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Der paralympische Sportler Fabian Recher aus Spiez startete 2021 Jahr mit seinem Handbike an den paralympischen Spielen in Tokio, wo er auf 79 Kilometern 1200 Höhenmeter bewältige. Als einer der jüngsten Sportler fuhr er auf Rang 7 und wurde mit seinem ersten paralympischen Diplom belohnt. Tags darauf fuhr er im Team-Rennen ebenfalls auf den siebten Rang.
1999 erfuhren seine Eltern, dass ihr Sohn mit einem offenen Rücken (Spina bifida) zur Welt kommen würde. Einzige Hoffnung war eine Operation am ungeborenen Kind im Mutterleib, die damals nur in den USA durchgeführt wurde. Die psychische und physische Belastung für das Ehepaar Recher ist nur ansatzweise vorstellbar. Sie entschieden sich für den Eingriff und wissen heute, dass ihr Sohn ohne diese Operation wahrscheinlich mit einem Wasserkopf zur Welt gekommen wäre.
Fabian Recher lebt trotz des Eingriffs mit Handicap: Die Funktion der unteren Extremitäten sind eingeschränkt. Der Rollstuhl unterstützte das temperamentvolle Kind, schneller von A nach B zu kommen. Auch in Sportarten wie Badminton, Skifahren und Basketball versuchte sich der Junge. Schliesslich geriet aber das Para-Cycling immer mehr in seinen Fokus; Fabrian Recher merkte bald, dass ihn das Handbike schneller voranbrachte und er darin auch längere Strecken zusammen mit seiner Familie zurücklegen konnte.
Den Weltbesten im Fokus
Der einstige OK-Präsident des Jungfrau-Marathons, Christoph Seiler, und der Interlaken KF Walter Hintermeister erweiterten den Jungfrau-Marathon 2009 mit Wettkämpfen für handicapierte Sportler im Handbike und Rennrollstuhl. Bereits bei der zweiten Austragung stand der damals Zehnjährige am Start und faszinierte die Zuschauer, fuhr er doch gegen Sportgrößen wie Heinz Frei und Sandra Graf. Wenngleich damals noch nicht in der Spitzengruppe, so überzeugte er bereits mit seinem Willen.
Der erfolgreichste Para-Athlet aller Zeiten, Heinz Frei spornte diesen Ehrgeiz weiter an und die beiden fuhren seither gemeinsam zahlreiche Rennen. Als Juniorsportler wurde Recher vor allem von seinen Eltern finanziell unterstützt. Bald aber war ihm bewusst: «Ohne Sponsoren komme ich nicht weiter.» Durch seine wiederkehrende Teilnahme an den Jungfrau-Pararace-Wettkämpfen entwickelte sich eine Freundschaft zu dem organisierenden Ehepaar Hintermeister. Es brauchte lediglich einen Anruf, von den Hintermeisters, schon waren drei grosszügige lokale Sponsoren gefunden. Menschen, denen es wichtig ist, dass ein talentierter Sportler weiterkommt.
Erster Para-Athlet in der Spitzensport-RS
Heute ist Fabian Recher mit einem Arbeitspensum von 50 Prozent semiprofessionell unterwegs und trainiert pro Woche bis zu 18 Stunden. «Mir ist es fast langweilig, wenn ich keine Rennen fahren kann», sagt er. Seit einigen Jahren ist er Mitglied des Para-Racing-Teams, in dem er mit den Besten der Schweiz trainiert. Als erster Para-Athlet absolvierte er dieses Jahr mit einem breiten Feld an Nachwuchssportlern die Spitzensport-RS.
Trotz Pandemie organisierte der 2020 neu gegründete Vorstand «Verein Pararace» im August 2021 die Premiere der integrativen Wettkämpfe Pararace & Roll auf dem Flugplatzareal in Interlaken. Ziel des Vereins, in dessen Vorstand mit Beat Schneider, Hugo Küng und Walter Hintermeister drei KF Einsitz haben, ist es, wieder Rennen auf Mittel- bis Langdistanzen in der Schweiz anzubieten. Mit den Wettkämpfen der «Swiss Skate Tour», die gleichzeitig stattfinden, hat der Anlass auch einen integrativen Charakter. Die Kiwanis Foundation unterstützt diese Integrationswettkämpfe als Premium-Sponsor.
Sieg bei der Premiere
Fabian Recher startete an der Premiere auf der Marathon-Distanz. Mit Heinz Frei und einem breiten Nachwuchsfeld lieferte er sich ein spannendes Rennen – und überquerte die Ziellinie schliesslich als Sieger. Alle sieben Nominierten für die Paralympics waren auch am Pararace & Roll am Start, darunter die Weltbesten in ihren Kategorien wie Marcel Hug, Manuela Schär und Sandra Graf.
Das 2. Pararace & Roll findet am 27. und 28. August 2022 auf dem Flugplatz in Interlaken statt. Erstmals werden dieses mal auch Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zu einem Velorennen starten. Alle verbindet dasselbe: die Freude am Sport, sich zu messen und gemeinsam den Kampfgeist zu wecken. Ob mit Beeinträchtigung oder ohne: Sport verbindet.
Zurück zu Fabian Recher. Aus dem zehnjährigen Handbike-Fahrer ist inzwischen ein ambitionierter Spitzensportler geworden, der ins Kader der Schweizer Nationalmannschaft aufgenommen wurde. Sein nächstes grosses Ziel ist es, an den paralympischen Spielen 2024 in Paris teilzunehmen. Bis dann gilt es, tausende von Trainingskilometern zu fahren.
Palmares von Fabian Recher
|Rang||Rennen||Ort/ Land||Bezeichnung||Datum|
|3.||EM Peuerbach||Österreich||Strassenrennen||6.6.2021|
|3.||WM Estoril||Portugal||Strassenrennen||13.6.2021|
|1.||CH-Meisterschaften||Schweiz||Zeitfahren||16.6.2021|
|1.||Wangen an der Aare||Schweiz||Strassenrennen||4.7.2021|
|1.||Pararace & Roll-Event

Interlaken
|Schweiz||Strassenrennen Marathondistanz||8.8.2021|
|7.||Paralympics 2021||Japan||Strassenrennen||1.9.2021|
|7.||Paralympics 2021||Japan||Team Relay||2.9.2021|
|1.||EHC Lugano||Schweiz||Zeitfahren||25.9.2021|
|1.||EHC Lugano||Schweiz||Strassenrennen||26.9.2021|
|2.||C1 Due Giorni del Mare||Italien||Strassenrennen||9.4.2022|
|1.||Kiesen GP RSC Aaretal||Schweiz||Strassenrennen||18.4.2022|