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Warten auf Gerechtigkeit nach dem Fabrikeinsturz
10. Oktober 2005
Am Sonntag, dem 10. April 2005, arbeiteten gegen Mitternacht noch immer rund 450 Menschen in der Pullover-Fabrik Spectrum in der Exportproduktionszone von Savar, 30 Kilometer nordöstlich von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Kurz darauf stürzte das, auf illegale Weise um drei auf acht Etagen aufgestockte Gebäude ein. Nach heutigen Kenntnissen kamen dabei 64 Menschen ums Leben, 74 wurden schwer verletzt. Sechs Monate danach warten die einstige Belegschaft und die Familien der Opfer noch immer auf die rechtmässigen Entschädigungen. Viele der rund 3000 Beschäftigten bei Spectrum, die in der Folge des Desasters ihre Stelle verloren haben, suchen noch immer eine Stelle als Näherin oder als Näher. Auch sie haben Anrecht auf eine Entschädigung. Heute versuchen viele von ihnen ihre Familie mit Hilfsarbeiten und Temporärjobs zu ernähren. Viele sind inzwischen obdachlos, weil sie die Mieten für ihre Unterkunft nicht mehr aufbringen konnten.
Die Modekonzerne aus Europa nehmen solch fahrlässige Arbeitsbedingungen in Kauf. Durch ihre Preisdrückerei und die kurzen Lieferfristen setzen sie die Produzenten unter Druck. Weil sie die Missachtung gesetzlicher Vorschriften tolerieren, sind sie mitschuldig an dieser Katastrophe. "Die europäischen Firmen dürfen sich jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen und sollten endlich ihren Beitrag in den vorgeschlagenen Hilfsfonds einbezahlen", fordert Stefan Indermühle von der Erklärung von Bern (EvB). Auch sechs Monate nach der Katastrophe ist noch nichts in den Hilfsfonds einbezahlt worden, der von Kundenfirmen, dem Besitzer und dem Produzentenverband (Bangladesh Garment Manufacturers and Employers Association BGMEA) im Juni 2005 angekündigt worden war.
Die CCC unterstützte die lokalen Gewerkschaften seit dem ersten Tag der Katastrophe und stellte mehrmals eigene Recherchen vor Ort an. Es wurde festgestellt, dass wenigstens die Verletzten eine angemessene medizinische Behandlung erhielten. Ein Nothilfekredit über 35000 US-Dollar von Zara/Inditex deckte einen grossen Teil dieser Behandlungskosten. Auch erhielten die Familien der Verstorbenen eine finanzielle Unterstützung, die ihnen das kurzfristige Überleben sichert. Doch sowohl die Hinterbliebenen, als auch die Verletzten und Entlassenen haben einen gesetzlichen Anspruch auf angemessene Entschädigungen.