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Der ehemals «Unter demKamm» geheissene
Ort gehörte
dem Stift St. Gallen,
dessen Abt Berthold 1288 den Zehnten des
Ortes an den Ammann Kuchimeister von
Hundwil abtrat.
Als
Urnäsch 1417 eine
Pfarrkirche erbaute, gliederte man ihr auch Schönengrund an, welcher
Ort dann 1720 seine eigene Kirche erhielt. Im folgenden
Jahre wurde er auch zur selbständigen politischen Gemeinde.
Der untere, neuere Teil des Dorfes mit den vielen Fabrikgebäuden breitet
sich in der
Sohle des Aarethales aus, während die ältesten Siedelungen sich um den
«Bühl», einen stark hervortretenden felsigen
Bergvorsprung, auf dem die Stiftskirche steht, gruppieren oder am
N.-Hang des
Eppenberges, der ö. Fortsetzung
des
Engelberges, sich ins
Holz hinaufziehen. Hier treffen wir noch das alte, mit Stroh
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mehr
bedeckte alemannische Bauernhaus und daneben die moderne Villa. Ueber der«Halde», einem jähen Felsabhang, die sich vom Bühl
weg bis gegen Roggenhausen hinzieht, liegt der Weiler Riedbrunnen. Schönenwerd hat durch die Einführung und die grossartige
Entwicklung der Industrie seit einigen Dezennien eine völlige Umgestaltung erfahren. Bis in die Dreissiger
Jahre des 19. Jahrhunderts bestand der Ort blos aus den Stiftsgebäuden, einigen Werkstätten für Handwerker und einer Anzahl
von Bauernhäusern, während ihm heute zahlreiche neue Wohnhäuser und Villen, sowie die ausgedehnten Fabrikbauten ein ganz
modernes, wohlhabendes und beinahe städtisches Aussehen geben.
Malerisch erhebt sich aus den Häusern von Schönenwerd der Bühl mit den mächtigen Linden vor der alten
Stiftskirche (jetzt christkatholische Kirche), deren Turm 2 Kuppeln trägt. Auf dem Bühl ist auch die von Bildhauer Richard
Kissling geschaffene Bronzebüste des Gründers der Schuhindustrie und durch sein gemeinnützig wohltätiges Wirken ausgezeichneten
C. Franz Bally aufgestellt. Um die Kirche gruppieren sich die noch jetzt durch ihre Bauart auffallenden
ehemaligen Wohnungen der Stiftsherren, von denen sich z. B. die einstige Kaplanei mit dem 1610 neu erbauten Kreuzgang direkt
an die Kirche anschliesst.
Ebenfalls in der Nähe stehen das schöne, wohleingerichtete Primarschulhaus, das Gemeindehaus und die Bezirksschule (ehemalige
Propstei). Die römisch-katholische Kirche wurde 1877 erbaut. Dem Ufer der Aare entlang ziehen sich die
von Franz Bally aus ehemaligem Schachenland geschaffenen, weitausgedehnten und dem Publikum offenen Parkanlagen mit einer
Nachahmung von Pfahlbauten. Eine gedeckte hölzerne Brücke über die Aare (1864 erbaut) vermittelt die Verbindung mit dem
Gösgeramt.
Von der ursprünglich römisch-katholischen Pfarrgemeinde hat sich 1876 die christkatholische Gemeinde
abgetrennt. Die während 20 Jahren von Aarau aus pastorierten Reformierten konstituierten sich 1899 mit denen der umliegenden
Gemeinden als eigene Kirchgemeinde. In der christkatholischen Gemeinde Schönenwerd ist auch diejenige von Nieder Gösgen
mit eigenem Gottesdienst eingepfarrt. Zu den betreffenden Kirchgemeinden von Schönenwerd gehören ferner noch die Bewohner
von Eppenberg-Wöschnau.
Der ursprüngliche Lokaldialekt ist durch die überwiegende Einwanderung bereits verwischt worden. Die Landwirtschaft hat
nur noch geringe Bedeutung, und nur ein kleiner Teil der Einwohner widmet sich ihr vollständig. Von den rund 400 Häusern
des Ortes dienen 30 ausschliesslich dem Fabrikbetrieb. Von gewerblichen Betrieben sind zu nennen eine grössere
Brauerei, eine Schlosserei und Storrenfabrikation. Was dem Ort aber seine Bedeutung und seinen Haupterwerb verschafft, das
ist die grossartige Industrie, die, aus kleinen Anfängen hervorgegangen, heute zum Teil Weltruf erlangt hat.
1823 begann Peter Bally, dessen Vater als Tiroler Maurer eingewandert und als Hausierer von seidenen Bändern etc. zu einigem
Wohlstand gelangt war, die Bandweberei, zu der später die Herstellung von elastischen Hosenträgern kam. Die heutige Bandfabrik
mit grossem Neubau ist aus diesen Anfängen hervorgegangen. Etwas später begann Jost Brun (aus dem Kanton Luzern)
die Kappenweberei, die
sich zu der jetzigen, ebenfalls sich ausdehnenden Trikotfabrik weiterentwickelte. Der bedeutendste Schritt war
aber die 1851 erfolgte Einführung der Schuhfabrikation durch C. Franz Bally, der bald die Elastiquesfabrikation folgte.
Ausserordentliche Schwierigkeiten begleiteten den Anfang, sodass die ganze seltene Energie und zähe Ausdauer des Gründers
nötig war, sie zu überwinden. Nach und nach begann das Geschäft zu blühen und
nahm nach Vervollkommnung des Fabrikats,
Einführung der neuesten amerikanischen Maschinen, Anknüpfung von ausländischen Handelsbeziehungen etc. später einen gewaltigen
Aufschwung, so dass die Schuhfabrik Schönenwerd heute das grösste europäische Etablissement dieser Art ist. 1860 beschäftigte
die Bandfabrik 150, die Trikotfabrik 100, die Schuh- und Elastiquesfabrik 500 Arbeiter. Erstere zwei und die vor beiläufig
zwanzig Jahren hieher verlegte Chemische Fabrik zählen heute zusammen mehrere hundert Arbeiter, die Schuh-
und Elastiquesfabrik dagegen deren etwa 2400, so dass jetzt etwa 3000 Arbeiter in Schönenwerd lohnenden Verdienst finden.
Davon wohnen nur etwa 1/5 im Orte selbst, während der grösste Teil sich auf die umliegenden Ortschaften, bis auf ziemliche
Entfernungen hin, verteilt. Die seit Jahren eingeführten Arbeiterzüge bieten hierin grosse Erleichterungen.
Die Schuhfabrik (heutige Firma C. F. Bally Söhne) hat in der Umgegend und auch in andern Kantonen noch weitere Filialfabriken
mit zusammen über 1000 Arbeitern errichtet, so in Aarau, Nieder Gösgen, Gränichen, Schöftland, Reitnau, Kulm, Kirchleerau.
Ueber 500 Personen werden mit Hausindustrie beschäftigt. Sämtliche Produkte kommen in die grossen Magazine
in Schönenwerd, von wo aus der Versand stattfindet. Die Tagesproduktion beträgt gegenwärtig 8500 Paar Schuhe. Jährlich
wandern etwa 500000 Paar Schuhe ins Ausland und zwar zu einem grossen Teil über London in die englischen Kolonien und nach
Südamerika. Speziell erwähnt seien die zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen, die, meistens von C. F.
Bally ins Leben gerufen, jedermann zugänglich sind, so die Kleinkinderschule, die Badanstalt, das Kosthaus, die Parkanlagen,
die Wasserversorgung, die Kranken- und Sterbekasse, die Jugend- und Volksbibliothek. Von den rund 30 Vereinen seien besonders
erwähnt der Leseverein, der Hilfsverein und der Konsumverein. Für Vereinsaufführungen und gesellige
Anlässe ist jüngst ein prächtiges Konzertgebäude aufgeführt worden. Genannt seien auch das sehr reichhaltige Privatmuseum
des Herrn Bally-Prior, die Pfahlbautensammlung in den Anlagen (Kapelle) und die wertvolle Münzsammlung des Herrn Bally-Herzog.
Geschichtliches.
Einzelfunde von Steinbeilen, Feuerstein-Artefakten und Bronzegegenständen weisen auf früheste Besiedelung hin. 2 keltische
Goldmünzen und mehrere römische Münzen. Erste urkundliche Erwähnung 778, in welchem Jahr in einem
Testament des Bischofes Remigius von Strassburg der Bischof Rupert als Erbauer des monasteriolum Werith genannt wird, das sich
auf dem jetzigen vorspringenden Bühl erhob (Werd oder Wörth = Flussinsel, auch Halbinsel). Das Gebiet gehörte damals in
die Einung Grechchinbach (= Gretzenbach).
Das Klösterlein wurde dem Domstift Strassburg einverleibt, gehörte aber zum Konstanzer Bistum. Um 1050 sprechen die Urkunden
von einem Kollegiatstift unter Propst Rudolf. 1230 wurde auf dem gegenüberliegenden Felsvorsprung zu Bötzach (jetzt Nieder
Gösgen) ebenfalls auf Stiftsgebiet die Burg Gösskon erbaut, worauf deren Erbauer, Gerhart I., die
Schutzvogtei über das Stift an sich brachte. Daraus entstanden endlose Reibereien zwischen den Stiftsherren und den Rittern
von Gösskon. Von letztern sind Marquard III. († 1343) und Johann III. in der Stiftskirche begraben, wo ihre Grabsteine
heute noch erhalten sind.
Nach der Eroberung des Aargaues stand das Stift 1415-1419 unter bernischem Schutze. Dann ging die Kastvogtei
an die Grafen von Falkenstein, die Nachfolger der Gösskoner, über. Das interessante spätgotische Grabdenkmal des Hans von
Falkenstein befindet sich nebst demjenigen seines Sohnes Hans Friedrich in der 1427
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