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Die Friedensfahne breitet sich auf der ganzen Welt aus, auch in der Schweiz. Sie hat ihren Ursprung in Italien.
Die Regenbogenfarben der Friedensfahne dominierten die Antikriegs-Demonstrationen in Bern und anderen Schweizer Städten.
"Wir arbeiten unglaublich viel, das Telefon läutet ununterbrochen, und ständig kommen Leute", sagt eine Freiwillige am Telefon der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA). Ihrer Stimme hört man den Stress an, aber auch eine gewisse Befriedigung.
Grund für den Stress ist die ständig steigende Nachfrage nach Friedensfahnen. Die Flagge in Regenbogenfarben mit der weissen Aufschrift PACE hat ihren Ursprung in Italien, aber mittlerweile erobert sie die ganze Welt.
Die italienischen Pazifisten wollten mit der Aktion "Friede von allen Balkonen" ihr Nein zum Irak-Krieg zum Ausdruck bringen.
"Die Fahne wurde nach Bagdad gebracht sowie Kofi Annan übergeben; aus New York hatten wir 1000 Anfragen nach der Flagge", sagt Mariagrazia Bonollo, Pressesprecherin der Initiative "Friede von allen Balkonen" gegenüber swissinfo. Aufgehängt werde die Fahne vor allem von Frauen und Personen, die ansonsten kaum politisch aktiv seien.
Die Idee zu dieser Initiative ging von vier Freunden aus, die davon überzeugt waren, dass der Wille zum Frieden öffentlich manifest gemacht werden müsste. Ihre Aktion hatte einen nie erwarteten Erfolg.
PACE
An italienischen Balkonen hängen mittlerweile 2,5 Mio. Fahnen. Sie lassen sich nicht übersehen. Auch ausländische Touristen haben die massive Präsenz der Fahnen bemerkt. Häufig haben sie sich nach den Ferien mit der Organisation "Friede von allen Balkonen" in Verbindung gesetzt, um mehr über die Aktion zu erfahren.
"Auf diese Weise ist parallel zu unserem ein deutsches Internetportal entstanden", sagt Mariagrazia Bonollo.
In Erinnerung an die italienischen Wurzeln dieser Initiative wird auch in anderen Ländern der Schriftzug PACE beibehalten. Vereinzelt ist jedoch auch die englische Version PEACE zu sehen.
Allerdings gefällt die Verwendung des Englischen - wohl auch wegen der Identifizierung mit den Krieg führenden Amerikanern und Engländern - wesentlich weniger als das Italienische. Gelegentlich taucht der englische Schriftzug mit einem ausradierten "E" auf, so dass das italienische PACE entsteht.
Von Insubrien bis zum Norden der Alpen
Auch in der italienischen Schweiz - sozusagen angesteckt vom italienischen Nachbarn - hat sich die Friedensfahne in Windeseile ausgebreitet. "Im Tessin hängen wohl 15'000 Fahnen", sagt Tobias Schnebli von der Gruppe Schweiz ohne Armee gegenüber swissinfo.
"Wir haben sie zur grossen Friedensdemonstration nach Bern gebracht. Dort gefielen sie, und daher haben wir beschlossen, die Fahnen in der ganzen Schweiz zu vertreiben."
Wie lässt sich dieser Erfolg erklären? Da seien einerseits der Wille, das eigene Nein zu diesem Krieg manifest zu machen. Andererseits besässen die Regenbogenfarben eine eigene Symbolkraft, die ihre Wurzeln in der biblischen Geschichte von der Sintflut und damit in der Versöhnung zwischen Himmel und Erde habe.
"In Genf hat man versucht, die Leute zum Hissen eines weissen Leintuchs auf ihren Balkonen zu animieren. Aber es hat nicht funktioniert", sagt Schnebli. Wahrscheinlich sei die weisse Farbe als Botschaft nicht aussagekräftig genug gewesen, zumal sie mit Personen identifiziert werde, die sich ergeben.
Eine wachsende Bewegung
Mit der letzten Ladung hat Schnebli 20'000 Friedensfahnen in die deutsche Schweiz gebracht. "Wir besorgen sie in Italien, weil es dort Firmen mit viel Erfahrung in diesem Bereich gibt. Aber gerne würden wir auch auf einen Schweizer Produzenten zurückgreifen. So könnten wir die Verzollung vermeiden."
Die Deutschweizer und Welschen sind momentan offenbar eher bereit, die Flaggen an eine Friedensdemonstration mitzubringen, als sie an den Balkonen aufzuhängen. Für Tobias Schnebli ist alles nur eine Frage der Zeit. Je länger der Krieg daure, desto mehr Fahnen werde man an den Balkonen sehen.
Auch kritische Stimmen
Allerdings stösst die bunte Friedensfahne mit ihren sieben Farben nicht überall auf Gegenliebe. In Italien gab es etliche Diskussionen zu Friedensfahnen, die an Schulen oder Ratshäusern aufgehängt wurden.
Einige Leute vertreten die Ansicht, dass an öffentlichen Gebäuden nur institutionelle Flaggen wehen sollten. In der Schweiz hat im übrigen Mendrisio beschlossen, die Fahne am Gemeindehaus aufzuhängen.
Im Weiteren gibt es Vorwürfe, durch die Fahne werde politisch instrumentalisiert und einem zweifelhaften Business Vorschub geleistet. "Eine Tessiner Zeitung warf uns sogar vor, mit der Fahne Geschäfte zu betreiben", sagt Tobias Schnebli.
Gemäss GSoA-Meinung lässt sich mit dieser Flagge aber kein Profit machen. Der Verkaufspreis beträgt 10 Franken. Davon seien 7 Franken Fabrikationskosten, der Rest decke die Spesen.
"Diese Vorwürfe werden sich schnell erübrigt haben, insbesondere wenn wir an das Milliarden-Business denken, das mit dem Krieg verbunden ist. Der Vergleich taugt einfach nicht", so Mariagrazia Bonollo.
Doch sie räumt ein, dass die Pazifisten in Italien die Situation nicht mehr kontrollieren könnten. Einige Geschäftsleute profitierten sicherlich davon.
Das Geschäft mit "Krieg und Frieden" scheint indes die grossen Schweizer Warenhäuser nicht zu interessieren. Gemäss einer Untersuchung einer Berner Tageszeitung halten es die grössten Läden für wenig opportun, mit dem Krieg Geschäfte zu machen.
swissinfo, Doris Lucini
(Übersetzung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)
Fakten
15. September 2002: Beginn der Aktion "Friede von allen Balkonen"
2,5 Mio. Fahnen flattern in ganz Italien
15'000 Fahnen im Tessin
20'000 Fahnen wurden in der restlichen Schweiz verkauft
In Kürze
Die Friedensfahne in Regenbogenfarben wurde 1961 von Aldo Capitini (1899-1968) nach Italien gebracht. Er hatte sie bei den Pazifisten in England entdeckt. Capitini war Gründer des alljährlichen Friedensmarsches von Perugia nach Assisi.
Die italienische Friedensbewegung nutzt die Regenbogen-Fahnen seit den 80er Jahren. Die italienische Freiwilligen-Bewegung exportierte die Fahne nach Sarajevo, in den Kosovo, in die Demokratische Republik Kongo sowie in den Irak.
Der Regenbogen ist zudem Symbol für die Inka-Hauptstadt Cuzco, für die Bewegung Internationale Genossenschaft, für die Anti-Atomkraft-Bewegung und viele andere Initiativen.
Am bekanntesten ist der Regenbogen als Symbol für die Bewegung der Homosexuellen. Sie machten diesen bereits 1978 zu ihrem Symbol.