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Eine winzige Insel im englischen Ärmelkanal macht derzeit Schlagzeilen als Auswanderungsziel. Da ich die Insel letztes Jahr selber besuchte und die Schlagzeilen auf einen deutschen Blogger zurück gehen, möchte ich meine Leser hiermit über diese ungewöhnliche – für manche aber hochattraktive – Auswanderungslösung in Kenntnis setzen.
Zudem habe ich einen exklusiven Livestream mit dem deutschen Initiator arrangiert, der am kommenden Montag 14.09 um 18 Uhr ausgestrahlt wird.
Die Kronbesitzung Sark
Sark ist zwar nur 5,5 Quadratkilometer klein, ist aber de facto eine unabhängige Jurisdiktion mit eigener Legislative, Judikative und Exekutive. Möglich ist das durch einen Vertrag aus dem Jahr 1565. Damals sicherte die britische Krone einem Adligen von der Nachbarinsel Jersey das Recht zu, Sark „auf alle Ewigkeit“ unabhängig zu regieren. Im Gegenzug muss er eine feudale Pachtgebühr bezahlen und eine Bürgermiliz unterhalten.
Sark gehört zur Kronbesitzung der britischen Kanalinseln, die von Großbritannien unabhängig sind, sich aber in vielerlei Hinsicht an Großbritanien anlehnen. Guernsey/Alderney/Herm, Jersey und Sark verwalten sich jeweils selbst, sind also für sich genommen sowohl Teil der Kanalinseln als auch drei Jurisdiktionen die jeweils voneinander unabhängig sind. Der Status der Kronbesitzungen ist über Jahrhunderte gewachsen und komplex, oft sogar scheinbar widersprüchlich. Akademiker würden darüber streiten, ob die Inseln als unabhängige Staaten gelten oder nicht.
Fakt ist aber z.B., dass Sark einen eigenen „UN Country Code“ hat und Grossbritannien an dem Status nicht rütteln möchte – da dies sonst Fragen über jede andere britische Kronbesitzung und Ex-Kolonien aufwerfen würde.
Die Insel Sark genießt damit sowohl große Unabhängigkeit, als auch den Vorteil, zu drei wichtigen Verbünden zu zählen. Sark ist Bestandteil der Kanalinseln, eng verbandelt mit Großbritannien, und zudem Teil des britischen Commonwealth. Staatsoberhaupt ist auf dem Papier die Queen, allerdings nicht in ihrer Rolle als Königin, sondern als Herzog der Normandie.
Da das Herrschaftsrecht über die Insel nicht an eine Familie, sondern an den Besitz einer Immobilie gebunden ist, besteht auch nicht das Risiko, das die Grimaldis in Monaco haben. Selbst, wenn es einmal keinen Erben mehr gäbe, besteht der Sonderstatus weiter. Die Immobilie und das Herrschaftsrecht finden dann einfach einen neuen Eigentümer. Einen solchen Wechsel gab es bereits einmal vor knapp 200 Jahren.
Dieser Sonderstatus ermöglicht den derzeit 400 Einwohnern geradezu paradiesische Zustände:
- Es existieren weder Einkommenssteuer, noch Steuern auf Kapitalgewinne, Unternehmensgewinne, oder Erbschaften. Auch eine Mehrwertsteuer gibt es nicht, weswegen sich die Kanalinseln bei Besuchern beliebt gemacht haben für den Einkauf von Elektronik, Schmuck, und Uhren.
- Es gibt auf Sark weder Vollzeitpolitiker noch einen Bürokratenapparat im konventionellen Sinne. Die Parlamentsmitglieder sind unbezahlt und wichtige Staatsfunktionen werden ehrenhalber oder auf Basis von Teilzeitverträgen erledigt. Als Konsequenz ist die jährliche Steuererklärung der Bewohner nur eine Seite lang. Als Steuerzahler muss man lediglich zwei Felder ausfüllen.
- Sark bietet in vielerlei Hinsicht libertäre oder zumindest geschäftsfördernde Rahmenbedingungen. So gibt es kein Arbeitsrecht, weswegen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeden ihnen genehmen Vertrag unterschreiben dürfen. Finanzdienstleister werden unter dem Recht der professionellen, aber geschäftsfördernden Aufsichtsbehörde der Nachbarinsel Guernsey reglementiert.
Sark hat zudem eine traumhafte Landschaft (Bilder von meinem eigenen Besuch im Juni 2019), die jedes Jahr zwischen April und September Scharen von Touristen anzieht. Die Kriminalitätsrate ist extrem niedrig. Wer gerade seinen Geldbeutel zuhause vergessen hat, lässt in den Geschäften einfach anschreiben.
Es ist Leben wie anno dazumal.
Verdopplung der Bevölkerung geplant
Für eine derartige Jurisdiktion könnte man extrem hohe Immobilienpreise und lange Wartelisten potentieller Einwanderer erwarten. Doch das Gegenteil ist der Fall:
- Die Immobilienpreis sind seit 2008 um 50% gefallen.
- Die Regierung möchte die Bevölkerung von 400 auf 800 bis 1000 Einwohnern glatt verdoppeln, es werden aktiv neue Bewohner gesucht.
Lokale Politik, schlechte Planung und mangelnde Vermarktung haben dazu geführt, dass das Durchschnittsalter der „Sarkees“ derzeit über 60 liegt, verglichen mit 42 in Großbritannien. Der Insel droht der demografische Kollaps. Von den rund 400 Immobilien auf der Insel sind derzeit rund 150 nicht bewohnt.
Swen Lorenz, der Autor zweier Blogs und langjähriger Bewohner der Insel, möchte das ändern. Auf seiner Webseite www.swen-lorenz.com bietet er sein wenigen Wochen ein Info- und Servicepaket für eine Einwanderung nach Sark an. Seine investmentbezogene Seite, www.undervalued-shares.com, beschreibt die Chancen von Immobilieninvestment. Dort steht jetzt die grösste Reform des Immobilienmarktes seit 1607 an. Bislang sind Hypotheken illegal, bald werden sie aber erlaubt sein.
Ungewöhnlich dabei ist: Der Seigneur, das adlige Staatsoberhaupt der Insel, unterstützt Lorenz bei dem Vorhaben.
Christopher Beaumont, der 23. Seigneur der Insel und Inhaber des feudalen Lehenswesens, gab dem Auswanderungsservice in der BBC sowie den beiden lokalen Zeitungen seinen Segen. Siehe hierzu u.a.:
Wie Lorenz schreibt, können neue Einwanderer sogar eine persönlich geführte Tour des Anwesens des Seigneurs bekommen. Das adlige Staatsoberhaupt, der neulich auch in DER SPIEGEL erschien , möchte die neuen Einwohnern kennenlernen und über die Inselkultur informieren.
Die wichtigsten Fakten
Was wird geboten und wie kann man sich die Situation zunutze machen?
Einwanderung: Bürger der EU/EEA/Schweiz können bis zum 31.12.2020 mit minimalsten Auflagen nach Sark einwandern. Wer eine Immobilie mietet oder einen „Leasehold“ oder „Freehold“ kauft, gilt als ansässig. Das Gesetz sagt, dass man auf Sark ansässig ist, wenn einem eine Wohnimmobilie „zur Verfügung steht“. Die billigsten Mietimmobilien kosten rund 7.000 Pfund pro Jahr, für ein Herrenhaus mit 5 Schlafzimmern werden um die 30.000 Pfund Miete pro Jahr fällig. Wer vor dem 31.12.2020 einwandert, kann bis zum 30.6.2021 den sogenannten „pre-settled status“ beantragen, wofür ein kurzes Formular ausgefüllt werden muss. Nach Erteilung des Status, der als Teil der Brexit-Regelungen ausgearbeitet wurde und von Sark im Rahmen der bilateralen Verträge mit Großbritannien übernommen wurde, kann man 5 Jahre auf der Insel bleiben und danach das dauerhafte Einwohnerrecht sowie auch die Staatsbürgerschaft der Kanalinseln annehmen. Die Staatsbürgerschaft der Kanalinseln ist weitgehen deckungsgleich mit der von Großbritannien, würde aber nicht unter eine globale Besteuerung durch Großbritannien fallen, sollte diese je eingeführt werden – denn die Kanalinseln haben ja ihr eigenes Steuerregime.
Steuern: Das Immobiliensystem von Sark ist primär auf den Immobilien der Insel aufgebaut. Vereinfacht ausgedrückt, zahlt man eine Steuer, die sich an der Größe der bewohnten Immobilie orientiert. Angaben über Einkommen oder Vermögen muss man nicht machen, wenn man im Gegenzug eine pauschale Zusatzsteuer zahlt. In der Praxis kann man eine Ein-Zimmer-Wohnung mieten und mit weniger als 1.500 Pfund Steuerlast pro Jahr davonkommen. Wer ein Haus für vier Personen bewohnt, sollte mit rund 4.000 Pfund pro Jahr rechnen. Diese Sätze gelten aber nur für den „Hausherren“. Für zusätzlich mitgebrachte Ehepartner und Kinder werden pauschal 450 Pfund pro Jahr fällig. Eine Familie in einem großen Haus mit Ehefrau und zwei Kindern würde also weniger als 6.000 Pfund pro Jahr an Steuern bezahlen. Niemand auf Sark muss mehr als 13.500 Pfund Steuern pro Jahr bezahlen, und diesen Maximalsatz zahlen offenbar nur vier Bewohner.
Anwesenheitspflicht: Sark hatte bislang versäumt, eine klare Anwesenheitspflicht zu definieren. Die Insel hat „Bewohner“, die praktisch nie da sind. Dieser Zustand ist jetzt jedoch Thema öffentlicher Diskussionen geworden und soll neu geregelt werden. In der Debatte ist eine Mindestaufenthaltspflicht von 90 Tagen pro Jahr und eine noch niedrigere Steuerpflicht für diejenigen, die mehr als 180 oder 270 Tage pro Jahr auf der Insel sind. Für die Annahme der Staatsbürgerschaft gelten nochmals andere Regeln, z.B. eine strengere Aufenthaltsregel während des fünften Wohnjahres. Wer auf Sark ansässig werden möchte, sollte zur Vermeidung späterer Probleme pro Jahr mindestens 90 Tage da sein und dies auch dokumentieren.
Logistik: Sark hat keinen Flughafen. Die Fähre zur Nachbarinsel benötigt 45 Minuten und fährt zur Sommerzeit mehrfach pro Tag, im Winter dagegen wird der Fahrplan ausgedünnt. Bei schlechtem Wetter kann die Fähre ausfallen. Eine neue Fähre soll die Fahrtzeit bald auf 30 Minuten verringern. Wer auf Sark wohnt, nutzt vielfach die Anlagen der viel größeren Nachbarinsel Guernsey, die 62.000 Einwohner hat. Vom Flughafen Guernsey gehen zu normalen Zeit fünf Flieger pro Tag nach London-Gatwick, wobei es derzeit wegen COVID19 eingeschränkte Verbindungen und Quarantäneanforderungen gibt (dafür haben Guernsey, Alderney und Sark derzeit aber auch keinerlei Restriktionen für die Bewohner – weder Maskenpflicht noch Social Distancing). Verbindungen nach Kontinentaleuropa gibt es nur vereinzelt. De facto muss man für alle Reisen via London fliegen. Langfristig könnte es eine Helikopterverbindung von Sark nach Guernsey und London-Battersea geben. Der Landeplatz ist bereits gebaut, aber die Betreibererlaubnis ist noch Gegenstand lokaler Politik. Sollte es diesen Service irgendwann geben, kann man von Sark morgens in einer Stunde nach London fliegen und trotzdem um 17 Uhr auf Sark im Pub ein Pint trinken.
Für wen kommt Sark in Frage?
Die Umstände von Sark sind speziell, aber genau deswegen für Manche besonders interessant. Es gibt bislang auf der Insel nur fünf Deutsche und einen Schweizer. Wer kein Englisch spricht oder leicht seekrank wird, sollte von Sark eher Abstand nehmen.
Die vorhandene Bevölkerung ist freundlich und heißt neue Bewohner grundsätzlich willkommen, sofern diese die lokale Lesart akzeptieren und sich ins gesellschaftliche Leben einbinden. In einer derart kleinen Gemeinschaft muss man sich jedoch zu einem gewissen Grad mit mangelnder Privatsphäre abfinden. Es gibt entlegene Häuser, die nicht eingesehen werden können. Aber auf einem Staatsgebiet, das 2,5 Mal so gross wie Monaco ist und nur 400 Einwohner zählt, kennt sich zwangsläufig fast jeder untereinander.
Die vorhandenen Immobilien sind oft in verbesserungswürdigem Zustand. Es gibt jedoch auch Top-Objekte und Mietswohnungen mit hohem Standard. Es gibt einen lokalen Immobilienmakler, bei dem aber nur rund 20% der verfügbaren Objekte ausgeschrieben sind. Die besten Angebote gibt es meistens nur über private Kontakte.
Den lokalen Zugang und „Insider-Knowhow“ bekommt man ggf. von Swen Lorenz. Der 45 Jahre alte deutsche Unternehmer zog schon 2004 nach Sark und hat nicht nur die Unterstützung des Seigneurs, sondern auch die der Familie Barclay. Den Barclays, Zwillingen mit Milliardenvermögen, gehört 28% von Sark. Für die von Lorenz akquirierten neuen Bewohnern richten die Barclays beispielsweise gerade ein Apartmenthaus her, das man als „Sprungbrett“ nach Sark nutzen kann. Mietverträge können mit monatsweiser Kündigungsfrist abgeschlossen werden, so dass man den Wohnsitz nehmen und dann in Ruhe nach dem persönlichen Traumhaus Ausschau halten kann.
Naturgemäß sind diese Möglichkeiten begrenzt. Lorenz schrieb mir:
„Innerhalb der ersten beiden Wochen entschieden sich bereits über 30 Kunden, mein Relocation-Paket zu kaufen. Dabei habe ich erst 10% der Werbung durchgeführt, die ich geplant habe. In Großbritannien wurde das Paket überhaupt noch nicht beworben. Die Ersten bekommen die besten Objekte und niedrigsten Preise. Irgendwann wird das Boot voll sein.„
Das Paket von Lorenz umfasst:
- Einen Ordner (Hardcopy) mit über 250 Seiten Informationen.
- Die (derzeit zeitlich unbegrenzte!) Hilfestellung Lorenz‘ bei praktischen Fragen; ausgeschlossen sind Rechtsberatung und Finanzberatung.
Das Paket kostet derzeit 1.650 Dollar. Lorenz will den Preis bald deutlich anheben oder stundenweise Gebühren einführen – sobald er über die Marke von 50 verkauften Paketen geht. Insofern könnte sich ein baldiges Zuschlagen bezahlt machen. Direkten Kontakt zu Swen gibt es über [email protected]
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