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INSELSPITAL, UNIVERSITÄTSSPITAL BERN
Zentrum für Mütterberatung und Familienplanung bei Rheuma- Erkrankungen
Forschungsergebnisse bei Schangerschaft und Lupus
In den Jahren 2000 bis 2003 führte das Zentrum für Mütterberatung und Familienplanung bei Rheuma- Erkrankungen am Inselspital Bern ein Forschungsprojekt durch, das den Einfluss einer Schwangerschaft auf verschiedene rheumatische Krankheiten untersuchte. An dieser Studie beteiligten sich auch Patientinnen mit systemischem Lupus (SLE).
Eine Schwangerschaft verursacht grosse Veränderungen im Körper der Mutter. Durch den Einfluss der Schwangerschaftshormone stellt sich das Immunsystem (Körperabwehr) um. Manche Aktivitäten der Körperabwehr werden während einer Schwangerschaft gedämpft, andere werden aktiviert. Das dient einmal dem ungehinderten Wachstum des Kindes im Mutterleib, zum anderen seinem Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen. Da das Immunsystem bei den Rheumatischen Krankheiten gestört ist, können Änderungen der Körperabwehr durch eine Schwangerschaft auf die Symptome der Krankheit wirken. Dies zu untersuchen war das Ziel des Forschungsprojektes.
Um Änderungen im Krankheitsverlauf erfassen zu können, war es wichtig, die Teilnehmerinnen zu verschiedenen Zeitpunkten während und nach der Schwangerschaft und wenn möglich auch schon vor der Schwangerschaft zu untersuchen. Nach der Schwangerschaft stellt sich das Immunsystem der Mutter erneut auf das Nicht-Schwanger-sein um. Die genannten Aenderungen im Krankheitsverlauf wurden in unserem Projekt anhand von klinischen Untersuchungen und Blutuntersuchungen erforscht. Im Folgenden stellen wir die Ergebnisse der klinischen Untersuchung vor.
Zu welchen Ergebnissen kam unsere Untersuchung?
Wir konnten nur sechs Patientinnen mit SLE in unsere Studie einschliessen. Fünf der Patientinnen wurden zu einem Zeitpunkt schwanger, an dem die Krankheit nicht aktiv war und die Blutwerte normal waren. Die Medikamente, die die Patientinnen einnahmen, um den Lupus unter Kontrolle zu halten, wurden auch während der Schwangerschaft beibehalten. Es handelte sich um das Hydroxychloroquin (Plaquenil), niedrig dosiertes Prednison und bei einigen der Frauen auch um Aspirin. Drei Patientinnen hatten Antikörper im Blut, die während der Schwangerschaft auf das Kind übertragen werden und in seltenen Fällen eine Entzündung am kindlichen Herzen verursachen können. Um eine solche Reaktion des Kindes rechtzeitig erkennen zu können und entsprechend zu behandeln, wurden diese Patientinnen häufig mit Ultraschall kontrolliert. Mit Ultraschall kann ein erfahrener Gynäkologe die Funktion des kindlichen Herzens überwachen. Bei keiner der Patientinnen zeigte das Kind eine Reaktion von Seitens des Herzens.
Bei fünf der SLE-Patientinnen verlief die Schwangerschaft ohne jegliche Komplikationen. Die Lupus- Krankheit verhielt sich ruhig. Bei einer Patientin war der Lupus zur Zeit des Eintrittes der Schwangerschaft aktiv und die Medikamente zur Kontrolle des Lupus waren aus einem Missverständnis heraus abgesetzt worden. Bei ihr kam es in zwei aufeinander folgenden Schwangerschaften beides Mal zu einer Fehlgeburt.
Studien an Zellen des Blutes
Bei jeder Untersuchung wurde Blut der Patientin eingefroren, um Funktionen der Zellen des Immunsystems untersuchen zu können. Diese Studien sind zur Zeit noch im Gang. Änderungen des Immunsystems in der Schwangerschaft wirken auch auf Symptome des Lupus. Früher war die Befürchtung, dass einige Stoffe, sogenannte Zytokine, die in der Schwangerschaft vermehrt gebildet werden, die Symptome eines Lupus verschlechtern können. In unseren eigenen Untersuchungen fanden wir keine Zunahme von Stoffen, die einen Lupus negativ beeinflussen. Unsere bisherigen Resultate zeigen, dass im letzten Teil der Schwangerschaft die Menge des löslichen Tumor-Nekrose-Faktors (TNF) Rezeptors deutlich zunimmt. Damit wird der entzündungsfördernde Faktor TNF neutralisiert. Es spielen aber offenbar noch andere Faktoren eine Rolle, welche wir weiterhin untersuchen möchten.
Schwangerschaft und Entbindung
Bis auf Fehlgeburten bei einer Patientin in zwei Schwangerschaften, verliefen die Schwangerschaften ebenso wie die Entbindungen ohne Probleme, auch bei Patientinnen, die während der Schwangerschaft mit Medikamenten behandelt wurden. Die Neugeborenen waren gesund, hatten ein normales Geburtsgewicht und haben sich nach Angaben der Mütter gut entwickelt.
Guten Mutes trotz Lupus
Die Teilnehmerinnen an der Schwangerschaftsstudie füllten bei jedem Besuch einen Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität aus. Da wir auch 29 gesunde schwangere Frauen in das Forschungsprojekt eingeschlossen hatten, konnten wir die Patientinnen mit den gesunden Frauen vergleichen. Zu unserer Ueberraschung konnten wir feststellen, dass Frauen mit SLE trotz der Krankheit ihre Lebensqualität genauso gut, ja in manchen Abschnitten der Schwangerschaft sogar besser als die der gesunden Frauen einstuften. Eine positive Lebenshaltung kennzeichnete also unsere Patientinnen. Für ihre Kinder ist dies sicher ein guter Start ins Leben.
Schlussfolgerungen
Bei Frauen mit Lupus verläuft eine Schwangerschaft in der Regel ohne grössere Probleme, vorausgesetzt die Krankheit ist nicht aktiv zu Beginn oder genau vor einer Schwangerschaft. Ist die Krankheit inaktiv und wird durch Medikamente unter Kontrolle gehalten, kann meist mit einem positiven Verlauf für Mutter und Kind gerechnet werden. Medikamente, die notwendig sind, um die Krankheit in Schach zu halten, sollten nicht einfach vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Medikamente, die dem Kind nicht schaden, sollten weiterhin eingenommen werden. Komplikationen, wie eine Verschlechterung der Krankheitsaktivität oder eine Fehlgeburt, sind bei Nierenbeteiligung oder aktiver Krankheit zu erwarten. Das Vorhandensein von Antikörpern gegen Zellbestandteile, die SS-A und SS-B genannt werden, bedingt die sorgfältige Überwachung der Herzfunktion des Kindes im Mutterleib. Eine Patientin mit Lupus sollte grundsätzlich während der Schwangerschaft regelmässig und häufig von Ärzten betreut werden, die das Krankheitsbild gut kennen.
Unser Forscherteam hat die Untersuchungen der Blutzellen noch nicht abgeschlossen. Um zu schlüssigen Ergebnissen zu kommen, müssen weitere Patientinnen während und nach der Schwangerschaft untersucht werden.
Die Planung und Leitung des Forschungsprojekts hatten:
Professor Monika Østensen, Professor Michael Seitz und Professor Peter Villiger.
Die Mitarbeitende im Projekt waren: Lydia Fuhrer, Renate Mathieu und Silvia Tanner Schilter.
Dank
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal herzlich bei den Teilnehmerinnen an der Studie bedanken, die so verlässlich zu jeder Kontrolle kamen. Gleichzeitig erinnern wir daran, dass unsere Studie weiterläuft und wir auch in Zukunft Patientinnen einschliessen möchten. Interessierte können sich an unsere Adresse wenden.
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Bern, 24. Februar 04
Prof. Dr. med. Monika Østensen
Leiterin Schwangerschaftsrheumatologie/-immunologie
Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie/Allergologie, Inselspital, Bern