Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03253.jsonl.gz/2585

Auf die S.-Flanke des Hauptthales öffnen sich mehrere kleine Seitenthäler, wie die
Combe des Enfers
(Kluse),
Combe Robert,
Combe Girard
(Kluse), die Jaluse und die
Combe Jeanneret. In geologischer Beziehung bildet das Thal vonLe Locle
eine aus mächtig entwickelten Schichten der obersten Glieder der Juraformation bestehende Mulde, deren Schenkel sowohl im
NW. als im SO. überliegen. Im Muldenkern treffen wir Kreideschichten, so (in der
Combe Girard ziemlich fossilreiches) Valangien,
Hauterivienmergel und gelbe Kalke der obern Hauterivienstufe.
Das Urgon fehlt, wenigstens an den beiden Thalrändern, wo es offenbar während der dem Absatz der marinen
Molasse vorangehenden langen Festlandsperiode der Erosion zum Opfer gefallen ist. Das gleiche Schicksal hat die im benachbarten
Thal von Morteau noch wohl erhaltenen Schichten des Albien und Cenoman getroffen, wenn solche überhaupt jemals vorhanden
gewesen sind. Da alle Ablagerungen der Eocän-, Oligocän- und untern Miocänzeit fehlen, muss sich hier
auf jeden Fall eine lange Festlandsperiode zwischen die Kreidezeit und das mittlere Miocän eingeschaltet haben.
Die ältesten tertiären Ablagerungen
im Thal von
Le Locle gehören der marinen Molasse (helvetische Stufe) an, die an ihrer
Basis aus groben Sandsteinen, dann aus wechsellagernden, weichen Sandsteinen und Mergeln besteht und
an den Thalrändern in eine Art Nagelfluh (Gompholithe) übergeht, wie dies
an den Eisenbahneinschnitten zwischen dem Bahnhof
Locle und dem
Crêt du Locle sehr schön beobachtet werden kann. Entstanden ist diese Nagelfluh jedenfalls aus dem Schuttmaterial
des Küstenerosion und auch durch
Bergstürze, die von den damals schon stark gehobenen Hängen der Kette
des
Pouillerel in den tertiären Golf niedergebrochen sind. Da sie (wie dies Jaccard zuerst nachgewiesen hat) an manchen
Stellen mit dem marinen Molassesandstein wechsellagert, kann ihr miocänes
Alter nicht bezweifelt werden.
In den obern Lagen besteht die marine Molasse aus grünlichen Sandsteinen und
Sanden, welche exotische
Gesteinstrümmer nichtjurassischen (alpinen?)
Ursprunges und eine Menge von Materialien lokaler Herkunft (Gerölle und Fossilien
des Neocom etc.) einschliessen und mit fossilreichen graugrünen Mergeln wechsellagern. Es ist dies der Horizont der Ostreacrassissima. Ueber diesen Schichten folgt eine Lage von roten Mergeln, die an den Flanken desThales überall
angetroffen wird und eine weite undurchlässige Mulde bildet.
Die darauf folgende Bildung besteht aus weissen, grauen oder braunen Süsswasserkalken mit Einlagerungen von Mergeln, Kieselknollen
(Menilith) und winzigen Schieferkohlenflözchen. Diese Süsswasserformation gehört der Oeningerstufe an. Der Süsswasserkalk
wird seiner geringen Widerstandsfähigkeit wegen von den Landleuten «toter
Stein» (pierre morte) genannt.
Die Oeningerstufe zeigt hier zwei getrennte Horizonte, nämlich dicke
Bänke von Süsswasserkalk (pierre morte) einerseits
und wechsellagernde Mergel, Kieselmergel und Kohlenmergel (mit zerfressenen Menilithkonkretionen, die oft Opaldrusen enthalten)
andererseits.
Die von A. Jaccard untersuchte reiche Fauna dieser Stufe besteht ausschliesslich aus Süsswasser- und Landformen; am häufigsten
vertreten sind die Molluskenarten Helix, Limnaea, Planorbis, Bithinia, Melanopsis und Unio und die landbewohnenden
Formen Listriodon, Palaeomeryx und Dinotherium. Die Flora (Populus, Salix, Driandroides, Laurus, Cinnamomum, Acer, Celastrus,Caesalpinia, Ilex etc.) weist auf ein subtropisches Klima hin, dessen jährliche Mitteltemperatur nach den gefundenen Insekten
(Calosoma, Buprestis) auf etwa 18° C. geschätzt werden kann. Es ist möglich, dass sich die Bildung
der am
NW.-Hang der Mulde besonders stark entwickelten Nagelfluh bis zum Beginn der Oeningerzeit fortgesetzt hat. Im ganzen
betrachtet, zeigen uns diese Ablagerungen, dass der einst von der Umgegend von
Les Queues bis zum NO.-Ende des
Thales von
La Chaux de Fonds
reichende Süsswassersee allmählig austrocknete und in seinen letzten Stadien nur noch ein Torfmoor
darstellte, das bis ins Pliocän und Quaternär hinein bestanden haben muss. Das Thal von
¶
mehr
Le Locle besteht somit innerhalb der beiden jurassischen Bergflanken des Pouillerel und Sommartel aus zwei voneinander verschiedenen
Abschnitten:
1) den tertiären Hängen, die aus Kalken und Mergeln der Oeningerstufe aufgebaut sind und gegen SO. ein ganzes Plateau, den
sog. Communal oder Argilat bilden («Argilat» genannt, weil hier der Boden
aus den lehmigen Verwitterungsrückständen der tertiären Mergel besteht) und 2) aus dem Thal im engeren Sinn und seinen
Verzweigungen (Combe des Enfers, Combe Robert, Combe Girard, La Jaluse), reinen Erosionsfurchen, deren Wasser sich alle zum Bied
du Locle vereinigen.
Der grösste Quellbach des Bied kommt aus der Combe d'entre Deux Monts herab und durchfliesst die Combe Girard.
Der untere Abschnitt des Thales zeigt von der Einmündung der Combe Girard an eine vertorfte flache Sohle, die sich bis zum
Col des Roches, wo der Bied unterirdisch abfliesst, ständig verbreitert und zugleich senkt. Der flache Thalboden ist nirgends 500 m
breit. Verschiedene Bohrungen haben gezeigt, dass unter dem 2-6 m mächtigen und stark erdigen Torf zunächst
eine mehr als 10 m dicke Schicht von Seeschlamm (Lehm) mit Schalen von Süsswasserschnecken und dann die viele kleine jurassische
Gerölle einschliessende, lehmige Grundmoräne folgen.
Dieser Teil des Thales bildete demnach einst einen See, der durch die Alluvionen allmählig aufgefüllt
wurde und sich später in ein Torfmoor umwandelte. Dieser See hat sich auch in unseren Zeiten vorübergehend wieder gebildet,
wenn bei Hochwasser des Bied der Abflusstrichter am Col des Roches nicht alles herbeigeführte Wasser zu verschlucken vermochte.
Auf diese Erscheinung ist auch ohne Zweifel der Name Le Locle (le loclat = kleiner See) zurückzuführen.
Um diesen verderblichen Rückstau des Wassers zu verhindern, hat man 1805 den schon genannten Stollen gegraben.
Aus den eben geschilderten Verhältnissen folgt, dass vor der Zeit der Entstehung des heute aufgefüllten Sees, d. h. vor der
Glazialzeit die schmale Furche der Combe des Enfers bis zu einem Abflusstrichter gereicht hat, dessen
Oeffnung wahrscheinlich 30-40 m unter dem heutigen Niveau der Sumpfebene am Col des Roches gelegen haben muss.
Auf andere
Art lässt sich die Auswaschung des heute wieder kolmatierten Thales nicht erklären. Als dann die diluvialen Gletscher hier
wie auch anderswo im Jura den tiefen Abflusstrichter mit Moräne verstopft hatten, musste an der Stelle,
wo heute die Industriestadt Le Locle liegt, der genannte See entstehen.
Der sumpfige Boden erfordert beim Bau vonHäusern ganz besondere Vorsichtsmassregeln, weshalb heute fast alle modernen Gebäude
auf einem Pfahlrost stehen. Einzig die Pfarrkirche ist auf einem vorstechenden Sporn von Süsswasserkalk
fundiert. Aber auch die tertiären Thalgehänge sind wenig fest und daher zu Rutschungen geneigt, was besonders dann der
Fall ist, wenn sie noch mit einer dicken Lage von z. T. aus Moränen herstammendem, lehmigem Detritus bedeckt sind.
Die aufgefüllte Sohle des Thales von Le Locle hat ein nur schwaches Gefälle, nämlich blos 10 m auf eine
Strecke von 3,3 km Länge (zwischen der Einmündung der Combe Girard und dem Col des Roches). Aus diesem Grund ist auch die
Stadt bei Hochwasser des Bied schon oft unter Wasser gesetzt worden. Man hat daher am Bied grosse Verbauungsarbeiten
unternommen, die auf seiner Laufstrecke durch die Combe Girard und durch die Stadt bereits vollendet sind und hier aus einem
vollständig ausgemauerten und gedeckten Kanal bestehen, der weit genug ist, um auch die grössten aus der Combe Girard hervorbrechenden
Wassermassen anstandslos passieren zu lassen. In der Combe Girard selbst hat man den Bach durch Thalsperren
und Dämme unschädlich zu machen gesucht. Es bleibt heute noch die Regulierung und Verbauung des etwa 2 km langen untersten
Bachlaufes zwischen der Stadt und dem Col des Roches zu vollenden.
Die Tieferlegung des Kopfes des Abzugsstollens am Col des Roches um 4-5 m wird zugleich auch gestatten,
das umliegende Land durch Tiefendrainage trocken zu legen und so für die immer weiter ausgreifende Stadt einen guten Baugrund
zu gewinnen. Man plant bereits, auf diesem Boden den neuen Güterbahnhof zu erstellen. Neben den schon genannten Spuren hat
die Eiszeit auch noch andere Reste in Gestalt von erratischen Blöcken alpiner Herkunft hinterlassen.
Ihr grösster, ein Protoginblock von einem halben Kubikmeter
¶
mehr
Inhalt, steht im öffentlichen Garten zu Locle. Quellen sind zahlreich. Da sie aber an beiden Thalrändern nur wenig über
der Sohle zu Tage treten, muss man ihr zur Versorgung der Stadt gefasstes Wasser durch ein besonders Pumpwerk zuerst in ein
höher gelegenes Reservoir hinauf schaffen. Keine Ortschaft im Jura besitzt so viele laufende Brunnen wie
Le Locle. Als Wassersammler dient der von einer Menge von Spalten durchzogene Oeningerkalk, der auf der schon genannten
Mulde von undurchlässigen roten Mergeln aufruht.
Diese Wasser treten in den Seitenthälern (Les Abattes, Combe Girard) als Quellen zu Tage, bilden aber unter dem Plateau des
Communal auch ein grosses unterirdisches Wassernetz, das einst, durch die Alluvionen am Thalrand und mitten
im Thal von unten nach oben drückend, eine Reihe von Quellen, die sog. Bugnons, speiste. Dank der tektonischen Lagerung der
Schichten kann dieses unterirdische Reservoir durch die sumpfigen Wasser der Thalsohle nicht verunreinigt werden.
Für seine beständige Erhaltung und für die Reinheit seines Wassers sorgen ferner die grossen Koniferenwaldungen,
die auf dem Plateau des Communal und an seinen Hängen angepflanzt worden sind und noch werden. Heute verfügt Le Locle im Notfall
über eine Menge von 3000 Minutenliter Wasser. Der bedeutenden Höhenlage des Thales entsprechend beschränkt sich
die Landwirtschaft auf den Anbau und die Pflege von Wiesen und Wald. Getreide lohnt seinen Anbau kaum. Besser gedeihen dagegen
Gemüse und Kartoffeln. Auch einige Obstbäume, besonders solche, die aus Russland stammen, reifen noch ihre Früchte. Von
wildwachsenden Pflanzen sind nennenswert die Fritillaria meleagris (Torfmoore am Col des Roches), die
Androsace lactea und das Thlaspi montanum (in den Felsen am Col des Roches). Vergl. die Art. Bied, Col des Roches, Combe Girard,
Pouillerel, Sommartel.