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«Eau-Miracle» ist in Haiti ein Synonym für sauberes und bezahlbares Trinkwasser. Hersteller ist der Schweizer Harry Zehnder. Das Erfolgsrezept des Berner Oberländers: Wasser direkt ab Leitung anstatt in Flaschen verkaufen. Ein Geschäft, das sich nicht nur für den Hersteller, sondern auch für die Haitianer lohnt.
Der Schweizer Geschäftsmann, der seit 25 Jahren in Haiti lebt, suchte und fand Wege, die haitianische Konkurrenz im Wassergeschäft zu bezwingen. “Ich fragte mich: Wie kann ich sauberes Wasser produzieren und gleichzeitig den Preis dafür senken?” Die Antwort lag in der Verpackung. Harry Zehnder verzichtet darauf, das Wasser, das er von Brunnen und der öffentlichen Versorgung in seine Aufbereitungsfirma transportieren lässt, in Plastik-Flaschen abzufüllen. “Weil der aufwändige Flaschentransport zu den Konsumenten wegfällt, konnte ich die Produktionskosten um 50 Prozent senken”, sagt er.
Anstatt das Wasser in Einzelflaschen durch Stadt und Land zu karren, schuf Harry Zehnder die putzigen Verkaufstellen für sein “Eau Miracle”, auf deren Dächer Grosstanks stehen. Dorthin wird das mit Umkehr-Osmose gereinigte und gefilterte Wasser mit Zisternenlastern gepumpt.
Private Kiosk-Besitzer des “Eau Miracle” verkaufen das Wasser an Einzelkunden, welche ihre eigenen Grossbehälter mitbringen. “Ich bin für die Technik des Wassergeschäfts verantwortlich, die Kioskinhaber sind die Verkäufer”, präzisiert Zehnder. 5 Gallonen (knapp 19 Liter) “Eau Miracle” kosten in lokaler Währung 25 Gourdes. Zehnders Wasser ist halb so teuer wie dasjenige der Konkurrenz.
Sauberes Wasser ist auf Haiti seit langem schon ein teurer Rohstoff, obwohl die Niederschlagsmenge hoch ist. Schuld daran ist die fehlende Wasserinfrastruktur von Trink-und Abwasser. So verseucht sich ständig Nutzwasser mit Abwasser. Hoch prekär wurde die Lage während des schlimmsten Erdbebens Nord-und Südamerikas im Januar 2010.
Das Erdbeben vom 12. Januar hat auch Harry Zehnder getroffen. Rund 20 Verkaufsstellen wurden durch die Erschütterungen beschädigt oder zerstört. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) unterstützt “Eau Miracle” mit je 1800 Franken pro beschädigten Kiosk mit der Auflage, dass das Wasser nach der Instandstellung der Verkaufstellen für eine bestimmte Zeit verbilligt an die Konsumenten abgegeben werden muss.
Der Schweizer Geschäftsmann glaubt, er leiste mit seiner Vertriebsmethode einen nachhaltigen Beitrag zur Ökologie des Landes. In Haiti werden Millionen von gebrauchten Plastikflaschen in ausgetrocknete Flussbeete geschmissen, die in der Regenzeit ins Meer geschwemmt werden.