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Der Alpinismus wird immaterielles Kulturerbe der UNESCO
Bern, 11.12.2019 - Die UNESCO hat heute den Alpinismus in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Diese multinationale Kandidatur wird von Alpinistinnen und Alpinisten sowie Bergführerverbänden aus Frankreich, Italien und der Schweiz getragen und stellt den Alpinismus als traditionelle Praktik dar, die von einer gemeinsamen Kultur und von Gemeinschaft geprägt ist.
Das 14. Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat am 11. Dezember 2019 an seiner Sitzung in Bogotá entschieden, den Alpinismus auf seine repräsentative Liste aufzunehmen. Die multinationale Kandidatur ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz, unter der Leitung von Frankreich.
Der Alpinismus ist geprägt von einer gemeinsamen Kultur, von geteilten Kenntnissen über die Geschichte der Praktik selbst und ihrer Werte und von spezifischen Kenntnissen (Technik des Aufstiegs und der Sicherung oder Verwendung des Materials). Zwingende Voraussetzung ist der Erwerb eines vielfältigen Wissens über das natürliche, unbearbeitete Terrain, über wechselnde klimatische Bedingungen und über die richtige Einschätzung unvorhergesehener Ereignisse. Die Kultur des Alpinismus stützt sich auf ethische Grundlagen im Zusammenhang mit der Schönheit der Routen und der Bewegung des Aufstiegs und sie lässt ethische Prinzipien entstehen: den Einsatz aller, den sparsamen Umgang mit den Mitteln, das richtige Abschätzen von Risiken und die Pflicht zur gegenseitigen Hilfe und Rettung zwischen den Praktizierenden.
Der Alpinismus beruht auf Formen der Gemeinschaft. Das Zusammensein in den Hütten bietet den Alpinistinnen und Alpinisten Gelegenheit, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Die «Seilschaft» als grundlegende physische Verbindung der Alpinistinnen und Alpinisten versinnbildlicht die Solidarität und erfordert von den Partnerinnen und Partnern ein gegenseitiges Verständnis und ein stetes Teilen der Verantwortung. Im Alpinismus hat der Wettkampf keinen Platz.
Die Kandidatur wurde getragen durch Organisationen von Alpinistinnen und Alpinisten wie dem Schweizer Alpen-Club (SAC) und durch nationale Bergführerverbände wie dem Schweizer Bergführerverband (SBV). Die Städte Chamonix (Frankreich) und Courmayeur (Italien) sowie Orsières und der Kanton Wallis (Schweiz) haben die Kandidatur direkt unterstützt. Die Universität Genf hat wissenschaftlich mitgearbeitet.
Das Zwischenstaatliche Komitee gratuliert Frankreich, Italien und der Schweiz zu ihrem multinationalen Dossier von grosser Qualität. Es zeugt von der aktiven Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften zur Ausarbeitung einer Kandidatur und zur Erhaltung des Elements und unterstreicht als positives Beispiel für eine nachhaltige Beziehung zwischen Mensch und Umwelt die Wichtigkeit des traditionellen Wissens über die Natur.
Kandidaturen der Schweiz
Im Oktober 2014 hat der Bundesrat eine Vorschlagsliste von acht Schweizer Traditionen genehmigt, deren Kandidaturen der UNESCO laufend für eine Aufnahme auf die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorgelegt werden. Auf dieser Vorschlagsliste figurieren das Winzerfest in Vevey (seit 2016), die Basler Fasnacht (seit 2017), der Umgang mit der Lawinengefahr (seit 2018) sowie Schweizer Grafikdesign und Typografie, die Schweizer Alpsaison und der Jodel. Die Historischen Prozessionen in Mendrisio werden an der aktuellen Sitzung des Zwischenstaatlichen Komitees diskutiert und das Dossier des Uhrmacherhandwerks wurde im März 2019 eingereicht. Des Weiteren beteiligte sich die Schweiz an den multinationalen Kandidaturen der Kunst des Trockenmauerbaus, aufgenommen 2018, sowie des Alpinismus.
Mit dem Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, das sich von der Welterbekonvention unterscheidet, will die UNESCO ein Kulturerbe thematisieren und schützen, das weniger mit Bauten oder Räumen zusammenhängt, sondern in erster Linie mit der Zeit sowie mit gemeinschaftlichen Praktiken und gesellschaftlichen Interaktionen. Dieses Erbe umfasst lebendige Traditionen wie mündliche Ausdrucksformen, darstellende Künste, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken. Es widerspiegelt somit die kulturelle Vielfalt und zeugt von der menschlichen Kreativität.
Adresse für Rückfragen
Zu den Abläufen und Kandidaturen:
Daniel Menna, stv. Leiter Kommunikation, Bundesamt für Kultur, <email-pii>, Tel.: +41 58 469 69 50
Zur Praktik des Alpinismus:
Schweizer Alpen-Club SAC, Françoise Jaquet, Präsidentin, <email-pii>, +41 79 642 91 74
Schweizer Bergführerverband (SBV), Pierre Mathey, Geschäftsführer, <email-pii>, +41 79 330 14 11
Herausgeber
Bundesamt für Kultur
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Letzte Änderung 25.03.2019