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[* 1] eine Vorrichtung, durch welche die
Beschotterung auf Kunststraßen festgedrückt wird. Seit 1830 wendet
man von
Pferden gezogene S., seit 1860 Dampfwalzen an. Erstere wurden anfangs aus
Stein, neuerdings ausschließlich ausGußeisen
hergestellt und durch Wasserfüllung oder
Steine belastet. Sie sind 1,5-2 m hoch, 1-1,3 m breit und wiegen 3-7,5 t. Die Dampfwalzen
wiegen 15-20 t, belasten aber die
Straße nicht wesentlich mehr, da die Last auf mehrere
Walzen verteilt ist.
Die Dampfstraßenwalze
[* 2] besteht aus einem auf einem Fahrgestell montierten Dampfkessel,
[* 3] Lokomotivkessel,
mit einer, ähnlich wie bei den
Lokomobilen,
[* 4] auf demselben angeordneten Dampfmaschine,
[* 5] von der aus die sehr breit und schwer
ausgeführten Laufräder vermöge Zahnradübersetzung langsam angetrieben werden. Die Vorderwalzen können vom Führerstand
aus um eine vertikale
Achse gedreht werden, wodurch das Lenken der
Maschine
[* 6] bewirkt wird. (S. vorstehende Abbildung.)
Kriegslehre, d. h. die
Lehre
[* 11] von der
Heerführung, der Kriegführung im großen. Sache der T. ist es, den
Kriegsplan zu entwerfen, den strategischen Ausmarsch der
Armee zu bestimmen und die
Operationen zu leiten.
Die S. rechnet nur mit sog. strategischen Einheiten (s. Einheit), denen
sie die auf die Erreichung eines bestimmten Zweckes berechneten
Bewegungen vorschreibt; sie sucht sowohl die aus den angeordneten
Bewegungen hervorgehenden partiellen
Zusammenstöße als namentlich auch die meist in einer großen
Waffenentscheidung (Hauptschlacht) bestehende Krisis der
Operationen unter möglichst günstigen Verhältnissen herbeizuführen
und betrachtet dann die (positiven oder negativen) Ergebnisse dieser Zusammenstöße als vollendete
Thatsachen, mit denen
sie zu rechnen und denen sie ihre fernern
Entwürfe anzupassen hat.
Alles, was sich auf die thatsächliche Durchführung der Märsche und der Zusammenstöße
(Gefechte,
Schlachten)
[* 12] bezieht, ist Sache der
Taktik. Im Gegensatz zu den verwickelten strategischen
Entwürfen früherer
Zeiten ist die heutige S.
zu den einfachsten Grundsätzen zurückgekehrt. Man sichert sich die
Vorteile der
Initiative, sucht die feindlichen Schwächen
zu erkennen und auf dem entscheidenden Punkte mit überlegenen Kräften zu erscheinen. Vor allem sucht
man die
Entscheidung nicht wie vielfach früher in der Besitznahme sog. dominierender Punkte oder
Abschnitte des
Kriegsschauplatzes (noch im Feldzuge von 1814 spielte in dieser
Beziehung das Plateau von Langres im Hauptquartier
der Verbündeten eine unglaublich alberne Rolle), sondern direkt in der Zertrümmerung der feindlichen Heeresmacht; dieser
geht man energisch zu Leibe und sucht eine schnelle
Entscheidung herbeizuführen. Die großen
Massen der modernen
Heere zwingen
zu einer
Trennung für den
Marsch, die
Unterkunft und
Verpflegung. Die Kunst der S. besteht vornehmlich in rechtzeitiger
Vereinigung der
getrennten
Teile zur Entscheidungsschlacht. («Getrennt marschieren, vereinigt schlagen.»)
Ein zuverlässiges
Nachrichtenwesen und gesicherte rückwärtige
Verbindungen sind von höchster Bedeutung.
-
Vgl. Fréderic II., Œvres completes; Napoleon I., Maximes de guerre und Correspondance;
Jomini, Précis de l'art de guerre;
von
Clausewitz, Werke über Kriegführung (Berl. 1832-37);
Eisenbahnen, Eisenbahnen, für deren Herstellung besonders Rücksichten auf die Landesverteidigung
maßgebend sind. Die Entwicklung des Eisenbahnwesens hat dahin geführt, daß seine Ausnutzung zu Kriegszwecken
für die Versammlung der Heere, für eine beschleunigte Versetzung derselben von einem Kriegsschauplatz auf einen andern, für
den Nachschub im weitesten Sinne des Wortes, für alle Transporte von totem Material in den Vordergrund getreten ist.
Nicht immer fallen die Interessen des friedlichen Verkehrs mit den strategischen Interessen der Landesverteidigung
zusammen, und manche Bahnlinie ist, obwohl sie vom Standpunkt des friedlichen Verkehrs noch für absehbare Zeiten keine oder
nur geringe Rentabilität verspricht, ausschließlich aus strategischen Rücksichten gebaut. Solche Bahnen nennt man S. E.
im engern Sinne; im weitern Sinne aber bezeichnet man mit diesem Ausdruck überhaupt solche voneinander unabhängige durchgehende
Bahnlinien, welche gleichzeitig zum Aufmarsch der Heere an der Grenze benutzt werden können.
Bei den gewaltigen Massen lebenden und toten Materials, welche bei dem strategischen Aufmarsch eines modernen Heers fortzuschaffen
sind, ist es unbedingt erforderlich, das vorhandene rollende Material einer Bahnlinie in unausgesetzter Folge immer von neuem
zu benutzen, ohne im Transport der Gesamtheit eine Pause eintreten zu lassen. Ein doppeltes Gleis ist
daher ein Haupterfordernis für eine wirklich strategische Bahnlinie.
Die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen durch Ausbau des strategischen Netzes, durch Legung der zweiten Gleise
auf bisher eingleisigen Strecken, durch Vervollkommnung der Betriebsmittel, durch Schaffung zahlreicher mit den
nötigen Vorrichtungen zum Aus- und Einladen der Truppen versehener Stationen sowie andererseits die Sicherung der für den
Aufmarsch bestimmten Eisenbahnlinien gegen überraschende feindliche Unternehmungen, teils durch Befestigungsanlagen, teils
durch entsprechende Truppendislokationen schon im Frieden, sind Aufgaben einer jeden Heeresverwaltung.
Für die Wichtigkeit der S. E. spricht der Umstand, daß nach dem Kriege von 1870/71 in allen großen Heeren
Eisenbahntruppen geschaffen worden sind, denen im Kriegsfalle nicht nur der Betrieb der Eisenbahnen, sondern auch die Herstellung
zerstörter und der Bau neuer Linien obliegt.
Deutschland,
[* 16] das infolge seiner innerpolit. Gestaltung vor 1870 für den AusbauS. E. wenig gethan hatte, so daß
Frankreich anfangs einen wesentlichen Vorsprung hatte, hat erst seitdem den S. E. gebührende Aufmerksamkeit zugewendet. 1870 bestanden
nur 9 Linien, welche für den Aufmarsch an der Westgrenze benutzt werden konnten; jetzt dagegen 16 zweigleisige von Ost nach
West laufende Linien und über 19 Eisenbahnübergänge über den Rhein. Für den Aufmarsch an der Ostgrenze
stehen 11 Bahnlinien zur Verfügung, welche durch eine entsprechende Anzahl von Querlinien parallel der ausgedehnten östl.
Grenze verbunden sind. Alle wichtigern Küstenpunkte der Ost- und Nordsee sind durch leistungsfähige Bahnlinien mit dem Innern,
sowie durch Küstenbahnen untereinander verbunden.
Frankreich
verfügt über 10 voneinander unabhängige, fast durchweg zweigleisige Bahnlinien für
den Truppentransport nach der Ostgrenze; die Erbauung von Parallellinien für einzelne wichtige Strecken auch zu drei Gleisen
und von zahlreichen Ausläufern nach der Grenze erfolgte meist in rein militär. Interesse.
Österreich-Ungarn
[* 17] hat in erster Linie auf die Sicherung eines raschen und ungestörten Aufmarsches der Armee im nördl. Galizien
Bedacht genommen, um hier womöglich der drohenden russ. Invasion zuvorzukommen und selbst die
Offensive zu ergreifen; fünf leistungsfähige Linien führen aus dem Innern der Monarchie nach dem galiz.
Grenzgebiet.
Rußland ist bei dem mit großem Eifer betriebenen Ausbau seines Eisenbahnnetzes ausschließlich von strategischen Gesichtspunkten
ausgegangen, indem es in erster Linie die Möglichkeit eines raschen Aufmarsches seiner Armee an der Südwestgrenze
anstrebte, zweitens aber auch bei der Anlage seiner ausgedehnten Schienenwege die Ausbreitung der russ. Macht in Central- und
Ostasien und den schließlich doch unvermeidlichen Zusammenstoß mit England ins Auge
[* 18] faßte.
Dem erstern Zweck diente der Ausbau der Bahnnetze in Polen und in den Grenzdistrikten zwischen der galiz.-rumän.
Grenze und dem Dnjepr, sowie derjenigen Linien, welche aus dem Innern nach diesen Grenzdistrikten führen; dem letztern Zweck
verdankten die Schienenwege nach der Grenze Asiens und dem Kaukasusgebiet, sowie die Transkaspische Eisenbahn (s. d.) und die
teilweise bereits eröffnete Sibirische Eisenbahn (s. d.) ihre Entstehung. Aus dem
Innern führen zur Zeit 6 Hauptlinien mit verschiedenen Verzweigungen und Zufuhrlinien konzentrisch nach der stark befestigten
Weichsellinie und der galiz. Grenze, über die Weichsellinie hinaus nach der poln.-preuß.
Grenze zu ist die Weiterführung der wirtschaftlich wünschenswerten Eisenbahnverbindungen wenig gefördert, während eine
Anzahl teils bereits fertiggestellter, teils im Bau begriffener Linien dazu bestimmt sind, eine bessere
Verbindung des südwestl. Rußlands mit der galiz.-rumän. Grenze zu schaffen und eine schnelle Versammlung großer
Truppenmassen im Militärbezirk Kiew
[* 19] zu ermöglichen.
Italien
[* 20] hat zwei durchgehende Hauptlinien, welche die ganze Halbinsel an der Küste des Adriatischen und Tyrrhenischen Meers
entlang durchziehen, mit ihren Verzweigungen die Hauptorte der lombard.
Tiefebene berühren und im Verein mit der Linie Rom-Bologna bestimmt sind, die ital. Armee von den verschiedenen Punkten der
langgestreckten Halbinsel nach der lombard. Tiefebene zu befördern. In dieser selbst ermöglichen zwei leistungsfähige Querverbindungen
mit zahlreichen Nebenlinien und Ausläufern den Aufmarsch sowohl der franz. wie der österr. Grenze gegenüber.
Die S. E. Italiens
[* 21] sind vielfach der Gefährdung durch feindliche Flotten ausgesetzt, ihre Sicherung hängt daher von dem Schutz
ab, den die ital. Flotte ihnen bietet.
gezwungen auf die eine oder die andere Seite übergetreten, so dehnt sich die S. F. bis zum Kanal
[* 25] aus. Denkt man sich Deutschland
und Italien gegen Frankreich verbündet, so wird die S. F. der beiden Verbündeten durch die Schweiz unterbrochen.
Aufmarsch einer Armee, die Versammlung und Bereitstellung derselben bei Beginn eines
Feldzuges in der durch den Kriegsplan bestimmten Strategischen Front (s. d.), in der sie der eigenen Basis den Rücken zukehrt.
Im allgemeinen wird es das beiderseitige Bestreben sein, die eigene strategische Aufmarschlinie möglichst nahe an die eigene
polit. Landesgrenze vorzuschieben, um sich dadurch das nach Lage der Sache größtmögliche Basisgebiet
zu sichern; andererseits kann auch die Rücksicht auf unbedingte Sicherung des S. A. dazu führen, denselben nicht bis dicht
an die Grenze, sondern weiter rückwärts hinter einen schützenden Abschnitt zu verlegen. Da es in den meisten Fällen sehr
wenig zweckentsprechend sein würde, die gesamten verfügbaren Streitkräfte auf die ganze strategische Front
gleichmäßig zu verteilen (Cordonsystem, s. Cordon), so gestaltet sich der erste S. A. zugleich auch immer zu einer Massengliederung
der Armee, vermöge deren sie nur an einem oder an einigen wenigen Punkten der strategischen Front ganz oder in größern
oder kleinern Teilen versammelt wird. Die Auswahl dieser Punkte wird abhängig sein einerseits von den
diesseits beabsichtigten wie von den jenseits vorausgesetzten Operationen, andererseits ist die Zahl und Richtung der benutzbaren
Strategischen Eisenbahnen (s. d.) dabei von bestimmendem Einfluß.
Umgehung, im Gegensatz zur Strategischen Durchbrechung (s. d.) die Operationen einer Armee von einem oder
beiden Flügeln aus gegen den Feind. Eine Armee, deren Basis länger ist als die feindliche, kann von einem
Flügel dieser ihrer umfassenden Basis aus gegen einen Flügel des Feindes operieren und so dessen Verbindungen bedrohen, ohne
die eigenen zu gefährden; ein Sieg wird also große Erfolge, eine Niederlage aber voraussichtlich keine zu
schlimmen Folgen haben. Eine in diesem Sinne, d. h. mit vereinter Kraft
[* 26] von einem Flügel der eigenen Basis aus geplante Operation
nennt man, wenn sie in der strategischen Offensive zur Anwendung kommt: eine einfache S. U.; wenn sie den Zwecken der strategischen
Defensive dienen soll: Einnehmen einer strategischen Flankenstellung.
Noch größern Nutzen vermag natürlich eine Armee aus ihrer umfassenden Basis zu ziehen, wenn sie von
beiden Flügeln und womöglich auch von der Mitte gleichzeitig mit getrennten Kräften gegen den Feind operiert, in welchem
Falle sich ihr die Möglichkeit bietet, dem Feinde seine sämtlichen Verbindungen mit einem Schlage zu entreißen. Eine derartige
Operation, die allerdings nur bei bedeutender Überlegenheit an Kräften ohne Bedenken unternommen werden kann, nennt
man eine doppelte S. U. Kommt diese Operation in defensivem Sinne zur Anwendung, so besteht sie in dem Einnehmen mehrerer strategischer
Flankenstellungen. Die doppelte S. U. ist unter Umständen mit dem Operieren auf der äußern Linie gleichbedeutend.
(S. Innere Linie.)
Alexios Melissenos, byzant. Feldherr, schlug Okt. 1259 Michael II. Angelos von Epirus in der Ebene von
Pelagonia, eroberte
dann Arta und Jannina, wurde aber bei Trikoryphos geschlagen und gefangen genommen. Bald wieder freigelassen,
wurde S. mit dem Oberbefehl in Thrazien betraut und überrumpelte Konstantinopel in der Nacht zum
wodurch er der Herrschaft der Lateiner ein Ende machte und den Einzug Michaels VIII. (15. Aug.) ermöglichte. Nach der Einnahme
Konstantinopels kämpfte S. von neuem gegen das epirot. Despotat, geriet wieder in Gefangenschaft, wurde aber bald ausgetauscht.
Als die Pforte sich weigerte, dem Vertrage der Mächte vom (s. Griechenland,
[* 31] Geschichte) beizutreten,
brach S. d. R. im Verein mit dem franz. Gesandten alle Verhandlungen ab und begab sich nach London zurück. Aufs neue
wurde er im Nov. 1831 als außerordentlicher Gesandter an die Pforte abgeordnet, und diesmal erhielt er
deren Zustimmung zu der vorgeschlagenen Grenze Griechenlands, wie sie auch von den übrigen Mächten anerkannt wurde. 1832 folgte
eine ergebnislose Mission nach Portugal;
[* 32] seine Ernennung zum Botschafter in Petersburg 1833 mußte rückgängig gemacht werden,
da KaiserNikolaus sich weigerte, diesen energischen Gegner der russ. Orientpolitik zu empfangen.
Wie er schon vorher zeitweilig im Unterhause aufgetreten war, so beteiligte er sich jetzt mehrere Jahre
hindurch an den Verhandlungen, mehr durch sein sachverständiges Urteil als durch die ihm abgehende parlamentarische Beredsamkeit
wirkend. 1842-58 war er mit mehrern UnterbrechungenBotschafter in Konstantinopel und bemühte sich hier mit Erfolg, den engl.
Einfluß vornehmlich gegenüber Rußland zur Geltung zu bringen. Dazwischen war er 1846 in England, 1847 auf
einer Mission nach der Schweiz. 1852 wurde er als Viscount S. d. R. ins Oberhaus erhoben.
Nach seiner endgültigen Rückkehr von Konstantinopel 1858 nahm er seinen Sitz im Oberhause ein. Während der russ.-türk.
Verwicklungen der J. 1875-78 lieferte er noch in Briefen an die «Times» mehrfach interessante Beiträge
über die Orientalische Frage im Sinne der Politik Lord Beaconsfields. Erwähnenswert ist auch eine die Ereignisse mehr als
eines halben Jahrhunderts reflektierende Gedichtsammlung S. d. R.s, die u. d. T. «Shadows
of the past» (Lond. 1865) erschien. S. d. R. starb
¶
mehr
in London. Er hinterließ auch noch ungedruckte Memoiren.-
(spr. strättf'rd öpp'n ehw'n), Municipalborough im SW. der engl. Grafschaft Warwick, am rechten
Ufer des Upper-Avon, der hier schiffbar wird, Eisenbahnknotenpunkt, 23 km im SW. von Warwick, mit (1891) 8318 E.,
ist berühmt als Geburts- und Sterbeort Shakespeares. In der Henley-Straße steht noch das einstöckige, aus Fachwerk
[* 34] erbaute,
mit Giebeln versehene alte Geburtshaus, jetzt Nationaleigentum und restauriert, mit kleinem Museum. Begraben liegt er in
der schönen Dreifaltigkeitskirche (Holy Trinity) im spätgot.
Stil (15. Jahrh.), welche neben andern Denkmälern die Steinbüste des Dichters birgt.
In dem nahen Dörfchen Shottery ist die Hütte, in welcher Shakespeares Gattin Anne Hathaway geboren wurde, noch erhalten; auch
wird der Park von Charlecote-Hall gezeigt, in dem Shakespeare Wilddieberei getrieben haben soll und dessen BesitzerThomas
Lucy er in den «Lustigen Weibern von Windsor» als Richter Shallow verspottete. Auch ein kleines Memorial-Theater und das Innere
der Town-Hall sind seinem Andenken geweiht. S. führt den Namen (angelsächs. Stretford) von der hier durch eine Furt des Avon
gehenden Straße und ist schon seit dem 8. Jahrh. bekannt. Hier wurde 1764 (unter
Garricks Leitung) das 200jährige, 1864 das 300jährige GeburtsfestShakespeares gefeiert.
L., Wasserscheer, Krebsscheer, Wassersäge, Pflanzengattung aus der Familie der Hydrocharidaceen
(s. d.) mit nur einer Art, in stehenden Gewässern des mittlern Europas, S. aloïdesL., einer ausdauernden, untergetauchten
Wasserpflanze mit rosettenartig stehenden linearen Blättern und eingeschlechtigen, mit sechsteiligem Perianthium versehenen
weißen Blüten, die bis an die Oberfläche des Wassers emporragen.
(Frutex), im Gegensatz zum Baum (s. d.) ein Holzgewächs, dessen Stamm sich von der Wurzel
[* 47] an in mehrere Äste teilt, die als Einzelstämme erscheinen. Eine andere Form von strauchartigen Gewächsen sind die Halbsträucher
(suffrutices), die den Übergang von den Holzgewächsen oder ausdauernden Kräutern bilden. Halbsträucher sind solche ausdauernde
Gewächse, deren über dem Boden erscheinende, aber niedrig bleibende und strauchartig verästelte Stengel
[* 48] holzig werden.
Hinsichtlich der Verwendung im Garten
[* 49] unterscheidet man: Decksträucher, die sich wegen ihres hohen und dichten Wuchses zur
Deckung von Mauern u. s. w. und zur Bildung des Hintergrundes niedriger Gehölzgruppen eignen (Cornus masL., der Kornelbaum);
Vorsträucher, die wegen ihrer geringen Höhe in den Vordergrund der Gruppen gestellt werden müssen
(Spiräen, Deutzien u. s. w.);
niedrige Äpfel, die keinen Stamm bilden; sie sind als Zieräpfel wegen ihrer schönen Blüten und Früchte
in den Gärten bekannt und dienen außerdem zum Teil als Unterlagen für edle Zwergäpfelbäume. Als Zieräpfel verdienen
die weiteste Verbreitung: Pirus spectabilisL. var. floribundaSieb., die selten über 2‒3 m Höhe erreicht
und im Frühjahr mit Blüten, im Herbst mit kleinen Äpfeln übersät ist. Baumartiger wird Pirus baccataL., mit vielen Spielarten;
die Früchte dieser Art werden eingemacht und zur Obstbereitung verwendet. Als Unterlage für den edlen
Apfel dient Pirus pumila Mill.;
wertvoll für diesen Zweck sind zwei Spielarten: der Johannisapfel und der Splitt- oder Süßapfel (Doucin der Franzosen);
[* 50] (Struthio, s. Tafel: Straußvögel
[* 56] Ⅰ), eine Gattung aus der Ordnung der Straußvögel (s. d.). Der gemeine oder
afrikanische S. (StruthiocamelusL.,
[* 50]
Fig. 2), welcher der größte unter allen jetzt lebenden Vögeln ist, lebt in
den Wüsten Afrikas, und seine ganze Organisation ist, wie bei dem Kamel, für den Aufenthalt in der Wüste eingerichtet.
Die Färbung ist im männlichen Geschlecht tiefschwarz, die Flügelfedern schneeweiß, die nackten Beine und der Hals tiefrot;
das Gefieder des Weibchens einfarbig grau und ebenso gefärbt sind die Beine und der Hals.
Seine Länge beträgt 2‒3 m und sein Gewicht 40‒50 kg. Die Flügel sind zum Fluge ungeeignet
und mit langen, weichen, zerschlitzten Schwungfedern besetzt. Dafür sind aber seine Füße außerordentlich entwickelt,
sehr stark und hoch, selbst an den Schenkeln nackt, mit dichter, lederartiger Haut überzogen und nur mit zwei, nach
vorn gerichteten schwieligen Zehen (s. vorstehende Abbildung) versehen. Mit ihnen kann er einen
1,3 m langen Schritt machen, der aber beim schnellen Laufen zum 3 m langen Sprunge wird.
Seine Schnelligkeit ist daher auch so groß, daß selbst die besten
Pferde
[* 57] den S. nicht einzuholen oder doch ihm nicht lange
zur Seite zu bleiben vermögen. Gegen Verfolgung sucht der S. sein Heil stets in der Flucht, und nur, in die Enge getrieben,
verteidigt er sich durch Hiebe mit dem Schnabel und durch Schlagen mit den Füßen und den Flügeln. Seine Nahrung besteht
nur aus Pflanzen. Sehr groß ist aber seine Gefräßigkeit, wie auch die Kraft seiner Verdauung, die hauptsächlich
durch einen Vormagen unterstützt wird, der einen sehr kräftig auflösenden Saft absondert.
Der S. lebt in Polygamie. Ein Männchen versammelt vier bis sechs Weibchen in einem Nest, einer ausgescharrten Grube, um sich.
Jedes Weibchen legt 12‒16 gelbe glänzende Eier
[* 58] mit tiefen Poren, von denen jedes 1,40 kg schwer ist
und drei hungerige Personen vollauf zu sättigen vermag; jedoch steht ihr Geschmack bedeutend unter dem der Hühnereier. Die
harten, festen Eierschalen dienen den Eingeborenen jener Gegenden zu Gefäßen. Das Brüten besorgt bei den S. das Männchen
und nur ausnahmsweise wird es auf kurze Zeit von einem der Weibchen abgelöst.
Die Eier werden während der Nacht regelmäßig bebrütet, bei Tage aber oft längere Zeit mit Sand bedeckt, und es bleibt
der Sonne
[* 59] das Brutgeschäft überlassen. Die Jungen haben ein strohähnliches Gefieder. An Stelle des gemeinen S. tritt im Somalland
der Somalistrauß (Struthio molybdophanes Rehb.), dessen Männchen durch den blauen Hals und die blauen,
rot geschilderten Beine von jenem unterschieden ist, während im Damaraland eine dritte Art, Struthio australis Gurney, vorkommt,
dessen Männchen grauen Hals und Beine hat und weiter gelbe Umränderung der roten Beinschilder und des roten Schnabels.
Die Jagd auf S. ist sehr schwierig. Die Araber hetzen ihn zu Pferde in Trupps, die sich verteilen und ablösen,
bis das müde Tier sich erschöpft in den Sand streckt (s. Taf. Ⅰ,
[* 50]
Fig. 1). Man jagt den S. wegen der schönen zerfaserten
Deckfedern des Schwanzes und der Flügel (Straußenfedern), die aber jetzt im Orient einen höhern Wert
als in Europa
[* 60] haben. Die besten Straußenfedern erhält man aus dem Innern Nordafrikas, wo man die S. deshalb als Haustiere
hält, um ihnen jene Federn auszuziehen, was binnen zwei Jahren dreimal geschieht.
Gegenwärtig züchtet man die Vögel
[* 61] am Kap, in Algerien,
[* 62] Argentinien und Südkalifornien; die Federn der
wilden S. stehen indessen höher im Preise. Die Körperfedern des Männchens sind schwarz, die des Weibchens braun; nur die
Schwingfedern und Schwanzdecken sind schneeweiß, bisweilen mit schwarzem Saum oder schwarzer Spitze. Die Haut und das Fett
der S. werden gleichfalls benutzt; das Fleisch der erwachsenen S. ist aber hart, schwarz und unschmackhaft.
Auf den europ. Tiermarkt gelangen alljährlich kleine Trupps afrikanischer S., früher meist der gemeine, jetzt häufiger
der Somalistrauß und nur ganz vereinzelt der Damarastrauß. Der Preis beträgt für das Männchen etwa 800 M., für das
Weibchen 700 M. Als Futter erhalten die S. viel Salat und Kohl, dazu Hafer,
[* 63] Mais und Möhren. Auch die Zugabe
von kleinen Knochen
[* 64] und Knorpeln ist für ihr Wohlbefinden von Nutzen.
Über die amerikanischen S. s. Nandu; über den australischen s. Emu. -
Vgl. Forest, L’autruche, son utilité, son élevage
(Par. 1894).
¶
[* 50] David Friedr., theol. Schriftsteller, geb. zu Ludwigsburg
[* 66] in Württemberg,
[* 67] studierte im theol. Seminar
zu Blaubeuren und im theol. Stift zu Tübingen,
[* 68] wurde 1830 Pfarrvikar und 1831 Professoratsverweser am Seminar zu Maulbronn, ging
dann nach Berlin, um Hegelsche Philosophie zu studieren und Schleiermacher zu hören, wurde 1832 Repetent
am theol. Seminar zu Tübingen und hielt zugleich philos. Vorlesungen an der Universität. Infolge seines «Lebens Jesu» wurde
S. seiner Repetentenstelle enthoben und als Lehrer an das Lyceum zu Ludwigsburg versetzt, welches Amt er schon 1836 wieder aufgab,
um in Stuttgart
[* 69] zu privatisieren. Im Febr. 1839 wurde S. vom Erziehungsrate zu Zürich,
[* 70] hauptsächlich auf Betrieb
des Bürgermeisters Hirzel, als Professor der Dogmatik und Kirchengeschichte an die dortige Universität berufen; allein diese
Ernennung rief im Kanton
[* 71] große Aufregung hervor, die sich durch die Pensionierung des kaum berufenen Professors nicht mehr
beschwören ließ, sondern den Sturz der Regierung (6. Sept.) zur Folge hatte. Seitdem war S. wieder auf schriftstellerische
Thätigkeit angewiesen. Er wurde 1848 in den württemb. Landtag gewählt, wo er eine polit.-konservative Haltung zeigte,
die ihm eine Mißfallensadresse zuzog, infolge deren er im Dez. 1848 sein Mandat niederlegte. Er lebte seitdem zeitweilig
in Heidelberg,
[* 72] München und namentlich in Darmstadt,
[* 73] siedelte 1872 nach Ludwigsburg über und starb daselbst Vermählt
war S. mit der Sängerin Agnese Schebest.
Sein Hauptwerk, «Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet» (2 Bde.,
Tüb. 1835; 4. Aufl. 1840), wurde für die Entwicklung der prot. Theologie epochemachend, sofern es die aussichtslosen Streitigkeiten
zwischen Orthodoxie und Rationalismus über die übernatürliche oder natürliche Auffassung und Erklärung
der evang. Berichte abschloß und die Notwendigkeit einer wissenschaftlich-quellenkritischen Behandlung der Evangelien erkennen
ließ; und zwar gerade dadurch, daß S. durch den Mangel jeder Quellenkritik in seinem Werke dazu geführt wurde, die Geschichtlichkeit
jener Berichte so gut wie völlig preiszugeben und letztere aus einer unbewußt erfolgten Mythenbildung
in den urchristl. Gemeinden herzuleiten. Das Buch rief eine große litterar. und kirchliche Bewegung hervor und wurde zugleich
die Hauptveranlassung zu der Spaltung der Hegelschen Schule (s. Hegel). S. suchte sich zunächst in den «Streitschriften»
(3 Hefte, Tüb. 1837) mit seinen Gegnern auseinanderzusetzen, während er in seinen
«Zwei friedlichen Blättern» (Altona
[* 74] 1838) seine Sache von der mildern Seite darzustellen suchte.
Von einer versöhnlichen Stimmung zeugen auch die in der 3. Auflage des «Lebens Jesu» (1838) gemachten Zugeständnisse, die
er aber in der 4. Auflage (1840) wieder zurücknahm. Sein zweites Hauptwerk: «Die christl. Glaubenslehre in ihrer geschichtlichen
Entwicklung und in ihrem Kampfe mit der modernen Wissenschaft» (2 Bde.,
Tüb. 1840‒41),
enthält eine scharfe Kritik der einzelnen Dogmen in Form einer geschichtlichen Erörterung ihres Entstehungs-
und Auflösungsprozesses. Als Vorarbeit zu diesem Werke ist die Abhandlung«Über Schleiermacher und Daub» zu betrachten, die
in seinen «Charakteristiken und Kritiken» (Lpz.
1839) abgedruckt ist. Ferner veröffentlichte S. «Der Romantiker auf dem Throne der Cäsaren, oder Julian der Abtrünnige» (Mannh.
1847),
welche Schrift durch die
Streiflichter, die sie auf eine hochgestellte Persönlichkeit (Friedrich Wilhelm Ⅳ. von Preußen)
[* 75] warf, Aufsehen erregte; «Sechs theol.-polit. Volksreden» (Stuttg.
und Tüb. 1848),
«Reimarus und seine Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes» (Lpz. 1862; 2. Aufl.,
Bonn 1877) und «KleineSchriften biographischen, litterar- und kunstgeschichtlichen Inhalts» (Lpz. 1862),
denen sich später eine zweite Sammlung (Berl. 1867; beide in 2. Aufl.,
Bonn 1877) anschloß; endlich die für die damalige Prinzessin (nachmalige Großherzogin) Alice von Hessen
[* 77] gearbeitete und
ihr gewidmete meisterhafte Monographie «Voltaire. Sechs Vorträge» (Lpz. 1870; 8. Aufl., Bonn 1895). Alle
diese Arbeiten zeichnen sich aus durch Gediegenheit der Forschung, Beherrschung des Stoffs und Glanz derDarstellung.
Als 1863 Renans «Leben Jesu» erschien, ließ S. eine Neubearbeitung seines
ersten Hauptwerkes «Das Leben Jesu für das deutsche Volk bearbeitet» (Lpz. 1864; 8. Aufl., Bonn 1895) erscheinen, die bald
in mehrere fremde Sprachen übersetzt wurde. An der weitern, polemisch bewegten Litteratur über das Leben
Jesu beteiligte sich S. unter anderm mit der Schrift «Der Christus des Glaubens und der Jesus der Geschichte» (Berl. 1865),
die
gegen Schleiermachers «Leben Jesu», und einer zweiten: «Die Halben und die Ganzen» (ebd. 1865),
die gegen
Schenkel und Hengstenberg gerichtet war. Um dieselbe Zeit erschien auch sein geistvoller Vortrag über «Lessings
Nathan der Weise» (Berl. 1865; 3. Aufl., Bonn 1877).
Sein letztes Werk «Der alte und der neue Glaube. Ein Bekenntnis» (Lpz. 1872; 14. Aufl., Bonn 1895) lieferte den Beweis, daß
S. ebenso, wie 30 Jahre zuvor LudwigFeuerbach, aus dem Hegelschen Lager
[* 78] in dasjenige des Materialismus
übergegangen war. Es giebt teils eine Polemik gegen die religiöse Weltanschauung, teils den Aufbau einer materialistischen
Weltbetrachtung. Dieselbe stützt sich auf die Naturwissenschaft, schließt sich der Darwinistischen Hypothese an und setzt
an die Stelle des religiösen Trostes den ästhetischen Optimismus, der in der künstlerischen Produktion
und dem künstlerischen Genuß die Erhebung über die Leiden
[* 79] der Wirklichkeit findet.
Der Flut von Erwiderungen, die auch dies Buch fand, setzte S. ein «Nachwort als Vorwort» (Bonn 1873) entgegen. Bald nach seinem
Tode wurde unter Redaktion seines Freundes E. Zeller die Herausgabe seiner «Gesammelten
Schriften» (12 Bde., Bonn 1876‒78) begonnen, die unter Ausschluß der specifisch theol. und dogmatischen Schriften neben seinen
Hauptwerken besonders die von ihm hinterlassenen «Litterar. Denkwürdigkeiten» und die formvollendeten «Gedichte» enthalten.
Auch «Ausgewählte Briefe» von S. (Bonn 1895) gab Zeller heraus. –