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Geschichte der Anlage
Beim Artilleriewerk Waldbrand (A 1880) auf der rechten Thunersee-Seite handelt es sich um ein sogenanntes Truppenwerk. Das bedeutet, die Anlage im Gebiet Beatenberg-Sigriswil wurde nicht durch das Büro für Befestigungsbauten (BBB) geplant und realisiert, sondern durch Geniebüros der dort eingesetzten Truppe.
Baubeginn der Anlage war im März 1941, im April Juni 1942 waren der Zufahrtsstollen sowie vier sieben Scharten (eine im Hebellafetteneinbau) soweit ausgebrochen, dass Feuerunterstützung möglich gewesen wäre, im Februar 1944 erfolgte die Feuerbereitschaft. Ab August 1942 war Munition eingelagert. Im August 1947 begannen die Ausbrucharbeiten für den Kommandotrakt, die Ess- und Schlafzimmer der permanenten Besatzung. Die Anlage besteht eigentlich aus den zwei Artilleriewerken Waldbrand und Legi (A 1880-L). Unterhalb der Strasse von Beatenberg Richtung Sigriswil ist der Haupteingang gelegen. Vom Hauptstollen, der bogenförmig dem Verlauf der Felswand folgt, gehen nach links jeweils die Zugänge zu den Geschützräumen ab. Im vorderen Teil sind fünf Geschütze, nach den Unterkünften und dem Infrastrukturteil sind nochmals drei 10,5 cm Kanonen 1935 L 42 auf Hebellafetten installiert. Zwischen der Infrastruktur und den hinteren Waffenständen ist zudem der Zugangsstollen in die rund 90 Meter höher liegende Anlage Legi.
In der Anlage Waldbrand waren drei Dieselmotoren montiert, die notfalls den Strom liefern sollten. Neben einer relativ kleinen Küche, in der auch für die Legi-Mannschaft gekocht wurde, sind insgesamt fünf Trinkwasser-Reservoirs eingebaut. Sie fassen zusammen die riesige Menge von 500’000 Litern Trinkwasser (1942 100‘000 Liter). Ein Tagesreservoir befindet sich in halber Höhe zum Werk Legi, so konnte der notwendige Druck in den Leitungen erzeugt werden. Die Anlage ist nicht gerade in den Fels gehauen, sondern schmiegt sich an die Form der Felswand. Das heisst, dass auch der Mannschaftstrakt mit der Unterkunft für 111 Mann gebogen ist (Gesamtbestand 450 Mann, 1942, 266 Mann). Die relativ geringe Raumhöhe erzeugt jedoch zusätzlich ein Gefühl der Enge.
Dem damaligen Einsatzkonzept der Schweren Motorisiert en Kanonen-Abteilung 4 entsprechend, wurde das Felsenwerk Waldbrand als Kavernenanlage für mobile Geschütze konzipiert. Daraus folgt, dass anfänglich nur ein Zufahrtsstollen mit einem gewaltigen Profil ausgebrochen wurde, damit die mobilen Geschütze mit ihren schweren Zugfahrzeugen zirkulieren konnten. Mit den Geschützständen und den Munitionskavernen waren im Juli 1942 die Bauarbeiten für einen ersten kriegsmässigen Einsatz beendet. Die ersten der vorgesehenen Hebellafetten für die 10,5 cm Kanonen waren ebenfalls bereits vorhanden (nachdem sie in einem Versuchsstand in Krattigen - Hentschenried getestet worden waren). Selbstverständlich gingen die Bauarbeiten durch die Unternehmung Frutiger‘ Söhne & Cie aus Oberhofen weiter und im Februar 1944 war die Anlage, dem damaligen festungstechnischen Standardt entsprechend, schussbereit.
Im August 1947 begannen die weiteren Ausbrucharbeiten im Bereich des Kommandotraktes. Für die Festungsbesatzung von 450 Mann wurden Ess- und Schlafräume erstellt. Als Armierung Bewaffnung wurde 1948 – drei Jahre nach Kriegsende – die definitive und fest eingebauten Bewaffnung mit acht 10,5 cm Kanonen 35 L42 auf den bestehenden Hebellafetten realisiert.
Mit weiteren Um- und Ausbauten in den sechziger Jahren erhielt die Anlage den heutigen Umfang. 1986/87 wurde einen Nachrüstung im Bereich Ventilation und AC-Schutzinstallationen durchgeführt. Mit der Umsetzung der Armee 95 wurde dieses gewaltige Festungswerk desarmiert und am 31.12.1998 ausser Dienst gestellt. Die Anlage diente offenbar auch als Lager für Devisen und/oder Goldreserven der Nationalbank.
Betrieben wurde die Anlage zuletzt durch die Festungsabteilung 14, die später die Nummer 24 erhielt, am Schluss waren Einheiten der Festungsartillerieabteilung 15 einquartiert. Die Anzahl aufeinander folgender Diensttage im Werk wurde jedoch kontinuierlich von normalerweise drei Wochen auf rund zehn Tage zurückgefahren.