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Japan sucht den Superhelden
In schwierigen Zeiten ist Sakamoto Ryoma stets zur Stelle. So ist er auch dieser Tage auf japanischen Bierdosen der Marke Sapporo, in einem Werbespot für Daihatsu Motor, auf einer offiziellen Gedenkmünze oder in einer Fernsehserie des staatlichen Senders NHK anzutreffen.
1835 geboren, gilt der Samurai Sakamoto Ryoma als der Wegbereiter für die japanische Modernisierung. In einem 8-Punkte-Programm legte Sakamoto Ryoma seine Vorstellung eines Japans vor, das ein Parlament mit Unter- und Oberhaus, einen Kaiser an der Spitze oder den Aufbau einer schlagkräftigen Flotte vorsah, um auf Augenhöhe mit den westlichen Staaten sein zu können. Eine Vision, die ab 1868 mit der Meiji-Restauration zur Realität wurde.
Sakamoto leistete dafür auch in der Praxis wichtige Vorarbeit. So gründete er eine Handelsfirma, eine Kriegsflotte und sorgte für die Versöhnung zwischen den verfeindeten Nachbarprovinzen Choshu und Satsmu auf der japanischen Südinsel Kyushu. Diese Allianz sollte später die Grundlage zum Sturz des Shoguns, dem japanischen Feudalherrscher, werden. Sakamoto Ryoma selbst erlebte den offiziellen Beginn der japanischen Moderne 1868 nicht mehr. Er fiel ein Jahr zuvor einem Attentat zum Opfer.
Eine Wirtschaftsfaktor auf Shikoku
Heute glaubt Japan erneut vor einem Scheideweg zu stehen. Die Wirtschaft stagniert, die Bevölkerung wird zusehends älter und die Politik scheint in eine Sackgasse geraten zu sein. Genau in solchen Zeiten sehnt sich eine Bevölkerung nach einem Helden, den sie ihn Sakamoto Ryoma gefunden hat.
Seit dem Start der NHK-Fernsehserie «Ryoma Den» ist die Besucherzahl in Ryomas Geburtsort und Musuem in der Präfektur Kochi auf der kleinsten Hauptinsel Shikoku um 71 Prozent angestiegen. Laut der japanischen Nationalbank bringt seine Vermarktung der Region rund 40 Milliarden Yen (350 Mio. Euro) an Einnahmen . Die japanische Münzanstalt hat zu Ryomas 175. Geburtstag eine Spezialmünze in einer limitierten Auflage geprägt. Die Biermarke Sapporo ist zuversichtlich diesen Herbst 1,2 Millionen der Sakamoto-Spezialedition verkaufen zu können.
Ryoma und die Politik
Auch die Politik versteht es mit Sakamoto für ihre Sache zu werben. Premierminister Naoto Kan ist ein erklärter Anhänger des Samurai. Gerne würde er seine eigene Regierungspartei in der historischen Hauptrolle des politischen Wandels sehen. Aber auch Yoshimi Watanabe von der oppositionellen Your Party hat sich die heroischen Taten Ryomas auf die Parteiflagge geschrieben.
«Ryomas Figur wurde in der japanischen Geschichte immer und immer von der Gesellschaft für ihre Zwecke verwendet. Selbst zur Zeit des Militarismus galt der Samurai als ein Vorbild», erklärt Masaaki Noda, Professor an der Kansei-Gakuin-Universität, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Ein Superheld alleine reicht nicht
Der Ryoma-Boom ist in der Nachkriegszeit keine Neuheit. Bis heute sind zu seinen Taten 8 Fernsehserien, 6 Romane, 11 Manga-Bände und 8 Filme entstanden. «Natürlich gibt es Parallelen zu Ryomas Zeiten und heute», erklärt Professor Noda. Jedoch alleine Sakamoto Ryomas Figur herauf zu beschwören, nur weil sie Jugend und Tatkraft verkörpere, reiche noch lange nicht aus, um Japans aktuelle Probleme auch tatsächlich zu lösen. ja.
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