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In Vergessenheit geratene Pulps 🤖
Was sind Pulps? Amerikanische Aequivalente der deutschsprachigen Groschenromane. Aber noch viel mehr. Sie waren die Superheldenvorläufer und beherrschten die Zeitschriftenstände, als die Comics noch als Comic Strips in den Zeitungen publiziert wurden. Viele später berühmt gewordene Autoren schrieben in ihren Anfängen für die Pulps. Unter ihnen Ray Bradbury, der bereits 1952 in seiner SciFi Kurzgeschichte „A Sound of Thunder“ den verheerenden Butterfly Effect beschrieb, obwohl der Begriff erst Jahre später geprägt wurde.
Sie sind für Sammler schwer zu fassen
Pulps sind nicht nur in der Schweiz, sondern allgemein in Europa nur schwer zu kriegen. Diese auf qualitativ minderwertiges Papier (englisch: pulp, sinngemäss: Holzbrei) gedruckten Geschichten erschienen in den USA zwischen ca. 1910 und 1950, bevor sie dem Siegeszug des Paperbacks (Taschenbuch) weichen mussten.
Eine treffende Definition von Pulp liefert der amerikanische Schriftsteller Algis Budrys (1931-2008): „Mit Pulp bezeichnete man zuerst eine bestimmte Art von Papier, dann eine bestimmte Sorte von Magazinen und schliesslich eine ganz spezielle Art des Schreibstils. Jede Stufe dieser Entwicklung resultierte aus der vorherigen.“ Treffender geht’s nicht. Wenn wir „Pulp Fiction“ hören, assoziieren wir es mit einer Mischung aus brutalem Krimi, Action, Gewalt und schnodderigem Dialog. Also die „ganz spezielle Art des Schreibstils“.
Wieso soll ich Pulps sammeln?
1. Wegen den grell-bunten Titelbildern, die oft bis an die Grenzen des Erträglichen gehen, was Kitsch und Trivialkunst hervorzubringen vermag. Sie sind Zeitzeugen einer anderen Ära und haben aus heutiger Sicht einen unglaublich nostalgischen Retro-Charme.
2. Wegen den Autoren, die ihre Geschichten in diesem Medium zum besten gaben: H. P. Lovecraft, Ray Bradbury, Robert Bloch, Robert E. Howard, Dashiell Hammett, Edmond Hamilton, Robert Silverberg, und unzählige andere in den Bereichen Fantasy, Horror, Science Fiction, Krimi, Wild West, Abenteuer und anderen Sub-Genres der Unterhaltungsliteratur.
3. Wegen den Serienhelden, die regelmässig ihre spannenden Abenteuer dort bestanden: Doc Savage, Conan, The Shadow, Operator 5, The Spider, und viele, viele andere.
Die Blütezeit der Pulps fällt in die 1930er Jahre, als in den USA die grosse Wirtschaftskrise das Leben der Menschen bestimmte. In diesen mageren Jahren versuchten viele, das grosse Elend zu vergessen und für 10 Cents (soviel kosteten die meisten Pulps damals) zumindest für die Zeit der Lektüre in wunderbare Fantasiewelten abzutauchen. Andere wiederum nutzten die Zeichen der Zeit, wechselten den Beruf und schrieben für die Pulps. Oder gründeten sogar Verlage, um Pulps herauszugeben.
Pulps als Sammelobjekte
Heute tut sich jeder Sammler schwer, an gut erhaltene Hefte aus diesen Tagen heranzukommen, weil das grottenschlechte Papier nicht immer ideal gelagert wurde und nach vielen Jahrzehnten hoffnungslos vergilbt ist und oft zerbröselt. Das Sammeln von Pulps ist in den USA weit verbreitet und hat auch ein grosses Fandom, auch wenn es bei weitem nicht an die Grösse der Comicsammler Community heranreicht.
Der Heilige Gral der Pulpsammler, also das Gegenstück zu Action Comics #1 bei den Comicfans, dürfte wohl The All-Story vom Oktober 1912 sein. In diesem Pulp erschien Dschungelheld Tarzan von Edgar Rice Burroughs zum ersten Mal! Es erzielt zwar noch keine Preise in Millionenhöhe wie sein Comic Pendant Action #1, wird aber doch schon in 5 bis 6 stelligen Dollarbeträgen gehandelt.
Wusstet Ihr, dass einer der Vorbilder für die Erschaffung von Superman der Pulp-Serienheld Doc Savage war? Die Pulps WAREN in der Tat die Väter der Superheldencomics!
Captain Collectors subtile Superheldentrivia