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Flor Garduño wurde 1957 in Mexico City geboren und zog mit fünf Jahren in eine hacienda auf dem Land, wo sie in engem Kontakt mit der Natur und Tieren lebte. Garduño begann 1978 an der Academy of San Carlos (UNAM) bildende Kunst zu studieren und entwickelte dort ein besonderes Interesse an den strukturellen Aspekten von Gestalt und Raum. An der Universität lernte sie die ungarische Fotografin Kati Horna kennen, die Garduño mit ihren magischen und ausdrucksstarken Bildern stark beeinflusste. Nach dem Studium wurde Garduño Dunkelkammerassistentin des wohl bekanntesten mexikanischen Fotografen, Manuel Alvarez-Bravo. Diese Erfahrungen hatten einen starken Einfluss auf ihre späteren Bildkompositionen, aber auch auf ihre technischen Fähigkeiten im Hinblick auf die Herstellung von Silber-, Platinum- und Palladiumabzügen. Garduño reiste dann unter der Leitung der Fotografin Mariana Yampolsky für ein fotografisches Projekt übers Land und besuchte dort indigene Gemeinden. Yampolsky war bekannt für ihre humanistischen Arbeiten, die sich zumeist mit Frauen beschäftigten. Diese Erfahrungen halfen Garduño, ihre eigene unverwechselbare Bildsprache einer beschreibenden Fotografie zu finden, die sie mit den mystischen Archetypen anreicherte, die so charakteristisch für den mexikanischen Surrealismus sind.
«Ich würde behaupten, das Gewöhnliche und das Historische, oder Symbolische — diese zwei Bereiche überschneiden sich in meinen Fotografien, welche ja im weitesten Sinne Fruchtbarkeit zelebrieren. Und, klar, sind sie dramatisch, weil wir uns ja in einer Zeit voller Aggression gegen Frauen befinden, in dieser Hemisphäre, wenn nicht gar auf der ganzen Welt. Sie ist systematisch und geht von Regierungen aus, von Politikern und einer kulturellen Elite. Sie entstammt einer ökonomischen und sozialen Frustration. Als eine Frau aus der Mittelklasse weiss ich aber auch, dass wir selbst innerhalb unserer Familien leiden, weil das Patriarchat so tief verwurzelt ist. Aber die Erniedrigung ist für Frauen aus den armen Teilen der Gesellschaft am schlimmsten. Eine Frau, die ich beim Fotografieren traf, wühlte vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang durch Abfallberge, immer auf der Suche nach Verwertbarem für sich und ihre vier Kinder. Ich möchte Würde, Schönheit, Leid und Widerstand zum Ausdruck bringen. Genau das ist die Kraft unseres Geschlechts.”
Flor Garduño