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Von den drei heutzutage wesendlichen Motiven Karate zu betreiben.
-Selbstverteidigung
-Schulung von Geist und Körper
-sportlicher Wettkampf
hatten ursprünglich die ersten beiden gleichermassen Bedeutung, während der sportliche Wettkampf erst sehr spät, im 20. Jh., dazukam.
Ganz im Sinne von Selbstverteidigung ist auch ein Grundsatz im Karate zu sehen, der im Engakuji Zen Tempel am Denkmal des berühmten Funakoshi Gichin Sensai zu lesen ist: Karate Ni Sentenashi, „im Karate gibt es keinen ersten Angriff“.
Den meisten Lebewesen ist es eigen, gegen erkennbare Angriffe instinktiv eine geeignete oder auch ungeeignete Abwehrtechnik zu setzen. Befürchtet jemand, einen Schlag auf den Kopf zu bekommen, wird er unwillkürlich die Arme schützend hochreissen. Diese angeborene Reaktion wurden verfeinert und systematisiert und sind Ursprung der waffenlosen Selbstverteidigung, wie sie unter verschiedenen Namen, Stilrichtungen ausgeübt wird.
Es ist nicht zulässig, guten Gewissens von einer Geburtsstunde des Karate zu sprechen, obgleich die Festlegung dieser Bezeichnung „Kara Te“ im Verhältnis zur Dauer ihrer traditionellen Entwicklung von 5000 BC bis zur eigentlichen Festlegung im Jahre 1935 im Rahmen einer Konferenz des „Budoku Kai“, Japanese Martial Arts Comitte, sehr spät erfolgte. Die Vertreter verschiedener Stilrichtungen legten damals fest, die Bezeichnung von „China Hände“ in chinesischen Schriftzeichen auf „leere Hand“ in japanischen Schriftzeichen zu ändern.
Es gibt keine sicheren Quellen, aus denen zu entnehmen wäre, wann karateähnliche Techniken erstmals entwickelt wurden, doch wurden z.B. in ägyptischen Tempeln aus dem Jahre 4000 BC Darstellungen von Kämpfern in karateähnlichen Positionen entdeckt. Weitere frühe Quellen sind zwei kleine babylonische Kunstwerke aus den Jahren 3000 BC bis 2000 BC, die beide Blocktechniken zeigen, wie sie heute im Karate üblich sind. Ebenfalls ca. 3000 BC wurden unter Kaiser Hua`ng kempoähnliche Techniken (chinesisches Boxen) festgestellt und während der Chou-Dynastie (1066 – 430 BC) weiterentwickelt. In der Sui-Dynastie (209 BC – 24 AC) existieren Figuren, die exakte Ch`üan Fa (Kempo, Kung Fu) Techniken zeigen.
Es kann angenommen werden, dass die Grundlagen für Karate über die Türkei nach Indien gebracht wurden. Im 4. Jh. BC hatte Alexander I., der Grosse, König von Makedonien, ein Schüler von Aristoteles, Syrien, Ägypten und Babylon erobert und war im Jahre 327 BC bis Indien vorgedrungen. Zur Aufrechterhaltung der Kampfbereitschaft seiner Truppen während der teilweise langen kampffreien Zeiten des Feldzuges liess er die Krieger waffenlose Kampfübungen durchführen, die viele karateähnliche Elemente aufwiesen. Die bekanntesten indischen Kampfformen sind Kalaripayt, das so genannte Schlachfeldtraining, und das Vajra musti, das Ringen, Klammern und Stossen umfasst und von der Kriegerkaste Kshàtriya ausgeübt wurde. Es ist zwischen nördlichem und südlichem Kalaripayt zu unterscheiden. Die Charakteristika das südlichen Stils sind ausgeprägte Kreisbewegungen, Schläge und Blöcke mit den offenen Händen und infight-Techniken. Die Beinstösse sind niedriger als im nördlichen Stil, Armtechniken sine stärker betont und Würfe und Schläge werden kombiniert. Beiden Stilen ist jedoch folgender Trainingsablauf eigen:
– unbewaffnetes Kampftraining
-Training mit Bambus- und Rattanwaffen
-Training mit scharfen Stahlwaffen
– gezielte Angriffe auf die Vitalpunkte des Menschen (vergl. spätere Ausführungen)
– Kata, Scheinkampf, formalisierte festgelegte Technikfolgen, die den gesamten Bereich der Abwehr- und Angriffstechniken umfassen.
Diese Techniken waren der okinawanesische Kampfkunst „Te“ (Hand) sehr ähnlich, die dort seit langem entwickelt worden war. Es wird vermutet, dass diese indische Kampfkunst Kalaripayt durch Seeleute nach Okinawa gebracht und dort mit dem vorhandenen Okinawa-Te vereinigt wurde. Denn zweifellos wurden ähnliche Kampftechniken in vielen anderen asiatischen Ländern wie China, Thailand, Japan, Malaysia, Laos, Vietnam, Indonesien etc. entwickelt.
Als Ausgangspunkt der Systematisierung von Techniken der waffenlosen Selbstverteidigung, die letztlich zur heutigen Form des Karate führte, muss jedoch das Shao Lin-Kloster im Songshan-Gebirge in der chinesischen Provinz Hunan angesehen werden. Dorthin kam der indische Mönch Bodhidharma im Jahre 520 BA. Er wurde als 3. Kind des Königs Sugandhain ca. 500 BA in Indien geboren und war ein bedeutender Verkünder des Buddhismus. Bodhidharma verbrachte 9 Jahre im Shao Lin-Kloster und lehrte die Mönche den Buddhismus. Daneben studierte er Angriffs- und Abwehrtechniken von verschiedenen Tieren (Affe, Kranich, Tiger, Bär etc.), die natürlichen Kräfte des Menschen und eine spezielle Atemtechnik, die die kraftvolle Anwendung dieser Techniken ermöglichte. Zur Verbesserung des körperlichen Zustandes der Mönche im Shao Lin-Kloster führte er systematische Körperübungen ein, die er in zwei Büchern zusammenfasste: I Chin Ching (Klassisches Muskeltraining) und Hsi Sui Ching (Grundsätzliches Muskeltraining). Aus diesen Büchern wurde nach dem Tod von Bodhidharma ein Techniksystem entwickelt, das Shi Pa Lo Han Sho (die 18 Hände von Lo Han) genant wurde und das als Grundlage für das Shaolin Ch`üan Fa (Kung Fu, Kempo) anzusehen ist. Die Mönche führten diese Übungen aber eher zur Verbesserung ihrer körperlichen Konstitution und ihrer Meditation als für Verteidigungs- oder Gegenangriffszwecke durch.
Das Studium der Tiere führte dann nach Weiterentwicklungen zu den verschiedenen Tierstilen des Kung Fu, Hung-Gar (Tigerstil), Ta-Sheng-Men (Affenstil), Pai Hao (Kranichtstil) etc.. Im 17. Jh. wurden z.B. von Wong Long Sensai der Gottesanbeterstil entwickelt, wahrend der Stiel von Bruce Lee, Jeet-Kune-Do (Weg der abfangenden Faust) auf den Wing-Chun-Stil zurückzuführen ist, der von einer Nonne entwickelt wurde und sich durch Sparsamkeit in der Bewegung und direkte Angriffe ohne besondere Kraftanwendung auszeichnet und daher für Frauen besonders geeignet ist. Nachdem die Mönche die Bedeutung dieser Körperübungen erkannt hatten, wurden sie auf 170 Techniken erweitert.
Verschiedene Goju Ryu Kata sind nach der Anzahl ihrer Technikfolgen bezeichnet: z.B. Seisan (13 Hände), Sepai (18 Hände), Sanseiru (36 Hände) und Superimpei (108 Hände). Es ist anzunehmen, dass diese Nummerierung einen Bezug zum Buddhismus hat, womit ein ursprünglicher Zusammenhang dessen mit Karate hergestellt ist.
Die 8 Grundsätze des traditionellen chinesischen Kempo, wie sie im historischen Dokumenten „Bubishi“ gefunden wurden lautem:
1. Der Geist ist im Einklang (Eins) mit Himmel und Erde.
2. Der Kreislauf des Körpers ist gleich dem Zyklus von Sonne und Mond.
3. Die Art des Einatmens und Ausatmens bedeutet Härte und Weichheit.
4. Handle in Übereinstimmung mit Zeit und Veränderung.
5. Die Techniken werden sich ohne bewusstes Denken einstellen.
6. Die Füsse müssen vorwärts und rückwärts, sich trennen und wieder vereinen.
7. Den Augen entgeht nicht die geringste Veränderung.
8. Die Ohren sind nach allen Richtungen wachsam.
Wie bereits erwähnt, wurden in Okinawa die dort ursprünglich entwickelte waffenlose Kampfform Okinawa-Te ausgeübt, bis zu Beginn des 14. Jh. das chinesische Kempo auf verschiedenen Wegen nach Okinawa transferiert wurde.
Im Jahre 1340 war Okinawa (Ryukyu) in der Königreiche geteilt, die in einem tributpflichtigem Verhältnis zu China standen. Durch Handelsbeziehungen, durch den Austausch von Gesandten sowie durch deren Begleitpersonen, Seeleute, Händler etc. wurde Kempo nach Okinawa gebracht. Hier wurde es allerdings gleich von Beginn an als wirksame waffenlose Kampfform und nicht als Sport oder Trainingsform zur Erhaltung der körperlichen und geistigen Fitness aufgenommen. Nach den kulturellen und zivilisatorischen Entwicklungen der letzten Jahrhunderte herrscht natürlich heute wieder der zweite Gesichtspunkt vor. König Satto von Ryukyu hatte seinen Sitz im Schloss zu Shuri, wo auch die chinesischen Delegationen empfangen wurden. In Shuri und der nahe gelegenen Hauptstadt Naha lehrten chinesische Kempomeister die Adligen und Angehörigen des höheren Standes ihre Kampfkunst. Im Jahre 1372 wird Kempo erstmals in einem historischen Dokument erwähnt.
Die rasche Verbreitung von Kempo bez. Verschmelzung mit Okinawa-Te wurde durch die äusseren Umstände auf Ryukyu sehr begünstigt. Einerseits durch die Schulen in Shuri und Naha, andererseits durch das Erfordernis, die von Ryukyu nach China fahrenden Schiffe mit dem Tribut von Piraten zu schützen, wofür diese neue Kampfform besonders geeignet war. Dazu kam noch, dass im Jahre 1392, ebenfalls noch während der Regentschaft von König Satto, chinesische Handwerker und Mönche in okinawanesischen Städten angesiedelt wurden, die ebenfalls zur Verbreitung von Kempo beitrugen. Zur selben Zeit begaben sich Angehörige der okinawanesischen Delegation in die Provinz Fukien in China, wo eine Ryukyu Niederlassung errichtet worden war, um Kempo zu studieren, die dann ihrerseits in Ryukyu wieder zur raschen Weiterverbreitung von Kempo beitrugen. Die rasche Verbreitung dieser waffenlosen Kampfform in der Bevölkerung wurde durch einschneidende Massnahmen seitens der jeweiligen Herrscher begünstigt. Etwa um 1470 leitete der Zusammenbruch der Sho-Dynastie eine Periode der Unruhe und Gewalt in Ryukyu ein. Zur Beruhigung der Lage wurde ein allgemeines Waffenverbot verhängt, wurden Schwerter konfisziert und ins Schloss zu Shuri geschafft. Auch die Adligen wurden entwaffnet, durften jedoch im königlichen Palast wohnen, wo sie praktisch unter Aufsicht von König Sho Shin keine rebellischen Akte setzen konnten. Als folge dieses Waffenverbots wurden zwei Kampfschulen gegründet: Die Kunst des „Te“ wurden von den Adeligen weiterentwickelt und praktiziert, während Kobudo (Kunst der kleinen Waffen) von den Bauern und Fischern ausgeübt wurde und die Verwendung von einfachen Werkzeugen als Waffen einschloss. Z.B. wurde der Nunchaku aus dem Dreschflegel der Bauern entwickelt. Oder Wurfsterne zeugen auch aus dieser Zeit. Diese Kampfformen Kobudo und Te wurden nur im geheimen trainiert.
Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Karate wurde vom chinesischen Gesandten Wanshu im Jahre 1683 in der Stadt Tomari gesetzt. Er lehrte hier Kempo und führte eine Kata vor, die heute als Wanshu-Kata im Tomari-Te praktiziert wird. Schriftliche Überlieferungen gibt es auch über die Tätigkeiten des Kempomeisters Kusanku im 1. japanischen Buch über Okinawa-Te, dem „Oshima Hikki“. Ähnlich wie bei Wanshu, lebt der Name Kusanku in einer Shuri-Te-Kata weiter. In der Folge, etwa um 1755, gingen Shuri-Te und Tomari-Te Meister nach China, um Kempo zu studieren. Später folgte der Gründer von Naha-Te, der Grossmeister Higaonna Kanryo Sensai, in die Provinz Fukien nach, wo er 15 Jahre mit dem Studium der Kampfkünste verbrachte. Nach der Rückkehr nach Okinawa verbreiteten sie ihre Kampfkünsten über Okinawa:
-Higaonna Kanryo Sensai das Naha-Te.
-Itosu Anko Sensai das Shuri-Te.
-Matsmura Kosaku Sensai das Tomari-Te.
Diese drei unterschiedlichen Stile in Okinawa wurden nach den Orten Naha, Shuri und Tomari benannt, wo sie praktiziert wurden und wovon sie ihren Ausgang nahmen. Allgemein wurden diese Te – Kampfkünste mit Tode oder Karate bezeichnet und in japanischen Schriftzeichen geschrieben. Dabei bedeutete Tang = Kara = China und Te = Hand, also Chinahand. Tang ist das Zeichen für die grosse chinesische Dynastie (618 – 960 AC), die in Japan einen so starken Eindruck hinterliess, dass das Word Tang gleich während mit Te die okinawanesische Kampfkünsten bezeichnet wurden.
Aber alle diese Kampfkünste dienten demselben Zweck, der Selbstverteidigung der Einwohner Okinawas.
Die Entwicklung von Guju Ryu Karate
Im 18. und 19. Jh. gingen Te-Meister von Okinawa nach China um ihre Kampfkünste zu erweitern und Kempo im Herkunftsland zu studieren.
Higaonna Kanryo Sensai (1853 – 1916), der in Naha Kempo von einem Meister aus Fukien (China) gelernt hatte, fuhr im Jahre 1874 im Alter von 21 Jahren per Schiff vom Hafen in Naha zum chinesischen Hafen Foochow, wo er ein Jahr in der okinawanesischen Siedlung Ryukyu Kan verbrachte. Dann wurde er dem berühmten Shaolin Kempomeister Ryu Ryuko vorgestellt, der ihn aber, entsprechend den dort üblichen Gepflogenheiten, nicht sogleich als Schüler akzeptierte. Es war damals üblich, dass ein Bewerber als Karateschüler längere Zeit für den Meister persönliche Dinge erledigen musste, um diesem die Möglichkeit zu geben, den Schüler (Bewerber) näher kennen zu lernen. Schliesslich wurde Higaonna Sensai von Ryu Ryuko Sensai als Schüler akzeptiert und begann sogleich mit dem Training, das Sanchin, Konditionsfördernde und Körperbildende Übungen umfasste. Das dient dazu, um eine Kräftigung des Schülers bei gleichzeitiger Verbesserung der Beinarbeit zu erreichen. Diese Übungen wurden dann durch Makiwaratraining erweitert, um Fäuste, Handkanten, Ellebogen etc. abzuhärten.
Nach einiger Zeit war Higaonna Sensai der beste Schüler Ryuko Senseis und wurde auch ausersehen, im Rahmen eines Vergleichskampfes mit einem anderen Karate Dojo die Sanchin Kata vorzuführen; er entschied diesen Vergleichskampf bei weitem für sich und wurde in der ganzen Umgebung von Foochow berühmt.
Nach etwa 15 Jahren kehrte Higaonna Sensai nach Okinawa zurück. Er begann sofort in Naha die nunmehr durch Kempo erweiterte Te Kunst zu lehren und wurde blad weit über Naha hinaus bekannt. Auch die königliche Familie wurde in den Te Künsten unerrichtet. Nach mehreren Jahren dieser Lehrtätigkeit kehrte Higaonna Sensai nach Naha zurück und arbeitete wieder in seinem ursprünglichen Beruf als Händler auf einem Boot. Daneben eröffnete en ein Te Dojo und unterrichtete Te in der Hochschule von Naha. Aufgrund seines harten Trainings verblieben nur wenige Schüler längere Zeit bei ihm. Seine Kampfkunst verbreitete sich sehr rasch, wurde ihm zu Ehren Naha Te genannt und ist eine Grundlage für das Okinawa Karate.
Zu dieser Zeit, im Jahre 1902, war Higaonna Sensai 49 Jahre alt und intensiv mit dem Training der Sanchin Kata befasst. Sein bester Schüler war der 14 jährige Miyagi Chojun, einer der wenigen, die das harte Training durchhielten. Beide widmeten 15 Jahre ihres Lebens der Verbesserung und der Verbreitung von Naha Te. Im Jahre 1916 starb Higaonna Sensei, sodass das Naha Te in praxi auf Miyagi Sensei übertragen wurde, der ebenfalls aus Naha stammte.
Bereits im alter von 11 Jahren hatte ihn seine Mutter zu einem Karate Meister namens Aragaki Ryuko gebracht, der ihn dann zu Higaonna Sensei vermittelte. Nach dem Tod von Higaonna Sensei ging Miyagi Sensei ebenfalls in die Provinz Fukien in China, um in der Stadt Foochow das Dojo von Ryu Ryuko Sensei zu suchen, wo Higaonna Sensei 15 Jahre lang trainiert hatte. Ausser den Platz des Dojo selbst fand er jedoch nichts mehr. Nach seiner Rückkehr nach Okinawa verbrachte Miyagi Sensei viel Zeit mit Katatraining und kreierte die Offene-Hand-Kata „Tensho“. Ewas später entwickelte er die Kata „Gekisai Dai Ichi“ und „Gekisai Dai Ni“, aber die Tensho Kata blieb sein Meisterstück.
Im Jahre 1921 besuchte der Kaiser Hirohito (damals Kronprinz) Okinawa. Es wurde ihm zu Ehren ein grosser Empfang mit Naha Te und Shuri Te Vorführungen gegeben, die den Kaiser sehr beeindruckten und die Verbreitung und den Bekanntheitsgrad von Karate in Japan stark förderte. Schon zu dieser Zeit sagte Miyagi Sensei die weltweite Verbreitung von Karate voraus. Um seine ursprüngliche und kulturellen Werte zu sichern, gründete Miyagi Sensei 1926 den Karate Research Club in Naha. Dieser Club wurde von den höchsten Meistern der verschiedenen Stilrichtungen gemeinsam zu Wahrung der Gesamtinteressen gegründet:
Miyagi Chojun Sensei von Nana Te
Hanashiro Chomo Sensei von Shuro Te
Mabuni Kenwa Sensei von Tomari Te und Shuri Te
In diesem Club wurden die Schüler abwechselnd von diesen Lehrern im praktischen Training und in der geschichtlichen Entwicklung der Kampfkünste unterrichtet. Durch Vorführungen bei verschiedenen Anlässen wurde Karate immer bekannter. Im Jahre 1930, im Rahmen der Inthronisationsfeier von Kaiser Hirohito, wurde ein All Japan Martial Art Wettkampf durchgeführt, bei dem Shinzato Jin’an Sensei, ein Schüler von Miyagi Sensei, eine Kata vorführte. Nach der beeindruckenden Vorführung wurde er von einem Kobudo Meister gefragt, welcher Schule (Stilrichtung) er angehöre. Shinzato Sensei konnte diese Frage nicht genau genug beantworten und berichtete darüber Miyagi Sensei nach seiner Rückkehr nach Okinawa.
Nach längeren Überlegungen entschied sich Miyagi Sensei gemäss den Prinzipien im traditionellen Kempo für Goju Ryu (hart und sanft), womit er als erster Karatemeister seiner Stilrichtung einen speziellen Namen gab. Im Jahre 1933 wurde Goju Ryu im Butoku Kai der Japanesse Martial Arts Association als eigene Stilrichtung offiziell registriert.
In der Folge übte Miyagi Sensei Lehrtätigkeiten im In- und Ausland aus und pflegte Kontakte zu verschiedenen Universitäten, Kulturinstitutionen etc. und verbesserte Goju Ryu durch Anwendungen moderner, wissenschaftlicher Trainingsmethoden.
Während der Zeit des 2. Weltkrieges, 1940 – 1944, musste das regelmässige Karatetraining eingestellt werden. Im Jahre 1946 wurde Miyagi Sensei Direktor der Okinawas Civil Association of Physical Education, und er begann Karate an der Polizeiakademie in Okinawa uns später in Westjapan zu lehren.
Im Jahre 1953 starb Chojun Miyagi Sensei. Sein Nachfolger in Okinawa wurde Meitoku Yagi Sensei, während in Japan Gogen Yamaguchi Sensei für die weitere Verbreitung von Goju Ryu sorgte.
Gogen Yamaguchi Sensei, der Gründer und Chefinstruktor des Ritsumeikan University Karate Club in Kyoto, Japan, hatte bereits im Jahre 1929 Miyagi Sensei nach Japan eingeladen und wesentlich zur Verbreitung von Goju Ryu in Japan beigetragen. Unter anderem bestand ein bedeutender Schritt darin, dass die Zentrale der All Japan Karate Do Goju Kai Organisation in Tokio errichtet wurde.
Gogen Yamaguchi Sensei wurde im Jahre 1909 in Kagoshima, Südjapan, geboren. Er ist einer der Begründer des Jiyu Kumite (freier Wettkampf), welches eine Grundlage für den sportlichen Wettkampf ist.
Ein wesentlicher Erfolg Yamaguchi Senseis war die Vereinigung verschiedener Karateschulen bzw. Stilrichtungen in der All Japan Karate Federation im Jahre 1964. Wesentlich zur Etablierung und Verbreitung von Goju Ryu Karate trug Norimi Gosei Yamaguchi Sensei in den USA bei. Bereits im Jahre 1965 wurde der Goju Kai Karate Do, USA, als Teil des Internationalen Karate Do Goju Kai gegründet und die ersten Nationalen Wettkämpfe im Jahre 1966 durchgeführt. Im Jahre 1972 war Gosei Yamaguchi Chefinstruktor des Goju Kai Karate Do, USA.