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Zielkonflikte zwischen Produktion und Gewässerschutz prägen die Schweizer Landwirtschaft. Diese wurden mit einer multikriteriellen Entscheidungsanalyse (MCDA) untersucht. Die Studie stellt Ziele dar, schlägt Bewertungsfunktionen vor und analysiert Massnahmen.
Die Schweizer Verfassung fordert eine stark multifunktional ausgerichtete Landwirtschaft. Dies bedingt, dass die Landwirtschaft, neben der Produktion von Lebensmitteln, die natürlichen Ressourcen bestmöglich schützen muss. Dies kann Zielkonflikte auslösen, beispielsweise zwischen Produktion und Gewässerschutz. Häufig werden die verschiedenen Ziele, und noch öfter die Gewichtung zwischen ihnen, gar nicht explizit formuliert oder Betrachtungen konzentrieren sich auf einen Teilbereich dieser Ziele. Wird nur ein kleiner Bereich des Gesamtsystems betrachtet, werden andere negative (oder auch positive) Auswirkungen von Massnahmen unter Umständen nicht analysiert. Nebeneffekte werden somit ignoriert und Entscheidungen sind weniger gut abgestützt. Zielkonflikte und die Komplexität des Agrarumweltsystems stellen Verwaltung und Praxis vor die schwierige Aufgabe, jeweils die optimale Lösung zu finden.
Gewässerschonende, landwirtschaftliche Produktion
Vor diesem Hintergrund wurde 2013 bis 2015 das Projekt «AProWa – Zukunftsfähige gewässerschonende, landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz» in Zusammenarbeit von Eawag, BLW und Agroscope durchgeführt. Es zielte einerseits darauf ab, die Praxistauglichkeit einer Methodik zur Entscheidungsunterstützung, der so genannten multikriteriellen Entscheidungsanalyse (MCDA, Multi-criteria Decision Analysis), für diese komplexe Problemstellung zu testen. Anhand dieser Methodik ist eine ganzheitliche Systembetrachtung möglich. Sie stellt sowohl den bewertenden Teil der Entscheidungsfindung (Gewichtung zwischen Zielen), sowie den beschreibenden (objektiven) Teil (Stand des Wissens zu Auswirkungen von Handlungsoptionen) transparent dar. Andererseits konnten auch aufgrund einer breiten Analyse möglicher Synergien und Zielkonflikte zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Gewässerschutz Empfehlungen abgegeben werden, welche Forschungslücken in diesem Bereich prioritär zu untersuchen sind.
Hauptergebnisse des Projekts
- Eine systematische Aufstellung und Gliederung von Produktionszielen (z.B. hohe Ertragsmenge) und Erhaltungszielen (z.B. geringe Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser) in Form einer Zielhierarchie.
- Ein Vorschlag an messbaren Indikatoren zur Quantifizierung der Zielerreichung.
- Eine Sammlung von relevanten Massnahmen im Bereich einer gewässerschonenden Landwirtschaft.
- Testen des MCDA-Ansatzes zur quantitativen Bewertung verschiedener Massnahmen hinsichtlich ihrer Wirkungen im Gesamtsystem.
- Vorschläge für zukünftige Forschungsfragen basierend auf dem aufgezeigten Forschungsbedarf.
- Vorschläge für den weiteren Einsatz der MCDA-Methode in der Praxis.
Einordnung und Bewertung der Methode
Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts 149, vornehmlich betriebliche, Massnahmen berücksichtigt. Diese konnten in 39 Gruppen eingeteilt werden. Kombiniert mit 130 Zielen, ergibt das 19‘370 Bewertungskombinationen, für welche die Auswirkung einer Massnahme auf ein bestimmtes Ziel mit den entsprechenden Indikatoren erfasst werden sollte. Würden Expertinnen und Experten nur zwei Minuten für die Einschätzung einer Auswirkung aufwenden (oder geeignete Modelle so schnell rechnen), wären dazu rund 650 h oder fast vier Monate Arbeit notwendig. Das zeigt einerseits den Umfang und die Komplexität der Aufgabe, andererseits ist es aber auch ein klarer Hinweis, dass die Methode bei einer derartigen Problemstellung an ihre Grenzen stösst.
Literatur
Dietzel, A., Zaffarano, P. & Stamm, C. (2015). Zukunftsfähige gewässerschonende landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz. Schlussbericht zum Projekt AProWa. Bern: Bundesamt für Landwirtschaft.
Fazit
- Für die Analyse der Zielkonflikte zwischen Gewässerschutz und Produktion wurde das System ganzheitlich betrachtet und anhand einer Zielhierarchie dargestellt.
- In einem Modell stehen ein Zielsystem und Bewertungsfunktionen zur Verfügung, die zur Analyse der Zielkonflikte beitragen können.
- Folgende Forschungslücken konnten identifiziert werden: der Zustand von stehenden Kleingewässern, Massnahmen im Bereich Pflanzenschutz, sowie die Verringerung der Konnektivität zwischen landwirtschaftlichen Flächen und Oberflächengewässern.
- Die verwendete Form der MCDA-Methodik* erwies sich angesichts der untersuchten Komplexität als wenig praktikabel für den routinemässigen Einsatz in der Praxis.
- Das Verfahren sollte daher vereinfacht angewendet werden. Die Werkzeuge können in der verwendeten Form aber bereits zu mehr Transparenz in Entscheidungsprozessen beitragen.
* MCDA (Multi-criteria Decision Analysis), multikriterielle Entscheidungsanalyse.
Wissenschaftlicher Artikel
Gewässerschutz und landwirtschaftliche Produktion: Wie geht man diesen Zielkonflikt an?