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Haben die SCL Tigers ein Spiel verloren, das sie um jeden Preis hätten gewinnen müssen?
Kevin Schläpfer ist Headcoach des EHC Biel und schaffte mit seinem Team nicht nur die Playoffs, sondern brachte in diesen dank drei Siegen den jetzigen Finalisten Gottéron in arge Bedrängnis. Schläpfer wäre von seinem Posten zurück getreten, wenn er die Playoffs nicht erreicht hätte.
Manchmal werden wir Zeuge eines Gesprächs, das uns weiter bringt. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, in ein Gespräch rein zu hören, das EHC Biel Coach Kevin Schläpfer mit einer andern Person führte. Es lohnt sich, einige seiner Aussagen Schläpfers kund zu tun, und darüber nachzudenken.
1. Aussage: «Es gibt im Leben wie im Eishockey Situationen, in denen du einfach gewinnen musst. In meiner Laufbahn als Trainer war dies bisher drei Mal der Fall. Zwei Mal in der entscheidenden Partie der Ligaqualifikation, und einmal im Spiel gegen den EV Zug, das uns in dieser Saison die Playoffs brachte.»
2. Aussage: «Wenn du deinem Team sagst, dass es jetzt um alles geht, - um wirklich alles, - und dass heute so ein Tag ist, an dem du gewinnen musst, koste es, was es wolle, und du verlierst dann trotzdem, dann ist die Zeit gekommen, zurückzutreten. Denn dann hast du alles gegeben. Du kannst nicht mehr zulegen, und auch dein Team nicht mehr weiter bringen. Du bist ausgeschossen. In dieser Situation muss ein Neuer ran.
3. Aussage: «Wenn ich in diesem Jahr die Playoffs verpasst hätte, wäre ich sofort zurückgetreten. Denn ich legte all meine Energie in dieses Ziel, und ich spürte, dass ich im Falle eines Scheiterns nicht mehr genügend Energie gehabt hätte, um mein Team durch die schwierige Situation zu führen. Deshalb sagte ich vor dem Spiel gegen den EV Zug, dass dies jetzt ein Spiel sei, das wir um jeden Preis gewinnen müssen. Hätten wir verloren, und ich wäre trotzdem Coach geblieben, wäre dies für den EHC Biel nicht gut heraus gekommen.
4. Aussage: «Als ich noch Sportchef und noch nicht Coach des EHC Biel war, entliess ich nach dem zweiten Spiel der Ligaqualifikation 2009 Heinz Ehlers, und vor Beginn der Ligaquali 2010 Kent Ruhnke. Beiden fühlte ich vorher auf den Zahn und spürte, dass sie dem Team nicht mehr die Energie vermitteln konnten, die es für den Ligaerhalt gebraucht hätte. Sie waren ausgeschossen!
Kevin Schläpfer machte seine Aussagen nicht im Zusammenhang mit den SCL Tigers. Aber Schläpfer ist, gemessen an den Möglichkeiten, die ihm in Biel zur Verfügung stehen, der derzeit wohl erfolgreichste Coach der NLA. Sein Wort muss Gewicht haben. Bringen wir seine Aussagen nun trotzdem in Zusammenhang mit den SCL Tigers, so bedeutet dies, dass die Entscheidungsträger, sei dies nun Sportchef Köbi Kölliker, oder aber die Verwaltungsräte, sehr genau hinschauen und nachfragen müssen, ob Alex Reinhard als Headcoach noch genügend Pfeile im Köcher hat, um mit den SCL Tigers den Ligaerhalt zu schaffen, oder ob er «ausgeschossen» ist. Wir hoffen, Köbi Kölliker und die Verwaltungsräte haben dies getan.
Alex Reinhard ist ein sehr guter Coach. Er geniesst meinen vollen Respekt als Mensch und als Coach, denn er hat die SCL Tigers in einer sehr schwierigen Situation übernommen, und sie zumindest ein Stück weit stabilisiert. Er verfügt über ein gewaltiges Fachwissen im Eishockey, und er ist ein harter, akribischer Arbeiter, der nichts, was in seinen Möglichkeiten steht, - und seine Möglichkeiten sind nicht klein, - unversucht lässt. Aber war nicht das Spiel 7 in Rapperswil ein Spiel, von dem Alex Reinhard vorher zu seinem Team hätte sagen müssen, dass dieses um jeden Preis gewonnen werden muss? Dass jetzt eine Situation im Leben gekommen ist, in der man einfach nicht verlieren darf, und alles, wirklich alles für den Sieg tun muss? Falls dies so ist, stellt sich nach der klaren Niederlage die Frage, wie er denn jetzt sein Team noch motivieren will. Und falls dem nicht so gewesen sein sollte, stellt sich die Frage: Weshalb nicht?
Der Verwaltungsrat der SCL Tigers hat beschlossen, mit Alex Reinhard, der noch einen Vertrag als Assistenzcoach bis Ende Saison 2014/15 hat, als Headcoach in die Ligaqualifikation zu gehen. Sie würdigen damit die grosse Arbeit von Alex Reinhard und die Fortschritte, die er mit seinem Team erzielte, und nehmen damit die Spieler in die Pflicht, die für ihre hohen Löhne die entsprechende Leistung liefern sollen. Alex Reinhard hat uns verschiedentlich positiv überrascht. Hoffentlich schafft er es ein weiteres Mal. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um den Verbleib in der NLA.
Und um die Frage im Untertitel zu beantworten: Ja, die SCL Tigers haben ein Spiel verloren, das sie um jeden Preis hätten gewinnen müssen!