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Guy Parmelin, 56, sitzt am Küchentisch seines Hauses in Bursins, einem Dorf zwischen Lausanne und Genf. Seine Frau Caroline, 53, schält Kartoffeln für das Mittagessen. In diesen Tagen sorgt sie nicht nur für die Verpflegung im Hause Parmelin. Sie gibt ihrem Mann auch den letzten Schliff für die Bundesratswahlen am 9. Dezember. «Ich übe mit ihm ein wenig Deutsch», sagt sie.
Niemand ist dafür geeigneter als Caroline Parmelin: Ihr Vater ist Zürcher, ihre Mutter Bayerin. Als Caroline fünf Jahre alt war, zieht die Familie in die Waadt. Sie spricht Schweizerdeutsch, arbeitet als Deutschlehrerin. Für sie ist klar: «Ich sehe, wie hart Guy für die Politik arbeitet. Er ist der Richtige für den Bundesrat. Und er hat Lust auf das Amt.»
Die Vorfahren von Guy Parmelin wohnen seit 1536 als Bauern in Bursins. Auch er macht nach der Matura eine Ausbildung zum Landwirt. Heute bewirtschaftet er den väterlichen Hof zusammen mit seinem Bruder Christophe, 53. Während Guy Parmelin und seine Frau keine Kinder haben, interessieren sich die beiden Söhne des Bruders ebenfalls für die Arbeit auf dem Hof. In den Sommermonaten haben sie zudem einen Angestellten aus Polen.
Auf den Feldern bauen Parmelins Mais, Weizen und Raps an. Daneben besitzen sie einen Rebberg. Die Chasselas-Trauben verkaufen sie, einen kleinen Teil davon lassen sie für Freunde und Familie keltern. Für die Fotografin macht Guy Parmelin eine Flasche vom Vinzel auf, degustiert, stösst mit seiner Frau an. «Am Sonntag nehme ich gerne ein Glas Wein zum Mittagessen», sagt Parmelin. Aber er betont: «Ich trinke nicht jeden Tag Alkohol.» Dennoch gebe es Journalisten, die ihm ein Alkoholproblem andichten wollten, um seine Wahl zu verhindern.
Jetzt, nach der Ernte, müssen die Winzer ihre Reben schneiden. Parmelin zieht den Faserpelz des Tankstellenbetreibers Agrola an, in dessen Mutterkonzern Fenaco er Verwaltungsrats-Vizepräsident ist. Mit dem neuen italienischen Traktor fährt er zum Weinberg. Doch er hat Mühe, den Gang einzulegen. «Neben der Politik bleibt mir nur wenig Zeit für den Hof», sagt er entschuldigend. Die Hauptarbeit macht sein Bruder. Dieser ist zwar stolz, dass Guy vielleicht Bundesrat wird. Aber ganz geheuer ist ihm der Medienrummel nicht. Vater Richard, 79, der mit auf dem Hof wohnt, will ebenfalls nicht viel sagen. «Après», meint er. Nach der Wahl.
Parmelin hingegen weiss genau, wie die Medien funktionieren. Er war Gemeinderat, Kantonsrat, sitzt seit zwölf Jahren im Nationalrat. In der Westschweiz ist er eines der bekanntesten SVP-Gesichter. Ohne mit der Wimper zu zucken, verteidigt er im Fernsehen die Masseneinwanderungsinitiative, kämpft gegen Scheininvalide. Als er der SVP Waadt beitrat, war diese noch eine traditionelle Bauernpartei. Heute politisiert Parmelin treu auf der Linie der Zürcher SVP. Geblieben ist der freundliche Ton. Jovial und redselig gibt er auch Deutschschweizer Journalisten Auskunft, die sich bisher nicht für ihn interessierten.
«Guy Parmelin ist ein politischer Schüler von mir», sagt der Zürcher alt SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi, der zwölf Jahre mit ihm in der Gesundheitskommission sass. Es habe zwar etwas gedauert, bis Parmelin verstand, dass er nun in Bern politisiere. «Aber er hat als Nationalrat an Statur gewonnen.» Bortoluzzi sieht durchaus Chancen für Parmelin, Bundesrat zu werden. «Die Linken wählen ihn, weil sie ihn für eine schwache Persönlichkeit halten.» Bortoluzzi jedoch traut Parmelin eine Entwicklung zu, wie sie Adolf Ogi im Bundesrat machte.
Guy Parmelin ist kompetent und angenehm
Parmelin hat nicht nur die Unterstützung vieler Linker, auch die rund 30 Bauern im Parlament dürften für ihn stimmen. Als dritter Westschweizer im Bundesrat würde er jedoch manchem Romand vor der Sonne stehen, der dereinst ebenfalls in die Regierung will. Auch alt Bundesrat Pascal Couchepin, 73, kämpfe gegen Parmelin, schrieb die «Basler Zeitung». Couchepin weist den Vorwurf zurück: «Das ist ein Manöver jener SVP-Vertreter, die Thomas Aeschi in die Regierung bringen wollen.» Er mische sich nicht in die Wahl ein, sagt er. Und fügt an: «Guy Parmelin ist kompetent und angenehm.»
Zurück vom Weinberg, erwartet ihn in der Küche der Duft von Kartoffelgratin mit Käse. Parmelin zieht das Übergwändli aus und setzt sich wieder an den Küchentisch. Nach dem Essen muss er die Anhörungen bei den anderen Parteien vorbereiten. Kann er die Wahl gegen den Deutschschweizer Aeschi und den Tessiner Norman Gobbi gewinnen? Guy Parmelin ist schlau, bauernschlau. Und kennt die einzig richtige Antwort: «Ich stelle keine Rechnungen an.» Doch Parmelin weiss genau: Er hat die Chance, Bundesrat zu werden. Diese Chance will er nutzen.