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Zum militärischen Aspekt der “Razoni”-Fahrt von Odessa nach Tripoli im nördlichen Libanon haben wir mit einem Marine-Fachmann geredet und ihn gefragt: “Was sind die Gefahren für den Frachter auf seinem Weg von Odessa zum Bosporus?”
Feste und Treibminen
Als Antwort benannte der Experte an erster Stelle Minen. Im Schwarzen Meer, namentlich auch im Golf von Odessa, seien zahlreiche Minen gelegt worden. Auf See gelte es zu unterscheiden:
- Feste Minen, angebracht in Verankerungen auf dem Grund des Meeres (Ankertauminen).
- Treibminen an der Oberfläche des Wassers, gefährlich wegen ihrer Unberechenbarkeit, aber immerhin sichtbar.
- Treibminen unter Wasser, in einer Tiefe bis zu zehn Metern, völlig unberechenbar, sehr gefährlich, weil nicht sichtbar.
Nach der Zünderart werden Berührungs-, Kontakt- oder älter Stossminen von den Fernzünderminen (genannt auch Beobachtungsminen) unterschieden.
Schutz: Minenabwehrboote
Im Schwarzen Meer ist mit Minen aller Art zu rechnen, namentlich auch mit Treibminen unter Wasser. Um ein Schiff wie jetzt den Frachter “Razoni” zu schützen, gebe es ein starkes Abwehrmittel. Minenabwehrboote müssten den Korridor vor den ungeschützten Transportschiffe räumen und so die Passage sichern. Nur auf diese Weise könne die Lieferung von Getreide an Länder der Dritten Welt gewährleistet werden.
Minenabwehrboote sind Minensuchboote, Räumboote und Minenjagdboote. Sie schützen sich gegen Minen. Ihr Tiefgang ist gering, um keine Ankertauminen zur Zündung zu bringen. Ihre magnetischen und akustischen Signaturen sind gedämpft. Die Boot werden aus nicht magnetisierbaren Materialien (Holz, Kunststoff oder spezieller Stahl) gebaut. Minensuchboote verfügen über das Minenmeidesonar, mit dessen Hilfe sie auf ihrem Kurs Ankertauminen erkennen und umfahren.
Am 2. August in Tripoli?
Die “Razoni” entwickle ein Marschgeschwindigkeit von 15 bis 18 Knoten. Laufe alles rund, müsste sie bald in den Bosporus und die türkischen Meerengen einlaufen. Die”Razoni” fährt gegen Abend mit einem Tempo von gut 10 Knoten. Bei normalem Verlauf der “historischen” Fahrt rechnen die Dienste mit der Ankunft des Frachters in Tripoli am 2. August um 21 Uhr (das libanesische Tripoli nicht zu verwechseln mit Tripolis, der libyschen Hauptstadt).
Den geografischen Verlauf des Korridors nennt der Fachmann militärisch logisch. Die “Razoni” fährt relativ nahe dem ukranisch-rumänisch-bulgarischen Ufer, um dann in sichere türkische Gewässer und zum Bosporus zu gelangen. Dass sich die Passage weit im Westen befinde, entspreche gesundem Menschenverstand: “Das ist die Route, die möglichst weit von Russland, der Krim und dem Kriegshafen Sewastopol entfernt ist.”
Kontrollzentrum Istanbul
Die Türkei hat die Verantwortung für die Sicherheit der Passagen übernommen. Das Monitoring der “Razoni” erfolgt von einem Kontrollzentrum in Istanbul aus. Dort sind Russland, die Ukraine, die UNO und die Türkei vertreten. Die Frachter in die Dritte Welt müssen zwingend die türkischen Meerengen passieren. Den souveränen Anspruch über den engen Bosporus übt die Türkei aus. Das straffe Kontrollregime kam auf Russlands Begehren zustande: Die Russen fürchten ukrainischen Waffenschmuggel wie der Teufel das Weihwasser.