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Die Sprache gehört untrennbar zum menschlichen Dasein und Zusammenleben. Ganz intuitiv und wie nebenbei lernen Menschen von klein auf, Ihre Muttersprache zu verstehen und zu sprechen. Eine spezielle Förderung ist in der Regel nicht notwendig. Wir erläutern Ihnen hier den Verlauf der Sprachentwicklung von Kindern und mit welchen Strategien Sie das Sprechen lernen im Alltag unterstützen können.
Sprachentwicklung in den ersten zwei Lebensjahren
Schon ab der 28. Schwangerschaftswoche hört das Baby im Bauch mit. Ist das Kleine auf der Welt, lernt es in der Interaktion mit seinen Bezugspersonen ganz automatisch die Muttersprache(n). Damit Kinder sprechen lernen, bedarf es keiner besonderen Sprachförderung. Ein wenig Hintergrundwissen zu den Entwicklungsschritten und der jeweils optimalen Kommunikationsweise können die Sprachentwicklung von Kindern dennoch fördern.
Die einzige Ausdrucksmöglichkeit kurz nach der Geburt ist das Schreien. Doch bereits in den folgenden sechs Monaten formen sich erste Laute, die wir als Quieken oder Lallen wahrnehmen. Ganz intuitiv sprechen die meisten Eltern mit Ihrem Säugling in einer Babysprache, die sich durch übertriebene Betonungen, wenige Worte und eine hohe Stimme auszeichnet. Diese Sprachform ist optimal für das Baby.
Bis zum ersten Geburtstag beherrscht das Kleine einfache Silben, die es gerne zu langen Ketten zusammenfügt. Typisch sind „bababa“ oder „mamama“. In diesem Zuge erkennen Eltern häufig das erste Wort, wie zum Beispiel „Mama“ oder „Papa“. Das Baby benötigt etwas Zeit, um die Bedeutung seiner Ausdrücke zu begreifen. Insgesamt erkennt es immer klarer den Zusammenhang zwischen Sprache und Umwelt. Mit zwölf Monaten versteht es schon einfache Aussagen und Fragen, ohne verbal darauf reagieren zu können.
Im zweiten Lebensjahr verständigt sich das Kleinkind zunächst in der Einwortsprache. Dabei kommt es zu Generalisierungen (alle Vierbeiner heissen „Miezi“) und Einengungen („Ball“ ist nur der eigene Stoffball). Der Wortschatz wird dominiert von Substantiven. Ab einem Repertoire von 20 bis 50 Worten beginnt die Zweiwortsprache. Bis zum zweiten Geburtstag entwickeln sich die sprachlichen Fähigkeiten so weit, dass das Kleinkind längere Sätze versteht.
Von der Wortschatzexplosion bis zum Lesen lernen
Während der gesamten Sprachentwicklung von Kindern geht das Verstehen stets der Produktion voraus. Der Nachwuchs versteht Worte und grammatikalische Konstruktionen immer zuerst, ehe es sie selbst verwendet. Auch wenn die Sprachentwicklung einem bestimmten Muster folgt, sollten Eltern die Altersvorgaben nicht zu genau nehmen. Kinder sind alle einzigartig und durchleben eine individuelle Entwicklung, die mehr oder weniger vom Durchschnitt abweicht.
Im dritten Lebensjahr wird spätestens die 50-Wort-Grenze überschritten. Nun kommt es zur sogenannten „Wortschatzexplosion“. Diese zeichnet sich durch rasches Erlernen neuer Wörter aus. Aus Zweiwortsätzen entwickeln sich Drei-und Mehrwortsätze. Schwierige Laute werden zusehends präziser ausgesprochen und die Bezugsperson wird immer wieder mit Fragen wie „Was?“ und „Wo?“ gelöchert. In dieser Phase fördern Sie Ihren Nachwuchs idealerweise mit dem Vorlesen von Geschichten. Neue Wörter werden geradezu aufgesogen.
Bis zum vierten Geburtstag geht die Sprachentwicklung dahin, dass sich das grammatikalische Verständnis immer weiter ausdifferenziert. Bedingungen mit „wenn – dann“ werden nun ohne Probleme verstanden. Ausserdem lernt das Kleinkind, zwischen sich und anderen Personen zu unterscheiden. Die Worte „mein“, „dein“ und „ich“ halten Einzug in den aktiven Sprachgebrauch. Interaktive Spiele wie zum Beispiel der Kaufmannsladen bieten nun immer neue Anwendungsmöglichkeiten.
Bis zur Einschulung sind Kleinkinder imstande, Verben in die passende Zeitform zu setzen. Der Satzbau wird zusehends komplexer. Häufige „Warum“-Fragen zeugen von Neugier und bieten Ihnen als Eltern die Möglichkeit, Zusammenhänge in immer neue Worte zu fassen. Die meisten Sprösslinge können bereits vor der ersten Klasse bis 10 zählen. Sie erzählen Geschichten und erläutern ihre Gedanken. Selbst die schwersten Laute wie „x“ und „s“ können nun ausgesprochen werden.
Was kennzeichnet eine gute Sprachentwicklung von Kindern?
Damit Kinder sprechen lernen, bedarf es nur sehr einfacher Rahmenbedingungen. Grundsätzlich fördern Sie Ihren Schatz immer, indem Sie viel mit ihm kommunizieren. Gleiches gilt auch für eventuelle Erzieher, Kindergärtner oder Tagesmütter. Sprachförderung durch Spiele ist beispielsweise eine kindgerechte Möglichkeit, Wortschatz und Grammatik voranzubringen.
Bis zum dritten Lebensjahr sind die Grundbausteine für die Muttersprache(n) gelegt. Ein wirklicher Förderbedarf wird in der Regel nicht vor dem sechsten Geburtstag festgestellt. Sollte der Kinderarzt einen Verdacht hegen, wird er Sie an einen Logopäden weiterverweisen. Es ist nicht zu verachten, welche feinmotorische Leistung Sprache dem Nachwuchs abverlangt. Lippen, Atem, Gaumen, Zähne und Zunge müssen in ein komplexes Zusammenspiel gebracht werden. Stellen Sie regelmässig Fragen, um zum Sprechen zu animieren. Richten Sie ausserdem Aufforderungen an Ihr Kleinkind. So erkennen Sie sehr gut, auf welchem Kenntnisstand es sich befindet. Im Spiel können Wörter und Wendungen recht einfach erlernt werden. Lassen Sie sich auf die beliebten Rollenspiele so oft wie möglich ein.
Was können Eltern konkret tun für eine hervorragende Sprachentwicklung?
Sprachförderung geschieht in der Regel ganz nebenbei im Alltag und im Spiel. Gerade aus Routinesituationen können sich die Kleinen leicht Bedeutungen und Zusammenhänge ableiten. Kommentieren Sie einfach gelegentlich, was Sie im Moment tun. Benennen Sie Gegenstände stets mit demselben Wort.
Auch die Wiederholung von immer ähnlichen Sätzen („Der Bär geht jetzt schlafen“) ist hilfreich. In diesen einfachen Aussagen lassen sich sehr gut die Wortgrenzen ausmachen. Leichte Variationen zeigen die Vielfalt der sprachlichen Wendung auf. Achten Sie auf die Kompetenzen Ihres Lieblings. Zu viele Vereinfachungen hemmen die Sprachentwicklung von Kindern. Es dürfen in der Interaktion durchaus komplexe Formulierungen benutzt werden.
Um ein Verständnis der Grammatik zu entwickeln, ist das Hören von vollständigen Sätzen notwendig. Geben Sie Hilfestellung, indem Sie einfache Aussagen Ihres Schatzes weiterführen oder ergänzen. Falsche Sätze dürfen korrigiert werden. Eine schöne Fördermöglichkeit ist das Betrachten eines Bilderbuchs. Geben Sie den Kleinen die Gelegenheit zu beschreiben, was sie sehen.
Kreativität hilft
Da Sprache und Feinmotorik eng miteinander zusammenhängen, dienen sogar Tätigkeiten wie Basteln und Malen der Sprachförderung. Verbinden Sie das Malen eines Bildes mit Fragen zum Inhalt. Basteln Sie gemeinsam Gegenstände oder Tiere und besprechen Ihre Vorgehensweise. Das Auffädeln von Bastelperlen an Fädelschnüren ist eine besondere Herausforderung an kleine Finger. Fragen Sie nach den Farben der Perlen und verwenden Sie Motivperlen, die benannt werden können.
Nicht zuletzt bergen Spiele ein riesiges Potenzial zum Lernen und um die Sprachentwicklung von Kindern zu fördern. Für manche Spiele benötigen Sie nicht einmal Material. „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder „Ich packe meinen Koffer“ können immer und überall gespielt werden.