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Einleitung
S. 5 Am 28. August 430 ist Augustin gestorben - vor 1500 Jahren. Ich bin weit von dem Vorschlage entfernt, die Jubiläen und Gedenktage dieses Jahres noch zu vermehren: der Geist Augustins lebt in den Grundlagen unserer Kultur fort, und er findet auch noch immer seine lebendigen Verehrer unter uns; er bedarf daher keines Kranzes der Erinnerung. Aber ein Versäumnis ist doch nachzuholen: Augustins Biographie ruht auf zwei, freilich sehr ungleichen Fundamenten, auf seinen ,,Konfessionen“ und auf der ,,Vita Augustini“ seines Schülers und Freundes Possidius (Überlieferung hauptsachlich in den kalendarischen ,,Vitae Sanctorum“). Beide werden seit einem Jahrtausend und fort und fort zur Lebensbeschreibung Augustins herangezogen. Aber während die „Konfessionen“ daneben noch eine so großartige und reiche Geschichte haben wie kaum ein zweites Werk der Weltliteratur, gibt es bei uns für die ,, Vita“, die unter dem schweren Schatten der Konfessionen liegt, keine Monographie, ja m. W. nicht einmal eine Übersetzung. Weil sie neben den Konfessionen sachlich und schriftstellerisch dürftig erscheint, glaubte man ihr genug getan zu haben, wenn man ihre Angaben benutzte, sie aber sonst beiseiteschob und sich nicht weiter mit ihr befaßte. Dieses Verhalten ist nicht gerechtfertigt, vielmehr - je häufiger und eingehender man sich mit der ,, Vita“ als selbständigem Schriftwerk beschäftigt, desto höher steigt ihr Wert. Ein Kunstwerk freilich kann man aus ihr nicht machen; aber der Anspruch ihres Verfassers, mit Respekt und Dank gehört zu werden, ist gerechtfertigt. Eben deshalb versuche ich es im Gedächtnisjahr Augustins, eine längst fällige Schuld der deutschen Wissenschaft einzulösen.
Der deutschen Wissenschaft — bei den anderen Kulturnationen steht es insofern anders, als wenigstens zwei von ihnen eine Monographie über die Vita besitzen, die Italiener und die Amerikaner. Jene ist schon 200 Jahre alt und war für ihre Zeit keine üble Leistung;1 diese ist vor nicht langer Zeit erschienen, geht auf die meisten Probleme, um die es sich handelt, ein und ist vortrefflich.2 Bevor ich meinerseits in die Untersuchung eintrete,3 gebe ich einen kurzen Bericht über WEISKOTTEN's Werk.
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S. Aurelii Augustini Hipponensis episcopi Vita autore S. Possidio Calamensi episcopo, ad Mss. Codd. recensita notisque illustrata opera et studio D. Joannis Salinas, Neapolitani, Can. Reg. Lat. ac S. Theol. Lect., Romae, 1731. ↩
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Herbert T. WEISKOTTEN, S. Augustini Vita scripta a Possidio episcopo, edited with revised text, introductions, notes and an English version, Princeton University Press, Princeton, 1919. ↩
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Durch die Beigabe einer Übersetzung hoffe ich schwierigere Stellen geklärt zu haben und zugleich der Schrift eine weitere Verbreitung zu geben. ↩