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Ein armer Bauer kam im Schneegestöber heim und setzte sich auf die Bank am Ofen. Wie ist es dir in der Stadt ergangen, fragte ihn die Frau, dass du so dreinschaust? Schlecht, sagte der Mann, ich will es dir erzählen, nur muss ich mich zuerst noch etwas wärmen; ich bin halb erfroren. Nach einer Weile begann er: Bei Wind und Wetter komme ich in die Stadt und zu unserm Herrn. Ich sage ihm, es sei uns unmöglich, bis zum Sonntag die dreihundert Franken aufzubringen. Ich habe ihn gebittelt und gebettelt, er möge mir doch bis zum Sommer Zeit geben; bis dann würden mir die Leute meine Schmiedearbeiten wohl bezahlen. Er sagte aber, er könne keine Minute länger warten als bis zum Sonntag, und wenn ich bis dann das Geld nicht bringe, lasse er mir Heim und Haus samt meiner kleinen Schmiede am Montag verkaufen und mich und dich und unsere Kinder zum Haus hinausjagen.
Nun, was meinst du, Frau? Es ist einfach unmöglich, dass wir bis übermorgen dreihundert Franken zusammenbringen. Zwar hat mir der Nachbar sechzig gegeben, aber es bleiben immer noch die ändern zweihundertvierzig. Wenn mir zuletzt doch nur der Teufel das Geld ins Haus bringen würde! Wenn ich ihm auch ein paar Jahre dienen müsste, so wäre ich doch unsern Herrn los: der Teufel in der Hölle kann nicht ärger sein als jener in der Stadt! Kaum hatte der Mann das gesagt, begann es draußen zu brausen und zu stürmen, dass es dem armen Bauern fast das Häuslein umwarf, und der Wind pfiff und fuhr durch die Stube, es war ein Graus. Nach ein paar Minuten wurde es still, und der Bauer und seine Frau hörten jemand an die Tür klopfen. Der Bauer erhob sich und öffnete. Da stand ein schwarzer Mann in einem roten Mantel vor der Tür und sagte:
»Bauer, du hast gewünscht, dass der Teufel das Geld bringe. Schau her, da sind die zweihundertvierzig Franken; es fehlt kein Rappen, zähl's nach! Aber halt! eh ich dir's gebe, musst du mir versprechen, sechs Jahre in der Hölle zu dienen. Frau und Kinder sollen unterdessen keinen Mangel haben.«
Der Bauer erschrak, aber weil ihn die Not dazu zwang, sagte er ja, hieß den Teufel hereinkommen und sich am Ofen wärmen, bis er seine paar Hemden zusammengepackt habe; dann werde er mit ihm in die Hölle gehen. Plötzlich entdeckte der Bauer aber, dass der Teufel an seinem Rossfuss das Eisen verloren hatte und sagte: »Guter Freund, schau einmal dein Fußwerk an, du hast wohl auf dem Weg das Eisen verloren. Komm doch mit mir in die Schmiede; ich will dir ein neues aufmachen.« Der Teufel kannte den Mann schon lange als guten Hufschmied und ging mit ihm und zog sogar selber den Blasbalg.
Als das Eisen bereit war, sagte der Bauer: »Halte nun den Fuß her, da in die Klemme hinein, damit ich das Eisen gut aufmachen kann, denn ich weiß, rechte Leute müssen gut bedient sein.«
Der Teufel dachte nichts Böses und hielt den Fuß in die Klemme. Und der Bauer schraubte ihn fest und nahm dann den Schraubenschlüssel in den Sack und sagte: »So, nun wollen wir zuerst einmal schauen, wie lange ich dir für die zweihundertvierzig Franken dienen will.« Das machte den Teufel bös, und er tat wie wild, aber zuletzt gab er nach und kam mit dem Bauern überein, er müsse ihm nur drei Jahre dienen. Und sobald der Bauer den Teufel wieder losgeschraubt hatte, musste er mit ihm in die Hölle. Als sie dort hinkamen, stellte der Teufel den Bauern als Feuerschürer an. Und schon am zweiten Tag ging der Teufel mit der Ellermutter fort und sagte zu ihm: »Wenn du essen und trinken willst, oder wenn du etwas Geld brauchst für einen armen Mann, der dich darum bittet, so geh nur zu diesem Kistchen und sage:
Kistlein, Kistlein mein,
gib mir Brot und Wein,
auf des Teufels Geheiß.
In der Höll ist's heiß.
Und was dein Herz nur wünscht, soll dir alsbald auf goldenen Platten und in goldenen Flaschen zu Füßen stehen.« Als der Teufel fort war, war der Bauer allein in der Hölle und dachte: Jetzt will ich einmal schauen, was in den großen Kesseln ist, unter denen ich zu feuern habe. Beim letzten, den er aufdeckte, sah er einen Gläubiger, der ihn vor ein paar Jahren gedrückt und gedrängt hatte, und voll Zorn legte er noch sechs Scheiter an und sagte: »Wart, dir will ich jetzt das Bad schon heiß machen; du hast mich auch zum Schwitzen gebracht!« Am dritten Tag kam der Teufel wieder heim. Da sagte der Bauer zu ihm:
»Hör, mein lieber Teufel, in deiner Burg raucht es, es ist ein Graus; ich habe den ganzen Tag die Augen voll Wasser; ich sollte gewiss noch einmal nach Hause und mein Taschentuch holen, damit ich mir die Augen auswischen kann, wenn's gar so beißend raucht.« Da runzelte der Teufel die Stirn und sagte: »Ich kenne dich, du bist ein Schlaumeier; ich kann dich nicht allein nach Hause gehen lassen, sonst kommst du mir vielleicht nicht mehr zurück. Allerdings, ein Taschentuch solltest du haben, das sehe ich ein, sonst könntest du mir noch blind werden. Deshalb ist es am besten, wir gehen zu zweit.« Nach ein paar Stunden kam der Bauer mit dem Teufel zu seinem alten Häuschen zurück, wo Frau und Kinder um ihn trauerten. Der lange Weg und der schnelle Lauf hatten den Bauern und den Teufel hungrig gemacht. Darum sagte der Teufel:
»Heiß deine Frau für uns ein Erbsmus kochen, aber nur von schwarzen Erbsen!« Das tat der Bauer, aber er fügte hinzu:
»Frau, nimm doch auch noch ein paar von jenen weißen Erbsen, die dort oben auf dem Himmelbett liegen; sie sind in ein Papier gewickelt. Du weißt doch noch: Die hat mir jemand in der Nacht zu Frauenfasten aufs Bett geworfen und dazu gerufen: Da hast du einen Notpfennig!« Als das Erbsmus gekocht war, setzten sich die beiden an den Tisch, und der Bauer schöpfte dem Teufel und gab ihm auch eine weiße Erbse auf den Teller. Sobald der Teufel die weiße Erbse sah, begann er schrecklich zu fluchen. Doch, was geschah: Die weiße Erbse wurde größer und größer und zersprang, und viele weiße Erbsen, die mit silbrigen Dornen besetzt waren, fuhren heraus und dem Teufel ins Gesicht und zerstachen ihn jämmerlich, dass er laut aufschrie.
Da besann sich der Bauer nicht lange und sagte: »Wenn du mir die drei Jahre erlässt und mir das Wunschkistlein herzauberst und versprichst, mir und den Meinen niemals etwas anzutun, will ich dich erlösen.«
Weil ihn die Not dazu zwang, sagte der Teufel ja. Und als das Kistlein auf dem Tisch stand, sagte der Bauer:
„Erbslein, Erbslein groß und klein,
lasst das Stechen nunmehr sein.
Der Teufel will uns nicht mehr sehen;
also lassen wir ihn gehen.“
Und als die Erbslein wieder in ihrer Hülse beisammen waren, sprang der Teufel zum Fenster hinaus und hat sich seither wohl gehütet, vor jenes Haus zu kommen.
Otto Sutermeister: Kinder und Hausmärchen aus der Schweiz, Aarau 1837