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Loïck Spicher, wie war Ihre Kindheit?
Ich hatte eine schöne Kindheit. Der Sport hat immer eine grosse Rolle gespielt. Meine Eltern waren beide Windsurfer, und im Sommer fuhren wir jedes Jahr mit dem Wohnmobil nach Griechenland.
Hat Griechenland einen besonderen Stellenwert für Sie?
Ja, einen sehr hohen, weil ich dort zehn Jahre lang jeden Sommer mit meiner Familie verbrachte. In Griechenland hat auch meine Windsurfleidenschaft ihren Ursprung genommen. Meine Eltern, beide begeisterte Windsurfer, haben das Feuer entfacht. Richtig begeistert war ich aber 2008, als ich an einem Kinderwindsurfwettbewerb teilnahm. Der erste Platz in diesem Wettbewerb hat mir sehr viel bedeutet, und seither ist das Windsurfen ein wichtiger Teil in meinem Leben.
Wie viel verdienen Sie mit dem Windsurfen?
Das variiert je nach Saison und Sponsor. Zudem konnte ich bis jetzt in keiner Saison das Preisgeld sparen, da ich es für Reisen, das Training im Ausland und die Wettkämpfe wieder einsetzen musste. Ich übe diesen Sport aus Leidenschaft aus, das grosse Geld verdiene ich damit nicht.
Fliegen über den Wellen:
Wie viele Surfbretter haben Sie, und welches ist Ihr Lieblingsbrett?
Im Moment habe ich vier verschiedene Surfbretter. Die Anzahl variiert aber, da immer wieder eines kaputt geht, ich ein neues bekomme oder kaufe, wieder verkaufe oder verschenke. Am liebsten habe ich das 91 Liter Freestyle Brett. Dieses Brett kann ich bei leichtem und bei starkem Wind fahren.
Welches ist Ihr Lieblingstrick?
Der «Air Kabikuchi». «Kabikuchi» ist der Name eines Fischs in der Sprache Papiamentu. Das ist eine Mischsprache aus Portugiesisch, Spanisch und Niederländisch. «Air» werden alle Tricks genannt, die in der Luft gesprungen werden. Der «Air Kabikuchi» ist eine Art Back Flip, bei dem man dann zurückrotiert in den Front Flip.
Wo surfen Sie am liebsten?
In Jericoacoara, in der Nähe von Fortaleza, in Brasilien. In Jericoacoara befindet sich einer der schönsten Strände der Welt. Aber auch auf dem Murtensee trainiere ich bei gutem Wind sehr gerne. Wenn es öfters und stärker winden würde in der Schweiz, wäre ich öfter hier unterwegs.
Loïck Spicher in Action:
Wie ist Ihre Vorbereitung, wenn Sie ein Turnier haben?
Ich trainiere das ganze Jahr über. Mein Training besteht aus viel Konditionstraining. Zudem trainiere ich die Kraft und die Koordination. Letztes Jahr war ich die ganze Zeit am Meer. Auch das mentale Training ist wichtig.
Haben Sie manchmal auch Motivationsprobleme, und wie überwinden Sie die?
Ja, es gibt Momente, in denen meine Leistung stagniert. Zum Beispiel, wenn ich einen Trick lernen will: Da gibt es Phasen, in denen es einfach nicht klappen will. Zum Teil hat es mich so genervt, dass ich das Brett weggeworfen habe und dann drei bis fünf Tage nicht mehr drauf stand. Als ich es dann wieder hervornahm, war alles viel einfacher, und die Tricks funktionierten plötzlich gut. Das hat mir gezeigt, dass Pausen und Erholung genauso wichtig sind wie das Training selbst.
Welche Platzierung hat Ihnen dieses Jahr am meisten bedeutet?
Der 17. Platz auf Sylt in Deutschland war für mich sehr schön.
Auf welcher Position sind Sie in der Weltrangliste?
Im Freestyle bin ich auf dem 21. Schlussrang. Das ist bis jetzt mein bestes Resultat.
Haben Sie schon mal einen Hai gesehen?
Ich nehme an, dass ich diesen Februar in Kapstadt einen Hai gesehen habe. Ich habe mich gedreht und dann gesehen, dass etwas Grosses langsam nach unten geschwommen ist. Danach bin ich voller Panik herausgerast. Etwas später kam dann mein Kumpel vom Meer zurück und sagte mir, er habe das Maul und die Flosse eines Hais gesehen.
Haben Sie Pläne für das nächste Jahr?
Ich habe mir zum Ziel gesetzt, mein Bachelorstudium in Freiburg weiterzuführen. Zudem möchte ich mich fürs Windsurfen im physischen Training verbessern und an meiner Explosivität arbeiten. Ab Februar 2018 möchte ich das Wassertraining wieder intensiver aufnehmen.
Wie sind Sie auf die Idee für Ihr soziales Projekt gekommen?
2010 war ich in Camocim in Brasilien. Mein ausgedientes Material habe ich zum Teil an die armen Kinder dort verschenkt. Meine Idee war und ist es, diesen Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Zudem habe ich mit einem Freund aus Deutschland eine Anzeige gestartet, um noch mehr Surfmaterial zu sammeln und nach Brasilien zu schicken.