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1990 Die ersten Digitalkameras
Das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war von einer Reihe grundlegender Entwicklungen geprägt, die primär der Informatik zu Gute kamen und erst allmählich einen direkten Einfluss auf die Fotografie hatten.
1990 erschien die erste volldigitale Kamera, der «FotoMan» der Schweizer Firma Logitec. Diese revolutionäre Kamera besass kein Wechselspeichermedium, sondern lediglich einen internen Datenspeicher, der direkt mit dem Computer verbunden wurde, um die Bildbearbeitung in der mitgelieferten Software «Fototouch» von Logitec vorzunehmen.
Kodak lancierte 1991 sein DCS (Digital Camera System), das auf einer Nikon F3 beruhte und mit einer Speicher- und Batterieeinheit verbunden wurde. Die Speicherkapazität lag bei 200 Megabytes, und die Bilder konnten über einen kleinen Bildschirm direkt nach der Aufnahme betrachtet werden. Der erste Digitalrückteil wurde von Leaf propagiert und ermöglichte zunächst Digitalaufnahmen in Schwarzweiss – noch nicht in Farbe. Das Rückteil konnte an professionelle Kameras adaptiert werden, wie beispielsweise an die Mittelformatkamera Hasselblad oder an die grossformatige Fachkamera Sinar.
1990 war auch das Geburtsjahr von Photoshop, einer Bildbearbeitungs-Software, die ursprünglich für die graphische Industrie konzipiert wurde. 1993 trug der Mac Classic von Apple mit seinem integrierten Farbbildschirm viel zur Vereinfachung der Bildbearbeitung bei, doch waren die Möglichkeiten des Bildausdrucks noch bei weitem nicht ebenbürtig. Noch konnte die junge digitale Fotografie nicht ganz auf den Film und das Fotopapier verzichten, denn in vielen Fällen wurden die Bilder zum Beispiel mit einer Polaroid Palette auf 35mm-Film oder mit grossen Belichtungseinheiten der grafischen Industrie auf ein lichtempfindliches Material belichtet.
Illustration:
Kodak DCS 100 (Digital Camera System) aufgebaut auf eine Nikon F3, 1991