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Im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Ausstellung mit Andy Warhols Selbstporträts zwischen 1948 und 1986 zu sehen.
Der US-amerikanische Künstler hat sich in Zeichnungen, Gemälden und Fotos immer wieder selbst dargestellt.
Geplant hat Dietmar Elger, Kurator des Sprengel Museums Hannover, die Warhol-Porträt-Ausstellung seit 1997. Zwei Jahre lang hat er daran gearbeitet.
Entstanden ist nun - nach intensiver Bildersuche - eine Ausstellung der Spitzenklasse mit Werken, die zum Teil noch nie öffentlich ausgestellt waren.
Inkunabeln (Frühdrucke), die bisher nur in Büchern zu sehen waren, hängen nun in St. Gallen in einem Raum, der mit Warhol-Selbstporträts in Minze und Lavendel tapeziert ist.
Scheu und Melancholie
"Es ist alles da, was da sein muss, was keiner erwartet", sagt der Direktor des Kunstmuseums St. Gallen, Roland Wäspe, und meint damit beispielsweise den "Upper Torso Boy Picking Nose", die Zeichnung des nasenbohrenden Jungen von 1948/49.
An derselben Wand das Selbstbildnis Warhols, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend - das Schlüsselwerk dieser Ausstellung.
Sie zeigt die Porträts arroganter Selbstinszenierung neben Bildern, die Warhols Verletzlichkeit, seine rührende Scheu und Melancholie offen legen.
Glatt und perfekt
Der junge Warhol fand seine Nase zu dick, sein Haar zu dünn und litt unter Pickeln: Die liess er weg. Dasselbe tat er bei seinen Auftraggebern: Er liess ihre Gesichter glatter, perfekter und jünger erscheinen.
1967 entstand eine Werkgruppe grossformatiger Porträts, verfremdet mit Farben, wohlkalkulierten Kontrasten und geschickten Schattenspielen: Gleich vier Bilder dieser Serie hängen im Oberlichtsaal: blau, rot, leicht verschwommen.
Gegenüber das "Big Retrospective Painting" von 1979, in dem er Blumen, Corn Flakes, Marilyns, Car Crash, Kuh, Mao, Campbell Soup, Electric Chair und ein Selbstporträt mit Sonnenbrille vereinte.
Im Schatten
Später verbarg Warhol eine Gesichtshälfte ganz im Schatten: In dem 1981 entstandenen "The Shadow" präsentierte er sich als personifizierter Schatten. Das war mehr als oberflächliches Rollenspiel: Er identifizierte sich mit der geheimnisvollen Schattenfigur.
Die Serie der "Fright-Wig"-Selbstporträts entstand 1985 als Auftragsarbeit für eine Ausstellung in London. Der Galerist Anthony d'Offay hatte eine Ausstellung mit Selbstporträts angeregt.
Darunter sind Bilder mit dämonischen Zügen, die an Totenmasken erinnern. Warhol verfremdete sie zusätzlich mit einem Camouflage-Motiv, farbige Tarnung, Maske.
Schon 1978, als er 50 wurde, waren kleinformatige Bilder mit Vanitas-Motiv, einem Totenschädel auf Kopf und Schulter entstanden.
Und zwei Jahre vor seinem Tod entstanden zwei kleine Formate der Fright-Wig-Porträts auf Gold und Silber, Ikonen: Sie wirken wie Bilder des Schweisstuchs der Veronika. Die Haarsträhnen werden zur Dornenkrone, Warhols "Memento mori".
Warhol-Spätwerk in Liechtenstein
Während sich das Kunstmuseum St. Gallen auf Andy Warhols Selbstporträts konzentriert, zeigt das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz bis am 12. September einen Querschnitt durch das Spätwerk des US-amerikanischen Künstlers.
Entstanden ist das Spätwerk in Andy Warhols 15 letzten Lebensjahren. Es setzt 1972 ein mit den Mao-Porträts, frei übermalten Siebdrucken, führt weiter über die meditativen Malereien "Shadows und Oxidations" und endet mit den abstrakten, bis zehn Meter langen "Camouflages".
swissinfo und Agenturen
Fakten
Der US-Amerikaner Andy Warhol lebte von 1929 - 1987.
In den 1960er-Jahren begründete er die Pop Art.
Im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Ausstellung mit Warhol-Selbstporträts zu sehen.
Das Kunstmuseum Liechtenstein zeigt einen Querschnitt durch das Spätwerk des US-amerikanischen Künstlers.
In Kürze
Elvis Presley, Marilyn Monroe, Campbell's Suppendosen, Serien von Coca-Cola Flasche und Dollarscheinen - mit diesen Ikonen begründete Andy Warhol in den 1960er-Jahren die neue Kunstrichtung Pop Art.
Damit gelangte er als einer der ersten amerikanischen Künstler zu Weltruhm.