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Der erste sogenannte «Heilkrampf», wurde von Ladislaus von Meduna (1896 –1964) am 23. Januar 1934 durchgeführt. Dies war Geburtsstunde der «epileptischen Behandlung» psychiatrischer Erkrankungen. Ugo Cerletti (1877 –1963) und Lucio Bini (1908 –1964) führten am 11. April 1938 die erste Elektrokrampftherapie (EKT) bei einem Patienten durch. EKT hat in der Gesellschaft zu Unrecht oft ein negatives Image. Es wird von «Elektroschock» oder «folterähnliche» Behandlung gesprochen.
Wann ist eine Therapie sinnvoll?
Wenn eine schwere akute psychiatrische Erkrankung vorliegt und/oder wenn durch eine Behandlung mit mehreren geeigneten Psychopharmaka und durch andere geeignete Verfahren keine ausreichende Besserung eingetreten ist. Besonders wirksam ist eine Elektrokrampftherapie bei schweren Depressionen.
Wie sind die Erfolgsaussichten?
Der Wirksamkeitsvorteil gegenüber antidepressiven Medikamenten ist ca. 20%. Bei Therapieresistenz medikamentöser Behandlung ist die Ansprechrate 50%. Bei unbehandelten Depressionen ist die Erfolgsquote 80%. Bei Manien zeigen 80% der Patienten eine deutliche Ansprechbarkeit auf EKT.
Wie wirkt EKT?
Gesichert ist die Steuerung der Hirnbotenstofffreisetzung von Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und GABA durch EKT. Zudem kommt es zur Zunahme von neurotrophen Faktoren (brain derived neurotrophic factor, BDNF) d.h. Faktoren für die Neubildung von Hirnzellen. EKT hat auch Einfluss auf verschiedene Hormonsysteme.
Ist mit Nebenwirkungen zu rechnen?
Ja, es können leichter Muskelkater, Übelkeit, Kopfschmerzen auftreten. Diese Beschwerden bilden sich nach spätestens 24 Stunden zurück. Vorübergehende Gedächtnisstörungen sind weitere Nebenwirkungen. Verwirrtheitszustände kommen nur in Einzelfällen vor. Während der Behandlung kann es zu Schwankungen des Blutdrucks, zu Herzrhythmusstörungen und zu Störungen der Lungenfunktion kommen,
Wie hoch ist die Sterberate der EKT?
Die Mortalität ist gleich hoch wie bei kleinen chirurgischen Eingriffen oder bei der Geburt.
Ein Todesfall auf 10‘000 Patienten bzw. ein Todesfall auf 80‘000 EKT-Behandlungen.
Wie wird die Therapie durchgeführt?
Grundsätzlich unter Kurznarkose mit Gabe von muskelentspannenden Medikamenten.
Die Patientin, der Patient spürt nichts von der eigentlichen Behandlung. Bei der Behandlung ist der Patient nüchtern genau wie vor einer Operation, am Oberarm wird eine Blutdruckmanschette angelegt, an der Brustwand EKG-Elektroden und am Kopf elektrische Kontakte (Elektroden). Das Gehirn wird durch zwei Elektroden mehrere Sekunden lang gereizt. Eine Elektrode wird vorne am Scheitel aufgesetzt, die andere an der rechten, bei Linkshändern an der linken Schläfe. Durch diesen Reiz wird ein Krampfanfall von etwa 40 Sekunden ausgelöst. Die Dauer des Krampfanfalls wird mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) überwacht. Die zugeführte Energie ist nicht sehr hoch.
Wann ist die Therapie ungeeignet?
Bei schweren Hirnkrankheiten, insbesondere bei gesteigertem Hirndruck. Bei Entzündungen des Gehirns und seiner Häute (Enzephalitis und Meningitis), bei Epilepsien, kurze Zeit zurückliegenden Schlaganfällen oder Hirnblutungen sowie bei schweren Herz-Kreislauf-Krankheiten.