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von Dr. David Weiss
Männer und Frauen haben oft unterschiedliche Präferenzen bei der Partnerwahl. Wie können solche Unterschiede in der Partnerpräferenz zwischen Männern und Frauen erklärt werden? Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze für dieses Phänomen.
Eine populäre Erklärung bietet der evolutionspsychologische Ansatz. Dieser geht davon aus, dass wir in unserer evolutionären Entwicklung geschlechtsspezifischen reproduktiven Zwängen ausgesetzt waren, die zu Unterschieden in der Partnerpräferenz zwischen Männern und Frauen geführt haben. Unsere Partnerpräferenzen, also das was wir bei potentiellen Partnern attraktiv finden, ist demnach durch die evolutionäre Entwicklung in unseren Gehirnen „festgeschrieben“. Weiter wird davon ausgegangen, dass angesichts der Tatsache, dass Frauen Kinder zur Welt bringen und Männer ihnen dabei helfen müssen diese aufzuziehen, Frauen und Männer unterschiedliche Eigenschaften beim anderen Geschlecht bevorzugen. Demnach würden Frauen Partner bevorzugen, die Macht, Status und Ressourcen (z.B. Vermögen) besitzen, also Eigenschaften, die für das Aufziehen von Nachkommen zuträglich sind. Männer dagegen würden eher Partnerinnen bevorzugen, die attraktiv und fruchtbar erscheinen, sowie Eigenschaften zum erfolgreichen Aufziehen von Nachkommen vorweisen (z.B. adäquate Fähigkeiten in Haushalt und Küche).
Ein anderer Ansatz hingegen, stellt die Rolle von gesellschaftlichen Faktoren zur Erklärung von Partnerpräferenzen in den Mittelpunkt. Demnach sollten die oben genannten Unterschiede zwischen Männer und Frauen in der Partnerwahl dann besonders stark ausgeprägt sein, wenn sie in Gesellschaften leben, in denen kaum Gleichberechtigung herrscht. Im Gegensatz dazu sollten die Unterschiede zwischen Männer und Frauen in solchen Gesellschaften besonders klein sein, die sich durch einen hohen Grad an Gleichberechtigung auszeichnen. Es wird davon ausgegangen, dass Geschlechtsunterschiede in der Partnerwahl auf die Verteilung von und dem Zugang zu Ressourcen (z.B. Bildung, Vermögen) zurückzuführen sind. Diese Idee - dass die ungleiche Stellung der Geschlechter in der Gesellschaft vorhersagt, was Männer und Frauen bei potentiellen Partnern attraktiv finden - wurde von Marcel Zentner und Klaudia Mitura von der University of York in Grossbritannien erforscht. Dazu verglichen die Wissenschaftler in zwei Studien den Zusammenhang zwischen geschlechtsabhängigen Statusunterschieden und Partnerpräferenzen zwischen verschiedenen Ländern. In einer ersten Studie befragten Zentner und Mitura 3177 Personen aus 10 Ländern mit niedrigen (z.B. Finnland) und hohen (z.B. Türkei) geschlechtsspezifischen Unterschieden in Bezug auf die Gleichstellung von Frauen und Männern. Diese strukturellen Unterschiede zwischen Frauen und Männern in einem Land wurden durch den Global Gender Gap Index (GGI) erfasst. Die Forscher fanden heraus, dass geschlechtsspezifische Präferenzen in der Partnerwahl, wie sie der evolutionspsychologische Ansatz vorhergesagt, in den Ländern am stärksten ausgeprägt sind, in denen es die grössten Unterschiede in der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen gibt. Dagegen gab es in Ländern in denen Frauen und Männer die gleichen Rechte besassen, kaum geschlechtsspezifische Präferenzen in der Partnerwahl. Demnach ist die Präferenz der Frauen für Partner mit Macht, Status und Ressourcen auf eine relative Benachteiligung dieser Frauen zurückzuführen. Haben Frauen in etwa die gleichen Rechte wie Männer, werden Attraktivität und Aussehen auch für Frauen zentral in der Partnerwahl. Diese Ergebnisse konnten in einer zweiten Studie mit 8953 Teilnehmenden aus 31 Ländern bestätigt werden. Zentner und Mitura gehen davon aus, dass die zunehmende Gleichstellung der Geschlechter geschlechtsspezifische Unterschiede in der Partnerwahl reduzieren wird. Diese Erkenntnisse lassen Zweifel an der bisher verbreiteten Erklärung aufkommen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Partnerwahlpräferenzen auf evolutionsbedingte Unterschiede in männlichen und weiblichen Gehirnen zurück zu führen sind. Diese Befunde deuten darauf hin, dass evolutionspsychologische Einflüsse nicht unsere Präferenzen und Einstellungen, sondern unsere Anpassungsfähigkeit geformt haben: d.h. die Fähigkeit, unsere Verhaltensweisen und Einstellungen relativ schnell zu ändern und optimal an kontextuelle und gesellschaftliche Veränderungen anzupassen.
Quelle: Zentner, M., & Mitura, K. (2012). Stepping Out of the Caveman’s Shadow: Nations' Gender Gap Predicts Degree of Sex Differentiation in Mate Preferences. Psychological Science, 23, 1176–85. doi:10.1177/0956797612441004
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.