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Neben der Unklarheit über die Absichten der amerikanischen Regierung sorgt auch ein System von Schattenbanken für Ärger.
China ist als weltweit zweitgrösste Volkswirtschaft mit dem zweitgrössten Aktienmarkt stets im Fokus von Anlegern, die ihr Aktienportfolio möglichst breit diversifizieren möchten. 2017 konnten Anleger an den chinesischen Aktienmärkten sehr gute Renditen erzielen. Im Verlauf dieses Jahres hat die Stimmung jedoch gedreht und die Performance der Märkte bewegte sich im negativen Bereich. Ausländische Investoren haben zwar im kleineren Umfang Aktien gekauft, während einheimische Marktteilnehmer diese verkauften.
Die gedrückte Anlegerstimmung hat vor allem zwei Gründe: Der Handelsstreit zwischen China und den USA und die Massnahmen der Regierung in Peking gegen das chinesische Schattenbankensystem sowie gegen die hohe Verschuldung.
Unsicherheit durch Handelsstreit
Die Situation für Anleger hat sich seit Jahresbeginn aufgrund des Handelsstreites deutlich verändert. Insbesondere besteht grosse Unsicherheit darüber, welche Ziele die USA mit ihren Handelsbeziehungen tatsächlich verfolgen. China möchte nicht den Eindruck erwecken, sich drängen zu lassen, agiert aber bisher zurückhaltend, um keine Eskalation zu provozieren. Es bleibt somit schwierig vorauszusehen, wie sich dieser Konflikt entwickelt.
Folgen für Chinas Wachstum
Chinesische Zeitungen zeigen sich besorgt über die Folgen des Handelsstreits und befürchten eine weitere Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Die Zeitungen signalisieren auch, dass China erwägt, weitere Massnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft zu ergreifen. Zu erwarten sind moderate Stimulierungsmassnahmen, die zu einer Erholung der Märkte beitragen könnten. Der Effekt dürfte aber kleiner sein als 2016 oder nach der Finanzkrise 2008, als die Wirtschaftslage schlechter war. Private und institutionelle Investoren dürften Massnahmen der chinesischen Regierung deshalb weiterhin sehr genau verfolgen. Wichtiger Schritt mit Nebenwirkungen Der Kampf gegen das Shadow-Banking-System steht weit oben auf der Agenda der Regierung in Peking. Das System hat sich während der letzten Jahre stark verbreitet, weil kleine und mittelgrosse Unternehmen vermehrt Schwierigkeiten hatten, Bankkredite zu erhalten.
Die Zurückhaltung der etablierten Banken ist eine Folge der strengeren Regulierung in Form von verschärften Kreditvergabekriterien. Schattenbanken bieten Firmen sogenannte Wealth-Management-Produkte an. Diese Produkte sind nicht vergleichbar mit gängigen Anlageprodukten. Die Angebote von Schattenbanken garantieren Anlegern eine Rendite von rund 6 Prozent, was einer sehr viel höheren Rendite entspricht als beispielsweise jene eines Bankkontos. Die Gelder fliessen als Kredite an Firmen.
Diese Geschäfte stellen für das Finanzsystem eine Gefahr dar, weil die Kredite nicht in den Bilanzen der Schattenbanken erscheinen, weshalb auch keine Reserven dafür bereitgestellt werden. Für Anleger jedoch entsteht der Eindruck, dass es sich um Einlagen mit einer Bankgarantie handle. Diese nötigen Schritte zur Entschuldung und damit zur Stärkung des chinesischen Finanzsektors erhöhen kurzfristig den Druck auf viele kleine und mittelgrosse Firmen, was zu einer Trübung der Stimmung geführt hat. In der Wahrnehmung vieler Anleger ist die Situation heute ähnlich schwierig wie 2015. Nach 2015 zeigten die chinesischen Aktienmärkte zwar eine gute Performance, trotzdem ist es schwierig zu beurteilen, wann genau die Stimmung drehen wird. Für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont könnte es interessant sein, jetzt einen genaueren Blick auf die Märkte zu werfen. Auf lange Sicht ist mit einem steigenden Binnenkonsum in China zu rechnen. Dafür sprechen strukturelle Gründe wie etwa die hohe Sparquote in der Bevölkerung und das weiterhin hohe Niveau der
öffentlichen Ausgaben wie zum Beispiel Investitionen in die Infrastruktur. Nach zwei Jahrzehnten starken Wirtschaftswachstums dürfte gerade die jüngere Generation zuversichtlich und konsumfreudig bleiben.
Klare Zeichen dafür sieht man beim Konsum von Luxusgütern und bei der Attraktivität von europäischen Städten im Tourismus.