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Seit einigen Jahren erfreut sich die Wohnsiedlung Zellweger-Park auf dem ehemaligen Industrieareal am Aabach wachsender Beliebtheit. Gleichzeitig, mit einem besseren Schutz vor Überschwemmungen, soll der Aabach als Erholungsraum einfacher zugänglich sein und eine ökologische Aufwertung erfahren.
Entlang des Aabachs entwickelte sich im 18. Jahrhundert das dichteste Industriegebiet Europas. Die industrielle Entwicklung des Zellweger Areals wurde massgebend durch die erste Grossspinnerei geprägt, die 1824 ihren Betrieb aufnahm. Durch ein rasantes Wachstum versorgten 1892 insgesamt drei künstliche Weiher und ein weit verzweigtes Kanalsystem den Betrieb mit Wasserkraft. In den darauffolgenden 130 Jahren hat sich das Areal stark verändert. Der Wandel der Schweiz hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft ist auch im Zellweger-Areal erkennbar. Die heutige Uster Technologies AG, spezialisiert auf textile Kontrollsysteme, ist Weltmarktführer und hat ihren Hauptsitz im Zellweger-Park. Seit einigen Jahren entwickelt sich das Areal zudem zu einem beliebten Wohnquartier. Dadurch entstanden neue Konflikte, die der Aabach zukünftig bewältigen muss.
Drei Interessen – ein Masterplan
Über die Jahrhunderte wurde der Aabach in ein Korsett gezwängt; mit grossen Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht. Heute verleiht er mit seinem unverwechselbaren Charakter der Stadt Uster seinen Charme. Die Sanierung des Baches hatte also nicht nur reinen Schutzcharakter, sondern muss auch ökologischen und gestalterischen Ansprüchen genügen. Auf einer Länge von 450 m wurde der Aabach umgestaltet. Neben der Verbesserung des Hochwasserschutzes ermöglichte das Projekt die Wiederherstellung der Fischdurchgängigkeit und einen einfachen Zugang zum Bach als Erholungsraum für die Bevölkerung. Die Erhöhung der Abflusskapazität im Bereich des Zellweger-Areals zwischen den Brücken Wilstrasse und Zellwegerweg gewährleistet nun, dass ein Hochwasserereignis schadlos abgeleitet wird – selbst wenn es statistisch gesehen nur alle 100 Jahre eintritt. Dazu wurden die bestehenden Schwellen von bis zu 2 m abgebrochen und die Sohle bereichsweise abgesenkt. Das Gefälle wird über Blockrampen stufenweise abgebaut. So können Fische den Aufstieg bewältigen – eine grundlegende Voraussetzung auf ihrer Suche nach einer flachen und somit günstigen Stelle für den Laich. Gleichzeitig wurde der Uferweg neu gestaltet und dadurch die Attraktivität und die Zugänglichkeit des Aabachs für die Öffentlichkeit erhöht.
Öffentliches Interesse und Umweltschutz versus Hochwasserschutz
Projekte, die auf grosses öffentliches Interesse stossen, sind per se an-spruchsvoll. Jedes Projekt beinhaltet Eingriffe in die Natur. Häufig treffen gegensätzliche Interessen aufeinander – meist verbunden mit Emotionen. So auch hier: Die Anwohnenden, die Eingriffe in ihr Eigentum möglichst verhindern wollen, die Umweltschützer/innen, die wertvollen Lebensraum für Vögel erhalten und dadurch die Rodung von Ufergehölz verhindern möchten und der Schutz vor Hochwasser, der genau diese Massnahmen notwendig macht. Umso wichtiger war der Bauherrschaft eine gute und transparente Kommunikation und ein Lösungsvorschlag, der Aspekte aller Interessengruppen berücksichtigt.
Bauliche Herausforderungen
Gemeinsam mit der ilu AG unterstützte ewp den Auftraggeber bei der Umsetzung. Mit umfangreichem Know-how und in einem sehr engen Austausch wurde die Problemstellung effizient gelöst. Den Anwohnenden war wichtig, dass ihre Parzellengrenzen nicht übertreten werden. Gerade für die Baugrubensicherung stellte dies ein grosses Hindernis dar. ewp konnte dem Auftraggeber jedoch eine Lösung vorschlagen, die die Interessen der Anwohnenden berücksichtigte und den Bau der Mauer ermöglichte.
Die statischen Berechnungen der Baugrubensicherung unter engsten Platzverhältnissen trugen entscheidend zum Erfolg bei, ebenso wie die geschickte Ausführungsplanung eines Widerlagerschutzes bei der Brücke Wilstrasse, einer Betonsitz- und einer Hochwasserschutzmauer.
Stark schwankender Wasserpegel während der Bauarbeiten
Der Abfluss des Aabachs kann innert kurzer Zeit stark ansteigen. Dieser Umstand erforderte eine minutiöse Planung für den Ernstfall: Die Wettersituation wurde täglich beobachtet. Im Bedarfsfall leitete der Hochwasserstab sofortige Massnahmen ein und verhinderte so Überschwemmungen und Schäden an der Baustelle.
Mit den realisierten Massnahmen ist der Aabach nun wieder fit für die Zukunft.
«Viele kleine und grössere Projekte machen meine Arbeit bei ewp jeden Tag aufs Neue spannend und abwechslungsreich. Der regelmässige Gedankenaustausch im Team hilft, neue Ideen und Lösungsansätze zu entwickeln – das schätze ich sehr.»
Michael Amsler
Projektleiter