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Weshalb hast du dich entschieden, an der EM über 400m Hürden anzutreten?
„Ich habe mich in vier Disziplinen für die EM qualifiziert. Nämlich im Siebenkampf, im 800m, im 400m Hürden und im 400m flach. Es war eine schwierige Entscheidung. Ich konnte mich fast nicht entscheiden. Aber schlussendlich habe ich mich für 400m Hürden entschieden, weil ich in dieser Disziplin zwei super Rennen hatte und zwei super Zeiten gelaufen bin. Ich habe dann gesehen, dass ich mich mit diesen Zeiten an der EM eine Runde weiterqualifizieren könnte, was leider nicht passiert ist. Es hat mich auch von allen Disziplinen am meisten gereizt und ich hatte einfach am meisten Lust, das zu machen.“
Wie funktioniert der Rhythmus bei 400m Hürden? Welchen Rhythmus bist du bei deinen 61.18s in Luzern gelaufen? Und welchen hast du in Györ versucht?
„In Luzern, wo ich die superschnelle Zeit gelaufen bin, habe ich alles im 17er Rhythmus gemacht. Ich bin also im 17er Rhythmus über alle Hürden gelaufen. Dort bin ich immer mit dem starken Bein über die Hürden gelaufen. In Györ habe ich probiert, die zweite und vierte Hürde mit dem schwachen Bein zu überqueren. Von der zweiten bis zur fünften Hürde habe ich den 16er Rhythmus gemacht. Also einfach 16 Schritte zwischen den Hürden. Den Rest habe ich wieder im 17er gemacht.“
Wie funktioniert die Medley Staffel?
„Die Medley Staffel fängt so an, dass die erste Läuferin 100m auf der Bahn springt. Die zweite Läuferin springt 200m auf der Bahn, die dritte 300m. Nachher kommen alle Läuferinnen auf die erste Bahn. Zum Schluss kommt noch die 400m-Läuferin.“
Konntest du den letzten Abend in Györ geniessen, obwohl du den Final der Medley Staffel nicht mehr laufen durftest?
„Zuerst war ich schon enttäuscht, weil ich wäre natürlich gerne im Final mitgelaufen. Aber es war dann eigentlich schnell vergessen. Ich habe mich einfach gefreut, dass ich noch einmal ins Stadion zuschauen gehen durfte. Weil ich konnte dann diejenigen, die noch einmal im Final starten durften, anfeuern. Es war dann eigentlich keine Enttäuschung mehr da, sondern man hat einfach den letzten Abend genossen und Freude gehabt.“
Was waren deine Highlights in Györ?
„Alles eigentlich! Es war alles mega cool. Aber die grössten Highlights waren die Eröffnungsfeier am Mittwoch, der Wettkampf selber, die Abschlussfeier mit allen anderen Ländern und die ganze Zeit dazwischen, wo ich mit den anderen Athletinnen vom Schweizerteam oder von anderen Ländern hatte.“
Wie erklärst du dir deinem grossen Leistungssprung in den vergangenen Monaten?
„Ich glaube, alles wo ich in den vergangenen Jahren so hart trainiert habe, ist jetzt irgendwie zusammengekommen und hat sich ausbezahlt. Irgendeinmal gibt es grosse Wellen nach oben, also einen grossen Aufstieg, und bei mir ist es jetzt gewesen, weil sich diese ganzen Trainings ausbezahlt haben.“
Warst du vor dem Start der 400m Hürden nervös?
„Ja, sehr nervös! Ich bin sonst vor einem anderen Wettkampf noch nie so nervös gewesen. Ich habe versucht nicht so nervös zu sein, weil mein Trainier (Tomi) hat mir gesagt, dass ich das als ein ganz normales Rennen ansehen sollte. Nicht, dass es jetzt eine EM ist und ich noch mehr zeigen muss. Weil wenn ich mehr zeigen will und nervös bin, ist es meistens schlussendlich nicht so ein guter Lauf. Es war allerdings sehr schwierig mich zu konzentrieren und ich war mega nervös. Richtig aus dem Startblock zu kommen und über die Hürden zu springen, war ebenfalls schwierig. Es war aber ein cooles Feeling.“
Wie hast du dich vor dem Start der 400m Hürden vorbereitet?
„Wir sind in Györ bereits am Montag angekommen und dann hatte ich bis am Freitag noch freie Tage. In diesen freien Tagen hatte ich zwei Hürdentrainings. Das erste Training ging gar nicht gut. Ich hatte sogar einen Sturz über die Hürden und darum Probleme mit meiner Wade. Dadurch war der Start nicht so gut und ich hatte schon ein bisschen Zweifel. Doch dann hatte ich noch ein zweites Hürdentraining, welches hingegen super lief. Dadurch war ich gut vorbereitet und wusste, dass ich es kann.“
Wie hast du dich nach dem Lauf gefühlt? Hast du dir nachher noch viele Gedanken über den Lauf gemacht?
„Gerade dann, wo ich ins Ziel gekommen bin, habe ich meine Zeit noch nicht gewusst. Aber vom Gefühl her merkte ich, dass es nicht so gut war. Ich war darum enttäuscht und traurig und ging raus, wo meine Eltern waren, die ebenfalls sagten, dass es nicht mein bestes Rennen war. Am Anfang habe ich schon nur noch darüber nachgedacht, was gewesen wäre, wenn das Rennen besser gelaufen wäre. Was wäre ich dann für eine Zeit gelaufen? Wie weit wäre ich gekommen? Hätte ich es bis ins Halbfinale geschafft? Aber nachher war es dann eigentlich schnell vergessen und ich habe einfach noch die restliche Zeit in Györ genossen.“
Du hattest in den vergangenen Wochenenden mehrmals zwei strenge Rennen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Wie erholst du dich so gut?
„Gleich nach dem Wettkampf gehe ich meistens auf mein Velo ein wenig ausfahren. Das tut mir mega gut, weil die Belastung auf den Füssen und Waden dann nicht so gross ist. Es gibt dann auch nicht so grosse Schläge, weil es auf dem Velo eine runde Bewegung ist. Ich habe auch so Strümpfe bei den Waden an, dass die Waden besser durchbluten. Des Weiteren nehme ich ein Regenerationsshake, schlafe genug, trinke viel und esse gut.“
Danke für das Interview