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Nitratreiche Nahrungsmittel können, nach Umwandlung zu Stickoxid, den Blutdruck reduzieren. In einer Studie in Hypertension (2008, doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.107.103523) erzielte ein halber Liter Rote-Beete-Saft eine blutdrucksenkende Wirkung, die durchaus mit der von Medikamenten vergleichbar ist.??Dass Stickoxid (NO) in den Blutgefäßen ein wichtiger Vasodilatator ist, also die Gefässe erweitert, ist schon lange bekannt (Nobelpreis 1998).
Die blutdrucksenkende Wirkung wird bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie genutzt und auch die antianginöse Wirkung – bei Angina pectoris – wird von Nitropräparaten durch NO vermittelt. Eine weitere Quelle von NO sind, wenn auch indirekt nitrathaltige Nahrungsmittel, zu denen zum Beispiel Rote Beete gehört. ?
Rote Beete – in der Schweiz spricht man von Randensaft – enthält zwar kein Stickoxid, wohl aber Nitrate. Diese können von Bakterien, die im Speichel vorkommen, in Nitrit umgewandelt werden. Nitrit gelangt mit dem Speichel in den Magen, wo es entweder in Stickoxid umgewandelt oder als Nitrit in den Organismus aufgenommen wird. Das resorbierte Nitrit gelangt in die Endothelien, welche durch Freisetzung von Stickoxid die Blutgefäße relaxieren. Von dieser Arbeitshypothese ging die Arbeitsgruppe um Amrita Ahluwalia vom Londoner Queen Mary Hospital aus.
Um sie zu prüfen, bekamen gesunden Freiwilligen einen halben Liter Rote-Beete-Saft zu trinken. Drei Stunden danach war der systolische Blutdruck um 10,4 mm Hg und der diastolische Blutdruck um 8 mm Hg gesunken. Dieser blutdrucksenkende Effekt fiel mit der Spitzenkonzentrationen von Nitrit im Blut zusammen. Der Randensaft besserte auch die Endothelfunktion. Sie wurde mit einem Test erfasst, der das Ausmaß der Vasodilatation (Gefässerweiterung) in der Arteria brachialis (Oberarmarterie) nach einer kurzzeitigen Unterbrechung der Durchblutung mit einer Blutduckmanschette misst.
Bei Hypertonikern (Bluthochdruckpatienten) ist die Vasodilatation gestört. Rote-Beete-Saft verbesserte das Testresultat. Die Wirkung des Rote-Beete-Saftes wurde verhindert, wenn die Testpersonen den Speichel nicht herunter schluckten. Dies unterband die ”enterosalivarische” Umwandlung von Nitrat zu Stickoxid. Die Untersuchungen belegen damit schlüssig, dass die blutdrucksenkende Wirkung auf den Nitratgehalt der Roten Beete zurückzuführen ist.
Die British Heart Foundation lobt die Studie, welche im Detail untersucht habe, wie Nahrungsmittel den Blutdruck senken. Im letzten Jahr hatte dies eine deutsche Arbeitsgruppe für dunkle Schokolade gezeigt, welche – allerdings über einen anderen
Wirkungsmechanismus – den Blutdruck reduziert. Damals wurde eingewendet, dass die Nachteile der hochkalorischen Schokolade die positiven Wirkungen infrage stelle.??Dieses Mal hält die British Heart Foundation fest, dass die Idee, den Blutdruck durch Trinken eines halben Liters Rote Beete zu senken nicht allen Hypertonikern schmecken dürfte. Sie empfahl den Bluthochdruck-Patienten eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse und die weitere Einnahme ihrer Medikamente.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Kommentar & Ergänzung:
Dass Randensaft den Blutdruck senken soll, ist ein sehr interessantes Studienergebnis. Weniger erfreulich ist aber, dass diese Wirkung offenbar auf dem Nitratgehalt basiert. Nitrate werden in Gemüse seit Jahren als potentiell gesundheitsschädliche Stoffe diskutiert.
Siehe auch:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch