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Max Ettinger (1874-1951)|
Wer erinnert sich noch an diesen Komponisten, Musiker, aber auch Musikkritiker, der bis 1933 in Deutschland durch Aufführungen seiner Opern, Lieder und Oratorien gut bekannt war? Sein Schaffen war vielfältig: Orchesterwerke, Kammermusik, seit 1931 auch Musik zu Kulturfilmen der Berliner Titania Produktionen. Später, in den 30er und 40er Jahren standen jüdische Themen und Texte im Vordergrund, denn er hielt in den Jahren des Nationalsozialismus fest an seinen Wurzeln.
Am 27. Dezember 1874 in Lemberg (Österreich, jetzt Lwiw in der Ukraine) geboren, wurde er in seiner Entwickelung von zwei Menschen entscheidend beeinflusst. Seine Mutter Ernestine Landau aus Krakau war mit der mittel-europäischen Kultur und Aufklärung bestens vertraut, während sein Großvater als Oberrabbiner aus einer Familie von Talmudgelehrten stammte. Auf dem väterlichen Landgut lebend, wurde Max Ettinger wegen schwacher Gesundheit von Hauslehrern unterrichtet und machte als "Privatist" am altsprachlichen deutsch-polnischen Gymna-sium in Lemberg seine Matura.
Bis zu seinem 24. Lebensjahr studierte er autodidaktisch zu Hause Violine und Klavier, dann ging er nach Berlin, um sich ganz der Musik widmen zu können. Da er keine Kompositionen vorweisen konnte, wurde er nicht an der Hochschule für Musik zugelassen. Dennoch erkannte Leopold Heinrich Freiherr von Herzogenberg (1843-1900) die Begabung des jungen Mannes und gab ihm Kompositions- und Klavierunterricht. Von 1900-1904 studierte er in München an der Königlichen Akademie der Tonkunst, wo seine Lehrer Joseph Rheinberger (1839-1901) und Ludwig Thuille (1861-1907) waren. Nach einigen Jahren als Kapellmeister in Saarbrücken und Lübeck widmete er sich hauptsächlich der Komposition. Als Opernkomponist war er in den 20er Jahren in Deutschland erfolgreich. Wohl durch seine langjährige Freundschaft mit dem großen Musikforscher Alfred Einstein (1880-1952) mit be-einflusst, wurde er auch zum Bearbeiter älterer Musik. Eine Alt-Englische Suite Op. 30 wurde mehrfach von Wilhelm Furtwängler aufgeführt. Leider blieben viele Werke bis heute unaufgeführt und ungedruckt.
Kraft und Lebensmut gab ihm seine Gefährtin Josy Krysak (Heirat 1913). In weiser Voraussicht schuf sie in Ascona 1930 eine Bleibe, die schließlich zur Zuflucht wurde. Max Ettinger starb am 19.7.1953 in Basel; sein Grab befindet sich in Zürich. Seine Frau überlebte ihn nur wenige Tage.
Die vorliegende Cello-Klavier Sonate Op. 19/Frühjahr 1916 (im Manuskript bei seinem Nachlass in der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde in Zürich) zeugt von seiner musikalischen Vitalität und Kühnheit, indem er quasi als Motto den Tritonus voranstellt. Eindrücklich wechseln Unisonostellen mit weit gespannten Partien ab, die harmonisch und rhythmisch immer wieder Überraschungen bereithalten. Auffällig sind die Aufführungsanweisungen, die teils italienisch, teils deutsch (Abkürzungen wurden stillschweigend aufgelöst) im Manuskript stehen. Flüchtig notierte Bindebögen wurden an Parallelstellen geprüft und sehr wenige offensichtliche Schreibfehler korrigiert. Zusätze des Herausgebers wurden durch gestrichelte Bindebögen, bzw. eckige Klammern kenntlich gemacht.
Mechthild Sobiela-Caanitz