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Israel befolgt uneingeschränkt die Bedingungen für Wasserverbrauch und –versorgung, die während des Friedensprozesses “Oslo II” ausgehandelt und in dem israelisch-palästinensischen Interimsabkommen festgeschrieben wurden. Tatsächlich versorgt Israel die Palästinenser mit 30 Prozent mehr Wasser als vorgesehen, so dass die Wassermenge, die den Palästinensern zur Verfügung steht, die im Abkommen festgelegte Menge übersteigt.
Als Israel 1967 die Kontrolle über das Westjordanland gewann, hatten nur vier der 708 palästinensischen Städte und Dörfer Zugang zu fliessend Wasser. Inzwischen verfügen 641 dieser Orte – und 96 Prozent der palästinensischen Bevölkerung – über einen solchen Zugang. Israels Pipelinenetz hat die Wasserversorgung der Palästinenser von 64 Millionen Kubikmetern (MKM) pro Jahr auf 120 MKM pro Jahr erhöht. Im Gegensatz zu palästinensischen Behauptungen besteht kaum ein Unterschied zwischen der Wassermenge, die Israelis und Palästinenser nutzen: 2012 beträgt der Wasserverbrauch pro Kopf 150 MKM für Israelis und 140 für Palästinenser.
Durch Fehlmanagement verlieren die Palästinenser jedoch 33 Prozent ihres Wassers. Die palästinensische Wasserbehörde (Palestinian Water Authority, bzw. PWA) hat es versäumt, ihr Versorgungssystem auf den neusten Stand zu bringen und die Ressourcen zu nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen, seien es von Israel autorisierte Quellen oder internationale Hilfe.
Die PWA hat es ausserdem versäumt, genügend Anlagen zur Wasserreinigung zu errichten. Aus diesem Grund fliessen 63 Prozent des palästinensischen Abwassers unbehandelt in die Flüsse und die Natur des Westjordanlands. Dabei könnte das Abwasser gereinigt und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden, um auf diese Weise Frischwasser für den menschlichen Konsum zu sparen, wie es in Israel getan wird.
Trotz internationaler Spenden zu diesem Zweck erzielt die PWA keine Fortschritte bei der Wasserreinigung. Stattdessen lässt sie ein System fortbestehen, in dem unbehandeltes Abwasser die Umwelt, die Quellen und das Grundwasser des Westjordanlands verschmutzt.
Die PWA lässt 94 Prozent des Abwassers, das von palästinensischen Städten und Dörfern produziert wird, unbehandelt. Israel dagegen recycelt etwa 75 Prozent seines Abwassers, in erster Linie für landwirtschaftliche Nutzung.
Würden die Palästinenser Mittel ergreifen, um Wasserverlust zu verhindern, gereinigtes Wasser wiederzuverwenden und das Grundwasser der östlichen Regionen zu nutzen, könnten Probleme mit Wasserzugang und -versorgung wesentlich gelindert werden.
Das israelisch-palästinensische Interimsabkommen über das Westjordanland und den Gazastreifen vom September 1995 legt fest, dass Israel die Palästinenser mit 70 bis 80 MKM Wasser jährlich versorgen muss, zusätzlich zu den 118 MKM, die die Palästinenser zum Zeitpunkt des Abkommen nutzten. Das Abkommen über die Wasserressourcen sollte für fünf Jahre gelten. Israelis und Palästinenser haben sich jedoch auch über diesen Zeitrahmen hinaus an den Parametern des Abkommens orientiert.
Derzeit haben 96 Prozent der Palästinenser im Westjordanland täglichen Zugang zu fliessend Wasser, wohingegen die meisten Städte in benachbarten Staaten wie Jordanien keinen solchen Zugang besitzen.
Leistungsschwächen und Regelverstösse im palästinensischen Wassersystem
Bis zum aktuellen Zeitpunkt, Anfang 2012, hat Israel die Anzapfung von 71 Quellen für Trinkwasserversorgung und landwirtschaftliche Nutzung genehmigt sowie 22 Quellen zur Beobachtung. Die PWA hat jedoch rund die Hälfte von ihnen noch nicht erschlossen.
- Alle Wasserquellen müssen vor ihrer Nutzung vom gemeinsamen israelisch-palästinensischen Wasserkomitee (Israeli-Palestinian Joint Water Committee, bzw. JWC) genehmigt werden. Die Palästinenser haben jedoch über 250 Quellen ohne Autorisierung angezapft und damit das Abkommen von 1995 verletzt. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) hat diese Verstösse unterstützt, indem sie die ungenehmigten Quellen ans Stromnetz angeschlossen hat.
- Die Palästinenser schöpfen illegal Wasser vom israelischen Wasserversorger Mekorot ab, der sowohl Israelis als auch Palästinenser beliefert. Aus diesem Grund kommt es in Hebron, Bani Naim, Beita und anderen palästinensischen Orten und Gemeinden zu Wasserknappheit.
- Die Palästinenser haben das Grundwasser im Osten des Westjordanlands nicht erschlossen, obwohl das JWC jeden Antrag, es nutzbar zu machen, genehmigt hat.
Versäumnisse, Abwasseranlagen zu bauen, und daraus resultierende Probleme
Das JWC genehmigte die Installation von hunderten Kilometern von Wasserpipelines im Westjordanland sowie den Bau dutzender Sammelstellen und Pumpstationen.
- Die Palästinenser haben es versäumt, Abwasseranlagen zu bauen, obwohl das Interimsabkommen dies vorschreibt. Gründe dafür sind Fehlmanagement, schlechte Wartung, wasserwirtschaftliche und technische Fehler. Dies hat die Verschmutzung von Wasservorkommen sowie Umweltschäden zur Folge. So wurde zum Beispiel der Hebron-Fluss, der in Richtung des Beerscheba-Tals fliesst, verschmutzt, und die angrenzenden palästinensischen und israelischen Gemeinden leiden nun unter dreckigem Wasser, schlechten Gerüchen, Fliegen und Mücken. Der Nablus-Strom, der westwärts fliesst, ist inzwischen ebenfalls verdreckt und verschmutzt damit Wasser im Inneren Israels.
- Viele andere Ströme und Flüsse sind praktisch zu Abwasserkanälen für palästinensische Städte und Dörfer geworden. Das ungereinigte Wasser verschmutzt das Grundwasser, was anschliessend das Wasser beeinträchtigt, das aus Quellen gewonnen wird. Dies hat zur Verschmutzung und Schliessung mehrerer Quellen in den Distrikten von Bethlehem und Jerusalem sowie im Jordantal geführt.
- Etwa 27 Prozent des Abwassers aus dem Westjordanland stammt von der israelischen Bevölkerung, 73 Prozent dagegen von der palästinensischen Bevölkerung.
- Israels Gebrauch von behandeltem Abwasser, Entsalzung, Reduzierung von Wasserverlust im Wassersystem und andere wassersparende Aktivitäten fügen seiner Wasserversorgung jedes Jahr 800 MKM hinzu – rund 33 Prozent der gesamten israelischen Wassernutzung.
- Laut Angaben eines Berichts der Europäischen Kommission nutzt Israel mehr behandeltes Abwasser pro Kopf für landwirtschaftliche Zwecke als jedes andere Land der Welt. In absoluten Zahlen kommt Israel bei der Wiederverwendung von Abwasser an zweiter Stelle hinter Kalifornien.
Quelle: TIP – The Israel Project, 23. Januar 2012