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So einmal im Jahr – am 1. Mai zum Beispiel – macht sich vielleicht die eine oder andere Person zu Fragen wie: «Was ist Arbeit?» oder «Was ist unter Arbeit zu verstehen?» Gedanken. Die Definition der Arbeit in der Physik sagt, dass die Arbeit jener Energiemenge entspricht, die bei einem Vorgang umgesetzt wird. Dabei ist die am naheliegendste Arbeit – die mechanische Arbeit – als Skalarprodukt aus Kraft und Weg definiert – im schwierigsten Fall ein Kurvenintegral, im einfachsten Fall, wenn die Kraft in der Wegrichtung wirkt, das Produkt aus Kraft und Weg. Aber bereits bei dieser Definition stosst man auf eine Schwierigkeit, denn das Tragen von Koffern, Kisten und allen anderen Gegenstände auf ebener Strecke von A nach B ist damit keine Arbeit.
In der Karikatur unten ist ein Mann zu sehen, der einen Teppich trägt und sich auf einem ebenen Untergrund vorwärts bewegt. Noch lacht er – wenn die zurückzulegende Strecke lang ist, wird es für ihn mühsam werden. Gemäss Definition der Physik arbeitet der Mann aber nicht, denn das Gewicht (mg) des Teppichs steht senkrecht zum Untergrund.
Die menschliche Arbeit kann mit dieser physikalischen Definition also nicht beschrieben werden, denn das Schleppen von Gegenständen kann unter Umständen eine mühsame Schwerstarbeit sein. Ebenfalls ist das bewusste schöpferische Handeln der Menschen mit allen Beschreibungen für die verschiedenen Formen der physikalischen Arbeit auch nicht abgedeckt. Die Philosophie dagegen definiert das schöpferische Handeln des Menschen als Arbeit.
Besuchen wir kurz den Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Hier ist zwischen der Betriebswirtschaft, in der Arbeit eine Komponente der Produkterzeugung ist, und der Volkswirtschaft, in der Arbeit ein Produktionsfaktor darstellt, zu unterscheiden. In beiden Zweigen kommt der Begriff »Produkt« vor und damit sehen wir bereits nach kurzen Überlegungen, dass Arbeit umfassend zu definieren äusserst schwierig ist, denn wo wäre beispielsweise der Platz für die Sozialarbeit, die Hausarbeit oder die Familienarbeit zu finden? Nehmen wir eine nächst-mögliche Definition und legen fest, dass Arbeit jene Tätigkeit ist, die ein Entgelt abwirft, mit dem der Lebensunterhalt zu bestreiten ist. Und wieder sind wir am Anschlag, denn wo ist bei diesem Ansatz die Freiwilligenarbeit, die oftmals aufgewendet werden muss, jedoch auch geleistet werden will, einzuordnen?
Mit gesundem Menschenverstand kann man vielleicht der Erkenntnis oder der Auffassung zustimmen, welche die menschliche Arbeit als eine Tätigkeit bezeichnet, die – im weitesten Sinn – einen Nutzen, einen Mehrwert, bringt. Es gibt jedoch Menschen, die aus physischen oder psychischen Gründen keinen Nutzen erbringen können, altershalber keinen mehr erbringen müssen und solche die trägheitshalber keinen erbringen wollen. Man erkennt sofort, dass bei dieser Darstellung die Gefahr besteht die Menschen nach nutzorientierten Gesichtspunkten einzuteilen. Nicht zu vergessen ist, dass auch menschliche Arbeit nicht immer nützlich und gut ist und schon gar nicht immer als sinnvoll bezeichnet werden kann.
Wenn Arbeit nicht so einfach definiert werden kann – die menschliche Arbeit eine Sache der Ansicht ist – wie soll sie dann entlohnt werden? In Verbindung mit der Entlohnung steht auch immer die Frage wie mit ihr der Lebensunterhalt bestritten werden soll. Eine Idee, dessen Ansatz bereits 1516 im Roman von Thomas Morus mit dem Titel »Utopia« zu finden ist, wird immer wieder neu aufgegriffen: Das Bedingungslose Grundeinkommen. In diesem Modell bezahlt der Staat allen Menschen ein Grundeinkommen, unabhängig davon ob die Person arbeitet oder nicht und auch unabhäng davon, was sie arbeitet. Höhere Einkommen können in diesem Modell durch besser qualifiziere Arbeit, Mehrarbeit usw. dennoch erzielt werden. Die im Januar 2010 von Daniel Häni und Enno Schmidt gegründete Initiative »Bedingungsloses Grundeinkommen« sammelt seit 21. April Unterschriften für eine Volksinitiative.
Die nachstehende Abbildung zeigt den neuen Artikel – 110a – der in die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgenommen werden soll. Die Volksinitiative muss innert 18 Monaten von 100’000 stimmberechtigten Personen unterzeichnet werden und gelangt dann nach zwei bis drei Jahren später zur Abstimmung. Volk und Stände müssen der Initiative zustimmen, damit Verfassungsartikel in Kraft gesetzt werden kann.
In den Erklärungen zum obenstehendem Artikel, der gemäss dem Komitee und den unterzeichnenden Bürgerinnen und Bürger neu in die Bundesverfassung aufgenommen werden soll, steht unter dem Titel »Das Grundeinkommen?«: «Es ist eine einfache Idee: Jeder Mensch, der fest in dieser Gesellschaft lebt, erhält jeden Monat bedingungslos 2500 Franken. Egal ob jemand reich oder arm, gesund oder krank, erwerbstätig oder arbeitslos ist. Das Grundeinkommen wird individuell an jede und jeden ausbezahlt.» Und im Argumentarium ist unter dem Titel «Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?» zu lesen: «Eine einfache Idee: Jeder Mensch, der rechtmassig in der Schweiz lebt, erhält jeden Monat 2500 Franken. Kinder abgestuft nach Alter. Egal ob jemand reich ist oder arm, gesund oder krank, allein lebt oder in Gemeinschaft, erwerbstätig ist oder nicht. Mit dem Grundeinkommen ermöglichen sich die Mitglieder der Gesellschaft gegenseitig eine würdevolle Ausgangslage fürs Leben. Bereits heute haben wir eine dem Grundeinkommen vergleichbare Einrichtung für ältere Menschen: Die AHV – ein Meilenstein unserer sozialen Errungenschaften und liberalen Tradition.»
In der »Arena« vom 27. April 2012 wurde die Initiative »Bedingungsloses Grundeinkommen« in einer Grundsatzdebatte behandelt. Es diskutierten: Roger Köppel, Verleger und Chefredaictor »Weltwoche« – Ueli Mäder, Professor für Soziologie Uni BS – Rudolf Strahm, Ökonom – Daniel Straub, Initiativ-Komitee »Bedingungsloses Grundeinkommen«. [Um die Sendung zu sehen, klicken Sie auf das Bild.]
Die Initiative »Bedingungsloses Grundeinkommen« ist eine von 405 – 27 davon sind im Stadium der Unterschriftensammlung – seit 1891 gestarteten Volksinitiativen. Zur Abstimmung gelangten bis dato 178 und von diesen wurden nur 19 – von Volk und Ständen – angenommen. Unabhängig davon, welche Chance auf Annahme diese Volksinitiative hat – es kommt Bewegung in die Diskussion darüber, wie die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Schweiz den Lebensunterhalt für ein würdiges Dasein unter welchen Bedingungen künftig zu bestreiten haben.
Bild-Quellen:
Bild A: fotosearch.com
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