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Geschichte des Therwiler Dorfmuseums
Die am 1. April 1974 im damaligen Restaurant Löwen gegründete Arbeits- und Interessengemeinschaft «Alt Therwil» setzte sich dann – unter anderem – für ein Therwiler Dorfmuseum ein. Der
unermüdlichen Initiative von Franziska und Karl Gutzwiller-Hägeli ist es zu verdanken, dass bereits im Herbst 1977 in der ehemals landwirtschaftlichen Liegenschaft der Familie Hans
Gschwind-Heinis (Heuhändler-Hans), Bahnhofstrasse 5, heute Dorfdrogerie Eichenberger, ein erstes, provisorisches Dorfmuseum eingerichtet werden konnte. Damals träumten alle noch davon, dereinst
im «Hügin-Haus» ein definitives Dorfmuseum einrichten zu können.
Am 19. Juni 1980 gründete der Verein «Alt Therwil» die Stiftung «Dorfmuseum Therwil», welcher die bisher zusammengetragenen Therwiler Kostbarkeiten übergeben wurden. Sie bildete inskünftig die rechtliche Trägerschaft des Therwiler Dorfmuseums. Der damals siebenköpfige Stiftungsrat setzte eine gemäss Stiftungsurkunde vom 19. Juni 1980 vorgesehene Museumskommission ein, welche für den Betrieb des Dorfmuseums verantwortlich war. In den folgenden zehn Jahren wurden nahezu 30 Sonderausstellungen organisiert.
Nachdem die Einwohnergemeinde Therwil Alleineigentümerin der Liegenschaften Kirchrain 14 und 14a geworden war, erklärte sich der Gemeinderat bereit, diese Liegenschaften für ein Dorfmuseum zur Verfügung zu stellen. Der Stiftungsrat, welcher sich inskünftig aus je zwei Mitgliedern des Gemeinderates und des Bürgerrates sowie vier Mitgliedern der Arbeits- und Interessengemeinschaft «Alt Therwil» zusammensetzte, war von dieser Idee begeistert.
Am 27. September 1990 stimmte die Gemeindeversammlung nahezu einstimmig der schenkungsweisen Übertragung der beiden Liegenschaften bei der Kirche (Wohnhaus und Schopf) an die Stiftung «Dorfmuseum Therwil» zu und beschloss ausserdem, der Stiftung einen Betrag von Fr. 500 000.– an die Umbau- und Aussenrenovationskosten zu gewähren.
Nachdem am 30. August 1991 die Umbaubewilligung erteilt worden war, wurden die Umbauarbeiten unverzüglich in Angriff genommen. Schon bald stiess man auf einen Inschriftenstein mit der Jahreszahl 1607 und einem Christogramm, aus welchem geschlossen werden konnte, dass es sich bei der für das Museum vorgesehenen Liegenschaft um ein ehemaliges Pfarrhaus handeln musste. Auch wurde ein gotisches Fenster auf der linken Seite der Vorderfront des Hauses sichtbar, welches genau rekonstruiert werden konnte. Schliesslich stiess man noch auf einen früheren kleineren Schopfanbau an der Kirchenmauer. Auf einem Foto (Bild unten), welches während der Bauarbeiten in den Besitz des Dorfmuseums gelangt war und den Zustand des Gebäudes im Jahre 1871 festhielt, hatte die Liegenschaft in den oberen Wandpartien der Vorderfront eine sichtbare Riegelkonstruktion, und die Eingangstüre war in einer runden Steinfassung konstruiert.
Aufgrund dieser interessanten «Entdeckungen» wurde das ursprünglich bewilligte Umbauprojekt sukzessive geändert: die Riegelkonstruktion wurde sichtbar gemacht. Das gotische Fenster wurde belassen; gegen die Kirchenmauer zu wurde ein einfacher Schopfanbau erstellt. Anstelle der auf der westIichen Dachfläche bewilligten Dachaufbauten wurde eine Firstverglasung konstruiert. Diese führte in der Folge zu einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Denkmalpfleger. Der Streit konnte jedoch friedlich beigelegt werden.
Am 25. September 1993 fand die feierliche Einweihung des neuen Dorfmuseums statt. Nebst permanenten Ausstellungen finden – wie früher – WechselaussteIlungen statt. Daneben werden auch Verkaufsausstellungen organisiert.
Der nun unter der Leitung von Paul Gutzwiller stehenden Museumskommission ist es gelungen, das Therwiler Dorfmuseum zu einem kleinen «Therwiler Kulturzentrum» und zu einem Treffpunkt für jung und alt zu machen. Hochzeitsgesellschaften, Klassenzusammenkünfte, aber auch andere Gruppen finden sich immer wieder zu Apéros und Besichtigungen im Therwiler Dorfmuseum ein. Daneben stossen die laufenden Ausstellungen auf reges Interesse von Besucherinnen und Besuchern aus Therwil und von auswärts.
(Auszüge aus: Bruno Gutzwiller, Heimatkunde Therwil, 1999)