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Was bedeutet das Wort „Musth“?
Musth ist ein Wort persischen Ursprungs und wird mit „Zustand der Vergiftung“ übersetzt. Mit dem Wort „Musth“ bezeichnet man ein anormales Verhalten oder das Benehmen eines Betrunkenen.
Was ist die Musth?
Die Musth stellt in der Elefantenbullenhaltung ein herausragendes Problem dar. Die Elefanten-Musth lässt sich als eine periodische Verhaltensänderung bei Elefantenbullen umschreiben, die von einigen Tagen, Wochen bis zu einigen Monaten dauern kann. Diese Verhaltensänderung hat hormonelle Gründe. In der Musthperiode produziert ein Bulle 40 bis 60-mal mehr Testosteron (männliches Geschlechtshormon) als in der Non-Musth-Zeit. Dieses Phänomen tritt meines Wissens nur bei Elefantenbullen, insbesondere bei asiatischen Elefantenbullen, auf.
Die Musth verändert den Charakter eines männlichen Elefanten auf verschiedenste Art und Weise:
Physische Veränderungen sind:
- Geschwollene Schläfen- oder Temporaldrüsen
- Geschwollener Rüsselansatz
- Austreten einer öligen Flüssigkeit aus den Schläfendrüsen, die eine schwarze Rinnspur über die Wangen zu den Mundwinkel zeichnet
- Penetranter Geruch nach Schweiss und Urin
- Dauerndes Urintröpfeln und von Urinspritzern nasse Hinterbeine
- Kein Ausschachten des Penis
- Penisvorhaut verfärbt sich weiss-grünlich
Psychische Veränderungen sind:
- Ein verschlossenes und in sich gekehrtes Verhalten
- Aggressive Ausbrüche, gegen andere Elefanten und Pfleger, wenn sich der Bulle gestört fühlt
- Verträgt keinen Lärm und hektische Bewegungen
- Reagiert im täglichen Umgang kaum auf gewohnte Kommandos des Pflegers
- Er versucht, auch vertraute Elefanten und Menschen zu attackieren
Was bedeutet Musth bei der Pflege?
Diese Merkmale erschweren den täglichen Umgang mit dem Bullen erheblich.
Für den Elefantenpfleger ist es auch sehr demotivierend mit einem in sich gekehrten, extrem aggressiven und alles ablehnenden Elefanten zu arbeiten, der ihm eigentlich nur nach dem Leben trachtet.
Warum ist Musth gefährlich?
Die Gefährlichkeit der Musth liegt für den Elefantenpfleger und den Elefantenkühen darin, dass der Bulle zuerst meistens keine äusseren physischen Musthmerkmale zeigt! Das ist einer der Hauptgründe, warum der Elefantenbulle in einem speziellen Bullenstall, wo kein direkter körperlicher Kontakt zum Pfleger und den Elefantenkühen besteht, untergebracht sein sollte. Würde der Bulle wie eine Elefantenkuh gehalten, wäre ein schlimmer Unfall absehbar.
Kann der Beginn der Musth voraus gesagt werden?
Ist Musth die Brunft der Bullen?
Die Meinung vieler Zoobesucher, ein Musthbulle sei in der Brunft, ist absolut falsch. Musth hat mit der Brunft nichts gemein. Die Elefantenbullen kennen keine Brunft wie Hirsche oder Antilopen, da der Oestruszyklus der weiblichen Elefanten nicht saisonal gebunden ist.
Ist der Musthbulle bei der Elefantengruppe?
Da die Musth nichts mit einer Brunft zu tun hat, ist es angebracht den Bullen während der Musth nicht mit den Elefantenkühen zusammen zu lassen. Das Risiko, dass der Musthbulle die Kühe und ihre Kälber angreift, weil sie ihn aus irgendeinem Grunde verärgern, ist zu gross. Die Unkontrollierbarkeit des männlichen Elefanten in der Musth durch die Elefantenpfleger und die sehr beschränkten Platzverhältnisse in einem Zoo gäben den Kühen und Elefantenkälbern kaum eine Chance sich in Sicherheit zu bringen.
Was ist der Sinn der Musth?
Über den Sinn und Zweck der Musth ist eigentlich nichts bekannt.
Die Musth scheint ein Rudiment aus der prähistorischen Zeit der Elefanten zu sein das sich bis in die Moderne gehalten hat.
Kann man die Musth verhindern?
Da die Musth keine Krankheit ist, kann sie auch nicht verhindert oder behandelt werden. Die Musth gehört zum natürlichen Verhalten des Elefanten. Ich vermute, dass es dem Bullen in der Musth unwohl ist und er seine Ruhe haben möchte. Ob er Kopfschmerzen hat, wenn er den Kopf ans Gitter presst, oder ob er einfach wütend und schlecht gelaunt ist weiss ich nicht. Aber sicherlich schmerzt ihn, die vom stetigen Urintröpfeln gereizte Haut der Hinterbeine und er kann hektische Bewegungen und Lärm nicht ausstehen.
Die Musthperiode des Zürcher Zuchtbullen „Maxie“ ist fast immer im Winter. Dies liess die Idee aufkommen, dass die Musth mit dem Licht und somit der Bestrahlung der Hypophyse in Verbindung stehen könnte. Leider wurde diese Idee nicht mehr weiter verfolgt.
Was bedeutet Musth für die Arbeitselefanten?
Bei Arbeitselefanten bedeutet die Musth eines Bullen natürlich auch einen Lohnausfall für den Mahout. Um diesen möglichst gering zu halten werden Musthbullen brutal behandelt. Mustbullen werden an einem oder zwei starken Bäumen festgebunden und erst wieder von den Fesseln befreit, wenn die Musth vorbei ist. In dieser Zeit bekommen die Bullen kaum Nahrung und Trinkwasser dafür umso mehr Stockschläge. Die Erkenntnis, je schlechter es einem Bullen geht, umso kürzer ist die Musth, scheint sich zu bewahrheiten. So dauert eine Musth bei Arbeitsbullen einige Tage oder Wochen und nicht wie bei einigen Zoo-Elefanten 5-7 Monate. Unsere Ethik und Moral verbietet es allerdings, Zoobullen wie Arbeitsbullen in Asien zu behandeln.
Ein historisches Musth – Drama
Einen historischen Aspekt der Musth zeigt das traurige Schicksal des Murtener Elefanten 1866.