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Immer wieder hört man von Korruption, auch bei Schweizer Firmen, die international tätig sind. Erfahrungen damit hat auch Beat Moser gemacht, der 30 Jahre als Schweizer Konsul in fremden Ländern tätig war. Seine Biografie ist bereits 2017 erschienen, doch hat bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. Darin beschreibt er u.a. seine Erfahrungen zum Thema Schmiergeld und widmet sich der Frage, mit wem wir denn noch saubere Geschäfte machen können.
Lassen wir ihn zu Wort kommen:
„In nur etwa zwanzig bis dreissig Ländern der Welt gibt es wenig Korruption. Anders gesagt, gibt es in einer Mehrzahl von Staaten eine hohe bis extrem hohe Korruption. Ich war in solchen Staaten eingesetzt: Indonesien, Sudan, Südafrika und Russland.
Wer nun glaubt, dass beispielsweise eine FIFA, die eben auch aus etwa 180 korrupten Staaten mit korrupten Fussball-Landes-Verbänden besteht, eine nicht korrupte Organisation bilden kann, der hat Illusionen. Sepp Blatter hat das meiner Meinung nach bravurös gemeistert; ein absoluter ‚Saubermann‘ kann die FIFA nicht führen.
Ich höre euch: ‚Du übertreibst wieder mal, Beat. Europa, Amerika, Ozeanien kennen Korruption doch kaum.‘ Stimmt das? Fangen wir mal bei Europa an. Demzufolge wären folgende Länder nicht korrupt: Russland, Weissrussland, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Italien, Griechenland, Spanien, Portugal. Soll ich fortfahren?
Dürfen wir nur mit nicht korrupten Ländern Handel treiben? Woher sollen wir denn unseren Kaffee, Kakao, unsere Bananen und Orangen, Ananas und Avocados hernehmen? Könnten wir Autos mit Bestandteilen aus China, Indien, Osteuropa, Korea noch kaufen? Wir gehören auf dieser Welt zu einer Gesellschaft, die zumeist aus korrupten Staaten besteht. Wir können nicht anders, als mit ihnen Handel zu treiben.
Was rate ich Schweizer Geschäftsleuten, die in solche Staaten exportieren wollen? Macht eure Geschäfte nur bis an unsere Landesgrenze. Ihr kennt die Gepflogenheiten in den Drittländern nicht. Also Finger weg davon. Damit die Geschäfte dennoch möglich sind, arbeitet mit Schweizer Ablegern von Firmen der jeweiligen Länder zusammen. Für den Export heisst das zum Beispiel: Ich verkaufe meine Kaffeemaschinen noch in der Schweiz an eine schweizerische Tochtergesellschaft der Russischen Importfirma. Diese sorgt dann selber dafür, wie sie die Ware aus der Schweiz exportiert, in Russland importiert und zu den dortigen Kunden bringt.
Für den Import läuft das Ganze etwas anders, da wir in der Schweiz einen gewissen Qualitätsstandard brauchen, um die Ware hier zu verkaufen. Ich muss also beim Anbieter im Drittstaat meine Qualitätswünsche und Sozialstandards anbringen, bevor ich mich auf einen Kauf einlasse. Diese Standards lasse ich dann regelmässig durch eine Vertrauensfirma vor Ort überprüfen.“ (Beat Moser, Von Bomben und Badehosen, S. 76f)
Zur Frage der Ethik schreibt er: „In einigen meiner Aufenthalts-Ländern ist Schmiergeld ein ständiges Thema. Auch wenn es mir nicht behagte, musste ich ab und zu Schmiergeld einsetzen, vor allem im Sudan. Es ging nicht anders. (…) Wo bleibt meine Ethik? Wie konnte ich mein Schmieren und hintenherum Mogeln ethisch verantworten? Diese Antwort ist recht einfach. Ich habe nie zu meinem Vorteil geschmiert. Ich habe mich nie damit persönlich bereichert. Entweder habe ich Angelegenheiten für den Bund oder für Firmen beschleunigt, weil wir sonst alt und grau geworden wären, bevor sich der nächste Schritt getan hätte. Mir selber hat das nichts gebracht, ich wurde sowieso bald wieder an den nächsten Ort versetzt. Oder ich habe Schweizer Hilfswerken beim Importieren von Kleidern und Medikamenten geholfen, damit sie diese an Bedürftige verteilen konnten. Ohne Hilfe von offiziellen Vertretern hätte die arme Bevölkerung keinen Zugang zu Medikamenten und medizinischen Dienstleistungen gehabt.“
Bleibt die Frage, was mit der Verantwortung von Otto-Normalverbraucher ist. Was kann jeder Einzelne selbst gegen Korruption tun? Selbst wenn wir keine Entscheidungsträger in international tätigen Firmen sind, so können wir doch unseren Beitrag gegen Schmiergeld leisten, indem wir z.B. möglichst regionale Produkte einkaufen – ein Aspekt, der gerade vor dem Hintergrund von Corona zunehmend an Attraktivität gewonnen haben dürfte.