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Welches Lied ist in den letzten 50 Jahren am häufigsten an Lagerfeuern gesungen worden? «California Dreamin’»? «Yesterday»? «Redemption Song»? Die Antwort, sie ist «Blowin’ in the Wind», gibt es doch keine empirischen Studien darüber. Sicher ist aber, dass Bob Dylan mit seinen Liedern dazu beigetragen hat, dass in Pfadilagern, in Schulzimmern, auf Campingplätzen, in Einkaufsmeilen, unter Bäumen, am Strand und in WGs mit Hilfe einer Gitarre und einer Stimme im Nu hippieske Stimmung aufkommen konnte.
Seine Karriere lancierte Dylan vor 50 Jahren: Nachdem er innerhalb von zehn Minuten das mit rhetorischen Fragen bestückte Gedicht geschrieben hatte («How many times …»), bediente er sich für die Melodie beim traditionellen Spiritual «No More Auction Block» (worin sich Afroamerikaner die Sklaverei für immer in die Vergangenheit wünschten). Die Gesangslinie mag er nicht erfunden haben, auch nicht den Protestsong an sich – dennoch wurde Dylan, der das Lied am 9. Juli 1962 aufnahm, bald als Protestsänger gefeiert – was ihm, gemäss eigenen Aussagen, nie wirklich geheuer war. Kann man verstehen. Nachvollziehbar aber auch, dass dieses Gedicht zur Zeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (und später im Vietnamkrieg) zur Friedenshymne erhoben wurde. Wir verzichten jetzt darauf, hier selbst eine Hymne auf Dylan zu singen. Das hat die «taz» schon getan, die einen netten Artikel veröffentlichte, der von einem spürbar grossen Fan geschrieben worden ist (auch unsereiner hat ja seine Schwächen, einfach bei anderen Künstlern, wie man hier und hier feststellen kann.)
Tatsache ist, dass «Blowin’ in the Wind» bei Millionen Strassenmusikern bis heute beliebt ist – und, seien wir ehrlich, man wünschte sich manchmal, sie würden es zusammen mit dem bei ihnen ebenso beliebten «Condor Pasa» auf der Schutthalde unserer Überdrüssigkeit entsorgen und ihr Repertoire auffrischen. Nur womit? Ein Bushido-Text wird in der Freien Strasse ja auch nicht besser, wenn ihn fünf, pardon, vier (!!!) peruanische Strassenmusiker neu arrangieren. Wir merken: Ist alles nicht so einfach.
Anyway (ich gebs zu, ich bin etwas abgeschweift): «Blowin’ in the Wind» ist unkaputtbar. Und markiert nicht nur ein Stück weit den Anfang von Dylans grosser Karriere, sondern auch den Anfang von Bob Dylan dem Klassikerlieferanten, dessen Poesie und Harmonie von anderen Künstlern veredelt wird. Gar die Beatles, denen es ja nicht an eigenen Ideen mangelte, überlegten es sich, «Blowin’ in the Wind» zu covern. Bei den «Get Back»-Sessions (1969) spielten sie es kurz an, was man hier nachhören kann. Auch Johnny Cash hat den Song zitiert, in einer Version voller Pathos, sodass wir die Einleitung abrupt abbrechen, die klebrige Tastatur reinigen und zur Sache kommen müssen.
Das Original. Vor 50 Jahren hat es Bob Dylan, damals 21 Jahre jung, aufgenommen und 1963 auf dem Album «The Freewhelin’ Bob Dylan» veröffentlicht. Wie so oft wurde es aber nicht in der Originalversion zum Hit. Sondern in diesem Fall durch das Trio Peter, Paul & Mary, das im Juni 1963 mit seiner Version bis auf Platz 2 der Billboard Charts vorstiess.
The Boss hat soeben im Letzigrund Stadion gespielt. Über 30 Lieder zählte die Setliste. «Twist and Shout» gabs als Cover zum Schluss, nicht aber «Blowin’ in the Wind». Wer dieses vermisst hat, dem können wir hier helfen.
Die Jööö-Version. Die Bee Gees, noch so jung, dass sie für den TV-Auftritt nur frei bekamen, weil sie versprachen, die Schuluniform auch im Fernsehen zu tragen. Das vermute ich zumindest mal. Egal. Soooooo süss!
Hat Charme, diese leicht unbeholfene Bossa-Version der Dietrich, angereichert mit einer frankophilen Akkordeoneinleitung. Für mich ein heimlicher Favorit unter allen Coverversionen.
Eine Version, die einen besonders nachdenklich macht. Nicht, weil Sam Cooke das Lied in phrasiertem Soul wiedergegeben hat. Sondern weil er nicht mehr erleben konnte, wie die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung Wirkung zeigte und die Afroamerikaner rechtlich gleichgestellt wurden. Cooke wurde am 11. Dezember 1964 von einer weissen Motel-Besitzerin erschossen, angeblich aus Notwehr. Ob das der Wahrheit entspricht, ist bis heute «blowin’ in the Wind».
Auch die zart besaitete Singer-Songwriterin hat das Lied ihrer Grossväter schon gezupft. In unseren Ohren, ganz ehrlich, die Eierlikör-Version von «Blowin’ in the Wind». Oder haben Sie die Geduld, das Video ohne Alkohol bis zum Ende anzuschauen?
Neulich, bei David Letterman: Bobs Sohn singt den Redemption Song das Lied des andern Bob.
Ach, und wer sich für den nächsten Lagerfeuerabend fitmachen möchte, der findet hier eine Fingerpicking-Anleitung für «Blowin’ in the Wind». Wir hätten dann gerne ein Filmchen von Ihrer Version! Andere Lieblingscoverversionen: Wir nehmen wie immer gerne Ihre Kommentare entgegen.
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