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Von Big Ben bis Beatlesvon Stephan Ruch Das Gstaad Menuhin Festival rückt London ins Zentrum: Britische Musik aus dem 17. Jahrhundert, Menuhins Schaffen in der Metropole und die Beatles stehen auf dem Programm, und es gastieren der Tenebrae Choir und der Organist der Westminster Abbey.
«Ein gut gespieltes Klavier hat mehr Klangfarben als ein gesamtes Orchester», schreibt Hélène Grimaud in ihrer Autobiografie «Wolfssonate». Für ihre neueste CD, «The Messenger», wählte die französische Starpianistin das Klavierkonzert Nr. 20 in d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart aus, weil ihr dieses die grösste Palette an klanglichen Farben bietet: «Es gehört zu den wenigen Werken von Mozart, die in Moll stehen, und es eröffnet den Blick auf brodelnde Kräfte hinter der äusseren Heiterkeit und Beschwingtheit», so Grimaud im Album-Booklet.
Gebet für Freiheit
Eine Live-Interpretation dieses Klavierkonzerts präsentiert Hélène Grimaud nun zusammen mit dem Kammerorchester Basel am Gstaad Menuhin Festival. Der Titel des Konzertabends, «London Today and Yesterday», bezieht sich auf die weiteren Kompositionen auf dem Programm: «Over the sea – shanty songs for string orchestra» des zeitgenössischen britischen Komponisten Thomas Adès und die Sinfonie Nr. 103 Es-Dur «Mit dem Paukenschlag» von Joseph Haydn. Während Haydn seine Sinfonie im Jahr 1795 in London komponierte, entstand «Over the sea» 2020 als Auftragskomposition des Gstaad Menuhin Festival. Adès sagt in einer Werkbeschreibung, dass seine orchestralen Lieder «ebenso wie die Spirituals der Sklaven – einem immer kraftvoller werdenden, ergreifenden Gebet für Freiheit» gleichen würden.
Aura des Friedens
London ist denn auch das übergeordnete Thema der diesjährigen,
65. Ausgabe des Festivals. Direkt aus der Musikmetropole reist der international erfolgreiche Tenebrae Choir unter der Leitung von Nigel Short ins Saanenland. Im Gepäck hat er eine Reihe an geistlichen und weltlichen Vokalwerken von englischen Komponisten, welche mit himmlischen Harmonien eine Aura der Ruhe und des Friedens schaffen. An einem anderen Abend warten die King’s Singers aus Cambridge ebenfalls mit einem britischen Programm auf. Der Gesang der sechs jungen Sänger ist für seine Reinheit und exquisite Technik bekannt.
Mit frischem Esprit musiziert das Janoska Ensemble aus Bratislava: An seinem Konzert macht das Quartett (Klavier, zwei Violinen, Kontrabass) Stimmung mit Hits von Mozart – und den Beatles. Neben Auftritten von namhaften Stammgästen wie Daniel Hope, András Schiff, Sol Gabetta, Patricia Kopatchinskaja oder Valery Gergiev feiern manche Musikerinnen und Musiker dieses Jahr im Berner Oberland ihren Einstand. So etwa der Organist und musikalische Direktor der Londoner Westminster Abbey, James O’Donnell, der die Klangpracht der Orgel in der Kirche Saanen mit Werken von britischen Komponisten auffächert.
Diverse Orte, Gstaad und UmgebungFr., 16.7., bis 4.9.
• Hélène Grimaud: Festival-Zelt, Gstaad. 8.8., 18 Uhr
• Tenebrae Choir: Kirche Saanen 12.8., 19.30 Uhr