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UPDATE: Letzten Sonntag gelang es dem norwegischen Team, sein Unterwasserfahrzeug erfolgreich einzusetzen. Erste Bilder des U-Bootes sind auf Twitter und Facebook gezeigt worden.
Das Jahr 1989 war für die Sowjetunion kein gutes Jahr: Neben dem faktischen Zusammenbruch des Staates musste die Führung in Moskau bereits im April einen grossen Verlust hinnehmen. Das U-Boot K-278 Komsomolets sank nach einem Brand an Bord in der Barentssee. Dabei verloren 42 Seeleute ihr Leben. Das U-Boot liegt immer noch in der Tiefe und Wissenschaftler wollen diese Woche mit einem Tauchroboter die Integrität der Hülle untersuchen.
Das U-Boot, das in einer Tiefe von 1’680 Metern liegt, wird vom norwegischen Forschungsschiff G.O.Sars angesteuert. Das Wrack liegt rund 250 Kilometer südwestlich der Insel Bjørnøya, mitten zwischen Svalbard und dem norwegischen Festland. Das Forschungsschiff hat ein spezielles ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug an Bord, das in diesen Tiefen operieren kann. «Endlich können wir dem Wrack so nahe wie noch nie kommen und sogar Proben nehmen», erklärt die Expeditionsleiterin Hilde Elise Heldal vom norwegischen Meeresforschungsinstitut.
Das U-Boot war ursprünglich ein 1983 in Dienst gestellter Prototyp für eine neu geplante U-Boot-Klasse. Die Hülle bestand aus mehreren Schichten, von denen die innerste aus Titan besteht. Das Boot ist mit einem Atomreaktor und zwei Torpedos, die nukleare Sprengköpfe tragen, ausgerüstet. Jeder der Sprengköpfe hat rund 3 Kilo Plutonium-239 in sich drin. Die Halbwertszeit dieses Plutoniums beträgt rund 24’000 Jahre und stellt daher ein enormes Risiko dar. Doch Experten meinen, dass die Gefahr eines Anreicherns in der Nahrungskette sehr gering sei, da in dieser Tiefe nur wenige Meeresorganismen existieren und der Austausch mit der Oberfläche minimal sei. Bereits 1990 und 2007 hatten russische Wissenschaftler Messungen beim Boot durchgeführt und stellten dabei ein kleines Leck in der Nähe des Atomreaktors fest. Dort waren erhöhte Cäsium-137-Werte festgestellt worden. Norwegische Wissenschaftler, die später Messungen durchgeführt hatten, fanden keine erhöhte Radioaktivität. Doch anders als die Russen, die mit speziellen MIR-Mini-U-Booten für grosse Tiefen unten waren, hatten die Norweger das Wrack nie tatsächlich erreicht.
Das Gerät, mit dem die Norweger nun die Komsomolets untersuchen möchten, ist das Ægir 6000-System, ein in Norwegen entwickeltes Unterwasserfahrzeug mit Greifarmen und Kameras, um auch Proben nehmen zu können. «Diese Expedition wird uns genauere und wichtige Kenntnisse über die Verschmutzungssituation rund um das Wrack liefern», meint Heldal weiter. «Wir müssen die Radioaktivität in den Fischen und anderen Meerestieren genau messen. Das Ziel ist es, zu zeigen, dass die Umweltbedingungen in der Barentssee gut sind und die Meeresfrüchte von dort essbar sind.»
Die K-278 war am 7. April 1989 in 335 Meter Tiefe wahrscheinlich durch einen Kurzschluss in Brand geraten. Das Boot konnte noch auftauchen und die Mannschaft verliess das Schiff bis auf fünf Mann. Dann sank das U-Boot. Von den insgesamt 69 Mann an Bord kamen 42 ums Leben, die meisten durch Unterkühlung in der rauen See. Der Unglückstag wird heute in Russland als Gedenktag für ums Leben gekommene U-Boot-Fahrer gefeiert.
Quelle: The Independent Barents Observer