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Vom Aussterben bedrohte Delfine mit möglichen Harpunenverletzungen im Amazonasgebiet tot aufgefunden
Dienstag, 14 Dez, 2021
Die erschütternden Funde kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich Sea Shepherd mit dem Nationalen Institut für Forschung im Amazonasgebiet zusammengeschlossen hat, um die in der Region beihameteten Flussdelfine zu studieren und zu schützen.
MANAUS, Brasilien: Sea Shepherd hat in Zusammenarbeit mit INPA, dem brasilianischen Nationalen Institut für Forschung im Amazonasgebiet, die erste Etappe einer Forschungskampagne abgeschlossen, die zwei Arten von Flussdelfinen im Amazonasgebiet untersucht: den Tucuxi-Flussdelfin (Sotalia fluviatilis) und den Amazonas-Flussdelfin (Inia geoffrensis).
Amazonas-Flussdelfine, die auch als rosafarbene Delfine bekannt sind, lassen sich leicht an ihrer charakteristischen Färbung erkennen. Tucuxis sind Süsswasserdelfine, die in den Flüssen des Amazonasbeckens leben. Sowohl der Amazonas-Flussdelfin als auch der Tucuxi sind auf der Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN als gefährdet eingestuft. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass ihre Populationen alle 9-10 Jahre um 50 % zurückgehen, was darauf hindeutet, dass beide Arten stärker bedroht sein könnten als bisher angenommen. Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse über den aktuellen Erhaltungszustand dieser Tiere.
Auf dieser Expedition stiessen die Wissenschaftler auf drei tote Tucuxis. Der erste war ein erwachsenes Tier mit einer Netzmarke am Hals. Das Tier wies ausserdem eine drei Zentimeter tiefe Wunde unterhalb der Brustflosse auf, die vermutlich von einer Harpune verursacht worden war. Der zweite war ein Jungtier mit einem Wundmal am Schwanz, das möglicherweise von einer Harpune stammt. Der dritte war ein gesundes erwachsenes Tier ohne Anzeichen von Krankheiten oder Verletzungen.
Flussdelfine werden von Wilderern im Amazonasgebiet als Köder für den Fang von Piracatinga, eine Welsart, verwendet. Seit 2015 gibt es ein Moratorium, das diese Fangart verbietet. Während dieser Expedition machten die Forscher Drohnenaufnahmen einer Piracatinga-Falle, aber eine schwarze Plane bedeckte den Köder und verhinderte eine Identifizierung.
Während der 19-tägigen Expedition sichteten die Forscher ausserdem etwa 1’400 lebende Amazonasdelfine und 3’200 Tucuxis. Die während der Expedition gesammelten Daten zeigen, dass die Dichte an Flussdelfinen in den verschiedenen untersuchten Gebieten sehr unterschiedlich ist, wobei die Zahl der Sichtungen in geschützten Regionen höher ist.
"Die Datenerhebung war ein grosser Erfolg; sie ist ein wichtiger Schritt für uns, um den Zustand der Populationen dieser Arten langfristig und in einem grösseren Gebiet zu kartieren: Diese Daten sind für uns ein Schlüsselelement, um den Erhaltungszustand dieser Arten zu kennen. Man kann nur schützen, was man kennt."Dr. Sannie Brum, Forschungsleiterin des INPA.
An der von Dr. Brum geleiteten Expedition nahmen vier Wissenschaftler des INPA und zwei Wissenschaftler von Sea Shepherd teil. Daten zu 1179 km Flüsse, Seen und Kanäle wurden erhoben. Diese Forschung soll eine renommierte Langzeitpopulationsstudie der Flussdelfine des Amazonas unter der Leitung von Dr. Vera da Silva, Leiterin des Labors für Wassersäugetiere am INPA, ergänzen.
In den nächsten drei Jahren sind fünf weitere Expeditionen geplant. Diese sollen eine gründliche Datenerfassung ermöglichen, die notwendig ist, um Populationstrends zu untersuchen und die für die Delfine existierenden Bedrohungen zu verstehen.
"Die Ankunft von Sea Shepherd im Amazonas mit dieser Expedition ist eine Fortsetzung unserer Bemühungen zum Schutz der am meisten bedrohten Walarten der Welt", fügte Nathalie Gil, Leiterin der Sea Shepherd-Expedition, hinzu. "Wir können bereits auf eine lange Geschichte des Schutzes des Vaquita in Mexiko zurückblicken, und in Brasilien wird diese Arbeit nicht anders sein: Unser Engagement für den Schutz der Flussdelfine hat gerade erst begonnen. Wir wollen nicht die Geschichte wiederholen, die wir bereits mit dem Aussterben des Baiji-Delfins in China erlebt haben."