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„Verändert das Experiment den Lauf der Dinge? Und falls ja – was ist dann mit dem Jetzt? Wenn wir nachträglich den Lauf der Dinge ändern?“ Martin Suter „Die Zeit, die Zeit.“
Ein Mann glaubt nicht, dass es die Zeit gibt. Es gäbe nur Veränderung.
Ein Schriftsteller glaubt nicht, dass die Zeit alle Wunde heilt. Es sei nur eine falsche Annahme.
Ein Tee, der nicht an der Zeit verfestigt ist, ändert sich und verändert anderen, die mit ihm in Berührung kommen. Es gibt nur Aufnahme von Momente.
Mein Fuss ist verletzt. Ist die Verletzung so stark und die Schmerzen unerträglich, dass ich diese Vergangenheit am liebsten in meinem Körper vertuschen möchte? Möchte ich die Momente vor dem Unfall festhalten und glauben, dass die Zeit nicht existiert?
Kann ich alles so rekonstruieren, dass ich den Lauf der Dinge ändern? An jenem Tag?
Kann man den Lauf der Dinge festhalten, nur weil man sich nicht entscheidet?
An vergangen Sonntag reisten viele Teefreunde extra nach Zürich, um einen Tag den Tee zu widmen. Zweifelsohne sind wir alle sehr beschäftigt und haben kaum Zeit, Zeit zu verschwenden. Für Tee schaufelt man den Raum für Zeit.
Ich erwarb vor vier Jahren einen Lishan Hochlandsoolong 1987 von Atong anstatt einen sexy IWC Uhr zu kaufen. Ich liebe schönen Uhren, vielleicht auch den schönen Arm, der eine schöne IWC trägt.
1987, eine andere Zeit in Lishan, wo der Garten noch wild sein durfte und Bäume wie in alter Zeit gepflegt wurden. Mein Lehrer Atong macht den Lishan-Qingxin-Oolong und verkaufte an einem Teebauer aus Dongding. Dieser schlaue Teebauer erwarb diesen Tee und nahm damit an dem Wettbewerb in Dongding teil. Dieser Tee bekam den höchsten Preis 1987 in Dongding Berg.
Ich wollte diesen Tee kaufen, als eine Momentaufnahme, als eine Dokumentation für meinen geliebten Lehrer und als ein Experiment, ob die Zeit existiert. Ich wollte ihn „schlachten“, wenn Shui Tang 1 Jahr alt wurde.
Ich war zu geizig und schlachte ihn erst an dem 3jährigen Geburtstag Shui Tang an vergangenen Sonntag.
Ich bin nicht sicher, ob ich den Lauf der Dinge nachträglich beeinflussen will. Ich meine, mich anders zu entscheiden, auch wenn die Dinge erneut versucht werden können. Ich meine mit Wollen, nicht können.
Lishan 1987 war für mich paradiesisch. Leichte Pfirsig-Note und südliche zwarte Blumen. Ich ahnte von Marzipan, beflügelt mit Holzspuren. Meine Nase steigt auf dem Birneberg (Lishan), leise und sanft. Die Schritt des Pfads ist leise, weich und samtig. Unter einem Baum träumt man von sommerlichen Sternhimmel. Früchte oder Baumstamm – etwas dazwischen war ich.
Die Verletzung des Fusses eröffnet mir eine neue Welt. Ein neues Bewusstsein von Möglichkeiten. Ich habe verstanden, dass das Muster, wie ich mit meinem Körper umging, nicht mehr weiter geht. Die Zeit wird meinen Fuss nicht heilen. Der Fuss wurde ab jenem Moment einfach anders. Aber mein Bewusstsein kann es verändern, so zu verändern, dass es sich zu Gutem wendet. Auch ich kann es lernen.
Ich sagte zu den Teefreunde, dass ich diesen Lishan 1987 am liebsten allein trinken würde. Für mich existiert die Zeit nicht. Bei jedem Schluck kann ich mich an jenem Sommer 1987 erinnern und lerne die Vergangenheit zu lieben. Bei jedem Schluck freue ich mich, dass es Veränderung für immer gibt.