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Club „zur Geduld“
Marktgasse 22
8400 Winterthur
Das Vorderhaus des Gebäudes „Zur Geduld“ wurde um 1690, das Hinterhaus wohl um 1717 neu erstellt. 1919 wurde das Haus, ehemaliges Wohnhaus des Stadtrichters Hans Ulrich Biedermann, von Oskar Reinhart erworben und 1921/22 erfolgte ein Umbau zu einem Klubhaus im englischen Stil durch die Architekten Rittmeyer & Furrer, wobei Teile die Interieurs aus dem späten 17. Jhdt. erhalten geblieben sind.
Das Clubhaus „Zur Geduld“, erstmals erwähnt 1448, wird 1919 von Oskar Reinhart erworben. Er beauftragt die Architekten Rittmeyer & Furrer, die Liegenschaft zu einem Club nach englischem Vorbild umzubauen. Nebst mehreren unterschiedlichen Räumen liess Reinhart unter dem Dach ein Atelier einrichten, das von Malern und Bildhauern benutzt werden konnte. Die Mittelachse der Fassade wird durch die reiche Portalarchitektur und dem darüber liegenden Erker akzentuiert.
Der Club stiess auf Interesse. Er wurde 1922 eröffnet. Und wurde schnell zu Treffpunkt des Bürgertums. Die Fabrikanten, Händler und Unternehmer in der blühenden Industrie- und Handelsstadt schätzten es, einen Ort für Geschäftsessen und für diskrete Verhandlungen benützen zu können. Nach dem Tode von Oskar Reinhart (1965) ging das Haus an die Volkart-Stiftung und 1995 kaufte es der Verein Club zur Geduld. Seit 1998 werden auch Frauen in den exklusiven Verein von rund 400 Mitgliedern aufgenommen. Der Jahresbeitrag beträgt 1000 Franken, dazu braucht es für die Aufnahme noch zwei Patinnen oder Paten aus dem bisherigen Mitgliederkreis. Dieser hat sich seit der Gründung verändert. Statt die Unternehmer der grossen Firmen sind es heute vermehrt die kleineren Betriebsinhaber und die Lehrpersonen der höheren Winterthurer Bildungsanstalten.
Noch heute sind es vornehme Räume in diesem alt ehrwürdigen Haus. Es gibt ein Restaurant mit verziertem Täfer, einen Billardsaal mit Kamin und einen Rauchersaal mit Bar. Vor kurzem hat man im Damensalon am Täfer unter acht alten Farbschichten sogenannte Grisaille-Bilder entdeckt. Als Grisaille (von franz. gris = grau) bezeichnet man eine Malerei, die ausschliesslich in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführt ist. Diese Darstellungen liess ein früherer Besitzer der Liegenschaft aus der Familie Biedermann erstellen. Das Gebäude kam 1690 in deren Besitz und wurde 1717 vom damaligen Stadtrichter Biedermann renoviert und umgestaltet. Diese Jahreszahl sieht man noch heute auf dem Erker über dem Eingang. Die Darstellungen zeigen im oberen Teil des Täfers ländliche Szenen mit Figurengruppen und Landschaften mit Flüssen, Seen und Schlössern, im unteren Teil Ornamente, Blumengirlanden und Blätter. Die Bilder können keinem bestimmten Künstler zugewiesen werden. Es handelt sich um einen seltenen Fund. Beispiele für Täfermalerei aus dem 18. Jahrhundert sind in Winterthur häufiger als in Zürich anzutreffen.
In Winterthur gibt es immerhin zwei Vergleichsbeispiele, anhand deren sich die Entstehungszeit der Malereien aus dem «Haus zur Geduld» auf das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts festlegen lässt: die Mitte der 1990er Jahre freigelegten Malereien im «Haus zum grünen Berg» an der Marktgasse und die Bilder aus dem «Haus zur Rose» an der Marktgasse, die 1917 im Schloss Wülflingen eingebaut wurden.
Die zarten, Ton in Ton gehaltenen Bilder entsprachen im Rokoko dem Zeitgeschmack. Ausgehend von der Glasmalerei, setzte sich die Grisaille-Malerei zuerst in den Niederlanden durch, wo sie in der Mitte des 17. Jahrhunderts eine erste Blüte erlebte. Die Beispiele aus dem «Haus zur Geduld» zeigen eine raffinierte Komposition: Der Himmel, oft mit beeindruckenden Wolkengebilden verhängt, nimmt als offener Raum fast zwei Drittel der Bildfläche ein; Bauten, Landschaften und Figuren sind im unteren Bilddrittel dargestellt. Für die Betrachter ergibt sich so der Eindruck eines weiten Raums, in dem man den Blick durch die Phantasielandschaften schweifen lassen kann.