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Für all die genannten Modificationen wissen ihre Urheber eine Reihe von Vortheilen namhaft zu machen, insbesondere erhebliche Brennstoffersparniss zu versprechen, und dabei muss es nur auffallen, dass einzelne der Vortheile zum Theil mit entgegengesetzten weiteren Mitteln erreicht zu werden suchen. So z. B. findet man bei schmaler Einzelfuge die Gesammtfuge sowol gross wie klein, die Stäbe hoch und niedrig, leicht und schwer; grosse Gesammtfuge ist mit schmaler wie breiter Einzelfuge verbunden. Im Gegensatz zu den Behauptungen ihrer Erfinder hört man nun aber auch, allerdings mehr privat und mündlich, dass dieser und dann wieder der und jener Rost seine Mängel im praktischen Betriebe gezeigt habe, dass er vorsichtig behandelt werden müsse, dass er nur für besondere Sorten Kohlen geeignet sei, dass er leicht verschlacke, leicht durchbrenne. Genug,
forscht man aufmerksam nach, so kann man über die
meisten Roste ebenso viel Gutes wie Schlimmes einsammeln und man ist geneigt zu glauben, dass der alte einfache Stabrost doch auch nicht so ganz verwerflich sei. Ein Urtheil über den Werth der vorgenommenen Veränderungen werden wir uns bilden können, wenn wir die Bedingungen, die der Rost zu erfüllen hat, einer kurzen Untersuchung unterziehen. Es lassen sich deren vier namhaft machen: a) der Rost muss die genügende Menge Luft durchlassen, 4 b) er darf nicht zu viel Kohle zwischen den Fugen durchfallen lassen, c) er muss eine leichte Reinigung gestatten, d) er muss Dauer besitzen, d. h. er soll sich nicht verziehen und nicht schmelzen oder verbrennen.
a) Um dieser Bedingung zu genügen, geht man so weit, dass die freie Fläche die Hälfte der ganzen Rostfläche erreicht. Man ist der Ansicht, die Roststäbe
setzten dem Durchgang der Luft einen erheblichen
Widerstand entgegen, und will deshalb das Material derselben möglichst verringern. Diese Annahme ist doch wol nur in sehr beschränktem Grade richtig. Der Brennstoff über dem Rost von mehr oder weniger hoher Lage verengt den Gesammtdurchlass für die Luft an sich ganz bedeutend. Weiter ist zu beachten, dass die Luft bei der Verbrennung innerhalb des Brennstoffs sehr stark ausgedehnt wird, gewiss auf das Drei- bis Vierfache ihres ursprünglichen Volumens. Dies wirkt sowol vorwie rückwärts, vorwärts die Geschwindigkeit der Luft vermehrend, rückwärts dieselbe vermindernd, gewissermassen stauend, gerade so als wäre der Durchlass für die Luft innerhalb des Brennstoffs verengert worden. Berücksichtigt man beides zusammen, so muss man den Schluss ziehen, dass eine Gesammtfuge von der Hälfte der Rostfläche viel zu gross gemessen ist, dass man damit gewiss ohne Bedenken bis zu ein Viertel wird hinuntergehen können. Wirklich erreicht auch ein Rost (der von Hillig) beinahe diesen Werth, einige andere stehen nicht viel weiter davon, und damit hat die Praxis bereits wol entschieden. Es wird allerdings durch den über der Fuge liegenden Brennstoff deren Oeffnung noch ver
kleinert, so dass der Gesammtdurchlass für die Luft
nicht der freien Rostfläche entspricht. Bei der so unregelmässigen Form der Stücke, wo nicht Fläche an Fläche sich auf den Rost legt, sondern vielfach Ecken und Kanten, macht die Bedeckung der Fuge jedoch nicht so viel aus, zumal wenn man berücksichtigt, das die über der Fuge liegenden Stücke von der auftreffenden Luft ausgehöhlt werden müssen, so dass ein freierer Austritt aus der Fuge rasch erfolgt; auch sind die gerade auf dem Rost liegenden Kohlen (Coks) zumeist porös, so dass die Luft in dieselben eintritt und sie auch im Inneren verbrennt. Vielleicht, dass bei kleinstückigen anthracitartigen Kohlen, die viele ebene Flächen haben, wie die Kohlscheider, eine etwas grössere freie Röstfläche geboten erscheint; doch müssen gerade solche in hoher Schicht gebrannt werden, wodurch sich der Widerstand für die Luft innerhalb deren Masse so vermehrt, dass auch wieder eine kleinere Fugenöffnung genügt. Es scheinen bis jetzt keine exacten vergleichenden Versuche angestellt zu sein, wenigstens nicht vorzuliegen, wie weit man in der Verengung des Gesammtdurchlasses des Rostes gehen kann. Die Versuche wären sehr einfach und ohne nennenswerthe Kosten anzustellen. Man dürfte nur die Hälfte eines im Gebrauche befindlichen Rostes, der von zwei Thüren aus bedient wird, mit Roststäben anderer Form, die eine geringere freie Fläche geben, belegen und beobachten, wie viel Kohle darauf verbrannt wird und welches Licht bezw. Helligkeit die Flamme besitzt im Vergleich zu dem Rost auf der anderen Hälfte. Man würde dermassen die Grenzen des Durchlasses finden, bei welcher die Verbrennung geschwächt zu werden beginnt.
Ein enger Durchlass dürfte übrigens mit Rücksicht auf Nutzeffect, d. h. Wärmeausnutzung einem weiten vorzuziehen sein. Ein Rost bleibt nicht immer gleichmässig mit dem Brennstoff bedeckt; da wo der letztere niedriger liegt oder wo der Rost ganz davon entblösst ist, wird ein Ueberschuss von Luft einströmen, der auf die Temperatur der weiterziehenden Verbrennungsproducte abkühlend wirkt und damit die Wärmeabgabe auf Kessel u. s. w. etwas vermindert, nebenbei auch die Entwickelung der Wärme schwächt, da weniger Luft durch den übrigen Brennstoff strömt. Durch einen grossen Durchlass kann mehr Luft ziehen als durch einen kleinen, sofern der Brennstoff keinen Widerstand entgegensetzt, und somit wird ersterer mehr abkühlend wirken und grössere Wärmeverluste bedingen als letzterer. Auch noch das Folgende ist geltend zu machen. Der auf dem Roste liegende glühende Brennstoff strahlt immer Wärme nach unten; dieselbe geht grösstentheils verloren, da sie sich weiter in der Erde verbreitet. Die Stärke der Ausstrahlung steht im Verhältniss der freien Rostfläche; durch Verkleinerung derselben wird somit der Wärmeverlust geringer.
Wenn ein genügend grosser Gesammtdurchlass als erstes Erforderniss eines Rostes hingestellt wird, so geschieht dies nicht nur mit Rücksicht auf eine starke Verbrennung, sondern insbesondere auch auf eine vollkommene, bezw. beste Verbrennung. Die beste Verbrennung, d. h. solche bei vollständiger Umwandlung des Brennstoffs in Kohlensäure und Wasserdampf mit geringstem Sauerstoffüberschuss ist bedingt durch die Schichthöhe des Brennstoffs bei gegebener Zugstärke (Menge der in der Zeiteinheit durch die Brennstoff-Flächeneinheit strömenden Luft). Kann die Luft den Brennstoffdoppelt so rasch durchströmen, so muss der Brennstoff beiläufig doppelte Schichthöhe besitzen, damit kein Ueberschuss abkühlender Luft in die Verbrennungsproducte gelange. Würde man hingegen bei schwachem Zug hohe Schicht führen, so bliebe die Verbrennung unvollkommen, in dem Verbrennungsproducte befänden sich noch unverbrannte Theile. Schwacher Zug kann entstehen sowol bei für die gegebenen Verhältnisse zu niedrigem Kamin oder wenn dessen Canal durch die Klappe verengt wird, wie wenn rückwärts die Luft verhindert wird, zu dem Brennstoff zu gelangen. Das letztere kann geschehen sowol durch Zustellen von Thüren am Aschenkasten, wie bei zu engem Durchlass im Rost. Bei zu kleiner freier Rostfläche ist somit die Wärmeentwickelung schwach, und darf für vollständige Verbrennung die Brennstoffschicht nicht hoch sein. Es ist übrigens nicht unwahrscheinlich, dass die Grösse der freien Rostfläche in gewissem Verhältniss zu der Kaminhöhe, d. h. zu der Geschwindigkeit steht, mit welcher die Luft den Brennstoff durchströmt, und zwar in einem umgekehrten. Bei starkem Zug muss die Brennstoffschicht höher sein, die Luft erfährt somit grössere Widerstände beim Durchströmen des Brennstoffs als bei schwachem Zug und niedriger Schicht, somit kann man wol auch im ersteren Falle die Gesammt-Rostfuge etwas kleiner halten. In einer
späteren Abhandlung wird gezeigt werden, dass gasarme Brennstoffe für beste Verbrennung eine höhere Brennstoffschicht verlangen als gasreiche; letztere werden somit eine grössere freie Rostfläche beanspruchen als erstere. Kleine Stücke legen sich dichter an einander als grosse und setzen dem Durchgange der Luft grösseren Widerstand entgegen als jene. Für beste Verbrennung muss jedoch eine höhere Lage grossstückigen Brennstoffs angewendet werden; damit mag sich die Wirkung ausgleichen, und deshalb die Stückgrösse als ohne Einfluss auf die freie Rostfläche angesehen werden. Manche Constructeure glauben, die einfache Fuge genüge nicht, damit die Luft den Brennstoff allseitig treffe oder durchdringe, und sind dadurch auf die eigenthümliche siebartige Rostform geführt worden, wie sie die Fig. 9, 10 und 11 zeigen, wobei die Luft mehr vertheilt aus dem Roste strömen soll. Es lässt sich jedoch nicht erwarten, dass dadurch die Verbrennung irgend wie verbessert werde. Sobald die Luft durch die Fuge dringend auf die Kohlenstücke trifft, breitet sie sich nach rechts und links aus und gelangt so auch zu den seitlich über der Stabfläche liegenden Stücken; ausserdem findet auch noch durch Diffusion ein Durchdringen der frisch zufliessenden Luft und der etwa ausserhalb der Hauptströmung befindlichen, mehr ruhenden Gase statt, wodurch alle auf dem Rost liegenden Kohlentheilchen verbrennen müssen, wenn auch vielleicht die unmittelbar auf der Stabfläche etwas weniger rasch als die übrigen. Eine Brennstoffersparniss lässt sich aus der vertheilteren Luftzuführung physikalisch nicht ableiten, b) und c) Der Bedingung, dass nicht zu viele Kohlen unverbrannt zwischen den Rostfugen durchfallen, wird dadurch entsprochen, dass man die Fugen eng macht. Einige Constructeure sind hier sehr weit gegangen. Hillig macht die Fugen blos 3" breit. Die Frage ist nur, wie es sich dann mit dem Abgang der Asche verhält. So weit dieselbe pulverig ist, fällt sie gewiss auch durch enge Fugen hindurch. Schieferstücke bleiben allerdings zurück, zum grossen Theil jedoch auch bei breiteren Fugen. Hillig giebt an, dass wenn man seine Stäbe nicht ganz dicht zusammensetze, man die Asche dadurch leicht zu Falle bringen könne, dass man mit dem Feuerhaken einige Mal quer über den Rost fährt und dadurch die Stäbe in schwingende Bewegung versetzt. Die zusammengeschmolzene Asche, Schlacke, bleibt bei breiten wie engen Fugen über dem Rost, bei breiten kann sie jedoch leichter zwischen die Stäbe hineinfliessen und sich festkeilen als bei engen, da sie eben doch nur mässig weich wird. Enge Fugen werden wol auch bei backender Kohle den Vorzug besitzen, da sie bei deren Erweichen das Eindringen ebenso wie bei der Schlacke mehr verhindern. Bei oberflächlich durchbrochenen Stäben wird die Entfernung der eingedrungenen Schlacke mehr Schwierigkeit verursachen als beim geraden vollen Stab, bezw. bei einfacher Schlitzfuge. Kurze und leichte Stäbe werden beim Schlackeabstossen eher herausgerissen als lange und schwere. Einzelstäbe gestatten die Entfernung tief eingedrungener Schlacke besser als verbundene, da der Einzelstab sich für sich lüften lässt. d) Ein Rost wird um so grössere Dauer besitzen, je niedriger die Temperatur ist, in welcher er erhalten bleiben kann. Auf die Oberfläche wirkt nun immer eine hohe Glühhitze ein; derselben kann an sich das Eisen nicht Widerstand leisten. Gusseisen schmilzt in derselben, Schmiedeeisen erweicht und oxydirt sich rasch. Würden wir uns als Rost nur dünne Schienen von Eisen denken, so wären dieselben in kürzester Zeit vernichtet. Die Ausdehnung der Schiene nach unten, die Herstellung eines hohen Stabes verlängert die Dauer. Die Wärme zieht von der Auflagefläche des Brennstoffs nach unten und bringt damit den ganzen Stab in hohe Temperatur. Würde sie daraus nun nicht entfernt, so käme nach einiger Zeit der ganze Stab in Gluth und fiele baldiger Zerstörung anheim. Zwei Umstände wirken auf den Wärmeverlust des Stabes ein. Erstens die Ausstrahlung nach unten, nach dem Boden des Aschenbehälters; die Grösse dieser Wirkung hängt von der Temperatur des Bodens ab, sie ist um so grösser, je niedriger die Temperatur. Tiefe Aschenbehälter befördern die Wirkung, niedrige vermindern sie; in letzterem Falle lässt sich durch Unterstellen von Gefässen mit Wasser, das sich nur bis zu 100° C. erwärmen kann, die Ausstrahlung vergrössern. Zum zweiten wird dem Stabe Wärme durch die vorbeiströmende Luft entzogen. Diese Wirkung hängt von der Zahl der Berührungspunkte zwischen Stab und Luft ab, somit von der Höhe des Stabes. Ein hoher Stab erwärmt die Luft mehr als ein niedriger; ein hoher Stab wird somit weniger heiss als ein niedriger; ein hoher Stab ist folglich haltbarer als ein niedriger. Die Bedingungen für die Erhitzung des Stabes sind nun seiner ganzen Länge nach die gleichen; überall wird dieselbe Menge von Wärme über demselben erzeugt, er wird sonach auch überall in die gleiche Temperatur gelangen. Um den Stab an allen Theilen gleichmässig abzukühlen, wird man demselben somit eine gleiche Höhe zu geben haben. Die Erhöhung allein in der Mitte und Verjüngung nach den Enden ist nicht zweckentsprechend, Rücksichten der Festigkeit gebieten diese Ausführung am allerwenigsten, da auf Tragkraft der Rost kaum in Anspruch genommen wird. Einige der beschriebenen Roste haben in dieser Hinsicht richtige Form. Am wirksamsten werden im Uebrigen diejenigen von grösster Höhe sein. Der Nolden'sche Rost darf in der Collection mit Rücksicht auf grosse und gleichmässige Höhe als rationellster angesehen werden, demselben nahe steht der Rost von Hillig, der nur wegen seiner Verjüngung nach den Enden weniger richtig erscheint. Wie weit man in der Höhes des Roststabes noch mit Vortheil gehen kann, lässt sich nur experimentell ausfindig machen. Möglich, dass mit 15° die Grenze bereits erreicht ist. Ein noch so hoher Stab wird jedoch unter Umständen nicht vor dem Abschmelzen oder dem Verbrennen der unmittelbaren Auflagefläche
schützen können. Die Wärme schreitet eben doch nur mit einer gewissen Geschwindigkeit durch Leitung in dem Metall vorwärts. Die jeweilige Temperatur an der Oberfläche des Stabes hängt von der Menge von Wärme ab, die durch die Verbrennung daselbst erzeugt und in ihn übergeführt wird, sowie von der Schnelligkeit, mit welcher diese Wärme nach unten abgeleitet, bezw. durch die vorbeiziehende Luft und durch Ausstrahlung nach dem Boden entzogen werden kann. Es wird sich stets ein Gleichgewicht herstellen, aber bei immer höherer Temperatur an der Auflagefläche des Brennstoffs, je mehr Wärme daselbst zur Entwickelung kommt. Immer wird jedoch ein genügend hoher Stab unten dunkel und unnachgiebig bleiben und somit die Form des Stabes erhalten, auch wenn derselbe oben in starkes Glühen gelangen sollte. Die Locomotiven der badischen Eisenbahnen hatten früher Roste von niedrigen und dicken schmiedeeisernen Stäben. Ende des vorigen Jahrzehntes machte der gegenwärtige Vorstand der Eisenbahn-Hauptwerkstätte, Hr. Ober-Maschinenmeister Esser in Heidelberg, Versuche mit hohen Gussstäben, die sich von solchem Erfolg erwiesen, dass jetzt die Roste bei allen nahe 400 Locomotiven des Landes so ausgeführt werden. Die Stäbe erhalten jetzt eine Länge von 83 und 127" und gleichmässige Höhe von dort 13, hier 16". Sie sind 12“ oben breit, unten 5“, ebenso hat die Fuge 12“. Dieselben werden in der Eisengiesserei von V. Hefft in Heidelberg angefertigt. Die Stäbe halten sich in der Regel über ein Jahr; sie nehmen jedoch bei der grossen Hitze im Feuerkasten infolge der intensiven Verbrennung bei hoher Brennstoffschicht von oben nach unten bis zu mehreren Centimetern ab, sei es durch Abschmelzen oder durch Verbrennen, wobei übrigens die Fuge immer gleich offen bleibt, also an den Seitenflächen keine etwa abgeschmolzenen Theilchen sich ansetzen. Wenn derartig hohe Stäbe einer Abnutzung durch die Einwirkung starker Hitze unterworfen sind, so lässt sich erwarten, dass niedrige Stäbe hier sehr rasch der Zerstörung anheimfallen würden. Alles, was das Stabmaterial unterhalb der Auflagefläche des Brennstoffs schwächt, muss als schädlich bezeichnet werden; die Durchlochung des Stabes, um denselben durch Luftumspülung kühler zu erhalten, verfehlt nicht blos vollständig ihren Zweck, sondern wirkt gerade in entgegengesetzter Weise, indem sie durch Zerstörung des materiellen Zusammenhanges die Ableitung der Wärme nach unten verhindert und die Berührungsfläche der Luft mit dem Eisen vermindert. Wenn gleichwohl solche Roste Eingang in die Praxis gefunden und sich bewährt haben, so beweist dies nur, dass die Bedingungen der Entstehung höchster Temperaturen über der Rostfläche nicht überall vorhanden sind. Nicht blos verhalten sich die verschiedenen Brennstoffe in dieser Hinsicht ganz ungleich, sondern auch der Betrieb ist von
grossem Einfluss. Die sehr gasreichen Brennstoffe, wie
namentlich Holz, bringen die Wärme vorzugsweise in einer langen Flamme, entfernt vom Roste zur Entwickelung; auf dem Rost brennt nur wenig Kohle, die Temperatur ist infolge dessen hier verhältnissmässig niedrig. Holzfeuer wird wol auch ganz schwache Roste nicht zum Schmelzen bringen. Aehnlich verhalten sich Torf, Braunkohle, auch bei den jüngeren Steinkohlen bleibt die Temperatur noch mässig. Coks, als den grössten Gegensatz bildend, erzeugen die Wärme jedoch fast ganz innerhalb ihrer Masse selbst; daher denn die
grosse Gluth im Herde, die auf den Rost zerstörend
rückwirken muss. Aber auch die Art des Betriebes bei demselben Brennstoff modificirt die Herdgluth. Das giebt sich ganz offenbar bei der Locomotivfeuerung zu erkennen. Je stärker der Zug, um so höher die Brennstoffschicht für richtige Verbrennung; oder je kleiner der Feuerherd, um so stärker muss der Zug sein für eine bestimmte Wärmeentwickelung, und um so höher muss der Brennstoff geführt werden. Die in dem Brennstoff selbst entwickelte Wärme ist dann bedeutend vermehrt, somit auch die Ableitung nach dem Roste eine grössere. Es lässt sich nach dem Vorhergehenden im Allgemeinen sagen: Kohlenstoffreiche Brennstoffe und hohe Kamine (abgesehen von der Locomotivfeuerung) wirken mehr zerstörend auf den Rost ein als gasreiche Brennstoffe und niedrige Kamine. Je nach Umständen werden deshalb auch die leichtesten Roste lange Dauer zeigen können. Aber für alle Fälle können sie nicht dienen. Allgemein verwendbar sind nur die schweren hohen Roste. «Oekonomische Wirkungen der Roste. Bestehen solche mit Rücksicht auf die Nutzbarmachung der durch die Verbrennung entwickelten Wärme? Unleugbar, wenn auch nicht gerade in dem Sinne, wie die Erfinder neuer Rostformen oft behaupten. Wir sehen ab von dem Brennstoffverlust, der bei zu weiten Rostfugen infolge Durchfallens unverbrannter Theilchen entsteht. Wir haben aber bereits gefunden, dass bei weiten Fugen die Ausstrahlung der Wärme der glühenden Kohlen nach dem Boden des Aschenkastens grösser ist als bei schmalen Fugen, sowie auch das Durchströmen abkühlender Luft bei Entblössung von Brennstoff. Indem wir auch deshalb schmalen Fugen (abgesehen von dem verringerten Durchfallen unverbrannter Theilchen) den Vorzug ertheilen müssten, gaben wir damit schon zu erkennen, dass der Rost durch seine Gegenwart an sich Wärmeverluste vermindert. Er ist unten immer weniger heiss als der glühende Brennstoff auf demselben, deshalb Temperaturdifferenz und Wärmestrahlung nach dem Boden kleiner. Wenn der Rost aber nicht anderweitig noch Wärme verlöre, so würde er auch unten allmälig in die Glühhitze gelangen, und dann der hohe wie niedrige Stab gleichviel Wärme nach unten strahlen. Durch die vorbeiziehende Luft wird nun dem Rost dauernd alle die Wärme entzogen, die seine Temperatur weiter zu erhöhen sucht. In dieser Speiseluft wird die Wärme in den Brennstoff
eingeführt und solchermassen wieder gewonnen. Der XXII.
Rost wirkt also in der Weise, dass er die nach dem Aschenbehälter ausgestrahlte Wärme vermindert, indem er sie durch seine feste Masse hindurch in die Luft und von da wieder über den Rost gelangen lässt. Diese Wirkung des Rostes hängt von der Grösse seiner ganzen senkrechten Fläche ab, somit ganz wesentlich von der Höhe der Stäbe. Die Herstellung von Rosten mit zahlreichen hohen schmalen Stäben und schmalen Fugen, nach Hillig, muss als durchaus rationell, der ökonomischen Wirkung der Roste am meisten entsprechend angesehen werden. Ueber die mögliche Grösse der Nutzwirkung eines Rostes kann man sich folgendermassen Rechenschaft geben. Angenommen 1“ Kohle bedarf für vollständige Verbrennung zu Kohlensäure und Wasser 24“ Luft (Verbrennung bei doppelter Luftmenge). Da die specifische Wärme der Luft beiläufig /4 ist, so erwärmen sich 24“ in derselben Weise wie 6* Wasser. Nehmen wir nun an, durch die Wirkung des Rostes würde die Speiseluft um 100° C. erwärmt. Dieselbe hat dann 600° aufgenommen, was, den calorimetrischen Effect der Kohle zu 7000 angenommen, 8,6 pCt. der entwickelten Wärme ausmacht. Werden bei gutem Zug pro Quadratmeter Rostfläche in der Stunde 100* Steinkohle verbrannt, so bedarf jedes Kilogramm 1", das entspricht fast genau einem Roststab von Hillig. Die Fläche desselben, an welcher die Luft vorbeiströmt, ist 0°,17. Die Annahme, dass die an einer so grossen Fläche, die sich in einer mittleren Temperatur von gewiss mehreren Hundert Grad befindet, in der Stunde vorbeistreichende Luft von 24“ sich bis zu 100° C. erwärmen könne, hat nichts Unwahrscheinliches. Sei die Erwärmung der Luft nun auch eine geringere, so bleibt immerhin ein nicht ganz unbedeutender Wärmegewinn durch die Rostwirkung übrig, der übrigens um so geringer ist, je kleiner die senkrechte Gesammtoberfläche des Rostes. Die dritte Zahlenspalte giebt die Reihenfolge an, in welcher die verschiedenen Roste in Hinblick auf diese ihre ökonomische Wirkung stehen, allerdings nicht das directe Verhältniss, da die Wärmeabgabe an die Luft in geringerem Grade zunimmt als die Oberfläche der Roste. Die Grösse des Wärmegewinns bei verschiedenen Rosten liesse sich experimentell durch unterhalb der Roste aufgestellte Gefässe mit Wasser ausfindig machen. Der eine Rost wird das Wasser in gewisser Zeit mehr erwärmen als der andere; man findet auf diese Weise für die ganze unterhalb des Rostes bestrahlte Fläche eine Anzahl Wärmeeinheiten, deren Differenz die ökonomische Wirkung des weniger ausstrahlenden Rostes direct anzeigt. Die in diesem Abschnitt angestellte Untersuchung kann sich nur beziehen auf Feuerungen ausserhalb des zu heizenden Objectes, im Hinblick auf Kesselheizungen auf solche unterhalb des Kessels. Bei Innenfeuerungen dringt die gesammte nach unten gestrahlte Wärme durch die Kesselwand in das Wasser und wird auf diese Weise vollständig gewonnen. Die Form des Rostes bleibt dabei ohne Einfluss. Eine starke Unterstrahlung erscheint hier sogar vortheilhaft, weil die derartig dem 15
Brennstoff entzogene Wärme nicht späterhin Heizfläche in Anspruch nimmt. Die niedergefallene Asche muss nur oft herausgezogen werden, da sie als schlechter Wärmeleiter den Durchgang der Wärme hindert. – Noch einige Erfahrungen der Praxis. Die bei unserer Untersuchung als besonders zweckmässig gefundenen hohen Stäbe müssen aus einem guten Eisen hergestellt werden, wenn sie Stand halten sollen; leichtflüssiges graues und phosphorhaltiges Eisen ist zu vermeiden, ebenso ist auf gute Kühlung zu sehen, wenn die Stäbe im Feuer nicht springen sollen, da eben ihre Temperatur oben und unten eine sehr verschiedene ist. Sehr dünne Hochstäbe sind aus rein äusserlichen Gründen in manchen Fällen nicht zu gebrauchen; so haben sich dieselben bei den badischen Locomotiven aus dem Grunde nicht anwendbar gezeigt, weil der ganze Rost beim Reinigen der Feuerung täglich herausgenommen wird und dabei die dünnen Stäbe, unvorsichtig bei Seite gelegt oder vielmehr fallen gelassen, zerbrechen. Die Stäbe von 12“ Breite oben zeigen sich dauerhaft. Die Verdickungen der Stäbe in der Mitte, welche das Aneinanderlegen der Stäbe verhindern und die richtige Fugenweite wahren sollen, soll man nicht, wie es zumeist geschieht, oben breit machen, sondern spitz zulaufen und etwas unterhalb der Oberfläche des Stabes endigen lassen, wie es bei dem Schmiederost von Berninghaus der Fall ist, weil dann die ganze Fuge dem Austritt der Luft offen ist. Die Verdickung hat häufig gerade die umgekehrte Form und geht bei allen bis jetzt ausgeführten Gussstäben, wenigstens unserer Sammlung, bis oben, dadurch die Fugenöffnung theil
weise verschliessend. Unter solchen Umständen ver
brennt der hier aufliegende Brennstoff ungenügend, ein Theil der Rostfläche ist unwirksam. Die Köpfe, auf welchen die Stäbe lagern, dürfen
nicht zu hoch sein, damit die Auflage nicht unterhalb des Schwerpunktes der Stäbe komme, sonst legen sich dieselben schief, wenn einmal ein Stab als untauglich aus dem Rost entfernt wird und nicht sofort ersetzt werden kann. Durch Verbindung mehrerer Stäbe zu einem Stück, wie bei einigen der beschriebenen Roste, wird solches auch bei hohen Köpfen verhindert. Es wird empfohlen, die Auflagen der Stäbe nicht eben zu
gestalten, sondern in der Weise wie bei Hillig; auf
der einen Seite ein Zahn, auf der anderen Seite eine schiefe Fläche. Der Stab wird dabei fest in seiner Stellung gehalten und kann sich frei ausdehnen, ohne, wie es bei ebenen Auflagern vorkommen kann, die Mauern herauszudrücken.
Für das Abstossen der Schlacke, sofern dieselbe zwischen die Roststäbe eingeschmolzen ist, sind zwei besondere von der gewöhnlichen Schürhakenform abweichende Vorrichtungen hergestellt worden, die eine von Kessler, die andere von Fletscher. Beider Roste gestatten nicht, mit einem gewöhnlichen Haken zwischen die Rostfugen zu greifen. Kessler's Instrument ist ein nach vorn keilartig zugeschärfter, etwas breiter und wieder zurückgebogener Haken. Das Instrument von Fletscher ist eine kleine Schaufel, 10° breit, vorn auch scharf. Beide keilen sich beim Vorwärtsstossen zwischen Rost und Schlacke ein und trennen die letztere ab, worauf dieselbe mit einem gewöhnlichen Haken gezogen wird. Die Anwendung dieser Hilfsmittel dürfte sich auch bei gewöhnlichen Rosten empfehlen.
Das Decken des Feuers in der Feierstunde mit frischer Kohle und Schliessen der Aschenthüren, um das Feuer bei schwachem Brand zu erhalten, wird vielfach als Ursache des Schmelzens der Stäbe angegeben, da der Aschenraum dann sehr heiss wird, und keine reichliche frische Luft zutreten und abkühlend wirken kann.
Das Rettungswesen zur See.
(Vorgetragen in der Versammlung des Westfälischen Bezirksvereines vom 14. Februar 1877.)
(Hierzu Tafel XI.)
Mit dem Fortschreiten der Schifffahrt und mit der wachsenden Erkenntniss von dem Werthe des Menschenlebens hat man allmälig darauf gesonnen, den Schiff
brüchigen energische Hilfe zuzuwenden. Bekanntlich
ereignen sich die meisten Schiffbrüche an den Küsten, und ist es hier überhaupt nur möglich, den Schiffbrüchigen Hilfe zuzuwenden; den auf offener See verunglückten Schiffen ist durch Rettungseinrichtungen, wie sie hier besprochen werden sollen, keine Hilfe zu leisten. Gerade die deutschen Küsten mit ihrem flachen Strande geben bei conträrem Wind und Sturm und damit verbundener hoher See Verananlassung zum Auflaufen, und es erfolgen hier die Strandungen meistens
in einer Entfernung von 300 bis 700 Schritt von den Punkten, an welchen man bei hoher See noch mit Geräthen operiren kann. Obgleich, wie erwiesen, die Küstenbewohner sich bei Verunglückungen von Schiffen von jeher stets im Rettungswerke auszeichneten und mancher brave Strandbewohner beim Versuche, die auf einem gestrandeten Schiffe sich befindende Bemannung zu retten, sein eigenes Leben einbüsste, so ist doch das ganze Rettungswesen zur See in ein anderes Stadium erst getreten, nachdem sich in allen Küstenländern Vereine zur Rettung Schiffbrüchiger gebildet haben. Wie bekannt, besteht auch in Deutschland seit dem Jahre 1865 ein solcher Verein mit seinem Sitze in Bremen. Daselbst aus der Mitte hochherziger Männer