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Lass dich vom Bösen nicht besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute. (Römerbrief 12,21)
Heute vor 76 Jahren am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa, der sechs Jahre gedauert hat. Die Zahlen der Opfer und Getöteten sind schwer zu schätzen, sie reichen bis zu 80 Millionen.
Für mich ist das ein besonderer Tag.
Meine Grosseltern haben sich im Jahr 1942 bei der Schlacht in Stalingrad, einer der bekanntesten Schlachten im Zweiten Weltkrieg, kennen gelernt. Mein Opa war schwer verletzt und Oma, die für die medizinische Versorgung vor Ort zuständig war, spendete ihm Blut. Sie ist beinahe selber fast gestorben, soviel Blut hat sie spenden müssen. Ich habe sie als Kind oft gefragt, was das für Narben auf ihrem Arm sind. Sie musste oft spenden, darum entstand auf dem Arm so eine Vernarbung, antwortete sie.
Meine Grosseltern mochten den 8. Mai nicht, ich fragte meine Oma warum sie an dem Tag besonders traurig ist und weinen musste, wenn doch viele Menschen an dem Tag feiern und sogar ein Feuerwerk abbrennen? Meine Oma , die eine sehr starke Frau war, antwortete sanft: „Mein Kind, viele unserer Freunde sind in dem Krieg gestorben, aber ohne den Krieg hätte ich deinen Opa nicht kennengelernt“.
Als ich meinen Mann mit 18 Jahren kennen lernte, habe ich mir Sorgen gemacht, wie ich meiner Oma, die noch am Leben war, sagen sollte, dass ich einen Deutschen heiraten möchte.
Ich bin zu ihr gekommen, zitterte und sagte: „Oma, erlaubst du mir einen Deutschen zu heiraten?“ Wie immer antwortetet sie ruhig und sanft: „Mein Kind, der Krieg ist lange her, ihr seid nicht verantwortlich für die Fehler, die die Generation Eurer Grosseltern gemacht haben“.
Gott, ich bitte Dich um Frieden.
Amen
Anna Hemme-Unger