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Gibt es den Zuschauereffekt?
Gemäss dem Zuschauereffekt («bystander effect») stehen die Chancen eher schlecht. Gemäss diesem psychosozialen Phänomen ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Notfallsituation einzugreifen, höher, wenn die intervenierende Person allein ist, als wenn ein oder mehrere andere Zeugen vor Ort sind. Eine neue Studie, die reale Situationen miteinbezieht, stellt den Zuschauereffekt nun infrage.
Ein Forschungsteam um den Psychologen Richard Philpot von der englischen Universität Lancaster hat Videomaterial aus Überwachungskameras durchforstet, auf dem Szenen der Gewalt im Vereinigten Königreich, in Südafrika und in den Niederlanden zu sehen sind. Die Forschenden stellten fest, dass in 90 Prozent der Fälle mindestens eine Person (in der Regel aber mehrere) eingriff und zu helfen versuchte. Zudem beobachteten sie, dass die Wahrscheinlichkeit einer Hilfestellung anstieg, je mehr Umstehende anwesend waren – was dem Zuschauereffekt widerspricht. Zu ihrer Überraschung stellten die Forschenden ferner fest, dass die Wahrscheinlichkeit einzugreifen in den drei Ländern gleich gross war, obwohl Südafrika höhere Raten an Gewaltdelikten aufweist. Weitere Forschungen sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Richard Philpot und sein Team interessieren sich insbesondere, wie bestimmte Faktoren, beispielsweise die Grösse der angreifenden Person oder die Präsenz einer Waffe, die Wahrscheinlichkeit einer Hilfestellung beeinflussen.
Studie
Philpot, R., Liebst, L. S., Levine, M., Bernasco, W., & Lindegaard, M. R. (2019). Would I be helped? Cross-national CCTV footage shows that intervention is the norm in public conflicts. American Psychologist. doi: 10.1037/amp0000469