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Ich habe schon immer in der gleichen Wohnung gelebt, zusammen mit meiner ganzen Familie. In einem Zimmer, welches ich auswendig kenne und kleinen Brüdern, die hin und wieder zu frech werden. Ein Leben aus gemeinsamen Abendessen, Filmen im Wohnzimmer und manchmal, aus langen Erklärungen jeder einzelner meiner Schritte und Tritte. Heute musste ich erklären, aus welchen Gründen ich seit zwei Abenden nicht beim Abendessen aufgekreuzt bin...Obwohl ich mehrere Tage vorher meine Abwesenheit angekündigt habe.
Ich tobe in meinem Bett. Vor dem Einschlafen kommt ein letzter Gedanke: „Wenn ich nur woanders wohnen könnte und mein Leben führen könnte, wie ich es mir vorstelle.“ Einige Stunden später öffne ich meine Augen. Das Licht scheint anders.
Die Decke ist mit Holz getäfelt. Ich rieche den Geruch von Eiern, wobei doch bei mir niemand salzig frühstückt. Ich stehe auf und entdecke ein verwandeltes Zimmer, etwas kleiner als meins, aber weniger überfüllt. Meine Gitarre und meine Ukulele stehen in einer Ecke gegen ein riesiges, rotes Sofa gelehnt, was mir bestätigt, dass ich mich tatsächlich in „meiner“ Bude befinde. Der Flur ist mit vollen Bücherregalen von oben bis unten tapeziert. Alle meine Lieblingsromane sind dort, dazu andere Bücher, die ich mir bereits zu besitzen gewünscht habe, so spannend sind deren Titel. Ich rieche den Geruch von Gebratenem und komme in der Küche an. Ein reizendes, junges Mädchen ist dabei, etwas auf einen kleinen Teller zu zaubern. Sie lehnt an einem Schrank, der den Anschein macht, frisch gestrichen worden zu sein. Sie dreht sich um und sagt: “Schon wach? Ich war mir sicher du hättest heute keinen Kurs.“. Und es fällt mir ein… Ich bin wirklich in meiner Wohnung, mit Laura, meiner Mitbewohnerin seit mehr als einem Jahr. Sie hält mir einen Teller mit Omelette hin, einer halben Avocado und einem hausgemachten Vollkornbrot. „Hier, das wirst du für das Training brauchen“ Aber ja, das stimmt! Wir machen regelmäßig Sport zusammen, treiben uns gegenseitig an, nicht aufzugeben und kämpfen gemeinsam gegen unser inneres Bedürfnis, sich im Wohnzimmer zu verkriechen.
Während ich vom Wohnzimmer spreche, trete ich in dieses ein. Es ist gleichzeitig das Esszimmer, da die Küche zu klein ist. Nun sehe ich etwas, was mich auf der Stelle erstarren lässt. Ein Flügel besetzt mehr als die Hälfte des Zimmers vor der Glaswand. Er ist wunderschön, schwarz, glänzend. Laura sieht meinen Blick und ruft: „Haha, mach den Mund zu! Als ob du ihn zum ersten Mal siehst!“
Meine Noten auf der Oberseite lügen nicht, er gehört mir. Einer meiner Kindheitsträume, direkt vor meinen Augen. Meine Freundin setzt sich an unseren langen Holztisch um ihren Teller zu verschlingen. Der stummgeschaltete Fernseher füllt nur die Stille der Unterhaltung. Wir reden über den Abend zu dem wir dieses Wochenende gehen wollen, nur eine kleine Weinprobe mit ein paar Freunden. Ich mache mir da auf keinen Fall Sorgen, denn wir haben uns schon immer gut bei Ausgängen verstanden und bei allem anderen auch. Die paar Unstimmigkeiten am Anfang, darüber wer zu wenig die Küche putzt, oder wer vergessen hat den Müll rauszubringen, waren dank einer Tabelle an unserem Kühlschrank, an der wir notieren, was wir im Haushalt erledigt haben, schnell geklärt. Ich bemerke meinen Kalender an der Seite. Ich nehme und öffne ihn, um meine genauen Arbeitszeiten anzusehen. Es ist offensichtlich, leben hat einen Preis… daher habe ich neben meinem Studium zwei bis drei Jobs gleichzeitig. Ich erinnere mich deswegen bei den letzten Prüfungen beim Studium gescheitert zu sein. Das lehrte mich die exakten Prüfungsdaten zu vergessen um mich nicht lediglich einige wenige Tage vor den Klausuren beim Üben wiederzufinden. Denn, wer würde mich daran erinnern?
Laura muss gehen. Bevor sie rausgeht, gibt sie mir schnell Bescheid, dass ich mit dem Einkauf für die nächsten Tage an der Reihe bin. Die Tatsache, dass wir beide Vegetarier sind vereinfacht die Sache auf dieser Ebene. Nachdem sie durch die Tür ist, nehme ich meinen Plan wieder auf und versuche meinem Tag einen Sinn zu geben. Es ist offensichtlich, wenn wir weiter essen wollen, muss ich ernsthafte Aktivitäten entfalten. Also keine Zeit für mich.
Gerade als ich meinen Teller abwaschen will, stolpere ich über den Teppich, ich falle!
Ich erwache in meinem Bett aus dem Schlaf. Ich höre die Stimme meiner Eltern durch die Wände. Das freie Leben war also nichts weiter als ein Traum. Meine Mutter fragt mich, ob ich zum Pancake Essen komme, um den Streit von gestern Abend beizulegen. Ich sage ihr, dass ich gleich komme und schließe die Augen, um vom Sonntag zu träumen, der mich erwartet. Mein einziges Programm wird sein, an den Strand zu gehen und die letzten heißen Tage des Sommers zu genießen.
Endlich stehe ich auf, mit einem mild-bitteren Geschmack im Mund.
Ich träumte von der fast perfekten WG.