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Da die Nachhaltigen Entwicklungsziele im Jahr 2015 festgelegt wurden und bis 2030 umgesetzt werden sollen, analysiert dieser Blog, die Rolle von UNICEF bei der Erreichung einiger Ziele und erklärt, ob diese bis 2030 überhaupt zur Gänze umgesetzt werden können.
Die Nachhaltigen Entwicklungsziele (auf Englisch Sustainable Development Goals; SDGs) bis 2030 umfassen Massnahmen zur Beendigung der Armut, zur Minderung von Ungleichheiten sowie zur Stärkung der Gesundheit und des Wirtschaftswachstums bei gleichzeitigem Schutz des Planeten. In der Zielsetzung wird deutlich, dass erst dann Erfolge erzielt werden können, wenn Massnahmen zur Verbesserung aller Entwicklungsbereiche getroffen werden. Die Antwort auf die Frage, wie diese Ziele tatsächlich erreicht und umgesetzt werden können, ist einfacher als gedacht: durch globale Zusammenarbeit auf der Grundlage gemeinsamer Visionen und Ziele.
«Unsere grösste Herausforderung in diesem neuen Jahrhundert besteht darin, eine scheinbar abstrakte Idee – die nachhaltige Entwicklung – für alle Menschen auf der Welt Realität werden zu lassen.»
Die Bestrebungen zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele sind ein integraler Bestandteil der Arbeit von UNICEF. Da die Ziele 2015 festgelegt wurden und bis 2030 umgesetzt werden sollen, lohnt es sich, zu analysieren, ob sie noch erreicht werden können oder nicht.
Überwachung
UNICEF überwacht als sogenannter «Global Custodian» bzw. «Co-Custodian» viele jener Ziele, die direkte Auswirkungen auf das Leben von Kindern haben. Insgesamt elf der 17 SDGs werden von UNICEF kontrolliert. Die Themen variieren von Geschlechtergleichheit, Armutsbekämpfung, guter Regierungsführung bis hin zum Klimaschutz. Kein Ziel ist wichtiger als das andere und keines kann erreicht werden, ohne dass die anderen berücksichtigt werden.
Alle Entwicklungsziele aufzuführen, an denen UNICEF beteiligt ist, wäre zu umfangreich. Daher wird in diesem Blog nur auf einige ausgewählte Ziele aus dem breiten Themenspektrum eingegangen, ergänzt durch Beispiele von Programmen, die das nationale Komitee für die Schweiz und Liechtenstein unterstützt hat.
Alle Ziele verfügen über verschiedene Indikatoren, die als Wegweiser für das Erreichen des Gesamtziels dienen. Im Rahmen des Ziels «Keine Armut» überwacht UNICEF den Indikator 1.b.1. Dieser liefert wichtige Informationen über das Wohlergehen von Kindern, indem er die staatlichen Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Sozialleistungen für die arme Bevölkerung überwacht. Zum ersten Mal wird Kinderarmut auf multilateraler Ebene thematisiert. Das bedeutet, dass sich Regierungen nun Gedanken darüber machen müssen, wie sich Armut explizit auf Kinder auswirkt und nicht lediglich auf gesamte Haushalte. Dieser Unterschied in der Messung ist zentral, da Kinder Armut anders erleben als Erwachsene.
UNICEF setzt sich für dieses Ziel ein und fordert Regierungen zur Zusammenarbeit in folgenden Bereichen auf:
- Routinemässige Messung und Überwachung der Kinderarmut;
- Priorisierung der Kinderarmut in nationalen Entwicklungsstrategien und -plänen;
- Ausweitung von kindgerechten Sozialschutzprogrammen, auch im Rahmen der unmittelbaren und längerfristigen COVID-19-Massnahmen der Regierung;
- Investitionen in qualitativ hochwertige soziale Dienste; und Absicherung der Sozialausgaben.
Des Weiteren überwacht UNICEF den Indikator 2.2. Dieser lautet: «Bis 2030 alle Formen der Mangelernährung beenden [...] und den Ernährungsbedürfnissen von heranwachsenden Mädchen, schwangeren und stillenden Frauen und älteren Menschen Rechnung tragen.»
Wachstumshemmungen und Mangelernährung sind eine weitverbreitete Folge weltweiter Konflikte, Pandemien und Klimakatastrophen. Diese Krisen gefährden die globale Nahrungsmittelversorgung und sind die Ursache dafür, dass Kinder nicht genügend Nährstoffe zu sich nehmen können, um ein gesundes Gewicht zu erreichen. Die jüngsten Preiserhöhungen bei Lebensmitteln, Treibstoff und Düngemitteln, die auf den Krieg in der Ukraine und den Mangel an Rohstoffen zurückzuführen sind, können die Situation für unterernährte Kinder gar noch verschlimmern.
Um dieses Entwicklungsziel zu erreichen, fordert UNICEF Regierungen zur Zusammenarbeit in folgenden Bereichen auf:
- Befähigung von Familien, Kindern, Jugendlichen und Frauen, um erschwingliche und nahrhafte Lebensmittel einfordern zu können;
- Verbesserung der Lebensmittelversorgung zugunsten der Kinder;
- Aufbau eines gesunden Ernährungsumfelds für alle Kinder;
- Bereitstellung von Unterstützungssystemen, um die Ernährung aller Kinder zu verbessern;
- und Regelmässige Erhebung, Analyse und Nutzung hochwertiger Daten und Erkenntnisse, um Massnahmen zu steuern und Fortschritte nachzuverfolgen.
Die Rolle von UNICEF bei der Erreichung von Ziel 3 umfasst die Arbeit in den Bereichen gesunde Schwangerschaften (Müttersterblichkeit sowie qualifizierte Geburtshelfende), gesunde Kinder (Sterblichkeit bei Neugeborenen und Kindern unter fünf Jahren) sowie Impfprogramme. Die COVID-19-Pandemie hat die routinemässigen Impfprogramme zum Erliegen gebracht, sodass Infektionskrankheiten wie Kinderlähmung zugenommen haben. Dies erschwert die Verwirklichung des Ziels.
Um dieses Ziel zu erreichen, fordert UNICEF Regierungen zur Unterstützung in folgenden Bereichen auf:
- Stärkung der medizinischen Grundversorgungssysteme, um alle Kinder zu erreichen;
- Fokus auf das Überleben von Müttern, Neugeborenen und Kindern;
- Priorisierung von Gesundheit und Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen, einschliesslich der psychischen Gesundheit;
- und Förderung von Massnahmen, um die Auswirkungen von Naturkatastrophen, komplexen Notsituationen und demografischen Veränderungen auf Kinder und Familien zu verringern.
UNICEF ist für die globale Überwachung von Indikator 4.2.1 zuständig. Dieser beschreibt den «Anteil der Kinder (im Alter von 24 bis 59 Monaten) mit altersgemässer Entwicklung in mindestens drei der vier folgenden Bereiche: Lesen, Schreiben und Rechnen, körperliche Fähigkeiten, sozio-emotionale Fähigkeiten und Lernen». Dieses Ziel ist von entscheidender Bedeutung, da Bildung als der Schlüssel zu einer positiven Entwicklung künftiger Generationen gewertet werden kann.
Der Beitrag von UNICEF zur Erreichung dieses Ziels bezieht sich auf Gerechtigkeit und Inklusion, um allen Kindern – von der frühen Kindheit bis ins Jugendalter – hochwertige Bildungsangebote und Kompetenzentwicklungsprogramme zu bieten. UNICEF arbeitet weltweit mit Regierungen zusammen, um die Qualität und die Inklusion an Schulen zu verbessern.
Überprüfung der Ziele: Sind wir auf gutem Weg, sie bis 2030 zu erreichen?
Keine Armut – Globale Herausforderungen bedrohen den Erfolg
Gegenwärtig ist die Welt nicht auf dem richtigen Weg, um die Armut bis 2030 zu beenden. In ärmeren Ländern ist heute so viel Entwicklungsarbeit nötig wie noch nie zuvor, um den Menschen aus der Armut zu helfen. Was muss also getan werden?
Heute sind 356 Millionen Kinder von «extremen Armut» betroffen, bei der die menschlichen Grundbedürfnisse nicht gedeckt werden. Bedenkt man, dass knapp 2,3 Milliarden Kinder (unter 18 Jahren) auf der Erde leben, bedeutet das, dass die Hälfte aller Kinder weltweit in Armut lebt. Selbst wenn nur ein einziges Kind davon betroffen wäre – die Zahl wäre immer noch zu hoch. Die betroffenen Kinder haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, Nahrung, Wasser, Unterkünften und Bildung. Eine Milliarde Kinder sind von der sogenannten «multidimensionalen Armut» betroffen: diese bezeichnet die Auswirkungen der Armut auf alle Lebensbereiche. Nicht nur ihre finanziellen Ressourcen sind knapp bemessen, sie leiden meist unter schlechter Gesundheit und mangelnder Bildung.
UNICEF setzt sich für Kinder weltweit ein und unterstützt verschiedene Programme zur Armutsbekämpfung. Das nationale Komitee für UNICEF Schweiz und Liechtenstein hilft mit, eine Vielzahl bestehender Programme weltweit zu finanzieren: beispielsweise in Madagaskar werden Programme zur Beendigung von Kinderarbeit umgesetzt.
Kein Hunger – Schaffen wir es, die Zahl der Hungernden bis 2030 zu halbieren?
Es ist ein ehrgeiziges, aber erreichbares Ziel. Keinem Kind sollte die Nahrungsmittelmenge vorenthalten werden, die es für ein glückliches, gesundes Leben braucht. Zwischen 2000 und 2020 nahm die Auszehrung bei Kindern unter fünf Jahren weltweit von 33,1 Prozent auf 22 Prozent ab – die Zahl der von diesem Problem betroffenen Kinder schrumpfte von 203,6 Millionen auf 149,2 Millionen. Zu den jüngsten globalen Herausforderungen gehören die hohen Lebensmittelpreise, die seit 2016 relativ stabil gewesen sind und nun stark angestiegen sind: von 16 Prozent im Jahr 2019 auf 47 Prozent im Jahr 2020.
Um das Ziel zu erreichen, die Zahl der von Auszehrung betroffenen Kinder bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren, muss sich die jährliche Rückgangsrate von derzeit 2,1 Prozent pro Jahr verdoppeln (auf 3,9 Prozent pro Jahr). Besonders ärmere Regionen sind unverhältnismässig stark von Mangelernährung betroffen: Im Jahr 2020 lebten fast zwei Fünftel der von Auszehrung betroffenen Kinder in Südasien und weitere zwei Fünftel in Subsahara-Afrika. Besonders Horn von Afrika besteht aufgrund einer verheerenden Dürrekrise eine starke Ernährungsunsicherheit, und Millionen von Kindern leiden Hunger.
Kinder unter 5 Jahren
Kinder unter 5 Jahren
Gesundheit und Wohlergehen – Mehr Kinder überleben, aber mehr sind von psychischen Problemen betroffen
Die COVID-19-Pandemie beeinflusste als noch nie dagewesenes globales Phänomen die Erreichung aller Nachhaltiger Entwicklungsziele. Sie hatte schwerwiegende Auswirkungen auf das Wohlergehen von Menschen auf der ganzen Welt, besonders stark beeinträchtigt wurde die psychische Gesundheit bei Jugendlichen. Im Jahr 2020 stieg die weltweite Zahl von Angstzuständen und Depressionen um schätzungsweise 25 Prozent, wobei junge Menschen und Frauen am stärksten betroffen waren. Die Auswirkungen von COVID-19 können zudem dazu führen, dass besonders benachteiligte Kinder verstärkt verschiedenen Formen von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt sind.
Um dieses Nachhaltigkeitsziel zu erreichen, müssen demnach die psychische Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern nicht nur eine Priorität für UNICEF Schweiz und Liechtenstein, sondern ebenso für die Regierungen auf nationaler und internationaler Ebene bleiben.
Wir befinden uns auf dem richtigen Weg, die Gesundheit und das Wohlergehen weltweit zu verbessern. Erfreulich ist, dass die globale Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren zwischen 2015 und 2020 um 14 Prozent gesunken ist: von 43 auf 37 Todesfälle pro 1000 Lebendgeburten. Ebenso sank die Sterblichkeitsrate von Kindern in den ersten 28 Tagen nach der Geburt (der Neugeborenenperiode) im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent: von 19 auf 17 Todesfälle pro 1000 Lebendgeburten.
Qualifizierte Geburtshilfe durch geschultes Fachpersonal ist entscheidend für die Senkung der Sterblichkeit von Müttern und Neugeborenen. Zwischen 2015 und 2021 wurden weltweit schätzungsweise 84 Prozent der Geburten von medizinischem Fachpersonal begleitet. Dies war ein Anstieg von 77 Prozent gegenüber dem Zeitraum zwischen 2008 und 2014. Der Anteil in Subsahara-Afrika lag jedoch 20 Prozentpunkte unter dem weltweiten Durchschnitt. UNICEF Schweiz und Liechtenstein fördert die Gesundheitsversorgung von Neugeborenen unter anderem in Ghana, um sicherzustellen, dass alle Kinder eine Überlebenschance haben.
Hochwertige Bildung – Die Auswirkungen von COVID-19 bedrohen den Lernfortschritt
Die COVID-19-Pandemie hat weltweit eine Bildungskrise mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen des persönlichen Lernens ausgelöst. Dies ist ein bedenkliches Hindernis, das bis 2030 überwunden werden muss. Es besteht heute ein sehr hohes Risiko, dass Kinder gar nicht am Schulunterricht teilnehmen können. Besonders benachteiligt sind Mädchen, Kinder mit Behinderungen, Kinder in ländlichen Gebieten und ethnische Minderheiten. Etwa 147 Millionen Kinder haben in den vergangenen zwei Jahren über die Hälfte des vorgesehenen Präsenzunterrichts versäumt.
Dennoch ist es noch nicht zu spät: UNICEF arbeitet erfolgreich daran, dieses Entwicklungsziel wieder auf den richtigen Weg zu bringen. 2021 konnte UNICEF 48,6 Millionen Kindern ausserhalb der Schule Zugang zu Bildung ermöglichen. Darunter befanden sich 6,4 Millionen Kinder, die auf der Flucht waren, und 31,7 Millionen Kinder, die sich in einer humanitären Notsituation befanden. UNICEF Schweiz und Liechtenstein unterstützt dieses Entwicklungsziel aktiv und setzt sich dafür ein, dass alle Kinder eine erfüllende Bildung erhalten. Der Schwerpunkt liegt darauf, Mädchen Zugang zu Bildung zu ermöglichen und das schulische Umfeld lernfreundlicher zu gestalten (z.B. im brasilianischen Amazonasgebiet).
Schlussfolgerung
In sieben Jahren erreichen wir 2030, die Halbzeitmarke ist also erreicht. Viele noch nie dagewesene globale Herausforderungen wie Konflikte, Pandemien und Wirtschaftskrisen haben die bisherigen Bemühungen und die Fortschritte zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele bedroht. Die Ziele sind jedoch speziell darauf ausgerichtet, eine Umgebung zu schaffen, in der Themen wie Bildung, Gesundheit und Armutsbekämpfung von solchen Krisen nicht beeinträchtigt werden. UNICEF ist bestrebt, sämtliche Nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen: Mit dem richtigen Mass an Zusammenarbeit von Einzelpersonen und Nationen können die Ziele bis 2030 zu einem gewissen Grad noch erreichet werden.
Auch nach 2030 dürfen die Bemühungen nicht aufhören: Es wird stets neue globale Herausforderungen und Raum für Verbesserungen geben. UNICEF nimmt seine Rolle bei der Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele sehr ernst und setzt alles daran, sich für alle Kinder weltweit einzusetzen.