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Nur etwa zehn Millionen EinwohnerInnen hat Griechenland, dafür aber mehrere Dutzend linke Organisationen - entsprechend gross ist auch die Auswahl an linken Publikationen. Denn fast jede Gruppe der Linken und des sich grossteils nicht als links bezeichnenden anarchistischen Spektrums gibt eine eigene Zeitung heraus. Viele sind professionell gemacht und haben ein professionelles Layout - und doch handelt es sich bei den meisten dieser vor allem sonntags erscheinenden Wochenzeitungen oder Vierzehntageblätter eher um mehrseitige Organisationserklärungen oder Flugblattsammlungen als um journalistisch gemachte Zeitungen.
Ohne Chef
Eine der wenigen Ausnahmen ist die Wochenzeitung «Prin» («Davor») der Neuen Linken Strömung (NAR), einer Gruppierung, die sich Anfang der neunziger Jahre von der Kommunistischen Partei Griechenlands abspaltete. In ihr schreiben vor allem professionelle JournalistInnen, die ihr Brot mit Beiträgen für bürgerliche Tageszeitungen verdienen und «Prin» als Medium nutzen, weil ihnen hier keine Chefredaktion dreinredet. Die Zeitung finanziert sich durch Parteifreunde und Unterstützerinnen und den wöchentlichen Verkauf von etwa 2500 Exemplaren. Der Preis von 1,50 Euro für 24 Seiten linke Lektüre bewegt sich im Rahmen für dünne linke Parteiblätter, liegt allerdings im Vergleich mit den meist mehr als doppelt so umfangreichen kommerziellen Wochenzeitungen recht hoch.
Eine weit höhere Auflage hat die seit 1979 erscheinende politisch-satirische Wochenzeitung «Pontiki» («Maus») mit etwa 16 000 verkauften Exemplaren. Spezialität der «Maus» sind ihre oft enthüllenden, vor allem aber satirischen Kommentare zum griechischen Tagesgeschehen. Wer die Texte von «Pontiki» verstehen will, muss allerdings die von anderen Medien vermittelten Tagesereignisse zur Kenntnis genommen haben. Das 48 Seiten starke parteiunabhängige Blatt finanziert sich fast ausschliesslich über den Verkaufspreis, der mit 1,50 Euro im Rahmen der Preisspanne von ein bis drei Euro für Wochenpublikationen liegt. Wegen finanzieller Schwierigkeiten und aus Altergründen hat der 67-jährige Alleinbesitzer Kostas Papjioannou Anfang Juni den Verkauf der «Maus» angekündigt. Die Zeitung geht nun zu gleichen Teilen an zwei enge Mitarbeiter: Die neuen Besitzer, der ehemalige Chefredaktor Antonis Delatolas und der ehemalige Leiter des Politikressorts der sozialdemokratischen Tageszeitung «Ethnos», Ilias Benekos, haben bereits zugesichert, weder an der redaktionellen Ausrichtung des Blattes noch an der rund dreissigköpfigen Belegschaft etwas ändern zu wollen. Beide versichern darüber hinaus, dass sie den Kauf ohne Hintermänner, sondern aus eigener Kraft und über Darlehen bewerkstelligt haben.
Die Parteiorgane
Die beiden linken Tageszeitungen «Rizospastis» («Der Radikale») und «Avgi» («Morgenröte») sind klare Sprachrohre der beiden im griechischen Parlament vertretenen linken Parteien. Mit täglich etwa 11 000 verkauften Exemplaren und einer mehr als doppelt so hohen Auflage am Sonntag hat «Rizospastis», das Organ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), die weitaus höchste Verbreitung unter den linken Presseorganen. Das Blatt erschien schon während der Diktatur der griechischen Obristen, die bis 1975 währte. Sein Anspruch, eine umfassende Tageszeitung zu sein, scheitert jedoch weniger an dem Hang seiner RedaktorInnen, die aktuellen Ereignisse eher kommentierend als berichtend darzustellen, sondern mehr an der parteigeprägten Auswahl der Themen.
Die 1952 gegründete «Avgi» erreichte zu Spitzenzeiten in den sechziger Jahren eine Auflage von mehr als 60 000. Heute werden täglich nur noch etwa 2200 Exemplare verkauft, am Sonntag etwa doppelt so viele. Einst Diskussionsplattform und Organ einer starken Linken, geeint unter dem Dach der Vereinigten Demokratischen Linken (EDA), ist die «Morgenröte» mittlerweile trotz formaler Unabhängigkeit das Sprachrohr der mit knapp über drei Prozent Stimmenanteil stets um den Wiedereinzug ins Parlament kämpfenden Linksallianz Synaspismos.