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Anti-Tabakorganisationen fordern von der Schweiz, die WHO-Konvention im Lauf der nächsten zwei Jahre zu ratifizieren, um die Zahl der Tabak-Toten zu senken.Dieser Inhalt wurde am 05. Februar 2006 - 18:40 publiziert
Der Appell erfolgt anlässlich des Treffens zu einem Jahr Antitabak-Konvention der Weltgesundheits-Organisation vom 6. bis 17. Februar in Genf.
Seit 27. Februar 2005 ist die Rahmenkonvention Tabakkontrolle der WHO mit Sitz in Genf in Kraft. Sie ist die erste international gültige Gesundheits-Konvention, vergleichbar mit der Klimakonvention von 1992.
Das Vertragswerk zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC) legt genaue Termine für die Länder fest, um die Tabakwerbung zu verbieten und um grössere Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen anzubringen.
Die Schweiz unterzeichnete den Vertrag zwar im Juni 2004, hat ihn jedoch noch nicht ratifiziert. Die Bundesbehörden meinen, das würde in den kommenden fünf Jahren geschehen. Antiraucher-Organisationen wollen jedoch, dass es in der Hälfte der Zeit geschieht.
"Wir hoffen, dass das Parlament den Weg frei macht, damit die Schweiz den Vertrag zur Eindämmung des Tabakgebrauchs in den kommenden zwei Jahren ratifiziert", sagt der Genfer Arzt Jean-Charles Rielle, einer der Hauptverfechter einer verstärkten Tabakprävention in der Schweiz gegenüber swissinfo.
"Die Tabakpräventionsstellen werden ein scharfes Auge darauf haben, dass die zeitliche Verzögerung der Ratifizierung möglichst kurz bleibt", sagt Rielle.
Politischer Wille vorhanden
Rielle, der Mitglied der Eidgenössischen Kommission zur Tabakprävention ist, sagt, dass es in der Schweiz nicht an politischem Wille mangle, sondern an den politischen Prozessen, deren Mühlen nur langsam mahlten.
"Nach Jahren der Augenwischerei, Desinformation und Quasi-Mafia-Methoden durch die Zigarettenhersteller haben sich die Dinge in der Schweiz verändert", sagt Rielle.
Tabakprävention werde nun sehr ernst genommen und Massnahmenwürden ergriffen, um Nichtraucher vor dem Passivrauchen zu schützen.
Die Schweiz habe bereits besser sichtbare Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen eingeführt und das Rauchen im öffentlichen Verkehr verboten. Zudem würden Anstrengungen unternommen, um auch das Rauchen auf öffentlichen Plätzen zu verbieten.
Verzögerung
Philippe Vallat vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) sagte, dass die Behörden so schnell wie möglich vorwärts machen wollten. Er warnt aber, dass noch "einige Jahre" vergehen könnten, bis zur Ratifizierung des WHO-Abkommens.
"Wir brauchen gesetzliche Grundlagen auf Bundesebene und das wird uns Jahre kosten. Hinzu könnte noch eine Referendumsabstimmung kommen", sagt Vallat.
Marta Seoane, Sprecherin der Tabakfrei-Initiative der WHO, sagt, dass die Konvention immer breiter akzeptiert werde, auch wenn 75 Länder sie noch nicht ratifiziert hätten. Gemäss WHO haben dies 121 Länder bereits getan. Zusammen sind sie für drei Viertel der Tabakproduktion verantwortlich.
Seone fügt bei, dass es keine Zeitlimite zur Ratifizierung gebe, die WHO die Staaten aber dazu anhalten werde. Vor allem Staaten wie die Schweiz, die vor der Ratifizierung stünden und bereits Massnahmen im Sinne der Konvention umsetzen würden.
swissinfo, Adam Beaumont in Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Urs Maurer)
In Kürze
Eine klare Mehrheit der Schweizer Bevölkerung – das ergab eine Studie der Universität Lausanne - befürwortet rauchfreie Gebäude.
In verschiedenen Gegenden der Schweiz sind Bestrebungen im Gange, das Rauchen in Restaurants zu verbieten.
Im öffentlichen Verkehr der Schweiz gilt seit Dezember 2005 ein Rauchverbot.
Tabakwerbung ist in der EU seit August 2005 untersagt, aber nicht alle Staaten setzen das Verbot um. In der Schweiz gibt es keine Restriktionen durch den Bund.
Die Kantone Genf, Zug und Basel kennen ein Werbeverbot. Weitere Kantone prüfen ähnliche Massnahmen.
Fakten
Weltweit rauchen geschätzte 1,3 Mrd. Personen.
Davon leben 84% in Entwicklungsländern.
Jährlich sterben rund 4,9 Mio. Personen durch Rauchen.
In der Schweiz rauchen gegen 2 Mio. Personen
Laut Bundesamt für Gesundheit sterben in der Schweiz pro Jahr rund 8000 Personen an Raucherkrankheiten.
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