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Wofür ich kein Verständnis habe
Wofür ich kein Verständnis habe
6. März 2016 -
Von Dr. Thomas Flatt
Artikel erschienen in IT Magazine 2016/03
Ja, ich habe Verständnis für die Argumente gegen die Einführung eines Grundeinkommens im Allgemeinen und der vorliegenden Initiative im Speziellen: Die Finanzierbarkeit ist nicht geklärt, die Staatsquote steigt, die Schweiz kann keinen Alleingang machen und wir wissen nicht, wie sich Menschen verhalten werden, wenn sie nicht mehr arbeiten müssen.
Viel wichtiger aber als die Frage, was Menschen tun werden, wenn sie nicht mehr arbeiten müssen, ist die Frage: Was geschieht mit Menschen, die nicht mehr arbeiten dürfen, weil es für sie keine Arbeit mehr gibt? Und damit auch kein Auskommen. Und damit auch keine Freiheit.
Keinerlei Verständnis habe ich deshalb für diejenigen, die sich nicht ernsthaft bemühen, diese Herausforderungen der Zukunft anzupacken, mit oder ohne (Grund-)Einkommen.
Dr. Thomas Flatt ist Präsident swissICT, Unternehmer, Berater und Verwaltungsrat
Kommentare
Montag, 14. März 2016 Benpal
"dass heute 90 Prozent aller Buchhandlungen, Videotheken und Musikläden verschwunden sind, niemand mehr Filme kauft und ernsthaft darüber nachgedacht wird, ob wir in Zukunft noch Banken brauchen und selbst Auto fahren werden." Das hat man schon in den 1950er Jahren als Argument gegen die Industrialisierung ins Feld gebracht. Industrialisierung, Automatisierung, Robotisierung, Informatisierung haben die Arbeit nicht abgeschafft sondern verlagert. Niemand arbeitet mehr am Fliessband, die Arbeit am Samstag, die 50-Stundenwoche und zwei Wochen Ferien im Jahr haben wir hinter uns, dank dieser Evolution. Während ein Landwirt alleine und in Handarbeit im besten Fall seine Familie ernähren konnte, kann ein Landwirt (alleine) Nahrungsmittel für ein ganzes Dorf oder gar eine Stadt produzieren.
Am Lac de Sylans (Frankreich, 80km von Genf) wurde bis 1917 jeden Winter Eisblöcke aus dem See gesägt. Bis zu 300 Arbeiter fanden dort Arbeit in zwei Schichten. Die Eisblöcke wurden im Sommer per Bahn nach Genf, Paris, Marseille und sogar Alger transportiert, wo sie in Restaurants zum Kühlen der Getränke verwendet wurden. Heute kann jeder seine eigenen Eiswürfel aus dem Kühlschrank entnehmen ohne dass dafür auch nur ein Arbeiter eine Hand führt.
Ihre apokalyptische Vorhersage scheint mir deshalb völlig unbegründet.
Das BGE hat mit Sicherheit auch zur Folge, dass viele Menschen nicht mehr arbeiten werden. In einer Familie mit zwei Kindern wird wohl kein Familienmitglied einen Zusatzjob an einer Supermarktkasse ausführen wollen, auch wenn dort der Lohn über dem BGE liegt (für den Zusatzverdiener und die Kinder). Es ist auch nicht klar, was und wieviel vom BGE noch abgezogen wird. Der Staat wird aber mehr Geld benötigen als bisher
Es wird also Geld verteilt, das dann doch irgend jemand verdienen muss. Die verbliebenen Geldverdiener müssen dann nicht nur für die verteilten Gelder sondern auch für die entfallenen Steuern aufkommen. Der Staat wird ihnen also tiefer in die Taschen greifen, sie haben weniger Geld zur freien Verfügung, der Konsum wird sinken.
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