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| Apologeten, Frühchristliche - An Autolykus (Ad Autolycum)

Zweites Buch: Widersinnigkeit des Heldentums und Erhabenheit der christlichen Wahrheit
31. Die ältesten Städte und Könige.
Nach der Sintflut entstanden allmählich wiederum Städte und Könige auf folgende Weise. Die erste Stadt war Babylon, und Orech und Archad und Chalone im Lande Sennaar. Und König derselben war Nebroth. Von diesen stammte Assur ab, von dem auch die Assyrier den Namen haben. Nebroth aber baute Städte: Ninive und Roboom und Kalak und Dasen zwischen Ninive und Kalak. Ninive aber wurde eine besonders große Stadt. Ein zweiter Sohn Sems1, des Sohnes Noes, namens Misraim, erzeugte die Ludonim und die Enemigin und Labiim, die Nephthalim und Patrosiniim und Chasloniim, von denen die Philistiim stammen. Von den drei Söhnen Noes und von ihren Abkömmlingen2 und ihrer Stammtafel haben wir im oben besprochenen Buch ein kurzes Verzeichnis gegeben. Jetzt nun werden wir das Übergangene bezüglich der Städte und Könige und die Geschichte der Zeit erwähnen, als [S. 62] eine Zunge undeine Sprache war. Vor der Scheidung der Sprachen entstanden die obigen Städte. Als nun die Menschen sich voneinander trennen sollten, faßten sie aus ihrem, nicht durch Gottes Antrieb den Beschluß, eine Stadt und einen Turm zu bauen, dessen Spitze bis zum Himmel reichen sollte, um sich einen berühmten Namen zu machen. Da sie nun ein bedeutendes Werk wider den Plan Gottes zu unternehmen wagten, zerstörte ihnen Gott ihre Stadt und warf ihnen den Turm nieder3. Und dann veränderte er die Sprachen der Menschen, indem er jedem eine abweichende Mundart gab. Die Sibylle hat die Sache folgenderweise angegeben, indem sie den Zorn Gottes, der über die Welt kommen sollte, ankündigt wie folgt:
„Wenn sich aber erfüllen die Drohungen Gottes des Höchsten,
Die er den Menschen gemacht, als einst im assyrischen Lande
Diese gebauet den Turm. Einsprachig noch waren sie alle;
Und sie wollten ersteigen den sternbesäeten Himmel.
Durch Sturmwinde sofort schickt Gott das gewalt'ge Verderben:
Diese zerwarfen sodann das Gebäu von der schwindelnden Höhe,
Hetzten zu heftigem Streite die Sterblichen gegeneinander.
Doch als gefallen der Turm und die Sprachen der sterblichen Menschen
Vielfach sich in Zweige geteilt“ usw.
Das also geschah im Lande der Chaldäer. Im Lande Chanaan4 aber entstand eine Stadt, namens Charan. Zur selben Zeit erhob sich auch in Ägypten der erste König, Pharao, der nach den Ägyptiern auch Nechaoth hieß, und so kamen der Reihe nach die folgenden Könige. Im Lande Senaar aber bei den [S. 63] sogenannten Chaldäern war der erste König Arioch, nach diesem ein anderer, Ellasar, und nach diesem Chodollagomor, König von Älam, nach diesem Thargal, König der Assyrier genannten Völker. Fünf andere Städte entstanden im Anteile des Cham, des Sohnes des Noe: die erste Sodoma, dann Gomorrha, Adama, Seboim und Balak, die auch Segor heißt. Und die Namen ihrer Könige sind folgende: Ballas, König von Sodoma, Barsas, König von Gomorrha, Senaar König von Adama, Hymor, König von Seboim, Balach, König von Segor, das auch Balak heißt. Diese waren dem König von Assyrien Chodollagomor zwölf Jahre lang unterworfen. Im dreizehnten Jahre aber fielen sie von Chodollagomor ab, und so kam es, daß damals die vier Könige der Assyrier gegen die fünf Könige Krieg anfingen. Dies war das erstemal, daß Kriege auf Erden entstanden. Und sie schlugen die Riesen Karanain und mächtige Völkerschaften mit ihnen und die Ommäer in deren eigener Stadt und die Chorräer im sogenannten Gebirge Seir bis zur sogenannten Terebinthe von Pharan, welches an der Wüste liegt5. Zur nämlichen Zeit aber war ein gerechter König, mit Namen Melchisedek, in der Stadt Salem, die jetzt Hierosolyma heißt. Dieser war der erste Priester unter allen Priestern Gottes des Allerhöchsten. Von ihm erhielt die Stadt den Namen Hierusalem6, die wir eben Hierosolyma genannt haben. Von ihm an findet man auch, daß Priester auf der ganzen Erde auftraten. Nach ihm trat Abimelech als König auf in Gerara, nach diesem ein anderer Abimelech; hierauf war König Ephron mit dem Beinamen der Chettäer.
Mit den Namen dieser Könige also, die zuerst auftraten, verhält es sich so. Bei den Assyriern aber wurden später die übrigen Könige im Verlaufe vieler Jahre nicht mehr verzeichnet; von den allerletzten Zeiten, den unsern nämlich, werden als Könige der Assyrier erwähnt Theglaphasar, nach ihm Selamanasar, hierauf [S. 64] Sennacherim. Ein Unterkönig von diesem war der Äthioper Adramalech, der auch über Ägypten herrschte. Freilich sind diese Dinge im Hinblick auf unsere Literatur durchaus so ziemlich neu.
1: Richtiger Chams. Gen. 10, 6.
2: [Synteleia[Συντέλεια mit Otto im Sinne von Genossenschaft genommen.
3: Steht nicht in der Hl. Schrift, sondern Theophilus hat die Notiz aus der Sibylla genommen. S. unten Vers 6.
4: Richtiger Mesopotamien.
5: 1 Mos. 14, 1 – 6.
6: Vom griechischen [hiereus]ἱερεύς, Priester; also „Salem des Priesters, d. h. des Melchisedek“.