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Wer kennt sie nicht, die drei überkreuzten Schlüssel des UBS-Logos? Sie sind weltberühmt, und dennoch erinnert man sich kaum noch an die Designerin, die das Logo entworfen hat. Es war die international bekannte Grafikerin Warja Lavater (1913–2007), die 1939 im Auftrag des Schweizerischen Bankvereins (SBV), einer der Vorgängerorganisationen der UBS, das Logo gestaltet hat. Damals war sie bereits leitende Grafikerin des Reklameateliers Honegger und Lavater an der Stockerstrasse in Zürich. Der SBV wurde auf die junge Grafikerin aufmerksam, weil sie im selben Jahr das Logo für die Schweizerische Landesausstellung angefertigt hatte.
Lavater war nicht nur Gebrauchsgrafikerin, sondern auch Illustratorin, Buchkünstlerin und Filmemacherin, wie dieses Frühjahr eine Ausstellung der Zentralbibliothek Zürich zeigte. Unter dem Titel «Warja Lavater: Sing-Song-Signs & Folded Stories» gewährte eine von der Autorin dieses Artikels kuratierte Retrospektive Einblicke in Lavaters Leben und Werk. Neben den Künstlerbüchern waren Filme, Papierskulpturen sowie Fotodokumentationen zu sehen. Ein sensationelles Fundstück war das 4 mal 6 Meter grosse Porträt von Anna Bullinger, das Lavater 1958 für die zweite Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) gemalt hatte und das die Jahrzehnte unbemerkt in der evangelischen Bullingerkirche in Zürich überdauern konnte. Die Tafel gehörte zu einer Serie von Frauenporträts, die Lavater im Rahmen ihrer Gestaltung der «Linie» – einer der ersten modernen Darstellungen der Schweizer Frauengeschichte – für die SAFFA erstellt hatte. Sie war ein Plädoyer für die Gleichstellung von Männern und Frauen.
Zeichensprache
International bekannt wurde Lavater durch ihre sogenannten «Folded Stories», die ab 1962 in mehreren Ausgaben vom Museum of Modern Art in New York und in der Schweiz von der Basilius- Presse Basel herausgegeben wurden. Lavater wählte die Bezeichnung «Folded Stories», weil es sich um Leporellos mit gezeichneten Geschichten handelt. Die Zeichnungen sind keine gewöhnlichen Illustrationen, sondern Bildfolgen von abstrakten Zeichen, wie etwa «Wilhelm Tell» anschaulich zeigt. Wie bei einer Landkarte ist die Bedeutung der verwendeten Zeichen in einer Legende festgelegt und jedem Leporello vorangestellt. Auf den Seiten entfaltet sich sodann das visuelle Spiel mit Lavaters «Sing-Song-Signs». Diesem Konzept, mittels abstrakter Zeichen Geschichten zu visualisieren, blieb Lavater ihr ganzes Leben treu.
Bis heute sind Lavaters Werke im Ausland präsent, wie die aktuelle Ausstellung «Twentieth Century Women» des Bechtler Museum of Modern Art in Charlotte (NC) beweist. Ihre Künstlerbücher sind da ausgestellt und zieren sogar Ausstellungsflyer und Webbanner. Auch im pädagogischen Bereich finden bis heute Lavaters Werke Anklang. In Frankreich hatten Lavaters «Imageries» Pädagogen bereits in den 1970er-Jahren als probates Lehrmittel für den Schreib- und Leseunterricht entdeckt. In Deutschland fanden ihre Werke ab den 1990er-Jahren Eingang in Lehrmittel der Mittelstufe.
Trotz ihrer internationalen Bekanntheit wurde die Künstlerin zu Lebzeiten erst spät geehrt. 1990 erhielt sie die Ehrengabe aus dem Kunstkredit des Kantons Zürich durch Alfred Gilgen. Auch Einzelausstellungen in Schweizer Kunstmuseen liessen lange auf sich warten, erst 1990 im Zürcher Helmhaus und 1994 im Kunstmuseum Winterthur. Das liegt sicherlich zum einen daran, dass das Bewusstsein für Frauenförderung im Kunstbetrieb allmählich gewachsen ist, zum anderen stand Lavater im Schatten ihres international viel bekannteren Ehemanns Gottfried Honegger. Erst nach ihrer Trennung Anfang 1970er-Jahre trat sie wieder unter ihrem Mädchennamen auf und begann ihr eigenes Branding, das es auch im Kunstbetrieb braucht, sich zu etablieren. Doch wer war Warja Lavater eigentlich?
Eine unkonventionelle Künstlerinnenkarriere
Sie wurde am 28. September 1913 als Barbara Esther Lavater auf dem Brühlberg in Winterthur…