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Ziteil – einer der höchstgelegenen Wallfahrtsorte Europas
Die Wallfahrten nach Ziteil gehen zurück auf das Jahr 1580, als gemäss der Legende eine weiss gekleidete Frau einem 18-jahrigen Mädchen im Oberhalbstein erschienen war und zu ihm sagte: „Gehe hin und sage dem Volk im Oberhalbstein, es habe nun so viel gesündigt, dass nicht noch mehr ertragen werden könne. Wenn es sich nicht bessere, werde Gott es streng bestrafen, so dass er nicht nur die Feldfrüchte verdorren, sondern das Volk vom Jüngsten bis zum Ältesten sterben lassen werde. Ich kann bei meinem Sohn für dieses Volk nicht mehr Fürbitte einlegen.“ Acht Tage darauf erschien die gleiche Frau einem 16-jährigen Knaben in Ziteil und wiederholte dasselbe.
Als man damit begann, Prozessionen zu halten, fingen alle verdorrten Feldfrüchte wieder zu grünen an und weckten Hoffnung auf eine sehr gute Ernte.
Seit dieser Zeit sind die Wallfahrten dokumentiert. Vermutlich wurde bereits kurz nach der Erscheinung in Ziteil eine bescheidene Kapelle errichtet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die bestehende Kapelle vergrössert und ein Pilgerhaus errichtet. 1848 entstand ein neues Pilgerhaus mit zwei Pilgerstuben und Zimmern für die Geistlichen. Die letzten Umbauten fanden in den Jahren 1957/58 und 1977 statt. Damit steht Raum für insgesamt 150 Pilger zur Verfügung. Ein besonderes Merkmal der heutigen Wallfahrtskirche ist das grosse Rückfenster. Weil die Hauptgottesdienste in Ziteil am frühen Morgen stattfinden, musste das Morgenlicht in die Kirche hereingebracht werden.
Dazu wirkt dieses Fenster wie ein grosses Gemälde Gottes. Denn der Ausblick auf die Bergwelt ist überwältigend.
Ziteil wird heute noch rege besucht. Der Pilgerort in Romanischbünden ist ein bevorzugter Wallfahrtsort der rätoromanischen Bevölkerung. Es zieht aber jedes Jahr auch viele Deutschsprachige aus dem In- und Ausland in das nur in den Sommermonaten zugängliche Heiligtum.
Quelle: Sur Duri Loza: „Die Wallfahrt nach Ziteil“