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Metaphern sind in der Philosophie und Wissenschaftstheorie lange als illegitime epistemische Werkzeuge für Aussagen über die Natur der Dinge oder als rhetorische Feuerwerke mit Überraschungseffekt, aber ohne Erkenntnisgewinn verstanden worden. Neuere Theorien (Hans Blumenberg, Max Black, Mary Hesse, Paul Ricoeur, Eva Feder Kittay) schreiben Metaphern demgegenüber eine epistemisch konstitutive Rolle zu. Die vorliegende interdisziplinäre Studie setzt sich mit diesen Ansätzen auseinander und entwickelt sie anhand eines wissenschaftshistorischen Untersuchungsfeldes, der Bakteriologie Robert Kochs, weiter, um die zentrale Rolle von Metaphern in der Forschung aufzuzeigen. Dabei wird einerseits Kochs bekannte Kriegsmetaphorik minutiös analysiert. Aufschlussreich ist beispielsweise die Umschreibung der Wirkung von Bakterien als Erreger von Infektionskrankheiten in Bildern der Invasion und Kriegsführung. Andererseits wird Kochs noch nicht erforschte Alltagsmetaphorik untersucht, die in der frühen Forschungsphase ab 1876 entstanden ist und als innovativ und epistemisch relevant gedeutet werden kann. Bei der sprachlichen Erfassung der noch unbestimmten Mikroorganismen spielen alltägliche Metaphern wie «Haarwulst» oder «Kügelchen» eine wichtige Rolle.
Die Arbeit versteht sich zum einen als Teil einer metaphorologischen Philosophie, die Metaphorik, Unschärfe und Unbegrifflichkeit in der Philosophie und in den Wissenschaften untersucht. Zum anderen lässt sie sich in jene Reihe von Arbeiten einordnen, die eine Revidierung der klassischen Epistemologie einfordern und neuere epistemologische Ansätze vorschlagen (Catherine Z. Elgin, Evelyn Fox Keller, Nelson Goodman, Donna Haraway, Mary Hesse, Hans-Jörg Rheinberger).