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Patientenverfügung stärkt Selbstbestimmung
Kaum jemand beschäftigt sich gerne mit Krankheit, Unfall und dem Tod. Es ist aber im Interesse jedes Einzelnen, dass er in einer Patientenverfügung frühzeitig seine Wünsche festhält, wie er im schlimmsten Fall medizinisch behandelt, betreut und begleitet werden möchte.
Wer soll meine Meinung vertreten, wenn ich es nicht mehr kann? Mit welchen Einschränkungen und Behinderungen kann ich mir vorstellen zu leben? Wann soll die medizinische Behandlung nicht mehr der Lebenserhaltung, sondern in erster Linie der Linderung der Beschwerden und Schmerzen dienen? Möchte ich wiederbelebt werden? Will ich künstlich beatmet oder künstlich ernährt werden?
Patientenverfügung regelt viele offene Fragen
Wer sich mit diesen existenziellen Fragen beschäftigt und darauf Antworten findet, der sollte diese in einer Patientenverfügung festhalten. Gerade Menschen mit einer Behinderung oder einer Erkrankung, deren mögliche, langfristige Folgen bekannt sind, sollten rechtzeitig Vorsorge treffen. Denn eine Patientenverfügung legt als Willenserklärung vorsorglich fest, welche medizinische Behandlung im Ernstfall angewandt und welche unterlassen werden soll.
Gleichzeitig ist eine detailliert und sorgfältig erstellte Patientenverfügung im Fall einer Urteilsunfähigkeit ein wichtiges Kommunikationsmittel gegenüber den behandelnden Ärzten und für die Angehörigen oft eine große Entlastung.
Patientenverfügungen im Internet
Aber was heißt detailliert und sorgfältig? Wie weit können Laien überhaupt wissen, was medizinisch machbar ist und welche Behandlung in welchen Fällen zur Lebenserhaltung oder Beschwerdelinderung in Frage kommt?
Zahlreiche Patientenorganisationen bieten hier mit vorbereiteten Patientenverfügungen ihre Unterstützung an, die meisten können im Internet heruntergeladen werden. Das erleichtert zwar den Zugang zum Thema, man sollte aber immer den Hintergrund, die Interessen und die Einstellungen der Organisation prüfen und sie mit den eigenen Werten und Vorstellungen abzugleichen.
Klar, deutlich und detailliert formulieren
Ob man nun einen Vordruck nutzt oder die Patientenverfügung selber verfasst: Wichtig ist, sich selber die wichtigen und entscheidenden Fragen zu stellen und die Antworten in der Patientenverfügung klar und deutlich zu formulieren. Oft sind Patientenverfügungen zu allgemein formuliert. Unter Beschreibungen wie "in Würde sterben" oder "qualvolles Leiden" stellt sich jeder etwas anderes vor.
Die Patientenverfügung sollte also möglichst genaue Vorgaben zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Behandlung von Schmerz und Symptomen, künstlicher Ernährung oder Wiederbelebung machen. Weiter sollte sie umfassen:
- Vor- und Nachnamen, Geburtsdatum, Datum und Unterschrift
- Beschreibung der Situationen, für die die Patientenverfügung gelten soll Beistand durch die Person XY
- Angaben zu allfälliger Sterbebegleitung, Sterbeort, Begräbnis
- Verfügungen hinsichtlich einer möglichen Organspende
- Angaben zu religiösen Handlungen
- Allfällige Überprüfungen und Aktualisierungen mit neuem Datum
Die gewünschten Maßnahmen beruhen meist auf den persönlichen Wertvorstellungen, der Lebenshaltung, Ängsten oder auch religiösen Anschauungen. Es kann für die Durchsetzung der Patientenverfügung nützlich sein, wenn die behandelnden Ärzte, Betreuer und Angehörige diese persönlichen Auffassungen kennen und nachvollziehen können.
Es wird deshalb empfohlen, die eigenen Wertvorstellungen und Anschauungen zusätzlich schriftlich festzuhalten und der Patientenverfügung beizufügen. Außerdem sollten die Beweggründe mit den nächsten Angehörigen besprochen werden.
Arzt hilft bei Unsicherheiten weiter
Bei Unsicherheiten hinsichtlich medizinischer Behandlungen, Genesungschancen oder der Situation im Endstadium einer Krankheit ist es hilfreich, sich bei seinem Arzt zu informieren. Nach der Erstellung einer Patientenverfügung sollte eine Kopie beim Arzt hinterlegt werden, ebenso bei einer Vertrauensperson. Am besten führt man in der Geldbörse eine Karte mit sich, mit den Angaben, dass und wo eine Patientenverfügung hinterlegt ist.
Gesetz regelt Umgang mit Patientenverfügungen
In der Schweiz gilt seit 1. Januar 2013 das revidierte Erwachsenenschutzgesetz, welches die Patientenverfügung erstmals gesamtschweizerisch regelt. Im neuen Erwachsenenschutzrecht stehen individuelle Vorsorgemassnahmen und die Selbstbestimmung der Betroffenen allgemein stärker im Zentrum.
Ein behandelnder Arzt muss bei jedem urteilsunfähigen Patienten abklären, ob dieser eine Patientenverfügung erstellt hat. Dies soll er in Zukunft auf der Versichertenkarte der Krankenversicherung prüfen können. Um diese Daten abzurufen ist ein spezielles Lesegerät nötig, das zurzeit noch nicht überall verfügbar ist.
Text: Patrick Gunti - 06/2013
Fotos: pixelio.de, BVmed Bilderpool - BRAUN MELSUNGEN AG