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Open Access
Die Idee, die heute als Open Access bekannt ist, entstand in den 1990er Jahren: Der Einzug der Informationstechnologien, insbesondere des Internets, bot neue Möglichkeiten für eine globale wissenschaftliche Kommunikation und Kooperation. Hier finden Sie einige Meilensteine; mehr Informationen gibt es auf open-access.net.
Im Sommer 1991, kurz nachdem am CERN in Genf das WWW-Protokoll veröffentlicht wurde, gründete der Physiker Paul Ginsparg in Los Alamos den ersten Preprint-Server, mit dem zur Veröffentlichung eingereichte, aber noch nicht begutachtete Forschungstexte der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich gemacht werden konnten. Ursprünglich unter dem Namen "hep-th (High Energy Physics - Theory)" für eine kleine Forschungsgemeinschaft angelegt, ist dieser Server unter dem Namen arXiv ist bis heute aktiv in Gebrauch und verzeichnet mittlerweile über 670'000 E-Prints aus der Physik und angrenzenden Gebieten. Ein anderes bis heute erfolgreiches Netzwerk, das Social Science Research Network (SSRN), startete 1994. Solche Initiativen begründeten den bis heute wichtigen 'grünen Weg' zu Open Access, d.h. die Selbstarchivierung von Forschungpublikationen durch die AutorInnen auf öffentlich zugänglichen Dokumentenservern.
Neue Software erlaubte die digitale Archivierung und weltweite Zugänglichkeit von Forschungsartikeln als sogenannte e-prints, digitale Artikel. Auch traditionelle wissenschaftliche Zeitschriften boten Ihre Inhalte bald in digitaler Form an. Dabei wurden sie jedoch nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, billiger: Seit den 1990er-Jahren kam es zu einem drastischen Preisanstieg wissenschaftlicher Zeitschriften (die sogenannte Zeitschriftenkrise). Deren Preis stieg innerhalb von wenigen Jahren so rasant an, dass die stagnierenden Budgets insbesondere von Universitätsbibliotheken nicht mithalten konnten: Viele Zeitschriften mussten abbestellt werden oder konnten gar nicht lizenziert werden.
Für viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war es unverständlich, dass die nun theoretisch überall verfügbare Forschung für viele hinter immer teureren "Bezahlschranken" verschlossen blieb. Im Jahr 2000 verfassten amerikanische Biologen einen offenen Brief an die marktdominierenden, preistreibenden Grossverleger und forderten, dass wissenschaftliche Artikel sechs Monate nach der Publikation in einer kostenpflichtigen Zeitschrift auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollten. Als dies nur wenig fruchtete, gründete ein Team um Nobelpreisträger Harold Varmus 2003 eine Reihe eigener Open Access-Zeitschriften unter dem Namen "Public Library of Science". Bereits seit den frühen 1990er Jahren hatten Forschende mit elektronischen, frei zugänglichen Zeitschriften experimentiert; nun erhielt diese Idee weiteren Aufschwung.
Drei Konferenzen - Budapest 2001, Bethesda und Berlin 2003 - definierten die Prinzipien von Open Access, den Grünen und den Goldenen Weg und mögliche Wege einer Implementierung von Open Access in den wissenschaftlichen Publikationsprozess. Die "Berliner Erklärung über den freien Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" von 2003 wurde von den meisten europäischen Wissenschaftsinstitutionen und unterzeichnet, so auch aus der Schweiz: 2006 unterzeichneten der Schweizerische Nationalfonds, die Rektorenkonferenz CRUS und die Akademien der Schweiz; im September 2007 folgte auch die Universität Bern.
Mittlerweile haben fast alle Universitäten in der Schweiz und in Deutschland ein institutionelles Repository, auf dem Universitätsangehörige ihre Publikationen öffentlich zugänglich machen können. An immer mehr Universitäten (in der Schweiz z.B. an den Universitäten Zürich und St. Gallen sowie an der ETH Zürich) ist die Ablage auf dem institutionellen Dokumentenserver verpflichtend. So zeigt ein Repository dann die ganze Forschungsleistung einer Institution (auch wenn einzelne Texte aus Copyright-Gründen bspw. erst nach einer Embargofrist zugänglich sind) und kann zur Evaluation oder zur Erstellung von Publikationslisten und Jahresberichten benutzt werden.
Seit 2010 haben zahlreiche Grossverlage und bekannte Fachverlage eigene Open Access-Zeitschriften angekündigt oder bereits lanciert, so etwa Wiley-Blackwell, Springer, die Nature Publishing Group, die American Physical Society oder die Royal Society. Open Access hat sich als Publikationsmodell einen festen Platz erobert und wird nach Verlagseinschätzungen weiter überdurchschnittlich wachsen.
Der spanische Kongress hat im Mai 2011 ein neues Wissenschaftsgesetz gutgeheissen, das vorsieht, dass alle öffentlich geförderten Forschungspublikationen innerhalb von 12 Monaten auf einem frei zugänglichen Dokumentenserver abgelegt werden müssen (Gesetzesentwurf als pdf: Art. 36, Difusión en acceso abierto). Auch in Deutschland wurde unlängst eine Gesetzesnovelle für ein Zweitveröffentlichungsrecht für wissenschaftliche Publikationen eingereicht, die die komplizierten Einzelregelungen mit Verlagen durch eine einheitliche Regelung zu Open Access ersetzen würde: Jede mindestens zur Hälfte öffentlich geförderte Forschungspublikation dürfte nach 6 bzw. 12 Monaten vom Autor noch einmal veröffentlicht werden, bspw. auf der Homepage, auf einem Dokumentenserver oder in anderer Form.
Die EU-geförderte "Study on Open Access Publishing" zeigte eine grosse Akzeptanz der befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Rund 90% betrachten Open Access als positiv für den wissenschaftlichen Austausch. Die Frage der Publikationskosten muss aber von allen am wissenschaftlichen Publikationsprozess Beteiligten - Forschungseinrichtungen, Förderer, Bibliotheken - gelöst werden.