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Die Staatsanwaltschaft Graubünden untersucht den Verkauf der Therme in Vals an den Investor Remo Stoffel im Jahr 2012, wie die Bündner Regierung am Donnerstag mitgeteilt hat. Aufgrund einer Empfehlung des Korruptionsexperten Mark Pieth hat der Kanton eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Pieth hatte das Geschäft begutachtet. Mehrere problematische Entscheide hätten ein ungutes Gefühl zurückgelassen, erläuterte Pieth. Er meinte damit zum Beispiel eine Absichtserklärung vom April 2011 zwischen Stoffel und dem Therme-Verwaltungsrat sowie ein exklusives Verhandlungsrecht für den Investor.
Was Pieth damit konkret anspricht, zeigen aktenkundige Aussagen Stoffels und der damaligen Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz. Der «NZZ am Sonntag» liegen Unterlagen aus einem Verfahren vor, in dem der Verkauf des Thermalbads zur Sprache kam.
«Minuziös eingefädelt»
Walker-Tönz hielt in einer Eingabe fest, dass ein im April 2011 zwischen Stoffel und dem Verwaltungsrat getroffenes «Memorandum of Understanding» – eine Absichtserklärung für den Kauf der Therme – vor der Gemeinde verborgen gehalten werden sollte. Sie sprach von einem Geheimvertrag. In den Akten heisst es: «Der Gemeinderat wurde von diesem minuziös eingefädelten Takeover überrumpelt.»
Der Verwaltungsratspräsident und der Vizepräsident seien «gekauft» gewesen, schrieb Walker-Tönz letzten September. «Sie sassen aufgrund des gemeinsam erarbeiteten Businessplans in Stoffels Boot und agierten gegen die Interessen der Gemeinde.»
Walker-Tönz geht von einem gezielten Vorgehen aus: Es könne mit Gewissheit angenommen werden, dass Stoffel die Übernahme mit dem Verwaltungsrat bis in jedes Detail heimlich vorbereitet habe, um sie dann mit einem Handstreich umzusetzen.
Remo Stoffel stellte die Abläufe ganz anders dar. Er sagte laut Akten im März 2016, die damalige Gemeindepräsidentin Walker-Tönz sei in den Verkaufsprozess involviert gewesen. Deshalb gehe er davon aus, dass sie die Absichtserklärung gekannt habe. Zudem sei der Verwaltungsrat ja von ihr eingesetzt worden und habe in ihrem Auftrag gehandelt. Walker-Tönz sei über Sitzungen rund um den Verkauf informiert gewesen und sie selber habe explizit gewünscht, dass die Verhandlungen vertraulich blieben.
Wie es sich wirklich zugetragen hat, ist auch deshalb von Belang, weil der Verwaltungsrat Stoffel eine Entschädigung von einer halben Million Franken zugesichert hatte, sollte der Therme-Verkauf nicht zustande kommen. Diese Vereinbarung erachtet Korruptions-Experte Pieth als problematisch. Auch deshalb, weil später ein zweiter potenzieller Käufer auftauchte, der nicht wie Stoffel vollständigen Einblick in die Geschäftszahlen des Therme-Betriebs erhielt.
Im März 2012 entschied die Valser Gemeindeversammlung, das sanierungsbedürftige, aber bekannte und beliebte Thermalbad für 7,8 Millionen Franken dem Churer Immobilienunternehmer Remo Stoffel zu verkaufen. Der Gemeinderat hatte den Stimmbürgern erfolglos beantragt, die ebenfalls interessierte Gruppe um den Architekten Peter Zumthor zu berücksichtigen.
Hotel und Bad gehörten vorher der Gemeinde und bildeten ein durch ein lokales Gesetz geschaffenes öffentlichrechtliches Unternehmen. Der Verwaltungsrat stand so im Dienst der Gemeinde, weshalb das Verfahren auch klären wird, ob er deren Interessen pflichtgetreu wahrnahm.
Stoffel begrüsst Vorgehen
Er befürworte die Untersuchung, hält Stoffel fest. Gestärkt sieht er sich darin, dass die Valser Gemeindeversammlung am Freitag die Überführung der Therme in eine Stiftung klar annahm. Diesen Rückkauf durch die Gemeinde zu einem symbolischen Preis hatte Stoffel einst angeboten; Betrieb und Unterhalt der Therme bleiben ihm anvertraut. «Ich bin hocherfreut über den klaren Entscheid», sagt Stoffel. Dieser zeuge von der engen Verbundenheit der Valser mit Hotel und Therme – trotz allen gegenteiligen Behauptungen und Unterstellungen.
Turm-Projekt auf wackligem Fundament
Für 300 Millionen Franken plant Remo Stoffel in Vals einen Hotelturm mit 82 Stockwerken. Das Gebäude, von US-Stararchitekt Thom Mayne konzipiert, soll 381 Meter hoch werden. Vor zwei Jahren präsentierte Immobilienunternehmer Stoffel seine Pläne. Doch am vorgesehenen Standort ergeben sich Schwierigkeiten, weil nötige Probebohrungen nicht genehm sind. Coca-Cola als Besitzerin der Valser Mineralquellen befürchtet, dass Bauarbeiten der Wasserqualität schaden könnten. Deshalb sieht sich Stoffel laut Radio SRF nach neuen Plätzen ausserhalb und unterhalb des Dorfes um. Auch dort stellen sich aber Probleme, denn Gefahrenzonen und Nichtbauzonen lassen kaum Spielraum für ein Projekt dieser Dimension. (asc.)