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In trockenen Sommern können bis zu 25 % der gesamtschweizerischen Raufutterproduktion verloren gehen. Denn die Grünlanderträge sind stark mit der Sommertrockenheit korreliert. Dies zeigt eine neue Analyse von Agroscope und dem Schweizer Bauernverband.
Das Schweizer Grünland deckt einen wesentlichen Teil des inländischen Futterbedarfs. Das Wachstum von Wiesen und Weiden wurde in den letzten Jahrzehnten häufig durch Wasserknappheit während der Sommermonate beeinträchtigt. Ein besseres Verständnis der Auswirkungen von Sommertrockenheit auf die Produktivität des Schweizer Grünlands kann der Landwirtschaft helfen, sich gegen künftigen Herausforderungen vorzubereiten.
Wir untersuchten für die Jahre 1990 bis 2021, wie stark sich die Raufuttererträge gemäss den Berechnungen des Schweizer Bauernverbands mit der Sommertrockenheit erklären lassen. Das Ausmass der Sommertrockenheit beurteilten wir mit Hilfe der relativen Verdunstung, ein international verwendetes Mass für den Wasserbedarf von Kulturen, auf Basis der räumlichen Klimaanalysen des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie. Die Ergebnisse gruppierten wir in die drei Grünlandkategorien Kunstwiesen, Wiesen und Weiden ausserhalb des Sömmerungsgebiets sowie Sömmerungsweiden.
Starker Einfluss der Trockenheit auf Grünlanderträge
Die Resultate zeigen, dass sich die Schwankungen der Erträge für alle drei Grünlandkategorien zu 50 bis 60 % durch die Sommertrockenheit erklären lassen. Ausserdem kann anhaltender Wassermangel während der Sommermonate in Extremjahren Ertragsverluste um 30 bis 40 % verursachen. Deutliche Produktivitätsrückgänge auf nationaler Skala gab es insbesondere in den Jahren 1998, 2003, 2006, 2015 und 2018.
Bei einer gesamtschweizerischen Produktion von rund 5,5 Millionen Tonnen Trockensubstanz pro Jahr sind in ungünstigen Jahren Produktionsausfälle von bis zu 1,2 Million Tonnen Trockensubstanz (gegenüber dem langjährigen Mittelwert) möglich. Dies liegt weit über den rund 250 000 Tonnen Futter, die in einem Jahr wie 2018 importiert wurden. Diese Zahlen unterstreichen die Anfälligkeit der Futtermittelproduktion für extreme klimatische Ereignisse.
Kunstwiesen am stärksten betroffen
Besonders betroffen von Sommertrockenheit sind die Kunstwiesen und die Wiesen und Weiden unterhalb von 1000 bis 1500 m über Meer. Insbesondere bei Kunstwiesen sinkt die Produktivität bei Wassermangel stark. Dies könnte zum einen damit zu tun haben, dass Kunstwiesen als Teil der Fruchtfolge immer wieder neu angelegt werden und im ersten Jahr noch nicht über ein voll entwickeltes Wurzelsystem verfügen, mit dem sie vorübergehende Wasserknappheit abfedern können. Andererseits sind Kunstwiesen praktisch nur in den tiefen Lagen des Mittellandes zu finden, wo die Dynamik und Intensität von Dürreperioden in der Vergangenheit am stärksten ausgeprägt war.
Regionale Unterschiede
Die Karten der räumlichen Verteilung der Trockenheit lassen zudem regionale Unterschiede erkennen, die durch den ungleichen Verlauf der Witterung hervorgerufen werden. Während 1998 nur die Westschweiz und 2003 vor allem die Nordwestschweiz sowie das Gebiet zwischen Neuenburger- und Genfersee mit extremer Trockenheit zu kämpfen hatte, waren 2015 und 2018 ein grosser Teil des zentralen Mittellands sowie ein Teil des Bündnerlands betroffen.
Fazit
- Mit Hilfe der relativen Verdunstung, ein Mass für den Wasserbedarf von Kulturen, lassen sich die Auswirkungen von Sommertrockenheit auf die Grünlanderträge in der Schweiz untersuchen und räumliche Muster erkennen.
- Sommertrockenheit allein erklärt bis zu 60 % der im Zeitraum 1990−2021 beobachteten Schwankungen der mittleren Grünlanderträge der Schweiz.
- In Extremjahren sind auf nationaler Ebene Ertragsverluste um 30 bis 40 % möglich.
- Im Hinblick auf eine mögliche künftige Zunahme von extremer Trockenheit, unterstreichen die Resultate die Notwendigkeit von Anpassungsmassnahmen.