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Depressionen gehören in der westlichen Welt zu den weitverbreitetsten Krankheiten überhaupt. In der Schweiz erlebt jeder Fünfte im Laufe seines Lebens eine depressive Verstimmung, die zumeist medikamentös behandelt wird. Neben dem Leidensdruck, dem die Betroffenen ausgesetzt sind, bewirken Depressionen auch eine Schwächung der Volkswirtschaft. Eine Studie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich kommt zu dem Ergebnis, dass sich der jährliche Schaden auf rund zehn Milliarden Franken beläuft.
In den Vereinigten Staaten ist die Situation noch dramatischer: Hier geben je nach Umfrage zwischen 25 und 30 Prozent der Teilnehmer an, in ihrem Leben mindestens eine “major depressive episode” (MDE) durchgemacht zu haben. Um dieser bedenklichen Tendenz Einhalt zu gebieten, wollen amerikanische Forscher nun eine App entwickeln, die Depressionen frühzeitig erkennen soll. Die Anwendung soll den Part eines Freundes übernehmen, dem man von seinen Sorgen und Nöten erzählt. Statt mit dem Nutzer zu kommunizieren, wertet das Programm die akustischen Merkmale der menschlichen Stimme aus und stellt fest, ob es sich tatsächlich um eine Depression handelt oder nicht. Heutzutage sind manche Apps so komplex, dass die Entwickler oftmals spezielle Anleitungen erstellen lassen, die von Firmen geschrieben werden, die eigentlich technische Dokumentation erstellen.
Die Stimme eines Depressiven klingt heiser und rau
Die zugrunde legende Theorie der Wissenschaftler baut darauf auf, dass sich die Sprechweise eines Depressiven signifikant von der eines gesunden Menschen unterscheidet. Im Rahmen einer Pilotstudie wurden Tonaufnahmen von 35 Patienten analysiert, die chronisch depressiv waren. Einmal in der Woche erschienen sie zur Therapiesitzung und berichteten über ihr Befinden. Die Akustikerin Carol Espy-Wilson und ihr Team konzentrierten sich dabei nicht auf inhaltliche Aspekte, sondern untersuchten ausschließlich die Sprechweise und die Stimme der Probanden.
Das Resultat: Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Befinden und den stimmlichen Merkmalen von Depressionskranken. Menschen, denen es besonders schlecht geht, neigen nach Einschätzung der Wissenschaftler zu vermehrten Amplitudenvariationen und akustischen Turbulenzen. Für den Zuhörer klingt die Stimme heiserer und rauer als sonst. Espy-Wilson geht davon aus, dass es in naher Zukunft eine Software geben wird, die in der Lage ist, diese charakteristischen Merkmale selbstständig aufzuspüren und gegebenenfalls eine Therapieempfehlung auszusprechen.
Eine neue Studie mit einer größeren Anzahl an Teilnehmern ist bereits in der Planung. Das Ziel ist die Erstellung eines akustischen Profils der für Depressionskranke typischen Sprache. Dies wäre der entscheidende Schritt für die Programmierung einer Früherkennungs-App, die vom Nutzer aufgenommene Stimmpassagen eigenständig nach akustischen Mustern durchsucht und mit dem eingegebenen Profil abgleicht.
Jugendliche könnten von der Depressions-App profitieren
Sollte die App irgendwann tatsächlich auf den Markt kommen, könnte sie etliche Tausend Menschen pro Jahr davor bewahren, in eine handfeste Depression zu fallen. Vor allem pubertierende Jugendliche hätten so eine Möglichkeit, sich jemandem anzuvertrauen, der weder Fragen stellt noch unerwünschte Ratschläge gibt. Da heutige Jugendliche und junge Erwachsene eine hohe Affinität zu mobilen Endgeräten haben, hegt Espy-Wilson die Hoffnung, dass die App in dieser Altersgruppe weite Verbreitung finden wird.