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Lijiangshi, was so viel wie "Stadt am schönen Fluss" bedeutet, wurde am 3. Februar 1996 durch ein Erdbeben mit der Magnitude von 6.6, dessen Epizentrum unweit der Stadt lag, heftig getroffen. Über 300 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Gemäss unserem Reiseführer in Lijiang, Herr Huang, seien alle Toten nur im neuen Teil der Stadt zu beklagen gewesen. Auch seien im alten Teil keine Häuser richtiggehend kollabiert, sondern einfach beschädigt worden. Das liege an der traditionellen Bauweise, welche die Gebäude mit einer flexiblen Struktur ausstatte, während dem in den neuen Häusern die Energie auf keine solchen Strukturen traf und dort deshalb viele Häuser eingestürzt seien. Was zu Beginn natürlich ein riesiges Unglück war, habe die Stadt letztlich zum heutigen Touristenmagnet gemacht.Es seien unzählige Pressevertreter hier gewesen und hätten die ursprüngliche Schönheit der Altstadt, aber natürlich auch die Schäden beschrieben. So habe die Welt erfahren, wie schön und einzigartig Lijiang, in deren Altstadt heute immer noch 30'000 Menschen leben, eigentlich sei. Der Wiederaufbau sei mit grosser Geschwindigkeit vorangetrieben worden und man habe gleichzeitig erhebliche Mittel in den Tourismus investiert.
Heute ist Lijiangs Haupteinnahmequelle tatsächlich der Tourimus. Jedes Jahr strömen über 8 Mio. Touristen hierher, um vor allem die verkehrsfreie Altstadt zu besuchen. Wir sind zum Glück im sehr viel ruhigeren Südteil der Stadt im Wangfu-Hotel untergebracht. Dort zeigt sich wieder einmal die lonely-Planetregel sehr deutlich: 80% der Touristen verteilen sich auf 20% des vorhandenen Raumes, d.h. der Grossteil der Touristen verteilt sich auf den Norden der Altstadt, insbesondere auf das Gebiet rund um die Xifangjie (Market Square). Das Wangfu-Hotel ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch ein sehr schönes Hotel, sehr ruhig und mit einem herrlichen Innenhof ausgestattet. Leider ist es in der Nacht hier, auf 2400 m.ü.M. bereits unangenehm kalt und das Hotel wird, wie viele Hotels in China, im Oktober noch nicht geheizt. Oft steht dies nicht mit dem Wetter in Zusammenhang, sondern mit dem Beschluss irgendeiner offiziellen Behörde. Jaja, China lässt grüssen.
Die grösste Minderheit in Lijiang sind die Naxi, welche hier ihrer eigenen Kultur, der Dongba-Kultur ein Museum und ein Research-Center, widmen. Die Naxi besitzen eine der letzten Schriften, welche tatsächlich aus Bildern besteht (anders als z.B. Schriftzeichen, welche sich ursprünglich aus Bildern entwickelt haben, jetzt aber keine mehr sind). Nebst den Naxi sind die Yi die andere grosse Minderheit im Gebiet von Lijiang. Die Mehrheit, aber ausnahmsweise mal nicht über 50%, stellen die Han-Chinesen. Lijiang war früher ein wichtiger Handelsplatz für Tee, welchen man von weiter aus dem Süden hierher brachte, wo ihn die Volksstämme aus dem tibetanischen Hochland schliesslich kauften. Hier sei auch die Meereshöhe für beide Handelspartner gerade noch akzeptabel gewesen.
Wir haben in Lijiang mit Huang Huaihai einen wunderbaren Führer, der uns schon 2012 zugeteilt worden war. Er spricht sehr gut Englisch, ist lokal verankert, kritisch, auch selbstkritisch, umwelt- und heimatverbunden und er weiss enorm viel zu erzählen (und zwar sehr viel Interessantes). Er selber gehört zum Volksstamm der Zhuang, der grössten Minderheit Chinas, welche aber hier in Lijiang verschwindend klein ist (gemäss Herrn Huang nur 2'000 Menschen umfasse).
Am 12.10. sind wir hier angekommen. Am darauffolgenden Tag machten wir einen Spaziergang durch die Altstadt, gingen dann in den Heilongtan-Park (Schwarzer Drachenteich-Park), wo man die berühmten Fotos vom See, dem Pavillion mit der Brücke und im Hintergrund mit dem Jadedracheschneeberg (Yuelongshan, 5596 Meter hoch) machen kann und fuhren danach zum Mittagessen nach Baisha. Dieses Dorf sei die erste Siedlung von Naxi auf dieser Hochebene gewesen sein. Wir haben bei einer Familie gegessen, welche ihr Einkommen immer noch mit Stickereien verdient. Sie versucht das Stickerei-Handwerk weiter in dieser Gegend zu halten, um den Naxi das Wegziehen ersparen zu müssen. So könne man verhindern, dass deren Kinder, wie viele andere Kinder in China auch, quasi ohne Eltern aufwachsen müssen (weil diese in die Stadt ziehen, um dort zu arbeiten). Von da fuhren wir weiter nach Zhongdian Shangrila (siehe News Nr. 8), wo wir uns das dortige buddhistische Kloster angesehen haben. Heute geniesst die Gruppe einen freien Tag, bevor es morgen weiter nach Kunming, der Schwesterstadt von Zürich, geht.