Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03359.jsonl.gz/1754

Der Gran Chaco in Argentinien hat uns mit seiner wunderschönen Natur und seinem Artenreichtum überrascht. Wir haben nicht nur trockene und karge Landschaften gesehen, sondern auch Feuchtgebiete, Lagunen und Flusslandschaften besucht. Dabei haben wir nebst wundervollen Landschaften auch eine sehr vielseitige Tierwelt angetroffen.
Der Gran Chaco ist ein länderübergreifendes Gebiet, das aus dem Norden Argentiniens, dem Westen von Paraguay und dem Südosten von Bolivien besteht. Bekannt ist der Gran Chaco vor allem durch Trockenwälder und Dornbuschsavannen. Gerade der trockene Chaco wird oft auch als unwirtlich, undurchdringlich und menschenfeindlich bezeichnet. Das Klima im Gran Chaco ist tropisch bis subtropisch mit brütender Hitze im Sommer und einem kühlen, trockenen Winter. Der heisseste Ort von Argentinien liegt im Chaco und da kann es bis 50 Grad heiss werden. Dürren sind im Winter keine Seltenheit und Staub gehört zum Alltag. Umso mehr sind wir erstaunt, dass wir so viel Wasser und Leben in diesem Gebiet antreffen.
Das Klima und die Entwicklung im Gran Chaco
Der Gran Chaco kann grundsätzlich in einen trockenen (im Westen) und einen feuchten (im Osten) Teil aufgeteilt werden. Bereits während unserer Fahrt durch den Chaco in Paraguay haben wir kaum einen Übergang der beiden Bereiche gemerkt. Die ergiebigen Regenfälle in diesem Jahr haben dazu geführt, dass der Chaco sehr feucht ist. Wir haben den Chaco Ende Winter besucht. Tagsüber sind die Temperaturen angenehm und in der Nacht kann richtig kühl werden. Ganz im Gegensatz zum Sommer, wo es sehr heiss und schwül ist.
Der Gran Chaco ist ein dünn besiedeltes Gebiet. Vor allem im paraguayischen und bolivianischen Teil leben verhältnismässig wenige Menschen. Der argentinische Teil ist etwas dichter besiedelt und wird auch stärker genutzt. Der Chaco ist mit Trockenwäldern bedeckt. Für die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens werden jedoch Bäume und Büsche gerodet, damit Vieh- oder Landwirtschaft betrieben werden kann. In den letzten Jahrzehnten drängen immer mehr grosse Agrarkonzerne in den Chaco vor. Land wird dabei oft durch illegale Rodung nutzbar gemacht und durch riesige Monokulturen ersetzt. Die indigenen Bewohner und Kleinbetriebe werden dadurch leider oft verdrängt.
Die Naturparks im Gran Chaco in Argentinien
Nachdem wir in Paraguay bereits zwei Wochen im Gran Chaco verbracht haben, erkunden wir nun auch noch den argentinischen Teil. Wir verlassen Paraguay beim Grenzübergang westlich von Asunción, der Hauptstadt des Landes. Die Zollformalitäten sind rasch erledigt und wir reisen in Argentinien ein. Der Einreisestempel erlaubt uns drei Monate im Land zu bleiben. Von der kleinen Grenzstadt Clorinda fahren wir zuerst entlang der Ruta Nacional 86 Richtung Westen. Unsere erste Nacht im Chaco in Argentinien verbringen wir im Parque Nacional Pilcomayo.
Parque Nacional Rio Pilcomayo im argentinischen Chaco
Der Parque Nacional Rio Pilcomayo wurde zum Schutz der typischen Landschaft des feuchten Chacos im Osten des Gebietes gegründet. Im Nationalpark gibt es verschiedene Lebensräume wie einen streifen Regenwald entlang des Rio Pilcomayos, Feuchtgebiete mit Lagunen, Sümpfen und Wasserläufen, aber auch Palmensavannen und kleine Wälder. Im Nationalpark Pilcomayo gibt es zwei offizielle Campingplätze. Wir steuern als erstes die Laguna Blanca im östlichen Teil an.
Laguna Blanca im Parque Nacional Rio Pilcomayo
Von den stationierten Rangern werden wir sehr freundlich empfangen. Sie erklären uns alles und geben uns Tipps für die Tierbeobachtung an der Lagune. Der Platz gefällt uns sehr gut. Vor allem die Lagune, welche über Holzstege erschlossen ist, zieht uns magisch an. Direkt beim Campingplatz, wo sich auch die Ranger Station befindet, beginnt der Weg über den Holzsteg zur Lagune. Die Lagune ist von dichter Vegetation umgeben. Wir spazieren zu allen drei Aussichtspunkten, wo wir Vögel und andere Tiere beobachten können.
Wir verbringen gleich zwei Nächte auf dem Campingplatz und gehen immer wieder zu unterschiedlichen Tageszeiten zur Lagune. Vor allem in den frühen Morgenstunden und zum Sonnenuntergang können wir viele Vögel beobachten. Auf dem Steg und im Wasser sehen wir zudem auch immer wieder Kaimane an der Sonne liegen. Und wenn dann die Sonne sich langsam dem Horizont nähert, ist die Stimmung einfach perfekt. Wir geniessen den atemberaubenden Sonnenuntergang und sind dankbar für jeden Moment unserer Reise.
Estero Poi im Parque Nacional Rio Pilcomayo
Nach zwei Nächten fahren wir weiter zum Estero Poi, dem westlichen Zugang zum Nationalpark Rio Pilcomayo. Auch hier gibt es einen schönen Campingplatz, den wir für uns ganz allein haben. Es gibt einen kurzen Rundweg durch den Wald gleich beim Campingplatz, wo sich auch die Ranger Station befindet.
Die Hauptattraktion bietet aber ein 16 km langer Fahrweg, der durch die Palmensavanne bis zum Fluss, dem Rio Pilcomayo, führt. Leider ist dieser Weg durch die heftigen Regenfälle beschädigt worden und nur der erste Drittel ist zugänglich. Da wir etwas an Bewegungsmangel leiden und in letzter Zeit nicht viel gewandert sind, machen wir uns zu Fuss auf den Weg. So haben wir auch viel mehr Zeit die Landschaft zu geniessen, Tiere zu beobachten und zu fotografieren. Entlang des Fahrweges gibt es mehrere kürzere Wanderwege, die wir uns natürlich auch anschauen. Die Landschaft wird von Palmensavannen dominiert, wir gehen aber auch immer wieder durch sehr feuchte Abschnitte mit kleinen Wasserläufen.
Auf dem Stamm einer abgestorbenen Palme sehen wir eine Schopf-Karakara. Dieser Vogel ist sehr typisch für den Chaco und wir haben ihn schon oft am Strassenrand gesehen. Auf dem Rückweg sehen wir sogar noch ein Gürteltier, dass sich aber schnell aus dem Staub macht. Zum Abschluss des Tages dürfen wir dann noch einen wunderschönen Sonnenuntergang hinter den Palmen miterleben.
Bañado la Estrella, ein Paradies für Vögel im argentinischen Chaco
Nach dem Besuch des Nationalparks Rio Pilcomayo fahren wir weiter in westliche Richtung entlang der Ruta Nacional 86. Beim kleinen Ort Posta Cambio Zalazar biegen wir Richtung Süden auf die Ruta Provincial 28 ab, um auf die Ruta Nacional 81 zu gelangen. Die RP 28 durchquert das Bañado la Estrella und hier haben wir die Möglichkeit einen Einblick in dieses wundervolle Feuchtgebiet zu erhalten. Wir sind auch froh, die RN 86 verlassen zu können, denn die befestigte Strasse ist in einem sehr schlechten Zustand. Die Strassenverhältnisse erinnern uns and die Trans-Chaco Strasse in Paraguay, wo wir in Schlangenlinie versucht haben, den vielen Schlaglöchern auszuweichen.
Das Bañado la Estrella, im Norden des argentinischen Chaco, ist ein magischer Ort mit viel Wasser und einer grossen Vogelvielfalt. Das Feuchtgebiet ist als ein Überschwemmungsgebiet des Rio Pilcomayo entstanden. Die Brücke, die das Feuchtbiotop überquert, eignet sich hervorragend für Tier- und Vogelbeobachtung. Gleich nach der Brücke gibt es eine kleine Parallelstrasse auf einem Damm mit genügend Platz zum Campen. Wir befinden uns mitten in der von Wasser dominierten Landschaft und haben eine herrliche Aussicht. Hier bleiben wir für eine Nacht und geniessen diese Aussicht.
Unvergessliche Begegnung im Bañado la Estrella
Kaum haben wir uns richtig eingerichtet und es uns bequem gemacht, hören wir ein Auto heranfahren. Ich schaue kurz von meinem Buch auf und sehe einen Toyota Land Cruiser des gleichen Typs wie unseren. Das ist schon einmal sehr erstaunlich, denn diese Fahrzeuge sehen wir hier in Argentinien äusserst selten. Als der Land Cruiser näher kommt sehen wir, dass es ein Overlander Fahrzeug mit Klappdach und Seitenmarkise ist. Jetzt erkennen wir sogar das Nummernschild und wir sind noch mehr erstaunt, denn das Fahrzeug hat Kennzeichen aus Westaustralien. Genauso wie wir.
Wir stehen auf, um die Neuankömmlinge zu begrüssen und staunen nicht schlecht, als wir statt mit einem breiten Australien Slang auf Schweizerdeutsch begrüsst werden. Es steigen nämlich keine Australier aus, sondern ein sympathisches Paar aus der Schweiz. Unglaublich, jetzt treffen wir doch mitten im Gran Chaco von Argentinien ein anderes Schweizer Paar, welches mit dem gleichen Fahrzeugtyp wie wir und ebenfalls westaustralischen Kennzeichen unterwegs ist. Das fühlt sich gerade so an, als ob wir auf die bekannte Nadel im Heuhaufen gestossen wären.
Das Schönste ist, wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut. So richten wir uns zum gemeinsamen Campen an diesem wunderschönen Platz ein. Wir geniessen gemeinsam den wunderschönen Sonnenuntergang und kochen dann ein leckeres Abendessen. Für ausreichend Gesprächsstoff ist natürlich gesorgt, denn Raquel und Markus sind auch schon länger unterwegs. Auch Australien haben die beiden schon sehr ausgiebig bereist und so verbringen wir einen schönen Abend mit angeregten Gesprächen bis tief in die Nacht.
Am nächsten Morgen ist es zwar noch kühl und der Wind aus dem Süden bläst uns um die Ohren. Trotzdem stehe ich auf, um den Sonnenaufgang über dem Bañado la Estrella mitzuerleben.
Nach dem Frühstück unternehmen wir einen schönen Spaziergang über die Brücke. Wir sehen sehr viele Vögel und auch die Landschaft mit den im Wasser stehenden Bäumen gefällt uns äusserst gut. Im Wasser gibt es eine grosse Anzahl an schönen Wasserpflanzen und genau diese bieten die Lebensgrundlage für viele der hier lebenden Tiere. Im klaren Wasser können wir von der Brücke sogar die riesigen Fischschwärme erkennen. Aber Vorsicht. Denn in den Gewässern im Gran Chaco leben Piranhas und Kaimane. Besonders imposant sind aber die Jabirus, im Flug zu beobachten. Der grosse Storchenvogel kann eine Flügelspannweite von bis zu 2.6 Meter erreichen.
Da es uns an diesem Platz so gut gefällt und uns der Gesprächsstoff einfach nicht ausgehen will, verbringen wir auch noch eine zweite Nacht am Bañado la Estrella. In der Ortschaft Fortin Soledad kann man Bootsausflüge im Sumpfgebiet Bañado la Estrella unternehmen. Wir haben in den letzten zwei Tagen schon so viele schöne Tiere gesehen, dass wir auf diesen Umweg verzichten und weiter Richtung Westen fahren.
Das Reserva Natural Formosa ist ein UNESCO Biosphären Reservat
Nachdem wir bei der Ortschaft Las Lomitas auf der Ruta Nacional 81 nach Westen gefahren sind, verlassen wir bei Laguna Yema diese Strasse wieder und fahren über unbefestigte Pisten zum Reserva Natural Formosa. Das Reserva Natural Formosa ist ein UNESCO Biosphären Reservat. Das Reservat schützt die einzigartige Landschaft und es gibt auch einen schönen Campingplatz. Auch hier werden wir sehr freundlich vom anwesenden Ranger begrüsst. Der Campingplatz ist einfach, aber die Natur gefällt uns so gut, dass wir auch an diesem Ort zwei Nächte verbringen.
Das Reservat grenzt an den Rio Bermejo und bietet Besuchern Wanderwege, Aussichtspunkte und Ruhe. Die Landschaft wird von dichtem Trockenwald dominiert. Wir sehen riesige Kakteen und auch andere Pflanzenarten mit Stacheln. Die Kakteen überragen uns ums Doppelte oder Dreifache. Es sind richtige Kakteenbäume mit dicken Stämmen. Die Stachelriesen werden oft von Vögeln ausgehöhlt und als Nester benutzt.
Der Rio Bermejo ist ein langsam dahinfliessender kleiner Fluss in einem sehr breiten Flussbett. Der Fluss bietet Grundlage für viele Tiere und diese können wir am besten am frühen Morgen oder vor dem Eindunkeln beobachten. Auf den Wanderungen sehen wir viel Tierspuren und vor allem auch wieder Spuren von grossen Ameisenbären. Leider haben wir auch hier im Reserva Natural Formosa kein Glück und begegnen keinem dieser grossen Tiere.
Wanderwege im Reserva Natural Formosa
Folgende Wanderwege bieten dem Besucher im Reserva Natural Formosa einen Einblick in die Natur:
- Der Sendero Interpretativo Monte Adentro ist ein 4.7 km langer Wanderweg. Er führt durch den Busch zu zwei Aussichtspunkten mit Sicht auf den Rio Bermejo. Für die Wanderung solltest du rund 1.5 Stunden einrechnen. Startpunkt ist beim Campingplatz.
- Der Sendero Tewuk Ichot ist ein 4.8 km langer, abenteuerlicher Fahrweg. Er startet nördlich des Campingplatzes bei der kleinen Schule. Der Weg ist allerdings nicht für grosse Fahrzeuge geeignet, denn er ist teilweise eng und es gibt tiefhängende Äste. Etwas Bodenfreiheit sollte das Fahrzeug auch haben, denn es gibt einige unebene Stellen. Am Ende des Weges befindet sich ein schöner Aussichtspunkt mit Blick über den Rio Bermejo. Natürlich kann man auch zu Fuss zum Aussichtspunkt wandern.
Im argentinischen Teil des Gran Chacos gibt es noch weitere Nationalparks, welche wir gerne besuchen würden. Da wir aber endlich wieder einmal Berge sehen wollen, machen wir uns nun auf den Weg Richtung Anden. Vielleicht werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Parks im Chaco von Argentinien besuchen.
Der Gran Chaco in Paraguay bietet mehr als wir erwartet haben
Wie zu Beginn dieses Berichtes erwähnt, ist der Gran Chaco länderübergreifend. Bevor wir nach Argentinien eingereist sind, haben wir auch den Chaco in Paraguay besucht.
Zwei Wochen haben wir im paraguayischen Teil des Gran Chacos verbracht. Eigentlich zu wenig, denn wir haben noch lange nicht alles gesehen. Von Asuncion aus sind wir entlang der Trans-Chaco Strasse Ruta Nacional 9 tief in den Chaco vorgestossen und haben sowohl den feuchten Chaco im Osten sowie den trockenen Chaco im Westen besucht. Die Strassenverhältnisse sind im Chaco alles andere als gut und der Zustand der Trans-Chaco hat uns doch etwas schockiert. Rasch haben wir uns aber daran gewöhnt, dass uns Fahrzeuge in Schlangenlinie entgegenkommen, dass wir auf der schnurgeraden Strasse kaum mal 80 km/h fahren können und dass wir immer wieder bremsen und im Schritttempo durch Schlaglöcher fahren müssen.
Wir haben die Mennoniten Kolonien Fernheim, Menno sowie Neuland besucht und sehr viel über die Geschichte und die Kultur der Mennoniten erfahren. Noch weiter westlich sind wir dann sogar auf die Schweizer Kolonie Rosaleda gestossen. Bei unserem Besuch im Chaco durften wir einmal mehr sehr offene, freundliche und hilfsbereite Menschen kennen lernen und die Gastfreundschaft in einem fernen Land geniessen.
Auf der Fahrt entlang der Trans-Chaco haben wir viel von der Natur gesehen und beim Campen abseits der Hauptstrasse viele Tiere beobachten können. Oft waren wir beim Campen umgeben von bunten Vögeln. Sogar die vom Aussterben bedrohten Pekaris (Nabelschweine), welche sehr typisch für den Gran Chaco sind, haben wir gesehen. Auch über den heftigen Chaco Krieg haben wir mehr erfahren. So haben wir wieder viele neue Eindrücke gesammelt, viel fotografiert und die Begegnungen mit tollen Menschen genossen.
Mehr zu unseren Erlebnissen im paraguayischen Teil des Gran Chaco kannst du in unserem Bericht «Roadtrip zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in Paraguay» nachlesen.