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z. T. wieder von den Flüssen fortgeführt; einzelne Reste blieben aber an den Rändern der Thäler kleben und bilden jetzt «hohe» Terrassen, durchschnittlich etwa 100 m über den heutigen Flüssen. Gleichzeitig entstanden aus Torfmooren und Wäldern an einzelnen Stellen Schieferkohlen, so in Uznach, Dürnten, Wetzikon, Mörswil. Die letzte, dritte Eiszeit ist in ihren Moränenwällen noch am deutlichsten zu erkennen. (S. die geologische Karte zum Artikel «Alpen»).
Sie überdeckte auch wieder fast das ganze Mittelland mit Eis; so reichte der Rhonegletscher einerseits bis Genf, anderseits zusammen mit dem Aaregletscher bis Wangen an der Aare, der Reussgletscher bis Mellingen, der Linthgletscher bis Killwangen (bei Baden) und der Rheingletscher bis nach Schaffhausen. Ausserhalb der grossen Endmoränen füllten auch diesmal die Gletscherflüsse ihre Thäler mit Kies auf, d. h. mit dem sog. Niederterrassenschotter. Seither, nämlich in der Postglazialzeit oder im Alluvium, haben die Flüsse diese Schotter z. T. wieder erodiert und dadurch die «niedern» Terrassen geschaffen, die in einer Höhe von etwa 25-30 m die Flüsse der NO.-Schweiz oft weithin begleiten. (Fig. 6).
Aus der Alluvialzeit stammen endlich die Ablagerungen, die sich heute noch fortbilden: Torf in den Sumpfgegenden, Tuff als Absatz von Quellen, Schuttkegel als Aufschüttungen der Wildbäche etc.
Orographie und Hydrographie.
A. Allgemeines.
Von den 12900 km2, welche das Mittelland umfasst, kommt ein beträchtlicher Teil, nämlich etwa 1050 km2, auf die grossen Seen. Dabei ist nur der schweizerische Anteil von Genfer- und Bodensee gerechnet und die übrigen nur soweit, als sie dem Mittelland angehören. Nach den Flussgebieten verteilt sich die Fläche sehr ungleich. Der überwiegende Teil ist Rheingebiet, während mit Einschluss des schweizer. Anteils am Genfersee kaum mehr als 1000 km2 zum Rhonegebiet gehören werden.
Die allgemeine Abdachung des Mittellandes geht von den Alpen nach NNW., weshalb auch die meisten Flüsse, wenigstens stückweise, nach dieser Richtung gehen, ebenso viele Bergzüge. Beispiele dafür bieten: Aare bis Bielersee, Grosse Emme, Wigger, Suhr, Aa, Zugersee und untere Reuss, Zürichsee und Limmat, Glatt, Töss, Thur bis Wil, Bodensee. In der Längsrichtung zeigt sich im westl. Teil eine höhere Partie, welche die Wasserscheide zwischen Rhone und Rhein bildet.
Sonst geht fast dem ganzen Fuss des Jura entlang eine tiefere Furche, welche die Gewässer sammelt, die quer über das Mittelland herüber kommen. Der westl. Teil dieser Furche wird eingenommen von der Orbe, dem Neuenburger- und Bielersee und von der Aare bis nach Stilli; im östl. Teil sammelt der Rhein von Schaffhausen bis Kaiserstuhl die Wasser der Querthäler des Mittellandes. Getrennt durchbrechen dann Aare und Rhein den begrenzenden Wall des Jura und vereinigen sich erst ausserhalb des Mittellandes. Durch die oben genannten Querthäler wird das Mittelland in natürliche Abschnitte eingeteilt, die man etwa so zusammenfassen kann: 1. zwischen dem Genfersee und der Aare von Thun bis Bielersee;
2. von der Aare bis zur Linie Luzern-Suhr;
3. von der Suhr bis zur Linie Linth-Glatt;
4. von der Glatt bis zum Bodensee.
B. Das westschweizerische Molasseland.
Seine Abgrenzung ist schon angegeben worden. Die mittlere Höhe dieses Teils ist grösser als in den übrigen Gebieten. Mitten drin liegt die breite Masse des Mont Jorat mit 932 m. Geologisch besteht fast die ganze Fläche aus den Sandsteinen und Mergeln der untern Süsswassermolasse und der marinen Molasse, die sonst nirgends so grosse Flächen einnehmen wie gerade hier. Vielfach sind dieselben dann von mannigfachem Gletscherschutt bedeckt, der die Fruchtbarkeit des Landes bedingt.
Unter den Formen des Terrains herrscht die Hochebene vor. Der Abfall gegen den Genfersee ist steil; noch 7 km vom See ist eine Höhe von 904 m zu finden. Deswegen bietet dieser Abhang Schutz gegen die N.-Winde und eine treffliche Exposition nach S., wodurch sich der erfolgreiche Weinbau von Lavaux erklärt. Die Plateauflächen sind leicht gewellt, und die Wellen streichen nach NO., d. h. parallel zu den Alpen. Da hier wirklich eine fast zusammenhängende Hochebene vorhanden ist, erklärt sich auch der in der welschen Schweiz allgemein übliche Ausdruck Plateau suisse, während man in der deutschen Schweiz viel eher die Bezeichnung «Mittelland» braucht. Diese Hochebene umfasst das eigentliche Gros de Vaud, sowie den mittlern und nördl. Teil von Freiburg und Bern bis zur Aare. Von den Flüssen schleicht die Broye langsam in ihrem breiten Thale dahin, das fast überall mit Glazialschutt bedeckt ist. Ganz anders dagegen die Saane, Sense ¶
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und Aare mit ihren scharfen Serpentinen. Hier sind die Thäler schmal und schluchtartig, und steil fallen die Plateaux gegen diese Thäler ab. Für den Verkehr waren daher diese Thalstücke keineswegs günstig; erst die neueste Zeit hat diese Hindernisse durch grossartige Brückenbauten überwunden: Freiburg, Bern etc. Auf den Hochflächen stehen nur wenige hervorragende Berge, so z. B. der Mont Jorat (932 m), Mont Gibloux (1212 m), Gurten (861 m), weshalb man von diesen, aber auch von freiliegenden Punkten der Hochfläche eine prächtige Aussicht auf die Alpen geniesst.
In wirtschaftlicher Hinsicht ist hervorzuheben der grosse Reichtum der Hochfläche an Wäldern; besonders da, wo der Boden nur aus Sandstein besteht, ist fast immer Wald anzutreffen. Wo aber lehmige Glazialbildungen die Oberfläche bedecken, ist guter Ackerboden vorhanden. So erntet allein der Kanton Waadt in diesem Strich jährlich für 10-13 Millionen Fr. Getreide und für 6-6½ Millionen Fr. Kartoffeln. Weinbau ist allerdings in der Höhe ausgeschlossen. Am Fuss des Jura liegt hier auch die grösste Ebene des Mittellandes, das Grosse Moos (Fig. 9. - Siehe diesen Artikel).
C. Das Napfgebiet.
Zwischen Aare und Suhr liegt die grosse Nagelfluhmasse des Napf (1411 m). Hier ist im Gegensatz zum Rigi etc. der Streifen der aufgerichteten Molasse längs des Alpenrandes nur schmal, und die ganze Masse des Napf besteht aus ungestörten, d. h. fast horizontalen Nagelfluh-, Sandstein- und Mergelbänken. Deswegen hat sich hier ein ganz eigenartiger Landschaftstypus ausgebildet. Von dem zentralen Gipfel aus verlaufen nämlich die Thäler radial nach allen Richtungen hin. Im obern Teil sind es wilde und zum Teil senkrecht abbrechende Schluchten, Gräben genannt, die fast bis zum Austritt in die Ebene den Charakter enger Bergthäler bewahren. Jedes Thal verzweigt sich nach oben in zahlreiche «Gräben». Dadurch wird die ganze Bergmasse in schmale verzweigte Gräte, «Egg» genannt, zerschnitten.
Die «Egg» ist also ein seitlich von steilwandigen Gräben begrenztes, ziemlich schmales Plateau, das sich in der Längsrichtung langsam senkt; sie ist trocken und sonnig und trägt Wiesen und Aecker. Da gehen Getreide und Kartoffelbau bis zur Höhe von 1200 m. Die Thäler dagegen tragen Wald oder Wiesen und sind reich, ja überreich an Wasser und Wasserkraft. Diese eigentümliche Terrainform ruft auch einen Typus der Siedelungen hervor, der zum waadtländischen das Gegenstück bildet.
Dort geschlossene Dörfer und kleine Landstädtchen, hier dagegen zerstreute Siedelungen mit Einzelhöfen. Jeder Bauer wohnt eben mitten in seinem eigenen Lande, da er sonst bergauf und bergab viel zu viel Zeit und Arbeit verlieren würde. Sammelpunkte für die Ansiedelung schafft erst die Industrie in den grössern Thälern. Ein solches Gebiet wie das des Napf ist auch dem Verkehr feindlich. Keine grosse Heerstrasse schneidet es; alle umgehen es. Das gleiche ist mit den Eisenbahnen der Fall: das Napfgebiet bildet heute noch eine fast kreisförmige Fläche von 25-30 km Durchmesser, die von den Eisenbahnen nur am Rand berührt, nicht aber durchzogen wird.
D. Von der Suhr bis zur Glatt.
Dieser Teil des Mittellandes lehnt sich im S. an die Nagelfluhmassen des Rigi (1800 m) und Rossberg (1582 m) an. Nach N. werden die Berge rasch niedriger; der breite Rücken des Zugerberges hat noch rund 1000 m. Dann folgen parallel zu einander die breiten Höhenzüge von SSO. nach NNW., wie sie gerade für diesen Abschnitt des Mittellandes charakteristisch sind: oben mit breitem, flachem Rücken und nach unten mit konvexem Abhang, der also im tiefsten Teil die steilsten Böschungen zeigt. Dahin gehören der Stierenberg (874 m), Lindenberg (869 m), Albis (918 m), Zürichberg (Pfannenstiel 853 m). Dazwischen liegen breite Thäler, die meistens Seen aufweisen: Sempachersee und Suhr;
Baldegger-, Hallwilersee und Aa;
nördlicher Zugersee, Lorze und Reuss;
Zürichsee und Limmat;
Greifensee und Glatt. Fast alle diese Seen zeigen an ihren Enden alte Stirnmoränen, durch welche manche ganz, andere wenigstens teilweise aufgestaut worden sind. ¶