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«Wir, das Volk…» so steht es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
«We the People» oder übersetzt «Wir, das Volk»: So steht es bereits in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. «Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern» sind die Worte, die Friedrich Schiller den Ur-Schweizern in den Mund legt. So wie die Innerschweizer sich von den Habsburgern unabhängig machten, regt sich auch heute in zahlreichen Regionen wiederum das Volk: Noch ist es gar nicht so lange her, dass sich der Kosovo für unabhängig erklärt hat. In Schottland sind seit längerer Zeit Bestrebungen in dieser Richtung zu spüren. Die Basken und die Katalanen möchten sich von Spanien unabhängig machen. Die Kurden, heute verstreut über verschiedene Staaten, möchten sich auch endlich in einem eigenen Staat wiederfinden. Weitere Beispiele aus der Gegenwart und Vergangenheit sind leicht zu finden. So ist es z. B. noch gar nicht so lange her, dass oberitalienische Gebiete unter dem Namen Padanien einen eigenen Staat gründen wollten: Eine Idee, die heute wieder in Vergessenheit zu geraten scheint.
Was ist eigentlich dagegen einzuwenden, dass sich Gebiete aus einem Staat verabschieden, mit dem sie sich nicht mehr voll identifizieren können? Warum geht heute Spanien so rabiat gegen die Volksbefragung in Katalonien vor? Hat die Zentralregierung einfach Angst, Macht zu verlieren? Anderswo hat man eine scheinbare Gefahr erkannt und die widerspenstigen Landesteile zu «autonomen Regionen» erklärt, ihnen also ein Zückerchen gegeben. Zeigen solche Situationen nicht auch, dass man sich um Minderheiten viel zu wenig gekümmert hat? Wir haben ja Beispiele auch in unserem eigenen Land: Was hat denn der Kanton Bern damals verloren, als er den Jurassiern endlich das Recht zugestanden hat, einen eigenen Kanton zu gründen?
Eine andere Frage ist, was es eigentlich bedeutet, «unabhängig» zu sein: Ein unabhängiger Staat sollte eigenständig sein, autonom und womöglich auch wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen können. Sonst macht eine Loslösung aus einem grösseren Staat keinen Sinn. Er sollte ungebunden und in der Lage sein, sich von bisherigen Gebilden emanzipieren zu können. Unter Umständen kann er seine Zukunft sogar in der Neutralität sehen, so wie es die Schweiz mit Erfolg macht. Wer weiss, vielleicht erleben wir es recht bald, dass sich weitere Staaten von der Europäischen Union loslösen und wie die Engländer mit ihrem Brexit eine neue Unabhängigkeit erlangen?