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13.06.2019 Schytomyr-Kiev
Um halb acht wandere ich ins Stadtzentrum und hole meinen Scooter aus dem sicheren Parking ab. Er wurde leider verstellt, so dass die Schliesskette sich völlig im Ritzel verheddert hat. Ich fahre zum Hostel, lade auf und lasse die Schlüssel auf dem Tresen, denn die Empfangsdame ist noch nicht da. Zügig fahre ich auf der guten Autobahn bis Kocheriv, wo ich anhalte. Hinter der Tankstelle ist ein schönes Wäldchen mit einem Bächlein, doch das ist sowas von vermüllt! Ich tanke nach, setze das Navi auf das Flugzeugmuseum an und fahre in die Stadt hinein. Zwischen den Kolonnen schlängle ich mich vor. Ich komme an den Antonow-Flugzeugwerken vorbei und halte kurz für ein Foto. Leider ist meine Abzweigung wegen Bauarbeiten gesperrt, so dass ich einen acht Kilometer langen Umweg machen muss. Endlich gelange ich zum Muzey Aviatsi O.K. Antonov, ein Freilichtmuseum mit erstaunlich gut erhaltenen Exponaten. Ich löse einen Eintritt und erkunde das riesige Gelände. Gleich beim Eingang fällt mir ein Anatra "Anasal" Aufklärungsflugzeug (1917-18) in vermutlich flugfähigem Zustand auf. Unweit davon steht eine UTI Mig-15, die in mehreren Tausend Exemplaren in der Ukraine gebaut wurde. Ebenfalls hier steht eine Yak-3 aus dem zweiten Weltkrieg. Ein TU134-A3 Präsidentenflugzeug des Staates Ukraine ist bereits in einem sehr verlotterten Zustand. Bei einer TU154 Cockpit kann ich ins Cockpit schauen. Eindrucksvoll der riesige MI126 Transporthelikopter, mit 20 Tonnen oder 82 Passagieren Nutzlast. Das Paradeflugzeug der UdSSR, die MIG-29 ist ebenfalls mehrfach vorhanden. Noch grösser als der MI125 ist der MI6A Transporthelikopter. Eine raketengetriebene Drohne für die Aufklärung UAV VR-2 „Strizh“ steht auf einer mobilen Abschussrampe. Neben den zwei riesigen Flugbooten Be-6 „Madge“ und Be-12 „Mail“ sieht man wie ein Zwerg aus. Hier steht auch die erste Antonow AN-2, das ukrainische Erfolgsflugzeug. Zil, Kraz, und Kamaz Lastwagen wurden zur Betankung verwendet. Gewaltig gross ist auch das viermotorige Turbopropflugzeug Tu142 VPMK „Bear-F“. In einer Halle sind Triebwerke, aber auch technisch aufwändigst gemachte Modellmotoren ausgestellt. Nun geht es weiter mit dem aus dem Afghanistan-Krieg bekannten Mi24V „Hind-E“ Helikopter (1976-86) und den Verkehrsflugzeugen, vorerst noch den Il76 Grossraum-Transporter (1973-95), dann das eindrucksvoll gewaltige Il86 Grossraum-Verkehrsflugzeug (350 Passagiere, 1980-91), die Il62 (1967-95), die Il18A Turboprop-Maschine (1958-77) und die DC-4 Kopie Il14P. Das älteste Düsenverkehrsflugzeug auf dem Platz ist die TU104 (1955). Die Ukrainer sind natürlich stolz auf die ukrainischen Kleinverkehrsflugzeuge vom Typ An24B (1962-79) und den Nachfolgemodellen. Nun ist es mir zu heiss und ich fahre Richtung Hostel. Beim Macdonalds halte ich und esse einen Burger, denn hier kann ich den Töff im Auge behalten. Durch die Verkehrsstaus kämpfe ich mich durch zum Nr. 3 Ivana Mazepy Bulevard. Doch das Hostel ist nicht angeschrieben und meine SMS werden nicht beantwortet. Von einem Café kann ich das WLAN nutzen (es gibt hier praktisch nie Passwörter) und rufe im Arsenalnyi Hostel an. Es stellt sich heraus, dass es drei Eingänge weiter im gleichen Gebäude ist – angeschrieben ist eh nichts. Die gute Seele des Hauses wartet vor dem Eingang, so dass ich es finde. So checke ich ein und parke meinen Scooter hinter dem Haus, wo man ihn nicht so gut sehen kann. Nun laufe ich zum Khreshchatyi Park, der voller sowjetischer Denkmäler ist. Ich gelange zum Parlament und dem danebenliegenden Präsidentenpalast. Auf einem Gebäude unterhalb ist sogar ein Helikopterlandeplatz erstellt worden. Durch den Park schlendere ich, als ich ein Klavier sehe, das sicher schon lange hier steht, das Weisse von den Tasten ist längst abgeblättert, doch es spielt immer noch. Ueber eine Brücke gelange ich zum Michailska Gora, auf dem zwei Wassertürme stehen. Unterhalb ist der Evropeiska Ploshchad. Es wurde „70 Jahre Nato“ mit Blumen an den Berghang geschrieben. Das dürfte Putin wenig freuen. Ein paar Kilometer weiter oben ist der Majdan, wo die „Gelbe Revolution“ stattgefunden hat. An einer Hauswand finde ich eine Gedenktafel für Imam Schamil von Dagestan und Tschetschenien. Nun laufe ich zurück zum Hostel, kaufe auf dem Markt Tomaten und Gurken, im Supermarkt Milchprodukte und esse zu Abend. Dabei treffe ich zwei Iraner, der eine spricht Deutsch, weil er drei Jahre lang in Aachen gelebt hat.