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| Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

FÜNFTES BUCH. Die Argumente der Häretiker werden dargestellt und widerlegt. Da sie glauben, es gebe in Gott nur substanzielles Sein, nehmen sie an, daß Zeugen und Gezeugtwerden, Gezeugtsein und Ungezeugtsein sich auf die Substanz bezieht und demgemäß eine Substanzverschiedenheit im Gefolge hat. Augustinus weist demgegenüber nach, daß es in Gott außer dem substanziellen auch ein relatives Sein gibt. Da die Personen nur relativ voneinander verschieden sind, Personenunterschiede Relationen besagen, besteht trotz der Unterschiede zwischen den Personen Substanzeinheit.
15. Kapitel. War der Heilige Geist auch Geschenk, bevor er geschenkt wurde.
16. Es drängt sich die weitere Frage auf, ob, wie der Sohn dem Geborenwerden nicht nur sein Sohnsein, [S. 209] sondern sein Sein überhaupt verdankt, so der Heilige Geist dem Geschenktwerden nicht nur sein Geschenksem, sondern sein Sein überhaupt verdankt, ob er also schon ein Sein hatte, bevor er geschenkt wurde, aber eben ohne noch Geschenk zu sein, oder ob er schon dadurch, daß Gott die Absicht hatte, ihn zu schenken, Geschenk war, auch noch bevor er tatsächlich geschenkt wurde. Doch wenn er nur hervorgeht, indem er geschenkt wird, dann würde er zweifellos nicht hervorgehen, bevor jemand existiert, dem er geschenkt wird: wie sollte er dann eine Substanz sein, wo er nur durch das Geschenktwerden Existenz bekommt, wie der Sohn der Zeugung nicht nur sein Sohnsein, das ein beziehentliches Sein besagt, sondern sein Sein überhaupt, eben seine Substanz verdankt? Oder ist der Hervorgang des Heiligen Geistes doch ein immerwährender, und geht er nicht in der Zeit, sondern von Ewigkeit hervor, und war er schon dadurch, daß er als schenkbar hervorging, Geschenk, auch bevor er tatsächlich geschenkt wurde? So ist es. Etwas anderes bedeutet ja Geschenk, etwas anderes geschenkt. Geschenk kann etwas sein, auch bevor es tatsächlich gegeben wird; geschenkt aber kann es erst heißen, wenn es gegeben ist.