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Die preisgekrönte Reportage von Cristian Alarcón gibt uns einen tiefen Einblick in das Leben von Kindern und Jugendlichen in den Armenvorstädten von Buenos Aires.
Auf dem Friedhof von San Fernando, einem der Armenvororte von Buenos Aires, sticht heute ein Grab besonders hervor. Es fällt auf wegen der Opfergaben. Gruppen von Kids in exklusiver Sportbekleidung und mit galaktischen Turnschuhen treffen sich, um mit dem Toten ihr Marihuana und ein Bier zu teilen. Sie bringen dieses Opfer dar, um seinen Schutz zu erflehen.
Víctor Manuel Vital, genannt »El Frente«, war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Er war seit Jahren zusammen mit anderen »pibes chorros«, den klauenden Kids, erfolgreich auf Raubzug in den Stadtteilen der Bessergestellten. Die Beute verteilte er wie einst Robin Hood großenteils an die Bedürftigsten. Er wurde, 17-jährig, 1999 von der Polizei erschossen. San Fernando ist jener Abschnitt des Vorortgürtels von Buenos Aires, der fast unmittelbar an ein wohlhabendes Viertel angrenzt: »Es ist der Teil des Landes«, schreibt Alarcón, »wo die Kluft zwischen Arm und Reich abgrundtief ist. Das fremde Hab und Gut scheint greifbar zu sein, und so entsteht die verfluchte Nähe zwischen Hunger und Überfluss.«
Alarcóns Recherchen über den Tod von El Frente entführen uns in eine urbane Welt, von der wir gewöhnlich nur schemenhafte Vorstellungen haben, eine der Parallelwelten, die ein Eigenleben abseits von Politik, Medien und Institutionen führen, die ihre eigenen Regeln und Gesetze kreieren, ihre eigene Kultur und ihre eigene Solidarität leben. Eine harte Welt des Elends und der Gewalt, die aber auch ganz andere Seiten hat…
Cristian Alarcón, geboren 1970 in Chile, lebt als Journalist in Buenos Aires. Er war viele Jahre lang Redaktor bei der renommierten Zeitung Pagina/12, wo er sich mit seinen Arbeiten über städtische Gewalt und soziale Ausgrenzung profilierte. Für sein Buch Cuando me muera… erhielt er 2005 den US-amerikanischen Samuel-Chavkin-Preis für integeren Journalismus des North American Congress on Latin America (NACLA).
»Entstanden ist eine literarische Reportage voller Respekt für die Menschen, die zugleich begreifbar macht, weshalb ›El Frente‹ zum Mythos wurde.«
»Alarcón gelingt es trotz seiner Nähe zu seinen ›Studienobjekten‹ die Fallen der Idealisierung, der Sentimentalitäten zu vermeiden. Er schreibt meist im Stil eines allwissenden Reporters, subtil, kühl und faktenreich und überlässt es dem Leser, Wertungen vorzunehmen. Facettenreich setzt sich ein Bild der kriminellen Jugendlichen zusammen.«
»Den Reiz des Buches macht aus, dass es ein Grenzgänger zwischen den Genres ist – zugleich gut recherchierte Reportage und literarisches Gesellschaftsportrait.«
»Die Eindrücke und Informationen, die er in der Zeit der Recherche gesammelt hatte, verarbeitete Alarcón zu einer literarischen Reportage, die tiefe Einblicke in die uns unbekannte gesellschaftliche Ordnung in den Slums gibt.«