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Unter dem Titel "Zeugen Jehovas reissen Familien auseinander" erschien am 27. Juli 2015 im "Tages-Anzeiger" ein Interview mit einer Projektleiterin des Vereins Infosekta. Darin ging es hauptsächlich um den Ausschluss aus der Glaubensgemeinschaft und die damit verbundene Ächtung selbst durch engste Familienmitglieder.
Ein ehemaliges Mitglied der Glaubensgemeinschaft gelangte daraufhin mit einer Beschwerde an den Presserat. Die Person machte geltend, verschiedene Aussagen der Interviewten seien falsch, wie aus einer Mitteilung des Presserats vom Mittwoch hervorgeht.
So beziehe sich das Gebot, den Kontakt zu ausgeschlossenen Kindern einzuschränken, nur auf volljährige Kinder, die nicht mehr im gleichen Haushalt lebten. Zudem sei die Regel, wonach Vorwürfen über sexuellen Missbrauch von Kindern nur nachgegangen werde, wenn es mindestens zwei Zeugen gebe, nicht mehr in Kraft.
Der Presserat weist in seinem Entscheid darauf hin, dass die Wahrheitspflicht die kritische Überprüfung von Quellen einschliesst. Dies gelte auch bei Aussagen von Experten.
Zwar habe der Journalist grundsätzlich von der Glaubwürdigkeit der Fachfrau von Infosekta ausgehen können. Was die sogenannte Zwei-Zeugen-Regel betreffe, hätte die Expertin allerdings auf die Aufhebung derselben aufmerksam machen müssen oder der Journalist hätte nachfragen müssen. In allen übrigen Punkten wies der Presserat die Beschwerde ab.
(AWP)