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Das Hotel-Restaurant «Les Bourdons» wird 2003 von Alexandrine Nacady eröffnet. Sie stammt aus jener Familie, die in der Gegend von Salé seit mehr als hundert Jahren Gewürznelken anbaut. Ihrer Herkunft dürfte es auch zu danken sein, dass sie die Erlaubnis erwirken konnte, am Ufer des geschützten Lac du Nombril ein Etablissement zu errichten. Die Auflagen waren allerdings streng und die weitgehend aus Ziegel und Holz konstruierten Gebäude schmiegen sich durchwegs sehr diskret in die Landschaft ein. Das «Les Bourdons» stellt seinen Gästen vier Bungalows mit insgesamt acht einfachen Zimmern zur Verfügung, die etwas oberhalb des Sees liegen und eine prachtvolle Aussicht bieten. Das Restaurant ist ganz nahe an den Lac de Nombril gebaut und verfügt über einen kleinen Speisesaal für höchstens 30 Personen und eine schöne Terrasse mit Tischen, die teilweise direkt am Wasser stehen. Das Hotel bietet Bootsausflüge und Exkursionen an – die meisten Besucher kommen aber vor allem wegen dem Essen.
Alexandrine hat sich in Port-Louis, Lyon und Chengdu zur Köchin ausbilden lassen und spezialisiert sich – ganz der Tradition ihrer Familie folgend – auf Gerichte mit Schweinefleisch und natürlich Gewürznelken. Daneben bietet die Köchin allerdings auch Insekten-Spezialitäten an – zum Beispiel Heuschrecken und Mehlwürmer. Die kleinen Tiere züchtet sie teilweise selbst – oder sammelt sie in den Wäldern rund um Salé. Berühmt ist etwa ihre scharfe Apfelsuppe mit Nelken und gerösteten Heuschrecken. Zu den Klassikern des Hauses zählen aber auch die Schweinenieren mit Stangensellerie, Frühlingszwiebeln und Nelken, die in Sherry und Sojasauce mariniert und dann scharf angebraten werden (Rezept). Die Ohren vom Schwein kocht Alexandrine in einem karamellisierten, mit Nelken und Lorbeer gewürzten Sud und serviert sie dann als Salat mit Apfelstücken und Oregano an einer kräftigen Sauce aus schwarzem Essig und Kochflüssigkeit.
In seiner Ausgabe von 2005 schreibt der «Guide Dismin» das «Les Bourdons» pflege «eine Küche, die auch vor ungewöhnlichen Kombinationen nicht zurückschreckt und manchmal fast so mysteriös schmeckt wie der See vor den Fenstern des Speisesaals.» Amüsiert ist der Führer von einigen Gerichten, die berühmte Spezialitäten internationaler Speisekarten beim Namen nehmen: «Ameisen auf einem Baumstamm» etwa ist ein Klassiker der chinesischen Küche, in dem natürlich keine Ameisen vorkommen – bei Alexandrine Nacady allerdings schon: Aus einem trockenen Quark oder Käse und verschiedenen Kräutern formt sie eine Art Baumstamm und besetzt ihn mit einer Reihe von gesalzenen Ameisen, die in Reih und Glied in Richtung Himmel krabbeln. Der «Dismin» äussert allerdings seine Zweifel «ob das kulinarische Resultat den Aufwand lohnt – und den vergleichsweise hohen Preis.»
First Publication: 26-4-2016
Modifications: 12-5-2016