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Gewässerschutz – Pionierrolle beim Schutz der Umwelt
Die Industrialisierung zeigte anfangs 20. Jh. negative Auswirkungen auf Schweizer Gewässer. Wilde Kehrichtdeponien an Flussufern, schäumende Bäche als Folge der Einleitung von Waschmitteln und dramatische Fischsterben aufgrund von Fabrikationsrückständen im Wasser prägten das Bild. Die Fischer in der Schweiz forderten als Erste Massnahmen gegen die Verschmutzung. Bereits 1888 trat das eidgenössische Fischereigesetz in Kraft, das die Einleitung von Abwasser in die Gewässer untersagte. Das Fischereigesetz war somit die erste gesetzliche Grundlage zum Schutz der Gewässer und blieb lange Zeit die Einzige. Erst 1953 wurde der Gewässerschutzartikel in die Bundesverfassung aufgenommen und 1957 wurde das erste Gewässerschutzgesetz verabschiedet.
Weg zum umfassenden Gewässerschutzgesetz
Das erste Gewässerschutzgesetz führte zum Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Diverse Revisionen haben den Gewässerschutz sukzessive verbessert und ausgeweitet. Seit 2011 ist das Gesetzeswerk eine umfassende Anleitung zum Schutz und zur gezielten ökologischen Aufwertung der Gewässer und ihrer Ufer und verpflichtet die Kantone, die Gewässerräume auszuscheiden, damit die Gewässerfunktionen (Ökosystem, Hochwasserschutz, Nutzung) gewährleistet bleiben. Die Kantone haben ebenfalls dafür zu sorgen, dass insgesamt 4000 km Gewässer bis 2090 revitalisiert werden. Als Vorgabe für die Wasserkraftwerke ist festgelegt, dass das Geschieberegime durch ihre Stauhaltungen nicht beeinflusst wird, die freie Fischwanderung sichergestellt ist und grosse Wasserspiegelschwankungen (Schwall und Sunk) vermieden werden.
Land und Stadt – Unterschiedliche Ansätze in der Abwasserreinigung
Die ersten Untersuchungen zum Verschmutzungsgrad der Gewässer in der Region Basel in den 1940er- und 1950er-Jahren zeigten ein trauriges Bild. Infolge von Abwassereinleitungen in die Flüsse wie zum Beispiel Ergolz und Birs sowie die Ableitung des Wassers in Gewerbekanäle wurden die einst munteren Flüsse im Sommer trocken gelegt und zu übel riechenden Restgewässern degradiert. Mit dem Bau der Kläranlage in Therwil begann der Kanton Baselland 1957, ein Netz zahlreicher Abwasserreinigungsanlagen (ARA) von unterschiedlicher Grösse zu erstellen.
Der Stadtkanton verfolgte eine andere zentralisierte Strategie. In den 1960er-Jahren wurde eine gemeinsame Abwasserreinigung mit den umliegenden Gemeinden in Frankreich und Deutschland angestrebt. Nach dem Scheitern der Verhandlungen wurde die Pro Rheno AG gegründet. Vertreter der beiden Halbkantone und der Firmen der chemischen Industrie wurden mit der Planung einer gemeinsamen Abwasserreinigung beauftragt. Erst 1983 wurde die ARA Basel in Betrieb genommen. Sie ist bis heute für die gesamte Abwasserreinigung der Stadt Basel, der umliegenden Gemeinden und der grossen Basler Pharma- und Chemieunternehmen verantwortlich ist. Heute hat sie ihre Kapazitätsgrenze erreicht und eine grundlegende Modernisierung wird geplant.
Phosphat – Langzeitkur für Schweizer Gewässer
Durch die intensive Landwirtschaft im Mittelland und die Einleitung von Siedlungsabwässern stiegen nach 1950 in den Schweizer Gewässern die Phosphatkonzentrationen dramatisch an. Der Stoff ist ein Bestandteil von Dünger und wurde früher als Enthärter in Waschmitteln eingesetzt. In Seen führen hohe Phosphatkonzentrationen zur Überdüngung mit verstärktem Algenwachstum. Im Herbst sinken die absterbenden Algen auf den Seegrund, wo sie von Bakterien abgebaut werden. Dadurch wird dem Wasser Sauerstoff entzogen, was zu grossen Fischsterben führte. Davon waren stehende Gewässer wie der Sempacher-, der Baldegger- sowie der Zugersee betroffen. In der Region Basel litten nur einzelne Weiher und die Staubereiche des Rheins an Phosphatbelastungen. Als Gegenmassnahmen wurden Phosphate in Waschmitteln verboten und der Eintrag aus der Landwirtschaft wurde reduziert. Unterstützend müssen kleine Seen wie zum Beispiel der Baldeggersee seit den 1980er-Jahren künstlich belüftet werden, damit genügend Sauerstoff ins Tiefenwasser gelangt.
Erfolge und immer wieder neue Herausforderungen
Die Kläranlagen waren wohl die wichtigsten Errungenschaften des Gewässerschutzes. Heute sind 98% aller Schweizer Haushalte an eine Kläranlage angeschlossen. Neben einer ersten mechanischen Reinigung wird das Wasser biologisch gereinigt, und anschliessend wird das Phosphat ausgefällt. Der Anteil verschiedener Stoffe, die in Kläranlagen nicht abgebaut werden können, hat im Abwasser stark zugenommen. Um die problematische Verunreinigungen wie zum Beispiel Mikroverunreinigungen in den Gewässern zu reduzieren, haben die Eidgenössischen Räte 2014 eine Zentralisierung mit einem Ausbau der rund 100 grössten Kläranlagen der Schweiz beschlossen. Durch Vereinbarungen mit Landwirten soll die Reduktion der Pestizidkonzentrationen in kleinen Fliessgewässern erreicht werden.
Um das Ziel zu erreichen, werden die ARA Basel und die ARA Chemie bis 2023 für 200 Millionen Franken ausgebaut. Dabei wird die Anlage um eine vierte Reinigungsstufe mit Ozon und/oder Aktivkohle erweitert. Im Kanton Basel-Landschaft führt die geplante Zentralisierung zu einer Aufhebung zahlreicher Klein-Kläranlagen im Oberbaselbiet und die Ableitung des Abwassers in wenige Grossanlagen, was den Bachläufen bedeutende Wassermengen entzieht. Im Unterbaselbiet entlang der Birs ist diese Zentralisierung bereits erfolgt. Im wasserarmen Jura werden als Folge des Klimawandels weniger Niederschläge im Sommer vorausgesagt. Zusammen mit der Zentralisierung der Kläranlagen droht deshalb in vielen Fliessgewässerstrecken des Baselbieter Juras eine sommerliche Austrocknung.
DK