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Dieser Beitrag über die Erdbeben in Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigt sich mit den sozialen und materiellen Folgen einer ungewissen Gefahr, den Reaktionen und Darstellungen der Zeitgenossen, den Bewältigungsversuchen von Staat und Kirche sowie dem damaligen Wissen und dem Verständnis dieser Phänomene. Die Naturkatastrophe wird unter ihren zwei Aspekten behandelt: als natürliche Gefahr und als soziales Ereignis. Beide schliessen sich nicht aus, ist doch die Naturkatastrophe eine historische und soziale Tatsache, die nur im Kontext der Verwundbarkeit sozialer Gruppen begreifbar ist. Von HistorikerInnen weit gehend unbeachtet sind in Frankreich die historischen Erdbeben im Rahmen eines nuklearen Forschungsprogramms rekonstruiert worden, freilich auf heutige Sicherheitsbedürfnisse zugeschnitten.
Die in der Datenbank SisFrance enthaltene breite Dokumentation belegt für Frankreich zwar eine mässige Erdbebenwahrscheinlichkeit, jedoch ein grosses Schadensrisiko, das von langen Wiederholungsperioden und einer komplexen Geografie geprägt ist. Angesichts der Gefahr lokaler starker Schäden sind die
Menschen der Vergangenheit nicht inaktiv geblieben; auch wenn sie nicht notwendigerweise einen Diskurs über Katastrophen produziert hatten. Der frühmoderne Staat war zunächst nur am Rande involviert, wenngleich er immer häufiger in die Verpflichtung genommen wurde. Die Entdeckung des Erdbebenrisikos fällt in die 1740er-Jahre, als Erdbeben zum Gegenstand von Kommentaren und Debatten wurden. Vorangetrieben wurde dieser soziale Verstärkungsprozess von wissenschaftlichen Untersuchen über die Verteilung der Erdstösse, philosophischen Erörterungen über das Böse und die Vorsehung, einer beschleunigten Nachrichtenübermittlung und einer gewandelten Wahrnehmung von Raum und Zeit. Die intensive Beschäftigung mit dem Beben der Erde zeigt, dass Katastrophen eine wichtige Rolle für das Räsonnement der Aufklärung über Glück, Ungewissheit und Geselligkeit spielen und dass Erdbeben sehr wohl eine französische Besorgnis sind.
(Übersetzung: Urs Germann)