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Geschützte Stadt
Zur Basler Altstadt gehören das Gross– und das Kleinbasel, räumlich haben sich die beiden Stadtteile über die Jahrhunderte allerdings unterschiedlich entwickelt. Die innere Stadtmauer wurde auf Grossbaslerseite mit ihren sogenannten Schwybbögen (alte Stadttore) um 1200 gebaut, um 1270 wurde auch das Kleinbasel mit einer Stadtmauer befestigt. Mit dem Bau der äusseren Stadtmauer ab 1362 wurde die bereits zu eng gewordene Stadt grossflächig erweitert, so dass zunächst ausreichend Platz für die zunehmende Bevölkerung zur Verfügung stand.
Wachstum und Ausdehnung der Stadt
Die spätmittelalterliche Stadt (14./15. Jh.) war kein fertiges Gebilde. Ständig und an vielen Orten wurde gleichzeitig gebaut: nicht nur die Mauer, sondern auch Klöster, Kirchen, Höfe sowie Gewerbekanäle und -teiche wurden angelegt und Wohn- und Gewerbebauten erhöht und erweitert. Im 15. Jh. lebten um die 8000 Menschen in der Stadt. 1779 zählte man bereits 15 040 Einwohner. Bis 1860 verdoppelte sich die Bevölkerung jedoch bei nahezu gleichbleibender Wohnfläche bereits bis auf 37 915 Personen. War bis um 1830 innerhalb der befestigten Stadt genügend Raum für die Einwohner vorhanden, trieb die stetige Bevölkerungszunahme den Bau der St. Alban-Vorstadt, der Aeschenvorstadt, der St. Johanns-Vorstadt sowie der Spalenvorstadt voran. Es entstanden jedoch nicht nur neue Vorstädte. Auch in den bestehenden Quartieren wurden intensiv und, auch als Folge fehlender Baugesetze, planlos gebaut. So überbaute Hinterhöfe wurden zu lichtlosen Löchern. Wegen der intensiven Ausnutzung der Wohnfläche wurde es innerhalb der Stadtmauern verkehrs- und wohnungstechnisch eng.
Stadtsanierung
Bis im Frühmittelalter war die Infrastruktur für die Wasserversorgung und die einfache Ableitung der Abwässer ausreichend. Mit der Zunahme der Stadtbevölkerung war dies nicht mehr gegeben, wovon die Choleraepidemie 1855 zeugte. Die hygienischen Zustände waren unhaltbar geworden. Wie sollte die Stadt ohne einschneidende Massnahmen weiter bestehen? Auch dem wilden Bauen mussten rechtlich Grenzen gesetzt werden: «Das bisherige freie Gewährenlassen im Bauen auf eigenem Grund und Boden ist nicht vereinbar mit den Bedürfnissen und Anforderungen der Gegenwart» schrieb die Regierung 1859. In der Folge begann ab 1860 das städtische «Gesundungswerk», das Architekten, Ingenieure, Ärzte, Fabrikanten und Politiker ihre Erfahrungen austauschen sah. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus waren, dass bessere Luft- und Lichtverhältnisse , eine geordnete Abfallbeseitigung und die Sanierung der Abwasserkanäle nötig waren. Dafür mussten neue und grosszügigere Quartiere gebaut werden.
Stadterweiterung
Allerdings stand die Stadtmauer einem solchen Vorhaben im Weg und die ursprünglich als Schutz gedachte Mauer wurde als lästige Begrenzung des Stadtgebietes empfunden. Die Stadtbevölkerung konnte einer entfestigten Stadt wegen Sicherheitsbedenken jedoch nicht zustimmen. Für eine Stadterweiterung brauchte es deshalb neue Regelungen: 1859 wurde per Grossratsbeschluss das Gesetz über die Stadterweiterung verabschiedet, welches ab 1860 den Beginn der «Entfestigung», die bis 1879 dauerte, vorsah und das Ende für die Stadtmauern bedeutete. Mit dem Gesetz wurde auch der von der Regierung ausgearbeitete Plan für ein Strassennetz in Kraft gesetzt. Damit begann die staatliche Regulierung der Stadterweiterung. Aus demselben Jahr stammt das «Gesetz über Anlage und Correktion von Strassen und über das Bauen an denselben». 1875 wurde die Trinkwasserversorgung verstaatlicht. Damit wurde eine effiziente, das ganze Stadtgebiet umfassende Wasserversorgung mit Hausanschlüssen möglich. 1896 erfolgte der Bau eines Kanalisationssystems.
Neue Parks anstelle von Zahlungen
Nach der Schleifung der Stadtmauern und dem Auffüllen der Stadtgräben, entfaltete sich vor der Stadt eine fieberhafte Bautätigkei. Die meisten Gebäude und Viertel, die direkt hinter der Stadtmauern lagen, haben – ausser den drei Vorstädten Spalen, St. Johann und St. Alban – die Zeit nach der Schleifung nicht überstanden.Bedeutend ist auch die Gestaltung der Grossbasler Grünanlagen. Zur Luftverbesserung entwarf 1860 der Hofgärtner Karl von Effner einen rigorosen Begrünungsplan für die Stadt. Die Grünpromenade wurde dort angelegt, wo die alten Stadtmauern standen. Mit den neuen Parks verhinderte die Stadt hohe Kompensationszahlungen an den Kanton Basel-Landschaft, denn bei der Umwandlung von Festungsgebiet zu Bauland hätte Basel-Stadt dem neuen Kanton zwei Drittel des Erlöses abtreten müssen. 1874 wurde auch der Basler Zoo eröffnet.
Städtische Landwirtschaft
Trotz dichter Bebauung im Kern war die Stadt in frühen Jahrhunderten noch ziemlich grün - sie war ländlich geprägt. Trotzdem war die Stadt grün - sie war ländlich geprägt. Noch um 1540 bildeten die Obstgärten, die Pflanzplätze, die Rebgüter und die Viehweiden ein breites Band zwischen den inneren und den äusseren Ringmauern. Die Bevölkerung betrieb eine landwirtschaftliche Selbstversorgung mit Wein, Getreide, Obst und Vieh. Der Viehmarkt wurde auf dem Barfüsserplatz abgehalten. Mit dem Bau der Vorstädte verschob sich der Pflanzlandgürtel vor die Stadtmauern und umspannte die Stadt. Alle heutigen Aussenquartiere Grossbasels warden bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts vorwiegend landwirtschaftlich genutzt.
Obstbaumgärten
Bei der damals üblichen Kleinparzellierung ergab sich ein grosses Netz von Obstbäumen, insbesondere entlang der meisten Strassen und Wege sowie auf den Ackergrenzen. Die die Stadt umgebenden Obst- und Weingärten wiesen eine spezielle Besonderheit jener Zeit auf: Die Obstbäume standen zwischen den Reben oder waren in das Pflanzland eingestreut. Der dichte Obstbaumbestand zwischen den Reben hatte jedoch Folgen: Der vielgerühmte Basler Wein war von schlechter Qualität – im Schatten der Baumkronen konnte keine gute Qualität heranreifen. Aromaverbesserungen mit Gewürzen waren deshalb die Regel. So entstand der bekannte Hypokras, der mit Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer, Koriander und Kardamom stark gesüsste Basler Gewürzwein.
Pflanzen vor den Toren
Mit der Schleifung der Stadtmauern und dem Auffüllen der Stadtgräben fand eine Pflanzenidylle ein abruptes Ende. Denn aus den Fugen und Ritzen der alten Stadtmauern sprossen typische Mauerblumen, wie sie sonst nur an den Trockenmauern der Rebgelände zu finden waren. Beim St. Alban-Tor ist sogar eine der äusserst seltenen Orchidenarten, eine , aus alten Herbarbelegen nachgewiesen. Der Stadtgraben war windgeschützt und je nach Lage sehr sonnenexponiert. Viele wärmeliebende Arten, die teilweise ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammten, hatten sich hier angesiedelt. Die Pflanzengesellschaften im Graben waren artenreiche Blumenwiesen und Trockenrasen. Heute würden sie unter Naturschutz stehen. Am Mauerfuss wuchs der Blutstorchenschnabel. Im Stadtgraben vor dem St. Johanns-Tor fand sich übrigens auch die Baumschule des Stadtgärtners.
Paradiese für die Tierwelt
Im Mittelalter waren die Strassen noch nicht geteert, sondern bestanden aus natürlichem Lehm. Die Häuser waren oftmals mit Stroh bedeckt und aus Holz gebaut. Pferde wurden als Last– und als Zugtiere genutzt und auch sonst wurde Kleinvieh in der Stadt gehalten – allerbeste Voraussetzungen für die Vogelwelt. Auch das kleinparzellierte Landwirtschaftsland muss gute Nist- und Brutmöglichkeiten geboten haben.
MJ