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Jahresbericht 2021
1. In Kürze
In Chilijchi nördlich von Tin Tin schlossen wir die Wasserversorgung ab.
In Rumi Corral südlich von Tin Tin wurde eine neue Wasserversorgung für 19 Familien eingerichtet.
Waldbau: Wegen der Corona-Pandemie konnte der Verein "Árboles y Futuror" die geplanten Pflegekurse nicht durchführen.
Mit 1½ Jahren Verspätung konnte ich wieder nach Bolivien reisen. Dominik begleitete mich und SARS-Covid-2 hielt sich von uns fern.
2. Lage in Bolivien
2.1. Politik
Auf den Unterhalt der Stras-sen legt die Regierung Wert: Die Strecke Mizque - Cochabamba war neu geflickt.
Bei den Bäumen auf dem Bild handelt es sich um Eukalyp-ten, die oberhalb von Arani schon immer sehr verbreitet waren.
Etwas mehr als ein Jahr nach den Wahlen hat die MAS (Movimiento als Socialismo = Bewegung zum Sozialismus), wieder geführt von Evo Morales, das Land weitgehend im Griff. Die Freunde der Regierung sind Venezuela, China und andere sogenannte sozialistische Staaten mit einer deutlichen Neigung zur Diktatur. Die Regierung Boliviens mit Präsident Luis Arce hatte keine Hemmungen, dem nicaraguanischen Diktator José Ortega zu seiner letzten gezinkten Wahl in den höchsten Tönen zu gratulieren.
Mit den Autonummern nimmt es die Regierung mindestens auf dem Lande nicht so genau. Hier in Aiquile. Es werden offenbar Autos und Töffs in grossem Ausmass geschmuggelt. Auch Kartoffeln, Wein und Früchtsäfte...
Gerade als wir in Bolivien waren, also während der Corona-Pandemie mit allen Vorschriften, führte Evo Morales mit seinen Anhängern einen Marsch nach La Paz durch, der unter dem Motto "Marcha por la democrácia" - Marsch für die Demokratie stand. Gleichzeitig hält die Regierung die vorgängige Präsidentin Jeanine Añez mit den falschen Vorwürfen gefangen, sie habe einen Staatstreich durchgeführt. Die Gerichte stehen heute alle unter dem Einfluss der Regierung und urteilen nicht mehr frei.
Und dennoch gelingt der Regierung nicht alles. Sie setzte, mit der Mehrheit im Parlament, die eben der MAS gehört, ein Gesetz in Kraft, um "unrechtmässig erworbenes Eigentum" zu enteignen. Damit wollte sie das Schwarzgeld oder vielmehr die Investitionen, die damit gemacht wurden, an sich reissen. Das Ganze hätte auf der Denunziation der Bürger beruht und hätte quasi mit einem Verwaltungsakt vollzogen werden können. In Santa Cruz und anderen Orten gab es gewaltige Aufstände und Blockaden, bis das Parlament von sich aus das Gesetz widerrief. Irgendein Funken Demokratie und Rechtsstaat ist vorhanden. Dass die Zeitungen frei darüber berichten konnten, ist ebenfalls zu erwähnen.
2.2. Corona
Wenn man den Statistiken glauben will, so hat Bolivien die Corona recht gut im Griff, weit besser als die Schweiz. Zu verdanken ist das vorab der nun gefangenen Janine Añez, die gleich zu Beginn der Pandemie einen harten Lockdown verfügte. Das Volk nahm seither die Gefahr ziemlich ernst, wenigstens in den Städten. Die meisten Leute tragen auch auf der Strasse die Maske, in den Läden, Hotels etc. sowieso. Überall stehen wie bei uns die Desinfektionsmittel. Beim Eingang in eine Apotheke und diversen anderen Orten wurde die Körpertemperatur gemessen.
Anders dürfte es auf dem Lande sein. Hier nahmen die Menschen die Krankheit nicht allzu ernst. Als Folge kann man sagen: Viele waren krank und wurden mit all den lokalen Mitteln wieder gesund, oder sie starben.
3. Arbeiten in Mizque
3.1. Aufforstungen
Formel für die Berechnung von Höhe und Volumen von Föhren
Wie oben erwähnt, konnte das Hilfswerk "Arboles y Futuro" die geplanten Instruktionskurse für die Pflege der Pflanzungen wegen der Corona-Pandemie nicht durchgeführen.
Wir führten mit Arboles y Futuro jedoch Gespräche, konkret mit dem Forstingenieur Luis Alberto Patiño, und Luis Rojas, der als Berater des ABT arbeitet (Autoridad de Bosques y Tierra = Amt für Wald und Boden). Sie hatten zwei Anliegen.
Pflanzungen in Yunguillas alta ca. 2'500 m ü. M.
- In einer Studie wird aufgezeigt, wie man aufgrund des Durchmessers und des Alters einer Föhre deren Länge und Inhalt berechnen kann. Die Formel ist allerdings höchst kompliziert, die Berechnung im Felde praktisch unmöglich. Dominik hinterlegte die Formel nun in einer Website, so dass man mit jedem Handy die Berechnung fast überall vornehmen kann. Siehe: arboles.teddy.ch
- Sämtliche Pflanzungen sollten, wie bei uns in der Schweiz auch, registriert werden. Das Prozedere ist für uns und die Pflanzer im Felde allerdings undurchschaubar. Wir haben angeregt, dass "Arboles y Futuro" dazu eine einfache Anleitung erarbeitet. Die Struktur dazu haben wir ebenfalls aufgezeichnet und auch einen finanziellen Beitrag angeboten.
Pflanzungen in Yunguillas alta ca. 2'800 m ü. M.
Die Besichtigung der Pflanzungen im Felde war im Allgemeinen erfreulich.
Trotz der Kurse, die wir vor drei Jahren anboten, hat die Mehrheit der Pflanzer nicht begriffen, dass sie die Bäume aufasten müssen, um gutes Schreiner- und Bauholz zu produzieren. Der Preisunterschied wird sie eines Besseren belehren.
3.2. Sägerei
Der zukünftige Säger kaufte sich am Rande von Mizque eine Parzelle.
Vertragsverhandlungen mit Cirilo Guzmán Vargas und Delia Jiménez, Ehefrau des Cousins, im Haus von Elmer Vargas in Mizque
Damit die Schreinereien in Mizque - man spricht von vier Werkstätten - mit Brettern versorgt werden können, deren Holz aus der Umgebung stammt, streben wir die Einrichtung einer Sägerei an. Der Mizqueño Cirilo Guzmán sägt heute schon Bretter, allerdings mit einer Motorsäge, was viel Sägemehl gibt und entsprechend weniger Holz. Er möchte sich gerne mit einer Bandsäge ausrüsten und die nötigen einfachen Dächer aufstellen, damit er im Trockenen arbeiten und die Bretter lagern kann. Unsere Männer in Mizque veranschlagten die gesamten Kosten auf über 30'000 US $. Cirilo, der mit seinem Cousin und dessen energischen Ehefrau zusammenarbeitet, will es mit einem Kredit von 12'000 US $ schaffen. Der Vertrag wird nun vorbereitet.
3.3. Wasserversorgungen
Chilijchi
Haus in Chilijchi mit der neuen Wasserstelle im Innenhof.
Die neue Wasserstelle im Innenhof.
Sprich: Tschilichtschi; ein Baum, Schmetterlingsblütler, aber auch häufiger Ortsname, in unserem Fall ein Weiler oberhalb von Tin Tin, ca. 34 km von Mizque entfernt.
Die 2020 begonnene Wasserversorgung von Chilijchi wurde beendet. 16 Familien mit 90 Familienmitgliedern sind die Nutzniesser. Die Kosten für uns belaufen sich auf 2'500 Franken.
Rumi Corral
Wir blicken nach Süden in die unendlichen Bergketten der Anden. Links im Tal ist Tin Tin eingebettet. Rechts oben vor dem dunklen Berg im Hintergrund liegt Rumi Corral.
Viehtränke in Rumi Corral.
Besichtigung des Hauses mit dem Wassertank in rumi Corral.
Rumi ist ein Quetschua-Wort und heisst "Stein". Corral ist Spanisch und heisst "Gehege". Der Ort liegt auf rund 3'000 m ü. M.
19 Familien freuen sich, dass das Wasser nun direkt ab dem Hahnen vor dem Haus fliesst.
Besichtigungen älterer Anlagen der Wasserversorgung
Die Frau aus Uyuchama Centro machte uns auf einen Mangel in ihrer Wasserversorgung aufmerk-sam. Wir schätzten den Druck des Wassers falsch ein. Wir werden den Mangel zu beheben versuchen.
Anlässlich des Besuchs im November/Dezember 2021 schauten wir uns etliche weitere Anlagen an, um deren Zustand zu prüfen. Neun der zwölf Projekte sind in gutem bis sehr gutem Zustand. Zwei besichtigten wir mangels Zeit nicht.
Ausnahme bildet eine Anlage in Kinsa Chata, wo wir ein Wasserbecken für die Bewässerung mit einer Folie auskleideten. Weil der Überlauf bei einem heftigen Regen verstopft wurde, floss das Wasser an der tiefsten Stelle über den Damm und riss eine Rinne hinein.
3.4. Andere Anlagen
Mit Carmelo Gutierrez, der vor 20 Jahren den Bau der Staustufen initierte, auf Kontrollgang. Hier auf einer der vielen Stufen, die noch in-takt sind.
Noch bevor wir mit den Wasserversorgungen begannen, bauten wir Mauern gegen die Wildwasser in Bañado und unterstützten die Elektrifizierung in Bañado und Cazorla. Die Elektrifizierung ist, der Not gehorchend, wohl in allen Häusern nach wie vor in gutem Zustand.
Die Tassen um die Bäume, die zur selben Zeit angelegt wurden, sind oft noch in gutem Zu-stand und erfüllen ihren Dienst, das Wasser für die Bäume zurückzuhalten, nach wie vor, wenn auch in geringerem Masse.
Die Wasserverbauungen in Bañado haben im Laufe der letzten 20 Jahre etwas gelitten. An etlichen Staustufen wären Verbesserungen nötig. Leider ist es so, dass Werke oft mit Begeisterung gebaut werden, der Unterhalt danach aber vergessen geht. Immerhin wird der Fluss des Wassers immer noch stark gebremst, so dass auch der Starkregen keine Katastrophe mehr verursachen kann.
4. Mitglieder, Sponsoren und gute Geister
Die Mittel, mit denen wir arbeiteten, stammten von Verwandten und Freunden. Es sind oft wesentliche Beträge, die von einem grossen Vertrauen in unsere Arbeit zeugen.
Allen ein herzliches Dankeschön!
Dank gebührt auch unseren Partnern in Mizque, Jesús Padilla und Elmer Vargas. Trotz ihrem fortgeschrittenen Alter sind nach wie vor aktiv und scheuen sich nicht in die Berge zu fahren, um dort mit jenen Leuten vor Ort zu sprechen, die unsere Hilfe am nötigsten haben.
Ein Dankeschön den Mitgliedern mit besonderen Aufgaben: Vorstand, Buchhalterin, Revisoren und Webmaster.
Sissach, 29. Januar 2022
Werner Mahrer