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In der Gegenwartsphilosophie werden verschiedene sogernannte “ameliorativen” Ansätze diskutiert, die versuchen, unseren Begriffsapparat zu verbessern statt ihn nur zu beschreiben. Das langfristige Ziel des Projekts ist, im Rückgriff auf Wittgenstein einen neuen ameliorativen Ansatz zu entwickeln. Wittgenstein kommt in diesem Kontext überraschend. Traditionell wird er nicht für solche Zwecke eingespannt, weil er als konservativer Denker gilt, der bestrebt ist, zu zeigen, dass unsere Praktiken in Ordnung sind. Das Projekt möchte zeigen, dass dieser Konservatismus nicht zwingend mit Wittgensteins Methode einhergeht, sondern sich aus den Begriffen ergibt, auf die er die Methode anwendet. Wenn man die Maschinerie hinter Wittgensteins Konklusionen isoliert und ihren Anwendungsbereich auf ethische und politische Begriffe ausweitet, eröffnet sich die Möglichkeit eines Linken Wittgensteinianismus, der die bestehenden Leistungen unserer Begriffe nicht übersieht, aber trotzdem kritisch und revisionistisch sein kann.
Ein Kerngedanke des Projekts ist, dass wir unsere Begriffe missverstehen, wenn wir sie unabhängig von praktischen Kontexten analysieren und evaluieren. Begriffliche Praktiken sind Werkzeuge, und ihr Witz entstammt praktischen Bedürfnissen in konkreten sozialen Kontexten. Wenn wir Begriffe auf Bedürfnisse zurückführen, verstehen wir, auf welche Bedürfnisse sie antworten. Wir können dann fragen, ob wir diese Bedürfnisse erfüllt sehen wollen. Wir verstehen, wo Begriffe was leisten, und wie sie mehr leisten können. Vor allem verstehen wir, wie sie an neue Bedürfnisse angepasst werden können, ohne ihre bestehende Leistung zu verlieren––gerade dieses Verständnis bestehender Leistungen fehlt bei anderen ameliorativen Ansätzen, weil sie exklusiv auf neue Bedürfnisse fokussieren.
Die Bedeutung des Projekts rührt einerseits daher, dass es eine neue Seite von Wittgensteins Werk erschliesst und dessen Nutzen für ameliorative Bestrebungen aufzeigt. Andererseits zeigt das Projekt auf, warum der englische Philosoph Bernard Williams recht hat, wenn er sagt, die Philosophie müsse ihre Identität als humanistische Disziplin ernst nehmen. Sobald wir die komplexe Vielfalt praktischer Bedürfnisse in verschiedenen sozialen Kontexten zum Massstab für die Lebensdienlichkeit unserer Begriffe erklären, hängt die Philosophie von den anderen Wissenschaften des Menschen ab, um diese Bedürfnisse richtig zu begreifen.