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Wer sich für die japanische Blumensteckkunst interessiert, kann sowohl in Japan als auch in der Schweiz unter zahlreichen Ikebana-Schulen auswählen. Die verschiedenen Stilrichtungen, die im Chapter Zürich vertreten sind, werden hier kurz vorgestellt.
Bilderbeispiele:
Ikenobo ist das Stammhaus der japanischen Blumenkunst, die ihren Ursprung im Buddhismus hat. Priester stellten und stellen auch heute noch in den Tempeln Blüten, Knospen und Blätter des Lotus als Opfergaben auf. Der Lotus, eine heilige Pflanze, steht für die Reinheit der Gottheit.
Die Anfänge des Ikebana reichen ins 6. Jahrhundert zurück. Damals pflegte Japan einen regen politischen und kulturellen Austausch mit China. Auf diese Weise kam das Land mit dem Buddhismus in Berührung. Es wird überliefert, dass Ono no Imoko, ein aus China heimgekehrter Gesandter, den Ritus des Blumenopfers in Japan einführte. Er liess sich später als Mönch in einer Hütte am Teich (jap. ike no bo) in der Nähe des Rokkakudo-Tempels in Kyoto nieder, wo er seine Schüler in der Blumenzeremonie unterwies. Die heute noch bestehende Ikenobo-Schule, die das Blumenopfer im 15. Jahrhundert zu einer anspruchsvollen Blumenkunst entwickelte, wird in der 45. Generation von Ikenobo Sen’ei, einem direkten Nachkommen des Ono no Imoko, geleitet.
Diese älteste Ikebanaschule lehrt als einzige den anspruchsvollen, im 15. Jahrhundert entwickelten Rikka-Stil, der in seinen verschiedenen Varianten eine facettenreiche und ästhetisierend-natürliche Darstellung des Kosmos ist. Im 17. Jahrhundert entstand unter dem Einfluss der minimalistischen Ästhetik des Zen-Buddhismus der schlichte Shoka-Stil. Neben den traditionellen Ausdrucksformen pflegt Ikenobo auch Jiyuka, den Freien Stil.
Kaden Ryu
Die Paulownia (Kaiserbaum) ist das Wappen der Kaden Ryu.
KA = Blume, DEN = Tradition, RYU = Schule (Stil)
Gründer und Leiter der Schule ist Kikuto Sakagawa. Herr Sakagawa stammt aus Hokkaido. Er hatte seinen ersten Ikebana Unterricht an der Ikenobo Schule in Sapporo. Danach studierte er in Tokyo bei mehreren Meistern die Kunst des Blumensteckens und schloss bei der Adachi-Schule mit dem Meisterdiplom ab. Seit 1976 lebt und arbeitet er in Deutschland.
1987 gründete Kikuto Sakagawa seine eigene Schule „ KADEN RYU“ und veröffentlichte sein erstes Buch “Ikebana die Kunst, die Seele der Natur darzustellen“
Die Kaden Ryu ist der Tradition verbunden und verwendet ausschliesslich lebende Blumen und Zweige. Neben den fünf Grundformen (aufrechte, schräge, hängende, flache Form) sowie dem Kaden Tatebana (klassische Form) ist auch die Ikebana-Zeremonie Hanatema ein wichtiger Bestandteil dieser neuen Schule. Kikuto Sakagawas Ziel und Wunsch ist es, die Poesie vom Leben der Blumen und von der Seele der Natur darzustellen.
Kagei Adachi
Choka Adachi gründete 1912, im Alter von 25 Jahren, seine eigene Schule. Sein Hauptanliegen war die Auflockerung der traditionellen und stilisierten Formen. Choka Adachi zählte zu den bedeutensten Ikebana-Künstlern seiner Wirkungszeit. Er erfand den Blumenigel (Kenzan), der bald in allen Schulen verwendet wurde. Seine Tochter, Toko Adachi, setzte als talentierte Nachfolgerin das Erbe ihres Vaters fort. Sie war eine sehr aktive Frau mit hohen künstlerischen Fähigkeiten und origineller Kreativität. Seit ihrem zu frühen Tod 2006 führt die Nichte, Iku Adachi, die Schule. Nach dem Universitätsabschluss in Agrikultur lehrt Iku dieses Fach und Ikebana an verschiedenen Fachschulen. Als Schulleiterin tritt auch sie immer wieder mit Ausstellungen und Fernsehauftritten an die Öffentlichkeit.
Die Hauptmerkmale der Schule sind: Betonung der Asymmetrie, Reduktion auf das Wesentliche, Verwendung von wenig Material und das Hervorheben der schönen Linien. Gezeigt wird viel Wasser, das Lebenselement der Pflanzen. Es werden nur natürliche Materialien verwendet.
Misho Ryu
Die Misho Schule (Misho Ryu) wurde in Japan zu Beginn des 19. Jahrhundert von Mishosai Ippo gegründet.
KAKUBANA - Klassische Ikebana entstehen durch die Linien Himmel - Mensch - Erde unter Berücksichtigung von vorgegebenen Regeln. Sie strahlen Ruhe und Eleganz aus.
SHINKA - Zu den modernen Stilrichtungen zählen Moribana, in der flachen Schale und Heïka, in der hohen Vase arrangiert. Es werden charakteristische Zweige mit Blumen kombiniert oder bunte Blumen in verschiedenen Farben und Formen verwendet.
JIYUBANA - Der Freie Stil bietet Möglichkeiten zu Formen mit vielen Elementen aus natürlichen Materialien. Ikebana-Installationen Zokeïbana werden in Ausstellungen oder Empfangshallen geschaffen.
Ikebana der Misho Schule ist kreativ und sehr vielseitig. Um die Technik und die harmonische Gestaltung erlernen zu können, braucht es Einsatz und Geduld. Die intensive Beschäftigung mit der Japanischen Blumenkunst führt zu Gleichgewicht und innerer Ruhe. Ikebana heisst auch KADO, der Blumenweg und bedeutet das Fortschreiten, das immer näher zur vollkommenen Harmonie führt.
Ohara Ryu
1995 feierte die Ohara Schule das 100-jährige Jubiläum ihrer Gründung. Unshin Ohara gründete die Schule im späten 19. Jahrhundert, zu einer Zeit, als sich Japan den Einflüssen aus dem Westen öffnete. Unshin Ohara war so begeistert von den neuen, europäischen Blumen, die damals ins Land kamen, dass er sie für Ikebana benutzen wollte. Für traditionelle Arrangements waren sie jedoch ungeeignet. So schuf der gelernte Bildhauer flache Schalen und kreierte das Moribana und die für diese Schule so typischen Landschaften.
Sein Sohn Koun Ohara etablierte das Moribana als offiziellen Stil und setzte die Regeln fest. Er führte als erster Headmaster den Klassenunterricht ein, unterrichtete an Mädchenschulen und veranstaltete Kurse für Frauen.
Houn Ohara, der dritte Iemoto (Headmaster), war ein grosser Künstler. Ihm verdanken wir die schönen Rimpa- und Bunjin-Arrangements. Inspirationen für ein Rimpa lieferten ihm Rollbilder, Wandschirme oder bemalte Fächer des 17. Jahrhunderts. Der vierte Headmaster, Natsuki Ohara, entwickelte die neuen Formen HanaMai (tanzende Blumen) und Hana Isho. Unter der Führung des jungen fünften Headmaster Hiroki Ohara wächst die Ohara Schule weiter.
Die genaue Beobachtung der Natur und des Rhythmus der Jahreszeiten sind für die Ohara Schule von zentraler Bedeutung.
Sogetsu
Sofu Teshigahara, aufgewachsen im traditionellen Ikebana, gründete die Sogetsu Schule im Jahre 1927 in Tokio und leitete sie als erster Iemoto (Oberhaupt der Schule). In der Überzeugung, dass Ikebana kreativ und beglückend sein soll, entwickelte er Sogetsu Ikebana zu einer Kunstform, frei von allen Traditionen der Vergangenheit und offen für neue zeitgemässe Entwicklungen. Als Begründer des „Freien Stils“ wurde er „Picasso der Blumen“ genannt. Sein Grundsatz lautete: „Sogetsu Ikebana kann zu jeder Zeit, an jedem Ort, von jedermann und mit jeglichem Material gestaltet werden“.
Kasumi Teshigahara, der zweite Iemoto, war die Tochter von Sofu. Sie verstarb sehr jung und leitete die Sogetsu Schule nur während einem Jahr. Sie beeindruckte vor allem durch ihre femininen, anmutigen Ikebana-Kreationen.
Hiroshi Teshigahara, der dritte Iemoto, Sohn von Sofu, veröffentlichte 1983 erstmals die Lehren seines Vaters Sofu in vier Textbüchern, im „Sogetsu Curriculum“. Hiroshi Teshigahara war international bereits als Filmregisseur bekannt und wurde auch mit seinen Keramikkreationen und seinen Bambusinstallationen weltberühmt.
Akane Teshigahara, der vierte Iemoto, Tochter von Hiroshi, leitet die Sogetsu Schule seit 2001. Sie legt besonderen Wert darauf, dass das Ikebanastudium Freude bereitet. Sie betont, dass jedes Pflanzenmaterial in seiner Eigenart beobachtet und in seinen vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten erkundet werden soll. Iemoto Akane ermutigt den Sogetsu Schüler dazu, sich frei auszudrücken und seine Originalität beim Gestalten von Ikebana zu zeigen.
Der Schüler der Sogetsu Schule wird – nachdem er die Grundregeln gemeistert hat – dazu ermuntert, seinen eigenen Ikebana-Weg zu gehen, seiner Kreativität und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Er wird aber bei all seinen Ikebana Kreationen immer das wechselseitige Verhältnis von Linie, Farbe, Masse, Raum, Tiefe, Bewegung und Gleichgewicht respektieren.
Stuttgarter Schule
Die Stuttgarter Schule ist 1937 von Frau Ishino (shikoen Shuha) unter dem Namen 'eigetsu shofu ryu' gegründet worden. Ziel der Gründung war es, moderne Elemente in die Kunst des Ikebana einzubringen. 1970 übernahm Frau Müller-Nishio (nikkoen shu sho) die Leitung der deutschen Schule 'shin eigetsu shofu ryu', die sie dann 1988 an Frau Gisela Jansen (nikkoen shu gen) übertrug.
Die Grundformen der Schule und die Vielfalt der Variationen geben viele Anregungen und Möglichkeiten sich auszudrücken. Von wesentlicher Bedeutung ist immer wieder der Prozess des Machens, die ständige Auseinandersetzung und NICHT das fertige Produkt. Ein wesentliches Merkmal der Schule ist der Gedankenaustausch über Erfahrung, Entwicklungen und das gemeinsame TUN: Regelmässige Treffen dienen der Ausübung des Ikebana und der Weiterbildung der Meister/innen.
Wafu Kai
Die Wafu Kai Schule wurde 1912 von Wafu Teshigahara gegründet und hat einen weniger restriktiven Ansatz als viele andere Ikebana-Schulen. Sie ist bis heute sehr traditionell geblieben. Das Motto der Schule lautet „Arrangiere die Blumen schön, elegant und mystisch. Verwende Blumen und Gefässe, die du als richtig empfindest.“ Die Wafu Schule fördert und unterstützt die Eleganz und Schönheit von Ikebana und gibt dieses poetische Gefühl und Wissen weiter. Die Philosophie der Schule betont die natürliche Schönheit des Pflanzenmaterials: Die charakteristische Schönheit von Blumen und Pflanzen in ihrem natürlichen Zustand werden je nach Jahreszeit respektiert. Wafu Kai Arrangeure suchen die absolute Harmonie zwischen Blumen, Gefäss und Umfeld in dem die Anordnung gezeigt wird. Diese Philosophie pflegt die künstlerischen Sinne des einzelnen Gestalters und bietet gleichzeitig eine ausführliche Einweisung in die Techniken, die für eine erfolgreiche Kreativität erforderlich sind. Die Wafu Kai Schule wird in der dritten Generation Teshigahara geführt.