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Der Arktische Ozean ist auf der Nordhalbkugel praktisch die Endstation für Mikro- und Makroplastik, das nicht nur regional durch die Fischerei, Abwässer oder Deponien eingetragen wird, sondern auch über Meeresströmungen, Flüsse und Winde in den hohen Norden gelangt. Viele Studien zeigen die starke Belastung des Ozeans, des Meereises, des Meeresbodens und der Küstenbereiche im Atlantischen Sektor. Japanische Forschende haben jetzt eine Studie in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment veröffentlicht, die erstmals in der Tschuktschensee im westlichen Arktischen Ozean die Verschmutzung mit Mikroplastik quantifiziert.
Die Mikroplastikkonzentrationen, die das Forschungsteam in der Tschuktschensee ermittelt hat, sind verglichen mit denen auf der Atlantikseite des Arktischen Ozeans deutlich geringer. Dennoch sind die ermittelten Werte angesichts der großen Entfernung zu menschlichen Aktivitäten erstaunlich hoch.
Durchschnittlich treiben an der Wasseroberfläche in der Tschuktschensee mehr als 5.000 Mikroplastikpartikel pro Quadratkilometer. Zum Vergleich, auf der Atlantischen Seite des Arktischen Ozeans wurden 30-fach höhere, im globalen Ozean zehnfach höhere Konzentrationen nachgewiesen.
In der Tschuktschensee fand das Forschungsteam die höchsten Konzentrationen an der nördlichsten Station in der Nähe der Meereiskante, in der Umgebung von Utqiaġvik (ehemals Barrow) und in der Beringstraße. Die Gesamtmenge des Mikroplastiks in der Tschuktschensee schätzten die Forschenden auf über drei Milliarden Partikel. Allerdings weicht diese deutlich von dem geschätzten jährlichen Eintrag von 18 Milliarden Mikroplastikpartikeln durch die Beringstraße ab.
Über den Verbleib des restlichen Mikroplastiks kann das Team nur spekulieren. Sie vermuten, dass es im Arktischen Ozean weitertransportiert, zeitweise vom Meereis eingeschlossen wird oder zum Meeresboden sinkt. Sie betonen, dass es wichtig ist, zu klären, was mit dem Mikroplastik passiert.
Am häufigsten fanden die Forschenden Fragmente von ehemals größeren Plastikteilen. Fasern, die in anderen Studien meist den größten Anteil ausmachen, erfassten sie nicht wegen möglicher Kontamination durch die eigene Kleidung. Polyethylen ist das am häufigsten verwendete Polymer weltweit und war auch in dieser Studie am stärksten vertreten.
Das marine Ökosystem im Arktischen Ozean ist ohnehin stark belastet durch die globale Erwärmung und den damit einhergehenden Meereisverlust und der Verschiebung von Arten. Die Verschmutzung mit Mikroplastik könnte zusätzlich negative Auswirkungen auf das Ökosystem haben.
Julia Hager, PolarJournal
Link zur Studie: Takahito Ikenoue et al. Horizontal distribution of surface microplastic concentrations and water-column microplastic inventories in the Chukchi Sea, western Arctic Ocean. Science of The Total Environment, Volume 855, 2023. https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2022.159564