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HIV-Übertragung während HIV-Therapie – weiterhin unwahrscheinlich
Die Eidgenössische Kommission für AIDS Fragen hat im Januar 2008 öffentlich gesagt, was bisher nur hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wurde. Unter einer guten HIV-Therapie kommt es nicht zur HIV-Übertragung. Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr zeigt sich, dass das Statement so falsch nicht war, wie manche sich gewünscht hätten. Eine neue Spanische Studie bestätigt dies erneut.
Die Autoren der Spanischen Studie interessierte die Frage der HIV-Übertragung unter Therapie. Untersucht wurden heterosexuelle Paare, bei denen der (Index-) Partner HIV-positiv war. Die Autoren präsentieren ihre Arbeit als Kombination einer Querschnittstudie und einer Longitudinalstudie (Beobachtungsbeginn zum Zeit der Querschnittuntersuchung). Um in die Studie aufgenommen zu werden, durfte der negative Partner durfte keinen anderen Sexualpartner haben.
Bei Studienbeginn waren 9.2% der Partner von 476 Indexpersonen, die keine Therapie nahmen, bereits HIV-positiv. Unter den 149 Paaren, bei denen die Index-Person zum Zeitpunkt der Querschnittserhebung eine HIV-Therapie einnahm, war keiner der Partner HIV-positiv, unabhängig von der Qualität und der Dauer der Therapie respektive der Partnerschaft. Dies als erster Hinweis auf die gute Wirkung einer HIV-Therapie.
Während der prospektiven Phase wurden die Paare, bei denen der Partner zu Beginn noch HIV-negativ war, in drei Gruppen eingeteilt:
- Paare, die Sex ohne Kondom hatten und bei denen die Indexperson KEINE Therapie nahm
- Paare, die immer Kondome verwendeten, und ebenfalls nicht unter Therapie waren
- Paaren, bei denen die Indexperson eine HIV-Therpie nahm, wobei die Wirksamkeit der Therapie und die regelmässige Tabletteneinnahme nicht berücksichtigt wurden. Bei diesen Paaren wurde dann auch der Kondomeinsatz untersucht.
Als Endpunkt untersucht wurden die Schwangerschaftsrate und die Infektionsrate sowie die Anzahl ungeschützter Sexualkontakte pro Gruppe.
Resultate in den drei Gruppen

Kein Kondom

Immer Kondom
Keine Therapie

+/- Kondom
|Anzahl Paare
|341
|294
|144
|Sexualkontakte mit/ohne Kondom
|11’000 ohne
|42’000 mit
|7’000
|Kondom gerissen
|—
|137
|—
|Schwangerschaft
|50
|–
|47
|Partner HIV-positiv
|5
|1
|0
|Risiko pro Sex-Akt ohne Kondom
|0.04%
|0.7%
|0 (95% CI: <0.05%)
Die Tatsache, dass bei den behandelten Paaren 47 Schwangerschaften beobachtet wurden, heisst, dass diese Gruppe relativ häufig auf das Kondom verzichtet hat. Wie die Tabelle zeigt, ist es enorm schwierig etwas zu beweisen, was nie eintritt. Auch wenn wir unter den Paaren mit behandeltem Indexpartner, unabhängig von der Qualität der Therapie (vollständige Suppression, regelmässige Tabletteneinnahme) nach über 7000 geschätzten Expositionen keine Ereignisse beobachten, so bleibt das 95%-Vertrauensintervall gross. Auch wenn wir selbst bei 10’000 Paaren nach 5 Jahren Beobachtung keine Transmission dokumentieren könnten, kann man nie eine 100% Sicherheit bestätigen. Dies ist der Grund, weshalb die EKAF in ihrer damaligen Beurteilung vor 3 Jahren zum Schluss kam, dass die Sicherheit für den normalen Alltag ausreicht, um von einer guten Schutzwirkung der Therapie auszugehen.
Wir danken dem Leser, der uns am 18.5.11 auf einen (jetzt korrigierten) Fehler in der Tabelle aufmerksam machte. In der untersten Zeile Spalte 3 war fälschlicherweise noch Zahl 7%. Korrekt ist 0.72% (1/137). Die Zahl 0.07 (7%) war das relative Risiko einer HIV-Infektion beim Kondomgebrauch, verglichen mit Sex ohne Kondom (ohne HIV-Therapie).