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Sechs grosse Reisen in die Türkei, Persien und Indien unternahm Jean-Baptiste Tavernier zwischen 1628 und 1668. Sein Werk gilt heute als eine der wichtigsten Reisebeschreibungen über den Orient des 17. Jahrhunderts.
Der 1605 geborene Jean-Baptiste Tavernier wuchs in Paris als Sohn eines Kartografen auf, der mit Karten und Reiseführern handelte. In jungen Jahren reiste er als Reitknecht und königlicher Page durch zahlreiche Länder Europas, bevor er 1628 auf seine erste Reise in den Orient aufbrach. Diese führte ihn zuerst nach Konstantinopel, wo er ganze elf Monate auf eine Karawane zur Weiterreise nach Isfahan wartete. In dieser Zeit machte er Bekanntschaft mit dem Handel von Edelsteinen und lernte den Zürcher Uhrmacher Rudolf Stadler kennen, mit dem er später nach Isfahan weiterreiste.
Viele Wege führen nach Indien
Das Buch mit dem ausführlichen Titel: «Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier, Ritter und Freyherr von Aubonne, in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind» ist 1681 in Genf erschienen. Dies ist die erste deutsche Ausgabe nach der Französischen von 1678. Das Buch enthält in drei Teilen die Reisen Taverniers in die Türkei, nach Persien, Indien, Japan, Siam und in die holländischen Niederlassungen im Fernen Osten. Der vierte Teil behandelt das Serrail und der letzte beschreibt die persische Königskrönung Solimanns III.
Jean-Baptiste Tavernier beschreibt in diesem Werk seine sechs Reisen und die jeweiligen Routen auf denen er diese unternommen hat. Neben ausführlichen Wegbeschreibungen berichtet er von den Dörfern und Städten die er besuchte, von den Fortbewegungsmitteln und erzählt was er unterwegs erlebt hat. Über den Weg von Konstantinopel nach Isfahan schreibt er beispielsweise:
«Diese Reis kann man thun, entweder mit einer Caravana von Kameelen, wie ich das erste Mal gethan, oder es können ihrer zehen oder zwöllf, die wol beritten und bewehrt zusamen gehen.»
Während die Reisenden durch Persien vorwiegend mit Kamelen unterwegs waren, ändert sich das in Indien, wo man mit Ochsen und Karren durchs Land zog.
«Wider den Gebrauch in Persien bedient man sich, in Indien zu dem Fuhrwerck und Reisen, weder der Esel, Maulthier, noch Pferden; sondern alles wird auf Ochsen oder Karren überbracht, weil das Land eben.»
Den Weg ins Königreich Siam beschrieb er, sowohl zu Wasser wie zu Land, als unbequem. Zu Land wegen der wilden Tiere, zu Wasser weil man auf dem Fluss wegen mehreren Wasserfällen mit dem Schiff kaum voran kommt. In Siam angekommen traf er auf allerlei exotische Tiere und Pflanzen:
«Alles Land von Siam, ist sehr fruchtbar an Reis und Früchten, von welchen die fürnemste genannt werden Mangues, Durions und Mangoustans. Die Wälder seyn voller Hirschen, Elephanten, Tygerthier, Nashörner und Affen, und man siehet aller Orthen von diesen Bamboucs so grosse Rohre, sind sehr hoch, ganz hohl und hart wie Eisen.»
Unterwegs traf der Franzose aber nicht nur Exotisches an, die Gegend von Erivan (Jerewan) in Armenien erinnerte ihn an das schweizerische Waadtland:
«Ich weiss dieses Gebirg so wol wegen der Thäler und Flüsse, als auch der Beschaffenheit des Erdreichs mit nichts besser zu vergleichen, als mit dem herzlichen Stuck Landes in der Schweitz, so man le Pays de Vaux nennet.»
Tavernier erzählt von seinen Begegnungen mit verschiedenen Herrschern und beschreibt Sitten und Gebräuche der durchreisten Länder.
In Indien besuchte der reisende Händler Steinbrüche und kaufte Diamanten und andere Edelsteine. Von Europa brachte er verarbeitete Edelsteine und Uhren mit. Als Kaufmann waren für ihn Masse und Gewichte sowie die verschiedenen lokalen Münzen von grosser Bedeutung, weshalb er diese in seinem Buch beschreibt und ihnen einige Abbildungen widmet.
Die letzte Reise des Baron von Aubonne
Von seiner sechsten Reise brachte Jean-Baptiste Tavernier sehr viele Diamanten mit. Die meisten davon gingen in den Besitz des französischen Königs Louis XIV. über, der Tavernier in den Adelsstand erhob. Durch den Kauf eines baufälligen Schlosses und der dazugehörenden Herrschaft wurde Tavernier 1670 Baron von Aubonne (Waadt). Er übergab die Handelsgeschäfte mit dem Orient seinem Neffen, der ihn allerdings betrog. Durch den erlittenen Verlust sah er sich gezwungen das Schloss im Waadtland wieder zu verkaufen. Schliesslich brach er zu einer weiteren Reise Richtung Osten auf. Über Holland, Hamburg und Polen gelangte er nach Moskau, das er schon lange besuchen wollte. Dies wurde seine letzte Reise, er starb im Juli 1689 im Alter von 84 Jahren in Moskau.
Literatur:
Jean–Baptiste Tavernier: Beschreibung der sechs Reisen […]. Genf: bey Johann Herman Widerhold, 1681. https://www.e-rara.ch/zut/content/titleinfo/3999514
Gotthilf Heinrich von Schubert: Biographieen und Erzählungen. Erlangen: Verlag von Carl Heyder 1847.