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Freunde und Genossen: Nelson Mandela und Fidel Castro bei der Großkundgebung zum Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne 1953 am 26. Juli 1991 in Havanna
Foto: picture alliance / Photoshot
Am 18. Juli wäre Nelson Mandela 100 Jahre alt geworden. Dieses Datum ist weltweit ein Anlass für Ehrungen und Gedenkveranstaltungen. In unzähligen Ansprachen und Kommentaren wird an den zum Nationalhelden Südafrikas gewordenen Freiheitskämpfer erinnert, dessen Name untrennbar mit dem Sieg über das rassistische Apartheidsystem in seinem Heimatland verbunden ist.
Es ist jedoch selten der »ganze Mandela«, der aus diesem Anlass gefeiert wird. Oftmals wird versucht, Mandela darauf zu reduzieren, dass er nach seiner Freilassung aus der 27jährigen Gefängnishaft für Versöhnung eingetreten ist und Rachegelüsten eine Absage erteilte. Andere Details, die nicht in das von vielen Medien gezeichnete Bild des gütigen, milden Großvaters passen, werden gerne unterschlagen. So erinnern nur wenige daran, dass Mandela den USA noch bis 2008 als Terrorist galt. Erst dann, kurz vor seinem 90. Geburtstag, wurde sein Name von Washington aus der Liste »terrorverdächtiger Personen« gestrichen. Mit ihm waren seit den 1980er Jahren alle anderen führenden Mitglieder der Befreiungsbewegung und späteren Regierungspartei African National Congress (ANC) in dieser Liste aufgeführt gewesen. Erst der damaligen US-Außenministerin Condoleezza Rice wurde es nach eigenem Bekunden »peinlich«, dass sie dem Friedensnobelpreisträger bei Besuchen in den Vereinigten Staaten jedesmal eine Sondergenehmigung für die Einreise ausstellen musste.
Ein weiterer Aspekt passt dem Boulevard hierzulande ebenfalls nicht in den Kram. »Der große amerikanische Freund Mandelas war Fidel Castro«, titelte die spanische Tageszeitung El País nach dem Tod des südafrikanischen Expräsidenten 2013. Die Washington Post bezeichnete Fidel Castro 2016 als »Helden Afrikas«. Und im britischen Guardian schrieb der südafrikanische Akademiker Sean Jacobs am 30. November 2016: »Wenn Afrika ein Land ist, dann ist Fidel Castro unser Nationalheld.« Man möge zwar bestimmte Fehler der Kubanischen Revolution kritisieren, »aber die Geschichte hat Castro freigesprochen, wenn es um Kubas Außenpolitik und insbesondere um seine Afrika-Politik geht«.
Nelson Mandela und Fidel Castro verband eine enge Freundschaft. Das war nicht überraschend, denn während die USA und Westeuropa einschließlich der Bundesrepublik Deutschland gemeinsame Sache mit den Rassisten in Pretoria machten, stand Kuba an der Seite der Freiheitsbewegung – nicht nur mit politischer und materieller Solidarität, sondern auch mit Waffen und Soldaten. Kuba leistete einen entscheidenden Beitrag zur Verteidigung Angolas gegen die südafrikanische Aggression, für die Befreiung und Unabhängigkeit Namibias und letztlich auch zum Sturz des Apartheidregimes in Südafrika.
Daran ist zu erinnern – an Mandelas 100. Geburtstag und an dem am 1. Januar bevorstehenden 60. Jahrestag der Kubanischen Revolution. Das tun wir in diesem jW-Spezial unter anderem mit einem ausführlichen Beitrag von Volker Hermsdorf und einem Gespräch mit dem Direktor der Universität Havanna, Dr. Gustavo José Cobreiro. Zudem erinnert Wolfgang Mix an das Engagement Kubas in Afrika, während sich Modaira Rubio mit der Bolivarischen Revolution in Venezuela befasst, deren Beginn sich im Dezember zum 20. Mal jährt – und die ohne die Solidarität Kubas vermutlich nicht bis heute hätte verteidigt werden können. Schließlich kommt Fidel Castro selbst zu Wort, mit seinem Glückwunschschreiben zu Nelson Mandels 90. Geburtstag am 18. Juli 2008 sowie mit Auszügen aus seiner »Reflexion«, die er im Dezember 2013 aus Anlass des Todes seines südafrikanischen Freundes veröffentlichte.
André Scheer