Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03482.jsonl.gz/1106

Es ist eines der grössten Binnenfeuchtgebiete der Welt: der brasilianische Pantanal, an der Grenze zu Bolivien und Paraguay gelegen, Unesco-Welterbe, Heimat von mehr Vogelarten, als es in ganz Europa gibt, Lebensraum von Jaguaren, Wasserschweinen und Riesenottern, als Kohlenstoffsenke fürs Klima bedeutend. Zwei Jahre Dürre haben dafür gesorgt, dass die Fleischindustrie leichtes Spiel hat: Fast ein Drittel des Pantanals sind 2020 Brandrodungen für Weideland zum Opfer gefallen – eine Fläche grösser als die Schweiz.
In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie hat Greenpeace fünfzehn Rinderfarmen im Gebiet identifiziert, die mit diesen Feuern oder anderen Umweltvergehen in Verbindung gebracht werden und die zu den Lieferanten dreier brasilianischer Fleischkonzerne gehören. Darunter JBS, der grösste Fleischproduzent der Welt. Das Unternehmen ist allein in Brasilien in der Lage, 33 000 Rinder zu schlachten – pro Tag. JBS ist Teil einer Holding, die 2017 wegen diverser Korruptionsfälle dem brasilianischen Staat eine Rekordstrafe von umgerechnet drei Milliarden Franken bezahlen musste. Die Firma hat laut Globalance ein Klimaerhitzungspotenzial von acht Grad – was höher ist als jenes von Ölmultis wie Exxon. Zu den Abnehmern von JBS-Fleisch gehören neben Fastfoodketten wie McDonald’s oder Burger King auch Nestlé. Der Ruf des Unternehmens ist inzwischen so schlecht, dass es etwa von der norwegischen Zentralbank auf eine schwarze Liste gesetzt wurde.
Ein bedeutender Financier von JBS ist die Credit Suisse. Laut einem Bericht von Chain Reaction Research hat die Schweizer Grossbank JBS in den letzten fünf Jahren mit Krediten über gut 1,2 Milliarden Franken versorgt – Zahlen, die die Bank nicht dementiert. Wie geht das zusammen mit dem Versprechen der Bank, «ihre eigene Rolle bei der Unterstützung des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft» auszubauen? Auf Anfrage schreibt sie: «Die Credit Suisse unterhält keine Geschäftsbeziehungen mit Firmen, die Brandrodungen in Tropenwäldern durchführen.» In sensitiven Sektoren wie der Agrarwirtschaft gebe es strikte interne Weisungen und Richtlinien. Im Übrigen intensiviere die Credit Suisse ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen und unterstütze auch die Finanzierung alternativer Proteinquellen.