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Umfragen zufolge verlieren 40-50% der Frauen zwischen 30 und 75 Jahren ungewollt Urin beim Husten, Niessen oder Lachen. Ein weiterer Anteil Frauen wird gequält durch starken Harndrang in viel zu kurzen Abständen über den Tag, teils in einem Ausmass, dass die Planung von Aktivitäten dem Blasenreiz angepasst wird. Obiges beschreibt grob die zwei Gruppen der Blasenschwäche: Die so genannte Stressharninkontinenz sowie die Dranginkontinenz. Zur Erklärung werden wir hier diese zwei Formen getrennt beschreiben, oft ist es aber so, dass Mischformen vorliegen.
Bei der Stressharninkontinenz ist das Symptom ungewollter Urinverlust bei körperlicher Belastung, beziehungsweise Belastung auf den Beckenboden. Bei Aktivitäten wie Springen, Lachen, Niessen oder auch Heben schwerer Gegenstände steigt der Innendruck im Abdomen. Als Gegenspieler muss der Beckenboden genügend kräftig sein, die Organe im Unterbauch an ihrem Ort zu halten, bei unserer Diskussion im Speziellen die Harnröhre so stützen, dass sie den Verschluss der Blase gewährleisten kann. Sinkt die Harnröhre und eventuell auch die Blase unter ein gewisses Niveau, kann sie dem Urin nicht mehr Einhalt gewähren und es gehen zumindest Spritzer ab. Die Menge des Urinverlustes, den es benötigt, um die jeweilige Frau zu beschämen oder zumindest zu stören, ist individuell stark unterschiedlich. Grundlage ist aber in jedem Fall der Verlust an Spannkraft des Beckenbodens und dadurch Absinken des Verschlussdrucks der Harnröhre (siehe Abb.1).
Die andere Form, die Reizblase, hat ihren Ursprung in der Steuerung der Blasenempfindung und der entsprechenden Reaktion des Blasenmuskels. Bei einem ungestörten Funktionieren unserer Blase, soll diese sich bis zu einem gewissen Grad füllen, ohne dass wir dies empfinden, ab einem gewissen Volumen (etwa 300ml), soll die Blase uns den Reiz geben, eine Toilette aufzusuchen, bis wir diese gefunden haben, sollte der Muskel der Blase aber noch entspannen und der Verschliessmuskel am Übergang der Blase zur Harnröhre angespannt sein. Dies alles geschieht normalerweise ohne unser bewusstes Dazutun. Einmal bei der Toilette angelangt, entspannt dann der Schiessmuskel der Harnröhre, der Muskel in der Blasenwand zieht sich zusammen, und somit entleert sich die Blase. Auch diese Funktion ist nicht bewusst durch uns gesteuert (im Gegensatz zum Beispiel der Bein- oder Armmuskulatur). Bei der Drangblase ist dieses System durcheinander: die Blase gibt zu früh das Signal sich zu füllen, die Muskulatur der Blasenwand zieht sich teilweise schon beim Füllvorgang zusammen, manchmal kommt es so zu ungewolltem Urinverlust, manchmal führt es zu eingeschränkter Lebensqualität, da die betroffene Frau ständig Zugang zu einer Toilette haben muss.
Schon aus oben genanntem erklärt sich, dass die beiden Formen der Blasenschwäche therapeutisch vollkommen unterschiedlich angegangen werden müssen. Bei der Stressharninkontinenz ist es wichtig, die Organe und insbesondere die Harnröhre wieder zu stützen. Dies kann durch Beckenbodentraining (wir arbeiten dazu gerne mit ausgebildeten Physiotherapeuten zusammen), straffen der Vaginalwand mittels Laser (z. Bsp. Femilift), durch Hilfsmittel wie Pessare oder auch durch einen operativen Eingriff geschehen. Das beste Vorgehen muss ausführlich besprochen werden, wobei zu sagen ist, dass Beckenbodentraining immer hilfreich ist, es zeigt sich jedoch in Befragungen, dass selbst betroffene Frauen nur in etwa 30% Beckenbodenübungen konsequent und längerfristig machen.
Bei der Reizblase steht therapeutisch eine «Umerziehung» der Blasenempfindung im Vordergrund. Der erste Schritt dabei, ist das Erkennen der Situation. Wird sich die betroffene Patientin anhand zBsp eines Miktionsprotokolls (siehe Abb.2) ihrer Situation objektiv bewusst, so ist dies häufig der erste Schritte. Es folgen dann Anleitungen durch die Physiotherapeutin und Nervenstimulation durch Hilfsmittel. Es können auch Medikamente zum Einsatz kommen.
Oftmals ist die Situation jedoch nicht so klar, wie oben beschrieben, zumeist liegen Mischformen der beiden Blaseschwäche-Typen vor. Wichtigste Hilfsmittel zur Beurteilung der Situation ist die Anamnese, gefolgt von der gynäkologischen Untersuchung. Eine urodynamische Untersuchung vermag dann die Blasenkapazität und die Schwachstellen der Harnröhre zu objektivieren, so kann der Therapieplan individuell festgelegt werden.
Wichtig zu wissen ist, dass bei jeglicher Form der Blasenproblematik (übrigens auch der Anfälligkeit für Blasenentzündungen) dem gesunden, gut durchbluteten Gewebe der Scheidenwand (Vaginalepithel), eine grosse Bedeutung zukommt. Da die Vaginalwand vom Hormon Östrogen abhängig ist, wird man bei Trockenheit der Scheidenwand (vaginale Atrophie) Östrogenzäpfchen oder -crèmes verordnen. Dies kann man bedenkenlos anwenden, ihre Wirkung ist lokal.