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Manaus, 06. Januar 2008
Tausende von brasilianischen Ureinwohnern der unterschiedlichen Ethnien und indigenen Gruppen im Amazonas fordern derzeit eine einheitliche Regelung zur Registrierung ihrer Kinder auf den normalen brasilianischen Standesämtern [Registro Civil]. Grösste Forderung der Indios ist die Anerkennung der Bezeichnung des Indianervolkes als Nachname für die Kinder des Stammes. Dies sind die Ergebnisse einer ersten Sitzung des Pilotprojektes zu Registrierung der indigenen Völker Amazoniens, welche im Dezember in Manaus stattfand.
Bei dem Projekt, welches bereits im September 2007 gestartet wurde, versammelten sich die 17 Anführer der 44 Gemeinschaften aus den Regionen Alto Rio Negro, Alto und Médio Solimões, Vale do Javari, Purus, Juruá und Manaus um zum einen die derzeitige Situation bei der Registrierung von Indianern zu erörtern und zum an anderen um Daten für entsprechende Massnahmen zusammen zu tragen.
Ein offizieller Zwischenbericht soll im März dieses Jahres vorgelegt werden. Dazu müssen jedoch noch insgesamt 1.400 Fragebögen ausgewertet werden, die in 325 Gemeinschaften bei 43 verschiedenen Ethnien erfasst wurden.
Laut dem Leiter des Projektes, Professor Raimundo Nonato da Silva von der staatlichen Universität des Bundesstaates Amazonas existieren verschiedene Faktoren, die die Anmeldung eines Kindes indigenen Ursprungs erschweren. Als Beispiel nennt er dabei die langen Wege bis zum nächsten Standesamt, Diskriminierung der Ureinwohner aufgrund ihrer Abstammung und unzureichend vorbereitete Standesämter.
“In eigentlich allen Fällen reklamieren die Indios die Diskriminierung in dem Moment, wenn sie ihre Kinder anmelden wollen. Dies liegt zum einen daran, dass viele Mitarbeiter sich in diesem Bereich gar nicht auskennen, zum anderen an der kommunikativen Barriere, die durch die von den Indios gesprochene Sprache verursacht wird“ so Nonato da Silva.
Der Professor bestätigte zudem, dass viele Eltern den Kindern als Nachnamen den Namen der Ethnie geben wollen, die Standesämter dies häufig jedoch verweigern. Auch hier fehlen den Standesämtern das Wissen und die Erfahrung. Laut Nonato da Silva hat der Name des Indiovolkes einen grossem Wert für seinen Träger, doch leider gibt es auf den Standesämtern immer wieder Personen, welche die Dimension dessen nicht verstehen. Um das Kind trotzdem anmelden zu können, werden dann anderen “normalere“ Namen vergeben.
Nachdem im März die Ergebnisse aus Amazonien vorgestellt worden sind, soll im nächsten Schritt auch die indigenen Gruppen im Bundesstaat Mato Grosso do Sul intensiver untersucht werden. Zudem planen die Verantwortlichen ein Verzeichnis der indigenen Namen, welches mit den Anführern der Indiogruppen aus den entsprechenden Regionen ausgearbeitet werden soll und dann den Standesämtern als Leitfaden dient.
Bis Ende 2008 soll das Projekt endgültig abgeschlossen sein. Neben einer Diagnose der derzeitigen Situation soll damit jedoch auch die allgemeine Bevölkerung sensibilisiert werden, dass Ureinwohner bereits in der Vergangenheit oftmals nicht das Recht zugestanden bekamen, ihren eigenen Nachnamen zu tragen – und dies nur deswegen, weil den Mitarbeitern der Standesämter die Schreibweise unbekannt war.
Dietmar Lang für BrasilienPortal