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Argentinien, die «Kornkammer der Welt», mutiert zum «Schlachthaus der Welt»: Die argentinische Regierung will ein Abkommen mit China aushandeln, womit das Reich der Mitte einen Freifahrtschein erhalten würde, um seine Schweinezucht in das lateinamerikanische Land zu verlagern. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen: Gemeinsam mit zahlreichen Umweltorganisationen in Argentinien setzt sich die Fondation Franz Weber (FFW) dafür ein, diesen angekündigten Ökozid zu verhindern.
Während sich die Welt noch immer mit Covid-19 herumplagt und China keineswegs vor einem möglichen Ausbruch einer neuen Epidemie gefeit ist, hat Peking die Lektionen der letzten Monate offenbar nicht verinnerlicht. Statt die Zuchtpraktiken von Nutztieren und die Ernährung der Bevölkerung zu hinterfragen, konzentriert sich das Land darauf, seine Schweineproduktion ins Ausland zu verlagern, um die wachsende Binnenmarktnachfrage zu decken.
Neue globale Katastrophe?
Dabei blendet es nicht nur die Tatsache aus, dass chinesische Zuchtbetriebe erst vor Kurzem zum Ausbruchsherd eines neuen Virenstamms der Schweinegrippe (G4 EA H1N1) wurden, sondern verstärkt seine unheilvollen Expansionsbestrebungen gar noch. Laut einer Studie der Landwirtschaftlichen Universität China, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlicht wurde, könnte dieses leicht auf den Menschen übertragbare Virus eine neue Pandemie auslösen.
Vertragsbestrebungen mit einem Wiederholungssünder gegen die Umwelt
Peking scheint das jedoch nicht zu beunruhigen: Das Land steht kurz davor, einen unheilvollen Vertrag mit dem argentinischen Minister für Aussenhandel, Felipe Solá, zu unterzeichnen. Letzterer hatte sich in den 90er Jahren erfolgreich für die Liberalisierung des grossflächigen Anbaus von Soja und gentechnisch verändertem Mais in Argentinien stark gemacht. Die Auswirkungen reichten von Wüstenbildung und Verunreinigung der Böden und Gewässer durch den Einsatz von Glyphosat bis hin zu vermehrten Krebserkrankungen bei den Bewohnern der Dörfer, die von der Düngerausbringung betroffen sind. Nun soll Chinas Schweinezucht nach Argentinien ausgelagert werden.
Argentinien: Grösster Schweinestall der Welt?
Argentinien und China bringt einiges zusammen: Für Peking sind die geringen Anforderungen, die sein lateinamerikanischer Partner an den Umweltschutz und das Tierwohl stellt, ein enormer Vorteil. Zudem könnte aufgrund der Entwicklung des Wechselkurses die Fleischerzeugung vor Ort günstiger werden als in China. Sollten diese gigantischen Schweinezuchtbetriebe Wirklichkeit werden, würde Argentinien zum weltweit grössten Schweinefleischproduzenten werden – und zugleich zum grössten Schlachthaus der Welt.
Bewusst geplante Umweltkatastrophe…
Lob verdient dieser erste Platz nicht, denn damit würde die Zerstörung des kümmerlichen Rests an gesunder Umwelt, der uns geblieben ist, noch weiter vorangetrieben. Der Schweinebestand des Landes wüchse von aktuell 6 Millionen Tieren auf ungeheuerliche 100 Millionen an, und mit ihm die toxischen Emissionen von Nitraten, Ammoniak und anderen Umweltgiften im Boden und Wasser… Von den Schadstoffen, die beim Transport der zu Fleisch verarbeiteten Tiere nach China entstehen würden ganz zu schweigen!
…hinter dem Rücken der Bevölkerung
Doch offensichtlich scheren sich beide Staaten nicht darum, dass ihr Projekt weder konform mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) ist noch den Empfehlungen des Weltklimarates
(Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) folgt. Auch dass die Pläne bei den Einwohnerinnen und Einwohnern Argentiniens – die beinahe nur durch Zufall herausfanden, welche Gefahr ihnen droht – auf grösste Vorbehalte stossen, kümmert die zwei Länder nicht. Für Peking und Buenos Aires zählt allein der kurzfristige Profit – so hoch der effektive Preis für Mensch, Tier und Natur auch sein mag.
Vereinter Widerstand
Zahlreiche Organisationen, die sich wie wir für den Schutz der Umwelt, der Tiere, der Menschenrechte, der Wissenschaften und der Bevölkerung insgesamt engagieren, setzen sich mit versammelten Kräften dafür ein, das geplante Abkommen überhaupt publik zu machen. Dieses wird derzeit zwar unter strikter Geheimhaltung ausgehandelt, die Pharmaunternehmen begrüssen es auf ihren Webseiten jedoch bereits freudig. Die Gründe für die unverhohlene Genugtuung sind offensichtlich: Kommt der Vertrag zwischen den zwei Ländern zustande, könnte die Branche Milliarden Antibiotika und Pharmazeutika verkaufen, die den zusammengepferchten Schweinen in den Zuchtbetrieben verabreicht würden. Auch dies bliebe nicht ohne Folgen: Es droht unweigerlich die Bildung einer Antibiotikaresistenz beim Menschen. Der von uns ausgeübte Druck zeigt Erfolg: Felipe Solá gab endlich öffentlich zu, dass er dieses Abkommen mit China derzeit auszuarbeitet. Zugleich räumte er ein, dass der Vertrag noch nicht rechtskräftig sei. Doch die Schlacht ist noch nicht gewonnen. Solange die Bedrohung anhält, werden die FFW und ihre Partner den Kampf gegen diese geplante Massentierhaltung ungeheuerlichen Ausmasses beharrlich fortsetzen – für die Schweine, für Argentinien und für unseren Planeten.
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