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Der Klimarappen wurde 2005 eingeführt für die Entwicklung von Projekten zum Energiesparen und zur Förderung erneuerbarer Energien. Zu diesen gehört auch eine Produktionsanlage für Biogas in Inwil, die zu den führenden Europas zählt.Dieser Inhalt wurde am 08. September 2008 - 08:28 publiziert
"Ohne den Beitrag der Stiftung Klimarappen hätte dieses Projekt wohl nie realisiert werden können", erklärt Christoph Eggerschwiler, Verantwortlicher der Firma Swiss Farmer Power, und präsentiert stolz seine Anlage in Inwil im Kanton Luzern. Mit gutem Grund: Es ist die grösste Produktionsanlage für Biogas in der Schweiz.
Ab Mitte November soll das Unternehmen rund 2 Mio. Kubikmeter Gas pro Jahr liefern. Es wird aus der Gärung von pflanzlichen Abfällen aus der Landwirtschaft, dem Gartenbau, Küchenresten, Dung und Jauche gewonnen.
"In dieser Biomasse gibt es ausschliesslich organische Abfälle", sagt Eggerschwiler. "Um der Problematik der weltweiten Nahrungsknappheit Rechnung zu tragen, benutzen wir keine Landwirtschaftsprodukte, die noch für die Herstellung von Nahrungsmitteln dienen könnten."
Nach der Vergärung, die durchschnittlich drei Wochen dauert, wird die ganze Biomasse rezykliert und wiederverkauft als Konzentrat aus Stickstoff und Wasser, das als Dünger dient.
Konkurrenzfähige Energie
Die Anlagen von Swiss Farmer Power in Inwil haben 18 Mio. Franken gekostet. Sie wurden von 72 Landwirten der Region finanziert, die 36% des Kapitals des Unternehmens halten, ausserdem durch Energie und Wasser Luzern (EWL) und durch die Landwirtschaftsgruppe Fenaco.
Die Aktionäre geben sich überzeugt, die Früchte ihrer Investitionen im Lauf der nächsten Jahre ernten zu können. Dank 60'000 Tonnen verarbeitete Biomasse jedes Jahr dürfte das Unternehmen einen jährlichen Umsatz von 4 Mio. Franken realisieren. Das Biogas wird von EWL zum Preis von 1,5 Mio. Franken weiterverkauft. Dies entspricht einem Franken pro Liter Benzin.
"Es handelt sich um die einzige Form von erneuerbarer Energie, die zu einem tieferen Preis verkauft werden kann als traditionelle Energieformen, wozu auch die fossilen Brennstoffe gehören. Die Sonnenenergie zum Beispiel kostet heute noch bedeutend mehr als die marktübliche Elektrizität", unterstreicht Stephen Marty, Direktionsmitglied von EWL.
Mit dem in Inwil produzierten Biogas können rund 2000 Autos durchschnittlich 12'000 Kilometer pro Jahr und Fahrzeug fahren. Damit können 2 Mio. Liter Benzin oder Diesel gespart und die CO2-Emissionen um 90% reduziert werden.
3000 weitere Projekte
Es ist kein Zufall, dass das Luzerner Unternehmen zu den zahlreichen Projekten gehört, die von den Subventionen des Klimarappens profitieren. Die Stiftung Klimarappen wurde 2005, nach einem Abkommen zwischen der Regierung und vier Wirtschaftsverbänden, mit der Auflage gegründet, einen nachhaltigen Beitrag zum Kampf gegen die Treibhausgase zu leisten.
Finanziert wird der Klimarappen durch eine Abgabe von 1,5 Rappen pro Liter importiertes Benzin oder Diesel. Die Stiftung verfügt über ein jährliches Budget von 100 Mio. Franken. Das Geld wird für Projekte im In- und Ausland verwendet. Das Ziel dabei ist immer, die CO2-Emissionen zu senken.
Im Lauf der vier nächsten Jahre können damit 3000 Projekte in der Schweiz unterstützt werden, die Energiesparprogramme in Gebäuden, bei Holzheizungen, bei der Wiederverwertung von industrieller Abwärme, bei geothermischen Pumpen oder Fernheizungen entwickeln.
In Schattdorf im Kanton Uri können Holzheizanlagen ab Oktober 1,2 Mio. Liter Heizöl in den Anlagen von Ruag und Dätwyler einsparen, wo über 1000 Personen arbeiten.
Neuer Ansporn
Nachdem Energiesparmassnahmen und die Entwicklung von erneuerbaren Energien in der Schweiz in Schwung gekommen sind, haben sowohl der Klimarappen als auch die Erhöhung der Benzinpreise in letzter Zeit Initiativen von Unternehmen und Privaten stimuliert.
Die Aktivitäten der Stiftung werden dennoch mit einer gewissen Skepsis beobachtet, sowohl von Rechts wie von Links des politischen Spektrums. Während die Schweizerische Volkspartei (SVP) den Klimarappen für überflüssig hält, so kritisieren die Grünen, er sei ungenügend, eher eine Alibiübung der Regierung und der Wirtschaft, um die Einführung einer CO2-Abgabe und eine griffige Umweltschutzpolitik zu hintertreiben.
Die Verantwortlichen der Stiftung weisen diese Kritik zurück und zeigen sich zuversichtlich, dass es ihnen gelingen wird, die Nützlichkeit des Klimarappens im Lauf der nächsten Jahre unter Beweis zu stellen.
"Laut dem Auftrag der Regierung sollte der Klimarappen zwischen 2008 und 2012 zu einer Reduktion von einer Million Tonnen CO2 führen", erklärt Hans-Luzius Schmid, Mitglied des Stiftungsrats. "Bei den laufenden Projekten sollten wir auf 2,3 Mio. Tonnen kommen, wir glauben sogar, eine Reduktion von 3 Mio. zu erreichen. Dieses Instrument spielt eine wichtige Rolle beim Erreichen der Ziele von Kyoto."
swissinfo, Armando Mombelli
(Übertragung aus dem Französischen: Susanne Schanda)
Kyoto-Protokoll
Mit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls verpflichtet sich die Schweiz, ihre CO2-Emissionen zwischen 2008 und 2012 um mindestens 8% im Vergleich zu 1990 zu reduzieren.
Die Schweiz sieht folgende umweltpolitische Massnahmen vor:
Die Abgabe von 1,5 Rappen für jeden Liter Benzin oder Diesel, der in die Schweiz importiert wird.
Eine CO2-Abgabe auf fossilen Treibstoffen.
Der Kauf von Emissionszertifikaten im Ausland.
Steuererleichterungen für Biotreibstoff.
Programme zum Energie sparen und für die Entwicklung von erneuerbaren Energien.
Falls diese Massnahmen nicht genügen, könnte eine CO2-Abgabe auch auf fossilen Treibstoffen erhoben werden.
Klimarappen
Die Stiftung für einen Klimarappen wurde 2005 aufgrund einer Vereinbarung zwischen der Regierung und vier Wirtschaftsverbänden gegründet.
Die Stiftung engagiert sich für die Reduktion von 9 Mio. Tonnen CO2-Emissionen in der Zeit von 2008 bis 2012.
Um dieses Ziel zu erreichen, verteilt die Stiftung jährlich 100 Mio. Franken. Diesen Betrag erhält sie durch die Abgabe von 1,5 Rappen auf jedem Liter Benzin oder Diesel, der in die Schweiz importiert wird.
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