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Wissenschaftliche Beweise zur vorchristlichen Verehrung Krishnas
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Belege zur vorchristlichen Verehrung Krishnas
Die meisten Vaishnavas erklären, Krishna sei vor rund 5’000 Jahren erschienen. Krishna verliess unmittelbar vor Beginn des Kali-Yuga diese Welt, welches 3102 v. Chr. begann. Sein Erscheinen (seine „Geburt“) kann daher auf das 33. Jhd. v. Chr. datiert werden.
Aber welchen empirischen Beweis haben wir für diese Annahme? Zweifellos müssen archäologische oder andere Nachweise existieren, um diesen Anspruch zu bestätigen oder zu widerlegen.
Ein detaillierter historischer Nachweis der vedischen Zivilisation fällt nicht leicht, da die vedische Kultur sich selbst nicht so hoch einschätzte, um darüber Geschichten zu schreiben. In seinem Buch ‚Traditional India‘, schreibt O.L. Chavarria-Aguilar über die Inder: „Eine noch unhistorischere Nation wird schwer zu finden sein.“
Die vedische Zivilisation glaubte an Aufzeichnungen und Erzählungen über das Ewige und Unbegrenzte. Die kurzlebigen Details des täglichen Lebens, brauchten nicht aufgezeichnet zu werden, da sie in keinem Verhältnis zu den wirklich grossen und viel bedeutenderen Zielen des menschlichen Lebens standen. Freizeit benutzte man für Selbstverwirklichung, kulturelles Streben und Gottesverehrung, nicht für das Aufwärmen von unwichtigen Ereignissen aus der Vergangenheit oder der Gegenwart (wie das bei heutigen News-Medien geschieht). Deshalb existieren nach unserem westlichen Verständnis praktisch keine Geschichten über das antike Indien, weil keine geschrieben wurden, ausser den wenigen, die in Verbindung zur Transzendenz stehen, wie z.B. das Mahabharata.
Verfälschung und Betrug durch Christen
In dieses Vakuum der indischen Geschichte drangen die europäischen Gelehrten über die letzten Jahrhunderte ein. Es ist äusserst interessant zu sehen, wie man mit dem umgegangen ist, was man vorgefunden hat.
Religiöse Gelehrte waren besonders geschockt, die ungewöhnlichen Ähnlichkeiten zwischen den Leben von Krishna und Jesus zu bemerken. In einer Art von „Selbstverteidigungsreflex“, unterstellten sie den Indern automatisch, sie wären in den ersten Jahrhunderten nach Christus mit dem Christentum in Berührung gekommen und sie hätten vieles davon in ihre eigene religiöse Tradition aufgenommen. Diese Meinung über den Vishnuismus nannte man „Die Ausleihtheorie“ (the borrowing theory), welche im Westen viele Anhänger fand. Diese Sichtweise betreffend, schrieb Hemchandra Raychaudhuri (1892-1957) in seinem Buch „Materials for the Study of the Early History of the Vaisnava Sect“: „Das Erscheinen der Religion der Bhakti (Hingabe) war, nach Meinung mehrerer berühmter westlicher Gelehrter, das Ergebnis von reinem christlichem Ursprung. Das Christentum übte, gemäss diesen Gelehrten, einen grösseren oder kleineren Einfluss auf die Erzählungen über Krishna aus.“
Im Jahre 1762 hat in Rom P. Georgi als erster westlicher Gelehrter diese Theorie vorgetragen. In seinem „Alphabetum Tibetanum“ schrieb er, „Krishna“ sei bloss „eine Verfälschung des Namens des Retters; die Urkunden decken sich wunderbar mit dem Namen, obschon sie von höchst sündhaften Betrügern gottlos und schlau besudelt wurden.“ Der extreme Fanatismus von Georgis Standpunkt wurde von anderen westlichen Gelehrten rasch zurückgewiesen. Selbst pro-christliche Forscher gaben zu, dass der Name Krishnas schon vor der Geburt Jesus existierte, aber trotzdem bewahrten sie die Idee, dass wegen christlicher Einflüsse die Beschreibungen des Lebens von Krishna und die Philosophie der Vaishnavas (Vishnuiten) eine grosse Umgestaltung erfuhren.
Albrecht Weber behauptete sogar, das vedische System der Avatars sei von „der Inkarnation von Jesus Christus ausgeliehen„.
Dr. F. Lorinser übersetzte die Bhagavad-Gita und verglich sie auf skrupellose Weise mit dem Neuen Testament. Raychaudhuri schreibt, Lorinser habe die Schlussfolgerung gezogen, „dass der Autor dieses Hindu-Gedichts die Evangelien und christlichen Pastoren gekannt und benutzt habe“. Raychaudhuri fährt fort, dass gemäss Lorinser, die Ähnlichkeiten „nicht einzeln und verborgen, sondern zahlreich und klar“ währen. Lorinser hatte nicht den geringsten Zweifel, dass die Bhagavad-Gita zu einem grossen Teil dem neuen Testament entliehen sei.
Auch andere westliche Gelehrte diskutierten über diese Ausleihtheorie. Wirkliche Beweise fehlten an allen Seiten und so debattierten sie über ihre unterschiedlichen Meinungen. Literarische Nachweise, die bewiesen hätten, dass das Vaishnavatum schon lange vor dem Christentum vorhanden war, gab es in Indien, aber dieser Nachweis wurde unter den Teppich gekehrt und ihm wurde nur wenig Glaube geschenkt, bis eine literarische Quelle aus dem Westen den Streitfall ein für allemal entschied.
Die wichtigste und früheste nicht-indische literarische Aufzeichnung über das antike Indien, findet man im Buch „Indica“, geschrieben von Megasthenes. Im dritten Jahrhundert vor Christus reiste Megasthenes nach Indien. Der König von Taxila hat ihn zum Botschafter am königlichen Hof von Pataliputra ernannt, beim grossen Vaishnava-Monarchen Chandragupta. Megasthenes hat zweifellos sehr ausführlich über alles was er hörte und sah geschrieben. Leider haben keine seiner originalen Aufzeichnungen die Zeit überlebt. Doch durch die frühen griechischen und römischen Megasthenes-Kommentatoren, wie Arrian, Diodorus und Strabo, sind Fragmente seiner originalen Aufzeichnungen bis in unsere Tage zugänglich geblieben, genauso wie Megasthenes generelle Botschaft.
Dr. Hein berichtet, Megasthenes „beschreibt Mathura als einen Ort von grosser regionaler Bedeutung und er weise darauf hin, dass es früher [Anm. von Gaurahari: früher, vor dem 3. Jhd. v. Chr.] genauso wie jetzt [im 3. Jhd. v. Chr.] ein Zentrum der Krishna-Verehrung ist“.
Rehabilitation
Christian Lassen (1800-1876), Altertumsforscher und Indologe, war der erste westliche Gelehrte, der Megasthenes in die Debatte über die Ausleihtheorie einbrachte. Er bemerkte, dass Megasthenes für Krishna das Pseudonym Herakles benutzte und dass „Herakles“ oder Krishna in der Gegend, durch die der Fluss Yamuna fliesst, als Gott verehrt wird. [Anm.: Die Yamuna fliesst an der Stadt Mathura vorbei.]
Richard von Garbe (1857-1927), ein geachteter Indologe, war mit der Analyse von Lassen einverstanden und nannte das Zeugnis Megasthenes unbestreitbar. Sehr bald änderten Gelehrte wie Alan Dahlquist, die früher die „Ausleihtheorie“ unterstützten, ihre Meinung und anerkannten, in Dahlquists Worten, dass von Garbe „Webers Theorie ein für allemal zum explodieren brachte“.
Das Leben Krishnas und die Religion des Vishnuismus war nicht durch das Christentum beeinflusst und gemäss Megasthenes schon lange vor dem 3. Jhd. v. Chr. fest etabliert.
Mit Megasthenes Beweis in der Hand, erhöhte sich die Glaubwürdigkeit der literarischen Quellen Indiens. Der grosse Grammatiker und Autor der Yoga Sutras, Patanjali, der im 2. Jhd. v. Chr. lebte, schrieb, Krishna habe in weit entfernter Vergangenheit den Tyrann Kamsa getötet. Raychaudhuri sagt uns, die exakten Worte waren „chirahate Kamse‘, was bedeutet, Kamsas Tod ereignete sich in einer sehr weit entfernten Zeit“. Im 5. Jhd. v. Chr. erwähnt der grosse Sanskrit-Grammatiker Panini, das Vaishnavatum sei eine Religion der Bhakti, wie es Raychaudhuri schreibt. Die „Artha-shastra“ von Kautila aus dem 4. Jhd. v. Chr., verweist verschiedene Male auf Krishna, während die „Baudhayana Dharma Sutra“, ebenfalls aus dem 4. Jhd. v. Chr., zwölf verschiedene Namen Krishnas angibt, inklusiv bekannte Namen wie Keshava, Govinda und Damodara.
Da Krishna sogar in der vor-buddhistischen „Chandogya Upanishad“ erwähnt wird, können wir daraus ableiten, dass Krishna deutlich vor Buddha (6. Jhd. v. Chr.) auf der Erde anwesend war. Die Schriften der Jains schieben Krishnas Leben nochmals deutlich weiter in die Vergangenheit, über das 9. Jhd v. Chr. hinaus. Vedische Texte, wie das „Bhagavatam“ und das „Mahabharata“, legen das Leben Krishnas über 5’000 Jahre zurück, also in eine Zeit, die deutlich mehr als 3’000 Jahre v. Chr. stattfand.
Was auch immer die exakten Daten von Krishnas Erscheinen auf Erden und sein Fortgehen sein mögen, wegen der Menge der Nachweise über die Antike Krishnas, hält „The Cambridge History of India“ definitiv fest, dass die Verehrung Krishnas dem Christentum viele Jahrhunderte vorausgeht.
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Die Garuda-Säule von Heliodorus
Wenden wir uns nun den ersten archäologischen Funden zu, welche Licht auf die Antike Krishnas werfen können. Eine der wichtigsten Entdeckungen wurde 1877 von General Sir Alexander Cunningham gemacht. Während einer archäologischen Besichtigung in Beshnagar, Zentralindien, bemerkte er eine dekorative Säule. Die Formgestaltung veranlasste ihn, die Säule fälschlicherweise der Gupta-Dynastie (300-550 n. Chr.) zuzuordnen. Cunningham hatte jedoch übersehen, dass unter einer dicken Schicht roter Farbe, die von Pilgern viele Jahrhunderte hindurch auf die Säule geschmiert worden war, eine eingemeisselte Inschrift verborgen war.
Im Januar 1901 vermutete ein Herr Lake eine Inschrift unter der roten Farbe. Nachdem er ein wenig von der roten Farbe entfernt hatte, stellte sich seine Vermutung als richtig heraus. Dr. J.H. Marshall, der Lake damals begleitet hatte, beschreibt die Entdeckung 1909 im „Journal of the Royal Asiatic Society„. Cunningham, so schreibt Marshall, hatte sich bei der Altersschätzung der Säule um Jahrhunderte geirrt und er hätte sich wohl nicht einmal zu träumen gewagt, welch wertvollen Fund er übersehen hatte. „Ein kurzer Blick auf die ersten Buchstaben genügte, um zu sehen, dass die Säule aus einer Zeit lange vor der Gupta-Periode stammte. Das war wirklich eine Überraschung für mich, die noch viel grösser wurde, als die ersten Linien dieser Inschrift gelesen werden konnten.“
Es gab damals ein Königreich von Taxila, dessen Herrschaft sich auch auf Gebiete in Nordwestindien erstreckte, die im Jahre 325 v. Chr. von Alexander dem Grossen erobert worden waren. Zur Zeit des Königs Antialkidas gehörte auch Afghanistan, Pakistan, und der Punjab zu seinem Hoheitsgebiet. Dieser König Antialkidas hatte seinen Botschafter Heliodorus zum Königshaus von Bhagabhadra nach Beshnagar in Mittelindien entsandt, und der errichtete dort im Jahre 113 v. Chr. diese Säule, die sich später als einer der wichtigsten archäologischen Funde des Subkontinents herausstellen sollte.
Die folgenden Zeilen sind eine Wiedergabe dieser Schriftzüge mit ihrer Transliteration und einer Übersetzung des alten Brahmi-Textes, so wie er im „Journal of the Royal Asiatic Society“ (London: JRAS, Pub., 1909, pp. 1053-54) abgedruckt worden war:
Devadevasa Va(sude)vasa Garudadhvajo ayam
Karito i(a) Heliodorena bhaga
Vatena diyasa putrena Takhasilakena
Yonadatena agatena maharajasa
Amtalikitasa upa(m)ta samkasam-rano
Kasiput(r)asa Bhagabadrasa tratarasa
Vasena(chatu)dasena rajena vadhamanasa
„Diese Garudasäule von Vasudeva (Vishnu), dem Gott der Götter, wurde von Heliodorus aufgestellt, einem Verehrer von Vishnu, dem Sohn von Dion, einem Bewohner von Taxila, der als griechischer Botschafter vom großen König Antialkidas hierher zum Hofe des Königs Kasiputra Bhagabhadra kam, dem Erretter, der im 14. Jahre seiner Königschaft sehr erfolgreich regiert.“
Während Megasthenes nur über Krishna und das Vaishnavatum geschrieben hatte, fand Heliodorus das Vaishnavatum so attraktiv, dass er es zu seiner eigenen spirituellen Entwicklung angenommen hatte.

Trini amutapadani-(su)anuthitani
„Drei ewige Lehren (Stufen) bringen uns zum Himmel, wenn wir sie anwenden:
Selbstbeherrschung, Wohltätigkeit, Bewusstsein.“
Aus der öffentlichen Inschrift kann man klar entnehmen:
Heliodorus bekannte sich dazu, ein Vaishnava, ein Geweihter Vishnus zu sein, dem Gott der Götter. Vasudeva und Vishnu sind beides gebräuchliche Namen für Krishna.
Auch der Hinweis des Heliodorus auf das Ausüben von Selbstbeherrschung (Damo), Wohltätigkeit (Chago) und Bewusstheit (Apramado) sind weitere Anhaltspunkte dafür, dass er den Status eines Vaishnava hatte. Diese drei Tugenden erscheinen in exakt derselben Reihenfolge im Mahabharata, was Professor Kunja Govinda Goswami von der Universität Kalkutta zur Schlussfolgerung leitet, dass „Heliodorus anscheinend die Schriften der Vaishnava-Religion, wie z.B. das Bhagavatam, gekannt hatte.“
Unseres Wissens war Heliodorus der erste Mensch des Westens, der zum Vaishnava wurde. Aber Gelehrte wie A.L. Basham und Thomas Hopkins sind der Meinung, dass Heliodorus nicht der einzige Grieche war, der sich zum Vaishnavatum bekannte. Thomas Hopkins, der Leiter der Abteilung für religiöse Studien am Franklin- und Marshall-College sagte: „Heliodorus war höchstwahrscheinlich nicht der einzige Ausländer, der ein Vaishnava wurde, obwohl er vielleicht der einzige war, der eine Säule errichtete; zumindest eine, die bis heute steht. Mit Sicherheit muss es viele andere gegeben haben.“
Die Säule zerstört auch eine andere falsche Vorstellung. Über Jahrhunderte hinweg waren viele Gelehrte der Meinung gewesen, dass die orthodoxen Hindus niemanden in ihre Reihen aufnahmen, der anderen Religionen oder Kulturen angehörte. Doch bereits viele Jahrhunderte, bevor die Mohammedaner grosse Teile Indiens besetzten, gab es offensichtlich keine Schwierigkeiten für Fremde, in das Vaishnava-Leben aufgenommen zu werden, wie das auch heute immer noch der Fall ist.