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System change not climate change! Filme zur Klimakrise
Keine Kunstform ist so eng mit der Geschichte des Erdöl-Zeitalters verwoben wie das Kino. Die Filmindustrie entstand gleichzeitig mit der Autoindustrie, unzählige Filme zelebrierten die von Verbrennungsmotoren ermöglichte Eroberung der Erdoberfläche und der Lüfte. Das Kino hatte einen wesentlichen Anteil am Entstehen des (Alp)Traumes einer durch Fossilenergie befeuerten, angeblich grenzenlosen, Freiheit.
Die Syrerin Waad al-Kateab dokumentiert in ihrem Film «For Sama» den Krieg und die Not in Aleppo und bietet einen seltenen Einblick in ein zerrüttetes Land, das wir zunehmend nur noch aus den Schlagzeilen kennen. Der Film lässt keine Fragen offen, warum und aus welchen Gründen sich jemand aus dieser Situation befreien will.
Doch dokumentierte das Kino auch sehr früh die von den Menschen verursachte Umweltzerstörung. Man denke nur an Puits de pétrole a Bakou von den Brüdern Lumière (1898), wohl der erste ökologische Film der Geschichte überhaupt.
Aber wie verhält sich das Kino zum grössten Problem der heutigen Zeit, dem Klimawandel? In Zusammenarbeit mit der Tour de Lorraine und der Klimahalle präsentiert das KINO in der Reitschule im Januar eine Auswahl an Filmen, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Mittel beleuchten.
Auf der einen Seite sind es Filme, die sich dokumentarisch mit der Klimabewegung auseinandersetzen: Der aufrüttelnde Mobilisierungsfilm Disobedience zeigt Beispiele von Aktionen an den Frontlinien des Klimawandels weltweit. Beyond the Red Lines nimmt die Kämpfe für die Klimagerechtigkeit in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden genauer unter die Lupe. Youth Unstoppable ist eine autobiografisch angehauchte filmische Erkundung aus dem Inneren der Jugendklimabewegung selbst.
Bei den anderen Filmen geht es hingegen um unterschiedliche Ansätze, wie die Umweltzerstörung mit einer angemessenen Filmsprache dargestellt werden kann: Der Schweizer Dokumentarfilm ThuleTuvalu gibt einen Einblick in den Alltag von Menschen, die sich von ihrer seit jeher erhaltenen Lebensweise verabschieden müssen. In Chasing Ice dokumentiert der Fotograf James Balog, früher selber ein Klimaskeptiker, den Gletscherschwund in Alaska und Grönland mit atemberaubenden Bildern im Zeitraffer.
Zwei weitere Filme versuchen eine fiktionale Annäherung an das Thema, ohne in die Klischees der Katastrophen-Filme à la Hollywood zu verfallen: Der preisgekrönte Spielfilm Beasts of the Southern Wild erzählt aus der Perspektive eines Kindes eine märchenhafte Geschichte von Bedrohung, Widerstand und Hoffnung. Im erschreckend ruhigen Horrorfilm La cinquième saison führt der Kollaps des Ökosystems zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung.
Der Filmzyklus schliesst mit einem Klassiker des ökologischen Kinos: Koyaanisqatsi von Godfrey Reggio, eine meditative Collage aus Bildern und Musik (mit wunderbarem Soundtrack von Philipp Glass), die heute die bekümmernde Atmosphäre eines Requiems evoziert. Dagegen hilft nur eins: Kämpfen! System change, not climate change!