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Grossbritannien: Einigung über Hinkley Point C erzielt
Nach monatelangen Verhandlungen gaben die britische Regierung und die EDF am 21. Oktober 2013 bekannt, dass sie sich über die wichtigsten Punkte des Investitionsvertrags zum Bau von Hinkley Point C einig wurden. Die EDF plant an diesem Standort – 45 km südwestlich von Bristol in der Grafschaft Somerset, England, an der Küste des Bristolkanals – zwei EPR mit einer elektrischen Nettoleistung von je 1600 MW zu bauen. Für die EDF stärkt das Abkommen mit dem Staat das Vertrauen von Investoren, dieses Neubauprojekt für eine sichere, zuverlässige und CO2-arme Stromversorgung mitzufinanzieren. Die EDF bezeichnet das Abkommen als «fair und ausbalanciert» sowohl für Konsumenten wie auch für Investoren. Das Kernkraftwerk werde unter dem sogenannten Differenzkontrakt (Contract for Difference, CFD) bei seiner Inbetriebnahme in rund zehn Jahren zu stabilen und vorhersehbaren Preisen elektrische Energie produzieren. Ein Differenzkontrakt ist ein Ausgleichsgeschäft zwischen Kauf- und Verkaufspreis (oder umgekehrt) eines Wertes. Konkret zahlen die Verbraucher die Differenz, wenn der Marktpreis für die Stromerzeugung unter einen bestimmten Basis- oder Ausübungspreis (strike price) fällt. Liegt der Marktpreis darüber, übernehmen die Stromunternehmen die Differenz. Das Ausgleichsgeschäft gilt für eine Dauer von 35 Jahren ab der Inbetriebnahme.
Ein wichtiger Punkt bei der Übereinkunft zwischen der Regierung und der EDF war die Festlegung des Basispreises. Dieser wurde auf GBP 92,50 je MWh (CHF 135 je MWh) festgelegt. Sollte sich die EDF dazu entscheiden, ihr zweites EPR-Neubauprojekt – Sizewell C an der Ostküste Englands – ebenfalls umzusetzen, käme der Basispreis für Hinkley Point C auf 89,50 je MWh (CHF 130 je MWh) zu liegen. Der Grund für die Reduktion ist, dass Erfahrungen von Hinkley Point C beim Bau von Sizewell C einfliessen können, was zu Kostenreduktionen führt. Diese sollen mit dem tieferen Basispreis an Hinkley Point C transferiert und somit auch an die Stromkonsumenten weitergegeben werden. Die EDF gibt zudem an, dass auch allfällige Einsparungen beim Bau von Hinkley Point C über einen tieferen Basispreis an die Konsumenten weitergegeben würden.
Mehrere Investoren beteiligt
Die Baukosten der beiden ersten EPR-Einheiten Grossbritanniens werden auf GBP 16 Mrd. (rund CHF 23 Mrd.) geschätzt. Die Verantwortung für das Neubauprojekt Hinkley Point C trägt die EDF zusammen mit ihren Investitionspartnern. Laut gegenwärtigem Stand wird die EDF am Hinkley-Projekt einen Anteil von 45–50% übernehmen. Weitere Partner sind die Areva (10%) sowie die chinesischen Unternehmen China General Nuclear Corporation (CGN) und China National Nuclear Corporation (CNNC), die sich zusammen mit 30–40% am Projekt beteiligen wollen. Die EDF führt zudem noch Gespräche mit weiteren Investoren.
Neue Arbeitsplätze, weniger CO2
Für den Bau von Hinkley Point C und den Aufbau der benötigten Infrastruktur sollen insgesamt rund 25’000 Arbeitsplätze geschaffen werden und während der intensivsten Bauphase rund 5600 Personen auf der Baustelle beschäftigt sein. Über die Laufzeit von 60 Jahren werden 900 Personen im Kernkraftwerk tätig sein. Die beiden Einheiten werden laut Energieministerium elektrische Energie für 6 Mio. Haushalte oder eine Region zweimal so gross wie London liefern. Sie würden damit rund 7% des landeseigenen Stromverbrauchs decken und den jährlichen CO2-Ausstoss um 9 Mio. t. reduzieren. Hinkley Point C ist nach der Inbetriebnahme von Sizewell B im Jahr 1995 das erste Neubauprojekt Grossbritanniens. Auf der Insel stehen heute 16 Kernkraftwerkseinheiten in Betrieb. Der Grossteil davon wird in den 2020er-Jahren aus Altergründen vom Netz genommen und soll durch neue ersetzt werden.
Unterstützung von verschiedensten Seiten
Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete die Vereinbarung als Beginn einer neuen Generation zukunftsweisender Nukleartechnik in Grossbritannien, die einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Versorgungssicherheit des Landes leisten werde. Verschiedene politische und wirtschaftliche Kreise Grossbritanniens haben die Vereinbarung willkommen geheissen. Die Oppositionspartei Labour befürwortet die Kernenergie grundsätzlich. Kernenergie ist laut einer Stellungnahme der Labour-Partei «nicht die einzige Antwort – aber sie ist ein wichtiger Teil unserer Zukunft».
Laut der Confederation of British Industry (CBI) wird die Investition in neue Kernkraftwerke helfen, die Folgen steigender Energiekosten zu mildern. Die Gewerkschaft «Unite» zeigte sich erfreut, dass die Regierung die Stabilität und Sicherheit liefere, die das Land angesichts der riesigen Herausforderungen im Energiesektor brauche.