Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03588.jsonl.gz/690

Meine Mutter wird demnächst das Haus, in welchem wir aufgewachsen sind, verlassen und ins Pflegeheim ziehen müssen. Nun sind wir am Rechnen, wie wir das finanzieren können. Jemand sagte uns, sie habe Anrecht auf eine Hilflosenentschädigung. Ein anderer sagte, solange sie Besitzerin des Hauses sei, erhalte sie keine solche Entschädigung. Was stimmt jetzt? S. C. in H.
Was der «andere» sagte, ist falsch. Denn die Hilflosenentschädigung berechnet sich auf Grund der Hilflosigkeit und nicht auf der Basis des Vermögens. Oder anders geagt: Eine Hilflosenentschädigung erhalten die Rentner, die im wahrsten Sinne des Wortes «hilflos» sind, die also dauernd auf die Hilfe Dritter angewiesen sind. Wer sich nicht mehr allein anziehen kann, wer nicht alleine essen kann oder für die Toilette Hilfe braucht, erhält eine Hilflosenentschädigung. Und weil diese Frage immer wieder verwechselt wird, sei es deutsch und deutlich wiederholt: Die Höhe der Hilflosenentschädigung hängt nicht vom Einkommen oder Vermögen ab, sondern vom Grad der Hilflosigkeit.
Allerdings zweifle ich, ob die Hilflosenentschädigung der AHV dafür sorgt, dass Ihre Rechnung aufgeht. Die monatliche Entschädigung beträgt bei Hilflosigkeit mittleren Grades 538 Franken, bei Hilflosigkeit schweren Grades 860 Franken. Ausserdem muss die Hilflosigkeit ununterbrochen mindestens ein Jahr gedauert haben. Da Ihre Mutter erst ins Pflegeheim wechselt, dürfte diese Voraussetzung kaum erfüllt sein.
Was Ihr Kollege meinte, sind wohl die Ergänzungsleistungen (EL). Diese sind in der Tat vom Einkommen und vom Vermögen abhängig. Auf EL haben jene Rentnerinnen und Rentner einen Anspruch, die zu wenig zum Leben haben. Vereinfacht gesagt: Anrechenbare Ausgaben minus anrechenbare Einnahmen gibt die Höhe der Ergänzungsleistung.
Nun wird aber auch das Vermögen zum anrechenbaren Einkommen gezählt - und zwar jener Teil, welcher bei Alleinstehenden 25 000 Franken übersteigt. Solange Ihre Mutter das Haus verkaufen könnte, wird sie kaum in den Genuss von EL kommen, sofern sie nicht mehr im eigenen Haus lebt.
Erschienen im CASH am 12. Mai 2005