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Januar 2019
Phnom Penh
In Thailand traf ich einen weiteren Schweizer Kollegen, mit dem ich nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, flog. Ich besuchte dieses Land schon mehrmals. Das erste Mal 1991, als die vietnamesische Besetzung gerade endete, dann wieder 2004 und zuletzt 2011. Es ist interessant zu sehen, wie sich dieses Land entwickelt.
In Phnom Penh gibt es unterdessen ein paar Hochhäuser und kleine Shopping Center, der Verkehr hat weiter zugenommen und die Strassen in der Stadt sind alle geteert. Trotzdem ist es weiterhin eine sehr traditionelle asiatische Stadt, wie man sie in anderen, weiter entwickelten Ländern Asiens nicht mehr findet. Hier gibt es noch Fahrrad-Rikschas, auf denen ein Mensch mit seiner Muskelkraft Passagiere und Güter transportiert. Die Märkte und ihr Angebot blieben unverändert und auf der Strasse werden allerlei Dienstleistungen angeboten wie zum Beispiel Haare schneiden.
Zum Haareschneiden braucht es keinen Coiffeur-Salon.
Am Ufer des Tonle Sap Flusses wurden in den letzten Jahren ein paar riesige Hotels gebaut.
Wat Phnom Tempel
Der Wat Phnom Tempel, eine Oase der Ruhe mitten in Phnom Penh, war unser erstes Ziel. In der Vergangenheit hielt sich ein Elefant auf dem Tempelgelände auf. Frühmorgens und abends lief sie jeweils dem Fluss entlang von und zu seiner Schlafstätte. Ich erfuhr, dass ab 2012 eine Tierschutzorganisation während zweier Jahre USD 45’000 für die medizinische Versorgung und eine artgerechte Haltung der Elefantendame Sambo ausgegeben hatte. Das ist viel Geld in einem Land, wo die meisten Leute mit ein paar Dollar pro Tag auskommen müssen. Nach Abschluss dieses Projektes drohte der Besitzer, Sambo wieder im Tempel einzusetzen, damit er für den Lebensunterhalt des Elefanten aufkommen konnte. Das ‚The Elephant Valley Project‘ Tierschutzprojekt sprang darauf ein und kompensierte den Besitzer für den entgangenen Gewinn, so dass Sambo nun artgerecht in einem Waldgebiet leben kann.
Der Wat Phnom Tempel ist einer der interessantesten Tempel in Phnom Penh. Im Vordergrund ist die Göttin der Erde Nān Ganhān zu sehen, die Wasser aus ihrem Haar presst. Die so erzeugte Flut schwemmte Mara, die Göttin des Bösen, weg und schützte so Buddha auf seinem Weg zur Erleuchtung.
Wat Ounalom
Unser Weg vom Hotel zum Fluss führte durch den 1443 gegründeten Tempelbezirk Wat Ounalom, der sich in unmittelbarer Nähe des Königspalastes befindet. Als Sitz des kambodschanischen Mohanikay-Ordens ist er der wichtigste Tempel von Phnom Penh und das Zentrum des kambodschanischen Buddhismus.
Ein Ausgang des Tempelbezirkes Wat Ounalom
Ein historischer Ochsenwagen, der für zeremonielle Zwecke benutzt wurde
Wie schon auf meinen vorigen Reisen sind mir die vielen guten europäischen Restaurants im Land aufgefallen. Vor allem Franzosen bereichern die Gastroszene. Vielleicht deshalb, weil Kambodscha von 1867 bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1953 ein französisches Protektorat war. Das Morgenessen haben wir meist im „Daughters of Cambodia“ eingenommen. Das Cafe wird von einer NGO geführt, die mit den Erlösen aus dem Cafe und Spenden den Menschenhandel bekämpft und Frauen hilft, sich aus der Sex-Industrie zu befreien.
Kampot
Schon nach wenigen Tagen wurde uns die Hektik in Phnom Penh zu viel und wir reisten 155 km an die Küste ins Städtchen Kampot. Diese Stadt hat ebenfalls ein geschäftiges Zentrum, doch am Fluss nimmt das Leben seinen gemächlichen Lauf. Auch hier gab es einige gute, von Europäern geführte Restaurants. Einer unserer Favoriten war das Italienische Restaurant ‚Armando‘, das neben Pizzas, Grappa und Limoncello ein ausgezeichnetes Tiramisu im Sortiment hatte. Gerne besuchten wir auch die ‚Auberge de Soleil‘ des Westschweizers Cédric, wo sogar Fondue erhältlich war (was ich allerdings nicht bestellte, da es meiner Meinung nach dafür zu heiss war), oder ein Zürich Geschnetzeltes auf der Karte zu finden war. Im ‚Simple Things‘ nahmen wir oft das Morgenessen ein, denn der ausgezeichnete Cafe Latte und das frische Müesli sorgten für einen guten Start in den neuen Tag.
Die ‚Auberge de Soleil‘ des Westschweizers Cédric, die vor allem Schweizer Spezialitäten anbietet
Pfeffer-Plantage
Was Kampot besonders auszeichnet ist der Pfeffer, der weltweit als einer der besten gilt und dem die international geschützte Herkunftsbezeichnung „Kampot Pfeffer PGI“ (protected geographical indication) verliehen wurde. Die schweren, mineralischen Lehmböden sowie ein ideale Klima sorgen für ausgezeichnete Bedingungen für den Anbau dieser Nutzpflanze.
Wir besuchten die Plantage einer Französin und eines Belgiers, die hier seit 2013 Pfeffer auf biologische Art anbauen und mit ihrem Projekt Leuten in den nahen Dörfern Arbeit verschaffen und eine Schule unterhalten. Die Tour vermittelte interessante Fakten zum Pfeffer.
Diese Fahrrad-Kutschen waren bloss Ausstellungsstücke auf der Plantage.
Pfeffer entsteht aus den Früchten des Pfefferstrauches. Die Pfefferpflanze ist eine Kletterpflanze, die an Bäumen bis zu 10 Meter hoch wachsen kann. In den Plantagen hält man die Pflanze in der Regel bei 3 bis 4 Metern.
Die Pfefferpflanze ist eine Kletterpflanze
Diese Pfefferkörner sind noch nicht reif.
Der weit verbreitetste Pfeffer ist schwarz, aber je nach Erntezeitpunkt und weiterer Behandlung entstehen Pfefferkörner in verschiedenen Farben.
Schwarzer Pfeffer entsteht aus den unreifen grünen bis knapp vor der Reife stehenden gelb-orangen Pfefferkörnern, die durch Trocknen runzlig und schwarz werden. Dieser Pfeffer hat den intensivsten Pfeffergeschmack.
Grüner Pfeffer wird aus unreifen, früh geernteten Früchten gewonnen. Nach der Ernte wird er in Salzwasser oder Essig konserviert oder schnell und bei hohen Temperaturen getrocknet. Daher behält er die ursprüngliche grüne Farbe. In getrockneter Form hält er ungefähr ein Jahr. Dieser Pfeffer ist am wenigsten scharf.
Weisser Pfeffer ist von der Schale befreiter vollreifer Pfeffer. Die reifen roten Pfefferkörner werden acht bis vierzehn Tage in fliessendem Wasser eingeweicht, so dass sich die Schale ablöst. Danach werden sie geschält und an der Sonne getrocknet.
Roter Pfeffer besteht aus vollkommen reifen, ungeschälten Pfefferkörnern. Er ist am seltensten, da es nicht einfach ist, die Pfefferkörner zum richtigen Zeitpunkt und in voller Reife von Hand zu ernten.
Im Anschluss an die Tour konnten wir die verschiedenen Pfefferprodukte degustieren und kaufen. Ich war angenehm überrascht, denn dieser Pfeffer hat tatsächlich einen viel intensiveren Geschmack als üblicher Pfeffer. Obwohl ich wegen der Gewichtsbeschränkung auf langen Reisen unterwegs fast nie Produkte kaufe, konnte ich bei diesem Pfeffer nicht widerstehen.
Wir mussten auf unseren Rücktransport warten. Ich gesellte mich zu den Fahrern anderen Besucher, die in einem Raum eine Hahnenkampf-Live-Schaltung verfolgten. Der Hahn links war ein echter Profi, der seinen Gegner in den Schwitzkasten nahm.
Bokor National Park
Am nächsten Tag besuchten wir mit einem Minibus den 40 km entfernten Bokor National Park. Er umfasst eine über 1’000 Meter hohe Anhöhe, die eine tolle Aussicht über die Küste und das Meer bietet.
Wir kamen nicht mit ‚Red Bulls Tour‘, die auf einem Motorrad durchgeführt wurde.
Die Kolonialmacht Frankreich baute auf der Bokor-Anhöhe in den 1920er Jahren ein Luxusresort, das Bokor Palace Hotel, eine Kirche, ein Postgebäude und weitere Wohnliegenschaften, um der Hitze, Luftfeuchtigkeit und all den Unannehmlichkeiten von Phnom Penh zu entfliehen. Die Gebäude wurden in den späten 1940er-Jahren mit dem Ausbruch des 1. Indochina-Krieges verlassen.
Wir besuchten als erstes den überwucherten Schwarzen Palast (Black Palace), der 1936 als Residenz des Königs Sihanouk gebaut wurde.
Lok Yeay Mao Monument
Gegenüber der Strasse ist die 2012 erbaute Statue der mythischen Heldin Lok Yeay Mao schon von weitem zu sehen. Sie ist die Schutzpatronin der Reisenden und Jäger. Obwohl die Franzosen im Jahr 1900 den Tempel zu Ehren von Lok Yeay Mao zerstört hatten, blieb der Glaube an diese Frau erhalten. Kurz nachdem die neue Strasse auf die Bokor-Anhöhe im Jahr 2011 fertig gestellt war, wurde auch die 29 Meter hohe Statue eingeweiht.
Sampov Pram Pagoda Tempel
Am höchsten Punkt des Bokor-Hügels mit Aussicht auf die kambodschanische Küste steht der 1924 erbaute Sampov Pram Pagoda Tempel.
Wie im Wat Phnom Tempel in Phnom Penh presst auch hier die Göttin der Erde Wasser aus ihrem Haar, um mit der Wasserflut Mara, die Göttin des Bösen, weg zu schwemmen.
Die Abstellkammer des Tempels
Thansur Bokor Highland Resort
Der ganze Bokor Hill National Park wurde von der kambodschanischen Regierung für 99-Jahre an die Firma Sokimex vermietet. Neben der neu erbauten Strasse stehen bereits eine Hotel- und Casino-Anlage und das Luxus-Hotel Thansur Bokor Highland Resort. Das Hotel schien kaum belegt.
Der Speisesaal des Luxus-Hotels Thansur Bokor Highland Resort
Die unter französischer Herrschaft erbaute katholische Kirche
Nur ein paar Heiligenstatuen und Kreuze finden sich in der Kirche. Die Statue rechts in der Ecke ist brandneu und noch in Plastik eingeschweisst.
In der Tour war auch eine Sonnenuntergangs-Bootstour auf dem Preaek Tuek Chhu Fluss inbegriffen, die zu einer Stelle mit wenigen Glühwürmchen führte.
Nach ein paar Tagen in Kampot wollte ich die kambodschanischen Strände entdecken. Der Otres Beeach in der Nähe der Stadt Sihanoukville war mir empfohlen worden. Doch die Zeiten ändern sich schnell an diesem einst ruhigen Strand, denn die Chinesen bauen gleich nebenan einen riesigen Casino-Komplex und offerieren kleinen Resort-Besitzern am Strand verlockende Beträge, damit sie auch das Land direkt am Strand mit Hotels für chinesische Gäste überbauen können. Baulärm, Abfälle und verunreinigtes Wasser schrecken die westlichen Touristen ab, sodass die kambodschanischen kleinen Hotelbesitzer nicht mehr überleben können und oft verkaufen müssen. Daher war der Otres-Strand keine Option.
Die Sihanoukville vorgelagerten Inseln Koh Rong und vor allem Koh Rong Samloem sind bis jetzt von dieser Entwicklung verschont geblieben. Ein Besuch der Inseln musste ich wegen den dort vorkommenden Sandfliegen aber ausschliessen. Sandfliegen sind sehr kleine fliegende blutsaugende Insekten, denen Mückenspray nichts anhaben kann und deren Stiche bis zu einer Woche lang jucken. Ich scheine auf diese Viecher besonders allergisch zu reagieren. Aus diesem Grund war auch die der kambodschanischen Küste vorgelagerte Rabbit Insel kein Reiseziel für mich.
Ich beschloss daher, alleine für ein paar Tage die 30 km von Kampot entfernte Kleinstadt Kep zu besuchen, da mein Kollege weiter in Kampot bleiben wollte.
Kep
Kep wurde 1908 von den Franzosen gegründet und war einst als Kep-sur-Mer das Saint-Tropez Indochinas, wo sich auch das kambodschanische Königshaus vergnügte. Vor einigen Jahren waren noch viele verfallene Villen zu sehen, die nun renoviert und umgebaut werden. Der mit Sand vom Otres Strand bei Sihanoukville erweiterte Strand von Kep ist klein. Umso berühmter ist der Ort für seine Krebse, die am Krebsmarkt verkauft werden und auf der Speisekarte jedes Restaurants zu finden sind.
Kep National Park
Ein weitere Touristenattraktion ist der Kep National Park, ein Waldstück oberhalb des Städtchens, das zum Spazieren einlädt. Über kleine Wege und dank der Karte auf dem Mobiltelefon fand ich den ‚Sunset Rock‘, von dem ich diese Aussicht auf den Strand von Kep geniessen konnte.
Samathi Pagoda
Ein weiterer Höhepunkt ist der oberhalb von Kep gelegene buddhistische Tempel Samathi Pagoda.
Rund um den Tempel Samathi Pagoda finden sich eindrucksvolle Statuen.
Bei Sonnenuntergangsstimmung servieren die Restaurants in der Nähe des Krebs-Marktes mit Krebsen zubereitete Mahlzeiten.
‚The Strand‘ Resort
Das beste Restaurant soll aber das ‚The Strand‘ Resort haben. Natürlich wollte ich dieses Restaurant kennen lernen und reservierte einen Tisch.
Als ich kam, war ich überrascht, dass man mir einen Tisch für mein ‚dinner for one‘ direkt am Meer bereit gemacht hatte. Tatsächlich waren die servierten Gänge von ausgezeichneter Qualität. Nur das ‚Oskar‘ in Phnom Penh konnte noch mithalten.
Vor meinem Abendessen im ‚The Strand‘ genehmigte ich mir bei einer wunderschönen Abendstimmung im benachbarten ‚Sailing Club‘ einen Aperitif.
In Kep fielen mir die vielen überdimensionierten neuen Regierungsgebäude auf. So sah ich für die 40’000 Einwohner zählende Provinz das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen, das Ministerium für öffentliche Arbeiten und Transport, das Ministerium für Landmanagement, Stadtplanung, Bau und Kataster, das Umweltministerium, das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, das Handelsministerium und das Militärisches Kommando in je einem neuen Gebäude. Trotz der Armut des Landes geht es der Regierung anscheinend gut.
Ich wohnte in einer Pension eines Schweizers, die er dort mit seiner kambodschanischen Familie betreibt. Er beklagte sich gerade über die Polizei, die ihm vorschlug, trotz seiner fünf Hunde einen Nachtwächter zu beschäftigen. Sie könnten eine Firma empfehlen, die Wächter anbietet. Er schätzte, dass die Hälfte aller von Ausländern betriebenen Geschäfte defizitär sind. Auch er würde nach all seinen Erfahrungen kein Gasthaus mehr eröffnen.
In Kampot traf ich meinen Kollegen wieder. Wir genossen noch ein paar Tage lang die dortige Gastrosezene, bevor wir zurück nach Phnom Penh reisten. Am letzten Abend lud ich meinen Kollegen ins ‚Oskar‘ ein, wo wir sehr gut dinierten.
Gemäss meinen Plan wollte ich einen Monat lang weniger touristische Inseln im Süden Thailands bereisen. Doch wegen dem bevorstehenden Chinesischen Neuen Jahr waren dort die besten Übernachtungsmöglichkeiten sehr gut gebucht oder sogar schon ausgebucht. Ich reise gerne spontan, ohne alles voraus zu buchen, sodass ich die Malediven-Reise vorzog. Ab Phnom Penh flog ich via Bangkok nach Male, der Hauptstadt der Malediven.