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Geschichte
Überblick
Architekur – Zeugen von früher
Alte Fabrikantenvillen und Herrschaftshäuser aus dem vorletzten Jahrhundert zeugen vom Glanz vergangener Zeiten und der damaligen Grosszügigkeit. Auffallend sind die aus dem Jahre 1898 stammende Villa «Ernst» und die um ein Jahr jüngere Villa «César». Eines der traditionsreichsten alten Gebäude im Dorfkern ist das ehemalige «Vereinshaus» mit seinem schönen Riegelwerk. Am Haupteingang erinnert die Zahl 1783 an das ursprüngliche Baujahr.
Ein weiteres altes, geschmackvoll renoviertes Haus ist der 1809 erbaute ehemalige Gasthof «Sonne», gleich gegenüber dem heutigen Restaurant gleichen Namens.
Das «Schorsche-Huus» (George-Huus), an der Einmündung der Bahnhofstrasse in die Wohlerstrasse gelegen, dürfte wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammen; das heisst, es ist nur um weniger jünger als die Eidgenossenschaft!
Am Westrand des Dorfes steht die mit der Geschichte der Gemeinde verwachsene Tieffurtmühle. Der Wohnteil mit seiner markanten Hauptfassade steht unter Heimatschutz.
Aus der guten alten Verkehrszeit
Unser Dorf lag lange Zeit abseits der grossen Heeresstrassen und war mit der näheren Umgebung nur über einfache Fuhrwerkswege verbunden. Von grösseren Zentren mit ihren Handelsmärkten war es praktisch abgeschnitten. Das änderte sich erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als begonnen wurde, das Strassennetz auszubauen und laufend zu verbessern. 1874 nahm die Aargauische Südbahn den Betrieb Aarau-Wohlen auf, mit der Station Dottikon-Dintikon, die aber im Villmerger Gemeindebann liegt. 1875 folgte die Verlängerung bis Muri, 1881 bis Rotkreuz und im gleichen Jahr die Verbindung Brugg-Hendschiken.
Historisches vom 7. Jahrhundert bis heute
Tottinchon
Die Entstehung unseres Dorfes liegt wahrscheinlich zwischen 600 und 700 n. Chr. In schriftlichen Überlieferungen taucht der Name Tottinchon in einem Urbar (Güterverzeichnis), in dem das 1027 gegründete Benediktiner-Kloster Muri seinen Besitz aufzeichnete, schon um 1160 auf. In einer eigentlichen Urkunde wird die Siedlung Tottinchon erstmals 1179 erwähnt. Diese Urkunde – ein Schutzbrief vom 18. März 1179, welcher Papst Alexander III. dem Kloster Muri ausstellte – liegt im aargauischen Staatsarchiv. Das Kloster Muri war der Mittelpunkt des Freiamtes; religiös, kulturell, wirtschaftlich und auch rechtlich. Während 800 Jahren gingen von ihm Strömungen aus, die das Leben und Denken der Freiämter mitbestimmten.
Seit 1425 war Dottikon im Verband der Freien Ämter ein selbstständiges Amt mit eigenem Untervogt. Hof und Mühle «Tottinchon» gingen wahrscheinlich vom Hause Habsburg durch Schenkung ans Kloster Muri über. 1351 kaufte das Kloster Königsfelden den «Dietfurt» (Tieffurt) genannten Dinghof vom Kloster Muri und hatte damit die niederen Gerichtsrechte (Twing- und Bannrechte) erworben. Der Gerichtshof Dietfurt verfügte über die St. Agatha Kapelle, die schon 1436 Erwähnung fand. Der Hof war ein bedeutendes Wirtschaftszentrum und auch in rechtlicher Hinsicht eine interessante Erscheinung.
Nebst den Klöstern Muri und Königsfelden verfügte noch die Familie «von Tottikon» in Dottikon über Grundbesitz. Obwohl unser Dorf ihr Stammort war, lebte dieses Adelsgeschlecht jedoch nie in der Namen-gebenden Heimat, sondern stets im Raume Nidwalden-Luzern. Im 15. Jahrhundert erlosch dieses Geschlecht.
Seuchen und Kriege verschonten unser Dorf nicht
1611 bis 1613 starb etwa die Hälfte der Einwohner an der Pest und gleich mehrmals war Dottikon Schauplatz kriegerischer Ereignisse. Im ersten Villmergerkrieg 1656 wurde es von den Bernertruppen geplündert und niedergebrannt. «Sie soffen, frassen und zündeten 23 Häuser an», schrieb ein Chronist. 1798, anlässlich des Einmarsches der Franzosen, war unser Dorf ebenfalls Ausgangspunkt militärischer Aktionen.
Über Einwohnerzahl und Entwicklung der Bevölkerung in den ersten Jahrhunderten unseres Dorfes sind bisher keine sicheren Angaben gefunden worden. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts zählte die Siedlung offenbar weniger als 100 Seelen. Die anfangs des 20. Jahrhunderts einsetzende rasche Wandlung vom Bauerndorf zum regionalen Industriezentrum bewirkte zwischen 1900 und 1950 eine Zunahme der Einwohnerzahl um 83 Prozent. Seither hat die Eiwnohnerzahl sich nochmals mehr als verdoppelt.
Postalische Vergangenheit
Ein Blick in unsere postalische Vergangenheit zeigt, dass Dottikon 1853 seine erste Postablage erhielt. In der Zeit davor bediente der Postläufer von Mellingen das Dorf. 1871 erstellte die Post den Telegrafenanschluss und bereits ein Jahr später wurde die Ablage wegen des immer grösser werdenden Postverkehrs zum Postbüro aufgewertet. Von der Eröffnung der Südbahnlinie anno 1874 und des Pferdepostkurses Hägglingen-Hendschiken (1875) profitierte auch unsere Post. 1951 konnte das Postlokal im Mühlehof bezogen werden. Seit 1974 bietet die Post ihre Dienste in der Überbauung «Posthof» an.
Schulhäuser in der Geschichte des Dorfes
Schulbauten setzten in der Geschichte unseres Dorfes schon immer bedeutende Marksteine. Dies traf nach den alten Protokollen und Schriften schon 1817 beim Bau des ersten Schulhauses an der Hendschikerstrasse zu und setzt sich bis heute fort.
Johann Kuhn, genannt «der Schulmeistergross», begann 1802 als erster Lehrer in Dottikon. Für die Schulstube im «Russischen Hof» in der Nähe der früheren Agathakapelle hatte er selber zu sorgen. 1817 entstand das erste Schulhaus an der Hendschikerstrasse mit einem einzigen Schulraum im Erdgeschoss. Jakob Leonz Fischer unterrichtete dort alle Schulpflichtigen in einer Klasse.
1837 bis 1840 wurde das Schulhaus an der Hendschikerstrasse um zwei Geschosse erhöht. Damals wurden in Dottikon bereits 120 Schüler unterrichtet. Gemäss Schulchronik waren davon 80 fleissige und 40 «unfleissige».
1909 bis 1912 folgte der Neubau des Schulhauses auf dem Hübel. Das Gebäude mit fünf Schulzimmern, Nebenräumen, Gemeindekanzlei und Abwartwohnung kostete genau CHF 157’500.-. Die Einweihung wurde am 12. Mai 1912 mit einem Jugendfest verbunden.
1943 bewilligte die Gemeindeversammlung einen Planungskredit für einen Schulhausanbau mit Turnhalle. Die Standortfrage war damals sehr umstritten. Mit 91 zu 72 Stimmen sprach sich die Gemeindeversammlung für die Erweiterung im Hübel und gegen einen Neubau in der Risi aus. Erst 1950 konnte das bereinigte Projekt genehmigt werden. Der Neubau mit Schultrakt und Turnhalle wurde am 24. Juli 1955 eingeweiht. Eine interessante Gedenkschrift, verfasst vom damaligen Ortspfarrer Domherr L. Seiler und von Ernst Kuhn-Bruhin, erinnert an diesen Anlass.
Nach einer Aufstockung des Neubaus konnten im Frühjahr 1969 die drei damit gewonnenen Schulzimmer bezogen werden. Es zeigte sich aber schon im gleichen Jahr, dass der Schulraum nicht genügen konnte. 1970 wurde daher das Areal in der Risi erworben und an der Gemeindeversammlung vom 15. Juni 1973 ein Kredit von rund 10 Millionen Franken für die neue Schulanlage bewilligt. Die Einweihung des schönen, grosszügigen Werkes konnte 1976 am 19. Juni im Rahmen eines Jugendfestes vorgenommen werden. 1990/91 wurde diese Anlage zusätzlich bedeutend erweitert und im Zeitraum von 2002 bis 2004 sanierte die Gemeinde das Risi für rund 6,5 Millionen Franken.
Die Legende um Wappen und Dorfnamen
Das seit 1950 von der Gemeinde offiziell geführte Wappen zeigt auf gelb (gold) ein rotes Pferd, welches aus einem grünen Dreiberg wächst. Die historisch in keiner Weise begründete Darstellung wird mit einer Sage aus dem 13. Jahrhundert erklärt. Sie erzählt von einem Ritter, der hoch zu Pferd vom Tode ereilt wurde. Das Pferd jedoch soll mit dem toten Herrn in Sattel und Steigbügeln den Weg heim nach Dottikon gefunden haben. Bei diesem Anblick sollen sich unsere Vorfahren mit den Worten beklagt haben «tot isch er cho» oder «tot inecho», woraus sich mit etwas Fantasie der Dorfname Tottinchon ableiten liesse.
Richtig scheint die sprachhistorisch begründete Erklärung über die Entstehung des Dorfnamens. Allemannische Siedler rückten zwischen ca. 500 – 800 gegen Süden vor und liessen sich sippenweise an günstigen Standorten nieder. Die interne Siedlungsausweitung (ca. 600 – 700 n. Chr.) brachte eigentliche Siedlungsnamen mit den Endungeninghofen, -ikon («bei den Höfen der Leute des NN»). Tottinghofen (althochdeutsch) heisst somit «bei den Höfen der Sippe des Totto».