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Ich wurde 1943 als erster von zwei Söhnen von Sisi Bolliger, 1916-2010 und Hans Bolliger, 1915-2002, geboren. Der Vater, Sohn eines Schreiners, war ursprünglich Buchhändler, dann Sammler und Bio- und Bibliograph für Monographien moderner Kunst. Er kannte viele Künstler seiner Zeit und in unserer Wohnung hingen Originale von Max Ernst, Arp, Kirchner und Picasso. Einmal war sogar Hans Arp bei uns zum Kaffee, was mich als kleinen Jungen ungemein beeindruckte. Die Eltern liessen sich scheiden. Wir Buben blieben bei der Mutter und der Vater zog nach Bern, wo er viele Jahre bei Kornfeld arbeitete, bevor er mit seiner zweiten Frau und einer kleinen Tochter zurückkehrte und eine Kunsthandlung eröffnete.
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Während andere Kinder draussen spielten, verbrachte ich meine Zeit hauptsächlich mit Zeichnen und Malen. Ich wollte Grafiker werden, lernte den Beruf an der Zürcher Kunstgewerbeschule und schloss meine Ausbildung 1964 ab. Danach arbeitete zwei Jahre in Genf und zwei Jahre in Paris. In der Freizeit habe ich viel gezeichnet und gemalt, der Beruf stand aber im Vordergrund. Nach Paris war ich für drei Jahre in Zürich und anschliessend war ich von 1971 bis 1973 in Karachi im "Pakistan Design Center" einem Joint Venture, als Experte. Dort begegnete ich meiner Frau Heidi, die als Sekretärin des Generalkonsuls tätig war. Gemeinsam kehrten wir zurück nach Zürich. 1975 heirateten wir, 1978 machte ich mich als Grafiker selbständig, 1980 und 1983 wurden Dominik und Adrian geboren. Beruf und Familie hielten mich auf Trab und es fehlte Zeit und Energie, zu Zeichnen oder zu Malen.
Die Söhne sind ausflogen und vor 12 Jahren entdeckte ich Ebay, zunächst auf der Suche nach Hinterglasbildern, dann aber ausschliesslich auf Art Brut fokussiert. Ich stiess dabei auf Jaber al-Mahjoub. Seine Malereien packten mich und ich begann zu sammeln, sozusagen in den Fusstapfen meines Vaters. Bald folgte ein für Google unbekannten Künstler,
Ernst Kolb, dessen Zeichnungen mich so sehr begeisterten, dass ich ihn auf Wikipedia einem breiteren Publikum vorstellen wollte. Aus urheberrechtlichen Gründen konnten seine Zeichnungen dort nicht gezeigt werden. Darum beschloss ich 2012, meine eigenen Zeichnungen im Internet vorzustellen, eignete mir dafür das notwendige Wissen an und und richtete die Seite ein, auf der Sie sich hier befinden. Die Seite hält mich seither in Atem – eine wunderbare Beschäftigung, weil sie mich weltweit mit Leuten verbindet, die meine Freude an Aussenseiterkunst teilen. Webseite, Facebook, Istagram und Pinterest sind für mich gewissermassen das Tor zur Welt geworden. Unter dem Titel "Meet the Collector" publiziert Jenniver Laureen, die umtriebige englische Galeristin aus Manchester, welche ich in Paris an der Outsider Art Fair getroffen habe, auf ihrer Webseite Portraits verschiedener Sammler und ich hatte das grosse Glück und mir fiel die Ehre zu, unter viel bedeutenderen Sammlern auch mit einem Beitrag vertreten zu sein.
Neben meiner Beschäftigung mit Aussenseiterkunst habe ich selber nach jahrzehntelanger Pause wieder zu zeichnen begonnen. Nicht mehr aus dem Kopf wie die narrativen Zeichnungen der jungen Jahre. Als Teilnehmer von zwei Gruppen, die gemeinsam Akt Zeichnen, macht es mir grossen Spass, mehrere kurze Posen (jeweils 1 bis 3 min.) nacheinander, oder lange Posen (15 min) aus verschiedenen Winkeln linear mit Filzstift auf dem selben Blatt festzuhalten. Inzwischen gibt es Stapel von Zeichnungen und deshalb biete ich sie zum Kauf an. Neben den Werken anderer Künstler, sind meine eigenen frühen Arbeiten für mich selber ansprechend oder "gültig" geblieben: sie versetzen mich zurück in frühere Jahre. So beschloss ich eines Tages, auf meiner Webseite auch meine eigenen Arbeiten zu zeigen, obwohl ich mich natürlich nicht als einen Art Brut Künstler betrachte...