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Ammoniak
(flüchtiges Alkali); ein nur aus Stickstoff und Wasserstoff bestehendes, farbloses höchst stechend riechendes, die Augen zum Thränen reizendes Gas, welches durch Abkühlung und Kompression auch in den tropfbar flüssigen und starren Zustand übergeführt werden kann. Das A. entsteht auf sehr mannichfache Weise, namentlich bei der Fäulnis stickstoffhaltiger organischer Verbindungen und bei der trockenen Destillation derselben teils für sich allein, teils gemengt mit Kalk;
im letzteren Falle ist die Ausbeute eine größere. Im gasförmigen Zustande bildet das A. keinen Handelsartikel, wohl aber seine Auflösung in Wasser;
das Wasser nimmt das
Ammoniakgas mit großer Begierde auf (bei 10% das 670fache Volumen) und
diese Flüssigkeit, welche den Geruch des Gases besitzt, bildet einen Handelsartikel;
sie führt die Namen: Salmiakgeist,
Ätz
ammoniak,
Ammoniakhydrat, Ammoniumoxydhydrat, kaustisches
Ammoniak,
Ammoniakliquor, Totenwecker (lat.
Liquor Ammonii caustici, fr. Ammoniaque caustique ou liquide, esprit de sei ammoniac;
engl. Sprit of sal ammoniac.) und wird dadurch gewonnen, daß man
Ammoniakgas
in reines Wasser leitet.
Das
Ammoniakgas erhält man durch Erhitzen von
Ammoniaksalzen mit gebranntem
Kalk, wobei die Säure
derselben sich mit dem
Kalk verbindet und das A. in Freiheit gesetzt wird. Man benutzt hierzu jetzt fast ausschließlich das
Gaswasser der Leuchtgasfabriken; dasselbe wird entweder mit Säuren gesättigt, verdampft und das so
erhaltene
Ammoniaksalz gereinigt und mit
Kalk erhitzt, oder man treibt das
Ammoniak durch Einleiten von Wasserdampf in das
Gaswasser aus diesem aus, wobei man, um denjenigen Teil, der an Säuren gebunden ist, ebenfalls zu gewinnen, etwas
Kalk hinzufügt.
Im Handel hat man rohen und reinen Salmiakgeist, ersterer hat noch einen brenzlichen Nebengeruch und
eine schwachgelbliche Farbe; letzterer ist ganz farblos und darf nach dem Neutralisieren mit Säuren keinen Geruch mehr zeigen.
Der rohe Salmiakgeist (Liquor ammonii caustici crudus) wird nur für technische Zwecke verwendet; für Apotheken und chemische Laboratorien kann nur der allerreinste (Liquor ammonii caustici purissimus) benutzt werden. Außer nach dem Grade der Reinheit wird der Salmiakgeist auch noch nach seiner Stärke unterschieden, d. h. nach der Menge von Ammoniakgas, welche er verschluckt enthält. Man bestimmt die Stärke mit Hilfe des Aräometers nach Baume oder Beck. Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß nicht, wie bei den Säuren, die schwereren Sorten die gehaltreicheren sind, sondern die leichteren; je spezifisch leichter demnach ein Salmiakgeist ist, desto reicher an A. ist derselbe.
Die gangbarsten Sorten sind die von 0,960 (= 16° Bm. oder 7° Beck) 0,920 (= 22½ Bm. oder 14½° Beck) und 0,910 (= 24° Bm. oder 17° Beck) spezif. Gewicht. Die stärkste Sorte von 0,880 wird nur zum Betriebe von Eismaschinen verwendet, nur in der kalten Jahreszeit fabriziert und in Eisenblechtrommeln versendet. Die anderen Sorten verschickt man in Glasballons. Der reine Salmiakgeist muß frei von metallischen Beimengungen sein und sich, ohne Rückstand zu hinterlassen, vollständig verflüchtigen lassen. Der Salmiakgeist muss stets an kühlen Orten in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden, denn beim Stehen an der Luft verliert er leicht einen Teil A. und zieht außerdem noch Kohlensäure aus der Luft an. Beim Erhitzen bis zum Sieden verliert er alles A. - Die Säuren werden ¶
forlaufend
durch den Salmiakgeist vollständig neutralisiert und entstehen hierbei die Ammoniaksalze (s. d.). Außer zu den bereits angeführten Zwecken wird der Salmiakgeist noch in der Färberei, Kattundruckerei, zur Bereitung von Orseille und verschiedenen Ammoniakverbindungen verwendet. Ein mit Ammoniakgas gesättigter Spiritus, also alkoholisches Ammoniak, wird unter dem Namen Liquor ammonii spirituosus Dzondii verkauft; Zoll: S. Tarif Nr. 5 i (zollfrei). Alkoholhaltiges Nr. 5 a.