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Beim Wümmet in der Kartause Ittingen
Der Wirtschaftsplan von Ittingen aus dem Jahr 1894 gibt auch Auskunft über den Weinbau unter Victor Fehr
Zur Kartause Ittingen gehörende Trotte
Prunkfass aus dem Jahre 1759, aktuell im Historischen Museum Frauenfeld
Fasszierden aus dem frühen 19. Jahrhundert

Die Kartause Ittingen gehörte zur Mönchszeit zu den grössten Weinproduzenten und Weinhändlern des Bodenseeraums. Wein aus Ittingen wurde bis nach Glarus, Luzern, St. Gallen oder Süddeutschland verkauft. Die Auflösung des Klosters im 19. Jahrhundert brachte einen markanten Einbruch im Weingeschäft. Der Wein blieb aber auch unter Victor Fehr eine wichtige Einnahmequelle und hat bis heute seine Bedeutung als Botschafter für eine innovative Landwirtschaft nicht verloren. Die Ausstellung «Wein und Wohlstand» zeichnet ab dem 25. Juni 2016 die Entwicklung von Weinbau und Weinhandel in der Ostschweiz am Beispiel der Kartause Ittingen in einer unterhaltsamen Präsentation nach.
Weinbau und Weinhandel waren für die Kartause Ittingen seit dem Mittelalter von zentraler Bedeutung. Der Wein diente nicht nur der Versorgung der Mönche und ihrer Angestellten. Der Weinhandel war zudem ein ertragreiches Geschäft, das dem Kloster gutes Geld einbrachte, was ab der Mitte des 16. Jahrhunderts einen stetigen Ausbau der klösterlichen und wirtschaftlichen Infrastruktur erlaubte. 1836 lagerten in den Kellern von Ittingen über 1,3 Millionen Liter Wein.
Das Weingeschäft ging weit über den Anbau auf dem eigenen Hof hinaus. Zusätzlich bezog das Kloster den Weinzehnten in der Umgebung, kaufte verschiedenen Produzenten die ganzen Traubenernten ab und liess sich Kreditzinsen vorzugsweise in Form von Trauben bezahlen. Die Aufzeichnungen von Prokurator Josephus Wech (1702–1761), denen wir reichhaltige Einblicke in das Ittinger Weingeschäft verdanken, enthalten auch eine prägnante Schilderung dieser Verzahnung von Wein und Bankgeschäften. Er schreibt: «Hat das Gottshaus in seinen Kellern viel Wein, bezieht es aus diesem täglich viel Geld. Viel Geld erzeugt Wachstum und ermöglicht die Vergabe von Krediten. Aus den vielen Krediten fliesst viel Zins, und viel Zins ergibt wiederum viel Wein.»
Eindrückliche Zeugnisse der stolzen Ittinger Weintradition sind die zahlreichen, teilweise bis heute in der Region erhaltenen Trotten und Zehntenkeller. Im Besitz der Kartause befanden sich im 18. Jahrhundert Trotten und Keller im Gebiet von Uesslingen, Dietingen, Iselisberg, Uerschhausen, Horgenbach, Buch, Horben, Hüttwilen und Warth-Weiningen. Bis heute zeugen zudem der ehemalige Weinkeller in der Kartause selbst – heute als Ausstellungsraum genutzt – oder das 45’000 Liter fassende Prunkfass aus dem Jahr 1759 in der Remise des Schlosses Frauenfeld vom schwunghaften Handel mit dem edlen Rebensaft.
Die Französische Revolution und die darauf folgenden politischen Umwälzungen brachten Einschnitte in die wohl abgestimmte Wirtschaft der Mönche mit sich. So konnten dank einem Gesetz von 1804 Zehnten und Grundzinsen abgelöst werden. 1836 schliesslich geriet das Kloster unter staatliche Verwaltung, die ihre Aufgabe mehr schlecht als recht erfüllte. So musste sich 1855 der in Ittingen eingesetzte Verwalter Joseph Giezendanner vor Gericht wegen langjähriger Unterschlagungen verantworten, weil er unter anderem Zahlungen für verkauften Wein in die eigene Tasche gesteckt hatte. Für seine Verfehlungen büsste er sieben Jahre in der Haftanstalt Tobel.
Nicht zuletzt wegen solcher Schwierigkeiten verkaufte der Kanton Thurgau das Kloster, das 1867 in den Besitz des jungen Landwirtschaftspioniers Victor Fehr (1846–1938) kam. Zu dieser Zeit gingen die Rebflächen im Kanton Thurgau massiv zurück: Die Reblaus und der falsche Mehltau bedrohten die Erträge, die neu gebaute Eisenbahn ermöglichte Importe von billigen Weinen, und Zollschranken erschwerten den Absatz ins Ausland. Vor diesem Hintergrund richtete Victor Fehr den Weinbau konsequent auf Spitzenqualität aus. Er konzentrierte sich auf die besten Lagen, verbesserte die Kelterung und die Weinpflege.
Auch heute ist der Weinbau noch immer ein bedeutender Zweig der unternehmerischen Aktivitäten der Stiftung Kartause Ittingen. Die Bedeutung des Weins liegt allerdings weniger im finanziellen Ertrag, als vielmehr in seiner Funktion als Imageträger einer nachhaltigen Landwirtschaft.
Die Ausstellung «Wein und Wohlstand» lädt ein zu einer Zeitreise von der Klosterzeit bis heute und lässt erleben, wie sich Produktionsbedingungen und Bedeutung des Weins in der Kartause Ittingen im Lauf der Jahrhunderte verändert haben. Die Produktion des Weins, der Handel und dessen Bedeutung als Nahrungsmittel werden über die Jahrhunderte hinweg verfolgt. Personen aus verschiedenen Zeitepochen lassen das Publikum teilnehmen an ihren Strategien und Entscheidungen, wodurch die Veränderungen lebendig nachvollzogen werden können. Originaldokumente und attraktive Artefakte geben einen Einblick in die Bedeutung des Weins für Wirtschaft und Alltagsleben in der Kartause und den ganzen Thurgau.
Die Ausstellung wird durch interessante Begleitveranstaltungen, einen Audioguide sowie durch eine Publikation begleitet. Und nicht zuletzt lassen sich in Ittingen hervorragende Weine aus Eigenanbau geniessen; bei einer Degustation oder einem Essen im Restaurant Mühle.
Programm Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung
Di 7. März 2017, 18 Uhr
Weinbau in der Bodenseeregion
Weinqualitäten und Weingeschmack im Wandel
Vortrag von Dr. Christine Krämer, Historikerin und Önologin
Di 28. März 2017, 18 Uhr
Vom klösterlichen Weingrosshandel zum privaten Weingut
Der Wandel der Ittinger Weinwirtschaft im 19. Jahrhundert
Vortrag von Dr. Felix Ackermann, Kurator des Ittinger Museum
Di 9. Mai 2017, 18 Uhr
Thurgauer Weine an der Weltspitze
Vortrag von Thomas Vaterlaus, Chefredaktor Vinum
Sa 30. September 2017
Den Küfer bei der Arbeit erleben
anlässlich des Tages der offenen Tür der Stiftung Kartause Ittingen
Weitere Veranstaltungen und Angebote der Museen
jeden Sonntag, 15 Uhr
Öffentliche Sonntagsfu?hrungen
zu wechselnden Themen, auch in der Ausstellung «Wein und Wohlstand»,
Details im Veranstaltungskalender
jeweils am Mittwoch , 14 –16 Uhr
Museum für Kinder
Detailprogramm und Daten unter www.museum-fuer-kinder.tg.ch
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Beratung und Auskunft durch Brigitt Näpflin: Tel. 058 345 10 60
oder <email-pii>
Mehr Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf unserer Agenda
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