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Novecento von „ressort k“
Mit einem besonderen Musiktheater eröffnet das Kleintheater Luzern die neue Saison: Novecento von „ressort k“ ist perfekt auf den Musiker und Schauspieler Jürg Kienberger zugeschnitten und erzählt die wundersame Geschichte des Ozeanpianisten Novecento.
Am 1. Januar 1900 findet der Matrose Danny Boodmann auf dem Ozeandampfer Virginian ein ausgesetztes Baby. Er tauft es auf den Namen Danny Boodmann T.D. Lemon Novecento und nimmt sich seiner an. Das Kind wächst im Maschinenraum heran. Als der Vater nach acht Jahren stirbt, soll es an Land zur Schule geschickt werden. Aber der Knabe verschwindet, als das Schiff in den Hafen einfährt, und taucht erst wieder auf hoher See auf – jetzt spielt er Klavier, wie man noch nie jemanden spielen gehört hat!
Duell auf See
Novecento verbringt sein Leben fortan auf dem Ozeanriesen, wo er als Pianist der schiffseigenen Jazzband die Passagiere verzaubert. Bald weiss die halbe Welt von ihm, und eines Tages kommt auch Jerry Roll Morton an Bord, der erste bekannte Pianist der Jazzgeschichte, um sich in einem Wettstreit mit Novecento zu messen. Er unterliegt. Novecento bleibt dem Dampfer treu und wird sein ganzes Leben nie einen Fuss an Land setzen. Nach dem Krieg wird die demolierte „Virginian“ zur Verschrottung frei gegeben, mit Dynamit angefüllt und gesprengt.
Die Geschichte stammt vom italienischen Autor Alessandro Baricco, der sie als Theatermonolog geschrieben hat. Mit der Produktion von ressort k wird sie in ein herzergreifendes Musiktheater verwandelt. Ausgangspunkt der Inszenierung (Regie Manfred Ferrari) ist ein Auftritt der „Atlantik-Jazz Band“, mit der Novecento auf der Virginian für Furore gesorgt hatte. Die Band hat ihre besten Jahre längst hinter sich und tingelt nun durch Clubs und Hotelbars. Das Konzert enthüllt nach und nach Bruchstücke von Novecentos Biografie und wird damit zu einem Rückblick auf dessen Lebensgeschichte, in dem auch das Piano-Duell der beiden Jazz-Grössen nicht fehlen wird.
Schauspielende Musiker
Mit einzelnen Sätzen und textlichen Intermezzi, mit szenischen Rückblicken und Erinnerungsfragmenten, mit Dialogen und angespielten Szenen auf See werden die skurrilen Stationen von Novecento sukzessive wieder lebendig. Die Geschichte verläuft ganz unchronologisch. Doch die Szenen und Erinnerungen werden immer dichter, so dass die Ebenen zunehmend miteinander verschmelzen. Am Ende ist es nicht mehr klar, ob man sich nun in der Gegenwart an einem Konzert auf dem Festland befindet, oder Ende der 1920er Jahre mit der „Virginian“ irgendwo auf hoher See unterwegs ist.
Mit Jürg Kienberger (Novecento) und Nikolaus Schmid (Tim Tooney) stehen zwei Musiker im Mittelpunkt, die gleichzeitig starke schauspielerische Qualitäten haben. Herausragende Musiker mit szenischer Erfahrung sind auch Marco Schädler und Daniel Sailer, die mit Akkordeon und Bass und einigen guten Schabernacks das geschrumpfte Jazzorchester vervollständigen. Musikalisch werden klassische Swing-Nummern geboten und auch einige deutsche und englischsprachige Lieder aus dem 20. Jahrhundert intoniert.
Seelenverwandtschaft
Das Musiktheater erhält seinen Reiz nicht zuletzt dadurch, dass die fiktive Figur des Ozeanpianisten Novecento und der Musikspieler Jürg Kienberger manchmal fast identisch scheinen und mit den Parallelen gekonnt gespielt wird. Aufgewachsen im Hotel Waldhaus in Sils, kennt Kienberger die geschlossene Welt eines grossen Hotels, die mit ihren vielen Zimmern, tiefen Kellern, Maschinenräumen und langen Fluren durchaus einem Ozeanriesen ähnlich ist. Wie Novecento hat sich auch der musikalische Erzähler Kienberger von den fremden Gesichtern und Geschichten inspirieren lassen, wie sie ihm von der Aussenwelt vermittelt wurden.
Dass nun ausgerechnet eine „alpine“ Bündner Truppe dieses maritim gefärbte Stück auf die Bühne bringt, ist durchaus ein Gewinn. Regisseur Manfred Ferrari wurde auf die Hotel-Biografie von Jürg Kienberger aufmerksam, als er einen Dokumentarfilm über ihn drehte. Die atmosphärische Verwandtschaft eines Hochsee-Schiffes und eines Grand-Hotels sowie die Seelenverwandtschaft des Ozeanpianisten Novecento mit dem Pianisten Kienberger haben den Bündner Regisseur denn auch bewogen, dieses Projekt genauso in Angriff zu nehmen.
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