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Ferrari 340 Mexico - der Verlierer
Mit dem Ferrari 340 Mexico wollten die Italiener die Carrera Panamericana erobern. Das ging gründlich schief.
Schon einmal von Lee Wallard gehört, gelesen? Wallard ist der erfolgreichste F1-Fahrer aller Zeiten. Er startete zwei Mal, gewann ein Rennen (Indy 500 im Jahr 1951), seine Erfolgsquote lag also bei 50 Prozent. An diese Quote kam niemand heran, Juan Manuel Fangio gewann 24 seiner 51 Rennen (47,06 Prozent), Lewis Hamilton liegt aktuell bei 35,6 Prozent (103 Siege in 289 Rennen). Damit schafft Hamilton es aber nicht aufs Podium, denn Dritter hinter Wallard und Fangio ist: Alberto Ascari. 32 Starts, 13 Siege. Geboren 1918, tragisch verunglückt 1955.
So nebenbei, für weitere Zahlenspiele. Alberto Ascari war der Sohn von Antonio Ascari, dem vielleicht besten Piloten der 20er Jahre. Beide starben im Alter von 36 Jahren - und beide an einem 26. des Monats. Wieauchimmer, Alberto Ascari hätte einer der ganz Grossen werden können, denn wenn sie auf gleichwertigem Material antraten, war Ascari immer schneller als Fangio. Aber Ascari war auch sehr loyal, er verliess Ferrari, als der Commendatore seinen Mentor und besten Freund Luigi Villoresi rausschmiss - was Ascari sicher um einen weiteren WM-Titel und diverse GP-Siege brachte.
Carrera Panamericana 1952
Aber Ascari, der wohl erste Rennfahrer, der sich mental und mit körperlichem Training auf ein Rennen vorbereitete, war auch eine Wildsau. Es begab sich bei der Carrera Panamericana 1952, also vor 70 Jahren. Porsche trat als Werk an, mit einem speziellen 356 S, pilotiert vom Fürsten von Metternich, das «Comité Gordini de Mexico» war dabei mit zwei T15S, auch Lancia hatte sich gemeldet, mit drei Aurelia 20B, gesteuert von Bonetto, Casablanca und Umberto Maglioli, der 1951 Zweiter geworden war bei der Mille Miglia. Dann gab es drei offizielle Mercedes 300 SL (Lang/Grupp, Kling/Klenk, Fitch/Geiger).
Und dann war da noch eine ganze Horde von Ferrari, dem Vorjahressieger. Diese wurden zwar nicht vom Werk gemeldet, doch die drei 340 Mexico, alle unter dem Banner von «Industrias 1-2-3» startend, waren eindeutig von Maranello aus auf den Weg nach und durch Mexiko geschickt worden. Das zeigen allein schon die prominenten Fahrer, die für Ferrari antraten. Der 340 Mexico (0222 AT) mit der Startnummer 16 war mit Luigi Villoresi/Nino Cassani besetzt. Der Ferrari 340 Mexico (0224 AT) mit der Startnummer 20 wurde von Vorjahressieger Luigi Chinetti sowie Jean Lucas bewegt. Und der Ferrari 340 Mexico (0226 AT) mit der Startnummer 14 wurde pilotiert von Alberto Ascari, Beifahrer war Giuseppe Scotuzzi.
Im Abgrund
Ascari legte auch gleich mal los wie eine Furie, hatte nach 80 Kilometern schon neun Konkurrenten überholt – ein grandioses Schauspiel sei das gewesen, bezeugten Zeitzeugen, er habe überholt, wo kaum ein Auto Platz gehabt habe, sei aussenrum an einem der Benzen vorbeigepfeilt, hab zwei Lancia auf einmal nassgemacht. Bloss: Ascari rutschte schon auf der ersten Etappe (von acht) nach weniger als 100 Kilometer (von fast 3500) in einen Abgrund. Sein Ferrari 340 Mexico war Schrott. Es gewann dann Mercedes (Kling/Klenk) vor Mercedes (Lang/Gaupp). Auch auf dem dritten Rang wäre eigentlich noch ein Mercedes gelandet, doch das Renn-Kommitée hatte Erbarmen mit Ferrari und disqualifizierte den dritten Stern aus fadenscheinigen (in Mexiko: absolut üblichen) Gründen. Chinetti/Lucas durften schliesslich auch noch ein bisschen mitfeiern.
Rein von den Fahrleistungen her hätten die Benzen keine Chance haben dürfen gegen die Ferrari 340 Mexico. Die 3-Liter-Sechszylinder der Mercedes kamen 1952 auf etwa 175 PS, die 4,1-Liter-V12 der Ferrari auf etwa 280 Pferde. Der Italiener rannte schon vor 70 Jahren in 6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, war 280 m/h schnell. Doch die Deutschen hatten die «Carrera» generalstabsmässig geplant, waren die Strecke mehrfach abgefahren – und Hans Klenk war der erste Beifahrer, der seinem Piloten eine Art «Roadbook» vorlas. Zwar waren die Italiener schnell, aber halt auch schwer - und das war mit dem damals noch üblichen Trommelbremsen auf den unsäglich schlechten mexikanischen Strassen sicher kein Vorteil.
Auch Shelby und McAfee
Den V12 des 340er hatte Aurelio Lampredi konstruiert. Erstmals eingebaut war dieser 4,1-Liter (Bohrung x Hub: 70 x 68 mm) in den 340 America, der Ende 1950 auf dem Salon in Paris vorgestellt worden war; der Name war eine klare Andeutung darauf, wo diese grossen Wagen verkauft werden sollten. Die America schafften etwa 220 PS, mit drei Weber-Doppelvergasern. Insgesamt 25 340 America wurden gebaut, fünf Coupés von Ghia, zwei weitere Coupés und sieben Barchettas von Touring, dann noch fünf Coupés, fünf Spider und ein Cabrio von Vignale. Die drei Coupé vom 340 Mexico wurden von Vignale eingekleidet.
Luigi Chinetti, der so grossartige Rennfahrer und clevere Geschäftsmann, hatte 0226AT schon vor dem Rennen an Allen Guuibertson in Dallas verkauft. Nachdem Ascari das Gerät aber mächtig deformiert hatte, musste der Ferrari 340 Mexico wieder zurück nach Maranello und auch zu Vignale, wo er einen neuen Aufbau erhielt. Erst im Frühling 1953 war das Fahrzeug wieder in den USA, Guibertson hatte aber die Lust verloren und verkaufte ihn an A.V.Dayton weiter, der ihn wieder bei SCCA-Rennen einsetzte. Am Lenkrad: Carroll Shelby und Jack McAfee. Über die nächsten Jahre ging 0226AT durch viele Hände, wurde in den 80er Jahren wieder auf seine «Carrera Panamericana»-Spezifikationen zurückgebaut.
Es ist dies eine kleine Serie, schon beschrieben wurden: Ferrari 410 Superamerica, Ferrari 268 SP, Ferrari 250 GT Cabriolet, Ferrari 250 GTO, Ferrari 166 Inter, Ferrari 500 Mondial, Ferrari 166 MM Barchetta.
Text: Peter Ruch
Fotos: RM Sotheby's