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Cartographica Helvetica
Zusammenfassung
Thema: St. Galler Kartenschätze
Cartographica Helvetica 56 (2018)
Zusammenfassung:
Die kartographischen Bestände St. Gallens bilden das Thema des vorliegenden Heftes. Grund dazu bilden nicht nur die zum Teil einzigartigen Dokumente und Objekte, sondern auch die drei wichtigsten Standorte: die Stiftsbibliothek St. Gallen, die Kantonsbibliothek Vadiana und das Staatsarchiv St. Gallen.
Mit einer Auswahl von wichtigen Karten und Plänen von 1500 bis 1850 soll die Entwicklung der Kartographie des Kantons St. Gallen bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts gezeigt werden. Zur Geschichte der Kartographie des Kantons St. Gallen gibt es bis jetzt keine umfassende Darstellung. Dies liegt sicher auch daran, dass der Kanton St. Gallen erst 1803 künstlich aus verschiedenen Gebieten gebildet wurde, die bisher keine gemeinsame Geschichte aufwiesen.
Als Guillaume-Henri Dufour am 20. September 1832 zum Oberstquartiermeister gewählt wurde, gehörte auch die Leitung der trigonometrischen Vermessung der Schweiz und die Erstellung eines einheitlichen landesweiten topographischen Kartenwerks zu seinen Aufgaben. Nach dem Thurgau, Basel, Genf, Aargau und der Waadt war St. Gallen einer der ersten Kantone, die die Triangulation und die topographische Aufnahme auf ihrem Territorium gemäss den Anweisungen Dufours weiterführten. Verschiedene Gründe, unter anderen der unglückliche Blattschnitt und der kleine Massstab 1:100 000 seiner Karte führte dazu, dass sich die St. Galler Regierung für eine eigene Kantonskarte im Massstab 1:25 000 entschied. Diese wurde von der Firma Wurster, Randegger & Cie. in Winterthur in 16 Blättern in Stein gestochen und einfarbig gedruckt. Aus Anerkennung an Johannes Eschmann, dem Leiter der Triangulation und topographischen Aufnahme, wird das Werk auch «Eschmannkarte» genannt.
Im Alpenrheintal oberhalb des Bodensees entstand – nach Jahrzehnten der Planung – zwischen 1860 und 1960 das grösste Gewässerkorrektionswerk der Schweiz: die Rheinregulierung mit Kanalsystemen für die Zuflüsse und der Melioration der ganzen Talebene. Jede Bauphase basierte auf umfangreichen Planwerken. Diese Unterlagen blieben nahezu integral erhalten.
Der St. Galler Globus im Schweizerischen Nationalmuseum folgt als Modell der Erde in ihrem Himmelsgewölbe dem Konzept einer hier erstmals beschriebenen kosmographischen Schule des 16. Jahrhunderts von Johannes Schöner bis Tilemann Stella. Lange Zeit wurde seine Herkunft auf Augsburg abgeleitet. Nach dem Auftauchen einer gemalten Verkaufs-Vorschau kann die Fertigstellung des Globus nun auf 1576 in Schwerin datiert werden. Eine originalgetreue Replik ist in der Stiftsbibliothek St. Gallen ausgestellt.
Im Wiener Humanismus des beginnenden 16. Jahrhunderts standen Geographie und Kartographie in hohem Ansehen. Einige Schüler des deutschen Erzhumanisten Konrad Celtis verfassten geographische Werke und waren als Kartographen tätig. Grundlage des damaligen Kartenstudiums waren die ptolemäischen Karten, die in Wien in verschiedenen Druckausgaben vorlagen. Sie lagen auch den Manuskriptkarten zugrunde, welche den 1518 gedruckten Ausgaben der Scholien zu Pomponius Mela des aus St. Gallen stammenden Wiener Humanisten Joachim Vadian beigebunden wurden. Bisher sind weltweit acht Exemplare dieses 26 Blätter zählenden handschriftlichen Kartenwerks bekannt.