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Schon als Jugendlicher war für Jean-Marie M. klar, dass er in die Fussstapfen seines Vaters treten wollte. Als Manusch 1945 geboren und mit sehr wenig Schulbildung ausgerüstet, machte sich Jean-Marie M. im Alter von 15 Jahren selbstständig und wurde Altstoffhändler. Er sammelte Altmetall ein und kaufte ausrangierte Autos auf, um sie wieder fahrtüchtig zu machen. Fürs Gewerbe reiste er von Ort zu Ort und lebte ganzjährig im Wohnwagen. Er blieb auch ein Fahrender, als er 1973 die damals 20-jährige Laurence S., heiratete, die im Dorf Chamoson im Wallis aufwuchs und ihr sesshaftes Leben für ihren Mann aufgab. Sie lernte das Handwerk des Hausierens und verkaufte Honig und Taschentücher von Tür zu Tür. 1975 kam Tochter Cynthia zur Welt. Als 1977 die Zwillinge Maoulia und Thibaut geboren wurden und die Einschulung der ältesten Tochter anstand, wurde die Familie sesshaft und zog in das baufällige Elternhaus der Mutter.
Doch auch als Sesshafte bleiben sie Aussenseiter: Die Kinder werden in der Schule gehänselt, weil ihr Vater ein Korber sei. Um sie zu schützen, bringen die Eltern die Kinder mit dem Auto zur Schule und holen sie wieder ab, was den Graben zur Dorfbevölkerung noch vergrössert. Kaum jemand kennt Familie M. persönlich, was zu Gerüchten und Vorurteilen führt: Der Vater handle mit Waffen, Diebesgut und Drogen, die Kinder seien schwer erziehbar und verwahrlost. Die Familie wird von der Bevölkerung gemieden und meidet ihrerseits das Dorf – ein Teufelskreis. 1986 kommt der jüngste Sohn, David, zur Welt, die Probleme wiederholen sich: Hänseleien durch die Mitschüler, Abschirmung durch die Eltern, häufiges Fehlen im Unterricht, schlechte Schulleistungen, Schulabbruch ohne Abschluss. Hinzu kommen Geldsorgen: Vom Hausieren und Altstoffhandel kann die sechsköpfige Familie kaum leben, so dass die Eltern gelegentlich in einer Fabrik arbeiten müssen. Als Vater M. dort eines Tages aufgefordert wird, wie alle anderen einen Arbeitsrapport zu führen, gibt er die Stelle auf: Als Analphabet kann er weder lesen noch schreiben – doch er schämt sich, dies dem Chef mitzuteilen.
Trotz der vielen Schwierigkeiten hält sich die Familie irgendwie über Wasser. Der starke äussere Druck lässt den Zusammenhalt noch fester werden. Die grosse Zäsur kommt 1996, als Jean-Marie M. nach einem Herzinfarkt stirbt. Orientierungslos bleiben seine Frau und die Kinder zurück, die meiste Zeit verbringen sie abgeschottet in ihrem Heim. Keines der vier Kinder absolviert eine Ausbildung, so dass sie auf dem regulären Arbeitsmarkt nicht Fuss fassen können. Der ältere Sohn kämpft mit Suchtproblemen, die älteste Tochter ergreift die Flucht und zieht nach Texas, wo sie heiratet. Die jüngere Tochter lebt heute von der Aufzucht von Rassenkatzen, der jüngste Sohn tut es seinem Vater gleich und handelt mit Altwaren und Autos, daneben ist er Musiker und hofft auf den grossen Durchbruch. Die Mutter hat zwar einen neuen Partner mit bürgerlichem Beruf gefunden, dennoch hat sie sich nicht gänzlich assimiliert. Nach wie vor kämpft sie mit aller Kraft dafür, dass sie und ihre Kinder auch in ihrer kulturellen Verschiedenheit einen Platz in der Gesellschaft finden können.