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Thromboseprävention bei ambulanten Patienten mit COVID-19
Gerinnungshemmer zur Vorbeugung von ungeplanten Spitaleinweisungen, Tod und Blutgerinnseln bei (ambulanten) Hochrisikopatientinnen und -patienten mit symptomatischem Covid-19: die OVID-Studie.
Hintergrund
Blutgerinnsel können Covid-19 verschlimmern und zum Tod führen. Im Spital behandelte Patientinnen und Patienten erhalten routinemässig Thrombosemittel zur Vorbeugung von Blutgerinnseln, aber es war unklar, ob Hochrisikopatientinnen und -patienten diese Behandlung auch erhalten sollten. Da die meisten Personen zunächst zu Hause behandelt werden, blieb der potenzielle Nutzen von Thrombosemitteln für diese Gruppe ohne klinische Studien unbestätigt.
Ziel
In der OVID-Studie wurde ein potenzieller Nutzen von Thrombosemitteln bei Covid-19-Patientinnen und Patienten angenommen, der die Zahl der Spitalaufenthalte, vor allem aufgrund von thromboembolischen Komplikationen oder Covid-19 selbst, und die Zahl der Todesfälle bei Patientinnen und Patienten, die Blutverdünner erhalten, verringern könnte. Darüber hinaus untersuchten wir die Auswirkungen von Thrombosemitteln auf die Entwicklung von Blutgerinnseln und auf den Verlauf der Symptome.
Resultate
Soweit wir wissen, ist dies die erste und grösste Studie, in der untersucht wurde, ob die Einnahme des Thrombosemittels Heparin zur Vorbeugung von Blutgerinnseln bei Covid-19-Patientinnen und Patienten beitragen kann, die krank sind und Symptome haben, aber nicht ins Spital eingewiesen wurden. Insgesamt wurden 472 Patientinnen und Patienten in 8 Studienzentren in 2 Ländern (Schweiz und Deutschland) aufgenommen und 90 Tage beobachtet.
Als die Hälfte aller Teilnehmenden inkludiert und die Daten erfasst waren, wurde überprüft, ob die Behandlung gut genug wirkte, um die Studie fortzusetzen. Die unabhängige Gruppe, die die Studie überwachte, empfahl, die Studie vorzeitig abzubrechen. Sie kam zum Schluss, dass die Chancen, in dieser Studie einen eindeutigen Nutzen von Enoxaparin zur Vorbeugung von Blutgerinnseln festzustellen, angesichts der Annahmen zum Studiendesign gering waren. Die Ergebnisse der OVID-Studie zeigten, dass die Verwendung von Enoxaparin das Risiko einer frühzeitigen Spitaleinweisung in keiner Situation verringerte. Das Gesamtrisiko einer frühzeitigen ungeplanten Spitaleinweisung aufgrund von Covid-19 betrug 3,4 %, wobei es keine Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen gab.
Unsere Studie und die Ergebnisse ähnlicher Studien, in denen andere Thrombosemittel verwendet wurden, sprechen nicht für die routinemässige Anwendung von Thrombosemitteln bei Covid-19-Patientinnen und Patienten, die sich nicht im Spital befinden, da dies möglicherweise schwere Komplikationen aufgrund von Covid-19 nicht verhindert.
Ausserdem haben wir gezeigt, dass eine frühzeitige Behandlung mit Thrombosemitteln den Verlauf der Symptome und deren Abklingen nicht verbessert. Obwohl unsere Ergebnisse auf eine Verringerung von Blutgerinnseln bei ambulanten Patientinnen und Patienten mit Covid-19 hindeuten, die Thrombosemittel erhielten (0,4 % gegenüber 1,7 % ohne Thrombosemittel), sind weitere Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.
Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Pandemie
Die Ergebnisse dieser grossen Studie, an der Personen aus verschiedenen Ländern teilnahmen, zeigen, dass die Verwendung des Thrombosemittels niedermolekulares Heparin offenbar nicht verhindern konnte, dass sich der Zustand der Covid-19-Patientinnen und Patienten verschlechterte und sie ins Spital mussten. Ausserdem beschleunigte sie nicht das Abklingen der Symptome, und bei jedem sechsten Patienten traten 90 Tage nach Covid-19 noch Atemwegssymptome auf. Aufgrund dieser Ergebnisse wird die routinemässige Anwendung von Blutverdünnern bei Covid-19-Patientinnen und Patienten, die nicht ins Spital eingewiesen werden, nicht empfohlen.
Originaltitel
Enoxaparin for primary thromoprophylaxis in ambulatory patients with coronavirus: the multicenter randomized controlled ovid trial