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LUKMANIERPASS
Ich beschreibe vier Orte, die ich, von der Passhöhe nach Süden, besuchte. Es gibt gewiss viele Orte mehr, die sehenswert oder wo richtige Fundstellen sind. Über den Pass fuhren wir aber immer ins Tessin oder vom Tessin zurück, da waren wir hier oben nur ein paar Stunden. Ich beschreibe also meine persönlichen Eindrücke. Für diejenigen, die noch mehr erfahren wollen, gebe ich zum Schluss noch einen Link zu dieser Gegend, in dem noch anderes berichtet wird.
1. Zuckerdolomit
Von der Passhöhe, etwa ein Kilometer südwärts, biegt die Passstrasse nach links. Kurz nach der Kurve sieht man auf der linken Strassenseite eine auffallend weisse Gesteinsmasse. Auf der rechten Strassenseite kann man anhalten.
Das weisse Gestein ist Zuckerdolomit. Es verwittert leicht zu Pulver. Erst als ich mit dem Hammer ins Gelände ging, konnte ich ein grösseres Stück herauslösen, das weniger verwittert war. Unten an dem Bach war ich schon einmal auf dieses Gestein gestossen. Die Bilder zeigen, wie dieses Gestein aussieht, man könnte meinen: es schmilzt wie Schnee in der Sonne.
Der Zuckerdolomit ist leicht zu bearbeiten. Was ich auf den Fotos nicht sichtbar machen kann: dieser Stein ist durchscheinend. Er nimmt das Licht in sich auf und bricht die Lichtstrahlen tausendfach. Dadurch erscheint das Licht dem ganzen Stein innerlich erhellend.
2. Das Geschiebe (Geröll) aus dem Vallone di Casaccia
Von dem Ort, wo der Zuckerdolomit gefunden wird, sieht man wie die Passstrasse ein Stück weiter in einen Tunnel verschwindet. Ein gewaltiges Geschiebe fliesst aus dem Vallone di Casaccia direkt über den Tunnel. Die Gesteinsmassen sind enorm vielfältig. Hier muss man sich Zeit lassen, wenn man Steine sammeln will. Reich beschenkt kam ich immer wieder von diesem Ort nach Hause.
Aus diesem mächtig grossen Becken fallen die Gesteinsbrocken beständig hinunter. Der feine kristalline Staub wirkt wie ein Schmiermittel und trägt auch grosse Gesteinsbrocken bis ins Tal hinunter.
Der geologischen Karte, Swisstopo, ist zu entnehmen, dass hier die folgenden Gesteine auffindbar sind:
Tonstein, Dolomit, Glimmerschiefer lokal mit Granat, Quarzite, Hornblende, Staurolith, Disthen, Gips, Rauwacke, Karbonat, Dolomitmarmor, Zuckerkörniger Dolomit und von oben von dem Berg rutschen manchmal Kalkschiefer, Tonschiefer, Schiefer und Quarzsandstein in die Tiefen.
In der Galerie zeige ich Bilder und geschliffene Steine von diesem Gelände. Ich habe aufgelesen, was mir auffiel oder was mein plötzliches Interesse hatte. Ein Gelände, das für mich einerseits ein Gesteinslehrpfad wurde und mir anderseits die Rohsteine für Gestaltungen in der Schleiftechnik lieferte.
3. Segno, Acquacalda
Segno ist ein kleiner Weiler, der aus wenigen Häusern besteht. Weiter hinten im Tal ist Disthen zu finden. Für eine Erkundung des Geländes reichte für uns die Zeit nicht, deshalb begnügte ich mich mit den Steinen, die der Bergbach bis hierher heruntertransportiert hatte. Wie überall auf dem Lukmanier sind die Steinsorte so vielfältig, dass es sich überall lohnt einen Halt einzulegen.
Segno liegt rechts unten auf der Karte bei dem Punkt 1645 m.
Hier unten eine kleine Galerie von den Steinen aus Segno. Der letzte Stein kann man "keine Etikette umhängen". Ich freue mich immer wieder, wenn die Gesteinswelt einem vor Augen führt, dass sie mehr ist, als es eine Bestimmung erlaubt. Gesteine sind keine Mineralien, sondern sie umschliessen viele Mineralien und weisen hin auf Bildungsprozesse. So ist in dem letzten Stein hauptsächlich Dolomit, aber auch Sand und Glimmer enthalten.
Acquacalda habe ich oben auch erwähnt. Der Fundort ist mir nicht bekannt, aber Steine von hier bekam ich geschenkt und es lohnt sich sie hier zu zeigen.
Es ist der Granat-Hornblendegarben-Schiefer (809), der hier gefunden werden kann.
4. Negrentino, eine alte romanische Kirche im Bleniotal.
Zuletzt möchte ich hinweisen auf die alte romanische Kirche, San Carlo, aus dem 11. Jh. Als wir San Carlo das erste Mal besuchten (anfangs der neunziger Jahre), war sie eher etwas vernachlässigt. Aber sie war schön und hinterliess einen bleibenden Eindruck. Sie besitzt zwei Apsiden. Die Innenwände sind mit lauter Fresken übermalt. Einen zweiten und einen dritten Besuch (2019) machten wir. Die Lage im Bleniotal ist einmalig schön. Aber das letzte Mal war die Kirche verschlossen. Auf der Pforte war einen Hinweis geklebt, wo man den Schlüssel in Olivone holen konnte. Dieser Umstand war aber etwas zeitaufwändig gewesen. So schauten wir sie einmal eingehend von aussen an und hatten durch die Türspalte einen schmalen Blick ins Innere. Heute kann man den Schlüssel zum Messraum in der Osteria im Dorf holen.
Damit man den Ort findet, habe ich die Kirche auf der Karte von Swisstopo (rechts unten) angegeben.