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Der brasilianische Volksmund nennt diesen beliebten kleinen Vogel “João-de-barro“ (Lehmhans), weil er sein halbkugelförmiges Nest aus Lehm konstruiert. Sein wissenschaftlicher Name ist Furnarius rufus – sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Brasilien, Bolivien, Paraguay, Uruguay und Argentinien. Er bevorzugt offenes Gelände, Sumpflandschaften, ist aber auch in Menschennähe anzutreffen. Er ist so beliebt, dass ihn die Argentinier sogar zu ihrem Nationalvogel gemacht haben.
Beschreibung
Das erwachsene Männchen hat eine rötlich-braune Oberseite mit einigen hellen Rändern an Rücken und Bürzel. Auf den Oberflügeln sind die Deckfedern und die Sekundärfedern rotbraun, während die Primärfedern stumpfer, eher bräunlich sind. Wir können die blasse, bräunliche Krümmung des Flügels sehen. Der Schwanz ist relativ kurz. Die Oberschwanzdecken sind rotbraun. Die Schwanzfedern sind dunkler.
Auf der Unterseite ist die Kehle weißlich, die Brust ist blass und der Bauch noch blasser. Die Flanken sind dunkel, die Unterschwanzdecken sind weiß. Auf dem Kopf ist die Stirn rötlich-braun und geht in einen stumpfen bräunlichen Scheitel und Nacken über. Wir können einen undeutlichen, hellen, rötlichen Streifen über den Augen sehen. Die Lider und der Bereich der Ohrmuscheln sind hell rötlich. Die Ohrdecken sind dunkler. Kinn und Kehle sind weißlich.
Der schlanke, fast gerade Schnabel hat einen grauen oder dunkelbraunen Oberkiefer, während der Unterkiefer heller ist und eine dunkle Spitze hat. Die Augen sind rötlich-braun bis zimtfarben. Beine und Füße sind grau, braun oder schwärzlich. Beide Geschlechter sind ähnlich. Jungtiere haben eine blassere Unterseite.
Der Rosttöpfer hat vier Unterarten
- Furnarius rufus
- Furnarius rufus albogularis ist kleiner. Der Scheitel ist dunkler und grauer. Die Unterseite ist blasser.
- Furnarius rufus commersoni ist ähnlich wie die vorherige Art, mit röterem Rücken und hellerem Unterteil.
- Furnarius rufus paraguayae hat eine rötlichere Stirn und Nacken.
Ein hinreißender Gesang
Der Gesang des Rosttöpfers besteht aus einer langen Reihe von lauten „kwiiiip“-Rufen, die oft mit langsameren, klagenden Tönen enden und in der Regel vom Paar im Duett vorgetragen werden.
Vogelruf:
Der Ruf umfasst scharfe „jiiiit“ oder „krip“, die in einer Reihe geäußert werden. Beide, Männchen und Weibchen, verständigen sich durch laute metallische Töne.
Lebensraum
Der Rosttöpfer ist in seinem Verbreitungsgebiet sesshaft. Er hält sich auf Weiden und kultivierten Flächen, in offenen Lebensräumen mit nacktem Boden, im Gebüsch von Parks und Gärten auf und kann auch in der Nähe von Wohngebieten angetroffen werden. Er ist häufig in der Nähe von Gewässern – Flüssen, Seen und Teichen – anzutreffen.
Ernährung
Der Rosttöpfer ernährt sich hauptsächlich von Insekten und Spinnen sowie von einigen Samen. Wirbellose Tiere, darunter Regenwürmer, Schnecken und Larven, werden ebenso wie die Samen vom Boden aufgenommen. Die Küken werden hauptsächlich mit Insekten wie Grillen und Insektenlarven gefüttert.
Verhaltensweise
Der Rosttöpfer ernährt sich hauptsächlich von verschiedenen wirbellosen Tieren, Spinnen und einigen Samen. Der Vogel sucht allein oder in Paaren nach Nahrung. Er geht auf der Suche nach Wirbellosen und Samen auf dem nackten Boden oder zwischen abgestorbenen Blättern umher und sticht oft mit dem Schnabel in den Schlamm.
Während viele Furnariidae nachts in ihren Nestern schlafen, zieht es der Rosttöpfer vor, in der dichten Vegetation, aber in der Nähe seines Nestes, zu schlafen. Wenn die Brutzeit naht, besonders während des Nestbaus, präsentieren die Partner einige verblüffende Kunststücke. Für den Bau eines solchen Nestes benötigen sie zwei bis drei Monate (manchmal aber auch nur zwei Wochen), und diese Zusammenarbeit spielt eine bedeutende Rolle in der Stärkung der Paarbindung.
Einer der Vögel befindet sich auf dem Nestdach mit Schlamm im Schnabel. Er steht aufrecht, mit gesenkten Flügeln und nach oben gerichtetem Schnabel, während sein Partner, vom Nesteingang aus, laut nach ihm ruft. Diese stimmlichen und visuellen Darbietungen und das auffällige große Nest werden von ihnen auch als Werbung für ihr Territorium genutzt. Eindringlinge werden durch Jagen und Kämpfen vertrieben, begleitet von lautem Geschrei.
Der Rosttöpfer wird oft beim Sammeln von Nistmaterial auf dem Boden beobachtet. Er ist in seinem Verbreitungsgebiet sesshaft, und die Paarbindung dauert wahrscheinlich über die Brutzeit hinaus an.
Flugeigenschaften
Der Rosttöpfer hat relativ kurze, abgerundete Flügel, was auf sein sesshaftes Verhalten und das Fehlen einer Nahrungssuche in der Luft hinweist. Er fliegt nur, um sich zwischen zwei Orten zu bewegen, und das auch nur über kurze Strecken.
Nestbau
Die Brutzeit fällt hauptsächlich in den tropischen Frühling und Sommer – also ab September. Der Rosttöpfer ist für sein wunderschönes, halbkugelförmiges Nest bekannt. Dieses geräumige Nest wird aus Lehm, Schlamm und Pflanzenmaterial gebaut. Es ist mit 20 bis 30 cm Durchmesser groß und 20 bis 25 cm hoch. Die Wände sind etwa 3 bis 5 cm dick. Eine solche Struktur kann zwischen 3 bis 5 kg wiegen.
Die Wände, die aus Lehm und Pflanzenmaterial oder Dung bestehen, sind im trockenen Zustand steinhart. Es handelt sich um die typische „Lehmtechnik“, die auch von den Menschen des trockenen brasilianischen Hinterlandes einst für die Konstruktion ihrer Hauswände in Gebrauch war. Das Nest befindet sich bis zu 8 m über dem Boden, meist auf einem freiliegenden Ast oder einer anderen geeigneten Struktur, manchmal aber auch, in kahlen Gebieten, direkt auf dem Boden.
Die Struktur ist durch eine Wand unterteilt, die den Eingang von der Nestkammer trennt. Die Ausrichtung des Nesteingangs kann variabel sein und ist entgegen der Wind- oder Niederschlagsrichtung angeordnet. Manche Nester haben auch zwei Eingänge, während andere nur einen oberen Eingang haben.
Trotz der Arbeit und der Energie, die in ein solches Nest investiert werden, verwendet der Rosttöpfer, wie auch andere seiner Verwandten, das Nest niemals wieder, sondern bauen ein neues, oft über dem alten Nest. Man findet oft zwei oder drei kugelförmige Nester übereinander auf einem freiliegenden Ast. Diese verlassenen Nester werden dann allerdings von mehreren anderen Vogelarten gerne genutzt.
Fortpflanzung
Diese besondere Bauweise ihrer Nester ermöglicht diesen Vögeln einen hohen Bruterfolg und einen guten Schutz vor Raubtieren. Allerdings wird diese Art häufig vom “Glänzenden Kuhstärling“ (Molothrus bonariensis) parasitiert, dessen Eier jedoch in der Regel von den Rosttöpfern erkannt und ausgestoßen werden.
Das Weibchen legt in der Regel 2 bis 4 Eier. Die Brutzeit dauert etwa 14 bis 18 Tage und wird von beiden Eltern geteilt. Die Küken werden von beiden erwachsenen Vögeln aufgezogen und gefüttert, die sich auch alle Nistaufgaben teilen.
Die Jungen werden etwa 23 bis 26 Tage nach dem Schlüpfen flügge und sind zwei bis drei Wochen lang von ihren Eltern abhängig. Sie bleiben weitere 4 bis 9 Monate im elterlichen Revier. Die Jungen können beim Nestbau helfen, werden aber von den Eltern angegriffen und vom Bau weggejagt. Diese Art kann zwei Bruten pro Saison hervorbringen.
Bedrohungsstatus
Der Rosttöpfer ist in den meisten Teilen seines Verbreitungsgebiets. in geeigneten Lebensräumen, oft sogar zahlreich. Seine Art ist derzeit nicht bedroht.
Der “Joao-de-barro” in der Mythologie
Das Nest wird gemeinsam von Männchen und Weibchen gebaut, letzter ist auch als “Joaninha-de-barro“ oder Maria-de-barro“ bekannt. Wie gute Architekten bauen João und Maria eine Wand im Innern des Hauses, eine Art Trennwand, die den Eingang vom eigentlichen Nest trennt – um Zugluft zu vermeiden und den Zugang möglicher Raubtiere zu verhindern. Schließlich weiß jede Mutter, wie wichtig es ist, Ruhe zu haben, um sich dem Neugeborenen zu widmen.
Der Bau des Nestes dauert zwischen ein bis zwei Monaten, je nachdem, ob es regnet oder trocken ist. und somit mehr oder weniger Lehm in der Natur vorhanden ist. Obwohl sie beim Bau des Nestes sorgfältig vorgehen, variieren die Vögel gerne. In der Regel nutzen sie nicht in zwei aufeinanderfolgenden Jahreszeiten dasselbe Haus, sondern scheinen ihre Nester zu wechseln. Das Männchen hat einen schlechten Ruf.
Und obwohl es sich um einen Vogel handelt, der für seine Fähigkeiten geliebt wird, gilt das Männchen als eifersüchtig und rachsüchtig, wie das Lied von Sérgio Reis vermuten lässt:
„Blind vor Schmerz schloss er die Tür seines Hauses ab und ließ seine Geliebte dort für den Rest ihres Lebens gefangen“.
Diese Berühmtheit mag damit zusammenhängen, dass andere Artgenossen die Brutzeit des João-de-barro ausnutzen, um seine Eier in dessen Nest zu legen und es Joãos Familie zu überlassen, ihre Kleinen aufzuziehen – ein weiteres „Opfer“ dieser Praxis ist der Sabiá.
Die angebliche Praxis, das Weibchen im Nest einzumauern, wird nicht nur in dem erwähnten Lied geschildert, sondern ist Teil vieler Legenden. Wissenschaftlich gesehen gibt es jedoch keinen Beweis dafür, dass dies tatsächlich der Fall ist.
João-de-barro Legende
Es wird erzählt, dass es mal einen Mann namens João gab. Er war sehr freundlich und baute Häuser aus Lehm und Gras, wobei er immer darauf achtete, sie in der richtigen Position (zum Sonnenaufgang hin) auszurichten. Er war sehr hilfsbereit und verlangte nichts für den Bau von Häusern. Doch nach so viel Anstrengung starb João schließlich vor Erschöpfung.
Alle, die ihn kannten, weinten über Joãos Tod. Um sie zu trösten, schuf Gott den Vogel „João-de-Barro“, der sein Haus aus Lehm und Gras baut und es immer zum Sonnenaufgang hin ausrichtet.
Eines Tages, so heißt es, hatte der einen Streit mit einem Sabiá, der ihn aus seinem Nest vertrieb, das sich noch im Bau befand. Sein Weibchen, die ihm beim Bau des Nestes geholfen hatte, baute weiter, als sei nichts geschehen – als João bemerkte, dass sie ihre Liebe einem andern geschenkt hatte, verstopfte er eines Nachts den Eingang des Nestes und verschloss sie darin für immer.