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Als Max Bircher seine ganzheitliche Diätetik und Naturheilkunde aufbaute, liefen seine Ideen quer zum damaligen Mainstream.
Zürich war um die Jahrhundertwende ein Zentrum der heute als rassistisch erachteten Eugenik. Später spürte man den Einfluss des Dritten Reichs.
Als Max Bircher Ende des 19. Jahrhunderts als Arzt zu arbeiten begann, war in Zürichs Medizin die heute als zutiefst rassistisch erachtete Eugenik weit verbreitet. Soziale Probleme wie Alkoholismus, Kriminalität und Prostitution sollten mit Verboten und medizinischen Eingriffen verhindert werden.
Bircher wurde von der gängigen Ärzteschaft ausgelacht und lange nicht ernst genommen. Erst der Erfolg seiner Klinik änderte diese Aussenseiter-Position.
Gefährliche Mainstreams
Sehr bekannt war einer der Lehrer von Bircher-Benner, der Sozialdemokrat Auguste Forel, Direktor der Zürcher Irrenanstalt Burghölzli. Dieser wünschte sich eine "gute Zuchtwahl", womit er meinte, dass minderwertige Menschen vor der Fortpflanzung auszuschliessen seien.
Bircher ehrte Forel wegen seiner Alkohol-Abstinenz und kommentierte seine Zucht-Ideen laut Wolff mit "man kann die Leute ja nicht zwingen". Er selbst zog es jedoch vor, mit Rohkost gegen die Degeneration vorzugehen.
Lockrufe aus dem Dritten Reich
Nach dem Ersten Weltkrieg kam es mit dem Dritten Reich noch schlimmer. Bircher wurde Deutschfreundlichkeit nachgesagt. Er habe sich schon geschmeichelt gefühlt, sagt Wolff, als ihm aus Nazi-Deutschland die Leitung einer Professur und der diätetischen Abteilung des Dresdner Spitals angeboten wurde.
Dem Nazi-Lockruf gefolgt ist er dann aber nicht. "Politische Überlegungen waren ihm nicht prioritär", so Wolff, "er ordnete alles seinen naturheilkundig-ganzheitlichen Ideen unter."
swissinfo, Alexander Künzle