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Anthony Quinn: Der Mann, der den Zampano zum Sprichwort machte
- Dienstag, 21. April 2015, 5:58 Uhr
Er war der Ur-Zampano. Mit seiner Rolle in Fellinis Meisterwerk «La Strada» als grobschlächtiger Gaukler Zampano wurde Anthony Quinn nicht nur zum begehrten Hauptdarsteller. Er wurde auch zum Sprichwort. Heute wär der mexikanisch-US-amerikanische Filmstar 100 Jahre alt geworden.
Der sprichwörtliche Zampano ist jemand, der die Fäden in der Hand hält, der laut und sehr selbstbewusst auftritt und alle um sich herum dirigiert. «Der grosse Zampano» kann überall auftreten: in der Politik, in den Medien, im Sport – manchmal ist es der Kollege bei der Arbeit, der sich wie ein grosser Zampano aufführt, manchmal der Freund, der zu jedem Fest irgend etwas Witziges beiträgt.
Den Begriff haben wir einem zu verdanken, der heute, am 21. April 100. Jahre alt würde: Anthony Quinn.
Wichtige Rolle in Fellinis «La Strada»
Der Schauspieler wurde 1915 als Antonio Rodolfo Quinn Oaxaca geboren, der Vater war Ire, die Mutter Mexikanerin. Er selber wurde 1940 US-Bürger und gewann 1951 im Film «Viva Zapata!» einen ersten Oscar für die beste Nebenrolle. Eine der ersten Hauptrollen bekam er 1954 in Italien – in Federico Fellinis Film «La Strada» an der Seite von Giulietta Masina.
Es war die Rolle des Zampano, des ersten seiner Art könnte man sagen. Oder korrekter: Der grosse Zampanó – mit Betonung auf dem o. Anthony Quinn spielte diese Rolle, die sprichwörtlich werden sollte, wie er alle seine Rollen spielte: mit einer unglaublich intensiven Leinwandpräsenz. Der Gaukler Zampanó, der seine Assistentin Gelsomina (Giulietta Masina) verachtet, misshandelt und der den Seiltänzer Matto umbringt. Ein durch und durch grobschlächtiger, ungerechter Mensch: und nicht die Rolle, mit der ein Schauspieler unsterblich werden möchte.
Von der Leinwand in die Sprache
Fellinis Film «La Strada» wurde zum Meisterwerk, gilt noch heute als einer der besten Filme aller Zeiten. Doch Anthony Quinn blieb mit sympathischeren Rollen im kollektiven Gedächtnis: dem Glöckner von Notre-Dame (1956) etwa oder mit Alexis Sorbas, dem am Ende nichts bleibt als sein Tanz – der Sirtaki. Dieser Tanz übrigens ist auch nur dank Anthony Quinns Filmfigur populär geworden, er wurde eigens als einfachere Version der griechischen Tänze für den Film erfunden.
Auch wenn Quinns Auftritt in «La Strada» ganz und gar kein sympathischer war, sein Zampanó fand Einzug in die Sprache. Und inzwischen, über 60 Jahre nach Erscheinen des Films, ist der sprichwörtliche Zampano nicht mehr ganz so böse und brutal wie der Ur-Zampano in Fellinis Film. Und so darf man sicher auch Anthony Quinn, den Vielspieler, der manchmal bis zu fünf Rollen in einem Jahr spielte, der nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Maler, Bildhauer, Designer von Schmuck und Uhren erfolgreich war, als den ersten, wahren grossen Zampanó in Erinnerung behalten.
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