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Historie
Oberkirch wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1036 erwähnt. Das will nicht heissen, dass der Ort nicht noch älter ist, denn die Ersterwähnung setzt doch schon eine gewisse Entwicklung voraus. Die noch gut erhaltenen Grundmauern der 1975 abgebrochenen alten Kirche (die vierte auf dem gleichen Platze) deuten nach Struktur und Stärke sowie der Beschaffenheit des Bodens laut Befund der Archäologen auf ein vorkarolingisches Gotteshaus. Es dürfte ins 8./9. Jahrhundert zurückgehen.
Etwa 400 vor Christus wurden die Siedler von den aus dem Norden kommenden Helvetiern (einem Keltenstamm aus der Rhein-Donaugegend) unterworfen und verdrängt. Diese liessen sich im Mittelland nieder. Sie wohnten in Einzelhöfen und Weilern, an Seen und Flüssen. Aus dieser Zeit gibt es Funde von Gräbern und Münzen, so auch beim Unterhof in Oberkirch. Damals führte eine bedeutende Handelsstrasse von Westen her durch unsere Gegend und zog sich nach Süden hin weiter.
Im Jahre 58 vor Christus kamen die Helvetier unter die Herrschaft der Römer. Römische Siedler liessen sich in unseren Flusstälern nieder. Sie bauten vor allem Landhäuser. Durch Sursee, das eine ansehnliche Siedlung geworden war, führte eine der ältesten Strassen. Sie kam von Aventicum im Westen her und zog sich weiter über Schenkon (Römerstrasse, Römerhüsli), Eich, Kirchbühl, Sempach, Rothenburg nach den Alpen hin. In Sursee wie in Oberkirch (Wyberlist) fand man Gebäuderesten und Münzen und in Ifflikon einen Opfertisch. In St. Margrethen zwischen Oberkirch und Nottwil gibt es noch heute einen sogenannten Römerhügel. Die alte Brücke über die Sure wird auch Römerbrücke genannt.
Die Alemannen, die über den Rhein in unser Land eindrangen, setzten der römischen Herrschaft ein Ende. Sie nahmen die römischen Orte in ihren Besitz. Das Christentum, das unter den Römern Eingang gefunden hatte, wurde wieder vernichtet. Die Alemannen wohnten in einzelnen, weit auseinander liegenden Höfen. Alemannengräber wurden unter anderem auch beim Unterhof in Oberkirch gefunden. Im Jahre 451 überrannte Attilas grausames Hunnenheer aus dem Osten (Innerasien) unsere Gegend.
Etwa zur gleichen Zeit kamen die Burgunder in die Westschweiz. Sie wanderten weiter ostwärts. Um 490 stand die ganze Schweiz unter der Herrschaft der Franken. Merowinger- und Karolingerkönige regierten. Das Christentum wurde wieder verbreitet. Die hiesige Gegend kam bei der Teilung des Reiches Karls des Grossen (843) zu Klein-Burgund. Bei der Landzunge zu Mariazell wurden Reitersporen, Schlüssel und Eisenmesser aus dieser Zeit gefunden.
Die Grafen und Ritter auf ihren Burgen erhielten von den Königen und Herzögen grosse Lehen. Bekannte Geschlechter in unserem Lande waren die Lenzburger, die Kyburger und die Habsburger.
Die Lenzburger hatten ihren Stammsitz im Aargau und verfügten im 11. Jahrhundert in und um Sursee über verschiedene grosse Besitzungen, auch über eine "obere Kirche" und einen "oberen Hof". Die älteste bisher vorgefundene Urkunde erwähnt Sursee und zugleich Oberkirch und ist datiert vom Jahre 1036.
Damals regierte Graf Ulrich V. von Lenzburg, genannt der Reiche. Sein Sohn Heinrich war Probst zu Beromünster. Ulrich vergabte laut dieser Urkunde seine Besitzungen in Sursee (so wurde damals die ganze Gegend genannt) an das Gotteshaus Beromünster, so auch die "obere Kirche" (ecclesia superior) samt einem dazugehörenden Hofe. Die Vergabung sollte aber nicht dem Stifte eigentümlich, sondern einem jeweiligen Kastvogt zugehörig sein. Er bestimmte zugleich, dass sein Enkel, Graf Arnold IV., nach dem Tode seines Sohnes Heinrich die Kastvogtei erhalten sollte.
Dieser "obern Kirche" hat sicher eine "untere" entsprochen, welche aber wahrscheinlich beim Bau der "obern" nicht mehr existierte, da sie in keiner Urkunde erscheint. Es war ohne Zweifel die im Jahre 1941 ausgegrabene Kirche bei Mariazell am See (Entstehung vermutlich im 5./6. Jahrhundert). Sie war schon vor 1036 beim Steigen des Sees entweder überflutet oder abgebrochen worden. Sie war eine Gau- oder Talkirche, ein Zentrum des christlichen Lebens für die ganze Gegend, für die umliegenden Seegebiete und Höhenzüge. Der Wasserstand des Sees muss während vieler Jahrhunderte ziemlich konstant gewesen sein, bis er aus unbekannten geologischen Ursachen rasch zu steigen begann und die Kirche am unteren Ende des Sees überflutete. Direkte urkundliche Erwähnungen dieses ausgegrabenen Gotteshauses konnten nicht aufgefunden werden. Nur die Volkssage weiss von einer an dieser Stelle versunkenen Kirche zu berichten, deren Glocken Sonntagskinder am Karfreitag hören können. Nach ihrem Verschwinden wurde eine neue Kirche nahe beim Abfluss der Sure etwas südlich auf erhöhtem Gelände erbaut. Sie hat dann die Aufgabe der versunkenen Kirche übernommen und wurde "obere Kirche" geheissen. Diese "obere Kirche" hat der Dorfsiedlung den Namen Oberkirch gegeben.
Ein Teil von Oberkirch war durch die Vergabung des Grafen Ulrich von Lenzburg an den Stift Beromünster gekommen und bildet zusammen mit Ey, Nottwil und Sigerswil das sogenannte Eyamt. Es war bis in die neuere Zeit ein Teil des Michelsamtes oder der Landvogtei Beromünster.
Die Grafen von Lenzburg wurden nach 150jähriger Regierungszeit im Jahre 1173 von den Kyburgern abgelöst, deren Stammburg in der Nähe von Winterthur liegt. Sie waren unter anderem die Gründer des Städtchens Sursee. 1278 kamen Sursee und Umgebung unter die Habsburger, die ihr Schloss im Aargau hatten und zur Königswürde gelangt waren. Sursee erhielt 1299 von König Albrecht I. das Stadtrecht. Es wurde schon 1256 als befestigter Platz (munitia) erwähnt und besass seit 1369 ein Markthaus.
1420 kaufte die Stadt Luzern den Surseern das Michelsamt ab und setzte Vögte (Twingherren) über seine Verwaltungsbezirke ein. Das Michelsamt war um diese Zeit eine der sechs grossen Vogteien des Stadtstaates Luzern. "Rät und Hundert" (Kleiner und Grosser Rat) gab es schon damals, aber Regierungsämter waren nur den Patriziern vorbehalten. Die Twingherrschaft über Oberkirch wurde meistens von Surseer Ratsherren ausgeübt.
Nach dem 30jährigen Krieg (1618 bis 1648) in Deutschland gab es auch in der Schweiz arge Krisenzeiten. Die Bauern mussten hohe Steuern und Zinsen leisten. Die Agrarpreise sanken. Dazu hatte auch eine neue Münzordnung mit schlechtem und falschem Geld aus Italien und Frankreich beigetragen. Das Volk war in soziale Klassen gespalten: Landvolk gegen die Städter (Patrizier). Die Folge war ein schwerer Bürgerkrieg (Bauernkrieg 1653) zwischen den Untertanen auf dem Land und den Herren in den Städten. Der Aufstand begann im Entlebuch, dessen Sonderrechte von der Luzerner Regierung stark beschnitten worden waren, und griff auf das Emmental über.
Bis 1798, als die Franzosen hereinbrachen, waren die gnädigen Herren zu Luzern die allmächtigen Herrscher. Die Helvetik setzte dem aristokratischen Regiment ein Ende. Die politischen Kämpfe in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten zum Bundesstaat von 1848, der die bis heute gültige Ordnung brachte, Grundlage unseres freiheitlichen, demokratischen, sozialen Rechtsstaates.
Die Schreibweisen für Oberkirch
Die Schreibweisen für Oberkirch lauteten: