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Standbeine einer Beziehung
Liebe und Freundschaft in modernen Zeiten.
Sybil Schreiber: «Sie tun mir leid, Sie werden scheitern», lese ich in dem Brief, der mir zufällig in die Finger gerät, als ich gerade meine Schreibtischschublade ausmiste. «Wie Sie miteinander umgehen, ist kein Fundament, auf dem eine Beziehung steht, die lange halten wird.»
Ich schiele zu Schneider. Er sitzt mir in unserem Büro zu Hause gegenüber und brütet über einem Buch. Recherche für eine Geschichte über einen Henker im Mittelalter, sagt er.
Ich lese weiter, wie über uns gerichtet wird: «Ich gebe Ihnen noch zwei Jahre, dann stehen Sie vor den Scherben Ihrer Ehe.»
Hm. Der Blick auf das Datum zeigt: «17. Juli 2006». Wir müssten also schon geschieden sein.
«Hören Sie auf mit Ihren öffentlichen Streitereien, wenn Sie nicht in harmonischer Gemeinschaft leben können, und beschmutzen Sie nicht weiter das Sakrament der Ehe.»
Zum Schluss folgt ein Bibelvers, jedoch keine Unterschrift.
Ich schaue das Couvert an. Kein Absender.
«Hast du diesen Brief extra aufgehoben?», frage ich Schneider und reiche den Text hinüber. Er schaut drauf, überfliegt ihn, dann lächelt er: «Ja, ich wollte sehen, wer recht bekommt. Dachte ich mir doch, dass sich dieser Mensch irrt.»
Steven Schneider: «Was ist das Fundament einer Partnerschaft?», fragt Schreiber nachdenklich, nachdem sie einen Brief gelesen hat, den uns jemand vor Jahren anonym zugesendet hat.
Ich lege ein Buch über das Mittelalter zur Seite und antworte: «Die Partner müssen sehr gute Freunde sein, damit eine Beziehung klappt.»
«Ich bin also deine Freundin.»
«Eigentlich meine Exfreundin, seit du meine Frau bist. Jedenfalls geht man mit Freunden respektvoll um und interessiert sich sehr für sie. Ich könnte nie mit einer Frau zusammen sein, mit der ich nicht gleichzeitig extrem gut befreundet bin», sage ich.
Keck fragt sie: «Du hast ja auch sehr gute Freunde. Wo ist der Unterschied?» Der Unterschied ist, dass meine Männerfreunde nicht pausenlos bestätigt werden müssen, dass sie meine Freunde sind. Meine Frau hingegen will dauernd hören, dass sie meine Frau ist. Sagen tu ich aber etwas anderes: «Der Unterschied ist, dass keiner meiner Freunde so gut aussieht wie du und ich keinen davon küssen will.» Sie strahlt ganz bezaubernd. Das weckt in mir die Lust, ein weiteres Standbein unserer Beziehung zu festigen: «Gell, es dauert noch eine halbe Stunde, bis die Kinder aus der Schule kommen?»
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