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Zum Gedenken an Ruedi Meier
Am vorletzten Wochenende nahm Ruedi Meier, seines Zeichens 10-facher Schweizermeister im Schwergewichtsboxen, noch an der gemütlichen Geburtstagesfeier eines ehemaligen Vereinskollegen teil. Zwar war die Boxlegende aus Neschwil (ZH) seit längerer Zeit nicht mehr so gut auf den Beinen; darüber hinaus ging es ihm gesundheitlich aber ganz passabel. Doch drei Tage nach dem Anlass ereilte uns die Schockmeldung vom krankheitsbedingten plötzlichen Hinschied dieser einmaligen und gradlinigen Persönlichkeit. Ruedi wurde 79 Jahre alt.
Der Verstorbene, der auf dem elterlichen Bauernhaus aufwuchs, begann im Alter von 20 Jahren mit dem Training beim Box-Club Winterthur. Die Kondition holte er sich bei der täglichen harten Arbeit auf dem Hof. Die Bäume wurden damals nicht mit der Motorsäge, sondern mit der Axt gefällt. Zudem verfügte er über einen mörderischen Schlag. Sehr viele Gegner besiegte er mit dem linken Leberhaken, seinem Spezialschlag. Ruedi Meier war in den 60-er und 70-er-Jahren das Mass aller Dinge im Schweizer Boxsport.
Drei Mal wurde Ruedi Meier, «der letzte Bär aus dem Tösstal» vom Schweizerischen Boxverband an die Europameisterschaften aufgeboten, an denen er jeweils im Viertelfinale ausschied. 1964 nahm Ruedi, der wegen seiner Vorliebe zum Tabakschnupfen von seinen Freunden auch «Schnupfruedi» genannt wurde, an den Olympischen Spielen in Tokyo teil und zwar am gleichen Turnier wie der legendäre und vor knapp sieben Jahren verstorbene Ex-Schwergewichts-Weltmeister Joe Frazier. Meier verlor gegen den Argentinier Lovell und kommentierte sein Ausscheiden gegenüber dem „Sport“ damals wie folgt: „Schon bei meinem ersten Schlag erhielt ich vom russischen Ringrichter eine unerklärliche Verwarnung. Anfangs der zweiten Runde brachte ich am arg benommenen Lovell einige wirkungsvolle Leberhaken an, als mich der Ringrichter plötzlich völlig zu Unrecht disqualifizierte“.
Der bodenständige, naturnahe, selbstbewusste und für seinen trockenen Humor bekannte Ruedi Meier wollte nie Profiboxer werden, obschon er dazu prädestiniert gewesen wäre. Auf die entsprechende Frage eines Journalisten sagte er einmal: „Nationaltrainer Charly Bühler wollte mich unbedingt zu den Profis holen. Da ich das Boxen aber immer nur zum Plausch ausübte, kam für mich ein Wechsel zu den Berufsboxern nicht in Frage; ich wollte aus meinem Leben etwas Anständiges machen».
Der Tierfreund Ruedi Meier wohnte mit seinem Berner Sennenhund im selbst erbauten Haus in Neschwil bei Weisslingen. Er war nicht nur stolz auf seine sportlichen Erfolge im Ring, sondern auch auf seine beiden Söhne Ralph und Roger, die er mit seiner leider viel zu früh verstorbenen Ehefrau Hedi aufgezogen hatte. Zeit seines Lebens war Ruedi ein Chrampfer. Er betätigte sich neben seinem angestammten Beruf als Schlosser, Giesser, Forstwart, Zimmermann und Bauarbeiter.
Ruedis Angehörigen entbiete ich im Namen der SwissBoxing-Familie unsere aufrichtige Anteilnahme. Wir wünschen ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit – unsere Gedanken begleiten sie.
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