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Ein angeborener Herzfehler ist das häufigste Geburtsgebrechen weltweit: rund 1 von 100 Kindern kommt damit zur Welt. Eltern, Betroffene und Familienangehörige sind dabei mit Herausforderungen konfrontiert, die weit über medizinische Aspekte hinausgehen, beispielsweise die potentielle Bedrohung des Lebens, Entscheidungen über medizinische Behandlungen und den Einfluss auf die ganze Familie. Psychologische Unterstützungsangebote können den Umgang mit Stress und Ängsten erleichtern sowie zu einer verbesserten Fürsorge der Kinder und Einhaltung des Behandlungsplans führen.
Julia Bänziger möchte im Rahmen ihres Postdoc-Projekts "Integrated Psychological Services in Congenital Heart Disease. A Delphi Study to Develop a Conceptual Framework for Health Policy and Practice Change" dazu beitragen, dass die psychologische Begleitung für Familien in Spitälern routinemässig integriert wird. "Ziel der Studie ist es, bisherige Erkenntnisse zur Integration von solchen Angeboten für Eltern von Kindern mit Herzfehler zusammenzutragen, um international anwendbare 'best-practice' Richtlinien zu formulieren", so Bänziger. Dazu sei es nötig, kontextspezifische fördernde und hindernde Faktoren für die Implementierung psychologischer Angebote in Spitälern zu identifizieren.
Expertise aus den USA und Australien
Für ihr Forschungsvorhaben führt Julia Bänziger eine sogenannte Delphi-Studie durch. Bei dieser Art von Studie wird ein systematisches und zyklisches Befragungsverfahren angewandt, um aktuelle Meinungen von Expertinnen und Experten zu vereinigen. Dazu tritt Bänziger voraussichtlich im Oktober einen 18-monatigen Forschungsaufenthalt an, der sie ans "Cincinnati's Children Centre for Heart Disease and the Developing Mind, Cincinnati Children's Hospital Centre" in den USA und ans "The Heart Centre for Children, Sydney Children's Hospital Network" in Australien führt. Möglich macht dies ein "Early Postdoc.Mobility"-Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds SNF.
Die beiden Forschungszentren leitet Prof. Nadine Kasparian, medizinische Psychologin und Professorin für Pädiatrie. Sie wird als Julia Bänzigers Mentorin agieren. "Die Besonderheit dieser Institutionen ist ihr im Spital integriertes psychologisches Forschungsprogramm", erklärt Bänziger. Der Aufenthalt an den Spitälern ermögliche ihr, Strategien und Praktiken zu erkennen, die für eine optimale psychologische Begleitung essentiell seien. "Zugleich kann ich mich mit den unterschiedlichen Gesundheitssystemen der beiden Länder vertieft auseinandersetzen und mich international mit Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet vernetzen", so Julia Bänziger. Ein weiterer Vorteil der Forschungsaufenthalte: Bänziger erhält die Gelegenheit, Einblicke in zwei grosse Forschungsprojekte zu erhalten, welche neben den psychosozialen Aspekten auch sogenannte "Biomarker" wie Speichel, Blutproben und Hirnscans untersuchen.
Psychosoziale Konsequenzen bis ins Erwachsenenalter
Dass psychosoziale Auswirkungen wissenschaftlich erfasst werden, sei immer wichtiger, erklärt Bänziger. "Dank der verbesserten medizinischen Versorgung erreichen heutzutage erfreulicherweise immer mehr Kinder mit Erkrankungen das Erwachsenenalter, jedoch oft betroffen von Langzeitfolgen". Julia Bänziger hat sich bereits im Rahmen ihrer Masterarbeit in einer Pilot-Studie mit möglichen Auswirkungen eines angeborenen Herzfehlers beschäftigt. Auch in ihrer von Prof. Dr. Gisela Michel betreuten Dissertation setzte sie sich mit den Folgen einer Erkrankung im Kindesalter auseinander und untersuchte das Gesundheitsverhalten von ehemaligen Kinderkrebspatientinnen und -patienten, die Kommunikation der Eltern mit dem Gesundheitspersonal und die psychologischen Auswirkungen des Erlebten auf die Eltern.