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Miriam Cahn. MEINEJUDEN
Bronzemedaille
Der umfangreiche, aber sehr handliche und haptisch angenehme Katalog zu einer Retrospektive von Miriam Cahn überträgt die Ausstellungs-Installation virtuos ins Buch. Entsprechend der Hängung in einzelnen Räumen sind die Gemälde zu Buchkapiteln zusammengestellt, wobei jedes Kapitel von einem doppelseitigen, gefalteten Blatt umfasst wird. Wer die Klappe aufschlägt, tritt in den Raum ein und wird dann durch eine Abfolge von Bilderseiten (wenige Gemälde frei auf grosszügigem Weiss arrangiert) und Ausstellungsansichten (immer doppelseitig und randabfallend) geführt. In beiden Darstellungsvarianten sind die Bildlegenden einheitlich unter den Bildern gesetzt, was die Analogie zwischen Wand und Buchseite unterstreicht. Wenn einige Gemälde mehrmals in verschiedenen Grössen erscheinen, werden die Betrachtenden an die Wände herangeführt oder treten zurück. Die dynamische Bewegung wird in den anschliessenden Textteilen weitergeführt, in denen die Schriftgrösse von Text zu Text abnimmt, sodass die Distanz der Betrachtenden immer grösser wird. Indem einzelne Räume dank der gefalteten Seiten übersprungen werden können, erhalten die Betrachtenden einen Teil jener grossen Freiheit, welche die Malerin und die Gestalterin sich nehmen.