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Das Wichtigste in Kürze
- China hat das zweitgrösste Wasserkraftwerk der Welt eröffnet.
- Es produziert täglich genug Strom, um den Einjahres-Bedarf von 500'000 Personen zu decken.
- Doch Umweltgruppen warnen vor grossen Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt.
Chinesische Regierungsvertreter bezeichneten die Inbetriebnahme des Baihetan Wasserkraftwerks als einen Meilenstein bei der Umsetzung der Klimaneutralitätsziele der Regierung in Peking. Umweltverbände und Wissenschaftler warnten hingegen vor möglichen Umweltschäden.
Baihetan liefert 16'000 Megawatt
Das Kraftwerk mit seinem 289 Meter hohen Staudamm steht im Südwesten Chinas. Es wird in seiner Kapazität zur Stromproduktion nur von der ebenfalls in China gelegenen Drei-Schluchten-Talsperre übertroffen.
Insgesamt soll Baihetan 16 000 Megawatt liefern können. Es produziert somit täglich genug Strom, um den Energiebedarf von 500'000 Menschen für ein ganzes Jahr decken zu können. Dies berichtete der staatliche Nachrichtensender CCTV.
China hat in den vergangenen Jahren verstärkt Wasserkraftwerke gebaut. Dies, um den immer weiter wachsenden Energiebedarf der weltgrössten Bevölkerung decken zu können.
Wasserwerk in Erdbeben-Gegend
Der Damm des Baihetan-Kraftwerks erstreckt sich durch ein tiefes und enges Tal im oberen Teil des Yangtse-Flusses. Es ist der längste Fluss Chinas. Das Kraftwerk wurde unweit der Grenze zwischen den Provinzen Yunnan und Sichuan erbaut. In dieser Gegend kommt es immer wieder zu Erdbeben.
Kommunistische Partei Chinas feiert Jubiläum
Der chinesische Präsident Xi Jinping äusserte sich in einer von der Regierung veröffentlichten Gratulationsbotschaft hoffnungsvoll. Das Kraftwerk werde «grössere Beiträge» zur Verwirklichung der Klimaschutzziele leisten. Die Kommunistische Partei Chinas feierte ihr hundertjähriges Jubiläum am selben Tag wie der Beginn der Testphase des Baihetan-Staudamms.
Die Zusage von Präsident Xi, China bis 2060 klimaneutral zu machen, hatte für zusätzliche Dringlichkeit gesorgt. Doch Umweltgruppen hatten über Jahre hinweg immer wieder vor Umweltschäden durch das Projekt und ähnliche Bauvorhaben gewarnt.
Demnach zerstört der Bau von Staudämmen die Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen, wie beispielsweise die des vom Aussterben bedrohten Glattschweinswals. Die Bauarbeiten im Yangtse-Fluss hätten ausserdem die Sedimentzusammensetzung des Gewässers verändert. Dies führte zu «grossen hydrophysikalischen und gesundheitlichen Risiken für Menschen am Yangtse stromabwärts.
Projekte verdrängten hunderttausende Menschen
Darauf aufmerksam machten Wissenschaftler in einem Artikel im Fachjournal «Science of the Total Environment» im Juni. Die Grossbauprojekte führten ausserdem zur Verdrängung hunderttausender Menschen aus der lokalen Bevölkerung, was auch Bedenken in Chinas Nachbarländern auslöste.
So wurde ein geplanter Staudamm in der Medog-Region in Tibet von Experten als Bedrohung für das kulturelle Erbe Tibets beschrieben. Der Staudamm soll auch den bisher weltgrössten Drei-Schluchten-Staudamm in den Schatten stellen. Mit dem geplanten Staudamm könnte Peking ausserdem einen substanziellen Anteil der indischen Wasserversorgung unter seine Kontrolle bringen.
Auch die Auswirkungen von Dammbauprojekten auf den chinesischen Teil des Mekong-Flusses werden von Experten mit Sorge gesehen. In dem Gewässer, das stromabwärts im Mekongdelta rund 60 Millionen Menschen mit Wasser versorgt, könnten demnach irreversible Schäden entstehen.