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Herstellungsort unbekannt, um 1510
Eisenguss
H. 81 cm, Br. 48 cm
Inv. 1871.23.
Seit etwa 1380 besass die Zunft zu Hausgenossen – einer Herrenzunft gemäss – einen prächtigen gotischen Bau an der Freien Strasse. Zuvor hatten die Goldschmiede am Totengässlein eine Trinkstube und die Wechsler am Fischmarkt eine Laube mit Wechselbänken besessen. Wie zahlreiche andere alte Häuser an der Freien Strasse wurde das Zunfthaus im Jahre 1893 wegen einer Strassenkorrektur abgebrochen. Es wurde durch einen dreigeschossigen neugotischen Bau ersetzt.
Aus welchem Raum die Ofenplatte mit der Madonna stammt, ist unbekannt. Die Platte war einst Bestandteil eines eisernen Ofens (siehe auch S. 146). Eisenöfen waren um 1500 in Klöstern, Rat- und Zunfthäusern, später auch in Häusern der bürgerlichen Oberschicht verbreitet. Für die Bildwerke der Ofenplatten arbeiteten Formschnei-der, auch Schnitzer genannt. Sie schnitzten die Holzmodelle, die vom Giesser in ein Sandbett abgedruckt und danach «im offenen Herd» ausgegossen wurden. Dieser technische Vorgang erklärt, warum gusseiserne Ofenplatten stets als Flachrelief ohne Unterschneidungen gebildet sind.
Die Platte mit der Madonna ist bezeichnend für die vorreformatorische Zeit, als Heiligenfiguren vorherrschend waren. In der Renaissance waren Motive aus der antiken Geschichte, Literatur und Mythologie beliebt. Die nachreformatorische Zeit bevorzugte in den neugläubigen Gebieten Darstellungen aus der Bibel. So spiegeln die Bilder der Ofenplatten die kulturellen Epochen mit ihren religiösen und geistigen Inhalten. Die vorliegende Platte wird dem im Elsass tätigen Meister GF zugeschrieben, dem über zwei Dutzend Ofenplatten in den oberrheinischen Museen zugeordnet werden. Kennzeichen dieses Meisters ist die Darstellung von Einzelpersonen oder statuarischen Gruppen. Die Figuren werden von einem nach unten im Masswerk ausgezackten Rundbogen umgeben. Die Zwickel sind mit Blattranken gefüllt und leiten zum rechteckigen Rahmen über. Im Bogenscheitel steht ein Vogel. Bei der vorliegenden Platte erkennt man deutlich, dass Rahmenwerk und Bild von zwei verschiedenen Modellen stammen. Dass man das Material mehrmals verwendete, beweist eine im Augustinermuseum in Freiburg i. Br. Identische Platte.