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Die Insel Großbritannien wird im O. von der Nordsee, im W. vom Atlantischen Ozean bespült. Der Kanal
[* 6] (English Channel) trennt sie von Frankreich
und ist an seiner schmälsten Stelle, der Straße von Dover
[* 7] (Pas de Calais, Fretum gallicum), nur 33 km breit.
Die Irländische See (Mare hibernicum) scheidet Großbritannien von Irland, sie verengert sich im St. Georgskanal, im S., und im Nordkanal
auf bez. 76 und 15 km. Die Insel Großbritannien verjüngt sich von der breiten südlichen Basis, welche sich durch
neun Längengrade erstreckt, nach N., doch unter wiederholter Verengerung und Ausweitung und zwar so, daß sich in seltenem
ParallelismusHalbinsel- und Meerbusenpaare auf der Ost- und Westküste entsprechen.
Großbritannien, schon den klassischen Schriftstellern als Britannien (s. d.) bekannt, in seiner nördlichen (kleinern)
Hälfte aus dem KönigreichSchottland, in der südlichen aus dem KönigreichEngland und dem FürstentumWales bestehend, zeigt
eine große Mannigfaltigkeit in der Oberflächengestalt. Gebirge wechseln zahlreich mit wellenförmigen Ebenen ab. Die Gebirge
liegen vorwiegend im N. und W. und erreichen ihre bedeutendste Höhe in der Nähe der Westküsten, wo sie
oft steil ins Meer abfallen, während sie sich in östlicher Richtung allmählicher verflachen.
Ganz Wales ist von Gebirgen erfüllt, deren Gipfelpunkt der dicht beim Meer ansteigende Snowdon (1094 m) ist. Auch die jenseit
des Bristolkanals gelegene HalbinselDevon-Cornwall ist ein malerisches Hügelland. Diese Gebirgslandschaften Großbritanniens
zeichnen sich durch ihre Heidestrecken und Torfmoore aus. Nur die niedern Gehänge sind bewaldet. Die
Thäler aber prangen in saftigem Grün und sind teilweise durch Fruchtbarkeit ausgezeichnet. Der größte Teil Englands hat eine
wellige Oberfläche, die einesteils in wirkliche Tiefebenen übergeht, andernteils sich zu malerischen Hügelzügen erhebt.
Über Irland s. den besondern Artikel.
Feuchtigkeit charakterisiert wird. In demKampf des Nordostwindes mit dem Südwestwind hat der letztere das Übergewicht. Die
Ostwinde sind gewöhnlich trocken und kalt, die westlichen mild und regnerisch. Die letztern kommen über eine unermeßliche
Wasserfläche, welche eine höhere und verhältnismäßig gleiche Temperatur bewahrt, nach den Britischen Inseln. Die Ostwinde,
die vom europäischen Kontinent her wehen, sind im Winter und Frühling häufig von großer Kälte begleitet,
und da sie wenig Feuchtigkeit haben, versengen sie im Sommer den Boden schnell.
Daher kommt es, daß die östlichen Küsten, welche den ersten Eindruck von diesen Winden
[* 18] empfangen, durchgängig mehr am Kontinentalklima
teilnehmen, während der entgegengesetzte Einfluß der Westwinde durch ihren Weg über die Inseln und die
von den hohen westlichen Gebirgen hervorgebrachte Hemmung schon sehr geschwächt ist. Das Gegenteil davon gilt von der Westküste,
welcher in höherm Grad insulares Klima
[* 19] zukommt, unter deren Einfluß auch besonders Irland steht.
In den Temperaturverhältnissen der Britischen Inseln zeigt sich nur ein Unterschied von 3° C. bei der
Jahreswärme an der Süd- und an der Nordseite. Dort, unter 50¼° nördl. Br., herrscht eine mittlere Temperatur von etwas über
11° C., hier, unter 59° nördl. Br., eine von 8° C. So gleichmäßig ist die Wärme,
[* 20] daß in der Mitte
Großbritanniens zwischen 54 und 57° nördl. Br. oder innerhalb eines Raums von 330 km kein wesentlicher Unterschied stattfindet,
indem sich daselbst die mittlere Temperatur des Jahrs sehr regelmäßig auf 8¾° C. erhält, während für die Mitte von Irland
im Durchschnitt 9½° C. angenommen werden kann.
Die Britischen Inseln gehören zu den regenreichsten Gegenden von Europa.
[* 23] In der geographischen Verteilung der Regenmenge treten
die zwei wesentlichen Unterschiede, daß sie am größten an den westlichen Küsten und auf den Gebirgen,
am kleinsten an den östlichen Küsten und im flachen Land ist, sehr deutlich hervor. Eine mittlere Regenmenge von 8890 mm
zeigt sich auf den Hebriden, in den schottischen Hochlanden und in den südwestlichen Bezirken von Irland und England. 7620 mmRegen fallen in Mittelschottland, dem größten Teil von Irland und in den westlichen und südlichen Gegenden
von England, 6350 mm in Südschottland und im mittlern England, 5080 mm an den Ostküsten von England und den südöstlichen Küsten
von Mittel- und Südschottland.
Seit der ersten zuverlässigen Zählung im J. 1811 hat die Bevölkerung um 94 Proz. zugenommen. Diese
Zunahme verteilt sich indes ziemlich unregelmäßig auf die verschiedenen Jahrzehnte. Sie war am bedeutendsten (16,5
Proz.) 1811-21, gleich nach Beendigung der großen europäischen Kriege, am geringsten (2,1 Proz.) während der Jahre 1841-51,
als das Mißraten der Kartoffelernte in Irland und die Cholera viele Opfer forderten und Veranlassung zu
einer ungeheuern Auswanderung gaben. Aber wenn auch die Bevölkerung im allgemeinen zunahm, so trat doch in gewissen Bezirken
und namentlich in ganz Irland eine Abnahme ein. Was insbesondere die Jahre 1871-81 betrifft, so ist der Zuwachs vorwiegend
den großen Städten und den Fabrikbezirken zu gute gekommen. In 13 englischen, in 8 schottischen und
in sämtlichen irischen Grafschaften (ausgenommen Dublin,
[* 26] Antrim und Kerry) hat die Bevölkerung abgenommen.
Was
die Bewegung der Bevölkerung betrifft, so geht aus den jährlichen Berichten der Registrars General hervor, daß in dem
Zeitraum 1865-85 die Heiraten um 15 Proz., die Geburten um 7,1 Proz., die Todesfälle aber
um 13,7 Proz. abgenommen haben. Die geringere Anzahl der Todesfälle
darf man wohl wesentlich der bessern Nahrung der arbeitenden Klasse und den allgemein gewordenen sanitarischen Maßregeln zuschreiben,
wenn auch die Verteilung der Bevölkerung nach Altersklassen nicht ohne Einfluß geblieben sein mag. Die Verhältniszahlen
(pro 1000 Einw.) waren: