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Anfangs März kündigte sich am Freien Gymnasium Zürich hoher Besuch an: General a.D. Dr. Helge Hansen, ehemaliger Inspekteur des Heeres der Bundeswehr und Befehlshaber der Allied Forces Central Europe der NATO, besuchte im Rahmen der Serie FGZ im Gespräch unsere Schule.
Dr. Hansen kann auf eine sehr eindrückliche militärische und militärisch-akademische Karriere zurückblicken: Seine Ausbildung umfasst Aufenthalte und Tätigkeiten im Alliierten Hauptquartier Europa Mitte in Brunssum, Niederlande, beim NATO Defense College in Paris und Rom, an der Führungsakademie in Hamburg sowie, für ein Jahr, am US Army War College in Carlisle, USA. 1990 wurde er Stellvertretender Chef des Stabes für Operationsführung beim Obersten Alliierten Hauptquartier Europa (SHAPE) in Belgien. Mit der Beförderung zum General wirkte er als Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Central Europe. Am 31. März 1996 trat General Hansen in den einstweiligen Ruhestand. Anschliessend lehrte er als Dozent für Strategie und Operative Führung an diversen Militärakademien in England, Kanada, Österreich und Deutschland und erlangte hohe Auszeichnungen wie die Ehrendoktorwürde des Royal Military College of Canada im Fachbereich «Militär-Wissenschaften» sowie das Bundesverdienstkreuz resp. verschiedene Ehrenzeichen diverser Streitkräfte in Gold.
Dr. Hansen referierte unter dem Titel «Europa quo vadis» über die Ambitionen und Möglichkeiten von China, Russland, den USA und der Europäischen Union sowie über deren militärisches Potential. Im Zentrum des Vortrags stand die Frage nach dem Verhältnis Europas zu diesen Ländern, ob es dem Anspruch eines Global Players gerecht wird und welchen Einfluss die EU in der heutigen Welt hat. Nach einem kurzen Vergleich der Parteien untereinander kam Dr. Hansen vor allem auf die Europäische Union zu sprechen, wobei er die Abhängigkeit von Russlands Erdgaslieferungen, die schwierige Lage der NATO-Kontingente im Baltikum und das nur bedingt genügende nukleare Abschreckungspotential Frankreichs und Grossbritanniens betonte – alles Faktoren, welche die EU in Zukunft vor Probleme stellen könnten. Gleichzeitig hob Hansen aber auch die wirtschaftliche Bedeutung der Europäischen Union und den durch den Zusammenschluss resultierenden, nun beinahe 75 Jahre anhaltenden Frieden in Europa hervor. Durch die EU und deren Vorgängerorganisationen wurde in der Vergangenheit der Friede gesichert, man trat dem Warschauer Pakt geschlossen entgegen, und das in der Vergangenheit oftmals feindliche Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland wurde durch die enge Zusammenarbeit in eine stabile Freundschaft zwischen den beiden Ländern übergeführt.
Hansen, der insgesamt 39 Jahre lang in der Bundeswehr gedient hatte, erzählte dabei auch die eine oder andere kleine Anekdote über Erlebtes in der Vergangenheit oder auch über die damalige Sicht auf die Global Player und deren Wirken im Kalten Krieg, Anekdoten, die zu der sehr lockeren Atmosphäre in der Aula beitrugen und bei der Schülerschaft gut ankamen und den Vortrag umso interessanter gestalteten. Nicht nur der unmittelbare Vergleich der Länder und der Europäischen Union, sondern auch die wichtigsten globalen geografischen und militärstrategischen Zusammenhänge wurden sehr eindrücklich präsentiert. Das Endurteil fällt ernüchternd aus: Obwohl die EU wirtschaftlichen und politischen Einfluss in der Welt hat, ist sie aus militärischer Sicht nur bedingt schlagkräftig und fähig zur Abschreckung. Vor allem im Baltikum befindet sich die NATO in einer prekären Lage, da die russischen Streitkräfte in der Lage sind, die dort konzentrierten NATO-Kontingente zu isolieren.
Die Schülerinnen und Schüler verfolgten die Ausführungen sehr interessiert, beteiligten sich nach kurzem Zögern eifrig an der auf den Vortrag folgenden Diskussion und stellten in einer weiten Bandbreite Fragen, welche von der Rolle der Schweiz in Europa bis zu dem momentanen Konflikt zwischen den USA und Iran reichten. Vor allem die politische Zukunft der EU interessierte das Publikum und wurde in der Folge leidenschaftlich diskutiert. Hansen, der die Schüler zu Beginn des Vortrags ausdrücklich zur Diskussion ermutigte, nahm sich für jeden Schüler genügend Zeit und erlaubte sich auch hin und wieder ein paar scherzhafte Worte, sodass die Diskussion in sehr lockerer, amüsanter und sachlicher Atmosphäre ablief. Nach anderthalb Stunden beendete Rektor Dr. Thomas Bernet mit einigen Worten des Dankes die Veranstaltung. Mit Blick auf die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die vier genannten Global Player ihre wirtschaftlichen und politischen Ziele auf friedlichem Wege durchzusetzen vermögen.