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Geschlechterbewusste Sprache
(Handout für Studierende – inkl. Übung)
(nur Übung inkl. Lösungen)
Inzwischen ist es allgemein üblich, beim Schreiben auf eine geschlechterbewusste Sprache zu achten – auch in wissenschaftlichen Texten. Hier werden die wichtigsten Mittel für geschlechterbewusste Formulierungen vorgestellt. Zudem können Sie testen, wie gut Sie diese bereits einsetzen können.
Dass in Texten für Bezeichnungen von gemischtgeschlechtlichen Gruppen nur die männliche Form verwendet wird, hat eine lange Tradition. Bei dieser männlichen Form, so die Argumentation, handle es sich um ein sogenanntes generisches Maskulinum, das zwar von der grammatischen Form her männlich sei, doch für beide biologischen Geschlechter gelte. Die Frauen seien beim generischen Maskulinum selbstverständlich mitgemeint. Aus psycholinguistischer Sicht hingegen gilt die Existenz eines generischen Maskulinums überhaupt nicht als gesichert, wie Stefanowitsch (2011) in aller Kürze darlegt.
Fakt ist, dass die aktuelle Sprachverwendung eine Sichtbarmachung beider Geschlechter verlangt, denn nur geschlechterbewusst formulierte Texte sind eindeutig und klar, ob einer Gruppe nur Männer oder auch Frauen angehören. Die Lesbarkeit und Verständlichkeit wird durch die Verwendung von geschlechterbewusster Sprache auch nicht beeinträchtigt, wie entsprechende Untersuchungen zeigen konnten (vgl. Stefanowitsch (2011)).
Hinweis: In einigen Texten finden sich – meist in einer Fussnote – sogenannte Generalklauseln, die die Verwendung des generischen Maskulinums rechtfertigen sollen: «Aus Gründen der Lesbarkeit werden in diesem Text nur die männlichen Formen verwendet. Frauen sind selbstverständlich mitgemeint.» Solche Hinweise führen aber nicht zu geschlechterbewusst formulierten Texten.
Mittel für geschlechterbewusste Formulierungen
Paarformen
Die weibliche und die männliche Form werden explizit genannt.
- die Lehrerinnen und Lehrer
der oder die Lehrende
er oder sie / ihre oder seine
Vor allem in sogenannt verknappten Textpassagen (Tabellen, Bildunterschriften etc.) sowie auch in informellen Texten (E-Mails etc.) sind Kurzformen üblich und sinnvoll.
- Lehrer/-in
LehrerInnen
Bei der Verwendung von Kurzformen ist auf das Einhalten der Grammatik zu achten:
Im Dativ Plural nicht (er half) den Lehrer/-innen, sondern den Lehrerinnen und Lehrern.
Geschlechtsabstrakte Personenbezeichnungen
Es gibt in der deutschen Sprache Personenbezeichnungen, deren grammatisches Geschlecht zufällig ist, also ohne Bezug zum biologischen Geschlecht.
- Mensch, Mitglied, Elternteil
-kraft: Lehrkraft
-person: Lehrperson
Geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen
Bei Personenbezeichnungen aus nominalisierten Adjektiven und Partizipien (I + II) sind nur die Singularformen geschlechtsspezifisch. Die Pluralform lassen keinen Rückschluss mehr darauf zu, ob Männer und/oder Frauen gemeint sind.
- die Jugendlichen (vs. der Jugendliche, die Jugendliche), die Erwachsenen, die Verantwortlichen, die Anwesenden
die Studierenden, die Mitarbeitenden
die Betroffenen, die Verwandten
Kollektivbezeichungen
Mit Kollektivbezeichnungen, die sich nicht auf einzelne Individuen, sondern auf ganze Gruppen beziehen, lassen sich Paarformen umgehen.
- -schaft: Lehrerschaft (vs. Lehrerinnen und Lehrer)
-leitung: Schulleitung
-leute: Fachleute
Tipp: Seien Sie kreativ, indem Sie verschiedene Mittel kombinieren und nach der besten Lösung für den Einzelfall suchen. Sollten Sie aber unsicher sein, empfiehlt es sich, die ausgeschriebenen Paarformen zu verwenden.
Hinweis: Wie mit Spezialfällen umgehen wie Zusammensetzungen (Schülerchor) und Ableitungen (Lehrerschaft, schulmeisterlich) oder dem Pronomen man? Der Leitfaden der Bundeskanzlei zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen ist ein gutes Nachschlagewerk, das Lösungsvorschläge für alle möglichen Fälle anbietet.
Auch im Leitfaden zur sprachlichen Gleichstellung der FHNW finden sich Tipps und Beispiele.
Schweizerische Bundeskanzlei (2009): Geschlechtergerechte Sprache. Leitfaden zum geschlechter¬gerechten Formulieren im Deutschen. 2., vollst. überarb. Aufl.. Bern: Schweizerische Bundeskanzlei.
Stefanowitsch, Anatol
(2011):
Frauen natürlich ausgenommen.
In:
Sprachlog [Weblog].
[http://www.scilogs.de/sprachlog/frauen-natuerlich-ausgenommen; 02.06.2014].
Übung zur geschlechterbewussten Sprache
(nur Übung inkl. Lösungen)
Formulieren Sie die unten stehende Beispielsätze geschlechterbewusst um.
Die Beispiele stammen alle aus wissenschaftlichen Publikationen und wurden für diese Übung bearbeitet. Vergleichen Sie Ihre Lösungen danach mit den Originalversionen im separaten Dokument und diskutieren Sie Differenzen und Unklarheiten nach Möglichkeit mit einem Partner, einer Partnerin.
Eine zweite Umfrage ist nicht an Studenten, sondern an Lehrende gerichtet. [Konrad] Ehlich und Angelika Steets befragen Professoren […] nicht nur zur wissenschaftlichen Hausarbeit […].
Obwohl es, anders als bei Juristen oder Medizinern, keinen allgemein akzeptierten Bestand an wissenschaftlichem Wissen gibt, der Lehrer in ihrer Ausbildung zu vermitteln wäre, erntet man […] Zustimmung, wenn man den Beruf der Lehrer als akademischen Beruf bezeichnet und Lehrerbildung «durch Wissenschaft» fordert.
Ein kompetenter Leser verfügt über «Arbeitsroutinen» beim Umgang mit Texten […].
Beides stellt für Deutschdidaktiker, Lehrer sowie Schüler eine Herausforderung dar […] Wie sieht Lehrerbildung aus, die Studenten die Professionskompetenz vermittelt, die nötig ist, um Schüler zu den gesteckten Zielen zu führen?
Knacknuss
Bei dialogischen Kommunikationssituationen sind alle Partner sowohl als Sprecher als auch als Zuhörer aktiv, sie können die Sprecher- und Hörerrollen relativ leicht wechseln.