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Die letzten drei Wochen war ja wieder einiges los....
Nachdem wir den ersten Teil der «Wŭdāng Mìchuán Tàijíquán Liùshí Sì Shì» (die in Wudang geheim übermittelte 64er Form, welche angeblich von Zhāng Sānfēng entwickelt wurde) kaum etwas intus hatten, mussten wir erneut zu einer Vorführung.
In einem kleinen Tempel wurde der «San Yue San», der dritte Tag im dritten Monat, der Geburtstag von Xuan Wu (dunkler Krieger) oder auch Zhen Wu (wahrer Krieger), der als einer der höchsten Gottheiten im Daoismus gilt. Zusammen mit Master Tian führten wir den neu gelernten Teil der 64er Form vor. Etwas nervös waren wir ja schon, weil diesmal recht viele Leute zuschauten. Wie immer, waren wir «Wàiguórén» (Ausländer) einmal mehr die Hauptattraktion und wurden von allen Seiten geknipst... Da kommt schon fast etwa «Prominenz-Feeling» auf... 😊 Nach einem leckeren Mittagessen und einem kleinen Spaziergang in den nahegelegenen Bergen, kehrten wir zurück in unsere Wǔguăn.
Ja, und dann war da noch das Hauptereignis in unserer Schule: Wir feierten eine «Bàishī», eine Zeremonie, bei der ein Schüler in die Familie aufgenommen- und somit zum Meisterschüler wird. Der Schüler kniet vor dem Meister und legt ein Gelübde ab, indem er u.a. verspricht, die Wudangkultur weiter zu verbreiten und der Familie (von Master Tian) treu zu sein. Der arme Ingo; er tat mir leid, wie er da fast eine Stunde auf einer rauen Strohmatte kniete... Später aber, erklärte er mir grinsend, dass er gewusst habe, dass er so lange knien müsse und sich deshalb zuvor die Knie einbandagiert habe...
Ab und zu gibt es auch Dinge, die zuerst nerven, über die man später jedoch lachen kann, so zum Beispiel wie gestern:
Spät am Abend kam eine neue Gruppe nach Hause, die ab heute an einem Meditations-Seminar teilnimmt. Wie in China üblich, war das eine sehr, sehr laute
Angelegenheit. Lachend, sprechend und stampfend kam die «Meute»
die Treppe hoch. Später, in ihren Zimmern angelangt, ging es erst richtig los: es wurde überlaut geplappert und – trotz Rauchverbot im Haus – geraucht, so dass das ganze Haus nach Zigaretten
roch. Das erste Mal, seit wir in Wudang sind, verloren wir die Geduld und marschierten los. Wir klopften beim Zimmer, aus welchem es stank wie in einer Hafenkneipe, an die Türe. Ein Chinese
mit dickem Bauch öffnete die Türe. Er stand, nur in einer Unterhose bekleidet und mit einer Zigarette in der Hand da und schaute uns mit grossen
Augen an. Küni bat ihn, das Rauchen doch bitte zu unterlassen und etwas leiser zu sein. Seine Reaktion war wie die eines kleinen Jungen, der soeben was angestellt hat: sofort nahm er die Hand mit
der Zigarette hinter seinen Rücken, schaute uns mit noch grösseren Augen und mit seinem dicken Bauch an und grunzte irgendwas wie «Oooh, oooh, oooooh! Sorry, sorry...». Hätte ich eine Fotokamera
gehabt, könnten wir euch jetzt das Bild präsentieren und ihr würdet euch totlachen. Das sah wirklich ulkig aus... Tja, und plötzlich war es dann ruhig im Haus und so konnten wir doch noch kurz
vor Mitternacht ein paar Stunden schlafen.
Lieb sind sie ja, aber manchmal seeeehr laut...
Wir grüssen euch alle aus dem momentan recht heissen Wudang (28-30 Grad).
Küni & Gustav