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Zündholzfabriken im Kanton Bern
Amtsbezirk Frutigen

1875 - 1876 Frutigen (Altenweg)

Johann Moser
Zündholzfabrik
Johann Moser allié Glausen, Samuels sel.
Sohn, Handelsmann zu Frutigen kauft am 6. Juni 1871 eine Matte im
Altenweg im Dorfbezirk Frutigen auf der sich bloss zwei Scheuer
befinden. Hier werden später die Gebäude erstellt in denen
die Zündholzfabrik eingerichtet werden soll.
Diese Fabrik ist im Lagerbuch Frutigen unter
der Nummer 1303 und 1304 erfaßt. Der Eintrag vom 23.01.1875
bezeichnet das aus zwei Stockwerken bestehendes Gebäude als 42x22
m gross, die Versicherungssumme beträgt 7.200 Fr.
Ausser dem Fabrikgebäude gibt es noch eine
zweite Unterbringung, wo sich der Dörrofen befindet, dieses
Gebäude ist auf 800 Fr. versichert.
Johann Moser allié Glausen stellt im
Jahr 1874 ein Baugesuch und scheint bereits mit der Einrichtung der
Fabrik nach einigen Monaten fertig zu sein. Die Fabrikation wird gleich
danach aufgenommen, obwohl noch keine Betriebsgenehmigung vorliegt.
Dies führt dazu, dass im September 1875 gegen Johann Moser , auf
Antrag des Regierungsstatthalters eine gerichtliche Untersuchung
vorgenommen wird, wo er auch zur einer Geldbusse von 5 Fr. verurteilt
wird. Von der ausgesprochenen Busse her scheint ein Vergehen gegen das
Fabrikgesetz nicht als besonders Strafbar angesehen worden sein. Die
Anzeige hat jedenfalls bewirkt, dass die geforderten Massnahmen im
Bereich der Einrichtung im nachhinein auch erledigt worden sind, was in
der Feststellung des Amtsarztes zu sehen ist.
Im Jahr 1880, es scheint im Zusammenhang mit
den eingeführten Verbot des gelben Phosphor, wird ein Anbau an das
bestehende Gebäude beantragt, um in Zukunft die Fertigung von sog.
schwedischen Zündhölzern zu ermöglichen.
|1876 - 1881 Frutigen (Altenweg)|

Johann Moser, Zündholzfabrik
Pächter: Christian Hari
Johann Moser beschäftigt sich mit der
Fertigung von Zündhölzern bloss eine ganz kurze Zeit. Bereits
im Jahr 1876, noch vor dem Verbot der Nutzung von gelben Phosphor, ist
die Fabrik an Christian Hari verpachtet. Eine offizielle
Betriebsgenehmigung für Hari ist nicht bekannt. Seine Unterschrift
ist aber unter der Fabrikordnung für die
Zündhölzchen-Fabriken im Amte Frutigen vom 16.09.1878 zu
finden. Christian Hari nutzt die Fabrikräume nur drei Jahre. In
der Fabrik werden 15 Arbeiter beschäftigt. Der Ausstoss
beträgt im Sommer 75-80 und im Winter 100 Kisten pro Woche.
|1881 - 1883 Frutigen (Altenweg)|

Johann Moser & Sohn
Zündholzfabrik
Pächter: Christian Hari
Obwohl die Nutzung von gelben Phosphor in
dieser Zeit verboten ist und die Fertigung von sog. schwedischen
Zündhölzern schon von der Einrichtung her nicht in Frage
kommt, versucht Moser im Altenweg immer wieder sein Glück. Die
erste Anzeige vom Landjäger wegen Nutzung vom verbotenen gelben
Phosphor wird am 3. November 1881 erstellt. Es kommt zur einer
Untersuchung und dem Richterspruch über 60 Franken Busse, sowie
der Vernichtung der noch vorhandenen Zündhölzchen. Dem ersten
Urteil folgt noch ein zweites. Die Fabrikation muss eingestellt werden.
Erst mit der Aussetzung des Verbots am 22.06.1882 kann die Fabrikation
wieder aufgenommen werden, was im Bericht des Amtsarztes für das
Jahr 1883 dargelegt wird.
Parallel zu der versuchten Fabrikation erfolgen verschieden Umbauten, um den Anforderungen des Gesetzgebers zu entsprechen.
|1883 - 1887 Frutigen (Altenweg)|

Johann Moser, Zündholzfabrik
Pächter: Sigmund Pieren
Im Jahr 1883 wird die Fabrik an Sigmund Pieren
verpachtet. Im Jahr 1884 meint der Fabrikinspektor der Firmenname
sollte nun auf Sigmund Pieren abgeändert werden. Dieser Antrag
wird aber nicht vollzogen, da die Fabrik weiter Eigentum von Moser
& Sohn ist. Pieren beschäftigt in der Fabrik 16 Arbeiter. Die
Fabrikation dauert bis in das Jahr 1887, wo der Pachtvertrag ausgeht,
die Fabrik ist nun stillgelegt. Im Jahr 1888 ist der ehemaliger
Pächter Pieren gestorben.
|1888 - 1895 Frutigen (Altenweg)|

Johann Moser
Zündholzfabrik
Am 19.09.1888 stellt Johann Moser an die
Direktion des Innern das Gesuch, die Fabrik im Altenweg wieder
betreiben zu dürfen. Die Genehmigung dafür wird unter einigen
Auflagen erteilt. Der Betrieb scheint nun unter der Regie von Moser
wieder aufgenommen zu sein. Johann Moser tritt am 11.2.1890 der
Zündwarengesellschaft Frutigen bei. Der Betrieb wird zu den
Grösseren zugeordnet, mit eine Ausschüttung von 80 Kisten,
deren Herstellung aber auf andere Betriebe aufgeteilt wird.
Im Kreisschreiben der Direktion des Innern vom
18.8.1890 ist die Notiz zu finden: “Momentan nicht
betrieben“. Der Regierungsstatthalter von Frutigen stellt im Jahr
1895 fest, daß die Fabrik seit 1882 ausser Betrieb sei, wobei
aber die Räumlichkeiten ab und zu benutzt werden.
|1896 - 1900 Frutigen (Altenweg)|

Johann Moser, Zündholzfabrik
Pächter: Kambli, Moser & Cie.
Der erste Hinweis, dass die Fabrik im Altenweg
nun von der Gesellschaft Kambly, Moser & Cie betrieben wird, stammt
aus dem Jahr 1895. Der Regierungsstatthalter von Frutigen stellt dazu
am 13.12.1895 fest, eine Fertigung Zündhölzern findet
eigentlich nicht statt. Für Johann Moser, dem Sohn des vor einigen
Jahren verstorbenen Johann Moser, hält eine Änderung bei der
Firmenbezeichnung als unwichtig. Das Fabrikgebäude selbst sei
Eigentum der Witwe Moser. Da hier aber wahrscheinlich weiter keine
Zündhölzer hergestellt worden sind, wird der Betrieb zum
18.12.1899 von der Fabrikliste gestrichen. Vermutlich im Zusammenhang
mit der Einführung des Verbots von Zündhölzern mit
gelben Phosphor vom 2.11.1898 steht das Bemühen der Firma vom
8.2.1900 um die Bewilligung zur Fabrikation von Zündhölzern
schwedischer Art. Die letzten sollen im Altenweg hergestellt werden, in
der Fabrik im Vordorf wiederum die überall entzündbaren
Zündhölzer. Dem Antrag wird entsprochen und auch bescheinigt,
dass entsprechende Veränderungen im Altenweg durchgeführt
worden sind.
Die Idee mit der Fabrikation im Altenweg wird
wieder fallengelassen, da am 3.7.1900 ein Gesuch gestellt wird, die
Schwedenhölzer in den Räumen im Vordorf zu fabrizieren.
Wie die Räumlichkeiten im Altenweg weiter genutzt worden sind, ist vorerst nicht näher bekannt.