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Der Kampf um Land steht seit Jahrzehnten im Zentrum des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien: Fast 6 Millionen Menschen sind von insgesamt 8 Millionen Hektar Land vertrieben worden. Die laufenden Friedensverhandlungen in Havanna bergen die Chance, den Beraubten ihr Land zurückzugeben und die Vertriebenen angemessen zu entschädigen. Zu diesem Zweck unterzeichnete die Regierung 2011 das Opfer- und Landrückgabegesetz, welches vorsieht das rechtswidrig angeeignete Land innert zehn Jahren zurückzugeben.
Mangelnder politischer Wille und wirtschaftliche Interessenskonflikte
«Das Landrückgabegesetz weist viele Lücken auf und droht an seinen unrealistischen Zielen zu scheitern. Die Regierung hat sich für den Rückgabeprozess 10 Jahre Zeit gegeben. Bis jetzt wurden jedoch lediglich 30‘000 Hektar zurückgegeben. Wie soll in den verbleibenden sieben Jahren die Rückgabe von über 7 Millionen Hektar bewältigt werden? Es mangelt an politischem Willen, den Prozess voranzutreiben» stellt Claudia Erazo, Direktorin der Corporación Juridica Yira Castro, fest. Die Anwältin vertritt seit über 10 Jahren Opfer von Zwangsvertreibungen, darunter auch die Gemeinschaft ASOMUPROCA, der Belinda Márquez angehört. Die Bäuerin ist Teil eines Kollektivs von 62 Frauen, die mit Hinrichtungen und Drohungen von bewaffneten Gruppen vor gut 15 Jahren von ihrem Land vertrieben wurden. Die Frauen haben versucht, vom Staat als vertriebene Gemeinschaft anerkannt zu werden, um so ihr Recht auf das verlorene Land geltend zu machen. Bisher waren ihre Bemühungen jedoch vergeblich. Dies mag mitunter dem Umstand geschuldet sein, dass sich unterdessen wirtschaftliche Interessen – in Form eines Palmölplantagenbesitzers – auf dem Land durchgesetzt haben.
Wie die Schweiz den Rückgabeprozess unterstützen kann
Von der Schweiz, welche den Friedensprozess schon seit vielen Jahren unterstützt und mit Kolumbien auch wirtschaftlich eng verbunden ist – seit 2011 besteht ein Freihandelsabkommen – erhoffen sich die Besucherinnen konkrete Hilfestellungen: «Viele Unzulänglichkeiten bei der Umsetzung des Landrückgabegesetzes sind auf die mangelhafte Koordination zwischen den verschiedenen Ämtern zurückzuführen. Die Schweiz könnte uns zum Beispiel auf institutioneller Ebene unterstützen» führt Claudia Erazo aus. Ebenso wichtig ist das Mittragen und Stärken des Friedensprozesses, da es in einem befriedeten Land einfacher sein wird, die Rückgabe von geraubtem Land sicher zu stellen. Lisa Salza, Koordinatorin für Lateinamerika bei der Schweizer Sektion von Amnesty International sieht noch eine weitere Möglichkeit: «Die Schweizer Botschaften verfügen seit letztem Jahr über Richtlinien zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen. Diese könnten angewendet werden, um Menschen zu schützen, die bei der Rückkehr auf ihr Land bedroht werden oder die sich für eine Beilegung des Landkonfliktes engagieren.»