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Martino Barbieri oder, wie er nördlich der Alpen genannt wird, Martin Balbierer, wird 1583 in Roveredo als Sohn des Giulio geboren. Mit seinen Landsleuten, dem Onkel Giovanni Antonio Barbieri und Pietro Sciascia, die um 1601 und 1608 im Württembergischen nachgewiesen sind, wird er schon früh in die saisonale Emigration der Misoxer Baumeister einbezogen. Ein berühmter Misoxer, der in Dillingen tätige Giovanni Albertalli oder Hans Alberthal, auch der «welsche Hans» genannt, ist als Hofbaumeister von 1609 bis 1619 in Eichstätt tätig. Hier tritt 1615 Martino Barbieri der marianischen Kongregation bei, ist also, wahrscheinlich mit Protektion seines berühmten Landsmannes, in Eichstätt sesshaft geworden. Von 1619 bis 1628 sind in der Bischofsstadt auch Taufen seiner Kinder eingetragen. Die Söhne Giulio,[1] Domenico und Pietro treten in seine Fussstapfen und sind an den Bauten des Vaters beteiligt. Sie kehren später, mindestens im Winterhalbjahr, wieder nach Roveredo zurück. Die Tochter Caterina heiratet in Roveredo den Stuckateur Giovanni Battista Zuccalli, ist damit Mutter des berühmten Münchner Hofbaumeisters Enrico Zuccalli (ca. 1642–1724). Martino Barbieri stirbt mit 50 Jahren am 26. Januar 1633 in Eichstätt. Noch jünger stirbt seine Gattin, deren Tod 1630 in Eichstätt als des «Murarius und Baumeisters zu St. Walburg Hausfrau» vermerkt wird.
Die Erwähnung der Kirche von St. Walburg bezieht sich auf das letzte Werk des Misoxer Baumeisters in Eichstätt. Die Wandpfeilerkirche des Benediktinerinnenklosters über der Bischofsstadt, die er 1629–1631 errichtet, ist gleichzeitig sein Hauptwerk und eines der wenigen Werke in Eichstätt. Nebst umfangreichen Arbeiten an der Willibaldsburg als Nachfolger Alberthals arbeitet er auch in Schwaben, fast immer zusammen mit seinem Bruder Alberto. Sie bauen 1617 die Pfarrkirche in Frohnstetten bei Sigmaringen, modernisieren 1623 die Pfarrkirche von Laupheim, und erstellen 1628–1629 den Chorneubau der Klosterkirche von Weissenau.
Nach dem Tod von Martino Barbieri arbeiten seine Söhne mit dessen Bruder Alberto weiter und treten erst um 1655, nach dem Ableben ihres Onkels, als selbständige Baumeister auf.
Pius Bieri 2009
Literatur:
Zendralli, Arnoldo Marcelliano: Graubündner Baumeister, Zürich 1930.
Zendralli, Arnoldo Marcelliano: I Magistri Grigioni, Poschiavo 1958.
Pfister, Max: Baumeister aus Graubünden, Chur 1993.
|1609–1619.||Eichstätt (D), Willibaldsburg, Gemmingentrakt, Mitwirkung am Neubau von Hans Alberthal (nach Plänen von Elias Holl).|
|1617||Frohnstetten (D), Pfarrkirche St. Sylvester.|
|1619–1633||Eichstätt, Willibaldsburg, Fertigsstellung Gemmingentrakt. Kurtinen und Basteien.|
|1623||Laupheim (D), Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die Baufertigstellung erfolgt 1661 durch die Söhne Giulio und Domenico.|
|1628-1629/31||Weissenau bei Ravensburg (D), Prämonstratenserabtei, Chorneubau.|
|1630–1631||Eichstätt (D), Benediktinerinnen-Klosterkirche St. Walburg, Neubau.|
|Martino Barbieri I (1583–1633)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|1583||Roveredo||Graubünden CH|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Freistaat Graubünden||Chur|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|26. Jannuar 1633||Eichstätt||Bayern D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Fürstbistum Eichstätt||Eichstätt|
|Kurzbiografie|
|Martino Barbieri folgt seinem Landsmann Giovanni Albertalli um 1610 nach Eichstätt, wo dieser seit 1609 als Hans Alberthal den Gemmingentrakt der Willibaldsburg baut. Die beiden Misoxer Baumeister gehören zur ersten Generation der «Italiener», welche noch vor dem Dreissigjährigen Krieg die frühe barocke Baukunst nördlich der Alpen gegen die absterbende deutsche Handwerkstradition der Renaissance durchsetzen. Während Hans Alberthal wieder nach Dillingen zurückkehrt, wird Martino Balbieri in Eichstätt ansässig. Sein Hauptwerk ist hier die Kirche St. Walburg. Mit seinen Söhnen Giulio und Domenico ist er auch an Bauwerken in Schwaben tätig, wie dem Chorneubau der Stiftskirche Weissenau oder der Pfarrkirche in Laupheim.|