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Stallscheune
Stallscheune in Saillon (VS, CH), Massstab 1:100;
Quelle: Zeugen...
Stallscheune auf dem Weg von Naters nach Geimen (VS, CH)
Stallscheune in Bürchen (VS, CH);
auf diesem Bild erkennt man deutlich die verschiedenen Türen: die Stalltüre (Stallpoort) unten, dann die Futtertüre als Zugang zur Scheune (Etzpoort) und schliesslich oben den Einwurf (Iwurf) eine grosse Öffnung in die das Heu (Burdi) bei der Ernte geworfen wird.
Stallscheune in Reckingen, Massstab 1:100
Quelle: Zeugen...
Stallscheune in Reckingen mit traufseitig gelegenen Türen, Massstab 1:100
Quelle: Zeugen...
Stallscheune
Die Gebäude der Rindviehzucht im Dorf haben zwei wichtige Funktionen zu erfüllen : dem Vieh Unterkunft zu bieten und die Futtervorräte zu bergen.
Früher hielt man die Kühe im Spätherbst, bei Winterbeginn und dann wieder ausgangs des Winters und im Vorfrühling im Dorf. In dieser Zeit mussten die Tiere in Ställen untergebracht werden.
Während der Zeit, in der das Vieh im Dorfe war, standen dem Bauern zwei Fütterungsarten zur Verfügung. Im Spätherbst und im Frühjahr wurde das Vieh, wenn es die Witterung erlaubte, tagsüber auf die bewässerten Wiesen in Dorfnähe geführt, im Früh- und Spätwinter wurde es mit dem im Sommer auf denselben Wiesen gewonnenen Heu gefüttert, was die Notwendigkeit der Scheunen erklärt.
Grundsätzlich können die zwei für die Viehzucht im Dorf unentbehrlichen Bauten, die Scheune und der Stall, sowohl getrennt wie auch vereint vorkommen. Im Wallis ist der zweite Fall der übliche, wie in anderen, Gebieten, aber die Stallscheune, die man beim Fehlen einer Tenne eher Heustall zu nennen pflegt, wird je nach Kantonsteil auf verschiedene Weise verwirklicht.
Unsere Stallscheune findet sich überall vor St-Maurice an rottenaufwärts. Sie ist durchwegs vom Wohnhaus getrennt und bildet ein selbständiges Gebäude, das im Untergeschoss den Stall und darüber die Scheune beherbergt. In den Dörfern sind oft Stallscheunen und Wohnhäuser regellos verstreut, im Goms aber (und anderortes nach Feuersbrünsten finden sich öfters eigentliche landwirtschaftliche Dorfviertel etwas abseits der Wohnhäuser, z.B Oberwald).
Die ältesten Typen der Stallscheunen bestehen aus reinem Blockbau (Kantholzblock mit Vorstössen), wobei im Goms oft selbst der Stall aus, Holz erstellt ist und sich so die steinerner Grundmauern auf das Allernotwendigste beschränken (Abb. 23 a und b). Das Dach ist mit Rohschindeln oder mit Schieferplatter gedeckt.
Ein etwas weiter entwickelter Typus zeigt einen gemauerten Stall mit einer darüber liegenden Scheune in gestricktem Blockbau.
Im mittleren Wallis, vor allem auf den. rechtsseitigen Rottenufer ist eine weitere Variante verbreitet (Lenk bis Fully), die sich in jüngerer Zeit, besonders nach Feuersbrünsten, weit herum ausbreitete (z.B. in Basse-Nendaz vom 19. Jahrh. an). Diese Stallscheune besitzt ausserdem gemauerten Stall in den einfachsten Fällen vier gemauerte Ecken, in denen die Bretterwände verankert sind. Stattliche Stallscheunen dieser Art weisen einen oder mehrere gemauerte Zwischenpfeiler auf, die Firstbalken und Pfetten tragen. Die verschiedenen Zwischenpfeiler ermöglichen es, mit den üblichen Brettlängen grössere Gebäude zu erstellen.
Gewöhnlich besitzt der Stall eine Tür an der meist talwärts gerichteten Vorderseite. Der immer sehr niedrig gehaltene Innenraum weist einen grobgepflasterten, in der Türachse liegenden Gang auf. Meist handelt es sich um einen Mittelgang mit beidseits etwas erhöht liegenden hölzernen Liegeplätzen (Läger, Bett) für das Vieh. Die einfache der Wand entlang laufende Krippe (Baarma) besteht aus einem waagrechten und einem leicht geneigten Brett, welches das Futter zusammenhält und an das die Kühe gebunden werden.
In weitaus den meisten Fällen besitzt die Scheune eine einzige, meist bergwärts oder traufseitig angebrachte Türe. Sie ist gross genug, um das Einbringen des Heus zu erlauben (Iwurf). Es gibt aber auch wahrscheinlich primitivere Scheunentypen, bei denen das Heu durch eine Dachluke eingebracht wird (vor allem in den Vispertälern, im Lötschental und früher in den Bagnes- und Entremonttälern) ; das Heu zum Füttern der Tiere wird in diesem Fall durch eine kleinere seitliche Türe geholt. Keine unserer ältesten Stallscheunen kennt die anderorts üblichen Heulöcher, die es ermöglichen, das Heu auf direktem Wege aus der Scheune in die Krippen zu befördern. Das Heu wurde aus der Scheune, meistens in einer speziellen Schürze (Hirterforscher), vom Heustock durch das Freie in den Stall gebracht. Der Heustall (« Gade ») der Gommer Landwirte verkürzt diesen Heutransport durch zwei Fronttüren (Etzpoort) mit Aussentreppen zur Stalltüre . Diese von der Stalltüre weg symmetrisch zu den seitlichen Türen hochsteigenden Treppen ergeben ein charakteristisches Bild. Sind nun aber mehrere Heuställe nebeneinandergebaut, so können Stalleingang und Aussentreppen auch traufseitig liegen.
Quelle:
- Zeugen der Vergangenheit im Wallis von heute. (Maiarbeiter der französischen Originalfassung Dr. Roae-Claire Schüle und Dr. Walter Ruppen übertrugen den Text ins Deutsche). Staat Wallis (DEKS), Sitten, 1975, S. 28 f.
- Kurztitat: Zeugen..
- Volmar Schmid 10. Februar 2008