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Bern den 31 Jan. 1852
Lieber Freund!
In der Voraussetzung, daß Du diese Briefe Rüttimann u Bollier mittheilest, beantworte ich ein gestriges Schreiben der letztern1 unter Deiner Adresse, weil für meinen Zweck Zeit dadurch gewonnen wird.
Bollier glaubt nämlich, man sollte einen Commissair in die westlichen Kantone schicken u schlägt Dich vor. Ich habe nichts gegen diesen Gedanken einzuwenden; ich hoffe im Gegentheil, Du, aber auch Du allein – könnest etwas erzwecken u diese Bursche, welche das Vaterland mit ihrer verfluchten Fremdenpolitik an den Rand des Abgrunds bringen, zur raison führen. Aber ehe ich dem Bundesrath den Antrag vorlegen kann, muß ich wißen, ob Du die Mission annehmen würdest. Denn die Erfahrung hat uns gezeigt, wie schlimm es ist, wenn der Bundesrath auf gut Glück Comissaire ernennt u dann einen Abschlag bekommt. Du kennst nun die Lage des Landes u wenn Du die Überzeugung hast, daß eine solche Mission von Erfolg sey od. wenigstens guten Effekt mache, so bitte ich Dich dringend die Mission anzunehmen, sofern der Bundesrath sie beschließt. Sehr lieb wäre es mir, wenn ich am Montag Morgen die Antwort hätte, damit ich an diesem Tage die Maaßregel beantragen könnte. – Wir sind freilich jetzt nicht im | Stande, Dir bestimmte Personen an d. Hand zu geben, welche Dir über die Flüchtlinge Auskunft ertheilen könnten; wir würden Dir umfaßende Vollmacht ertheilen, vermöge deren Du direkt od. indirekt Leute nach Gutfinden anstellen könntest. Vielleicht würde Bollier Dir hierin gute Beihülfe leisten können. Auf einige specielle Momente würde ich Dich in Bern aufmerksam machen. – Noch das! Vorgestern schrieb ich nach Waadt, daß ich sie ermächtige, den Gendarmen 100 Fr für jeden Exicilirten zu versprechen, den sie zur Stelle bringen.
Gestern haben wir beschloßen, den Michel2 , der angeblich nur der Druker in der That aber der Verleger der Tribune Suisse ist, auszuweisen, weil er eine heillose Polemik führt u in die Klaße der Asylnehmenden fällt, da ihm die Franz. Gesandtschft seine Papiere entzogen. Die Preße der Fremden schadet uns enorm; ich will heute darüber privatim3 an Burkhard4 in Basel schreiben wegen der Nat. Zeitung u über ihr Preßgesetz. –
Bollier entwickelte sodann Deine frühere Idee, Dufour5 nach Paris zu schicken. Ich will diese Maaßregel im Bundesrath anregen u sogar unterstützen, obwohl es mein Gefühl ziemlich verletzt, nach so unverschämten Zumuthungen einen Extra Gesandten zu schicken, um gut Wetter zu machen. Aber vor allem aus müßen wir auch hier wißen, ob Dufour annähme; ich schreibe ihm sogleich u kann am Dienstag eine | Antwort6 haben. Wie es dann im Bundesrath gehn wird, weiß ich freilich nicht. Druey7, Ochsenbein8 u Frei9 sind furibund über dieses Auftreten Nap10. Der erste ist zwar krank u wahrscheinlich auch künftige Woche hors du combat; allein er hat v. s. Krankenlager aus fulminante Anträge eingesandt. Auf Francini11 kann man sich nie verlassen; doch hört er viel auf mich, wenn ich ihm vorher meine Anträge explicire u ihn gehörig instruire. Die ruhigen u kalten Elemente bestehen jetzt im Bundesrath aus Munzinger, Naef12 u meiner Wenigkeit. Ich habe dem letztern darum den Urlaub verweigert, den er künftige Woche nehmen wollte, um nach Zürich usw zu gehn.
Nun lebe wohl! Sey so gut u schreibe mir sobald als möglich. Herzliche Grüße an Euch alle.
Dein
F