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Burkhalter Hans, Garagist
Inhaltsverzeichnis
Familie Burkhalter[Bearbeiten]
Am 10.3.1910 wurde Hans Burkhalter in Speicher geboren, als Sohn des Hans Burkhalter (geb. 1879) und der Berta Gross (geb. 1880), einer Schwester von Hans Gross Transporte Speicher. Im selben Jahr übersiedelte die Familie nach Bühler, wo Hans jun. die Schulen durchlief. Nach der abgeschlossenen Mechanikerlehre im Jahr 1929 bildete sich Hans in verschiedenen Garagen zum Automechaniker weiter.
Die Eltern von Hans Burkhalter erwarben 1926 das Haus der Familie Sterchi bei der Adlerkreuzung aus dem Jahr 1793. Der darin existierende Lebensmittel- und Kolonialwarenladen wurde nun von den Eltern geführt.
Um frische Kartoffeln, Gemüse und Äpfel anbieten zu können, spannte Hans sen. den Bernhardiner-Hund vor seinen Leiterwagen und lief bis nach Altstätten auf den Markt. Später fuhren Hans Burkhalter jun. und seine Schwester Hedy den extra dafür angeschafften Lieferwagen Ford T mit offener Ladebrücke.
Bis 1951 führten die Schwestern Frieda und Emma Gross das Geschäft. Ab 1951 waren Hedy und Werner Egger-Burkhalter für das Ladengeschäft verantwortlich, bis es 1968 aufgehoben wurde.
Werner Egger war ein begnadeter Musikant, spielte Akkordeon, Klavier und Kontrabass unter anderem bei Kapellen wie Streichmusik Edelweiss und Streichmusik Schmid.
Autoreparaturwerkstätte[Bearbeiten]
1932, als 22-jähriger Mann, eröffnete Hans jun. im Elternhaus eine Reparaturwerkstätte für Automobile und Lastwagen jeglicher Marken. Diese Werkstatt war in zwei angebauten Garagen untergebracht. Wegen der engen Platzverhältnisse mussten die Fahrzeuge oft draussen repariert werden. Mit grossem Fleiss und ausgezeichneter Sachkenntnis führte er seine Garage aus kleinsten Anfängen heraus zum Erfolg. Zusätzlich zum Geschäft mit Reparaturen verkaufte Hans Burkhalter auch Autos und führte eine Tankstelle der Marke «Shell».
1943 vermählte sich Hans Burkhalter mit Trudi Wegmüller. Nun kümmerte sich die Ehefrau um die Tankstelle und das Büro.
Oft schrieb die Garage Burkhalter nur eine Rechnung für alle Arbeiten über das ganze Jahr. Hier ein Beispiel einer Rechnung z.Hd. der Scherlerei Eduard Tanner für Unterhalt und Reparatur eines Dodge. Bezahlt werden musste, wie man unschwer erkennen kann, nicht zwingend innerhalb von 30 Tagen....
Viele Lehrlinge verdanken dem gestrengen, aber grosszügigen Lehrmeister ihre spätere Berufskarriere. Der Erste von ihnen war Jakob Lanker von 1934 bis 1937, späterer Gründer und Inhaber der Lanker AG. Ihm folgten Bernhard Lutz, Albert Ullmann von 1939 - 1947, Jakob Sturzenegger von 1947 - 1950, und weitere. Werner Haigis war der letzte Lehrling, der von 1961 bis 1965 bei Hans Burkhalter lernte.
Auch Tochter Ruth Sabine hätte gerne den Beruf einer Automechanikerin erlernt, dies blieb ihr leider verwehrt. Trotzdem half sie «als Mädchen für Alles» im Betrieb mit. Dass sie dabei auch Reparaturen an Autos ausführte, versteht sich von selbst.
Kleiner Heiri[Bearbeiten]
Als Tüftler baute Hans Burkhalter 1955 einen Ford zu einer fahrbaren Schneeschleuder um. Damit konnte er die Hauptstrassen Speichers räumen. Dieses Gefährt leistete seinen Dienst bis 1958.
Bernhard Lutz, damals Stift als Automechaniker, erinnert sich, dass jeden Samstag nach dem Einsatz des kleinen Heiri eine Sonderschicht eingelegt werden musste: Abgebrochene Teile der Fräse mussten neu verschweisst werden und ohnehin beschränkte sich der Einsatz des kleinen Heiri im Wesentlichen auf das Strassenstück von der Tankstelle bis zum Bendlehn.
Burkhalter merkte schnell, dass die Leistungsfähigkeit des kleinen Heiri nicht seinen Wünschen entsprach. Daher wollte er bei der alljährlichen Auktion von ausgemusterten Armeefahrzeugen in Thun einen GMC-Lastwagen erwerben, ging dabei aber leer aus. Kurzerhand entschloss er sich, selbst eine Schneeschleuder zu konstruieren, welche seinen Bedürfnissen am besten entsprach.
Grosser Heiri[Bearbeiten]
1957 und 1958 zeichnete Burkhalter abends am Stubentisch die Konstruktionspläne für den «Grossen Heiri».
Der Unterbau bestand aus alten Eisenbahnschienen der Trogenerbahn. Darauf aufgebaut wurden zwei Antriebe:
- Der erste, ein Ford V8 Benzin Motor, wurde zum Fahren benutzt.
- Der zweite Motor, ein kräftiger Saurer CT2D V8 Diesel, trieb die Schneeschleuder an. Für die Erzeugung des Hydraulikdruckes, der zum Heben und Senken der Schleuder-Trommel notwendig war, wurde ein Saurer-Zwischengetriebe eingebaut.
Diese Eigenbau-Spezialkonstruktion war somit motorenmässig doppelt ausgerüstet. Sie hatte zudem zwei Steuerräder und in der Mitte der Fahrerkabine einen drehbaren Sitz. Die Fahrerkabine bestand aus dem vorderen Teil des «Kleinen Heiri». Dazu wurde der alte Ford kurzerhand in der Mitte zersägt.
Der Trommeldurchmesser dieses Schneeschleuder - Ungetüms betrug etwa einen Meter. Um genug Treibstoff mitführen zu können, enthielt der Tank 1000 Liter Diesel. Dazu kam ein kleinerer Benzintank. Damit konnte Hans Burkhalter tagelang Schnee von den Strassen räumen. Für die Herstellung des grossen Schwungrades für den Antrieb der Schleudertrommel, musste eine neue Drehbank angeschafft werden.
In nächtelanger Arbeit sägten, schweissten und schraubten nun Hans Burkhalter unter Mithilfe von Ueli Schittli und Arthur Keckeis dieses Ungetüm zusammen. Diese Männerrunde verfestigte auch die Freundschaft untereinander, aber natürlich waren auch die zu Hause wartenden Frauen irgendwie an der Entstehung des «Grossen Heiris» beteiligt.
1959 war der «Grosse Heiri» endlich fertiggestellt und konnte in Betrieb genommen werden.
Jung und Alt verfolgten jeweils die Arbeit der riesigen Schneeschleuder. Mit diesem 7.5t schweren und eindrücklichen Ungetüm konnten in kürzester Zeit grosse Schneemengen von der Strasse weggeräumt werden.
Der «Grosse Heiri» schaffte locker selbst mehrere Meter hohe Schneeverwehungen. Weil der Ansaugdruck der Schleudertrommel derart gross war, musste jeweils ein Wegmacher aufpassen, dass niemand zu nah an die Maschine geriet.
Dieses Video zeigt Eindrücklich die Leistung dieser rieseigen Schneeschleuder:
Wegen der Effizienz seines Grossen Heiris bekam Hans Burkhalter von den Gemeinden Speicher und Trogen den Auftrag, die Dorfstrassen zu räumen. Die Ruppenstrasse bis zur Landmark, weiter zum St. Anton und nach Oberegg gehörten ebenfalls zum Auftrag. Bei den grossen Schneemassen der damaligen Zeit war Hans Burkhalter oft tagelang unterwegs, bis er alle Strassen geräumt hatte.
Eifersüchtige Mitbürger warfen manchmal Pflastersteine in die Schneemassen, was schwere Schäden an der Schneeschleuder verursachte und wiederum nächtelange Reparaturarbeiten verursachte.
Bald traf auch eine Anfrage zur Räumung des Gotthardpasses ein. Hans Burkhalter lehnte das Angebot jedoch ab, weil er nicht zu lange von seiner Werkstatt fernbleiben konnte. Er war schlussendlich Automechaniker und nicht für den Winterunterhalt für Strassen angestellt.
«Der grosse Heiri» blieb bis 1975 in Betrieb und wurde dann von einem Speicherer Eisenhändler abgebaut.
Anbau und Umbenennung der Garage[Bearbeiten]
Um dem immer grösser werdenden Kundenstamm und natürlich auch den damit einhergehenden Wartungs- und Reparaturarbeiten gerecht zu werden, erweiterte Garagist Burkhalter 1959 seine Auto-Garage mit einer neuen Werkhalle und einer moderneren Tankstelle. Die Garage Burkhalter wurde zur "Kreuzgarage". Diese Vergrösserung brachte wiederum weiteres Wachstum, was natürlich mehr Personal erforderte.
Per 1. August 1975, also nach 43 Jahren in Geschäft, zog sich Garagist Burkhalter zurück und verkaufte seine Autoreparaturwerkstätte an Eugen und Edith Bischof, die das Geschäft mit grossem Erfolg weiterführen.
Gemeinderat, Kantonsrat[Bearbeiten]
1961 wurde Hans Burkhalter in den Gemeinderat Speichers gewählt.
Als Bauherr und Vizehauptmann in den entscheidenden Jahren der Hochkonjunktur war er treibende Kraft bei der Einführung der Bauordnung Speichers, welche bis anhin gefehlt hatte. Während 12 Jahren führte er sein Amt gewissenhaft und übernahm viele weitere Aufgaben. Seine Voten waren meist kurz und klar, dennoch hielt er sein Wirken im Hintergrund.
Nachdem er 1972 in den Kantonsrat gewählt wurde, trat er auf den Frühling 1973 aus dem Gemeinderat zurück.
Die Wahl zum Präsidenten der Staatswirtschaftlichen Kommission war wohl der Höhepunkt seiner politische Karriere. 1977 trat er 67-jährig von all seinen Ämtern zurück.
Am 20. April 1984 starb Hans Burkhalter ganz unerwartet an den Folgen eines Herzinfarktes. Eine grosse Trauergemeinde nahm Abschied von dieser markanten Persönlichkeit unserer Gemeinde.
Quellen:
Erzählung: Ruth Sabine Mehri-Burkhalter
Photos: Ruth Sabine Mehri-Burkhalter, Edy Tanner
Video: Max Altherr
Text: Paul Hollenstein 2021