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Noch nie war Sven Riederer über eine ganze Saison hinweg so stark, wie in diesem Jahr. Seine Resultate in der World Championship Series (WCS) 2011 brachten ihn auf Platz vier der Weltrangliste.
Kaum war die Saison 2011 mit dem «Grand Final» in Peking vorbei, begann bereits die neue. Das Rennen in Yokomama zählt schon zur Serie 2012. Wie hat sich das auf deine Planung und Erholung ausgewirkt?
Gut; das Rennen in Yokohama war eine Ausnahme. Das hätte ja früher im Jahr stattfinden sollen und wurde wegen dem Unglück in Japan abgesagt. Ich war so fokussiert auf Peking, dass in Yokohama meine Batterien völlig leer waren. Aber es lag auf dem Heimweg von Peking, also nahm ich das noch mit (Die leeren Batterien brachten Sven immerhin auf den 12. Rang). Viele Athleten liessen das Rennen aus, denn nächstes Jahr konzentrieren sich sowieso alle auf Olympia.
Als vor drei Jahren die World Championship Series eingeführt wurden und der WM-Titel nicht mehr an einem Eintagesrennen vergeben wurde, warst du nicht so begeistert. Wie sieht das heute aus?
Es ist super, wie sich der Triathlonsport dank der Serie weiterentwickelt hat, mit den grossen Anlässen und regelmässigen Direktübertragungen am Fernsehen. Ich bin immer noch in Eintagesrennen am besten. Das hat man in Peking wieder gesehen. Das Rennen war besetzt wie früher an Weltmeisterschaften. Wäre es eine WM gewesen, wäre ich jetzt Vize-Weltmeister. So bin ich Vierter.
Bist du damit nicht zufrieden? Du warst noch nie über eine ganze Saison hinweg so stark.
Doch, die Nummer Vier der Welt zu sein, ist für mich ein super Resultat. Ich erinnere mich an unser Gespräch vor ein paar Jahren. Ich sagte damals: ich muss mich herantasten. Ich muss herausfinden, wie ich es mental auf die Reihe kriege, über eine Saison hinweg in Topform zu sein. Das klappte dann von Jahr zu Jahr besser.
Hättest du gedacht, dass du mit dreissig Jahren so stark bist wie nie zuvor?
Nein, vor allem nicht in der Zeit um die Olympischen Spiele in Peking, als ich eine Krise hatte und mir die Sinnfrage stellte. Aus dem habe ich mich herausgearbeitet, indem ich mit «MOOVEMEE.ch» (ein Sportmarktplatz auf dem Internet) ein Projekt realisiert habe, das ein guter Ausgleich zum Sport ist. Ich kann nicht vom Aufstehen bis zum Schlafengehen nur an Triathlon denken. Meine Familie hilft mir natürlich auch dabei.
«Ich bin immer noch in Eintagesrennen am besten.»
Der ehemalige Spitzenläufer Christian Belz soll versucht haben, dir das Kopfwackeln beim Laufen auszutreiben. Nicht ganz erfolgreich, würde ich sagen.
Die Lauftechnik ist nach wie vor nicht meine Stärke. Aber sie ist viel besser geworden. Und schliesslich ist das mein Stil, mit dem ich schnell bin. Christian ist stilistisch das Mass aller Dinge. Ich werde nie so laufen und muss es auch nicht.
Aber du würdest auch sagen, dass du vor allem im Laufen stärker geworden bist?
Nein, ich bin gesamthaft schneller geworden. Das ist auch nötig, denn schon beim Schwimmen geben die Besten Vollgas und 10 Sekunden Rückstand können bedeuten, dass man nicht in der ersten Radgruppe ist. Und dann wird es sehr schwer.
Das WCS-Rennen in London fand auf der Olympiastrecke von 2012 statt. Betrachtest du deine Hauptprobe als geglückt?
Ich wurde glaub... (Sven zögert) Neunter. Ich bin mit einem guten Gefühl aus dem Rennen gekommen, weil ich auf den letzten 500 Metern noch extrem beschleunigen und mehrere Athleten überholen konnte. Es ist mir sehr wichtig, zu wissen, dass ich das kann.
Die anderen wissen aber auch, dass man besser nicht mit dir Seite an Seite bis kurz vors Ziel läuft.
Man weiss sowieso, wer welche Stärken hat. In Peking waren wir kurz vor dem Ziel zu siebt und ich habe mich durchgesetzt.
Wie kann man die alles dominierenden Gebrüder Brownlee (Weltmeister und Vize-Weltmeister) und Javier Gomez tun?
Alle drei sind extrem starke Schwimmer und den ersten Kilometer der Laufstrecke gehen sie immer so schnell an, dass kaum noch jemand mitkommt. Wenn man doch an ihnen dran bleibt, dann brechen sie mental zusammen. Wenn ich auf dem letzten Kilometer mit den Brownlees und Gomez gleichauf bin, dann schlage ich sie. Da bin ich absolut sicher. Aber, (Sven zuckt mit den Schultern und lacht) mein Problem - und das der meisten im Feld - ist, am Anfang der Laufstrecke mit ihnen mitzuhalten.