Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03558.jsonl.gz/304

Im Frühling erhielt die Ausstellungsgruppe Kulturvereins Chärnehus wieder eine sehr grosszügige, spezielle Schenkung. Es handelt sich dabei um mehrere Ölbilder aus dem Besitze der Nachfahren vom Geschlecht der Kuriger ab dem Haus zum Widder.
Diese Nachkommen leben heute in der Uhrenstadt Grenchen. Ihr Vater, mit Jahrgang 1898, erlernte in Zug das Handwerk eines Holzbildhauers und übte den Beruf unter den damals schwierigen Umständen mit viel Erfolg aus, zuletzt in Grenchen, teilweise als selbständiger Bildhauer.
Selbstporträt
Ein Gemälde aus der wunderbaren Schenkung, das hier abgebildete, frisch restaurierte Selbstporträt, welches der Maler Josef Maria Curiger im jugendlichen Alter von 25 Jahren auf die Leinwand brachte, blieb glücklicherweise auch erhalten. So können wir uns heute ein Bild des leider schon früh in Cincinnati/Ohio (USA) verstorbenen Künstlers machen. im Einsiedler Anzeiger vom 14. Oktober 1896 stand damals geschrieben: «Es starb in der Nacht vom 19. respektive den 20. September, plötzlich am Herzschlag Josef Maria Curiger von Einsiedeln, Sohn des Herrn Adelrich Kuriger, Kantons-Steuereinnehmer in hier, im Alter von 52 Jahren.J.M. Curiger war in seinem Fache, Kirchen- und Glasmalereien, ein Künstler. Er hinterlässt eine Witwe und vier Kinder. Die Schweizerische Wohltätigkeits-Gesellschaft, deren Mitglied er war, begleitete ihn zur letzten Ruhestätte, fern seiner Heimat, Dienstag, den 22. September 1896.»
Vater mit Begabung
Bereits sein Vater, Adelrich Kuriger, war ein vielseitig begabter Mann. Dieser lernte zuerst vier Jahre Zeichner, dann wandte er sich dem Schneiderhandwerk zu. Später, im Jahre 1838, nahm er für vier Jahre «Handgeld» für römische Dienste im Kirchenstaat, wo er bis 1842 verweilte. Dann war er jahrelang dienstbeflissener Klosterschneider, zusätzlich war er inhaber des Gasthauses zum Sankt Peter. Im hohen Alter machte Adelrich mit seiner zweiten Frau noch eine Pilgerfahrt nach Rom und ins «Heilige Land». Bis zu seinem Tode im Jahre 1902 war Adelrich Kuriger neben allen andern Aufgaben noch kantonaler Steuereinnehmer für den Bezirk Einsiedeln. Im Haus Anker an der Hauptstrasse wohnte viele Jahre Fräulein Bertha Curiger (1900 bis 1991)eine nahe Verwandte des oben genannten Künstlers Josef Maria. Sie war lange Jahre bei der Firma Benziger zuständig für die Lohnbuchhaltung, woher ihr firmeninterner Übernahme «Zahltagsbertheli» stammte.
Der früher sehr bekannte Einsiedler Kunsthistoriker Linus Birchler aus dem Hause Anker schrieb in einer Arbeit mit dem Titel «Kunst und Kunstgewerbe in Einsiedeln», in der Februar-Ausgabe 1930 der Neuen Einsiedler Zeitung über zwei Einsiedler Künstler: «Meinrad Blasius Benziger (1835 bis 1890) und Josef Maria Curiger (14. oktober 1844 bis 20. September 1896) sind nach Amerika ausgewandert. der erstere war Porträt- und Kirchenmaler, vom letzteren sind Bildnisse von schönster Konzentration erhalten.»
Auffrischen und restaurieren
Die Ausstellungsgruppe Chärnehus ist nun im Besitze von mehreren sehr schönen Bildnissen, vor allem Porträts, gemalt vom Künstler Josef Maria Curiger. Solche Schenkungen sind wichtig für die Erweiterung und Lebendigerhaltung einer Sammlung. in diesem Zusammenhang dürfen aber auch die Kosten für das fachgerechte Lagern und Erhalten nicht vergessen werden. Damit die Werke dem Publikum von ihrer schönsten Seite gezeigt werden können, müssen sie aufgefrischt und restauriert werden. Deshalb sind auch kulturinteressierte Gönner und Mäzene für die Kultur im Dorf immer willkommen, welche ohne Zweckdenken, aus echter Freude an den Werken, die unsere Vorfahren schufen, diese erhalten möchten. So kann die ansehnliche Vielfalt an Kunstwerken der Öffentlichkeit hin und wieder gezeigt werden, wie etwa an der erfolgreichen Ausstellung 2008/2009 «Ans Licht geholt – Raritäten und Kuriositäten aus der Sammlung Chärnehus».
Auskünfte:
Madeleine Schönbächler
Tel. 055 412 46 42
www.chaernehus.ch
Einsiedler Anzeiger
Autor
Einsiedler Anzeiger
Kategorie
- Kunst & Design
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/fk9Qcu