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Im Riehener Dorfkern, direkt neben der Kirchenanlage, stand im 15. Jahrhundert das erste Wirtshaus: das spätere Gasthaus zum Ochsen. Das Wirtshaus war Schauplatz diverser Feierlichkeiten und bis ins 17. Jahrhundert Tagungsort der Gemeindebehörden und des Dorfgerichts. 1956 liess der Gemeinderat den Ochsen abbrechen und an dessen Stelle ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichten.
Bereits im frühen 14. Jahrhundert stand gegenüber der Kirchenanlage ein Eckhaus. 1443 wurde es in einer Urkunde des Riehener Vogts Diethelm zum ersten Mal als Wirtshaus bezeichnet. Es handelt sich hierbei um den ältesten Beleg für ein Wirtshaus in Riehen. Der Name ‹Ochsen› fand erstmals in der Kirchenrechnung von 1543 Erwähnung. In den darauffolgenden Jahren ist die Liegenschaft auch als ‹Herberge zum Ochsen› belegt.
Das Wirtshaus zum Ochsen hatte in Riehen eine wichtige sozialpolitische Bedeutung. Hier wurden nicht nur Tauffeiern und Hochzeiten gefeiert; bis zum Bau des Gemeindehauses um 1609 fanden in der sogenannten ‹Gemeindestube› auch Gemeindeversammlungen und Sitzungen des Gerichts statt.
Der Ochsen verfügte, wie viele Gastbetriebe auf der Landschaft, über ein eigenes Schlachtlokal, das sich etwas abseits der Wirtschaft befand. Die meisten Ochsenwirte verkauften daher auch Fleisch.
Das Anwesen konnte zwischen 1787 und 1828 durch den Erwerb der Liegenschaft, die zwischen dem Ochsen und dem Schulhaus lag, erweitert werden. An die Stelle des Nebengebäudes kamen ein Trottenschopf und ein Schlachthaus. 1862 wurde entlang des Erlensträsschens ein Anbau erstellt, der Eingangsbereich zur Wirtschaft umgestaltet und im Obergeschoss ein Tanzsaal mit grossen Fenstern eingerichtet. Hier fanden zahlreiche Aufführungen und festliche Anlässe der Riehener Dorfvereine statt.
Ende des 19. Jahrhunderts begann für das Gasthaus eine unstete Zeit, geprägt von häufigen Besitzerwechseln und Umbauten. 1912 wurde das Ökonomiegebäude abgerissen und an dessen Stelle das neue Haus Baselstrasse 49 errichtet.
1945 erwarb die Einwohnergemeinde Riehen den Gasthof zum Ochsen und liess ihn 1956 abbrechen. Das Gasthauspatent hatte sie bereits 1951 an den neuerbauten Landgasthof an der Baselstrasse 38 vergeben. Auf der Parzelle des Ochsens baute sie 1957 nach Plänen des Architekten Willi Müller ein Wohn- und Geschäftshaus, dessen Haupteingang sich seither an der Baselstrasse 45 befindet. Das angebaute Nebengebäude am Erlensträsschen 2 beherbergt den Polizeiposten und im Anbau am Erlensträsschen 4 war bis 1974 ein Feuerwehrmagazin untergebracht.
Das Erscheinungsbild des ehemaligen Gasthauses zum Ochsen prägte im 19. Jahrhundert ein schlichtes Satteldach, dessen Giebel sich zur Kirche ausrichtete. Das zweigeschossige Wirtshaus war in Massivbauweise in Stein ausgeführt. Drei symmetrisch angeordnete Fensterachsen gliederten die Giebelfassade; die Fenster mit gotischen Formen erhielten sich bis zum Abbruch.
Die Scheune und der Stall hinter dem Haus waren Fachwerkhäuser, die 1912 abgerissen wurden. Als die Gemeinde 1956 das Gasthaus abbrechen liess, kam ein Keller aus rotem Sandstein zum Vorschein.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 6.1.2023
Kaspar, Albin: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Riehen 2000. Heft I. S. 16–23.
Ackermann, Felix, Therese Wollmann: Tafeln in der ältesten Riehener Wirtschaft. In: Jahrbuch z’Rieche 2015. 54–59.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 150.