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Inhalt - Landwirtschaftliche Gesamtrechnung
Landwirtschaftliche Gesamtrechnung
Die landwirtschaftliche Gesamtrechnung wird durch das Bundesamt für Statistik (BFS) erstellt. Sie ist Bestandteil der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Schweiz und liefert detaillierte Angaben zum Produktionswert der Schweizer Landwirtschaft, zu den Kosten der Vorleistungen und zur Wertschöpfung. Agristat liefert einen Teil der Daten zum Produktionswert der Landwirtschaft und ist an der Erstellung dieser Statistik beteiligt.
Methode und Definitionen
Die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR) der Schweiz wird nach der Methode der Europäischen Union (EU) erstellt. Da diese Methode im Jahre 1997 revidiert wurde, hat auch die Schweiz die LGR-Reihen nach der neuen Methode 1 berechnet.
Die wichtigsten Änderungen sind:
- die Betriebe des Wirtschaftsbereichs Landwirtschaft (Grundgesamtheit) sind identisch mit jenen aus der Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS), d.h. neu sind auch die Gartenbaubetriebe und die landwirtschaftlichen Dienstleistungsbetriebe inbegriffen;
- die Erfassung der Tätigkeiten wurde erweitert. Neu sind auch nicht landwirtschaftliche und vom Betrieb nicht trennbare Nebentätigkeiten (z.B. Käseherstellung, «schlaf im Stroh!») zu berücksichtigen;
- da das Bundeshofkonzept abgeschafft wurde, werden neu auch auf dem Betrieb produzierte und wiederverwendete Erzeugnisse (z.B. Raufutter) bewertet (sofern sie nicht in dieselbe Tätigkeitsklasse fallen). Deshalb wird der Produktionswert Gesamtproduktion anstatt Endproduktion genannt;
- die Produktion bzw. die Vorleistungen werden neu zu Herstellungs- (d.h. Preise inbegr. Subventionen jedoch ohne Steuern auf Produkten) bzw. zu Anschaffungspreisen (d.h. Preise ohne Subventionen jedoch inbegriffen Steuern auf Produkten) bewertet;
Zusätzliche Informationen finden sie im Handbuch der EU 1 oder in der spezifischen BFS-Publikation 2. Aus dieser Publikation stammt auch die nachfolgende Beschreibung der Kontensequenz der LGR.
Kontensequenz
Die LGR beschreibt den landwirtschaftlichen Produktionsprozess und das daraus hervorgehende Primäreinkommen. Dabei stützt sie sich auf die landwirtschaftlichen Betriebe als fachliche Einheit. Anders gesagt, der landwirtschaftliche Haushalt dient also nicht als Basiseinheit. Somit sind die Nebeneinkommen und die Verbrauchsausgaben dieser Haushalte nicht in der LGR enthalten. Da also die «institutionelle Einheit» nicht vollständig Berücksichtigung findet, kann lediglich eine Auswahl der Konten der laufenden Transaktionen aus der vollständigen Kontensequenz des Zentralrahmens der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen berechnet werden. Diese Konten beschreiben die Produktion und die Primärverteilung des Einkommens. Es handelt sich dabei um (siehe nachfolgende Darstellung):
- das Produktionskonto (Saldo = Wertschöpfung)
- das Einkommensentstehungskonto
- das Unternehmensgewinnkonto
Gewisse Elemente des Vermögensbildungskontos erscheinen ebenfalls in der Kontensequenz der LGR. Es handelt sich dabei um Elemente, die Änderungen im Bestand (Käufe minus Verkäufe bzw. Nettozugang, d.h. Bruttoanlageinvestitionen) an Vermögensgütern beschreiben, die für die landwirtschaftliche Produktion erforderlich sind (Gebäude, Maschinen, Anpflanzungen, Viehbestand). Dieses Kapitalkonto weist keinen Saldo aus.
Produktionskonto
Das Produktionskonto zeichnet die mit dem Produktionsprozess verbundenen Waren- und Dienstleistungstransaktionen nach.
In der LGR umfasst die Produktion auf der Aufkommensseite den Wert sämtlicher landwirtschaftlicher Waren und Dienstleistungen, welche die landwirtschaftlichen Einheiten bereitstellen. Die landwirtschaftlichen Dienstleistungen beinhalten insbesondere die Lohnarbeiten für Dritte (z.B. Saat und Ernte). Die nicht trennbaren nichtlandwirtschaftlichen Nebentätigkeiten sind Tätigkeiten wie die Verarbeitung von Mostobst, Fleisch oder Milch auf dem Hof oder Dienstleistungen, wie Strassenrand- und Landschaftspflege, die Haltung von Pensionstieren (Pferde) sowie die Übernachtungen von Touristen (schlaf im Stroh!). Die landwirtschaftlichen Einheiten produzieren diese Waren und Dienstleistungen entweder für andere Wirtschaftseinheiten (Verkäufe, Eigenkonsum der landwirtschaftlichen Haushalte), verwenden sie als Vorleistungen für eine andere eigene Tätigkeit (z.B. Futter zur Milchproduktion), oder sie setzen sie für selbsterstellte Anlagen ein (Anpflanzungen und Nutztiere).
Die Vorleistungen umfassen verwendungsseitig alle für die Produktion eingesetzten und in deren Verlauf entweder weiterverarbeiteten oder aufgebrauchten Waren und Dienstleistungen (Dünger, Samen, Unterhaltsdienstleistungen, ...).
Der Saldo des Produktionskontos – die Bruttowertschöpfung (BWS) – ist eine zentrale Grösse des Systems. Die BWS entspricht im Sinne der LGR dem Wert, den alle landwirtschaftlichen Einheiten zusammen geschaffen haben. Fasst man die BWS aller Branchen einer Volkswirtschaft zusammen, ergibt sich ein wichtiges Aggregat: das Bruttoinlandprodukt. Der Saldo des Produktionskontos kann brutto oder netto ausgewiesen werden; im ersten Fall sind die Abschreibungen (d.h. die Abnutzung der für die Produktion eingesetzten Aktiven) im Saldo enthalten, im zweiten Fall nicht.
Einkommensentstehungskonto
Das Einkommensentstehungskonto analysiert die Bildung des direkt aus dem Produktionsprozess hervorgehenden Einkommens und dessen Verteilung auf die Arbeitskräfte und die öffentlichen Haushalte (Gütersteuern und -subventionen). Aufkommensseitig beschreibt es die Wertschöpfung, verwendungsseitig finden sich die Arbeitnehmerentgelte (Bruttolöhne und -gehälter, Sozialbeiträge der Arbeitgeber) sowie der Saldo der Gütersteuern (Motorfahrzeug-, Grundsteuern, …) MINUS die Gütersubventionen (Direktzahlungen, ökologische Beiträge, …). Der Saldo setzt sich aus dem Betriebsüberschuss und den Selbständigeneinkommen zusammen. Letzterer spielt in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle, umfasst er doch die Verdienste der Familien und Selbständigen, die sich nicht als Unternehmen organisiert haben.
Unternehmensgewinnkonto
Im Unternehmensgewinnkonto werden die Umverteilungsströme aufgezeichnet, die durch die Bezahlung für aufgenommenes Kapital (Schuldzinsen) und gemieteten Boden (Pacht) entstehen. Der Saldo – der Nettounternehmensgewinn – ist mit dem mikroökonomischen Begriff des landwirtschaftlichen Einkommens vergleichbar.