Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03459.jsonl.gz/2555

«Insgesamt hat Fuchs eine aufschlussreiche und gut strukturierte Studie vorgelegt, die im Anhang durch farbige Abbildungen von sämtlichen besprochenen Karten abgerundet wird, wodurch die Analysen leicht nachvollzogen werden können.»
An der Schwelle zur Neuzeit verbindet sich kartographische Gelehrsamkeit mit systematischer administrativer Raumerfassung. Die Möglichkeiten und Grenzen der Kartographie als Mittel politischer Macht im 16. Jahrhundert auszuloten, ist Gegenstand dieser Publikation. Gefragt wird nach den Anwendungsformen, in denen sich kartographisches Wissen in dieser Frühzeit der Staatsbildung etablieren konnte, und nach den Arten und Weisen, in denen es selbst auf die Herrschaftsausübung zurückwirkte. Als Fallbeispiel dienen die ersten Landesaufnahmen, die die Stadt Nürnberg von ihrem Territorium anfertigen liess. Die Reichsstadt war im 16. Jahrhundert nicht nur eines der europäischen Zentren wissenschaftlicher Kartographie, sondern auch Herrin über ein Landgebiet, von dem ab 1500 Beschreibungen, Karten und Geländeskizzen in rasch wachsender Anzahl erhalten sind. Am Beispiel dieser Überlieferung wird der Weg nachgezeichnet, über den die Kartographie vom «Wissen» über lokale Verhältnisse zur «Macht» und damit zum Werkzeug der alltäglichen Herrschaftsausübung wurde.
«Insgesamt hat Fuchs eine aufschlussreiche und gut strukturierte Studie vorgelegt, die im Anhang durch farbige Abbildungen von sämtlichen besprochenen Karten abgerundet wird, wodurch die Analysen leicht nachvollzogen werden können.»
«Schon der erste Absatz des Vorworts macht klar, dass es sich hierbei um eine stark theorieorientierte Untersuchung handelt: ‹Um das Jahr 1500, an der Schwelle zur Neuzeit, verband sich kartographische Gelehrsamkeit mit systematischer administrativer Raumerfassung. Die Landeskarte verwandelte das Wissen des Kartographen in politische Macht.› [...] Die Kapitel 3 bis 5 behandeln die drei großen Möglichkeiten, Karten als Herrschaftsinstrument einzusetzen: als Mittel repräsentativer Herrschaftsinszenierung, als Beweismittel in Prozessen oder als Hilfsmittel der Erfassung und Verwaltung des Raums und seiner Bewohner. [...] Entsprechend seinem primär theoriegeleiteten Ansatz behandelt der Autor nur eine begrenzte Anzahl von Karten, die er aber unter einer Vielzahl theoretischer Fragestellungen untersucht. Damit kommt er zu einer Fülle interessanter Beobachtungen weit über das Kartenwesen hinaus. Auch wenn man deren Einordnung in die modernen kultur-, medien- oder politikwissenschaftlichen Diskurse (oder gar diese Diskurse selbst) im Einzelfall für etwas überzogen halten mag, so sind sie doch in jedem Fall ausgesprochen anregend, und auch als Übersicht über Entstehung und Anwendung der frühen Kartographie in Nürnberg ist die vorliegende Arbeit lesenswert.»
«Das umfangreiche Kapitel über ‹Regieren mit Karten› im 16. Jahrhundert stellt den Kern dieser Untersuchung dar. Bereits den Zeitgenossen war bewusst, dass gute, verlässliche Karten, gleich welchen Maßstabs, sehr vielen Zwecken dienen konnten. Dank intimer Kenntnis der Sekundärliteratur und vieler Quellen gelingt es Stefan Fuchs, am Beispiel der Reichsstadt Nürnberg das Potenzial von Kartierungen im Interesse der Herrschaft deutlich zu machen. Selbstverständlich sind viele der hier gewonnenen Erkenntnisse auf fast alle anderen Territorien des Alten Reichs übertragbar, die später auf je eigene Weise kostspielige kartographische Erfassungen in Auftrag gegeben haben.»
«Die Integration in einen umfassenden Überlieferungs- und Entwicklungshintergrund kartographischer Zeugnisse stellt einen höchst begrüßenswerten Grundzug der Studie dar, und das bietet bereits das erste Großkapitel, in dem es um eine auf ausgezeichneten Vorarbeiten aufruhende Darstellung der Verwaltung des Nürnberger Stadtstaates im 16. Jahrhundert geht (S. 33–77). [...] Ein kluger und benutzerfreundlicher Aufbau der Studie macht nicht nur die Lektüre leicht, sondern trägt auch ganz entscheidend zur gründlichen Erfassung der maßgeblichen Ergebnisse bei. Besonders hervorzuheben sind in diesem Kontext die bei den drei thematischen Zugriffen (Inszenieren, Prozessieren und Regieren mit Karten) gebotenen Zusammenfassungen und Fazits. Diesem strukturellen Element dient schließlich auch das bewundernswert komprimierte Gesamtfazit der Arbeit (S. 245–249), dessen Resümee, dass kartographische Projekte der obrigkeitlichen Raumerfassung schon ab etwa 1500 einen ‹Möglichkeitshorizont› eröffneten, ‹der die weitere Entwicklung einer bestimmten Form des Wissens für die Macht bis in die Gegenwart prägte› (S. 249), absolut zuzustimmen ist.»
«The book gives a sound overview of mapping and cartography in Nuremberg and the city council’s use of maps in the sixteenth century. But the results of the study are important on a more general level as well. Fuchs is able to show that the map as a new medium did not replace older forms of recording and describing a territory. Rather, these older forms continued to be used and were henceforth complemented by maps. In addition to the written descriptions that are crucial for Fuchs’s argument, the continuing reproduction of spatial knowledge in the form of rituals and symbolic interaction and the material manifestations of territorial sovereignty and knowledge — for example border stones — have to be taken into account. In a process that started in the Middle Ages and came to a conclusion only at the threshold of the nineteenth century, maps were successively integrated into this complex, interrelated system of spatial description. Fuchs’s study of sixteenth century Nuremberg provides interesting material to further investigate this process.»
«[…] eine fundierte, gut durchdachte und anregende Studie. […] Besonders schön ist […], wie Fuchs herausarbeitet, dass Karten im 16. Jahrhundert vom Nürnberger Rat zwar zunehmend verwendet wurden, aber nicht für sich allein stehen konnten und daher immer mit weiteren Medien verschränkt waren. […] In jedem Fall regt Fuchs’ Dissertationsschrift zum Weiterdenken an und bietet viele Anknüpfungspunkte für weitere Forschungen.»
Diese Buchreihe vereinigt Studien des gleichnamigen Nationalen Forschungsschwerpunkts sowie mediengeschichtliche Arbeiten. Sie rückt die Zeit vor der Ausbreitung der Massenmedien und insbesondere die medialen Verhältnisse der Vormoderne ins Zentrum. Damit ermöglicht sie Einblicke in die Andersartigkeit älterer Kommunikationsformen und erlaubt es gleichzeitig, Voraussetzungen für die mediale Formierung der Neuzeit zu ergründen.