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Seit einigen Monaten lese ich mit Interesse die Blogbeiträge von Marlitt Wendt: pferdsein.de (http://www.pferdsein.de/) . Eine Freundin hat mir dann noch von dem Buch "Vertrauen statt Dominanz vorgeschwärmt und es mir ausgeliehen. Ich war so begeistert von dem Buch, dass ich es mir sofort auch gekauft habe.
Die Autorin
Marlitt Wendt ist Biologin und Pferde-Ethologin. Sie befasst sich intensiv mit dem Verhalten von Pferden und hat bereits einige Bücher darüber geschrieben. Darin geht es um die Kernthemen:
- Wie denken Pferde?
- Wie lernen sie?
- Worin unterscheiden sie sich von uns?
- Und wie können wir sie besser verstehen und uns angemessen verständlich machen?
Ein tolles Buch mit etwas irreführendem Titel
Denn die erste Hälfte des Buches befasst sich erst einmal mit der Herdenstruktur, den Hierachien in der Pferdeherde und dem Zusammenleben von wilden Pferden überhaupt.
Ich finde ganz toll, dass sich das Buch auf die neueste wissenschaftliche Forschung stützt. Es sind nicht nur die Beobachtungen von Marlitt Wendt die im Buch beschrieben werden, sondern die wissenschaftliche Arbeit von vielen Forschern.
Für mich besonders interessant war auch, dass es nicht einen Urtyp unserer Pferde gegeben hat, sondern mehrere. Die sich in Verhalten und Körperbau sehr von einander unterschieden haben.
Anhand der wissenschaftlichen Beobachtungen wird aufgezeigt, .....
… dass Pferde untereinander mit minimalen Signalen kommunizieren. Das bedeutet, dass der Mensch kaum je in "Pferdesprache" kommunizieren kann.
… dass Freundschaften der Kitt in einer Pferdeherde sind und nicht die Hierachie.
… dass es keine einfache, lineare Rangordnung gibt. Sondern, dass sich je nach Kontext ein anderes Pferd durchsetzt. Und somit in dem Moment dominant über ein anderes ist.
… dass Herdenstrukturen oft, aber nicht immer, aus einem Leithengst, einer Leitstute und weiteren Stuten sowie Fohlen bestehen. Es gibt auch andere Formen, Jungesellengruppen oder gar 2 Leithengste in einer Herde.[nbsp]
Wie lernt ein Pferd
Ein weiteres Kapitel des Buches geht auf die Lerntheorie ein und zeigt auf, dass es nur 4 Methoden gibt wie ein Pferd lernen kann.
Dadurch wird klar, dass die sogenannte Dominanztheorie nichts mit Dominanz zu tun hat. Marlitt Wendt beschreibt die Risiken und Nebenwirkungen dominanter Trainingsmethoden. Unter anderem die erlernte Hilflosigkeit. Ein Pferd, das so ausgebildet wird, hat nur gelernt Druck zu vermeiden, erkennt den Trainer jedoch nicht als dominante Leitfigur an.
Auch die sogenannten Dominanzprobleme, wie Aggressionsprobleme oder Ängste werden in einem eigenen Kapitel angesprochen. Es wird aufgezeigt, wie wenig diese Probleme mit Dominanz zu tun haben.
Ganz besonders gefällt mir, dass die Autorin immer wieder betont, dass das der momentane Stand der Forschung ist und die Erkenntnisse nicht in Stein gemeißelt sind. Das hebt sie wohltuend von vielen anderen ab, die ihre Bücher und Ausbildungssysteme nur auf eigene Beobachtungen stützen und gerne darauf pochen, dass „das eben generell so ist“.
Fazit:
„Vertrauen statt Dominanz: Wege zu einer neuen Pferdeethik“ ist ein spannendes Buch.[nbsp] Es erklärt wissenschaftlich fundiert das Verhalten unserer Pferde. Dabei geht es nicht um eine spezielle Ausbildungsmethode oder um einen Einstieg in das positive Lernen. Vielmehr bietet es eine wertvolle Grundlage für die Entscheidung, wie ich mit meinem Pferd umgehen will. Es zeigt auf, dass aufgrund der heutigen wissenschaftlichen Forschung nur positives Training auch pferdegerecht ist und zu wahrer Freundschaft führt.