Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03263.jsonl.gz/1172

Aryestis und Rocchino, auf die Frage «Was ist ChatGPT» liefert ChatGPT folgende Antwort:
«ChatGPT ist ein grosser sprachbasierter Chatbot oder eine virtuelle Assistentin, die von OpenAI entwickelt wurde. Es ist ein Deep-Learning-Modell, das mit enormen Datenmengen trainiert wurde, um menschenähnliche Konversationen zu führen und dabei natürliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen. ChatGPT kann auf Fragen antworten, Anweisungen ausführen, Informationen bereitstellen und in bestimmten Fällen sogar Empfehlungen geben.»
Seid ihr zufrieden mit der Antwort?
Grundsätzlich ja. ChatGPT steht für Chatbot Generative Pre-trained Transformer. ChatGPT wurde praktisch mit dem ganzen Internet bis Ende 2021 gefüttert. Der Umfang beträgt etwa 200 Milliarden Wörter. Mittlerweile wurde eine Testversion in Microsofts Suchmaschine Bing eingebunden, die mit aktuellen Daten arbeitet und dazu jeweils die Quellenangaben liefert. Mit diesen Inhalten erlernt die Künstliche Intelligenz Strukturen von Sprache. In jeder Sprache gibt es Kombinationen von Buchstaben oder Wörtern, die häufiger vorkommen als andere, wie etwa: Es gibt eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, dass auf «es» «ist» folgt. Die Wahrscheinlichkeiten für viele Wort- und Satzkombinationen werden berechnet und daraus ein Modell erstellt, das einen kohärenten geschriebenen Text erzeugt. Grosse Sprachmodelle benötigen also riesige Datenmengen, um solche Wahrscheinlichkeiten zu berechnen. Und dies wiederum erfordert umfangreiche Rechenkapazitäten.
ChatGPT kann auch Marktanalysen erstellen. Auf die Frage, ob KI eine Gefahr für euren Berufsstand darstellt, sagt ChatGPT folgendes:
«ChatGPT [stellt] selbst keine direkte Bedrohung für Aktienanalysten dar, sondern eher eine Ergänzung oder Erweiterung ihrer Fähigkeiten.»
Stimmt ihr dem zu?
Grundsätzlich ist dieser Punkt valide für alle forschungs- und analyse-intensiven Jobs. Wir werden aber sehen, ob und in welchem Ausmass sich diese Technologie in unserem Alltag etablieren wird.
Lasst uns über Microsoft sprechen. Der Softwaregigant hat bereits mehrere Milliarden Dollar in OpenAI, das Startup hinter ChatGPT, investiert. Was verspricht sich Microsoft davon?
Schlicht mehr Erträge. ChatGPT eröffnet für Microsoft erhebliche Umsatzchancen. So hat Microsoft beispielsweise rund 350 Millionen zahlende User für Office 365. Ein Anstieg von durchschnittlich einem Dollar pro User bedeutet für Microsoft eine monatliche Einnahmequelle von 350 Millionen Dollar. ChatGPT kann neue Funktionalitäten schaffen, um solche Preiserhöhungen über einen Dollar hinaus zu steigern. Das Management von Microsoft betonte zudem die verbesserte Suchfunktionalität der hauseigenen Internet-Suchmaschine Bing. Bing wird heute erst bei knapp 3 Prozent aller Websuchen eingesetzt, im Vergleich zu rund 90 Prozent bei Google. Laut Microsoft generiert ein Anteilsgewinn von 1 Prozent Einnahmen von zwei Milliarden Dollar.
Was heisst das konkret: «ChatGPT kann neue Funktionalitäten schaffen»?
Microsoft nennt viele Beispiele. Nachfolgend deren zwei: Das Kommunikations-Tool MS Teams ist bereits in der Lage, Konferenzgespräche zu transkribieren. ChatGPT kann diese analysieren und eine kurze Zusammenfassung der Aufgaben erstellen sowie die Niederschrift selbst verbessern. Eine Erweiterung ist auch bei GitHub CoPilot verfügbar. Das ist Microsofts Verwaltungssystem für Softwarecode mit Millionen von Usern. Ein Softwareprogrammierer könnte etwa «Code zum Extrahieren von Daten aus einer Website» anordnen. GitHub CoPilot wandelt diese Daten dann in den richtigen Softwarecode um. Das spart Zeit und Geld.
Alphabet bzw. Google ist der Platzhirsch bei den Suchanfragen. Wird ihn Microsoft mit ChatGPT verdrängen?
Microsoft hat viel Aufhebens darum gemacht, ChatGPT für Bing anzubieten. Dies ist jedoch nur in bestimmten Regionen und für eine bestimmte Art von Suchanfragen möglich. Im günstigsten Fall gelingt es Microsoft, in den nächsten Jahren einen Marktanteil von über 10 Prozent zu erreichen, während dieser heute noch einstellig ist.
Das wären zehn Milliarden Dollar an potenziellen Einnahmen gemäss ersten Schätzungen von Bloomberg.
Ja, aber eine Suche mittels ChatGPT braucht deutlich mehr Rechenkapazität als dies für eine klassische Google-Suche der Fall ist. Folglich sind die Suchkosten deutlich höher. Je nachdem, welcher Analyst die Berechnung vornimmt, liegen diese bis zu hundertmal höher. Es wird einige Zeit dauern, bis ChatGPT ein ernstzunehmender Konkurrent für die konventionelle Suche ist.
Die Konkurrenz schläft nicht. Was steckt in deren KI-Pipeline?
Alphabet hat mit Bard einen eigenen KI-Chatbot entwickelt und Chinas grösste Suchmaschine Baidu hat einen Chatbot-Dienst namens «Ernie Bot» angekündigt. Beide Unternehmen haben die Finanzkraft die gewichtigen Investitionen zu stemmen, welche die Entwicklung von KI-Tools erfordert. Die Produkte beider Unternehmen würden von KI-gestützten Innovationen profitieren.
Der Hype um ChatGPT und Künstlicher Intelligenz erinnert an den Goldrausch im 19. Jahrhunderts in den USA. Damals wurden Schaufelhersteller reicher als die Goldschürfer.
Analogien gibt es auch hier. Nvidia etwa stellt die Grafikprozessoren her, die das Herzstück dieser KI-Infrastruktur bilden. Einige Analysten schätzen, dass Nvidia-Produkte einen Anteil von bis zu 90 Prozent an den KI-bezogenen Berechnungen haben. Anbieter von öffentlichen Clouds, wie etwa jene von Google Cloud Services, entwickeln eigene sogenannte Tensor Processing Units – kurz TPU. Um diese TPU zu entwickeln, wird beispielsweise Designsoftware von Cadence und Synopsys eingesetzt. Ein weiterer wahrscheinlicher Nutzniesser könnte Arista Networks sein, der führende Anbieter von Netzwerk-Switches für Betreiber öffentlicher Clouds. Da der Bedarf an Rechenkapazität durch KI steigt, braucht es mehr IT-Infrastruktur, was wiederum mehr von diesen Switches erfordert.
Welche weitere Anwendungsfälle von KI seht ihr?
Unternehmen wie UiPath, ServiceNow oder PEGA Systems bieten sogenannte Robotic Process Automation (RPA) Software an. Damit können Unternehmen administrative Prozesse effizient automatisieren, wie etwa das Onboarding neuer Mitarbeitenden, Lohnbuchhaltung, Bearbeitung von Kundenanfragen etc. Ebenso können IT-Beratungsunternehmen wie beispielsweise Accenture KI einsetzen, um repetitive Aufgaben, die mit der Integration verschiedener IT-Tools verbunden sind, zu automatisieren.
Fakt ist: Die Kraft der Künstlichen Intelligenz nutzen leider auch Cyberkriminelle.
Dem ist so. Aber Künstliche Intelligenz optimiert auch Cybersecurity-Kapazitäten. Ein typisches Unternehmen ist täglich mit Tausenden von kleinen Angriffen auf seine IT-Systeme konfrontiert. Viele davon werden automatisch herausgefiltert. KI- oder Machine-Learning-Techniken könnten eingesetzt werden, um den Anteil der automatisierten Angriffe weiter zu reduzieren. Damit wird das meist stark geforderte Cybersicherheitspersonal in Unternehmen entlastet.
Werden KI und ChatGPT die führenden Technologieunternehmen unter Druck setzen?
Jede technologische Innovation schafft Opportunitäten für Start-ups, etablierte Unternehmen zu disruptieren. Dafür braucht es zum einen Risikokapital. Derzeit haben Investorinnen und Investoren aber weniger tiefe Taschen aufgrund der steigenden Zinsen. Weiter sehen wir, bezogen auf KI-gestützte Chatbots, drei Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Disruption beeinflussen.
Erstens: KI-Anwendungen brauchen grosse Datenmengen, ansonsten bleiben sie «dumm». Diese Datenmengen gehören grossen Technologie- oder Verbraucherunternehmen, wie etwa Facebook. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Unternehmen ihre Daten einfach an ein externes Start-up aushändigen.
Zweitens: KI-Anwendungen erfordern immense Rechnerkapazitäten, was zu erheblichen Kosten führt. Diese können primär IT-Grossunternehmen schultern, auch weil sie von Skalenvorteilen profitieren.
Drittens: KI verbessert primär bestehende Businessmodelle und Produkte. Stand-alone-Lösungen sind erfahrungsgemäss schwieriger zu monetarisieren.
Danke fürs Gespräch.
Als Fondsanbieter beobachtet das Asset Management der Zürcher Kantonalbank genau, wie sich diese jüngste Innovationswelle auf unsere eigenen Investitionen und die damit verbundenen Sektoren auswirkt. Nachfolgend eine nicht abschliessende Einschätzung möglicher Implikationen auf Sektoren und Unternehmen seitens unseres globalen Buy-Side Research: