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Zur Geschichte des Riesenschnauzers
Riesen- und Zwergschnauzer hatten wohl ursprünglich kaum etwas miteinander zu tun. Der Zwerg ist ein Abkömmling der kleinen Stallpinscher, der Riese war jedoch ursprünglich der Hof,- Wach- und Treibhund der Bauern in Oberbayern, ein Angehöriger der ehemals weit verbreiteten zotthaarigen "altdeutschen" Hirten- und Schäferhunde.
Heute ist die verwandtschaftliche Beziehung jedoch offenkundig. Gross gewachsene Mittelschnauzer halfen mit, den Riesenschnauzer zur Rasse zu formen, und klein gewachsene Mittelschnauzer machten aus dem kugelköpfigen kleinen Rauhaarpinscher den heutigen Zwergschnauzer. So sind heute die Gemeinsamkeiten der drei Grössen, als da sind Körperproportionen, Schädelform, Haarstruktur und Haarfarben derart einheitlich geworden, dass wir von drei Grössenvarietäten ein und derselben Rasse sprechen können, und die Standards der drei Rassen stimmen den auch weitgehend miteinander überein.
Kehren wir kurz zur Herkunft des Riesenschnauzers zurück, soweit sie überhaupt aus den dürftigen Angaben, die uns zur Verfügung stehen, rekonstruiert werden kann.
Einen ersten Hinweis auf einen riesenschnauzerähnlichen Hund finden wir auf einem Gemälde, das 1850 entstanden ist und die bayrische Prinzessin Elisabeth darstellt. Zu Füssen der Prinzessin liegt ein grosser, rauhhaariger, schwarz-rötlicher Hund, offenbar wohl ein so genannter "Münchener Schnauzer".
Solche Hunde sollen, so will es die Überlieferung, von ungarischen Hirten, die Vieh nach Süddeutschland trieben, mitgebracht und an bayerische Bauern verkauft worden sein. Ob das stimmt, ist ungewiss. Jedenfalls darf aus der Bezeichnung "Russenschnauzer" (der Name kann auch von "Russ" = schwarz abgeleitet sein) oder "Bärenschnauzer" kaum auf die Herkunft dieser Hunde aus östlichen Ländern geschlossen werden. Fest steht lediglich, dass der Vorläufer des Riesenschnauzers ein alter Landschlag des Bauernhundes in Oberbayern war, ein Treib- und Wachhund, mehr lang gestreckt als quadratisch gebaut, rauh- oder zotthaarig, bärtig und mehrheitlich dunkel gefärbt. Mehr kann über die Vorfahren des Riesenschnauzers nicht mit Sicherheit gesagt werden.
Solche Hunde sollen gegen Ende des letzten Jahrhunderts rund um München recht zahlreich gewesen sein. Sie waren unter anderem auch die Begleiter der Brauereiwagen und hatten diese zu bewachen. Daher kommt vielleicht der auch gebräuchliche Name "Bierschnauzer".
Im Jahre 1907 entstand in München der "Bayerische Schnauzer Klub", der sich nun des "Münchener" oder "Bierschnauzers" annahm. Und 1910 wurden erstmals sechs Rüden und drei Hündinnen des "Münchener Schnauzers" ins Zuchtbuch des Pinscher-Schnauzer Klubs PSK eingetragen. Vier Hunde waren pfeffersalz, drei schwarz, einer braungelb und einer graugelb.
Züchter waren vor allem Bauern, und noch 1919 schreibt H. Schoenherr in der Zeitschrift "Die Polizei", die grossen Münchener Schnauzer lebten "still und verborgen in Bayern als Hirtenhunde und Hüter und Beschützer einsamer Berghöfe." Immerhin gab es aber auch schon zielstrebige Züchter in München z. B. K. Kluftinger, der sich jedoch weigerte, seine guten Rüden "Bazi" und "Schuft vom Wetterstein" anderen Züchtern zum Decken der Hündinnen zur Verfügung zu stellen. Diese beiden Rüden haben das Bild des modernen Riesenschnauzers massgebend beeinflusst.
Der Klub stellte nun erste Rassekennzeichen auf, die "kuhhessigen Pseudo-Riesenschnauzer mit Schäferhundtyp, mit schauderhaftem Zottelhaar und scheusslichen Farben" wurden von der Zucht ferngehalten. Von einer Reinzucht war aber offensichtlich noch kaum die Rede. Um der Rasse mehr Adel zu geben, kreuzten massgebende Züchter schwarze Deutsche Doggen und Grosspudel mit Riesenschnauzern. Mitgeholfen beim Aufbau der Zucht haben auch grosse Mittelschnauzer. 1925 verbot der PSK die Kreuzungen, nicht alle Züchter waren mit diesem Verbot einverstanden.
Weil es angesichts der heterogenen Herkunft der Riesen recht schwierig war, Hunde mit einer Pfeffersalzfarbe zu züchten, wurden die schwarzen mehr und mehr bevorzugt, und die pfeffersalzfarbigen verschwanden fast völlig.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begannen einige Züchter wieder mit dem Aufbau einiger Zuchtstämme, wobei sie übergrosse Mittelschnauzer zu Hilfe nahmen. Die Nachkriegszeit brachte eine grosse Nachfrage nach Riesenschnauzern.
Er hat heute in Deutschland die beiden anderen Schnauzerrassen zahlenmässig deutlich überholt.
Bazi und Schuft vom Wetterstein
Bazi war einer der ersten, für die Riesenschnauzerzucht massgebenden Zuchtrüden
Züchter: K. Kluftinger
Quelle mit ausdrücklicher Genehmigung: Kynos Kleine Hundebibliothek "Schnauzer" von Dr. Hans Räber erschienen im Jahr 1997 im Kynos-Verlag
Bilder: Schnauzer-Pinscher von Dr. Hans Räber 1987 im Kynos-Verlag