Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/25841

<h2>SubmittedText<h2><p>Angesichts des Todes sind die Menschen in diesem Land nicht alle gleich. Zwar bezahlen alle prozentual die gleichen AHV-Beiträge, aber der Beruf wirkt sich in einem solchen Ausmass auf ihre Lebenserwartung aus, dass manche von ihnen beinahe eine Befreiung von der AHV-Pflicht verdienen würden, werden sie doch laut Statistik ziemlich sicher nur kurz, wenn überhaupt, in den Genuss der Rente kommen.</p><p>Ist es nicht an der Zeit, diese Statistik für die neuen Regelungen bei der nächsten Revision des AHV-Gesetzes zu berücksichtigen? Man kann nicht mehr darüber hinwegsehen, dass die Sterblichkeit der Männer unter 74 in den Berufen des Baugewerbes 1,6 Mal höher ist als beispielsweise in den freiberuflichen Tätigkeiten.</p><p>Gerade diejenigen unter unseren Mitbürgern, die besonders harte Arbeitsbedingungen hatten und sich ein Leben lang mit einem tiefen Lohn abfinden mussten, haben oft nur wenige Jahre als Pensionierte vor sich, während die Freiberuflichen, die gute Löhne erzielten und angenehme Arbeitsbedingungen hatten, darüber hinaus noch einen sehr langen Lebensabend geniessen dürfen. Ist es akzeptabel, dass das AHV-Gesetz dieser Ungerechtigkeit nicht Rechnung trägt?</p><p>Wenn wir den Sterblichkeitsraten nach Berufen Rechnung tragen, müsste dies dazu führen, dass die Beitragsjahre ein grösseres Gewicht erhalten. Auf diese Weise könnten diejenigen, die in sehr jungen Jahren ins Berufsleben eingetreten sind - und genau sie sind es, die die kürzeste Lebenserwartung haben -, früher Anspruch auf die Rente erhalten.</p><p>Wir stellen deshalb dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>- Wäre es nicht angebracht, dass das Bundesamt für Statistik der Lebenserwartung von Männern und Frauen über 60 nach Berufskategorien eine besondere Untersuchung widmet?</p><p>- Ist der Bundesrat bereit, eine solche Untersuchung in Auftrag zu geben, falls er diese Frage bejaht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Ungleichheit der Menschen angesichts des Todes und der Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die Lebenserwartung lassen sich aus den gegenwärtig verfügbaren statistischen Daten ablesen. Ihre genauen Ursachen und Wirkungen sind jedoch wenig bekannt.</p><p></p><p>Die relative Sterblichkeitsrate weist für die einzelnen Berufskategorien unterschiedliche Risikofaktoren aus. Sie ist für den Bausektor am höchsten und für die freien Berufe am niedrigsten. Dies gibt zu der Vermutung Anlass, dass spezielle Arbeitsbedingungen z.B. im Zusammenhang mit beschwerlichen Tätigkeiten oder dem Umgang mit gefährlichen Stoffen Auswirkungen auf die Lebenserwartung beim Austritt aus dem Erwerbsleben haben.</p><p></p><p>Die gegenwärtig verfügbaren Daten stammen aus der Statistik über die Todesfälle und die Todesursachen. Sie reichen für eine spezifische Studie zum angesprochenen Thema nicht aus. Informationen wie der "zuletzt ausgeübte Beruf" oder die "Art des Betriebs" geben weder Aufschluss über die verschiedenen beruflichen Tätigkeiten der verstorbenen Person während ihres Erwerbslebens noch über spezifische Risikofaktoren, denen diese Person ausgesetzt war.</p><p></p><p>Weiter sei darauf hingewiesen, dass die berufliche Tätigkeit und ihre gesundheitsschädigenden Wirkungen nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die Lebensqualität der betroffenen Personen beeinflussen. Der letztgenannte Punkt sollte ebenfalls in die Beurteilung des Bedarfs und des Ausmasses an Solidarität gegenüber den älteren Generationen unserer Gesellschaft einfliessen. Für die Analyse des Einflusses der beruflichen Laufbahn auf die Lebensdauer und -qualität ist allerdings eine vertiefte Studie notwendig.</p><p></p><p>Der Bundesrat ist grundsätzlich damit einverstanden, dass der Informationsstand im angesprochenen Bereich zu verbessern ist. Weil die für die genannte Studie erforderlichen Mittel nur unzureichend vorhanden sind, wird das Bundesamt für Statistik eine Kooperation mit der (universitären) Wissenschaft anstreben.</p>  Antwort des Bundesrates.