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Militärstation (Itinerar des Antoninus und Peutinger-Tafel); eine befestigte römische Ansiedelung, die den Zweck hatte, die teils nach S. über die Alpen, teils nach N. zum Bodensee und dem s. Germanien sich erstreckenden Strassenzüge zu schützen, wurde sehr wahrscheinlich kurz nach der Unterwerfung der Rätier durch die Römer (15 Jahre v. Chr.) angelegt und zwar auf jener hiezu sehr geeigneten Felsterrasse, welche heute den bischöflichen Hof trägt. Von dem ursprünglichen Castrum hat sich noch der Turm Marsöl erhalten, wogegen ein zweiter, Spinöl, zerfallen ist.
Dass die Stadt bald zu einer gewissen Bedeutung gelangte, beweist der Umstand, dass schon im Jahre 451 ein Bischof Asimo genannt wird. Für eine römische Ansiedelung auch ausserhalb des Castells, namentlich im Welschen Dörfli, der auf der linken Seite der Plessur sich westwärts hinziehenden Vorstadt, in St. Margarethen und bei der Biene (wo heute das städtische Krankenhaus steht), sprechen zahlreiche Funde von Mauerresten, Münzen, Idolen (besonders 1806, 1851 und 1895) etc. Zum Schutze gegen einen von N. kommenden Feind hatten die Römer bei Masans eine noch im Mittelalter bestehende Letzi erbaut.
Die im bischöflichen Hof entdeckte und heute im Rätischen Museum aufbewahrte Mosaik stammt aus der ersten Zeit nach der Einführung des Christentums, da der Bau der Domkirche in Angriff genommen wurde. Unter den ersten Bischöfen finden wir eine Anzahl von bedeutenden Männern; von einem derselben, Valentinianus, hat sich eine Inschrift erhalten. Von wichtigen Urkunden aus alter Zeit ist besonders zu nennen das Testament des ums Jahr 700 gestorbenen Bischofs Tello. Ein in Masans gefundener Münzschatz datiert aus der Zeit Otto des Grossen.
Nach Auflösung des weströmischen Reiches kam das Land im Jahre 493 unter die Herrschaft der Ostgoten, welcher 536 die der Franken folgte, unter welchen ein mächtiges, vielleicht einheimisches Geschlecht, die Victoriden, das Land als Praesides Raetiae verwaltete. Durch Besetzung des bischöflichen Stuhles suchten sie die geistliche und weltliche Macht in ihrer Hand zu vereinigen, ein Verhältnis, dem Karl der Grosse 814 durch Einsetzung eigener Grafen ein Ende machte.
Durch Schenkungen, welche die deutschen Kaiser dem durch Drangsale verschiedener Art verarmten Bistum machten, geriet die Stadt immer mehr unter die Botmässigkeit desselben und wurde auch vielfach in dessen Fehden hineingezogen. Unter der ursprünglich wohl nur ackerbautreibenden Bevölkerung bildete sich aber nach und nach, wohlinfolge des lebhaften Transites u. der Entwicklung der Gewerbetätigkeit, ein selbstbewusster Bürgerstand, der auch seinen Anteil an der Stadtverwaltung haben wollte. Da das Bistum diesem Anspruche nur Widerstand entgegensetzte, kam es zu Reibereien, und 1418 zu einer förmlichen Belagerung, Erstürmung und Plünderung des bischöflichen Hofes durch die Bürgerschaft. In dem durch Zürich und einzelne Gotteshausgemeinden vermittelten Frieden wurde das Bistum zur Abtretung verschiedener Rechte an die Stadt verpflichtet.
Die Ansprüche der Bürgerschaft waren damit aber noch nicht befriedigt, und es blieben auch in der Folgezeit
Reibereien nicht aus, jedoch ohne dass die Stadt weitere
Freiheiten und Rechte erlangt hätte. Als dann aber im Jahre 1464 die
Stadt
Chur durch eine grosse Feuersbrunst fast ganz zerstört worden war, verlieh ihr Kaiser Friedrich III. neben verschiedenen
andern sehr wichtigen Rechtsamen die Befugnis, sich um 700
Mark vom Bistum gänzlich loszukaufen und sich
eine Zunftverfassung zu geben.
Die freie Reichsstadt
Chur nahm von da an einen kräftigen Aufschwung, doch gestaltete sich ihre Entwicklung in der Folge
nicht sehr ruhig. Die Stadt, welche 1526 sich zur Reformation bekannte - als Reformatoren in
Chur wirkten besonders
Joh. Comander, 1523-1557 Pfarrer zu
St. Martin, Ph. Galitius, 1550-1566 Pfarrer zu St. Regula -, wurde mit den
Drei
Bünden
in alle die wilden politischen und religiösen Parteikämpfe und Kriege hineingezogen und hatte zudem mehrmals durch schwere
Feuersbrünste, Pestseuchen u. Missernten schwer zu leiden.
Erst im 18. Jahrhundert folgte eine Periode grösserer Ruhe, aber auch politischer Stagnation, aus welcher
die in den neunziger Jahren einmarschierenden Russen u. Franzosen das ganze Land sehr unsanft aufrüttelten und
Chur speziell
einer finanziellen Erschöpfung des Gemeinwesens sowohl als der einzelnen Bürger entgegenführte. Erst von 1803 an, in welchem
Jahre Graubünden
definitiv mit der Eidgenossenschaft verbunden wurde, datiert eine im grossen und ganzen friedliche
und gedeihliche, nur durch kleinere
Stürme unterbrochene Entwicklung des Kantons, sowohl als seiner Hauptstadt, die der Mittelpunkt
eines regen politischen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens wurde. Im Jahre 1840 musste auch die bis dahin beibehaltene
Zunftverfassung einer den modernen Begriffen besser entsprechenden weichen. An der
Spitze der Stadt stunden
nun ein frei aus den gesamten Bürgerschaft gewählter Bürgermeister, Kleiner und
Grosser Stadtrat; die zahlreichen Niedergelassenen
hatten am Regimente noch keinen Teil, bis im Jahre 1874 durch eine abermalige Revision der Verfassung an Stelle der Bürgergemeinde
die Einwohnergemeinde mit einem
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Stadtpräsidenten, Kleinem und Grossem Stadtrat an der Spitze trat.
Die Bürgerschaft mit Bürgermeister u. Bürgerrat besteht seither nur noch als eine rein bürgerlich ökonomische Korporation zur Verwaltung des ausgeschiedenen bürgerlichen Vermögens. Das geistige Leben der Stadt erhielt reiche Anregung durch eine Anzahl bedeutender Männer, die als Lehrer an der Kantonsschule wirkten, das wirtschaftliche wurde mächtig gefördert durch den Bau der ins Innere des Kantons führenden Strassen, deren Netz sich immer mehr ausbreitete, sowie durch die im Jahre 1858 eröffnete Eisenbahn nach Zürich und St. Gallen, erlitt aber einen herben Schlag durch die Eröffnung der Gotthardbahn, welche den bisher über die Bündner Alpenpässe geleiteten Transit völlig abzog.
Glücklicherweise ist es
Chur seither gelungen, andere Einnahmsquellen zu eröffnen, und es darf darum getrost gesagt werden,
dass die Stadt fortwährend in einer Periode gedeihlicher Entwicklung sich befindet. Es geht dies auch sehr deutlich aus
der zwar nicht sehr schnellen, aber stetigen Zunahme der Bevölkerung hervor. Die Einwohnerschaft zählte
bei der eidgenössischen Volkszählung von 1860: 6990;
1870: 7487;
1880: 8753;
1888: 9259 u. 1900: 11706 Köpfe.