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Die meisten Menschen haben Angst davor, an Krebs zu erkranken. Jedoch sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in der Schweiz. Schätzungsweise jede vierte erwachsene Person hat hierzulande einen erhöhten Blutdruck. Die Auswirkungen können fatal sein und reichen von einer Sehschwäche bis hin zu einem Schlaganfall oder Nierenschäden.
Im Jahr 2017 waren 18 % der Schweizer Bevölkerung von Bluthochdruck betroffen oder nahmen Medikamente dagegen ein. Ist noch im Alter zwischen 55-64 Jahre fast jeder dritte Mann und jede fünfte Frau betroffen, sind es bei den Senioren über 75 Jahren jeder zweite Mann und jede zweite Frau. Mit zunehmendem Alter steigt das Erkrankungsrisiko stark.
Wie funktioniert das Herz- Kreislaufsystem?
Die Arterien führen sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Organen, zum Gehirn, zu den Muskeln und bis in die Finger und Zehen. Die Venen nehmen sauerstoffarmes, kohlendioxidangereichertes Blut aus denselben Körperbereichen und führen es zurück zum Herzen.
Dieses System nennt sich grosser Herzkreislauf. Das kohlendioxidangereicherte Blut wird vom Herzen zur Lunge weitergeleitet, wo ein Gasaustausch stattfindet. In der Lunge gibt das Blut Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Dieses sauerstoffreiche Blut wird wiederum dem Herzen zugeführt. Dieses System ist der Herzkreislauf
Bildquelle: Crataegutt
Vom gesunden Blutdruck zum Bluthochdruck
Der Blutkreislauf sorgt dafür, dass der ganze Körper mit Blut versorgt wird. Damit das Blut alle Organe erreichen kann, muss es mit einem bestimmten Druck aus dem Herzen gepumpt werden. Dieser Druck wird Blutdruck genannt. Üblicherweise wird er in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen.
Zur Bestimmung des Blutdrucks werden zwei Werte ermittelt: Der systolische, höhere Wert und der diastolische, tiefere Blutdruckwert. Der systolische Blutdruck spiegelt den Druck wider, der in den Arterien herrscht, während das Herz das Blut in den grossen Körper-Kreislauf pumpt, um alle Organe und somit alle Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Der diastolische Blutdruck zeigt den Druck an, der während der Entspannungsphase des Herzens in den Arterien besteht. In dieser Phase füllt sich die Herzkammer wieder mit sauerstoffreichem Blut aus dem kleinen Lungen-Kreislauf. Im Idealfall zirkuliert das Blut mit einem Druck von maximal 120 zu 80 mmHg.
Ist sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck über längere Zeit chronisch hoch, ist von Bluthochdruck die Rede. Bluthochdruck ist eine Erkrankung des arteriellen Gefässsystems und wird auch arterielle Hypertonie genannt.
Die europäischen Hypertonie-Leitlinien (2018) unterscheiden zwischen folgenden Hypertonie-Graden:
|Grad||Bezeichnung||Blutdruckwert

Systolisch (mmHg)
|Blutdruckwert

Diastolisch (mmHg)
|Grad 0||Idealer Blutdruck||120||80|
|Grad 1||Milde Hypertonie||140-160||90-100|
|Grad 2||Moderate Hypertonie||160-179||100-109|
|Grad 3||Schwere Hypertonie||> 180||> 110|

Wie wird der Blutdruck richtig gemessen?
Mithilfe eines Blutdruck-Messgerätes kann der Blutdruck auf einfache Weise ermittelt werden. Mittlerweile gibt es gute Blutdruckmessgeräte für den Eigenbedarf ab CHF 60, sodass ein eigenständiges Blutdruckscreening durchgeführt werden kann. Zu bevorzugen sind diejenigen Geräte, die den Blutdruck am Oberarm messen, anstelle von solchen, die am Handgelenk messen.
Bei Personen, die bis anhin keinen erhöhten Blutdruck hatten, reicht eine Blutdruckmessung 1x pro Jahr (z.B. beim Hausarzt oder Gynäkologen) völlig aus. Wenn jemand jedoch ein erhöhtes Risiko hat, an Bluthochdruck zu erkranken, sollte der Blutdruck häufiger und bis zu 1x pro Monat gemessen werden. Sind die Blutdruckwerte grenzwertig, also ab 135/90 mmHg (Ergebnisse unter diesem Wert sind in Ordnung), sind mehrmals wöchentliche bis tägliche Messungen zu empfehlen. Wenn die Werte über eine längere Dauer als 3 Monate höher sind als 140/90 mmHg, sollte eine 24-Stunden-Messung beim Arzt durchgeführt werden. Allgemein bietet es sich an, jeweils 2-3 Messungen hintereinander durchzuführen und daraus den Mittelwert zu ermitteln.
Der Blutdruck unterliegt im Tages-und Nachtverlauf deutlichen Schwankungen, daher sollte man zu verschiedenen Tageszeiten Kontrollen durchführen. In Stresssituationen kann der Blutdruck deutlich ansteigen und sich als innere Unruhe oder Herzklopfen bemerkbar machen. Es empfiehlt sich, auch in solchen Situationen den Blutdruck zu kontrollieren und nicht nur morgens nach dem Aufstehen.
Messen Sie wiederholt über 2-3 Monate erhöhte Werte (grösser 140/90 mmHg), kontaktieren Sie Ihren Hausarzt. Durch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung ist der Hausarzt in der Lage, anhand des Tages- und Nachtprofils zu beurteilen, ob eine medikamentöse Therapie notwendig ist oder ob es ausreicht, Änderungen im Lebensstil vorzunehmen.
Bluthochdruck macht sich kaum bemerkbar
In den meisten Fällen ist der erhöhte Blutdruck symptomlos und wird dadurch häufig nicht diagnostiziert. Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Gesichtsröte, Nasenbluten, Ohrensausen, innere Unruhe, Gereiztheit und Schlaflosigkeit können auf eine Hypertonie hindeuten.
Nur weil diese Symptome nicht auftreten, heisst das nicht, dass man einen gesunden Blutdruck hat. Jeder sollte zwischendurch seinen Blutdruck kontrollieren (entweder selber mit einem Blutdruckmessgerät oder beim Hausarzt, Gynäkologen oder in der Apotheke).
Was sind die Ursachen von erhöhtem Blutdruck?
Übergewicht (insbesondere Adipositas), Bewegungsmangel, Rauchen, das Schlaf-Apnoe-Syndrom, Schlafmangel, erhöhter Koffeinkonsum, salzreiche und ungesunde Ernährung sowie länger anhaltender Stress können Ursachen für einen erhöhten Blutdruck sein. In vielen Fällen liegt jedoch eine sogenannte essenzielle Hypertonie vor, der keine ersichtliche Ursache für den erhöhten Blutdruck zugrunde liegt.
Seltener kommt es vor, dass andere Erkrankungen, wie z.B. Nierenerkrankungen oder bestimmte Substanzen wie Antidepressiva, Lakritze oder eine Kortisontherapie ursächlich sind. Es kann eine erbliche Veranlagung für Bluthochdruck bestehen, sodass bei positiver Familienanamnese (also wenn bei den Verwandten eines Patienten eine bestimmte Erkrankung vorliegt) die Familienangehörigen informiert und deren Blutdruck kontrolliert werden sollten.
Wenn Bluthochdruck nicht behandelt wird, können die Organe Schaden nehmen
Bei einem unbehandelten Bluthochdruck können über die Jahre hinweg folgende Organe geschädigt werden:
- Das Herz (Herzinfarkt, Angina pectoris, Hypertrophie, Herzschwäche, Herzklappen)
- Das Gehirn (Schlaganfall, Demenz)
- Die Augen (Sehstörungen, Sehschwäche, Sehverlust)
- Die Nieren (Nierenschwäche)
- Die Gefässe (Verkalkungen, Aorta-Erweiterungen, Blutungen)
Besonders gefürchtet sind der Schlaganfall und der Herzinfarkt, da diese Erkrankungen die häufigsten Todesursachen der Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.
Bei der milden Hypertonie empfehlen die europäischen Leitlinien zunächst Änderungen im Lebensstil wie beispielsweise eine Gewichtsreduktion bei einem BMI (Body-Mass-Index) > 30 kg/m², insbesondere Reduktion des Bauchfettanteils durch gesunde Mediterrane-Kost (Gemüse, Früchte, Fisch, wenig rotes Fleisch, salzarm < 5 g/Tag, Olivenöl und Nüsse), Alkoholreduktion, regelmässige, körperliche Aktivitäten, Rauchstopp und Stressreduktion. Greifen diese Massnahmen nicht nach 6 Monaten, wird nach den Leitlinien eine medikamentöse Therapie empfohlen, die mit dem Hausarzt ausgearbeitet werden soll.
Bei der moderaten und schweren Hypertonie muss eine medikamentöse Behandlung umgehend eingeleitet werden. Auch in diesen Fällen müssen Änderungen am Lebensstil vorgenommen werden.
Bewegung, genügend Schlaf und eine mediterrane Ernährung helfen dabei, Bluthochdruck vorzubeugen
Folgende Massnahmen können Ihnen dabei helfen, einen erhöhten Blutdruck vorzubeugen:
- Vermeiden Sie bauchbetontes Übergewicht
- Bewegen Sie sich regelmässig: täglich 10’000 Schritte, vorzugsweise Spaziergänge in der Natur, oder 3-4 x pro Woche 30-45 Minuten Ausdauersport (Walking, Joggen, Velofahren, Biken, Spinning, Rudern, Schwimmen, Wandern). Bewegung baut Stresshormone (Adrenalin, Cortisol) ab, die zu einer Erhöhung des Blutdruckes führen. Bei chronischem Stress und Bewegungsmangel ist ein permanent erhöhter Stresshormonspiegel vorhanden, der zum chronischen Bluthochdruck führen kann.
Lesen Sie zum Thema Bewegung auch unseren Blogbeitrag «3 Schritte für mehr Bewegung für jedermann».
- Essen Sie mediterrane Kost mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Fisch, dafür wenig rotes Fleisch und ernähren Sie sich salzarm. Nehmen Sie nicht zu viele schnell-verfügbare Kohlenhydrate (wie Zucker oder Weissmehlprodukte) zu sich, sondern nehmen Sie sich Zeit zum Essen und Kauen.
- Rauchen Sie nicht und trinken Sie nur wenig Alkohol.
- Reduzieren Sie Stress: Mit regelmässig durchgeführten Auszeiten (Minipausen alle 90 Minuten am Arbeitsplatz); nicht zu langen Arbeitszeiten (maximal 9 Stunden pro Tag), Ferien (mindestens einmal im Jahr 14 Tage am Stück), der Entschleunigung des Alltags (Agenda nicht mit Terminen überfüllen und Pausen einhalten), Achtsamkeitstraining, Yoga, Meditation und Massagen. Vermeiden Sie Freizeitstress und planen Sie Zeit mit der Familie ein. Auch Lesen oder Musik hören kann Stress abbauen.
- Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf von mindestens 7 Stunden pro Nacht.
Autorin: Dr. med. Marlene Jelonek, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, CheckupZentrum Hirslanden Zürich
Quellen:
- Schweizer Bundesamt für Statistik
- Europäische Hypertonie Leitlinien 2018
- Schweizerische Herzstiftung

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