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Samsung-Vorsitzender Lee Kun Hee gestorben
Lee Kun Hee galt als Einzelgänger unter den Chefs der südkoreanischen Familienkonzerne. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Konzern-Flaggschiff Samsung Electronics jedoch zum Technologieriesen und Vorzeigeunternehmen des Landes. Doch verfolgte ihn auch Kritik.
Bewundert und kritisiert, öffentlichkeitsscheu und doch als Exzentriker verschrien: Lee Kun Hee war einer der rätselhaftesten und zugleich mächtigsten Wirtschaftsführer Südkoreas. Nur selten liess sich der reichster Mann des Landes interviewen. Ebenso rar waren seine öffentlichen Auftritte. Seine Zurückhaltung stand im starken Kontrast zur Bedeutung Samsungs als grösstem Mischkonzern des Landes, dessen unangefochtener Vorsitzender und führender Visionär er lange Zeit war. Lee starb am Sonntag in einem Krankenhaus in Seoul, wie Samsung bekanntgab. Er war 78 Jahre alt.
Der ehrgeizige Lee setzte sich schon früh das Ziel, Samsung zum Weltkonzern auszubauen. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Gruppen-Flaggschiff Samsung Electronics zum weltgrössten Hersteller von Speicherchips. Zudem ist der Technologieriese heute grösster Produzent von Smartphones und Fernsehern.
Seit 1987 an der Spitze
Lee wurde noch in der Reihe knallharter Chaebol-Bosse gesehen, deren Anweisungen von den Untergebenen widerspruchslos befolgt werden. Doch trieb er zugleich die Dezentralisierung innerhalb des Konglomerats voran und erteilte den Managern grössere Entscheidungsbefugnisse. Sein berühmt-berüchtigter Ausspruch von 1993 vor der versammelten Manager-Mannschaft, «ändert alles, ausser Eurer Frau und Kinder», galt als unhinterfragtes Gebot. Sein Sohn Lee Jae Yong, der vom Vater als Nachfolger aufgebaut wurde und jetzt inoffizeller Konzernchef ist, hat die Reputation, einen eher weicheren Führungsstil zu verfolgen.
Wegen Bestechung verurteilt
Lee Kun Hees Ansehen wurde beschädigt, als er 1996 wegen Bestechung der früheren Präsidenten Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo zum ersten Mal zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Ein Jahr später wurde er vom damaligen Staatschef Kim Young Sam begnadigt. Nach erneuten Schmiergeldermittlungen gegen Samsung sah sich Lee dann 2008 gezwungen, als Konzernchef zurückzutreten.
Damit hinterliess der Firmenpatriarch ein Führungsvakuum bei Samsung. Sein Rückzug wurde damals in Südkorea als Ende einer Ära gewertet. Doch trotz seines Rücktritts kontrollierte er als Strippenzieher hinter den Kulissen weiterhin die Geschicke des Konzerns, zu dem unter anderem auch ein Schiffbauer, Baukonzerne, eine Versicherung sowie der Betreiber eines Freizeitparks gehören. Zwei Jahre später, im März 2010, erfolgte das offizielle Comeback, als er als Vorstandsvorsitzender von Samsung Electronics eine Führungsposition zurückerlangt hatte.
Im Jahr davor war er noch wegen Steuerhinterziehung und Vertrauensbruchs von einem Gericht in Seoul erneut zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Doch schon Ende 2009 wurde er wegen der südkoreanischen Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 begnadigt. Südkoreas damaliger Präsident Lee Myung Bak sagte, er könne die Bitten seitens des Sports und der Wirtschaft nicht ignorieren, wonach Lee Kun Hee von entscheidender Bedeutung für die Bewerbung Pyeongchangs als Austragungsort sei. Der Unternehmer war damals noch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zeit seines Lebens war der frühere Amateurringer sportbegeistert. Als Samsung-Chef trat er auch als Förderer des Sports hervor.
Heftige Kritik an Chaebols
Die Sonderermittler hatten bei der Anklageerhebung gegen Lee und weitere Topmanager «strukturelle Probleme» bei Samsung und einen «Mangel an Transparenz» festgestellt. Sie trafen damit den Kern der Kritik, die insbesondere Bürgergruppen und Kleinanleger schon seit Jahren an den Chaebols einschliesslich Samsungs übten und heute noch üben.
Im Mai 2014 erfolgte der nächste Schock für Samsung, als Lee Kun Hee eine Herzattacke erlitt. Von dem Infarkt hatte sich der Ex-Konzernchef nicht mehr erholt. Lee wurde am 9. Januar 1942 als dritter Sohn von Lee Byung Chull (1910-1987) und dessen Frau Park Doo Eul geboren. Er hinterlässt seine Frau, zwei Töchter und einen Sohn. Seine jüngste Tochter, Lee Yoon Hyung, starb 2005.Zurück zur Startseite