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Auch Seven jammert. Und er hat einen guten Grund:
Ist ein Drink wirklich nötig? Zuhören? Komplimente? Verständnis? Türe aufhalten? Romantische Musik? Tanz beim Kerzenlicht? Langsames verführen? Achtsamkeit?
Er mag keinen Prosecco. Weiberthemen interessieren ihn nicht. Nette Worte kennt er bestenfalls aus Schlagern. Langsame Musik macht ihn aggressiv, Tanzen sei was für Schwule und Kerzen für Nonnen. Zeit hat er wenig, Geduld überhaupt nicht.
Also:
Hurghada Airport – August 2011
und er schnarcht manchmal so laut, dass er nicht mehr im Liegewagen mit dem Zug fahren möchte, denn die Mitschläfer wirkten morgens sehr unausgeschlafen. Doch was stört er sich eigentlich an den Gesichtern der Mitschläfer? Er bedauert sie, wie er auch, hätte er sie denn, Nachbarn bedauern würde, die seine Musik mit anhören müssten. Der Genuss von Geräuschen scheint nicht so viel Freiwilliges zu haben wie das Betrachten eines Bildes. und vielleicht mindert gerade dieser Mangel an Freiwilligkeit den Hörgenuss, zumindest den Hörgenuss des Herrn. In Ländern mit wohlklingender Sprache wie Portugal oder auch an manchen Orten Italiens kann er die Reden der Leute als Musik empfinden und diese Musik genießen. Keine Sekunde hat er das Bedürfnis diese Musik verstehen zu wollen, im Gegenteil, ein Verständnis hinderte ihm am Genuss.
Der Soziologe Walter L. Bühl hat schon 1984 bemerkt:
„Dadurch, daß die politischen Führer zu charismatischen Helden oder – wenn die Helden gescheitert sind – zu väterlichen Autoritäten hochstilisiert werden, wird nicht nur ihr Autoritätsanspruch erhöht und ihre Legitimation sozusagem sakralisiert; im Falle des Scheiterns kann auch die Schuld dafür personalisiert werden, und es eröffnet sich so ein unbegrenzter Reigen von Abdankung und Königserhebung: Die Aufgabe einer politischen Problemlösung wird umformuliert zu einem Psychodrama von Schuld und Sühne, und zwar bei den Herrschenden wie den Herrschaftsunterworfenen. Die Frage der organisatorischen Veränderung innerhalb des politischen Körpers, der Reallokation der Mittel und der Reorganisation der Kompetenzen, wird damit aber gerade umgangen; im Gegenteil werden die bisherigen Verteilungs- und Legitimationsmuster nur verstärkt, die Krise macht sie sakrosankt.“
Bühl, Kriesentheorien 1984ISBN 3-534-08089-0
In meinen Seminaren habe ich das Thema „Feedback“ jedenfalls durch den Themenkoplex „Wie schmeiße ich am Besten hin“ ersetzt – kommt sehr gut an 😉
|Von eukomm|
Vorbilder sind nicht leicht zu finden. Ich brauchte Jahre um dieses hier zu entdecken. Oft hat man ein Vorbild vor Augen und entdeckt es gar nicht, weil man einfach noch nicht so weit ist, noch nicht reif genug. Erst jetzt, im gesetzten Alter kann ich das Vorbildhafte dieses Vorbildes erkennen, kann es schätzen und würdigen. Ein Jammer, dass ich so viele Jahre vergeudete ohne direkt diesem, meinem Vorbild nachzueifern. Das wird aber jetzt anders.