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Die Professoren Ernst Baltensperger sowie Reto Föllmi verbreiten in der Presse (NZZ) einmal mehr Behauptungen bezüglich der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die so nicht unwidersprochen bleiben sollten.
Der emeritierte Professor Ernst Baltensperger ist der Doktorvater von SNB-Chef Thomas Jordan. Er leitete rund 25 Jahre als Direktor das Studienzentrum Gerzensee der Schweizerischen Nationalbank. Er kann als „Spiritus Rector“ der Untergrenze zum Euro bezeichnet werden. Baltensperger ist quasi der „Chefideologe“ unserer Nationalbank.
Nur drei Wochen vor Einführung des Mindestkurses im September 2011 war es Baltensperger, der ebenfalls in der NZZ explizit den Mindestkurs forderte. Zufall?
Die Rechtfertigung von Baltensperger ist ein Schlag ins Gesicht eines analytisch denkenden Ökonomen. Der absurde Titel seines Interviews lautete: „Die Nationalbank hat keine Limiten, wenn sie den Franken schwächen will.“
Das ist Volksverführung.
Baltensperger konkretisierte diese Behauptung mit den Worten: „Sie (die SNB) kann unbegrenzt Franken drucken“ (siehe NZZ, 14.8.2011, „Die SNB hat keine Limiten, wenn sie den Franken schwächen will“).
Nun plaudert auch Professor Reto Föllmi Professor Baltensperger dessen abstruse Behauptung in der NZZ nach. Eine Aufwertung des Frankens könne „durch Geldschöpfung dauerhaft verhindert werden (NZZ, 18.11.2013, „Die Geldpolitik darf nicht zur Quelle der Unsicherheit werden“).
Beide Professoren haben offenbar folgendes immer noch nicht begriffen: Die SNB kann wohl unbeschränkt Banknoten drucken und in den Keller legen. Aber sie kann nicht „unbeschränkt“ Banknoten in den Wirtschaftskreislauf bringen; sie kann diese nicht verbuchen.
Wollte die SNB „unbeschränkt“ Banknoten in den Wirtschaftskreislauf bringen und verbuchen, so müsste sie „unbeschränkt“ Konsumenten finden, welche ihr Vermögen „unbeschränkt“ in Banknoten anlegen wollen. Das ist unmöglich.
Niemand will praktisch sein ganzes Vermögen in Banknoten halten. Der Notenumlauf unserer Nationalbank kletterte denn auch von 49 Milliarden im Jahre 2008 auf bisher 60 Milliarden Franken (plus 22 Prozent).
Demgegenüber explodierten die Giroguthaben der Banken bei der SNB von 2008 bis heute von 37 Milliarden auf 319 Milliarden Franken. Das entspricht einer Multiplikation um 9.
Dies belegt, dass die Notenbank ihre Eurokäufe nicht finanziert, indem sie einfach Banknoten druckt, wie das die Professoren im Umfeld und bei der SNB behaupten. Nein – die SNB finanziert ihre Euros mit Krediten der Banken (Guthaben der Banken bei der SNB).
Weshalb hat denn die SNB ihre bisherigen Eurokäufe nicht mit Gelddrucken finanziert, wenn das so einfach sein soll, wie Baltensperger und Föllmi meinen? Weshalb behaupten die beiden Professoren etwas, das offensichtlich nicht wahr ist?
Beide, Baltensperger und Föllmi, behaupten in der NZZ auch, die SNB könne mit Minuskapital operieren, so Föllmi „Eine Notenbank kann mit negativem Eigenkapital leben“ (Quelle siehe oben).
Auch hier plaudert Föllmi unüberlegt das nach, was Baltensperger und Jordan behaupten. „Schlimmstenfalls könnte die SNB ohne Eigenkapital operieren“, heisst es bei den beiden.
Die Geldökonomen haben sich offenbar noch nie überlegt, was bei negativem Eigenkapital der SNB mit jenen Banken geschieht, welche der SNB Kredit gegeben haben, um Euros zu kaufen. Diese müssten ihre Kredite an die SNB entsprechend abschreiben.
Fällt der Wert des Vermögens in der Bilanz der SNB unter den Wert ihrer Schulden, so entsteht in der Bilanz der SNB ein „Loch im Eigenkapital“. Dieses ist auf der Aktivseite der SNB-Bilanz zu verbuchen.
Die Aktivseite ist dann kürzer als die Passivseite. Ergo stellt die Differenz ein „Loch im Eigenkapital der SNB“ dar. Druckt die SNB nun Banknoten und bringt diese in den Umlauf, so verlängern sich Aktivseite und Passivseite gleichermassen.
Das „Loch im Eigenkapital der SNB“ kann so nicht „gestopft“ werden, wie die beiden Theoretiker meinen.
Ergo bleibt den Geschäftsbanken nur, die Verluste der SNB auf ihre Bücher zu nehmen, da ihre Guthaben bei der SNB entsprechend tiefer zu bewerten sind. Das kann zum Konkurs von Geschäftsbanken führen.
Wären der SNB tatsächlich keine Grenzen gesetzt, den Franken zu schwächen, wie Ernst Baltensperger behauptet, so müsste das logischerweise auch für die EZB und das FED gelten.
Meint aber Baltensperger im Ernst, dass die SNB stärker ist als die EZB oder die FED, falls diese einen tieferen Eurokurs oder Dollarkurs durchsetzen wollten?
Einfachste Überlegungen zeigen, dass in und um die Nationalbank Volksverführer am Werk sind – oder Leute, die ganz einfach nicht verstehen, wovon sie schwatzen.
Ähnlich einem älteren Bruder, der zu seinem jüngeren sagt: Komm wir plündern die Kreditkarte des Vaters, da ist immer wieder Geld drauf – genauso will die SNB dem Schweizer Volk weismachen, sie könne „unbeschränkt Geld erschaffen“ beziehungsweise „schöpfen“.
Die Rechnung für dieses Gehabe werden einmal wir alle – Schweizerinnen und Schweizer – präsentiert erhalten.
„Ihre Argumentation ist logisch, buchhalterisch korrekt und überzeugend. Wieso aber verschliessen sich … Geldtheoretiker und Ökonomen der Logik Ihrer Ausführungen? Ignoranz, mentale Trägheit, Herdenverhalten oder … Unterwerfungsgesten gegenüber der von der Zentralbank in Anspruch genommenen Lehrmeinungshoheit?“
Nun beklagt sich Professor Baltensperger, Ziehvater von SNB-Chef Jordan, in der NZZ über den „Machbarkeitswahn“, den er als überwunden geglaubt habe (NZZ, 18.11.2013, „Die SNB soll kommunizieren, aber nicht mit Detailplänen“).
Baltensperger übersieht, dass im Gegenteil seine Meinung einem Machbarkeitswahn unterliegt, wonach unsere Nationalbank „keine Limiten habe“.
Es geht um viel. Die SNB ist zum grössten wirtschaftlichen und politischen Risikofaktor für die Schweiz geworden.