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Bedeutung sein, da ein Erwachsener in 24 Stunden etwa 9000 Lit. Luft einatmet und die Wirkung gewisser schädlicher Beimengungen bei längerm Aufenthalt in unreiner Luft sich von Tag zu Tag summiert.
Der Beschaffenheit des Waldbodens muß in Bezug auf viele ansteckende Krankheiten eine sehr wichtige Rolle zugeschrieben werden. Wie die höhern Gewächse nicht auf jedem Boden gedeihen, so brauchen auch die verschiedenen Spaltpilzarten zu ihrem normalen, kräftigen Wachstum besondere Nährstoffe und physikalische Bedingungen, die nicht in allen Bodenarten in genügender Weise geboten sind. Nun ist der Waldboden sehr reich an organischer Substanz, aber die abgefallenen Blätter und Nadeln [* 2] sind arm an Eiweißkörpern, Kalisalzen und Phosphaten, und daher bildet der Waldhumus für die Bakterien im allgemeinen einen viel schlechtern Nährboden als der Humus in Acker- und Gartenland, im verunreinigten Boden der Städte und Dörfer, der aus stickstoffreichen tierischen Stoffen entstanden ist und meist auch durch infiltrierende Jauche noch reicher an Nahrungsstoffen wird.
Die neutrale oder schwach alkalische Reaktion dieser organischen Massen entspricht den Bedürfnissen der meisten Spaltpilze, besonders der pathogenen Bakterien, weit mehr als die saure Beschaffenheit vieler Waldböden und der Torfböden, derer freie Säure die Entwickelung der meisten Spaltpilze hemmt. Durch viele Untersuchungen ist dies für die pathogenen Bakterien direkt nachgewiesen worden. Alle Pilze [* 3] fordern für ihr Gedeihen ausreichende Wassermengen.
Während aber Schimmelpilze mit mäßigem Feuchtigkeitsgrad sich begnügen, sind die meisten Spaltpilze an einen Boden gebunden, der noch bis zu einem gewissen Grade tropfbarflüssiges Wasser enthält. Cholerabacillen [* 4] bleiben in feuchter Umgebung monatelang lebensfähig, gehen aber durch Austrocknen in wenigen Stunden zu Grunde, während Typhusbacillen Trockenheit sehr lange ertragen. Ein mit organischen Stoffen verunreinigter Boden, der so trocken gelegt ist, daß er nur vorübergehend durch Regen benetzt wird, gestattet nur das Wachstum von Schimmelpilzen und unschädlichen saprophytischen Spaltpilzen, während pathogene Bakterien verkümmern und bald zu Grunde gehen.
Ein gut gepflegter Wald entzieht nun dem Untergrund so viel Wasser, daß selbst der Stand des Grundwassers dadurch beeinflußt werden kann. Hierbei zeigt sich zwischen Buchen- und Nadelwald ein großer Unterschied. Im Winter und Frühjahr gibt ersterer erheblich mehr Wasser in größern Tiefen ab als letzterer, teils weil dann die Bäume entlaubt sind, teils weil die Buche infolge ihrer Bewurzelungsweise den Boden lockerer und poröser erhält als die Fichte. [* 5] Die entsumpfende Wirkung der letztern und der Kiefer hat sich vielfach vorzüglich bewährt.
Dazu kommt nun noch die beträchtliche niedrigere Temperatur des beschatteten Waldbodens, zumal der obern Bodenschichten im Sommer, welche der Entwickelung der pathogenen Bakterien ungünstig ist und das Wachstum der Schimmelpilze wenig hemmt. Der Waldhumus zeigt sich dann auch von Schimmelfäden völlig durchzogen. Aber wenn auch im Waldboden schädliche Pilze vorhanden wären, würde deren Übergang in die Luft sehr erschwert oder ganz verhindert sein, da der Waldboden kaum jemals so vollständig austrocknet, daß es zur Staubbildung kommt.
Adametz fand in 1 g Erde von der Oberfläche eines Sandbodens 380,000, eines Lehmbodens 500,000 Spaltpilze, während Emmerich [* 6] in zehn Humussorten aus Fichten- und Buchenwäldern in 1 ccm nur 170,000-190,000 Bakterien nachweisen konnte. Diese Bakterien waren saprophytischer Art; pathogene Bakterien aber, wie sie in jedem mit tierischen Stoffen gedüngten oder verunreinigten Boden vorkommen, fanden sich in dem Waldboden nicht. In geschlossenen, schattigen Wäldern verwesen unter sonst gleichen Verhältnissen die organischen Stoffe langsamer als im wärmern Ackerboden.
Die Differenzen sind um so größer, je dichter die Bäume stehen, je kälter der Boden durch Beschattung wird, je mehr Niederschläge vom dichten Kronendach zurückgehalten werden, und je seltener und schwächer die Bodenoberfläche benetzt wird. Ferner sind im Waldboden keine oder nur geringe Spuren von salpetersauren Salzen nachzuweisen, während gedüngte Acker- und Gartenböden größere Mengen derselben enthalten. Selbst die Quellen und Bäche, welche in bewaldeten Gebirgen entspringen, sind frei von Salpetersäuresalzen, woraus folgt, daß der die Salpetersäure erzeugende Mikroorganismus im Waldboden keine geeigneten Verhältnisse findet.
Kohlensaurer Kalk hebt die saure Beschaffenheit des Waldhumus auf, und daher zeigt sich kalkreicher, humushaltiger Waldboden an lichten Stellen, wo die Sonne [* 7] freien Zutritt hat, etwas reicher an Salpetersäure. Auch im Innern größerer älterer Streuhaufen ist mehr Salpetersäure enthalten. Hier wirkt die erhöhte Wärme [* 8] und Feuchtigkeit begünstigend, und es zeigt sich wieder, daß die gewöhnlichen Verhältnisse in der obern Schicht des Waldbodens für die Entwickelung von Bakterien wenig geeignet sind. Vom hygienischen Standpunkt aus könnte man den Waldboden als rein, siechfrei bezeichnen. Wo aber reiner Boden sich findet, da ist auch reine Luft und reines Quellwasser vorhanden.
Baumpflanzungen in Städten wirken, wie oben ausgeführt, keineswegs durch die angebliche Bereicherung der Luft an Sauerstoff, aber die Bäume entwässern den Boden bis zu einer gewissen Tiefe, erhalten ihn im Sommer kühler, nehmen die Zersetzungsprodukte menschlicher und tierischer Auswurf- und Abfallstoffe als Nahrungsmittel [* 9] auf, verhindern durch eine Humus- oder Laubdecke die Staubbildung und lassen vorhandene Bodenpilze nicht in die Luft gelangen. Die in Indien gemachte Beobachtung, daß der ein Schutzmittel gegen die Ausbreitung der Cholera bildet, ist auch in Europa [* 10] bestätigt worden. 1854 waren die zahlreichen und stark bevölkerten Ortschaften im Donaumoos von einem Gürtel [* 11] von Ortsepidemien umgeben, ohne daß sich die Krankheit epidemisch ins Donaumoos hinein fortsetzte, obwohl die arme Bevölkerung [* 12] der betreffenden Ortschaften doch gewiß sehr disponiert war.
Der Boden des Donaumooses besteht aus sauer reagierendem Humus und bildet daher wie Waldhumus kein geeignetes Nährmaterial für gewisse Bakterien. In Nordamerika [* 13] blieben 1888 die Flüchtlinge, welche vor der sehr verbreiteten Gelbfieberepidemie in Fichtenwälder sich begeben hatten und hier in Zelten oder kleinen Bretterbuden lebten, völlig verschont. Auch bei Wechselfieber, dessen Erreger einen warmen und nassen Boden fordert, haben sich Anpflanzungen günstig erwiesen. Gräben mit stagnierendem Wasser und zeitweise austrocknendem Grund und Boden, austrocknende Seen und Moräste, periodische, länger anhaltende Überschwemmungen durch schlecht regulierte Flüsse [* 14] und Bäche, versumpfte Böden, in welchen das Grundwasser [* 15] zu gewissen Zeiten nahe an die Oberfläche tritt, zur Trockenheit wieder bis zu einer gewissen Tiefe sinkt, kurz alle Böden, die abwechselnd ¶
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naß und trocken werden, sind für den Gesundheitszustand um so bedenklicher, je höher die Temperatur im Sommer steigt. Verbessert werden die Gesundheitszustände durch zweckmäßige Entwässerung, durch Anbau landwirtschaftlicher Kulturgewächse, namentlich dicht stehender Gras- und Kleearten, Mais etc. Viel wirksamer aber ist ein gut gepflegter Wald mit normalem Bestandesschluß. Vielfach unterbrochener Kronenschluß und kümmerlich entwickelter Baumwuchs hindern die günstige hygienische Wirkung, die nur eintritt, wenn man, wie auch bei Aufforstung auf nassem Terrain, regelmäßige Entwässerungsanlagen vornimmt.
Daß der Wald, wenigstens außerhalb des tropischen Gebietes, der Entstehung und Verbreitung des Wechselfiebers entgegenwirkt, hat man schon lange gewußt, und im Kirchenstaat standen deshalb die Wälder unter dem Schutz sehr strenger gesetzlicher Bestimmungen. Es lassen sich viele Fälle nachweisen, in denen durch Entwaldung eine Verschlimmerung, durch Wiederbewaldung dagegen eine Verbesserung der öffentlichen Gesundheit hervorgerufen wurde. Einen überraschend günstigen Erfolg hat man in der Gegend des Trappistenklosters Tre Fontana bei Rom [* 17] durch ausgedehnte Anpflanzungen von Eucalyptus globulus, E. resinifera u. a. erzielt.
Diese Pflanzungen sind jetzt 20 Jahre alt, und der Gesundheitszustand der Kolonie hat sich in einer Weise gebessert, daß von Gefahr keine Rede mehr ist. In der bayrischen Festung [* 18] Germersheim in der Rheinpfalz trat früher das endemische Wechselfieber in der heißen Jahreszeit so stark auf, daß der Ort sehr gefürchtet war. Seitdem aber die Glacis, Wälle und Grabenränder mit Gras, Ziersträuchern und Zierbäumen dicht bepflanzt sind, läßt sich eine geradezu überraschende Abnahme des Wechselfiebers feststellen.
Während 1859 bei einer Präsenzstärke von 5895 Mann 59 Proz. erkrankten und die Morbidität an Wechselfieber 1854-63 durchschnittlich 35 Proz. der Präsenzstärke betrug, sank sie 1877-86 auf 1 Proz. herab. Ähnliche Erfahrungen hat man in der Solagne, südlich von Orléans, [* 19] gemacht, die großen Sümpfe in Virginien und Carolina sind selbst für Europäer ganz ungefährlich, solange sie mit Wald bedeckt bleiben, die Luft wird aber ungesund, wenn der Wald gefällt ist. In Holland wurden Hunderttausende von Hektaren der Überschwemmung ausgesetzten Grundes urbar und bewohnbar gemacht durch Weidenpflanzungen. Durch dasselbe Mittel wurde die Bevölkerung in der sumpfigen Niederung des Flüßchens Now bei Aachen [* 20] vom Wechselfieber befreit.
Vgl. Ebermayer, Die Beschaffenheit der Waldluft (Stuttg. 1885);
Derselbe, Physikalische Einwirkungen des Waldes auf Luft und Boden (Aschaffenb. 1873);
Pettenkofer, Verbreitung der Cholera in Indien (Braunschw. 1871);
Frankhauser, Forstliche Reiseskizzen (Zürich [* 21] 1885).