Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/1630

Am Pfingst-Samstag hat sich der älteste Sohn meines Bruders verheiratet. Alle in der Welt verstreuten Familienmitglieder wollten nach Ost-Jerusalem, unsere Heimat, reisen um an diesem schönen Ereignis mit zu feiern. Die Vorfreude war bei allen gross. Wir telefonierten miteinander um abzusprechen welche Kleider wir anziehen und welche Geschenke wir mitbringen sollten.
Die erste, welche einreisen wollte, war meine Schwester aus Amerika. Sie reiste mit ihrem zweiten Ehemann und dem Sohn aus erster Ehe. Bei der Einreise in Tel Aviv wurden sie, wie üblich, gestoppt und mussten zur Security. Es wurden viele Fragen gestellt, darunter diese, warum alle verschiedene Nachnamen haben (Sohn Name aus der ersten Ehe, meine Schwester mit dem wieder angenommenen Mädchennamen und ihr neuer Mann mit seinem Nachnamen). Alle drei haben amerikanische Pässe.
Immer höhere Beamte der Security wurden herbeigezogen um wieder und wieder dieselben Fragen zu stellen. Es waren bereits drei Stunden vergangen, als es hiess, sie und ihr Sohn können nicht einreisen, nur ihr Mann. Meine Schwester wollte wissen, warum ihnen die Einreise verweigert wurde, da sie ja nur an eine Hochzeit eingeladen waren. Sie erhielt keine Antwort darauf und insistierte weiter. Nach einer weiteren Stunde wurde ihr Mann ungeduldig und schimpfe über die lange Wartezeit vor sich hin. Einer der Beamten hörte dies. Darauf teilte er ihm mit, dass er seine Äusserungen als Gewalt gegen Israel taxiere und er werde jetzt darum deportiert. Meine Schwester wollte wissen warum und erhielt zur Antwort, dass nun alle drei deportiert würden. Sie verlangte daraufhin mit der amerikanischen Botschaft zu sprechen. Dies wurde ihr erlaubt. Der amerikanische Botschaftsangehörige wollte mit dem Beamten sprechen und meine Schwester gab diesem das Telefon und erklärte dem Beamten, dass die amerikanische Botschaft mit ihm sprechen wolle. Der Beamte nahm das Telefon und hängte auf ohne auch nur den Botschaftsangehörigen anzuhören!
Mittlerweile waren fünf Stunden vergangen.
Man nahm ihnen nun alle Laptops, I-Pad und Handys weg. Meine Schwester konnte ihr Handy noch behalten, damit ihre Familie sie anrufen konnte. Selber durfte sie nicht telefonieren. Es gelang mir mit ihr zu sprechen und sie schilderte mir kurz die Geschichte. Sie war natürlich sehr traurig und enttäuscht. Daraufhin nahm man ihr das Handy weg.
Sie wurden nun mit Security-Begleitung bis zum Flugzeug eskortiert und mussten mit demselben Flugzeug, mit dem sie angekommen waren, wieder nach New York zurückfliegen. Sie haben nun alle ein 10-jähriges Einreiseverbot in Israel.
Sie können sich vorstellen, welchen negativen Einfluss diese Geschichte auf die Hochzeit hatte.
Wie kann man Menschen, welche politisch untätig sind, nur ihrer täglichen Arbeit nachgehen, wegen ihrer Herkunft so behandeln?
Frida Roser-Harb, Mai 2013