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Diagnose und Symptome der Multiplen Sklerose
Symptome der MS
Als demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems ist die Multiple Sklerose (MS) durch neurologische Beeinträchtigungen und eine fortschreitende Behinderung gekennzeichnet. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Symptomen, die sich je nach Krankheitsverlauf und Patienten unterscheiden. Zu häufigen Symptomen zählen Fatigue, Probleme der Blasen- und/oder Darmfunktion, kognitive Defizite, Beeinträchtigungen der Motorik, Spastizität sowie Sehstörungen.1
- Vielzahl von möglichen Symptomen
- Kognitiven Einschränkungen im Verlauf der MS
Kognitiven Einschränkungen betreffen alle Verlaufsformen der MS, wobei Patienten der progredienten Form noch häufiger darunter leiden:
- 35 % mit klinisch isoliertem Syndrom (CIS),
- 45 % mit schubförmig remittierender MS (RRMS),
- 79 % mit sekundär progredienter MS (SPMS)
- 91 % mit primär progredienter MS (PPMS) weisen kognitive Defizite auf.2
Es wird daher empfohlen, regelmässig ein kognitives Monitoring durchzuführen.
- Primäre, sekundäre und tertiäre Symptome3
Primäre Symptome aufgrund von Demyelinisierung (z. B. Tremor oder Blasen-/Darmstörungen) verursachen oftmals sekundäre Symptome (z. B. Stürze oder Harnwegsinfektionen). Eine beeinträchtigte Mobilität, geringere Produktivität oder Fatigue können letztlich psychologische Probleme verursachen. Verschiedene Symptome können zu Änderungen des privaten Umfelds, zu finanziellen Problemen oder zu Depression führen und somit einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten haben (tertiäre Symptome).
- Symptome im Krankheitsverlauf und neuronale Plastizitätsreserve
Im Krankheitsverlauf häufen sich Schäden im Gehirn an. Anfangs kann der Verlust von Nervenzellen und Atrophie durch die neuronale Plastizitätsreserve ausgeglichen werden. Diese ist jedoch endlich. Ist die Reserve aufgebraucht, erfolgt ein stetiger Anstieg der Behinderung ohne Remissionen.4 Symptome verschlechtern sich zunehmend und die Hirnatrophie nimmt weiter zu.1,4 Ein Vergleich von Symptomen bei RRMS- und SPMS-Patienten zeigt das erhöhte Auftreten von Symptomen bei sekundärer Progredienz (Abbildung 1).1
Zusätzlich zu einer stärkeren Symptomatik beschrieben SPMS-Patienten ihre Erkrankung als schwerwiegender und berichteten über eine höhere Hospitalisierungsrate als RRMS-Patienten.1 Eine retrospektive Studie in der Schweiz zeigte, dass nur 65 % der SPMS-Patienten im erwerbsfähigen Alter berufstätig sind.4 Ein Verlust des Arbeitsplatzes geht mit einem Verlust der Unabhängigkeit einher. Sowohl die finanzielle Sicherheit als auch ein Teil des sozialen Umfelds gehen verloren.
Diagnose der MS mittels MRT und weiterer Methoden
Die Diagnose der Multiplen Sklerose (MS) basiert auf einer umfassenden Anamnese, dem Ausschluss von Differentialdiagnosen und einer neurologischen Untersuchung, um die zeitliche und räumliche Dissemination von Läsionen zu bestimmen.6,7
Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) kann ein symptomloser/stiller Schub gezeigt und durch Läsionen nachgewiesen werden. Diese spiegeln einen oder mehrere mögliche Krankheitsprozesse wider: Demyelinisierung, Entzündung, Ödeme oder Axonverlust.2 In T1-gewichteten MRT-Aufnahmen wird häufig Gadolinium (Gd) als Kontrastmittel genutzt. Helle Areale präsentieren Gd-anreichernde (Gd+) Läsionen, die kürzliche inflammatorische Aktivität und eine beeinträchtigte Blut-Hirn-Schranke nachweisen. Gd+ T1-Läsionen korrelieren mit Schüben. Mit Hilfe von T2-gewichteten MRT-Aufnahmen lässt sich eine kumulative Krankheitsaktivität abschätzen.
Etwa 85 % der MS-Patienten erhält die Erstdiagnose schubförmig remittierende MS (RRMS)8, die anhand der McDonald-Kriterien klar definiert ist.9
Kriterien einer örtlichen Dissemination:
- Mind. eine T2-hyperintense Läsion in mind. zwei von vier MS-typischen Regionen (periventrikulär, kortikal bzw. juxtakortikal, infratentoriell, spinal) oder
- Schub, der eine andere Lokalisation betrifft
Kriterien einer zeitlichen Dissemination:
- Nachweis einer Gd+ und einer nicht-anreichernden Läsion oder
- Verlaufs-MRT mit einer neuen T2-hyperintensen und/oder einer Gd+ Läsion oder
- Zweiter Schub
Eine Lumbalpunktion kann ebenfalls durchgeführt werden. Die Analyse der Liquorflüssigkeit ist für die Diagnose verschiedener neurologischer Erkrankungen von Bedeutung und daher nicht MS-spezifisch.6,7 Untersuchungsergebnisse können die Diagnose MS jedoch bestätigen (z. B. Vorliegen spezifischer IgG oligoklonaler Banden) oder helfen diese auszuschliessen.7
Paraklinische Befunde, wie zum Beispiel evozierte Potenziale (sensorische und motorische) werden als Zusatzdiagnostik ebenfalls berücksichtigt und können klinisch stille Läsionen im zentralen Nervensystem identifizieren.7
Herausforderungen bei der SPMS-Diagnose
Während die Diagnose der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS) durch die McDonald-Kriterien9 klar definiert ist, fehlen klinisch definierte Parameter oder Biomarker für eine Progredienz, sodass die Diagnose der sekundär progredienten MS (SPMS) häufig erst retrospektiv erfolgt.10 Es ist schwierig eine Progredienz zu erkennen, da die Krankheitssymptome vielfältig und individuell sind.1,10,11 Krankheitsprogredienz kann durch eine schleichende Verschlechterung verschiedener Symptome mit Hilfe von Tests festgestellt werden.
- Einige validierte Tests
Hierbei ist es besonders wichtig, dass diese Tests regelmässig durchgeführt werden.11
Die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit kann mit Hilfe des Symbol Digit Modalities Tests (SDMT) ermittelt werden. Der SDMT ist ein Kognitionstest, der eine klinisch relevante Verschlechterung beurteilt und als Prädiktor von Arbeitsfähigkeit gilt.12 Zur Evaluation der Mobilität und Gehfähigkeit kann der Timed 25-Foot Walk (T25FW) Test herangezogen werden13. Der 9-Hole Peg Test (9HPT) gibt Aufschluss über Koordination und Beweglichkeit der Hände und Arme14.
Anhand der Expanded Disability Status Scale (EDSS)15 wird der Behinderungsgrad des Patienten erfasst und eine regelmässige neurologische Evaluation beurteilt die physische Progredienz.
- MS Pro Discuss
Verschiedene Studien der letzten Jahre setzen sich das Ziel Parameter und Risikofaktoren einer Progredienz zu definieren und Ärzte bei der SPMS-Diagnose zu unterstützen.16-20 Anzeichen einer Progredienz sollten frühzeitig diskutiert werden. So wurde das erste algorithmusbasierte Tool entwickelt, was basierend auf Fragen zu Krankheitsaktivität, Symptomen in den letzten sechs Monaten und deren Auswirkungen auf den Alltag eine standardisierte Analyse des Krankheitsstatus ermöglicht.17-20 Das Ergebnis des Tools MSProDiscussTM unterstützt die Evaluation subtiler Anzeichen einer fortschreitenden MS durch den Arzt im täglichen Einsatz und macht auf eine mögliche Progredienz aufmerksam.17-20
Referenzen:
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- Ziemssen T et al. Real-world Findings of Usability and Usefulness of MSProDiscussTM: A Physician-Completed Digital Tool to Evaluate Early Signs of Disease Progression. Poster für das virtuelle CMSC-Jahresmeeting (5.-6. Mai 2020).