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Im Blogbeitrag Sprachen lernen mittels Sprachtandem wurden Sprachtandems als Lernmethode beschrieben, die den Sprachunterricht ergänzen können. Konkret wurden die Fragen beantwortet, was ein Sprachtandem ist, wie man Sprachtandempartner:innen findet, wie man sich im Tandem trifft und wie ein solches Treffen abläuft oder ablaufen kann. In diesem Blogbeitrag sollen nun persönliche Erfahrungen dazu geschildert werden. Viel Freude beim Lesen!
Dienstags Arabisch, mittwochs Spanisch, donnerstags Französisch…
Wenn ich Bekannten und Freund:innen erzähle, dass ich mich jeweils an drei Abenden pro Woche mit meinen Tandempartner:innen treffe, können es die meisten kaum fassen. Die Wahrheit ist, dass ich nicht mit drei Tandems pro Woche gestartet habe, sondern sehr lange nur einen Tandempartner hatte, mit dem ich mich wöchentlich – meist am selben Ort und zur selben Zeit – traf. Er wollte sein Deutsch verbessern, ich mein Arabisch. Wir lernten zusammen an der frischen Luft und spazierten nach zwei oder drei Stunden zusammen zur Bushaltestelle. Zwei Mal machten wir das Tandemtreffen wetterbedingt bei seiner syrischen Familie zu Hause, wo wir Tee tranken und Süssigkeiten assen. Covid-19 verlagerte unsere Treffen dann in den virtuellen Raum, was erstaunlich gut funktionierte und mich auf die Idee brachte, mir auch ein:e Tandempartner:in für die spanische Sprache zu suchen, damit ich nicht aus der Übung kam. Während ich meinen ersten Sprachtandempartner durch Treffpunkt Tandem der ZHAW kennengelernt hatte, lernte ich meinen Spanisch-Tandempartner durch die App Tandem kennen. Natürlich gibt es unzählige Menschen, die entweder Spanisch als Muttersprache haben und Deutsch lernen möchten oder als Erstsprache Deutsch sprechen und ihr Spanisch verbessern wollen. José * schrieb mir eine Nachricht, in der er seine Vorstellungen klar zum Ausdruck brachte – wöchentliches Treffen, 20 Minuten Deutsch, 20 Minuten Spanisch –, was mir persönlich sehr entsprach. Deswegen schrieb ich ihm zurück und wir vereinbarten ein Treffen via Skype. Seither treffen wir uns seit bald einem Jahr fast ausnahmslos, zuerst jeden Montagabend, nun jeden Mittwochabend.
Da mein Arabisch-Tandempartner und ich uns nicht mehr regelmässig trafen, waren die Treffen mit José lange meine einzigen Tandemtreffen. In dieser Zeit besuchte ich auch einen Arabischkurs an meiner Universität und hatte Vorlesungen auf Spanisch, Englisch und Deutsch. Nach Abschluss meines Studiums hatte ich wieder mehr Zeit und keinen Arabischunterricht mehr. Aus diesem Grund blickte ich mich erneut auf der App Tandem um und lernte zwei Männer kennen, die Deutsch lernen und mir mit meinem Arabisch helfen wollten. Der eine meldete sich nach zwei Treffen nie wieder, mit dem anderen – Mohamed * – treffe ich mich seither jeden Dienstagabend für eine Stunde per WhatsApp-Videoanruf.
In dieser Zeit begann ich ein Praktikum, durch das ich täglich Kontakt zur französischen Sprache habe. Ich hatte während acht Jahren Französischunterricht, wollte dann aber – leider – lange Zeit nichts mehr mit dieser Sprache zu tun haben. Dann fing ich jedoch an, französische Musik zu hören, mir Filme auf Französisch anzuschauen und so weiter. Schon bald merkte ich, wie sehr mir das alles gefiel und dass ich gerne besser Französisch sprechen würde. Und so lernte ich François *, auch via Tandem, kennen und treffe mich mit ihm jeweils jeden Donnerstagabend, auch via WhatsApp-Videoanruf, und auch jeweils während einer Stunde.
Und damit sind wir im Jetzt angelangt, in dem eine gewöhnliche Woche aus einem Arabisch-, Spanisch- und Französisch-Tandem besteht.
Der Ablauf meiner Tandems
Jeweils am Dienstagabend, kurz vor meinem Treffen mit Mohamed, schicke ich ihm Fotos von den Übungen aus meinem Arabischbuch, die ich mit ihm zusammen machen möchte. Manchmal sind es auch Texte, die ich dann vorlese und er korrigiert mich, wenn ich Fehler mache. Manchmal wiederholt er das Gelesene für mich, damit ich die richtige Aussprache höre. Ich habe auch schon Bilder mitgebracht, die ich dann versucht habe, zu beschreiben. Als Anfängerin bin ich froh, dass ich zu unseren Treffen Hilfsmaterialien mitbringen kann, denn eine spontane Konversation wäre für mich noch eine Überforderung.
Ganz anders gestaltet sich das am Mittwoch: Nach vielen Jahren Spanischunterricht, Studium und Auslandaufenthalten spreche ich fliessend Spanisch und geniesse es, während meinen Treffen mit José munter darauf los plaudern zu können.
Am Donnerstag bin ich dann wieder etwas weniger entspannt für das Französischtandem. Die richtigen Wörter zu finden und sie nicht mit Spanisch zu verwechseln, fällt mir schwer. Doch François hat viel Geduld und Humor, was das Ganze um Vieles einfacher macht.
Erfolgsgeheimnisse?
In allen drei Sprachen, Arabisch, Spanisch und Französisch, habe ich ein jeweils anderes Niveau, und für jede Sprache habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, wie ich die Sprachtandems gestalten kann, damit ich Freude an der Sprache habe und gleichzeitig Verbesserung erziele.
Wichtig zu erwähnen, finde ich ausserdem, dass ich in allen drei Sprachen davor oder zweitgleich zum Unterricht ging und die Sprache mit Lernmaterialien und einer Unterrichtsperson erlernte. Die Tandemtreffen waren und sind für mich eine Möglichkeit, das im Unterricht Erlernte mündlich zu praktizieren und den Sprachkontakt nicht zu verlieren.
Gleichzeitig finde ich den kulturellen Austausch unglaublich interessant und bereichernd: Ich lerne unterschiedliche Perspektiven auf politische, gesellschaftliche und soziale Themen kennen und hinterfrage meine eigenen Vorstellungen.
Schliesslich möchte ich noch betonen, wie wichtig ich Beständigkeit finde. Die Tandemtreffen stehen fix in meiner Agenda und werden nur im Notfall verschoben oder abgesagt. Das bedeutet für mich, dass ich mich am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag eben nicht fürs Kino verabrede und nicht mit Freund:innen essen gehe. Dies nehme ich jedoch sehr gerne in Kauf, denn die Vorteile, die ich persönlich aus dem Lernen im Tandem erfahre, überwiegen bei Weitem!
von Nelly Müller – Sprachen Akademie
* Alle Namen wurden geändert