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Hochgeachteter Herr Präsident!
Ich glaube Ihnen mittheilen zu sollen, daß gemäß sehr zuverlässigen Nachrichten aus Italien & Deutschland, die mir heute zugekommen sind, in diesen beiden Ländern eigentlich nur vom Gottharde & Splügen die Rede ist, während der Lucmanier ganz in den Hintergrund tritt. Es wird nun nördlich von den Alpen lebhaft agitirt, um Subventionen für den Splügen erhältlich zu machen: man sagt, Bayern sei geneigt, solche zu gewähren. Gut unterrichtete behaupten, Rothschild wünsche gar keinen Alpenpaß & er werde dabei namentlich auch durch die Rücksichten auf die Finanzen Italiens geleitet, bei welchen er allerdings als sehr betheiligt erscheint. Die Conzessionsbewerbung von Hentsch u. s. f. um den Lucmanier wird von vielen Seiten übereinstimmend nicht als ernsthaft, sondern nur als ein Manöver, darauf berechnet, dem | Gotthard in den Weg zu treten, bezeichnet. Die Verhältnisse haben sich in der letzten Zeit so gestaltet, daß Tessin, wenn anders öffentliche & nicht Privatinteressen den Ausschlag geben, alle Veranlassung hat, rasch & entschieden sich für Conzessionirung & Subventionirung des Gotthard zu erklären.
Obgleich von Geschäften fast erdrückt, wollte ich doch nicht unterlassen, Sie von dieser neusten Gestaltung der Dinge zu unterrichten.
Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von
Ihrem ergebenen
Dr A Escher
Bern
11 Novbr 65