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|02.07.2003||Neue Zürcher Zeitung||kus.||Genetisch bedingte Morgenmuffel?|
Genetisch bedingte Morgenmuffel?
Korrelation zwischen Genvariante und Chronotyp
kus. Wer frühmorgens unausstehlich ist und gegen Mitternacht zur Höchstform aufläuft, kann für das Muffeln am Frühstückstisch vielleicht eine neue Entschuldigung bemühen - die Gene. Ein Forscherteam hat erstmals einen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Genvariante und einer Verschiebung der inneren Uhr in der Normalbevölkerung nachweisen können. Malcolm von Schantz von der University of Surrey und seine Kollegen verglichen die Per3-Gene (Period- Gene), die zu Taktgebern der inneren Uhr gehören, von drei Personengruppen - extremen Morgenmuffeln beziehungsweise Frühaufstehern und einer indifferenten Kontrollgruppe. Die entsprechenden Vorlieben der Testpersonen, ihre Chronotypen, waren zuvor mit Hilfe eines speziellen Fragebogens ermittelt worden. Zudem untersuchten die Forscher noch die Per3-Gene von 16 Personen, die am «Syndrom der verzögerten Schlafphase» (Delayed Sleep Phase Syndrome, DSPS) leiden und aufgrund dieser Krankheit nicht vor 2 oder 3 Uhr nachts einschlafen können. Es zeigte sich, dass eine Variante des Per3-Gens, bei der ein spezieller Genabschnitt nicht fünf-, sondern nur viermal wiederholt wird, bei den extremen Morgenmuffeln (76 Prozent) und den DSPS-Patienten (88 Prozent) häufiger war als bei den Frühaufstehern (58 Prozent).
Das Ablesen der Per-Gene, von denen beim Menschen drei bekannt sind, ist über eine negative Rückkoppelung zyklisch geregelt. Die Anreicherung von Per-Genprodukten, die aus dem Zellplasma in den Zellkern wandern, stoppt das Ablesen der Gene und damit die Herstellung dieser Proteine. Die «eingewanderten» Eiweisse werden dann abgebaut. Sind sie verschwunden, beginnt der etwa 24 Stunden umfassende Kreislauf von neuem. Beim Abbau und Transport der Proteine vom Zellplasma in den Kern spielt der Grad ihrer Phosphorylierung, die Anzahl von reversibel gebundenen Phosphatgruppen, eine (bisher unklare) Rolle. Sie könnte jedoch, so vermuten die Forscher, bei der «Morgenmuffel»- Per3-Variante für die Verschiebung der Schlafphase verantwortlich sein, da sich die Genprodukte der beiden untersuchten Varianten durch den Grad ihrer Phosphorylierung unterscheiden.
Quelle: Sleep 26, 413-415 (2003).
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