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Die schweizerische Literaturzeitschrift „orte» widmet ihr neustes Heft der jüdischen Literatur in der Schweiz der letzten 100 Jahre. Zeitgenössische Autoren und Autorinnen treten in Dialog mit verstorbenen Kollegen und Kolleginnen, indem sie deren Werk vorstellen. Da in dem Heft sowohl Autoren aus der Deutschschweiz als auch aus der Romandie ihr Werk präsentieren, haben wir je einen Vertreter der beiden Landesteile eingeladen: Gabriele Markus, die 1939 in Bern als Tochter deutsch-jüdischer Emigranten geboren wurde, und Sergueï Hazanov, der zwar 1951 in Moskau das Licht der Welt erblickte, aber seit 1989 in Genf lebt. Die beiden lesen aus ihrem Werk und stellen ihre Geistesverwanden vor: Gabriele Markus wird Gedichte von Lajser Ajchenrand rezitieren und Sergueï Hazanov einen Text von Albert Cohen vorlesen.
Der Übersetzer und Autor Rafaël Newman wird den Abend moderieren und sich auch mit der orte-Redaktorin, Anne-Marie Kenessey, die das Heft zusammengestellt hat, unterhalten. Bereits 2001 hat er im Limmatverlag die vielbeachtete Textsammlung „Zweifache Eigenheit. Neuere jüdische Literatur in der Schweiz» herausgegeben.
Gabriele Markus wurde 1939 in Bern geboren und liess sich nach Abschluss des Lehrerinnen-Seminars am Konservatorium Bern, am Mozarteum Salzburg und in Wiesbaden zur Sängerin ausbilden. Es folgten Konzerte, Liederabende und Bühnenengagements in der Schweiz, in Deutschland und Israel. 1973 kehrte sie in die Schweiz zurück, und begann 1982 zu schreiben. 1985 erschien der erste Lyrikband, dem neben Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien viele weitere folgten. Ihre 2012 erschienenen Kindheitserinnerungen «Zugvögel wir legen uns auf den Wind» wurde von der Basler Zeitung als „literarische Kostbarkeit» gefeiert. Sie lebt heute als Schriftstellerin und Gesangspädagogin in Zürich.
Sergueï Hazanov wurde 1951 in Moskau geboren und publizierte nach seinen Universitätsstudien Romane, Theaterstücke, Gedichte und Artikel, u.a. in dem russischen Satiremagazin „Krokodil». Seit 1989 lebt er aus politischen Gründen in der Schweiz. Hier publizierte er 1997 in Anlehnung an Montesquieu seine „Lettres russes». Neben dem französischen Roman „En Déshérence» (2000) veröffentlichte er auch Romane auf Englisch. Er äussert sich regelmässig in der Genfer Tageszeitung „Le Temps».