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Aus Anlass des 75. Geburtstags von Fidus 1943 verlieh Adolf Hitler ihm den Titel Prof. h. c. und damit verbunden einen Ehrensold. In diesem Sinne jedenfalls wird auf die Ehrung in der Literatur hingewiesen. Allerdings sind die Umstände nicht geklärt und es ist unklar, welche Bedeutung die Auszeichnung hatte. Nicht geklärt ist beispielsweise, ob es sich um eine Auszeichnung von Hitler persönlich handelte.
Ohne Hinweis auf eine Quelle wird geltend gemacht, die Verleihung hätte "auf Betreiben eines wohlgesonnenen Woltersdorfer Kulturwartes" stattgefunden. Tatsächlich ist anzunehmen, dass dieser Fidus freundschaftlich verbunden war. Umgekehrt hat Fidus ihn aber tatkräftig unterstützt. Nur stellt sich die Frage, wie gross sein direkter Einfluss auf Hitler war. Jedenfalls wird auf den Kulturwart und seine Beziehung zu Fidus noch näher einzugehen sein.
Vergleichbar ist der Vorgang mit den Geburtstagsgrüssen Hitlers 1938 zum 75. Geburtstag Wilhelm Schwaners sowie einer "Geburtstagsgabe“ von 200 Reichsmark. Zumal die völkische Gesinnung von Fidus und Schwaner dieselbe gewesen zu sein scheint. Und Schwaner ähnlich wie Fidus vom offiziellen Nationalsozialismus abgelehnt wurde.
In der Presse scheint von der Ehrung jedenfalls nicht berichtet worden zu sein. In den Strassburger Neueste Nachrichten, amtliche Tageszeitung der NSDAP und Regierungsanzeiger für das Elsass, erschien etwa folgende Notiz unter dem Titel "75. Geburtstag des Malers und Zeichners Fidus":
Am 8. Oktober vollendet der bekannte Maler und Zeichner Fidus, der eigentlich Hugo Hoeppener heißt, das 75. Lebensjahr. Fidus stammt aus Lübeck und war Schüler Dieffenbachs. Später ließ er sich bei Berlin nieder. Eine wesentliche künstlerische Befruchtung erfuhr er auf Nordlandfahrten. An der künstlerischen Gestaltung der bekannten Zeitschrift "Jugend" war er maßgeblich beteiligt.
Bemerkenswert ist, dass Fidus in einer nationalsozialistischen Zeitung als "bekannter Maler und Zeichner" bezeichnet wird. Dies im Gegensatz zu den Behauptungen, dass Fidus zur Zeit des Dritten Reiches von offizieller Seite kaum Beachtung geschenkt worden sei. Wobei es sich hier allerdings auch um eine Floskel handeln könnte.
Fidus selbst bezeichnete in seinem Lebenslauf, den er 1947 für seine Entnazifizierung verfasste, die Ehrung als Beruhigungspille, da er als "Querulant" und als volksgeschätzt bekannt gewesen sei. Beruhigungspille für wen? Da es scheint, dass sie nirgends bekanntgemacht wurde, ist seine Erklärung ebenso wenig glaubwürdig wie seine Einschätzung, als Querulant bekannt gewesen zu sein, kaum den Tatsachen entsprechen dürfte. Und er relativiert: "Natürlich wurde mir kein Lehramt anvertraut! Und die Altersrente? Nun, die hörte ja mit April 1945 auf!"
Eine merkwürdige Interpretation, die offensichtlich Hitlers "Beruhigungspille" kurz vor Kriegsende zur staatlichen Pflicht erklärt. Und auch auf den Titel, der mit Hitler in Verbindung steht, und den er selbst abwertet, mochte er nach Kriegsende nicht verzichten. Unterschrieben ist der Lebenslauf verwirrt, jedenfalls verwirrend:
Mit lichtdeutschem Heil U. S. Europa!
Prof. h. c. Hugo Höppener-Fidus
- Der genaue Wortlaut des Schreibens, das sich im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein befindet, liegt mir nicht vor. Jedenfalls ist es nicht von Hitler persönlich unterzeichnet.
- So Ute Wermer in: Das Fidus-Haus in Schönblick, Woltersdorf (Mark) (Frankfurter Buntbücher, 5), Frankfurt an der Oder 1992, S. 13 (online: Das Fidus-Haus). Diese Darstellung wird übernommen von Heinrich-Wilhelm Wörmann in: Widerstand in Köpenick und Treptow (Widerstand in Berlin 1933-1945, Band 9), Berlin 2010 (online: Widerstand in Köpenick und Treptow).
- Vgl dazu etwa den Eintrag Wilhelm Schwaner in der deutschsprachigen Wikipedia.
- Fidus steuerte eine Reihe von Illustrationen zu den Veröffentlichungen von Schwaner bei.
- So erschien erschien 1934 die sechste Auflage von Schwaners
Germanenbibel zwar mit einem Vorwort des NSDAP-Gauleiters Wilhelm Kube und dem Reichsleiter des NS-Lehrerbundes Hans Schemm, im Jahr darauf wurde jedoch der "Bund deutscher Volkserzieher" auf Druck der Nationalsozialisten in "Bund für Deutschtum auf christlicher Grundlage" umbenannt, 1936 seine Zeitschrift Der Volkserzieher 1936 von der Gestapo verboten und der "Bund für Deutschtum auf christlicher Grundlage" aufgelöst. Vgl. dazu Rita Panesar, Medien religiöser Sinnstiftung. Der "Volkserzieher," die Zeitschriften des "Deutschen Monistenbundes" und die "Neue Metaphysische Rundschau" 1897-1936 (Religionswissenschaft heute), Stuttgart 2006.
- Strassburger Neueste Nachrichten, 5. Oktober 1943, Folge 275, S. 3 (online: 75. Geburtstag des Malers und Zeichners Fidus).
- Mein genauer Lebenslauf in wesentlichen Daten, 25. Mai 1947, zitiert nach Rainer Y, Fidus der Tempelkünstler. Interpretation im kunsthistorischen Zusammenhang mit Katalog der utopischen Architekturentwürfe (Göppinger akademische Beiträge, Nr. 123), Göppingen 1985. S. 59.
- Ebda., S. 60.
Letzte Änderung: 22. Februar 2018.