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Zeichnungen: Schule für Holzbildhauerei Brienz
Es scheint selbstverständlich, dass Häuser und die daraus resultierenden Bautypen in erster Linie durch die zur Verfügung stehenden Baustoffe geprägt sind. Noch im Mittelalter verwendete man vorwiegend Materialien, die an Ort und Stelle vorhanden waren. Erst ab dem 19. Jahrhundert, als Verkehr und Handel leichter wurden, verwendete man auch ortsfremde Baustoffe und übernahm somit auch neue gestalterische Einflüsse.
Neben der einfachen Tatsache des zur Verfügung stehenden Materials, können auch historische und kulturelle Gegebenheiten Einfluss auf die Bauweise gehabt haben. So scheint es naheliegend, dass im gesamten Alpenraum, wo Nadelholz reichlich und günstig vorhanden war, Blockbauten entstanden. Es gibt jedoch Talschaften, die gemischte Bautypen aufweisen oder sich sogar örtlich grundsätzlich von ihren Nachbarn unterscheiden.
In der Schweiz finden wir vier wichtige Konstruktionsformen: den Bohlen-Ständerbau, den Fachwerkbau, den Blockbau und den Steinbau.
Die waldreichen Gebiete des Alpenraums werden von den Holzbauweisen dominiert. Holz ist aber auch im Mittelland, allerdings in Mischformen mit Stein, der wichtigste Baustoff.
Es gibt aber auch Regionen in der Schweiz, die eine Entwicklung von einem Baustil zu einem anderen durchgemacht haben. Beispielsweise waren im Jura durchaus Bohlen-Ständerbauten verbreitet. Erst ab dem 16. Jahrhundert wurde eine behördliche Vorschrift erlassen, die zum Schutz der Wälder den Freiberger Bauern vorschrieb, die Aussenmauern der Häuser in Mauerwerk zu errichten und die Dächer mit Ziegeln zu decken.
Unsere Baudenkmäler zeigen eindrucksvoll eine breite Palette an Konstruktionsformen auf. Der Bohlen-Ständerbau, eine der ältesten Konstruktionsform, findet man vom Freiburger Jura, über die Reuss und den Rhein bis hin zu den Voralpen. Ein schöner Vertreter derselbigen sind die Fischerhäuser in Romanshorn.
Der Fachwerkbau, eine verfeinerte Ständerbauweise mit ausgemauerten Gefachen, beschränkt sich auf eine ähnliche Region wie die Bohlen-Ständerbauten. Die Fachwerke haben sich jedoch regional unterschiedlich entwickelt. Während in der Nordwestschweiz das Fachwerk verhältnismässig einfach ist, hat sich das Fachwerk in der Nordostschweiz in schmuckvolle Formen entwickelt. Ein schönes Beispiel eines einfachen Fachwerks findet sich in Vinelz, das Taunerhaus.
Die scheinbar einfachere Form des Blockbaus setzte bereits gutes Handwerkzeug zur Holzbearbeitung und handwerkliche Erfahrung voraus. Das ideale geradstämmige Holz dazu findet man in den Nadelwäldern der gebirgigen Regionen. Eines der ältesten Holzhäuser im Kanton Schwyz sowie in Europa ist das Haus Tannen aus dem Jahr 1341.
Steinhäuser ersetzten erst in neuerer Zeit die ursprünglichen Holzbauten. Einzig in den südalpinen Talschaften, wo die Tessiner Handwerker Meister der Trockenmauertechnik waren, finden sich traditionelle, reine Steinbauten. Mauern mit 50 bis 60 cm Dicke, ohne Mörtel erstellt, findet man beispielsweise im Maggiatal, wie die Casa Portico in Moghegno.
Zudem förderten die vielen Brände, wie auch die Holzknappheit gewisser Regionen, den Steinbau. So entstanden auch interessante Mischformen: Schön ablesbar ist dies an den Steinhäusern des Engadins, das noch im 17. Jahrhundert ein Gebiet des Holzblockbaus war. Brände, Kriegszüge und Holzmangel führten zu einem markanten Wandel: Die Holzhäuser wurden mit Steinmauern ummantelt und aufwändig verziert. Auch die von Heimkehrern vermittelten Vorbilder der italienischen Palazzi förderten das Bauen mit Stein. Niemand vermutet heute hinter den steinernen Prachtfassaden der Engadinerhäuser ein einfaches Holzhaus.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum Ballenberg. Auf dem Ballenberg werden Gebäude aus ländlichen Gegenden der Schweiz ausgestellt und erforscht, die der rasanten Bauentwicklung der 1960-80er Jahre weichen mussten. Das Freilichtmuseum trägt einen wichtigen Teil zur Erhaltung historischer Bausubstanz und der Vermittlung von Baukultur bei.
Quellen und weitere Informationen: Schweizer Bauernhäuser, Max Gschwend und Museumsführer Museum Ballenberg.