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Orte und Strassen
REISE AN DIE PALISANDERKUESTE – von Antananarivo nach Tamatave
Der Osten Madagaskars ist eine tropisch geprägte Region mit feuchtwarmen Regenwäldern und üppig wuchernder Natur.
Die Route Nationale Nr. 2 (RN2) folgt über viele Kilometer der Eisenbahnlinie, die die Hauptstadt Antananarivo, durch hügelige und bergige Regionen verlaufend, mit Toamasina / Tamatave, der Hafenstadt an der Ostküste verbindet.
Von Manjakandriana, der Grenze zwischen östlichem Regenwald und dem Hochland, führt ein Abzweig nach Mantasoa, ca. 70 km von Antananarivo entfernt.
Der 1936 angelegte Stausee trägt den gleichen Namen, Lac Mantasoa. Er liefert Wasser für die Reisefelder und Strom, gewonnen aus Wasserkraft, für die umliegenden Dörfer.
Von der gigantischen Industrieanlage am Lac Mantasoa, die der französische Abenteurer und Unternehmer Jean Laborde um 1845 mit Hilfe von 20.000 Zwangsarbeiten errichtet hat, zeugen nur noch wenige verfallene Steinbauten.
Im Auftrag der Königin Ranavalona I hat er zwischen 1837 und 1857 die Handwerksbetriebe wie eine Eisengiesserei, eine Fabrik zur Waffenherstellung, die Herstellung von Glas, Seife usw. errichten lassen.
Der erfindungsreiche Jean Laborde entwickelte auch Wasserleitungen, Blitzableiter und führte die Errichtung von Grabstelen ein. Auch die noch in heutiger Zeit in Madagaskar gebräuchlichen Zebu-Karren mit ihren wuchtigen Holzrädern, entstammen wohl seinen Konstruktionsplänen.
Einige historische Relikte, wie zum Beispiel das ehemalige Wohnhaus Jean Labordes, gehören zu den Attraktionen des Dorfes, ebenso wie sein Grab auf dem örtlichen Friedhof und die ehemalige Munitionsfabrik.
Der Lac Mantasoa, eignet sich für einen Tagesausflug von der Hauptstadt aus und ist sehr beliebt als idyllisches Naherholungsgebiet, das vielfältige Wassersportmöglichkeiten bietet.
Weiter auf der RN2, ca. 60 km von Antananarivo entfernt, kann man in Marozevo eine private Reptilien- und Chamäleonfarm besuchen.
Reptilien- und Chamäloenfarm Perreyrras
Aufgrund der Abholzung und der damit verbundenen Waldbrände sind viele heimische Schmetterlinge sowie Reptilien wie Chamäleons, Frösche, Schlangen, Geckos oder Leguane im Laufe der Zeit in freier Natur selten geworden. So hatte der französische Biologe Perreyrras die geniale Idee, Reptilienarten, die typisch sind in den Regenwäldern Madagaskars, zu sammeln.
Besucher des Parkes haben so heute zum Beispiel die Möglichkeit, einige der an der Ostküste endemischen Chamäleonarten zu beobachten und zwar von dem grössten Chamäleon mit etwa 50 cm Länge bis hin zum kleinsten, winzigen Chamäleon, dem Zwerg-Chamäleon mit 2 bis 4 cm Länge.
Auch Krokodile, Schildkröten und viele weitere, für Madagaskar typische Tiere, wie Tenreks oder Flughunde gibt es hier zu bestaunen.
Setzt man die Reise Richtung Osten fort, erreicht man nach ca. 2 Stunden den nächsten Höhepunkt der Ost-Route:
Andasibe ist das am einfachsten zu erreichende Naturreservat mit artenreicher Fauna und Flora, ca. 145 km von der Hauptstadt entfernt.
Andasibe
In der Umgebung des Ortes Andasibe sind verschiedene Naturreservate angesiedelt, so das Sonderreservat Analamazaotra, der Mantadia Nationalpark, der Park der „Association Mitsinjo“ und das kommunale Waldgebiet Voimma. Die beiden letztgenannten Parks werden von der lokalen Bevölkerung verwaltet.
Alle Reservate liegen auf 900 – 1000 Metern Höhe an einem Bergmassiv und bieten die typische Ostküstenvegetation mit feuchten Bergnebelwäldern und auch ein artenreiches Moorgebiet.
In diesem bergigen Gelände mit tropischer Vegetation gedeihen die verschiedensten Orchideen, Farne und Baumfarne sowie endemischen Bäume. Einige Arten der vielen Lemuren Madagaskars haben hier einen geschützten Lebensraum gefunden, vor allem der berühmte Indri Indri.
Auch andere Lemuren-Arten, wie Diademsifaka oder Bambus-Lemuren haben ihr Refugium in diesem Wald gefunden.
Die Indri Indri gehören zu den grössten Halbaffen auf der Insel und sie nutzen ihr morgendliches Singen zur Kommunikation, aber auch, um ihr Territorium zu markieren. Eine Indri Indri-Gruppe wird von den dominanten Weibchen angeführt, die sich auch die besten Ruheplätze und Futterstellen aussuchen.
Ebenfalls einen Besuch wert ist das private Reservat des Hotels „Vakona Lodge“. Es liegt, ca. 7 km entfernt von einer ehemaligen Grafitmine, am Eingang des Nationalparks von Mantadia.
Der private Tierpark in einem bewaldeten Tal umfasst ca. 200 ha und zeigt Reptilien wie Krokodile, Schlangen, Chamäleons sowie die Fossa, das grösste Raubtier in Madagaskar oder auch verschiedene Enten und zahlreiche weitere Vogelarten.
Lehrpfade führen durch das Gelände und es finden sich Erläuterungen zu interessanten Bäumen sowie zu Heilkräutern, allgemeinen Kräutern und Schlingpflanzen.
Auf einer kleinen Insel nahe der Hotelanlage leben zahme Lemuren wie die Bambus-Lemuren, die Sifaka und die schwarz-weissen Vari, die sehr zahm sind und aus der Nähe fotografiert werden können.
Auf einer kleinen Nebenroute gelangt man von Andasibe zurück zur RN2 und fährt dort weiter in Richtung Tamatave.
KOMBINATIONSMÖGLICHKEIT: Bootsfahrt auf dem Kanal von Pangalanes
Auf der Weiterfahrt in östlicher Richtung auf der RN2 bietet sich schon bald ein lohnender Abstecher an: Die Fahrt an den Pangalanes-Kanal, der noch zu Kolonialzeiten angelegt wurde. Dabei verband man bereits bestehende Seen und Wasserläufe zu einem durchgehenden, schiffbaren Kanal, parallel zur rauen Küste des Indischen Ozeans. Auf diesem Kanal können seither Waren zur Hafenstadt Tamatave transportiert werden und umgekehrt.
Von Andasibe fahren Sie weiter, ca. 120 km durch ebene Landschaft mit feuchtwarmem Klima, Richtung Brickaville / Ampasimanolotra.
Bei dem Besuch des dortigen Obstmarktes haben Sie Gelegenheit, die verschiedenen exotischen Früchte wie Wassermelonen, Stachelannonen, Rambutan, Zitrusfrüchte oder Jackfrucht zu kaufen / fotografieren.
Dann nehmen Sie die Abzweigung nach Manambato, eine 7 km lange, holprige Piste (nur mit Geländewagen befahrbar) bis zum malerischen See Rasoabe mit feinem, weissen Sandstrand.
Dieser Ort ist der Ausgangspunkt der Bootsfahrt auf dem Kanal von Pangalanes. Der See ist aber aufgrund der schönen Bademöglichkeiten auch sehr beliebt für Wochenendausflügler aus der Hauptstadt.
Die Schönheit der Natur der östlichen Küstenregion lässt sich am einfachsten bei einer Fahrt mit dem Motorboot auf dem Kanal von Pangalanes erleben. Diese führt oft durch kleinere Seen und Nebenarme der Flüsse, eingerahmt von tropischer Vegetation.
Am Nordufer des bekannten Sees Ampitabe, eines beliebten Badeplatzes an der Nordostküste, liegt das kleine Dorf mit dem hier passenden Namen Akanin’ny Nofy oder „das Nest der Träume», umgeben von malerischen Fischerdörfern.
Hier bietet sich die Möglichkeit auf Entdeckungsreise zu gehen im Privatreservat PALMARIUM.
Auf einer geführten Rundwanderung können viele endemische Lemuren- und Chamäleonarten sowie verschiedene Frösche entdeckt werden.
Sehenswert sind auch der Sukkulentengarten und der artenreiche Palmenpark mit verschiedenen Gewürzen (Vanille, Pfeffer, Gewürznelken, Zimt usw…), die typisch sind für diese feuchtwarme Region.
Am Nachmittag kann eine kleine Wanderung entlang des Sees unternommen werden, wo eine Spezies der fleischfressenden „Nepenthes“ – Pflanze in freier Natur bewundert werden kann. Auch gibt es Gelegenheit zu Entspannung und zum Baden.
Am Abend bietet sich ein Ausflug zur Lemuren-Insel Aye Aye an, wo man, mit etwas Glück, das einzigartige, nachtaktive Fingertier beobachten kann.
Nach diesem eindrucksvollen Aufenthalt im „Nest der Träume“ geht die Fahrt Richtung Norden, nach Tamatave weiter.
Die Bootsfahrt verläuft zwischen den Lagunen des Pangalanes-Kanals links und den Sandbänken und Buchten des Indischen Ozeans rechts.
Auf dieser Wasserstrasse treffen sich häufig die Einheimischen mit ihren schwer beladenen Einbäumen,
denn diese ist der einzige Transportweg für verschiedene Lebensmittel sowie Marktgüter wie Holzkohle, Bambus, Baumaterial, zur Hafenstadt Tamatave.
Tamatave, auch „Stadt der Rikschas“ genannt, ist unter anderem bekannt für den grossen Hafen an der Nordostküste, aber auch für einen quirligen Markt, auf dem sich ein reichhaltiges Angebot an schön und bunt geflochtenen Korbwaren und Taschen finden lässt.
Tropische Früchte wie Bananen, Kokosnüsse, Zimtäpfel, Stachelannonen usw. (je nach Saison) werden verkauft und ganzjährig werden duftende Gewürze wie Vanille, Gewürznelken, verschiedene Pfeffersorten, Zimt oder Currymischungen, die typisch sind auf der Insel, angeboten.
Im Hafen von Tamatave werden Exportgüter wie Vanille, Gewürznelken und Litchis zu den Nachbarinseln Mauritius und La Réunion, aber hauptsächlich nach Europa verschifft.
Im Gegenzug dazu kommen die wichtigen Importgüter ebenfalls in Tamatave an und werden später auf dem Landweg, auf der RN2, zur Hauptstadt transportiert.
Sehenswürdigkeiten in Tamatave:
Im Hafenmuseum oder „Musée du Port“ kann man mehr über die Geschichte der Stadt Tamatave und die Kultur des Betsimisaraka Volkstammes, der in dieser Region ansässig ist, erfahren. Auch gibt es viele Sammlungen und alte Fotografien zu bestaunen.
Die riesigen Banyan-Bäume mit ihren Luftwurzeln, nicht weit vom Stadtzentrum, sind sehenswert. Ein kleiner Märchenwald inmitten der Altstadt von Tamatave.
Der Park Ivoloina, der ca. 10 km von der Stadt entfernt liegt, ist ein grosses Schutzgebiet und Aufzuchtstation für bedrohte Tiere wie Lemuren, Reptilien, Amphibien. Auch befindet sich hier eine Forschungs- und Zuchtstation für Nutzbäume sowie ein Bildungs- und Informationszentrum für Besucher und Schüler.