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Pankreas
Rainer Schöfl
Akute Pankreatitis
Da neben einem hohen Alkoholkonsum auch die Einnahme gewisser Medikamente eine akute Pankreatitis auslösen kann, wurde im Rahmen einer grossen Populationsstudie bei den 490'000 Einwohnern Nordjütlands die Inzidenz der akuten Pankreatitis in Abhängigkeit der Verschreibungen von Azathioprin ermittelt. Im Verlauf von 10 Jahren traten insgesamt 1'388 Fälle von akuter Pankreatitis auf, wobei die Inzidenz bei den mit Azathioprin behandelten Patienten um den Faktor 8,4 höher war als in der Konrollgruppe [1]. Darüber hinaus wurde erstmals ein Fallbericht veröffentlicht, wonach ein Mann nach einem relativ hohen Cannabiskonsum eine akute Pankreatitis entwickelt hatte [2]. Ausserdem wurde ein Fall von akuter Pankreatitis nach der in suizidaler Absicht erfolgten Einnahme von Carbofuran beschrieben, bei dem es sich um eines der oft verwendeten Carbamat-Insektizide handelt, die bereits in zwei früheren Fallberichten mit einer akuten Pankreatitis in Zusammenhang gebracht wurden [3].
In einer prospektiven Studie mit 209 Patienten, die an einer akuten biliären Pankreatitis litten, lagen die Werte für das Serumbilirubin und die Transaminasen bei rund 10 Prozent der Patienten im Normbereich, weshalb eine biliäre Etiologie allein auf der Basis von normalen Leberfunktionswerten nicht ausgeschlossen werden kann [4]. Zur Beurteilung des Schweregrads einer akuten Pankreatitis bleibt das C-reaktive Protein mit einer Sensitivität und Spezifität von über 80 Prozent der Goldstandard, während zur Überwachung des Krankheitsverlaufs das Procalcitonin ein vielversprechender Marker zu sein scheint [5]. Die Resultate einer belgischen Studie zeigen, dass der Schweregrad einer akuten Pankreatitis in einem frühen Stadium auch mit Hilfe der Magnetresonanztomographie und der Computertomograpie zuverlässig beurteilt werden kann [6].
Gemäss einer retrospektiven Studie kann bei Patienten mit einer akuten Pankreatitis, die Gallensteine, aber keine Gallengangssteine haben, die Inzidenz von rezidivierenden akuten Pankreatitiden durch die Cholezystektomie deutlich reduziert werden. Demgegenüber konnte das Risiko für ein Rezidiv einer akuten Pankreatitis bei Patienten mit Gallensteinen und Gallengangssteinen, bei denen die Cholezystektomie im Anschluss an die endoskopische Sphinkterektomie und die vollständige Entfernung der Gallensteine vorgenommen wurde, nicht weiter gesenkt werden [7]. Bezüglich der Prophylaxe der akuten Pankreatitis zeigt eine doppelblinde Studie, dass durch die umgehend nach der endoskopisch-retrograden Cholangiopankreatikographie erfolgende rektale Verabreichung von 100 mg Diclofenac das Risiko für eine akute Pankreatitis im Vergleich zu Plazebo signifikant verringert werden kann [8]. Ausserdem konnte in einer prospektiven Studie bei Patienten mit einem hohen Risiko, nach der endoskopisch-retrograden Cholangiopankreatikographie eine akute Pankreatitis zu entwickeln, durch die Implantation eines Stents im Gallengang die Inzidenz dieser Komplikation von 28 Prozent auf 5 Prozent gesenkt werden [9].
Chronische Pankreatitis
Bei Patienten mit unspezifischen Bauchschmerzen und nur leicht erhöhten Amylase- und Lipidserumspiegeln ergab eine umfangreiche Diagnostik mit bildgebenden Verfahren und endoskopisch-retrograder Cholangiopankreatikographie in rund 80 Prozent der Fälle keinen pathologischen Befund und insbesondere keine Karzinome, so dass sich die risikoreichen und teuren Diagnoseverfahren bei dieser Patientengruppe nicht zu lohnen scheinen [10]. Der neue Pankreasfunktionstest, bei dem nach der oralen Verabreichung von 13C-Hiolein das 13CO2 in der Atemluft bestimmt wird, dürfte nach ersten Resultaten eine relativ zuverlässige Beurteilung der exokrinen Insuffizienz und der Wirksamkeit einer Enzymsubstitution erlauben [11].
Pankreaskarzinom
Gemäss einer Modellrechnung könnte in der europäischen Union durch einen vollständigen Raucherstopp die Inzidenz des zumeist sehr schnell tödlich verlaufenden Pankreaskarzinoms bis ins Jahr 2015 um bis zu 15 Prozent gesenkt werden, was die Bedeutung einer wirksamen Raucherprävention unterstreicht [12]. Bezüglich der Zuverlässigkeit der ultraschallkontrollierten endoskopischen Feinnadelaspirationsbiopsie bei soliden Pankreasläsionen zeigt eine prospektive Studie, dass sich diese Methode durch eine hohe Sensitivität auszeichnet und bei 95 Prozent der malignen Tumoren einen positiven Befund ergibt [13]. Im Rahmen der Stadieneinteilung beim Pankreas- oder Periampullärkarzinom wurden im Computertomogramm des Thorax bei 7 von 53 Patienten Lungenmetastasen entdeckt, die im konventionellen Röntgenbild nur in zwei Fällen nachweisbar waren. Da aber bei allen Patienten wegen der fortgeschrittenen Tumorausbreitung oder wegen der Metastasierung eine kurative Resektion nicht mehr möglich war, kann die Computertomographie zur Stadieneinteilung beim Pankreaskarzinom nicht empfohlen werden [14]. Bei Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen, nicht-resektablen Pankreastumor, bei denen eine Radiochemotherapie durchgeführt wurde, konnte durch die Bestimmung des Carbohydrat-Antigens 19-9 das Rezidivrisiko und die Überlebenszeit mit einer hohen Zuverlässigkeit vorausgesagt werden [15]. Im Einklang mit diesem Ergebnis erwies sich das Carbohydrat-Antigen 19-9 auch bei Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden Pankreaskarzinom, die eine Chemotherapie mit Gemcitabin erhielten, als verlässlicher Parameter zur Abschätzung der medianen Überlebenszeit [16].
PD Dr.
Rainer Schöfl
Literatur