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| Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

47.
So hat Ignatius, welcher nach den Aposteln als Bischof von Antiochien eingesetzt wurde 1 und ein Blutzeuge Christi war, indem er über den Herrn schrieb, gesagt: „Es gibt Einen Arzt, welcher fleischlich und geistig, entstanden und nicht entstanden, Gott im Menschen, das wahre Leben im Tode, aus Maria und aus Gott geboren ist.“ Einige aber, nach dem Ignatius, welche auch Lehrer waren, schrieben: „Ein Wesen ist nicht entstanden, nämlich der Vater, und Einer, nämlich der wirkliche Sohn aus ihm, der wahrhaft Gezeugte, das Wort und die Weisheit des Vaters.“ Wenn wir nun diesen widersprechen, so lasset uns auch gegen die Synoden streiten. Wenn wir aber den Glauben dieser Männer an Christum kennen und überzeugt sind, daß auch der selige Ignatius richtig geschrieben habe, da er ihn wegen des Fleisches entstanden nannte, (denn Christus ist Fleisch geworden), nicht entstanden aber deßwegen, weil er keines aus den gemachten und entstandenen Dingen, sondern der Sohn aus dem Vater ist; und wenn wir wissen, daß auch diejenigen, welche gesagt haben, Ein Wesen sey nicht entstanden, nämlich der Vater, nicht, als wenn das Wort entstanden und geschaffen wäre, so geschrieben haben, sondern weil der Vater keinen Urheber hat; ja weil er vielmehr selbst der Vater der Weisheit ist, und alles Entstandene durch die Weisheit gemacht hat; warum vereinen wir nicht auch die Väter, sowohl jene, welche den Samosaten abgesetzt, als auch die, welche die arianische Ketzerei gebrandmarkt haben, zur Vertheidigung der frommen Lehre; warum trennen wir sie, und denken nicht vielmehr richtig von ihnen, da ja, wie ich bereits bemerkt habe, jene bloß, weil sie auf das Sophisma des Samosaten und seine Erklärung ihren Blick richteten, schrieben, Christus habe nicht gleiche Wesenheit, diese aber den Ausdruck richtig verstanden und daher sagten, der Sohn habe gleiche Wesenheit? Ich wenigstens hege diese Ansicht von jenen gegen Christum frommen Männern, und habe deßhalb dieses kurz niedergeschrieben. Hätte ich aber auch den Brief, welchen jene geschrieben haben sollen, zu lesen bekommen können, so glaube ich, daß ich mehrere Gründe würde gefunden haben, durch welche jene seligen Männer genöthiget wurden, so zu schreiben. Denn es ist billig und geziemend, daß wir solches denken, und eine solche gute Gesinnung gegen die Väter bewahren, wenn wir je nicht unächte Kinder sind, sondern von ihnen die Ueberlieferungen, und von ihnen die fromme Lehre haben.
1: Nämlich nach dem Tode des Evodius, des Nachfolgers Petri, vor dem Jahre 69. Die hier angeführte Stelle findet sich in seinem Briefe an die Epheser. Kap. 7.*