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Nürnberg (Bayern/D), um 1915/20
Hersteller: Doll & Co., Nürnberg
Eisen, Kupfer, Metallblech; lackiert und vernickelt
H. 585 mm, B. 385 mm, L. 440 mm (mit Schlothöhe zirka)
Inv. 2010.220.
Die Erfindung der Dampfmaschine läutete den Beginn der Industriellen Revolution ein. Diese nahm ihren Anfang in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England, wo in den Industrieregionen im Norden des Landes die neue Technologie zunächst in Bergwerken und Textilfabriken Anwendung fand. James Watt, der ein Jahrzehnte zuvor entwickeltes Verfahren entscheidend optimierte und 1769 patentieren liess, gilt als einer der Väter der Dampfmaschine. Ihm gelang die Übertragung der durch den Dampf gewonnenen Energie auf ein Schwungrad, so dass über eine Transmission Maschinen verschiedenster Art damit angetrieben werden konnten. Zusammen mit anderen Erfindungen löste der Einsatz der Dampfmaschine einen tiefgreifenden wirtschaftlichen und damit auch sozialen Wandel aus. Doch dieser historisch so spannende Aspekt interessierte die jugendlichen Nutzer von Spielzeug-Dampfmaschinen weniger. Auch der pädagogische Nutzen der „Modell-Dampfmaschinchen“, die in einem Katalog des Jahres 1902 der Zürcher Firma Franz Carl Weber als „bestes Anschauungs- und Lehrmittel zur Veranschaulichung der Dampfkraft“ angepriesen wurden, war für die Knaben wohl Nebensache. Für sie waren der Umgang mit Brennstoff, das Zischen und Dampfen und die sich aus der gewonnenen Energie ergebenden Spielmöglichkeiten faszinierend. Denn an den Erhalt einer Dampfmaschine, die ein typisches Weihnachtsgeschenk für Knaben in bürgerlichen Familien war, schlossen sich üblicherweise in den folgenden Jahren Ergänzungsgeschenke an: Transmissionsstationen, Ventilatoren, Schöpf- oder Hammerwerke, Schleifräder oder bewegliche Handwerkerfiguren erweiterten die Möglichkeiten und zeigten die vielfältigen Anwendungsgebiete der Dampfkraft auf.
Die Dampfmaschine aus der 1898 gegründeten Nürnberger Firma Doll & Co. ist überaus stattlich, mit einer Höhe von ca. 65 cm um einiges grösser als die üblichen Spielzeug-Dampfmaschinen. Sie hatte bereits dem Vater des Donators als Spielzeug gedient; zu Beginn der 1940er Jahre übergab er sie seinem Sohn. Im Arbeitermilieu des St. Johannquartiers, wo eine solche Anlage nicht zum üblichen Spielzeug gehörte, wurde der jugendliche Besitzer von seinen Spielkameraden glühend darum beneidet. MR