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Die Übergewichtsproblematik bekommt in den USA eine neue Dimension: Nach der medizinischen und gesundheitsökonomischen Diskussion stößt jetzt auch die gesellschaftliche Diskriminierung von Personen wegen ihrer (überdurchschnittlichen) Körperfülle auf Aufmerksamkeit. Wie eine Studie gezeigt hat, verdoppelte sich in den letzten zehn Jahren der Anteil übergewichtiger Amerikaner, die auf der Straße oder im Restaurant persönlich beleidigt wurden, eine Versicherung nicht abschließen konnten oder bei der Vergabe einer Mietwohnung den Kürzeren zogen – durchweg wegen ihres Äußeren.
Die wesentlichen Ergebnisse der Befragung waren:
• In den letzten zehn Jahren hat sich die Erfahrung persönlicher Diskriminierung nur aufgrund des Körpergewichts fast verdoppelt. Waren es 1994-96 nur 7 Prozent, so berichten 2004-2006 rund 12 Prozent der Amerikaner über solche Erfahrungen.
• Übergewichtige Frauen sind sehr viel häufiger betroffen als Männer.
• Mit dem Body Mass Index (BMI) steigt fast proportional auch das Ausmaß der Diskriminierung.
• Zwar ist nach wie vor die Benachteiligung von Frauen allein wegen ihres Geschlechts die häufigste Form der Diskriminierung (siehe Abbildung), gefolgt von der Rassendiskriminierung männlicher Bevölkerungsgruppen mit schwarzer Hautfarbe. Doch Negativerfahrungen wegen des Körpergewichts stehen bei Frauen bereits an dritter Stelle.
Bei zwei Befragungen, einmal Mitte der 90er Jahre und einmal im Zeitraum 2004-2006, erfasste die Forschungsgruppe aus Connecticut persönliche Erfahrungen einer repräsentativen Stichprobe erwachsener Amerikaner zum Thema „Diskriminierung“. Gefragt wurde nach Beleidigungen, Belästigungen und ungerechtfertigten Benachteiligungen aus unterschiedlichen Gründen: Wegen ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe, wegen ihres Lebensalters oder eben ihres Übergewichts. Dabei wurden verschiedene Situationen vorgegeben:
• Im Bereich der Diskriminierung durch Institutionen waren es negative Erfahrungen mit Lehrern, Arbeitgebern und Vorgesetzten, Ärzten und Versicherungen.
• Im Bereich persönlicher Herabsetzungen wurden Erfahrungen abgefragt wie zum Beispiel ein schlechter Service im Restaurant, Beschimpfungen, Bedrohungen oder fehlender Respekt in Geschäften.
Die Wissenschaftler diskutieren in ihren beiden Veröffentlichungen zur Studie auch die möglichen gesellschaftlichen Hintergründe. Dabei wird auch die Berichterstattung von Medien kritisiert, die Adipositas zunehmend öfter als alleinigen Effekt individuellen Fehlverhaltens im Bereich der Ernährung und körperlichen Bewegung darstellen. Übergewichtige werden daher als Ernährungssünder und Bewegungsmuffel stigmatisiert, die ganz alleine schuld sind an ihrer Körperfülle und dies auch problemlos ändern könnten.
Hier findet man Abstracts der beiden Veröffentlichungen:
• RM Puhl, T Andreyeva and KD Brownell: Perceptions of weight discrimination: prevalence and comparison to race and gender discrimination in America (International Journal of Obesity, advance online publication, 4 March 2008; doi:10.1038/ijo.2008.22)
• Tatiana Andreyeva, Rebecca M. Puhl and Kelly D. Brownell: Changes in Perceived Weight Discrimination Among Americans, 1995-1996 Through 2004-2006 (Obesity (2008). doi:10.1038/oby.2008.35)