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Die Art und Weise, wie man sich ernährt, ist entscheidend, ob eine gute körperliche Selbstfürsorge stattfindet oder nicht. Derzeit wird ein alarmierender Anstieg von Essstörungen bei Männern festgestellt.
von Anton Ladner
Magersucht ist eine Essstörung und hat die höchste Sterblichkeitsrate aller psychischen Erkrankungen. Bei Männern ist sie sogar noch höher, da sie sich seltener als Frauen in Behandlung begeben. Das ist auch auf die Annahme zurückzuführen, dass eine Essstörung Frauensache sei. Bei Männern, die extrem mager sind, wird deshalb schnell auf Krebs oder Aids getippt.
Man geht davon aus, dass es sich bei einem Viertel der Menschen, die an einer Essstörung leiden, um Männer handelt. Schlüssige Forschung dazu gibt es noch nicht. Bekannt ist aber, dass immer mehr Männer wegen Essstörungen behandelt werden. In Grossbritannien hat sich zum Beispiel die Zahl der behandelten Männer innert zehn Jahren vervierfacht. Oft werden allerdings Männer mit einer Magersucht falsch behandelt: statt mit einer Gesprächstherapie, um die Ursachen aufzuspüren, mit Medikamenten. Der Übergang von der Magersucht zur Bulimie, ein typischer Zyklus von Essanfällen und anschliessenden kompensatorischen Entleerungen, gehört ebenso zum Krankheitsbild bei Männern. Sie kompensieren dann oft auch mit exzessivem Sport bei zu geringen Erholungspausen, was den Körper noch zusätzlich arg belastet. Essstörungen treten häufig zusammen mit anderen psychischen Problemen auf. Durch die Pandemie wurden diese Probleme besonders bei alleinstehenden oder in losen Beziehungen lebenden Männern verstärkt. Die Möglichkeiten, Essstörungen zu verstehen, zu diagnostizieren und zu behandeln, sind begrenzt. Deshalb braucht es bei Betroffenen und deren Umfeld eine gewisse Achtsamkeit. Jeder Mensch erlebt Phasen von periodischen Essstörungen: zu viel Süsses während Tagen, triebhafter Gang zum Kühlschrank, unbewusstes Verschlingen von Mengen, dann wieder zwanghafter Verzicht usw. Diese zyklischen Verhaltensweisen lassen sich in milden Formen, wie sie bei der überwiegenden Mehrheit vorkommen, leicht entschärfen, indem darüber offen gesprochen wird. Man hat festgestellt, dass durch den Miteinbezug des Umfeldes milde periodische Essstörungen leichter hinter sich gelassen werden können. Die Thematisierung des aktuell dominierenden Triebs nimmt ihm die Kraft.