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Mit dem internationalen Umweltabkommen Basler Konvention, welches bisher von 170 Staaten unterzeichnet und ratifiziert wurde (ausgenommen die USA), wird der Export von Abfällen sowie deren Entsorgung reglementiert. Ein Ziel dieser Vereinbarung ist es, die Güterströme von gefährlichen Abfällen (mit Ausnahme von Atommüll) zwischen den Industrienationen und Entwicklungsländern einzuschränken. Es ist etwa verboten funktionsuntüchtige Apparate nach Westafrika auszuführen.
¾ aller in die Jahre gekommenen und oftmals unbrauchbaren Geräte werden containerweise, als Hilfsgüter getarnt, in den Westen Afrikas verschifft.
Gemäss einer Reportage des TV-Senders ARTE werden in Europa aber nur etwa ein Viertel aller Elektronikabfälle im Inland zur Wiederverwertung beim Fachhändler oder dem Werkhof abgegeben. ¾ aller in die Jahre gekommenen und oftmals unbrauchbaren Geräte werden containerweise, als Hilfsgüter getarnt, in den Westen Afrikas verschifft. In Benin, Côte d’Ivoire, Ghana, Liberia und Nigeria fallen jährlich laut einer internationalen Studie (Where are WEEE in Africa? Findings from the Basel Convention E-waste Africa Programme) 650‘000 bis 1‘000‘000 Tonnen Elektroschrott an. Vor Ort werden die alten Maschinen mitnichten fachgerecht wiederverwertet, respektive entsorgt.
Ein bestürzendes Beispiel findet sich inmitten der ghanaischen Hauptstadt Accra; hier befindet sich Agbogbloshie eine der weltweit grössten Müllhalden für Elektroschrott. Nachdem die Geräte in einem ersten Schritt auf ihre Funktionsfähigkeit hin untersucht werden, landet der Rest hauptsächlich in den Händen von Kindern. Diese erwerben die Elektronik und befreien sie unter rudimentärsten Bedingungen von verwertbaren Bestandteilen – mit Händen und Hämmern zertrümmern sie alte Computer und Fernsehgeräte, verbrennen diese auf offenem Feld und gelangen so an wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Messing, Aluminium, Zink usw. Die seltenen Erden wie Palladium oder Indium, die sich oft in Handys finden, können durch diese einfachen Arbeiten aber nicht wiedergewonnen werden. Lokale Zwischenhändler kaufen diese Erze zu einem niedrigen Preis auf und bieten sie wiederum Europäern, Chinesen und anderen Händlern feil. Im Ausland – und nicht in Westafrika – wird das gewonnene Material, dann wieder der Industrie zugeführt und gelangt so in den Kreislauf bis es erneut irgendwann in Agbogbloshie landet.
Allein in Accra (Ghana) und Lagos (Nigeria) verdienen etwa 30‘000 Menschen im Wiederverarbeitungssektor ihren teilweise kläglichen Lohn (Vgl. Medienmitteilung UNEP und EMPA). Doch die Kosten für Natur und Mensch sind viel zu hoch. Elektro- und Elektronikgeräte enthalten oftmals gefährliche Stoffe wie etwa Quecksilber, Blei, Dioxin oder hormonaktive Stoffe. Insbesondere durch das Verbrennen von Kabeln und Kunststoffgehäusen werden diese freigesetzt, schädigen den Organismus – Atembeschwerden und Krebsfälle häufen sich – und gelangen in die Umwelt und somit in den Nahrungskreislauf. Erschreckend ist, dass die ausgeweideten Gehäuse einfach in die Flüsse gelangen, von wo sie unkontrolliert in den Ozean gespült werden.
Dieser Art von Wiederverwertung muss schnellstens ein Riegel vorgeschoben werden. Dabei sollte nicht nur die Umsetzung der Basler Konvention strengstens durchgesetzt – was bei den täglichen Warenfluten, die die Grenzen überqueren, kein leichtes Unterfangen ist – sondern der Elektroschrott muss auch einer kontrollierten, ressourcenorientieren und umweltschonenden Wiederverwertung zugeführt werden. Dies geschieht am Besten in den Herstellerstaaten, welche bereits über die nötigen Anlagen und das Know How verfügen.
Wir sind Pioniere in der Abfalltrennung. Unsere Erfahrungen wollen wir international weitergeben.
Martin Saladin, seco (Staatssekretariat für Wirtschaft)
Doch die Probleme in Afrika bedürfen ebenfalls einer raschen Lösung. Der EMPA-Forscher Mathias Schluep meint dazu, dass es bereits ein Anfang wäre „[…] wenn die Geräte fachgerecht auseinandergenommen würden. Um aber die anderen wertvollen Stoffe zu gewinnen ist eine Hightech-Anlage nötig.“ Es ist unerlässlich, dass für den Aufbau von umweltgerechten Recylingmöglichkeiten in Afrika die Importeure und Hersteller in die Verantwortung gezogen werden. Die Schweiz gehört im Umgang mit dem Abfall nebst Deutschland und den Niederlanden zu den aktivsten Staaten. „Wir sind Pioniere in der Abfalltrennung. Unsere Erfahrungen wollen wir international weitergeben“, wie sich Martin Saladin vom Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) äussert. Es wäre wünschenswert, wenn die Schweiz ihr Wissen teilen und sich an einem Entsorgungsprogramm in Westafrika beteiligen würde.
Doch auch hier gilt, dass der Elektroschrott und dessen Entsorgung uns Menschen alle angeht und insbesondere wir, die Bewohner der westlichen Hemisphäre, z.B. durch die Umstellung von Röhrenmonitoren und Fernsehgeräten zu Apparaten mit Flachbildschirmen oder aber dem häufigen Austausch unseres Mobiltelefons täglich einen grossen Anteil zur Zunahme von alten Elektrogeräten beitragen.
Weiterführende Informationen:
ARTE: Der digitale Friedhof in Ghana vom 24.10.2009 (Film)
Internationalen Studie: Where are WEEE in Africa? Findings from the Basel Convention E-waste Africa Programme (nach unten scrollen; D oder F verfügbar)
Tagesanzeiger: Die Elektroschrott-Schande (22. Februar 2012)