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Ist der G-Punkt nur ein Mythos?
Ist der G-Punkt nur ein Mythos oder existiert er wirklich?
Der G-Punkt ist nach dem deutschen Arzt Gräfenberg benannt, der ihn in den 50er-Jahren zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben hat. Dabei handelt es sich laut Gräfenberg um eine Region in der vorderen Scheideninnenwand der weiblichen Vagina, welche besonders sensibel ist. Konkret befindet sich die Zone circa fünf Zentimeter vom Scheideneingang entfernt an der Vorderwand des Geburtskanales, unmittelbar hinter dem Schambein. Sie hat die Form einer abgeflachten Halbkugel, deren Grösse variieren kann.
Die Zone ist aufgrund der Vielzahl der Nervenenden und Blutgefässe gerade bei erhöhter sexueller Erregung als geriffeltes Gewebe ertastbar. Die Stimulation der Zone wird von vielen Frauen als sehr erregend empfunden und soll zu besonders intensiven Orgasmen führen. Beim Geschlechtsverkehr bevorzugen deswegen viele Frauen die Reiterposition als günstigste Position zur Stimulation des G-Punkts. Dabei hängt die Art der notwendigen Stimulation unter anderem vom Körperbau, der Anatomie und von den erlernten Reaktionsschablonen der jeweiligen Frau ab.
Bisher kein Beweis für die Existenz des Lustknopfes
Gerade in den 80er- und 90er-Jahren nach Erscheinen des Werkes «Der G-Punkt: Das stärkste erotische Zentrum der Frau» herrschte ein regelrechter Hype um diese vermeintlich erogene Zone. Zwar hat der mediale Rummel die letzten Jahre abgenommen, innerhalb der wissenschaftlichen Kommune bleibt der G-Punkt jedoch ein heiss diskutiertes Thema. In zahlreichen Untersuchungen haben Forscher nämlich seit der Beschreibung durch Gräfenberg bisher erfolglos versucht, die Existenz dieser anatomisch klar umschriebenen Struktur zu beweisen.
Ähnlich verhält es sich auch mit den diversen Theorien. Einige meinen, beim G-Punkt handelt es sich um ein Drüsengeflecht, welches sich bei sexueller Erregung mit Flüssigkeit füllt und sich dann gegebenenfalls als weibliche Ejakulation während des Orgasmus entlädt. Andere halten die Zone für einen Ausläufer der Klitoris, deren Nervenbahnen bis zur Harnröhre reichen sollen. Ultrasonografischen Studien zufolge wiederum handelt es sich lediglich um dickeres Gewebe mit höherer Dichte an Empfindungsrezeptoren. Wissenschaftliches Fazit: Wir wissen nach wie vor nicht mit 100-prozentiger Sicherheit, ob der G-Punkt als anatomische Struktur existiert.
Frustrierende «Orgasmusknopf»-Suche
Dennoch berichten einige Frauen davon, einen G-Punkt – also eine besonders erogene Zone innerhalb der Vagina – zu haben. Der Orgasmus, welcher vom G-Punkt ausgeht, wird dabei von vielen als besonders intensiv beschrieben. Rund 70–80 Prozent der Frauen berichten jedoch ebenfalls, ausschliesslich durch Stimulation der Klitoris einen Orgasmus erreichen zu können, was in diesen Fällen gegen die Existenz des G-Punkts spricht. Schliesslich ist es egal, ob der G-Punkt ein tatsächliches anatomisches Phänomen darstellt oder nicht. Wichtig ist, dass die Vorstellung vom «Orgasmusknopf» nicht zu Frustration und dem Gefühl von Minderwertigkeit führt, wenn man ihn «nicht findet» (das gilt für Mann wie auch Frau). Und die, welche über einen Lustknopf verfügen, sollen ihn weiterhin geniessen.