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Keine Toilette zu finden, kann sehr peinlich und mühsam sein. Eine Erfahrung, die wohl alle schon einmal gemacht haben. Für 40% der Weltbevölkerung, die noch immer keinen Zugang zu Toiletten haben, können die Folgen tödlich sein.
Wo es keine Toiletten gibt und die Menschen gezwungen sind, ihre Notdurft im Freien zu verrichten, kann verschmutztes Wasser leicht zu Seuchen führen.
2008 ist das Jahr der sanitären Grundversorgung. Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass vor noch nicht allzu langer Zeit im Westen ähnliche Bedingungen herrschten, die auch hier fatale Auswirkungen hatten.
Im 19. Jahrhundert fegten drei grosse Cholera-Wellen über Europa hinweg und hinterliessen hunderttausende Tote - die Ärzte waren machtlos.
Und obwohl die Verbindung zwischen verschmutztem Wasser und Krankheiten verstanden wurde, vergingen viele Jahre, bis angemessene WC-Anlagen zur Norm wurden.
Ältere Häuser in ärmeren Quartieren hatten keinen Platz für Toiletten, die Leute gingen einfach nach draussen. Als das Gesundheitsrisiko offensichtlich wurde, wurden unter anderem ein dichtes Netz an öffentlichen Bedürfnis-Anstalten für all jene geschaffen, die in Gebäuden ohne Toiletten wohnten.
Das Problem angehen
Diese Beschönigung zeigt auch, dass über Körperfunktionen nicht gesprochen wurde. Dies hatte zur Folge, dass öffentliche Toiletten häufig getarnt oder gar versteckt und manchmal gar im Untergrund gebaut wurden.
Da sie leicht zu finden waren, aber von der Öffentlichkeit verborgen blieben, wurden sie oft zweckentfremdet. Einige wurden zu Orten umfunktioniert, wo sexuelle Kontakte vermittelt oder Drogen gehandelt wurden. Heutzutage ist Vandalismus ein alltägliches Problem. Es ist ein Teufelskreis: Durchschnittsbürger meiden die Orte, was dem Ruf weiter schadet.
Zürich, die grösste Schweizer Stadt, macht einen Effort, um das schlechte Image der öffentlichen Toilette zu verbessern.
Die Stadt ist stolz auf ihre Einrichtungen und möchte, dass die Leute über sie reden und ihre Meinung ausdrücken. In jeder Toilette ist eine Adresse und Telefonnummer angegeben, an die man sich wenden kann.
Jede trägt auch das kleine blaue Logo ZüriWC, was eine "corporate identity" inmitten der ganzen Fülle an verschiedenen Stilen schaffen soll.
ZüriWC informiert die Öffentlichkeit auf seiner Website, was wo geplant ist. Alte Einrichtungen werden renoviert und neue erstellt.
"Der Bedarf nimmt zu," sagt Urs Brunner, Chef von ZüriWC, gegenüber swissinfo. "Man hört es überall, auf Spielplätzen, in Parks und auf Sportplätzen: Die Leute möchten auf die Toilette gehen können."
Hell und hightech
Die Palette der 94 Toiletten, die ZüriWC zur Verfügung stellt, ist breit: Sie reicht von diskreten Steingebäuden aus dem späten 19. Jahrhundert hin zu modernen hellfarbigen Einrichtungen aus synthetischem Material.
Sechs von ihnen gelten als historisch wertvolle Gebäude, andere sind Design-WCs aus pflegeleichtem Chrom mit integrierter automatischer Vorrichtung zum Hände waschen.
ZüriWC ist es ein Anliegen, dass die Toiletten in ihre Umgebung passen, auch wenn der Unterhalt des älteren Typs kostspieliger sei, so Brunner.
Wenn immer Toiletten renoviert oder neu erstellt werden, müssen sie auch behindertengerecht sein. Behinderte Menschen können einen Eurokey verlangen, der ihnen in allen europäischen Staaten, die bei eurokey mitmachen, die Toilettentüre öffnet.
Ohne Schlüssel kosten diese speziellen Einrichtungen einen Franken. Sonst ist die Benutzung öffentlicher Toiletten in Zürich gratis, und das bleibe auch so, sagt Brunner.
Seiner Ansicht nach hat jeder das Recht auf ein gut gepflegtes WC. Viele Toiletten, die einst als unsicher galten, wurden verbessert: So wurde zum Beispiel der Eingang versetzt, damit das WC besser zu sehen ist, oder zusätzliches Licht eingerichtet.
Damals und heute
Das älteste WC, das in Zürich noch in Betrieb ist, wurde 1898 gebaut, auch wenn die ersten bereits in den späten 1870er-Jahren errichtet wurden. Nach langer Diskussion wurde 1893 das erste WC für Frauen eröffnet - unter Protest. Frauen fanden es ziemlich teuer, und die Männer fanden, die Frauen könnten zu Hause bleiben.
Die meisten frühen Einrichtungen waren ständig betreut; heute haben nur fünf ständig Personal. Damals wie heute war es die Aufgabe der Angestellten, die Toiletten sauber zu halten. Wo es kein Personal gab, wurde spezielles Putzleute angestellt.
Wenn heute das Putzen von Toiletten als sprichwörtlich unbeliebter Job gilt, war es vor hundert Jahren für Frauen eine ideale Möglichkeit, das Familien-Einkommen mit einer Arbeit aufzubessern, die nahe von zuhause verrichtet werden konnte.
Heute sind die modernsten WCs selbstreinigend - manchmal erschreckend für Uneingeweihte, wenn der Toilettensitz zu drehen beginnt und die Spülung losgeht.
Heute sind wir weit entfernt von damals, als der Mangel an sauberen Einrichtungen zu Seuchen und Tod führte.
Das Internationale Jahr der sanitären Grundversorgung soll uns auch daran erinnern, dass wir weit entfernt sind von der aktuellen Situation in vielen Entwicklungsländern.
swissinfo, Julia Slater, Zurich
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)
Sanitäre Einrichtungen und Gesundheit
40% der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu Toiletten.
Jedes Jahr sterben 1,8 Mio. Menschen an den Folgen schlechter hygienischer und sanitärischer Verhältnisse.
Wenn Fäkalien ins Grundwasser oder in Flüsse gelangen, aus denen Menschen ihr Trinkwasser entnehmen, können Epidemien ausbrechen.
Cholera, Typhus oder Durchfall sind drei Krankheiten, welche durch verschmutztes Trinkwasser verursacht werden.
Im 19. Jahrhundert waren in Europa hunderttausende Menschen in drei Cholera-Epidemien gestorben.
Bis ins späte 19. Jahrhundert war die Meinung weit verbreitet, dass Cholera über die Luft verbreitet wurde.
Der Cholera-Bazillus wurde 1854 vom Italiener Filippo Pacini entdeckt, seine Entdeckung wurde jedoch ignoriert. Erst 1883 wurde der Erreger vom deutschen Arzt Robert Koch wiederentdeckt.
Das öffentliche Gesundheitswesen und der Bau von Kläranlagen und sanitären Einrichtungen setzte den durch Wasser übertragenen Krankheiten ein Ende.
Die UNO will im Rahmen ihrer Millenniumsziele bis 2015 die Zahl der Menschen halbieren, die keinen Zugang zu sauberem Wasser hat.