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Es gibt sehr berühmte Symbiosen im Korallenriff, wie diejenige zwischen den nesselnden Seeanemonen und den Clown- oder Anemonenfischen des Indopazifik. Es macht hier also keinen Sinn, im Detail darüber zu berichten, dass der Anemonenfisch unter den schützenden Fangarmen von Seeanemonen lebt, dort eine Kleinfamilie betreibt und Geschlechtswechsel von männlich zu weiblich die Norm ist. Er gewöhnt seinen Körper mit leichten Berührungen an das Gift der Anemone, bis sie ihn für einen ihrer eigenen Fangarme hält. Für den Fisch ist der Nutzen klar: Zwischen den Giftarmen der Koralle ist der Clownfisch sicher vor Fressfeinden. Aber, bezahlt der Fisch auch für die Dienste der Seeanemone? Ja! Er bezahlt für die mit der Symbiose erhaltenen Leistungen, indem er seine Anemone sauber hält vor Sedimenten, die sich ablagern könnten, indem er sie manchmal mit etwas von seiner eigenen Nahrung füttert und sie vor manchen Fressfeinden schützt.
Doch nicht nur das: Wenn sich der Fisch von der Anemone entfernt, halten andere Fische ihn für leichte Beute und greifen an. Er eilt zurück, die Räuber hinterher. Mit der Beute vor ihrem Maul bemerken die Fische nicht, dass sie ihm schon zu weit gefolgt sind. Die Fangarme der Anemone haben bereits zugeschlagen. Der Räuber ist in Sekundenschnelle betäubt und wird von der Anemone verschlungen. Wenn sich die Seeanemone über das Opfer hermacht, fallen auch Stückchen für den Clownfisch ab. So quasi als Dividende im eigentlichen Sinn.
Ähnlich symbiotisch – fast ehelich vertraut – geht es bei den kleinen Knallkrebsen und Wächtergrundeln zu. Beide sind nur etwa vier bis fünf Zentimeter lang. Knallkrebse erzeugen bei Bedarf mit einer der beiden Scheren ein lautes Geräusch, indem sie das bewegliche Scherenglied plötzlich gegen das unbewegliche Scherenglied schnellen lassen. Der entstehende Knall ist erstaunlich laut, und es wird dabei sogar ein Lichtblitz, ein sogenannter Sonolumineszenzblitz ausgesendet!
Solcherlei Gebaren schreckt sogar hartgesottene Räuber ab. Knallkrebse sind begnadete Tunnelbauer. Ihre Wohnhöhlen unter der Sandoberfläche können einen Meter lang werden. Damit die Knallkrebse ungestört graben können, bewacht eine Wächtergrundel den Stolleneingang. Der Krebs hält mit seinen langen Antennen dauernden Körperkontakt mit ihr. Bewegt sich die Grundel, weil sich ein Fressfeind nähert, zischen beide in den Schutz der Höhle ab.
Die Wächter- oder Symbiosegrundel bewacht die gemeinsame Höhle
Knallkrebse sind eifrige Baumeister: immer am buddeln
Stenopus hispidus ist eine Scherengarnele, man nennt sie auch Putzergarnele, die unterhalb der Gezeitenzone in Korallenriffen lebt. Sie wirbt bei vorbeiziehenden Fischen für ihre Dienste, sie wedelt langsam mit langen, weissen Fühlern. Sie verwendet ihre drei ersten Beinpaare, das dritte ist extrem vergrössert, um Parasiten und beschädigtes Gewebe von Fischen zu entfernen. Ihre Arbeit ähnelt dabei stark derjenigen der blau-weiss-schwarz gestreiften Putzerlippfische, die sich ebenfalls von den weggeputzten Parasiten von Fischen ernähren.
Die Scherengarnele ist für einen kleinen Krebs mit einem besonderen Talent ausgestattet: Sie hat die Fähigkeit, Individuen ihrer Art zu erkennen. Dies Merkmal ist bei wirbellosen Tieren sehr ungewöhnlich oder zumindest bisher komplett übersehen worden. Erklärt wird die Fähigkeit durch chemische Signale, die höchstwahrscheinlich individuell erkannt werden können.
Stenopus hispidus - eine von vielen Arten von Putzergarnelen
Es gäbe noch unzählige weitere Symbiosen im Korallenriff. Der nächste Artikel handelt aber von der Fortpflanzung. Das ist doch mindestens so spannend...