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Urbarien, Rodel, Zehntenverzeichnisse und Erbgüter
In den Urbarien wurden alle Erbgüter mit ihren Eigentümern, Grenzen und zu entrichtenden Abgaben aufgeschrieben. Das älteste Urbar von Müllheim stammt aus dem Jahre 1523. Es wurde 1552 gründlich überarbeitet und erweitert. Jedes der 27 Erbgüter besass Äcker in den drei Zelgen und Wiesen, die mit ihren Anstössern angegeben wurden. Vor versammelter Gemeinde wurden alle Angaben vorgelesen und jeder Eigentümer unter Eid befragt, ob sie der Wahrheit entsprechen.
Aus dem Jahre 1560 stammen zwei abgegriffene Handrodel. Das sind die Verzeichnisse der Äcker, von denen das Pfarrgut den Zehnten zu beziehen hatte.
Der Bezug des Zehnten und die dazu gehörigen Verzeichnisse gaben immer wieder Anlass zu Streitigkeiten, weil es zu dauernden Änderungen in den Besitzverhältnissen kam. Dies begann schon während der katastrophalen Misswirtschaft der Reichenau im 15. Jahrhundert. Aus reiner Geldnot musste der Abt das Recht zum Einzug des halben Zehnten in Müllheim an die Chorherren zu Steckborn verpfänden. Er erhielt dafür 200 Goldgulden, um seine ärgsten Schulden bezahlen zu können. Die Hälfte der Müllheimer Abgaben musste also nach Steckborn gebracht werden. Dieses Abgaberecht, das immer wieder den Besitzer wechselte und auch verwirrend oft neu aufgeteilt wurde, hiess zunächst Ammann-, dann Ritter-, schliesslich Deucherzehnten. Es gab darum viel zu schreiben, und auch Verwirrung und Streit.