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Wo und wie Diskusfische leben
Woher stammt der Diskus?
Neben Neonfischen und Welsen sind heute die „Symphysodon“ die Diskusfische, wohl eine der bekanntesten Aquariumfische aus dem tropischen Südamerika.
Die Heimat der Diskusfische sind die Flüsse des Amazonas und einer Reihe seiner Nebenflüsse, soweit die dort vorherrschende Wasserzusammensetzung es zulässt. Das Amazonasgebiet, Teile von Venezuela, Kolumbien, Brasilien und Peru sind die Heimat des Diskus. Also ein riesiges Gebiet mit vielen Flüssen, Seen und Strömen, mit Regenfällen und Überschwemmungen die unsere Vorstellungen weit überschreiten. Die amazonischen Gewässertypen werden drei Arten eingeteilt. Weiss-, Schwarz- und Klarwasser, wobei sich die Diskusfische bevorzugt dort aufhalten wo das Wasser schwarz oder jedenfalls mit schwarzem vermischt ist.
Das Schwarzwasser sieht wie schwarzer, starker Kaffee oder Tee aus. Der pH-Wert ist mit Werten zwischen vier und fünf extrem niedrig. Klares Wasser kommt in den kleinen Nebenflüssen häufig vor. Das Wasser hat mit seiner grünlichen Farbe die höchste Transparenz. Sie haben ebenfalls, wie die Schwarzwasserflüsse einen ungünstig niedrigen Elektrolygehalt. Der pH-Wert liegt meistens zwischen fünf und sechs.
Weißes Wasser ist eine Mischung daraus, sieht aber schlammig aus.
Alle 3 Arten von Wasser bieten ausgezeichnete Lebensbedingungen für die Diskusfische. Die Wassertemperatur dieser Flüsse beträgt circa 25 °C bis zu 30 °C am Amazonas. Oft werden die Fische während der Nacht gefangen, da sie durch das Fanglicht blind scheinen und in grossen Mengen in den Netzen gefangen werden. Diskusfische kommen in ihren natürlichen Biotopen niemals einzeln, sondern stets in grösseren Gruppen oder Schwärmen von hunderten, oft sogar Tausenden vor.
Ihre bierdeckelrunde, flache Gestalt gestattet ihnen, sich im ufernahen Schutz von ins Wasser hängendem Geäst aufzuhalten. Wobei der flache, hoch aufgerichtete Körper den oft engen Durchlässen entgegenkommt. Wer nun vermutet, dass diese Körperform beim schnellen schwimmen hinderlich sei, der irrt sich! Diskusfische sind sehr schnell. Das liegt zum Teil an dem muskulösen Körper, bei dem der so genannte Eingeweidesack im Brustbereich liegt. Demzufolge besteht die Körpermasse darüber und dahinter vor allem aus Muskulatur die dem Diskus das schnelle Schwimmen ermöglicht.
Ihre natürliche Fortpflanzungssignale erhalten die Diskusfische von den jahreszeitlichen Rhythmen. Dazu gehört vor allem der Tiefdruck, der die Regenzeit ankündigt und in den meisten Gebieten für Hochwasser sorgt. Dies bedeutet für die Fische dass ihr bisheriger Lebensraum vergrössert, auch wenn der Wasserstand in vielen Überschwemmungsgebieten recht flach und das Wasser in diesen Zonen stärker erwärmt wird als in den tieferen Bereichen.
Durch die Bildung feinster Nahrungspartikel, wie zum Beispiel Infusorien (Infusionstierchen), entsteht nun in den Überschwemmungsgebieten gerade für die Jungfische ein Schlaraffenland, in dem allerdings auch schnellwüchsige junge Raubfische auf Nahrungssuche gehen und dabei die Jungfischschwärme gehörig dezimieren.
Fischarten
Obwohl mit vier Diskusarten eigentlich nur eine geringe Anzahl zu klassifizieren ist, ist es nicht einfach die Unterschiede darzulegen.
Heckel Diskus
Der „Heckel Diskus“ (Symphysodon) ist sofort durch den dickeren fünften Körperstreifen zu erkennen. Auch der erste und der letzte senkrechte Streifen sind stärker ausgeprägt. Heckel Diskus haben sehr schöne Grundfarben, die von rötlich bis türkisblau variieren können.
Brauner Diskus
Hinter dem Namen „ Brauner Diskus“ verbirgt sich Symphysodon axelrodi. Dieser Wildfangtyp war der weitverbreiteste Diskus in unseren Liebhaberbecken in den sechziger und siebziger Jahren. Er ist praktisch der Urvater unserer heutigen Diskusfische. Seine Körpergrundfarbe ist hell- bis dunkelbraun. Am Kopf, auf der Rückenpartie und in den Bauchflossen hat er wenige blaue Streifen.
Grüner Diskus
Grüne Diskus (Symphysodon aequifasciatus) weisen eine grün-bräunliche Grundfärbung auf. Im Bereich des Rückens und des Bauches sind die Fische grün gestreift. Royal Green Diskus haben grüne oder türkisfarbene Streifen. Weitere grüne Variante ist der Tefé Diskus.
Blauer Diskus
Der vierte Vertreter ist der Blaue Diskus. Er erinnert in seiner Grundfärbung stark an den braunen Diskus. Besonders im Kopfbereich ist dieser Fisch purpurfarbig. Kopf, Rücken und Bauchpartie werden von blauen Längsstreifen überzogen. Der Name „Royal Blue“ wurde für diesen Fisch schnell gefunden. Diese Fische stellten jahrelang die Spitze auf dem Diskussektor dar.
Das kräftige Türkisblau dieser Wildfänge wurde in die Nachzuchttieren unter dem Namen Kobaltblau erhältlich. Dieses metallische Glänzen fasziniert jeden Betrachter.
Was für Anforderungen braucht man um sie im Aquarium zu halten?
Der erste Blick auf Diskusfische im Gesellschaft Aquarium lässt nicht erkennen, dass diese besondere Ansprüche stellen. Anspruchsvoll sind sie auch nur, vorausgesetzt man leitet den technischen Aufwand für ein Aquarium von vornherein in die richtigen Wege. Um den Diskusfischen optimale Lebensbedingungen bieten zu können sind einige Massnahmen erforderlich.
Wasserzusammensetzung
Diskuswasser sollte im leicht sauren Bereich der pH-Wert-Scala liegen. Je niedriger der pH-Wert eines Wassers ist, desto saurer ist es auch. Steigt der pH-Wert über die Neutralgrenze, zeigen die Tiere durch dunkle Färbung Unwohlsein an.
Der pH-Wert sagt nichts über die Klarheit und Bakterienreinheit des Wassers aus. Er gibt nur Auskunft über die positive bzw. negative Ladung mit Wasserstoff-Ionen. In saurem Wasser können sich Bakterien schlechter halten oder vermehren.
Über die Häufigkeit des Teilwasselwechsels oder die Wassermenge eine Aussage zu machen ist schwierig, denn es gibt Züchter, die nur alle 14 Tage 10% des Wassers auswechseln, andere dagegen wechseln täglich bis zu 75% des Wassers. Beide haben den gleichen Erfolg.
Es ist aber sicher, dass der grössere und regelmässige Wasserwechsel sehr positiv auf die Diskusfische wirkt. Dadurch wird das schnellere Wachstum beeinflusst. Also, es wäre besser jeden Tag konsequent mindestens 10 % Wasser zu wechseln als einmal in der Woche 70 % . Der Wechsel von einmal 70% würde zu einer radikalen Wasserveränderung führen, die Fische verkraften das nur schlecht.
Filterung
Da Diskusfische aus sehr langsam fliessenden, fast stehenden Gewässern kommen, ist es auch nicht nötig in Diskus-Aquarien eine starke Wasserströmung zu installieren. Dies gilt erst recht für bepflanzte Diskus-Aquarien. Da durch den intensiveren Sauerstoffeintrag die Gefahr der Algenbildung an Scheiben, der Dekoration und vor allem an den Pflanzen steigt. Jedes Filtersystem hat seine Vor- und Nachteile. Welches Filter-System der Diskusliebhaber letztendlich bevorzugt, muss er selbst entscheiden. Auch die Futterart und Futtermenge beeinflusst die Filterung sehr stark.
Inneneinrichtung
Ein Aquarium zu „dekorieren“ heisst, seine Einrichtung den Ansprüchen seiner Bewohner und nicht denen seiner Betrachter anzupassen. Im Aquarium brauchen Diskusfische einen ähnlichen Schutz, wie in ihrem südamerikanischen Lebensraum. Zu viel Geäst würde jedoch die gelegentliche Pflegearbeit im Becken beeinträchtigen.
Wir haben den Vorteil im Aquarium, bestimmte hochwachsende Pflanzen, wie grosse „Echinodorus-Arten“ zu bieten. Ihr Versteck zu ersetzen, wie Wurzeln und Geäst in der freien Natur.
Fütterung
Schöne gesunde und grosse Diskus sind sicher das Ergebnis einer optimalen Hälterung und einer hervorragenden Fütterung. Es gibt viele gute Futtersorten für Diskusfische. Das absolute Diskusfutter gibt es nicht. Die Kombination von Futtersorten bringt den Erfolg.
Die Futtertiere, die der Diskus in seiner Heimat Amazonien bekommen kann, sind bekannt. In erster Linie sind es die kleinen Süsswasserkrebse oder Süsswassergarnelen und die Larven und Puppen verschiedener Insekten und Würmer. Natürlich müssen nicht alle Futtersorten gleichzeitig verabreicht werden. Wichtiger wäre es, verschiedene dieser Futtersorten immer wieder in den Speiseplan der Fischer einzubauen. Lebende Würmer oder Mückenlarven sind leichter zu bekommen als lebende Krebse. Beide Futtersorten sind aber gefroren im Handel erhältlich. In der Natur müssen die Diskus längere Hungerperioden mitmachen. Deshalb können auch gefangene erwachsene Diskusfische längere Zeit ohne Futter auskommen ohne Schaden zu erleiden. Nachzuchttiere sind da sicher etwas empfindlicher, denn sie sind regelmässige Nahrungsaufnahme gewohnt. Viele Diskusliebhaber neigen aber dazu, ihre Diskusfische zu überfüttern.
Es ist bekannt, dass der Diskuskörper viel Eiweiss enthält. Somit braucht er immer wieder eine gute Eiweissversorgung. Die natürliche Diskusnahrung in Amazonien ist reich an Eiweissbaustoffen, den so genannten Proteinen und deren Aminosäuren. So hat es der Aquarianer leicht, mit Fischfleisch, Krebsen Garnelen oder Rinderherz, seinem Diskus viel tierisches Eiweiss zu bieten. Erhält der Diskus viel natürliches Futter wie Garnelen oder Krebschen, braucht er keine zusätzliche Vitamine. Ist dies aber nicht der Fall sollten Vitamine zugesetzt werden. Die Vitaminmengen sind abhängig von der Fischgrösse, auch das Alter, die Verfassung, die Wasserbeschaffenheit sowie die Temperatur spielen eine Rolle beim Vitaminverbrauch.
Eine Stunde nach der letzten Fütterung wird der Bodengrund des Aufzuchtaquariums abgesaugt. Frischwasser wird zur Ergänzung verwendet. Die Jungfische bekommen vier bis fünfmal täglich Futter. Ab einer Grösse von etwa 7 cm reduzieren sich die Mahlzeiten auf dreimal täglich. Ältere und ausgewachsene Diskus füttert man zweimal täglich. Auf jeden Fall muss die Fütterung rechtzeitig, bevor das Licht erlöscht, durchgeführt worden sein. Die Fische müssen Zeit genug haben, alles Futter in Ruhe aufzunehmen. Anschliessend müssen die Futterreste wieder abgesaugt werden.
Es ist unnötig das Licht für 24 Stunden täglich brennen zu lassen. In der Natur haben es die Fische ja auch für einen langen Zeitraum völlig dunkel. So haben die Diskusfische ihre Ruhe.
Abbleichen
Sobald die Wasserverhältnisse und Futterbedingungen gut sind und die Fische in einer ausgezeichneten Kondition stehen, kann der Züchter damit rechnen, dass sie zum Laichen alt genug sind. Andere Faktoren wären noch zu berücksichtigen:
Die Beckengrösse, der Beckenstandort, die Beleuchtung und auch die möglichen Belästigungen von ausserhalb spielen eine große Rolle. Jedoch bleibt immer die Fütterung und das Wasser massgebend. Natürlich zählt für die Fische das Überleben mehr als die Vermehrung, wenn sie dauernd gestört werden, und somit wäre auch keine Fortpflanzung möglich.
Für das Ablaichen benutzen viele Züchter Tonvasen und Stücke aus rostfreiem Stahl zum laichen. Man kann sein Zuchtbecken aber auch mit Schwertpflanzen aus dem Amazonasgebiet (Echinodorus) zwischen den Tonvasen ausfüllen. Oft legen die Diskus nämlich ihre Eier auf die Blätter dieser Pflanzen. Da Diskus jedoch Fische sind, die ihre Eier gerne auf hartem flachem Boden diagonal oder vertikal legen, ist dies eine Gewöhnungssache.
Eine andere Methode um den Laichvorgang zu beschleunigen, ist ein Wechsel des Futters oder des Wassers. Oftmals hat man nur ein eintöniges Futter.Gefrorene Schrimps oder Rinderherz. Auch das Erhöhen oder Erniedrigen des ph-Wertes kann den Vorgang beschleunigen.
Im Allgemeinen müssen Diskus ca. zwölf Monate alt sein, bevor Laichvorgänge einsetzen. Da man das Geschlecht der Partner kaum an äusseren sekundären Merkmalen erkennen kann, hilft der Hinweis, dass die Männchen ein wenig kräftiger und im Körperdurchmesser auch etwas grösser sind. Bei den Laichvorbereitungen ist das geschlechtsreife Weibchen kriegerischer und das aktivere Tier. In einem Becken mit sechs oder acht ausgewachsenen Diskus, wird sich das geschlechtsreife Weibchen seinen Partner selbst suchen. Bei der Aufzucht wird es das Weibchen sein, das das Männchen leitet.
Beginn des Laichvorganges
Steht der Ablaichprozess kurz bevor, lässt sich rechtzeitig das Hervortretenden der Laichröhre erkennen, die sich an der Genitalöffnung wenige Millimeter aus dem weiblichen Körper hervorschiebt und schwillt auf, wogegen die des Männchen kürzer und spitziger ist. Auch eine Farbveränderung ist zu erkennen. Besonders in der hinteren Körperhälfte werden sie dunkler. Die Fische stehen ruhig an der Laichvase. Ab und zu geht ein Rütteln durch den Körper. Besonders in der Kopfpartie ist dieses Rütteln zu erkennen. Die Fische zittern mit den Flossen und schwimmen sich gegenseitig an. Mehrmals schwimmt das Weibchen jetzt zu der Tonvase und scheint abzulaichen, immer wieder beginnt das Weibchen mit dem Probelaichen. Das Männchen muss jetzt interessiert bereitstehen. Das Weibchen schwimmt von unten den Laichkegel an und legt auf dem Weg nach oben ein Ei neben das andere. Durchschnittsgelege zählen 200 Eier, gute Gelege etwa 300 Eier und Spitzengelege 400-500 Eier.
Nach jeder erfolgten Eiablage macht das Weibchen dem Männchen Platz, damit dieses die Eier sofort befruchten kann. Jetzt darf im Zuchtbecken keine zu schnellen Strömung herrschen. Ein Abgleichvorgang dauert etwa 1 Stunde. Wichtig: Störungen sind zu vermeiden.
Je besser sich ein Diskuspaar verträgt, desto bessere Überlebenschancen haben die Jungtiere. So können die Jungen ständig zwischen dem Hautsekret der beiden Alttiere wählen und so haben sie immer volle Bäuche und wachsen in den ersten Tagen schneller. Nach der Eiablage stehen die Alttiere vor dem Gelege und befächeln mit den Brustflossen die Eier. Kommt es zu Raufereien unter den Eltern, kann es kritisch werden und sie fressen sogar als Folge die Eier auf, oder auch die geschlüpften Larven.
Die Eier brauchen zur Entwicklung etwa 60 Stunden bei einer Temperatur von 30 °C. Am zweiten Tag lassen sich bereits dunkle Kerne im Inneren der Eier mit blossem Auge erkennen. Nach etwa 48 Stunden sind bereits kleine Augen zu sehen. Sobald die Larven beginnen aus den Eiern auszuschlüpfen, helfen die aufmerksamen Alttiere. Sie „kauen“ die Larven richtig heraus. Zuckend hängen die kleinen Larven mit ihren vibrierenden Schwänzchen am Laichsubstrat. Dieses Stadium endet nach weiteren 60 Stunden, dann beginnen die Kleinen frei zu schwimmen. Es ist wichtig, dass sie die Elterntiere anschwimmen. Geschieht dies nicht, sind die Jungen verloren.
Jungfische
In den ersten 5-6 Tagen ernähren sich die freigeschwommenen Jungfische ausschliesslich vom Hautsekret der Eltern. Danach kann man vorsichtig beginnen, ihnen frisch geschlüpfte Artemia-Larven in kleinen Portionen anzubieten. Der Züchter muss sich die Zeit nehmen, die kleinen nach der Futtergabe zu beobachten ob alle Tiere bereits die winzigen Krebslarven fressen.
„ Jungfische zu ernähren heisst Babys zu füttern!“ Die Jungfische sollten etwa 4-5 Wochen bei den Eltern bleiben. Während dieser Zeit muss man besonderen Wert darauf legen, einen regelmässigen und dazu möglichst häufigen Teilwasserwechsel durchzuführen.
Selina Müller