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Joshua Emanuel Tyrell:
Mister Suisse Romande und Veganer
Ich sehe diesen Titel als Chance und auch als Verantwortung, den Leuten zu sagen, dass es höchste Zeit ist, ihre schlechten Gewohnheiten zu ändern und sich für eine vegetarische oder gar vegane Ernährung zu entscheiden, denn durch letztere müssen noch weniger Tiere leiden.
Es liegt mir sehr am Herzen, allen zu danken, die für mich gestimmt haben. Obwohl der schlussendliche Entscheid bei der Jury lag, bin ich überzeugt, dass alle eure Stimmen einen grossen energetischen Einfluss hatten.
Nachdem ich mich für ein Casting für einen Kalender der Universität beworben hatte, wurde ich aus mehreren Hundert Studenten ausgewählt, mich vorzustellen. Als ich dann gewählt wurde, war meine Freude sehr gross, denn für mich bedeutete dies ein Abenteuer, eine neue Erfahrung. Als mir jedoch klar geworden war, dass meine Wahl zu viele organisatorische Schwierigkeiten während der ganzen Phase der Ausarbeitung des Kalenders mit sich bringen würde, entschied ich mich, darauf zu verzichten. Mein Studium hat ganz klar Priorität, und so wurde ich als Vize eingeschrieben.
An jenem Abend kam ich spät nach Hause und hatte grossen Hunger, da es dort keine vegetarischen Speisen für mich gegeben hatte. Meine Mutter wartete zum Glück mit einer köstlichen Mahlzeit auf mich. Während ich ass, erzählte ich ihr, was ich erlebt hatte. Sie war der Meinung, dass ich mich ganz klar hätte wehren müssen. Ich hätte nachhaken, insistieren sollen, um eine vegane oder zumindest vegetarische Mahlzeit zu erhalten. Es ist sehr wichtig, dass wir die Leute damit konfrontieren, denn es ist die einzige Möglichkeit zu bewirken, dass sich die Dinge verändern. Sie sagte, dass all diese falschen Gewohnheiten der Menschen, die sich noch immer ernähren wie unsere Vorfahren zu Zeiten der Höhlenbewohner (und ebenso die Gewohnheit der Pelzmantelträger), endlich und definitiv verschwinden müssen von dieser Welt. Ihrer Meinung nach sind die Konsequenzen des Fleischkonsums der Menschen Ruin in jeder Hinsicht. Konkret bedeute dies, als Resultat der fleischgeprägten und verfehlten Ernährung, einen zunehmenden Anstieg der Brutalität und der Krankheiten auf der Welt und eine immer früher einsetzende Geschlechtsreife der jungen Menschen, die grosse Mühe haben, ihre verfrühte Sexualität und ihre im Gegensatz dazu viel langsamere, seelische Entwicklung und immer später einsetzende mentale Reife miteinander zu vereinbaren und in einen Ausgleich zu bringen.
Vor dem Schlafengehen tröstete mich meine Mutter, indem sie sagte, es würde bestimmt weitere Chancen für mich geben.
Kaum eine Woche später, als ich eines Abends von der Uni nach Hause kam, erzählte sie mir von einem Wettbewerb, von dem sie am Radio gehört hatte. Von dem Moment an, als ich davon erfahren hatte, blieb nur noch ein Tag bis zur Einschreibungsfrist. Nach einer Diskussion mit meinen Eltern und meinen Freunden entschloss ich mich kurzerhand, meine Fotos zu schicken, um so an einer Bewertung der Jury zur Vorausscheidung teilzunehmen. Ich ahnte zu jenem Zeitpunkt noch nicht im Geringsten, welche Wende diese Entscheidung für mein Leben bringen würde.
Die Antwort auf meine Bewerbung erhielt ich kurz darauf, da das Casting bereits eine Woche nach der Vorausscheidung stattfand.
Am Ziel (in Genf) angekommen, beschäftigten mich unzählige Fragen: Werde ich mich nicht lächerlich machen? Sollte ich nicht doch lieber gleich mit dem nächsten Zug wieder nach Hause fahren und diese ganze Geschichte vergessen? Doch ich hatte mich dafür entschieden, mich mit meinen Zweifeln auseinanderzusetzen, indem ich mich an diese anfangs eher einschüchternde Prüfung heranwagte.
Ich erinnere mich, dass ich genau in dem Moment, als die 10 Finalisten ausgerufen wurden, meine Tasche gepackt hatte, fest überzeugt davon, dass dieses Abenteuer nun hier für mich enden würde. Doch dem war nicht so: Zu meiner grossen Überraschung wurde mein Name als erster ausgerufen!
Die darauf folgenden 2 Wochen galten den Vorbereitungen auf das Finale. Es war eine Zeit, die ich als sehr positiv erlebte und in der ich jeden Moment dazu benutzte, die anderen Kandidaten besser kennenzulernen. Eric (26, Gärtner), den ich seither regelmässig treffe, war mir sofort sympathisch. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er gewinnen würde.
Da ich diesen Wettbewerb nie wirklich als solchen, sondern vor allem als ein Abenteuer betrachtet hatte, versäumte ich auch nie die Gelegenheit, selber viel zu fotografieren.
Am Tag des grossen Finale war ich frei von allen Befürchtungen und Ängsten. Ich war an einem Punkt angekommen, wo ich Vertrauen gefasst hatte und mich nun bezüglich der Schlusswahl der Jury nichts mehr hätte enttäuschen können. So konnte ich während der Show und meiner Rede vor dem Publikum zeigen, dass ich gerade in dem Moment meine Leidenschaft lebte, indem ich ruhig und natürlich blieb …
So bin ich Mister Suisse Romande 2009 geworden!
Joshua Emanuel Tyrell
Übersetzung: Olivia Joanne Villard
Weitere Informationen:
- Interview mit Joshua Emanuel Tyrell, Vegi-Info 2009/1
- Vegetarismus und Sport (Vegi-Info 2008/3)
- Interview mit Alexander Dargatz: Arzt, Bodybuilder und - Veganer (Vegi-Info 2008/3)
- Interview mit dem veganen US-Freefighter Mac Danzig
- Veganer Bodybuilder Robert Hazeley (Vegi-Info 2004/2)