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“I won’t stand beside you. Not again, Peter. Not in a million years.”
Nach dreizehn Jahren als Mutter und Hausfrau taucht Alicia Florrick wieder in die Berufswelt ein. Die Odyssee der Anwältin und Ehefrau des in Ungnade gefallenen Staatsanwalts von Chicago wurde über sieben Jahre – von September 2009 bis Mai 2016 – in 156 Kapiteln erzählt. Die Anwalts- und Politikserie geht als wohl letztes hochwertiges Network-Drama in die Geschichte ein.
Die Geschichte beginnt mit einem Bild, welches wir (vor allem aber Amerika) in den vergangenen Jahrzehnten nur zu oft zu sehen bekommen haben. Ein nervöser Politiker steht an einem Rednerpult vor zahlreichen Journalisten und gesteht seine – meistens in Zusammenhang mit Drogen, Sex oder Geld stehende – Missetaten ein. Bill Clinton, Eliot Spitzer, Anthony Weiner, vor allem aber deren ebenfalls ins Rampenlicht gezogene Ehefrauen Hillary Clinton, Silda Wall und Huma Abedin standen Modell für das Konzept der Serie.
Alicia steht ihrem Mann Peter Florrick beiseite, als dieser wegen eines Korruptions- und Sexskandal während seiner Amtszeit als Staatsanwalt inhaftiert wird. Sie und ihre beiden Teenager-Kinder müssen ihr Anwesen in Highland Park aufgeben und ziehen in ein Apartment in Chicago. Daraufhin nimmt Alicia ihre Karriere als Anwältin wieder auf. Geführt wird ‘Lockhart & Gardner’ – die Kanzlei, in welcher sie arbeitet – von Will Gardner, einem ehemaligen Studienfreund von ihr, und Diane Lockhart, einer liberalen, kompromisslosen Karrierefrau. Ebenfalls mit von der Partie sind Cary Agos, ebenfalls ‘first-year-associate’ und somit indirekter Konkurrent, und die undurchschaubare und aufreizende Detektivin Kalinda Sharma. Auf der politischen Seite der Geschehnisse stehen neben ihrem Mann, der später wieder in den Wahlkampf einsteigen wird, dessen leicht reizbare und am Rande des Legalen agierende rechte Hand, Eli Gold. Es sind die vielschichtigen Beziehungen untereinander, die die Serie zu einem klassischen ‘Ensemble Drama’ machen.
“I’ve defended enough people to know how shallow those words are. I don’t care what you believe. I care what you can prove.”
Die Serie balanciert geschickt ‘serialized’, sich über mehrere Episoden erstreckende, und ‘procedural’ storylines, eine Episode – eine in sich abgeschlossene Geschichte. “The Good Wife” war dann auch sieben Jahre lang der Trophäensammler und das ‘Quality-TV-Signet’ für den Sender CBS, der sich sonst mit Dramas wie “NCIS”, “CSI”, “Criminal Minds” und ähnlichen Procedurals über Wasser hält. 22 qualitativ hochwertige und intelligente Episoden pro Jahr zu produzieren, ist keine einfache Aufgabe, Robert und Michelle King und den weiteren Autoren von “The Good Wife” ist dies immer wieder gelungen. Echte Konkurrenz kommt in dieser Beziehung heute praktisch nur noch von Kabel-Sendern, Pay-TV und Streaming-Anbietern wie Netflix oder Amazon – und die produzieren höchstens 13 Episoden pro Jahr.
An der Serie wurde besonders geschätzt, dass sie nicht davor zurückschreckte, zeitgemässe, teilweise auch brisante Themen aufzugreifen. Die NSA, die Waffenvernarrtheit der Amerikaner, Rassismus, die gleichgeschlechtliche Ehe, der Atheismus der Hauptfigur und viele weitere Themen wurden immer wieder aufgegriffen. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Haupthandlung der Episode ‘Loser Edit’ gegen Ende der sechsten Staffel, in der ein Bäcker einem gleichgeschlechtlichen Paar das Catering ihrer Hochzeit verweigert, unter Berufung auf die Gesetze der Religionsfreiheit. Genau dies passierte im April 2015 – in der Woche bevor die Episode ausgestrahlt wurde – im Bundesstaat Indiana und schlug medial hohe Wellen. Wohlgemerkt, die betreffende Episode wurde Wochen vorher abgedreht. (Link dazu zum Artikel der Huffington Post)
“Well this has been fun. Die choking on your blood please.”
Die über sieben Staffeln und 156 Episoden andauernde Geschichte wird von den Machern der Serie, dem Ehepaar King als “the Education of Alicia Florrick” beschrieben. Sie ist Dreh- und Angelpunkt der meisten kriminellen, familiären, romantischen und dramatischen Geschehnisse und zweifellos eine der komplexesten und interessantesten (Frauen-)Figuren in der Geschichte des Fernsehens.
Der Titel mag auf den ersten Blick etwas abschreckend wirken, das soll aber nicht davon abhalten, der Serie eine Chance zu geben – “Suits” und “Boston Legal”, aber auch “House of Cards” sind der Serie von der Dramatik und vom Humor her nicht ganz unähnlich. Zusätzlich weist die Serie den wohl umfassendsten und talentiertesten Cast der Seriengeschichte auf. Julianna Margulies, Chris Noth, Josh Charles, Christine Baranski, Archie Panjabi, Matt Czuchry und Alan Cumming haben sich allesamt als zuverlässige Charakterdarsteller erwiesen und heissen im Verlauf der sieben Jahre Dutzende von hochkarätigen Gastdarsteller willkommen. Es vergeht keine Episode, in der durch die Darstellerriege kein Querverweis auf andere Serien möglich ist – “Luke Cage”, “Downton Abbey”, “The Walking Dead”, “American Horror Story”, “Game of Thrones”, um nur einen Bruchteil davon zu nennen.
Nachdem sie 14 Golden Globe- und 43 Emmy-Nominierungen eingeheimst hat, fiel es dem Sender natürlich schwer, sich von seinem Aushängeschild zu trennen. Glücklicherweise befinden wir uns im Zeitalter von Spin-Offs, Remakes und Sequels. So startet am 19. Februar das Spin-Off “The Good Fight”, das in seiner ersten Staffel zehn Episoden umfassen wird und sich um die beiden aus der Mutterserie bekannten Figuren Diane Lockhart (Christine Baranski) und Lucca Quinn (Cush Jumbo) drehen wird. Dazu stösst die “You know nothing, Jon Snow”-Darstellerin Rose Leslie. Die Serie, welche von Trumps Sieg kalt erwischt wurde und bereits Veränderungen an den Skripten vornehmen musste, verspricht genauso dramatisch zu werden wie der Vorgänger:
Die sieben Staffeln von “The Good Wife” wurden von 2009 bis Mai 2016 auf CBS ausgestrahlt. Staffel eins bis sechs sind auf Netflix Schweiz verfügbar. Die (zunächst) zehnteilige Spin-Off Serie “The Good Fight” wird ab 19. Februar auf CBS All Access zu sehen sein.
Created by Robert and Michelle King / Darsteller: Julianna Margulies, Chris Noth, Josh Charles, Christine Baranski, Archie Panjabi, Matt Czuchry und Alan Cumming