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"Nachdem die Landwirtschaft mehr als ein Jahrhundert lang ein schrumpfendes Gewerbe war, wird sie jetzt wieder zu einem prosperierenden Wirtschaftsbereich." Dies ist die Schlussfolgerung von Harald von Witzke, welche er in seiner Rede anlässlich der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Bauernverbandes vom Donnerstag, 20. November 2008 in Bern gezogen hat. Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird laut von Witzke künftig stark zunehmen, in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts werde sie sich verdoppeln. "Die Produktion wird aber nicht mithalten können", sagte von Witzke. Bis ins Jahr 2020 könne die landwirtschaftlich nutzbare Fläche um lediglich fünf Prozent ausgedehnt werden, wobei das grösste Potenzial der Bodenreserven in Lateinamerika liegt.
Weil die Pflanzen- und Tierzucht ausgeschöpft sei und die Gelder für die Agrarforschung seit den Achtzigerjahren drastisch abgebaut wurden, nehmen laut von Witzke die Produktivitätsfortschritte künftig ab. Hinzu komme, dass Wasser – wovon 70 Prozent von der Landwirtschaft verbraucht werde – knapper und teurer werde, die Nachfrage nach Bioenergie steige und die Entwicklungsländer wegen dem Klimawandel noch mehr Nahrungsmittel importieren müssten. "All diese Faktoren führen dazu, dass die Weltmarktpreise für Agrargüter langfristig steigen", sagte von Witzke.
Relativ gute Nachricht
Werden Agrargüter teurer, ist dies laut von Witzke zwar für die Bauern in der Schweiz und in Europa eine gute Nachricht. Doch er relativierte sogleich: "Die Preissteigerungen werden moderat ausfallen." Auch würden die Produktionskosten für die Bauern ansteigen, allen voran würde der Boden teurer werden. "Je höher die Nahrungsmittelpreise sind, desto höher sind die Pachtpreise", so von Witzke. Deshalb habe derjenige Bauer, der auch Landbesitzer sei, am meisten von der Preissteigerung der Agrargüter.
Auch würden steigende Weltmarktpreise für Agrargüter dazu führen, dass die weltweite Nahrungsmittelversorgung zu einem politischen Problem werde. Pro Jahr würde die Anzahl der hungernden und mangelernährten Menschen um vier Millionen zunehmen. Mit steigenden Nahrungsmittelpreisen würde sich die Situation noch verschärfen. Zudem würden steigende Nahrungsmittelpreise allen voran für die Entwicklungsländer Anreize schaffen, Wälder zu roden, um auf der Fläche Nahrungsmittel zu produzieren. "Dies ist verheerend, denn 18 Prozent des vom Menschen verursachten Klimawandels wird durch die Brandrodung verursacht", sagte von Witzke. Das sei mehr als die weltweite Industrieproduktion und das weltweite Transportwesen verursachen würden.
Wie kann also der Welthunger und die Klimaerwärmung eingedämmt werden, wenn die landwirtschaftliche nutzbare Fläche begrenzt ist? "Die landwirtschaftliche Produktion muss gesteigert werden", sagte von Witzke. Dies sei nur möglich, wenn künftig die Politik die Rahmenbedingungen setze, damit wieder vermehrt in die Agrarforschung investiert werde.
Zur Person
hs. Harald von Witzke ist Professor und Leiter des Fachgebiets "Internationaler Agrarhandel und Entwicklung" an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin.