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Bei der Aktiengesellschaft wird die Treuepflicht in Art. 717 Abs. 1 OR stipuliert. Danach müssen Mitglieder des Verwaltungsrates sowie Dritte, die mit der Geschäftsführung befasst sind, die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen wahren. Die Vorschrift mag besonders bei Kleinunternehmen, wo das oder die Mitglieder des Verwaltungsrates in der Regel auch die Aktionäre sind, auf den ersten Blick als normal und unproblematisch erscheinen. Gerade bei solchen Gesellschaften wird jedoch oft vergessen, dass auch bei Rechtsgeschäften zwischen dem Aktionär (und Verwaltungsrat) und der Gesellschaft primär die Interessen der Gesellschaft und nicht jene des oder der Aktionäre gewahrt werden müssen. Verkauft z.B. ein Aktionär (und Verwaltungsrat) seiner eigenen Aktiengesellschaft eine private Liegenschaft, muss der Kaufpreis einem Drittvergleich stand halten. Zu beachten ist auch, dass schwere Verstösse gegen die Treuepflicht den Straftatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB) erfüllen können.
Unter dem Oberbegriff der Treuepflicht müssen generell auch folgende Pflichten beachtet werden:
- Geheimhaltungs- und Schweigepflicht
- Konkurrenzverbot
- Verbot von Insidergeschäften
Neben der Sorgfalts- und Treuepflicht ist bei der Aktiengesellschaft auch die Gleichbehandlungspflicht bezüglich Aktionären zu beachten. Auch diese Vorschrift ist gerade bei kleinen Aktiengesellschaften mit Minderheitsaktionären (z.B. Mitarbeiter) nicht ohne Bedeutung. Auch wenn der "Unternehmeraktionär" und Verwaltungsrat durch ein beträchtliches Engagement entscheidend zum Erfolg der Gesellschaft beiträgt, darf er die Interessen der Minderheitsaktionäre nicht einfach ausblenden.
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