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Frankreich im Sommer 1940: Ein fünfjähriges Pariser Mädchen wird fürs Erste von einer Bauernfamilie aufgenommen, nachdem seine Eltern beim Angriff deutscher Flieger auf einen Flüchtlingskonvoi getötet worden sind. Der jüngste Sohn der Familie wird zum besten Freund des Mädchens und legt mit ihm einen heimlichen Tiefriedhof an, den sie mit zunehmender Sammlerleidenschaft vervollständigen und mit gestohlenen Kreuzen bestücken.
Das Grauen des Krieges und eine bukolische Idylle, die Omnipräsenz des Todes und eine bäurische Burleske: Einflüsse des poetischen französischen Vor- und des veristischen italienischen Nachkriegsrealismus kommen in René Cléments berühmtestem Film zusammen und verdichten sich im vieldeutigen Motiv der Kinder, die mit ihrem seltsam-sinnigen Ritual auf die grundsätzliche Unverständlichkeit des Todes reagieren. Die kleine Heldin des Films kann den Tod ihrer Eltern nicht begreifen und entwickelt stattdessen eine Obsession für Kadaver, die Erwachsenen verwickeln sich derweil noch am Grab eines Sohnes in weit unangemessenere Raufereien mit ihren Nachbarn. Clément und seine brillanten Drehbuchmitarbeiter setzen die bitter-süsse Romanvorlage dramaturgisch und inszenatorisch hochelegant um, doch die eigentliche Grösse ihres Films liegt darin, dass sie ohne Moralisieren beobachten, den Kindern ihr Geheimnis belassen und sich jede Abschwächung des kompromisslosen Endes verkneifen.
Für viele war das 1952 zuviel: Der Film über die eigensinnige Wahrung der Unschuld wurde als Parabel über ihr Ende vermarktet, linke Filmkritiker sahen den französischen Bauernstand darin verunglimpft, und nach anfänglicher Ablehnung und inoffizieller Premiere in Cannes bekam er eine skandalumwitterte zweite Chance in Venedig, wo er den grossen Preis gewann. Seine Mauserung zum Grosserfolg und Klassiker dürfte ein Stück weit auch dem Gitarristen Narciso Yepes zuzuschreiben sein, der unvergessliche Motive dafür komponierte. (afu)
Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost, François Boyer, René Clément, nach dem Roman von François Bayer
Kamera: Robert Juillard, Jacques Robin
Musik: Narciso Yepes
Schnitt: Roger Dwyre
Mit: Brigitte Fossey (Paulette), Georges Poujouly (Michel Dollé), Lucien Hubert (Vater Dollé), Suzanne Courtal (Mutter Dollé), Jacques Marin (Georges Dollé), Pierre Merovée (Raymond Dollé), Laurence Badie (Berthe Dollé), Amédée (Francis Gouard), André Wasley (Vater Gouard), Louis Saintève (Priester)
86 Min., sw, Digital SD, F/e