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Hochgeachteter Herr Schultheiß!
Bei dem besten Willen & trotz der größten Anstrengungen ist es mir nicht mehr möglich gewesen, vor meiner Abreise von Zürich die Angelegenheit der Versendung des technischen Gutachtens zu ordnen. Ich muß Sie daher bitten, dieses Geschäft besorgen zu wollen. Wollen Sie sich zu diesem Ende hin beliebiges Hülfspersonale von Zürich kommen lassen (Generalsecretär, Secretär u. s. f.), wie Sie nicht etwa vorziehen, für einige Tage selbst nach Zürich zu gehen, um, von andern Geschäften unbeirrt, diese Angelegenheit unter Ihre unmittelbare Leitung zu nehmen. Gewiß haben Sie die Redaction der verschiedenen Arten von Begleitschreiben selbst besorgen müssen. Es ist nach meiner Ansicht auf die Haltung der fraglichen Begleitschreiben Gewicht zu legen. Um Ihnen, so weit es mir möglich ist, die Besorgung dieses weitschichtigen Geschäftes einigermaßen zu erleichtern, sende ich Ihnen beiliegend 1.) Das Verzeichnis der Adressen für die Sendung No I, wie es nach langen Verhandlungen festgestellt worden ist. 2.) Den Entwurf zu einem Begleitschreiben, wie es nach meiner Ansicht an den Bundesrath & an die Cantonsregierungen gerichtet werden sollte. Die Begleitschreiben an die auswärtigen Ministerien u. s. f. könnten, wie mir scheinen will, ungefähr gleichlautend sein: nur wären Ausdrücke wie Ewr. Excellenz, Hohes Staatsministerium der «hBehörden» zu substituiren, bei einzelnen Persönlichkeiten an passender Stelle ein Wort über die einflußreiche Stellung des betreffen| den einfließen zu lassen & den Adressaten gegenüber, welchen erst jetzt das commerzielle Gutachten übersandt wird, wäre der Eingang des Schreibens zu modifiziren. – Es wird Ihnen in den letzten Tagen von Hrn Kunz ein Heft mit einem Entwurfe zu einer Versendungsliste für die verschiedenen Arten von Sendungen zugestellt worden sein. In Betreff dieses Heftes habe ich Ihnen mitzutheilen, daß ich es nicht durchgangen habe. Die Beilage enthält meinen Vorschlag betreffend die Adressen, an welche Sendung No I verschickt werden soll. Ich ersuche Sie über die Adressen, an welche die Sendungen II, III & ff. gelangen sollen, gef. entscheiden zu wollen, ohne einen Vorschlag von meiner Seite zu gewärtigen.
Unmittelbar nach Empfang der Abtheilung VIII des militärischen Gutachtens habe ich an Herrn Oberst Schwarz geschrieben & ihm die drei bekannten Fragen gemäß den Beschlüssen unserer Commission beantwortet. Ich habe ihm mitgetheilt, daß nächste Woche Sitzung des Ausschusses unter Zuziehung der Suppleanten sein werde & daß es erwünscht wäre, wenn er das militärische Gutachten in abschließlicher Redaction in der Sitzung vorlegen könnte.
An Herrn Beckh schreibe ich heute, um ihn zu ersuchen, sein Gutachten über das Grimselproject unter Rücksichtnahme auf die Schrift der Bern'schen Experten, sowie unter Beachtung noch einiger anderer Puncte umarbeiten & in definitive Redaction bringen zu wollen. Da mir kein anderes Exemplar des Gutachtens der Bern'schen Experten als das mir gef. von Ihnen übersandte zur Verfügung steht, so muß ich dasselbe an H. Bekh gelangen lassen. Ich hoffe jedoch, in diesen Tagen in den Besitz weiterer Exemplare zu gelangen, & dann werde ich nicht verfehlen, Ihnen eines derselben zuzustellen.|
Ihre Anfrage in Betreff der Überlassung einer Sendung I Classe v. dem technischen Gutachten an Herrn. Genazzini zu Handen der Londonergesellschaft anlangend will es mir scheinen, es sei an allem zu viel, was man an diese – Lumpengesellschaft gelangen läßt!
Herr Kunz schreibt mir so eben, daß das deutsche technische Gutachten sammt allen Beilagen mit der unsäglichsten Mühe bis Ende dieser Woche werde fertig gebracht werden können. Es werden also Exemplare dem nächste Woche zusammentretenden Ausschusse vorgelegt werden können. Als äußersten Termin für das französische Gutachten bezeichnet mir Herr Kunz Ende Mai.
Ich habe Ihnen heute den Vorschlag Hrn. Stehlin's & meiner Wenigkeit, den Ausschuß auf Donnerstag den 25 Mai nach OIten einberufen zu wollen, telegraphirt. Wie die Arbeiten in unserer nationalräthlichen Commission liegen, dürfte nämlich die letztere noch in die nächste Woche hinein andauern. Mit Rücksicht darauf schien es uns am passendsten, die Einberufung des Ausschusses auf den Donnerstag in der nächsten Woche zu beantragen.
In Beilage beehre ich mich, Ihnen ferner die mir gütigst mitgetheilten Briefe der Herrn Stehlin & Koller, sowie ein von dem letztern an mich gerichtetes Schreiben zu übersenden.
Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung
von Ihrem freundschaftlich ergebenen
Dr A Escher
Bern
17. Mai 1865.