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Die FIFA reagiert auf die Klage gegen Präsident Joseph Blatter mit einer teilweisen Entmachtung von Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen.
Im Streit zwischen Blatter und seinem Walliser Zögling Zen-Ruffinen wurde am Samstag ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das achtköpfige Dringlichkeits-Komitee stimmte gemäss einem Bericht der "SonntagsZeitung" mit 5:3 einem Antrag seines argentinischen Mitgliedes Julio H. Grondona zu und entzog damit Zen-Ruffinen die Kontrolle über die finanziellen Angelegenheiten der FIFA.
Grondona hatte beantragt, dass FIFA-Finanzchef Urs Linsi ab sofort nicht mehr seinem Geschäftsführer Zen-Ruffinen, sondern direkt ihm (Grondona) rapportieren muss.
Dem Generalsekretär wurde zudem ein Interview-Verbot auferlegt. FIFA-Sprecher Andreas Herren bestätigte diese Entwicklung am Sonntag telefonisch.
Rechtslage ungeklärt
Nicht ganz einig ist man sich im FIFA-Haus, ob der Entscheid des Dringlichkeits-Komitees rechtskräftig ist oder ob das Exekutiv-Komitee diesen noch absegnen muss.
Diese Diskussionen gab es aber zuvor bereits, als das Dringlichkeits-Komitee die Suspendierung des internen Finanzkontroll-Ausschusses gutgeheissen hatte. Dieser Entscheid war danach vom Exekutiv-Komitee nicht mehr umgestossen worden. Geklärt sind die Hierarchie-Verhältnisse aber weiterhin nicht.
UEFA-Präsident Johansson, der auch Mitglied des Dringlichkeits-Komitees ist, konnte den Grondona-Vorstoss nicht verhindern und musste sich bei der Abstimmung der Übermacht von Blatter-freundlichen Komitee-Mitgliedern beugen.
In einem Interview in der "SonntagsZeitung" forderte der Schwede eine Verschiebung der Präsidentenwahl, welche am 29. Mai in Seoul stattfindet. "Nach all den Beschuldigungen und der von uns eingereichten Strafanzeige gegen Blatter wäre eine Wahlverschiebung das Beste."
Johansson ist sich aber nicht sicher, ob die FIFA- Statuten eine solche Verschiebung überhaupt zulassen. Die Klärung dieser Frage dürfte wohl die verbleibenden Tage bis zum WM-Beginn prägen.
Rücktritt möglich
Johansson zieht im gleichen Interview in Betracht, dass Blatter in Seoul dank den kleinen Fussball-Verbänden wiedergewählt werden könnte. "Die Leute in Europa können beurteilen, wie Blatter die FIFA führt. Aber wie sieht es in Staaten wie Tonga oder Jamaica aus? Diesen reicht es doch, wenn sie ihren jährlichen Beitrag von der FIFA erhalten."
Er persönlich werde bei einer Wiederwahl Blatters darüber nachdenken, ob er als Vize-Präsident der FIFA zurücktreten wolle. "Ich werde aber niemandem drohen und niemanden dazu zwingen, es mir nachzutun. Ich habe ein gewisses Alter erreicht und muss mir überlegen, bei welcher Art von Geschäften ich noch mitmache und bei welchen nicht."
swissinfo und Agenturen