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Über den Namen konnten wir uns einfach nicht einig werden, ob nun Madita oder Margareta, und so hiess unser kleines Findelkind schlussendlich M&M. M&M frass wie ein Schwein, war flaumig wie ein Katzenbaby (jööööh!) und funkte ununterbrochen im Ultraschallbereich nach Muttern. M&M war eine Fledermaus, genauer gesagt aller Wahrscheinlichkeit nach, eine Wasserfledermaus. Wir hatten sie auf dem Parkplatz vor unserem Ferienhaus in der Bretagne gefunden, einer alte Mühle mit Weiher und ein paar verfallenen Nebengebäuden.
Tja, und jetzt lag da also die kleine Fledermaus, flugunfähig, mutterlos und sehrsehr hungrig. Sie futterte sich für den Rest des Tages durch die Fliegenkolonie der Mühle, krabbelte auf meinem Arm herum und schrie wie am Spiess. Zum Glück schreien Fledermäuse in dem Bereich von 20 bis 100 Kilohertz und da das menschliche Hörvermögen bis maximal 18 Kilohertz reicht, blieben wir vom Babygebrüll verschont.
Erwachsene Fledermäuse benutzen ihr Ultraschallsonar zur Jagd, bei der sie mit etwa 12 Stundenkilometern über die Wasseroberfläche flattern und dabei allerlei Insekten über oder auf der Wasseroberfläche erbeuten. Wollen sie von A nach B können Fledermäuse bis auf 25 km/h beschleunigen.
Was die Fledermäuse ganz besonders macht, ist die Tatsache, dass sie die einzigen flugfähigen Säugetiere sind.
Die meisten Fledermausarten gelten als vom Aussterben bedroht. Bei Arten wie beispielsweise der Kleine Hufeisennase und dem grossen Mausohr ist es kurz vor knapp. Wasserfledermäuse allerdings gibt es noch relativ häufig. Trotzdem stehen sie, wie alle Fledermäuse europaweit, unter Schutz. Ursachen für den Populationsschwund sind die üblichen Verdächtigen: Zerstörung des Lebensraums, Insektenschwund, Pestizide…
Wirklich speziell ist das Paarungsverhalten der Wasserfledermäuse. Während Frau Wasserfledermaus friedlich kopfüber hängend in ihrer Höhle den Winter verschläft, kommt Herr Wasserfledermaus daher, beisst Frau Wasserfledermaus ins Genick (sic!), um anschliessend das ebenso schlaftrunkene wie wehrlose Weibchen zu begatten. Auf diese Weise spart Herr Wasserfledermaus an Blumen und Pralinen. Das Weibchen wird dabei nicht sofort schwanger, die Befruchtung findet erst statt, wenn der Winterschlaf vorbei ist. Die schwangeren Weibchen ziehen dann im Frühjahr in eine männerfreie Wohnkolonie, wo sie dann im Sommer gemeinsam gebären.
Von den über 1000 Fledermausarten gibt es tatsächlich drei, die sich vom Blut anderer Säugetiere ernähren. Da alle blutsaugenden Arten in Südamerika zu Hause sind, ist die Wahrscheinlichkeit, hierzulande über Nacht von einem Rudel hungriger Fledermäuse ausgesaugt zu werden, eher gering. Und auch in Südamerika fallen die Vampirfledermäuse vorzugsweise Rinder und keine Menschen an. Ob sich Vampire tatsächlich in Fledermäuse verwandeln können, konnte allerdings bis heute nicht abschliessend geklärt werden.
Und was wurde nun aus M&M? Ein Anruf bei der Fledermausstation in der Schweiz ergab, dass M&M beste Chancen hatte, wieder von ihrer Mutter aufgenommen zu werden. Wir sollten sie in einer Schüssel auf ein mit einer Socke bespannten Glas setzen und an einen katzensicheren Ort stellen. Wir taten wie geheissen, und am nächsten Morgen war M&M verschwunden.