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Das musst du wissen
- Auf einer Auktion von Christie's in New York wurde ein vollständiges Fossil eines Tyrannosaurus rex versteigert.
- Der Dinosaurier war mit 30 Millionen Dollar mehr wert als ein gleichzeitig angebotenes Werk des Malers Paul Cézanne.
- Das ist nicht die erste Dino-Auktion. Das Geschäft privater Sammler mit den Dinos brummt und behindert die Forschung.
Dieser Verkauf wird in die Annalen der Paläontologie eingehen: Am 6. Oktober wurde in New York ein fast vollständiges Tyrannosaurus-Skelett für fast 30 Millionen Dollar durch das Auktionshaus Christie’s verkauft. Der T. rex mit dem Spitznamen Stan wurde 1987 in Wyoming entdeckt und in den 1990er Jahren ausgegraben. Es war einer der vollständigsten Funde dieser berühmten, fleischfressenden Saurier-Art.
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Wo liegt das Problem? Dieser exorbitante Preis sprengt alle Rekorde. Die bisher grösste Summe für ein Fossil erreichte ebenfalls ein T. rex, der 1997 für 8 Millionen Dollar verkauft wurde. Der nun bezahlte Preis übertrifft noch den eines Werkes von Paul Cézanne, das am selben Tag für mehr als 28 Millionen Dollar verkauft wurde. Doch der Verkauf bringt ein für die Wissenschaft wertvolles Fossil in eine Privatsammlung und wirft eine Reihe von Fragen auf. Stellt dies einen Verlust für die Forschung dar? Wäre es nicht besser, das Skelett in einem Museum auszustellen?
Was dies für Museen bedeutet. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Naturkundemuseum, wie gross es auch sein mag, mit solchen Preisen mithalten kann. Der bisherige Rekordhalter, Tyrannosaurus Sue, war vom Field Museum in Chicago erworben worden, aber nur dank des Mäzenatentums von Disney und McDonald’s, die sich die Vermarktungsrechte an dem Fossil vorbehalten hatten.
Lionel Cavin, Kurator am Naturhistorischen Museum in Genf, verantwortlich für die geowissenschaftlichen Sammlungen, erläutert das Problem:
«Die irrsinnigen Preise, die einige dieser Fossilien erzielen, hindern Museen daran, sie zu erwerben, sei es zum Studium oder zur öffentlichen Ausstellung. Dies ist natürlich ein Problem, mit dem wir immer mehr konfrontiert sein werden.»
Das Problem bestehe weniger darin, für den Erwerb eines Fossils zu bezahlen, als vielmehr darin, sicherzustellen, dass man den «richtigen Preis» bezahle, ohne die Entwicklung eines Parallelmarktes anzuheizen, sagt er.
«Es ist völlig normal, demjenigen, der ein Fossil entdeckt und präpariert hat, dieses auch zu bezahlen, und zwar auf der Grundlage der aufgewendeten Zeit und der geleisteten Arbeit. Die Seltenheit des Fossils und der ästhetischer Aspekt können bei der Schätzung berücksichtigt werden.
Allerdings bedaure ich es zutiefst, dass sich der Status von Fossilien verschiebt, weg von wissenschaftlichen Objekten, hin zu künstlerischen Objekten, die nebenbei zu finanziellen Investitionsmöglichkeiten werden können. Diese Verschiebung ist intellektuell nicht gerechtfertigt, da es sich in erster Linie um wissenschaftliche Proben und Muster handelt.»
Wie sich die Verkäufe auf die Forschung auswirken. Wenn ein Exemplar in einer Privatsammlung verschwindet, dann hat das Folgen für die Wissenschaft. Selbst wenn es bereits untersucht wurde, muss ein Fossil zugänglich bleiben, und sei es nur, damit andere Forscher ihre eigene Analyse durchführen oder überprüfen können, was darüber veröffentlicht wurde.
Einen solchen Fall, der Konsequenzen für die Forschung hatte, gab es beim Ida-Fossil. Es handelt sich um einen kleinen 47 Millionen Jahre alten Primaten, von dem man annimmt, dass er der Ursprung des Zweiges ist, zu dem der moderne Mensch gehört. Das Fossil wurde in den 1980er Jahren in Deutschland entdeckt, blieb aber fast 25 Jahre in einer Privatsammlung, bevor es untersucht wurde.
Walter Joyce, Professor für Paläontologie an der Universität Fribourg, kommentiert:
«Das Problem besteht nicht darin, zwischen privaten Sammlern und öffentlichen Institutionen zu unterscheiden. Einige private Sammlungen sind sehr professionell organisiert und sowohl für Forscher als auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Ich habe kein Problem mit Amateuren, die aus Leidenschaft ausgraben.
Aber dieses Feld zu betreten, nur um Geld zu verdienen, ist eine andere Sache. In diesem Fall ist es manchmal schwierig, ein Fossil zu untersuchen, ohne es zu kaufen.
Leider ist es nicht immer einfach, eine klare Grenze zwischen beiden zu ziehen.»
Joyce findet den Verkaufspreis absurd. Er vergleicht die Höhe der Gebote mit den Kosten für die paläontologischen Ausgrabungen, die den Bau der Autobahn A16 im Jura begleiteten. Bei diesen Ausgrabungen wurden Fussabdrücke von Dinosauriern und Fossilien aus dem Mesozoikum freigelegt. Aber sie mobilisierten etwa zehn Jahre lang mehrere Paläontologen, Grabungstechniker und Präparatoren sowie mehrere Baustellenmaschinen. Walter Joyce:
«All dies kostete ’nur‘ 15 Millionen Franken. Mit einem Bruchteil dieser 30 Millionen hätten Sie sich leicht einen kleinen Suchtrupp leisten können, diesen in ein Gebiet schicken können, in dem bekanntermassen Dinosaurier-Fossilien vorkommen, und Ihren eigenen Tyrannosaurus finden können.»
Das Geschäft mit Dinosaurierfossilien. In Dakota und Wyoming, in den Vereinigten Staaten, sind Dinosaurier ein bisschen wie Pilze, solange man weiss, wo man sie suchen muss und die Mittel dazu hat. Die Region, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Schauplatz eines wahren Knochenrausches war, ist seither zu einem privilegierten Jagdgebiet sowohl für Paläontologen als auch für Privatunternehmen geworden.
Dies ist insbesondere der Fall beim «Black Hills Institute», das hinter den Rekordverkäufen der beiden T. rex Stan und Sue stand. Nach dessen Vorbild arbeitet auch das Schweizer Privatmuseum in Aathal im Kanton Zürich. Dieses hält Dutzende von Dinosauriern aus Amerika, die es in der ganzen Welt verkauft oder in ihrem Museum ausstellt.