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In der Regel sind die Landwirte mit Maschinen von verschiedenen Herstellern ausgestattet. Die ausschliesslich mechanische Kupplung zwischen Maschine und Traktor (Unterlenker, Zapfwelle, Anschlüsse) bietet üblicherweise keine Probleme. Vielmehr wirft die Elektronik, die in die meisten neuen Maschinen eingebaut ist, Fragen zur Kompatibilität der Systeme auf, ganz besonders beim Datentransfer. Die perfekte Lösung, bei der jeder Schlepper und jede angebaute Maschine nach dem «Plug-and-play-System» (anstecken und loslegen) funktionieren kann, wurde noch nicht gefunden. Der Agrarsektor verlor keine Zeit, um die verschiedenen «Sprachen» der Hersteller zu harmonisieren. 2001 versuchten mehrere Landmaschinenhersteller, mit einer gemeinsamen Isobus-Sprache eine Vereinheitlichung zu erreichen. Angesichts des Umfangs und der Komplexität dieser Aufgabe haben 2008 sieben Hersteller und zwei Verbände die AEF (Agricultural Industry Electronics Foundation) gegründet, um die Kompatibilität möglichst vieler Hersteller zu gewährleisten. Mittlerweile zählt die AEF über 200 Mitglieder, davon sind neun Premium-Mitglieder.
Isobus – was ist das?
Isobus steht für landtechnische Datenbus- Anwendungen die konform zur Norm ISO 11 783 und für Landwirtschafts- und Forstmaschinen vorgesehen sind. Er stellt die Kommunikation zwischen einem Traktor, einer Maschine und einer Konsole sicher. Die Normierung der Kommunikation zwischen landwirtschaftlichen Geräten und einer Management-Software ist ebenfalls möglich. Die Hauptbestandteile des Isobus-Systems sind ein kompatibles Terminal (UT), ein Bordcomputer, ein Normanschluss zwischen Gerät und Traktor sowie eine elektronische Steuerungseinheit des Traktors (ESE) mit einem Empfänger (GPS oder andere).
Isobus-Funktionalitäten
Gemäss Definition der AEF ist «eine Isobus-Funktionalität ein Produkt, das dem Endkunden als eigenständiges Modul aus dem Isobus-System erklärt werden kann. Eine oder mehrere Funktionalitäten lassen sich zu einem Verkaufsobjekt zusammenfassen mit dem Ziel, dass sie mit anderen Produkten, die mit Isobus- Funktionalitäten ausgestattet sind, verbunden werden können.» Das Isobus-System wird bei der AEF unter neun Funktionalitäten oder Produkten zusammengefasst, die man unter den folgenden Abkürzungen kennt:
- UT für Universal Terminal, sorgt für die Darstellung auf dem Terminal AUX-N für eine zusätzliche Hilfssteuerung ausserhalb des Terminals (z.B. Joystick oder Funktionstasten)
- TC-BAS kontrolliert die Hauptaufgaben
- TC-GEO ist ein Task-Controller von georeferenzierten Daten
- TC-SC Auftragssteuerung mit Abschnittssteuerung
- TECU Jobrechner für Schlepper, Geschwindigkeit, Zapfwellendrehzahl usw.
- TIM für die bidirektionale Kommunikation zwischen Traktor und Anbaugerät
- LOG für die Erfassung von Traktorund Gerätewerten unabhängig vom Auftrag
- ISB ermöglicht die Deaktivierung der Funktionen eines Gerätes, die über ein Isobus-Terminal aktiviert werden
Die häufigsten Anwendungen in der Praxis sind die Verwendung eines Terminals für Aufträge zur Teilbreitenschaltung auf einer Sämaschine, einem Düngerstreuer oder einer Feldspritze. Eine Datenbank auf der AEF-Webseite bietet die Möglichkeit, die Kompatibilität einer Maschine mit einem bestimmten Traktor zu vergleichen. In der Datenbank sind nur Geräte erfasst, die vom Verband zertifiziert wurden.
Lenksysteme
Um leistungsfähig zu sein, besteht das Prinzip des Precision-Farmings darin, die Isobus-Funktionalitäten und ein Lenksystem zu kombinieren. Dadurch ist es möglich, Überlappungen zwischen den Maschinendurchgängen auf unregelmässig geformten Flächen oder Wiesen zu vermeiden. Zeitersparnis und Düngereinsparungen werden Realität. «Eine von einem Korrektursystem unterstützte Lenkung gewährleiste eine höhere Genauigkeit», erklärt Julien Chassot, Experte für neue Technologien bei der Serco Landtechnik AG, im Interview.
Interview: «Lenksysteme – sinnvoll und wirtschaftlich»
UFA-Revue: Weshalb sollte ein Landwirt seinen Traktor mit einem Lenksystem ausstatten?
Julien Chassot: Das Lenksystem optimiert die verschiedenen Aufgaben für die Bodenbearbeitung, Aussaat, Düngung, Unkrautbekämpfung und die Ernte. Es ermöglicht, den Zeitaufwand für die Feldarbeit zu reduzieren und das Bearbeiten der Flächen präzis und effizient zu bewältigen. Durch das Einsparen von Düngemittel und Saatgut gewinnt der Landwirt auch in finanzieller Hinsicht. Zudem wird die Umwelt geschont. Mit der automatischen Teilbreitenschaltung kann der Landwirt beispielsweise vermeiden, dass es in der Nähe von Wasserfassungen zu Düngereinträgen kommt.
Welches Lenksystem können Sie einem Landwirt empfehlen, der sich für diese Technologien interessiert?
J. Chassot: Aktuell empfehle ich ein automatisches GPS-Lenksystem. Es werden mehrere Produktpaletten angeboten, die eine Arbeitsgenauigkeit von 20 bis 30 cm und bis zu drei cm beim RTK-NET-System aufweisen, je nach Bedarf. Mit dem S10 Terminal von Claas wird zum Beispiel dank seiner Isobus-Kompatibilität der automatische Abschaltmodus und die Mengenverstellung ermöglicht. Zudem gibt es demontierbare Systeme, die problemlos und rasch von einem Fahrzeug zum anderen übertragen werden können. Dank der breiten Easy-Palette können wir eine professionelle Lösung anbieten, die die Ansprüche jedes Landwirts erfüllt.
Wie werden sich die Lenksysteme Ihrer Meinung nach entwickeln, und welches wird der nächste Schritt sein?
J. Chassot: Das Lenksystem ist eine sinnvolle und wirtschaftliche Lösung, um die agrochemischen Einträge zu verringern. Die Anzahl Fahrzeuge, die mit einem Lenksystem ausgestattet ist, wächst beträchtlich. Der nächste Schritt in der Schweiz wird wohl vorerst die Digitalisierung sein. Dank angeschlossener Maschinen und digitaler Plattformen wie Barto nehmen die Belastungen für die Landwirte in der Administration beträchtlich ab. Somit verfügen sie über mehr Zeit, um sich auf ihren Betrieben um die wirklich wichtigen Aufgaben zu kümmern, nämlich um ihr Vieh und ihre Kulturen. Langfristig wird die Feldarbeit durch Roboter und andere autonome Maschinen automatisiert werden.