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Ab kommendem Jahr, wenn MiFID in Kraft tritt, will die Börse Budapest Brokerfirmen dafür bezahlen, kleine Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung zu beobachten. In einem Nach-MiFID-Umfeld, wenn Analysten ihre ohnehin dünne Abdeckung der Aktien des Landes weiter zurückschrauben dürften, setzt die Börse darauf, dass die Analysen Investoren ermutigen werden, Aktien zu handeln.
Ungarn folgt damit anderen Börsen, wie etwa in Israel, Malaysia und Neuseeland, die Research-Sharing-Systeme auf den Markt gebracht haben, um Starthilfe für Investments zu leisten und das Handelsvolumen anzukurbeln. MiFID bedeutet, dass Banken wohl kaum mehr Geld damit verdienen werden, Analysen über kleine oder unbekannte Unternehmen zu erstellen. Damit entsteht eine Lücke, und europäische Börsen werden stärker erpicht darauf, diese zu füllen, wie Edison Investment Research Ltd. erklärt.
"Werden wir mehr Pläne von Börsen sehen? Natürlich werden wir das", sagt Edisons Neil Shah, Co-Autor einer Studie über die Zukunft der Aktienanalyse, in einem Interview mit Bloomberg. Shah zufolge hilft auch der Anstoss von 2015 an die europäischen Regierungen, mittelgrosse Unternehmen zu unterstützen, den Trend voranzutreiben. Bloomberg LP, die Muttergesellschaft von Bloomberg News, hat mit Edison gemeinsam an der Studie gearbeitet.
Interessenten für den Vertrag mit der Börse gibt es bereits: fünf Börsenmitglieder, darunter OTP Bank, Ungarns grösste Bank, sowie der grösste Broker Concorde Securities, wollen fortlaufende Sekundärmarkt-Kurse und Research für zehn Unternehmen ein Jahr lang anbieten.
Höhere Transparenz, weniger Interessenskonflikte
Die MiFID-Regeln sollen die Transparenz erhöhen und Interessenkonflikte beenden. Sie sehen vor, dass Vermögensverwalter separat von den Handelsaufträgen für Research bezahlen, wenn sie die Dienste von Brokern und anderen Investmentfirmen in Anspruch nehmen. Werden die Analysen kostenlos auf einer Webseite zur Verfügung gestellt, können die Regeln damit wahrscheinlich umgangen werden, sagt Shah.
"Ein Teil der Analysen dürfte auf unserer Webseite verfügbar sein", erklärte die Börse per E-Mail. "Da Marktbetreiber und Börsen im Allgemeinen nicht unter die MiFID II-Regeln für Investmentfirmen fallen, können sie diese Analysen kostenfrei direkt an Marktteilnehmer oder die allgemeinen Öffentlichkeit verbreiten."
Die ungarische Börse ist winzig: auf sie entfällt nur 0,04 Prozent des weltweiten Aktienwertes. Und die Börse Budapest hat zu kämpfen. Einige Unternehmen haben sie bereits verlassen oder beabsichtigen diesen Schritt. Dazu zählen die Investmentgesellschaft Plotinus und das Pharmaunternehmen Egis. Das Handelsvolumen in den 38 an der Börse gelisteten Aktien ist gesunken, nachdem Ministerpräsident Viktor Orban 2010 Vermögen von Pensionsfonds beschlagnahmte, um die Staatsfinanzen aufzubessern.
Zentralbank übernahm Börse
Ende 2015 übernahm die Zentralbank die Börse und sagte, sie wolle versuchen, den Handel anzukurbeln, indem Anteile an Staatsunternehmen privatisiert werden.
"Das ist ein guter Versuch, aber nur die Rückkehr von institutionellen Investoren wie den früheren privaten Pensionsfonds könnte die lokalen Märkte langfristig deutlich verbessern", sagt Janos Samu, Leiter der Analyse bei Concorde. Neben der Belebung des Handels, wäre das auch eine Ermutigung für neue Börseneinführungen.
Eine der seltenen Börseneinführungen in Budapest war nicht verheissungsvoll. Beim Logistikunternehmen Waberer’s International - Ungarns grösstes IPO seit 1998 - sank das Handelsvolumen nach dem Börsengang im Juli. Zuvor waren bereits das Volumen der angebotenen Aktien gegenüber den anfänglichen Plänen heruntergeschraubt worden. Die Aktie notiert derweil unter ihrem Börseneinführungspreis.
(Bloomberg)