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access_time veröffentlicht 08.01.2020
Kurz und bündig Heft 3/4, Teil 2
Prof. Dr. med. Reto Krapf
Kurz und bündig Heft 3/4, Teil 2
08.01.2020
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Dislozierte Femurhalsfrakturen: welche Operation?
Nach der früher oft praktizierten inneren Fixation werden heute bei dislozierter Femurhalsfraktur die totale (Femurhals-Kopf-Prothese plus Azetabulum-Prothese) oder die partielle Hüftarthroplastik (nur Femurhals-Kopf-Prothese) empfohlen. Rechtfertigt sich der grössere Eingriff der totalen Arthroplastik durch bessere Langzeitresultate? Nein, laut einer multizentrischen Studie, die die beiden Operationen bei je mehr als 700 Patient(inn)en über 24 Monate postoperativ verglich. Zunächst bestätigt die Studie, dass diese Frakturen ein ernsthafter Dekompensationgrund für diverse Erkrankungen sind. Etwa 40% erlitten eine oder mehrere ernsthafte Komplikationen, die Mortalität war in beiden Gruppen mit 13 respektive 14% hoch, aber vergleichbar. Jeder etwa 12. Patient in beiden Gruppen musste einer Revisionsoperation (der primäre Endpunkt) unterzogen werden. Die Lebensqualität wurde von der Gruppe mit totaler Arthroplastik als leicht besser beurteilt (klinisch unbedeutend nach Ansicht der Autoren). Wie werden die Resultate nach Ablauf der 24 Monate aussehen?
Der Editorialist würde bei kurzer Lebenserwartung die partielle, bei mehrjähriger Lebenserwartung die totale Arthroplastik (unter Verwendung eines kleinen Femurkopfes von <35 mm und technischen Feinheiten an der Pfannendachprothese) durchführen. Nur, wie misst man die Lebenserwartung, vor allem wenn es sich um eine Notfalloperation handelt?
Verfasst am 08.12.2019.
Benzodiazepinresistenter konvulsiver Status epilepticus: was nun?
Gemäss einer Studie bei Kindern (>2 Jahre) und Erwachsenen stehen den Notfall- und Intensivmedizinern drei in etwa äquivalente Medikamente als Zweitlinientherapie bei benzodiazepinresistentem (Diazepam, Lorazepam und Midazolam) konvulsivem Status epilepticus zur Verfügung: Levetiracetam, Fosphenytoin oder Valproat konnten alle in etwa der Hälfte der Fälle den Krampfanfall unterbinden und innert 60 Minuten eine deutliche Verbesserung des Bewusstseinsniveaus induzieren [1]. Etwa 2/3 der Patient(inn)en wiesen eine bekannte Epilepsie auf, bei immerhin 10% aller Patient(inn)en ging man sekundär dann von einer psychogenen Ätiologie aus. Diese Studie ist mit den im Lancet auch dieses Jahr publizierten (sowie kurz und bündig besprochenen [2]) Vergleichstudien (Levetiracetam versus Phenytoin) bei Kindern vergleichbar [3, 4].
Verfasst am 08.12.2019.
CO2 konsumierende E. coli
Heterotrophe Organismen sind solche, die Biomasse unter CO2-Produktion konsumieren, autotrophe solche, die CO2 unter Produktion von Biomasse konsumieren. Angesichts der Klimadebatte ist die beträchtliche Medienaufmerksamkeit verständlich, die die Manipulation heterotropher Escherichia (E.) coli in autotrophe Abkömmlinge erhielt. Der In-vitro-Evolutionsprozess, bis die E. coli CO2 als einzige Kohlestoffquelle verwendeten, dauerte etwa 200 Tage [1]. Werden diese Bakterien einmal die globale CO2-Bilanz ändern können? Auf jeden Fall sei die Technik wie eine «metabolische Herztransplantation», wie ein Spezialist auf diesem Gebiet zitiert wird [2].
Verfasst am 08.12.2019.
Zu viele Nebenwirkungen für neue Anti-Osteoporotika
Die Protease Kathepsin K ist unter anderem wichtig in der Knochenresorption in der sogenannten Resorptionslakune unter der Osteoklastenmembran. Kathepsin-Inhibitoren sind wahrscheinlich aktuell die einzigen Substanzen, die die Rate der Resorption von der Knochenneubildung trennen (sog. «uncoupling»), das heisst eine gehemmte Resorption wird bei ihnen nicht obligatorisch von einer gehemmten Knochenbildung gefolgt. Die Zunahme der Knochendichte unter einem der Hemmer (Odanacatib) bei postmenopausaler Osteoporose war eindrücklich und ohne Plateaueffekt, die vertebrale Frakturhäufigkeit reduzierte sich um etwa 50%. Aber: In der Therapiegruppe war das kardiovaskuläre Risiko erhöht, Patientinnen wiesen gehäuft lokale skleroderme Hautveränderungen (Morphea) sowie – überraschend – auch vermehrt Femurfrakturen, auch sogenannte atypische, auf. Das ist wohl vorerst das Ende der Geschichte für die Kathepsin-K-Inhibitoren.
Verfasst am 08.12.2019.
Kirchenbesuch oder Medikament bei akuter Migräne?
Die schöne, an prominent erhöhter Lage gebaute St.-Georgen-Kapelle von Berschis bei Walenstadt (SG) wird von den berg- und südwärts fahrenden Touristen selten beachtet. Der lohnende Besuch zeigt im Kapelleninneren ein sogenanntes Kopfwehloch, in das die Bewohner, wohl viele mit Migräne, ihren schmerzenden Kopf hielten (siehe Abbildungen). Ein neuer, nun oral verfügbarer CGRP-(«calcitonin gene related product»-)Antagonist (Ubregepant) führte bei akuter Migräneattacke innerhalb von zwei Stunden in etwa 20% der Fälle zu einer Besserung gegenüber 10% bei Plazebo. Also ein eher bescheidener Effekt, wenn man bedenkt, dass in der Kontrollgruppe nicht andere «Migräne-Mittel» als Vergleich zur Anwendung gelangten. Die Dauerhaftigkeit der Wirkung ist ebenfalls noch zu dokumentieren. Verdankung Wir danken sarganserland-walensee.ch herzlich für die zur Verfügung gestellten Bilder.
Verfasst am 08.12.2019.
Gallensäure-Analogon und nichtalkoholische Steatohepatitis
Die nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) ist zumindest in unseren Breitengraden die häufigste chronische Lebererkrankung, die zu Zirrhose und hepatozellulären Karzinomen führen kann. Wir hatten kurz und bündig über die positiven Effekte eines Thyromimetikums (Agonist des hepatischen Thyroxin-Beta-Rezeptors) bei der NASH berichtet [1]. Nun ergibt eine ordentlich geplante Interimsanalyse, dass die plazebokontrollierte Zufuhr von Obeticholsäure nach 18 Monaten zu einer signifikanten Abnahme der sonographisch geschätzten Leberfibrosierung führt [2]. Gespannt warten wir auf die spätere Publikation der relevanten klinischen Verlaufsparameter.
Verfasst am 07.12.2019.
Fondue-Absatz erhöhen?
Der Fondue-Konsum asiatischer Tourist(inn)en in der Schweizer Gastronomie wird durch den «Asian Flush», eine intensive Rötung mit Pruritus nach minimaler Alkoholexposition limitiert. Die Störung betrifft etwa einen Drittel der Asiat(inn)en und ist genetisch bedingt (Polymorphismen in den Genen der Alkohol- und Acetaldehyd-Dehydrogenasen). Antagonisten des Histamin-1-Rezeptors wirken, machen aber müde. In einer plazebokontrollierten, prospektiven Studie führt das Auftragen eines Brimonidin-Gels (ein vasokonstringierender, selektiver Alpha-2-Agonist) im Gesicht zu einer signifikanten Reduktion des Erythems nach Alkoholkonsum. Brimonidin als Gel (und in Augentropfen) ist in der Schweiz erhältlich.
Verfasst am 08.12.2019.