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Taisen Deshimaru (1914–1982) wuchs auf der Insel Kyushu auf. Im Gegensatz zu seinem Meister Kodo Sawaki hatte er eine glückliche Kindheit erlebt. Dennoch beschäftigte ihn bereits in jungen Jahren der Widerspruch zwischen dem religiösen Geist seiner Mutter und der materialistischen Welt seines Vaters. Der von der Mutter praktizierte Amida-Buddhismus befriedigte ihn genauso wenig wie seine spätere Beschäftigung mit dem Christentum. Auf der Suche nach einem authentischen geistigen Weg begegnete er schliesslich dem Zen-Meister Kodo Sawaki und wurde dessen Schüler.
30 Jahre lang folgte Taisen Deshimaru seinem Meister und praktizierte mit ihm bis zu dessen Tod im Jahr 1965, während er zugleich sein Leben in der Gesellschaft weiterführte. Kodo Sawaki hatte Deshimarus Wunsch, zum Mönch ordiniert zu werden, lange zurückgewiesen. Er erkannte in ihm einen wahren Sucher des Weges und wollte nicht, dass er zu einem professionellen Mönch im traditionellen Tempelsystem würde, wie es im institutionalisierten Zen Japans üblich ist. Erst kurz vor seinem eigenen Tod ordinierte Kodo Sawaki ihn deshalb zum Mönch und bat ihn, das lebendige Zen in eine frische Erde einzupflanzen.
Zwei Jahre später folgte Taisen Deshimaru der Einladung einer Gruppe von Makrobiotikern, nach Paris zu kommen. Er lebte sehr einfach, bot Shiatsu-Massagen an, begann die Praxis von Zazen zu unterweisen und konnte bald das erste Dojo eröffnen. Zen war damals im Westen lediglich einer Minderheit von Intellektuellen aus Büchern bekannt. Deshimaru bemühte sich darum, das Zen allen Menschen zugänglich zu machen und knüpfte zahlreiche Kontakte zu bekannten Wissenschaftlern, Künstlern und Politikern seiner Zeit.
Während seiner fünfzehnjährigen Lehrtätigkeit in Europa gründete Meister Deshimaru über hundert Dojos. Das Zen Dojo Zürich wurde 1975 von ihm gegründet und er gab ihm den Namen «Mu i jo», Schloss der Nicht-Angst.
Mit Hilfe seiner Schüler schuf er in Frankreich den ersten grossen Zen-Tempel Europas, La Gendronnière. Auf der Basis seiner Unterweisungen wurden grundlegende Texte des Zen zum ersten Mal in europäische Sprachen übersetzt, kommentiert und publiziert. Er erhielt die offizielle Bestätigung der Dharma-Übermittlung von Yamada Reirin, dem Abt von Eihei-ji. In Japan berief man ihn zum kaikyosokan, dem Verantwortlichen der Unterweisung für Europa.
Taisen Deshimaru brachte die Essenz des Zen in seiner ganzen Frische und Ursprünglichkeit nach Europa und wurde deshalb in Japan als der «Bodhidharma der modernen Zeit» bezeichnet. Der Tradition der alten Meister folgend verstand er es, die authentische, überlieferte Zen-Unterweisung dem westlichen Geist zugänglich zu machen. Durch Jahrzehnte der Praxis mit seinem Meister Kodo Sawaki, zugleich ein gesellschaftliches Leben führend, gelang Taisen Deshimaru die Verbindung von Materiellem und Geistigem, deren Gegensatz ihn in seiner Jugend so sehr beschäftigt hatte. Diese Synthese wurde zum Kernpunkt seiner Unterweisung in Europa, wo er das ideale Umfeld fand, ein Zen zu verbreiten, das im alltäglichen Leben verwurzelt und in der Gesellschaft präsent war. Oft sagte er: «Macht keine Trennung zwischen dem Geistigen und dem Materiellen. Ihr müsst die Widersprüche umfassen!»
Es war das grosse Anliegen von Meister Deshimaru, mit der Verbreitung der Praxis des Zen zur Bewältigung der aktuellen Krise der Zivilisation beizutragen. Er hatte den tiefen Wunsch, den heutigen Menschen zu helfen und sie durch Zazen zu einem tieferen Verständnis ihrer Selbst und ihres Lebens zu führen. Die Sommer-Übungsperioden, deren Tradition bis zu Buddha Shakyamuni zurückreicht, ermöglichten so im Laufe der Zeit Tausenden von Teilnehmern die Erfahrung der authentischen Praxis. Taisen Deshimaru starb 1982 in Japan. Seine letzten Worte vor der Abreise waren: «Continue Zazen eternally!»