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Das erste Major der Golfsaison 2017 trugen nicht die Herren, sondern die Ladies im Mission Hills Country Club in Rancho Mirage (Kalifornien) aus. Die Koreanerin So Yeon Ryu holte sich den Titel mit einem Birdie am ersten Loch des Playoffs und verwies Lexi Thompson auf den zweiten Platz. Auf dem geteilten dritten Rang folgten Minjee Lee (NZ), Suzann Petersen (NOR) und Inbee Park (KOR).
Für den eigentlichen Aufreger sorgte aber die spätere Zweite Lexi Thompson bereits lange vor dem spannenden Turnierende. Die US-Amerikanerin führte nach dem 12. Loch in der Finalrunde vermeintlich mit 16 unter Par, als der Blitz einschlug. Eine Schiedsrichterin informierte Lexi auf dem Weg zum nächsten Abschlag, dass sie auf der Runde am Vortag einen Regelverstoss begannen hatte und deshalb vier Strafschläge aufgebrummt bekäme.
Was war passiert? Lexi hatte ihren Ball auf dem 17. Green leicht verschoben neben dem Ballmarker hingelegt (siehe Link am Ende des Artikels). Dafür gibt’s gemäss Regelwerk zwei Strafschläge für falsches Markieren und weil die Amerikanerin eine Scorekarte mit einem falschen Resultat abgegeben hatte, bekam sie gleich nochmals zwei Strafschläge obendrauf. Etwas irritiert fragte Lexi darauf die Offizielle, ob das ein Witz sei. Nein Lexi, war es nicht und für eine Spielerin mit 5 Jahren Erfahrung auf der Tour und zwei Berufungen ins Solheim Cup Team ist ein solcher, wenn auch kleiner Fehler nicht entschuldbar. Unerklärlich ist ebenfalls, dass der Caddie seine Spielerin nicht darauf aufmerksam gemacht hatte. Die Frauen und Männer am Bag sind ja auch dafür zuständig, dass ihre Arbeitgeber möglichst keine – wenn auch unbeabsichtigten – Regelverstösse begehen. Lexi zeigte nach dem niederschmetternden Bescheid aber grossen Kampfgeist, holte mit zwei Birdies am folgenden 13. und auch am 15. Loch einen Teil des Rückstandes wieder auf und scheiterte erst im Stechen. Der Triumph von So Yeon Ryu sollte aber durch die Affäre „Lexi-Gate“ nicht geschmälert werden. Die Women’s US-Open Siegerin von 2011 holte sich ihren zweiten Majortitel mit drei 69er und einer 68er Runde und kann wohl damit leben, dass die fetten (Negativ-) Schlagzeilen ihrer engsten Konkurrentin galten.
Auf einem anderen Blatt steht, wie die ganze „Resultatkorrektur“ überhaupt zustande kam. Ein TV-Zuschauer hatte in einem E-Mail auf Lexi’s Vergehen vom Vortag hingewiesen und wir erinnern an das Masters 2013, als Tiger Woods seinen Ball nach einem Schlag ins Wasser zu weit hinten gedroppt hatte. Auch dieser Verstoss wurde von einem Kiebitz am Fernsehschirm gemeldet. Es ist wohl einzig im Golfsport möglich, dass TV-Zuschauer (auch dank technischen Mitteln wie Replay und Zeitlupe) den Ausgang eines Wettkampfes beeinflussen können und das vor allem lange nach dem eigentlichem Vorfall.
Unklar ist mir persönlich, warum Lexi Thompson nach dem Einreichen der fehlerhaften Scorekarte, bzw. dem Ruling am nächsten Tag nicht aus dem Turnier genommen wurde. So zumindest haben wir das im Regelkurs einmal gelernt: Abgabe falscher Scorekarte = Disqualifikation. Eine Änderung der Regel 6-6b ist mir bisher nicht zu Ohren gekommen. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser da zur Aufklärung beitragen können, freuen wir uns auf Ihren Kommentar.
Text: Peter Hodel
Foto: USA Today / Brian Spurlock