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Debütromane sind oft ein subjektiver state of mind, das Komprimat alles dessen, was der Autor oder die Autorin bislang an Weltbefunden angesammelt hat. Patrick Savolainens erster Roman weist diesen Ehrgeiz nicht auf. Stattdessen verfolgt er ein stringentes ästhetisches Programm, in dem experimentelle Verspieltheit von einem existenziellen Ernst grundiert wird. Gebrauchen andere Autoren die Sprache, um ihre Wahrnehmungen zu präsentieren, lenkt Savolainen die Wahrnehmung auf die Sprache selbst. Er knöpft sich einen Trivialroman vor – «Für eine Nacht ohne Tabus» von Sandy Steen – und zeigt an diesem das literarische Sprechen als Held ex negativo. Das Strukturprinzip des Romans ist dabei so schlicht wie komplex: er erzählt die Geschichte der Vorlage nach, ohne wirklich zu erzählen. Ein wortkarger Cowboy expediert auf seinem Pferd einen siechenden (und dabei sehr geschwätzigen) alten Mann in die Stadt, der dort in den Armen seiner Tochter stirbt. In der Folge entspinnt sich zwischen Cowboy und Tochter eine heikle Romanze. Der Autor übernimmt Setting, Handlung und Namen und verfremdet sie: Aus Cade McBride wird ein geschlechtlich doppelwertiges «Kat», aus Belle «Isabelle» und der alte Farentino erfährt eine verballhornende Eindeutschung: «Farantheiner». Die Handlung wird adoptiert, aber anders aufgezogen als im Original. Savolainen dekonstruiert sie, stellt einzelne Handlungselemente um oder verändert sie durch Erzähltechniken wie den Zoom oder die Zeitlupe. Er verlagert spontan die Perspektiven, zitiert Genres wie den Western- oder Liebesroman und führt Originalzitate an, die er in marginal variierten Wendungen so manisch wiederholt, dass jeder Anflug von Suspense sabotiert wird. Die Story dient so als Torso, an dem Savolainen diverse Behauungstechniken vorführt und Sätze, die nur die Handlung vorantreiben, als Phraseologismen kenntlich macht. Indem er den Erzählfluss permanent unterbricht, emanzipiert er sich von diesem Ritus des «uneigentlichen» Sprechens. In diesem Spannungsfeld des Eigentlichen und des Uneigentlichen rotiert der Roman vom ersten bis zum letzten Satz. Das wirkt bisweilen sehr angestrengt, andernorts ist es erfrischend humorvoll. Mitunter entsteht der Eindruck, der leicht überspannte Ehrgeiz, das «uneigentliche» Sprechen zu entlarven, münde bald selber ins Rituelle. Beeindruckender aber ist die formale Entschlossenheit und der latente Schalk in dieser ambitionierten Metaerzählung.
Patrick Savolainen: «Farantheiner». Biel: Verlag die brotsuppe, 2018.