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Kleine biblische Zoologie: Folge IV
Das Schaf (Ovis ammon aries)
Bereits im 8. Jahrtausend v. Chr. wurden in Palästina gemischte Schaf- und Ziegenherden gehalten. Archäologischen Funden zufolge wurden Schafe zunächst ausschliesslich zur Fleischgewinnung gehalten. Erst später wurde das Schaf als Wolle- und Milchlieferant wichtiger. Es war vor allem das Fettschwanz-Schaf, das im Nahen Osten gehalten wurde und noch wird. Das Fett dieser Schafe wurde durch Zucht vom Körper in den Schwanz verlagert. Dadurch ist das Fleisch magerer als bei anderen Schafen. Das Fett dient, ähnlich dem Kamelhöcker, als Nahrungsreserve im kargen Lebensraum, den die Tiere bewohnen. Der Fettschwanz diente ausdrücklich als Opfergabe: «Und er soll von dem Dankopfer dem HERRN ein Feueropfer darbringen, nämlich sein Fett, den ganzen Fettschwanz, vom Rückgrat abgelöst, dazu das Fett, das die Eingeweide bedeckt, und alles Fett an den Eingeweiden» (3.Mo 3,9).
Schafe sind anspruchslos und finden unter kargen Bedingungen genug Futter. Als Herdentiere sind sie leicht führbar, sei es durch einen «Leithammel», sei es durch einen Hirten. Eine Schafherde ohne Hirten ist dem Untergang geweiht.
Der Herr ist mein Hirte
Deshalb will sich Gott seiner Herde selbst annehmen, selbst ihr Hirte sein (Hes 34,11-16). So werden die Nachfolger Gottes bereits im Alten Testament als Schafe bezeichnet, die der gute Hirte (Gott) vor Wildtieren und sonstigen Gefahren schützt, pflegt, auf gute Weide führt und sich um kranke und verirrte Tiere kümmert (Ps 23). Wir erinnern uns auch Schafhirten David (1.Sam 16,11) – ein Hinweis darauf, dass der König seinem Volk der oberste Hirte ist – oder zumindest sein soll.
Im Neuen Testament ist es Jesus selbst, der sich als guten Hirten bezeichnet, der sein Leben für seine Schafe hingibt (Jo 10,11.14). Er beschreibt auch detailliert das Verhältnis des guten Hirten zu seinen Schafen (Jo 10,27.28). So erstrahlt im «guten Hirten» Jesus die Hoffnung auf einen dem Menschen zugewandten, den Menschen in seiner Schwachheit verstehenden und rettenden Gott.
Jürg Meier