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Atlantik-Urwald – eine Vielfalt an seltenen Pflanzen und Tieren
Der Atlantik-Urwald bedeckte einst riesige Flächen von Paraguay, Brasilien und Argentinien. Heute zählt das tropische/subtropische Ökosystem zu den artenreichsten, jedoch auch zu den am stärksten bedrohten tropischen Wäldern. Die Vielfalt entstand auch aufgrund der weiten Ausdehnung in hügeligem bis bergigem Terrain über unterschiedliche Höhen und Breitengrade: Nahe der Küste befinden sich die laubabwerfenden tropischen Regenwälder, die Bergregenwälder und die Dunstwälder mit den Wolken- und den Nebelwäldern. Gegen Süden geht der Wald in subtropischen Regenwald und Lorbeerwald mit Araukarien über.
Diese so genannte Mata Atlântica ist vor 6 Millionen Jahren entstanden und ist eine der ältesten, noch existierenden Land-Lebensräume.
Sagenhafte Pflanzenwelt über mehrere Stufen
Wegen dem vielen Regen, besonders entlang der Berghänge, gibt es eine dichte Vegetation. Bäume mit bis zu 60 Metern Höhe bilden eine geschlossene grüne Decke und sorgen darunter für ein feuchtes und schattiges Mikroklima. Darin wachsen auf mehreren Ebenen verschiedene Pflanzentypen. Man geht davon aus, dass es zusammen mit den Insekten rund 1.6 Millionen verschiedene Arten sind. Viele davon sind nur in der Mata Atlântica zu finden, so zum Beispiel über die Hälfte der Bäume. Pro Hektare können es bis zu 450 verschiedene sein. Zum Vergleich, die Schweiz kennt insgesamt rund 50 verschiedene einheimische Baumarten. Dazu gesellen sich typischerweise herabhängende Lianen, Orchideen, Bromelien, Farne und Moose.
Mata Atlântica ist Existenzgrundlage bedrohter Tiere
In diesem dichten Urwald leben viele verschiedene grössere Säugetiere wie Flachlandtapire, Weissbartpekari, Wasserschweine, braune Brüllaffen, Gehaubte Kapuziner, Südliche Tamanduas, Grosse Ameisenbären, Ozelote, Südliche Tigerkatzen, Jaguarundis, Waldhunde, Nasenbären, Krabbenwaschbäre, Dickschwanzbeutelratte sowie Riesenotter und Südamerikanische Fischotter. 39 Prozent der Säugetiere sind einzig im atlantischen Regenwald beheimatet. Insgesamt existieren in der Mata Atlântica hunderte von Vogelarten, diverse Reptilien- und Amphibienarten und unzählige verschiedene Schmetterlinge.
Zudem ist der Atlantik-Urwald Heimat zahlreicher seltener und teilweise bedrohter Tiere. Dazu gehört auch der Jaguar. Nachdem dessen Population im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Argentinien auf rund 50 ausgewachsene Tiere geschrumpft war, schätzt die Fundación Vida Silvestre – die argentinische WWF-Vertretung– heute den Bestand wieder auf 250 Exemplare. Die grösste Raubkatze Südamerikas ist jedoch nach wie vor stark bedroht. Ihre Beutetiere werden durch Wilderei immer weniger. Zudem wird der Jaguar von Viehzüchtern illegal getötet, weil die Raubkatze auf den gerodeten Flächen Kälber und Füllen reisst.