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aufgezeichnet von Emil Feuz, Unterbach; ergänzt von Hannes Grossniklaus, Brienz
1941
Einrichten eines Militärflugplatzes in Unterbach: Widerstand von Landbesitzern mit Zwang und Enteignungen.
Im 2. Weltkrieg wurden in der Schweiz über 70 militärisch genutzte Flugfelder eingerichtet. Dabei kam es zu ziemlich fragwürdigen Vorgehensweisen (u.a. Enteignungen) seitens des Militärs, was in jener Zeit jedoch erklärbar und machbar war.
In den 1950er-Jahren begann das Jetzeitalter. Zuerst mit Vampir und Venom, später mit Hunter und Mirage. Ende der 1970er-Jahre kamen dann die schon ziemlich lauteren Tiger. Bis zum Ende des Kalten Krieges und dem Fall des eisernen Vorhangs gab es kaum Widerstand gegen die schon damals beachtlichen Immissionen der lauten Vögel. Es wurde bis in die 1990er-Jahre immerhin noch von über 20 Flugplätzen aus geflogen – und damit der Lärm aber auch viel mehr über das ganze Land verteilt. Mit dem Kauf der F/A-18 Kampfjets änderte sich jedoch einiges:
– Bis 8x höhere Schallenergie als der Tiger
– Der Kalte Krieg war vorbei
– Mancherorts (z. B. in Dübendorf) regte sich wegen des Lärm Widerstand gegen den Flugbetrieb
1968
Reger Flugbetrieb (> 10’000 Bewegungen pro Jahr) und «Widerstand» seitens Tourismus.
Natürlich wehrten sich auch in unserer Region immer wieder Leute gegen diesen Krach. So erwirkte im Jahr 1968 der Tourismus, dass in den Monaten Juni bis September je Monat nur eine Woche reduziert geflogen werden durfte. Das hiess: in den 122 Tagen = > 17 Wochen war 13 Wochen Ruhe. (Heute noch 7 – 8 Wochen, und viel lauter.)
1978
Pistenbefeuerung (-beleuchtung), Stationierung Tiger F-5 und eine Nachfrage bei der Gemeinde eines Einzelnen.
Als im 1978 die Pistenbeleuchtung eingerichtet werden sollte, gleichzeitig mit der Einführung der Tiger, fragte ein Gemeindebürger von Meiringen (der Schreibende) an der Gemeindeversammlung, ob der Gemeinderat irgendwelche Vorbehalte angebracht habe. Ihm wurde vom Präsident geantwortet: «Wir haben lieber mitten in der Nacht unsere eigenen Flugzeuge über den Köpfen als fremde.»
1980er (2. Hälfte)
Ausbau Rollstrasse zu Piste. Forum Meiringen dagegen mit Unterschriftensammlung.
In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre beabsichtigte die Luftwaffe, die Parallelrollstrasse zu einer Redundanzpiste auszubauen. Das damals neu gegründete Forum Meiringen stellte sich dagegen, argumentierte in der Presse und sammelte Unterschriften. Es kamen innert Kürze mehr als 1’000 Unterschriften zusammen. Von Seiten der Behörden kam keine Unterstützung und es nützte alles nichts: Die Piste wurde gebaut. Sie ist bis jetzt meines Wissens noch nie benutzt worden.
1990 (ca.)
Beschaffung des neuen Kampfjets F/A-18, Kavernenbau Unterbach und Anregung zu kritischem Beurteilen Forum Meiringen und Einzelpersonen.
Obgenanntes Forum machte 1990 darauf aufmerksam, dass die neu zum Kauf vorgesehenen Kampfjets beträchtlich lauter sein werden und in unserem doch engen Tal nicht am richtigen Ort wären. Vor allem auch von den Behörden wurde das Problem heruntergespielt und unter den Teppich gekehrt. Das Flugzeug wurde angeschafft (Volksabstimmung) und für Unterbach wurde der Bau einer Kaverne für 128’000’000 Franken geplant, wo einst eine Staffel stationiert werden könnte. Auf einen Vorstoss meinerseits beim Gemeinderat, es sollten einmal alle Lärmverursacher und Lärmbelästigten an einen Tisch sitzen, die wirkliche Situation anschauen und nach ertragbaren Lösungen suchen, bekam ich Bescheid, der Gemeinderat werde das an die Hand nehmen. Ein Dreivierteljahr danach wurde ich in den Gemeinderat gewählt. Als mir der Präsident gratulieren kam, merkte er an, es sei ja sowieso noch etwas von mir hängig. Jetzt könnten wir das dann einmal drannehmen. Ich musste im Rat 3x beantragen, das Problem zu traktandieren und als es soweit war, dauerte es keine Viertelstunde und ich stand 1 zu 8 da. Man bedenke: Bauaufträge von über 200’000’000 Fr. standen an.
1990er (2. Hälfte)
Stationierung F/A-18 in Unterbach, Erarbeiten rechtlicher Grundlagen wie LBK u. a., Ausschuss Unterbach mit Gemeinde Meiringen nimmt Anwalt und zieht vors Bundesgericht.
Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Flugplatzes mussten vom VBS verschiedene rechtliche Grundlagen erarbeitet bzw. interpretiert und in Auftrag gegeben werden. So fehlte etwa ein Lärmbelastungskataster. Um diesen zu erstellen musste die Luftwaffe angeben: Flugzeugtypen, Anzahl Bewegungen (1 Start = 1 Bewegung, 1 Landung = 1 Bewegung) mit welchem Typ, Startverfahren, Startrichtungen usw.
Da das Militär gegenüber der zivilen Fliegerei eine Erleichterung von 8 dB in Anspruch nehmen kann und auch sonst an einem langen Hebel sitzt, unterstützte die Gemeinde einen Gang vor das Bundesgericht. Bei diesem Treffen in Lausanne 2002 zogen sich VBS und Luftwaffe zurück mit der Begründung, sie hätten einen harten Sparauftrag und müssten alles neu überdenken und planen.
2000er (1. Hälfte)
Es war schon im November 1997 (Irrtum vorbehalten), als einmal in den Kurznachrichten um 5 gesagt wurde: Die lauten Jets würden dort stationiert, wo die politische Situation dafür am günstigsten sei. Als die Stationierung bei uns dann offiziell bekannt gegeben wurde, hiess es, es sei ein Anachronismus, so laute Maschinen in einem dicht besiedelten Gebiet wie Dübendorf fliegen zu lassen. Darum werde dieser Flugplatz für Kampfjets geschlossen.
2004
Talk im Bistro mit Gründung IGF mit Partnerschaft Hoteliers Brienz, Beizug Anwalt, Kontaktgremium.
Die Redaktion der Jungfrauzeitung lud zu diesem Podium ein. Das Bistro war brechend voll. Ein ehemaliger Generalstabsoberst regte an, den Widerstand zu organisieren. So entstand die «Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm in der Alpenregion», die später als Verein mit Statuten organisiert wurde, um im Kontaktgremium vertreten sein zu können.
2006
Stationierung der Staffel.
Payerne, Meiringen, Emmen und Sion sollen die für die lautesten Jets verbleibenden Basen sein. Bald zeigte sich jedoch, dass Sion auch aufgegeben werden wird.
2008
Weber-Initiative: Keine Kampfjets in Tourismusgebieten.
Über die von Franz Weber im Jahr 2005 lancierte Volksinitiative «Gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten» wurde abgestimmt. Die Initiative sieht vor, den Artikel 74 in der Bundesverfassung (Umwelt- schutz) durch eine Passage zum Lärmschutz zu ergänzen: «In Friedenszeiten dürfen keine militärischen Übungen mit Kampfjets in touristisch genutzten Gebieten durchgeführt werden». Franz Weber und seine Mitstreiter wollen ihre Initiative explizit nicht als Schritt zur Abschaffung der Armee verstanden wissen. Sie argumentieren primär mit dem Umweltschutz und der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus in den Regionen, die vom Fluglärm besonders betroffen wären: das bernische Haslital und das Gebiet um Sion im Wallis. Die Durchführung von Einsätzen und die Luftraumüberwachung seien immer noch möglich, weshalb weder das Weltwirtschaftsforum in Davos noch die beliebte Fussball-Europameisterschaft 2008 gefährdet wären. Die SP, GP, GSoA und einige kleinere linke Organisationen fassen die Ja-Parole. Die bürgerlichen Parteien und die Arbeitgeberverbände sprechen sich geschlossen gegen das Begehren aus. Ihnen schliessen sich der Armee nahestehende Verbände wie die Offiziersgesellschaft oder die «Arbeitsgemeinschaft für eine wirksame und friedenssichernde Milizarmee» an. Für die Gegner stellt die Vorlage einen Frontalangriff auf die Luftwaffe dar. Ohne Übungsräume könne die Lufthoheit nicht glaubwürdig gewährleistet werden.
Die Abstimmungsergebnisse der Initiative:
Schweiz gesamt: 32% Ja / 68% Nein (Stimmbeteiligung 38.7%)
Meiringen/Brienz: 61% Ja / 39% Nein
Keine Militärflugplatzregion der Schweiz erreichte auch nur annähernd eine so hohe Zustimmung. Alle Ergebnisse der Abstimmung hier.
Quelle Bild: https://swissvotes.ch/vote/530.00
2009 (ca.)
Massnahme des VBS: 70’000 Fr. pro Jahr für eine Marketingstelle in der Region.
Da argumentiert worden war, der Tourismus leide unter dem Lärm und müsse immer wieder frische Gäste anwerben, kam die glorreiche Idee, mit Geld für das nötige zusätzliche Marketing könne man die Sache regeln.
2011
Die IGF hat 3 x Mal (2007, 2011, 2018) Mitwirkungsberichte eingereicht, die alle nicht berücksichtigt wurden und in der Schublade landeten, mit Verweis auf die unsichere Zukunft der Luftwaffe. In der gleichen «unsicheren Zeit» wurde der Flugplatz Meiringen-Unterbach für deutlich über 200 Mio. Franken ausgebaut.
2011
Die IGF organisiert die Mitwirkung.
Bei dieser Mitwirkung hat die IGF erreicht, dass aus der Region 2/3 der Mitwirkenden sich kritisch bis ablehnend und 1/3 für die Stationierung äusserten. Von den auswärtigen – z. B. St. Gallen usw. – war das Verhältnis gerade umgekehrt. Also gibt es auch in der berühmtesten Demokratie der Welt „Vergewaltigungen“ von Minderheiten, obschon in unserer Bundesverfassung im Art. 74 steht, der Bundesrat habe für den Schutz der Bevölkerung vor schädlichen und störenden Einflüssen zu sorgen.
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Art. 74 Umweltschutz
1) Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen.
2) Er sorgt dafür, dass solche Einwirkungen vermieden werden. Die Kosten der Vermeidung und Beseitigung tragen die Verursacher.
2014
Gripen-Referendum.
Die Stimmbevölkerung lehnt die Beschaffung des neuen Kampfflugzeugs Gripen ab. Auch alle Gemeinden von Niederried bis Brienzwiler lehnen ab mit Mehrheiten bis 60%. Die IGF hat mangels genügender Ressourcen leider keinen engagierten Abstimmungskampf geführt.
Alle weiteren Infos zur Abstimmung hier.
Quelle Bild: https://www.barrile.ch/wp-content/uploads/2018/05/Gripen_Nein_1.png
2017
KLUG.
Die «Koalition Luftverkehr Umwelt Gesundheit», kurz KLUG, wird gegründet. Die IGF ist mit 28 weiteren Organisationen Mitglied. Die KLUG hat uns auch in Bundes-Bern vernetzt und die Verbindung zu Nationalrätinnen und Nationalräten hergestellt. Es konnten Treffen mit Spitzen des VBS durchgeführt werden, natürlich nur mit mässigem Erfolg.
Alle weiteren Infos zur KLUG auf ihrer Homepage.
2017
Behörden der Region.
2020
Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge.
Das Referendum gegen den «Bundesbeschluss vom 20.12.2019 über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge», kurz Kampfjetreferendum wurde von der Schweizer Bevölkerung denkbar knapp mit 50,1% angenommen. Die IGF hat einen sehr engagierten Abstimmungskampf in der Region geführt und eine klare Nein-Mehrheit in der Region erreicht.
2022
Der Entscheid für den F-35.
Der Bundesrat entscheidet sich für den Kauf des F-35. Es ist der lauteste Flieger der Welt. Das Vorgehen des Bundesrates und des VBS spottet jeder Beschreibung. Eine eingereichte Volksinitiative «Stop F-35» wird einfach übersehen und nicht berücksichtigt. Sollte dieser Jet in unserem Tal einmal starten und landen, ist eine weitere massive Zunahme der Lärmbelastung sicher.
Das Flugplatzkommando Meiringen der Luftwaffe (VBS) informierte die Bevölkerung mittels eines Flugblattes am 21.12.2021, die Kampfjet-Flugzeiten, insbesondere hinsichtlich neuer Nachtlfugzeiten, im Januar 2022 versuchsweise anzupassen. Der Bevölkerung wurde die Möglichkeit eingeräumt, über die Wohnsitzgemeinden zu diesem Versuch Stellung zu nehmen. Die IGF verschickt eine vorformulierte Postkarte an alle Einwohnenden der Alpenregion (siehe unter AKTIONEN), um sich gegen die Anpassung der Flugzeiten auszusprechen. Viele machten davon Gebrauch – und die Nachtflugzeiten wurden in der Folge nicht angepasst.
2023
Der Kampf geht weiter.
Der Kampf gegen den Jetlärm in unserem Tal geht weiter. Die IGF erneuert den Web-Auftritt und lanciert eine erneute Postkarten-Aktion gegen die Stationierung des F-35 auf dem Militärflugplatz Unterbach.