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| Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)

Zweites Buch: Die kanonischen Vorschriften über die nächtlichen Gebete und Psalmengesänge.
2. Die Anzahl der Psalmen in den verschiedenen Provinzen.
Wir haben in Erfahrung gebracht, daß in verschiedenen Gegenden manche Mönche, welche, wie der Apostel sagt, zwar den Eifer Gottes haben, aber ohne die Einsicht, nach ihrem Verstande der eine diese, der andere jene Regeln aufgestellt haben. Einige sind der Meinung gewesen, man müsse in jeder Nacht zwanzig oder dreissig Psalmen singen und diese [S. 27] noch hinausdehnen durch die Gesänge der Antiphonen und durch das Absingen gewisser anderer Gesangesweisen. Andere haben es versucht, dieses Maß noch zu überschreiten, wieder Andere wollen hiegegen nur achtzehn Psalmen. So bestehen denn, wie wir gesehen haben, an verschiedenen Orten verschiedene Übungen, ja es gibt beinahe ebenso viele Regeln hierüber als Klöster und Zellen. Manche sind sogar der Ansicht, daß in dem Offizium des Tages, nämlich in der Terz, Sext und Non, ebenso viele Psalmen zu singen seien, als die Stunde bezeichnet, in der sie das Gebetsopfer Gott darbringen. Andere wieder wollen bei jeder Gebetsversammlung des Tages sechs Psalmen gebetet wissen. Deßwegen erachte ich es für nothwendig, die ursprüngliche Anordnung der Väter hier auseinander zu setzen, wie sie noch heute in ganz Aegypten von den Dienern Gottes beobachtet wird, damit so das neue Kloster, das noch in seiner Kindheit sich befindet, nur mit den ältesten und ehrwürdigsten Einrichtungen der Väter vertraut gemacht wird.