Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03524.jsonl.gz/891

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Kanton Zürich beträgt heute 73’600 Hektaren. Bei zwanzig Prozent handelt es sich um drainierte Flächen, das heisst im Ursprung sumpfige Böden, die für eine landwirtschaftliche Nutzung mit entsprechenden Anlagen entwässert werden. Die Grundlage für solche Grossprojekte zur Aufwertung der Böden bildete einst das kantonale Landwirtschaftsgesetz von 1911. Es ermöglichte unter anderem, Zwangsgenossenschaften zu bilden. Damit konnte eine ausreichende Zahl von Grundeigentümern für Bodenverbesserungsmassnahmen verpflichtet werden, denn nur bei grossen Flächen lohnte sich der enorme Aufwand für eine sogenannte Melioration. Im Gegenzug richtete der Staat grosszügige Subventionen an die Genossenschaften aus, die sich um die Be- und Entwässerung, den Flurwegbau und die Güterzusammenlegungen kümmerten. Tatsächlich führten Entsumpfungen und die Beseitigung winziger, unzusammenhängender Acker- und Wiesenflächen – den sogenannten Hosenträger-Parzellen – zu einer Steigerung der Ertragsfähigkeit und der Nutzfläche. Die Zürcher Kantonalbank unterstützte kleinere und grössere Meliorationen mit vergünstigten Krediten an die ausführenden Genossenschaften und sorgte so für die Restfinanzierung.
Viel Sumpf, wenig Ertrag
Grosse Sumpfflächen, verästelte Fliessgewässer und verzettelte Kleinstparzellen verhinderten eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung des Bodens. Doch erst die prekäre Versorgungslage während des Ersten Weltkriegs läutete im Kanton Zürich und in der übrigen Schweiz das Zeitalter der Entsumpfung und der Güterzusammenlegungen ein. So unterstützte die Zürcher Kantonalbank viele Bodenverbesserungsmassnahmen mit Krediten.
Kulturland gewonnen
Im Rahmen der Anbauschlacht unter der Leitung des ETH-Professors Friedrich Traugott Wahlen während des Zweiten Weltkriegs intensivierten alle Seiten die Bemühungen, den Selbstversorgungsgrad der Schweiz nochmals massiv zu erhöhen. Und auch die Zürcher Kantonalbank stand nicht abseits. Im Herbst 1941 beispielsweise beschloss der Bankrat, der Meliorationsgenossenschaft Gossau-Mönchaltorf einen Kredit über 7,5 Millionen Franken zu gewähren, wobei nach Abzug der zu erwartenden Subventionen von Bund und Kanton noch 1,8 Millionen Franken – der Kostenanteil der solidarisch haftenden Grundeigentümer – als effektive Darlehenssumme verblieben. Es ging dabei um die Güterzusammenlegung und Entwässerung im Gossauer Ried und Umgebung auf einer Fläche von 2300 Hektaren. Das Gebiet war in 3404 Parzellen aufgeteilt, die 990 Eigentümern gehörten. Tatsächlich wurden bis 1943 – neben der Neuordnung der Parzellen – im sumpfigen Teilstück rund 300 Kilometer Leitungen zur Drainage in den Boden verlegt, viele Bäche kanalisiert oder begradigt und 120 Kilometer neue Feldwege zur Bewirtschaftung des gewonnenen Kulturlandes angelegt.
1944 kam die Zürcher Kantonalbank nochmals unverhofft mit der neugeschaffenen Kulturfläche bei Gossau in Berührung. Sie musste im Rahmen der gesetzlichen Anbaupflicht für Firmen ihre bewirtschaftete Fruchtfläche nochmals erhöhen. Da sie keinen eigenen landwirtschaftlichen Boden besass, kam sie dieser Pflicht mittels Anbauverträgen mit der Schweizerischen Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft SVIL nach. Diese quasi-staatliche Landwirtschaftsplanungsstelle stellte die Zürcher Kantonalbank vor die Wahl, sich im Wallis, im Tessin, in der Linthebene oder eben im Gossauer Ried an Kollektiv-Pflanzwerken auf Meliorationsland zu beteiligen. Grummelnd wählte man letztere Fläche, wie der Direktor in einem Bericht an den Bankrat zur Anbaupflicht ausführte: «Wir wollten eine allzu grosse Zersplitterung vermeiden und soweit möglich im Kanton Zürich bleiben. Wenn man schon dazu herhalten muss, neu melioriertes Land, das noch keinen nennenswerten Ertrag abwirft, in Kultur zu nehmen und die Verluste zu tragen, so trägt man sie lieber für Land, welches im Kanton Zürich liegt.»
Renaturierung gewisser Flächen
Aus heutiger Sicht wird die Zerstörung der Sumpf- und Moorlandschaften zur Schaffung von Kulturland kritischer beurteilt. Mit unterschiedlichen Eingriffen wird deshalb versucht, den alten Naturzustand in Teilen wieder zu rekonstruieren. Die Zürcher Kantonalbank engagierte sich unter anderem bei der Renaturierung der Limmatauen beim Werdhölzli am Stadtrand von Zürich. Auch die Gemeinde Gossau ging mit einem 1999 initiierten Landschaftsentwicklungskonzept in Richtung einer ökologischen Aufwertung verschiedener ausgewählter Flächen, etwa mit Buntbrachen oder Bachrenaturierungen.