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access_time veröffentlicht 08.07.2020
Zeitliche Trends bei der infektiösen Endokarditis
Prof. Dr. med. Reto Krapf
Kurz und bündig
Zeitliche Trends bei der infektiösen Endokarditis
08.07.2020
Endokarditiden sind trotz diagnostischer und therapeutischer Verbesserungen von einer hohen Mortalität und Morbidität begleitet geblieben. Gibt es trotzdem wichtige Veränderungen über die Zeit?
Eine 24 Jahre dauernde (1990–2014) Charakterisierung des Verlaufs einer infektiösen Endokarditis in Schottland findet, dass nach einem initialen Anstieg die Raten der Hospitalisationen wegen dieser Krankheit seit 1995 stabil auf knapp 9 pro 100 000 Einwohner verharrten. Insgesamt wurden mehr als 7600 Hospitalisationen beobachtet, im Schnitt waren die Patient(inn)en 65 Jahre alt und bezüglich Geschlecht praktisch gleich verteilt. Bei über 80-Jährigen verdoppelte sich die Inzidenz während der Beobachtungszeit. Die Mortalität sank leicht (angegeben als 1-Jahres-Mortalität bei 65-Jährigen): bei Frauen von 27,3 auf 23,7%, bei Männern von 30,7 auf 26,8%. Nur in der Hälfte der Fälle waren die Blutkulturen auch positiv, Staphylokokken in 42% und Streptokokken spp. in gut 35% waren die häufigsten Erreger. Staphylokokken und Enterokokken erwiesen sich als die gefährlichsten Keime mit einer 3-4-fachen Risikoerhöhung für Mortalität.
Wie sich die neuen Richtlinien (um 2015) der Antibiotikaprophylaxe in fast allen westlichen Ländern (Verzicht oder Vereinfachung einer Prophylaxe bei niedrigem oder mittlerem Risiko) auswirken werden, bleibt abzuwarten.