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Verträge zur Kontrolle von Kamaz, Darlehens- und Aktienverträge, die Kontoeröffnungsunterlagen, in denen Roldugin sagt, er kenne keine politisch exponierte Person – diese Dokumente gingen spätestens ab 2010 von der Bank Rossija aus direkt nach Zürich, genauer zur Kanzlei Dietrich, Baumgartner & Partner.
Senior-Partner Andres Baumgartner spricht Russisch, sein Büro ist eine bekannte Adresse bei Klienten aus dem Ostblock. Zwei Kunden, die über Jahre mit der Kanzlei in Kontakt standen, sind Wlad. K. und sein Nachfolger von Rossija, die Banker von Roldugin.
«Das könnte Geld aus einer dubiosen Quelle sein.»
Schon unmittelbar nach der Einrichtung der Briefkastenfirmen für Roldugin und dessen Bevollmächtigten Oleg G. eröffnete Wlad nicht nur Konten bei der Vorgängerin der Gazprombank Schweiz, er schaltete auch schon früh Dietrich, Baumgartner & Partner ein.
Verträge zur Kontrolle von Kamaz, Darlehens- und Aktienverträge, die Kontoeröffnungsunterlagen, in denen Roldugin sagt, er kenne keine politisch exponierte Person – diese Dokumente gingen spätestens ab 2010 von der Bank Rossija aus direkt nach Zürich, genauer zur Kanzlei Dietrich, Baumgartner & Partner.
Wlad K. und sein Nachfolger schickten von St. Petersburg aus viele ihrer Dokumente für ihre Offshore-Geschäfte nach Zürich. Von dort gingen diese in der Regel postwendend zu Mossack Fonseca (MF) und landeten in Panama bei den Direktoren, welche die Firmen von Roldugin und Oleg G. formell leiteten.
Über 1800 Dokumente in den Panama-Papieren sind vermerkt mit der Zürcher Kanzlei. Sie war, gemäss den Panama-Daten, ein integraler Bestandteil des gesamten Roldugin-Konstrukts der Bank Rossija.
Aber warum macht sich Rossija so viel Aufwand, einen teuren Schweizer Anwalt einzuschalten zwischen sich und den Direktoren in Panama?
Die Kanzlei wollte keine Stellung nehmen und reagierte auch auf mehrfache Anfragen nicht. Auch MF antwortete nicht auf detaillierte Fragen zu den Rossija-Firmen. Im Allgemeinen sagt die Firma aus Panama jedoch, dass sie nicht selber zuständig sei für die Prüfung von Endkunden wie Rossija, Roldugin oder Oleg G.. Verantwortlich seien die vorgeschalteten Banken und Anwaltsbüros. In diesem Fall wären das Dietrich, Baumgartner & Partner.
Die Daten bestätigen, dass MF glaubte, die Schweizer würden kontrollieren: Am 28. September 2009 bat Wlad K. bei MF darum, ein 54-seitiges Darlehen zu unterschreiben. Es regelt einen Vierjahreskredit der Russian Commercial Bank (RCB) in Zypern an Roldugins Bevollmächtigten in der Höhe von 103 Millionen Dollar. Warum Oleg G. einen dreistelligen Millionenbetrag brauchte, wird nicht erwähnt – auch nicht, dass er irgendwelche Sicherheiten dafür hinterlegen musste.
Kaum erreichte das Papier Panama, herrschte bei MF Alarmstimmung. Alle drei führenden Partner wurden eingeschaltet. Jürgen Mossack höchstpersönlich zog die Notbremse. «Das ist heikel», schreibt er seinen beiden Partnern. «Das könnte Geld aus dubiosen Quellen sein.»
Das Geschäft ging zurück zu Wlad K. Der schrieb, das Darlehen sei für den Kauf von «tank cars» gedacht. Der spätere Bevollmächtigte von Roldugin persönlich musste einen Brief aufsetzen, in dem er MF von allen Schadenersatzforderungen und rechtlichen Konsequenzen aus dem Deal entlastete.
Schliesslich entschied sich MF, das Darlehen zu unterschreiben. Einer der Gründe: «Unser Partner für diesen Kunden ist ein angesehenes Schweizer Anwaltsbüro.»
Jürgen Mossack von der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca zog die Notbremse.
Dietrich, Baumgartner & Partner dienten MF offenbar als eine Art Schutzschild zwischen ihnen und Bank Rossija. Dank dem «angesehenen Anwaltsbüro», das bei allen Deals der Russen vorgeschaltet wurde, müsse man nicht so genau hinsehen, meinten die Verantwortlichen in Panama.
Doch technisch gesehen untersteht ein Schweizer Anwalt dem Geldwäschereigesetz erst, wenn er direkt Zugriff auf Geldflüsse hat. Experten sprechen von einer Gesetzeslücke, weil dadurch die Beratertätigkeit der Anwälte nicht geregelt ist.
Wie dieser Fall zeigt, kann diese Hilfe weitgehend sein. Das Zürcher Büro war in viele Abläufe und auch die Höhe von verschobenen Vermögen eingeweiht. Doch die Zürcher mussten womöglich gesetzlich gar nicht abklären, ob das Geld aus illegalen Quellen stammen könnte, denn es ist nicht ersichtlich, dass die Kanzlei die Vermögen der von Rossija gelenkten Offshore-Firmen steuern konnte.
Das Resultat: Es wurden Darlehen über Hunderte Millionen Dollar unterschrieben, von denen selbst Jürgen Mossack sagte, sie kämen wohl aus dubiosen Quellen: Panama sagte, die Schweiz müsse die Russen prüfen, aber dort fühlte sich womöglich gar keiner zuständig.
In den Hunderten E-Mails mit teilweise sehr erklärungsbedürftigen Deals aus Russland findet sich jedenfalls keine Nachfrage der Kanzlei, woher dieses ganze Geld eigentlich komme.
«Offenbar fühlte sich keiner mehr verpflichtet, die Deals zu prüfen.»