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Die laufenden Disserationsprojekte sind alphabetisch geordnet.
Seiteninhalt
- Scott Brand: Hollywood Sherwood - Robin Hood im Film und Fernsehen der Nachkriegszeit
- Artan Hajrullahu: Zwischen Isolation und Partizipation
- Sibylle Künzler: Exploring Shifting Topologies
- Cornelia Renggli: Un-/sichtbare Differenz
- Gabriela Schenk: Das Bild der Ärztin in der populären Literatur
- Petra Schrackmann: Realisierungen des Unmöglichen
- Gin-Young Song: Transformation und Aneignung städtischer Räume im transnationalen Kontext am Beispiel von Cafés in Seoul
- Mesut Tufan: Kurden und Kurdinnen in Exil und Diaspora in der Deutschschweiz
- Samuel Wegmann: „Zürich für Sie“
- Tamara Werner: „Horrific Fun.“
- Andrea Züger: Erinnerungen am Lebensende. Erzählt - Editiert - Rezipiert
Scott Brand: Hollywood Sherwood - Robin Hood im Film und Fernsehen der Nachkriegszeit
Die Figur des Robin Hood, wie der mit ihr verbundene Mythos, gehört zu den beliebtesten mittelalterlichen Motiven der modernen Populärkultur. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie enorm wandelbar ist. Sie bewegt sich zwischen diversen geografischen Räumen, wie auch innerhalb unterschiedlichster sozialer Gruppierungen. Diese Vielseitigkeit macht sie aber überall auch zu einer Randfigur, was wiederum ihre Beweglichkeit erhöht und ihr das Überschreiten der verschiedenen Grenzen erleichtert. Entsprechend passt sich die Figur des Robin Hood leicht neuen Gegebenheiten – wie Medien oder veränderten Publikumserwartungen – an. Der Stoff kann deshalb problemlos durch die unterschiedliche Betonung zweier Aspekte fast gegenteilige Aussagen hervorbringen, ohne dass mit dem Charakter des Mythos gebrochen werden müsste. Infolge dieser nicht-linearen Entwicklung können unterschiedliche Fassungen des Stoffes parallel zueinander existieren. Gleichzeitig verfestigten sich aber bestimmte Elemente des Mythos, welche zu einem fixen Bestandteil der meisten Rezeptionen des Stoffes geworden sind. Diese Beobachtungen lassen sich auch für die zahlreichen Robin-Hood-Verfilmungen anstellen. Ziel dieser Dissertation ist es, die Entwicklung des Mythos innerhalb dieser cineastischen Fassungen zu ergründen, wobei der Fokus auf die verschiedenen Werke der Nachkriegszeit gelegt werden soll. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage nach den Einflüssen, welche die unterschiedliche Ausgestaltung des Stoffes in den verschiedenen Verfilmungen bewirkten. Neben den Eigenarten der involvierten Schauspieler und Regisseure, sowie den Darstellungen Robin Hoods in früheren Werken werden vor allem die zeitgenössischen gesellschaftlichen Entwicklungen und historischen Rahmenbedingungen, im Blickfeld der Untersuchung stehen. Es stellt sich also auch die Frage wie die Figur und ihr Mythos mit den Werten und der Geschichte der Nachkriegszeit vereinbar sind, respektive jene nach den Aussagen, die anhand der untersuchten Filme über verschiedene Ereignisse zwischen 1945 und 1959 gemacht werden können.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak (Universität Zürich, ISEK).
Artan Hajrullahu: Zwischen Isolation und Partizipation
Eine filmisch-ethnographische Annäherung an den Alltag von Asylsuchenden in der Schweiz
Wie der Titel besagt, verfolgt mein Dissertationsprojekt eine ethnographisch-kulturwissenschaftliche Annäherung an den Alltag von Asylsuchenden in der Schweiz. Zum einen soll aus filmethnographischer Sicht der Alltag dokumentiert und zum anderen aus analytisch-theoretischer Sicht – basierend auf einer Feldforschung – die Lebensumstände von Asylsuchenden in der Schweiz mit filmischen Mitteln visualisiert werden. Ziel ist es, sich durch die Produktion einer filmischen Ethnographie sowie einer schriftlichen Dokumentation der Feldforschungsergebnisse kulturanalytisch dem Alltag von Asylsuchenden in der Schweiz anzunähern. Ein filmisches Portrait ausgewählter Asylbewerber, die über eine längere Zeit begleitet werden, soll Einsicht in den Alltag der ihnen neuen und unbekannten Welt zwischen Isolation und gesellschaftlicher Partizipation vermitteln.
Da die Erhebung von Daten zum Alltag von Asylsuchenden in der Schweiz kein oder nicht zwingend ein experimentelles Vorgehen erfordert, fiel die Wahl der Untersuchungsunterlage auf eine filmische Ethnographie, wobei die Oral History und das biografisches Erzählen miteinbezogen werden. Die so genannten „Experten ihres Alltages“ – in diesem Fall ausgesuchte Asylsuchende – können Auskunft über alltägliche Erlebnisse, Erinnerungen und Erfahrungen geben. Dabei werden die Informationen nicht zur Gewinnung von Fakten verwendet. Die Befragten sollen zeigen, wie sie ihre Erlebnisse und Gegebenheiten wahrgenommen haben und welche Bedeutung sie ihnen zumessen. Sie lassen Erfahrungen deutlich werden und geben Auskunft über ihre soziale Identität und Selbstverständnis. In der Vorgehensweise der Oral History hat sich als vorteilhaft erwiesen, Informationen nicht punktuell abzufragen, sondern die Befragten frei erzählen zu lassen. Bevorzugt werden offene Interviewverfahren in Einzelgesprächen, wo der Befragte die Gesprächsrichtung bestimmt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht zuletzt einen Beitrag zur Integrationsdebatte leisten.
Die Dissertation wird betreut durch Prof. Dr. Thomas Hengartner (Universität Zürich, ISEK).
Sibylle Künzler: Exploring Shifting Topologies
Das Promotionsvorhaben Exploring Shifting Topologies (Arbeitstitel) untersucht den «augemented space», welcher im Gebrauch der Geodaten von Google – Google Maps, Google Earth, Google Street View etc. – entsteht und verhandelt wird. Dabei dienen diese Plattformen lediglich als Beispiel, denn im Vordergrund stehen vor allem die theoretische Konzeptualisierung einer solchen Räumlichkeit der Medialität als auch deren Erforschbarkeit mittels einer Erweiterung der Methode des «Wahrnehmungsspaziergangs».
Anders als dies beispielsweise der Medientheoretiker Lev Manovich in seiner Definition des «augmented space» beschreibt – obschon er gerade eine neue Spielart des Raumes erfassen will –, wird ein Zweiraumdenken, bei welchem der physische Raum vom virtuellen «überlagert» wird, abgelehnt, da hier das in den Kulturwissenschaften mehrfach kritisierte Containerraum-Modell reaktiviert wird. Vielmehr wird versucht, den «augmented space» von Google Maps als atmosphärisches, multisensorisches, technotopes, topologisches, d.h. nicht dreidimensionales und in der Praxis entstehendes Arrangement zu erfassen. In einem ersten Schritt widmet sich die Arbeit daher der theoretischen Herleitung und dem konzeptionellen Entwurf eines solchen Raummodelles.
Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit methodologischen Fragen. Als Zugang, um eine so konzeptionierte Räumlichkeit greifbar zu machen, wurde der aus der kulturwissenschaftlichen Raumforschung bekannte «Wahrnehmungsspaziergang» gewählt und im Sinne eines methodischen «Do-it-yourself» und inspiriert von Bruno Latours und Emilie Hermants Werk «Paris ville invisible» für die Erforschung solcher digitalen Räumlichkeiten erweitert. Hier wird auch der transduktive Wahrnehmungsmodus bedeutsam und Transduktion als theoretisches Konzept beleuchtet.
Abschliessend wird in einem dritten Teil eine solche transduktive Tour durch die Räumlichkeit der Medialität von Google Maps und Co. beispielhaft vorgenommen, wobei die Arbeit selbst eine digitale Erweiterung erfährt.
Das Forschungsdesign mag von einer eher konventionellen medienwissenschaftlichen Perspektive aus betrachtet etwas eigenwillig erscheinen. Es zeichnet sich aber eben gerade durch diesen besonderen und stärker kulturwissenschaftlich und phänomenologisch orientierten Ansatz aus.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Alfred Messerli (Universität Zürich, ISEK) und Prof. Dr. Thomas Hengartner (Universität Zürich, ISEK).
Cornelia Renggli: Un-/sichtbare Differenz
Bilder von Behinderung und Normalität
Das transdisziplinäre Dissertationsprojekt verfolgt die Ziele, das Thema Behinderung in die Volkskunde und den angloamerikanischen Forschungsansatz der Disability Studies mit dem sozialen Modell von Behinderung in die Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften einzuführen sowie einen Beitrag zur Erforschung von Differenz und der visuellen Kultur in theoretischer, methodologischer und empirischer Hinsicht zu leisten. Im theoretischen Teil der Arbeit werden auf der Grundlage verschiedener theoretischer Ansätze Antworten auf die Fragen nach dem Entstehen, den Formen, dem Wandel und v.a. der Un-/Sichtbarkeit von Differenz gesucht. Im empirischen Teil werden gesellschaftlich geprägte und die Gesellschaft prägende Bilder, d.h. Darstellungen und Vorstellungen von, Einstellungen zu und Verhaltensweisen gegenüber Behinderung und Normalität erforscht. Konkrete Bilder wie auch Bilder in den Köpfen dienen zur Untersuchung, wie, in welchen Formen und weshalb die Differenz zwischen Behinderung und Normalität entsteht, und welche Folgen sie für die Verhaltensweisen hat. Eingesetzt wird dazu eine eigens entwickelte, auf der System- und Diskurstheorie beruhende Kombination von Bild- und Dokumentenanalysen. Die Bilder spielen deshalb eine zentrale Rolle im Projekt, da im Umgang mit ihnen die Dar-, Vor-, Einstellungen und Verhaltensweisen v.a. durch die Sehweisen miteinander verknüpft werden.
Gabriela Schenk: Das Bild der Ärztin in der populären Literatur
Das Thema dieses Dissertationsprojekts von Gabriela Schenk ist vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung des Berufs der Ärztin zu sehen. Der zeitliche Rahmen beginnt mit der Zulassung der Frauen zu den (europäischen) Universitäten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erstreckt sich bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium, insbesondere zum Medizinstudium, sowie die damit zusammenhängenden Probleme in der Ausbildung, Berufsausübung und der gesellschaftlichen Stellung wurden nicht nur in der Fachliteratur und den Medien, sondern auch in belletristischen Werken aufgenommen und diskutiert. Der Gegenstand dieser auf Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse, der Diskursanalyse und des New Historicism gestützten Untersuchung ist der Vergleich von belletristischen Werken mit zeitgenössischen Sachtexten (Fachliteratur, Zeitungsartikel, biographische Texte etc.). Wie wird die Frau im Arztberuf in der Unterhaltungsliteratur dargestellt? Welche Themen bzw. Probleme werden angesprochen? Werden bestimmte Frauentypen bzw. Stereotypen für die Figur der Ärztin bevorzugt verwendet? Ändert sich im Lauf der Zeit das Bild der Ärztin in der Unterhaltungsliteratur und entspricht dies realen Gegebenheiten? Diesen und weiteren Fragen soll im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak (Universität Zürich, ISEK).
Petra Schrackmann: Realisierungen des Unmöglichen
Das Fantastische in Verfilmungen von Kinder- und Jugendliteratur seit 2001
Im ersten Projektteil soll untersucht werden, wie das Fantastische in Verfilmungen von Kinder- und Jugendliteratur seit 2001 umgesetzt wird. Ausgehend von der Annahme, dass Fantastisches besonders an Übergängen zwischen den dargestellten Welten und Wissens- und Identitätszuständen sowie durch die Thematisierung der Konstruktion von Welt(en) und deren Gesetzmässigkeiten fassbar wird, wird das Fantastische in den literarischen Vorlagen und deren filmischen Adaptionen vergleichend untersucht. Anhand der Auslassungen, Ergänzungen, Umwertungen und Neuinterpretationen, welche die Werke beim Medienwechsel erfahren, werden Tendenzen der neueren Fantasyfilme herausgearbeitet (auch im Vergleich zu früheren Adaptionen ähnlicher/derselben Stoffe) und damit in Zusammenhang stehende sozio-kulturelle Phänomene und Diskurse aufgezeigt.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak (Universität Zürich, ISEK).
Die Dissertation ist ein Teilprojekt des SNF-Projektes „Übergänge und Entgrenzungen“ (Laufzeit 1. März 2011 – 31. Juli 2013).
Gin-Young Song: Transformation und Aneignung städtischer Räume im transnationalen Kontext am Beispiel von Cafés in Seoul
Das Interesse am Thema dieses Dissertationsprojekts wurde ausgelöst durch die Beobachtung, dass die rasante Entstehung von „Cafés“ seit rund zehn Jahren im Zentrum der stadträumlichen Transformation mehrerer Viertel der südkoreanischen Metropole Seoul steht. Sie gelten einerseits als wichtiger Wirtschaftsfaktor der Stadt und ihrer Viertel, andererseits werden mit ihnen Prozesse der Gentrifizierung in Verbindung gebracht wie etwa das Problem des Verlusts räumlichen Bindungen der Stadtbewohner.
Das Projekt fokussiert diese Transformation des Stadtraum Seouls vor dem Hintergrund der aktuellen Wiederentdeckung der materiellen Dimension in der kulturwissenschaftlichen Stadt- und Raumforschung. Dahinter steht die Annahme, dass die Entstehung der Cafés im Kontext eines südkoreanischen Diskurses um die Verwestlichung/Europäisierung bzw. Modernität zu verstehen ist. Diese Cafés positionieren sich in der urbanen Öffentlichkeit, indem sie sich in ein bestimmtes Verhältnis zum „Westen“ setzen. Einerseits wird dies durch die Nachahmung von europäischer Konsum- und Genusskultur sichtbargemacht; adererseits verbindet sich die Transformation mit der Revitalisierung bzw. Inszenierung des „Traditionellen“.
Gegenüber bisherigen Studien zur Entwicklung von Cafés in Seoul, die sich vor allem aus einer soziologischen Perspektive auf gesellschaftspolitische Aspekte konzentrierten, grenzt sich das vorliegende Projekt ab, indem es das Café primär als Ort des sinnlich-ästhetischen Raumerlebens und des alltäglichen Handelns begreift. Dabei wird nicht nur ihre sozial differenzierende Symbolhaftigkeit, sondern auch die materielle Dimension der Raumkonstituierung und somit die multisensuelle Herstellung und Wahrnehmbarkeit urbaner Transformationsprozesse hervorgehoben.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Bernhard Tschofen (Universität Zürich, ISEK).
Mesut Tufan: Kurden und Kurdinnen in Exil und Diaspora in der Deutschschweiz
Weltweit gibt es verschiedene Völker ohne eigenen Staat. Sie sind mit vielen politischen, kulturellen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen konfrontiert. Eines der Völker ohne eigenen Staat bilden die Kurden und Kurdinnen. Sie leben hauptsächlich in vier Staaten im Mittleren Osten (Türkei, Syrien, Irak, Iran) und verstreut in vielen Ländern der Welt. Aus politischen Gründen sind viele in die Diaspora emigriert oder ins Exil getrieben worden. Ich unterscheide zwischen Exilierten und Diasporen: Exilierten wird eine Rückkehr zu ihrem Herkunftsland verwehrt, im Gegensatz zu Diasporen. Ein kleiner Teil der kurdischen Gesellschaft in der Deutschschweiz besteht aus Diasporen; sie sind aus ökonomischen oder Familiennachzug-bedingten Gründen in der Schweiz. Sie dürfen in ihre Heimat reisen und halten meistens sozio-kulturelle Verbindungen mit ihren Herkunftsländern lebendig. Die unterschiedliche Situation von Diasporen und Exilierten prägt ihre Integrations-Verläufe und beeinflusst ihre Heimat-Wahrnehmung im Ankunftsland. Ziel dieser Dissertation ist, den Wandel der kurdischen Gesellschaft in der Schweiz infolge von Migrations- und Integrations-Erfahrungen zu erforschen. Dazu gehören auch unterschiedliche Heimatwahrnehmungen, Mangel an politischer und kultureller Repräsentation im Zusammenhang mit ihrer Staatenlosigkeit, frühere und jetzige Lebenserfahrungen und in welcher Weise die kurdische Staatenlosigkeit bedrückt. Es soll dargestellt werden, wie Kurdinnen und Kurden ihre Integration theoretisch und praktisch erleben und welche Anforderungen und Hürden sich beim Einleben in der Schweiz stellen. Wie gelingt der Spagat zwischen Vertrautem und Ungewohntem? Wie wird der Verlust der Heimat verkraftet? Wie können sich Kurden und Kurdinnen ein Stück Heimat schaffen? Welche Erwartungen bestehen auf der Seite der Neuankommenden und wie wird die Bereitschaft zur Aufnahme im neuen Land erlebt? Die Arbeit stützt sich auf narrative Interviews mit Betroffenen in der Deutschschweiz, methodologisch angeleitet durch die „Qualitative Inhaltanalyse“ nach Philipp Mayring, die „Sozialwissenschaftlich-hermeneutische Paraphrase“ von Thomas Heinze und Hans-Werner Klusemann. Diese Methoden ermöglichen, die subjektive Wahrnehmung der Interviewten sinngemäss zu interpretieren.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Harm-Peer Zimmermann und Prof. Dr. Moritz Ege (Universität Zürich, ISEK).
Samuel Wegmann: „Zürich für Sie“
Wissenspopularisierung zur Organisation soziokultureller Wirklichkeit am Beispiel von Verwaltungspublikationen der Stadt Zürich.
Die Publikationen der öffentlichen Verwaltung – Zeitschriften, Broschüren, Faltblätter, Ortspläne usw. – gehören zu unserem Alltag. Sie sollen uns durch das ganze Leben begleiten. Diese Informations- und Wissensvermittlung wird als eine Form der Wissenspopularisierung verstanden und als Expertenkommunikation in einem spezifischen Herrschaftszusammenhang analysiert. Unter Einbezug machttheoretischer Konzepte wird untersucht, wie in den Publikationen der Alltag in der „verwalteten Stadt" beschrieben wird mit dem Ziel, das Verhalten der Bevölkerung zu beeinflussen. Die Fragestellung zielt auf die Darstellung des Verhältnisses von Verwaltung und Bevölkerung vor dem Hintergrund der Ökonomisierung des öffentlichen Sektors. Besonderes Augenmerk gilt den Strategien, die zur Autorisierung behördlicher Expertise angewendet werden, und der Frage, inwiefern Elemente populärer Kultur dabei eine Rolle spielen. Die Untersuchung fokussiert den Zeitraum ab Mitte der 1990er-Jahre bis heute.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak (Universität Zürich, ISEK).
Tamara Werner: „Horrific Fun.“
Umdeutungen des Grusligen im Animationsfilm für Kinder und Jugendliche.
Die 2000er Jahre brachten eine Fülle an Serien und Filmen für Kinder und Jugendliche auf die Bildschirme, deren Figuren per Stop-Motion- und/oder Computeranimation «zum Leben erweckt» wurden. Innerhalb dieser Masse an populären Animationsfilmen lässt sich eine Untergruppe erkennen, deren Figuren, Narrative und Ästhetik nachhaltig vom Horrorgenre geprägt sind; von Stoffen also, die sich vornehmlich an Erwachsene richten. Dieser Umstand kann durchaus irritieren und soll als Anstoss dienen, um ausgewählte, von Grusel und Horror geprägte, «kindgerechte» Animationsfilme aus kulturwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten. Ausgehend vom Korpus werden verschiedene, sich herauskristallisierende thematische Ballungspunkte gebildet und in der Folge verschiedene Fragen an diese Cluster gerichtet: Wie und weshalb finden diese «schaurigen» Einflüsse Eingang ins Kinderzimmer? Welche Prozesse der Um- und Neuimagination lassen sich beobachten? Mit welchen Strategien des Umdeutens werden die Stoffe kindertauglich? Neben diesen Wandlungsstrategien soll der Blick auch auf Darstellungen von Familie, Kindheit und Monstrosität sowie transportierte Normen und Werte gerichtet werden.
Dissertation betreut durch Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak (Universität Zürich, ISEK).
Andrea Züger: Erinnerungen am Lebensende. Erzählt - Editiert - Rezipiert
Dignity Therapy aus kulturwissenschaftlicher Perspektive (From Process to Product: Transition From the Storytelling to the Written and Read Document)
Die Dignity Therapy, eine Kurzzeitpsychotherapie, richtet sich an Menschen mit einer progredienten, weit fortgeschrittenen unheilbaren Erkrankung und ihre Angehörigen, mit dem Ziel, die Würde der Patienten bis ans Lebensende zu erhalten respektive zu steigern. Ein ganz bedeutender Aspekt der Würde ist der Wunsch nach Generativität. Mit Hilfe der Dignity Therapy wird diesem Wunsch nach Generativität nachgegangen. In Form eines Generativitätsdokuments werden die wichtigsten Lebensstationen des Patienten und seine Wünsche, Lebensweisheiten und Hoffnungen für die Angehörigen festgehalten. Dieses Dissertationsprojekt macht Erinnern und Erzählen am Lebensende aus kulturwissenschaftlicher Sicht zum Thema. Das Erzählte in den Generativitätsdokumenten wird als erzählte (Patient), editierte (Therapeut) und rezipierte (Angehörige) Erinnerungen untersucht.
In der editierenden Arbeit des Therapeuten prallen verschiedene Wissens- und Machtdiskurse aufeinander. Der Therapeut fungiert als Editor und Mittler zwischen Sterbenden und Angehörigen und greift in die Erzählkompetenz des Patienten ein. Dinge tragen Handlungsaufforderungen in sich und werden zu Handlungs- und vielseitigen Bedeutungsträgern. Welche Bedeutung übernimmt das Generativitätsdokument für die Angehörigen? Kommt es zu rituellen Praktiken eines wiederholenden Lesens und somit zu einer Praktik des Erinnerns? Was geschieht, wenn Erinnerungen und Lebenswünsche gelesen werden? Welche Bedeutung hat das Generativitätsdokument für die Angehörigen?
Aus kulturwissenschaftlicher Sicht wurde Narration am Lebensende bislang nur unter dem Aspekt einer narrativen Gerontologie zum Gegenstand, nicht aber in Anbetracht einer narrativen Palliative Care, also einer Narration am Lebensende, die sich nicht zwingend durch das fortgeschrittene Alter charakterisiert.
Dieses Dissertationsprojekt will eine Praxisbrücke zwischen Medizin/Psychologie und den Alltagskulturwissenschaften bauen und die Kollaboration zwischen diesen Disziplinen stärken. Das Projekt soll einen Beitrag zur Forschung in der Palliative Care leisten.
Die Arbeit wird betreut durch Prof. Dr. Thomas Hengartner, Universität Zürich (ISEK) und Prof. Dr. Simon Forstmeier, Universität Siegen (Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie). Die Forschungsarbeiten werden am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart durchgeführt.