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Hochverehrter Herr!
Ich habe nach zweitägigen, sehr eingehenden Verhandlungen mit Herrn Baudirector Hellwag den Entwurf zu einem Vertrage mit ihm vereinbart, gemäß welchem ihm die Oberingenieurstelle der Gotthardbahn übertragen wird & er diese Stelle schon mit dem 10 April antritt. Der Eindruck, den ich von ihm empfing, war schon bei der ersten Begegnung ein günstiger. Je mehr ich mit ihm verhandelte, desto mehr leuchtete mir sein ganzes Wesen ein. Der Vertragsentwurf, den ich letzten Montag der Direction vorlegte, wurde gut aufgenommen. Morgen erfolgt die definitive Antragstellung der Direction an den Verwaltungsrath. Am 7 April tritt der Verwaltungsrath zusammen, um die endgültige Schlußnahme zu fassen.
Hellwag ist heute Abend in Zürich ange| kommen. Er wird mich morgen früh nach Luzern begleiten, wo ich ihn mit den Mitgliedern der Direction bekannt machen werde, bevor die letztere ihren Antrag an den Verwaltungsrath über meinen Vertragsentwurf beschließt. Am Nachmittage gedenkt er nach Bern zu reisen, wo er Abends 6 Uhr eintreffen wird. Sein Hauptzweck dabei ist, die alte Bekanntschaft mit Ihnen zu erneuern, wie er überhaupt mit ebenso viel Freundschaft als Anerkennung von Ihnen spricht. Er würde Sie gar zu gerne gleich nach seiner Ankunft in Bern auf Ihrem Bureau besuchen. Ich glaubte es übernehmen zu dürfen, dieß zu vermitteln, & ich komme nun, Sie zu bitten, Hrn. Hellwag morgen (Donnerstag) Abend nach 6 Uhr im Bundesrathhause empfangen zu wollen. Sollten Sie hieran verhindert sein, so ersuche ich Sie, mir im Laufe des morgenden Vormittages ein Telegramm nach Luzern (Bellevue) zu senden. Erhalte ich kein solches, so nehme ich an, daß Sie bereit seien, Hrn. Hellwag zu der angegebenen Zeit zu empfangen. Ich würde Sie dann bitten, Hrn. H. am Freitag Morgen mit Hrn. Welti bekannt | zu machen. Vielleicht wird er auch bei Hrn. Scherer vorsprechen, weil er ihn seit letztem Herbste kennt. Er wird am Freitag Nachmittag mit Zug 10 von Bern abreisen & auf dem Rückwege nach Zürich in Aarau Hrn. Feer-Herzog besuchen. Am Samstage wird er voraussichtlich noch in Zürich bleiben, um am Sontage früh nach Wien zurückzukehren. Wenn Sie mir am Freitage Nachmittag mit ein Paar Zeilen mittheilen wollten, welchen Eindruck H. auf Sie & auf Hrn. Welti gemacht hat, so wäre ich Ihnen sehr verbunden dafür.
In freundschaftlicher Hochachtung
Ihr ergebene
Dr A Escher
Zürich
31 März 1875.
Abend spät.