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Arm sein ist nicht salonfähig. Vielleicht bezeichnen sich deshalb so wenige Menschen als arm. Denn es würde ihnen ergehen, wie allen anderen Kategorisierten: Sie werden reduziert auf einfache Stereotypen. Was steckt dahinter?
Wenn ich mich oute, werde ich von meinen Mitmenschen anders wahrgenommen: ich werde zu „der Armen“. Und arm sein in der reichen Schweiz ist unbeliebt – bei den Betroffenen genauso wie bei den Reichen und natürlich auch beim Mittelstand. Es bleibt wenig Platz für andere, positiv besetzte Stereotypen.
…heisst Armut definieren
Die Definition von Armut ist deshalb eine heikle Angelegenheit. Denn jede Definition führt zu einer Eingrenzung. Der Mensch wird reduziert auf „seine Armut“. Alles andere scheint weniger wichtig. Zugleich akzeptieren die Definitionen Armut als zwar unangenehmen, doch nicht verhinderbaren Zustand.
…und Armut verhindern
Erfrischend ist deshalb die Armutsdefinition bei Eva Barlösius und Wolfgang Ludwig-Mayerhofer. Der Begriff Armut ist bei ihnen eine Handlungsaufforderung: „Von Armut zu sprechen heisst zu reklamieren, dass die eigenen Lebenschancen, die eigene Lebens- oder Einkommenslage (oder die anderer Personen, in deren Namen man spricht) eine nicht mehr tolerierbare Abweichung nach ‚unten‘ vom gesellschaftlich akzeptablen Mass aufweisen“. Armut verlangt verhindert zu werden – auch und gerade in der reichen Schweiz.