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EkK # 73: THAYER SARRANO (USA)
Thayer Sarrano schlägt ihren eigenen Pfad in ein psychedelisches Südstaaten-Traumland ein, in dem sie Geister einfängt und diese später wieder in ihren ätherischen Desert-Rock-Hymnen loslässt.
Die Töne zittern und biegen sich, in wirbelnden Atmosphären aufgeschichtet. Die engelsgleiche Stimme zieht dich nah heran, um ihre verheerend schönen und herzbrechenden Geheimnisse zu verraten, während Schattenfiguren im Hintergrund tanzen. Das ist Musik, die ihre Hörer umhüllt und dich vielleicht in eine andere Welt oder Zeit transportiert. Ein magischer Ort, der melancholisch und gespenstisch ist, und dennoch mit himmlischem Licht berstet.
Mit ihrer neuesten Veröffentlichung «Shaky» klingt die Multi-Instrumentalistin mehr denn je nach ihren Ursprüngen. Sie wuchs erst in einem Kloster und dann im küstennahen Sumpfgebiet im Süden von Georgia auf. Dem klassischen Musiktraining ihrer Kindheit folgte das Erwachen durch Grunge in den 90er Jahren. Das Singen begleitete sie stets in ihrem Unterbewusstsein, während sie Instrumentalkompositionen und Gedichte schrieb. Sie begann mit dem Songwriting, als sie ein Zuhause in der lebhaften Musikgemeinschaft in Athens, Georgia fand, wo sie sich mit Freunden zusammentat, um ihre eigene Band zu gründen, sowohl sich als Studio- und Livemusikerin für andere Bands etablierte. Ihr Debütalbum «King» wurde 2009 veröffentlicht, woraufhin sie von Americana UK als neue «Königin des Showgaze» ernannt wurde. Das sparsam arrangierte und bewusst ungeschliffene Album wurde in nur einem Tag in ihrem Wohnzimmer aufgenommen. Das Nachfolgewerk “Lift Your Eyes to the Hills” (2012) setzt etwas komplexere Arrangements ein und beinhaltet die Single «The Bend», die für das Groninger Museum in den Niederlanden geschrieben wurde und zu regelmässigen Auftritten in Europa führte. Verfasst in einer unbeständigen Zeit mit viel persönlichen Verlusten ist «Shaky» dennoch ein Album, das von Anmut und Beharrlichkeit gezeichnet ist. Die ehrlichen, beinahe gemalten Texte weben das Mystische mit der persönlichen Erfahrung.
Durch das Verzahnen des dicken Schwirrens des Country mit dem luftigen, widerhallenden, weiten Gefühl einer leeren Kirche, hat Sarrano einen Raum geschaffen, in der ihre ausserweltliche Musik Platz zum Atmen hat. Oder vielleicht war der Raum bereits vorhanden und Sarrano ist zufällig darauf gestossen, und wurde dadurch zu einem Vektor für etwas Tiefes und Seelenvolles und Sonderbares. So oder so, wenn du einmal diesen Raum mit ihr betreten hast, bist du versucht, immer wiederzukommen.