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Bentley 2-door Sports Saloon by Abbott of Farnham
Das zweitürige Abbott Lightweight Coupé, basierend auf dem Bentley-R-Type-Chassis, repräsentiert eine besondere Episode der britischen Automobilgeschichte der 50er Jahre. Die Fahrzeuge mit der Design-Nr. 3843, gebaut zwischen Ende 1952 und Anfang 1955 in einer Auflage von 15 Exemplaren, dokumentieren zudem den Höhepunkt in der Geschichte des 1929 gegründeten und aus der Flugzeugindustrie hervorgegangenen Unternehmens E. D. Abbott LDT. mit Sitz in Farnham, Grafschaft Surrey.
Bei Abbott of Farnham Coachbuilder & Engineers hatte man seinerzeit an einem Karosserie-Entwurf gearbeitet, mit dem Ziel, die Karosserie in grösserer Stückzahl auf das Chassis des neuen Bentley Continental zu setzen. Dies umso mehr, als man vorher in enger Abstimmung mit dem Werk einen Erfolg versprechenden Prototypen auf Basis des Bentley Mark VI mit dem Namen «Bentley Farnham» gebaut hatte. Zudem waren bereits eine Reihe Bentley Mark VI von Abbott mit sehr attraktiven Cabrio-Aufbauten versehen worden, die grossen Anklang fanden. Es war deshalb keineswegs abwegig, wenn Abbott darauf vertraute, dass in naher Zukunft auch ein Kontingent von Bentley-Continental-Chassis verfügbar würde, um als «Abbott Continental» in die Geschichte einzugehen.
Im Gegensatz zu den Fliessheck-Entwürfen von H. J. Mulliner hatte sich Abbott für eine eher klassische Karosserie-Version entschieden, mit geteilter Frontscheibe und einem Absatz zwischen der Dachlinie und dem Kofferraumdeckel, und bezeichnete die Kreation fantasievoll als «low drag Saloon of graceful and pleasing lines». Unter der Design-Nr. 3843 fand sich der Wagen auch aufgeführt im «Abridged Catalogue of Coachwork Rolls-Royce & Bentley Chassis». Dort liest man auch den interessanten Hinweis, die Rücksitzbank sei so ausgeführt, dass sie nach vorn umgelegt werden könne. Damit war gewährleistet, dass das ohnehin schon grosse Kofferraumvolumen erweitert werden konnte und das Gepäck bis in den Fahrgastraum «durchgeschoben» werden konnte. Als Preis angeführt sind 4260 Pfund Sterling für das komplette Fahrzeug (Karosserie allein angegeben mit £ 1990); im Vereinigten Königreich musste ausserdem eine Luxussteuer/Purchase Tax in Höhe von £ 1776 hinzuaddiert werden. Damit war das Abbott Coupé eher hochpreisig positioniert.
Konkrete Informationen, warum kein einziges der insgesamt 208 Chassis des Bentley Continental den Weg zu Abbott gefunden hat, verbergen sich unter einem Schleier von Spekulationen. Tatsache ist, dass die begehrten Bentley-Continental-Chassis vorerst nur an H. J. Mulliner geliefert wurden. Erst von der Chassis-Serie «C» an, ab Mitte 1954, gingen einige an Franay in Frankreich, weitere an Graber in der Schweiz, und einen Aufbau schuf Pininfarina, und selbst Park Ward war auf der Liste zu finden.
Natürlich hatten solche Entwicklungen das Verhältnis zwischen den Unternehmen Bentley und Abbott getrübt, aber es kam nicht zum Zerwürfnis, weil ein Kompromiss ausgehandelt wurde. Die Übereinkunft besagte, dass Fahrgestelle des Bentley-R-Type in Standardausführung aufgewertet durch entscheidende Continental-Features geliefert werden. Dazu gehörte der niedrigere Kühlergrill, die 12:41 übersetzte Hinterachse, die Anordnung der Lenksäule im 28°-Winkel und der bis 120 mph zählende Tachometer. Der leicht getunte Motor, das Getriebe mit veränderter Übersetzung und die prägnante Continental-Chassisnummer mit dem vorangestellten «BC» gehörten nicht zum Ausstattungspaket. Tatsächlich erhielt Abbott das erste je gebaute R-Type-Chassis #B2RT, und darauf gesetzt wurde ein zweitüriges Coupé (getreu der üblichen Sprachregelung in England als «Two-door Saloon» bezeichnet). Das erste Auto wurde anlässlich der Earls Court Motor Show 1952 ausgestellt, aber zunächst nicht verkauft, sondern bis spät ins Jahr 1953 hinein von Abbott als Vorführwagen benutzt. Dieser Wagen unterscheidet sich von allen späteren Modellen durch eine um 2,5 cm höhere Dachlinie und eigenwillig ausgeführte Rückleuchten. Als zweite Ausführung entstand bei Abbott auf dem Chassis mit der Nummer #B18RT ein Cabriolet. Die weiteren 14 Exemplare von Abbott entstanden durchwegs als zweitürige Coupés. 12 wiesen Rechtslenkung und manuelle Schaltung auf, eines Linkslenkung mit manueller Schaltung. Nur einmal kam ein automatisches Getriebe zum Einbau. Bei einem rechts gelenkten Fahrzeug, das Seine Hoheit der Maharadscha von Jaipur orderte.
Abbott hat mit seiner Two-door Lightweight Sport Saloon-Kreation die Bentley-Szene definitiv bereichert und, nebst einem Cabriolet, 15 ausserordentlich attraktive Zweitürer auf der Basis eines speziellen Bentley-R-Type-Chassis geschaffen. Darüber hinaus gab es auch Abbott-Aufbauten auf einem Bentley-Chassis 3 1/2 Liter und einem Bentley-Chassis 4 1/4 Liter sowie 19 Aufbauten auf dem Bentley-Chassis Mark VI.