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eintrocknet, die durch künstliche Wärme noch weiter, aber nicht völlig ausgetrocknet und dann zu Waren verarbeitet werden.
Für geringere Waren wird der Teig in Formen gegossen, dann werden die Stücke gebrannt. Der hierbei wieder entstehende Abfall
wird wiederholt zu neuer Masse geschlagen und man unterscheidet daher erst-, zwei-, drei-, vier- und
fünfmassige Ware. Um ächten M. von unechten zu unterscheiden, soll man den Gegenstand mit der Kante einer Silbermünze
streichen, unechter M. nimmt dadurch einen grauen Strich an, wie mit Bleistift, echter nicht. - Zollfrei. Meerschaumwaren
gem. Tarif im Anh. Nr. 20 b 1. Künstlicher M. wird wie natürlicher
behandelt.
(radix scillae oder squillae, bulbi scillae); ein Artikel des Droguenhandels, besteht aus den zerschnittenen
und getrockneten
Zwiebeln eines zu den lilienartigen Pflanzen gehörigen Zwiebelgewächses (Urginea maritima), das massenhaft
auf den sandigen Küsten des Mittelländischen Meeres wächst und dessen eirunde, große, bis zu 2 kg schwere, aus dicken
saftigen Schuppen zusammengesetzte und außen mit trocknen braunen
Häuten umgebene
Zwiebel zu medizinischem
Gebrauch dient.
Die nicht selten in Töpfen als Zierpflanzen gezognen Scillen sind, wenn sie blau blühen, andre Arten; die Urginea maritima
hat einen Schopf mit weißlichen Blüten. Im Handel findet sich die Drogue meist getrocknet, in die einzelnen Dickschuppen
zerlegt; doch kommen neuerdings auch ganz frische
Zwiebeln über Triest in den Verkehr, die im Keller in Sand sich konservieren
lassen, doch nicht sehr lange. Die getrockneten Stücke, die gut in Büchsen zu verwahren sind, da sie sehr leicht wieder
Feuchtigkeit anziehen und dann verderben, bilden zwei Sorten, eine weißliche und eine rötliche.
Die erstere stammt aus Griechenland, Malta, Kleinasien etc., die andre, welche besser sein soll,
aus Apulien und Kalabrien. Es sind flache gebogne, hornartig durchscheinende Stücke, die weiße Varietät weißem
Wachse
ziemlich ähnlich. Die frisch zerschnittene Wurzel riecht scharf zwiebelartig, schmeckt scharf, bitter und ekelhaft. Beim
Trocknen verliert sich der Geruch größtenteils, während der Geschmack bleibt. Ursache desselben und
das medizinisch wirkende Prinzip ist eine besondere, äußerst bitter schmeckende, unkristallisierbare Substanz der
Zwiebel,
Scillitin genannt, welche in größern Gaben als Gift wirkt. Medizinische Gaben wirken harntreibend und förden ^[richtig:
fördern] die Thätigkeit der Schleimhäute. Es werden aus getrockneten resp.
frischen
Zwiebeln wässerige und weingeistige
Extrakte, durch Macerieren mit
Essig der Meerzwiebelessig (acetum scilliticum),
durch Versetzen des letztern mit
Honig und Eindicken der Meerzwiebelsauerhonig etc. bereitet. -
Die Franzosen haben für die
Zwiebel, welche auf den Küsten Algeriens überall wuchert, eine neue Verwendung gefunden. Dieselbe
hat sich nämlich als das beste Vertilgungsmittel gegen Ratten und Mäuse bewährt. Diese
Tiere verzehren
dieselbe frisch zerschnitten und in Fett geschmort mit Begierde, nicht minder dann, wenn sie mit
Mehl in einen Teig verwandelt,
dieser
gebacken und gepulvert worden ist. Zollfrei.
(Getreidemehl; lat. farina; frz. farine; engl.
flour). Ein ansehnlicher Teil der Brotfrucht gelangt in neurer Zeit nicht mehr als Körner, sondern schon
vermahlen an den Markt und bildet in dieser Form einen sehr bedeutenden Handelsartikel, der natürlich dieselben, je nach
den Ernteerträgen verschiedner Länder, veränderlichen Wege geht wie das
Getreide selbst. Das M. ist als ein Halbfabrikat
zu betrachten und dieses setzt Fabriken voraus; solche Fabriken sind in der That die neuzeitigen Kunstmühlen,
die sich an Umfang und Leistungsfähigkeit zu den alten deutschen Mühlen ungefähr ebenso verhalten wie Fabriken überhaupt
zu den Werkstätten kleiner Handwerker.
Die Mühlen nach alter Art versorgen nur kleine Mahlkreise und ihr Geschäft ist die sog. Posten-
oder Lohnmüllerei, d. h. sie verarbeiten die ihnen zugebrachten größern und kleinern Posten
gegen Lohn. Die großen neuern Anstalten sind dagegen Handelsmühlen, die eingekauftes
Getreide vermahlen und die Mahlprodukte
an den Markt bringen, nicht mehr bloß an den großen von Land zu Land gehenden, sondern auch an den innern, denn auch
die Bäckerei hat sich wenigstens in größern Städten so eingerichtet, daß sie nicht mehr
Getreide anschafft und mahlen
läßt, sondern fertiges M. kauft.
Der Anstoß zur Umformung des Mühlwesens ging besonders von Nordamerika aus, das bei der Fülle seiner Weizenproduktion
darauf denken mußte, wie das Mehl massenhafter und für den Seehandel haltbarer herzustellen sei. Auch
die Engländer beschäftigten sich angelegentlich mit Verbesserung der Mühlen; sie modifizierten das System der Amerikaner
und man pflegt daher die verbesserten Mühlen überhaupt englisch-amerikanische zu nennen. Eine solche Mühle zeichnet sich
in vielen wesentlichen Punkten von den gewöhnlichen aus.
Erstlich sind die Mechanismen feiner und so viel als möglich in
Eisen konstruiert; sie gehen deshalb
leichter und es wird eine gegebene Kraft viel besser ausgenutzt. Durch verschiedne Einrichtungen bedient sich die Mühle
so zu sagen selbst und es werden viele Handreichungen durch Mechanismen ersetzt. Dann haben sie bessere und größere
Mühlsteine,
mit welchen dasGetreide trocken vermahlen werden kann, während es bei der alten Müllerei vorher gefeuchtet
werden muß. Es wird also, unter Vorkehrungen zur Kühlhaltung des Mahlgutes, ein M. erhalten, das nur den natürlichen Wassergehalt
des Korns hat, der zuweilen auch noch durch künstliche Wärme ausgetrieben wird, wo dann die Ware Darrmehl heißt und
besonders zu Schiffsproviant dient.
Das M. solcher Mühlen ist daher immer trockner und darum halt- und versendbarer und wird daher als Dauermehl oder auch Dampfmehl
bezeichnet. Die Dampfkraft ist allerdings nichts Wesentliches dabei und es stehen viele der immer zahlreicher werdenden Handelsmühlen
auch am Wasser und haben etwa nur eine Reservedampfmaschine für wasserarme Zeiten. Es haben die Kunstmühlen
ferner komplizierte Reinigungsapparate, welche die Körner vor dem Vermahlen viel gündlicher ^[richtig: gründlicher] als
gewöhnlich entspitzen und
¶
mehr
von allem, auch dem fest ansitzenden Schmutze befreien und so bewirken, daß ein weit weißeres, schön in die Augen fallendes
M. erhalten wird. In allen derartigen Mühlen geschieht die Beutelung mittels sog. Cylinder,
langer schräg liegender Hohlwalzen aus Lattenwerk und mit Beutelgaze von verschiedner Maschenweite überzogen, sodaß bei
einmaliger Durchpassierung des Mahlgutes gleich drei oder vier Feinheitssorten von M. erhalten werden
und die Kleie zu unterst herausfällt.
Die Methoden des Mahlens sind verschieden. Nach dem amerikanischen Verfahren, das auch in England, Belgien und sonst für
Proviantmehl geübt wird, passiert der Weizen nur einmal die Mühle und wird dabei gleich so vollständig
gepulvert, daß er den Beutelcylindern übergeben werden kann. Das so erhaltene M. ist gelblich, wie Staub anzufühlen, und
enthält die feinsten Partikel der Kleie mit. Um schöneres, reines M. zu erhalten, wie es für feines Gebäck erforderlich
ist, muß man umständlicher zu Werke gehen und sich der sog. Griesmahlerei
bedienen, der Methode, die jetzt gewöhnlich als die Wiener bezeichnet wird.
Hierbei wird beim ersten Durchgang der Weizen von den scharfen Steinen nur geschält, der Inhalt mehr oder weniger zerbrochen
und das Produkt besteht aus Hülsen, Gries und etwas M., die sich leicht trennen lassen, worauf dann der Gries für
sich weiter in M. verwandelt wird. Der Roggen ist wegen seiner fester ansitzenden Hülsen schwieriger als Weizen zu vermahlen
und erfordert dem entsprechend eine etwas modifizierte Behandlung. Weizen- und Roggenmehl aber sind die beiden Sorten, welche
als Großhandelsartikel allein in betracht kommen; nur in Nordamerika bildet auch Maismehl neben dem
des Weizens einen bedeutenden Ausfuhrartikel. -
Das M. für weitergehenden Handel erhält seine Verpackung in Fässern, in die es entweder lose eingeworfen oder fest eingestampft
wird. Die letztere Füllung paßt besser zum Versand in kältere, die erste in heißere Gegenden. Nordamerika versendet die
größten Massen seines Weizenmehls aus Newyork, dann aus Neuorleans, Baltimore, Philadelphia, Boston,
und hat seinen ständigen Absatz in Westindien, Brasilien etc. An die europäischen Hafenplätze
kommt solches M. seltner, seit hier die Handelsmüllerei selbst in Schwung gekommen ist.
Deutschland hat in den meisten Jahren ansehnliche Ausfuhr von M., neuerdings ist jedoch die Ausfuhr von M. infolge
der Zollverhältnisse stark zurückgegangen und die Handelsmühlen, welche für Export arbeiteten, sind
dadurch sehr gefährdet. Rußland und Polen geben ebenfalls starke Posten an den Westen ab, ebenso Ungarn. Ein Hauptplatz
für Mehlproduktion und Handel ist Wien; dort hat man den vorzüglichsten Weizen aus dem Banat zur Disposition und erzeugt
daraus vorzüglich gute und beliebte Mehlsorten.
Die österreichische Mehlausfuhr geht hauptsächlich über Triest nach den Mittelmeerländern. In Norddeutschland will die
Bezeichnung Wiener M. meistens nur sagen, daß die Ware nach Wiener Art gemahlen (Griesmüllerei) und sortiert ist. Verhandelt
wird das M. in der Regel nach
Gewicht, in Deutschland nach dem Zollzentner. Sorten sind von Weizen wie
Roggenmehl gewöhnlich drei, die beste mit Null bezeichnet, als 0, 1, 2 für beide, oder für Roggen 0, 1, durchgemahlen,
oder auch 0, 0 und 1, durchgemahlen. Die Sortimente der Wiener Kunstmühlen sind zahlreicher, aber nicht durchgängig gleich,
z. B. Kaiserauszug, Prima M. 00, Prima 0, Sekunda 0, M. I, ditto II.
- M. aus Getreide und Hülsenfrüchten Nr. 25 q 2. Kraft- und Stärkemehl Nr. 25 q 1.