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2.9.1834 Entlebuch, 8.12.1908 Bern, kath., von Entlebuch. Sohn des Jost, Gerichtsschreibers, und der Maria Josefa geb. Meier. ∞ Philomena Widmer, Tochter des Johann Georg, Apothekers. Nach dem Gymnasium in Luzern studierte Z. Rechtswissenschaften in Heidelberg und München und promovierte 1859 in Heidelberg zum Dr. iur. Danach eröffnete er in Entlebuch ein Anwaltsbüro. Seine polit. Laufbahn begann er im Schweiz. Studentenverein, dem er 1857-58 als Zentralpräsident vorstand. 1863 wurde er als Konservativer in den Gr. Rat des Kt. Luzern gewählt, sass 1871 im Ständerat, 1872-91 im Nationalrat (1888 Präs.) und war 1880-85 Präs. der kath.-konservativen Fraktion. In die Zeit seines Fraktionsvorsitzes fiel 1884 die Motion Z.-Keel-Pedrazzini zur Verfassungsrevision, die als Abkehr von der fundamentalist. Opposition der Katholisch-Konservativen gegen den liberalen Bundesstaat interpretiert wurde. Zu Beginn der 1880er Jahre scheiterte er mit dem Versuch, eine Landespartei unter dem Namen Konservative Union zu bilden.
Mit der Wahl Z.s zum Bundesrat am 17.12.1891 kam der hist. Kompromiss zwischen Freisinn und der kath.-konservativen Opposition zustande. Die Ablehnung der Vorlage für den Rückkauf der Zentralbahnaktien am 6.12.1891, die zum Rücktritt des freisinnigen Vorstehers des Post- und Eisenbahndepartements Emil Welti geführt und eine Regierungskrise ausgelöst hatte, bewog den Freisinn, den Katholisch-Konservativen einen ersten Sitz im Bundesrat anzubieten. Da Z. zu den Gegnern der Eisenbahnverstaatlichung gehört hatte, war es ein geschickter Schachzug des Bundesratskollegiums, Z. die Leitung des Post- und Eisenbahndepartements zu übertragen. Als Departementsvorsteher setzte sich Z. denn auch für den Rückkauf der Eisenbahnen ein, der in der Volksabstimmung von 1898 deutlich angenommen wurde. Damit war der Weg zur schrittweisen Verstaatlichung des Eisenbahnnetzes und zur Gründung der Schweiz. Bundesbahnen offen. Z. erlangte dadurch grosse Popularität, stiess aber bei einer Minderheit der eigenen Parteifreunde auf heftigen Widerstand. Er war zudem verantwortlich für das Bundesgesetz über die Organisation der Telefon- und Telegrafenverwaltung von 1907 und zahlreiche internat. Abkommen. 1895 und 1902 war Z. Bundespräsident, wechselte aber nur 1902 ins Polit. Departement. Dort sah er sich zeitweilig mit diplomat. Unstimmigkeiten zwischen Italien und der Schweiz konfrontiert. Im selben Jahr weihte er auch das neue Parlamentsgebäude in Bern ein. Im Juni 1908 trat er aus gesundheitl. Gründen zurück. Z. verkörperte einen neuen Typ kath. Politiker, der bei aller Treue zu den Prinzipien des kath. Konservativismus Realpolitiker war und sich durch republikan. Volksverbundenheit auszeichnete. Für den polit. Katholizismus stellt er - ähnlich wie später Ernst Nobs für die Sozialdemokratie - eine Symbolfigur für die polit. Integration in den Bundesstaat dar.
Literatur
– J. Winiger, Bundesrat Dr. Josef Z.: Lebens- und zeitgeschichtl. Erinnerungen, 1910
– Altermatt, Bundesräte, 254-259
– Josef Z., hg. von A. Hartmann, H. Moos, 2008
– U. Altermatt, Das hist. Dilemma der CVP, 2012
Autorin/Autor: Urs Altermatt