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Bisher war es unklar, ob Nahrungsergänzungen während einer Brustkrebstherapie hilfreich oder schädlich sind. Vor allem von Vitaminen und Antioxidantien wurde abgeraten. Diese könnten nicht nur die gesunden Zellen, sondern auch die Krebszellen während einer Chemotherapie und Bestrahlung schützen. Die Krebstherapie würde dadurch unwirksam.
Frühere Untersuchungen (Hochdosis Vitamin E schädlich, Führt Vitamin E zu Hals-Nasen-Ohren Krebs, Beeinflusst Ernährung Krebserkrankung?) und auch aktuellere Zusammenstellungen (Antioxidantien können schaden) können keinen Nutzen von Antioxidantien nachweisen. Eventuell sind Vitamine und Antioxidantien sogar schädlich.
In einer neueren Untersuchung finden sich aber keine Hinweise, dass Vitamine während der ersten 6 Monate nach Brustkrebsdiagnose schädlich sind. Sie könnten sogar positive Auswirkungen haben. (Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention: Dezember 2010)
4877 Frauen aus Shanghai wurden befragt. Ihnen wurde zwischen 2002 und 2006 eine Brustkrebs Diagnose gestellt. Die Befragung war 6 Monate nach Diagnosestellung. Anschliessend wurde der Krankheitsverlauf nachverfolgt. Frauen, die Vitamin E, Vitamin C und Multivitamine einnahmen hatten en 18% geringeres Sterberisiko und ein um 22% geringeres Rückfallrisiko. Frauen die auch eine Bestrahlung bekamen hatten leicht schlechtere Resultate, wenn sie Vitamine einnahmen.
Bisher wurde empfohlen, dass Brustkrebspatientinnen auf zusätzliche Vitamine verzichten sollen. Diese Untersuchung stützt diese bisherigen Empfehlungen nicht.
Die Grenzen dieser Untersuchung:
- Ob Vitamine genommen wurden oder nicht wurde nicht zufällig bestimmt. Diese beiden Gruppen könnten also auch aus anderen Gründen unterschiedliche Verläufe haben.
- Auch wurde die Untersuchung in Shanghai durchgeführt. Die Frauen dort haben eine andere Diät, andere Kultur, andere genetische Veranlagungen.
Abschliessend
Beim Thema Vitamine und Antioxidantien sollte man die eigene Meinung immer wieder überprüfen. Absolute Ablehnung oder Zustimmung ist nie gut. Gute Studien werden wohl nie duchgeführt werden können.
Negative Auswirkungen von Supplementen sind sicher nicht häufig. Sie könnten aber im Einzelfall schwerwiegend sein. Gelegentliche schädliche Auswirkungen sind auch mit dieser Untersuchung nicht ausgeschlossen.
Vor einer Stellungsnahme gegenüber den Patienten ist eine Vernetzung mit kompetenten Zentren wichtig. Wir in der Onkologie Dr. Urs Müller nehmen unter anderem häufig Rücksprache mit der komplementärmedizinischen Beratung des Kantonsspital St. Gallen. Die Broschüre der Krebsliga “Alternativ? Komplementär?” ist oft auch hilfreich.
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