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ehemaligen Reussthal der Zugersee und im neugebildeten Reussthal der Vierwaldstättersee. (Vergl. auch den Art. Vierwaldstættersee). Beim Austritt aus dem See hat die Reuss ein Flussgebiet von 2257 km2, wovon 516 Fels und Schutt, 404 Firn und Gletscher, 131 Seen, 128 Wald und 1075 km2 übriges Gebiet. Das unproduktive Gebiet umfasst immer noch etwa 50%. Wasserfuhr im Minimum 15 m3 pro Sekunde, im Maximum 410 m3 pro Sekunde (Juni 1877). Beim Stadttheater Luzern hat der Wasserspiegel eine Breite von etwa 90 m. 1902 erreichte hier die Reuss beim höchsten Stand 5,6 m und heim tiefsten Stand 4,7 m Tiefe, d. h. also Ausgleichung des Wasserstandes durch das Reservoir des Vierwaldstättersees. Diese ausgleichende Wirkung des Sees wird heute durch ein künstliches System von Schleusen nahe dem Ausfluss der Reuss noch vervollständigt.
c. Mittellandreuss.
1. Die Reuss in der gehobenen Molasse. Von Luzern bis zur Mündung der Kleinen Emme fliesst die Reuss durch ein Querthal senkrecht zum Streichen der Schichten, während sonst in dieser Gegend zwischen Küssnachter- und Zugersee und Lorze- und Reussthal alles dem Streichen der Schichten folgt und Berg, Thal, See, Wald und Sumpf Züge von SW. nach NO. bilden. Von Luzern bis zur Furche des Rotsees (Eisenbahnbrücke der Zug-Luzernlinie) durchbricht die Reuss marine Molasse (Sandsteinbrüche bei Luzern, Löwendenkmal, Gletschergarten) und von da an bis zur Kleinen Emme obere Süsswassermolasse. Das ganze Querthal liegt im nördl. Schenkel der ersten Antiklinale der Molasse. Dieses Flussstück ist 3 km lang und hat ein Gefälle von 1‰. Mit diesem kleinen Gefäll kommt die Reuss aus, weil sie hier nur das Geröll des Krienbaches zu transportieren hat, den sie in Luzern aufnimmt.
2. Die Reuss auf Alluvium. Bei Emmenbrücke ändert sich der Charakter des Thales auf einen Schlag vollständig. An Stelle des engen Querthales in anstehendem Fels tritt ein breites Längsthal mit ebenem, aus Kies gebildeten Thalboden. Die Reuss verliert ihre Richtung und nimmt diejenige ihres Zuflusses, der Kleinen Emme, an. Beide vereint fliessen nun nach NO. in einem auf der Grenzzone zwischen waagrechter und dislozierter Molasse entstandenen Thal bis in die Gegend von Gislikon, von wo an die Reuss wieder in ihr ursprüngliches Stammthal einlenkt.
Nun behält sie bis zur Aare nnw. Richtung bei und bezieht bei Maschwanden die Lorze als Tribut aus dem verlorenen Thalstück Zugersee-Goldau. Von der Emmemündung an durchfliesst sie eine langgestreckte Alluvialebene, die sich bis nach Hermetswil-Unter Lunkhofen erstreckt, 32 km lang ist, ein durchschnittliches Gefäll von 1,8‰ und eine mittlere Breite von 1,5-2 km hat und vorzugsweise aus Emmenkies besteht. Mit der Ablagerung ihrer Geschiebemassen nimmt das Gefäll der Reuss ab; am obern Ende der Alluvialebene, wo kopfgrosse Gerölle den Boden bilden helfen, ist ein Gefäll von 2,4‰ entstanden, das dann bis zum untern Ende allmählig bis auf 0,9‰ sinkt. In diesen seinen Ablagerungen hat der Fluss eine Länge von 36,75 km. Diese Ebene trägt noch heute den Charakter eines Ueberschwemmungslandes Verzweigungen bei Lunkhofen, Altwasser bei Rottenswil, verschleppte Mündung von Seitenbächen (Rotbach von Rotenburg), weitgedehnte Sümpfe im untern Teil (besonders von Maschwanden an), grosse Waldflächen im obern kiesigen Teil (Perlen etc.). Am Rand der Ebene stehen 25 vor Ueberschwemmung gesicherte grössere Ansiedelungen, in der Reussebene selber dagegen nur eine (Emmen).
Blos 4 Brücken (Gislikon, Sins, Obfelden, Ottenbach) leiten Strassenzüge quer durch das Thal, sonst halten sich diese vom Fluss fern am Fuss der Gehänge. Etwa 12 Fähren verbinden die zwei Ufer miteinander. Die Gehänge dieses Reussthalstückes bestehen im obern Teil des Thales aus oberer Süsswassermolasse und im untern aus Gletscherablagerungen (Diluvium). Die zusammenhängende Bedeckung mit diesen beginnt am westl. Ufer bei Sins, am östl. etwas unterhalb der Lorzemündung. Ausser den schon genannten Zuflüssen erhält die Reuss auf dieser Strecke noch bei Unter Lunkhofen von rechts die Jonen.
3. Die Reuss auf Diluvium. Unterhalb Lunkhofen endigt der regelmässige Thalboden, und die Reuss tritt in eine Hügellandschaft ein, die ihren Ursprung der letzten Eiszeit verdankt. Als damals die Gletscher am höchsten standen, stationierte das Ende des Reussgletschers bei Mellingen und lagerte dort die Endmoräne ab, die unterhalb des Dorfes die Hügelkette quer durch das Thal bildet und der Bahnlinie Baden-Lenzburg als natürlicher Viadukt über das Reussthal dient. Ueber diese Moräne flossen die Schmelzwasser des Gletschers und überschütteten die Gegend davor mit ihrem Geröll. So entstand die weite Ebene des Birrfeldes und die Terrassenfläche, auf welcher das aargauische Birmensdorf steht. Als dann der Gletscher sich zurückzog, schnitt sich der geschiebeärmere ¶
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Fluss in die Moräne und den abgelagerten Kies ein, sodass er heute diesen in einem etwa 30 m tiefen Thal durchzieht. Oberhalb der Endmoräne, wo nicht aufgefüllt worden war, bot sich dem Fluss kein Anlass zum Einschneiden, so dass er da fast in gleichem Niveau mit dem Thalboden durch den weiten Zirkus von Mellingen fliesst. Dieser Uebergang von jungem Thal in Kies und Moräne mit dem Fluss in der Tiefe zu breitem altem Thalboden mit dem Gewässer fast auf seinem Niveau wiederholt sich flussaufwärts noch dreimal, nämlich zwischen Stetten und Tägerig, bei Sulz und zwischen Hermetschwil und Zufikon. Es heisst das mit andern Worten, dass der Gletscher auf seinem Rückzug noch dreimal stillgestanden ist. Am folgenreichsten für den Menschen war der letzte Halt, wo von der Moräne der Kies abgespühlt wurde, der den Boden von Bremgarten bildet. In grossen Windungen floss der Gletscherbach über seine eigenen, flachen Ablagerungen.
Als dann aber auch hier nach dem endgiltigen Weichen des Gletschers die Reuss sich in den Schutt einschnitt, wurden diese Serpentinen fixiert, d. h. in den Kiesboden gesenkt. So entstanden die Au von Bremgarten und die Terrasse, welche zur Gründung dieses Städtchens einlud, und so wurde es möglich, dort durch Abschneiden einer dieser Serpentinen das Gefälle und die Kraft zu der bekannten elektromotorischen Anlage zu gewinnen. Der Abstand der ersten von der vierten Endmoräne beträgt in gerader Linie 11,5 km. Das Flussbett hat auf dem Diluvium eine Länge von 18,75 km und ein Gefäll von 1,5‰. Bei der obersten der genannten Endmoränen verlassen die Moränen die Thalsohle, und es beginnt am westl. Gehänge eine immer höher steigende, ununterbrochene Seitenmoräne, die thalaufwärts bis Aristau (6 km) geht. Auf der rechten oder östl. Thalseite ist die Seitenmoräne durch die Jonen und die Bäche von Ottenbach und Obfelden zerschnitten, reicht aber doch bis Mettmenstetten.
4. Reuss im Juradurchbruch. Schon bei Mellingen tritt im Flussbett anstehender Fels, nämlich untere Süsswassermolasse auf, und nun durchschneidet das Flussbett in rascher Folge immer ältere Schichten bis zur Trias hinunter, die in der Gegend von Birmensdorf erreicht wird. Hier durchbricht der Fluss die östlichste Jurafalte (Lägern-Habsburg). Er hat sich im Lauf der Zeiten drei verschiedene Auswege gegraben, die von Birmensdorf, Hausen und Scherz, wodurch er im Verein mit seinen Nachbarn, der Aare und der Limmat, die Jurafalte in 3 Stücke zerschnitten hat, die in den Höhen Baldegg-Gebensdorferhorn, Eitenberg und Habsburg kulminieren.
Bei Birmensdorf werden im Kern des Gewölbes die Schichten des triadischen Zellenkalkes (zum Muschelkalk gehörig) angeschnitten, und aus den gleichaltrigen Gipsen bezieht das «Birmensdorfer Bitterwasser» seine Salze (Schwefelsaurer Kalk, Natron und Talkerde). Einen klassischen Aufschluss bieten Schichten des obern Jura im sog. «Mettel», wo aschgraue, rauh zerfressene Kalksteine mit etwas dunkleren Mergeln wechsellagern. Diese Schichten sind durch eine Anzahl von Ammoniten charakterisiert, die man weder in ältern noch in jüngern Schichten findet, und bilden die sog. Birmensdorferschichten.
Fast durch den ganzen Durchbruch wird indessen der Fluss von der Kiesterrasse von Birmensdorf begleitet. Sie setzt sich fort in der Terrasse von Gebensdorf und in der westl. folgenden Terrasse zwischen Reuss und Aare, auf welcher das Altertum die Soldatenstadt Vindonissa und das Mittelalter das Kloster Königsfelden gegründet hat, während die Neuzeit eine Reihe von Fabriken an den Fluss selber und in das Thal hinunter stellte, das sich dieser im früher angehäuften Kies ausgegraben hat. Von Mellingen bis zur Mündung in die Aare hat die Reuss noch eine Länge von 12,5 km und ein Gefäll von 17 m oder 1,4‰.
Der Fluss hat vom Furkapass an eine Gesamtlänge von 159 km. Sein Stammthal (über den Zugersee) bildet von Amstäg an eine Furche senkrecht zur nördl. Hauptkette der Alpen, welche von deren Kamm bis zur Mündung etwa 100 km Länge misst. Kein anderer Fluss an der N.-Abdachung unserer Alpen hat ein so gewaltiges Querthal aufzuweisen. Ja, man ist versucht, dieses noch weiter abwärts auszudehnen, erscheint doch der gesamte Aarelauf von der Reussmündung an nur als eine Fortsetzung dieser soeben genannten Querfurche. Das gesamte Flussgebiet der Reuss umfasst 3425,2 km2, wovon 544,4 auf Felsen und Schutt, 133,8 auf Firn und Gletscher, 173,9 auf Seen 691,4 auf Wald und 1881,7 km2 auf andere Gebiete entfallen. 890 km2 liegen 300-600 m und 507 km2 600-900 m ¶