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Portraitierte Sukkulenten
Einführung
Sukkulente (von lateinisch sucus = Saft) sind saftreiche Pflanzen, die an trockenes und arides Klima angepasst sind. Diese Pflanzen zeigen auffallende morphologische Anpassungen:
- Bildung von flüssigkeitsreichem Gewebe
- dickere Wachsschicht (Cuticula) auf dem Pflanzenkörper
- weniger oder versenkte Spaltöffnungen
Diese Anpassungen reduzieren die Wasserverdunstung und erlauben somit den Pflanzen in trockenheissen Gebieten zu leben.
Die Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) ist die sechstgrösste Pflanzenfamilie der Welt. Sukkulenz kommt bei rund 10% der 1900 Arten der Gattung Wolfsmilch (Euphorbia) vor. Aber nicht alles was grün und kandelaberförmig aussieht, ist ein Kaktus! Innerhalb der sukkulenten Pflanzen findet man eine grosse Diversität von Arten und Wuchsformen. So können auch Wolfsmilcharten (Gattung Euphorbia) wie Säulenkakteen aussehen. Doch wie lassen sich die beiden Gruppen unterscheiden? Die Unterscheidung zwischen Wolfsmilcharten und Kaktusgewächsen erfolgt aufgrund von geographischer Verbreitung, Dornen und Milchsaft.
Sukkulente Wolfsmilcharten sind vorwiegend in Afrika beheimatet, Kakteen hingegen fast nur in Amerika. Auf den ersten Blick erscheinen sukkulente Wolfsmilcharten und Kakteen sehr ähnlich. Man spricht deshalb von Konvergenz. Sukkulente Wolfsmilcharten und Kakteen haben also im Laufe der Evolution ähnliche Merkmale entwickelt, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind und auch geographisch getrennt leben. Nur die ähnlichen Umweltbedingungen der beiden Lebensräume, nämlich periodische Trockenheit und Sonneneinstrahlung, haben diese Entwicklung gefördert.
Ein typisches Merkmal sukkulenter Wolfsmilcharten sind die meist zu zweit entspringenden Dornen am Pflanzenkörper. Die zwei Dornen entsprechen den zwei Nebenblättern, die jedes Laubblatt begleiten. Bei den Kakteen hingegen ist die Dornenzahl pro Büschel unterschiedlich: sie kann zwischen 6 und 15 variieren. Die Kaktusdornen entspringen speziellen Strukturen, den Areolen. Diese Areolen sind kreisrunde bis länglich ovale, oft filzige Polster und entsprechen kurzen Seitenzweigen (Kurztrieben). Ein weiteres Merkmal der Wolfsmilchgewächse ist der weisse Milchsaft, der eine sehr wichtige Schutzfunktion für die Pflanze hat. Der giftige, bei der kleinsten Verletzung der Pflanze austretende Milchsaft ist in allen Pflanzenteilen vorhanden. Er besteht aus einer Vielzahl, zum Teil heute noch unbekannter chemischen Verbindungen: Wasser, Zucker, Eiweisse, Alkaloide, Fettsäure-Ester und Terpene.
Dieser Milchsaft hat unterschiedliche Wirkungen und wird zum Teil von der lokalen Bevölkerung genutzt. Von den grossen griechischen Ärzten ausgehend wurde das Wissen um die Heilkraft des „Gummi Euphorbium“ bis in das Mittelalter weitergegeben und durch neue Anwendungen ergänzt. Es wurde zur Heilung von verletzten Sehnen eingesetzt, als Salbe gegen Krankheiten des Kopfes, des Magens und der Blase. Nervenkrankheiten, Lähmungen und Migräne wurden damit behandelt, Ischias und Gelbsucht. In Anbetracht der heftigen Reizungen, die der Milchsaft bei innerer Anwendung hervorruft, wird er heute nicht mehr so gebraucht. Auch bei äusserem Hautkontakt ruft der Milchsaft zum Teil schmerzhafte, entzündliche Reaktionen hervor. Man findet deshalb auch immer wieder Berichte über Todesfälle, die durch den Milchsaft hervorgerufen wurden. Aber der Wolfsmilchsaft enthält nicht nur giftige, sondern auch wirtschaftlich interessante Substanzen: so hat man festgestellt, dass Milchsaft von Euphorbia abyssinica bis zu 16.7 % Kautschuk enthält. Aus dem Saft von Euphorbia antisyphilitica, E. balsamifera und E. triangularis wird sogar Kaugummi hergestellt. Erstaunlicherweise haben sich die Wildtiere Afrikas an den giftigen Milchsaft angepasst; manche Arten können die Pflanzen fressen, ohne Schaden zu nehmen. Alle Wolfsmilcharten haben Blütenständchen, die aus Blüten bestehen mit nur einem Staubblatt bzw. mit nur einem Fruchtknoten. Die Blüten stehen dicht beieinander und vermitteln den Eindruck, eine einzige Blüte zu sein. Diese Blütenständchen werden „Cyathien“ genannt. Die Bestäubung erfolgt meist durch Fliegen, seltener durch Bienen, Wespen, Hummeln, Käfer oder Ameisen.
Sukkulente Wolfsmilchgewächse sind in unseren Wohnungen beliebt. Sie vertragen im Gegensatz zu den Kakteen, die mehrheitlich in kühlen Räumen überwintert werden müssen, die trocken-warme Luft der Heizung gut.
König Juba (25 v. Chr. bis 18 n. Chr.) hat dieser Pflanze der Legende nach den Namen „Euphorbea“ gegeben, da ihm deren gedrungene, fleischige Gestalt an seinen Leibarzt Euphorbus erinnerte (das griechische Wort euphorbus bedeutet „wohlgenährt“). Obwohl diese Namensgebung aus einer Laune heraus geschah, hat er seinen Arzt damit unvergesslich gemacht.
Telesca Donato und Samira Dilani