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Forschungskooperation mit dem Glossaire des patois de la Suisse romande - GPSR
Bisher waren das Franko-Provenzalische und das Franc-Comtois der französischsprachigen Schweiz, deren Varietäten als Patois bezeichnet werden und die 2018 von der Schweiz als Minderheitensprachen im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt wurden, vor allem Gegenstand dialektologischer Beschreibungen. Gegenwärtig beschäftigen sowohl die Sprechenden als auch die Behörden zahlreiche Fragen zur Entwicklung dieser Sprachen und ihrer Praktiken. Sie betreffen die Zukunft der Sprachen (Erhalt vs. Verschwinden), ihre gegenwärtige sprachliche Entwicklung und die aktuellen Praktiken der Patois-Sprechenden. Das Projekt will die Entwicklung des Patois in der französischsprachigen Schweiz untersuchen, wobei die Profile der Sprechenden auf nicht-binäre Weise unterschieden und insbesondere die verschiedenen Typen von Sprechenden, für die das Patois nicht die erste Sozialisierungssprache ist, herausgearbeitet werden sollen. Dies umfasst:
- eine retrospektive Analyse vergangener Vorhersagen zur Entwicklung: Mittels historiografischer Ansätze soll diese retrospektive Analyse zur Zukunft der Sprache ein besseres Verständnis der Gründe und Kriterien für solche Vorhersagen liefern sowie in Kenntnis der aktuellen Situation aufzeigen, wie Vorhersagen scheitern oder die dynamischen Entwicklungen der Sprache zutreffend erfassen.
- eine Analyse der jüngeren sprachlichen Entwicklung: Dieser Teil beinhaltet eine linguistische Analyse des Kontakts zwischen dem Patois und dem Französischen sowie eine Analyse der Wahrnehmung und der Repräsentationen der Verhältnisse und ihrer Entwicklung durch die Sprechenden des Patois.
- eine Analyse der Entwicklung der Praktiken: Dieser Projektteil besteht aus einer ethnographischen Untersuchung, um die Entwicklung der Verwendung und der Sozialisierungsräume des Franko-Provenzalischen und des Franc-Comtois in allen Kantonen der französischen Schweiz, in denen sie nachgewiesen werden können, zu beschreiben und zu verstehen. Ziel ist es, die verschiedenen Gruppen zu identifizieren, die an kulturellen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Patois beteiligt sind, und ein besseres Verständnis für die von ihnen verfolgten Ziele zu erlangen.
Das Projekt soll eine bessere Einschätzung der aktuellen Praktiken des Franko-Provenzalischen und des Jurassischen ermöglichen sowie ein besseres Verständnis dafür, wie sich diese im aktuellen frankophonen Umfeld verändern. Die Ergebnisse werden für Personenkreise nützlich sein, die sich mit Sprach-, Kultur- und Bildungspolitik beschäftigen. Zudem sollen die aktuellen gesellschaftlichen Diskurse im Kontext der langen nationalen Geschichte zur Verteidigung des Patois eingeordnet werden. Die Ergebnisse des Projekts werden schliesslich zu den Berichten im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen in Beziehung gesetzt, insbesondere mit Blick auf die Frage, ob das Franko-Provenzalische und das Franc-Comtois eigenständige Sprachen oder vielmehr Dialekte des Französischen sind.