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Der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (27.03.1845-10.02.1923) erhielt für die Entdeckung der X-Strahlen den Nobelpreis für Physik. Damit revolutionierte er unter anderem die medizinische Diagnostik und ebnete den Weg für die Entdeckung und die Erforschung der Radioaktivität.
Brief in der Matrikel von Wilhelm Conrad Röntgen bezüglich der Aufnahme Röntgens an das Eidgenössische Polytechnikum (ETH Bibliothek, Archive und Nachlässe).
In Lennep (NL) geboren wurde Röntgen in Utrecht aus disziplinarischen Gründen die Matura verwehrt (er weigerte sich, den Urheber einer Karikatur eines Lehrers preiszugeben). Deshalb konnte er in den Niederlanden nur als Hörer die Kurse der Universität besuchen. Am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich hingegen musste man eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Deshalb entschied sich Röntgen wohl auch für ein Studium in Zürich:
Aus den Missiven des Rektorats (Hs 1094:2, Blatt 485) geht hervor, dass sich Röntgen verspätet um die Aufnahme an das Eidgenössische Polytechnikum bemühte. Der Direktor des Polytechnikums, Dr. Gustav Zeuner, eröffnet Röntgen jedoch, dass eine verspätete Aufnahme möglich sei, wenn er sein späteres Eintreffen durch Arztzeugnisse entschuldigen könne.
Offenbar hatte Röntgen zudem um eine prüfungsfreie Zulassung ersucht. Zeuner macht dies in seinem Schreiben vom 4. November 1865 von den Zeugnissen Röntgens abhängig und legt ihm nahe, die Einschreibung möglichst schnell vorzunehmen.
Im oben gezeigten Brief wird gezeigt, dass Röntgen ohne (!) Aufnahmeprüfung an das Eidgenössische Polytechnikum aufgenommen wurde. Moritz Schröter – zu jener Zeit ordentlicher Professor für Maschinenbau und -Konstruktion am Eidgenössischen Polytechnikum – schlägt Gustav Zeuner vor:
Hochgeehrter Herr Director!
Herr Röngten Wilhelm von Apeldorn
in Holland wünscht als Schüler des I Curses der
mechanisch technischen Abtheilung aufgenommen
zu werden; laut beigelegtem ärztlichen Zeugnis
ist er durch ein Magenübel verhindert gewesen
früher zu kommen.
Sein reiferes Alter v[on] 20 Jahren, seine vortreff-
lichen Zeugnisse namentlich in den mathematischen
Fächern der technischen Schule in Utrecht und
sein einjähriger Besuch der Universität daselbst
rechtfertigen wohl vollkommen meinen Vorschlag
denselben als Schüler aufzunehmen und
von der Prüfung zu dispensiren.
Hochachtungsvoll ergeben
M. Schröter 23 Nov 1865
Röntgen schloss sein Studium an der Abteilung III übrigens am 6. August 1868 mit dem Diplom zum Maschinen-Ingenieur ab.
Link:
Eintrag in die Präsidialverfügungen zur nachträglichen Aufnahme von Röntgen: Schulratsprotokolle Online: ETH-Bibliothek, Archive, SR2: Präsidialverfügungen 1865, Präsidialverfügung Nr. 319 vom 25.11.1865.