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Karl V. und das Kloster Yuste
Ein langer Abschied
Kaiser Karl V. verzichtete 1556 freiwillig auf seine weltliche Macht und dankte in einem offiziellen Akt in Brüssel ab. Schon vorher hatte er sich nach einem Alters-sitz umgesehen, auf den er sich zurückziehen wollte. Dabei wurde ihm zugetragen, dass es im heutigen «La Vera» paradiesisch schön, im Winter nicht zu kalt, im Sommer auch nicht zu warm sei. Er entschloss sich, dorthin zu ziehen, um da seinen Lebensabend zu verbringen. Dafür liess er in unmittelbarer Nähe des Hiero-nymitenklosters San Jerónimo de Yuste sich eine kleine Altersresidenz errichten, die «Casa de Mirabel», die so an die Klosterkirche angebaut werden sollte, dass er sie trockenen Fusses besuchen konnte. Die Architektur sollte dem Gebäude nach-empfunden sein, in dem Karl in Gent geboren wurde. Mit dem Bau wurde 1554 be-gonnen. Vorgesehen war, dass er im Frühwinter 1556 bezugsbereit wäre.
Blick in den zweistöckigen Kreuzgang des Hieronymitenklosters
Die letzte Reise
Nach seiner Abdankung machte sich Karl V. am 15. September mit 56 Schiffen auf seine letzte Reise. In Laredo bei Santander (Kantabrien) ging er an Land. Hier ver-abschiedete er seinen grossen Tross und zog mit nur noch 150 Gefolgsleuten über Burgos und Valladolid ins Innere des Festlandes. Die Sänfte, in der er während der Reise getragen wurde, wird in der Casa de Mirabel noch gezeigt. Zwischen den Städten Avila und Salamanca zog er in den Süden und betrat auf dem Pass Tor-navaca die heutige Extremadura. Noch musste er die Sierra de Gredos überqueren, um nach La Vera zu kommen. Dafür brauchte er zwei Tage; dann langte er in Jarandilla la Vera an, wo einer seiner Freunde (Conte de Oropesa) ein Schloss besass. Sein Alterssitz war noch nicht ganz fertig gestellt und der Kaiser wartete hier auf dessen Vollendung.
Im Februar 1557 war es dann soweit. Mit einem kleinen Hofstaat, knapp 50 Per-sonen, machte sich der Kaiser auf zum gut zehn Kilometer entfernten Kloster. Kaum 19 Monate sollten ihm noch bleiben, bis er 21. September 1558 hier starb.
Der letzte Wohnsitz des Kaisers Karl V. mit Terrassen und Erkern zum Garten
Die «Casa de Mirabel»
Der recht einfach gestaltete Palast ist ein zweistöckiges Gebäude, das sich auf der einen Seite ganz an die Klosterkirche anlehnt. Gegen Süden hin gliedern Balkone und Vorsprünge die Fassade. Der Kaiser bewohnte die «Belle Etage» im Oberge-schoss, während darunter die Diensträume für das Personal untergebracht waren.
Da der Kaiser stark von der Gicht geplagt wurde, hatte er von aussen eine Rampe zu seinen Gemächern bauen lassen, was ihm den Weg in den Garten erleichterte. Der stufenlose Aufgang führte zu einem grossen, mit Säulen bestückten Balkon, von wo man das Innere betritt. Der Wohnbereich wies acht Zimmer auf, gegen hin-ten unter anderen sein Schlafzimmer und ein Vorzimmer zum Warten für die Besu-cher, gegen den Garten das Ess- und Arbeitszimmer, der Salon und der Audienz-raum. Vom Balkon aus konnte der Kaiser mit der Rute im nahen Teich fischen. Hier soll er oft dem Vogelgesang zugehört haben.
Chor mit Hochaltar in der Klosterkirche von Yuste
Vom Schlafzimmer liess er sich eine Öffnung in den Chor der Kirche machen, damit er direkt von seinem Bett aus den Blick auf den Hochaltar hatte und so der Messe beiwohnen konnte. Sein Sohn Philipp II. sollte diese Idee beim Bau des Escorials wiederholen.
19 Monate in Yuste
Karl V. hat trotz der Zurückgezogenheit immer wieder Gäste hier empfangen und auch eine rege Korrespondenz gepflegt, aus der man seinen Alltag ablesen kann. Daneben führt sein Oberhofmeister über alles Mögliche genau Buch und sein Leib-arzt schreibt auf, wie es um den Kaiser gesundheitlich bestellt ist, so dass wir über die letzten 19 Monate Karls ziemlich gut informiert sind. Einerseits ist er sehr reli-giös (er besucht täglich die Messe), anderseits liebt er aber auch die weltlichen Dinge über alles. So isst er gerne Meersfrüchte, Fische und Wildbret. Böse Zungen sagen darum, dass sich sein Leben zwischen «misa y mesa» (zwischen Messe und Esstisch) bewegt habe. Er liest gerne Ritterromane und die Bibel.
Blick von Süden auf die Case de Mirabel in Yuste, Dahinter ist die Südwand der Kirche sichtbar
Der Kaiser steht spät auf, erst gegen Mittag. Für die Toilette braucht er die näch-sten zwei Stunden. Dann ist Essenszeit. Anschliessend arbeitet er oder er hilft dem höfischen Uhrmacher, Dutzende von Uhren in Schwung zu halten. Am Vorabend empfängt er allfällige Gäste, widmet sich seiner Korrespondenz, liest oder er fischt Karpfen aus dem Teich Dann folgt das Abendessen. In etwa verbringt er so die meisten seiner Tage.
Schlafzimmer Kaiser Karls V. in Yuste
Wir besichtigen auf unserer Reise die gobelinverhangenen Gemächer Karls mit we-nigen seiner Requisiten und die Kirche des Hieronymitenklosters. Dabei erhalten wir auch Einblick in den Garten mit den Orangen- und Nussbäumen sowie dem Teich, ein zum Verweilen einladender Park. Während der Fahrt bewundern wir die schöne Landschaft, die einst schon dem Kaiser imponiert hat.
Die schlichte Westfassade der Klosterkirche von Yuste