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Stevie Ray Vaughan The Fire meets the Fury
Neues altes. . .
Viele Helden des Musik, die vor ihrer Zeit sterben, werden mit posthumen Publikationen geehrt, die beim Publikum ein zwiespältiges Gefühl hervorrufen. Einerseits freut man sich, dass es neue Musik des so schmerzlich Vermissten gibt, andererseits hängt da immer der Ruch der Geldmacherei im Raum. Bei den posthum veröffentlichen Alben Stevie Ray Vaughans hat man sich bemüht, nur qualitativ hochstehendes Material zu veröffentlichen und Alben wie In Session mit Albert King oder das Doppelalbum Live at Montreux 1982 & 1985 sowie der Veröffentlichung des Auftritts in der Carnegie Hall kann sicher nicht vorgeworfen werden, Schindluder mit dem Erbe des grossen Texaners getrieben zu haben. Es scheint, als gehe man mit dem Erbe Vaughan behutsam um. 2012 ist nun das Album The Fire meets the Fury : the Radio Broadcasts 1989 erschienen, das als neueste Publikation zu beurteilen steht. Der Titel der Veröffentlichung stammt von der Bezeichnung für die damalige Tour, die Stevie Ray Vaughan gemeinsam mit Jeff Beck unternahm.
Die auf The Fire meets the Fury veröffentlichten Aufnahmen sind die ersten Live-Mitschnitte nach dem Drogenentzug von Vaughan und Bassist Shannon und somit da erste Tondokument der Stammband seit der Veröffentlichung von In Step (Family Style wurde natürlich schon viel früher veröffentlicht und diese Aufnahmen kamen nach in Step). Bekanntlich wird das Album Live Alive von den meisten Kritikern als Ausrutscher betrachtet, und Vaughan selbst sagte, sie hätten dieses nur herausgebracht, weil die Band zu fertig war für ein weiteres Studioalbum. Es ist also interessant ins diese neue Publikation mal reinzuhören, schon um zu beurteilen, ob sich da wirklich etwas verändert hat. Nun, kurz gesagt muss man eindeutig sagen: ja, es hat sich etwas verändert.
Als Stevie Ray Vaughan am 27. August 1990 in Wisconsin bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam, gab es noch eine erhebliche Mengen an Material, das unveröffentlicht auf Bändern lagerte, darunter diese Radio-Mitschnitte von Auftritten im Tingley Coliseum von Albuquerque in New Mexico und in der McNichols Arena in Denver, Colorado. Diese aufnahmen lagen bisher erst als Bootleg-Veröffentlichung vor. Der nun regulär publizierten CD ist nicht zu entnehmen, wie die Aufnahmen die Zeit überdauerten oder auch nur, wer sie machte, wir erhalten lediglich die Information, dass es sich um die beiden letzten Auftritte der Tour handelt. Die Konzerte fanden statt am 28. und 29. November 1989 und allem Anschein nach war Jeff Beck nur bei der zweiten Show dabei.
Die ersten sechs Titel entstammen dem Album in Step, während die Titel 7-11 auch auf älteres Material zurückgreifen wie Texas Flood oder Stevie Wonders Superstition, das Vaughan auch schon auf Live Alive spielte. Vom musikalischen Material her gibt es also keine Überraschungen, aber die Qualität des Auftritts ist es, die besticht. Die Songs sind eine Sensation, denn alle Titel sind mit ausgesuchter und zuvor nicht gehörter Konzentration und Präzision gespielt, SRV und die Band (Chris Layton Schlagzeug, Tommy Shannon Bass und Reese Wynans Keyboards) sind wirklich ausgesucht gut an diesen Abenden, insbesondere natürlich der Headliner selbst.Stevies Soli fliessen wie eh und je, sind aber von einem Mass an Virtuosität gekennzeichnet, wie es tatsächlich auf früheren Aufnahmen nicht zu hören ist. Der Beginn von Texas Flood zeigt dies deutlich. Jede Note ist bekannt, aber die Herangehensweise, wie der Song eingeführt wird, schlägt die Zuhörer in den Bann. Auch auf auf Superstition ist die Band herausragend. Die 11:33 dauernde Fassung von Voodoo Chile am Schluss des Albums kommt mit geradezu apokalyptischer Power daher. Dies ist nicht mehr der junge Musiker, der im Schatten von Albert King seinen Sound sucht, hier sind Band wie Headliner gereift und zeigen, was noch alles möglich gewesen wäre. Das einzige, was man an dem Album kritisieren könnte ist, dass Jeff Beck oftmals nicht herauszuhören ist, ausser bei seinen Soli auf Voodoo Chile und Live Without You.
Stevie Ray Vaughan ist noch immer ein Phänomen, er wird von seinen Fans so schmerzlich vermisst wie 1990, und obwohl er die Entwicklung der Bluesgitarre in den letzten 30 Jahren massgeblich mitgeprägt hat, gibt es noch immer niemanden, der mit dieser Energie und diesem Feuer spielt wie der jüngere Bruder aus dem Hause Vaughan. Und er bleibt auch kommerziell ein Phänomen, die neueste CD rangiert 22 Jahre nach seinem Tod innerhalb der ersten 10‘000 verkauften Artikel der englischen Seite von Amazon (Rang 9998), in den USA ist es sogar Rang 1521. Wer The Fire Meets the Fury hört, weiss wieso dies so ist.