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"Noè ging in die USA gleich nachdem er Olympia-Bronze gewonnen hatte. Doch er war bis zum letzten Moment unentschlossen", erinnert sich Massimo Meloni. "Er ging in ein Land, das er nicht kannte, und obwohl er sehr an seiner Familie hängt. Dank dieser Umgebung erzielte er seine ersten Erfolge."
Der italienische Trainer war deshalb von Pontis überstürzter Heimkehr keineswegs überrascht: "Er war in seiner Trainingsgruppe nur eine Nummer. Ich glaube, nur Schwimmer vom Kaliber eines Michael Phelps werden in solchen Uni-Teams anders betrachtet."
Jedoch ein Schweizer, "so stark er auch sein mag, wird nie die Aufmerksamkeit bekommen, die er braucht", sagt Meloni, für den das Erfolgsrezept von Ponti ziemlich einfach ist: "Ich sage immer, dass ein Athlet alle Puzzleteile zusammensetzen muss, um zu glänzen. Bei Noè sind das Familie, Freunde, Trainer, Mitarbeiter und Mentaltrainer. Nur wenn alle Teile zusammenkommen, kann der Athlet sein volles Potenzial entfalten."
"Noè ist ein sehr grosses Talent, ein stilistisch schöner Schwimmer und vor allem ein wunderbarer Mensch. Zudem hat er volles Vertrauen in mich", lächelt Massimo Meloni. Der ehemalige Coach des italienischen Verbands hat seit 2017 und der Ankunft im Trainingszentrum Tenero eine fast schon verschmelzende Beziehung zu Ponti aufgebaut. "Das Vertrauensverhältnis ist für mich von grösster Bedeutung. Ein Athlet, egal wie talentiert er ist, muss seinem Trainer vertrauen. Wenn der Trainer Fehler macht, macht auch der Athlet Fehler. Und wenn der Trainer die richtigen Dinge tut, wird sich der Athlet umso mehr verbessern."
Noè Ponti ist weit davon entfernt, sein volles Potenzial auszuschöpfen. "Er hat keine Grenzen", ist Meloni gar überzeugt. Er sei schon jetzt "extrem zufrieden" mit den Zeiten, die sein Schützling bisher in Budapest geschwommen sei. Sowohl über 50 wie 200 m Delfin unterbot der 21-Jährige bislang seine Landesrekorde.
Und das Beste kommt vielleicht noch im WM-Becken, glaubt man seinem Trainer: "Noè geht die 100 Meter Delfin unter optimalen Bedingungen an." Ist also wie in Tokio eine Medaille möglich? "Ich hoffe es. Nach dem, was er über 50 und 200 Meter gezeigt hat, denke ich, dass er im Final unter 51 Sekunden bleiben oder sogar an die 50-Sekunden-Marke herankommen kann."
Der italienische Trainer ist nicht wirklich überrascht, dass sein Schwimmer so gut in Form ist: "Wir haben uns wirklich auf die WM vorbereitet. Als Trainer kann ich nicht verstehen, dass man sich nur auf die Europameisterschaften (11. bis 17. August in Rom - Red.) vorbereiten und die WM vernachlässigen kann." Das kann als indirekte Kritik an den anderen Schweizer Spitzenschwimmern interpretiert werden, haben diese doch die kontinentalen Titelkämpfe zu ihrem wichtigsten Ziel erklärt.
"Für Noè ist die WM die perfekte Gelegenheit, um noch mehr Selbstvertrauen für die Europameisterschaft zu tanken", so Meloni, der jeden Schritt auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris als wichtig erachtet: "Unser ultimatives Ziel ist es, dass Noè in Paris auf dem Höhepunkt seines Könnens ankommt."
(sda)