Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03541.jsonl.gz/1736

Vor knapp 10‘000 Jahren brachen oberhalb von Flims, zwischen den Bergen Flimserstein und Piz Grisch, über 25 Millionen Tonnen Kalkstein ab. Sie stürzten mehr als 1‘000 Meter in die Tiefe und begruben das Tal des Vorderrheins zwischen den heutigen Dörfern Castrisch und Reichenau auf einer Fläche von über 50 km2 unter einer mehrere hundert Meter dicken Schuttmasse.
Es gibt verschiedene Ursachen für das katastrophale Ereignis. Eine Rolle spielten vermutlich die Tektonik und die Beschaffenheit der Gesteine. Während der Alpenbildung waren einzelne Gesteinsschichten enormen Belastungen ausgesetzt.
Auslösende Faktoren dürften in erster Linie der Rückzug der Gletscher, die Erosion der Talsohlen sowie veränderte klimatische Bedingungen gewesen sein.
Solange ein Gletscher das Tal auffüllt, hält er die Talhänge zusammen. Ein Hang gerät aber vollständig aus dem Gleichgewicht, wenn sich der Gletscher zurückzieht und gleichzeitig der Talboden durch Schmelzwasser stark erodiert wird. Der Flimser Bergsturz fand einige tausend Jahre nach dem Rückzug des Rheingletschers und des Segnesgletschers statt. Klimatisch war diese Zeit geprägt von stärkeren Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter sowie kurzzeitigen kalten und feuchten Phasen. Möglicherweise taute der Permafrost auf, was - gekoppelt mit erhöhtem Niederschlag - zu einer weiteren Destabilisierung der Hänge beigetragen hat.
Beim Flimser Bergsturz handelt es sich um den grössten nacheiszeitlichen Bergsturz der Alpen. Das Schuttmaterial besteht hauptsächlich aus Quintnerkalk, Kalkblöcke aller Dimensionen von Hausgrösse bis zum fast pulverfein zerschlagenen Gestein sind anzutreffen.
Der Vorderrhein konnte durch die immensen Gesteinsmassen nicht mehr zum Bodensee abfliessen und wurde zu einem See aufgestaut. Dieser sogenannte Ilanzer See staute sich auf einer Länge von rund 29 km und blieb maximal 100 Jahre bestehen. Danach folgte ein katastrophaler Seeausbruch, dessen Spuren sich durch das ganze Rheintal bis in den Bodensee verfolgen lassen. Der Ausbruch durchbrach auch den Taminser Bergsturzriegel. Der Rhein staute sich darauf erneut auf eine Höhe von ca. 820 müM. Dieser See hielt sich ungefähr 1000 Jahre lang. Sein Damm wurde durch kontinuierliche Erosion abgebaut; der Rhein schnitt sich tief in die Bergsturzmassen ein. Sein Bett liegt heute auf ca. 620 müM. Er schuf damit die landschaftlich einzigartige Rheinschlucht.