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Wenn Ehepaare keine Vorkehrungen für den Todesfall treffen, können bei der Erbteilung Probleme mit dem gemeinsamen Wohneigentum entstehen. Besonders dann, wenn die Kinder auszuzahlen sind und das Geld dazu fehlt. Dagegen lässt sich einfach vorsorgen: mit der so genannten Meistbegünstigung.
Die beiden Rentner Yvette und Marc Bianchi sind stolz auf ihr Einfamilienhaus. Praktisch alle ihre gemeinsamen Ersparnisse haben sie während der Ehe in dieses Wohnobjekt gesteckt, dessen Wert abzüglich Hypothek auf 500‘000 Franken geschätzt wird. Daneben verfügen sie über ein freies Vermögen von 50‘000 Franken, denn kürzlich hat Marc seine hochbetagt verstorbene Tante beerbt.
Weniger stolz sind die beiden auf ihre beiden erwachsenen Kinder – die Beziehung zum Nachwuchs ist höchst gespannt. Angesichts dessen fürchten Yvette und Marc, dass es dereinst zum Erbstreit kommt, wenn einer von ihnen verstirbt.
Eine ungemütliche Ausgangslage
Die Ausgangslage für Yvette und Marc ist tatsächlich ungemütlich. Es gilt die gesetzliche «Standardlösung», weil sie keine andere Abmachung mittels Ehevertrag, Testament oder Erbvertrag getroffen haben. Demzufolge erhielte Yvette bei Marcs Tod nur die Hälfte des Hauses, also 250‘000 Franken. Die anderen 250‘000 Franken und Marcs Erbschaft von 50‘000 Franken fielen in den Nachlass, der hälftig unter Yvette und den gemeinsamen Kindern aufzuteilen wäre (siehe Textbox).
Yvette bekäme also insgesamt 400‘000 Franken (250‘000 + 150‘000). Den Kindern müsste sie 150‘000 Franken ausbezahlen, dies bei lediglich 50‘000 Franken flüssigen Mitteln. Je nach aktueller Belehnungshöhe und finanzieller Tragbarkeit könnte die fehlende Summe durch eine Aufstockung der Hypothek beschafft werden. Wäre dies nicht möglich, müsste Yvette unter Umständen das Haus verkaufen, um die finanziellen Ansprüche der Kinder zu befriedigen.
Ein Erbverzicht der Kinder oder ein Darlehen an sie sind keine echten Alternativen.
Am einfachsten wäre, der Nachwuchs würde bis zum Tod des zweiten Elternteils auf den Antritt des Erbes verzichten. Dafür aber müssten die Kinder ihr notariell beglaubigtes Einverständnis geben, und dazu wären sie kaum bereit. Alternativ könnte der überlebende Ehegatte den Kindern die Einräumung eines Darlehens in der Höhe des geschuldeten Erbteils anbieten – hierfür ist zwar kein notariell zu beurkundender Erbvertrag nötig, aber wiederum das Einverständnis der Kinder.
Meistbegünstigung – ohne Zustimmung der Nachkommen möglich
Als Ausweg bietet sich Yvette und Marc die so genannte Meistbegünstigung, denn sie erfordert keine Zustimmung der Kinder. Sie greift auf zwei Ebenen: erstens auf der güterrechtlichen mit einem Ehevertrag, zweitens auf der erbrechtlichen mit einem Testament oder Erbvertrag.
Die Meistbegünstigung greift auf zwei Ebenen: auf der güterrechtlichen und auf der erbrechtlichen.
In einem ersten Schritt schliessen also Yvette und Marc einen notariell beglaubigten Ehevertrag ab, der die gesamte so genannte Errungenschaft dem überlebenden Ehepartner zuweist. Im konkreten Fall handelt es sich um das gemeinsam während der Ehe finanzierte Haus. Infolgedessen flössen bei Marcs Tod nur noch die von ihm geerbten 50‘000 Franken seiner Tante in den Nachlass, der zwischen dem überlebenden Ehepartner und den Kindern zu teilen wäre. Dadurch erhielte Yvette 525‘000 Franken (500‘000 + 50‘000 ÷ 2), die Kinder 25‘000 Franken.
Der Anspruch der Kinder lässt sich in einem zweiten Schritt noch weiter verringern. Dafür setzen Yvette und Marc ein Testament oder einen öffentlich beurkundeten Erbvertrag auf, in dem die Kinder nicht die Hälfte des Nachlasses erhalten, sondern auf den Pflichtteil von 3/8 gesetzt werden. Damit wären den Kindern statt 25‘000 nur noch 18‘750 Franken auszuzahlen. Alternativ können Yvette und Marc im Testament bzw. Erbvertrag auch vereinbaren, dass der überlebende Partner vom Nachlass ¼ zum Eigentum und ¾ zur lebenslänglichen Nutzniessung erhält. Mit dieser Variante flösse zu Yvettes Lebzeiten überhaupt kein Bargeld an die Kinder, und Yvette könnte weiter im Haus wohnen oder es vermieten.
Wiederverheiratung – wenn sich das Warten nicht auszahlt
Das Beispiel zeigt: Die Meistbegünstigung geht klar zulasten der Nachkommen. Die beiden Kinder von Yvette und Marc trösten sich, dass sie mit dem Tod des zweiten Elternteils den vollen Erbteil erhalten. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn dieser Elternteil nochmals heiratet. Dann nämlich wäre der neue Ehepartner erbberechtigt.
Daher werden die beiden Kinder ihre Eltern bitten, eine Wiederverheiratungsklausel im Testament, Ehe- oder Erbvertrag vorzusehen. Diese bestimmt z.B., dass bei einer Wiederverheiratung des überlebenden Partners die Kinder umgehend jener Betrag ausbezahlt erhalten, auf den sie beim Tod des ersten Elternteils gemäss gesetzlicher Erbfolge Anspruch gehabt hätten.