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| Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)

Zehntes Buch: Von dem Geiste der Lauheit.
20. Von einem trägen Bruder, der Andere zum Austritte aus dem Kloster zu verlocken suchte.
Ich kenne einen Bruder, dessen Namen ich auch nennen würde, wenn Dieß zur größeren Belehrung beitragen würde. Als dieser im Kloster weilte und sich genöthigt sah, die ihm aufgegebene Arbeit täglich an den Oekonomen abzuliefern, bemerkte er einen jüngst in’s Kloster eingetretenen Bruder, der, voll Eifer und Vertrauen, sich zu noch mehr Arbeit anheischig machen wollte. Um nun nicht durch dessen Beispiel, da er eifriger arbeitete, zu einem nach größeren Maße von Arbeit gedrängt und beschämt zu werden, suchte er, falls es ihm gar nicht gelingen sollte, ihn durch heimliches Zureden von diesem Vorhaben abzubringen, ihn durch schlechte Rathschlüsse und Einflüsterungen zu überreden, von diesem Orte wegzuwandern. Und um ihn noch leichter zu entfernen, stellte er sich, als wolle auch er wegen ehemaliger vielfältiger Beleidigungen weggehen, wenn er einen tröstenden Begleiter für den Weg gefunden habe. Und als er durch heimliche Verläumdungen des Klosters ihm die Einwilligung entlockt hatte, gab er ihm die Stunde, zu welcher er das Kloster verlassen, und den Ort an, wohin er ihm vorausgehen solle, um ihn zu erwarten, während er selbst dort blieb unter dem Anscheine, als wolle er ihm gleich folgen. Während nun Jener aus Scham nicht mehr in’s Kloster zurückzukehren wagte, aus dem er entflohen war, blieb der Urheber seiner Flucht ruhig im Kloster sitzen. Dieses eine Beispiel von einer solchen Menschenklasse mag hinreichen zur Warnung der Anfänger, auf daß man es noch deutlicher erkenne, wie viele Uebel der Müssiggang nach dem Worte der heiligen Schrift im Herzen [S. 221] des Ordensmannes erzeugt, und wie sehr böse Gesellschaften gute Sitten verderben.