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The Rolling Stones sind eine britische Rockband. Sie gründete sich 1962 als Rhythm-and-Blues-Band – indem sich drei der fünf Bandmitglieder von Alexis Korners Blues Incorporated abspalteten, denen sie als fest engagierte Gastmusiker angehörten – und wurde im Laufe der nächsten zehn Jahre zu einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Rockgruppen der Welt. In den sechziger Jahren etablierten sie sich durch ihren exzessiven Lebenswandel als „bad b
Mick Jagger, Brian Jones und Keith Richards tingelten am Anfang ihrer Karriere (1961) durch diverse Jazz-Clubs und lebten von der Hand in den Mund. Ihren ersten Auftritt hatten sie unter dem Namen Rollin' Stones in der Besetzung Mick Jagger, Keith Richards, Brian Jones, Dick Taylor (später bei The Pretty Things), Ian Stewart und Mick Avory (später bei The Kinks) am 12. Juli 1962 im Marquee Club. Die für diesen Abend angekündigte Band fiel aus und die Stones erhielten ihre Chance. Brian Jones hatte sich beim Namen Rolling Stones (ursprünglich Rollin' Stones) durch Muddy Waters Lied 'Mannish Boy' (1956) und der dortigen Zeile 'I´m a rollin´ stone' inspirieren lassen [1]. Wenig später stießen dann der Bassist Bill Wyman und der Jazz-Schlagzeuger Charlie Watts zur Band.
Noch vor der Veröffentlichung der ersten Single im Juni 1963 sorgte Manager Andrew Loog Oldham dafür, dass Ian Stewart nicht länger zur Band gehörte. Oldham war der Meinung, dass sechs Bandmitglieder einfach zu viel seien und Stewart sowieso nicht „hip“ genug aussah. Als Pianist und Roadie blieb Ian Stewart den Stones aber bis zu seinem Tod (1985) erhalten.
Anfangs bedienten sich die Rolling Stones aus dem Repertoire US-amerikanischer Bluesmusiker, wie z. B. Muddy Waters, Howlin' Wolf, Robert Johnson, John Lee Hooker und vor allem Chuck Berry. Ihr damaliger Manager Andrew Loog Oldham wollte die Stones als „böse“ Version der Beatles aufbauen und stilisierte sie anfangs als „Droogs“, jugendliche Kriminelle aus Anthony Burgess' Roman A Clockwork Orange.
Aus Vermarktungsgründen wurden Jagger und Richards von Oldham auch gedrängt, eigene Songs zu verfassen. Waren die ersten beiden Nummer-1-Hits in England noch Fremdkomposition (It's All Over Now von Bobby Womack und Little Red Rooster von Willie Dixon), folgten bald eigene Titel. Ihre erste selbstverfasste Nr. 1 in England wurde The Last Time im Frühjahr 1965. Im Sommer desselben Jahres folgte (I Can't Get No) Satisfaction, das den Stones zum weltweiten Durchbruch verhalf und ihnen den gleichen Star-Status wie den Beatles einbrachte. Im gleichen Jahr wurde auch noch die Single Get Off of My Cloud veröffentlicht, die wie der Vorgänger Platz 1 der UK- und USA-Charts erreichte. Am 11. September dieses Jahres gaben die Rollings Stones ihr erstes Konzert in Deutschland, in der Halle Münsterland in Münster. Galten die Rolling Stones bis dato als die im Vergleich zu den Beatles bessere Liveband, so wurde ihnen nun auch in puncto Songwriting eine ähnliche Qualität wie den Liverpoolern attestiert, so z.B. durch die Veröffentlichung des von der Kritik gelobten Albums Aftermath 1966, das ausschließlich eigene Kompositionen enthielt. Die Singles des Jahres waren 19th Nervous Breakdown / As Tears Go By (erreichte Platz 2 in den britischen Charts) und Paint it Black, was wieder eine internationale Nummer 1 wurde.
Auch die im Januar 1967 veröffentlichte Single Let's Spend the Night Together / Ruby Tuesday erreichte vorderste Chart-Positionen, ebenso wie das am 20. Januar 1967 veröffentliche Album 'Between the Buttons'. Als die Stones 1967 einen Auftritt in der Ed Sullivan Show hatten, mussten sie allerdings den Text des Liedes ändern in 'Let's Spend Some Time Together', mit Rücksichtnahme auf die bekannte Prüderie der US-Amerikaner. Ansonsten war 1967 das wohl schwärzeste Jahr der Stones. Nach einer Razzia in Keith Richards' Landhaus wurden er und Jagger wegen Drogenbesitzes angeklagt. Bei Jagger fand man nur relativ harmlose Tabletten, die ihm ein Arzt in Italien verschrieben hatte, die jedoch in England verboten waren. Beiden drohten mehrjährige Haftstrafen. Aufgrund eines vom Chefredakteur der Times verfassten Zeitungsartikels („Who breaks a butterfly on a wheel?“) schlug jedoch die öffentliche Meinung um, so dass lediglich Geldstrafen ausgesprochen wurden. Außerdem erklärten sich die befreundeten Musikerkollegen der Rockband The Who mit ihnen solidarisch, indem sie die Stones-Songs The Last Time und Under My Thumb aufnahmen und als Single veröffentlichten. Mick Jagger verbrachte zu Beginn der Ermittlungen eine Nacht im Gefängnis und soll dort den Song 2000 light years from home geschrieben haben.
Am 18. August 1967 veröffentlichten die Stones die Single We Love You. Der Song beginnt mit dem Zuknallen einer Zellentür. John Lennon und Paul McCartney sind im Backgroundchor dabei.
Abgesehen von den Januar-Veröffentlichungen war 1967 auch musikalisch kein sehr erfolgreiches Jahr. Im Fahrwasser von Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band der Beatles und dem Zeitgeist folgend meinten die Stones, auch ein psychedelisches Album herausbringen zu müssen. Their Satanic Majesties Request gilt bis heute als eher schwaches und untypisches Album der Band, obwohl es mit 2000 Light Years From Home und She's A Rainbow zwei Klassiker enthält.
1968 ging es wieder steil aufwärts. Mit Jumpin’ Jack Flash wurde eine Rockhymne par excellence veröffentlicht, die alle Stilelemente eines klassischen Stones-Songs enthält und die Gerüchte vom nahenden Karriereende verstummen ließ: ein einprägsames Gitarrenriff, druckvolle Bassläufe, knochentrockene Drums und Mick Jaggers Stimme mit ihrem typisch snobistischen Cockney-Akzent. Ende 1968 wird mit Beggars Banquet ein Album veröffentlicht, das viele als eines der besten der Band bezeichnen. Die LP enthält wieder die altbewährten Zutaten: klassischer Country Blues und Rhythm & Blues, sowie Rocksongs, die im Lauf der Jahre zu Hymnen wurden, wie z.B. Street Fighting Man oder Sympathy For The Devil.
Am 11. Dezember 1968 fand in London der Rolling Stones Rock and Roll Circus statt. Es handelte sich dabei um eine Show, die für das Fernsehen aufgezeichnet wurde. Zum R&R-Circus luden die Stones u.a. John Lennon, The Who, Jethro Tull und Taj Mahal ein. Der R&R-Circus (mit Feuerschlucker und Artisten) wurde nicht im Fernsehen gezeigt, da die Stones angeblich der Meinung waren, dass ihr Auftritt gegenüber der Show von The Who deutlich schwächer ausfiel. 1995 wurde der Rolling Stones Rock and Roll Circus als Video (und auch als CD) veröffentlicht.
Aufgrund der persönlichen Probleme von Jagger, Richards und insbesondere Brian Jones, der infolge seines starken Drogenkonsums schon länger körperlich in keiner guten Verfassung war, hatten die Stones bereits seit 2 1/2 Jahren kein Konzert mehr gegeben. Daher verließ der vorbestrafte Jones am 5. Juni 1969 auf Drängen von Jagger und Richards die Gruppe. Er plante eine neue Band zu gründen, doch dazu kam es nicht mehr. Am 3. Juli 1969 ertrank er unter bis heute ungeklärten Umständen bei einer Party in seinem Pool. Das zwei Tage später zur Einführung des neuen Gitarristen Mick Taylor – er kam von John Mayalls Bluesbreakers – geplante Free Concert im Londoner Hydepark geriet so zur Gedenkveranstaltung für Brian Jones. (Oder zu einer Marketingveranstaltung, immerhin gingen nur zwei der Stones auf Jones Beerdigung.)
Im November 1969 wurde mit Let it Bleed das nächste Album veröffentlicht, das mit Gimme Shelter, Midnight Rambler und You can't always get what you want einige der besten Stones-Songs aufweist. Im selben Monat begann nach der erwähnten zweieinhalbjährigen Bühnenabstinenz eine umjubelte US-Tournee. Get yer ya ya's out beinhaltet Live-Aufnahmen dieser Tournee aus New York und gilt als eines der besten Live-Alben der Rockmusik. Die ausschließlich positiven Eindrücke dieser Tournee wurden durch die Ereignisse im nordkalifornischen Altamont, am 6. Dezember 1969 getrübt. Bei diesem schlecht organisierten Free Concert, das als Gegenveranstaltung zum Woodstock Festival geplant war und an dem u. a. Santana und Jefferson Airplane teilnahmen, starben vier Menschen. Der 18-jährige Meredith Hunter wurde, während die Stones Under my thumb spielten, durch einen der als Ordner angeheuerten Hells Angels direkt vor der Bühne erstochen.Nach Angaben der Ordner soll dieser jedoch eine Pistole schussbereit in der Hand gehalten haben(hierfür gibt es keine Beweise). Dieser Vorfall markierte das Ende der Love and Peace Generation.
Anfang der 1970er begannen die Stones, sich ihrer alten Wurzeln zu entledigen, denn der Plattenvertrag mit Decca Records lief aus und wurde nicht verlängert. Außerdem trennte man sich von Manager Allen Klein (die entsprechenden Rechtsstreitigkeiten zogen sich über viele Jahre hin). Tatsächlich waren die Stones in dieser Zeit fast pleite, da die Rechte an allen bis dahin veröffentlichten Stücken bis heute bei Decca liegen. Aufgrund der hohen Steuerbelastungen in England verlegten die Stones ihre Wohnsitze nach Südfrankreich und gründeten in einer Art Vorreiterrolle ihr eigenes Plattenlabel: Rolling Stones Records – mit der inzwischen weltbekannten roten Zunge – die im übrigen entgegen landläufiger Meinung nicht von Andy Warhol, sondern von John Pasche designed wurde – als Markenzeichen. Dadurch wurde die vollkommene Unabhängigkeit von den großen Plattenfirmen erreicht, und die Rechte aller folgenden Veröffentlichungen lagen bei der Band selbst, wodurch sich die finanzielle Lage der fünf Musiker, v.a. aber der zwei Songwriter Jagger und Richards, schnell verbesserte.
Obwohl Mick Jagger immer weniger Zeit mit seinen Bandkollegen verbrachte, da er nach und nach zum Mitglied des internationalen Jetset wurde, lief es musikalisch weiter glänzend: Im April 1971 wurde Sticky Fingers veröffentlicht, das mit dem rockigen Brown Sugar und der Ballade Wild Horses wieder zwei Klassiker enthielt. Für neue Impulse sorgte der mittlerweile fest in die Band integrierte Mick Taylor, der im Rückblick als der handwerklich beste aller Stones-Gitarristen gilt (Sway, Can't You Hear Me Knocking, Moonlight Mile).
Im Keller der von Keith Richards gemieteten Villa Nellcôte im südfranzösischen Villefranche-sur-Mer sowie in Studios in Los Angeles und London entstand der nächste Klassiker Exile on Main Street, ein Doppelalbum, das anfänglich von der Kritik aufgrund des rauen und unfertig wirkenden Sounds verrissen wurde. Demgegenüber wird heutzutage gerade die durch den dilettantischen Produktionsstil bedingte Urwüchsigkeit geschätzt und erhebt das Album bei vielen Fans zum künstlerischen Höhepunkt der Band.
Die Welttournee der Jahre 1972/1973 knüpfte an den Erfolg des grandiosen Doppelalbums an und zeigte die wahre Stärke und das Können der Stones, die sie bis in heutige Zeit immer wieder aufs neue beweisen. Allerdings spielten sie in den USA 1972 bei jedem Konzert fast dieselben Songs, freilich hoch professionell und auf dem Höhepunkt ihres Könnens; beispielsweise glänzte besonders Mick Taylor mit seinen Gitarrensoli im Blues Love in Vain sowie Gimme Shelter und Jumping Jack Flash. Auf der US-Tournee 1972 wurde in Fort Worth und in Philadelphia der Konzertfilm Ladies and Gentlemen, the Rolling Stones gedreht, der jedoch nie in die Kinos kam. In diesem Film werden Mick Jagger und Keith Richards stark in den Mittelpunkt gerückt, während Bill Wyman in keiner Großaufnahme zu sehen ist. Ein inoffizieller Film, Cocksucker Blues, wurde ebenfalls nicht veröffentlicht, da er das Tourneeleben ungeschminkt mit Sex- und Drogenszenen zeigt und deshalb für ein breites Publikum als ungeeignet erschien. Besonders die Europa-Tournee 1973 gilt als absoluter Höhepunkt der Rolling-Stones-Konzertkarriere. Ein in Brüssel am 17. Oktober aufgenommenes Live-Album erschien nie offiziell und kursiert nur als weit verbreitete Raubpressung. Es gilt gemeinhin als beste Live-Aufnahme überhaupt und zeigt das bis dahin nie wieder erreichte flüssige Gitarrenspiel Mick Taylors. Vielen Musikkritikern erscheint es als kurios, dass eine der stärksten Livephasen der Band undokumentiert bleiben muss.
Zur Europatournee 1973 war das Album Goats Head Soup erschienen, das seinerzeit als schwach eingestuft wurde. Im Rückblick entsprach es einfach nicht dem Standard der vier Vorgängeralben. Im Gesamtwerk der Stones nimmt es trotzdem eine hohe Position ein, und das nicht nur, weil es mit Angie einen ihrer größten Hits enthielt. Die beiden nächsten Alben It's only Rock'n Roll 1974 und Black and Blue 1976 (zum ersten Mal mit Ron Wood von den Faces) wiesen einen gewissen Mangel an Inspiration auf.
Die Stones fielen seit Ende der sechziger Jahre als Band nicht nur durch ihre Musik auf, sondern auch durch ihre Skandale. Besonders Keith Richards machte durch seinen Drogenkonsum von sich reden. Mitte der 1970er-Jahre schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, ob er Brian Jones, Jimi Hendrix oder Jim Morrison nachfolgen würde. Seine Beziehung zum schwedischen Ex-Model Anita Pallenberg, die ebenfalls stark heroinabhängig war, schien ihn mit in die Tiefe zu ziehen. So erschien im Nachhinein die Verhaftung in Toronto wegen Drogenbesitzes im Jahr 1977 als heilsamer Schock für Richards. Im Zusammenhang mit dem anschließenden Prozess, bei dem ihm bis zu sieben Jahre Haft drohten, sagte er sich endgültig vom Heroin los. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und gab aufgrund einer Auflage des Gerichts für eine Blindenstiftung (Canadian National Institute for the Blind -CNIB) 1979 in Oshawa, Kanada, ein Gratiskonzert mit einer eilig zusammengestellten Band New Barbarians und mit den Rolling Stones. Auch in der Gruppe hat es inzwischen Veränderungen gegeben: 1975 verließ der virtuose Gitarrist Mick Taylor die Gruppe. Ron Wood, sein Nachfolger, weist zwar nicht die gleiche Virtuosität auf wie Mick Taylor, passt jedoch aufgrund seines integrativen, fröhlichen Charakters wesentlich besser ins Bandgefüge. Vieles scheint darauf hinzudeuten, dass der musikalische Erfolg der Band in den frühen 70er Jahren in erheblichen Maß auf Mick Taylors Gitarrenarbeit zurückzuführen ist. Das Verhältnis der jetzigen Stones zu ihrem früheren Ausnahmegitarristen könnte als verkrampft bezeichnet werden. Mick Jagger erkennt jedoch mittlerweile den Einfluss Mick Taylors an. In einer von den Rolling Stones autorisierten Biographie heißt es, man habe sich gewundert, dass sich Mick Taylor nicht als Solokünstler habe etablieren können. Mick Taylor selbst tingelt mit seiner eigenen Band in kleinen Clubs umher und gesteht mittlerweile ein, dass es ein Fehler war, die Rolling Stones (so früh) zu verlassen. Sein Wirken innerhalb der Rolling Stones ist aufgrund der unveröffentlichen Liveaufnahmen in Vergessenheit geraten und sein magisches Gitarrenspiel nur noch wenigen Experten ein Begriff.
Allerdings spielten die Rolling Stones auf der gigantisch inszenierten US-Tournee 1975 derart schlecht, dass manche Kritiker schon das Ende der Gruppe kommen sahen. Der unpräzise Gesang von Mick Jagger fiel auch auf der Europa-Tournee 1976 negativ auf (beispielsweise auf dem offiziellen Live-Doppelalbum Love You Live). In dieser Zeit lebte Mick Jagger – wie viele andere Künstler, beispielsweise David Bowie – sein androgynes Image am stärksten aus.
Das rauere Gitarrenspiel Woods machte sich auch in der Musik der Stones bemerkbar und fand seinen Höhepunkt in dem für viele Kritiker letzten Meisterwerk Some Girls, das 1978 als Antwort auf die auf dem Höhepunkt befindliche Punkbewegung erschien. Es enthält alles, was ein klassisches Stonesalbum ausmacht: einprägsame Gitarrenriffs mit starken Blueswurzeln, anzügliche chauvinistische Texte und ein geniales, Proteste auslösendes Cover. Die ausgehenden 1970er sind noch einmal von einer großen Kreativität gekennzeichnet. In dieser Zeit entstehen viele Songs, die noch die Basis für die folgenden drei Alben Emotional Rescue 1980, Tattoo You 1981 und Undercover of the Night 1983 bildeten.
Fast schon automatisch schloss sich den Veröffentlichungen von Some Girls und Tattoo You US-Tourneen an; die Konzerte fanden zumeist nur noch in Stadien statt. Von der 81er Tour stammt auch das im Juni 1982 herausgegebene Album Still Life. Im Sommer 1982 gab es erstmals seit 1976 auch wieder Auftritte der Band in Europa.
1982 stieß der Amerikaner Chuck Leavell als Pianist und Keyborader zu den Stones und übernahm nach dem plötzlichen Tod von 'Stew' allein die Rolle des 'Tastenmannes'.
In den 1980ern kam es zu Spannungen innerhalb der Band, und einige Mitglieder starteten Soloprojekte. So veröffentlichte Jagger die Alben She's The Boss (Februar 1985) und Primitive Cool (15. September 1987) und machte sich auch mit einer Tournee selbständig, in deren Verlauf er allerdings hauptsächlich Stones-Stücke spielte. Daraufhin gründete Keith Richards ebenfalls eine Band: The Expensive Winos, und ging ebenfalls auf Tournee. Während dieser Phase entstand aber trotzdem noch ein neues Album der Band: Dirty Work. Dieses Album widmete die Band ihrem langjährigen Pianisten und Gründungsmitglied Ian Stewart, der am 12. Dezember 1985 überraschend im Alter von 47 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben war. Dieser tragische Vorfall bewirkte jedoch, dass es die verbleibenden Mitglieder wieder zusammenschweißte.
Mit der Aufnahme der Band – inklusive Mick Taylor, Ronnie Wood und Ian Stewart – in die Rock and Roll Hall of Fame am 18. Januar 1989 waren alle Streitigkeiten beendet. Hier trat noch einmal der Gitarrist Mick Taylor mit der Band auf. Die Stones nahmen im Mai innerhalb von zwei Wochen das Album Steel Wheels auf und starteten am 31. August 1989 nach einer Tourpause von sieben Jahren wieder eine Welttournee, die in den USA unter dem Titel Steel Wheels und in Europa unter dem Titel Urban Jungle äußerst erfolgreich lief. Nun erreichte die Inszenierung der Konzerte mit Kulissenaufbauten, aufblasbaren Puppen, Videowänden und Lichteffekten ihren Höhepunkt und stand zumindest gleichwertig neben der Musik. Das im April 1991 veröffentlichte Live-Album Flashpoint beinhaltete neben den Aufnahmen der Tour auch 2 komplett neue, im Studio aufgenommene Songs: "Highwire" und "Sexdrive".
1993 verließ der Bassist Bill Wyman die Band aus persönlichen Gründen, die Stones waren nur noch zu viert. Auf den folgenden Platten und Tourneen spielte der Bassist Darryl Jones, der allerdings nicht als offizielles Bandmitglied gilt.
Die Stones setzten ihre erfolgreichen Welt-Tourneen fort. In riesigen Stadien traten sie auf und feierten Triumphe. Die Gigantomanie und der Perfektionismus dieser vollständig durchorganisierten Großtourneen erstickten nach Meinung vieler Fans allerdings jegliche Spontanität. Auch die überaus durchgreifende Vermarktung dieser Tourneen (z.B. Sponsoring durch Volkswagen 1994 oder American Express 2005/06) stieß auf Kritik.
1994 fand die Voodoo Lounge Tournee statt. 1998 folgte die Bridges to Babylon-Tour und zum 40-jährigen Bestehen der Band 2002/03 die Forty Licks-Tour rund um die Welt. Allerdings gingen sie 2002 zum ersten Mal seit 1975 wieder auf Tournee, ohne ein in Gänze neues Album zu promoten. Die Doppel-CD Forty Licks enthielt lediglich vier neue Stücke (u.a. „Don't stop“). Auf diesem Album sind erstmals Lieder der Stones aus der Decca-Zeit vereint mit der Nach-Decca-Periode enthalten.
Obwohl das Repertoire aus insgesamt über 100 Titeln jeden Abend abgewandelt wurde, waren es doch die alten, großen Hits, die das Publikum anzogen. Zum ersten Mal seit den frühen 1970erjahren spielten die Rolling Stones nicht mehr nur in Stadien, sondern immer wieder auch in kleineren Hallen und ausgesuchten Clubs, zum Beispiel im „Zirkus Krone Bau“ in München. Lieder aus diesem und anderen Konzerten sind auf der DVD-Box „Four Flicks“ enthalten, die auf vier DVDs verschiedene Shows der Tournee beschreibt. Zusätzlich erschien die DVD „Sarstock“ als Dokumentation des bis dato weltgrößten kommerziellen Rock Open-Airs im Downsview Park Toronto, an dem die Band Ende Juli 2003 zwischen zwei Auftritten in Europa zur Unterstützung ihrer Lieblingsstadt nach der SARS-Epidemie teilnahm.
Am 10. Mai 2005 kündigten die Stones anlässlich eines Minikonzerts vor Hunderten von Fans und Journalisten auf dem Platz vor der New Yorker Juilliard-Musikhochschule eine neue Welttournee an, die am 21. August 2005 in Boston startete. Charlie Watts bezeichnete dies als die letzte Tour der Stones, was Jagger aber umgehend dementierte: „Wir kündigen die letzte Tour nicht an“.
Der Titel „Oh No, Not You Again“ aus dem ersten Studioalbum seit Bridges to Babylon (1997) wurde beim Konzert am 10. Mai 2005 erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Tourstart wurde am 22.August 2005 die Single „Streets of Love“ veröffentlicht, das Album A Bigger Bang erschien am 5. September 2005.
Das größte Konzert der Stones fand am 18. Februar 2006 in der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro statt. Rund 1,2 Millionen Zuschauer drängten sich am Strand des Stadtteils Copacabana vor einer monströsen Bühne. Der Besuch des Konzerts war kostenlos, die Stadt zahlte allerdings 750.000 Dollar für den Auftritt, der zudem durch Sponsorengelder finanziert wurde.
Im Rahmen der Bigger-Bang-Tour fand am 8. April 2006 das erste Stones-Konzert in China statt. Vor 8.000 Zuschauern in Shanghai (Grand Stage) verzichtete die Gruppe auf Bitten der chinesischen Regierung auf das Spielen von Songs mit sexistischen Anspielungen („Honky Tonk Women“, „Brown Sugar“, „Let's spend the night together“). Der Beginn der Bigger-Bang-Europatournee verzögerte sich aufgrund einer Kopfverletzung von Keith Richards, die sich dieser angeblich bei einem Palmensturz auf den Fidschi-Inseln zuzog.
Bemerkenswert ist die eher seltsam anmutende Veröffentlichungspolitik der Gruppe. Bis heute gibt es keine Gesamtausgabe ihres musikalischen Werks etwa in Form einer Mehrfach-CD-Box, die auch unveröffentliche Stücke enthält, wie sie z. B. von The Who mit Maximum R&B vorgelegt wurde. Mit der Veröffentlichung von Forty Licks im Jahr 2002 sind zum ersten Mal die bekanntesten Songs aus beiden Epochen (mit 1964-1970 und nach 1971-heute) enthalten. Das 2005 veröffentliche Album Rarities enthielt ebenfalls nicht gerade die von den Fans erwarteten Raritäten.
Auch fast sämtliche Live-Platten sind nie komplett live aufgenommen. Es kursieren zahlreiche bootlegs, die von Fans begeistert gekauft werden. Insbesondere die Epoche (1969-1974) mit dem Ausnahmegitarristen Mick Taylor ist zum Bedauern vieler Fans nicht offiziell dokumentiert. Mick Taylors Gitarrenspiel im Rahmen der US Tournee 1972 sowie der Europatournee 1973 gilt als unerreicht und sensationell.
Als eines der wenigen offziellen Livealben ist Get yer Ya-Yas out aus dem Jahr 1969 hervorzuheben. Viele Lieder sind im nachhinein durch Zumischungen (Overdubs) und Bearbeitungen derart verändert worden, dass sie teilweise die Konzertsituation nur noch eingeschränkt wiedergeben. Trotzdem gilt Get yer Ya-Yas out als eines der besten Rock-Livealben und spiegelt das Gitarrenspiel Mick Taylors in seinen Anfängen wieder.
Anmerkung: Bei den hier angegebenen Veröffentlichungen handelt es sich ausschließlich um Alben mit zum Zeitpunkt des Erscheinens neuem Material der Band oder Live Alben, keine Sampler. Bis zur Veröffentlichung von Their Satanic Majesties Request wurden von der Plattenfirma der Rolling Stones jeweils verschiedene Versionen der Platten für die Märkte USA und Großbritannien produziert. Ausschließlich für den deutschen Markt wurde die Platte Around & Around produziert und im September 1964 veröffentlicht.
Durch diese Aufteilung in verschiedene Märkte unterscheiden sich die US- und UK-Platten bis zum Album Between the Buttons leicht.
Die Tabelle soll einen Überblick ermöglichen:
Weiterführende Informationen [Bearbeiten]
- Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts, Ronnie Wood u.a.: According to The Rolling Stones - Das Buch. Ullstein 2003, ISBN 3550075731
- Steve Appleford: Rip this joint. The Rolling Stones. Die Story zu jedem Song. Buhmann und Haeseler, 2002. ISBN 3927638110
- Stanley Booth: The Rolling Stones. Der Tanz mit dem Teufel. Hannibal Verlagsgruppe KOCH, 2002. ISBN 3854451490
- Georg Diez: Gegenspieler: Beatles – Rolling Stones. Fischer, Frankfurt 2002. ISBN 3596144698
- Geoffrey Giuliano: Not Fade Away: "Rolling Stones" Collection. Paper Tiger, 1995. ISBN 1850283672
- Bill Wyman und Ray Coleman: Stone alone. Goldmann, München 1992. ISBN 3442413907
- Bill Wyman: Bill Wymans Rolling Stones Story. Dorling Kindersley, 2002. ISBN 3831003912