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Wow, das ging aber schnell: Die im März dieses Jahren Konkurs gegangene und seitdem gegroundete isländische Low-Cost-Airline Wow Air soll bereits im nächsten Monat wieder fliegen. Das ist deshalb möglich, weil die US-Firma USAerospace Associates die Namensrechte mitsamt Uniformen und Marketingmaterialen, dazu Slots, Büromaterial und mehr von Wow Air zu einem nicht genannten Preis gekauft hat. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Reykjaviker Saga Hotel am letzten Freitag (6. September) gab die Chairwoman der US-Firma bekannt, dass bereits im Oktober tägliche Flüge unter der Marke Wow Air zwischen Washington D.C. und Reykjavik durchgeführt werden sollen.
Die genannte Chairwoman ist Michelle Roosevelt Edwards, in der Regel besser bekannt als Michelle Ballarin. Diese hatte bereits im Juli 2019 angekündigt, umgerechnet 187 Millionen Franken in Wow Air investieren zu wollen; damals kam es aber nicht zu einem Deal. Nun hat sie den Deal durchgebracht. Ballarin (oder eben Roosevelt Edwards) ist, gelinde gesagt, eine schillernde Figur: Die Unternehmerin aus Virginia hat mit Waffendeals ein Vermögen gemacht, hat im somalischen Bürgerkrieg eine wichtige Rolle gespielt und ist auf politischer Ebene bestens vernetzt, und hat mal Schlagzeilen gemacht, als sie beim CIA um Erlaubnis bat, Al-Qaida-Terroristen umbringen zu dürfen - derweil sie jeden Sonntag in der Kirche im heimischen Virginia Orgel spielt.
Nun denn, das ist ihre Vergangenheit. Relevanter ist es aus Sicht der Luftfahrt, was sie mit Wow Air genau will. Und da scheint es durchaus noch ein paar Fragezeichen zu geben. Aus einem vom isländischen Magazin Visir hervorgehenden, auf Englisch gehaltenen Interview gehen folgende Eckpunkte hervor:
- Wow Air soll mit zwei Flugzeugen starten, bis im Sommer 2020 vier Flugzeuge haben und langfristig 10-12 Flugzeuge. Welcher Flugzeugtyp verwendet wird, wird allerdings nicht gesagt.
- Die erste Route verbindet, wie gesagt, bereits ab Oktober Washington D.C. und Keflavik. Die Flughäfen selber können aber noch keine genauen Angaben zu den Flügen machen.
- Die Marke Wow Air wird beibehalten; benutzt wird aber zunächst ein amerikanisches AOC und erst später möglicherweise in isländisches.
- Rund 85 Millionen US-Dollar werden investiert. Die Airline sei jetzt schuldenfrei.
- Nebst dem Passagiergeschäft soll Wow Air vermehrt auch ein Frachtgeschäft betreiben. Unter anderem soll die US-Ostküste so mit frischem Fisch versorgt werden...
- Es soll auf bessere Ernährung im Flugzeug geachtet werden. Dafür wird mit einem Michelin-gekrönten Chef kooperiert. Inwiefern dies mit Low-Cost-Prinzipien vereinbar ist, bleibt abzuwarten.
- In Reykjavik und Washington sollen für Wow-Passagiere spezielle Lounges zu Verfügung stehen. Und zwar für alle Passagiere.
- Für den Zugang ins Flugzeug soll mit biometrischen Daten gearbeitet werden, um die Boardingzeit auf wenige Minuten zu reduzieren.
Bislang ist nicht klar ersichtlich, was radikal anders sein wird als beim - gescheiterten - Businessplan von Wow Air. Und über die Neuerungen wie das biometrische Boarding wurde nicht sehr viel gesagt. Man darf also gespannt sein. Aber urteilen Sie selbst - anhand des genannten Videos der Pressekonferenz, unter diesem Link, in voller Länge.