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Kiarostami in der Toscana? Eine Paargeschichte mit Juliette Binoche als Galeristin und einem britischen Buchautor? Kunsttheorie und Beziehungsdiskussionen? Die ersten zehn Minuten setzt Kiarostami alles daran, die Vorurteile am Leben zu halten. Der Vortrag des Schriftstellers ist so pompös wie banal, der junge Sohn der Galeristin ist zuerst quengelig, dann altklug, und als der Schriftsteller die Galeristin dann in ihrem Laden besucht und sie ihn mit dem Auto auf einen Ausflug nach San Gimigniano mit nimmt, fliegen die Erwartungen schon sehr niedrig zwischen den Zypressen durch. Aber dann hält eine alte Wirtin der Frau einen kurzen Vortrag darüber, was wichtig sei an einer Ehe und was nicht. Und die Frau lässt die Alte im Glauben, der Schriftsteller sei ihr Gatte. Und der Schrifsteller spielt mit. Und der Film hebt ab. Plötzlich flammen die Dialoge auf, rinnen Binoche einzelne Tränen übers Gesicht, plötzlich gibt ein Wort das andere, und die Sätze beginnen zu leben, zu schmerzen.
Auch dieser Film von Kiarostami ist also wieder eine Versuchsandordnung mit Menschen, ein Spiel mit Hypothesen und Hypotheken, mit Erwartungen und Erfüllungen, das nur darum allen Erwartungen zum Trotz aufgeht, weil Juliette Binoche Rollen spielen kann, bei denen andere Schauspielerinnen verloren wären. Selbst wenn die Wortwechsel zwischen dem Mann und der Frau manchmal kurz auf dem Papier aufsetzen wie Segelflugzeuge im Thermikloch: Im nächsten Moment schrauben sich die Sätze wieder ins Licht hinauf. Juliette Binoche setzt sich auf die Treppenstufen vor einer Pension und zieht, ohne hinzuschauen, ihre hohen Schuhe aus, massiert sich die Füsse, und man wähnt sich schon wieder in der Realität, nachdem man eben noch leicht amüsiert Drehbuchautor Jean-Claude Carrière bei einem Cameo-Auftritt als ungebetenen Paar-Ratgeber wahrgenommen hat. Copie conforme ist ein verspielter Film, ein Duett für Binoche und Shimell, bei dem Binoche nicht nur die erste Geige spielt, sondern das ganze Kammerorchester.
Copie conforme ist ein Original, beziehungsweise, wie im Film erläutert wird: Eine echte Kopie (weil repräsentative Instanz, bzw. Abbild einer möglichen Wirklichkeit), mithin besser als ein Original, weil sie genau das repräsentiert, was von ihr erwartet wird, ohne Verlustrisiko. Und das macht Kiarostami so schnell keiner nach. Jedenfalls nicht ohne Binoche.