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Druckfehler führt zu Boykott
C Moon, das Wortspiel als frühe Reagge-Perle
muntere Instrumentenrochade
ein Liveklassiker bis heute
die Videos
Rezeption und Statistik
Zur dritten Single der Wings erhielt Paul McCartney von John Lennon und Yoko Ono ein Telegramm mit dem Text: «Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet jetzt richtig underground.» Paul ist sich sicher, dass die hämische Gratulation Yokos Idee gewesen sein muss. Anlass für das Telegramm gab «Hi Hi Hi», die zweite Wings-Single, die innerhalb eines Jahres von der BBC boykottiert wurde. Anfang 1972 hatte sie bereits «Give Ireland Back To The Irish», Pauls Kommentar zum Bloody Sunday, indexiert.
Druckfehler führt zu Boykott
Paul und Linda McCartney schrieben «Hi Hi Hi» im Sommer 1972 in Spanien. Damals stand die erste Europatour der Wings an, die im Juli auch in Montreux und Zürich Station machte. Da sich Paul während dieser Tour weigerte, Beatles-Songs zu spielen, hatte die Band Songs von Pauls bisherigen drei Post-Beatlesalben und neues, noch unveröffentlichtes Material im Programm, beispielsweise der erst 1973 erschienene Hit «My Love» oder der Rocker «Soily», der erst 1976 auf «Wings Over America» erschien. Zudem steuerten die Bandmitglieder eigenes Material bei: Denny Laine «I Would Only Smile» und «Say You Don’t Mind», Gitarrist Henry McCullough ein Bluesinstrumental und Linda McCartney ihren Reggae «Seaside Woman.»
Für das Versehen von Apple spricht, dass selbst geübte Ohren body gun und kaum polygon verstehen. Zumal nach dieser Stelle ein weiteres Gitarren- und Hammondorgelsolo losgeht, dessen Rhythmus eindeutig sexuell gedeutet werden kann. Begleitet wird das Solo von Ah- und Oh-Rufen, die eine ziemlich wilde Rammelei evozieren, wenn diese Bemerkung erlaubt ist. In einem späteren Interview gibt Paul zumindest zu, dass die BBC einige Worte missverstanden habe: «Aber ich vermute, dass es ein wenig ein schmutziger Song ist, sofern Sex schmutzig und frech ist. Ich war in einer sinnlichen Stimmung, als ich den Song in Spanien schrieb.»
Wings live 1972, Denny Laine, Linda McCartney, Denny Seiwell (verdeckt), Henry McCullogh und Paul hinter dem Klavier.
Tom Doyle schreibt in seiner Biografie «Man On The Run. Paul McCartney In The 1970s», dass sich Paul von Anfang an der Mehrdeutigkeit der Worte bewusst gewesen war, analog Bob Dylans «Rainy Day Women No 12 & 35» mit der Aussage «Everybody must get stoned» sei: «Es war wie ‹Oh, wie meint Dylan das denn jetzt, dass man high wird? Oder meint er getting stoned im Sinne von betrunken sein? Das war die Doppeldeutigkeit und ich dachte, dass wäre bei mir auch so.» Etwas naiv argumentiert, denn ein Penis als body gun zu bezeichnen, mag machohaft durchgehen, aber als Vieleck (Polygon) macht schlicht keinen Sing. Es ist aber anzunehmen, dass Paul tatsächlich Polygon sang, denn auf paulmccartney.com steht in den Lyrics Polygon und 2018 wurde in der Deluxe Version der Archive Collection von «Red Rose Speedway» Pauls Manuskript von «Hi Hi Hi» mit dem Ausdruck Polygon abgedruckt. Es sollte nicht der erste lyrische Fehlgriff McCartneys sein.
Für ihren Boykott führte die BBC auch an, dass der Refrain: «We’re gonna get Hi, Hi, Hi, in the midday sun» als Anspielung auf Drogenkonsum sei. Eine Argumentation, die verständlich ist, hiess der Song zunächst auch noch «High, High, High» und Paul sich der Doppeldeutigkeit offenbar beim Schreiben bewusst war. In der Tat wird das besungene Paar auch den auch high, aber durch die Musik auf dem Bootleg einer kunterbunten Band (multi colored band, wie es in den Lyrics heisst).
C Moon, das Wortspiel als frühe Reagge-Perle
Im Gegensatz zur boykottierten Single «Give Ireland Back To The Irish» konnte die BBC mit «C Moon» eine valable Alternative zu «Hi Hi Hi» promoten. Obwohl Paul und die Wings ein Jahr zuvor mit «Love is Strange» auf «Wild Life» die erste Reggae Aufnahme einer weissen Band einspielten, hatte Paul dafür kaum Meriten geerntet. Dennoch verfolgten er und Linda die jamaikanische Musik aufmerksam und der karibische Rhythmus floss in einige der frühen Wings-Songs ein: So enthält der Mittelteil von «Live And Let Die» Reggae-Elemente und Lindas «Seaside Woman» ist ein Reggae Song. Aber auch «C Moon».
Inspiriert wurde Paul durch «Wooly Booly» von Sam the Sham And The Pharaos, der die Zeile «Let's not be L 7» enthält. L 7 ist im Amerikanischen die Abkürzung für Square, auf deutsch Platz, da die beiden Zeichen aneinander gefügt ein Quadrat, ebenfalls ein square, ergeben. To be square bedeutet aber auch vierschrötig, bünzlig, langweilig. Ausgehend von Sam the Shams Wortspiel überlegte sich Paul, was das Zeichen für «sie ist so cool» sein könnte und kam auf den Kreis, der halbiert ein C und einen Halbmond ergibt. Im Song nimmt Paul direkt Bezug auf die Bedeutung von square, als er singt: «It will be L 7 and I never go to heaven if I fill my head with glue». Die Zeile, nicht in den Himmel zu kommen, wenn man Leim schnüffelt, führt den BBC Boykott von «Hi Hi Hi» wegen Aufruf zum Drogenkonsum ad absurdum.
Inserat für «Hi Hi Hi» aus dem «New Musical Express», 1972.
Inspiriert wurde Paul durch «Wooly Booly» von Sam the Sham And The Pharaos, der die Zeile «Let's not be L 7» enthält. L 7 ist im Amerikanischen die Abkürzung für Square, auf deutsch Platz, da die beiden Zeichen aneinander ein Quadrat, ebenfalls ein square, ergeben. To be square bedeutet aber auch vierschrötig, bünzlig, langweilig. Im Song nimmt Paul direkt Bezug darauf, als er singt: «It will be L 7 and I never go to heaven if I fill my head with glue». Eine Aussage, welche den BBC Boykott von «Hi Hi Hi» wegen Aufruf zum Drogenkonsum ad absurdum führt. Ausgehend von Sam the Shams Wortspiel überlegte sich Paul, was das Zeichen für sie ist so cool sein könnte und kam auf den Kreis, der halbiert ein C und einen Halbmond ergibt.
muntere Instrumentenrochade
Im Intro, einem Klavierspiel im Reggae-Style, lacht Linda und Paul fragt, ob es das Intro wäre, in welchem er spielen müsse. Danach legt die Band los. Bis auf Linda spielt jeder ein anderes Instrument als gewohnt: Denny Laine spielt Bass, Gitarrist Henry McCullough ist an den Drums. In den Kommentaren zu «The McCartney Years» (2007) lobte Paul Henry mit den Worten, dass er ein wirklich grossartiges Gespür für diesen Reggae-ähnlichen Rhythmus gezeigt hätte. Während der Charade beim Originalsong spielte Schlagzeuger Denny Seiwell Vibrafon. Aber auch das unsterbliche Trompetensolo des Songs. Bei der Session hatte er Paul gebeten, die Trompete spielen zu dürfen. Wobei sich Paul 2007 nicht mehr sicher war, ob es nicht eher ein Flügelhorn war, das Denny gespielt hatte.
ein Liveklassiker bis heute
In späteren Live-Aufnahmen hat Paul jeweils das Intro alleine gespielt und rappte anstelle des Trompentensolos Worte wie «Mister Rastafari in the government yard you're so C Moon to me». Wenn «C Moon» heute nicht zum Liveprogramm von Paul gehört, spielt er den Song während des Soundchecks. «C Moon» kam – wohl als jüngerer Song – einen Monat und zehn Tage nach «Hi Hi Hi» ins Live Programm der Wings, nämlich am 19. August 1972. Somit waren sowohl in Montreux als auch in Zürich bloss «Hi Hi Hi» auf der Setliste.
Während «Hi Hi Hi» bis 1976 im Set blieb und auf den Alben «Wings Over America» und «Wings Greatest» erschien, reifte «C Moon» über die Jahre besser und wurde 1987 auf «All The Best» verwendet. 1990 erschien eine Soundcheck-Aufnahme auf der Single «All My Trials» in England bzw. «The Long And Winding Road» weltweit. 2002 spielte Paul den Song auf der «Back In The US Tour» und 2007 während seines Überraschungsgigs im heute weltgrössten Plattenladen Amoeba in Los Angeles, den er zur Promotion von «Memory Almost Full» gespielt hatte. Die Aufnahme ist auf der Grammy-gekrönten EP «Amoeba's Secret» von 2007 erschienen. 2001 waren beide Songs auf der Kompilation «Wingspan» erhältlich. 2018 spielte Paul «Hi Hi Hi» auf seiner «Freshen Up Tour»
die Videos
Das Video von «C Moon» ist einem Auftritt einer Fernsehshow nachempfunden. Die Wings spielen auf einer Bühne, Kameraeinstellungen aus der Totalen, von Porträtaufnahmen der Musiker und Detailaufnahmen auf die Instrumente wechseln sich ab. In den Kommentaren zu «The McCartney Years» (2007) erzählt Paul, dass das rosarote «C-Moon-Shirt» von Freunden gestaltet worden war. Im selben Kommentar erzählt Paul, dass Johnny Marr von The Smith während einer gemeinsamen Jam Session erwähnt hatte, dass «C Moon» sein absoluter Lieblingssong wäre. Regie führte Steven Turner, der auch das Video von «Hi Hi Hi», das in derselben Art und Weise daherkommt, gedreht hat. Beide Videos sind in der Videodokumentation «The McCartney Years» von 2007 enthalten.
«Hi Hi Hi» zeigt die Wings nicht bloss in ihren wilden Anfangstagen, sondern auch, und vor allem Linda, in ihrer Glamrock Phase. Dass man die Wings heute nicht mit Glam Rock in Verbindung bringt, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sie 1972 im Selbstfindungsprozess waren und kein Album am Start hatten.
Rezeption und Statistik
Trotz des Boykotts erreichte «Hi Hi Hi» in England den 3. Platz, in den USA klassierte sich die Single (ohne Bann) auf Rang 10. Weitere Topten-Platzierungen gab es in Norwegen (Rang 4), Belgien (Platz 5) und Holland mit Rang 6. In Deutschland schaffte es die Single mit dem 16. Rang in die Top 20. In Japan gab es einen 26. Platz. In der Schweiz konnte sie sich nicht klassieren.
Die Wings mit ihrem Idol Elvis Presley: Henry McCullogh, Denny Seiwell, Paul und Linda McCartney, im Vordergrund winkt Denny Laine in die Kamera.

Tracklist
Hi Hi Hi
C Moon
weitere Single-Cover: