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Dirigent Laurent Gendre hat das Freiburger Kammerorchester (FKO) 2009 gegründet. Ein Ensemble mit 37 Berufsmusikerinnen und -musikern. Mittlerweile hat das Orchester ein beachtliches Engagement. Rund 20 Konzertprogramme präsentiert es in der laufenden Saison mit rund 35 Auftritten im Kanton und ausserhalb. Dabei steht das Orchester vorab im Dienst von Kulturveranstaltern, begleitet Chöre, nimmt an Festivals teil – nächsten Sommer auch bei Murten Classics–und ist das Orchester der Freiburger Oper.
Rund vier Mal im Jahr tritt das Orchester alleine auf – so am Dienstag im Equilibre. Mit Beethovens Violinkonzert wählte das FKO ein populäres Werk. Gehört dieses doch zu den wichtigsten Werken der Konzertliteratur für Violine. Von daher hätte man einen vollen Saal erwartet. Gut die Hälfte war belegt.
Das einzige vollendete Violinkonzert von Beethoven wurde 1806 uraufgeführt. Die Premiere war kein Erfolg, das Werk kam kaum mehr an die Öffentlichkeit. Den Durchbruch erlangte es erst 1844 – 17 Jahre nach Beethovens Tod. Am zweiten Abonnementskonzert des FKO erhielten Orchester und Solist freudigen Beifall. Stefan Muhmenthaler, virtuoser Violinist und Konzertmeister des Ensembles, bot eine sichere, ausdrucksstarke Interpretation. Vorab im dritten Satz, dem Rondo, verwob Muhmenthaler die Melodielinien in einen lebendigen faszinierenden Klang. Ein Lob gilt ebenfalls dem Orchester. Unter der kompetenten Direktion von Laurent Gendre nahm sich das Orchester auf subtile Weise zurück und begleitete den Solisten mit beeindruckender Zartheit und Klarheit. Wohlverstanden ging das Orchester kein Risiko ein und schlug – vorab im ersten Satz–ein ausgesprochen gemächliches Tempo an.
Schumann-Sinfonie
Als zweites Werk interpretierte das Orchester Robert Schumanns vierte Sinfonie in d-Moll. Davon gibt es mehrere. Gendre wählte jene aus dem Jahre 1841. Auch dieses Werk hat seine Geschichte. 1833 musste Schumann mit der Lähmung des Mittelfingers der rechten Hand seine Pianistenkarriere aufgeben. Und so hat er sich der Komposi- tion von Sinfonien zugewandt. Die vierte Sinfonie hat er zum Geburtstag seiner Frau Clara 1841 geschrieben. Doch öffentlich war sie ein Misser- folg und Schumann hielt sie lange zurück. Die Sinfonie hat nämlich eine spezielle Form: Die vier Sätze gehen pausen- los ineinander über. Zahlreiche Themen reihen sich aneinander. In der Interpreta- tion des Werks bewies das Orchester Arbeit von mustergültiger Transparenz. Die Sinfonie klang frisch, farbenprächtig, differenziert. Das Publikum erlebte ein junges Team mit engagierten Musikerinnen und Musikern.
Traditionelle Ebene
Bezüglich Werkwahl blieb das Kammerorchester auch bei diesem Konzert auf der traditionellen Ebene. Schumanns vierte Sinfonie gehört wie das Violinkonzert zweifelsohne in den Bereich der Werke, die auf Anhieb gefal- len. Will man auf Nummer sicher gehen punkto Publikum? Mit Beethovens Ohrwurm hätte man aber dem Publikum im Freiburger Equilibre ganz gut noch ein zeitgenössisches Werk zumuten können.