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Für Cliff Hartono war es ein surrealer Moment an diesem Tag im Oktober 2012, als er auf einem Hügel in Wyoming stand, einer Fundgrube für Fossilen. Um ihn herum grasten Rinder und Pferde - eine völlig andere Welt als sein Büro im Londoner Stadtteil Canary Wharf, wo er noch vor einem Monat für die Credit Suisse börsengehandelte Fonds verkauft hatte, umgeben von sechs Computerbildschirmen.
Damals war der Deutsch-Indonesier 27 und auf einer Expedition im Stil von Indiana Jones, zusammen mit amerikanischen Fossiliensuchern mit Cowboyhüten. «He Junge, ist es das erste Mal, dass du einen Hammer hältst?», fragte ihn einer, der mit Bildern von Fossilien tätowiert war. Hartono erinnert sich, dass er antwortete: «Das schwerste, was ich im letzten Monat gehoben habe, war eine Computermaus.»
Nischengeschäft aufgebaut
Der Rest ist sozusagen Vorgeschichte. Hartono und die Fossiliensucher verstanden sich prächtig, und er wurde zum Sammler und Händler - wie er es sich erträumt hatte, als er durch das Londoner Natural History Museum streifte. Wyoming ist eine seiner Hauptquellen geblieben - neben dem fränkischen Solnhofen und Holzmaden in Baden-Württemberg.
Von Singapur aus, wo der in Hamburg geborene Sohn chinesischstämmiger indonesischer Einwanderer als Managing Director von Three Arrows Capital arbeitet, hat Hartono ein Nischenmarktgeschäft mit Fossilien als Kunst- und Dekoobjekte aufgebaut. Seine Fundstücke sind 20 Millionen bis 230 Millionen Jahre alt - darunter ein versteinerter Ichthyosaurus aus dem Jura, den er für rund 200'000 Singapur-Dollar verkaufen konnte. Hartono, ein leidenschaftlicher Surfer, betreibt sein Geschäft mit Hingabe. Sein Motto stammt von der Surferlegende Mark Foo, der 1994 beim Surfen ertrank: «Wenn du die ultimative Welle reiten willst, dann musst du bereit sein, den ultimativen Preis zu zahlen.»
Hollywood-Star kauft sich Dino-Schädel
Private Fossiliensammler gibt es schon lange. Aber erst der Film «Jurassic Park», der 1993 in die Kinos kam, löste einen veritablen Fossilienrausch aus, erklärt Michael Pittman, Leiter des Vertebrate Paleontology Laboratory an der Universität von Hongkong. Im Jahr 1997 versteigerte Sotheby’s in New York das Skelett eines Tyrannosaurus mit dem Spitznamen «Sue» an das Field Museum of Natural History in Chicago für die Rekordsumme von 8,4 Millionen Dollar. Der Schauspieler Nicolas Cage erwarb 2007 einen Tyrannosaurus-Rex-Schädel für 276'000 Dollar und stach damit seinen Kollegen Leonardo DiCaprio aus.
Im Mai bot der Hongkonger Händler Evolved einen riesigen Triceratops-Schädel für 1,8 Millionen Dollar an. Ob das Stück einen Käufer fand, ist nicht bekannt. Evolved antwortete nicht auf Anfragen. «In Asien gibt es jetzt viele neue Sammler», sagt Mark Norell, Präsident und Kurator für Paläontologie am American Museum of Natural History in New York, der selbst zahlreiche Forschungsexpeditionen in die Wüste Gobi in der Mongolei geleitet hat.
Kritik an Privatsammler
Menschen wie Norell und Pittman finden das nicht unbedingt gut, denn Fossilien, die in privaten Sammlungen weggeschlossen werden, können womöglich niemals von Wissenschaftlern untersucht oder der Öffentlichkeit gezeigt werden. Und dann ist da noch die Frage, wem die Stücke eigentlich gehören. In vielen Ländern ist der Export verboten, etwa in Brasilien, China oder der Mongolei, aber der Schwarzmarkt blüht. In den USA dagegen können Fossilien, die auf Privatgrund gefunden werden, überall hin verkauft werden.
Laut Hartono können kommerzielle Fossiliensucher Grabungsprojekte finanzieren, die sich Museen und Universitäten nicht leisten können, wodurch neue Entdeckungen möglich sind. «Unentdeckte Fossilien zerfallen sonst zu Staub», sagt er. Und Norell weist auf einen Trend hin, der Hoffnung macht: «Viele private Sammler haben wichtige Fossilien an Museen gegeben», erklärt er. Hartono zufolge sind Regulierungen nötig, aber Überregulierung könne auch unbeabsichtigte Folgen haben. «Man muss ein Gleichgewicht finden», sagt er. Aus diesem Grund konzentriere er sich auf Wyoming und Deutschland, wo die Gesetze klar seien.
Hartono ist überrascht, dass er nicht mehr jüngere Konkurrenten hat, selbst unter denen, die wissenschaftliche Neigungen haben. «Es ist ein Bisschen ein Spiel für ältere Leute. Wenn man ein Sonderling war und in den 80-er oder 90-er Jahren aufwuchs, wurde man Wissenschaftler oder Paläontologe. Heutzutage lernt man Programmieren.»
(bloomberg/dbe/ama)