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Die Verursacher
Wer ist daran schuld, dass die Schweizer Landwirtschaft eine solch schlechte Umweltbilanz hat? Nicht die Bäuerinnen und Bauern, denn diese sind in einem System eingebunden, mit welchem sie sich arrangieren müssen, um wirtschaftlich zu überleben. Das Problem ist die heutige Agrarpolitik. Diese setzt falsche Anreize und maximiert den Gewinn des Agrobusiness auf Kosten der Natur und der Bäuerinnen und Bauern. Und die mächtige Agrarlobby tut alles, um eine Weiterentwicklung der Agrarpolitik hin zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft zu blockieren.
Die Agrarlobby
Die Agrarlobby ist eine der mächtigsten Interessenorganisationen der Schweiz. Während sie in grossangelegten Werbekampagnen vorgibt, die Interessen der sympathischen Berg-Bauernfamilien und unserer Natur zu vertreten, arbeitet sie in Tat und Wahrheit den Interessen des Agrobusiness zu.
Sprachrohr der Agrarlobby ist der Schweizer Bauernverband (SBV). Die politische Macht des Verbandes ist erdrückend: Fünf SBV-Vertreter sitzen im Parlament. Knapp ein Fünftel der aktuellen ParlamentarierInnen hat eine Verbindung zur Landwirtschaft. Der SBV zählt dabei 25 kantonale Bauernverbände und 60 Dach- und Fachorganisationen zu seinen Mitgliedern. Darunter auch mehrere Organisationen mit Bezug zum Agrobusiness.
Das Agrobusiness
Während sich viele Bauernfamilien und ihre oft noch schlechter bezahlten Angestellten zu meist bescheidenen Einkommen auf den Feldern abmühen, fliesst ein grosser Teil der Steuermilliarden in die Taschen des Agrobusiness. Zu diesem gehören Produzenten und Händler von Pestiziden, Futtermitteln, Dünger und Saatgut, die Hersteller und Importeure von Maschinen, Grosshändler von Agrarrohstoffen bis hin zur Lebensmittelindustrie und den Detailhändlern. Sie alle profitieren von der heutigen Landwirtschaftspolitik, die sich nicht an den Bedürfnissen der Bauernfamilien oder der Natur orientiert, sondern am Profit des Agrobusiness.
Wichtigster Akteur ist darin der Milliardenkonzern Fenaco, eine überdimensionierte Genossenschaft, die sich nach und nach die der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Branchen einverleibt hat. Vom Kraftfutter durch die UFA, dem Dünger in der Landi, über den Diesel von Agrola bis zur Abnahme der landwirtschaftlichen Erzeugnisse – alles wird von der Fenaco kontrolliert. Die Fenaco ist Mitglied beim Schweizer Bauernverband und sitzt sogar im Vorstand. Und mit den Bundesräten Ueli Maurer und Guy Parmelin haben sogar zwei Bundesräte Fenaco-Vergangenheit.
Daneben mischen auch globale Pestizid-Hersteller wie Syngenta (im Eigentum von ChemChina) in der Agrarpolitik mit. Mit Lobbying, Einsprachen und juristischen Drohungen macht Syngenta Druck auf die Politik und Verwaltung. Dies mit einem Ziel: Einschränkungen bei der Nutzung von Pestiziden zugunsten des eigenen Profits zu verhindern. Verkauft wird dies unter dem Deckmantel der Erhaltung der Versorgungssicherheit. Ein Hohn im Kontext einer Landwirtschaft, die die natürlichen Ressourcen und Produktionsgrundlagen überstrapaziert und ohne fremde Arbeitskräfte, Importe von Saatgut, Dünger, Futtermittel, Diesel & Co. in kürzester Zeit stillstehen würde.