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Jahrelang schien die Finanzanomalie „Sell-in-May“ über Jahre zu bestehen. Bei dieser Erscheinung, die auch „Halloween-Effekt“ genannt wird, kommt es in den Aktienmärkten im Zeitraum von Mai bis Ende August zu niedrigen oder Negativ-Erträgen. Man sagt, dass Anleger im September wieder investieren sollten, d.h. im Zeitraum September bis April sind die Erträge auf Aktienmärkten durchschnittlich höher.
Ben Jacobsen
Sollten die Finanzmärkte nur leicht vorhersehbar sein, würde diese Art von „Fehlbewertung" oder „Anomalie“ normalerweise direkt ausgeglichen werden. Das bedeutet, dass die Märkte sehr wirkungsvoll sind und der „Halloween-Indikator" in Wirklichkeit nie bestehen könnte, da ihn die Märkte direkt vorhersehen würden. Doch laut den Untersuchungen des Niederländers Ben Jacobsen stellte sich dies als falsch heraus (Edinburgh Business School).Ben Jacobsen
In seiner Abhandlung „The Halloween Indikator, Sell in May and Go Away: Another Puzzle (2001)“ untersuchte Jacobsen 37 auf Kapital gewichtete Indizes aus 19 Ländern (in der Landeswährung).
Der von Jacobsen überprüfte Zeitraum ging von 1970 bis 1998. Jacobsen konnte bei 36 von 37 Indizes einen starken Halloween-Effekt feststellen. Das bedeutet, dass es zu entsprechend höheren Erträgen im Winter und entsprechend geringeren Erträgen im Sommer kommt. Jacobsen hat nach einer Erklärung für diese Unregelmäßigkeit gesucht, jedoch gelang es ihm nicht eine zu finden. Mögliche Gründe könnten die Ausgaben der Verbraucher für Urlaube, Dividenden, Ernten etc. sein, doch keine dieser Gründe konnte beweisen, weshalb die Erträge im Sommer durchschnittlich höher waren.
Da Jacobsens Untersuchungen nur bis 1998 stattfanden, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, ein „leichtes“ Update zu diesen Unregelmäßigkeiten vorzunehmen.
Für unsere Untersuchung haben wir die bekanntesten Kapital gewichteten Indizes wie den S&P 500, NASDAQ 100, Bovespa und die größten in Europa wie den FTSE100, CAC40, Xetra DAX und den AEX-Index genutzt. Für alle genutzten Indizes haben wir die wieder-angelegten Indizes verwendet, damit die erhaltenen Dividenden mit eingeschlossen werden.
Die obere Grafik zeigt die Unterschiede zwischen den Buy & Hold Erträgen vom 1. Januar bis 31. Dezember einschließlich der Erträge der Portfolios, mit denen die Indizes am 1. September gekauft und am 30. April verkauft wurden. Für den Hauptindex Griechenlands sieht man einen enormen Negativ-Ertrag. Wenn wir uns die Erträge jedoch näher anschauen, kann man sehen, dass die enormen Negativ-Erträge des griechischen Index fast völlig durch die aktuellen Tumulte, aufgrund der Schulden Griechenlands, verursacht wurden, die im vergangenen Winter zu enormen Verkäufen geführt haben.
Außerdem können wir Negativ-Erträge des „Sell-in-May“ Effekts in der Schweiz, Deutschland und Schweden feststellen, die jedoch nicht von Bedeutung sind. In vielen wichtigen Indizes kann man kaum Unterschiede erkennen. Doch in den USA konnten wir wieder, genau wie Ben Jacobsen, einen positiven Ertrag für den 'Sell-in-May' Effekt sowohl für S&P 500 als auch für NASDAQ100 feststellen. Für den Dow Jones Industrial Average sind die Erträge ebenfalls positiv, aber trotzdem wesentlich geringer als bei anderen US-Indizes.
Außerdem müssen wir anmerken, dass einige der best-gewichteten Unternehmen sowohl im S&P 500 als auch im NASDAQ100 verzeichnet sind. Dazu gehören beispielsweise Google, Apple, Intel und Microsoft. Folglich liegt die Gewichtung der Erträge beider Indizes ein wenig mehr beim Kapital. Für Bovespa konnten wir verhältnismäßig mehr positiven Ertrag in den Sommermonaten feststellen.
Die obere Grafik zeigt die durchschnittlichen monatlichen Erträge über einen Zeitraum von Januar 1980 bis April 2015. Wir konnten feststellen, dass die Erträge in den meisten Monaten verhältnismäßig hoch waren, doch der August hatte im Durchschnitt negative Erträge.
Wenn wir uns die August-Erträge näher anschauen, können wir zwei bestürzende Black-Swan Vorkommnisse im August beobachten: Am 2. August begann der erste Golfkrieg und im August 2008 brach Lehman Brothers zusammen, wodurch enorme Verkäufe verursacht wurden. Wenn wir jedoch beide Jahre ausschließen, können wir immer noch einen leichten Negativ-Ertrag im August feststellen.
Die Sommermonate wiesen im Durchschnitt niedrigere Ergebnisse auf, doch im Laufe der letzten 25 Jahre verursachten zwei der bedeutendsten Black-Swan Ereignisse niedrigere/ Negativ-Erträge im Sommer. Anlegern empfehlen wir jedoch nicht Strategien zu entwickeln, die auf diesen Ergebnissen beruhen.
Die Ergebnisse der Vergangenheit sind nie eine Gewährleistung für die Zukunft, wenn Sie uns jedoch fragen, wann man am besten Aktien kaufen sollte, empfehlen wir im Sommer zu kaufen und sie Ende Januar zu verkaufen.
Ronald Kok
Artikel geschrieben von Ronald Kok, Vorstandsvorsitzender ValueFokus.de