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Bis zu drei Jahre Haft: Das droht Spitzensportlern in Deutschland künftig, wenn sie mit Doping erwischt werden. So steht es jedenfalls im Entwurf für ein neues Antidoping-Gesetz. Auch in anderen europäischen Ländern ist es strafbar, Dopingmittel zu nehmen. In der Schweiz hingegen ist das nicht der Fall.
SRF: Soll die Schweiz den Konsum von Dopingmitteln ebenfalls unter Strafe stellen?
Matthias Kamber: Nicht unbedingt. Im heutigen System bestraft der Sport die Sportler und der Bund das Umfeld. Wenn zum Beispiel ein Mediziner oder ein Trainer Doping abgibt, kann er bestraft werden. Die Sperren für Sportler werden hingegen durch den Weltantidoping-Code geregelt. Dieser wird im Moment verschärft, die neue Fassung tritt ab Januar 2015 in Kraft. In Zukunft kann der Sportler mit einer Sperre von bis zu vier Jahren sanktioniert werden. Das bedeutet eine höhere Abschreckung als heute, wo die Strafe höchstens zwei Jahre betragen kann.
Wäre die abschreckende Wirkung nicht grösser, wenn zu dieser vierjährigen Sperre noch eine Haftstrafe käme?
Doch. Aber damit würde das Prinzip verletzt, dass man nicht zwei Mal für dasselbe Vergehen bestraft werden kann. Ein solcher Schritt wäre meiner Meinung nach heikel. Ich kenne bisher kein Land, in dem ein Sportler für den Konsum von Doping bestraft wurde. Aber es ist ein sehr interessanter Ansatz, den wir beobachten müssen.
Wer dopt, schadet nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern verhält sich auch seinen Konkurrenten gegenüber unfair. Gehört ein solches Verhalten nicht vom Staat bestraft, so wie das beispielsweise bei Betrug der Fall ist?
Laut Rechtsgutachten ist das heute schon möglich. Die Gutachten besagen, dass man das Dopen als Betrug bestrafen kann, wenn ein Sportler damit hohe Gewinnsummen erzielt oder viel Geld von Sponsoren erhält. Doch der Sponsor muss klagen, damit es zu einer Strafe kommt. Das ist im Moment der Fall bei Lance Armstrong in den USA. Dort sind gegen den ehemaligen Radprofi Schadenersatzforderungen im Raum. Aber bis so ein Prozess zustande kommt, dauert es sehr lange. Wenn der Sportler zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgetreten ist, macht es keinen Sinn mehr. Deshalb sind die Sportstrafen meiner Meinung nach sehr effektiv: Sie können sofort in Kraft treten und es ist einfacher, zu beweisen, dass jemand betrogen hat.
Wie gross ist der Druck auf die Schweiz, nachzuziehen, wenn jetzt auch Deutschland den Dopingkonsum strafbar macht?
Wenn sich zeigt, dass Deutschland mit der Bestrafung gute Erfahrung macht und andere Länder nachziehen, dann braucht es auch in der Schweiz eine Diskussion. Doch das Gesetz ist eben erst vorgestellt worden und muss noch vom Parlament in Deutschland gutgeheissen werden. Dabei kommt es auch sehr darauf an, wie die Vorlage im Detail ausgestaltet wird.
Tut denn die Schweiz genug gegen das Doping?
Nein. Zwar haben wir eine gute Zusammenarbeit mit den Sportverbänden und dem Bund. Aber wir haben finanzielle Probleme. Damit werden wir auch den Weltantidoping-Code nicht so umsetzen können, wie wir das wollen. Besonders im Bereich Prävention und Information können wir nicht genug tun. Der Staat und die Sportverbände sollten sich für einen dopingfreien Sport stark machen. Laut Umfragen will auch die Schweizer Bevölkerung eine starke Dopingbekämpfung. Und die Sporttreibenden selber wollen ebenfalls, dass wir mehr gegen Doping unternehmen.
Aus Ihrer Sicht braucht es also nicht härtere Strafen, sondern mehr Prävention?
Der Kampf gegen Doping besteht aus vielen Schichten und muss fein austariert werden. Doch geben wir heute rund 70 Prozent unseres Geldes für die Kontrollen aus, weitere 10 bis 12 Prozent gehen an die Forschung. Für die Prävention bleibt nur rund 12 Prozent, obwohl wir dafür mehr Geld haben sollten.
Das Interview führte Tina Herren.
Matthias Kamber
Kamber ist Direktor der Stiftung Antidoping Schweiz. Die Stiftung wird vom Bund und von Swiss Olympic finanziell unterstützt. Zu ihrem Auftrag gehört die Durchführung von Dopingkontrollen und Ermittlungen. Des Weiteren geht sie mit Prävention und durch angewandte Forschung gegen Doping vor.