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Magenkrebs
(Carcinoma ventriculi), ein bösartiges Gewächs des Magens, welches in Form einer Geschwulst oder als Geschwür vorkommt und nach mehr oder weniger langwierigem Krankheitsverlauf stets zum Tod führt. Unter allen Organen des Körpers ist der Magen [* 2] am häufigsten, in 45 Proz. der Fälle, vom Krebs [* 3] betroffen. Im ganzen erkranken Männer häufiger an als Frauen. Zwischen dem 40. und 60. Jahr ist die Krankheit am häufigsten, vor dem 40. selten, vor dem 30. nur ganz ausnahmsweise beobachtet worden.
Der
Magenkrebs entwickelt sich am häufigsten in der Pförtnergegend, seltener in der
Nähe des Mageneingangs
oder an der kleinen Kurvatur, am seltensten im Magengrund und an der großen Kurvatur. Da der
Magenkrebs ein gewisses
Bestreben zeigt, sich in die Quere auszubreiten, so entstehen leicht ringförmige krebsige Einschnürungen des
Magens am
Pförtner
und am
Magenmund. Die
Magenkrebse sind bald zellenreicher und weich
(Markschwamm), bald zellenärmer und hart
(Scirrhus); bald
sind ihre
Zellen schleimig entartet, wodurch der sogen. Alveolar- oder
Gallertkrebs entsteht.
Zuweilen sind sie sehr gefäßreich und sitzen wie
Pilze
[* 4] mit breiter
Basis der Innenfläche auf
(Fungus haematodes;
Blutschwamm).
Der
Magenkrebs beginnt wahrscheinlich in allen
Fällen von der Schleimhaut aus. Hier entstehen bald kleine
Knoten,
bald mehr eine diffuse, nicht scharf umschriebene Verdickung; beide vergrößern sich, es entsteht eine grobhöckerige Geschwulst,
in welche allmählich die Schleimhaut in ihrer ganzen
Dicke, später auch die Muskelhaut und Serosa des
Magens eingeht.
Die weichen
Magenkrebse breiten sich viel schneller aus als die harten. Beide wachsen, ohne eine Begrenzung
zu finden, an ihrer
Peripherie und zugleich in der
Dicke fort, während ihre mittlern
Partien sich schon dem Zerfall zuneigen.
Hat nämlich die Geschwulst die freie Schleimhautfläche erreicht, so beginnt sie auf ihrer Oberfläche zu schwärzlichen,
zottigen, weichen
Massen zu zerfallen, die abgestoßen werden und unter sich ein kraterförmiges
Geschwür
zurücklassen, das von aufgeworfenen, nach außen umgestülpten, blumenkohlartigen Rändern wie von einem
Wall umgeben ist.
Von diesem Geschwür aus schreitet der Zerfall der Geschwulst peripherisch weiter, das Geschwür erreicht eine oft sehr ansehnliche Größe, bis zum Umfang zweier Hände, und dabei kann die krebsige Wucherung so bedeutend sein, daß die Höhle des Magens darmartig verengert ist. Häufig greift die krebsige Entartung des Magens auf die Nachbarorgane über, und durch Zerfall der Krebsmasse können abnorme Kommunikationen zwischen den Höhlen dieser Organe eintreten, z. B. der Höhle des Magens und Grimmdarms.
Zerfällt der
Magenkrebs bis zu seinem Bauchfellüberzug, bevor letzterer mit andern
Organen verklebt ist, so öffnet sich der
Magen
nach der
Bauchhöhle hin, und es entsteht eine tödliche Unterleibsentzündung. Die
Symptome und der Verlauf des
Magenkrebses
hängen wesentlich von seinem Standort ab, so daß sich zwischen einem
Magenkrebs, welcher den
Mageneingang verlegt, und einem solchen, welcher den
Ausgang verschließt, die größten Unterschiede ergeben. Wenn die Krebsgeschwulst
zur
Verengerung des
Pförtners führt, so wird der übrige
Magen vor dem
Pförtner stark ausgedehnt und seine Wand einfach hypertrophisch
(Magenerweiterung). Ist dagegen
Verengerung des Mageneingangs durch einen dort sitzenden
Krebs vorhanden, so
pflegt der ganze
Magen zusammengezogen, seine
Höhle verengert zu sein.
¶
forlaufend
Schmerzen können vorhanden sein, aber auch fehlen; vor allem leidet aber der Kranke in beiden Fällen an schwerer allgemeiner
Verdauungsstörung, er magert stark ab und bekommt eine schmutzig gelbgraue Hautfarbe. Meist gesellt sich hierzu Erbrechen,
welches besonders dann nach jeder Mahlzeit eintritt, wenn der
Magenkrebs am Pylorus sitzt und diesen verengert.
Bei Verengerung des Pylorus tritt das Erbrechen gewöhnlich erst mehrere Stunden nach dem Essen,
[* 6] bei Verengerung des Mageneingangs
während desselben oder unmittelbar nachher ein.
Wenn das Erbrechen längere Zeit hindurch mit großer Regelmäßigkeit bestanden hatte, so verliert es sich manchmal erst allmählich und dann gänzlich. Dies hat seinen Grund darin, daß die verengerte Stelle des Magens, welche das Brechen hervorrief, durch Zerfall der Krebsgeschwulst wieder erweitert wird. Die erbrochenen Massen bestehen aus den genossenen, mit dickem Schleim umhüllten Speisen, welche mehr oder weniger verändert sind. Bei dem Zerfall der Krebsgeschwulst kommen gewöhnlich leichte kapillare Blutungen vor; das Blut vermischt sich mit dem Mageninhalt, und dieser wird dann als schwärzliche, krümelige, kaffeesatzähnliche Masse erbrochen.
Seltener werden beim Zerfall des
Magenkrebses größere Gefäße angefressen, und dann kommt es zu reichlichen Magenblutungen
mit oft tödlichem Blutbrechen. Wenn der
Magenkrebs keine der Magenpforten einnimmt, so kann er ganz ohne örtliche Symptome verlaufen.
Das sicherste Zeichen für das Vorhandensein eines
Magenkrebses ist das Auftreten einer Geschwulst, welche
sehr oft nicht sowohl am Magen selbst bemerkbar wird, sondern in der ganz gewöhnlich später ergriffenen Leber durch die Bauchdecken
hindurch gefühlt werden kann.
Dieses Symptom fehlt jedoch in vielen Fällen von
Magenkrebs. Ist die Neubildung ein weicher, zellenreicher Krebs,
so ist der Verlauf meist in mehreren Monaten abgeschlossen; der harte Krebs dagegen und vor allem der Gallertkrebs kann mehrere
Jahre lang bestehen. Der
Magenkrebs endigt niemals anders als mit dem Tod, welcher gewöhnlich unter den Zeichen allmählicher Erschöpfung
eintritt, viel seltener nach Durchbohrung der Magenwand und schnell tödlich verlaufender Bauchfellentzündung.
Noch seltener rufen Magenblutungen den Tod herbei. Die Unterscheidung des
Magenkrebses vom chronischen Magenkatarrh und chronischen
Magengeschwür ist oft außerordentlich schwierig.
Bei der Behandlung des
Magenkrebses muß man vor allem die Verdauung zu erhalten suchen. Die Diät muß dieselbe sein wie beim
chronischen Magenkatarrh (s. d.). Die zweckmäßigste Nahrung für Kranke, welche an
Magenkrebs leiden, ist die
Milch, welche leider nicht immer vertragen wird; man muß sie dann durch konzentrierte Fleischbrühen, Eigelb und andre nahrhafte
Stoffe zu ersetzen suchen, diese aber immer in geringer Menge auf einmal und womöglich in flüssiger Form geben.
Auch Wein, namentlich Rotwein, darf der Kranke nehmen. Eine abnorme Säurebildung im Magen suche man durch
das Trinken von Sodawasser zu beseitigen. Nicht selten wird aber alles Genossene sofort wieder erbrochen, und in solchen Fällen
sind die Nahrungsklystiere von Pepton, welches, in lauwarmem Wasser gelöst, durch den After in den Darm
[* 7] eingeführt wird, von
hohem Wert. Gegen die bei
Magenkrebs fast immer bestehende hartnäckige Stuhlverstopfung werden Pillen aus Aloe und Koloquinten empfohlen;
gegen Schlaflosigkeit und heftige Schmerzen wird Morphium angewendet. In neuester Zeit ist zuerst von Billroth der Versuch gemacht
worden,
das krankhafte Magenstück durch Operation zu entfernen. Hierdurch hat sich die Möglichkeit einer
chirurgischen Heilung zweifellos ergeben; zur Nachahmung dürfte vorerst noch eine Vervollkommnung der Magenuntersuchung notwendig
sein, da ein Herausschneiden nur dann dauernde Heilung versprechen kann, wenn der Magenkrebs klein und vollständig auf den Magen beschränkt
ist; bei bereits vorhandenen metastatischen Krebsknoten der Lymphdrüsen, Leber etc. hat sich die Operation als ohnmächtig
erwiesen.