Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03628.jsonl.gz/300

von Dr. Martin Tomasik
Glücklich sein kann ansteckend wirken. Wenn wir sehen oder hören, dass andere glücklich sind, dreht sich häufig auch unsere Stimmung zum Besseren. Das zeigt einmal mehr, dass wir Menschen soziale Wesen sind und als solche auch sehr gut nonverbal kommunizieren können. Doch können wir auch riechen, wenn andere glücklich sind? Können wir also ausser als mit unserem Seh- und Gehörsinn Emotionen wahrnehmen und wenn ja, wie gut sind wir darin? Ein internationales Forscherteam aus den Niederlanden, der Türkei und aus Portugal hat eine aufwändige psychologische Studie durchgeführt, um eben das herauszufinden.
Die Studie wurde in zwei Schritten durchgeführt. Im ersten Schritt wurden einer Gruppe (männlicher) Studienteilnehmer jeweils 30 Minuten lang Filme und Filmausschnitte vorgeführt, die eine unterschiedliche emotionale Färbung hatten. Ein Drittel der Filme hatte ein glückliches Thema, ein anderer Teil war Furcht einflössend und ein dritter Teil emotional neutral. Während die Studienteilnehmer diese Filme schauten, trugen sie unter den Achseln jeweils eine Saugkompresse, wie sie normalerweise für die Wundversorgung verwendet wird. Mit diesen Kompressen wurde der bei der Betrachtung der Filme entstehende Körpergeruch aufgenommen und konserviert. Den Studienteilnehmern war zunächst nicht bewusst, zu welchem Zweck diese Kompressen anschliessend verwendet würden.
Im zweiten Schritt wurde dann untersucht, wie eine Gruppe (weiblicher) Studienteilnehmerinnen auf die unterschiedlichen Geruchsproben reagierte. Während sie an den Kompressen rochen, wurden drei Tests durchgeführt, die sowohl bewusste als auch unbewusste Reaktionen der Studienteilnehmerinnen erfassten. Erstens wurden feinste Bewegungen der Gesichtsmuskulatur erfasst und danach klassifiziert, ob sich eher ein Lächeln andeutete oder aber eher die Augenbrauen zusammengezogen wurden. Beides sind gültige Anzeichen, wie sie in der Emotionsforschung zur Klassifikation von unbewusstem gefühlsbezogenem Verhalten verwendet werden. Zweitens wurden den Studienteilnehmerinnen Buchstaben vorgesetzt, die aus anderen kleineren Buchstaben zusammengesetzt waren (z.B. ein H bestehend aus vielen kleinen Gs). Die Studienteilnehmerinnen sollten andeuten, welchen der Buchstaben sie bevorzugen. Dabei ist aus der Emotionsforschung bekannt, dass glücklichere Menschen eher „auf das grosse Ganze“ schauen (also in dem Beispiel auf das H), während unglücklichere Menschen sich gerne „im Detail verlieren“ (also hier das G bevorzugen wurden). Drittens sollten die Studienteilnehmerinnen 12 ihnen unbekannte chinesische Schriftzeichen einschätzen und sagen, ob ihnen diese angenehm oder unangenehm sind. Glücklichere Personen neigen dabei normalerweise dazu, solche Schriftzeichen als angenehmer einzuschätzen. Nachdem diese drei Tests abgeschlossen waren, fragten die Forscher noch nach einer direkten Einschätzung der Geruchsprobe, ob diese angenehm oder unangenehm war und wie intensiv sie diese empfanden.
Die Ergebnisse der Studie waren erstaunlich klar. Bei den Tests, die eine sprachliche Reaktion erfordert haben, zeigten sich keine Unterschiede bei der Einschätzung der verschiedenen Geruchsproben. So wurden die chinesischen Schriftzeichen immer als gleich angenehm oder unangenehm beurteilt und die Studienteilnehmerinnen unterschieden sich auch nicht bei der Einschätzung der Geruchsprobe selber, wenn sie diese als angenehm bzw. intensiv beurteilen sollten. Eindeutige Unterschiede dagegen gab es bei den unbewussten Reaktionen in der Gesichtsmusklatur und bei der spontanen Bevorzugung „für das grosse Ganze“. Wenn den Studienteilnehmerinnen eine Geruchsprobe dargeboten wurde, die während eines glücklichen Films gesammelt wurde, neigten sie häufiger zum Lächeln und zogen ihre Augenbrauen seltener zusammen. Ausserdem zeigten sie eine klare Bevorzugung für das „grosse Ganze“, was auf eine bessere Stimmung hinweist. Bei den Geruchsproben, die während der Furcht einflössenden Filme gesammelt wurden war das Gegenteil der Fall.
Die Ergebnisse der sorgfältig durchgeführten Studie sprechen offenbar dafür, dass wir tatsächlich für Geruchsinformationen sensibel sind. Dass trifft wohl aber nur dann zu, wenn wir diese Informationen nicht erst in Worte fassen müssen, sondern lediglich unterbewusst verarbeiten. Diese Studie ist weltweit die erste, die diesen faszinierenden Zusammenhang aufzeigt, so dass es noch mehr Studien brauchen wird, um beispielsweise zu zeigen, ob Frauen besser als Männer in der Erkennung von Emotionen am Geruch sind (vermutlich nicht) oder welche chemischen Signale diese Information tatsächlich transportieren (vermutlich Abbauprodukte von Adrenalin). Dieses Wissen ist nicht nur an sich interessant, sondern kommt in Zukunft vielleicht auch therapeutisch zur Anwendung.
Quelle:
de Groot, J. H. B., Smeets, M. A. M., Rowson, M. J., Bulsing, P. J., Blonk, C. G., Wilkinson, J. E., et al. (in Druck). A sniff of happiness. Psychological Science. doi:10.1177/0956797614566318
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
Verwendung und Vervielfältigung in jeder Form, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Autors.