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Ein corgi-grosses Loch in
unseren Herzen

von Lisa Scottoline
Ruby mit ihrer besten Freundin Peach
Ich habe eine sehr traurige Nachricht, unsere geliebte Corgi Hündin Ruby ist letzte Woche gestorben.
Sie hatte DM (Degenerative Myelopathie), was eine fortschreitende Lähmung ihres kleinen Körpers bewirkte. Es begann hinten und wurde mit den Jahren immer schlimmer. Sie hatte jedoch keine Schmerzen, aber schliesslich bekam sie auch Mühe beim Atmen. Francesca kam nach Hause, um bei ihr zu sein, als sie eingeschläfert wurde. Sie starb friedlich in unseren Armen.
Will heissen: Ruby war friedlich.
Wir waren völlig aufgelöst.
Corgis werden zum Hüten geboren aber der Umstand, dass keine Nutztiere im Haus waren, hielt Ruby nie davon ab. Sie hütete mich, Francesca, die anderen Hunde und gelegentlich sogar die Katze.
Ja, Du kannst Katzen hüten.
Wenn Du ein Corgi bist.
Sie war ein kleiner Hund mit kurzen Beinen, die einen Körper in der Form eines Cocktail-Würstchens trugen, aber sie beschützte uns alle. Sie bewahrte uns vor den UPS-Kurieren, den Eichhörnchen und sogar vor am Himmel vorbeiziehenden Flugzeugen, indem sie sie anbellte.
Jedenfalls stürzte bisher keines auf mich!
Ich hatte noch nie einen Hund, der in diesem Ausmass die Verantwortung über mein Haus übernahm.
In den letzten 14 Jahren bestimmte sie allein über mein Zuhause.
Sie war zwar klein aber so mächtig, dass ihr Verlust wieder einmal zeigt, dass die Grösse keine Rolle spielt. Auch nicht ihre Behinderung und nicht einmal ihre Krankheit. Sie war sich nicht bewusst, dass sie völlig unfähig war, uns vor irgendetwas zu beschützen, jedoch gehorchten ihr alle anderen Hunde. Fremde hielten Abstand.
Gelegentlich auch Freunde.
Als ihre Krankheit ihre Hinterbeine gelähmt hatte, besorgten wir ihr einen Rollstuhl und sie raste damit durch das Haus wie ein Junge auf einem Dreirad. Sie war eine schreckliche Fahrerin und überfuhr alles auf ihrem Weg, einschliesslich meiner Füsse.
Es war mir egal.
Mit der Zeit lähmte die Krankheit auch ihre Vorderbeine, so dass sie den Rollstuhl nicht mehr benutzen konnte. Aber sie war zufrieden, auf einer gepolsterten Matte zu liegen, die wir überall hin mitnahmen, wo immer wir uns im Haus aufhielten. Wir zogen sie hinter uns her wie auf einem fliegenden Teppich.
Selbst in diesem Zustand schnappte und kniff sie die anderen Hunde und hielt sie hinter sich, damit sie das Rudel anführen konnte.
Und sie gehorchten einem Leittier, das im Grunde genommen eine bellende Badematte war.
Ruby liebte Francesca und mich mit einer Inbrunst, die ich seit Mother Mary nicht mehr gespürt hatte. Als meine Mutter noch lebte, vergötterte sie Ruby. Sie fand in dem winzigen Hund eine Gleichgesinnte, die die Welt beherrschte.
Ich will Euch eine merkwürdige Geschichte erzählen. Ruby starb am Geburtstag meiner Mutter, und genau in dem Moment, als Ruby ihren letzten Atemzug tat, begann es zu regnen.
An einem strahlend sonnigen Tag. Es war nicht einmal bewölkt.
Und nachdem sie gestorben war, hörte der Regen auf.
Ehrlich.
Ein Fünf-Minuten Schauer an einem sonnigen Tag.
In jeder Familie gibt es eine verrückte Überlieferung, aber Ihr erinnert Euch vielleicht, dass wir Mother Mary mit Regen verbinden. Sie witzelte immer, dass sie "den Regen bringe" und es schüttete auch am Tag ihres Begräbnisses, so dass mein Eingangsbereich völlig überflutet wurde.
Das war zuvor noch nie passiert und auch nicht seither.
Wenn es auch nicht wissenschaftlich bewiesen ist, glauben wir, dass Mother Mary Ruby zu ihrem Geburtstag bekam.
Weil sogar der Himmel einen Hund braucht.
Wir alle wissen inzwischen, dass wir aus Tieren Lehren ziehen können, so viele, dass ich es aufgegeben habe, zu zählen. Aber keiner meiner Hunde hat mich je so inspiriert wie Ruby.
Sie lebte jeden Tag ohne Begrenzungen mit Ausnahme deren, die sie sich selbst setzte.
Sie war stark, weil sie glaubte, dass sie stark war.
Sie erhielt Respekt, weil sie es erwartete.
Und sie liebte mit ihrem ganzen kleinen Körper.
Sie wich nie von meiner Seite oder Francescas, sie brauchte weder eine Leine noch einen Zaun, weil sie ganz einfach an keinem anderen Ort sein wollte.
Ihr Tod hat ein Corgi-förmiges Loch in unseren Herzen hinterlassen.
Wir werden sie nie vergessen.
Oder die Lehren, die sie uns erteilte.
Oder die Treue, die sie uns schenkte.
Danke Ruby.
Jetzt wissen wir etwas, da wir vorher nicht wussten.
Das kleinste Wesen kann den grössten Schatten werfen.
Abhängig vom Licht.
Und der Liebe.
9. November 2017
Übersetzung: ANo
Lisa Scottoline und ihre Tochter Francesca Serritella schreiben eine Kolumne, Chick Wit (so etwas wie Weiber-Witz), für The Sunday Inquirer's Arts & Entertainment Sektion. Lisa Scottoline ist New Yorks Bestseller Schriftstellerin mit rund 30 Millionen Büchern weltweit (auch auf Deutsch). Sie gewann den Edgar Preis für Spannungsromane. Sie lebt in Chester County, Pennsylvania, mit vier Hunden, zwei Katzen und mehreren Hühnern. www.scottoline.com
Francesca Serritella promovierte von der Harvard Universität, wo sie mehrere Preise gewann für ihr kreatives Schreiben. Sie lebt in New York mit vorläufig nur einem Hund. www.francescaserritella.com