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Text: Sara Galle
Ursprünglich als nationale Aufgabe verstanden, beschränkte sich die Aktion «Kinder der Landstrasse» schliesslich auf einige Kantone und Gemeinden. Betroffen waren jenische Familien, die dort heimatberechtigt waren.
Von den 586 von Alfred Siegfried und Clara Reust betreuten Kindern stammten 90 Prozent aus lediglich vier Kantonen, rund die Hälfte aus Graubünden. Fast je 100 Kinder kamen aus den Kantonen Tessin und St. Gallen, weitere beinahe 40 Kinder aus dem Kanton Schwyz.
Fahrende gab und gibt es aber auch in anderen Regionen. Dieser Befund zeigt vielmehr, wo Behörden mit der Pro Juventute zusammenarbeiteten.
Die «Kinder der Landstrasse» stammten aus wenigen Familien und Familienverbänden aus bestimmten Gemeinden, auf deren Zusammenarbeit die Vormunde zählen konnten. Über 80 Prozent der Kinder sind Geschwister oder miteinander verwandt, und in 100 Fällen war bereits ein Elternteil von der Aktion betroffen gewesen. Für die Pro Juventute waren Eltern, die aus sogenannten Vagantenfamilien stammten, grundsätzlich nicht in der Lage, ihre Kinder zu erziehen, weshalb Kindswegnahmen auch bei Familien vorkamen, die in einem Haus wohnten.
Kinder aus fahrenden Familien wurden auch von Behörden weiterer Kantone und Gemeinden sowie von privaten Institutionen wie etwa dem Seraphischen Liebeswerk fremdplatziert. Karitativen Organisationen kam aufgrund fehlender oder lückenhafter staatlicher Einrichtungen und Sozialversicherungen eine wichtige Funktion in der Fürsorge zu. Auch die meisten Institutionen, in denen die Pro Juventute die «Kinder der Landstrasse» platzierte, wurden von kirchlichen Organisationen und Privatpersonen geführt.
Wie viele Kinder insgesamt in der Schweiz aus fahrenden Familien ihren Eltern weggenommen wurden, ist nicht untersucht.