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Zumindest geben 76 Prozent der Befragten, die Kinder haben, an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein, während es bei den Kinderlosen nur 68 Prozent sind. Machen Kinder also wirklich glücklich?
Wenn wir diese Frage mal ganz objektiv betrachten, kann es ja wohl kaum sein, dass Menschen, die unter chronischem Schlafmangel leiden, anderen den Hintern putzen, hinter ihnen herräumen, sie bekochen und dafür weder Geld noch Dankbarkeit erhalten, glücklicher sind als solche, bei denen all das nicht Teil ihres Alltags ist.
Wenn ich das mal ganz subjektiv betrachte, hätte ich ohne Kinder keine Kaiserschnittnarbe und könnte Trampolin springen, ohne direkt aufs WC rennen zu müssen. Ich hätte nie eine Party verpasst, weil ein Kind die grandiose Idee hatte, sich an Silvester einen Draht so tief in den Zeigefinger zu bohren, dass man den Jahreswechsel in der Notfallaufnahme verbringen musste. Ich hätte all die Stunden in meinem Leben, die ich mit Dingen wie Helfen bei Hausaufgaben, Kinder zu Hobbys chauffieren oder Diskussionen über Taschengeld mit echt coolen Dingen verbringen können. Ganz zu schweigen von Elternabenden und all den Samstagen und Sonntagen in stickigen Turnhallen bei Handballmatches der weissichwievielten Liga.
«Hätte ich keine Kinder, wäre ich nicht die ganze Zeit jemandem peinlich, ausser ab und zu mir selbst.»
Hätte ich keine Kinder, müsste ich nicht jeden Morgen um sechs aufstehen und im Viertelstundentakt die Uhrzeit in zwei Teenie-Zimmer rufen, in der Hoffnung, sie schaffen es rechtzeitig in die Schule. Ich würde jeden Tag genau das kochen, was ich gern mag, und nicht das, von dem ich denke, dass es als eingermassen akzeptabel eingestuft wird, und das dann trotzdem skeptisches Augenrollen erntet. Ich wäre nicht die ganze Zeit jemandem peinlich, ausser ab und zu mir selbst. Wenn ich das Haus verlasse, wäre ich sicher, dass die Schuhe, die ich anziehen möchte, vor der Tür stehen und sich nicht an den Füssen eines Teenie-Girls, das gerade in der Schule ist, befindet.
Was ist denn Glück? Ich glaube nicht, dass es etwas ist, das man suchen, finden, festhalten kann. Und auch kein permanenter Zustand. «Glück sind Momentaufnahmen», sagte der grossartige Endo Anaconda. Der Moment, in dem ich meine 17-Jährige beim Schlafen beobachte (ich hoffe, sie liest das nicht, sie fände es voll «cringe», dass ich das manchmal am Morgen tue, bevor sie aufwacht), und sie immer noch aussieht wie das Baby, das sie mal war, mit ihren grossen Augen, dem Schmollmund und den Fäusten neben dem Gesicht. Der Moment, in dem mein 15-Jähriger mich anstrahlt und sagt «das war der perfekte Tag». Kinder relativieren vieles. Das Strahlen des Kindes, dem ich meine Kaiserschnittnarbe verdanke, macht die Tatsache, dass sie hässlich ist und manchmal immer noch weh tut, tausendmal wett. Trotzdem hoffe ich sehr, ich wäre auch ohne Kinder glücklich. Denn mein Glück ist nicht ihre Verantwortung.