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Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Bevölkerung der Schweiz mehr als verdoppelt. 1900 wurden 3.3 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen gezählt, 2009 leben 7.8 Millionen Menschen in der Schweiz.
Die Anzahl der Haushalte hat zwischen 1990 und 2009 stärker zugenommen (20%) als die Bevölkerung gewachsen ist (15%). Somit nimmt die Anzahl Personen pro Haushalt ab.
Die Konsumausgaben der Haushalte sind zwischen 1990 und 2009 etwa gleich stark gewachsen wie die Wirtschaft. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm 2009 um 27% zu, während die Konsumausgaben um 28% auf 310 Milliarden Franken stiegen.
Wie viele natürliche Ressourcen wir verbrauchen, hängt stark mit unseren Lebens-, Produktions- und Konsumgewohnheiten zusammen.
Der wirtschaftliche Aufschwung und der strukturelle Wandel (Tertiarisierung) führen dazu, dass mehr Fertigprodukte und Konsumgüter importiert werden. Der Energiebedarf steigt, und der Anteil der importierten Rohstoffe am gesamten Rohstoffbedarf nimmt ebenfalls zu.
Welche Rohstoffe in der Wirtschaft eingesetzt werden, wird gesteuert durch die Konsumentinnen und Konsumenten und ist abhängig von
Zur Deckung des Bedarfs der Schweizer Wirtschaft und der Haushalte werden seit 2000 jedes Jahr durchschnittlich 350 Millionen Tonnen Material gewonnen, verbraucht oder verlagert. Dies entspricht rund 45 t pro Person - ohne Berücksichtigung von Wasser und Luft. Damit hat der totale Materialaufwand seit 1990 um 14% zugenommen.
Im Jahr 2008 hat die Schweizer Wirtschaft 57.3 Millionen t Materialien gewonnen und zusätzlich 52.4 Millionen t importiert. Mit dem Import verbunden sind zusätzliche 190 Millionen Tonnen Material aus versteckten Materialflüssen, was fast der vierfachen Menge des importierten Materials entspricht. Diese versteckten Flüsse beinhalten Materialien, die in Ausfuhrländern verbraucht werden, um Materialien oder Importgüter für die Schweiz herzustellen und zu transportieren.
Insgesamt ist der Input an Materialien in die Schweiz grösser als die Menge an Material, die die Schweiz verlässt. Daher findet ein stetiger Zuwachs der Materiallager in Form von Gebäuden, Verkehrsinfrastruktur und anderen langlebigen Gütern statt. Eine grosse Menge an Rohstoffen wie Beton, Kupfer, Stahl, Glas, Kunststoffe, Asphalt und Kies, akkumuliert sich im urbanen Raum.
Diese Lager werden zu bedeutenden Rohstoffquellen, wenn sie am Ende ihrer Lebensdauer für neue Anwendungen genutzt werden können. Die Wiederverwertung der einzelnen Rohstoffe ist heute jedoch noch gering. Die noch ungenügende Rückführung in den Materialkreislauf rührt daher, dass die verschiedenen Produkte im bestehenden Materiallager (noch) nicht unter dem Gesichtspunkt der Verwertung hergestellt oder eingesetzt wurden, und dass die saubere Trennung der einzelnen Inhaltsstoffe für das Recycling sehr aufwändig ist.
Bemerkenswert ist dennoch, dass die Schweiz im Konsumbereich (Getränkeverpackung aus Glas, Aluminium, PET; Papier; Blechdosen; Elektro- und Elektronikschrott) hervorragende Recyclingraten aufweist. Heute werden bereits mehr dieser Abfälle verwertet (2009: 2.8 Mio t) als Schweizer Siedlungsabfälle verbrannt werden (2009: 2.66 Mio. t). Auch in den Bereichen der klassischen Schrottverwertung (Eisen- sowie Nichteisenmetalle: Stahlschrott, Aluminium, Kupfer) läuft die Verwertung bestens.
Neue Recyclingtechnologien müssen zukünftig eingesetzt werden, um auch z.B. die seltenen Metalle zurück gewinnen zu können.
Einen grossen Einfluss auf den Verbrauch an natürlichen Ressourcen und Energie hat indes auch das Konsumverhalten jedes Einzelnen. Damit die Konsumierenden (Privatpersonen, Beschaffungsprofis der öffentlichen Hand und der Wirtschaft) sich umweltverantwortlich verhalten und ihre Konsumentscheide zugunsten ressourcenschonender Produkte fällen können, müssen sie über die Umweltbelastung der Produkte informiert sein. Solche Informationen sind heute aber nur unvollständig oder gar nicht vorhanden. Der Markt ist für all die vielen grossen und kleinen Konsumentscheide nicht transparent.
Obwohl der direkte Rohstoffverbrauch in der Schweiz sinkt, fand eine absolute Entkoppelung von wirtschaftlicher Entwicklung und Ressourcennutzung bisher nicht statt. Seit 1990 ist der Anteil der importierten Rohstoffe zwar um 2% gesunken, doch der Import von Endprodukten hat um 61% zugenommen. Dadurch verlagern sich die Wirkungen des Rohstoffverbrauchs ins Ausland, wo die Schweiz indirekt Umweltbelastungen verursacht.
Studien haben gezeigt, dass der Druck auf die Umwelt zunimmt, je mehr Stoffe, Energie und Fläche verbraucht werden. Die Folgen nicht nachhaltiger Rohstoffnutzung können sein:
Der jährliche Überschuss an Material, welcher sich in der Schweiz akkumuliert (Lagerzuwachs) verursacht einen immer grösseren Flächenverbrauch.
Der Bundesrat unterstützt die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung auf der Produkteebene: Er schafft auf nationaler und internationaler Ebene Rahmenbedingungen mit dem Ziel, die Nachfrage auf Produkte zu verlagern, die über ihren gesamten Lebenszyklus hohen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Standards entsprechen (Integrierte Produktepolitik IPP).
Das BAFU verfolgt zahlreiche Aktivitäten, um eine möglichst nachhaltige Nutzung von Rohstoffen zu erreichen. Es
Der Bundesrat verfolgt im Rahmen der Arbeiten für eine Grüne Wirtschaft das Ziel, die Informationen über die Umweltbelastung von Produkten zu verbessern. Dazu braucht es aber Methoden und Instrumente, um die durch den Konsum von Produkten entstehenden Umweltauswirkungen bezifferbar und benennbar zu machen.
Eine solche Methode ist die Ökobilanzierung. Eine Ökobilanz erfasst alle wesentlichen Umweltauswirkungen, die ein Produkt über seinen Lebensweg verursacht - von der Gewinnung der Rohstoffe über die Herstellung, den Transport und den Gebrauch des Produkts bis zu dessen Entsorgung. Durch die Unterstützung und Weiterentwicklung bestehender Ökobilanzmethoden wie der Methode der ökologischen Knappheit (UBP-Methode) und die Anwendung in Verwaltung und Wirtschaft fördert der Bund das Lebenswegdenken.
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