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Zigeuner :
Der Ausdruck «Zigeuner» galt bis vor kurzem als beleidigend. Vor allem in Deutschland und Österreich, wo die Nationalsozialisten Hunderttausende Roma als «Zigeuner» ermordeten, lehnten und lehnen viele ehemals Verfolgte diese Bezeichnung ab. Wer politisch korrekt sein wollte, sprach seit den 1970er Jahren von Fahrenden. Nun ist es aber so, dass sehr viele Angehörige der verschiedenen Zigeunerstämme gar kein fahrendes Leben führen, sondern dauernd oder zeitweise sesshaft sind. Im Übrigen kann auch das Wort «Fahrende» diskriminierend verwendet werden. Etwa wenn es gegenüber einer Familie, die mit ihrem Wohnwagen anhält, hämisch heisst: «Sie sind doch Fahrende? Also, was bleiben Sie hier stehen? Fahren Sie!». Heute bezeichnen sich wieder viele Jenische, Sinti und Roma selbst mit Stolz als Zigeuner. Sie haben sich diesen Namen zu Eigen gemacht, wie das Minderheiten oft mit Etiketten tun, die andere ihnen ankleben.
Roma :
Roma (Einzahl: Rom, weiblich: Romni oder Romnia) bedeutet in der Sprache Romanes «Menschen». Roma ist der Oberbegriff für alle Angehörigen der verschiedenen Stämme, die Romanes sprechen oder von der Herkunft und Lebensweise her zu den Roma gehören. Ursprünglich waren die Roma in Indien und Persien beheimatet. Sie wanderten etwa ab dem 9. Jahrhundert in Hauptrichtung Europa aus. Das Romanes ist mit der indischen Ursprache Sanskrit eng verwandt. Man schätzt, dass es heute weltweit 8 bis 10 Millionen Roma gibt. International sind sie in der «Romani Union» organisiert, die 1979 von der UNO anerkannt wurde.
Als eigenständige Untergruppe der Roma bezeichnen sich auch die Angehörigen jener Stämme, die seit der frühen Neuzeit hauptsächlich in Süd- und Osteuropa leben.
Sinti :
Sinti (Einzahl: Sinto, weiblich: Sintezza oder Sintiza) nennen sich die Nachkommen jener Roma, die im 15. Jahrhundert nach Zentraleuropa ausgewandert sind. Sie leben vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien. In Frankreich heissen sie auch Manouches, was ebenfalls «Menschen» bedeutet.
Jenische :
Jenische (französische Schreibweise: Yéniche; englisch: Yenish) bilden eine eigenständige Gruppe mit eigener Sprache. Das Jenische enthält Elemente der mittelalterlichen «Vagantensprache» Rotwelsch, der jüdisch-deutschen Mischsprache Jiddisch und des Romanes. Sie leben in ganz Europa, hauptsächlich in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg entsandten sie eine Vertretung in die «Romani-Union». Jan Cibula, einer der Gründer dieser Organisation, betont: «Wir haben die Jenischen aufgrund ihrer fahrenden Lebensweise, ihrer Sprache und ihrer Kultur als einen Zigeunerstamm anerkannt. Es wäre eine Beleidigung, sie nicht als Zigeuner zu sehen.»
Aus: «Kinder zwischen Rädern». Kurzfassung des Forschungsberichtes «Das Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» herausgegeben im Auftrag des Bundesamtes für Kultur. Nr. 67 der Publikationsreihe <undKinder> des Marie Meierhofer-Instituts, Zürich 2001, S. 13.
Diese Publikation umfasst rund 90 Seiten und ist zum Preis von 18 Franken zu beziehen beim Marie Meierhofer-Institut.