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Unsere Entdeckungsreise führte uns zu Oscar Hernandez
Die geographische Lage Kolumbiens direkt über dem Äquator, kombiniert mit dem Hochland der Anden und der Nähe zum Amazonas macht Kolumbien zum einzigen Land, in dem das ganze Jahr über frischer Kaffee geerntet werden kann. Die verschiedenen Kaffeeregionen erstrecken sich von Norden bis Süden und sind aufgrund der verschiedenen klimatischen Bedingungen unterschiedlich ausgeprägt.
Während im Norden von November bis Dezember geerntet wird und im Süden von April bis Mai, wird in Zentral-Kolumbien, in der traditionellen „Eje Cafetero“, das ganze Jahr über frischer Kaffee produziert.
Die von uns besuchten Anbaugebiete befinden sich auf 1’500 – 2’100 m ü. M. in den kolumbianischen Anden. Das teilweise sehr anspruchsvolle und steile Gelände ist nur mit viel Aufwand zu bewirtschaften. Trotzdem wird sehr grossen Wert auf die Qualität gelegt und fast ausschliesslich selektiv von Hand geerntet. Diese arbeitsintensive Erntemethode ist zum einen aufgrund der Topographie zwingend, zum anderen aber durch relativ tiefe Personalkosten auch begünstigt.
Zum Teil müssen sich die Pflücker abseilen, um sicher zu den Kaffeebäumen zu gelangen.
In Bezug auf Produktivität und Volumen wurde Kolumbien im letzten Jahrzehnt von den beiden asiatischen Ländern Vietnam und Indonesien auf Rang 4 der kaffeeproduzierenden Ländern verdrängt.
In der nationalen Kaffee-Universität konnten wir uns jedoch selbst davon überzeugen, dass der kolumbianische Staat die Wichtigkeit des Kaffees für sein Land und seine Leute erkannt hat. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und gleichzeitig den Frieden in den ländlichen Regionen zu sichern und zu fördern, investiert die Regierung viel Geld in die Ausbildung der Kaffeebauern und somit in die Qualität des Rohkaffees. In einem umfassenden Programm mit Disziplinen wie Agrarwissenschaften, Qualitätsmanagement und Rösten bis hin zur Barista-Ausbildung werden Jugendliche zu professionellen „cafeteros“ ausgebildet.
Von der Hauptstadt Bogotá aus, welche sich auf einem Hochplateau auf rund 2’600 m ü. M. befindet, reisten wir direkt weiter in die „Eje Cafetero“, der traditionellen „Kaffee-Ecke“ Kolumbiens, wo wir die Hacienda Venecia besuchten. Mit 250 Hektaren ist diese für kolumbianische Verhältnisse eine relativ grosse Farm, die auf eine charmante Art versucht, die Kaffeeproduktion mit ökologischem Tourismus zu verbinden.
Danach ging es weiter nach Huila, eine Region im Süden des Landes, in welcher der grösste Teil der kolumbianischen Specialty Coffees produziert wird. In Huila besuchten wir die Hacienda El Prado, Los Balcones, Agua Regada, Los Nogales und Las Brisas.
Grosse Teile Huilas wurden bis vor kurzem noch von der Guerilla-Organisation FARC kontrolliert. Die lokale Bevölkerung, unter ihnen viele Kaffeebauern, litten über Jahrzehnte unter den Folgen des kolumbianischen Bürgerkrieges. Bei Gesprächen mit den Cafeteros behandelten wir deshalb nicht nur die üblichen Themen wie Fermentierungsprozesse und Bodenbeschaffenheit, sondern wir bekamen auch sehr emotionale Geschichten aus dem Leben der Kaffeebauern zu hören: Tragödien wie z.B. die Ermordung des Familienoberhauptes auf der Finca Los Nogales, oder die Geschichte der Finca Agua Regada, die von einer vertriebenen Familie – Inlandflüchtlinge oder „desplazados“ genannt – aufgebaut wurde.
Kaffee ist in Huila also nicht nur ein Rohstoff. Kaffee ist hier die Hoffnung für eine sichere und friedliche Zukunft.
Was uns in Kolumbien am meisten beeindruckt hat, ist die Hingabe und Leidenschaft, mit der sich die kolumbianischen Kaffeebauern für die höchstmögliche Qualität einsetzen. Trotz den schwierigen Bedingungen setzen sie voll auf die Karte Qualität und scheuen dafür keinen Mehraufwand.
Sehr nachdenklich gemacht hat uns hingegen die Hilflosigkeit, mit der die Kaffeebauern dem internationalen Markt ausgeliefert sind. Ereignisse wie eine Dürre in Brasilien, ein Schädling in Guatemala oder ein Spekulant an der New Yorker Börse kann den Marktpreis für Kaffee und somit ihr gesamtes Jahreseinkommen sehr stark beeinflussen. Trotzdem arbeiten sie stets sieben Tage die Woche mit nur einem Ziel vor Augen: den besten Kaffee der Welt zu produzieren.
Im Anschluss an unsere Reise und nach unzähligen Cuppings in Kolumbien und zu Hause in unserer Rösterei in Eglisau haben wir uns für den Kaffee der Finca Los Nogales entschieden. Wir sind ständig via Whatsapp und E-Mail mit dem Kaffeebauer Oscar in Kontakt, der die Finca nach der Ermordung seines Vaters übernommen hat und nun zusammen mit seinem Schwager in den steilen Hängen von Huila einen exzellenten, fruchtigen Kaffee produziert.