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Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter und zwei weitere hochrangige Funktionäre sollen sich nach Erkenntnissen des Fussball-Weltverbandes teilweise im grossen Stil bereichert haben. Blatter, der frühere Generalsekretär Jerôme Valcke und der ehemalige Finanzchef Markus Kattner hätten in den letzten fünf Jahren etwa 80 Millionen Franken eingestrichen, liess die Fifa am Freitag verlauten.
Teile der von der Fifa veröffentlichten Boni und Bezüge haben Blatter und Co. aber gar nie bekommen. Recherchen zeigen, dass die Boni von Blatter für die Jahre 2014 und 2015 und jener von Valcke für das Jahr 2015 vollständig gestrichen wurden. Insgesamt fielen bei Blatter und bei Valcke so zugesicherte Boni über total 15 Millionen Franken weg. Dies hatte die Ethikkommission Ende letzten Jahres unter Domenico Scala entschieden, nachdem interne Untersuchungen gegen die beiden Spitzenfunktionäre ausgelöst worden war.
Dienstaltergeschenk über 400'000 Franken
Schliesslich wurde Blatter für sechs Jahre von allen Fussballaktivitäten suspendiert. Er zog das Urteil anschliessend vor das Sportgericht CAS in Lausanne weiter. Valcke wurde im Herbst 2015 suspendiert und diesen Frühling fristlos entlassen. Allerdings kam Blatter 2015 doch noch zu einer Sonderzahlung. Aus Anlass seines 40-Jahr-Jubiläums bei der Fifa wurde ihm ein Dienstaltergeschenk über 400'000 Franken ausbezahlt, wie Handelszeitung-Recherchen zeigen.
«Es gibt Belege für koordinierte Bemühungen von drei früheren Top-Offiziellen der Fifa, sich durch jährliche Gehaltserhöhungen, Boni für Weltmeisterschaften und andere Zahlungen in Höhe von mehr als 79 Millionen Franken zu bereichern - nur in den letzten fünf Jahren», erklärte dagegen Bill Burck, Partner der US-Anwaltskanzlei Quinn Emanuel gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Kanzlei wurde vom Verband damit beauftragt, Verträge und Entschädigungen einer kleinen Gruppe von ehemaligen Fifa-Funktionären zu untersuchen. Quinn Emanuel ist auch vom US-Justizdepartment beauftragt, die Untersuchungsarbeiten bei der Fifa zu überwachen.
Kampf zwischen Infantino, Kattner und Scala
Der Zeitpunkt der Enthüllungen lässt darauf schliessen, dass ein Kampf zwischen Präsident Gianni Infantino, dem fristlos geschassten Finanzchef Kattner und dem zurückgetretenen Chefethiker Scala voll entbrannt ist. Das von Scala präsidierte Kompensations-Komittee hatte Fifa-Präsident Infantino bereits vor vier Wochen einen Jahresvertrag mit einem Fixlohn von 2 Millionen Franken vorgelegt. Diese Summe wurde von Infantino als Beleidigung taxiert. Dieser sieht sich selber mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Tonbandaufnahmen von geheimen Sitzungen und ein angeblicher Löschungsbefehl von Aufnahmen und sowie der Rücktritt Scalas haben den Konflikt erst richtig angeheizt. Bereits wird über eine zeitliche Suspendierung Infantinos spekuliert.
Entscheidend wird sein, wie sich die Untersuchungskammer der Ethikkommission zum Verhalten Infantinos stellt. Angeblich soll eine Voruntersuchung gegen ihn eingeleitet sein. Geleitet wird die Untersuchungskammer vom früheren Zürcher Staatsanwalt Cornel Borbély. Dieser müsste in der Causa Infantino in den Ausstand treten, weil der Fifa-Präsident ebenfalls Schweizer ist.