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Filmkritik: It's the end of the world as we know it
Drei Geschichten erzählen vom Weltuntergang: 1. Der junge Forscher Seok-woo wird von seiner Familie zum Putzdienst abkommandiert. Bei der Abfallentsorgung gelangt ein sonderbar verschimmelter Apfel über den Kompost in die Nahrungskette und schliesslich ins Rindfleisch. Bei einem Date infiziert sich Seok-woo durchs Essen mit einer seltsamen Krankheit, die hochansteckend ist und die Menschen gewalttätigen Zombies macht. Bald greift das Virus auf das ganze Land und schliesslich auf die ganze Welt über.
2. Ein Mechaniker für Roboter wird in ein buddhistisches Kloster gerufen: Ein RU-4-Roboter habe die absolute Erleuchtung erreicht. Nun muss der junge Mann bestimmen, ob der Roboter defekt ist oder nicht. Die Herstellerfirma des Roboters hält diesen jedoch für eine Gefahr für die Menschheit und will ihn demontieren lassen.
3. Das kleine Mädchen Min-seo zerbricht die Achterkugel ihres billardbegeisterten Vaters. Auf einer seltsamen Website bestellt sie eine Ersatzkugel. Zwei Jahre später steht der Weltuntergang bevor: Ein Asteroid rast auf die Erde zu und wird schreckliche Schäden verursachen. Min-seo und ihre Familie ziehen in einen Bunker unter ihrem Haus. Als erste Bilder des Asteroids veröffentlicht werden, erschrickt Min-seo, denn dieser sieht genau aus wie die von ihr bestellte Billardkugel...
Weltuntergangsszenarien werden mal mit der grossen Kelle angerührt und finden dann oft mit riesigen Blockbustern den Weg in unsere Kinos, mal geht's leiser vonstatten, etwa in Filmen wie Melancholia. Doomsday Book setzt dem Ganzen noch einen obendrauf und zeigt in Kurzfilmlänge, wie die Menschheit mit ihrem Ende konfrontiert wird - und das gleich in dreifacher Ausführung.
Ursprünglich war der Film als Kollaboration der koreanischen Regisseure Kim Ji-woo (I saw the Devil), Yim Pil-sun und Han Jae-rim konzipiert, bei der jeder für eines der drei Filmsegmente verantwortlich zeichnete. Gedreht wurde bereits 2006; nachdem Kim Ji-woo und Yim Pil-sun ihre jeweiligen Kurzfilme abgedreht hatten, versiegte jedoch unerwartet der Geldhahn und das Projekt musste für Jahre auf Eis gelegt werden. Erst 2010 wurde es dank neuer Geldgeber wiederbelebt. Weil der Dritte im Bunde inzwischen nicht mehr zur Verfügung stand, realisierten Kim und Yim die dritte Geschichte der Filmanthalogie schliesslich gemeinsam.
Doomsday Book setzt das klassische Science-Fiction-Motiv der bevorstehenden Vernichtung der Menschheit auf ganz unterschiedliche Weise um und erinnert mit dem Erzählen dreier voneinander unabhängiger Geschichten stark an Science-Fiction-Anthologien aus Literatur oder TV-Formaten. Während der ersten (A Brave New World) und der dritten Geschichte (Happy Birthday) viel Humor beigemischt wurde, nimmt sich vor allem die zweite Geschichte (The Heavenly Creature) weitaus ernster. In zwar schönen, aber bewusst steril gehaltenen Bildern zeichnet dieses Segment das Bild einer Zukunftsgesellschaft, die Roboter braucht und gleichzeitig fürchtet. Die Gesellschaftskritik ist hier jedoch etwas gar offensichtlich formuliert und kippt zuweilen stark ins Pathetische ab. Überhaupt wirkt dieser zweite Teil des Filmes (bis auf die Situierung in einem buddhistischen Kloster der Zukunft) über weite Strecken äusserst vertraut und vermag deshalb kaum Spannung aufzubauen.
Wenn aber Zombies die Welt erobern und dabei immer wieder gelacht werden darf, wenn beim Nahen eines womöglich fatalen Asteroiden nicht der nahende Untergang im Zentrum steht, sondern die peinlichen (und teils saukomischen) Ausrutscher der Medienschaffenden, dann hat ein Film etwas richtig gemacht. Die drei Geschichten von Doomsday Book sind zwar nicht alle gleich interessant, ihre Umsetzung ist jedoch tadellos: Schöne, durchkomponierte Bilder, attraktive und stets sympathische Protagonisten sowie zahlreiche freche Ideen machen den Film vielleicht nicht zu einem Klassiker des Genres, sehr wohl aber zu einem beachtlichen Hingucker.
Petra Schrackmann [pps]
Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).