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Im Spannungsfeld von Liebe und Hass
Die Umsetzung der gleichnamigen Novelle der amerikanischen Schriftstellerin Carson McCullers sei kein heiteres Stück, steht im Programm. Die Mundartfassung von Cornelia Montani und Joe Fenner macht daraus eher einen Krimi mit schwarzem Humor.
Anfänglich herrschte Finsternis und Stille auf der Bühne. Vereinzelt waren pfeifende Töne wie Stossseufzer aus einer Mundharmonika zu hören, ergänzt durch kurze Einlagen aus Klarinette und Gitarre, unverkennbar im drängenden Rhythmus des Blues. Und schon ist die Einsamkeit und drückende Hitze zu spüren. Die vier auf alten Kisten und rostigen Tonnen sitzenden Personen in Kleidern der amerikanischen Südstaatenfarmer beginnen zu sprechen. Sie erzählen die traurige Geschichte von Miss Amelia und beginnen dabei mit dem Schluss. Die Fenster ihres Hauses sind mit Brettern vernagelt. Nur wenn die Hitze zu gross wird, öffnet sich ein Fenster. Im Verlauf der pausenlosen Aufführung entsteht eine Art musikalisches Erzähltheater, eine Mischung aus Erzählung, Spiel und Musik, alles in hoher Qualität und lückenloser Inszenierung.
Kampf um Liebe und Vertrauen
Schauplatz ist eine heruntergekommene, trostlose Kleinstadt im tiefsten Süden der USA mit staubigen Häusern, einer Baumwollfabrik und einer unbedeutenden Mainstreet. An dieser liegt auch der Store von Miss Amelia Evans (Cornelia Montani), eine starke und sehr selbstständige Frau. Das Haus mit dem Laden hat sie von ihrem Vater geerbt, dazu eine Whiskybrennerei. Sie wird geachtet, obwohl der Umgang mit Menschen nicht ihre Stärke ist. Das ändert, als eines Tages ein buckliger Mann (Joe Fenner) in der Stadt auftaucht und behauptet, ihr Vetter Lymon zu sein. Sie nimmt ihn bei sich auf, bewirtet ihn und beginnt, sich zu wandeln. War es früher verboten, im Laden Whisky zu trinken, stehen nun plötzlich Tische bereit. Sie bietet günstiges Essen an und wird immer umgänglicher. So kommt zum Laden ein Café hinzu, das bald zum Treffpunkt der Bevölkerung wird, die sich wundert über die Veränderung von Miss Amelia. Es gibt nämlich in ihrem Leben einen wunden Punkt, der immer noch an ihr haftet, alle im Ort ausser Lymon kennen aber nicht darüber sprechen: Ihre Heirat mit dem Tunichtgut Marvin Macy vor einigen Jahren. Sie hat ihn in der Hochzeitsnacht dermassen gedemütigt, dass er nach zehn Tagen davonläuft, nicht ohne anzukündigen, er werde zurückzukehren und sich zu rächen. Die Tragik: Zum ersten Mal hat es ein Mann ernst gemeint mit der Liebe – die Abweisung treibt ihn zurück in eine unsichere, schliesslich kriminelle Existenz. Amelia erfährt eine ähnliche seelische Grausamkeit: Ihr missgestalteter Vetter, den sie umsorgt und umhegt und der ihr geholfen hat, das Café in Schwung zu bringen, schlägt sich auf die Seite von Marvin Macy, der nach sieben Jahren Zuchthaus in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist. Vetter Lymon ist fasziniert von ihm. Unterdessen wächst der Hass zwischen Miss Amelia und Marvin Macy von Tag zu Tag und mündet schliesslich in einem handfesten Showdown der beiden mit einem Ringkampf nach Westernmanier. Amelia verliert, Lymon wendet sich von ihr ab und sympathisiert mit Marvin Macy. Zusammen verlassen die beiden die Stadt, nicht ohne zuvor noch das Café und die Whiskybrennerei verwüstet zu haben. Miss Amelia zieht sich zurück, schliesst das Café und den Laden und vernagelt das Haus.
Berührende Einlagen
Das Stück lebt von den schlagfertigen Dialogen, von Rede und Gegenrede und davon, wie schrittweise unangenehme Wahrheiten und Verhaltensmuster entblösst werden. Gestik und Mimik werden sparsam, aber umso treffsicherer eingesetzt.
Eine tragende Rolle spielen die eingestreuten Musikbeispiele. Sie malen nicht bloss die jeweils zu zutreffenden Stimmungsbilder aus, sondern auch die typische Mentalität in den amerikanischen Südstaaten. Das «Musikalische Erzähltheater» wurde seinem Namen in jeder Beziehung gerecht. Die Tragik der Figuren und der Handlung gingen unter die Haut.