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Mit einem Doppelsieg für Ferrari und einem überglücklicher Sebastian Vettel, der trotz technischer Probleme, aber mit Hilfe seines Teamgefährten Kimi Räikkönen den Sieg nach Hause fahren konnte, geht die Formel 1 in die vierwöchige Sommerpause. Strategie war auf dem schwer zu überholenden Hungaroring der Schlüssel zum Erfolg und für die Teams bedeutete dies, Geduld und starke Nerven zu wahren.
von B.Fleckenstein
Nach seinem Sieg in Silverstone konnte Lewis Hamilton im Kampf um die Weltmeisterschaft aufholen und lag vor diesem Rennen genau einen Punkt hinter dem Führenden Sebastian Vettel. So ging das Tauziehen mit dem Start in der zweiten Hälfte der Rennsaison zwischen den Kontrahenten weiter.
Das Qualifying legte die Stärken der Ferraris offen
Die im letzten Rennen dargebotene Dominanz der Mercedesfahrer wurde schon im Qualifying zunichtegemacht. Ferrari war auf dieser Strecke mit den langsamen Kurven und dem besseren Anpressdruck gegenüber Mercedes im Vorteil.
Wenn in Q1 auch noch überraschende Platzierungen für Aufsehen sorgten – so wie z.B. der zweite Platz von Max Verstappen (Red Bull) – sicherten sich die Ferrari-Piloten Sebastian Vettel vor seinem Stallgefährten Kimi Räikkönen beinahe mühelos die Pole und die erste Startreihe. Die Silberpfeile – Bottas vor Hamilton – qualifizierten sich für die zweite Startreihe. Dann folgte das Red Bull Team mit Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Die Renault Fahrer überzeugten vor allem in Q1, wobei Nico Hülkenberg mit dem siebten Schlussrang ein hervorragendes Resultat herausfuhr. Zu dumm, dass er wegen Getriebewechsel strafversetzt von Platz 12 starten musste. McLaren Honda lieferte das beste Qualifying der Saison, was sich in der Startliste niederschlug. Startrang 7 für Fernando Alonso und Stoffel Vandorne hatte sich direkt neben ihm qualifiziert. Carlos Sainz (Toro Rosso) schlug sich wacker und erreichte Startplatz 9. Jolyon Palmer profitierte von der Strafversetzung seines Teamkollegen und konnte von Platz 10 ins Rennen gehen. Paul di Resta kam als Ersatzfahrer für den erkrankten Felipe Massa zum Einsatz.
Früher Rennausfall von Daniel Ricciardo (Red Bull)
Ferrari und Mercedes kamen beim Start gut weg. Die Red Bull Piloten dahinter wollten um den Sieg mitfahren und bedrängten die Mercedes von beiden Seiten. In der zweiten Kurve fuhr Daniel Ricciardo (Red Bull) innen an Lewis Hamilton (Mercedes) vorbei doch sein eigener Teamkollege fuhr in der darauffolgenen 180° Grad-Linkskurve auf ihn auf und beförderte ihn von der Strecke. Daniel Ricciardo kam mit zerstörtem Kühler auf die Strecke zurück, was zu einem Dreher und einem frühen Aus führte. Das bedeutete: Safety Car schon in der ersten Runde und 10 Sekunden Strafe für den Verursacher, Max Verstappen (Red Bull). Damit war ein möglicher Podestplatz für Red Bull in weite Ferne gerückt.
Danach flachte das Rennen etwas ab und Änderungen in den Positionen fanden kaum statt. Bemerkenswert war lediglich Carlos Sainz (Toro Rosso), der nach dem Start vier Plätze gewinnen konnte.
In Runde 21 kam Romain Grosjean (Haas) aufgrund von schwachem Reifendruck zum Reifenwechsel an die Box. Unglücklicherweise wurde dabei das linke Hinterrad nicht richtig befestig und Grosjean war daher gezwungen wenige Meter nach der Boxenausfahrt das Rennen aufzugeben.
In Runde 25 meldete Sebastian Vettel der Box, dass das linke Vorderrad nach links zieht. Lewis Hamilton kämpfte hingegen mit der Funkverbindung zwischen ihm und seiner Box. Das Mercedes Duo näherte sich währenddessen den in Führung liegenden Ferraris.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]
Nach Rennhälfte kam die Strategie zum Tragen
In Runde 40 kam Valteri Bottas auf Position Drei an Kimi Räikkönen bis auf 1.7 Sekunden heran. Der Ferrari-Pilot beschwerte sich daraufhin bei der Box über die langsame Fahrweise seines vor ihm in Führung liegenden Teamkollegen und hatte darunter zu leiden, dass er ihn nicht überholen durfte. Die technischen Probleme, mit welchen Sebastian Vettel (Ferrari) zu kämpfen hatte, konnten nicht gelöst werden. Er sollte dennoch in Führung bleiben und sein finnischer Teamkollege als Puffer dienen.
Als in Runde 43 Max Verstappen zum späten Reifenwechsel in die Boxengasse fuhr, war zu diesem Zeitpunkt für alle Beteiligten klar, dass er nach der 10-Sekunden-Strafe wieder auf Rang 5 hinter Lewis Hamilton zurückfallen würde. Somit fuhren die vier Führenden exakt in der Reihenfolge, wie vom Start weg. Mercedes musste etwas tun.
Ein fast zufälliger, strategischer Verbremser in Runde 46 von Valteri Bottas führte dazu, dass Lewis Hamilton nun auf Platz Drei die Lücke zu den Ferraris schliessen und um den Sieg kämpfen konnte. In Runde 51 sorgte ein Funkspruch an Hamilton für Klarheit: «Du hast fünf Runden Zeit zu überholen.» Das bedeutete, dass er sich danach wieder von Bottas überholen lassen müsste. Sechs Runden später gewährte man dem Engländer nochmals den gleichen Rennkredit, warnte ihn aber zugleich, dass die Bremsen zu heiss werden könnten. Inzwischen holte Max Verstappen mit grossen Schritten auf das Führerquartett auf.
In Runde 65 hatte sich Lewis Hamiltons (Mercedes) Abstand zu Kimi Räikkönen (Ferrari) auf 2.4 Sekunden wieder vergrössert. Es machte den Anschein, als ob sich der Mercedesfahrer von seinem Teamkollegen nun wieder überholen lassen und nicht mehr um den Sieg kämpfen sollte. Doch Max Verstappen hatte sich inzwischen gefährlich nahe dem finnischen Mercedes-Piloten genähert. So sehr, dass nun die Angst aufkam, der Holländer könnte Valteri Bottas überholen, was wiederum eine Rochade der Mercedesfahrer verunmöglichte, ohne dass nicht Beide von Verstappen überholt würden.
Daraufhin machte sich Lewis Hamilton daran, wieder auf das Führerduo aufzuschliessen und kam bis auf unter eine Sekunde an Kimi Räikkönen heran, vermochte den Doppelsieg aber nicht mehr zu vereiteln.
Als fairer Sportsmann liess Lewis Hamilton sich von Valteri Bottas kurz vor der Ziellinie überholen und überliess ihm den zuvor geschenkten Platz. Max Verstappen war doch nicht so schnell, wie zuvor angenommen und beendete das Rennen auf Rang fünf. Fernando Alonso realisierte mit Platz sechs ein absolutes Topergebnis und machte sich ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, denn er wurde tags zuvor 36.
Ethik und Rennmoral wird die Formel 1 weiter beschäftigen
Kimi Räikkönen hätte das Rennen gern gewonnen, wenn es ihm erlaubt worden wäre. So war seine Aussage beim Interview auf dem Siegerpodest zu verstehen. Die Problematik mit der Teamorder wird wohl so schnell nicht gelöst werden. Solange es wichtiger ist, das Resultat der Teampolitik anzupassen, werden die Rennen von den Fahrern gewonnen, die dafür bestimmt werden und nicht von denen, die dazu fähig sind. Gemäss Toto Wolff wird Ethos bei Mercedes gross geschrieben, weshalb Hamilton sich von Bottas überholen liess, um ihn seinen Platz zurückzugeben. Unter diesem Aspekt muss man bei Ferrari ein Fragezeichen setzen, was dieses Thema betrifft.
Rangliste GP von Ungarn 2017
|Position||Fahrer||Team||Runden||Zeit|
|1||Sebastian Vettel||Scuderia Ferrari||70||1:39:46.713|
|2||Kimi Räikkönen||Scuderia Ferrari||70||+ 0:00.908|
|3||Valteri Bottas||Mercedes||70||+ 0:12.462|
|4||Lewis Hamilton||Mercedes||70||+ 0:12.885|
|5||Max Verstappen||Red Bull||70||+ 0:13.276|
|6||Fernando Alonso||McLaren Honda||70||+ 1:11.223|
|7||Carlos Sainz Jr.||Scuderia Toro Rosso||69|
|8||Sergio Perez||Sahara Force India Team||69|
|9||Esteban Ocon||Sahara Force India Team||69|
|10||Stoffel Vandoorne||McLaren Honda||69|
|11||Daniil Kvyat||Scuderia Toro Rosso||69|
|12||Joylon Palmer||Renault Sport F1 Team||69|
|13||Kevin Magnussen||Haas F1 Team||69|
|14||Lance Stroll||Williams||69|
|15||Pascal Wehrlein||Sauber||68|
|16||Marcus Ericsson||Sauber||68|
|17||Nico Hulkenberg||Renault Sport F1 Team||67|
|18||Paul di Resta||Williams||60|
|19||Romain Grosjean||Haas F1 Team||21|
|20||Daniel Ricciardo||Red Bull||1|