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Ich bin am 10.März mit gemischten Gefühlen nach Sri Lanka aufgebrochen. Am 22. Februar war der fünfte Jahrestag des „Waffenstillstandes“ (4000 Tote in den letzten 14 Monaten) begangen worden, und es standen massive Drohungen von beiden Kriegsparteien im Raum.
Michel konnte mich leider nicht begleiten, aber ich traf mich in Frankfurt mit zwei Freundinnen, die ebenfalls vom Sri Lanka Virus befallen sind.
Während ich in Colombo unsere Freunde besuchte, fuhren sie direkt in ihr Feriendomizil.
In Colombo hatte sich seit September nicht viel verändert: starke Militärpräsenz, kaum Touristen und merklich weniger Betrieb auf den Strassen.
Für die Fahrt nach Hambantota hatte ich mich nach Rücksprache mit dem Fahrer für die kürzere Innlandroute entschieden. Es sollte eine sehr lange Fahrt werden.
Es ist ein seltsames Gefühl Kilometer um Kilometer auf einer Strasse zu fahren, auf der alle fünfhundert Meter zu beiden Seiten ein schwer bewaffneter Soldat postiert und alle paar Kilometer eine Strassensperre zu umfahren ist.
Ich kannte dies nur von Strassen im Osten des Landes kurz nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes.
Bis anhin hatte der Krieg im Westen und Süden des Landes vor allem für Touristen keine sichtbaren Auswirkungen gehabt.
Auch waren wir als „Weissnasen“ nie an einer Strassensperre kontrolliert worden.
Mein Pass wurde mehrere Male mit grossem Interesse gedreht und gewendet und als endlich ca. vierzig Kilometern von der Hauptstadt entfernt die Sperren weniger wurden, ging ein tropisches Gewitter nieder.
Gegen achtzehn Uhr wird es in Sri Lanka nicht einfach dunkel wie in unseren Breitengraden, sondern schwarz.
Strassenbeleuchtung existiert nicht und auf dem Land sind viele Häuser nicht am Stromnetz angeschlossen. Fehlende oder irreführende Beleuchtungen an den Fahr-zeugen tun ihr übriges. Da wird ein schwebendes, einsames Lämpchen im Abstand von weniger als 20 Metern plötzlich zum oberen, rechten Positionslicht eines veritablen Lastwa-gens und vermeintliche Motorräder mutieren ebenso plötzlich zu einseitig beleuchteten Fahrzeugen weit grösseren Ausmasses. Unnötig zu erwähnen, dass nicht eines der dutzenden von Fahrrädern eine wie auch immer gestaltete Beleuchtung aufweisst.
Völlig erschlagen kamen wir nach acht Uhr im Resthouse in Hambantota an, um dort zu erfahren, dass sie restlos ausgebucht seien!
Ich hatte keinen Gedanken an diese Möglichkeit verschwendet da die Touristen-zahlen im Moment auf noch tieferem Niveau liegen als kurz nach dem Tsunami.
In Hambantota wurde zwischenzeitlich mit dem Bau des Hochseehafens begonnen und das Resthouse war besetzt mit einheimischen Bauleitern.
Nach langem Hin und Her fand sich doch noch ein Zimmer, allerdings nur für eine Nacht.
Im Vorfeld der Reise hatte ich mir schon überlegt, ob ich nicht aus Sicherheitsgründen bei Bekannten übernachten sollte. Das Wissen, dass sie aus Gastfreundschaft ihr halbes Leben auf den Kopf stellen würden hielt mich jedoch davon ab.
Im Resthouse fühlte ich mich in dem Männerhaufen extrem unwohl, zumal einheimische Männer seltsame Vorstellungen von alleinreisenden Frauen haben und niedergeschlagene Augen und entlang huschen an Wänden nicht ganz meiner Natur entspricht.
Michel`s sms, falls mir ein Haar gekrümmt würde „ mach i si alli hi“ war zwar tröstlich und erheiternd, aber ich fühlte mich erst besser als ich im Zimmer einen extrem schweren Tisch vor die Türe gewuchtet hatte und erst noch der Kackerlake habhaft wurde, die ich bei der Aktion aufgestöbert hatte.
Am nächsten Morgen hiess es dann, dass jemand, der drei Zimmer gebucht hatte, nur deren zwei beanspruchen würde, und ich bleiben könne.
Bei dem neuen Zimmer ging die Türe nach aussen auf, was die nächtliche Sicherung beträchtlich erschwerte. Nun – anfänglich ging die Türe gar nicht auf! Es waren aber gleich drei hilfreiche Geister zur Stelle, die mit einem Schraubenzieher im Schloss herumstocherten und aus einem Fundus von zwei dutzend Schlüsseln denjenigen aussuchten, mit dem sich die Türe eindeutig am besten aufschliessen liess!?