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Am Ende blieb Fannie Mae und Freddie Mac keine Wahl. Den zwei US-Hypothekengiganten wurde mitgeteilt, dass sie der Übernahme durch die Regierung zustimmen könnten – oder sie würde trotzdem passieren. Es gab keinen dramatischen Auslöser oder die Angst vor einem unmittelbar bevorstehenden Kollaps. Im Finanzministerium und der Notenbank konnte man sich einfach der Erkenntnis nicht länger verschliessen, dass die Unternehmen in ihrer aktuellen Form nicht überleben würden und ein Zusammenbruch verheerend für die Wirtschaft wäre. Die Entscheidung wurde wochenlang besprochen. Hier ein Abriss der Ereignisse:
Im Juli 2008 erhielt US-Finanzminister Henry Paulson vom Kongress den Auftrag, die Unternehmen mittels eines Kredits oder einer Kapitalinvestition zu stützen. Er heuerte die Investmentbank Morgan Stanley an, um die Bücher von Fannie und Freddie zu prüfen und Pläne zu erarbeiten, wie ein Investment – falls nötig – strukturiert sein sollte. Im Finanzministerium hoffte man, die Märkte allein durch die Aussicht beruhigen zu können, bei Fannie und Freddie würde notfalls der Staat eingreifen.
Die Probleme mehren sich
Doch aufgrund der Unsicherheit, wie eine Intervention die Aktionäre beeinträchtigen würde, fielen die Aktien von Fannie und Freddie stark und machten es den Unternehmen fast unmöglich, neues Kapital zu beschaffen. Zur selben Zeit entdeckten die Bankenaufseher der Regierung und die Banker von Morgan Stanley, dass die Institute mit einem ernsten Kapitaldefizit konfrontiert waren.
Am 7. August trafen sich die Leiter des Teams von Morgan Stanley, Robert Scully und Ruth Porat, mit Finanzminister Paulson zum ersten Mal. Paulson sagte ihnen, dass alle Optionen für eine Intervention offen seien. 40 Angestellte von Morgan Stanley beschäftigten sich zu dieser Zeit mit dem Thema. Sie stellten Paulson laufend aktuelle Informationen zur Verfügung. Das Finanzministerium fragte, wie viel Geld vonnöten sei. Doch bald wurde klar, dass Geld allein nicht reichen würde. Sollte das Finanzministerium 10 Mrd Dollar zur Verfügung stellen, würde der Markt 20 Mrd Dollar sehen wollen; bei 20 Mrd Dollar würde der Markt 30 Mrd Dollar fordern.
Am Morgen des 18. August präsentierte Morgan Stanley dem Finanzministerium die vorläufigen Ergebnisse. Die Besprechung, an der etwa 30 Menschen teilnahmen, dauerte den ganzen Tag. Das Fazit: Die Unternehmen standen vor einem grossen Finanzloch. Basierend auf Schätzungen, wie sich der Hausmarkt in den nächsten 18 Monaten entwickeln würde, ermittelten die Morgan-Stanley-Leute, dass die Institute etwa 50 Mrd Dollar brauchten. Paulson und sein Stab erkannten, dass eine Kapitalspritze allein nicht ausreichen würde.
Morgan Stanley präsentierte dem Finanzministerium drei Optionen: Zwangsverwaltung, eine weniger aggressive Option namens «Conservatorship», bei der die Regulierungsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) die Geschäfte leiten würde, und die Option, dass die Unternehmen versuchen, selbst Kapital einzusammeln.
Warnungen ignoriert
Ende August, während der Klausurtagung der Notenbank in Jackson Hole, stahlen sich Top-Mitglieder der Fed aus den Konferenzen, um sich zur Diskussion der Optionen zu treffen. Paulson hatte die Fed im Juli nach ihrer Meinung gefragt, woraufhin die Aufsichtsbeamten mit der Überprüfung der Finanzen von Fannie und Freddie begannen. Die Fed hatte schon seit zehn Jahren Warnungen im Hinblick auf die Hypothekenriesen ausgegeben.
Die Entscheidung wurde während eines Besprechungsmarathons am Labor-Day-Weekend (30./31. August) getroffen. Ein Dutzend Mitglieder des Finanzministeriums, einschliesslich Paulson, traf sich mit Fed-Chef Ben Bernanke, Fed-Governor Kevin Warsh, dem Leiter der Fed-Rechtsabteilung und dem Team um FHFA-Chef James Lockhart. Sie stellten fest, dass sie nur fragwürdige Alternativen hätten. Allerdings waren sie sich einig, dass es ein zu hohes Risiko sei, untätig zu bleiben.
Am Samstagabend, 31. August, tendierte die Entscheidung Richtung Conservatorship als beste Option. Den folgenden Freitag wurden Fannie-Chef Daniel Mudd und Freddie-CEO Richard Syron in die FHFA-Büros in Washington zu separaten Gesprächen vorgeladen