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Susanne Baumgartner
Jugendliche sind die Hauptnutzer des Internets und verbringen einen Großteil ihrer Freizeit mit dem Internet. Neben den vielen Möglichkeiten, die das Internet Jugendlichen bietet, birgt das Internet jedoch auch gewisse Gefahren für Jugendliche (Livingstone & Helsper, 2007). So verhalten sich einige Jugendliche im Internet eher risikoreich, in dem sie zum Beispiel intime Informationen an Fremde im Internet weitergeben. Trotz vermehrtem Forschungsinteresse in diesem Bereich, gibt es noch kaum Langzeitstudien zu diesem Thema. Insbesondere wurde noch nie untersucht, wie sich das Online-Risikoverhalten während der Jugendzeit entwickelt und ob bestimmte Gruppen von Jugendlichen verschiedenen Entwicklungsverläufen folgen.
Obwohl lange angenommen wurde, dass Risikoverhalten generell während der Jugendzeit ansteigt und im Übergang zum Erwachsenenalter wieder abnimmt, deuten neuste Erkenntnisse darauf hin, dass dieser typische Entwicklungsverlauf eben nicht für alle Jugendlichen gilt, sondern dass sich vielmehr verschiedene Gruppen von Jugendlichen unterscheiden lassen, die ganz unterschiedliche Entwicklungsverläufe durchlaufen (Moilanen et al., 2010). Die Identifizierung dieser Gruppen ist besonders für die Prävention von Risikoverhalten bedeutend, da so frühzeitig Jugendliche identifiziert werden können, die problematischeren Entwicklungsverläufen folgen.
Ziel der vorliegenden Studie ist es somit spezifische Entwicklungsverläufe von problematischem Internetverhalten Jugendlicher zu identifizieren. Zu diesem Zweck wurde eine Langzeitstudie mit 1762 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren durchgeführt. Jeder Jugendliche wurde viermal befragt mit 6-monatigem Abstand. Insgesamt ergab sich somit eine Alterspanne von 12 bis 19 Jahren. Die Daten wurden anhand eines gruppenbasierten Ansatzes analysiert (Nagin, 2005).
Drei verschiedene Gruppen Jugendlicher konnten identifiziert werden, die ganz spezifischen Entwicklungsmustern folgten (s. Abbildung). Während ein Grossteil der Jugendlichen (70.2%) überhaupt keine Online-Risiken eingingen, zeigten 22.9% der Jugendlichen geringes Risikoverhalten mit einem leichten Anstieg in der Mitte der Jugendzeit. Eine dritte, kleinere Gruppe (6.9%) zeigte den typischen Verlauf von Risikoverhalten, mit einem starken Anstieg des Risikoverhaltens bis zum Alter von 16-17 Jahren und einem darauf folgenden Abfall des Risikoverhaltens in den späteren Jahren der Adoleszenz. Diese drei Gruppen von Jugendlichen, die den unterschiedlichen Entwicklungsverläufen folgten, konnten auch anhand einer Anzahl an Prädiktoren unterschieden werden. So waren Jugendliche in der dritten Gruppe u.a. weniger zufrieden mit ihrem Leben, waren eher Sensation-Seeker und hatten ein schlechteres Verhältnis zu ihren Eltern. Zusammenfassend verdeutlichen die Resultate, dass gruppenbasierte Ansätze sehr nützlich sind um der Heterogenität des Online-Risikoverhaltens Rechnung zu tragen und um Jugendliche, die problematischeren Entwicklungsverläufen folgen (Risikogruppen) von denen zu unterscheiden, die dieses Verhalten nicht oder nur in geringem Ausmaß zeigen.