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Pflanzenbewegung,
alle Bewegungen, die von den Pflanzen oder einzelnen Teilen derselben ausgeführt werden. Sie zerfallen in verschiedene Kategorien. Mehrere Gruppen der niedern Algen [* 2] und Pilze [* 3] besitzen eine freie Ortsbewegung, [* 4] lokomotorische Bewegung, wie die Myxomyceten, [* 5] die Diatomeen oder Bacillariaceen u. a. Eine ähnliche Bewegung zeigen auch die ungeschlechtlich erzeugten Schwärmsporen sehr vieler Algen und Pilze, deren vegetative Teile keine Ortsbewegungen ausführen; dasselbe gilt von den männlichen Befruchtungszellen, den sog. Spermatozoiden, nicht bloß der meisten niedern Kryptogamen, sondern auch sämtlicher Gefäßkryptogamen und Moose [* 6] (s. Befruchtung). [* 7] Bei einigen niedern Algen bewegen sich auch die weiblichen Zellen, wie bei manchen Algen aus der Familie der Chlorophyceen. Sämtliche Bewegungen bei den vorgenannten Pflanzen scheinen durch bewegliche Plasmafäden, sog. Cilien, oder ähnliche Fortsätze des Plasmakörpers der betreffenden Zellen ausgeführt zu werden, doch ist die Mechanik dieser Bewegungsvorgänge nirgends vollkommen klar gelegt.
Bei den höhern
Pflanzen kommen ziemlich häufig Nutationsbewegungen vor (s. Nutation), besonders deutlich an
windenden
Sprossen und an Ranken, ferner werden durch äußere Einflüsse, wie durch die
Richtung der einfallenden
Lichtstrahlen und
durch die Schwerkraft
Bewegungen hervorgerufen, die man allgemein als heliotropische und geotropische
Bewegungen
zusammenfaßt (s.
Heliotropismus und
Geotropismus); die Lagenveränderungen, die
Blüten und Laubblätter infolge des Wechsels
von
Tag und Nacht ausführen und die man früher als
Pflanzenschlaf bezeichnete, schließen sich an die
Nutationsbewegungen an, indem auch hier Änderungen in der
Turgescenz oder Wachstumsgeschwindigkeit einzelner Partien als
Ursache der
Bewegung zu betrachten sind.
Das Schließen der
Blüten und das Zusammenfallen gefiederter Laubblätter bei zahlreichen
Pflanzen läßt sich fast stets
auf derartige Vorgänge zurückführen, die durch
Veränderung in der
Beleuchtung
[* 8] hervorgerufen werden.
Man bezeichnet diese Erscheinungen jetzt gewöhnlich nicht mehr als
Pflanzenschlaf, sondern als nyktitropische
Bewegungen.
Auch die
Bewegungen, die an reizbaren
Pflanzen, wie an Mimosa und Dionaea. (s.
Insektenfressende Pflanzen), an den meisten Ranken
eintreten, wenn ein plötzlicher
Stoß oder eine länger andauernde Berührung einen Reiz hervorrufen,
lassen sich ähnlich wie die nyktitropischen
Bewegungen auf Änderung in der
Turgescenz gewisser Gewebepartien, oder auch auf
verschiedenes Wachstum gegenüber liegender Seiten des betreffenden Organs zurückführen. (s. Reizbewegungen.)
Die Bewegungen, die sich beim Öffnen vieler reifen Früchte zeigen, werden entweder durch Austrocknen der Fruchthüllen und damit verbundener Gestaltveränderung der letztern bewirkt, oder sie rühren von starken Gewebespannungen her, die beim Lösen der einzelnen Teile der Fruchthülle plötzlich sich auszugleichen suchen, wie z. B. beim Springkraut (s. Impatiens); Gewebespannungen treten eigentlich auch in den trocknen, aufspringenden Pericarpien u. dgl. auf, doch werden sie hier durch verschiedene Quellbarkeit der Zellmembranen hervorgerufen, während bei den Früchten des Springkrauts turgescente Gewebepartien eine Rolle spielen. Fast alle diese Bewegungen, die an Früchten auftreten, dienen dazu, durch Wegschleudern der Samen [* 9] oder in ähnlicher Weise eine günstige Verbreitung zu erzielen. (s. Aussaat.)
Die Lehre [* 10] von den Bewegungserscheinungen der Pflanzen, zu denen strenggenommen auch jedes Wachstum gehört, bildet einen besondern Abschnitt der Physiologie der Pflanzen und heißt gewöhnlich Phytodynamik.