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Troubled Water - DeUsynlige (2008)
Troubled Water - DeUsynlige (2008)
Oder: Der Kirchenorgelspieler
Jan (Pal Sverre Valheim Hagen) wird nach acht Jahren endlich aus dem Jugendgefängnis entlassen. Während seiner Haft hatte er reichlich Zeit, sich in der Gefängniskapelle zum Kirchenorgel-Virtuosen zu entwickeln. Aus vereinzelten Flashbacks erahnt man, dass er als Teenager bei einer Kindsentführung beteiligt war, bei der ein Junge starb. Jan "tauft" sich nun um und nimmt seinen zweiten Vornamen Thomas an. Damit will er neu ins Leben einsteigen. Er kriegt prompt einen Job als Kirchenorganist, vielleicht gerade, weil er den Mut hat, moderne Stücke wie Simon&Garfunkels "Bridge over Troubled Water" auf der Kirchenorgel zu performen.
Doch die dunkle Vergangenheit holt ihn langsam ein, denn zufälligerweise wohnen die Eltern des verstorbenen Jungen in der Nähe. Er muss sich mit seiner Tat nochmals auseinandersetzen, wenn er wirklich in die Gesellschaft zurückfinden will. Eine mehr als freundschaftliche Beziehung mit Anna (Ellen Dorrit Petersen), der hübschen Pfarrerin und alleinerziehenden Mutter eines Jungen (dem toten Jungen aus dem Gesicht geschnitten!), kompliziert nur noch alles...
Film-Rating
Troubled Water ist Erik Poppes dritter Spielfilm nach Schpaaa und Hawaii, Oslo. Bei seinem Regiedebüt interessierte er sich für die verlorene Jugend in Oslo in der ewigen Gewaltspirale. In Troubled Water wird zuerst die Perspektive des straffälligen Thomas eingenommen. Thomas ähnelt dem "zweifelnden Apostel Thomas", denn auch er streitet gerne mit der Pfarrerin über Gott und die Welt. Wird ihn die Gesellschaft je wieder akzeptieren? Werden ihm die Eltern des verstorbenen Jungen je vergeben? Ist er überhaupt schuld an allem? Warum lässt Gott das Böse zu? Schwere Fragen. Aus dieser unsicheren Ausgangssituation entwickeln sich Hoffnungsschimmer, doch immer lauert die Gefahr, dass seine wahre Identität und seine kriminelle Vergangenheit ans Tageslicht geraten.
Erik Poppe arbeitete lange als Kameramann, und auch in diesem Film sind lange Strecken der Erforschung des menschlichen Gesichts gewidmet. Es geht ansatzweise um religiöse Debatten über das Böse oder die christliche Vergebung, doch Poppe interessiert sich nicht so sehr für eine klare Antwort wie die hübsche, etwas naiv schwarz-weiss denkende Pfarrerin im Film. Stattdessen erforscht er scharfsinnig die Verhaltensweisen des Straftäters und der Mutter des Opfers (Trine Dyrholm). Leider ist es Poppe nur teilweise gelungen, die realistische Schauspielerei mit diesem modernen, religiösen Gleichnis um "Verbrechen und das Danach" zu vereinen. Gegen Ende wird es eine Prise zu melodramatisch und unglaubwürdig.
Der Film ergründet auf ähnliche Weise die dunklen Bereiche der menschlichen Seele wie Der freie Wille, in dem Jürgen Vogel als Triebtäter eine Meisterleistung darbot. Die fast unzumutbare Vergebung von Straftätern von seiten der hinterbliebenen Eltern des Opfers konnte man noch eindringlicher bei Dead Man Walking nachspüren. In Troubled Water wird - leider Gottes - die überzeugende Schauspielleistung durch die bruchstückhafte, zweigeteilte Erzählstruktur zerstückelt und erschwert somit für den Zuschauer den Sog in den Filmfluss. Mit ähnlichen desorientierenden Filmerzählungen experimentierte man auch schon bei 21 Grams und Memento oder im japanischen Filmklassiker des Mehrperspektiven-Films: Rashomon. Es geht wohl bei Troubled Water auch einfach um tief nagende Gefühle und das Motiv Wasser, zum Beispiel im Zustand des Taufwassers.
Es ist so ein verstörender, tiefgründiger Film über Verbrechen, Neuanfang, Gott, Vergebung und Mutterinstinkt, der aber formal etwas umständlich geworden ist. Man darf aber hoffen, dass die Filme von Poppe in naher Zukunft ihr Entwicklungspotential weiter ausschöpfen werden, da er immer tiefer unter der Oberfläche kratzen wird.
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06.12.2009 / dap
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