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Analyse der Wertschöpfungskette
Eine Analyse der Wertschöpfungskette im Bereich der Kunststoffe hat gezeigt, dass die Kunststoffindustrie hauptsächlich drei Tätigkeiten umfasst: Die Herstellung von Kunststoffen, den Bau von Maschinen zur Kunststoff-Verarbeitung und die eigentliche Kunststoff-Verarbeitung. Unter Kunststoff-Verarbeitung ist im Wesentlichen das Verarbeiten von rohen Kunststoffen – sogenannten Primärformen – wie Granulat, zu (vollständig oder teilweise) aus Kunststoffen bestehenden Teilen oder Fertigprodukten zu verstehen. Kunststoffteile sind heute ein essentieller Bestandteil einer Vielzahl von unterschiedlichen Geräten und Produkten des Alltagslebens. Die Struktur gängiger wirtschaftsstatistischer Erhebungen erschwert eine gesamthafte Analyse der Kunststoffindustrie, da die Kunststoffherstellung dem Bereich der chemischen Industrie und der Kunststoffmaschinenbau dem Bereich des Maschinenbaus zugeordnet werden, die Kunststoff-Verarbeitung jedoch als eigener Bereich geführt wird. Wichtige Daten sind deshalb nur für die Kunststoff-Verarbeitung verfügbar.
Strukturanalyse
Die gesamte Kunststoffindustrie besteht in der Schweiz aus rund 1100 Unternehmen, die ca. 30 000 Stellen (Vollzeitäquivalente) anbieten. Rund 7 Prozent der Stellen sind in der Kunststoffherstellung, 17 Prozent im Kunststoffmaschinenbau und 76 Prozent bei den Kunststoffverarbeitern angesiedelt. Die Kunststoff-Verarbeitung ist stark auf den Nordosten des Landes, vor allem auf die Kantone St. Gallen und Aargau, Zürich und Thurgau konzentriert. Die Kunststoffhersteller und -maschinenbauer sind daneben auch zu gewichtigen Anteilen in den Kantonen Bern und Graubünden angesiedelt. Von den in der Schweiz jährlich angebotenen verarbeitenden Kunststoffwaren mit einem Wert von ca. 15 Milliarden Franken werden rund 40 Prozent importiert und 60 Prozent in der Schweiz hergestellt. Rund zwei Drittel der eigenen Herstellung (ca. 9 Milliarden) bestehen aus Vorleistungen, die hauptsächlich – in Form primärer Kunststoffe – von der chemischen Industrie bezogen werden. Hieraus resultiert ein Wertschöpfungsbeitrag der Kunststoffverarbeiter von rund 3 Milliarden Franken pro Jahr. Die Kunststoffhersteller (0,35 Milliarden) und -maschinenbauer (0,78 Milliarden) steuern hierzu schätzungsweise rund eine weitere Milliarde bei. Damit kommt die gesamte Kunststoffindustrie auf eine geschätzte jährliche Wertschöpfung von ca. 4 Milliarden Franken.
Etwas mehr als ein Drittel des von den Kunststoffverarbeitern jährlich erzielten Umsatzes entfallen auf Baubedarfsartikel und je ca. ein Viertel auf Verpackungen und sonstige Kunststoffwaren. Auf Gummiwaren entfallen lediglich 2 Prozent. Rund ein Drittel der verarbeiteten Kunststoffwaren werden exportiert, 60 Prozent von inländischen Unternehmen und rund 5 Prozent direkt vom Endkonsumenten bezogen. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die chemische Industrie, der Maschinenbau, der Handel, die Bereiche Präzisionsinstrumente und Elektrotechnik, das Bauwesen sowie die Lebensmittelindustrie.
Wachstumsanalyse
Betrachtet man die Entwicklung der Branche Kunststoff-Verarbeitung in den letzten 20 Jahren fällt auf, dass die Anzahl Erwerbstätiger in etwa gleich geblieben ist, während die Wertschöpfung (real betrachtet) sogar leicht rückläufig war, woraus eine gesunkene (Erwerbstätigen-) Produktivität resultiert. Im internationalen Vergleich bleiben die Schweizer Kunststoffverarbeiter mit diesem (Negativ-) Wachstum hinter den Verarbeitern in Ländern wie Österreich, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien und den USA zurück. Die insgesamt jährlich von den Schweizer Verarbeitern exportierten Mengen vermochten nach einem starken Einbruch infolge der Finanz- und Kreditkrise ab ca. 2007 nicht mehr auf ihr Trendwachstum aus den Jahren zuvor zurückzufinden und stagnieren seither noch unter dem Vorkrisenniveau. Die Exporte der Kunststoffverarbeiter sind im Vergleich zur Gesamtindustrie überdurchschnittlich stark auf die europäischen Nachbarländer konzentriert: Rund 40 Prozent der Exporte gingen zuletzt (2014) allein nach Deutschland. Die Regionen China, BRIC und Asien bezogen jeweils weniger als 10 Prozent der Exporte. Immerhin konnten die Exporte in diesen Regionen, ausgehend von diesem tiefen Niveau in den letzten 10 Jahren, wachsen.
Ausblick
Im Gegensatz zu diesem tatsächlichen Exportprofil der Branche zeigen Prognosen des künftigen Umsatzwachstums verschiedener Branchen in unterschiedlichen Ländern aus dem Welt-Branchenmodell von BAK BASEL, dass vor allem China und das restliche Asien durch die grössten für den Zeitraum 2014 bis 2030 erwarteten mittleren Wachstumsraten hervorstechen, und zwar fast über das gesamte Branchenspektrum hinweg. In den europäischen Ländern fallen die prognostizierten Wachstumsraten dagegen insgesamt bescheidener aus, in Teilen des Branchenspektrums wird hier sogar eine Kontraktion vorhergesagt. Die Wachstumsperspektiven auf dem Heimmarkt Schweiz sind grundsätzlich mit den Aussichten in den benachbarten europäischen Ländern vergleichbar. Für Branchen, in denen die Schweiz eine gewisse Spezialisierung aufweist, wird jedoch generell ein etwas solideres Wachstum erwartet. So wird für die Branche der chemischen Erzeugnisse gesamthaft ein durchschnittliches Wachstum von 1,6 Prozent erwartet und im Bereich der chemischen Grundstoffe 1,8 Prozent. Dasselbe gilt für die pharmazeutischen Erzeugnisse, für die ein fortgesetzt kräftiges mittleres Wachstum von 3,8 Prozent erwartet wird. Auch im Bereich der Präzisionsinstrumente zeigt sich das Bild in der Schweiz etwas heller als in den Nachbarländern: Gemäss den Prognosen dürfe die jährliche Expansion hier im Schnitt mit 2,5 Prozent voranschreiten. (ch)
Perspektiven in Export-Destinationen
Fast über das gesamte Branchenspektrum hinweg stechen vor allem China und das restliche Asien durch die grössten erwarteten mittleren Wachstumsraten hervor. Für alle Branchen wird in diesen Regionen eine jährliche Wachstumsrate von 3,8 bis knapp über 8 Prozent prognostiziert. Auch in den USA werden in einigen Branchen eindrückliche Wachstumsraten vorausgesagt. In den europäischen Ländern fallen die prognostizierten Wachstumsraten dagegen insgesamt bescheidener aus. In Teilen des Branchenspektrums wird hier sogar eine Kontraktion vorhergesagt. Einzig Spanien fällt durch ein ungewöhnlich hohes erwartetes Wachstum in den meisten Branchen auf. Dies dürfte jedoch vornehmlich auf einen Basiseffekt zurückzuführen sein, nachdem Spanien in den letzten Jahren besonders stark unter der Rezession infolge der Finanzkrise zu leiden hatte. Vor allem in den europäischen Ländern wird in den Branchen pharmazeutische Erzeugnisse, Präzisionsinstrumente und Elektrotechnik mit dem höchsten künftigen Wachstum gerechnet. Verhaltenes und zum Teil negatives Wachstum wird für die Branchen Lebensmittel, Chemie und Bau erwartet. In der Branche chemische Erzeugnisse wird für die Bereiche Agrochemie und Fasern mit Ausnahme von China und Gesamt-Asien in allen untersuchten Destinationen künftig eine anhaltende Kontraktion oder Stagnation erwartet.
Quelle: www.swissplastics.ch, Publikation «Innovation Report 15»
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