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Hintergrund:
Es herrscht Einigkeit darüber, dass es eine positive Korrelation zwischen der Höhe des Blutdrucks und dem Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses gibt. Den Blutdruck kann man auf indirektem Wege seit über hundert Jahren messen. Wie und wann er gemessen werden soll ist auch nach mehr als hundert Jahren noch nicht ganz geklärt. Früher wurde der Blutdruck auskultatorisch erfasst. Heute in der Mehrzahl mit oszillometrischen Methoden. Damit können die Menschen den Blutdruck selbst zu Hause messen.
Einigkeit herrscht auch darüber, dass bei einem Teil der Menschen die Blutdruckwerte in Anwesenheit eines Arztes/einer Ärztin und/oder des Praxispersonals höher sind, als in Abwesenheit der genannten Personen – der »Weisskittel-Effekt«.
Der Vorteil der automatischen Blutdruckmessgeräte ist, dass der Blutdruck in Abwesenheit von Medizinern und Praxispersonal im Wartezimmer oder in einem der Untersuchungszimmer gemessen werden kann – diese Art wird automatisierte Praxis-Blutdruck-Messung genannt. In den USA und Europa wird dies, nach Angaben der Autoren der Arbeit, eher selten gemacht.
In dieser Arbeit werden die Ergebnisse der Arbeiten, in denen der Blutdruck mit automatisierter Praxis-Blutdruck-Messung und mit herkömmlichen Messmethoden verglichen wurden, zusammengefasst.
Einschlusskriterien:
- Studien mit Ergebnissen von automatisierter Praxis-Blutdruck-Messungen im Vergleich zu einem der herkömmlichen Messverfahren in denen zumindest die mittleren Unterschiede und die Streuung um den Mittelwert berichtet wurden.
- Mindestens 30 Probanden eingeschlossen waren (und noch andere technische Kriterien)
Studiendesign und Methode:
Systematic review mit Metaanalyse
Studienort:
Weltweit
Interventionen:
- Vergleich zwischen den verschiedenen Arten der Blutdruckmessung (automatisierte Praxis-Blutdruck-Messung verglichen mit Mittelwerten während des Wachzustandes bei ambulanter Messung; Messungen im Rahmen von Studien oder Routinemessung in der Praxis)
Outcome:
Primärer Outcome
- Unterschied zwischen den Messwerten
Resultat:
- Die Ergebnisse von 31 Studien konnten in den «Systematic review» einbezogen werden.
- Insgesamt wurden in diese Studien 9’279 Probanden eingeschlossen, 4’736 Männer und 4’543 Frauen. Das Alter der Teilnehmer lag im Mittel bei etwas weniger als 60 Jahren.
- In etwa der Hälfte der Studien lag der mittlere systolische Blutdruckwert über 130 mmHg.
- Hauptergebnis: Die systolischen Werte waren (bei Probanden mit einem systolischen Blutdruck >130 mmHg) im Mittel um 14.5 mmHg höher bei der »Routinemessung in der Praxis« oder den »Messungen im Rahmen von Studien« als mit der automatisierten Praxis-Blutdruck-Messung. Dieser Unterschied ist signifikant und auch (sehr) relevant.
- Zwischen der automatisierten Praxis-Blutdruck-Messung und den Mittelwerten der ambulanten Blutdruckwerten während des Wachheitszustandes sind keine relevanten oder signifikanten Unterschiede feststellbar.
Kommentar:
- Wenn man den »Ruheblutdruck« erfassen will, der wegleitend für die Diagnose einer arteriellen Hypertonie ist, dann ist die routinemässige Praxis-Blutdruckmessung in Anwesenheit von Medizinal-Personen keine geeignete Methode. Zu empfehlen ist die automatisierte Praxis-Blutdruck-Messung (ohne Medizinalpersonen) oder die ambulante Blutdruckmessung, während der die Probanden nicht schlafen.
Literatur:
Roerecke M et al. Comparing Automated Office Blood Pressure Readings with Other Methods of Blood Pressure Measurement for Identifying Patients with Possible Hypertension. A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med. doi: 10.1001/jamainternmed.2018.6551.