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EU-Studie über den Beitrag von Open-Source-Software an Innovation und Wettbewerbskraft der europäischen ICT-Branche.
Der Titel der Studie, "Economic impact of open source software on innovation and the competitiveness of the Information and Communications Technologies (ICT) sector in the EU", ist so lang wie das Papier selbst: 287 Seiten. Das Thema aber ist interessant: Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen hat kostenlose Open-Source-Software? Dieser Frage gehen AkademikerInnen aus Holland, Spanien, Irland, Frankreich und Italien in einer interdisziplinären Studie nach.
Die EU hat das Ziel formuliert, bis 2010 zu einer konkurrenzfähigen "Wissensgesellschaft" zu werden und den Rückstand gegenüber den USA aufzuholen. Die systematische Unterstützung von Open-Source-Konzepten könne bei der Erreichung dieses Ziels helfen, finden die AutorInnen der Studie. Mit ein Grund dafür ist, dass Europa führend bei der Anzahl von freien, weltweit kooperierenden Open-Source-Entwicklern ist und dass eine Reihe von kleinen oder mittelgrossen europäischen Firmen sich mit Open-Source-Produkten weltweit einen Namen schaffen konnten. Paradebeispiel dafür ist die schwedische Datenbankfirma MySQL.
12 Milliarden Euro Einsparungen
Gemäss der Studie repräsentiert die bis heute in Firmen entwickelte und eingesetzte kostenlose Open-Source-Software einen Wert von 12 Milliarden Euro, falls man sie durch ebenso gute Eigenentwicklungen ersetzen müsste. Mehr noch: Die eingesetzte (Open Source) Code-Menge verdoppelt sich alle 18 bis 24 Monate, ein Trend der noch mehrere Jahre anhalten soll.
Bis 2010 sollen Dienstleistungen im Open-Source-Umfeld ein Drittel aller ICT-Services ausmachen und der Anteil der "Open-Source-Wirtschaft" soll bis dann vier Prozent des Bruttosozialprodukts der EU ausmachen.
Freiwillige und kostenlose Beiträge von Open-Source-Entwicklern repräsentieren gemäss der Studie jährlich einen Wert von 800 Millionen Euro, wovon die Hälfte im EU-Raum erbracht werden soll.
Mit diesen und anderen Zahlen versuchen die AutorInnen der Studie zu belegen, dass Open-Source-Software einen positiven Effekt auf die Entwicklung der Wirtschaft hat. Hauptargumente: Die durch kostenlose Open-Source-Software erzielten Einsparungen könne von Firmen und Organisationen für Innovationen und Investitionen genützt werden, und die Entwicklung von Open-Source-Produkten eröffne Chancen für Europa-typische KMU. Die massive Förderung der Open-Source-Bewegung könne mithelfen, den Rückstand Europas gegenüber den USA in Bezug auf ICT-Investitionen aufzuholen. In Europa fliessen heute ein Fünftel der Investitionen in Software in Open-Source-Projekte. Würde dieser Anteil auf 40 % verdoppelt, so würde das Wirtschaftswachstum jährlich um 0,1 Prozent erhöht, wird in der Studie postuliert. Man lasse sich durch die scheinbar kleine Zahl nicht täuschen, der Unterschied zwischen (beispielsweise) 1 und 1,1 Prozent Wirtschaftswachstum im ganzen EU-Raum wäre in absoluten Zahlen gerechnet gigantisch.
Beiträge an Open-Source-Projekte von der Steuer abziehbar?
In den aus der Studie abgeleiteten Empfehlungen lehnen sich die AutorInnen dann weit aus dem Fenster. Die EU solle rechtliche Rahmenbedingungen (z.B. Patent- und Urheberrecht) schaffen, die Open-Source-Software zumindest nicht bestrafe und sie solle sie bei Forschungs- und Standardisierungsvorhaben sowie in der Bildung unterstützen.
Am sensationellsten aber ist der Vorschlag, dass Beiträge an die Open-Source-Community steuerlich wie gemeinnützige Spenden behandelt werden sollten.