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Preise
Der Preis ist der Wert eines Gutes oder einer Dienstleistung, der beim Tausch realisiert wird. Von Preis spricht man dann, wenn das Kauf-Verkaufs-Geschäft tatsächlich abgewickelt wird. Er wird üblicherweise in nationalen Geldeinheiten (Franken, Euro, Dollar …) pro Stück, pro Mengeneinheit oder pro definierte Dienstleistungseinheit festgelegt, respektive vereinbart. Im Detailhandel ist der Preis unter Einbezug von Verpackung und Mehrwertsteuer (indirekte Steuer) definiert. Nach der schweizerischen Preisbekanntgabeverordnung muss im Detailhandel der Verkaufspreis eines Gutes angeschrieben werden. In Selbstbedienungsläden ist kein Aufdruck mehr zwingend, aber es gilt die Preisanschreibpflicht an der Auslage, am Ladengestell. Die vom Verkäufer angegebenen Verbrauchspreise sind verbindlich. Im Grosshandel und im Handel von Business to Business (B2B) können auch andere, branchenübliche Preisdefinitionen praktiziert werden, zum Beispiel Listenpreise für eine definierte Leistung unter Einbezug von Steuern, Anlieferung, Montage und Servicegarantie. Die Preise im Detailhandel (in der Optik der privaten Konsumenten) und die Preise im Grosshandel (in der Optik der Händler, Produzenten oder Importeure) werden vom Staat periodisch erfasst. In der Schweiz verantwortet das Bundesamt für Statistik die Preiserhebungen, Datenverarbeitung, Gewichtung und Publikation.
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) erfasst die Endverkaufspreise der Gebrauchs- und Verbrauchsgüter für die privaten Haushalte. Die monatlich erhobenen Preise (von rund 70 000 Konsumgütern) werden, ausgehend von einem Basiszeitpunkt, indexiert. Auch die Mietpreise (inkl. Energiekosten) sind im LIK enthalten, werden aber nicht monatlich nachgeführt. Die Krankenkassenprämien werden im LIK nicht abgebildet, wohl aber die Preise der Komponenten in Form von Einzelpreisen im Gesundheitsbereich (Medikamente, Ärztetarife, Spitaltarife usw.). Der LIK insgesamt (gewichtet mit den Preisen der einzelnen Komponenten) zeigt an, um wieviel Prozent die Konsumgüter gegenüber dem Vormonat oder Vorjahr für einen Durchschnittshaushalt gestiegen oder gefallen sind. Steigen die Konsumentenpreise (LIK), spricht man von Teuerung oder Inflation. Sinken die Konsumentenpreise vorübergehend, spricht man von Negativteuerung oder Deflation. Werden die häufig schwankenden Preise für Erdölprodukte und Saisongemüse aus dem Index herausgerechnet, spricht man von Kernteuerung oder Kerninflation.
Sozialpolitisch sind Preise und der LIK in vielerlei Hinsicht relevant. Sie stehen im Zusammenhang mit den Lebenshaltungskosten und der allgemeinen Kaufkraft: je teurer das Leben, desto mehr wirken sich die Preise auf die Kaufkraft der Bevölkerung aus. Als «Verständigungsindex» – also von allen Sozialpartnern akzeptiert – hat der LIK eine sozialpolitisch wichtige Funktion betreffend der Anpassung der Löhne an die Teuerung (Indexierung). In manchen Arbeits- und Gesamtarbeitsverhältnissen wird die jährliche Anpassung der Löhne an Preise zugesichert. Damit soll die Kaufkraft der Löhne (also der Wert des Geldes in Gütern gemessen) erhalten bleiben. Die Doktrin der automatischen Indexierung der Löhne, also die vollständige, dauernde Anpassung an die Preisentwicklung, ist unter dem Druck der Konkurrenzverhältnisse in den letzten Jahren stark aufgeweicht worden.
Der LIK ist auch ein wichtiger Parameter bei der Anpassung von Sozialleistungen, namentlich der AHV-Renten und der Ergänzungsleistungen (EL). Die AHV-Renten und die EL müssen periodisch an die Preis- und Lohnentwicklung in der Gesamtwirtschaft angepasst werden (gemäss der Formel: LIK-Entwicklung plus Lohnentwicklung durch zwei). Diese sozialpolitisch motivierte Formel dient der Kaufkrafterhaltung der Altersrenten. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) empfiehlt, auch die Sozialhilfebeiträge im Gleichschritt mit den Anpassungen bei der AHV und der EL anzupassen. Nicht alle Kantone folgen dieser Vorgabe.
Die Preisentwicklung hat auch eine indirekte Verteilungswirkung. Bei stark erhöhter Preisentwicklung (Inflation) verlieren die Sparer reale Kaufkraft auf ihren Ersparnissen, während die (Hypothekar-)Schuldner entsprechende Vorteile aus der Teuerung ziehen können. Wirtschaftspolitisch wichtigste Instanz zur Beeinflussung der Preise, namentlich bei der Bekämpfung der Teuerung, ist die Schweizerische Nationalbank. Mit ihrer Geld- und Währungspolitik bekämpft sie die starke Teuerung, – nach aktueller Doktrin vor allem dann, wenn der LIK den Wert von 2 % pro Jahr übersteigt.
Laut dem in Wirtschaftslehrbüchern viel zitierten Markt-Modell richten sich die Preise nach dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage. Angebotskurven und Nachfragekurven sind vorgestellte Preis-Mengen-Paare. Der effektive Marktpreis müsste demzufolge dort zu liegen kommen, wo sich Angebots- und Nachfragekurven schneiden. In der Wirtschaftswirklichkeit gibt es jedoch nur selten gänzlich freie Marktpreise, die diesen Bedingungen genügen. Dies ist etwa beim Rohstoffhandel, also bei homogenen, vergleichbaren Waren, der Fall. Eine Vielzahl von Preisen sind administrierte Preise. Diese werden durch staatliche Steuerung oder Besteuerung beeinflusst, zum Beispiel die Preise für Postbriefe, Strom, Wasser, Abwasser, Bahnen, Medikamente, Friedhofsnutzung, landwirtschaftliche Produkte. Viele Preise werden durch Monopolanbieter einseitig festgelegt, wie etwa bei leitungsgebundenen Lieferungen von Wasser, Elektrizität, im Schienenverkehr, in der Festnetz-Telecom. Öfters werden sie durch mächtige Unternehmen oder durch Absprachen von privaten Anbietern bestimmt, etwa die Preise von Heiz- und Treibstoffen, Markenartikeln, Importprodukten bei Alleinimportverträgen (sog. Vertikalbindung). Schliesslich können Preis- und Wettbewerbsabsprachen zwischen Anbietern oder zwischen Nachfragern aufgrund der Wettbewerbsgesetzgebung bekämpft werden. In der Schweiz ist aufgrund des Kartellgesetzes die Wettbewerbskommission (Weko) dafür zuständig. Bei staatlich administrierten Preisen und leitungsgebundenen Anbietern (sog. Technischen Monopolen) ist demgegenüber gesetzlich eine Prüfung durch die Preisüberwachung vorgesehen.
Auch gibt es in der Wirtschaftswirklichkeit sehr gravierende Preisverzerrungen. Insbesondere sind die Lieferpreise mancher Konsumgüterimporte durch einen «Schweiz-Zuschlag» seitens der ausländischen Lieferanten im internationalen Vergleich überhöht. Man spricht von der «Hochpreisinsel Schweiz». Schweizerische Detailhandelsfirmen und Grossverteiler können manche Markenartikel nicht direkt beim Hersteller im Ausland, sondern nur indirekt über einen Alleinimporteur in der Schweiz beziehen, der höhere Beschaffungspreise verrechnet. Die Hochpreisproblematik ist dann auf eine Wettbewerbsbeschränkung beim Import (so genannte selektive Vertriebsorganisationen) zurück zu führen. Die Folge davon ist, dass die (vor allem grenznahe) Bevölkerung durch Einkaufstourismus ins Ausland ausweicht, was ein sozialpolitisches Problem darstellt, weil dieser Konsumvorteil je nach Distanz zur Grenze unterschiedlich genutzt werden kann.
In den letzten Jahren ist das Lehrbuchmodell der freien Preisbildung durch Angebot und Nachfrage in der Marktwirtschaft ohnehin immer stärker in Frage gestellt worden. Zum einen widerspiegeln die Marktpreise oft nicht die ökologische Wahrheit, weil sie die Folgekosten bei externen Betroffenen (sog. Externe Kosten) nicht abbilden, zum Beispiel Kosten der Luftverschmutzung oder der Gewässervergiftung. Die inzwischen immer wichtigere Nachhaltigkeitsdebatte setzt an diesen Kosten an, die bislang zumeist von der Allgemeinheit getragen wurden und im steigenden Masse den Ruf nach nachhaltigeren Produktionsmethoden, etwa in der Landwirtschaft oder Industrie, laut werden lassen.
Zum anderen wird das Wettbewerbsmodell der freien Preisbildung selbst in der Theorie durch die Verhaltensökonomie (behaviour economics) in Frage gestellt. Sie berücksichtigt das irrationale Verhalten der KonsumentInnen durch raffinierte Werbung, Manipulation, Herdeneffekte, Panik-Reaktionen, Impulskäufe und bezweifelt ein zweckrationales Verhalten der KäuferInnen, wie es im abstrakten Modell des Homo Oeconomicus lehrbuchmässig unterstellt worden ist.
Literaturhinweise
Bundesamt für Statistik. https://www.bfs.admin.ch/
Bundesamt für Statistik (Hrsg.) (2018). Landesindex der Konsumentenpreise: Gewichtung 2018. Neuenburg: Bundesamt für Statistik.
Kutzner, S., Mäder, U., Knöpfel, C., Heinzmann, C. & Pakoci, D. (2009). Sozialhilfe in der Schweiz: Klassifikation, Integration und Ausschluss von Klienten. Zürich: Rüegger.