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Herstellungsort unbekannt, um 1800
Gold, Silber, Smaragd, Altschliff-Diamanten,
Diamantrosen (Brosche)
Karton, Papier, Seidensamt, Seidensatin (Etui)
H. 32,3 mm, B. 56,3 mm, T. 14,4 mm (Brosche)
Gewicht 15,4 g (Brosche), 72,5 g (Etui),
87,9 g (gesamt)
Inv. 2008.382.
Die prächtige Brosche, deren quadratischer Smaragd von einem mit insgesamt 198 Diamantenrosen und Altschliff-Diamanten bestückten Rankenwerk eingefasst ist, war ein prominentes Gastgeschenk: Zar Alexander I. von Russland logierte im Oktober 1815 nach seiner Rückkehr aus dem Feldzug gegen Frankreich im Basler Seidenhof am Blumenrain und verehrte der Schwiegertochter des Hausherrn zum Dank dieses Schmuckstück. Er hatte bereits im Jahre zuvor während des Durchzugs der gegen Napoleon kämpfenden alliierten Truppen im Seidenhof Quartier bezogen und liess dort mehrfach russisch-orthodoxe Gottesdienste abhalten.
Der damalige Besitzer des stolzen Stadtpalais am Rheinufer, der Basler Bankier Hans Franz Passavant-Martin (1751-1834), Gründer des Bankhauses Pas-savant & Cie, berichtete am 9. Oktober 1815 seiner in Genf lebenden Tochter in einem Brief von der persönlichen Begegnung und dem kurzen Gespräch mit dem Zaren: Angekündigt durch 100 Kanonenschüsse zog Alexander I. um vier Uhr mittags in Begleitung des Schweizer und Österreichischen Militärs in Basel ein. Nach der Vorstellung der Kinder gestattete der Zar der zwanzigjährigen Schwiegertochter des Hausherrn, Henriette Elise Passavant-Streckeisen, ihm den Tee zu servieren. Bei der 90-minütigen Teestunde lobte er die Annehmlichkeiten und die Sauberkeit seiner Unterkunft, die er - mit Ausnahme des Pariser Palais de l'Élysée - nirgendwo derart genossen habe wie in ihrem Hause. Als Zeichen seiner Dankbarkeit schenkte der Prinz von Wolkomski im Namen seiner Majestät Elise ein Souvenir: "C'est une petite agrafe en Diamants qui entourent une pierre verte probablement une Emeraude". Diese im Brief des Hausherrn beschriebene "agrafe" hat sich im Familienbesitz erhalten und gelangte als Depositum in die Sammlung des Historischen Museums. Laut Familientradition war die "agrafe" Teil eines Armbandes, das in frü-heren Texten aber keine Erwähnung fand. Eine spätere Besitzerin liess das Bracelet im Jahre 1933 in der Werkstatt des Basler Goldschmieds Ulrich Sauter in die vorliegende Brosche, ein Collier und eine weitere Brosche umarbeiten. Die "agrafe" - vermutlich das Schloss des Bracelets - wurde mit einer Broschierung versehen und wird noch heute in einem Etui der Firma U. Sauter aufbewahrt.
Mit diesem geschichtsträchtigen Schmuckstück erhält die Sammlung nun ein weiteres Geschenk des russischen Zaren: Der im Haus zum Kirschgarten im Segerhof-Zimmer ausgestellte Fingerring (Inv. Nr. 1950.491.) geht vermutlich ebenfalls auf ein Zarenpräsent zurück, das er der Hausherrin eines anderen Basler Stadtpalais, des nicht mehr erhaltenen Segerhofs, als Dank für die 1814 gewährte Unterkunft übergab. Jene Brosche wurde in der Folge ebenfalls zerlegt und zu diversen Schmuckstücken verarbeitet.