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- Die Erwerbstätigenquote der Schweiz ist im Vergleich zum Ausland überdurchschnittlich hoch.
- Sowohl in den Städten als auch auf dem Land nimmt der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen stetig zu.
- Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt findet eine Akademisierung statt. Der Anteil der Erwerbstätigen mit tertiärem Bildungsabschluss ist im letzten Jahrzehnt um rund einen Prozentpunkt pro Jahr gewachsen.
Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung bleibt stabil
Die Anzahl der Erwerbstätigen in der Schweiz ist im letzten Jahrzehnt stetig gewachsen. Waren es 2010 noch 4.1 Millionen Erwerbstätige, sind es 2018 bereits 4.4 Millionen. Die Zahl der Erwerbstätigen ist somit ungefähr gleich stark gewachsen wie die Bevölkerung.
Exkurs: Definitionen
Als Erwerbstätige gelten Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die während der Referenzwoche
- entweder mindestens eine Stunde gegen Entlöhnung gearbeitet haben
- oder trotz zeitweiliger Abwesenheit von ihrem Arbeitsplatz (wegen Krankheit, Ferien, Mutterschaftsurlaub, Militärdienst usw.) weiterhin eine Beschäftigung als Selbstständigerwerbende oder Arbeitnehmende hatten
- oder unentgeltlich im Familienbetrieb mitgearbeitet haben.
Als Erwerbslose gemäss ILO (International Labour Organization) gelten alle nicht erwerbstätigen Personen, die in den vergangenen vier Wochen aktiv nach einer Arbeit gesucht haben und innerhalb kurzer Zeit mit einer Tätigkeit beginnen könnten.
Die Erwerbslosenquoten ist der Anteil erwerbsloser Personen an den Erwerbspersonen.
Als Erwerbspersonen gelten alle Personen, die gemäss ILO entweder erwerbstätig oder erwerbslos sind. Erwerbspersonen werden mit dem Arbeitsangebot gleichgesetzt.
Die Erwerbsquote ist der Anteil der Erwerbspersonen an der jeweiligen Referenzbevölkerung.
Als Nichterwerbspersonen gelten Personen, die weder erwerbstätig noch erwerbslos gemäss ILO sind. Dies sind beispielsweise schulpflichtige Personen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen oder ausschliesslich im Haushalt tätige sind.
Die registrierten Arbeitslosen umfassen alle bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum registrierten Personen, die keine Stelle haben und sofort vermittelbar sind, unabhängig davon, ob sie eine Arbeitslosenentschädigung beziehen oder nicht. Die Differenz zwischen den Erwerbslosen und Arbeitslosen bilden somit die nicht bei einem Arbeitsvermittlungszentrum registrierten Personen auf Stellensuche.
Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der registrierten Arbeitslosen an den Erwerbspersonen.
Beschäftigte bezeichnen besetzte Stellen. Obwohl sich ihre Bedeutungsfelder stark überschneiden, ist unter den Begriffen «Beschäftigte (besetzte Stellen)» und «Erwerbstätige» nicht dasselbe zu verstehen. Während der Begriff «Erwerbstätige» personenbezogen ist, bezieht sich der Begriff «Beschäftigte» auf Arbeitsplätze. Mehrfacherwerbstätige sind in den Erwerbstätigenstatistiken nur einmal aufgeführt, in den Beschäftigungsstatistiken werden sie hingegen pro Stelle, die sie besetzen, einmal erfasst.
Die etwas differenziertere Betrachtung nach den regiosuisse-Raumtypen zeigt allerdings, dass sich dieses Wachstum nicht homogen über alle Raumtypen verteilt. Auffallend sind insbesondere die ländlichen Zentren, in denen es nur zu einem vergleichsweise geringen prozentualen Wachstum der Erwerbstätigen gekommen ist. Demgegenüber ist die Anzahl der Erwerbstätigen in den ländlichen Gemeinden überdurchschnittlich stark gewachsen. Diese Entwicklung steht im Einklang mit dem Bevölkerungswachstum.
Neben den Unterschieden zwischen den Raumtypen offenbaren sich auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So gehen ungefähr 56% des Wachstums der Erwerbstätigen im Zeitraum 2010-2018 auf die Frauen zurück. Am stärksten gewachsen ist hierbei die Anzahl der erwerbstätigen Frauen in den ländlichen Gemeinden (11%). Auf nationaler Ebenen hat sich der Frauenanteil an der Gesamtheit der Erwerbstätigen allerdings nur geringfügig erhöht – er ist um etwas weniger als einen Prozentpunkt auf gut 46% (Stand 2018) angestiegen.
Mit einer Erwerbstätigenquote von rund 77% beteiligt sich in der Schweiz im Vergleich zur EU-28 (69% im Jahr 2018) ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Bevölkerung am Erwerbsleben. Hierbei zeigen sich aber gewisse Unterschiede zwischen den Raumtypen: urbane Gebiete weisen in der Tendenz tiefere Erwerbstätigenquoten auf als der ländliche Raum. Hinsichtlich der Geschlechter lässt sich zudem festhalten, dass die Erwerbstätigenquote der Frauen im Zeitraum 2010-2018 zwar marginal gewachsen ist, im Jahr 2018 (72%) aber noch immer deutlich tiefer lag als diejenige der Männer (82%).
Tendenz zu einem höheren Anteil an Teilzeitbeschäftigten
Während sich in Bezug auf die Erwerbstätigenquote und die räumliche Verteilung der Erwerbstätigen nicht viel verändert hat, hat sich das «Profil» der Erwerbstätigen über die letzten Jahre weiterentwickelt. Dies äussert sich unter anderem anhand von Verschiebungen bei der Teilzeiterwerbstätigkeit. Während der Anteil der Beschäftigten mit sehr tiefem (<50%) und sehr hohem (90-100%) Beschäftigungsgrad in den letzten Jahren rückläufig war, hat der Anteil der Erwerbstätigen mit einem Pensum von 70-89% stark zugelegt. Im Vergleich zur EU ist Teilzeitarbeit in der Schweiz stärker verbreitet.
Die Gründe für den beobachteten Trend hin zu mehr Teilzeitarbeit sind vielfältig. Häufig besteht das Bedürfnis nach mehr Freizeit, Weiterbildung oder sonstigen nicht-beruflichen Tätigkeiten. Ebenfalls ein wichtiger Grund dürfte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein.
Bei der Teilzeitarbeit zeigen sich aber markante Unterschiede nach Geschlechtern. So haben im Jahr 2018 beispielsweise 53% der erwerbstätigen Frauen Teilzeit gearbeitet, während der Anteil bei den Männern bei lediglich 13% lag. Interessant ist diesbezüglich auch der Stadt/Land-Vergleich: Während der Anteil der Teilzeitarbeitenden bei den Männern in urbanen Gebieten höher liegt als im ländlichen Raum (15% in den Grossstädten, 11% in den ländlichen Gemeinden), verhält es sich bei den Frauen gerade umgekehrt (48% in den Grossstädten, 58% in den ländlichen Gemeinden).
Exkurs: Einfluss von Covid-19 auf die Erwerbstätigkeit
Trotz der im Mai 2020 erfolgten Lockerung der Covid-19-Schutzmassnahmen waren auf dem Arbeitsmarkt die Auswirkungen der Pandemie im 2. Quartal 2020 deutlich spürbar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal verringerte sich die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro erwerbstätige Person um knapp 10%. Damit wurde die stärkste Abnahme seit der Einführung von Quartalsdaten im Jahr 2010 verbucht.
Stärkerer Rückgang bei Frauen und Familien: Zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 reduzierte sich die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro erwerbstätige Person bei den Frauen stärker als bei den Männern (-11% gegenüber -8%). Zudem nahm die Arbeitszeit von Personen mit Kindern zwischen 0 und 6 Jahren (-12%) deutlicher ab als bei Personen ohne Kinder unter 15 Jahren (-8%).
Viele Homeoffice-Stunden: Im 2. Quartal 2020 leistete nahezu die Hälfte (44%) der Arbeitnehmenden zumindest gelegentlich Homeoffice. Gegenüber dem Vorjahr (29%) ist der Anteil somit stark gestiegen. Da nicht alle Branchen über das gleiche Homeoffice-Potenzial verfügen, waren die verschiedenen Wirtschaftszweige und Regionen unterschiedlich stark vom Lockdown betroffen.
Zunehmende Akademisierung des Schweizer Arbeitsmarktes
Neben dem Trend zu mehr Teilzeitarbeit zeigt sich auch eine Entwicklung hin zu höherer Bildung. Schweizweit ist der Anteil der Erwerbstätigen mit tertiärem Bildungsabschluss in den vergangenen Jahren stark angestiegen – von 35% im Jahr 2010 auf 43% im Jahr 2018. Am stärksten war dieser Anstieg in den Grossstädten, wo heute über 50% der Erwerbstätigen über einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe verfügen. Grund dafür dürften insbesondere der höhere Anteil an Grossunternehmen und innovativen, neugegründeten Firmen in den urbanen Gebieten sein, welche hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland anziehen und Schweizer Hochschulabgängern interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten.
Die Akademisierung des Schweizer Arbeitsmarktes beschränkt sich aber nicht auf die urbanen Räume, sondern findet auch – wenn auch etwas weniger ausgeprägt – in den ländlichen Gebieten statt. Wanner und Steiner (2018) begründen diese Entwicklung mit der stetig steigenden Nachfrage nach Fachkräften infolge der Globalisierung, der Auslagerung bestimmter Sektoren mit gering qualifizierten Arbeitskräften und der Spezialisierung in Bereichen, die einen hohen Personalbedarf an Hochqualifizierten aufweisen.
Zu dieser Akademisierung haben die Frauen stärker beigetragen als die Männer respektive es hat ein gewisser Aufholeffekt stattgefunden: Der Anteil der Frauen mit tertiärem Bildungsabschluss ist seit 2011 um fast 12 Prozentpunkte gestiegen, während der Anstieg bei den Männern bei knapp 8 Prozentpunkten lag.