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Der Wanderfalke ist ein Vogel der Superlative. Er ist das schnellste aller Tiere. Er ist der am meisten verbreitete Vogel. Er ist der grösste einheimische Falke. Und – er ist bedroht.
Die weltweite Verbreitung der Art ist wesentlich auf ihre sehr unspezifischen Lebensraumansprüche zurückzuführen; diese beschränken sich letztlich auf eine gesicherte Brutmöglichkeit und freien Luftraum mit einem ausreichenden Angebot an Vögeln.
Der Wanderfalke ist sowohl in der Kulturlandschaft als auch im Siedlungsraum anzutreffen. Felsen werden ebenso als Brutplatz genutzt wie Nistkästen, die an Gebäuden wie Kirchen, Kühltürmen oder Kaminen angebracht sind.
Bild: Beni Herzog
In den 1970er-Jahren brachen die Bestände des Wanderfalken plötzlich weltweit dramatisch ein. Mit verantwortlich war das DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), ein damals in der Landwirtschaft weit verbreitetes Schädlingsbekämpfungsmittel. Mit ihrer Nahrung, nämlich insektenfressende Vögel, nahmen die gefiederten Jäger die hochgiftigen Insektizide in grossen Mengen auf – mit verheerenden Folgen: Die Weibchen legten dünnschalige Eier, die beim Bebrüten zerbrachen, und die Wanderfalkenbestände nahmen immer weiter ab. Erst gross angelegte Schutzmassnahmen, wie das Verbot von DDT und anderen gefährlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln, konnten das Aussterben des stolzen Vogels knapp verhindern.
Foto: pixabay
Weil Tauben zu seiner Lieblingsbeute gehören, wird der Wanderfalke immer wieder zur Zielscheibe. Es werden gezielt Tauben mit Gift präpariert und als sogenannte Kamikaze-Tauben in der Nähe von Wanderfalkenhorsten freigelassen. Wenn die Falken diese dann schlagen, vergiften sie sich beim Rupfen der Beute.
So geschehen im Mai 2011 auf dem Kamin der Kehrichtverbrennungsanlage in Zürich. Die Aufnahmen der im Nistkasten installierten Kamera zeigen die Tragödie: Das Falkenweibchen landet mit einer Taube auf dem Vorplatz des Brutkastens und beginnt, die Beute zu rupfen. Kurze Zeit später fängt es an zu schwanken, stürzt vornüber und stirbt, aufmerksam beobachtet von den drei noch schneeweissen Jungtieren. Diese werden später in die Auffangstation Berg am Irchel gebracht.
BirdLife Schweiz setzt alles daran, diese unhaltbaren Praktiken zu stoppen. Im vergangenen Dezember wurde ein angeklagter Taubenzüchter vom Obergericht in Zürich als schuldig befunden und zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten und einer Busse von Fr. 1500.– verurteilt, zudem muss er die Verfahrenskosten tragen.
Text: René Berner
Der Wanderfalke ist der grösste einheimische Falke, fast bussardgross, mit einer Spannweite von ca. 110 cm. Weibchen wiegen 900–1300 g, Männchen 600–750 g. Er hat breite, aber spitze Flügel und einen kurzen Schwanz. Das Gefieder der Altvögel ist oberseits schiefergrau bis graubraun, am Bauch ist eine feine Querbänderung auf hellem Bauch auszumachen. Auffällig ist sein schwarzer Bartstreif. Augenring, Wachshaut und Fänge sind gelb. Von ihm zu hören ist ein langgezogenes «gääääh» als Kontakt- und Bettelruf, der Warnruf ist ein rau rätschendes, anhaltendes «grägrägrä».
Seine Nahrung besteht fast ausschliesslich aus Vögeln bis Drossel- oder Taubengrösse. Seine zwei bis vier kurzovalen Eier, die auf gelblichweissem Grund mit rotbraunen Flecken überzogen sind, legt das Weibchen bereits Anfang bis Mitte März und bebrütet diese während 33 Tagen. Anschliessend werden die Jungen bis zu 40 Tagen im Nest gefüttert. Auch nach dem Ausfliegen halten sich die Jungen noch ein paar Wochen laut bettelnd im elterlichen Revier auf. Im ersten Winter ziehen die Jungvögel nach Südwesteuropa, adulte Vögel sind Standvögel, sie verlassen ihr Revier auch im Winter nicht dauerhaft.
Wer selbst Wanderfalken suchen oder beobachten möchte, sollte sich zuerst einen Überblick über die Region verschaffen:
• Gibt es geeignete Felswände, die einen guten Blick auf das Revier zulassen?
• Sind diese Plätze nach Süden exponiert und vor Wind einigermassen geschützt?
• Kann der Wanderfalke frei anfliegen?
• Gibt es in den Felsen vielleicht Spalten, Löcher oder Nischen, die als Brutplatz geeignet sind?
Wer glaubt, einen guten Platz gefunden zu haben, braucht nun Zeit und Geduld. Die beste Zeit, um Wanderfalken zu suchen, ist die Zeit der Balz von Ende Februar bis in den März hinein oder später nach dem Ausfliegen der Jungen ab Mai bis in den Juli hinein. Dann sind die jungen Falken im Horstbereich recht flug- und ruffreudig. Mit etwas Glück lässt sich der in der Schweiz regelmässige, aber spärliche Brutvogel so etwas leichter finden.
Wir empfehlen die Materialien für Schulen und Jugendgruppen von BirdLife Schweiz: