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Mascha, eine selbstbewusste junge Frau, spricht fünf Sprachen fliessend und ein paar weitere dazu. Sie ist Jüdin, Aserbaidschanerin, kann aber auch als Türkin oder Französin durchgehen. Mascha möchte Dolmetscherin bei der UNO werden und arbeitet hart an den Vorbereitungen zur Aufnahmeprüfung für Übersetzer der Spitzenklasse. Das Training ist allgegenwärtig: Wenn im Hintergrund ein Radio läuft, übersetzt sie die Nachrichten für sich simultan ins Englische, Zeitungsartikel oder Beipackzettel ins Französische.
Scheinbare Perfektion
Mascha ist glücklich mit ihrem Freund Elias, umgeben von Freunden der Multikulti-Szene. Ihre gemeinsame Wohnung befindet sich in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes, kein schickes Quartier: «In unserem Stadtteil gab es ganze Strassenzüge, die man besser mied, mit Billigkaufhäusern und riesigen Pornokinos.» Ein scheinbar perfektes Studentinnenleben–so erfährt es die Leserschaft im ersten Teil des Buches von Olga Grjasnowa. Aber Mascha ist traumatisiert. Als Elfjährige hat sie die blutigen Pogrome Anfang der Neunzigerjahre in Armenien miterlebt. Die Familie ist 1996 nach Deutschland gekommen.
Im Innern der selbstsicheren, kecken jungen Frau, versteckt sich ein verletzlicher Kern. Ihr Freund Elias verzweifelt ob der Sprachlosigkeit, mit der Mascha ihre schmerzlichen Erfahrungen hütet. Als Freund möchte er an Maschas Leben Anteil haben, er möchte wissen, was damals in Baku passiert ist.
Lange Suche
Nun erleidet Elias plötzlich eine Beinverletzung, die ihn am Ende das Leben kostet. Nach diesem Schicksalsschlag übersiedelt Mascha nach Israel. Aber auch das Land ihrer Ahnen bedeutet für sie nicht Heimat. Es sind gute Freunde, daheim in Deutschland, die ihr am Schluss auf resolute Art zum Glück verhelfen.
Trotz der Tragik der Geschichte erheitert der Roman den Leser immer wieder mit komischen Szenen. Das Buch liest sich zügig, man legt es ungern weg. Ein starker Debütroman einer beeindruckenden jungen Autorin.
Olga Grjasnowa«Der Russe ist einer, der Birken liebt», Roman Hanser 2012, 283 S.
Silvia Häcki-Eggimann ist Erwachsenenbildnerin.
«Trotz der Tragik der Geschichte erheitert der Roman den Leser immer wieder mit komischen Szenen.»
Zur Person
Autorin und Weltbürgerin
Olga Grjasnowa, 1984 in Baku, Aserbaidschan geboren, lebt derzeit in Berlin und studiert an der Freien Universität Tanzwissenschaften. Aufgewachsen ist sie im Kaukasus, gelebt hat sie in Polen, Russland und Israel. Sie ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. 2011 erhielt sie das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung.she