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Hans Gampers Leben: Eine Geschichte von Erfolg, von verehrt und bewundert werden. Und eine Geschichte von Niedergang, Einsamkeit und Selbstmord. Die Geschichte von einem, der alles hatte. Und alles verlor.
Seine Mutter stirbt früh. Schwierige Verhältnisse. Der Vater zieht mit den Kindern nach Zürich. Hans spielt Tennis, Rugby, Fussball. Er ist Leichtathlet. Fährt Fahrradrennen. Als 18-Jähriger gründet er den FCZ mit. Gamper spielt auch beim FC Basel.
Barcelona wird sein Schicksal
1898 kommt er nach Barcelona. Er ist auf Durchreise und bleibt hängen. Bald betreibt er ein Import- und Exportunternehmen, handelt vor allem mit Zucker – ausnehmend erfolgreich. Gamper wird reich, das Fussballspielen fehlt ihm. Er sucht einen Club. Es gibt keinen. Er gründet einen. Am 29. November 1899 den FC Barcelona.
Der Club wird das Aushängeschild der Katalanen, die nichts so sehr wollen, wie die Unabhängigkeit von Spanien. Der Club hat ein Motto: «Mehr als ein Club.» Das ist bis heute ein politisches Statement. Barça ist die katalanische Nationalmannschaft der Herzen.
Gamper wird Mannschaftskapitän und er wird fünfmal Präsident . Immer dann, wenn der Verein in der Klemme steckt. Unter Gamper tut er das nie.
Er baut das erste Stadion, steckt privates Geld rein, viel Geld. Das Jahr 1925: Ab hier wird alles anders. Fünf Jahre bis zu seinem Tod. Fünf Jahre über die es kaum Informationen gibt und wenn, dann Widersprüchliche.
Was war da?
Seine Enkelin, Emma Gamper hat viele Jahre später in einem schriftlichen Interview Licht ins Dunkel gebracht: 1925. Ein englisches Schiff legt im Hafen von Barcelona an. «Mein Grossvater hat die Mannschaft eingeladen ins Stadion zu kommen. Die brachten ihre Musikkapelle mit. Und die spielten die spanische Nationalhymne. Sie haben es gut gemeint.
Aber die Katalanen pfiffen die Hymne aus. Das wurde als politische Demonstration und Opposition gewertet. Mein Grossvater war der Präsident und wurde verantwortlich gemacht.» Der spanische Diktator Primo de Rivera verwies Hans Gamper des Landes. Er durfte auf Lebenszeit keine Ämter mehr beim FC Barcelona bekleiden.
«Er ging in dieser Zeit zurück nach Zürich, eine traurige Zeit. Er war enttäuscht und musste sich sehr einsam fühlen. Barça wurde während sechs Monaten geschlossen, Büros, Spiele, alles», schreibt Emma Gamper. Irgendwann durfte ihr Grossvater zurückkehren. Aber er musste dem Club fern bleiben.
Plötzlich geht alles schief
Er investierte und spekulierte in Amerika: «Aber die Börse war nicht mehr wie früher. Er dachte, dass die Zuckeraktien steigen. Das taten sie aber nicht, plötzlich ging alles schief. Sicher hat er in diesen Jahren Hilfe gesucht, aber kein Katalane war bei ihm. Die Liebe zum Fussball war noch da. Aber nicht mehr die Freunde.»
1929 – Börsencrash. Weltwirtschaftskrise. Gamper verliert alles – geholfen hat ihm niemand: «Er erschoss sich in seiner Wohnung in Barcelona. Die Familie, seine Frau Emma und mein Vater Juan waren zuhause. Marcel der ältere Sohn war verheiratet und wohnte nicht bei ihm.» Zur Beerdigung kommen Tausende. «Da war es wohl zu spät.» 1957 soll das neue Stadion nach Hans Gamper benannt werden. Der spanische Diktator Franco verbietet das.
Und heute?
Im Museum des FC Barcelona heisst es: «Er war Katalane im Herzen.» Der strahlende Gründer ist da. Das letzte Kapitel aber fehlt: Die Zeit, als er jahrelang allein in Barcelona, ohne Club, Freunde und bald ohne Geld und Auskommen war. In der Familie war das Thema tabu. Emma Gamper ist 20 Jahre nach seinem Tod geboren. Erst als sie 14 war, erfuhr sie, wie er gestorben ist.
Sie schreibt: «Ich hätte gerne mit ihm Schweizerdeutsch gesprochen. Diesen Teil der Familiengeschichte hätte ich kennen sollen. Niemand spricht Schweizerdeutsch in meiner Familie. Als ich später nach Zürich kam, ging ich natürlich auf eine Schweizer Schule. Aber da lernte ich nur Hochdeutsch. Ich musste mich anpassen. Nicht leicht, die katalanische Sonne war weit weg. Meine Kultur war mehr katalanisch. Heute spreche ich Schweizerdeutsch mit meinen alten Studienkollegen an der ETH. Aber leider konnte ich es nicht mit ihm.»
Emma Gamper hat ein Buch über ihren Grossvater geschrieben. Es erschien 2008, fast 80 Jahre nach seinem Tod. Eine «emotionale Biografie». Sie ist vergriffen.