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Riskant oder nicht? Was die Polarisierung rund um 5G antreibt
Wie und wieso verändert sich die Risikowahrnehmung?
In einer zweiten Erhebung im Februar 2020 hat Frey erneut Daten von denselben Studienteilnehmenden erhoben, um zu untersuchen, wie stabil die Risikoeinschätzung bezüglich 5G über die Zeit hinweg war. In der Zwischenzeit hatte das BAFU einen umfassenden Expertenbericht mit wissenschaftlichen Fakten zu 5G präsentiert, was Frey als Gelegenheit für ein Feldexperiment nutzte: Die Studienteilnehmenden wurden zufällig in vier Gruppen eingeteilt, die vor der zweiten Erhebung entweder per Post Informationsmaterial aus dem Expertenbericht erhielten (teils als mehrseitige Zusammenfassung, teils als einseitige Kurzversion), beziehungsweise kein entsprechendes Material erhielten.
Dieses Feldexperiment zeigte, dass die blosse Aufklärung über die empirischen Fakten keinen direkten Effekt auf die Risikowahrnehmung zu haben scheint. Das heisse aber nicht, dass die Meinung zu 5G in Stein gemeisselt sei, gibt Frey zu bedenken. «Das Wissen über eine Technologie ist bloss einer der Faktoren, die mit der Risikowahrnehmung zusammenhängen. Zudem wurde diese ‹Intervention› bewusst dezent gehalten. Zukünftige Informationskampagnen und die Risikokommunikation zu 5G allgemein könnten natürlich pointierter gestaltet werden.»
Denn auch wenn der Expertenbericht keinen Einfluss in der durchschnittlichen Risikowahrnehmung der Bevölkerung hatte, veränderten sich die Wahrnehmungen von einzelnen Studienteilnehmenden durchaus. In beide Richtungen. Dabei spielten insbesondere Veränderungen im Vertrauen in die Behörden eine Rolle, sowie Veränderungen im Ausmass der wahrgenommenen Bedrohung. «Die Ergebnisse zeigen, dass man bei diesen technologiespezifischen Faktoren ansetzen könnte, um einer extremen Polarisierung bei der Risikoeinschätzung entgegenzuwirken», resümiert Frey.
Bei der Studie sei es nicht darum gegangen, dass eine hohe Risikowahrnehmung prinzipiell schlecht sei, betont der Psychologe. «Es ging darum, die Mechanismen zu verstehen, wie es überhaupt zu einer Polarisierungen der Risikowahrnehmung kommt.» Ein grundlegendes Verständnis der psychologischen Mechanismen sei hilfreich, um informierte Debatten über den Nutzen und die Risiken von neuen Technologien wie 5G zu fördern.
Das Forschungsprojekt wurde finanziell unterstützt vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) und dem Schweizerischen Nationalfonds. Der Schlussbericht des Projekts auf Deutsch ist auf der Webseite des BAFU verfügbar.
Autor(in) pd/ jst