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Der Wissenschaftler und Autor James Lovelock - Urheber der Gaia-Theorie, die die Erde als einen sich selbst regelnden lebenden Organismus betrachtet - legt seine Ansicht sowohl in seiner Autobiographie als auch in einer von ihm verfassten Einleitung zur neusten Auflage des französischen Bestsellers "Un Ecologiste pour le Nucléaire" dar, in dem die Umweltvorteile der Kernenergie aufgezeigt werden.
Bruno Comby, Autor dieses Buches und Präsident der "Ökologen für die Kernenergie" (Association des écologistes pour le nucléaire AEPN) meint dazu: "James Lovelock war schon immer ein Befürworter der sauberen Kernenergie, jetzt bekennt er sich auch öffentlich dazu. Ich glaube, dies ist der Anfang einer bedeutenden Änderung in der Haltung der Umweltschutzorganisationen zur Kernenergie."
Die Einleitung von James Lovelock lautet (in Auszügen) folgendermassen: "Ich verbrachte meine Jugend vor mehr als 70 Jahren auf dem Land in Grossbritannien, wo wir ein einfaches Leben ohne Telefon und Elektrizität verbrachten ... Ich erinnere mich gut daran, wie abergläubisch wir waren und wie greifbar das Konzept des Bösen war. Eigentlich intelligente Männer und Frauen mieden ängstlich Orte, an denen es angeblich spukte, und sie nahmen lieber Unannehmlichkeiten auf sich, als dass sie an einem Freitag dem 13. auf Reisen gingen. Ihre irrationalen Ängste, von Unwissenheit gespiesen, waren völlig normal.
Ich muss leider feststellen, dass diese Ängste anhalten, aber jetzt treffen sie Produkte der Wissenschaft. Das ist teilweise beim Thema Kernkraftwerke der Fall, die die Furcht wieder aufkommen lassen, die man in der Vergangenheit auf einem mondbeschienenen Friedhof spürte, von dem man dachte, er sei von Werwölfen und Vampiren heimgesucht. Die Angst vor der Kernenergie ist mit Blick auf die nukleare Kriegsführung verständlich, aber sie ist ungerechtfertigt - Kernkraftwerke sind keine Bomben.
Was zunächst als wichtiger Punkt in Sachen Sicherheit begann, wurde zu einer fast schon pathologischen Ängstlichkeit. Einen Grossteil der Verantwortung dafür müssen die Medien, das Fernsehen, die Filmindustrie und die Romanschreiber auf sich nehmen. Sie alle benutzten die Furcht vor Dingen wie der Kernenergie als zuverlässiges Requisit, um ihre Ware zu verkaufen. Sie wie auch die politischen Desinformateure, die versuchten, die Nuklearindustrie als potenziellen Feind zu diskreditieren, waren in ihren Bemühungen, die Öffentlichkeit zu erschrecken so erfolgreich, dass es jetzt in vielen Ländern unmöglich ist, ein neues Kernkraftwerk vorzuschlagen."
James Lovelock stellt die "kleinen Risiken" der Kernenergie den Gefahren gegenüber, die die andauernde Abhängigkeit von der Verbrennung fossiler Brennstoffe mit sich bringt. Diese bedroht "nicht nur die Individuen, sondern die Zivilisation als Ganzes". Er legt dar, dass das stetige Verbrennen von kohlenstoffhaltigen Brennstoffen "die Kapazität der Erde zur Selbstregulation langsam beeinträchtigt und sie dabei die Fähigkeit einbüsst, ein für das Leben geeigneter Planet zu sein". Im Gegensatz dazu steht die Kernenergie, die zwar "für die Menschen potenziell gefährlich" ist, aber eine "vernachlässigbare Gefahr" für den Planeten Erde als Ganzes darstellt.
Lovelock stellt abschliessend fest: "Ich hoffe, es ist für die Welt noch nicht zu spät, um Frankreich nachzueifern und die Kernenergie zu ihrer Energiequelle Nummer 1 zu machen. Es gibt momentan keinen anderen sicheren, praktikablen und wirtschaftlichen Ersatz für die gefährliche Gewohnheit, Kohlenstoff zu verbrennen."
James Lovelocks Autobiographie "Homage to Gaia: The Life of an Independent Scientist" erscheint Ende September auf Englisch bei der Oxford University Press.
Quelle
H.R. nach NucNet, 19. September 2000