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Mit Sinn fürs Schaurigevon Florence Sidler Maestro Yoel Gamzou dirigiert das 4. Symphoniekonzert des BSO. Es wird gruselig-schön mit Mahlers düsterem Frühwerk «Die Todtenfeier» und «Das Klagende Lied».
Schon früh hat sich der israelisch-amerikanische Dirigent Yoel Gamzou dem Werk Mahlers verschrieben. 2006 gründete er das International Mahler Orchestra, 2010 vollendete er Mahlers zehnte Sinfonie. Die Arbeit ist im Musikverlag Schott erschienen. Zusammen mit dem Berner Symphonieorchester (BSO) bringt er zwei eher selten aufgeführte Werke aus der frühen Schaffensphase des Komponisten zur Aufführung. Die sinfonische Dichtung «Todtenfeier» ist die Urfassung des Kopfsatzes von Mahlers zweiter Sinfonie. Die Kantate «Das klagende Lied», das zweite Werk des Konzertes, wurde ebenfalls mehrmals überarbeitet und 1901 in einer revidierten Fassung in Wien uraufgeführt. In beiden Werken umspielt Mahler das Motiv des Schaurigen mit ausdruckstarker und bildhafter musikalischer Sprache.
Dunkler Märchenstoff
Mahlers Märchenspiel «Das klagende Lied» für Soli, Chor, grosses
Orchester und Fernorchester in 3 Abteilungen basiert auf literarischen Vorlagen des Märchensammlers Ludwig Bechstein und der Gebrüder Grimm. Das Spiel handelt von einer jungen und stolzen Königin, die nur denjenigen ehelicht, der im Wald eine bestimmte rote Blume findet. Um den Wunsch der Königin zu erfüllen, begeht ein Anwärter Brudermord. Aufgedeckt wird das Verbrechen allerdings erst durch das Flötenspiel aus dem Knochen des ermordeten Ritters – just bei der Hochzeitsfeier der Königin. Das «Schmerzenskind», wie Mahler als 20-Jähriger sein Werk nach Vollendung selbst bezeichnete, ist sinfonisch teils von Carl Maria von Weber und Richard Wagner beeinflusst. Die Vertonung verwendet aber bereits charakteristische Motive und Farbmischungen, die auf Mahlers Spätwerk verweisen.