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Die Gründung
Obwohl offensichtlich das Gründungsprotokoll des Musikvereins Berneck beim Dorfbrand 1848 den Flammen zum Opfer gefallen ist, benennt eine Notiz im Protokoll von 1842 das Gründungsjahr des Musikvereins Berneck auf 1819. Anfänglich rekrutierte der Verein seine Mitglieder aus beiden Konfessionen. Die Namen der Gründer, J. Kurer, Stalden; Jakob Forster, Buchholz; Michael Anton Forster; Friedensrichter Schelling und Kreisammann Frei deuten darauf hin. Dem Musikverein Berneck blieben in den Anfangsjahren und bis hinein in das 20. Jahrhundert Krisen und Schwierigkeiten nicht erspart. Die Protokolle reden von grossen Stimmungswechseln, von unbegründeten Austritten, die den Fortbestand ernsthaft bedrohten und sogar mehr als einmal die zeitweilige kurze Auflösung herbeiführten. Besonders die Mitwirkung bei den zahlreichen kirchlichen Anlässen führte in den späteren Jahren zu Schwierigkeiten, sodass die Protestanten aus der Gesellschaft austraten. Bei der Gründung und bis zum Jahre 1884 sprechen die Protokolle von der Feldmusikgesellschaft, später nur noch von der Feldmusik. Der Verein nannte lange Jahre die katholische Kirchgemeinde als Trägerschaft, bis dann im Spätherbst 1931 der Musikverein Berneck als neutraler und paritätischer Verein aus der damaligen halbparitätischen Feldmusik und der paritätischen Eintracht hervorging.
Busse für versäumte Proben
Ja nach dem Mitgliederbestand wurde in den ersten Jahren auf „türkisch“ musiziert: Blech und „Klarnetto, Flaute, Bickolo, Fagotto“, hiessen damals die entsprechenden Instrumente. Oder aber es stand nur das Blech im Vordergrund mit „Ventildrompeten, Infenzionsdrompeten, Posaunen, Hörner, Bumberdon, Trommeln und Dällern“. Selbstverständlich mussten auch Vereinsbeiträge berappt werden: Die monatliche „Anlage“ in die Kasse betrug im Jahre 1842 laut „Gesetz“, heute Statuten, vier Kreuzer. Für eine versäumte Probe musste eine Busse von sechs Kreuzern in die Vereinskasse entrichtet werden. Als Probelokal diente in den ersten Jahren jeweils eine Wirtschaft, später dann wurde die Probenarbeit auf den Sonntag verlegt, man traf sich nach dem Gottesdienst im katholischen Schulhaus.
Die Instrumente waren in der Gründungszeit Eigentum der Musikanten. Schon im Jahre 1842 wird jedoch vom Eigentum der Gesellschaft gesprochen. Dann kamen die Militärtrompeter, die, wie es in einem Protokoll heisst, „ihr Bundesinstrument wollen selber blasen“. Nach und nach rang man sich durch, „einen Umgang im Dorf“ zu machen, um die finanziellen Schwierigkeiten zu überbrücken. Andere Schriftstücke besagen, dass die neu angeschafften Instrumente Eigentum der katholischen Kirchgemeinde wurden. Sie wird auch klar, dass gerade die Eigentumsverhältnisse oft zur Ursache von Zwistigkeiten führten.
Vielfältige Verpflichtungen
Schon im vorherigen Jahrhundert wusste man die Gesellschaft zu pflegen. Die Protokolle aus jener Zeit geben uns ein Bild, was damals so alles für Festivitäten stattfanden. Wir lesen, wie jährlich bis zur Jahrhundertwende die Patronin der Musica, Sancta Caecilia, gefeiert wurde. Der ganze Tag wurde festlich begangen und am Abend hatte dann jeder Musikant über 18 Jahre mit seiner Tänzerin zu erscheinen. Bei Unterlassung dieser Aufforderung bekam der „Schuldige“ eine Busse von einem Liter Rotwein aufgebrummt. Frohes Leben brachten auch die mehr oder weniger „bedeutenden Auszüge“ in die Dörfer der weiteren Heimat oder gar über die Grenze. Orte wie Bad Ragaz, St. Gallen, Bregenz, Konstanz und Lindau waren Reiseziele noch im letzten Jahrhundert. Bedeutende Auftritte bescherte der Musik von Berneck jeweils die Bezirksgemeinde, mussten doch damals die Herren musikalisch auf den Stuhl begleitet werden. 1858 war der Musikverein bei der Eröffnung der Eisenbahn verpflichtet, 1871 wurde den 195 internierten Franzosen ein Konzert gegeben und anschliessend auf ihrem Heimweg nach Heerbrugg begleitet. In die vielfältigen Verpflichtungen reihte sich schon im letzten Jahrhundert die Mitwirkung an grossen Festspielaufführungen oder die Inszenierung von Theateraufführungen. So gingen im Jahre 1898 zur Erinnerung an die Befreiung des Rheintals (100-Jahr-Jubiläum) und im Jahre 1903 zur Erinnerung an die Gründung des Kantons St. Gallen Werke über die Bühne, in denen der Musikverein Berneck seine grossen Auftritte hatte. Aber auch an Theateraufführungen wagte man sich schon in früheren Jahren. So wurde die „Hexe von Gäbisdorf“ 1884 sechsmal, „Ida von Toggenburg“ 1897 gar siebenmal aufgeführt. Die beiden Stücke brachten nicht nur breite Anerkennung, sondern auch klingende Erfolge.
Erster Vereinsabend im Jahr 1887
Die Vereinsabende hatten im letzten Jahrhundert einen hohen Stellenwert. Der erste Vereinsabend, vorerst für die Passivmitglieder gedacht, wird im Jahre 1887 vermerkt. Der Erfolg muss so gross gewesen sein, dass die „gediegenen Unterhaltungen“ zweimal die Säle zu den „Eidgenossen“ zu füllen vermochten. Viele Traditionen haben sich verändert, nicht jedoch die Grundwerte der Vereinsabende, die bis zum heutigen Tag ihre grosse Bedeutung für den Musikverein Berneck beibehalten haben. Mancher Vereinsabend unter den verschiedenartigsten Direktionen geht in seiner Art, in seiner Ausstrahlung in die reichhaltige Geschichte des Vereins ein. Sie zu werten, würde einerseits den Rahmen sprengen und wäre andererseits ein Ding der Unmöglichkeit, weil jeder Vereins- oder Unterhaltungsabend eben seine eigene Geschichte hat.
Musikfeste: Höhepunkte im Vereinsleben
Von einem Verbandswesen kann in den Gründungszeiten des Musikvereins Berneck wohl noch keine Rede gewesen sein, nehmen die Annalen doch erstmals in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts Bezug auf den Ostschweizerischen und Rheintalischen Musikverband. Im Jahre 1888 nimmt der Musikverein Berneck als Premiere am Ostschweizerischen Musikfest in Winterthur teil. Der erste in der Geschichte erwähnte Lorbeerkranz holten sich die Musikanten am Rheintalischen Musikfest 1912 in Widnau. Dieser Erfolg dürfte Ansporn für weitere Grosstaten gewesen sein, denn schon ein Jahr später konnte am Musikfest im vorarlbergischen Hard der zweite Lorbeer an die Vereinsfahne geheftet werden. Höhepunkte des Vereinsjahrs 1931 bildete das Eidgenössische Musikfest in der Bundeshauptstadt Bern: erstmals in der Vereinsgeschichte wurde ein derartiger Anlass besucht. Gross war dann die Freude, als das Kampfgericht den „nur mit Mütze und einheitlicher Cravatte“ uniformierten Berneckern in der vierten Klasse den ersten Lorbeer mit Becher überreichte. Der Verein setzte dann seine guten Leistungen an Eidgenössischen Musikfesten fort und stellvertretend dafür sei vom Eidgenössischen im Jahre 1957 in Zürich die Kritik zitiert:
„Berneck trug das Selbstwahlstück Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt vor und als Aufgabenstück Festliche Ouvertüren von Stephan Jaeggi. Man hörte Leistungen, die sich wahrlich sehen lassen durften. Berneck mit seiner Rhapsodie unter Franz Hagen hätte ebenso gut in der Höchstklasse spielen dürfen. Die Bernecker hinterliessen einen ausgezeichneten Eindruck. Die Marschmusik bot eine ausgezeichnete musikalische und militärische Leistung.“ Mit dieser Bewertung holten sich die Bernecker, wie an früheren Eidgenössischen Musikfesten auch schon, Goldlorbeer. Auch in jüngerer Vergangenheit spornten Eidgenössische Musikfeste zu besonderem Effort an. Allerdings lief es nicht immer so rund, wie man sich das gerne vorgestellt hätte. In Luzern, im Jahre 1971, reichte es nicht ganz zum „vorzüglich“, im Protokoll der Hauptversammlung übte man sich in Selbstkritik, in dem der Präsident ausführte: „Verglichen mit den Vorbereitungen auf frühere Feste müssen wir uns eingestehen, dass wir bestimmt nicht das Äusserste hergegeben haben. Allein die Tatsache, dass an keiner Probe alle Musikanten anwesend waren, ist Grund genug, bei der Suche nach einer schwachen Stelle in sich zu gehen.“
Positiver tönte es aus dem Jahresbericht des Präsidenten, als es das Eidgenössische Musikfest 1986 in Winterthur zu werten galt: „Mit unserem Dirigenten Richard Seitz konkurrierten wir dort zum ersten Mal in der zweiten Stärkeklasse. Viel Probenarbeit und eine ganz besondere Leistung des Dirigenten waren Voraussetzung für das gute Gelingen und das erfreuliche Resultat, das wir in Winterthur erreicht haben. In dem wir unserem Dirigenten für seine Arbeit recht herzlich danken, dürfen wir auch einen Moment lang stolz auf uns selber sein.“ Aufbauend auf der guten Leistung in Winterthur, erspielte sich der Verein unter der Leitung seines einheimischen Dirigenten Richard Seitz 1989 am St. Gallischen Kantonal-Musikfest in Gossau den Festsieg in der 2. Stärkeklasse. Dieser Erfolg darf ohne Zweifel als der grösste der jüngeren Vereinsgeschichte betrachtet werden.
Die Uniform
Aus der Geschichte geht hervor, dass sich der Musikverein Berneck bereits in der Mitte des letzten Jahrhunderts einheitlich kleidete: Es war der Dreispitz und später die jahrelang vorherrschende Jägeruniform (grüner Frack und Hose, weisses Hemd und Jägerhut). Es dauerte dann Jahrzehnte, bis zum Jahre 1933, als sich der Verein einige Uniformen vorlegen liess und noch im gleichen Jahr die Anschaffung einer neuen Uniform beschloss. Die damaligen Kosten pro Uniform (Zivilveston, Hosen, Gilet und Mütze) beliefen sich auf 125 Franken. Die Gesamtkosten von rund 4000 Franken wurden durch eine Haussammlung, Beiträge von Gönnern und der Verpflichtung der einzelnen Musikanten bestritten. 20 Jahre später wurde ein Uniformfonds angelegt und dank einer zusätzlichen Subvention der Gemeinde in der Höhe von 3000 Franken konnte auf das Eidgenössische Musikfest 1957 die zweite in Schnitt und Farbe ähnliche Uniform angeschafft werden. Die Kosten für 47 Uniformen betrugen damals rund 15 000 Franken. Am 5. Mai 1979 schliesslich durfte der Musikverein Berneck in einem feierlichen Festakt der Dorfbevölkerung die dritte neue Uniform vorstellen. Wiederum wurde die Uniform hauptsächlich durch eine erfolgreich verlaufene Sammelaktion finanziert. Anlässlich der Kreismusiktage 2013 die in Berneck durchgeführt worden sind, durfte der MV Berneck nach 34Jahren seine Uniform erneuern.
2’300 Franken für erste Neuinstrumentierung…
Wie schon erwähnt, waren im letzten Jahrhundert die Instrumente oft Eigentum der Musikanten, später dann schaffte sich der Verein diese an. Von der ersten Neuinstrumentierung ist im Jahre 1923 die Rede. Damals konnten unter grosser Mithilfe der Gemeinde die neuen Instrumente angeschafft werden, wobei sich die Kosten mit 2300 Franken für heutige Verhältnisse geradezu „billig“ anhören. Knapp 50 Jahre später, im Jahre 1970, konnte der Präsident die längst notwendige Neuinstrumentierung in seinem Jahresbericht kommentieren: „Niemand wagte zu glauben, das gesteckte Ziel (der Neuinstrumentierung) zu erreichen. Umso grösser war die Freude, bei der ganzen Bevölkerung eine so grosse Hilfsbereitschaft zu finden. Der Instrumentenfonds weist heute rund 45 000 Franken auf, gebildet aus dem Vorschlag des Jubiläumsfestes und den Sammlungen bei der Bevölkerung, Industrie und Kooperationen.“ Am 15. Januar 1972 präsentierten die Musikanten ihre neuen Instrumente erstmals den Passivmitgliedern und Freunden des Vereins.
Fahnenweihen
Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein kleines Banner der Gesellschaft vorangetragen. Im Jahre 1900 kam es zur ersten Fahnenweihe: Am 20. Mai trugen „sechs als Zwerge und sechs in weiss gekleidete Mädchen die neue Vereinsfahne auf das Podium, wo sie vom Festredner, Advokat Schöbi aus Altstätten, feierlich enthüllt wurde. Den Fahnenmarsch spielte die Patensektion Au. Knapp 50 Jahre später, am 30. Mai 1948, hatte die Fahne endgültig ausgedient und konnte zur Seite gestellt werden. Ein neues Banner, mit Traube und Waldhorn im Bilde, konnte von Dr. Schöbi, Au, an den Musikverein übergeben werden. Patensektion war wiederum die Konkordia Au.
Das Vereinsjahr 1986 hatte nebst dem Besuch des Eidgenössischen Musikfestes in Winterthur einen weiteren, ganz besonderen Höhepunkt: die Fahnenweihe. Wie aus dem Protokoll zu entnehmen ist, wurde die „finanzielle Seite für den Musikverein“ von der Fahnengotte und dem Fahnengötti, Elfi Frei und Werner Federer, geregelt. In seinem Bericht an der Hauptversammlung erinnerte Präsident Albert Sonderegger in markigen Worten an die Fahnentreue: „Haltet die Treue zu unserer Vereinsfahne. Nehmt sie ernst. Seid Euch bewusst, dass, wenn man sich zum Mitmachen in einem Verein entschlossen hat, sich gleichzeitig auch gewisse Pflichten auferlegt hat. Diese Pflichten beginnen schon beim Mithelfen von allgemeinen, organisatorischen Arbeiten, die immer wieder anfallen. Auch der Probenbesuch, der nur bei einer wirklichen Entschuldigung ausgelassen werden darf, ist eine Pflicht des Musikanten (….). Die neue Vereinsfahne soll uns aber auch ein Zeichen der Kameradschaft sein. Sie soll uns zusammenhalten, wie es der auf ihr abgebildete Rebstock mit der durch die Säule dargestellten Gemeinschaft tut. Wenn wir diese Idee ernst nehmen, werden wir grosse Leistungen vollbringen können und miteinander viele frohe und gemütliche Stunden erleben.“
2’000 Eintritte an der 100-Jahr-Feier
Der Erste Weltkrieg und die nachfolgenden Krisen waren Schuld daran, dass die 100-Jahr-Feier des Vereins erst im Jahre 1927 begangen werden konnte. Es war ein eigentliches Volksfest, das damals in Berneck stattfand und in der Chronik entsprechend beschrieben wird: „Ein strahlender Sonntag war angebrochen, Tagwache durch’s Dorf um 04.30 Uhr, um 10 Uhr trat die Stadtmusik St. Gallen per Car hier ein und gab unter der Direktion von Hans Heusser auf dem Rathausplatz ein Frühkonzert. Der Festakt vollzog sich im Saale des „Hirschen“, wo nebst der Jubilarin sich die geladenen Gäste zum Bankett einfanden. Die Festansprache hielt der Kantonalpräsident, Prof. Dr. Rütschi aus St. Gallen. Ein farbenfroher Umzug durch die dichtbesetzten Strassen und hinauf auf den herrlichen Festplatz. Angeführt von Reitern, gefolgt von der Stadtmusik, einer Gruppe Jägern, den singenden Singvögeln, den Nachtmusikanten, den frohen Sennen, den Berner Stadtmusikanten, der Veteranenmusik in Biedermeiertracht, der Damenkapelle in weisser Stickereirobe, aufgelockert in vielen geschmückten Wagen, alles in allen: es war ein humoristisch-origineller grosser Festumzug. Es hat sich erwiesen, dass Berneck immer noch Zugkraft eines vortrefflichen Festortes hat. Der Massenaufmarsch war so gross, dass die Plätze sehr rar waren, begreiflich, wurden doch am Nachmittag über 2000 Eintrittskarten gelöst.“ Erstmals, als Uraufführung, hörten die Besucher an diesem Jubiläumsfest den „Pilot Mittelholzer-Marsch“ von Hans Heusser.
Allerdings war dieser Freudentag durch ein tragisches Ereignis überschattet worden: Kaum auf dem Festplatz mit dem Umzug angelangt, verschied durch einen Herzschlag der Gemeinderat und langjährige Dirigent Josef Kurer vom Wäseli.
Anfangs Mai 1969 konnte der Musikverein Berneck stolz auf sein 150-jähriges Bestehen zurückblicken. Den Auftakt zu diesem Jubiläumswochenende bildete am Freitag eine Tanzparty im Festzelt, während der Samstagabend unter dem Motto „Mit Musik durchs Leben“ im Zeichen der Unterhaltungsmusik stand. Nebst der Jubilarin wirkten auch die Damenriege, der Turnverein und der Männerchor Harmonie Berneck mit. Auf dem Programm stand zudem der Auftritt der einheimischen Schlagersängerin Irma Federer. Der Jubiläumsakt ging am Sonntagnachmittag über die Bühne, wobei der Präsident des kantonalen Musikverbandes, Josef Strässle aus Kirchberg, die offizielle Festansprache hielt. Der Höhepunkt in diesem Vereinsjahr wurde damals vom Präsidenten, Viktor Pfister, als „ein eindrucksvolles Zeugnis unserer Tatkraft und des Lebenswillens unseres Vereins“ gewürdigt.
Vom 23. bis 25. September 1994 feierte der Musikverein bei herrlichem Herbstwetter das 175 Jahr-Jubiläum mit Festzelt auf der Hirschenwiese. Unter der Leitung eines elfköpfigen Organisationskomitees mit OK-Präsident und Gemeindammann Jakob Schegg hat der Musikverein Berneck einmal mehr seine Leistungskraft unter Beweis gestellt. Alle Freunde der Blasmusik kamen voll auf ihre Rechnung: Konzert des Militärspiels, Jungmusikantentreffen, Jubiläumsabend, Aufmarsch auf der Neugass, Sonntagskonzerte der befreundeten Gast-Musikvereine – alles unter dem Motto „Musik und Bernecker Wein“. Der Musikverein wurde dabei tatkräftig unterstützt durch die Rebbaugenossenschaft, die Weinproduzenten, die Damenriege, den Blauring, den Samariterverein und die Feuerwehr sowie viele weitere Helfer, Gönner und Spender. Auch wenn der finanzielle Erfolg sehr mässig war und unter den budgetierten lag, blickte der Musikverein befriedigt und mit Freude und Stolz auf seinen gelungenen Geburtstag zurück.
10 Jahre später, im Jahre 2004, konnte ein erstes Ehemaligentreffen mit grossem Erfolg durchgeführt werden. Während des ganzen Kilbisonntags präsentierte der Musikverein im Festzelt auf der Hirschenwiese einen bunten musikalischen Blumenstrauss mit Auftritten der Jugendmusik, Buuremusig Berneck, der eingeladenen ehemaligen Mitglieder, der Beginner-Bänd sowie natürlich auch des Musikvereins selber.
Reisen: Höhepunkte im Vereinsleben
Von Reisen war schon kurz die Rede. Trotzdem gilt es diese Höhepunkte eines jeden Vereinslebens nochmals zu erwähnen, bilden sie doch immer auch Gegenstand von Berichterstattungen des Präsidenten. Jede Vereinsreise hat wiederum ihre speziellen Anekdoten, die nur weitererzählen kann, wer auch tatsächlich dabeigewesen ist. Während in früheren Jahren die nähere und weitere Umgebung als Reiseziele dienten, ging’s dann im Verlaufe der Zeit immer weiter. So erzählt die Chronik von einer Reise im Jahre 1901 auf den Rigi: In Zürich wurde für Fr. 1.20 das Mittagessen eingenommen, abends traf die Reisegesellschaft in Arth-Goldau ein. Zu Fuss erklommen die wackeren Musikanten in später Abendstunde den Rigi, den sie schliesslich um 04.00 Uhr erreichten. Das nächste Ziel der Wanderung hiess Wäggis, wo für Fr. 1.– im „Ochsen“ genächtigt wurde. In der Mitte des Jahrhunderts hiessen die Reiseziele u.a. Graubünden, Berner Oberland, Innerschweiz und Saulgau. Später dann, in den sechziger Jahren, besuchte der Musikverein das Südtirol und die Städte München, Salzburg und Innsbruck. In jüngerer Zeit hatten „Auslandreisen“ offensichtlich grösseren Anklang gefunden, standen doch u.a. das Elsass, Bayern, das Mont-Blanc-Gebiet oder Nürnberg auf dem Programm.
Von Probe- und anderen Lokalen
Der Musikverein mühte sich im Verlaufe seiner langjährigen Geschichte auch immer wieder mit verschiedenen Lokalitäten herum. Probelokale, Lokale für Vereinsanlässe wie Unterhaltungsabende, Muma-Ball usw. mussten oftmals neu geregelt werden. So war im Vereinsjahr 1976, genau genommen am 10. Januar, die Einweihung des neuen Probelokals ein Meilenstein in der jüngeren Geschichte des Vereins. Dieses Probelokal im 1. Stock des „Hirschens“ wurde in Fronarbeit erstellt. Zeitweise wurden dabei die Mitglieder bis an die Grenze des zumutbaren eingespannt, waren am Ende jedoch sehr stolz auf ihr gelungenes Werk. Nach dem Verkauf des Hirschens und der nachfolgenden Kündigung des neuen Besitzers musste ein neues Probelokal gesucht werden. Die Politische Gemeinde Berneck stellte uns schliesslich den obersten Stock des alten Sekundarschulhauses an der Kirchgass 2 zur Verfügung, welcher nun seit Oktober 2005 unser neues Zuhause ist.
Der Muma-Ball gehörte jahrzehntelang zum traditionellen Fasnachtsbild der Region. Lange Zeit im „Ochsensaal“ durchgeführt, fand er im Jahre 1989 erstmals in der Büntturnhalle statt. Dies bedeutete nicht nur die 40. Durchführung des Balls, sondern auch einen ganz besonderen Einsatz, musste doch die ganze Infrastruktur neu zusammengetragen und aufgebaut werden. Ein Jahr später musste auch der Unterhaltungsabend „zügeln“, neuer Austragungsort wurde die Stäpfli-Turnhalle. Für diesen Anlass mussten „grosse Vorbereitungsarbeiten geleistet werden, um unserer Dorfbevölkerung und den interessierten Auswärtigen einen angenehmen und schönen Abend zu bieten“. Da bei immer grösser werdendem Aufwand der finanzielle Gewinn des traditionellen Muma-Balls leider ausblieb und die alte Büntturnhalle nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entsprach, wurde er im Jahre 2002 zum letzten Mal durchgeführt. Eine grosse Erleichterung für den Musikverein war der Bau der neuen Mehrzweckhalle Bünt mit bestehender Bühne, welche im November 2007 feierlich eröffnet wurde und einige Wochen später bereits der erste Unterhaltungsabend darin stattfand.
Freunde und Gönner
In einer Vereinsgeschichte, die schon 190 Jahre dauert, haben einerseits Mitglieder, andererseits Freunde und Gönner einen hohen Stellenwert. Augenfällig wie lange die einzelnen Präsidenten das Vereinsschiff im Durchschnitt führten; seit dem offiziellen Aufschrieb von 1897 bis zum heutigen Datum waren es lediglich 12 Präsidenten, die sich um das Wohle des Vereins kümmerten. Dabei tritt automatisch ein Name in den Vordergrund, der für den Verein eine ganz wesentliche Rolle gespielt hat: Dr. Karl Würth. Er leitete die Geschicke des Vereins während 34 Jahren, von 1928 bis 1962. Mit grosser Energie ist es ihm im Jahre 1931 gelungen, die damals seit drei Jahren bestehenden Musikvereine, Feldmusik und Eintracht, zu einem Musikverein zu integrieren. Im Kantonalvorstand amtete Dr. Karl Würth zudem als Vizepräsident, im Kreisverband lange Jahre als Präsident. Dr. Karl Würth verstarb im Jahre 1972. Auch mit dem Namen Franz Hagen wäre eine abwechslungsreiche Geschichte zu erzählen. Er übernahm 1927 den Dirigentenstab von seinem Landsmann Engelbert Helbock, wurde 1938 an die Front nach Dänemark und mit den Truppen Hitlers bis nach Paris geschickt. Im Jahre 1941 hörte der Verein erstmals wieder von Franz Hagen. 1945 dirigierte Hagen das Konzert am Silvesterabend, im Jahre 1959 verstarb der Dirigent an den Folgen eines Unfalles. Nachfolger wurde sein Sohn Hermann Hagen.
Der Musikverein Berneck – im Wandel der Zeit
Vieles hat sich im Laufe der Jahre verändert. Auch die Wertvorstellung ist nicht mehr die gleiche. Neue Strömungen und Trends kommen so schnell, dass man fast darin ertrinken mag. Auch die Musikszene hat sich gewandelt und mit ihr die Blasmusik. Arrangements aus Unterhaltungsmusik sowie Rock und Pop gehören heute ebenso zum Repertoire wie Original-Blasmusikkompositionen und natürlich volkstümliche Klänge. Der Musikverein Berneck will sich auch künftig dem Neuen nicht verschliessen, aber ebenso die Traditionelle bewahren. Die Erhaltung des wertvollen Kulturgutes „Blasmusik“, die musikalische Förderung und Erziehung der interessierten Dorfjugend und nicht zuletzt die Pflege einer guten Kameradschaft über alle Altersstufen sind die hohen Zielsetzungen, denen der Verein auch in den kommenden Jahren nachleben will. Die vielfältige und stets grosszügige Unterstützung durch Dorf und Bevölkerung sind für die Musikanten – ob alt oder jung – Rückhalt und Motivation zugleich, sich auch künftig „der Musik und dem Dorf verpflichtet“ zu wissen.