Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03322.jsonl.gz/628

Gluscht u Gnusch u Gwunger
Gluscht u Gnusch u Gwunger erschien 1982. In diesem sehr erfolgreichen Mundartroman zieht die 23-jährige stellenlose Lehrerin Eva eine Art Lebensbilanz. Widmer gelingt es, das Lebensgefühl der Jugend in den 1970er-Jahren darzustellen. Über lange Strecken erzählt er nicht, sondern lässt seine Figuren sprechen in einem grossartigen "Gnusch" der Sprachen, Stimmungen und Themen. Widmer liebt das Abschweifen. Kurt Marti schrieb: "Ich verschlang das Buch und genoss es zugleich, in einer Art Sprachrausch. In diesem Buch hat die Generation des Gurtenfestivals und der grossen Frie-densdemonstration in Bern ihren literarischen Ausdruck gefunden." Rahel Hubacher liest den Teil des Romans, den Widmer als Sommergeschichte bezeichnet hat. Sie handelt von Eva und ihrem Freund Aschi, von ihren Gesprächen, ihren Erlebnissen und ihrer Liebe. Der Roman, eine Art Lebensbilanz - in zuweilen sehr direktem Berndeutsch - einer Dreiundzwanzigjährigen, war ein Überraschungserfolg, brachte es zu einem Buchpreis des Kantons Bern, vier Auflagen, einer vollständigen Lesung am Radio und unzähligen Briefen. Heinrich Böll soll einmal gesagt haben, nachdem er zusammen mit seiner Frau Salingers "Catcher in the Rye" übersetzt hatte, er habe zuerst seinen eigenen "Catcher" schreiben müssen, bevor er sich wieder anderm zuwenden könne. Was bei ihm das Buch "Ansichten eines Clowns" ergab. Mein "Catcher in the Rye" ist "Gluscht u Gnusch u Gwunger". Dass ein Mann aus der Sicht einer jungen Frau schreibt, ist nicht neu. Der Roman des Berners Fritz Widmer erschien 1982. Er ist nach Martin Franks "Ter Fögi ische Souhung" von 1979 der zweite moderne Mundartroman. Es liest Rahel Hubacher.