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Es blieb eigenartig ruhig im Land, nachdem ein Sprecher der Regierung vor die laufenden Kameras getreten war und das generelle, sofort in Kraft tretende Verbot eigenständigen Denkens verkündet hatte. Man habe sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen, erklärte er, weil damit die Bevölkerung noch effektiver und effizienter vor extremistischen Umtrieben geschützt werden könne. Das Verbot diene also dem Erhalt des Friedens, der Freiheit, des geistigen, somit auch körperlichen Wohlergehens und sichere die Zukunft als Gesellschaft und Nation – nicht zuletzt mit Blick auf die Erfordernisse der Wirtschaft.
Während Monaten waren zuvor Ergebnisse «wissenschaftlicher Studien» veröffentlicht und kommentiert worden, woraus unter anderem hervorging, dass Probanden, die über einen gewissen Zeitraum freiwillig auf eigenständiges Denken verzichtet hatten, selbst nach einer vergleichsweise kurzen Beobachtungszeit eine eindeutig höhere Lebenserwartung prophezeit werden konnte als einer vergleichbaren Gruppe, die nach dem herkömmlichen Muster lebte. Eine andere Studie wies nach, dass der Anteil der Nichtdenkenden bei den Erwerbslosen vernachlässigbar klein war, während deren Zahl bei den Denkenden exorbitant anstieg und die Karriereaussichten für nicht eigenständig Denkende ungleich besser zu beurteilen waren. Und nicht zuletzt wirke sich, wurde eine weitere Untersuchung zitiert, der Verzicht auf eigenständiges Denken positiv auf das private Leben aus: «Wer nicht denkt, findet gemäss unseren Untersuchungen leichter eine Partnerin oder einen Partner und kommt in den Genuss von mehr und besserem Sex.»
Wer also wollte ernsthaft einer Massnahme opponieren, die einerseits mehr Sicherheit, Frieden und Freiheit brachte und andererseits die Chancen am Arbeitsmarkt und im privaten Leben verbesserte!
Und so kehrte Ruhe ein im Land, und es dehnte sich das, aus Sicht der Regierung positiv verlaufende, Experiment rasch über den ganzen Kontinent und danach auf viele weitere, dem Fortschritt verpflichtete Staaten der Welt aus.