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Norbert Gschwend studierte an der Universität Zürich Medizin und schloss 1950 mit dem Staatsexamen ab. Vier Jahre später promovierte er mit einer Arbeit über «Die Pupillenreaktion unter der Geburt». 1956 bis 1961 absolvierte Gschwend seine orthopädische Ausbildung an der Zürcher Universitätsklinik Balgrist und ergänzte diese durch Studienaufenthalte in England und den USA. 1968 habilitierte er sich an der Universität Zürich mit der Arbeit «Die operative Behandlung der progredient chronischen Polyarthritis» und erhielt auf Beginn des Sommersemesters 1969 die Venia legendi für das Gebiet der Orthopädie. 1975 wurde er zum Titularprofessor für Orthopädie an der UZH ernannt; 2000 wurde er emeritiert.
Norbert Gschwend war ein Pionier der modernen Orthopädie. Einen klingenden Namen machte er sich als Neuerer der Zürcher Schulthess-Klinik, die er ab 1962 leitete. Unter seiner Führung wurde diese zu einer der europaweit führenden Adresse für orthopädische Behandlungen. Gschwend spezialisierte sich auf die bis dato fast ausschliesslich nichtoperativ behandelten Folgen der entzündlichen Veränderungen der Gelenke (Polyarthritis), die mangels geeigneter Therapie oftmals zu schwersten Deformitäten bis zur vollständigen Verkrüppelung und Invalidisierung der Betroffenen führen konnten.
Korrektive chirurgische Eingriffe und Ersatz mit Kunstgelenken bei fortgeschrittener Zerstörung erbrachten teilweise sensationelle Erfolge, was Gschwend und der Klinik internationale Anerkennung sicherte. An der Klinik wurden auch Knie- und Ellenbogenprothesen (GSB-Prothesen) entwickelt. Dies führte zu einem kontinuierlichen Zustrom von Gastärzten aus aller Welt, die den praktischen Einsatz dieser Implantate erlernen wollten. Von Nobert Gschwends innovativem Geist, seiner breiten Erfahrung und seinem grossen Wissen profitierten nicht nur Kolleginnen und Kollegen und unzählige Patientinnen und Patienten, sondern auch die Studierenden an der UZH, die ihn als Dozenten schätzten.
Von 1974 bis 1977 war Norbert Gschwend Präsident der Schweizerischen Orthopädischen Gesellschaft. Für seine hervorragenden Leistungen wurde er vielfach geehrt. So war er beispielsweise Ehrenmitglied der American Rheumatism Association und der Schweizerischen Gesellschaft für Rheumatologie. 1990 wurde er mit dem Daniel-Gablinger-Preis für seine Leistungen als Arzt, Forscher und Lehrer im Bereich der Rheuma-Orthopädie ausgezeichnet.
(Quelle: Dieter Grob, Tomas Drobny, Jiri Dvorak, NZZ 29.8.2015)