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Und hat nicht jeder Mensch einen Charakter? Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762 - 1814) und seine wissenschaftliche Lehre vom Ich und Nicht-Ich.
Er versuchte, die „transzendentalphilosophischen Wissenschaftslehren“zu vermitteln. Er lehrte: “Der gesamte Weltinhalt hat im ICH seinen Grund: Das ICH setzt erstens sich selbst und zweitens das NICHT-ICH.“ Er war an einer „Philosophie der Philosophie interessiert.“ Und so weiter..
Genug!
Aus der Erinnerung: Sommersemester - Vorlesungsverzeichnis – Philosophie in HD – O-Seminar: Fichte, Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre. Dazu kam es nicht. Einer von uns hatte sich vorbereitet und Fichtes Werk Reden an die deutsche Nation gelesen. Er bot uns eine „Kostprobe“ an und zitierte: „Charakter haben und deutsch sein ist zweifellos ein und dasselbe.“
Genug!
Die erste Sitzung: Man erklärte uns, dass der Philosoph Johann Gottlieb Fichte im Jahr 1808 in Berlin als Professor im Staatsdienst seine „berühmten Reden an die deutsche Nation“ hielt. Er wollte lediglich seine Landsleute dazu aufrufen, Napoleon Widerstand zu leisten.
Am meisten empörte uns diese Fichte-Sentenz: „Charakter haben und deutsch sein, das ist zweifellos ein und dasselbe!“ Ein Philosoph überstieg den Nationalismus. Unmöglich!
Genug!
Er dachte nicht voraus, dass damit einmal allgemeine Prinzipien abzuleiten sind, nicht empirisch, ideologisch, patriotisch, rassistisch und somit äusserst gefährlich.
...und hat nicht jeder Mensch einen Charakter?
Ist es nicht so, dass der Mensch nahezu unfähig ist, einen anderen Blick, einen anderen Standpunkt als seinen eigenen zu bemerken, zu begreifen, anzunehmen und gelten zu lassen. Die Frage bleibt: Was macht den menschlichen Charakter aus? Es kann doch nicht einen nationalen Charakter geben!
Der Mensch ist nicht - darauf einigten wir uns - charakterlich festgelegt. Er folgt nicht einem „inneren Programm.“
Vielleicht sind in seiner Schrift Bestimmung des Menschen „ICH und NICHT-ICH“ darum gross geschrieben, weil Fichte sich sehr einsetzte für die soziale Absicherung aller Bürger. Er forderte wenigstens ein Minimum an Lebensqualität. Für ICH und NICHT-ICH. Lebensqualität, die jedem Bürger zusteht.
Im Jahr 1806 ist Die Anweisung zum seligen Leben veröffentlicht worden, ging Appellation an das Publikum von 1799 voraus. Fichte musste sich gegen den Vorwurf wehren, er sei Atheist.
Die Debatte hatte „sehr viel Aufmerksamkeit“ gefunden und weithin die ganze „intellektuelle Welt“ Deutschlands bewegt.
Fichte hatte im Philosophischen Journal mutig behauptet, die „Ethik steht über der Religion.“ Und: „Religion entsteht einzig aus dem Wunsch des guten Herzens, dass das Gute in der Welt die Oberhand über das Böse behalten möge.“
Zitat: „Das Prinzip des Dogmatikers aber ist Glaube an die Dinge, dieser Glaube kann auf keine wissenschaftlich Weise bewiesen werden“; im Gegensatz dazu lässt sich das Prinzip des Idealismus wissenschaftlich völlig sicherstellen
Fichte schrieb gegen den Dogmatismus, in einer Gesellschaft, in der die Orthodoxie auch politisch noch allmächtig war.
„Bei der Neigung der Menschen, ein Sein noch hinter dem Bewusstsein zu denken, würden die meisten Menschen leichter dahin zu bringen sein, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten.“
Der erste Satz der pragmatischen Geschichte des Bewusstseins lautet: „Das ICH setzt sich selbst oder „Ich denke.“ Der zweite Satz, der sich aus der intellektuellen Anschauung des „Ich denke“ ergibt, lautet: “Dem ICH wird entgegengesetzt „ein Nicht-Ich“, denn „Ich denke“ enthält auch etwas, das gedacht wird, das Andere des Bewusstseins.“ Der dritte Satz setzt im ICH dem teilbaren ICH das teilbare NICHT-ICH.
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1. Da das ICH reine Tätigkeit ist, so strebt es auf jede Weise nach Selbständigkeit, Freiheit und Autonomie. Um seine Tätigkeit vollständig entfalten zu können, bedarf jeder Mensch daher in erster Linie persönliche Freiheit und ein Arbeitsfeld.
2. Philosophie hat kein anderes Ziel als die Freiheit des Menschen zu begründen und zu verteidigen; frei zu leben in einer autoritär geprägten Welt.
„Den Menschen hemmt sein sinnliches Dasein an dem Freitätigsein; durch Niederwerfung des hemmenden Sinnlichen macht sich das empirische ICH unabhängig und gewinnt seine Freiheit.“
„Sittlichkeit ist eben freies Tun. Und da dies die Bestimmung jedes Menschen ausmacht, lautet
das Sittengesetz: „Handle stets nach deiner Bestimmung.“
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Genug!
Das angekündigte O-Seminar – Philosophie Fichte. Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre an einem Sommertag in HD kam nicht zustande.
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In der Philosophie wird versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu ergründen, zu deuten und zu verstehen. Das tat Dieter Schupp, der unserer Leserschaft viele Jahre mit profunder Kennerschaft die Welt der Philosophie und Philosophen in seiner alle zwei Wochen erscheinenden Kolumne, versehen mit kritischen Anmerkungen und Deutungen, näherbrachte. Mit der heutigen Kolumne verabschiedet sich Dieter Schupp von unserer Leserschaft. Wir danken Dieter Schupp für die langjährige Mitarbeit, verbunden mit den besten Wünschen für die weitere Zukunft.
Redaktion Seniorweb