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Der Bischof des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, erachtet die Religionsfreiheit für sehr wichtig und lehnt ein absolutes Burkaverbot ab. Aus Sicherheitsgründen sei es aber nötig, das Gesicht sehen zu können, wenn jemand Behördenkontakt habe.
Auf die Frage, ob ein liberaler Staat auch tolerieren müsse, dass Mädchen im Namen der Religionsfreiheit beschnitten werden, antwortete Morerod mit Nein. «Religions- und Gewissensfreiheit sind zwar überaus wichtig. Aber das heisst nicht, dass man alles tolerieren soll.» Wo genau jeweils die Grenze verlaufe, sei aber oft schwierig festzulegen.
Nach den Worten von Morerod kann der Staat ein Interesse daran habe, die Beziehungen zum Islam zu regeln. Als Beispiel nannte er die Ausbildung der Imame. Indem Priester und Pfarrer ihre theologische Ausbildung an Universitäten erhielten, wisse der Staat, was da gelehrt werde. Bei den Imamen wisse man es nicht.
Es gebe aber auch praktische Probleme. Der Kanton Waadt etwa unterstütze staatlich anerkannte Religionen finanziell. Evangelikale, aber auch Muslime würden sich fragen, warum sie nichts erhielten und was sie dafür tun müssten.
Muslime sollen Rechtsstaat anerkennen
Das Waadtländer Gesetz ermögliche zwar die Anerkennung weiterer Religionen, verlange aber, dass eine Gemeinschaft organisiert sei und den Rechtsstaat anerkenne. Tatsächlich seien einige Muslime in der Waadt damit nicht einverstanden. Für die Mehrheit der Muslime sei das natürlich frustrierend.
Glücklich sei er darüber nicht, dass es Muslime gebe, die den Rechtsstaat nicht explizit anerkennen wollten. «Aber wenn wir Muslimen das Gefühl geben, sie seien schlecht, wenn sie sich von uns nicht respektiert fühlen, ist es vielleicht auch schwierig, von ihnen die Anerkennung unserer Werte einzufordern», sagte Morerod weiter.
Für viele Experten gelte, dass die neueren Korantexte mehr Gewicht hätten als die älteren. «Das Problem ist, dass die älteren friedvoller sind», sagte Morerod. «Es wäre aber auch falsch zu sagen, ein Muslim, der den Koran wörtlich auslegt, sei automatisch eine Gefahr! Auch Muslime wünschen sich ein friedliches Zusammenleben.»
Für Morerod gibt es eine religiöse Motivation, sein Leben für andere zu lassen, wie Jesus dies getan habe. Das sei für Ungläubige zwar nicht völlig unmöglich, aber auch nicht so einfach, weil der Tod für sie das Ende bedeute. Für Christen bedeute Märtyrer zu sein, das eigene Leben zu geben, nicht das Leben der anderen zu nehmen.
Morerod spricht sich gegen Exzesse aus
Morerod äusserte sich im Interview auch zum Liberalismus. Mit einer bestimmten Form des Liberalismus, mit der Profitmaximierung auf Distanz, habe er Mühe. «Sinken die Gewinne, schliesst man Firmen: Die Leute aber, die dabei ihre Stelle verlieren, existenzielle Ängste haben, deren Familien vielleicht auseinanderbrechen, die gehen oft vergessen», sagte der Bischof. «Ich bin zwar ein Befürworter des Wettbewerbs, aber ich bin gegen die Exzesse.» (sda)