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Schon um 1240 soll ein Jäger die erste warme Quelle in der Taminaschlucht gefunden haben. Ab 1840 wurde das warme Wasser in Holzkanälen nach Bad-Ragaz geleitet. Im Jahr 1868 erwarb der Glarner Architekt Bernhard Simon die Quelle und errichtete ein Grand-Hotel, den Kern des heutigen Grand Resorts Bad Ragaz. Um 2000 sollte das Thermalbad neben dem Aussenbad von Otto Glaus aus den 1960er-Jahren erneuert werden. Hierfür wurde ein zweistufiger Wettbewerb ausgelobt. Der Neubau wurde aus Kostengründen auf das Untergeschoss des Vorgängerbaus gesetzt. Das neue Thermalbad ist ein differenzierter Komplex: 115 Stützen aus rund 2200 Fichtenstämmen gliedern das Kontinuum aus Pavillons, Wandelgängen und Passerellen mit einem regelmässigen Grundraster von 6 x 4,96 Metern. Darüber erheben sich abschnittsweise Walmdächer. Ein besonderes Augenmerk lag in der Gestaltung der Holzkonstruktion, die sich in den seit dem 19. Jahrhundert gewachsenen Kontext einfügen, aber auch behaupten musste. Die kräftigen Stützen sind kreuzförmig ausgebildet und wirken stark raumbildend. Die Fassaden kennzeichnen ovale Öffnungen, die von einer abgestuften, schmalen Lattung gerahmt und von Lisenen gefasst sind. Die Repetition dieses aussergewöhnlichen Fassadenelements verleiht dem Thermalbad Gewicht. Die Holzkonstruktion ist weiss gestrichen und kontrastiert mit der dunklen Dachdeckung. Der helle Anstrich nimmt keine holztypische Patina an und täuscht eine immerwährende Neuheit vor – Altern im weissen Kleid scheint anspruchsvoll zu sein.
Lämmler, Rahel: Weisser Badetempel, in: Hochparterre 10/2012 (Prix Lignum 2012). – Loderer, Benedikt: Uplifting the customer, oder das gesunde Glück, in: Hochparterre 08/2009.
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