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Endlich können die Engländer wieder ihren Anfeuerungsruf hervorkramen, der um die Jahrtausendwende in Wimbledon Mode war. "Come on, Tim", hallt es über den schmucken Court 12, den Tim Henman damals wohl nie aus der Nähe gesehen hat. Stattdessen ist nun ein Niederländer namens Tim van Rijthoven, Nummer 104 der Welt, der neue Darling der Fans.
Sein Einzug in die Achtelfinals hat etwas Märchenhaftes. Noch vor vier Wochen war der 25-Jährige aus Nord-Brabant ausserhalb der Top 200 klassiert und hatte noch nie ein Spiel auf der ATP Tour gewonnen. Im Londoner Vorort Surbiton verlor er bei einem Challenger-Turnier in der 1. Runde.
Dann aber setzte der Niederländer zum Höhenflug an. Mit einer Wildcard versehen, gewann er sensationell das Heimturnier in 's-Hertogenbosch - mit Siegen im Halbfinal gegen den Top-Ten-Spieler Félix Auger-Aliassime im Halbfinal und gegen die aktuelle Nummer 1 Daniil Medwedew im Final.
Dass der Durchbruch nicht vorher geklappte hatte, hat einerseits mit einer Reihe von Verletzungen zu tun, die sogar Rafael Nadal erblassen lassen könnte. "Operation am Handgelenk, Operation einer Arterie und ein so genannter Golfer-Ellbogen (eine Art Tennisarm), der neun Monate zur Heilung brauchte", zählt van Rijthoven auf. "Das sind die grösseren Sachen." Dennoch sieht er den grössten Unterschied zu früher zwischen den Ohren. "Bei mir fand die wichtigste Entwicklung im Kopf statt."
Kleines Detail am Rande: In diesem Jahr verlor van Rijthoven schon gegen die Schweizer Henri Laaksonen, Alexander Ritschard und Dominic Stricker. Nun misst er sich mit den Besten. Gegner im Achtelfinal wird der Titelverteidiger Novak Djokovic sein. "Ich glaube mittlerweile, dass ich jeden schlagen kann." Court 18 wird es nicht mehr sein, viel eher wie beim anderen Tim üblich der Centre Court. Bis er wie Henman viermal die Wimbledon-Halbfinal erreicht, hat Tim van Rijthoven aber noch etwas Arbeit vor sich.
(sda)