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Während ihrer Tätigkeit als Korrespondentin in Afghanistan für französische Medien lernte Sonia Krolund das Phänomen Salim Shaheen kennen und ‹musste› ihm einfach einen Langfilm widmen. Salim Saheen kann weder lesen noch schreiben und Filme schaut er sich auch keine an, wie er «Sonia Mister» gegenüber kundtut. Dafür dreht er selber Filme im Akkord, meist vier gleichzeitig. Seine Filme sind bare Unterhaltung, in denen das Gute immer über das Böse siegt, viel Action inklusive vollem Körpereinsatz des Regisseurs und Hauptdarstellers in Personalunion für ein hohes Tempo sorgt. Die Dialoge und Handlungen sind so komplex wie eine Telenovela, aus Bollywood hat er die Gesangseinlagen adaptiert, die aber vom überaus effeminierten Qurban Ali übernommen werden müssen, weil Frauen nicht in die Öffentlichkeit gehören. Salim Shaheen ist ein Meister der Anpassung. Er filmte schon unter der Taliban-Herrschaft, die entgegen ihrer offiziellen Ablehnung gegenüber Unterhaltung heimlich DVDs von seinen Filmen kommen liessen. Sonia Krolunds Film heisst «Nothingwood», weil hier durchaus populäre Filme in kompletter Improvisation am Laufmeter produziert werden. Eine Regieanweisung kann hier heissen: «Act better!» «Nothingwood» ist nicht primär als cinéastisches Meisterwerk sehenswert, sondern um des Inhaltes willen. Denn sämtliche Vorstellungen, die sich mit dem Begriff Afghanistan im eigenen Kopf zu einem vermeintlichen Bild zusammensetzen, werden hier auf den Kopf gestellt. So ist Qurban Ali, der in einer Burka-Rolle im Fernsehen nationale Berühmtheit erlangte, so lange einfach nur ein Filmheld mit supertuntigen Allüren – also der dumme August – und darf bewundert werden, als er kein Wort über Sexualität verliert. Das offizielle Problem, nicht mit Frauen zusammenarbeiten zu dürfen, löst der Haudraufregisseur Shaheen kurzerhand damit, dass er sich einfach weigert, «Sonia Mister» als Frau wahrzunehmen. Als sie allerdings seine beiden Frauen filmen will, ist er ganz schnell wieder das konservative Clanoberhaupt. Die Ambivalenz als Überlebensmotto trifft sie wahrlich gut. froh.
«Nothingwood» spielt im Kino Arthouse Uto.