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Die Geschichte von Stéphane Bellomo zeigt, wie absurd die Ablehnung der erleichterten Einbürgerung für Ausländerinnen und Ausländer dritten Generation ist, wie sie von der rechtsnationalen SVP gefordert wird. Stéphane Bellomo ist 36-jährig, Sohn einer Italienerin und eines Schweizers. Weil die Mutter nie mit seinem Vater verheiratet war, ist Stéphane Bellomo italienischer Staatsbürger. Zwar heiratete seine Mutter später einen anderen Mann, durch den sie und die Kinder aus dieser Ehe den Schweizer Pass erhielten; Stéphane Bellomo aber blieb der einzige Ausländer in der Familie. «Ich habe darüber immer Witze gemacht, ich habe mich aber nie als Ausländer gefühlt. Ich bin mit meiner Umgebung quasi verschmolzen, nicht mal mein Name verrät, dass ich Ausländer bin» sagt der gelernte Koch, der im Kanton Freiburg aufgewachsen ist. Er könne auch kein Italienisch, weil seine Mutter, die ebenfalls in der Schweiz aufgewachsen sei, gewollt habe, dass er sich anpasse.
Obwohl Bellomo seine unbefristete und unbedingte Niederlassungsbewilligung C alle fünf Jahre verlängern muss, sah er sich bis vor einem guten Jahr nicht genötigt, den Schweizer Pass zu beantragen. Das hat sich mit der Geburt seiner Kinder geändert. «Ich muss ihnen das schenken», begründet er den Schritt. «In der vierten Generation muss Schluss sein.» Der Schweizer Pass gebe Sicherheit. «Seit der Masseneinwanderungsinitiative der SVP weiss man nie, was noch kommt.»
Anders als Stéphane Bellomo sagt Valentina Romano von sich: «Ich erfülle alle Clichés, die mit einer Italienerin verbunden sind.» Aber wenn sie nach Italien fahre, fühle sie sich als Schweizerin. «Dann bin ich meinen Grosseltern dankbar, dass sie in die Schweiz ausgewandert sind. In Italien leben die Jungen ewig bei ihren Eltern und arbeiten dann irgendwo als Taglöhner. Wir können dagegen eine Ausbildung machen», sagt die 19-jährige Coiffeur-Lehrtochter. Valentina Romano ist Tochter italienischer Eltern und wohnt in Düdingen, wo bereits ihre Mutter Roberta Romano aufgewachsen ist. «In Italien habe ich meine Wurzeln, ich bin stolz, Italienerin zu sein. Aber in der Schweiz bin ich zu Hause», fasst Valentina Romano ihre Beweggründe zusammen, die sie veranlasst haben, gemeinsam mit ihrer Mutter den Schweizer Pass zu beantragen. Derzeit tragen die beiden alle Papiere zusammen, die sie für das Gesuch brauchen. «Ich würde es gut finden, wenn es für Ausländer, die hier aufgewachsen sind, selbstverständlich wäre, den Schweizer Pass zu bekommen», meint sie mit Blick auf die Abstimmungsvorlage. Dieser Meinung schliesst sich auch Roberta Romano an. Sie findet den «Papierkrieg» , der mit dem Verfahren verbunden ist, demotivierend. «Ich lebe seit 48 Jahren in Düdingen; man kennt mich. Der Kanton weiss mehr über mich als ich selbst.»
Immaculée Mosoba hat den bürokratischen Kraftakt hinter sich. «Vor einer Woche habe ich das Gesuch eingereicht, ich bin so erleichtert», erzählt sie. Es würden alle möglichen Dokumente verlangt, und jedes einzelne koste Geld. Mosoba lebt in zweiter Generation in Freiburg. Ihre Eltern flohen aus der Demokratischen Republik Kongo. Immaculée Mosoba ist im Schönberg aufgewachsen und studiert heute Jura an der Uni Freiburg. Wenn die Leute sie fragten, warum sie sich einbürgern lassen wolle, frage sie immer zurück: «Warum nicht? Ich habe mich immer als Schweizerin gefühlt. Ich finde es traurig, dass ich mich rechtfertigen muss.» Gleichzeitig habe das auch zu ihrem politischen Engagement geführt. Mosoba ist in der SP und kandidierte 2016 für den Generalrat der Stadt Freiburg. Für ihre Kinder, die sie mal haben möchte, hofft sie, dass das erleichterte Einbürgerungsverfahren kommt. «Die Schweiz ist eine Willensnation», sagt sie. «Das Schweizersein ist nicht naturgegeben».
«Der Schweizer Pass gibt Sicherheit. Seit der Masseneinwanderungsinitiative der SVP weiss man nie, was noch kommt.»
Stéphane Bellomo
Italienischer Staatsbürger
«Ich lebe seit 48 Jahren in Düdingen; man kennt mich. Der Kanton weiss mehr über mich als ich selbst.»
Roberta Romano
Italienische Staatsbürgerin
«Ich habe mich immer als Schweizerin gefühlt. Ich finde es traurig, dass ich mich rechtfertigen muss.»
Immaculée Mosoba
Kongolesische Staatsbürgerin