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Das 1,5-Grad-Ziel oder das 2-Grad-Ziel sind Teile des Pariser Klimaabkommens von 2015. Dabei wurde ein Grenzwert des globalen Temperaturanstiegs seit der industriellen Revolution (1850) gesetzt, der nicht überschritten werden darf. Damit sollen die negativen Auswirkungen des Klimawandels minimiert werden. Doch ein Forschungsteam des Imperial College London hat nun neue Daten und Berechnungen veröffentlicht. Daraus schliessen sie, dass die Menschheit zur Erreichung dieser Klimaziele noch deutlich weniger CO2 freisetzen darf, als noch im sechsten Weltklimabericht angenommen.
CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel
Das verbleibende CO2-Budget stellt die Nettomenge des Kohlenstoffdioxids dar, welches der Mensch noch emittieren darf, bis er einen gewählten Erderwärmungsgrenzwert – in diesem Fall 1,5-Grad – überschreitet. Die Analysen der Forschenden ergaben, dass das Budget aktuell noch bei etwa 250 Gigatonnen liegt – weniger, als der IPCC 2021 berichtete. Damals ging man jedoch auch davon aus, dass die Emissionen nach der Corona-Pandemie weiter zurückgehen. Das Gegenteil ist eingetreten.
Dennoch zeigten schon die früheren Arbeiten, dass der Temperaturanstieg nicht gross davon abhängt, wann Kohlenstoffemissionen auftreten. Vielmehr ist er von der Gesamtsumme der Emissionen abhängig. Was bisher noch grösstenteils vernachlässigt wurde, ist, dass das verbleibende CO2-Budget von vielen verschiedenen Arten von Nicht-CO2-Emissionen – also Stickoxide, Rußpartikel, Schwefeldioxid und Wasserdampf – zusätzlich reduziert wird.
Die Forscher haben die Berechnung des Budgets daher erweitert. Die Berechnung basiert auf einer Reihe von Szenarien, die den Ausstoss von Kohlendioxid zeitgleich mit anderen Emissionen in Beziehung setzt. Diese durchaus kleineren Korrekturen haben grosse Auswirkungen auf das Ergebnis, denn sie vollziehen sich in einem nichtlinearen System.
CO2-Budget für das 2-Grad-Ziel
Die Studie setzt auch Richtwerte für das 2-Grad-Ziel. Zu dessen Erreichung verbleiben rund 940 Gigatonnen Kohlendioxid – im IPCC-Bericht waren es noch 1.150 Gigatonnen CO2. Um dieses Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent erfolgreich umzusetzen, müssten wir die Emissionen kontinuierlich verringern, sodass wir Netto-Null im Jahr 2070 erreichen. Gelänge die Reduktion auf Netto-Null bereits im Jahr 2050, so erhöhte sich die Chance, in Zukunft in einer «nur» 2 Grad wärmeren Welt zu leben, auf 90 Prozent.
Die Bedeutung der neuen Richtwerte
Heute emmissieren wir weltweit pro Jahr rund 40 Gigatonnen CO2-Äquivalente. Bleiben diese Werte stabil, so wäre das verbliebene Budget für das 1,5-Grad-Ziel in sechs Jahren (2029) aufgebraucht.
Die Forschenden des Colleges sind nicht die ersten, die auf solche Zahlen kommen: Vor gut einem Jahr veröffentlichte die World Meteorological Organization (WMO) ähnliche Prognosen. Auch sie sagen voraus, dass das 1,5-Grad-Ziel deutlich vor dem Jahr 2030 verpasst sein wird.
Wie aus dem obigen schon klar wird, arbeiten solche Studien mit Wahrscheinlichkeiten. Eine exakte Prognose für den Klimawandel gibt es nicht. Zudem können kleine Veränderungen die ganze Rechnung wieder auf den Kopf stellen. Eine leichtfertige Entwarnung ergibt sich daraus nicht: Auf ein Wunder zu hoffen, verbietet sich schon angesichts der bereits beobachtbaren Klimaveränderungen. Es muss weiterhin etwas gegen den Klimawandel getan werden, und zwar zügig. Es ist auch noch nicht zu spät dafür, ihn in erträglichen Grenzen zu halten.
nature: Assessing the size and uncertainty of remaining carbon budgets