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Besuch in Boten am 29. März 2010
Das Mitwirken von NGO’s wird Teil des Problems.
Bei einem Abstecher nach Boten entschied ich mich, mir einen generellen Überblick dieser Region zu schaffen.
Am Abend des 28. März erreichte ich Boten und verliess diesen Ort gleich wieder um den Mittag am 29. März.
Am 28. März spazierte ich herum es fiel mir auf, dass die Anzahl der wilden Tiere vor den Restaurant rückläufig ist. Ich wollte herausfinden, wie weit dies nur vordergründig als Verbesserung anzusehen ist.
Einer der grossen Bären der sich beim letzten Mal in einem der äusseren Durchgänge des Wildtier-Restaurants befand wurde verlegt.
Sie verfrachteten ihn in einer dunkle Ecke im Innern des Hauses, ohne Tageslicht (er war einer der vier Bären mit Ohrmarke die in die Auffangstation in Luang Prabang hätte gebracht werden sollen). Das Restaurant bietet nach wie vor Bärenfleisch an. Die zwei anderen „Gallenbären“ sind noch am gleichen Ort (in einem dieser Restaurants welche Wildtierprodukte ausstellen).
Der Schmuck- und Medizinladen vom Haupthotel/Casino bietet ungehindert Tigerwein, Bärengallenblasen, Elfenbein und eine breite Palette von Flaschen und kleine Päcken mit Bärengallenprodukten zum Verkauf an (bestimmt für den Export durch die chinesischen Touristen – ein klarer Verstoss gegen das CITES-Abkommen).
An der Hauptstrasse existiert ein weiterer Laden (gleicher Besitzer) mit ähnlichen Artikeln. Zum Kauf angeboten wird ein Elefantenzahn, eine Anzahl von Elfenbeinanhänger und eine grosse Palette Sexspielzeuge. Bei einem neu eröffneten Restaurant wird mit Schildern eine Auslese wilder Tiere angeboten, inklusive lebende Bären. Im Allgemeinen scheint es eine Aufräumung gegeben zu haben. Doch der Handel läuft nun mehrheitlich unter dem Tisch - einiges wird nun nicht mehr lebend angeboten sondern tiefgekühlt.
Am nächsten Morgen besuchten wir eine Bärenfarm. Wir hatten keinerlei Probleme rein zu gehen und zu filmen. Dort leben neun erwachsene Bären (die restlichen Bären scheinen während dem Ausbruch des Virus gestorben zu sein). Zusätzlich fanden wir NEUN (!) kleine Bären-Babys!
Sie waren alle so um 2-3 kg und scheinen das gleiche Alter zu haben. Offensichtlich wurden sie alle in der Wildnis gefangen – sie weisen Schürfungen an der Stirn auf die sie sich zuziehen weil sie mit dem Kopf gegen die Eisenstangen stossen. (Die Frau des Besitzers erwähnte, dass diese Bären-Babys in Gefangenschaft geboren wurden, was klar unmöglich ist, denn alle Bären werden in separaten Käfigen gehalten.
Wir fragten sie welches die möglichen Bären-Eltern sind und machten unsere Zweifel offenkundig. Wir schlugen eine DNA-Analysen vor. Selbstverständlich konnten sie uns keine klaren Antworten geben). Der Farm-Besitzer war nicht anwesend - er ist auf reisen. Es würde mich nicht überraschen, wenn er mit weiteren Wildtieren nach Hause kommen würde (im Garten standen diverse leere Käfige herum).
Wir fuhren zu George (CEO von Boten) und informierten ihn über die verschlimmerten Zustände der Farmen. George willigte ein uns in Begleitschutz der Polizei eine Bestandesaufnahme dieser Orte zu erstellen.
George bestätigte, dass er letzten Dezember den Besitzern der vier Restaurant-Bären überzeugen konnte die Bären mitsamt den Käfigen nach Luang Prabang zu bringen (zu spenden). Als ich ihn nochmals fragte warum dies nie geschah, antwortete er jedes Mal mit: „Es kommt auf dich an...“.
Ich wies nochmals darauf hin, dass ich mich mit den Verantwortlichen in Vientianne und Luang Namantha getroffen habe und vom administrativen Ablauf her alles bereit war. „Free the Bears“ war einverstanden sich um diese Bären in ihrer Auffangstation (Luang Prabang) zu kümmern. Zudem hoffe ich, dass in absehbarer Zukunft eine weitere Auffangstation in Boten für die zurück gelassenen Gallenbären entstehen wird.
Es ist unklar, ob diese Bären beschlagnahmt würden oder ob der Besitzer für sie finanziell entschädigt würde. (Der Erwerb der 9 kleinen Bären-Babys zeigt deutlich auf, dass in dieser Hinsicht wenig bis gar kein Wille vorhanden ist um dieser Situation ein zufrieden stellendes Ende herbei zu führen. Zusätzlich sollten für diese neuen Jungbären keine Abfindungen ausbezahlt werden. Dies wäre eine zusätzliche Motivation den Handel weiter zu treiben).
Ich denke, in absehbarer Zeit wird ACRES mehr Bären in ihrer Obhut haben als sie bewältigen können (das Casino in Ton Pheung hat ebenfalls zusätzlich 11 Bären-Babys seit unserem Besuch letzten Dezember). In rasender Geschwindigkeit werden die Wälder leer geräumt.
Leidende Tiere „aufzubewahren“ für eine Auffangstation die vielleicht erst in ein paar Jahren entstehen wird, ist unakzeptabler Tierschutz.
Es ist zunehmend schwierig irgendetwas positives über die Entwicklung in Boten und über die erwähnten Casino-Städte zu berichten. Dies gilt auch für die Casino-Dörfer die überall neu entstehen. Kürzlich wurde darüber in China in einer Fernsehsendung berichtet. Dieser Bericht dokumentierte gleichzeitig die anderen Problematiken in Boten und den umliegenden Casino-Dörfern.