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Immerhin gibt es zahlreiche kletternde und grabende Reptilien; viele schwimmen und tauchen geschickt,
und in der Vorweltgab esFormen, bei welchen ein gewisses Flugvermögen entwickelt war. Die Körperbedeckung ist derb und fest,
die allgemein vorkommenden Schuppen und Schilder sind Erhebungen der Lederhaut und entweder durch weichere Zwischenräume voneinander
getrennt oder dachziegelartig übereinander gelegt. Über die Schuppen hinweg zieht die oft verhornte
Oberhaut, welche bei den Schlangen und vielen Eidechsen periodisch (bei den heimischen Formen allmonatlich) abgestreift wird
(Häutung). Bei den Schildkröten treten in Rücken- und Bauchhaut Knochenplatten auf, die unter Teilnahme der eigentümlich
modifizierten Skelettteile einen knöchernen Panzer bilden; in diesen können sich Hals, Kopf, Schwanz und
die Extremitäten zurückziehen. Vielfach sind auch noch die Knochenschilder von Hornschildern
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Der Schädel ist bis auf wenige knorpelig bleibende Teile völlig verknöchert und hat in mancher Beziehung Ähnlichkeit
[* 12] mit
dem der Vögel.
[* 13] Extremitäten und die sie stützenden Knochenstücke (Schultergürtel und Becken) fehlen den meisten Schlangen
vollständig, nur bei einigen (Riesenschlangen) finden sich in der Aftergegend Spuren von Hinterbeinen, welche aber bis
auf das nageltragende Endglied ganz unter der Haut versteckt bleiben. Bei den Eidechsen zeigen sie sehr verschiedene Stufen
der Ausbildung, können gänzlich fehlen oder stummelförmig sein, sind jedoch meist gut ausgebildet und mit fünf Zehen versehen.
Die letztern sind mitunter durch Schwimmhäute verbunden, oder es werden sogar die Extremitäten selbst
zu Ruderfüßen (Seeschildkröten). Zu Flugorganen waren die Vorderfüße bei den fossilen Pterodaktylen umgebildet.
Da die Reptilien, bis auf wenige Schildkröten, von tierischen Stoffen leben, so zeigen die Verdauungsorgane große Übereinstimmung.
Zahnlos sind nur die Schildkröten, besitzen dafür aber auf den Kiefern scharfe Hornschnäbel, welche gleich denen der Vögel
gebraucht werden. Die übrigen Reptilien sind mehr oder weniger reichlich mit konischen oder hakenförmigen
Zähnen versehen, welche die Beute festhalten, aber nicht zerkleinern können. Selten besitzen die Zähne
[* 18] gezähnelte Kronen
[* 19] sowie Faltungen des Schmelzes oder der Zahnsubstanz und sind auch nur bei den Krokodilen und den nächstverwandten in die Kiefer
fest eingekeilt, sitzen dagegen in der Regel denselben nur auf.
Die Speiseröhre, im allgemeinen kürzer als die der Vögel, ist verhältnismäßig weit und bei den Schlangen
mit dem Mund und der Rachenhöhle einer großen Erweiterung fähig. Der Magen
[* 21] hält meist die Längsrichtung des Körpers ein
und ist bei den Krokodilen durch seine rundliche Form und die Stärke
[* 22] der Muskelwandung dem Vogelmagen ähnlich. Stets ist er
durch eine Pförtnerklappe vom Darm
[* 23] geschieden. Der Dünndarm ist verhältnismäßig kurz; nur bei den
pflanzenfressenden Landschildkröten übertrifft er die Körperlänge um das Sechs- bis Achtfache. Der weite Enddarm beginnt
in der Regel mit einer ringförmigen Klappe, oft auch mit einem Blinddarm und führt in die Kloake, welche mit runder Öffnung
oder (bei Schlangen und Eidechsen) als Querspalte unter der Schwanzwurzel mündet.
Als Respirationsorgane dienen stets, auch im jugendlichen Alter, Lungen, welche als langgestreckte, geräumige Säcke mit maschigen
Vorsprüngen der Wandung oder mit weiten, schwammigen Hohlräumen meist bis in den hintern Teil der Leibeshöhle hineinragen.
Bei den Schlangen und schlangenartigen Eidechsen verkümmert oft die Lunge
[* 24] der einen Seite, während die
der andern Seite sich um so mächtiger entwickelt. Auch gestaltet sich das hintere Ende derselben zu einem Luftreservoir,
welches besonders während des langsamen, die Atmung hindernden Hinunterschlingens der ungekauten Nahrung von Bedeutung zu
sein scheint.
Bei weitem die meisten Reptilien sind vorherrschend Landbewohner und lieben bald mehr feuchte Plätze, bald das trockne Land, selbst
die Wüste; manche klettern geschickt und leben ganz auf Bäumen. Auch die im Wasser lebenden (wie die Seeschildkröten
und einige andre Schwimmer) scheinen, wenn sie nicht lebendige Junge gebären, ans Land zu kommen, um ihre Eier abzusetzen.
Ihr Wachstum ist außerordentlich langsam und dauert, wie es scheint, zeitlebens fort; auch die Geschlechtsreife tritt erst
spät ein.
Sie erreichen ein hohes Alter, haben ein überaus zähes Leben, können geraume Zeit ohne Nahrung auch bei
beschränkter Atmung existieren und sind, obgleich in geringerm Grad als die Amphibien, zur Wiederersetzung verstümmelter oder
verloren gegangener Körperteile befähigt. Viele von den in gemäßigten Klimaten wohnenden Formen verfallen mit dem Eintritt
der kalten Jahreszeit in eine winterschlafähnliche Erstarrung, aus der sie erst mit der wiederkehrenden
Wärme
[* 28] erwachen.
Man kennt etwa 3000 Arten Reptilien, darunter gegen 500 fossile. Die Mannigfaltigkeit und Größe der Formen steigt mit der Annäherung
an den Äquator; nur wenige Schlangen und Schildkröten reichen in die kältern Teile der gemäßigten Zone hinein; die Krokodile
sind ganz auf die heiße Zone beschränkt. Landschildkröten fehlen in Australien.
[* 30] Die ältesten fossilen
Reste von Reptilien gehören der Primärzeit an, doch erscheinen dieselben in diesem Zeitalter nur äußerst spärlich und auf die
Kupferschieferformation beschränkt.
Eine weit größere Mannigfaltigkeit hat die Sekundärzeit, namentlich Trias und Jura, aufzuweisen, und man kann annehmen,
daß in dieser Periode die Reptilien die größte Verbreitung hatten.
Damals lebten hauptsächlich Eidechsen und
verschiedene größere, seither ausgestorbene Gruppen, so die Ichthyosaurier, Enaliosaurier, Dinosaurier etc., von denen viele
Vertreter eine kolossale Größe (bis zu 25 m) erreichten. Auch die nach Art der Fledermäuse sich bewegenden Pterosaurier
[* 31] sind
auf jene Epoche beschränkt.
5) Anomodonten (Anomodontia), aus triassischen und andern Schichten von Südafrika,
[* 36] Südasien und dem Ural, vielleicht die
Stammeltern der Schildkröten; Tiere mit bikonkaven (Fisch-) Wirbeln, Gehfüßen und zum Teil auch mit einem starken Schnabel,
neben dem im Oberkiefer häufig noch jederseits ein nach unten gerichteter Stoßzahn steht (Dicynodontia).
Bei andern sind die Kiefer aber voller Zähne (Cynodontia, Rhopalodontia).