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Angst ist ein normales Gefühl und sinnvoller Bestandteil unseres Lebens. Sie hat ganz allgemein die Funktion, uns Menschen auf Gefahren und Bedrohungen aufmerksam zu machen, damit wir entsprechend reagieren können. Überqueren wir beispielsweise eine befahrene Strasse, so schauen wir aufmerksam von links nach rechts. Gehen wir einen steilen Wanderweg entlang, achten wir bedacht auf unsere Schritte.
Von einer Angststörung wird erst dann gesprochen, wenn Angstzustände zu stark, zu lange und zu häufig auftreten, sodass die Betroffenen in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt sind. Angststörungen beruhen nicht auf persönlicher Schwäche oder auf Fehler im Charakter. Bei der Entstehung einer Angststörung wird davon ausgegangen, dass ein Auslöser und psychische, neurobiologische oder genetische Anfälligkeiten zusammentreffen. Im weiteren Verlauf wird die Angststörung durch Vermeidung der angstauslösenden Situationen und Objekten aufrechterhalten. Laut einer Studie des National Institute of Mental Health (NIMH), erkranken jedes Jahr mehrere Millionen Menschen an einer Form der Angststörung.
Panikstörung: Betroffene erleben eine unvorhergesehene und intensive Angst, bei der starke körperliche Symptome wie Atemnot, Herzrasen, Zittern, Erstickungsgefühle oder Schweissausbrüche auftreten können. Betroffene können ebenso das Gefühl erleben, Ihnen würde etwas Katastrophales widerfahren, wie z.B., dass sie eine Herzattacke erleiden und fühlen sich ihrer Angst ausgeliefert.
Die Angst vor möglichen neuen Panikanfällen kann dazu führen, dass begonnen wird jene Situationen zu vermeiden, in denen noch eine Panikattacke auftrat. Die Betroffenen befürchten, dass sie dort nur schwer der Situation entfliehen oder Hilfe erhalten können. So werden Situationen vermieden, in denen sie sich eingeschlossen fühlen (wie Verkehrsmittel, Kinos, usw.) oder in denen sie sich vielen fremden Menschen ausgeliefert erleben (wie Kaufhäuser usw.). Diese Vermeidung aus Angst wird als Agoraphobie bezeichnet.
Soziale Angststörung oder soziale Phobie: Bei Betroffenen steht die Angst vor und die Vermeidung von Situationen in der Öffentlichkeit (z.B. Essen in Gesellschaft anderer Menschen) im Mittelpunkt der Symptomatik. Daher werden zahlreiche soziale Aktivitäten oft gefürchtet. Betroffene erleben eine starke Unruhe, Anspannung und Aufregung vor Situationen, in denen sie von anderen Personen wahrgenommen und beurteilt werden. Sie erwarten ein negatives, beschämendes und demütigendes Urteil und versuchen deshalb nach Möglichkeit Situationen zu vermeiden oder stehen sie unter enormen psychischem Aufwand durch.
Spezifische Phobien: Betroffene haben eine intensive, irrationale Angst vor bestimmten Objekten, Lebewesen oder Zuständen und versuchen angstauslösenden Situationen permanent aus dem Weg zu gehen. Spezifische Phobien werden nach ihren Inhalten in Kategorien eingeteilt: Tierphobie bezeichnet eine intensive Angst vor Schlangen, Spinnen, Ratten usw. Des Weiteren gibt es Phobien, die auf Blut oder Spritzen bezogen sind oder auf Situationen bezogene Phobien wie Höhe, Enge, Flugangst etc. und umweltbezogene Phobien, die auf eine Angst vor Stürmen, Gewittern, Wasser oder Dunkelheit hinweisen.
Generalisierte Angststörung: Betroffene sind kontinuierlich angespannt und besorgt über verschiedene Bereiche des alltäglichen Lebens. Die Inhalte der Sorgen an sich erscheinen nicht ganz unangemessen oder unrealistisch. Immer wieder treten Sorgen um finanzielle Fragen, Gesundheit und Wohl der Liebsten, um berufliche Entwicklung oder Sicherheit. Problematisch wird es dann, wenn die Sorgen sich als eine ängstliche Erwartung von Katastrophen entpuppen und viel Platz einnehmen. Sie breiten sich aus, werden unkontrollierbar und die Betroffenen kommen nicht mehr zur Ruhe. In der Folge treten häufig Symptome von Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, leichte Ermüdbarkeit, Reizbarkeit, Muskelverspannung und Schlafschwierigkeiten.
So unterschiedlich eine Angststörung ist, so unterschiedlich können auch die Symptome sein. Auffällig häufig treten bei allen Angststörung folgende Beschwerden oder Begleiterscheinungen auf:
- Starkes Gefühl von Angst, Panik oder Besorgnis
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
- Herzrasen oder Herzklopfen
- Unruhezustände
- Kalte oder schwitzende Hände oder Füsse
- Trockener Mund
- Kribbeln oder Taubheit in Händen und Füssen
- Übelkeit
- Verspannungen
- Schwindel
- Gedanken von körperlichen Schaden bis hin zu sterben
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Reizbarkeit
Glücklicherweise hat die Wissenschaft in den letzten zwei Jahrzehnten grosse Fortschritte in Bezug auf die Behandlung von psychischen Erkrankungen erzielt – Angststörungen inbegriffen. Zwei bekannte Formen der Psychotherapie haben sich dabei als besonders wirkungsvoll herausgestellt: Die Verhaltenstherapie und die kognitive Therapie.
Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie geht von der Theorie aus, dass menschliches Verhalten erlernt ist und im Umkehrschluss wieder verlernt bzw. neu gelernt werden kann. So wird in einer Verhaltenstherapie die Verhaltensweise ganz besonders unter die Lupe genommen und belastende Verhaltensmuster aufgedeckt und angepasst. In einer Verhaltenstherapie versucht der Therapeut, den Betroffenen dabei zu unterstützen, unerwünschte oder störende Verhaltensmuster anzugehen. Die Leitlinie bei der Behandlung von Angststörungen ist eine systematische Exposition mit den gefürchteten Situationen oder Objekten. Nur durch direktes Erleben können Betroffene umlernen und erfahren, dass die Situation für sie ungefährlich ist und sie ihre Angst zunehmend vermindern können. Je nach körperlichem Angstmuster, werden ergänzend zur Exposition Verfahren der Entspannung oder beruhigender Atemtechniken angewandt.
Kognitive Therapie: Der Begriff „kognitiv“ wird aus dem lateinischen abgeleitet und bedeutet „erkennen“. Die kognitive Therapie geht in seinem Modell davon aus, dass ein Mensch über seine Vorstellungen und Gedanken sein Erleben, sein Verhalten und damit auch seine Gefühle beeinflussen kann. In der kognitiven Therapie kommen deshalb Methoden und Techniken zum Zug, die dem Betroffenen dabei helfen, belastende Gedankenmuster zu erkennen und diese anzupassen. Häufig sind es nicht die Situationen oder Gegenstände selbst, die zu einer Angststörung oder eine andere psychische Störung führen, sondern die Bedeutung, die man ihnen beimisst. So kann es beispielsweise sein, dass der Betroffene zur „Katastrophisierung“ neigt und übertriebene Ängste entwickelt, nachdem etwas Unerwartetes geschieht. Belastende Denkmuster entwickeln sich nicht selten durch „sich selbst erfüllenden Prophezeiungen“, die der Betroffene sich ausmalt. Ganz nach dem Vorsatz „es muss etwas Schreckliches passieren.“ Der Therapeut leitet den Betroffenen durch Vermittlung von Informationen über Angst, Angstsymptome und Angstanfälle dazu an, aktiv die Verkettung von Körperprozessen, Gedanken, Gefühlen und Verhalten zu klären. Ebenso lehrt er dem Betroffenen, sich seinen Ängsten zu nähern um diese besser zu kontrollieren.
Da beide Formen der Psychotherapie viele Gemeinsamkeiten aufweisen und gut miteinander verbunden werden können, nutzen Psychotherapeuten beide Formen auch gerne in Kombination. Im Fall von Angststörungen zählt die kognitive Verhaltenstherapie zu den erfolgversprechendsten Therapiemethoden. Denn sie ist problem- und zielorientiert. Das heisst, der kognitive Verhaltenstherapeut orientiert sich dem Problem und den Zielen des Betroffenen im Hier und Jetzt. Neue Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie ermöglichen dem Betroffenen ebenfalls einen tiefen Einblick in die Ursachen seiner Angststörung zu erlangen. Dies ist es empfehlenswert um einen Rückfall vorzubeugen.
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