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In den USA grassiert das Virus - mit täglich 70'000 Neuinfizierten. Die 27-jährige Linda Aerne vom linken Zürichseeufer, lebt seit sieben Jahren in den USA und hat unsere Fragen in San Francisco beantwortet.
Wie Linda, die Schweizerin mit schwedischen Wurzeln, ihren Alltag empfindet und die kommenden 365 Tage sieht, beantwortet sie in den folgenden Fragen.
Wohl eines der eindrücklichsten Interviews eines jungen Menschen im Rahmen von "heute in 365 Tagen" - Linda wird San Francisco aufgrund Corona den Rücken kehren.
Wie Linda, die Schweizerin mit schwedischen Wurzeln, ihren Alltag empfindet und die kommenden 365 Tage sieht, beantwortet sie in den folgenden Fragen.
Wohl eines der eindrücklichsten Interviews eines jungen Menschen im Rahmen von "heute in 365 Tagen" - Linda wird San Francisco aufgrund Corona den Rücken kehren.
Frage 1: Wie hat die Nachricht des Corona Virus Sie erreicht und persönlich geprägt?
Jeden Tag sieht man erschreckende Neuigkeiten online. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als das Wort “Corona” meine Aufmerksamkeit gewann, mehr, weil ich dachte, es hatte mit dem Corona-Bier zu tun, was sich in den darauffolgenden Tagen als absolut falsch herausstellen sollte.
Ich habe Pressekonferenzen vom Bundesrat in der Schweiz und Pressekonferenzen von Autoritätspersonen in San Francisco, wo ich momentan wohne, stark mitverfolgt. Natürlich machte ich mir hauptsächlich Sorgen um meine älteren Familienmitglieder, vor allem weil sich Leute in San Francisco viel vorsichtiger verhielten als in der Schweiz und ich es verhindern wollte, dass sich meine Familie fahrlässig verhielt.
Frage 2: Wie wirkte sich die Krise auf Ihren Arbeitsalltag aus? Was sind die Auswirkungen mit Blick auf 365 Tage?
Ich arbeite seit einigen Jahren in San Francisco für swissnex San Francisco und war gerade dabei, meinen Koffer zu packen, um für einen Business Trip nach Zürich zu fliegen, als ich eine Nachricht mit dem Titel “travel ban” per E-mail empfing. Meine drei Wochen zu Hause und alle Vorbereitungen für unsere Startup Roadshow durch die Schweiz waren somit leider gestrichen.
Seit dieser Nachricht Anfang März arbeite ich nun nicht mehr in unserem spektakulären Büro am Pier 17 im Herzen von San Francisco, sondern am anderen Ende der Stadt im Stadtteil Outer Sunset an der Pazifikküste. Der lange Arbeitsweg fehlt mir überhaupt nicht und ich bin froh, den Strand und Golden Gate Park um mich herum zu haben. Der Kontakt zu meinen Mitarbeitenden fehlt mir schon, aber wir bleiben fleissig via Videokonferenz in Kontakt.
Normalerweise fliegen jährlich bis zu 15 Schweizer Startups zu uns nach San Francisco, damit wir sie mit dem Einstieg in den Amerikanischen Markt unterstützen können. Durch Covid mussten wir all unsere Dienstleistungen online anbieten, was erstmals unmöglich wirkte und sich im Nachhinein aber als relativ positiv herausgestellt hat. Die Schweizer Startups konnten von ihrem Wohnzimmer aus von unseren Dienstleistungen profitieren.
Frage 3: Was ist für Sie das Positive an der Corona-Krise? Was wird sich auch in 365 Tagen noch positiv zeigen?
Über positive Auswirkungen zu sprechen während einer globalen Krise kann sich falsch anfühlen, da es so viele Leute extrem hart erwischt hat. Trotz der Krise hat Corona meiner Meinung nach einiges Positives mit sich gebracht, vor allem für privilegierte Länder wie die Schweiz und Teile von Amerika!
Die Pause von der Hektik hat bei vielen Leuten einen Aha-Moment hervorgerufen. Vor allem hier im Silicon Valley, wo Mottos wie “move fast and break things” und das ständige Networking, ob an privaten oder professionellen Events, stattfindet, geht die Zeit für einen selbst sehr schnell mal vergessen. Jetzt, wo Leute nicht mehr aus ihrem Haus gehen, ausser zum Einkaufen oder zum Sport, wirkt es, als würden Leute die Zeit für sich selbst sehr zu schätzen lernen.
Frage 4: Aus den USA hören wir erschreckende News. Wie gehen Sie und Ihr/e Partner/Freunde damit um? Eine "Flucht" zurück in die Schweiz für Sie ein Thema.
Eine “Flucht” zurück in die Schweiz ist definitiv ein Thema für meinen Mann und mich. Die USA ist toll, wenn man gesund ist und einen stabilen Arbeitgeber hat, aber leider fängt einen der Staat nicht so auf, wie dies in der Schweiz der Fall ist. Leider hat mein Partner, wie auch weitere 20 Millionen Arbeitskräfte, seinen Job verloren durch Covid. Mietpreise in San Francisco sind so teuer wie sonst wohl nirgends, daher macht es für uns finanziell keinen Sinn mehr länger in San Francisco zu wohnen. Wir werden ab August nach sieben Jahren, in denen ich in den USA gelebt habe, in die Schweiz (zurück)ziehen.
Nicht nur bei uns ist ein Umzug ein Thema, auch in unserem Freundeskreis haben sich viele Leute entschieden aus der teuren Stadt zu ziehen, da sie vom Job her nicht mehr gebunden sind in unmittelbarer Nähe ihres Büros wohnen zu müssen und von zu Hause aus arbeiten können. Da San Francisco vor allem Leute im Tech-Bereich anzieht, ist die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten oftmals kein Problem. Wie sich ein Tech-Hub wie San Francisco in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln wird, wird äusserst spannend zu verfolgen sein.
Frage 5: Sie sind eine junge, äusserst sportliche Frau. Wie sieht Ihre sportliche Freizeitgestaltung in San Francisco zur Zeit aus?
Meine Freunde und Familie wissen alle, dass ich kein “Stubenhocker” bin und ich schnell einen Bewegungsdrang bekomme. Zuerst war ich etwas beunruhigt, was ich ohne Sport mit mir anstellen sollte, aber mein Mann und ich haben in der Garage ein kleines Indoor-Gym gebaut und mit unseren Freunden Workouts über Zoom gemacht. Gott sei dank waren Joggen und Biken noch immer erlaubt. Normalerweise spielen wir Beachvolleyball in jeder freien Minute, aber das war vorerst leider keine Option. Mittlerweile haben wir wieder mit Trainieren begonnen, aber in kleinen Gruppen und möglichst ohne Körperkontakt.
Frage 6: Wie wird die Welt nach Corona aussehen? Was wird sich ändern mit Blick voraus auf die kommenden 365 Tage?
Je länger, desto mehr denke ich, dass sich sehr viel verändern wird in den nächsten Jahren. Vom Reisen zum Einkaufen bis zum Arbeiten und zur Schule gehen.
Wie Personen arbeiten werden, die vom Computer aus arbeiten können, wird sich sehr verändern. Solange die Arbeit gemacht wird, spielt es keine Rolle, von wo aus sie erledigt wird. Wenn Leute wählen können, von wo aus sie arbeiten möchten, wird auch die Mitarbeiterzufriedenheit steigen.
Hoffentlich merken Leute auch, dass Reisen nicht immer notwendig sind und wir daher Flugemissionen reduzieren können.
Name: Aerne
Vorname: Linda
Berufsbezeichnung: Entrepreneurship & Innovation Coordinator - Helping Swiss startups to validate or enter the US market
aktueller Arbeitgeber: swissnex San Francisco
Alter: 27