Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/1676

23. März 2011, von Jürg Bolliger
Vor längerer Zeit stellte ich im TA-Blog die Problemlösungstreppe vor. Nun habe ich diese nochmals überarbeitet, den alten Beitrag gelöscht und einen neuen verfasst:
Wenn jemand (unbewusst) Informationen nicht zur Kenntnis nimmt, die für die Lösung eines Problems relevant sind, spricht man in der Transaktionsanalyse von Discounts.
Ken Mellor und Eric Sigmund entwickelten die Discounttabelle, um aufzuzeigen, welche Elemente eines Problems ausgeblendet werden können. Während meiner TA-Grundausbildung hatte ich die Idee die Tabelle zu vereinfachen und als Problemlösungstreppe darzustellen. Ich wurde dann darauf hingewiesen, dass Julie Hay die gleiche Idee hatte. Ihre Steps to Success hat sie in Donkey Bridges for Developmental TA veröffentlicht.
Der Weg der Problemlösung beginnt unten. Erst wenn alle Stufen bestiegen worden sind, ist eine Lösung des Problems möglich. Wer auf einer Stufe stehen bleibt, discountet auf allen weiteren Stufen.
Der Weg zur Lösung führt über die jeweils nächst höhere Stufe. Es wird nicht zum Erfolg führen, mit jemandem beispielsweise über die Lösbarkeit eines Problems zu sprechen, wenn die betreffende Person auf der Stufe der Hinweise stehen geblieben ist.
Stufe 1: Hinweise
“Ich anerkenne, dass ich Anzeichen wahrnehme.“
Wer giftige Pilze gegessen hat und Bauchschmerzen bekommt, kann die Hinweise auf ein Problem discounten, indem er die Schmerzen nicht wahrnimmt. Erst wenn die Schmerzen wahrgenommen werden, ist die erste Stufe auf dem Weg zur Lösung geschafft.
Stufe 2: Vorhandensein
“Ich anerkenne, dass ein Problem besteht.“
Wer Bauchschmerzen hat, weil er giftige Pilze gegessen hat, kann sich sagen: “Das gibt es halt, dass man ab und zu einmal ein wenig Bauchweh hat.” Akzeptiert er aber, dass ein Problem besteht, befindet er sich auf Stufe 2.
Stufe 3: Bedeutsamkeit
“Ich anerkenne, dass das Problem von Bedeutung ist.“
Der Pilzliebhaber, der sieht, dass ein Problem besteht, könnte davon ausgehen, dass eine Pilzvergiftung nicht schlimm ist. Wird im Gegensatz dazu anerkannt, dass eine Vergiftung durchaus ein Problem ist, das gelöst werden muss, ist die dritte Stufe erreicht.
Stufe 4: Lösbarkeit
“Ich anerkenne, dass es möglich ist, das Problem zu lösen.“
Wer realisiert, dass er einen giftigen Pilz gegessen hat und auch sieht, dass das sehr schlimm ausgehen kann, allerdings nicht davon ausgeht, dass es eine Lösung dafür gibt, sagt sich: “Gegessen ist gegessen – ich kann nur noch hoffen, dass ich überleben werde.” Realisiert diese Person aber, dass das Problem einer Vergiftung gelöst werden kann, befindet sie sich auf Stufe 4.
Stufe 5: Fähigkeiten
“Ich anerkenne, dass die involvierten Personen in der Lage sind, die Lösung umzusetzen.”
Der Pilzpatient weiss vielleicht, das ein Arzt etwas unternehmen könnte, doch er sagt sich: “Ich kann doch keinem Arzt sagen, dass ich einen giftigen Pilz gegessen habe, da müsste ich mich ja schämen.” Oder er geht davon aus, dass die Ärzte in seiner Umgebung nicht genügend ausgebildet sind, um etwas gegen eine Pilzvergiftung zu unternehmen. Wenn er aber weiss, dass er fähig ist, einen Arzt aufzusuchen, und glaubt, dass dieser etwas gegen die Vergiftung tun kann, befindet er sich auf der fünften Stufe.
Der Problemlösung steht nichts mehr im Weg.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 23. März 2011 um 10:15 und abgelegt unter Schiff-Schule. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.