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Die offizielle spanische Bezeichnung f? einen US-Bürger lautet "estadounidense". Sie ist recht umständlich, weshalb man in der Umgangssprache gerne auf das historisch verankerte "Gringo" zurückgreift, das seinen ursprünglichen negativen Unterton nicht ganz verloren hat. Ich müsste mich auf meiner Reise durch Lateinamerika nicht so detailliert mit der Bedeutung dieses Wortes befassen, würde ich äusserlich nicht so stark dem Stereotyp eines Nordamerikaners ähnlich sehen.
Die meisten Leute halten mich auf den ersten Blick für einen von denen aus dem Norden. Dies hat einerseits den sympatischen Effekt, das einige von ihnen ihre oft spärlichen Englischkenntnisse hervorkramen und sich in dieser Sprache mit mir zu unterhalten versuchen. Andererseits höre ich in meiner Präsenz eben oft den Begriff "Gringo". In Mexico und allgemein in den Städten eher selten und wenn, dann in leisem Flüsterton. Auf dem Land aber werde ich ab und zu direkt und freundlich gefragt, ob ich ein Gringo sei.
Etwas exponiert fühle ich mich in dichter besiedelten ländlichen Gebieten von Guatemala bis Nicaragua. Sobald mich eines der vielen Kinder einer Familie entdeckt, ruft es: "Schaut nur, ein Gringo!" Viele neugierige Blicke sind mir dann gewiss, oder auch weitere "Gringo"-Zurufe. Keinen Kilometer weiter wiederholt sich die Szene - stundenlang.
Manchmal halte ich an und erkläre, woher ich wirklich komme. Einige Kinder beginnen nachzufragen, andere halten an ihrem einfachen Weltbild fest. Ihnen gefällt der Vorschlag, mich "Queso" zu nennen, wenn sie unbedingt einen Spitznamen f? mich brauchen, ab und zu auch mit dem Resultat, dass sie die "Quesos" dann als Untergruppe der "Gringos" betrachten.
© 3.6.1999 albano & team