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Glosse
Inländervorfang
Eine - nicht eingebürgerte - Regenbogenforelle. | Bild: Wikipedia Commons
Wenn der Journalistenkollege an der Redaktionssitzung die Geschichte der gescheiterten Einbürgerung von Regenbogenforellen ankündigt, dann ist das irritierend und komisch.
23.09.2016 17:47, Ronnie Zumbühl, 1 Kommentare
Man fragt sich dann automatisch, ob die Regenbogenforelle vielleicht den Deutschtest nicht bestanden hat, oder ob sie die Schweizer Gewässer zu wenig kennt. Oder hat sie sich evtl. etwas zuschulden kommen lassen? Hat sie eine ohne Bewilligung eine nautische Veranstaltung organisiert? Nichts dergleichen, klärt der Journalist auf.
Die Regenbogenforelle darf aber nicht in Schweizer Gewässern angesiedelt werden. Rainbow Warrior Lukas Reimann (SVP, St. Gallen) hat mit einer Motion den Bundesrat beauftragt, die Regenbogenforelle in allen dafür geeigneten Gewässern in der Schweiz einzubürgern. Wer nun denkt, Lukas Reimann seien die Schuppen von den Augen gefallen und er sei nun ein Einwanderungsbefürworter, irrt jedoch. «Nachdem diese Spezies seit 130 Jahren in der Schweiz ansässig ist, muss sie akzeptiert und eingebürgert werden», heisst es in der Motion. Die Regenbogenforelle ist also kein «Fremder». Und wenn sogar Österreich die nordamerikanischen Fische «schätzt, hegt und pflegt», wie es in der Motion weiter heisst, dann kann es ja nicht so schlimm sein.
Weiter führt Reimann folgende Argumente ins Feld wie: «Die Regenbogenforelle findet sich mit den geänderten Umweltbedingungen besser zurecht als die Bachforelle, vor allem in kanalisierten Fliessgewässern.» Damit möchte Reimann sagen, dass ausländische Fische besser qualifiziert sind als einheimische. Oder: «Das Zusammenleben mit der Äsche ist zudem unproblematisch, und beide Arten haben praktisch identische Laichzeiten und Gewohnheiten.» Und schliesslich: «Die Regenbogenforelle ist eine Bereicherung der Fauna, und sie ist auch eine Bereicherung für alle, die gerne Fisch essen - probieren Sie es einmal aus.»
Der Bundesrat war nicht dieser Meinung und beantragte die Motion zur Ablehnung. Doris Leuthard: «Eine gute Durchmischung der Gesellschaft und Einwanderung sind, finde ich, nicht per se etwas Schlechtes. Das kann man durchaus auch in Bezug auf die Fische sagen.» Doch die Regenbogenforelle sei offenbar sehr gefrässig, zitierte sie einen Experten. Reimanns Ratskollegen folgten dem negativen Entscheid des Bundesrats und schickten die Motion mit 70 zu 118 bachab. Unter anderem wird der sogenannte Inländervorrang light mit Omega 3 Fettsäuren herangezogen: Die Konkurrenz für die Bachforelle scheint zu gross.
Chlais | am 24.09.2016 um 14:37 Uhr
Wenn man den Bach vor lauter Wasser nicht mehr sieht.