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Ukrainische Kinder lernen im Krieg Online
Nachdem in vielen Ländern Schulen wegen Covid geschlossen werden mussten, blieb digitales Lernen im Home-Office während der Pandemie oft der einzige Ersatz für einen geregelten Unterricht. Obwohl unvollkommen und oft wenig geliebt, war der Fernunterricht dennoch die einzige Möglichkeit, Bildungsrückstände in Grenzen zu halten. Als die Rückkehr zum Klassenunterricht wieder möglich wurde, kehrte man erleichtert zum alten System zurück.
Wie der britische «Guardian» berichtet, war das in der Ukraine anders. Nachdem dort infolge der russischen Invasion 60 Prozent der Schulen schliessen mussten und das Schulsystem zusammenbrach, war digitales Lernen im Home-Office der Strohhalm für einen geregelten Unterricht.
Mit Hilfe der «Monash University» in Australien wurde in der Ukraine eine virtuelle Schule zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit eingerichtet. So stellte man einige hundert freiwillige Lehrer an, um jungen Menschen in Konfliktgebieten zu helfen, in ihrer Bildung nicht zurückzufallen. Kinder, die nach dem Beginn des Krieges nicht mehr zur Schule gehen konnten, bekamen die Möglichkeit, sich für das Online-Programm anzumelden.
Die ukrainische NGO «Smart Osvita», welche das Projekt mit der Monash University durchführt, berichtet, dass sie wöchentlich Dutzende von Online-Lektionen auf Zoom-Plattformen für Kinder jeden Alters organisiert: «Ukrainische Kinder bis 18 Jahre können kostenlos an englischsprachigen Online-Bildungsveranstaltungen teilnehmen. Sie werden von ehrenamtlichen Lehrern aus der ganzen Welt durchgeführt: Kanada, Australien, Japan, USA, Portugal, Spanien usw.»
Bis zum März 2023 haben 30’028 Kinder diesen Unterricht besucht. So wurden 715 Unterrichtsstunden von 121 ehrenamtlichen Lehrern aus der ganzen Welt durchgeführt. Konkret nennt «Smart Osvita»:
- Schreibkurse
- Englischunterricht für sehr junge Lernende sowie für Schüler der Mittel- und Oberstufe
- Musik
- Programmierung
- Englischsprachige Clubs für die Mittel- und Oberstufe
- Wissenschaft
- Yoga
- Zeichenunterricht usw.
Manche Kinder sind auch aus dem Land geflohen. Die 13-Jährige Sofiia Yakymenko, die heute in Italien lebt, besucht dort eine Schule, an der die Mitschülerinnen und Mitschüler weder ukrainisch noch englisch sprechen. Für sie ist der Online-Unterricht der Monash University ein Mittel, um mit Schülern in Kontakt zu sein, die Ähnliches erlebt haben. Sofiia erzählt: «Jetzt haben wir so etwas wie eine Gemeinschaft von Kindern aus der Ukraine. Wir sprechen jeden Tag miteinander, im Ausland und im ganzen Land. Sie loggen sich bei Luftangriffen ein, einige direkt aus Luftschutzbunkern.»
Wie wichtig dieses Unterrichtsprogramm für Schülerinnen und Schüler ist, das auf der anderen Seite der Weltkugel organisiert wird, belegt die Monash University mit der Aussage eines Studierenden: «Dieses Programm hat mir geholfen, einen vertrauten Ort an unbekannten Orten zu finden, hell, wenn es dunkel ist. Ich finde Menschen auf der ganzen Welt, die mich immer unterstützen und Dinge lehren, die ich ohne dieses Programm nie erfahren würde, oder Menschen, die einfach zuhören und verstehen. Einfache Dinge, wie es scheint, aber wenn der Krieg so nah ist, dass man seinen fauligen Atem riechen kann, ist es sehr wichtig.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.