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3. August 2010, von Jürg Bolliger
Archiv für die 'Gefühle und Maschen' Kategorie
10. März 2009, von Jürg Bolliger
Bei einem Menschen können vier Grundgefühle in Erscheinung treten: Wut, Trauer, Angst und Freude. Jedes dieser Gefühle hat einen Auslöser und bewirkt ein bestimmtes Verhalten. Sie sind dazu da, eine angemessene Reaktion auf die aktuelle Situation auszulösen. Bricht beispielsweise in unmittelbarer Nähe ein Feuer aus, dann ist Angst eine passendes Gefühl, das einen veranlasst zu fliehen und Hilfe zu holen, indem man die Feuerwehr benachrichtigt.
Neben den Grundgefühlen gibt es körperliche Empfindungen wie Hunger oder Müdigkeit, welche ich hier nicht zu Gefühlen im engeren Sinn zähle.
Ein Kind lernt, dass gewisse Gefühle in seinem Umfeld verpönt oder gar verboten sind. Dies geschieht durch negative Reaktionen der Erwachsenen auf ein bestimmtes Gefühl und/oder dadurch dass in der Familie dieses Gefühl in der Familie tabu ist und so das “Vorbild” fehlt.
Auf der anderen Seite gibt es Gefühle, für welche das Kind Anerkennung erntet. Verbotene Gefühle werden nun durch erlaubte ersetzt. Das führt dann soweit, dass wir als Erwachsene in bestimmten Situationen nicht mehr das angemessene Grundgefühl wahrnehmen, sondern das Ersatzgefühl. Das trägt dann nicht mehr zu einer Lösung bei, sondern bestätigt die verzerrte Grundeinstelung sich selbst, anderen und dem Leben gegenüber.
Gudrun Henning und Georg Pelz beschreiben in ihrem Buch Transaktionsanalyse – Lehrbuch für Therapie und Beratung beispielhaft, wie das aussehen kann:
Ein Mann überdeckt Angst mit Aggression; dies lernen viele Jungen schon früh. Dies bewirkt z. B. beim Auto fahren einen aggressiven Fahrstil mit häufigen Rempeleien, da die Angst mit “Flucht”, also das Bremsen, nicht stattfindet, sondern “Kampf”, das Gas geben.
Ein weiteres Beispiel, das Leonhard Schlegel im Handwörterbuch der Transaktionsanalyse aufführt:
Die Mutter einer Patientin geriet immer wieder in Panik, wenn ihr Kind traurig war und stopfte ihm ein Stück Schokolade in den Mund mit den erregt ausgesprochenen Worten: “Nicht traurig sein!” Noch als Erwachsene begann die Patientin in entsprechenden Situationen unkontrolliert Süssigkeiten zu essen, statt das Gefühl der Traurigkeit in sich aufkommen zu lassen.
Die beiden Beispiele zeigen, dass Ersatzgefühle sehr unterschiedlicher Art sein können. Im ersten Beispiel ist es aggressive Wut, im zweiten die Lust auf Süsses, welche ein Grundgefühl ersetzt.
Ersatzgefühle werden auch als Maschengefühle bezeichnet. Den Begriff “Ersatzgefühl” halte ich für aussagekräftiger. Er hilft auch, besser zwischen Maschengefühlen und Maschen unterscheiden zu können. Die Bezeichnung “unechte Gefühle”, der manchmal auch verwendet wird, ist für mich nicht befriedigend, weil Ersatzgefühle “echt” erlebt werden, auch wenn sie nicht auf die entsprechende Situation abgestimmt sind.