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Kolin, Schwarzmurer und Oswald sind drei von ursprünglich vier Brunnenfiguren, die Zuger Plätzen ihren Namen geben. Wer waren sie? Du erfährst es in unserem Blogbeitrag.
In einem der letzten Damals-Blogs wurden die Brunnen der Stadt Zug vorgestellt. Thema war deren ursprüngliche Bedeutung für die Stadtbevölkerung und deren oftmals konfliktbeladene, da nicht ordnungsgemässe Nutzung. Nicht behandelt wurde die Frage nach den Brunnenfiguren, die noch drei von ursprünglich vier Brunnen zieren und diesen ihre heutigen Namen geben: Kolin, Schwarzmurer und Oswald.
Bis ins 19. Jahrhundert waren vier der ursprünglich acht städtischen Brunnen mit Brunnenfiguren ausgestattet: Der Kronenbrunnen, vielleicht schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts an der Neugasse erbaut, und der Ochsen- oder Lindenbrunnen von 1540 am heutigen Kolinplatz sind beide mit einem strammen Zuger Krieger ausgestattet.
Auf dem unteren Dorfbrunnen, 1560 mitten in der heutigen Ägeristrasse auf Höhe der Bushaltestelle Burgbach errichtet, thronte seit 1618 der Heilige Nikolaus. Verkehrstechnisch zum Hindernis geworden, wurde er 1883 abgebrochen. Und ebenfalls eine Heiligenfigur ziert den Oswaldsbrunnen von 1667, der sich an der gleichnamigen Gasse schräg gegenüber der gleichnamigen Kirche befindet.
Zwei Heilige …
Bei den beiden Heiligen fällt die Identifizierung der Brunnenfiguren leicht: Sie sind an ihren Insignien erkennbar. Das königliche Ornat und der Pokal verweisen auf den heiligen Oswald, im 7. Jahrhundert König in Northumbrien und seit dem Bau der St.-Oswalds-Kirche (1478–1483) Zugs Stadtheiliger. Und der als «Samichlaus» bis heute beliebte Heilige Nikolaus vom Myra auf dem unteren Dorfbrunnen war anhand der Mitra und des Bischofsstabs erkennbar.
… und zwei Haudegen
Bei den beiden strammen Kriegern auf dem Kolin- und dem Schwarzmurerbrunnen ist die Sache nicht so einfach. Sicher ist, dass beide Brunnen noch bis ins 20. Jahrhundert ihre ursprünglichen Bezeichnungen behielten: Ochsen- oder Lindenbrunnen, benannt nach dem Platz bzw. dem Wirtshaus, und Kronenbrunnen, benannt nach dem damals gegenüberliegenden Wirtshaus an der Neugasse.
Die Brunnenfiguren schienen keine Namen gehabt zu haben; jedenfalls tauchen diese erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Schriftquellen auf. Das ist kein Zufall. Mit der Gründung des Bundesstaats begann sich die junge Schweiz ihrer Wurzeln zu besinnen, die sie in den Schwüren und Schlachten der alten Eidgenossen gefunden zu haben glaubte.
So auch in Zug, wo 1852 aus Anlass der 500-jährigen Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft der heutige Historische Verein des Kantons Zug gegründet wurde. Man suchte nach dem, was man damals als Helden der Zuger Geschichte ansah – was Frauen von vornherein ausschloss! – und wurde fündig, bezeichnenderweise auf den eidgenössischen Schlachtfeldern des 15. und 16. Jahrhunderts: Mit Ammann Peter Kolin, 1422 auf dem Schlachtfeld von Arbedo angeblich bei der Verteidigung der Zuger Fahne gefallen, und Ammann Hans Schwarzmurer, der als Söldnerhauptmann steinreich wurde und der 1515 einen Teil der Zuger Truppen aufs Schlachtfeld von Marignano führte, waren zwei passende Helden gefunden.
Die Gründung der Kolinstadt
Insbesondere um Peter Kolin setzte nun ein regelrechter «Hype» ein, der Zug schliesslich den heute noch gebräuchlichen Titel «Kolinstadt» einbringen sollte. Dazu passte, dass im städtischen Zeughaus die blutverschmierte Armbinde auftauchte, die der unglückliche Held angeblich bei Arbedo trug.
Und als 1869 in Zug das eidgenössische Schützenfest stattfand, ein Grossanlass, der sich ohne Weiteres mit dem ESAF von 2019 in Relation setzen lässt, legte man einen neuen Stadtplan auf, auf dem erstmals überhaupt der Kolinplatz genannt – oder müsste man sagen: inszeniert? – wurde. Breite Kreise regten sodann die Errichtung eines Kolin-Denkmals an, das aber schliesslich, trotz sogar bundesrätlicher Beitragszusicherung, nicht realisiert wurde.
Immerhin aber erhielten im Hinblick auf die erste 1.-August-Feier im Jahr 1891 beide Brunnen und insbesondere die Brunnenfiguren eine aufwändige Restauration. Bei dieser Gelegenheit wechselte man bei der Brunnenfigur auf dem Kronenbrunnen flugs noch das Zuger Wappen auf dem Schild gegen das Schwarzmurer-Wappen aus. So war auch wirklich für jedermann ersichtlich, wen man hier auf den Brunnensockel hob.
In die gleichen Sphären wie sein Pendant auf dem Kolinbrunnen schaffte er es allerdings nicht, was auch damit zusammenhängen mochte, dass Schwarzmurer ursprünglich Zürcher war, ehe er in Zug Ammann wurde. Und so ist aus Zug die «Kolinstadt» und nicht etwa die «Schwarzmurerstadt» geworden.
Interessanterweise stammt die Bezeichnung aber nicht aus dem Mittelalter, wie der Bezug auf Peter Kolin vermuten lässt, sondern erst aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Wie so oft ist also der Entstehungskontext einer Geschichte mindestens ebenso interessant wie die Geschichte selbst.
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