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Annina Frehners architektonische und konzeptuelle Kunstpraxis hinterfragt den Besitz und die Grenzbereiche der Verortung von Kunst. Mit hoher Sensibilität für räumliche Qualitäten schafft sie gewagte Rauminstallationen, um Funktion und Bedeutung von Räumen hervorzuheben und zu verändern.
Ein Beispiel dafür ist die Arbeit Transit (2012), in der Frehners einschlägiger architektonischer Eingriff in ein ehemaliges Asyldurchgangszentrum Gefühle von Sehnsucht und Unruhe herstellt. Im Anschluss engagierte sich die Künstlerin für eine Roma-Familie auf ihrem Weg zurück nach Serbien. Sie investierte den Kantonalen Kunstwerkbeitrag um dort ein Haus zu kaufen und den Wiederaufbau zu dokumentieren. Als Frehner die Aktion Bauaufnahme als Kunst vermittelt, verlangt sie von der Institution eine Verschiebung von Kunstbegriffen, deutet aber gleichzeitig aber auf ein reales Engagement, wie es sich die Kunstwelt oft nicht zutraut. Diese geflechtartige Entwicklung einer Werkreihe anhand einer Grundentscheidung lässt sich gut an ihrer Arbeitsreihe Ausräumung (2008), extension (2015) und Edition index (2018) ablesen.
2008 trennte sich Frehner von ihrem gesamten Hab und Gut. Seitdem reflektiert die Künstlerin über die Frage, was sie gemacht und was sie gehabt hat. So verschmelzen Installation und Dokumentation in ein Prozess der Definition eines selbst, das sich immer zu erfinden hat.
Annina Frehner erhielt ihr Diplom an der HGB Leipzig bei Astrid Klein.
SAA: Kannst du uns etwas zur Arbeit erzählen, die bei den Swiss Art Awards gezeigt wird?
AF: Die Arbeit Omnium ist ein Segment einer raumgreifend konzipierten Installation, die die Rahmenbedingungen der Ausstellung Swiss Art Awards in einen Zusammenhang zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Veranstaltungsortes Messehalle 3 stellt. Sie bezieht sich auf die Winterradrennbahn, die von der Sporthallengenossenschaft Basel von 1955 bis 1964 während der kälteren Jahreszeiten in der über 4000 qm grossen Messehalle betrieben wurde. Neben der Installation gibt es das Nachschlagewerk Index N° 1 zu sehen, das eine Brücke zu früheren künstlerischen Unternehmungen schlägt.
SAA: Welche Welten sind in deiner Arbeit eingebunden und werden damit angesprochen?
AF: Viele meiner Arbeiten finden an den Rändern der Kunstwelt oder in anderen gesellschaftlichen Feldern statt. Ich nutze temporäre Rauminstallationen und künstlerische Handlungs-Settings, um Austausch zwischen unterschiedlichen, sich nicht überlappenden Lebenswelten in Gang zu setzen.
SAA: Wenn du mit einem Spezialisten arbeiten könntest: aus welchem Bereich würde das sein und für was für ein Projekt?
AF: Mit Spezialisten aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenzuarbeiten, ist ein integraler Bestandteil meiner Arbeitsweise. Bei der Konstruktion der aktuellen Arbeit Omnium unterstützt mich beispielsweise der Radrennbahn-Architekt Ralph Schürmann. Sein Vater baute 1955 die Winterradrennbahn in Basel.
SAA: Gibt es einen Ort (in der Schweiz oder im Ausland) der deine Arbeit inspiriert?
AF: Ausgangspunkt und Beschäftigungsfeld der meisten meiner Arbeiten sind Orte und Räume bzw. Gebäudeteile, die verlassen und unbewohnt sind oder sich gerade in einer Zwischennutzung befinden. Meine Raumumbauten sind inspiriert von Architektur und ihren historischen und sozialen Zusammenhängen. Bisher konnte ich in der Schweiz, in Deutschland und Serbien grössere Arbeiten umsetzen.