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Den Buddhismus austricksen
Kolumnist Frédéric Zwicker hat in seiner heutigen Kolumne Tipps, die das alltägliche Leben einfacher machen.
von Frédéric Zwicker*
Das Leben im Daseinskreislauf ist leidvoll: Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden; Kummer, Lamentieren, Schmerz und Verzweiflung sind Leiden. Gesellschaft mit dem Ungeliebten ist Leiden, das Gewünschte nicht zu bekommen ist Leiden. Kurz, die fünf Aneignungen sind Leiden.» So lautet die erste von vier edlen Wahrheiten im Buddhismus, die Siddhartha Gautama, der 563 vor Christus geborene Begründer der Religion, gelehrt hat.
Die zweite edle Wahrheit besagt, die Ursachen dieses Leidens seien Gier, Hass und Verblendung. Die dritte weiss, dass das Leiden erlischt, wenn man die Ursachen tilgt, und die vierte benennt schliesslich den Weg: der Edle Achtfache Pfad. «Rechte Ansicht, rechte Entschlossenheit, rechte Sprache, rechte Handlung, rechter Lebensunterhalt, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Konzentration.»
Ich bin kein Buddhist, aber mir leuchten die edlen Wahrheiten ein. Auch die vierte. Wenn man alles schön recht macht, dann hat man es sicher auch recht. Nur ist das nicht ganz einfach. Was der Buddhismus ja aber auch nicht sagt. Der sagt sogar, um den Edlen Achtfachen Pfad zu gehen, bedürfe man eines Buddhas, eines Menschen, der seine Befreiung gemeistert habe und fähig sei, andere auf ihrem Edlen Achtfachen Pfad anzuleiten.
«Eine Runde laufen ist weit weniger anstrengend als der Edle Achtfache Weg.»
Man merkt, dass Siddhartha Gautama im vorvorletzten Jahrtausend gelebt und nicht viel von PR-Strategien verstanden hat. Der Edle Achtfache Weg klingt sehr beschwerlich. Vielleicht hätte der Buddhismus heute mehr Erfolg, wenn Siddhartha einen weniger furchteinflössenden Namen gefunden hätte. Der Edle Einfache Weg zum Beispiel.
Jetzt bin ich natürlich kein Buddha. Ich habe erst die erste edle Wahrheit so richtig verstanden. Und statt mich von allen Be-dürfnissen loszusagen, suche ich eher nach Tricks, die das Leid erträglicher machen. Wenn ich einen finde, teile ich ihn immer gern mit Ihnen. Da bin ich dann doch wieder ein kleiner Buddha.
Vor einiger Zeit habe ich Ihnen schon zum Wechselduschen nach Kneipp geraten. Googeln Sie das! Es macht das Leben angenehmer. Und jetzt ein neuer Trick. Jahrelang habe ich lamentiert, wenn ich laufen ging und den Schlüssel legen musste, weil die meisten meiner Sportkleider keine sicheren Taschen für den Schlüssel hatten. Ich fand das richtig, richtig mühsam. Dann fand ich heraus, dass ich einfach einen Schuhbändel durch den Schlüssel stecken und dann einen Doppelknopf machen konnte. So hatte ich ihn dabei, und er war sicher.
Diesen Trick können Sie für jede Art der sportlichen Ertüchtigung mit Schuhen nutzen. Vielleicht sagen Sie aber, Sport sei sowieso nichts für Sie. Bedenken Sie dann, dass er das Wohlempfinden erheblich steigert und Leid mindert. Eine Runde laufen ist weit weniger anstrengend als der Edle Achtfache Weg. Wenn sie danach wechselduschen, erholen sich Ihre Muskeln übrigens schneller.
*Frédéric Zwicker, Rapperswil-Jona, ist Autor und Musiker.