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Das Unternehmen Daniel Hopfer
Der Nürnberger Verleger David Funck kaufte im späten 17. Jahrhundert 230 Platten von der Künstlerfamilie Hopfer auf, versah jede in einer willkürlichen Art mit einer Nummer und brachte unter dem Titel «Opera Hopferiana» von diesen Platten Abzüge heraus. Wie die vielen Folgeauflagen beweisen, waren diese Blätter begehrte Objekte für Sammlerinnen und Sammler jener Zeit. Sie stammen aus der Werkstatt des vielseitig begabten Augsburger Meisters Daniel Hopfer (ca. 1470 – 1536), der sowohl als Waffenätzer wie auch als Zeichner oder Graphiker tätig war. Seine Werke sind mit den Majuskeln «D H» und dem Symbol der Hopfendolde monogrammiert.
Bemerkenswert an diesen Blättern ist, dass sie nicht in den zwei im 15. Jahrhundert bekannten Techniken des Kupferstichs oder Holzschnitts erstellt wurden, sondern als Eisenradierung ausgeführt worden sind. Unter Waffenschmieden war schon länger das Verfahren bekannt gewesen, den Stahl etwa von Prunkharnischen oder Schwertern durch gezielte Säureätzung mit vertieften Ornamenten und figuralen Motiven zu verzieren und diese anschließend einzuschwärzen oder zu vergolden. Wie das um 1493 entstandene Blatt mit der «Schlacht vor Thérouanne» zeigt, entdeckte Hopfer als Erster, dass solcherart behandelte Platten in den heraus geätzten Stellen Druckfarbe aufnehmen und so für Abzüge auf Papier verwendet werden konnten. Im Vergleich zum Stichel des Kupferstechers, dessen Linie klar und exakt erscheint, erlaubte die Radiernadel durch die Haltung und Führung der Hand – ähnlich wie ein Bleistift – eine eher lockere, skizzierende Linienführung. Die Eisenradierung machte Hopfer im Laufe seiner Karriere zum Hauptmetier.
Ausgefeilte Marketingstrategie
Die von der Werkstatt verfolgte Strategie war, möglichst mehrgleisig den unterschiedlichen Kunstinteressen entgegenzukommen. Mit einer ehrgeizigen Produktlinie, die nach dem Geschmack des nordalpinen Markts konzipiert war, konnte der geschäftstüchtige Daniel Hopfer bereits Anfang des 16. Jahrhunderts zu einem wohlhabenden Handwerker und Künstler aufsteigen sowie eine führende Marktposition in der Wirtschaftsmetropole Augsburg erobern. Die Handelsstadt Augsburg mit dem Mäzenatentum führender Kaufleute, wie der Fugger- und Welserfamilien, sowie ihrer intensiven Handelsbeziehungen mit Italien verschaffte der Werkstatt die besten Erwerbsmöglichkeiten.
Zum echten Markenprodukt der Werkstatt wurden seine Ornamententwürfe. Sie stellen eine regelrechte «Hopfer-Gruppe» zusammen, in der er sehr eigenständig gotische Elemente mit italienischen Renaissancevorlagen zu ganz eigenwilligen Interpretationen transformierte.
Auf einem Blatt aus dieser Gruppe bringt Daniel Hopfer in einem Gewirr von pflanzlichen Verschlingungen das gotische Distelblatt des 15. Jahrhunderts zur Geltung: die zackige Distelranke mit ihrem knorrigen Stamm schiebt sich bis zum Bildrand empor und umschlingt sein Monogramm. In seinen Ornamentstichen, zwischen den Dekorleisten aus Blüten, Pflanzenranken, verspielten Putten und Mischwesen, entfaltet Hopfer seine eigentliche Wirkung.
Wenn Möbel zu Bauwerken werden
Daniel Hopfers breites Themenspektrum umfasste historische, religiöse und mythologische Kompositionen, Porträts, Architekturdarstellungen, Ornamentvorlagen oder Zieralphabete. Von weit reichender Bedeutung sind seine Kopien und Varianten nach italienischen Vorlagen, die als Vervielfältigung für die rasche Verbreitung der Renaissance und ihrer Formensprache in Deutschland sorgten. Diese Entwicklung zeigt sich auch in Hopfers kunsthandwerklichen Entwürfen, welche als Vorbilder bei der Herstellung von Waschschränken, Brettspielen und Tabernakeln sowie auch bei der Gestaltung von Monstranzen verwendet wurden. Ein Blatt aus «Opera Hopferiana» mit der Funck-Nummer 33 zeigt einen schlanken, hohen Waschschrank und zwei kleinere Waschbassins. Der heute so alltägliche Gegenstand erscheint in einem festtäglich-prunkvollem Design und wird zu einem Luxusobjekt veredelt. Wie ein mehrstöckiges, phantastisches Bauwerk zeigt sich der grosse Waschschrank mit einem kassettierten Sockel, vielen Säulen und horizontalen Gesimsen, die das Möbel in mehrere Geschosse gliedern. Im oberen Hauptgeschoss ist ein rundes Lavabo eingelassen und über ihm ein birnenförmiger Wasserbehälter aufgehängt. Gekrönt wurde das Schmuckstück mit einer Muschellünette in einem gotischen Kielbogen. Wie unterschiedlich wirken die gleich daneben komponierten zwei kleineren Waschbassins mit ihren modernen Zierformen! Das gehobene Inventar präsentiert uns eine neue Entwicklung der Frühen Neuzeit auf der Suche nach Komfort, welche nach und nach das Design der Möbel zu beeinflussen begann.
Wer das Blatt im Original sehen möchte, sollte unbedingt die Ausstellung «Die unterschätze Horizontale. Das Gesims in Kunst und Architektur» in der Graphischen Sammlung ETH Zürich bis zum 14. November 2021 besuchen.
Anmerkungen
Haupt 1905:
Albrecht Haupt: Peter Flettners Herkommen und Jugendarbeit. In: Jahrbuch der Königlich Preussischen Kunstsammlungen, 26. Bd., 1905, S. 148-168
Lichtwark 1888:
Alfred Lichtwark: Der Ornamentstich der deutschen Frührenaissance nach seinem sachlichen Inhalt. Berlin 1888.
Metzger 2009:
Christof Metzger: Daniel Hopfer – ein Augsburger Meister der Renaissance: Eisenradierungen, Holzschnitte, Zeichnungen, Waffenätzungen. München 2009.