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January 17, 2015 / erstellt am: January 17, 2015

aufgefallen, gefallen, Musik
America for BeginnersSo genau weiss ich es nicht mehr, aber ich vermute, dass eher die Musik ausschlaggebend war und weniger die engagiert-kritischen Texte, die mich dazu bewogen 1988 die Langspielplatte «Modern Times» (noch auf Vinyl) zu kaufen. Wahrscheinlich hörte ich ein Lied im Radio, das mir gefiel und fand irgendwie heraus von wem es war. Damals gab es ja noch kein Internet. Erst kürzlich geriet mir diese LP von Latin Quarter wieder in die Hände. Ich hatte sie komplett vergessen. Weder an den Namen der Band noch an ihre Musik konnte ich mich erinnern.
Besonders das melancholische Lied «America vor Beginners» hatte es mir angetan. Damals. Dass es darin gegen einen Rechtsruck in den USA seit dem Amtsantritt von Ronald Reagan geht, war mir egal. Mir gefiel die Musik und gefällt mir auch heute noch. Der ruhige Rhythmus, der wohlige Klang eines Harmoniums, die unaufgeregte Stimme des Leadsängers im Vordergrund und die dezente Frauenstimme im Hintergrund. Und dennoch machte es sich natürlich gut, das Lied im Englischunterricht im Gymnasium zu übersetzen und zu interpretieren.
Was macht das Weisse Haus weiss? Ist es Kreide? Ist es Nebel? Oder ist es Angst? Bleiben sie die halbe Nacht auf und schicken jemanden Bier holen? Muss Bonzo jetzt ins Bett? (In der Filmkomödie «Bedtime for Bonzo» von 1951 spielt Ronald Reagan neben dem Schimpansen Bonzo die Hauptrolle.) Ist es Zeit für eine Veränderung? Ist es eine geschmacksfreie Fertigmahlzeit für den Abend vor der Glotze? - Amerika für Anfänger. Der Klang einer Glocke mit einem Riss. Sogar die «Swinger» der freizügigen 6Oer Jahre schwenken politisch nach rechts. Zur besten Sendezeit erscheint die Bürgerwehr auf dem Bildschirm in Sendungen über den «gerechten Kampf». Was für ein Start in den Tag mit einem dreifachen «K» (Ku-Klux-Klan). Für die Sünder gibt es keine gesponserten Fernsehprogramme. Stattdessen wird der elektrische Stuhl wieder eingeführt. Am Abend trägst du massgeschneiderte Jeans und eng geschnittene Satinhemden. Aber pass auf: lm Central Park und in Uptown Manhattan lauert Gefahr. Sieh zu, dass du vorne dabeibleibst, nur für Gewinner haben sie Zeit übrig. Das Sternenbanner weht überall. Männer in schwarzen Anzügen fahren in unauffälligen Autos. In Dritte-Welt-Kneipen schlürfen sie einen Whiskey. Sie sitzen am Rande des Abgrunds.
Die britische Band Latin Quarter hatte abgesehen von vielleicht «Radio Africa» nie einen grossen Hit und wurde deshalb nie richtig berühmt. Vielleicht waren sie mit ihrem Konzept, süffige Popsongs mit anspruchsvollen Kommentaren zum politischen Zeitgeschehen zu verknüpfen, zur falschen Zeit am Start. Politisch engagierte Musik war in den 70er Jahren populär, jedoch nicht mehr in den 80ern. Eine Popband, die gegen den Strom schwimmt, die sich für Menschenrechte einsetzt, entsprach nicht dem Mainstream. Der kommerzielle Erfolg blieb aus. Die Gruppe löste sich 1998 bereits wieder auf. Heute hätte dieses Konzept wahrscheinlich eher wieder Chancen und dennoch habe ich vom Comeback 2011 nichts mitbekommen.
Wahrscheinlich ist es eine Alterserscheinung, dass man sich plötzlich mit Musik beschäftigt, die man in seiner Vergangenheit gut fand. Ein Anflug nostalgischer Sentimentalität. Als ob ich einer vergangenen Zeit nachtrauern würde. Dem ist aber nicht so. Es ist viel eher ein Sammelsurium an verschiedener Musik, die sich im Verlaufe der Zeit angehäuft hat. Und natürlich erinnert man sich beim Hören dieser Musik an vergangene Zeiten ohne sie jedoch verklären zu wollen.
«Cargo» von Axel Bauer
«Elle est partie» von Partenaire Particulier
«Old and wise» von The Alan Parsons Project
«Sleeper in Metropolis» von Anne Clark
«Spirit of Eden» von Talk Talk
«In a manner of speaking» von Martin L. Gore
«Winter Kills» von Yazoo
«Léopoldine» von Série Noire
«She's got a gun» von Yello
Es sind nicht die grossen Namen, die jeder kennt und deren Musik auch ich hörte. Es sind eher die unbekannten Fundstücke. Ich war immer auf der Suche nach Musik, die mich auf irgend eine Art und Weise berührt. Egal ob die Musik von bekannten oder unbekannten Musikern gemacht wird. Was es genau ist, was mich berührt, kann ich nicht erklären und genau dieses Unerklärbare macht den Reiz aus.