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Tagesbericht vom 24.06.2004
Wolgograd heisst die Stadt heute. Sie wurde vor zirka 500 Jahren gegründet und hiess damals Zarizyn. Dazwischen wurde sie zu Ehren Stalins Stalingrad genannt. Den Deutschen erging es im Zweiten Weltkrieg in Stalingrad gleich wie Napoleon anfangs des neunzehnte Jahrhunderts in Moskau. 600'000 deutsche und schätzungsweise eine Million Soldaten der Sowjetunion starben in der Schlacht um Stalingrad am Punkt 102,1, der in der russischen Generalstabskarte gross eingetragen ist. 180'000 deutsche Soldaten wurden von den Soldaten Lenins gefangen genommen. 6'000 kehrten aus der Gefangenschaft zurück. Dies die traurige Bilanz vom Ort, wo wir jetzt stehen.
Am Punkt 102,1 steht heute eine gewaltige Statue. Der Ort wird auch Mamaev Kurgan genannt. Die Statue steht in einer Anlage, die vom Wolgaufer bis zum höchsten Punkt reicht und den russischen Opfern in der Schlacht um Stalingrad geweiht ist. Im Gebäude, welches das ewige Feuer beherbergt findet gerade die Wachablösung statt. Zum Glück sind wir wieder einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
In der Stadt, die sich über etliche Kilometer entlang der Wolga hinzieht und durchaus modern bezeichnet werden kann, tätigen wir unsere täglichen Geschäfte, wie Einkaufen, Geld beziehen und so fort. Bald ziehen wir weiter der Wolga entlang aufwärts gegen Saratov zu.
Geographisch liegt Wolgograd zirka 400 Kilometer nordwestlich von Astrachan (Luftlinie). Wolgograd liegt zirka 12 Meter über und Astrachan zirka 24 Meter unter dem Meeresspiegel. Auf über 400 Kilometer haben wir nur eine Höhendifferenz von 36 Metern festgestellt. Vielleicht kann der Leser sich anhand dieser Zahlen die gewaltige Ebene ohne einen Hügel oder Berg dazwischen besser vorstellen und welchen gewaltigen Überblick man theoretisch bei ganz klarem Wetter vom Punkt 102,1 (Meter über Meer) aus hat.
Abseits der Strasse finden wir unseren Übernachtungsplatz. Noch bevor es dunkel wird, bekommen wir wieder einmal Besuch. Diesmal kommt der Besuch nicht hoch zu Pferd, sondern auf einem Motorrad. Er hält bei uns an und fängt an, sich mit Liseli zu unterhalten. Sie scheint nicht viel zu verstehen. Da sie – wie immer neugierig – wissen möchte, was ihr der Mann zu erzählen versucht, holt sie ihr Wörterbuch hervor. Aha, der Mann ist Imker und stolzer Besitzer von zehn Bienenvölkern. Auch wir stellen uns natürlich in einfachen Worten vor. Nach dieser kurzen, freundlichen Unterhaltung fährt der Fremde wieder weg.
Ich befestige mit dem mitgenommen Bohrer den an der hinteren Türe befestigten Feuerlöscher neu. Kein Wunder, dass er sich bei diesen löchrigen Strassen langsam selbständig gemacht hat. (Sogar die Bohrer zur Bohrmaschine haben wir nicht vergessen – Liseli findet sie trotz meinen Befürchtungen sofort.)