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Am 16. Oktober 1240 vergabten die Habsburger Grafen Rudolf und Hartmann dem Deutschritterorden in Hitzkirch Einnahmen von Gütern in Shernitz, und zwar für das Seelenheil ihres Vaters. Dies ist die erste Erwähnung unseres Dorfnamens, der in Urkunden und Zehntrödeln auch als Scherenz, Schärntz und Schärtz geschrieben wurde.
Das Bauerndorf Scherz schmiegt sich sternförmig in eine Mulde, die am Übergang zwischen dem Birrfeld und dem Aaretal liegt und gegen die Habsburg hin offen steht. Zuverlässige Angaben über die Bevölkerungsgrösse gibt es erst seit dem 16. Jahrhundert, und zwar im Zählen der Feuerstellen, also den Haushaltungen.
An eine frühere Erzausbeute im Scherzer Wald erinnern im Gelände heute noch zahlreiche Trichter, Mulden, Abraumhügel und begehbare Stollen. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert wurde am Scherzberg Bohnerz angebaut. Das Erz wurde dem Hüttenwerk Albbruck am Rhein zugeführt. Von 1770 an wurde der Abbau vermutlich wegen Erschöpfung der leicht erreichbaren Teile der Lagerstätte eingestellt, nachdem man zwischen 1732 und 1769 ca. 4500 Tonnen abgebaut hatte.
Von 1767 bis 1824 hatte die Scherzer Bevölkerung um das Zweieinhalbfache zugenommen. Um so viele zusätzliche Menschen zu ernähren reichten die Landesreserven und die Beschäftigungsmöglichkeiten nicht aus. Bald gingen die ersten auf Wanderschaft, begaben sich in fremde Kriegsdienste oder wanderten zum Beispiel nach Amerika aus. Anfangs geschah alles freiwillig, aber nach 1845 (Kartoffelkrankheit, Missernten, allgemeine wirtschaftliche Krise) wurden arme und missliebige Bürger zur Ausreise gezwungen und nach Amerika abgeschoben. Die Auswanderungskosten deckte die Gemeinde zunächst aus der Forstkasse, musste aber schon im Mai 1851 beim Badarmenfonds Schinznach eine Anleihe aufnehmen.
Die Bürgergeschlechter Hummel, Wälti und Engel sind in Scherz ausgestorben,
existieren aber noch in Amerika. Lüthard, Meyer, Stoll, Wild, Rey, Vogt und Hartmann bestehen heute noch in Scherz.
Durch die vermehrten Auswanderungen wurde natürlich die Einwohnerzahl beeinträchtigt. Im 19. Jahrhundert sank sie auf den Tiefstand von 290 Personen. In den fünfziger und sechziger Jahren erfolgte ein leichter Anstieg und ab 1985 wurde die 500er Grenze überschritten und ist seither stabil geblieben. Erst mit der Industrialisierung im Birrfeld in den sechziger Jahren entstand das Wohnquartier im „Rüchlig“ und in der Mitte der siebziger Jahre die Gemeinschaftssiedlung „auf dem Höli“.
Trotz dem Rückgang der bäuerlichen Bevölkerung ist Scherz an der Schwelle der neunziger Jahre ein noch landwirtschaftlich geprägtes Dorf geblieben. Auch heute werden noch viele Bauernhäuser genutzt oder sind fast unverändert erhalten geblieben.
Als grosse kommunale Aufgabe hat Scherz in der Kriegs- und Nachkriegszeit die Güterregulierung und die Melioration durchgeführt. Im gleichen Zeitraum konnte die Gemeinde die Weihermattquellen von der Gemeinde Schinznach-Bad erwerben. Noch heute versorgt die Quelle die Gemeinde Scherz mit einwandfreiem Trinkwasser.
Ursula Gasser-Kleiner Kurt Gasser-Kleiner