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Pete Murray ist ein australischer Sänger/Songwriter und hatte in Australien schon 3 Nummer 1-Alben. Wir haben ihn vor seinem ausverkauften Konzert in Zürich zum Interview getroffen.
hitparade.ch: Du hast dein erstes Album mit dem Titel "The Game" veröffentlicht, obwohl es noch nicht wirklich so geklungen hat, wie du es Dir vorgestellt hattest. Nun, nachdem du mit deinem Produzenten Paul McKercher an deinem nächsten Album gearbeitet hast, klingt es nun endlich so, wie Du es möchtest?
Pete: Das Meiste davon ja, einige Songs nicht. Ich habe das Gefühl, dass einige der rockigen Songs ein wenig zusammengedrückt worden sind, damit sie aufs Album passen. Andere Songs dagegen, sind eher sanfter gemacht worden. Die Original-Versionen waren viel intensiver. Eine lange Zeit hörte ich mir mein erstes Album "Feeler" nicht an. 12 Monate lang habe ich mir das Album nie komplett angehört. Eventuell ist das so ein "erstes Album-Ding", aber ich dachte, dass damit meine Karriere vorbei ist. Es war mein erstes Album mit einem grossen Label und ich hatte einfach das Gefühl, das könne nicht funktionieren. Ich war 12 Monate lang irgendwo in den hintersten Rängen in den Charts vertreten, doch auf einmal war es in aller Munde, man sprach darüber und die Airplays stiegen an. Dann kam ein Song, der hiess "So Beautiful", er wurde in den Radios gespielt und dann ging alles drunter und drüber. Alle meine früheren Gedanken wurden zu Bananenbrei, schliesslich hatte ich mit meinem Karriereende gerechnet.
hitparade.ch: Du hast mit 22 mit dem Gitarrespielen begonnen. Was hat Dich dazu veranlasst, so spät mit Musik anzufangen?
Pete: Ich war total in den Sport involviert. Ich machte Athletik, Rugby und ich schwamm. Ich studierte Medizin in dieser Zeit. Für mich war der Sport das höchste aller Ziele in dieser Zeit. Wenn ich nicht spielte, dann wollte ich Sportmediziner werden. Ich hatte einen Freund, mit dem ich zusammenlebte und studierte. Eines Nachts betrat er das Zimmer und sagte: "Ich werde Gitarre lernen". Auch ich hatte immer Gitarre spielen wollen, also nahm auch ich einige Lektionen. Ich fand die Idee toll. Ich war dann derjenige, der Gitarre lernte, mein Freund tat es nicht. So hat alles angefangen. Es war so einfach. Es war etwa zur selben Zeit, als ich mein Knie verletzt hatte. Für 12 Monate bin ich in den USA herumgereist und besuchte mit einigen Kollegen London. Dort sah ich einen Kerl, der spielte Gitarre seit er ein kleiner Junge gewesen ist. Der hat all diese Original-Songs gespielt. Da war auch ein Mädchen dabei, das mich fragte: "Wieso spielst du nicht einen Deiner Songs für uns?". Und ich antwortete: "Ich bin kein Songwriter, ich kann das gar nicht". Sie fragte mich warum und ich sagte, dass ich es nicht wisse. Daraufhin sagte sie: "Das solltest du aber" und ich stieg darauf ein. Und das war der Beginn. Einige Jahre lang genoss ich es und hatte eine gute Zeit, wurde sogar richtig seriös.
hitparade.ch: Du wirst nach Amsterdam gehen, um deine Musik in Europa zu promoten. Wieso Amsterdam?
Pete: Wir überlegen uns momentan, im Sommer eventuell nach Berlin zu fahren. Australien ist etwas weit weg. Es ist viel zu schwierig und auch zu teuer, um immer wieder dorthin zurück zu fahren. Wir haben in Holland sehr viele Fans, es läuft dort einfach sehr gut. In den letzten beiden Jahren war ich mindestens acht Mal in Holland. Leider ist es einfach zu teuer und eine sehr lange Reise für uns dorthin. Ich habe jetzt zwei Jungs und eine Frau, also eine Familie, wir kommen für einen Sommer lang alle miteinander nach Deutschland. So bin ich viel flexibler und bin jederzeit für Interviews, Shows und hoffentlich auch Festivals verfügbar.
hitparade.ch: Was denkt deine Familie darüber?
Pete: Sie mögen es nicht, wenn ich weg bin. Sie freuen sich daher sehr, dass sie mit mir mitkommen können. Wir haben sowas in der Art auch schon gemacht.
hitparade.ch: Was sind die Pläne für die restliche Band. Kommt sie mit Dir?
Pete: Mein Bassspieler ist sehr euphorisch mitzukommen. Er und sein Partner werden nach Berlin ziehen. Er ist ein Jazzplayer und wird wahrscheinlich ein kleines Jazztrio gründen, um so durch die Clubs zu ziehen. Mein Gitarrist ist ebenfalls schon sehr aufgeregt, denn er möchte auch mit. Eigentlich wären da noch ein Keyboarder und ein Schlagzeuger. Der Keyboarder hat gesagt, dass er gerne kommen würde, doch der Schlagzeuger möchte das nicht. Es könnte sein, dass ich nur mit dem Bassisten herkomme und in Deutschland mit ihm eine neue Band gründe, doch ich weiss es noch nicht. Wir lassen es auf uns zukommen.
hitparade.ch: Hattest du ursprünglich den Plan, professioneller Artist zu werden?
Pete: Ja, das wollte ich sehr gerne. Mein grosser Traum war es, bei den olympischen Spielen teilzunehmen.
hitparade.ch: Im Schwimmen?
Pete: Athletik eigentlich. Irgendwann ist herausgekommen, dass ich ein guter Schwimmer bin. Ich war gut in der Schule, aber danach hatte ich genug vom auf- und abschwimmen im Pool und die ganze Zeit eine schwarze Linie anzustarren. Bei Athletik ist es ganz anders: Da kannst du reden und lachen während dem Training. Ich hatte immer dieses Ziel, aber nachdem ich einige Jahre aus der Schule war, so etwa mit 19, da spürte ich, dass ich mich dem Sport noch viel mehr hingeben müsste. Womöglich war ich zu dieser Zeit nicht in Höchstform. Da habe ich auch den Enthusiasmus verloren. Also habe ich mit Athletik aufgehört und eine Saison lang nur Rugby gespielt. Das war ein grossartiges Jahr und deswegen hatte ich beschlossen, diese Sportart weiter zu pflegen. Unerwartet habe ich mich dann im Jahr darauf schwer verletzt - That's Rugby : Es ist ein sehr taffes Spiel. Ich bin eher ein Athlet als ein Rugby-Spieler.
hitparade.ch: Mit Einflüssen von Künstlern wie Nick Drake, Bob Dylan oder Neil Young hast du deine Musik so kreiert, dass sie in den Köpfen der Menschen bleiben sollte. Denkst du, das hast du nun mit deinem vierten Album geschafft?
Pete: Ja, das Album habe ich selber produziert in meinem Home-Studio. Anfang des vergangenen Jahres habe ich mein Studio aufgebaut, in der zweiten Hälfte des Jahres habe ich produziert. Ich habe die Songs, also die Arrangements und Strukturen schon immer selber gemacht. Ich denke manchmal, wenn ich einen guten Techniker hätte, dann könnte ich noch viel mehr machen und mich selber wieder herausfordern. Ich denke die Songs auf den ersten drei Alben sind nicht unbedingt topaktuell. Genau wie auch die Musik von Bob Dylan oder Neil Young ist es nicht 80er Sound. Ich denke es ist ein Musikstil der Zukunft. Die Leute, die diesen Sound einmal hören, werden ihn sicher auch durch die Lyrics zuordnen können. Die Lyrics meiner Musik scheinen den Leuten sehr wichtig zu sein. Wenn sie Menschen wissen, worüber ich schreibe und wovon die Songs handeln, dann können sie sich damit identifizieren. Es ist nicht immer nur die Melodie.
hitparade.ch: Ausser den genannten Einflüssen - was für Musik hörst du, um abzuschalten?
Pete: Alles was ruhig und friedlich ist. Ich liebe Jazz, Herbie Hancock, ich war immer ein grosser Fan von ihm, auch von Acid Jazz. Es gibt ein Album, da lohnt es sich wirklich, einmal reinzuhören. Es heisst: "The Big Cheese" und stammt von einem französischen Künstler. Nur fällt mir gerade sein Name nicht ein. Da gibt's auch Blue Note Jazz Alben.
hitparade.ch: Woher nimmst du deine Inspiration um Songs zu schreiben?
Pete: Als ich 18 war ist mein Vater gestorben. Er starb mit 47. Er hatte sein ganzes Leben lang gearbeitet und beschloss schliesslich, seine Arbeit abzugeben. Er und meine Mutter hatten sich einen Wohnwagen gekauft und beschlossen, um ganz Australien zu reisen und einfach einmal die freie Zeit zu geniessen. Er verkaufte sein Geschäft einem Mitarbeiter, mit dem er 12 Monate lang zusammengearbeitet hatte, er half ihm, sich einzuarbeiten. Zwei Wochen, nachdem er die Firma verlassen hatte und bereit war wegzugehen, erlitt er einen Herzinfarkt und starb. Das ist eine Geschichte, von der ich sehr viel gelernt habe. Als ich Musik entdeckt hatte, erkannte ich, dass es im Leben eigentlich darum geht, es einfach zu geniessen und etwas zu tun, das du liebst. Die Musik erlaubte mir den Lebensstil, den ich mir gewünscht hatte. Ich denke, dass genau das meine Inspiration ist - diesen Lebensstil. Ich habe noch nie für jemand Anderen arbeiten wollen, ich wollte immer nur so leben wie jetzt. Ich arbeite für mich selber und werde hoffentlich damit glücklich werden.
hitparade.ch: Wie hat der Erfolg dein Leben verändert?
Pete: Wenn man ganz unten anfängt, nichts hat und immer für sich selber kämpfen muss, dann fühlt man sich natürlich danach schon sehr wohl in dieser Situation. Wir haben ein schönes Haus und finanziell hat sich natürlich Vieles geändert. Wir sind aber nie abgehoben, stehen noch immer mit beiden Füssen auf der Erde. Wir geben auch nicht viel Geld aus, die Musik gibt uns die Möglichkeit so zu leben, wie wir leben möchten und nicht für andere Menschen arbeiten zu müssen.
hitparade.ch: Deine Musik erinnert nicht nur an Neil Young sondern auch an Jim Croce und Cat Stevens. Waren diese Künstler ebenfalls Inspirationen für dich und was denkst du über sie?
Pete: Ich kenne Jim Croce nicht. Cat Stevens habe ich immer gemocht. Ich weiss nicht wie diese Jim Croce ist, aber auf jeden Fall ist Cat Stevens textlich sehr stark. Die Leute können an diese Lyrics anknüpfen und das macht die Schönheit seiner Arbeit aus und auch der emotionale Charakter seiner Songs. Ich liebe Songs, die einen bewegen. Es gibt ja Songs, die dich, wann und wo auch immer du sie hörst, immer wieder in diesen Moment zurückversetzen, in denen du damit spezielle Erinnerungen verbindest.
hitparade.ch: Welcher deiner Songs magst du am liebsten?
Pete: Es ändert sich immer wieder ein wenig bei mir. Wenn du manche Songs zu oft hörst, dann nerven sie dich mit der Zeit und du beginnst, andere Songs besser zu mögen. Ich mag "Saving Grace", der ist auf dem neuen Album drauf. Das ist ein sehr schöner Song. Ein anderer Song, den ich sehr mag, ist einer meines ersten Albums und er heisst "Fall Your Way". Das ist ein Song, den ich auf dem Album enttäuschend finde, denn immer, wenn wir den live spielen, dann ist er toll. Und es gibt noch einen Song auf dem neuen Album, der ist ein bisschen anders als die anderen Songs und heisst "Sugar". Der macht richtig Spass zu spielen.
hitparade.ch: Dein kommendes Album wird in Deutschland, Österreich und auch in der Schweiz erscheinen. Wieso hast du diese Länder gewählt?
Pete: Es war eher so, dass diese Länder mich gewählt haben, nicht umgekehrt. Ich hatte sehr viel damit zu tun, als ich mit der Plattenfirma am verhandeln war. Man kann nur schwer einschätzen, welches die besten Plätze sind. Ich dachte, dass Amerika ein besserer Ort gewesen wäre, doch wir hatten keine Möglichkeit, dort zu releasen. Das war ein wenig frustrierend. Wenn du aus Australien kommst, dann bist du irgendwie so weit weg von allem, dass dich keiner mehr ernst nimmt. Es schien für mich nur diesen Weg zu geben, ausser ich hätte einfach in irgendwelchen Markets drauflosgespielt. Einmal kannst du das machen und dann musst du anfangen, vor Leuten richtig zu spielen. Es gab einmal einen Mann in Holland, der arbeitete für das Label BMG und dessen Freundin arbeitete in Australien für Sony. Als sich die beiden Labels zusammenschlossen, da sagte sie zu ihm: "Da gibt's einen Kerl in Australien, der meiner Meinung nach gut ankommen würde in Holland und er ist beim selben Label wie du". Er schaute sich das an und fand es gut. Dann fragte er beim Label nach, ob man das nicht veröffentlichen und er zuständig sein könnte. So war es dann auch, und nun, zwei Jahre später, steckt bereits ein riesiger Aufwand dahinter.
hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Was kannst du kommentieren?
Pete: Viele davon mag ich eh nicht… :
2. Katy Perry - Hot N Cold
Pete: Ist das der neue Clip, bei dem sie vor dem Altar heiratet? Ich bin mir nicht sicher…
7. Jack White & Alicia Keys - Another Way To Die
Pete: Ich werde mir diesen Song auf jeden Fall anhören. Ich sollte ihn eigentlich kennen, schliesslich ist er auch bei Sony BMG.
8. P!nk - So What
Pete: P!nk finde ich absolut cool. Ich mag sie, denn sie scheint eine sehr bodenständige Person zu sein. Sie kam nach Australien und spielte bei den ARIA Music Awards. Sie ist grossartig und sie ist auch beim selben Label wie ich. Wir hatten nach diesen Awards noch eine Afterparty. Sie hat sich mit jedem unterhalten und war total nett.