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Natürlich weiss das Kind nicht, wieviel das Entrecôte kostet, das es zum Znacht will, oder das Velo, das es geschrottet hat, oder der Flug zur Feriendestination, in der alle seine Freunde dieses Jahr Ferien machen. Und selbst wenn es diese Dinge wüsste, wären ihm die Verhältnisse nicht klar.
So fragte mich mein Kind 2 vor einiger Zeit am Flughafen, warum wir nicht Business Class fliegen. Ich sagte, weil ein Upgrade knapp 2’000 Franken kostet und ich mir die nicht leisten kann. Worauf sich folgende Diskussion ergab: Kind: «Hast du keine 2’000 Franken auf deinem Konto?» Ich: «Doch, aber nicht für ein Upgrade.» Kind: «Warum nicht?» Ich: «Ich brauche sie für andere Dinge. Krankenkasse, Versicherungen, Steuern, Essen.» Kind: «Musst du das alles heute bezahlen?» Ich: «Nein, aber bald.» Kind: «Aber du arbeitest doch und bekommst Geld. Kannst du dann nicht jetzt das von dem Geld bezahlen, was du jetzt hast, und das, was du später bezahlen musst, zahlst du von dem Geld, das du später bekommst?»
Ein total unangebrachtes Drama
Schön wärs. Aber ich kanns dem Kind nicht verübeln, dass es keine Ahnung davon hat, dass 2’000 Franken für mich unverhältnismässig viel Geld sind für ein Flug-Upgrade. (Auch wenn ich mir im Nachhinein nicht erklären kann, wie es überhaupt auf die Idee kam, wir sind nie Business Class geflogen.) Ich selbst habe mit 18 das Auto meines Vaters geschrottet, und fand, er mache ein total unangebrachtes Drama wegen eines bisschen Blechs. Er konnte ja froh sein, dass mir nichts passiert war.
«Selbst wenn das Kind sein Leben zu einem guten Teil selbst finanziert, kann es die richtig teuren Dinge – Krankenkasse, Versicherungen, Miete – nicht einordnen.»
Meine Kinder haben eben nur eine sehr beschränkte Ahnung davon, was das Leben kostet. Und hier liegt das Problem dieser bescheuerten Frage im Titel. Denn erstens ist das nicht ihr Fehler. Und zweitens haben sie nicht überhaupt keine Ahnung, sondern ihnen fehlen gewisse Informationen über gewisse Verhältnisse. Kind 2 befindet sich in einem Praktikumsjahr und weiss somit, wieviel es arbeiten muss, um eine gewisse Summe zu verdienen. Aber selbst wenn es sein Leben zu einem guten Teil selbst finanziert, kann es die richtig teuren Dinge – Krankenkasse, Versicherungen, Miete – nicht einordnen. Kind 1, das, abgesehen vom Babysitten hin und wieder, noch nie selbst Geld verdient hat, hat inzwischen zwar herausgefunden, dass das Leben, welches es führen möchte, nicht ganz im Verhältnis zu seinem Taschengeld steht, was es aber eher aufs Taschengeld schiebt als auf seine Wünsche (auch wenn es Freunde hat, die bei gleichem Sackgeld nicht ständig pleite sind. Kind 1 weiss auch nicht, wie die das machen.)
Zeit für Lohntransparenz
«Sind wir arm?», fragte Kind 1 bestürzt, als mir kürzlich mal wieder diese Frage rausrutschte. «Nein, aber es gibt einfach Dinge, die wir uns nicht leisten können.» So kam ich zum Schluss, dass es wohl Zeit für Lohntransparenz in den eigenen vier Wänden ist. Das Gespräch scheiterte allerdings bereits nach dem ersten Satz: «Du verdienst wieviel? Und ich bekomme nur 300 Franken Sackgeld? Da müssen wir gar nicht weiterreden!»