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Es ist, als wären dieses Bühnenstück und diese Regisseurin füreinander geschaffen: das Stück «Femme non-rééducable» des italienischen Autors Stefano Massini und die Schweizer Regisseurin Dominique de Rivaz. Das Stück (zu Deutsch: «Eine nicht umerziehbare Frau») trägt den Untertitel «Theatermemorandum über Anna Politkowskaja» und ist ein Monolog über das Leben und Wirken der russischen Journalistin, die 2006 im Treppenhaus ihres Hauses in Moskau ermordet wurde. Die Regisseurin Dominique de Rivaz beschäftigt sich seit dreissig Jahren mit Russland, spricht fliessend Russisch und hat mehrfach in Russland respektive in den früheren Sowjetrepubliken gearbeitet.
Viel visuelles Potenzial
Dass sie zufällig auf Massinis Stück aus dem Jahr 2007 gestossen sei, bezeichnet Dominique de Rivaz als «Geschenk des Lebens». «Es waren fünf Zeilen im Kulturteil einer Zeitung, die in einem Brüsseler Café auf einem Tisch lag», erinnert sie sich im Gespräch mit den FN. «Ich konnte mir das Stück zwar nicht anschauen, habe es mir aber sofort bestellt–und es hat mich im tiefsten Inneren getroffen.» Sie habe gar nicht anders gekonnt, als den Stoff auf die Bühne zu bringen, so die 63-Jährige, die zwar viel Erfahrung als Filmemacherin mitbrachte, jedoch nie zuvor fürs Theater gearbeitet hatte. «Ich habe sofort das visuelle Potenzial in dem Text gesehen», sagt sie. «Stefano Massini hat aus dem Stoff einen literarischen Text mit Dramaturgie und Rhythmus gemacht.»
Immer noch aktuell
Das Stück habe auch zehn Jahre nach der Ermordung Politkowskajas nichts an Aktualität eingebüsst, so de Rivaz weiter. Im Gegenteil: «In Moskau werden Menschenrechtsaktivisten ermordet, in der Ukraine macht Putin, was er will, und Tschetschenien ist unter dem Diktat von Ramsan Kadyrow sich selbst überlassen.» Die Geschichte der mutigen russischen Reporterin, die für ihre Berichte aus Tschetschenien ihr Leben riskiert habe und dafür von der Obrigkeit in Moskau als «nicht umerziehbar» klassiert worden sei, also als Staatskritikerin, mit der man nicht diskutieren könne, verdiene es mehr denn je, erzählt zu werden.
Eine Heimkehr
Dominique de Rivaz tut dies nun in ihrer Version von «Femme non-rééducable» mit der Westschweizer Schauspielerin Dominique Bourquin in der Rolle von Anna Politkowskaja. Ab diesem Donnerstag ist das Stück im Théâtre des Osses in Givisiez zu sehen (siehe Kasten). Es ist der zweitletzte Halt einer Westschweizer Tournée, die seit Mitte Februar läuft–und für die Regisseurin ein besonderes Ereignis: Dominique de Rivaz, die heute in Bern und in Berlin lebt und arbeitet, hat in Freiburg studiert und lange für das Internationale Filmfestival Freiburg gearbeitet. Sie fühle sich hier immer noch zu Hause, sagt sie, und freue sich auf die Aufführungen in Givisiez.
«Es ist eine Ehre, dass wir während zweier Wochen im Théâtre des Osses spielen dürfen.» Sie sei sicher, dass sich das Freiburger Publikum von dem Stück genauso werde berühren lassen, wie es an den bisherigen Spielorten der Fall gewesen sei. «Die Reaktionen waren immer sehr emotional, und zweimal gab es sogar Standing Ovations.»
Lust auf mehr Theater
Für Dominique de Rivaz selbst ist das Theaterexperiment auf der ganzen Linie geglückt: Sie habe bei dieser Produktion viel gelernt und Lust bekommen, weitere Bühnenprojekte in Angriff zu nehmen, gerne auch mit mehreren Schauspielern. Das Publikum darf gespannt sein, welches Stück dem Multitalent, das auch als Schriftstellerin und Fotografin arbeitet, als Nächstes in den Schoss fällt.
Details und Reservationen: www.theatreosses.ch
Dominique Bourquin spielt im Stück die Journalistin Anna Politkowskaja. Bild zvg
Programm
Deutsche Übertitel für eine Vorstellung
Die Aufführungen von «Femme non-rééducable» im Théâtre des Osses in Givisiez finden vom 14. bis zum 24. April statt, jeweils donnerstags um 19 Uhr, freitags und samstags um 20 Uhr und sonntags um 17 Uhr. Die Vorstellung vom 21. April wird mit deutschen Übertiteln gezeigt. Am 13. und am 20. April ist Dominique de Rivaz im Rahmen der «Cafés littéraires» zu Gast im Théâtre des Osses und erzählt aus ihrem Leben, liest aus ihren Büchern und zeigt Ausschnitte aus ihren Filmen (19.30 Uhr). Vom 28. April bis zum 1. Mai ist «Femme non-rééducable» im Zytglogge-Theater in Bern zu sehen.cs