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Der Chef des umstrittenen Social-Media-Unternehmens Parler, John Matze, muss laut einem Bericht des «Wall Street Journal» seinen Hut nehmen. Hinter dem Entscheid stehe die rechtsextreme US-amerikanische Milliardärstochter Rebekah Mercer. Sie hatte Parler finanziert und gemeinsam mit John Matze und Jared Thomson ins Leben gerufen.
«Am 29. Januar 2021 hat der Vorstand entschieden, meine Position als CEO von Parler mit sofortiger Wirkung zu beenden», sagte Matze laut Zeitungsbericht in einem Memo an die Mitarbeiter des Unternehmens. «Ich war an dieser Entscheidung nicht beteiligt.» Er sei in den letzten Monaten auf ständigen Widerstand gegen seine Unternehmensvision und seine Ansicht über freie Meinungsäusserung gestossen.
Rebekah Mercer soll im Parler-Verwaltungsrat das Sagen haben. Zu den Aufgaben des Gremiums gehörten insbesondere die Setzung von Zielen sowie die Bestellung und Abberufung des Top-Managements, schreibt heise.de.
Mercer habe Donald Trump seit 2016 Dutzende Millionen Dollar gespendet und gelte als «First Lady of the Alt-Right». Die Frau sei unter anderem an der rechten Website Breitbart beteiligt, die seit Jahren Verschwörungsphantasien verbreitet. Und die Milliardärsfamilie Mercer war auch an Cambridge Analytica beteiligt, der in einen grossen Facebook-Datenskandal verwickelten britisch-amerikanischen IT-Firma.
Die bei Anhängern von Ex-Präsident Donald Trump beliebte Twitter-Alternative ist derzeit weitgehend offline. Die Internetadresse parler.com ist zwar aktiv, doch der Social-Media-Dienst funktioniert nicht und die App ist von Apple und Google von den jeweiligen Plattformen, bzw. den App-Stores (iOS/iPadOS und Android), verbannt worden.
Parler habe die meisten technischen Hürden für die Wiederherstellung des Dienstes überwunden, sagte Matze laut «Wall Street Journal». «Jeder, der die App noch hatte, hätte darauf zugreifen können», sagte er. «Aber keine neuen Accounts.»
Parler war wegen mangelndem Schutz vor gefährlichen Inhalten im Zusammenhang mit der Belagerung des US-Kapitols am 6. Januar ausgeschlossen worden und wurde auch vom Cloud-Hosting-Service von Amazon gesperrt. Eine Klage gegen diesen Rauswurf hatte vor einem US-Gericht keinen Erfolg.
Parler hatte nach den US-Wahlen im November starken Zulauf von Nutzern erhalten, die weiter ungestört Lügen über Wahlbetrug und einen Sieg Donald Trumps verbreiten wollten, hält heise.de fest. Der gewalttätige Umsturzversuch am US-Kapitol sei unter anderem über Parler organisiert worden.
Die App zählte rund 15 Millionen User. Der ursprüngliche Programmcode sei von Matzke geschrieben worden, bestätigte ein Informant laut dem «Wall Street Journal».
(dsc/sda)