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Mit einigen Jahren Abstand sieht es so aus, als sei Marcel Ospel der letzte Held des Finanzplatzes Schweiz gewesen. Er strebte für den alten UBS-Konzern, der über prall gefüllte Taschen verfügte, die Weltmacht an, die Nr. 1 im Private Banking und im Investment Management. Als die Bank an seinen Ambitionen zerbrach und von den Steuerzahlern gerettet werden musste, wurde er als Sündenbock in die Wüste geschickt. Sein Stammtisch in der Zürcher „Kronenhalle“ steht seither leer.
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Die erfolgreiche Schweiz hatte immer Männer nach der Art Marcel Ospels: Aufsteiger aus dem Nichts, die den Anspruch hatten, ein grosses Reich zu schaffen. Sie sind der Erinnerung wert:
Matthäus Schiner, ein Walliser, der fast Papst wurde, aber an den Franzosen scheiterte. Er bleibt in Erinnerung als jener Mann, der die Schweizer Landsknechte in die Schlacht von Marignano jagte, wo sie von den Soldaten Franz I. besiegt wurden.
Johann August Sutter, ein Baselbieter, der in den USA die Kolonie Neu-Helvetien gründete, weshalb er auch Kaiser von Kalifornien genannt wurde. Der Goldrausch von Kalifornien, der in seiner Kolonie begann, zerstörte sein Reich.
Sepp Blatter, wieder ein Walliser, der innerhalb von vierzig Jahren den Weltkonzern FIFA aufbaute mit 300 Millionen aktiven Spielern und 1,6 Milliarden Anhängern. Sein Werk, bedeutender als das der römisch-katholischen Kirche, ist heute in der Krise; Sepp Blatters Zukunft ist ungewiss.
So ist auch Marcel Ospel, Aufsteiger aus Kleinbasel von unbegrenztem Ehrgeiz, Opfer waghalsiger Spekulationen geworden, die seine Bank in den USA mit ausgelöst hatte und sie fast in den Abgrund führte. Wie wir heute wissen, war diese ganze Ära des letzten grossen Booms der beiden grössten Schweizer Banken angetrieben „von Einzelpersonen und wenigen“, wie es in den Verlautbarungen hiess, die gegen die internen Vorschriften der Banken verstiessen und unerlaubte Geschäfte betrieben.
Seither ist auf dem Finanzplatz Schweiz wenig geschehen. Dem letzten der grossen Schweizer Bankiers ist seither kein Schweizer mehr gefolgt. Die beiden Grossbanken mit einer Bilanzsumme von total 2’000 Milliarden Franken sind immer noch unterkapitalisiert. Gut zehnmal kleiner sind die Raiffeisen Gruppe, die Zürcher Kantonalbank und die Postfinance. Was unter den hundert grössten Schweizer Banken dann folgt, verdient den Namen Boutique.
Beängstigend für „die Schweiz nach Ospel“ bleibt die Tatsache, dass die von ausländischem Kapital und ausländischen Topmanagern gesteuerten beiden Grossbanken das 3,6fache des Schweizer BIP an globalem Kreditvolumen ausstehend haben. Ein tiefgreifender Einbruch der Weltwirtschaft würde nicht nur erneut das Kapital beider Banken, sondern die ganze Schweizer Volkswirtschaft gefährden.
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Die UBS wird vom deutschen Weltbankier Axel Weber als Präsident geführt. Seine wichtigste Aufgabe ist es, die bisher wenig zufriedenen Hauptaktionäre aus aller Welt zufrieden zu stellen, in zweiter Linie ist er als Weltökonom unterwegs, der Blut-, Schweiss- und Tränen-Reden hält in der Art von: „In diesem Jahr haben wir uns vorgenommen, etwa 1,4 Milliarden Franken an Kosten aus der Bank zu nehmen …“.
Das bedeutet weniger als teuer geltende Schweizer Mitarbeiter und mehr Inder oder Polen. „Die marktbeherrschende Stellung in der Schweiz“, wie Weber es gerne ausdrückt, soll den Sprung nach Asien und China finanzieren. Der Tessiner Sergio Ermotti, zuvor schon bei ausländischen Banken eher mässig erfolgreich, dient ihm als Konzern-CEO zu. Wer annimmt, Sergio Ermotti, der in Zug wohnt, fühle sich in erster Linie der Schweiz verpflichtet, darf als naiv gelten.
Bei der Credit Suisse Group sieht es nicht viel anders aus. Präsident Urs Rohner, dessen Einfluss man schon zu Brady Dougans Zeiten nicht überschätzen durfte, hat nun auf Wunsch der globalen Aktionäre seiner Bank den von der afrikanischen Westküste stammenden Tidjane Thiam als CEO angeworben. Dieser hat sofort sein Team aus London nach Zürich gebracht, um die einstige Hausbank der guten Zürcher Gesellschaft enger an den Weltmarkt heranzuführen.
In beiden Fällen gilt die gleiche Regel für Schweizer: Out, wir brauchen Euch nicht mehr. Einer der ersten war Jean-Daniel Gerber, dem als ehemaliger Schweizer Staatssekretär Brillanz nie abgesprochen wurde. Er verliess den Verwaltungsrat der CS. In der Schweiz werden die Kosten gesenkt, Strukturen abgebaut und ins Ausland verlagert. An der Bahnhofstrasse in Zürich heisst es jetzt nur noch: „Unsere Wurzeln kommen aus der Schweiz.“
Wachsen grosse Schweizer Bankiers nach, die den verunsicherten Finanzplatz neu aufbauen können? Es sieht nicht so aus. Pierin Vincenz, der jetzt die Führung der Raiffeisen-Gruppe abgibt, macht einen Schritt rückwärts. Die anderen „papabile“, welche mit Bundesräten und Parteichefs eine „idée de manoeuvre“ für die Zukunft des Standortes Schweiz entwickeln könnten, gibt es nicht.
Boris Collardi ist ein Banker durch und durch; sein Ziel ist die Expansion der Bank Bär. Patrik Gisel muss konsolidieren. Der andere „Patrick“, Odier, ist als Privatbanquier zu abhängig von beiden Grossbanken, um eine eigene Schweizer Linie verfechten zu können.
Die Zahl der dann folgenden Hoffnungsträger, von Lukas Gähwiler, Präsident Schweiz der UBS, über Hans-Ulrich Meister, bei der CS in der gleichen Funktion als Co-CEO, bis zu Adrian Künzi von Notenstein, Zeno Staub von Vontobel oder Jan Schoch von Leonteq ist gekennzeichnet von Persönlichkeiten, die fachlich kompetent, aber sonst nur von geringer Ausstrahlung sind.
Für die Schweiz kann dies nur bedeuten, dass es einen genuin Schweizer Spitzenbanker auf absehbare Zeit nicht mehr geben wird. Joe Ackermann hat den Anschluss an die Spitze verloren. Nur Philipp Hildebrand, Mitglied des global Executive Committees von Blackrock, dem weltgrössten Vermögensverwalter, sieht die Lage entspannt: „Die Abkehr von der expansiven Geldpolitik geht nicht ohne Schmerzen.“
Das Schweizer Volk trägt die Risiken des eigenen Finanzmarktes, ohne dass es darauf grossen Einfluss hat. Die beiden Grossbanken fahren mit Finma und dem Bundesrat gut. Die hundert nächst grössten Schweizer Banken befinden sich überwiegend in der Geiselhaft der amerikanischen Behörden, die sich Kontrollen der Geschäftsführung vieler Schweizer Banken auf Dauer verschafft haben.
Marcel Ospel war der letzte grosse Schweizer Bankier. Wie Napoleon nach Moskau wollte, wollte er gleich den ganzen Globus erobern. Jetzt haben wir niemand mehr, der eine Vision hat und die Macht, sie auch durchzusetzen.