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Begabt mit einer überdurchschnittlichen Arbeitskraft und ausserordentlichen Fähigkeiten hat sich Albert Meier unermüdlich für das Wohl von Schule und Kirche eingesetzt und so in der ihm eigenen Bescheidenheit der Gemeinschaft überaus wertvolle Diente geleistet. Wir folgen den Spuren seines Lebens und Wirkens. Die Zitate in Anführungs- und Schlusszeichen sind – wenn nichts anderes angegeben – seinen persönlichen Aufzeichnungen entnommen.
Albert Meier erblickte am 26. Februar 1915 im damals noch ländlich-vertrauten Bauerndorf Adlikon bei Regensdorf als Sohn des Albert Meier und der Frieda geb. Frei das Licht der Welt. Um sie von anderen Familien Meier zu unterscheiden, nannte man seine Familie gemäss dem Vornamen seines Grossvaters Simeon «s Simels».
Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Hans erlebte er auf dem elterlichen Hof eine unbeschwerte Jugendzeit. Es gehörte zu seinem Tagwerk, noch vor Schulbeginn mit dem «Rapid» Gras zu mähen, Futter einzubringen und das Vieh besorgen zu helfen. Er war ein aufgeweckter, neugieriger und überaus begabter Schüler, offen und empfänglich für neue Entdeckungen und Erkenntnisse. Selten habe man ihn ohne ein Buch in der Hand Vieh hüten sehen.
Albert Meiers Elternhaus in Adlikon/Regensdorf.
Albert und Frieda Meier-Frei mit den Söhnen Albert (Mitte) und Hans (rechts).
Nach dem Besuch der Primarschule in Watt und nach zwei Jahren Sekundarschule in Regensdorf trat er im Frühjahr 1929 mit hervorragend gutem Zeugnis in die Klasse 2a des kantonalen Gymnasiums in Zürich ein. Er wurde jedoch nur «auf Probe» aufgenommen mit der «Verpflichtung zu Nacharbeit in Latein». Der Lateinunterricht, den er beim Pfarrer in Regensdorf genossen hatte, vermochte den Anforderungen des Gymnasiums nicht zu genügen. Seine Note in diesem Fach war nach einem Quartal eine 3 mit der Bemerkung «schriftlich darunter». Mit enormem Einsatz vermochte er sich derart zu steigern, dass er ein halbes Jahr später die Note 5 erreichte. Im Herbst 1934 durfte er als Bester seiner Klasse das Maturitätszeugnis des Realgymnasiums entgegennehmen. «Für mich waren diese Jahre an der Kantonsschule eine unvergesslich schöne, erfahrungsreiche Zeit.»
Das Vorbild seines Sekundarlehrers Walter Egli weckte in Albert Meier den Wunsch, diesen Beruf zu ergreifen. Nach der obligatorischen Patentierung als Primarlehrer begann er im Herbst 1935 an der Universität Zürich mit seinem Studium. Als Hauptfach wählte er Mathematik, als Nebenfächer Physik, Zoologie und Geographie. Fünf Monate verbrachte er in Paris und La Rochelle zur Weiterbildung in Französisch. Im Frühjahr 1938 konnte er sein Studium als Sekundarlehrer mathematisch-naturwissenschaftlicher Richtung mit Erfolg abschliessen.
MILITÄR
Im Frühjahr 1935 begann Albert Meier seine Rekrutenschule in der Kaserne Zürich und wurde zum Feldmitrailleur ausgebildet. Nach der Unteroffiziersschule und dem Abverdienen als Korporal in Herisau wurde er zum Gebirgsdienst dem Urnerbataillon 87 zugeteilt, dessen Kommandant ihn zum Wachtmeister beförderte. «Der Dienst am schweren Maschinengewehr im Gebirge war dann allerdings viel härter als ich mir vorgestellt hatte. Wenn es für die Saumpferde zu riskant wurde über steil abfallende Schneepfade oder Traverse abschüssiger Felspartien mussten alle Lasten geschultert werden, ausnahmslos von jedermann, von Soldat bis Offizier. Zusammen mit dem ordentlichen Gepäck waren dies bald einmal 40 Kilogramm pro Mann.»
«Weit und breit stand für mich im Sommer 1939 keine Arbeitsstelle als Sekundarlehrer in Aussicht, was mich bewog, mich zum Feldweibel ausbilden zu lassen. Diesen Grad verdiente ich von Juli bis September 1939 in der Infanterie-Rekrutenschule Zug ab. Mitten in diesem Ausbildungsdienst brach der Krieg aus, sodass ich ab Dezember 1939 bis November 1940 ununterbrochen Aktivdienst zu leisten hatte.» Eine besondere Freude und Ehre für Albert Meier war, als er zum Fähnrich des ganzen Bataillons ernannt wurde.
«Insgesamt weist mein Dienstbüchlein 1005 Diensttage aus, beinahe drei volle Jahre. Allein dieses Zeitopfer, das wir Zugehörige zur Aktivdienstgeneration erbracht haben, verdiente von gewissen Heutigen etwas mehr Respekt.»
«Besonders eindrücklich aus der ganzen Aktivdienstzeit ist mir der 10. Mai 1940 in Erinnerung geblieben. Das Bataillon, das mehrere Monate in Remetschwil im Reusstal stationiert gewesen war, stand am 9. Mai den ganzen Tag in Alarmbereitschaft und wurde in der Nacht über den Heitersberg nach Spreitenbach im Limmattal verlegt, wo sich die Mannschaft auf offenem Feld einzugraben hatte. Meine Mutter hatte mir tags zuvor noch einen besorgten Brief geschrieben: In Adlikon seien alle Wegweiser abmontiert worden, an der Nordgrenze hätte man starke deutsche Truppenbewegungen festgestellt, man erwarte stündlich den deutschen Angriff. Es war ein sonniger Maientag und ich erlebte den Widerspruch zwischen der Schönheit dieser Welt und der Hoffnungslosigkeit, in der wir uns befanden, in besonderer Eindrücklichkeit. Aus späteren militärischen Aufzeichnungen erfuhr ich, dass wir uns an der Hauptverteidigungslinie des Mittellandes und damit mit unserer Bewaffnung in grosser Aussichtslosigkeit befunden hatten.»
VERLOBUNG UND HEIRAT
«Emmy Burkhard kannte ich schon in der Jugendgruppe Regensdorf. Wir verlobten uns am Bettag 1940 und heirateten auf Antritt meiner festen Anstellung in Stammheim am 31. Mai 1941. Das Fest fand im ehrwürdigen Gemeindesaal Unterstammheim statt. Nach Stammerbrauch nahmen neben der eigentlichen Hochzeitsgesellschaft viele Gemeindeglieder als «Gaber» daran teil, Leute, die zum Gratulieren erschienen, eine kleine Gabe mitbrachten und einfach bewirtet wurden. Der Gemeindesaal war – es war ja Kriegszeit – normalerweise vom Militär beschlagnahmt. Dass wir ihn zu unserem Fest trotzdem erhielten, verdankten wir dem Umstand, dass die Fleckviehzuchtgenossenschaft an diesem Abend eine dringende Versammlung geplant hatte. Das Hochzeitsfest musste deshalb um 21 Uhr abgebrochen werden, was dem Umstand entgegenkam, dass die meisten Gäste im Car verdunkelt nach Zürich und Umgebung zurücktransportiert werden mussten.»
Hochzeit in der Gemeindestube Unterstammheim, 31. Mai 1941.
«STAMMERZEIT»
Um den Stellenmarkt für Sekundarlehrer war es in jenen Jahren schlecht bestellt. Umso mehr freute sich Albert Meier, dass die Sekundarschulpflege Stammheim ihn in einem siebenwöchigen Vikariat in Bülach besuchte und ihn anschliessend aus sechzehn Bewerbern auf Beginn des Schuljahres 1941 wählte.
Mit beispielhaftem Einsatz und voll innerer Begeisterung arbeitete er sich in seinen Beruf ein. Er freute sich, seine Schülerinnen und Schüler mit den Geheimnissen der Natur und des menschlichen Denkens vertraut zu machen und sie zu selbständigen Menschen heranzubilden. Zur Förderung ihrer weiteren Entfaltungsmöglichkeiten beriet und begleitete er sie auch bei der Berufswahl. Anhand von Vorlesungen, die seine Gattin in Zürich besuchte und stenographierte, in Kursen und zähem Selbststudium erwarb sich Albert Meier die dazu erforderlichen Kenntnisse. Bald wurde ihm als ausgebildetem Berufsberater eine weit über seinen Schulkreis hinausreichende Aufgabe übertragen: Der Aufbau und die verantwortliche Leitung der Berufsberatung für den ganzen Bezirk Andelfingen.
Von Anfang an war die aktive Mitarbeit in der Kirche für beide selbstverständlich. Albert Meier stellte seine reichen Gaben der Kirchgemeinde Stammheim sowohl als musikalischer Leiter des Kirchenchores wie auch während voller zehn Jahre als Aktuar der Kirchenpflege zur Verfügung. Dank seiner Sachkenntnis sowie seines ausgeprägten Sinnes für das Wesentliche wurde er auch in die Bezirkskirchenpflege Andelfingen gewählt, zunächst als Kassier, dann als Präsident.
Gewiss wäre noch mancher gemeinsame Einsatz zugunsten der Gemeinschaft zu erwähnen, wie etwa die Organisation eines reichhaltigen Bazars und die Einübung eines Schülertheaters, deren Erlös zur Mitfinanzierung eines Skilagers in den Flumserbergen – für Stammerkinder damals ein absolutes Novum – verwendet wurde.
In jener Zeit wurde Albert und Emmy Meier durch die Geburt zweier Söhne auch im Kreise der Familie viel Freude und Erfüllung zuteil.
«Die dreizehn Jahre, die ich mit meiner Familie in Stammheim verbrachte, gehören zu den schönsten meines Lebens. In den vier schmucken Dörfern des Stammertales lebt eine aufgeschlossene, tüchtige, unternehmensfreudige Bevölkerung, bei der wir all die Jahre herzliche Aufnahme fanden. Es gab wohl kaum ein Elternpaar meiner Schüler, das ich nicht persönlich kannte, und in den allermeisten Stuben waren meine Frau und ich in irgendeiner Form zu Gast gewesen. Diese persönlichen Beziehungen und die Übersichtlichkeit der Verhältnisse machten die Stammerzeit für mich als Lehrer zu einem besonderen Erlebnis.»
Albert Meier - ein begeisternder Sekundarlehrer. Aufnahme von 1974.
SEKUNDARLEHRER IN WÄDENSWIL
«Ich zog ins neu erbaute, auf Frühjahr 1954 eröffnete Sekundarschulhaus auf der Fuhr ein. Bisher gab es seit einer Anzahl von Jahren acht Sekundarklassen, die von vier Lehrerteams sprachlich-historischer und mathematisch-naturwissenschaftlicher Richtung unterrichtet wurden. Ich betreute die neunte Lehrstelle und hatte für ein Jahr ausser Geschichte und Gesang sämtliche Fächer an meiner Klasse zu unterrichten. Damals erfolgte die definitive Aufnahme in die Sekundarschule nach einer dreiwöchigen Probezeit. Die angemeldeten Sechstklässler wurden korrekt und gleichmässig nach dem Zeugnisdurchschnitt auf die vier neuen ersten Klassen verteilt. Trotzdem befanden sich in meiner Klasse überdurchschnittlich viele ungenügende Schüler, was sich bei der Rückweisungsquote zeigte. Während die drei anderen Klassenlehrer ein bis zwei Schüler als ungenügend taxierten, waren es in meiner Klasse nach meiner bisherigen Beurteilungspraxis deren sechs. Wie sollte ich dieses Dilemma lösen? Schulpflege und Kollegen würden einen solch unterschiedlichen Rückweisungsantrag von mir als Neuling an der Schule als viel zu streng und anmassend ablehnen. So beschränkte ich mich auf zwei Fälle, was sich in der Folgezeit aber eindeutig als falsch erwies. Um die vier von der Rückweisung verschonten Schüler einigermassen mitnehmen zu können, musste ich sie mit privatem unentgeltlichem Zusatzunterricht fördern. Während des ersten halben Jahres verzichtete ich dazu auf jeden freien Mittwochnachmittag. Die Auflösung dieses Rätsels: Nahezu ein Drittel meiner Schüler waren Schlüsselkinder. Im nächsten Schuljahr führte ich die Klasse zusammen mit Hansueli Traber als Sprachlehrer und Partner. In der Folge vergrösserte sich die Schule fast jährlich um eine weitere Lehrstelle.»
Auch in Wädenswil gewann Albert Meier dank seiner Einsatzfreude und menschlichen Wärme rasch das Vertrauen der Schüler und die Achtung von Eltern und Kollegen. Die durchwegs positiven Visitationsberichte der Bezirksschulpflege erwähnen immer wieder die «Klarheit und Anschaulichkeit seines Unterrichtes», die «gewissenhaft vorbereiteten, wohldurchdachten, sorgfältig und abwechslungsreich gestalteten Lektionen». «Die temperamentvolle Art des Lehrers und sein Humor haben auf die Kinder eine anspornende Wirkung. Sie beteiligen sich aktiv und offenbar gerne am Unterricht.» «Sehr taktvoll und feinfühlend pflegt Herr Meier während des Unterrichts die Charakterbildung. Die Schule macht einen mustergültigen Eindruck und dürfte manchem Schüler im Leben wegleitend sein.» «Neben schönen Unterrichtserfolgen sichert ihm seine Hingabe an die Schule das Vertrauen und die Achtung seiner Schüler.» «Disziplin und Ordnung vorbildlich.»
Im Lebenslauf einer Konfirmandin, geschrieben 1976, steht: «Auch war mir besonderes Glück beschieden, indem ich der Klasse d zugeteilt wurde mit dem Klassenlehrer Herr Albert Meier. In allen Fächern bei Herrn Meier erlebte ich während allen drei Jahren eine glückliche Sekundarschulzeit. Nicht von ungefähr kam es, dass meine Stärke in die mathematischen Fächer verlagert wurde. Auch habe ich es sicher Herrn Meier zu verdanken, dass ich die kürzliche Aufnahmeprüfung in die Handelsschule Pfäffikon bestanden habe. Wie mir mein Klassenlehrer tags zuvor unter vier Augen Mut, Aufmunterung und Selbstvertrauen zugesprochen hat, werde ich ihm nie vergessen.» (Manuela Tobler).
Albert Meier im Kreise seiner Kollegen, 1974.
Im neuen Schulhaus richtete er in dem dafür vorgesehenen Raum eine Metallwerkstatt ein, besuchte Metallbearbeitungskurse und erteilte bis zu seiner Pensionierung fakultative Metallkurse, anfänglich nur für Knaben, später auch Schmuckkurse für Mädchen in Silber- und Emailarbeiten. Während acht Jahren unterrichtete er Schüler, die aus der zweiten Sekundarklasse ans Gymnasium übertraten, in Latein.
«Ausserdem wurde der Unterricht an der kaufmännischen Berufsschule in Wädenswil von der Sekundarlehrerschaft erteilt. Auch hier gab ich stundenweise Unterricht in einzelnen Fächern der Sparte Steno, Maschinenschreiben und Briefdarstellung, im Rechnen für Kaufleute und Verkaufspersonal, und dies auch noch, als diese Schule später in Horgen konzentriert wurde.»
Als Leiter verschiedener Skilager und Mitinitiant des Skihauses Obersaxen sowie als Hausvorstand, Materialverwalter und Administrator der Schulzahnklinik übernahm er weitere Verpflichtungen.
OBERSTUFENSCHULGUTSVERWALTER
«Als wesentliches positives Element an der neuen Schule fiel mir die enge harmonische Zusammenarbeit der Schulpflege mit der Lehrerschaft auf. Wichtige Verwaltungsarbeiten, nämlich die beiden Aktuariate und die Gutsverwaltung, hatte hier die Pflege an drei Lehrer delegiert und entlastete sich damit. Kraft ihres Amtes hatten diese Lehrer vollgültigen Einsitz im Büro der Schulpflege. Damit erhielt die Lehrerschaft ganz wesentliche Befugnisse an der Führung und Steuerung der Schule.»
Albert Meier mit der letzten Schulklasse, Nov. 1979. Links H. Zbinden, A. Meier, rechts H. U. Traber.
Dank dieser Aufteilung der Aufgaben wurden sämtliche administrativen Arbeiten von Schulpflege und Lehrerschaft ohne Hilfe eines Sekretariates erledigt.
Im Jahre 1966 übernahm Albert Meier die Gutsverwaltung der Oberstufenschule Wädenswil-Schönenberg-Hütten. Obwohl diese Arbeit wegen der Verdoppelung der Lehrstellen und der vierfachen Erhöhung des Budgets schon innerhalb von zehn Jahren enorm gewachsen war, hat sie Albert Meier mit grösster Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit bewältigt. Sein Partner Hansueli Traber schreibt: «A. Meier bewies immer wieder grosses Geschick in der Beurteilung des Möglichen und Sinnvollen. Er stellte nie unbegründete Forderungen und vermochte mit seiner ruhigen, überlegenen Argumentation manche Spannung abzubauen.»
Als Albert Meier im Frühjahr 1980 mit 65 Jahren und 40 angerechneten Dienstjahren das Pensionsalter erreicht hatte, bat ihn der auf den gleichen Zeitpunkt aus beruflichen Gründen zurücktretende Finanzvorstand Jürg Schwarz, Generaldirektor der Zürcher Kantonalbank, die Gutsverwaltung vorläufig weiterzuführen, um die Kontinuität in den Finanzen der Schule zu wahren. So hatte Albert Meier dieses anspruchsvolle Amt noch zwölf Jahre über seine Pensionierung hinaus inne, wobei ihn nun eine Sekretärin entlastete.
Mitdenken und Mitgestalten, Verantwortung übernehmen und mittragen waren Albert Meier ein wichtiges Anliegen.
KIRCHENPFLEGEPRÄSIDENT
Nachdem Albert Meier seit 1962 in der Kirchenpflege tätig war und sich vor allem als Präsident der Kommission zur Vorbereitung des zweihundertjährigen Kirchenjubiläums eingesetzt hatte, wurde er im Frühjahr 1966 ehrenvoll zum Kirchgemeindepräsidenten gewählt. An Arbeit und Aufgaben fehlte es wahrlich nicht: Umbau des Hauses Rotweg 15 zu einem Pfarrhaus, Neueinteilung der Seelsorgekreise, ausgedehnte Pfarrsuche und Besetzung der neu geschaffenen vierten Pfarrstelle mit Pfarrer Peter Weiss, dann die Durchführung des Kirchenjubiläums und Dorffestes, die Herausgabe der Jubiläumsschriften sowie die zeitraubende Weiterführung der Planung für ein kirchliches Zentrum in der Au. Nach dessen Verwerfung begann man wieder von Neuem nach Möglichkeiten für eine sinnvolle Aufbauarbeit in der Au zu suchen und plante den schmucken Kirchgemeindepavillon, der im Sommer 1972 eingeweiht werden konnte.
Auch im Dorf wurden neue Aufgaben erkannt und gelöst: Einführung des Mitternachtsgottesdienstes an Weihnachten, Schaffung eines Kirchensekretariates und Anstellung einer vollamtlichen Sekretärin, Einrichtung und Eröffnung der Altersstube im «Sunneblick», dazu Renovationsarbeiten an der Kirche und der Orgel. In die letzte Zeit fiel noch der Wegzug der Pfarrfamilie Gutzwiller, die Ausarbeitung einer Vorlage zur Renovation des Pfarrhauses Frohmatt, das Verfassen einer neuen Kirchgemeindeordnung und die erneute Pfarrsuche, die mit der Zusage von Pfarrer Andres Boller im Februar 1974 von Erfolg gekrönt war. Nach zwei Amtsperioden gab Albert Meier dieses anspruchsvolle Amt im Frühling desselben Jahres in jüngere Hände.
Kirchenpflegepräsident Albert Meier mit Fanny Rusterholz, Klavierlehrerin.
Eindeutiger Höhepunkt seiner Amtszeit waren die Jubiläumsfeierlichkeiten vom 30. Juni bis 2. Juli 1967 «200 Jahre Kirche Wädenswil», die bei strahlend warmem Sommerwetter und unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung – die Ladenschlusszeit der Wädenswiler Geschäfte wurde samstags einheitlich auf 14. 30 Uhr vorverlegt! – durchgeführt werden konnten. Sämtliche Oberstufenschüler samt Schulpflege und Lehrerschaft wurden am Freitagnachmittag auf eine Schifffahrt mit der «Stadt Rapperswil» in den Obersee eingeladen. Nach den Jubiläumsfeiern für die Schuljugend in der Kirche am Samstagmorgen begaben sich die Primarschüler auf eine Seerundfahrt mit anschliessendem Ballonwettbewerb auf dem Seeplatz und die Kindergartenschüler genossen auf bekränzten Pferdefuhrwerken eine Rundfahrt durchs Dorf. Um 11 Uhr Empfang der geladenen Gäste und Festbankett im Engelsaal, 15 Uhr eigentliche Jubiläumsfeier in der Kirche mit einem Vortrag von Prof. Dr. Albert Hauser und anschliessend Enthüllung einer Gedenktafel an der Kirche durch Kirchenpflegepräsident Albert Meier.
Albert Meier enthüllt die Gedenktafel an der Nordwand der reformierten Kirche, angebracht zur 200-Jahr-Feier des Grubenmann Bauwerks im Sommer 1967.
Um 17 Uhr startete das eigentliche Dorffest, zu dessen gutem Gelingen alle Vereine mit unglaublichem Einsatz und originellen Attraktionen Wesentliches beitrugen. Am Sonntag luden die Glocken der Kirche zum Festgottesdienst mit Predigt von Dekan Walter Angst und der Uraufführung einer von Walter Baer komponierten Festkantate ein, und am Nachmittag konnte das von Hans Thürer für dieses Jubiläum verfasste und von den Freunden des Volkstheaters aufgeführte Festspiel «I Gotts Name» nochmals besucht werden. «In der Zeit, bis das Fest stattfand, war meine Arbeitsbelastung ganz ausserordentlich. Aber es hat sich gelohnt. Das Kirchenfest war in meinen Augen das schönste und gediegenste Fest, das Wädenswil je erlebt hat.»
Jubiläum 200 Jahre reformierte Kirche Wädenswil. Schiffahrt der Primarschüler mit der «Limmat» und Ballonwettbewerb auf dem Seeplatz.
BEHEIMATUNG
Im Herbst 1955 zog Familie Meier in das neu erbaute Eigenheim an der Fuhrstrasse 13 oberhalb des neuen Sekundarschulhauses ein. «Emmys Befürchtungen, am neuen, grossen Wohnort sei der Kontakt mit der Bevölkerung und Freunde und Bekannte zu finden sehr schwierig, waren unnötige Sorgen. Für sie als kontaktfreudigem Menschen war dieser Umstand lebenswichtig. Die Seebevölkerung erwies sich als sehr aufgeschlossen, zugänglich, von natürlicher Unkompliziertheit. «Sehr schnell fanden wir liebe, treue Bekannte und Freunde. Emmy trat in den Frauenverein ein und gehörte rasch dessen Vorstand an. Wir beide besuchten die Chorproben des Kirchengesangsvereins und kamen so in den Genuss, anspruchsvolle Chorwerke einstudieren und mitsingen zu können. Die Buben lernten neue Kameraden in der Schule kennen; Hanspeter trat in die Pfadiabteilung ein.»
Sie unternahmen Reisen nach Holland, Rom, nach Frankreich, München und Südengland und verbrachten ihre Ferien in Ponte Tresa, Zermatt, Davos oder auf einer Kreuzfahrt nach Griechenland/Türkei. Im November 1972 erwarben sie eine nach Süden orientierte, auf der Talkante gelegene Ferienwohnung in Brigels mit Sicht das ganze Rheintal auf- und abwärts und gegenüber auf Obersaxen und Piz Mundaun. «Wir verbrachten alle Ferien, ausser Frühlings- und Weihnachtsferien, in Brigels. Zum Skifahren im Winter standen eine zweistufige Sesselbahn auf den Rubi und eine Langlaufloipe zur Verfügung. Wir machten von hier aus Touren in alle Seitentäler, auf den Oberalppass, auf den Lukmanier, nach Flims und an den Caumasee.»
DIE KATASTROPHE
Ein Abschnitt in Albert Meiers Aufzeichnungen trägt den Titel: «Die Katastrophe». Emmy Meier musste sich anfangs Februar 1987 im Spital Richterswil einer Darmoperation unterziehen, die einen guten Verlauf nahm, sodass der Chirurg fand, man könne den künstlichen Darmausgang Ende Mai mit einer Ergänzungsoperation wieder rückgängig machen. Während dieser Operation wurde Emmy das Blut eingeflösst, das für einen andern Patienten bestimmt war. Dieses fremde Blut zersetzte ihr eigenes. Sie fiel ins Koma, aus dem sie nicht mehr erwachen sollte und starb am 23. Juni auf der Intensivstation der Universitätsklinik in Zürich.
«Für mich fiel eine Welt zusammen. Die brutale Unmittelbarkeit des Geschehenen und die unverständlichen Umstände, die dazu führten, liessen mich dessen Tragweite erst nach und nach erfassen. Dass das, was passiert ist, endgültig, unwiederbringlich und mit keinem Mittel mehr zu ändern ist, musste ich Schritt für Schritt begreifen lernen. Und immer häufiger und immer stärker ergreift mich dabei ein Gefühl grenzenloser Verlassenheit und Verlorenheit. Wie froh und dankbar bin ich, auf die Liebe und den Beistand von ein paar Freunden zählen zu dürfen, von denen ich weiss, dass sie in echter Anteilnahme mittragen und mitfühlen und jederzeit bereit sind, tätig zu helfen.»
INITIANT DER KOCHKURSE FÜR «AKTIVE SENIOREN»
Wie kam es zu diesen Kochkursen? Vor einigen Jahren erkrankte Albert Meiers Gattin und er erkannte, wie wichtig es für ihn wäre, in der Küche Bescheid zu wissen. Er ergriff die Initiative und erkundigte sich bei der Fortbildungsschule, ob es nicht möglich wäre, einen Kochkurs für Anfänger ohne jegliche Kenntnisse anzubieten. Die Fortbildungsschule organisierte einen solchen Kurs. Da sich jedoch nur vier Interessenten anmeldeten, musste der Kurs abgesagt werden.
Albert Meier gab nicht auf. Ob es nicht möglich wäre, einen normalen Herrenkochkurs zu besuchen, erkundigte er sich, er müsse jetzt einfach kochen lernen. Auf die entsprechende Zusage hin kochte er zusammen mit den eingefleischten Hobbyköchen einige Male eigentliche Supermenüs. Aber das war nicht, was er suchte.
Einige Monate später starb Frau Meier. Albert wandte sich erneut an die Fortbildungsschule. «Mi het das z’töifscht troffe u bewegt. Mir isch klar gsii, dasmaal mues es klappe – aber wie mache?», so Vroni Zwygart. Über Elsbeth Bachmann wurde ihr Gatte Ruedi, der Obmann der «Aktiven Senioren Wädenswil», ins Bild gesetzt. Noch am selben Abend rief er Vroni Zwygart an. Sie waren sich einig: An acht Tagen soll der Kurs stattfinden und nachher soll Schluss sein. Vroni Zwygart anerbot sich, eine Kochlehrerin als Kursleiterin anzufragen, erklärte sich aber gleichzeitig bereit, bei einer Absage den Kurs selber zu erteilen. Ruedi Bachmann rührte die Werbetrommel und Vroni Zwygart konnte am 23. Oktober 1987 den ersten achtteiligen Kochkurs mit sechzehn Männern in der Schulküche des Steinacherschulhauses in der Au beginnen. Vroni Zwygart in ihrer Rückschau: «Albert Meier, für mii bisch du dr Vatter vo däne Kürs. Ooni diis Nidlugglaa wäre die Kürs nid choo. U Ruedi Bachme, für mii bisch du dr Götti vo däne Kürs. Danke, dass du däm Göttichind gäng e so guet luegisch!»
Obwohl zunächst nicht vorgesehen, mussten auf Drängen der ersten Teilnehmer «Seniorenkurse für Fortgeschrittene» angeboten werden. Zwölf Besucher des ersten Kurses liessen sich noch während vier Jahren weiterbilden. Jedes Jahr wurde auch ein Anfängerkurs ausgeschrieben. Während 22 Jahren erteilte Vroni Zwygart mit viel Geschick und Herzblut diese überaus begehrten und erfolgreichen Kochkurse für Männer im Pensionsalter, die heute von Vreni Staub-Hauser im selben guten Geist weitergeführt werden.
Erster Kochkurs für "Aktiven Senioren", Herbst 1987. Von links Vroni Zwygart, Alfred Schlatter, Albert Meier, Roger Burnand.
Albert Meier mit seiner zweiten Frau Madeleine, 1991.
NEUANFANG UND AUSKLANG
«Ich hatte das starke Verlangen, mit Menschen zusammen zu sein, die Emmy besonders nahe gestanden waren – wohl aus dem Empfinden heraus, von ihr zu hören und ihr so näher zu sein. Unter anderen suchte ich so Madeleine Hafner in Schlieren auf. Sie kannten sich seit der gemeinsamen Handelsschulzeit. Madeleine war wohl die Vertrauteste der Freundinnen Emmys. Sie war sehr häufig bei uns zu Besuch, verschiedentlich auch mit uns in den Ferien, sodass auch ich sie seit vielen Jahren kannte. Wir wanderten zusammen oftmals über den Altberg, besuchten Vorstellungen im Schauspielhaus, machten kurze Autoausflüge etc.
Nach drei Jahren fanden wir, wir könnten unsere Haushalte zusammenlegen und uns so gegenseitige Stütze und Hilfe in den kommenden Altersschwierigkeiten sein, mit etwas Glück möglichst lange selbständig bleiben und einen Aufenthalt in einem Altersheim so vielleicht vermeiden. Am 30. November 1990 heirateten wir und verlebten seither überaus glückliche Jahre.» Gemeinsam unternahmen sie Kunstreisen, verbrachten Ferien in Schruns oder Bad Ischgl, besuchten wöchentlich das Bad in Ragaz und ergötzten sich auf ausgedehnten Autofahrten.
Gerne nahm Albert Meier auch an den Klassenzusammenkünften ehemaliger Schüler teil, so auch 2009 an der Zusammenkunft seiner ersten Schulklasse in Stammheim. Schmunzelnd meinte er nachher: «Weisch, das isch scho es sältsams Gfüül, wenn diini erschte Schüeler vo doozmaal hütt 82gi sind!»
Glücklicherweise blieben ihm seine geistigen und körperlichen Kräfte wie auch sein feiner Humor bis in seine letzten Tage erhalten. Als Madeleine gebrechlich wurde, übernahm er die volle Verantwortung für Küche und Haushalt, lud Gäste ein und verwöhnte sie mit guter Kost. Dank enormer Unterstützung durch seine Schwiegertochter Ursi und in allerletzter Zeit dank Beizug fremder Hilfe konnten die beiden in ihrem vertrauten Heim bleiben, bis Albert Meier am Donnerstag, 26. August 2010 im 96. Lebensjahr für immer heimgerufen wurde.