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Das Sihltal ist arm an historischen Bauten; und ausser dem Schloss Langnau erinnert nur noch wenig an vergangene Jahrhunderte. Der Hof Langnau wird als Lehen der Grafen von Habsburg Rapperswil 1321 erstmals erwähnt. Die Anfänge des Schlosses aber, an der alten Dorfstrasse auf dem rechten Ufer des Mühlebaches gelegen, dürften sogar in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückreichen. Wohl sind keine urkundlichen Belege über den Bau aus dem Mittelalter vorhanden, doch die geschichtlichen Zusammenhänge weisen darauf hin, dass der feste Turm von den Freiherren von Schnabelburg zum Schutz der Verbindung zwischen Zürich und Reuss erstellt worden war. Während die Schnabelburger droben in ihrem Wehrbau auf der Albiskette hausten, war die Burg in Langnau an Ministerialen verliehen.
Als 1309 die Schnabelburg geschleift wurde, blieb jedoch Langnau fast durch Zufall weiter bestehen. Hermann Riedweg berichtet darüber: Walter IV. von Schnabelburg war einer der Mitverschworenen, die am 1. Mai 1308 bei Windisch den Habsburger König Albrecht I. ermordeten. Albrechts Söhne und die Tochter Agnes, die Königin von Ungarn, rächten den Tod aufs furchtbarste.
Im Sommer 1309 begann die Blutfehde; die Herzöge trafen mit der Stadt Zürich ein Abkommen, wonach die Zürcher sich nicht in die Vergeltung einmischen sollten. Letztere gestatteten auch, dass sich die österreichischen Kriegsleute, sofern sie vorher Waffen und Harnisch ablegten, auf dem Markt der Limmatstadt verpflegen durften. Als Gegenleistung verpflichteten sich die österreichischen Herzöge, das Seeufer bis nach Wädenswil hinauf und das Sihltal nicht zu behelligen. Auf diese Weise blieb das Schloss in Langnau der Nachwelt erhalten.
Ob die Anlage später (1406) an die aufstrebende Stadt Zürich überging, ist nicht bekannt, ebenfalls ob das Adelsgeschlecht von Langnau, das im 16. Jahrhundert ausstarb, einst auf der Burg sass. 1612 gehörte der Sitz einem Kaspar Schwarzenbach, Müller in Gattikon. Im Kaufbrief wird das Gut «Schloss» genannt. In der folgenden Zeit erscheint das Gebäude in den Händen einer Familie Kloter, deren Nachkommen vor wenigen Jahren die ganze Liegenschaft der Bau AG, Zürich, verkauften, von der dann die Gemeinde Langnau am Albis den Schlossturm und die angefügten Wohnbauten erworben hat.
Bei der Burg Langnau soll es sich um ein für die Geschichte des Sihltales und Umgebung bedeutendes Objekt handeln, denn Wohntürme dieser Art können in unserer Gegend nur noch selten bewundert werden. Der älteste, turmartige Gebäudeteil der Anlage misst 6,7 Meter im Quadrat und ist aus Findlingen aufgeschichtet worden. Das Bürglein war früher von einer Mauer umgürtet, und auf der Nordseite schützte der Dorfbach vor überraschenden Überfällen. Allerdings scheint die Mauerdicke von 0,85 Metern nicht für ein hohes Alter zu sprechen; demgegenüber aber steht die Verwendung ganzer Findlinge, die in das Mauerwerk eingebaut und bei der letzten Restauration von 1931 wieder besonders markant hervorgehoben worden sind.
Nach der Zerstörung der Schnabelburg wurde der Wohnturm in Langnau am Albis zur bäuerlichen Wohnung. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts fand ein Umbau statt, woran die Jahrzahl 1548 an einer Türe im Erdgeschoss erinnert. Damals wird wohl auch die Fenstereinteilung neu entstanden sein. Heute erhellen 16 Fenster die beiden Wohnungen.
Bibliographie