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Immunsystem
(Auszug aus meiner Anatomiearbeit über rheumatische Erkrankungen mit näherer Erläuterung zum Verständnis der Fibromyalgie und Polymyalgie):
Das Immunsystem schützt den Organismus vor äusseren Krankheitserregern und entarteten Zellen aus dem Körperinnern. Die zu bekämpfenden Erreger oder Faktoren werden Antigene genannt. Die Abwehr basiert auf vier Unterteilungen: Das unspezifische und spezifische Abwehrsystem, welche beide nochmals unterteilt werden in einen zellulären (Abwehrzellen) und humoralen Anteil (Enzyme, Eiweissfaktoren und Antikörper). Alle Abwehrzellen werden in ihrer Grundform im Knochenmark hergestellt und vermehrt. Sie wandern von dort in die primären lymphatischen Organe (Knochenmark und Thymus), wo sie weiter gereift und differenziert werden. Von hier aus strömen sie in die sekundären lymphatischen Organe wie Lymphknoten, Mandeln und lymphatisches Gewebe des Rachens, in die Milz, die Peyer-Plaques im Dünndarm, in die Schleimhäute sowie in die Interzellularsubstanz fast aller Organe und Gewebe, wo sie ihre Schutzfunktion ausüben.
Die Eiweissfaktoren, Enzyme und Antikörper des humoralen Anteils werden zum Teil von den Abwehrzellen selber hergestellt.
Das unspezifische Abwehrsystem ist sofort verfügbar und reagiert augenblicklich, da es antigen-unabhängig und permanent im Körper vorhanden ist. Das Komplementsystem und die Zytokine werden von den Abwehrzellen ausgeschüttet, sie funktionieren als Chemotaxis, d.h. sie dienen neben der Zerstörung von Antigenen auch der Kommunikation unter den Abwehrzellen und regen die Vermehrung von Abwehrzellen an. Die unspezifische Abwehr setzt Entzündungsfaktoren frei, welche für Mehrdurchblutung (Rötung) und erhöhte Durchlässigkeit sorgen (Schwellung) – auch Vasodilitation genannt – und die Lymphknoten anschwellen lässt (Vermehrung von Abwehrzellen). Die Phagozytose (Beseitigung der Erreger) ist dann besonders schnell, wenn Chemotaxis oder Antikörper die Antigene markiert haben (Opsonierung).
Reicht die unspezifische Abwehr nicht aus, wird das spezifische Abwehrsystem aktiviert (T-Zellen des zellulären Anteils und die Antikörper, sprich Immunglobuline, im humoralen Anteil). Es baut für jeden neuen Erreger die Abwehr neu auf, weshalb die Reaktion länger braucht (Tage bis Wochen). Die T-Zellen haben ein Gedächtnis, welches von kleinsten spezifischen Antigenmengen im Blut aufrechterhalten wird. Eine einmal aufbereitete Abwehr kann bei Neueintreffen desselben Antigens viel schneller aktiviert werden, der Mensch merkt dann unter Umständen nicht einmal, dass eine Abwehrreaktion im Gange ist (= Immunität).
Die T-Zellen erkennen die Antigene nicht selber, sie brauchen dazu antigenpräsentierende Zellen. Sobald die T-Zelle ein Antigen präsentiert erhält, vermehrt und spezialisiert sich die T-Zelle und leitet weitere Reaktionen ein, die zur Vernichtung des Antigens führen.
Die B-Zellen (humoraler Anteil) reifen im Knochenmark zu immunkompetenten Zellen. Sie stellen aufgrund der Informationen der T-Zellen Plasmazellen her, welche riesige Mengen von spezifischen Antikörpern ausschütten. Diese Antikörper werden auch Immunglobuline genannt.
Die T-Zelle lernt bei der Reifung im Thymus zu unterscheiden, was körpereigen und was körperfremd ist (Immuntoleranz). T-Zellen, welche diese Immunkompetenz nicht haben, werden ausgesondert und durch Phagozytose vernichtet. Damit die Abwehr nicht körpereigene Strukturen angreift und vernichtet, was innert kürzester Zeit zum Tod führen würde, gibt es die MHC-Moleküle („major histocompatibility complex“), welche jede Körperzelle auf sich trägt. Die MHC-Moleküle werden auch als HLA bezeichnet („human leukocyte antigen“). Sie sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich.