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Kleines Objekt: Berlocke - grosser Name: Bettina von Arnim, geb. Brentano
Mein Vater Felix Schneeberger (*1931) und ich sammelten seit den 1970-ger Jahren Petschafte (Siegelstempel). Später führte er die Sammlung allein weiter und vor ein paar Jahren schenkte er sie mir.
Mein Vater war befreundet mit dem Juristen Hanspeter Moser (1920 - 2002), der auch in Zürich Hottingen lebte.
Von ihm erhielt er anfangs der 1990-ger Jahre ein Petschaft für die Sammlung, genauer eine Berlocke. Diese Berlocken sind kleine Petschafte, die von Frauen zum Beispiel an Uhrenketten getragen wurden.
Diese Berlocke sollnach Aussage von Hanspeter Moser von Bettina von Arnim stammen. Er erbte sie von seiner Tante Berthy Moser aus dem Nachlass von Irene Forbes-Mosse.
In diesem Nachlass befand sich auch eine Landschaftszeichnung von Goethe mit einem grünen Passpartout, die ebenfalls Bettina von Arnim gehörte. Diese Zeichnung übergab Hanspeter Moser dem Goethe-Haus Frankfurt a.M.
Auf der Homepage des Museums werden 4 Kartons mit ihren Werken und Briefen erwähnt. Vor einiger Zeit fand ich antiquarisch bei ZBAB in Internet ein Werk von ihr: Irene Forbes-Mosse: „Der kleine Tod“, erschienen 1912 bei Fischer Verlag, Berlin.
Die Berlocke ist ca. 2 cm hoch, goldfarben, wahrscheinlich aus Gold. Der eingravierte Stein ist rötlich. Die Gravur besteht aus einer persischen Inschrift (phonetisch: armagharat), was deutsch übersetzt: Reise- oder Weggeschenk, bedeuten kann.
Irene Forbes-Mosse wurde am 8. August 1864 in Baden-Baden geboren. Ihr Vater Albert Graf von Flemming war preußischen Gesandter am badischen Hof, ihre Mutter Armgart, war eine geborene von Arnim. Irene Forbes-Mosse war die Enkelin von Bettina und Achim von Arnim.
1884 heiratete sie den preußischen Rittmeister Roderich Graf von Oriola. Die Ehe hielt nur ein Jahr. 1896 heiratete sie den englischen Oberst John Forbes-Mosse und lebte mit ihm in Florenz. Dort begann sie ihre schriftstellerische Tätigkeit. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1904 unternahm sie mehrere Reisen. Ihren Wohnsitz hatte sie bis 1913 in Deutschland, danach in Italien und später in der Schweiz. Ab 1931 lebte lebte sie mit ihrer Freundin Berthy Moser in Villeneuve am Genfersee, wo sie im Dezember 1946 starb. Irene Forbes-Mosse schrieb vor allem Gedichte und Erzählungen, die für ihre atmosphärische Dichte und ihren nüchternen psychologischen Ausdruck gerühmt wurden. Daneben arbeitete sie als Übersetzerin. In der Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft - dem "Dritten Reich" - waren ihre Bücher verboten.
Bettina von Arnim: Clemens Brentanos Frühlingskranz - Kapitel 60, Ausschnitt:
Soll ich Dir sagen, wie es mir ergangen ist an jenem Abend? – Als wir eintraten in den Saal, da stand ein ganzer Trupp langer, dünner, kurzer, dicker, breiter, alle schwarz gekleideter Tanzherrn in der Mitte, die so viel Raum zum Tanz ließen zwischen sich und den Wänden, an denen die jungen Mädchen zwischen Mamas aufgereiht waren wie allerlei Marktfrüchte, worunter Schoten, Rüben und Zwiebeln nicht die wenigsten waren, hier und da ein angenehmer Blumenkohl, nur selten ein Borsdorfer Apfel, worunter ich zu zählen; jetzt holten die Herrn diese Rübchen, Zwiebelchen und Schoten-Bukettchen zum Tanz. Alle hatten Uhrketten mit allerlei Berlocken, manche zwei aus der Tasche hängen; diese Berlocken machten ein Glockenspiel wie eine Herde.