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Zigaretten-Littering ist ein weitverbreitetes Problem, bei dem Zigarettenstummel auf Strassen, Gehwegen und anderen öffentlichen Plätzen entsorgt werden. Dies verursacht hohe Reinigungskosten, verschandelt das Ortsbild und schadet der Umwelt durch die Freisetzung von schädlichen Chemikalien. Der vorliegende Bericht schafft eine Übersicht zum wissenschaftlichen Kenntnisstand im Bereich Zigaretten-Littering. Dafür werden die Einflussfaktoren sowie die Wirksamkeit von Massnahmen untersucht und offene Fragen identifiziert.
Einflussfaktoren und Ursachen von Zigaretten-Littering:
In der Forschung wird prototypisch von einem jungen, männlichen Raucher als Zigaretten-Litterer ausgegangen. Neuere Ansätze nehmen eine differenziertere Perspektive ein und schlagen eine Unterscheidung anhand verschiedener Typologien von Zigaretten-Litterern vor. Ob jemand Zigaretten littert, hängt insgesamt einerseits von individuellen Einflussfaktoren ab, wie Überzeugungen und Einstellungen (z. B. zur Schädlichkeit der gelitterten Zigaretten). Andererseits spielen aber auch soziale Normen eine Rolle, also die Wahrnehmung, dass Zigaretten-Littering gesellschaftlich akzeptiert wird (oder nicht). Auch umweltbezogene Faktoren, wie die Infrastruktur, können das Zigaretten-Littering beeinflussen (z. B. die Anzahl und die Platzierung von Aschenbechern).
Massnahmen:
Um das Zigaretten-Littering wirksam zu reduzieren, müssen bei der Entwicklung von Lösungen diese individuellen, sozialen und umweltbezogenen Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Untersuchte Massnahmen umfassen beispielsweise die Sensibilisierung von Raucherinnen und Rauchern, die Anpassung der Infrastruktur, regelmässige Aufräum-Aktionen oder die Einführung von Bussen. Aufklärungskampagnen und Anti-Littering-Botschaften auf Zigarettenpackungen können das Problembewusstsein der Raucherinnen und Raucher stärken; ihre Wirkung auf das tatsächliche Littering-Verhalten wurde jedoch bisher kaum untersucht. Studien zeigen, dass Bussen nur schwer umsetzbar sind und daher ihre Wirkung eingeschränkt ist. Ein Rauchverbot oder Raucherzonen können hingegen die soziale Norm vermitteln, dass Zigaretten-Littering nicht akzeptiert wird. Die Wirkung der Anzahl Aschenbecher auf das Zigaretten-Littering wird unterschiedlich bewertet, und der Einfluss von Aufräum-Aktionen wurde noch nicht abschliessend untersucht. Nudges, wie das Design von Aschenbechern, werden zunehmend erforscht; es gibt jedoch erst vereinzelte Erkenntnisse dazu. Einigkeit besteht darüber, dass das Problem des Zigaretten-Litterings nur durch ein umfassendes Massnahmenpaket nachhaltig und langfristig reduziert werden kann.
Ungeklärte Fragen:
Es bestehen noch einige ungeklärte Fragen. So ist beispielsweise wenig über verschiedene Zigaretten-Littering-Typen, ihre Einstellungen und Motivationen bekannt – und wie man wirksame Massnahmen spezifisch für einzelne Zielgruppen gestaltet. Ausserdem bleibt unklar, welche Massnahmen für eine effiziente Reduktion des Zigaretten-Litterings idealerweise kombiniert werden sollten. Zukünftige Forschung sollte deshalb zielgruppenspezifische Massnahmen sowie Massnahmen-Kombinationen systematisch evaluieren. Eine methodische Schwäche in der bisherigen Forschung ist, dass viele Erkenntnisse auf selbstberichtetem Verhalten beruhen und somit durch soziale Erwünschtheit verzerrt werden. In zukünftigen Studien sollte daher die Wirksamkeitsmessung mittels Erfassung des tatsächlichen Littering-Verhaltens erfolgen.
Nach Corona-Schock: Littering nimmt wieder ab
Nachdem die Littering-Situation in der Schweiz während der «Corona-Jahre» 2020 und 2021 angespannt war, wurde der Trend zur Verbesserung von vor der Pandemie 2022 wieder fortgeführt. Das zeigen die Ergebnisse der jährlichen Umfrage der IG saubere Umwelt (IGSU).
In den vergangenen zwei Jahren schlugen viele Schweizer Städte und Gemeinden Alarm, die während der Lockdowns eine deutliche Zunahme des Litterings beobachtet haben. Die IGSU-Umfrage zeigt nun, dass sich die Situation nun wieder deutlich entspannt hat und sich der Trend hin zu einer Verbesserung der Littering-Situation fortsetzt.
Von Mai bis September 2022 befragten IGSU-Botschafter-Teams 2391 Passantinnen und Passanten in 34 Schweizer Städten und Gemeinden in allen Landesteilen zum Thema Littering. Gemeinsam mit Dr. Ralph Hansmann, Dozent für Nachhaltigkeitswissenschaften am Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich, wurden die Antworten ausgewertet.
Nur 7.6 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass am Ort der Befragung «eher viel» oder «viel gelittert wird. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 8.6 Prozent. 79.9 Prozent finden hingegen, dass vor Ort «eher wenig» bis «wenig» Littering liegt; 2021 waren noch 79.3 Prozent dieser Meinung.
Auch auf die gesamte Schweiz gesehen, hat sich die Situation verbessert: Während 2015 noch 25 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass in der Schweiz «eher viel» oder «viel» gelittert wird, waren es 2022 noch 19 Prozent. Dass sich die Situation verbessert hat, zeigt sich auch daran, dass sich dieses Jahr nur noch 28 Prozent der Befragten «eher stark» oder «stark» an Littering stören. Vor sieben Jahren waren es noch 75 Prozent, 2021 waren es knapp 50 Prozent.Detaillierte Auswertung hier
2015 wurden bestehende Beispiele unter die Lupe genommen wurden. Dafür wurden in einem ersten Schritt erste Voranalysen und Recherchen durchgeführt und auf deren Basis standardisierte Experteninterviews mit Organisatoren bestehender oder geplanter Raumpatenschaften in der Schweiz geführt. Es konnten wertvolle Informationen zur effektiven Planung und Umsetzung von Raumpatenschaften in der Praxis abgeleitet werden.
In der zweiten Studienphase wurde 2016 untersucht, wie sich Raumpatenschaften auf die Sauberkeit vor Ort auswirken und ob Hinweisschilder zusätzlich helfen, das Littering zu reduzieren und die Bevölkerung für das Littering-Problem zu sensibilisieren.
Aus den Erkenntnissen der Studie wurde einen Leitfaden für die effektive Realisierung von Raumpatenschaften in der Praxis abgeleitet. Mehr Informationen dazu: Hier
Das Feldexperiment besätigt: Der Einsatz von Plakate wirkt sich positiv auf das Littering-Verhalten der Passantinnen und Passanten aus. Das beste Resultat lieferten Plakate mit einer witzigen Botschaft sowie Plakate, die zur Schonung der Umwelt aufriefen. Am schlechtesten – aber immer noch klar besser als die Situationen ohne Plakat – schnitt das Plakat ab, das im Befehlston zur korrekten Entsorgung aufrief.Download der Studie
In Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, Prof. Ralph Hansmann, hat die IGSU eine Studie zur Wirksamkeit von Sensibilisierungsgesprächen durch IGSU-Botschafter-Teams und zum Erfolg verschiedener Plakat-Slogans durchgeführt.
Die Studie besätigt den Erfolg des Botschafter-Konzepts: Besonders zielführend für die Sensibilisierung der Littering-Problematik ist eine direkte Ansprache und ein freundlicher, witziger Kommunikationsstil. Diese Erkenntnisse, die auf einer Umfrage beruhen, werden in diesem Jahr zusätzlich durch eine Feldstudie vertieft.Download der Studie
Die FehrAdvice & Partner AG untersuchte im Auftrag von IGSU, IG DHS und McDonald's Schweiz das Littering in der Schweiz. Die 2014 veröffentlichte Studie hat den Titel «Littering in der Schweiz – Studie zur Wirksamkeit von Massnahmen unter Berücksichtigung verhaltensökonomischer Erkenntnisse».
Die Studie untersucht – auf Basis von wissenschaftlicher Evidenz – erstmals den Einfluss von verschiedenen Kontexten auf das Littering-Verhalten. Das Hauptinteresse der Studie gilt dabei insbesondere der Frage, ob eine generelle gesellschaftliche Norm zu littern existiert oder ob vielmehr das soziale Umfeld, der jeweilige Ort oder die Tageszeit sowie auch individuelle Eigenschaften das Littering-Verhalten bestimmen. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit von aktuell diskutierten Massnahmen zur Eindämmung des Litterings in der Schweiz untersucht und mit wissenschaftlicher Evidenz beurteilt.
Weitere Informationen und Download der Studie auf der Website von Littering in der Schweiz.