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51. Basilius Oberholzer von Uznach
Basilius Oberholzer von Uznach (1875 bis 1895). Am 13. Januar 1875 versammelten sich die Kapitularen zu der Neuwahl. Nach dem strengen Regimente Heinrich IV. verlangte man nach einer mehr gütig und milde eingestellten Persönlichkeit. Als solche schien der bisherige Statthalter in Pfäffikon, P. Basilius Oberholzer, der richtige Mann zu sein. Und so wurde er im ersten Wahlgang zum Abte erkoren. Der Neugewählte war den 28. Dezember 1821 auf dem Gute Buchwald bei Uznach als Kind der ehrsamen Bauersleute Alois Oberholzer und Anna Maria Bochsler geboren worden. Noch am gleichen Tage erhielt er in der Taufe den Namen Johann Anton. Eine ungetrübte Jugendzeit war ihm bei seinen treubesorgten, arbeitsamen und frommen Eltern beschieden. Seit 1828 besuchte er die Schule in Uznach. Schon frühzeitig wurde er hier als guter Sänger geschult und lernte auch das Klavier-, Orgel- und Geigenspiel. Nach Abschluß der Primarschule kam er zunächst in das eben neu entstandene Institut des Fidel Strotz in Uznach, eine Art höhere Real- oder Fortbildungsschule. Auf den Herbst 1835 kam Anton nach Einsiedeln an die Klosterschule, wo er sich als guter Sänger und Musikant hervortat. Mit der Zeit sagte ihm aber das Studium nicht mehr recht zu und er war nach der sechsten Klasse entschlossen, das Studium aufzugeben. Schon hatte sich sein Vater für ihn um einen Platz in einem Handelshaus in St. Gallen umgesehen. Auf dem Wege dorthin kam ihm aber plötzlich der Entschluß, nach Einsiedeln zurückzukehren und sich für das Noviziat anzumelden. Über Freudenfels, Rheinau und Sachseln fand er sich nach Einsiedeln zurück, wo er noch ein Jahr Kandidatur zu machen hatte. Er verbrachte dieses Jahr wieder bei den Studenten, repetierte nochmals die sechste Klasse (es gab damals nur sechs), beschäftigte sich aber daneben viel mit Musik. Am 24. September 1842 empfing er das Ordenskleid des hl. Benedikt und ein Jahr später legte er als Fr. Basilius die hl. Profeß ab. Es folgten die Jahre des Theologiestudiums, während denen er am 6. April 1844 die Subdiakonats und am 20. September 1845 die Diakonatsweihe empfing. Den 19. September 1846 wurde er Priester und feierte am 11. Oktober seine Primiz.
Schon zwei Tage nach der Primiz würde er dem damaligen Präfekten der Schule, P. Rupert Ledergerber, an die Seite gegeben, damit er während den Ferien mithelfe, die Studenten überwachen und ihnen Unterricht in Gesang und Musik gebe. Mit der Eröffnung des neuen Schuljahres im Herbst 1846 erhielt er den Auftrag, in zwei Klassen Mathematik, in der ersten Klasse Griechisch, sowie eine Anzahl Musik- und Gesangstunden zu übernehmen. Als 1848 eine Vergrößerung der Schule erfolgte, wurde P. Basil zum Vizepräfekten bestellt und ihm zugleich die dritte Gymnasialklasse zugewiesen. Im Herbst 1852 trat er die Vizepräfektur an den aus Bellenz zurückgekehrten P. Michael Häsele ab; dafür wurde er Klassenlehrer der vierten Klasse. In der Folge versah er bis 1858 die fünfte und sechste Klasse. Von 1846 bis 1850 war er auch Vizekapellmeister. «P. Basil war kein Gelehrter im landläufigen Sinne des Wortes - aber er war - und vielleicht gerade deswegen - ein guter, ja sehr guter Lehrer. Was er als guter und fleißiger Schüler an Kenntnissen sich erworben, das erweiterte sich in den Jahren seiner lehramtlichen Tätigkeit. Es kam ihm wohl, daß er sozusagen von der Pike auf, d. h. von der ersten Klasse an bis zur obersten dienen mußte. Sein gutes Talent und noch mehr sein eiserner Fleiß und am meisten seine Gewissenhaftigkeit thaten das ihrige. Auf ihn kann mit Fug und Recht das Wort angewendet werden: Docendo discimus, durch Lehren lernte er und mehrte und vertiefte seine Kenntnisse. Die Fächer, die er in den verschiedenen Gymnasialklassen zu lehren hatte, wie die lateinische, die deutsche und griechische Sprache, nebst Mathematik beherrschte er vollständig. Seine Lieblingsfächer waren Latein und Deutsch, und namentlich diese wußte er seinen Schülern lieb zu machen. Und das ist's, was vor allem den guten Professor kennzeichnete - die Methode. Vorab hatte er die Gabe, sich zu der Fassungskraft der Schüler herabzulassen - dann mit unsäglicher Geduld ihrer Langsamkeit entgegenzukommen, ihr Interesse für die Lehrgegenstände zu wecken. Das Interesse wuchs nach und nach zur förmlichen Begeisterung»1021. Daneben war er ein ausgezeichneter Musikant, der die meisten Instrumente spielen konnte. Aber auch als Erzieher verstand er die jungen Leute vortrefflich zu führen.
Aus dieser ihm so liebgewonnenen Tätigkeit wurde er am 22. Dezember 1858 plötzlich herausgerissen. Abt Heinrich bestellte ihn zum Stiftsküchenmeister. Es sollte dies freilich nur die Vorbereitung sein auf den Posten eines Statthalters in Pfäffikon, den er am 14. Mai 1859 anzutreten hatte. Der Abschied von Einsiedeln ging sehr schwer und noch lange suchten die Studenten immer wieder ihren ehemaligen Lehrer auf, an dem sie so hingen. Aber auch die Confratres gingen immer wieder gerne nach Pfäffikon. Mit der Zeit lebte sich P. Basilius in den ihm anfangs so fremden Betrieb ein und verwaltete ihn nach besten Kräften. Als der Zustand des Abtes Heinrich sich 1874 immer mehr verschlimmerte, da hinterbrachte man dem Statthalter eines Tages, daß man von ihm als Nachfolger rede. Sogleich machte er sich nach Einsiedeln auf, um den Abt zu bitten, er möchte ihn ohne Verzug nach Amerika senden. Angesichts des hoffnungslosen Zustandes des Kranken wagte er aber dann doch nicht, diesem mit seiner Bitte noch mehr zuzusetzen und kehrte wieder nach Pfäffikon zurück. Seine Ahnung sollte indessen nur zu bald in Erfüllung gehen, am 13. Januar 1875 erkoren ihn die Mitbrüder zu ihrem Vorsteher. Die feierliche Benediktion fand den 9. Mai 1875 statt. Weihbischof Kaspar Willi von Chur nahm sie unter Assistenz der Äbte von Rheinau und Engelberg vor; P. Guardian Blättler von Rapperswil hielt die Festpredigt.
Eine Hauptsorge des neuen Abtes galt der Schule, die er auch als Statthalter nie vergessen hatte. Schon im Sommer 1875 ging man an die Erstellung eines neuen großen Schlafsaales, mit 97 Zellen, sodaß man nun Platz für 130 Zöglinge hatte. Das Jahr 1877 brachte einen eigenen Anbau im Studentengarten für die Abortanlage. Ebenso wurden in diesem Jahre die sogen. Obere- und die Brüelzelle herausgebrochen und an ihrer Stelle 10 Musikzimmer eingerichtet. Gleichzeitig erfolgte der Bau des neuen Stiegenhauses, das diese Musikzimmer und den neuen Zellensaal mit den tieferliegenden Räumlichkeiten verband. Das Jahr 1878 brachte eine Vergrößerung der Studentenkapelle und des Speisesaals, sowie die Schaffung einer Halle und einer Kegelbahn im Hof. Im folgenden Jahre malte P. Rudolf Blättler im Verein mit Dekorationsmaler Brägger die Studentenkapelle aus, die zu einem andächtig stimmenden Raum gestaltet wurde. Eine erste Vergrößerung des Studententheaters brachte das Jahr 1880; es wurde in der Folge noch dreimal vergrößert und die Bühne bald mit elektrischem Lichte versorgt. Ein dritter Studiensaal war notwendig geworden, weshalb das sogen, untere Museum eröffnet wurde. Für die stets wachsende Schülerzahl mußte 1881/82 ein neuer Zellensaal mit 50 Zellen geschaffen werden. Über der Studentenkapelle wurde ein neues Krankenzimmer eingerichtet. In den folgenden Jahren schlossen sich eine Reihe von Renovationen und Verbesserungen an. Schon das Jahr 1876 hatte den Bau der Dampfheizung gebracht, an welcher Wohltat neben dem Konvent auch die Studenten ihren Anteil hatten. Bis 1882 waren die Konviktsräumlichkeiten für 180 Zöglinge ausgebaut, während die Schule insgesamt mit den Externen 250 Studenten zählte. An Stelle der alten Physik- und Sammlungsräumlichkeiten trat 1889 der heutige geräumige Musiksaal; dafür wurde das Physikzimmer an die heutige Stelle verlegt. 1893 wurde für die naturwissenschaftlichen Sammlungen ein neues Kabinet über dem Examenzimmer erstellt. So hat Abt Basilius sehr große materielle Opfer für den Ausbau der Schule gebracht. Hand in Hand damit gingen große Anschaffungen von wissenschaftlichen Werken, physikalischer Apparate und naturwissenschaftlicher Sammelobjekte.
Noch mehr aber lag dem Abte der geistige Ausbau der Schule am Herzen. Er sandte junge Kräfte an die Hochschulen in Rom, Berlin, Leipzig, Karlsruhe und München, ließ sie ihre Ferienmonate in der französischen Schweiz zubringen. Allen Fragen, die die Schule betrafen, brachte er das lebhafteste Interesse entgegen. Regelmäßig erschien er zu den Prüfungen, interessierte sich aber auch für die musikalischen und theatralischen Aufführungen in hohem Maße. «Die Triebfeder dieser Wirksamkeit war eben seine Liebe, eine ,alte Liebe, die nie rostet', wie er immer und immer wiederholte und zwar jene edle Liebe zu den jungen, unsterblichen Seelen. Ihm war alles daran gelegen, daß in der Schule von Maria-Einsiedeln ein guter, katholischer Geist herrsche, der Geist der Frömmigkeit, die Reinheit der Sitten, und daß die Jünglinge in diesem Geiste zu charakterfesten Männern herangebildet würden»1022. Armen Studenten gegenüber bewies er größte Freigebigkeit; hat er doch in den 20 Jahren seiner Regierung an die 120,000 Franken ihnen nachgelassen.
Aber auch seine frühere Tätigkeit als Statthalter ließen den neuen Abt eine besondere Sorgfalt dem landwirtschaftlichen Betrieb des Klosters zuwenden. Schon 1875 wurden eine Reihe von landwirtschaftlichen Maschinen angeschafft, um den Betrieb rationeller zu gestalten. Für die Torfgewinnung wurde 1877 ebenfalls der maschinelle Betrieb eingeführt. Ein neuer Pferdestall wurde 1878 auf dem Freiherrenberg erstellt. Die Erfolge blieben nicht aus. Auf der Schweiz. Landesausstellung in Luzern erhielt man im Oktober 1881 ein Ehrendiplom für sechs Stück Vieh, desgleichen auf der Landesausstellung in Zürich, 1883, eine silbervergoldete Medaille. Auf der landwirtschaftlichen Ausstellung in Neuenburg bekam man 1887 einen silbernen Becher für eine Zuchtfamilie und eine bronzene Medaille für einen Zuchtstier. Die landwirtschaftliche Ausstellung in Bern, 1895, brachte für eine ausgestellte Kollektion von sieben Pferden ein Ehrendiplom nebst silbervergoldeter Medaille; zwei silberne Medaillen für je ein Pferd, eine silbervergoldete Medaille für die beste Zuchtstute; desgleichen eine für die beste Kuh und ein Ehrendiplom für eine Zuchtkollektion Braunvieh. Auch das Stiftsarchiv erhielt daselbst eine silberne Medaille für Fischereiurkunden. Für die Pferdezucht wurden seit 1891 ein bis zwei Bundeshengste eingestellt. - Im Konventgarten baute man 1891 ein großes, gut eingerichtetes Bienenhaus. Die Klostermühle an der Alp hatte man 1878 verkauft, dafür wurde im folgenden Jahre im Kloster selber eine neue Mühle eingerichtet; ebenso 1882 eine neue Säge. Die Werkstätten wurden 1895 durch einen Aufbau erweitert. Die Einrichtung der Dampfheizung haben wir oben schon erwähnt. Im Jahre 1887 wurde eine große Hydrantenanlage geschaffen; vier Hydranten kamen in die vier Innenhöfe, sieben wurden rings um das Kloster erstellt.
Für die Rechte seines Klosters hatte Abt Basilius in den 90er Jahren keinen kleinen Kampf auszufechten. Um das Aufkommen neuer Servituten vor allem auf dem Brüel zu verhindern, erließ man am 16. April 1890 ein Rechtsbot, woraus sich langwierige Verhandlungen ergaben, die erst am 16. November 1892 durch die Gewährung des definitiven Rechtsbotes beendigt wurden.
Besonders in der Kirche ließ der Abt - nicht immer zu deren aesthetischen Vorteil - manche Neuerungen vornehmen. So kam im Jahre 1884 durch die Mettlacher Bodenbelagfabrik ein neuer Fußboden her. Durch die Laienbrüder wurde 1886 eine neue Bestuhlung geschaffen. Das Jahr 1888 brachte neue Fenster aus der Mayerschen Hofglasmalereiwerkstätte in München. Ebenso wurde eine neue Kirchenuhr aufgestellt; 1889 erhielt die Gnadenkapelle einen kostbaren Mosaikbodenbelag, die Stiftskirche die Stationenbilder. Von 1890 auf 1891 fand eine Restaurierung der Altäre in der Kirche statt. Der Rosenkranzaltar und der Kronleuchter wurden 1893 elektrifiziert. Der Frauenbrunnen mußte 1893 ganz neu erstellt werden, wobei aber die alten Formen gewahrt blieben. Gleichzeitig wurde die nördliche Kramgasse umgebaut und im folgenden Jahre der Aufstieg zur Kirche neu erstellt. Auch auswärts wurde da und dort restauriert und renoviert; so besonders in St. Gerold, wo man auf die 9Ü0jährige Feier des Todes des hl. Gerold die Kirche 1878 durch P. Rudolf Blättler schön ausmalen ließ. Schon 1876 hatte Abt Basilius daselbst am 29. Mai vier neue Glocken geweiht, die später dem Weltkrieg zum Opfer fallen sollten. 1879, den 7. Mai, konnte der Abt vier neue Altäre in der Kirche und einen in der sogen. Einsiedlerkapelle neu konsekrieren. Durch den Bau der sogen. Walserstraße, 1878/79, erhielt St. Gerold eine bessere Verbindung nach außen. Im Jahre 1886 wurde daselbst eine neue Wirtschaft und eine Säge erstellt. Auf Freudenfels hatte man 1885 eine neue Scheune gebaut. In Sonnenberg wurde das Schloß 1890 innen und außen restauriert. In Pfäffikon unterzog man 1893 die Schloßkapelle einer gründlichen Renovation; am 15. Mai konnte der Abt daselbst den Hochaltar weihen. Ebenso wurde 1895 die St. Meinradskapelle auf dem Etzel restauriert.
Unter Abt Basilius gelangte die Entwicklung der Viertelskuratien dank seinem großen Entgegenkommen zu ihrem Abschluß. Zunächst erhielt Groß am 14. Januar 1878 einen ständigen Pfarrvikar. Im Juli 1882 konnte der Abt in der dortigen Kirche zwei Seitenaltäre weihen. Auf Trachslau hatte man 1878 ein kleines Kirchlein erstellt, das der Abt am 26. Oktober 1878 zu Ehren des hl. Stephan konsekrierte. Das Kirchlein wurde 1891 vergrößert und am 30. August d. J. neugeweiht. Den 3. August 1879 weihte der Abt die neue Kirche in Egg zu Ehren des hl. Johannes des Täufers und zwei Jahre später, den 29. Juni 1881, die St. Josefskirche in Willerzell. In der Schulhauskapelle in Einsiedeln weihte er auf Weihnachten 1882 einen neuen Altar. Die Filiale Egg erhielt am 26. Dezember 1887 einen ständigen Pfarrvikar, sodaß nun alle Viertel ihren bleibenden Seelsorgerposten hatten. Auf Bennau bauten die dortigen Viertelsleute 1895 eine neue Kirche, die der Abt am 23. Juni zu Ehren des hl. Sebastian weihte. In Freienbach hatte der Abt schon am 2. Februar 1878 die Weihe von drei Glokken und einem neuen Friedhof teil vorgenommen; 1878 konnte er in der neu renovierten Kirche am 4. Dezember zwei neue Seitenaltäre einweihen. Der Turm der dortigen Kirche wurde 1895 umgebaut, ebenso das Pfarrhaus renoviert. An der Schindellegi hatte 1888 eine Renovation der St. Annakapelle stattgefunden, der 1892 eine solche der Pfarrkirche in Feusisberg folgte. Ina gleichen Jahre fand auch eine Restauration der Kirche in Euthal statt, wo der Abt am 10. Juli drei Altäre konsekrierte. In Düns fand 1895 eine Renovation der dortigen Kirche statt; schon am 11. Oktober 1888 hatte der Abt daselbst die neue St. Benediktskapelle auf dem äußern Dünserberg benediziert. Von 1888-96 versah der jeweilige Statthalter auf Freudenfels aushilfsweise die Pfarrei Mammern.
Im Kloster Fahr war durch Gesetz von 1865 immer noch die Novizenaufnahme untersagt. Es gelang Abt Basilius 1886, diese ungerechte Bestimmung in Wegfall zu bringen. Doch durfte inskünftig die Zahl der Klosterfrauen 30 nicht übersteigen. Abt Basilius verordnete, daß der Unterschied von Chor und Laienschwestern fürderhin wegfallen sollte, daß alle gleicherweise Schwestern genannt würden. In der Au wurde 1881 der Gasthausflügel erhöht und zugleich der Bau einer neuen Klosterkirche in Angriff genommen. Abt Basilius konnte sie den 6. August 1882 einweihen. Seit 1880 hatten sich die Schwestern daselbst besonders auf die Stikkerei und zwar den sogen. Bildstich verlegt. Sie erzielten auch bald schöne Erfolge; so erhielten sie auf der Schweiz. Landesausstellung in Zürich 1883 ein Diplom und auf der vatikanischen Ausstellung von 1888 für ein Meßgewand eine goldene Medaille.
Auch in andern Klöstern mußte Abt Basilius gelegentlich aushelfen. Disentis erhielt von 1877-79 in der Person von P. Paul Schindler einen Prior; P. Paul kam 1888 als Professor an das Ordenskollegium S. Anselm in Rom. Auch nach Monte Cassion sandte der Abt mehrere seiner Patres zur Aushilfe an der dortigen Schule. Die nach Delle übersiedelten Benediktiner von Mariastein unterstützte der Abt ebenfalls mit Lehrkräften. Für die Benediktinerkongregation wurden die Statuten 1894 neu durchberaten und im folgenden Jahre in der Stiftsdruckerei gedruckt.
Auch das unter Abt Heinrich in Amerika in die Wege geleitete Missionswerk erforderte fortwährend neue Kräfte. P. Wolfgang Schlumpf unternahm 1878 eine Neugründung in Neu Subiaco, die aus kleinen Anfängen allmählich zu einer stattlichen Abtei erwuchs, zu deren ersten Vorsteher am 24. März 1892 P. Ignatius Conrad bestellt wurde. Die erste Gründung, St. Meinrad, traf am 2. September 1887 ein furchtbares Brandunglück; doch begann man, auch von Einsiedeln tatkräftig unterstützt, alsbald wieder mit dem Neubau. P. Vinzenz Wehrle legte 1894 den Grund zum Priorat Neu-St. Gallen in Devils-Lake in Nord-Dakota, das später aber nach Richardton (Nord-Dakota) übertragen wurde. Der erste Abt von St. Meinrad, Martin Marty, war am 14. Juli 1879 zum Titularbischof von Tiberias und Apostolischen Vikar von Dakota ernannt worden; er empfing die Bischofsweihe den 1. Februar 1880. Im Jahre 1889 wurde er zum ersten Bischof von Sioux Falls in Süd-Dakota ernannt, nachdem das Vikariat in zwei Diözesen geteilt worden war. Kränklichkeit zwangen den hochverdienten Indianermissionär zur Resignation, worauf er dann 1894 das weniger beschwerliche Bistum St. Chlodoald in Minnesota erhielt. Als Abt von St. Meinrad erhielt er seinen Mitbruder P. Fintan Mundwiler zum Nachfolger. Der seinerzeit zum Weihbischof von Chur ernannte P. Kaspar Wille wurde den 10. Januar 1877 Bischof von Chur, hatte aber nur kurze Zeit den Bischofsstuhl des hl.Luzius inne, denn er starb bereits den 17. April 1879.
Um die außerhalb des Klosters lebenden Mitbrüder über die Vorgänge im Kloster auf dem Laufenden zu erhalten, ließ der Abt im November 1887 eine Art Korrespondenzblättchen: «Der Einsiedler» erscheinen. Dieses wurde zunächst autographiert, schon im August 1888 aber gedruckt. Dafür, wie auch für sonstige Druckarbeiten, schaffte der Abt im Februar 1889 eine kleine Handdruckerpresse an, aus der u. a. 1893 das kleine Missale für die Gnadenkapelle hervorging. Für den Choralgesang hatte P. Columban Brugger ] 888 das Cantarium Einsidlense herausgegeben, das bei Eberle, Kälin & Co. erschien.
Die Wallfahrt nahm mit der 1877 erfolgten Eröffnung der Eisenbahn Wädenswil-Einsiedeln einen neuen Aufschwung. In der Folge kamen die organisierten Pilgerzüge auf, die ersten aus dem St. Gallischen und dem Vorarlberg, denen später solche aus Baden, Elsaß-Lothringen, Württemberg, Bayern, Tirol, Savoyen folgten. Aus dem Kanton Zürich kam 1885 der erste Pilgerzug seit der Reformation von Uster her nach Einsiedeln; seit 1889 führte die Stadt Zürich am Pfingstmontag ihren Kreuzgang wie ehedem vor der Reformation wieder aus. Im Jahre 1889 kamen vom 15. bis 17. Juli über 4000 Solothurner zur Gnadenstätte. Das Jahr 1891 brachte die neue Verbindung nach Pfäffikon und Arth-Goldau, was einen neuen Aufschwung der Wallfahrt zur Folge hatte. Mehrfach versammelte sich der Schweizerische Piusverein in Einsiedeln. Am 10. August 1893 fand der erste eucharistische Kongreß der Schweiz in Einsiedeln statt. Mit besonderer Feierlichkeit hatte man 1880 die 1400. Zentenarfeier des Todes des hl. Benedikt begangen. Am 20. Oktober 1889 erhielt Bischof Zardetti seine Weihe in Einsiedeln. Für die Stiftskirche erlangte der Abt 1889 eine große Zahl von Ablässen in Rom. Unter den Pilgern, die kamen, ragten besonders hervor die Kardinäle Hergenröther (1882), Schiaffino (1888), Ledechowski (1889), Lécot von Bordeaux und Langénieux von Reims (1890), Persico (1893). Dem Einsiedeln so gewogenen Fürstenpaar von Hohenzollern, zu dessen goldener Hochzeit der Abt am 21. Oktober 1884 in Sigmaringen erschien, erneuerte man die Communicatio bonorum operum, die schon früher dem Fürstenhause verliehen worden war. Um den Pilgern den Aufenthalt angenehmer zu machen, ließ man Spazierwege auf den Freiherrenberg anlegen und stellte 1884 daselbst eine St. Meinradsstatue auf; im August 1889 wurde östlich vom Kloster eine solche zu Ehren des hl. Benedikt errichtet.
Im Jahre 1893 war es Abt Basilius vergönnt, seine Jubelprofeß zu feiern. Sein goldenes Priesterjubiläum sollte er nicht mehr erleben. Ein Magenleiden, das schließlich in Krebs überging, setzte ihm immer heftiger zu. Im Herbst 1895 fühlte er, daß seine Tage gezählt seien. Den 18. Oktober empfing er mit rührender Andacht die hl. Sterbesakramente. Am 28. November starb er, 74 Jahre alt. Den 2. Dezember fanden die Leichenfeierlichkeiten statt, der die Bischöfe von Chur, St. Gallen, Basel, die Weihbischöfe von Feldkirch und Freiburg i. Br. sowie die Äbte von Beuron, Mariastein, Disentis, Muri-Gries, Mehrerau und Ölenberg und an die 300 Welt- und Ordensgeistlichen beiwohnten. Bischof Augustinus Egger von St. Gallen hielt die Leichenrede. Gerade diese Ehrung des Heimgegangenen zeigte so recht, wie allgemein beliebt er in und außer dem Kloster war. «Abt Basilius war Zeit seines Lebens, trotz seiner hohen Stellung, demütig, wie man zu sagen pflegt: die Demut selbst . . . Die Demut war der Grundzug seines Charakters . . . Mit dieser Demut Hand in Hand ging ein anderer Grundzug im Leben des Abtes Basilius - und wohl der ausgesprochenste - das ist seine tiefe und kindliche Frömmigkeit. Wer ihn jemals in seinen hohenpriesterlichen Funktionen, beim Pontifikalamt oder bei der Prozession oder coram Sanctissimo beobachtet hat, der mußte erbaut, ja ergriffen sein von der Andacht, von der Sammlung, die sich auf dem Antlitz, in der Stimme und in der ganzen Haltung ausprägte . . . Wer aber den Abt Basilius in seinem Kämmerlein beobachten konnte, d. h. mit ihm nähern Umgang hatte, der kam zur Überzeugung, daß das Gebet so recht eigentlich sein Lebenselement sei ... Von der Herzensgüte, als dem dritten Grundzug im Charakter und Leben des Abtes Basilius soll hier nur eines gesagt sein: Abt Basilius spendete nach allen Seiten geistige und materielle Hülfe in einer Weise, daß die Petitionen von Jahr zu Jahr zur Flut heranwuchsen und Näherstehenden oft bange darüber wurde, wie er entsprechen könne und man sich namentlich nach Durchsicht seiner Tagebücher verwundern muß, wie er so Großartiges leisten konnte. Man wußte es und unzähligemal hörte man das Wort aussprechen: Der Gnädige Herr von Einsiedeln kann keine Bitte abschlagen . . . Um das Charakterbild des Verewigten zu vervollständigen muß schließlich noch hervorgehoben werden, daß über seinem ganzen Leben Stetsfort ein heiterer Himmel lächelte . . . Man kann wohl sagen, die Heiterkeit in Abt Basilius war glückliche Naturanlage; aber diese Naturanlage wurde durch treue Mitwirkung mit der Gnade Gottes zu hoher Tugend, sie war das Angebinde, die Folge, die Krone seiner tiefen Demut, seiner Herzensfrömmigkeit und Herzensgüte. Diese Charakterzüge prägten sich denn auch seinem ganzen Wesen, auch seiner ganzen äußeren Erscheinung auf»1023. Ein meisterhaftes Pastellbild von Fr. M. Meier von Baldegg hat das Bild des ehrwürdigen Greises festgehalten. Auch P. Rudolf Blättler hat Abt Basilius mehrfach porträtiert.