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Bern
Nydeggkirche
Die Nydeggkirche ist eine der ältesten Stadtberner Kirchen, erbaut auf historischem Boden, im Aareknie, dort, wo einst der Bau der Stadt seinen Anfang nahm. Sie blickt auf eine wechselvolle Geschichte. Nach der Reformation wurde die Kirche vorübergehend zweckentfremdet, bevor sie im 17. Jahrhundert resakralisiert wurde. Heute geniesst sie auch als Konzertkirche einen hervorragenden Ruf.
Aber der Reihe nach: Um 1341-1346 wurde an der Stelle der ehemaligen Burg erstmals eine der Maria Magdalena gewidmete Kapelle gebaut. Sie war höchstens halb so gross wie die heutige Kirche. Auf diese Kapelle geht im Wesentlichen der heutige Chor mit der kleinen Sakramentsnische zurück.
Der spätgotische Ausbau der Kirche begann 1480-1483 mit dem Turmbau. 1494-1500 folgte der Neubau des Schiffes und des halbrunden Triumphbogens zum Chor hin. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste und grösste der vier Glocken, die Agathen- oder Feuerglocke. Die Kirche heisst in jener Zeit «St. Maria Magdalena zu Nideck».
Die Reformation, die in Bern 1528 eingeführt wurde, machte die Nydegg Kirche für einige Jahre überflüssig, sie diente vorübergehend als Holzscheune und Fasslager für Gastwirte. 1566 wurde sie wieder für gottesdienstliche Zwecke eingerichtet und erhielt ihre heutige Kanzel.
Mitte des 17. Jahrhunderts erlebte sie dann einen wahren Boom. Vorübergehend vermochte die Kirche die sonntäglichen Gottesdienstbesucherinnen und Besucher nicht mehr zu fassen. Dank der weitherum geschätzten Predigten des Dekans Johann Heinrich Hummel war die Nydegg Kirche zu einem religiösen Treffpunkt in Bern geworden. Durch den Einzug einer grossen Empore, einer Portlaube, an der West- und Nordseite wurden zusätzliche Plätze geschaffen. Mitte des 18. Jahrhunderts sollte sie zu einer grossen Barock-Kirche ausgebaut werden, die Pläne bestanden bereits, wurden indessen nie verwirklicht.
Ihre heutige Gestalt erhielt die Nydeggkirche durch die umfassende Renovation nach den Plänen der Architekten Hans Klauser und Ernst Indermühle in den Jahren 1951–1953. Grundidee der Renovation war die Wiederherstellung der alten, klaren Raumverhältnisse. Die grosse Empore an der Nordseite musste weichen. Die Fenster, die leicht gewölbte Bretterdecke mit Fugenleisten, die Westempore mit neuer Orgel, die Bänke, der Taufstein im Chor und der Vorraum kamen dazu. Seit 1908 steht die Nydeggkirche unter Denkmalschutz.
Im 20. Jahrhundert wurde die Nydegg Kirche über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt: einerseits, weil hier der Autor und Lyriker Kurt Marti als Pfarrer wirkte und anderseits, weil einer seiner Nachfolger, Pfarrer Klaus Bäumlin, 1995 hier erstmals in der Schweiz ein homosexuelles Paar traute.
Mit ihren zwei Orgeln – zum Instrument auf der Empore kam 1995 noch eine italienische Barockorgel neben dem Chorbogen hinzu – ist die Nydegg Kirche eine beliebte Konzertkirche. Für Kunstinteressierte erwähnenswert sind die Bronzetüren und der Taufstein des Berner Bildhauers Marcel Perincioli (entstanden 1953/55) und die vier Chorfenster von Robert Schär, die den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes gewidmet sind (entstanden 1957/58).
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 161.
- Straub, Jan, Die Nydeggkirche in Bern und ihr Quartier. Kanton Bern [Schweizerische Kunstführer GSK, 1021/1022], Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 2018.
- Nydeggkirche Bern. Turmsanierung Oktober 1999, Bern: Hochbauamt der Stadt Bern, 1999.
- Hofer, Paul und Luc Mojon, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Bd. 5 (Die Kirchen der Stadt Bern), Basel: Birkhäuser, 1969, S. 233-280.