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Als Ereignis bezeichne ich ein in einem Handlungszusammenhang erzählbares Geschehen, das ich als relative Ganzheit zeitlich isoliere und bezeichne. Ein Ereignis hat einen Ort, einen Zeitpunkt und eine Dauer und begründet Zustände oder deren Aufhebung. Ein Ereignis ist in diesem Sinn eine Phase eines Prozesses, in welchem sich der Zustand von für mich relevanten Variablen schnell und stark verändert. Ereignisse geschehen, ich mache sie nicht. Ereignisse werden aber in dem Sinne gemacht, als sie von einem Beobachter als relevante Momente beobachtet werden. Ereignisse sind bedingt vorhersehbar, so dass man auf sie - etwa gegen Versicherungsgesellschaften - wetten kann.
Beispiele:
ein Vulkanausbruch, ein Unfall, die Geburt eines Menschen
Umgangssprachlich (etwa in der Wikipedia durch Weiterleitung) wird Ereignis und Geschehen synonym verwendet. Das quasi-etymologische "eräugen - vor Augen stellen" deute ich aber als Moment innerhalb eines Geschehens, in welchem dessen Relevanz zu Tage tritt.
Beispiel:
Ein Mensch entsteht nicht bei seiner Geburt, aber er kommt dann vor die Augen seiner Mutter, was sie als speziellen Moment - der seinerseits eine Dauer hat - beobachten und erleben kann.
Ereignisse, die ich erlebe, bezeichne ich als Erlebnisse.
Als Nachrichten bezeichne ich Berichte von Ereignissen.
Nachrichten können erfunden sein (Lüge, Irrtum).
Notizen
Das Bezeichnen von Ereignissen ist der Anfang von Geschichten, die das Geschehen in einer Welt verorten, die ich als 3 Kränkungen des gesunden Menschenverstandes bezeichne.
Das Ereignisse ist das Rhema der darüber erzählten Geschichte.
In der Wahrnehmung passiert nichts, wenn ich zum Zeitpunkt t und t+1 keinen Unterntscheide beobachte. Ich schaue aus dem Fenster, es passiert nichts. Jetzt fliegt ein Vogel vorbei. Das passiert zwar oft, aber jetzt gerade auch und gerade vorher ist es nicht passiert. Dieses Ereignis findet logischerweise nur einmal statt, ich kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.
Wenn ich lange genug aus dem Fenster schaue, wird es Nacht oder Winter. Das sind keine Ereignisse sondern Geschehen. Wenn es zu regnen beginnt, kann ich das als unerwartetes Ereignis erleben. Wenn es dann regnet, ist der Regen kein Ereignis mehr, es verändert sich vor meinem Fenster (Auge) nichts mehr, was ich beobachte.
H. Arendt schreibt, dass der Herstellungsprozess das Denken des Homo fabers in dem Sinne bestimme, dass er einen Anfang habe und einer linearen Geschichte beschrieben werde, während natürliche Prozesse kreisförmige Wiederholungen seien. Das Leben der Menschen sei eine endlose Abfolge, während das Leben eines einzelnen Menschen eine Geschichte repräsentiere.
Aus entsprechender Distanz ist das Leben eines Menschen, sein Auftauchen, ein Ereignis.
Ereignisse eignene sich als Elementareinheit von Prozessen. Sie sind kleinstzeitlich fixiert und komen nur einmal vor (Luhmann, SozSyst 102)