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Raw Frand zu Parschat Ki Tissa 5763 (Beitrag 2)
Woher kommt Mosche Rabbejnus Ruhmesleuchten?
Zur dieswöchigen Parscha gibt es einen interessanten Midrasch Tanchuma.
Die Torah sagt, dass Mosche Rabbejnu (unser Lehrer) nicht bemerkte, dass Lichtstrahlen ("Karnej Or") von seinem Antlitz aus gingen, als er vom Berg Sinai herabstieg. Der Midrasch frägt: "Womit hat Mosche dieses einmalige Ruhmesleuchten verdient?" Gemäss einer Meinung erhielt es Mosche, als er sich in einer Felsspalte befand und die Herrlichkeit G'ttes an ihm vorüberzog. Rav und Schmuel (zwei Talmudlehrer) sind anderer
Ansicht: Ein kleiner Tropfen Tinte blieb übrig, als Mosche die erste Torah gemäss G'ttes Diktat niederschrieb. G'tt nahm diese Tinte und rieb sie auf Mosches Kopf. Das Ruhmesleuchten, welches von Mosches Antlitz strahlte, stammte von diesem Tintentropfen.
In Parschat Beha'alotecha stellt der Or Hachajim Hakadosch eine einfache Frage. Bei einem irdischen Projekt haben wir immer einen Überschuss an Rohmaterial. Wer die Ziegel für ein Bauprojekt bestellt, kann unmöglich die genaue Zahl Ziegelsteine, die benötigt werden bis zum letzten Ziegelstein, voraussehen. Es werden deshalb notgedrungen einige Ziegelsteine übrigbleiben. Wenn aber G'tt beginnt, eine Sefer Torah zu schreiben und "die Tinte bestellt", so weiss er ganz genau, wie viel Tinte nötig sein wird, bis zum letzten Tropfen. Wieso blieb Tinte übrig?
Der Or Hachajim erklärt, woher dieser Tinten-"Rest" herrührt. In Parschat Beha'alotecha bezeugt G'tt, dass Mosche der bescheidenste Mensch war, der je auf der Erde wandelte. Als Mosche genau diesen Vers zu schreiben hatte, konnte er sich - in seiner grossen Bescheidenheit - nicht dazu überwinden, den Pasuk vollständig niederzuschreiben. Er liess deshalb einen Buchstaben weg und schrieb das Wort "Anav" (bescheidener Mensch) unvollständig - ohne den Buchstaben "Jud". Er schrieb das Wort mit den Buchstaben Ajin-Nun-Waf statt wie üblich Ajin-Nun-Jud-Waf. G'tt benützte den "Rest" dieser Tinte, um Mosches Stirn zu salben und das führte zum Ruhmesleuchten.
Daraus können wir zwei Lehren ziehen. Erstens ist dies ein klassisches Beispiel für die rabbinische Lehre, dass derjenige, der der Ehrerbietung entflieht, von der Ehre verfolgt wird. Mosche wollte die Lobeshymne über sich nicht niederschreiben, weil er der bescheidenste aller Menschen war. Wegen seiner Bescheidenheit und seiner Flucht vor Ehrerbietung, wurde er "verfolgt" und von einer noch grösseren Ehre eingeholt.
Der Schemen Tov leitet eine weitere Lehre her. Aus diesem Midrasch können wir herleiten, dass ein Teil der Torah nie niedergeschrieben wurde. Das "Jud" hätte in der Torah erscheinen sollen, wurde aber nie niedergeschrieben. Das ist die Lehre.
Es ist wichtig, dass wir uns klar sind, dass nicht die ganze Torah niedergeschrieben wurde. Manchmal sagen wir einem Anderen: "Das solltest du nicht tun." Darauf entgegnet er postwendend: "Wo steht das? Wo steht in der Torah geschrieben, dass ich das nicht tun darf?" In Wahrheit muss es nicht immer geschrieben stehen! Manchmal erscheint es nicht im Schulchan Aruch (der Zusammenstellung der jüdischen Religionsgesetze), manchmal erscheint es nicht in der Torah - nicht weil es falsch wäre, sondern weil nicht die ganze Torah niedergeschrieben worden war. Das ist es, was uns das fehlende "Jud" lehrt. Das ist, was oft "der fünfte Band des Schulchan Aruch" (der Schulchan Aruch besteht aus vier Bänden) genannt wird - der ungeschriebene Schulchan Aruch, der für jeden Juden gilt, der die Torah hütet.
Quellen und Persönlichkeiten:
Midrasch: Erklärung zur Torah, oft mit Gleichnissen.
Or HaChajim (1696 - 1743): Name des Hauptwerks von Rabbi Chajim ben Mosche ben Atar, Torahkommentator; Marokko, Italien, Israel.
Rav [Abba bein Aibo] (ca. 230): Talmudlehrer, gründete die Jeschiwa in Sura, Babylon.
Schmuel: Zeitgenosse von Rav, Talmudlehrer in Nahardea, Babylon.
Schemen Tov: Rabbi Dov Weinberger. Zeitgenössischer Autor; Rabbiner in Brooklyn, New York.
Schulchan Aruch ("gedeckter Tisch"): Jüdischer Gesetzeskodex, niedergeschrieben von Rabbi Josef Karo (1488 - 1575), Sefat, Israel.
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