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Die Low-Volatility Anomalie ist eines der spannendsten Phänomene der empirischen Kapitalmarktforschung und steht im Zentrum defensiver quantitativer Anlagestrategien. Die Anomalie wird als solche bezeichnet, da - entgegen dem Capital Asset Pricing Model - Aktien mit niedrigem Risiko im Schnitt eine höhere Rendite erzielen als Aktien mit hohem Risiko. Die genaue Messgrösse für das Risiko ist hierbei eher zweitrangig, so wird neben der Volatilität – also der Schwankungsbreite einer Aktie– auch oft das Markt-Beta verwendet, sprich wie sehr die Aktie mit dem Markt in Gleichschritt schwankt. Optimierte, risikobasierte Portfolios, wie unsere Minimum-Varianz Lösungen, sind hiermit eng verwandt, da sie Aktien mit niedrigem Risiko übergewichten und Titel mit hohem Risiko vermeiden.
Während akademische Studien zur Low-Volatility Anomalie sich meist auf den amerikanischen Aktienmarkt beziehen, ist die Studienlage zum schweizerischen Markt dünner. Zwar erfreuen sich risikooptimierte Anlagelösungen auch hier grosser Beliebtheit, doch gab es im Bullenmarkt der vergangenen Jahre durchaus Fragen, ob die Low-Volatility Anomalie in der Schweiz noch vorhanden sei. Oft wird das Argument vorgebracht, dass der schweizerische Markt im Ganzen eher risikoarm sei und sich die Auswahl von Titel mit niedriger Schwankungsbreite daher nicht lohne. In diesem Blogartikel wollen wir diese Fragen klären und legen dabei auch den Fokus auf die letzten Jahre und die aktuelle Marktsituation.
Das Vorgehen
Wir sortieren die liquidesten Titeli des Swiss Performance Index (SPI) nach ihrer historischen 52-Wochen Volatilität und bilden ein einfaches Low-Volatility Portfolio, indem wir in das Drittel der Aktien mit der niedrigsten Volatilität investieren. Alle Titel innerhalb des Low-Volatility Portfolios werden dabei gleichgewichtet und einmal pro Quartal aktualisiert. Analog besteht das High-Volatility Portfolio aus dem Drittel der SPI Titel, die die höchste Schwankungsbreite aufweisen. Das Mid-Volatility-Portfolio besteht aus dem mittleren Drittel. Zusätzlich konstruieren wir ein Long-Short Low-Volatility Portfolio, indem wir eine Long-Position in den Low-Volatility Titeln eingehen, sowie eine Short-Position in den High-Volatility Titeln.ii
Die Langzeitperspektive
Unsere Betrachtungsperiode beginnt am 01. Januar 2007 und endet am 30. April 2022. In Abbildung 1 ist die Wertentwicklung über diesen Zeithorizont dargestellt. Das einfache Low-Volatility Portfolio erzielt eine deutlich höhere Rendite (+232.7%) als der SPI Benchmark (+125.2%) und das Mid-Volatility Portfolio (+139.1%). Das Portfolio mit den riskantesten Titeln erzielt zwar in Phasen freundlicher Aktienmärkte zwischenzeitlich immer wieder eine Outperformance - so geschehen in den Markterholungen nach der globalen Finanzkrise 2008/09 und nach dem Corona-Einbruch im Frühling 2020 - schneidet aber auf lange Frist mit Abstand am schwächsten ab (+40.6%).