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23.02.2012 10:13
Vor ein paar Tagen veröffentlichte das Bundesamt für Strassen (ASTRA) die ersten Ergebnisse der Testphase der sogenannten Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen (AGK), die seit letztem Jahr auf zwei Schweizer Autobahnabschnitten getestet wurden. Die Testergebnisse bestätigen die Tendenz in den mit einer ähnlichen Technologie ausgestatteten anderen europäischen Ländern: es handelt sich um ein effizientes System, das die Anzahl der Geschwindigkeitsübertretungen reduziert und zur Verkehrssicherheit beiträgt.
Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen: was ist das eigentlich?
Bei den Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen (AGK) handelt es sich um ein modernes System zur Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit eines Fahrzeugs auf einer bestimmten Strecke. Das System registriert nicht die punktuellen Geschwindigkeitsüberschreitungen wie sie z.B. von einem Radar gemessen werden, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit, die sich aus der Berechnung einer durchfahrenen Strecke pro Zeit ergibt. Jedes Fahrzeug wird zweimal pro Abschnitt erfasst und sein Kontrollschild aufgenommen: das erste Mal, wenn er in den Kontrollabschnitt einfährt und das zweite Mal, wenn er ihn wieder verlässt. Wenn die berechnete Durchschnittsgeschwindigkeit die vorgegebene Geschwindigkeitsbeschränkung überschreitet, begeht der Fahrer eine Ordnungswidrigkeit. Nur in diesem Fall werden die Daten des Fahrzeugs gespeichert.
Diese Geschwindigkeitskontrollsysteme sind im europäischen Ausland schon seit Jahren im Betrieb, mussten aber, um in der Schweiz rechtsgültig zu sein, mit einer innovativen Technologie ausgerüstet werden: in Italien oder Holland kann die Durchschnittsgeschwindigkeit mehrere Tage nach dem Vorfall berechnet werden, in der Schweiz liegt das Ergebnis in Sekundenbruchteilen vor. Die ersten Anlagen wurden in 2011 versuchsweise in den Kantonen Basel-Land und Waadt installiert.
Die Vorteile der Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen
Die AGK sind ein völlig automatisches System, das für sein Funktionieren keinen menschlichen Einsatz benötigt. Sie ermöglichen die Geschwindigkeitsmessung über eine Strecke von mehreren Kilometern und sind so eine effiziente Alternative zu der immer grösseren Dichte der Radarpunkte auf unfallträchtigen Autobahnstrecken.
Die verwendete Technologie ermöglicht ausserdem die gleichzeitige Erfassung von mehreren Fahrzeugen, aber auch die Erkennung des Fahrzeugtyps im Kontrollabschnitt, so dass verschiedene Toleranzgeschwindigkeiten pro Fahrzeugtyp angewendet werden können.
Dieses System hat für die Verkehrsteilnehmer gewisse Vorteile: da es die Durchschnittsgeschwindigkeit des Fahrzeugs misst, ermöglicht es eine Senkung der Anzahl der Bussen für kurze, geringere Geschwindigkeitsüberschreitungen, wie sie zum Beispiel bei Überholvorgängen vorkommen. Ausserdem wird vermieden, dass die Autofahrer nur bei den Kontrollpunkten langsamer fahren. Wem ist es noch nicht passiert, dass er beim Erkennen einer Radarkontrolle stark abbremsen musste, da er schneller als erlaubt fuhr? Die neuen Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen beugen diesem Phänomen vor, das nicht nur den Verkehrsfluss behindert (und den altbekannten « Akkordeon-Effekt » verursacht), sondern auch eine potenzielle Ursache für Verkehrsunfälle ist.
Die AGK in der Schweiz : erste Resultate
Die AGK haben in den Ländern, wo die Anlagen installiert sind, vor allem in Österreich und in Italien, ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt. In allen betroffenen Ländern konnte ein Rückgang an Geschwindigkeitsüberschreitungen und Unfällen verzeichnet werden. Die Schweiz macht keine Ausnahme, was die überhöhten Geschwindigkeiten betrifft: auf den AGK kontrollierten Strecken wurden generell weniger Fahrzeuge geblitzt. Es konnten - je nach Strecke und Fahrzeugtyp - Rückgänge bis zu 60% verzeichnet werden. Personenwagen hielten sich am besten an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Das ASTRA gibt an, dass auch die Unfallzahl rückgängig sei. Allerdings muss das Verkehrsgeschehen erst über einen längeren Zeitraum statistisch erfasst werden, bevor man echte Schlussfolgerungen zu diesem Thema ziehen kann.
Die AGK-Technologie ist also bewiesenermassen ein wirksames Mittel zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Laut dem Bundesamt für Strassen ist allerdings die Installation weiterer AGK-Anlagen vorerst nicht geplant. Zwar bleiben die bestehenden Anlagen bis auf weiteres in Betrieb, doch hängt die Einführung von zusätzlichen Anlagen von der Analyse der Testresultate und den technischen Anforderungen der möglichen Standorte ab. Eine Entscheidung darüber wird im Laufe dieses Jahres getroffen werden.
Weitere Informationen über die Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen finden Sie auf der offiziellen Webseite des Bundesamts für Strassen.
Geschwindigkeitsüberschreitung und Versicherungsdeckung
Ganz gleich, welches System bei der Kontrolle und Registrierung verwendet wird : eine hohe Geschwindigkeitsüberschreitung stellt eine Grobfahrlässigkeit im Sinne des Strassenverkehrsgesetzes dar. Dieser Umstand kann dazu führen, dass Ihr Versicherer im Schadensfall die im Vertrag vorgesehene Leistungszahlung reduzieren oder sogar verweigern kann. Das kann schwerwiegende finanzielle Folgen haben, vor allem, wenn beim Schadensereignis Drittpersonen verletzt worden sind. Doch ist es bei Zahlung einer höheren Prämie möglich, einen « Verzicht auf Regress » im Falle einer Grobfahrlässigkeit in seine Versicherungspolice aufzunehmen (z.B. bei Trunkenheit am Steuer oder wenn man unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss steht). Der Versicherer deckt Sie dann auch bei Grobfahrlässigkeit. Zwar ist diese Deckung sehr nützlich und empfehlenswert, doch ersetzt sie keinesfalls die Vorsichtspflicht des Lenkers ! Weitere Informationen zum Thema Grobfahrlässigkeit und die verschiedenen Deckungen bei einer Autoversicherung finden Sie auf unserer Internetseite.
Quelle: vergleich-autoversicherung.ch, Februar 2012
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