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Der literarische Held meiner Jugend ist heute gestorben. Keiner schrieb poetischer und wortgewaltiger als er. Das erste Buch, das ich von ihm las, vor einem halben Leben, war Hundert Jahre Einsamkeit. In der Zwischenzeit habe ich viele Romane vieler Autoren gelesen, doch gewiss keinen besseren. Hundert Jahre Einsamkeit bleibt unerreicht.
Alles verschlungen von diesem Mann, nichts habe ich ausgelassen.
Wieder mal diesen Roman zur Hand nehmen, der alles veränderte. Um des Grössten zu gedenken.
Wolfgang Herrndorf wurde 2012 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Er konnte den Preis nicht mehr selber entgegennehmen, seine Krebserkrankung hinderte ihn daran. Durch einen Freund liess er ein afrikanisches Sprichwort übermitteln:
Die Sonne geht immer hinter der Düne unter, die dir gerade am nächsten ist.
Gestern Abend setzte er seinem Leben am Ufer des Hohenzollernkanals in Berlin ein Ende, wo er sich erschoss.
Bei Len Sassamans Tod im Juli letzten Jahres habe ich etwas über Twitter gelernt. Darüber wird zu berichten sein. Vielleicht vergesse ich es. Aber wenn nicht, dann!
Bild oben: Dan Kaminsky hat seinen Freund in der Bitcoin block chain verewigt. Dort bleibt er jetzt und zwar für immer.
Wenn ich den Economist lese, dann beginne ich meistens mit dem Nachruf auf den letzten Seiten. So auch gestern, als ich eine November-Ausgabe aufschlug, die mir Thom dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Die Ernüchterung und Erschütterung war gross, als ich feststellen musste, dass von mir unbemerkt zwei grosse der Computerwissenschaft die Bühne still und leise verlassen hatten: Dennis Ritchie und John McCarthy starben am 8. bzw. 24.Oktober 2011. Beides Mathematiker (natürlich), beides Koryphäen auf ihrem Gebiet. Ritchie hat die Programmiersprache C erfunden (für Hacker), McCarthy die Sprache LISP (für Über-Hacker). Ritchie hat mit C das grossartige Betriebssystem UNIX geschrieben, McCarthy wollte mit LISP einen intelligenten Computer bauen (Stichwort: artificial intelligence). LISP ist unglaublich elegant und mächtig, C ist unglaublich praktisch (in den Händen von jemandem, der weiss, was er tut).
Ritchie und McCarthy werden uns fehlen.
Interessant: am heutigen Tag (14.Januar 2012) hält eine andere Legende der Informatik einen Vortrag im Audimax der ETH Zürich: Donald Knuth. Sein Beitrag trägt den Titel: All Questions Answered.
Geht hin, wenn ihr Zeit habt.
Auch wieder so ein schöner Satz aus einem Economist-Nachruf (auf Dan Warren und Fred Shuttlesworth):
[… in 1963 police fire-hoses smashed him against a wall.] Again, God said: “Not yet.”
Bernhard Luginbühl, der Eisenmann, der Schrottkünstler, ist am Samstag friedlich entschlafen. Aus Abfall schuf er gutmütige Monster und Riesen, viele Jahre zusammen mit Jean Tinguely. Seinen Skulpturenpark in Mötschwil wollte ich schon seit geraumer Zeit besuchen. Vielleicht in diesem Sommer. Endlich.
Luginbühl pflegte zu sagen: Gross muss alles sein.
Gross muss alles sein.
Vor einigen Tagen ist Randy Pausch nach langem Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben. Seine Last Lecture hat mich und hunderttausende anderer wahrhaft inspiriert. Nicht nur war er ein Computerpionier (Virtual Reality) der beinahe alle seine Kindheitsträume verwirklicht hat, viel mehr noch war er bis zum Ende ein schillernder glühender Optimist. Das wichtigste, was ich von ihm gelernt habe:
You cannot change the cards your are dealt, just how you play the hand.