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Besuch der Festung und des Militärmuseums auf St. Luzisteig am 29. Mai 2011
im Rahmen der 29. Präsidiumssitzung der ISGF.Subregion Zentraleuropas
Die St. Luzisteig, ein uralter Durchgang zwischen dem Falknismassiv und dem Fläscherberg, der die früher sumpfige Rheinebene vermeidet und zwei Überquerungen des Talflusses erspart, Einfallstor aus dem Norden nach Graubünden und zu den Bündner Pässen. Dementsprechend war dieses Engnis immer wieder umkämpft und wechselte häufig den Besitzer, so zuletzt in den Napoleonischen Kriegen. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden Befestigungen, die zerstört, wieder aufgebaut und erweitert wurden. Die letzten Befestigungen wurden vor und während des zweiten Weltkrieges gebaut, auch wenn zu erwarten war, dass sich ein allfälliger Angriff vor allem den Durchgang durch die Talebene von Sargans zu erzwingen versuchen würde. Aber als Umgehung hätte sich die Luziensteig oder Steig (wie der kleine Pass im Volksmund auch heisst) allemal angeboten. Zum Glück mussten sich die Verteidigungsvorbereitungen nicht im Ernstfall bewähren. Nach dem Krieg boten die Gebäulichkeiten auf der Nordseite der Passhöhe den Trainrekrutenschulen Unterkunft und deshalb konnte sich die Bevölkerung immer wieder an der populären Truppe erfreuen.
Unterdessen hat das Pferd als Transportmittel auch bei der Schweizer Armee weitgehend ausgedient. Ergänzt durch moderne Bauten dient die Festung als Ausbildungszentrum der Armee. Im wesentlichen bietet die Festung aber immer noch das Bild, das durch den Ausbau im 19. Jahrhundert entstand. Diese Erneuerung und Erweiterung stand unter dem Kommando des späteren Generals Dufour und wurde nach den Plänen und unter der Leitung des berühmten Bündner Ingenieurs La Nicca ausgeführt.
Die 24 Teilnehmer an der Führung vom 29. Mai trafen sich an der Landesgrenze Schweiz/Liechtenstein. Christian Graf, Oberst i Gst a D, früherer Schulkommandant der Trainrekrutenschulen auf der Steig, konnte aus dem Vollen schöpfen. Nicht nur erfuhr man von der wechselnden Geschichte der Luziensteig. Als Insider wusste Christian Graf amüsante Anekdoten zu erzählen und sparte nicht an Seitenhieben im Zusammenhang mit Leerläufen, die Resultat einer eifrigen Militärbürokratie waren. So erzählte er genüsslich von einer untauglichen Pferdegasmaske, die dem armen Gaul nur zwei Möglichkeiten bot: Am Gas oder an Überhitzung zu sterben. Glücklicherweise mussten die Geräte nie ernstfallmässig benutzt werden.
Im liebevoll gestalteten Museum im alten Arsenal auf der Passhöhe wird die Geschichte der Steig dargestellt. Dazu finden viele Objekte der Traintruppe hier einen geeigneten Schauraum. Für den geografisch, historisch und militärhistorisch Interessierten lohnt sich ein Besuch verbunden mit einer Wanderung im Festungsgebiet (fotografieren ist nicht mehr verboten!) unbedingt! (http://www.luzisteig.ch).
Ganz herzlichen Dank an Christian Graf und an Herrn Grass vom Museumsverein für die spannende und unterhaltsame Führung und an Mungo für deren Organisation!
Walter Giger /koks