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Nach einem Jahr ist er zurück an der Bande: John Tortorella soll es bei den Columbus Jackets wieder hinbiegen. Wenn man auf die Vergangenheit von Tortorella blickt, scheint es die perfekte Aufgabe für ihn zu sein.
Guess who's back! John Tortorella wagt sich wieder hinter die Bande. Seit gestern ist bekannt, dass der 57-jährige Amerikaner ab sofort die Columbus Blue Jackets übernimmt. Unter Coach Todd Richards hat die NHL-Franchise alle sieben Spiele der Saison verloren. Auch SC Bern-Coach Guy Boucher soll zu den Trainer-Kandidaten gehört haben.
Tortorella gehört zu den unterhaltsamsten Trainern in der NHL. Er ist der José Mourinho des Eishockeys, weil er genau so viel polarisiert wie der Portugiese. Kaum einer legte sich in der Vergangenheit so oft mit den Medien an wie er. Seine Wutausbrüche sind legendär, es wurde höchste Zeit, dass er wieder ein Team coacht. Der Unterhaltung zuliebe. Warum der Trainer perfekt zu den Blue Jackets passt, zeigt uns ein Blick auf seine Vergangenheit.
Die letzten Erfolge von John Tortorella liegen schon ein paar Jahre zurück. Der Amerikaner übernahm ursprünglich die erfolglosen Tampa Bay Lightning im Jahr 2001. Dort baute er mit den damaligen Youngsters Vincent Lecavalier und Brad Richards eine ambitionierte Mannschaft auf. Eine Saison später standen die «Bolts» in den Playoffs und schafften es sogar in die zweite Runde. Dies war zuvor mehrere Jahre keinem Trainer mehr gelungen.
Nur ein Jahr darauf schaffte Tortorella das, was zuvor keiner für möglich gehalten hätte. Er holte mit den «Bolts» den ersten Stanley Cup in der Geschichte der Franchise. Tortorella wurde dafür mit dem Jack Adams Award als bester Trainer der Liga ausgezeichnet.
Es sollte jedoch sein einziger Meisterschafts-Titel in der NHL bleiben. Es folgte der «Lockout» in der Saison 04/05, bei dem die komplette Saison ausfiel. Danach konnte Tortorella nicht mehr an den alten Erfolg anknüpfen und wurde am Ende der Spielzeit 07/08, bei der sein Tampa Bay den letzten Tabellenplatz belegte, entlassen.
Tortorella arbeitete darauf für kurze Zeit beim Sportsender «TSN» als Experte, ehe er im Frühling 2009 die New York Rangers übernahm. Fast vier Jahre lang versuchte Tortorella mit einer qualitativ hervorragenden Mannschaft den Stanley Cup zu holen, scheiterte jedoch abermals. Dies hatte zur Folge, dass er auch bei den Rangers seine Sachen packen musste.
Es folgte einer der bisher grössten Tiefschläge in der Karriere des Trainers. Tortorella wurde 2013 bei den Vancouver Canucks angeheuert und am Ende einer erfolglosen Saison wieder entlassen. Es war bis zu seinem aktuellen Job seine letzte Station.
Viele NHL-Trainer sind bekannt dafür, ein dünnes Nervenkostüm zu haben. Doch keiner toppt Tortorella. Dies zeigt ein Beispiel aus seiner Zeit bei den Canucks. Im Januar 2014 waren die Calgary Flames in Vancouver zu Gast. Der frühere ZSC-Coach Bob Hartley schickte von Beginn weg seine Prügellinie auf das Eis. Tortorella reagierte noch vor der Partie und tat dasselbe. Es folgte ein «Line Brawl», sprich alle aufgestellten Spieler prügelten sich auf dem Eis.
Ingesamt wurden in der Partie 204 Strafminuten erteilt. Für Tortorella gab es nach dem ersten Drittel kein Halten mehr. Der damalige Canucks-Trainer wollte Bob Hartley in der Kabine an der Kragen. Zum Glück waren da noch einige Spieler dazwischen, sonst hätte es wohl auch noch zwischen den Trainern Prügel gegeben. Die Liga sperrte ihn darauf für 15 Tage.
Tortorella meinte damals zur Partie: «Ich kenne diesen Typen auf der anderen Seite, ich musste so reagieren. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich würde es wieder tun.» Hartley und Tortorella mochten sich noch nie. Daraus machen sie kein Geheimnis. Es ist eine Trainerfeindschaft wie jene zwischen Mourinho und Wenger.
Entweder man liebt ihn, oder man hasst ihn. Tortorella ist einer, der Niederlagen nicht einfach einsteckt, sondern zu jeder Zeit austeilen kann. Und auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als wäre er seit dem Gewinn des Stanley Cups erfolglos, so hat er doch eine erstaunliche Bilanz von 446 NHL-Siegen auf seinem Konto. Nicht zu unrecht wird er auch das Team USA am World Cup of Hockey trainieren.
Wenn man so auf die Karriere des Amerikaners zurückschaut, dann ist er bei den Columbus Blue Jackets auf jeden Fall gut aufgehoben. Die Blue Jackets erreichten 2014 zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte die Playoffs, blieben jedoch sonst ohne nennenswerten Erfolg. Die Mannschaft muss neu aufgebaut werden und genau dies liegt Tortorella, wie er schon bei den «Bolts» bewiesen hat.