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Frage: 1853
Joh 1:12 Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;
a) Zur Hermeneutik
Um diesen Vers zu verstehen, sollte man den hermeneutischen Zirkel nicht schon eine Umlaufbahn zu früh verlassen und ad hoc auf den nächsten Vers verweisen. Der Kontext und die folgenden Verse sind erst im zweiten Schritt in die Überlegung einzubeziehen. Es gilt, zunächst die innere Kausalität und die Gedankenstruktur allein in diesem Satz zu verstehen - so als wenn man nicht schon wüßte - was danach und davor geschrieben steht.
b.1) "So viele", "Alle die" bzw "Wieviele" (griech.: hOSOI)
Dieses Wort ist mit einem mathematischen Gleichheitszeitchen (=) vergleichbar. Auf beiden Seiten davon steht inhaltlich das gleiche, d.h. diejenigen, die Christus annehmen, sind exakt diejenigen, die das Vorrecht, die Vorrangstellung bzw. das Anrecht (griech.: EXOUSIA) bekommen, Gottes Kinder zu WERDEN. Diese Wortverwendung verdeutlicht, dass Menschen, die Christus angenommen haben, in eine Stellung versetzt werden, die sie - bevor sie Christus angenommen haben -NICHT hatten - nämlich die Gotteskindschaft. Der natürliche Mensch wird im Neuen Testament als Feind Gottes, Kind des Teufels und der Sünde und nicht als Gotteskind beschrieben. Aufgrund dieses Verses wird deutlich, wie die Gotteskindschaft erlangt werden kann: nicht durch Werke, nicht durch Sakramente, nicht durch die natürliche Geburt (V.13), sondern einzig und allein dadurch, dass Christus angenommen wird. Diese Wahrheit gilt für jeden Menschen - niemand ist von Natur aus gerettet, sondern bedarf der Geburt aus Gott, indem Christus angenommen wird.
Die Kausalität in diesem Satz ist nicht, wie es im calvinistischen Lehrsystem vertreten wird, dass diejenigen, die durch Gottes angebliche Souveränität (besser: Willkür) "unwiderstehlich wiedergeboren" werden, wobei andere mit dem Heil übergangen oder zur Hölle vorherbestimmt sind, in Folge dann Christus annehmen, sondern exakt vice versa, d.h. ein Kind Gottes wird man dann, wenn Christus angenommen wird und nicht dadurch, dass durch Gottes Souveränität wiedergeborene Menschen Christus in Folge annehmen (d.h. die "ordo salutis" ist: Bekehrung zu Christus, in Folge dessen die Wiedergeburt aus Gott und NICHT: Wiedergeburt, dann Bekehrung zu Christus. In zweitem Falle hat man es mit einer falschen Kausalität zu tun, die diesem Vers diametral widerspricht).
Diese Tatsache ist daher besonders wichtig, da aufgrund biblischer Lehre, der Weg zum Heil jedem offen steht und jeder zu Christus kommen soll und darf - d.h. Gott hat sicher keine Auswahl derer getroffen, die gläubig werden sollen (contra: TULIP). Jeder der an Christus glaubt wird gerettet und ein Kind Gottes.
Das Wort hOSOI wird durch die Verwendung von AUTOIS zusätzlich verstärkt, sodass wörtlich übersetzt werden könnte: "Wieviele (hOSOI) aber ihn aufnahmen, ihnen (AUTOIS zur besonderen Betonung) gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden" (Münchener NT).
b.2) "denen, die an seinen Namen glauben"
Der letzte Satzteil fungiert als sog. Apposition, d.h. als Ergänzung zu "denen, die ihn aufnahmen". Die Verwenung "an seinen Namen" ist "pars pro toto", d.h. der Name steht in Stellvertretung für die ganze Person des Herrn Jesus Christus - Er ist das Objekt des Glaubens. Glaube (PISTIS) ist eine Vertrauensbeziehung (PISTEUW: glauben, vertrauen) zur Person des Herrn Jesus. Diejenigen, die Christus angenommen haben, werden also zu Kindern Gottes und glauben an den Namen des Herrn Jesus Christus. Niemand kann daher sagen, er ist gläubig, wenn er nicht Jesus Christus persönlich angenommen hat.
d) Der Kontext
Den zweiten hermeneutischen Schritt kann und muss man natürlich auch gehen:
- Diejenigen, die Christus annehmen stehen in V.12 im Gegensatz zu denen, die ihn NICHT angenommen haben (V.11): "Die Seinigen nahmen ihn NICHT an".