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Vor wenigen Tagen hat der Hunga Tonga-Hunga Ha’apai Teile des Inselstaates Tonga unter Asche begraben, die Bewohner sind von der Aussenwelt abgeschnitten – und sogar auf der anderen Seite des Pazifiks, vor der Küste Perus, kam es in Folge des Vulkan-Ausbruchs zu einer Ölpest.
2010 hat der Eyjafjallajökull Teile Islands unter seiner Asche begraben und den Flugverkehr weltweit beeinträchtigt.
Zwei Vulkane, zwei komplizierte Namen. Dagegen liest sich Marsili geradezu erholsam. Doch das macht das Katastrophenpotenzial des grössten aktiven Vulkans Europas nicht kleiner. Eine Übersicht in 5 Punkten.
Der Marsili brodelt im Tyrrhenischen Meer etwa 175 km südlich von Neapel und 150 km westlich der Küste Kalabriens.
Das Vulkanmassiv erstreckt sich über eine Fläche von 70 auf 30 Kilometer. Die Basis befindet sich in der sogenannten Bathyal-Ebene in einer Tiefe von etwa 3400 Metern. Der Marsili ist maximal 3000 Meter hoch, die Spitze des Vulkans liegt zwischen 400 und 500 Meter unter der Wasseroberfläche. Die Magmakammer des Marsili umfasst etwa acht Quadratkilometern. 80 Eruptionskegel sowie zahlreiche Spalten und Risse, aus denen Lava austreten kann, erstrecken sich von Nordost nach Südwest. Mit diesen Ausmassen ist der Marsili der grösste Vulkan Europas.
Die vulkanische Aktivität des Marsili begann wohl vor rund einer Million Jahre, die letzte grosse Eruption hat vor 2100 bis 3000 Jahren stattgefunden – und auch aktuell ist der Vulkan aktiv.
Eher nicht. Obwohl die Existenz des Marsili bereits seit einem Jahrhundert bekannt ist, hat er erst in den letzten Jahren das Interesse der Wissenschaftler geweckt – detaillierte Studien werden seit den 2000er Jahren veröffentlicht.
Der Geologe Carlo Doglioni, Präsident des «Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia» (INGV), erklärte diesen Januar gegenüber dem italienischen «Start Magazine», dass der unterseeische Vulkan zurzeit nicht ausreichend überwacht werde:
Die Forschung zu Unterwasservulkanen ist generell schwieriger als die Forschung zu und an Landvulkanen. Und so liegt die unzureichende Überwachung des Marsili vor allem daran, dass die kontinuierliche Beobachtung submariner Vulkane eben technisch aufwändig ist – und daher sehr teuer. Piergiorgio Scarlato vom INGV sagte bereits 2013 gegenüber der Berliner Tageszeitung «Tagesspiegel»:
Vom Marsili gehen grundsätzlich zwei Bedrohungen aus, die ein hohes Zerstörungs-Risiko bergen:
Erste Bedrohung: Gestein bricht ab
Es gibt keine Hinweise auf grössere Einstürze am Vulkan in der Vergangenheit. Allerdings haben strategische Untersuchungen der INGV ergeben, dass besonders der Gipfel des Vulkans aufgrund der vulkanischen Aktivitäten instabil sei, wie Scarlato gegenüber dem Tagesspiegel erläuterte. Und das ist beunruhigend. Denn der Marsili hat extrem steile Flanken. Sollten beträchtliche Brocken des Gipfels an den steilen Flanken entlang mehrere tausend Meter in die Tiefe donnern, könnte die Küste Italiens aufgrund des verdrängten Wassers unter einem Tsunami von 20 Metern hohen Wellen begraben werden.
Ein ähnlicher Abbruch von Vulkangestein ereignete sich am 30. Dezember 2002 am Stromboli. Damals lösten sich mit einem Lavastrom Millionen von Kubikmetern Vulkangestein vom Vulkankegel und vom submarinen Teil des Vulkans und donnerten unter Wasser 2000 Meter in die Tiefe. In der Folge haben zehn Meter hohe Flutwellen die Küsten Süditaliens heimgesucht und Zerstörung gebracht. Die gesamte Insel Stromboli musste für mehr als zwei Monate evakuiert werden.
Eine Studie aus dem Jahr 2020 hat die Tsunami-Gefahr im südlichen Tyrrhenischen Meer aufgrund von Erdrutschen und vulkanischen Erdbeben mittels einer szenariobasierten Studie analysiert. Durchgeführt hat die Studie Glauco Gallotti, Physiker an der Universität Bologna, mit seinem Team. Im Worst-Case-Szenario führt der Einsturz des zentralen Gipfels und der Ostflanke des Marsilis zu einer 20 m hohen Welle, die innerhalb von 20 Minuten Sizilien und Kalabrien erreicht. Aufgrund der Studie fordern Gallotti und sein Team mehr Detailstudien und vor allem ein multiparametrisches Überwachungsnetz, das auch die grossen Vulkankomplexe wie den Marsili überwache – und die Bevölkerung automatisch vor Flutwellen warne.
Zweite Bedrohung: Der Vulkan bricht aus
Zurzeit rumpelt der Marsili leise vor sich hin – das Monster schlummert. Die vulkanischen Aktivitäten beschränken sich auf eine leichte Seismizität und Gasemissionen. Es ist möglich, dass der Marsili so friedlich bleibt – aber aufgrund der fehlenden Überwachung ist ein spontaner Ausbruch nicht auszuschliessen. Und eine solche käme aufgrund der fehlenden Überwachung ohne jegliche Vorwarnung.
Und so sagt der Vulkanologe Salvatore Passaro vom «Consilio Nazionale delle Ricerche» (CNR) gegenüber dem «Start Magazine»: «Es gibt Grund zur Sorge, aber noch keinen Grund zur Beunruhigung.» Denn je nach Art und Stärke einer Eruption würde eine solche lediglich zu einer vorübergehenden Umleitung der Schifffahrtswege führen – oder viel Zerstörung mit sich bringen.
Das grosse Glück beim Marsili ist, dass sein Krater mit 400 bis 500 Meter verhältnismässig tief unter der Meeresoberfläche liegt, was das Zerstörungs-Potenzial bei einer Eruption verringert, wie das INGV schreibt. Denn Lava und Asche würden von der Wassersäule teilweise absorbiert werden. Allerdings könnten die seismischen Bewegungen im Vorfeld eines Ausbruchs, die Explosion selber oder Lavaströme zum Einsturz von grösseren Teilen des Vulkanmassivs führen – und dies wiederum wie oben beschrieben zu einer bis zu 20 Meter hohen Welle.
Gallotti ist davon überzeugt, dass mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden muss bei der Bevölkerung. Denn bereits wenig Wissen über das Verhalten während einer Flutwelle könne bereits Tausende von Menschenleben retten, wie der Physiker im letzten August gegenüber BBC erklärte.
Nun, geschätzt bedecken mehr als 25 Millionen Vulkane den Meeresboden. Die meisten Ausbrüche von Vulkanen im Meer geschehen, ohne dass wir etwas davon erfahren.
Alleine vor Italien werden mittlerweile mehr als ein Dutzend Unterwasservulkane gelistet. Doch von diesen weiss man nichts – abgesehen davon, dass sie existieren. Doglioni, der Präsident des INGV sagte gegenüber dem «Start Magazine», dass man den Unterwasservulkanen unbedingt «mehr Aufmerksamkeit» schenken müsse, denn einige Unterwasservulkane vor der Küste Italiens hätten das Potenzial explosiver zu sein, als der Vesuv oder der Stromboli. Und zu diesen Vulkanen gehöre auch der Marsili.
Durchaus: Der Marsili ist nicht nur ein potenzieller Schrecken für Italien, sondern könnte auch ein Segen sein – zumindest aus energiewirtschaftlicher Sicht. Denn geothermische Ströme könnten – ähnlich wie in Island – zur Energiegewinnung genutzt werden. Zudem weist das Vulkanmassiv eine nicht unerhebliche Konzentrationen von Edelmetallen wie Gold, Silber und Kupfer auf, wie Salvatore Passaro vom CNR «Starter Magazine» erklärte.
Tatsächlich wurde dazu bereits geforscht. In einer Studie von 2014 untersuchte ein Team des INGV und der Universität Chieti-Pescara die Möglichkeiten für eine geothermische Offshore Erschliessung des Marsili. Die Studie kommt zum Schluss, dass der Marsili durchaus attraktiv sein könnte für private und öffentliche Investoren, denn das riesige geothermische Energiereservoire könnte in der Lage sein, langanhaltend nutzbare Energie zu liefern. Allerdings:
(yam)
Bei einer Anschlagsserie in Afghanistan sind mehr als ein Dutzend Menschen getötet worden. Einer der Angriffe habe sich gegen Gläubige in der Hazrat-Zakarya-Moschee in der afghanischen Hauptstadt Kabul gerichtet, teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit. Mindestens 22 Verwundete seien in ein Krankenhaus der italienischen Nichtregierungsorganisation (NGO) Emergency gebracht worden. Fünf von ihnen waren der NGO zufolge bei ihrer Ankunft bereits tot.