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Man könnte meinen, Ela Minus hätte diesen Song eigens für diese Zeiten geschrieben. «Ich habe tagelang niemanden gesehen, habe Angst, das Sprechen zu verlernen, zu jemand anderem als mir», singt die dreissigjährige Musikerin im Song «Dominique» stakkatoartig zu Synthesizerklängen. Doch dann erfährt man, dass sie einfach gern die Tage verschläft und erst mitten in der Nacht im Einklang mit sich selber ist – dann, wenn man sich normalerweise in schummrigen Clubs verlieren kann.
Die Liebe zum Club und zur Nacht ist auch der Musik von Ela Minus eingeschrieben, ihr Sound changiert zwischen Techno und Elektropop. Im Oktober hat die kolumbianische Künstlerin, die teils auf Englisch, teils auf Spanisch singt, ihr Debütalbum «Acts of Rebellion» veröffentlicht. Die zehn Stücke darauf sind einerseits so repetitiv und wuchtig, dass sie auf der Tanzfläche nachts um halb vier funktionieren würden, andererseits so eingängig und hymnisch, dass sie auch im Radio laufen könnten. Manchmal dominieren härtere Beats («El cielo no es de nadie» und «Megapunk»), dann wieder flächigere, weichere Klänge im Indietronica-Stil («Dominique»).
Eine Newcomerin ist Gabriela Jimeno – so heisst die Künstlerin mit bürgerlichem Namen – in ihrem Heimatland nicht mehr, denn Musik macht sie schon seit ihrem zwölften Lebensjahr. Als Teenager spielte sie in einer Emopunkband in Bogotá, ehe sie ans Berklee College of Music in Boston ging, um Synthesizerbau und Jazzschlagzeug zu studieren. In New York, wo sie heute noch lebt, arbeitete sie zunächst als Entwicklerin von Synthesizern und begann, als Solokünstlerin Musik zu machen. Nachdem sie 2018 zwei Songs veröffentlichte, ist ihr erstes Album nun das vorläufige Ergebnis ihrer vollständigen Hinwendung zur Elektronik. «Acts of Rebellion» darf als Grossereignis der Clubmusik im Jahr der toten Clubs gelten.
Ela Minus: Acts of Rebellion. Domino Recordings / Beggars. 2020