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Bei traditionellen asiatischen Speisen führt kein Weg an der Kokosmilch vorbei. Auch als Aroma in Kosmetik und Süßigkeiten ist Kokos seit langem etabliert. Der schlechte Ruf des Palmöls und die vielen neuen Kokosnussprodukte haben die Nachfrage nach der Tropenfrucht in den letzten 20 Jahren stark steigen lassen. Die Anbaufläche von knapp 6 Millionen Hektar im Jahr 1990 verdoppelte sich in nur 15 Jahren. Die daraus gewonnene Ölmenge konnte jedoch nur 1,1 % des weltweiten Pflanzenölbedarfs decken. Die Anbaufläche, die fast dreimal der Grösse der Schweiz entspricht, liegt ausschliesslich in den feuchtwarmen Tropen. Wie Ölpalmen wachsen Kokospalmen nur bei konstant hohen Temperaturen und Niederschlägen. Um die neuen Anbauflächen zu schaffen, wird tropischer Regenwald gerodet.
Die Hauptanbaugebiete der Kokospalmen sind Indonesien, die Philippinen, Indien, Tansania, Sri Lanka, Brasilien sowie Papua-Neuguinea. Diese weite Entfernung zu Europa bedeutet hohe CO2-Emissionen aufgrund des langen Transportweges. Der Anbau der Ölpalmen für Palmöl gilt als besondere Umweltbelastung, denn die Abholzung des Regenwaldes und die Monokulturen lassen die Biodiversität verschwinden. Kokosöl galt als nachhaltigere Alternative, denn laut WWF wurde es 2016 meist in Mischkulturen und kleinbäuerlichen Strukturen angebaut. Doch die erhöhte Nachfrage der Lebensmittelindustrie lässt auch hier die Anzahl der Monokulturen ansteigen.
Ein weiteres Problem: Die schlechten Arbeitsbedingungen und schlechten Löhne für die Arbeiter. Denn obwohl das Kokosöl teurer verkauft wird als Palmöl, bleiben die Gewinne bei den Zwischenhändlern, die Bauer sehen wenig davon. Auf den Philippinen, dem zweitgrößte Kokoslieferanten der Welt, leben mehr als 60% der Kokosbauern unterhalb der Armutsgrenze, lässt eine Studie der Organisation Oxfam verlauten.
Einige Kokosnussprodukte...
Kokosnüsse liefern Fasern (wird u.a. als Isoliermaterial verwendet), Kokosschalen (dienen z.T. als Grillkohle oder Kunsthandwerk), Fruchtfleisch (Kopra) und Fruchtwasser.
Aus dem getrockneten Fruchtfleisch mit einem Fettgehalt von 65-70 % wird Kokosfett (Kokosöl) gepresst. Die Kopra wird dazu erhitzt und unter großem Druck entölt. In einem zweiten Schritt wird versucht, mit Lösungsmitteln noch mehr Öl herauszulösen. Laut Ökotest (2017) enthält jedes zweite Kokosprodukt Schadstoffe wie zum Beispiel Mineralöl, Weichmacher oder Chlorat.
Natives Kokosöl entsteht durch rein mechanisches Auspressen, wird also ohne Erhitzen gewonnen. Die Pressrückstände enthalten noch viel Zucker, Eiweiss und Mineralien und werden als Viehfutter weiterverwendet. Auch Kokosmehl wird aus dem getrockneten und entölten Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen. Es dient bei gluten- und cholesterinfreien Diäten als Mehlersatz.
Palmwein oder Palmschnaps wird aus dem Palmsaft gewonnen, der austritt, wenn die jungen weiblichen Blütenstände abgeschnitten werden. Aus dem Nektar kann durch Einkochen auch Kokosblütenzucker hergestellt werden. Dies ist jedoch sehr energieintensiv und verbraucht meist viel Brennholz. Dieser Zucker ist aber - anders als in der Werbung dargestellt - nicht gesünder als herkömmlicher Zucker.
Kokoswasser (nicht zu verwechseln mit der Kokosmilch) wird aus der noch unreifen, grünen Kokosnuss gewonnen. Weltweit gewinnt es als isotonisches Getränk immer grössere Beliebtheit. Kokosmus oder Kokosbutter kommt in der asiatischen Küche zum Einsatz.
Eine von WWF und dem Institut Agripol durchgeführte Studie ergab, dass der Umstieg von Palmöl auf Kokosöl sogar noch schlimmere Folgen für den Regenwald hätte: Dem durchschnittlichen Ertrag der Palmfrucht von 3,3 Tonnen pro Hektar hinkt die Kokospalme mit einem Ölertrag von 0,7 Tonnen weit hinterher. Ölpalmen bedeckten 2016 rund 21,1 Millionen Hektar weltweit und deckten damit ein Drittel des weltweiten Pflanzenölbedarfs. Sollte der Kokosboom weitergehen, müsste noch überproportional mehr Regenwald den Kokosplantagen weichen.
„Sollte die Nachfrage weiter steigen und tropischer Regenwald für die Plantagen gerodet, hätte das massive Umweltfolgen, da erhebliche Mengen CO2 entweichen würden und Biodiversität unwiederbringlich verloren ginge. Ähnlich wie beim Palmöl, für das heute in riesigen Plantagen Ölpalmen wachsen, wo früher Regen-und und Sumpfregenwälder standen."
Nils Rettenmaier, Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg
Wer die Natur schonen möchte, sollte beim Öl also am besten auf heimische Produkte wie Sonnenblumen- und Rapsöl zurückgreifen. Wer nicht auf die Kokosnuss verzichten will, sollte auf jeden Fall auf Fairtrade und Biosiegel achten! Denn der Bio-Anbau tropischer Öle erlaubt keine Waldrodungen für neue Plantagen, der Pestizid- und Düngereinsatz ist geringer, und viele Öko-Bauern setzen auf Zwischenfruchtanbau. Die unterschiedliche Bepflanzung bietet mehr Tierarten Lebensraum bei gleicher Produktivität und mehr Einkommensquellen durch den Verkauf auch anderer Produkte für die Kokosbauern.