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Die beginnenden Dreissigerjahre waren von der Wirtschaftskrise überschattet. Wenn man erlebten Erzählungen jener Zeit lauscht, so hatten auch im Toggenburg viele Familien kaum das Nötigste zum Leben, Tagelöhnerei war weit verbreitet. Der Schulrat bat den Präsidenten der «Harmonie» gar um einen finanziellen Beitrag, damit den Kindern eine Schulreise geboten werden konnte. In dieser Krisenzeit lag eine Teilnahme an grossen Musikfesten, wie des Eidgenössischen von Bern 1931, nicht drin.
Musiktag in Lichtensteig
Am 7. Juni 1931 wurde in Lichtensteig der elfte Toggenburger Musiktag mit 18 Musikformationen durchgeführt. Ein grosser Festumzug mit Marschmusik, verschiedensten Vereinsgruppen und geschmückten Wagen eröffnete den Feiertag. Die Wettstücke wurden auf der Wiese neben der Stickerei Leemann im freien Feld vorgetragen, das heisst ein kleiner Zeltpavillon überdeckte lediglich die spielenden Musikgesellschaften. So mussten die letzten acht Vereine vor sehr wenig Publikum mit Regenschirmen auftreten. In Reaktionen nach dem Fest war bereits die beginnende politische Unruhe zu spüren. Rechtsgerichtete Berichterstatter benützten Teile der Ansprache des Festredners und OK-Präsidenten Dr. Paul Kaufmann zu Propagandazwecken.
Zeit für grosse Feste
Die «Harmonie» liess von nun an kaum einen Festanlass aus. 1932 spielte sie in Bazenheid am Toggenburger Musiktag Ausschnitte aus einem Werk, das damals sehr in Mode war: «Die Meistersinger von Nürnberg» von Richard Wagner. 1934 wurde in Gossau ein Kantonales Musikfest organisiert. Die «Harmonie» Lichtensteig reihte sich zu den Stadtmusiken von Rorschach und St. Gallen und nahm ausser Konkurrenz am Fest teil. In einem festlichen Galakonzert traten die Lichtensteiger mit der Tondichtung «Finlandia» von Jean Sibelius auf. Vom 27. bis 29. Juli 1935 veranstaltete der Eidgenössische Musikverein ein Musikfest in Luzern. Die Lichtensteiger nahmen daran sehr erfolgreich teil und belegten den ersten Rang in der dritten Kategorie der Blechmusiken (die der heutigen zweiten Klasse entsprechen würde).
Gute Blattspieler gefragt
Ein wesentlicher Unterschied zu heutigen Blasmusik
Modernes Repertoire
Das Repertoire der «Harmonie» Lichtensteig war in den Dreissigerjahren sehr modern. Die meisten Musikgesellschaften spielten Transkriptionen klassischer Orchesterwerke und meist schwierige Märsche. Ouvertüren aller bekannten Opern füllten auch in Lichtensteig die Konzertprogramme. An Toggenburger Musiktagen waren von der «Harmonie» aber als einzige Teilnehmerin erste Originalkompositionen zu hören, wie 1937 die «Slavische Rhapsodie» von Carl Friedemann. Märsche standen hoch im Kurs, so gaben die Lichtensteiger 1937 ein Marschmusikkonzert mit Märschen aus Frankreich, Italien, Ungarn, England, Schweden, Österreich, Deutschland, Mexiko, USA und der Schweiz. 1940 spielte die «Harmonie» im «Kronen»-Saal erstmals konzertante Werke von Schweizer Blasmusikkomponisten wie Stephan Jäggi.
♦ 1931 Elfter Toggenburger Musiktag in Lichtensteig ♦ 1934 Kantonalmusikfest in Gossau ♦ 1935 Eidgenössisches Musikfest in Luzern 1. Rang 3. Kategorie ♦ 1936 Toggenburger Kreismusiktag in Nesslau ♦ 1937 Konzert mit Originalwerken für Blasmusik ♦ 1940 Konzertante Musik von Schweizer Komponisten