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Interview mit einer Domina
Wenn man nach dem Begriff "Domina" googelt erhält man die wildesten Ergebnisse. Zum Beispiel zur Definition einer Domina: “Eine Frau, die sadistische Handlungen an einem Masochisten vornimmt:” Damit geben wir uns nicht zufrienden. Wir möchten wissen was hinter diesem Begriff steht und vor allem wer.
Wir haben Aisha gefragt und mit einem Lächeln auf den Lippen sagt sie: "Zum Glück war das nicht der erste Satz, den ich damals über die Definition einer Domina gelesen habe. Denn er beschreibt es nicht annähernd korrekt und ausreichend. Eine Domina zu sein bedeutend viel mehr."
Wie definierst du eine Domina?
Eine Domina ist eine dominante Frau, die Freude und sexuelle Erregung am Machtgefälle zum devoten Partner hat. Man nennt den devoten Part Submissive, kurz Sub oder Sklave. Der Sub lässt seinen Körper, nach den vereinbarten Vorlieben und Tabus, von der Domina bespielen.
Wie bist du dazu gekommen?
Der intensive Wunsch nach Selbstbestimmung! Für mich gibt es keine anderes Handwerk, in der ich mich als Frau selbstbestimmender mit meinen Leidenschaften und Denkweisen ausleben kann.
Ich wurde in meinem Leben oft Fremdbestimmt, wie viele andere Menschen: gute Tochter, gute Ehefrau, gute Mutter. Das “gut” bestimmten andere für mich. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Was finde ich gut? Diese Unzufriedenheit war der Anfang meines Weges.
Die einzige Lösung für mich war Selbstbestimmung über mich und meine Wünsche. Das finde ich täglich in meinem Lifestyle als Herrin.
Wie können wir uns eine Session mit deinen Subs vorstellen?
Eine Session ist die vereinbarte Zeit, in der gespielt wird. Diese kann von beiden Partnern beendet oder verlängert werden.
Sessions können sadistisch/masochistische Spielarten beinhalten, wie Ballbusting (Eiertritte mit dem Fuß) oder Tunnelspiele (Brennnesseln über die Haut). Es kann sich aber auch um Demütigung drehen, wie verbale Erniedrigung oder das Vorführen des Subs in Frauenkleidern. Der dominante und der devote Part sind genderfrei!
Eine Domina kann besonders in Rollenspielen ihre Dominanz ausleben, indem sie Subs zum Beispiel als ihren Hund erzieht oder als lebendiges Möbelstück umfunktioniert. Subs können auch im Alltag unterstützen: Kochen, Putzen, Einkaufen, Rechnungen bezahlen oder Massieren. Eine sehr romantische und intime Variante des BDSM Spiels, wie ich finde.
All diese Spielarten basieren auf Vertrauen und dem Absprechen von Vorlieben und Tabus.
Was alle oben genannten Spielarten im BDSM gemeinsam haben, ist das Machtgefälle zwischen ihnen. Die Ausübung der Macht muss nicht immer durch hartes Kommando oder Brüllen geschehen, führen kann man auch leise, freundlich und respektvoll. Beides ist möglich, je nachdem woraus beide Lüste empfinden
Natürlich habe ich mich damals beim Stöbern im Netz und in den Büchern gefragt, wie es um mich steht. Mir wurde klar, dass ich so gesehen, immer eher dominant war, denn mir fielen all die “gemeinen” Spiele ein, die ich schon als heranwachsende Frau spielte.
Ich muss zugeben, ich war schon früh sadistisch und liebte Rollenspiele.
Ich fand in all den Jahren als BDSMlerin heraus, dass Fetische = besondere Vorlieben bereits in unserem sexuellen Heranwachsen gedeihen und uns bis heute prägen
Welche Regeln gibt es in einer Session?
Innerhalb der Session herrscht absolutes Machtgefälle. Der Sub gehorcht der Domina und die Domina bestimmt das Spiel. Natürlich ist es auch hier wichtig, in der Spielzeit die Tabus des Gegenübers zu beachten.
Je ehrlicher und offener über Vorlieben und No-Go's gesprochen wird, desto eher kann die Domina eine gute Session zu planen. Denn wer gut führen will, muss gut zuhören.
Was hat es mit der Dominanz auf sich?
Was die oben genannten Spielarten im BDSM gemeinsam haben, ist das Machtgefälle zwischen der Domina und dem Sub. Die Ausübung der Macht muss nicht immer durch hartes Kommando oder Brüllen geschehen. Führen kann man auch leise, freundlich und respektvoll. Ich muss zugeben, ich war schon früh sadistisch und liebte Rollenspiele.
Ich fand in all den Jahren als BDSMlerin heraus, dass Fetische bereits in unserem sexuellen Heranwachsen gedeihen und uns bis ins Erwachsenenalter prägen.
Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du jemandem Schmerzen zufügst?
Nein! Subs oder Sklaven, die ich schlage, sind masochistisch veranlagt. Bedeutet sie beziehen Lust und Erregung durch Schmerz. Ich bereite ihnen also Vergnügen.
Der Begriff "Headspace" bezeichnet im BDSM einen rauschähnlichen Zustand. Ausgelöst wird er, durch grosse Mengen Endorphinen im Blut, die durch Adrenalin, beispielweise beim Auspeitschen, ausgeschüttet werden. Die Endorphine besetzten die Schmerzrezeptoren, sodass Schmerz nicht mehr gespürt wird, sondern nur noch Lustempfinden.
Mich fasziniert es jedes Mal aufs Neue, wenn ich sehe, wie unterschiedlich die Auslöser sexueller Erregung sein können.
Hat man als Domina Sex? Ist das überhaupt erlaubt?
Durch die sadistische Veranlagung verspüre ich Erregung, wenn ich einem Sub Schmerzen zufüge. Genaugenommen ist das eine sexuelle Interaktion, nur eben ohne Penetration. In einer Domina/Sub Beziehung, die ausserhalb einer Partnerschaft stattfindet, ist das nicht immer notwendig.
In meinen Sessions bin ich immer erregt. Sex hatte ich bisher nicht. Aber selbstverständlich kann auch Sex stattfinden, so wie es die Domina möchte!
Ist man auch mal emotional?
BDSM erfordert sehr viel Empathie und Intuition. Ganz nach dem Motto: “Devotion ist ein Geschenk, Dominanz, die Verantwortung damit gut umzugehen.” BDSM setzt für mich grosses Vertrauen voraus, ist sehr intim und mit tiefen Emotionen verbunden.
Man kann sich ausleben, ohne aus Scham im Boden versinken zu müssen.