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Rembrandt van Rijn war ein Meister des Lichtes. Keinem anderen Maler aus dem 17. Jahrhundert gelang es so meisterlich, das Wesentliche eines Sujets mit seiner Farbtechnik zu «beleuchten» und andere Partien im vagen Dunkel zu lassen.
Wie genial er vorging, zeigt etwa das Bild «Verschwörung der Bataver unter Claudius Civilis». Auf diesem Bild sitzt eine Gruppe Bataver (ein germanischer Stamm, der während des Römischen Reichs im Gebiet der heutigen Niederlande lebte) an einem Tisch und schwört ihrem Anführer Civilis, gegen die Römer zu kämpfen.
Als einzige, indirekte Lichtquelle dient das helle Tischtuch, das die Figuren quasi von unten anleuchtet. Um diesen geheimnisvollen Effekt erreichen zu können, habe Rembrandt auf dem Bild alles, was Licht darstellen sollte, zentimeterdick aufgetragen, erklärt Kurator Gregor Weber. So konnte er mehr Streiflicht im Raum fangen: «Er hat das Licht richtiggehend herausgekritzelt», sagt Weber.
«Wie ein aufgefalteter Fächer»
Die Ausstellung umfasst 37 Gemälde sowie 60 Zeichnungen und Druckgrafiken. Es sind alles Werke, die Rembrandt zwischen 1652 und seinem Tod im Alter von 63 Jahren 1669 geschaffen hat.
Die Kuratoren haben sie mit Absicht nicht chronologisch aufgehängt. Vielmehr wurden jedem der zehn Räume im Ausstellungsflügel des Rijksmuseum ein eigenes Thema zugeteilt. Von Licht bis zu Intimität, künstlerischem Wetteifer, experimentelle Technik oder, ganz zum Schluss: Versöhnung. Das Ganze sei wie ein aufgefalteter Fächer, der ein Gesamtbild in zehn Facetten sehen lasse, führt Kurator Weber aus.
Begrüsst von den Zunftvorstehern
Ein Fest für das Auge sind Werke, wie «Die Vorsteher der Tuchmacherzunft», ein Gruppenporträt von Mitgliedern der Amsterdamer Tuchmachergilde, die für die Gütesiegel auf den Stoffen zuständig war.
Rembrandt stellt die hohen Herren nicht statisch dar, vielmehr brachte er Bewegung in das Bild. Für den Betrachter sei das wie eine Momentaufnahme, sagt Weber: «Wir sind gerade in den Raum eingetreten, die ‹Staalmeesters› sind mitten in der Konferenz, haben uns bemerkt und einer steht auf, um uns zu begrüssen.»
«Wie ein Maurer»
Ein anderes Meisterwerk, «Die Judenbraut» aus dem Jahr 1665, verdeutlicht, wie experimentell Rembrandt in seiner Technik wurde. «Er kratzte und patzte die Farbe auf die Leinwand wie ein Maurer den Mörtel an die Wand schmiert», weiss Weber.
Der Effekt ist verblüffend dreidimensional, wie beim Porträt des Ehepaares im Bild «Judenbraut». Schmuck und Kleider stechen geradezu aus dem Gemälde hervor, wobei besonders der Brokatärmel des Mannes zum Berühren einlädt.
Seiner Zeit voraus – trotz Rückschlägen
Natürlich fehlen auch die Selbstporträts nicht. Rembrandt beschäftigte sich intensiv mit sich selbst. Insgesamt hat er sich nicht weniger als 80 Mal verewigt. Sieben dieser hochkarätigen 17.-Jahrhundert-Selfies hängen nun in der Amsterdamer Ausstellung. Sie zeigen manchmal einen lachenden, später einen dicken, faltigen und aufgedunsenen Rembrandt.
Alle diese Selbstporträts sind aber ein Zeuge dafür, dass der Alte Meister trotz Rückschlägen – wie dem Tod seiner Freundin Hendrickje Stoffels oder seinem Bankrott – immer mehr zu Hochform auflief. Und damit seiner Zeit weit voraus war.
Ausstellungshinweis
«Late Rambrandt» («Der späte Rembrant») ist noch bis zum 17. Mai im Rijksmuseum in Amsterdam zu sehen.