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«Wir machen es uns nicht einfach»
Verantwortliche für Asylsuchende äussern sich zur Errichtung von Aufnahmezentren
Asylantenheime sind grundsätzlich immer am falschen Ort. Melchior Etlin, Verantwortlicher der Abteilung Asylbewerber der Freiburger Sektion des Schweizerischen Roten Kreuzes, weiss aber aus Erfahrung, dass es kaum Probleme gibt, wenn die Asylbewerber einmal eingezogen sind.
Von ANTON JUNGO
Charles Dewarrat, Direktor, und Melchior Etlin, Verantwortlicher der Abteilung Asylbewerber der Freiburger Sektion des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRKF), sind nicht überrascht von den Reaktionen, welche die geplante Einrichtung eines Asylbewerber-Zentrums in Plaffeien ausgelöst hat (vgl. FN vom 14. Januar). Der Kanton Freiburg hat mit dem SRKF eine Vereinbarung getroffen, dass diese die Asylbewerber betreut, welche dem Kanton vom Bund zugeteilt werden.
Asylbewerber möglichst
gerecht verteilen
Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, dafür zu sorgen, dass die Asylbewerber eine Unterkunft haben. Anders als andere Kantone hat Freiburg darauf verzichtet, die Asylbewerber einfach den Gemeinden «weiterzureichen». In einem Grundsatzentscheid hat der Staatsrat aber festgelegt, dass die Asylbewerber möglichst gerecht auf die einzelnen Bezirke beziehungsweise Regionen verteilt werden müssen. In jeder Region sollte grundsätzlich auch ein Aufnahmezentrum zur Verfügung stehen. In diesen Zentren werden im Kanton Freiburg Asylbewerber so lange untergebracht, bis der endgültige Entschied über ihren Asylantrag gefällt ist.
Regionale Verteilung
Anfangs Januar wurden im Kanton Freiburg 1988 Asylbewerber betreut. Sie verteilten sich wie folgt auf die einzelnen Bezirke:
l Saanebezirk: 1041 Personen. Diese waren in vier Zentren (260 Personen) und 269 Wohnungen (621 Personen), die vom SRKF betreut wurden, untergebracht. Dazu kamen 160 Personen, die nicht vom SRKF betreut wurden. Der Saanebezirk hat einen Bevölkerungsanteil von 34,1 Prozent, nahm aber 52,4 Prozent der Asylbewerber auf. Die Stadt Freiburg mit einem Bevölkerungsanteil von 13,4 Prozent nahm 35,3 Prozent auf. Gemäss Bevölkerungsanteil müsste der Saanebezirk nur 678 Personen aufnehmen.
l Sensebezirk: 88 Personen. 82 Personen waren in 24 vom SRKF betreuten Wohnungen untergebracht. Sechs Personen wurden nicht vom SRKF betreut. Der Sensebezirk hat einen Bevölkerungsanteil von rund 16 Prozent, nahm aber nur 4,4 Prozent der Asylbewerber auf. Theoretisch müsste er 318 Personen aufnehmen.
l Greyerzbezirk: 281 Personen. 138 sind in drei Zentren und 114 in 30 Wohnungen untergebracht. 29 wurden nicht vom SRKF betreut. Der Bezirk hat einen Bevölkerungsanteil von 16,2 Prozent und nahm 14 Prozent der Asylbewerber auf. Theoretisch müsste der Greyerzbezirk 322 Personen aufnehmen.
l Seebezirk: 95 Personen. 56 werden in einem Zentrum und 27 in 15 Wohnungen betreut. 12 wurden nicht vom SRKF betreut. Mit einem Bevölkerungsanteil von rund 12 Prozent nahm der Bezirk nur 4,8 Prozent der Asylbewerber auf. Theoretisch müsste der Seebezirk 238 Personen aufnehmen.
l Glanebezirk: 215 Personen. 20 Personen in einem Zentrum und 189 in 52 Wohnungen. Sechs wurden nicht vom SRKF betreut. Der Glanebezirk mit einem Bevölkerungsanteil von 7,4 Prozent nahm 10,8 Prozent der Asylbewerber auf. Theoretisch müsste der Bezirk 147 Personen aufnehmen.
l Broyebezirk: 187 Personen. 102 Personen werden in einem Zentrum und 71 in 18 Wohnungen betreut. 14 fielen nicht in die Zuständigkeit des SRKF. Mit einem Bevölkerunganteil von 9,1 Prozent nahm der Bezirk 9,41 Prozent der Asylbewerber auf. Theoretisch wären es 181 Personen.
l Vivisbachbezirk: 81 Personen. 49 Personen wurden in einem Zentrum und 28 in sechs Wohnungen betreut. Vier Personen wurden nicht vom SRKF betreut. Mit einem Bevölkerungsanteil von 5,3 Prozent nahm der Bezirk 4,1 Prozent der Asylbewerber auf. Theoretisch müsste der Bezirk 105 Personen aufnehmen.
Sensebezirk steht abseits
Aus der obigen Zusammenstellung geht hervor, dass der Sensebezirk seiner «Pflicht» bei der Aufnahme von Asylbewerbern bei weitem nicht nachkommt. Er ist auch der einzige Bezirk, der über kein Aufnahmezentrum verfügt. Melchior Etlin weist zwar darauf hin, dass er in den Gemeinden Düdingen, Bösingen und Schmitten auf Verständnis gestossen sei, als es während des Kosovokrieges darum ging, notfallmässig Asylsuchende in Zivilschutzanlagen unterzubringen.
Er betont aber auch, dass es bis heute noch nicht gelungen sei, eine geeignete Liegenschaft für die Einrichtung eines Aufnahmezentrums zu finden. Für ihn ist klar, dass aber auch der Sensebezirk über ein Aufnahmezentrum verfügen müsste, um dem erwähnten Entscheid des Staatsrates gerecht werden zu können.
«Wir bieten keinen Luxus»
Zurzeit betreibt das SRKF elf Aufnahmezentren. Wie der Verantwortliche der Abteilung für Asylsuchende betont, bestehen für die Zentren – so weit sie nicht Eigentum des Kantons sind – unterschiedlich lange Mietverträge.
«Wir machen es uns nicht einfach bei der Suche nach geeigneten Objekten für die Einrichtung von Aufnahmezentren», betont Charles Dewarrat. «Wir müssen eine gerechte Verteilung auf alle Regionen des Kantons berücksichtigen. Doch das Objekt muss auch unseren Vorstellungen entsprechen», hält er fest. Er meint damit unter anderem, dass es für den Staat finanziell tragbar ist und dass es sich eignet für die Unterbringung von Familien oder Gruppen von Asylbewerbern, die einigermassen zueinander passen. «Wir bieten den Asylsuchenden nicht den Komfort, den Schweizer für sich in Anspruch nähmen», betont er. «Wir bieten ein Minimum, so, dass es der menschlichen Würde gerecht wird.»
Und der Verantwortliche der Asylbewerber-Abteilung des SRKF für
die Beschaffung von Liegenschaften meint: «Wir interessieren uns vor allem für Liegenschaften, bei denen der Vermieter Schwierigkeiten hat, die Wohnungen zu vermieten. Das Gebäude darf nicht zu alt sein, aber auch nicht zu teuer.» Und: «Wenn ein Wohnblock voll vermietet ist, dann haben wir keine Chance», weist er den Vorwurf zurück, dass Mieter die Wohnung wegen Asylsuchenden verlassen müssten. Der letzte Entscheid über die Errichtung eines Aufnahmezentrums liegt aber schliesslich beim Staatsrat.
Plaffeien ist keine Ausnahme
Aus all diesen Gründen hält Melchior Etlin die in Aussicht stehenden Liegenschaften in Plaffeien als geradezu ideal. Die Liegenschaft steht am Dorfrand. Das Dorfzentrum mit seinen Dienstleistungsbetrieben kann aber noch zu Fuss erreicht werden. Sie ist auch durch öffentliche Verkehrsmittel erschlossen.
Er weist auch darauf hin, dass die meisten Aufnahmenzentren – und die Wohnungen sowieso – in Wohnquartieren liegen. «Plaffeien bildet also keine Ausnahme», hält er fest und betont, dass verschiedene Zentren in Gemeinden mit einer kleineren Einwohnerzahl liegen als Plaffeien. «Diskussionen hat es noch überall gegeben», erklärt Melchior Etlin. «Die Anwohner merken oft sehr rasch, dass die Asylbewerber nicht viel anders leben als sie selbst.» Er weiss aus Erfahrung, dass 95 Prozent der Asylbewerber keinerlei Schwierigkeiten bereiten.
«Asylsuche ist ein Menschenrecht», betont er und entkräftet den Vorwurf des Asylrechtsmissbrauchs. 2003 wurde bei total 20 806 Asylgesuchen in 12 976 Fällen (62 Prozent) auf Eintreten und in 7830 Fällen (38 Prozent) auf Nicht-Eintreten