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Der Name ist alles
Namen seien Schall und Rauch, liess Geheimrat Goethe seinen Faust sagen. Nichts also bedeutet ein Name. Goethe hatte natürlich keine Ahnung. Weil er in einem Zeitalter ohne Selfie-Stick und Identitätsdiebstahl und Vermarktung lebte. Wäre der Mann aus Weimar nach Chicago geflogen und hätte am Mittwoch dort einem bemerkenswerten Prozess vor einem Bundesgericht beigewohnt, wäre ihm schnell aufgegangen, welchen Unsinn er in seinem «Faust» verzapfte.
Denn der Name ist alles. Und deshalb hat die Basketballgrösse Michael Jordan eine inzwischen von der Bildfläche verschwundene Supermarktkette namens Dominick’s Finer Foods in Chicago verklagt. Die Lebensmittelhändler hatten sich 2009 erfrecht, Herrn Michaels weltberühmten Namen ohne seine Zustimmung zu billigen Werbezwecken zu missbrauchen. Sie schalteten eine Anzeige in «Sports Illustrated», einem Magazin für Leibesübungen, und beglückwünschten Herrn Michael darin zu seiner Auffahrt in die amerikanische «Basketball Hall of Fame». Bei dieser Institution handelt es sich um eine Art Pantheon für lange Kerle. Wer Körbe am Fliessband produzierte und damit reich und berühmt wurde wie Herr Michael, wird in dieses Pantheon aufgenommen.
So wurde er zur Basketballlegende: Michael Jordan.
«Michael Jordan…..einfach besser», verhiess die Anzeige. Ausserdem wurde ein brutzelndes Steak gezeigt sowie ein Gutschein, der dem Besitzer einen Rabatt beim Kauf von Steaks bei Dominick’s Finer Foods gewährte. Als die Marketing-Expertin Estee Portnoy – sie steht im Sold von Herrn Michael – die Anzeige sah, traf sie der Schlag. «Sie verglichen Michael mit einem Steak», entrüstete sich Frau Estee vor Gericht. Jetzt möchte Herr Michael für den Frevel Geld sehen. Viel Geld.
«Wenn die Nutzung deiner Identität nicht geschützt wird, verschwindet jeglicher Wert»
Allein der Turnschuhhersteller Nike habe dem pensionierten Basketballstar für die Verwendung seines Namens zwischen 2000 und 2012 satte 480 Millionen Dollar überwiesen, informierte sein Anwalt, ein gewisser Sperling, das Gericht. Der Unterhosenproduzent Hanes bezahlte 14 Millionen. Und im vergangenen Jahr habe Herr Michael 100 Millionen Dollar nur dafür eingenommen, dass mit seinem Namen geworben worden sei. «Wenn die Nutzung deiner Identität nicht geschützt wird, verschwindet jeglicher Wert», befand Anwalt Sperling. Und nichts sei für seinen Mandanten so wertvoll wie sein Name.
Von «Schall und Rauch» kann also keine Rede sein. Im Gegenteil: Wenn Goethe noch lebte, läge sein Vermarktungswert im Millionenbereich. Vielleicht würde er für den Buchhändler Amazon werben. Oder wöchentlich eine einträgliche Sexkolumne mit Frau von Stein verfassen. Sicherlich schützte er seine Identität geradeso wie Herr Michael.
Der Anwalt des Beklagten hielt dagegen, Herrn Michaels Name sei lediglich ein einziges Mal missbraucht worden, weshalb der Schaden so gross nicht gewesen sei. Advokat Sperling verurteilte diese freche Schlussfolgerung in Bausch und Bogen. Statt Schall und Rauch will er Zaster für seinen Mandanten. Die Werbeaktion war übrigens ein totaler Misserfolg: Nur zwei Kunden lösten den Gutschein bei Dominick’s ein.