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Wüstenwaran
Varanus griseus
© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Der Wüstenwaran (Varanus griseus) ist im nördlichen Afrika, auf der Arabischen Halbinsel und im südlichen Asien - zwischen der Türkei im Westen und Indien im Osten - beheimatet. Seinen Namen trägt er zu recht, denn innerhalb seines weiten Verbreitungsgebiets bewohnt er vorzugsweise Wüsten, Halbwüsten und Trockensteppen.
Mit einer Gesamtlänge von ungefähr einem Meter und einem Körpergewicht von etwa einem halben Kilogramm ist der Wüstenwaran eine stattliche Echse. Er ernährt sich ausschliesslich von tierlicher Nahrung und ist ein zünftiger Jäger, der ein breites Spektrum unterschiedlicher Tiere zu erbeuten vermag. Nagetiere sind ebensowenig vor ihm sicher wie Schlangen oder Nestlinge bodenbrütender Vögel. Zur Hauptsache besteht seine Kost allerdings aus Kälern, Heuschrecken und anderen wirbellosen Kleintieren.
Wie alle Kriechtiere ist der Wüstenwaran wechselwarm, das heisst seine Körpertemperatur hängt weitgehend von derjenigen der Umgebung ab und schwankt im Tagesverlauf beträchtlich. Auf Pirsch geht die sandfarbene Echse nur, wenn die Aussentemperatur ihr das erlaubt. In der Tat ist der Wüstenwaran gewöhnlich nur am Morgen und am späteren Nachmittag unterwegs, wenn es weder zu kalt noch zu heiss ist. Vor der Mittagshitze und der in Wüstengebieten oft bitteren Nachtkälte birgt er sich in einer selbstgegrabenen Höhle. Dort ist er gleichzeitig vor Adlern, Leoparden, Hyänen und anderen Feinden sicher.
Wird der Wüstenwaran von einem Fressfeind angegriffen, währcnd er in seinem Wohngebiet umherstöbert, so macht er sich so imposant wie möglich: Er pumpt seine Lungen voll Luft, richtet sich auf seinen Hinterbeinen auf und faucht und zischt furchterregend. Falls dies den Angreifer nicht zu entmutigen vermag, so verteidigt sich der Wüstenwaran überraschend ungestüm: Er beisst wild um sich, teilt mit dem Schwanz peitschende Schläge aus und bringt auch die dolchscharfen Krallen seiner Vordergliedmassen gezielt zum Einsatz. Dies verfehlt seine Wirkung selten.
Die Paarungszeit fällt beim Wüstenwaran gewöhnlich in die Monate Mai und Juni. Es ist dies eine aufregende Zeit besonders für die Männchen, welche - um das Vorrecht zur Paarung mit den ansässigen Weibchen zu erlangen - untereinander regelrechte «Ringkämpfe» ausfechten. Wie bei vielen Raubtieren, Hornträgern und anderen waffenbesitzenden Tieren zielen diese Rivalenkämpfe keineswegs auf die Beschädigung des Gegners ab (das wäre schliesslich für beide Kämpfer verheerend), sondern dienen einzig dem gegenseitigen Kräftemessen. Treffen zwei Rivalen aufeinander, so erheben sie sich auf ihren Hinterbeinen und umklammern einander fest. Dann schieben, drücken und zerren sie mit aller Kraft und versuchen, den Widersacher aus dem Gleichgewicht zu bringen. Sieger ist jeweils derjenige, welcher den Gegner umzuwerfen vermag. Er darf sich der Gunst der Weibchen sicher sein.
Letztere legen ungefähr drei Wochen später ihre durchschnittlich acht pergamentschaligen Eier in eine selbstgegrabene Mulde und decken das Gelege mit Sand zu - womit ihre mütterlichen Pflichten bereits erfüllt wären.
Bis zum Schlüpfen der jungen Wüstenwarane vergehen acht bis zehn Monate. Über ihre Jugendzeit wissen wir wenig, denn sie führen anfänglich ein überaus heimliches Leben. Erst im Alter von zwei bis drei Jahren, nach Erreichen der Geschlechtsreife, treten sie in Erscheinung und lassen sich dann in ihrem «Alltag» beobachten.
Der Wüstenwaran weist zwar ein weites Verbreitungsgebiet auf, doch ist die Dichte seiner Bestände überall von Natur aus sehr gering. Dies hängt vor allem mit der mageren Nahrungsgrundlage zusammen, welche seinen öden Lebensraum prägt.
Zusätzlich hat der Wüstenwaran leider unter dem Menschen zu leiden. Vielerorts wird die mittelgrosse Echse nämlich ihres Fleischs wegen bejagt, werden ihre Eier ausgegraben, dienen ihre Körperteile als Naturheil- und Zaubermittel. Da diese Bejagung gewöhnlich mit traditionellen Mitteln erfolgt, stellt sie für den Wuestenwaran allerdings keine übermässige Gefahr dar.
Weit schlimmer kann sich die Bejagung zwecks Beschaffung von Waranleder auswirken. Solches ist für die Produktion von Luxusartikeln wie Handtaschen, Schuhen und Uhrbändern sehr begehrt. Allein zwischen 1975 und 1979 waren auf dem Weltmarkt 180 000 Wüstenwaran-Häute umgeschlagen worden. Da dieser übermässige Handel zweifellos über kurz oder lang zum Verschwinden der Art aus weiten Bereichen ihres Verbreitungsgebiets geführt hätte, wurde die Art 1980 auf Anhang I der «Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten» (CITES) gesetzt - und dort steht sie noch heute. Dies bedeutet, dass der Handel mit lebenden wie auch toten Wüstenwaranen, Teilen von ihnen und Erzeugnissen aus ihnen zwischen den rund 120 Vertragsstaaten der Konvention vollständig verboten ist.
Erfreulicherweise hat sich dieses international geltende Handelsverbot als sehr wirksam erwiesen. Nur noch selten trifft man heute Wüstenwaran-Leder im Handel an. Und solange das so bleibt, besteht im Hinblick auf den Fortbestand des Wüstenwarans kaum mehr Grund zur Besorgnis.
Wüstenwaran
Varanus griseus
Systematik
Klasse: Kriechtiere
Ordnung: Schuppenkriechtiere
Familie: Warane
Körpermasse
Gesamtlange: ca. 100 cm
Schwanzlänge: ca. 55 cm
Gewicht: ca. 500 g
Fortpflanzung
Gelegegrösse: 2-15 Eier
Eientwicklung: 8-10 Monate
Hochstalter: ca. 15 Jahre
Bestandssituation
Bestand: unbekannt
Rote Liste: nicht aufgeführt
CITES: Anhang I
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