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Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) ist die Kerntemperatur des Körpers zum Beispiel infolge niedriger Aussentemperaturen, unzureichender oder nasser Bekleidung herabgesetzt; bei Erfrierungen ist Gewebe durch örtliche Kälteeinwirkungen geschädigt.
Unterkühlungen oder Erfrierungen sind heutzutage eher selten. Am häufigsten sind Wintersportler oder Obdachlose betroffen. Neben der Kälteeinwirkung kann eine Hypothermie oder Erfrierung folgende zusätzliche Ursachen haben:
Eine Unterkühlung kann ebenso wie Erfrierungen langsam oder rasch entstehen. Je nachdem, wie schnell sich eine Hypothermie entwickelt, unterscheidet man zwei Formen:
Erfrierungen können beispielsweise sehr plötzlich bei kurzem Kontakt mit extrem kalten Gegenständen auftreten (sogenannte Kälteverbrennung). Meistens sind Erfrierungen aber die Folge einer Hypothermie: Hierbei ziehen sich die Blutgefässe der vom Rumpf entfernten Körperteile wie Nase, Ohren, Finger und Zehen zusammen, um noch ausreichend Blut für die inneren Organe und somit für die Lebenserhaltung bereitstellen zu können (Kreislaufzentralisation). Dies führt zu einer verminderten Durchblutung in den betroffenen Körperteilen.
Anzeichen für eine milde Unterkühlung sind Zittern, tiefe Atmung, schneller Herzschlag und blasse Haut. Mit zunehmender Hypothermie ändern sich die Symptome: Der Puls verlangsamt sich und der Blutdruck fällt. Die Betroffenen sind zunehmend teilnahmslos und können das Bewusstsein verlieren; am Ende kann es zu Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand kommen. Anders als die Hyperthermie zeigen sich Erfrierungen als örtlich begrenzte Kälteschädigungen.
Bei den Erste-Hilfe-Massnahmen gegen Unterkühlung oder Erfrierungen ist es sehr wichtig, keinesfalls die betroffenen Körperteile zu bewegen oder zu massieren oder plötzlich aufzuwärmen (zum Beispiel durch ein heisses Bad), da dies zu einem Kreislaufkollaps und sogar zum Tod führen kann. Vielmehr ist es ratsam, den unterkühlten Körper langsam aufzuwärmen, etwa durch warme, zuckerhaltige Getränke, beheizte Räume oder im Wasserbad, dessen Temperatur man nur langsam erhöht. Eine frühzeitige und richtige Behandlung von Unterkühlung und Erfrierungen hat grossen Einfluss auf den weiteren Verlauf.
Unterkühlung (Hypothermie) und Erfrierungen sind zwei unterschiedliche Kälteschäden:
Eine Unterkühlung (Hypothermie) besteht per Definition, wenn die Körperkerntemperatur unter 36 Grad Celsius fällt. Je nachdem, wodurch die Unterkühlung entsteht, unterscheidet man zwei Formen:
Bei Erfrierungen ist das Gewebe durch Kälte nur örtlich geschädigt. Besonders von Erfrierungen betroffen sind Körperteile, die weiter vom Rumpf – also von den zentralen Organen – entfernt sind (sogenannte Akren), wie Zehen, Finger, Ohren und Nase.
Erfrierungen entstehen häufig infolge einer Unterkühlung: Durch die Hypothermie ziehen sich die Blutgefässe dieser Körperteile zusammen, um den inneren Organen ausreichend Blut zur Verfügung zu stellen. Nachfolgend kommt es in den minderversorgten Bereichen durch die verringerte Sauerstoffzufuhr zu unterschiedlich schweren Gewebeschädigungen. Dies wiederum führt dazu, dass Wasser aus den Blutgefässen in das umliegende Gewebe eindringt und hier zu Schwellungen führt: Es bilden sich Ödeme. Durch den daraus entstehenden Wassermangel wiederum verdickt das Blut bis hin zur Verklumpung, was sich als weitere rote Schwellung mit Blässe im umliegenden Gewebe äussert.
Erfrierungen sind nicht immer die Folge einer Unterkühlung (Hypothermie) – zuweilen kommt es zu einer besonderen Form der Erfrierung: der Kälteverbrennung. Kälteverbrennungen entstehen durch plötzlichen, kurzen Kontakt mit extrem kalten Gegenständen und haben eine ähnliche Auswirkung wie eine echte Verbrennung.
Es passiert immer wieder, dass man erfrorene Menschen auffindet, die teilweise oder auch ganz entkleidet sind. Natürlich liegt dann sofort die Vermutung nahe, dass ein Verbrechen – besonders ein Sexualverbrechen – vorliegt. In einer Reihe von Fällen hat sich jedoch gezeigt, dass Menschen mit starker Unterkühlung (Hypothermie) derartige als Kälteidiotie bezeichnete Handlungen selber vornehmen.
Dieses Verhalten ist nicht eindeutig erklärbar. Möglicherweise führen bestimmte durch den Kälteschock freigesetzte Substanzen im Gehirn zu derartigen Verhaltensweisen. Ein anderer möglicher Grund für die Kälteidiotie infolge einer Hypothermie ist eine Fehlreaktion der Wärmeregulierung, durch die eine krankhafte Überwärmung (pathologische Hyperthermie) entsteht. Aufgrund des dabei auftretenden extremen Hitzegefühls entledigen sich die Betroffenen dann ihrer Kleider, um sich vermeintlich abzukühlen.
Einer Unterkühlung (Hypothermie) und den häufig daraus entstehenden Erfrierungen liegen als Ursache zunächst besonders niedrige Temperaturen zugrunde. Wind und Feuchtigkeit können deren Wirkung verstärken.
Demnach entstehen Kälteeinwirkungen, die zu Unterkühlung oder zu Erfrierungen führen, nicht nur aus den absoluten und physikalisch messbaren Kältegraden. Als weitere Ursachen spielen auch die gleichzeitig herrschende (Luft-)Feuchtigkeit und vorhandene Winde beziehungsweise Stürme eine Rolle. Dies lässt sich im sogenannten Wind-Kälte-Faktor (Windchill-Faktor) ausdrücken: So ergibt sich bei einer physikalisch messbaren Temperatur von beispielsweise -11 Grad Celsius und einem gleichzeitig vorhandenen Wind mit einer Geschwindigkeit von rund 18 Metern pro Sekunde eine gefühlte Temperatur von -30 Grad Celsius. Unter diesen Umständen kann es daher sehr viel schneller zu Unterkühlung und vor allem zu örtlichen Erfrierungen kommen als ohne den Wind.
Daneben können viele Faktoren eine Hypothermie oder Erfrierungen begünstigen. Mögliche Ursachen für ein erhöhtes Risiko für Kälteschäden sind:
Erfrierungen haben ihre Ursache oft in einer Hypothermie: Wenn der menschliche Körper längere Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist und es zur Unterkühlung kommt (das heisst: die Körpertemperatur unter 37 Grad Celsius sinkt), erhöht der Körper nicht nur die Wärmeproduktion, sondern vermindert auch die Wärmeabgabe. Dabei haben die Extremitäten wegen ihrer grossen Oberfläche eine wichtige thermische Regulationsfunktion. Der Kältereiz führt dazu, dass sich die dortigen Blutgefässe zusammenziehen (Vasokonstriktion), was die Blutzufuhr drosselt – das Blut versorgt dann in erster Linie den Körperstamm (Kreislaufzentrierung). Dieser Prozess ist ein wirksamer Selbstschutz für den Gesamtorganismus, wobei jedoch örtliche Erfrierungen in Kauf genommen werden: Das vom Sauerstoffmangel betroffene Gewebe erleidet eine Schädigung in einem Ausmass, das bis zum Zelltod reichen kann.
Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) und bei Erfrierungen ist das Ausmass der Symptome von Stärke und Dauer der zugrunde liegenden Kälteeinwirkung, Luftfeuchtigkeit, Windstärke und anderen Faktoren (Schutz durch Kleidung, körperliche Bewegung) abhängig.
Die Unterkühlung (Hypothermie) betrifft den gesamten Körper. Wichtigstes Anzeichen für eine Hypothermie ist eine verringerte Körperkerntemperatur. Anhand der auftretenden Symptome kann man die Unterkühlung in drei Stadien unterteilen:
Die häufig nach einer Unterkühlung (Hypothermie) auftretenden Erfrierungen teilt man in drei verschiedene Schweregrade ein, die sich durch unterschiedliche Symptome äussern:
Bei allen Erfrierungen erscheinen anfangs Symptome einer Erfrierung 1. Grades. Das Ausmass einer Erfrierung 3. Grades ist unter Umständen erst nach Wochen erkennbar. Alle Erfrierungen 2. und 3. Grades erfordern eine Behandlung im Spital.
Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) erfolgt die Diagnose durch folgende Massnahmen:
Bei Erfrierungen stellt der Arzt die Diagnose nach einer Befragung der Betroffenen (Anamnese) und anhand der jeweiligen Symptome, wie zum Beispiel Verfärbungen der Haut, Blasenbildung, Schwellungen und Schmerzen.
Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) und bei Erfrierungen hat die rechtzeitige und richtige Therapie starken Einfluss auf den weiteren Verlauf. Daher ist es wichtig, bei Kälteschäden umgehend zu handeln und geeignete Erste-Hilfe-Massnahmen zu ergreifen.
Wenn Sie Erste Hilfe bei Unterkühlung (Hypothermie) und Erfrierungen leisten, sollten Sie Folgendes beachten, damit die Therapie zum Erfolg führt. Die Erste-Hilfe-Massnahmen lauten:
Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) oder bei Erfrierungen ist Folgendes bei der Therapie unbedingt zu vermeiden:
Je nach Schweregrad der Unterkühlung (Hypothermie) oder der Erfrierungen kann die von einem Arzt oder in der Klinik eingesetzte Therapie variieren. Zunächst besteht die ärztliche beziehungsweise klinische Behandlung in der Regel in folgenden Massnahmen:
Durch Erfrierungen entstandene Blasen eröffnet der Arzt unter sterilen Bedingungen. Anschliessend erfolgt eine örtliche Behandlung der Wundfläche mit Salben (mit antibiotischen Substanzen). Häufig ist dabei abzuwarten, bis sich eine örtliche Gewebsschädigung (Nekrose) vollständig ausgebildet hat, was unter Umständen bis zu mehrere Wochen dauern kann. Das abgestorbene Gewebe bildet einen trockenen Schorf, der sich nach Wochen bis Monaten zum gesunden Gewebe abgrenzt und unter Umständen bei einer ausbleibenden Infektion einfach abfällt.
Betreffen Erfrierungen ein grösseres Areal, wie zum Beispiel einen gesamten Fuss, so kann unter extrem ungünstigen Umständen (aufgrund eines sehr tief geschädigten Gewebes) zur Therapie eine Teilamputation notwendig sein.
Ist eine Hypothermie (Unterkühlung) so schwer, dass die Körpertemperatur auf weniger als 30 Grad Celsius gesunken ist, kann zur Therapie die künstliche Niere zum Einsatz kommen, um die Wiedererwärmung zu versuchen. Die Hämodialyse ist aus drei Gründen zu empfehlen:
Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) ist ebenso wie bei Erfrierungen der weitere Verlauf vom Schweregrad der Kältefolgen und von einer sachgemässen Behandlung abhängig.
Eine Unterkühlung (Hypothermie) und leichte Erfrierungen haben – im frühen Verlauf und richtig behandelt – im Allgemeinen eine günstige Prognose: Wenn bei einer Unterkühlung rechtzeitig eine Erhöhung der Körpertemperatur erfolgt und dabei keine Komplikationen (zum Beispiel Herzrhythmusstörungen) auftreten, ist kaum mit ernsten Folgen zu rechnen.
Allerdings kann man eine Hypothermie schnell übersehen, besonders wenn andere Schädigungen – zum Beispiel bei Verkehrsunfällen – vorliegen. Dies wirkt sich unter Umständen ungünstig auf die Prognose aus: Verzögert sich dadurch die Behandlung der Hypothermie, können Organe ernsthafte Schäden erleiden – im Extremfall kann dies zum Tod führen. Tritt eine Unterkühlung mit anderen schweren Verletzungen kombiniert auf, dann kann sie die Gesamtsituation verschlechtern.
Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) oder bei Erfrierungen kann es im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen kommen. Mögliche Komplikationen und Spätfolgen von Erfrierungen sind vor allem:
Auch falsche Massnahmen zur Behandlung einer Hypothermie oder von Erfrierungen können ein Grund für Komplikationen sein: Unsachgemässe Erste Hilfe kann das betroffene Gewebe schwer schädigen. Ausserdem kann es im Verlauf einer starken Unterkühlung zu Herz-Kreislauf-Versagen sowie zu Atemstillstand kommen.
Einer Unterkühlung (Hypothermie) können Sie ebenso wie Erfrierungen durch einfache Massnahmen vorbeugen: durch Verhalten und Kleidung, die den Temperaturen angemessen sind.
Kommt es trotz vorbeugender Massnahmen zu einer Unterkühlung oder zu Erfrierungen, ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen. Erwärmen Sie rechtzeitig die entsprechende Körperpartie vorsichtig – am besten am eigenen Körper: So können Sie Ihre Hände zum Beispiel an eine warme Körperpartie bringen (Achselhöhlen, Bauch oder Schritt) und beginnende Erfrierungen im Gesicht mit warmen Händen bedecken. Dies sollte an einem windgeschützten Ort geschehen. Aktive Bewegung, wie Gymnastik oder ein Bewegen der Extremitäten, ist in diesem Stadium hilfreich, da dies die Durchblutung fördert. Gleichzeitig ist daran zu denken, nasse Kleidungsstücke zu wechseln. Das sogenannte Zwiebelschalenprinzip, also mehrere Kleidungsstücke übereinander anzuziehen, hilft oft, Erfrierungen zu vermeiden. Beengende Riemen oder Schnallen sollten Sie lockern. Dies aber nur dann, wenn gleichzeitig keine allgemeine Unterkühlung vorliegt!