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| Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über die Auferweckung des Lazarus (Joh. 11, 43.)

7.
Jesus ließ dem Lazarus Zeit, damit er bis zum Grunde des Totenreiches hinabsteigen konnte, um ihn dann aus der Tiefe der Grube heraufzuholen und dadurch die Verwesung des Todes zu besiegen. Der Tod ergriff den Begrabenen und übergab ihn der Verwesung. Der Wurm nagte an ihm, und die Fäulnis zersetzte seinen Leichnam. Er schwamm im Tümpel der Gestorbenen und versank in der Unterwelt der Begrabenen, Er wurde dem Ozean der Untergegangenen überliefert und dort zum Schweigen gebracht. Es versenkte ihn der Todesengel in den Abgrund der Vermodernden, damit die erscheinende Auferstehung die der Unterwelt Verfallenen erfreuen könnte. Jesus ließ ihn bis in die Tiefe des Todes hinabtauchen, damit dann die Stimme seiner Auferweckung hinabdringen und das Haupt der Abgründe zertreten würde. Der Tod raubte ihn aus dem Hause des Lebens und brachte ihn in die Stadt der Burg 1; er verschloß ihre starken Tore und hoffte zuversichtlich, daß sie niemand öffnen würde. Jesus aber verzog eine Weile, damit die Verwesung sich des Leichnams bemächtigen und der Modergeruch des Toten seine Auferweckung klar bezeugen würde. Der Allwissende eröffnete seinen Jüngern: „Unser Freund Lazarus schläft; [ich aber gehe hin, ihn aufzuerwecken“] 2 Dadurch, dass er dieses offenbarte, ehe er hinging, wies er auf seine Allmacht hin; dadurch aber, daß er zögerte, bis der Tote in Verwesung übergegangen war, steigerte er das Wunder seiner Auferweckung.
1: Siehe unten Nr. 8.
2: Die eingeklammerten Worte aus Joh. 11,11 fehlen in der römischen Ausgabe. Sie müssen aber hier gestanden haben, da sonst im folgenden Satze das Wort „Allmacht“ unverständlich wäre.