Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03503.jsonl.gz/1564

Die Europäische Kommission wird davor warnen, dass die Unterbrechung der Gaslieferungen aus Moskau im Falle eines durchschnittlichen Winters das BIP zwischen 0,6 Prozent und 1 Prozent verringern würde, heisst es in einem Entwurf eines EU-Dokuments, welcher Bloomberg News vorliegt. Wenn der nächste Winter kalt wird und die Regionen keine vorbeugenden Massnahmen zum Energiesparen ergreifen, könnte das BIP um bis zu 1,5 Prozent sinken.
Die Kommission plant eine Reihe von Empfehlungen an die Mitgliedstaaten - einschliesslich einer Reduzierung des Heiz- und Kühlbedarfs und einiger marktbasierter Massnahmen - um die Auswirkungen einer womöglich vollständigen Unterbrechung der Gaslieferungen aus Russland abzumildern.
"Eine koordinierte Reaktion der EU vor dem Winter und in Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten würde die negativen Auswirkungen einer möglichen grösseren Unterbrechung auf das BIP und die Arbeitsplätze begrenzen", so die Kommission in dem Entwurf mit dem Titel "Save gas for a safe winter". Die Kommission schätzt, dass frühzeitige Massnahmen zur Verringerung der Nachfrage im Falle eines durchschnittlichen Winters die negativen Auswirkungen eines Versorgungsausfalls auf das BIP auf 0,4 Prozent begrenzen könnten.
Sicherstellung von Reserven
Die grösste Herausforderung für die EU in diesem Winter ist die Sicherstellung ausreichender Reserven, um Nachfragespitzen bei Heizung und Strom zu bewältigen. Die Lagerbestände entsprächen derzeit dem historischen Durchschnitt und liegen bei gut 63 Prozent, was im Winter für 46 Tagen reicht, heisst es in dem EU-Dokument, das sich bis zur für Mittwoch geplanten Veröffentlichung noch ändern kann.
Die EU ist nach wie vor besorgt, dass Russland als Vergeltung für die vielen Sanktionen beschliessen könnte, die Lieferungen in die EU zu unterbrechen. Derzeit hat Russland die Pipeline Nord Stream 1 wegen planmässiger Wartungsarbeiten geschlossen.
Simulationen der Kommission und der Gasnetzbetreiber zeigen, dass ein Abbruch der russischen Importe im Juli bedeuten würde, dass die Speicher in der EU Anfang November zu 65 Prozent-71 Prozent gefüllt wären und damit unter dem Zielwert von 80 Prozent bleiben würden. Dies entspräche bei normalem Wetter und kontinuierlich hohem Angebot an Flüssiggas eine Lücke von 30 Milliarden Kubikmetern Gas über den Winter, was ein sehr hohes Risiko darstellt, dass die Speicher in mehreren Mitgliedsstaaten bis April leer sind, so der Entwurf.
«Wiederauffüllung der Speicher im Sommer grosse Herausforderung»
"Unter der Annahme, dass die internationalen Gasmärkte weiterhin angespannt bleiben, wäre die Wiederauffüllung der Speicher im Sommer 2023 eine grosse Herausforderung, was wiederum die Vorbereitungen für die folgende Wintersaison beeinträchtigen würde", so die Kommission. "Der Füllstand der Speicher würde im Oktober 2023 nur 41 Prozent betragen."
Die Drosselung der russischen Lieferungen betrifft 12 Mitgliedstaaten und hat Deutschland dazu veranlasst, seine Gaswarnung letzten Monat auf die zweithöchste Stufe anzuheben. Dem Dokument zufolge betrugen die Gesamtlieferungen aus Russland im Juni weniger als 30 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2016 bis 2021.
(Bloomberg)