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Sie gehören ins traditionelle Bild vom Lande: Grosse, prächtige Obstbäume. Im Frühjahr spriessen wunderschöne Blüten und im Sommer oder Herbst hängen dann saftige Äpfel, Birnen oder Kirschen zur Ernte bereit.
Kaum jemand weiss, dass es vor 50 Jahren noch viel mehr Hochstammbäume gab als heute, oder wie wertvoll diese für die Artenvielfalt sind. Das liegt unter anderem an der spärlichen Berichterstattung – keine grössere Zeitung berichtete unseres Wissens dieses Jahr über den Aktionstag.
Heute ist nur noch ein Bruchteil der früheren Bestände vorhanden
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts sind über 80 % der Hochstammbäume aus den Schweizer Agrarlandschaften verschwunden. Während es 1950 noch 15 Millionen Bäume waren, wurde der Bestand 2018 auf nur noch gerade 2,2 Millionen Exemplare geschätzt. Der Zustand der verbleibenden Obstgärten ist schlecht. Sie erstrecken sich meist nur über kleine Flächen und bilden keine geschlossenen Bestände mehr. Ausserdem sind 90 % der Bestände arm an Strukturen. Die Hälfte aller Obstgärten bieten keine Nistplätze mehr für Höhlenbrüter.
Die starke Abnahme der Hochstamm-Feldobstbäume im letzten Jahrhundert hatte mehrere Gründe: Zum einen die starke Ausdehnung der Siedlungen, aber auch die Mechanisierung der Landwirtschaft, durch die die Obstbäume zunehmend als Produktionshindernisse angesehen wurden. Der Anbau von Obst in Hochstammanlagen ist zudem aufwendig und braucht viel Zeit. Mit niedrigeren Bäumen lassen sich flächenmässig mehr und auch grössere Früchte produzieren. Die Ernte gestaltet sich ausserdem einfacher. Nicht zuletzt wurde die Umstellung auf Niederstamm-Obstbäume bis in die 80er Jahre staatlich gefördert. Der Anbau auf Hochstammbäumen ist heute kaum mehr kostendeckend. Gründe dafür sind etwa vereinfachte Importbedingungen und aufwendige Kontrollen von Qualitätsstandards. Zudem ist die Marktnachfrage nach den Früchten der Hochstamm-Obstsorten heute viel kleiner. Konsumentinnen und Konsumenten fragen vorwiegend nach grossen Früchten.
Wichtiger Lebensraum für Brutvögel
Besonders für Vögel sind Hochstammbäume jedoch sehr wertvoll. In der Schweiz leben rund 40 Brutvogelarten – sprich 20% aller einheimischen Brutvögel – in den strukturreichen „Baumsavannen“ der herkömmlichen Obstgärten. Ein Beispiel eines Obstgartenvogels ist der Gartenrotschwanz. Nach dem Rückgang von lichten Waldbeständen, seinem ursprünglichen Lebensraum, fand er in Hochstammobstgärten einen idealen Ersatzlebensraum. Auch hier findet er die lückige Vegetation vor, die für seinen Nahrungserwerb von grundlegender Bedeutung ist. Seit 1990 ist der Bestand des Gartenrotschwanzes in der Schweiz stark zurückgegangen. Verantwortlich dafür ist zum einen der beschriebene Verlust der Hochstammobstgärten hierzulande und zum anderen die Ausbreitung der Dürrezonen in seinem Überwinterungsgebiet. Aber nicht nur Vögel finden in Obstgärten ein Zuhause. Auch Igel, Schläfer, Fledermäuse, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer und weitere Insektengruppen leben in Hochstammbeständen. Sie sind damit für die Artenvielfalt und die Biodiversität der Schweiz von wesentlicher Bedeutung – und so für die Gesundheit der lebendigen und lebenserhaltenden Natur überhaupt.