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Ghanas Parteien versprechen vor der Wahl, sie wollten das Land vorwärtsbringen. Ihre zahllosen Wahlkampfartikel besorgen sie indes in Asien.
Wahltag ist Zahltag. Und Wahlkampf ist Zahlkampf – zumindest in Ghana. Wenn ein Politiker ein Dorf besucht, verspricht er gerne gleich eine neue Strasse. Der spätere Präsident John Atta Mills versprach vor vier Jahren der Stadt Tamale im Norden einen internationalen Flughafen, um die Pilgerreise nach Mekka zu erleichtern. Der Flughafen steht auch dieses Jahr wieder auf dem Wahlprogramm der Regierungspartei National Democratic Congress (NDC). Eine weitere Konstante im ghanaischen Wahlkampf sind die Tausende T-Shirts mit Slogans und Logos. Und die Unmengen von propagandistischer Plastikware.
Die Wahl am kommenden Freitag verspricht Spannung. Der im Juli verstorbene Präsident Mills war durch seinen Vize John Mahama ersetzt worden. Das könnte ein Vorteil sein für die Opposition, die liberale New Patriotic Party (NPP) mit Kandidat Nana Akufo-Addo. Die NPP lässt mit ihrem Vorschlag für eine freie Schulbildung bis 18 Jahre das Programm des eher sozialdemokratischen NDC blass aussehen.
Beide Parteien wollen Ghana vorwärtsbringen, sie versprechen eine rosige Zukunft als Schwellenland. Doch was im Wahlkampf verteilt und verkauft wird, stammt meist aus China, Indien und anderen asiatischen Ländern. Die Textilbranche Ghanas, in der einst 25 000 Personen Arbeit fanden, beschäftigt heute noch 3000 Arbeiter.
Hinter der Theke des Kampagnen-Büros der Oppositionspartei NPP liegen Berge von Flipflops, Sonnenbrillen und Armbändern. Bei einer Wahlkampfrede Akufo-Addos winkt die begeisterte Menge dem Kandidaten mit Vuvuzelas, Fächern und Plasticfähnchen zu. Die Konkurrentin NDC, so berichteten Medien, habe sich gar vom chinesischen Mobilfunkunternehmen Huawei Propagandamaterial schenken lassen und ihm im Gegenzug Steuererleichterungen gewährt.
Während das Geschäft der Verkäuferinnen mit den Devotionalien in den Parteifarben brummt, klagen andere über Flaute. Der Schneider Isaac Nartey in der Hauptstadt Accra hat derzeit wenig zu tun. Viel Geld fliesse in den Wahlkampf, sagt Nartey. Und damit nach Asien. Ein Politiker von der NPP erwidert, der lokalen Industrie fehle eben oft das Know-how für günstige Massenproduktion.
Egal wer die Wahlen gewinnt – die T-Shirts werden noch lange getragen werden. Die frühere Ministerin Elizabeth Ohene trifft noch acht Jahre nach ihrem Wahlkampf an den unmöglichsten Orten auf ihre T-Shirts. In einer Kolumne schreibt Ohene, sie habe damals mehr T-Shirts verteilt als Stimmen erzielt. Für sie ist klar: «T-Shirts bringen keine Stimmen.»
Dieser Text erschien am 2. Dezember in der «NZZ am Sonntag»