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In den Bussen
In den Bussen
An der Piazza dei Ferrari stehen morgens früh drei Busse. Der Motor läuft. Sie sind gelb oder grün und sehr eckig. Sie haben wohl mehr als vier Ecken, aber man sieht nur vier. Ich fahre mit dem kleinen Taxi vorbei. Im Kofferraum mein schwarzer Koffer und die Einkäufe des Taxifahrers, prall gefüllte Einkaufstaschen mit einem Schriftzug, der einer Pflanze gleicht, aus einem weichen Material, das nichts aushält.
Der Taxifahrer hat einen Verband um die rechte Hand gewickelt, er ist kein sorgfältiger Mensch, der Verband verrät Eile und Überdruss, er ist von gestern. Der Taxifahrer hat niemanden, der den Verband für ihn anlegen würde. Wenn es ernst wird, vielleicht schon nächstes Jahr, verarztet ihn keiner. Er wird in seinem Zimmer sterben, er könnte verbluten oder ersticken, niemand ruft den Arzt. Wenn er stirbt, merkt es nur sein Chef, dem der Taxifahrer vorher nie aufgefallen ist. Niemand vermisst den Fahrer heute Morgen. Er ist unterwegs. Er ist im Taxi und fährt, auf der Strasse hat er keine Eile.
Er kann die Hand nicht schliessen, sie liegt offen auf dem Lenkrad und geht mit. Auf dem Boden liegen seine beiden Telefone, das mit dem kaputten Glas klingelt, er nimmt nicht ab, sein Blick ist starr. Die Musik im Radio wird lauter, es ist Rockmusik aus Italien. Der Taxifahrer stellt das Radio ab. Es wird dunkler draussen, als wir endlos an den drei Bussen vorbeifahren, die dastehen wie Sardinenbüchsen, das Aluminium durchbrochen mit ein wenig schmutzigem Glas, auf zusammengepresste Räder gesetzt, die seit Monaten Luft ablassen, nur noch Dekoration, diese Busse werden niemals abfahren, darin die Sardinen, aber nicht in Öl eingelegt, weder in Extra Vergine, noch in libysches Erdnussöl, auch nicht in Meerwasser aus dem weiten Meer, vielleicht in Meerwasser vom Hafen – das ganz vorne, das an die Mauer klatscht, da, wo die Flaschen schwimmen, alte Pommes Frites und Präservative.
Dieses Wasser mit Einlage wurde in die Busse eingefüllt, aber die Passagiere sind so müde, sie haben es nicht bemerkt, sie können schon lange unter Wasser atmen, sie sind angepasst wie Amphibien. Es wird dunkler, die Zeit läuft rückwärts, alle Passagiere schliessen gleichzeitig die Augen, niemand will die Frau im Glitzerpullover sehen, die mitten unter ihnen sitzt und lächelt. Die Passagiere schlafen rückwärts, wachen am vorherigen Abend auf, in ihren Träumen aus dem letzten Jahr, in ihren Plänen, die sie schmiedeten im Kindergarten. Nichts davon wurde wahr. Sie warten, bis die Busse losfahren an die Orte, wo sie ihre Lohnarbeit tun, auch da zusammengepfercht und abgefüllt mit einer anderen Brühe, worin sie ungemütlich werden, weil sie nicht mehr schlafen dürfen, aber da sie mit niemandem sprechen, wird es nicht ungemütlich, nur kalt, sie schwimmen ohne Widerrede, sie schwimmen und atmen und leben. Denn das ist ihr Leben. Sie sitzen in den Bussen.
Mein Taxi fährt vorbei. Das andere Telefon des Fahrers klingelt, er schaut geradeaus und stellt das Radio wieder an.