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Wir setzen den Schwerpunkt unserer Betrachtungen auf Frankreich, das in Ludwig (Louis) XIV. (1638-1715; Bild links als 10-Jähriger) den Absolutismus in seiner wohl reinsten Form verkörpert. Aber wie ist es dazu gekommen? Im Feudalismus ist die Macht des Königs beschränkt gewesen durch seine Abhängigkeit von seinen Vasallen, dem Adel. Sie haben ihm im Krieg die Kräfte und Tribute (Abgaben, Beiträge) geliefert, die er gebraucht hat, um bestehen zu können. Im beginnenden 17. Jahrhundert ändert sich das radikal. Der König finanziert ein stehendes Heer. Der Adel verliert seine Kernaufgabe und wird „überflüssig“. Das Volk wird – neben dem Adel – dem König direkt steuerpflichtig.
Ludwig XIII. kommt als Kind auf den Thron. Nachdem er seine Mutter, Maria de Medici, ausgeschaltet hat, überträgt er die Regierungsgeschäfte Kardinal Richelieu. Dieser beginnt konsequent den Hochadel aus allen wichtigen Regierungsgeschäften hinauszudrängen. Sein Ziel ist es, die Staatsgeschäfte von den Eigeninteressen des Adels zu trennen. Die Adeligen werden durch königliche Beamte ersetzt. Dadurch wird dem Adel nach und nach die Macht entzogen. Um diesen aber trotzdem bei Laune zu halten und an den König zu binden, werden ausgewählte Leute in das prunkvolle Hofleben einbezogen. Den Adeligen, die sich verschulden, um einen standesgemässen Lebenswandel am Hof finanzieren zu können, schenkt der König finanzielle Zuwendungen, die die Abhängigkeit vom Hof weiter erhöhen. Das alles kostet den Staat enorme Summen.
Die unbeliebte Politik Kardinal Richelieus wird auch nach dessen Tod (1642) weitergeführt. Als Ludwig XIV. 1643 mit vier Jahren auf den Thron kommt, leitete Kardinal Mazarin die Regierungsgeschäfte und bereitete den König auf seine Rolle als absolutistischer Regent vor. Als der Kardinal stirbt, führt Louis XIV. mit 22 Jahren die Regierungsgeschäfte alleine weiter. Die Säulen seiner Macht sind die Kontrolle von Polizei und Justiz und ein stehendes Heer von 400'000 Mann, die in französischem Sold stehen. Es ist das damals grösste stehende Heer Europas.
Mitte des 17. Jahrhunderts ist Frankreich die politische Macht auf dem Kontinent und die Regierung ist ganz auf Ludwig XIV. zugeschnitten. Dass er sich "Sonnenkönig" nennt, passte gut zu seinem Selbstverständnis und seinem Lebenswandel. Aber die Auseinandersetzungen mit dem Papst, die Hugenottenkriege und der Spanische Erbfolgekrieg treiben sein Staatssystem fast in den Ruin. Eine Finanzreform und massive Einsparungen retten die Monarchie im letzten Moment.
Absolutismus heisst auch "Repräsentation". Die Macht des Königs zeigt sich unter anderem in den Prunkbauten, die er sich leistet und in einem verschwenderischen Hofleben, das Unsummen an Geld verschlingt, welches letztlich durch Steuern vom einfachen Volk aufgebracht wird.
Das Schloss von Versailles zeugt heute noch eindrücklich von der Macht König Ludwigs XIV. Ob Staatsbankette, Festlichkeiten, Jagden, Theateraufführungen, Glücksspiele ... der Adel sammelt sich in Versailles um den König, buhlt um die Gunst. In der Nähe des Sonnenkönigs sein zu dürfen, ist die höchste Ehre, die einem Adeligen damals in Frankreich geschenkt werden kann. Aus selbständigen Herren sind abhängige Höflinge geworden.
Im Jahre 1701 macht Ludwig XIV. aus dem Grossen Saal in der Mitte des Schlosses von Versailles sein Schlafzimmer. Von 1701 bis 1789 spielt sich hier jeden Morgen und jeden Abend die Zeremonie des Aufstehens und des Zubettgehens des Königs ab. Hier stirbt er schliesslich am 1. September 1715 nach 72-jähriger Herrschaft, der längsten eines Herrschers in der Neuzeit.
Aufgaben und Recherchen
Was versteht man unter "Absolutismus"?
Heisst "Absolutismus" dass ein Herrscher tun und lassen kann, was er will?
Wie lautet der von Lous XIV geprägte Leitsatz des Absolutismus?
Welche Gewalten innerhalb des Staates vereinigt der absolutistische Herrscher in seiner Person (Fachbegriffe + Erklärung)?
Wer nimmt in der heutigen Schweiz diese drei Gewalten ein?
Welcher Unterschied besteht zwischen absoluter Herrschaft und Diktatur?
Was waren die Auslöser des Absolutismus (mind. 2 Gründe).
Was war das Problem mit dem Adel im 17. Jahrhundert
Wie hiess der "Geschäftsführer" Louis XIII und was waren seine Überlegungen, den Adel aus den Regierungsgeschäften auszuschalten? Wieso rebellierte der Adel nicht?
Unter Louis XIV ging das weiter. Wer war sein "Geschäftsführer"? Nach dessen Tod 1661 übernahm Louis XIV alleine die Staatsgeschäfte. In welchem Alter?
Worauf beruhte die Macht Louis XIV?
Wieso war Frankreich die politische Macht auf dem europäischen Kontinent?
Was war der Preis dieser Macht?