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Schwachstellen der AGLA
Die Schweizer Arbeitsgruppe Lipide und Atherosklerose (AGLA) der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie publizierte kürzlich in dieser Zeitschrift eine kommentierte Übersicht [1] über die neuen ESC/EAS-Dyslipidämie-Guidelines [2]. Dabei produzierte die AGLA eine problematische Kommunikation betreffend die Lipidbehandlung bei Patientinnen und Patienten über 75 Jahre.
Gemäss Guidelines der «European Society of Cardiology» (ESC) gilt: Eine Lipidsenkung bei Patientinnen und Patienten bis 75 Jahre ist indiziert. Bei solchen über 75 Jahre kann eine Statinbehandlung in Abhängigkeit vom Risiko erwogen werden. Die Wirksamkeit der Statine in der Primärprävention bei Patientinnen und Patienten ab 75 Jahren ist weniger gut abgesichert als bei jüngeren Personen («less certainty»), und die Statindosierung sollte niedriger gewählt werden bei Nierenschwäche oder möglichen Medikamenteninteraktionen. Diese Empfehlung wurde mit den Daten der CTT-Studie begründet [3].
Demgegenüber schreibt die AGLA [1]: «Eine Primärprävention mit Statinen wird bei Patienten nur bis zum Alter von 75 Jahren empfohlen. […] Bei asymptomatischen Patienten >75 Jahre (Primärprävention) beschränkt sich der Nutzen von Statinen auch im Hinblick auf Herzinfarktverhütung auf Patienten mit Diabetes. Senioren ohne ASCVD-Vorgeschichte und Diabetes profitieren nicht von einer Statintherapie [4]».
Die AGLA verdreht damit eine ESC-Empfehlung für eine Statinbehandlung anhand der Ramos-Studie [4] in ihr Gegenteil und verschweigt dabei, dass es sich hier um einen Kommentar der AGLA handelt.
Die Ramos-Studie ist in den ESC-Guidelines mit gutem Grund nicht erwähnt. Sie hat keine verlässliche wissenschaftliche Grundlage erarbeitet, um die Empfehlung der AGLA zu unterstützen, und es erstaunt sehr, dass die AGLA eine derart minderwertige Studie überhaupt erwähnt.
Gemäss eigener Metaanalyse aus heutiger Evidenz bewirken Statine eine 40%-Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse und eine 30%-Reduktion der Gesamtmortalität bei Personen ab 75 Jahren (eingereicht bei Swiss Medical Weekly).
Die AGLA sollte deshalb ihre kommentierte Übersicht zurückziehen oder den wissenschaftlichen Ergebnissen aus Studien mit guter epidemiologischer Praxis Folge leisten [5]. Falls die AGLA ihre Empfehlung weder zurückzieht noch ändert, sollte sie klarstellen, dass sie eine Abweichung zu den ESC-Guidelines empfehlen will, und dies dann auch entsprechend kommunizieren und mit wissenschaftlichen Daten begründen
Der Autor hat keine finanziellen oder persönlichen Verbindungen im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.
Kopfbild: © Thomas Gowanlock | Dreamstime.com