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Das Rorschacher Echo hat die Kindheitserinnerungen von Christa Jordi-Frey zugeschickt erhalten, die zwischen 1944 bis 1954 hier in Rorschach aufgewachsen ist. Der Dank geht an Fabian Brändle für die Zustellung dieses Textes und an Otmar Elsener, der aus seinem Archiv Bilder aus dieser Zeit für diesen Beitrag bereitstellte. Beitragsbild von Josef Elsener: Christia Jordi-Frey wuchs im Haus links (mit der grossen Porzellan-Reklame) auf.
„Christa Jordi-Frey wuchs an der Hauptstrasse auf. Von aussen machte das Haus nach Renovationen durchaus Eindruck. Sieben Parteien teilten sich den eher ärmlichen, „zusammen geflickten“ Innenraum. Im Erdgeschoss des Vorderhauses befanden sich zwei Geschäfte, das Messerschmiedgeschäft Lorenzi sowie die Konditorei des Grossvaters samt Café. Erst ein junger Konditor, der ebenfalls im Haus wohnte, brachte den Betrieb wieder zum Florieren. Im Schaufenster sollten verschiedene Schleckereien die Passanten verführen: „Zwanzgerstückli“ wie ein Chaponais, ein Eclair, eine Crèmeschnitte, ein Schaffhauserzüngli oder eine Wienerwaffel.
Christa Jordi-Frey war die Tochter von Angehörigen des nicht armen „Mittelstandes“. Sie verfügte durchaus über eigenes Spielzeug. Manchmal bewunderte sie aber auch einfach die Spielwaren im Warenhaus „Oskar Weber“. „So zwischen den Gestellen herumzustreichen und mit glänzenden Augen die vielen Kostbarkeiten zu bewundern, die man alle nur anschauen konnte, aber nie besitzen würde, erregten Wünsche und Träume.“ Später verdiente das Mädchen in diesem Kaufhaus ihr erstes Taschengeld, indem sie Waren auspackte und einordnete. Damals gab es noch viele kleine Läden, Metzgereien, Bäckereien, Lederwarengeschäfte, Papeterien etc. So musste das Mädchen heimlich, kurz vor Ladenschluss, in die kürzlich eröffnete Migros-Filiale einkaufen gehen. Die Grosseltern wollten niemanden ärgern und freuten sich gleichwohl, Geld einzusparen.
Christas beste Freundin war ein etwas frühreifes „Wirtshauskind“ und Tochter des benachbarten „Kronen“-Hoteliers. Zusammen erkundeten die beiden die Hotelwelt, die Gänge und leerstehenden Zimmer. Der „Kronenwirt“ galt etwas in Rorschach. Er besass bereits ein Auto. Im Winter war die grosse Zeit der Veranstaltungen im Kronensaal. „Da war Jubel und Trubel bis in die frühen Morgenstunden. Lärmende ,alkoholisierte Radaubrüder verlegten ihre Aktivitäten nach Schluss der Anlässe nach draussen, auf den Kronenplatz. Kaum war man eingeschlafen und dachte, nun wäre Ruhe eingekehrt, wurde man durch erneutes Geschrei und Gegröle aus dem Halbschlaf gerissen. Bei jeder Witterung war dasselbe Spiel“, erinnert sich Jordi-Frey.
Während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) und kurz danach duften die Bodenseeschiffe aus der Schweiz das deutsche Ufer nicht anlaufen. Von Rorschach aus konnte man die schweren Bombardements der süddeutschen Industriestädte, vor allem die Zerstörung Friedrichshafens, gut beobachten.
Im Sommer, am Sonntagmorgen nach der Kirche, wurde Wasserball gespielt. Die Zuschauer sassen auf erhöhten Stühlen, brüllten, gestikulierten. Christa selbst war unsportlich. Sie fuhr aber trotzdem ein wenig Rollschuh wie damals alle Kinder. Die „Badi“ war damals nach Geschlechtern getrennt, so sittenstreng waren Vertreter von Politik und von den Kirchen. Die Skiausflüge im Winter waren für Christa eine Qual. Sie fror erbärmlich und fiel immer hin.
Die strenge Primarlehrerin tadelte einen etwas schläfrigen Schüler. Armin war begeistert vom Fussball, alles andere interessierte ihn nicht „Von deinem blöden Fussball wirst du nie leben können“, schrie sie Armin an und teilte „Tatzen“ aus . Armin wurde tatsächlich ein erfolgreicher Fussballer.
Gut kann sich die Autorin der Kindheitserinnerungen an den „Fip-Fop-Club“ erinnern. Die Lebensmittelfabrik Nestlé war Sponsor eines kostenlosen Filmprogramms für Kinder und Jugendliche, die in Scharen herbeiströmten. „Ein eleganter Herr mit Mikrophon spazierte auf der Bühne hin und her. Er freute sich, dass wir alle gekommen seien, und heute würden zwei ganz besonders schöne Filme gezeigt. Dann rief er in den Saal Hopp Fip-Fop und alle Kinder brüllten auf sein Kommando dreimal Hopp Fip-Fop zurück.“
Jordi-Frey, Christa. Zwanzgerstückli und wie es damals war. Erinnerungen an das Städtchen am See 1944 bis 1954. Zürich 2004.