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Du spielst Klavier und suchst nach Rhythmus-Übungen? In diesem Artikel schauen wir uns die wichtigsten Aspekte des Übens, wenn es um Rhythmus geht. Danach erkläre ich dir meine Lieblingsmethode, um Rhythmus zu üben – mit ganz ganz vielen Übungen und günstiger als ein Buch.
1. Rhythmus im Körper spüren
Rhythmusgefühl zu lernen, ohne den Körper miteinzubeziehen ist so gut wie unmöglich. Ich empfehle deshalb verschiedene Varianten auszuprobieren: mit dem Kopf nicken, klatschen, mit dem Fuss klopfen, mit den Fingern auf dem Tisch/Knie/Steuerrad/Bruder/… zu tippen etc.
Einerseits geht es darum, die Aufmerksamkeit aus dem Kopf heraus und in den Körper hinein zu versetzen, andererseits geht es auch um die Synapsen, die dein Motorik-Gehirn aufbaut.
2. Metrum mitklopfen
Eine solide Rhythmus-Grundlage besteht aus zwei Ebenen: dem Metrum und dem Rhythmus. Jedem Rhythmus liegt ein Metrum zugrunde. Wenn du z.B. den Rhythmus von Frere Jacque (Bruder Jakob) klopfst, dann klopfst du eine Mischung aus Achtelnoten und Viertelnoten – das ist der Rhythmus:
Dieser Rhythmus baut auf einem 4/4-Metrum auf, d.h. das zugehörige Metrum besteht aus Viertelnoten und der erste Viertel jeden Taktes ist jeweils betont (zur Orientierung):
Wenn du den Rhythmus z.B. mit der rechten Hand auf deinem Knie klopfst und dabei aufsagst, dann könntest du das Metrum dazu mit dem rechten Fuss klopfen:
Einen Rhythmus zu verinnerlichen ohne das zugehörige Metrum zu verinnerlichen ist unmöglich, denn die zwei hängen sehr eng zusammen. Merke: Es gibt kein Rhythmus ohne Metrum!
3. Nicht gleich losrennen
Meine Klavierschüler*innen versuchen einen Rhythmus immer von Anfang an zu klopfen oder zu spielen, ohne sich darauf vorzubereiten. Wenn du rhythmisch vorwärts kommen willst, musst du dir das unbedingt abgewöhnen. Stelle dich immer auf das Tempo und auf das Metrum ein, bevor du loslegst. Die beste Art, dies zu tun ist das sogenannte «Einzählen». Du klopfst dabei einen Takt lang nur das Metrum, bevor dein Rhythmus beginnt:
Auch zwei oder mehr Takte sind möglich:
Während des Einzählens holst du die (Körper-)Erinnerung vom Metrum hervor und der Einstieg in den Rhythmus wird leichter. Du stellst dich auch auf das Tempo ein und die Schläge des Metrums werden definiert.
Du denkst vielleicht, dass das eine Anfängerübung ist und dass Profis das nicht mehr machen, aber das stimmt nicht. Profis machen es oft nicht sichtbar, aber jede*r Musiker*in – egal wie erfahren – zählt jeden Rhythmus immer ein, wenn auch nur innerlich (nicht laut) und mit ganz feinen, von aussen fast nicht sichtbaren, Muskelbewegungen.
4. Zuhören lernen
Die Stücke, die du spielen willst, hören ist nützlich, das weisst du vermutlich. Aber wirklich aktiv zuhören und mit dem Metrum mitgehen ist nochmal etwas ganz anderes. Mach dir auch beim Zuhören klar – welche Taktart ist es? 4/4? 3/4? 6/8? Klopf das Metrum mit während du zuhörst. So kannst du den Rhythmus bereits verinnerlichen, bevor du ihn liest oder nachzuspielen probierst.
5. Die Metronom-Phobie besiegen
Die Ehrfurcht vor dem Metronom zu verlieren braucht weder Mut noch Talent. Notwendig dafür ist nur der Wille, sich daran zu gewöhnen, mit Metronom zu spielen. Wenn man es noch nie gemacht hat, ist es ungewohnt und auch nervig. Das Metronom ist wie ein Band-Mitglied, das immer dasselbe spielt, aber eine ausserordentliche Gabe besitzt, das Tempo zu halten.
Mein Tipp #1 um den Metronom-Graben zu überbrücken ist der folgende: Die meisten Menschen kommen auf die Idee, mit Metronom zu üben, weil sie ein Stück spielen, welches sie rhythmisch nicht ganz hinkriegen. Das Metronom soll ja helfen. Das Problem ist, dass du mit diesem Vorgehen zwei Lernkurven auf einmal zu bewältigen versuchst: Du lernst das Üben mit Metronom und du lernst dein schwieriges Stück.
Viel besser ist es, zuerst ein zwei Stücke mit Metronom zu spielen, die du gut kannst und ohne Mühe spielst. So kannst du dich zuerst auf die Erfahrung fokussieren, mit Metronom zu spielen und musst nicht noch gleichzeitig den Rhythmus des Stücks lernen. So gewöhnst du dich schnell an das Üben mit Metronom und alles wird einfacher.
Mehr übers Üben mit Metronom in diesem Artikel:
6. Klavier-Rhythmus-Übungen auf deinem SmartPhone
Normalerweise bin ich eher gegen Apps und Lernen mit SmartPhone, aber im Bereich Rhythmus bieten Apps eine brilliante Lernhilfe. Ich empfehle folgende Apps, die jede Menge Übungen für Rhythmus am Klavier beinhalten:
Das Prinzip des Lernens mit dem SmartPhone ist hier ganz einfach: Du klopfst den Rhythmus auf dem Bildschirm und das App erkennt, ob du richtig klopfst oder nicht. Als Vorlage kann der Rhythmus entweder akustisch oder visuell daherkommen: Entweder du hörst den Rhythmus zuerst und klopfst ihn gleich nach, oder du siehst ihn auf Noten und musst ihn nach-klopfen.
Auch wenn es am Anfang etwas Gewöhnung braucht, bis man den Dreh raus hat und das App verstanden hat – die aufbauenden Übungen haben das Potential, richtig süchtig zu machen! Und die Apps kosten auch beide weniger als 10€, was für den Wert der Inhalte ein unglaubliches Schnäppchen ist. Klavier-Rhythmus lernen mit den Übungen aus den Rhythm Trainer Apps macht mir (als SmartPhone-Kritiker) sehr viel Freude.
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