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Hauptsprachen in Zürich
Die Bevölkerung der Stadt Zürich ist mehrsprachig. Welche Sprachen werden am meisten gesprochen und wie hoch ist der Anteil der Bevölkerung, die Deutsch nicht als Hauptsprache hat? Die folgenden Fragen und Antworten vermitteln die wichtigsten Informationen zum Thema Hauptsprachen in Zürich. Vertiefte Informationen dazu sind in den Arbeitsmaterialien 1 zu finden.
Unterschiedliche Definition in den eidgenössischen Befragungen
In den Volkszählungen (Vollerhebung) die von 1850 - 2000 alle 10 Jahre stattgefunden haben, wurde bis 1980 nach der Muttersprache gefragt, wobei nur eine Sprache angegeben werden konnte. Seit 1990 wurde nach der Hauptsprache gefragt «Welches ist die Sprache, in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen?». Es kann jedoch erst seit der Einführung der Strukturerhebung (2010), die jährlich erhoben wird (Stichprobe), mehr als eine Hauptsprache angegeben werden. Dies ist bei Interpretationen von Grafiken über einen längeren Zeitrahmen mitzuberücksichtigen.
Diskurs in der Sprachwissenschaft
Der Begriff Muttersprache bezieht sich auf die Sprache, in der das Kind von klein an sozialisiert wird. Wegen seiner nicht mehr zeitgemässen Konnotationen (ist auch die Sprache des Vaters; man kann auch mehr als eine Muttersprache haben; die Muttersprache ist nicht zwangsläufig die Sprache, die man am besten mündlich und schriftlich beherrscht etc.) wird dieser Begriff in der Sprachwissenschaft meist mit dem Begriff Erstsprache ersetzt. Dieser fokussiert insbesondere den Spracherwerb bzw. die Phasen des Spracherwerbs. Eine Person kann auch zwei oder mehrere Erstsprachen haben. Der Begriff Hauptsprache fokussiert somit vor allem die Mehrsprachigkeit, d.h. die besonders wichtige (oder gleichzeitig mehrere wichtigen) Sprache(n) einer Person in einer mehrsprachigen Umgebung.
Zunahme der Sprachenvielfalt
Die Spachenvielfalt hat stark zugenommen. In Zürich werden 50 verschiedene Sprachen von mindestens 150 Personen gesprochen. Umgekehrt hat sich der Anteil der Zürcher*innen mit Hauptsprache Deutsch auf knapp 75% verringert.
Viele Zürcher*innen lernen Deutsch
Dass rund ein Viertel der Zürcher*innen nicht Deutsch als Hauptsprache hat, bedeutet nicht, dass sich dieser Teil der Bevölkerung gar nicht auf Deutsch verständigen kann. Ein grosser Teil dieser Personen lernt Deutsch als Fremdsprache oder verfügt über Basiskenntnisse.
Es wird immer mehr Englisch gesprochen
Gemäss Rangliste ist Englisch nach Schweizerdeutsch und Deutsch auf Platz 3. Auch auf dem Stadtzürcher Arbeitsmarkt hat Englisch einen hohen Stellenwert. 41.4% der Beschäftigten in der Stadt Zürich sprechen an ihrem Arbeitsplatz Englisch und viele Bewohner*innen nutzen generell Englisch als Brückensprache, insbesondere die jüngere Generation.
Chancen
In Zürich sprechen zunehmend mehr Menschen verschiedene Sprachen, wobei Alter, Bildungsniveau und Migration treibende Faktoren sind. Übrigens: Einsprachigkeit ist weltweit gesehen die absolute Ausnahme. Von 195 Nationen sind 163 offiziell zwei- oder sogar dreisprachig. Heutzutage ist in nahezu jeder Gesellschaft aufgrund der historischen Entwicklung, Migration und Globalisierung die Mehrsprachigkeit weit verbreitet. Sie stellt eine natürliche Ressource dar, die sowohl für die Einzelnen als auch für die Gesellschaft von Bedeutung ist. Mehrsprachigkeit fördert abgesehen von den wirtschaftlichen und beruflichen Vorteilen, die sich daraus ergeben, auch auf individueller Ebene die kognitive Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und Flexibilität.
Herausforderungen
Die Stadt Zürich hat sich verpflichtet, dass ihre Angebote und Dienstleistungen von allen Bewohner*innen in gleichem Masse in Anspruch genommen werden können. Deshalb ist es wichtig, dass der Zugang zu Informationen für die ganze Bevölkerung von Beginn mitgedacht wird. Dafür müssen unterschiedliche Wege eingeschlagen werden, u.a. dass Informationen leicht verständlich aufbereitet werden oder je nach Kontext in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen. Das Erlernen der deutschen Sprache ist nach wie vor wichtig und muss weiterhin gefördert werden. Gleichzeitig ermöglicht eine Kommunikation in verschiedenen Sprachen auch die gesellschaftliche Teilhabe für Einwanderer der ersten Generation, welche die deutsche Sprache noch nicht genügend beherrschen.