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Sergei Eisensteins legendärer Stummfilm entstand zehn Jahre nach der Oktoberrevolution in Petrograd und erzählt von der acht Monate dauernden Zeitspanne vom Sturz der Zarenherrschaft bis zum Sturm auf das Winterpalais. Die revolutionären Ereignisse aus dem Jahr 1917 wurden so täuschend echt nachgestellt, dass sie leicht mit dokumentarischen Bildern verwechselt werden könnten. Mit seiner auf Rhythmuswechseln, harten Kontrasten und Schockeffekten beruhenden «Montage der Attraktionen» erfand Eisenstein für das Kino den Schnitt als Sprache. Seine im Spannungsfeld von Kunst und Propaganda entstandenen Schriften prägen die Filmtheorie bis heute.
«Für diesen Film, den das Moskauer Politbüro zur Zehnjahresfeier des Umbruchs in Auftrag gibt, stehen Eisenstein 500'000 Rubel, 10'000 Statisten, das Winterpalais, die Stadt St.Petersburg-Leningrad, der Panzerkreuzer ‹Aurora› und – am Höhepunkt der Energiekrise – eine Unzahl von Kilowattstunden Strom zur Verfügung. Statt eines Agit-Monumentalschinkens dreht er indes seinen wildesten, intellektuellsten, experimentellsten, barockesten, kühnsten Film. Endlos hebt sich in filmischer Zeittransformation die Newa-Zugbrücke, gleitet das Haar der Toten über die Brückenkante, baumelt der Pferdekadaver über der Tiefe. Laut Eisenstein sei die Hieroglyphensprache des Films in der Lage, jede Vorstellung, jedes System, jedes politische Schlagwort rein aus sich selbst, also vorbehaltlos filmisch zu artikulieren. Gesagt, getan anno 1927. Ein triumphales Jahr im Selbstvertrauen, im Willen, im Können der siebten Kunst.» (Harry Tomicek, Filmmuseum Wien)