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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Geschichte des Centro svizzero di calcolo scientifico (CSCS) in Manno ist geprägt von ständigen Strategieänderungen, Wechseln in der Führung und Neudefinitionen des Auftrages.</p><p>Die Tessiner Deputation bei den eidgenössischen Räten musste schon mehrmals bei der ETH Zürich oder dem ETH-Rat intervenieren, um sie an die Verpflichtung zu erinnern, das "Swiss National Supercomputing Centre" im Tessin einzurichten und zu führen.</p><p>Im Namen der Tessiner Deputation bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wer hat zugelassen, dass das CSCS vielleicht bald de facto - de iure ist es dies ja noch - nicht mehr das vom Parlament gewünschte Centro nazionale di calcolo für die ganze Schweiz ist?</p><p>2. Welche Stellen haben aufgrund welcher Kompetenzen eine solche Entwicklung zugelassen? Stimmt es, dass die ETH Zürich und Lausanne ihre Supercomputing-Kapazitäten erhöht haben? Wenn ja, in welchem Masse und mit welchen finanziellen Mitteln? Wie wurde dies mit dem CSCS von Manno koordiniert?</p><p>3. Stimmt es, dass der Erwerb des neuen Supercomputers in Lausanne von einem Privatunternehmen entscheidend mitfinanziert wurde? Von wem, in welchem Masse und mit welchen ständigen Kosten für die ETH? Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass es seine Aufgabe wäre, stärker darauf zu achten, dass die Gelder im Einklang mit den Beschlüssen des Parlamentes verwendet werden?</p><p>4. Wer koordiniert und kontrolliert die Strategie zur Entwicklung des Supercomputing in der Schweiz?</p><p>5. Wie wurde nach 2003 die Strategie zur Neulancierung des CSCS umgesetzt, die vorsah, Forschung und Dienstleistungen in das CSCS zu integrieren?</p><p>6. Welche Massnahmen hat der ETH-Rat zur wissenschaftlichen Kontrolle der Umsetzung der neuen CSCS-Strategie ergriffen? Welche Zwischenresultate liegen vor?</p><p>7. Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu ergreifen, damit der in den BFT-Botschaften erteilte Auftrag vollumfänglich erfüllt wird? Wie will er im Rahmen der BFT-Botschaft 2008-2011 für die Konsolidierung dieses Auftrages sorgen und so die Präsenz dieser national und auch international bedeutenden Einrichtung im Tessin sichern?</p><p>In Bezug auf die neusten Entscheide frage ich zudem:</p><p>a. Worauf bezieht sich die laufende Administrativuntersuchung? Wann werden Resultate verfügbar sein? Wann werden diese für das Parlament zugänglich sein?</p><p>b. Wem soll das Gutachten zur Zukunft des Supercomputing in der Schweiz im europäischen Kontext in Auftrag gegeben werden? Falls dies schon feststeht: Wem wurde es in Auftrag gegeben? Wie wird die Objektivität dieses Gutachtens sichergestellt?</p><p>c. Welches ist das Ziel des Gutachtens? Inwiefern wird die Möglichkeit, alle Bereiche des Supercomputing an einem einzigen nationalen Standort zusammenzufassen, in Betracht gezogen?</p><p>d. Wann wird dieses Gutachten fertiggestellt sein? Wann wird es dem Parlament zugänglich sein?</p><p>e. Wann und unter welchen Voraussetzungen wird die Absichtserklärung, wonach das CSCS ganz in die USI verlegt werden soll, in die Tat umgesetzt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In seiner Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 hat der Bundesrat die ETH Zürich in die Pflicht genommen, die Aufgaben, die Trägerschaft und die Finanzierung u. a. des Centro svizzero di calcolo scientifico (CSCS) in Manno zu überprüfen. Die damals unter der Verantwortung des ETH-Rates laufenden Untersuchungen hatten zum Ziel, "die Mission des CSCS als nationales Hochleistungsrechenzentrum zu verstärken und seine Integration im Tessin zu verbessern". Der Bundesrat hat dabei unterstrichen, "dass - unabhängig vom Resultat der Untersuchung - dem Kanton Tessin zugesichert werden sollte, dass er über eine nationale Forschungsinstitution verfügen werde, die der Bedeutung des heutigen CSCS entspricht".</p><p>Im Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Bereich für die Jahre 2004-2007 wurde die gleiche Zielsetzung, das CSCS als internationales und nationales Kompetenzzentrum zu konsolidieren, aufgenommen, doch ist bereits nach Halbzeit der laufenden Periode voraussehbar, dass die erwünschten Resultate nicht vollumfänglich erreicht werden. Das CSCS hat sich zwar zu einem nationalen Zentrum entwickelt, welches für die Schweizer Forschergemeinschaft wichtige Dienstleistungen im Bereich des Hochleistungsrechnens erbringt, es weist jedoch nicht die für die Weiterentwicklung des Zentrums nötige und genügend starke wissenschaftliche Einbindung mit der ETH Zürich, aber auch mit der EPFL und weiteren Hochschulen auf. Vor diesem Hintergrund muss im Hinblick auf den kommenden Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Bereich für die Jahre 2008-2011 die Rolle des CSCS im Rahmen einer langfristigen, nationalen Strategie für den Bereich des Hochleistungsrechnens neu geklärt werden. Im Mai 2006 hat das Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) dem ETH-Rat einen Auftrag erteilt, unter Einbezug aller Akteure sowie internationaler Experten eine solche Strategie zu erarbeiten. Auch die im Juli 2006 im Rahmen der Zielvereinbarung 2004-2007 der ETH Zürich mit dem CSCS durchgeführte externe Evaluation, welche dem CSCS grundsätzlich ein gutes Zeugnis ausstellt, betont die Wichtigkeit einer solchen nationalen Strategie. Im Herbst 2006 wird ein Treffen zwischen der Tessiner Deputation bei den eidgenössischen Räten, dem SBF und den Verantwortlichen des ETH-Bereiches stattfinden, an dem der Vorschlag für das weitere Vorgehen diskutiert werden soll.</p><p>Zu den Fragen im Einzelnen:</p><p>1. Der Entscheid, ein nationales Hochleistungsrechenzentrum im Kanton Tessin zu schaffen, war politisch begründet. Es fehlte jedoch eine für alle Akteure geltende nationale Strategie für den Bereich des Hochleistungsrechnens, weswegen die nötige Einbindung des Zentrums in die wissenschaftliche Forschung des In- und Auslandes nicht in genügendem Ausmass erfolgte.</p><p>2. In allen Disziplinen der Natur- und Ingenieurwissenschaften besteht eine Entwicklung hin zur rechnerbasierten Modellierung und Simulierung. Die dafür benötigten Geräte reichen von PC-Clustern bis zu High-Performance Computern, namentlich in den Biowissenschaften. Die Institutionen des ETH-Bereiches nehmen im Rahmen ihrer mit dem Leistungsauftrag eingeräumten Autonomie an dieser Entwicklung teil. Der konkrete Fall (s. Antwort 3) zeigt, dass dies nicht in Konkurrenz zum CSCS stattfindet.</p><p>3. Die EPFL konnte im Rahmen einer Forschungszusammenarbeitsvereinbarung mit IBM den Prototypen eines Hochleistungscomputers (Blue Gene) beschaffen. Diese Maschine findet ausschliesslich für die Simulation und Modellierung von neuronalen Interaktionen in der Neurowissenschaft Anwendung und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den Neurowissenschaftlern und den Rechenspezialisten. Als Prototyp ist dieser Computer für Dienstleistungen nicht geeignet. Sie sind im Übrigen vertraglich ausgeschlossen. Die Investitionskosten des an der EPFL installierten Blue Gene werden auf rund 8 Millionen Franken geschätzt. Die Folgekosten von Informatikprojekten dieser Grössenordnung liegen in der Regel bei 10 Prozent der Investitionskosten, also bei rund 800 000 Franken pro Jahr.</p><p>4. Der ETH-Rat wurde vom SBF beauftragt, unter Einbezug aller Akteure sowie internationaler Experten eine nationale Strategie für den Bereich des Hochleistungsrechnens zu entwickeln.</p><p>5. Auf der Grundlage des Businessplanes 2004-2010 des CSCS schloss die ETH Zürich mit dem CSCS eine Zielvereinbarung ab. Das CSCS legt jährlich über die Erreichung der Zwischenziele Rechenschaft ab.</p><p>6. Der ETH-Rat verfolgt die Entwicklung des CSCS über die Teilnahme von zwei Mitgliedern des Rates im Steering Board des CSCS und über die unabhängigen Evaluationen der Peers. Die letzte im Juli 2006 durchgeführte externe Evaluation stellte dem CSCS grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus, monierte jedoch insbesondere das Fehlen einer nationalen Strategie.</p><p>7. Der Bundesrat wird die gesamten zur Unterstützung des CSCS getroffenen Vorkehrungen im Rahmen der BFI-Botschaft 2008-2011 bzw. seines Leistungsauftrages an den ETH-Rat für die Jahre 2008-2011 festlegen.</p><p>Zu den Fragen in Bezug auf die neuesten Entscheide:</p><p>a. Die laufende Administrativuntersuchung hat Vorwürfe von Mitarbeitenden des CSCS gegen die Direktorin und den Betriebsleiter zum Gegenstand und wurde vom Präsidenten der ETH Zürich in Auftrag gegeben. Die ETH Zürich wird zum gegebenen Zeitpunkt angemessen informieren. Sie wird auch die politischen Behörden, namentlich das Parlament, in Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen informieren.</p><p>b.- e. Das Ziel ist, eine nationale Strategie für das Hochleistungsrechnen in der Schweiz unter Berücksichtigung der spezifischen nationalen Bedürfnisse und Dienstleistungs- sowie Servicefunktionen zu entwickeln und damit die Rolle des CSCS in Manno zu klären. Die Gruppe, welche diese nationale Strategie für den Bereich des Hochleistungsrechnens erarbeiten wird, soll Experten aus dem ETH-Bereich, inklusive des CSCS, der Universitäten, der Fachhochschulen, des Nationalfonds, verschiedener Industriezweige sowie internationale Experten einbeziehen. Sie wird dem SBF Rechenschaft ablegen. Der Schlussbericht wird voraussichtlich im Herbst 2007 vorliegen und mit den politischen Behörden diskutiert werden können. Falls sich für die Umsetzung der nationalen Strategie eine finanzielle Unterstützung als notwendig erweisen sollte, so könnte diese im Rahmen der den Hochschulen zugutekommenden projektgebundenen Beiträge des Bundes geprüft werden.</p>  Antwort des Bundesrates.