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Wanderbriefe an ein Weltkind
Bevor Jakob Schaffner sich zum Nationalsozialismus bekannte, zählte er zu den renommiertesten Autoren der Schweiz. Nach einer schweren Anstaltsjugend und einer Schuhmacherlehre hatte Schaffner früh zu schreiben begonnen. Er fand auch in Deutschland rasch Beachtung, und man versprach sich von ihm, dass er die Schweizer Literatur aus ihrer lokalen Beengung hinauszuführen vermöchte. Kürzlich wurde sein autobiografischer Roman «Johannes» aus dem Jahr 1922 neu veröffentlicht.
Der Roman «Hans Himmelhoch», der 1909 im angesehenen Berliner S. Fischer Verlag erschien, später aber nie mehr aufgelegt wurde, ist Schaffners kühnstes Buch. Beim Titelhelden handelt es sich um einen jungen Schweizer, den das Bedürfnis, aller bürgerlichen Enge zu entkommen, zuerst nach Berlin führt. Eine reiche Berlinerin, die sich von der Frische des kecken Ausbrechers ebenso angezogen fühlt, wie dieser von der mondänen Grossstadt, nimmt ihn zum Geliebten, hält ihn finanziell aus und lässt ihn andere europäische Metropolen bereisen. Von dort schreibt er ihr die Briefe, aus denen der Roman besteht. «Himmelhoch» ist ein egozentrischer und vollmundiger Berichterstatter, und das Buch lässt offen, ob es ihn nun eigentlich als Genie der Selbstverwirklichung feiern oder als Angeber denunzieren will. Bemerkenswert ist, wie es Schaffner gelingt, die Aufbruchstimmung in einer erregten, hochfahrenden Sprache Form werden zu lassen, die auf den Expressionismus vorausweist.
Der Neudruck von «Hans Himmelhoch» ist mit einem von Christof Wamister verfassten Nachwort versehen, das den Roman in den biographischen, literatur- und kulturhistorischen Kontext stellt. Der Anhang präsentiert ausserdem Auszüge aus bisher unveröffentlichten Briefen Schaffners an den Basler Literaturkritiker Prof. Albert Gessler, die Einblicke in die Entstehungsbedingungen des Romans geben, durch den Kontrast zu den fiktiven Romanbriefen aber auch deren überdrehten, stilisierten Ton verdeutlichen.
Verehrter Leser, Sie können dies Buch nicht wohl zur Hand nehmen, ohne daß Sie die Absicht hätten, sich damit zu beschäftigen. In diesem Fall bin ich Ihnen eine Aufmerksamkeit schuldig: ich muß Ihnen in kurzen Worten sagen, was es mit dem Buch und mit Ihnen in Bezug darauf für eine Bewandtnis hat. Um von seiner äußeren Form zu reden, so hat es sie aus leicht verständlichen Gründen in einem Kreis bekommen, dessen Mittelpunkt eine Frau und dessen Inhalt das Universum ist. Sie stehen ebenfalls innerhalb des Kreises. Alle Dinge stehen innerhalb des Kreises. Der Kreis selber ist imaginär. Er wird Sie genau so eng oder so weit umspannen, als Ihr Blick reicht. Ich freilich sehe keinen Kreis mehr; nur Formen und Möglichkeiten. Auch Sie sind für mich eine Form und eine Möglichkeit. Vielleicht komme ich mit Ihnen zu einer Gestaltung. Vielleicht haben Sie schon gestaltet. Vielleicht sind Sie aber alt und unfruchtbar.
Betrachten Sie mich als einen ideellen Aviatiker und dieses Buch als meinen Aeroplan, mit dem ich von d