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Mindestens 100 Millionen Franken muss man besitzen, um es in die Liste der 300 Reichsten Schweizer zu schaffen. Bloss: Wie wird man so reich? Welche Ausbildung haben Menschen gemacht, die heute Millionen oder gar Milliarden scheffeln? Aufschluss gibt ein Blick in die Reichstenliste.
Beispiel Jorge Lemann. Der schweizerisch-brasilianische Multimilliardär hat es im Laufe seines bisherigen Arbeitslebens auf mehr als 22 Milliarden Franken gebracht. In der Reichstenliste ist er damit seit Jahren unter den Top-Platzierungen zu finden.
Abschluss von Eliteuniversität
Den Grundstein seines Erfolges legte Lemann an der Eliteuniversität Havard, wo er Ökonomie studierte. «Dort lernte ich, dass man grosse Träume haben muss, Dinge aufs Wesentliche reduzieren muss – und voll aufs Personal setzen muss.»
Entsprechend gründete Lemann 1971 seine erste Firma, Garantia, eine Investmentbank, aus ihr wollte er nichts weniger als das Goldman Sachs Brasiliens machen. Über Jahre baute er gute Beziehungen zu Unternehmen auf und übernahm schliesslich 1989 Brahma, den grössten brasilianischen Brauereikonzern. Heute ist sein Private-Equity-Fonds 3G ein weltweites Lebensmittelimperium, das von Bier und Softdrinks über Pommes frites und Burger bis zu Ketchup und Chips weltweit zu den Grössten zählt.
Patrick Drahi, seines Zeichens Telekom-Mogul, schlug einen anderen, nicht weniger erfolgreichen Weg ein. Auch er findet sich mit einem Privatvermögen in Höhe von mehr als 11 Milliarden Franken regelmässig in den Top Ten der 300 Reichsten wieder.
Mit 15 siedelte der in Marokko geborene Sohn zweier Mathematiklehrer mit seiner Familie nach Frankreich über. In der Schule übersprang er Klassen, studierte später an der Elitehochschule École Polytechnique und wurde Elektroingenieur.
Er heuerte beim dänischen Elektronikkonzern Philips NV an, ehe er begann, Kabelbetreiber in ganz Frankreich aufzukaufen und innerhalb weniger Jahre zu einem Big Player auf dem Telekommunikations- und Medienmarkt auftsieg. Heute steht der Wahlwalliser, der seit 1999 in der Schweiz lebt, an der Spitze eines Finanzimperiums, das sich von Telekommunikation über Presse bis zu Kunst erstreckt. Sein letzter grosser Coup: 2019 kaufte er das Auktionshaus Sotheby's. Der Preis: 3,7 Milliarden Dollar.
«Ausbildung in Ökonomie brachte mir viel»
Zur Spezies der Selfmade-Milliardäre gehört auch Martin Ebner. Nach dem Beinahebankrott seiner BZ-Gruppe im Jahr 2003 hat sich der legendäre Schwyzer Investor und «Shareholder-Value»-Prediger heute wieder ein stattliches Beteiligungsportfolio aufgebaut; sein Vermögen beläuft sich auf mehr als 2 Milliarden Franken.
In Zürich studierte Ebner Rechtswissenschaft, schloss mit magna cum laude ab und studierte danach in den USA Business Administration. «Ich hatte erkannt, dass ich zu wenig von Ökonomie verstand, und wollte dies an der University of Florida nachholen. Die vierjährige Ausbildung in mathematischer Ökonomie brachte mir viel, gerade in Kombination mit dem Jus-Studium aus der Schweiz», sagte Ebner jüngst in einem Interview der NZZ am Sonntag. Nach Stationen bei der Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse) und Vontobel gründete er 1985 schliesslich die BZ Bank.
Ohne akademische Weihen
Dass man nicht zwingend studiert haben muss, um es unter die 300 reichsten Schweizer zu schaffen, beweist Sergio Ermotti. Der Ex-UBS-Lenker startete seine Karriere bis an die Spitze einer der grössten Banken der Welt mit einer Bankausbildung bei der Cornèr Bank in Lugano.
Dabei hatte der Tessiner ursprünglich einen ganz anderen Plan; die Banklehre war nur Mittel zum Zweck, wie er im Interview mit der Schweizer Illustrierten erzählte: «Ich wollte die Ausbildung zum Sportlehrer in Magglingen machen. Dafür brauchte ich einen Abschluss. Die Banklehre war nur als Zwischenstation gedacht. Nach einigen Wochen habe ich aber gemerkt, dass es eigentlich ganz interessant ist bei einer Bank». Es folgten Stationen beim amerikanischen Finanzkonzern Merrill Lynch und beim Geldhaus Unicredit. Als Lohn seiner Arbeit summieren sich heute mehr als 100 Millionen Franken auf seinem Konto.
Aus eigener Kraft zu enormen Wohlstand hat es auch der 2018 verstorbende Ingvar Kamprad geschafft. In nur 50 Jahren hat er mit Ikea einen weltumspannenden Möbel-Konzern geschaffen – und auch er ganz ohne akademische Weihen. Denn Kamprad, der für Jahrzehnte in der Westschweiz seine zweite Heimat fand, absolvierte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann; in dieser Zeit – es schrieb sich das Jahr 1943 – gründete er auch sein Unternehmen.
Reichlich geerbt
Die Früchte seiner Leistung ernten heute seine Erben: Seine drei Söhne, die alle im Besitz des Schweizer Passes sind, haben beim schwedischen Möbelgiganten das Zepter in der Hand. Ihnen hinterliess der Vater ein Erbe, dass heute mehr als 50 Milliarden Franken wert ist. In der Reichstenliste beanspruchen sie damit seit Jahren den ersten Rang für sich.
Das Beispiel der Kamprad-Söhne zeigt – und das ist die schlechte Nachricht: Bei vielen der 300 Reichsten ist der Reichtum aus der Gnade der passenden Geburt resultiert.
Denn die meisten wirklich grossen Vermögen des Landes sind über Generationen aufgebaut worden. Das gilt für die Oeris und Hoffmanns ebenso wie für die Landolts, den Maus-Nordmann-Clan, die Brüder Schmidheiny, die Andrés, die Vontobels, die Bärs, die Bodmers, die Schindlers, die Ringiers – um nur ein paar wenige zu nennen.
Wer ein grosses Vermögen erben kann, der ist meist schon in einem überdurchschnittlich üppigen Umfeld aufgewachsen, bekam die bestmögliche Ausbildung geradezu aufgedrängt und wurde in aller Regel für höhere Aufgaben programmiert. Ihnen obliegt dann die Aufgabe, den Wohlstand zu sichern und womöglich zu mehren.
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