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EDF-Energy-CEO: Hinkley-Point-Projekt wird verwirklicht
Am 23. März 2016 fand eine Sonderuntersuchung zur Zukunft der Kernenergie in Grossbritannien statt. Der Energie- und Klimaausschuss des britischen Parlaments forderte die EDF Energy und andere Energieversorgungsunternehmen, die Kernkraftwerke in Grossbritannien bauen wollen, auf, ihren Standpunkt darzulegen. Es gebe viele offene Fragen zu Kosten und Wirtschaftlichkeit des Hinkley-Point-C-Projekts sowie zum Preis-Leistungs-Verhältnis für die Steuerzahler, begründete Kommissionspräsident Angus MacNeil die Durchführung der Sonderuntersuchung.
Vor dem Kommissionsausschuss erklärte de Rivaz: «Es wird umgesetzt, weil wir das Know-how, unsere Lieferkette und unseren langjährigen Partner CGN (China General Nuclear Power Group) haben. Das Projekt und die EPR-Technologie haben uns überzeugt.»
Investitionsentscheid im Mai erwartet
Von den Ausschussmitgliedern gedrängt, einen Termin für den endgültigen Investitionsentscheid zum Bau der zwei EPR-Einheiten zu nennen, meinte de Rivaz, er könne kein genaues Datum angeben. Aber der französische Wirtschaftsminister, Emmanuel Macron, habe gesagt, Anfang Mai. Er stimme zu, dass es sehr bald sein werde.
Laut de Rivaz arbeite die EDF daran, die finanzielle Lage der gesamten Gruppe für die nächsten zehn Jahre zu sichern. Er erklärte, die EDF habe bereits GBP 2,4 Mrd. (CHF 3,3 Mrd.) in Hinkley Punkt C investiert und stehe vor bedeutenden Investitionen in die bestehenden Kernkraftwerke in Frankreich, in Netz und Übersee-Projekte. Er bestätigte, dass die Gesamtkosten für den Bau von Hinkley Point C GBP 18 Mrd. (CHF 25 Mrd.) betragen werde. Das Unternehmen sei in der Endphase der Verhandlungen mit seinem Hauptaktionär – der französischen Regierung – und deshalb sei der Minister in der Lage gewesen, für einen endgültigen Entscheid Anfang Mai als Datum vorzuschlagen.
Volle Unterstützung der Regierungen
«Es ist ein komplexes Thema, betonte de Rivaz und bestätigte: «Das Projekt hat die volle Unterstützung der französischen und britischen Regierung.» Die Lösungen würden zwischen der französischen Regierung und der EDF diskutiert, und sie würden keinerlei Auswirkungen auf den britischen Steuerzahler haben. Es gehe um Kapital, Dividenden und der Veräusserung nicht strategischer Aktiva, so de Rivaz weiter. Die diskutierten Lösungen sollen die Zukunft der EDF sichern, sodass das Hinkley-Point-Projekt weitergeführt werden könne.
Auf die Frage, ob der mit der britischen Regierung ausgehandelten Investitionsvertrag (Contract for Difference, CfD) fair sei, sagte de Rivaz, gegen den CfD sei in Grossbritannien und in Brüssel Einspruch erhoben und er sei überprüft worden. Der CfD entspreche der Notwendigkeit, in einer Welt Investoren zu gewinnen, in der Steuerzahler nicht an den Bau von Kernkraftwerken beitragen.
Ein CfD ist ein Ausgleichsgeschäft zwischen Kauf- und Verkaufspreis (oder umgekehrt) eines Wertes. Im vorliegenden Fall zahlen die Verbraucher die Differenz, wenn der Marktpreis für den erzeugten Strom unter einen bestimmten Basis- oder Ausübungspreis (strike price) fällt. Liegt der Marktpreis darüber, geht die Differenz zu Lasten des Stromerzeugerunternehmens. Das Ausgleichsgeschäft gilt für eine Dauer von 35 Jahren ab der Inbetriebnahme. Der Basispreis wurde auf GBP 92,50 je MWh (CHF 127,50 je MWh) festgelegt –, mehr als das Doppelte des aktuellen Strom-Grosshandelspreises in Grossbritannien – und an die Inflation angepasst. Sollte sich die EDF dazu entscheiden, ihr zweites EPR-Neubauprojekt – Sizewell C an der Ostküste Englands – ebenfalls zu verwirklichen, käme der Basispreis für Hinkley Point C auf 89,50 je MWh (CHF 123,30 je MWh) zu liegen.