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Die Tessiner Gemeinden Agno, Bioggio und Manno liegen im Gebiet Basso Vedeggio westlich von Lugano. Sie haben sich in den letzten Jahren wirtschaftlich stark entwickelt. Die räumliche und funktionale Organisation der Region konnte jedoch nicht Schritt halten. Mit dem Modellvorhaben «Nuovo Polo Vedeggio» (NPV) möchten die Gemeinden nun gemeinsam auch die räumliche Entwicklung der Region vorantreiben und die dazu notwendigen Massnahmen eng koordinieren. Neue städtebauliche Modelle und Konzepte für das Flächenmanagement sollen entwickelt werden. Auf dem Gebiet soll ein neues Zentrum entstehen und die Gegend - eine im Wandel begriffene Industriezone - soll durch das interkommunale Projekt revitalisiert werden. Im Kern geht es darum, das Gebiet mit neuen urbanen Strukturen zu versehen und dazu Wirtschaftsflächen für die Ansiedlung von Unternehmen anbieten zu können. Auf diese Weise soll ein zu Lugano komplementärer Entwicklungspol entstehen, in dem zudem wieder vermehrt auf die urbanen Qualitäten Wert gelegt werden soll, nachdem diese unter der teilweise raschen Veränderung etwas gelitten haben.
Aufwertung überall
Zur Realisierung des Modellvorhabens wurde ein strategisches Leitbild für die Region entwickelt, das unter anderem die Ausscheidung von Arbeitszonen, bessere Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr oder die Ausgestaltung öffentlicher Grünflächen sicherstellen und koordinieren soll. Im Leitbild sind die Charakteristika und Bestimmungen der unterschiedlichen Gewerbezonen des Gebiets verzeichnet: So gibt es Gebiete mit kommerziellen Nutzungen und Dienstleistungsangeboten, Gebiete mit Mischnutzungen sowie Gebiete, die als reine Produktionsstandorte dienen. Im Leitbild wird ebenfalls die Art und Menge des Verkehrs der einzelnen Zonen ausgewiesen sowie Kriterien zur Begrenzung und zur Regelung der kommerziellen Aktivitäten in den einzelnen Bereichen aufgelistet. Dank dieser Aufschlüsselung können strategische Projekte und Gebiete bestimmt werden. Um das Leitbild zu realisieren, sind Aufwertungen von öffentlichen und privaten Räumen notwendig: Strassen, Plätze, Fussgängerzonen und Fahrradwege, ÖV-Haltestellen und Naherholungsräume sowie halbprivate Geschäftszonen sind dabei genauso im Fokus wie die Verbesserung des Langsamverkehrs. Als Erfolgsfaktor für das Projekt hat sich die Zusammenarbeit der Gemeinden sowie die frühzeitige Einbindung privater Akteure erwiesen. Insbesondere die drei Gemeinden spürten den Druck, ihre überkommunale Zusammenarbeit zu verbessern. Dazu schufen sie eine Kooperationsstruktur («Gruppo Sviluppo del territorio ABM»), die nun schrittweise die Durchführung von weiteren Unterprojekten ermöglicht. So konnte vor dem Hintergrund des Leitbildes, das die grundsätzlichen Perspektiven für das ganze Basso Vedeggio umfasst, auch ein Masterplan für das zentral gelegene Teilgebiet Cavezzolo erarbeitet werden.
Offizielle und informelle Bestrebungen sind wichtig
Den drei Gemeinden Agno, Bioggio und Manno schliessen sich nun weitere Gemeinden aus der Region an, um gemeinsam eine bessere Koordination ihrer Regionalpolitik zu erreichen. Die Raumplanungen und Projekte einzelner Gemeinden folgen bereits jetzt dem Leitbild des NPV. Die Ziele, Konzepte und Themen wurden auf pragmatische Art und Weise - ohne formelle Validierung - vom zuständigen kantonalen Amt und von weiteren Partnern aus Infrastruktur und Umweltschutz angenommen und werden umgesetzt. Die Rückmeldungen aus der Privatwirtschaft im Vedeggio sind ebenfalls positiv: Bessere Wegführungen, verdichtetes Bauen, die Förderung des Langsamverkehrs sowie die Lenkung des gewerblichen Verkehrs sind etabliert und ermöglichen neue räumliche und betriebliche Optionen.
Das Vorhaben hat Wirkung gegen oben
Die ersten Entwürfe für das Leitbild des NPV wurden Ende 2007 skizziert. Der Masterplan für das Gebiet Cavezzolo beschäftigte von 2009 bis 2011 verschiedene Akteure der Regionalplanung. Im Verlauf des Projekts wurde die Bedeutung des NPV als strategischer Sektor der Agglomeration Lugano erkannt. Schliesslich konnte das Leitbild vervollständigt und konsolidiert werden, und die Integration des Leitbilds in das Agglomerationsprogramm Luganos konnte vollzogen werden. Damit hat das Modellvorhaben eine Bedeutung erlangt, die von der lokalen über die regionale bis auf die Bundesebene reicht.