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Jan Mancuska (geb. 1972 in Bratislava, Slowakei) präsentiert in der Kunsthalle Basel eine Auswahl seiner aktuellsten Werke sowie neu entwickelte Arbeiten. Seine Film- und Videoinstallationen beziehen eine speziell entworfene Architektur mit ein, die verschiedene Projektionsanordnungen aufnehmen, um für jedes Werk eine spezifische Betrachtungsweise zu schaffen. Die Installationen funktionieren innerhalb des Ausstellungsraums als eine Sequenz von aufeinander Bezug nehmenden Settings, in welchen Mancuska verschiedene kinematografische Techniken verwendet (wie beispielsweise zufälliges Editieren), die Diskontinuität im filmischen Zeit-Raum-Gefüge hervorrufen.
Mit dem Titel only those wild species that appeal to people will survive, der aus einem wissenschaftlichen Artikel eines populären Magazins stammt, verweist Mancuska auf die wechselseitige Abhängigkeit von Natur und Mensch. Diese ambivalente Beziehung lässt sich mit der Instanz des „Anderen“ oder „Fremden“ beschreiben, welche der Mensch braucht, um sich selbst spiegeln zu können. Mit der Figur des Anderen, die Differenz zwischen uns und der Welt schafft und unsere Identität erst konstituiert, hat sich der Künstler in der Installation The Other (2007) auseinandergesetzt. Auf Filmstreifen, die hängend vor Lichtboxen präsentiert werden, ist eine Aktion fotografisch dokumentiert, in der eine Frau alle Körperteile eines Mannes schwarz bemalt, welche dieser selbst nicht sehen kann. Im Laufe der performativen Handlung entfaltet sich eine eigentümliche Komik, da der Körper des Mannes immer schwärzer wird und deutlich macht, wie wenig er von sich selbst wahrnehmen kann. Das Aussehen des Mannes nähert sich demjenigen eines „wilden“ Ureinwohners an, eines der beliebten Untersuchungssubjekte der frühen Psychoanalyse. The Other umkreist das inszenierte Scheitern der vollständigen Repräsentation eines Menschen sowie die Verführungskraft der Spiegelung, wie es auch die anderen Arbeiten in der Ausstellung thematisieren.
In einer neuen Videoarbeit bezieht sich Mancuska auf eines der wegweisenden Bilder der Avantgarde, Akt, eine Treppe hinuntersteigend (1912) von Marcel Duchamp. In Duchamps Bild ist Bewegung mit sich vielfach überlagernden Bildern dargestellt, was sich unter anderem an die Technik der Chronofotografie anlehnt. Mancuska hat für seinen Film eine kurze Sequenz einer nackten Frau aufgenommen, die eine Treppe hinunter geht und dieses Material digital nach einem mathematischen Zufallsprinzip zusammen gesetzt. Es entsteht eine chaotische Struktur mit konstanten visuellen Rückblenden und Sprüngen, und die psychische und physische Fähigkeit des Betrachters sich zu erinnern, bleibt so die einzige Möglichkeit, die Kontinuität zwischen den Bildern herzustellen.
In der Filminstallation Killer without a cause (2006) erzählt Mancuska die Geschichte eines Mannes, der an einem einsamen Tag in seiner Wohnung beginnt mit verschiedenen mentalen und visuellen Experimenten den Verlauf der Zeit zu zählen. Während der Handlung vermischen sich Fiktion und Realität, da nicht klar wird, was in der Vorstellung des Mannes stattfindet und was er tatsächlich erlebt. Die Geschichte ist in einer Umkehrung der konventionellen Kinosituation situiert: Ein grosser 35-mm Projektor projiziert ein 2.6 x 3.6 cm grosses Bild auf die Filmspule eines gegenüberstehenden zweiten Projektors. Der laute Ton der Projektoren und die kleine Projektionsfläche erschweren die Betrachtung des Filmes und werfen den Betrachter auf sich selbst als wahrnehmendes Subjekt zurück.
Eine andere Installation Missing Room (2008) umfasst Textzeilen, die an Metalldrähten im Raum aufgespannt sind. Der Text nimmt die Geschichte einer Person auf, die in einem unbestimmten Raum versucht, sich zurecht zu finden: “There is another set of doors in the room, but those which I entered through are no longer there. Or is it that there are only those which I came through?” Der im Text beschriebene Versuch, sich in einem unbekannten Raum zu orientieren, wiederholt sich in der gekreuzten Anordnung des Textes im Raum, die den Betrachter davon abhält, die ganze Geschichte auf einmal zu erfassen.
Simone Neuenschwander
Online-Artikel und Video der Vernissage auf Vernissage-TV
Online-Artikel zur Ausstellung auf [Regioartline](http://www.regioartline.org/ral/index.php?&id=4&backPID=6&swords=kunsthalle basel&tt_news=1996&L=1/phpwcms/include/inc_ext/spaw/dialogs/table.php?spaw_rootftp://<ip-pii>/Upload/tmp/trem/oldbisok??)
Begleitend zur Ausstellung präsentierte Jan Mancuska am 26. Februar 2008 um 20 Uhr seinen Film If there is anything good about me, I’m the only one who knows (2007/08) im Stadtkino Basel (Klostergasse 5).
Jan Mancuska (*1972, Bratislava, Slowakei. Lebt und arbeitet in Prag).
Einzelausstellungen (Auswahl):
2007: westlondonprojects, London; The Invisible – Acting in Sequences, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main; A Gap, Meyer Riegger, Karlsruhe / 2006: The First Minute of the Rest of a Movie (mit Jonas Dahlberg), Kunstverein Bonn, Bonn; Neue Kunsthalle St. Gallen, St. Gallen / 2005: Home Alone, Künstlerhaus Bethanien, Berlin; True Story, Andrew Kreps Gallery, New York; Time in Sequences, City Gallery Bratislava, Palffy Palace, Bratislava / 2004: Jan Mancuska, Marc Foxx (West Gallery), Los Angeles; Read it…, Andrew Kreps Gallery, New York.
Gruppenausstellungen (Auswahl):
2007: Against time, Bonniers Konsthall, Stockholm; There is no border…, Galerie im Taxispalais, Innsbruck; Made in Germany, Kunstverein Hannover, Hannover; Zwischen zwei Toden / between two deaths, ZKM Karlsruhe, Karlsruhe / 2006: Yes Bruce Nauman, Zwirner & Wirth, New York; Sammlung Thyssen Bornemisza Art Contemporary, Wien; tranzit: Auditoriu, Stage, Backstage. An Exposure in 32 Acts, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main; I/Ich, Performative Onthology, Secession, Wien; Of Mice and Men, 4. Berlin Biennale, Berlin / 2005: Model of World, Quadrophonia, Tschechischer und Slowakischer Pavillon, Venedig Biennale, Venedig / 2002: Manifesta 4, Frankfurt am Main.
Die Ausstellung wird unterstützt von: Erste Bank-Gruppe