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Der Frühling 2007 brachte rekordhohe Temperaturen. Mein Artikel aus dem Jahr 2007:
„Ich halte Klima und Wetter auseinander. So gesehen bereitet mir der schöne Frühling keine Sorgen. Im Jahre 34, habe ich gelesen, kletterte das Thermometer im April auf 31 Grad. Hingegen bereitet mir die Klimaerwärmung Sorgen. Die Tatsache, dass wir Menschen im Begriff sind, die eigenen Lebensgrundlagen zu vernichten, lässt einen schon an den eigenen Überlebensinstinkten zweifeln.
Der Weltklimabericht der UNO ist alarmierend. Der Meeresspiegel steigt drastisch, das arktische Eis schmilzt, Überschwemmungen folgen, Dürreperioden, 30 Prozent der Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Auch die Schweiz ist von den Auswirkungen der Klimaveränderung betroffen. Weite Teile der Schweiz liegen im klimasensiblen Alpenraum. Die Gletscher schmelzen, die Berggebiete verwüsten und werden unbewohnbar. Man stelle sich als weitere Folge die Ströme von Flüchtlingen aus Entwicklungsländern vor, welche ihre Gebiete verlassen müssen um eine neue Bleibe zu finden.
Die Beurteilung der Klimaentwicklung ist ernst zu nehmen. Die Wissenschafter, welche für die UNO die Berichte erarbeitet haben, sind keine Sektenbrüder, welche mit Horrorszenarien die Apokalypse ersehnen. Sie haben Berechnungen angestellt und sind zum Schluss gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenhang zwischen dem Verbrennen fossiler Energien und der Erderwärmung bei über 90 Prozent liegt.
Die Tatsache, dass der Mensch die Hauptverantwortung trägt für den gefährlichen Temperaturanstieg, kann auch tröstlich sein. Es ist besser, uns selber ausgeliefert zu sein, als irgendeinem unerforschlichen Schicksal. Ich hoffe deshalb auf die Konsensbereitschaft der Volksvertreter anlässlich der nächsten klimapolitischen Debatten im Parlament. Es ist besser, kleine oder mittlere Schritte zu tun, dafür vorwärts und schnell, als das Treten an Ort zu praktizieren, indem man den politischen Besitzstand zementiert. Die Taktik, Maximalforderungen aufzustellen, welche den Gegner provozieren, um dann hinterher mit ihm zusammen, tragfähige Lösungen abzuschiessen, ist angesichts der Dringlichkeit des Problems nicht gefragt und gehören nicht zur Serviceleistung des Politikers ans Volk. Sie blockieren den Betrieb.
1971 gelangte der Umweltartikel in die Verfassung. Er entstammte einer Motion aus den Reihen der CVP. Der Gedanke, dass Ökologie und Ökonomie vereinbar sind, lag ihm zu Grunde. Die Schweiz, welche weltweit eine führende Rolle hat im Bereich der Innovation und der Forschung, könnte auch weltweit eine führende Rolle einnehmen im Bereich der Forschung nach erneuerbaren Energien und im Bereich der Erforschung von Umwelttechnologien. Die Schweiz mit ihrem UNO-Sitz in Genf könnte weltweit als Hüterin der Umwelt tätig werden, indem sie zum Beispiel eine internationale Umweltbehörde initiiert, – analog der Menschenrechtskommission. Denn: Klimapolitik ist Migrationspolitik ist Entwicklungspolitik ist Sicherheitspolitik ist vorsorgende Friedenspolitik. Ist Zukunftspolitik.
Es bleibt Zeit, unsere Umwelt gesunden zu lassen. Es liegt an uns, sie zu nutzen. Wir sind in der Verantwortung. Für unsere Welt. Für unsere Kinder.“
Marianne Binder-Keller, 2007
PS. Nichts Neues also, unter der Sonne, oder? Ausser, dass es unterdessen 12 Jahre später ist und das Problem sich akzentuiert hat. Der neue Klimabericht ist nichts für schwache Nerven, was ja auch die Jugend auf die Strasse drängt. Trotzdem, auch wenn weiterer Handlungsbedarf besteht, die Politik ist nicht völlig untätig geblieben. Beispiel Energiestrategie 2050. Beispiel CO2-Gesetz, das im Ständerat auf gutem Wege ist. Wörter wie Klimanotstand mögen Alarm auslösen, doch wenn damit umumsetzbare Massnahmen verbunden sind, verpufft der frische Wind im Klimadossier zum lauen Lüftchen. Im Grossen Rat findet auf Anstoss der CVP eine Klimadebatte statt, innerhalb welcher wir den Klimaschutz zu einer weiteren Staatsaufgabe von erstrangiger Bedeutung erklären verbunden mit verbindlichen, realistischen, mehrheitsfähigen und schnell realisierbaren Schritten.