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In den letzten 40 Jahren ist das Phänomen der Zersiedelung der Landschaft in den meisten entwickelten Ländern zu einem wichtigen Thema geworden. Der Anstieg der Zersiedelung geht typischerweise mit steigenden Einkommen und einer substantiellen Reduktion der Transportkosten einher. In der Schweiz ist die Reduktion des Zersiedelungsprozesses in den letzten Jahren auch zu einem politischen Anliegen geworden, wie sich in zwei Volksinitiativen zur Einwanderung und zu Zweitwohnungen gezeigt hat.
Unsere Forschung in diesem Bereich setzt sich primär mit der Wirkung von Institutionen und Planungsinstrumenten auf den Zersiedelungsgrad der Landschaft auseinander. Von besonderem Interesse ist für uns der Einfluss von lokalen Steuern sowie die Rolle von Bebauungsplänen und Verkehrsinfrastruktur. Diese Instrumente werden zum Teil von lokalen Gebietskörperschaften unabhängig gewählt und können den Zersiedelungsprozess sowohl verstärken als auch abschwächen. Da typischerweise ein Mix an überlappenden Instrumenten den Zersiedelungsgrad beeinflusst, legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Wechselwirkung verschiedener Institutionen und Planungsinstrumenten.
In einem vergleichenden Forschungsprojekt zur Zersiedelung in Europa untersuchen wir den Zusammenhang zwischen institutionellen Faktoren und dem Ausmass urbaner Zersiedelung. Urbane Zersiedelung beschreibt dabei die fortschreitende Verlagerung wirtschaftlicher Aktivität von Stadtzentren hinaus in das viel weniger dicht besiedelte Umland. Grafik 1 illustriert die durchschnittliche Intensität der urbanen Zersiedelung innerhalb Europas.
Unsere Ergebnisse für die Zeitperiode von 1990 bis 2012 zeigen, dass es erhebliche Variation zwischen den Ländern gibt, diese Variation aber vergleichsweise stabil ist im beobachteten Zeitraum. Die Zersiedelung ist relativ ausgeprägt in Zentral- und Osteuropa und vergleichsweise gering in Nordeuropäischen Ländern. Weiterhin beobachten wir einen negativen Zusammenhang zwischen dem Ausmass der Zersiedelung und der Wachstumsraten der realen Hauspreise. Dies legt einen trade-off zwischen Zersiedelung und günstigen Hauspreisen nahe. Bezüglich der Bedeutung regionaler Dezentralisierung zeigt sich, dass Länder mit hoher Autonomie lokaler Gebietskörperschaften eine durchschnittlich 25 bis 30 Prozent höher Zersiedelung aufweisen als Länder mir eher zentralistisch organisierte Länder.