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Panama oder Ottawa? Die Frage der Sitzverlegung von multinationalen Schweizer Unternehmen im Konfliktfall (Le transfert de siège, 1945-1961)
Dass die Schweiz in kriegerischen Zeiten ein unsicherer Standort für multinationale Konzerne war, das hatte sich in den Jahren des Zweiten Weltkriegs gezeigt. In kurzer Zeit mussten Sicherheitsdispositive für den Fall eines feindlichen Einmarsches aufgebaut werden. Die Verlegung des Firmensitzes an einen sicheren Ort im Ausland (Sitzverlegung, transfert de siège) war ein wichtiges Element solcher Sicherheitsplanungen (Lüpold 2003). Panama war eine mögliche Destination. Allerdings zeigte sich schnell, dass diese Planungen die Machtverhältnisse innerhalb der Unternehmen tangierten. Die Verschiebung von Verfügungsrechten ins Ausland veränderten das Verhältnis zwischen Verwaltungsrat, Direktion und Aktionären bzw. die Ausgestaltung der Corporate Governance (gouvernance d'entreprise; Lüpold 2010).
Nach dem Zweiten Weltkrieg behielt das Thema seine Relevanz. Im Kontext des Kalten Kriegs wurde versucht, die Sitzverlegung auf eine solidere rechtliche Basis zu stellen (Stüssi 2014). Dabei ging es darum, die politischen und volkswirtschaftlichen Interessen mit den Interessen der multinationalen Konzerne in Einklang zu bringen. Nach Verhandlungen mit Zielstaaten wie Kanada wurde die Sitzverlegung im Bundesgesetz über die wirtschaftliche Kriegsvorsorge von 1955 und in einem entsprechenden Bundesratsbeschluss verankert.
Die Sitzverlegung hatte eine gewisse Relevanz für den Grad der Internationalisierung der Schweizer Wirtschaft. Sie war ein schwieriges Thema, weil sie die Kohäsion zwischen Wirtschaft und Politik und damit eine Säule des Schweizer Wirtschaftssystems in Frage stellte.
Die Präsentation beleuchtet die Sitzverlegung einerseits im Lichte der Unternehmens-internen Machtverhältnisse, andererseits anhand der Beziehungen zwischen Unternehmen und Politik.