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Mit der Korrektion des Rheins im 19. Jh. durch Tulla wurde der Rhein in ein enges Bett von kaum 200 Metern Breite gezwängt. Zurück geblieben sind die Altwasser, abgetrennte Teile früherer Rinnen des Rheins, und Quellaufstösse am Fuss der Niederterrassenkanten, sogenannte Giessen. Das kalte und klare Wasser der Giessen war der Grund, weshalb in der Gemeinde St-Louis zwischen 1852 und 1858 eine Fischzuchtanstalt betrieben wurde. Sie war eine der ersten in Europa und diente unter anderem der Nachzucht des Lachses.
Heute beherbergen die historischen Gebäude der Fischzucht Verwaltungsräume und einen Ausstellungsraum des Naturschutzreservates «Petite Camargue Alsacienne». Ein weiteres Gebäude wird heute wieder für die Nachzucht von Lachsen genutzt, mit denen ein neuer Stamm dieser Fischart im Rhein aufgebaut werden soll.
Das Gebiet ist für die Besucher gut erschlossen. Verschiedene «circuits» (Rundgänge) wurden durch die einzelnen Lebensräume des Naturschutzgebietes angelegt. Östlich der Gebäude führt ein Weg auf einem Holzsteg mitten durch eine Gruppe von Kleingewässern. Hier können die verschiedenen Kleintiere oder Amphibienarten aus unmittelbarer Nähe betrachtet werden. Im Sommer kann die Balz der laut quakenden Wasserfrösche verfolgt werden. Ausgedehnte Trockenstandorte im Reservat der Petite Camargue Alsacienne liegen nahe des Rheins beim «Kirchener Kopf». Der mehrheitlich aus Kies und Sand bestehende Boden kann nur wenig Wasser und Nährstoffe speichern. Es entstehen orchideenreiche Halbtrocken- und Trockenrasen. Auf diesen können Tiere beobachtet werden, die in der Schweiz nur im Tessin, im Wallis oder im Genferseegebiet zu finden sind.
Die Petite Camargue ist das naturschützerisch bedeutendste Feuchtgebiet der Region. 2006 wurde das Reservat um wichtige Flächen erweitert. Es beherbergt viele seltene Arten von Röhrichtbewohnern wie den Rohrschwirl und den Zwergreiher. Auch Knäkente und Rohrweihe haben dort schon gebrütet. Der sehr seltene Purpurreiher hat es immerhin versucht. Der Eisvogel brütet in diesem Gebiet regelmässig, und der seltene Laubfrosch sowie der europäisch bedrohte Kammmolch kommen noch in grösseren Beständen vor.Als spezialisierte Arten von Kleingewässern warmer Gebiete kommen beispielsweise die Kleine Pechlibelle oder die Feuerlibelle vor. Die vielfältigen Gewässertypen beherbergen insgesamt 43 Libellenarten. In einem Quellaufstoss am Fusse des westlichen Abhangs wurde im Jahr 2000 die neue Kleinschneckenart Belgrandia gfrast beschrieben.
Auf einem Parcours mit einer Serie kleiner Weiher werden – vergleichbar einem Botanischen Garten – die im Gebiet vorkommenden Wasserpflanzen vorgestellt. Bisher sind 28 höhere Wasserpflanzen und sieben Armleuchteralgenarten nachgewiesen worden. Durch den lückigen Trockenrasen beim Kirchener Kopf führen kleine Pfade, von denen aus sich wärmeliebende Heuschreckenarten, die Gottesanbeterin oder die Weisse Vielfrassschnecke beobachten lassen. Letztere zieht sich tagsüber wie andere Schnecken warmer Gebiete an Pflanzenstängeln in die kühleren Bereiche etwa 20 Zentimeter über der Bodenoberfläche zurück. Auch Schmetterlinge wie Blutströpfchen oder Kronwicken-Dickkopffalter besiedeln die karge Vegetation. In den angrenzenden Gebüschen, die aus Sanddorn und weiteren wärmeliebenden Sträuchern zusammengesetzt sind, ertönt im Sommer der flötende Gesang der Nachtigall. Allein ihr unnachahmliches Konzert ist an einem schönen Sommerabend einen Ausflug in diesen Teil der Petite Camargue Alsacienne wert.
DK