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Aktuelle Bilder des Maler und Grafikers Walter Grässli
Madame Marie Du Plessis – La Traviata
Sie starb im Alter von 23 Jahren. Ihr Grab befindet sich noch heute noch auf dem Friedhof von Montmartre in Paris. Und auch heute noch findet man auf dem Grab frische Rosen oder Kamelien. Hingelegt von Verehrern. Sie liebte Kamelien über alles.
Alphonsine Plessis (1824-1847), kam aus ärmlichen Verhältnissen aus einem kleinen Dorf in der Normandie nach Paris. Vorerst arbeitete sie als Wäscherin und als Putzmacherin, dann wurde sie die Geliebte eines reichen Kaufmannes. Aber bald wurde aus dem armen Bauernmädchen eine der begehrtesten und teuersten Edelkurtisanen, die sich dann, etwas vornehmer: «Marie Du Plessis» nannte. Bei Ihr gab sich die Hautvolee der männlichen Gesellschaft von Paris ihr Stelldichein. Darunter so bekannte Namen, wie Franz Liszt, Théophile Gautier, Jules Janin und auch Alexandre Dumas, d. Jüngere (1824–1895). Letzterer schuf ihr in seinem teilweise autobiografischen Roman «la dame aux camélias», die «Kameilendame» ein Denkmal. Ein Denkmal von so berührender Art, so erfolgreich beim Publikum, dass der Autor den Roman auch zu einem Theaterstück umarbeitete, das 1852 in Paris uraufgeführt wurde. Die Darstellung der «Kameliendame» wurde für die Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844–1929) die Lebensrolle. Giuseppe Verdi (1813–1901) besuchte in Paris eine Vorstellung, entdeckte dabei den Stoff und schuf daraus seine Oper «La Traviata», die im kommenden August, bei den Werdenberger Schlossfestspielen, am
See von Werdenberg aufgeführt wird.
Auf Anregung von Kuno Bont, Regisseur, setzte ich mich mit der Hauptfigur dieser Oper, Violetta Valéry (La Traviata), auseinander. Ich habe dieses musikalische Werk vielleicht schon ein Dutzendmal in verschiedenen
Inszenierungen gesehen. Und schon immer, seit meiner Studentenzeit an der Pariser Kunstakademie (1966–1969), hat mich diese Musik sehr bewegt. Dort, in meiner Studentenbude, hatte ich ein Grammophon und eine deutsche Einspielung der Traviata. Ich hörte die Langspielplatte unablässig.
Im letzten Jahr entdeckte ich auch das Zeichnen auf dem iPad. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten, bekam ich dieses moderne Medium mehr und mehr in den Griff und die Arbeit begann mich unerhört zu faszinieren. Plötzlich hatte ich die Möglichkeit, mit einem einzigen Medium all das auszudrücken, für das ich früher die unterschiedlichsten Werkzeuge und Materialien in den unterschiedlichsten, mit einander kombinierten, Mal- und Zeichnungstechnniken gebraucht hätte und diese damaligen Möglichkeiten konnte ich problemlos durch viele andere, mir bis anhin noch unbekannte Techniken, erweitern.
Also beschloss ich, mehrere dieser Zeichnungen unter dem Thema «Femme fatale» zu einer neunteiligen Serie zusammenzufassen und als Edition in Digitaldruck, nummeriert und handsigniert, in einer Auflage von je 20 Exemplaren herauszugeben. Die Zeichnungen werden mit meinem eigenen, professionellen Digitaldrucker auf Glanzpapier gedruckt. Das kommt dem ursprünglichen Aussehen auf dem iPad-Bildschirm am nächsten. Die Drucke im A-4-Format, wurden auf einen dünnen Karton von 30 x40 cm aufgezogen und mit einem Passepartout versehen.
Die «femme fatale» – die Verhängnisvolle – erschien mir in meiner Fantasie in verschiedenen Facetten, blieb nicht allein auf die Violetta in der Traviata beschränkt, obwohl gerade sie in meiner Serie im Zentrum steht. Und ich stellte mir vor, dass diese Frau in den vielen Bällen und Festen, die sich damals, wie heute, in Paris ereigneten und noch ereignen, in verschiedenen Verkleidungen und Kostümierungen auftreten könnte, mal etwas älter geworden, dann auch wieder jugendhafter in ihrer Erscheinung. Gerade im zweiten Akt der Oper«La Traviata» findet ein Ball statt, bei dem sich das Ballpublikum unter anderem auch als Zigeunerinnen und Stierkämpfer zu verkleiden hat.
Und so verliess ich dann für diese Serie meinen bis anhin konsequenten, fast ungegenständlichen bildnerischen Weg der letzten 10 Jahre. Mich hatte gerade eines meiner letzten Bilder, ein Grossformat, sehr angestrengt. Aber die darauffolgende Auseinandersetzung mit diesem neuen Thema, «Femme fatale» und gleichzeitig mit dieser wunderbaren Musik und auch mit diesem zeichnerisch-malerischen Medium, bedeutete für mich auch so etwas wie eine «Atempause» – eine Erholung! Und das «Teilen der Farbe», der «Divisionismus», von mir seit langem mit dem punktartigen Farbauftrag praktiziert, kann in der nun neu angewandten Technik der sich überlagernden farbigen Schichten aus sich drehenden Schraffurbündeln, ebenfalls angewendet werden.