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Anna-Margretha Von der Mühll-Burckhardt
Frau H-T. / 21.Mai 2006:
Anna-Margretha Von der Mühll-Burckhardt
Darf ich Ihnen folgende Frage stellen? Wer war obige Dame und wie kommt es dazu, dass sie im/beim Münster begraben liegt. Was gibt es sonst noch über sie zu wissen? Literatur? Leider habe ich bisher im Web nichts gefunden, bin aber zum Glück auf die Altbasel-Seite gestossen.
Antwort von altbasel.ch:
Anna-Margaretha wurde 1793 als Tochter des Karl Christian Burckhardt und der Anna Margaretha, geb. Thurneysen geboren. Ihr Vater war gleichermassen Basler Handelsherr und Staatsmann. Seiner Wahl zum Grossrat und Appellationsrichter folgte 1815 der Einzug in den Kleinen Rat, dem er bis zu seinem Rücktritt im Oktober 1830 angehörte. Ferner war er Staatsrat und überwachte als Dreierherr den Finanzhaushalt Basels. 1815 und 1817 wollte man ihn zum Bürgermeister wählen, was er jedoch ablehnte.
Anna Margarethas gleichnamige Mutter war die Tochter des Kaufmannes Hans Heinrich Thurneysen-Frey. Am 23.Dezember 1822 erwarb Karl Christian Burckhardt das Landgut St.Margarethen, welches er in der Folge erweiterte. Anna Margarethas Vater liess 1823/24 einen englischen Garten anlegen und krönte seinen Besitz mit einer herrschaftlichen Villa der heute als Tagesheim des Basler Frauenvereins dient. Eben dieses Landgut St.Margarethen ging 1847 an seine Tochter Anna Margaretha über.
Links das Haus zur Fortuna an der St.Alban-Vorstadt 19, welches der Vater von Anna Margaretha 1810/11 neu erbauen liess. Rechts die Grabplatte des Familiengrabes Burckhardt-Von der Mühll im Kleinen Münsterkreuzgang an der Rheinhalde. An zweitunterster Stelle Anna-Margarethas Name.
Da sich ihr Vater auch um die Universität sehr verdient gemacht hatte, bevölkerten diverse ihrer Professoren seinen Bekanntenkreis. Diese Herren trafen sich oft in der Villa im Margarethenpark um gemeinsam dem Kartenspiel zu fröhnen. Der Landsitz am Rande des damals noch unbebauten Gundeldingens war aber nicht das einzige Haus in welchem Anna Margaretha ihre Jugend zubrachte. Ihr Vater besass in der St.Alban-Vorstadt auch das Haus "zur Fortuna".
Dieses Haus an der St.Alban-Vorstadt 19 liess er 1810/11 durch einen Neubau des Architekten Achilles Huber ersetzen. Vermutlich war er auch der Erbauer der Villa im Margarethenpark, die mit dem Landgut nach dem Tod ihres Vaters an Anna Margaretha, auch "Gritli" genannt, ging. Sie war nicht die Erstgeborene sondern hatte eine ältere Schwester gleichen Namens, die aber noch als Säugling verstorben war. Brüder hatte sie keine als ihr Vater 1846 mit 79 Jahren starb.
Nach dem Tode ihres Vaters starb bald darauf auch Anna Margarethas Mutter 1847 mit 72 Jahren. Nun übernahm sie das Erbe ihres Vaters, welches in ihre Ehe einging, die sie 1813 mit Johann Georg Von der Mühll geschlossen hatte. Aus dieser Heirat war 1814 der erstgeborene Sohn Karl hervorgegangen, der zum Appellationsrichter aufsteigen sollte. Anna Margarethas Gatte war ein vielseitig begabter Mann. Nebst seinem militärischen Rang eines Oberleutnants bekleidete er auch das Amt eines Grossrats.
Ferner war er Teilhaber der Kolonialwarenfirma Burckhardt & Von der Mühll und hatte ein Faible für die Architektur. Johann Georg Von der Mühll verewigte sich in Basel mit dem Sommerkasino, das 1822/24 nach seinen Entwürfen erbaut wurde. Anna Margaretha führte nunmehr den Familiennamen ihres Gatten, der übrigens einer der Gründer der 1831 ins Leben gerufenen Basler Zeitung war. Der 2.Stock von Anna Margarethas Elternhaus an der St.Alban-Vorstadt 19 diente dem Gatten später als Alterswohnung.
Ein Jahrzehnt vor ihrem Ehemann, 1843, starb nämlich Anna Margaretha. Mit ihrer Heirat in die wohlhabende Familie Von der Mühll kam ihr auch das Privileg einer Bestattung im Familiengrab zu. Dieses lag im Münsterkreuzgang, welcher bei der Oberschicht als Begräbnisplatz seit jeher höchst begehrt war. In dem Grab hatten bereits ihre Schweigereltern Johann Georg Von der Mühll (1758-1790) und Anna Maria geb. Burckhardt (1757-1815) ihre letzte Ruhe gefunden.
Ihr Mann Johann Georg Von der Mühll verschied 1857 ebenfalls und folgte ihr in die Gruft im Kreuzgang, wo sie in der Gesellschaft längst verblichener Basler Gelehrter, Staatsmänner und Geistlicher ruhten. Das Landgut St.Margarethen mit Park und Villa, welches Anna Margaretha 1847 erbte, ging an ihren Sohn, den Appellationsrichter Karl Von der Mühll-Merian (1814-1881) über. 1896 erwarb der Kanton das Margarethengut von den Erben der Familie Von der Mühll.
Literatur:
Eduard His, Basler Staatsmänner des 19.Jahrhunderts, 1930, Verlag Benno Schwabe & Co Basel, Seite 85 bis 86, 104 und 127
Carl Roth, Kirche und Landgut St.Margarethen, Beitrag im Basler Jahrbuch 1920, 1919, Helbing & Lichtenhahn, Seiten 163 bis 165
Daniel Burckhardt-Werthemann, Häuser und Gestalten aus Basels Vergangenheit, 1925, Frobenius AG, Seite 163
Gustav Adolf Wanner, Häuser Menschen Schicksale, Band 1, 1985, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 3-85815-126-2, Seite 34
Hans-Rudolf Heyer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft, Band 1 - der Bezirk Arlesheim, 1969, Birkhäuser Verlag, Seiten 229 bis 230
Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996, Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN 3-905065-22-3, Seiten 102 und 107
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