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Canzlei des Stadtrathes
ZÜRICH.
MHHerrn Dr Alfred Escher.
Zürich, den 4. September 1864.
Hochgeachteter Herr!
Auf Wunsch meines Schwiegervaters, des Herrn Hanhart-Solivo. in Dietikon, erlaube ich mir, Ihre Aufmerksamkeit auf eine wesentlich die Nordostbahn betreffende Angelegenheit zu wenden, welche möglicher Weise durch die an der Linie Zürich–Baden stattfindenden Bauten in einer den verschiedenen Interessen zuwiderlaufenden Weise präjudicirt werden könnte. Vielleicht ist Ihnen nämlich bekannt, daß Herr Hanhart das Gefäll der Limmat in Spreitenbach zur Anlegung eines Wasserwerkes von 400–500 Pferdekräften verwendet hat, um daran successiv ein ausgedehntes Baumwollenetablissement (Spinnerei und Weberei) anzulegen. Der Kanal selbst geht seiner Vollendung entgegen, – und das Gleiche ist der Fall hinsichtlich der ersten Abtheilung der Hochbauten. Es wäre nun Herrn Hanhart bei den bedeutenden Bezügen an Baumwolle und Steinkohle, – die er zu machen haben wird, begreiflicher Weise sehr erwünscht, eine Bahnstation in der Nähe seines Etablissements zu erhalten. Er glaubt auch, daß diese Stationsanlage statt derjenigen in Killwangen im Interesse der Nordostbahn stattfinden dürfte, da durch eine Brückenlage bei seinem Etablissement über die Limmat die Bewohner des rechten Limmatufers der Nordostbahn in vortheilhafterer Weise zugeführt würden, und da auch die Gemeinde Spreitenbach eintretenden Falls entschlossen wäre, durch eine Straßenbaute über den Berg eine Mehrzahl von Gemeinden des Freien Amtes an der Station zu betheiligen. Ich verkenne nun zwar nicht und habe meinen Schwiegervater darauf aufmerksam gemacht, welche Schwierigkeiten mit der Verlegung einer bestehenden Station verbunden sind, und daß vielleicht die Aufgebung der Station Killwangen nur gegen Erstellung von 2 neuen Stationen in Spreitenbach und Wettingen erhältlich wäre; | in einem solchen Falle wären aber sowohl mein Schwiegervater als Herr Wild in Wettingen zu erheblichen Leistungen an die Baukosten bereit. Daher erlaube ich mir, in ganz privater Weise Ihnen die Wünsche und Gedanken des Herrn Hanhart– Solivo in dieser Angelegenheit mitzutheilen, ohne Ihnen zuzumuthen, sich diesfalls Solivo weiter zu bemühen, falls etwa bereits endgültige Beschlüsse darüber gefaßt sein sollten; wäre dagegen die Frage noch eine offene, so wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie mich gelegentlich wissen lassen könnten, in welcher Weise die sich für eine Station Spreitenbach Interessirenden eine Erfüllung Ihrer Wünsche am passendsten anstreben, und welche Anerbietungen allfällig von Ihnen von vornherein verlangt würden, ehe näher auf die Sache eingetreten würde. Gerne wäre ich bereit, Ihre Ansichten hierüber persönlich entgegenzunehmen, falls Sie mir hiefür eine Zeit bestimmen wollten.
Gerne benutze ich übrigens diesen Anlaß, Sie meiner wahren Hochachtung zu versichern.
Ihr freundschaftlich ergebener
Dr E. Escher