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Im Bodenseeraum ist der Name «Foto Kopieczek» ein Begriff. Drei Generationen hatten in Romanshorn und in Arbon während fast 100 Jahren zwei Fachgeschäfte geführt sowie ein Belichtungsgerät für Serienbilder entwickelt, das in die ganze Welt exportiert wurde. Bis 17. April 2016 ist dazu im Hafen-Museum Romanshorn eine interessante Ausstellung zu sehen.
Die Geschichte von Foto Kopieczek begann zu einer Zeit, als die Fotografie beileibe nicht Allgemeingut war. Einerseits gab es Tüftler und Pröbler, welche die lichtempfindlichen Platten belichteten, diese selbst entwickelten und davon Kontaktabzüge anfertigten. Anderseits setzten sich allmählich Kameras mit Rollfilm durch, die einer breiten Masse das Fotografieren ermöglichte. Die belichteten Filme brachte man zum Fotografen, der davon Papierabzüge herstellte. Zum Fotografen ging man auch, wenn man ein schönes Porträt von sich wollte, oder jene Familien, die es sich leisten konnten, liessen einmal alle paar Jahre im Fotostudio ein Gruppenbild anfertigen – dies meistens am Sonntag nach der Kirche, weil man dann sowieso die schönsten Kleider anhatte und rasiert war. Viele Fotografen ergänzten die kargen Einkünfte mit einer weiteren beruflichen Tätigkeit, weil sie von den wenigen Personenbildern nicht leben konnten, oder sie waren unter der Woche als Landschaftsfotografen unterwegs und versuchten damit noch etwas hinzu zu verdienen.
Die erste Atelieraufnahme von Richard Kopieczek aus dem Jahre 1920
Um diese Zeit wurde Richard Kopieczek (1884 – 1965) in Romanshorn sesshaft, ein Buchbinder, der sich bald entschloss, aus seiner Fotografier-Leidenschaft einen Beruf zu machen. Er eröffnete 1920 sein erstes Atelier an der Alleestrasse 64 und war dort so erfolgreich, dass er bereits fünf Jahre später das Lokal vergrössern und mit attraktiven Schaufenstern versehen konnte.
Atelierfotograf damals – in der Ausstellung wird eine frühere Studioszene anschaulich nachgestellt
Neben seinen Dienstleistungen pflegte er seine persönliche Fotografie weiter, unternahm viele Wanderungen im Alpsteingebiet und dem Thurgau, was die Grundlage zu einem umfangreichen Bildarchiv bildete, aus dem dereinst ein Postkartenverlag als neuer Geschäftszweig erwachsen sollte.
Neben Personenbildern gehörte auch die Dokumentation von Romanshorn zu den laufenden Aufgaben der Dynastie Kopieczek
Das Alpstein-Gebiet war eine der Liebingsgegenden von Richard Kopieczek . Es gibt viele Fotos davon, auch einige handkolorierte Grossformat-Diapositive
Doch die Weltwirtschaftskrise machte der neuen Geschäftsidee zunächst einen Strich durch die Rechnung. Die Zeiten waren hart für das junge Unternehmen, denn mit der starken Inflation blieb kaum mehr Geld für fotografischen Luxus. Dennoch liess Richard Kopieczek seine Idee, mit einem Gerät Postkarten schneller und kostengünstiger produzieren zu können, nicht fallen, sondern entwickelte eine Foto-Rotaionsmaschine zunächst für seinen Eigenbedarf und danach zur Serienreife.
Um Postkarten rationeller herstellen zu können, konstruierten die Kopieczeks‘ das Belichtungsgerät «RiKoRo», das erstmals 1950 auf der Photokina in Köln gezeigt und danach in viele Länder exportiert wurde
Das war die Zeit als Fritz Kopieczek I (1913 – 1991) in das Geschäft einstieg und sich neben seiner Tätigkeit als Fotograf auch um die Produktion und Vermarktung der Rotationsmaschine kümmerte. Der Kopieczek-Kopierer stiess erstmals 1950 auf der Photokina auf grosse Beachtung und konnte bald in kleinen Stückzahlen produziert und in alle Welt exportiert. Das Belichtungsgerät wurde mit einer Entwicklungs- und einer Trockenmaschine zu einer Produktionsanlage erweitert, auf der Foto Kopieczek Postkarten für den Eigenverlag und diverse Auftraggeber in Zehntausenderauflagen produzierte.
Die Ausstellung im Hafenmuseum Romanshorn dokumentiert die Geschichte der Fotografie mit vielen seltenen Ausstellungsobjekten
Schwerpunkt ist die Firmengeschichte Kopieczek – jede Generation wird hier umfassend präsentiert. Eine spannende Zeitreise …
Doch kein Erfolg dauert ewig. Die fotografische Postkarte wurde schon bald durch gedruckte abgelöst, die von spezialisierten Verlagen sogar in Farbe angeboten wurden, so dass die Erfindung von Kopieczek schon bald überholt war und in Vergessenheit geriet. Auch Foto Kopieczek stieg auf den Trend der Farbfotografie um, konzentrierte sich daneben auch auf den Handel mit Fotoapparaten und pflegte mit Porträts, Hochzeitsreportagen und technischen Aufnahmen für die Industrie eine breite Kundschaft aus einem immer grösser werdenden Einzugsgebiet. Das war der richtige Moment, um 1970 eine Filiale in dem wirtschaftlich stärkeren Arbon zu übernehmen. Fritz Kopieczek II (geb. 1945) leitete dieses neue Fachgeschäft, während sich seine Schwester Ruth (geb. 1946) nicht nur um den Laden in Romanshorn kümmerte, sondern mit Lederwaren – «Leder-Bombeli» – darin eine neue Sparte eröffnete.
Wer an historischen Kameras interessiert ist, entdeckt hier viel alte Bekannte und Raritäten
Dass die Zeiten gegen Ende des letzten Jahrhunderts nicht nur für Foto Kopieczek, sondern für alle Fotofachgeschäfte mit zunehmender Konkurrenz der Grossverteiler, des endlosen Preisdrucks und mit dem absehbaren Trend zur Digitalfotografie immer härter wurden, kann man sich leicht ausmalen. So beschlossen Ruth und Fritz Kopieczek 2008 das Geschäft in Romanhorn aufzugeben und 2012 jenes in Arbon zu verkaufen.
Die drei Generationen der Dynastie Kopieczek gehörten während fast 100 Jahren zu den bedeutendsten Fotografen der Ostschweiz
Von Foto Kopieczek ist ein wertvolles und vielfältiges Bildarchiv übrig geblieben, das in den letztes Jahren weitgehend gesichtet, bereinigt und reorganisiert wurde. Weiter umfasst die Sammlung von Fritz Kopieczek eine Augenweide historischer Kameras aller Epochen, Geräte und Utensilien, von denen ein kleiner Teil jetzt in einer schmucken Ausstellung im «Museum am Hafen» in Romanshorn zu sehen ist. Die Objekte und Bilder führen den Besucher in einer spannenden Zeitreise durch die Fotogeschichte und eine Fotografendynastie, die während drei Generationen die Leute, die Landschaft und die Entwicklung der Bodenseeregion dokumentiert hatte.
Urs Tillmanns
Die Ausstellung ist bis 17. April 2016 jeweils am Sonntag
von 14.00 – 17.00 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen finden Sie unter www.museumromanshorn.ch