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Was in der Studie “Die makroökonomischen Effekte der Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide»” analysiert wurde, entspricht in keiner Weise den möglichen Auswirkungen der Pestizid-Initiative. Diese Studie, die unter anderem vom Bauernverband in Auftrag gegeben wurde, verwendet falsche Zahlen und macht vereinfachende Projektionen. Die Schlussfolgerungen daraus sind unseriös und können damit nicht ernst genommen werden. Unsere Gesellschaft bedarf einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema, und einer unvoreingenommenen Analyse. Alles andere ist der Schweiz und auch der Wissenschaft nicht dienlich.
Die Studie von Charles Gottlieb und Cara Stromeyer der Universität St.Gallen beinhaltet viele gravierenden Fehler:
Um die möglichen Effekte der Pestizid-Initiative zu quantifizieren, projiziert die Studie die Wirkung einer reinen Bio-Landwirtschaft. Eine Zukunft, in der nur noch Bio produziert wird, ist an sich keine schlechte Aussicht. Wenn jedoch nur die Wirkung der Pestizid-Initiative untersucht werden soll, dann ist es wichtig, klarzustellen, dass die Pestizid-Initiative nur einen Verzicht auf synthetische Pestizide verlangt. Die biologische Landwirtschaft ist restriktiver als unsere Initiative und verbietet zusätzlich die Verwendung von synthetischen Düngemitteln und Antibiotika. Dabei haben Düngemittel eine grosse Wirkung auf die Erträge. Das kann man also nicht vergleichen.
Die Autoren aber verkennen diese Tatsache und behaupten sogar, dass die Pestizid-Initiative noch weiter als der Bio-Landbau gehen würde, weil der Biolandbau (BioSuisse) manche synthetische Pestizide zulassen würde. Diese Aussage ist schlicht falsch, da alle synthetischen Pestizide im Biolandbau verboten sind.
Die Autoren beziehen Biozide in ihre Analyse mit ein. Unsere Initiative nennt ausdrücklich nur synthetische Pestizide, die bei der Produktion von Lebensmitteln eingesetzt werden. Die Pestizid-Initiative tangiert nicht die Verwendung von Bleichmitteln oder anderen Bioziden, die zur Reinigung oder Sterilisation von Geräten verwendet werden. Auf die Lagerfähigkeit von Lebensmitteln hat die Pestizidinitiative ebenso wenig Einfluss, denn auch hier ist die Rede von Bioziden, die nicht tangiert wären. Wir sprechen in der Initiative ausschliesslich von synthetischen Pestiziden für die Pflanzenproduktion, bzw. Pflanzenschutzmittel, die zum Anbau (oder zur Vernichtung) von Pflanzen verwendet werden.
Ein weiteres Problem ist, dass die Studie davon ausgeht, dass das ganze Agrarsystem davor und danach genau das gleiche bleiben wird. Dabei sind tiefgreifende Veränderungen gar nicht angesprochen worden wie die Verlagerung von der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) auf mehr Produktion für den Menschen, die Entwicklung neuer landwirtschaftlicher Techniken, die Forschung, die Innovation und die Vermeidung von Abfällen. Wenn man all das ausser Acht lässt, was in einer makroökonomische Studie auf jeden Fall berücksichtigt werden sollte, dann steht der Ertragsrückgang als reiner Verlust da, der nur durch Importe kompensiert werden könnte. Das entspricht aber keinem ernstzunehmenden, dynamischen Wirtschaftsmodell.
Das Initiativkomitee und die vielen Bürgerinnen und Bürger, die unsere Initiative unterstützen, erwarten von Forschern vom Kaliber der renommierten Hochschule St. Gallen eine unvoreingenommene Analyse, die nicht von den Interessen der Pestizidlobby geleitet sind, sondern vom öffentlichen Interesse. Diese Studie wurde von der Industrie in Auftrag gegeben. Ihre Schlussfolgerungen sind eindeutig alles andere als unparteiisch.
Konkrete Fragen zur Pestizid-Initiative werden wir losgelöst von der Studie beantworten, weil die Studie unserer Meinung nach zu viele Schwachstellen hat, um relevant zu sein.
Kontakt:
Natalie Favre, <email-pii>, 076 491 25 26