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Seit März 2017 ist es in Deutschland möglich, Cannabis ohne Ausnahmegenehmigung in der Apotheke zu erhalten. Wenn eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf oder Symptome erwartet wird, darf jeder zugelassene Arzt Cannabis verschreiben. Bei schwerkranken Patienten übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten. Der Deutsche Bundestag verabschiedete am 19. Januar 2017 ein entsprechendes Gesetz.
In einer Befragung von 64 TS-Patienten, von denen 17 Cannabis konsumierten, gaben 14 (82%) an, dass das Cannabis zu einer Reduktion oder einem kompletten Aussetzen der Tics führte. Außerdem besserten sich die vorangehende Vorgefühle sowie Zwangssymptome.
In einer placebokontrollierten Studie der Medizinische Schule Hannover wurden von 12 Tourette-Syndrom-Patienten sechs einmalig mit Δ9-THC (5g, 7,5g oder 10g) behandelt und im Anschluss mit einem Placebo, die anderen sechs mit Placebo und daran im Anschluss mit Δ9-THC (5g, 7,5g oder 10g). Keiner der Patienten trat von der Studie aufgrund möglicher Nebenwirkungen zurück. Im Vergleich zu Placebo konnte bei Gabe von Δ9-THC eine starke Reduktion der Tics gefunden werden. Die Zwangssyndrome nahmen bei 10 der 12 Patienten während der Gabe von Δ9-THC stark ab.
Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass Δ9-THC nicht nur in der Behandlung von TS wirksam, sondern zudem auch Nebenwirkungsarm ist. Das macht sich dadurch bemerkbar, dass durch die Gabe von Δ9-THC nicht nur eine Reduktion der motorischen sowie der vokalen Tics eintritt, sondern anscheinend auch eine Besserung der Zwangshandlungen und Zwangsgedanken erfolgt.
Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, oft als Tourette-Syndrom abgekürzt, ist eine komplexe neurologisch-psychiatrische Erkrankung, die durch ständig wandelnde motorische und vokale Tics gekennzeichnet ist. Bei vielen Patienten lassen sich ebenfalls Verhaltensauffälligkeiten wie Autoaggression, Aufmerksamkeitsstörung oder Hypersexualität beobachten. Die Ursache des Tourette-Syndroms ist bis heute noch nicht vollständig erforscht und die Therapie ist zumeist schwierig und unbefriedigend. Die Krankheit selber wird zu den extrapyramidalen Hyperkinesen gerechnet. Die Tics bestehen aus unwillkürlichen, raschen und meist plötzlich auftretenden, teilweise heftigen Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise einzeln oder serienartig auftreten können. Auch verbale, ungewollte Äußerungen, Ausrufen oder eigenartige Geräusche, wie Grunzen oder Keuchen, treten dabei auf. In etwa der Hälfte der Fälle hat der Betroffene auch Anfälle von Koprolalie (unflätige Sprache). Die Symptome treten mehrfach am Tag, zumeist in Serien, auf oder kehren zwischendurch immer wieder. Während des Schlafes oder in stressfreien Situationen ist das Tourette-Syndrom meistens nicht zu beobachten.
Das Syndrom tritt häufiger bei Männern auf und wird aufgrund seiner sonderbaren Symptomatik zu selten erkannt. Einige Patienten können ihre Tics in einem gewissen, aber eingeschränktem Maße, kontrollieren, was jedoch zu einer Verschiebung und demnach zu einer späteren, heftigen Tic-Entladung führt. Vollständig unterdrückt werden kann der Tic im Normalfall nicht.
Die meisten Patienten beschweren sich nicht alleine über die Tics, sondern ebenso über die psychosozialen Folgen der Erkrankung. Die Erkrankten werden dabei nicht selten von der Öffentlichkeit diskriminiert und stoßen auf Unverständnis und Ablehnung.
Außenstehende fühlen sich dabei oftmals durch die Tics persönlich angegriffen oder beleidigt, vor allem wenn es sich um Erkrankte von Koprolalie (Neigung zur Aussprache von Fäkalsprache) oder Kopropraxie (Zeigen unwillkürlicher, obszöner Gesten) handelt.
Das Syndrom ist gewöhnlich von lebenslanger Dauer. Neuroleptika wie Haloperidol können in einigen Fällen wirksame Erleichterung schaffen, jedoch sind auch sie nicht in allen Fällen wirksam.
Cannabis bei Tourette
Cannabis in der Medizin am Beispiel vom Tourette Syndrom.