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Ungleichverteilung im Kanton St.Gallen auf vergleichsweise konstantem Niveau
Die (un-)gleichmässige Verteilung der ausländischen Staatsangehörigen auf die Gemeinden eines Kantons wird hier mittels des Segregationsindexes ausgewiesen. Je tiefer der Wert, desto gleichmässiger verteilen sich ausländische und einheimische Personen auf die verschiedenen Gemeinden, je höher der Wert, desto stärker ist die Konzentration ausländischer Personen auf einzelne Gemeinden. Eine kritische Grenze, ab wann eine Ungleichverteilung als problematische gilt, lässt sich wissenschaftlich nicht bestimmen.
Seit 1985 hat die räumliche Segregation bzw. Entmischung der ausländischen und der Schweizer ständigen Wohnbevölkerung schweizweit abgenommen und liegt im Jahr 2019 bei 23,2 Prozent. Somit müssten rund 23 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer von einer Gemeinde mit überproportionalem Ausländeranteil in eine Gemeinde mit unterproportionalem Ausländeranteil ziehen, damit schweizweit eine gleichmässige Verteilung der ausländischen und Schweizer Bevölkerung zustände käme.
Im Kanton St.Gallen unterliegt die räumliche Segregation im Zeitverlauf nur geringen Schwankungen und ist in allen Jahren weniger stark ausgeprägt als im Schweizer Durchschnitt. Das heisst, dass sich die ausländische Bevölkerung gleichmässiger über alle Gemeinden des Kantons verteilt. Im Gegensatz zur schweizweiten Entwicklung hat die räumliche Segregation im Kanton St.Gallen seit dem Jahr 2000 leicht zugenommen.
Mit Ausnahme der Kantone Appenzell Innerrhoden und Thurgau, liegt das Ausmass der Segregation in allen Ostschweizer Kantonen unter dem gesamtschweizerischen Niveau. Die überdurchschnittliche Segregation im Kanton Appenzell Innerrhoden ist auf eine starke Konzentration der ausländischen Bevölkerung in der Gemeinde Appenzell zurückzuführen. Im Vergleich zu 1995 ist jedoch ein deutlicher Rückgang der Segregation zu beobachten. Im Kanton Thurgau liegt das aktuelle Segregationniveau wieder auf dem Stand von 1985, nachdem es zu Beginn der 2000er Jahre auf über 25% gestiegen ist. Es ist hauptsächlich der kontinuierlichen Abnahme auf der Ebene Schweiz geschuldet, dass die Segregation im Kanton Thurgau plötzlich über dem gesamtschweizerischen Niveau liegt. Dem gegenüber steht die niedrige Segregation im Kanton Glarus, die weit unter dem schweizweiten Durchschnitt liegt. Auch in den Kantonen Zürich und Schwyz ist die ausländische ständige Wohnbevölkerung im gesamten Beobachtungszeitraum ausgeglichener auf die Gemeinden verteilt als im Kanton St.Gallen.
Räumliche Segregation meint allgemein die räumliche Entmischung/Trennung der Wohngebiete von sozialen Gruppen. Eine ausgeprägte räumliche Segregation zeigt sich in voneinander stark getrennten Wohnlagen der untersuchten Bevölkerungsgruppen (auch Ghettoisierung genannt). Der Segregationsindex gibt den Grad der Ungleichverteilung von ausgewählten Personengruppen in den Teilgebieten eines Gesamtgebietes wider. Je weniger ausgeprägt der Segregationsindex, desto gleichmässiger sind die untersuchten Personengruppen auf die Teilgebiete verteilt. Ob ein berechneter Segregationsindex als Indikator für eine übermässige bzw. problematische Ungleichverteilung angesehen wird, kann wissenschaftlich nicht bestimmt werden.
Der Segregationsindex von Duncan und Duncan (1955) basiert auf dem Vergleich der realen räumlichen Verteilung einer Bevölkerungsteilgruppe (z.B. ausländische Staatsangehörige) mit der übrigen Bevölkerung und ihrer theoretischen Gleichverteilung über alle Raumeinheiten. Er informiert somit über das Ausmass der räumlichen Trennung/Konzentration der untersuchten Teilgruppe.
Für die Berechnung wird in einem ersten Schritt pro Raumeinheit a) der Anteil der untersuchten Bevölkerungsteilgruppe in der Raumeinheit am Total dieser Gruppe im Gesamtgebiet sowie b) der Anteil der übrigen Bevölkerung in der Raumeinheit am Total der übrigen Bevölkerung im Gesamtgebiet berechnet. In einem zweiten Schritt wird pro Raumeinheit die Differenz zwischen a) und b) gebildet. Schliesslich werden die absoluten Werte dieser Differenzen über alle Raumeinheiten aufsummiert und durch zwei dividiert. Es resultieren Werte zwischen 0 und 1. Zur Vereinfachung der Interpretation kann der ermittelte Wert mit 100 multipliziert werden, so dass im Ergebnis ein Prozentwert resultiert. Ein Segregationsindex von 100 Prozent weist auf vollkommene Ungleichverteilung der untersuchten Bevölkerungsgruppe im untersuchten Gebiet, ein Wert von 0 Prozent auf eine vollkommen gleichmässige Verteilung hin. Der Segregationsindex kann interpretiert werden als der Anteil der untersuchten Bevölkerungsgruppe im gesamten Beobachtungsgebiet, der die Raumeinheit wechseln müsste, damit eine Gleichverteilung entstehen könnte. Gleichverteilung meint, dass die Anteile der untersuchten Bevölkerungsgruppe in allen Raumeinheiten identisch wären.
Um beim Vergleich mehrerer Jahre mögliche Effekte sich verändernder Gemeindegebiete in Folge von Fusionen auszuschliessen, werden die Bevölkerungszahlen aller Analysejahre jeweils auf Basis des aktuellsten Gemeindegebietsstandes verwendet.
Publikationsdatum: 27.8.2020
Nächste Aktualisierung bis spätestens: 31.8.2021
Die Infografik sowie die Zahlen, die ihr zugrunde liegen,...
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Fachstelle für Statistik Kanton St.Gallen
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