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In der Übersicht
Es geht um eine empirische Rekonstruktion von Sanktionsregimen auf der Grundlage eines mehrphasigen Forschungsdesigns. Die übergeordnete Fragestellung lautet: Welche Sanktionsregime lassen sich in der stationären Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe identifizieren und welche Chancen und Risiken gehen damit für das professionelle Handeln und die Adressat*innen einher?
Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Projektphasen (A-C):
(A): Zunächst erfolgt eine Analyse der fachlichen Debatten über Strafe in der Heimerziehung im deutschsprachigen Raum sowie der französisch- und italienischsprachigen Schweiz innerhalb der letzten zehn Jahre. Ziel ist die Systematisierung des Diskurses entlang seiner zentralen Argumentations- und Diskussionslinien.
(B): Es erfolgt eine nationale Vollerhebung (schriftlicher, standardisierter Fragebogen) in allen Institutionen für die stationäre Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe. Diese liefert erstmals potenziell repräsentative Befunde zu organisational-administrativen und pädagogischen Grundorientierungen als wesentliche Einflussgrössen für die Handhabung von Sanktionen.
(C): Auf dieser Grundlage werden anschliessend, basierend auf einer Clusterlösung, 20 Fälle ausgewählt und umfassende qualitative Fallstudien durchgeführt. In dieser Phase geht es darum, (1) professionelle und pädagogische Selbstverständnisse auf der Ebene von Teams und deren Beziehung zu den institutionsspezifischen, organisational-administrativen und pädagogischen Grundorientierungen und (2) die Ausgestaltung, das Erleben und Bewältigen von Sanktionen auf Seiten der Kinder, Jugendlichen und Fachkräfte zu rekonstruieren. Schliesslich wird eine Typologie von Sanktionsregimen erarbeitet.
In wissenschaftlicher Hinsicht eröffnen die Ergebnisse des Projekts die Möglichkeit für einen systematischeren, sachlicheren und inhaltlich vertiefteren Diskurs hinsichtlich der Chancen und Risiken von unterschiedlichen Sanktionsregimen der stationären Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe. Bezogen auf die berufliche Praxis bieten die Ergebnisse des Projekts den Einrichtungen und Fachkräften eine kritische Reflexions- und Orientierungsfolie hinsichtlich ihrer Bewirtschaftung von Sanktionspraxen. Darüber hinaus ermöglichen die Ergebnisse auch die Entwicklung von (bisher fehlenden) Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Das Projekt zeichnet sich also durch seine Anwendungsorientierung und seine Relevanz für Praxis und Wissenschaft aus.