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Normierung für den Mittelstand
Innert zehn Jahren hatte die Ernst Göhner AG nicht weniger als 9000 Elementbauwohnungen erstellt. Mit effizienten Baumethoden entstand der Traum des Schweizer Mittelstands: moderne Wohnungen zu bezahlbaren Preisen.
Kräftig steigende Löhne und ein beständiges Wirtschaftswachstum liessen Ende der 1950er-Jahre das Familienauto und die Ferien am Meer für den Schweizer Mittelstand erschwinglich werden. Aber im Gegensatz zum Ausland, in der die eklatante Wohnungsknappheit sowie der Glaube an Technik und Wissenschaft den Wohnungsbau seit der Nachkriegszeit beidseits des Eisernen Vorhangs vollständig verändert hatte, hatte das industrialisierte Bauen um 1960 in der Schweiz noch kaum Fuss gefasst. Die Baubranche blieb damit ihren alten Mustern treu und erstellte vorwiegend Ein- und kleinere Mehrfamilienhäuser. Wohnungen, die modernen Komfortwünschen entsprachen, waren für den Schweizer Mittelstand zum Luxusprodukt geworden.
Zu dieser Zeit hatte der Baulöwe Ernst Göhner (1900–1971) den Plan gefasst, die «Mietzinsnot», wie er den Mangel an neuen preiswerten Wohnungen selbst nannte, mit industriellen Baumethoden zu lindern. Seit den 1920er-Jahren beschäftigte sich sein Unternehmen mit den Vorteilen der Massenproduktion und Rationalisierung. Gross geworden war die Ernst Göhner AG mit normierten Fenstern und Türen. In den 1940er-Jahren gesellten sich Einbauküchen und Mosaikparkett hinzu – kurz gesagt: Die Göhner-Wohnungen bedienten die Sehnsüchte des Mittelstandes: eine Einbauküche mit Kühlschrank, Herd und Backofen, ein separates WC, zwei Lavabos und teilweise sogar eine separate Waschküche mit eigener Waschmaschine. Ganze Siedlungen stellte Göhner auf. Einen Überblick über die Göhner-Siedlungen bietet die Bilderstrecke. (Patrick Schoeck-Ritschard und Fabian Furter)