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Frühlingsserenade
Durch die Länge des Tages und die milderen Temperaturen angeregt, beginnen die einheimischen Vögel eifrig zu singen. Die Amsel verfügt über die schönsten Melodien, im Gegensatz zum — wenn auch fröhlichen — Leiergesang der Kohlmeise, den man mit titü titü titü übersetzen könnte. Sehr wenige Vögel verbleiben in Bauzonen. Rotkehlchen, Kernbeisser, Gimpel und Erlenzeisig, die treuen Besucher der Futterstellen, sind in die Wälder zurückgekehrt. Es verbleiben lediglich Grünfink, mit seinem näselnden dvüit, Buchfink, Girlitz und Spatzen, Distelfink und seit etwa zwanzig Jahren der aus den Berggegenden stammende Birkenzeisig sowie ein Neuankömmling: die Türkentaube.
Der Buchfink ist der häufigste Vogel in unserem Lande; in Zürich soll er mehr als 13% aller Vögel ausmachen. Dieser Fink, der sich im Winter von Samen ernährt, die er am Boden findet, holt sich im Sommer Insekten von den Bäumen. Man findet ihn in Dichten von 20 bis mehr als 200 Paaren pro Quadratkilometer überall dort, wo Bäume von mehr als 6 m Höhe stehen. Davon ausgehend schätzt man, dass etwa 2 Millionen Paare in der Schweiz nisten.
Man kennt mindestens 20 verschiedene Buchfmkrufe, alle angeboren ausser dem Gesang und dem Balzruf. Letzterer weist die Besonderheit auf, von Ort zu Ort zu wechseln. Bereits 1951 hat Michel Desfayes versucht, die Verteilung der Varianten im Wallis zu kartographieren. In der Fortpflanzungsperiode überzieht sich der Kopf des männlichen Finken mit einer prächtigen grau-blauen Färbung. Durch Abnützung der terminalen, braunen Partie lassen die Federn die bläuliche Farbe ihrer Basis durchscheinen.
Von grossen Bäumen herab sind auch der Gartenbaumläufer, der Kleiber und Spechte zu hören. Der Grünspecht, der im Januar täglich eine einzige Strophe sang, unterbricht von jetzt an sein "Lachen", um nur mehr zu trommeln. Der Buntspecht begleitet ihn, wie es auch bis vor einigen Jahren noch der Grauspecht im Chablais tat; nur der Kleinspecht, der Zwerg der Familie, wartet den April ab, um seine Partitur zu singen.
Der Schwarzspecht, der grösste der Spechte und ausschliesslicher Waldbewohner trommelt auch. Seine kräftigen, volltönenden Trommelwirbel tragen weiter als das Klappern des Kleinspechtes. Jede Art zeichnet sich durch ein Trommeln von eigener Dauer, Kraft und Rhythmik wie auch durch unterschiedliche Rufe aus. Das vereinzelte kick verrät den schwarz-, weiss- und rotscheckigen Buntspecht, das kly kly kly kly des Grünspechtes ist unverwechselbar, das kikikikikikikiki des Kleinspechtes ist ebenso schwach wie sein Körperbau, der Schwarzspecht signalisiert seine Verschiebungen mit krück krück krück krück, wechselt dann auf einen klagenden, fast weinerlichen Ton, indem er ein langgezogenes kliiiiiöö ausstösst, wenn er sich setzt. Er hat noch einen andern Gesang, den man nur im Frühling in der Nähe seines Brutplatzes hört: ein uikuikuikuikuikuik uikuikuikuikuik, das die Balz und die Paarung begleitet.
Verfehlen Sie nicht die ersten Konzerte der Drosseln ! Diese Chorsänger sind so zahlreich, dass man sie einzeln kaum lokalisieren kann. Kaum ist die Singdrossel aus dem Süden zurückgekehrt, wiederholt sie ihre melodiereichen Strophen zwei-, dreimal; die Misteldrossel, die den Winter überstand, indem sie Misteln aus den Kieferwäldern frass, schmettert Lieder daher, deren Wohlklang dem Gesang der Amsel sehr nahesteht, und die Wacholderdrossel packt ihre nicht gerade musikalischen Schreie in einen aufreizenden Leiergesang. Der Kleiber, glücklich ob Bäumen mit Löchern, und die Nonnenmeise, strikte auf dichtes Laubwerk angewiesen, erreichen ihren Vollgesang nach schüchternen Versuchen im Februar. Ab Mai wird man sie kaum mehr beachten.
Auf den Steppen der Hänge hört man die Zippammer und im Sumpf ihre Kusine, die Rohrammer, mit deren ausserordentlich schwachen, unendliche Male wiederholten Tonsätzen.
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