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|Valmy (Departement Marne, Frankreich)

|Auf der Rückreise von meinen Sommerferien in der Bretagne fuhr ich 1982 mit dem Camper durch die Champagne Richtung Schweiz. Wie immer auf der Suche nach einem ruhigen Platz zum Übernachten fiel mir auf der Michelin-Karte der Eintrag «Moulin de Valmy» auf, mit den sternförmig blauen Strahlen, welche schöne Aussicht erwarten lassen.
Zwar nicht direkt bei der Mühle, jedoch gleich unterhalb, versprach der abgelegene Parkplatz einen ruhigen Spätnachmittag und eine ebenso ruhige Nacht.

Während der Vorbereitung des Nachtessens tauchte ein grösseres Kontingent französischer Armeeangehöriger mit ihren Offizieren auf, wie sich später herausstellte Offiziersanwärter, welche hier eine Lektion «praktisch unterlegten Geschichtsunterricht» genossen. Mein Interesse für diesen, mir bis dato unbekannten Ort war geweckt.
Man assoziiert Valmy auch heute eher mit der geschichtsträchtigen Kanonade denn mit der kleinen Ortschaft.
|Inhaltsverzeichnis||1. Historischer Hintergrund

2. Die Windmühle
3. Valmy heute
4. Verschiedenes
5. Quellen, Einzelnachweise und Nutzungsbedingungen

Bataille de Valmy, le 20 septembre 1792[1]
Detaillierte Angaben zum geschichtlichen Hintergrund der Kanonade von Valmy kann man überall nachschlagen. Einiges widerspricht sich oder ist unklar. Wenn, wie z. B. in der französischsprachigen Wikipedia, Geschehnisse die vor mehr als 200 Jahren stattfanden, in einem Detaillierungsgrad beschrieben werden, dass man meint die Akteure sprechen zu hören, regen sich bei mir Zweifel. Ich denke nämlich nicht, dass anlässlich solcher Geschehnisse Schreiber im schriftstellerischen Sinn zugegen waren. Goethe war da sicher die grosse Ausnahme.
Wichtig scheint, dass das Artilleriegefecht welches hier 1792 zwischen den Franzosen und Preussen stattfand, taktisch ohne grosse Bedeutung war, jedoch strategisch das Überleben der französischen Revolution sicherte.
Ein interessanter Aspekt ist ebenfalls, dass durch die später folgenden Aktionen des stark involvierten und erfolgreichen Generals Charles-François Dumouriez, der ganze Ruhm von Valmy auf François-Christophe Kellermann fiel.
Valmy hat über die Landesgrenze hinaus Bedeutung als ein Ort, der für Begriffe wie Patriotismus, republikanische Werte sowie Freiheits- und Vaterlandsliebe steht.
Bedeutung erlangte auch ein Ausspruch Goethes, der bei dieser Kanonade anwesend war. Er soll gesagt haben: «Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.»
|• Informationen zur Kanonade von Valmy in der Wikipedia.

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Die heutige Windmühle ist die vierte die an dieser Stelle errichtet wurde, 2005 weihte man sie ein. Sie ist ein funktionsfähiger Neubau und wurde der Windmühle von Verzenay nachempfunden, einer für diese Region typischen Mühle.

Die erste Windmühle datiert von 1634 und wurde am 20. September 1792 auf Befehl von Kellermann niedergebrannt, da er diesen höchstgelegenen Punkt als Beobachtungsposten brauchte. Dass die Mühle auf vielen Gemälden des Gefechts eine wichtige Position hat, ist damit ein Widerspruch.
Später wieder aufgebaut, überstand die Mühle die Revolution und wurde 1831, wie viele Windmühlen in Frankreich, wegen mangelnder Rentabilität abgerissen.
1939 wurde beschlossen, anlässlich des 150. Jahrestags der französischen Revolution, mit einer nationalen Sammlung eine dritte Mühle zu errichten, eine Windmühle die aus der Umgebung von Attiches im Departement Nord hierher versetzt wurde. Wegen des Kriegs wurde die Windmühle dann erst 1947 aufgebaut.
Seit 1989 ist die Windmühle als «Monument historique» gelistet. 1998 wurde sie für 1,2 Millionen FF restauriert, leider aber am 26. Dezember 1999 durch den Sturm Lothar komplett zerstört.
Wieder dank einer Subskription, diesmal international, wurde es möglich die Mühle ein weiteres Mal erstehen zu lassen.
Die Windmühlen dieses Typs stehen auf einer zentralen Achse, über die sie in den Wind gerichtet werden. Die gitterartigen Flügel werden mit Tuch bespannt.
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|Windmühle und Monument Kellermann||
Direkt beim Parkplatz steht das kleine Häuschen, in welchem der Müller «residierte». Die 2005 errichtete Windmühle steht nur 100 m südlich davon und dominiert die Anhöhe südwestlich des Orts Valmy. Man hat von dort eine wunderbare Rundsicht über das flache Umland der Champagne bis zu den Argonnen im Osten. Die geringe Höhe der Kuppe von 202 m scheint einem aus heutiger Sicht bedeutungslos, war aber für damalige Verhältnisse und der gegebenen Witterungsbedingungen wichtig.

Von der Mühle gelangt man über einen Fussweg zum Monument von Kellermann.
Nach knapp 200 m liegt rechterhand eine Kapelle, in der die Asche von Prinzessin Henriette Ginetti, der Urenkelin von Kellermann aufbewahrt wird. Über der Osttüre ist das Familienwappen mit der Mondsichel bemerkenswert. Die Kanonade wurde wegen der Örtlichkeit «Cabaret de la Lune», einem Bereich des Aufmarschgebiets[2], auch «Bataille de la Lune» genannt. In der Folge schlug sich das auch im Wappen Kellermanns nieder.
Weitere 250 m und man gelangt zum Obelisk und zur Statue von François-Christophe Kellermann. Vor dem Denkmal steht der kleine Obelisk, in dessen Fuss das Herz Kellermanns in einem Bleibehälter liegt. Kellermanns Wunsch war, dass sein Herz inmitten seiner tapferen Soldaten ruhen möge. Sein Grab ist auf dem Friedhof «Père Lachaise» in Paris.
Das Monument zeigt Kellermann mit seinem federgeschmückten Hut in der linken und einem Säbel in der rechten Hand, den Mund weit geöffnet. Sein Ausruf «vive la nation» soll damals seine Truppen angespornt haben.
Das Denkmal ist von Kanonen auf Steinsockeln umgeben. Diese Kanonen haben aber nichts mit der Kanonade von Valmy zu tun. Es sind englische Kanonen von holländischen Schiffen, welche 1795 bei Den Helder vor Holland erbeutet wurden.
|In der Ortschaft||
Am grossen Parkplatz südlich der Kirche steht auf einem Sockel die Büste des venezolanischen Generals Simón Bolívar. Bolívar hatte den Freiheitsgedanken in Südamerika von Francisco de Miranda aufgegriffen um Venezuela 1822 das zweite Mal von der spanischen Herrschaft zu befreien.

Etwas weiter oben an der Rue Kellermann steht rechts die Statue des Venezolaners Francisco de Miranda. De Miranda kam im Frühling 1792 das zweite Mal nach Frankreich, schloss sich den Girondisten an und nahm als General an der Kanonade von Valmy teil. Nach seiner Rückkehr in die Heimat kämpfte er an der Seite von Bolívar für sein Land.
|In der Nähe||
Ca. 4 km östlich von Valmy liegt der Weiler Braux-Sainte-Cohière. Auf dessen Schloss, in welchem 1792 Dumouriez sein Hauptquartier hatte, weist schon in Valmy ein Schild hin. Das Château de Braux-Sainte-Cohière und sein Park sind zu besichtigen (saisonale Öffnungszeiten beachten).

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|Schiffe||1838 erfolgte die Kiellegung für ein Kriegsschiff, das den Namen Valmy tragen sollte. Die Valmy war der grösste Dreidecker der Französischen Marine und das grösste je in Frankreich gebaute Segelschiff.

Das Schiff wurde 1863 umbenannt und ab dieser Zeit als Schulschiff eingesetzt. 1891 wurde es verschrottet.
Der Name Valmy wurde 1927 nochmals für einen Zerstörer der Guépard-Klasse verwendet.
|Algerien||In Algerien wurde durch König Louis-Philippe Ier ein südlicher Vorort von Oran, der bei Einheimischen seit jeher «El Kerma» (Feigenbaum) heisst, Valmy benannt. Auf dem Gebiet von El Kerma befindet sich der Flughafen Es Sénia von Oran.

|Briefmarke||1971 brachte die französische Post eine Briefmarke mit dem Wert 0,45 FF heraus, auf der die Mühle von Valmy abgebildet ist, 2006 eine mit dem Wert 0,54 €.

|Belletristik||Im 1971 erschienenen Roman «Der Schakal» von Frederick Forsyth ist Valmy der Deckname eines Kontaktmanns der Organisation OAS, welche, nach dem missglückten Attentat der Gruppe um Jean Bastien-Thiry, 1963 mit Hilfe eines professionellen Killers einen weiteren Anschlag auf General Charles de Gaulle plant.

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|Quellen|| • Historique, Association pour la réconstruction du Moulin de Valmy.

• Office de tourisme du pays d'Argonne champenoise: Valmy, visite du site. Vor Ort aufliegendes Faltblatt, Sainte Menehould.
• Le Moulin de Valmy auf «Les moulins a vent en France».
• Valmy, première bataille de la République, eine Arbeit von Claudia Hanisch an der TU Dresden, 2002
• ViaMichelin ©
|Einzelnachweise||1. Jean-Baptiste Mauzaisse / Wikimedia Commons / gemeinfrei.

2. Arthur Maxime Chuquet: Les Guerres de la Révolution: Vol. II. Valmy (1887) / gemeinfrei.
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