Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03635.jsonl.gz/1257

Viele Menschen fühlen sich aufgrund ihre Alters benachteiligt. Dennoch wird kein allgemeiner Generationenkonflikt wahrgenommen - auch nicht in Zeiten der Coronapandemie.
32 Prozent der Befragten meinen, dass sich die Corona-Pandemie eher negativ auswirkt auf das Verhältnis zwischen den Generationen. 16 Prozent rechnen mit positiven Folgen. Die anderen Befragten sind entweder unschlüssig oder gehen von keinen grossen Auswirkungen aus.
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Generationenverhältnis
Nur 33 Prozent der Befragten befürchten aber, dass die Gesellschaft zwischen Alt und Jung auseinanderdriften wird. Der Konflikt zwischen den Generationen wird damit als ähnlich tiefgreifend wie der Röstigraben zwischen der Deutsch-und Welschschweiz wahrgenommen (31 Prozent). Deutlich mehr der Befragten sehen eine Gefahr, dass die Schweiz zwischen Arm und Reich, Links und Rechts oder Stadt und Land auseinanderdriftet.
Wahrgenommene Bruchlinien
Dennoch ist das Alter ein konfliktbeladenes Thema. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, in den vergangenen fünf Jahren aufgrund des Alters Benachteiligungen erfahren zu haben. Am häufigsten benachteiligt sehen sich jedoch nicht die vielzitierten älteren Erwerbstätigen, sondern die jungen Erwachsenen. 51 Prozent der 18- bis 24-Jährigen hat gelegentlich Benachteiligungen erlebt, 15 Prozent oft.
Benachteiligung aufgrund des Alters - nach Alter
Wenn es konkret um Benachteiligungen in der Arbeitswelt geht, fühlen sich wenig überraschend die 55- bis 64-Jährigen am häufigsten benachteiligt. Aufgrund der Präventionsmassnahmen gegen das Coronavirus sehen sich 39 Prozent der 65- bis 74-Jährigen stark benachteiligt.
Die «Hochbetagten» werden von der Schweizer Bevölkerung als die am stärksten benachteiligte Gruppe wahrgenommen. Die «jungen Alten» liegen nur im Mittelfeld. Das zeigt, dass die Bevölkerung zwischen drittem (65 bis 74 Jahre alt) und viertem Lebensalter (ab 75 Jahre) zu unterscheiden weiss - und die pauschale Bezeichnung «ältere Bevölkerung», wie sie oft verwendet wird, an der Lebensrealität vorbeizielt.
Besonders stark klaffen Selbst-und Fremdbild bei Personen mittleren Alters ohne Kinder auseinander. Von anderen werden sie als begünstigt wahrgenommen, sie selbst sehen sich diskriminiert. Einerseits haben sie ohne Kinder zwar weniger Lasten zu tragen, sehen sich aber vermutlich eher an den Rand gedrängt, weil Gesellschaft und Politik sich oft nach den Bedürfnissen von Familien richten.
Verschiedene Entwicklungen stellen die Gesellschaft aktuell vor grössere Herausforderungen. Bei der Altersvorsorge sehen 55 Prozent vor allem die jüngeren Generationen im Nachteil, 11 Prozent die älteren Generationen. Einig sind sich die Befragten, dass bei der Digitalisierung vor allem ältere Menschen im Nachteil sind, bei der Veränderung von Umwelt und Klima vorwiegend die jüngeren.
Balance zwischen Jung und Alt
Die von Schülerinnen und Schülern initiierten Klimaproteste haben das Bewusstsein geschärft, dass der Klimawandel auch ein Generationenthema ist. Das zeigt auch die Studie: Es sind vor allem die ganz jungen Erwachsenen, die einem ökologischen Verhalten eine hohe Dringlichkeit beimessen (68 Prozent). Bereits bei den 25- bis 34-Jährigen nimmt die Wichtigkeit ab (57 Prozent) und geht dann fortlaufend mit zunehmendem Alter zurück.
Bei der Frage, inwiefern sie einen klimafreundlichen Lebensstil pflegen, sind die jüngeren Befragten selbstkritischer als die älteren. Das widerspiegelt vermutlich eher das höhere Problembewusstsein als den tatsächlichen Lebensstil. Am klimafreundlichsten erachten sich die 65- bis 74-Jährigen - also die Generation der Babyboomer, die im Fokus der Kritik der Klimajugend steht.
Klimafreundlicher Lebensstil (Selbsteinschätzung) - nach Alter