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Kleine Ponyrassen wie Shetlandponys und Minishettys gelten als sehr robuste, kleine Pferde, die aus natürlicher Selektion entstanden sind. Moderne Neuzüchtungen wie Falabella, American Miniature Horse und Classic Pony hingegen stehen im Verdacht, anfälliger auf gewisse (Erb-)Krankheiten zu sein oder gar einer Qualzucht anzugehören.
Was ist da dran? Das möchte ich hier gerne etwas näher beleuchten.
Züchterisch gesehen gehen alle K-Ponyrassen hauptsächlich auf das ursprüngliche Shetlandpony zurück. Das Minishetty ist zum Beispiel ist einfach nur aus besonders kleinen Exemplaren von Shettys entstanden. Entgegen verschiedener Behauptungen sind auch amerikanische Miniaturpferde eine reine Selektionszucht, die ausschliesslich aus Shetlandponys hervorgeht - es gibt beim reinrassigen AMHA keine bekannten Einkreuzungen von anderen Rassen. Beim American Shetlandpony hingegen wurden auch andere Rassen wie Welsh, Araber und Hackneys eingekreuzt. Auch beim Falabella wurden in geringem Masse Vollblüter zur Verfeinerung verwendet.
Auch die Shetlandponys sind keine rein natürliche Erscheinung. Die Tiere stammten vermutlich von Schottischen Zwergpferden ab und wurden vor 2500 Jahren auf von Pikten auf die Shetlandinseln gebracht. Die Grösse der Inselponys variierte im Laufe der Zeit immer etwas. So waren sie im 8. bis 11. Jahrhundert deutlich grösser, um 1700 aber durchschnittlich wieder unter 1 m gross. Ab etwa 1840 wurden die Ponys in den Bergwerken eingesetzt und gewannen an Bedeutung. Das Zuchtbuch wurde 1890 gegründet und 1971 geschlossen, seither werden Shetlandponys in Reinzucht gezüchtet.
Rassen, die fast ausschliesslich vom Shetlandpony stammen, sind:
- Minishetlandpony
- American Miniature Horse AMHA (geschlossenes Zuchtbuch)
Rassen, die vom Shetlandpony stark beeinflusst wurden:
- American Shetlandpony
- Niederländisches Miniaturpferd NMPRS
- American Miniature Horse AMHR (offenes Zuchtbuch)
- Falabella
- Deutsches Classic Pony
- Mini-Appaloosa (NL, Farbzucht)
- Deutsches Partbred Shetlandpony (eigenes Zuchtbuch für Tigerscheck-Shetlandponys und Ponys im sportlichen Typ, die im Original-Zuchtbuch nicht zugelassen sind. Einkreuzung von NMPRS, British Spotted Pony und Mini-Appaloosa erlaubt)
- In der Schweiz: "Tigerschecke im Shetlandtyp"
Die Antwort auf die Frage, ob Zwergpferde eine Qualzucht sind oder nicht, lautet: Es kommt darauf an.
Shetlandpony und anverwandte Rassen haben grundsätzlich alle ähnliche Probleme, die jedoch bei guter Zucht nach und nach ausgemerzt werden könnten. Die meisten Kleinponys aus seriöser Zucht sind ursprünglich gesund und leistungsfähig. Sie können bei guter Haltung gesund alt werden und bei bis ins hohe Alter unglaubliche Leistung erbringen, egal wie klein sie sind.
Es gibt wie bei allen Spezies, bei denen Rassezucht mit starker Selektion betrieben wird, Erbkrankheiten. Beim Shetlandpony ist das nicht anders. So gibt es auch beim Original Shetlandpony Probleme, die weitervererbt und leider zum Teil dadurch auch verstärkt wurden. Lange Zeit gab es zum Beispiel keine Gentests, die das Dwarf-Gen (Verzwergung) und Skelettativismus nachweisen konnten, was vor allem bei extremen Zwerg-Zuchten wie dem Britischen Minishetlandpony und dem Falabella zu Problemen geführt hat. Auch beim American Miniature Horse war das lange Zeit weit verbreitet, und wurde durch unseriöse Züchter in den USA sogar absichtlich noch gefördert. Heute gibt es zum Glück Gentests und seriöse Züchter setzen alles daran, um Träger von solchen Gendefekten aus der Zucht zu nehmen.
Zweites Problem sind die Zähne.
Gerne verschwiegen wird eine Missbildung der Luftröhre, Säbelscheidentrachea genannt. Das ist tatsächlich ein riesiges Thema, auf das ich genauer eingehen werde. Die SST betrifft sowohl kleine als auch grosse Vertreter der oben genannten Rassen und ist nicht grössenabhängig.
Dann gibt es noch Erkrankungen, die auf die Farbzucht zurückzuführen sind, dies betrifft vor allem Augenerkrankungen sowie Taubheit.
- Skelettatavismus (SA) kommt bei Shetlandponys und Miniaturpferden vor. Bei SA sind die Gliedmassen stark deformiert und bereiten dem Pony Schmerzen. Betroffene Tiere werden meist als Fohlen eingeschläfert.
- Es gibt einen Gentest, also ist dieses Leid vermeidbar!
- Mehr Informationen hier: Skelettatavismus
- ACAN bzw. Zwergwuchs kommt ebenfalls bei Shettys und Miniaturpferden vor. Die Tiere sind kleinwüchsig und haben einen deformierten Körper. Betroffene Tiere sind nicht immer überlebensfähig bzw. haben eine stark eingeschränkte Lebensqualität.
- Auch diese Veranlagung ist über einen Gentest nachweisbar!
- In den USA gibt es unseriöse Züchter, die absichtlich solche Tiere züchten, um sie als Kinderspielzeuge zu verkaufen. Das ist moralisch höchst verwerflich! In Europa ist das eher weniger der Fall.
- Informationen unter ACAN-Zwergwuchs
Die Säbelscheidentrachea ist eine angeborene Missbildung der Luftröhre bei kleinen Ponys (alle Rassen). Die Krankheit kommt auch bei Pferden vor, ist aber weit weniger verbreitet. Betroffene Ponys sind in jungen Jahren oft unaufällig und zeigen erst spät Symptome (meist ab ca. 12 Jahren), was ein Wegzüchten dieses Problems sehr schwierig macht. Manche Ponys zeigen nur Symptome bei Leistung.
SST ist ein weit verbreitetes Problem. Es gibt in Europa kaum Daten zu der Anzahl betroffener Ponys, manche Experten gehen aber von Zahlen bis zu 60% (Shettys und Minishettys) aus. Aus den USA gibt es zwei Studien aus 2007 und 2019, die die Trachea von Miniaturpferden untersucht haben. Die neuere Studie kommt zum Ergebnis, dass 15% der als gesund vorgestellten Miniaturpferde unter dieser Missbildung leideten (n=29). Studie von 2019
Die Symptome sind vor allem Atemnot, lautes Schnaufen und typische Grunz-Geräusche. Mit zunehmendem Alter verengt sich die Luftröhre immer mehr, daher haben ältere Ponys mit SST oft viel mehr Mühe mit Atmen. Im schlimmsten Fall kann es zu Kollaps und Ersticken kommen.
Zusätzlich erschwerend kommt dazu, dass viele Ponys im Alter ab 12 Jahren übergewichtig und untrainiert sind, was die Symptomatik einerseits verstärkt, andererseits aber auch verschleiert - denn Übergewicht kann auch ohne Missbildung der Luftröhre zu Atemnot führen. Ponys mit SST sind anfälliger auf Lungenprobleme, weil durch ungenügende Belüftung der Lunge ein ideales Klima für Keime entsteht.
Die Säbelscheidentrachea ist bei Ponys leider nicht therapierbar. Viele Besitzer behandeln ihre Tiere mit klassischen Mitteln wie Hustenkräuter, Medikamente, Inhalieren, was aber kaum zu einer Besserung führt. Es ist daher sehr wichtig, dass man bei einem Verdacht eine Luftröhrenendoskopie machen lässt, denn SST-Ponys benötigen nicht dieselben Behandlungsmassnahmen wie Asthma-Ponys.
Bei Ponys mit gesicherter Diagnose kann man mit dem richtigen Trainings- und Fütterungsmanagement die Symptome lindern. Dabei ist Folgendes wichtig:
- Übergewicht verstärkt die Symptome massiv, da nicht nur die Lunge selber weniger Platz hat, sondern auch viszerale Fettpolster im Bereich zwischen Luftröhre und Speiseröhre (!) möglich sind. Unklar ist, ob vielleicht diese Fettpolster sogar eine SST begünstigen; zu diesem Thema gibt es aber leider keine Forschung.
- Die Atemmuskulatur kann so trainiert werden, dass sie das Handicap zu einem Teil kompensieren kann. Dazu gibt es später einen Blogpost.
- Im Training ist unbedingt darauf zu achten, dass die Luftröhre nicht unnötig zusätzlich eingeschränkt wird. Man weiss aus Studien, dass eine Beizäumung mit der Nase hinter der Senkrechten zu starker Einschränkung der Atmung führt. Daher ist es sinnvoll, bei einem SST-Pony am besten auf jegliche Hilfszügel zu verzichten und es möglich, mit offenen Ganaschen ohne Einschränkung laufen zu können.
- Beim Fahrgeschirr kann ein geschwungenes Brustblatt oder Kumt Sinn machen, jedoch sollte das Brustblatt niemals aus Angst, dem Pony die Luft abzuschnüren, zu tief angelegt werden, da dies zu noch mehr Problemen führen kann.
- Auf Belastungsspitzen (Renngalopp und lange, anstrengende Galopptrainings) sollte verzichtet werden, da die Gefahr eines Kollapses droht.
Entgegen der landläufigen Meinung ist die Hufrehe kein spezifisches Problem von Ponys. Hufrehe ist eher die Folge von Haltungsfehlern und falscher Fütterung. Warum gerade Ponys und im Speziellen Shettys sehr oft an Hufrehe leiden, ist einfach erklärt:
- Shettys gehören zu den Arbeitsrassen, sie sind dafür gezüchtet, mit wenig Futter viel Leistung zu bringen. Heute werden kleine Ponys jedoch kaum mehr zur Arbeit herangezogen und viele von ihnen fristen ihr Dasein als reine Beisteller. Oft dürfen sie nur leichte Arbeit wie Spazieren, Kinderreiten oder Bodenarbeit machen.
- Gleichzeitig stehen viele Ponys mit Grosspferden zusammen, was einer individuellen, angepassten Fütterung eher entgegenwirkt.
- Unser Heu ist sehr reichhaltig und nur bedingt geeignet für ein Pony, das ein perfekter Futterverwerter ist.
- Es gibt heute den Trend zur ad libitum Heufütterung, das heisst, Heu steht den Tieren jederzeit zur freien Verfügung. Das kommt natürlich dem Fressverhalten von Pferden in freier Wildbahn entgegen, leider wird dabei oft vergessen, dass wildlebende Pferde nicht übers ganze Jahr Futter im Überfluss haben. Sie müssen sich im Winter je nach Gegend karges Futter selbst zusammensuchen. Pferde fressen sich im Sommer möglichst viel Speck an, von welchem sie dann im Winter zehren können. Sie hören deshalb auch nicht auf, zu fressen, so lange Futter zur Verfügung steht (natürlich machen sie Fresspausen, wenn sie pappsatt sind, aber bevor sie das tun, haben sie bereits mehr als genug gefressen). Studien zufolge fressen Shettys, wenn sie Heu ad libitum haben, fast 3x so viel, wie ihr Bedarf ist.
Diese Faktoren tragen dazu bei, dass Ponys schnell übergewichtig werden. Übergewicht führt langfristig zu Stoffwechselstörungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS), Insulinresistenz (IR) oder Pituitary pars intermedia dysfunction (PPID, früher Cushing genannt). Diese sogenannten endokrinologischen Erkrankungen können Hufrehe auslösen und auch noch bestehen bleiben, wenn das Pony wieder auf Normalgewicht ist. Die endokrinopathisch ausgelöste Hufrehe ist mit Abstand die häufigste Ursache für die Krankheit und ist je nach Quelle für bis zu 90 % der Fälle verantwortlich.
Was ist die gute Nachricht? Endokrinopathische Hufrehe ist keine genetisch bedingte Erkrankung und daher komplett vermeidbar!
Leider ist es in vielen Fällen schon zu spät, um Präventionsmassnahmen zu ergreifen und es bleibt nur noch Schadensbegrenzung. Nichts ist für Hufpfleger:innen frustrierender als die Behandlung von chronischer Hufrehe. Ich hoffe daher, dass ich in meiner Funktion als Futterberaterin künftig dabei helfen darf, diese schreckliche Krankheit zu vermeiden.
Durch Selektionszucht auf immer kleinere, feinere Köpfe gibt es zum Teil Probleme mit Zahnfehlstellungen und zu wenig Platz für die Zähne im Maul der Ponys. Das wurde von den Zuchtverbänden schon vor vielen Jahren erkannt und deshalb werden bei Schauen und Körungen auch immer die Zähne der Tiere angeschaut. Das beschränkt sich natürlich auf die Schneidezähne, daher ist es schwierig, Rückschlüsse auf den Zustand der Backenzähne zu ziehen. Oft werden die Probleme auch durch fehlende oder mangelhafte Zahnkorrekturen verstärkt.
Ein häufiges Problem durch zu wenig Platz im Maul ist die darauf entstehende Paradontitis. Futterreste bleiben in den Zwischenräumen hängen und das führt irgendwann zu Zahnfleischentzündungen, es kommt zu schmerzhafter Taschenbildung. Das kann schlussendlich dazu führen, dass Zähne anfangen zu wackeln, frühzeitig gezogen werden müssen oder sich Abzesse im Maul bilden. Ersteres ist leider bei meinem Minishetty Massai der Fall. Bei ihm kommen eine schlechte Zahnstellung mit zu wenig Platz zusammen. Bedauerlicherweise verliert er nun, Anfang Zwanzig, dadurch immer mehr Zähne und ist bereits jetzt auf eingeweichtes Futter angewiesen.
Aber längst nicht alle Miniponys und Minipferde leiden an Zahnproblemen. Es ist an den Züchtern, hier verstärkt auf gute Zähne zu selektieren und an den Besitzern, die Ponys von klein auf regelmässig einem Zahnarzt vorzustellen. Wichtig: Der Zahnarzt sollte unbedingt mit Maulgatter und Sedierung arbeiten, denn ohne ist es schlicht unmöglich, an die hinteren Backenzähne zu gelangen, da es einfach zu eng in so einem Mäulchen ist.
Spezialfarben sind in. Besonders bei kleinen Ponys, bei denen die Zucht vermeintlich günstig ist, erlebten Sonderlackierungen einen regelrechten Boom. Leider haben sich nicht alle Züchter ernsthaft mit Farbgenetik beim Pferd auseinandergesetzt und so kommt es immer wieder zu genetischen Defekten, wenn zwei homozygote Träger eines bestimmten Gens zusammenkommen.
Die bekanntesten bei Shettys und anderen Mini-Rassen sind:
- Splashed White - Letal White Overo Gen bei Verpaarung von zwei homozygoten Tieren (Fohlen stirbt nach Geburt), mischerbige Träger sind oft taub.
- Silver-Gen (Windfarben) - Fehlbildungen der Augen sind häufig. Homozygote Tiere sind oft von Augenkrankheiten betroffen.
Hinweis: Tiere mit Silver-Gen haben Mühe mit wechselndem Licht, weil ihre Augen genetisch bedingt bis 10x länger benötigen, um sich an neue Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Deshalb gelten Windfarbene oft als schreckhaft.
- Tigerschecke - Reinerbige Tiere sind meist nachtblind. Augenerkrankungen in verschiedenen Ausprägungen sind häufig.
- Blaue Augen - Generell oft mit Augenerkrankungen, Blindheit und/oder schlechtem Hörvermögen assoziiert.
Koliken und Kotwasser sind kein spezifisches Problem von kleinen Ponyrassen, es fällt aber manchmal auf, dass sie zu solchen Problemen neigen. Meistens handelt es sich um ein Management- und Fütterungproblem. Oft sind Koliken auch die Folgen von einem Primärproblem wie schlechte Zähne.
Kolik
Die häufigste Art der Kolik bzw. für eine Kolik-OP bei Minis ist laut Literatur die Verstopfungskolik. Die Ursachen hierfür sind
- Zu wenig Trinken
- Bewegungsmangel
- Schlechte Zähne
- Hohes Alter
- Exzessive Aufnahme von Stroh
Ebenfalls eine häufige Art der Kolik bei Minis und Shettys ist die Sandkolik. Sie entsteht durch:
- Grasen auf stark abgeweideten Wiesen
- "Staubsaugen": Zusammensuchen von Heuresten im Sand/Staub -> das ist oft eine Folge von Hunger
- Schlechte Heuqualität
Weitere Kolikursachen sind Lipome (Fettgeschwulste im Darm, Übergewicht und Alter begünstigt diese), Gastriditiden (Magenprobleme, oft durch Bewegungsmangel und Stress ausgelöst) und die Aufnahme von giftigen Pflanzen, Schimmelpilzen u.ä.
Kotwasser
Bei kleinen Ponys sieht man oft überdurchschnittlich viele Kotwasser-Patienten. Oft geht dabei vergessen, dass es sich beim Kotwasser um ein Symptom handelt - und die Ursachen sind so vielfältig wie die Ponys selbst. Am häufigsten sind jedoch:
- Magenerkrankungen
- Stress
- Bewegungsmangel
- Schlechte Zähne
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Probleme im Verdauungstrakt zwar nicht shettyspezifisch sind, aber dass das Management, wie die Ponys oft gehalten und gefüttert, dass sie nicht ausreichend bewegt werden, eine häufige Ursache sein können. Es lohnt sich daher auch aus dieser Perspektive, Ponys ihrer Leistung entsprechend zu trainieren und zu füttern.