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Monique Schwitter
Wenn's schneit beim Krokodil
Droschl Literaturverlag, 2005
Aus: Monique Schwitter. Wenn's schneit beim Krokodil. Droschl Literaturverlag, 2005
Vertraut, sagte sie. So empfinde ich uns.
Sie rieb die grosse Klinge ihres Schweizermessers am Stoff ihrer Hose, knapp seitlich unter dem Schambein.
Das tut sie absichtlich, dachte ich und versuchte, nicht hinzuschauen.
Ich konzentrierte mich auf meine Zigarette und zählte die Farben der Asche, während ich mir ihren nackten Schoss vorstellte. Ich fand kein Bild dafür. Immer wieder sah ich nur meinen Eigenen vor mir, den einzigen, den ich je aus der Nähe betrachtet habe. So nah es halt geht. So nah eine Frau sich selber eben kommen kann, mit den Augen.
Total verdreckt, sagte sie und schabte mit ihrem rechten Daumennagel an der Klinge, mit sehr schnellen Bewegungen, Flinker Daumen, fiel mir ein, ich lächelte unsichtbar. Seit Jahren, einem Jahrzehnt, länger, wie lange eigentlich hatte ich dieses Spiel nicht mehr gespielt, das Indianernamenspiel.
Ich stellte mir ihren Daumen an, um und in ihrem Schoss vor, der aussah wie meiner.
Findest du nicht, fragte sie. Ihr Daumen unterbrach die Putzarbeit, sie sah mich an.
Ich spürte ihren Blick auf meiner Backe, der linken, der schönen Backe.
Es zuckte in mir.