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Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat wegen Crypto AG am 2. Februar eine Anzeige gegen Unbekannt eingereicht. Die Bundesanwaltschaft bestätigte eine entsprechende Recherche der 'Sonntagszeitung'.
Das Seco, eine dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung unterstellte Behörde, vermutet, sie sei bei der Bewilligung von Kriegsmaterialausfuhren durch Crypto AG getäuscht worden. Die Bundesanwaltschaft sagte gegenüber den Zeitungen von CH Media, dass noch kein Strafverfahren eröffnet worden sei.
Die Anzeige erfolgte 10 Tage bevor die Berichterstattung der 'Washington Post', sowie des 'SRF' und des 'ZDF' publiziert wurde. Diese Berichte scheinen zu belegen, dass die Crypto AG jahrzehntelang und bis 2018 von der CIA und dem BND kontrolliert wurde und Verschlüssler mit Backdoors in über 100 Länder verkauft habe.
Wer alles von den manipulierten Geräten wusste und wer die persönliche Verantwortung trägt, ist noch offen. Das VBS jedenfalls könnte seit Jahrzehnten davon gewusst haben. Laut 'Tages-Anzeiger' hat Crypto AG in den 1980er-Jahren eigentlich für den Export bestimmte Geräte nach Bern geschickt. Versehentlich hätte der Bund die falschen Verschlüssler zum Testen erhalten, wollte das VBS doch für den Eigenbedarf neue Geräte beschaffen. Bei Tests hätten Armee-Kryptologen die Backdoors entdeckt, heisst es in einem bislang nicht öffentlich gewordenen Justizdokument.
Laut 'Tages-Anzeiger' führte dies zum VBS-Fazit, Crypto AG würde "in jeglicher Beziehung eigentlich sehr gute Chiffriergeräte herstellen, ausser dass diese 'nicht besonders gut' chiffrieren würden". Mit Verweis auf einen namentlich genannten Ex-Mitarbeiter von Crypto AG heisst es weiter, dass die Firma nachbessern durfte. So beschaffte der Bund bei Crypto AG in der Folge 6900 Verschlüssler mit einem als einwandfrei klassifizierten Algorithmus.
Mögliche Belege und die Betriebssicherheitserklärung
In Akten des Zürcher Bezirksgerichts sollen seit 1994 zudem Belege für den CIA-BND-Hintergrund der Crypto AG enthalten sein. Diese wurden gesammelt von den Anwälten, des unter Spionageverdacht im Iran inhaftierte Crypto-AG-Mitarbeiters Hans Bühler. Dieser hatte gegen seinen Arbeitgeber geklagt. Da der Prozess "Bühler gegen Crypto AG" mit einem Stillhalteabkommen vermieden wurde, wurden die Dokumente nicht öffentlich.
Trotz den Indizien und Erkenntnissen in den 1980er und 1990er Jahren hatte die Crypto AG unseres Wissen bis zur Aufspaltung 2018 eine Betriebssicherheitserklärung (BSE) des VBS. Eine solche bedeutet, Behörden können diesen Firmen klassifizierte Informationen abgeben, beziehungsweise können diese geheime und vertrauliche Dokumente produzieren.
Inside-it.ch stellte dem VBS entsprechende Fragen: Wie lange hatte Crypto AG eine BSE? Wurde diese regelmässig erneuert oder gab es Unterbrüche? Sind die heutigen BSE-Grundlagen genügend oder müssen sie im Lichte der Entwicklungen überarbeitet werden?
"Die Abklärungen durch Alt-Bundesrichter Niklaus Oberholzer werden nun unter Federführung der GPDel fortgesetzt. Da diese Abklärungen noch laufen, können wir uns zu diesen Fragen im Zusammenhang mit der Crypto AG nicht äussern", antwortete ein VBS-Sprecher.