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Dabei handelt es sich um eine bakterielle Magen-Darm-Erkrankung, an der jährlich eine Million Menschen sterben. Grund genug um einen Blick auf diese „Shigellen“ zu werfen.
Im Jahre 1896 wurde in Japan die erste Spezies der Gattung Shigella isoliert und beschrieben. Es handelt sich dabei um nicht-sporenbildende, gramnegative, stäbchenförmige, fakultativanaerobe und unbewegliche Bakterien der Familie der Enterobacteriacae. Shigellen sind relativ stoffwechselinaktiv, was bedeutet, dass sie weder Gas bilden noch Laktose oder andere Stoffe fermentieren. In physiologischer Hinsicht besteht eine enge Verwandtschaft mit E. coli Bakterien.
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Die Gattung der Shigellen umfasst vier Arten. S. dysenteriae, S. flexneri, S. boydii und S. sonnei. Die Arten sind durch unterschiedliche Krankheitsverläufe und Verbreitungsgebiete charakterisiert. S. sonnei ist durch einen eher leichten und unkomplizierten Verlauf geprägt. S. dysenteriae besitzt das stärkste krankmachende Potenzial.
Nachgewiesen wurden alle vier Arten beim Menschen und bei Primaten. In Ausnahmefällen können auch Hunde erkranken. In Mittel- und Westeuropa findet man vor allem das S. sonnei. In Ost- und Südosteuropa trifft man eher auf das S. felxneri. S. dysenteriae und S. felxneri sind vor allem in Entwicklungsländern verbreitet. S. boydii findet man hauptsächlich in Indien. In Entwicklungsländern sind die Erreger bei Kindern unter 5 Jahren für ca. 10% aller Durchfallerkrankungen verantwortlich. Sie sind für 75% aller Todesfälle aufgrund von Durchfall in dieser Altersgruppe verantwortlich. Allgemein lassen sich ca. 5-15% aller Durchfallerkrankungen und 30-50% aller Durchfälle mit blutig-schleimiger Beimengung auf die Shigellen zurückführen.
Die Latenzphase der Erkrankung dauert einige Stunden bis zu sieben Tagen. Danach kommt es zu ersten Beschwerden. Die Erreger greifen vor allem das terminale Ileum und das Colon an. Es kommt zu milden bis blutigen Durchfällen. Verläuft die Krankheit schwer, kommt es zu Bauchkrämpfen und zu blutigem Durchfall. Auch Erbrechen und Fieber können Symptome sein. In den meisten Fällen kommt es nach 1-2 Wochen zu einer spontanen Heilung. Besonders Säuglinge, Kleinkinder und alte Menschen sind gefährdet. In Ausnahmefällen kann die Infektion zu reaktiver Arthritis mit Bindehautentzündung, schmerzhaftem Urinieren und Gelenkschmerzen führen. Bei Kindern kann eine S.dysenteriae Infektion ein hämolytisch-urämischen Syndrom aufweisen. Eine Infektion kann also viele schwere Folgeerkrankungen mit sich bringen.
Die Bakterien gelangen oral durch die Nahrung in unseren Darm. Anfangs gelingt es den Bakterien nicht, die Schleimhaut der Darmlumen zu durchdringen. Jedoch gelingt es einigen Bakterien nach und nach durch Transportmechanismen, die durch die Epithelzellen in tiefere Schichten führen, das Darmlumen zu passieren. Diese Transportmechanismen transportieren üblicherweise Antigene. Nach dem Eindringen entdecken Makrophagen die Bakterien und phagozytieren sie. Die Shigellen sind in der Lage, die Phagosomenmembran zu zerstören und einen Zelltod der Makrophagen zu verursachen. Einige unserer Abwehrzellen werden also zerstört. Das Immunsystem wird daraufhin sofort alarmiert und entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) werden freigesetzt. Dadurch werden Granulozyten angelockt, welche Entzündungen bekämpfen sollen. Gerade diese öffnen den restlichen Bakterien im Darm den Weg in die Darmephithelzellen. Nach dem Eindringen vermehren sie sich dort im Zytoplasma der Zellen. Sie können in Nachbarzellen einwandern und einen massiven Befall der Darmzellen verursachen.
Vor allem in Ländern mit niedriger Hygienestandart ist die Shigellose verbreitet. Die Shigellen werden dort vor allem mit dem Trink- und Badewasser verbreitet. Infektionsquelle sind praktisch nur Menschen. Neben der Infizierung mit Wasser kann es auch zu einem Schmierinfekt kommen. Dabei gelangen Shigellen via ungewaschene Hände oral in den Magendarmtrakt. Auch Fliegen können für eine Übertragung verantwortlich sein. 2/3 der Lebensmittelinfektionen mit Shigellen ereignen sich durch den Verzehr von Salat, Kartoffeln, Thunfisch, Geflügel oder Krabben. Auch von einer Infektion aufgrund von rohen Austern, Wassermelone, Spaghetti, Bohnen, Apfelcidre, Hamburger, Reis, Milch und vielen anderen Nahrungsmitteln wird berichtet. Dies bedeutet, dass es kein spezielles Lebensmittel gibt, welches vor allem von Shigellen befallen wird. Jedes Lebensmittel ist ein potenzieller Shigellenträger, sobald es mit zum Beispiel kontaminiertem Wasser in Kontakt kommt.
Quelle:
Steinmüller, R. (2010). Shigellen. Ernährungsumschau Nr. 10/10