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Früher oder später müsse man wieder über die Abgabe der Taschenmunition diskutieren, findet SVP-Parteipräsident Toni Brunner. Ein überstürzter Entscheid habe vor drei Jahren dazu geführt, dass man die Taschenmunition den Soldaten weggenommen habe. Weiter sagte Brunner gegenüber Tink.ch: „Grundsätzlich gehört die Taschenmunition zum Wehrmann wie die Armeewaffe“. Die Munition sei nur für den Ernstfall bestimmt. Hermann Suter, Präsident der Schweizer Milizorganisation Giardino bläst ins selbe Horn: „Ohne Munition ist ein Gewehr nichts wert“.
Wiederkehrendes Dilemma
Die Taschenmunition wurde in der Schweiz erstmals 1892 an die Miliz abgegeben und diente in erster Linie dem Selbstschutz der Soldaten bei einer raschen Kriegsmobilmachung. Bereits 1899 wurde sie jedoch auf Antrag des Kantons Waadt wieder eingezogen. Grund dafür war eine zu beobachtende Häufung von Verbrechen und Suiziden mit Armeewaffen. Während des zweiten Weltkriegs und unter dem Eindruck des Kalten Krieges wurde die Taschenmunition erneut abgegeben.
Im Jahr 2007 beschloss das Parlament, die Dosen wieder einsammeln zu lassen. Gedeutet werden konnte der Entscheid als Reaktion auf das Einreichen einer Initiative zum Schutz vor Waffengewalt und auf einen Mord in Hönggerberg. Ein soeben aus der Rekrutenschule entlassener Soldat hatte im November 2007 eine 16-jährige Frau mit der Ordonnanzwaffe erschossen. Der Täter konnte kein Motiv angeben, er hatte sein Opfer zufällig ausgewählt.
Keine Übersicht
Von den insgesamt rund 250’000 abgegebenen Dosen Munition konnten in den vergangenen drei Jahren 240’000 wieder eingezogen werden. Wie die Armee mitteilt, wurden im Dezember vergangenen Jahres etwa 5’200 Personen gemahnt, weil sie die Taschenmunition noch nicht abgegeben hatten. Weitere 5’000 Personen haben ihre Taschenmunition als verloren oder gestohlen gemeldet. Sie müssen mit einer Disziplinarbusse rechnen.
Weil die Taschenmunition von rund 100 verschiedenen Stellen bei Bund und Kantonen abgegeben und zurückgenommen wird, besteht keine zweifelsfreie Kontrolle, ob die Taschenmunition tatsächlich und vollständig eingesammelt werden kann. Eine durchgehende elektronische Erfassung findet erst seit Ende 2007 statt. „Die zuverlässige Datengrundlage bildet das Dienstbüchlein jedes AdA (Angehöriger der Armee, Anm. d. Red.)“, heisst es in einer Pressemitteilung der Armee.
Diskussion geht weiter
Während die Gegner der Waffenschutzinitiative, ermutigt durch das gute Abstimmungsresultat, weiter vorpreschen, fordern deren Befürworter mehr Gelder für die Suizidprävention; Bundesrätin Sommaruga will das Waffenrecht verschärfen. Die Diskussion um die Notwendigkeit von Waffen in den Schweizer Kleiderschränken geht in eine nächste Runde.