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Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besass, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besass, und kaufte sie.
Aus Matthäus 13,44-46 / Einheitsübersetzung 2016 (EU)
Die Gleichnisse vom Schatz, von der Perle und vom Fischnetz runden die vielen Gleichnisreden von Jesus im 13. Kapitel des Matthäusevangeliums ab. Ziele dieser Lehrreden sind das rechte Verstehen der Geheimnisse des Himmelreiches sowie ein entsprechendes Verhalten, das beim wahren Verstehen des Kommens des göttlichen Reiches hervorgeht.
Der Schatz im Acker
Jesus ist ein fesselnder Geschichtenerzähler. Die Personen und Bilder in seinen Gleichnissen sind aus dem Alltag der Menschen entnommen und deshalb anschlussfähig. Seine Worte öffnen den Raum für einen eigenen Weg mit Gott.
Da ist ein Acker, der einen Schatz verbirgt. Dieser wird zufällig gefunden. Wer und wie dieser gefunden wird, spielt keine Rolle. In der Übersetzung des Münchner Neuen Testamentes findet sich eine Spur der Zielrichtung des Gleichnisses. Im Gegensatz zur EU 2016 versucht diese Übersetzung eng am Originaltext zu bleiben. Dort wird der Vers 44 so übersetzt: Gleich ist das Königtum der Himmel einem Schatz, verborgen im Acker, den, nachdem er (ihn) gefunden hatte, ein Mensch verbarg, und in seiner Freude geht er, und er verkauft alles, wieviel er hat, und er kauft jenen Acker. Auffallend ist der Zeitenwechsel in kursiver Schrift.
Wird der Fund des Schatzes noch in der Vergangenheitsform erzählt, steht die Erzählung des Tuns des glücklichen Finders im Präsens. Dem zufälligen, unverhofften, jedenfalls überwältigenden Fund folgt die volle Hingabe von allem um des einen grossen Schatzes willen.
Die schöne Perle
Im Falle des Kaufmanns, der auf der Suche nach schönen Perlen ist, spielt der Zufall keine Rolle. Er findet eine derart wertvolle Perle, dass er alles andere verkauft, nur um diese eine wertvolle Perle zu besitzen. Beide Geschichten enden abrupt und der weitere Verlauf ist scheinbar nicht von Interesse.
Leidenschaft und ihre Folgen
Das Hauptaugenmerk beider Gleichnisse liegt wesentlich in der vollständigen Bereitschaft, alles für diesen kostbaren Schatz, die wertvolle Perle zu tun. Beide verkaufen alles, was sie besitzen und riskieren dabei, ihre sicheren Lebensgrundlagen zu verlieren. Nicht der «materielle» Fund soll als Antrieb für ihr Handeln thematisiert werden, sondern die grenzenlose Freude über den Fund der Kostbarkeit des Wesentlichen des Lebens, nämlich der Begegnung mit Gott.
Gott, du rufst mich
Folglich sind die Gleichnisse über das Reich Gottes wesentlich Berufungsgeschichten. Wer Ohren hat zum Hören, der höre (Mk 4,9 EU). Der geheimnisvolle und verborgene Gott lässt sich finden, manchmal zufällig beim Graben in den Lebensgeschichten oder manchmal bewusst und mit viel Geduld. Doch er lässt sich finden. Dein Reich komme heisst dann nichts anderes als: Ja, Jesus, komm in mein Leben und ich versuche dir mit ganzem Herzen und Hingabe zu folgen. Du bist schon da – mitten in meinem Leben.
Ich bin überzeugt, dass Gott in Jesus Christus durch die Kraft seines Heiligen Geistes das Antlitz der Erde erneuern will. Im Gebet des Herrn rufen wir ausdrücklich: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Ja, ER ruft alle in seine Nachfolge. Jede und jeder ist damit gemeint. Jede und jeder mit seinen und ihren Charismen. So sagt Jesus im Johannesevangelium: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. (Joh 15,16 EU)
Ja, Herr, Dein Reich komme!
Pastoralraumpfarrer Kurt Schaller, Pastoralraum Emmen-Rothenburg