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Snow White: Das Interview mit Sunnyi Melles
Sunnyi Melles, wurde am 7. Oktober 1958 in Luxemburg als Tochter eines Dirigenten und einer Schauspielerin geboren. Sie verbringt ihre Kindheit hinter Theaterkulissen. Mit sechs bekommt Sunnyi Ballettunterricht, mit zwölf lernt sie Stepp- und Jazztanz und steht erstmals unter Hans Hollmann in Basel auf der Schauspielbühne.
1978 beginnt sie ihr Schauspielstudium an der Otto-Falckenberg-Schule. Seit 1980 ist Sunnyi Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen. Sie ist in München die alte Tante in Ernst Wendts Inszenierung des "Kätchen von Heilbronn" eine kahlköpfige Elfe im "Sommernachtstraum" und - wieder bei Wendt - die Hure Auguste in Bertolt Brechts "Trommeln in der Nacht". Dann spielt sie bei Dieter Dorn die Lucille in "Danton". Doch ihre Traumrolle ist das Gretchen in Dorns "Faust"-Inszenierung - sie spielt sie fünf Jahre lang. Obschon ihre grosse Leidenschaft dem Theater gilt, sind Sunnyi Melles Schauspielerische Leistungen auch immer wieder in grossen Filmrollen zu bewundern.
OutNow.CH (ON): Wie bist du zu deiner Rolle in Snow White gekommen?
Sunnyi Melles (SM): Samir hat mich einfach angerufen. Ich habe schnell zugesagt. Das schlimmste ist, wenn mich ein Film langweilt und ich nicht überrascht werde.
ON: Kanntest du Samir schon?
SM: Nein. Ich kannte seine Filme und habe ein Interview mit ihm gesehen. Ich wollte schon immer mit ihm zusammenarbeiten. Wir haben uns seelenverwandschaftlich getroffen. Ich finde ihn sehr gut.
ON: Was bedeutet für dich die perfekte Familie?
SM: Meine Kinder sind gerade neun und zehn Jahre alt. Als Mutter reflektiert man immer, und guckt was die Kinder machen. Der Film ist für Mütter, Väter und Jugendliche, weil man all die Probleme - gestörte Kommunikation zwischen den Eltern, Drogen, Liebe - selber auch erlebt. Der Film hat viele Aspekte, die auch Angst machen. Meine Rolle ist keine Mutter aus dem Märchen. Es sind unfähige Eltern. Das ist ja gerade das menschliche. Nobody is perfect.
ON: Du bist mit einem Prinzen verheiratet. Ist die High Society im Film real oder übertrieben dargestellt?
SM: High Society ist der falsche Ausdruck. Die Probleme im Film betreffen Leute aus verschiedenen sozialen Schichten. Worauf es drauf ankommt, ist das miteinander kommunizieren. Viele Eltern und Jugendliche, aus welcher Schicht auch immer, haben dieselben Probleme. Man denkt immer, den Reichen muss es gut gehen, und die Armen laufen niemals Gefahr, in den Drogen zu versinken. Wenn wir Menschen nicht auf unsere Seele acht geben, haben wir auf einmal alle dieselben Probleme. Das macht den Film so toll. Ebenso gefallen mir die verschiedenen Sprachen. Das Multikulturelle war wie Musik für mich.
ON: Sind die jungen Menschen heute schlimmeren Gefahren ausgesetzt als früher?
SM: Nein, es ist heute weniger gefährlich, weil es viel mehr Institutionen gibt, viel mehr Aufklärung. Filme wie Snow White sind auch ein Schutz für die Kinder, weil früher alles tabuisiert wurde. Die Probleme sind dieselben geblieben. Der Film kann aber an die eigenen Fehler erinnern und gibt vielleicht auch wieder Hoffnung. Es ist nicht alles negativ. Samir hat immer noch eine Liebe zu den Leuten, auch wenn er sie so zeigt. Auch in meiner Figur. Ich habe keine Lust, eine Mutter zu denunzieren. Ich sehe auch bei mir Schwächen. Deswegen finde ich Snow White einen sehr gelungenen und schönen Film.