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Entwicklung des Begriffs Informationskompetenz
1974 tauchte im amerikanischen Bibliothekswesen erstmals der Begriff Information Literacy auf. Paul Zurkowski, der Begründer des Begriffs, hatte die Notwendigkeit erkannt, dass aufgrund der wachsenden Informationsflut umfassende Fähigkeiten nötig sind, um die vielen Informationen zur besseren Problembewältigung und Entscheidungsfindung gezielt nutzen zu können.
Anfang der 1990er Jahre zitierten erste deutschsprachige bibliothekarische Fachpublikationen den Begriff Information Literacy, welcher Jahre später mit dem deutschen Begriff Informationskompetenz übersetzt wurde. Es wurde erkannt, dass Informationskompetenz mehr beinhaltet als die meist üblichen Bibliothekseinführungen und Benutzerschulungen. Eine informationskompetente Person erkennt, wann und weshalb sie Informationen braucht, kann herausfinden, wo die gewünschte Information vorhanden ist und beurteilt folgerichtig, ob sie die gefundenen Information auch tatsächlich gebrauchen kann. Sie ist fähig, diese gefundene Information zu einem neuen Produkt zu verarbeiten. Deshalb beinhaltet Informationskompetenz mehr als nur punktuelle Schulungen. Informationskompetenz ist ein Prozess, der zu einem kritischen Umgang mit Information anregen soll und wesentlich zum lebenslangen Lernen in unserer Informationskultur beiträgt.
Im Zusammenhang mit dem Begriff Informationskompetenz tauchen auch immer wieder verwandte Kompetenzbegriffe auf wie Bibliotheks-, Medien- und Informatikkompetenz. Sie gelten als Teilbereiche der Informationskompetenz.
Informationskompetenz in der Schweiz
Somit zählt Informationskompetenz in der Informationsgesellschaft zu den wichtigsten Schlüsselqualifikationen für den Erfolg in Studium und Beruf. Damit eine einheitliche Vermittlung und Förderung von Informationskompetenz an schweizerischen Hochschulen möglich ist, wurden im Rahmen des Projektes "Informationskompetenz an Schweizer Hochschulen" wegweisende Standards der Informationskompetenz für die Schweiz entwickelt. Diese sechs Standards wurden durch dazugehörige Lernziele (Grobziele) ergänzt. Diese zeigen, dass Informationskompetenz gemäss neueren Studien nicht nur auf die Anwendung bibliothekarischer Werkzeuge beschränkt bleiben darf, sondern auch zeitgemässe Aspekte wie „Weiterverwenden von Information“ und „Verantwortung gegenüber Information“ aufnehmen. Die direkte Weiterentwicklung dieser Grobziele ist das dazugehörige Kompetenzraster, welches pro Standard spezifische Kompetenzen in drei Stufen formuliert. Diese können als Lernziele oder Inhaltsbeschreibungen für Lehrveranstaltungen im Bereich Informationskompetenz genutzt werden. Der Leitfaden zum Kompetenzraster erläutert, welches Wissen auf den drei Stufen erwartet wird.
Bei klarer Nennung der Urheber können die Standards und das dazugehörige Kompetenzraster frei verwendet werden, eine kommerzielle Nutzung ist untersagt. Siehe Creative Commons Lizenz
Weitere Informationen
Flieger, Elisabeth & Siegfried, Doreen (2011). World Wide Wissenschaft: Informationsmanagement von Wirtschaftswissenschaftler/inne/n. Kiel: Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.
Ingold, Marianne (2011). Information als Gegenstand von Informationskompetenz: eine Begriffsanalyse. Berlin: Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.
Gapski, Harald & Tekster, Thomas (2009). Informationskompetenz in Deutschland: Expertise. Düsseldorf: Landesamt für Medien Nordrhein-Westfalen.
Bättig, Esther (2005). Information Literacy an Hochschulen: Entwicklungen in den USA, in Deutschland und der Schweiz. Chur: Arbeitsbereich Informationswissenschaft.
Ingold, Marianne (2005). Das bibliothekarische Konzept der Informationskompetenz: ein Überblick. Berlin: Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.