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Das Wort «Katalog» kommt vom griechischen kata légein, «hersagen» oder «aufzählen». Genau das ist es, was einst der Zettelkasten tat (und was heute Datenbanken tun). Der Katalog ist mindestens so alt wie die Bibliothek, und die wiederum geht auf das mouseîon der alten Griechen zurück, eine Mischung aus Tempel, Museum, Universität und Bibliothek. Auch hier müssen schon Kataloge bei der Suche nach bestimmten Schriftrollen geholfen haben, selbst wenn vom grössten dieser Museen, der legendären Bibliothek von Alexandria, kein Fitzelchen übriggeblieben ist.
Ähnlich ging es einer der grössten Bibliotheken der Renaissance, jener des Hernando Colón, eines unehelichen Sohnes von Christoph Kolumbus. Colón hatte den Ehrgeiz, die Leistungen seines berühmten Vaters noch zu übertreffen – nicht mit Expeditionen, sondern mit der grössten Universalbibliothek seiner Zeit. 15 000 Werke soll die Sammlung einmal umfasst haben; Rechtsstreitigkeiten liessen sie nach Colóns Tod 1539 auf weniger als die Hälfte schrumpfen. Sie kann als «Biblioteca Colombina» in Sevilla heute noch konsultiert werden.
Colón und seine eigens dafür angestellten Bibliothekare waren ehrgeizig und ungemein fähig. Vor wenigen Monaten erst wurde in Dänemark ein Buch entdeckt mit dem Titel «Libro de los epitomes» – Colóns 2000 Seiten starker, säuberlich von Hand geschriebener Bibliothekskatalog, der jedes einzelne der Bücher verzeichnet, einschliesslich einer präzisen Zusammenfassung des Inhalts. Und weil so viele Bände verschwunden sind, enthält Colóns gross angelegter Katalog heute die letzten Spuren von Wissen, das ohne ihn gänzlich verloren wäre.