Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03645.jsonl.gz/993

Isas Weg zur Low-FODMAP-Diät führte über verschiedene Tests und mehrere Ernährungsberater. Im Interview beschreibt sie diesen Weg und stellt fest: „Herauszufinden, was ich überhaupt essen kann, ist ein immer noch laufendes Projekt.“
Du hast vor drei, vier Jahren mit der FODMAP-armen Ernährung angefangen. Wie kam das?
Ich bin damals zunächst zu meiner früheren Hausärztin gegangen. Sie hat mir gesagt: ‚das ist Reizdarm, nehmen Sie Imodium.‘ Nach etwa einem halben Jahr fand ich aber, dass es das einfach nicht sein konnte, und habe zu einem neuen Hausärzt gewechselt. Dieser hat dann vorgeschlagen, ich solle mal zwei Wochen lang keine Milchprodukte mehr zu mir nehmen. Da ist es mir schlagartig besser gegangen.
Du hattest dann aber immer noch Probleme?
Ja, deshalb wurde ich von meiner nächsten Hausärztin zur Ernährungsberaterin geschickt. Diese hat da bereits von FODMAPs gesprochen. Die Liste war aber noch sehr unvollständig. Das Vorgehen war nicht konsequent, sondern hiess einfach: ‚Probieren Sie Mal‘. Ich habe das probiert und es wurde dann schon ein bisschen besser, aber noch nicht wirklich. Daher ging ich wieder zu meiner Hausärztin. Sie hat mich dann an einen anderen Spezialisten, einen Gastroenterologen verwiesen.
Was hat der gemacht?
Er hat verschiedene Tests gemacht. Laktose, Fruktose und dann auch einen Test wegen einer bakteriellen Überbesiedlung des Dünndarms. Alle waren bei mir positiv.
Wie gehen diese Tests?
Das sind alles Atemtest, bei denen du bestimmte Flüssigkeiten trinken musst, zwei Liter oder so, mit Laktose, Fruktose oder Laktulose. Kann man diese Stoffe nicht oder nur schlecht verdauen, bilden sich beim Abbau dieser Stoffe durch Bakterien Gase, welche man dann in der Atemluft messen kann. Man sitzt dann einfach dort, pupst das Wartezimmer voll und notiert alle zehn Minuten das Befinden. In gewissen Abständen muss man zudem in ein Röhrchen blasen. Am Ende sehen die Ärzte anhand einer Kurve, ob der Test positiv ist.
So hast du mit Sicherheit gewusst, dass dir Fruktose und Laktose nicht gut tun.
Genau. Dann hatte ich aber immer noch Mühe, das umzusetzen. So habe ich den Facharzt gefragt, ob er mir noch eine andere Ernährungsberaterin empfehlen könnte, weil ich von der ersten noch zu wenig und zu wenig genaue Infos erhalten hatte. Ich wollte jemanden, der mir alles haargenau erklärt.
Musstest du dann nochmals testen, was du essen kannst?
Nein, ich habe einige Sachen ja schon gewusst. Ich hatte bereits eine Liste mit Lebensmitteln, von denen ich wusste, wenn ich auf die verzichte, geht es mir besser. Aber die war halt nicht vollständig. Ich musste die Liste noch einmal genauer anschauen und anpassen. Gleichzeitig ist dann auch das App der Monash-Universität herausgekommen. Meine Ernährungsberaterin hat mir im App gezeigt, dass man herausfinden kann, welche FODMAPs einem nicht gut tun.
Das tönt gar nicht so schwierig…
Es brauchte natürlich viel Arbeit, das alles durchzulesen und zu schauen: Was kaufe ich jetzt, welches sind die Alternativen? Als ich noch nicht so viele Informationen hatte, war ich oft unsicher und habe falsche Sachen gekauft. Die frühere Ernährungsberaterin hatte mir zum Beispiel gesagt, dass Weizen wohl kein Problem sei. Aber das stimmte nicht, wie ich erst vor kurzem herausgefunden habe. Es macht einen grossen Unterschied! Ich glaube, diese Phase der Unsicherheit war bei mir viel länger, als wenn ich von Beginn weg einen gezielten, von einer Fachperson begleiteten Provokationstest hätte durchführen können. Solche Fehlentscheidungen haben sich mit mehr Informationen aber extrem vermindert. Etwa auch durch das Wissen, dass bei gewissen Sachen die Menge entscheidend ist.
Welches wäre rückblickend gesehen der richtige Weg?
Ich würde, wenn man den Verdacht hat, dass man FODMAPs nicht verträgt, den Hausarzt aufsuchen und ihn um die Überweisung an einen FODMAP-Spezialisten bitten. Man kann die Lebensmittel dann systematisch austesten. Das dauert zwar mehrere Monate, aber dafür hat man dann eindeutige Resultate. Wichtig ist auch, dass man sich nicht von andern einreden lässt, dass man sich das Problem nur einbilde. Und dass man auch weitersucht, wenn man noch nicht die richtigen Personen gefunden hat.
Ist bei dir der Prozess, herauszufinden, was du Essen darfst, nun abgeschlossen?
Der ist wohl nie abgeschlossen. Weil einfach noch nicht alle Lebensmittel getestet sind, die es gibt. Und das wird wohl auch nie der Fall sein. Die Monash-Universität test laufend Sachen. Und im Moment werden auch andere Länder als Australien bearbeitet, etwa Dänemark und Grossbritannien. Ich hoffe also, dass es in Zukunft mehr Informationen gibt und dass in der Schweiz auch einmal jemand mit testen beginnen wird.