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Kein "Linux-Bann" für Novell, aber Anti-Pakt-Klauseln in der GPL v3.
Am späten Freitag-Abend warf ein 'Reuters'-Bericht einige Wellen in der internationalen Online-IT-Presse. Die Free Software Foundation, so stand darin, wolle Novell wegen des kürzlich vereinbarten Pakts mit Microsoft
, falsch.
Er sei zwar absolut korrekt zitiert worden, so Moglen. Der Journalist habe aber seine Zitate durch die überspitzte Einleitung in einen falschen Zusammenhang gestellt. Moglen hatte gegenüber 'Reuters' den Pakt kritisiert und erklärt, dass die FSF, auch auf Wunsch der Open Source-Community, etwas dagegen unternehmen wolle. Der Journalist scheint aber falsch verstanden zu haben, was die Massnahme, welche die FSF ergrifen will, bewirken könnte..
Diese, so ist anzunehmen, würde ja durchaus gerne ein "Linux-Verkaufsverbot" gegen Novell aussprechen, oder präziser gesagt per Gerichtsbeschluss erwirken – wenn sie es könnte. Dazu hat die FSF aber gar keine Handhabe. Denn der Linux-Kernel und andere Open Source-Software, die Novell heute im Rahmen seiner SUSE-Linux-Distribution vertreibt, steht hauptsächlich unter der Open Source-Lizenz "GPL v2". Und diese, so mussten die FSF-Leute inzwischen feststellen, wird vom Abkommen zwischen Microsoft und Novell nicht verletzt.
Trotzdem möchte die FSF etwas gegen den Microsoft-Novell-Deal und auch ähnliche Deals zwischen anderen Unternehmen tun, wie Moglen klarstellte. Ihre "Waffe" wird dabei die GPL v3 sein, die kommende Version der "GNU General Public License", bei deren Ausarbeitung die FSF federführend ist. In diese sollen Klauseln integriert werden, die solche Abkommen für GPL v3-Software verhindern. Moglen hatte diese Absicht schon letztes Jahr angedeutet, inzwischen scheinen die Pläne aber konkreter geworden zu sein.
FSF-Mitgründer Richard M. Stallman meinte kürzlich, dass man eigentlich noch Glück gehabt habe mit dem Timing: "Wie es scheint, war es sogar gut, das Microsoft das gerade jetzt getan hat. Wir haben festgestellt, dass der bisherige Entwurf für die GPL v3....dies nicht abgeblockt hätte. Jetzt werden wir sicherstellen, dass dies in der Endversion der Fall sein wird."
Dies würde immer noch keinen "Bann" gegen Novell bedeuten, könnte aber für Novell und Microsoft das Leben deutlich schwerer machen, falls die FSF diese Klauseln durchsetzen kann. Ob der Linux-Kern je selbst unter die neue GPL-Version gestellt wird, ist unsicher. Aber viele weitere Open-Source-Tools, die ebenfalls Teil einer kompletten Linux-Distribution sind, sind in der Obhut der FSF. Die FSF wird diese umgehend unter die GPL v3 stellen, sobald sie abgesegnet ist.
Die Klauseln dürfte darauf abzielen, dass Unternehmen, welche GPL v3-Software vertreiben, auf jegliche Klagen gegen Linux-Anwender wegen Verletzung von geistigem Eigentum verzichten müssten. Seit dem Abkommen mit Novell vertreibt auch Microsoft die Linux-Distribution von Novell. Novell müsste also bei alten Versionen dieser Tools bleiben oder sie ohne Unterstützung der Open Source-Gemeinde selbst weiterentwickeln – oder Microsoft müsste die bittere Pille schlucken.
Microsoft und Novell hatten im letzten November unter anderem vereinbart, gegenseitig auf allfällige Klagen, auch gegen Kunden und Partner des andern Unternehmens, zu verzichten, wobei beide Seiten einen bestimmten Betrag dafür zahlten. Dieses "Stillhalteabkommen" und vor allem die von Novell an Microsoft bezahlte Summe, so wurde von grossen Teilen der Open Source-Szene inklusive der FSF kritisiert, bedeute, dass Novell implizit anerkenne, dass Linux geistiges Eigentum von Microsoft verletze. Man befürchtet, dass dies der Anfang einer Prozesswelle von Microsoft gegen Linux-Anbieter und -Kunden sein könnte, die nicht vom Pakt geschützt werden. (Hans Jörg Maron)