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Eine schwangere Frau lag eine Woche lang in einem Spital in Malta. Während der Ferien auf dieser malerischen Insel im Mittelmeer bekam sie Blutungen, die Plazenta hatte sich teilweise abgelöst. Ihre Tochter hatte keinerlei Überlebenschancen mehr, auch wenn ihr Herz noch schlug. Weil Malta, EU-Mitgliedsstaat seit bald 20 Jahren, eines der rigidesten Abtreibungsgesetze Europas hat, durften die ÄrztInnen die Schwangerschaft aber nicht beenden. Der Frau drohte nun eine tödliche Infektion. Ich kenne den Schmerz, wenn das Kind im Bauch tot ist. Wie kann man zusätzlich noch die Angst ertragen, sterben zu müssen, weil die Gesetze die nötigen medizinischen Massnahmen verbieten? Die Frau konnte schliesslich nach Spanien ausgeflogen werden, für die Malteserinnen freilich gibt es diese Möglichkeit nicht.
Am 22. Januar 1973 fällte der Supreme Court in den USA im Fall Roe v. Wade einen Grundsatzentscheid zum Abtreibungsrecht. Ab dann durfte eine Schwangere die Schwangerschaft abbrechen. Am 24. Juni 2022 hob der Oberste Gerichtshof diese Entscheidung wieder auf. Somit ist Abtreibung wieder Sache der Staaten. Mit unglaublichen Folgen. So wurde beispielsweise einer Frau in den USA unmittelbar danach mitgeteilt, dass ihr das Medikament, das sie gegen ihre Autoimmunerkrankung seit Jahren regelmässig einnehmen muss, nicht mehr verschrieben werden darf, weil es theoretisch auch für Abtreibungen verwendet werden könnte. Eine weitere Frau berichtete, dass ihr das Medikament für einen Schwangerschaftsabbruch in einer Apotheke nicht ausgehändigt wurde, obwohl sie ein Rezept ihrer Ärztin dafür hatte. Sie hatte ihr Kind in der 9. Schwangerschaftswoche verloren und musste mit diesem Medikament die Abstossung initiieren. Der Apotheker verweigerte die Herausgabe des Medikaments aufgrund seiner Überzeugung, wie er sagte.
Es hat sich abgezeichnet. Trump hat während seiner Amtszeit drei Vakanzen am Obersten Gerichtshof ersetzen können – mit äusserst konservativen Richtern. Schon 1973 war die Mehrheit der Richter Republikaner, aber trotzdem haben sie es mit Berufung auf die verfassungsmässig geschützte Privatsphäre für richtig befunden, dass der Entscheid für eine Abtreibung Sache der Frau ist. Eine Sache, in die der Staat nicht eingreifen darf. Ihr Körper, ihre Entscheidung. Das ist mit der heutigen Zusammensetzung im Supreme Court undenkbar. Dieser Rückschritt ist ein gesellschaftliches und politisches Erdbeben. Es ist ein grosses Glück, dass der aktuelle Präsident Biden ausdrücklich ermahnte, Proteste friedlich zu halten.
Das ist schwierig. Denn 26 Gliedstaaten haben die Abtreibung wieder weitgehend verboten. Auch im Falle von Vergewaltigung oder Inzest. Betroffene Frauen müssen, wenn sie das Geld und die Möglichkeit haben, in einen anderen Gliedstaat mit liberaleren Regelungen gehen. Haben sie das nicht, sind sie in grösster Gefahr. Frauen werden sterben. Denn kein Verbot von Abtreibungen hat je dazu geführt, dass es weniger werden. Ebenso, wie das Abtreibungsrecht nicht zu mehr Abtreibungen führt.
Was ich damit sagen will: Von heute Freitag an gerechnet werde ich in exakt 25 Tagen abreisen, um das nächste Jahr meines Lebens in genau diesem Land zu verbringen. In den USA. Einem Land, das das Recht der Frau über ihren eigenen Körper abgeschafft hat. Ich weiss nicht, ob und wenn ja, was das mit mir macht, dort zu leben. Aber ich werde – unter anderem – darüber berichten. Hier an dieser Stelle.
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