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Nur wenige wissen heute noch, welche Rolle der Kaffee in Gottlieb Duttweilers Leben (1888 bis 1962) gespielt hat. Alles begann, bevor der Migros-Gründer als Wirtschaftskapitän und Politiker den Detailhandel umpflügte, bevor seine Ideen in der Schweiz einen Modernisierungsschub auslösten.
Als junger Mann wagte Gottlieb Duttweiler in Brasilien ein Abenteuer: 1923 übernahm er die Leitung einer weitläufigen Kaffeeplantage im Bundesstaat São Paulo. Doch das Vorhaben scheiterte, weil seine Frau Adele das Klima in dem Urwaldgebiet schlecht vertrug und ihre Gesundheit darunter zu leiden begann. Dennoch erwarb Duttweiler viel Fachwissen über den Anbau von Kaffee; auch einen grossen Respekt vor der harten Arbeit der Pflanzer brachte er in die Schweiz zurück.
Doch Gottlieb Duttweiler war schon früher mit der Welt des Kaffees in Berührung gekommen, allerdings erlebte er sie damals von einer völlig anderen Seite: Während seiner Ausbildung zum Kaufmann war er ein halbes Jahr lang in Le Havre tätig und wurde dort Zeuge, welche Unsummen Zwischenhändler beim Kaffeeimport verdienten. Auf diese Erkenntnis baute er, als er 1925 seine Migros gründete: Er umging den Zwischenhandel, schlug eine Brücke zwischen Konsumenten und Produzenten und konnte so Qualitätswaren zu unschlagbar günstigen Preisen anbieten.
Die auf Anhieb erfolgreiche Migros setzte in den frühen Jahren ganz auf rollende Verkaufsläden: Umgebaute Ford-TT-Lastwagen brachten die Produkte direkt zu den Kundinnen und Kunden. Das kleine Sortiment bestand anfänglich nur aus Seife, Kokosfett, Zucker, Teigwaren, Reis und – natürlich – Kaffee. Die Auswahl an Waren wurde bald grösser, stationäre Läden kamen hinzu und gewannen mit der Zeit an Bedeutung.