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Wie will die japanische Regierung eine stabile Stromversorgung gewährleisten? Im August 2022 hat die japanische Regierung angekündigt, den Bau von Kernkraftwerken der nächsten Generation fördern zu wollen. Bis 2030 sollen 20 bis 22 Prozent des Stroms in Japan aus Atomkraft stammen, weil diese praktisch keine CO2-Emissionen verursacht.
Die Unternehmen erwarten, dass der Staat die Entwicklungs- und auch die Baukosten hochsubventioniert.
Und der Atomausstieg? Wenige Monate nach dem Unglück in Fukushima am 11. März 2011 kündigte der damalige Ministerpräsident Naoto Kan eine Verringerung des Anteils der Atomenergie an und leitete eine Energiewende ein. Im Januar 2012 waren nur noch 3 von 55 Reaktoren in Betrieb, ab Mai 2012 war das Land kurz atomstromfrei. Doch schon 2015 wurde das AKW Sendai wieder hochgefahren.
Warum hat die japanische Regierung entschieden, doch wieder auf Atomkraft zu setzen? «Im Moment erleben wir eine weltweite Verteuerung fossiler Energien», sagt der in Tokio lebende Journalist Martin Fritz. Andererseits habe sich Japan verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden. Doch der Korrespondent ist kritisch, wenn es darum geht, dass die Aktionäre der Energieproduzenten das wirtschaftliche Risiko allein tragen solle. «Die Unternehmen erwarten, dass der Staat die Entwicklungs- und auch die Baukosten hochsubventioniert.» Der Staat müsse wohl auch einen festen, gewinnbringenden Verkaufspreis für den Atomstrom garantieren.
Woher soll die Technik kommen? Der Industriekonzern Hitachi und sein US-Partner General Electric wollen einen neuartigen Leichtwasserreaktor entwickeln, wie die Zeitung «Nikkei» berichtet. «Der neue Reaktor wird grundsätzlich so funktionieren wie das Kraftwerk, das 2011 in Fukushima vom Erdbeben und dem Tsunami in Mitleidenschaft gezogen worden war», sagt Fritz. Der geplante Reaktor basiere zwar auf der gleichen Technologie wie die in Fukushima verwendeten Siedewasserreaktoren, aber das neue Modell werde in der Lage sein, Kernbrennstoff auch während eines Stromausfalls zu kühlen, berichtete die Zeitung.
Hierzu sollen Temperaturunterschiede genutzt werden, um eine natürliche Zirkulation des Kühlwassers zu erreichen. Bei der Katastrophe 2011 in Fukushima war es wegen eines Druckaufbaus in den Sicherheitsbehältern und verzögerter Entlüftung zu Wasserstoffexplosionen gekommen. Die neuen japanischen Reaktoren verfügten zudem über verbesserte Entlüftungsprozesse, die radioaktive Gase herausfiltern und Dampf freisetzen. «Eine Kernschmelze soll nicht mehr möglich sein», so Fritz. Auch der Konzern Mitsubishi Heavy Industries gab kürzlich bekannt, ebenfalls einen neuen Leichtwasserreaktor entwickeln zu wollen.
Bei den geplanten neuen Reaktoren handelt es sich nicht um Atomkraftwerke der Generation 3.0., wie sie in China ausprobiert werden.
Was ist neu daran? Die Pläne von GE, Hitachi und Mitsubishi deuteten darauf hin, dass die Firmen ihre «alte» Nukleartechnik noch einmal versilbern wollten, sagt der Journalist. Denn «bei den geplanten neuen Reaktoren handelt es sich wie erwähnt nicht um Atomkraftwerke der Generation 3.0., wie sie in China ausprobiert werden.»
Gibt es in Japan keine Alternativen zur Kernkraft? Japan deckt seinen Strombedarf zurzeit zu 80 Prozent mit fossilen Energien. Beim Wärmebedarf sind es sogar 90 Prozent. «Ein Teil davon könnte Atomstrom ersetzen, den anderen Teil könnte der verstärkte Ausbau von erneuerbaren Energien ersetzen», sagt Fritz. Bei der Gewinnung von Strom durch Offshore-Wind habe Japan noch Nachholbedarf.