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Eine Burgruine, ein paar Bauernhöfe und Lehm. Viel Lehm. Das war der Friesenberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Zu dieser Zeit boomte der Wohnungsbau in Zürich. Die noch freien Flächen des Sihlfelds (Werd und Hard in Aussersihl, sowie unteres Wiedikon) wurden bis 1910 komplett überbaut. Dann richtete sich der Blick nach Oberwiedikon. Der Plan: Eine Gartenstadt zu errichten mit strikter Trennung von Wohn- und Gewerbezonen.
Das reformierte Kirchgemeindehaus am 3. April 1946
Ab 1925 begann die erste Etappe der Überbauung des Friesenbergs mit sozialen Wohnungsbauten. Federführend war dabei die Familienheim Genossenschaft Zürich (FGZ). Mehr als die Hälfte aller heutigen Wohnungen im Friesenberg sind von der FGZ gebaut worden.
Der Friesenberg ist ein grünes Quartier. Rund 50 % der Fläche sind mit Wald bedeckt. Und auch das bebaute Gebiet verfügt über viele Grünflächen wie Schrebergärten oder Spielplätze. Die Vision von damals – eine Gartenstadt am Stadtrand – konnte bis heute gewahrt werden. Und es ist das, was die Friesenberger so schätzen an ihrem Quartier. Die Kombination zwischen zentraler Stadtlage und die Nähe zur Natur gehört zu den grossen Pluspunkten des Friesenbergs.
Die Kirchgemeinde Friesenberg entsteht
Auch die reformierte Kirchgemeinde erkannte die Notwendigkeit, örtlich nahe bei den kinderreichen Familien Seelsorge zu betreiben und mietete sich anfänglich im grossen Saal des 1927 erbauten Genossenschaftshaus Friesenberg ein. Hier begann sie am 22. April 1928 mit 14-täglichen Abendgottesdiensten. Auch Kirchgemeindeabende wurden durchgeführt.
1929 wurde beschlossen, den Bauplatz für eine Kirche zu kaufen. Er sollte an der Ecke Schweighofstrasse/Borrweg liegen, nahe dem geplanten Schulhaus und der späteren katholischen Kirche. Viele Projekte wurden geplant, doch zuerst wollte man sich nur auf einen Saal und ein Unterweisungszimmer einigen. Nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadt Zürich wurde 1932 der Kauf abgeschlossen.
Bau des reformierten Kirchgemeindehauses
In den Jahren 1932/33 bauten die Katholiken am Borrweg 78 die Kirche St. Theresia, eine schlichte, architektonisch aber bedeutsame Kirche, die damals dem neuen städtischen Quartier als Gottesdienstraum diente.
1937 reichten reformierte Kirchgenossen 250 Unterschriften ein und verlangten eine Projektierung und Beschleunigung des Baus der reformierten Kirche. Ein Jahr später lag dann alles vor und als Baukredit wurden 610'000 Franken bewilligt. Doch der Krieg brach aus und der Bau der Kirche wurde zurückgestellt. Obwohl man davon ausging, dass der Friesenberg noch mehr anwachsen und wahrscheinlich einmal eine eigene Kirchgemeinde werden könnte, wurden vorläufig nur das Kirchgemeindehaus und das Pfarrhaus gebaut. Die Kirche wollte man in ruhigeren Zeiten errichten.
1941 wurde das Pfarrhaus erstellt und am 25. Januar 1942 konnte das Kirchgemeindehaus mit einem geräumigen Saal mit 400 Plätzen eingeweiht werden. Ein reges Gemeindeleben begann sich zu entwickeln. Ein Kirchenchor wurde gegründet, Mittwochabend Gottesdienste durchgeführt und Männer und Frauen zu eigenen Veranstaltungen versammelt.
Ein zweites Pfarrhaus folgte 1945 in einer neuen Kolonie im Döltschi, womit im Friesenberg eine zweite Pfarrstelle geschaffen wurde.
Ab 1946 nutzte auch die Theatergruppe Friesenberg den neuerbauten Saal des Kirchgemeindehauses für ihre Aufführungen.
Erstellung der Kirche
Glockenaufzug am 4. Oktober 1947
Nach Beendigung des Krieges kamen die Friesenbergler wieder auf die Kirche zu sprechen. Die Zentralkirchenpflege erhöhte den Kredit auf 650'000 Franken allein für die Kirche. Am 29. Dezember 1946 wurde die Grundsteinlegung mit einem kleinen Fest gefeiert und der Bau begann.
Anlässlich des Glockenaufzugs fand am 4. Oktober 1947 ein grosses Fest statt, an das sich die Schuljugend vom Friesenberg mit Freuden erinnern wird. Vier Glocken wurden in den Turm der reformierten Kirche Friesenberg gezogen: Eine C-Glocke mit 2100 kg, eine Es-Glocke mit 1260 kg, eine F-Glocke mit 870 kg und eine As-Glocke mit einem Gewicht von 520 kg.
Nach 17 Monaten Bauzeit fand am 23. Mai 1948 die Einweihung der Kirche statt. Sie umfasst mit Schiff und Empore 600 Sitzplätze. Die kleine zweimanualige Orgel weist 13 Register auf. An der Ostseite sind fünf farbige Glasfenster mit biblischen Gleichnissen eingelassen. Die Fenster wurden von dem im Friesenberg wohnhaften Kunstmaler Heinrich Müller geschaffen.
Die Kirchgemeinde Friesenberg wird selbständige Gemeinde
Am 18. Januar 1948 wurde die Loslösung der Kirchgemeinde Friesenberg von Wiedikon beantragt, die damals etwa 34'000 Protestanten zählte und acht Pfarrer in ihrem Dienst stehen hatte. Eine Kirchgemeinde von solcher Grösse war unübersichtlich und erschwerte das Gemeindeleben, weshalb drei neue Gemeinden gebildet wurden: Friesenberg, Sihlfeld und Im Gut. Am 31. Oktober 1949 stimmte der Kantonsrat der Abtrennung zu, die auf den 1. Januar 1950 wirksam wurde. Am 9. Januar traten die Stimmberechtigten Männer der neuen Kirchgemeinde zur Wahl ihrer neuen Kirchenpflege zusammen.
Blick von der Kreuzung Schweighofstrasse/Borrweg auf die reformierte Kirche Friesenberg.
Im Jahr 1956 wurde oberhalb des Kirchgemeindehauses ein Unterrichtshaus gebaut, und 1973 folgte ein drittes Pfarrhaus.
Die Theatergruppe zieht um
Am 30. Januar 1960 eröffnete die Familienheimgenossenschaft Zürich (FGZ) gegenüber der reformierten Kirche ihr Zentrum mit einem eigenen Saal und einem Tea Room. Diese Eröffnung fand grosses Interesse. Bis zum 21. Februar konnten bereits zwölf Veranstaltungen im neuen Saal durchgeführt werden, die alle voll besetzt waren.
Dazu gehörte auch die Theatergruppe Friesenberg, welche ab 1960 ihre Aufführungen in den Schweighofsaal verlegte. Im Gegensatz zum Kirchgemeindehaus stand mit dem neuen Saal auch ein Probelokal zur regelmässigen Nutzung zur Verfügung.
1986 prüfte der Vorstand, ob ein Wechsel vom Schweighof zurück ins Kirchgemeindehaus von Vorteil wäre. Doch leider musste man davon Abstand nehmen, da dort kein Raum für die Unterbringung der Spielutensilien zur Verfügung stand.
Anfangs der 1990er-Jahre wurde das Kirchgemeindehaus umfassend renoviert und es wurden zusätzliche Räume geschaffen. Zeitgleich wurde bekannt, dass die Bühne im Schweighofsaal abgerissen werden soll.
Die Theatergruppe konnte daraufhin mit der Kirchenpflege einen Vertrag abschliessen, der den Verein ab Januar 1993 berechtigte, neu wieder im grossen Saal des Kirchgemeindehauses zu spielen.
Am 29. Januar 1993 fand die Eröffnung des renovierten Saals mit der Aufführung des Theaterstücks „Schwachi Nerve“ statt.
Seit dieser Zeit werden die jährlichen Aufführungen wieder im Saal des reformierten Kirchgemeindehauses durchgeführt.