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Die Eisenbrücke über das Aawasser mit Sonntagsspaziergängern, aufgenommen kurz vor ihrem Abtransport nach Wolfenschiessen, wo sie heute noch ihren Dienst tut. Foto aus dem Jahre 1953, anlässlich der Verbreiterung der Ennetbürgerstrasse. Hierzulande spricht niemand von der "Engelbergeraa", wie der Fluss auf den Landkarten genannt wird. Wir Einheimischen reden vom "Aawasser", und der vor Jahren verstorbene Lokalhistoriker Josef Achermann (1897-1983) nennt ihn gar den "wilden Surenenchnab". In den früheren Zeiten ergoss sich das Aawasser in mehreren Armen in den See, und zwar in Stansstad und in Buochs. Im 15. Jarhhundert kam es zu einer Flusskorrektion.
Die Aa bildete früher oft Gegenstand von Streiterein zwischen den Genossen von Buochs-Bürgen und den Ürtnern von Oberdorf bzw. den Dorfleuten von Stans. Denn nach heftigen Unwettern oder aber bei starker Schneeschmelze suchte sich der Fluss oft einen neuen Lauf. Dabei kam es zwischen den Anstössern zu gegenseitigen Beschuldigungen, man habe durch den Bau von Schanzeinlagen oder Wuhren das Flussbett zum eigenen Vorteil verändert. Im 16. Jahrhundert begann man, sich über Verbesserungen Gedanken zu machen. Flusslauf nach Buochs
Zunächst galt es, den Ort zu bestimmen, wo das Aawasser in den See einfliessen solle. Nach längerem Tauziehen wurde Buochs dafür bestimmt. Dieser Beschluss führte, was man damals freilich nicht mitberücksichtigt hatte, zu einem Wasseraustausch in unserem Seebecken. Nun galt es, den meandrierenden Lauf der Aa zu begradigen und zugleich zu beidseitig Dämme anzulegen, wozu das ganze Land Frondienste leisten musste. Allerdings wurden zu diesen Leistungen die "profitierenden" Buochser und Ennetbürger stärker herangezogen als die übrigen Landleute. Eine von den Buochsern ausbedungene Probezeit von zehn Jahren blieb natürlich illusorisch, denn nach der Begradigung im Jahre 1586 dachte niemand mehr daran, den alten Zustand wieder einzuführen, was ja wieder mit Aufwand verbunden gewesen wäre. Aber auch nach dieser Korrektion blieb die Aa ein wilder Geselle. Immer wieder kam es bei Hochwasser zu Dammbrüchen mit Überschwemmungen. Der Unterhalt ihres Laufes bildete eine Daueraufgabe. Ein jeweils von der Landsgemeinde eingesetzter Aawasservogt hatte periodisch die Wuhren zu kontrollieren und dann Ausbesserungsarbeiten anzuordnen. Die Ausführung oblag allerdings den Anstössern, und die Arbeitseinheit die zu leisten war nannte man "Kuhfuhr", also die Arbeit, die ein Kuhgespann an einem Tag zu bewerkstelligen imstande war. Die Genossen von Buochs-Bürgen hatten bei solchen Leistungen 50 Kuhfuhren zu erbringen. Hochwasser und ihre Folgen
Die grosse Überschwemmung vom 10. August 1806 führte dazu, dass man begann, die Dämme wasserseitig mit grossen Steinplatten oder Steinquadern zu verfestigen. Die Steine hierzu wurden am Bürgenberg gebrochen und im Winter, wenn der Boden gefroren war, über die Allmend an den Flusslauf gefahren. Waren dazu fremde Facharbeiter von Nöten, so wurden diese aus dem Erlös von der Kuh- und Rindersömmerung auf der Allmend entlohnt.
Seit der Überschwemmung vom August 1876 stellte Buochs eine zwölfköpfige Pikettmannschaft, die, sobald Hochwasser drohte, in Aktion zu teten hatte. Bis zum verhängnisvollen 10. Juni 1910 richtete das Aawasser keine grösseren Schäden mehr an. Da führte tagelanger warmer Regen, verbunden mit der Schneeschmelze, zu einem starkten Anschwellen. Oberhalb der Bürer Brücke brachen die Dämme, und die Wassermassen ergossen sich über die Stanser und Buochser Allmend. Der Vierwaldstättersee stand damals gegen 30 Zentimeter über dem Niveau der Schiffbrücke, wie eine heute verschwundene Marke am alten Stationsgebäude angezeigt hat. Der Regierungsrat schaltete rasch. Bereits im Oktober 1910 erliess eine Extralandsgemeinde ein Gesetz über die Korrektion der Aa. Für eine Sanierungszeit von zwölf Jahren wurden jährlich 50'000 Franken zu Verfügung gestellt, was 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachte. 50 Prozent leistete der Bund, fünf Prozent die beteiligten Gemeinden und den Rest die Besitzer der angrenzenden Güter. Bereits 1912 wurde ein Kataster der bedrohten Liegenschaften erstellt, und die Liegenschaften hatten entsprechend der Einteilung ihren Perimeterbeitrag zu leisten. Heute trägt der Kanton den ganzen Unterhalt der Wuhren allein. Im Jahr 1953 entstand nochmals eine kritische Situation. Dabei musste der alte Steg beim protestantischen Kirchgemeindehaus gesprengt werden, weil er das Schwemmholz zurückstaute.
Wenn das Aawasser heute relativ harmlos dahin fliesst, ist das verschiedenen Verbauungen und Dammerhöhungen (die letze erfolgte 1991/1992), aber auch den Auffangbecken der Kraftwerke Engelbergertal zu verdanken.
Von Bruno Amstad und August Cueni aus dem Buch "Buochs in Wort und Bild" erschienen 1994