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Die Sorgen um die indigene Bevölkerung Brasiliens steigen. Am Mittwoch (8.) wurde in Brasilien ein weiterer Fall von Covid-19 unter Indios bestätigt. Betroffen ist ein 15-jähriger Yanomami. Aber auch von den Völkern Kokama, Baré und Borari gibt es Meldungen über Erkrankungen mit dem Coronavirus.
Anthropologen und Nichregierungseinrichtungen haben schon vor Wochen auf die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus unter der Urbevölkerung verwiesen, da das Abwehrsystem der Indios auf Viren der westlichen Welt sensibler reagiert. Ein Beispiel ist die von Goldschürfern ausgelöste Masernepidemie unter den Yanomamis in den 1960er und 1980er Jahren, die vielen das Leben gekostet und das Vok um 15 Prozent dezimiert hat.
Aktuell wird die Zahl der Yanomamis auf 27.000 geschätzt. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen und Indio-Vereinigungen gehen in der Terra Indígena Yanomami im Bundesstaat Roraima allerdings etwa 25.000 Gold- und Edelsteinschürfer ihren illegalen Machenschaften nach. Sie sorgen nicht nur für eine Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und eine Verseuchung der Flüsse mit dem bei der Goldauswaschung verwendeten Quecksilber, sondern sind ebenso potentielle Überträger des Coronavirus.
Theoretisch heißt es von der Indio-Behörde Funai, dass die Indio-Territorien geschlossen und isoliert wurden. Über zusätzliche Kontrollen gibt es allerdings keine Berichte, über neue Invasionen indes schon. Während sich alles auf die Coronaviruskrise konzentriert, prangern Greenpeace, der katholische Indio-Missionsrat Cimi und die Vereinigung des Volkes Karipuna (Apoika) neue Inasionen beispielsweise in Indio-Territorien in Rondônia an.
Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch (8.) sagte Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta, er sei sehr besorgt über die Ansteckungen in indigenen Gemeinschaften. Zum Problem der Goldschürfer hat er sich nicht geäußert. Laut Mandetta überprüft das Gesundheitsministerium aber den Aufbau eines Feldlazaretts für Indios. Wo dieses entsehen soll, hat er nicht verraten. Der Amazonas-Regenwald erstreckt sich zudem über mehr als 40 Prozent der Landesfläche Brasiliens. Er ist Heimat der Großzahl der indigenen Ethnien Brasiliens, deren auf ganz Brasilien verteilte Bevölkerung auf etwa 900.000 geschätzt wird.
Während der Gesundheitsminister von einem Feldlazarett spricht, ermittelt das Staatsministerium im Bundesstaat Pará. Dort ist eine 87-jährige Indio-Frau der Ethnie Borari an den Folgen von Covid-19 gestorben, wie vom Gesundheitssekretariat Parás bestätigt wird.
Alerdings scheinen in dem Zusammenhang keinerlei Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden zu sein. Die Frau galt in der Region als Wächterin der indigenen Kultur. Bei ihrer Bestattung am 20. März sollen deshalb hunderte Menschen zugegen gewesen sein – ohne, dass sie von einer Ansteckungsgefahr etwas geahnt haben.
Im Bundesstaat Amazonas wurde ein 45-jähriger Mann des Volkes Baré mit Covid-19 diagnostiziert. Von der ebenso im Bundesstaat Amazonas lebenden Ethnie Kokama sind mittlerweile vier Covid-19-Fälle bekannt. Angesteckt hatte sich zunächst eine 20-jährige Helferin des Gesundheitswesens. Sie und ihre Familie wurden in einem Dorf der Kokama isoliert. Inzwischen wurden ebenso ihr ein Jahr altes Kind, ihre Mutter und ein weiterer Verwandter positiv getestet.
Der im Bundesstaat Roraima positiv getestete 15-jährige Yanonami befindet sich auf der Intensivstation. Er war wegen Atemproblemen in einem Krankenhaus behandelt worden. Weil der erste Test auf den Coronavirus negativ ausfiel, wurde er aber wieder nach Hause geschickt.
Bestätigt wurde Covid-19 erst mit einem zweiten Test am Dienstag (7.). Wie es heißt, wurden fünf Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die mit ihm Kontakt hatten bereits isoliert. In das Heimatdorf des Jugendlichen, sind zudem 20 Tests geschickt worden. Über weitere Isolierungsmaßnahmen in seinem Dorf liegen bisher indes keine Auskünfte vor.