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Dr. Andres Briner
Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Herrn Dr. Andres Briner in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Musikforschung und deren Vermittlung in eine breite Öffentlichkeit. Als Wissenschaftler und Journalist hat Andres Briner die Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begleitet, gefördert sowie in kritischer Unabhängigkeit nachhaltig geprägt und dabei stets deutlich gemacht, dass wissenschaftliche Erkenntnis und deren journalistische Vermittlung eine ebenso produktive wie perspektivenreiche Verbindung eingehen können.
Dr. Andres Briner, geb. am 31. Mai 1923 in Zürich, studierte von 1943 bis 1942 am Konservatorium in Zürich sowie Musikwissenschaft an der Universität Zürich, dort v.a. bei Paul Hindemith, dem ersten Zürcher Ordinarius für Musikwissenschaft, der sein wichtigster Lehrer und Mentor geworden ist. 1953 wurde er in Zürich mit einer Arbeit über den Wandel der Musik als Zeitkunst (Wien 1955) promoviert. 1955 wechselte Briner in die U.S.A., und zwar als Assistant Professor an das Department of Music an der University of Pennsylvania, wo er in einer der renommierten Musikfakultäten Amerikas arbeiten konnte. Im Jahr 1964 kehrte er nach Europa zurück, um Feuilleton-Redaktor der Neuen Zürcher Zeitung zu werden, und zwar als erster Musikkritiker und Nachfolger von Willi Schuh. 1988 ist Briner in den Ruhestand getreten. Briners Interessen sind weitgefächert und umfassen die gesamte Musikgeschichte, doch sein besonderes Hauptaugenmerk galt stets der Musik des späten 19. und des 20. Jahrhunderts, für die er sich in seiner publizistischen Tätigkeit mit allem Nachdruck eingesetzt hat. Ein Spiegel dieses vielfältigen Engagements ist der 1993 von Hermann Danuser und Giselher Schubert herausgegebene Sammelband Musikalische Koexistenz, der Vorträge, Essays und Kritiken in repräsentativer Auswahl vereint und die Haupteigenschaften von Briners Schreibart beispielhaft illustriert: Kürze, Prägnanz und Klarheit. Eine besondere Rolle spielte dabei für ihn stets jene Musik, die in den sich zuspitzenden Paradigmen der Moderne keinen Platz mehr zu haben schien. Paul Hindemith, vor allem dessen Spätwerk, nahm auch unter diesem Gesichtspunkt einen herausragenden Rang ein. Briner publizierte 1971 eine Hindemith-Monographie sowie 1988, gemeinsam mit Dieter Rexroth und Giselher Schubert, einen Hindemith-Dokumentenband. Überdies ist Briner seit 1968 Mitglied der Hindemith-Stiftung, von 1986 bis 1998 war er deren Präsident; damit ist er wesentlich verantwortlich für die Kritische Edition der Werke Hindemiths. Andres Briner ist Musikwissenschaftler und Musikkritiker, er ist Gelehrter und Publizist, er ist Anwalt der neuen Musik und zugleich bemüht, diese im Zusammenhang ihrer Traditionen zu verstehen, seine Tätigkeit zielt auf Erkenntnis und Urteil gleichermaßen. Sein jahrzehntelanges Wirken in Zürich, in der Neuen Zürcher Zeitung, ist ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Musik, der Musikwissenschaft und der Musikkritik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gleichermassen. Die Stimme von Andres Briner hatte und hat stets Gewicht, gerade weil in ihr Erkenntnis, Urteil und Mitteilung eine heute nur noch selten anzutreffende Symbiose eingehen.