Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03592.jsonl.gz/2808

Diese empirische Studie untersucht Aushandlungen von Autorität innerhalb von Gewerkschaften in Sambia. Sie möchte zu einem besseren Verständnis der Herausforderungen von politischer Interessenvertretung in einer Industrieregion in Afrika beitragen, in der multinationale Konzerne agieren.
Mit der Konzeptualisierung von Autorität als entscheidendes Element von legitimer Herrschaft legte Max Weber einen entscheidenden Grundstein für die politische Soziologie. Stets verweisen soziologische Handbücher auf seine drei Typen der traditionalen, charismatischen und rationallegalen Herrschaft. Diese Legitimitätsprinzipien sind häufig als selbstverständliche Norm vorausgesetzt worden, obgleich die Legitimität vieler politischer Organisationen fragmentiert und schwach ist. Das Problem liegt darin, dass Webers Idealtypen vielmehr Ergebnisse langzeitiger Institutionalisierungs- und Legitimierungsprozesse darstellen, und dass wir wenig über das soziale Handeln wissen, durch welches solche Autorität aufgebaut oder abgelehnt wird.
Gewerkschaften in Sambia sind ein Fall von einer heranwachsenden, aber in Frage gestellten Autoritätsstruktur, herausgefordert durch inoffizielle Streiks und sich abspaltende Gewerkschaften. Diese qualitative Fallstudie untersucht, wie sich Autorität und Kritik zwischen Gewerkschafsvertretern und Mitgliedern äussern. Untersucht werden Gewerkschaften, die in von dem Schweizer Konzern Glencore betriebenen Bergwerken in den Städten Kitwe und Mufulira im sambischen Copperbelt tätig sind. Die Datensammlung umfasst narrative Interviews mit Mitgliedern und Funktionären von drei Bergbaugewerkschaften, Gruppendiskussionen, die Aufnahme von Gewerkschaftsversammlungen sowie Experteninterviews. Im Projekt sollen Typologien der Anerkennung und Kritik von Autorität erstellt werden.