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Für die meisten kolumbianische Kaffeeproduzenten ist eine Altersrente im Alltag kein Begriff. Während wir uns hier in der Schweiz auf die eine oder andere Art ein Alterskapital zusammensparen, ist die Pension in Kolumbien für viele Menschen eine unübliche Vorstellung. Viel zu teuer und für die meisten unerreichbar.
Um den Kaffeebauern neue Perspektiven für die Zukunft zu schaffen, hat im Frühjahr 2014 das kolumbianische Arbeitsministerium in Zusammenarbeit mit Fairtrade International, Nespresso, dem Verband kolumbianischer Kaffeeproduzenten, Expocafé und der Fairtrade-Kaffee-Kooperative Aguadas ein Pensionsfonds für die Kooperativenangehörigen ins Leben gerufen.
Wir konnten uns mit José Arias González, einem der Begünstigten dieses Programms, bei seinem Besuch in der Schweiz unterhalten und ihn fragen, was er vom neuen Rentenfonds hält.
Der Pensionsfonds ist ein bisschen wie ein kleiner Baum: Ich hege und pflege ihn, bis er eines Tages so gross ist, dass ich mich in seinem Schatten ausruhen kann.
José Arias González, Kaffeebauer der Kooperative Aguadas, Kolumbien
Don José, wie sieht die Altersvorsorge in Kolumbien aus?
Die staatliche Pensionskasse ist den wohlhabenderen Leuten vorbehalten. Nur wer 25 Jahre lang monatlich mindestens 60 Franken einzahlen konnte, hat Anrecht auf den Bezug einer Rente. Als Kaffee-Kleinproduzent erfülle ich diese Bedingung nicht. Ich liebe meine Arbeit zwar, aber irgendwann kommt der Moment, an dem ich nicht mehr auf die Felder gehen kann. Dann bin ich auf Hilfe von aussen angewiesen. In Kolumbien ist das meist die Familie. So lebt zum Beispiel meine Mutter bei uns auf der Finca (dem Hof).
Was hat sich für Sie durch die Gründung des Pensionsfonds verändert?
Vieles. Als ich die Möglichkeit dazu hatte, begann ich sofort mit dem Sparen. Dieser Fonds ist ein bisschen wie ein kleiner Baum: Ich hege und pflege ihn, bis er eines Tages so gross ist, dass ich mich in seinem Schatten ausruhen kann.
Der Fonds wird durch einen Teil der Fairtrade-Prämie gespiesen. Wie haben Sie diesen Entscheid gefällt?
Ich bin seit 8 Jahren Mitglied der Aguadas-Kooperative. Einmal jährlich halten wir eine Generalversammlung ab, an der wir demokratisch über die Verwendung der Prämie abstimmen. 2014 haben wir beschlossen, einen Teil der von Nespresso bezahlten Fairtrade-Prämie in diesen neuen Fonds zu investieren. Die kolumbianische Regierung bezahlt dann 20% des Betrags dazu. Wenn ich beispielsweise 100 US-Dollar einzahle, steuert der Staat 20 US-Dollar bei. Und wann immer es mir mein Einkommen erlaubt, zahle ich einen kleinen Betrag auf mein Alterskonto ein.
Haben Ihre Kinder vor, den Betrieb eines Tages zu übernehmen?
Nein, sie haben sich beide ein anderes Leben aufgebaut. Mein Sohn wohnt in Tulua, meine Tochter lebt in Medellin. Der Kaffeeanbau interessiert sie nicht.
Ist es allgemein so, dass die jüngere Generation kein Interesse mehr am Kaffeeanbau hat?
Das glaube ich nicht. Aus meinem Freundeskreis gibt es schon noch junge Leute, die den elterlichen Betrieb übernehmen wollen. Natürlich wird durch die Schaffung des Pensionsfonds der Kaffeeanbau auch für die Jüngeren attraktiver. Zudem hat die Zusammenarbeit mit Partnern wie etwa Nespresso den Kaffeeanbau revolutioniert. Mit der Unterstützung konnten wir Produzenten unseren Ertrag steigern und die Qualität des Kaffees verbessern. Auch habe ich gelernt, meine Aktivitäten auf dem Betrieb schriftlich festzuhalten. So habe ich einen Gesamtüberblick und weiss über meine Tätigkeiten sowie die Ausgaben und Einnahmen genau Bescheid.
Und wofür wird der Rest der Fairtrade-Prämie verwendet?
Nun, ich habe einen Zusatzbetrag erhalten, um in die Produktion und in die Verarbeitung der Kaffeekirschen zu investieren. Überdies haben wir die Prämie für Weiterbildungen sowie für ein Gesundheitsteam verwendet, das die Kleinproduzenten in abgelegenen Gebieten besucht und dort medizinisch behandelt Schliesslich konnten wir mit der Prämie auch denjenigen, die es brauchten, eine Brille finanzieren.
Erfahre mehr über Josés Kaffee-Kooperative: Caficultores de Aguadas