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|Zunehmende Ungleichheit||
25.02.2021 22:36:00

Ein in den vergangenen Jahren häufig diskutiertes Thema ist die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft, die von vielen Menschen unterschätzt wird - und somit auch, wie wichtig die Reichen für die Wirtschaft sind.
• Einkommensungleichheit hemmt soziale Mobilität
• Ungleichheit wirkt sich auf Konsum aus
Schon seit Jahren wird in der Politik über die immer grösser werdende Schere zwischen Arm und Reich und über Wege, der zunehmenden Ungleichheit in der Bevölkerungen entgegenzuwirken, diskutiert. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie wichtig der wohlhabende Teil der Bevölkerung für die Wirtschaft ist.
Ungleichheit wird unterschätzt
Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, unterschätzen die meisten Menschen, wie reich die Reichen tatsächlich sind. Michael I. Norton und Dan Ariely baten 5'000 US-Amerikaner darum, die aktuelle Verteilung des Wohlstands in den Vereinigten Staaten einzuschätzen und durch eigene Idealvorstellungen des Grades an Ungleichheit "ein besseres Amerika aufzubauen". Dabei kam zum einen heraus, dass die Befragten das Ausmass der Vermögensungleichheit deutlich unterschätzten, zum anderen konstruierten die Befragten eine ideale Vermögensverteilung, die noch deutlich gerechter war, als die falsche niedrige Schätzungen der tatsächlichen Verteilung.
Norton und Ariely stellten bei der Befragung zudem fest, dass alle demografischen Gruppen - darunter auch die, die normalerweise nicht mit der Umverteilung von Vermögen in Verbindung gebracht werden - sich eine gleichmässigere Verteilung des Wohlstands wünschten, als dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Fall war.
Für die Schweiz gestalte sich die Datenlage, wie die NZZ berichtet, schwierig. Allerdings gehöre die Vermögensungleichheit mit einem Gini-Koeffizienten - ein häufig verwendetes Mass, um die Ungleichheit von Werten zu messen, dessen Wert zwischen null und eins liegt - von 0,86 Ende 2015 zu den höchsten weltweit. Auf kantonaler Ebene variierte er von 0,72442 (Uri) bis 0,92359 (Genf), wie einem Dokument des Eidgenössischen Finanzministeriums von 2019 zu entnehmen ist.
Korrelation zwischen Ungleichheit und sozialer Mobilität
Wie Yonatan Berman in seinem Paper "Understanding the mechanical relationship between inequality and intergenerational mobility" schreibt, gibt es zwischen der Einkommensungleichheit und der Immobilität zwischen den Generationen in allen Ländern eine positive Korrelation. Die Korrelation des Gini-Koeffizienten, als einer der häufigsten Ansätze zur Quantifizierung der Einkommensungleichheit, und die Einkommenselastizität zwischen den Generationen (IGE), einer der häufigsten Ansätze zur Quantifizierung der Mobilität, könne in der Great Gatsby-Kurve dargestellt werden. Das könnte darauf hindeuten, dass eine höhere Mobilität zwischen den Generationen zu einer geringeren Einkommensungleichheit führt und umgekehrt.
In vielen Ländern habe die Ungleichheit in den vergangenen Jahren zugenommen, während die soziale Mobilität abgenommen habe. In der Schweiz hat die soziale Mobilität dagegen nicht abgenommen - jedoch auch nicht zugenommen: Laut einer Analyse aus dem Jahr 2016 sind die sozialen Mobilitätsraten im 20. Jahrhundert äusserst stabil geblieben. Der soziale Aufstieg ist somit nicht schwieriger aber auch nicht leichter als vor Jahrzehnten geworden.
Auswirkungen auf den Konsum
Auch bei der Gesamtnachfrage spielen die Reichen eine wichtige Rolle, denn mit der zunehmenden Ungleichheit beim Vermögen innerhalb der Bevölkerung nahm auch die Ungleichheit beim Konsum zu. Zu der Zeit als in den USA die Idee der "Fair Tax", einer Konsumsteuer als einziger Steuer des Bundes, aufkam, haben die vermögendsten 20 Prozent der amerikanischen Bevölkerung laut NZZ so viel konsumiert wie die restlichen 80 Prozent. Dies dürfte sich bis heute vermutlich weiter verschoben haben, sodass die reichsten 10 Prozent der US-Bevölkerung so viel konsumieren wie die restlichen 90 Prozent. Diese Entwicklung dürfte sowohl auf die Einkommens- als auch auf die Vermögensungleichheit zurückzuführen sein.
Reiche mit risikoreicherem Investmentverhalten
Während das Vermögen des Mittelstandes vor allem aus selbst bewohnten Immobilien bestehe, legten die Reichen ihr Vermögen NZZ zufolge hauptsächlich in Finanzanlagen an. So ergebe sich auch, dass die reichsten 10 Prozent der US-Amerikaner 90 Prozent aller Aktienwerte und Fonds besässen, welche in den vergangenen Jahren stark an Wert gewinnen konnten - was die Reichen noch reicher machte.
Daneben sinke die Risikoprämie von Aktien, da sich die Vermögen mit Verschiebung in Richtung der reichsten auch in Richtung der Menschen mit risikoreicherem Investmentverhalten verschieben. Da potenzielle Aktienkäufer somit im Durschnitt risikofreudiger würden, könnten "diese Beteiligungspapiere die Risiken mit einem geringeren Aufschlag abgelten", so die Neue Zürcher Zeitung.
Anleger sollten bei ihren Investments also nie die Bedeutung der vermögenden Bevölkerungsschicht für die Wirtschaft als auch für die Aktienmärkte aus den Augen verlieren.
Redaktion finanzen.ch
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