Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03200.jsonl.gz/1371

Elfenbein
(Elefantenzähne, lat. Ebur, frz. ivoire, engl. ivory). Diese seit dem höchsten Altertum hochgeschätzte und zu Kunstwerken und Geräten verarbeitete Masse ist bekanntlich die Substanz der sog. Stoßzähne des Elefanten, sowohl des in Afrika als in Asien lebenden, und zwar vom männlichen Tiere, wiewohl auch das weibliche in Afrika, nicht in Asien, ein paar kürzere nutzbare Zähne ansetzt. Die wuchtigen Backzähne dieser großen Tiere sind auch gebrauchsfähig und bilden einen, doch mehr nebensächlichen Handelsartikel.
Das meiste E. kommt von Afrika, das auch die größten Zähne liefert, die zugleich härter und von gedrungnerem Korn als die indischen, doch öfter rissig sind; doch sind die indischen mehr gekrümmt. Das beste asiatische E. kommt von Sumatra, außerdem aus Siam, Arrakan, Cochinchina, vom ostindischen Festland und verschiednen Inseln. Ceylon liefert jetzt kein E. mehr. Die Ausbeute Indiens wird mit jedem Jahre geringer und betrug in den Jahren 1875-77 nur noch 4000-7000 kg pro Jahr.
Afrika ist oder war vielmehr an Elefanten ungemein reich; die unablässigen Jagden, welche neben den Eingebornen neuerdings besonders von Fremden der Zähne wegen auf die Tiere gemacht werden, haben indes die Bestände in den den Küsten nahe liegenden Ländern schon bedeutend gelichtet. Im Innern scheint jedoch noch genügend Vorrat zu sein, da der Export von der Westküste Afrikas in den letzten Jahren zugenommen hat; denn die Westküste lieferte allein nach England in den Jahren 1857-66 ca. 84000 kg pro Jahr, 1867-76: 774000 kg pro Jahr.
Das E. bildet noch immer einen wichtigen Handelsartikel des Weltteils. An den meisten afrikanischen Küstenplätzen kann E. gelegentlich eingehandelt werden und es ist anzunehmen, daß selbst aus dem tiefsten Innern die von den Schwarzen erbeuteten Zähne, von Trägern auf den Schultern getragen, ihren Weg ans Meer finden, obschon Livingstone im Innern noch einige Häuptlinge antraf, die ihre Hütten mit dem Material eingezäunt hatten. Die frischeste Fundgrube bilden jetzt die Länder südlich von Ägypten, von denen die Ware nilabwärts geht; auch in Zanzibar kommt viel E. zusammen.
Für Innerafrika ist Timbuktu der Haupthandelsplatz für E. und geht dieses von dort nach Baku im Busen von Guinea und nordwärts nach Tunis. Ganz Afrika hat in den Jahren 1867-76 im Durchschnitt jährlich 640000 kg E. ausgeführt; hierbei sind jedoch nicht Inbegriffen 60000 kg, welche direkt nach Amerika gehen und das, was Indien empfängt. Der Totalexport ergibt im Durchschnitt 774000 kg pro Jahr im Werte von 12 bis 15000000 Mk. Man sortiert und verhandelt die Zähne nach der Größe und sind die größten natürlich die teuersten.
Außerdem wird der Preis auch noch dadurch beeinflußt, ob sie schwach oder stark gekrümmt, ob sie rissig sind und in diesem Falle, ob die Risse wenigstens geradefort oder unordentlich verlaufen, ferner ob sie frisch oder schon alt geworden, ob die Höhlung vom Wurzelende her wenig oder mehr sich ins Innere fortsetzt. Die Zähne der jüngeren Tiere haben viel Höhlung, die sich mit dem Alter mehr und mehr mit Zahnmasse ausfüllt. Völlig ausgewachsene Tiere haben 15-18 dm lange Zähne von circa 50 kg Schwere; häufiger sind jüngere von 9-12 dm Länge und bis 30 kg schwer, armdick, und kleinere abwärts bis 2½ und 3 kg Gewicht. Stücke von 20-24 dm Länge und 75-85 kg Schwere sind Seltenheiten. Die asiatischen Zähne sind überhaupt nur 9-12 dm lang und 25-30 kg schwer. Die ganze Länge der Zähne tritt beim lebenden Tiere nicht zu Tage; die dickere Hälfte liegt in den Kopfknochen eingebettet und muß herausgemeißelt werden. Das E. hat eine eigentümliche Struktur, indem es ¶
forlaufend
gleichsam ein maschiges Gewebe darstellt, in welches eine Masse von größerer Weiße eingelagert ist, sodaß sich auf dem Querschnitt feine rautenförmige Zeichnungen erkennen lassen. Die Masse ist schon von Natur nicht rein weiß, sondern hat einen Stich ins Gelbliche, bei jungen Zähnen auch ins Grünliche. Sie wird mit der Zeit gelber, läßt sich zwar weiß bleichen, verliert aber dadurch nicht die Neigung, wieder nachzudunkeln. Übrigens ist das E. für die Verarbeitung eine der dankbarsten Massen, welche die feinsten Schnitte und die schönste Politur annimmt.
Die Verarbeitung des E. zu einer großen Menge Nutz- und Ziergegenstände ist bekannt; die besten Kernstücke werden immer für Billardbälle in Beschlag genommen. Drechsler, Kammmacher, Schnitzer, Pianofortebauer verarbeiten den Stoff am meisten; viele kleine geschnitzte und gedrechselte Gegenstände werden in Nürnberg und Fürth, in Gaislingen bei Ulm, im bayrischen Hochlande und in Wien gefertigt; in Frankreich blüht eine ähnliche Industrie besonders in und um Dieppe.
Chinesen und Japanesen zeichnen sich durch künstlich geschnitzte
Elfenbeinarbeiten ganz besonders aus.
Sie werden sich, da sie selbst keine Elefanten haben, vorzüglich an das ostindische Material halten, doch geht auch afrikanisches
dorthin. In dünnen Tafeln zersägtes E. dient schon lange als Grund zu Miniaturgemälden, neuerdings auch zu Photographien,
die sich sehr gut darauf ausnehmen. In Frankreich hat man seit einiger Zeit ungemein große Platten zum
Furnieren von Pianofortetasten u. dgl.; sie sind
aus den Hohlteilen großer Zähne hergestellt, die man der Länge nach aufschneidet, in die Form flacher Platten zwingt und
mit Kreissägen in Blätter teilt. Das E. hat dieselbe Zusammensetzung wie Knochen überhaupt, nämlich 3 Tle.
phosphorsauren und etwas kohlensauren Kalk nebst 1 Tl. Knorpelsubstanz. Durch Einlegen in Säuren können die Kalksalze
ausgezogen werden, worauf der überbleibende, die ursprüngliche Form beibehaltende Knorpel durchscheinend und biegsam wie
Leder wird. - Die kleinen Abfälle von der
Elfenbein Verarbeitung werden auch noch nutzbar gemacht.
Geraspeltes E. wird von Nürnberg als Streusand in den Handel gebracht, fein gemahlenes wird als Füllmasse für Arbeiten aus Celluloid (s. d.), namentlich für künstliche Billardbälle benutzt. Früher wurden die Abfälle von E. gebrannt, und zwar sowohl schwarz als weiß. Das Schwarzbrennen geschah in geschlossenen Gefäßen und erhielt man hierbei das Beinschwarz (Ebur ustum nigrum). Die Benennung gebranntes E. erstreckt sich aber weiter auf alles Schwarz, das aus Knochen, Hirschhorn u. s. w. gebrannt wird.
Für weißes gebranntes E. wurde die Masse in offenen Gefäßen verglüht; es brennen dabei die Knorpelbestandteile weg und nur die Kalkmasse bleibt übrig, die fein gemahlen zum Putzen feiner Metalle, zu sog. Beinglas u. s. w. verwendet wurde. Als künstliches E. sind mancherlei Zusammensetzungen zum Vorschein gekommen, die Farbe und Ansehen der natürlichen Masse mehr oder weniger gut nachahmen, sonst wenig von den Eigenschaften derselben besitzen, am wenigsten seine Elastizität. Bindemittel wie Eiweiß, Gelatine, Guttapercha mit Zusatz mineralischer Substanzen sind die gewöhnlichen Ingredienzen. Neuerdings Celluloid. - Es gibt noch einige Arten von Tierzähnen, welche wie E. benutzt werden und zum Teil unter dessen Namen gehen.
Einen nicht geringen Beitrag liefert das Mammut, eine längst ausgestorbene Elefantenart mit starker Behaarung, dessen Überreste aber durch die nordische Kälte, zum Teil mit Haut, Fleisch und Haaren so wohl erhalten worden sind, daß dessen Stoßzähne sich ganz wie frisches E. verhalten und ebenso verarbeitet werden. Die nordsibirischen Küstenstriche, besonders der untere Lauf der Flüsse Ob und Jenisei und die Küsten des Eismeers, sind unbegreiflich reich an diesen vorweltlichen Schätzen, die einen bedeutenden Handelsartikel ausmachen.
Die Zähne und Knochen werden teils von den reißenden Flüssen aus den Ufern ausgewaschen oder von den Meereswogen bloßgelegt,
teils ausgegraben. An manchen Stellen besteht die Küste fast lediglich aus einem Konglomerat von Eis, Sand und Mammutresten;
jeder Sturm bringt neue zum Vorschein. Im Sommer besuchen Scharen von Fischerbarken, im Winter Karavanen
mit Hundeschlitten die Fundorte und finden stets Ladung. Als ein unerschöpfliches
Elfenbeinlager erscheint die Insel Liakow.
Es bestehen da 7 Brüche, die seit Jahrhunderten immerfort Ausbeute geben; denn viel länger als nach Europa, angeblich seit
mehr als 500 Jahren, nimmt der Vertrieb des fossilen E. seinen Weg nach China. China importierte in den
Jahren 1874-77 durchschnittlich 27000 kg E., doch scheint dies nur indisches zu sein, da die Einfuhr von Rußland
jedenfalls viel größer ist. - Ein andrer afrikanischer, in fast allen dortigen Flüssen lebender Dickhäuter, das Nilpferd
(Hippopotamus amphibius), liefert in seinen spannlangen Vorder- und Eckzähnen eine noch feinere, härtere,
dem Gelbwerden kaum ausgesetzte Masse als der Elefant. Da indeß diese Zähne weit hinein hohl sind, so taugen sie nur zu
sehr kleinen Gegenständen und sind fast ausschließlich ein gesuchtes Material zur Herstellung von künstlichen Kinnladen
und künstlichen Zähnen. Der Stoff steht auch weit höher im Preise als E. und geht im Handel unter
dem Namen Hippopotamus. - Die nach unten gerichteten, bis 45 cm langen Hakenzähne des Walrosses finden dieselbe Verwendung
wie E. und sind in ihrem dünnern Teile selbst noch fester und feiner als dieses. Gewöhnlich ist ihre Verwendung zu Stockgriffen.
- Endlich dient der 15-30 und mehr dm lang werdenden Stoßzahn des Narwals, welcher diesem der Walfischfamilie
angehörigen Seesäugetiere aus dem Oberkiefer gerade nach vorn herausragt, ebenfalls zu Beindrechslerware, hat aber nicht
die Festigkeit und Schönheit des E. und ist daher weniger beliebt. - Zoll: Elefantenzähne, ganz oder nur in Teile zerschnitten,
Tarif Nr. 13 a;
bloß geschnittne rohe
Elfenbeinplatten Nr. 13 d;
Elfenbein waren Nr. 20 b 1;
für Waren vorgerichtete Stücke s. Anm. zu Nr. 20 b 1.