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Johan Djourou schliesst sich dem FC Sion an und wird damit zu einer Bereicherung für die Super League. Dennoch ist dieser Transfer nicht über alle Zweifel erhaben.
Er spielte jahrelang für Arsenal in der Premier League, machte über 100 Spiele in der Bundesliga und kam auch in der Serie A zum Einsatz. Jetzt kehrt Johan Djourou in die Schweiz zurück – 17 Jahre nach seinem Wechsel von Stammklub Etoile Carouge in die Jugendakademie von Arsenal London.
Die Fussball-Schweiz darf sich zweifellos auf einen grossen Spieler freuen. 76 Spiele machte Djourou für die Nationalmannschaft, er war mit der Schweiz an drei WM- und zwei EM-Endrunden. Und doch kommt die Frage auf, ob der 33-jährige Innenverteidiger für die Walliser wirklich eine Verstärkung ist.
Seit seinem Abgang beim HSV im Sommer 2017 ist Djourou praktisch vom Schweizer Fussball-Radar verschwunden. Zwar machte er noch das eine oder andere Spiel für die Schweizer Nati, stand auch beim verlorenen WM-Achtelfinal 2018 gegen Schweden auf dem Platz. Doch viel Spielpraxis hatte der Abwehrspieler seither nicht.
In den letzten anderthalb Jahren absolvierte Djourou nur sechs Pflichtspiele. Für Serie-A-Klub SPAL kam er in der letzten Saison keine 400 Minuten zum Einsatz, bevor er seinen Vertrag nach nur sechs Monaten wieder auflöste und sich am Knie operieren liess. Zuvor spielte Djourou ein Jahr in der Türkei bei Antalyaspor, kam da immerhin auf 18 Einsätze.
Erinnerungen an Behrami und Senderos
Djourou, der 19 Mal in der Champions League spielte, hat seinen Zenit längst überschritten. Er ist nicht der erste, der nach vielen erfolgreichen Jahren im Ausland seine Karriere in der Schweiz ausklingen lassen möchte. Und Djourou wäre nicht der erste, bei dem das in die Hose gehen würde.
Die jüngsten Beispiele lieferten Valon Behrami und Philippe Senderos. Behrami wurde im Sommer mit Pauken und Trompeten in Sion als Transfercoup vorgestellt. Im Oktober wurde sein Vertrag bereits wieder aufgelöst. In seinen vier Super-League-Spielen konnte Behrami den Beweis nicht liefern, dass er Sion wirklich besser machen kann. Senderos fiel im Sommer im GC-Probetraining durch, unterschrieb dann bei Chiasso und kam in der Hinrunde nur in drei Spielen zum Einsatz, bevor er nun im Winter sein Karriereende bekannt gab.
Was haben Senderos, Behrami und Djourou gemeinsam? Sie waren jahrelang im Ausland aktiv, haben in etwa das gleiche Alter und gegen Ende ihrer Karriere immer mehr mit Verletzungen zu kämpfen. Djourou liess sich vor einem Jahr am Knie operieren. Nun fühlt er sich zwar wieder «hundertprozentig bereit», die Frage ist jedoch, wie sich der Super-League-Alltag auf seine Fitness auswirken wird.
Die Erwartungen sind gross – zu gross?
Ausserdem darf sich Djourou die fehlende Matchpraxis nicht anmerken lassen, sondern muss gleich auf Anhieb liefern, um die zweitschlechteste Defensive der Liga (35 Gegentore) zu stabilisieren. Zumal der Routinier beleidigt aufs erste Vertragsangebot von Christian Constantin reagierte und sich kurzerhand aus dem Training zurückzog.
In jenem ersten Angebot soll der Sion-Präsident seinem neuen Abwehrboss einen tiefen Fixlohn und hohe Prämien unterbreitet haben. Was so viel bedeutet wie: Djourou muss spielen und Sion gewinnen, damit der Verteidiger gutes Geld verdient. Das wiederum lässt erahnen, dass Constantin eben doch nicht zu hundert Prozent davon überzeugt ist, dass Djourou verletzungsfrei bleibt.
Nach einer besseren Offerte hat Djourou schliesslich doch noch eingewilligt und seinen Vertrag bis Ende Saison unterschrieben. Gelingt es ihm nun aber nicht direkt von Beginn weg, der Sion-Verteidigung Stabilität zu verleihen, wird er im Wallis womöglich schon bald als Fehleinkauf abgestempelt. Und es droht ihm das gleiche Schicksal wie Behrami und Senderos.