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Schon in den letzten Lebensjahren Ludwigs XIV. hatte er die Erlaubnis zur Errichtung einer Kreditanstalt erhalten, doch wurde
dieselbe beim Tode des Königs wieder zurückgezogen. Im Mai 1716 erhielt er von dem Regenten, dem Herzog
von Orléans,
[* 11] die Erlaubnis zur Errichtung einer Privatbank auf Aktien, die anfänglich in ziemlich solider Weise operierte.
Als sich herausstellte, daß ihre Noten einen guten Kredit genossen, erteilte ihm der Regent durch ein Edikt
vom die Erlaubnis, seine Ideen in umfassendem Maß zu verwirklichen.
Die beiden Grundgedanken, von denen er ausging, waren die, daß der Staat, gleich jedem Privatbankier, einen Kredit erwerben
könne, welcher das Zehnfache der ihm zur Verfügung stehenden Mittel betrage, und daß zu den Mitteln, auf Grund deren
Kredit in Anspruch genommen werden könne, auch Grund und Boden gehöre. Die bisherige Generalbank Laws wurde in eine Staatsbank
verwandelt und die Banknoten in Masse (im ganzen 3071 Mill.) emittiert. Der Gebrauch des Metallgeldes wurde auf alle mögliche
Weise erschwert, schließlich sogar der Besitz desselben verboten, auch der von Gold- und Silbergeschirr
und Edelsteinen, und die Ablieferung aller Metallwerte an die königliche Bank befohlen. Es wurde sodann unter dem Namen Compagnie
d'Occident eine Handelsgesellschaft gegründet, welche die Ausbeutung und Kolonisierung der Länder am Mississippi bezweckte
und nach ihrer Fusion mit andern privilegierten Handelsgesellschaften den Namen Compagnie des Indes annahm.
Das Publikum wurde zur Spekulation in den Aktien dieser Bank angeregt; die Rue Quincampoix in Paris
[* 12] wurde der
Schauplatz einer Spekulationswut, wie sie so intensiv niemals wieder beobachtet worden ist. Auch die Erfolge waren unerhörte:
die Banknoten hatten vor barem Geld ein Agio von 10 Proz. voraus, der Kurs der Mississippiaktien stieg von 500 LivresNominalwert auf 5000, zuletzt auf 20,000 Livres. Durch Ausgabe von neuen Aktien (filles und petites filles), welche nur an die
Besitzer von alten (mères) ausgeteilt wurden, wurde die Begehrlichkeit des Publikums gereizt.
Die IndischeKompanie übernahm die Staatsschulden im Belauf von 1500 Mill. und die Erhebung derSteuern;
die Steuerpachter und viele käufliche Ämter wurden abgeschafft. Manche erwarben ein ungeheures Vermögen, der Herzog von Bourbon
20, der von Autin 12 Mill.;
Law kaufte einen bedeutenden Grundbesitz. Die Regierung hatte Geld im Überfluß. Law wurde, nachdem er zum Katholizismus übergetreten, zum
Generalkontrolleur oder Finanzminister ernannt. Indessen noch im Beginn des Jahrs 1720 fing das Mißtrauen
zuerst unter den Spekulanten von Fach, dann im größern Publikum an, sich Bahn zu brechen. Law konnte es durch die gewaltsamsten
Maßregeln nicht verhindern, daß der Andrang zur Einlösung der Bankbillets immer größer wurde. Im Mai erklärte die Bank
ihren Bankrott, indem sie die Aktien und
Billets im Wert stufenweise heruntersetzte und im Juli die Barzahlungen fast ganz einstellte.
Die Billets sanken auf ein Zehntel ihres Werts, die indischen Aktien auf 20 Livres. Unzählige Leute waren an den Bettelstab
gebracht, das Geld verschwunden und alle Waren und Lebensmittel furchtbar teuer. Law floh im Dezember 1720 unter
Zurücklassung seines Vermögens und starb im Mai 1729 in Venedig
[* 13] in bedrängten Verhältnissen, bis an sein Ende mit Finanzplänen
beschäftigt. Von der Richtigkeit seiner Ideen war er bis zum letzten Augenblick überzeugt.