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EPFL bewertet wirtschaftliche Auswirkungen dreier Energieszenarien
EPFL-Labore haben drei Szenarien für die Energiewende der Schweiz verglichen. Ihre Studie zeigt, dass nur die Kombination aus erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmassnahmen mehr Arbeitsplätze schaffen und eine bessere Selbstversorgung ohne Auswirkungen auf die Kosten bietet.
Zahlreiche Untersuchungen vergleichen die CO2-Emissionen und den Verbrauch an Endenergie und Strom verschiedener Szenarien der Schweizer Energiewende. Nur wenige Studien befassen sich jedoch mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Energiewende. Die EPFL hat versucht, diesem Mangel mit einem Vergleich dreier realistischer Szenarien für die Energiezukunft der Schweiz im Jahr 2050 entgegenzuwirken.
Das erste Szenario, «Fortsetzung der aktuellen Politik», entspricht der Energiesituation im Jahr 2050, wenn die Politik des Bundes von 2011 ohne neue Massnahmen fortgesetzt würde. Das zweite Szenario, «politische Massnahmen des Bundesrates», basiert auf der Wirkung der kürzlich verabschiedeten energiepolitischen Massnahmen im Jahr 2050, falls sie umgesetzt werden. Das dritte Szenario, «neue Energiepolitik», entspricht schliesslich der Energiestrategie 2050 des Bundes, über deren erstes Massnahmenpaket am 31. Mai 2017 abgestimmt wurde.
Der Selbstversorgungsgrad, die Auswirkungen auf die Beschäftigung und die Kosten des künftigen Energiesystems wurden auf der Grundlage des vom Zentrum für Energie und dem Labor IPESE (Industrial Process and Energy Systems Engineering) der EPFL entwickelten Online-Rechners energyscope.ch bestimmt.
Erneuerbare Energien und Energieeffizienz für höhere Selbstversorgung
Das Ergebnis? Das Szenario «neue Energiepolitik» erweist sich als das günstigste in Bezug auf die energetische Selbstversorgung der Schweiz. Die Nutzung lokal verfügbarer erneuerbarer Energien (Solarenergie, Windkraft, Wasserkraft, Holz etc.) führt zusammen mit der Verbesserung der Leistung von Fahrzeugen und Gebäuden zu einem starken Rückgang bei den Importen von Energieträgern (Heizöl, Benzin, Diesel und Erdgas). Der Selbstversorgungsgrad würde bei diesem Szenario der Energiewende von heute 26% auf rund 72% im Jahr 2050 steigen. Beim Szenario «politische Massnahmen des Bundesrates» würde die Selbstversorgung von 26% auf 46% zunehmen, während sie natürlich bei der «Fortsetzung der aktuellen Politik» unverändert bei 26% bleiben würde.
«Die Analyseergebnisse zeigen, dass beim Szenario «neue Energiepolitik» die Anzahl Arbeitsplätze in der Schweiz in den mit dem Energiewesen verbundenen Sektoren rund 35% höher wäre als in den beiden anderen Szenarien.»
Energieeffizienz schafft Arbeitsplätze
Das Zentrum für Energie und das Labor für urbane Ökologie und Umwelt (LEURE) haben kürzlich eine Methodik für die Berechnung der Auswirkungen auf die Beschäftigung entwickelt und sie in den Energierechner Energyscope.ch integriert.
Die Analyseergebnisse zeigen, dass beim Szenario «neue Energiepolitik» die Anzahl Arbeitsplätze in der Schweiz in den mit dem Energiewesen verbundenen Sektoren rund 35% höher wäre als in den beiden anderen Szenarien. Prof. Philippe Thalmann vom LEURE erklärt: «Dieses Ergebnis ist hauptsächlich auf die im Bereich der Energieeffizienz geschaffenen Arbeitsplätze zurückzuführen, insbesondere bei der Renovierung von Gebäuden, wo ein Grossteil des Mehrwerts von lokalen Unternehmen in der Schweiz generiert wird. Im Gegensatz dazu betrifft bei den Szenarien, die auf den Import von Brennstoffen setzen, ein bedeutender Teil der Kosten den Kauf von Energie, der nur wenige lokale Arbeitsplätze schafft.»
Beim Szenario «neue Energiepolitik» profitiert ausserdem der Verkehrssektor von einem Anstieg der Arbeitsplätze dank des Umstiegs auf den öffentlichen Verkehr. Im Zusammenhang mit dem Aufkommen von Elektrofahrzeugen, die deutlich weniger Wartung brauchen als Benzinfahrzeuge, ist hingegen mit einem Rückgang der Arbeitsplätze im Automobilsektor zu rechnen.
Diese Ergebnisse basieren auf einem sektorbezogenen Ansatz bezüglich der direkt mit der Erzeugung und Verteilung von Energie verbundenen Aktivitäten. Die Schätzung der durch die Energiewende geschaffenen Arbeitsplätze gründet auf einer Input-Output-Matrix und berücksichtigt die strukturellen Auswirkungen auf die Wirtschaft auf der Grundlage der aktuellen Energiepreise.
Ähnliche Kosten bei allen Szenarien
Die Berechnung zeigt auch, dass die jährlichen Kosten des künftigen Energiesystems unabhängig vom gewählten Szenario auf rund 24 Milliarden Franken (ohne Steuern) geschätzt werden. Diese Zahlen umfassen die Kosten der Infrastrukturen (Netze, Produktionsanlagen etc.), der Energieeffizienzmassnahmen sowie der Einfuhr von Energieträgern (Erdölprodukte, Erdgas und Strom).
Die Kostenunterschiede der untersuchten Szenarien liegen bei unter 10%, weshalb sich angesichts der Fehlermarge nicht sagen lässt, ob eine Option teurer wäre als eine andere. Die Szenarien, die von fossilen Ressourcen abhängen, sind allerdings mit einer grösseren Unsicherheit bezüglich ihrer künftigen Kosten verbunden, weil sie vom Preis des Erdöls und des Erdgases abhängen, dessen langfristige Entwicklung schwieriger vorherzusagen ist als der Preis der Technologien.
«Dieses Ergebnis ist nicht wirklich überraschend», meint Prof. François Maréchal vom Labor IPESE. «Die erneuerbaren Energien führen zusammen mit der Energieeffizienz zwar zu höheren Investitionskosten, die jedoch durch einen Rückgang der Kosten für den Import von Treib- und Brennstoffen wieder ausgeglichen werden. Die erneuerbaren Energien, insbesondere Fotovoltaik und Energieeffizienzlösungen, werden ebenso wie die Elektrofahrzeuge immer günstiger werden.»