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Nachdem sich die Organisation der erdölexportierenden Staaten Opec bei ihrer Sitzung Mitte Dezember letzten Jahres auf eine Reduktion der Fördermenge geeinigt hatte, war das Aufatmen unter den Ölförderern zunächst gross. Ihre Hoffnung: Der Entscheid, die Opec-Ölproduktion zu senken, sollte den Erdölpreis mittelfristig wieder ansteigen lassen. So sollten sich auch die Staatseinnahmen der erdölfördernden Länder wieder erhöhen.
Dieses Szenario ist jedenfalls bis jetzt noch nicht eingetreten. Fällt doch der Preis für das Barrel Öl seit Dezember 2008 kontinuierlich weiter. Die Opec hält an ihrer Massnahme fest und erklärt, dass es möglicherweise ab März zu weiteren Drosselungen kommen könnte. Es bleibt fraglich, ob weitere Kürzungen wieder zu steigenden Preisen führen werden, da die Lager momentan so voll sind wie schon lange nicht mehr. Eine Drosselung der Fördermenge macht aus Sicht der meisten Opec- Mitgliedsländer Sinn, denn der Preisrückgang verlief äusserst rasant. Ausserdem kommt der Preis nun bedrohlich nahe an die Marke der durchschnittlichen Produktionskosten diverser Förderländer heran. Laut Schätzungen der österreichischen Energiegesellschaft OMV aus dem Jahr 2006 sollen die Förderkosten im Nahen Osten rund 15 Dollar je Barrel betragen. Bei Nicht-Opec-Ländern wie Russland geht die OMV von Produktionskosten von 25 bis 30 Dollar je Fass aus.
Szenarien für den Ölpreis
Hinzu kommt, dass Staaten wie Saudi-Arabien einen durchschnittlichen Ölpreis von 55 Dollar respektive Russland einen solchen von 70 Dollar je Fass brauchen, um ihren Staatshaushalt ausgeglichen zu gestalten. Die Szenarien für den Ölpreis und ihre Argumente könnten lauten:
Der Ölpreis tendiert seitwärts - die möglichen Argumente: Der wirtschaftliche Abschwung wird die Nachfrage drosseln. Der Opec gelingt es durch Drosselungen das Angebot zurückzufahren, und der Markt ist wieder im Gleichgewicht. Oder: Die spekulativen Elemente haben den Markt verlassen. Angebot und Nachfrage sind im Gleichgewicht und der Preis bleibt stabil.
Der Ölpreis fällt weiter - die möglichen Argumente: Die Nachfrage nach Erdöl sinkt aufgrund der Wirtschaftskrise. Die Produktionsreduktionen der Opec halten mit dem Rückgang der Nachfrage nicht Schritt, es besteht ein Überangebot. Dieses drückt weiter auf den Erdölpreis. Oder: Der sinkende Rohölpreis führt zu einer Abwärtsspirale, sprich: Länder, die dringend auf Einnahmen aus dem Ölgeschäft angewiesen sind, müssen mehr Öl fördern, um die Einnahmen stabil zu halten oder zu steigern. Das Angebot steigt, der Preis fällt.
Der Ölpreis steigt - die möglichen Argumente: Die Erdölförderländer haben allesamt einen Ölpreis von 70 Dollar und mehr in ihre Staatsrechnung eingepreist. Somit werden sie den Ölpreis in diese Richtung «lenken». Oder: Bis 2030 steigt der Energiebedarf der Welt um 57%. Länder wie China werden versuchen, ihre Lager zu den jetzigen Preisen zu füllen bzw. legen gar neue Lager an.
Jeder Marktlage ihr Produkt
Mit strukturierten Produkten können Anleger auf die unterschiedlichen Szenarien setzen. Mit Mini-Future-Long-Zertifikaten oder Call Warrants können Anleger auf steigende Ölpreise setzen. Mini-Future-Short-Zertifikate oder Put Warrants eignen sich für eine Spekulation auf fallende Ölpreise. Bei beiden Produkten handelt es sich um Hebelprodukte, die ein grösseres Risiko als ein Direktinvestment aufweisen. Wer weniger Risiko bevorzugt und auf steigende Ölpreise setzen will, kann Partizipationsprodukte kaufen. Mit Barrier Reverse Convertibles oder Discount-Zertifikaten können Anleger auch seitwärts tendierende Kurse in Rendite verwandeln.
Öl-Investments erfolgen üblicherweise nicht über den Kauf des Rohstoffes selbst, sondern fast immer über den Kauf von Futures. Damit hängt die Performance des Öl-Investments auch von der Entwicklung und Höhe der Futures-Preise ab. Anleger müssen beachten, dass sich Öl momentan in einer starken Contango-Situation befindet und so Rollverluste entstehen, die sich auf die Partizipation negativ auswirken. Als Alternative bieten sich strukturierte Produkte auf Ölindizes, wie den Amex Oil Index, oder Ölaktien an. Es gilt zu beachten, dass derartige Investments auch von unternehmensspezifischen Risiken abhängen.