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Mit der Anthroposophie hat Rudolf Steiner Anfang des 20. Jahrhunderts einen Erkenntnisweg entwickelt, "der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte". Der Mensch wird als körperliches, seelisches und geistiges Wesen aufgefasst, das durch wiederholte Erdenleben eine umfassende individuelle Entwicklung vollzieht.
So wie die Naturwissenschaft die materielle Sinneswelt durchdringt, so erforscht Steiners Anthroposophie als Geisteswissenschaft die nichtsinnlichen Wirklichkeiten - die Welten der Seele und des Geistes. Anthroposophie ist keine Glaubenslehre, sondern benutzt die gleichen Erkenntnisprinzipien wie die Naturwissenschaft: Beobachtung und Denken. Die Fähigkeit, nichtsinnliche Vorgänge wahrzunehmen, ist in jedem Menschen angelegt und kann auf einem individuellen Schulungsweg entwickelt werden. Rudolf Steiner hat seine geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse in zahlreichen Schriften und Vorträgen dargestellt. Als Zentrum der Anthroposophie hat er die "Freie Hochschule für Geisteswissenschaft" gegründet, die - wie auch die "Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft" - ihren Sitz im Goetheanum hat.
Anthroposophie versteht sich nicht nur als Wissenschaft, sondern ebenso als Kunst und als Lebenspraxis. So gab Rudolf Steiner den verschiedensten Kunstrichtungen vielfältige Impulse, aus denen auch die Eurythmie als eine neue Bewegungskunst hervorging. Es gibt heute kaum ein Lebensgebiet, auf dem die Anthroposophie als weltweite Bewegung nicht etwas anzubieten hat. Zu den bekanntesten Anwendungen anthroposophischer Erkenntnisse gehören Erziehung, Medizin, Heilpädagogik und Landwirtschaft.