Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/687

Das Przewalskipferd (Equus ferus przewalskii), auch Asiatisches Wildpferd, Mongolisches Wildpferd oder Takhi genannt, ist der einzige Repräsentant der Urwildpferde, die bis heute überlebt haben. Allerdings bedurfte es der Anstrengungen der Welt-Zoo Gemeinschaft, um diese in der Wildbahn ausgestorbene Tierart zu erhalten. Nachdem die Art auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten durch die IUCN (International Union for the Conservation of Nature) als in freier Wildbahn ausgestorben ("extinct in the wild“) geführt wurde, gilt sie seit den erfolgten Auswilderungen in der Mongolei, Kasachstan und China neu als stark vom Aussterben bedroht ("critically endangered").
Situation in der Wildbahn
Ursprünglich besiedelten verschiedene Unterarten des Urwildpferdes den ganzen Eurasischen Kontinent. Der Waldtarpan (Equus ferus silvaticus), der die offenen Wälder und Buschlandschaften Mittel- und Osteuropas bewohnte, und der Steppentarpan (Equus ferus gmelini), der im Bereich des Schwarzen Meeres heimisch war, starben im 19. Jahrhundert aus.
Das auf die unfruchtbaren Regionen der Gobiwüste in der südlichen Mongolei zurückgedrängte, ursprünglich die Steppengebiete Zentralasiens vom Ural ostwärts bis zur Mongolei besiedelnde Przewalskipferd starb als letztes Urwildpferd Ende der 1960er Jahre in freier Wildbahn aus. Das letzte Tier dieser Unterart wurde 1968 in der Dzungarischen Gobi gesichtet.
Den Konkurrenzkampf mit den Haustierherden der Nomaden um Wasser und Nahrung hatten die Wildpferde verloren, dem zusätzlichen Jagddruck durch den Menschen und der Hybridisierung mit den Hauspferden waren sie schlussendlich erlegen.
Seit Beginn der 1990er-Jahre leben in der Mongolei wieder Przewalskipferde dank der von vielen Zoos und Zuchtstationen getragenen Auswilderungsprogramme.
Heute leben wieder einige Hundert dieser schönen Tiere im Hustain Nuruu Nationalpark in der Zentralmongolei und im Gobi-B-Reservat, einem Nationalpark im Süden der Mongolei in der Chinesischen Grenzregion.
Die Zoo-Population
Als die letzten Przewalskipferde in der Mongolei ausstarben, waren glücklicherweise bereits einige dieser Tiere in der Obhut von Zoos und privaten Züchtern. Als erster hatte Baron Friedrich von Falz-Fein Przewalskipferde in seinen grossen Tierpark Askania-Nowa in der heutigen Ukraine bringen lassen.
Zur gleichen Zeit - zwischen 1899 und 1904 - wurden 54 Przewalskifohlen durch Carl Hagenbeck gefangen und nach Europa gebracht. Viele davon starben allerdings noch vor dem Erreichen der Geschlechtsreife.
Nur gerade 13 Gründertiere konnten sich schliesslich in Gefangenschaft fortpflanzen, doch reichte diese geringe Zahl zur Rettung der Art. Von 41 Tieren im Jahre 1956 wuchs die Zoo-Population gegen Ende des 20. Jahrhunderts auf über 2000 Tiere, was einen soliden Grundstock für die laufenden Auswilderungsprojekte bildet.
Erhaltungswert der Art
Das Przewalskipferd ist der einzige überlebende Repräsentant der Urwildpferde. Das allein schon erklärt die grosse Bedeutung seiner Erhaltung und Erforschung. Als letzter Verwandter aller ausgestorbenen Wildpferde bleibt es die einzige Referenz für den Vergleich der heutigen Hauspferderassen mit ihren wilden Vorfahren.
Diese Tierart wurde eine der best untersuchten überhaupt. Das Wissen über Verhalten, Genetik und ökologische Ansprüche des Przewalskipferdes wurde so vertieft, dass dessen Erhaltung und Wiederansiedlung trotz zunächst widriger Umstände zu einem erfolgreichen "Modellfall“ der modernen Zoo-Philosophie wurde.
Empfehlungen der EAZA Equid TAG (Taxon Advisory Group)
Die Überwachung und Kontrolle der Zoo-Population durch das EEP (European Endangered Breeding Programme = europäisches Erhaltungszuchtprogramm) und die Auswilderungsprogramme sollen weitergeführt werden. Grosse Zoo-Haltungen sollen verkleinert werden, damit Platz und Ressourcen entstehen für akut gefährdete Equidenarten.
Das Przewalskipferd an der Werner Stamm-Stiftung
Das Zuchtprojekt des Przewalskipferdes der Werner Stamm-Stiftung ist parallel zum Erhaltungszuchtprojekt des EEP ein grosser Erfolg. So konnte sich die Werner Stamm-Stiftung von Beginn an federführend am Auswilderungsprojekt in der mongolischen Gobi beteiligen.
Die ersten Wildpferde wurden 1970 in Rotterdam erworben. Dazu kamen in den folgenden Jahren weitere 3 Tiere aus Prag und München. Bis 1995 wurden in den Gehegen der Stiftung 43 Fohlen geboren, 19 Hengste und 24 Stuten. Danach wurde die Zucht dieser Tiere zugunsten anderer akut gefährdeter Equidenarten aufgegeben. In den Jahren 1995 bis 1997 wurden insgesamt 14 Tiere mit Ursprung "Oberwil“ in die Mongolei überführt zur Auswilderung in der Gobi.
Die Werner Stamm-Stiftung betreute über die ITG (International Takhi Group) das Gobi-Auswilderungsprojekt von Anfang an massgeblich und ist weiterhin finanziell und personell am Geschick dieses Modellprojekts beteiligt.