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Die südafrikanische Trade Winds Corporation hat am 7. Januar 2022 offiziell das für den Bau von bis zu 100 Villen vorgesehene Land in der Region Horse Pasture vom bisherigen Eigner Solomons übernommen. Die Region Horse Pasture ist eine der abgelegensten Regionen auf St. Helena. Man benötigt rund 3/4 Stunden mit dem Auto, um das nur vier Kilometer Luftlinie entfernte Jamestown zu erreichen. Die Trade Winds Corporation ist aber davon überzeugt davon, dass ihr Projekt alle weiteren Hürden auch nehmen wird. Gemäss der Lokalzeitung "St. Helena Independent" habe deshalb das Unternehmen alle anderen Unternehmensteile veräussert. Musterwohnungen wurden bereits 2018 in der Region von Alarm Forest gebaut. Da können zukünftige Bewohner sich ein Bild machen, wie es sich in den voraussichtlich zwischen CHF 650'000.-- und CHF 1'000'000.-- teuren Häuser wohnen lässt.
Bis aber die ersten Bagger auffahren werden, wird es so oder so noch länger dauern. Bevor nicht alle Reiserestriktionen auf St. Helena aufgehoben werden - speziell die aktuell nötige Quarantäne - geschehe gar nichts.
Ab dem 26. März 2022 wird AIRLINK alle zwei Wochen wieder ab Johannesburg nach St. Helena fliegen. Einmal im Monat wird das Flugzeug zudem einen Shuttleflug nach Ascension Island durchführen. Es ist geplant, die Frequenz zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf die früher üblichen wöchentlichen Flüge auszudehnen mit Zusatzflügen ab Kapstadt während der Hochsaison.
Ab März 2022 sollen wieder regelmässige Flüge mit Airlink St. Helena mit Südafrika verbinden. Kurz vor Weihnachten veröffentlichte die Mantis Gruppe eine Medienmitteilung, dass das Mantis St. Helena ab September 2022 wieder geöffnet werden soll. Das Mantis Hotel mit seinen 30 Zimmern ist das einzige 4*-Hotel auf der entlegenen Insel St. Helena im Südatlantik. Das Hotel ist seit 2020 aufgrund der COVID-Pandemie geschlossen und wird im Moment primär als Quarantänequartier für die Flugbesatzung des Titan-Flugzeuges genutzt, die auf der Charterflugrotation von London jeweils zwei Nächte auf St. Helena verbringen.
Hoffen wir einmal, dass die beiden Ankündigungen, die beide ein Schritt zurück zur Normalität wären, dann tatsächlich auch so umgesetzt werden können. Dann bleibt noch die Frage, wie lange die Quarantäne für alle Einreisenden auf St. Helena bestehen bleibt. Denn mit einer zwingend vorgeschriebenen Quarantäne - egal von welcher Dauer - lässt sich der Tourismus auf St. Helena definitiv nicht ankurbeln.
Freitag und Samstag Abend ist in Lower Jamestown die Party in vollem Schwung. Donny's, die Mule Yard und verschiedene Take-away-Stände um die Grand Parade sowie die Restaurants in Jamestown und Half Tree Hollow sind offen. Die Kalorienaufname in flüssiger oder fester Form ist problemlos möglich.
48 Stunden später, Montag Abend, Jamestown: Der Magen knurrt und der suchende Blick streift hilflos über "Closed"-Schilder. Lower Jamestown is ausgestorben. Wir sprechen hier nicht von zwei Uhr morgens, sondern von sechs Uhr abends, nur damit kein Missverständnis entsteht. Das Consulate Hotel, geschlossen, Anne's Place geschlossen, das Restaurant im Mantis aufgrund der Pandemie sowieso, das Blue Lantern geschlossen, die Take-Away-Stände weg oder verriegelt. Nur die Bars The Standard und The White Horse bedienen ihre traditionelle Stammkundschaft seit Stunden mit der täglichen Ration an südafrikanischem oder namibischem Bier.
Haben sich alle Verpflegungslokale dem süssen Nichtstun verschrieben an diesem Montagabend? Nein, ein kleines Restaurant leistet noch Widerstand! Das in einer Arkade etwas zurückversetzte Orange Tree, ein asiatisches Restaurant und Take-away neben dem Mantis Hotel, hat tatsächlich seine Tür geöffnet und ich komme noch zu einer guten Portion "Fried noodles with vegetables".
Zufrieden trotte ich anschliessend zurück zu meiner Unterkunft in Upper Jamestown. Glück gehabt - für dieses mal. Eine Woche später versuchte ich es wieder - dann war auch diese Tür geschlossen. Zum Glück gab es auf dem Nachhauseweg noch den kleinen Lebensmittelladen "Benji's"...
PS: Dieses Erlebnis war während der COVID-Pandemie. Unter normalen Umständen, wenn (mehr) Touristen auf der Insel sind, ist das Verpflegungsangebot am Abend vor allem in den Hotels auch während der Woche gewährleistet. Es empfiehlt sich aber in jedem Fall zu reservieren, da unter der Woche primär für die Hotelgäste gekocht wird.
Um 6:30 holt mich Billy, einer meiner zwei Taxifahrer auf St. Helena, pünktlich von meiner Unterkunft in Jamestown ab zur knapp halbstündigen Fahrt quer über die Insel zum Flughafen von St. Helena. In der Abflughalle wird zuerst der Rollkoffer sowie mein Handgepäck gewogen. Obwohl mein Koffer zwei Kilo zuviel und mein Handgepäck gut 1,5 Kilo über dem Limit ist, werde ich nach einem Kurzen zögern von der Dame hinter der Waage durchgewunken zum Check-in-Schalter. Mein Glück, dass der Flug nicht ausgebucht ist, denn das Startgewicht für die nach London eingesetzte Boeing 757 ist begrenzt und es gab schon Flüge, wo das Gewicht auf von 20 auf 15 Kilo für das Hauptgepäck reduziert wurde - und dies striktest umgesetzt werden musste.
Das Check-in verläuft nach einem kurzen Anstehen problemlos. Die Gepäcketikette wird - ganz niedlich - tatsächlich von Hand ausgefüllt. Wenn man bedenkt, dass dies einer der neusten internationalen Flughäfen der Welt ist, eine eher unerwartete Praxis. Aber da im Moment sowieso nur alle drei Wochen ein Passagierflieger die Insel St. Helena anfliegt, hat man die Zeit dazu ja.
Die Sicherheitskontrolle und die Abflughalle sind modern, sauber und so, wie sie auf vielen kleinen Flughäfen der Welt sind. Als der Flug aufgerufen wird, heisst es auch Abschiednehmen von der maskenfreien Zeit. Da die Insel St. Helena dank rigorosen Einreisebestimmungen bisher von der COVID-Pandemie verschont blieb, bestehen auf der Insel auch keine Einschränkungen wie Social Distancing und Maskentragpflicht. Ab dem Betreten des Flugfeldes, ist diese maskenfreie Herrlichkeit vorbei.
Die eingesetzte Boeing 757 von der Chartergesellschaft Titan Airways fliegt im Auftrag der Regierung bis Anfang März 2022 alle drei Wochen zwischen London und St. Helena. Auf unserem Flug befinden sich ungefähr 60 bis 70 Passagiere, was knapp die Hälfte der möglichen maximalen Passagierkapazität bedeutet. Aufgrund der kurzen Landebahn kann die Boeing 757 nie ganz ausgelastet werden (deshalb eben auch die strengen Gepäckkontrollen). Die Sitzplatzkonfiguration auf diesem Flug bevorzugt die zuerst eingestiegenen Fluggäste. Da keine Sitzplätze zugeteilt wurden (man kann nur Economy reisen), kann jeder sitzen, wo er möchte. Und auf diesem Flug sind die ersten zehn Reihen mit breiteren Business-Klass-Sitzen ausgestattet, während die restlichen Reihen mit der gewohnten 3er-Bestuhlung aufwarten können. Da der Flieger aber nur schwach ausgelastet ist, hat jeder der will, drei Sitze für sich zur Verfügung.
Der Start erfolgt pünktlich kurz nach 9 Uhr morgens: Kräftig Gas geben und ab geht es in Richtung Wolkendecke für den ruhigen, rund dreistündingen Flug nach Accra in Ghana. Da werden rund 15 Passagiere aussteigen und von dort ihre afrikanischen Endziele wie Simbabwe und Südafrika erreichen. Der Hauptgrund für den gut einstündigen Stopp ist aber das nötige Auftanken für den Flug über Afrika bis nach London.
Die sechs Stunden Flug über Afrika verbringen wir über der Wolkendecke. Da es in der 21-jährigen, ursprünglich für IBERIA im Einsatz gewesenen Boeing 757 kein bordeigenes Unterhaltungssystem gibt, dösen die verbliebenen Passagiere vor sich hin oder ziehen sich auf ihrem Laptop einen Film oder ein Game rein. In der Mitte des Flugzeuges wird eine kleine Selbstbedienungs-Snackbar aufgestellt und das Licht wird für die nächsten Stunden auf Nachtmodus umgestellt.
Nach einem schönen Sonnenuntergang über der Sahara wird rund zwei Stunden vor der Landung in London Stansted noch ein Abendessen serviert. Wie auf dem gesamten Flug gibt es auch dazu nur alkoholfreie Getränke, denn die Regierung von St. Helena hat nur das für die Fluggäste bestellt. Nach einem kurvenreichen Anflug auf den von Rynair dominierten Flughafen Stansted stehen wir Passagiere aus der einsamen Insel im Südatlantik dann sehr schnell wieder in den Myraden von zurückkehrenden Ferienrückkehrern von den Mittelmeerinseln an der Reisepasskontrolle an. Wie so üblich, hat einem der Alltag wieder sehr schnell im Griff und man hetzt nach der Zollkontrolle zum Flughafenbahnhof, um möglichst den nächsten Zug ins Zentrum von London zu erreichen. Man müsste ja sonst maximal 30 Minuten auf den nächsten Zug warten. Das gemächliche Inselleben im Südatlantik, das war einmal...vor nicht allzu langer Zeit.
Die Regierung von St. Helena verkündete diese Woche, dass ab ca. Ende März 2022 die Flüge mit der südafrikanischen Fluggesellschaft AIRLINK von Johannesburg nach St. Helena wieder aufgenommen werden. In einer ersten Phase ist ein Flug alle zwei Wochen geplant.
Die Flüge ab Südafrika wurden im März 2020 aufgrund der COVID-Pandemie eingestellt und durch Charterflüge der Regierung ab London ersetzt. Diese London-Flüge wurden in einer ersten Phase alle sechs Wochen durchgeführt und in einer zweiten Phase und noch bis Anfang März 2022 alle drei Wochen. Für viele Saints und Expats ging mit den Direktflügen England - St. Helena ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Die Charterflüge nach/von England kosten den immer klammen Schatzmeister der Insel jedoch viel Geld, so dass diese Flugverbindung ab März 2022 eine Fussnote in der Geschichte der Insel St. Helena sein wird.
Ob im Zusammenhang mit der wieder hergestellten Flugverbindung von Südafrika auch die zehntägige Quarantänefrist auf St. Helena aufgehoben wird, ist noch nicht bekannt.
Die regulären Airlink-Flüge ab Südafrika nach St. Helena sind seit mehr als 1 1/2 Jahren suspendiert. Im Moment ist die einzige direkte Verbindung zwischen Südafrika und St. Helena mit dem Frachtschiff HELENA. Während meines Aufenthaltes auf St. Helena erhielt ich die Gelegenheit, das Schiff während seiner Liegezeit an der Kai in Ruperts Bay zu besuchen. Der südafrikanische Kapitän Rudolph van Schalkwyk begrüsste mich an der Gangway und führte mich zur auf dem Hauptdeck gelegenen Passagierkabine. Die helle Kabine besteht aus insgesamt vier Etagenkojen, einer kleinen Sitzecke mit Schreibtisch und Dusche/WC. Die Kabine wirkt sehr hell und in einwandfreiem Zustand. Gemäss Kapitän van Schalkwyk nutzen im Moment vor allem Südafrikaner, die einen temporären Arbeitsvertrag auf St. Helena haben, die Möglichkeit, mit dem Frachtschiff nach oder von St. Helena zu reisen. Gemäss den lokalen Nachrichten war auf dieser Reise Major Wendy von der Salvation Army als Passagierin an Bord.
Die HELENA ist ein kleines Frachtschiff, deshalb sind auch die öffentlichen Räume beschränkt. Die ebenfalls auf dem Hauptdeck gelegene Messe, wo die Mannschat wie auch die Passagiere die Mahlzeiten einnehmen, wirkt ebenfalls sehr gepflegt und hell. Ich bin positiv überrascht, da auf kleinen Frachtschiffen, diese Räume oft relativ wenig Tageslicht zulassen. Der Kapitän führt mich auf den Aussentreppe noch in Richtung Kommandobrücke. Wie heutzutage üblich sind die Aufbauten ohne übermässig grosse Decksflächen ausgestattet. Trotzdem gibt es auf jedem Deck etwas Platz um sich die Beine zu vertreten. Sogar ein Fitnessfahrrad war bei meinem Besuch auf einem Deck sicher verstaut, falls ein Passagier sich sportlich betätigen will. Von einem der Nocks hat man einen guten Blick über das Frachtdeck und - wenn auf See - auf die unendliche Weite des Südatlantiks.
Der Kapitän wie auch die Crew war zuerst etwas skeptisch als er hörte, dass die HELENA Passagiere akzeptieren wird. Aber die Erfahrungen seien durchwegs positiv meint er. Er verstehe es zwar nicht, was die Passagiere an einer Frachtschiffreise so faszinierend finden. Aber das versteht eigentlich kein Frachtschiffkapitän, wieso man sich das freiwillig antut, auf einem Frachtschiff mitzureisen. Aber für Landratten ist es eine neue Welt, in die man sonst kaum Einblick erhält. Die HELENA fährt alle paar Wochen ab Kapstadt nach St. Helena und - je nach Bedarf - weiter nach Ascension Island. Die einfache Fahrt nach St. Helena dauert ca. sechs Tage, eine gesamte Rundreise inkl. Ascension ungefähr drei Wochen. Da auf St. Helena zum Zeitpunkt dieses Beitrags eine zehntägige Quarantäne gilt ist ein besonderer Vorteil der HELENA dieser, dass die Seetage an die Quarantänezeit angerechnet wird und man normalerweise nur noch vier Tage in Quarantäne muss, bevor man sich auf St. Helena frei bewegen kann. Weitere Informationen zur Frachtschiffreise mit der HELENA erhalten Sie von unserem Schiffsreisepartner Ship'N'Train Travel.
Mein Quarantäne-Quartier ist inkl. Veranda rund 60 Quadratmeter gross und hat alles, was man braucht. Ich platziere das obligatorische Quarantäneschild gut sichtbar beim Eingang und beginne meine 10 Tage Einsiedlerei.
Meine zweitgrösste Sorge, ob der Kühlschrank/das Tiefkühlfach mit den bestellten Einkäufen gefüllt war, war grundlos. Auch meine grösste Sorge, dass der bestellte Internetanschluss nicht funktioniert, zerstreute sich schnell. Einzig mit meiner E-Mail-Adresse hatten sie Mühe und dachten wohl, dass mein Vorname "Urs" entweder ein Titel oder ein Verschrieb war und liessen diesen ganz einfach weg. Aber ich kann auch mit nur meinem Nachnamen in der temporären Mailadresse gut leben.
Während den zehn Tagen habe ich mich strikt an meine Tagesroutine gehalten, eine Art "Home office light", einfach in einer anderen Umgebung, etwas späterem Arbeitsbeginn, einer längeren Mittagspause fürs Kochen und ein Nickerchen, und pünktlichen Feierabend um 17 Uhr. Jeden Tag zwischen 9 und 12 rief die Gesundheitsverantwortliche an um nachzufragen, ob ich irgend welche Symptome habe und ob alles ok war. Pünktlich um 17 Uhr gab es dann auf der Veranda mein Feierabendbier.
Am Tag 2 klingelte das Telefon und ich wurde ultimativ aufgefordert, mich vor dem Bungalow zu zeigen. Von der Veranda der Vermieterin winkte mir dann ein Sicherheitsbeauftragter des Gesundheitsamtes zu und gab mir ein "Daumen hoch", als er mich bei seinem Kontrollbesuch pflichtbewusst vor meinem Häuschen sah. Anschliessend wurde ich anscheinend als vertrauenswürdig eingestuft und es folgten keine weiteren Kontrollbesuche mehr.
Das kulinarische Fazit nach zehn Tagen darf als "zufriedenstellend" taxiert werden: kein dramatischer Gewichtsverlust (zugegebenermassen allerdings auch keine Zunahme). Es gab nicht nur Spaghetti sondern, im Rahmen der verfügbaren Lebensmittel, eine - sagen wir es mal so - nicht komplett ungesunde Ernährung. Die guten Ansätze, auch Kartoffeln zu essen und gewisse Gänge mit Zwiebeln zu verfeinern scheiterten nicht am guten Willen, sondern an der fehlenden Verfügbarkeit auf der Insel. Diese kamen erst wieder mit dem nächsten Schiff von Kapstadt nach meiner Quarantäne.
Nachdem ich am 9. Tag wieder von einem Fahrer in voller Pandemiemontur zu einem weiteren Test in die zentrale Quarantänestation gefahren wurde und der Test negativ ausfiel, wurde mir am 10. Tag mitgeteilt, dass ich um 19 Uhr aus der Quarantäne entlassen sei. Als die zwei Damen vom Gesundheitsamt, die mir die "Entlassungsurkunde" übergaben, mich mit meinem Kurzhaarschnitt und doch eher maskulinen Aussehen entdeckten, mussten sie sich dafür entschuldigen, dass ich im Brief als "Mrs Urs Steiner" angesprochen werde. Ein weitere Spätfolge meines von meinen geschätzten Eltern gutgemeinten Vornamen-Wahl.
Und wie war Tag 11, der erste Tag meiner neu gewonnen Freiheit, ohne Maske, ohne Social Distancing, ohne die dauernde Präsenz von COVID-19? Nach einem Rasiereinsatz, den mein Rasierapparat nach zehn Tagen Ferien an sein Limit brachte, ging es präsentabel auf zum ersten Einkauf ins Zentrum von Jamestown. Erstaunlicherweise gewöhnt man sich sehr schnell wieder daran, sich ohne Einschränkungen/Vorschriften bewegen zu können, wohl auch darum, weil wir in der Schweiz verhältnismässig lockere Einschränkungen hatten im Vergleich zu anderen Ländern. Ein während des strengen Lockdowns in England lebender Bekannter brauchte nach seiner Rückkehr auf die Insel eine gute halbe Stunde nach seiner Ankunft in Jamestown, bevor er sich traute, loszumarschieren, wo er während seines Einkaufs wie im "old normal" von seinen zahlreichen Bekannten herzlichst und ohne social distancing begrüsst wurde.
Überall, wo die Konversation über einen Satz hinaus ging, war die zweite Frage meistens, ob man gerade aus der Quarantäne kam. Und dass St. Helena mit 4'500 Einwohnern ein Dorf ist wurde mir spätestens im Postamt klar, wo ich mir eine Landkarte kaufte. Als ich für die Quittung meinen Namen buchstabierte kam aus der zweiten Reihe die Frage, ob ich derjenige sei, der jeweils um 17 Uhr sein Feierabendbier geniesse.
Die rund 21 Jahre alte Boeing 757 landete pünktlich und ohne allzu grosse Turbulenzen auf dem Flughafen von St. Helena. An Bord rund 100 Passagiere. Alle, die nicht auf ein Schiff anmusterten (rund 1/4 der Passagiere war Royal Navy Personal, das auf ein Eispatroullienschiff transferiert wurde) oder am Folgetag nach Ascension weiterflogen, mussten 10 Tage in Heimquarantäne.
Immigration wurde schnell und unbürokratisch erledigt mit dem Hinweis, die £ 20.-- könne man dann nach der Quarantäne bei der Immigraton in Jamestown bezahlen. Angst, dass man ungesehen abhauen könnte von der Insel, muss die Behörde ja nicht wirklich haben.
Anschliessend anstehen für einen Antigen-Test und Weiterleitung zur nächsten Schlange. Dort, mit gut drei Metern Abstand getrennt, konnte man das überreichte Couvert öffnen mit allen möglichen Hinweisen zu Quarantäne. Unter anderem eine Vereinbarung, dass man sich konsequent zehn Tage selbst isoliert und bei Nichteinhaltung eine Strafe von £ 5'000.-- oder sechs Monate Knast drohen. Damit das auch jeder versteht, wurde die Vereinbarung jedem Passagier einzeln vorgelesen, man musste abnicken, dass man das verstanden habe und unterschreiben. Anschliessend konnte man sein Gepäck holen und in der Ankunftshalle (die gleichzeitig auch Abflughalle ist) Platz nehmen, bis der Transport zum Quarantänequartier bereit war.
"Ähh Steiner" (mein Vorname Urs ist nicht wirklich auslandtauglich...) wurde aufgerufen. Ich könne mitkommen. Draussen stand ein Minibus mit einem Fahrer, eingekleidet als ob auf der Insel die Ebola-Epidemie wütet und wir gleichzeitig noch die Pest hätten. Fünf von uns wurden zu einem der Busse geführt, der uns zu den einzelnen Quarantäne-Wohnungen bringen würde in Jamestown. Noch eine letzte, knapp halbstündige Fahrt, bevor die Bewegungsfreiheit für die nächsten zehn Tage massiv eingeschränkt sein würde. Ich hoffe, die Vermieterin hat nicht vergessen, meine vorbestellten Einkäufe in den Kühlschrank und den Tiefkühler zu legen.
Am 13. Oktober 2021 wurde auf St. Helena nicht nur eine neue Regierung gewählt, nein, auch ein neues Regierungssystem mit verantwortlichen Minister wird das aktuelle Gemeinschaftsgremium "Executive Council" (ExCo) ablösen. So wird jeder Minister neu für einen Teilbereich innerhalb seiner Budgetrahmens eigenständig verantwortlich sein und nicht mehr nur die "ExCo" als gesamtes. In einem ersten Schritt wurde das gesetzgebene "Legislative Councel" gewählt, aus dessen Reihen dann die Minister und der oder die Ministerpräsident/in gewählt wird.
Die Wahlbeteiligung von 60 % war die Höchste seit langem. Aus 29 Kandidaten und Kandidatinen wurden 12 in das gesetzgebende "Legislative Council" gewählt. Wie die lokale Wochenzeitung The St. Helena Independent feststellt, ist das Geschlechterverhältnis mit sieben Männern und fünf Frauen ausgewogener als vorher, das Durchschnittsalter etwas tiefer und die praktische Erfahrung aus Anstellungen im privaten Sektor ist stärker vertreten. Das, so der Independent, nähre die Hoffnung, dass die neue Regierung effizienter, kommunikativer und volksnaher sei als die bisherige.
Dass in der Bevölkerung ein gewisser Unmut über die lokale Regierung herrscht ist daran abzusehen, dass nur drei wieder zu Wahl antretende Räte wieder gewählt wurden und vier abgewählt wurden. Die Hoffnung, dass mit der neuen Regierungsform und zum Teil neuen Kräften, die Regierung in diesen für St. Helena schwierigen Zeiten schlagkräftiger wird, ist gross.

Author
Urs Steiner
Archives
Januar 2022
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