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Alp/Sennten
Die Alp Mühlebach erstreckt sich über das ganze Mühlebachtal und dem Widersteinerloch. Ausser der Glattmatt und dem Bützi, die von Talbetrieben als Alpheufläche genutzt werden, wird die Alp ausschliesslich mit Rindvieh und Ziegen bewirtschaftet. Die Alp besteht aus 4 Sennten (Sennten = ein Betrieb, der wirtschaftlich unabhängig von den anderen Betrieben geführt wird) und ist im Besitz der Gemeinde Glarus Süd. Ich bewirtschafte die Sennten Hahnen und Plättli (fusioniert 2011), das Schlösslisennte wird von Stefan Fässler und das Gamszinggensennte von Adrian Rychen bewirtschaftet. Die Alp hat noch Wildgeissrechte, die Fritz Hämmerli aus Engi verwaltet. Mit den Mutterkühen und den Milchkühen bin ich unabhängig von den beiden anderen Sennten. Lediglich bei den Rinder arbeite ich mit dem Schlösslisennte zusammen, da die Rinder auf gemeinsamen Weiden laufen. Das Gamszinggensennte ist mit seinen Rindern seit 2016 im Widersteinerloch und unabhängig von den anderen. Das Schlössli- und Gamszinggensennte arbeiten auf dem Oberstafel (Lüser) sehr eng zusammen, da sie die gleichen Gebäude und Weiden für die Milchkühe teilen. Die Alp ist über eine Strasse bis zum Oberstafel erschlossen. Auch wenn diese gefährlich und steil ist, bringt sie enorme Vorteile bei der Bewirtschaftung mit sich. Die Alp zeichnet sich nicht nur mit dem hervorragenden Angebot an Grünfutter aus, sondern auch mit einem grossen Vorkommen natürlichen Wassers. So sind auf der Alp verhältnismässig wenig Brunnen im Einsatz, wo das Wasser gefasst und über weite Strecken hergeleitet werden muss.
Stafel
Der Unterstafel 1170 - 1350 müM
Bestehend aus Üblital, Chalberweid, Schlössli und Wissrisi wird vorwiegend mit den Rindern vom Schlössli und Hahnen-Plättlisennte bewirtschaftet.- im Vorsommer (Juni) etwa 3 Wochen und im Herbst (Ende September) noch 2 Wochen. Der Rinderhirt logiert in der untersten Hütte im Üblital. Im Frühling und im Herbst werden die Milchkühe vom Hahnen-Plättlisennte je einmal im Üblital gemolken, die Milch wird jedoch schon auf dem Mittelstafel verarbeitet. Die Weiden Hatzge, Bulschtere und Hässene werden von den Rindern des Gamszinggensennte genutzt, bevor diese ins Widersteinerloch gehen.
Der Mittelstafel 1400 - 1800 müM (Mutterkühe und Rinder bis auf 2100 müM)
Bestehend aus den Weiden Plättli, Matt und Hanen, genutzt im Juni und September für die Milchkühe des Hahnen-Plättlisennten
Die Weiden Geisslaui, Altstafel und Werben werden für die Mutterkühe Juni bis Mitte Juli und September genutzt. Die Weiden Melchböde, Gulderbode und Geisslaui werden im Juli und Altstafel Anfang September für die Rinder genutzt. Das Werben dient als Schneeflucht für die Mutterkühe während der Zeit im Oberstafel und der Altstafel als Schneeflucht für die Rinder während der Zeit "uf de Chämm".
Für die ersten drei bis vier Wochen sowie den ganzen September sind wir mit den Milchkühen auf dem Mittelstafel. Die Kühe werden im Plättlistall gemolken, die Milch in der Plättlihütte verarbeitet. Dies ist sehr anspruchsvoll, da die Infrastruktur sehr alt ist und bei weitem nicht mehr dem heutigen Standard entspricht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keinen Spass macht so traditionell zu arbeiten. Die Hahnenhütte nutzen wir zum logieren - so können wir Lebensmittelproduktion und Wohnraum auf der Alp trennen.
Später, wenn wir mit den Milchkühen auf dem Oberstafel sind, wird die Hahnenhütte vom Rinderhirten genutzt, während der Zeit in der er mit den Rindern auf dem Mittelstafel ist.
Der Oberstafel 1890 - 2400 müM
Im Juli und August nutzen die Milchkühe die Weiden Höbel, Abedweid, unterer Teil der Ruchsiten, Guetental und Hangeten. Die Mutterkühe sind im oberen Teil der Ruchsiten, im Guetental und auf den Hangetenböden. Die Rinder während ca. 6 Wochen auf den Chämm.
Auf dem Oberstafel wurde 1938 ein Stall und 1957 eine Hütte für beide Sennten erstellt. Diese wurden 2017 von der Gemeinde Glarus Süd modernisiert. Da beide Sennten in den gleichen Gebäuden waren, konnte bei der Modernisierung 2017 die Infrastruktur optimal an die Arbeitsabläufe angepasst werden. Es entstand ein Betrieb auf Top-Niveau, der allen gesetzlichen und wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht wird.
Tiere
Die Tiere bilden den Mittelpunkt der Alpwirtschaft. Eine Alp ohne Tiere macht keinen Sinn. Darum sömmern wir:
Eine Milchkuhherde
Bestehend aus ca. 40 Milchkühen, deren Milch wir zu Käse und Butter verarbeiten. Zweimal täglich kommen sie von der Weide in den Stall um gemolken zu werden. Ausserdem zählen dort noch ca. 5 Mastkälber, die die nicht verkäsbare Milch verwerten, und ca .15 Schweine dazu. Letztere verwerten die Molke, die nach dem Käsen übrig bleibt. Kälber und Schweine sind jeweils vorbestellt und werden im Herbst geschlachtet und direkt vermarktet.
Eine Mutterkuhherde
Bestehend aus ca. 35 Muttertieren und etwa gleichvielen Kälbern. Der grösste Teil der Kälber wird im Herbst direkt geschlachtet - ein gutes Zeichen für die Qualität der Alpweiden auf Mühlebach. Die Muttertiere nutzen vorwiegend die vom Stall entfernteren Weiden der Alp, die für die Milchkühe nur mühsam zu erreichen sind.
Eine Rinderherde
Oder "Rinderhirti" auf Dialekt, bildet, mit den Tieren vom Schlösslisennte, die grösste Herde. Sie umfasst 140 - 160 Tiere. Die Sömmerung macht die Jungtiere robust und widerstandsfähig. Dies sind gute Eigenschaften für spätere Mutter- und Milchkühe.
Und irgendwo ist noch eine kleine Ziegenherde unterwegs
Die Ziegen sind, neben den Mastkälbern und den Schweinen, die einzigen Tiere, die mir gehören. Früher war es so, dass mit den Kühen eine Milchziege lief. Als ich die Alp 2017 übernommen habe, wollte ich auch eine Ziege, die mit den Kühen zog. Da man aber ein Tier einer Gattung nicht mehr alleine halten darf, kaufte ich zwei Ziegen. Zu zweit bildeten sie aber eine eigene Herde und wollten sich nicht mehr den Milchkühen anschliessen und zogen alleine los. Seitdem ist meine kleine Ziegenherde im Sommer "i dr Wildi" und bewegt sich frei auf der Alp, bis ich sie im Herbst wieder einfange.
Tradition
Auch wenn die Alpwirtschaft mit sehr viel Altertum und Bräuchen verbunden wird, ist die Moderne auch auf 2000 müM eingezogen. So gelten die Gesetze für Tierschutz, Arbeitsrecht, Lebensmittelsicherheit und Gewässerschutz auf den Alpen. So werden Duschen langsam zur Norm und die Privatsphäre spielt auch beim Personal eine immer grössere Rolle. In der Sennerei muss Holz Chromstahl und Nylon weichen, die Räume müssen gefliest und unterteilt werden. Das Leben in der Hütte wird von der Produktion getrennt. Die Zeiten, als der Wanderer beim Kaffee in der Hütte dem Senn bei der Arbeit zuschaut, neigen sich dem Ende zu. Das Abwasser, das früher kaum mit Chemie belastet war, den einfachen Weg in den Bach gefunden hat, muss jetzt - da es mit Waschmittel aus der Sennerei belastet ist - gesammelt und mit dem Dung der Kühe ausgebracht werden. Kaum ein Stall in dem nicht ein neuer Barren und eine verlängerte Liegebrücke eingebaut wurde. Auf den Weiden lösen kilometerlange Zäune den Hirten ab, der früher Tag für Tag mit den Tieren ausgefahren ist. Das Maultier ist dem bescheideneren Quad oder Trial gewichen, wo dieser nicht hinkommt - fliegt der Hubschrauber. Der Druck auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz ist nicht nur eine Last der Talbetriebe sondern auch eine Herausforderung auf den Alpen. So bewirtschafte ich jetzt einen Betrieb, der früher von zwei Familien bewirtschaftet wurde.
Dennoch, eine gewisse Tradition gehört natürlich dazu. So ist es mir wichtig, dass ich im Unterstafel einmal melke, so wie es früher gemacht wurde. Auch ist auf die traditionellen Schellen und Glocken immer Verlass, wenn GPS-Geräte und Mobiltelefone mit ihren Touchscreenbildschirmen bei widrigster Witterung und fehlendem Empfang versagen. So ist es auch klüger, man schärft bei Schnee und Nebel seine Sinne und muss sich nicht auf ein kleines Gerät konzentrieren bis man sich selber verlaufen hat und über dutzende Steine gefallen ist. So hilft einem die Tradition, wenn Alpenromantik Regen und Sturm gewichen ist und man 150 Rinder auf 2200müM zusammentreiben und in tiefere Lagen bringen muss.
A propos Alpenromantik: Viele lassen sich auf den Berg verführen - dies hat jedoch wenig mit Tradition zu tun. Auch wenn sich auf dem Selbstfindungstrip befindende Personen den inneren Frieden davon erhoffen, so befasst sich das Alpleben wenig mit persönlichen Bedürfnissen und dem Wohlbefinden des Älplers. Vielmehr hat der traditionelle Älpler grosse Ehrfurcht vor dem Berg, der Natur und dem Wetter. Das Wohlergehen der Tiere und das Gelingen seiner Produkte stehen vor seinen Bedürfnissen. Er erfährt eine tiefe Befriedigung, wenn er im Herbst die Tiere gesund nach Hause gebracht und tolle Produkte hergestellt hat. So fahren viele Sennten ganz traditionell mit geschmückten Kühen und Tracht ab Alp.