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N O R D F Ö H N
Der Nordföhn ist das Gegenstück zum bekannteren (Süd-)Föhn. Hoch- und Tiefdruckgebiete haben die Plätze getauscht, und kontinentale Luft wird von Norden her an den Alpenhauptkamm gedrückt. Im Winterhalbjahr kann diese unglaublich kalt sein: das Tiefdruckgebiet im Osten leitet gegen den Uhrzeigersinn kalte kontinentale Kaltluft aus dem Bereich BRD/Tschechien/Polen an die Alpen, und Föhn muss wie erwähnt deswegen nicht automatisch grosse Wärme auf der Lee-Seite der Alpen bedeuten! Wenn die Luft vom nördlichen Voralpengebiet nicht sehr trocken ist, was ebenfalls keine Bedingung für Föhn ist, kommt es am Hauptkamm - also im Bereich von Davos - zu ortsbeständigen Hebungswolken, die sich auf der Leeseite der Berge wieder auflösen: im Zeitraffer ein spektakulärer Anblick. Im Video strömt die Luft ganz präzise von Norden über den Wolfgangpass auf die (im Video linke) Kante des Brämabüels, und im Pischagebiet blicken wir auf die Leeseite:
Click für Video 1:14min
Dabei kann die Wolkenschicht bei Windscherung an der Obergrenze schöne regelmässige "Locken" bilden: Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten:
KH-Wolken im Dischmatal zu Füssen des Brämabüels (mit Google findet man bessere Beispiele für Kelvin-Helmholtz-Wolken)
Da Nordföhn wie Südföhn eine stabile Luftschichtung aufweist, sind keine nennenswerten Aufwinde zu erwarten - ausser orografischen am Brämabüel: das liegt dann aber in Stauwolken. Bei Nordföhn ist uns deshalb kein fliegbares Gebiet in Davos bekannt.
Z U S A M M E N F A S S U N G Z U
N O R D - U N D
S Ü D F Ö H N
- östlich und westlich der Alpen liegende starke Hoch- und Tiefdruckgebiete erzeugen ein Druckgefälle von bis zu 25mBar(!) quer über den Alpen (egal ob Nord- oder Südföhnsituation)
- Dadurch entstehen starke Winde:
Diese können (typisch bei Südföhn) sogar mit Kaltluft gefüllte Täler in der kälteren Jahreshälfte leer räumen und mit - jetzt durch trockenadiabatischen Abstieg - ungewöhnlich warm gewordener Luft auffüllen. Unter normalen Umständen (schwacher Wind) würde diese Warmluft über die Kaltluft hinweggleiten und am Talboden gar keine Effekte zeigen - erst ab einer gewissen Windstärke reisst der Höhenwind im Laufe der Zeit die Bodenluftmassen mit: das ist der Volksmund-"Föhn"
(Click für grösseres Bild)

Zum Verständnis: In der Höhe herrscht starker Südföhnsturm (beachte die langen Schneefahnen am Davoser Schiahorngipfel).|
Da aber das Davoser Tal NICHT sauber Nord-Süd ausgerichtet ist UND es von einem heftigen Kaltluftsee ausgefüllt ist,
schafft der (warme) Föhn es hier in dieser Situation nicht, bis zum Boden vorzudringen - dort herrscht völlige Windstille!
(Der 5m-Modellsegler fliegt noch in der windstillen Zone)
Föhn ist weitaus mehr als der bekannte warme Föhn:
- ein Nordföhn in der kälteren Jahreshälfte führt im Alpenbereich durch den Windchill zu extremer gefühlter Kälte und wird i.d.R. gar nicht als "Föhn" erkannt.
- ein Nordföhn in der wärmeren Jahreshälfte führt hier ausser zu ungewöhnlicher Staubewölkung zu keinem Effekt, der an "Föhn" denken lassen würde.
- wenn Südföhn in der wärmeren Jahreshälfte gar nicht so warme Luft aus dem mediterranen Raum heranführt, kommt es auch zu keiner auffälligen Erwärmung. Das war z.B. in Davos in den ungewöhnlich warmen Monaten März und April 2020 der Fall, in denen wir viele Südwindlagen hatten ohne dass es noch deutlich wärmer wurde.
- Südföhnlagen können sowohl trockene als auch feuchte Luft an die Alpen schieben. Wenn sie sehr feucht ist, beginnt die wolkenfreie "Föhnlücke" nicht schon deutlich südlich von Davos, sondern etwa hier.
- Föhn ist immer extrem schwer berechenbar: er kann gegen Abend hin zunehmen, wenn alle anderen Winde nachlassen. Er kann auch nur drei Stunden lang wehen. Ein gezieltes Suchen nach geeignetem Föhn ist genauso ein Vabanquespiel wie die Fotojagd nach einem Tornado... eine grossräumige Föhnlage lässt sich zwar relativ früh erkennen, aber wie und wann sie sich lokal auswirkt, ist eine ganz andere unberechenbare Geschichte.
M O D E L L F L U G
In Davos ist Nordföhn eine no-go-Situation.
Ein sanfter sommerlicher Südföhn, speziell wenn er nicht zu trocken ist, kann aber eine Wohltat sein: Er hält hier den zerstörerischen Talwind auf und facht die Thermik an. Auf den Wiesen des Usser Erbs kann man dann wunderbare Bedingungen finden.
Bei unseren früheren winterlichen Flügen vom zugefrorenen Davoser See aus war ein Südföhn in grossen Höhen erstaunlicherweise nicht sehr störend: allerdings waren die Flächenbelastungen bei den grossen Scaleseglern so hoch (über 75g/dm²), dass sie sich gut gegen horizontale Winde durchsetzen konnten.
Wir suchen den Föhn eigentlich nur wenn er eher aus Südost bläst:
- im Endwinter mit kleinen Seglern etwas über dem Talboden zu Füssen der Parsenn, wenn der Föhn aus dem Flüelatal bläst
- im Sommer mit mittleren Seglern, wenn er aus dem Sertigtal auf den Hang des Usser Erbs bläst
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