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Viele Vollzeitlöhne im Gastgewerbe und im Detailhandel decken die Existenz nicht. Mehr Angestellte als bisher vermutet verdienen gemäss einer neuen Studie weniger als 3'000 Franken netto pro Monat. Verliererinnen sind vor allem die Frauen.Dieser Inhalt wurde am 23. November 1999 - 15:35 publiziert
Viele Vollzeitlöhne im Gastgewerbe und im Detailhandel decken die Existenz nicht. Mehr Angestellte als bisher vermutet verdienen gemäss einer neuen Studie weniger als 3'000 Franken netto pro Monat. Verliererinnen sind vor allem die Frauen.
Für das Gastgewerbe fordern die Gewerkschaften 300 Franken mehr Lohn. Jede zweite Angestellte oder 51 Prozent der Beschäftigten im Gastgewerbe verdienten 1998 weniger als 3'000 Franken netto pro Monat. Im Detailhandel erhielten 33 Prozent der Angestellten weniger als der von den Gewerkschaften geforderte Mindestlohn, wie die am Dienstag (23.11.) vorgestellte Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) im Auftrag der Gewerkschaften Unia und VHTL zeigt. Die Problematik der Tieflöhne trifft vor allem Frauen. Im Gastgewerbe hatten 56 Prozent der Frauen keinen existenzsichernden Lohn, bei den Männern waren es 43 Prozent.
Krasser fiel der Unterschied im Detailhandel aus, wo 43 Prozent der Frauen und zehn Prozent der Männer keine 3'000 Franken pro Monat verdienten. Die Bass-Studie weist darauf hin, dass das Ausmass der Tieflöhne wegen der Daten systematisch unterschätzt wird. Auch in der vorliegenden Untersuchung auf Basis der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) 1998 seien es die nicht niedergelassenen Ausländerinnen und Ausländer, welche im Allgemeinen besonders wenig verdienten.
Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern erklärt die Studie mit grösstenteils diskriminierender, nach Geschlecht unterschiedlicher Entlöhnung von Qualifikationen. Bei Männern konzentrierten sich nicht existenzsichernde Löhne auf schwache Gruppen wie Ungelernte, Teilzeitarbeitende und neu in einem Betrieb Angestellte. Eine Berufsausbildung, Vollzeitarbeit, lange Betriebszugehörigkeit und höheres Lebensalter führten die Männer weitgehend aus dem Tieflohnbereich heraus. Bei Frauen bewirkten solche Qualifikationen aber nur wenig; sie erhielten Tieflöhne in ähnlichem Umfang wie Frauen ohne diese Qualifikationen.
Laut der Studie gibt es grosse regionale Unterschiede, wobei besonders die Ostschweiz, das Tessin und die Romandie (ausser Genf und Waadt) betroffen sind.Tieflöhne breiteten sich in den letzten Jahren vor allem im Gastgewerbe stark aus, wo der Anteil seit 1995 von 33 auf 51 Prozent stieg.
SRI und Agenturen
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