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Polizei- und Sicherheitskräfte auf der ganzen Welt kaufen Pfefferspray verschiessende Schweizer Pistolen. Diese seien sicherer als ein Taser, ist die Herstellerfirma überzeugt.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International stellt dies jedoch in Frage. Beide Waffenarten seien gefährlich und ihre Auswirkungen nicht vorhersehbar.
Anders als die bekannten Pfefferspray-Dosen feuert die JPX Jet Protector Pistole pyrotechnisch zwei 9,4-Gramm Oleoresin-Pfeffer-Ladungen ab. Die Cayennepeffer-Extrakt-Lösung verlässt den Lauf mit einer Geschwindigkeit von 450 km/h und hat eine Reichweite von über sieben Metern.
Raphael Fleischhauer, Direktor von Piexon hat sich während der Testphase freiwillig mit der Pfefferspray-Pistole beschiessen lassen.
"Es ist wie ein Schlag ins Gesicht", sagt er gegenüber swissinfo. Es verursacht sehr starke Schmerzen. Sie können für eine halbe Stunde nichts mehr sehen. Sie sind komplett ausser Gefecht gesetzt."
Seit ihrer Lancierung vor 18 Monaten verkaufte Piexon mehr als 1000 JPX-Pistolen in rund 20 Ländern. In der Schweiz ist sie bei der Polizei im Kanton Tessin im Einsatz.
Die Pistole gehört auch zum Waffenarsenal der deutschen und japanischen Polizei und wird vom Sicherheitspersonal der Brauerei Anheuser Busch verwendet. Eine JPX-Pistole kostet rund 450 Franken.
Gefährlich oder nicht?
Weltweit führend bei den nicht-tödlichen Schusswaffen ist der Taser, eine Elektroschockpistole. Die pistolenähnliche Elektroimpulswaffe verschiesst zwei oder vier mit Widerhaken versehene Projektile gegen den Körper der Zielperson und schickt dann Stromstösse via die mit den Projektilen verbundenen Drähte.
Beim Taser-Einsatz seien aber auch schon Menschen gestorben, sagt Fleischhauer. "Die JPX ist eine Alternative mit starker Stoppwirkung. Sie ist eindeutig sicherer."
Eine Studie des US-Justizdepartements kommt zum Schluss, dass der Einsatz von Tasern Konflikte mit aggressiven Menschen zu 69% beim ersten Versuch beendet.
Laut Amnesty International sind zwischen 2001 und 2007 mehr als 300 Menschen durch den Einsatz von Tasern ums Leben gekommen. "Jede dieser Waffen ist gefährlich", sagt Amnesty-Sprecherin Denise Graf gegenüber swissinfo.
Die Verwendung von Pfefferspray in Dosen, nicht JPX, wie Fleischhauer versichert, führte bisher zu fünf Todesfällen, weil die Opfer die schweren Reizstoffe einatmeten. Sie seien erstickt, weil ihnen gleichzeitig Handschellen verpasst wurden und sie vornüber gebeugt wurden, so Fleischhauer.
Nicht nur die Polizei
Die im Kanton Bern ansässige Piexon beschäftigt acht Angestellte. Sie vermarktet die JPX als Sicherheitsgerät bei der Strafverfolgung.
Auf einem Werbevideo werden aber auch Eltern gezeigt,, die sich und ihre Kinder gegen aggressive Hunde schützen. Andere, kleinere Geräte könnten auch im Bereich der häuslichen Gewalt eingesetzt werden, meint die Piexon.
Die Pistole, erhältlich in Schwarz, Orange oder Gelb sei sicherer und effektiver als traditionelle Pfefferspray-Dosen weil sie keinen Druck verliert und keine Feststoffe austreten lässt, sagt er. Mit einer Laser-Zielvorrichtung könne zudem das Ziel genau erfasst werden.
swissinfo, Tim Neville
(Übertragen aus dem Englischen: Etienne Strebel)
Fakten
Die Schweizer Firma Piexon ist seit dem Jahr 2000 tätig.
Das Unternehmen vertreibt zusätzlich zur JPX-Pistole ein kleineres Gerät, das sich als Notverteidigungsmittel mitführen lässt.
Oleoressin-Pfeffer ist Berichten zufolge wirksamer als Tränengas, wenn er gegen Menschen eingesetzt wird, die unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol stehen, sagt Piexon.
Es wurden einige Fälle registriert, in denen Taser nicht in der Lage waren, aggressive, unter Drogen stehende Menschen zu stoppen.
Eine vom US-Justizministerium finanzierte Studie sagt aber auch, dass Polizeihunde aggressive Konfrontationen oft sehr viel effektiver stoppen können als Taser oder chemische Waffen.