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Der afrikanische Wildhund, ein stark bedrohtes Grossraubtier, bewegt sich vorwiegend innerhalb des weltweit grössten Naturschutzgebiets, weist eine Studie der Universität Zürich nach.
Das weltweit grösste Landschutzgebiet liegt im Süden Afrikas und umfasst 520’000 Quadratkilometer in fünf Ländern. Eine Studie der Universität Zürich ergab nun, dass der afrikanische Wildhund auf seiner langen Wanderschaft meist innerhalb des Kavango-Zambezi-Schutzgebietes bleibt. Dessen Grenzen bestätigen somit die wichtigsten Wildkorridore zur Erhaltung dieser und weiterer bedrohten Tierarten.
Afrikanische Wildhunde im Moremi Game Reserve in Botswana. Das Tier vorne hat ein GPS-Halsband, das die zurückgelegten Wege während der Abwanderung registriert. (Bild: Arpat Ozgul/UZH)
Für viele wildlebende Tiere ist die Abwanderung essenziell, um die eigene Art zu erhalten. Einzelne Tiere müssen ihr Geburtsgebiet verlassen, um sich anderswo niederzulassen und fortzupflanzen. Sie ermöglichen damit den genetischen Austausch zwischen räumlich getrennten Populationen, verstärken gefährdete Bestände und besiedeln neue Gebiete. In einer vom Menschen geprägten Landschaft wird es jedoch immer schwerer, besiedelte Gebiete zwischen den geeigneten Lebensräumen durchqueren zu können. Daher werden vermehrt Wildkorridore errichtet oder Schutzgebiete erlassen.
In Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe sollen 35 bestehende Nationalparks, Reservate und Schutzgebiete durch Wildkorridore miteinander verbunden werden. Mit einer Fläche von rund 520’000 Quadratkilometern (grösser als Deutschland, Österreich und die Schweiz) ist das Kavango-Zambezi-Schutzgebiet (KAZA) das grösste, grenzüberschreitende Naturschutzgebiet der Welt. Doch entspricht diese Schutzzone auch dem Abwanderungsverhalten der zu schützenden Tiere? Dies untersuchten Forschende der Universität Zürich am Beispiel des afrikanischen Wildhundes – einer Tierart, die zu den am stärksten bedrohten und wanderfreudigsten Tierarten im KAZA-Schutzgebiet gehört.
Sehr stark gefährdetes Grossraubtier
Der derzeitige Bestand von rund 6’000 Tieren verteilt sich über verschiedene zersplitterte Populationen im südlichen und östlichen Afrika. Wildhunde (Lycaon pictus) leben in Rudeln, die von einem dominanten Paar angeführt werden. Nach der Geschlechtsreife begeben sich die jüngeren Tiere auf die Suche nach paarungsfähigen Artgenossen und einem passenden Territorium, um anderswo ihr eigenes Rudel zu gründen. Ähnlich wie Wölfe legen sie dabei mehrere hundert Kilometer zurück.
Ein Afrikanischer Wildhund überquert einen kleinen Kanal im Okavango-Delta in Botswana. Sümpfe, Flüsse und Seen dagegen sind meist kaum überwindbare Hindernisse. (Bild: Dominik Behr)
«Wir wollen verstehen, welche Routen die Tiere nehmen und ob sich die verschiedenen Populationen im riesigen Kavango-Zambezi-Schutzgebiet vernetzen», sagt David Hofmann vom Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften. Die Forschenden statteten die Tiere mit GPS-Halsbändern aus und analysierten mithilfe der gewonnenen Bewegungsdaten, welche Habitate von Wildhunden bevorzugt oder gemieden werden und durch welche Gebiete geeignete Wildkorridore verlaufen.
Nur wenige Korridore ausserhalb der Schutzzone
Die Resultate zeigen, dass die Mehrheit der identifizierten Korridore innerhalb des Schutzgebiets verlaufen: Der Norden Botswanas scheint dabei zentraler Verbindungspunkt zu sein, ein anderer wichtiger Korridor verbindet die Nationalparks Angolas und Sambias. «Zwar verläuft der Korridor noch durch grösstenteils ungeschützte Gebiete, diese sollen aber im Rahmen KAZA-Initiative unter Schutz gestellt werden», sagt Hofmann. «Dennoch besteht weiteres Potential zur Ausweitung, da mehrere geeignete Routen noch nicht abgedeckt sind.»
Zudem sind nicht alle Gebiete gleich gut als Wildkorridor geeignet. In einigen Ländern kommen die abwandernden Tiere problemlos voran, in anderen Ländern wie etwa in Sambia und Simbabwe stellt die hohe Bevölkerungsdichte mit den Siedlungen, Strassen und der Landwirtschaft das grösste Hindernis dar. Die Forschenden fordern daher, dass auf diese länderspezifischen Unterschiede bei der Umsetzung der KAZA-Initiative besonders geachtet werden sollte.
Auch Löwen und Elefanten profitieren
Die in dieser Studie angewandten statistischen Verfahren und Daten über die Bewegungsmuster bedrohter Tierarten ermöglichen nicht nur für die KAZA-Initiative eine bessere Entscheidungsfindung, sie eignen sich auch als Grundlage zur Schaffung neuer Schutzgebiete oder zur Anpassung bestehender Zonen.
Wildkorridore für abwandernde Wildhunde in- und ausserhalb des Kavango-Zambezi Schutzgebietes. (Grafik: UZH)
Die Ergebnisse unterstreichen, dass das Kavango-Zambezi-Schutzgebiet einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Schutz der bedrohten Wildhundbestände im südlichen Afrika leistet und weitgehend den Bedürfnissen der Tiere entspricht. «Letztlich dient ein ausgedehntes Netz von Korridoren nicht nur den Wildhunden selbst. Auch andere Arten wie Löwen, Elefanten oder Geparden, die im gleichen Ökosystem leben, profitieren davon», sagt Hofmann. Mit der KAZA-Initiative der beteiligten afrikanischen Staaten sollen per Staatsvertrag insgesamt 35 bereits bestehende Nationalparks, Reservate und Schutzgebiete durch Wildkorridore miteinander verbunden und zu einem dichten Netz für die Erhaltung bedrohter Tierarten vereinigt werden.
Titelbild: Afrikanischer Wildhund beim Okavango River. Wikicommons