Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03589.jsonl.gz/1848

Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch schlafend. Wie zentral diese Erholungsphase ist, fällt vielen Leuten dann auf, wenn der Schlaf plötzlich fehlt.
Jede dritte Person in der Schweiz hat Mühe einzuschlafen oder nachts durchzuschlafen. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, ist dies oft mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Wer in seiner alltäglichen Funktionsfähigkeit deutlich eingeschränkt ist und mindestens drei Mal pro Woche über einen Monat hinweg schwer ein- oder durchschläft, erfüllt damit die Kriterien für eine sogenannte Insomnie.
Aufwachen ist normal
Doch nicht jede Person, die nachts wiederholt wach wird, leidet unter einer Schlafstörung. Wach werden ist nicht die Ausnahme, sondern die Norm. Jede Nacht werden ca. vier bis fünf Schlafzyklen durchlaufen, in denen die schlafende Person von einer Tiefschlafphase in eine Phase von leichterem Schlaf übergeht und schliesslich in eine sogenannte REM-Phase wechselt. Anschliessend beginnt dieser Zyklus erneut. Dazwischen wacht der Schlafende wiederholt kurz auf, meist ohne sich am Morgen daran zu erinnern. Erst wer für mehrere Minuten wach wird, erinnert diese Wachphase in der Regel überhaupt. Forschung hat gezeigt, dass Personen, denen über mehrere Tage Schlaf entzogen wurde, diesen Schlafmangel anschliessend nicht nur durch eine längere Schlafdauer, sondern vor allem durch eine Steigerung des Tiefschlaf-Anteils kompensierten, bevor sie in ihren Normalrhythmus zurückkehrten. Entscheidend ist also nebst der Quantität, vor allen Dingen auch die Schlafqualität und eine intakte Architektur der verschiedenen Schlafphasen.
Schlafdauer ist individuell
Wie viel Schlaf eine Person überhaupt benötigt, ist individuell unterschiedlich. Im Schnitt schläft die überwiegende Mehrheit der Menschen etwa 6-8 Stunden pro Nacht. Einige wenige kommen mit knapp vier Stunden Schlaf aus, andere brauchen mindestens 10 Stunden. Als Anhaltspunkt dient weniger der Vergleich mit anderen Personen, sondern die Frage, ob sich die eigene Schlafdauer im Vergleich zu früher verändert hat bzw. wie viel Schlaf man selbst immer gebraucht hat, um sich ausgeruht zu fühlen. Mit zu bedenken ist dabei, dass das Schlafbedürfnis mit dem Alter natürlicherweise abnimmt, bis es im höheren Alter bei den meisten nur noch etwa 6 Stunden beträgt. Dies führt oft zur Wahrnehmung eines gestörten Nachtschlafs, obwohl die Schlafdauer möglicherweise altersentsprechend ist.
Lerchen und Eulen
Nicht nur wie viel man schläft, variiert von Person zu Person, sondern auch wann man dies tut. Man unterscheidet dabei verschiedene Ausprägungen von Schlaf-Wach-Rhythmen, sogenannte Chronotypen. Die einen sind Frühaufsteher, die anderen eher Nachtmenschen. Je nach Chronotyp und Anforderungen des Arbeitsalltags kann ein verschobener Rhythmus zu einem Schlafmangel führen, insbesondere auch bei Schichtarbeit oder fehlender Tageslichtexposition.
Schlafdruck
Nicht nur Tageslicht beeinflusst unseren Schlafrhythmus, sondern auch der Aufbau von Schlafdruck. Wer tagsüber aktiv ist, sich draussen bewegt und sein Hirn stimuliert, baut bis zum Abend einen Schlafdruck auf, der dafür sorgt, dass man sich abends müde ins Bett legt. Der Schlafdruck baut sich langsam auf, aber relativ schnell wieder ab. Wer nachmittags ein Nickerchen macht, baut bereits am Nachmittag den Schlafdruck ab, welcher am Abend fürs Einschlafen und einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig wäre.
Aussen ruhig, innen aktiv
Auch wenn es von aussen nicht danach aussieht, ist Schlaf mehr als nur ein Ruhe- und Energiesparmodus. Vielmehr werden nachts die Akus neu geladen, das Gehirn ist auf unterschiedlichste Arten aktiv. Während zum Anfang der Nacht die Tiefschlafphasen im Schlafzyklus verlängert sind und zum Ende der Nacht hin anteilig immer kürzer werden, geschieht mit den REM-Schlafphasen das Gegenteil. Sie werden zum Morgen hin immer länger. REM steht für Rapid Eye Movement; wie der Name sagt, kommt es zu schnellen Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern. In dieser Phase wird verstärkt geträumt, die vegetativen Funktionen wie Atmung oder Puls sind erhöht, die Muskeln hingegen maximal entspannt. Man geht davon aus, dass die REM-Phase für die emotionale Verarbeitung von Erlebtem besonders wichtig ist und einen starken Einfluss auf das Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit tagsüber hat. Fehlt der REM-Schlaf, so werden Personen vermehrt hyperaktiv und reizbar. Wird REM-Schlaf für eine Weile selektiv entzogen, kompensiert dies der Körper in den folgenden Nächten durch eine Erhöhung des REM-Anteils. Der Schlaf ist also nicht nur störungsanfällig, er verfügt auch über starke Kompensationsmechanismen, um Ungleichgewichte wieder auszugleichen.
Symptome von Schlafstörungen
Wer aber über mehr als einen Monat hinweg stets schlecht einschläft oder nachts lange wach liegt, leidet möglicherweise an einer Insomnie. Auch ein nicht erholsamer Schlaf kann Anzeichen für eine Schlafstörung sein. Betroffene berichten, dass sie sich trotz genügend langer Schlafdauer morgens beim Aufwachen bereits völlig erschöpft und gerädert fühlen. Typisch ist auch das zu frühe Erwachen in den frühen Morgenstunden, oft um 3 oder 4 Uhr morgens. Begleitet werden diese Wachphasen teils von nächtlichem Grübeln. Der Körper ist müde, doch der Kopf plötzlich hellwach. Je länger die Gedanken kreisen, desto schwerer fällt es, wieder zur Ruhe zu kommen. All dies sorgt am nächsten Tag für Tagesmüdigkeit und je nach Ausprägung zu erheblicher Beeinträchtigung im Alltag. Es fällt schwer, sich zu konzentrieren, die Auffassungsgabe ist vermindert, die Reizbarkeit erhöht, Fehler und Konflikte häufen sich. Manche Personen berichten über Einschlafneigung, etwa in Sitzungen, im Kino oder beim Autofahren. Nachts will sich der Schlaf dann dennoch nicht einstellen, die Betroffenen sind müde, stehen aber gleichzeitig innerlich unter Strom, was das (Wieder-)Einschlafen verhindert.
Typisch für andere Schlafstörungen sind zudem Phänomene wie Schlafwandeln, Albträume, nächtliches Zähneknirschen oder das Ausagieren von Trauminhalten, was besonders für den Bettpartner störend sein kann. In anderen Fällen beobachtet der Bettpartner nächtliche Atemaussetzer oder Schnarchen. Wieder andere Schlafstörungen sind mit Missempfindungen der Beine verbunden, die vorwiegend nachts auftreten und Bewegungsdrang auslösen. Manche Betroffene berichten hingegen von normalem Nachtschlaf und leiden aber vor allem tagsüber unter Symptomen, wie plötzlichen Einschlafattacken und vorübergehendem Verlust der Muskelspannung.
Was die verschiedenen Formen von Schlafstörungen unterscheidet und wo ihre Ursachen liegen, darum geht es im nächsten Beitrag.