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© 1990 Markus Kappeler
Bermuda
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)
Die nördlichste Koralleninsel der Welt
Die einsame Inselgruppe, welche rund 1000 Kilometer von der nordamerikanischen Ostküste entfernt aus den Fluten des Nordatlantiks ragt, war ursprünglich zu Ehren des spanischen Seefahrers Juan de Bermudez «La Bermuda» getauft worden. 1503 hatte er die «hinterhältige» Ansammlung von Riffen und Inselchen entdeckt, die in der Folge zum fatalen «Stolperstein» so mancher spanischen Galeone und englischen Fregatte werden sollte (350 Wracks aus vier Jahrhunderten liegen zwischen den bermudianischen Riffen im submarinen Schiffsfriedhof). Die Briten sprachen später von den «Bermuda Islands» oder kurz «Bermudas», wenn sie die sieben grösseren und rund 150 kleineren Inseln meinten, die sie 1610 in ihren Besitz genommen hatten. Inzwischen ist der Archipel aber durch Strassen, Dämme, Brücken und Landebahnen dermassen verflochten, dass sich jeder Bermudianer als Bewohner einer einzigen Insel fühlt und dementsprechend seine Heimat schlicht «Bermuda» nennt. Mit den «Bermudas» sind heute eher die «Bermuda Shorts» gemeint - jene weltberühmten kurzen Hosen, die zu lang geraten sind...
Bermuda ist 35 Kilometer lang und maximal 3 Kilometer breit; die registrierte Landfläche beträgt 53 Quadratkilometer. Damit ist Bermuda halb so gross wie das nordfriesische Sylt, 45mal kleiner als das kanarische Teneriffa und 100mal kleiner als das sundanesische Bali. Die Bermudianer sehen diese Relationen allerdings etwas anders: Bermuda ist immerhin 30mal grösser als Monaco. Auf Bermuda ist es gemütlich wie in einer Nussschale. Und zudem ist kein Haus mehr als einen Kilometer vom Meer entfernt, was auch nicht übel ist.
Das, was wir bei 64°50 westlicher Länge und 32°20 nördlicher Breite aus dem Atlantischen Ozean ragen sehen und «Bermuda» nennen, ist die Spitze eines 4570 Meter hohen, vor rund 35 Millionen Jahren erloschenen Vulkans. Der Rest des gewaltigen Bergs liegt unter Wasser. Und eigentlich ist es gar nicht der Vulkan «persönlich», der aus dem Meer herausschaut, sondern eine 20 mal 40 Kilometer grosse und gut 100 Meter dicke Haube aus Kalkgestein, die er sich im Laufe der Zeit aufgesetzt hat und die aus verfestigten Sanddünen hervorgegangen ist. Der grösste Teil dieser ovalen Haube liegt als gefährliches Riff ganz knapp unter Wasser, während sich ihr Südostrand bis maximal 79 Meter über den Meeresspiegel erhebt.
Dank des wärmenden Golfstroms, der Bermuda aus der Karibik kommend umfliesst, sind die oberflächennahen bermudianischen Gewässer von einer phantastischen, bizzaren Korallenwelt belebt, die sich bei einem Unterwasserspaziergang hautnah erleben lässt. Nirgendwo sonst auf der Welt findet man Korallengärten soweit nördlich. Das ganze Jahr kühlt das Meerwasser nie unter 18°C ab; von Juli bis September werden sogar Wassertemperaturen von mehr als 26°C gemessen.
Natürlich bestimmt der warme Golfstrom auch das bermudianische Landklima: Es ist maritim-subtropischer Art - also mild, relativ feucht und ziemlich ausgeglichen. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 21,2°C, wobei die Temperaturen in der «Sommersaison» (April bis November) durchschnittlich zwischen 22°C in der Nacht und 30°C am Tag und in der frühlingshaften «Wintersaison» (Dezember bis März) zwischen 16°C und 21°C schwanken. Die durchschnittlich 1450 Millimeter Regen pro Jahr verteilen sich ziemlich gleichmässig auf alle Monate. In den Touristenprospekten ist zwar immer von «mindestens 340 Sonnentagen im Jahr» die Rede; allerdings steht nirgends geschrieben, wie lange die Sonne an diesen Tagen jeweils scheint. Über Bermuda schmücken auf jeden Fall fast täglich Wolken den Himmel - und versorgen die Insel schön regelmässig mit lebenswichtigem Süsswasser, denn auf der ganzen Insel gibt es infolge des porösen Kalksteinuntergrunds keine Quelle, keinen Fluss und keinen See. (Für die Trinkwasserversorgung wird Regenwasser in Zisternen aufgefangen, und seit 1964 gibt es eine Meerwasserentsalzungsanlage).
Aufgrund des milden Klimas ist Bermuda ein einziger subtropischer Pflanzengarten. Was bei uns in Mitteleuropa oft nur kraft eines «grünen Daumens» auf dem Fensterbrett gedeiht, wächst, blüht und duftet auf Bermuda mit verschwenderischer Pracht und Fülle an jeder Ecke: Hibiskus, Oleander, Bougainvillea, Weihnachtssterne. Überall sieht man mächtige Gummibäume, Norfolk-Tannen, Araucarien und diverse Palmen. Und in jedem Garten biegen sich die Äste unter dem Gewicht der saftigen Orangen, Grapefruits und Pfirsiche. Bermuda beherbergt eine überbordende, immergrüne Sammlung von Zier- und Nutzpflanzen, die der Mensch in aller Welt zusammengesucht und hierhergebracht hat.
Auch das klimatisch liebliche Bermuda hat jedoch mitunter dramatisches Wetter. Gelegentlich wird der kleine Archipel nämlich von Ausläufern der gefürchteten Hurrikane gestreift, die im westindischen Raum toben. Diese Sturmwinde treten vorwiegend im September auf und bringen Bermuda nicht nur heftige Regengüsse, sondern richten manchmal wenn auch nicht katastrophale, so doch erhebliche Schäden an Häusern, Bäumen und Schiffen an.
1609 im Sturm erobert
In einem Hurrikan, also buchstäblich im Sturm, war Bermuda seinerzeit auch erobert worden: Am 28. Juli 1609 landete die britische «Sea Venture» statt im amerikanischen Virginia höchst unfreiwillig im Kranz von Riffen, der die Inselgruppe umgibt.
Die «Sea Venture», das Flaggschiff einer kleinen Flotte von sieben Schiffen unter Admiral George Somers, hätte eine Anzahl Siedler von Plymouth (England) nach Jamestown (Virginia) bringen sollen. Ein Sturm zerschlug jedoch die Flotte in alle Richtungen, und die «Sea Venture» strandete schwer beschädigt vor dem heutigen St. George's Island. Wie durch ein Wunder überlebten alle 150 Männer, Frauen und Kinder an Bord die unvorhergesehene Zwischenlandung. Sobald die Schiffbrüchigen ihre Kleider getrocknet hatten, schauten sie sich ein wenig um, und das menschenleere Inselreich, auf dem sie sich befanden, gefiel ihnen eigentlich recht gut. Trotzdem machten sie sich schon bald daran, ihr zerschelltes Schiff wieder zusammenzubauen. Ja, nach neun Monaten hatten sie mit zusätzlichem Holz von der Insel sogar zwei seetüchtige Fahrzeuge gezimmert. Sie gaben ihnen die Namen «Deliverance» und «Patience», stachen 1610 erneut in See und kamen schliesslich wohlbehalten am ursprünglichen Ziel an.
Damit hätte diese Episode beinahe ihr Ende gefunden - wäre nicht Admiral Somers, dem es auf den abgelegenen Inseln offensichtlich besonders gut behagt hatte, wenige Wochen später mit einigen Leuten der ersten Stunde nach Bermuda zurückgekehrt. Er nahm den Archipel offiziell für die «Virginia Company», eine britische Handelsgesellschaft, in Besitz und legte sozusagen den Grundstein zu dessen Besiedlung.
1612 kamen sechzig weitere britische Siedler dazu. Sie brachten auch gleich den ersten Gouverneur, Richard Moore, mit und gründeten Bermudas erste Hauptstadt St. George. 1614 versuchten die Spanier, ihre Besitzansprüche geltend zu machen; schliesslich hatte einer der ihren Bermuda entdeckt. Die kleine spanische Flotte, die sich der Inselgruppe näherte, machte aber schon nach zwei britischen Schreckschüssen entmutigt rechtsumkehrt und überliess den Briten kampflos das Feld. Ab 1616 importierten die britischen Siedler «Gastarbeiter» für die Feldarbeit und den Bau massiver Forts: schwarze Sklaven aus Westindien, «Rothäute» aus Nordamerika, weisse Gefangene aus schottischen und irischen Zuchthäusern. 1620 wurde unter Gouverneur Nathaniel Butler das erste Parlament der Insel gewählt und eine erste Verfassung geschaffen. Und bald wurden auch die ersten Münzen aus Kupfer geprägt. 1684 ging Bermuda dann von der «Virginia Company» in den Besitz der britischen Krone über.
1815 wurde Hamilton unter dem Gouverneur gleichen Namens neue Hauptstadt der Insel. 1833 lief das erste Dampfschiff, aus Amerika kommend, in den Hafen von Hamilton ein. 1834 wurde das «Halten und Handeln von Menschen als uneingeschränkter Besitz eines anderen», also die Sklaverei, aufgehoben. 1848 erschien die erste bermudianische Briefmarke. Und 1863 wurde die erste Nobelherberge der Insel, das Hamilton Hotel, eröffnet.
1931 fuhr die erste Eisenbahn längs über die Insel (sie wurde sechzehn Jahre später wieder demontiert und nach Britisch Guyana verkauft). 1944 erhielten die bermudianischen Frauen das Wahlrecht. 1946 ging der erste bermudianische Radiosender auf Sendung. 1968 erhielt Bermuda eine neue Verfassung, innere Autonomie und allgemeines Wahlrecht für jedermann ab 21. Und 1972 wurde das Pfund Sterling abgeschafft und der Bermuda-Dollar eingeführt.
Bermuda präsentiert sich heute als älteste britische Kronkolonie mit dem - nach England und Island - drittältesten Parlament der Welt und innerer Selbstverwaltung; nur die Verantwortung für die Verteidigung, die innere Sicherheit und die Aussenpolitik liegen bei der britischen Krone, die sich durch einen Gouverneur vertreten lässt.
Die Bevölkerung umfasst ungefähr 56 000 Personen. Sie gehen auf vier ethnische Gruppen zurück, die in verschiedenen Wellen auf Bermuda eintrafen: englische Siedler (durchsetzt mit schottischen und irischen Gefangenen), nordamerikanische Indianer (ehemalige Deportierte), Schwarze aus der Karibik (ehemalige Sklaven) und schliesslich portugiesische Bauern (hauptsächlich von den Azoren eingewandert). Etwa 40 Prozent Weisse stehen rund 60 Prozent Farbigen gegenüber.
Erst seit 1961 ist es der farbigen Mehrheit auf Bermuda erlaubt, mit Weissen zusammen im Bus zu fahren, im Kino zu sitzen und im Restaurant zu speisen. Trotzdem hat man eigentlich den Eindruck, dass besonders der jüngeren Generation die Integration gut gelungen ist. So gibt es heute dunkelhäutige Manager in den besten Jobs, Schwarze sind Mitglieder in den feinsten Clubs, und auch Ärzte, Anwälte und sogar der heutige Premierminister, John W. Swan, sind Farbige. Und doch lassen sich hier wie überall auf der Welt die Erinnerungen an die Sklavenzeit und die Unterdrückung durch die Weissen nicht einfach wegzaubern. Zwischendurch gärt es unter der Oberfläche, weil sich die farbige Mehrheit in gewissen Belangen diskriminiert fühlt. Scharfkonturige Rassenprobleme können und wollen sich die Bermudianer allerdings nicht leisten, denn das würde unweigerlich dem Tourismus schaden, von dem praktisch jeder Bermudianer - sei es mit grosser oder mit kleiner Kelle - schöpft.
Ziemlich unter sich bleiben auf Bermuda seit jeher die Portugiesen. Schon vor über 100 Jahren kamen die ersten von ihnen als Bauern von den Azoren, um die bis anhin ziemlich vernachlässigte bermudianische Landwirtschaft auf Trab zu bringen. Heute arbeiten sie in allen möglichen Berufen und gelten als besonders fleissig und zuverlässig. So sind «überwiegend portugiesische Angestellte» für ein Hotel so gut wie fünf Sterne. Die Azoreaner sind inzwischen auf fast 10 000 Personen angewachsen und von Bermuda nicht mehr wegzudenken, obschon viele von ihnen noch nicht einmal Englisch sprechen.
Alles in allem sind die heutigen Bermudianer stolze, selbstbewusste Menschen und für ihre Klimazone erstaunlich fleissig, pünktlich und ordnungsliebend. Sie sind aber auch heiter, freundlich und gelassen. Die Unerbittlichkeit, mit der sie sich gegen den drohenden Traditions- und Sittenverfall wehren, bestimmt den bermudianischen Alltag ebenso wie gegenseitige Toleranz und verständnisvolles Augenzwinkern, was beides nur echten Lebenskünstlern eigen ist.
Britisch-amerikanisches Kontrastprogramm
Bermuda belegt heute Platz 10 in der Weltrangliste der reichsten Staaten. Lebensstandard und Beschäftigungsquote gehören weltweit zu den höchsten und die Staatsverschuldung zu den niedrigsten, obschon Bermuda keine Einkommenssteuer kennt. Die Situation ist praktisch die eines Ölscheichtums. Haupterwerbs und Haupteinnahmequelle ist jedoch nicht das Erdöl, sondern der Tourismus.
Mit dem Tourismus ging es langsam los, nachdem sich Prinzessin Louise, die vierte Tochter von Königin Viktoria, zu einem Winteraufenthalt in milderen Gefilden entschlossen hatte. Ihr Besuch im Jahr 1883 machte Bermuda populär. Einen grossen Schritt weiter ging es in den zwanziger Jahren, denn sie brachten eine mittlere «Kulturrevolution»: Sonnenbräune wurde in der westlichen Welt chic. Jetzt schwenkte Bermuda mit voller Kraft auf den Tourismus ein, und liess sich bis heute durch nichts mehr davon abbringen.
Glücklicherweise waren sich die Bermudianer rasch darüber klar geworden, dass parallel zum Anschwellen des Touristenstroms die Gefährdung des Paradieses wächst, dessentwegen die Gäste überhaupt anreisen, und übten sich darum schon früh in Selbstbeschränkung. So sind zum Beispiel seit jeher auf Bermuda weder Neonreklamen noch Wolkenkratzer zugelassen. Charakteristisch ist auch die überaus zögernde Einstellung der Bermudianer dem Auto gegenüber: Das erste Modell traf erst 1946 auf der Insel ein, das erste Verkehrslicht wurde 1970 installiert, pro Haushalt ist nur ein Auto (mit begrenzter Grösse) zugelassen, und dem Touristen ist es sogar gänzlich verboten, auf Bermuda ein Auto zu lenken. Der Besucher kann für die bequeme Fortbewegung ein Mofa mieten. Oder eines der 560 bermudianischen Taxis, einen nostalgischen Einspänner oder einen der rosa Omnibusse benützen, von denen es eine ganze Flotte gibt und die an den hintersten Zipfel der Insel fahren.
Die Luxusklasse überwiegt im bermudianischen Gastgewerbe bei weitem. Damit ist Bermuda gegen eine «Jedermann-Invasion» von vornherein geschützt. Ferner sorgt ein ungeschriebenes, aber ehernes Gesetz dafür, dass Bermuda nicht unter Überfüllung leidet: Es besagt, dass pro Jahr nicht mehr als zehnmal soviele Gäste zugelassen werden sollen, als es Einwohner gibt, also heute rund 550 000. Bewusst hält man das Niveau der Gastronomiebetriebe hoch und die Zahl der Besucher niedrig. Interessanterweise gibt es denn auf Bermuda auch nicht zwei Welten wie in vielen anderen Ferienländern: eine für Touristen und eine für die Einheimischen. Fast überall mischt sich der Gastgeber unter die Gäste und umgekehrt. Man kauft in denselben Geschäften ein, trifft sich in denselben Restaurants, spielt auf denselben Plätzen Tennis und sitzt beim Friseur nebeneinander.
Interessant auf Bermuda ist zweifellos auch das britisch-amerikanische «Kontrastprogramm». Optisch ist die Insel zwar eine Old England-Filmkulisse. Empfangen werden aber zu 95 Prozent Amerikaner und Kanadier - für sie ist Bermuda nur ein Katzensprung. Natürlich bringen sie ihren unverwechselbaren Lebensstil mit, der aber auf Bermuda mühelos ins englische Dekor integriert wird. Die Bermudianer singen zwar die britische Landeshymne, doch im Alltag regiert Amerika. Die Einheimischen betrachten dies übrigens keineswegs als «Zwangsbeglückung». Im Gegenteil: Die Überzeugung ist gross, dass von den Staaten nur lauter nette Leute und gute Dinge, darunter viele Dollars, kommen. Mühelos setzt sich auf Bermuda Amerika durch, während England unbeirrt überlebt. Ein Phänomen, das mit zur einzigartigen Atmosphäre auf Bermuda beiträgt.
Kasten: Briefmarken seit 1848
Bermuda war das sechste Land der Welt, das Briefmarken einführte. Und das kam so: Postmeister William B. Perot, der sein Amt von 1818 bis 1862 versah, berechnete jeweils einen Penny für jeden Brief, den er beförderte. War er gerade nicht zu Hause, warfen die Leute Briefe und Münzen durch einen dafür vorgesehenen Schlitz in der Wand seines Postbüros. Oft genug musste Perot allerdings feststellen, dass mehr Briefe als Pennies eingetroffen waren. Aber weil er zwischen der bezahlten und der unbezahlten Post nicht unterscheiden konnte, musste er sie alle zustellen. Verzweifelt suchte Perot nach einer Lösung des Problems - und erfand schliesslich die Briefmarke: Im Jahr 1848 nahm er einen Stempel zur Hand, füllte einen Bogen Papier mit Aufdrucken und ergänzte diese mit Datum und Unterschrift. Die Bogen verkaufte er dann an seine Kunden, welche nun für jeden Brief einen Stempel ausschneiden und aufkleben mussten. Eine geniale Erfindung, von der heute noch genau ll überaus begehrte Exemplare existieren.
Perots Postbüro, in dem der gewitzte Mann seine ersten Briefmarken kreierte, ist fast unverändert erhalten geblieben und heute öffentlich zugänglich. Es liegt gleich hinter Hamiltons Front Street, ebenso wie Perots schmuckes Häuschen, in welchem sich jetzt Bermudas Historisches Museum mit einer beachtlichen Sammlung alter Zeichnungen, Bücher, Münzen, Bilder und vieler anderer inselgeschichtlicher Dokumente befindet.
Legenden
Rosa schimmernde Sandstrände, verschwiegene Buchten, türkisblaues Wasser, bizarre Korallenbänke - sie gehören mit zu Bermudas Hauptattraktionen. Strände, die aussehen wie gut gefüllte Sardinenbüchsen sind auf Bermuda allerdings unbekannt, denn behutsamer Tourismus heisst Bermudas Erfolgsrezept.
Ganz Bermuda liegt am Meer - so auch die Hauptstadt Hamilton, bei der die Passagierschiffe direkt an der «Front Street» anlegen. Einzigartig ist die aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten gebliebene «Zuckerguss-Architektur» mit den weissgetünchten Dächern und den pastellfarbenen Fassaden.
Bermuda hat nicht nur die meisten Gotteshäuser pro Einwohner (111/56 000 E.), sondern auch die meisten Golflöcher pro Quadratkilometer (135/53km2). Acht traumhafte Plätze haben Golf zum Volkssport werden lassen, den fast jeder Bermudianer - und natürlich auch mancher Gast - mit Begeisterung betreibt.
Mitten im Botanischen Garten Bermudas steht das im 18. Jahrhundert erbaute «Camden House», die Residenz des Premierministers, in der er offizielle Gäste empfängt. Typisch für Bermudas Architektur sind die «Push Blinds» genannten Fensterläden, die von einer Stange gehalten wie künstliche Wimpern von den Fenstern abstehen und vorzüglich gegen Sonne und Regen schützen.
Zu Beginn unseres Jahrhunderts «entdeckten» die Bermudianer die Khaki-Shorts der britischen Kolonialsoldaten, verfeinerten sie für den bermudianischen Alltag und machten damit Weltmode (die sich allerdings rasch verselbständigte und von deren poppigen Varianten sich die Bermudianer ausdrücklich distanzieren). Bermuda Shorts - das ist auf Bermuda eine seriöse Angelegenheit, die genau fünf Zentimeter über dem Knie endet, zumeist in Kombination mit Jackett, Krawatte und Kniestrümpfen getragen wird und zu jeder Gelegenheit den Mann als modisch korrekt ausweist. In ihrer Urform sind die «Bermudas» also keineswegs ein exotischer Freizeitmodespass, sondern ein ordentliches Kleidungsstück, in dem der Geschäftsmann ebenso wie der Polizist und der Pfarrer Bein zeigen darf.
Britische Tradition wird auf Bermuda hochgehalten, auch wenn im Alltag der amerikanische Lebensstil vorherrscht. Die Richter tragen bei den Verhandlungen Perücken, bei jeder Zeremonie werden britische Paradeuniformen vorgeführt, und Bob Burns hat noch heute eine (Teilzeit-)Anstellung als «Ehrenwerter Stadtschreie»: Bei diversen Festivitäten kommt er in pittoresker Aufmachung zum lautstarken Einsatz.
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