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„Es geht letztlich um Generationengerechtigkeit“
Das Magazin N°4 – 25. Januar 2020
Gerechtigkeit benötigt Mathematik. Somit kann auch bei der Klimadiskussion nicht auf mathematische Formulierungen und Methoden verzichtet werden. Ein erstes hilfreiches Beispiel ist die mathematischen Formulierung «notwendig und hinreichend» in der folgenden Feststellung: Damit die Menschheit gut überleben kann, ist «notwendig und hinreichend», dass ihre Kopfzahl nur so weit wächst, dass auch die kommenden Generationen ein nachhaltiges gutes Auskommen haben.
Eine weitere Anwendung von Mathe ist die indirekte Beweisführung. Angenommen, die Erde wäre 10- mal grösser, wäre die Menschheit dann aller selbst verursachten Klimaprobleme ledig? Oder wäre sie längst ausgestorben, wenn die Erde 10-mal kleiner wäre? Beispiele von historischen Gesellschaften (überlebenden und gescheiterten) zeigen, dass die Menge der verfügbaren Ressourcen nicht entscheidend ist. Technische Massnahmen können daher die Probleme der Menschheit nicht lösen, da die Technik zwar die Ressourcen vermehren kann, aber wie die Erfahrung zeigt, reicht das nicht.
Weitere mathematische Themen wären die Bedeutung von Mittelwerten und die Bedeutung von exponentiellem Wachstum. Dazu ein Beispiel zur Geburtenrate: Angenommen, in einer Gruppe von 1000 Personen hätten 90 Prozent der Paare in jeder Generation nur ein Kind, und bei 10 Prozent wären es vier Kinder pro Paar (also einerseits Halbieren und andererseits Verdoppeln pro Generation). Dann sähe in der ersten Generation die mittlere Geburtenrate klein und nachhaltig aus. Aber nach zehn Generationen wäre die Kopfzahl der Gruppe auf über 100 000 angestiegen (denn 2*2*2*2*2*2*2*2*2*2*100=102 400).
Mathematik ist ein wesentlicher Teil der menschlichen Kultur, sie ist eine Sprache, die alle Menschen verstehen können und alle Menschen verstehen sollten, denn sie ist notwendig, um sich ein realistisches Bild von der Realität zu machen. Sie ist auch notwendig, um zu ermitteln, in welcher Richtung ein Wandel durchsetzbar ist.
Dazu ein Beispiel aus China. Dort wurde die Ein-Kind-Politik aufgegeben. Neuerdings werden zwei Kinder pro Paar empfohlen. Die weiterhin tiefe Geburtenrate wird langfristig zu einer Reduktion der Co2-Belastung führen, die parallel zur Bevölkerungsabnahme erfolgt.
Anders sieht die Situation in einigen Gebieten von Afrika aus, etwa am Tschad-See. Dort hat die massive Bevölkerungszunahme in den drei an den See angrenzenden Staaten zu einem massiven Rückgang des Fischbestandes und daraus folgend zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen benachbarten Dorfgemeinschaften geführt.
Harald Welzer sagt im Interview: «Es gibt keinen guten Diktator», aber die Rationierungen (während der Weltkriege) hatten auch nur deshalb den notwendigen Erfolg, weil sie einige Elemente einer Diktatur aufwiesen. Angesichts der ungelösten demografischen Probleme Afrikas kann davon ausgegangen werden, dass die künftigen Generationen in China (trotz Überwachungsstaat) ein besseres Leben haben werden als die künftigen Generationen einiger afrikanischer Länder.
Mit freundlichen Grüssen
Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach SO