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Der Gotteshausbund, der Obere oder Graue Bund und der Zehngerichte Bund waren Reaktionen zu Problemen im Gebiet des heutigen Kantons Graubünden und dauerte bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798. Diese Periode der Unsicherheiten im Kanton dauerten vom Mittelalter bis spät in die Neuzeit hinein.
Gotteshausbund
Als Bischof Peter Jelito alle seine Besitzungen gegen eine Rente an Habsburg übertragen wollte, reagierten die bischöflichen Untertanen gegen eine schleichende Übernahme des Bistums Chur durch das Haus Habsburg. Am 29. Januar 1367 gründeten deshalb die sogenannten Gottesleute in Chur den Gotteshausbund.
Unterzeichnet wurde die Urkunde von Abgesandten des Domkapitels, der bischöflichen Ministerialen, der Stadt Chur und der bischöflichen Gerichte Domleschg, Schams, Oberhalbstein, Oberengadin, Unterengadin und Bergell. Später schlossen sich weitere Gerichte an, beispielsweise 1408 das Puschlav und um 1450 die Vier Dörfer.
Das Unterengadin, Münstertal und der obere Vinschgau waren lange zwischen der Grafschaft Tirol und dem Bistum Chur umstritten. Während die ersten beiden die Herrschaft der Habsburger als Grafen von Tirol abschütteln konnten, schied 1618 das Gericht Untercalven (Chiavenna) als letzter Teil des Vinschgaus aus dem Gotteshausbund aus. Hauptort des Gotteshausbundes war die Stadt Chur.
Oberer oder Grauer Bund
Der Obere Bund, auch Grauer Bund genannt, entstand als Reaktion auf zahlreiche Fehden und Kleinkriege zwischen den Adelsgeschlechtern Belmont, Sax-Misox, Rhäzüns, Vaz, Werdenberg, dem Kloster Disentis und dem Bischof von Chur.
Am 16. März 1424 wurden die seit 1395 bestehende Bündnisse zwischen einzelnen Adligen und deren Untertanen in Trun als Oberer oder Grauer Bund auf ewige Zeiten verlängert.
Den Bund beschworen in Trun:
• Der Abt und das Gericht Disentis,
• der Freiherr von Rhäzüns für sich, seine Herrschaft Rhäzüns und die Gemeinden Safien, Tenna und Obersaxen,
• der Graf von Sax-Misox für sich und die Gerichte Ilanz, Gruob, Lugnez, Vals, Castrisch und Flims,
• der Graf von Werdenberg-Heiligenberg mit allen seinen Untertanen sowie die Gerichte Trins und Tamins,
• die Freien ob dem Flimserwald sowie die Gemeinden Rheinwald und Schams.
• Noch vor 1440 traten die Herrschaften Löwenberg, Thusis, Tschappina und Heinzenberg bei, denen der Graf von Werdenberg-Sargans ursprünglich den Beitritt untersagt hatte.
• 1441 schloss sich das Kloster Cazis an,
• 1480 die Nachbarschaften Mesocco und Soazza im Misox und
• 1496 als Letzter der Graf von Misox, Gian Giacomo Trivulzio, mit den Gerichten Misox und Calanca. Hauptort des Grauen Bundes war Ilanz.
Zehngerichtebund
Nach dem Aussterben der Grafen von Toggenburg schlossen deren Untertanen im heutigen Graubünden am 8. Juni 1436 einen Bund, der gegenseitige Hilfe und ewige Ungetrenntheit der Teilnehmer vorsah.
Beteiligt waren die Zehn Gerichte Belfort, Davos, Klosters, Castels, Schiers, Schanfigg (St. Peter), Langwies, Strassberg (Churwalden), Maienfeld (Stadt und Schloss) und Neu-Aspermont (Hohe Gerichtsbarkeit über Jenins und Malans). Hauptort des Bundes war der Flecken Davos. Auch dieses Bündnis richtete sich hauptsächlich gegen die Expansion Habsburgs nach Graubünden.
Ausnahmen
Nicht zu den Drei Bünden gehörten die Freiherrschaften Haldenstein und Tarasp. Landesherren über die Herrschaft Rhäzüns waren seit 1497 die Habsburger, das Gericht Rhäzüns verblieb jedoch im Grauen Bund.
Seit 1497/98 waren die Drei Bünde als Zugewandte Orte mit der Eidgenossenschaft verbunden. In den Mailänderkriegen gelang 1512 die Eroberung von Worms (Bormio), Veltlin (Valtellina) und Cleven (Chiavenna) als gemeinsame Untertanengebiete. Diese Talschaften gingen 1797 jedoch wieder verloren und gehören heute zu Italien.
Einen Spezialfall bildete die Bündner Herrschaft, die 1509 von den Drei Bünden als weitere gemeinsame Herrschaft erworben wurde. Die Mitgliedschaft der Gerichte Maienfeld und Neu-Aspermont im Zehngerichtebund blieb dabei bestehen, so dass die Einwohner gleichzeitig Untertanen und Herren über sich selbst waren.