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Welche Themen werden die Menschheit im 21. Jahrhundert beschäftigen? Ich wage einen Ausblick.
Ausblicke über die nächsten 100 Jahre haben Tradition und liegen fast mit Sicherheit daneben. Insbesondere, wenn sie sehr spezifisch werden. Ich werde deshalb versuchen, mich auf generelle Trends zu konzentrieren. Diese Trends umfassen ein stetiger Anstieg des Rohstoff- und Energieverbrauchs mit fortschreitender technischer Entwicklung (historisch belegt), ein Anstieg der Weltbevölkerung mit schliesslicher Stagnation (weitherum anerkannt), das Streben des Menschen nach persönlicher Entfaltung, Luxus, Freiheit, Stabilität und Sicherheit (vermutlich unumstritten). Die ersten vier Abschnitte dieses Artikels basieren auf diesen Trends. Mit den „Wildcards“, Entwicklungen, die stattfinden könnten, oder auch nicht, befasse ich mich im letzten Abschnitt.
Die Reorganisation der Energieversorgung
Die Menschheit bezieht ihre benötigte Energie heute vor allem aus fossilen Quellen wie Erdöl, Erdgas und Kohle. Regnerative und nukleare Energiequellen spielen heute eine untergeordnete Rolle. Dieses Verhältnis wird sich im 21. Jahrhundert umkehren: Erdöl wird in wenigen Jahren das weltweite Produktionsmaximum überschreiten, Erdgas in wenigen Jahrzehnten. Wir werden zwar noch für eine lange Zeit von den riesigen Kohlereserven der Erde zehren können, doch dies wird langfristig zu dramatischen Klimaveränderungen führen. Die Verbrennung aller Kohlereserven könnte zu einem Anstieg des atmosphärischen CO2 auf bis zu 1000 ppm führen, ein Wert, wie er seit der Kreidezeit nicht mehr vorgekommen ist (als die Erde von Äquator bis zu den Polen tropische Verhältnisse aufwies). Eine solche Entwicklung wäre für die menschliche Zivilisation inakzeptabel und würde zu Meeresspiegeländerungen im Bereich von einigen 10 m und damit zu grossräumigen Überflutungen von Küstenbereichen führen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass innerhalb des 21. Jahrhundert ein Mechanismus gefunden werden wird, um zumindest das komplette Aufbrauchen der Kohle zu verhindern.
Als Alternative zu den fossilen Energiequellen bieten sich regenerative und nukleare Energiequellen an. Von den Regenerativen ist langfristig die Solarenergie am attraktivsten: sie ist in nahezu unbegrenzten Ausmassen verfügbar, und die kommende Generation von Solarzellen wird sehr viel günstiger und Flächeneffizienter sein als heute. Im Gegensatz zur Windenergie ist sie nicht auf einige bestimmte geeignete Orte auf der Erdoberfläche beschränkt, sondern kann im Weltraum (mit Solarsatelliten, die die gesammelte Energie in Form von Mikrowellen auf die Erde schicken) fast beliebig stark ausgebaut werden. Als dezentrale Energiequelle mit niedriger Energiedichte ist sie gut dafür geeignet, die täglichen Bedürfnisse weltweit abzudecken (Nachtspeicherung über Brennstoffzellen oder Pumpspeicherung). Die andere Alternative, die nuklearen Energiequellen, werden gegen eine sehr billige Solarenergie langfristig nur dort bestehen können, wo in kurzer Zeit grosse Energiemengen benötigt werden oder wo Solarenergie keine Option ist. Das betrifft etwa Industrieanlagen mit hohem Energiebedarf, Transport von grossen Massen (z.B. Schiffe und Raumschiffe aller Art) und Stromversorgung in abgelegenen Gebieten jenseits der Polarkreise sowie im Weltraum (z.B. Versorgung einer Mondbasis während der 14-tägigen Mondnacht). Zu den nuklearen Energiequellen gehören hocheffiziente Kernspaltungsreaktoren wie etwa jene, die auf Thorium basieren, sowie ökonomisch attraktive Fusionsreaktoren wie die Polywell-Fusion oder, möglicherweise (sollte sie sich als praktikabel erweisen), die Myon-katalysierte Fusion.
Individuelle Mobilität mit hoher Reichweite (Autos, Flugzeuge) sowie elektronische Geräte aller Art werden immer Energiespeicher mit hoher Energiedichte benötigen. Dies könnten neuartige Batterien und Akkus sein, oder aber ähnlich wie heute die Verwendung von Flüssigkeiten mit hohen Energiedichten, z.B. Ethanol. Ethanol könnte entweder synthetisch aus atmosphärischem CO2 hergestellt werden oder über die Nutzung von verrottenden Pflanzen.
Die Reorganisation der Stadt
Das gesellschaftliche Modell der Stadt ist zivilisationshistorisch gesehen sehr erfolgreich. Städte entstanden, weil die Konzentration von Menschen es einer schnell entstehenden politischen Elite ermöglicht, das Umland zu kontrollieren und damit die Nahrungsversorgung der Stadtbewohner sicherzustellen, wodurch diese Stadtbewohner sich spezialisierten Aufgaben widmen können. Die Produktion von Nahrungsmitteln wird im 21. Jahrhundert grundlegend verändert werden: Nahrungsmittel werden je länger je weniger auf dem offenen Land, sondern immer häufiger in spezialisierten Gebäuden (sogenanntes „vertical Farming“) hergestellt. Städte können so, zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, vollständig selbstversorgend werden. Das heisst aber auch, dass die Städte nicht mehr von der Erhaltung der ländlichen Kulturlandschaft abhängig sind und damit unbegrenzt zu wachsen beginnen. Das „vertical Farming“ ist der erste Schritt hin zur globalen Stadt. Wer jetzt ein Bild von Coruscant aus Star Wars im Kopf hat („Manhattan bis zum Horizont“), liegt falsch: die globale Stadt wird nicht derart „dicht“ sein, sondern ein von unzähligen „grünen Lungen“ und Freiflächen durchzogenes, global nahezu zusammenhängendes Siedlungsgebiet mit gelegentlichen dichteren (historischen) Zentren dazwischen. Dies ist letztlich auch der Stagnation des Bevölkerungsanstiegs zu verdanken, was sich gemäss den Bevölkerungsentwicklungs-Szenarien der UNO etwa 2050 einstellen sollte (auch wenn mit der Einführung von Techniken, die die Lebenserwartung deutlich steigern, „rebound“ nach oben stattfinden wird und die Bevölkerung sich erst später auf einem höheren Niveau stabilisieren wird). Gewisse Gebiete, wie die Wüsten und Hochgebirge werden natürlich unbesiedelt bleiben.
Die Noogaia
Künstliche, vollständig vom Menschen geschaffene und kontrollierte Landschaften, wie man sie etwa in Dubai findet, sind heute relativ selten. Mit der Verbreitung des „vertical Farmings“ und der globalen Stadt werden sie aber langsam zur Standardumwelt des Menschen. Was der Mensch bisher nur aus sogenannt „klimatisierten Räumen“ kannte, wird nun auch unter „freiem Himmel“ zum globalen Standard: die totale Kontrolle der Umweltbedingungen. Wieder ist nicht gesagt, dass dieser Zustand bereits mit dem Ende des 21. Jahrhundert erreicht sein wird – dies ist lediglich die generelle Tendenz, in die sich diese Welt bewegt. Die Konzentration von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre wird kontrolliert, mit Geräten, die in der Lage sind, CO2 aus der Luft zu entfernen und unterirdisch zu Speichern. Da die Menschheit bei steigender Bevölkerungszahl und steigender Energieproduktion immer mehr Abwärme produziert, wird immer weniger CO2 benötigt werden, um die Erdoberfläche auf der heutigen Temepratur zu halten. Dieses CO2 wird zwischengespeichert und mit Hilfe von Basaltgestein als Kalk ausgefällt. Wetterkontrolle wird durch unzählige sehr kleine, sogenannte Aerostaten möglich werden: dabei handelt es sich um sehr kleine, wasserstoffgefülle Sphären aus Diamant, die so leicht sind, dass sie nahe der Tropopause schweben. Sie enthalten ein Material, das seine Lichtdurchlässigkeit und seinen refraktiven Index elektronisch steuern kann – auf diese Weise wird es möglich, die Temperatur auf der ganzen Erdoberfläche aktiv zu regulieren und damit Wetterphänomene hervorzurufen, wann und wo immer man möchte. Gaia, das globale klimatische Gleichgewicht, das von den unzähligen Feedbackschlaufen des irdischen Klimasystems gebildet wird, wird durch Noogaia abgelöst (Noo = Wissen), die aktive und allumfassende Klimakontrolle durch den Menschen.
Das mag jetzt vielleicht sehr entrückt und phantastisch klingen: die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass die Fähigkeiten des Menschen stets schneller wachsen als eine lineare Extrapolation vermuten liesse. Unser Energieverbrauch ist gegenüber dem 19. Jahrhundert um ein tausendfaches gestiegen, ebenso wie unsere Fähigkeiten – und das, obwohl die Bevölkerung zwar gewachsen ist, aber eben nicht um das tausendfache. Trends in der Bevölkerungs- und Zivilisationentwicklung, die zur Bildung der globalen Stadt führen, führen auch zum Wunsch (und zur Fähigkeit), die Umweltbedingungen der Erde ebenso regulieren zu können wie Innenräume. Der Umstand, dass wir uns schon heute Gedanken über „Geoingeneering“ machen, also die aktive Beeinflussung des Erdklimas und erste Konzepte durchaus als prinzipiell machbar angesehen werden, lässt mich vermuten, dass diese Prozesse von einer reiferen, globaleren, reicheren Menschheit als machbar und wünschbar angesehen sein werden.
Die wirtschaftliche Erschliessung des Sonnensystems
Die Rohstoffe der Erde sind begrenzt. Das gilt nicht für alle Rohstoffe gleich stark, aber es gilt besonders stark für all die relativ seltenen, aber wichtigen Elemente, die heute in verschiedensten Industriezweigen als Spurenlemente zur Anwendung kommen (man denke z.B. an Indium). Gewisse Rohstoffe sind auf der Erde gar nicht in wirtschaftlichen Mengen verfügbar, könnten aber durchaus Abnehmer finden: dazu gehört z.B. das Helium-3, ein attraktiver Fusionsbrennstoff, der in grösseren Mengen nur auf dem Mond, dem Merkur und in den Atmosphären der Gas- und Eisriesen vorkommt. Eine Menschheit, die nach immer mehr materiellem Reichtum dürstet, wird nicht darum herum kommen, die Rohstoffe des Sonnensystems anzuzapfen. Das ist nicht so teuer und schwierig, wie es heute den Anschein hat: das Teure an der Weltraumfahrt ist die fehlende Wiederverwendbarkeit der Raumfahrzeuge (was sich mit genügend „dichten“ Energiequellen wie etwa einem Polywell-Fusionsreaktor schnell ändern könnte) sowie die geringe Flugrate. Würden täglich hunderte Raumflüge durchgeführt, wäre das ganze sehr viel billiger. Ein Grossteil der Rohstoffgewinnung auf erdnahen Asteroiden, dem Mond oder den Atmosphären der Gasriesen würde automatisch ablaufen und müsste nur sporadisch von Menschen gesteuert werden. Der grösste Teil der geförderten Rohstoffe würde wohl in den Bau von Solarsatelliten gehen, ein kleiner Teil dient der Rohstoffversorgung der Erde und der massenmässig kleinste Teil werden Energierohstoffe wie Helium-3, Uran und Thorium vom Mond ausmachen.
Für eine immer reichere Menschheit ist auch der Weltraumtourismus schliesslich erschwinglich: Am Ende des 21. Jahrhunderts wird es tatsächlich Menschen geben, die ihre (grosszügig bemessenen) Ferien auf dem Mond verbringen. Doch abgesehen von ein paar Enthusiasten wird es keine langfristigen Weltraumkolonisten geben: Wenn, dann würden sie in Raumstationen im freien All leben, wo sie einen einfachen Zugang zu Rohstoffen haben, an denen die Erde interessiert ist. Auf der Marsoberfläche hingegen wären Kolonisten stets von der Erde abhängig, weil sie nichts produzieren können, was die Erde interessieren könnte.
Wildcards
Die Zivilisations- und Technikgeschichte der Menschheit wurde immer wieder von „Wildcards“ geprägt, Erfindungen, die kaum jemand erwartet oder vorhergesagt hatte (wobei sich im Rückblick immer irgendwo irgendjemand findet, der doch irgendwie daran gedacht hat…). Die folgenden Entwicklungen halte ich für möglich, aber keinesfalls für zwingend. Einige dieser Themen sind so interessant, dass ich ihnen irgendwann einen eigenen Artikel widmen werde.
Biologische Unsterblichkeit
Das Altern ist keine biologische Zwangsläufigkeit: Es gibt Tierarten, die nicht altern (und dann einfach irgendwann gefressen werden). Es gibt Säuglinge mit einer ganz spezifischen Genmutation, die sie nicht altern lässt. Es gibt Menschen mit bestimmten Genvarianten, die sehr viel älter werden als Menschen, die diese Varianten nicht haben. Schäden, die im Alter zum Verschleiss des Körpers führen, sind in jungen Jahren problemlos zu beheben. Zellen sterben einen programmierten Zelltod – ausser bei Krebszellen, wo dieser programmierte Zelltod ausgeschaltet wurde (es gibt heute noch Laborkulturen von Krebszellen von Menschen, die in den 50er Jahren an einem bestimmten Krebs gestorben sind – diese Zellen sind so jugendlich wie eh und je). Alles deutet darauf hin: Das Altern ist nicht Zwangsläufigkeit, nicht (nur) Verschleiss, sondern genetisches Programm. Aus evolutionärer Sicht macht das Sinn: Spezies, die nicht altern, sind genetisch unflexibler und nicht anpassungsfähig, wenn sich ihr Lebensraum verändert. Die älteren konkurrenzieren mit den Jungen um die gleiche Nahrung, und die Investition in Nachwuchs lohnt sich für solche Spezies nicht mehr. Nur ein Alterungsmechanismus, der einen Organismus nach einger gewissen Zeit altern und sterben lässt, garantiert die Erneuerung und damit die evolutionäre Anpassungsfähigkeit einer Tierart.
Doch wenn das Altern genetisch bedingt ist, lässt es sich letztlich aus ausschalten. Der Mensch muss vermutlich nicht biologisch altern – es ist, aus dier Position, grundsätzlich denkbar, dass sich der Alterungsprozess irgendwann stoppen oder sogar umkehren lässt. Die Fortschritte auf diesem Gebiet beschleunigen sich zur Zeit – es ist denkbar, dass der erste Mensch, der biologisch unsterblich wird, schon heute lebt.
Biologische Unsterblichkeit würde die Anzahl Menschen, die auf der Erde leben, relativ schnell ansteigen lassen, so dass in ein paar Jahrhunderten der Bau von grossen Weltraumkolonien (sogenannten Orbitalen) vielleicht doch in Angriff genommen werden müsste, wenn die Erde nicht doch wie Coruscant aussehen soll. Vermutlich würde die verbreitete Einführung von biologischer Unsterblichkeit dazu führen, dass immer weniger Kinder zur Welt kommen. Ein moralisches Dilemma muss daraus nicht entstehen: Niemand ist gezwungen, am Leben zu bleiben, und es wird weiterhin Tote durch Unfälle geben. Diejenigen, die ewig leben wollen, müssen sich die Welt mit jenen, die das nicht wollen, ohnehin nur für gut 120 Jahre teilen.
Echte Künstliche Intelligenz
Das menschliche Gehirn ist nicht unendlich komplex – es besteht aus einer endlichen Anzahl Neuronen (etwa 100 Milliarden) und einer endlichen Anzahl (etwa 10 bis 1000 pro Neuron) Verbindungen zwischen diesen. Das heisst, dass es letztlich nur eine Frage der Computerkapazitäten ist, ein menschliches Gehirn sowie den zugehörigen Körper in Echtzeit zu simulieren. Erste Schritte in diese Richtung (die Simulation einzelner Gehirnteile höherer Säugetiere, langsamer als Echtzeit) werden heute schon gemacht. Doch möglicherweise braucht es kein menschliches Gehirn, um intelligentes Verhalten im menschlichen Sinn in einer Maschine hervorzurufen. Die Natur hat keine Wahl: um eine evolutionäre Nische zu füllen, muss sie mit dem arbeiten, was vorhanden ist. Sie kann – im Gegensatz zu einem intelligenten Designer – nie auf dem „leeren Blatt“ starten. So wäre es denkbar, dass es andere, bessere Hardware für Intelligenz gibt, als unser Gehirn. Unter dem Begriff „General Intelligence“ wird heute schon versucht, Intelligenz in einem allgemeineren Sinn zu verstehen und in Maschinen zu implementieren.
Mach-Lorentz-Antrieb
Über den sogenannten Mach-Lorentz-Antrieb habe ich bereits einen ganzen Artikel geschrieben. Ein solcher Antrieb würde nicht nur unsere technischen Möglichkeiten, sondern auch unsere Gesellschaft und letztlich auch unser Weltbild komplett verändern. Das muss nichts heissen – die Relativitätstheorie ist auch nicht alltäglich-intuitiv begreifbar, und trotzdem ist sie die beste Beschreibung der Welt, die wir kennen. Die lokale Verletzung der Impulserhaltung würde bedeuten, dass wir künftig nur noch Energie brauchen, um Distanzen zu überwinden: die Erzeugung von mechanischen Kräften wie Reibung beim Auto, Auftrieb beim Flugzeug oder Rückstoss bei Raketen würde überflüssig. Die menschliche Mobilität würde dadurch wohl tiefgreifend verändert. Weltraumfahrt, Flüge zu den Nachbarplaneten und schliesslich auch zu den Nachbarsternen würden alltäglich. Doch noch ist nichts entschieden: noch steht der definitive Beleg aus, dass die im kleinen Rahmen beobachteten Kräfte sich auf die Ebene skalieren lassen, wo man mit ihnen ein Auto, ein Flugzeug oder eine Rakete abheben lassen kann.
Das Gravitationswellen-Spektrum
Die Entdeckung und Nutzung des elekromagnetischen Spektrums, von Radiowellen über Mikrowellen, Infrarot, Ultraviolett und schliesslich Röntgen und Gamma-Strahlen hat die menschliche Zivilisation enorm verändert und weiter gebracht. Die verbreitete Nutzung des elektromagnetischen Spektrums ist wohl das, was die moderne Welt am stärksten von der Vormoderne unterscheidet. Ohne Kenntnis und breite Nutzung des elektromagnetischen Spektrums gäbe es die heutige Astronomie und Kosmologie auch nicht: wir wüssten nichts von den Sternen, und hätten keine Ahnung vom Urknall.
Nun gibt es in der Natur noch ein zweites wichtiges Strahlungsspektrum, das bisher aber noch keine Anwendungen gefunden hat: jenes der Gravitationswellen. Objekte, die sich umkreisen, asymetrische Pulsations-Bewegungen von massiven Körpern, beschleunigte Massen und einige andere spezielle Umstände bewirken die Emission von Gravitationswellen, oder Gravitationsstrahlung. Wie im elektromagnetischen Spektrum gibt es auch hier Wellenlänge (bzw Frequenz) und Amplitude. Die Relativitätstheorie sagt Gravitationswellen voraus, und die Beobachtung des sogenannten Hulse-Taylor-Doppelpulsars gibt uns den empirischen Beleg, dass es Gravitationswellen geben muss. Dabei handelt es sich um ein Paar von Neutronensternen, die sich gegenseitig umkreisen und deren Bahn gemäss der Relativitätstheorie und den darin vorhergesagten Gravitationswellen schrumpfen sollte – das tut sie auch, und zwar exakt in der Rate, die die Relativitätstheorie vorhersagt.
Heute sind wir an der Schwelle der Messbarkeit für einige Typen (bestimmte Frequenzen und Amplituden) von Gravitationswellen. Bis wir die Gravitationswellen, die der Hulse-Taylor-Doppelpulsar aussendet direkt messen können, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Doch in den letzten Jahren sind immer mehr Entwürfe für Messgeräte vorgelegt worden, mit denen sich Gravitationswellen aus ganz unterschiedlichen Frequenzbereichen messen liessen. Da Gravitationswellen Materie nahezu ungestört durchqueren können, wären mit hypothetischen Gravtationswellen-Sendern und Empfängern eine Kommunikation sogar quer durch die Erde hindurch möglich. Neben Kommunikationsanwendungen wäre auch eine ganz andere Art von Astronomie möglich.
Zusammenfassung
Die Reorganisation der Energieversorgung, die Entwicklung hin zu einem globalen, vom Menschen designten Lebensraum (die Noogaia als Teil der globalen Stadt) sowie die wirtschaftliche Erschliessung des Sonnensystems nehme ich als gegebene Entwicklungen im 21. Jahrhundert an. Man darf auch davon ausgehen, dass wir Überraschungen sehen werden – einige mögliche „Überraschungen“ habe ich hier vorgestellt.
Deprimierend
zum vertical farming:
Könnte man so das überschüssige CO2 aus der Atmosphäre entfernen? In dem man die pro Hektar ständig vorhandene Biomasse erhöht?
Ich denke, dass das alles nicht eintreten wird wenn sich eine grundlegende Eigenschaft unserer heutigen Gesellschaft nicht ändern wird, nämlich die des Geldes und der Finanzierung.
Wie viele neue Ideen werden nicht umgesetzt weil es den entsprechenden Leuten an Geld fehlt? Wie viele Menschen müssen verhungern, verdursten oder an Krankheiten sterben weil sie kein Geld haben? Wie oft wird auf Politikergipfeln darüber argumentiert ob man lieber Geld in neue Straßen oder in Entwicklungsländer steckt? Wieviel Geld ist denen die Rettung des Planeten wert? Die Antwort: unbezahlbar. Ich behaupte, dass kein einigermaßen gebildeter Politiker auf dieser Welt wirklich glaubt, dass es keinen Treibhauseffekt gibt, dass der Planet nicht gerettet werden muss, dass wir nicht von Kohle, Erdgas, usw. wechseln müssen. Aber hauptsache wie bauen neue Waffen und Bomben.
Man siehe sich doch nur die Finanzkrisen überall an: Manche Länder entlassen Lehrer (d.h. die Bildung ist egal), andere streichen Ausgaben im Gesundheitssystem (d.h. sollen die Bürger selbst sehen, wie sie ihre Gesundheit bezahlen), anderswo werden Sozialausgaben reduziert usw usw… Und warum das ganze? Weil man nur eine begrenzte Menge an Geld hat.
Und genau daran werden diese ganzen tollen Zukunftstechnologien scheitern, am Geld. Selbst wenn irgendwann ein Antrieb serienreif wird, der Autos völlig ohne Abgase antreibt, wird er sich nicht durchsetzen, weil wahrscheinlich die meisten kein Interesse daran haben werden Geld auszugeben um ihren Wagen umzurüsten und die Regierungen es genauso wenig durchsetzen werden weil ihnen auch das Geld fehlt und aufgezwungene Maßnahmen in weniger Wählern resultieren. Das wär das nächste Phänomen: die meisten denken nur in Wahlperioden (\“nach meiner Amtszeit die Sintflut\“) und nicht in globalen Maßstäben, Jahrzehnte voraus. Nicht zu vergessen die Öl-Lobby, die sich auch noch quer stellt, und leicht zu beinflussende Politiker ($$) gibt es genug.
Geld lässt Menschen unmoralisch und unlogisch handeln und ist wohl eine der Hauptsursachen von Kriminalität (warum jemanden ausrauben wenn man nichts davon hat?). Solange Menschen ihren primitiven egozentrischen Trieb nicht abwerfen wird es all die hier erwähnten tollen Entwicklungen, die durchaus realistisch klingen, nicht geben, weil sie sich niemand leisten kann und nur die wenigsten freiwillig solche Unsummen an Geld verschenken.
Das Bedürfnis nach materiellem Reichtum, und die Notwendigkeit einer \“Belohnung\“ für getane Arbeit müssen aus den Köpfen einer hochentwickelten Kultur verschwinden, damit es keinen Bedarf mehr für Geld oder ähnliches gibt und somit die Entscheidung, ob ich mit meinem Budget lieber die Straßen renovieren lasse, ein paar Tonnen Medikamente in den Kongo schicke, oder doch lieber ein Kohle- durch ein Thoriumkraftwerk ersetze, gar nicht erst aufkommt. Da es dann kein Budget mehr gibt wird eben all das getan, was notwendig ist, gleichzeitig.
Erst dieser Schritt in den Köpfen der Menschen, nämlich endlich die Geißel \“Geld\“ loszuwerden, ist für solche globalen Fortschritte, wie hier erwähnt, notwendig. Vorher kann ich mir die globale Realisierbarkeit einfach nicht vorstellen.
Auch wenn ich mich als Öko-Pessimist oute, ich glaube nicht, dass man die biochemischen Prozesse der Ökologie wie eine Maschine kontrollieren und lenken kann, jedenfalls wenn das System auch noch wirtschaftlich autark sein soll.
Nehmen wir den Stickstoffkreislauf: Wie die Bakterien nehmen wir elementaren Stickstoff aus der Luft, den wir auf ein mehrhundertfaches zusammmenpressen und auf viele hundert Grad erhitzen, zusammen mit Wasserstoff, den wir aus Erdöl gewonnen haben, in riesigen dezentralen Anlagen.
Völlig unfähig sind wir aber den Stickstoff in den Kreislauf zurückzuführen, dass überlassen wir der Natur.
Beim Abbau in Kläranlagen durch denitrifizierende Bakterien geht die aus dem Erdöl stammende Energie als Wärme verloren,
und von der Existenz der Anammox-Bakterien hatten wir vor 5 Jahren noch keine Ahnung. Hingegen entwicht für uns wertloses, weil zu wenig konzentriertes Nitrat in Böden und Gewässer und verdrängt Lebewesen, die auf Nährstoffarmut angewiesen sind.
Geschlossene Stoffkreisläufe einzurichten ist ungefähr so , als wolle man den Rauch in eine Zigarrete zurückzwängen.
Viel wahrscheinlicher finde ich, dass wir unsere Probleme in den Weltraum exportieren, statt die Ware zum Menschen wird der Mensch zur Ware kommen, spätestens wenn auf der Erde Hunger herrscht und die Wegwerfwirtschaft im Asteroidengürtel mit in Milliarden Jahren entstandenen irdischen Enzymen quasi-synthetische Nahrung im Überfluss herstellt.
Also Asimov, der alte Scifi-Autor, beschreibt ja noch risiche Solaranalagen da draußen im All, die dann ihre Energie komprimiert zur Erde schicken.
Damit wäre die Solarenergie auch endlich nicht mehr von Schönen Wetter oder Subventionen abhängig. Natürlich müsste die Auslastung noch effiziter werden, aber da vertrauen wir ganz auf unsere Techniker…
… „(es gibt heute noch Laborkulturen von Krebszellen von Menschen, die in den 50er Jahren an einem bestimmten Krebs gestorben sind – diese Zellen sind so jugendlich wie eh und je)“ …
Hast du zu diesem Thema einen (ab besten deutschsprachigen) objektiven Link … … …
… das interessiert mich … … … Danke
FG Thanathos
Mit genügend Energie ist es durchaus möglich, die gesamte Menschheit auf einen anständigen Lebensstandard zu heben, ohne die Erde in eine Wüste zu verwandeln. Welche Ressourcen sollen uns denn fehlen? Was uns auf der Erde ausgeht, können wir – genügend billige Energie vorausgesetzt – in fast unbegrenzten Mengen aus dem erdnahen Weltraum importieren. Auch bei anderen Ressourcen habe ich bereits erwähnt, wie mehr Energie dazu führen wird, dass diese nicht knapp werden oder sich regenerieren können.
Es stimmt nicht, dass alle geplanten Atomkraftwerke die alte Technologie einsetzen. Norwegen und Indien arbeiten bereits an Thorium-Reaktoren. China baut einen Pebble-Bed-Brüter, ebenfalls eine neue Technologie. Eine von Bill Gates finanzierte Firma will die Travel-wave-Technologie zur Marktreife bringen. Natürlich braucht es Geld und manchmal auch viel Überzeugungsarbeit, um neue Technologien zur Marktreife zu bringen. Dass Umweltorganisationen die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben und immer noch alles verteufeln, was irgendwie mit Nuklearenergie zu tun hat, macht die Sache sicher nicht einfacher.
Auch bei der heissen Fusion gibt es neue, vielversprechende Ansätze. Stichworte Polywell-Fusion, Laserfusion, Fokus-Fusion… All diese Projekte werden bereits in wenigen Jahren Früchte tragen (oder verschwinden). Sogar in Sachen Kalter Fusion gibt es in letzter Zeit wieder etwas Bewegung, Stichworte Myon-Katalysierte Fusion und Low-Energy-Nuclear-Reactions (LENR).
Natürlich ist es möglich, dass all das scheitert, aber selbst dann wären wir mit einem massiven Einsatz der bisherigen Nukleartechnologie mit all ihren Nachteilen noch immer viel besser bedient als, naja, dem Akzeptieren des Untergangs.
Nun, das Bevölkerungswachstum sinkt nur dort, wo Konsum und Energieversorgung in die Region von Überfluss geraten. Ich will jetzt gar nicht mal in die USA schauen, aber wie sollen die verfügbaren Ressourcen unseres Planeten eine Lebensführung auf zumindest westeuropäischem Standard für China, Indien, Afrika usw. erlauben?
Bevölkerungswachstum ist eine geometrische Funktion, auch ein Wert von unter 1% führt in kürzester Zeit zur Katastrophe. Es ist wirtschaftlich und technisch unmöglich die ärmeren 5 Mrd. Menschen auf das Lebensniveau Westeuropas oder Nordamerikas zu bringen, dies überfordert die Leistungsfähigkeit unseres Planeten um ein Vielfaches. Diese Bedingung für eine stagnierende oder gar sinkende Weltbevölkerung kann bis auf Weiteres nicht erfüllt werden.
Und wenn es diese saubere und effizientere Nukleartechnologie gibt, warum wird sie nicht eingesetzt? Alle derzeit geplanten Atomkraftwerke verwenden m.W. immer noch die traditionellen Verfahren (hier bin ich allerdings kein Experte). Naja, und heiße Fusion … Wir bräuchten das in spätestens 50 Jahren in großem Maßstab und in einer wirtschaftlichen und sicheren Version. Daran glaube ich nicht.
Gruß
Rabert
Solarenergie braucht nicht zwingend Seltene Erden. Im Prinzip kann man Solarzellen auch aus Silizium herstellen, ja sogar aus Eisensulfid (die sind dann nicht besonders effizient, aber die Ausgangsmaterialien sind weit verbreitet). Es gibt Ansätze für die Entwicklung von hocheffizienten Solarzellen aus organischen Materialien oder Kohlenstoffnanoröhrchen.
Ich will auch gar nicht die Grundversorgung damit sicherstellen – es geht hier mehr um die Heizung bzw. Kühlung von Häusern und die Erzeugung von Warmwasser, den Betrieb von Mobilgeräten und einen Anteil an die Elektrifizierung des Individualverkehrs. Alles andere wird aus nuklearen Quellen kommen müssen.
Damit ist jede Form von Nuklearenergie gemeint: Das kann heisse Fusion sein, fortschrittliche, hocheffiziente und sehr sichere Kernspaltung wie in den Travel-wave-Reaktoren, oder auch Reaktoren, die auf Thorium basieren (dies produziert praktisch keinen radioaktiven Abfall, der zudem nur für wenige Jahrhunderte radioaktiv bleibt). Vielleicht gelingt eines Tages sogar ein Durchbruch in der Kalten Fusion. Die heute verwendeten Reaktordesigns sind Relikte aus dem Kalten Krieg, als die Herstellung von Atomwaffen ein wichtiges Nebenprodukt des nuklearen Kreislaufes war, dafür nahm man die Abstriche in der Reaktoreffizienz und -sicherheit in Kauf.
Wie du dieser Grafik entnehmen kannst:
upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/76/World_population_increase_history.svg
fällt die Zuwachsrate der Weltbevölkerung seit Mitte der 60er Jahre, im Einklang mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir wissen aus Westeuropa, dass das Bevölkerungswachstum sich ins Negative umkehren kann, wenn die Gesellschaft \“fortgeschritten\“ genug ist. Insofern habe ich keinen Zweifel, dass das Bevölkerungswachstum zu einer Stagnation kommen wird.
Dein Optimismus in allen Ehren, und ich wünsche von ganzem Herzen, dass du Recht hast und ich Unrecht.
Die Energiequellen, die du ansprichst, gibt es (noch) nicht. Die Produktion von Solarenergie benötigt Seltene Erden, die nicht umsonst so heißen. Bereits heute – wo Solarenergie nur eine unbedeutende Randerscheinung ist – klagt die Industrie über einen eklatanten Mangel dieses Rohstoffes. Und wie der im Sommer erzeugte Strom für den Winter gespeichert werden kann, ist immer noch völlig ungeklärt. Und Nuklearenergie? Wollen wir ernsthaft die Gesundheit und Sicherheit unserer Enkel aufs Spiel setzen, damit wir die Maxime von Wachstum und Profit aufrecht erhalten können?
Die UN sagt seit Jahrzehnten die Stagnation der Bevölkerungszahlen zur Mitte dieses Jahrhunderts voraus. Nur, in den alle 2 Jahren erscheinenden Prognosen dieser Organisation werden die entsprechenden Wachstumsraten stets nach oben korrigiert. Fakt ist: Seit über 400 Jahren ist die Weltbevölkerung nicht mit weniger als 0,5% jährlich gewachsen, seit Beginn der Industrialisierung nicht mit weniger als 1%, und derzeit liegt sie bei 1,2% = Eine Verdopplung der Zahl der Menschen alle 60 Jahre, wenn es dabei bleiben würde. Wenn dies verhindert werden soll, dann muss angesichts von weltweit steigenden Lebenserwartungen und besserer Gesundheit die Geburtenrate sehr plötzlich sehr radikal sinken. Ich sehe nicht, wie das geschehen soll. Bereits China hat es mit seiner rigiden 1-Kind-Politik (und dieses Land ist nicht gerade für laxe Durchsetzung eigener Verordnungen bekannt) nicht geschafft unter eine Bevölkerungwachstumsrate von 0,5% zu kommen. Tatsächlich steigt diese Rate seit fast 10 Jahren wieder an. Auch die UN spricht nicht mehr von Stagnation um 2050 herum, sondern kalkuliert heute mit einer Wachstumsrate von dann 0,35%. Ich frage mich, wie die Weltgemeinschaft ohne jegliche Exekutivgewalt etwas erreichen soll, was sogar die Chinesen nicht geschafft haben.
Das Problem ist, dass diese Wachstumsraten als Zahl so klein aussehen, und wir sie deshalb entweder gar nicht erst wahrnehmen oder unterschätzen. Ob 1%, 0,5% oder 0,35%, das Ergebnis bleibt das gleiche: Eine stets wachsende Menschheit hat nur eine sinkend nutzbare Fläche zur Verfügung um darauf zu Leben und sich davon zu versorgen. Das passt nicht, und ob die radioaktive Verstrahlung unserer Erde durch Nuklearabfall das kleinere Übel ist, weiß ich nicht.
Was zudem völlig unterschätzt wird, ist der Zeithorizont. Sogar der WWF sagt heute, dass wir in nur 25 Jahren bereits doppelt soviele Ressourcen von der Erde nehmen, als mit einem Nachhaltigkeitskonzept zu verantworten wäre. Wir haben nur noch wenige Jahrzehnte, um all diese genialen Erfindungen zu machen, die die Menschheit retten könnte. Aber heute noch werden die Milliarden Dollar lieber in Rüstung und in die Rettung von Banken gesteckt, als in die Entwicklung zukunftssichernder Technologien. Mit diesem Mindset wird sich die Welt nicht retten können.
Gruß
Rabert
Man sollte gegenwärtige Entwicklungen auf keinen Fall allzu linear in die Zukunft extrapolieren. Bereits Malthus sah im 19. Jahrhundert eine Zukunft (damals, für das 20. Jahrhundert) dieser Art, wie du sie beschreibst – doch diese \“Zukunft\“ ist nie eingetreten. Warum? Weil uns die fortschreitende Technologie (und der Beginn der Nutzung des Erdöls) erlaubt hat, weit mehr Menschen zu ernähren als jemals zuvor. Heute hungert ein kleinerer Anteil der Menschheit als in der Mitte des 20. Jahrhunderts, und das, obwohl sich die Bevölkerung verdoppelt hat.
Ernährung sowie die Erhaltung der natürlichen Umwelt ist in erster Linie ein Problem der Energie: wenn wir genügend Energie zur Verfügung haben, können wir fast alle Probleme lösen. Die Energiefrage habe ich deshalb bereits im ersten Abschnitt angesprochen. Energie (und Fortschritte in der Gentechnik) wird es uns erlauben, pflanzliche und später auch tierisch Nahrungsmittel industriell herzustellen, und zwar bei besserer Qualität und kleinerem Flächenverbrauch (z.B. \“vertical farming\“) als jemals zuvor. Trinkwasser ist, bei genügend Energie, kein Problem, weil wir einfach das Meerwasser entsalzen können. Mit genügend Energie können wir, bei Bedarf, Erdöl und andere kohlenstoffhaltige Produkte direkt aus atmosphärischem CO2 herstellen und dabei erst noch die Klimaerwärmung bremsen. Genügend Energie wird uns Metalle und seltene Erden von erdnahen Asteroiden bringen. Genügend Energie wird uns erlauben, grosse Teile der Erdoberfläche wieder der Natur zu überlassen.
Doch woher wird all diese Energie kommen? Von der Sonne sowie aus verschiedenen nuklearen Quellen. Das ist technisch problemlos möglich (allein die Ozeane enthalten genügend Uran, um die menschliche Zivilisation für Milliarden von Jahren mit billiger Elektrizität zu versorgen) – es ist bloss eine Frage der Zeit und des politischen Willens. Und glaub mir, wenn die Erdölproduktion ihr Maximum überschritten hat und die Ölpreise alljährlich ansteigen, wird der politische Willen zu einem solchen Wandel vorhanden sein.
Im Übrigen sind deine Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung übertreiben. Man beobachtet seit Jahren, dass das relative Bevölkerungswachstum (dh, das Verhältnis zwischen den Menschen, die in einem Jahr auf die Welt kommen zu jenen, die schon auf der Welt sind) zurückgeht. Dies wird zu einer Stabilisierung der Weltbevölkerung bei ca. 9-10 Mrd im Jahr 2050 führen, danach wird, nach dieser Extrapolation, die Bevölkerung wieder schrumpfen (ich denke allerdings, dass sie wegen einer schneller steigenden Lebenserwartung noch etwas weiter ansteigen wird).
Das wichtigste Top-Thema hast du vergessen: Das Bevölkerungswachstum. Wir werden Ende dieses Jahrhunderts doppelt so viele Menschen auf unserem Planeten haben wie jetzt, bei gleichzeitig schrumpfender Fläche für agrarische Nutzung durch Erosion und Verwüstung, abnehmender Verfügbarkeit von Trinkwasser, kollabierendem Fischbestand in den Meeren, Versiegen der erreichbaren Ölquellen, und erschöpften Lagerstätten für Metallerze und Seltene Erden.
Ende dieses Jahrhunderts werden Milliarden von Menschen verhungern, verdursten und an Krankheiten sterben, weil die Pharmaindustrie noch keinen Ersatz für den Rohstoff Öl gefunden haben wird. Der größte Teil derjenigen, die davon verschont bleibt, wird im dann tobenden Krieg um Wasser, Nahrung und Rohstoffe sterben, der dann wieder zu Pferde und mit dem Schwert enden wird.
Ich will kein Untergangsprophet sein, aber was bleibt mir übrig? Wenn all dies nicht passiert, werden in der Mitte des kommenden Jahrhunderts fast 30 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben, und gegen Ende des kommenden Jahrhunderts 50 Milliarden.
Auch ein Terraformen des Mars wird da nicht viel helfen.
Es erscheint mir unvermeidlich, dass die Menschheit sich selbst so weit vernichten und den Planeten ausplündern wird, dass wir in 100 Jahren irgendwo zwischen Mad Max und Auenland leben werden.
Gruß
Rabert
Sollte dieses Projekt scheitern wird meiner Meinung nach eine grundlegende Neuausrichtung des menschlichen Strebens unumgänglich.
Das Wirtschaftswachstum als Maxime der Politik wird unverantwortlich und unmöglich. Die zunehmende Knappheit der Ressource Energie (zusätzlich verschärft durch den Boom der Schwellenländer) richtet entweder unser Wirtschaftsprinzip zugrunde (meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich, da sich für einen planvollen Einsatz alle Parteien einig werden müssten) oder die Schere zwischen armen und reichen Ländern wird ein nicht gekanntes Ausmaß annehmen. Kriege bzw. eine erneute Phase der „Kolonisierung“ technologisch unterlegener Länder aus energetischen Gründen werden wahrscheinlicher. Armut und Unzufriedenheit schüren Unruhen und führen zu politischer Unsicherheit. Energieknappheit führt zwangsläufig zu einer weltweiten Rezession nicht bekannten Ausmaßes.
Naja, den Maschinenforscher werden wir in absehbarer Zeit nicht sehen denke ich.
Ich würde eine Maschine auf dem kognitiven Niveau eines Reptils mit eingebauter Sprachsteuerung schon als äußerst intelligent bezeichnen, aber selbst davon sind wir noch sehr weit entfernt. Das ist natürlich eine Definitionsfrage, aber unter Maschinenbauern und Intelligenzforschern gilt es gemeinhin schon als intelligent auf unbekannten Untergrund nicht über die einen Beine zu stolpern. So gesehen ist ein Mistkäfer schon eine Intelligenzbestie.
Die Jungbrunnen Entdeckungen gabs ja schon mehrfach. Das einzige was wir daraus gelernt haben ist das es keinen einzelnen Faktor gibt der das Altern verursacht, sondern das es einen Eigenschaft des Gesammtsystems ist. Deshalb müssen wir auch das Gesammtsystem des Genoms, und damit des Lebens, verstehen um hier zielführend einzugreifen. Eine zufällige Einzelendeckung wirds hier nicht geben, so etwas kann höchstens die Erforschung des Systems beschleunigen.
Schwimmende Städte; Wetterkontrolle; etc.
Tja sowas ist immer eine Kosten-Nutzen Rechnung. Ich glaube nicht das es in den nächsten 100 Jahren billiger sein kann auf dem Wasser zu leben als auf dem Land, schon vom Resourcenaufwand her.
Eine Wetterkontrolle kann nur global stattfinden, d.h auch die Kosten müssten global getragen werden. Ich glaube aber nicht dass es in den nächsten 100 Jahren sowas wie eine Weltregierung geben wird.
Sollten wirklich Intelligente Computer arbeiten, dann würden die meisten hier aufgeführten Möglichkeiten mit mit den Anweisungen für die richtige Durchführung auch von diesen Computern vorgeschlagen.
Bis dahin muss der Mensch noch selbst forschen. Und bei Forschungen sind auch immer wieder durch Zufälle Entdeckungen gemacht worden. Es würde mich nicht wundern, wenn schon nächste Woche ein Wissenschaftler die Aussage macht, er habe den Schlüssel zur ewigen Jugend gefunden.
Könnte man nicht anstelle das Wetter auf dem gesamten Planeten zu steuern, auch schwimmende Städte bauen und mit diesen dorthin schwimmen, wo das Wetter besser ist? Man müsse dann nur etwas bessere Wettervorhersagen haben als heute.
Die meisten deiner Ausführungen machen durchaus Sinn.
Vom vertical Farming bin ich nicht so ganz überzeugt, da ich mir nicht vorstellen kann das dies kostengünster wäre, und ich sehen auch nicht dass das Faktum dass der Preis die größte Rolle spielt sich in absehbarer Zeit ändert.
Das es eines Tages 1000 Jahre alte Menschen geben wird die aussehen wie 25, davon bin ich fest überzeugt. Das einer von ihnen schon heute lebt glaube ich allerdings nicht. Erstens, da es vermutlich einfacher ist einen neu geborenen Menschen genetisch entsprechend auszustatten als einen alten zu verjüngen. ( So wie es aussieht sind diverse Alterungsprozesse irreversibel. ) Und zweitens weil es davor entsprechende Langzeitstudien im Tierversuch braucht, ob die Genmanipulationen tatsächlich halten was sie versprechen. Denn wie du schon erwähnst ist es nur ein kleiner Schritt vom unsterblichen Gewebe zum unkontrolliert wachsenden Krebsgeschwür. Und drittens sind wir nicht sehr weit davon entfernt auch nur in Ansätzen zu verstehen wie wir das anstellen sollten. Die Genetik erweist sich doch als erheblich komplexer als wir das anfangs gedacht hätten. Jede bisherige Neuentdeckung ( multiple Codierungen, springende Gene, Epigenetik, etc. ) hat uns nur gezeigt dass der weg zum vollständigen Verständnis dieses Systems noch viel viel weiter ist als wir zu träumen gewagt hätten.
Andererseits erwarte ich doch das ich noch mit einer Maschine eine Unterhaltung führen kann. Vielleicht mit meinen Geriatrobot 😉