Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03402.jsonl.gz/1247

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg gab es noch keine Arbeitslosenversicherung im heutigen Sinne. Die seinerzeit hohe Zahl mittelloser Männer ohne Beschäftigung musste durch ein staatliches Arbeitsprogramm unterstützt werden. Im Rahmen einer solchen Kampagne wurde 1919 die neue Strassenbahnstrecke zum Neuweilerplatz im Stadtviertel Neubad gebaut. Die Inbetriebnahme erfolgte am 7. Dezember 1919. Die Verbindung zum Steinenring beim Schützenhaus konnte allerdings nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. So richteten die Basler Strassenbahnen (B.St.B.) zwischen Schützenhaus und dem Streckenende eine neue Linie mit der Nummer 18 ein. Ein Wagen genügte dabei für den Pendeldienst.
Als die Bauarbeiten beim Schützenhaus beendet waren konnte die Linie 18 vollständig ins Netz integriert und in Richtung Kleinhüningen weitergezogen werden. Der 18er wurde zum Inbegriff für die Neubadlinie. Eng verwandt mit dem 18er war die Linie 8. Sie wurde nach 1945 jedoch zur reinen Bedarfslinie herabgestuft und führte bis 1985 eine unbedeutende Rolle.
1926 wurde die Strecke vom Neuweilerplatz zum Restaurant Weiherhof in der äusseren Neuweilerstrasse weitergezogen und der südliche Endpunkt der Linie 18 dorthin verlegt.
Der nördliche Endpunkt änderte sich im Laufe der Zeit mehrfach und lag zunächst beim Wiesenplatz, später in Kleinhüningen. Zwischen 1923 und 1932 verband der 18er das Neubadviertel auf direktem Weg mit Riehen. 1939 mutierte die stolze Durchmesserlinie zur Radiallinie mit Endpunkt bei der Schifflände, wobei es bei Grossanlässen durchaus vorkam, dass einzelne 18er zur Mustermesse durchfuhren.
Es dürfte um die Jahreswende 1947/48 sein, als der Ce 2/2 169 mit dem C4-Anhänger vom Blumenrain her in die Spiegelgasse einbiegt.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen
Der 18er war die erste Linie der jungen Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), die Ende der Vierzigerjahre mit neuen Grossraumwagen betrieben wurde. Da die vierachsigen Anhänger C4 1401–1415 zeitlich vor den entsprechenden Motorwagen Ce 4/4 401–422 ausgeliefert worden waren, mussten zunächst zweiachsige Zugfahrzeuge herhalten.
1958 erhielt die Linie 18 eine Serie «neuer» Anhänger, nämlich zehn Jahre alte Zweiachser aus St. Gallen. Nachdem weitere moderne Grossraum-Anhängewagen zur Verfügung standen, wurden die St. Galler 1967 ausrangiert und allesamt verschrottet: Mit ihren hölzernen Längsbänken gehörten sie nicht zu den Lieblingen der «Neubädler».
Bis Ende der Sechzigerjahre war es üblich, die Kapazität der Tramzüge durch An- oder Abhängen von Anhängern der Nachfrage anzupassen. Am 16. Mai 1951 steht der Ce 4/4 412 an der Neuweilerstrasse.
© J. H. Meredith (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)
Seit anfangs 1985 fährt die Linie ins Neubadviertel unter der Nummer 8; die Liniennummer 18 wurde seither nicht mehr verwendet.
Bis 1985 waren DÜWAG-Gelenkwagen nur selten zu Gast im Neubadviertel. Um 1970 bedient der Be 4/6 606 die Haltestelle Neuweilerplatz.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen