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| Gregor v. Nyssa (†394) - Große Katechese (Oratio catechetica magna)

Vorwort
2.
Bei einer Unterredung mit einem Heiden wird es also gut sein, an ihn in erster Linie die Frage zu richten, ob er sich zum Glauben an ein göttliches Wesen bekenne oder ob er der Lehre der Atheisten beipflichte. Leugnet er nun etwa die Existenz eines göttlichen Wesens, so wird er auf Grund der weisen und kunstvollen Weltordnung überzeugt, daß er annimmt, es gebe eine hierin sich offenbarende und über dem Universum stehende Macht.
Zweifelt er aber nicht an der Existenz dieser höheren Macht, schweift er jedoch in seinen Gedanken zu einer Vielheit von Göttern aus, so werden wir an ihn die Frage stellen, ob er die göttliche Natur für vollkommen oder für mangelhaft halte. Wenn er nun der göttlichen Wesenheit unausweichlich die Vollkommenheit zugesteht, so werden wir verlangen, daß er diese Vollkommenheit auf alle Eigenschaften, die nach unserer Erkenntnis zur Gottheit gehören, gleichmäßig ausdehne, damit dieselbe nicht etwa aus Gegenteiligem zusammengesetzt erscheine, nämlich aus Mangelhaftigkeit und Vollkommenheit. Eben wegen dieser von unserer Vernunft verlangten Folgerung muß er auch zugleich einräumen, daß jene der göttlichen Natur zukommende Vollkommenheit uns entgegentrete, sowohl in bezug auf die Macht als auch in bezug auf die Güte und die Weisheit, Unvergänglichkeit und Ewigkeit wie überhaupt in bezug auf jede Eigenschaft, die ein seiner würdiger Begriff Gottes in sich schließt.
Ist aber dies zugegeben, dann dürfte es nicht mehr schwer sein, die Ausschweifung des Geistes auf viele Götter zum Bekenntnis einer Gottheit zurückzuführen. Würde er nämlich in bezug auf unseren Gegenstand die durchgängige Vollkommenheit zugeben, aber doch behaupten, es gäbe vielevollkommene Wesen mit den gleichen Vorzügen, so muß er bei diesen durch keine Abweichung unterschiedenen, sondern in ganz gleichen Eigenschaften sich darstellenden Wesen entweder die charakteristische Eigentümlichkeit nachweisen oder aber, [S. 3] weil vernünftiges Denken an dem, was kein unterscheidendes Merkmal hat, keine Eigentümlichkeit entdecken kann, die Verschiedenheit ebenfalls ablehnen. Wenn man nämlich weder einen Unterschied von Mehr und Minder auffindet ― denn der Begriff der Vollkommenheit schließt jedes Minder, ebenso jedes Schlechter und Besser aus ― denn von Gottheit kann man da nicht mehr reden, wo Mangelhaftigkeit vorhanden ist ―, noch von Ursprünglich und Neuentstanden ―, denn was nicht ewig ist, liegt außerhalb des Begriffes der Gottheit ―, wenn vielmehr ein und derselbe Begriff der Gottheit bei allen angeblichen Göttern zugrunde gelegt werden muß, so wird auch, weil keine sie unterscheidende Eigentümlichkeit von der Vernunft zugelassen wird, die irrtümliche Meinung von vielen Göttern notwendig zu dem Bekenntnis eines göttlichen Wesens hingedrängt. Wenn man nämlich die Güte und Gerechtigkeit, die Weisheit und Macht von allen sogenannten Göttern ganz gleichmäßig aussagt und einem jeden derselben alle von der Ehrfurcht geforderten Eigenschaften in derselben Weise zugesteht, so wird eben jeder Unterschied in jeder Beziehung aufgehoben, und damit muß notwendig die Vielheit von Göttern aus der Vorstellung verschwinden, weil die durchgängige Gleichheit zum Glauben an die Einheit zurückführt.Kapitel 1. Eine göttliche Natur, aber mehrere göttliche Personen! Das Wort Gottes (═ der Sohn Gottes) ist dem Vater gleichwesentlich.