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Die Entdeckung eines gewaltigen Erdgasvorkommens im nördlichen Louisiana gibt der US-Energiepolitik ungeahnte Impulse. Jahrelang war die Erdgasproduktion in den Vereinigten Staaten zurückgegangen, jetzt herrscht plötzlich Überfluss. Selbst konservative Schätzungen gehen von gut 200 Billionen Kubikfuss (etwa 5,6 Billionen Kubikmeter) Erdgas im Schiefergestein von Haynesville aus. Das entspricht 33 Mrd Barrel Erdöl oder der in 18 Jahren produzierten Ölmenge in den USA. Einige Experten glauben sogar, das Feld könnte um ein Mehrfaches grösser sein.
Auch in Texas, Arkansas und Pennsylvania wurden riesige neue Felder gefunden. Eine von der Gasbranche in Auftrag gegebene Studie kam zu dem Ergebnis, dass in den USA Vorkommen von insgesamt 2200 Billionen Kubikfuss auf ihre Förderung warten - genug, um den US-Erdgasbedarf für die nächsten 100 Jahre zu decken.
Noch vor drei Jahren galt als sicher, dass die Erdgasproduktion in den USA stetig zurückgehen werde. Politiker hatten sich bereits damit abgefunden, dass das Land zunehmend auf Gasimporte angewiesen sein würde. Mit Erdgas werden in den USA die Hälfte aller Häuser geheizt, ein Fünftel der Elektrizität erzeugt und massenweise Kunststoff, Chemikalien und Düngemittel hergestellt. Doch neue Technologien und ein regelrechter Bohrboom führten dazu, dass die Gasproduktion in den letzten beiden Jahren um 11% stieg. Nun gibt es ein Überangebot, die Preise sind auf ein Sechsjahrestief gesunken, und die Produzenten haben die Förderung vorübergehend zurückgefahren und suchen nach neuen Absatzmöglichkeiten.
Knappheit treibt Innovation
Ihren Höhepunkt hatte die Erdgasproduktion in den USA in den 1970er-Jahren. Wegen sinkender Preise und zur Neige gehender Vorräte ging es dann zehn Jahre lang abwärts. In den 1990er-Jahren zog die Produktion wieder an, als Felder in New Mexico und Wyoming gefunden wurden. Doch 2002 ging die geförderte Menge erneut zurück. Die meisten Experten dachten damals, das sei nun endgültig. In der Annahme, die USA müssten bald Flüssigerdgas aus dem Ausland beziehen, steckten Unternehmen wie ConocoPhillips, El Paso und Cheniere Energy Milliarden von Dollar in den Bau neuer Terminals, Pipelines und Lagermöglichkeiten.
Doch die Sorge um den knapper werdenden Nachschub trieb die Preise und dies wiederum die Innovation. Die Energieunternehmen wussten seit Jahrzehnten, dass Gasvorräte in Schiefer eingeschlossen sind - einem Gestein, das in den USA häufig zu finden ist. Doch das Vorkommen in Haynesville liegt mindestens 3000 m unter der Oberfläche. Der hohe Druck und Temperaturen um 150 Grad stellen enorme Anforderung an das Bohrgerät.
Hartnäckigkeit lohnt sich
Probebohrungen im Jahr 2006 veranlassten den Energiekonzern Chesapeake jedoch, trotz der hohen Kosten weiterzumachen. Ende 2007 war klar, dass man «den Tiger am Schwanz gepackt hatte», wie Firmenchef Aubrey McClendon sagt. Im März 2008, als die Öl- und Gaspreise explodierten, ging Chesapeake mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit. Daraufhin setzte in den Vereinigten Staaten ein regelrechter Bohrboom ein, der durch billige Kredite und steigende Ölpreise zusätzlichen Drive bekam. Doch das hielt nicht an. Zwischen Juli und Oktober 2008 fielen die Preise um 50% und gingen bis heute weiter zurück.
Die Rezession liess den Energiebedarf des Landes zudem einbrechen. Doch mittlerweile werden die neu entdeckten Vorkommen von Politikern und Umweltschützern als Möglichkeit angesehen, die Energieprobleme des Landes zu lösen. So wird zum Beispiel vorgeschlagen, mehr Gas statt Kohle zur Stromerzeugung zu verwenden. Gas ist heute in vielen Regionen billiger als Öl, sodass Energieunternehmen mehr davon verbrennen. Von den 372 Kraftwerken, die in den kommenden drei Jahren in den USA gebaut werden sollen, werden 206 mit Gas und 31 mit Kohle beheizt werden, meldet die Energieagentur EIA.