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Wie soll am Seeufer gebaut werden?
Wie soll am Seeufer gebaut werden?
Die kantonale Baudirektion muss das Bauen am Ufer des Zürichsees mit einem neuen Planungsverfahren regeln. Heute existieren keine einheitlichen Vorstellungen über eine angemessene Bebauung und den richtigen Umgang mit dem Uferbereich. Für das Land zwischen Seestrasse/Bahnlinie und dem Seeufer sollen neue Gestaltungsregeln gelten. Dazu müssen im Kanton Zürich das Planungs- und Baugesetz sowie die Richt- und Nutzungspläne angepasst werden. Die Bewilligungskompetenz für Baugesuche soll in Zukunft bei den Gemeinden liegen. Planwerkstadt unterstützte den Kanton als Stabsstelle und Organisatorin eines Workshopverfahrens, erarbeitete eine Synthese und formulierte eine Umsetzungsstrategie.
Uferbereich: Am Zürichseeufer sind über 70 Hektaren Wohnzone auf über 50 Kilometer Länge betroffen.
Die Rahmenbedingungen für das Bauen am Zürichseeufer haben sich in den letzten Jahren entscheidend verändert. Das neue Gewässerschutzgesetz hat weitreichende Konsequenzen für die Nutzung des Seeufers und im kantonalen Richtplan wird die verbesserte Zugänglichkeit des Seeufers gefordert. Folgenschwer wirkte sich 2013 aber der Entscheid des Bundesgerichts aus, welches die praktizierten kantonalen Richtlinien auf sogenanntem Konzessionsland, in einem Urteil als willkürlich beurteilte.
Ausgediente Konzessionsrichtlinien
Konzessionsland ist Land, welches im 19. Jahrhundert durch Aufschüttungen gewonnen wurde und zwischenzeitlich längst in Privatbesitz übergegangen ist. Der Kanton schrieb den Besitzern dennoch bis jüngst detailliert vor, wie sie bauen durften. Das komplexe Regelwerk, ist nun aufgehoben. Der Regierungsrat wurde ersucht, neue gesetzliche Grundlagen zu schaffen und zu klären, wie mit Mitteln der Raumplanung und des Natur- und Heimatschutzes sowie des Gewässerschutzes die öffentlichen Interessen gesichert werden können.
Im Rahmen des Projekts «Planen und Bauen am Zürichseeufer» wurde mit dem Kanton, den Gemeinden und den regionalen Planungsverbänden geprüft, wie in Zukunft mit dem Konzessionsland umgegangen werden soll.
Das Workshopverfahren «Zielvorstellung für das Bauen am Zürichseeufer» hat unter Berücksichtigung der ortsspezifischen Situation, der landschaftlichen Begebenheiten und der jeweiligen Nutzungsansprüche wichtige Erkenntnisse hervorgebracht.
Drei interdisziplinär zusammengesetzte Planungsteams haben in einem intensiven offenen Meinungsaustausch mit Fachpersonen und einem Begleitgremium aus Politik und Verwaltung ihre Erkenntnisse in Workshops präsentiert, diskutiert und weiterentwickelt.
Das Workshopverfahren mit drei Planungsteams und einem Begleitgremium aus Politik und Verwaltung hat wichtige Erkenntnisse für den künftigen Umgang mit dem Uferbereich hervorgebracht.
«Eine bauliche Entwicklung muss sich aus dem Bestand ableiten und eine hohe Qualität aufweisen. Dabei ist der Öffentlichkeitsgrad zu erhöhen.» Dies fasst ein Grundsatz aus der geführten Diskussion zusammen.
Anhand von Modellräumen wurden verschiedene Zielvorstellungen und Prinzipien für die zukünftige Entwicklung des Uferstreifens erarbeitet. Der Planungsperimeter erstreckte sich dabei über das gesamte linke und rechte Seeufer im Kanton Zürich. Insbesondere wurde der Uferbereich zwischen Seeufer und Seestrasse bzw. Bahnlinie untersucht.
Nach Abschluss des Workshopverfahrens wurde eine Synthese erarbeitet. Abgeleitet aus einer Gesamtschau werden Prinzipien für die Bebauung des Uferbereichs erarbeitet. Die Lage der Seestrasse ist neben der baulichen Dichte entscheidend für den Umgang mit dem Uferbereich. Für die Zuteilung zum passenden Strassentyp ist der Bezug zwischen Strasse, Uferbereich und See von besonderer Bedeutung. Die Prinzipien Uferstrasse, Parkstrasse und Ortsdurchfahrt bilden die Grundlage für die Umsetzung.
Prinzipien für die Bebauung des Uferbereichs.
Änderungen PBG in sicht
Abschluss der Arbeiten bildete die Diskussion, wie die verschiedenen Vorgaben, Richtlinien und Interessen am Zürichseeufer mit einem neuen Planungsinstrument koordiniert und umgesetzt werden können. Für eine Änderung des Planungs- und Baugesetzes (PBG) wurde entschieden, die Variante mit einer überlagernden nutzungsplanerischen Festlegung für die Uferbereiche, anstelle eines neuen Zonentyps, weiterzuverfolgen. In den «Uferbereichen von Seen» sind demnach in der Bau- und Zonenordnung (BZO) nach den Vorgaben der Richtplanung ergänzende Festlegungen zu Bauten, Anlagen und Umschwung zu treffen. Diese Variante hat den entscheidenden Vorteil, dass die bestehenden kommunalen Regelungen zu den spezifischen Bauzonentypen unangetastet bleiben und dadurch keine Umzonungen nötig werden. Es ist zu erwarten, dass auch die betroffenen Gemeinden sowie die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer dieser Variante eher zustimmen als der Einführung eines neuen Bauzonentyps («Uferbauzonen»). Der Regierungsrat hat die Baudirektion ermächtigt, die geplante Teilrevision des Planungs- und Baugesetzes bei Gemeinden, betroffenen Behörden, politischen Parteien, Verbänden und weiteren Interessierten in die Vernehmlassung zu geben. Die Vernehmlassung dauerte vom 12. Mai bis am 11. August 2017.
- Stabsstelle für den gesamten Planungsprozess
- Durchführung von Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden, zweier Planungsverbände, des Landschaftsschutzes, der kantonalen Amtsstellen sowie weiterer Interessenvertreter
- Erarbeitung des Pflichtenhefts
- Definition der Modellräume
- Organisation / Durchführung des Workshopverfahrens
- Ableiten der Prinzipien
- Erarbeitung der Synthese
- Fomulierung einer Umsetzungsstrategie
- Testentwurf Uferzonenplan