Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03359.jsonl.gz/848

Vom Mittelalter bis zur Industrialisierung
Der Weg vom Mittelalter zur Industrialisierung brachte den Menschen elementare gesellschaftliche Veränderungen. Auf blutige Aufstände im Kampf um mehr Bürgerrechte folgten industrielle Revolutionen in Technik und Wirtschaft. Beides brachte einen umfassenden Wandel mit sich.
Themenübersicht in Vom Mittelalter bis zur Industrialisierung
Mittelalter
Hast du schon einmal vom „Vater Europas“ gehört? Das ist kein geringerer als Karl der Große, der in seinen Eroberungsfeldzügen viele der zersplitterten Reiche Europas vereinte und 800 nach Christus zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation gekrönt wurde. Unter ihm kam auch dem Christentum eine immer größere Bedeutung zu.
Später sollte man vom „finsteren“ Mittelalter sprechen, was aber nicht nur daran lag, dass das Christentum einen wirklichen Fortschritt der Wissenschaft verhinderte. Die Lebensbedingungen waren allgemein auf einem sehr schlechten Niveau und daher die Lebenserwartung der Menschen auch sehr gering. Gewalt, Krankheiten und Kriege waren an der Tagesordnung. Außerdem waren große Teile der Bevölkerung rückständig und sehr abergläubisch, weshalb die Menschen zu dieser Zeit sehr viel kostbares Wissen aus früheren Epochen in Vergessenheit geraten ließen. Dieses Bild trifft aber nicht immer und auch nicht vollkommen zu: Im Mittelalter wirkten auch bedeutende Gelehrte und auch die Gründung von Universitäten, der Ausbau der Städte und technologische Fortschritte widersprechen dieser Theorie eines „finsteren“ Mittelalters durchaus.
Absolutismus
Als sich die Zeiten des Mittelalters dem Ende neigten, kam die Ära der allmächtigen absolutistischen Herrscher. Ob Ludwig der XIV. oder August der Starke: Sie alle schwelgten in unvorstellbarem Luxus und waren die uneingeschränkten Machthaber ihrer Königreiche. Als Herrscher unter „Gottes Gnaden“ waren sie keinen Gesetzen mehr untergeordnet. Sie hielten sich einen teuren Hofstaat, wohnten in prunkvollen Schlössern, sicherten sich über die Kontrolle des Heeres ihre Macht und regierten losgelöst von allem Irdischen. Dieser dekadente Lebensstil kostete natürlich Geld. Ein neues Wirtschaftssystem entstand: der Merkantilismus.
Revolutionen
Der unvorstellbare Luxus und die schier göttliche Macht der absolutistischen Könige wurde ihnen zum Verhängnis, denn die Kluft zum völlig verarmten Volk wurde schlichtweg zu groß. Somit begann es zu revoltieren! Die größte und bedeutendste Revolution war die Französische Revolution. Sie brachte neben unzähligen Opfern auch einschneidende, gesellschaftliche Veränderungen mit sich. General Napoleon Bonaparte nutzte die Gunst der Stunde, denn als der Staat am schwächsten war, putschte er sich an die Macht. Sein Code civil - auch Code Napoléon genannt - wurde später eines der fortschrittlichsten Zivilgesetze aller Zeiten! Nachdem er und seine Armee von den verbündeten Fürstentümern geschlagen wurde, stellte dieses im Wiener Kongress dennoch die alten, absolutistischen Zustande wieder her. Die Ideen der Aufklärung waren damit aber nicht erloschen: Weitere Revolutionen wie die von 1848/49 sollten folgen.
Industrialisierung
Das 19. Jahrhundert war aber nicht nur eine Zeit gesellschaftlicher Revolutionen. Noch prägender für die Menschen war die industrielle Revolution. Sie kam mit innovativen Maschinen, welche die Arbeitskraft Mensch ersetzten und ein neues Level der Produktivität hervorrief. Plötzlich eröffneten immer neue Fabriken und Manufakturen - die Industrialisierung nahm Fahrt auf und ließ auf ihrem steilen Weg nach oben keinen Stein auf auf dem anderen. Als die Menschen vermehrt in die Städte zogen, um dort zu arbeiten, brachte dies unzählige neue Probleme mit sich, die du später als die soziale Frage kennenlernen wirst.
Deutsches Kaiserreich
Mitten in der Industrialisierung versuchte ein gewisser Otto von Bismarck den deutschsprachigen Raum endlich unter einem Banner zu vereinen, denn die großen Revolutionen hatten auch das Nationalgefühl der Völker geweckt. Nach den Einigungskriegen - so beispielsweise gegen Österreich und Frankreich - kam es 1870/71 schließlich zur Ausrufung des ersten, deutschen Nationalstaates unter der Hegemonie Preußens: dem Deutschen Kaiserreich. Eigentlich sollte man meinen, die Deutschen seien damit nun hochzufrieden gewesen. Doch weit gefehlt: Kaiser Wilhelm der II. hatte größere Pläne mit Deutschland. So trieb seine aggressive Außenpolitik das Reich immer mehr in Konfrontation zu den anderen Mächten Europas und all das mündete in der ersten großen Katastrophe der Neuzeit: dem 1. Weltkrieg.