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von Werner Meyer
Die Region Basel wurde am 18. Oktober 1356 durch ein Erdbeben erschüttert, das als "Grosses Erdbeben von Basel" in die Geschichte eingegangen ist und als grösste Erdbebenkatastrophe nördlich der Alpen in historischer Zeit gilt. Der Verlauf der Katastrophe lässt sich aufgrund der Schriftquellen sowie der archäologischen und bauanalytischen Befunde in groben Zügen rekonstruieren, doch bleiben viele Fragen offen. So berichten die narrativen Quellen übereinstimmend, dass die Zerstörung der Stadt Basel ausser durch die Erdstösse auch durch Feuer und Überschwemmung des Birsigs verursacht worden sei, so dass es heute schwer fällt, das Ausmass der dem Beben anzulastenden Schäden festzustellen. Zudem gilt es zu beachten, dass in Basel während des ganzen 14. Jahrhunderts rege gebaut wurde. Kirchen und Klöster wurden umgebaut, private und öffentliche Bauten erweitert, erhöht oder sonst wie verändert, so dass archäologisch oder bauanalytisch in die Zeit um 1360 datierbare Bauaktivitäten kaum vom Beheben von Erdbebenschäden unterschieden werden können.
Insgesamt waren die Schäden, die das Beben angerichtet hatte, enorm. Während in der Stadt durch Beben und anschliessendem Feuer Stein- wie Holzbauten Schaden nahmen, wurden in der Landschaft vorallem die hoch ragenden Steinbauten wie Kirchen und Burgen in unterschiedlichem Masse beschädigt. Die einfachen Behausungen der Landbevölkerung bestanden aus Holz, Lehm und Fachwerk, und denen kann ein Erdbeben nicht viel anhaben.
Einige glückliche Umstände bildeten die Voraussetzung für den raschen Wiederaufbau und die Wiederherstellung normaler Verhältnisse. Die Basler Viehherden befanden sich während des Bebens auf der Weide, was ihr Überleben sicherte bzw. sie für die Fleischversorgung der Bevölkerung verfügbar machte. Die in Basels Umgebung in Scheunen eingelagerten Ernten dürften im Erdbeben kaum Schaden genommen haben und konnten nach kurzer Zeit auf den Märkten vor der Stadt feilgeboten werden.
Im Unglücksjahr 1356 amtierte als Bürgermeister der erfahrene und tatkräftige Konrad von Bärenfels, der sich zusammen mit dem Rat durch Weitsicht und Entschlusskraft auszeichnete. Mit einer Reihe von Anordnungen ermöglichte die politische Führung den raschen Wiederaufbau und verhinderte gleichzeitig eine soziale Destabilisierung sowie eine wirtschaftliche Zerrüttung der Stadt.
Das durch die herrschaftspolitischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Veränderungen bedingte "Burgensterben" des Spätmittelalters hatte in der Basler Region bereits um 1300 begonnen. Manche Burgen, die nach dem Erdbeben nicht oder nur provisorisch wiederhergestellt worden sind, wären im Laufe der folgenden Jahrzehnte ohnehin aufgelassen worden. Das Erdbeben hat demnach einen bereits laufenden Prozess bloss beschleunigt, keinesfalls ausgelöst.
, Werner : Das Basler Erdbeben von 1356 - Verlauf und Bewältigung einer Katastrophe
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 11. Jahrgang 2006, Heft 3, .