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Style: Was wolltest du als Junge werden?
Stress: Ein 1500-Meter-Läufer, der olympische Medaillen gewinnt. Das war mein Traum als Acht- oder Neunjähriger. Ich war ziemlich gut, trainierte viermal pro Woche. Im Kommunismus (Andres ist gebürtiger Este, Anmerkung der Redaktion) pushte man die Kinder sehr, Leistungssport zu machen. Es war eine smarte Idee, so waren wir beschäftigt.
Wie bist du der geworden, der du heute bist?
Wir sind alle das Resultat der guten und schlechten Dinge, die uns passieren. Jeder geht anders damit um. Ich vergleiche mich diesbezüglich mit einer Black Box, die alle Erfahrungen sammelt.
Welches Buch hat dich beeinflusst?
Es gibt kein spezifisches, das mich beeinflusst hat. Bücher waren immer eine Möglichkeit davonzulaufen, in meine Fantasiewelt zu fliehen. Man kann seine eigene Vorstellung kreieren – anders als im Film, wo alles vorgegeben ist.
Welche Autoren helfen dir bei der Flucht?
Viele. Ich mag keine hochintellektuelle Literatur, mir geht es um das Storytelling. Don Winslow beherrscht das perfekt. Er schreibt Pop-Art, extrem unterhaltend mit guten Geschichten. Er nimmt den Leser auf eine Reise an faszinierende Orte mit und zeigt ihm ungewöhnliche Dinge.
Gibt es einen Song, der deine Persönlichkeit geprägt hat?
Es gab einen Moment in meinem Leben, an dem ich realisierte, dass Musik eine besondere Bedeutung für mich hat, da war ich ca. zehn. Ich hatte damals in Estland gesundheitliche Probleme. Immer, wenn ich westliche Musik hörte, fühlte ich mich besser. Vor allem «Born in the USA» von Bruce Springsteen hatte diesen Effekt. Meine Emotionen brachen einfach aus!
Das letzte Lied, das du gehört hast?
«Ivy» von Frank Ocean.
Bist du ein Morgen- oder Abendmensch?
Ein Nachtmensch. Ich habe kein Problem, am Morgen aufzuwachen und aufzustehen, aber ich bevorzuge es, in der Nacht zu leben.
Wovon träumst du?
Meine nächtlichen Träume sind meistens total absurd! Aber das ist gut, weil es zeigt, dass man in seinen Träumen extrem frei sein kann. In der Realität bin ich kein Träumer, mehr ein Macher. Ich bin kuragiert, probiere etwas und investiere viel, um es zu erreichen.
Was möchtest du konkret erreichen?
Jeder Künstler muss seinen Weg und seinen Platz erst finden. Ich fing jung mit dem Musikmachen an und bin nicht mehr dieselbe Person wie mit 16, 25 oder 35. Die Dinge verändern sich und man sich mit ihnen. Das ist eine Challenge. Man muss einen Sinn darin finden, warum man existiert. Ich möchte neue Türen öffnen.
Welchen Rat würdest du deinem 16-jährigen Ich geben?
Da gibts nicht viel, was man sagen kann, ausser: Mach dein Ding und hab keine Angst. Just do it.
Was ist deine Superpower?
Ich kann Leute dazu bringen, Dinge zu tun, von denen Sie gar nicht wussten, dass Sie sie tun möchten.
Was macht dich schwach?
Meine Leidenschaft.
Du trittst am Samstag in Bern im Rahmen der Energy Challenge auf. Wie gehst du mit den Energieressourcen um?
Ich arbeite seit zehn Jahren in diesem Bereich. Energie ist essenziell für unser Leben, aber viele realisieren das gar nicht, weil Energiesparen nicht sexy oder cool ist. Ich möchte diese Sichtweise ändern, zum Beispiel mit dem Konzert in Bern und aufzeigen, wie wichtig dieses Thema ist. Ich persönlich gehe sehr bewusst mit den Ressourcen um und versuche, einen Beitrag zu leisten für eine bessere Welt. Ich bin in der glücklichen Lage, die finanziellen Mittel dafür zu haben: In meinem Haus ist eine Wärmepumpe installiert, ich kaufe regionale und Bio-Produkte ein, fahre ein Hybridelektroauto. Ich will andere inspirieren und ihnen zeigen, was sie machen können. Sehe ich einen 40-Jährigen in einem fetten Auto, denke ich: Mann, das ist so passé. Okay, vielleicht kurierst du damit deine Midlife Crisis, aber es ist fucking dumm. Du bist in dem Alter und hast das Geld, um tatsächlich etwas zu bewirken und alles, was du tust, ist eine Riesenkarre zu kaufen? Überleg einen Moment lang, und dann tu etwas Besseres. Der Grossteil von uns denkt immer zuerst an sich. Das ist nicht gut.
Was gibt dir Energie?
An einem schönen Ort zu surfen.
Wo und wann verbrachtest du deine letzten Ferien?
Auf Fuerteventura im Sommer mit surfen.
Und die nächsten?
Sicher auch irgendwo, wo ich surfen kann. Wahrscheinlich in Lima.
Woran arbeitest du gerade?
An einem Projekt für 2017. Und am neuen Stress-Album zusammen mit Künstlern, mit denen ich noch nicht gearbeitet hatte. Es wird grossartig!
Lässt du dich mehr von deinem Kopf oder deinem Bauch leiten?
Ich habe eine gute Intuition und vertraue darauf. Ab und zu kommt mir der Kopf in die Quere, aber das ist auch okay. Man sollte nicht nur auf den einen oder den anderen hören; die beiden kämpfen ständig. Die meisten Leute sind sehr kopflastig. Sie analysieren alles. Wenn etwas keinen Sinn macht, probieren sie es gar nicht. Manchmal muss man einfach seinem Gefühl folgen; das Hirn kann es später wieder reparieren.
Welcher Duft war dein erfolgreichster?
Ich benütze kein Parfüm. Wenn ein Mann einen Raum betritt und nach Parfüm riecht, finde ich das unmännlich. Männer sollen nicht nach Blumen oder Vanille riechen. Männer sollen einfach Männer sein. Ein Deodorant ist genug.
Wo und wann bist du am glücklichsten?
Wenn ich Musik machen kann, in dem Moment mit der Person, die mir dabei half, etwas Gutes zu kreieren. Ich schätze, so fühlt sich eine Frau, wenn sie gerade ein Kind geboren hat. Ein neuer Songs ist wie mein Baby, etwas Spezielles, das aus mir entstand.
Stress gibt am 1. Oktober am Abschlussevent der Energy Challenge 2016 auf dem Bundesplatz in Bern das grösste energieneutrale Konzert der Schweiz.