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Nach der erlebten offiziellen Entdeckung Brasiliens, war Bahia auch Augenzeuge einer Fusion der Rassen in allen ihren ethnischen Variationen und Mythologie. Bahia ist eine Region, die es verdient, dass man ihr mehr Aufmerksamkeit und Umsicht bei der Überprüfung und Sammlung ethnografischen Materials widmet.
Mit einer Anzahl von Sklaven, die dort viel grösser war, als im gesamten Rest Brasiliens, hat Bahia den Afrikanern, als tatsächliche Begründer seines ehemaligen Reichtums und seiner Glorie, alles zu verdanken. Demnach könnte man annehmen, dass die Afrikaner auch bei jedwedem Manifest geistigen Kollektivs vorherrschend wären.
Aber kurioserweise findet man diese scheinbare “Ausdehnung“ nicht im afrikanischen Einfluss. Der richtet sich eher auf die Religion, Dogmen, Traditionen, Protokolle, Übernatürliches – er belegt einen bedeutenden Teil bei volkstümlichen Geschichten, bei Geschichten für Kinder, beim Tanz, in Rhythmen und Melodien – aber der Einfluss des Afrikaners erstreckt sich nicht auf die Mythologie.
Kein einziges Fabeltier, fantastisches Wesen oder furchteinflössendes Geschöpf ist afrikanischen Ursprungs – wie der Werwolf, der aus Europa stammt, oder der “Curupira“, den die Índios geschaffen haben.
Nach den Büchern von Nina Rodrigues, Manuel Querino und Edison Carneiro wird die Religion der bahianischen Afro-Brasilianer in neuem Licht betrachtet, und wir können uns ihre Bedeutung in der Psychologie des Mestizen vorstellen. Aber innerhalb der Mythologie ist der afrikanische Einfluss selbst auf bahianischem Territorium gleich Null. Einen Beweis dafür liefert das Buch “Folclore no Brasil“ (Folklore in Brasilien), in dem Basílio de Magalhães das von Dr. João da Silva Campos zusammen getragene Material kommentiert: “Das negride Kontingent unter den untersuchten und gesammelten Mythen ist an Volumen das Geringste“.
Aber die meisten Mythen und Legenden haben durch negride Mestizen Veränderungen erfahren. Der “Quibungo“ ist ausgebrochen – aber der ist der schwarzen Bevölkerung von Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo, oder des Nordostens und extremen Norden des Landes (Pará) völlig unbekannt – er verbleibt innerhalb der Grenzen Bahias, dort allein ängstigt er die Bewohner mit seinem Spuk.
Die Sammler afrikanischer Geschichten, erwähnen den “Quibungo“ auch nicht – wie zum Beispiel Ellis, Chatelain, Callaway und Junod. Ein besonderes Merkmal dieser Schreckensfigur ist sein Riesenmaul, das sich vom Hals bis zum Bauch vertikal öffnet. Die indianische Legende vom “Mapinguari“ beschreibt in einigen Versionen das gleiche Riesenmaul in vertikaler Position. Aber wer könnte sagen, ob die Figur des “Mapinguari“ vom “Quibungo“ beeinflusst worden ist – oder umgekehrt?
Auch in Bahia sind die Legenden weitester Verbreitung europäischer oder indianischer Abstammung. Dazu gehörend der “Lobisomem” (Werwolf), die “Mula-sem-Cabeça” Esel ohne Kopf), der “Batatão”, “Batatá” oder “Biatatá“, die “Mães-de-Água“ (Wassernixen), vermischt mit afrikanischen Yoruba-Kulten: Der Zumbi ist so eine Art “Curupira“ oder Hexenmeister. Die lokalen, sekundären Mythen sind lediglich Teile oder Umarbeitungen anderer Mythen aus anderen Regionen – ohne Authentizität oder Originalität.