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Weihnachtskonzert
20. Dezember 2020 ∙ 17:00 Uhr
Stadtkirche Zofingen
Solist: Ruedi Häberli, Klarinette
Leitung: Markus J. Frey
Werke:
Ludwig van Beethoven ∙ Ouvertüre "Die Weihe des Hauses"
Georg Joseph Vogler ∙ Sinfonie in G-Dur
Giacomo Meyerbeer ∙ Fackeltanz Nr. 1
Carl Maria von Weber ∙ Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es-Dur
Ludwig van Beethoven, Die Weihe des Hauses
«Ouverture geschrieben von L. v. Beethoven zur Eröffnung des Josephstädter Theaters zu Ende September 1822 - aufgeführt am 3ten oktober 1822», steht auf Beethovens Manuskript am unteren Rand des 1. Blattes. Das Josephstädter Theater besteht seit 1788 und ist damit das älteste bespielte Wiener Theater. 1822 wurde es abgerissen und komplett neu gebaut, da es zu klein gewordenen war. Für die Eröffnungsfestlichkeiten schrieb Carl Meisl das Festspiel «Die Weihe des Hauses», für das Beethoven um eine Bühnenmusik gebeten wurde. Mitte September berichtete Beethoven sewinem Verleger: «Kaum bin ich hier, so befindet sich ein Theaterdirektor, der ein Theater in Wien erbaut, und es mit einem Werke von mir eröffnet, hier, dem zu Gefallen ich einige neue Stücke hiezu schreiben musste». Um die Arbeit zu beschleunigen, entschloss er sich, die Musik zum Festspiel «Die Ruinen von Athen» umzuarbeiten. Seinem Bruder Johann schrieb er Ende September: «Ich habe unterdessen schon einen neuen Chor mit Tänzen u. Sologesängen gemacht. Läßt es meine Gesundheit zu, so mache ich noch eine neue Ouverture.» Über die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Josephstätters Theaters war in der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung zu lesen: «Der Prolog führte den Titel: Die Weihe des Hauses, gedichtet von Meisl, mit Musik von L. v. Beethoven, dieselbe nämlich, welche er vor mehreren Jahren zur Einweihung des Pesther Theaters schrieb, nur hier mit einer neuen Ouverture und einem Chortanze bereichert. Der Meister dirigirte selbst; da man jedoch seinen leider noch immer geschwächten Gehörswerkzeugen nicht sicher vertrauen kann, so war ihm im Rücken Hr. Kapellmeister Gläser postirt, um dem gleichfalls neuorganisirten Orchester des Autors Willensmeynung erst recht eigentlich zu verdollmetschen, welches doppelte, nicht selten ganz verschiedene, Taktiren sich in der That recht sonderbar gestaltete. Dennoch ging Alles so ziemlich glücklich von statten, bis auf die Chöre, welche manche Dissonanzen extemporirten; der Tonsetzer wurde freudig empfangen, am Schlusse hervorgerufen und mit Jubelbeyfall überhäuft.» Die neue Ouvertüre fand ausserordentlich guten Anklang und wurde oft aufgeführt. Die London Philharmonic Society erwarb im Januar 1823 für 18 Monate das Exklusivrecht an der Ouvertüre. Beethoven führte sie in seinen grossen Akademien vom Mai 1824 auf, wo sie von der Kritik «unstreitig zu Beethovens allervollendetsten Arbeiten» gezählt wurde.
Carl Maria von Weber und sein zweites Klarinettenkonzert
Carl Maria von Weber (18. November 1786 - 5. Juni 1826) kommt an einem kalten Herbsttag zur Welt. Sein Vater ist Musiker und Schauspieler und wird der erste Lehrer seines Sohnes Carl Maria. Der 25 Jahre ältere Halbbruder Fridolin, welcher in der Hofkappele von Joseph Jaydn spielte und der Schwiegervater von Wolf-gang Amadeus Mozart war, unterrichtet ihn ebenfalls. Er soll zu ihm gesagt haben: «Carl, du kannst vielleicht alles werden, aber ein Musiker wirst du nimmermehr!» Der Vater war mit einem erfolglosen Wandertheater beschäftigt und nahm Carl Maria mit auf seine Tourneen. Carl Maria zigte schon als kleines Kind grosses musikalisches Talent. Der Vater hoffte, ihn als musikalisches Wunderkind präsentieren zu können. Am 19. Januar 1799 schrieb er in einem Brief: «Mein 11jähriger Karl küsst die Hände, ein Talent gottlob! der ersten Gattung, da er schon die erste Oper componirt, ein Schüler von Michel Haydn. … Gott sey es gedankt! er hat das Glück, dass man ihn hier nicht anderst als der kleine Mozardt heisst.»
1804 wurde Weber Kapellmeister in Breslau. Er begründete durch die ernsthafte Probenarbeit seinen Ruf als Dirigent. Zuerst schuf er Ordnung und führte die bis heute gültige Sitzordnung ein. Er liess die Streicher nach vorne kommen und setzte die Bläser und Pauken in die hinteren Reihen, um den Klang ausgewogener zu gestalten. Rhythmus und Präzision lagen ihm am Herzen. Deshalb verliess er den Platz am Klavier, stellte sich vor das Orchester und erfand den Taktstock.
Carl Maria von Weber wirkte ab 1807 in Stuttgart, Mannheim, Frankfurt, München, Prag und ab 1817 in Dresden als Königlicher Kapellmeister und Direktor der deutschen Oper am Dresdner Hoftheater. Er heiratete und hatte drei Söhne. Der Sohn Max Maria wurde als Ingenieur zu einem Eisenbahnpionier in Deutschland und Österreich.
Heute kennt man Carl Maria von Weber vor allem als Begründer der deutschen, romantischen Oper. Als sein Meisterwerk gilt die Oper «Der Freischütz». Carl Maria von Weber hat aber auch viele Konzerte, Kammer- und Klaviermusiken geschrieben. 1810 lernte er Heinrich Joseph Baermann kennen, den Soloklarinettisten der Münchner Hofkapelle. Ein kurzes Concertino, das er für Baermann schrieb, gefiel dem König von Bayern so gut, dass er zwei weitere Klarinettenkonzerte bestellte. Zwischen Weber und Baermann etwickelte sich rasch eine Künstlerfreundschaft. Die Klarinettenkonzerte sind Baermann auf den Leib geschrieben. Die herrlichen Kantilenen bringen den Schmelz und die Gesanglichkeit, für die Baermanns Spiel berühmt war, kunstvoll zur Geltung, kontrastierend mit eindrucksvollen Effekten, Sprüngen zwischen den Registern, brillanten Spitzentönen, unendlichen Girlanden und schwindelerregenden Trillerketten. Die beiden Klarinettenkonzerte wurfen 1811 uraufgeführt und fanden beim Publikum grossen Anklang.
Ruedi Häberli, Klarinette
Ruedi Häberli wurde in Küngoldingen geboren. Er begann seine Ausbildung zum Klarinettisten am Konservatorium in Bern bei Prof. K. Weber und schloss mit dem Lehrdiplom bei Alfredo Wäfler (SMPV) ab. Nach einem Londonaufenthalt von 1987-1989, wo er sich in Dirigieren weiterbildete, erlangte er das Konzertreifediplom bei Fabio di Casola in Winterthur. Später bildete er sich im Jazzbereich bei Sebastian Piekarek in Alt- und Tenor-Sax weiter. Die Lehrtätigkeit an der Musik-schule Zofingen erfüllt ihn mit grosser Befriedigung. Er leitet eine Jugend-Big Band mit talentierten Schülern. Als Ausgleich zur Lehrtätigkeit liebt es Ruedi Häberli, Kammermusik zu machen, aber auch mit seiner Frau Neli Soares und ihrer Band mit brasilianischer Volksmusik aufzutreten. Zusammen mit der Pianistin Petra Hereth kreierte er das abendfüllende Stück «Ab-warten – ein Sparprogramm», welches den streng geregelten klassischen Konzertbetrieb auflockert und kommödiantischen Talenten Raum gibt. Die beiden Künstler unterhalten das Publikum mit Witz und Charme und umrahmen das Geschehen mit perfekt gespielter Musik.