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Im Saum stand einst das erste gemeindeeigene Schulhaus
«Eines schönen Maimorgens im Jahre 1901 zogen meine liebe Mutter und ich vom Kalkofen herauf – ich mit dem ‹Lismerkörbchen›, Nadeln und Garnknäuel, durch Wiesen gegen den Wald, der sich neben dem Kammernholz fand. Jetzt müsse ich das Schulhaus alleine finden, sie müsse wieder zur Arbeit, sagte die Mutter zu mir.» Der Text, aus dem dieser Ausschnitt stammt, wurde von Frieda Nef verfasst und gehört zur Sammlung von historischem Material im Schulhaus Saum. «Die Arbeitslehrerin Fräulein Lanker nahm uns liebreich in ihre Lehrstube auf. Am Nachmittag des ersten Schultages ging es per Schultornister zu Herrn Lehrer Hunziker, um uns das Lesen, Schreiben etc. beibringen zu lassen.» Die Rede ist vom ersten gemeindeeigenen Schulhaus in Herisau, das 1829 im Saum gebaut worden war.
«Hie und da ein ungeratenes Bengeli»
Frieda Nef berichtet weiter: «Von 1904 an gings ins neuere, grosse, auch helle Schulhaus, das ca. 1898 eingeweiht worden war und daneben stand. Zum Spiel hatten wir einen ebenen Platz, wo auch Kletterstangen für unsere Buben abgebracht waren.» Johannes Hunziker wohnte und arbeitete von 1898 bis 1930 im Schulhaus Saum. Er unterrichtete sowohl die grösseren Kinder in der Übungsschule wie auch die erste bis dritte Klasse. «Die Kinder, wie sie direkt von der Mutter kamen, unverdorben und nicht verwöhnt, wurden mir je länger je lieber», ist in einer Niederschrift zu lesen. «Wenn auch hie und da ein ungeratenes Bengeli sich einfand, so wurde es vom Geist der Klasse mitgerissen und liess seine Hörnlein erst auf dem Schulplatz oder dem Schulweg hervortreten.»
Widerlicher Geruch und kein Wasser
Anfangs der Sechzigerjahre wurde eine Kommission ins Leben gerufen, die sich mit der Situation im Saum auseinandersetzte. Die gestiegenen Schülerzahlen und die hygienischen Verhältnisse brachten eine Diskussion über einen Neubau in Gang. Die Schulärztin liess sich in der Zeitung vernehmen: «Bereits im Eingangsbereich macht sich von den Aborten her ein widerlicher Geruch bemerkbar. Die Aborte mit den geringsten notwendigen Einrichtungen bedeuten eine akute Gefährdung der Gesundheit. Da Kinder in vermehrtem Masse genötigt sind, diese Orte aufzusuchen, können in der Weise Krankheitserreger in Form von Epidemien ungehindert verbreitet werden.» In einem der beiden Schulhäuser sei nirgends fliessendes Wasser zugänglich. Und bei grosser Kälte könne die Hitze in Ofennähe fast unerträglich sein und dennoch die Temperatur an den Fensterplätzen für sitzende Arbeit zu tief bleiben.
Blätter von Heften zur Abdichtung
Bei einer Stimmbeteiligung von 55 Prozent sprachen sich die Herisauer am 14. Dezember 1969 für den Kredit von 1,2 Millionen Franken für den Neubau aus: 1189 stimmten Ja, 899 Nein, 48 Stimmzettel waren leer oder ungültig. «Immerhin rund 43 Prozent der Stimmenden haben den Neubau abgelehnt. Man geht wohl kaum fehl, dass dies zumindest ein beträchtlicher Teil der Nein-Stimmer tat, weil er eine klare Schulbaukonzeption in unserer Gemeinde vermisste und befürchten musste, der Neubau im Saum trage weder den Verhältnissen im Dorf noch der schnell wachsenden Bevölkerung im Ostbezirk Rechnung.» So kommentierte der Chefredaktor der Appenzeller Zeitung. Gleichzeitig bewilligten die Stimmbürger die Schaffung einer dritten Lehrerstelle im Saum sowie die Umwandlung von einer Halbtages- in eine Ganztagesschule. Das alte Gebäude wurde für Übungen der Feuerwehr dreimal in Brand gesteckt. Beim Abbruch kamen in den Spalten der aufeinanderliegenden Balken beschriebene Blätter von Aufsatzheften zum Vorschein. Ein Lehrer hatte diese wohl einmal als Abdichtung hineingeklebt. Auch eine zerknitterte Schweizerkarte wurde entdeckt.