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Die Gründung der Stadt Freiburg
Eines Tages jagte Berthold der Vierte von Zähringen in den Wäldern von Rechthalten. Auf dem Heimwege verirrte er sich und kam vom Gefolge ab. Spät in der Nacht fand er eine Köhlerhütte. Der Köhler nahm den unbekannten Jäger freundlich auf, gab ihm zu essen und bereitete ihm ein Nachtlager.
Als Berthold mit dem hellen Tage aufwachte, fand er sein Jägerwams auf der einen Seite weiß und auf der andern schwarz bestäubt. Er sah sich seine Ruhestätte an und erkannte, dass ihm der Köhler ein Lager aus Kohlensäcken bereitet und einen Mehlsack als Decke gegeben hatte.
Als Berthold vor die Türe trat, staunte er noch mehr. Er erblickte vor sich die Saane und gegenüber auf dem Felsen, im Lichte der Morgensonne, seine Burg. Alsbald war sein Entschluss gefasst, hier eine Stadt zu bauen. Ihr Wappen sollte schwarz und weiß sein.
Zuerst wurde der bestmögliche Bauplatz gesucht. Die neue Stadt sollte nicht an der Saane unten, sondern auf der Felsterrasse entstehen, wo heute das Burgquartier ist. Das Gelände wurde in Grundstücke aufgeteilt und die zukünftigen Strassen und Plätze abgesteckt. Eine Hofstatt (Parzelle) maß 29,20 m auf 17,50 m. Dann erfolgte der Aufruf an die Bevölkerung, sich anzusiedeln. All dies geschah im Jahre 1157.
Hierauf ging alles sehr schnell. Wahrscheinlich wurde eine der zahlreichen Handwerkergruppen, die überall in Europa die neuen Burgen, Klöster, Kirchen und Städte bauten, angeworben, um die Burg und die Ringmauer mit den beiden Stadttoren zu erstellen. Der Ritter von Villars, dem das Land zum Teil gehört hatte, beaufsichtigte im Namen des Herzogs die Arbeiten.
Auch auf den Hofstätten werkten Taglöhner, Maurer, Steinhauer, Zimmerleute. Hier entstanden Häuser und Kleinställe, und es wurden Gärten angelegt und Bäume gepflanzt. Nach drei bis fünf Jahren war das Städtchen gebaut. Bald war auch die Ringmauer errichtet.
Die Handfeste besagte:
Jede Hofstatt soll 100 Fuß lang und 60 Fuß breit sein.
Wir werden unseren Bürgern niemals einen Schultheiß vorsetzen, der nicht von ihnen gewählt worden ist.
Auch Stadtpfarrer, Schulmeister, Sigrist, Torwärter und Weibel sollen die Bürger selbst wählen.
Unsere Bürger dürfen wir auf einen Kriegszug nur so weit aus der Stadt führen, dass sie am gleichen Tag wieder heimkehren können.
Jedem Bürger ist es gestattet, steinerne Bögen vor seinem Haus zu machen und darauf zu bauen.
Wenn ein Hintersasse oder ein Fremder einen Bürger schlägt, soll er an den Stock gebunden und ihm die Kopfhaut abgezogen werden.
Ein Wirt, der den Wein panscht (wässert) oder ihn auf andere Weise fälscht, soll für einen Dieb gehalten werden.
Die neue Stadt übte eine mächtige Anziehungskraft aus. Die meisten Adeligen der Umgebung ließen ein Haus bauen und sich ins Bürgerrecht aufnehmen. Aber auch viele junge Leute zogen her. Sie wurden Dienstboten oder Mägde. Wenn ein Jüngling Glück hatte, wurde er Lehrling. Dann konnte er Geselle und Meister werden. Die Stadt zog auch Fremde, Eidgenossen, Franzosen, Elsässer, Schwaben und Juden an. Viele versuchten, das Bürgerrecht der Stadt zu erwerben. Wer ein Grundstück gekauft hatte, um darauf ein Haus zu bauen, war ein freier Mann. Darum hieß es: Stadtluft macht frei.
Später aber sorgten die Bürger dafür, dass nicht allzu viele ins Bürgerrecht aufgenommen wurden. Zahlreiche Handwerker lebten jahrzehntelang in Freiburg, hatten eine Familie, erwarben Häuser, waren Mitglieder der Zünfte, jedoch nicht Bürger der Stadt. Die Nichtbürger hießen Hintersassen. Sie waren viel zahlreicher als die Bürger.
Die Brunnen
Die meisten Brunnen sind an Wasserleitungen angeschlossen. Man nennt sie Röhrenbrunnen oder Stockbrunnen. Sie sind, wenn die Wasserleitung gebaut ist, vielerorts aufstellbar. Diese Brunnenform war um 1500 die fortschrittlichste und teuerste.
Das Quellwasser wird in einer Brunnenstube gesammelt. Diese liegt auf einer Anhöhe. Sie ist abgeschlossen, damit das Wasser nicht gefriert oder warm und schmutzig wird. Von der Brunnenstube gehen die Wasserleitungen aus. Diese haben ein Gefälle. So bekommt das Wasser Druck.
Im Mittelalter verwendete man meist Holzröhren und offene kleine Kanäle, um das Wasser zum Brunnen zu führen. Es waren also Überlandleitungen. Das Wasser hatte weniger Druck als heute, und es war leicht verschmutzbar. Darum herrschte Angst vor Brunnenvergiftungen. Ein Brunnenmeister hatte die Brunnen zu beaufsichtigen und die nötigen Reparaturen vorzunehmen.
Deutsch und Welsch
Freiburg war von Anfang an eine zweisprachige Stadt. Die Sprachgrenze durchzieht sie noch heute. Als Freiburg in den Bund der Eidgenossen eintrat, begann die führende Schicht, deutsch zu sprechen und die deutsche Sprache zu bevorzugen, obwohl die Mehrheit französisch sprach:
1481 Anstellung deutschsprachiger Schreiber.
1497 Abschaffung der Bekanntmachungen in französischer Sprache.
1497 In der St. Niklauskirche wird deutsch gepredigt.
1501 Unterdrückung sämtlicher französischer Stadtschulen.
1600 Es wird verboten, in den Strassen französische Lieder zu singen und Milch, Senf oder Kutteln in französischer Sprache zum Verkauf auszurufen.
Je größer der Kanton wurde, desto zahlreicher wurde die französische Bevölkerung. Trotzdem wurde Freiburg deutsch regiert. Nach 1798 änderte sich dann das Bild:
1831 Französisch wird Amtssprache.
1857 Es werden während vieler Jahre nur welsche Mitbürger in die Regierung gewählt.
Die Zünfte
Um 1500 gab es in der Stadt Freiburg mehrere Zünfte: Wollweber, Leinweber, Weißgerber, Rotgerber, Pfister (Bäcker), Metzger, Zimmerleute, Steinmetzen, Krämer (Handelsleute), Schmiede, Schneider, Schuhmacher.
Jede Zunft hatte einen Heiligen als Patron. Sein Namenstag wurde feierlich begangen. Die Zünfte besaßen Wirtshäuser. Dem Wirt sagte man Stubenknecht. In der Zunftstube trafen sich die Handwerker.
Ein wichtiger Anlas war die Zunftversammlung: das Bott (das Wort kommt von aufbieten). Der Stubenknecht bot die Zunftgenossen auf Befehl der beiden Zunftmeister zu Versammlungen auf. Diese fanden meist Sonntags statt. Nichtmitglieder mussten sich entfernen. Am Bott wurden neue Lehrlinge vorgestellt oder unfolgsame Lehrlinge getadelt. Man vernahm, wer sich zur Meisterprobe gemeldet hatte oder wählte einen neuen Stubenknecht. Ein Meister verklagte einen Kollegen, der mehr Lehrlinge hielt, als erlaubt war. Oder man zeigte einen "Stimpler" an: das waren Leute, die das Handwerk einer Zunft ausübten, ohne die Erlaubnis zu besitzen.
Die Zünfte sahen es nicht gerne, dass Handwerker aufs Land zogen. Tat es aber einer, so sorgte die Zunft dafür, dass er nur für die Landleute arbeiten und möglichst keine Knechte (Gesellen) und Lehrlinge halten durfte. Die Landschneider und Landschuhmacher beklagten sich. So konnten nicht einmal ihre eigenen Kinder das Handwerk lernen.
Die Lehrzeit betrug bei den Pfistern zwei, bei den Steinhauern drei Jahre. Der Lehrling bezahlte ein Lehrgeld. Dafür erhielt er Kost und Logis. Nach der Lehrzeit begannen die Gesellenjahre. Sie führten die Handwerker in andere Städte und andere Länder. Wer Meister werden wollte, musste das Meisterstück beweisen: ein Steinmetz musste beispielsweise einen Backofen, einen Türrahmen und einen Kellerhals machen.
Die Schneider mussten schwören, kein fremdes Tuch, sondern nur städtisches und solches der Verbündeten zu verwenden. In der Zunftstube der Schmiede war es untersagt, mit Karten und Würfeln zu spielen. Streit unter den vor den Fenstern wartenden Kunden wurde gebüßt.
Freiburg war im späten Mittelalter ein bekannter Tuch- und Leder- Ort. Es stellte nicht nur für die Umgebung, sondern für viele Städte Europas Tuch und Leder her.
In der Stadt Freiburg gab es zwei Weberzünfte. Die eine verarbeitete die Wolle der einheimischen Schafe. Diese Wolle war grob. Aus ihr wurde das billigere Tuch hergestellt. Die andere Weberzunft verarbeitete feinere Wolle aus Frankreich und Deutschland. Das ergab ein teureres Tuch.
War das Tuch gewoben, so musste es noch gewalkt und gefärbt werden. Das war die Arbeit der Tuchbereiter. Nach dem Färben wurden die Tücher an der Saane auf Stangen getrocknet. Waren die Tücher gebündelt und mit dem Stadtsiegel versehen, so brachte man sie auf einen Markt. Ein bekannter Marktort war Genf.
Bruder Klaus soll von den Freiburgern zwei Tücher erhalten haben, ein braunes und ein weißes, weil er sich auf der Tagsatzung von Stans für den Eintritt Freiburgs in den Bund eingesetzt hatte. Heinrich der Zweite, König von Frankreich, wollte an seinem Hochzeitstage in Freiburger Tuch gekleidet sein (1533).
Die Leute, die Leder herstellen, heißen Gerber. Die Rotgerber gerbten Rindshäute. Dabei verwendeten sie Lohe (Eichenrinde), und das Leder erhielt eine rötliche Farbe. Die Weißgerber gerbten Häute der Kälber, Ziegen und Schafe. Ihre Hilfsmittel waren Alaun und Kochsalz. Die Tierhäute kamen aus der Umgebung der Stadt und der Waadt. Die Landleute waren bei Busse verpflichtet, die Eichenrinde nicht verfaulen zu lassen, sondern frisch von den Bäumen zu brechen und zu mahlen und sie nur den Gerbern in Freiburg zu verkaufen.
Mit dem Leder trieben die Freiburger ebenfalls Handel. Wichtigster Marktplatz war Zurzach. Das Wirtshaus "Zu den Gerbern" besteht noch.
Jeden Samstag fand in der Marktgasse (heute Reichengasse) ein Obst- und Gemüsemarkt statt. Schon am Morgen früh brachten die Bauern der Umgebung ihre Waren in die Stadt: Obst, Gemüse, Butter, Käse, Eier. Zwar besaßen viele Stadtfamilien einen Garten oder Kleinvieh. Trotzdem mussten Waren zugekauft werden. Nicht alle waren Eigenversorger. Am Morgen kauften zuerst die Privaten ein. Erst nach zwölf Uhr mittags konnten sich die Wiederverkäufer eindecken. Grosse Tage im Stadtleben waren die Messen. Sie dauerten mehrere Tage und trafen auf Feiertage.
Schon am Tag vorher zogen viele fremde Händler daher: Elsässer, Schwaben, Südfranzosen, Savoyer, Lombarden, Venezianer. Das gab Betrieb.
Freiburg besaß einen guten Namen in Mitteleuropa. Immer mehr Händler suchten die Stadt auf. Der Stadtherr erlaubte, die Messen von drei auf acht Tage zu verlängern und statt zwei, vier im Jahr abzuhalten. In der Handfeste stand geschrieben:
Wenn einer den Frieden auf unserm Markt bricht und einem andern, der sich dorthin begeben hat, Schaden zufügt, verliert er die Gunst des Herrn und der Stadt. Er darf die Stadt nicht mehr betreten, bis er dem Herrn, der Stadt und dem Geschädigten Genugtuung geleistet hat.
Ein Bauer, der etwas auf dem Markt kauft, muss keinen Zoll bezahlen, wenn die Waren weniger als 30 Pfennig wert sind. Sind sie mehr wert, bezahlt er einen halben Pfennig Zoll.
Die Freiburger Kathedrale
Um 1283 begann man mit dem Bau einer neuen Kirche. Die alte ließ man vorderhand noch stehen, um Gottesdienste abzuhalten. Zuerst baute man den Chor (Altarraum), dann folgten das Hauptschiff, die Nebenschiffe und schließlich der 80m hohe Turm. 1490 war man endlich fertig. Da die im gotischen Stil erbaute Kathedrale, das heutige Wahrzeichen von Freiburg, aus Sandstein gebaut wurde, muss sie ständig restauriert werden.