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Zwar wurde das Depot Wiesenplatz im Laufe der Zeit mehrfach erweitert und teilerneuert, doch investierten die Verkehrsbetriebe gesamthaft betrachtet nur wenige Mittel. Der Nachholbedarf etwa zum Erhalt der Bausubstanz vergrösserte sich jährlich und die Anlagen entsprachen je länger je weniger den Anforderungen eines effizienten Betriebsablaufs und Rollmaterialunterhalts.
Schon 1999, also schon vor dem Brand vom 18. Augsut 2004 (vgl. unten), untersuchten die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), ob das Depot am bisherigen Standort erhalten bleiben soll oder ob ein Neubau «auf der grünen Wiese» nicht sinnvoller wäre. An ein wirtschaftlich und betrieblich günstiges Depotkonzept stellte die BVB folgende Anforderungen:
- kurze Einstell- und Ausfahrten zwischen Depot und Linieneinsatz
- Risiko-Minimierung bei Ausfall eines Depots
- möglichst redundante, wenig störungsanfällige Zufahrten
- Synergien durch Zusammenfassung von Arbeiten an wenigen Standorten
Für einen Depot-Neubau untersuchte man mehrere Standorte und Varianten im Inland und im benachbarten Ausland. Im Vergleich zu einer Sanierung mit Ausbau des bestehenden Depots wäre bei einem Neubau jedoch mit wesentlich höheren Kosten zu rechnen gewesen. Eine derartige Differenz hätte durch eine Neunutzung des Wiesenplatz-Areals für Wohnungsbau – möglich wären maximal 120 Wohnungen gewesen – nicht ausgeglichen werden können. Die Auswertung ergab überdies, dass obige Anforderungen durch die drei damaligen BVB-Depots Allschwilerstrasse, Dreispitz und einem erneuerten und ausgebauten Depot Wiesenplatz erfüllt werden konnten.
Im Herbst 2004 beschloss der Basler Regierungsrat, das Depot Wiesenplatz zu erneuern und stimmte einem Projektierungskredit von 310’000 Franken zu. Die Regierung sprach sich somit gleichzeitig gegen den Depotneubau an einem anderen Standort aus.
2005 lancierten die BVB einen einen Architektur- und Planerwettbewerb, zu dem je vier Anwärter aus den Fachbereichen Architektur/Bauingenieurwesen und Betriebsplanung eingeladen worden waren. Als Sieger ging das von Basler Firmen eigereichte Projekt «Wiesenteppich» (Baader Architekten; WGG Schnetzer Puskask Ingenieure; Planergemeinschaft Rapp/Infra/SNZ Ingenieure und Planer) hervor. Nach weiteren zwei Jahren Planungsarbeiten und der Überwindung politischer Hürden konnte am 15. Januar 2009 der Spatenstich erfolgen.
Umbau und Erweiterung des Depots Wiesenplatz änderten die betrieblichen, funktionellen und städtebaulichen Defizite der früheren Depotanlage grundlegend. Aus dem alten «Sackdepot» wurde ein Durchlaufdepot mit getrennten Ein- und Ausfahrten und automatischer Weichensteuerung. Anstelle des Hans-Huber-Saals auf dem östlichen Teil des Geländes, jedoch auf der ganzen Länge der bestehenden Haupthalle entstand ein leicht angewinkeltes, zusätzliches Gebäude. Dieses nahm neben überdachten Abstellgleisen
- einen Wartungstrakt für Instandhaltungsarbeiten an Fahrzeugen,
- einen Diensttrakt mit Büroräumlichkeiten für das Fahr-/Depotpersonal und die Fahrschule,
- einen Servicebereich mit Wasch- und Besandungsanlage sowie
- einen Lager- und Annextrakt
auf.
2011 wurde der denkmalgeschützten Haupthalle ein neuer Servicetrakt zur Seite gestellt. Wie gut deren Betonschlund zur filigranen Backsteinarchitektur von 1907 passt, kann jeder für sich selbst beantworten.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. D8A_8125)
Am 3. März 2011 konnte der Betrieb im Depot Wiesenplatz zum ersten Mal im Durchlaufregime abgewickelt werden. Damit neigte sich eine zweijährige Umbau- und Sanierungsphase ihrem Ende entgegen, mit welcher das grösste BVB-Depot für weitere 100 Jahre ertüchtigt wurde 2). Anwohnerinnen und Anwohner freuen sich seither über die umgesetzten Massnahmen zum Schutz vor Lärm und den Ausblick auf das wellenförmiges und begrünte Dach der neuen Halle, welches dem Projekt den Namen «Wiesenteppich» bescherte.
1) «Hans-Huber-Saal» spielte auf den nach dem Schweizer Komponisten Hans Huber (1852–1921) benannten kleinen Musiksaal des Basler Stadtcasinos an.
2) Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten stürzte am 19. April 2010 eine alte Hallenmauer auf einer Länge von mehreren Metern um. Dabei wurde der Be 4/6 638 irreparabel beschädigt.