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Zu Besuch in Utrecht
Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Royal Society for Music History of the Netherlands veranstaltete unsere Schwestergesellschaft vom 22. bis 24. November einen internationalen Kongress.
Benedict Zemp — Zehn europäische musikwissenschaftliche Gesellschaften versammelten sich letzten November in Utrecht und diskutierten über ihre eigene Geschichte, ihre Funktion in der Gesellschaft und über ihre künftigen Aufgaben sowie Herausforderungen. Als Vertretung der SMG reisten die Präsidentin Cristina Urchueguía sowie ihr Mitarbeiter Benedict Zemp über Amsterdam nach Utrecht. Dort trafen sie auf Vertreterinnen und Vertreter von Musikforschenden Gesellschaften und Universitäten aus ganz Europa und nutzten die Gelegenheit, das wissenschaftliche Netzwerk zu pflegen und spannende Vorträge sowie inspirierende Konzerte zu hören.
Eröffnet wurde die Tagung durch einen Beitrag von Dorothea Baumann, Generalsekretärin der Internationalen Musikforschenden Gesellschaft. Diese hielt fest, dass die Musikwissenschaft erst sehr spät zu den universitären Wissenschaften dazu kam. Demzufolge wurden die ersten musikforschenden Gesellschaften, zu welchen nebst der Deutschen Gesellschaft für Musikforschung und der Royal Musical Association auch die Niederländische Musikforschende Gesellschaft gehörten, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gegründet. Die Internationale Musikgesellschaft wurde im Jahr 1899 geschaffen, zur selben Zeit wie die Schweizer Landessektion derselben. Nach Auflösung der I.M.G. während des Ersten Weltkrieges machte sich die Schweizer Sektion 1915 als Neue Schweizerische Musikgesellschaft selbständig. Den Namen Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) gab sich die Landesorganisation 1934. Cristina Urchueguía, Präsidentin der SMG, sprach über die Möglichkeiten der Netzwerkbildung der Schweizer Gesellschaft aufgrund der Neutralität der Schweiz während den beiden Weltkriegen. Sie schilderte, wie die SMG anlässlich ihrer Hauptversammlung im Jahr 1947 auf Vorschlag von Prof. Dr. Handschin beschloss, den Fachkollegen in Deutschland und Österreich Lebensmittelpakete zuzuschicken.
Simon McVeigh sprach über die Tätigkeiten der Royal Musical Association und stellte abschliessend fest, dass sich die Musikwissenschaft auch gegenüber multikulturellen Themen und Agenden öffnen sollte. Seiner Meinung nach sollten musikwissenschaftliche Gesellschaften in Zukunft ein breiteres Publikum als die musikwissenschaftlichen Fachpersonen ansprechen. Schliesslich stellte er die Frage, ob musikforschende Gesellschaften als Lobbyisten auch politisch aktiv sein sollten.
Petra van Langen, die Organisatorin der Tagung, besprach die Entwicklung der holländischen Gesellschaft, welche im Jahr 1868 gegründet wurde. Dabei ging es in den Anfängen darum, die Wichtigkeit der Musikgeschichtsschreibung zu betonen, zumal die meisten Quellen zur holländischen Musikgeschichte im Ausland waren. In erster Linie sollte nationale Musikgeschichtsschreibung gefördert werden. In ihrem Vortrag stellt sie den Nationalismus dem Internationalismus gegenüber.
Die Polnische Gesellschaft war 1945 aus der Polish Composers’ Union entstanden. Erst drei Jahre später entstand daraus eine Sektion der Musikforschenden. Dabei hatte die kommunistische Regierung das Ziel, durch die musikwissenschaftliche Sektion die Komponisten ideologisch zu kontrollieren. Eine ähnliche Situation herrschte auch in Estland, wo die Musikwissenschaft ebenfalls lange keine eigene Gesellschaft hatte, sondern der Gesellschaft der Komponisten angehörte. Dies war auch in anderen Staaten, die der ehemaligen Sowjetunion angehörten, der Fall. Schliesslich wurde die Musikwissenschaft in diesen Ländern lange nicht an den Universitäten, sondern an Konservatorien gelehrt. Krisztina Lajosi beleuchtete die Bedeutung von Vereinen wie Chören für die Öffentlichkeit, die Politik, die Demokratie und die sozialen Werte in der Geschichte Europas.
Zum Schluss sprach Christiane Sibille darüber, wie die internationale Zusammenarbeit mit der Gründung der Internationalen Musikgesellschaft institutionalisiert wurde und verglich diese mit der Zusammenarbeit in anderen Bereichen wie Kommunikation, Gesundheit oder Transport.
Die Tagung war eine gute Gelegenheit, den Austausch zwischen den europäischen Fachgesellschaften zu pflegen und ein nachhaltiges Netzwerk aufrechtzuerhalten. Diese Institutionalisierung des Netzwerks der europäischen Gesellschaften wird in Zukunft durch die Internationale Musikforschende Gesellschaft gewährleistet.