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Hochdeutsch bei Lehrstellensuche wichtiger
Eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) beurteilt die Einführung des Frühenglischen in Innerrhoden und Zürich kritisch.
Sie kommmt unter anderem zum Schluss, dass bei der Lehrstellensuche Hochdeutsch wichtiger als Englisch ist.
Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz» untersuchten der Sprachdidaktiker Daniel Stotz und sein Team von der Pädagogischen Hochschule Zürich, unter welchen Umständen Englisch in den Kantonen Innerrhoden und Zürich als erste Fremdsprache eingeführt worden war.
Die Forscher kamen dabei zum Schluss, dass die Einführung des Frühenglischen mit grossem finanziellen Aufwand und ohne wissenschaftliche Evaluation vorangetrieben worden sei, wie der SNF am Dienstag mitteilte. Ihr Ziel hätten die Befürworter erreicht, indem sie eine Reihe von Argumenten erfolgreich positioniert hätten.
Hochdeutsch wichtiger
Unter anderem sei ins Feld geführt worden, je früher Kinder eine Sprache lernten, umso bessere Erfolge seien zu erwarten. Dieses Argument sei für das Englische, nicht aber für das Französische vorgebracht worden.
Bei ihrer Untersuchung in den Schulen der Primar- und Sekundarstufe I in je einer Innerrhoder und Zürcher Gemeinde kommen die Forscher jedoch zum Schluss, dass dem nicht so ist. Besonders bei der Lehrstellensuche hätten die Jugendlichen die Erfahrung gemacht, dass die Beherrschung des Hochdeutschen am wichtigsten sei.
Bedürfnis der Wirtschaft
Weiter hätten die Befürworter argumentiert, die Schüler hätten eine besondere Affinität zum Englischen als Sprache der Jugendkultur und der Technik, schreiben die Forscher. Sie führten weiter ins Feld, die Wirtschaft verlange nach Kompetenzen in der gängigsten internationalen Sprache.
Ein weiteres Argument war die Chancengleichheit: Weil immer mehr Eltern ihre Kinder in private Englischkurse schickten, müsse die Volksschule diese Benachteiligung unterbinden und das Fach selbst anbieten, erklärten die Befürworter.
Jugendsprache ist nicht Englisch
Die Erfahrungen vieler Jugendlicher widersprächen jedoch auch diesen Argumenten, schreiben die Forscher. So habe die Verwendung englischer Ausdrücke in der Jugendsprache wenig mit dem schulischen Sprachenlernen zu tun.
Die Erwartung, sich mittels Englisch global verständigen zu können, würden zudem durch schulische Misserfolge enttäuscht. Das Argument der Chancengleichheit werde wiederum durch die Einteilung der Schüler in verschiedene Leistungsklassen relativiert.
Die Forscher konstatieren zudem, dass mit Englisch als erster Fremdsprache der Französischunterricht partiell abgebaut wurde. Dadurch würden die Chancen gemindert, dass die Jugendlichen zwei Fremdsprachen erlernten.
Ein «Röstigraben» ums Englisch
Der «Sprachenstreit» in der Primarschule begann, als Innerrhoden 2001 und Zürich 2004 Englisch als erste Fremdsprache einführten. Ihnen schlossen sich die Kantone der Zentral- und Ostschweiz an. In der Romandie und in den Deutschschweizer Kantonen entlang der Sprachgrenze ist Englisch dagegen zweite Fremdsprache ab dem 5. Schuljahr.