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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar
Erbrecht während der Scheidung?
FRAGE | Vor Jahren habe ich einen grossen Casino-Gewinn gemacht und das Geld gut angelegt. Zudem verdiene ich beruflich überdurchschnittlich. Vor zwei Jahren habe ich geheiratet. Kurz darauf bemerkte ich, dass die Frau nicht mich, sondern mein Geld wollte. Ich habe die Scheidung eingereicht. Sie verzögert jetzt alles. Wir haben weder einen Ehe- noch einen Erbvertrag. Ich habe eine Freundin, und werde bald das erste Mal Vater. Stimmt es, dass mit der Geburt des Kindes meine Noch-Frau kein Erbrecht mehr hat, und alles an mein Kind geht, falls ich sterbe?
ANTWORT | Nein. Ihre Frau ist erbberechtigt, bis die Ehe rechtskräftig geschieden ist. Rechtskräftig heisst, dass Sie nicht nur das Scheidungsurteil in den Händen halten, sondern auch, dass die Frist zur Anfechtung des Urteils ungenutzt abgelaufen ist. Der gesetzliche Erbteil Ihrer Frau beträgt aktuell ¾ des Nachlasses. ¼ erhalten Ihre Eltern. Wenn Sie Vater werden, dann bekommen Ihre Eltern nichts, dafür erhält Ihr Kind ½ der Erbschaft und die Noch-Ehefrau ½. Bis Sie geschieden sind, können Sie das Erbrecht Ihrer Ehefrau aber einschränken,
indem Sie sie auf den Pflichtteil setzen. Es resultiert eine «freie Quote». Sie können bestimmen, dass bei Ihrem Tod während der noch nicht geschiedenen Ehe diese Quote an Ihr Kind geht, falls es lebendig geboren wird, andernfalls (z. B.) je hälftig an Ihre Eltern.
Rechtsfragen können gestellt werden an:
Rechtsfragen können gestellt werden an: Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86, Postfach 4039, 5001 Aarau, E-Mail: <email-pii>