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Manuel Babbi, Stefan Widmer, Eva Silvia Frei
Zusammenfassung
Am Fuss des Calanda-Massivs bei Chur wurde der invasive Adlerfarn (Pteridium aquilinum (L.) Kuhn)) zwischen 2008 und 2017 jährlich im Juni durch Ausreissen resp. Mähen bekämpft. Ziel der Untersuchung war es zu prüfen, wie gut sich der Adlerfarn mit nur einem mechanischen Eingriff pro Jahr, welcher die schutzwürdige Vegetation möglichst wenig beeinträchtigt, schwächen lässt. Dafür wurden jeweils Ende August auf den insgesamt 40 1 m2 grossen Versuchs- und Kontrollflächen verschiedene Fitness-Parameter des Adlerfarns erfasst. Der zehn Jahre dauernde Bekämpfungsversuch zeigte, dass sowohl Ausreissen als auch Mähen den Adlerfarn erheblich geschwächt haben. Dabei war die Methode Ausreissen und Abführen des Schnittguts effektiver als Mähen und Liegenlassen des Schnittguts, vermutlich weil beim Ausreissen mehr Adlerfarnbiomasse entfernt wird als beim Mähen.
Ausgangslage
Der einheimische Adlerfarn (Pteridium aquilinum (L.) Kuhn) kann wie invasive Neophyten dichte Monokulturen bilden und dadurch lokal zu einer Verarmung von Flora und Fauna führen (Widmer et al. 2018). Insbesondere an Waldrändern, in lichten Wäldern, auf nicht mehr oder nur noch sehr extensiv genutzten Wiesen und Weiden (Elsässer et al. 1998) kann die Art zum Problem werden.
Der Adlerfarn hat dreifach gefiederte Wedel und ist mit einer Wuchshöhe von 0,5–2,5 m der grösste einheimische Farn. Der sich überwiegend vegetativ über unterirdische Rhizome rasch vermehrende Adlerfarn kann sich mittels Sporen auch leicht grossräumig ausbreiten (Grime et al. 2007). Wegen seiner Giftigkeit ist der Adlerfarn für die meisten Weide- und Wildtiere ungeniessbar (Evans 1976).
Bisher gibt es – abgesehen von Herbiziden – keine Methode, welche sich generell für die Bekämpfung von grossen Adlerfarnbeständen eignet. Untersuchungen zu mechanischen Bekämpfungsmethoden wie Beweidung, Mähen oder Mulchen (z. B. Briemle 2007, Johnson et al. 1994, Marrs et al. 1994) haben gezeigt, dass eine zweimalige Mahd pro Jahr am besten geeignet ist. Kaum Erfahrungen gibt es zu der für Naturschutzflächen besonders geeigneten Bekämpfungsmassnahme Ausreissen, wahrscheinlich weil Ausreissen ausser bei relativ lückigen Beständen sehr zeitaufwendig und kostenintensiv ist.
Am Fuss des Calanda-Massivs (ca. 750 m ü. M.) in den Schweizer Voralpen in der Nähe der Stadt Chur gibt es mehrere dichte und grossflächige Adlerfarnbestände (Abb. 1). Das Gebiet wird seit mehreren Jahrzehnten extensiv mit Schafen beweidet. Die Vegetation besteht grösstenteils aus mosaikartig ineinander verzahnten artenreichen Magerwiesen- und weiden sowie aus Felsfluren. Die Adlerfarnbestände am Calanda-Massiv sind unerwünscht, weil der Adlerfarn die floristische und faunistische Vielfalt an einem gesetzlich geschützten Trockenstandort von nationaler Bedeutung (TWW; Objekt-Nr. 8516) bedroht und überständige, trockene Adlerfarnwedel in einem Gebiet mit Föhnklima und militärischer Nutzung (Zielhang der Schweizer Armee) ein erhöhtes Brandrisiko darstellen.
Zielsetzungen
Der zehn Jahre dauernde Versuch am Zielhang Calanda hatte das Ziel, eine für die Naturschutzpraxis kostengünstige und effektive Methode zur Bekämpfung des Adlerfarns zu finden, welche die schutzwürdige Vegetation möglichst wenig beeinträchtigt. Untersucht wurde, wie wirkungsvoll die einmal jährliche extensive Bekämpfung des Adlerfarns durch Ausreissen resp. Mähen während zehn Jahren ist.
Methoden
Die Untersuchungen fanden zwischen 2008 und 2017 am Fuss des Calanda-Massivs auf zwei Versuchsflächen statt: eine steile mit lockerem Adlerfarnbewuchs (ca. 5 Wedel pro m2; Gebiet Arabühel; Bekämpfungsmethode Ausreissen) und eine zweite, relativ flache mit dichtem Adlerfarnbewuchs (ca. 15-20 Wedel pro m2; Gebiet Malabiel; Bekämpfungsmethode Mähen). Auf jeder Versuchsfläche wurde eine Bekämpfungsfläche und daneben eine bezüglich Standort sowie Adlerfarndichte vergleichbare, unbehandelte Kontrollfläche gewählt. Die Bekämpfungsmassnahmen Ausreissen und Abführen sowie Mähen und Liegenlassen des Schnittguts fanden jährlich einmal jeweils Anfang Juni statt. Während beim Mähen die Wedel bodennah abgeschnitten wurden, wurde beim Ausreissen zusammen mit dem Farnwedel der oberste Teil des Rhizoms des Adlerfarns entfernt oder zumindest beschädigt. In jeder der zwei Bekämpfungs- bzw. zwei Kontrollflächen wurden entlang eines 50 m langen Transekts im Abstand von 5 m je zehn 1 m2 grosse Aufnahmequadrate festgelegt. Jedes Jahr wurden Ende August in den insgesamt 40 Aufnahmequadraten die folgenden Fitness-Parameter erhoben: Deckungsgrad des Adlerfarns (%), mittlere Wuchshöhe des Adlerfarns (cm), Anzahl Wedel und Länge der Wedel (cm).
Ergebnisse
Die Untersuchungen zeigten, dass die Mittelwerte des Adlerfarn-Deckungsgrads sowohl bei der Bekämpfungsmassnahme Ausreissen als auch bei der Bekämpfungsmassnahme Mähen von 2008 bis 2017 stets kleiner waren – oftmals signifikant – als in der dazugehörigen Kontrollfläche. Während die Unterschiede bei der Massnahme Ausreissen zwischen der Bekämpfungsfläche und der Kontrollfläche im Laufe des Versuchs stets grösser wurden, waren die Entwicklungen auf der Versuchsfläche Mähen etwas weniger klar (Abb. 2). Auch die Anzahl Wedel pro m2 und die mittlere Wedellänge nahmen auf den Bekämpfungsflächen von Jahr zu Jahr deutlich ab, insbesondere auf der Fläche, wo die Wedel ausgerissen wurden. Dass die Bekämpfungsmethode Ausreissen erfolgreich ist, zeigte auch die Entwicklung der Anzahl Personenstunden, welche jährlich für das Ausreissen der Wedel aufgewendet wurde. So nahm der Aufwand für das Ausreissen der Adlerfarnwedel von ca. 75 Personenstunden im Jahr 2008 auf ca. sechs Personenstunden im Jahr 2017 deutlich ab. Hochgerechnet auf 1 ha sank der Aufwand für das Ausreissen der Wedel von 2008 bis 2017 von rund 500 auf ca. 42 Personenstunden. Damit war der zeitliche Aufwand für das Ausreissen und Abführen der Wedel nach zehn Jahren pro Hektar etwa gleich hoch wie für das Mähen mit einem Balkenmäher ohne Abräumen des Schnittguts.
Fazit
Der zehn Jahre dauernde Versuch zeigte, dass sowohl Ausreissen als auch Mähen den Adlerfarn erheblich geschwächt haben, wobei Ausreissen und Abführen des Schnittguts effektiver war als Mähen und Liegenlassen des Schnittguts. Dies lässt sich damit erklären, dass beim Ausreissen mehr Adlerfarnbiomasse entfernt wird als beim Mähen. Für die Praxis bedeutet das, dass Ausreissen vor allem dann sinnvoll ist, wenn die zu bearbeitende Fläche klein, der Adlerfarnbestand mit 2–5 Wedeln pro m2 bzw. einem Deckungsgrad von 5–10 % lückig, das Gelände zu steil oder zu uneben zum Mähen ist und/oder die anderen Pflanzenarten geschont werden sollten, wie etwa an Trockenstandorten oder in Mooren. Da der Arbeitsaufwand für das Ausreissen insbesondere zu Beginn sehr hoch ist, kommt diese Methode vor allem dann in Frage, wenn viele Personen aufgeboten werden können.
Mit zwei oder mehr Schnitten pro Jahr könnte wahrscheinlich eine deutlich stärkere Schädigung des Adlerfarns erreicht werden als mit nur einem Schnitt. Ein zweiter Schnitt im Herbst würde verhindern, dass die in den oberirdischen Pflanzenteilen vorhandenen Assimilate in die unterirdischen Rhizome verlagert werden können, d. h., die für den Austrieb im Frühling verfügbaren Reserven wären kleiner. Ein zweiter Schnitt muss jedoch sorgfältig abgewogen werden, da durch ihn auch die Zielvegetation geschädigt werden kann. Im Gegensatz zum Ausreissen eignet sich Mähen nur für relativ flache, maschinell mähbare Flächen mit einem dichten Adlerfarnbestand (> 20 % Deckungsgrad und > 10 Wedel). Es wird empfohlen, Adlerfarnbestände während mindestens fünf Jahren zu bekämpfen, wenn jährlich nur ein Eingriff erfolgt.
Projektleitung
Manuel Babbi
Forschungsgruppe Vegetationsökologie
Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen IUNR
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW
Grüentalstrasse 14, Postfach
8820 Wädenswil
058 934 58 73
<email-pii>
Finanzierung, Dank, beteiligte Institutionen und Personen
Wir danken den Angehörigen der Schweizer Armee für die Unterstützung beim Ausreissen und Herrn Marco Camastral für die jährliche Mahd. Herrn David Külling von armasuisse Immobilien danken wir für die langjährige finanzielle Unterstützung.
Publikation zum Projekt
Frei, E.S., Widmer, S., Babbi, M. & Krüsi, B.O. (2019). Extensive Bekämpfung des Adlerfarns an einem voralpinen Trockenstandort. Naturschutz und Landschaftsplanung, 51(8): 374-381.
Literaturverzeichnis
Briemle, G. (2007). Verschiedene Strategien zur Adlerfarnbekämpfung im Vergleich. Infodienst des LAZBW (Landwirtschaftliches Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg).
Elsässer, M., Hanson, G. & Martin, W. (1998). Adlerfarn, Stechginster und Vermoosung. Zur Problematik der Pflege der Gemeinschaftsweiden im Südschwarzwald. Landinfo, 2: 21-28.
Evans, W.C. (1976). Bracken thiaminase-mediated neurotoxic syndromes. Botanical Journal of the Linnean Society, 73:113–131.
Grime, J.P., Hodgson, J.G. & Hunt, R. (2007). Comparative Plant Ecology. A functional approach to common British species. 2. Aufl. Castlepoint Press, Chippenham.
Johnson, J., Hardwick, N.V. & Kitchen, R. (1994). Management of a heather / bracken interface for the long-term control of bracken and regeneration of heather. International Bracken Group Special Publication, 2:197-198.
Marrs, R.H., Pakeman, R.J. & Lowday, J.E. (1994). Bracken control and heathland restoration in Breckland. International Bracken Group Special Publication, 2:166-172.
Widmer, S., Frei, E.S., Babbi, M. & Krüsi, B.O. (2018). Extensive Bekämpfung des Adlerfarns fördert die floristische Vielfalt. Bauhinia, 27: 33-41.