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Es musste alles sehr schnell gehen. Der Befund bei Perez hatte sich am Donnerstag nach einem zweiten Test herausgestellt. Den Verantwortlichen der Equipe Racing Point blieben also keine 24 Stunden, um sich nach einem Ersatz für den Mexikaner umzusehen. Die beiden Testfahrer des Teams Mercedes, Perez' Landsmann Esteban Gutierrez und der Belgier Stoffel Vandoorne, wurden als erste mögliche Kandidaten in Betracht gezogen - und als unbefriedigende Varianten verworfen.
Silverstone statt Nürburgring
Als sich die Vereinbarung mit Hülkenberg konkretisierte, begann erst recht ein Wettlauf mit der Zeit. Der Deutsche hatte sich auf dem Weg zum Nürburgring für ein anderes Rennprojekt befunden, als ihn der Anruf von Otmar Szafnauer, dem Teamchef von Racing Point, erreichte. Dem Gespräch folgten der Flug nach London und die Fahrt nach Silverstone, wo sich Hülkenberg am Freitagvormittag seinerseits einem Corona-Test zu unterziehen hatte. Der Zutritt ins Fahrerlager wurde dem Rheinländer erst kurz vor Beginn des ersten freien Trainings gewährt.
«Es fühlt sich etwas unwirklich an», sagte Hülkenberg, bevor er seine ersten Runde im pinkfarbenen Auto mit der Nummer 27 drehte. Zu jenem Zeitpunkt war seit der offiziellen Verkündung seines Einsatzes erst eine Viertelstunde vergangen. Erstmals seit acht Monaten und dem letztjährigen Saisonfinale in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten sass Hülkenberg wieder am Steuer eines Formel-1-Autos.
Dass die Wahl auf Hülkenberg fiel, erstaunt nicht. Er bringt die Routine als Stammfahrer in neun Saisons und 177 Grands Prix mit. Die vergangenen drei Jahre war er im Team Renault engagiert, musste auf die laufende Weltmeisterschaft hin aber für den Franzosen Esteban Ocon weichen. Dazu betrat er bei Racing Point kein Neuland. Für den damals unter dem Namen Force India firmierenden Rennstall war er während insgesamt vier Saisons tätig, das zweite Mal nach einem einjährigen Abstecher zum Team Sauber.
Die Zusage habe er sich nicht lange überlegen müssen, sagte Hülkenberg auch. Die Möglichkeit zur temporären Rückkehr in die Formel 1 musste er packen. Die Aussicht, sich unerwartet schnell wieder auf der grösstmöglichen Bühne präsentieren und dabei in einem konkurrenzfähigen Auto Platz nehmen zu können, war zu verlockend. Auch wenn ihm nur geringfügig Angewöhnungszeit zur Verfügung stand, sich die unmittelbare Vorbereitung auf eine Dreiviertelstunde im Simulator beschränkte und er das Niveau von Teamkollege Lance Stroll nach der Zwangspause aller Voraussicht nach nicht erreichen wird, stehen die Chancen auf ein Top-Ergebnis gut. Auf jeden Fall so gut wie selten zuvor. Auf einen Podestplatz wartet Hülkenberg übrigens nach wie vor.
Infizierung in Mexiko
Perez hat sich in Mexiko mit dem Virus infiziert. Die rennfreie Zeit seit dem Grand Prix von Ungarn am vorletzten Sonntag hatte er zu einer Reise im Privatjet in die Heimat genutzt und seine Mutter besucht. «Sie hatte einen schweren Unfall. Ich wollte sie unbedingt sehen, als sich das Spital verlassen konnte.» Nach eigener Einschätzung hat Perez während seines kurzen Aufenthalts alle Verhaltensbestimmungen eingehalten. Der positiv ausgefallene Test hat ihn deshalb überrascht. «Ich weiss nicht, wo ich mich angesteckt habe.» Symptome zeigt er keine. «Ich fühle mich wohl.»