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Das musst du wissen
- SpaceX-CEO Elon Musk will, dass in hundert Jahren eine Million Menschen auf dem Mars leben – ein ambitioniertes Ziel.
- Was diese Leute an Nahrung bräuchten, hat eine neue Studie der Universität von Central Florida untersucht.
- Zusätzlich zu irdischen Fresspaketen müssten die Leute Reis anbauen, Insekten essen und künstliches Fleisch züchten.
Menschen, die einst auf dem Mars wohnen sollen, werden wohl selbst Grundnahrungsmittel anbauen, Insekten verspeisen und im Labor künstliches Fleisch und Eier züchten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität von Central Florida, die in der Fachzeitschrift New Space erschienen ist. Die Besiedelung des Roten Planeten ist zwar noch in weiter Ferne. Ginge es aber nach Elon Musk, dem CEO der privaten Raumfahrtagentur SpaceX, dann könnten in hundert Jahren bereits eine Million Menschen auf dem Mars leben.
Der Zeitplan, von dem die SpaceX-Wissenschaftler ausgehen, sieht in etwa so aus: Schon 2024 transportieren erste Raumfähren Nahrung und Ausrüstung zum Mars, zwei Jahre später fliegen zwölf Personen zum roten Planeten. Alle 26 Monate starten weitere Raumfähren zum Mars, jede mit mehreren Hundert zukünftigen Marsianern an Bord. Und die sollen sich im Lauf der Jahre fortpflanzen. So sollen schon in fünfzig bis hundert Jahren eine Million Menschen auf dem Mars wohnen. In hundert Jahren sollen sie genug Nahrung produzieren, um ohne irdische Fresspakete auskommen zu können.
Weil die Menschen auf unbestimmte Zeit auf dem Mars leben sollen und weil dieser so weit weg ist – immerhin rechnen Wissenschaftler mit mehreren Monaten Reisezeit pro Weg – müssen die Marsianer nämlich selbst Nahrungsmittel herstellen können. In der Studie haben die Forschenden untersucht, welche Nahrungsmittelquellen sich am besten dafür eignen würden, und zwar ausgehend vom SpaceX-Zeitplan. Zudem haben sie berechnet, wieviel Essen eine Marsbevölkerung benötigen würde.
Science-Check ✓Studie: Feeding One Million People on MarsKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie Studie stellt hypothetische Berechnungen aufgrund von Daten an, die bereits aus hypothetischen Berechnungen – der Bevölkerung des Mars – stammen. Das Ganze ist also ziemlich spekulativ.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Peer-ReviewedStudien-Art: TheoriestudieGeldgeber: University of Central FloridaAlle Informationen zum higgs-Science-Check
Insekten und gezüchtetes Fleisch
Der Menüplan künftiger Marsianer beinhaltet Grundnahrungsmittel wie Reis oder Kartoffeln. Diese werden im Vorhinein genetisch so modifiziert, dass sie beispielsweise mehr Nährstoffe enthalten oder schneller wachsen. Um diese Pflanzen anzubauen, müssen Marsbewohner aus dem lockerem Material, das auf der steinigen Marsoberfläche liegt, fruchtbaren Boden machen. Dafür entziehen sie ihm gewisse Stoffe wie Salze und fügen Dünger hinzu. Eine Alternative könnte eine Technik sein, die ohne Erde auskommt, die sogenannte Hydroponik.
Insekten, zum Beispiel Grillen, ergänzen die Ernährung. Sie eignen sich als Fleischersatz, weil sie weniger Futter benötigen als Kühe und Schweine. Eine Hürde könnte dabei sein, dass sich viele Leute vor Insekten ekeln. Der Ekel könnte jedoch durch die Verarbeitung der Grillen zu Mehl in Grenzen gehalten werden.
Ein weiterer Ersatz für die Viehzucht findet sich im Labor: Schon heute ist es möglich, Fleisch, Eier, Milch, Fisch und Algen aus Zellen zu züchten. Solches «Clean Meat» braucht gegenüber der klassischen Viehzucht viel weniger Platz und Ressourcen. In Produktionsstätten auf dem Mars soll deshalb auch Clean Meat hergestellt werden.
Zehntausende Raumschiffladungen benötigt
Trotz all dieser Massnahmen müssen in den ersten hundert Jahren, bevor die marsianische Selbstversorgungsschwelle überschritten ist, ganze 53 719 Raumfähren je 100 000 Kilogramm Esswaren zum Mars transportieren. Und diese könnten nur alle zwei Jahre starten, weil dann Erde und Mars viel näher beieinander sind als sonst. Ohne Nahrungsanbau auf dem roten Planeten wären es jedoch fast viermal so viele Transporte.
Eine weitere Herausforderung ist das harsche Klima auf dem Mars. Es wird sehr kalt und der Luftdruck ist um ein Vielfaches tiefer als auf der Erde. Deshalb kann die Landwirtschaft nicht draussen stattfinden. Ein vielversprechendes Konzept sind Tunnels, die künstlich belichtet und geheizt werden können. Bis in hundert Jahren müssten ganze 14 500 Kilometer Tunnel mit einem Durchmesser von etwa dreieinhalb Metern ausgehoben sein. Doch auch hierfür hat Elon Musk das passende Gadget parat: Ein Bohrer seiner Boring Company soll das bewerkstelligen können.