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Die Goldmedaillen von Sotschi sind weniger wert als die von London 2012. Nicht, weil die Russen beim Goldgehalt gespart hätten, sondern weil Gold seither einen jähen Preissturz erlebt hat.
Sandro Viletta und Dario Cologna tragen seit Freitag ein ziemliches Gewicht um den Hals. Nicht, dass es sie stören würde, doch die Goldmedaillen von Sotschi gehören zu den grössten und schwersten der Olympiageschichte. 531 Gramm wiegen die Scheiben – und haben einen Durchmesser von genau zehn Zentimetern.
Wenn die Medaillen aus purem Gold wären, hätten sie einen Wert von 20'000 Franken. Einschmelzen werden Cologna, Viletta & Co. ihre Preise wahrscheinlich trotzdem nicht, denn die goldenen Auszeichnungen bestehen mehrheitlich aus Silber – 525 Gramm ganz genau, mit einem Feingehalt von 960/1000. Dazu kommen bloss sechs Gramm 999er-Gold. Laut «Forbes» kommen die Goldmedaillen damit auf einen Materialwert von rund 500 Franken.
Die Olympiamedaillen von London waren mit 400 Gramm einiges leichter als diejenigen von Sotschi. Doch mit einem Goldanteil von 1,5 Prozent lag der absolute Anteil ebenfalls bei genau sechs Gramm. Durch den höheren Goldpreis betrug somit der damalige Materialwert über 600 Franken.
Silberanteil ist wertvoller als das Gold
Der Silberanteil an den Goldmedaillen ist mit etwa 300 Franken mehr wert als das verarbeitete Gold. Für die Rohstoffspekulanten unter den Sportlern wäre damit auch ein zweiter Rang kein Weltuntergang. Die Silbermedaillen bestehen aus 525 Gramm Silber (960/1000). Arme Schlucker sind dagegen die Drittplatzierten: «Forbes» schätzt den Materialwert der Bronzemedaillen auf gerade mal 3 Franken.
Aus purem Gold waren die Medaillen letztmals 1912 in Stockholm. Der Wert einer Goldmedaille hat aber in der Realität natürlich nur am Rande mit dem Materialwert zu tun. Für die Athleten sind die goldenen Anhänger aus ideellen und vermarktungstechnischen Gründen wertvoll.
Da sich die Sportler meist ungern von ihren Auszeichnungen trennen, sind nur wenige Medaillen auf dem Markt. Umso höher ist deshalb der Sammlerwert. Für eine Goldmedaille von US-Leichtathlet Jesse Owens bezahlte ein Käufer vergangenes Jahr 1,4 Millionen Dollar. Eine «normale» Goldmedaille, die tatsächlich verliehen wurde, bringt immerhin 5000 bis 10'000 Franken.
Das Geld liegt in Sponsoring und Siegesprämien
Wenn man nicht gerade Owens heisst, macht die Goldmedaille nur einen kleinen Teil des Ertrags aus einem Olympiasieg aus. Mit Sponsoringverträgen lassen sich je nach Sportart und Strahlkraft des Athleten Millionen verdienen. Es ist aber klar, dass beispielsweise der US-Skistar Lindsey Vonn vermarktungstechnisch in einer ganz anderen Liga spielt als etwa der Schweizer Ski-Crosser Mike Schmid.
Viele nationale Olympische Komitees schaffen hier einen gewissen Ausgleich, indem sie den Medaillengewinnern eine Prämie bezahlen. Nach Recherchen der Association De La Presse Sportive (AIPS) varieren die Belohnungen enorm. Während Kasachstan jedem Goldgewinner 250'000 Dollar bezahlen würde, liegt die Schweiz liegt mit 40'000 Franken im Mittelfeld, aber klar vor Deutschland (20'000 Euro) und den USA (25'000 Dollar). Einzig Grossbritannien, Norwegen, Kroatien und Schweden verzichten vollständig auf solche Boni.
Russen müssen blechen
Dass das kasachische Olympische Komitee durch die Spiele in Sotschi verarmen wird, ist nicht anzunehmen, weil das Land an Winterspielen normalerweise kaum Medaillen holt. Insbesondere Teamsiege gehen ins Geld. Russland, welches seinen Athleten ebenfalls hohe Prämien bezahlt, muss bisher dank vier Gold, sieben Silber und fünf Bronzemedaillen am meisten Geld ausschütten. Alleine durch den Sieg im Eiskunstlauf-Teamwettbewerb wurden schon mehr als eine Million Dollar an Prämien fällig.