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Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen. Ich war 16, als er in meine Klasse kam. Wie er vorher war, weiss ich nur von Fotos. Ein fröhlicher, sportlicher, blitzgescheiter, hübscher Junge. Vorher war vor dem Zeckenbiss. Vor der Hirnhautentzündung. Danach war er immer noch intelligent und humorvoll. Auch wenn er schwerst behindert im Rollstuhl sass, mit seinen verkrüppelten Fingern kaum einen Stift halten und nur sehr leise und mühsam sprechen konnte.
Kurze Zeit später, ich war im Austauschjahr in Australien, erreichte mich die traurige Meldung, dass er Suizid begangenen hatte. Er konnte sein Schicksal nicht akzeptieren. Ein kleiner Zeckenbiss. Ich frage mich oft, ob er noch leben würde, wäre er geimpft gewesen.
Unerträgliche Vorstellung
Ich habe seither nicht nur Panik vor Zecken, sondern auch vor Infektionskrankheiten. Die Vorstellung, einem meiner Kinder könnte so etwas passieren, wenn ich es dagegen hätte schützen können, ist für mich unerträglich. Ich weiss, dass auch Impfungen Folgen haben können. Aber dieses Argument von Impfgegnern hört sich für mich so an, wie wenn ich schwer krank zu Hause liege und mich weigere, mich ins Spital fahren zu lassen, weil ich Angst vor einem Autounfall habe.
«In Anbetracht dieser Zahlen finde ich das Argument, wer eine Infektionskrankheit durchgestanden habe, sei gesundheitlich stabiler als wer sich dagegen impfen liess, hirnrissig.»
Tatsächlich kommt es in einem von einer Million Fällen zu einer allergischen Reaktion nach einer Impfung. Andere Folgeschäden wie Asthma oder Lähmungen sind extrem selten. Im Vergleich dazu kommt es bei fünf Prozent von Leuten, die an Masern erkranken, zu Folgen wie Lungenentzündung oder Hirnerkrankungen. Bei einem von 3000 Masernpatienten verläuft die Krankheit tödlich.
In Anbetracht dieser Zahlen finde ich das Argument, wer eine Infektionskrankheit durchgestanden habe, sei gesundheitlich stabiler, als wer sich dagegen impfen liess, hirnrissig. Als einigermassen logisch denkender Mensch wähle ich doch die Option, die statistisch gesehen weniger Gefahrenpotential birgt. Auch wenn Impfgegner behaupten, es sei nicht bewiesen, dass der Rückgang von gewissen Krankheiten direkte Folgen der Einführung von Impfstoffen sei. Gut, es ist auch nicht lückenlos bewiesen, dass die Geburt eines Kindes die direkte Folge von Geschlechtsverkehr ist. Es soll da ja mal eine Ausnahme gegeben haben.
Impfpflicht ist übertrieben
Selbstverständlich sollte es jedem und jeder selbst überlassen sein, ob er sich und seine Kinder impfen lassen möchte, man muss die Konsequenzen schlussendlich selbst tragen. Aber wenn es sich um ansteckende Krankheiten handelt, sollte man sich doch mal überlegen, dass es unter Umständen dann auch andere betrifft. Das ist verantwortungslos.
Klar, die Gefahr einer Ansteckung ist nicht riesig. Vor allem, weil 92 Prozent der Kinder im Alter von 16 Jahren geimpft sind. Ich finde deshalb auch eine nationale Impfpflicht gegen Masern und Bussen bei Nichteinhaltung, wie sie einige Politiker nach den jüngsten Vorfällen fordern, übertrieben. Aber liebe Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen: Ja, meistens passiert nichts. Und wenn etwas passiert, dann meistens den anderen. Aber eben nicht immer.
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