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Während der Zeit des Lockdowns habe ich mit meiner 84-jährigen Mutter, die in Zürich in einem Altersheim lebt, täglich per Skype gesprochen. Während sie diese zweieinhalb Monate erstaunlich gut überstand, empfand ich das Besuchs- und Ausgehverbot als äusserst schmerzhaft. Als wir uns Ende Mai wieder sehen durften, interessierte mich, wie andere die Zeit des Ein- und Ausgesperrtseins erlebt haben. Ich wollte wissen, was passiert, wenn mündige Personen ungefragt in einer Weise geschützt werden, die ihrem Alltag das nimmt, was ihn lebenswert macht.
Im Sommer 2020 sprach ich mit 17 Heimbewohner und Angehörigen in der Deutschweiz, in der Romandie und im Tessin. Sie erzählten mir, was ihnen widerfuhr: Die ehemalige Pflegefachfrau, die im
Altersheim denunziert wurde, nachdem sie ausserhalb der erlaubten Zone beim Giessen des Gingkos ertappt wurde; der im September im Altersheim im Maggiatal noch immer eingesperrte ehemalige Wirt,
der gerne wieder seinen beiden freiwilligen Jobs nachgehen würde; die Tochter, die verzweifelte, weil ihre demente Mutter am Telefon jeden Tag zu ihre sagte: „Ich bin so alleine!“
Mein neues Buch hält diese Dramen hinter verschlossener Türe fest.
„Eingesperrt, ausgeschlossen. Besuchs- und Ausgehverbot in Heimen: 17 Bewohner und Angehörige erzählen“