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Das Selbstverständnis der SMB definiert sich ganz aus der Sendung und ihrem Zweck.
Das Missionsverständnis des II. Vatikanischen Konzils wird in den Texten des Generalkapitels 1967 aufgenommen als Ausgangspunkt für die kommende Zeit.
Die SMB hat sich entsprechend den Zeichen der Zeit verschiedene Schwerpunkte des Missionsverständnisses zu Eigen gemacht.
Ein wichtiger Aspekt war in struktureller Hinsicht die Veränderung von der Gebietsmission zu Missionarischen Projekteinsätzen.
Die Texte des Generalkapitels 1974 waren geprägt von drei Hauptmotiven: die wesentliche Verbindung von Mission und Entwicklungszusammenarbeit, die Partnerschaft mit den Ortskirchen, die ökumenische Grundausrichtung.
Das Generalkapitel 1981 kann überschrieben werden mit: Ganzheitliche Befreiung des Menschen und der Welt in allen Dimensionen, wobei bestimmte Akzente hervorgehoben wurden:
– Option für und mit den Armen,
– Einsatz für Menschenrechte,
– Aufbau von Basisgemeinden.
Das Generalkapitel 1988 führte diese Optionen weiter durch Betonung der gleichberechtigten Stellung der Frauen.
Leben in Fülle war die Überschrift für die Elemente Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung.
Das GK 1993 verdeutlichte die vorhergehenden Optionen und ergänzte sie mit einer inhaltlichen Besonderheit in der Grundsatzerklärung zur missionarischen Präsenz, die durch das Leitmotiv „Was wir sind, spricht mehr als was wir sagen“ zum Ausdruck gebracht wurde.
1998 arbeitete das Generalkapitel dahingehend, dass dem Wandel des Missionspersonals Rechnung getragen wurde in einer Struktur, in der SMB-Mitglieder gleichberechtigt mit Laienmitarbeitenden in gemeinsamer Verantwortung die Erfüllung des missionarischen Auftrags an die Hand nehmen und in die Zukunft führen würden.
In dem dafür geschaffenen Leitbild fassten drei Optionen die im Lauf der Zeit sich verdichtenden Aspekte des Missionsverständnisses zusammen:
– die Verkündigung des Gottes des Lebens,
– der Einsatz mit und für die Benachteiligten
– und der interkulturelle und interreligiöse Austausch.
Am 23. November 2000 fand die Gründung der „Bethlehem Mission Immensee“ (BMI) statt, bestehend aus zwei Vereinen: Verein Partnerverein Bethlehem (Laien) und Verein Missionshaus Bethlehem, der die Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) mit ihren Priestern und Brüdern zivilrechtlich vertritt.
Diese neue Struktur trug der Situation in den missionarischen Einsatzgebieten Rechnung, wonach immer mehr Laien und Priester in gleichen Projekten eng zusammenarbeiteten.
Das Ziel war, dass Laien und SMB-Mitglieder gleichberechtigt über Planung und Durchführung des missionarischen Auftrags entscheiden konnten. Da dies auf kirchenrechtlicher Ebene nur beschränkt möglich war, wurde die zivilrechtliche Ebene gewählt. Gemäss dem damaligen Präsidenten des Vereins Missionshaus Bethlehem, Dr. Ivo Fürer, emerit. Bischof von St. Gallen, war eine solche Struktur, die bis jetzt einmalig und einzigartig war, auch von theologischer Bedeutung, indem sie durchaus Modellcharakter für künftige kirchliche Strukturen haben könnte.
2003 stellte das Generalkapitel fest, dass die Neustrukturierung des Werkes Bethlehem (BMI) mit zwei Trägervereinen weitgehend gelungen war, und formulierte als Ergebnis:
„Das Generalkapitel stellt fest, dass „weiterhin grosse Sensibilität auf den verschiedenen Beziehungsebenen gefordert ist, um den missionarischen Auftrag als gemeinsames Werk zu verwirklichen. Die SMB teilt mit dem Partnerverein die gemeinsame, aber ausgefächerte BMI-Spiritualität. Wir anerkennen, schätzen und fördern die Laienspiritualität der Mitglieder des Partnervereins. Die je eigene Ausprägung der Spiritualität als Priester, Brüder und Laien bedeutet eine gegenseitige Bereicherung und Herausforderung für beide Partnerorganisationen.“ (GK 2003 Dokumente, s. 20)
Neben den Überlegungen zum partnerschaftlichen Wirken der BMI formulierte das Generalkapitel in einem ausführlichen Dokument „Mission und Kontemplation“ die spannungsreiche Einheit von Mission und Kontemplation, welche für das missionarische Arbeiten der SMB-Mitglieder und Laienmitarbeitenden gleichermassen von grundlegender Bedeutung ist.
Am 24. Juni 2007 wurde der Verein „Bethlehem Mission Immensee“ mit dem Preis der „Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche“ ausgezeichnet. Die Stiftung würdigte damit den partnerschaftlichen Ansatz der BMI mit den beiden Trägern SMB und PaV, die als kirchliche Organisationen in den verschiedenen Ländern gemeinsam tätig waren. Dass diese Auszeichnung nicht nur eine lokale sondern auch eine missionstheologische Bedeutung hatte, wird in der Anerkennungsurkunde deutlich, wo es heisst:
„Die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche zeichnet die Bethlehem Mission Immensee mit einem Preis aus für den konsequenten Weg, den sie eingeschlagen hat, damit Männer und Frauen, Ledige und Verheiratete, Priester und Fachpersonen gemeinsam und gleichberechtigt Zeugnis ablegen für die Freiheit, zu der uns Jesus Christus gerufen hat, in Respekt vor den Kulturen vor Ort, verbunden mit einem solidarischen Einsatz für Menschen in Not und mit einem zeitgemässen Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit und Mission.
Möge die Überzeugung, dass der Gott des Lebens schon vor jedem missionarischen Zeugnis am Werk ist, in der Weltkirche ein Verständnis von Mission fördern, das die Ausdrucksweisen der jeweiligen Kultur aufspürt und feiert und christliche Spiritualität darin verwurzelt.“
In ihrer Laudatio ging Anne-Marie Holenstein von einem Zitat aus der Dissertation von Konrad Gründig (Mission im Wandel – ein neues Paradigma für Kirche und Gemeinde heute?) aus und verdeutlichte damit die theologische Bedeutung der Bethlehem Mission Immensee:
“In der BMI sind Frauen und Männer, Ledige und Verheiratete, Priester und Fachpersonen („Laien“) gleichberechtigt. Das ist in der katholischen Kirche ein weltweit bislang einmaliger Vorgang“.
Sie fährt fort:
„Die SMB ist kirchlichen Rechts. Im Jahr 2000 ist der zivilrechtliche ‚Partnerverein Bethlehem‘ dazugekommen, und beide Organisationen tragen seither gemeinsam die Verantwortung für die Tätigkeit der BMI. Von diesem Zweiträgermodell müssen wir im Rahmen dieses Festes nur begreifen, dass es kirchliches Recht und Zivilrecht genutzt hat, um die einzigartige Vielfalt zu ermöglichen, für die der BMI heute der Preis verliehen wird.
Zu dieser Vielfalt gehören vor allem auch die Frauen… Bei der BMI arbeiten die Frauen gleichberechtigt im Vorstand, in der Geschäftsleitung und als Mitarbeiterinnen neben den Priestern. Das ist einmalig in einer katholischen missionarischen Institution, und allein dafür würde der BMI der Preis gebühren.“ (Ganzer Text: http://assets.comundo.ch/downloads/bmi_laudation_verleihung_herbert_haag_preis.pdf)
2008 setzte sich das Generalkapitel mit der weiteren Entwicklung der BMI auseinander und beschäftigte sich vor allem mit dem Thema „Mission heute“. In diesem Dokument wurde das alte (vorkonziliäre) und neue Missionsverständnis ausführlich zur Sprache gebracht, wobei vor allem nicht nur das Zur-Kenntnis-Nehmen, sondern auch die Rezeption des neuen Missionsverständnisses durch die SMB-Mitglieder und Laien-Mitarbeitenden in ihrer gemeinsam getragenen missionarischen Tätigkeit der BMI in den verschiedenen Kontinenten betont wurde.
2011 wurde der im Jahre 2000 gegründete Verein „Bethlehem Mission Immensee“ in einen gleichnamigen Verein mit Einzel- und Kollektivmitgliedschaft umgewandelt, in dem die SMB keine konstitutive Position mehr hatte. Der Verein definierte sich als von der SMB unabhängige Organisation für personelle Entwicklungszusammenarbeit. Damit kam das Experiment einer gleichberechtigten und partnerschaftlichen Struktur von Laien und Klerikern, das als Modell für künftige kirchliche Strukturen im Jahr 2000 konzipiert worden war und von andern Missionsgesellschaften weltweit mit grossen Interesse studiert wurde, zu einem Ende.
Das Generalkapitel 2013 nahm von der damit verbundenen Trennung der Missionsgesellschaft Bethlehem von der Entwicklungshilfsorganisation (NGO), welche den Namen „Bethlehem Mission Immensee“ (BMI) weiterführte, Kenntnis und setzte sich mit ihrer eigene Identität als Missionsgesellschaft auseinander.
Einen spirituellen Beitrag leistete das Generalkapitel mit dem Dokument „Einige von uns werden immer älter…“, in dem Elemente zu einer Spiritualität in den letzten Lebensphasen formuliert wurden, die aber im gesamten Lebenslauf Gültigkeit haben.