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Hier bloggt der Chef persönlich
Das Buch «Time and again» hat mir gut gefallen, wie man hier nachlesen kann. Der Autor Jack Finney hat 25 Jahre später eine Fortsetzung geschrieben. Sie heisst «From Time to Time» (Wikipedia, Amazon Affiliate) oder zu Deutsch «Im Strom der Zeit» (Amazon Affiliate).
Der zweite Teil vermochte mich nicht ganz so sehr in ihren Bann zu schlagen wie der bezaubernde Auftakt dieses Zeitreise-Abenteuers. Das ist aber nur ein kleiner Vorwurf – denn «Time and again» ist nahezu perfekt, was Stimmung, Atmosphäre und dramatische Wendungen angeht. «From Time to Time» ist ein würdiger Nachfolger, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Kurz zur Geschichte – mit einigen Spoilern: Der Versuch von Hauptfigur Si Morley im letzten Buch, die Zeitreisen zu stoppen, noch bevor sie überhaupt beginnen konnten, ist gescheitert. Major Ruben Prien kommt ihm auf die Schliche und hintert ihn seinerseits, die Geburt des Projektleiters Dr. Danziger zu verhindern. Es scheint sogar so, als ob die Zeitmanipulationen grösser wären als die Projektverantwortlichen jemals beabsichtigt hatten. Es gibt Menschen, die sich an eine zweite Amtszeit von John F. Kennedy erinnern. (Was ein konkreter Brückenschlag zu Stephen Kings «11/22/63» (siehe hier) darstellt). Andere haben gesehen, wie die Titanic unversehrt (hier und hier) in New York angekommen ist.
Das klingt spannend – nach einer Eskalation und mehr Verwicklungen denn je. Morley muss denn auch, widerwillig, wieder eine Zeitreise antreten. Er besucht sein Ursprungsjahrzehnt und wird dort von Prien überredet, nein genötigt, eine letzte Mission anzutreten. Das Ziel ist die Verhinderung des ersten Weltkriegs. Wäre es nicht schön, wenn man die Zeitungen von damals durchblättert und nichts findet über die Schlacht um Verdun? Dieser Dienst an den Europäern und der ganzen Menschheit sei mit einigen gezielten Eingriffen möglich und darum müsse es gemacht werden. (Ob diese Prämisse wirklich stimmt, darüber kann man geteilter Meinung sein. Natürlich hat letztlich ein banales Ereignis den ersten Weltkrieg ausgelöst. Aber so kriegsversessen und blind wie die Machthaber im Europa damals waren, hätte es wahrscheinlich so oder so gekracht.)
Und der Weg zu einem friedlichen 20. Jahrhundert ist verblüffend einfach: Es gibt bereits einen Agenten im Dienst der USA, der in Europa seine Strippen zieht. Er geht jedoch 1912 mit Titanic unter und kann seine Mission nicht zu Ende bringen. Wenn Morley also die Titanic rettet, dann steht der Mission nichts mehr im Weg.
Er begibt sich ins Jahr 1911, um dieses Unterfangen zu wagen – und stürzt sich, wie im ersten Teil, in die Atmosphäre und den Lebensstil jener Zeit. Diese Dekade – so wie Morley sie erlebt – ist geprägt von den Künstlern und Artisten am Broadway. Er sieht «live» seinen Vater, der damals mit dessen Tante zu einem Leben auf den Bühnen der mehr oder minder schäbigen Etablissements gezwungen worde. Er trifft den Flugpionier Frank Coffyn, erlebt einen atemberaubenden Flug über New York und trifft dessen Frau. Und er lernt bei einer bezaubernden Teeparty das «Jotta Girl» kennen.
Nachdem Morley herausgefunden hat, wer der geheimnisvolle Agent ist (nämlich die historische Figur des Archibald Butt), überlegt er sich, wie er den Untergang der Titanic vereiteln könnte. Er reist nach Belfast, wo das Schiff gebaut wird. Doch es gelingt im nicht, den Bau zu verzögern. Und so muss er, verzweifelt wie er ist, selbst ein Ticket lösen und versuchen, während der Überfahrt das Unvermeidliche zu vermeiden.
Das scheint, mit Hilfe von «Jotta Girl» – die sich als Agentin von Dr. Danziger entpuppt, zu gelingen. Doch nur scheinbar. Die Historie nimmt ihren Lauf und die Titanic sinkt. Morley kann sich mit seinem Wissen über den Untergang retten und kehrt in sein selbstgewähltes Exil ins Jahr 1887/1888 zurück.
Und uns bleibt die Frage, ob das wirklich das Ende der Geschichte ist – oder ob Major Ruben Prien noch andere Eisen im Feuer hatte. Denn wie ganz am Anfang im Buch beschrieben: Es gibt Menschen, die sich an einen anderen Verlauf der Geschichte erinnern.
Den Helden, Si Morley, erleben wir in dieser Geschichte als passiver als im ersten Teil. Teilweise ist er wie gelähmt, angesichts der Verantwortung, die in Sachen Titanic und erster Weltkrieg auf ihm lastet. Das ist einerseits verständlich, andererseits aus dramatischer Sicht zu bedauern. Und man fragt sich: Wären mir, an seiner Stelle, mit all dem Vorwissen, nicht Mittel und Wege eingefallen, den Untergang der Titanic zu verhindern? Man denkt Überredung, an Sabotage, an Bestechung…
Vielleicht hatte Jack Finney einen dritten Teil im Kopf. Er ist allerdings kurz nach Veröffentlichung dieses Buchs gestorben, sodass das eine Spekulation bleibt…