sorbonne. Von schweizerischer Seite war der offiziellen Einladung niemand gefolgt, was aus verschiedenen Gründen zu bedauern war. Es war ein unglückliches Zusammentreffen mit
eigenen Verpflichtungen der Schweizerischen Lederindustriellen.
Nach diesem Kongress intensivierte sich unsere Vermittlerrolle, so anlässlich der Wiener-Tagung vom 7. - 9. Oktober 1926. Besprechungen und Korrespondenzen mit den Exponenten beider Lager hatte ich seit Jahren geführt mit wechselndem Erfolg.
In Wien war dann von Seite des IVLIC eine Delegation bestellt worden, welche bereit war, sich im Mai 1927 nach London zu begeben, um unter meinem Vorsitz einen Versöhnungsversuch mit den Vertretern der Eutenteverbänden herbeizuführen. (Brief Stiasny 5.4.1927). Man hatte hiezu Basel vorgesehen, aber die Engländer bestanden auf dem Verhandlungsort Loridon , zumal der nächste Kongress dort stattfinden sollte und auch Besprechungen diesbezüglich, besonders wegen Vereinheitlichung der Analysenmethoden, zu führen waren. Neue Schwierigkeiten waren zu überbrücken, die ich in einer 2-tägigen Besprechung in Darmstcdt (26./27. März 1927) mit dem Kollegen Stiasny endlich überwinden konnte.
So kam denn die Internationale Konferenz in London
vom 3.- 5. Mai 1927 zustande. Je 3 Delegierte der ISLTC, des IVLIC und der ALCA
(American Leather Chemists Association) trafen sich 11 Uhr vormittags des 3.
Mai im Hotel Cecil in London. Der Verhandlungstisch war mit der Schweizerflagge
bedeckt. Die Versöhnung verlief wunschgemäss, - ich möchte sagen programmgemäas.
Ein Frühtrunk besiegelte die Verständigung. Man setzte sich in der Folge an den
Verhandlungstisch für die technischen Besprechungen. Die Zusammenarbeit der 3
Vereine war nun wieder gesichert. Eine Fusion kam nicht mehr in Frage; eine
solche wäre auch administrativ zu schwerfällig geworden. Auch habe ich schon
damals mit
dem
Generalsekretär der ISLTC , Herrn Ing. Thuau, den Gedanken einer Foederation
oder Union sämtlicher gleichberechtigter und weitgehend
autonomer Landesverbände im Auge.
Sieben Jahre hatte es gedauert, bis sich die Überbrückung der Schwierigkeiten und Widerstände durch die VESLIC-Brücke beseitigen liessen. Es war für alle Teilnehmer ein grosser Tag. Verschiedene Bankette besiegelten die glücklich verlaufene Interkonferenz.
Mit der Schweizerflagge auf dem Verhandlungstisch
hatte es seine besondere Bewandtnis. Bereits um die Jahreswende hatte ich in
Basel unserm schweizerischen Gesandten in London, Herrn Minister Paravicini,
meine Absichten auseinandergesetzt und den Wunsch geäussert, den Versöhnungsakt
in der schweizerischen Gesandtschaft in London vornehmen zu dürfen. Minister Paravicini
zeigte volles Verständnis für diesen Plan und erklärte sich bereit, die
Delegierten nach dem Versöhntungsakt zu einem Lunch oder Dinner auf der
Gesandtschaft einzuladen. Hierauf erklärte das
Politische Departement, dass es die Vermittlerrolle schweizerischerseits sehr begrüsse, dass jedoch vorgezogen werde, wenn dies ausserhalb der Gesandtschaft geschehe. Minister Paravicini hielt aber seine Einladung zu einem Déjeuner auf der Gesandtschaft aufrecht; es wurde aber in der Folge des Verhandlungsprogrammes aus taktischen Gründen darauf verzichtet und dem Herrn Minister meinerseits im Namen der 3 Delegationen gebührend
gedankt.
Es begann nun eine erspriessliche Zusammenarbeit. Im Herbst 1927 fand der Kongress in London statt. Zwei Jahre darauf in Prag und dort wurde beschlossen, im Jahre 1931 den langersehnten Wunsch, in der Schweiz zu tagen; zu verwirklichen und die Einladung des VESLIC, 1931 in der Schwe iz zu tagen, mit Begeisterurg angenommen. Diese Ehre fiel auf Basel, in Würdigung unserer langjährigen Bemühungen für die internationale Verständigung.
Der Kongress in Basel (13. - 18.9.1931) war ein
voller Erfolg dank der verständnisvollen Mitarbeit und der grosszügigen
finanziellen Unterstützung durch die Chemische Industrie in Basel und der interessierten
Verbände der Lederindustrie. In der Schweizerischen Lederindustrie-Zeitung wurde
im Jahre 1931 ein Bericht veröffentlicht (s. 12. Jahresbericht des VESLIC pro
1931/1932). Ich beschränke mich darauf zu bemerken, dass die Vorbereitungen des Kongresses über ein Jahr angestrengtester Arbeit bedurften. Bundesrat Dr. E. Schulthess übernahm das Ehren-Präsidium und delegierte Herrn Dr. J. Hotz, Vize-Direktor der Handelsabteilung des Eidg. Volkswirtschaftsdepartementes.
Die Vortragsserie wurde durch unser damaliges Mitglied und späterer Nobelpreisträger Prof. P. Karrer, Ordinarius für organische Chemie an der Universität Zürich eröffnet. Ihr Präsident durfte in der Folge die Ehrenmitgliedschaft des IVLIC auch als ständiges Vorstandsmitglied mit beratender Stimme entgegennehmen.
Am 9. Dezember 1933 fand in Olten eine Diskussionsversammlung des VESLIC mit der Technischen Kommission des VSG statt. Solche gemeinsamen Beratungen wurden alljährlich, z.B. am 26.11.1938 in Pfäffikon, durchgeführt, doch muss in dieser kurzen Uebersicht für genaueres auf die erwähnte Aktensammlung verwiesen werden.
Im Jahre 1935 hatten wir den Verlust unseres Vize-Präsidenten und Mitgründersdes VESLIC, Herrn H. Staerkle, Präsident des V.S.G., Gossau, zu beklagen.
1936 wurde mit einem Rundschreiben vom 23. September ein Vorstoss zur Erhöhung der Mitgliederzahl unternommen, indem man besonders in den Beitritt von Firmen als ausserordentliche Mitglieder Hoffnung setzte, wie aus dem Jahresbericht des VESLIC 1936/37 zu ersehen ist. Das Rundschreiben hatte jedoch nur geringen Erfolg.
Am Kongress in Kopenhagen (1937) wurde der Präsident des VESLIC zum Vorsitzenden einer Kommission gewählt, welche den foederativen Zusammenschluss aller Sektionen bezweckte. (17. Jahresbericht des VESLIC, 1937 - 1938).
Die Zusammenarbeit mit der Versuchsanstalt St. Gallen wurde immer mehr gefördert. Schon im Jahre 1925 hatte der Präsident die Anregung gemacht, an der Versuchsanstalt Gerberkurse abzuhalten. (Brief 25.5.1925 an Prof. Jovanovits sowie Brief Jovanovits an den Unterzeichneten vom 28.7.1925). Der erste Gerberkurs wurde dann im Jahre 1926 abgehalten. Wiederholt wurde auch aus Gerberkreisen dem Wunsch nach solchen Kursen Ausdruck gegeben.
1935 war die Jahresversammlung in Biel; 1936 in Stansstaad. Es waren für den VESLIC wenig ereignisvolle Jahre. 1937 war diese Tagung in St. Gallen. Der VESLIC zählte damals 57 Mitglieder. Die Versuchsanstalt war mittlerweile zur Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt "umgewachsen" und in den neuen Räumen untergebracht, durch welche wir von dem nunmehrigen Direktor, Herrn Prof. Jovanovits, geführt wurden.
1938 führte uns nach Lugano zur 19ten Jahresversammlung (24./25. September). Im 20ten Jahresbericht 1938/39 wird an das 20-jährige Bestehen des VESLIC erinnert.
1939, unmittelbar vor Ausbruch des Krieges, vertrat der Präsident den VESLIC am Kongress in London, der bereits unter den Kriegsvorbereitungen litt. Seine Mission, das Foederationsbestreben zu fördern, wurde in London bestätigt.
Dann kam der Krieg.
Eine "Freie" in Verbindung mit der Technischen Kommission, war im Zeichen der kriegswirtschaftlichen Verhältnisse. Die Generalversammlung 1939 fand unter dem Vorsitz von Dr. A. Kägi im Kongresshaus in Zürich statt. Anwesend waren 35 Mitglieder.
1940 fand die Generalversammlung in Sitten statt. Ich erinnere neuerdings daran, dass ich eine jüngere Kraft an das Präsidium wünschte und mein 20-jähriges Amt niederzulegen gedachte. Ich predigte tauben Ohren.
Trotz Krieg und Mobilmachung konnte der VESLIC seine Tätigkeit fortsetzen und der Präsident unterhielt Beziehungen zu den ausländischen Kollegen, soweit dies möglich war.
1941 führte uns zur Jahresversammlung nach Brienz und eine "Freie" mit der Technischen Kommission nach Baden und zu Brown Boveri. Im Laufe des Jahres verloren wir unser langjähriges Vorstandsmitglied, Herrn F. Chollet und am 23.6.1943 wurde uns unerwartet rasch unser verdienter Prof. Jovanovits durch den Tod entrissen.
Der 16.10.1943 fand nur zu einer "Freien" in St. Gallen ausser der Jahresversammlung in Engelberg im üblichen Rahmen. Unser Mitglied, Herr Dr. Engeler, wurde an Stelle von Herrn Prof. Jovanovits seI. zum Direktor der EMPA ernannt.
Im Jahre 1944 erreichten wir in der S.H.S.K., dass der Bundesrat die Bekämpfung der Dasselplage durch eine Verordnung vom 11. Februar 1944 als obligatorisch erklärte.
Das Jahr 1945 findet uns aus dem Kriege so weit glücklich hinübergerettet in Locarno zur Jahresversammlung. Neue Initiativen machen sich bemerkbar. Die durch den Krieg eingeschlafene Analysenkommission erwacht im neuen Gewande. Man sehnt sich auch wieder nach persönlicher Fühlungnahme und der Vorstand begrüsst es, dass der Präsident den Foederationsgedanken immer weiter verfolgt hat.
1946 findet uns in Gutenburg. Der Präsident
erklärt sich bereit, das Amt nochmals für ein Juhr zu übernehmen, - aber zum letzten
Mal. Gemäss Protokoll einer Vorstandsitzung vom 6.Mai 1947 in Zürich wird
neuerdings die Mission des VESLIC festgelegt. Die neuen Verhältnisse zwingen
zur Statutenrevision. Der Präsident hatte dann eine Besprechung in Paris
zusammen mit den Herren Prof. Engeler und Baumann, um den Standpunkt des VESLIC
gegenüber der zu gründenden Union und die Beitrittsbedingungen für den VESLIC
zur Union klarzustellen. An der Generalversammlung in
Hurden vom 5. Juli 1947 wird des verstorbenen Mitgliedes, Herrn
P. Funk, gedacht.
Der Vorstand setzt sich nun aus folgenden Herren zusammen:
Prof. Dr. Engeler, Präsident,
Dr. Gansser, Ehrenpräsident,
Dr. Baumann,
Dr. Pfister,
V. Oberlin,
H. Weber,
Dr. Kägi.
Am 6. Februar 1948 berichtet Dr. Gansser in Rheinfelden über die Besprechungen in Paris. Am 7. Februar wurde den Rheinsalinen Ryburg ein Besuch abgestattet. An der Generalversammlung des VESLIC in Zug am 3.Juli 1948, die seit 1946 getrennt von derjenigen des V.S.G. abgehalten werden muss, wird der Beitritt des VESLIC als Mitglied der "Union" beschlossen. Die Delegation für den Kongress 1949 nach Paris wird bestimmt und Dr. Gansser ersucht, sich fernerhin als Betreuer der ausländischen Beziehungen zur Verfügung zu stellen.
Ich habe die letzten Ereignisse hier nur kurz und unvollkommen gestreift. Ich habe mir die Aufgabe gestellt, nicht die Vergangenheit der Vergessenheit zu entreissen und versucht, das wesentliche aus dem umfangreichen Aktenmaterial herauszulesen, insoweit mir die kurze Zeit, die zur Verfügung stand, dies gestattete.
Es ist also ein unvollständiger, lückenhafter Ueberblick geworden, den ich nach 30-jährigem Dienst am VESLIC meinen Nachfolgern mit den besten Wünschen übergebe. Ich stelle dabei fest, dass der Bestand des VESLIC mehr denn je gefestigt erscheint und zwar aus zwei Gründen:
Erstens ist seine Führung in besten Händen und
zweitens ist durch die Umgestaltung der internationalen Verbände in eine
internationale Union eine demokratische Form gefunden worden, die für den
Weiterbestand besondere Garantie bietet. In diesem Bunde, genannt
"Union", ist der VESLIC ein autonomer "Kanton" geworden,
gerade so wie Belgien, Holland, Frankreich, England, Italien, U.S.A., und das
ist recht so. Ich darf also mit Befriedigung auch feststellen, dass meine langjährigen
Bemühungen zur Schaffung einer
solchen Union in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen Thuau in Paris endlich die erhofften Früchte getragen hat.
Dr. A. Gansser, Basel.
28. Juni 1949.
Teil 2: 1919-1994 folgt // Teil 3 1994-2919 folgt