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Der Tag ist grau, hartnäckiger Regen schlägt gegen die Scheiben, und auf dem Nachhauseweg habe ich Geschichten aus dem Leben von Verlaine gelesen … Auf die Frage: „Sind Sie arm?“, die man mir gestellt hat, möchte ich am liebsten antworten: „Emir, ich dichte …“. Doch genau in dem Moment fällt mein Blick auf die Glühbirne, und das lenkt meine Gedanken auf eine Menge Dinge: die moderne Zeit, das Jahrhundert, in dem wir uns bewegen, die Hygiene, der Kampf gegen den Alkohol, Theorien zur vegetarischen Ernährung und so weiter. Augenblicklich begreife ich, dass ich in meinem Jahrhundert leben muss. Deshalb mache ich der Romantik, mit der mich das Regenwetter und Verlaine angesteckt haben, den Garaus, setze mein sorglosestes Lächeln auf (ich habe viele Arten) und antworte: „Nicht schlecht, Emir, ich komme durch.“
Da schlägt mir der Emir vor: „Warum übernehmen Sie nicht die Kolumne Für die Frau in der Zeitschrift La Nota?“
Ich werfe dem Emir den wütendsten aller Blicke zu, dessen ich fähig bin (ich habe viele Arten). Schlagartig kommen mir Titel in den Sinn wie die Plaudereien unter Frauen, Damengespräche, Feminin, Die geheimnisvolle Dame … all diese ehrenwerten Rubriken für die orientierungsbedürftige Freundin, die man unter die Fittiche nimmt. „Emir“, protestiere ich, „ich koche am liebsten zu Hause, dann, wenn es mir gerade passt oder ich meinen Schatz erwarte und Lust habe, etwas besonders Leckeres zuzubereiten.“
Nun wird es dem Emir allmählich zu bunt. Er redet auf mich ein, sagt was weiss Gott nicht alles, spickt seine Erklärungen mit ein paar Schmeicheleien und überzeugt mich schliesslich davon: Der Emir braucht für seine Kolumne Für die Frau ein Genie, und ich glaube selbst dieses Genie zu sein. Ich zücke meinen Handspiegel und überprüfe, ob ich wirklich ich selbst bin, und sehe mich tatsächlich ganz unverändert.
Nun gut. Ich entschliesse mich also, die Kolumne Für die Frau zu übernehmen. Ich will niemandem dafür die Schuld zuschieben. Die Orientalen sind Fatalisten. Martín Fierro war es ebenfalls. Und das weibliche Geschlecht ist gewohnheitsmässig resigniert.
Am 28. März 1919 erscheint die Auftaktkolumne Für die Frau. Das ist der erste Teil davon. Storni berichtet von der Anfrage durch den Chefredaktor. Der ironische Tonfall wird ein Markenzeichen von Stornis Kolumnen.