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In einer Sommerserie blickt watson zurück auf legendäre Schweizer Fussballmannschaften der jüngeren Vergangenheit. Was wurde aus den Meistern, den Cupsiegern, den Aufsteigern und Europacup-Helden? Heute: Der FC Zürich, welcher 2006 auf dramatische Art und Weise in Basel Meister wurde.
Es ist eine echte Finalissima, die in der 36. und letzten Super-League-Runde stattfindet: Der Sieger der Partie zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich ist Schweizer Meister. Bis weit in die Nachspielzeit steht es 1:1; ein Resultat, das dem FCB zur Titelverteidigung genügen würde.
Dann läuft die 93. und letzte Minute. Der FCZ gibt noch einmal alles und kommt zu einem Einwurf. Alain Nef bringt den Ball aufs Spielfeld, er gelangt zu Florian Stahel, welcher zur Mitte flankt. Dort steht Iulian Filipescu, der tatsächlich das Siegestor zum 2:1 erzielt – Zürich ist Meister!
Unmittelbar nach dem Schlusspfiff kommt es im Stadion und um den St.Jakob-Park zu wüsten Ausschreitungen (mehr dazu hier).
Der Goalie wechselte noch als Teenager von Sion nach Zürich, wo er insgesamt neun Jahre verbrachte. Mit dem oft zu Unrecht gescholtenen Leoni im Tor wurde der FCZ drei Mal Meister, Cupsieger und spielte in der Champions League. Gegen Liechtenstein kam Leoni 2011 zu einem Länderspiel-Einsatz.
2012 drängte der Keeper mit dem Namen eines Spaghetti-Western-Helds auf einen Transfer ins Ausland. Eine Odyssee begann, denn anstatt in einer grossen Liga landete Leoni auf Zypern. Weder bei Omonia Nikosia noch während der Ausleihe bei Neftci Baku (Aserbaidschan) wurde der Walliser glücklich. So wechselte Leoni 2013 zu Maritimo Funchal auf die portugiesische Insel Madeira – wo er ebenfalls kaum zum Einsatz gelangte und wo er wegen der Krebserkrankung seines Vaters die Koffer packte und Lebewohl sagte.
So wechselte Leoni im letzten Sommer zurück in die Schweiz und schaffte mit Le Mont den Klassenerhalt in der Challenge League. Dort ist sein Vertrag Ende Saison ausgelaufen, die Zukunft des 31-Jährigen ist offen. Für die Zeit nach der Karriere hat Leoni vorgesorgt: In Vétroz bei Sion hat er mit seiner Frau ein Kinderspiel-Paradies mit Hüpfburg, Trampolinen und Bälle-Bad eröffnet.
Unter Lucien Favre war der Thuner ein Führungsspieler. Als der Trainer weg war, verlor Schneider diesen Rückhalt. In der Winterpause 2007/08 wechselte er zum FC St.Gallen, mit dem er in die Challenge League abstieg. Deshalb verliess Schneider die Ostschweizer und heuerte bei YB an.
Nachdem Schneider aber häufiger Ersatz war, als dass er spielen konnte, ging er 2010 zurück zum FC Thun. Verletzungen hinderten Schneider daran, über einen längeren Zeitraum an frühere Leistungen anzuknüpfen. Im Herbst 2013 beendete er deshalb seine Karriere. Heute ist er beim FC Thun Co-Trainer von Urs Fischer, der FCZ-Legende.
Gleich in seiner ersten Saison beim FC Zürich feierte der Neuenburger den Meistertitel in der 93. Minute. Er bestritt sämtliche Spiele und gehörte auch zum Team, das den Titel in der Saison darauf verteidigte. 2007 wechselte Von Bergen zu Ex-Trainer Favre nach Berlin. Nach dem Abstieg der Hertha folgten drei Jahre in Italien (Cesena, Palermo). Seit dem Sommer 2013 gehört der Nationalspieler zu YB, wo weitere Titel auf sich warten lassen.
An der WM 2010 wurde er beim Sensationssieg der Schweiz gegen Spanien für den früh verletzt ausgeschiedenen Philippe Senderos eingewechselt, an der WM 2014 war Von Bergen das Opfer: Gegen Frankreich erlitt er eine schwere Verletzung im Gesicht, das Turnier war für ihn vorzeitig zu Ende.
Der Rumäne schoss beim FC Zürich ein einziges Tor – es ist wohl das wichtigste der jüngeren Klubgeschichte. Bei Stahels Flanke stand der aufgerückte Abwehrchef goldrichtig, um in der 93. Minute das 2:1 in Basel zu erzielen, das alle Dämme brechen liess.
Mit dem Tor verabschiedete sich Filipescu vom FCZ, für den er zweieinhalb Jahre tätig war. Der stämmige Verteidiger ging zum MSV Duisburg. Mit den «Zebras» stieg er im ersten Jahr in die 1. Bundesliga auf und im zweiten wieder ab. Danach beendete der 52-fache Nationalspieler im Sommer 2008 seine Karriere. Seither lebt Filipescu in Spanien, zwischenzeitlich war er Nachwuchstrainer bei Real Oviedo.
Der Blondschopf gehört mit Sicherheit zu den meist unterschätzten Fussballern der Super League. Von vielen Fans wird ihm die Tauglichkeit dafür abgesprochen, doch wo Stahel auch ist, da ist er vor allem eines: ein Führungsspieler. Der Flankengeber zum Meistertor 2006 war jedoch fünf Jahre und einige Verletzungen später beim FCZ nicht mehr hoch im Kurs.
Weil Stahel zuletzt nur noch auf der Tribüne sass, verliess er seine grosse Liebe. Er wechselte im Sommer 2011 zum FC Luzern und 2014 weiter zum Aufsteiger Vaduz. Im Fürstentum Liechtenstein war der Routinier einer der Gründe dafür, dass es dem Aussenseiter gelang, die Klasse zu halten.
Am 13. Mai 2006 spielte der Brasilianer nur eine kleine Rolle: Schon in der 6. Minute musste er durch Alain Nef ersetzt werden, weil er sich an der Schulter verletzt hatte. So bleibt sein persönlich legendärstes Spiel für den FCZ wahrscheinlich der dramatisch verlorene Cup-Halbfinal gegen GC. César schoss in der 81. Minute das scheinbar alles entscheidende 5:2, flog wegen übertriebenem Jubel mit Gelb-Rot vom Platz und der FC Zürich verlor das Derby noch mit 5:6 nach Verlängerung.
César wurde 2007 mit dem FC Zürich noch einmal Meister und wechselte dann, von vielen Dollars angelockt, in die Wüste. Seine Zeit bei Al-Ahli wurde nur durch ein kurzes, eher missratenes Gastspiel bei Ex-Trainer Favre in Berlin unterbrochen. Heute ist der Schlaks als Spielerberater tätig.
Der Wädenswiler spielt immer noch beim FC Zürich – aber erst wieder seit 2013. Das Spiel mit der legendären 93. Minute war 2006 sein letztes, der Transfer ins Ausland bereits besiegelt. Nef zog es in den Süden: Zum Serie-B-Klub Piacenza. Nach zwei Jahren als Stammspieler verpflichtete ihn Udinese und lieh ihn nach Spanien aus, wo Nef mit Recreativo Huelva aus der Primera Division abstieg.
Nach einer weiteren Ausleihe (US Triestina in der Serie B) hatte Nef genug von Südeuropa gesehen: 2010 kehrte er in die Schweiz zurück. Nach drei Saisons bei den Berner Young Boys folgte der Transfer zurück zum Klub, bei dem er die grössten Erfolge feierte: Meister 2006 und Cupsieger 2005 mit dem FC Zürich.
Der Mittelfeldspieler hat einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich. Es schien, als wäre Inler mit 21 Jahren schon auf dem Abstellgleis gelandet, bei Aarau war er bloss Ersatzspieler. Im Januar 2006 holte ihn Lucien Favre als Ersatz von Mihai Tararache fürs defensive Mittelfeld – und diesen Platz gab Inler nicht mehr her.
Nach dem erneuten Meistertitel 2007 wechselte er in die Serie A, wo er sich bei Udinese auf Anhieb durchsetzte. Der Aufstieg ging auch in der Nationalmannschaft weiter, wo Inler von Ottmar Hitzfeld zum Kapitän berufen wurde. Für geschätzte 18 Millionen Euro wechselte er 2011 zu Napoli – nie war für einen Schweizer Fussballer mehr bezahlt worden.
Den zweiten Titel des FCZ 2007 erlebte Dzemaili an Krücken: Im April hatte er einen Kreuzbandriss erlitten. Schon zwei Monate zuvor war klar, dass er den Klub verlassen würde. Dzemaili hatte bei den Bolton Wanderers unterschrieben.
In England spielte er indes nie, stattdessen ging es nach Torino. Erst wurde Dzemaili dorthin verliehen und weil er überzeugte, ganz übernommen. Eine Italienreise hatte begonnen, die den Mittelfeldspieler zu Parma und 2011 zur SSC Napoli führte. Dort spielte Dzemaili wieder mit Inler, doch meistens waren die Kumpels Konkurrenten um einen der Plätze im Mittelfeld. Nach der WM 2014 wechselte Blerim Dzemaili deshalb zu Galatasaray Istanbul, wo er türkischer Meister wurde. Ob er am Bosporus bleibt, ist indes trotz eines Vertrags bis 2017 noch unklar.
Man wird das Gefühl nicht los, dass für den Romand eine grössere Karriere möglich gewesen wäre. Wie viele andere auch wurde Margairaz 2006 und 2007 zwei Mal Meister mit dem FCZ und verliess dann den Klub. Ihn zog es nach Spanien, zu Osasuna. Im Baskenland verletzte er sich schwer, er fiel monatelang aus und kehrte deshalb nach Zürich zurück. 2009 wurde er zum dritten Mal Schweizer Meister.
In der Nationalmannschaft kam Margairaz auf 18 Spiele – der Spielmacher, den viele in ihm sahen, war er nie. 2012 verliess er Zürich, weil Sion ihm eine Offerte machte, die er nicht ausschlagen konnte. Seine Zeit im Wallis war jedoch abgelaufen, nachdem er Präsident Christian Constantin auf der Tribüne vor aller Augen und den TV-Kameras wüst beschimpfte. Margairaz war danach länger ohne Klub, er ging stempeln. In diesem Frühling spielte er für Servette, auf die neue Saison hin wechselt er zu Lausanne.
Der Stürmer, der 2003 via FC Chiasso in die Schweiz und später zum FC Zürich gelangte, sorgte für ein spektakuläres Kapitel in der heimischen Fussballgeschichte. 2006 war Raffael plötzlich verschollen, man befürchtete eine Entführung. Es stellte sich dann heraus, dass seine Berater ihn versteckten, um von Sportchef Fredy Bickel mehr Lohn zu erpressen (die ausführliche Story gibt's hier).
Lucien Favre holte seinen Liebling 2008 zur Hertha, vier Jahre lang stürmte Raffael in Berlin. Nach einer durchwachsenen Saison 2012/13, die er bei Dynamo Kiew und auf Schalke verbrachte, folgte im Sommer 2013 die Wiedervereinigung mit seinem Förderer. Favre holte Raffael zu Borussia Mönchengladbach, wo das Duo nächste Saison gemeinsam die Champions-League-Hymne mitsummen darf.
Der Franzose ersetzte im entscheidenden Spiel in Basel den verletzt ausgeschiedenen Raffael. Beim FC Zürich hatte Alphonse eindeutig die erfolgreichste Phase seiner Karriere. Zwischen 2005 und 2012 stürmte er für die Letzi-Truppe.
2009 nahm Alphonse für Guadeloupe am Gold Cup teil, dem Pendant zur Europameisterschaft in Mittelamerika und der Karibik. Seit 2012 geht Alexandre Alphonse für Stade Brest auf Torjagd, in der abgelaufenen Saison erzielte er sechs Treffer in 25 Einsätzen in Frankreichs zweithöchster Liga.
Vom 1,68 m kleinen Stürmer aus Guinea gibt es eine witzige Anekdote. Vor jeder Sommer- und jeder Winterpause habe sich Alhassane Keita von seinen Mannschaftskollegen verabschiedet und einen Wechsel ins Ausland angekündigt – und stets sei er nach den Ferien doch wieder in Zürich aufgetaucht.
Der Torschützenkönig der Meistersaison 2005/06 wechselte dann erst nach dem Titel und insgesamt fünf Jahren beim FCZ den Arbeitgeber. Keita unterschrieb bei Al-Ittihad in Saudi-Arabien. Dort schoss er so viele Tore, dass ihn Real Mallorca verpflichtete. In Spanien blieb Keita bis 2011, dann setzte er zu einer kleinen Wüstentour an: Al-Shabab (Saudi-Arabien), Emirates Club und Dubai SC (beide Vereinigte Arabische Emirate) hiessen seine weiteren Arbeitgeber.
2013 tauchte Keita wieder in der Schweiz auf. Doch der vom FC St.Gallen erhoffte Transfercoup entpuppte sich als Fehleinkauf. Keita wurde zunächst in den Nachwuchs abgeschoben und konnte schliesslich von der Lohnliste gestrichen werden, als sich der zweitklassige US-Klub Jacksonville Armada um seine Dienste bemühte. Drei Tore schoss Keita dort in den ersten sechs Spielen – offenbar hat er sein Stürmer-Gen in Florida wiederentdeckt.
Der junge Stürmer wurde in Basel in der 73. Minute für Margairaz eingewechselt. Der Meistertitel war bereits der Höhepunkt seiner Karriere und – was er noch nicht wissen konnte – der Schlusspunkt. Denn vier Monate nach dem Titel verursachte Stanic mit 1,9 Promille Alkohol im Blut einen schweren Verkehrsunfall, bei dem er beinahe ein Bein verlor.
Der Klub liess seinen Spieler nicht fallen und gab ihm die Chance, noch einmal in der Super League Fuss zu fassen. Doch Stanic schaffte die Rückkehr nicht mehr. Stattdessen trainierte er Junioren und klärte Schüler über die Gefahren auf, die hinter dem Alkoholkonsum lauern.
Präsident Sven Hotz stemmt den Pokal in die Höhe, Meistertrainer Lucien Favre hilft ihm dabei und links klatscht Sportchef Fredy Bickel, der heute in der gleichen Funktion bei YB ist.
Unternehmer Hotz, der den maroden FC Zürich über Jahre mit seinen Millionen am Leben hielt, trat Ende 2006 als Präsident zurück. Auf ihn folgte Ancillo Canepa, der das Amt noch heute bekleidet.
Trainer Favre wechselte 2007 zu Hertha Berlin und weil er mehrere FCZ-Spieler in die deutsche Hauptstadt lotste, verkrachte sich der Klub mit seinem Meistermacher. Die Hertha führte er auf Rang vier, doch nach einem schlechten Start in die zweite Saison wurde er entlassen. Seit 2011 sorgt «Lulu» in Mönchengladbach für Furore. Erst rettete er die Borussia vor dem Abstieg, seither hat er das Team sukzessive verbessert. Der vorläufige Höhepunkt: Rang 3 in der abgelaufenen Saison und damit verbunden die direkte Qualifikation für die Champions League.