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Die (Ex-)Regierungsmitglieder Samuel Schmid, Ruth Dreifuss, Otto Stich, Willi Ritschard, Hans Hürlimann und Georges-André Chevallaz haben eines gemeinsam: Sie waren alle nicht offizielle Kandidaten oder Kandidatinnen.
Die so genannten "Wilden" wurden meistens gegen den Willen ihrer Partei ins höchste Amt gehoben.
In der Geschichte des Schweizer Bundesrates sind immer wieder offizielle Kandidaten den Ränkespielen der Parteien zum Opfer gefallen und nicht gewählt worden. Die besten Chancen hatten so genannte "wilde" Kandidatinnen oder Kandidaten, wenn nur eine Person offiziell kandidierte.
Erstmals Zweierticket geschlagen
Bloss einmal, im Jahr 2000, bremste ein "wilder" Kandidat unfreiwillig ein Zweierticket seiner Partei aus: Samuel Schmid, der derzeitige Verteidigungsminister und einzige Bundesrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP).
Offiziell hatte die SVP-Fraktion für die Nachfolge von Adolf Ogi die Zürcher Regierungspräsidentin Rita Fuhrer und den Thurgauer Regierungspräsidenten Roland Eberle vorgeschlagen.
Doch die beiden lagen bereits im zweiten Wahlgang nicht mehr ernsthaft im Rennen. Schmid gewann die Wahl schliesslich gegen den Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Siegrist - dank Schützenhilfe von Freisinnigen (FDP) und Christlichdemokraten (CVP).
Schmid wurde denn auch nach der Wahl als "uneheliches SVP-Kind" bezeichnet. Vor allem der Zürcher Flügel der Partei bekundete Mühe mit dem eher gemässigten Berner. Die Parteileitung sprach seither immer wieder von ihrem "halben Bundesrat".
"Bundesrat für eine Woche"
Etwas stürmischer verlief die Wahl von Ruth Dreifuss, bei der die offizielle Kandidatin Christiane Brunner hiess, die heutige Präsidentin der Sozialdemokraten (SP). Gewählt wurde am 3. März 1993 allerdings der Neuenburger Nationalrat Francis Matthey. Doch die SP stand nicht hinter ihm. Sie wollte eine Frau.
Matthey durfte die Wahl auf Druck der Partei nicht annehmen. Er verlangte Bedenkzeit und machte eine Woche darauf Platz für die Genfer Gewerkschafterin Ruth Dreifuss. Es war dies der einzige Wahlverzicht im 20. Jahrhundert.
Nein, danke
Aus dem 19. Jahrhundert sind vier Fälle bekannt: So lehnte 1855 der Basler Nationalrat Jakob Stehlin die Wahl ab, weil er "weder die Kenntnisse noch die Erfahrung für die Ausübung dieses Amtes" habe, wie er selber sagte.
1875 hatten gleich zwei Gewählte nacheinander dankend abgelehnt: Am 10. Dezember Nationalrat Louis Ruchonnet und eine Woche später Staatsrat Charles Estoppey (beide aus der Waadt).
1881 wurde der St. Galler Ständerat Karl Jakob Hofmann zum Bundesrat gewählt. Doch er verzichtete "auf diese Ehre". Ruchonnet sagte daraufhin diesmal Ja und blieb bis zu seinem Tod 1893 in der Landesregierung.
Verpatzte Frauenpremiere
Noch vielen präsent ist die Nichtwahl der Zürcherin Liliane Uchtenhagen 1983. Die bürgerliche Mehrheit der Bundesversammlung hatte damals Otto Stich der offiziellen SP-Bundesratskandidatin vorgezogen. Dies war eine schwere Beleidigung für die Sozialdemokratie, wollte diese doch der Schweiz die erste Bundesrätin "bescheren".
In der Folge diskutierte die SP den möglichen Gang in die Opposition in einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung. Schliesslich sprach sich die Partei mit 773 gegen 511 Stimmen für ein Verbleiben im Bundesrat aus.
Drei auf einen Streich
Gleich dreimal leer aus gingen offizielle Kandidaten am 5. Dezember 1973. Sowohl Arthur Schmid wie Enrico Franzoni und Henri Schmitt konnten ihre Namen nur am Rande in die Schweizer Geschichtsbücher schreiben.
Zum Zug kamen dafür die inoffiziellen Kandidaten Willi Ritschard (SP), Hans Hürlimann (CVP) und Georges-André Chevallaz (FDP), deren Namen man heute noch kennt.
Auswahlmöglichkeit
Die immer häufigere Nichtwahl von offiziellen Kandidatinnen oder Kandidaten hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Parteien mehrere Personen aufstellen. Die Bundesversammlung sollte die Möglichkeit der Wahl erhalten. Die Folge: Es braucht heute immer mehr Wahlgänge.
Bezeichnenderweise wurde von den heutigen sieben Mitgliedern der Landesregierung einzig der Amtsälteste Kaspar Villiger bereits im ersten Wahlgang gewählt. Alle anderen brauchten vier oder mehr Wahlgänge, um ihre Gegen-Kandidatinnen oder -Kandidaten zu schlagen.
swissinfo, Christian Raaflaub