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| Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)

Viertes Buch: Regeln für die Novizen.
6. Warum die Kleider der Novizen, mit denen sie in das Kloster eingetreten sind, von dem Hausmeister aufbewahrt werden.
Jene Kleider aber, die der Novize ablegt, werden vom Oekonomen aufgezeichnet und so lange aufbewahrt, bis man bei ihm Fortschritt in der Tugend sowohl aus seinem Wandel [S. 63] als auch aus der geduldigen Ertragung der verschiedenen Versuchungen und Prüfungen unzweideutig erkennt. Sieht man nun, daß der Novize in der Zukunft auszuhalten vermag und bei dem Eifer, mit dem er begonnen, stehen bleibt, so werden die Kleider an die Armen verschenkt. Wenn man aber bemerkt, daß sich bei ihm irgend eine Unzufriedenheit zeigt oder auch nur ein unbedeutender Fehler gegen den Gehorsam um sich gegriffen hat, so zieht man ihm das Ordenskleid, das er trägt, aus, bekleidet ihn mit seinen alten eigens hiezu aufbewahrten Kleidern und schickt ihn fort. Keiner nämlich darf mit den vom Kloster empfangenen Kleidern weggehen, noch darf sie Einer tragen, der einmal offenkundig aus Lauheit die Ordensregel verletzt hat. Daher wird auch durchaus Niemandem gestattet, heimlich sich zu entfernen, ausser wenn er, wie ein flüchtiger Sklave in des Waldes Dickicht eilend, entflieht. Sonst soll er ohne Gnade in der angegebenen Weise des Ordenslebens für unwürdig erklärt, mit Schimpf und Schande in Gegenwart aller Brüder ihm das Ordenskleid ausgezogen und er ausgewiesen werden.