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Gebäude auf Kosten ihrer Stadt anzufangen, zu vollenden und abzuschließen beabsichtigten und beschlossen, daß keine Bitte hiefür außerhalb Ulms stattfinden solle, und keine besonderen Ablässe hiezu erlangten und keines Fürsten Hilfe anriefen mit Ausnahme des edlen Grafen von Wirtenberg, dem ein Teil des Baugrundes zu gehören schien, mit Rücksicht auf die Kirche des heiligen Georg und des ehemals an dieser Stelle von den Wirtenbergern gegründeten Klosters; denn von diesem Grafen mußte man die Zustimmung erbitten.
Gerne aber willigte der edle Graf ein, da er die Hochherzigkeit dieser Bürger bewunderte, daß sie ein so staunenswertes Werk mit eigenen Kräften auszuführen sich vornahmen. Als nun im ebengenannten Jahr der letzte Tag des Juni angebrochen und die ganze Geistlichkeit und das Volk an der Baustelle versammelt war, so waren sie bereit, feierlich den ersten Grundstein zu legen. Nach dem Beschluß des Rates stieg der angesehene Herr Ludwig Krafft, der damals die Bürgermeisterwürde inne hatte, in die Fundamentgrube (pag. 38) hinab mit einigen von den Vornehmsten, um den gewaltigen Felsblock in Empfang zu nehmen, der nach Anordnung der Werkleute oben in der Höhe in einer starken Klammer hing. Um die dritte Stunde des Tages nun, um welche der Heilige Geist den Aposteln gesandt wurde, begannen nicht die Werkleute, sondern die Ältesten von Ulm, den Stein in die Grube hinabzulassen; einige von ihnen drehten das Rad oder hielten es fest, andere hielten das Seil mit der Hand.
Der hohe Herr Johannes Ehinger, genannt Habfast, aber und Konrad Besserer, der Stadthauptmann, und die übrigen hohen Herren standen über dem Graben, und berührten den Stein mit den Händen und richteten ihn abwärts gegen die Hände des Bürgermeisters Ludwig Krafft und der übrigen, die in der Grube warteten. Alles dieses aber geschah mit großem Ernst, während die Geistlichkeit sang, das Volk betete und allerlei Arten von Musikern spielten etwa so, wie man Esra 3 liest.
Nun nahm der genannte Krafft den Stein, richtete ihn an die schon mit Mörtel 1) bedeckte Stelle und legte ihn nieder. Als aber der Grundstein gelegt war, öffnete, der ihn gelegt hatte, seine Börse, nahm Gold heraus und bedeckte und schmückte mit 100 funkelnden (Gold)-Gulden den Felsblock, nach ihm stiegen auch die übrigen Patrizier hinab und schmückten den Grundstein mit Gold und Silber, ebenso machten es auch die vom ehrbaren Volk und die Andächtigen vom gemeinen Volke; und so wurden große Geschenke an diesem Tag für den Bau zusammengebracht.
Es wuchs nun das Werk in ihren Händen, und innerhalb 111 Jahren, nämlich vom Jahr seiner Gründung 1377 bis zum jetzigen Jahr 1488 wurde es ein Tempel zum Staunen und zur Bewunderung für alle Völker und Jahrhunderte. Und nicht so sehr bewundert, wer es sieht, den gewaltigen Bau, als die Großherzigkeit und die Kühnheit der Gründer, daß sie in einer so kleinen Stadt ohne Anrufung von Fremden, ohne Beihilfe und Betteln ein solches Gebäude zu errichten wagten, dessen riesiger und erhabener Glockenturm heute zur Ehre der göttlichen Majestät, wie wenn er in den Himmel wachsen wollte, in die Höhe strebt. Das schon längst vollendete Schiff der Kirche 2) selbst aber strahlt innen in solchem Glanz, daß die Fremden, die dahin kommen, den Schmuck bewundernd es für eine Wohnstätte nicht sowohl der Sterblichen, sondern der Himmlischen erklären. Sehr viel tragen aber zum Schmuck dieser
1) Caementum eigentlich kleine Bruchsteine.
2) Tabernaculum heißt sonst Sakramentshäuschen; dies paßt hier aber nicht teils wegen der Zeit, da an diesem noch in den siebenziger Jahren des 15. Jahrhunderts gearbeitet wurde, teils wegen des Ausdrucks «innen» (ab intra). ¶
Kirche bei die in alter Kunst angefertigten (Stein)-Bildwerke der alten Pfarrkirche, die oben in den Vorhallen und Giebelfeldern der Türen dieser Kirche angebracht sind. Es hat aber die Kirche folgende 9 besondere Vorzüge vor allen Pfarrkirchen in der ganzen Christenheit.
Erstlich ist sie eine größere Pfarrkirche als jede andere, sie ist nämlich weder eine Kollegiatkirche, noch eine bischöfliche, noch Abteikirche, sondern nur eine einfache Pfarrkirche, größer als viele bischöfliche und herrlicher als die meisten Patriarchenkirchen. Nicht jedoch wage ich sie mit der Sophienkirche in Konstantinopel zu vergleichen, welche die berühmteste auf dem ganzen Erdkreis ist, von 900 Priestern einst bedient, in wunderbarer Kunst und kostbarem Stoff erbaut, die jetzt leider der Unreinigkeit Mahomets unterworfen ist; wer diese war eine Patriarchenkirche.
Zweitens hat diese Kirche eine größere Schönheit als alle andern, nicht zwar im Schmuck der Wände oder in der Art des Bodenbelags oder den steinernen Bildwerken oder Gemälden oder der Vertäferung, sondern in dem Glanz des Lichtes, worin die eigentliche Schönheit besteht. Denn viele Kirchen habe ich gesehen, die an Kunst und Stoff glänzender sind, aber keine, die von so reichlichem Licht durchströmt, keine, die in allen Winkeln so hell ist wie diese; und sie hat keinen finstern Winkel oder schattigen Aufenthaltsort oder dunkeln Wohnraum, wie große Kirchen zu haben pflegen; auch hat sie keine verborgenen Kapellen, sondern sie sind zugänglich und hell.
Drittens ist sie reicher an Altären als alle Pfarrkirchen: denn sie hat 51 Altäre, die alle ihre Gebühren und Einkünfte haben und nicht von Fürsten oder edlen Herren oder Fremden, sondern von den Einwohnern von Ulm selbst begabt sind, und wie sie die Patrone der Kirche sind, so sind sie auch die Kollatoren (Besetzer) aller Altäre. Viele Altäre aber gibt es, die 5, einige, die 4, einige, die 3 Präbenden haben.
Und daraus folgt viertens, daß keine Kirche, die eben nur eine einfache Pfarrkirche ist, so viele Geistliche an der Zahl habe, als die Ulmer Kirche.
Fünftens ist diese Kirche reicher an freiwilligen Gaben als alle andern. Wer aber wissen will, wie groß ihre Gaben sind, die täglich durch das Ulmer Volk am Opferstock oder Opferbecken für ihren Batt (pag. 40), und an den Altären in Silber und Wachs zum Gebrauch des Herrn Pfarrers dargebracht werden, der erwäge die Kosten der Bauleute, die täglich arbeiten und von entfernten Orten die Steine herbeiführen, deren Ankauf und Herbeiführung eine unglaubliche Summe erfordert, weil die Steine dieser Kirche nicht von ulmischem Boden, sondern von entfernten Orten herbeigeführt werden; der erwäge überdies die prächtige Stellung des Herrn Pfarrers: denn er hat nicht die Stellung eines Stadtpfarrers oder Kanonikers (Stiftsherren) sondern nimmt die Stellung eines reichen Bischofs ein, der an seinem Hofe fünf Gehilfen und eine zahlreiche Dienerschaft hat;
und doch hat er keine anderen Gebühren und Einkünfte als die freiwilligen Gaben seiner Untergebenen.
Deshalb hat auch diese Pfarrei gewöhnlich einen ausgezeichneten, adeligen und gelehrten Mann, der einer solchen Pfründe würdig und wert ist.
Sechstens ist diese Kirche, ich sage es kühnlich, bevölkerter als alle andern in der ganzen Christenheit; denn obwohl sie so groß ist, so herrscht doch an Festtagen ein dichtes Gedränge bis an die Ecken des Altares, und wenn es keine Klöster gäbe, so könnte sie das Volk nicht ¶