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Nach dem Zweiten Weltkrieg steigt Jean-Paul Sartre zum tonangebenden französischen Intellektuellen auf. Mit «Das Sein und das Nichts» (1943) und seinen Theaterstücken begründet er die Philosophie des Existenzialismus, in der viele Jugendliche ein neues Lebensgefühl entdecken. Der Existentialismus wird zur Mode der Bohème.
Als Sartre im Mai 1946 in Genf einen Vortrag hält, dreht die Schweizer Filmwochenschau, die in den Kinosälen jeweils im Vorprogramm gezeigt wird, einen Beitrag zum prominenten Besuch. Der kurze Film zeigt Sartre und seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir, die unerwähnt bleibt, nicht an einem Empfang oder beim Auftritt an der Universität. Vielmehr begleitet die Kamera die rauchenden Besucher beim Freizeitbummel durch Genfs Altstadt. Kein einziges Wort fällt zum Schaffen des Intellektuellen. Statt Originaltönen vernimmt man aus dem Off eine Stimme mit französischem Akzent: Sartre liest einen die Bilder kommentierenden Text ab. Untermalt von einer weiblichen Stimme, die eine alte Weise singt, beschreibt er seinen Spaziergang gleich selbst.
Und was sagt er? Er kommt sich wie im Pariser Quartier Saint-Germain-des-Prés vor, ein Strassenmaler erinnert ihn an den Pariser Schriftsteller André Gide. Der Existenzialist fühlt sich in Genf nicht in die Welt geworfen, sondern, wie er sagt, zuhause. Und zuhause, das ist Paris.
Autor: Urs Hafner