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Der «Serial»-Podcast hat nicht nur mediale Wellen geworfen, sondern ein eigenes Genre geschaffen. Die serial-artigen Produktionen sind eine persönlich gefärbte Erzählung des Autors, wie er sich an ein Geheimnis heranwagt. Es geht natürlich um das Geheimnis selbst, aber auch darum, wie die Nachforschungen Fortschritte machen oder in Sackgassen enden. Der Autor ist eine Figur in seiner Geschichte, wie der Ich-Erzähler in einem Roman. Die serial-artigen Podcasts sind somit ein Mittelding zwischen Journalismus und Literatur. Sie thematisieren auch Zweifel und Widersprüche, und sie nehmen es in Kauf, dass das Rätsel am Ende womöglich nicht gelöst wird. Denn sie werden episodisch veröffentlicht, wobei die ersten Folgen schon erscheinen, bevor die Recherche abgeschlossen ist.
Formal sind die serial-artigen Produktionen vom Radiofeature beeinflusst. Sie bauen Soundbites von Protagonisten, O-Tone und atmosphärische Elemente zu einer dichten Collage, und es kommen auch Töne zum Einsatz, die man in einer klassischen Reportage niemals verwenden würde: Aufnahmen vom Telefonbeantworter, Youtube-Clips und ähnliches zum Beispiel. Und wichtig ist die Musik, die in aller Regel für die Produktion selbst komponiert wurde und dramaturgisch gezielt eingesetzt wird.
Vor einiger Zeit bin ich auf Facebook in eine Diskussion geraten1, in der es um diesem Beitrag hier ging. Der besagt, dass Facebook es neuerdings möglich macht, Werbekampagnen nach Ethnien zu «targeten». Man kann seine Kampagne auf Afroamerikaner beschränken oder nur Hispanoamerikaner ansprechen. Genauso, wie man nach Alter, Geschlecht, Hobbies und diversen Vorlieben selektieren kann.
Ist das diskriminierend oder nicht? Eine interessante Frage, bei der ich unschlüssig bin (war). Einerseits ist die Gefahr von Ungleichbehandlung tatsächlich gegeben. Ein Restaurant könnte seine Werbekampagnen nur auf Weisse ausrichten, um farbige Besucher fernzuhalten. Andererseits ist das Targeting bei Frauen erlaubt, obwohl bei diesem Geschlecht die Benachteiligung längst nicht ausgerottet ist. Auch nach Alter darf man seine Kampagne ausrichten. Ist es okay, wenn ein Restaurantbesitzer Frauen und Alte fernhält, aber wenn er Aufroamerikaner ausgrenzt, wird es zum Problem? Ist die Schutzbedürftigkeit bei der Rasse grösser als bei den anderen Faktoren?
Nach einer etwas längeren Sommerpause sind wir mit dem Digitalmagazin von Radio Stadtfilter fulminant gestartet. Wir haben uns einen neuen Namen verpasst und nun endlich eine eigene Website. Der neue Name: Nerdfunk. Die neue Website (folgerichtig): Nerdfunk.ch.
Ein Thema, das mich dieser Tage beschäftigt, ist die Plattformisierung des Web. «Plattformisierung» ist nun wirklich nicht ein griffiges Wort. Aber mir fehlt im Moment noch eine gute Alternative. Falls ihr eine habt: Ab in die Kommentare damit!
Podcast super, Verbreitungsart blöd.
Der Begriff bezeichnet den Umstand, dass immer mehr Inhalte aus dem freien, für alle Internetnutzer problemlos zugänglichen Web auf Plattformen abwandern, wo die Inhalte nicht mehr so frei zugänglich sind. Beispiele sind soziale Medien wie Facebook, bei denen man einen Account besitzen muss, um die Inhalte ordentlich nutzen zu können. Viele kluge Dinge, die Leute auf Facebook sagen, könnten sie auch in einem eigenen Blog publizieren. Es ist oft einleuchtend, warum sie es nicht tun. Aber es ist halt eben schade, dass diese Inhalte nicht frei im Netz verteilt sind, sondern sich auf den Servern des Herrn Zuckerberg zusammenballen.
Der Omega-Tau-Podcast war hier schon öfters Thema: Zweimal nebenbei (hier und hier) und einmal hauptsächlich (nämlich hier).
Sie sind Teil einer grossen Familie, von denen die meisten Familienmitglieder nur als Datensatz existieren. (Bild: Tekke/Flickr.com, CC BY-ND 2.0)
Ich komme nun gerne auf diesen Podcast zurück, um euch die Folge Vollgeld, Inflation und Kryptowährungen speziell ans Herz zu legen. Der Titel ist eher abschreckend – ich hätte den salopper und zugänglicher formuliert. Aber ihr habt ja nun mich, der euch sagt, dass ihr die Folge trotzdem hören sollt.
Thomas Mayer gibt Auskunft zum lieben Geld. Und zwar so, dass auch Leute wie ich das kapieren. (Ich bin als ehemaliger Wirtschaftsgymnasiast zwar nicht völlig unbeleckt, aber auch nicht wirklich auf dem neuesten Stand.)
«Serial» ist der Podcast, der uns allen vor Ohren geführt hat, dass Podcasts sich nicht in mehr oder minder geistvollen Laberrunden erschöpfen müssen. Sondern auch als ernsthafte journalistische Disziplin funktionieren – als Longform, quasi. «Serial» hat wie schon früher berichtet Nachahmungstäter auf den Plan gerufen. Und nebst den direkten Kopisten – wobei ich das Wort jetzt nicht so negativ meine, wie es klingt – gibt es auch diverse Produktionen, die sich in Stil und Form an dem grossen Vorbild orientieren.
Wie gesellschaftliche Zustände zementiert werden, gerade wenn sie überwunden scheinen. (Bild: «4-2» von Cameron Nordholm/Flickr.com, CC BY 2.0)
Letzte Woche sind mir gleich zwei solcher Podcasts begegnet. Sie unterscheiden sich von «Serial», indem sie nicht im eigentlichen Sinn eine Geschichte über mehrere Episoden erzählen. Sie ähneln «Serial» aber, indem sie Musik pointiert einsetzen: Simple, eingängige Melodien, die als erzählerisches Stilmittel funktioniert, fast so wie die Musik im Film. Und sie sind collageartig konstruiert, indem zwischen die Erzählpassagen Soundbites und längere O-Töne eingeflochten sind, ohne dass deren Herkunft und Relevanz immer gleich aufgelöst wird, wie man das im traditionellen Journalismus tun müsste.
Wie auch immer: Ich finde Leute spannend, die auf vielen Hochzeiten tanzen. Mir geht es auch so, dass ich mich nicht nur auf ein Ding konzentrieren mag – allein, weil das Leben mehr zu bieten hat als eine einzige Leidenschaft. Was nun Kevin angeht, betreibt der neuerdings Video-Tagebuch, das er «Kevlog» nennt und in dem er sich so viele Dinge ausprobiert, dass ich bei jeder Produktion für die Digitalen Patentrezepte überlege, ob ich die Sache nicht doch spontaner und experimenteller angehen soll. (Was ich nicht tue, weil mein Format ein journalistisches sein soll, das kompakt und auf den Punkt informiert. Gegenargument: Passt dort nicht.) „Schaut euch mal Kevins Videoblog an!“ weiterlesen
Die Inhaltsangabe (Neudeutsch: «tagline») des Soziopod ist nun nicht gerade geeignet, Euphorie auszulösen: «Audiophilotechnosoziokulturellepädagnostische Diskurse» würden sie anbieten, versprechen Doktor Köbel aka Dr. Nils Köbel und Herr Breitenbach aka Patrick Breitenbach.
Einzelne Folgen des Podcasts gibt es auch als Video, z.B. hier.
«Serial» hat seinerzeit in der Podcast-Welt Wellen geworfen (siehe hier und hier). Die Podcast-Reihe, die eine Geschichte in mehreren, kontinuierlich recherchierten Folgen erzählt, ist im Moment in der zweiten Staffel. Es geht in dieser zweiten Staffel um das scheinbar unerklärliche Verschwinden des US-Sergeants Bowe Bergdahl, der unter dubiosen Umständen in die Gefangenschaft der Taliban geriet und fünf Jahre in Afghanistan und Pakistan ausharren musste. Die neueste Folge (5 O’Clock Shadow) hat mich an meine Rekrutenzeit erinnert, obwohl ich zugegeben nie in Afghanistan war. Aber dieses Disziplingetue in Situationen, wo es absolut sinnlos ist – da wäre ich auch davongelaufen.
Warum nur?
Ende letzten Jahres hat der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) dieses Format aufgegriffen und in seiner neunteiligen Recherche «Wer hat Burak erschossen?» versucht, dem bislang ungeklärten Mord am türkischstämmigen Jugendlichen Burak Bektaş auf den Grund zu kommen. Burak wurde 2012 auf offener Strasse erschossen, wobei auch zwei seiner Freunde verletzt wurden. Ein Motiv für die Tat hat die Polizei bislang nicht entdecken können. Ebensowenig wie einen Tatverdächtigen oder überzeugende Anhaltspunkte. Auch die Süddeutsche hat im letzten Jahr über den Fall berichtet. „Ein weiterer ungeklärter Mord“ weiterlesen
Methodisch inkorrekt ist ein Podcast, der mir in letzter Zeit immer mal wieder begegnet ist. Er wurde in diversen anderen Podcasts erwähnt und neulich hat ihn auch mein Mitstreiter maege in der Folge Boom shakalaka des Digitalmagazins erwähnt. Es handelt sich um einen Wissenschaftspodcast, der «interessante aktuelle Forschung, Experimente und den Alltag» behandelt. Ein Thema, das mich sehr interessiert, dem ich hohe Relevanz beimesse und das sich fürs Podcaten bestens eignet. Ich höre zwar nicht regelmässig, aber doch ab und zu gerne Wissenschaft von Holger Klein und Florian Freistetter.
Grund genug für eine Besprechung. Ich habe mir die Folge 62 «Alles ist besser mit Alkohol» angehört und sie – weil ich sie hier besprechen wollte – auch zu Ende gehört. Es war aber schon nach einer halben Stunde klar, dass Nicolas Wöhrl, Reinhard Remfort und ich nicht harmonieren. „Macht hinne!“ weiterlesen