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Geschichte der Reformierten im Kanton Luzern
«Kurze geschichtliche Einordnung der Reformation»
In den Anfängen des 16. Jahrhunderts begannen Vordenker, und auch einige Vordenkerinnen, einen Austausch mit Gleich- oder Andersgesinnten über Neuerungen und Veränderungen. Entwicklungen wie der Buchdruck eröffneten neue Möglichkeiten. Gesellschaftliche Veränderungen bahnten sich an, Kunstschaffende gingen neue Wege, Humanisten wie Erasmus von Rotterdam teilten ihre Gedanken mit Studierenden aus ganz Europa.
In diesem Kontext von Veränderungen schlug am 31. Oktober 1517 Martin Luther am Portal der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an. Dieses Datum steht symbolisch als Auftakt der Reformation.
Zu Beginn der Reformation war Basel ein erstes Zentrum der Schweiz für diese neue Entwicklung. 1517, als Luthers Thesen bekannt wurden, war in Basel mit der einzigen Universität auf eidgenössischem Gebiet der christliche Humanismus, durch Erasmus von Rotterdam und seine Freunde, beheimatet. Der noch junge Buchdruckspielte in Basel und später auch in Zürich für die Vorbereitung der Reformation eine wichtige Rolle.
An der Universität Basel studierte der spätere Zürcher Reformator Huldrych Zwingli sowie Jean Calvin, der Reformator Genfs.
Reformiert im eigentlichen Sinne wurde Basel aber erst, als Johannes Oekolampad ab 1523 als Basler Reformator wirkte.
Huldrych Zwingli, der Reformator in Zürich, wurde 1519 als Leutpriester (Weltgeistlicher) ans Grossmünster berufen. Ab 1523 setzte er mit Unterstützung des Zürcher Rats die Reformation durch. Nach seinem Tod im Zweiten Kappelerkrieg 1531 setzte sein Nachfolger Heinrich Bullinger die reformatorische Arbeit fort.
In Genf waren die Anfänge der Reformation ab 1541 stark von Jean (Johannes) Calvin geprägt, der später eng mit Bullinger zusammenarbeitete. Mit dem „Zweiten Helvetischen Bekenntnis“ schafften Bullinger und Calvin das Fundament für die Reformation nach Schweizer Prägung und die Grundlagen für alle Reformierten Kirchen weltweit.
In der alten Eidgenossenschaft führte die Reformation zu einer Spaltung des Bundes in zwei Lager. Die Orte Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug blieben beim alten Glauben, die Städte Zürich, Bern, Basel und Schaffhausen schlossen sich der Reformation an. Auch in Genf, Neuenburg, Glarus, Chur, St. Gallen waren bekannte Reformatoren tätig.
«Geschichte der Reformierten im Kanton Luzern»
seit 1523
In der Reformationszeit fanden sich auch einige Anhänger des neuen Glaubens auf dem Gebiet des heutigen Kantons Luzern. Bis 1798 war die neue Konfession aber nicht geduldet. Der berühmteste Anhänger der Reformation war Oswald Geisshüsler, genannt Myconius. 1522 musste er Luzern wegen seiner reformatorischen Ideen verlassen und ging nach Zürich zu seinem alten Freund Zwingli. 1532 wurde er Nachfolger von Johannes Oekolampad in Basel.
seit 1798
Mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft begann eine verhaltene Zuwanderung aus den protestantischen Gebieten in den Kanton Luzern.
Ein erster protestantischer Gottesdienst fand am 28. Oktober 1798 in der Jesuitenkirche, Luzern statt, allerdings war dies Teil einer Ausnahmeregelung, da während dieser Zeit die Tagsatzung, die Versammlung aller eidgenössischer Orte, in Luzern zusammenkam.
seit 1826
Am 29. Dezember 1826 erteilte der Luzerner Grosse Rat rund 150 Reformierten das Recht, regelmässig Gottesdienste mit eigenem Pfarrer abzuhalten, allerdings noch unter einschränkenden Bedingungen.
Am Ostersonntag 1827 konnte in der Kapelle an der Rössligasse in Luzern, die den Reformierten zur Verfügung gestellt worden war, der erste gemeindeeigene Gottesdienst stattfinden.
Seit dem „Regulativ“ des Regierungsrats vom 11. Mai 1853 (vom Grossen Rat bestätigt am 11. Juni 1853) bildeten die Einwohner der Stadt Luzern eine eigene Kirchgemeinde (öffentlich anerkannte Körperschaft).
Der Eisenbahnbau und vermehrte Arbeitsmöglichkeiten in der Industrie führten zum Zuzug von Reformierten auch auf der Luzerner Landschaft.
Dies führte 1876 zur Ausdehnung der protestantischen Kirchgemeinde Luzern auf umliegende Gemeinden in den Ämtern Luzern, Hochdorf und Sursee.
Im Lauf der Zeit entstanden während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an verschiedenen Orten auf dem Land protestantische Vereinigungen, zum Teil mit eigenem Gottesdienstlokal und eigenem Pfarramt. Diese „Kirchgemeinden“ oder „Protestantenvereinigungen“ standen finanziell anfangs nicht auf eigenen Beinen. Sie erhielten Unterstützung aus reformierten Kantonen (Patronatskantone) wie Zürich, Bern und Basel sowie von protestantisch-kirchlichen Hilfsvereinen.
seit 1926
Der Wunsch der Landgemeinden, sich ebenfalls als öffentlich-rechtlich anerkannte Körperschaften zu konstituieren und damit Kirchensteuern erheben zu können, ging 1926 in Erfüllung. Damals teilte der Grosse Rat das ganze Kantonsgebiet in zehn protestantische Kirchgemeinden ein (später wurden Gebiete umgelegt und fusioniert auf die heute acht Kirchgemeinden).
1969/1970
Der Kanton ermöglichte Mitte der 1960er-Jahre die Schaffung von Landeskirchen. Nach der Annahme einer eigenständig ausgearbeiteten reformierten Kirchenverfassung 1968, wurde 1970 die Kantonalkirche als Evangelisch-reformierte Landeskirche gegründet – nota bene gleichzeitig mit der Römisch-katholische Schwesterkirche. Seit den Anfängen der Kantonalkirche waren Frauen stimmberechtigt, also schon vor Einführung des Frauenstimmrechts auf weltlicher Ebene. Zudem galt Stimmrechtsalter 18 und zwar auch für Ausländerinnen und Ausländer.
1980 - heute
In den 1980er- und 1990er-Jahren fallen in der Synode verschiedene wichtige Beschlüsse: die Schaffung von kantonal verantworteten Spitalpfarrämtern, der Beitritt zum Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), die Einführung des neuen Reformierten Gesangbuchs, Beitritte zu Vereinen wie etwa der kirchlichen Gassenarbeit, der Luzerner Telebibel, der Beratungsstelle religiöse Sondergruppen und Sekten oder die Errichtung der Stiftung Ökumenisches Institut Luzern sowie der Aufbau des Vereins zur Herausgabe eines gemeinsamen Kirchenboten.
1991 wurde die erste Ökumenische Synode in Luzern durchgeführt. An Pfingsten 2004 feiern die drei Luzerner Landeskirchen die gemeinsame Unterzeichnung der Charta Oecumenica.
Einer der wichtigsten Meilensteine war die Kirchenordnung, die im November 1996 verabschiedet wurde. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare machte schweizweit und auch im Ausland Schlagzeilen. Als erste Landeskirche führt Luzern diese Möglichkeit explizit ein. Wie schon beim Frauen- und Ausländerstimmrecht beweisen die Luzerner Reformierten, dass sie zu den liberalen und innovativen Kräften in der Schweizer Kirchenlandschaft gehören.
Chronologie namhafte Bauten
1860/1861 Bau der Matthäuskirche nach Plänen Ferdinand Stadlers, 1913 Einweihung der Kirchen in Schüpfheim und Sursee (bekannt: Fenster von André Thomkins), 1931 Grundsteinlegung für Kirche in Reiden, 1933 – 1935 Bau der Lukaskirche Luzern (unter den Architekten Alfred Möri und Karl-Friedrich Krebs, 1934 Kirche Gerliswil, Emmenbrücke, 1939/40 Bau der Kirche in Hüswil, 1947 Einweihung der Kirche in Escholzmatt, 1959 Kirche Meierhöfli, Emmenbrücke und weitere Bauten von Kirchen, Kirchgemeindehäuser und Kirchenzentren.
Eine Liste aller Bauten finden Sie hier.
«Fotoarchiv»
In Rahmen dieser Website zum Reformationsmuseum bauen wir hier ein Fotoarchiv für interessierte Leserinnen und Leser auf. Wir suchen daher Sie als Zeitzeugen, alte Fotos oder Berichte um die Geschichte der Kantonalkirche zu bewahren und sichtbar zu machen.