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Zentrum Töss
Zentrum Töss
Zürcherstr. 106
8406 Winterthur
Am 1. Oktober 1970 wurde das Zentrum Töss mit Wohnturm, Hotel und Ladenstrasse eingeweiht. Dafür mussten uralte Tössemer Häuser, darunter zum Beispiel die langjährige Konditorei Glesti mit ihrem berühmten "Tössemer Fröschen", eine Schokolade Spezialität, einem modernen Betonbau weichen.
Als grossmassstäbliches Einkaufs- und Quartierzentrum aus mehreren Baukörpern nimmt das Zentrum Töss eine städtebaulich markante Lage an der verkehrsreichen Zürcherstrasse kurz vor der Autobahnauffahrt ein. Nach dem Abbruch älterer Liegenschaften des bäuerlichen Dorfkerns hatte der Gebäudekomplex den Anspruch, das neue Quartierzentrum zu bilden. Die zeittypische, gemischte Bauweise mit Hochhaus und ausgedehntem Sockelgeschoss, bei dem die Verkehrsführung von Autos und Fussgängern getrennt erfolgt, richtete sich nach international etablierten Vorbildern. Typologisch war das Zentrum Töss das erste Einkaufs-und Quartierzentrum in Winterthur. In seiner Gliederung in einzelne Gebäudeteile ist es vergleichbar mit dem 1970/71 von Edwin Bosshardt und Robert Steiner erstellten Zentrum Römertor. In sozialgeschichtlicher Hinsicht funktioniert das Zentrum als identitätsstiftender Begegnungsort, als «Stadt in der Stadt». Von Beginn an war eine Postfiliale untergebracht, heute auch die Quartierbibliothek. Die gedeckte Ladenpassage im Sockelgeschoss diente als Marktplatz. Auf einer zweiten, über eine markante Aussentreppe erschlossenen Ebene befindet sich der sogenannte Dorfplatz mit zwei seitliche unterschiedlich gestalteten Hochbauten: dem gedrungenen Hotelbau mit Festsaal, Restaurant und Sitzungszimmern und dem elf Geschosse aufragenden Wohnhochhaus mit offenem Parkdeck.
Der im Kreuzungsbereich von Zürcher- und Emil-Klöti-Strasse rechteckig angeordnete Asphaltplatz wird zur stark befahrenen Verkehrsader hin von Pflanztrögen mit abstrakten Betonreliefs, Betonmauern und Pflanzrabatten begrenzt. Zwei Rotbuchen schliessen den Raum gegen die Strasse ab. Auf dem Platz setzt eine detailreich ausgestaltete Brunnenanlage mit Froschmotiven, den «Tössemer-Fröschli», einen Akzent. Die in die Fassaden integrierten oder freistehenden Pflanztröge waren ursprünglich mit zeittypischen, niedrigen und breit wachsenden Wacholdern bepflanzt, welche die Architektur kontrastierten.
Die überzeugende kubisch verschränkte Anordnung der einzelnen Baukörper und die plastisch gestaltete Sichtbetonfassade machen das Gebäude zu einem typischen Vertreter des Brutalismus (Beton brut) der 60er-Jahre. Eine Wandmalerei von Hans Affeltranger und ein Relief von Robert Lienhard in Aluminiumguss stellen zeitgemässe künstlerische Beiträge dar. Freiraum und Architektur bilden zusammen ein spannungsvolles Gesamtkunstwerk, das ein gutes Beispiel für die städtebaulichen Ideale der 60er-Jahre ist.
Text : Denkmalpflege Stadt Winterthur