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Schwyzerstrasse 9
Ein Urtyp des Felckhauses
Das Haus an der Schwyzerstrasse 9 wurde im Jahr 1253 erbaut. Bekannt ist es auch unter dem Namen «Schürmannhaus». Im angebauten Stall hielt man 1950 noch Ziegen und über der Stallung war eine Schuhmacherwerkstatt eingerichtet.
Das Schürmannhaus ist ein Urtyp des Felckhauses mit ehemals zentraler Feuerstelle. Erstaunlich ist, dass der Kernbau vollumfänglich erhalten ist. Lediglich die vergrösserten Fenster stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Einzelstösse an den Fassaden signalisieren die Trennwände der Kammern. Das Haus weist auch keine Klebedächer auf, da diese erst ab dem 17. Jahrhundert Mode wurde. Auffällig sind auch die extrem kleinen Fenster. In der Stube findet sich eine reiche Ausmalung mit Blatt- und Blumenranken. Das Haus wurde 1995 vorbildlich und mit viel Herzblut von deren Besitzerin Silvia Künzli-Schürmann restauriert.
Auf der Vorderseite wurden keine Fensterläden angebracht, da es vermutlich früher Ziehläden hatte.
Merkmale zu der Bauweise vom 13. Jahrhundert:
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Fassadenbündige Bodenbohlen
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Einzelvorstösse an den Fassaden bei den Kammertrennung
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Extrem kleine Fenster sowie Lüftungslöcher
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Keine Klebedächer
Vor der Restaurierung befand sich das Haus in einem sehr schlechten Zustand. So war das ganze Haus sehr stark in Richtung der Strasse abgesunken. Die Kellermauern waren durch das mehrfache Aufschütten der Strasse stark in Mitleidenschaft gezogen worden und befanden sich bezüglich der Statik in einem sehr schlechten Zustand. Der rückseitige Anbau, eine Leichtkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert, drohte zusammenzubrechen.
Nach reiflicher Überlegung wurde folgendes Restaurierungskonzept erarbeitet:
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Abbruch des rückseitigen Anbaues und Ersatz durch einen Neubau, in welchem die notwendigen Nassräume und Erschliessungen zweckmässig untergebracht werden konnten.
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Anheben der Hauptfront um ca. 20 cm
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Neue Unterkellerung des ganzen Gebäudes, um die Statik in Ordnung zu bringen.
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Vollständiges Ausräumen des Innern des Altbaues. Dies war zu verantworten, da keine erhaltenswerte spätere Substanz überlieferbar war. Vielmehr hatten jüngere Einbauten zu einem absoluten Verunklären der alten Raumstruktur geführt.
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Beibehalten der Fenstergrösse des 18. Jahrhunderts. Dies rechtfertigte sich insofern, als der westseitige Anbau dendrochronologisch ins 18. Jahrhundert datiert werden konnte.
Mit diesen Massnahmen konnte der Kernbau vollumfänglich erhalten bleiben. Einzig die Bodenbohlen mussten ersetzt werden. Nach dem Ausräumen des Hauses konnte dessen Baugeschichte näher untersucht werden. Der Kernbau, der sich auf die Zimmertiefe und Ansätze im Mittelbereich beschränkt (vermutlich Küche), konnte dendrochronologisch ins letzte Drittel des 13. Jahrhunderts datiert werden. Ein genaues Holzfälldatum war nicht festzulegen, da kein Balken Rindenkanten besass. Westseitig dürfte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert ein erster Anbau verwirklicht worden sein. Davon blieb lediglich ein Balken mit Rillenfriesen erhalten. Der heute bestehende Anbau datiert aus der zweiten Hälfte der 18. Jahrhunderts.
Ein Pestloch ist an der Aussenfassade noch gut sichtbar. Es wurde vermutlich genutzt im Stile von Durchreichen von Speisengaben, der in der Stube eingeschlossenen Pestkranken.
Zur Zeit des ersten Anbaus im 16. Jahrhundert wurde die rundbogige Stubentüre des 13. Jahrhunderts nach Westen verlegt. Zum gleichen Zeitpunkt wurde die Stube im Erdgeschoss um Balkendichte vollständig erhöht und ausgemalt. Reste der direkt auf die Wandbohlen applizierten ornamentalen Malereien fanden sich auf allen Innenwänden, inklusive des verschlossenen, alten Stubenzugangs.
Konserviert wurde die relativ gut erhaltene Fläche auf der Gangseite der Stube. Die Malerei zeigt einen mit einfachen Mitteln scheinpespektivischen Sockel, darüber breiten sich grosszügigen Blumen- und Blattranken aus. Es handelt sich um das übliche Repertoire der späteren Renaissance.
Dank umsichtiger Planung konnten zwei grosszügige Wohnungen übereinander verwirklicht werden, in welche die alte Bausubstanz soweit möglichst integriert und sichtbar belassen wurde. Das Äussere besitzt heute das Aussehen des 18. Jahrhunderts. Auf das Anbringen von Klebedächern wurde verzichtet.
Das Haus Schürmann ist ein wichtiges Beispiel geworden für die Konservierung eines Gebäudes, das auf den ersten Blick kaum mehr zu retten war. Wo heute die Küche ist, hielt früher die Grossmutter (Schürmann-Giger) Ziegen und Hühner. Die Grossmutter ging früher täglich zum Gras sammeln in die Au aufs eigene Landstück ob der Choli.
Der Vater Giger-Schürpf hatte eine kleine Schuhmacherwerkstatt oberhalb des Ziegenstalles, und ging zu den umliegenden Bauersleuten auf die Stöhr. Er war verheiratet mit Marie und zusammen hatten sie drei Kinder, zwei Mädchen und ein Junge. Und eine davon war die erwähnte Marie Schürmann-Giger (1887 bis 1972).
Den Vater Giger zog es aber von der Schuhmacherwerkstatt in die Welt des Tunnelbaus und er wurde als Bauschreiber angestellt bei Louis Favre, dem Tunnelerbauer am Gotthard. Anschliessend wurde er Angestellter als Streckenwärter auf der Gotthardstrecke vom Urnerland bis Goldau.
Beim Tunnelbau am Gotthard lernte er den jungen Egerkinger Gottfried Schürmann kennen. Er verkuppelte seine Tochter Marie mit ihm und aus dieser Ehe kamen vier Buben zur Welt.
Der dritte Junge Otto verstarb leider schon im Kindesalter.
Der älteste Alfred Schürmann, geb. 1908, gelernter Maler, wurde der erste Rottführer in Steinen von 1937-1947. Er verstarb im Jahr 1947 und hinterliess seine junge Frau Agnes Schürmann-Holdener mit drei Jungen und zwei Mädchen: Alfred, Josef, Walter, Heidi und Silvia.
Der zweite der Buben Schürmann-Giger war Josef, gelernter Schreiner, geb. 1911, verheiratet mit Regi von Rickenbach in der Breiten. Diese Ehe blieb leider kinderlos.
Der jüngste war Gottfried Schürmann, geb. 1917, ledig, gelernter Zimmermann. Er war weitherum Dank seinem trockenen Humor und seiner Art bekannt und ein Dorforiginal. Er wohnte bis zu seinem Tod 1989 in diesem Haus.
Die jetzige Besitzerin des Hauses ist die Nichte von Gottfried, die jüngste Tochter von Alfred, dem ältesten der Buben Schürmann-Giger.
Im Schürmanhaus wurde die Fasnacht bis weit zurück gross geschrieben und vor allem der Alfred hat seinen Kindern das Nüsslen schon in die Wiege gelegt.