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«Ich gelobe ewigen Hass dem Handel!», schwor er mit sieben. Damals wusste der 1772 in Besançon geborene Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers noch nicht, dass er seinen Lebensunterhalt als Kaufmann bestreiten und sogar als Makler arbeiten würde, der «mit den Lügen Anderer hausirt und diesen Lügen seine eigenen hinzufügt». Wie gern wäre der neugierige Knabe Wissenschaftler geworden! Der Tod des Vaters aber hatte seine Pläne durchkreuzt, die Mutter bestand auf einer Kaufmannslehre. Dass er auf Geheiss eines Vorgesetzten eine Schiffsladung Reis im Meer versenken musste, um den Preis in die Höhe zu treiben, förderte die Sympathie gegenüber dem betrügerischen Berufsstand nicht. Und so widmete er sich nachts den schöneren Dingen des Lebens: dem Studium von Anatomie, Physik, Chemie, Astronomie und Naturgeschichte. Mit den Ideen der Französischen Revolution konnte er sich nicht anfreunden, zumal er sah, dass sich die gesellschaftlichen Deformationen – Lüge, Betrug, Heuchelei, Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt – nur verstärkten.
Langsam aber nahmen die Gedanken in seinem Kopf Gestalt an: 1808 veröffentlichte er eine Gesellschaftskritik, die er mit einem detailliert ausgearbeiteten Gegenmodell verknüpfte. Dabei liess er kein Tabu aus, geisselte Familie und Ehe als heuchlerisch und unsozial, forderte Gleichberechtigung und die sexuelle Selbstbestimmung von Mann und Frau und stellte den Phalanstère vor, einen freiwilligen Zusammenschluss der Menschen zu grossen Lebens- und Arbeitsgemeinschaften. Wegen seiner provokanten Thesen umstritten und verlacht, erlangte er erst gegen Ende seines Lebens eine gewisse Berühmtheit. Heute gilt der 1837 verstorbene Utopist als Vater des Anarchismus und erster Feminist. Wer war der Philosophenverächter, für den eine freie Gesellschaft nur mit einer befreiten Sexualität zu haben war?
Wir fragten nach dem frühsozialistischen Gesellschaftstheoretiker Charles Fourier (1772–1837), dessen Gedanken vor allem zur freien Liebe in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurden («Aus der Neuen Liebeswelt. Über die Freiheit der Liebe»). Die Grundlagen seiner Gesellschafts- und Kosmostheorien hielt Fourier erstmals 1808 im Buch «Die Lehre der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen» fest.