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Philipp Messner spricht über die moderne hebräische Schriftgestaltung zwischen der Jahrhundertwende und den 1960er-Jahren, dem Zeitpunkt der Ablösung des traditionellen Bleisatz-Drucks durch die Technik des Fotosatzes. Im Fokus stehen dabei die vielfältigen Bemühungen um eine gestalterische Erneuerung des Hebräischen in ihrem Verhältnis zur allgemeinen typografischen Kultur der Zeit.
Bis zum Aufkommen des Zionismus, der damit verbundenen hebräischen Renaissance und der jiddischen Kulturbewegung ist der Gebrauch der hebräischen Druckschrift weitgehend auf den religiösen Kontext beschränkt. Die um die Jahrhundertwende einsetzende Produktion weltlicher Literatur und vor allem das florierende Presse- und Anzeigewesen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Form der hebräischen Schrift. Ein erstes Beispiel ist der 1924 publizierte «Katalog hebräischer und jüdischer Schriften» der Schriftgiesserei Berthold in Berlin. Der Katalog enthält u.a. die Schrift «Frank-Rühl», mit der noch heute ein Grossteil der hebräischen Texte gesetzt wird. Bis in die späten 1930er Jahre sind es neben den deutschen vor allem polnische Schriftgiessereien, die eine Vielzahl neuartiger hebräischer Typen auf den Markt bringen. Nach dem Zivilisationsbruch der Shoah tritt die hebräische Schriftgestaltung mit Gründung des Staates Israel in eine neue Phase. Im Zentrum steht dabei die Frage nach dem Verhältnis von Tradition und Moderne. Einer der Pioniere ist der in Deutschland geschulte Henri Friedlaender, der mit seiner Schrift «Hadassah» innovative Gestaltung mit einem ausgeprägtem Traditionsbewusstsein verbindet und damit neue gestalterische Massstäbe setzt.
Philipp Messner (*1975) ist Kulturwissenschaftler und Archivar an der Universität Zürich. Er beschäftigt sich seit längerem gleichermassen mit der Geschichte der Schriftgestaltung wie mit der Kultur und Gesellschaft Israels. Als wissenschaftlicher Berater begleitete er 2015 die Entwicklung der Ausstellung «New Types. Three Pioneers of Hebrew Graphic Design» im Israel Museum Jerusalem, zu der auch ein gleichnamiges Buch in Englisch und Hebräisch erschienen ist, das in der Bibliothek der ICZ aufliegt.