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Zürich
Projektwettbewerb, 2018, 2. Preis
Haus am Ende der Strasse
Das neue Haus steht an einer besonderen Stelle. Es kommt in den letzten verbliebenen Villengärten zwischen Carmenstrasse und Sennhauserweg zu liegen. Noch bis in die 1940er Jahre bestimmten wenige bürgerliche Wohnhäuser entlang der Carmenstrasse sowie talseitig des Sennhauserweges die Situation. Dazwischen lagen grosszügige, südorientierte Gärten. Ein erstes Gartengrundstück wurde 1948 mit dem Sennhauserweg 19 bebaut. Erst 1981 folgten die beiden abgedrehten Betonhäuser mit den Nummern 13 und 8a. Beide Bauten sind in ihrer Art zeittypisch und bezüglich des Ortes zunächst eher unspezifisch.
Gleichwohl tragen die beiden Nachbarsbauten zu einer spezifischen Stimmung bei, die von der Lage am «Ende der Strasse» und einem Konglomerat sehr unterschiedlicher Bauten herrührt. Auf der Höhe des Perimeters weitet sich der Sennhauserweg zu einem Wendehammer und geht über in einen Fussweg. Bezüglich der Bauten ist im Weiteren der Kindergarten von Bruno Giacometti aus dem Jahr 1949 zu erwähnen. Durch ihn erhält die Schulanlage Illgen Anstoss am Sennhauserweg.
Mit dem neuen Haus wird eine wiederum eigenständige Architektur vorgeschlagen. Über seine Volumetrie, die Proportionierung, Materialisierung und Farbigkeit besitzt der Neubau aber auch vermittelnde Qualitäten. Das Volumen baut auf der Verschränkung zweier würfelförmiger, zueinander verdrehter Körper auf. Das Haus schliesst orthogonal an der Strasse an und «befreit» sich im Garten. Damit wird einerseits das Verhältnis zum Pfarrhaus geklärt (keine Frontalität), andererseits werden Bezüge zum Nachbarn im Nordwesten hergestellt. Das Volumen bringt aber auch die beiden ungleichen, hintereinander liegenden Wohnungen zum Ausdruck.
Das leichte, weiss gestrichene hölzerne Fassadenkleid mit den schmalen Fenstern erzählt von einem pavillonartigen Haus im Garten (nicht unähnlich den Doldertalhäusern) und spielt auf die filigrane Fassadenarchitektur des Giacometti-Baus an. Das neue Haus ist eigenständig – seine kontextuellen Bezüge sind subtil, vieldeutig und allenfalls auf einen zweiten Blick erkennbar.
Atelierwohnen
Die beiden ungleich grossen Wohnungen liegen vom Sennhauserweg her gesehen «hintereinander» – die kleine befindet sich an der Strasse, die grosse im Garten. Aufgrund der Abwicklung des Baukörpers verfügen beide Wohnungen über ähnliche Qualitäten: Sie erhalten am Morgen und Nachmittag Sonnenlicht in der Küche und später am Tag Abendsonne im Wohnraum. Die Wohnräume bieten eine Fernsicht über die tieferen Nachbarbauten im Westen. Beide Wohnungen orientieren sich deshalb zum «Tal» und der Stadt. Die Zimmergruppe im Osten gewährt dem neu angelegten Garten des Pfarrhauses die nötige Privatsphäre.
Die Bezeichnung «Atelierwohnen» ist natürlich ungenau. Trotzdem trifft sie einige Eigenschaften der entworfenen Wohnform. Es sind Wohnungen mit offenen, wenig determinierten Wohnräumen und einem gewissen Mass an «Informalität». Prägend für den Innenraum sind die schmalen, seriell gesetzten und raumhohen Eckfenster sowie die freistehenden Küchen, die mit verglasten Türen und Oblichtern ein Entree ausbilden und den Wohnraum formen.
Die Wohnungen werden direkt aus dem Lift erschlossen, auch darin unterscheiden sie sich von einem «bürgerlichen» Wohnhaus. Mit Garderobeschränken, einem Reduit und grossen Küchen verfügen sie über viel Stauraum mit hohem Gebrauchswert. Das Zimmer im Westen ist ein Schaltzimmer, hier kann zwischen 1- und 5-Zimmer- resp. 2- und 4-Zimmer-Wohnung gewechselt werden. Die Wohnungen lassen sich über einen Durchgang neben dem Lift zusammenschliessen (bspw. für ein «Generationenwohnen» von Grosseltern und Familie).
Weisses Holz
Das hybrid konstruierte Haus besteht im Innern aus einem konventionellen Massivbau mit Mauerwerk und Ortbeton. Die Fassaden werden aus nichttragenden, ausgedämmten Holzelementen gebildet, die aussen mit schmalen, gehobelten und weiss lasierten Hölzern verkleidet werden. Die ebenfalls weissen Fenster mit schmalen, raumhohen Flügeln sind aussen angeschlagen und prägen zusammen mit der Schalung den leichten, papierenen Fassadenausdruck. Die Rollen der textilen Fallarmmarkisen sind im Sturzbereich aussen aufgesetzt. Der Balkon zum Sennhauserweg ist als feines Stahlgerüst vorgehängt. Der Aussenraum der grossen Wohnung ist als abschliessbares Drei-Jahreszeiten-Zimmer in den Baukörper integriert.
Das «leicht» wirkende Haus mit seinem hölzernen Kleid setzt sich vom muralen, repräsentativen Pfarrhaus ab und ordnet sich diesem in gewisser Weise unter.
Das bis auf das Eingangs- und Sockelgeschoss weisse Haus bildet zudem eine Art Leinwand für die dichte, blühende Vegetation des Gartens und deren Schattenzeichnungen auf den Fassaden.
Eiben, Hasel und Hortensien
Zwischen dem neuen Haus und dem Pfarrhaus wird ein Garten angelegt, der dem Pfarrhaus zugehörig ist. Eine segmentförmige, niedere Stützmauer ersetzt die heutige Böschung, welche die beiden Grundstücksteile gliedert. An diese Mauer wird ein Teich gelegt, der trennendes und verbindendes Element zugleich ist. Chaussierte Wege mit platzartigen Ausweitungen, eine Rasenfläche sowie Staudenrabatten legen sich um das Pfarrhaus und schaffen einen repräsentativen, ortstypischen Gartenraum. Die Bereiche um den Neubau sind demgegenüber nicht begehbar und werden mit Hortensienbeeten dicht bepflanzt. Sie bilden für die Bewohner des Neubaus einen den ganzen Sommer über blühenden «Schaugarten». Der Aussenraum wird über einzelne, markante Solitärbäume strukturiert.
Der Zugang zum neuen Haus erfolgt direkt vom Sennhauserweg. Hauszugang, Garageneinfahrt und Veloabstellplätze werden zusammengefasst. In der westlichen Erdgeschosshälfte ist eine zusätzliche 2-Zimmer-Wohnung mit gedecktem Aussensitzplatz angeordnet. Bergseitig, im erdberührten Teil finden sich die dienenden Räume mit Trockenraum, Veloraum und Kellerabteilen. Weitere Veloabstellplätze sowie die drei zulässigen Garagenplätze liegen im Untergeschoss.
Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Philippe Buchs, Simon Cheung, Rabea Kalbermatten, Lukas Burkhart, Greta Kochhäuser
Bauherrschaft
Reformierter Stadtverband Zürich
Landschaftsarchitekt: Blau und Gelb Landschaftsarchitekten, Rapperswil