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Ein «bisschen» Frieden
«Ein bisschen Frieden, ein bisschen träumen, und dass die Menschen nicht so oft weinen.» Mit diesem Liedtext hat Nicole 1982 den Grand Prix d’Eurovision gewonnen. Auch wenn das Lied mittlerweile zu den Oldies gehört, ist das Thema Frieden aktueller denn je.
Was gibt es Schöneres, als zufrieden zu sein? Ein zufriedener Mensch ist ausgeglichen und lässt sich nicht von Sorgen niederdrücken. Er hat wortwörtlich den Frieden in sich.
Ist befriedigend besser als gut?
Der Wortteil «fried» kommt in verschiedensten Begriffen vor: einerseits in Namen wie Gottfried oder Friedrich, andererseits in den Adjektiven friedsam oder friedliebend. Schaut man sich die Notengebung in der Schweiz an, fällt folgendes auf: Die Note 4 wird als befriedigend oder zufriedenstellend bezeichnet. Erst ab der 5 spricht man von einer guten Note. Was aber wirklich zufriedenstellend ist, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Für mich war eine 5 in einem Deutsch-Aufsatz keine befriedigende Note, obwohl sie doch eigentlich als gut bezeichnet wird. Dagegen konnte mich eine 4 in einem Latein-Grammatiktest bereits sehr zufriedenstellen.
Absenz von Krieg
Eine Definition von Frieden lautet kurz und einprägsam: «Frieden ist die Abwesenheit von gewaltsamen Konflikten oder Krieg»* . Das heisst, überall da, wo auftretende Differenzen auf Basis von Gesetzen und ohne Gewalt gelöst werden können, herrscht Frieden. Das kann ganze Staatsgebilde betreffen, aber auch die Familie oder den Freundeskreis. Einfach ausgedrückt: Wenn zwei Menschen nicht gleicher Meinung sind, dies aber ohne Streit lösen können, dann herrscht zwischen ihnen Frieden.
Absenz von Ungerechtigkeit
In der Schweiz leben wir in einer friedlichen Gesellschaft. Es herrschen weder Krieg noch extreme soziale Ungerechtigkeit. Wenn auch im Familienkreis oder in der Nachbarschaft nicht immer Friede herrscht, gilt die Schweiz doch als friedliches Land. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass folgende Faktoren nicht gesellschaftlich akzeptiert sind: Zwangsehen, Menschenhandel oder Kinderarbeit. Wo diese Praktiken sowie Gewalt gegen Frauen und Kinder vorherrschen, kann von keiner Kultur von Frieden und Gewaltlosigkeit die Rede sein.
Zugang zu Chancen
Die Zwangsehe ist eine grosse Ungerechtigkeit. Neben vielen anderen negativen Faktoren ist die damit verbundene fehlende Schulbildung für Mädchen ein grosses Problem, beispielsweise im Südsudan. Die 17-jährige Marlin ist froh, dass sie dank des Programms unserer Partnerorganisation ACROSS die Möglichkeit einer umfassenden Bildung bekam. «Im Gegensatz zu meinen Kollegen, welche die Chance nicht ergriffen haben, kann ich nun lesen und schreiben», sagt Marlin. «Das erworbene Wissen wird mir helfen, in meiner Gemeinde etwas zu bewirken. Zu meinem Glück wurde bei mir die Kultur der frühen Heirat zugunsten meiner Bildung ignoriert. Ich möchte durch meine Erfolge ein Vorbild sein und in Zukunft meiner Gemeinschaft dienen.»
Auch die 16-jährige Mary ist dankbar, dass ihre Eltern die Wichtigkeit der Bildung erkannt und sie in die Schule geschickt haben. Auf ihrem Gesicht spiegelt sich Zuversicht und Glück wider. «Dank ACROSS hatte ich den Mut, die Grundschule zu beenden und für eine glänzende Zukunft weiter zu studieren.» Zusammen mit anderen Freiwilligen versucht Mary, frühzeitige Schulabgängerinnen da-zu zu motivieren, wieder in die Schule zu gehen. Denn Bildung macht nicht nur zufrieden, sie führt auch zu Frieden.
Lesen Sie mehr über die Friedensförderung im Bildungsprojekt im Südsudan. Michael Durrer, Leiter Administration bei TearFund, hat Germanistik und Geschichte studiert.
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