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Mitteleuropa war während der letzten Eiszeit waldfrei. Erst nach dem Rückzug der Gletscher vor 10 000 Jahren begann die Wiederbewaldung. Mit dem Aufkommen des Ackerbaus und der Viehwirtschaft vor ungefähr 5000 Jahren begann der Mensch, die Wälder durch seine Nutzung zu verändern. In der Römerzeit diente das Holz aus den Wäldern des heutigen Kantons Basel-Landschaft zum Bauen und zum Heizen, aber auch zum Brennen von Ziegeln.
Mit der Einführung des Flurzwangs im Mittelalter wurden Kühe, Ziegen, Schafe und Schweine aus Mangel an Weideland und Stallfutter zum Weiden in die Wälder getrieben. Es entstanden lockere Wytwälder oder Waldweiden. Die Entwicklung der Waldbestände war in der Schweiz regional sehr unterschiedlich. Viele Flächen wurden zur Umstellung auf Ackerbau gerodet, und oft durften die Bauern das von ihnen gerodete Land lebenslang nutzen. Ab der Mitte des 19. Jh. wurde das Vieh aufgrund landwirtschaftlicher Veränderungen vermehrt im Stall gehalten. Mit der Industrialisierung stieg der Brenn- und Bauholzbedarf in einigen Gebieten der Region Basel stark an. Das Holz wurde aus den Mittelgebirgen über die Birs, die Wiese und den Rhein nach Basel und zu anderen grösseren Städten rheinabwärts geflösst.
Im Ergolztal nahm die Waldfläche ab dem 17. Jh. kontinuierlich zu. Während im 17. Jh. rund 25 % der Fläche von Wald bedeckt waren, betrug der Anteil 1923 rund 35 %. Die Zunahme der Waldfläche war in dieser Zeit vor allem auf den Plateauflächen des mittleren Tafeljuras zu verzeichnen. Gleichzeitig zeigte sich eine Tendenz der Flächenabnahme in den siedlungsnahen Eichenwäldern. Diese wurden vielerorts in Weideland umgewandelt, während auf manchen siedlungsferneren Weidegebieten Föhrenwälder aufkamen.
Im Eidgenössischen Forstpolizeigesetz von 1876 wurde der Grundsatz der Nachhaltigkeit festgeschrieben. Das weitsichtige Gesetz diente anderen Staaten lange Zeit als Vorbild. Um den Ertrag des Waldes auch für kommende Generationen zu gewährleisten, dürfen jeweils nur die «Zinsen» – das nachwachsende Holz – genutzt werden. Der Wald muss laut Waldgesetz in seiner Fläche und in seiner räumlichen Verteilung erhalten werden. Gerodete Flächen müssen demnach in gleichem Umfang wieder aufgeforstet werden.
Die neue Gesetzgebung hat den Rückgang der Waldflächen aufgehalten. Durch eintretende Nutzungsänderungen, vor allem im Berggebiet, hat innerhalb von nur 125 Jahren die Waldfläche stark zugenommen, besonders markant seit 1945. Einst kahle Berge sind heute wieder bewaldet. Naturgefahren wie Überschwemmungen, Steinschlag, Rutschungen und Lawinen, welche im 19. Jh. grosse Schäden anrichteten, sind dank der höheren Bewaldung und der besseren Waldpflege stark zurückgegangen. Die Waldfläche der Schweiz nimmt jährlich um 0,4 % zu.
Im Jahr 2010 betrug die Waldfläche der Schweiz 1 255 274 Hektaren. In der Schweiz nimmt der Wald gesamthaft 31 % der Landesfläche ein. Im Kanton Baselstadt sind 471 Hektaren mit Wald bedeckt, was 13 % der Kantonsfläche entspricht. Der Wald im Kanton Basel-Landschaft nimmt 20 412 Hektaren ein und bedeckt damit 39 % der Kantonsfläche. Im Kanton Solothurn sind es 31 600 Hektaren (40 % der Kantonsfläche).
Die Schweizer Wälder werden heute aufgrund der niedrigen Holzpreise unternutzt. Als Folge der geringen Holzernte kommen keine jungen Bäume mehr auf, und das Waldesinnere wird zunehmend schattiger. Die landwirtschaftliche Nutzung von Grenzertragsflächen in Bergregionen wird auch weiterhin abnehmen. Die Flächen verwalden zusehends. Dies resultiert in einem enormen Verlust der Biodiversität, weil die an lichtere Wälder angepassten Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren.
Zukünftig ist von einer erneuten Abnahme der Waldfläche durch menschliche Einflüsse auszugehen. Die Bäume reagieren durch die massive Schadstoffbelastung mit Vitalitätsverlusten und verminderter Standfestigkeit. Während sich abzeichnet, dass die Waldfläche aufgrund abnehmender Flächenansprüche der Landwirtschaft weiter zunimmt, wird sich als Folge des Klimawandels die Artenzusammensetzung verändern. Eiche und Föhre beispielsweise werden begünstigt, Buche und Tanne hingegen voraussichtlich in höhere Lagen verdrängt.
DK / CE
Waldflächen : Veränderung im Ergolzgebiet 1680/1923
Quelle: Quelle: Suter 1926, Bundesamt für Statistik, Arealstatistik online
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