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von Sören Porth
Jeder Mensch hat einen persönlichen „Wohlfühl-Raum“, den man sich wie eine Art Blase vorstellen kann. Wenn andere Menschen in diesen Raum eindringen, uns also zu nahekommen, kann dies zu negativen Gefühlen wie Unwohlsein oder Ärger führen. Die Forschenden haben anhand von zwei Experimenten untersucht, wie dieser persönliche Raum für die meisten Menschen aussieht und welche Faktoren diesen Raum beeinflussen. Insbesondere haben sie untersucht, welche Form (z.B. rund oder oval) dieser persönliche Raum hat, welchen Abstand voneinander Menschen bevorzugen und ob weitere Faktoren wie z.B. die Richtung, aus der sich die andere Person nähert, oder wie bekannt und sympathisch sie uns ist, einen Einfluss haben.
Um dies zu überprüfen, baten die Forschenden im ersten Experiment die „aktiven Teilnehmenden“, sich aus verschiedenen Winkeln (z.B. von vorne, der Seite oder von hinten) aus einer Distanz von 2,5 Metern den „passiven Teilnehmenden“ zu nähern, bis sie einen Abstand erreicht hatten, der ihnen angemessen vorkam, um den*die Interaktionspartner*in nach dem Weg zu fragen. Dieser Abstand wurde mit einem Laser basierten Abstandmesser genau ausgemessen. Die „passiven Teilnehmenden“ gaben an, wie angemessen sie den Abstand fanden. Alle Teilnehmenden wurden dazu befragt, wie sympathisch ihnen ihre jeweiligen Interaktionspartner*innen waren und wie gut sie sich schon vor dem Experiment kannten. Darauf aufbauend wurden Teilnehmende in einem zweiten Experiment gebeten, sich einem virtuellen Avatar (entweder männlich, weiblich oder einer Schaufensterpuppe nachempfunden) zu nähern bis sie einen Abstand hatten, den sie als angemessen empfanden.
Die Ergebnisse der beiden Experimente unterscheiden sich nicht wesentlich: Hecht und Kollegen fanden heraus, dass der durchschnittliche Abstand, mit dem sich die Teilnehmenden am wohlsten fühlten, ein Kreis mit einem Radius von ca. einem Meter ist. Dass der „Wohlfühl-Raum“ kreisförmig ist, bedeutet, dass es für den bevorzugten Abstand keinen Unterschied macht, aus welcher Richtung sich eine andere Person nähert. Bezüglich der Sympathie und Bekanntheit fanden die Forscher heraus, dass es ebenfalls keinen Unterschied macht, wie bekannt oder sympathisch sich zwei Menschen sind. Sie fanden allerdings einen Geschlechtsunterschied. Demnach kommen Frauen anderen Frauen näher als zwei Männer oder gemischte Paarungen. Dies könnte den Autor*innen zufolge jedoch auch darauf zurückzuführen sein, dass Frauen im Durchschnitt kleiner sind als Männer und kleinere Menschen weniger Abstand voneinander halten als grössere. Als Einschränkung der Experimente nennen die Forschenden, dass sie die Grösse des Raums, in dem die Experimente durchgeführt wurden, in ihrer Auswertung nicht berücksichtigt haben, obwohl diese möglichweise auch einen Einfluss auf den bevorzugten Abstand genommen haben könnte.
Das Forschungsteam zeigte, dass der bevorzugte Abstand von Menschen ein Kreis mit einem Radius von einem Meter ist. Interessant wäre zu untersuchen, ob sich diese Vorliebe seit Beginn der COVID-19-Pandemie verändert hat.
Literatur
Hecht, H., Welsch, R., Viehoff, J. & Longo, M. R. (2019). The shape of personal space. Acta Psychologica, 193, 113-122, doi:10.1016/j.actpsy.2018.12.009
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