Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03445.jsonl.gz/197

von Christoph Müller, Publishing Tools Support
Dieser Artikel ist kein Leitfaden wie man in 10 Minuten zum Scanner Operator wird, denn auch hier gilt: Übung macht den Meister. In dieser Arbeit werden aber eine Vielzahl von wichtigen Parametern und Grundlagen allgemeinverständlich beschrieben und erklärt. So können Sie nützliches Know-how in Ihre tägliche Scanarbeit einfliessen lassen, um sie zu verbessern.

|Die Auflösung der Druckvorlage

Eigentlich sollte man meinen, dass eine Druckvorlage nicht mehr Bildpunkte haben muss, als das menschliche Auge zu unterscheiden vermag. Das ist im Prinzip richtig. Dabei übersieht man allerdings, dass eine Druckvorlage nicht auf das Auge, sondern auf die Gesetzmässigkeit des Rasterprozesses abgestimmt werden muss. Als minimale Anforderung ist zu verlangen, dass die Druckvorlage gleichviel Bildpunkte aufweisen soll wie Rasterpunkte erzeugt werden sollen. Bei einer Rasterweite von 60L/cm sind es 60 Bildpunkte/cm. Nun wissen wir aus Erfahrung, dass es zur verlustfreien Umsetzung eines Halbtonbildes in ein Rasterbild die doppelte Bildpunktzahl braucht.
Geht man von einer Druckvorlage aus, die zuerst noch gescannt werden muss, ergibt sich auch hier die Forderung, dass die Abtastung auf den Scanner doppelt so fein erfolgen muss wie die anschliessende Rasterung. (Siehe Abbildung).
Es wird vorausgesetzt, dass die Breite der Linie identisch ist mit der Breite einer Rasterlinie für die gewählte Rasterweite. Wird nun die Abtasteinheit so gewählt, dass ein Bildpunkt identisch ist mit der Linienbreite, so stellt man fest, dass das Liniengitter nur dann korrekt wiedergegeben wird, wenn die Abtastung exakt an der Kante einer Linie beginnt. Beginnt die Abtastung in der Linienmitte, braucht es zwei Bildpunkte pro Linie, damit eine korrekte Wiedergabe des Liniengitters möglich ist. Diese Regel, dass eine Druckvorlage doppelt so fein abgetastet werden soll wie sie gerastert wird, kennt man bereits aus der Signaltechnik unter dem Begriff Nyquist-Theorem". Es lautet:
Die Quantisierung muss doppelt so fein sein wie die maximal mögliche Signalfrequenz"
|Wenn die Linienbreite identisch ist mit der Breite einer Rasterlinie, ist eine einwandfrei Wiedergabe nur möglich, wenn mit 2 Bildpunkten pro Linie abgetastet wird.

Bildpunkte von Druckvorlagen
Wenn man einer Rasterweite von 60L/cm als Standard für den Qualitäts-Offsetdruck auf gestrichenem Papier betrachtet, lässt sich errechnen, wieviel Bildpunkte eine Druckvorlage aufweisen muss, damit ein bestimmtes Format wiedergegeben werden kann.
Bildformat: Anzahl Bildpunkte in Millionen.
10,5 x 14,8 cm 2,238
14,8 x 21,0 cm 4,476
21,0 x 29,7 cm 8,95
29,0 x 42,0 cm 17,90
Diese Werte beziehen sich auf eine Rasterweite von 60 L/cm. Liegt die Rasterweite tiefer (beispielsweise beim Zeitungsdruck), reduziert sich die Anforderung an die Bildpunktzahl.

Bildbeurteilung
2.Haben wir einen Farbstich? Ist das Sujet absichtlich unterbelichet. Ist der hohe Kontrast gewollt?
3. Haben wir genug Halbtoninformationen?
Wir wollen das an einem Schwarz/Weiss-Beispiel betrachten. Die Verteilung der Pixel gibt uns einen Richtwert für Tonwertkorrekturen. Das erste Bild hat einen zu geringen Kontrast. Es weist in der Tiefe kaum noch Pixel und im Licht weitgehend keine Pixel mehr auf.
|Durch eine Tonwertkorrektur ist es nun möglich, die fehlenden Pixel mit bestehenden aus den Mitteltönen berechnen zu lassen. Dadurch entstehen im Histogramm Lücken, welche im Histogramm als Streifen sichtbar sind.|
|Wenn die Lichter beim Scannen zu hell und die Tiefen zu dunkel eingestellt sind, dann ergeben sich Bilder mit hohen Werten an beiden Enden des Histogramms. Das bedeutet, dass die Schattenpartien zufallen und die Lichterzeichnungen verschwinden.|
|Die Automatik-Funktion eines jeden Scanners mit automatischer Dichteregelung erzeugt beim Scannen zuerst ein Histogramm anhand dessen er die richtigen Einstellung für Licht und Tiefe setzt. Beachten Sie jedoch, dass nicht jedes Bild mit ungleichmässigem Histogramm fehlerhaft zu sein braucht!

Jetzt haben wir die drei häufigsten Scanfehler visuell und im Histogramm besprochen und dargestellt. Natürlich möchte ich Ihnen das Original nicht vorenthalten. Voilà:
|Bildkorrektur

Wenn wir das Maximum aus einem Scan herausgeholt haben und es trotzdem Bereiche im gescannten Bild gibt, die wir noch verändern wollen, greifen wir meist zu einer der vielen Korrekturmöglichkeiten des Photoshops. Leider ist es auch hier so, dass die Tonwertkorrekturen, die wir zum Beispiel in der Gradationskorrektur vornehmen, zu einer Verändernung des Histogramms führt. Bei der Tonwertkorrektur wird ein Teil der Graustufendaten verworfen, um andere Bereiche zu verschieben oder zu erweitern. Die von oben her bekannten Fehler sind im Histogramm zu erkennen. Mehrere Korrekturen hintereinander verringern die Informationsmenge, die im Bild vorhanden ist. Dies ist gut anhand des zweiten Beispieles zu erklären. Als wir die Korrektur durchführten (Original zu flau), entstanden im Histogramm Lücken. Diese Lücken bedeuten im Endeffekt, dass wir für gewisse Graustufen des Bildes überhaupt keine Informationen mehr besitzen. Wie gesagt, werden diese Lücken durch eine Streifenbildung sichtbar («Abriss»). Deshalb sollten alle Korrekturen möglichst schon beim Scannen vorgenommen werden, um die gesamte Skala von 256 Graustufen abzudecken.
Ist das Bild soweit optimal eingestellt, wird es noch geschärft. Sei es, weil die Vorlag unscharf ist, oder um den Grundschleier des Scanners zu entfernen.

Jeder Scanner besitzt zur Verbesserung der Bildschärfe die Möglichkeit einer Konturenverstärkung. Allgemein üblich ist der aus dem Englischen übernommene Fachbegriff USM (UnSharp-Masking). Das Bild wird von einem Lichtstrahl mit relativ grossem Durchmesser abgetastet. Nur der Kern dieses Strahls ergibt das Bildsignal. Der Umfeldstrahl registriert schon einige Walzenumdrehungen vorher einen kommenden Dichtesprung. Er gibt dem Rechner den Befehl, eben vor dem Dichtesprung ein stärkeres oder schwächeres Signal zu schreiben. Dadurch erzeugt man einen auf der Vorlage eigentlich nicht vorhandenen Konturensprung, der vom Auge als Schärfesteigerung wahrgenommnen wird.
Allerdings muss mit dieser «Aufsteilung» bei bestimmten Bildmotiven (z.B. Hauttönen oder Korn im Kleinbilddia) sehr behutsam umgegangen werden, da leicht Bildverfremdungen auftreten können.
|a) Entstehung des Differentialssignals aus Haupt- und Umfeldsignal (H-U). Durch Subtraktion des Umfeldsignals (U) entsteht ein Differenzsignals, das nach positiven und negativen Amplituden getrennt wird.

b) Entstehung des Detailkontrastsignals aus Hauptblenden- und Differenzsignals (H+(H-U)). Wird das Differenzsignal durch Addition auf das Hauptblendensignal aufmoduliert, so ist das Ergebnis eine Kontrast- und Schärfesteigerung im Bilddetail.
|Stärke:

Die Stärke steuert wie es der Name schon sagt die Stärke der Unscharfmaskierung. Die Einstellung variiert zwischen dem Original und dem Medium auf dem das Bild reproduziert wird. Für Ausgaben auf einen Thermosublimationsprinter dürfen die Werte höher liegen (400 bis 500) als bei Ausgaben auf dem Belichter (300 bis 400. Der Grund dafür liegt bei der Kontraststeigerung welcher der Filter erzeugt. Der Film reagiert mit seiner hohen Auflösung sehr empfindlich auf Überschärfe. Dies macht sich mit sehr harten Kanten oder «Verkörnung» der einzelnen Pixel bemerkbar. Die angegebenen Werte beziehen sich nur auf die Arbeit mit der CF1. Sie sind keineswegs als Referenz für andere Eingabegeräte auf CCD Basis zu beachten. Die Werte bei der Stärke stehen ausserdem in direktem Zusammenhang mit den Parametern Radius und Schwellwert.
Radius:
Schwellwert:
|Beispielbild: Bei Vergrösserung auf Pixelgrösse ist der Effekt des USM sehr gut sichtbar.

Die Unscharfmaskierung kann sehr effektiv auf ein Bild angewandt werden. In einzelnen Fällen empfiehlt es sich aber, die einzelnen Kanäle einzeln zu schärfen. Wenn man die RGB-Kanäle gesplittet betrachtet, bemerkt man oft, dass der eine Kanal unruhiger wirkt als die anderen (meistens ist es der Blau-Kanal). Der Grün-Kanal enthält meistens die Helligkeits-informationen und wirkt daher am ruhigsten. Man erreicht sehr gute Resultate, wenn man den Grün-Kanal mit einer normalen Einstellung ausgehend von obigen Erklärungen unscharfmaskiert, den Rot-Kanal mit denselben Einstellungen von Radius und Schwellwert, aber mit einem niedrigeren Wert für die Stärke. Den Blau-Kanal lässt man ungeschärft. Aber aufgepasst auf Überschärfe in einzelnen Kanälen! Dies kann zu Farbrändern an Kontrastkanten führen.
Wenn das Bild soweit fertig ist, kann es nun auf einem Filmbelichter belichtet werden, oder in einem Layoutprogramm montiert werden zur späteren Ausgabe. Um den Vorgang beim Belichten zu verstehen, müssen wir uns zuerst der Rasterbildung zuwenden.
In einem PostScript-Interpreter sind Rasteralgorithmen eingebaut. Mit Hilfe dieser Algorithmen werden aus Pixel-orientierten Bildern Rasterbilder generiert. Diese werden vom Interpreter als Bitmap-Daten zum Ausgabegerät weitergegeben.
|In der Grafik wird mit einem 600 dpi Laserdrucker ein 60er Raster generiert. Die Pixelinformation, die der Drucker erhält, ist eine 300 dpi Bildauflösung. Diese 300 dpi werden vom Interpreter als solche verarbeitet, jedoch für die Rasterausgabe können nicht 256 Grau-Abstufungen abgebildet werden, sondern nur deren 16 ohne Papierweiss.

600 dpi = 236 Punkte / cm
( 600 / 2,54 = 236 1cm = 2,54 dpi )
236 / 60 = 4 Punkte auf Rasterpunkt
( Auf einem cm kann der Laserdrucker 236 Punkte erzeugen. Da er aber deren 60 auf einem cm erstellen soll, bleiben ihm folglich noch 4 Punkte auf einen einzelnen Rasterpunkt. Da der Laserwriter auch eine Auflösung von 600 dpi in der Höhe aufweist, gilt dieselbe Rechnung auch für die Höhe. So erhalten wir eine Zelle von 4 x 4 Pixeln. In dieser können 16 Punkte adressiert werden. Somit können 16 Graustufen dargestellt werden.)
Reduzieren wir die Rasterweite, erhöht sich dadurch die maximale Anzahl der möglichen Graustufen. Erhöhen wir die Auflösung, erhöht sich die maximale Anzahl der möglichen Graustufen ebenfalls.
Rasterwinkel
Bei der Reproduktion von Bildern mit Hilfe von Rastern legt man die Rasterwinkel in bestimmte Winkel zum Bildformat. Als optisch unauffälligste Winkelung gilt die Diagonalstellung mit 45 Grad beziehungsweise 135 Grad. Sie wird für einfarbige Arbeiten bevorzugt. Würde man in der Farbreproduktion alle Rasterfilme einheitlich winkeln, lägen im Druck alle Rasterfilme übereinander.
|Standard Rasterwinkelungen (links). 15 Grad Moiré Muster (rechts).

Üblicherweise werden die in der obigen Grafik verwendeten Rasterwinkelungen gebraucht.
Neben den drucktechnischen Problemen, die ein Aufeinanderdruck aller vier Farben mit sich bringt, gibt es auch noch reproduktionstechnische Probleme. Schon bei geringer Abweichung der Rasterwinkelungen kommt ein geometrisches Muster ins Druckbild, Moiré genannt. Dieses Moiré muss durch Rasterdrehung so klein gehalten werden, dass es optisch nicht mehr stört. Das ist bei der optimalen Winkeldifferenz von 30 Grad der Fall. Wenn eine Farbe, meistens die auffälligste Hauptfarbe (Schwarz oder Magenta), auf 45 Grad bzw. 135 Grad gelegt wird, ergeben sich im Abstand von 30 Grad jeweils die beiden Stellungen 15 Grad und 75 Grad. Die Anfangsstellung von 0 Grad wird meistens für die optisch hellste Farbe Gelb reserviert.
Brauchen Sie mehr Informationen über alles, was zu einem guten Scan gehöhrt? Haben Sie Fragen, oder Bemerkungen? Kontaktieren Sie mich per e-mail. Schreiben Sie an <email-pii>
|E-mail an MediaforumInfo-Servicenach obenHome Zurück zur Übersicht|
|Mediaforum, Merkurstrasse 31, 8032 Zürich, Telefon 044/451 19 03, Fax 044/451 19 15|