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Arbeitsrecht und IV nach Transplantation
1. Grundsätzliches zur IV
Die primäre Aufgabe der Invalidenversicherung ist die Eingliederung / Wiedereingliederung der Menschen, und nicht etwa die Rentenzahlung. Die Eingliederung erfolgt entweder durch medizinische, oder durch berufliche Massnahmen. Daneben hat die IV auch noch Geldleistungen anzubieten, so die Hilflosenentschädigung oder die Rentenzahlungen, sowie die Taggelder bei Eingliederungsmassnahmen.
2. Was ist neu in der IV seit der Revsion vom 1.1.04
Im Rahmen der 4. IVG-Revision wurde ein differenzierteres Rentensystem mit 4 Renten eingeführt, und dies bei einer Abstufung von einem Invaliditätsgrad von 40% bis 50%, von 50% bis 60%, von 60% bis 70% und von 70% bis 100%. Diese differenziertere Regelung bringt u.a. eine Verbesserung in dem bei einer Erhöhung des Einkommens nicht mehr mit einem Verlust von einer halben Rente, sondern höchstens noch mit dem Verlust von einem Viertel zu rechnen ist. Anderseits bringt diese Erneuerung eine Verschlechterung für jene Personen, deren Invaliditätsgrad zwischen 66,6% und 70% liegt, und die am 01.01.04 noch nicht 50 Jahre alt sind. Bei diesen jüngeren Bezügern wird von Amtes wegen eine Rentenrevision durchgeführt. Bei über 50-jährigen Bezügern wird die Rente im bisherigen Umfang ausbezahlt (Wahrung der Besitzstandsgarantie).
Keine Zusatzrente für Ehegatten
Die Zusatzrenten von 30% für Ehegatten wurden per 01.01.04 abgeschafft, wobei auch hier die Besitzstandsgarantie gewahrt wird, d.h., Ehegatten, die vorher Zusatzrenten erhielten, werden auch weiterhin solche erhalten.
Erhöhte Grundentschädigung bei Taggeldern während der Eingliederungszeit
Da die primäre Aufgabe der Invalidenversicherung in der Eingliederung besteht, soll das Taggeld den Unterhalt des Versicherten während dieser Eingliederungszeit sicherstellen. Diese Grundentschädigung wurde neu auf rund 80% des massgebenden Erwerbseinkommens erhöht.
Kompetenzerteilung an den Bundesrat, allenfalls befristete Pilot- versuche durchzuführen mit dem Ziel, die Arbeitgeber für ein vermehrtes Anstellen von invaliden Personen anzuhalten.
Diese Neuerung könnte für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben von invaliden Personen einen grossen Fortschritt bringen, wenn ihnen die Möglichkeit geboten würde, nicht nur in geschützten Werkstätten einer geregelten Arbeit nachzugehen, sondern auch an normalen anderen Arbeitsstellen. Dies bedingt aber m.E. noch grosses Umdenken in der Wirtschaft, herrschen doch viele Vorurteile, dass Personen mit körperlicher Behinderung gleichzeitig auch intellektuelle Einschränkungen haben. Den Arbeitgebern muss deshalb gezeigt werden, dass sie von diesen Personen Leistungen bekommen und nicht Behinderung.
3. Probleme mit der IV?
Die IV-Anmeldung hat baldmöglichst, nicht aber vor 8 Monaten zu erfolgen, und wenn immer möglich mit Hilfe und Absprache des Hausarztes. Ein zu frühes Gesuch ist unnütz und wird von der IV entsprechend zurückgeschickt. Entscheidend bei einem Anspruch auf eine IV-Rente ist, dass eine ohne wesentlichen Unterbruch bestehende Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40% besteht, und zwar während der Dauer eines Jahres, oder wenn eine Person mindestens 40% bleibend erwerbsunfähig geworden ist.
4. Überbrückung Wartefrist
Es ist wichtig zu wissen, dass dem Gesuchsteller bis zum Zeitpunkt der Invaliditäts-bemessung durch die IV-Stelle oder der dann noch Monate dauernden Rentenberechnung durch die zuständige Kasse, kein Anspruch auf Versicherungsleistungen zusteht. Eine vorzeitige Rentenzahlung gibt es in der IV nicht. Versicherte müssen somit monate- oder gar jahrelang eigene Lösungen suchen.
Möglichkeiten der Überbrückung: eigenes Vermögen aufbrauchen bis zu einem Freibetrag von ca. Fr. 4‘000.-- , öffentliche Fürsorge / Sozialamt, konkrete Gesuche an soziale Institutionen mit Pflicht zur Rückzahlung, Verwandtenunterstützung gemäss ZGB
5. Massnahmen
Grundsatz: Massnahmen sollten den Fähigkeiten und Neigungen der Versicherten so weit als möglich Rechnung tragen.
Möglichkeiten: Berufsberatung,Wiedereinschulung im angestammten Beruf, Umschulung: Verbesserung der Erwerbsfähigkeit durch das Lernen eines neuen Berufes, Arbeitsvermittlung, Pilotversuch: - Anreiz an Wirtschaft, vermehrt Invalide anzustellen.
6. Die Zukunft der IV
- Mögliche Einführung eines Früherkennungssystems
- Mögliche Einführung von limitierten Renten
- Einführung von IV-Fachärzten
7. Einige Begriffe
Krankheit: ist jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist, und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.
Unfall: ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder gar den Tod zur Folge hat.
Arbeitsunfähigkeit: ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingt, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten.
Erwerbsunfähigkeit: ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeit auf dem in Betracht kommenden Arbeitsmarkt.
Invalidität: ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
8. Fragen aus dem Auditorium
Frage: Sind Transplantierte im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs verpflichtet zu sagen, dass sie transplantiert sind?
Antwort: Grundsätzlich muss eine Transplantation nicht angezeigt werden. Da aber öfters mit Absenzen zu rechnen ist, wäre es sinnvoll mit dem Chef darüber zu reden.
P.S. Absenzen mehr als 2 Monate im Jahr, kann Ferienabzug geben.
Frage: Wie viel darf ich verdienen, damit ich meine Rente nicht verliere?
Antwort: Das valide Einkommen wird mit invalidem Einkommen verglichen, es wird der IV Grad in % bestimmt. Neu: ab l.l.04 gilt die neue IV-Grad-Abstufung und damit die ¾ Rente. Die Kontrolle der IV-Bezüger wird künftig verschärft. Betrifft jedoch nicht die über 50-jährigen. Ein geringerer IV-Grad als 40% schliesst die Leistungen aus.
Frage: Wie ist die wirtschaftliche Eingliederung möglich?
Antwort: Berufsberatung, Neuer Beruf, Arbeitsvermittlung, Pilotversuche, Anreiz der Arbeitgeber fördern um vermehrt Invalide einzustellen.