Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03485.jsonl.gz/297

Soziales & Wohlfahrt
Besonders der Patron, Carl Franz Bally war bekannt für die verschiedenen Einrichtungen zum Wohle seiner Arbeitnehmer. Nebst Arbeiterhäuser betrieb er seit 1879 ein Kosthaus. Zudem gründete er eine Krankenkasse und einen Konsumverein, legte einen öffentlichen Park an und förderte und unterstützte Schulen, Kindergärten, Feuerwehr und andere gemeinnützige Einrichtungen. Mit seiner grosszügigen, patriarchalischen Art wurde «Papa» Bally zur Legende.
Im Vergleich zur übrigen Schweiz begann Bally sehr früh „Wohlfahrtseinrichtungen“ zu gründen.
Die fortschreitende Mechanisierung, die von den beiden Söhnen von Carl Franz Bally forciert wurde, vergrösserte die Distanz zwischen Patrons und Arbeitern. Zudem führte die Mechanisierung zu tieferen Löhnen. 1894 und 1907 kam es zu Streiks, die Aussperrungen und Entlassungen zur Folge hatten. Die günstige Konjunktur und vermutlich auch die Einsicht der Firmenleitung führten in den folgenden Jahren dazu, dass der Arbeitsfriede gewahrt blieb. Eduard und Arthur Bally bemühten sich, das traditionell gute Verhältnis wiederherzustellen. Während des Ersten Weltkrieges wurden die Lohnausfälle teilweise entschädigt und Lebensmittel zu verbilligten Preisen abgegeben. Während des Generalstreiks blieb es in Schönenwerd ruhig.
Gegen Ende des Krieges machte sich die Firmenleitung an ein Projekt mit grosser Symbolkraft: Am Rande des Bally-Park wurde ein riesiges Kosthaus von einem der bekanntesten Architekten der Zeit, Karl Moser, erstellt. Das neue Kosthaus, im Volksmund wegen seiner auffälligen Gestalt «Parkhotel» genannt, konnte 1919 eingeweiht werden.
In den Krisen der 1920er und 30er Jahre schwanke der Mitarbeiterbestand von Bally um Tausende von Personen. So reduzierte sich beispielsweise der Bestand von einem Höhepunkt 1916 von über 7‘000 Mitarbeitern bis 1921 auf 4‘500.
Mehr als 1‘500 Menschen verloren ihre Stelle. Die sich daraus ergebenden Probleme liegen auf der Hand. Sie sind jedoch nie eingehend untersucht worden. Die Bemühungen der Firmenleitung, die Mitarbeiter an die Unternehmung zu binden, wurden mit neuen Mitteln und Ideen fortgesetzt und erweitert. Jahrzehnte lang erschien eine eigene Hauszeitung, Jubilare wurden ausführlich gefeiert und belohnt, es gab einen Sportklub, einen Hausverband und eine Bibliothek.
In der Hochkonjunktur der 60er und 70er Jahre änderte sich das Klima. Die traditionellen Mittel der Mitarbeiterbindung verloren langsam an Attraktivität. Zudem machte sich erneut ein Mangel an Arbeitskräften bemerkbar, der jetzt mit Gastarbeitern hauptsächlich aus Italien gedeckt wurde.