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Überlegungen zu einer asymmetrischen Wehrtechnologiestrategie
von Franz Betschon*
Teil 3: Finanzielle Tatsachen
Die folgenden Beispiele verwenden Kostenangaben, die – wie schon erwähnt – nicht unbedingt quantitativ genau und vergleichbar richtig sind, sehr wohl hingegen qualitativ. Es werden nicht immer Äpfel mit Äpfel verglichen und andere Kosten, etwa die Betriebskosten, sind nicht immer eingeschlossen. Für die zu ziehenden Schlüsse dürften diese Vereinfachungen aber nicht sehr falsch sein.
- Ein US-Soldat kostet pro Jahr ca. 1 Mio Fr., ein „Taliban“ höchstens zehntausend Fr. (= 1/100), ein Schweizersoldat (A61), der nach 4 Wochen dieselbe Leistung erbringen konnte, auf das Leistungsäquivalent umgerechnet höchstens Fr. 100’000 bis Fr. 150’000 (1/20 bis 1/10) davon. Beim Vergleich von Heeresgrössen müssen Leistungsäquivalente verglichen werden und nicht Korpskontrollbestände, also total geleistete Militärdiensttage pro Jahr. Dahinein sind auch die Investitionen gerechnet. Dass durch Bestandesreduktion allein die Gesamtkosten nicht wesentlich gesenkt werden können, kann problemlos nachgewiesen werden. Der Kostenvorteil der Taliban ist naheliegend, derjenige des Schweizer A61-Mannes entsteht erst, wenn das Milizprinzip mit seiner überragenden zivilen Vorbildung verstanden wird und zusätzlich die kluge Schichtung durch die verschiedenen Heeresklassen begriffen worden ist. Die zivile Vorbildung kostet die Milizarmee überhaupt nichts, in Profiarmeen bezahlt sie das Verteidigungsbudget. Genau so wenig bezahlt der Staat in der Schweiz die Ruhephasen der Milizarmee.
- Ein Militärtransporter A400M von EADS dürfte am Ende ca. 210 Mio Fr. kosten. Ein ukrainisches Produkt, die Antonov AN-70, das zu einer Gemeinschaftsentwicklung hätte werden können, deutlich weniger als die Hälfte! Die AN-70 hatte schon zum Entscheidungszeitpunkt (1991) alle Pflichtenheftvorgaben erfüllt! Nur mussten es eben EADS-Bananen sein! Antonov hätte sofort seinen Know how-Vorsprung und die Erfahrung mit Grosstransportern einbringen können. Das Uraltmodell von Boeing, die C-130J kostet immer noch nur ca.75 Mio Fr. Eine Entwicklungsingenieurstunde in der Ukraine dürfte auch heute noch weniger als 50% kosten verglichen mit dem „Westen“. Aber eben: Was nichts kostet kann ja auch nichts wert sein!? Die Ingenieurwissenschaften in der ehemaligen Sowjetunion (heute z.B. Ukraine) waren denjenigen im „Westen“ stets ebenbürtig! Ein Besuch der Moskauer Airshow MAKS, zeigt das. Genau wäre der Preisvergleich erst, wenn die Kosten pro Tonnenkilometer berechnet werden könnten, was aber auf die Schnelle nicht möglich ist, wahrscheinlich aus politischen Gründen aber auch einfach verhindert wird.
- Im Bereich der sogenannten Raketenabwehr, auch Raketenschirmprogramm genannt, sind seit 1990 schon mehr als 200 Milliarden Fr. ausgegeben worden, ohne dass es seine Wirksamkeit je bewiesen worden wäre. Die gestellte Zielsetzung ist technisch ohnehin nicht erreichbar („kann man eine Gewehrkugel mit einer anderen Gewehrkugel treffen?“). Dennoch wird weiterhin so getan, als ob so eine Erhöhung der Sicherheit für gewisse Räume erreicht werden könnte. Das Projekt eines deutsch-amerikanisch-italienischen Raketenabwehrsystems MEADS, das die Patriots ersetzen sollte, ist jetzt finanziell auch schon wieder notleidend. Der militärisch-industrielle Komplex lässt grüssen!
- Für bemannte Kampfflugzeuge, die in der Schweiz beschafft wurden oder für eine Beschaffung diskutiert werden, gelten folgende Zahlen („Hausnummern“, nominell):
Flugzeugtyp Wann Preis pro Flz in CHF
(„Hausnummer“)
Vampire 1950 1 Venom 1954 1.2 Hunter 1959 9 Mirage 1968 25 Tiger 1979 20 F/A-18 1988 60 Gripen NG 1990 50 F-22 Raptor 2005 200 Eurofighter (Oe) 2006 80 MiG-29K (Indien) 2010 50 F-35 2010 113 Eurofighter (CH) 2012 80-100 Gripen NG 2012 80-100 Rafale 2012 80-100
- Entwicklung von Jagdflugzeugpreisen: Man sieht deutlich die Auffächerung in die teuren Entwicklungen im Westen und die Suche nach Auswegen in anderen Ländern.
Alle diese Typen können derselben Entwicklungslinie zugeordnet werden, sie waren alle ursprünglich als Jäger konzipiert worden. Eine Ausnahme bildet der F-5E Tiger II. Russische Flugzeuge profitieren von den deutlich geringeren Produktionskosten in ihrem Land. Es bleibt bei der generellen Feststellung, dass sich die Kosten der westlichen Jagdflugzeuge in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts verzehn- bis verzwanzigfacht hatten. Die Vertreter der Luftwaffe werden dem entgegenhalten, dass sich der Luftkrieg eben so entwickelt habe, denn der „Gegner“ stelle gleiche Flugzeuge in der Schlacht (die nie stattfindet!), und denen müsse man mit gleich langen Spiessen begegnen. Wer der Gegner ist, definieren sie untereinander selber, und damit machen alle denselben Überlegungsfehler. Wer weiss schon, dass „der Raumschutz“ für das WEF Davos von PC-7 Flugzeugen geflogen wurde und nur übungshalber F/A-18 auf Alarmstandorten bereit gehalten wurden? Genau genommen haben seit dem Korea Krieg nirgends mehr Luftschlachten unter ebenbürtigen Gegnern stattgefunden. In Indochina erlitten die Alliierten ihre grossen Verluste nicht in Luftkämpfen, sondern durch die gegnerische Kanonenflab und im Mittleren Osten nützten sich ihre Potenziale durch den Luft-Bodenkrieg selber ab, ohne fliegerisch wirklich gefordert worden zu sein.
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* Franz Betschon, Dipl. Masch. Ing. ETH, Dr. sc. Techn. ETH durchlief eine Industriekarriere und sitzt heute in diversen Verwaltungsräten. Er hat mehrere Bücher über Sicherheitspolitik verfasst. Militärisch war er u.a. Chef Sektion Operationen im Stab FF Trp, USC Log im Stab FF Trp und zuletzt Gst Of im Stab USC ND im Range eines Oberst i Gst.
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Der nächste Teil beschäftigt sich mit dem „Sicherheitspolitischen Bericht„