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Zwirnen nennt man das Zusammendrehen von 2 oder mehr Garnen.
Warum nimmt man nicht ein dickeres statt 2 zusammengedrehte Garne, was ja viel billiger wäre?
Ein "normaler" Zwirn (Popelinezwirn) besteht aus 2 Einfachgarnen, welche in Z-Richtung gedreht sind. Der Zwirn wird in S-Richtung gedreht. Die Zwirndrehung entspricht ungefähr der Einfachgarndrehung, sodass die Fasern schlussendlich wieder parallel zur Zwirnachse liegen.
Variationsmöglichkeiten bestehen in der Anzahl Gespinst- wie auch der Anzahl Zwirndrehungen. Damit können die meisten Eigenschaften der Ware erreicht werden. Für Webereien werden härtere, für Strickereien weichere Drehungen bevorzugt.
Ein Nähfaden besteht normalerweise aus 3 S-gedrehten Einfachgarnen, welche in Z-Richtung zusammengedreht werden.
Dadurch entsteht ein reissfester Faden mit einem runden Querschnitt.
Der Voile wird aus einem Gespinst mit Z-Drehung hergestellt. Das Spezielle ist aber, dass auch der Zwirn in gleicher Richtung, also Z gedreht wird. Dadurch ergibt sich ein harter Zwirn, der zum Krängeln neigt. Das Gewebe daraus wird transparent und kernig im Griff und wurde früher für Vorhänge verwendet. Um die Transparenz zu erhöhen und um leuchtendere Farben zu erzeugen, wird der fertige Zwirn gasiert, d.h. die abstehenden Fasern werden abgebrannt.
Als Crêpezwirne werden sehr hoch gedrehte Zwirne bezeichnet.
Effektzwirne oder Fantasiezwirne sind auf Spezialmaschinen aus verschiedensten Komponenten hergestellte Zwirne mit Raupen- Schlingen- und andern Effekten.
Spezialkonstruktionen sind Mehrfach- und Mehrstufenzwirne, welche aber in der Praxis nicht zuletzt aus preislichen Gründen wenig Bedeutung haben.
Die Feinheit von Garnen wird im Baumwollbereich im wesentlichen mit 3 Systemen festgelegt:
Nm und Ne sind Längennummern d.h. die Feinheit wird definiert durch die Länge, welche ein bestimmtes Gewicht ergibt:
Nm sagt aus, welche Länge 1kg aufweist (z.B. Nm100: 1kg ist 100 km lang).
Ne sagt aus, wie vielmal 840 Yards (1 Yard = 0.9144m) 1 engl. Pfund (0.45359kg) ergeben (z.B. Ne 60: 1 engl. Pfund ergibt 60*840=50'400 Yards (= 46,08576 km).
Das offizielle tex-System, welches sich leider bis heute nicht durchgesetzt hat, ist eine Gewichtsnummerierung d. h. die Feinheit wird durch das Gewicht definiert, welches eine bestimmte Länge des Garnes hat.
tex sagt aus, wieviele gr 1 km eines Garnes wiegt (z.B. 10 tex: 1 km wiegt 10 gr)
Die Zwirnbezeichnung wird am Besten an Beispielen erklärt:
Das Zwirnen und Nachbehandeln erfolgt in mehreren Stufen. Zuerst werden 2 (oder mehr) Fäden auf einer Fachspule vereinigt.
Fachen
Bei groben Zwirnen kann dieser Vorgang direkt auf der Zwirnmaschine vorgenommen werden. Danach folgt der eigentliche Zwirnvorgang, indem die beiden (oder mehr) Fäden zusammengedreht werden.
Zwirnen
Zur Erzeugung von mehr Glanz und zur Vermeidung von Pilling können dem Zwirn im nachfolgenden Prozess die abstehenden Fasern abgebrannt werden.
Sengen
Zum Schluss kann eine Umspulung zum Entstauben, zum Auftrag von Paraffin oder einfach zum Erzeugen des nötigen Spulenformats erfolgen.
Eine Spezialität der Firma E. RUOSS-KISTLER AG ist die Zusammenfassung von Fach- und Sengprozess. Dadurch ist es möglich praktisch staubfreie Zwirne zu erzeugen.
Im Baumwollbereich sind hauptsächlich 3 Zwirnverfahren gebräuchlich:
Das Doppeldrahtzwirnen ist in unseren Bereichen am meisten verbreitet. Bei diesem Verfahren wird dem Zwirn mit 1 Spindelumdrehung 2 Zwirndrehungen erteilt.
Das Stufenzwirn- und Tritecverfahren sind vor allem im gröberen Bereich wirtschaftlich und kommen in Spezialgebieten zum Einsatz.
Tritec-Spindel
Das Ringzwirnverfahren hat nur noch im Effektzwirnbereich eine gewisse Bedeutung. Es wäre zwar sehr wirtschaftlich, wird aber aus Qualitätsgründen (zu viele Knoten im Zwirn!) kaum mehr eingesetzt.
Sollte es gelingen, die Knoten durch einwandfreie Zwirnverbindungen (Spleisse) zu ersetzen, wäre eine Renaissance der Ringzwirnmaschinen nicht auszuschliessen.
Zwirndrehungstabellen (unverbindliche Richtwerte)
Drehungskoeffizient (alfa)
Die Zwirndrehung hängt mit der Zwirnnummer zusammen. Der Drehungskoeffizient (alfa) bestimmt die Härte des Zwirns.
Die Formeln in den entsprechenden Nummerierungssystemen lauten:
Beispiele von Drehungskoeffizienten:
Umrechnung:
alfa tex = alfa m * 31.6
alfa tex = alfa e * 957
alfa m = alfa e * 30.3
- Simon/Hübner, Vorbereitungstechnik für die Weberei, Wirkerei und
Strickerei

RUOSS-KISTLER AG; Tätigkeitsfelder: 1. Business Software; Barcode-Scanner, Kassensysteme (POS) u. USV; 2. Immobilienverwaltung (Wohnungen vermieten) Fremdverwaltung
Copyright © 2014 Stand: 30. Dezember 2013