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Naomi Osaka hat keine einfache Zeit hinter sich. Beim French Open schwänzte die 23-jährige Japanerin einen obligatorischen Pressetermin und offenbarte daraufhin, dass sie unter Depressionen und Phobien leide. Seither sprach sie nicht mehr mit den Medien.
Doch bei den Olympischen Spielen in Tokio stand Osaka als grosse japanische Hoffnungsträgerin dann erneut extrem im Fokus. Zunächst als letzte Fackelträgerin, die das olympische Feuer entzünden durfte, dann sportlich durch den bereits im Achtelfinal geplatzten Goldtraum.
Zwei Wochen nach der grossen Enttäuschung kehrt die vierfache Grand-Slam-Siegerin in Cincinnati in dieser Woche auf die WTA-Tour zurück und nimmt auch wieder an Pressekonferenzen teil. Doch bereits die erste verlief ziemlich dramatisch und tränenreich.
Nachdem Osaka bereits über ihr schwieriges Verhältnis zu den Medien Stellung genommen hatte, wurde sie von einem zugeschalteten Reporter gefragt, warum sie diese boykottiere, wenn sie doch zugleich von ihnen profitiere. Osaka versuchte zunächst die Frage zu beantworten, brach aber wenig später in Tränen aus. Sie wischte sich übers Gesicht, zog die Kappe tief in die Stirn. Dann verliess sie das Podium wortlos und kehrte erst nach einer kurzen Pause wieder zurück.
Osakas Agent Stuart Duguid übte nach der Pressekonferenz scharfe Kritik am Reporter, der ihr die Frage gestellt hatte. «Der Rüpel des ‹Cincinnati Enquirer› ist der Inbegriff dafür, warum die Beziehungen zwischen Spielern und Medien im Moment so angespannt sind», sagte Duguid. «Jeder in dieser Medienrunde wird zustimmen, dass sein Ton völlig falsch war und sein einziges Ziel darin bestand, die Spielerin einzuschüchtern. Ein wirklich entsetzliches Verhalten!»
Der amerikanische Tennis-Reporter Ben Rothenberg, der an der Pressekonferenz teilgenommen hatte, stimmte Osakas Agent teilweise zu und bezeichnete die Frage auf Twitter als «ziemlich aggressiv gestellt». Das Thema der Frage an sich sei nicht so schlimm gewesen, aber der aggressive Tonfall einer unbekannten Person habe das Fass bei Osaka zum Überlaufen gebracht.
Naomi Osaka's agent Stuart Duguid:— Ben Rothenberg (@BenRothenberg) August 16, 2021
"The bully at the Cincinnati Enquirer is the epitome of why player / media relations are so fraught right now. Everyone on that Zoom will agree that his tone was all wrong and his sole purpose was to intimidate. Really appalling behavior."(1/2)
Duguid (2/2):— Ben Rothenberg (@BenRothenberg) August 16, 2021
"And this insinuation that Naomi owes her off court success to the media is a myth – don’t be so self-indulgent."
Nach der kurzen Pause kehrte Osaka aber in den Interview-Raum zurück und beantwortete einige Fragen auf Japanisch sowie den Rest auf Englisch. Dabei sprach sie auch über die Erdbeben-Katastrophe auf Haiti mit fast 1300 Toten. Die Tochter eines Haitianers und einer Japanerin kündigte an, ihre Preisgelder der nächsten Turniere spenden zu wollen. «Ich könnte noch mehr tun und versuche herauszufinden, wie ich meine Energie einsetzen kann», erklärte die viermalige Grand-Slam-Gewinnerin, die am Mittwoch in Cincinnati ins Turnier startet. (pre)