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Die Schrift ist ein Artefakt, und das bedeutet, eine Schrift kann gut oder schlecht sein, was man von einer Sprache nicht so ohne weiteres würde sagen wollen. […] Bei einer Schrift fällt das leichter, ähnlich wie etwa bei einem Zahlennotationssystem. […] Tatsache ist freilich, dass sich die Menschen davon viel weniger leicht überzeugen lassen als im Falle von Zahlennotationssystemen oder dass sie weniger darum geben, dass eine Schrift besser ist als eine andere. Wenn man sich daran erinnert, wie viele durchaus vernunftbegabte (wenn auch nicht immer vernünftige) Menschen sich darüber ereifern konnten, ob man «Schifffahrt» mit zwei oder drei «f» schreiben soll, erkennt man sofort, dass hier technische, kulturelle und soziale Aspekte der Schriftlichkeit ineinander greifen und dass sich Schrift nicht so leicht auf eine reine Technik reduzieren lässt.
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Coulmas, Florian
Das interessanteste Konzept, das die Fachleute beschäftigt, ist das eines neuen Mediävismus, nämlich eines Gesellschaftssystems, in dem die internationalen Dimensionen der politischen und der Rechtsordnung anerkannt und in den Vordergrund gestellt werden. Das Rechtsmonopol des Staates wird gebrochen, und übergreifende Formen der Autorität werden akzeptiert. Die neue Mittelalterlichkeit ist vor allem für Minderheiten in Grenzgebieten attraktiv. Sie würde es zum Beispiel den Basken und Katalanen auf beiden Seiten der spanisch-französischen Grenze erleichtern, auf bestimmten Ebenen wie Kultur und Schule Verwaltungseinheiten zu bilden. Die niederländisch-flämische Sprachunion ist eine grenzübergreifende Organisation, die auf die Sprachgemeinschaft, nicht die nationale Gemeinschaft bezogen ist. Die deutsche Rechtschreibreform wurde von Vertretern aller deutschsprachigen Länder beraten.
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