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Was harmlos mit einer Vitrine im heimischen Wohnzimmer begann, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Museen über die Kultur der nordamerikanischen Ureinwohner. Das Indian Land Museum in zürcherischen Gossau führt durch die Geschichte der Pueblo-Indianer (Hopi, Zuni und Navajo) sowie der Prärie- und Plains-Indianer (Sioux, Cheyenne, Crow und viele mehr) mit seltenen und zum Teil einmaligen Ausstellungsstücken.
Vincent Escriba war schon als Schulkind fasziniert von der Geschichte der Indianer. Kaum alt genug, um selbstständig reisen zu können, zog es ihn nach Nordamerika an die geschichtsträchtigen Stätten. Bis zu drei Mal pro Jahr flog der Gründer des Indian Land Museums über den grossen Teich, um mehr über die Kultur zu erfahren. Es waren neben Speeren und Beilen auch die alltäglichen Gegenstände im Leben der Ureinwohner, die ihn mehr und mehr zum Sammler werden liessen.
Zu Beginn der Sammlerleidenschaft fanden die Gegenstände noch Platz in einer Vitrine im Wohnzimmer. Nachdem sich Privatpersonen und auch Lehrer von Primarschulen für die Sammlung zu interessieren begannen, mietete Vincent Escriba ein Lokal mit 100 Quadratmeter Fläche, die jedoch nach kurzer Zeit nicht mehr ausreichten. In einem alten Industriegebäude in Gossau fand das Museum vor 26 Jahren seinen heutigen Platz.
Die Sammlung ist einzigartig und hält mit jedem Visitor Center in den Nationalparks der USA mit. Mehr noch, einzelne Ausstellungsstücke sind einmalig und datieren aus den Kriegen zwischen den Indianern und den Blauröcken. Die Seriennummer eines der ausgestellten Gewehre bestätigt das Alter von über 150 Jahren und den Einsatz in der Schlacht bei Little Big Horn.
Historische Sammlerstücke sind auf dem Weltmarkt kaum noch zu bekommen. In den USA hat sich ein regelrechtes Business entwickelt, was die Preise in die Höhe schiessen liess. Zudem dürfen Kulturgüter kaum noch exportiert beziehungsweise importiert werden. Glücklicherweise gab es in Europa nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg immer mehr Sammler, die sich von den amerikanischen Soldaten Ware beschaffen liessen. Heute ist das undenkbar.
Es gibt den typischen Museumsbesucher nicht. Jährlich lassen sich circa 3.500 Besucher von der Kultur der Ureinwohner Nordamerikas faszinieren. Neben Familien mit Kindern sind es zahlreiche Schulklassen, die gleich den ganzen Tag dort verbringen. Auch Firmen aus Industrie und Gewerbe sowie Vereine und Clubs ersetzen ihre Hemd-und-Krawatten-Abende durch eine Zeitreise in die 1900er-Jahre.
Erstaunlicherweise sind es aber auch wieder junge Besucher, die sich trotz Digitalisierung verstärkt für Geschichte interessieren. Es geht aber um weit mehr als nur darum, Geschichte zu (be-)wahren, es geht in erster Linie um Völkerverständnis. Nichts ist im Augenblick wichtiger als gerade das.