Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03393.jsonl.gz/2524

Gary Tushaw spielt den legendären Frank’n’Furter in der kommenden Inszenierung der «Rocky Horror Show». Auf der Bühne ist er laut, schrill und in Strapsen – privat ruhig, besonnen und überlegt. Cruiser hat sich mit dem Star unterhalten.
Interview: Haymo Empl
Gary Tushaw, du hast in vielen Musikproduktionen mitgewirkt. Einschliesslich «Les Misérables» und «Sweeney Todd». Was ist die Herausforderung für dich als Schauspieler der «Rocky Horror Show» im Vergleich zu den anderen Musicals, in denen du gespielt hast?
Die Art und Weise, wie ich mich jedem Charakter nähere, ist ähnlich - ich stelle mir die Frage, was diese Person will und wie sie ihre Wünsche verwirklichen will, und so weiter und so fort. Die zusätzliche Herausforderung bei Rocky Horror ist im Grund genommen eine physische: Zum einen die High Heels und freizügigen Kostümen anzunehmen und zugleich mutig genug zu sein, sich in einen Charakter zu verwandeln, der nicht den gleichen Filter und sozialen Zwängen unterliegt, die uns Normalsterbliche normalerweise bestimmen.
Warst du schon einmal in der Schweiz? Hast eine Verbindung zu diesem Land?
Vor einigen Jahren hat ein guter Freund von mir in Talloires am See von Annecy in Frankreich geheiratet. Danach kam ein anderer Freund, der in Genf lebt, um mich abzuholen, und ich verbrachte ein paar Tage in dieser schönen Stadt. Während dieser Zeit entdeckte ich den Genuss von gutem Schweizer Weisswein.
Diese musikalische Produktion ist für ein so kleines Land wie die Schweiz riesig: Erwartest du ein anderes Publikum als üblich?
Dies ist meine erste internationale Tournee und ein sehr interessanter Aspekt ist die Entdeckung der unterschiedlichen Reaktionen des Publikums in den Regionen und Ländern, die wir besuchen. Das Publikum in Rocky Horror spielt eine so grosse Rolle, dass jeder neue Ort wie der Beginn einer neuen Beziehung ist, in der es herauszufinden gilt, wo die Grenzen des anderen liegen.
Du spielst Dr. Frank'n'Furter, einen verrückten Wissenschaftler, der wie eine Art von Dragster wirkt. Dazu gehören auch High Heels. Wie bewegst du dich darauf? Wie fühlt sich das an?
Ich bin die meiste Zeit meines Lebens in klassischen Halbschuhen rumgelaufen, sodass das Laufen auf Stöckelschuhen eine Herausforderung war. Glücklicherweise hat mir unser Produktionsfirma meine High Heels etwa drei Wochen vor Beginn der Proben nach London geschickt. Das war sehr hilfreich. Ich habe mir einige youtube-Clips von glamourösen Frauen in Los Angeles angeschaut, die beim Flanieren ihre Weisheiten weitergeben. Auch der Choreograf der Rocky Horror Show, Matthew Mohr – der nicht nur ein wunderbarer Choreograf ist, sondern auch an der Entwicklung zahlreicher Drag-Shows in den USA mitgearbeitet hat – war unentbehrlich für mich.
Abgesehen von der Optik: Was ist bei dieser Rolle die besondere Herausforderung?
Selbstredend ist Frank'n'Furter ein Prahler, jemand, der es liebt, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Aber er ist auch ein Liebhaber von Sprache, sinnlich, verletzlich und verzweifelt, der sich mit anderen Wesen verbinden möchte und danach strebt, eine Welt zu erschaffen, die noch nicht bekannt ist. Er ist ein Charakter voller Extreme: Freude, Lust, Schmerz. Die Herausforderung besteht darin, all diesen Dingen Leben einzuhauchen.
Die «Rocky Horror Show» und ihre legendäre Verfilmung, die «Rocky Horror Picture Show», umgibt ein einzigartiger Fankult. Sobald die ebenso witzige wie schrille Story um das junge, biedere Paar Brad Majors und Janet Weiss und den diabolischen Ausserirdischen Dr. Frank’n’Furter (Gary Tushaw, im obigen Interview) ihren Lauf nimmt, steigt das Publikum ohne Rücksicht auf gute Sitten in die Geschichte ein und macht einfach mit. Auch im Theater darf gerufen, gebuht und mit Lichtern geschwenkt werden, was das Zeug hält!
Über eine Million Fans liessen sich seit der Weltpremiere 2008 in Berlin von der international hochgelobten Inszenierung des Regisseurs Sam Buntrock begeistern. 300’000 Besucher machten allein die letzte Tournee zum ausverkauften Hit und beweisen damit, dass sich diese Inszenierung einen festen Platz in den Herzen der Rocky-Fans erobert hat. Fast so wichtig wie der Event an sich sind aber auch die Erzähler die quasi durch das Musical führen. Am Start stehen zwei bekennende Rocky Horror-Fans: Der deutsche Schauspieler Sky du Mont sowie der Schweizer Musiker und Moderator David Kohler alias Knackeboul.
Die Rocky Horror Show ist vom 10. bis 15. April 2018 im Theater 11 Zürich und vom 17. bis 22. April 2018 im Musical Theater Basel zu sehen.
Alle Infos auf www.musical.ch