Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/1350

“Ein Groschen in Grau, zwei in Bunt” Mehr Erfahren >
Tintendurst Mehr Erfahren >
Die vier Schleier der Iris Mehr Erfahren >
Die Farbkonjunktur Mehr Erfahren >
Keine grauen Wände mehr Mehr Erfahren >
Mehr als nur Papier Mehr Erfahren >
Massenproduktion Mehr Erfahren >
Marilyn Mehr Erfahren >
Der Weg in die Zukunft führt zurück in die Vergangenheit Mehr Erfahren >
Erfahren Sie mehr
Iris war die Göttin des Regenbogens und Botin der anderen Götter im alten Griechenland. Sie war auch die am schwersten zu fassende Gottheit. Sie erschien, spannte ihren Bogen über den Himmel und verschwand fluchtartig, wie der römische Dichter Ovid beschreibt. Farben erfüllen uns mit Freude, aber jahrhundertelang waren sie schwer festzuhalten. Vielleicht ist es der Wunsch, den Regenbogen festzuhalten, der die Menschheit dazu brachte, die Farben zu bändigen. Es war ein langes und mühseliges Unterfangen. Schließlich aber ist uns der Trick gelungen, Farben auf Papier, Stoffen und Objekten festzuhalten und Millionen von Menschen zugänglich zu machen.
Im Folgenden lesen Sie die Geschichte, wie die Drucker den Regenbogen errangen.
“Ein Groschen in Grau, zwei in Bunt”
Englische Kinder im frühen 18. Jahrhunderten bekamen häufig dieses Angebot, wenn sie Schauspieler aus Papier für ihr Puppentheater kaufen wollten: “Ein Groschen in Grau, zwei in Bunt.”
Die mit Figuren bedruckten Bögen mussten von Hand koloriert werden, was den Preis verdoppelte. Drucktechniken hatte es bis dahin schon seit mehreren tausend Jahren gegeben, allerdings waren die meisten einfarbig. Es war schwierig, Farbe auf mehrere Abzüge zu bringen und das Auftragen von Hand war einfacher. Dies war der Fall bei den Heiligenbildchen, die dem Ruf nach die ersten weit verbreiteten Druckerzeugnisse waren. Bögen in Rot und Schwarz waren das Bunteste, das man mit einer Druckpresse, wie sie Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert erfunden hatte, produzieren konnte. Später experimentierten Künstler mit Techniken wie Hell-Dunkel (Chiaroscuro) oder Schabtechnik (Mezzotinto), um ihren Abzügen Leben einzuhauchen. Aber diese Methoden waren aufwendig und teuer.
Tintendurst
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dürstete die Welt nach Farbe. Naturgeschichte, Archäologie und Forschung hatten Riesenschritte zurückgelegt.
Begierige Leser wollten Publikationen mit farbigen Abbildungen und Karten der neuesten Entdeckungen sehen. Es war auch das Zeitalter der Romantik, die das Mittelalter wieder aufleben ließ: Die Leser waren enttäuscht, wenn sie ihre stumpf gedruckten Bücher mit den leuchtenden Handschriften des Mittelalters verglichen. Farbige Tinte war jedoch komplizierter und teurer in der Herstellung als schwarze. 1852 formulierte der Mathematiker Francis Guthrie während der Anfertigung einer Karte der englischen Länder das Problem der Einfärbung wie folgt: Was ist die kleinste Anzahl an nötigen Farben, mit der sich die Abbildung benachbarter Länder in der gleichen Farbe vermeiden lässt? Dies erwies sich als keine kleine Herausforderung, denn erst 1976 erfolgte der mathematische Beweis: vier.
Thoom / Shutterstock.com
Die vier Schleier der Iris
Die Lösung des Hungers nach Farbe war bereits seit zwei Jahrhunderten da, ohne dass es jemand bemerkte.
Im 17. Jahrhundert entdeckte der große Naturwissenschaftler Isaac Newton, dass alle Farben aus einer Kombination von dreien entstehen: Grün, Rot und Blau – den drei Primärfarben. Ein einfaches Mischen der Pigmente reicht jedoch nicht aus, da was wir sehen kein direktes, sondern reflektiertes Licht ist, so dass der optische Effekt ein anderer ist. Im 18. Jahrhundert begann schließlich der deutsche Maler Jacob Christoph Le Blon mit der Idee zu spielen. Er war der erste, der mit der Produktion von Farbdrucken durch das Übereinanderlegen verschiedener Farbschichten begann (er verwandte Gelb, Rot und Blau). Aus dieser Technik entwickelte sich das berühmte Vierfarbsystem aus Magenta, Cyan, Gelb und Schwarz, das wir heute noch verwenden. Zunächst ist eine Farbseparation erforderlich: Das Bild muss in verschiedene Schichten geteilt werden, was bis zum Ende des 19. Jahrhundert mit dem Auge erledigt wurde. Der zweite Schritt ist die Registrierung: Die verschiedenen Farben müssen an genau der richtigen Stelle aufs Papier gebracht werden, eine komplizierte Angelegenheit, wenn beim Druck feuchtes Papier verwendet wird, das sich mit der Feuchtigkeit dehnt.
Die Farbkonjunktur
Die Regenbogenrevolution hob ab, als man den Vierfarbdruck mit dem Tiefdruckverfahren (Lithografie) kombinierte.
1796 bemerkte der deutsche Erfinder Aloys Senefelder zu seiner Überraschung, dass ein Stück Sandstein, das er zum Farbenreiben benutze, im trockenen Zustand Tinte aufnahm, sie nass aber abwies. Diese Entdeckung wurde zur Grundlage der Verwendung von Druckplatten aus Sandstein. 1837 ging der französische Drucker Godefroy Engelmann einen Schritt weiter und färbte Steine mit verschiedenen Tinten ein, die er dann erfolgreich auf Papier presste, um bunte Abzüge zu erhalten; Die Chromolithografie war geboren. Große Druckplatten aus Stein konnten verwendet werden, um farbige Reproduktionen beliebter Gemälde zu drucken, genauso wie Gruß- und Postkarten, Valentinspost und Schultexte. Es dauerte nicht lange und der Farbdruck wurde Teil des Alltags.
YANGCHAO / Shutterstock.com
Keine grauen Wände mehr
Die Farbkonjunktur verwandelte die Straßen der Metropolen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erweckten ins Auge fallende Plakate für Theater, Zirkus und Pferderennen die Straßen von London und Paris zum Leben. In den 1890er Jahren schufen Künstler, angeführt von Jules Chéret, Henri de Toulouse Lautrec und Théophile Steinlen, die Goldene Ära der französischen Plakatmalerei. Dies war der Beginn einer künstlerischen Ausdrucksweise, die sich durch Strömungen wie Art Decó und Futurismus hindurch bis heute entwickelte und das Plakat zu einer Kunstform von hohem Sammlerwert erhob.
Marcin Krzyzak / Shutterstock.com
Mehr als nur Papier
Während Engelmann die Chromolithografie entwickelte, fand der französische Ingenieur Louis-Jerome Perrot einen Weg, ähnliche Ergebnisse beim Stoffdruck zu erzielen.
Seine Maschine für den farbigen Textildruck, die “Perrotine”, beeinflusste die globale Textilindustrie. Zusätzlich gelang es Druckern, den Regenbogen nicht nur auf Papier und Stoff einzufangen, sondern auch auf Glas, Leder, Keramik, Metall, Plastik und Holz. Alle Arten von Gegenständen konnten jetzt in lebendigen Farben produziert werden: Spielkarten, Banknoten, Briefmarken, Tapeten, Umschläge und vieles mehr.
Olga Popova / Shutterstock.com
Massenproduktion
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand der Farbdruck kurz davor, eine massenproduzierte Ware zu werden.
Mit der Ankunft der Fotografie verschwanden die letzten manuellen Aspekte des Handwerks. Vor der Fotografie mussten Künstler und Gestalter die Bilder direkt auf den Druckplatten aus Stein oder Metall schaffen. Danach konnten sie einfach auf Papier zeichnen und in einem fotografischen Verfahren wurde das Bild auf die Druckfläche übertragen. Außerdem konnten Fotofilter eingesetzt werden, um eine automatische Farbtrennung vorzunehmen. Ein weiterer Durchbruch, der Offsetdruck, ermöglichte es, Bilder auf Zylinder aus Gummi oder anderen Materialien zu übertragen anstatt feste Druckplatten zu verwenden. Dies war der Beginn des Rotationsdrucks, der es dank hochfrequenter Umdrehungen erlaubt, mit hoher Geschwindigkeit auf eine Vielzahl von Papieren zu drucken. Vollfarb-Zeitschriften, von Fortune bis National Geographic, wurden Teil der Popkultur. Auch wenn Tageszeitungen aus Gründen der Effizienz und Kosten lange Zeit schwarz-weiß blieben, traten sie in den 1980er Jahren in die Farbwelt ein.
Tamisclao / Shutterstock.com
Marilyn
Die Reihe der grellen Marilyn Monroe Porträts von Andy Warhol ist das beste Beispiel für den heutigen Farbdruck: immense Serienproduktion aller Arten von schrillen Bildern.
Auch wenn Warhol hauptsächlich eine schablonenähnliche Drucktechnik verwandte, so spiegeln seine Arbeiten dennoch den technologischen Fortschritt der damaligen Zeit wider. Der berühmte Hersteller von Kopiermaschinen, Xerox, wählte seinen Namen nach der Technik der Xerographie, die elektrostatische Aufladung verwendet, um Pigmentpartikel im gewünschten Bereich zu konzentrieren, und mit Hitze fixiert. Seit den 80er Jahren ermöglicht die Verbreitung der Informationstechnologie das Erstellen von Formen und Designs mit Computer Software. Tintenstrahldrucker wandeln elektronische Signale in Bildpunkte auf dem Papier um, indem sie feinste Tintenstrahlen aus einer Düse lenken ähnlich einer Airbrush Pistole. Laserdrucker verwenden Lasertechnik, um die Druckanweisungen umzusetzen.
JStone / Shutterstock.com
marcovarro / Shutterstock.com
Neftali / Shutterstock.com
Radu Bercan / Shutterstock.com
Der Weg in die Zukunft führt zurück in die Vergangenheit
Die Zukunft des Farbdrucks führt uns in Bereiche, die sich die Erfinder wahrscheinlich nur schwer vorstellen konnten: Der Druck erhebt sich vom zweidimensionalen Medium Papier in den Raum der dreidimensionalen Farbdrucker.
Gleichzeitig gibt es mehr und mehr Werkstätten, die sich der alten Druckmaschinen bedienen, um Bildende Kunst zu schaffen. Warum? “Druck [...] ist inzwischen nur eine von mehreren Methoden, eine elektronisch gespeicherte Nachricht zu übermitteln”, schrieb 1998 der Pate der Druckgelehrten, Michael Twyman. Im Zeitalter der Smartphones und Tablets ist das mehr denn je zutreffend. Aber er bemerkte auch, dass alles darauf hinwies, dass unsere Gesellschaft nicht aufhören würde zu drucken. “Die Greifbarkeit und Beweglichkeit von Drucksachen sind Eigenschaften, die wir zu schätzen gelernt haben”, sagte er.
Stefano Tinti / Shutterstock.com
Erfahren Sie mehr
The British Library guide to printing: history and techniques / Michael Twyman
Printing 1770-1970 an illustrated history of its development and uses in England / Michael Twyman
How to identify prints: a complete guide to manual and mechanical processes from woodcut to ink jet / Bamber Gascoigne