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Dr. Eisenmengele wand sich aus seinem komfortablen historischen Schreibtischsessel, er hatte schon seinerzeit in der Praxis von Dr. Sauerbruch treu gedient, der charismatische Äskulapjünger liebte diese kleinen geschichtlichen Zitate und Querverweise.
Leicht gelangweilt fischte er im Hintergrund des Konsultationszimmers nach einem Zahnputzglas. Er spülte es nachlässig und fischte in den unendlichen Weiten seiner Hausbar nach einer braunen Flasche. Ein nicht eben geizig gefülltes Glas erreichte den Mund des Besuchers.
Der haarige nicht mehr ganz junge Mann schlurfte geniesserisch. Er traf keine Anstalten, sein Behagen zu verbergen. Der Inhalt des Glases wurde mit einem grobzügigen Rülpsen quittiert. Auffordernd wurde es dem philanthropen Mediziner erneut hingestreckt. Dieser erfüllte seufzend seine Gastgeberpflicht.
Langsam schien sich der Besucher zu entspannen. "Man! How You call this in German... Fuckin' 'Beamte'....or whatever..." gedehnt lies er seinen Satz leicht unzusammenhängend im Raum stehen. Der geniale Mediziner merkte auf.
Sein Klient fischte angestrengt in den Taschen seines Afghanimantels.
Mit deutlich angewiderter Miene fischte er einige zerknüllte Formulare hervor und warf sie ärgerlich auf die Schreibtischplatte. Dr. Eisenmengele fischte in der Brusttasche seines blütenweissen Arztkittels nach seiner goldgeränderten Lesebrille.
Sorgfältig platzierte er sie auf seiner ausdrucksstarken Charakternase.
Er griff das erste der zerknüllten Papiere, glättete es und begann zu lesen.
"Sehr geehrter Herr Kelly" entnahm er dem Schreiben, " beifügend ergeht Strafbescheid wegen Einleitens ungeklärter Abwässer in den Rhein ... teilen ihnen mit, DM soundsovieltausend.... Rechtsmittel siehe beiliegenden Rechtshilfebescheid und so weiter und so fort...." Der Arzt fragte sich, wo der Bezug zu seiner Tätigkeit liegen könnte. Ausser dass ihm sein originelles Gegenüber eine kleine Epidemie bescheren wollte. Aber, so schmunzelte er bei sich, seine Kundschaft pflegte für gewöhnlich nicht aus dem Rhein zu trinken. Wahrscheinlich selbst nicht wenn das Wasser im Rhein goldener Wein wäre.
Er griff sich das nächste der zerfledderten Papiere. "Gebührenpflichtige Verwarnung wegen Verletzung der Schulpflicht durch ihren Sohn Angelo..." hastig sah er sich den Rest der Schriftstücke durch, alle bezogen sich auf den Schulbesuch des Kellysohnes, Verwarnungen, Mahnbescheide, Androhung der Zwangsvorführung in der Schule und dergleichen.
Befriedigt registrierte der hippieeske Besucher das Dr. Eisenmengele mit der Lektüre der Papiere zu einem Ende gekommen war.
"Man! This shit has to stop! To fuckin' stop!" schnauzte er unvermittelt in Richtung des genialen Prominentenmediziners.
Fragend wandte der charismatische Gelehrte sein Gesicht wieder seinem Gast zu.
"Wo könnten hier ärztliche Handlungsmöglichkeiten liegen?" fragte er sehr überrascht.
"See... this fuckin' moron of a bastardson just needs some plain old fuckin' brain!" polterte der überzeugte Vielvater los. "If he's got just a little bit of brain I'd invest some money in a private teacher... - but he's just a fuckin' bleedin' idiot... to put it mildly... he's so fuckin' braindead...!", der Klagegesang des geplagten Vaters setzte sich noch eine Weile fort. Sehr klar sah der sonst überzeugend intuitiv arbeitende Mediziner immer noch nicht. Hilflos ruderte der Besucher mit den Händen, die Haare flogen wild in alle Richtungen. "The old bastard needs just a litte bit brain...just some fuckin' intelligence!" stiess er erregt hervor. Dr. Eisenmengele merkte auf. Ein gutes Stichwort!
"Ah,... You mean Intelligence Increasement?" fragte er hastig seinen Gast. Dieser blickte fragend. "AAhh... I guess so..." war die Antwort.
Der Prominentenarzt faltete die Hände vor der Brust. "Nun, äh, das ist eine Spezialität des Hauses, ...ah, i mean, this is a speciality of this institute!" konnte er dem Hilfesuchenden versichern.
Dessen Miene hellte sich auf. "Oh! Really?" keuchte dieser glücklich.
"Äh, zuerst, i mean, at first, there should be some examination of our little patient" erklärte der charismatische Gesundheitshelfer.
"No problem! The braindead idiot is waiting outside!" machte der beliebte Musiker klar, dass er keinen Augenblick an den Möglichkeiten des Prominentenarztes gezweifelt hatte.
Er wandte sich zur Tür um. "Angelo! Fuckhead! Come in!" schnauzte er befehlsgewohnt. Die Tür öffnete sich. Ein in zerlumpt und schmutzig wirkende Kleidung gehüllter junger Mann betrat sichtlich etwas ängstlich den Raum. Er war leicht mollig und hatte ein pummeliges Kindergesicht. Er blickte stumpf. "Keiner Angst! As tuen nicht wähl" blökte Vater Kelly wie im Scherz. Trotz der vielen Jahre in der Bundesrepublik war sein Deutsch immer noch nicht sehr fliessend, bemerkte der eher traditionell eingestellte Gelehrte missbilligend.
Dr. Eisenmengele bat den jungen Mann in das Nebenzimmer, einer seiner gut ausgestatteten Untersuchungsräume. Für ihn war die Devise: sich freimachen. Der geniale Experimentalmediziner wurde nachdenklich. Nun bedurfte er der Ruhe, er musste ein kompetentes Behandlungskonzept erarbeiten. Der Alte war überflüssig und ging ihm jetzt nur auf die Nerven. Ausserdem war es besser, wenn so jemand ihm nicht allzutief in die Karten guckte.
Er rief nach einem Pfleger und liess den gefeierten Musikstar an die Hausbar seines Institutes führen. "So!" dachte er erleichtert, "erst mal Ruhe!" Er rief sein Team zusammen.
Seine versierte Assistenzärztin nahm die notwendigen Untersuchungen vor.
Sie gab grünes Licht für alle erdenklichen Eingriffe. Organisch war der Patient vollkommen gesund und in beneidenswert robuster Verfassung. Angelo gierte unverhohlen nach Jazzy, der sympathischen Medizinisch-Technischen Assistentin von Dr. Eisenmengele, eine beneidenswert attraktive junge Frau und sichtlich nach dem Geschmack des etwas verstört wirkenden Nachwuchssängers. Gutgelaunt vor sich hin singend richtete sie routiniert medizinische Gerätschaften.
Aber nicht nur der junge Mann hing förmlich an ihrer aparten Erscheinung, missbilligend registrierte der joviale Chefarzt wohin die Blicke der männlichen Mitglieder seines Teams gerichtet waren. Nein, an seinen Lippen klebten sie bestimmt nicht. Er unterdrückte einen Anflug jäh aufkeimender Eifersucht. Blödsinn!
Schliesslich war sie seine Geliebte! Und in puncto finanzieller Attraktivität war er mit Abstand jedem Mitglied seines Teams überlegen.... allerdings, Schönheit oder gar Jugend... nun, das waren Geschmacksfragen, hier war seine hochentwickelte medizinische Ethik gefragt und sonst nichts! Jazzy war etwas zu nahe an den jungen Patienten geraten und dieser hatte keck versucht seine Hand unter den weissen Kittel dieser guten Seele zu schieben. Eine deftige, sehr kraftvoll ausgeführte Ohrfeige war die prompte Quittung. Alle lachten heimlich schadenfroh.
Die Stimmung stieg schlagartig. Das Team kam zu einer endgültigen Einschätzung der Situation und entsprechenden Therapievorschlägen.
"Also ... ich erlaube mir zusammen zu fassen!" ergriff einer der vielversprechenden jüngeren Assistenzärzte das Wort. "Zerebrale Unterfunktionen ohne weitere organische Ausfälle oder Defizite... vermutlich Unterfunktion nicht auf Grund genetischer oder toxischer Schäden,... vermutlich normale, korrekte fötale Entwicklung... mangelhafte Hirnfunktion wahrscheinlich wegen fehlendem Leistungswillen bei ansonsten durchschnittlich gesunder Gesamtkonstitution......" schloss der kurze Bericht.
"Aber... aber... die Therapie?" meldete sich eine besorgte Stimme aus dem Team.
Der geniale Prominentenarzt lächelte verschmitzt. "Tscha... meine Herrschaften! Hier ist wohl der sprichwörtliche Nürnberger Trichter gefragt, hä,hä,hä!" beschied er kurz und knapp.
Die Mitglieder seines Teams blickten sich ratlos an. Eröffnung des Craniums und anschliessend Gabe von Reizstrom! Direkte Injektion von Vitamin C in das Hirngewebe. Anschliessend Gabe von Amphetaminen -, sie dürften wissen, inzwischen erwiesen,- Steigerung des IQ dadurch um durchschnittlich fünfzehn Punkte,-Applikation von Elektroschocks als heilbegleitende Massnahme." Zufrieden blickte er sich im kleinen Rund seines Teams um.
Er hatte seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wieder einmal die Grenzen gezeigt. Gut, wieder einmal war klar, wer hier von wem zu lernen hatte. Obwohl, irgendwelche Ausfälle, Pappnasen und Langeweiler hätte er niemals in seinem Team geduldet. Allein, Lehrjahre waren keine Herrenjahre und was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Dankend dienen, das musste hier die Devise sein. Routiniert traf man die Vorbereitungen für den Eingriff.
Während die letzten sich noch Hände und Arme desinfizierten und den Gesichtsschutz anlegten hatten die ersten bereits begonnen den Schädel des jungen Mannes zu eröffnen.
Keuchend schob Jazzy mit Unterstützung zweier kräftiger Pfleger den mächtigen Elektoschockgenerator in das Zimmer. Angelo auf seiner Liege riss alarmiert die Augen auf. Verzweifelt rüttelte er an den Ledergurten mit denen er fixiert war.