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AUSGANGSLAGE
Das Grundstück liegt an der Stationsstrasse. Diese führt durch das Stationsquartier und Verbindet den Bahnhof mit dem Dorfzentrum von Embrach. Ende des 19.Jahunderts entstand dort in unmittelbarer Nähe eine Tonwarenfabrik. Mit dem ständigen Wachstum dieser Industrieanlage kamen die ersten Wohnhäuser an der Stationsstrasse hinzu.
Das Fabrikareal breitete sich von den Bahngleisen entlang der östlichen Seite der Stationsstrasse aus. Dieses grosse Areal bestand aus mehreren Fabrikgebäuden und einer Direktorenvilla. In der Fabrik wurden Feinsteigzeugprodukte wie Ziegel, Röhren und Kanalisationsleitungen für die Bauwirtschaft produziert. Mitte der 70er Jahre wurde der Betrieb eingestellt und die Fabrik stillgelegt. Alle Gebäude inklusive der Direktorenvilla wurden in den 90er Jahre komplett abgerissen. Heute ist das Gelände eine Brache, Flächenmässig intergiert in das Areal des Zürcher Freilagers. Zurzeit ist eine Planung im Gange, dieses Land durch Wohngebäude und stilles Gewerbe wieder zu aktivieren.
Das Wohnquartier der Tonwarenfabrik entwickelte sich zwischen Stationstrasse und Rheinstrasse mit dem Abschluss an den Bahngleisen. Die ursprünglichen Punktbauten für die Arbeiter bestanden aus Einfamilien- und kleineren Mehrfamilienhäusern, welche sich entlang den Strassen orientierten.
Später wurden die Wohnbauten grösser und das Quartier entwickelte sich zu einem heterogenen Gemisch aus Punkt- und Zeilenbauten. Mit der Anpassung der Bau- und Zonenordnung vor einigen Jahren wurde die Grundlage dafür geschaffen, dass sich das Quartier zu einem verdichteten Wohnquartier an zentraler Lage zum Bahnhof weiterentwickeln kann. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die ursprüngliche Identität verloren geht und die Spuren der Geschichte zum grössten Teil verwischt werden.
ARCHITEKTUR UND STÄDTEBAU
Mit unserem Projekt nehmen wir Bezug auf die Geschichte des Quartieres und wollen so eine identitätsstiftende Architektur schaffen. Durch die gestaffelte Gliederung Volumens im Grundriss nimmt es die Massstäblichkeit der ursprünglichen Bebauungsstruktur auf. Die Fassadenausrichtungen orientieren sich an den umliegenden Bauten.
Das Volumen ist so platziert, dass es einen attraktiven Aussenraum auf der strassenabgewandten Seite bildet. Die Abstufung der Fassade schafft verschiedene Ausrichtungen und Blickrichtungen und bildet so eine attraktive Grundlage für die Wohnungen. Die Topografie mit dem vorhandenen Höhenversatz vom Strassenniveau zur bestehenden Spielwiese wird ebenfalls aufgenommen. Dadurch entsteht hin zum Aussenraum ein zusätzliches Wohngeschoss. Die Strassenfassade hat eine klassische Gliederung mit Sockel, Hochparterre, Mittelteil und Attika als oberen Abschluss.
AUSSENRAUM (FP)
Viel Platz für die Allgemeinheit steht im Vordergrund. So wurden Themen aufgegriffen, die bei der jetzigen Struktur bereits gegeben sind. Entlang der Stationstrasse ziert eine Baumreihe, die aus einer vielfältigen Staudenrabatte besteht, das neue Gebäude. Über einen sickerfähigen Belag gelangt man an den Gebäudeeingang. Dieser ist mit einer Holzbank versehen, um sich auch mal wartend niederzulassen. Derselbe Weg führt auch zu dem allgemeinen Aufenthaltsbereich, welcher mit einer Pergola und einer Grillstelle versehen ist: optimale Voraussetzung für eine Grillparty. Angegliedert an diesen Bereich ist der Spielplatz, der zusammen mit der angrenzenden offenen Rasenfläche ebenfalls zum Verweilen einlädt. Die Parzelle 647 und der mächtige Baum werden nicht tangiert.
Die Gartenwohnungen sind mit Sitzplätzen ausgestattet damit auch private Aussenbereiche vorhanden sind. Diese Plätze sind zudem mit Hecken geschützt. Die Privatsphäre dieser erdgeschossigen Wohnungen werden gekonnt mit Sträuchergruppen gewährleistet, ohne, dass ein zu grosser Schattenwurf entsteht.
Die Biodiversität wird ebenfalls grossgeschrieben, sämtliche Beläge werden sickerfähig sein.
Dachbegrünung sowie begrünte Aussenparkplätze sind vorgesehen. Die Pflanzenwahl ist standortgerecht und vielfältig. Die Rasenfläche ist keine homogene Fläche, sondern ein Kräuterrasen, der das Nebeneinander von Spielen, Flora und Fauna meistert.
ORGANISATION UND ERSCHLIESSUNG
Über einen grosszügigen Eingangsbereich betritt man das Gebäude und gelangt in den Erschliessungsbereich der Wohnungen. Eine offenen Treppenanlage mit angrenzendem Aufzug dient als vertikale Verbindung. Auf den Geschossen ist die horizontale Verteilung durch eine Rue Interieure gewährleistet. Die Lichthöfe verbinden die einzelnen Geschosse miteinander und bringen Tageslicht in die unteren Geschosse. Waschräume, die von der Rue Interieure zugänglich sind, fungieren als soziale Treffpunkte.
WOHNUNGEN
Die einzelnen Wohnungen sind so angelegt, dass sie nach mindestens zwei Seiten orientiert sind. Diese Vielfältigkeit resultiert in attraktiven und unterschiedlichen Ausblicken und Bezügen.
Dadurch entstehen unterschiedliche Wohnungen in welchen ein Wohngefühl erzielt wird, welches gegenüber einseitig orientierten Wohnungen einen deutlichen Mehrwert schafft. Alle Wohnungen verfügen ebenfalls über einen Eckbalkon. Die Eckbalkone sind verglast, so das diese auch in den klimatischen Übergangszeiten benutzt werden können. Ausserdem können diese so als zusätzliche Baumasse angerechnet werden. Die Wohnungen, welche sich auf der Ebene des geschaffenen Aussenraums befinden, verfügen über private Sitzplätze. Die Attikawohnungen weisen Terrassen auf, welche mit angemessenem Sonnenschutz ausgestattet sind.
Die Wohnungen verfügen alle über Eingangsbereiche. Wohn- und Essbereiche sind organisch organisiert, jedoch mit klaren Zonierungen für die einzelnen Bereiche. Einzelne Küchen werden über Oberlichter, die zu den Lichthöfen ausgerichtet sind, belichtet. Die Zimmer dienen entweder als private Rückzugsorte oder grenzen an den Wohnraum an. Diese sind mit Doppeltüren ausgestattet und können so die Wohnzone erweitern, bringen mehr Licht in die Tiefe des Raumes und schaffen neue Sichtbezüge nach aussen.
Die Fensteröffnung haben tiefe Leibungen und sind so angelegt, dass sie auf die Intimität der Bewohner Rücksicht nehmen.
Insgesamt gibt es 31 Wohnungen mit 2 1/2 bis 4 1/2 Zimmern. Die verschiedenen Wohnungstypen sind regelmässig über die Geschosse verteilt. Der Wohnungsmix entspricht der Vorgabe der Bauherrschaft.
KONSTRUKTION UND STATIK
Das Gebäude besteht vo Keller bis Attika aus einem Massivbau mit einer Kompaktfassade. Diese erlaubt einerseits eine ökonomische Bauweise und anderseits können an der Fassade grosse Fensteröffnungen geschaffen werden. Die Erdbebensicherheit wird durch Scheiben aus Beton im Bereich der Aussen- und sowie auch Innenwände gewährleistet.
Die Aussendämmung ist mit keramischen Platten verkleidet. Durch diese wird Bezug genommen auf die Tradition der keramischen Feinsteinzeugprodukte die im Embrachertal hergestellt wurden.
Das Attika wird in einer Holzelementbauweise erstellt. Dies reduziert das Gesamtgewicht auf den bestehenden Swisscomraum und hebt das Attika konstruktiv sowie formal von den unteren Geschossen ab. Verkleidet wird das oberste Geschoss mit Faserzementplatten. Diese nehmen Bezug auf die mineralische Verkleidung der darunterliegenden Geschosse. Zudem sind sie langlebig und unterhaltsarm.
Der Neubau besteht, wie das bestehende Gebäude, aus drei Geschossen in Massivbauweise. Mit der leichten Holzbauweise der Attika, hat das bestehende Untergeschoss nur eine geringe Mehrbelastung. Kleinere statische Massnahmen sollten daher dort ausreichen, um diese zusätzlichen Lasten aufzunehmen.
Durch das oberste Geschoss in Holzbauweise, in Kombination mit Recyclingbeton bei den anderen Geschossen, ist eine Bauweise im Minergie Eco Standard gewährleistet.
HAUSTECHNIK (FP)
Die Wärmeleistung für Raumheizung und Brauchwarmwasser wird über eine Übergabestation ab dem Wärmefernheizungsnetz bereitgestellt.
Bodenheizungssysteme verteilen die Wärme in den Wohnungen. Das benötigte Brauchwarmwasser wird über Pufferspeicher und Frischwasserstationen bereitgestellt. Die Pufferspeicher können im Sommer mit elektrischer Überschussenergie aus den Photovoltaikfelder gespiesen werden.
Die Wohnungen werden kontrolliert mit Lüftungsanlagen mit Frischluft versorgt. Abluft wird in den Sanitärzellen und im Küchenbereich erfasst, dabei wird die in der Abluft enthaltene Energie bei Bedarf an die Frischluft abgegeben. Jede Wohnung verfügt über drei mögliche, wählbare Lüftungsstufen.
Die Verteilung der Haustechnikmedien erfolgt über vertikale Steigschächte, die vom Korridorbereich her zugänglich sind. Übereinanderliegende Wohnungen werden dabei über je eine vertikale Steigzone versorgt. Wasserführende Medien werden ab den Zentralen im Untergeschoss versorgt, die Lüftungsinstallationen für Zu- und Abluft je Wohnung werden ab Dachzentralen in die vertikalen Steigzonen geführt.