Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/48038

<h2>SubmittedText<h2><p>Im zweiten Quartal 2003 ist die Jugendarbeitslosenquote gemäss Sake-Erhebung auf über 8 Prozent - d. h. vom ersten zum zweiten Quartal 2003 von 33 000 auf 50 000 registrierte Arbeitslose - hinaufgeschnellt. Sie war noch nie so hoch. Dies muss höchste Alarmstimmung auslösen, denn die gesellschaftlichen Folgewirkungen der Jugendarbeitslosigkeit und der mangelnden Berufsintegration sind von grosser Tragweite.</p><p>Wir bitten den Bundesrat, mehr Informationen, Hinweise und Interpretationen zu dieser gravierenden Entwicklung zu liefern, die sich aus den nicht veröffentlichten Detailstatistiken der Arbeitslosenversicherung (Avam) und der Schweizerischen Arbeitskräfte-Erhebung (Sake) ableiten lassen.</p><p>Insbesondere bitten wir um Auskunft über folgende Fragen:</p><p>1. Was weiss man zusätzlich über die soziodemographischen Daten der Arbeitslosen zwischen 16 und 25 Jahren hinsichtlich Alter, Berufsabschluss, Nationalität, Geschlecht, Landesteil?</p><p>2. Wie interpretiert der Bundesrat das Hochschnellen und die hohen Ziffern der Jugendarbeitslosigkeit? Was sind nach seiner Analyse die Ursachen und Hintergründe? Ist dies u. a. auch ein statistischer Späteffekt der Tatsache, dass Lehrstellen und Praktikumsplätze bereits im Herbst 2002 gefehlt haben (und noch mehr im Herbst 2003 fehlten)?</p><p>3. Was gedenkt er zu tun, um die Jugendarbeitslosigkeit deutlich zu reduzieren und zusätzliche Arbeitsplätze oder Lehrstellen für Menschen unter 25 Jahren zu schaffen? Welche besonderen Massnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik (AAM), der Berufsbildung und der Ausländerintegration wird er einleiten? Ist er auf Bundesebene bereit, das (kürzlich eingestellte) Programm, wonach Lehrabgänger für ein Jahr zum besseren Erwerb von Berufspraxis weiterbeschäftigt werden, zu reaktivieren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die Jugendarbeitslosigkeit besondere Aufmerksamkeit verdient, weil der Einstieg in das Erwerbsleben und die berufliche Integration für das Selbstvertrauen junger Menschen und deren spätere berufliche Entwicklung sehr wichtig sind.</p><p>1. Soziodemographische Daten</p><p>Alter: Ende September 2003 waren 28 308 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldet, 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. 28 Prozent davon waren jünger als 20 Jahre. Die Arbeitslosenquote der 15- bis 19-Jährigen belief sich auf 3,7 Prozent (was der Arbeitslosenquote der gesamten Bevölkerung entspricht), diejenige der 20- bis 24-Jährigen auf 6,0 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit verzeichnet damit gegenwärtig einen überdurchschnittlichen Anstieg. Die Arbeitslosenquote bei den 20- bis 24-Jährigen liegt zudem auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Ein solch hohes Niveau der Jugendarbeitslosigkeit war zum letzten Mal Anfang 1997 zu verzeichnen. Ende Januar 1997 betrugen die Arbeitslosenquoten 5,7 Prozent (insgesamt); 2,9 Prozent (15- bis 19-Jährige) und 6,9 Prozent (20- bis 24-Jährige).</p><p>Zu bedenken ist bei diesem zeitlichen Vergleich, dass die Arbeitslosenquoten für 1997 auf der Basis der Erwerbsbevölkerung gemäss Volkszählung (VZ) 1990 basieren. Dieser Umstand ist deshalb von Bedeutung, weil die Erwerbsbevölkerung im Alter von 20 bis 24 Jahren zwischen 1990 und 2000 aus demographischen Gründen und wegen der gestiegenen Bildungsbeteiligung um 22 Prozent abgenommen hat. Die offizielle Jugendarbeitslosenquote von 1997 dürfte das Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit daher im Vergleich zu den heutigen Werten eher unterschätzen.</p><p>Berufsabschluss/Zuletzt ausgeübte Funktion: Die 15- bis 24-jährigen Arbeitslosen verteilen sich wie folgt auf die verschiedenen Funktionskategorien: 39 Prozent Fachfunktion, 31 Prozent Hilfsfunktion, 19 Prozent Lehrling, 10,5 Prozent Schüler/Schülerin/Student/Studentin, 0,5 Prozent Übrige.</p><p>Nationalität: Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote der 15- bis 24-jährigen AusländerInnen beträgt seit 1996 jeweils rund das Zweieinhalb- bis Dreifache derjenigen der Schweizer und Schweizerinnen. Ausländer und Ausländerinnen sind dabei sowohl saisonalen als auch konjunkturellen Schwankungen stärker ausgesetzt als Schweizer und Schweizerinnen.</p><p>Geschlecht: Die jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenquoten der 15- bis 24-jährigen Frauen und Männer liegen seit 1994 relativ eng beisammen und weichen lediglich um 0,1 bis 0,5 Prozentpunkte voneinander ab. Die Jugendarbeitslosigkeit der Männer weist dabei relativ stärkere saisonale Schwankungen auf. Ende September 2003 betrug die Arbeitslosenquote jugendlicher Frauen 4,5 Prozent (15- bis 19-Jährige) bzw. 6,3 Prozent (20- bis 24-Jährige). Bei den Männern beliefen sich die entsprechenden Quoten auf 3,0 Prozent (15- bis 19-Jährige) bzw. 5,7 Prozent (20- bis 24-Jährige). Bei den Arbeitslosen insgesamt betrug die Arbeitslosenquote bei Männern 3,6 Prozent, bei Frauen 3,9 Prozent.</p><p>Landesteil: Die Westschweiz und das Tessin weisen in der längerfristigen Betrachtung tendenziell einen Rückgang der Jungendarbeitslosigkeit auf. Im Jahre 1995 betrug die durchschnittliche Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in diesen Regionen noch 7,2 Prozent, gegenüber 3,9 Prozent im Jahre 2002. Ausserdem zeigt sich in den letzten Jahren eine Annäherung der Quoten zwischen der Deutschschweiz und der lateinischen Schweiz. Derzeit beträgt die Differenz in den Jugendarbeitslosenquoten rund 1,1 Prozentpunkte gegenüber 4,4 Prozentpunkten 1995.</p><p>Aufschlussreich für die Analyse der Jugendarbeitslosigkeit sind insbesondere auch folgende vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zusätzlich errechneten statistischen Daten:</p><p>Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen beträgt nach aktueller Auswertung 130 Tage. Dieser Wert ist deutlich geringer als die Vergleichswerte, welche für die Altersklassen der 25- bis 55-Jährigen (217 Tage) und der über 55-Jährigen (309 Tage) ausgewiesen werden. Dies belegt, dass Junge deutlich kürzer in der Arbeitslosigkeit verweilen als Personen aus den übrigen Altersklassen. Junge Arbeitslose sind dementsprechend auch nur relativ selten von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Ende September 2003 lag der prozentuale Anteil der Jugendarbeitslosen am Total der registrierten Arbeitslosen mit 19,3 Prozent leicht unter dem entsprechenden Anteil vor zehn Jahren.</p><p>2. Analyse und Interpretation</p><p>Zur Analyse der Arbeitslosenentwicklung gibt es in der Schweiz zwei verschiedene Messinstrumente, nämlich die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (Sake) des BFS und das Register der gemeldeten Stellensuchenden und Arbeitslosen des Seco. Beide Statistiken sind komplementär und weisen spezifische Stärken und Schwächen auf.</p><p>Die Sake erlaubt es, international vergleichbare Statistiken zur Arbeitslosigkeit zu erstellen. Das BFS wendet dabei durchweg die Definitionen der Internationalen Arbeitsorganisation (Organisation internationale du travail, OIT) an. Die Sake wird in der Schweiz einmal im Jahr durchgeführt und liefert seit 1991 Ergebnisse für das jeweilige 2. Quartal. Die Erhebung basiert auf einer telefonischen Befragung einer zufälligen Bevölkerungsstichprobe, wobei die Ergebnisse auf die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz hochgerechnet werden. Detaillierte Analysen der Merkmale von erwerbslosen Personen sind, bedingt durch die limitierte Stichprobengrösse, oft nicht möglich. Bei der Berechnung von Erwerbslosenquoten werden sowohl für den Zähler (Anzahl Erwerbslose) als auch für den Nenner (Erwerbsbevölkerung) die Schätzungen aus der Sake gemäss internationalen Definitionen verwendet.</p><p>Die Zahlen des Seco zu den registrierten Stellensuchenden entsprechen einer Vollerhebung der bei einem RAV gemeldeten Personen. Auswertungen nach diversen Merkmalen wie Alter, Region, Branchenzugehörigkeit usw. sind daher problemlos möglich. Die registrierten Arbeitslosen bilden eine Teilmenge der Stellensuchenden. Als nichtarbeitslose Stellensuchende gelten u. a. Personen im Zwischenverdienst oder einem Programm zur vorübergehenden Beschäftigung (sie haben eine Stelle inne), Personen in einem längeren Weiterbildungskurs (sie sind nicht unmittelbar vermittelbar) sowie Personen, die aus anderen Gründen entweder nicht erwerbslos (z. B. in ungekündigter Stellung) oder nicht vermittelbar sind (z. B. wegen Krankheit, RS usw.). Bei den offiziellen Arbeitslosenquoten des Seco werden als Basis die Zahlen zur Erwerbsbevölkerung aus der VZ entnommen. Bis im Dezember 1999 wurden die Daten der VZ 1990, ab Januar 2000 diejenigen der VZ 2000 verwendet.</p><p>Aus den erwähnten konzeptionellen Gründen weichen die Daten des BFS und des Seco systematisch voneinander ab. Der im vorliegenden Zusammenhang wichtigste Unterschied ist, dass die Zahlen des BFS sowohl eingeschriebene wie auch nicht eingeschriebene Erwerbslose umfassen. Die in der Anfrage angeführten 50 000 registrierten Arbeitslosen betreffen sowohl registrierte als auch nicht registrierte Erwerbslose gemäss internationalen Definitionen. Damit erklärt sich auch, wieso die Zahl des BFS deutlich über derjenigen des Seco liegt. Das Seco registrierte im zweiten Quartal 2003 23 203 Arbeitslose im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Der Unterschied der beiden Statistiken ist im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit besonders gross, da sich ein ganz erheblicher Teil der erwerbslosen Jugendlichen nicht bei einem RAV anmeldet. Die finanziellen Anreize einer Registrierung sind bei Jungen kleiner als im späteren Erwerbsleben. Junge Arbeitslose verfügen in der Regel über einen kleineren versicherten Verdienst als höhere Altersgruppen, welche dazu noch meist ausgeprägtere Abhängigkeiten und Verpflichtungen hinsichtlich Lebensunterhalt und Familie haben.</p><p>Eine Analyse der Arbeitslosenentwicklung auf der Basis der Seco-Statistik zeigt, dass Jugendliche bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage einen überproportionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen haben. Dieses Phänomen ist bekannt und leider auch in der aktuellen Situation wieder zu beobachten (vgl. Ausführungen zu Ziff. 1). Die wichtigsten Gründe sind die folgenden:</p><p>1. Neu in den Arbeitsmarkt tretende Personen (und dies sind vorwiegend Jugendliche) sind von Einstellungsstopps primär betroffen.</p><p>2. Junge Menschen verfügen über wenig Berufs- und Betriebserfahrung, womit sie mit grösserer Wahrscheinlichkeit von einer Entlassung betroffen sind.</p><p>3. Junge Menschen sind in ihrem Beruf nicht so stark integriert und teilweise noch auf der Suche nach der für sie optimalen Stelle. Die Sucharbeitslosigkeit ist damit bei Jugendlichen höher. Auch eine Lehrstellenknappheit kann die Jugendarbeitslosigkeit erhöhen.</p><p>4. Jugendliche, welche das Bildungssystem nach der obligatorischen Schulbildung freiwillig verlassen, weisen ein geringes Qualifikationsniveau auf, was sie wiederum einem höheren Arbeitslosenrisiko aussetzt.</p><p>5. Auch Jugendliche auf der Suche nach einem Ferienjob oder einem Nebenerwerb sind in der BFS-Statistik als Erwerbslose erfasst. Dieses Stellenangebot wird in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als erstes abgebaut.</p><p>Diese Aufzählung von Gründen, welche mangels entsprechender detaillierter Untersuchungen nicht strikte hierarchisiert werden können, hilft zu verstehen, warum die Jugendarbeitslosigkeit in einer konjunkturellen Baisse besonders stark ansteigt.</p><p>Gleichzeitig zeigt die Erfahrung der Neunzigerjahre, dass man im wirtschaftlichen Aufschwung mit einem ebenfalls überdurchschnittlichen Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit rechnen darf. Erklärungsfaktoren dafür sind verschiedene spezifische Stärken der jugendlichen Erwerbsbevölkerung, welche ihr bei anziehender Arbeitskräftenachfrage zugute kommen:</p><p>1. Ihre Löhne sind in der Regel tiefer und nach unten oft flexibler (insbesondere Einstiegslöhne dürften eine erhebliche Flexibilität aufweisen).</p><p>2. Junge Leute sind, sofern sie das Elternhaus bereits verlassen haben, geographisch relativ mobil.</p><p>3. Das Ausbildungswissen ist aktuell und für die Arbeitgeber attraktiv. </p><p>Eine detaillierte Analyse der Problematik der Jugendarbeitslosigkeit auf der Grundlage der Sake liegt leider nicht vor. Vor 2002 war dazu die Stichprobe der Sake auch eher zu klein. Entsprechend vorsichtig sind daher generell die Zahlen zur Jugenderwerbslosenquote des BFS vor 2002 zu interpretieren, welche Ungenauigkeiten in den Schätzungen aufweisen können. Die neuesten Daten für 2003 liegen zudem für Detailanalysen noch nicht zur Verfügung. Sie werden jedoch im Verlaufe dieses Jahres verfügbar sein.</p><p>Statistischer Späteffekt</p><p>Dass eine Verknappung des Lehrstellenangebotes zu einer Erhöhung der Jugendarbeitslosigkeit führen kann, wurde bei der Aufzählung der Ursachen von Jugendarbeitslosigkeit bereits erwähnt. Allerdings deuten verschiedene Faktoren darauf hin, dass das Lehrstellenangebot für den aktuellen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit nicht hauptverantwortlich ist.</p><p>Ein Indikator ist die Arbeitslosenquote der Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren, welche unter derjenigen der 20- bis 24-Jährigen liegt. Der Anteil der ehemaligen Schüler und Schülerinnen und Studenten und Studentinnen an den Arbeitslosen im Alter von 15 bis 24 Jahren ist mit 10 Prozent zudem vergleichsweise gering. Ferner zeigt die kurze durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit, dass Jugendliche, sind sie einmal bei einem RAV gemeldet, mit hoher Wahrscheinlichkeit relativ rasch eine Lehrstelle, eine Beschäftigungsmöglichkeit oder eine Zwischenlösung finden können.</p><p>Auch die verfügbaren Untersuchungen zur Situation des Lehrstellenmarktes sprechen gegen die These, dass das fehlende Lehrstellenangebot zu einem starken Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit geführt hat. Gemäss Lehrstellenbarometer vom August 2003 hat das Lehrstellenangebot nach einem Rückgang 2002 in diesem Jahr wieder leicht zugenommen. Der Anteil offener Lehrstellen stieg auf 11 Prozent, was dem Wert von 2000 und 2001 entspricht, als die Lehrstellensituation als gut eingeschätzt werden durfte. </p><p>Inwieweit der Anstieg der Jugenderwerbslosigkeit gemäss BFS mit der Lehrstellensituation zusammenhangen könnte, bleibt zurzeit Spekulation. Um mehr über diesen Zusammenhang zu erfahren, wäre eine detailliertere Analyse der Sake-Daten notwendig.</p><p>Eine Untersuchung zum Thema Jugendarbeitslosigkeit ist derzeit bei der interkantonalen "Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau und Zug" in Vorbereitung. Im Zentrum dieser Untersuchung soll die Frage stehen, welche regionalen Unterschiede bezüglich Jugendarbeitslosigkeit bestehen und inwieweit regionale Besonderheiten Unterscheide erklären können.</p><p>3. Arbeitslosenversicherung</p><p>Auch im Rahmen der Arbeitslosenversicherung (ALV) wird das Angebot für junge Arbeitslose ständig erweitert und den veränderten Gegebenheiten angepasst. Ausländische und Schweizer Versicherte können in gleichem Mass die Dienstleistungen der ALV in Anspruch nehmen. Mehrere Projekte und Massnahmen sind spezifisch auf die Problematik der Jugendarbeitslosigkeit zugeschnitten.</p><p>- Im Rahmen der ALV besteht für die Versicherten die Möglichkeit, in der öffentlichen Verwaltung oder in Privatunternehmen Berufspraktika zu absolvieren. Diese ermöglichen den Arbeitslosen erste Berufserfahrungen und sollen ihnen den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtern. Die ALV übernimmt dabei 75 Prozent der Kosten, während die restlichen 25 Prozent bzw. mindestens 500 Franken  zulasten des Arbeitgebers gehen.</p><p>- Das Projekt CH-Stiftung hat zum Ziel, Lehrabgängern und Lehrabgängerinnen ohne Stelle Praktikumsplätze im Austausch mit Firmen in anderen Sprachregionen der Schweiz zu ermöglichen. Die Teilnehmenden sind zu 80 Prozent in einer Firma beschäftigt, während sie zu 20 Prozent an einem Sprachkurs teilnehmen. Die CH-Stiftung bietet 18 Praktikumsplätze an.</p><p>- Die ALV organisiert seit 1996 so genannte Motivationssemester (semo), spezielle Beschäftigungsprogramme für Jugendliche, welche eine Schule beendet oder abgebrochen oder eine Lehre abgebrochen haben und sich über ihre berufliche Ausrichtung noch nicht im Klaren sind. Diese Massnahme fördert die Sozialkompetenz der Jugendlichen und gibt ihnen auch die Chance, gewisse Bildungslücken (z. B. mangelnde Sprachkenntnisse) zu schliessen. Ziel des semos ist aber vor allem das Finden einer Ausbildung bzw. Lehrstelle.</p><p>- Weitere Massnahmen der ALV sind Übungsfirmen (Sammeln von Berufserfahrungen in wirklichkeitsnahem Umfeld) und Ausbildungspraktika (punktuelle Verbesserung der beruflichen Kenntnisse).</p><p>- Die Schweizerische Ost-Management-Stiftung organisiert im Auftrag des Bundes für arbeitslose Lehrabgänger und Lehrabgängerinnen Praktika in der allgemeinen Bundesverwaltung, den SBB, der Post oder der Swisscom. Dieses Programm bietet neu 50 anstatt wie vorher 15 Praktikumsplätze an. Für das Jahr 2004 sind 70 Plätze budgetiert.</p><p>Programm für arbeitslose Lehrabgänger der Bundesverwaltung</p><p>Das Programm für "arbeitslose Lehrabgänger der Bundesverwaltung" wurde aus finanziellen Gründen vom Eidgenössischen Personalamt gestrichen; es sind zurzeit keine Mittel vorhanden, dieses wieder aufzunehmen.</p><p>Lehrstellenangebot</p><p>Bezüglich der Lehrstellensituation ist der Bundesrat über die Einberufung einer Task Force Lehrstellen aktiv geworden. Folgende Massnahmen wurden von der Task Force Lehrstellen vorgeschlagen und zum Teil bereits umgesetzt:</p><p>- Der Bundesrat hat am 30.  April beschlossen, das Lehrstellenangebot des Bundes im laufenden und im folgenden Jahr um insgesamt 100 Lehrstellen auszubauen.</p><p>- Als eine Sofortmassnahme wurden in verschiedenen Kantonen, in denen die Lehrstellensituation in diesem Jahr als angespannt eingestuft wurde, Lehrstellenförderer eingesetzt, welche vom Bund finanziert wurden. </p><p>- Im Weiteren wurde bereits in diesem Jahr eine Anschubfinanzierung für einen Lehrstellenverbund gewährt. Lehrstellenverbünde sollen es insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen erleichtern, gemeinsam Lehrstellen anzubieten.</p><p>- Trotz jüngster Anzeichen einer Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt (vgl. Lehrstellenbarometer vom August 2003) ist zu vermuten, dass sich die Lehrstellensituation 2004 nicht deutlich verbessern wird, insbesondere auch, weil im nächsten Jahr aus demographischen Gründen mehr Jugendliche auf den Lehrstellenmarkt drängen werden. Aus diesem Grund hat die Task Force Lehrstellen vorgeschlagen, weitere 2,3 Millionen Franken zur Schaffung zusätzlicher Lehrstellen bereitzustellen. Als Hauptmassnahmen sind vorgesehen:</p><p>1. Die finanzielle Unterstützung von Lehrstellenförderern als ein erfolgreiches und rasch wirksames Instrument. Personen, die in der regionalen Wirtschaft verankert sind, motivieren Unternehmerinnen und Unternehmer, zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zustellen. </p><p>2. Anschubfinanzierungen für Lehrbetriebsverbünde. Bei diesem Ausbildungsmodell entstehen neue Lehrstellen, indem Unternehmungen gemeinsam Ausbildungsplätze anbieten.</p><p>3. Vermittlung und Mentoring. Fachpersonen machen Jugendliche ohne Lehrstellen gezielt auf offene Lehrstellenangebote aufmerksam, beraten sie und vermitteln sie den Unternehmungen.</p><p>Flankierend dazu soll das Lehrstellenmarketing verbessert werden. Dabei soll insbesondere auch Personen aus ausländischen Kulturkreisen die Wichtigkeit einer abgeschlossenen Berufsausbildung näher gebracht werden.</p><p>Integrationsförderungskredit</p><p>Abgesehen von der ALV hat der Bund einen zweiten Integrationsförderungskredit bewilligt, der vom Bundesamt für Zuwanderung, Integration und Auswanderung verwaltet wird. In diesem Rahmen stehen zur Förderung der Integration von Ausländerinnen und Ausländern in diesem Jahr 12,5 Millionen Franken zur Verfügung. Neu werden ab 2004 Projekte unterstützt, welche zur "Öffnung von Institutionen" für die ausländische Bevölkerung beitragen. Die anderen Schwerpunkte der Integrationsförderung 2004-2007 sind die Förderung der Verständigung, die Erleichterung des Zusammenlebens, die Entwicklung von Kompetenzzentren sowie die Innovation und die Qualitätssicherung.</p>  Antwort des Bundesrates.