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«Da verband sich die Seele Jonathans mit der Seele Davids; und Jonathan liebte ihn wie seine Seele» (1. Sam 18,1).
Der HERR fand in David «einen Mann nach seinem Herzen». David aber fand einen solchen Mann in Jonathan. Der Sohn seines Feindes Saul brachte ihm eine tiefe, verständnisvolle Liebe entgegen, wie er sie in Eliab, seinem eigenen Bruder, oder später in Joab, seinem Heerführer, nicht finden konnte. Die Seelen des königlichen Prinzen und des Flüchtlings vom Hof Sauls verbanden sich miteinander so sehr, als ob sie eine Seele gewesen wären.
Jonathans Liebe zeigte sich nicht nur im Gefühl, sondern auch im Opfer. Unter feierlichen Beteuerungen machte er einen Bund mit David (vgl. auch Kap. 20,13-17; 20,30. 31; 23,17), und begleitete diesen mit einer ebenso feierlichen Handlung des Selbstverzichts. Er gab seine königliche Ausrüstung von sich weg: sein Oberkleid, sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel. Gedrängt von der tiefen Bewegung seines liebenden Herzens, übergab er David jeden Anspruch, den er als Mensch, als Krieger und als Fürst des Hauses Israel erheben konnte. Auf dem Haupt dessen, der mit dem Horn Samuels gesalbt war, sah Jonathan im Glauben schon die goldene Krone. Für ihn war er der von den HERRN erwählte König in Jeschurun. Der Ausblick auf dessen kommende königliche Herrlichkeit machte es ihm, dem bisherigen Erben des Thrones Israels, leicht, jeglichen legitimen Anspruch zu den Füssen seines geliebten David niederzulegen.
Was weckte in dem Herzen Jonathans eine solch selbstlose Liebe zu David? – Offenbar der Anblick des gesalbten Hirtenjünglings im Terebinthental, der mit nichts Anderem als mit einer Schleuder und ein paar Steinen den Platz seines eigenen Vaters als Kämpfer des HERRN und seines erwählten Volkes gegen Goliath und das feindliche Heer der Philister einnahm (1. Sam 17).
Diese Zuneigung vertiefte sich noch und erreichte ihren Höhepunkt, als David vor dem König Saul stand, mit dem Haupt Goliaths, der Trophäe seines gewaltigen Sieges, in der Hand, sich dabei aber, als Sohn Isais, des Bethlehemiters (1. Sam 17,58), demütig zu seiner niedrigen Herkunft bekannte. In diesem Augenblick, «als er aufgehört hatte, mit Saul zu reden, da verband sich die Seele Jonathans mit der Seele Davids; und Jonathan liebte ihn wie seine Seele» (18,1).
Zuerst mochten die Schönheit der Person Davids und die Anmut seines Benehmens die Liebe Jonathans geweckt haben; aber sie wurde vertieft und befestigt, erstens durch die Erkenntnis dessen, was David zur Rettung Israels getan hatte, und zweitens durch das Bewusstsein von dem, was Gott sich vorgenommen hatte, für David zu tun, um ihn auf den Thron Israels zu erheben.
Diese Liebe wurde in keiner Weise durch die Erkenntnis geschwächt, dass der HERR das Königtum vom Haus seines Vaters abgerissen und es David, seinem Nächsten gegeben hatte (1. Sam 15,28). Die Zuneigung Jonathans hatte den Charakter einer selbstverleugnenden Liebe, die «aus Gott ist» (1. Joh 4,7). Und der junge, fromme Prinz ist ein liebliches Beispiel eines «Glaubens, der durch die Liebe wirkt», wie Paulus sagt. Seine Liebe war «wunderbar, mehr als Frauenliebe» (2. Sam 1,26).
Heute hat auch Jesus Christus, unser Herr, dem Fleisch nach aus dem Geschlecht Davids, seine Jonathans. Das sind solche, die Ihn lieben und innige Gemeinschaft mit Ihm haben. Sie betrachteten Ihn im «Terebinthental», wie Er, gehorsam bis zum Tod, den überwand, der die Macht des Todes hatte. Durch Glauben haben sie Ihn auch in seiner über alles erhabenen Herrlichkeit zur Rechten des Vaters erblickt. Wie Paulus (Phil 3), legen sie nun fleischliche Vorteile und das, worüber sie sich rühmen konnten, von sich weg, um «Ihn zu erkennen».
Wie viele von uns gruppieren sich in dieser Weise zu Jonathan und Paulus? Eine derartige Auszeichnung erlangen wir nur, wenn die Liebe zum kostbaren Namen Christi jedes Festhalten an selbstsüchtigen Errungenschaften und Zielen löst und wir diese «als Dreck» achten, um Christus zu gewinnen und seinen Namen zu erheben.