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Regenwälder und Maya-Ruinen – auf der Halbinsel Yucatán
Die Halbinsel Yucatán in Mittelamerika ist ein geheimnisvolles Land. Bereits in der Frühgeschichte der Erde spielte die Region eine entscheidende Rolle, vor allem die Hochkultur der Maya, die sich auf der Halbinsel vor allem im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung entwickelte und eine einzigartige Architektur hervorgebracht hat. Den versunkenen Städten der Maya nachzuspüren, das macht die besondere Faszination einer Reise nach Yucatán aus. Nach wie vor gibt ihre Kultur viele Rätsel auf.
Heute teilen sich drei Staaten die Halbinsel – Mexiko, Guatemala und Belize. Den grössten Anteil davon besitzt Mexiko mit dem Norden und der Mitte. Guatemala und Belize nehmen den Süden ein. Die Region ist vor allem durch ihr tropisches feucht-heisses Klima geprägt, das ideale Bedingungen für Regenwälder schafft. Sie bedecken grosse Flächen des weitgehend flachen Landes und waren die Ursache dafür, dass die verlassenen Maya-Städte allmählich unter Bäumen verschwunden sind und der Vergessenheit anheimfielen. Nur im Nordwesten ist Yucatán trockener und milder.
Unterschiedliche Epochen und Schwerpunkte
Einer der Entdecker der Maya-Kultur war der Amerikaner John Lloyd Stevens, der im 19. Jahrhundert die ersten Ruinen fand und freilegte. Ihm sollten viele folgen. Bis heute ist die Entdeckungsgeschichte nicht abgeschlossen. Im Lauf der Zeit konnten viele Maya-Städte dem Regenwald wieder entrissen werden und sind heute für Besucher zugänglich. Mittlerweile ist auch die komplizierte Schrift entziffert und bietet neue Aufschlüsse über die Kultur.
Die Besiedlung Yucatáns durch Maya begann wohl bereits um 2000 v. Chr. Etwa 1000 v. Chr. entstanden die ersten Städte, zwischen 400 und 250 v. Chr. entwickelten sich durch starkes Bevölkerungswachstum grosse urbane Zentren. Siedlungsschwerpunkte waren das südliche Tiefland und das Zentralgebiet Yucatáns. Im 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. wurden diese Städte relativ schnell aufgegeben, es entstanden dafür neue Zentren im Norden der Halbinsel. Als die Spanier schliesslich im 16. Jahrhundert nach Yucatán kamen, hatten auch jene ihren Höhepunkt schon überschritten. Die Maya-Kultur befand sich bereits im Niedergang.
Bis heute ist nicht geklärt, warum es zu der räumlichen Schwerpunktverlagerung kam. Es gibt dafür unterschiedliche Theorien. Einige setzen bei möglichen machtpolitischen Verschiebungen im alten Siedlungsraum an, andere sehen ökologische Probleme durch Überbevölkerung und übermässige Landbewirtschaftung als Ursache. Die Diskussion hält an.
Pyramiden, Paläste und Tempel
Ungeachtet dessen hinterlassen Architektur und Kultur der Maya auf heutige Betrachter einen tiefen Eindruck. Ihr Kennzeichen sind Pyramiden, die in grosser Zahl errichtet und für Opferzeremonien genutzt wurden. Viele von ihnen erreichen Wolkenkratzer-Formate. Daneben gibt es Paläste, Tempel, Observatorien, rituelle Ballspielplätze und viele andere Gebäude. Die meisten gefundenen Bauten dienten religiösen oder repräsentativen Zwecken.
Einige Städte hatten gewaltige Ausmasse. Tikal, eine der eindrucksvollsten Städte der älteren Mayazeit im heutigen nördlichen Guatemala, erstreckte sich über eine Fläche von 65 Quadratkilometern, der Kernbereich umfasst 16 Quadratkilometer. Alleine in diesem Zentrum wurden bisher über 3000 Gebäude festgestellt, der gesamte Stadtbereich umfasst vermutlich rund 10’000 Bauten. In ihrer Blütezeit sollen etwa 200’000 Menschen in der Stadt und ihrem Umfeld gelebt haben – damals waren in Europa Städte durch die Völkerwanderung zu einer Ausnahmeerscheinung geworden.
Steingewordene Kalender
Aber nicht nur die Zahl der Städte und Gebäude erstaunt, auch der architektonische Aufbau und die Gestaltung. Viele Bauwerke sind mit meisterhaften Stuckarbeiten, Reliefs und Fresken ausgestattet, die faszinierend und fremdartig zugleich wirken. Sie weisen auf eine uns ferne und ganz eigene Denkwelt hin.
Der Kalender spielte in der Kultur der Maya eine zentrale Rolle. Ihre Religion dachte in Zyklen, in denen sich Abläufe immer wiederholten. Der Beobachtung der Sterne und astronomischen Berechnungen zur Kalenderbestimmung kam daher eine herausragende Bedeutung zu. Auch hier waren die Maya den Europäern ihrer Zeit weit voraus. Selbst ihre Architektur war in gewisser Weise ein steingewordener Kalender, viele Pyramidenbauten wurden nach Ablauf eines Zyklus neu überbaut. Die vermeintliche Maya-Prophezeiung vom Weltende am 31.12.2012 ist allerdings eine Erfindung.
Drei Beispiele unter vielen
Jede Maya-Stadt hat ihre eigene Geschichte und bietet Besuchern architektonische Highlights. An dieser Stelle können – ergänzend zu Tikal – nur einige wenige Beispiele genannt werden:
- Chichén Itzá liegt im nördlichen Teil Yucatáns im gleichnamigen mexikanischen Bundesstaat. Sie ist die meistbesuchte Maya-Stadt des Landes. Ihre Bauten verraten toltekische Einflüsse und sind eher in der späteren Maya-Zeit entstanden.
- Palenque im mexikanischen Bundesstaat Chiapas ist um 500 n. Chr. gegründet worden. Ihre bedeutendsten Bauten bilden der Palast mit Turm, eine „Tempel der Inschriften“ genannte Stufenpyramide und die Kreuzgruppe, ein Komplex von drei Tempelbauten. Die Architektur Palenques gilt als besonders elegant.
- Copan ganz im Westen von Honduras und damit schon ausserhalb des eigentlichen Yucatán hatte seine Blütezeit in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Die Stadt ist u. a. wegen ihrer zahlreichen reich geschmückten Stelen, ihrer eindrucksvollen Akropolis und ihres Ballspielplatzes bekannt.
Die Liste liesse sich fortsetzen. Es gibt inzwischen zahlreiche Reiseveranstalter, die Rundreisen und auch Individualtrips durch das Land der Maya anbieten. Es ist daher gut möglich, die faszinierende Welt dieser Hochkultur für sich zu entdecken.
Oberstes Bild: Chichén Itzá in Mexico (© Christine Zenino, Wikimedia, CC)