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Hochgeehrter Herr!
In Beantwortung Ihrer geschätzten Zuschrift vom 27. v. M., die ich von einer Abwesenheit nach Hause zurückkehrend vorfinde, beeile ich mich, Ihnen zu erklären, daß «eine Wendung der Beziehungen zwischen Ihnen & mir», wenigstens was mich anlangt, in keiner Weise eingetreten ist. Ich wüßte auch in der That nicht, warum dieß der Fall sein sollte! Unsere gegenseitige Correspondenz hat allerdings seit dem Sommer des verflossenen Jahres aufgehört. Ich habe damals den Zeitungen entnommen, daß Sie dem deutschen Civilcommissariate im Elsaß zugetheilt worden & [hin?] abgegangen seien. Ich nahm an, daß Sie durch diese Thätigkeit bislang gänzlich in Anspruch genommen sein dürften. Als im Juli dss. J. Oberst Hammer nach der Schweiz kam, habe ich mich bei ihm nach Ihnen erkundigt. Hammer sagte mir, er wisse nichts näheres von Ihnen: dagegen glaube er annehmen zu dürfen, daß Sie sich fortwährend im Elsaß in amtlicher Thätigkeit [befinden?]. Wie wenig ich Sie vergessen habe, mögen Sie aus der Thatsache entnehmen, daß ich am letzten Donnerstage in der Sitzung des Gott| hardausschusses, als von den Gründungskosten die Rede war, welche dem Ausschusse von der zu bildenden Gesellschaft zu ersetzen sein werden, daran erinnerte, daß wir Ihnen für die großen Bemühungen, die Sie unserem Unternehmen widmeten, noch eine angemessene Entschädigung zu leisten haben. Ich dachte dabei an die Besprechung, welche wir hierüber im März des verfl. Jahres gepflogen haben. Ein eigenthümliches Spiel des Zufalles ist es, daß, nachdem ich am Donnerstage in dem Gotthardausschusse Sie auf die angegebene Weise in gebührende Erinnerung gebracht, ich, nach Zürich zurückgekehrt, einen Brief von Ihnen vorfand, in welchem Sie sich auf den Standpunct stellen, als ob ich Sie vergessen hätte!
Ich denke, das Gesagte wird genügen, um Sie davon zu überzeugen, daß meine Gesinnungen Ihnen gegenüber fortwährend die gleichen geblieben sind.
Erlauben Sie mir nunmehr die Bitte an Sie zu richten, mir gef. andeuten zu wollen, welche Entschädigung Sie beanspruchen zu sollen glauben. Es liegt mir daran, diese Angelegenheit mit Beförderung im Ausschusse zur Erledigung zu bringen. Der letztere wird die Verabreichung der Entschädigung an die Voraussetzung knüpfen, daß das Unternehmen zu Stande komme, eine Voraussetzung, die wohl auch Sie als selbstverständlich betrachten dürfen, deren Eintreten bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge übri| gens nicht mehr als zweifelhaft anzusehen sein wird.
Was nun die Phase anlangt, in welcher die Gotthardangelegenheit sich zur Zeit befindet, so sind die Unterhandlungen für Beschaffung des über die Subventionssumme hinaus erforderlichen Baucapitales mit verschiedenen Gruppen von Bankhäusern & Bankinstituten, unter welchen sich auch die Gruppe der Discontogesellschaft & Genossen befindet, hängig. Noch sind Schwierigkeiten aller Art zu überwinden. Ich gebe mich indessen der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß es gelingen werde, auch diese zu besiegen.
Es freut mich, daß Sie mir durch Ihre geschätzten Zeilen Gelegenheit dazu geboten haben, die Zweifel, die zu meiner Überraschung in Ihnen entstanden sind, zu beseitigen & indem ich Ihrer gef. Rückäußerung entgegensehe, verbleibe ich in den alten Gesinnungen freundschaftlicher Hochachtung
Ihr ganz ergebene
Dr A Escher
Zürich
1 Octber 1871.
Herrn Alexander von Sybel Hochwohlgeboren Kaiserl. Civilcommissariat im Elsaß Straßburg.