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Das Thema Frauenpriestertum hat das Dekanat Liestal veranlasst, Solidaritätsbriefe an den Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, und an den australischen Bischof von Toowoomba, William Morris, zu schreiben. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger des Dekanats bringen darin ihre Unterstützung und Solidarität mit dem von Rom seines Amtes enthobenen australischen Bischof zum Ausdruck, teilt das Dekanat am Mittwoch mit. Dieser hat eine Zulassung von verheirateten Männern zum Priesteramt vorgeschlagen. Dem St. Galler Bischof dankt das Dekanat für seinen Mut, die „Diskussion um das Frauenpriestertum wieder zu eröffnen“.
„Es geht uns nicht um die Bewältigung des Priestermangels mit Hilfe der Frauen, sondern um die grundsätzliche theologische Neubesinnung auf das Amtsverständnis überhaupt, auf die Frage, welche Strukturen und Ämter heute nötig sind, um als Kirche im 21. Jahrhundert glaubwürdig von der befreienden Botschaft Jesu von Nazareth reden zu können“, schreibt das Dekanat Liestal in beiden Briefen.
Bischof Markus Büchel danken die Seelsorger für seinen Mut, die Diskussion um das Frauenpriestertum wieder zu eröffnen, obwohl eine solche im Jahre 1994 im Apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis „noch einmal strikt verboten“ wurde. Selbst die päpstliche Bibelkommission habe vor 1976 festgestellt, dass ein „Verbot der Frauenordination nicht aus der Bibel herausgelesen werden kann“.
Büchel hat sich im April in einem Interview mit dem Pfarrblatt seines Bistums zum Diakonat der Frau geäussert. Der Druck in der Frage der Frauenordination sei „riesig“, sagte der St. Galler Bischof damals. Es sei einfacher, „über eine allfällige Heirat eines Priesters zu diskutieren als über eine Tradition, die es in der römisch-katholischen Kirche noch nie gab“. Dennoch müssten Schritte gesucht werden, die dahin führen. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Diakonat der Frau ein solcher Schritt sein könnte“, so Büchel.
Das Votum des St. Galler Bischofs und die kirchliche Gleichstellungsinitiative in den Kantonen Baselland und Baselstadt vom Juni, die eine Frauenordination fordert, habe das Dekanat veranlasst, die Frage erneut zu reflektieren.
Weihe von verheirateten Männern und Frauen
In einem zweiten Schreiben an den australischen Bischof William Morris drückt das Dekanat seine Empörung über dessen Amtenthebung aus. Aufgrund des pastoralen Notstands im Bistum Toowoomba schlug der Bischof im Advent 2006 die Weihe von verheirateten Männern und die Frauenordination vorg. Ausserdem zog er eine Wiederaufnahme von suspendierten Priestern sowie eine Kooperation mit Anglikanern und Protestanten in Erwägung. Morris prognostizierte, dass sein Bistum im Jahr 2014 nur mehr 19 arbeitsfähige Priester haben werde. Sein Bistum ist flächenmässig mit Deutschland vergleichbar.
Der Bischof wurde im Mai vom Vatikan ohne Angabe eines „offiziellen Entlassungsgrundes“ seines Amtes enthoben. Das Dekanat sieht in den Überlegungen des Bischofs „einen plausiblen“ Grund für seine Entlassung.
Ferner schreibt das Dekanat in beiden Briefen, „es geht uns um eine Kirche, in der Männer und Frauen beauftragt werden zu den Aufgaben, für die sie Fähigkeiten und Talent mitbringen – unabhängig von Geschlecht, von Zivilstand oder sexueller Orientierung“.
Liestal BL, 21.9.11 (Kipa)