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Alexis Pinturault feiert in der WM-Kombination in Courchevel einen besonderen Erfolg. Er siegt in seiner Heimat, in der er auch seine berufliche Zukunft sieht.
Er machte schwierige Zeiten durch. Nach dem Gewinn des Gesamtweltcups, den er sich vor zwei Jahren nach einem faszinierenden Zweikampf mit Marco Odermatt gesichert hatte, passte bei Alexis Pinturault nicht mehr viel zusammen. Seit dem Finale jenes Winters siegte er im Weltcup nicht mehr, bei den Olympischen Spielen in Peking ging er leer aus.
Es war des Schlechten zuviel für den mit 34 Siegen im Weltcup mit Abstand erfolgreichsten Franzosen. Es war Zeit, im personellen Bereich zu handeln. Im Privatteam Pinturault folgte im vergangenen Frühling Stéphane Quittet als verantwortlicher Coach auf Fabien Munier, der nach fünf Jahren Zusammenarbeit zum französischen Verband zurückkehrte. Eine Rochade gab es nach dem Abgang des Österreichers Guntram Mathis auch im Servicebereich. Die Aufgaben teilen sich nunmehr zwei Fachleute.
Nach der verkorksten letzten Saison hatte Pinturault auch einen Materialwechsel ins Auge gefasst. Eine Rückkehr zu seinem früheren Ausrüster Salomon stand zur Debatte. Doch er entschied sich für den Verbleib bei der Firma Head, mit der er einen neuen, für vier Jahre gültigen Vertrag unterzeichnete.
Der andere Pinturault
Zu den Weltmeisterschaften war Pinturault mit der bescheidenen Referenz eines einzigen Podestplatzes in diesem Winter angereist. In Beaver Creek, Colorado, wurde er Dritter im Super-G. Das Tief hatte vor zwei Wochen seinen Höhepunkt erreicht, als Pinturault in den Slaloms in Kitzbühel und in Schladming die Qualifikation für den zweiten Lauf verpasste.
Doch in Courchevel, in seiner Heimat, vor seiner Haustüre sozusagen, war wieder ein anderer Pinturault am Werk. Die Basis zu seinem zweiten WM-Titel in der Kombination nach jenem vor vier Jahren in Are legte er mit Bestzeit im Super-G, dem ersten Wettkampf-Teil. Am Ende entschied er das Duell gegen den Titelverteidiger Marco Schwarz mit einem Zehntel Vorsprung für sich. Es war eine geglückte Revanche gegen den Österreicher, dem er sich vor zwei Jahren in Cortina d'Ampezzo um vier Hundertstel hatte geschlagen geben müssen.
So eng das Duell mit Schwarz war, so sehr musste Pinturault um seinen Start bangen. Zwei Tage zuvor hatte er noch mit Fieber im Bett gelegen. Die gesundheitliche Besserung passte zu dieser Geschichte, diesem für den neuen Weltmeister so besonderen Tag. «Es fällt mir schwer zu beschreiben, was mir dieser Sieg bedeutet. Wenn ich meine Resultate in diesem Winter in Betracht ziehe, ist dieser Erfolg unglaublich.»
Der zukünftige Hotel-Direktor
Pinturault siegte in jenem Ort, in dem er auch in Zukunft leben und arbeiten wird. Aufgegleist ist seine Zeit nach der sportlichen Karriere bereits. Er wird die Leitung des Vier-Sterne-Hotels Les Peupliers übernehmen. Das Haus, einen Steinwurf vom WM-Zielgelände entfernt, ist im Besitz seiner Familie. Während der Weltmeisterschaft dient das Hotel Frankreichs Männer-Team als Unterkunft.
Alexis Pinturault wird als Hotelier dereinst die Tradition seiner Vorfahren fortsetzen. Die Geschichte der Pinturaults als Unternehmer in Courchevel hatte vor über 60 Jahren mit der Eröffnung des Hotels Les Sherpas begonnen. Mit dem Bau des Annapurna, einem Fünf-Sterne-Haus, folgte der Schritt in die Luxus-Hotellerie. Alexis Pinturaults Vater Claude, einst als Informatik-Ingenieur tätig, stieg mit seiner Frau Hege, einer gebürtigen Norwegerin, vor 38 Jahren ins väterliche Geschäft ein. Mittlerweile hat Sandra, die älteste von Alexis' Geschwistern, die Leitung des Annapurna übernommen.
Als zukünftiger Hotel-Direktor sieht Alexis Pinturault «das Leben, das mir gefällt. Hier in Courchevel finde ich dafür den idealen Rahmen». Da spricht einer, der mit sich wieder im Reinen ist. Die schwierigen Momente im Weltcup sind weit weg.
ber, sda