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Libertäre haben es nicht leicht. Auch in den USA nicht. Zwar haben radikalliberale Ideen auf der anderen Seite des Atlantiks mehr Anhänger. Da diese jedoch über das ganze Land verstreut leben, bleibt ihr Einfluss gering. Dem Studenten Jason Sorens kam deshalb 2001 die zündende Idee: Würde eine grosse Zahl Libertärer in einen kleinen Bundesstaat umsiedeln, könnten sie dort die lokale Politik beeinflussen. Die Wahl fiel auf den Ostküstenstaat New Hampshire, der – für amerikanische Verhältnisse – mit 1,3 Millionen Bewohnern nicht nur durch Überschaubarkeit besticht, sondern bereits jetzt einem libertären Paradies gleicht: Die Einwohner zahlen keine Einkommenssteuer, das offene Tragen von Waffen ist ihnen ebenso erlaubt wie der Kauf von Cannabis als Medikament.
Anfang dieses Jahres hat das «Free State Project» das angestrebte Ziel von 20 000 Mitgliedern erreicht, die sich bereit erklären, nach New Hampshire zu ziehen. Rund 2000 «Free Stater» haben sich bereits als «early movers» in die neue Heimat gewagt, manche sogar bis ins Repräsentantenhaus. Dort versuchen sie u.a. die Einführung einer allgemeinen Gurtpflicht zu blockieren, denn noch ist New Hampshire der einzige US-Staat, in dem es erlaubt ist, sich unangegurtet ans Steuer zu setzen. Alles andere wäre dem Staatsmotto «Live free or die» wohl auch nicht angemessen.
Ob die Siedler den Fünfjahresplan umsetzen oder sich am «Granite State» die Zähne ausbeissen, ist noch nicht absehbar. Wer sich schon heute eine Vorstellung davon machen will, wie ihr «American Dream» aussehen würde, kann im Juni in die Kleinstadt Lancaster pilgern. Dort üben sich die Libertären während des einwöchigen Stachelschweinfests («PorcFest») im staatenlosen Leben. Laut CNN ist das Festival der einzige Ort in Amerika, «an dem man sich gleichzeitig über polyamore Hochzeiten beraten, einen Vortrag über die ökonomischen Theorien von Ludwig Mises anhören und sich abends am Lagerfeuer mit einem Ballon voll Lachgas entspannen kann».
Das Festival sei auch bei Familien mit Teenagern beliebt, heisst es von offizieller Seite.
Florian Oegerli
ist redaktioneller Mitarbeiter dieser Zeitschrift.