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Quelle: Gwerbziitig Wädi Dienstag, 4. Februar 2021 von Peter Ziegler
Trinkwasser, Gas und Elektrizität zu liefern und nachts die Strassen zu beleuchten, ist heute eine Gemeindeaufgabe. Dabei geht oft vergessen, dass all diese Einrichtungen einst auf private Initiative hin durch Genossenschaften eingeführt wurden.
«Dorfbeleuchtungsgesellschaft Wädensweil»
Für die Beleuchtung der Dorfstrassen und der Plätze sorgte ursprünglich eine private Strassenbeleuchtungsgesellschaft. Sie verdankte ihre Entstehung der Initiative von Arnold Rüegg (1841–1891) zum Florhof, Buchdrucker und Redaktor des «Allgemeinen Anzeigers vom Zürichsee», der die Beleuchtungsfrage in den 1840er Jahren aufgeworfen hatte. 1849 wurde auf seine Anregung hin mit zwei privat betriebenen Laternen der Anfang gemacht. 1851 brannten bereits drei mit Öl gespiesene Strassenlaternen: eine bei der «Krone», eine vor dem «Hirschen» und die dritte bei der «Weinrebe» an der Seestrasse. Von Jahr zu Jahr mehrte sich die Zahl der Laternen. Darum wurde schon 1853 die Bildung einer «Dorfbeleuchtungsgesellschaft» nötig, der alle Laternenbesitzer und Anteilhaber angehörten. Im gleichen Jahr wurde ein Laternenanzünder angestellt, der am Abend sämtliche Laternen anzuzünden und bei Tagesanbruch wieder zu löschen hatte. Nachdem der Gemeinderat ab 1853 einen jährlichen Beitrag an die Betriebskosten ausgerichtet hatte, deckte er 1869 erstmals das Defizit der privaten Gesellschaft. Am 15. Januar 1871 beschloss die Gemeindeversammlung «diese zeitgemässe Schöpfung» zu übernehmen. Fortan sorgte die Gemeinde für den Betrieb und den Unterhalt der 28 im Dorfrayon stehenden Laternen.
Hirschen und Florhof im Jahre 1917. Elektrische Beleuchtung über der Zugerstrasse.
«Quellwasserversorgungs-Gesellschaft Wädensweil»
Da beinahe die Hälfte aller Brunnen und Sodbrunnen im Dorf verunreinigtes Wasser lieferten, stellte sich seit den 1860er Jahren – unter dem Eindruck einer Cholera-Epidemie – die Frage, wie das wachsende Wädenswil mit sauberem Quellwasser versorgt werden könnte. Am 19. Januar 1872 beschloss die Sparkassagesellschaft, mit einem Kredit von 2000 Franken ein «Unternehmen für die Versorgung des Dorfes mit Trinkwasser» zu gründen. Der zugezogene Zürcher Ingenieur Burkhard untersuchte die Quellenverhältnisse in der Umgebung des Dorfes und riet schliesslich, die im Gemeindegebiet Richterswil gelegenen Mülenen-Quellen zu erwerben. 1876 waren die Kaufverträge unterzeichnet, und auf Jahresende konstituierte sich eine Aktiengesellschaft. 146 Aktionäre zeichneten das für die Errichtung der Wasserversorgung nötige Kapital von 120‘000 Franken. In Mülenen wurde eine Quellfassung und ein Pumpenhaus gebaut, im Dorf entstand ein Leitungsnetz, und auf dem Bühl ob Wädenswil wurden zwei Reservoire errichtet, die zusammen 328 Kubikmeter Überschusswasser speichern konnten. Für das Feuerlöschwesen wurden 68 Hydranten an die Leitung angeschlossen und auf dem Weinrebeplatz, wo das Leitungsnetz ausgespült werden konnte, errichtete man einen Spingbrunnen. Am 1. Februar 1878 nahm die «Quellwasserversorgungs-Gesellschaft Wädensweil» ihren Betrieb auf. Die beiden von der Lokomotivenfabrik Winterthur konstruierten Pumpen hoben das Quellwasser aus rund sechs bis sieben Metern Tiefe und beförderten es ins Leitungsnetz. Die Zahl der Bezüger stieg rasch: 1878 waren es 212 Abonnenten, darunter 5 Gewerbebetriebe, 1897 bereits deren 432. Seit 1880 war auch die Gemeinde Richterswil ans Wädenswiler Pumpwerk angeschlossen. Die «Quellwasserversorgungs-Gesellschaft» versah immer mehr öffentliche Aufgaben, so dass sich die Politische Gemeinde Wädenswil entschloss, die Rechte und Pflichten der Aktiengesellschaft auf den 1. Januar 1901 zu übernehmen.
Der 1931 abgebrochene Kronenbrunnen. Im Hintergrund das Haus Merkur.
Seit den 1920er Jahren beklagten sich die Bewohner des Au-Gebietes, welche an die private Wasserversorgung von Gottlieb Haab im Steinacher angeschlossen waren, über die Qualität des gelieferten Quellwassers. Die Behörden schufen Abhilfe: Am 3. April 1927 beschloss die Gemeindeversammlung den Erwerb des privaten Leitungsnetzes und des Reservoirs Langwis sowie den Bau eines Pumpwerks am Fusse des Au-Hügels.
Nachdem die Trinkwasserverhältnisse im Gebiet der Au saniert waren, drängte sich eine Lösung für den Wädenswiler Berg auf. 1934 erwarb die Gemeinde die private, längst nicht mehr genügende Bergwasserversorgung, baute das Versorgungsnetz grosszügig aus und liess auf der Schlieregg ein Reservoir erstellen.
«Gasbeleuchtungsgesellschaft Wädensweil»
Die Anregung zur Schaffung eines Gaswerkes ging vom Wädenswiler Seidenindustriellen Samuel Zinggeler-Huber aus. Nationalrat Walter Hauser, der spätere Bundesrat, nahm den Gedanken auf und warb im Kreis des Männerturnvereins für das Projekt. Am 29. Juli 1873 wurde die private «Gasbeleuchtungsgesellschaft Wädensweil» gegründet, welche zur «Subskription von Gasflammen» aufrief. Die Sparkasse und die Leikasse (später Bank Wädenswil) übernahmen ein Obligationenkapital von 70‘000 Franken; Private zeichneten ein Aktienkapital von 60‘000 Franken. Am 13. September 1874 konnte das neu erstellte Gaswerk an der Eintrachtstrasse eröffnet werden. Es umfasste ein Verwaltungsgebäude, ein Ofenhaus mit Hochkamin, einen grossen und einen kleinen Gasometer sowie verschiedene Kohlenschuppen. Im ersten Betriebsjahr bezogen 76 Kunden Gas. Auch die Strassenbeleuchtung mit 72 Lampen wurde auf Gas umgestellt. Das Gaswerk ging 1908 an die Gemeinde über und wurde im Dezember 1926, nach dem Anschluss von Wädenswil an das Gaswerk Schlieren, abgebrochen.
Gaswerk Wädenswil an der Eintrachtstrasse, in Betrieb von 1874 bis 1926.
«Aktiengesellschaft Elektrizitätswerk an der Sihl»
Auslöser für den Bau des ersten Elektrizitätswerkes in der Region war die Kohlenkrise im Jahre 1889. Verschiedene Betriebe, deren Produktion von der Dampfkraft abhängig war, bekamen ihre Auswirkung zu spüren. Die beiden Industriellen Walter und Jakob Treichler, Inhaber der Wolltuchfabrik am Sagenbach, die an der Weltausstellung in Paris das Prinzip der elektrischen Kraftübertragung studiert hatten, planten mit Hilfe des in Wädenswil ansässigen Ingenieurs und Professors für angewandte Elektrotechnik an der ETH, Walter Wyssling (1862–1945), den Bau des Kraftwerkes Waldhalde auf dem Gebiet der Gemeinde Schönenberg. 1892 bewilligte der Regierungsrat den Bau eines Wehrs in der Sihl bei Hütten, eines Stollens, mit dem das gestaute Wasser in den neu angelegten Tiefenbachweiher geleitet wurde, sowie einer Druckleitung und eines Maschinenhauses an der Waldhalde. Die Baukosten waren auf 1,6 Millionen Franken veranschlagt. Man hatte im Sinn, 1400 Aktien zu 500 Franken auszugeben. Schliesslich zeichneten 239 Aktionäre 2000 Aktien. Am 29. Mai 1893 konstituierte sich die «Aktiengesellschaft Elektrizitätswerk an der Sihl» mit einer Million Aktien- und 600‘000 Franken Obligationenkapital.
Sihlkraftwerk Waldhalde, eingeweiht 1895.
Am 11. November 1895 nahm das Elektrizitätswerk seinen Betrieb auf. Am 24. November brannten im Eidmattschulhaus, im Florhof, im «Engel», bei Dr. Robert Haab und Professor Wyssling die ersten elektrischen Lampen. 1896 wurde die Strassenbeleuchtung elektrifiziert. Kurz nach der Betriebsaufnahme lieferte das Werk den Strom für 58 Motoren mit zusammen 862 PS (rund 634 kW). Auch die Hoteliers hielten mit der Entwicklung Schritt. Auf der Terrasse des Hotels Engel wurden mehrere elektrische Bogenlampen montiert, und im Mai 1896 erstrahlte auch der Du-Lac-Garten im Schein elektrischer Laternen. Besonders geehrt wurden die Ingenieure und Erbauer des Elektrizitätswerks durch das von J.C. Heer verfasste Festspiel «Zum Licht», das die X-Gesellschaft Wädenswil mit glanzvollen Lichteffekten im Engelsaal aufführte. Als im Jahre 1908 die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich gegründet wurden, übernahmen diese das Werk Waldhalde.