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Gasser
Immobilien
Gasser Immobilien
Schon wenige Stunden nach beginn des Experiments konnte an der
installierten Messuhr der Beginn einer Verwölbung abgelesen werden. Die Ränder
der Platte bewegten sich nach oben. Nach etwa zwei Tagen erreichte die Verwölbung
ihr Maximum mit einem Wert von zwei Millimetern Aufwölbung auf einen Meter
Plattenlänge. Die Geschwindigkeit und das Ausmass der Verwölbung waren überraschend.
Das Experiment machte deutlich, dass sich die Platten am Bau noch vor dem Aushärten
des Verlegmörtels an den Rändern ablösen konnten.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts der EMPA wurde das Ausmass der Verwölbung
von zementgebundenen, schwimmenden Unterlagsböden rechnerisch untersucht. Die
numerische Berechnung der Randaufwölbung beim Austrocknen ergab innerhalb
eines praxisrelevanten Streubereichs Werte zwischen 2,1 und 4,2 mm bei einer
Bodenfläche von 2,5 x 2,5 m und Werte zwischen 2,5 und 6,5 mm bei einer Bodenfläche
von 5 x 5 m.
Es zeigte sich, dass die Aufwölbung um so grösser ist, je grösser das
Schwindmass des Unterlagsbodens ist, je grösser seine Festigkeit (E-Modul) ist,
je dünner der Unterlagsboden und je weicher die darunterliegende Dämmschicht für
Trittschall oder Wärmedämmung ist.
Von diesen Parametern hat das Schwindmass die grösste Bedeutung, weil
es in der Praxis am stärksten beeinflussbar ist. Um das Schwindmass möglichst
klein zu halten, muss der Zementmörtel des Unterlagsbodens mit möglichst wenig
Anmachwasser verarbeitet werden.
Dieses regelwidrige Verhalten ist häufig bei hochsommerlichen
Temperaturen zu beobachten. Für die Bauarbeiter ist der Grund klar. Nach ihrer
Meinung ist wegen der Hitze Anmachwasser verdunstet und muss nachträglich
wieder hinzugefügt werden. Der wahre Grund ist jedoch schwerwiegend. Wegen der
Hitze läuft der Erhärtungsprozess des Zements schneller ab, und das
vermentlich verdunstete Wasser ist bereits mehrheitlich eine chemische
Verbindung mit dem Zement eingegangen. Das nachträglich beigefügte Wasser wird
chemisch nicht gebunden und erhöht das Schwindmass des Unterlagsbodens.
Eine ähnliche Unsitte ist das Nachwässern der Oberfläche des
Unterlagsbodens unmittelbar vor dem Abglätten. Auch dies wird vor allem bei
warmer Witterung praktiziert, oder wenn mit dem Abglätten zu lange gewartet
wurde. Durch Besprühen mit dem Wasserschlauch wird die Oberfläche aufgeweicht
und das Abglätten erleichtert. Dadurch wird das Schwindmass im Oberflächenbereich
lokal erhöht und der Verwölbungseffekt beim Austrocknen verstärkt.
Oft werden Aufwölbungen gar nicht wahrgenommen,
sondern erst deren unangenehmen Folgen. Beispielsweise, wenn der Bauherr etwa
ein Jahr nach Erstellung des Bodens bemerkt, dass die Kittfugen bei den Sockelplättchen
(wie in Bild 2) gerissen sind. Dieses Schadensbild ist häufig, und die
Meinungen über die Schadensursache gehen oft auseinander. Typische Argumente
sind beispielsweise eine schlechte Kittqualität oder der Verdacht, die
Fussbodenheizung habe die Dämmplatten zum Schmelzen gebracht, so dass der Boden
am Rand einsank. Auch die Möblierung, die nun einmal häufig entlang den Wänden
erfolgt, wird immer wieder als Verursacher zitiert.
Die eigentliche Ursache besteht in der Regel darin,
dass der Bodenbelag und die Kittfuge zu einem Zeitpunkt ausgeführt wurden, als
die Ränder des Unterlagsbodens nach oben gewölbt waren. Später erfolgte eine
Rückverformung dieser Aufwölbung. Dabei spielt einerseits das Eigengewicht und
die Nutzlast eine Rolle, die an den Bodenrändern eine abwärts gerichtete
Kriechverformung auslösen. Andererseits trocknet der Unterlagsboden im Verlauf
des ersten Jahres auch an seiner Unterseite weitgehend aus. Die daraus
resultierende Verkürzung der Unterseite kann die ursprüngliche Verwölbung
ganz oder teilweise rückgängig machen. Das Zusammenwirken beider Faktoren kann
dazu führen, dass die Rckverformung grösser ist als die ursprüngliche Aufwölbung.
Als Maximalwert sind in der Norm SIA 251 sieben Millimeter zugelassen.
Hierzu ist anzumerken, dass eine Kittfuge beim
Boden-Wandanschluss in der üblichen Breite von etwa zehn Millimeter nicht in
der Lage ist, sich auf 17 Millimeter zu dehnen. Nahc den Regeln der Baukunde
darf für die besten Dichtstoffe mit einer Dehnung von maximal 25 % gerechnet
werden, d.h. eine Rückverformung von sieben Millimetern würde eine Fugenbreite
von 25 bis 30 Millimetern voraussetzen. Das wiederum wird vom Bauherrn aus ästhetischen
Gründen normalerweise nicht akzeptiert. Das Dilemma ist offensichtlich. Eine
Patentlösung gibt es nicht.
In bestimmten Fällen, in denen vom Bauherrn eine
Kunststoff-Sockelleiste akzeptiert wird, kann die Lösung darin liegen, dass
eine Sockelleiste mit integrierter Schiebefuge eingebaut wird. Eintsprechende
Systeme sind auf dem Markt. Wenn es jedoch unbedingt das Sockelplättchen und
die Kittfuge sein müssen, sollte die Kittfuge möglichst spät eingebaut
werden, wenn ein Grossteil der Rückverformung bereits stattgefunden hat. Eine
absolute Sicherheit gibt es dadurch zwar nicht, aber das Schadenrisiko kann
dennoch wesentlich reduziert werden.