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In Schweden herrschte Linksverkehr, obwohl sich in sämtlichen Autos das Steuer links befand. Dadurch konnten die Schweden zwar näher am Fahrbahnrand fahren, hatten aber beim Überholen eine deutlich schlechtere Sicht auf den Gegenverkehr. Mit der Ausbreitung des Autos auf dem europäischen Kontinent wuchs der Druck, sich in Sachen Verkehr den Gepflogenheiten auf dem europäischen Festland anzupassen. Die Schweden aber taten sich mit diesem Entscheid schwer. Zwischen 1927 und 1953 gab es im Parlament nicht weniger als sieben Vorstösse zur Einführung des Rechtsverkehrs.
Ein Jahr später wurde eine beratende Volksabstimmung durchgeführt, in der über 80 Prozent der Abstimmenden die Umstellung ablehnten. Die Nachbarländer im Nordischen Rat legten den Schweden den Systemwechsel nahe, sogar der Europarat nahm eine entsprechende Resolution an. Zehn Jahre nach der konsultativen Abstimmung beschloss schliesslich das schwedische Parlament, die Högertrafikomläggningen durchzuführen. Und heute vor 54 Jahren fand der Dagen H statt.
Der war eine ausserordentliche logistische Herausforderung. Vier Stunden vor der Umstellung und eine Stunde danach war jeder private Autoverkehr verboten. In dieser Zeit wurden im ganzen Land die Strassenschilder umgestellt. Am Morgen um 04.50 Uhr, es war ein Sonntag, mussten alle Autos auf der linken Seite anhalten. Anschliessend wechselten sie die Strassenseite und warteten dort bis 05.00 Uhr. Dann fuhren sie auf der rechten Seite weiter. Der Wechsel war vollzogen. Allerdings musste die Verkehrsüberwachung intensiviert werden. Über 10‘000 Polizisten und Soldaten und über 10'000 Schüler der höheren Jahrgänge, Rekruten der Armee und Mitglieder von Verbänden wurden zur Verkehrsregelung eingesetzt.
40 Jahre hatte es gedauert, bis sich die Schweden zum Wechsel durchringen konnten. Das hat die Sache enorm erschwert und verteuert. Andererseits: Das ist Demokratie.