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Verstehen Sie Hochdeutsch?
Über die kleinen (und grösseren) Unterschiede zwischen dem Hochdeutschen und dem Schweizer Schriftdeutsch
Der Knabe fährt mit dem Velo gegen den Kandelaber. Der Götti hat gerade Ferien und trägt Finken beim Grillieren.
Liest jemand nördlich des Bodensees diesen Satz ergeben sich mit grosser Wahrscheinlichkeit einige Verständnisprobleme: Der Knabe (hmm… etwas veraltete Wortwahl) fährt womit gegen einen Kerzenleuchter? Wer ist denn der Götti? Arbeiten kann er ja nicht, sonst hätte er Urlaub. Ferien haben ja nur Schulkinder und Studenten. Warum trägt er denn eigentlich Vögel, verstösst das nicht gegen den Tierschutz?
Damit bei Ihren Lesern keine Verständnisschwierigkeiten auftreten, zeigen wir Ihnen hier die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Schweizer Schriftdeutsch und dem Hochdeutschen auf.
Rechtschreibung
Die Rechtschreibung beim Schweizer Schriftdeutsch orientiert sich mit folgender Ausnahme an den Regeln der Rechtschreibreform vom 1. August 2006:
Im Schweizer Schriftdeutsch fehlt das Eszett (ß). Zwischen «Bussen» und «Bußen» oder «Masse» und «Maße» gibt es im Schweizer Schriftbild also keinen Unterschied. Ein fehlendes Eszett führt beim deutschen Leser unmittelbar dazu, dass das Wort als falsch geschrieben empfunden wird. Im besten Fall erkennt er es als Schweizer Variante (falls dieser Unterschied bekannt ist). Umgekehrt ist für den Schweizer Leser klar, dass Wörter mit «ß» auf einen deutschen Autor schließen lassen.
Bei bestimmten Wörtern, die aus dem Französischen übernommen wurden, gibt es kleinere Unterschiede, z. B. Décolleté und Dekolleté oder Menu und Menü.
Helvetismen
Helvetismen sind Spracheigentümlichkeiten des Schweizerischen. Dazu zählt überwiegend der Wortschatz, aber auch grammatische Besonderheiten (Artikelwahl) sind darin enthalten.
Im ersten Satz dieses Beitrags sind Knabe (da im Deutschen veraltet), Velo (Fahrrad), Kandelaber (Straßenlaterne im Dt.), Götti (Patenonkel), Ferien (Urlaub), Finken (Pantoffeln) und Grillieren (Grillen) Helvetismen.
Hier muss beim Schreiben einfach das Schweizerische oder deutsche Äquivalent gelernt bzw. nachgeschlagen oder der Text von einem Muttersprachler Korrektur gelesen werden, falls Zweifel bestehen.
Zeichensetzung
Bei der Zeichensetzung gibt es zwischen dem Schweizer Schriftdeutsch und dem Hochdeutschen einige Unterschiede:
- Anführungszeichen: Im Schweizerischen werden die Guillemets («») gesetzt, im Deutschen die unten beginnenden und oben schliessenden Anführungszeichen („“)
- Tausendertrennzeichen: Im Schweizerischen abgetrennt durch einen Hochstrich (1′000), im Deutschen durch einen Punkt oder ein Leerzeichen (1.000 oder 1 000)
- Uhrzeit: Im Schweizer Schriftdeutsch wird bei Uhrzeitangaben ein Punkt gesetzt (15.30 Uhr), im Hochdeutschen ein Doppelpunkt (15:30 Uhr)
- Währungseinheiten: Diese werden im Deutschen im fortlaufenden Text nach dem Betrag gesetzt, in Aufstellungen zur besseren Übersicht auch vor den Betrag. Im Schweizer Schriftdeutsch werden sie hingegen immer vor den Betrag gesetzt, also CHF 125.-. Hinweis: Fehlende Nullstellen werden im Deutschen durch Komma und Bindestrich ersetzt, also 125,- EUR.
Senden Sie uns Ihren Text zum Lektorat
Nun kennen Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Schweizer Schriftdeutsch und dem Hochdeutschen. Wenn Sie ganz sicher gehen möchten, dass Ihr Text die Schweizer oder deutsche Zielgruppe spezifisch anspricht, senden Sie uns Ihren Text zum Lektorat. Alle unsere Korrekturleser sind Muttersprachler und sorgen dafür, dass Ihr Text die schweizerischen oder deutschen Gegebenheiten zu 100% einhält. Schicken Sie uns jetzt Ihre Lektoratsanfrage und fordern Sie eine unverbindliche Offerte an. Wir freuen uns auf Sie!
Quellen:
https://www.nzz.ch/article9S8V9-1.292028
http://www.duden.de/rechtschreibung/Helvetismus
http://www.duden.de
https://www.bk.admin.ch/dokumentation/sprachen/04915/05016/index.html?lang=de