Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03333.jsonl.gz/55

Carmenère - Rebsorte
Eigentlich stammt die rote Rebsorte Carmenere aus
dem Bordeaux, Frankreich. Besonders im Medoc und Saint Emilion war sie als
"Grande Vidure" mit Cabernet Franc zu Cuvées vermählt Bestandteil vieler hervorragender Weine. Die Carmere
war
allerdings sehr empfindlich, verrieselte leicht, brachte in schwierigen Jahren
entsprechend wenig Ertrag und hat
deshalb an der Gironde stark an Bedeutung verloren.
Erfolgreich ist sie hingegen in Chile. Dass es mit
der Carmenère auch eine typisch chilenische Rebe gibt, wurde allerdings erst im
Jahre 1991 aktenkundig.
Silvestre Ochagavia führte um 1851 viele klassische
französische Rebsorten nach Chile ein – noch bevor der Echte Mehltau und die
Reblaus zuschlugen und den Weinbau in Europa flächendeckend lahm legten. In den reblausfreien Weingärten Chiles hatte die
Carmenère eine Zukunft und wurde dort allerdings bis Anfang der neunziger Jahre für einen
besonders interessanten Vertreter der Rebsorte Merlot gehalten. Erst jahrelange
Untersuchungen des französischen Ampelographen Jean-Michel Boursiquot (geb.
1958) zeigten auf, dass es sich bei der Carmenère nicht etwa um einen speziell
interessanten Klon der Merlot handelte, sondern um die alte Vitis vinifera aus
dem Bordelais. Winzer schätzten, dass zwischen 60-90 % ihrer Merlot-Reben sich
schlussendlich als Carmenère enttarnten.
In Chile wird die Carmenère heute auf weit mehr als 6'000 ha kultiviert.
Im Jahr 1997 wurden erst 330 ha offiziell gemeldet. Ein Jahr später vergrösserte
sich die Rebfläche schon auf 1697 ha und im Jahr 1999 wurde sie mit mehr als
2'306 ha angegeben. Es dauerte Jahre, bis die tatsächlich in den Weinbergen
vermischten Rebstöcke der Merlot und Carmènere bereinigt wurden.
Boursiquot beschaffte sich übrigens sein Know-how
der Ampelographie im Weinbau-Institut Montpellier (Frankreich) unter Pierre
Galet (geb. 1921). In Zusammenarbeit mit der University of California wirkte er
später massgeblich bei der Abstammungs-Aufklärung verschiedener Rebsorten, wie
beispielsweise Chardonnay, Durif, Gouais Blanc, Petite Sirah und Syrah mit. Er
blieb an der University of California, wo er eng mit mit Dr. Carole Meredith
zusammenarbeitet.
Italienische
Winzer aus dem Friaul belächelten den Irrtum der Chilenen etwas, mussten sich
aber selbst an der Nase nehmen, weil auch bei ihnen zu Hause oft Wein aus der Carmenere als Cabernet Franc etikettiert wurde. Sie sind sich sehr ähnlich und
möglicherweise ist die Carmenere mit der Cabernet Franc tatsächlich verwandt.
Die Carmenère-Rebsorte hat zwar eine eigenwillige, recht pikante Note, ist dafür
aber unglaublich süffig. Richtig pfeffrig, mit einer köstlich integrierten
Fruchtsüsse und viel Stoff, erinnert dieser schwere Rote an einen guten
Bordeaux.
Heute findet man die Carmenère u.a. in sehr
unterschiedlichen Anbauflächen auch in
Argentinien, Bulgarien, Brasilien, Griechenland, Ungarn, Deutschland, Russland,
der Türkey, der Schweiz und Italien.
Uns bekannte Synonyme sind:
CABERNELLA; BOUTON BLANC; GRANDE VIDURE; GRAND
CARMENET; CARBOUET; CABERNET CARMENERE; KARMENE
Hinweis: Wir haben die Beiträge nach bestem Wissen
erstellt. Sollten Sie dennoch in unseren Beschreibungen Fehler finden, danken
wir für jeden Hinweis.
Kennen Sie den Weinführer -
und Winzerführer Schweiz.
mehr...