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Wer hat die Tat begangen? – Jene essenzielle Frage nach dem Täter ist das Leitmotiv jeder Kriminalgeschichte. Im Idealfall wird der findige Detektiv sie am Ende eines kurzweiligen Katz-und-Maus-Spiels der gespannten und letztlich staunenden Leserschaft beantworten, um den Täter seiner gerechten Strafe zuzuführen.
Grundbausteine für einen Krimi
Ein in sich geschlossenen Ort, der zumeist hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt ist (Insel, Landhaus usw.);
Ein Kreis von Verdächtigen, die sich zum Tatzeitpunkt an jenem Ort aufhalten;
Der unerhörte Vorfall, vorzugsweise ein Mord, der alles in Gang setzt;
Ein fintenreicher Bösewicht, der den Mord und womöglich weitere Untaten begeht;
Des Täters Opfer, das aus irgendeinem nachvollziehbaren Grund das Zeitliche segnen muss;
Ein gewieften Detektiv, der zuweilen mit seinem Sidekick ermittelt.
Agatha Christie, Arthur Conan Doyle, Edgar Allan Poe, Robert A. Knox
Miss Marple und Hercule Poirot, Sherlock Holmes
Der klassische Krimi folgt gewissen wiederkehrenden Gesetzmäßigkeiten. In Gang gesetzt wird der Prozess mit einer schweren Straftat, die als großes Rätsel erscheint. Mit dem Auftreten des Detektivs auf der Krimibühne beginnt die Ermittlung der Verdächtigen und die Suche nach dem Tatmotiv. Allein durch Deduktion gelingt dem integren Detektiv letztlich die Rekonstruktion der Tat, wodurch er das Rätsel lösen und Gerechtigkeit wiederherstellen kann. Dieses Prozedere ist seit den Tagen von Edgar Allan Poe und dessen erster Detektiverzählung »The Murders in the Rue Morgue« von 1841 nur in Nuancierungen verändert worden.
Robert A. Knox hat 1929 im Detection Club in London seine berühmt gewordenen zehn Regeln für einen fairen Krimi ausgerufen. Der nicht ganz ernst zu nehmende Leitfaden zum Verfassen von Rätselgeschichten sollte dem Genre zu gehaltvollen und vor allem für die Leserschaft nachvollziehbaren Plots verhelfen. Aber längst nicht alle Kriminalautoren haben den Kanon befolgt.
Father Knox’s Decalogue als PDF
In Poes heute beinahe grotesk anmutender Geschichte um einen sonderbaren Mord in besagter Straße findet sich bereits die zentrale Frage nach dem Wesen des Detektivs als auch nach der Natur des Rätsels, die er als Reflexion der Erzählung voranstellt.