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Portrüteli
Redaktion/Autor: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden
Erstellt: 2020
Datensammlung: Josef Schuler-Bissig
Foto 001288 Das Portrüteli (früher auch Schulrütti oder einfach nur Rütti) liegt in einer Waldlichtung auf 1100 m ü.M., schattenhalb im hintersten Grosstal, zwischen Schloffen-Rüti und Chimiboden. Das Häimä liegt an der Strasse und nahe beim Bach.
Der Flurname deutet darauf hin, dass diese Wiesen dem Wald durch ‘reuten’ (roden) abgerungen wurden.
Drohnen-Video: Flug über das Portrüteli
Grundbuch
Liegenschaft Nr. 436
(Hauptbuchblatt 179), Plan Nr. 22, Portrüti
17’631 m²
Eigentümer
Otto Aschwanden
Port, 6461 Isenthal
Die Besitzer des Portrüteli
Um 1837 besitzt Johann Josef Maria Aschwanden 1805-1848, Unterer Stalden, die Rütti oder Schulrütti. Vermutlich baut er auch zwischen 1837-1839 das Wohnhaus im Portrüteli. Aus Protokollen ist zu erfahren, dass er in dieser Zeit mehrere grosse Posten Holz ‘für ein neues Haus, für Trog und Läden sowie zu einem Milchhaus’ bezieht. Bei der Allmendvergabung 1841 beantragt er einen Milchhausplatz neben seinem Rütteli.
‘Stalde Sepp’ heiratet 1832 Aloysia Müller 1804-1883 eine tüchtige, arbeitsame Frau. Diese bewirtschaftet nach dem frühen Tod ihres Mannes die Besitztümer Unterer Stalden, Rütti und die Alpen Hütten und Oberalp erfolgreich weiter.
Nach dem Tod des Vaters Josef 1848 werden die Witwe Aloysia und ihre Kinder Besitzer des Unteren Stalden und Rütti. Aloysia bewirtschaftet, da die Kinder zwischen wenigen Monaten und 15 Jahren noch zu klein sind, die Besitztümer Unterer Stalden, Rütti und die Alpen Hütten und Oberalp erfolgreich allein weiter.
Der Sohn Johann Josef Maria Aschwanden 1833-1896 heiratet 1860 mit Anna Maria Verena Aschwanden 1839-1896, aus dem Küfer Stamm, die Erbin des Häimä Port. Er bringt in diese Ehe die Rüti oder auch Schulrüti mit ein, die er bei der bei der Erbteilung der Familie Unterer Stalden erwerben kann. Ab da wird diese Rüti Portrüteli genannt.
Das Ehepaar Johann und Verena Aschwanden-Aschwanden bewirtschaftete also Port und Portrüteli und die Alpen Hütten und Hangbaum. Sie werden die Begründer der Portler (ein Aschwanden-Stamm).
Der Sohn Josef Maria Silvester Aschwanden 1871-1921 arbeitet als junger Mann Melker in Frankreich. Nach seiner Rückkehr ist er bauer im Portrüteli seiner Eltern. Nach dem Tod seines Vaters Johann kann er das Port und das Portrüteli übernehmen. Er heiratet 1904 Theresia Imhof 1879-1951 von der Bodmi.
Foto 18319
Theresia Imhof 1879-1951 ist die Tochter von Johann Josef Imhof und Salomea Aschwanden wohnhaft in der Bodmi und auch die Schwester von Wendelin Imhof, der den Oberen Neien kauft.
Ihr Ehemann Josef Maria stirb 1921. Die Witwe Verena Aschwanden-Aschwanden muss das Port verpachten, bis der ältere Sohn Otto das Heimet übernehmen kann.
Foto 18312
1936 übernimmt mit Sohn Otto Aschwanden 1908-1982 wieder ein Familienmitglied die Bewirtschaftung des Familienbesitzes im Port und Portrüteli.
Drei Jahre später verheiratet sich Otto mit Maria Katharina Herger 1915-1954, die Tochter von Alois und Maria Herger-Arnold, Fernen.
Schnelle Heirat vor dem 2. Weltkrieg
Otto Aschwanden 1946 erzählt: Seine Eltern heirateten im Jahr 1939, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs. Seine Mutter Katharina habe auf eine schnelle Heirat gedrängt. Warum? – Sie befürchtete, dass sobald ihre Brüder «eingezogen» werden, sie ihr Vater Alois Herger nicht mehr gern gehen lasse. Denn zum grossen Betrieb gehörte nicht nur die Fernen, sondern auch der Seikberg. So fassten die zwei schnell einen Entschluss, heirateten und wohnten vorerst auf dem oberen Schluchen, wo bald die zwei ältesten Kinder auf die Welt kamen.
Foto 18440 Bei den Eltern von Katharina Aschwanden-Herger in der Oberen Fernen ca 1934
v.l. Martin / Vater Alois Herger-Arnold / Fridolin / Mutter Marie Herger-Arnold mit Margrit / Franz / Albert / Elisabeth / Katharina Aschwanden-Herger / Ludwina
Foto 18273 Die Familie von Otto und Katharina Aschwanden-Herger wächst. Acht Kinder werden ihnen geboren.
v.l. die Zwillinge Regina und Martha bei der Mutter Katharina, Otto und Vater Otto mit Hans. Es fehlen die älteren Kinder Alois, Josy, Annamarie und Hedi (die drei Personen rechts sind Besucher)
Foto 18275 Ottis Ehefrau und Mutter seiner 8 Kinder stirbt 1954. Port Otti ist nun allein für seine Kinder und den Betrieb im Port und Portrüteli da. Er ist froh um die Hilfe die er aus der Verwandtschaft bekommt.
Auf dem Bild fehlen Alois und Annamarie
Die 8 Kinder von Katharina und Otto Aschwanden-Herger, Port und Portrüteli
nach Alter: Alois 1940- / Annamarie 1941- / Hedi 1942- / Josy 1943- / Otto 1946- / Martha 1947-2000 / Regina 1947- / Hans 1948-
Die ‘Waisenlage’ – ein Geschenk von Unbekannt
Hedi holte einmal die Post ab und verstaute sie im Schul-Rucksack. Dabei war auch ein Brief. Zu Hause machten sie die Hausaufgaben. Erst am Abend nahm Hedi das Couvert und gab es Vater. Sie hätte es fast vergessen. Vater öffnete den Brief. Darin waren 800 Franken. «Weisst du, wer es war?», fragte er Hedi. Diese konnte nur sagen: “Jemand muss ihn in deine Tasche getan haben.» – Man fand aber nichts heraus. Beide weinten.
An einem der nächsten Tage ging Vater mit dem Geld auf die Raiffeisenbank. Sigersten Sepp war Kassier. Vater versicherte den Kindern: “Dieses Geld auf der Bank ist für euch Kinder.”
Einige Jahre später ging Vater Otto zu Pfarrer Truttmann, der neu Raiffeinen-Kassier war, und fragte ihn: «Wieviel Zins trägt das Geld?». Doch Pfarrer Truttmann wusste nichts von diesem Geld. Er ging sofort zu Sigersten Sepp. Der erinnerte sich zum Glück an die 800 Franken. Er konnte aber nicht mehr herausfinden, wo diese «Waisenlage» verschwunden war. Sigersten Sepp, Gritti und Trini sorgten dafür, dass das Geld den Halbwaisen wieder zu Gute kam.
Foto 18446
1973 übernimmt Sohn Otto Aschwanden 1946- die Häimä Port und Portrüteli. Er heiratet 1972 Annarös Arnold 1947- . Das Ehepaar Otto und Annarös Aschwanden-Arnold wird Eltern von 6 Kindern.
Ferkel-Diebstahl
Otto 1946 berichtet, dass man im Portrütteli ein Hausschwein mit zwei Ferkeln hielt. Eines Abends ging er füttern. Die Stalltür war geöffnet, ein verdatterter Mann stand vor ihm. Was er hier wolle? , fragte er ihn. Der Mann sprang ab aufs Velo und floh.
Ein junges Ferkel zeigte Wundspuren am Hals. Die Polizei war schnell zur Stelle, fand niemanden, verdächtigte aber einen SRF-Mann, der in Erstfeld ein Ferkel gestohlen und gebraten hatte. Seither habe er in seinem Betrieb auf Hausschweine verzichtet!, so Otto.
Foto 18442 Die Kinder von Annarös und Otto Aschwanden-Arnold, Port und Portrüteli Aufnahme 1988
v.l. oben Otto 1974- / Werner 1975- unten Stefan 1980- / Ernst 1984- / Daniela 1987- / Markus 1978-
Besitzer 2020
Foto 18497
2009 kann Sohn Otto Aschwanden 1974- kann das Häimä Portrüteli von seinen Eltern übernehmen. Er ist seit 2011 mit Franziska Walker 1982 von der Heissrüti verheiratet.
Ihre Kinder:
v.l. Lorena 2012- / Aline 2014- / Mia 2016-
Eigentums-Übergänge in der Bodmi laut Hypothekarbuch Uri und anderen Quellen
|um 1837||Johann Josef Maria Aschwanden 1805-1848, Unterer Stalden, verh. 1832 mit Aloysia Müller 1804-1883|
|um 1848||Erben des Josef Aschwanden: Witwe Aloysia Aschwanden-Müller und ihre Kinder|
|1859||Sohn Johann Josef Maria Aschwanden 1833-1896, heiratet 1860 Anna Maria Verena Aschwanden 1839-1896, Erbin des Häimä Port|
|1860||Ehepaar Johann Aschwanden 1833-1896 und Verena Aschwanden 1839-1896

|–||Sohn Josef Maria Silvester Aschwanden 1871-1921, verh. mit Theresia Imhof 1879-1951 von der Bodmi|
|1921||Erben des Josef Maria Aschwanden: Witwe Theresia Aschwanden-Imhof und ihre Kinder|
|1936||Sohn Otto Aschwanden 1908-1982, verh. mit Maria Katharina Herger 1915-1954, die Tochter von Alois und Maria Herger-Arnold, Fernen.|
|1973||Sohn Otto Aschwanden 1946- , verh. 1972 mit Annarös Arnold 1947-|
|2009||Sohn Otto Aschwanden 1974- , verh. 2011 mit Franziska Walker 1982- von der Heissrüti|
Der Betrieb Portrüteli
Foto 18432 Das Haus im Portrüteli wird zwischen 1837-1839 gebaut. Darauf weisen Protokolle hin. Aus ihnen ist zu erfahren, dass der Besitzer des Portrüteli Josef Aschwanden 1805-1848, Unterer Stalden, in dieser Zeit mehrere grosse Posten Holz ‘für ein neues Haus, für Trog und Läden sowie zu einem Milchhaus’ bezieht. Bei der Allmendvergabung 1841 beantragt er einen Milchhausplatz neben seinem Rütteli.
Josef Maria Silvester Aschwanden 1871-1921 ist der erste Bewohner, der ganzjährig im Portrüteli wohnt. Er ist der Sohn von Johann und Verena Aschwanden-Aschwanden, die das Portrüteli nach ihrer Heirat als Stufenbetrieb zu ihrem Hauptbetrieb Port nutzen. Auch das dem Portrüteli nahe Jäntli wird im Sommer genutzt.
Josef Maria zieht als junger Bursche nach Frankreich und arbeitet dort als Melker. Nach 1890 kehrt er aber ins Isenthal zurück und wird Bauer im Portrüteli, das seinen Eltern gehört. Erst 1904 heiratet Josef Maria die Theresia Imhof, zieht mit ihrs ins Port und übernimmt dann von seiner Mutter die Häimä Port und Portrüteli.
Foto 18261 Otti und Franziska Aschwanden-Herger mit 4 ihrer Kindern stehen hier vor dem Gädeli (heute umgebaut) oberhalb ihres Wohnhauses im Oberen Stettli. Die Familie wohnt den grösseren Teil des Jahres hier in der Nähe ihres Häimä Port, nachdem 1911 das Haus im Port abbrannte. Für Monate aber zügeln sie jeweils mit der ganzen Familie ins Portrüteli.
Foto 08087 Port Otti 1946 erzählt:
Es war vor Weihnacht 1964
Eine Woche lang hörte es nicht auf zu Schneien. Isidorä Franz Arnold war mit dem Vieh noch auf der Gossalp, das Futter ging aus, man sollte ins Tal. Doch wie durch den Schneeteufel mit Vieh? Isidorä Toni und mein Vater Otto wollten helfen. Sie verliessen das Strässchen, um der Lawinengefahr auszuweichen und gingen durch den Wald. Das rettete Leben, denn im Lindtal löste sich eine Lawine.
Bis Weihnacht war Isidorä Franz mit seinem Vieh eingesperrt. Am Stefanstag wurden die Feuerwehr und andere Helfer engagiert, die eine Gasse durch den Schnee schaufelten. Das Vieh konnte so zwischen den Schneemauern heimgetrieben werden..
Foto 004977
Das 1974 im Portrütteli erbaute Wasserreservoir der Wassergenossenschaft St. Jakob wurde kürzlich saniert. Die Finanzierung war in den 60er Jahre sehr ungewiss. Für viele schien das Projekt zu teuer. Otto arbeitete damals bei der PTT. Da fragte er 1974 um Unterstützung, denn die PTT war am Graben und verlegte Telefonleitungen (Leiter war Herr Tippenmaier). Nun gings vorwärts. Die Grosstaler durften sich beteiligen und Rohre in den PTT-Graben legen. Jeder Eigentümer bezahlte 3000 Franken. Dank einer Erbschaft (Dittli) schloss das Projekt mit Gewinn ab. Die Wassergenossenschaft St. Jakob wurde gegründet. Bis heute ein wichtiges Gemeinschaftswerk.
Foto 07894 Port Martha , die leider früh verstorbene Zwillingsschwester von Regina, im Portrüteli.
Selbstversorger bis in die 1970er Jahre
Das Portrütteli gehörte als Sommerbetrieb zum Port. Die Familien lebten von Mai bis Dezember dort. Die zwei Wohnungen des oberen Stettlihauses wurden treuen Gästen vermietet.
Die Portler waren bis in die 60er Jahre Selbstversorger. Grundnahrungsmittel wie Milch, Fleisch, Eier waren da, Gemüse gab es aus dem Garten. Zucker, Kartoffeln, Äpfel kaufte man im Herbst in Mengen ein. Käthy und Otto Aschwanden (1908-1982) besassen damals 3 Kühe, 2 Rinder, 10 Schafe und 2 Schweine, ferner einen Hund und einige Hühner. Zwei Geissen hielt man, um im Portrütteli Milch zum Trinken zu haben – da die Kühe auf der Alp waren. Port Otto hatte auch Schafe, die den Sommer auf der Kulm verbrachten. Von Zeit zu Zeit musste man nach ihnen schauen gehen. Bauernarbeit war Handarbeit, wenige landwirtschaftliche Geräte erleichterten diese. Und Maschinen kamen erst später.
Foto 001290 Vor 1990 gehört auch das Haus im Portrüteli Otto 1946- . Dann tauscht er mit seinen Brüdern Wisi und Hans das Haus im Oberen Stettli 10 dagegen ein. Bis 2010 gehört das ausgezonte Haus im Portrüteli Wisi und Hans Aschwanden. 2010 verkauft Wisi seinen Anteil ans Hans. Damit ist heute Hans Aschwanden-Zurfluh 1948- Alleinbesitzer des Hauses im Portrüteli.