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Militär, Geschlecht, Gesellschaft
uha. Die Schweizer Militärgeschichte älterer Provenienz, es ist bekannt, beschäftigte sich gern und vornehmlich mit Schlachtordnungen, Generalstabsoffizieren, Einsatzplänen u. a. m. Davon distanziert sich die neue Militärgeschichte, wie der von Christof Dejung und Regula Stämpfli herausgegebene Sammelband belegt, der aus einer im Jahre 2001 in Zürich durchgeführten Tagung hervorgegangen ist. Wie die etwas aufgeregt um die Identifikation und Integration verschiedener «Ansätze» bemühte Einleitung versichert, wird die Armee nun als eng mit Gesellschaft und Nation verschränkte Institution mit geschlechtergeschichtlichen Fragestellungen untersucht. Die Schweiz, so der Tenor vieler der qualitativ unterschiedlichen, oftmals explorativen Beiträge, ist deshalb als Sonderfall zu bezeichnen, weil sie in den letzten 150 Jahren in keinen Krieg mehr verwickelt wurde. Trotzdem konnten sich hier auf den Zweiten Weltkrieg bezogene Begriffe wie «Aktivdienstgeneration» und «Ernstfall» durchsetzen. Diese Zeit brachte für die Frauen keineswegs, wie oft behauptet wird, einen Emanzipationsschub. Gerade damals wurden die Geschlechterstereotype, denen gemäss die Menschen in tapfere, intelligente und im Öffentlichen agierende Männer auf der einen Seite und ängstliche, im Geiste arme und das Private behütende Wesen auf der anderen zu scheiden sind, wirkungsvoll verankert. Die Aufrechterhaltung der bürgerlichen Geschlechterordnung, so ein Fazit Regina Weckers, sei während des Zweiten Weltkriegs gar wichtiger gewesen als die Ausschöpfung des wirtschaftlichen Potenzials und die Verstärkung der Abwehr.
Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung.
Neue Zürcher Zeitung FEUILLETON Samstag, 17.05.2003 Nr.113 64
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