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Genie, ein Irrer, Machtmensch, Wohltäter – an diesem Mann scheiden sich die Geister. Wer Elon Musk kennenlernt, kommt zur Erkenntnis, dass der Milliardär all diese Attribute gleichzeitig auf sich zu vereinen vermag.
Der 51-Jährige ist ein Mann der Gegensätze. Auf der einen Seite steht der knallharte Businessmann, der ohne mit der Wimper zu zucken hunderte Twitter-Mitarbeitende vor die Tür setzt. Andererseits kann er der Kumpeltyp mit jugendlichem Charme sein, der plötzlich, wie im Juni beim Sundream Festival im mexikanischen Cabo San Lucas, mit einer Gruppe von 21-Jährigen zu Techno-Beats herumhopst.
Musk trifft auch oft impulsive Entscheidungen – im Stile eines Teenagers –, die zu explosiven Resultaten führen. So schaffte er es mit nächtlichen Negativ-Tweets über seine eigene Firma, die Aktienkurse von Tesla in den Keller zu stürzen. Und wegen einer Fehde mit Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom verlegte er das Hauptquartier des Tesla-Konzerns einfach nach Texas. Das Privatleben des gebürtigen Südafrikaners ist geprägt von Auf und Abs.
Der dreifach geschiedene Vater von zehn Kindern – die zwei jüngsten mit der Sängerin Grimes sind erst 3 und 1 1/2 Jahre alt – bekennt sich offen zu seinen Lastern. Dazu gehören schöne Frauen und seine Vorliebe für Marihuana.
Als Kind galt der am Asperger-Syndrom leidende Elon als merkwürdig, weshalb er von Mitschülern gehänselt wurde. Doch schon früh verriet er seinen Geschäftssinn: Er verkaufte etwa selbstgemachte Schokoladeneier und entwickelte mit 12 sein erstes Computerspiel.
Nach seinem Studium an der Ivy League University of Pennsylvania zog es ihn ins Silicon Valley, wo er den Dotcom-Boom nutzte. Er gründete zwei Start-ups, darunter eine Online-Banking-Firma, die zu PayPal wurde und die er für 1,5 Mrd. US-Dollar 2002 an eBay verkaufte.
Mit dem Vermögen wurde Musk erst recht unaufhaltsam. Seine erste Frau Justine beschrieb ihn später als «jemand, der ein Nein nicht akzeptierte und dominieren musste». So beschloss er, der mächtigen Nasa Konkurrenz zu machen, und gründete kurzerhand die Raketenfirma SpaceX, später dann Tesla.
Musk stieg so zwar zum reichsten Mann der Welt auf, doch mit seinem exzentrischen Charakter stellt er sich oft selbst ein Bein. Er kommt arrogant und rechthaberisch herüber – als Superhirn, das all die Ignoranten belehren muss. Kein Wunder, betrachten ihn immer mehr Menschen als Gefahr – als einen Zeitgenossen, den man besser mit seiner SpaceX-Rakete in den Orbit schiessen sollte.
Musk hat es sich vor allem bei seiner umstrittenen Twitter-Übernahme mit vielen verscherzt. Der selbsternannte Verfechter der absoluten Redefreiheit verschaffte damit politischen Brandstiftern à la Donald Trump, verbannten Hasspredigern und Verschwörungstheoretikern wieder eine Bühne. Letztere «dankten» es ihm, indem sie das Gerücht in die Welt setzten, Musk wolle die Menschheit mittels implantierter Computerchips beherrschen. Der Hintergrund: Seine Firma Neurolink hatte gerade grünes Licht für menschliche Versuche bekommen, eine neurologische Steuerung zwischen Hirn und Computer zu kreieren.
Dennoch: Elon Musk tut auch viel Gutes. Nach der russischen Invasion spendete er der Ukraine 20'000 seiner Starlink-Satelliteneinheiten zur Aufrechterhaltung des überlebenswichtigen Internets – im Wert von über 100 Mio. Dollar. Doch Musk wäre nicht Musk, wenn er sich nicht selbst als Wohltäter der Menschheit feiern würde. Genauer gesagt sieht er seine eigenen Ideen und seine Firmen als die höchste Form der Philanthropie. Denn laut eigener Aussage löst er nicht weniger als «die wichtigsten Probleme der Menschheit».
Porträt
Elon Musk – Methoden und Motive
Mittwoch, 28. Juni 2023, 22.15 Uhr, WDR