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Wenn in Zürich zum 1. Mai ein ägyptischer Gewerkschafter als wichtigster Redner eingeladen wird, zeigt dies die Hilfslosigkeit unserer Gewerkschaften. Der 1. Mai ist der Tag des Arbeiters, der in Zürich üblicherweise ein Dienstleister ist. Viele Zürcher arbeiten in Banken, Versicherungen und zahllosen Dienstleistungsfirmen oft 14 Stunden am Tag. Die damit erzielten Gewinne gehen in die Auslandexpansion der beiden Grossbanken oder dienen zur Übernahme oft fragwürdiger Firmen (AWP durch SwissLife). Es gäbe also genügend zu sagen, wofür die Zürcher Dienstleister eigentlich arbeiten. Dazu kommt die Globalisierung, der Verlust an Heimat. Der Druck auf die Familien ist derart gross, dass die Hälfte aller Zürcher Singles sind; sie haben keine Kraft mehr zur Bildung von Familien.
Darüber wird nicht gesprochen. Der ägyptische Gewerkschafter hat mit seiner halbgaren „Revolution“ in Ägypten dem Machtgewinn der konservativen Muslime, der Muslimbruderschaft, den Weg bereitet. Er sollte am Abend einen Vortrag halten, aber tagsüber sollte man über die Aufgaben und Probleme der jungen Schweizer sprechen. Wenn Hannes Nussbaumer im „Tagesanzeiger“ schreibt „Die Schweiz braucht keine Revolution“ und sich damit vom Schriftsteller Lukas Bärfuss distanziert, sagt er auch, wir bräuchten kein revolutionäres Denken. Nussbaumer empfiehlt den politischen Weg „in die Mitte“, das ist dort, wo nichts ist.
Das erneut falsche Signal bei der Auswahl eines Zürcher 1. Mai-Redners, die Flucht aus dem Denken und Reden über uns selber mit der Begründung, wir müssten uns den grösseren Aufgaben in der Welt stellen, sollte Anlass zum Nachdenken sein.