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Der in Rom lebende Norwegisch-Amerikanischer Künstler Hendrik Christian Andersen (1872-1940) suchte Anfangs des 20. Jahrhunderts einen Ort, an dem er seine monumentalen klassizistischen Skulpturen aufstellen konnte. Er träumte von einer perfekten Metropolis, die mit Kunst gefüllt ist. Für die Planung zog er den französischen Architekten Ernest Hébrard bei. Andersen war davon überzeugt, dass die monumentale Beaux-Arts Architektur den Weltfrieden und internationale Harmonie herbeibringen würde.
Centre Mondial de Communication: Perspective Generale
Als Propagandavehikel für seine Stadtutopie gab Andersen ein aufwändig gestaltetes Buch mit dem Titel Création d’un centre mondial de communication (Paris, 1913-1918) heraus. Auf seiner Suche nach einem möglichen Ort für die Stadt verschenkte er das reich bebilderte Werk an Staatspräsidenten und andere wichtige Akteure. Auch dem damalige Rektor der ETH Zürich, Emil Bosshard, wurde ein Exemplar überreicht. Dieses von Andersen signierte Exemplar befindet sich heute in der Sammlung Alte Drucke.
Das Projekt Andersens erwies sich als Utopie – die Stadt wurde nie gebaut. Auch sein Glaube daran, dass die Kunst die Welt verändern könnte, fruchtete nicht. Das Stadtprojekt wurde von vielen als megalomanisch empfunden und Unverständnis schlug ihm selbst von Seiten seines engen Freundes Henry James entgegen. Trotz dieses Scheiterns kann Andersen als ein Vorläufer für spätere Stadtplanungen wie etwa die Konzepte Le Corbusiers angesehen werden. Bei der Betrachtung des Buches wird zudem klar, dass die Stadt, die nie gebaut wurde im Buch – wenn auch als Utopie – einen dauerhaften Ort gefunden hat.
Literatur:
Der Zwist zwischen Hendrik Andersen und Henry James ist im Briefwechsel zwischen den zwei Freunden dokumentiert: Beloved boy: letters to Hendrik C. Andersen, 1899-1915; edited by Rosella Mamoli Zorzi, Charlottesville: University of Virginia Press, 2004.