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Mücken – Schnaken – Gnitzen
Stechmücken werden im Volksmund auch «Schnaken» genannt. Dieser Name wird jedoch von den Zoologen für eine eigene Familie von bis zu vier Zentimeter grossen, langbeinigen Mücken benutzt. Diese, gelegentlich auch als «Zimmermänner» bezeichneten Schnaken, sind im Gegensatz zu den Stechmücken harmlos. Andererseits gibt es sehr schmerzhaft stechende Mücken, die manchmal mit den eigentlichen Stechmücken verwechselt werden. Zu diesen gehören zum Beispiel die etwas kleineren Kriebelmücken und die winzigen Gnitzen.
Blutsaugende Plaggeister
Aus der Familie der Stechmücken wurden in der Schweiz rund 35 Arten nachgewiesen, die sich in Verhalten und ökologischen Ansprüchen zum Teil stark unterscheiden. Allen Arten ist aber gemeinsam, dass nur die weiblichen Mücken stechen. Sie benötigen die eiweissreiche Blutmahlzeit für die Entwicklung ihrer Eier. Die Männchen ernähren sich von Blütennektar und Wasser. An warmen Sommerabenden kann man beobachten, wie sich die männlichen Mücken in Schwärmen versammeln. Die Weibchen sitzen ruhig im Gras oder Gebüsch. Zur Paarung fliegen die Weibchen in einen Schwarm hinein und paaren sich mit einem männlichen Tier.
Entwicklung in stehenden Gewässern
Die Eier werden je nach Art einzeln oder in flossartigen Gelegen auf die ruhige Wasseroberfläche abgelegt. Für eine Entwicklung reichen bereits kleine Tümpel oder Pfützen. Es gibt auch Stechmückenarten, die ihre Eier nur in Gewässernähe ablegen. Die Larven schlüpfen dann bei einem Hochwasser. Stechmückenlarven atmen Sauerstoff aus der Luft und entwickeln sich meist an der Wasseroberfläche. Sie ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenpartikeln und Mikroorganismen. Nach mehrmaligem Häuten entwickeln sich die Larven zu einer Puppe, die keine Nahrung mehr aufnimmt und ebenfalls an der Wasseroberfläche schwimmt. Das Puppenstadium dauert normalerweise wenige Tage. Anschliessend schlüpfen die Mücken an der Wasseroberfläche aus der Puppenhülle und sind nach etwa einer Stunde flugfähig. Bei manchen Arten überwintern die begatteten weiblichen Tiere, bei anderen sind die Eier das überwinternde Stadium.
Krankheitsüberträger
Stechmücken sind mögliche Überträger einer grossen Zahl von Krankheiten. Zu den bekanntesten zählen Malaria, Gelbfieber und Denguefieber. Die Erreger der Malaria werden zum Beispiel durch Arten der Gattung Anopheles verbreitet. Diese «Malaria-Mücken» gibt es auch bei uns, und bis ins späte 19. Jh. war Malaria in der Schweiz und in der Oberrheinischen Tiefebene weit verbreitet. Erst durch weiträumige Trockenlegungen von Feuchtgebieten wurden Mücken-Lebensräume zerstört und damit die Krankheit zurückgedrängt und schliesslich ausgerottet. Auch heute wird am Oberrhein in Baden-Württemberg grossflächig Stechmückenbekämpfung mit biologischen Wirkstoffen betrieben. Dies aber in erster Linie zur Bekämpfung der Mücken als lästige Blutsauger, nicht als Krankheitsüberträger.
Tigermücke als neue Bedrohung?
In den letzten Jahren hat die eingeschleppte Asiatische Tigermücke für Schlagzeilen gesorgt. Die Art stammt ursprünglich aus Indien und Südostasien und kann verschiedene Krankheiten wie Dengue- oder Chikungunyafieber übertragen. Seit den 1990er-Jahren breitet sich die Tigermücke in Europa aus. So kommt sie zum Beispiel in Italien schon beinahe auf dem ganzen Festland vor. Im italienischen Ravenna war sie im Sommer 2007 verantwortlich für die Übertragung des Chikungunyafiebers auf rund 300 Personen. Ausgangspunkt der Fieberepidemie war ein erkrankter Tourist, der aus Indien zurückgekehrt war. 2003 wurde die Mücke erstmals auch im Tessin entdeckt, und 2011 erfolgte ein Nachweis im Kanton Aargau. Ein Überwachungs- und Eindämmungsprogramm im Kanton Tessin hat zum Ziel, die Einschleppung und Ausbreitung der Tigermücken zu verhindern.
Ökologische Bedeutung
Stechmücken gelten gemeinhin als lästig oder gefährlich, doch sollte auch ihre ökologische Bedeutung beachtet werden. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Nahrungskette für Fische, Spinnen und andere Insektenfresser. Allerdings scheiden sich die Geister der Experten an der Frage, wie bedeutend Stechmücken für Ökosysteme sind. Diese Frage ist deshalb relevant, weil Stechmücken im Rahmen der Krankheitsprävention oft grossflächig bekämpft werden. Manche Wissenschaftler vermuten zum Beispiel, dass Stechmücken in den Tundren des hohen Nordens, wo sie massenhaft vorkommen, eine wichtige Aufgabe als Pflanzenbestäuber erfüllen. Doch dazu gibt es kaum Untersuchungen. Auf jeden Fall kann die flächendeckende Bekämpfung von Stechmücken nicht einfach als ökologisch unbedenklich angesehen werden.
DK / JS