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LUGANO - TI - Flavio Bomio trainierte das Schweizer Schwimm-Nationalteam. Auch die Beste: Flavia Rigamonti. Dem Tessiner wird Sex mit Kindern vorgeworfen.
Der Präsident des Schwimmklubs Bellinzona, Flavio Bomio (69), sitzt seit Freitag hinter Gittern. Der Ex-Lehrer soll im Schwimmklub minderjährige Knaben sexuell missbraucht haben.
Bomio flog auf, weil zwei der Opfer, die heute erwachsen sind, im November eine Anzeige machten. Tessiner Online-Medien berichten, Bomio habe nach einem zehnstündigen Verhör ein Teilgeständnis gemacht.
Wie das Tessiner Fernsehen «RSI» berichtet, soll sich Bomio in den Siebzigerjahren an 20 Opfern vergangen haben. Diese Fälle werden heute jedoch verjährt sein. Bomio streitet Übergriffe in jüngerer Zeit ab. Mit einer Ausnahme, bei der es um einen der Fälle geht, die im November angezeigt wurden.
Diesen jungen Mann habe Bomio, berichtet «RSI», sechs Jahre lang missbraucht. Die Übergriffe sollen begonnen haben, als sein Opfer 14 Jahre alt war.
Flavio Bomio trainierte nicht nur die Elite des Klubs in Bellinzona. Er prägte über Jahrzehnte auch die Schweizer Profiszene als Nationaltrainer. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles (1984) und in Seoul (1988) war er Coach. An der Olympiade in Sydney (2000) war Bomio Delegationschef.
Stefan Voléry (50) kennt den Tessiner aus seiner Zeit als Mitglied des Schweizer Nationalteams. Voléry holte bei den Europameisterschaften 1985 und 1987 zweimal Bronze. In Seoul belegte er Platz 5. Voléry: «Es tauchten damals gewisse Fragen auf. Bomio war nicht verheiratet, er war ständig mit den Teenagern seines Klubs zusammen. Er hatte zu ihnen ein komisches Verhältnis. Die Teenager benahmen sich sehr unterwürfig, es gab im Klub keine Paare, alles drehte sich nur um Bomio. Jetzt wird mir alles klar.»
Voléry ist enttäuscht und empört: «Dem Sport schadet dieser Fall enorm.»
Auch die erfolgreichste Schweizer Schwimmerin Flavia Rigamonti (30) trainierte mit Bomio. Sie war gestern an ihrem Wohnort in den USA nicht erreichbar. Ihre Mutter Franca Rigamonti zu BLICK: «Ich bin total schockiert. Ich kann nicht mehr sagen.»
Der Schweizerische Schwimmverband zeigt sich konsterniert: «Wir sind sehr bestürzt», sagt Geschäftsführerin Barbara Mossmann in Bern. Gestern meldete sich der Internationale Schwimmverband Fina bei ihr. Bomio ist dort Ehrensekretär für Open-Water-Schwimmen. «Was uns betrifft», so Mossmann «werden wir die Präventionsmassnahmen verstärken.»