Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03605.jsonl.gz/1163

Ein Verbrechen erschüttert die Insel. Was bisher nur in isländischen Krimis beschrieben wurde, ist zur Realität geworden und das in einem Land, welches eine sehr geringe Kriminalität kennt. Was ist geschehen: Vor zwei Wochen wurde die junge Frau von den Eltern als vermisst gemeldet. Sie erschien nach dem Ausgang am nächsten Tag weder bei der Arbeit noch zu Hause, was für sie gemäss den Eltern nicht üblich war. Von der Polizei wurde eine Fahndung eingeleitet und eine Kamera zeigte, dass Birna in den frühen Morgenstunden die Bar verliess. Ein rotes Auto wurde gefilmt und mit dessen Vorbeifahrt war Birna verschwunden. War sie in dieses eingestiegen oder zur Mitfahrt gezwungen worden? In den folgenden Tagen fieberten die Isländer mit den Eltern um Neuigkeiten, die nach und nach von der Polizei an die Medien herausgegeben wurden. Vom roten Auto konnte das Nummernschild einer Mietwagenfirma zugeordnet werden. Das Auto wurde von zwei Crewmitgliedern des Fischtrawlers Polar Nanoq gemietet, welcher im Hafen von Hafnarfjördur lag um nach Grönland weiterzufahren. Birnas Stiefel wurden ebenfalls im Hafengelände gefunden, ihr Mobiltelefon war von einer Antenne nahe Hafnarfjördur noch geortet worden, bevor es manuell ausgeschaltet wurde. Der Verdacht, dass Fischer der Polar Nanoq etwas mit dem Verschwinden der Zwanzigjährigen zu tun hatten, erhärtete sich, als das Schiff schon Richtung Grönland ausgelaufen war. Polizei und Küstenwache nahmen Kontakt auf mit dem Trawler und dieser kehrt nach Hafnarfjördur zurück. Die beiden Crewmitglieder, welche das Auto gemietet hatten, wurden sofort verhaftet, stritten aber alles ab. Sie wurden zu zwei Wochen Untersuchungshaft verurteilt und sitzen isoliert im Gefängnis. Ein weiteres Crewmitglied wurde auch verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Bei einem vierten Mann fand man grosse Mengen Haschisch auf dem Trawler, welches auf dem grönländischen Drogenmarkt ungefähr einen Wert von 1,9 Millionen Euro hätte. Später wurde an Bord auch eine Identitätskarte von Birna gefunden, aber von der jungen Frau fehlte weiterhin jede Spur. Die Polizei versuchte herauszufinden, wo das rote Auto während der fraglichen Stunden war. Im Auto selbst wurden Spuren sichergestellt, welche nichts Gutes erahnen liessen. Aber Island ist in Sachen Verbrechensuntersuchung nicht sehr gut ausgerüstet. So wurden die gefunden Spuren in Schweden ausgewertet. Dies dauerte seine Zeit, aber brachte schlussendlich Gewissheit, Birna ist in diesem Auto gewesen. Vor einer Woche wurde die grösste Suchaktion gestartet, welche je in diesem Land stattgefunden hat. Ungefähr 750 Mitglieder der Such- und Rettungsmannschaften Björgunarsveit suchten auf der Halbinsel Reykjanes nach der Vermissten. Noch am Samstagabend gab es keine Spur, aber am Sonntag entdeckte ein Helikopter an einem Strand an der Südküste der Halbinsel in der Nähe des Leuchtturm Selvogsviti eine Leiche. Diese wurde geborgen und untersucht. Es handelte sich um den toten Körper von Birna Bjarnadottir. Ein Forensiker aus Österreich wurde auf die Insel geflogen um die Gerichtsmedizin zu unterstützen. Die Untersuchung zeigte, dass Birna ohne Zweifel ermordet wurde. Aber genauere Erkenntnisse zum Mordhergang wurden noch nicht veröffentlicht. Die Namen der Fischer des Trawlers sind mittlerweile bekannt, beide stammen aus Grönland und sind weiterhin in Haft, während das Schiff freigegeben wurde und ausgelaufen ist. Genau wie Island steht auch Grönland unter Schock. An diversen Orten wurden Kerzen für Birna angezündet um Island und den Eltern die Verbundenheit zu zeigen. Ausserdem wurde mit dem Drogenfund eine Debatte in Grönland ausgelöst. Ob der Drogenfund und der Mord irgendwie zusammenhängen, ist zur Zeit noch nicht bekannt.
Fast gleichzeitig mit dem Auffinden der Leiche von Birna, wird das isländische TV-Drama „Case“ (isländisch Rettur) von einem englischen Magazin zu einem der besten kriminellen Dramas gekürt. Das Drama ist in neun Folgen auf den Flügen von Icelandair zu sehen, aber niemand hätte wohl je gedacht, dass derart dunkle Geschichten auch im friedlichen Island Tatsache werden können.