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Sie erinnern sich? Letztes Mal schrieb ich über mein Dilemma wegen meiner gestohlenen Tasche, über den Dieb, der mich anflehte, ihn vor dem sansibarischen Gefängnis zu bewahren, und den lokalen Polizeichef, der mich um ein Date bat.
Das Dilemma hat sich auf afrikanische Weise von selbst gelöst: Die Aufnahme der Überwachungskamera war unbrauchbar, der Dieb wurde laufen gelassen. Der Polizeichef legte in Sachen Date eine überzeugende Hartnäckigkeit an den Tag – und ist jetzt ein Freund.
Kürzlich fragte er, ob er mich in der Schweiz besuchen könnte. Theoretisch ist das möglich, praktisch ist es schwierig.
Meine Einladung allein reicht nicht aus, damit er mit seinem tansanischen Pass in die Schweiz reisen kann. Ich muss den Behörden versichern, dass ich für ihn aufkommen würde, falls er das Land nicht termingerecht verlässt. Mehr noch, ich müsste belegen, über genügend Ersparnisse zu verfügen, um für ihn bürgen zu können. Das Bewilligungsprozedere kann Monate dauern. Ich hingegen zahle am Flughafen 50 Dollar und kann drei Monate in Tansania bleiben.
Bei einem anderen Freund von mir handelt es sich um den wohl einzigen syrischen Flüchtling auf Sansibar. Mit seinem syrischen Pass konnte er vor knapp drei Jahren als Tourist einreisen und sich als Flüchtling anmelden. Seither hat sich jedoch nichts mehr getan. Er arbeitet illegal und schlägt sich irgendwie durch. Weil er seinen Pass abgeben musste, kommt er vorerst nicht mal mehr von der Insel weg – selbst das Festland in Tansania bleibt für ihn unerreichbar.
Ich hingegen könnte jeden Tag hinüber aufs Festland fahren. In 123 Länder können wir Schweizer visafrei einreisen, in 44 Ländern kriegen wir an der Grenze ein Visum, und in 31 Ländern erhalten wir es auf Antrag. Auf dem Weltranking der Reisepässe liegt der Schweizer Pass damit auf dem vierten Rang. Tansania schafft es nur auf Platz 64, Syrien auf Rang 91, gerade noch vor den letzten auf der Liste, Irak und Afghanistan. Unser Pass öffnet uns Grenzen, die sich vor anderen Nationalitäten verschliessen. Diese Freiheit ist immens. Ein unverdientes Glück, für das ich selbst nichts getan habe.