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ks. Die Pro Mente Sana ist eine Stiftung, die sich seit 32 Jahren für die Anliegen psychisch kranker Menschen, für die Wahrung ihrer Würde und ihrer Grundrechte einsetzt. Sie leistet Öffentlichkeitsarbeit, um das Verständnis für psychisch Kranke und deren Angehörige zu wecken, vertritt ihre Interessen gegenüber den Behörden und in der Politik, fördert Projekte für psychisch Kranke, erteilt Betroffenen Beratung und pflegt die Beziehungen mit verschiedensten Institutionen im Sozial- und Gesundheitsbereich.
Die Wurzeln der Pro Mente Sana gehen zurück bis ins 19. Jahrhundert. Bereits 1846 war die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) im Rahmen der Hauptversammlung gebeten worden, das Interesse der Bevölkerung gegenüber der Psychiatrie anzuregen. Der Zustand der öffentlichen Irrenpflege sei Massstab für den Grad der geistigen Kultur eines Landes, hiess es dort. In den 1860er Jahren hatten gemeinnützige Gesellschaften Mithilfe bei der Gründung von sogenannten «Irrenhilfsvereinen» geleistet, welche die Patienten finanziell unterstützten, sie bei der Rückkehr ins Alltagsleben nach ihrer Entlassung begleiteten und die Bevölkerung über Geisteskrankheiten aufklärten.
Die Geschichte der Pro Mente Sana ist – wie die Geschichte der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft überhaupt – geprägt von einzelnen Persönlichkeiten, die sich von ihrem Mitgefühl und ihrem Verantwortungsbewusstsein leiten liessen und sich für eine als hilfsbedürftig erkannte Gruppe von Menschen, und damit auch für die Gesellschaft als Ganze, in hohem Masse einsetzten. Die Diskussion war damals von Psychiatern geprägt, die um die Bedeutung der menschlichen Faktoren für die Gesundung ihrer Patienten wussten und diese ins Zentrum ihres Wirkens stellten.
Eine dieser Persönlichkeiten war der Arzt und Psychiater Hans Oscar Pfister -(1905–1995). In den Jahren 1944 bis 1970 war Pfister als Stadtarzt in Zürich tätig und baute während dieser Zeit den psychiatrischen Dienst der Stadt auf. Er war ab 1948 Mitglied der Hygienekommission der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft und Präsident der 1953 gegründeten Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für geistigen Gesundheitsschutz. In der Verbesserung der menschlichen Beziehungen erkannte Pfister die Hauptaufgabe der Psychohygiene. «Praktisch gesehen will die heutige Psychohygiene dagegen wirken, dass Menschen vereinsamen, sich ängstigen, vor der Zukunft verzweifeln und in all diesem Elend schliesslich verzweifeln.»* Pfister beklagte das «allzusehr Psychologisierende, das gegenwärtig en vogue» sei und den Verlust der Menschen- und Nächstenliebe. «Man erfasst heute den Menschen vor allem verstandesmässig, intellektuell, und vergisst darob das Menschliche.» Problematisch auf Grund ihrer krankmachenden Faktoren beurteilte er die «[…] stürmisch vorwärtsschreitende Umgestaltung des modernen Gemeinschaftslebens». «Wir haben erstens Liebesmangel oder Lieblosigkeit von seiten der Umgebung, zweitens Sinnlosigkeit des Lebens oder Gefährdung der Lebensinhalte durch Mitmenschen und drittens mangelhaftes Geborgenheitsgefühl oder andauernde Bedrohung der Sicherheit innerhalb und durch die menschliche Gemeinschaft zu bekämpfen.» Gesundheitsprophylaxe ging seiner Meinung nach einher mit der Empathie erzieherisch tätiger Personen. Er forderte deshalb, «[…] die Fähigkeit des sich in die Nöte des Mitmenschen Einfühlens [müsse] systematisch gelehrt, gelernt und geübt werden». Erkenne ein einfühlsamer Mensch eine Vereinsamung, müsse er sich davon aufgefordert fühlen, den Isolierten gesellschaftlich zu integrieren. So äusserte sich Pfister an der SGG-Versammlung 1969, an der das Thema «Problem der Einsamkeit in der heutigen Zeit» diskutiert wurde.
Neben Pfister und anderen Persönlichkeiten war es der Psychiater Paul Plattner (1907–1980), der 32 Jahre lang als Chefarzt des Nervensanatoriums Münchenbuchsee tätig war und mit seinem Engagement für eine menschlichere Medizin und für eine würdigere Behandlung von psychisch Kranken einen Baustein auf dem Weg zur Gründung der Stiftung legte. Plattner bewegte sich damals im Kreis des Genfer Arztes und Schriftstellers Paul Tournier, der einen integrativen Ansatz von Medizin, Psychotherapie und Seelsorge entwickelte («Médicine de la personne») und die therapeutische Arzt-Patient-Beziehung als wesentliches heilendes Element in der Behandlung betrachtete. Auch Plattner verlangte, die menschlichen Faktoren mehr in die Medizin einzubeziehen, wobei er unter anderem Ärztegruppen (sogenannte Balint-Gruppen), die sich unter der Leitung eines Psychotherapeuten eine verbesserte Arzt-Patient-Beziehung erarbeiteten, als eine Möglichkeit betrachtete, um die Qualität der Behandlung zu verbessern. Er forderte dazu auf, dem Patienten als Ganzheit und von Mensch zu Mensch zu begegnen. Engagiert setzte er sich für eine Verbesserung der Reintegration von Psychiatriepatienten nach deren Entlassung aus der Klinik ein. Plattner hatte mit veranlasst, dass die gesellschaftliche Eingliederung psychisch Kranker zum Thema der SGG-Jahresversammlung 1971 in Zug gemacht wurde, und er appellierte dort an die Mitverantwortung aller für jene Mitmenschen, die zur Selbsthilfe und Selbstachtung nicht in der Lage seien. In einer Resolution hielt die SGG damals fest, dass «[…] der psychisch Kranke immer auch ein Symptom jener Bezugsgruppen und jener Gesellschaft ist, in denen er lebt». Infolge der Diskussion formulierte die SGG konkrete Forderungen zur gesellschaftlichen Eingliederung psychisch Kranker, die an die Institutionen des Sozial- und Gesundheitswesens gerichtet waren. Plattner strebte die Gründung einer Einrichtung an, die Hilfe bei der Wiedereingliederung und die Öffentlichkeitsarbeit zugunsten psychisch Kranker leisten könnte, und bemühte sich dabei um die Unterstützung der SGG.
1974 wurde an der Jahresversammlung der Beschluss gefasst, an der Gründung einer Dachorganisation für psychisch Kranke mitzuwirken. Mit einer Stiftung Pro Mente Sana sollten die bestehenden Hilfsorganisationen Pro Juventute, Pro Senectute und Pro Infirmis ergänzt werden. Ein grosszügiger finanzieller Betrag wurde von der SGG 1976 zum Gründungskapital beigetragen. Die Stiftungsgründung fand schliesslich im Jahre 1977/78 statt, an der Abgeordnete von 75 Organisationen teilnahmen. Zweck der Stiftung war die «Wahrnehmung der allgemeinen Anliegen der psychisch Kranken» und die Zusammenarbeit mit allen auf diesem Gebiet Tätigen. Unter anderem dank einer Sendereihe im Radio, die auf grosses Echo gestossen war, gelang es, die Pro Mente Sana in der Bevölkerung bekanntzumachen, so dass das Beratungsangebot für Betroffene bald umfangreich in Anspruch genommen wurde. Zusammen mit der Pro Mente Sana engagierte sich die SGG in vielerlei Hinsicht, so gab man zum Beispiel Informationsbroschüren über Themen wie Schizophrenie oder Depression heraus, womit psychiatrisches und psychohygienisches Wissen breiten Bevölkerungskreisen zugänglich gemacht werden konnte.
Die Hilfe für Menschen in psychischer Not blieb für die SGG auch nach der Gründung der Stiftung, die nun weitgehend eigenständig handelte, weiterhin Thema, was vor allem durch Albert Mossdorf, Präsident der SGG in den Jahren 1979–1989 und ehemaliger Finanzdirektor des Kantons Zürich, angeregt wurde. Mossdorf thematisierte die bedrohte psychische Gesundheit durch die gesellschaftliche Entwicklung und stellte die Förderung emotionaler Qualitäten wie Zuwendung, Anteilnahme und das Helfen von Mensch zu Mensch in den Mittelpunkt seines Engagements in der Gesellschaft. «In einer Zeit, da Vereinsamung, Resignation und Neurosen überhand nehmen, muss es doch schlicht und einfach heissen: Förderung der gegenseitigen Hilfe in besonderen Lebenslagen, Vertiefung der persönlichen Kontakte, vermehrte Toleranz.» Durch die Stärkung der zwischenmenschlichen Beziehungen sollte der Weg zur «Erneuerung der nationalen Gemeinschaft» geebnet werden. Mossdorf sah durch die fortschreitende Vereinsamung und das verlorengegangene «zielbewusste Zusammenarbeiten» der Menschen die eidgenössische Gemeinschaft bedroht.
Auf seine Initiative hin wurde 1987 eine SGG-Kommission eingesetzt, die sich mit der «Erneuerung der eidgenössischen Gemeinschaft» befasste. Ein Ergebnis ihrer Arbeit war z.B. die auf Anregung der Kommission 1989 herausgegebene Broschüre «Kampf der Vereinsamung», die an die mitmenschliche Solidarität appelliert. Im Vorwort der Broschüre unterstützt der damalige Bundesrat Flavio Cotti das Anliegen: «Wir alle sind gefordert, den Umgang mit unseren Mitmenschen zu überdenken und jedem die Chance zu einem sinnreichen Leben, das nicht nur seine materiellen Bedürfnisse berücksichtigt, zu geben.» Ist dies heute nicht dringender denn je? •
* Sämtliche Zitate sind dem Werk von Beatrice Schumacher, «Freiwillig verpflichtet. Gemeinnütziges Denken und Handeln in der Schweiz seit 1800». Beatrice Schumacher. Verlag Neue Zürcher Zeitung. Zürich 2010, entnommen.
Literatur: <link http: www.promentesana.ch>www.promentesana.ch
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