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des Bischofs Bernward von Hildesheim, der als Erzieher und Reichskanzler Kaiser Ottos III. von großem Einfluß, eifriger Kunstfreund und selbst ausübender Künstler war. (+ 1053.) Aus seiner Zeit stammen u. a. die Erzthüren des Hildesheimer Domes, dann die eherne 15 Fuß (4,7 m) hohe Christussäule im Domhof, auf welcher in Nachahmung der Trajanssäule die Geschichte des Erlösers in Flachbildnerei dargestellt ist. (Sie war vielleicht ursprünglich dazu bestimmt, die Osterkerze zu tragen.) In der Magdalenakirche, welche das Grabmal Bernwards enthält, finden sich ferner zwei aus einer Silbermischung gegossene Leuchter, die aus seiner Werkstätte herrühren. Diese Arbeiten sind allerdings noch unbeholfen und lassen erkennen, wie wenig die Arbeitsfertigkeit noch ausgebildet war; sie bezeugen aber auch, daß die Künstler nicht sklavisch sich an Vorbilder hielten, sondern selbständig und unbefangen ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen versuchten.
Im Gegensatze zu der starren, schulmäßigen Darstellungsweise der Byzantiner erscheint hier die Auffassung als eine naturalistische, und wenn auch noch die Fähigkeit fehlt, die natürlichen Formen sicher wiederzugeben, das richtige Gefühl für dieselben giebt sich doch immer kund. Dies gilt von allen Werken aus dieser Zeit, unter denen namentlich verschiedene Grabplatten aus Bronzeguß - in den Domen zu Merseburg, Magdeburg, Quedlinburg u. a. O. - bemerkenswert sind.
Der Ruf der sächsischen Erzgießer war damals weit verbreitet und ihre Werke scheinen auch ins Ausland gegangen sein. Nur in den Niederlanden, zu Dinant an der Maas, findet sich um 1100 eine Werkstätte, die mit den sächsischen wetteifert und treffliche Arbeiten liefert. Der Erzguß herrscht im ganzen 11. Jahrhundert vor, von Werken in Holz und Stein sind nur sehr wenige vorhanden und diese sind durchweg plump und roh. Die eigentlichen Künstler verschmähten offenbar diese Stoffe. Das älteste Flachbildwerk in Stein, welches künstlerisch bedeutsam erscheint, stammt aus dem Jahre 1115; es ist die in die Felswand gehauene Kreuzabnahme an den Externsteinen (Eggestersteinen) im Teutoburger Walde. In der Zusammenstellung der Gruppe, wie in der Behandlung der einzelnen Gestalten giebt sich ein bedeutender Fortschritt kund, die Formen sind kraftvoll und bezeichnend, die Bewegungen edel und maßvoll. (Fig. 258.)
Im Laufe des 12. Jahrhunderts gewannen die deutschen Bildner nun immer mehr Gewandtheit und Sicherheit in der Beherrschung der Form, und im 13. Jahrhundert schaffen sie Kunstwerke von vollendeter Schönheit. Der Stoff ist jetzt nur selten noch Bronze,
^[Abb.: Fig. 274. Miniatur aus den Psalmen Davids.
München, Staatsbibliothek.] ¶
sondern vorwiegend Sandstein oder Stuck und Holz. Der Stuck wurde nicht gegossen, sondern wie Holz mit dem Messer geschnitzt. Die Bildwerke wurden vielfach auch vollständig bemalt, vor allem jene, die zum Schmuck der inneren Räume der Kirchen dienten, welche auch ausgemalt waren, so daß eine Uebereinstimmung erzielt wurde. Ueberhaupt sind die Bildwerke ungemein verständnisvoll den Bauwerken angepaßt, die zu zieren ja ihre Bestimmung war, und manche anscheinende Mängel - z. B. in den Verhältnissen der Figuren - finden darin ihre Erklärung.
Auch für die Meister dieser Zeit ist das Endziel Naturwahrheit, sie tritt aber in abgeklärter Schönheit uns entgegen. Die Gestalten zeigen eine hoheitsvolle Ruhe in der Haltung und dabei volle Lebendigkeit; in den ebenmäßig und edel gebildeten Köpfen tritt der geistige Ausdruck mit bewundernswerter Kraft hervor, die Gewandung ist vortrefflich behandelt, namentlich der Faltenwurf natürlich und geschmackvoll; im ganzen trägt jede Figur eine bezeichnende «persönliche» Eigenart in lebensvoller Weise zur Schau. In diesem letzteren Punkte giebt besonders der germanische Kunstgeist sich kund, der nicht auf urbildliche Darstellung, sondern auf das Einzelpersönliche gerichtet ist und daher eine reiche Mannigfaltigkeit der Erscheinungen schafft. Nicht minder vorzüglich sind die Beziehungen zwischen den Einzelfiguren von Gruppen in den entsprechenden Bewegungen wiedergegeben, und dort, wo ganze Vorgänge - wie bei verschiedenen Flachbildwerken - dargestellt werden, geschieht dies in einer so kräftigen, lebhaft bewegten Weise, daß die innere Bedeutung der Handlung deutlich hervortritt; dabei wird bei aller Natürlichkeit doch mit feinem Geschmack Maß gehalten.
Wohl gilt das vorstehend Gesagte nur von den gereiften Meisterwerken, immerhin finden sich aber auch bei den minderen Arbeiten des 12. Jahrhunderts wenigstens einzelne dieser Vorzüge, bald Züge von Anmut oder kräftigem Ausdruck, bald bezeichnende und lebendige Stellung oder Bewegung. Nur in der Darstellung des nackten Körpers zeigt sich noch eine ziemliche Unbeholfenheit, was wohl begreiflich ist, da hierfür noch die Schule fehlte, während bei der Gewandung sich der sichere Blick für das natürlich Gefällige bekundet.
Die Hauptstätte der reifen Kunstthätigkeit blieb auch jetzt Sachsen, und von hier aus wurden die Nachbargebiete beeinflußt. Hildesheim, Halberstadt, Wechselburg, Freiberg, Braunschweig, Naumburg, dann auf fränkischem Boden Bamberg, weisen die vorzüglichsten Arbeiten auf; doch finden sich auch an anderen Orten einzelne beachtenswerte Stücke. Auch die verschiedenen Kunstsammlungen (z. B. Germanisches Museum in Nürnberg) enthalten solche, welche die Eigenart dieser romanischen Bildnerei gut erkennen lassen.
Frankreich und England. Nordfrankreich und England treten in diesem Zeitraum mit keinen bemerkenswerten Leistungen in der Bildnerei hervor, wohl aber treffen wir solche im südlichen Frankreich, sowie im Gebiete von Burgund. Dieses nimmt eine eigenartige Mittelstellung ein; manche Züge erinnern an die deutsche Kunstweise, während andererseits auch der in Südfrankreich geltende Einfluß der Antike sich bemerkbar macht. Im ganzen sind
^[Abb.: Fig 275. Deckenmalerei aus dem Dom zu Hildesheim.] ¶