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|Weltcup Bled: Bronzemedaille für Frauen-Doppelvierer|
Hauchdünne Entscheidungen prägten die Finalrennen der Schweizer Boote am dritten und letzten Wettkampftag auf dem See von Bled (Slowenien). Der Frauen-Doppelvierer sicherte sich beim ersten Weltcup-Auftritt mit einer starken Vorstellung hinter Grossbritannien und Weltmeister Ukraine die Bronzemedaille. Das Podest als Vierte nur um eine Zehntelsekunde verpasst hat der Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte nach einem packenden Rennen mit vielen Positionswechseln. Ebenfalls erst im Endspurt geschlagen geben mussten sich Florian Stofer und André Vonarburg im Männer Doppelzweier, in welchem sie den fünften Schlussrang belegen. Die Schweiz hat somit nach der ersten Weltcup-Runde von Bled ein total von 12 Weltcup-Punkten gesammelt.
Es war das erste Mal, dass ein Schweizer Frauen-Doppelvierer ein Weltcup-Finale erreicht hat. Im Finale vom Sonntagvormittag ruderten Schlagfrau Martina Ernst (Belvoir Ruderclub Zürich), Katja Hauser (Seeclub Wädenswil), Nora Fiechter (Ruderclub Blauweiss Basel) und Regina Naunheim (Seeclub Wädenswil) entschlossen vom Start weg und vermochten bereits auf dem ersten Streckenviertel die dritte Position einzunehmen. Mit einer halben Länge Rückstand auf die Boote aus Grossbritannien und der Ukraine ruderten die vier Schweizerinnen technisch sauber und mit gutem Vorsprung auf die weiteren Finalboote aus China, Niederlande und Italien. Auch bei Streckenhälfte ruderten die Schweizerinnen an dritter Position, handelten sich aber auf die Boote aus Grossbritannien und Weltmeister Ukraine etwas mehr als eine Bootslänge Rückstand ein. Auch nach drei Vierteln der Strecke war es der dritte Rang für das vor rund sechs Wochen neu formierte Schweizer Boot. In der Endphase des Rennens kamen die jungen Chinesinnen, das jüngste Boot in der ganzen Konkurrenz, stark auf und setzten das Schweizer Boot zunehmend unter Druck. Die Schweizerinnen hielten im Endspurt kämpferisch dagegen und sicherten sich hinter Grossbritannien und Ukraine den sehr guten dritten Platz. Mit diesem Resultat gewinnen die vier Schweizerinnen allesamt ihre erste Weltcup-Medaille überhaupt. Für die Schweiz ist es zudem die erste Weltcup-Medaille in einem Frauen Doppelvierer. Der dritte Rang ist ein tolles Ergebnis, eine grosse Motivation für das weitere Training und zugleich ein Auftrag für die kommenden Aufgaben.
Vierter Rang für den Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte
Das Rennen im Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte war an Spannung kaum zu überbieten. Dauernde Positionswechsel, fünf Boote während drei Vierteln des Rennens um weniger als eine Bootslänge getrennt und die gute Nachricht, dass auch der Schweizer Vierer mit Mario Gyr (Seeclub Luzern), Simon Niepmann (Seeclub Zürich), Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz) und Simon Schürch (Seeclub Sursee) eine aktive Rolle im ganzen Rennen spielte, waren die Charakteristika dieses Finallaufs. Alle Boote erwischten einen guten Start, nur das holländische Boot ruderte etwas langsamer vom Start weg. Der Schweizer Vierer zeigte auf dem zweiten Streckenviertel eine ganz starke Vorstellung, nachdem die auf Bahn 1 rudernden Schweizer bei Streckenviertel auf dem fünften Platz lagen. Bis au f 0.26 Sekunden vermochten sie bis zur Streckenhälfte auf die führenden Dänen aufzuschliessen und lagen zwischenzeitlich auf dem zweiten Zwischenrang. Fünf Boote lagen bei 1000 Metern innerhalb einer Sekunde. Auf dem dritten Viertel übernahmen die Engländer die Führung im Rennen und das Schweizer Boot verlor etwas an Wasser und wurde 500 Meter vor dem Ziel auf dem vierten Zwischenrang notiert. In einem superspannenden Endspurt waren es die lange Zeit die am Schluss des Feldes rudernden Holländer, die Dänen und erfreulicherweise auch die Schweizer, welche die höchste Bootsgeschwindigkeit hatten. So kam es auf der Ziellinie zu einer Foto-Finish-Entscheidung. Dänemark wurde als Laufsieger ausgerufen, Grossbritannien wurde Zweiter sowie Italien mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0.1 Sekunden auf die Schweizer Dritte. Die Schweizer vermochten Holland ebenfalls mit kleinem Vorsprung von 0.28 Sekunden abzuwehren, während Weltmeister Deutschland nur der sechste Platz blieb.
Mit dem vierten Rang hat der Schweizer Leichtgewicht-Vierer mehr als das Soll dieser Regatta erreicht. Die erfrischenden Auftritte der jungen Schweizer Leichtgewichts-Mannschaft zeigen die grosse Arbeit, die während den Wintermonaten mit den Athleten geleistet wurde. Lucas Tramèr und Simon Schürch konnten beide von der Spitzensportförderung im Rahmen der Spitzensport-RS in Magglingen profitieren. Zusammen mit dem erfahrenen Schlagduo Mario Gyr und Simon Niepmann verfügt die Schweiz aktuell über ein international konkurrenzfähiges Leichtgewichtsboot, das sich gegenüber dem Vorjahr, WM-Neunte an der Weltmeisterschaft in Poznan 2009, erneut stark verbessert gezeigt hatte. Der Schweizer Vierer ist rhythmisch harmonisch unterwegs und wenn es gelingt, die zweite Streckenhälfte gleich unverfroren zu rudern, wie die erste Hälfte, dann wird das Schweizer Boot auch im Endspurt noch schneller rudern können.
Stofer/Vonarburg erst im Endspurt aus den Medaillenrängen geworfen
Im Männer-Doppelzweier gab es einen britischen Doppelsieg. Grossbritannien 1 mit Matthew Wells und Marcus Bateman startete schnell und führte während des ganzen Rennens mit bis zu einer Bootslänge Vorsprung. Dahinter entbrannte ein heisses Rennen um die Medaillenplätze, wobei André Vonarburg und Florian Stofer zunächst auf dem dritten Rang lagen und auf dem dritten Streckenviertel auf die zweite Position vorzustossen vermochten. Das Schweizer Duo kam auf Platz zwei liegend auf den letzten 250 Metern gleich von drei Booten unter Druck. Auf Bahn 5 war es Europameister Estland, die wie entfesselt ruderten. Sie zogen die Altmeister Olaf Tufte und Iztok Cop mit und in der Mitte erhielt auch das zweite britische Boot Flügel. Vier Boote kreuzten die Ziellinie innerhalb einer Sekunde und leider war es das Schweizer Boot, das im Endspurt noch vom zweiten auf den fünften Platz zurückgebunden wurde. Mit der erstmaligen Finalteilnahme im Weltcup haben Stofer/Vonarburg aber ihre gegenüber dem Vorjahr verbesserte Abstimmung gezeigt, auch wenn es nicht zu einer Medaillenplatzierung gereicht hat. Spannend war das Rennen allemal und die Leistung der beiden Schweizer Routiniers überzeugend. „Wir haben auf der ersten Streckenhälfte zu wenig gut gerudert und so zu viel Kraft verbraucht, die uns dann am Ende des Rennens fehlte“, bilanzierte Florian Stofer nach dem Rennen.
Pamela Weisshaupt (Seeclub Küsnacht) und Olivia Wyss (Seeclub Sursee) beendeten die Regatta in Bled mit einem 10. Rang im Doppelzweier Frauen Leichtgewichte. Sie belegten im B-Finale hinter zwei chinesischen Booten und dem Boot aus Frankreich den vierten Rang, knapp vor Spanien und Polen.
Einen sechsten Rang setzte es am späten Samstagabend im strömenden Regen für Eliane Waser (Seeclub Luzern) im Skiff Frauen Leichtgewichte ab. Ihr Rennen verlief nicht ideal und so sah sie sich schon bald auf Rang sechs rudernd. Mit der Finalteilnahme konnte Eliane Waser aber bereits aufzeigen, dass mit ihr im weiteren Verlauf der Saison zu rechnen ist. Der Doppelzweier Frauen Leichtgewichte mit Pamela Weisshaupt und Olivia Wyss rudert am Sonntagmittag das B-Finale. Die Finalrennen in Bled wurden aufgrund ungünstiger Wetterprognosen auf den frühen Sonntagvormittag vorverlegt, um den Ruderern bestmögliche Ruderbedingungen zu ermöglichen.
Positives Fazit nach dem ersten Weltcup in Bled
Die Schweizer Delegation darf eine positive Bilanz ziehen nach dem ersten Ruder-Weltcup auf dem See von Bled. Alle sechs gestarteten Boote haben mindestens die Halbfinals erreicht. Deren vier standen sogar im Finale, wovon eine Medaille resultierte. „Wir haben gezeigt, dass sich das gesamte Schweizer Team nicht nur quantitativ vergrössert hat, sondern auch konkurrenzfähiger geworden ist“, sagte Cheftrainer Tim Foster nach den Schweizer Finalrennen. „Dass wir mit den Finalrängen drei, vier und fünf nicht ganz zufrieden sind, zeigt auch, dass unsere eigenen Erwartungen höher geworden sind. Wir hatten aber einen guten Start in die Saison und konnten uns international gut positionieren“, resümierte Foster weiter. Der Schweizer Rudernationalmannschaft ist ein guter Auftakt in die Weltcupsaison gewonnen. Das Schweizer Team verlässt den See von Bled mit positiven Gefühlen und kommt nächstes Jahr gerne für die Weltmeisterschaften vom 28. August bis 4. September 2011 auf den idyllisch gelegenen See zurück. An der Ruder-WM 2011 werden dann auch die Mehrheit der Olympia-Startplätze für die Olympischen Spiele 2012 vergeben werden.
Mit sechs Siegen in den 14 olympischen Bootsklassen hat Grossbritannien seine eindrückliche Stärke unter Beweis gestellt. Nach der Weltcup-Regatta von Bled führt Grossbritannien in der Weltcup-Wertung bereits mit grossem Vorsprung. Der Weltcup findet seine Fortsetzung in drei Wochen in München (18.-20. Juni 2010) sowie in sechs Wochen in Luzern (9.-11. Juli 2010). Das Schweizer Team wird sowohl in München wie Luzern am Start sein.
Rudern: Ruder-Weltcup in Bled (Slo), Resultate Finalrennen mit Schweizer Beteiligung vom 30.05.2010
Frauen: Doppelvierer, Final A: 1. Grossbritannien 6:26,65. 2. Ukraine 6:29,43. 3. Schweiz (Martina Ernst, Katja Hauser, Nora Fiechter, Regina Naunheim) 6:34,36. 4. China 6:34,62. 5. Niederlande 6:38,05. 6. Italien 6:44,04.
Männer: Doppelzweier, Final A: 1. Wells/Bateman (Gb) 6:26,66. 2. Lucas/Townsend (Gb) 6:27,77. 3. Raja/Taimsoo (Est) 6:28,18. 4. Tufte/Cop (No) 6:28,45. 5. Vonarburg/Stofer (Sz) 6:29,02. 6. Smerghetto/Sansone (I) 6:41,85.
Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte, Final A: 1. Dänemark 6:02,49. 2. Grossbritannien 6:03,96. 3. Italien 6:05,01. 4. Schweiz (Mario Gyr, Simon Niepmann, Lucas Tramèr, Simon Schürch) 6:05,11. 5. Niederlande 6:05,39. 6. Deutschland 6:07,01.
Alle Resultate und mehr Infos unter www.worldrowing.com
Bled, 30. Mai 2010/cs.