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Die Zukunft der Städte in einer Welt des Home-Office
Die jüngste COVID-19-Pandemie könnte die Zukunft der Arbeit und der Städte für immer verändern. Die umfassende Beseitigung zugrundeliegender technischer Hindernisse in Verbindung mit einer sich verändernden Arbeitskultur könnte dazu führen, dass ein immer größerer Teil der Arbeiten mobil oder regelmäßig von zu Hause aus erledigt werden. Dies könnte auch erheblichen Einfluss auf die Entscheidung haben an welchen Orten künftig der öffentliche Sektor in lokale Infrastrukturprojekte oder Bauvorhaben investieren sollte, sowie die allgemeine Zielrichtung von Regionalpolitik grundlegend verändern. Trotz der offensichtlichen Bedeutung dieser Entwicklung ist noch sehr wenig über die damit verbundenen Auswirkungen auf die räumliche Struktur von Volkswirtschaften bekannt.
In diesem Projekt wollen wir dies ändern, indem wir analysieren, wie sich die zugrundeliegenden Kräfte, die die räumliche Verteilung der Wirtschaftstätigkeit beeinflussen, in einer Welt zunehmender Fernarbeit verändern. Dazu berechnen wir einen Index, welcher für einzelne Berufe und Arbeitsmarktregionen die Möglichkeit abbildet, von zu Hause aus zu arbeiten (working from home, WfH). Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, wird hauptsächlich durch die Digitalisierung der Arbeitsprozesse, eine geeignete IT-Infrastruktur innerhalb des Unternehmens, die Verfügbarkeit digitaler Kommunikationsinstrumente und Weiterbildungsmaßnahmen für die Arbeitnehmer beeinflusst. Abbildung 1 zeigt, dass im April und Mai 2020 (nach dem ersten Lockdown in Deutschland) genau in den Arbeitsmarktregionen, in denen die Arbeitnehmer eine höhere Fähigkeit hatten, von zu Hause aus zu arbeiten, ein größerer Rückgang des Pendelverkehrs zwischen den deutschen Kreisen und kreisfreien Städten zu verzeichnen war. Eine mögliche Erklärung für dieses Muster könnte eine höhere Anzahl von Arbeitnehmern sein, welche in der ersten Phase der COVID-19-Pandemie von zu Hause aus gearbeitet haben. Dies ist zwar an sich informativ, sagt uns aber wenig darüber, wie sich die räumliche Verteilung von Fähigkeiten, Menschen und Ideen ändert, wenn immer mehr von zu Hause gearbeitet wird. Wie verändert sich die Produktivität der Arbeitnehmer und der Unternehmen? Inwieweit sinken die durchschnittlichen Pendelkosten, wenn es weniger notwendig sein wird, an 5 Tagen die Woche an den ursprünglichen Arbeitsort zu pendeln? Welche Auswirkungen hat dies für die Wahl des Wohnortes? In welcher Beziehung steht dies zum allgemeinen Wohlfahrtsniveau der Volkswirtschaft, wenn sich Haushalte nun entscheiden können, an Orten zu leben, für die sie stärkere Präferenzen haben, und nicht dort, wo die Pendelkosten niedrig genug sind? Wer arbeitet wo und müssen Menschen in der Nähe dieser Orte leben?