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Der Winter startete Mitte November zunächst vielversprechend mit grossen Schneefällen. Anschliessend schmolz der Schnee während einer mehrtägigen Föhnphase jedoch unterhalb rund 2000 m wieder ab. Der Dezember war dann so trocken und schneearm wie noch nie seit Messbeginn. Bis zum Jahresende lag meist zu wenig Schnee für Touren und Variantenabfahrten. Viele Wintersportorte erlebten das zweite Mal in Serie grüne Weihnachten. Die verbreitet dünne Schneedecke war kleinräumig sehr unterschiedlich aufgebaut und häufig vom Wind geprägt. Oft waren mehrere Krusten vorhanden, teils war die Schneedecke komplett aufbauend umgewandelt und locker.
Im Januar führten im Westen und Norden, ab Februar dann auch im Osten und Süden wiederholte Schneefälle und Föhnstürme zu kritischen Lawinensituationen. Die Gefahr ging vor allem von Neu- und Triebschneeschichten sowie vom schwachen Altschnee an der Basis der Schneedecke aus (Abbildung 1). Im Norden und Westen war das schwache Fundament bald gut überdeckt und für Personen nicht mehr auslösbar. Besonders im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin, in den inneralpinen Gebieten Graubündens, im Engadin und in den Bündner Südtälern blieben die schwachen Basisschichten der Schneedecke aufgrund der dünnen Überdeckung bis in den März eine Gefahr. Dies war diesen Winter die einzige Schwachschicht, die über längere Zeit in der Schneedecke erhalten blieb.
Anfang März führten mehrere Grossschneefälle mit schwankender Schneefallgrenze in Kombination mit der schwachen Altschneedecke zu sehr hoher Lawinenaktivität. Viele grosse Lawinen und einige sehr grosse Lawinen lösten sich spontan (Abbildung 1) und es entstanden Schäden an Verkehrswegen, Wald und Gebäuden.
Der März war sehr warm und der Schnee von Anfang Monat schmolz schnell wieder dahin. Ab Mitte März war die Lawinensituation verbreitet günstig. Aufgrund der grossen Lawinenaktivität von Anfang März waren viele Hänge entladen oder sie waren schon durchfeuchtet. Dadurch gingen im Frühling nur noch relativ wenige Nassschneelawinen nieder. Mitte April kehrte der Winter nochmals zurück, mit Schneefällen bis in tiefe Lagen und einer Verschärfung der Lawinensituation in hohen Lagen. Der Schneedeckenabbau war dadurch bis Anfang Mai etwas verzögert. Danach verlor die Schneedecke mit anhaltend hohen Schneeschmelzraten sehr schnell an Masse, auch im Hochgebirge.
Das extrem späte Einschneien und das frühe Ausapern führten an einigen Stationen zu einer extrem kurzen Dauer der Schneebedeckung. Dies beispielsweise in Ulrichen (VS, 1350 m) im Obergoms, wo während nur 86 Tagen eine durchgehende Schneedecke lag, was 56% des langjährigen Mittelwertes (156 Tage) entspricht. Der vergangene Winter zählt schweizweit zu den schneeärmsten und kürzesten seit Messbeginn. Eine Ausnahme bilden die fast durchschnittlichen Schneehöhen in einigen Tälern am Fuss der Voralpen (z.B. Region Thun, Schwyz oder Linthebene), die alleine durch den schneereichen Januar in diesen Regionen zu Stande kamen.
Im Winter 2016/2017 war es im Mittel weniger lawinengefährlich als in den vorangegangenen zehn Wintern (vgl. Abschnitt „Lawinenbulletins und Gefahrenstufen“, Abbildung 34). Wie Abbildung 6 zeigt, waren die Hauptphasen der Lawinenaktivität Mitte Januar, Anfang Februar sowie - besonders stark ausgeprägt - in der ersten Märzdekade (vgl. Abschnitt „Lawinenaktivität“). Im Frühling war die Aktivität von nassen Lawinen relativ gering. Dies vor allem da sich in der ersten Märzhälfte viele Hänge schon entladen hatten und die Schneedecke nach Regen oberhalb von rund 2500 m teils durchfeuchtet war.
Die Gesamtopferzahl bis Ende Mai 2017 lag mit 7 Todesopfern - alle im freien Gelände - deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das bis zum 30. September dauert, liegt der 20-jährige Mittelwert bei 23 Lawinentoten.
Winterverlauf
Im Winter 2016/2017 waren Süd, Südwest- und Westlagen vor allem im Herbst (Oktober-November) und im Hochwinter (Dezember-Februar) etwas weniger häufig. Dies zeigt der Vergleich der Messungen an den automatischen Windstationen mit den Werten der letzten zehn Jahre in Abbildung 2 (Grafiken links und Mitte).
Der Winter 2016/2017 (November-April) war deutlich wärmer als normal, wenn auch weniger warm als der Vorwinter. Der Verlauf der Nullgradgrenze in Abbildung 3 zeigt den Vergleich zum Durchschnitt der 15 Vorjahre. Gemäss Messungen von MeteoSchweiz erlebte die Schweiz die sechstwärmste Winterperiode (November-April) seit Messbeginn 1864. Wärmer war diese Periode nur in den Jahren 2006/07, 2015/16, 2013/14, 1989/90 und 2014/15.
Im November fiel verbreitet Schnee und es bildete sich eine vielversprechende Schneedecke. Diese schmolz aber im Norden und Westen während einer lang anhaltende Föhnphase weitgehend wieder ab. Der Dezember 2016 war so schneearm wie kein anderer seit Messbeginn. Der ersehnte Schnee fiel ab Januar, doch bis Februar waren die Schneefälle oft wenig ergiebig. Wie Abbildung 4 zeigt, fielen erst Anfang März grössere Schneemengen. Der März war wiederum extrem warm. Mitte April kehrte der Winter nochmals zurück und mit wiederholten Schneefällen war es in den Schweizer Alpen bis Anfang Mai eher winterlich.
Über den ganzen Winter betrachtet waren die Schneehöhen, wie in Abbildung 5 illustriert, schweizweit überall klar unterdurchschnittlich, im Westen und im Wallis allerdings nur leicht. Der Süden war von der Schneearmut stärker betroffen als der Norden.
Die Sommerperiode von Juni bis September 2017 war die sechstwärmste seit Messbeginn 1864. Gemittelt über die ganze Schweiz lag die Temperatur 1 °C über der Norm (1981-2010) und war damit etwas weniger warm als die Sommerperiode 2016. Am meisten Niederschlag fiel im Nordosten und im Süden, am wenigsten im Wallis. Die Niederschlagsmengen waren im Norden durchschnittlich, im Süden lagen sie über der Norm. Die Sonnenstunden waren im Norden leicht unterdurchschnittlich, im Süden lagen sie leicht über der Norm 1981-2010 (Quelle: MeteoSchweiz). Im Verlauf des Sommers traten jeden Monat ein bis zwei Kälteperioden ein (Abbildung 37). Schnee fiel meist nur im Hochgebirge, mit Ausnahme des Septembers. Dieser war besonders in den östlichen Regionen in hohen Lagen deutlich schneereicher als normal.
Die Schneeschmelze, die bereits im Mai bis in hohe Lagen weit vorangeschritten war, setzte sich im heissen Juni rasch fort. Das Messfeld auf dem Weissfluhjoch auf 2540 m war bereits am 14. Juni schneefrei (das sechst-früheste Ausapern in 81 Jahren), fast einen Monat früher als das durchschnittliche Ausaperungsdatum (9. Juli). Hohe Lagen waren im Verlauf des Sommers bis Ende August nur an einzelnen Tagen von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Im vergletscherten Hochgebirge lag wiederholt eine Schneedecke oberhalb von 3000 bis 3600 m. Im September fiel immer wieder Schnee bis in mittlere Lagen. Im Hochgebirge entwickelte sich eine frühwinterliche Schnee- und Lawinensituation. Ende September lag in den Berner Hochalpen und östlich davon an steilen Nordhängen oberhalb von rund 2500 m eine dünne, oft verkrustete Schneedecke.
Erhöhte Lawinengefahr war im Sommer jeden Monat kurzfristig ein Thema und konzentrierte sich vor allem auf das Hochgebirge. Es wurden 11 Sommer-Lawinenbulletins publiziert (am 4., 5. und 28. Juni, am 24. und 26. Juli, am 9. und 31. August sowie am 1., 9., 15. und 17. September). Diese Anzahl Sommerbulletins liegt deutlich über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von fünf Lawinenbulletins. Im Sommer 2017 ereignete sich ein tödlicher Lawinenunfall. Der langjährige Durchschnitt in den Monaten Juni bis September liegt bei zwei Todesopfern.
Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2016/2017 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz sowie den automatischen IMIS-Stationen (IMIS: Interkantonales Mess- und Informationssystem). Bei der Interpretation muss beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt "Ausgewählte Beobachterstationen" (vgl. unten) ist die zeitliche Entwicklung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.
Nach einem sehr warmen Spätsommer lag zu Herbstbeginn 2016 nur an sehr steilen Nordhängen im Hochgebirge noch wenig Schnee. Die übrigen Expositionen und Höhenlagen waren bis auf die Gletscher weitgehend schneefrei. Der Oktober war dann relativ kalt und wechselhaft. Zeitweise fiel Schnee bis in mittlere Lagen. Die Schneefälle sorgten im Hochgebirge teils für frühwinterliche Verhältnisse, dies besonders am Walliser Alpenhauptkamm und im nördlichen Tessin. Ende Oktober lag an Nordhängen oberhalb von rund 2800 m an glatten Hängen und auf Gletschern eine geschlossene Schneedecke. An Südhängen lag in grosser Höhe im Hochgebirge wenig Schnee.
Der November war zunächst winterlich kalt, dann spätsommerlich mild und im Durchschnitt etwas kälter als normal. Nach zwei Wintereinbrüchen mit ergiebigen Schneefällen in der ersten Novemberhälfte im Norden und Westen lag dort verbreitet in mittleren Lagen eine geschlossene Schneedecke, auch im Jura. In der zweiten Novemberhälfte brachte eine anhaltende Südstaulage ergiebige Niederschläge am Alpensüdhang, mit bis zu 200 cm Schnee oberhalb von 2400 m im nördlichen Tessin und im Simplongebiet. Die dadurch gebildete Schneedecke war aber nur von kurzer Dauer, weil der anschliessend mehrtägige Föhn den Schnee bis weit hinauf wieder wegschmolz. Ende November lag auf 2500 m im nördlichen Wallis und am Walliser Alpenhauptkamm sowie am Alpensüdhang ohne Münstertal 50 bis 100 cm, im Simplongebiet bis 180 cm Schnee. Sonst lag verbreitet 20 bis 50 cm Schnee. Über den ganzen November gesehen waren die Schneehöhen im Westen und im Wallis durchschnittlich bis überdurchschnittlich, sonst verbreitet unterdurchschnittlich (Abbildung 7, oben).
Wie schon in den beiden Vorjahren, liess der Schnee auch diesen Dezember auf sich warten. Es war der trockenste und schweizweit der schneeärmste Dezember seit Messbeginn (1864). In den Bergen war es überdurchschnittlich sonnig und warm, während es im nebligen Mittelland kälter war als normal. Während des ganzen Monats fiel nur im Simplongebiet und im nordwestlichen Tessin mit 20 bis 50 cm nennenswerter Neuschnee. Ende Dezember lag auf 2500 m im nördlichen Wallis und am Walliser Alpenhauptkamm sowie am Alpensüdhang ohne Münstertal 50 bis 80 cm, im südlichen Simplongebiet sowie im nordwestlichen Tessin bis 200 cm Schnee. Sonst lag auf 2500 m verbreitet nur 20 bis 50 cm Schnee. Lagen unterhalb von 2000 m waren meist schneefrei (Abbildung 8) und entsprechend erlebten viele Wintersportorte in den Bergen zum zweiten Mal in Folge grüne Weihnachten. Wie in den beiden Vorjahren war die Anzahl der schneefreien Tage im Dezember 2016 in mittleren Lagen extrem hoch. Drei so schneearme Frühwinter in Folge wurden seit Messbeginn noch nie beobachtet. Über den ganzen Dezember gesehen waren die Schneehöhen im Wallis unterdurchschnittlich, sonst verbreitet stark unterdurchschnittlich (Abbildung 7, unten).
Der ersehnte Schnee fiel wie bereits im Vorjahr erst Anfang Januar und in den nachfolgenden Wochen, allerdings viel weniger Schnee als im Januar 2016. Gemäss MeteoSchweiz war es im Norden der kälteste Januar seit 30 Jahren. Dadurch fiel der Schnee bis in tiefe Lagen und am Nordrand der Alpen und im Mittelland blieb, dank der Kälte und des Nebels, wochenlang eine dünne Schneedecke liegen. In den Alpen fiel in den ersten drei Januarwochen vor allem im Norden und Westen Schnee. Mitte Januar waren die Schneefälle mit 50 bis 100 cm oberhalb von 1800 m am ergiebigsten. In der letzten Januarwoche stieg die Nullgradgrenze gegen 2000 m an. Abgesehen vom 31. Januar war es in der letzten Januarwoche weitgehend trocken und mit starkem Föhn schmolz der Schnee in den tiefen Lagen des Nordens. Im Süden hielt die extreme Trockenheit auch im Januar an. Über den ganzen Monat gesehen waren die Schneehöhen verbreitet klar unterdurchschnittlich. Am stärksten ausgeprägt zeigte sich das Januar-Defizit auf der Alpensüdseite, inklusive Engadin und Oberwallis (Abbildung 9, oben). Dagegen lagen die Schneehöhen im Mittelland, im östlichen Jura und in den Alpentälern deutlich über dem Durchschnitt. Eine solch ausgeprägte Trendumkehr zwischen „unten“ und „oben“ hat die Schweiz seit Messbeginn noch nie erlebt. Eine am ehesten vergleichbare Situation gab es letztmals im Januar 1995. Allerdings waren die Schneehöhen in den Alpen damals nur leicht unterdurchschnittlich. Ende Januar 2017 lag im Jura auf 1200 m 10 bis 30 cm, im Mittelland verbreitet 5 bis 10 cm, in Landquart (GR, 527 m) sogar 27 cm Schnee. Auf 2000 m lag im Norden und Westen 50 bis 80 cm, lokal bis 120 cm Schnee. Am Alpensüdhang, im südlichen Oberwallis, in Mittelbünden und im Engadin lag verbreitet nur 20 bis 50 cm Schnee.
Der Februar war dann bereits wieder zu warm und vor allem in den inneralpinen Gebieten zu trocken. In den ersten zwei Februarwochen fiel wiederholt Niederschlag. Kurzzeitig fiel Schnee bis in tiefe Lagen, oft regnete es aber auch bis über 2000 m. Mit bis zu 80 cm waren die Schneefälle in hohen Lagen des Südens und Westens am ergiebigsten. In der zweiten Februarhälfte fiel dann auch im Norden in hohen Lagen wenig Schnee. Über den ganzen Februar gesehen, waren die Schneehöhen weiterhin unterdurchschnittlich, im Süden stark unterdurchschnittlich. Im Vergleich zum langjährigen Mittel (Abbildung 9, unten) lagen an den meisten manuellen Messstationen gerade mal 30 bis 60% der um diese Jahreszeit üblichen Schneehöhe. An den meisten Stationen wurden aber keine absoluten Schneehöhenminima für die Jahreszeit registriert. Ende Februar lag auf 2000 m im Tessin 50 bis 80 cm, am Walliser Alpenhauptkamm und in Südbünden nur 20 bis 50 cm, im Norden und im Gotthardgebiet 80 bis 120 cm Schnee. Der Jura und das Sottoceneri waren weitgehend schneefrei, nur die höchsten Gipfellagen waren noch schneebedeckt.
Der März war der zweitwärmste seit Messbeginn. Die relativ grossen Niederschlagsmengen in der ersten Märzhälfte waren hauptverantwortlich dafür, dass der März als einziger Monat vielerorts überdurchschnittlich nass bzw. in der Höhe schneereich war. In der ersten Märzdekade fiel anhaltend und intensiv Schnee, im westlichsten Unterwallis, am nördlichen Alpenkamm und im Gotthardgebiet 150 bis 300 cm, sonst 50 bis 150 cm. Die Schneefallgrenze lag zunächst in mittleren Lagen, vom 8. bis 10. März stieg sie im Westen bis auf 2800 m, im Osten bis auf 2200 m. Die Niederschläge führten zu einer ausgeprägten Lawinenaktivität. Es gingen viele grosse und einzelne sehr grosse trockene und nasse Lawinen ab, die teils Sachschäden verursachten (Abbildungen 1 und 6). In der zweiten Märzhälfte fiel am Alpennordhang 20 bis 60 cm, anschliessend im Süden 60 bis 100 cm, im westlichen Tessin über 150 cm Schnee oberhalb von 2200 bis 2500 m. Durch die Wärme und die erneut hohe Schneefallgrenze war die Schneedecke Ende März an Nordhängen unterhalb von rund 2400 m, an Südhängen unterhalb von rund 2800 m durchfeuchtet und der Schnee schmolz schnell dahin, so dass einige wenige Stationen (z. B. Flumserberg, SG oder Oberwald, VS) das früheste Ausaperungsdatum seit Messbeginn erlebten. Die Schneehöhen waren über den ganzen März gesehen in mittleren Lagen stark unterdurchschnittlich. In hohen Lagen waren sie nur im südlichen Wallis durchschnittlich, sonst verbreitet leicht, im Süden stark unterdurchschnittlich (Abbildung 10, oben). Ende März lag auf 2000 m nördlich einer Linie Rhone-Rhein, im Goms und im nordwestlichen Tessin 80 bis 120 cm, lokal bis 200 cm Schnee. In den übrigen Gebieten lagen 50 bis 80 cm Schnee, im Süden weniger.
Im April waren die Temperaturen durchschnittlich und in den Alpen war es grösstenteils zu trocken. Die erste Monatshälfte war wechselhaft und Anfang April fiel im südlichen Oberwallis und im Tessin oberhalb von 1800 m bis zu 50 cm Schnee. Im weiteren Verlauf war es bis zur Monatsmitte frühlingshaft und mild. Der St. Moritzersee (GR, 1770 m) war am 11. April eisfrei, was in der 185-jährigen Beobachtungsreihe den frühesten Termin darstellt. Im Durchschnitt taut der See erst im Mai auf. Ab Mitte April kühlte es nochmals markant ab und der Winter kehrte spät zurück. In der dritten Aprilwoche fielen im Norden vom östlichen Berner Oberland bis nach Nordbünden 50 bis 100 cm, lokal bis 200 cm Schnee in hohen Lagen. Die Schneefallgrenze sank bis in tiefe Lagen. In der vierten Aprilwoche fiel dann verbreitet Schnee, im Süden mit 100 bis 140 cm am ergiebigsten. Die Schneefallgrenze sank im Norden bis in tiefe, im Süden bis in mittlere Lagen. So sah es Ende April vielerorts so winterlich aus, wie selten diesen Winter. Die Schneefälle von Ende April bis ins Flachland waren ungewöhnlich aber nicht einmalig. Anders die 2-Tages Neuschneesummen am zentralen Alpennordhang: Stationen wie z.B. Engelberg (OW, 1060 m) und Oberiberg (SZ, 1080 m) wurden lange nach dem Ausapern nochmals mit 71 cm, respektive 61 cm Neuschnee eingedeckt, was an beiden Stationen so spät im April noch nie vorgekommen ist. Trotz dieser Wintereinbrüche waren die Schneehöhen über den ganzen April gesehen in den mittleren Lagen weiterhin unterdurchschnittlich, im Süden stark unterdurchschnittlich (Abbildung 10, unten). Ende April lag oberhalb von 2000 m am zentralen und östlichen Alpennordhang und im nordwestlichen Tessin 150 bis 300 cm Schnee. In den übrigen Gebieten des Nordens und im mittleren Tessin lagen rund 100 cm, in den übrigen Gebieten des Südens verbreitet 50 cm Schnee oder weniger. In der Höhe kamen die Schneehöhen dem langjährigen Durchschnitt für Ende April etwas näher (Abbildung 13).
Der Mai war mit winterlichem Anfang und sommerlichem Ende insgesamt wärmer als normal und relativ trocken. In der ersten Maihälfte schneite es in hohen Lagen wiederholt. Zunächst fielen im Süden bis zu 50 cm oberhalb von 2000 m, dann im Norden und Westen 50 bis 80 cm oberhalb von 2400 m und anschliessend im Süden nochmal bis zu 50 cm Schnee oberhalb von 2500 m. Mitte Mai begann die Schneedecke im Hochgebirge sowie an Nordhängen oberhalb von rund 2500 m zu durchfeuchten. Sie verlor mit viel Sonneneinstrahlung, hohen Temperaturen und zeitweise Regen bis auf 2800 m in der zweiten Maihälfte schnell an Masse, wie am Beispiel der Messstation Weissfluhjoch (Davos, GR, 2540 m) in Abbildung 13 gut zu sehen ist. Schnee fiel in der zweiten Maihälfte nur noch im Hochgebirge. Ende Mai waren Südhänge verbreitet bis auf rund 3000 m ausgeapert. Im Hochgebirge und in steilen, nordexponierten Rinnen und Mulden oberhalb von 2200 bis 2500 m lag noch eine geschlossene Schneedecke. Im flachen Gelände lag auf 2500 m am nördlichen Alpenkamm, im Unterwallis, am Oberwalliser Alpenhauptkamm, in Nordbünden und im Gotthardgebiet verbreitet rund 100 cm, lokal bis 200 cm, sonst 30 bis 80 cm Schnee. Ende Mai war die Schneedecke nur an Nordhängen im Hochgebirge noch teilweise trocken.
Über den ganzen Winter betrachtet waren die Schneehöhen (Abbildung 5) schweizweit überall klar unterdurchschnittlich. Der Süden war aber stärker betroffen als der Norden. Einige süd-beeinflusste Stationen wie z. B. Zermatt (VS, 1600 m) oder Splügen (GR, 1460 m) zeigten im Winter 2016/2017 (November bis April) rekord-tiefe mittlere Schneehöhen von nur 5 cm, respektive 10 cm. Normalerweise kann an diesen Stationen mit 42 cm, respektive 41 cm mittlere Schneehöhe gerechnet werden. Das extrem späte Einschneien und das frühe Ausapern haben dazu geführt, dass die Dauer der permanenten Schneebedeckung an einigen Stationen so kurz wie noch nie ausfiel. Als Beispiel sei hier Ulrichen (VS, 1350 m) im Obergoms genannt, wo im Winter 2016/2017 nur während 86 Tagen eine durchgehende Schneedecke lag, was 56% des langjährigen Mittelwertes (156 Tage) entspricht. Der vergangene Winter zählt damit zu den schneeärmsten und kürzesten seit Messbeginn. Wie gross die Schneearmut im Winter 2016/2017 war, wird auch in Abbildung 11 deutlich, die das Schneewasseräquivalent (SWE) im Vergleich zu den letzten 18 Jahre zeigt. Der Winter 2016/2017 liegt gesamtschweizerisch deutlich unter dem Mittelwert der letzten 18 Jahre (graue Kurve) und wies in mehreren Phasen neue Minimum-Rekorde beim Schneewasseräquivalent auf. Betrachtet man die gesamte Länge der Messreihen (teils über 50 Jahre) wurden aber keine neuen Minima erreicht, ausser in Zermatt.
In den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jeden Tag dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2017 (n) ist in der Grafik vermerkt. Die Beobachter messen in der Regel vom 1. November bis mindestens 30. April. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2016/2017 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Hasliberg, 1825 m (Abbildung 12) verfolgt werden.
Der Winter begann am 6. November vielversprechend, aber am 26. November war das Messfeld wieder ausgeapert. Erstmals seit Messbeginn war die Station im Zeitraum vom 17. Dezember bis zum 2. Januar schneefrei. Erst ab dem 3. Januar lag eine geschlossene Schneedecke, so spät wie noch nie seit Messbeginn. Die Neuschneewerte von 45 cm je am 14. und am 15. Januar waren die grössten Schneefälle des Winters an dieser Station. In der Folge nahm die Schneehöhe im Januar mit den hohen Temperaturen wieder deutlich ab. Bis Anfang März stieg sie nochmals an und danach nahm sie kontinuierlich ab. Ab 13. April wurden neue Tagesminima erreicht und am 15. April aperte die Station rekord-früh aus. Von Ende April bis Anfang Mai fiel noch etwas Schnee. Die Schneehöhen lagen ausser Mitte November sowie an wenigen Tagen Mitte Januar und Anfang März deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Bedeutende Neuschneewerte waren neben den Schneefällen im Januar am 7. März mit 43 cm (Tabelle 1) sowie vor dem Beginn der permanenten Schneebedeckung am 11. November mit 36 cm und danach am 28. April mit 30 cm. Alle anderen Schneefälle waren geringer als 30 cm. Teils mussten die Messungen interpoliert werden, da an dem Tag niemand vor Ort war, um zu messen (Abbildung 12). Die Anzahl Tage mit Neuschnee lag bei 36% von insgesamt 102 Tagen mit einer permanenten Schneebedeckung. Die maximale Schneehöhe wurde am 8. März mit 144 cm gemessen.
Der maximale Wasserwert lag mit 357 mm massiv unter dem Durchschnitt von 738 mm (47-jährige Wasserwert-Messreihe).
Die Schneehöhenentwicklung im Unterwallis kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Fionnay, 1500 m (Abbildung 13) verfolgt werden.
Auch im Westen der Schweizer Alpen, wie an dieser Station, aperten die November-Schneefälle vor Ende Monat wieder aus. Der ganze Dezember war so gut wie schneefrei. Das Einschneien am 3. Januar war ausserordentlich spät, einen knappen halben Monat später als je zuvor (1989) beobachtet. Die Schneefälle im Januar und Februar waren wenig ergiebig, so dass die Schneehöhen im Januar und Februar im Westen der Schweizer Alpen unter dem Durchschnitt blieben. Die Schneefälle von Anfang März brachten die Schneehöhen nur für wenige Tage auf normale Werte. Danach schmolz die Schneedecke aufgrund der grossen Märzwärme sehr rasch und aperte am 11. April aus, zwei Tage später als das früheste Ausaperungsdatum (2011) an dieser Station. Ende April und Anfang Mai erhielt sie nochmals etwas Schnee. Auch an dieser Station waren kaum grössere Neuschneewerte zu verzeichnen. An 32% der insgesamt 98 Tage mit permanenter Schneebedeckung wurde Neuschnee gemessen, wobei an drei Tagen die Neuschneehöhe über 30 cm lag (Tabelle 2). Alle anderen Schneefälle lagen unter 21 cm. Am 7. März wurde mit 38 cm der grösste Tages-Neuschneewert gemessen, am 14. Januar waren es 32 cm und am 6. Februar 35 cm. Das Schneehöhenmaximum wurde am 7. März mit 117 cm erreicht.
Der maximale Wasserwert lag mit 256 mm unter dem Durchschnitt von 375 mm (44-jährige Wasserwert-Messreihe).
Die Schneehöhenentwicklung in den hohen Lagen von Nord- und Mittelbünden sowie im Unterengadin kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Abbildung 14) verfolgt werden.
Wie verbreitet in den Schweizer Alpen, waren die Schneehöhen auch auf dem Weissfluhjoch meist unterdurchschnittlich, und dies besonders im Frühwinter. In der zweiten Dezemberhälfte lag die Schneehöhe im Bereich der Schneehöhenminima und am 3. und 4. Januar wurden neue Minima erreicht. Auch in Nord- und Mittelbünden erlebten einige langjährige Messstationen in mittleren Lagen zum zweiten Mal in Folge grüne oder nur schwach weisse Weihnachten (St. Antönien, 1510 m; Arosa, 1953 m). Das hochgelegene Messfeld auf dem Weissfluhjoch (2540 m) wurde am 6. November eingeschneit (durchschnittliches Einschneidatum ist der 19. Oktober, Normperiode 1981-2010). Das Schneehöhenmaximum wurde am 10. März mit 205 cm erreicht, allerdings übertraf die Schneehöhe auch dann nur knapp den langjährigen Mittelwert. Im Anschluss nahmen die Schneehöhen stark ab, so dass am 14. und 15. April neue Schneehöhen Minima für diese Jahreszeit erreicht wurde. Von Mitte April bis Anfang Mai blieben die Schneehöhen durch wiederholte Schneefälle in hohen Lagen stabil. Ab der zweiten Maiwoche setzte die Schneeschmelze ein, die ununterbrochen und schnell (durchschnittlich 5 bis 6 cm Schnee pro Tag) vor sich ging. Ende Mai lag auf dem Messfeld am Weissfluhjoch noch 92 cm Schnee. Am 14. Juni aperte das Messfeld aus, was drei Wochen vor dem durchschnittlichen Ausaperungsdatum am 5. Juli (Normperiode 1981-2010) ist. Die Anzahl Tage mit Neuschnee lag bei 39% von insgesamt 220 Tagen mit einer permanenten Schneebedeckung. Die grösste Neuschneemenge wurde am 1. Februar gemessen und betrug 47 cm. Die häufigsten Neuschneewerte (29% der Tage) betrugen 10 cm oder weniger, 7% lagen zwischen 11 und 20 cm und 2% zwischen 21 bis 30 cm. An drei weiteren Tagen (2%) lagen die Neuschneehöhen zwischen 31 und 50 cm (Tabelle 3): am 7. November mit 31 cm, am 14. Januar mit 36 cm und am 9. März mit 33 cm.
Der maximale Wasserwert lag mit 646 mm unter dem Durchschnitt von 845 mm (81-jährige Wasserwert-Messreihe).
Die Schneehöhenentwicklung am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Oberengadin sowie in den Gebieten südlich davon kann anhand der langjährigen Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (Abbildung 15) verfolgt werden.
Über den ganzen Winter gesehen war der Süden sogar noch schneeärmer als der Norden. An einigen Stationen wurden, wie auch in San Bernardino, ein- oder sogar mehrmals neue Schneehöhenminima erreicht und die Dauer der permanenten Schneedecke war so kurz wie noch nie. Das Messfeld der Vergleichsstation San Bernardino auf 1640 m wurde erst am 13. Januar eingeschneit, was nur in den Jahren 1989 und 2002 noch später erfolgte. Bis Anfang Februar 2017 lag jedoch nur sehr wenig Schnee, am 2. Februar waren es gerade 7 cm. Anfang Februar fiel dann erstmals ergiebig Schnee, bevor die Schneehöhen wieder abnahmen. Am 1. März fielen 34 cm, am 5. März 33 cm und am 6. März 32 cm Schnee, was mit Abstand die grössten Schneefälle des Winters waren. Ab dem 5. März lagen die Schneehöhen kurzzeitig über dem Durchschnitt, ansonsten meist stark darunter. Die Ausaperung ging im März rasch vonstatten und das Messfeld war am 1. April schneefrei, 23 Tage vor dem durchschnittlichen Ausaperungsdatum am 24. April. Das früheste Ausapern war auf diesem Messfeld am 22. März, und zwar 1993 und 2005. Ende April und Anfang Mai erhielt die Station noch etwas Schnee. Das Schneehöhenmaximum des Winters 2015/16 wurde am 7. März mit 144 cm erreicht.
Es wurde nur an 27% von 78 Tagen mit permanenter Schneebedeckung Neuschnee gemessen. Abgesehen von den drei Tagen im März lagen nur fünf weitere Neuschneewerte über 10 cm, alle anderen waren kleiner als 10 cm (Tabelle 4).
Der maximale Wasserwert lag mit 200 mm unter dem Durchschnitt von 322 mm (45-jährige Wasserwert-Messreihe).
Der Herbstschnee blieb bis Ende November nur an Nordhängen in der Höhe erhalten. Während des extrem schneearmen Dezembers und des sehr kalten Januars wurde die dünne Schneedecke stark aufbauend umgewandelt und bildete ein ungünstiges Schneedeckenfundament für weitere Schneefälle (Abbildung 16). Im Januar fiel dann erstmals genügend Schnee, so dass Touren und Variantenabfahrten verbreitet möglich waren. Da es relativ schneearm blieb, war die Schneedecke bis März für Schneesportler gebietsweise anhaltend störanfällig. Im Süden lag bis im Februar extrem wenig Schnee. Erst Anfang März fielen verbreitet ergiebige Schneemengen. Neu- und Triebschnee in Kombination mit dem schwachen Altschnee führten während dieser Phase verbreitet zu einer sehr hohen Lawinenaktivität. Die Lawinen rissen häufig den Altschnee mit und erreichten teils grosse Ausmasse. Mit Regen im Westen bis auf 2800 m und im Osten bis auf 2200 m wurde die Schneedecke in allen Expositionen bis in hohe Lagen angefeuchtet. Dadurch lösten sich auch viele nasse Lawinen. Nach dieser grössten Lawinenperiode des Winters stabilisierte sich die Schneedecke im März rasch und die Schneeschmelze setzte bis in Höhenlagen von rund 2500 m ein. In mittleren Lagen aperte die dünne Schneedecke an vielen Stationen bereits im März aus. In der zweiten Aprilhälfte und Anfang Mai kehrte der Winter mit Kälte und kräftigen Schneefällen bis in tiefe Lagen nochmals zurück. Die Schneedecke war in dieser Phase besonders in oberflächennahen Schneeschichten zeitweise störanfällig. Im Mai und Juni schmolz die Schneedecke in den höheren Lagen ausserordentlich schnell.
Im kühlen Herbst bildete sich vor allem auf Gletschern im Hochgebirge und an Nordhängen oberhalb von 2800 m eine dünne Schneedecke. Sie war an der Oberfläche oft kantig aufgebaut und locker. Mit den Schneefällen in der ersten Novemberhälfte wurde diese schwache Schicht eingeschneit. Touren waren nur am Alpenhauptkamm in hohen Lagen möglich und dort war die Schneedecke verbreitet störanfällig. Im Norden schmolz der Schnee im November während einer mehrtägigen Föhnphase bis weit hinauf wieder ab. Der Dezember war extrem trocken und die ganze Schneedecke wandelte sich in hohen Lagen zunehmend in kantige Formen um (Abbildung 17). Dort wo Altschnee verfrachtet wurde, waren die lokalen Triebschneeansammlungen durch Schneesportler leicht auslösbar. Aufgrund der grossen Trockenheit fehlte aber meist das überlagernde Schneebrett und es war bis über Neujahr wenig lawinengefährlich. Unterhalb von 2000 m lag zu Jahresbeginn kaum Schnee (Abbildung 18).
Anfang Januar fiel erstmals genügend Schnee, dass Touren und Variantenabfahrten auch nördlich des Alpenhauptkammes möglich waren. Mit Neuschnee und starkem Wind bildeten sich auf der schwachen Altschneedecke oft nicht allzu dicke „Schneebretter“, die durch Personen leicht ausgelöst werden konnten (Abbildung 19), was wiederholt zu kritischen Lawinensituationen für Schneesportler führte.
Die Schneedecke war im Januar in allen Gebieten schwach und störanfällig, auch im Jura. Im Februar traf dies dann vor allem noch für die inneralpinen Gebiete des Wallis, verbreitet für Graubünden sowie gebietsweise am Alpenhauptkamm zu. Die Schwachschichten lagen in der Schneedecke am Übergang der Neu- und Triebschneeschichten zum Altschnee oder innerhalb des aufbauend umgewandelten Altschnees (Abbildungen 20). Ab Mitte Februar war die Schneedeckenstabilität, ausgenommen in Graubünden, etwas günstiger. Das schwache Schneedeckenfundament blieb aber bis in den Frühling für die Lawinenbildung relevant. Im Süden war es extrem schneearm (Abbildung 21).
Massiver Schneefall und anschliessend Regen bis weit hinauf in Kombination mit einem schwachen Schneedeckenfundament verursachten in der ersten Märzdekade eine Phase mit sehr hoher Lawinenaktivität. Die grossen Neuschneemengen und anschliessender Regen belasteten die schwachen Schneeschichten und zudem führte die Anfeuchtung bis in hohe Lagen zu einer Abnahme der Stabilität in der Schneedecke (Abbildung 16). Lawinen rissen oft die ganze Schneedecke mit und wurden teils sehr gross (Abbildung 1, vgl. Abschnitt „Lawinenaktivität“).
Der Regen von Anfang März hinterliess mit Abflussrillen in der Schneedecke deutliche Spuren an der Schneeoberfläche (Abbildung 22). Nach der Phase mit hoher Lawinenaktivität in der ersten Märzdekade stabilisierte sich die Schneedecke rasch.
Dies besonders in den Gebieten nördlich einer Linie Rhône-Rhein, wo viele Nordhänge bis auf rund 2400 m und Südhänge bis auf 2800 m entladen waren. Im Verlauf des Frühlings gingen nur noch wenige nasse Lawinen nieder. In den Gebieten südlich Rhône-Rhein war die Überlagerung des Altschnees nicht ganz so gross. Der Schneedeckenaufbau war oberhalb von rund 2400 m nach wie vor schwach (Abbildung 23) und teilweise konnten auch noch Brüche im Altschnee erzeugt werden. In der zweiten Märzhälfte regnete es dann im Süden ergiebig und bis in hohe Lagen. Auch hier rissen nasse Lawinen die gesamte Schneedecke mit.
Von Mitte April bis Anfang Mai war es mit wiederholten Schneefällen besonders in hohen Lagen und im Hochgebirge noch einmal winterlich. Teils wurde eine dünne, kantig aufgebaute Schicht eingeschneit und die Schneedecke war an diesem Übergang vom Neu- und Triebschnee zur Altschneeoberfläche sehr störanfällig. Brüche im schwachen Altschnee wurden nur noch vereinzelt aus der Region Davos-Unterengadin (GR) in Hängen oberhalb von rund 2800 m bekannt. Mitte Mai waren auch diese hochgelegene Nordhänge ganz durchfeuchtet und der Schneedeckenabbau setzte sich rasch bis ins Hochgebirge fort. Mit der ersten Durchfeuchtung wurden die hochgelegenen Nordhänge aber zunächst geschwächt und vereinzelt lösten sich im Tagesverlauf nasse Lawinen spontan. Die Schneebrettlawinen rissen teils bis in den Altschnee durch.
Für eine Übersicht der potentiellen Schwachschichten in der Schneedecke wurde deren Anteil aus simulierten Schneeprofilen an den automatischen Messstationen (Flachfelder) mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK jeweils morgens berechnet und in Abbildung 24 dargestellt. Die Schweizer Alpen wurden dafür von Norden nach Süden in drei Grossregionen unterteilt: nördliche Gebiete, inneralpine Gebiete, südliche Gebiete.
Oberflächennahe Schwachschichten waren in allen Regionen der Schweizer Alpen in den langen trockenen Phasen von Dezember bis Februar wiederholt vorhanden (Abbildung 24, obere Grafik) und wurden eingeschneit (Abbildung 24, untere Grafik). Zu Winterbeginn war dies die aufgebaute Altschneedecke, die im Januar verbreitet eingeschneit wurde. Im Verlauf des Winters handelte es sich meist um kantig aufgebaute Schneeoberflächen. Seltener wurde diesen Winter Oberflächenreif eingeschneit. Die drei Grossregionen unterscheiden sich bei der Entwicklung der oberflächennahen Schwachschichten wenig (Abbildung 24, obere Grafik), nur im Frühwinter waren die oberflächennahen Schwachschichten im Norden weniger ausgeprägt als in den übrigen Gebieten.
Der Anteil von potentiellen Schwachschichten im obersten Meter der Schneedecke (grobkörnige und weiche Schichten ohne die Schneeoberfläche) ist in Abbildung 24 (untere Grafik) zusammengefasst. Die drei Grossregionen der Schweizer Alpen unterscheiden sich hier deutlich. In der zweiten Dezemberhälfte waren potentielle Schwachschichten in den inneralpinen Gebieten und im Süden vorhanden, im Norden lag kaum Schnee. Im Januar und Februar war ihr Anteil in den inneralpinen Regionen und ab Februar auch in den südlichen Gebieten deutlich grösser als in den nördlichen Gebieten. Im März nahm ihr Anteil aufgrund der Durchfeuchtung in allen Gebieten massiv ab, in den inneralpinen Gebieten jedoch am langsamsten.
Der Grad der Durchfeuchtung wurde aus dem simulierten Wassergehalt der Schneedecke mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK ermittelt (jeweils nachmittags). Die Darstellung des Wassergehaltes (Abbildung 25) wird in vier Klassen unterteilt: trocken, teilweise feucht, durchfeuchtet oder kein Schnee. Die Schneedecke gilt dabei als durchfeuchtet, wenn so viel Wasser in der simulierten Schneedecke vorhanden ist, dass im Mittel ein volumetrischer Wassergehalt von 3% erreicht oder überschritten ist (jeweils nachmittags).
Abbildung 25 zeigt den Wassergehalt der Schneedecke an Flachfeldern im zeitlichen Verlauf von Dezember 2016 bis April 2017 (Nord- und Südhänge sind nicht dargestellt). Im Frühwinter lag wenig Schnee, im Januar war die Schneedecke aufgrund der grossen Kälte in allen Höhenlagen trocken. Im Februar war die Schneedecke vor allem in mittleren Lagen und an Sonnenhängen oberflächlich angefeuchtet. Anfang März nahm der Wassergehalt mit Regen bis in hohe Lagen markant zu. Bereits Mitte März war die Schneedecke an der Hälfte der IMIS-Stationen teilweise feucht oder durchfeuchtet, und Ende März lag dieser Anteil bei über 80%.
Der Lawinenaktivitätsindex (Abbildung 26) zeigt die Hauptphasen der Lawinenaktivität im Winter 2016/2017, nämlich Mitte Januar, Anfang Februar und besonders ausgeprägt während der Schneefallperiode Anfang März. Danach blieb eine weitere ausgeprägte Nassschneelawinenperiode aus. Feuchte und nasse Lawinen wurden zeitweise auch im Hochwinter durch Regen bis in hohe Lagen ausgelöst. Der Lawinenaktivitätsindex erreichte im Winter 2016/2017 die höchsten Werte (absteigende Reihenfolge) am 9./10. März (Abb. 26, Nr. 6, Maximum der Lawinenaktivität am 9. März), vom 6. bis 8. März (Nr. 5), am 14./15. Januar (Nr. 1), am 1. Februar (Nr. 2), am 1./2. März (Nr. 4) und am 6. Februar (Nr. 3). Die Tage mit den meisten Lawinenunfällen waren am 12./13. Februar, am 3. März (Nr. 4) vom 7. bis zum 11. März (Nr. 5 und 6) und am 21./ 22. April 2017. Während der Phase mit der grössten Lawinenaktivität Anfang März (Nr. 5 und 6) entstanden einige Sachschäden an Gebäuden, Wald und Verkehrswegen.
Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Von der Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B. durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt, was in Abbildung 26 deutlich zu sehen ist. Bemerkenswerte Lawinenperioden des Winters 2016/2017 sind mit Nummern markiert (Abbildung 26) und werden im Folgenden beschrieben.
Der Oktober war relativ kalt und oberhalb von 2800 m bildete sich nach eher geringen, aber wiederholten Schneefällen allmählich eine dünne Schneedecke, dies besonders auf den Gletschern des Walliser Alpenhauptkammes und des nördlichen Tessins. Mitte Oktober konnten im südlichen Oberwallis bei Sicherungssprengungen bereits Lawinen ausgelöst werden und es gingen auch einzelne spontane Lawinen nieder. Auch die ersten Lawinen, die in dieser Saison von Personen ausgelöst wurden, ereigneten sich in diesem Gebiet. Die Lawinen waren meist klein. Da ausser im Hochgebirge kaum eine Altschneedecke lag, war die Lawinenaktivität insgesamt klein. An Schattenhängen und auf Gletschern lag Ende Oktober lockerer Schnee, der sich bereits aufbauend umwandelte. Sonnenhänge waren aper oder der Schnee war verkrustet.
Auch der November war kälter als normal. Die ergiebigen Schneefälle, zunächst im Norden und Westen mit tiefer Schneefallgrenze, später im Süden mit hoher Schneefallgrenze, führten zeitweise zu erhöhter Aktivität von trockenen und nassen Lawinen. Vor allem am Oberwalliser und zentralen Alpenhautkamm lag oberhalb von 2800 m bereits eine dünne, geschlossene Schneedecke. Die lockere Altschneeoberfläche an Schattenhängen wurde eingeschneit und war die markanteste Schwachschicht für Lawinenauslösungen im November. Im südlichen Oberwallis und im Gotthardgebiet konnten nach den Schneefällen in der zweiten Novemberhälfte bei Sicherungssprengungen bereits grossflächige Lawinen ausgelöst werden. Vor allem im nördlichen Tessin lösten sich durch Regen bis in hohe Lagen am 23. November vermehrt nasse Lawinen, die in den aperen Lawinenzügen aber nicht weit vorstossen konnten. In der Region Saas-Fee und im Simplongebiet ereigneten sich zwei Lawinenunfälle. Die Lawinen brachen am Übergang zur lockeren Altschneeoberfläche an. Dabei wurde am Homattugletscher (Simplon, VS) eine Tourengruppe am 27. November von einer grossen Lawine erfasst, die am Breithorngrat anbrach und einen Kilometer lang wurde. Wie sie ausgelöst wurde, ob durch Personen oder durch einen Wächtenbruch, ist nicht bekannt. Klar ist aber, dass sich in diesen hochgelegenen Gebieten Brüche im schwachen Altschnee weit ausbreiten konnten. Im Norden aperte die Schneedecke mit einer anhaltenden Föhnphase und den hohen Temperaturen von Ende November bis in hohe Lagen weitgehend aus.
Der Dezember war etwas wärmer als normal und extrem schneearm. Die gesamte Schneedecke wurde in der Höhe an Schattenhängen stark aufbauend umgewandelt (Abbildung 17). Meist fehlte aber im Dezember die Überlagerung, also das Schneebrett, da so gut wie kein Schnee fiel. Vereinzelt wurden kleine Lawinen durch Personen ausgelöst, wo lockerer Altschnee verfrachtet wurde und der Triebschnee auf dem schwachen Altschnee lag. Ende Dezember ereigneten sich zwei Lawinenunfälle in der Nähe der Mäderhütte (Simplon, VS) und am Piz da las Coluonnas (Surses, GR). Insgesamt wurden im Dezember und besonders auch während der Weihnachtsferien nur wenige Lawinen durch Personen ausgelöst (Abbildung 26), da die Skitouren- und Variantenaktivität aufgrund von Schneemangel allgemein gering war.
In der ersten Januarhälfte fiel im Norden erstmals genügend Schnee für Touren und Variantenabfahrten nördlich des Alpenhauptkammes. Die Neu- und Triebschneeschichten waren dort an Schattenhängen oberhalb von rund 2200 m störanfällig und Personen konnten leicht Lawinen auslösen, die meist am Übergang zum Altschnee anbrachen. Am 6. Januar ereignete sich der erste tödliche Lawinenunfall des Winters an einem Nordwesthang des Tita Sèri (Leytron, VS) auf 2500 m. Am 7. Januar verunglückte eine weitere Person tödlich am Gemsstock (Andermatt, UR) an einem Nordwesthang auf 2450 m.
(1) 14./15.01.2017: Vom 12. bis zum 15. Januar fiel im Norden und Westen ergiebig Schnee mit tiefer Schneefallgrenze. Die Schneedecke war sehr störanfällig. Neu- und Triebschnee lagen in der Höhe auf dem lockeren, aufbauend umgewandelten Altschnee, der teils von Schmelzharschkrusten überlagert oder durchzogen war. In dieser Phase lösten sich verbreitet spontane Lawinen oder sie wurden durch Personen ausgelöst. Am nördlichen Alpenkamm lösten sich auch grossflächige Lawinen. Gefahrenzeichen wie Risse, Wummgeräusche und Fernauslösungen von Lawinen wurden häufig beobachtet (Abbildung 27).
In der zweiten Januarhälfte schneite es kaum, aber der Schnee war aufgrund der Kälte locker und verfrachtbar. Die Hauptgefahr bildeten neben dem schwachen Altschnee auch frische Triebschneeansammlungen. Vom 20. bis 22. wurden vermehrt Lawinen durch Personen ausgelöst, die meist glimpflich verliefen. Ein tödlicher Lawinenunfall ereignete sich am 21. Januar am Forstberg (Oberiberg, SZ) an einem Nordhang auf 2100 m. Die kleinen bis mittelgrossen Lawinen brachen häufig im schattseitigen, felsdurchsetzten Gelände oder an Felswandfüssen an. Vor allem in den inneralpinen Gebieten Graubündens und im südlichen Wallis wurden einige Lawinen auch aus der Ferne ausgelöst. Nach den Januarschneefällen war der schwache Altschnee in den Gebieten nördlich einer Linie Rhône-Rhein etwas mächtiger überdeckt als südlich davon, wo das Altschneeproblem besonders ausgeprägt war.
(2) 01.02.2017: Vom 31. Januar bis zum 1. Februar fiel im Norden und Osten bis zu 50 cm Schnee, wobei die Schneefallgrenze bis auf rund 2000 m anstieg. In mittleren Lagen schwächte der Regen die Schneedecke und es lösten sich viele nasse Rutsche und meist kleine Nassschneelawinen spontan (Abbildung 28).
In der anschliessenden Südstaulage, mit Neuschnee im Süden und stürmischem Wind in der Höhe, blieb die Situation angespannt. Der Neuschnee aber auch der Altschnee wurden intensiv verfrachtet. Die Schneedecke war verbreitet störanfällig und es ereigneten sich mehrere Unfälle mit Schneesportlern. Am 4. Februar verunglückte eine Person tödlich am Stockhorn (Binn, VS) an einem Südhang auf 2300 m und am 5. Februar verunglückte eine Person tödlich am Hohture (Ried-Brig, VS) an einem Nordhang auf rund 2000 m.
(3) 06.02.2017: Vom 5. bis zum 7. Januar fiel verbreitet Schnee, mit 80 cm besonders ergiebig im Westen. Die Situation blieb im Süden kritisch und verschärfte sich vor allem im Westen und in den inneralpinen Gebieten. Vor allem im westlichsten Unterwallis lösten sich durch die Zusatzlast von Neu- und Triebschnee viele, teils grosse spontane Lawinen im Altschnee. Lawinenauslösungen durch Schneesportler wurden besonders vom Alpenhauptkamm und aus den inneralpinen Gebieten gemeldet. Glücklicherweise verliefen sie ohne Todesfolge. Risse, Wummgeräusche und fernausgelöste Lawinen, zum Teil über mehrere 100 m, waren weiterhin deutliche Gefahrenzeichen in diesen Regionen.
Bis Mitte Februar nahm ausser in Graubünden die Auslösebereitschaft von Lawinen im Altschnee deutlich ab und frischer Triebschnee bildete verbreitet die Hauptgefahr. Am 22. Februar ereignete sich am Balmhorn (Leukerbad, VS) ein tödlicher Lawinenunfall an einem Südhang auf rund 3600 m.
Die einzige grössere Schneefallperiode des Winters, mit drei Grossschneefällen in Folge und anschliessend Regen bis in hohe Lagen, führte Anfang März zu einer sehr hoher Lawinenaktivität (Abbildung 26) mit vielen grossen und einzelnen sehr grossen Lawinen, die teils Schäden an Verkehrswegen, Wald und Gebäuden verursachten.
(4) 01./02.03.2017: Vom 28. Februar bis 2. März fiel verbreitet Schnee bis in mittlere Lagen, mit 50 bis 100 cm am meisten im Westen und in Südbünden. Die Schneefälle waren von stürmischem Westwind begleitet. Neu- und Triebschnee bildeten die Hauptgefahr, inneralpin wurde das Altschneeproblem wieder prominenter. Vor allem im Wallis und im Süden Graubündens lösten sich spontane Lawinen. Die Lawinen erreichten oft mittlere Grösse und rissen meist bis in den schwachen Altschnee.
Am 2. März verunglückte eine Person tödlich am Piz Sezner (Obersaxen, GR) an einem Nordhang auf rund 2300 m.
(5) 03. bis 08.03.2017: Vom 3. bis zum 5. März fiel zunächst im Süden mit 40 bis 80 cm ergiebig Schnee. Neu- und Triebschnee waren durch Personen leicht auslösbar. Nach einer kurzen Pause setzte im Norden und Westen erneut Schneefall ein, zeitweise bis in tiefe Lagen. Verbreitet fielen 50 bis 100 cm, am nördlichen Alpenkamm, im westlichsten Unterwallis und im nördlichen Tessin bis zu 150 cm Schnee. Stürmischer Wind verfrachtete den Neuschnee intensiv. Am 7. März lösten sich vermehrt spontane, auch grosse Lawinen. Bei guter Sicht wurden am 8. März viele erfolgreiche Sicherungssprengungen durchgeführt, wobei auch grosse Lawinen ausgelöst wurden (Abbildungen 29 und 30). Die Lawinen brachen in dieser Phase verbreitet wieder im schwachen Altschnee an und teils entstanden Schäden an Wald, Gebäuden und Verkehrswegen (Abbildungen 29 und 30).
(6) 09./10.03.2017: Mit einem Wärmeeinbruch stieg die Schneefallgrenze am 9. März im Westen bis auf 2800 m, im Osten bis auf 2200 m an. Die Niederschläge hielten bis in die Nacht zum 10. März an und waren am Alpennordhang und in Nordbünden mit 50 bis 80 cm Schnee am ergiebigsten. Im Süden blieb es weitgehend trocken. Während der Niederschläge lösten sich verbreitet zahlreiche spontane Lawinen, darunter viele grosse und zum Teil sehr grosse Lawinen (Abbildungen 1 und 31). Im Westen brachen die Lawinen bis in hohe Lagen teilweise als Nassschneelawinen an. Gegen Osten waren es in der Höhe mehrheitlich trockene, unterhalb von 2200 m auch nasse Lawinen. Die Lawinen brachen oft im trockenen Altschnee an und rissen in ihrer Sturzbahn nassen Schnee mit. Nasse Lawinen glitten oft am Boden ab. Am 9. März erreichte die Lawinenaktivität den Höchstwert des Winters 2016/2017. Am 10. März wurde auch aufgrund vieler gesprengter Lawinen nochmals ein hoher Wert erreicht (Abbildung 26).
Die Lawinenaktivität von Anfang März 2017 ist in jüngster Vergangenheit am ehesten mit dem Winter 2006/2007 vergleichbar. Auch damals war der Winter sehr schneearm und Grossschneefälle sowie Regen führten Ende Februar und Anfang März zu einer ausserordentlichen Lawinenaktivität.
Mittlere Lagen aperten nach dieser Regenperiode rasch aus. In der Höhe waren viele Hänge entladen, so dass die Aktivität von nassen Lawinen im weiteren Verlauf des März eher gering war. Dies auch, als es am 18. und 19. März noch einmal im Norden und Westen bis in hohe Lagen regnete. Vom 21. bis zum 25. März fiel dann im Süden anhaltend und ergiebig Schnee bis in mittlere Lagen. Die Aktivität von spontanen Lawinen war erhöht und nun rissen auch im Süden spontane Lawinen bis in den schwachen, bodennahen Altschnee durch. Da die Beobachtungsdichte am Alpensüdhang deutlich kleiner ist als in den übrigen Gebieten, dürfte die tatsächliche Lawinenaktivität in dieser Phase höher sein als es die Meldungen anzeigen (Abbildung 26).
Nach der ersten Aprilhälfte mit günstigen Frühlingsverhältnissen und nur wenigen nassen Lawinen kehrte der Winter mit Schnee in hohen Lagen in der zweiten Aprilhälfte nochmals zurück. Neu- und Triebschnee wurde auf einer harten, verkrusteten Altschneeoberfläche abgelagert. Zuerst im Norden, dann auch im Süden waren Lawinen zeitweise mit kleiner Zusatzbelastung leicht auslösbar. An sehr steilen Nordhängen oberhalb von rund 2600 m rissen Lawinen vereinzelt auch noch bis in den schwachen Altschnee durch. Am 21. und 22. April ereigneten sich mehrere Lawinenunfälle mit verletzten Personen.
Mit wiederholten Schneefällen blieb die Lawinensituation auch in der ersten Maihälfte in hohen Lagen und im Hochgebirge winterlich und die Lawinengefahr erhöht. In der ersten Maiwoche fiel abwechselnd im Süden und im Norden und wiederholt Schnee mit hoher Schneefallgrenze bei 2000 bis 2500 m. In der Region Davos-Unterengadin wurde eine schwache Schicht aus grossen, kantig aufgebauten Kristallen an der Altschneeoberfläche eingeschneit. Besonders dort waren Lawinen leicht auslösbar und wurden teils mittelgross. Mit der starken Erwärmung ab Mitte Mai setzte sich die Durchfeuchtung der Schneedecke bis ins Hochgebirge fort. Auch Nordhänge oberhalb von 2500 m wurden in der zweiten Maihälfte zunehmend durchfeuchtet. Nasse Lawinen, die sich im Tagesverlauf spontan lösten, umfassten vor allem die neueren Schneeschichten. An Nordhängen rissen sie aber teils auch als Schneebrettlawinen im nassen Altschnee an und wurden mittelgross. Allgemein herrschten in der zweiten Maihälfte noch gute Tourenverhältnisse.
Im Winter 2016/2017 wurden dem SLF 99 Lawinen mit 151 erfassten Personen gemeldet, was leicht unterdurchschnittlich ist (88% bzw. 79% vom Mittelwert der letzten 20 Jahre). 17 Personen wurden in Lawinen verletzt und 7 Personen haben bei 7 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. Die Gesamtopferzahl liegt mit 7 Todesopfern deutlich (zwei Drittel) unter dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2017 dauert, liegt der Mittelwert der letzten 20 Jahre bei 23 Lawinentoten. 2 Personen verunglückten bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 2 (Mässig), 5 Personen bei Stufe 3 (Erheblich). Die Lawinenopfer verunglückten bei folgenden Aktivitäten tödlich: Touren: 5 Personen, Varianten: 2 Personen. 4 Unfälle mit insgesamt 4 Todesopfern ereigneten sich im Kanton Wallis. Jeweils ein Unfall mit einem Todesopfer geschah in den Kantonen Schwyz, Uri und Graubünden (Abbildung 32).
Im Unterschied zu den letzten 8 Wintern ereignete sich im Winter 2016/2017 kein Lawinenunfall mit mehr als einem Todesopfer. Dies trägt unter anderem zur geringen Opferzahl bei. Zuletzt war dies im hydrologischen Jahr 2007/08 der Fall, als bei 11 Lawinenunfällen jeweils ein Opfer zu beklagen war. Die Gründe für die unterdurchschnittliche Opferzahl können sehr vielschichtig sein. Die folgenden Aspekte könnten zu der geringen Opferzahl beigetragen haben:
Die Jahresbilanz wird erst am Ende des hydrologischen Jahres (30. September 2017) gezogen und bis dann kann sich die Unfallstatistik noch ändern.
Bei 35 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt.
Der detaillierte Bericht zu Lawinen mit Personen- und Sachschäden erscheint nach Erfassung und Auswertung aller Daten in der Publikation "Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2016/2017" anfangs 2018.
Während des hydrologischen Jahres 2016/2017 wurden 198 Lawinenbulletins veröffentlicht. Davon erschienen 128 als tägliche Lawinenbulletins vom 1. Januar 2017 bis zum 8. Mai 2017. Die übrigen 70 erschienen als situationsbezogene Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten und im Sommer oder als mehrtägige Lawinenbulletins im schneearmen Dezember. Vom 9. November 2016 bis zum 8. Mai 2017 erschienen die Lawinenbulletins mit Gefahrenkarte. In der Zeit vom 4. Januar bis zum 9. April 2017 sowie vom 17. bis zum 19. April 2017 wurden an 99 Tagen Lawinenbulletins auch am Morgen publiziert (Tabelle 5).
Tab. 5: Ausgabedaten der Lawinenbulletins im Winter 2016/17 (1. Oktober 2016 bis 31. Mai 2017).
|Produkt||Ausgabedatum|
|Lawinenbulletins Herbst und Winteranfang (50)||Oktober: 13., 15., November: 4., 6., 8., 9. bis 30. (täglich), Dezember: 1. bis 3. (täglich), 5., 7., 9., 10. bis 13. (täglich), 15., 18. bis 28. (täglich), 30.|
|Lawinenbulletins Winter Hauptperiode (128)||vom 01.01.2017 bis 08.05.2017 (täglich)|
|Morgeneinschätzungen (99)||vom 04.01.2017 bis 09.04.2017 sowie vom 17. bis 19.04. (täglich)|
|Lawinenbulletins Frühling und Sommer (20)||Mai: 9., 11., 12., 13., 15., 17., 18., 19., 22., Juni: 4., 5., 28., Juli: 24., 26., August: 9., 31., September: 1., 9., 15., 17.|
Am 25. November 2016 erreichte die Lawinengefahr erstmals im Winter 2016/2017 die Gefahrenstufe 4 (Gross). Betroffen war im Wallis das südliche Simplongebiet. Wie in Abbildung 33 (obere Grafik) illustriert, wurde die Gefahrenstufe 4 (Gross) zwischen dem 1. Dezember 2016 und dem 30. April 2017 in der Abendeinschätzung an zehn Tagen prognostiziert, in der Morgeneinschätzung noch zusätzlich dreimal. Im Dezember war die Lawinensituation mangels Schnee verbreitet recht günstig.
Am 13. und 14. Januar erreichte die Lawinengefahr im westlichsten und nördlichen Unterwallis die Stufe 4 (Gross), am 14. Januar zudem auch verbreitet am nördlichen Alpenkamm. Die Abendprognose der Stufe 4 (Gross) vom 14. für den 15. Januar am zentralen und östlichen Alpennordhang hat sich am Morgen des 15. Januar nicht bestätigt und wurde auf Stufe 3 (Erheblich) zurückgestuft. Am Morgen des 1. Februar erreichte die Lawinengefahr gebietsweise in Nordbünden sowie im nördlichen Unterengadin die Stufe 4 (Gross). Die Abendprognose der Stufe 4 (Gross) vom 1. für den 2. März im westlichsten Unterwallis hat sich am Morgen des 2. März nicht bestätigt und wurde zurückgestuft. Am 4. März erreichte die Lawinengefahr am Oberwalliser Alpenhauptkamm die Stufe 4 (Gross) und am Morgen des 5. März wurde sie für das nordwestliche Tessin auf die Stufe 4 (Gross) erhöht. Die Abendprognose der Stufe 4 (Gross) für den 9. März in Nordbünden und im Unterengadin wurde am Morgen des 9. März am nördlichen Alpenkamm und in Graubünden grossräumig erweitert. Auch am 10. März erreichte die Lawinengefahr in den nördlichen und östlichen Gebieten grossräumig die Stufe 4 (Gross). Im Nachhinein beurteilt war die prognostizierte Lawinengefahr vom 7. bis zum 9. März im Wallis und in den westlichen Gebieten des nördlichen Alpenkammes mit Stufe 3 (Erhebliche Lawinengefahr) zu tief eingestuft; die Stufe 4 (Gross) wäre angemessen gewesen (vgl. Abschnitt „Lawinenaktivität“). Die Abendprognose der Stufe 4 (Gross) vom 22. für den 23. März für das Gotthardgebiet wurde am Morgen des 23. März um das westliche Tessin erweitert. Am 24. März wurde die Stufe 4 (Gross) zudem am Alpenhauptkamm vom Simplonpass bis ins südliche Goms erreicht. Am Morgen des 19. April erreichte die Lawinengefahr am nördlichen Alpenkamm östlich der Reuss bis in die St. Galler Alpen die Stufe 4 (Gross), am 27. April verbreitet im Tessin und am Alpenhauptkamm vom Oberalppass bis ins Puschlav. Am 18. Mai erreichte die Lawinengefahr letztmals im Winter 2016/2017 die Gefahrenstufe 4 (Gross) und zwar am Oberwalliser Alpenhauptkamm und im Bedretto.
Die Zeiten mit verbreiteter und anhaltender Gefahrenstufe 3 (Erheblich) lagen Mitte Januar, Anfang Februar, Anfang März sowie Ende April. Im Januar und Februar war die Situation trotz wenig ergiebigen Schneefällen, aber mit viel Wind für Schneesportler aufgrund der schwachen Altschneedecke verbreitet wiederholt kritisch. Das Altschneeproblem war im Januar verbreitet, im Februar vor allem im südlichen Wallis, am Alpenhautkamm und in Graubünden prominent. Nach den Grossschneefällen von Anfang März nahm die Lawinengefahr ab, und die Gefahr für nasse Lawinen stieg im Frühling kaum noch auf die Stufe 3 (Erheblich) an (Abbildung 33, untere Grafik). Von Ende April bis in den Mai war es mit Neuschnee in der Höhe nochmal winterlich und vor allem für Schneesportler kritisch mit verbreitet Gefahrenstufe 3 (Erheblich).
Im Jura wurde an zehn Tagen im Lawinenbulletin die Gefahrenstufe 3 (Erheblich) ausgegeben.
Im langjährigen Vergleich (Abbildung 34) wurde die Stufe 4 (Gross) weniger häufig (0.8%) verwendet als im Durchschnitt der letzten zehn Winter (1.1%). Auch die Stufen Erheblich (Stufe 3, 30%) und Mässig (Stufe 2, 35%) wurden weniger häufig prognostiziert als durchschnittlich (Stufe 3: 35%, Stufe 2: 44%). Dagegen wurde die Stufe Gering (Stufe 1) deutlich häufiger (34%) prognostiziert als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (20%). Die Gefahrenstufe 5 (Sehr Gross) kam im Winter 2016/2017 nie zur Anwendung (Abbildung 34). Insgesamt war es im Winter 2016/2017 weniger gefährlich als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.
Wenn man die Verteilung der Gefahrenstufen im Winter 2016/2017 (Abbildungen 34 und 35) mit dem Mittelwert der letzten zehn Jahre vergleicht, sieht man auf der einen Seite, dass die Gefahrenstufen 2 (Mässig), 3 (Erheblich) und 4 (Gross) weniger häufig verwendet wurden als im 10-jährigen Mittel. Dies dürfte hauptsächlich mit dem späten Winterbeginn, den eher seltenen Niederschlagsereignissen und dem allgemein frühen Ausapern zusammenhängen. Andererseits sieht man, dass die Gefahrenstufe 1 (Gering) überdurchschnittlich oft verwendet wurde, was vor allem mit den über weite Gebiete verbreitet günstigen Situationen im Frühwinter (Schneemangel im Dezember) sowie von Ende März bis Mitte April erklärt werden kann.
Im Winter 2016/2017 (1. Dezember 2016 bis 30. April 2017) wurden im Lawinenbulletin die Lawinenprobleme folgendermassen verwendet (Lawinenproblem der Hauptgefahr; Auszählung über alle Warnregionen): Neuschnee 10%, Triebschnee 43%, Altschnee 38%, Nassschnee 7%, Gleitschnee 0% und Günstige Situation 2%.
Die Verteilung der Lawinenprobleme war im Winter 2016/2017 regional unterschiedlich: für die Gefahrenstufe 3 (Erheblich) wurde im Lawinenbulletin in den Gebieten nördlich einer Linie Rhône-Rhein sowie im Süden seltener das Altschneeproblem verwendet, dafür war Triebschnee häufig. Im südlichen Wallis, gebietsweise im Gotthardgebiet und verbreitet in Graubünden war das Altschneeproblem ausgeprägter und wurde dort verbreitet in 30 bis 40%, teils in über 40% der Lawinenbulletins verwendet (vgl. dunkelblaue Flächen in Abbildung 36).
1: Über Pfingsten Schnee im Hochgebirge
Der Juni startete sonnig. Nur im Hochgebirge und in nordexponierten Rinnen und Mulden oberhalb von 2400 m lag noch Schnee. Über das Pfingstwochenende, vom 3. bis zum 6. Juni fiel im Süden oberhalb von rund 3000 m 40 bis 80 cm Schnee, am meisten am östlichen Alpenhauptkamm vom Rheinwaldgebiet bis ins Berninagebiet. Im Norden und Westen fiel 10 bis 40 cm Schnee. Mit teils starkem Wind war die Gefahr von trockenen Lawinen im Hochgebirge verbreitet erhöht. Am östlichen Alpenhauptkamm bis ins Berninagebiet waren die Verhältnisse für Touren besonders kritisch, da auch spontane mittelgrosse Lawinen möglich waren. Anschliessend stiegen die Junitemperaturen wieder auf hochsommerliche Werte und die Gefahr von nassen Lawinen war in den Hauptniederschlagsgebieten besonders am 7. Juni erhöht. Am 4. und am 5. Juni wurde je ein Lawinenbulletin herausgegeben. Mit den hohen Temperaturen (Abbildung 37) und Regen bis in hohen Lagen aperten diese im Juni rasch aus.
2: Ende Juni viel Niederschlag im Süden, Schnee vor allem im Hochgebirge
Vom 26. bis zum 30. Juni fiel im Süden anhaltend und ergiebiger Niederschlag, der am 29. Juni auch auf die nördlichen und östlichen Gebiete übergriff. Die Schneefallgrenze lag anfangs bei 3300 m und sank im Norden und Osten bis auf 2200 m. Oberhalb von 3500 m fiel mit 80 bis 120 cm am meisten Schnee am zentralen und östlichen Alpenhauptkamm sowie in den Urner und Glarner Alpen. In den nördlich und östlich angrenzenden Gebieten fiel 50 bis 80 cm Schnee, weiter westlich weniger. Die Lawinensituation war mit Neu- und Triebschnee besonders am nördlichen Alpenkamm von den östlichen Berner Alpen bis in die Glarner Alpen sowie am Alpenhauptkamm vom Monte Rosa bis ins Berninagebiet kritisch. Am 28. Juni wurde ein Lawinenbulletin herausgegeben.
3: Ende Juli Schnee im Norden vor allem im Hochgebirge
Der Juli war weniger heiss als der Juni und es gab drei kältere Perioden. Ein bedeutender Schneefall im Hochgebirge ereignete sich vom 24. bis zum 27. Juli. Oberhalb von rund 3500 m fiel am nördlichen Alpenkamm verbreitet 30 bis 50 cm, in den östlichen Gebieten bis 100 cm Schnee (Abbildung 38). Die Schneefallgrenze sank auf 2200 bis 2500 m. Der Schnee fiel an vergletscherten Nordhängen im Hochgebirge sowie allgemein oberhalb von rund 3500 m auf eine geschlossene Schneedecke. Neu- und Triebschnee bildeten im Norden die Hauptgefahr, in den übrigen Gebieten vor allem die meist kleinen Triebschneeansammlungen. Am 24. und am 26. Juli wurde je ein Lawinenbulletin herausgegeben. Dem Lawinenwarndienst wurden keine Lawinen gemeldet. Gebietsweise wurden Wanderwege vorsorglich geschlossen. Im Oberwallis und im Tessin fiel in dieser Periode nur wenig Niederschlag.
Heftige Gewitter führten Ende Juli zu mehreren Murgängen, besonders im Engadin. Im Val S-charl wurde die Strasse an mehreren Stellen verschüttet und mehrere Personen mussten per Helikopter evakuiert werden.
4: Heisser August mit kurzzeitig Schnee im Norden bis in mittlere Lagen
In der zweiten Augustwoche, vom 8. bis zum 12. August, fiel zunächst im Süden mit sehr hoher Schneefallgrenze, dann im Norden mit sinkender Schneefallgrenze ergiebiger Niederschlag. Im Süden fiel er bis auf die höchsten Gipfel als Regen. Im Norden sank die Schneefallgrenze auf rund 2500 m. Oberhalb von 2800 m fiel am nördlichen Alpenkamm vom Wildstrubel bis zur Reuss sowie im Oberwallis 40 bis 60 cm, in den übrigen Gebieten des Nordens 10 bis 30 cm Schnee. Nach einer weiteren heissen Woche fiel am 19. August am Alpennordhang im Hochgebirge weitere 20 bis 40 cm Schnee. Auch danach stiegen die Temperaturen wieder auf hochsommerliche Werte (Abbildung 37), so dass Ende August nur noch im Hochgebirge eine dünne Schneedecke lag. Am 9. und am 31. August wurde je ein Lawinenbulletin herausgegeben. Dem Lawinenwarndienst wurden kaum Lawinen gemeldet. Am 2. August wurden drei Bergsteiger an der Jungfrau unterhalb des 3884 m hohen Rottalsattels (Fieschertal, VS) in einem Nordosthang von einer spontanen, nassen Lockerschneelawine erfasst und mitgerissen. Alle drei wurden teilverschüttet und eine Person verletzt.
Ein grosser Bergsturz löste sich am 23. August am Pizzo Cengalo (Bregaglia, GR) mit anschliessendem Murgang durchs Val Bondasca; acht Personen werden seither vermisst.
5: Kalter Start in einen kalten September, Schnee bis in mittlere Lagen
Anfang September kühlte es markant ab. Vom 31. August bis zum 3. September fiel zunächst im Süden, dann im Norden und Osten ergiebige Niederschläge. Die Schneefallgrenze sank von 3500 m bis auf 2000 m. Oberhalb von rund 3200 m fiel im Hochgebirge der Zentralschweizer und Glarner Alpen sowie am Alpenhauptkamm von Mittelbünden bis ins Berninagebiet 80 bis 100 cm Schnee. Gegen Westen nahmen die Niederschläge stark ab und im Wallis fiel nur noch 10 bis 30 cm Schnee. Starker Nordwind verfrachtete den Neuschnee in der Höhe. Bereits eine Woche später, vom 8. bis zum 10. September fiel erneut im Süden und Osten ergiebiger Niederschlag mit 50 bis 80 cm Schnee auf den höchsten Gipfeln des Hochgebirges. Am Ende der Niederschläge sank die Schneefallgrenze unter 2000 m, in Mittelbünden sogar bis auf 1100 m. Im Hochgebirge ging die Lawinengefahr wiederholt von Neu- und Triebschnee aus, besonders in vergletscherten Gebieten. In hohen und mittleren Lagen gingen feuchte Lockerschneerutsche und Gleitschneerutsche nieder. Am 1. und am 9. September wurde je ein Lawinenbulletin herausgegeben.
6: Schneereicher September vor allem in den östlichen Gebieten
Vom 17. bis zum 20. September fiel am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis ins Alpsteingebiet und im nördlichen Prättigau oberhalb von rund 2200 bis 2500 m 20 bis 50 cm, sonst bis 20 cm Schnee. Die Schneefallgrenze sank auf 1400 bis 2000 m im Norden und 2500 m im Süden. Starker Nordwind verfrachtete den Neu- und Altschnee und es entstanden teils mächtige, kompakte Triebschneeansammlungen. Am 15. und am 17. September wurde je ein Lawinenbulletin herausgegeben. Im Gebiet Saas-Fee (VS) wurden bei Sicherungssprengungen auf rund 3400 m einzelne Rutsche und kleine Lawinen ausgelöst. Am 21. September ereignete sich am Eiger (Grindelwald, BE) ein tödlicher Lawinenunfall, bei dem eine Person von einem Rutsch aus Schnee und Steinen erfasst und tödlich verletzt wurde. Gegen Ende September lag im Westen nur im vergletscherten Hochgebirge Schnee. In den Berner Hochalpen und in den Gebieten östlich davon lag an steilen Schattenhängen oberhalb von rund 2500 m eine dünne, unregelmässige Schneedecke. Diese war in hohen Lagen durchfeuchtet und nach klaren Nächten tragfähig gefroren. Im Hochgebirge dieser Regionen lag in vergletscherten Gebieten und auch in Rinnen und Mulden eine frühwinterliche Schneedecke. Insgesamt war der September in hohen Lagen der östlichen Regionen ausserordentlich schneereich. Auf dem Messfeld am Weissfluhjoch (Davos, GR) auf 2540 m wurde an 16 Tagen im September Neuschnee gemessen (d.h. 1 cm oder mehr Schnee), so häufig wie noch nie seit Messbeginn.
Der Winter 2016/17 war trocken und ausgesprochen schneearm. Er war auch wärmer als normal, wenn auch nicht ganz so warm wie im Vorwinter. In der dünnen Schneedecke entwickelten sich im Frühwinter schwache Schichten, wodurch sich Lawinen im Januar und Februar besonders von Schneesportlern leicht auslösen liessen. Massiver Schneefall und Regen bis weit hinauf verursachte Anfang März viele grosse, spontane Lawinen, die teils zu Sachschäden führten. Ab Ende März war die Lawinensituation meist günstig und die Schneedecke aperte in mittleren Lagen relativ früh aus. Somit war die Dauer einer durchgehenden Schneedecke vielerorts sehr kurz.
Im Winter 2016/17 wurde die Gefahrenstufe 1 (gering) fast doppelt so häufig prognostiziert wie in den letzten 10 Jahren, die Gefahrenstufen 2 (mässig), 3 (erheblich) und 4 (gross) wurden dafür rund ein Fünftel weniger häufig herausgegeben. Bis zum 30. April starben in den Schweizer Alpen sieben Personen in Lawinen. Das entspricht rund einem Drittel der Lawinenopfer im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 20 Jahre.
Im Winter 2016/17 war der Frühwinter zum dritten Mal in Folge praktisch schneelos. Der Dezember war extrem warm und trocken, und wie schon letztes Jahr gab es in vielen Wintersportorten grüne Weihnachten. In den nachfolgenden Monaten schneite es, abgesehen von Anfang März, relativ wenig. Die grosse Wärme im März liess die vielerorts dünne Schneedecke schnell wieder wegschmelzen. Die Schneearmut war dadurch noch ausgeprägter als während der letzten beiden Winter, da an vielen Orten die Zeit mit einer durchgehenden Schneedecke sehr kurz war.
Der Januar war als einziger Wintermonat kälter als normal, sogar extrem kalt. Schnee fiel bis in die Niederungen, und im Mittelland blieb über mehrere Wochen eine dünne Schneedecke liegen.
In den Bergen war die Schneedecke im Januar verbreitet schwach und instabil, im weiteren Winterverlauf dann vor allem in den inneralpinen Gebieten des Wallis sowie verbreitet in Graubünden. Mit Neuschnee, Wind und Wärmeeinbrüchen war die Situation im Januar und Februar besonders für Schneesportler wiederholt heikel. Anfang März führten anhaltend starke Schneefälle und Regen zu vielen grossen Lawinen, die Verkehrswege beschädigten und Wald und Gebäude zerstörten.
Ab Ende März war die Lawinensituation meist günstig mit einem leichten tageszeitlichen Anstieg der Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen. Mittlere Lagen aperten teils rekordfrüh aus, und in hohen Lagen sanken die Schneehöhen auf neue Tiefstwerte. In der zweiten Aprilhälfte kehrte der Winter nochmal zurück mit verbreitet viel Neuschnee, was die Lawinensituation nochmals verschärfte. Im Norden fiel der Schnee bis in die Niederungen.
Kurz vor Mitte November sorgten die ersten grösseren Schneefälle im Winter 2016/17 für reichlich Schnee in den Bergen. Die dadurch gebildete Schneedecke war aber nur von kurzer Dauer, weil der anschliessend mehrtägige Föhn den Schnee bis weit hinauf wieder wegschmolz. Der Dezember war vor allem in den Bergen sehr sonnig und warm. Es fiel nur im Nordosten ein wenig Niederschlag, sodass der trockenste und schneeärmste Dezember seit Messbeginn resultierte. Entsprechend erlebten viele Touristenorte in den Bergen zum zweiten Mal in Serie grüne Weihnachten. Der ersehnte Schnee fiel wie bereits im Vorjahr am 3. Januar und in den nachfolgenden Wochen, allerdings viel weniger als 2016. Die Temperaturen waren dabei so tief, dass auch dem Mittelland eine dünne Schneedecke wochenlang erhalten blieb. Es war der kälteste Januar der letzten 30 Jahre. Der Februar war dann bereits wieder zu warm und vor allem in den inneralpinen Gebieten weiterhin zu trocken. Das einzige grössere Niederschlagsereignis dieses Winters in der ersten Märzhälfte war hauptverantwortlich dafür, dass der März als einziger Monat vielerorts überdurchschnittlich nass war. Der ganze Monat war massiv zu warm (zweitwärmster März seit Messbeginn), sodass einige wenige Stationen (z. B. Flumserberg, SG oder Oberwald, VS) das früheste Ausaperungsdatum seit Messbeginn erlebten.
So ist es nicht verwunderlich, dass der Winter 2016/17 (Nov-Apr) zu den schneeärmsten zählt und die kontinuierliche Schneedeckendauer zwischen Einschneien und Ausapern an vielen Stationen so kurz war wie noch nie seit Messbeginn. Als Beispiel sei hier Ulrichen im Obergoms genannt, wo im Winter 2016/17 nur während 86 Tagen eine durchgehende Schneedecke lag, was 56 % des langjährigen Mittelwertes (156 Tage) entspricht. Auch an den meisten anderen Stationen waren die Schneehöhen praktisch den ganzen Winter hindurch unterdurchschnittlich
Im Winter 2016/17 wurde die Lawinengefahr wie folgt eingeschätzt (Werte in Klammern: Mittelwert der letzten 10 Jahre, jeweils Dezember bis Ende April, vgl. Abbildung 1): Gefahrenstufe 1 (gering): 34 % (20 %), Gefahrenstufe 2 (mässig): 35 % (44 %), Gefahrenstufe 3 (erheblich): 30 % (35 %), Gefahrenstufe 4 (gross): 0.8 % (1.1 %), Gefahrenstufe 5 (sehr gross): 0 % (0.001 %).
Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2016/17 unterschied sich deutlich vom langjährigen Mittelwert: die Gefahrenstufe 1 (gering) wurde fast doppelt so häufig prognostiziert wie in den letzten 10 Jahren, die Gefahrenstufen 2 (mässig), 3 (erheblich) und 4 (gross) wurden dafür rund ein Fünftel weniger häufig herausgegeben. Die Gefahrenstufe 4 (gross) wurde an 12 Tagen für einige Gebiete prognostiziert.
Wie schon die beiden Vorwinter begann auch der Winter 2016/17 nur zögerlich. Zwar fiel bereits im November Schnee und die Lawinengefahr war verbreitet erheblich (Stufe 3), im Dezember jedoch liess der Winter wieder auf sich warten und die Lawinensituation war mangels Schnee verbreitet recht günstig. Im Januar war die Schneedecke verbreitet schwach und mit Neuschnee, Wind und Wärmeeinbrüchen war die Lawinensituation bis Februar wiederholt heikel, mit häufig erheblicher (Stufe 3) und gebietsweise auch grosser Lawinengefahr (Stufe 4). Im Februar war der schwache Altschnee nördlich einer Linie Rhone-Rhein, ganz im Westen und im Gotthardgebiet soweit überschneit, dass Lawinen dort nur noch vereinzelt durch Schneesportler ausgelöst werden konnten. Weiter südlich, besonders in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens, blieb der Altschnee für Schneesportler gefährlich. Ganz im Süden lag extrem wenig Schnee. Mit den Schneestürmen von Anfang März und dem anschliessenden Regen bis in hohe Lagen war die Lawinengefahr zeitweise gross (Stufe 4). In dieser intensivsten Lawinenphase des Winters gingen sehr viele spontane Lawinen ab. Die Lawinen rissen verbreitet bis in den schwachen, bodennahen Altschnee durch und wurden oft gross, vereinzelt sogar bis sehr gross. Dadurch entstanden auch einige Sachschäden, wie beispielsweise die komplett zerstörten Chalets im Vallon de Van im Wallis. In der zweiten Märzhälfte stieg die Lawinengefahr mit weiteren Grossschneefällen im Süden noch einmal auf gross (Stufe 4) an. Danach entspannte sich die Lawinensituation rasch. Ab Ende März war die Lawinengefahr verbreitet gering (Stufe 1), mit einem leichten tageszeitlichen Anstieg und nur sehr vereinzelten Lawinenabgängen. Mitte April stieg die Lawinengefahr mit Neuschnee und Wind im Nordosten, Ende April im Süden noch einmal auf gross (Stufe 4) an.
Diesen Winter starben bis Ende April sieben Personen in Lawinen. Das sind 65 % weniger als im Durchschnitt der letzten 20 Jahre, der zum 30. April bei 20 Todesopfern liegt. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2017 dauert, liegt der Durchschnitt der letzten 20 Jahre bei 23 Lawinentoten.
Die Zahlen aller gemeldeten Lawinenunfälle und aller erfassten Personen sind diesen Winter ebenfalls unterdurchschnittlich. Mit 13 % bzw. 20 % weniger sind sie aber im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 20 Jahre nicht so tief wie die Zahl der Todesopfer. Bis am 30. April wurden dem SLF für den Winter 2016/17 insgesamt 96 Lawinen mit 148 erfassten Personen gemeldet. 15 Personen wurden in Lawinen verletzt und sieben Personen verunglückten tödlich bei sieben Lawinenabgängen.
Die tödlichen Lawinenunfälle ereigneten sich bei folgenden Gefahrenstufen: zwei Personen verunglückten bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 2 (mässig) und fünf Personen bei Stufe 3 (erheblich).
Die Lawinenopfer verunglückten bei folgenden Aktivitäten tödlich: Touren fünf Personen, Varianten zwei Personen. Vier Unfälle mit insgesamt vier Todesopfern ereigneten sich im Wallis. Jeweils ein Unfall mit einem Todesopfer geschah in den Kantonen Schwyz, Uri und Graubünden, vgl. Abbildung 2. Bei 35 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Verkehrswegen, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt. Die Ereigniserfassung der Schadenlawinen ist noch nicht abgeschlossen und diese Zahl kann noch ansteigen.
Im Unterschied zu den letzten 8 Wintern ereignete sich dieses Jahr bisher kein Lawinenunfall mit mehr als einem Todesopfer. Dies trägt unter anderem zur geringen Opferzahl bei und war zuletzt im Winter 2007/08 der Fall, als bei 11 Lawinenunfällen jeweils ein Todesopfer zu beklagen war.
Weitere Gründe für die unterdurchschnittliche Opferzahl können sehr vielschichtig sein. Folgende Aspekte könnten zu der geringen Opferzahl beigetragen haben:
Die Jahresbilanz wird erst am Ende des hydrologischen Jahres (30. September 2017) gezogen und bis dann kann sich die Unfallstatistik noch ändern.
Das erste Lawinenbulletin mit Gefahrenkarte des Winters 2016/17 wurde am 9. November herausgegeben. Eine Morgeneinschätzung wurde vom 4. Januar bis zum 9. April 2017 sowie vom 17. bis 19. April 2017 publiziert.
Das Lawinenbulletin mit der Prognose der Lawinengefahr und allgemeinen Informationen zur Schneesituation in den Schweizer Alpen erscheint bis auf Weiteres täglich. Es kann über www.slf.ch und die SLF-App „White Risk“ abgerufen werden. Zudem können ein RSS-Feed und ein SMS-Service abonniert werden, welche auch in Winterrandzeiten und über den Sommer auf die Herausgabe eines Lawinenbulletins hinweisen (Service abonnieren: SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234, Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).
Des Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht der MeteoSchweiz www.meteoschweiz.ch, Telefon 0900 162 138 (1.20 CHF/Min.) sowie auf die MeteoSchweiz-App.