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Am 22. Oktober 1871 hat die evangelische Gemeinde Niederuzwil die neu erbaute Kirche auf dem Bühl in Niederuzwil eingeweiht. Das war ein Freudentag für die Gemeinde, setzte er doch einen Schlusspunkt hinter ein leidvolles Nebeneinander von katholischen und evangelischen Christen in der Region. Während Jahrhunderten mussten sie die Kirche in Henau paritätisch nutzen. Dabei gab es oft handfeste Streitigkeiten, sogar Mord und Totschlag.
Reformation und Gegenreformation spalteten die Bevölkerung in der Region Uzwil und führten zu offener Gewalt. 1707 gab es an einem Kirchweihabend in Henau eine tödliche Auseinandersetzung und zwei Schwerverletzte. Zwei Jahre später kam der evangelische Lehrer um. Der Racheakt folgte auf den Fuss: Der katholische Schulmeister wurde ermordet, der katholische Pfarrer gefangengenommen und sein Haus geplündert. Dass die Kirche in Henau beiden Konfessionen zur Verfügung stand, führte zu anhaltenden Spannungen und Anfeindungen.
Standort Bühl
Die reformierten Henauer waren bis anhin stets in der Minderheit, was sich mit der Industrialisierung im Dorf Niederuzwil änderte, sodass 1860 gleich viele Reformierte wie Katholiken gezählt wurden. Der Wunsch nach einem Kirchenneubau kam auf.
1865 beantragte die Vorsteherschaft den Kauf eines Grundstücks und die Errichtung eines Pfarrhauses samt Unterrichtszimmer für 60 Schüler. Als Standort waren in erster Priorität die Höhe ob der Luxenburg, in zweiter Priorität der Bühl beim Niederuzwiler Schulhaus vorgesehen. Nach einer lebhaften Diskussion entschied sich die Versammlung für den Standort Bühl.
Daran konnte auch ein Kassationsbegehren an den kantonalen Kirchenrat nichts ändern. Das Pfarrhaus konnte dank grosszügiger Offerte von privater Seite gebaut werden. Für das Kirchenprojekt wurde neben Baumeister Rutishauser der fachlich besser ausgewiesene St.Galler Architekt Johann Christoph Kunkler beigezogen.
Sein Plan für eine Kirche in Kreuzform wurde als zu teuer eingestuft. Er musste «einen einfachen und schmucklosen Plan» ausarbeiten. Grundform sollte ein Rechteck sein und die Kosten sollten ohne Glocken und Uhr die Summe von 80'000 Franken nicht übersteigen. 1867 bewilligten die Kirchbürger für den Bau inklusive Geläute, Uhr und Einfriedung des Kirchhofes einen Kredit von 100'000 Franken.
Kies und Sand aus der Thur
Eine siebenköpfige Baukommission machte sich unverzüglich an die Arbeit. Sie beschaffte 40'000 Zentner Quadersteine aus den Steinbrüchen der Region Rorschach. Die Thurau-Korporation Niederuzwil gestand das Entnahmerecht von Sand und Kies aus der Thur zu. Auch die Gemeinde Oberbüren bewilligte dasselbe unentgeltlich. Baumeister Wellauer aus Frauenfeld zeichnete für den Bau verantwortlich. Die Bauaufsicht wurde Architekt Kunkler übertragen.
1870 konnte Aufrichte gefeiert werden. Statt eines Stahlgeläutes wurde schliesslich ein Metallgeläut mit vier Glocken angeschafft. Auf dem Friedhof wurde ein hölzernes Nebengebäude mit einem Leichenraum gebaut. Am 22. September 1871 ist die Kirche festlich eingeweiht worden. Ab Frühjahr 1874 war dann auch die Orgel auf der Empore spielbereit. Alles in allem wurden 160'000 Franken investiert.
Heute
Grundlegend verändert gegenüber der Zeit vor dem Kirchenbau hat sich glücklicherweise das Verhältnis zwischen den Konfessionen. In der einstigen Gemeinde Henau gibt es neben der Kirche Henau heute drei Kirchen in Niederuzwil: die evangelische, die katholische und die Kapelle der evangelisch-methodistischen Gemeinschaft.
Die Verantwortlichen arbeiten im ökumenischen Sinn zusammen und es gibt auch regelmässig gemeinsame Gottesdienste und Anlässe.