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Er sagt über sich selber, dass er etwas von einem «coco loco» habe. Von einem verrückten Vogel. So hört sich auch seine Ankündigung für nächste Saison an. Joaquin Ardaiz will im Dress der Luzerner noch mehr als 20 Tore schiessen. Mit exakt diesem Wert wurde der Stürmer letzte Saison Torschützenkönig in der zweithöchsten Spielklasse.
Sein erster Medienauftritt in Luzern hebt sich ab. Weil eine FCL-Neuverpflichtung in den meisten Fällen Deutsch, Englisch oder Französisch spricht. Nicht so Joaquin Ardaiz. Der 23-jährige Uruguayer parliert Spanisch, weil es seine Muttersprache ist. Und Italienisch wegen früherer Karrierestationen in Frosinone und Lugano. Darum steht dem Super-Ligist der italienischsprechenden Teammanager als Übersetzer zur Verfügung, um mögliche Missverständnisse in der Kommunikation auszuschliessen.
Joaquin Ardaiz fällt aber auch durch seine Erscheinung auf. Erst recht, weil er in einem T-Shirt und kurzen Hosen Auskunft gibt. Dieses Outfit offenbart eine Vielzahl von tätowierten Körperstellen.
Ein Tattoo davon prangt an seinem Hals. Und zeigt einen Spatz mit ausgebreiteten Flügeln. Den Spitznamen Gorrion hätten sie ihm schon in jungen Jahren verpasst, erzählt Joaquin Ardaiz. Für ihn Anlass genug, den Spatz gleich an auffälliger Stelle zu verewigen.
Sein Spitzname beflügelt die Fantasie eines vorwitzigen Chronisten. In Anlehnung an die französische Chansonnière Edith Piaf, die als «Spatz von Paris» in die Geschichte eingegangen ist, wird Joaquin Ardaiz gefragt, ob er denn aussergewöhnlich gut singen könne. Nein, nein, erwidert dieser. Das könne er nicht.
Oder liegt es daran, dass der Stürmer wegen seiner Schnelligkeit über den Fussballplatz zu fliegen scheint? Die Antwort bleibt die gleiche: nein.
Warum wurde er dann mit einem Spatz assoziiert? Der 23-jährige Südamerikaner klärt auf: «Weil ich in meiner Kindheit lange Haare trug.»
Joaquin Ardaiz ist der zweite von bislang drei FCL-Verpflichtungen aus der Challenge League. Mit dem Knipser aus Uruguay verbinden sie im Umfeld der Luzerner die grössten Hoffnungen auf mehr Durchschlagskraft im Sturm. Beim Trainingslager liess sich FCL-Trainer Mario Frick dahingehend zitieren, dass er von seinem neuen Stürmer in der nächsten Saison 15 bis 20 Tore erwarte.
Eine steile Ansage. Zur Einordnung: Jordan Siebatcheu (YB) wurde 2021/22 mit 22 Treffern bester Goalgetter der Liga. Gefolgt von Assan Ceesay (FC Zürich) mit 20. Beiden verhalf dies zu lukrativeren Engagements im Ausland.
«Eine ähnliche Vorgabe erhielt ich schon vor Beginn der vergangenen Meisterschaft von meinen Vorgesetzten in Schaffhausen.»
FCL-Neuzugang Joaquin Ardaiz
Filip Ugrinic war der beste Torjäger des FC Luzern in der abgelaufenen Krisen-Saison, die über eine erfolgreich überstandene Barrage gegen Challenge-Ligist Schaffhausen mit Angreifer Joaquin Ardaiz gerettet werden konnte. Ugrinic brachte es auf acht Tore in der Meisterschaft und wurde in diesem Sommer-Transferfenster für ein paar Millionen vom gescheiterten Titelverteidiger YB angeheuert.
Doch die elitäre Erwartungshaltung von FCL-Trainer Mario Frick scheint Joaquin Ardaiz nicht im Geringsten zu kümmern. «Eine ähnliche Vorgabe erhielt ich schon vor Beginn der vergangenen Meisterschaft von meinen Vorgesetzten in Schaffhausen», sagt er. Dass er mit 20 Toren geliefert hat, verleiht ihm natürlich grosses Selbstvertrauen.
Aber dabei lässt es Joaquin Ardaiz nicht bewenden. Tiefenentspannt haut er noch einen drauf und befeuert die ohnehin schon gesteigerte Erwartungshaltung der Luzerner Fans zusätzlich: «Ich habe mir zum Ziel gesetzt, mehr Tore als letzte Saison in der Challenge League zu schiessen. Der FCL will nicht nochmals eine solche Saison erleben wie zuletzt. Und ich will auf und neben dem Feld alles dafür tun, damit wir so erfolgreich wie möglich sind.»
Selbstverständlich ist es Joaquin Ardaiz unbenommen, gross zu träumen. Ehrgeizige Zielsetzungen können vieles bewirken – ob nun im positiven wie im negativen Sinne. In seinen 26 bisherigen Meisterschaftsspielen für Super-Ligist Lugano kam er in der Saison 2020/21 auf drei Tore. Zumeist kam er als Ersatzspieler zum Einsatz.
Bleibt eine zentrale Frage: Wie will der Stürmer, der seine optimale Position eher in der Mitte als auf den Flügel-Positionen verortet, die Anweisungen des Trainers in der deutschsprachigen Zentralschweiz verstehen und umsetzen?
Zum Glück für Joaquin Ardaiz hat sein neuer FCL-Chef Mario Frick die eigene Stürmer-Karriere zumeist in Italien verbracht. Verständigungsprobleme sind daher ausgeschlossen. Der italienischen Sprache sind auch ein paar seiner Luzerner Teamkollegen mächtig.
Und zur Not, lässt er durchblicken, kann er auch ein paar Brocken Englisch. Letzten Endes muss FCL-Stürmer Joaquin Ardaiz so oder so Tore für sich sprechen lassen.
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