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Wenn eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung vorliegt, wird die Behandlung mit der betroffenen Person und ihren Eltern besprochen. Dabei wird einerseits dargelegt, welche Optionen es gibt, aber auch die Präferenzen der beteiligten Personen berücksichtigt. Die Therapie wird den individuellen Symptomen und Einschränkungen angepasst. In jedem Falle sollte die Psychoedukation Teil der Behandlung sein. Die Inhalte der Psychoedukation und Psychotherapie werden im Folgenden dargestellt. Zusätzlich ist die Pharmakotherapie ein elementarer Bestandteil der Behandlung dieses Störungsbildes.
Schweregradeinteilung
Ein leichter Schweregrad äussert sich allenfalls mit wenigen zusätzlichen Symptomen abgesehen von denjenigen, die für eine Diagnose notwendig sind. Ausserdem ist die betroffene Person nur geringfügig beeinträchtigt bezüglich ihrer sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit.
Bei einem mittleren Schweregrad ist entweder trotz weniger zusätzlicher Symptome eine beachtliche Einschränkung des Funktionsniveaus zu beobachten oder trotz vieler zusätzlicher Symptome nur eine geringe Beeinträchtigung festzustellen.
Ein schwerer Schweregrad äussert sich mit vielen zusätzlichen Symptomen und einer schweren Beeinträchtigung bezüglich des sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsniveaus.
Behandlung nach Schweregrad
Die Behandlung wird dem Schweregrad der Krankheit angepasst. So empfiehlt sich für die Behandlung einer ADHS von einem leichten Schweregrad vor allem eine psychosoziale Intervention. Dazu zählen auch kindzentrierte Interventionen. Eine Pharmakotherapie wird eingesetzt, wenn diese Massnahmen nicht wirksam sind.
Bei einer ADHS von einem mittleren Schweregrad sollte eine intensivierte psychosoziale Behandlung oder eine Pharmakotherapie im Vordergrund stehen. Eine Kombinationstherapie wird empfohlen.
Bei einer ADHS von einem schweren Schweregrad wird an erster Stelle eine Pharmakotherapie empfohlen. Eine intensivierte psychosoziale Therapie sollte ergänzt werden. Ausserdem kann eine psychosoziale Therapie auch nach einer Pharmakotherapie sinnvoll sein, zum Beispiel wenn die Symptomatik nicht vollständig zurückgegangen ist.
Was ist eine psychosoziale Intervention?
Bei einer psychosozialen Intervention werden psychologische, psychotherapeutische und soziale Massnahmen angewendet, welche ADHS oder gegebenenfalls komorbide Störungen vermindern. Die Interventionen werden direkt am Patienten oder seinen Bezugspersonen durchgeführt, es kann aber auch sein näheres oder weiteres Umfeld mit einbezogen werden.
Was ist Psychoedukation und Psychotherapie?
Psychoedukation beinhaltet Aufklärung und Beratung, Psychotherapie umfasst therapeutische Massnahmen mit den Betroffenen und deren Eltern. Bei der Psychoedukation wird mit den betroffenen Personen und gegebenenfalls ihren Eltern die Krankheit sowie ihre Behandlung besprochen. Die Krankheit wird näher erklärt bezüglich ihrer Ursachen, des Verlaufs und dem Störungsbild. Abgesehen von den Beeinträchtigungen, die durch die Krankheit entstehen, wird auch besonderer Wert auf die Stärken des Patienten gelegt. Im therapeutischen Prozess ist es auch ein Ziel der Behandlung, diese Stärken für die betroffene Person und das Umfeld wahrnehmbar zu machen. Auf dieser Grundlage werden Strategien erstellt, welche sowohl die Beeinträchtigungen als auch die Stärken eines Patienten berücksichtigen, und besprochen, wie diese Strategien am besten umgesetzt werden können. Auf der Grundlage einer Psychoedukation werden den betroffenen Personen genügend Informationen vermittelt, um eine gemeinsame Lösungsfindung zu ermöglichen. Im Rahmen einer psychosozialen (therapeutischen) Intervention kommt es dann zu einer konkreten Hilfestellung und Anleitung, wie mit der Krankheit umgegangen werden kann.
Pharmakotherapie
Die in Kapitel 2 beschriebenen genetischen, neuroanatomischen und neurophysiologischen Veränderungen stehen in engem Zusammenhang mit einer verminderten Verfügbarkeit von Botenstoffen (Transmittern) in bestimmten Hirnarealen. Das betrifft vor allem Dopamin und Noradrenalin. Durch die Anwendung bestimmter Psychopharmaka kann dieser Mangel behoben werden. In der psychopharmakologischen Behandlung stellen die Stimulanzien (u.a. Methylphenidat) die Behandlungsmethode der ersten Wahl dar. Die Wirksamkeit konnte in vielen Studien belegt werden. Andere Medikamentengruppen, die eingesetzt werden können, sind Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (Atomoxetin) und Antisympathotonika (Guanfacin). Die Verordnung sollte durch qualifizierte Fachärzte*innen erfolgen, z.B. Kinder- und Jugendpsychiater*innen.
Behandlungsempfehlung je nach Alter
Wenn es sich bei der betroffenen Person um ein Kind im Vorschulalter handelt, sollten vor allem Elterntrainings, Elternschulungen und Elternberatungen in Betracht gezogen werden. Mithilfe dieser Interventionen wird es den Eltern ermöglicht, ein besseres Verständnis für die Erkrankung zu entwickeln, ihr Erziehungsverhalten anzupassen und die Beeinträchtigung des Kindes zu vermindern. Es sollten auch Pädagogen und Pädagoginnen der Kindertagesstätte oder des Kindergartens geschult werden, um einen optimalen Umgang mit betroffenen Kindern zu erlangen. Zusätzlich können auch kindzentrierte Interventionen angeboten werden. Eine Pharmakotherapie ist in dieser Altersgruppe möglich, sollte jedoch sorgfältig überprüft werden.
Wenn es sich bei der betroffenen Person um ein Kind im Schulalter oder einen Jugendlichen handelt, sind auch hier Elterntrainings, Elternschulungen oder Elternberatungen indiziert. Auch eine Schulung der Lehrpersonen wird empfohlen, um ihnen einen besseren Umgang mit betroffenen Kindern oder Jugendlichen zu ermöglichen. Zusätzlich kann auch eine Verhaltenstherapie (kognitiv-behaviorale Intervention) des Kindes oder Jugendlichen angeboten werden. Bei Kindern im Schulalter oder Jugendlichen mit einer moderaten bis schweren Symptomatik wird in erster Linie eine Pharmakotherapie empfohlen. Die anderen oben aufgeführten Interventionen sollten ebenfalls ergänzt werden.
Neurofeedback, Diäten
Zur Behandlung einer ADHS werden eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten angeboten. Nicht alle Therapieformen sind wirksam. Der Einsatz mancher Behandlungen kann sogar von Nachteil sein, wenn dadurch nachweisbar wirksame Verfahren nicht angewendet werden. Die Anwendung von Neurofeedback oder spezifischer Diäten kann für einzelne Patienten*innen hilfreich sein. Die bisherigen Studien zeigen hierfür jedoch keine ausreichende Wirksamkeit, so dass von einer Anwendung als generelle Intervention abgeraten wird oder nur in Kombination mit wirkungsvollen Therapien.
Für weitere Informationen können Sie sich jederzeit an unsere Beratungsstelle wenden.