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Bis 1893 bestand die Stadt Zürich lediglich aus dem Stadtkreis 1, der heutigen Altstadt. Mit der ersten Zürcher Stadtvereinigung kamen dann bis zu diesem Zeitpunkt eigenständige Gemeinden wie Enge, Riesbach, Wipkingen, Fluntern oder Aussersihl dazu. Vor, aber auch nach dieser Stadtvereinigung herrschte ein schnelles Bevölkerungswachstum, das städtische Schulwesen war gefordert, genügend Schulraum musste zur Verfügung gestellt werden.
Heute steht die Stadt Zürich vor ähnlichen Herausforderungen. Im vergangenen Jahrzehnt sind die Einwohnerzahlen stark gestiegen und das Wachstum wird sich fortsetzen, schreibt die Stadt in einer ausführlichen Mitteilung. Einziger Unterschied zur Phase um 1893: Es stehen weniger Landreserven zur Verfügung. Ein Rückblick mit Bezug auf die Aktualität in 7 Punkten.
Übrigens: Die Geschichte ist mit ganz vielen tollen alten Bildern geschmückt. Vielleicht erkennt ihr euch ja auf einem wieder.
Die eingangs erwähnten schnell wachsenden Vorortsgemeinden waren in den 1880er Jahren finanziell kaum mehr in der Lage, die notwendigen Infrastrukturen bereit zu stellen. Krasses Beispiel aus dem Jahr 1885: In der Gemeinde Aussersihl kamen zu dieser Zeit auf eine Lehrperson 84 Schülerinnen und Schüler.
Erst um 1900 kam es zu einem Rückgang der Geburtenzahlen, obwohl immer mehr Frauen im gebärfähigen Alter in Zürich lebten. Zuvor – nach der Stadtvereinigung – verdoppelten sie sich zwischenzeitlich auf über 5000.
Die Schülerzahlen gingen erst nach dem Ersten Weltkrieg zurück, doch sie stiegen bei der zweiten Eingemeindung von 1934 wieder (damals wurden acht weitere Gemeinden wie Höngg, Seebach, Affoltern oder Witikon mit der Stadt Zürich zum heutigen Stadtgebiet verschmolzen). In der Folge gingen die Geburten nach einem Allzeithoch 1961 (6147 Geburten) auch aufgrund des Pillenknicks zurück, ab dem Jahr 2000 bildeten sich gemäss Mitteilung der Stadt Zürich wieder grössere Jahrgänge heraus.
Zur Zeit der Stadtvereinigung von 1893 sorgte man sich um die Betreuung der zahlreichen Stadtkinder. Viele Mütter mussten arbeiten, die Löhne waren niedrig, die Preise hoch. Die erste Krippe in Zürich eröffnete 1895 der Gemeinnützige Frauenverein
Was früher als Sozial- oder Erziehungsinstitution galt, ist heute eine Errungenschaft zur Vereinbarung von Beruf und Familie: Krippen und Horte. In Zürich existieren heute rund 300 Kitas mit insgesamt 9600 Betreuungsplätzen. Wie die Stadt schreibt, stieg der Anteil der Vorschulkinder, die in Krippen betreut werden, seit 1995 von 15 auf 69 Prozent.
Zur Zeit um die Stadtvereinigung 1893 fanden in Zürich auch erste Kinderhorte Verbreitung, es handelte sich um private Institutionen, welche die Schulkinder nach dem Unterricht betreuten. Wie die Kitas standen auch die Horte anfänglich unter dem Motto «Bekämpfung der Verwahrlosung».
Ab 1911 existierten die ersten Tageshorte, 1929 übernahm die Stadt den Betrieb solcher Einrichtungen. Besonders viele Kinder wurden während des Zweiten Weltkriegs betreut, in den 1950er Jahren ging die Zahl wieder zurück. Allerdings steigt der Wert seit Ende der 1980er Jahre und besonders in den letzten zwanzig Jahren stark an. Heute besuchen 56 Prozent der Kindergarten- und Schulkinder eine entsprechende Einrichtung, das sind 16'000 Kinder.
Die Entwicklung der Schülerzahlen folgte der Geburtenhäufigkeit mit einem Jahrzehnt Verzögerung. Trotz des Rückgangs der Gebärfreudigkeit um 1900 erreichte die Zahl der Schulkinder erst 1915 ihren Höhepunkt. Ohne Kindergarten gab es damals auf 100 Einwohner fast 13 Volksschüler – heute sind es kaum noch 6.
Beim Bau der Schulhäuser – die meisten Bauten stammen aus den ersten 20 Jahren nach der Stadtvereinigung 1893 – wurden bereits früh Ideen der Reformpädagogik und Hygienebewegung berücksichtigt. Durch viel Licht und Luft in den Schulzimmern, erste Schulduschen und Turnhallen sollte die Volksgesundheit gestärkt werden. Die Schule hatte in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert.
Quelle: Stadtarchiv
Weil die Behörden bereits vor über 100 Jahren mit dem Bau von Schulraum kaum nachkamen, entstanden diverse Schulraumprovisorien, dieteilweise bis heute Bestand haben. Allerdings dienen sie nicht mehr überall dem ursprünglichen Zweck, ein Beispiel ist die Schulbaracke Kanzlei von 1904.
Quelle: Stadtarchiv
Weil die Schülerzahlen seit den 1990er Jahren wieder ansteigen, wurde der Schulhausbau erneut dringlich. Neu legt die Stadt Wert auf eine vielseitige Raumnutzung und die integrative Förderung mit verschiedenen Lehrformen und Gruppengrössen.
Im 20. Jahrhundert entwickelten sich die Räume vom streng ausgerichteten Frontalunterricht mit grossen Klassen zu kleineren, lichtdurchfluteten Räumen mit flexiblen Einrichtungen. Das Mobiliar wurde beweglich, an die Stelle von fest mit dem Pult verbundenen Bänken traten in der Zwischenkriegszeit individuell anpassbare Stühle.
Quelle: Stadtarchiv
Heute unvorstellbar, aber bis 1900 waren Klassengrössen von 60 Kindern üblich. Danach reduzierte sich die Anzahl Schüler stetig, 1980 wurde erstmals der heutige Durchschnitt von 20 Kindern pro Klasse erreicht. Wegen der Abschaffung der Kleinklassen hat die durchschnittliche Klassengrösse in letzter Zeit wieder leicht zugenommen.
Wie die Stadt Zürich schreibt, waren Klassenfotos in der Frühzeit der Fotografie noch etwas Besonderes. Ab den 1920er Jahren wurden sie jedoch wichtiger Bestandteil eines Schuljahres.
Körperliche Betätigung war offensichtlich wichtig. In der Stadt Zürich wurden schon früh Turnhallen in die Schulanlagen integriert. Ausserdem führte Zürich mit der Stadtvereinigung als erste Schweizer Stadt das Amt eines Stadtarztes mit schulärztlichen Kompetenzen ein. Sämtliche Primarschülerinnen und -schüler wurden auf Seh- und Hörschwächen untersucht und gegebenenfalls zu einem Facharzt geschickt. 1908 wurde in Zürich die erste Schulzahnklinik der Schweiz eröffnet, weil die Schulärzte erkannten, dass viele Kinder unter massiven Zahnproblemen litten.
Quelle: Stadtarchiv