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Systematische Entscheidungsfehler, Wahlkampfthema: US-Staatsverschuldung.
Chart der Woche
Quelle: X, The Kobeissi Letter, @KobeissiLetter, 30.03.2024
Die Grafik zeigt die Veränderung bei den Häuserpreisen für neu erstellte Häuser in den USA. In Rot die Entwicklung in der Finanzmarktkrise, die vom Hausmarkt ausging und in Blau die Entwicklung 2023 und 2024.
Warum das wichtig ist
Die Krise am Immobilienmarkt geht nach wie vor weiter. Die Krise ist mittlerweile vergleichbar mit der Finanzmarktkrise in den USA von 2008 bis 2010. Die Finanzmärkte haben den Rückgang bisher recht gut verdaut. Die Krise hat bisher nicht auf andere Bereiche übergegriffen. Das hängt wohl mit der tiefen Arbeitslosigkeit zusammen.
An der Börse gibt es die bekannte Börsenregel "Never catch a falling knive". Ein herunterfallendes Messer sollte man nicht im Flug versuchen aufzufangen. Man wartet besser ab, bis am Boden liegt und hebt es dann gefahrenlos aus.
Systematische Entscheidungsfehler
Vergangene Woche verstarb der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman. Sein Hauptforschungsgebiet war die Psychologie des Urteilsvermögens und die Entscheidungsfindung.
Lange wurde von den Wirtschaftswissenschaftlern angenommen, dass alle Marktteilnehmer ausschliesslich rational agieren. Daniel Kahneman zeigte auf, dass dies nicht der Fall war.
Er schrieb viele Bücher zu diesem Thema, die für Anleger sehr lehrreich sind. Hier eine Auflistung der systematische Entscheidungsfehler, den viele Anleger begehen.
Verlustaversion: Menschen tendieren dazu, Verluste stärker zu fürchten als Gewinne zu schätzen. Anleger könnten etwa Aktien länger halten, um zu vermeiden, dass sie einen Verlust realisieren, auch wenn es rational wäre, zu verkaufen, um potenzielle weitere Verluste zu begrenzen.
Bestätigungsfehler: Dies tritt auf, wenn Menschen Informationen bevorzugen, die ihre vorhandenen Überzeugungen oder Hypothesen bestätigen, und dazu neigen, Informationen zu ignorieren, die diesen widersprechen. Personen könnten etwa, die glauben, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel gesundheitliche Vorteile haben, Studien ignorieren, die das Gegenteil zeigen.
Überoptimismus: Menschen neigen dazu, die Wahrscheinlichkeit positiver Ereignisse zu überschätzen und die Wahrscheinlichkeit negativer Ereignisse zu unterschätzen. Zum Beispiel könnten Unternehmer dazu neigen, die Erfolgsaussichten ihres neuen Unternehmens zu optimistisch zu bewerten und potenzielle Risiken zu vernachlässigen.
Attributionsfehler: Menschen neigen dazu, ihre eigenen Erfolge internen Faktoren zuzuschreiben, wie ihrem eigenen Können oder ihren Bemühungen, während sie Misserfolge externen Faktoren zuschreiben, wie Pech oder ungünstigen Umständen. Zum Beispiel könnten Sportler ihren Sieg ihrem Training zuschreiben, während sie eine Niederlage auf äussere Einflüsse wie schlechtes Wetter schieben.
Rückblickende Verzerrung (Hindsight Bias): Menschen tendieren dazu, vergangene Ereignisse als vorhersehbar oder unvermeidbar zu betrachten, nachdem sie bereits eingetreten sind. Dies kann zu einer Überschätzung der eigenen Fähigkeit führen, Ereignisse vorherzusagen. Zum Beispiel könnten Investoren nach einem Börsencrash glauben, dass sie die Abwärtsbewegung vorhersehen konnten, obwohl dies oft nicht der Fall ist.
Gruppenkonformität (Groupthink): In Gruppenentscheidungen kann der Wunsch nach Konsens und Harmonie dazu führen, dass Mitglieder ihre eigenen Bedenken oder abweichenden Meinungen zurückhalten, um die Gruppenzugehörigkeit aufrechtzuerhalten. Dies kann zu schlechten Entscheidungen führen, da wichtige Informationen oder alternative Perspektiven nicht berücksichtigt werden.
Quelle: ChatGPT, 29.03.2024
Es lohnt sich regelmässig diese Liste zu lesen und sich zu fragen, ob und wann man diesen Fehler auch schon einmal gemacht hat. Sollte ich die Aktie im Depot, die im Verlust ist, nicht verkaufen? Ist die Aktie im Portfolio, die einen Gewinn hat wirklich so gut oder rede, ich mir das nur ein?
Ein etwas komplizierteres Beispiel ist die Vertauschung von Ursache und Wirkung.
Ein englischer Reformer des 19. Jahrhunderts bemerkte, dass die Landwirte, die in allem massvoll und fleissig waren, mindestens ein oder zwei Kühe besassen. Die, die keine besassen, waren für gewöhnlich faul und trunksüchtig.
Er machte deshalb den Vorschlag, all denjenigen Landwirten, die noch keine Kuh hatten, eine zu geben, um sie in alledem massvoll und fleissig zu machen.“ (Quelle: Risiko im Management, Christian Glaser, Seite 326).
Im obigen Beispiel ist der Fehlschluss sehr offensichtlich. Beim nächsten Beispiel ist das etwas schwerer.
US-Staatsverschuldung
Die Migration und die Staatsverschuldung in den USA werden wohl die Hauptthemen im Wahlkampf in den USA sein.
Die Entwicklung der Staatsverschuldung in den USA sieht in der Tat besorgniserregend aus:
Quelle: Zürcher Kantonalbank, 23.11.2023
Die Grafik zeigt die Höhe der Staatsverschuldung in den USA. Grössere Krisen haben in der Regel zu einer sprunghaften Zunahme der Verschuldung geführt. So auch nach der Pandemie.
Wie in den bisherigen Fällen geht die Verschuldung (hier aufgezeigt in Relation zum Bruttoinlandprodukt) aber nicht zurück. Die Schätzungen kommen nicht von irgend einem Schwarzmaler, sondern vom COB.
Das Congressional Budget Office (CBO) wurde 1974 gegründet. Es ist ein überparteiliches Gremium des Kongresses, das aufgrund der neu geplanten Gesetzte die zusätzliche Verschuldung berechnet. Die Zahlen werden sowohl von den Demokraten wie von den Republikaner akzeptiert.
Quelle: Isabelnet, 20.03.2024
Basierend auf den Schätzungen des COB, werden sich die US-Staatsschulden von 2017 bis 2025 von 20 auf 40 Billionen verdoppeln.
Als Besonderheit gibt es in den USA eine Schuldenobergrenze, die vom Parlament festgelegt wird. Wenn diese erreicht wird, müssen sich die Parteien auf eine Erhöhung einigen, sonst würde den USA der Staatsbankrott drohen, da die Zinsen für bisherige Schulden nicht mehr bezahlt werden könnte.
2023 haben sich die Parteien zu einer Aussetzung der Obergrenze auf zwei Jahre geeinigt. Also bis nach den Wahlen. Im Gegenzug mussten die Demokraten die Ausgaben stark einschränken.
Quelle: Gold.de, 21.3.2024
Bei einer Privatperson werden die Schulden in Relation zum jährlichen Einkommen gemessen. Bei Staaten entspricht das jährliche Einkommen dem Bruttoinlandprodukt (BIP). Dies wird in der Grafik oben aufgezeigt.
Da stellt sich die Frage, welcher Wert zu hoch ist. Das ist nicht so einfach zu beantworten. Japan hat seit Jahren eine Verschuldung von über 200% des BIP und dennoch hat es gut überlebt. Griechenland mit einem Wert von 170% musste hingegen Staatsbankrott erklären.
Die Optimisten (vor allem die Demokraten) argumentieren, dass ein Staatsbankrott der USA mit dem USD als Weltwährung nicht möglich ist oder wenn überhaupt noch sehr lange dauern wird. Die Pessimisten (vor allem der harte Kern um Trump) argumentiert, dass die USA kurz vor dem Bankrott steht.
Es ist nicht nur die Höhe der Schulden wichtig, sondern auch welche Anleger die Schulden halten und welchen Preis (also Zins) sie dafür wollen.
Quelle: Gold.de, 21.3.2024
Die Grafik zeigt, welche Länder die Staatsverschuldung in den USA ermöglichen. Die drei grössten Besitzer von US-Staatspapieren sind Japan, China und die UK. Alle drei Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Bestände abgebaut, da sie lokal viele Probleme zu lösen hatten.
Wie wir weiter oben gesehen haben, steigt das Angebot an US-Staatsanleihen stark an, aber die Nachfrage nimmt tendenziell ab. Das ist bei Märkten nie ein gutes Zeichen. Im aktuellen Fall bedeutet dies, dass die USA tendenziell mehr Zinsen zahlen müssen, damit Anleger bereit sind, das grosse Defizit der USA zu finanzieren.
In der Grafik oben fehlt jedoch der grösste Besitzer von US-Staatsanleihen. Aktuell besitzt dieser Gläubiger an die 50% aller US-Staatsanleihen. Dieser Gläubiger ist die US-Notenbank! Der Staat finanziert sich weitestgehend selbst und druckt Geld und sein Defizit zu finanzieren.
Ein wichtiger Punkt ist auch die Höhe der Zinsen. Die Leitzinsen in Japan sind seit über 20 Jahren bei 0-1%. So lässt sich eine hohe Staatsverschuldung gut bewältigen.
Die USA bezahlen aktuell im Durchschnitt auf alle ausstehenden Staatsanleihen einen Zins von 3%. Alle Anleihen, die Auslaufen und alle neuen Anleihen müssen zu einem Zins von 5% ausgegeben werden. Das führt zu einem starken Anstieg der Zinszahlungen.
Quelle: X, Michael A. Arouet, @MichaelAArouet, 30.03.2024
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Zinszahlungen der US-Regierung. Aufgrund der stark steigenden Zinsen sind diese auch explodiert. Aktuell benötigt die USA 10% aller Steuereinnahmen, um die Zinsen zu bezahlen. Wenn die Zinsen stabil bleiben wird dieser Wert weiter rasant ansteigen und verkleinert den Spielraum der Regierung, staatliche Programme (inklusive des Militärs) zu finanzieren.
In der Grafik ist mit gelb eingezeichnet, wie sich die Zinslast entwickeln würde, wenn die US-Notenbank im Juni die Zinsen senkt.
Die Frage, die sich stellt, ist, wie unabhängig die Notenbank noch sein kann. Wenn sie die Zinsen nicht erhöht, riskiert sie eine Krise bei US-Staatsanleihen, von denen sie 50% besitzen.
Aktuell ist das alles bisher nicht gross ein Thema. Es herrscht die Ansicht vor, dass die USA mit dem USD als Weltwährung nicht Bankrott gehen kann. Das Thema wird aber bisher auch totgeschwiegen. Im Wahlkampf wird das Thema nun zuoberst auf die Liste gesetzt.
Die direkten Auswirkungen könnten ein tieferer USD sein. Aber wohin soll das Geld fliessen? In den EUR, ein Kontinent auf der ein Krieg ausgetragen wird oder nach China, das aktuell nicht aus der Immobilienkrise herauskommt und eine totalitäre nicht einzuschätzende Regierung hat? Die USA könnten Glück haben, dass alle Alternativen noch schwächer aussehen.
Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik
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