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access_time veröffentlicht 13.09.2019
Kurz und bündig Heft 39/40, Teil 2
Prof. Dr. med. Reto Krapf
Kurz und bündig Heft 39/40, Teil 2
13.09.2019
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Höhenadaptation: Nicht alles ist Hämatokrit
Der längere Aufenthalt in grösserer Höhe führt zu einer hypoxiebedingten Stimulation des Erythropoetins und damit der Erythropoiese respektive der Erythrozytenmasse. Interessanterweise haben aber Tibetaner, die in ähnlicher Höhe wie die südamerikanischen Andenbewohner leben, einen deutlich tieferen Hämatokrit. Traditionell wurde dieser Unterschied erklärt durch eine relative Resistenz gegen einen hypoxischen Stimulus. Die Tibetaner sind jedoch körperlich belastbarer und angeblich reproduktiv «erfolgreicher».
Eine bemerkenswerte vergleichende Studie an Vertretern dieser beiden Höhenpopulationen bestätigt, dass Andenbewohner nach Transfer in die Höhe über die Zeit einen deutlich höheren Hämatokrit entwickeln als die Sherpas nach dem gleichen Transfer. Trotzdem ist die Erythrozytenmasse bei den Sherpas in ähnlicher Weise erhöht, sodass der relativ normal bleibende Hämatokrit nur durch eine parallele (effektiv auch nachgewiesene) Zunahme des Plasmavolumens («Dilution») erklärt werden kann. Der höhere Hämatokrit der Andenbewohner könnte also kontraproduktiv sein wegen seines sekundären Effektes auf die Blutviskosität. Bei Zunahme des Plasmavolumens, wohl durch eine renale Volumenresorption, wird dies aber verhindert. Da eine akute Hypoxie in der Regel eine Volumendepletion induziert und renal-tubulotoxisch ist, stellt sich die Frage, welches Signal denn die Nieren bei chronischer Hypoxie zu einer Volumenretention animieren könnte. Infundieren die Doping-Ärzte nach Erythropoetin oder Erythrozytenkonzentraten auch zusätzlich noch «Volumen»? Ist somit der Hämatokritwert als isolierter Warnhinweis für vermutetes «Blut-Doping» infrage zu stellen?
Verfasst am 21.08.2019.
© Sjors737 | Dreamstime.com
Osteoporosetherapie: auch Sarkopenie und Insulinresistenz verbessern?
Der sogenannte RANK-Ligand (RANK für Rezeptor-Aktivator des NF-kappa B) stimuliert die Osteoklastenaktivität und damit die Knochenresorption. Mit dem monoklonalen Antikörper Denosumab wird RANKL blockiert, die Osteoklastenaktivierung gehemmt und ein anaboler Effekt auf den Knochen ausgeübt. Eine Forschergruppe um Prof. S. Ferrari aus dem Genfer Universitätsspital berichtet, dass diese RANKL-Hemmung auch die Muskelmasse vermehrt und die Insulinsensitivität (im Muskel) verbessert. Die Expression von Genen, die den Aufbau von Muskelmasse hemmen (z.B. Myostatin), war gehemmt. Die Daten in Tierversuchen und beim Menschen wiesen in dieselbe Richtung.
Verfasst am 21.08.2019.
© Albund | Dreamstime.com
Schicht- und Nachtarbeit bei schwangeren Frauen
65 Studien, die insgesamt fast 200 000 schwangere Frauen eingeschlossen hatten, wurden systematisch analysiert. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die während ihrer Schwangerschaft überdurchschnittlich längere Arbeitszeiten zu erfüllen hatten, einem erhöhten Risiko eines Abortes oder einer frühzeitigen Geburt ausgesetzt waren.
Im Sinne einer Dosis-Wirkungs-Beziehung war die Häufigkeit von Abort/Frühgeburt bei Frauen mit einer Arbeitszeit von mehr als 55 Stunden um 10% höher als bei Frauen, die weniger als 40 Stunden arbeiteten. Ebenfalls war der Einfluss von Schicht- und Nachtarbeit auf diverse andere Endpunkte wie Schwangerschaftshypertonie, Präeklampsie und Geburten von sogenannten «small for date» Kindern wenn auch eher klein, so doch signifikant. Vielleicht mehr als nur ein Schönheitsfehler dieser Studie ist, dass die Autoren die Sicherheit der Evidenz aus den genannten Studien als tief einstufen mussten, in der Schlussfolgerung aber trotzdem diese affirmative Aussage wagen: «Schwangere Frauen mit wechselnden Arbeitsschichten, konstanten Nachtschichten oder längeren Wochenarbeitszeiten haben ein erhöhtes Risiko eines negativen Schwangerschaftsverlaufes».
Verfasst am 11.08.2019.
© Evgeniy Shkolenko | Dreamstime.com
Topische Antiseptika und nicht Antibiotika bei einfacher Impetigo
Die Impetigo ist eine meist kleine Kinder (2–5 Jahre) befallende, infektiöse, oberflächliche Hauterkrankung, meist verursacht durch Staphylococcus aureus. Die britische NICE-Organisation kommt nach Analyse der Literatur zum Schluss, dass bei Kindern in gutem Allgemeinzustand und bei fehlender Blasenbildung (nicht-bullöse Impetigo) topische Antiseptika (z.B. 1% Chlorhexidin Creme 2–3×/Tag für 5–7 Tage) und nicht systemische Antibiotika zur Anwendung gelangen sollten.
Als Alternative zum topischen Antiseptikum kommen topische Antibiotika infrage. Bei bullösen Formen ist Flucloxacillin per os weiterhin erste Wahl.
Verfasst am 20.08.2019.
© Zaharia Bogdan | Dreamstime.com
Ein Effekt ist schon gut genug
Von der antiosteoporotischen Therapie, namentlich den Bisphosphonaten, wurde behauptet, dass sie nicht nur die Frakturwahrscheinlickeit bei Osteoporose verringern, sondern auch die Mortalität senken. Zur Erklärung ging man von Fraktur-bedingten Komplikationen oder einer Dekompensation von vorbestehenden Komorbiditäten im Gefolge einer Fraktur aus. Eine Analyse der publizierten Daten findet nun aber keinen signifikanten Effekt dieser antiosteoporotischen Therapie auf die Gesamtmortalität.
Verfasst am 21.08.2019.
© Photka | Dreamstime.com
Welches ist der am längsten wirkende Säureblocker?
A Esomeprazol 40 mg/Tag
B Lansoprazol 30 mg/Tag
C Omeprazol 20 mg/Tag
D Pantoprazol 40 mg/Tag
E Rabeprazol 20 mg/ Tag
© Andranik Hakobyan | Dreamstime.com
Die etwas salopp als Protonenpumpeninhibitoren (PPI) bezeichneten Medikamente hemmen die H+/K+-ATPase in den Parietalzellen des Magens, vermindern dadurch die Protonensekretion und erhöhen den intragastrischen pH-Wert, was die Abheilung von Schleimhautläsionen beschleunigt. Bei 34 Helicobacter-pylori-negativen Freiwilligen wurde das 24-Stunden-Profil des Magen-pH am Tage 5 nach Beginn der Einnahme von 5 verschiedenen PPI (siehe die vorgeschlagene Antwortenliste; einmal pro Tag morgens, 30 Minuten vor einem standardisierten Frühstück) gemessen. Zwischen den einzelnen PPI wurde eine Auswaschphase von zehn Tagen beachtet. Esomeprazol hielt den Magen-pH während 14 Stunden über dem als protektiv angesehenen Wert von 4, mindestens zwei Stunden länger als die anderen getesteten Medikamente (jene zwischen 10 und 12 Stunden, p <0,001). Antwort A ist also richtig, womit noch nichts Definitives über die klinische Korrelation ausgesagt ist.
Verfasst am 21.08.2019.