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Männlich und weiblich. Bei den Schnecken ist es kein oder, sondern ein und. Die FN haben im Naturhistorischen Museum Freiburg mehr über die aussergewöhnlichen Weichtiere erfahren.
Die meisten Tiere haben entweder weibliche oder männliche Geschlechtsorgane. Schnecken haben jedoch beide Geschlechtsmerkmale. «Sie wechseln ihr Geschlecht nicht. Sie sind beides», so Sophie Giriens, Konservatorin der Sammlungen Zoologie im Naturhistorischen Museum Freiburg. «Es gibt die Hypothese, dass die ersten Tiere, die auf der Erde lebten, beide Geschlechtsorgane hatten.» Die Evolution habe dann ihren Lauf genommen und bei vielen Tieren hätte sich ein Geschlecht gefestigt – bei Schnecken nicht.
So geht das
Die Weichtiere können sowohl Eier legen als auch Spermien produzieren. Bei der Paarung verbinden sich die Schnecken über ein penisförmiges Organ aus Kalk und tauschen den Spermabeutel aus. Danach befruchten sie ihre Eizellen mit dem Beutel des anderen und legen dann die Eier. «Den Spermabeutel können Schnecken eine Weile lang aufbewahren und dann auch zu einem späteren Zeitpunkt gebären.»
«Theoretisch brauchen Schnecken keine Partner, um sich fortzupflanzen. In Krisenzeiten, wie einer Dürre, könnten sie ihren Fortbestand trotzdem sichern, indem sie sich selbst befruchten», sagt Giriens. Das sei jedoch auf lange Sicht nicht empfehlenswert, da es, «wenn man sich mit sich selbst fortpflanzt, keine Erneuerung des genetischen Erbes gibt, und die Nachkommen dann anfälliger für genetische Defekte sind.»
Noch andere Hermaphrodite
Schnecken seien jedoch nicht die einzigen Tiere auf der Erde, die diese Besonderheit haben. Auch gewisse Fische, Würmer und Muscheln sind Hermaphroditen – das heisst, sie haben beide Geschlechtsorgane. «Manche Fische können beispielsweise im Alter ihr Geschlecht wechseln. Zuerst sind sie Weibchen und dann Männchen, um stark genug zu sein, um ihr Territorium zu verteidigen», erläutert Giriens. Der Clownfisch macht das Gegenteil, um genug Gewicht und Energie für die Produktion von Eiern zu gewinnen.
Insgesamt sind fast sechs Prozent aller Tiere auf der Erde Hermaphroditen. «Lässt man die Insekten aus, weil sie einen sehr grossen Anteil der Tierpopulation ausmachen, dann sind fast 30 Prozent aller Tiere Hermaphroditen», sagt Giriens.