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Roger Federer will es wissen: Der Schweizer bestreitet nächste Woche das ATP-500-Turnier in Rotterdam, damit er wieder die Weltnummer eins wird. Eigentlich ist der Fall klar: Er muss in den Halbfinal kommen. Aber schauen wir genauer hin.
Früher in der Schule gab es vor Prüfungen immer diejenigen, welche sagten, wie wenig sie gelernt hätten, dass sie halt Wichtigeres zu tun gehabt hätten und wie sehr sie mit einer schlechten Note rechnen würden. Dann erhielten sie ihre 5,75 zurück, taten total überrascht und plötzlich war es ein wichtiger Test, auf den man halt schon «etwas» gelernt habe.
Ein bisschen ähnlich verhält es sich mit Roger Federer und der Weltnummer eins. Monatelang redete er den Wert der Topposition für ihn im Herbst seiner Karriere klein. Journalisten und Fans wiederholten ihn fast gebetsmühlenartig. Aber jetzt, wo er so nah davor steht, noch einmal den Tennis-Thron zu besteigen, will er es unbedingt schaffen.
Roger Federer könnte mit 36 Jahren und 6 Monaten die älteste Nummer eins aller Zeiten werden. Bisher hält diesen Rekord Andre Agassi (USA), der im April 2003 33 Jahre und 4 Monate alt war.
Federer würde auch die älteste Frau übertreffen. Dort hält den Rekord Serena Williams (USA), die im Mai 2017 35 Jahre und 7 Monate alt war. Zudem würde Federer seinen Rekord von 302 Wochen als Weltnummer eins weiter ausbauen.
Rafael Nadal führt 155 Punkte vor Federer. Beide werden erst am 5. März wieder Punkte aus dem Vorjahr von Acapulco (Nadal, 300 Punkte) und Dubai (Federer, 45 Punkte) verlieren. Nadal tritt frühestens wieder in Mexiko (ab 26. Februar) an. Federer jetzt in Rotterdam, Dubai ist noch offen.
Erreicht Federer in Rotterdam die Halbfinals, holt er 180 Zähler und wird damit am 19. Februar die Weltnummer eins.
Ja. Zumindest schwieriger als bei diversen anderen 500er-Turnieren. Denn Rotterdam ist in der nächsten Woche das einzige Event in dieser Klasse. Neben Federer sind gemeldet: Stan Wawrinka (ATP 15), Grigor Dimitrov (ATP 4) und Alexander Zverev (ATP 5).
Ein Freilos in der ersten Runde wird es nicht geben. Das bedeutet, Federer muss in Holland dreimal siegen, bis er im Halbfinal steht. Im Viertelfinal wird sein wahrscheinlicher Gegner einer aus diesem Quartett sein: Jo-Wilfried Tsonga (ATP 19), Andrej Rublev (ATP 36), Robin Haase (ATP 42) oder Karen Khachanov (ATP 49).
In der Woche von Dubai holt Federer aufgrund der Drop-Punkte 255 Zähler auf Nadal auf und würde – falls er in Rotterdam in der ersten Runde ausscheidet – virtuell 100 Punkte vor dem Spanier liegen.
Die Möglichkeiten in Dubai die Weltnummer eins zu werden, sind daher – je nach Abschneiden in Rotterdam – vielfältig. Mit dieser Liste kannst du selber verschiedene Szenarien durchspielen:
Was man sicher sagen kann:
Nach Dubai hätte Federer im März in Indian Wells und Miami viele Punkte zu verteidigen, aber dann ab April würde sich ihm wohl während der Sandsaison wieder eine gute Möglichkeit bieten, um den Thron erneut zu besteigen.
Dazu hat er sich noch nicht geäussert. Er hat auch noch nicht bestätigt, dass er die Sandsaison wieder auslassen wird. Vermutlich macht er dies von den Ergebnissen bis dahin abhängig.
Falls Federer aber wie im letzten Jahr plant, wäre er in Dubai (ab 26. Februar), Indian Wells (ab 8. März) und Miami (ab 21. März) im Einsatz. Angenommen er kommt in Rotterdam und auch in den anderen Turnieren jeweils weit, wäre dies ein Mammutprogramm, welches er wohl nicht bereit ist, abzuspulen. Aber es ist, wie wir in den letzten Monaten bei Federer gemerkt haben, eben alles möglich.
Prognosen, welche die Zukunft betreffen, sind immer schwierig. Wird der Schweizer die Nummer eins und bleibt danach verletzungsfrei und erfolgreich im Jahr – dann werden ihm alle auf die Schultern klopfen und die Aktion als genialen Schachzug werten.
Aber: Geht der Versuch nach hinten los, werden alle seinen Rotterdam-Entscheid in Frage stellen. Federer sollte es selbst am besten wissen. Schon letzten Sommer nahm er kurzfristig in Montreal teil, um der Nummer eins näher zu kommen. Dabei verletzte er sich im Final gegen Alexander Zverev, verpasste die Nummer eins und nahm sich wohl auch die Chance, beim US Open eine wirkliche Siegmöglichkeit zu haben.
Immerhin könnte er dann wieder sagen, er habe die Nummer eins ja eh nie wirklich gewollt, sondern nur Majortitel und sei auch so zufrieden.