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Die Zahl der Toten und Verletzten werde voraussichtlich noch deutlich steigen, sagte Tohá. «Wir haben viele vorläufige und noch nicht offiziell bestätigte Informationen, die darauf hindeuten, dass wir noch viel höhere Zahlen erreichen werden». Die Innenministerin sprach mit Blick auf die zu erwartenden Opferzahlen von der wahrscheinlich schlimmsten Notlage in dem südamerikanischen Land seit dem schweren Erdbeben im Jahr 2010. Damals waren mehr als 520 Menschen ums Leben gekommen.
Die Forstbehörde registrierte am Sonntag im ganzen Land 159 Brände auf einer Fläche von insgesamt knapp 28 000 Hektar. Tausende Häuser seien beschädigt oder zerstört, allein in der Region Valparaíso seien es mehr als 3000, sagte Tohá. Die Region westlich der Hauptstadt Santiago, wo nach Angaben der Regierung etwa 1,8 Millionen Menschen leben, ist am schwersten von den Bränden betroffen. Nahe der Küstenstädte Valparaíso und Viña del Mar habe sich ein Brand auf eine Fläche von etwa 9600 Hektar ausgeweitet, hiess es.
Bereits am Freitag hatte Präsident Gabriel Boric wegen der Katastrophe den Ausnahmezustand in den betroffenen Gebieten erklärt, um alle nötigen Ressourcen mobilisieren zu können. Nun habe er das Verteidigungsministerium angewiesen, mehr Militäreinheiten einzusetzen. «Unsere Priorität ist es, Leben zu retten», sagte Boric am Samstag. Er kündigte an, noch am Sonntag selbst nach Valparaíso reisen zu wollen.
Es werde untersucht, ob die Brände möglicherweise absichtlich gelegt worden seien, sagte Boric weiter. Er kündigte Ermittlungen an, «obwohl es schwer vorstellbar ist, wer solch eine Tragödie und so viel Schmerz verursacht». Nach Angaben der Innenministerin lagen der Regierung im Fall des Brandes nahe Valparaíso «ernstzunehmende Informationen» vor, dass er vorsätzlich gelegt wurde. Weiter südlich in der Region Maule sei eine Person festgenommen worden, die bei Arbeiten mit einem Schweissgerät einen Brand verursacht habe.
Im Sommer auf der Südhalbkugel kommt es in Chile immer wieder zu schweren Waldbränden. Im vergangenen Jahr brannten im Zentrum und im Süden Chiles mehr als 425 000 Hektar Land ab - das entspricht in etwa der achtfachen Fläche des Bodensees. Mindestens 26 Menschen kamen ums Leben.