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Der Wetterhornaufzug bei Grindelwald wurde am 27. Juli 1908 eröffnet und war die erste öffentliche Luftseilbahn für den Personenverkehr der Schweiz. Eigentlich war es nur die erste von vier geplanten Etappen auf das 3692 Meter hohe Wetterhorn, doch die Fachwelt war begeistert.
Der Reiseführer «Baedeker» beschrieb die rund neun Minuten dauernde und 420 Höhenmeter überwindende Fahrt über den damals noch bis zum Hotel Wetterhorn reichenden Oberen Gletscher als «interessant». Und die «Techniker Zeitung» beschreibt ein Jahr nach der Eröffnung den Aufzug als «…erste moderne Luftseilbahnanlage der Welt…».
Die Idee dazu hatte allerdings nicht ein Schweizer. Sie kam von Wilhelm Feldmann. Der deutsche Ingenieur war Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner Familie nach Bern gezogen, nachdem er 1901 in Wuppertal, zusammen mit dem Unternehmer Eugen Lange, das ehrgeizige Projekt einer Schwebebahn realisiert hatte.
Feldmann wird als hartnäckig beschrieben. Ausdauer brauchte er auch für die Projektierung der Wetterhornbahn. Er überlegte, wie man Schienen durch Drahtseile «ersetzen» könnte. Seine Konstruktion sollte ohne Bahntrassee und Geleise und ohne Masten über den darunterliegenden Oberen Gletscher führen. Mit einer 116-prozentigen Neigung war seine Bahn denn eher auch ein Aufzug als eine Luftseilbahn. Daher der Name «Wetterhornaufzug». Das überforderte das Denken von manch einem Zeitgenossen.
Der Aufzug war bei seiner Eröffnung die erste elektrische Luftseilbahn der Schweiz, die ausschliesslich für den Personentransport gedacht war. Unter anderem mit zwei unabhängigen Bremssystemen mit Fangbremsen, automatischem Stromunterbruch bei zu grosser Geschwindigkeit und 45 Millimeter dicken Stahlseilen. Damit war die Bahn auch eine der ersten überhaupt mit ausgeklügeltem Sicherheitssystem, welches Feldmann rechtlich schützen liess. Die Gemeinde Grindelwald sah darin eine weitere hervorragende Touristenattraktion und unterstützte den deutschen Ingenieur in finanzieller Hinsicht und stellte das Land zur Verfügung.
1905 begann der Bau der ersten Etappe zur Station Enge auf 1670 Meter über dem Meer. 1907 erhielt die Bahn die definitive Konzession. Im ersten Betriebsjahr 1908, welches bis September dauerte, machte der Wetterhornaufzug 1880 Fahrten. Während der sechsjährigen Betriebszeit blieb es durchschnittlich bei dieser Anzahl Fahrten. Die einfache Fahrt kostete 3 Franken 50. Für die Hin- und Rückfahrt musste der schwindelfreie Fahrgast 5 Franken berappen.
Wilhelm Feldmann erlebte die Eröffnung «seiner» Bahn nicht mehr. Er starb am 2. Juni 1905 – erst 52 Jahre alt – an den Folgen eines Gehirnschlages. Vielleicht wurden die geplanten drei weiteren Stationen auch deshalb nie gebaut. Oder, der Nachteil, dass die Talstation des Wetterhornaufzuges beim Hotel Wetterhorn ausserhalb Grindelwalds lag, wog zu schwer.
Sicher nicht geholfen hat ausserdem, dass die zweite Etappe nicht direkt an die erste Bergstation angeschlossen, sondern rund 750 Meter weiter oben gebaut werden sollte. Auch wenn die Konzessionäre dies mit blumigen Bemerkungen, wie den zu erwartenden «grotesken Felsbildern» und dem «wunderbaren, immer wechselnden Vordergrund von Gletschern und Gipfeln» zu beschönigen versuchten.
Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs kam auch das Ende des Wetterhornaufzugs. Die fehlenden Touristen versetzten der ersten Luftseilbahn der Schweiz den Todesstoss. Die Konzession, die für 20 Jahre ausgestellt worden war, wurde nie erneuert. Als ein Felssturz die untere Station der Bahn zerstörte, war das Kapitel Wetterhornaufzug endgültig Geschichte.
Schweizer Städte sind meist aus einem mittelalterlichen Kern heraus organisch gewachsen. Ausnahmen sind etwa La Chaux-de-Fonds oder Le Locle, die beide nach einem Grossbrand neu auf einem schachbrettartigen Grundriss aufgebaut wurden. Heute sind Planstädte – manchmal etwas pejorativ Retortenstädte genannt – oft eine Lösung für Probleme, die sich in aus allen Nähten platzenden Metropolen anhäufen.