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Norer Roland | Tschopp Simone
Massnahmen der Landwirtschaft
1 Der Bund leistet im Rahmen der bewilligten Kredite Abgeltungen an Massnahmen der Landwirtschaft zur Verhinderung der Abschwemmung und Auswaschung von Stoffen, wenn:
a. die Massnahmen zur Erfüllung der Anforderungen an die Wasserqualität der ober- und unterirdischen Gewässer erforderlich sind;
b. der betreffende Kanton die Gebiete, in denen die Massnahmen erforderlich sind, bezeichnet und die vorgesehenen Massnahmen aufeinander abgestimmt hat;
c. die Massnahmen wirtschaftlich nicht tragbar sind.
2 Die Höhe der Abgeltungen richtet sich nach den Eigenschaften und der Menge der Stoffe, deren Abschwemmung und Auswaschung verhindert wird, sowie nach den Kosten der Massnahmen, die nicht durch Beiträge nach dem Landwirtschaftsgesetz vom 29. April 1998 oder nach dem Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur‑ und Heimatschutz abgegolten werden.
3 …(Aufgehoben durch Ziff. II 23 des BG vom 6. Okt. 2006 zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA), mit Wirkung seit 1. Jan. 2008; AS 2007 5779; BBl 2005 6029).
4 Das Bundesamt für Landwirtschaft gewährt die Abgeltungen als globale Beiträge auf der Grundlage von Programmvereinbarungen, die mit den Kantonen für jedes Gebiet abgeschlossen werden, in dem Massnahmen erforderlich sind. Für die Beurteilung, ob die Programme einen sachgemässen Gewässerschutz gewährleisten, hört es das Bundesamt für Umwelt an. Die Kantone sprechen die Abgeltungen den einzelnen Anspruchsberechtigten zu.
Mesures prises par l'agriculture
1 Dans les limites des crédits approuvés, la Confédération alloue des indemnités pour les mesures prises par l'agriculture afin d'empêcher le ruissellement et le lessivage de substances, lorsque:
a. ces mesures sont nécessaires pour satisfaire aux exigences posées à la qualité des eaux superficielles et souterraines;
b. le canton concerné a délimité les secteurs dans lesquels les mesures doivent être prises et a harmonisé les mesures prévues;
c. ces mesures ne sont pas supportables du point de vue économique.
2 Le montant des indemnités est fixé en fonction des propriétés et de la quantité des substances dont le ruissellement et le lessivage sont empêchés, ainsi que des coûts des mesures qui ne sont pas indemnisées par des contributions selon la loi du 29 avril 1998 sur l'agriculture ou selon la loi fédérale du 1er juillet 1966 sur la protection de la nature et du paysage.
3 … (Abrogé par le ch. II 23 de la LF du 6 oct. 2006 sur la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT), avec effet au 1er janv. 2008; RO 2007 5779; FF 2005 5641).
4 L'Office fédéral de l'agriculture alloue les indemnités sous la forme de contributions globales, sur la base de conventions-programmes qui sont conclues avec les cantons pour chaque secteur dans lequel les mesures doivent être prises. Il consulte l'Office fédéral de l'environnement pour juger si les programmes prévus garantissent une protection des eaux adéquate. Les cantons allouent les indemnités aux ayants droit.
Provvedimenti presi dall'agricoltura
1 Entro i limiti dei crediti stanziati, la Confederazione assegna indennità per provvedimenti presi dall'agricoltura per prevenire il convogliamento e il dilavamento di sostanze, se:
a. i provvedimenti sono necessari a soddisfare le esigenze relative alla qualità delle acque superficiali e sotterranee;
b. il Cantone interessato ha designato le zone in cui sono necessari i provvedimenti e ha armonizzato i provvedimenti previsti;
c. i provvedimenti non sono economicamente sostenibili.
2 Le indennità sono stabilite in funzione delle proprietà e della quantità di sostanze di cui si previene il convogliamento e il dilavamento, nonché dei costi dei provvedimenti che non sono indennizzati mediante i contributi secondo la legge del 29 aprile 1998 sull'agricoltura o secondo la legge federale del 1° luglio 1966 sulla protezione della natura e del paesaggio.
3 … (Abrogato dal n. II 23 della LF del 6 ott. 2006 (Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni), con effetto dal 1° gen. 2008; RU 2007 5779; FF 2005 5349).
4 L'Ufficio federale dell'agricoltura accorda le indennità come contributi globali sulla base di accordi di programma conclusi con i Cantoni per ogni zona in cui sono necessari provvedimenti. Per valutare se i programmi previsti assicurano un'adeguata protezione delle acque, consulta l'Ufficio federale. I Cantoni attribuiscono le indennità ai singoli aventi diritto.
Inhaltsübersicht
1. Die Ausrichtung von Beiträgen an zielgerichtete Massnahmen der Landwirtschaft in sensiblen Grundwassergebieten wurde erstmals vom Nationalrat im Rahmen der Beratung der GSchG-Revision 1997 vorgeschlagen. U.a. aufgrund der Schnittstellenproblematik zur Landwirtschaftsgesetzgebung wurde die Angelegenheit dann jedoch über die Mo. UREK-S Bodenbewirtschaftung vom 22. Mai 1997 in die Agrarpolitik 2002 integriert. In deren Zuge wurden neue Bestimmungen für eine Kostenbeteiligung des Bundes an Massnahmen, welche bei der Bodenbewirtschaftung zur Verhinderung der Abschwemmung und Auswaschung von Stoffen aus Umweltschutzgründen getroffen werden müssen, im GSchG und LwG eingefügt.
2. Die Schaffung eines gewässerschutzrechtlichen Instrumentes wurde als notwendig erachtet, weil man annahm, dass die freiwilligen ökologischen Leistungen, welche mit Direktzahlungen abgegolten werden, nicht ausreichen, um die Gewässerschutzziele überall zu verwirklichen. Mit Art. 62a GSchG sollte deshalb eine Grundlage für die nötigenfalls auch zwangsweise Durchsetzung eines offenen Kreises von Massnahmen geschaffen werden, die im Interesse einer flächendeckenden Reinhaltung der Gewässer erforderlich bzw. lokal am besten geeignet sind (AB 1997 S 430).
3. Nebst dem Zustand der einheimischen Gewässer, welcher sich bis zur Einführung von Art. 62a GSchG bereits deutlich verbessert hatte, war auch die staatsvertragliche Bindung an das Aktionsprogramm Rhein 2000 von 1987 ausschlaggebend dafür, dass nach zusätzlichen Instrumenten des qualitativen Gewässerschutzes gesucht wurde und dass der Bund in die Kostenpflicht genommen werden sollte; immerhin ist er mit dem Beitritt zum Aktionsprogramm Rhein 2000 die Verpflichtung eingegangen, mitzuhelfen, die Phosphor‑ und Stickstoffeinträge über den Rhein in die Nordsee um 50 % zu senken.
4. Mit der NFA mussten die Abs. 2–4 revidiert werden. Dabei wurde die anfängliche Mischfinanzierung von Bewirtschaftungsmassnahmen per 1. Ja-nuar 2008 zulasten des Bundesbudgets aufgegeben und die Programmvereinbarung zwischen Bund und Kantonen für strukturelle Eingriffe als neues Führungsinstrument eingeführt. Auch die Höhe der Bundesbeiträge wurde neu geregelt, während an der Aufteilung der Kosten für strukturelle Massnahmen auf Bund, Kantone und Landwirte sowie am Grundsatz der Ausrichtung von Globalentschädigungen festgehalten wurde (Botschaft NFA 2005, 6181 ff.). Die ursprünglich in Abs. 3 enthaltene Bestimmung, wonach Beiträge nach LwG und NHG im Rahmen der Abgeltung nach GSchG anzurechnen sind, wurde dem neuen System angepasst und in Abs. 2 integriert.
5. Art. 62a GSchG sieht eine gesonderte Entschädigungsordnung für planerische Massnahmen des Gewässerschutzes in der Landwirtschaft vor. Wie sich schon aus der Entstehungsgeschichte ergibt, liegt die Regelung damit an einer Schnittstelle zwischen Gewässerschutz und Agrarpolitik.
6. Über Art. 62a GSchG beteiligt sich der Bund finanziell an Massnahmen, welche in Ergänzung zu den verschiedenen gewässerschutzrechtlichen Instrumenten der direkten Verhaltenssteuerung in den Zuströmbereichen Zu und Zo nach Art. 19 Abs. 1 GSchG i.V.m. Anh. 4 Ziff. 212 GSchV ergriffen werden müssen, wenn die allgemeinen Instrumente aufgrund der bestehenden Vorbelastung zur Erreichung der Ziele des qualitativen Gewässerschutzes nicht ausreichen. In diesem Sinne ergänzt Art. 62a GSchG die Art. 19, 29 sowie 31 GSchG und den Anh. 4 Ziff. 212 GSchV.
7. Keinen Einfluss hat Art. 62a GSchG hingegen auf spezielle planerische Massnahmen zum Schutz der Gewässer in der Landwirtschaft, wenn sich deren Ziel bereits mittels Massnahmen erreichen lässt, die durch Direktzahlungen abgegolten werden, und zwar selbst dann nicht, wenn diese Massnahmen (ausnahmsweise) hoheitlich angeordnet werden. Diesfalls treten die Direktzahlungen des Bundes anstelle einer gesonderten Entschädigung nach Art. 62a GSchG.
8. Die Einführung von Art. 62a GSchG fusst auf der Erkenntnis, dass die Kostenwirksamkeit der Stickstoffelimination in der Landwirtschaft deutlich günstiger ist als z.B. im Bereich der Abwasserreinigung, weshalb in der Landwirtschaft mit kleineren volkswirtschaftlichen Kosten ein grösserer Umweltgewinn erzielt werden kann (Botschaft GSchG 1996, 1225).
9. Bis 2010 wurden unter der Ägide von Art. 62a GSchG 31 Projekte intitiiert, teilweise abgeschlossen oder um eine weitere Laufzeit verlängert (zum Konzept vgl. Nitratprojekte). Zwar wurde nun mit den national ausgerichteten Ressourceneffizienzbeiträgen nach Art. 76 LwG unter der Agrarpolitik 2014–2017 ein neues landwirtschaftsrechtliches Instrument geschaffen, welches neben den bewährten Beiträgen für regionale/branchenspezifische Projekte nach Art. 77a LwG positive Auswirkungen auf den qualitativen Gewässerschutz haben dürfte (Botschaft Agrarpolitik 2014–2017, 2222 f.), dennoch ging der Gesetzgeber davon aus, dass auch weiterhin Bedarf nach einer gewässerschutzrechtlichen Abgeltungsmöglichkeit von regionalen Massnahmen zum Schutz vor Abschwemmungen und Auswaschungen besteht (Botschaft Agrarpolitik 2014–2017, 2299).
10. Art. 62a GSchG legt i.V.m. Art. 54 GSchV detailliert fest, unter welchen Voraussetzungen Bundesbeiträge an Massnahmen zur Verhinderung der Abschwemmung und Auswaschung von Stoffen gewährt werden (BGer 1A.138/2004 vom 7. April 2005, E. 4.9). Nebst den spezialgesetzlichen Anforderungen muss sowohl für die Massnahme als auch für die Entschädigung den allgemeinen Grundsätzen entsprechend eine hinreichende gesetzliche Grundlage bestehen, ein öffentliches Interesse nachgewiesen werden, und es ist der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren (Maurer, Bodennutzung, 623).
11. Das Bundesrecht regelt lediglich die Abgeltung des Bundes an die Kantone. In der Umsetzung bedeutet dies, dass das Bundesamt mit der zuständigen kantonalen Instanz eine Programmvereinbarung abschliesst, die ein Subventionsverhältnis zwischen Bund und Kanton begründet. Dritte Leistungserbringer sind von der Programmvereinbarung dagegen nicht direkt berührt. Vielmehr ist eine kantonale Ausführungsgesetzgebung erforderlich, welche die Zuständigkeiten zum Abschluss der Programmvereinbarung, die Art und Weise der mit dem Bund vereinbarten Leistungserbringung und die Verteilung der im Zeitpunkt der weiteren Verwendung nunmehr kantonalen Mittel regelt. Bei der Ausgestaltung dieser Ausführungsgesetzgebung geniessen die Kantone einen grossen Ermessensspielraum. Insb. steht es ihnen frei, die Leistungserbringung bereits in der Ausführungsgesetzgebung an Gemeinden oder Private zu delegieren und mit kantonalen Subventionstatbeständen zu verbinden. Behält der Kanton die Leistungserbringung jedoch sich selber vor, muss eine spätere Beauftragung von Privaten auf dem Weg der Submission erfolgen (Wild, Programmvereinbarungen, 353 f.).
12. Je nach Ausgestaltung der kantonalen Ausführungsbestimmungen erfolgt die hoheitliche Anordnung der Massnahmen gegenüber den Grundeigentümern und Bewirtschaftern in Form einer Einzelverfügung, einer Allgemeinverfügung oder als Planungsakt. Im Vorfeld sollte jedoch stets versucht werden, mit den betroffenen Landwirten direkt eine Bewirtschaftungsvereinbarung abzuschliessen, welche rechtlich als verwaltungsrechtlicher Vertrag zu qualifizieren sein wird (Maurer, Bodennutzung, 623).
13. Im Zusammenhang mit der konkreten Ausgestaltung der Subventionen nach Art. 62a GSchG ist zu beachten, dass Nutzungbeschränkungen durch den Staat wegen Art. 26 Abs. 2 BV nur gegen vollständige Entschädigung zulässig sind, soweit die Intensität einer materiellen Enteignung erreicht wird. Ist eine bestimmungsgemässe, wirtschaftlich sinnvolle und gute Nutzung des Grundstückes nicht mehr möglich und handelt es sich nicht bloss um polizeilich motivierte Nutzungseinschränkungen ist deshalb darauf zu achten, dass die Umsetzung der Massnahmen entweder freiwillig ist oder nach enteignungsrechtlichen Ansätzen voll entschädigt wird (vgl. dazu auch Maurer, Bodennutzung, 617 und 627; Fritzsche, Entschädigungspflicht, 236).
14. Je nachdem, ob die Massnahme zum Schutz einer Grundwasserfassung oder zum Schutz eines Oberflächengewässers getroffen werden soll, wird ein Zuströmbereich Zu oder Zo definiert. Die landwirtschaftliche Bodennutzung kann je nach den konkreten Bedürfnissen im gesamten Zuströmbereich stark eingeschränkt werden. So kann angeordnet werden, dass Pflanzenschutzmittel und Dünger nur noch mit Einschränkungen verwendet werden dürfen, dass die acker‑ und gemüsebauliche Produktionsfläche zu beschränken ist, dass einer bestimmten Kulturwahl, Fruchtfolge oder einem Anbauverfahren Vorzug zu geben ist, dass im Herbst auf den Wiesenumbruch zu verzichten ist, dass kein Dauergrünland mehr in Ackerland umgewandelt werden darf, dass eine Verpflichtung zu dauernder Bodenbedeckung besteht oder dass besonders geeignete technische Hilfsmittel, Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsmethoden einzusetzen sind (Anh. 4 Ziff. 212 GSchV).
15. Dabei ist nachzuweisen, dass die Massnahmen zur Erfüllung der Anforderungen an die Wasserqualität erforderlich sind (Art. 62a Abs. 1 Bst. a GSchG), dass mithin zur Erreichung des anvisierten Ziels keine geringeren Nutzungseinschränkungen ausreichen. Auch dürfen keine isolierten Massnahmen angeordnet werden, sondern diese haben aufeinander abgestimmt zu sein (Art. 62a Abs. 1 Bst. b GSchG). Dieses Kriterium stellt sicher, dass allfällige Synergien zwischen verschiedenen Massnahmen genutzt werden, um die Eingriffsschwere jeder einzelnen Massnahme möglichst gering zu halten. Das letzte Kriterium schliesslich, dass die Massnahmen wirtschaftlich nicht tragbar sind (Art. 62a Abs. 1 Bst. c GSchG), wird vom BLW dahingehend ausgelegt, dass Beiträge gesprochen werden, wenn diese notwendigen Bewirtschaftungsänderungen zu wirtschaftlichen Nachteilen führen. Diese Praxis des BLW ist in der Literatur wegen Widersprüchen zur Entschädigungsregelung in den vom Zuströmbereich ebenfalls umfassten Grundwasserschutzzonen auf Kritik gestossen (Maurer, Bodennutzung, 632).
16. Der Wirtschaftlichkeitsbegriff von Art. 62a Abs. 1 Bst. c GSchG ist sodann nicht identisch mit jenem von Art. 63 GSchG, welcher u.a. verlangt, dass die vorgesehene Lösung wirtschaftlich ist, da es dort nämlich um das Kosten-Nutzenverhältnis für den Gewässerschutz und nicht für die Landwirtschaft geht (s. Komm. zu Art. 63 N 39 ff. GSchG). Der gewässerschutzrechtliche Nutzen ist nach der Praxis des BLW nur gegeben, wenn das Massnahmenpaket mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Erreichung des Sanierungsziels (sprich der Unterschreitung der numerischen Anforderungen der GSchV) geeignet ist.
17. Zu den Massnahmen, welche konkret in Gebieten mit hohem Hofdüngeraufkommen gestützt auf Art. 62a GSchG realisiert wurden, gehört z.B. ein verbindliches Beratungskonzept für Phosphat in Mastregionen von Seeeinzugsgebieten und Stickstoff in empfindlichen Grundwassergebieten (BAFU, Düngung, 19).
18. Nach den allgemeinen Grundsätzen richtet sich die Höhe der globalen Bundesbeiträge einerseits nach bereichsspezifischen Kriterien und andererseits immer auch nach der Wirksamkeit der Massnahmen (Wild, Programmvereinbarungen, 353).
19. Zu den bereichsspezifischen Kriterien gehören bei Art. 62a GSchG vorab die Eigenschaften und die Menge der Stoffe, deren Abschwemmung und Auswaschung verhindert wird, wobei bei der Menge auf die Anzahl Kilogramm dieser Stoffe abgestellt wird (Art. 54 Abs. 1 GSchV). Weiter ist im Sinne eines bereichsspezifischen Kriteriums zu berücksichtigen, ob Massnahmen bereits nach dem LwG oder NHG subventioniert werden. Diese Kosten können dann im Rahmen von Art. 62a GSchG nicht noch einmal berücksichtigt werden. Für Massnahmen, welche Änderungen der Betriebsstrukturen zur Folge haben, werden dagegen sowohl Investitions‑ als auch Desinvestitionskosten berücksichtigt (Art. 54 Abs. 2 GSchV).
20. Die Wirksamkeit der Massnahmen umfasst die Qualität der Leistung (Ergebnis) und die Qualität der Leistungserbringung (Prozess). Kein Kriterium für die Höhe der globalen Bundesbeiträge ist die Finanzkraft der Kantone. Dieses wurde bei der Einführung des NFA gestrichen, da es zu Verzerrungen bei der Wirkung der Beitragsgewährung geführt hatte (Wild, Programmvereinbarungen, 353).
21. Der Bund leistet sodann bloss einen (Haupt‑)Kostenanteil. Die restlichen Mittel müssen die Kantone, Gemeinden, Wasserversorger und andere Sponsoren bereitstellen. Im Jahr 2000 beliefen sich die Bundesgelder für sämtliche laufenden Projekte auf knapp CHF 1.1 Mio. während die eingesetzten kantonalen Gelder ca. CHF 200'000 ausmachten (Maurer, Bodennutzung, 643). Die altrechtlichen Verpflichtungen sind Ende 2010 ausgelaufen und die dadurch freigewordenen Mittel seither allesamt aufgrund dem NFA entsprechenden Vereinbarungen vergeben worden (Wild, Programmvereinbarungen, 357).
22. Grundlage des im Zuge der Neugestaltung des Finanzausgleiches revidierten Zusammenarbeits‑ und Finanzierungsmodells bildet Art. 46 Abs. 2 BV, welcher vorsieht, dass der Bund und die Kantone miteinander vereinbaren, dass die Kantone bei der Umsetzung von Bundesrecht bestimmte Ziele erreichen und zu diesem Zweck Programme ausführen, die der Bund finanziell unterstützt. Der Bund konzentriert sich dabei auf die strategische Ebene und führt ein Controlling über die Programmerfüllung durch, währenddessen die Kantone mehr Verantwortung und grössere Handlungsspielräume bei der Umsetzung der bundesrechtlichen Vorgaben erhalten, indem sie auf der operativen Ebene festlegen können, wie sie die Ziele erreichen wollen (Wild, Programmvereinbarungen, 352).
23. Die Abgeltungen und Finanzhilfen werden von den Kantonen den einzelnen Anspruchsberechtigten zugesprochen, und zwar in Anwendung von Art. 16 Abs. 2 Bst. a bzw. Abs. 3 SuG mittels öffentlich-rechtlicher Verträge, da die zuständige Behörde über einen erheblichen Ermessenspielraum verfügt. Entsprechend sieht Art. 62a Abs. 4 GSchG denn auch ausdrücklich vor, dass das BLW mit den Kantonen Programmvereinbarungen für jedes Gebiet verhandelt und abschliesst. Deren Rahmen hat das BLW im Gesamtkonzept N i.S. einer Vollzugshilfe abgesteckt.
24. Eine Verfügung des Programms durch das BLW nach Art. 16 Abs. 1 SuG kommt immerhin dann in Frage, wenn die Verhandlungen scheitern und keine Programmvereinbarung zustande kommt. Ebenso können die Kantone oder berechtigte Dritte vom BLW den Erlass einer Verfügung verlangen, wenn sich vor Abschluss der Programmvereinbarung Streitigkeiten ergeben (Wild, Programmvereinbarungen, 353). Der Rechtsschutz richtet sich in allen Fällen nach den allgemeinen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege (Art. 35 Abs. 1 SuG). Für Streitigkeiten aus einer abgeschlossenen Programmvereinbarung bedeutet dies insb., dass erstinstanzlich Klage beim Bundesverwaltungsgericht zu erheben ist (Art. 35 Bst. a VGG).
25. In der Programmvereinbarung wird festgelegt, welche strategischen Programmziele gemeinsam erreicht werden und wie hoch der globale Beitrag des Bundes ausfällt. Die Verhandlungsspielräume ergeben sich dabei einerseits direkt aus den Vorgaben von Art. 62a GSchG, Art. 54 und Art. 59 ff. GSchV und andererseits aus der Höhe der tatsächlich verfügbaren finanziellen Mittel. Aufgrund des Gleichbehandlungsgebots sind die Kantone bei der Ausgestaltung der Programmvereinbarungen grundsätzlich gleich zu behandeln, ohne dass jedoch sachlich gerechtfertigte Differenzierungen verboten wären. Solche können sich insb. aufgrund von quantitativ und qualitativ unterschiedlichen Leistungsangeboten der Kantone ergeben und bei Art. 62a GSchG in gesteigertem Masse aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituation bei den chronischen Gewässerverschmutzungen.
26. Da der Verhandlungsprozess zeitlich aufwendig ist, und gestützt auf Art. 19 Abs. 2 SuG insb. die Gemeinden oder andere beschwerdeberechtigte Dritte einzubinden sind, muss er rechtzeitig – d.h. mindestens ein Jahr vor Beginn der Programmperiode – in Gang gesetzt werden. Nach Abschluss der Verhandlungen haben sowohl der Kanton als auch beschwerdeberechtigte Dritte die Möglichkeit, innert 30 Tagen seit Eröffnung – sei dies durch Spezialnotifikation oder summarische Publikation im Bundesblatt – eine beschwerdefähige Verfügung zum Inhalt des Antrages auf Abschluss der Programmvereinbarung zu verlangen.
27. Art. 62a Abs. 1 GSchG sieht ausdrücklich vor, dass die Bundesbeiträge im Rahmen der bewilligten Kredite gewährt werden. Damit die globalen Bundesbeiträge mehrjährig zugesichert werden können, statuiert Art. 65 Abs. 2 GSchG, dass jeweils ein vierjähriger Verpflichtungskredit verabschiedet wird; dies obschon die Programmdauer für Massnahmen der Landwirtschaft nach Art. 60 Abs. 3 GSchV in der Regel sechs Jahre und in der Praxis häufig fünf Jahre beträgt. Die Auszahlungen erfolgen jährlich, grundsätzlich in zwei Tranchen, nachdem der Kanton Rechenschaft über den Fortgang des Projekts abgelegt hat (Wild, Programmvereinbarungen, 358).
28. Während der gesamten Laufzeit haben die Kantone in einem Jahresbericht den Fortschritt des Projekts inhaltlich und finanziell darzulegen. Der Jahresbericht wird jeweils verbunden mit dem Antrag auf Ausrichtung des für das Programmjahr vereinbarten Bundesbeitrags. Der ebenfalls vorgeschriebene Halbzeitbericht enthält neben den Angaben des ordentlichen Jahresberichts Aussagen über fachliche und methodische Erkenntnisse, die der Vorbereitung der nächsten Programmphase dienen. Der Schlussbericht bildet schliesslich den abschliessenden Soll/Ist-Vergleich und dient in quantitativer und qualitativer Hinsicht der Beurteilung der Zielerreichung (Wild, Programmvereinbarungen, 358 f.).
29. Die Folgen der mangelhaften Erfüllung der Programmvereinbarung ergeben sich aus Art. 61b GSchV und bestehen namentlich im Zurückbehalten der Tranchenzahlung oder in einer Nachbesserung. Werden die Mängel nicht behoben, werden die Bundesbeiträge schliesslich zurückgefordert.
30. Ändern sich die Rahmenbedingungen während der Programmperiode so, dass die Erfüllung der Programmvereinbarung über Gebühr erschwert oder erleichtert wird, definieren die Vertragsparteien den Vereinbarungsgegenstand gemeinsam neu oder lösen die Programmvereinbarung vorzeitig auf. Wird eine vereinbarte Leistung durch vom Kanton nicht zu vertretende Umstände unerfüllbar, so kann er im Sinne einer Alternativerfüllung den auf diese Leistung entfallenden Bundesbeitrag unter Umständen auch einer vergleichbaren alternativen Leistung zuführen (Wild, Programmvereinbarungen, 360).
Résumé
L'art. 62a LEaux prévoit un régime de compensation spécifique pour les mesures de planification de protection des eaux dans l'agriculture. La règle se situe ainsi à la frontière entre la protection des eaux et la politique agricole.
La Confédération participe au financement de mesures qui, en complément des différents instruments de protection des eaux, doivent être prises afin d'influer directement le comportement lorsque les instruments généraux ne suffisent pas.
Cette disposition se base sur la constatation que la rentabilité des mesures d'élimination de l'azote est meilleure dans l'agriculture que dans d'autres domaines tels que l'épuration des eaux, de sorte que l'on peut obtenir avec des coûts économiques moindres des bénéfices conséquents pour l'environnement.
L'art. 62a LEaux fixe, en lien avec l'art. 54 OEaux, les conditions selon lesquelles des subventions pour les mesures empêchant le ruissellement et le lessivage des substances peuvent être accordées.
Le droit fédéral règle seulement les indemnités de la Confédération aux cantons. L'Office fédéral de l'agriculture doit par conséquent conclure avec l'autorité cantonale compétente une convention-programme. En fonction des dispositions d'exécution cantonales, les décisions de la puissance publique concernant les mesures contre les propriétaires et les exploitants de terre agricole sont octroyées sous forme de décisions individuelles, de décisions de portée générale ou d'actes de planification. Le montant des indemnités est fixé en fonction de critères sectoriels et de l'efficacité des mesures. La Confédération ne verse qu'une quote-part des principaux coûts. Les fonds restants sont, dès lors, couverts par les cantons, les communes, les responsables de l'approvisionnement en eau ou d'autres sponsors.
Les conventions-programmes mentionnées à l'art. 62a al. 4 LEaux fixent les objectifs stratégiques à atteindre en commun et régissent la contribution de la Confédération. Le processus de négociation doit être mis en place suffisamment tôt, c'est à dire au moins une année avant le début de la période de la convention-programme étant donné que le processus de négociation peut prendre du temps, en particulier lorsque les communes sur la base de l'art. 19 al. 2 LSu ou d'autres tiers susceptibles de recours doivent être consultés. Pendant toute la durée de la convention-programme, les cantons doivent établir des rapports rendant compte des avancées de leurs projets. Les conséquences de l'exécution imparfaite de la convention-programme sont la rétention des paiements échelonnés ou la correction de l'exécution (cf. art. 61b OEaux). Si pendant la durée de la convention les conditions générales changent dans une mesure facilitant ou compliquant excessivement l'exécution de la convention, les parties à la convention programme redéfiniront conjointement l'objet de la convention-programme ou la résilieront prématurément.
Literatur: Fritzsche Christoph, Entschädigungspflicht aus materieller Enteignung infolge der Festsetzung von Gewässerräumen, in: URP 2014, 218 ff. (zit. Entschädigungspflicht); Maurer Hans, Beschränkung und Lenkung der landwirtschaftlichen Bodennutzung und Entschädigungsfragen, in: URP 2002, 616 ff. (zit. Bodennutzung); Wild Florian, Programmvereinbarungen nach NFA im Umweltbereich, in: LeGes 2009, 351 ff. (zit. Programmvereinbarungen).
Materialien und amtliche Publikationen: Motion UREK-S (97.3244) «Bodenbewirtschaftung. Aenderung des Gewässerschutzgesetzes und des Landwirtschaftsgesetzes» vom 22. Mai 1997 (zit. Mo. UREK-S Bodenbewirtschaftung); Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik in den Jahren 2014–2017 (Agrarpolitik 2014–2017) vom 1. Februar 2012, BBl 2012 2075 ff. (zit. Botschaft Agrarpolitik 2014–2017); Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)/Bundesamt für Umwelt (BAFU)/Bundesamt für Gesundheit (BAG), Grundlagensammlung – Projekte nach Artikel 62a GSchG – Nitratprojekte – Stand 11. Dezember 2013, Bern 2013 (zit. Nitratprojekte).