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Radovan Lorković, Violinist, und seine Mutter, die verstorbene Pianistin Melita Lorković, sind bekannte Musiker, Musikpädagogen und Philanthropen. Das Leben und die künstlerische Bedeutung von Melita Lorković werden in Radovan Lorkovićs Buch «Melita Lorković – Pozajići, Lorkovići, Melita und ich» vorgestellt, welches schon 2012 in Zagreb veröffentlicht wurde. Das Buch erzählt aus einer subjektiven Perspektive heraus und wird durch Erinnerungen ihrer Söhne illustriert. Nach ihrem Tod investierte ihr Sohn ihre Hinterlassenschaft in eine Musikschule, welche nach Schweizer Vorbild organisiert und unabhängig von staatlichen Subventionen geleitet wurde. Die Schule erlebte ihre Höhen und Tiefen. Blickt Radovan Lorković auf die ganze Historie des wechselnden Schicksals zurück, bezeichnet er die Musikschule dennoch als einen vollen Erfolg.
In den späten 60ern kehrte meine Mutter nach über 20 ereignisreichen Jahren in Belgrad und Kairo nach Zagreb zurück. Sie liess sich wieder ganz auf das Musikleben von Zagreb ein und engagierte sich erneut in den Musikakademien. Nach ihrem Tod im Jahr 1987 dachte ich, dass das Inventar ihrer Wohnung in der Gundulićeva 23, statt dort zu bleiben, von einer Musikschule genutzt werden könnte. Als ich 1989 den Palast von Hektorović in Hvar sah, entschied ich mich dazu, das Inventar der Kulturbeauftragten Vlatka Matković zu übergeben, welches von ihr dankbar angenommen wurde. Damit das Inventar im Palast hätte genutzt werden können, wäre jedoch eine Renovation des Gebäudes nötig gewesen, die das Zehnfache des Betrages gekostet hätte, welchen wir für die Wohnung meiner Mutter erhalten hatten. Während kurzer Zeit wurde das Inventar daher in der Villa Bakarić in Hvar gelagert. Katarina Barišić fand schliesslich im Park Hotel im Zentrum von Hvar ein leeres Obergeschoss und erhielt 1993 die Erlaubnis, das Inventar in sieben Räume mit herrlichem Blick auf die Pakleni-Inseln zu verlagern.
Hinter dem Projekt der Musikschule stand eine Gruppe einflussreicher Personen aus Hvar: Mirjana Kolumbić, Direktorin des Zentrums zum Schutz des kulturellen Erbes von Hvar, Pero Pavičić, Direktor des Hotelunternehmens «Sunčani Hvar», und Nikša Barišić, Maler und Architekt.
Mir war es von Anfang an wichtig, dass die dort tätigen Lehrer aus Hvar stammten. Schliesslich schaffte ich es auch, welche zusammenzubringen: Mario Sponza, Architekt des Baugenehmigungsbüros, der in seiner Jugend in Belgrad Geige studiert hatte; Sanja Paduan und Inge Novak Valée unterrichteten Klavier, Davor Talijančić Gitarre, Katarina Novak Flöte, Miranda Krivić und Katarina Novak die theoretischen Fächer, Tomo Domančić dirigierte die Stadtmusik und unterrichtete Klarinette, Vinka Šurlin war für die Leitung der Chöre zuständig.
Aus Sarajevo stiess die Pianistin Vera Verbić dazu; sie unterrichtete Tomislav Domančić, den Sohn von Tomo Domančić. Er wechselte nach seinem Abschluss in Split an die Musikakademie Zagreb und schloss mit dem Pianistendiplom ab. Heute ist er Leiter der Stadtmusik, Klavierlehrer und die Hauptfigur des Hvarer Musiklebens.
Fred Došek und ich betreuten neben regelmässigen Konzerten in Hvar zusammen mit Delija Malper (Violine) und Ana Domančić (Flöte) die Unterrichtsarbeit der Hvar Musikschule.
Das Verwaltungskonzept der Schule war von staatlicher Förderung unabhängig und stützte sich auf das Modell des Schweizerischen Verbands der Musikpädagogen. Die Schüler bezahlten ihre Unterrichtsstunde direkt an die Lehrpersonen (damals etwa zehn DM pro Stunde). Im Gegenzug vertraten die Lehrpersonen die Studierenden auch in ihren Studierendenproduktionen. Die Präsidentin des Hvar-Musiklehrerverbandes war Katarina Novak.
Im Laufe der Zeit wurde in der Bevölkerung von Hvar der Wunsch nach einer administrativen Bestätigung der Schule laut. Deshalb wurde die Möglichkeit eingeführt, jährliche Prüfungen in Hvar abzulegen, welche durch Lehrer der «Josip Hatze»-Schule in Split abgelegt wurden. Nach einem erfolgreichen Abschluss erhielten die Studierenden ein entsprechendes Zertifikat.
In der damaligen Konstellation hatte die Musikschule ungefähr siebzig Schülerinnen und Schüler. Sie zeichnete sich durch sehr gute Ergebnisse aus; aber wie so oft, bekamen die Lehrer nicht genügend lokale Unterstützung, weshalb die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis heute leicht abnahm – heute sind es kaum mehr als zehn. Niemand in Hvar konnte die Menschen davon überzeugen, dass das Niveau unserer Ausbildung gleich hoch oder sogar höher war als dasjenige anderer kroatischen Musikschulen.
Unsere Kollegen von der Musik-Akademie Basel hörten von unseren Projekten, Musikschulen in Zagreb, Hvar, Split, Omiš, Drniš, Vukovar und Osijek sowie in Tuzla und Sarajevo in Bosnien-Herzegowina zu fördern. So konnten wir neben dem Inventar von Melita Lorković, welches aus Möbeln, Klavieren und einer Musikbibliothek bestand, weitere Objekte in unseren Projekten verwenden, da uns aus Basel Violinen, Flöten, Klaviere und zahlreiches weiteres Musikmaterial gespendet wurde. Die grösseren und schwereren Teile dieser Spenden wurden in über zweihundert grossen Transporten von Zvonimir Mitar durch das kroatische humanitäre Forum transportiert.
Von 1993 bis 2000 war die Hvar Musikschule ein voller Erfolg – bis zum Verkauf des Park Hotels, der uns vorher nicht angekündigt worden war. Die Gemeinde von Hvar bot uns einen Tausch an: Statt der sieben Zimmer bekam die Schule ein geschlossenes und ein Durchgangs-Zimmer mit zwei Toiletten – aber leider auch einem undichten Dach – im Vukašinović-Palast. Glücklicherweise bat mich zur selben Zeit Zoran Novaković aus Novalja auf Pag, ihn bei der Einrichtung der Trogir-Musikschule zu unterstützen. Die Schule hatte gerade eine Etage des Palasts «Ćipiko» gegenüber der Trogir-Kathedrale erhalten, jedoch ohne jegliche Möbel und mit der Auflage, für die Renovierung aufzukommen. Damit löste sich das Problem der Hvar Musikschule mit ihrem überschüssigen Inventar. Mit einer immer kleiner werdenden Anzahl von Schülerinnen und Schüler konnte das restliche Inventar in den Räumlichkeiten der Chorproben untergebracht werden.
In der Zwischenzeit kaufte ich mit dem Rest des Erlöses aus dem Verkauf der Wohnung meiner Mutter ein unfertiges Gebäude am Vrisak in Hvar. Dieser Bau wurde 2004 fertiggestellt. Die obere Wohnung überliess ich der Schule, welche sie aber nur einmal nutzte, da das Lokal zu weit vom Zentrum entfernt lag. Zusätzlich zum Inventar von Melitas Wohnung statteten wir die Trogir-Schule mit weiteren Instrumenten und Noten aus. Daraufhin wurde die Schule nach Melita Lorković benannt. Es konnten hochkarätige Lehrer beschäftigt werden. In der Folge entwickelte sich die Schule zu einem Zweig der «Josip Hatze»-Schule in Split weiter.
Vor ein paar Jahren konnte die Trogir-Schule moderne Möbel als Ersatz für abgenutztes Material von Hvar anschaffen. Dadurch kam 2018 der grösste Teil des Inventars aus Zagreber Wohnung wieder zurück in den Besitz unserer Familie in Hvar.
Am Bechstein-Flügel hatte der Zahn der Zeit am heftigsten genagt. Deshalb beschloss ich, ihn Roland Grlica, einem jungen Zagreber Pianisten, zu schenken. Er schaffte es, die für die Restaurierung benötigten 15.000 Euro zu sammeln. Seit dieser Zeit ist die Trogir-Schule nicht mehr nach Melita Lorković benannt.
Trotz seines turbulenten Schicksals beurteile ich mein Musikschul-Projekt als durchaus erfolgreich. Ich bin allen, die dabei mitwirkten, für ihre Unterstützung sehr dankbar.