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| Makarius, ps./ Symeon von Mesopotamien (4. Jhd.) - Fünfzig geistliche Homilien

17. Homilie.
6.
Oft fanden wir bei den Brüdern, daß sie soviel Freude und Gnade erlangt hatten, daß sie fünf bis sechs Jahre lang sagen konnten: Die Begierlichkeit ist vertrocknet. Dann aber, als sie sich von ihr frei glaubten, regte sich in ihnen die verborgene Bosheit und sie wurden so sehr von der Begierlichkeit entbrannt, daß sie befremdet ausriefen: Woher kann denn nach so langer Zeit eine solche Bosheit gegen uns sich erheben? Kein Verständiger also wagt zu behaupten: Weil die Gnade in mir ist, bin ich vollständig von der Sünde befreit. Nein, die beiden Faktoren (= Gnade und Sünde) sind im Verstande wirksam. Die nicht Sachkundigen glauben, wenn die Gnade nur ein wenig in ihnen wirkt, sie hätten schon den Sieg errungen und wären vollkommene Christen. Ich behaupte, die Sache verhält sich so: Wenn am Himmel die Sonne in klarer Luft leuchtet und Wolken sich um sie lagern, sie verhüllen und die Luft verdichten, so verliert sie selbst, die verdeckt ist, von ihrem Lichte und von ihrem eigenen Wesen nichts. So steht es auch mit denen, die noch nicht vollkommen gereinigt [S. 167] sind. Während sie in der Gnade Gottes leben und auch noch in der Tiefe von der Sünde festgehalten werden, haben sie natürliche Regungen und zugleich starke Gedanken auf Gott, wenn sie auch noch nicht vollkommen auf der Seite des Guten stehen.