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Zuhinterst im Bus sitzen, auf dem allerletzten Sitz und jedes Mal vor Freude beinahe quietschen, wenn der Bus den steilen Hügel hinunter über eine der Verkehrsberuhigungsinseln hopst. Für einen Augenblick fühlt es sich an, als würde man auf einer Jahrmarktsattraktion sitzen, der Magen macht einen kurzen Hopser und senkt sich dann wieder an den korrekten Ort; es ist genau das Gefühl, das man sich von Achterbahnen erhofft und meistens auch bekommt. Aber während es auf den Höllenmaschinen meistens zu lange anhält, um noch angenehm zu sein, hat der kleine Sprung des Doppelgelenkbusses über die schwarz-weiss karierte Insel genau die richtige Länge.
Ich mag, wie meine Fussgelenke in den Steigbügeln federn. Ich mag, wenn das Torkeltier sich unter mir bewegt und es sich anfühlt als würden wir uns miteinander bewegen und nicht jeder für sich. Ich mag, wie es mit gespitzten Ohren im Stallgang steht und drein schaut, als könnte es kein Wässerlein trüben, dabei hat es die letzten fünf Minuten lang versucht, sich die Glocken und Gamaschen von den Hinterbeinen zu streifen. Ich mag es, wenn im Stall gefrässiges Schweigen herrscht.
Um sechs Uhr befinde ich mich in einem Zustand zwischen Wachen und Schlafen, ich bin eigentlich wach, liege mit offenen Augen da, träume aber gleichzeitig weiter irgendeinen Quatsch und kann mich nicht bewegen. Ich fühle meinen Körper, wie er schwer auf dem Futon liegt und langsam zu versinken scheint, eins wird zuerst mit der Matratze, dann mit dem Lattenrost darunter, während von oben her die Decke sich verflüssigt und mit meiner Haut verschmilzt, bis ich verschwunden bin, aufgesogen vom Leintuch, das zuunterst liegt. Während dieses Vorgangs versuche ich, herauszufinden, wie ich da denn eigentlich liege, ist mein rechter Arm hinter oder vor mir auf der Matratze positioniert? Liegen meine Beine gerade übereinander, nebeneinander? Habe ich ein Knie angewinkelt, wie meistens? Und wo ist mein linker Arm? Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als läge mein Kopf zwei Meter neben dem Rest, zweihundert Zentimeter neben diesem nutzlosen Haufen Fleisch und Knochen. Genau so fühlt es sich nämlich an, kurz vor dem Verflüssigen, abwechslungsweise – im Sekundentakt wechselnd– als lägen alle Glieder auf einem Haufen, dann wieder, als wären sie wild im Raum verteilt. Keinerlei Zusammengehörigkeitsgefühl ist vorhanden, ich kann ja nicht einmal sagen, wo mein Hintern sich befindet, wo meine Füsse, bewegen ist unmöglich.
Zum ersten Mal reiten mit dem neuen Helm. Nach einer Stunde kein Kopfweh, der Schädel wird halbwegs gut belüftet, das Futter ist wasch- und austauschbar, der Drehknopf zum anpassen der Grösse drückt nicht und halbwegs passabel ausschauen tut das Ding auch. Im Laden habe ich Helm um Helm anprobiert, sogar schweineteure Modelle von Uvex, aber alle haben sie irgendwo gedrückt oder gezwickt oder gekratzt. Kriterien waren: waschbares und/oder austauschbares Futter; kein Samt- oder samtähnlicher Bezug, weil wenn man einmal damit im Sand gelegen hat, wäscht auch der stärkste Starkregen die Spuren nicht mehr weg; leicht; optisch halbwegs tragbar. Ich hatte mir vier Modelle notiert, eines davon gab es im Laden gerade nicht, zwei davon waren so unbequem, dass ich nach einer Minute Kopfschmerzen bekam und der vierte, den ich dann auch gekauft habe, passte sofort, fühlte sich angenehm an und war zudem noch der günstigste.
Kämpfe mit WordPress und installiere ein neues Theme zwar erfolgreich – dann aber werden die Icons, die zu den unter jedem Eintrag angezeigten Kategorien und Kommentaren gehören, nicht angezeigt. Jedenfalls halte ich sie für Icons, also kleine Bildchen und suche verzweifelt jedes Verzeichnis danach ab, aktiviere andere Themes und finde irgendwann (nach Tagen) heraus, dass es eben keine Bildchen sind, sondern ein Teil einer Schriftart, die sich im Theme-Ordner befindet. Da die ganzen anderen Schriften auf der Seite richtig angezeigt werden, kam ich nicht früher darauf, dass die kleine Sprechblase und das andere Ding Zeichen aus einer Schriftart sein könnten. So aber ist mir auf einen Blick klar, dass aufgrund meiner nicht ganz standardmässigen Ordnerstruktur die ttf-Datei nicht da liegt, wo das CSS-File sie vermutet – ich vervollständige die URL und das Problem ist gelöst.
Dann staune ich über mich selber, fehlende oder nicht geladene Schriften sind eigentlich ein Teil meines täglichen Lebens, aber wenn sie mir im Internet statt im InDesign begegnen, erkenne ich sie nicht. Minutenlanges Kopfschütteln.
{eine sehr stark zusammengefasste Geschichte.}
Englische (originale) Version hier.
{warum die englische die originale Version ist? Weil ich Emotionen irgendwie besser auf englisch ausdrücken kann. Weil mein seltsames Hirn solchen Kram oft englisch denkt und das Deutsche dann tatsächlich eine Übersetzung ist.}
{geschrieben am 27. November 2013, gefunden heute}
Als ich am Montagabend aus dem Büro kam, war ich verwirrt. Irgend etwas stimmte nicht.
Es war halb sechs Uhr abends, es war dunkel, es war kalt und – es roch nach Sommer.
Wie eine dieser kalten Frühsommernächte roch es, wenn das Gras gerade zum ersten Mal geschnitten wurde und die Luft mit dem würzigen Duft erfüllt, der dem Erstschnitt vorbehalten ist. Nie riecht eine Wiese zweimal so, wie sie es im Spätfrühling oder Frühsommer, jener Zwischenjahreszeit, tut.
Dieses Frühsommerheu riecht, wenn es noch kein Heu ist, sondern bloss als halbtrockenes Gras auf der Wiese liegt und zögerlich trocknet, nach vielen Dingen. Ich bin nicht sicher, ob ich die einzige bin, die es bemerkt, denn wenn ich mit Leuten darüber rede, sagen die: «getrocknetes Gras riecht nach … getrocknetem Gras. Wonach soll es denn sonst riechen?»
Vielleicht rede ich nicht mit den richtigen Leuten.
Jedenfalls riecht der erste Schnitt nach allerlei Dingen. Nach etwas süssem, herbem, nach Kräutern und winterschwerer Erde. Nach Eiscreme, Schokolade und nach frisch aufgeschnittener Gurke, nach Schneeglöckchenwurzeln, nach Käferschweiss. Und wenn eine Nacht so riecht, mitten im Herbst, nachdem es bereits geschneit hat, dann verwirrt mich das in höchstem Grade.