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Verdauungsbeschwerden und Magenbrennen (Sodbrennen) sind typische Begleiterscheinungen in den letzten Monaten der Schwangerschaft.
Wie macht sich Sodbrennen bemerkbar?
Magenbrennen äussert sich durch ein drückendes, brennendes, hustenartiges Gefühl hinter dem Brustbein und in der Speiseröhre, das durch manchmal bis in den Mundraum aufsteigender Magensäure (Aufstossen, Reflux) verursacht wird und äusserst unangenehm sein kann.
Die Beschwerden treten oft etwa eine halbe Stunde nach dem Essen auf oder nachts, denn sie sind im Liegen besonders stark ausgeprägt. Auch beim Husten oder Heben schwerer Gegenstände macht sich Magenbrennen stärker bemerkbar.
Warum ist Magenbrennen so häufig in der Schwangerschaft?
Magenbrennen wird durch verschiedene Faktoren in der Schwangerschaft begünstigt: Erstens rein mechanisch durch den Druck, den das heranwachsende Baby auf den Magen ausübt. Zweitens hormonell durch die vom Progesteron bewirkte Entspannung des Schliessmuskels am oberen Magenausgang, der das Aufsteigen der Magensäure normalerweise verhindert. Hierdurch kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen, eine Reizung der Schleimhaut und Magenbrennen ist die Folge. Progesteron kann zudem auch bewirken, dass die Nahrung länger als üblich im Magen verbleibt.
Was Sie gegen Magenbrennen tun können
Es gibt einige Hausmittel, mit denen man Magenbrennen schnell und wirksam lindern kann.
Trinken Sie einen kräftigen Schluck kaltes Wasser – aber bitte ohne Kohlensäure. Empfohlen wird auch Weisskohlsaft und sehr kalte Milch.
Trinken Sie Kamillen-, Fenchel- oder Kümmeltee.
Frische Ananas oder Papaya zwischendurch in kleinen Portionen ist ein bewährtes Mittel. Auch rohes Sauerkraut, Artischocke, Bananen und reife Birnen können helfen.
Kauen Sie langsam und so lange wie möglich eine Reiswaffel, Kümmelsamen, eingeweichte Leinsamen, geschälte Mandeln oder Nüsse, trockene Haferflocken, ein Stück Vollkornbrot oder Lakritz (nicht bei hohem Blutdruck). Das neutralisiert die Magensäure.
Auch Salbeibonbons, Naturjoghurt oder ein Teelöffel mittelscharfer Senf oder Meerrettich sollen helfen.
Manche Schwangere schwört auf einen Esslöffel Kondensmilch – besonders praktisch für unterwegs in einem Portionsdöschen.
Der Saft einer roh geraspelten Kartoffel, evtl. gemischt mit etwas Apfelsaft ist angeblich sehr wirksam. Oder versuchen Sie es mit roh geriebenem Apfel.
Heilerde (auch in Form von Kapseln) und Kieselsäure-Gel gibt es im Reformhaus. Man kann beides in Säfte oder Tees mischen.
Medikamente gegen Magenübersäuerung sind auch in der Schwangerschaft kurzfristig erlaubt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
Medikamente gegen Magenbrennen
Bei sehr starkem und unangenehmem Magenbrennen und saurem Aufstossen kann Ihnen Ihre Frauenärztin oder Ihre Hebamme weiterhelfen.
Medikamente gegen Magenübersäuerung (Antazida) sind auch in der Schwangerschaft kurzfristig erlaubt. Dazu gehören auch Medikamente aus der Gruppe der Protonenpumpeninhibitoren (PPI oder Protonenpumpenhemmer) wie Omeprazol und Pantoprazol. Inzwischen wurde in verschiedenen Studien mit insgesamt etwa 6000 Schwangerschaften kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko gesehen. Omeprazol gehört deshalb inzwischen zu den Mitteln der Wahl bei Magenübersäuerung in der Schwangerschaft.
Schwächer wirkende Antacida können über drei bis vier Wochen eingenommen werden. Die Dosierung sollte 3-4 Beutel pro Tag nicht übersteigen. Danach sollten Sie einmal prüfen lassen, ob nicht eine ernsthaftere Ursache für Ihre Magenprobleme vorliegt.
Längerfristig ist es wahrscheinlich besser, wenn Sie auf aluminiumfreie Mittel ausweichen (z.B. Calcium-/Magnesiumcarbonat, z.B. Rennie®). Auch die Wirkstoffe Magaldrat (Riopan®), Sucralfat (Ulcogant®) und Hydrotalcit, aus denen Aluminium nur in Spuren resorbiert wird, kommen in Frage. Gar kein Aluminium enthält das Alginat Gaviscon®.
Bislang ist jedoch kein Fall bekannt, bei dem es durch die Einnahme von Aluminium-haltigen Antacida (z.B. Alucol®, Refluxin®) in der Schwangerschaft zu Veränderungen des Gehirns oder der Knochen bei den Feten gekommen wäre. Zwar führte die Gabe von Aluminiumsalzen im Tierversuch zu Veränderungen am Feten, aber die toxikologische Dosis lag um ein Vielfaches höher als die Mengen, die in der täglichen Praxis eingenommen werden. Anders liegt der Fall, wenn die werdende Mutter eine eingeschränkte Nierenfunktion hat; dann kann sich Aluminium im kindlichen Organismus schneller ablagern und auf die Einnahme dieser Präparate sollte verzichtet werden.
Magenbrennen in der Schwangerschaft vorbeugen
Viele einfache und verblüffende Tipps, die werdende Mütter beachten sollten:
Nehmen Sie statt drei grosser Mahlzeiten lieber fünf bis sechs kleine Mahlzeiten zu sich.
Trinken Sie eine halbe Stunde nach dem Essen Fenchel-, Melisse-, Eibischblätter, Anis- oder Kamillentee in kleinen Schlückchen. Wenn Sie beim Essen trinken, dehnt sich der Magen zu weit aus.
Sitzen Sie beim Essen möglichst aufrecht, essen Sie langsam und kauen Sie gründlich.
Verzichten Sie auf Nahrungsmittel, die die Produktion von Magensäure fördern: Zitrusfrüchte, Johannisbeeren, Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, essighaltige Salatsauce, Tomaten, Zwiebeln, hartgekochte Eier, frisches Brot, Kaffee, schwarzer Tee, kohlensäurehaltige Getränke, Schokolade und andere Süssigkeiten.
Meiden Sie Kaugummis oder Bonbons mit Pfefferminz oder Spearmint. Sie erhöhen die Säureproduktion und schwächen den Schliessmuskel.
Auf Alkohol und Zigaretten verzichten Sie hoffentlich sowieso bereits.
Sehr reife Früchte und Obst und Gemüse mit harten, faserigen Strukturen (manche Apfelsorten, Sellerie) sind ungünstig.
Meiden Sie stark gewürzte (Chili, Curry, Pfeffer), sehr fetthaltige oder gebratene Speisen. Essen Sie lieber leicht, ohne fettige Saucen und Nachspeisen mit Rahm. Das gilt vor allem für die Abendmahlzeit.
Eiweissreiche Kost soll helfen, die Magensäure zu neutralisieren und den oberen Magenausgang besser zu verschliessen.
Manchen Schwangeren hilft Bierhefe, die man zum Beispiel ins Müesli mischen kann. Oder wenn sie nach der Mahlzeit einen Löffel Senf schlucken. Das darin enthaltene Senföl soll den Reflux verhindern.
Gönnen Sie sich nach den Mahlzeiten eine Ruhepause, aber warten Sie nach dem Essen oder Trinken einige Stunden, bevor Sie sich zum Schlafen hinlegen.
Nachts hilft es Ihnen sicher schon, wenn Sie den gesamten Oberkörper (nicht nur den Kopf und Nacken) mit einem Kissen etwas höher lagern, um dem Rückfluss des Magensafts vorzubeugen.
Schlafen Sie auf der linken Seite. Dadurch liegt der Magen unterhalb der Speiseröhre und die flüssige Magensäure kann durch die Schwerkraft nicht so leicht nach oben gelangen bzw. leichter wieder in den Magen zurück fliessen als in Rückenlage oder Rechtsseitenlage. Ein gasförmiger Reflux kann zwar immer noch auftreten, macht aber weniger Beschwerden.