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Nachdem Kaiser Heraklius (610 - 641) in Folge seines Sieges über die Perser das geraubte Kreuz am 3. Mai 628 zurückerhalten hatte (s. 3.5.) ließ er es nach Konstantinopel schaffen. Dort fand dann am 14. September desselben Jahres ein Triumphzug statt, bei dem dem siegreichen Kaiser, der die Hauptstadt durch das Goldene Tor betrat, das Kreuz vorangetragen wurde. Der Triumphzug führte zur Kirche der Hagia Sophia.
Im darauf folgenden Frühjahr brachte der Kaiser das Kreuz zurück nach Jerusalem, von wo es die Perser 614 bei ihrer Eroberung und Verwüstung der Stadt geraubt hatten (s. 22.1.). Der barfüßige Heraklius selbst trug das hl. Kreuz, an dem der Heiland gelitten hatte, am 21. März des Jahres 629 auf seinen Schultern zur Grabeskirche, damit es auf Golgotha aufgerichtet werden konnte.
Das Fest der Kreuzerhöhung knüpft auch an die Weihe der Basilika der Grabeskirche von Jerusalem an, die am 13. September 335 vorgenommen wurde:[1] Tags darauf wurde die Reliquie des hl. Kreuzes dort, auf der Spitze des Golgothahügels, feierlich aufgestellt.
Glücklicherweise wurden dem Holz des Lebens viele Splitter als Reliquien entnommen (vgl. 8.6., 25.8.). Der Rest des Kreuzes ging 1187 in der Schlacht bei Hattin an Saladin verloren und ist danach verschollen (s. 23.4.).
Am 14. September wird ebenfalls der hl. Notburga von Eben gedacht. - Sie wurde wohl 1268 im nordtirolischen Rattenberg als Tochter eines Hutmachers geboren.
Als Notburga achtzehn Jahre alt wurde, nahm Heinrich von Rothenburg, der Haushofmeister des Kärntener Herzogs Meinhard von Tirol (1286 - 1295), die Heilige als Schaffnerin in seinen Dienst. - Sie sorgte auch dafür, daß sich Frömmigkeit und Nächstenliebe unter den übrigen Mägden verbreiteten. Was aber von den Mahlzeiten im Schloß übrig blieb, das verteilte die Heilige unter den Armen der Umgegend. Heinrich von Rothenburg und seine Gemahlin Gutta[2] sahen es gern, daß ihre Schaffnerin Milchkrug und Brot in der Schürze zu wohltätigen Zwecken hinaustrug.
Nachdem aber der Haushofmeister und seine Gemahlin verstorben waren, herrschte ihr Sohn Heinrich zusammen mit seiner Gemahlin Ottilia auf Schloß Rothenburg. Die gemeinsamen Gottesdienste von Herrschaft und Gesinde wurden abgeschafft. Notburga wurden nun die niedrigsten Arbeiten übertragen, die sie geduldig und sanftmütig übernahm. Auch befahl die neue Herrin der hl. Notburga, mit den Resten der Mahlzeiten nicht mehr die Armen, sondern die Schweine des Schlosses zu füttern. Notburga gehorchte, doch verzichtete sie fortan auf einen Teil der ihr zugewiesenen Speisen und brachte diese den Armen. Ottilia entdeckte dies. Weil die Heilige damit gewissermaßen die Anordnungen der Gräfin unterlief, stiftete diese ihren Gemahl an, der hl. Notburga aufzulauern, wenn sie zu den Armen ginge. Tatsächlich überraschte Heinrich die Heilige auf ihrem gewohnten Weg, doch als sie die Schürze öffnete, befanden sich statt der Speisen nur Hobelspäne darin, und der Krug enthielt keinen Wein mehr, sondern Abwasser (vgl. 8.7.). Dennoch wurde Notburga aus dem Schloß gewiesen.
Die Heilige verdingte sich nicht weit entfernt vom Schloß als Magd bei einem Bauern in Eben. Sie stellte nur die Bedingung, daß sie nach dem Ave-Läuten vor Sonn- und Festtagen die nahegelegene Rupertskirche aufsuchen dürfe. Der Bauer hielt sich an die Bedingung. Doch in der Erntezeit forderte er von Notburga doch einmal, die Sichel nicht aus der Hand zu legen, sondern weiterzuarbeiten, obwohl von der Kirche her bereits das Ave-Läuten zu hören gewesen war. Da rief die hl. Notburga Gott als Richter an und sprach: „Wenn Gott will, daß ich weiterarbeite, so mag die Sichel zu Boden fallen.“ Notburga hob daraufhin ihr Werkzeug mit der Hand empor und ließ die Sichel dann los, die aber in der Luft schwebte. Die Magd nahm sie wieder an sich und ging dann zur Kirche.
In den 1292 bis 1293 ausgetragenen Kampf zwischen dem deutschen König Adolph von Nassau (1291 - 1298)[3] und Herzog Meinhard I. von Kärnten,[4] der bei Erzbischof Konrad IV. von Salzburg (1291 - 1312) sowie Bayern Unterstützung fand, wurde der jüngere Heinrich von Rothenburg hineingezogen und sein Schloß zerstört. Heinrich, dessen Gemahlin Ottilia längst verstorben war, sah darin eine Strafe des Himmels und bereute sein früheres Tun. Er bat die hl. Notburga, zurückzukehren. Sie entsprach dieser Bitte unter der Bedingung, daß sie in ihrem frommen Gebetsleben nicht behindert würde. So wurde Notburga wiederum Schaffnerin des Herrn von Rothenburg. Achtzehn Jahre wirkte sie noch dort. Als sie aber merkte, daß ihr Tod nicht mehr fern war, bat sie Herrn Heinrich, ihren Leichnam auf einen Ochsenkarren zu legen und die Tiere frei laufen zu lassen, so wird erzählt. Wo das Gefährt stehen bleibe, dort wolle sie begraben werden.
Nachdem die hl. Notburga am 14. September 1313 verschieden war, tat man, wie sie es gewünscht hatte und legte ihren sterblichen Leib auf einen Ochsenkarren. Die beiden Zugtiere lenkten das Gefährt von Engeln geführt zur Rupertskirche hin, in der die Heilige während ihrer Dienstzeit in Eben so oft nach dem Tagewerk gebetet hatte. Dort wurde sie dann auch beim Altar bestattet.
Anmerkungen
[1] Die nach der persischen Zerstörung restaurierte Basilika wurde 1009 niedergerissen (vgl. 27.6.) und nicht wieder aufgebaut.
[2] oder Jutta
[3] Adolph von Nassau wurde unterstützt durch seinen Konkurrenten um den Königsthron, den Herzog Albrecht von Österreich (1282 - 1308), einen Sohn König Rudolphs I. von Habsburg (vgl. 25.8., 15.11.). 1292 hatte sich Adolph mit Albrecht geeinigt. - 1298 wandte sich Albrecht wieder gegen Adolph. In der Ritterschlacht von Göllheim unterlag der letztere und fiel. Albrecht wurde König Deutschlands (1298 - 1308).
[4] Adolph von Nassau wollte die Belehnung des Tiroler Grafen Meinhard mit Kärnten nicht hinnehmen. Mit dem Frieden zu Linz (1293) wurde Meinhards Anspruch anerkannt.