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Was würde ich tun, wenn heute mir eine Todeskrankheit diagnostiziert werden würde? Und der Arzt ernst und reuig mir mitteilen dürfe, ich habe noch sechs Monate zu leben? Was würde ich tun? Wie würde ich mich verhalten? Er würde mich zwar beschwichtigen, dass geringe Chancen existieren können, aber ich viele Entbehrungen zu erdulden hätte. Was würde ich tun? Willkommen.
Könnte ich noch harren, bis mein Bonus Ende Jahr ausbezahlt werden würde? Würde ich nicht sofort kündigen? Ich würde hier und jetzt meine Anstellung vergessen. Ich würde ohne Kündigung verreisen. Ich würde niemanden etwas mitteilen. Ich bin dann mal weg. Nichts existiert, das mich hier klammert. Mein Lebenswille schwächelt; mein Eros darbt, der Todestrieb jauchzt.
Ich werde gegenüber den Behörden eine Auswanderung signalisieren. Ich würde meine Pensionskasse leeren. Ich würde alle Konten saldieren. Alles in Bargeld umwandeln. Ich würde mir für einen Tag eine überteuerte Nutte finanzieren. Ich würde sie überall hinzehren; in den Wald, aufs Bahnhofsklo, ins Coqdor. Wir würden feiern und festen, ich an ihre Brüste mich pressen.
Tagsdarauf würde ich mir ein Ticket nach Thailand buchen. Ich fürchte Thailand. Ich werde mich dort verausgaben. Ich werde meinen Gesellschaftsroman vollenden. Nachts trage ich meine Dandy-Anzüge, kokse und spendiere Lokalrunden. Tagsüber schreibe und kotze ich. Weine ich. Vereinsame ich. Ich warte. In der Schweiz nicht zugelassene, dort aber erschwingliche Medikamente dämpfen mich.
Ich werde nichts vermeiden, meinen Körper weiter zu schaden. Ich rauche. Ich werde meine Geschichte weiterschreiben. Ich werde das süsse Ende verherrlichen. Ich werde den abstrakten Freitod bejubeln. Ich werde im Blick den Star des Tages kommentieren. Ich werde mich bei meinem Umfeld entschuldigen. Und auf Twitter meinen langsamen, aber stetigen Tod akzentuieren.
Doch glücklicherweise ist’s nicht soweit. Ich sterbe nicht, ich bin gesund. Ich lebe. Der Gedanke, dass alles enden kann, schneller als man denkt, aber tröstet, beruhigt mich.