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Zunftgeschirr
Der an Tradition reichste Teil des Schmiedenvermögens sind die Zunft- oder Ehrengeschirre, die an speziellen Anlässen auf den Tischen, sonst aber zum grösseren Teil in der Schatzkammer des Historischen Museums Bern betrachtet werden können.
Vulkan
Das Prunkstück unter den Gesellschaftsbechern ist der Vulkan. Er ist 1726 durch Johann Heinrich Fechter, Spross einer berühmten Goldschmiedefamilie, aus dem Gold nicht mehr benutzter Becher in Basel gegossen worden. Er ist ein Tafelaufsatz mit den Emblemen aller zünftigen Handwerke und stellt den Gott der Schmiede mit dem Essenwurm dar. Wie die meisten andern Silbergeschirre unserer Zunftgesellschaft wird er im Bernischen Historischen Museum aufbewahrt.
Der Vulkan ist der einzige der historischen Becher, die 1798 nicht zur Erfüllung der durch die damaligen französischen Besatzer der Zunftgesellschaft auferlegten Kontributionszahlungen zu Geld gemacht werden musste.
Hahn-Becher
Der Hahn-Becher wurde der Zunftgesellschaft 1617 durch die Meister des Schlosser-, Uhren- und Büchsenmacherhandwerks geschenkt und musste 1798 verkauft werden. Offenbar hatten damals die Stubengesellen ein Vorkaufsrecht, denn das Register über die Becher meldet, dass dieser von der Familie Hahn erworben worden sei - daher der Name.
1856 schenkte Rudolf Ludwig Hahn (1825–1894) den Becher der Zunftgesellschaft, wo er seither vor allem auf der Schaumkelle benützt wird.
Bärenbecher
Der Bärenbecher wurde der Zunftgesellschaft 1714 durch Pfarrer Niklaus Schmid von Belp geschenkt, der wegen tapferen Verhaltens im Villmerger Krieg im Januar 1713 «mit dem Ewigen-Einwohner-Recht beschenket und beehret» und als Stubengeselle auf Schmieden aufgenommen worden war.
Zur Erinnerung an dieses Ereignis stiftete er den Bärenbecher, welcher einen Bären mit Zepter zeigt, der einen Hirten (Pastor) aufhebt. Der Becher wurde 1798 verkauft und 1821 zurückgekauft.
Ougspurger-Pokal
Der Ougspurger-Pokal stammt aus dem Jahr 1606 und hat sich vermutlich während langer Zeit in der Familie Ougspurger, die seit 1608 auf Schmieden zünftig war, von einer Generation zur andern vererbt. Im Jahr 1880 verehrte Ludwig von Ougspurger, der Letzte seines Geschlechts, den Pokal anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages der Zunftgesellschaft zu Schmieden. Die Familie ist im Jahr 1907 ausgestorben.
Kirchberger-Humpen
In den aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kirchberger-Humpen ist eingraviert:
«Herr Rudolf von Kirchberger von Wyl und Muri schenkt diesen Becher Einer Hochedlen Zunft zu Schmieden Anno 1824 nach Aussterben seines Geschlechtes.»
Nach dem Tod von Rudolf Karl Justus von Kirchberger, einem weit entfernten Verwandten von Rudolf von Kirchberger und Offizier in preussischen Diensten, ging der Humpen im Jahr 1838 in Erfüllung des Vermächtnisses ins Eigentum der Zunftgesellschaft zu Schmieden über.
Daumen-Becher
Der Becher stammt vom Christoffelturm, von der 1865 zerstörten Statue des Chrisophorus: Er ist deren ausgehöhlter Daumen aus Nussholz, den der Schmiedenburger Dr. Edmund von Fellenberg mit Goldblech ausschlagen und zum Trinkgeschirr ausgestalten liess, das er 1878 der Zunftgesellschaft schenkte.
Wie er in den Besitz des Daumens kam, weiss man nicht mehr. Dr. Wäber sagt vorsichtig, dass ihn «der Schenker beim Abbruch von Turm und Heiligenfigur sich aneignete».
Gleich wie der Hahn-Becher wird auch der Daumenbecher als Trinkgefäss auf der Schaumkelle benutzt – ganz im Sinne der eingravierten Inschrift:
«Einst an Christoffels Riesenhand Den unser Zeitgeist schnöd verbannt Söhn ich dereinst bei heitrem Schmaus Das Alte mit dem Neuen aus.»
Jordan-Becher
Der Jordan-Becher ist der Zunftgesellschaft von ihrem 1989 verstorbenen Obmann Peter Jordan testamentarisch gestiftet und 1991 im Zürcher Goldschmiedeatelier Roland Spitzbarth in der Form eines Römers vollständig von Hand gearbeitet worden. Der 20,5 cm hohe Silberpokal zeigt auf der Aussenseite die goldgeprägten Wappen der Familie Jordan und der Zunftgesellschaft und auf dem Boden des Kelchs ein weiteres Jordan-Wappen.
Dem jeweils amtierenden Obmann ist es vorbehalten, bei festlichen Anlässen aus dem Jordan-Becher zu trinken.
Jubiläumsbecher
Dieses Ehrengeschirr gab der Zunftrat 1995 anlässlich des Jubiläums «650 Jahre Zunftgesellschaft zu Schmieden» beim Gold- und Silberschmied Rolf Nopper in Köniz in Auftrag. Der oben und unten sich trompetenförmig erweiternde Silberbecher hat eine Höhe von 20 cm und einen oberen Durchmesser von 12 cm. Er ist innen vergoldet und aussen mit einem teilvergoldeten Fries und einem vergoldeten Zunftwappen geschmückt. Die Inschrift auf dem Grund des Bechers lautet: «650 Jahrfeier 1995».
Der Jubiläumsbecher dient bei festlichen Anlässen dem jeweiligen Stubenschreiber als Trinkgefäss.
Millenniumbecher
Der Millenniumbecher wurde ebenfalls durch den Gold- und Silberschmied Rolf Nopper geschaffen. Eine dem Essenwurm nachempfundene konische Form verbindet den die Tradition symbolisierenden bombierten Fuss mit dem Spitzkegel der Cuppa als Verkörperung der Moderne, womit die kontinuierliche Bedingtheit von Bewährtem und Neuem zum Ausdruck gebracht werden soll, und eine in die Unterseite des Becherfusses eingelassene Silberplatte erinnert an den «Aufbruch ins dritte Jahrtausend, 1. Dezember 2000».
Der Millenniumbecher dient dem jeweiligen Vizeobmann als Trinkgefäss bei besonderen Anlässen.