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ZUM TOD DES US-AMERIKANISCHEN BILDHAUERS RICHARD SERRA
27.03.2024 Der am 2. November 1938 in San Francisco geborene US-amerikanische Bildhauer Richard Serra (Bild) ist am 26. März 2024 in Orient (New York) gestorben. Serra war für seine grossformatigen Skulpturen bekannt, die für ortsspezifische Landschafts-, Stadt- und Architekturumgebungen geschaffen wurden. Mitte der 1960er-Jahre experimentierte Richard Serra mit industriellen Werkstoffen wie Blei und Gummi. Die Materialien wurden mit einfachen Eingriffen bearbeitet und in einen Bezug zum Raum gesetzt. Im Laufe der Jahre erweiterte Serra seinen räumlichen Ansatz, indem er mit wetterfestem Stahl arbeitete. Ausserdem umfasst sein Œuvre Filme sowie eine Vielzahl von Malereien und Druckgraphiken. (*)
Bild: Richard Serra, Siegen 2005 - Foto: © Oliver Mark, https://oliver-mark.com/ - Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en - Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Oliver_Mark_-_Richard_Serra,_Siegen_2005.jpg
Richard Serra, Who Recast Sculpture on a Massive Scale, Dies at 85
His tilted walls of rusting steel, monumental blocks and other immense and inscrutable forms created environments that had to be walked through, or around, to be fully experienced.
Richard Serra, who set out to become a painter but instead became one of his era’s greatest sculptors, inventing a monumental environment of immense tilting corridors, ellipses and spirals of steel that gave the medium both a new abstract grandeur and a new physical intimacy, died on Tuesday at his home in Orient, N.Y., on the North Fork of Long Island.
Roberta Smith
Richard Serra made us giddy and afraid
The artist, dead at 85, offered a strange – and strangely intimidating – new way to think of sculpture
Sebastian Smee
The "poet of iron"
Considered one of his generation’s most preeminent sculptors, the San Francisco native originally studied painting at Yale University but turned to sculpting in the 1960s, inspired by trips to Europe.
(…)
Known by his colleagues as the "poet of iron," Serra became world-renowned for his large-scale steel structures, such as monumental arcs, spirals and ellipses. He was closely identified with the minimalist movement of the 1970s.
Susan Haigh, Trân Nguyễn
Richard Serra obituary
Richard Serra, who has died aged 85, was a remarkable cultural figure – a sculptor who belonged to the generation of American minimalists, was associated with process art and made experimental films, yet evoked something of an earlier, more heroic age. The critic Robert Hughes described him as “the last abstract expressionist”.
Christopher Masters
Muere Richard Serra, escultor del acero y del tiempo
El tótem del arte estadounidense, famoso por sus monumentales piezas de inspiración minimalista, fallece a los 85 años víctima de una neumonía en su casa de Long Island.
Iker Seisdedos
È morto lo scultore Richard Serra, un maestro dell’arte contemporanea
Ha trasformato la scultura in un'esperienza da attraversare. In spirali e monoliti installati nei musei o negli spazi pubblici del pianeta. Per questo Richard Serra, morto il 26 marzo nella sua casa di Long Island, a 85 anni, si è guadagnato per sempre un posto nella storia dell’arte.
Dario Pappalardo
Bild: Richard Serra, "Maillart Extended", 1988. Zweiteilige Stahlkonstruktion (je ca. 3 m h und 7.6 m l) Grandfey-Brücke Kanton Fribourg-Freiburg - Im Bild Treppenaufgang Ostseite, Balliswil, Düdingen - Foto: © B. Fasel, https://res.friportail.ch/kunstfreiburg/de/node/138
La mort de Richard Serra, artiste minimaliste et sculpteur monumental
Maître de l’acier et du plomb fondu, auteur de nombreuses œuvres monumentales, l’Américain est mort près de New York, mardi 26 mars, à 85 ans.
Harry Bellet
Mort de Richard Serra, sculpteur américain qui mit l’acier debout
Figure majeure de l’art contemporain, l’Américain Richard Serra est mort mardi 26 mars à 85 ans. Ses sculptures en acier monumentales et minimalistes ont fait le tour du monde et visaient à faire vivre «une expérience» au spectateur.
Judicaël Lavrador
Das Erhabene und der Rost
Seine Skulpturen verändern den Maßstab der Wahrnehmung. Der Schöpfer großer Skulpturen aus Stahl und Eisen ist gestorben.
Das Schlichte und das Erhabene, die minimalistische Form und die monumentale Ausführung – wie sich diese scheinbar gegensätzlichen Pole verbinden, das macht oft die Spannung in den Skulpturen von Richard Serra aus. (…)
In Berlin steht vor dem Eingang der Philharmonie die „Berlin Junction“ von Richard Serra, 1988 aufgestellt. Zwei hohe gebogene Stahlwände, in den Kurven leicht voneinander abweichend, bilden eine Schlucht, einen Gang. Der Wind klingt manchmal in den Wänden. Zwischen ihnen hört man zwar noch die Geräusche des Verkehrs, doch ist man für einen Moment auch aus dem Alltag ausgetreten. Der Blick nach oben, steil aufwärts, hat etwas von dem in einer Kathedrale. Aber auch in die Einsamkeit einer Schlucht kann man sich imaginieren.
Katrin Bettina Müller
Die Schönheit des Ungeschönten
Der Bildhauer Richard Serra ist ein Klassiker nicht nur der amerikanischen Moderne. Seine Skulpturen vermittelten ein neues Gefühl für Zeit und Raum.
Bernhard Schulz
Mit riesigen Stahlskulpturen wurde Richard Serra weltberühmt
Der US-Künstler eckte auch immer wieder an – wie bei der Arbeit am Holocaustmahnmal in Berlin
Mehr als 100 Tonnen Stahl musste ein Kran einer Kasseler Baufirma wuchten, als US-Bildhauer Richard Serra 1977 bei der Documenta eines seiner Werke zeigte.
"Serras Kunst gibt wenig Anlass zu mystischen Spekulationen, sie will schlicht gesehen, angefasst und betreten sein", schrieb der "SPIEGEL" damals. Die einzige Möglichkeit, eine seiner Arbeiten zu begreifen, sei, sie an ihrem Ort "physisch zu erfahren", sagte auch der Künstler selbst.
vet / dpa
Der wichtigste Stahlarbeiter unter den Künstlern des 20. Jahrhunderts
Der Künstler Richard Serra schuf grandiose Stahlkolosse, seine Skulpturen sind Erinnerungen an das untergegangene Industriezeitalter.
Hanno Rauterberg
Alle Arbeit ist getan
Serras urbane Skulpturen sind oft angefeindet worden. Sie seien hässlich, würden den Blick in die Stadt verderben. Einige wie "Tilted Arc" in New York wurden nach Protesten auf Nimmerwiedersehen abgeräumt. Und auch in Berlin tritt nicht jeder Passant fröhlich in Serras tonnenschwer verrosteten Stahltunnel ein, weil manchen unbehaglich wird: Was mag einen darin erwarten?
Es ist ein Kunstgenuss sondergleichen! Wenn eine Skulptur weniger Anlass zum Streit geben könnte, dann diese. Sie macht ohne irgendeine Vermittlung klar, was die Kunst – in diesem Fall minimalistische Bildhauerei – kann, nämlich sie unmittelbar zu fühlen.
Marcus Woeller
Der grosse Eisenbieger der Kunstwelt
Die Begegnung mit einem Werk des amerikanischen Bildhauers Richard Serra vollzieht sich selten beiläufig. Zu brachial stehen die Stahlmonumente im Stadtraum, und wer sich in sie hineinbegibt, wird alsbald mit klaustrophobischen Ängsten konfrontiert. Das Gefühl, von bloßer Materialität erdrückt zu werden, wird durch manch ein Gebilde des 1938 in San Francisco geborenen Künstlers ausgelöst, der auch schon mal als Möbelpacker jobbte, um seine Ideen von einem radikalen Minimalismus finanzieren zu können.
Harry Nutt
Sein eigentlicher Werkstoff war der Raum
Kraftvoll und umstritten: Er arbeitete mit rostendem Stahl, fertigte Zeichnungen an, die vor allem die Fläche betonen, und provozierte Kontroversen.
Georg Imdahl
Heavy Metal im Kreisverkehr
Mit Skulpturen aus Stahl oder Blei, bestürzend schwer und monumental, wurde Richard Serra zu einem der populärsten Bildhauer der Welt.
Peter Richter
Stählerne Weltkunst
Dem Minimalismus die Stirn bieten und den minimalistischen Purismus zu überwinden, das war, wie Richard Serra einst bekannte, was ihn ursprünglich antrieb. Am Ende sollte er mit seinen gigantischen Skulpturen, die neue Wahrnehmungen von Form und Raum zu eröffnen verstanden, sowohl diese Kunstbewegung als auch eine Generation von Kunstschaffenden prägen, die Architektur ebenso wie das Interior Design.
Olga Kronsteiner
Meister der Stahlgewitter
Die Räume des amerikanischen Künstlers erzeugen unangenehme Gedanken. Der Minimalist schuf Monumentales aus Stahl.
Kerstin Stremmel
Als an der Skulptur plötzlich ein Handlauf prangte
Waren da etwa Vandalen am Werk? Solche, die des Metallschweissens mächtig sind? Das fragte man sich 2007 in der Region Freiburg, als eines Tages an einer Skulptur des US-Bildhauers Richard Serra ein Handlauf prangte.
Seit 1988 steht beim Grandfey-Viadukt zwischen Freiburg und Düdingen Serras monumentales Werk "Maillart Bridge Extended": zwei L-förmige Stahlträger, die auf beiden Seiten der Brücke jeweils an eine Treppe angelehnt sind. Es ist eine Art Klammer zwischen der deutschen und der französischen Schweiz, welche die Brücke verbindet.
Regula Fuchs
Heiss umstritten, aber unumstritten erfolgreich
Als Kind konnte Richard Serra aus seinem Fenster die Schiffe in der Bucht von San Francisco beobachten – und die Faszination von Wasser und grossen Stahlstrukturen liess ihn danach nie wieder los. Mit teils riesigen Stahlskulpturen wurde er zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Bildhauer der Welt. Aber er war auch stets umstritten.
Die Beliebtheit seines Werks bedeute ihm nichts, betonte der Künstler immer wieder. "Ich glaube nicht, dass Kunst die Aufgabe hat, zu gefallen."
sda/dpa, brec
Bild: Werk von Richard Serra, Theaterplatz Basel, 2015 - Foto: Fred Romero, https://www.flickr.com/people/129231073@N06 - Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en - Datei: https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Serra#/media/Datei:Basel_-_Theaterplatz_(27555574271).jpg
Videos:
Richard SERRA, Hand Catching Lead, 1968
PLAY SRF: Richard Serra in der Kunsthalle Basel, "Karussell", 29.01.1988, 7 min
Richard Serra interview (2001) - The Best Documentary Ever
Richard Serra's grossartige Stahlkunst (2009)
Richard Serra: Filme und Videos, 2014
Mehr:
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