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"Der Wiener ist ein mit sich sehr unglücklicher Mensch, der den Wiener hasst, aber ohne den Wiener nicht leben kann, der sich verachtet, aber über sich gerührt ist, der fortwährend schimpft, aber will, dass manihn fortwährend lobt, der sich elend, aber eben darin wohlfühlt, der immer klagt, immer droht, aber sich alles gefallen lässt, nur nicht, dass man ihm hilft - dann wehrt er sich." Für den 6. Band der Reihe Bibliothek der Erinnerung wurde aus Hermann Bahrs grossem Œuvre eine seiner kleinen Schriften ausgewählt – sein 1906 veröffentlichter gleichermassen liebevoller wie bitterböser Essay über Wien. Hermann Bahr war Schriftsteller, Kritiker und Essayist zur vorletzten Jahrhundertwende. Er arbeitete als Redakteur, Regisseur und Dramaturg in Berlin, München und Wien, wo er viele Jahre seines Lebens verbrachte. Als Literaturtheoretiker war er an der Definition neuer Stilrichtungen beteiligt, verfasste aber auch selbst im Laufe seines Lebens über 40 Theaterstücke, vor allem Gesellschaftskomödien, und zehn Romane.