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Nächstes Jahr ist das 500-Jahr-Jubiläum des Könizer Aufstandes. Wer mehr über die Hintergründe dieses Aufstandes wissen möchte, dem empfehle ich den Vortrag „Wider die „Kronenfresser“ – Konflikte um Pensionen am Beispiel des Könizer Aufstands von 1513″ empfholen, welchen Dr. des. Philippe Rogger am 4. Dezember 2012 im Rahmen der Vortragsreihe des Historischen Vereins des Kantons Bern im Vortragssaal der Zentralbibliothek halten wird. Beginn 18.15 Uhr.
Am 26. Juni 1513 machten sich 300 Aufständische von der Könizer Kirchweihe nach Bern auf. Dort angekommen verschafften sie sich Zutritt in die Stadt und vollführten daraufhin innerhalb der Stadtmauern ein bedrohliches Spektakel mit zeitweilig karnevalesken Zügen. Die Eindringlinge überfielen die Häuser der französischen Parteigänger, leerten ihre Weinkeller und entwendeten Kleider und Mobiliar. Nachdem sich in den nachfolgenden Tagen auch die Oberländer Untertanen erhoben hatten, kam am 28. Juli 1513 der sogenannte Könizerbrief zustande. Er enthielt ein Pensionenverbot und legte das Strafmass für die Empfänger französischer Pensionen fest. Ausserdem sahen die Bestimmungen ein zwingendes Konsensrecht der Landschaft bei Bündnissen vor und garantierten gleichzeitig die korporativen Freiheiten der Landgemeinden.
Obwohl die Obrigkeit zu weitgehenden Konzessionen bereit war, wird bei näherer Betrachtung der Einigung rasch deutlich, dass nicht die grundlegenden Parameter des politischen Systems zur Diskussion standen. Die Räte blieben in ihrem Herrschaftsanspruch über ihre Territorien weitgehend unangefochten. Vielmehr wurden Handlungsweisen der obrigkeitlichen Akteure gedeutet und bewertet, die für aussenstehende Personen kaum nachvollziehbar waren und allenfalls gerüchteweise bekannt waren. Diese Handlungsweisen finden in der zeitgenössischen Quellensprache im Begriff der Praktik ihre semantische Entsprechung. Der Quellenbegriff umfasst inhaltlich die Auseinandersetzung um Geschenke, Pensionen und Käuflichkeit und benennt, je nach Standpunkt, die Geheimpolitik der anderen. Praktik meint deshalb immer das, „was man nicht sehen kann“ (Valentin Groebner). Im Vortrag soll es darum gehen, die heimlichen Praktiken des Sold- und Pensionengeschäfts in Bern um 1500 sichtbar zu machen, die eigentlich unsichtbar bleiben sollten.
Die lokal organisierten, jedoch an einer globalen Nachfrage orientierten Söldnermärkte werden von der Forschung seit einiger Zeit gewinnbringend mit dem Instrumentarium der Netzwerkanalyse untersucht. Einflussreiche Angehörige der eidgenössischen Machteliten lobbyierten, politisierten und intrigierten als Klienten für die Interessen ihrer fürstlichen und königlichen Patrons und wurden dafür mit Pensionen entschädigt. Als Vermittler agierten häufig sogenannte Broker, welche den Güteraustausch zwischen Klienten und Patrons organisierten. In der Folge verfügten die Fürsten und Könige Europas auch in Bern über einflussreiche Klienten, die für ihre Anliegen im Rat um Einfluss rangen (Bündnisschlüsse), sie mit Informationen versorgten oder für sie Söldner organisierten. Das französische Netzwerk in Bern lässt sich anhand der überlieferten Gerichtsakten im Nachgang zum Könizer Aufstand rekonstruieren.
Die Netzwerkanalyse erlaubt es schliesslich, den Aufstand von 1513 als Folge eines Verteilkampfs um die nach Bern fliessenden Ressourcen – in Form von ökonomischem, sozialem, kulturellem und symbolischem Kapital (Pierre Bourdieu) – zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen den verfeindeten Faktionen innerhalb der städtischen Machtelite zu deuten.
(Quelle: Vortragsprogramm Historischer Verein des Kantons Bern für den Winter 2012/2013)