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Die Transformation von einem Beinahebankrott zu einer der florierendsten Volkswirtschaften der Welt ist das Resultat einer Kombination aus politischer Courage und jüdischem Erbe.
Es war vermutlich die schlimmste Ausgangsbasis in der Geschichte einer Wirtschaft überhaupt.
Zahlenmässig allen anderen gegenüber unterlegen, musste Israel eine Wirtschaft aufbauen und gleichzeitig ein Vermögen in seine Verteidigung investieren. Es verfügte weder über Ressourcen wie Erdöl, Erdgas, Gold, Eisen, Kohle, Holz oder Wasser, noch konnte es seine produzierten Waren an die Nachbarländer verkaufen, da diese es boykottierten.
Ausserdem litt die israelische Wirtschaft unter ihrer politischen Führung. Der öffentliche Sektor dominierte die Wirtschaft, Zölle machten Importe unerschwinglich, private Unternehmen wurden hoch besteuert, und die Versorgungseinrichtungen waren staatlich geführt, verschwenderisch und ineffizient.
Als diese missgestaltete Ökonomie die Last der Kosten der Kriege von 1973 und 1982 zu tragen hatte, war das Ergebnis eine Inflation, die 1985 eine Rate von 415 % erreicht hatte, während die Staatsschulden auf 270 % des Bruttosozialprodukts angestiegen waren.
Israel wurde als ein wirtschaftlicher Nachzügler bemitleidet und seine Währung als Papiergeld verhöhnt. Die ausländischen Währungsreserven schrumpften so schnell, dass nur wenige Monate fehlten, und Israel wäre nicht mehr in der Lage gewesen, auch nur ein einziges Barrel Öl im Ausland einzukaufen. Eine Generation weiter ist die Wirtschaft Israels eine internationale Erfolgsgeschichte.
Das israelische Wirtschaftswachstum war das schnellste aller Industrienationen in diesem Jahrhundert.
Die bei 59 % des Bruttosozialprodukts liegende Staatsverschuldung ist niedriger als das entsprechende Niveau in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und den USA. Mit 0,4 bzw. 4 % zählen Inflation und Arbeitslosigkeit weltweit zu den niedrigsten. Der Schekel ist stärker als der Dollar, der Euro und das britische Pfund. Direktinvestitionen im Ausland betragen seit 1995 durchschnittlich fast 5 Mrd. USD und beliefen sich im letzten Jahr auf 25 Mrd. USD, alleine im letzten Quartal.
Das Pro-Kopf-Einkommen in Höhe von 37.900 USD hat das von Italien überholt, und es wird erwartet, dass es schon bald auch das von Grossbritannien, Frankreich und Japan übersteigen wird. Die Exporte haben letztes Jahr die 100-Milliarden-Dollar-Marke überschritten, so dass das Land, das 1985 kurz davor stand, seinen letzten Dollar auszugeben, jetzt einen Handelsüberschuss verzeichnen kann. Was hat diesen spektakulären Wandel verursacht?
Im direkten Sinn war die Ursache ein mutiger politischer Schritt. In einem tieferen Sinn ist Israels wirtschaftlicher Erfolg das Ergebnis jüdischen Erbes.
Schocktherapie
Die Politiker handelten 1985. Unter der Führung von Shimon Peres setzte die Regierung ein im Geheimen geplantes drastisches Massnahmenpaket durch, welche wie eine Schocktherapie wirkte.
Die erste Massnahme bestand in einer 20 %-igen Kürzung der Verteidigungsausgaben, gefolgt von scharfen Kürzungen im übrigen Haushalt. Anschliessend fror die Regierung alle Einstellungen im öffentlichen Dienst ein. Ausserdem überzeugte sie die Gewerkschaften, Vereinbarungen aufzugeben, welche inflationsindizierte Gehälter im öffentlichen Dienst beinhalteten.
Des Weiteren schaffte die Regierung Subventionen für Nahrungsmittel und öffentlichen Transport ab und fror alle Einzelhandelspreise ein. Sie reduzierte die Einfuhrzölle und begann, Steuern zu senken. Weiterhin liess sie durch die Knesset das Drucken von Geld als Möglichkeit zur Deckung von Defiziten als illegal erklären. Und schliesslich übertrug sie die Verantwortung für die Zinsraten vom Finanzministerium an die Israelische Zentralbank und entpolitisierte sie somit.
Insgesamt verringerte dieses Massnahmenpaket die Menge des zirkulierenden Geldes, steigerte die Warenmenge und rationalisierte die Preisgestaltung. In der Folge stiegen die Zinssätze, die Preise fielen, und die Inflation sank.
Später stornierte die Regierung ein Milliardenprojekt für den Bau eines israelischen Kampfflugzeugs und entliess in der Folge rund 2.000 Ingenieure und Techniker. Noch schlimmer war die Entlassungswelle des landesgrössten Arbeitgebers, der bankrotten gewerkschaftseigenen Holding Koor, bei der 10.000 der 32.000 Mitarbeiter entlassen wurden, bevor das Unternehmen an private Investoren verkauft wurde.
Drastischer Wandel vom Sozialismus zum Kapitalismus.
Die Menschen fürchteten, dass die Entlassungen eine Abwanderung qualifizierter Fachkräfte zur Folge hätten und eine Stagnation der Wirtschaft nach sich ziehen würde.
Stattdessen gründeten die entlassenen Ingenieure ihre eigenen Unternehmen, stellten sich gegenseitig ein und schufen somit neue Arbeitsstellen. Einige dieser Firmen begannen, an der Wall Street Unternehmensbeteiligungen zu verkaufen. Die Israelis entdeckten den Nervenkitzel des privaten Unternehmertums, und viele wurden reich durch ihre Erfindungen wie z. B. Kamera-Tabletten, USB-Sticks, Fahrassistenzsysteme, Firewall-Software und Medikamente gegen Parkinson und MS.
Eine zweite Runde von Reformen fand im letzten Jahrzehnt statt, als Benjamin Netanyahu – in seiner Funktion als Ariel Sharons Finanzminister – Steuern senkte, Sozialausgaben kürzte, das Rentenalter anhob, den Rentensektor privatisierte und den Vorsorgesektor, Ölraffinerien, Banken, Häfen, die Fluggesellschaft El Al und nahezu alles andere, was er verkaufen konnte, privatisierte.
Auf diese Weise vollzog Israel einen drastischen Wandel vom Sozialismus zum Kapitalismus.
Der Notfallplan von 1985 wurde zu einem Lehrbuch für Wirtschaftsreformen, das heute an Universitäten in der ganzen Welt studiert wird.
Ein unverwechselbarer israelischer Faktor bei diesem Erfolg war die Fähigkeit der Politiker, sich angesichts der Krise zu einer Einheitsregierung zusammenzuschliessen, in welcher der Premierminister Peres von der Arbeiterpartei und der Finanzminister Yitzhak Modai – der wohlhabende Besitzer eines Kosmetikunternehmens – vom Likud war.
Diese Zusammenarbeit politischer Antagonisten ist es, die Griechenland bei seiner jüngsten Krise nicht gelang. Sie war möglich, weil Israel – im Gegensatz zu Griechenland – gemeinsame Feinde hatte, die nur darauf warteten, es anzugreifen. Die Politiker wussten, wenn es ihnen nicht gelänge, die Wirtschaft gemeinsam neuzuerfinden, würde das Land möglicherweise nicht überleben.
Der Erfolg war jedoch auch das Ergebnis einer nationalen DNA, die geprägt wurde durch die Mühsal der jüdischen Geschichte.
Als es die Chance hatte, die wirtschaftliche Verantwortung, die zuvor in den Händen der Regierung lag, zu übernehmen, ergriff Israel die Gelegenheit mit offenen Armen. Hätte die Öffentlichkeit diese kapitalistische Gelegenheit nicht ergriffen, wäre der öffentliche Sektor niemals von den 70 % der 1980er Jahre auf heute knapp 40 % geschrumpft.
Schulpflicht bereits zur Zeit der Römer
Das gleiche gilt für die historische Wertschätzung der Juden für Leistung, die in der neuen Wirtschaft gewürdigt wurde.
Jahrhundertelang verheirateten reiche Juden ihre Töchter nicht an die Söhne ihrer reichen Geschäftspartner, sondern an das aus einfachen Verhältnissen stammende Genie aus der lokalen Talmudakademie. Demzufolge heiratete Geld immer wieder Verstand, und Intellekt wurde höher geschätzt als Geburtsrecht, wodurch letztlich die soziale Mobilität legitimiert und beschleunigt wurde.
Gleichermassen begünstigte das jüdische Gesetz der Schulpflicht bereits zur Zeit der Römer – Jahrhunderte vor jeder anderen Zivilisation – eine Kultur der Neugier und Selbsterfüllung, die den neuen Zeitgeist feierte.
Und schliesslich war die Tatsache, dass die Juden jahrhundertelang in vielen Ländern als Minderheiten lebten und es ihnen verboten war, Land zu besitzen, der Grund dafür, dass viele von ihnen Unternehmer wurden. Dieses Erbe reiste im Fahrwasser der Juden, als sie in ihr Land zurückkehrten. Es dauerte einige Jahrzehnte, bis es erwachte, aber als das erst einmal geschah, war es die historische Kombination der Juden aus Unternehmertum, Bildung und Weltoffenheit, die sich als kostbarer erwies als das Erdöl, Gold und Wasser, das ihr Land nie besass, und ohne welches sie das aufbauten, was heute eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt ist.
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