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Frauen zieren Männer oder umgekehrt? Das klassische männliche Ego fühlt sich herausgefordert durch «erfolgreiche» Frauen. Wie ich’s damit habe, versuche ich in diesem Beitrag zu erklären.
Die Klassik
Klassische Männer bevorzugen klassische Frauen. Klassische Frauen bestätigen sich durch ihre Mutterrolle. Sie sind esoterisch, sie sind liebenswert, sie vermitteln Wärme und Geborgenheit. Sie kümmern sich, sie fühlen sich verantwortlich, sie sind häuslich. Sie sind weder zu verurteilen noch zu verachten. Sie stützen das System und begünstigen den Fortbestand der Rasse.
Der klassische Mann darf ernähren und beschützen. Er sollte mehr Kohle schaufeln. Er sollte erfolgreicher sein. Ich nenne das alles klassisch, weil es überschaubar, einfach, aber irgendwie auch zeitlos und sicher ist. Man sichert damit Identitäten, man stiftet Lebenssinn. Man muss sich nicht quälen, wer man sei und wieso man hier sei. Das beruhigt und entspannt.
Inkompatibel
Bekanntlich bin ich inkompatibel, ich kann und will kein klassisches Leben führen. Ich habe zwar gewisse klassische Werte verinnerlicht und fühle mich deswegen gelegentlich daran erinnert. Aber je länger ich lebe, umso mehr spüre ich, dass mein Leben nicht klassisch enden wird. Das bedeutet, ich muss mich damit auseinandersetzen, dass ich eine Frau habe, die vermutlich erfolgreicher sein kann als sich. Erfolgreicher heisst nicht bloss, dass sie eventuell mehr steuerbares Einkommen generiert, erfolgreicher darf auch heissen, dass sie mehr externe Aufmerksamkeit, Anerkennung, mehr Würdigung und Bestätigung erhalten kann. Mehr als ich?
Aber kann ich damit umgehen, wenn meine Frau angehimmelt, verehrt, gewertschätzt wird? Und das ausserhalb vom geschützten Hause? Von mir Unbekannten, und natürlich von teils noch erfolgreicheren, noch besser aussehenden Männer? Kann das mein Ego verkraften? Wie viel Frau erträgt mein Ego? Stört das nicht die Balance, das private Glück, das auf einer gewissen Gleichartigkeit, auf einem ausgeglichenen Haushalt von externen wie internen Anerkennung und Würdigung und Aufmerksamkeit basiert? Wie werde ich morgens aufstehen, wenn ich weiss, dass die halbe Welt meine Frau bewundert? Dass sie Verehrer abweisen muss?
Das Gleichgewicht
Gleichartigkeit und Gleichgewicht stabilisieren jede Beziehung. Sobald eine Ungleichheit entsteht, sei es intellektuell, finanziell oder auch im Thema «Erfolg», das sehr mehrschichtig ist, fühlt sich immer eine Partei schlechter, benachteiligter, minderwertiger und muss und wird sich automatisch selber anzweifeln. Mittels Gesprächen lassen sich zwar viele Missverständnisse klären, aber das Unbehagen wird fortbestehen und sich einschneiden. Ich glaube, ich könnte nicht damit umgehen, wenn ich ein Verlierer wäre, nirgends anerkennt und gewertschätzt werde, aber meine Frau gleichzeitig die Gewinnerin wäre, die allenorten bewundert und verehrt werde würde. Ich würde mich nicht adäquat fühlen. Daran könnte eine Beziehung brechen.
Was nun?
Der ausgeglichene Haushalt externer Anerkennung wie Wertschätzung muss und will ich anstreben. Das gilt für mich wie auch für meine Frau. Ich selber kann nicht erfolgreich sein, wenn meine Frau sich so nicht fühlt. Umgekehrt dasselbe. Das bedeutet, wir müssen beide uns bemühen, dass wir auch ausserhalb des gemeinsamen Hauses gewisse Anerkennung und Wertschätzung erhalten. Wir müssen beide ausserhalb unsere Eitelkeiten schmeicheln lassen. Aber letztlich ist viel wichtiger, dass man sich innerhalb gegenseitig wertschätzt und anerkennt. Damit kann man auch gewisse externe marginale Ungleichheit ausgleichen.
Ich bin bereit.