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Die parallelen Ausstellungen von Keith Tyson (GB, geboren 1969) und Verne Dawson (USA, geboren 1961) zeigen Werke, die unterschiedlicher nicht aussehen könnten, dennoch kreisen die Arbeiten beider Künstler um die Präsenz von Erklärungsmodellen und Mythen, die unserer Wahrnehmung und damit auch unserer Wirklichkeit zugrunde liegen.
Keith Tyson breitet in vier Räumen ein Universum von Objekten, Gemälden, Fotoarbeiten und Installation-en aus, das in einer Vielzahl von künstlerischen Stilen Elemente unserer Wirklichkeitskonstruktionen und Erklärungsmodelle als Materialisierungen aufscheinen lässt. Philosophie, Wissenschaft, Technologie, Sprache, Beschreibungsmuster für Formen der Natur wie der Kultur sind Ordnungsstrukturen für Wirk-lichkeit. Tyson lässt sie in seinem Labor durch transitorische Formationen und unendliche Listen von Möglichkeiten wandern. Er realisiert Arbeiten, die Chaos und Ordnung, Raum und Zeit, Möglichkeit und Tatsächlichkeit in Beziehung setzen zum Individuum, das als Betrachter vor einer Landschaft der Gleich-zeitigkeit von Mikro- und Makrokosmos steht.
Bei den Arbeiten Keith Tysons befindet man sich zugleich vor Idee und Materialisierung der Bibliothek von Babel, der unendlichen Anzahl von Räumen und Büchern, die wiederum mehrdimensional und unend-lich Räume und Ideen ausbreiten, die vom Schriftsteller Jorge Luis Borges beschrieben wurde. Dieses Universum enthält keine zwei identischen Bücher (oder Dinge), es ist unendlich sowohl in seiner räum-lichen Ausbreitung wie in seiner räumlichen Reduktion, also vielleicht nur Zeit. Man befindet sich aber auch vor dem Bild des Internets, des Nervensystems und Marcel Duchamps konzeptuellen und para-wissenschaftlichen Strategien oder aber auf einem wilden Ritt entlang der Grenzen wissenschaftlicher Modelle die Science Fiction und Realität zugleich sind.