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Stan Wawrinka steht auch bei seiner dritten Teilnahme an den ATP-Finals im Halbfinal. Der Waadtländer rang im letzten Gruppenspiel nach einem umstrittenen Startsatz Andy Murray 7:6 (7:4), 6:4 nieder. Nun trifft er heute wie im Vorjahr auf Roger Federer.
Wawrinka und Murray lieferten sich ein zähes Ringen um den so wertvollen kleinen Vorteil. Die Vorentscheidung fiel am Ende eines langen ersten Satzes, der deutlich über eine Stunde dauerte. Der 30-jährige Schweizer schlug als Erster zu, indem er das Break zum 5:3 schaffte. Murray schenkte ihm dieses mit zwei Vorhand-, einem Doppel- und einem Rückhandfehler geradezu. Doch Wawrinka konnte die Gunst der Stunde nicht nutzen und gab den Vorteil – ebenfalls mit einem Doppelfehler bei 30:30 – postwendend wieder aus der Hand.
Im Tiebreak ging der Schotte 4:2 in Führung, ehe Wawrinka mit fünf Punkten in Folge die Wende gelang. Zwar half Murray mit einigen Fehlern wiederum tatkräftig mit, ein Zufall war der Sieg in der Kurzentscheidung dennoch nicht. Mit 34 zu 12 gewonnenen Tiebreaks ist der Romand in dieser Domäne der erfolgreichste Spieler des Jahres unter den Top Ten. Umgekehrt verlor Murray in dieser Saison kein Spiel nach gewonnenem Startsatz (60 Siege).
Der Brite konnte die Enttäuschung dieses für ihn unbefriedigenden Endes des ersten Satzes nicht sofort wegstecken. Er gab gleich zum Auftakt seinen Aufschlag ein zweites Mal ab und fand danach keinen Weg mehr zurück.
Murray war zwar in der Defensive gewohnt stark, überliess die Initiative aber zu sehr dem Schweizer, der sich geduldig genug zeigte, um auf die richtige Möglichkeit zum Angreifen zu warten. Mit dem Sieg vor Augen geriet er aber doch noch ins Zittern.
Nach einem zweiten Break zum 5:2 liess er Murray noch einmal herankommen und musste sogar noch einmal zwei Breakbälle zum 5:5 abwehren, ehe er nach 1:54 Stunden zum Sieg kam.
Nach der Partie wollte Wawrinka möglichst schnell Richtung Kabine. «Das war ein hartes Stück Arbeit», sagte er nach dem fast zweistündigen Abnützungskampf gegen den Schotten. Angesprochen auf das Duell gegen seinen Landsmann heute meinte der Romand: «Es ist immer speziell, in einem Halbfinal gegen Federer anzutreten.» Er müsse sich nun erst erholen. Der Match gegen Murray habe viel Kraft gekostet.
Neuauflage des Schweizer Duells
In der Londoner O2 Arena wiederholt sich also die Geschichte. Wie im vergangenen Jahr kommt es heute (21.00 Uhr) im Halbfinal zum Schweizer Duell zwischen Wawrinka und Roger Federer. Auf eine Repetition des damaligen Spiels könnten aber mit Sicherheit beide helvetischen Protagonisten verzichten. In einem hochstehenden und dramatischen Kampf – den Federers Ehefrau Mirka mit einem Zwischenruf noch weiter anheizte – setzte sich der 34-jährige Basler nach 2:48 Stunden und der Abwehr von vier Matchbällen durch. Der Erfolg stellte sich allerdings als Pyrrhussieg heraus, denn am folgenden Tag konnte Federer wegen Rückenschmerzen nicht zum Final antreten.
Auch diesmal haben die beiden Schweizer wieder den Nachteil, die Abendpartie bestreiten zu müssen, während Novak Djokovic und Rafael Nadal ihren Halbfinal am Nachmittag bestreiten. Federer scheint aktuell etwas besser in Form, auch wenn Wawrinka nach seinem desolaten Startspiel gegen Nadal immer besser in Fahrt gekommen ist. Vor allem aber ist Federer der klar bessere Hallenspieler. In 20 Spielen gegen den Romand hat er 17 Mal gewonnen, alle drei Niederlagen kamen auf Sand.
Aber die Matches zwischen den Doppel-Olympiasiegern und Davis-Cup-Champions sind bei weitem nicht mehr so einseitig wie zu Beginn. Der vier Jahre jüngere Wawrinka hat seinen übertriebenen Respekt vor seinem reicher dekorierten Landsmann längst abgelegt. Auf dem Weg zu seinem Triumph am French Open liess er Federer erstmals auch bei einem Grand-Slam-Turnier keine Chance. Dieser revanchierte sich im Viertelfinal des US Open.
«Stan ist seit drei, vier Jahren ein anderer Spieler», weiss Federer. «Es ist ihm gelungen, sein Spiel umzustellen und viel näher an der Grundlinie zu stehen.» Er erwartet erneut einen engen Kampf. «Wenn er mental und körperlich fit ist, kann er jeden schlagen.» Es muss ja nicht gleich wieder ein Abnützungskampf wie im letzten Jahr sein. Im Fall des Turniersiegs würde Federer Murray wieder als Nummer 2 der Welt ablösen, der kann sich nun auf den Davis-Cup-Final in Belgien auf Sand konzentrieren. (si/ndö)