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Mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama führt Vivian Norris eine Art Fernbeziehung. In den Jahren 2008/2009 schrieb sie einige Artikel über Obamas Mutter Ann Dunham in der Online-Zeitung Huffington Post; über Umwege erfuhr sie, dass der amerikanische Präsident ihre Artikel zur Kenntnis nahm.
Eine Kopie ins Weisse Haus
Als Norris sich 2009 entschied, aus ihren Recherchen einen Film über Ann Dunham zu machen, da hatte ein anderer Filmemacher die gleiche Idee. Er prophezeite ihr, sie bekäme nie den Zugang und die Erlaubnis Obamas zu Archivmaterial. Doch während ihr Rivale das Projekt einstellen musste, konzentrierte sie sich auf öffentlich zugängliches Bildmaterial und brachte 2014 «Obama Mama» heraus.
Sie vernahm über Dritte, dass Obama vom Film erfahren hatte und eine Kopie für sich wünschte. Norris’ Umfeld liess dem Präsidenten eine DVD zukommen; sie hat inzwischen gehört, er sei vom Film berührt gewesen. Wenn es auch nie zum Gespräch oder Briefwechsel kam, ist sie über das Echo sehr zufrieden.
Die 50-jährige Vivian Norris hatte für ihren Film die Rechte gesichert, um ihn an Filmfestivals zeigen zu können. Wie sie im Gespräch den FN sagt, gehe diese Festivaltournee nach Freiburg zu Ende; in den kommenden Wochen wolle sie die Rechte für eine Fernsehnutzung regeln und den Film für das TV-Format kürzen. Sie habe den Film mit geringsten Mitteln realisiert, grösstenteils auf Gratis-Bildmaterial gesetzt, Reisen für Interviews mit ihren Ferien kombiniert und auf einen Sprecher verzichtet, der die Gesichte von Obamas Mutter aus dem Off erzählt. Wo die Quellen den Handlungsbogen nicht spannen konnten, trat die Regisseurin selber vor die Kamera. Die Selbstfinanzierung hatte für Norris einen grossen Vorteil: «So blieb ich bei der Umsetzung vollkommen unabhängig.»
Viele Parallelen
Auf eine gewisse Weise hatte sich ihr Weg mit dem des amerikanischen Präsidenten schon viel früher gekreuzt. Und zwar über Obamas Mutter. Zwischen Norris und Dunham gibt es nämlich in den Biografien erstaunliche Parallelen: Beide stammen aus dem Südosten von Texas, beide zog es nach Seattle und nach Indonesien, sie arbeiteten im Umfeld der Entwicklungshilfe mit Mikrokrediten im Umfeld von Mohammed Yunus und der Ford-Stiftung, beide waren alleinerziehende Mütter.
Und wie Barack Obama in der Eröffnungsszene des Films beim Dinner nach der Friedensnobelpreis-Verleihung sagt, er habe diesen Preis hauptsächlich wegen seiner Mutter erhalten, so widmete Norris den Film ebenfalls ihrer Mutter und ihrer Grossmutter.
Für Vivian Norris war Obamas 1995 verstorbene Mutter «ein Musterbeispiel für alle Mütter, die sich für ihre Kinder opfern, damit aus ihnen etwas noch Grösseres wird.» Für Norris hatte Dunhams Leben eine Dimension, die über ihre Generation hinausging.
Kritisches ausgeblendet
Doch warum der Filmtitel «Obama Mama», wenn doch die Mutter, Ann Dunham, und nicht der Präsident im Mittelpunkt steht? «Ich wollte ursprünglich einen anderen, etwas längeren Titel. Doch ich liess mich überzeugen, dass ‹Obama Mama› einfach erklärt, um was es geht. Schliesslich ist in den USA auch eine Frauenbewegung entstanden, die ‹Obama Mamas› genannt wird.»
Norris’ Film zeigt viele Facetten im Leben einer Frau auf, die zum ersten dunkelhäutigen Präsidenten in der Geschichte der USA führten. Aber er blendet allfällige kritische Punkte fast vollständig aus. «Das stimmt», sagt Norris. «Ich konzentrierte mich auf das Positive. Es wurde in der Vergangenheit viel Negatives über Ann Dunham erzählt, etwa über ihre kurze Ehe mit dem kenianischen Vater Obamas oder darüber, dass sie zeitweise auf finanzielle Hilfe angewiesen war, um sich durchzubringen.»
Für Norris aber war viel wichtiger: «Ann Dunham leistete Grossartiges.» Sie verweist auf die zweite Szene im Film, in der Obama als Präsident spricht. Es ist die Rede zur Genehmigung der Gesundheitsreform mit dem Zugang zur Krankenversicherung für alle Amerikaner–die wohl grösste Errungenschaft in Obamas Amtszeit: Er widmete den Health Care Act seiner Mutter.
«Obama Mama»,Vivian Norris (Frankreich, USA, Polen, Schweden, GB, 2014), Donnerstag, 17.3., um 18.30 Uhr, Arena 1.
Zur Person
Auf der ganzen Welt zu Hause
Die 1966 in Texas geborene Vivian Norris lebte, arbeitete und studierte den Grossteil ihres Erwachsenenlebens in Paris, Rom, Seattle, Austin und Oslo. Daher spricht sie neben Englisch auch gut Französisch. Sie erhielt einen Doktortitel im Bereich Globalisierungsstudien; die Dissertation thematisierte «Medien und Globalisierung.» In Seattle gründete sie das «Women in Cinema Film Festival». Die Amerikanerin schreibt als freischaffende Autorin über Wirtschaft, Film und Technologie für BBC online, dazu arbeitet sie für die Organisation «Microcredit». Nebst dem Film über Obamas Mutter produzierte und arbeitete sie auch an einem Film über Mohammed Yunus, Nobelpreisträger für seine Arbeit zur Bekämpfung der Armut. Norris hat zwei weitere Filmprojekte in der Pipeline: Mikrokredite am Beispiel von vier Frauen rund um die Welt und eine Dokumentation über Öl und Gas.uh