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Alexander Gordeew
geb. 2005
Der Junge kommt aus der Kleinstadt Nowoworontsowka im Süden der Ukraine. Er ist ein gewöhnlicher Schüler, er interessiert sich besonders für Fussball. Das Stadion liegt ein paar Kilometer von seinem Haus entfernt. Zum Training ging er immer denselben Weg zu Fuss. Eines Tages wurde er von einem unaufmerksamen Autofahrer überfahren. Als Folge erlitt der Junge zahlreiche Verletzungen am Körper und ein geschlossenes Schädel-Hirn-Trauma. Er wurde auf die Intensivstation gebracht, wo ihm ein Hirnhämatom herausoperiert wurde.
Alexander lag bewusstlos auf der Station für Reanimation ans Beatmungsgerät angeschlossen. Er brauchte eine nochmalige Hirnoperation, damit die Blutungsquelle gefunden und behandelt werden konnte. Dafür hatten seine Eltern aber keine Mittel. Alexanders Mutter Swetlana (geb. 1982) und sein Vater Iwan (geb. 1981) sind als Bäcker in der lokalen Bäckerei tätig und verfügen nur über einen niedrigen Lohn und keine Ersparnisse. Ausser dem Sohn hat das Ehepaar zwei Töchter: Alina (geb. 2000) und Diana (geb. 2012). Die Ältere studiert in einer anderen Stadt, während die Kleinere nur in die zweite Klasse geht.
Swetlana Gordeewa bat die verehrten Schweizer Wohltäterinnen und Wohltäter um jede mögliche Hilfe für die Rettung ihres Sohnes. Dank der geleisteten Hilfe bekam der Patient alle nötigen Medikamente, seine Familie konnte kostspielige Analysen und Prozeduren für Alexander bezahlen. Er wurde aus dem Krankenhaus entlassen, dem Jungen geht es besser. Für den so wichtigen Beitrag in die Lebensrettung ihres Sohnes äussert die ganze Familie tiefe Erkenntlichkeit. Für die weitere Rehabilitation des Jungen – die Aufstellung der Platte im Kopf und die Untersuchungen seines kranken Knies – verfügen die Eltern aber über kein Geld. Gordeews wenden sich an Schweizer Gönner mit der Bitte um nochmalige Unterstützung.
Ein 14-Jähriger in Todesgefahr
Jede Nachricht über Unfälle oder Naturkatastrophen ist erschreckend, insbesondere, wenn es dabei um junge Opfer geht. „Oh mein Gott!“, „Gibt‘s doch gar nicht“ - das sind die häufigsten Schockreaktionen in solchen Fällen. Reflexartig schliessen die Eltern ihre Kinder in die Arme und beten mit Inbrunst, dass der Kummer ihre eigenen Familien verschont. Dabei fragt sich jeder gedanklich, wie diejenigen zurechtkommen, die mitten in tragische Ereignisse geraten. Familie Gordeew – die Hauptfiguren des heutigen Artikels – zählt zu denen, die nicht viel Glück hatten und bei einem Verkehrsunfall beinahe den Sohn Alexander verloren haben. Der Junge liegt mit mehreren ernsthaften Verletzungen im Koma, während seine trostlosen Eltern und Geschwister Unmengen Tränen vergiessen und wie besessen das nötige Geld für seine Rettung sammeln. Liebe Leserinnen und Leser! In unserem Heft gibt es genug Platz für intensives Überlegen, Mitleid und andere starke Emotionen. Das Hauptziel ist aber, bei Alexanders Rettung uns gemeinsam zu engagieren.
Alina, Alexander und Diana besuchen ihre Grosi, 2013
Die Geschwister umarmen sich im Vorfeld des Neujahrs, 2009
Typische Familie mit drei Kindern
Swetlana und Iwan Gordeew erziehen drei Kinder – Alina, Alexander und Diana. Es ist keine leichte Sache, eher eine Herausforderung, in der Ukraine mit ihrer darbenden Wirtschaft drei heranwachsende Sprösslinge zu ernähren. Swetlana ist Näherin von Beruf, doch konnte die Frau keinen Job in diesem Bereich finden – die Familie lebt in einem Dorf im Chersoner Gebiet, und dieser Beruf ist hier nicht besonders gefragt. So arbeitet sie zusammen mit ihrem Mann in der lokalen Bäckerei. Obwohl die Eltern bis zu 12 Stunden täglich schuften, verdienten sie mehrere Jahre lang keine üppige Summe, sondern holten sich vielmehr nur Schwielen an den Händen sowie Rückenschmerzen und waren überanstrengt. Man lebt nur einmal, und es ist so schade, dass in den meisten Ländern der Welt die Leute nur noch kleine Details einer grossen Maschinerie sind, die einen geringen Wert haben, leicht ersetzbar sind und weggeworfen werden, sollten sie mal versagen.
Die Mitglieder der Familie Gordeew zeichneten sich immer durch ihren unerschütterlichen Optimismus aus. Der grösste Reichtum von Svetlana und Iwan waren die Kinder und ihre Gesundheit. Oben auf der Prioritätenliste stand auch die Ausbildung und eine anständige Erziehung. Der Fleiss der Ältesten Anna (geb. 2000) wurde reichlich belohnt – sie bekam einen gebührenfreien Studienplatz an der Uni in einer anderen Stadt und studiert dort Finanzen. Leider kann sie nicht oft heimkommen, die Reisekosten lassen sich mit ihrem bescheidenen Stipendium nicht finanzieren. Die Kleinste Diana (geb. 2012) ist Erstklässlerin. In ihrem so unschuldigen Alter hat das Mädchen den Hauch des Schmerzes und der Angst bereits hautnah kennen lernen müssen – als sie noch klein war, kippte bedauerlicherweise ein Schubladentisch auf sie. Infolgedessen zog sich das Kind einen Hüftbruch zu. Ihr Körper schaffte es aber, die Verletzung zu überstehen, Diana ist längst wieder aktiv, lebhaft und energisch. Wird der Sohn Alexander (geb. 2005) charakterisiert, fällt einem sofort seine echte Leidenschaft – Fussball – auf. Der Junge legt täglich einige Kilometer zurück, um mit seinen Freunden seine Fertigkeiten im Spiel zu schärfen. Er schaut immer alle Spiele seiner Lieblingsmannschaften und der ukrainischen Nationalelf, kennt die Namen aller Fussballspieler der berühmtesten Mannschaften und hegt die Hoffnung, ihre Reihe eines Tages zu ergänzen und Fussballstar zu werden. Dann könnte er auch seinen Eltern helfen und ihre kümmerliche finanzielle Lage verbessern. Momentan ist es aber die grosse Frage, ob seine Träume in Erfüllung gehen.
Auch wenn in Armut lebend und mit düsteren Aussichten auf eine schöne Zukunft kämpfte sich die Familie durch. Heute, da der Tod auf ihren Sohn lauert und seine Schritte hinter der Tür immer lauter zu hören sind, hat Familie Gordeews ansonsten vorbildliche und ausgewogene Haltung kapituliert.
Der Pfeil direkt ins Elternherz
Es war ein ganz gewöhnlicher Tag, nichts liess etwas Schlimmes erahnen. Nach einem intensiven Spiel war Alexander unterwegs nach Hause. Der Junge kannte den Weg wie das Vaterunser. Der Regensturm am Vorabend hatte für grosse Pfützen am Strassenrand gesorgt, so dass man fusshoch im Schlamm watete. Alexander ging abseits gegen die Fahrtrichtung, um auf die entgegenkommenden Autos achten zu können. Um einer Pfütze auszuweichen, trat der Junge kurz auf die Strasse. Ausgerechnet in diesem Moment überholte ein Auto ein anderes auf der Gegenspur. Dadurch, dass der Fahrer sich nicht an das vorgeschriebene Tempo hielt, bemerkte er Alexander nicht rechtzeitig und konnte deswegen nicht bremsen.
Der Unfallverursacher alarmierte den Notdienst, und das junge Opfer wurde kurz darauf ins Spital eingeliefert. Bei ihm wurde sofort eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Alexander erlitt schwere Verletzungen, und zwar ein Schädel-Hirntrauma, ein epidurales Hämatom und Hirnödem. Er musste unverzüglich operiert werden, um das Hämatom zu entfernen. Der Kranke kommt leider immer noch nicht zu sich, eine künstliche Lungenventilation unterstützt seine Lebensfunktionen. Als ob die Lage nicht schon schlimm genug wäre, entschied das Schicksal, dieser armen Familie einen neuen Schlag zu versetzen. Zu allem Übel zeigte eine Kontroll-MRT eine erneute epidurale Blutung. Eine weitere Operation muss folgen, um die Ursache dafür zu klären.
Vor der Tür der Intensivstation sitzt Alexanders Mutter rund um die Uhr. Es gelingt ihr nicht, sich auch nur ein wenig von dem Kummer abzuschirmen – tiefe Verzweiflung erfriert ihr Gesicht. Wenn sie kurz zu ihrem Sohn darf, versinkt alles in ihrer Tränenflut, die Frau kann sich einfach nicht mehr beherrschen. Die Ressourcen der Familie sind erschöpft – die erste Operation verschlang alle ihre Mittel. Die Panik steigt, weil nur ein weiterer Eingriff und mehrere Medikamente die Flamme von Alexanders Leben nicht auslöschen.
Alexander erholt sich nach der Schule im Garten, Frühling 2018
Der junge Gordeew in der Reanimation, Aufnahme von heute
Wie traurig es auch klingen mag, ein Unglück kann jederzeit jeden von uns treffen. Und wie glücklich wir doch wären, wenn jemandes rettende Hand uns aus der Finsternis ans Licht brächte und eine zweite Chance gäbe. So ein Hoffnungsstrahl können wir, sehr geehrte Spenderinnen und Spender, für die bereits entmutigte Familie Gordeew sein, deren Sohn auf der wackligen Brücke zwischen Leben und Tod balanciert.