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Alex Song, Sie haben 27 Geschwister. Können sie alle aufzählen?
Alex Song: Nein, das schaffe ich nicht.
27 Geschwister. Das ist allemal äusserst aussergewöhnlich.
Das ist es ja. Mein Vater war eben polygam.
Haben Sie mit allen Kontakt?
Ja. Es sind drei verschiedene Familien. Sehen Sie: Wenn man so viele Geschwister hat, findet man immer eine Schwester oder einen Bruder, mit dem man sprechen kann. Wenn man ein Problem hat, kann man jemanden anrufen. Und umgekehrt. Man kann sich gegenseitig unterstützen.
Sehen Sie sich regelmässig?
Ein- bis zweimal im Jahr kommen wir alle in Yaoundé zusammen, Kameruns Hauptstadt.
Es hat aber keine weiteren grossen Fussballer darunter?
Es hat alles Mögliche. Aber keine Fussballer.
In der Familie hatten Sie indes eine kamerunische Legende: Rigobert Song, der Rekordnationalspieler mit 137 Einsätzen, ist ihr Cousin.
Ja. Er ist ein aussergewöhnlicher Mensch. Er trainiert im Moment die U21-Auswahl unseres Landes. Ich hoffe, er wird dereinst Coach der A-Mannschaft. Er verdient das.
Zu Ihnen: Wo stehen Sie heute fussballerisch?
Ich bin dabei langsam zurückzukommen. Ich habe immerhin ein Jahr nicht mehr gespielt. Ich habe jetzt neunzig Minuten im Cup in den Beinen, 60 in der Meisterschaft. Ich brauche Einsatzminuten. Ich bin etwa bei sechzig Prozent.
Mit Verlaub: Kann man es sich leisten, einen Spieler einzusetzen, der erst bei sechzig Prozent ist?
Man kann trainieren so viel man will. Ein Training ersetzt ein Spiel nie. Ein Spiel ist immer viel intensiver. Es gibt also gar keine andere Möglichkeit um zurückzukommen.
Beim 1:2 gegen GC waren sie nicht gut. Einverstanden?
Einverstanden. Ich arbeite daran. Das geht nicht in einem Spiel.
Nach der Niederlage war bereits richtig Feuer unter dem Dach. Christian Constantin hat «Spannungen» mit seinem Staff ausgemacht.
Man muss wegen einer Niederlage nicht gerade alles in Frage stellen. Die erste Halbzeit war schlecht, keine Frage. Danach gabs auch Postives. Darauf muss man aufbauen.
Wie sind Sie eigentlich auf Sion gekommen?
Das war ganz easy. Mein Berater kam mit dem Namen dieses Klubs. Dann habe ich Yannick Djeng angerufen, mit dem ich einst in der Nationalmannschaft gespielt habe, der ein guter Kumpel von mir ist. Er hat ja früher im Wallis gespielt und mir dann alles über den Klub erzählt. Und wie familiär das hier sei.
Was ist bei Rubin Kasan schief gelaufen, dass Sie dort seit September 2017 nicht mehr spielten?
Ich habe die ersten sechs Spiele in der russischen Premier Liga gemacht. Dann wurde der Trainer entlassen, der mich geholt hatte. Sein Nachfolger setzte nicht mehr auf mich. Und ab da an erhielt ich auch keinen Lohn mehr.
Kein Lohn seit September 2017. Sie haben lange Zeit nichts getan.
Ich hoffte, dass sich die Situation arrangieren würde. Das tat sie aber nicht. Und irgendwann wurde das Ganze zur Belastung. Ich wollte unbedingt wieder spielen. Ich musste Konzessionen eingehen?
Waren die akzeptabel?
Irgendwann hat man die Nase voll. Irgendwann ist das Geld nicht mehr das Wichtigste. Man will ja wieder Freude haben an seinem Job.
Sie kommen gerade von der Wohnungsschau. Haben Sie schon was Passendes gefunden?
Noch nicht. Ich werde wohl in Montreux leben. Weil es dort eine Internationale Schule gibt, auf die ich meine beiden Kinder schicken will. Meine Familie ist noch in London, sollte aber bald nachkommen.
Wie sehen Sie die Gruppe, die Sie in Sion angetroffen heben?
Die Qualität ist hoch.
Das sagen Sie aus Höflichkeit. Sie haben doch immerhin bei Barcelona und Arsenal gespielt.
Nein, es ist so. Es hat viele hoch talentierte, lernwillige Junge. Ich bin sehr zuversichtlich, weil die Qualität echt stimmt. Die Resultate werden folgen.
Der nächste Gegner ist gleich YB, das sich eben für die Champions League qualifiziert hat.
Ich habe das Spiel nicht gesehen. Aber das ist eine gute Mannschaft.YB steht nicht zufällig ganz oben und ist Meister.
Sie haben 47 Einsätze in der Champions League. Was macht die Faszination dieses Wettbewerbs aus?
Es ist etwas vom Schönsten im Fussball. Ich kann mich noch gut an mein erstes Spiel erinnern. Ich war erst 17. Es war Wahnsinn!
Wissen Sie noch, gegen wen es war?
Nein.
Was löst Champions League in einem aus?
Es ist schlicht wunderbar. Die Hymne, wenn du durch den Tunnel gehst. Hühnerhaut pur! Gewisse Sachen werden mir erst jetzt bewusst. Wenn man spielt, kriegt man das ganze Drumherum gar nicht richtig mit. Ich kann mir gut vorstellen, wie das für die YB-Spieler ist, die das zum ersten Mal erleben dürfen.
Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an die Champions League?
Der Final 2006, gleich in meiner ersten Saison mit Arsenal, gegen Barcelona. Leider war ich überzählig und musste mir das 1:2 in Paris von der Tribüne aus ansehen. Das war dennoch fantastisch. Und dann habe ich 2010 gegen Fenerbahce ein tolles Volleytor geschossen. Eines von total zweien.
Und als Barcelona die Champions League gewann, waren Sie von Barcelona an West Ham United ausgeliehen. Schlechtes Timing.
Ganz schlechtes Timing! Das war irgendwie bizarr, sich das anschauen zu müssen. Das ist mir im Hals steckengeblieben. Ich hätte diese Trophäe so gerne gewonnen.
Was bedeutet die Champions League für die Meisterschaft?
Die Champions League kann man nicht einfach so nebenher spielen. Da muss man die beste Mannschaft aufs Feld bringen und die muss über sich hinauswachsen. Sonst wird man massakriert. Also kann man nur in der Meisterschaft rotieren. Ich hoffe, dass wir hier in Sion eines Tages auch Champions League spielen können.