Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/491

Echte Goldrute - Solidago virgaurea
Solidago virgaurea (syn. Amphiraphis leiocarpa, Doria virgaurea, Solidago cantonensis);
Echte Goldrute (Syn. Fuchsschwanz, Gemeine Goldrute, Gewöhnliche Goldrute, Goldwundkraut, Heidnisch Wundkraut).
VORKOMMEN
Die Echte Goldrute kommt als Wildpflanze in den gemässigten
Klimaregionen Europas, Asiens, Nordafrikas und Nordamerikas vor. Zu
finden ist die Pflanze an eher trockenen, nährstoffärmeren Standorten
wie in lichten Wäldern, an Waldrändern, auf Heiden und Weiden. An
solchen Standorten ist die Echte Goldrute in Mitteleuropa weit
verbreitet. Die Echte Goldrute gehört in jeden Naturgarten.
Man findet die Echte Goldrute nicht in so dichten Massenbeständen wie einige aus Nordamerika stammende Goldrutenarten, die zu starker Ausläuferbildung neigen. So haben sich bei uns besonders die Riesengoldrute, S. gigantea, und die Kanadische Goldrute, S. canadensis, entlang der Flussufer und auf Schuttplätzen eingebürgert. Ursprünglich waren sie als Zierpflanzen in die Gärten gebracht worden.
MERKMALE
Bei der Echten Goldrute handelt es sich um eine ausdauernde krautige
Pflanze, die Wuchshöhen bis zu 100 Zentimeter erreichen kann. Die
Pflanze hat einem knotigen Wurzelstock und einem aufrechten, meist im
oberen Bereich verzweigten Stängel. Von den wechselständigen, gezähnten Blättern sind die unteren stielartig verschmälert, die oberen lanzettlich und sitzend. Die Echte Goldrute blüht von Juli bis Oktober. Die Köpfchen sind kurzstielig an den Spitzen der Äste angeordnet. Die mehrreihigen, dachziegelartig angeordneten Hüllblätter sind gelblichgrün. Die mittleren Blüten sind Röhrenblüten, die fünf Zipfel haben. Die randlichen Blüten haben an einer Seite eine grosse, gelbe Zunge.
Die Echte Goldrute unterscheidet sich von den nordamerikanischen Goldruten durch eine allseitswendige Anordnung der Blütenköpfchen und durch grössere Blütenköpfchen mit Zungenblüten, die die Röhrenblüten deutlich überragen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Virgaureae herba (syn. Herba Solidaginis virgaureae, Herba Consolidae aureae, Solidaginis virgaureae herba);
Echtes Goldrutenkraut (syn. Goldwundkraut, Heidnisch Wundkraut, Goldrautenkraut), die während der Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile der Echten Goldrute.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Ätherisches Öl (bis 0,5 %) mit γ-Cadinen als Hauptkomponente, Flavonoide (ca. 1-2%) mit Rutin als wichtigstem Bestandteil; bisdesmosidische, Triterpensaponine mit Polygalasäure als Triterpengrundkörper; Phenolglykoside, besonders Leiocarposid (bis 1,7 %) und Virgaureosid A, ferner sind zu finden Kaffeesäurederivate, unter anderem Chlorogensäure, Iridoide sowie Polysaccharide.
PHARMAKOLOGIE
Die Diuresewirkung wird auf den Gehalt an Saponinen zurückgeführt. Ausserdem vermindert der Goldrutenextrakt die Permeabilität der Gefässwände und bewirkt zudem eine Erhöhung der Gefässresistenz. Für die Gewöhnliche Goldrute wurden auch entzündungshemmende, schwach krampflösende und schmerzstillende Eigenschaften beschrieben, die wahrscheinlich auf dem Gehalt an Leiocarposid und Virgaureosid beruhen.
ANWENDUNG
Angaben der Kommission E:
- Wirkungen: diuretisch; schwach spasmolytisch; antiphlogistisch.
- Anwendungsgebiete: Zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Harnsteinen und Nierengriess; zur vorbeugenden Behandlung bei Harnsteinen und Nierengriess.
- Gegenanzeigen: Keine bekannt.
Hinweis: Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.
- Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
- Dosierung: Tagesdosis: 6 bis 12 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen.
Hinweis: Auf reichliche Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.
Zu den Anwendungsgebieten äussert sich die ESCOP in gleicher Weise. Vom HMPC wurde das Echte Goldrutenkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Im allgemeinen wird die Gewöhnliche Goldrute als Heilpflanze bei Blasen- und Nierenleiden eingesetzt. Die Droge wirkt kräftig diuretisch.
Die Goldrute ist Bestandteil zahlreicher entsprechender Phytopharmaka, meistens in Kombination mit z.B. Schachtelhalm, Birkenblättern, Hauhechel, Süssholz, Bärentraube, Echinacea, Hagebutte, Brennessel, Katzenbart, Quecke und Gartenbohne.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Tee: Ca. 2.5 g Droge, mit 1 Tasse heissem Wasser übergiessen und nach etwa 10 Minuten durch ein Teesieb geben ; für die harntreibende Wirkung trinkt man 3-5 Tassen pro Tag. Die durchschnittliche Tagesdosis liegt bei 6-12 g.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
- Klinische Studien: positiv
HOMÖOPATHIE
Solidago virgaurea HAB 1; die frischen Blütenstände der Echten Goldrute,
Anwendungsgebiet: Erkrankungen der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse.
DIE ECHTE GOLDRUTE IM GARTEN
Die Goldrute ist eine anspruchslose Heilpflanze und ist für die unterschiedlichsten Gartenbedingungen geeignet. Die Goldrute passt sehr gut in angelegte Bauern- und Wildblumengärten. Da sie sich selbst über längere Zeiten auf nährstoffarmen Böden wohlfühlt, sollte die Goldrute nur wenig bis gar nicht gedüngt werden. Für die Vermehrung der echten Goldrute wird ihr knotiger Wurzelstock aus der Erde entnommen und einfach mit dem Spaten geteilt. Die Pflanze wird dadurch gleichzeitig verjüngt und bleibt über viele Jahre wuchs- und blühfreudig. Direkt nach der Blüte kann die Goldrute grosszügig zurückgeschnitten werden. Die Heilpflanze ist ohne besonderen Schutz winterhart.
SONSTIGES
Der Gattungsname Solidago ist aus dem Lateinischen und von solidus (gesund, fest), unter Bezugnahme auf die Heilwirkung der Heilpflanze abgeleitet. Der lateinische Artname setzt sich aus virga (Rute) und aureus (golden) aufgrund von Form und Farbe des Blütenstandes zusammen. Die leuchtend gelbe Farbe der Blüten führte wohl zum deutschen Namen „Goldrute“, der allerdings für die ganze Gattung verwendet wird, das führte bei dieser Art zur Zusatzbezeichnung „Echte Goldrute“.
Letzte Änderung: 15.02.2017 / © W. Arnold