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Warum sollte es einen palästinensischen Mann kümmern, ob eine israelische Frau die Pille nimmt? Ein neues israelisches Friedensprojekt mit Schwerpunkt gemeinsame Wasserressourcen wird diese Frage beantworten. Wissenschaftler des Technion-Israel Institute of Technology in Haifa und der Al-Quds Universität in Ostjerusalem werden gemeinsam eine Studie zur Entfernung pharmazeutischer Rückstände aus dem Abwasser erarbeiten.
Israel ist weltweit führend in der Wiederaufbereitung von Abwasser zur Wiederverwendung in der Landwirtschaft und der Entwicklung von Technologien zur Wasser- und Energieeinsparung. In Israel hat sich eine weitere Herausforderung entwickelt: eine zunehmende Ansammlung von Pharmazeutika in den Wasserstrassen und zusätzlich mangelhaft geklärtes Abwasser aus den von der PA kontrollierten Gebieten, das sich mit dem Grundwasserspiegel vermischt.
Dieser Themenkomplex wird nun in einem neuen Kooperationsprojekt zwischen israelischen und palästinensischen Wissenschaftler angegangen. Der französische Arzneimittelhersteller Sanofi ist Sponsor dieses Forschungsprojekts und wird das Quellmaterial zur Verfügung stellen; das Peres Center for Peace koordiniert die Logistik. In diesem Projekt werden die Auswirkungen pharmazeutischer Rückstände im Wasser untersucht und in welchem Mass Präparate von Sanofi helfen könnten. Die Ergebnisse könnten schliesslich auf Wasserprobleme im In- und Ausland angewandt werden.
Der Kern des Problems ist, dass alle Medikamente auf die eine oder andere Weise in der Toilette enden. Rückstände von der Pille, Östrogen und Wassertabletten, Anti-Depressiva und sogar Ibuprofen könnten im Wasser zurückzubleiben, auch nachdem es geklärt worden ist. Wenn dieses Wasser in der Landwirtschaft – beispielsweise zur Tomatenzucht – wiederverwertet wird oder in den Grundwasserspiegel sickert, kann es sich vermischen und verdichten – und dadurch beachtlichen Schaden für Mensch und Umwelt verursachen.
Jenseits des Fleischverzehrs
In den USA ist hormonbehandeltes Fleisch anerkannt als Quelle für bestimmte Gesundheitsprobleme. Obwohl in Israel der Verzehr von rotem Fleisch gering ist, stellen Gesundheitsbehörden eine überraschende Zunahme an Hodenkrebs unter israelischen Männern fest, sowie eine frühere erste Regelblutung bei Mädchen.
Könnte Wasser das Problem sein?
Wissenschaftler sind sich weltweit einig, dass pharmazeutische Rückstände im Wasser auffällige Auswirkungen auf Fische haben können, insofern dass einige Arten ihr Geschlecht ändern. Die Auswirkungen auf den Menschen sind weniger bekannt.
Das neue israelisch-palästinensische Projekt will lokale Wasserproben untersuchen und die bestgeeignete Methode eruieren, um Medikamente herauszufiltern oder deaktivieren, damit sie nicht zurück in die Natur oder zum Menschen gelangen. Einige der zu untersuchenden Arzneimittel sind Diazepam, Aldactone (ein Diuretikum), Ibuprofen, Ketoprofen und Iopromide.
Wie werden schädliche Materialien entfernt?
Wenn die Wissenschaftler erfolgreich sind, könnte Sanofi diese Entwicklung zu einem kommerziellen Projekt weiterentwickeln, sagt Hanah Bardin, Boden-und Wasserexpertin, die für das Peres Center for Peace arbeitet. Sie leitet diese auf zwei Jahre angelegtes Projekt vom Peres Center in Jaffa aus, das nach dem israelischen Präsidenten Shimon Peres benannt ist, einem begeisterter Umweltschützer.
„[Viele] haben Erfahrung und zeigen Interesse an Entwicklungsprojekten und wie das Ingenieurswesen genutzt werden kann für soziale Veränderung und um weniger privilegierten Gemeinden zu helfen“, sagt sie gegenüber ISRAEL21c.
In einem früheren gemeinsamen Forschungsprojekt wurde der Salzgehalt im Wasser von leitenden Wissenschaftlern untersucht, während dieses Projekt von der jüngeren Generation von Absolventen durchgeführt wird, die die Studie mit einem Friedensprojekt vergleichen, sagt Bardin. „Wir versuchen, eine Community von Wasserforschern zu schaffen, die zusammenarbeiten und die Fakultät des jeweils anderen besuchen. In diesem Rahmen wird es Campus-Besuche geben und ein jährliches Treffen, auf dem die Ergebnisse präsentiert werden“. sagt Bardin. Sie erwartet, dass die Labore am Technion und der Al-Quds Universität unterschiedliche Techniken anwenden werden. „Das Konzept sieht nur ein geringes Monitoring vor. Wir wollen herausfinden, wie man diese Materialien, die am Ende im Trinkwasser landen, behandeln und entfernen kann.“
In der Zwischenzeit wird Professor Alon Tal von der Ben-Gurion Universität an einem anderen Projekt mit Israelis und Palästinensern arbeiten, um zu bestimmen, welche Verbindungen im Wasser und den Wasserstrassen in der Region nachzuweisen sind. Dieses Projekt wird mit einer halben Million US-Dollar von USAID’s Middle East Regional Cooperation (MERC) Program gefördert.
Originalversion: Israeli-Arab study looks to get drugs out of water By Karin Kloosterman © Israel21c.org, April 28, 2013