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Sachmittel: Dr. Henning Sievert
In den asiatischen und afrikanischen Provinzen des Osmanischen Reiches trafen um 1900 imperiales Machtstreben, neue Ideologien und Wahrnehmungsweisen zusammen, was für den Nahen Osten anhaltende Folgen hatte. Mit dem Krieg von 1911-12 endete die osmanische Herrschaft über das heutige Libyen, und die italienische Kolonialzeit begann. Die blutige Unterwerfung durch Mussolinis Truppen zog sich allerdings noch jahrelang hin, denn die Einheimischen leisteten heftigen Widerstand.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die einheimischen politischen Akteure Tripolitaniens und der Cyrenaika. Sie erlebten die letzten Jahre der osmanischen und die ersten Jahre der italienischen Herrschaft und interagierten erst mit osmanischen, dann mit westlichen Beamten, Militärs, Agenten oder Lehrern. Sowohl die politische Praxis als auch der diskursive Austausch von politischen und kulturellen Konzepten sollen aus Perspektive der Kolonisierten betrachtet werden, wobei die Kategorien „Kolonisatoren“ und „Kolonisierte“ nicht klar abzugrenzen sind. Weder Macht noch Ideen wirkten nur aus Richtung der Kolonialmacht auf die Beherrschten ein, sondern die lokalen Akteure hatten verschiedene Optionen; zudem kommunizierten sie mit anderen osmanischen Provinzen bzw. arabischen Ländern unter kolonialer Herrschaft. Das hier begonnene Projekt soll das Zusammenwirken von Personenbeziehungen, von politischer Praxis und von ideologischen Konzepten wie Nationalismus, Islamismus und Kolonialismus untersuchen.