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Das Image einer Gemeinde oder Stadt unterliegt komplexen Wechselwirkungen. Faktoren wie die Siedlungs- und Gesellschafts-struktur oder der Arbeitsmarkt spielen dabei eine wichtige Rolle. Alain Caba hat sich in seiner Masterarbeit, die er 2018 verfasste, auf den Arbeitsmarkt konzentriert und am Beispiel von Schlieren und Spreitenbach untersucht, welche Faktoren die Arbeitsmarkt-entwicklung von kleinen und mittleren Schweizer Städten beeinflussen.
Die Wahl fiel auf Schlieren und Spreitenbach, weil die beiden Gemeinden im Untersuchungszeitraum von 1995 bis 2013 trotz ihrer Nähe ein unterschiedliches Arbeitsmarktwachstum verzeichneten. Die Stadt Schlieren konnte in den acht Jahren überdurchschnittlich mehr Arbeitsplätze schaffen als gemäss eines Modells prognostiziert worden war. Die Gemeinde Spreitenbach dagegen verzeichnete ein unterdurchschnittliches Wachstum. Alain Caba ging in seiner Masterarbeit "Die Arbeitsmarktentwicklung in kleinen und mittleren Schweizer Städten: Ein qualitativer Vergleich von Schlieren und Spreitenbach" den Gründen dafür nach.
Limmatstadt: Gab es für Sie, Alain Caba, überraschende Erkenntnisse aus Ihrer Masterarbeit? Überraschend war sicherlich, dass Schlieren der Durchbruch nach einer sehr schwierigen Phase des Strukturwandels infolge seiner Vergangenheit als Industriestandort gelungen ist. Die Stadt verdankt diese positiven Veränderungen ihrer aktiven Einflussnahme auf die Stadt- und Wirtschaftsentwicklung sowie der Nähe zur Stadt Zürich.
Spreitenbachs Bemühungen im Bereich der Standortförderung sind weniger ausgeprägt, was im Vergleich zu anderen benachbarten Städten aber nicht aussergewöhnlich ist. Der Gemeinde entgingen in der Vergangenheit grosse Chancen , insbesondere in den 70er-Jahren, als grosse Bauvorhaben sistiert wurden und ihr dadurch ein Aufstieg zu einem neuen städtischen Zentrum im Limmattal verwehrt blieb. Heute stehen die Vorzeichen gut, dass sich Spreitenbach zu einer attraktiven Stadt mit einer verbesserten verkehrs-technischen Anbindung entwickelt. Dies bedingt aber die kontinuierliche Imagepflege hin zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort. Zudem ist zu wünschen, dass die Zusammenarbeit und Entwicklung mit anderen Städten des Limmattals beidseitig der Kantonsgrenze weiter verstärkt wird.
Limmatstadt: Welche Faktoren spielen für die Arbeitsmarktentwicklung eine Rolle? Ein wichtiger Faktor ist die Standortförderung. Schlieren setzt mehr eigene Mittel ein, um eine geordnete Stadtentwicklung (auch im Bereich der Arealentwicklung) und Cluster-Förderung voranzutreiben. Spreitenbach stehen diesbezüglich sehr begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Möglicher-weise setzt dieser Ressourceneinsatz aber eine kritische (Mindest-) Grösse voraus, d.h. je kleiner eine Stadt, desto schwieriger ist es, Ressourcen für entsprechende Aufgaben bereitzustellen.
Durch die Nachbarschaft zu Zürich scheint in Schlieren eine besser koordinierte Entwicklung stattzufinden, und die Stadt ist erfolgreicher, kantonale Ressourcen für eigene Anliegen zu gewinnen. Die Randlage Spreitenbachs an der Grenze des Kantons Aargau ist nachteilig. Der Gemeinde scheint in der Region Baden/Wettingen eine untergeordnete Rolle zuzukommen, obwohl Spreitenbach ein wichtiger Arbeitsplatzstandort ist und eine der höchsten Steuererträge juristischer Personen im Kanton Aargau erwirtschaften kann. Ein eigener Entwicklungsschwerpunkt (in der kantonalen Strategie) und mehr Autonomie bei der Kooperation mit benachbarten Zürcher Städten würden die weitere Gemeindeentwicklung sicherlich begünstigen.
Grosser Verdienst an der positiven Wirtschaftsentwicklung Schlierens kommen dem weitsichtigen, 2015 verstorbenen Investor Leo Krummenacher sowie dem Standortförderer der Stadt Schlieren, Albert Schweizer, zu. Ihre Rollen verdeutlichen, dass einzelne Akteure grossen Einfluss auf die (positive) Stadtentwicklung nehmen können.
Erschwert wird die koordinierte Entwicklung der Region durch die födera-listischen Strukturen und den Wettbewerb zwischen den Städten. Eine weit-reichende Zusammenarbeit ist so schwierig zu vereinbaren, da jede Stadt/Gemeinde letztendlich für den eigenen (wirtschaftlichen) Erfolg verantwortlich ist. Ausserdem stellt die Kantonsgrenze bei der Kooperation und Um-setzung grossräumiger Visionen ein fast unüberwindbares Hindernis dar.
Limmatstadt: Was kann die Limmatstadt AG im Bereich Arbeitsmarkt-entwicklung leisten? Überregionale Förderakteure wie die Limmatstadt AG sind wichtig. Infolge der kommunalen Wettbewerbssituation ist eine direkte Standortförderung und Anwerbung von Unternehmen durch eine zentrale Organisation aber in Frage gestellt. Es ist daher verständlich, dass sich die Limmatstadt AG in erster Linie auf die Imagepflege der Region und die Ver-netzung aller involvierten Akteure konzentriert. Darüber hinaus kann sie sicherlich dazu beitragen, kantonale und regionale Akteure für die Relevanz der Arealentwicklung die Unterstützung der Städte/Gemeinden zu sensibilisieren. Es ist jedoch wichtig, dass die Organisation weiterhin als neutraler und unabhängiger Akteur wahrgenommen wird und keine Partikularinteressen dominieren.
Masterarbeit von Alain Caba zum Download:Arbeitsmarkt: Vergleich zwischen Schlieren und Spreitenbach