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Michelangelo des Skalpells
Ästhetik Die französische Schauspielerin Brigitte Bardot, der Formel-1-Pilot Niki Lauda oder auch Hollywood-Schauspieler Tom Cruise sollen sich schon in die Hände des brasilianischen Schönheitschirurgen Ivo Pitanguy begeben haben. Doch was macht den von der Presse als «Michelangelo des Skalpells» bezeichneten Arzt so besonders?
Rio de Janeiro ist die Hauptstadt der Schönheit: Denn nirgendwo anders werden so viele Schönheitsoperationen durchgeführt wie in Brasilien; und seiner pulsierenden Hauptstadt. Seit nunmehr 50 Jahren werden die mit ihrem Aussehen unzufriedenen Patienten in der Privatklinik des Schönheitschirurgen Pitanguy im Stadtviertel Botafogo verschönert.
Ivo Pitanguy wuchs mit vier Geschwistern auf und studierte Medizin an der staatlichen Universität de Minas Gerais und an der staatlichen Universität Rio de Janeiros. Da er ein Stipendium erhielt, konnte er in den späten 40er-Jahren eine Fortbildung bei John Longacre vom Bethesda North Hospital in Cincinnati, Ohio, machen, operierte zeitweise bei Marquis Converse in New York und war der erste südamerikanische Vertreter der Handchirurgie. Zu dieser Zeit arbeitete er in der Klinik Santa Casa da Misericórdia in Rio de Janeiro. Danach folgten Fortbildungen bei Marc Iselin im französischen Suresnes sowie in London bei Harold Gillies und Archibald McIndoe.
Nachdem er Professor an der katholischen Universität in Rio de Janeiro wurde, gründete er dort im Jahre 1963 die nach ihm benannte Privatklinik Clínica Ivo Pitanguy. Nach seiner Klinikeröffnung kamen bald Kunden aus aller Welt, um sich bei ihm unter das Messer zu legen. Darunter viele Stars und Sternchen. Er selbst hat über die Namen und die Anzahl der Prominenten jedoch stets Stillschweigen bewahrt.
Ob durch eine zu grosse Nase, zu kleine Brüste, den Alterungsprozess oder Fettpölsterchen – all diese Faktoren können bei jedem Menschen unterschiedlich schwere emotionale Qualen verursachen, die mithilfe eines plastischen Eingriffs verschwinden können.
Nach Auffassung Pitanguys selbst, lässt sich die Unzufriedenheit eines Patienten weder an einer Missbildung noch an einer Verletzung messen, sondern daran, welches Gefühl eine Äusserlichkeit auslöst. Ob durch eine zu grosse Nase, zu kleine Brüste, den unumgänglichen Alterungsprozess oder überflüssige Fettpölsterchen – all diese Faktoren können bei jedem Menschen unterschiedlich schwere emotionale Qualen verursachen, die mithilfe eines plastischen Eingriffs verschwinden können. Somit können Schönheit und Ästhetik Wohlbefinden in uns auslösen.
Er operierte regelmässig in der Schweiz, in Deutschland, in Japan oder im Iran. Doch in keinem anderen Land als in Brasilien entwickelte sich die Schönheitschirurgie so rasant. Alleine im vergangenen Jahr wurden dort insgesamt 1,49 Millionen Schönheitsoperationen durchgeführt. Von Fettabsaugungen über Brustvergrösserungen, Bruststraffungen oder Intimchirurgie nahmen die Patienten und Patientinnen alle Möglichkeiten war, die die moderne plastische Chirurgie mittlerweile bereitstellt.
Pitanguy selbst operiert kaum noch und hat die Leitung seiner Klinik mittlerweile seiner Tochter Gisela Pitanguy übergeben. Doch an drei Tagen in der Woche kommt er noch aus seinem Haus im Nobelviertel Gávea in die Klinik, um Patienten zu empfangen und zu beraten oder die Operationspläne zu erstellen. Auch kümmert er sich in der Klinik Santa Casa da Misericórdia, die zwischen Stadtzentrum und Hafen liegt, um seine alte Station und um seine Schönheitschirurgen-Schule, in der er junge Ärzte ausbildet.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und Pitanguy lässt sich wöchentlich die interessantesten Fälle seiner Studierenden vorführen, gibt Tipps und spricht die Operationen durch. Im Gegensatz zu seiner Privatklinik, müssen die Patienten in der Klinik Santa Casa deutlich weniger zahlen, Menschen in Armut, Unfallopfer und Patienten, die aus anderen medizinischen Gründen operiert werden müssen, behandelt er kostenlos. Aus diesem Grunde verfügt er mittlerweile über ein grosses Arsenal an Auszeichnungen für sein Engagement, unter anderem von Papst Johannes Paul II. Zudem ist er dutzendfacher Ehrendoktor und doppelter Honorarprofessor und hat viele Bücher geschrieben. Er hat rund 500 plastische Chirurgen ausgebildet und etwa 800 Publikationen in Fachzeitschriften verfasst, was ihm die Bezeichnung Michelangelo des Skalpells einbrachte.