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01 GOPS (SPITAL)
GESCHICHTE DER KELLER UND THUSIS
Erfahren Sie Interessantes aus der Geschichte rund um
die Gewölbekeller und die Ortschaft Thusis.
Alternativ gibt es die Zusammenstellung auch unter viamala.ch
KELLER 01 GOPS (SPITAL)
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Im Zuge der Neudorf-Realisation wurde nach dem verheerenden Dorfbrand von 1845 auch das Gebäude „alte Post“ errichtet. Zuerst als Dependance des eleganten Hotel Post-Viamala (heute Viamala-Zentrum), danach als Wohnund Geschäftshaus.
Bereits früh belegte die schweizerische Post das Erdgeschoss mit Postschalter und Büros. In der rückseitigen Remise wurden zuerst die Pferdekutschen gewartet und für die Weiterfahrt ins Engadin bereitgestellt. Mit dem Ausbau des Bahnnetzes und der Einführung des motorisierten Individualverkehrs wurde die Nutzung als Postautogarage der Zeit angepasst.
Mit dem Wegzug der schweizerischen Post wurde im Jahr 1996 das gesamte Gebäude saniert und dient seither wiederum als Wohn- und Geschäftshaus. Das Gebäude wurde damals als Repräsentationsbau im symmetrischen Kolonialstil errichtet. Als ortstypische Besonderheit gelten die unterhalb des Dachstocks angebrachten Mezzaninfenster, welche als Lichtspender des Estrichs dienten.
Zu dieser Zeit üblich wurde ein Hochparterre errichtet,was den Planern erlaubte, die Kellerräume mittels kleinen Lichtlucken zubestücken. Nach späterem Einbau einer Zentralheizung wurden diese Lucken zur Befüllung der Steinkohle-Keller umgenutzt.
ELLER 03 ALTE POST
GESCHICHTE ZUM BAU DER NEUDORFSTRASSE
«Die Strasse wird entweder horizontal oder nur mit sehr geringer Steigung angelegt, schneidet einen lästigen Umweg und zwei der hinderlichsten Stütze ab, welche bei einer Vermehrung unseres Transits jedenfalls hätten beseitigt werden müssen».
Der Bündner OberIngenieur Richard La Nicca legte nur wenige Tage nach dem Dorfbrand vom 29. Juni 1845 einen Plan vor, der nicht nur ein vollkommen neues Dorf für die Thusner vorsah, sondern auch eine Strasse, welche ohne die einstigen Umständlichkeiten im alten Dorf auskommen und damit den direkten Warenverkehr über die Bündner Pässe begünstigen sollte.
Der Neudorfstrasse, die mit ihrer Fahrbahn und den Trottoirs über dreizehn Meter breit werden sollte, kam aber auch ein ästhetisch neuer Wert zu.
(Quelle: Broschüre «Fürnemer Flecken. Thusis»; Herausgeber
Kulturraum Viamala)
KELLER 03 HAUS WILD
Entdecken Sie interessante Informationen aus der Geschichte rund um die Gewölbekeller und die Ortschaft Thusis.
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Im Jahre 1877 sah es im Spitalwesen Graubündens noch recht kümmerlich aus. Das einzige, was man hatte, war das Churer Stadtspital, das alte Kreuzspital des Paters Theodosius Florentini und das Benersche Krankenasyl „auf dem Sand“. Das Ehepaar Planta gründete im Jahr 1877 das Planta-Spital in Fürstenau. Leider sahen sich die Gründer im Herbst 1895 wegen mangelhafter Frequenzen gezwungen, den Betrieb einzustellen. Doch der Gedanke an ein ländliches Spital war in der Region geweckt und schlief nicht mehr ein. Unter den Talgemeinden am Hinterrhein wurde ein Konsortium gegründet. Die erste konstituierende Generalversammlung fand am 22. März 1911 statt. Am 1. November 1912 konnte das neue Krankenhaus in Betrieb genommen werden.
Das neue Krankenhaus wurde von der Bevölkerung sofort rege in Anspruch genommen. Der Platz wurde schon bald knapp und eine Erweiterung der bestehenden Gebäude musste geplant werden. Kurz vor Weihnachten 1930 konnte der neue Anbau dem Betrieb übergeben werden. Doch auch mit diesen neuen räumlichen Verhältnissen kam das Spital rasch an seine Kapazitätsgrenzen.
Von 1948 bis 1957 wurde etappenweise ein Neubau erstellt und in Betrieb genommen. Dieser Neubau enthielt eine neue Wäscherei und Lingerie, eine neue Röntgenabteilung, eine neue Operationsabteilung, eine Wöchnerinnenabteilung, eine Spezialabteilung für Tuberkulose- Patienten, ein Laboratorium und Räume für physikalische Therapie. So war man gut gerüstet für die vielen zusätzlichen Patienten aus den etlichen Kraftwerkbaustellen in der Region.
Die letzte grosse Erneuerung wurde dann zwischen 1991 und 1996 realisiert. Das Gebäude an der Front entlang der Alten Strasse wurde umgebaut und beherbergte neu die Notfallabteilung, die Gebärabteilung, den Wachsaal, die Apotheke und verschiedene Büros. Dahinter wurde ein neues Gebäude in V-Form angebaut. Dort sind die Bettenstationen, die Operationsabteilung, Röntgen, Labor, Physiotherapie, Cafeteria und technische Räume untergebracht.
Unterhalb des Parkdecks wurde ein Geschütztes Notspital erstellt.
GESCHICHTLICHES ZUM
UNTERHALTUNGSANGEBOT UM 1900
«In einer Zeit, die noch keine industriell erzeugten Hilfsmittel der Musikwiedergabe kannte, weder in der Öffentlichkeit noch innerhalb der privaten vier Wände, war jede Gelegenheit, unmittelbar dargebotene Musik zu hören, hoch willkommen.
Die Konzerte der Musikgesellschaft fanden vor allem vor den beiden grossen Hotels statt, zuweilen jedoch auch auf dem Rosenbühl, damals noch „Rosenhügel“ genannt. Dies war, einen Katzensprung vom Dorf entfernt, eine Art Sommerkasino. An lauen Abenden, aber auch an Sonntagnachmittagen, konnte man dort etwas trinken oder sich zusätzlich die weitherum gepriesenen Erzeugnisse des örtlichen Zuckerbäckers einverleiben.
Wer sich noch körperlich betätigen wollte, fand dazu Gelegenheit auf der gedeckten Kegelbahn, deren gedämpfte Geräusche die Beschaulichkeit kaum störten. Die Kurort-Herrlichkeit endete mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.»
(Quelle: «Viamala. Geschichte und Geschichten aus vier Jahrhunderten»;
Herausgeber Verkehrsverein Thusis, 2003)
KELLER 05 HAUS WIELAND
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Nach dem Dorfbrand von 1845 diente das „Rüedi-Haus“ über die Jahre hinweg verschiedenen Geschäften: Die ehemalige Weinhandlung Rüedi & Passet war darin untergebracht und lange danach wurden die Keller noch von der Weinhandlung Wieland und Söhne AG als Lager benutzt.
Im Ladenlokal auf der Südseite des Erdgeschosses waren nacheinander folgende Unternehmen untergebracht: Huthandlung von August Eisenring, der sich auch als Kürschner betätigt hatte (Grossvater des späteren Thusner Gärtnermeisters), der Schuh- und Hutladen von Alfred Dönier, die Schusterwerkstätte Villiger, während des zweiten Weltkriegs das Kreisaktuariat und Kriegswirtschaftsamt und ab dem 8. März 1945 die Drogerie Schneider.
An diesem Tag eröffnet Alfred Schneider sen. mit seiner Gattin Gertrud an der Neudorfstrasse 74 die Drogerie Schneider. Alfred Schneider war in Thusis aufgewachsen, hat dort die Schulen besucht und danach die Drogistenlehre in Basel absolviert. Anschliessend besuchte er die Schweizerische Drogistenschule in Neuchâtel, um sein Wissen zu vertiefen.
Nach einigen Wanderjahren und mit Praktiken in verschiedenen Drogerien, ging Alfred mit seiner Gattin das zur damaligen Zeit nicht geringe Risiko ein, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Auf 30 Quadratmeter Ladenfläche wurden im Vergleich zur heutigen Zeit einige wenige Artikel angeboten, u.a. Reinigungsprodukte, Zahnpasta und Saccharin als künstlichen Süssstoff, da der Zucker damals noch rationiert war.
Ihr Kundenkreis erstreckte sich damals bis ins Engadin und ins Samnaun, wie man aus den damaligen Postcheckabschnitten noch unschwer erkennen kann. Da es schon damals nicht genügte, einfach Ware über den Ladentisch zu verkaufen, hat Alfred Schneider begonnen, sein erlerntes Wissen richtig einzusetzen. Er begann Hausspezialitäten zu fabrizieren - so z.B.Gallseife, die auch heute noch zur Vorreinigung von Flecken eingesetzt wird. Ein Stück davon ist noch erhalten geblieben.
Das Lokal auf der Nordseite war stets «Barbieren» ausgemietet: Anfänglich Coiffeur Paul Schmellentin, dann dem Coiffeurmeister Josef Schneider (Vater des Drogeriegründers), von 1949 bis 1963 an Coiffeur Franz Rauch und ab dem 1. Oktober 1963 an dessen Tochter Margrit Tschalèr-Rauch.
KELLER 06 HAUS RÜEDI
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Baujahr
1845 - 1848
Eigentümer
1895: Andreas Ambühl (Director der kantonalen Correctionsanstalt Realta)
von 1895-1900: Heinrich Beeler
von 1900-1908: Christian Balzer, Mühlen / Paul Kieni, Silvaplana (Fuhrhalter)
von 1908-2008: Familie Trepp (Trepp & Co. / Gian Trepp-Brauchli)
seit 2008: Rudolf E. Trepp-Crottogini
Nutzung Wohn- und Geschäftshaus Vers. Nr. 73
bis 1942: Gasthaus/Restaurant
1942–1959: Parterre: Büros der Firma Trepp & Co.
ab 1942: 1. und 2. Stock: Wohnungen
ab 1960 Parterre: Laden. Heute Atelier Rahmen Buchli
Nutzung Magazin/Stall Vers. Nr. 73A und 73B
1908-1959: Magazine der Firma Trepp & Co.
ab 1959: Nutzung durch Mieter, heute zur Hauptsache durch Metzgerei Fischbacher
Umbauten/Renovationen
ca. 1980: Abriss Zwischentrakt Süd und Erstellung von Parkplätzen
2008: Abriss Zwischentrakt Nord und Erstellung (bekiester) Platz (mit Vogelbeerbaum)
2008–2013: Diverse aufwändige Renovationsarbeiten am und im Wohn- und Geschäftshaus, Anbau Balkone auf der Ostseite des Hauses
KELLER 06 HAUS JULIER
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
1848 Erbauungsjahr nach der Brandkatastrophe
1938 Kauf der Liegenschaft durch Martin und Klara Schreiber-Elsener
1963 - 1987 Verpachtet an verschiedene Gastgeber
1968 Das Hotel Weiss Kreuz steht vor dem Wendepunkt – Verkauf oder Renovation
1970 Gesamtrenovierung – 2/3 des Hauses wurde abgerissen und neu aufgebaut, neue Gebäudestruktur entsteht, neu 63 Betten
1970 Barbetrieb im Gewölbekeller
1987 Einstieg Marlies Schreiber-Banzer (somit auch Nicole Rüegg-Banzer)
1995 Erstellung des Dachwintergartens mit 40 Sitzplätzen
1997 Umnutzung des Dachstocks als Kleintheater
2001 Komplette Sanierung des Dachwintergartens
2002 Pächter Nicole und Thomas Rüegg-Banzer
2002 Komplette Sanierung des 2. und 3. Stockwerks mit Erstellung von 5 grossen Doppelzimmern und 3 Familienzimmern
2002 Teilsanierung von 27 Standard Zimmern
2007 Umbau der Terrasse, Neubau der Sonnenterrasse
2008 ein Teil des Gewölbekellers wird zur Wohlfühloase mit Sauna, Dampfbad und Sanarium; der andere Teil zum Weinkeller
2009 Umbau des Dachstocks in einen Seminarraum
2012 Teilsanierung Zimmer
2014 Teilsanierung Zimmer
2015 Teilsanierung Zimmer
KELLER 08 HOTEL WEISS KREUZ
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Erbaut nach dem Dorfbrand 1948 durch Familie Schreiber, einer wohlhabenden Thusner Familie als herrschaftliches Gebäude, nach Plänen italienischer Architekten. Grosszügige Wohnungen, teils mit Stukaturen. Parterre mit Gewölben, ebenso grosse Keller mit Tonnengewölbe. Dach ehemals mit schweren Steinplatten belegt. Grosszügige breite Haustreppen. Veranda gegen Neudorfstrasse, Waschhaus.
Dazugehörig ehemalige Pferdestallungen, später Viehstall. Heute Kinogebäude.
Besitztumswechsel am 24.8.1953 Die Erbengemeinschaft Schreiber (Eduard Schreiber-von Albertini, Frau Dr. Emma-Gilli-Schreiber, Olga Schwendener-Schreiber) verkaufen das Haus an Nikolaus Wilhelm, Tuchladen und Konfektion, Thusis.
Den bisherigen Mietern Ed. Schreiber und Perini, sowie dem Betreibungs- und Konkursamt wird gekündigt, ebenso der Weinhandlung Wieland, welche in den Kellern in riesigen Holzfässern ihren Wein lagerte.
So entstand im Parterreaus dem ehemaligen Tuchladen das Modegeschäft Wilhelm.
1961 Einbau Zentralheizung
1965 Zur Eröffnung des San Bernardinotunnels Hausfassade erneuert
1976 Erweiterung Ladenräumlichkeiten
1983 Abbruch des Hotel Splügen und Mitbeteiligung am „Tusan Dorfmarkt“ Erweiterung der Ladenfläche um 110 m2 mit Unterkellerung.
105 Jahre Schreiber - 60 Jahre Wilhelm
KELLER 11 HAUS WILHELM
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Mit dem Wiederaufbau nach dem verheerenden Dorfbrand von 1845 wurde an der Neudorfstrasse die Aktienbrauerei gebaut. Daher waren auch zwei Gewölbekeller notwendig. Mit der Zeit entstand neben der Brauerei auch eine Limonadenfabrik.
Nach dem 1.Weltkrieg wurden sehr viele kleine Bündner Brauereien, inklusive die Thusner Aktienbrauerei, von Chur aufgekauft. So musste auch das Brauen in Thusis aufgegeben werden. Es kamen aber immer wieder Fuhrwerke mit Bierfässern von Chur an der Alten Brauerei vorbei. Sie machten Fuhren von Chur bis Andeer.
Das Restaurant gibt es in diesem Haus schon seit ca. 1880. Der 2. Stock in der Alten Brauerei wurde immer vermietet. So kamen im Jahre 1919 Josef und Luise Schneider mit ihrem Sohn Alfred in den 2. Stock. Josef eröffnete im Erdgeschoss einen Herren Coiffeur Salon im Erdgeschoss und seine Frau einen Frauen Coiffeur Salon im Obergeschoss. Sie lebten bis ins Jahre 1966 in dieser Wohnung.
Sohn Alfred hatte in der Zwischenzeit (1945) an der Neudorfstrasse 43 die Drogerie Schneider eröffnet. Der obere Keller gehörte nach der Schliessung der Brauerei immer zum Restaurant. Der untere Keller gehörte zur vermieteten Wohnung.
KELLER 12 ALTE BRAUEREI
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
«1651 musste die Stadt Ravensburg ein Darlehen von 8000 Gulden aufnehmen. Sie erhielt das Darlehen aus Thusis, denn hier gab es eine Familie, die durch das Transportwesen sehr wohlhabend geworden war: die Familie Rosenroll. Mehrere Häuser gehöri:en der zwar nicht adeligen, aber geschickt den sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg verfolgenden Familie.
Stattlich sollte darum auch der neue Familiensitz aussehen, den Sylvester Rosenroll 1670 erbauen liess, adelsgerecht wird der Stammsitz denn auch Schlössli genannt. Der grosse Bau erfuhr im Laufe der Zeit Veränderungen, ab 1727 ersetzte zeitweise ein Zeltdach die geschweifte Barockhaube des Turmes. Der Bau selbst ersetzte den alten Stammsitz der Rosenroll, das Haus «Zur Krone» am Rathausplatz.»
(Quelle: Broschüre «Fürnemer Flecken. Thusis»; Herausgeber Kulturraum Viamala)
Die Vorfahren des heutigen Schlössli-Besitzers Urs P. Veragut haben nach dem Dorfbrand von 1845 die Parzellen südlich und östlich des Schlössli mit den Brandruinen gekauft. Sie wollten damit verhindern, dass die unmittelbare Umgebung ihres Sitzes wieder verbaut wird. Die Ruinen wurden weggeräumt, die Keller blieben bestehen.
Das Kellergewölbe des Schulhausgartenkellers beim heutigen Parkplatz des Gemeindehauses wurde erst beim Aushub zum Bau des neuen Gemeindehauses wieder entdeckt.
KELLER 13 SCHLÖSSLIKELLER
GESCHICHTE DES SÄUMERDORFES
Vor 500 Jahren standen alte und neue gewerbliche Betriebe im Dorf, längs der Straße, die beim Gotteshaus hinaufstieg und sich beim oberen Brunnen gabelte. Nach rechts, in nördlicher Richtung hin, erhielt sie den Namen «Streia» (Gasse), und in direkter Fortsetzung der Kirchgasse führte sie, wie heute, in den Dorfteil Canova hinein.
Das Leben in den engen Gassen des heutigen Altdorfs pulsierte, wenn die Fuhrleute mit Pferd und Wagen, den zwei- und vierrädrigen Karren, das Dorf erreicht hatten, wenn Stracksäumer (Express-Säumer) von Chur oder Splügen her durch weithin hallendes Geläute der Pferdeglocken ihr baldiges Eintreffen anzeigten, oder wenn der Lindauer Bote, die älteste Reisepost, und ihr Konkurrenzunternehmen aus Mailand müde Gäste ins Dorf brachten. Oft mussten zweihundert Pferde mit Heu und Hafer gefüttert werden. Aber nicht nur die Gastwirte hielten Haus- und Stalltüren offen. Die Transitware, Leinen und Zwillich aus dem Bodenseegebiet, verarbeitete Seide aus Zürich, dann Baumwolle, Rohseide, Felle, Getreide, Reis, Spezereien, Kastanien und Wein aus Italien, musste in trockenen Lagerräumen, den Susten, untergebracht werden.
(Text: Auszug aus dem Heimatbuch Thusis, 1973)
KELLER 14 HAUS ARBER
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Die älteste Eintragung zum Haus Passett befindet sich über dem linken Fenster neben dem Eingang und zeigt die Jahreszahl 1742. Leider sind durch die vielen Thusner Dorfbrände keine alten Dokumente mehr vorhanden.
Das Haus wurde in drei Teilen erbaut: Suedwestlich befindet sich wahrscheinlich der älteste Teil, dieser geht über fünf Stockwerde, wobei die drei unteren mit Gewölbekeller ausgestattet sind. Der Keller befindet sich im östlichen Hausteil, in welchem sich auf dem ersten Halbstock die Küche befunden hat. Auch hier sind die unteren zwei Stockwerke mit Gewölben versehen. Der dritte Teil beinhaltet die heutige Eingangshalle, sowie der nordwestliche Teil.
Das Haus war im Besitz der Rosenroll und wurde später an die Hugenottenfamilie Passett vererbt. 1837 wurde in diesem Haus von Johann Anton Passett die heutige Kellerei Wieland gegründet, welche aber nach dem grossen Dorfbrand von 1845 ins Neudorf zog.
Das Haus wurde anfangs des 20. Jahrhundert an Engelhard Grigis verkauft. 1989 konnten die Nackommen Passetts, Lydia Jäger und Christian Komposch die Liegenschaft erwerben und haben diese während der letzten Jahrenrenoviert.
KELLER 15 HAUS PASSETT
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
«Eine «Post» von Thusis präsentierte einstmals das große Haus Sutter am obern Platz; auch es wüsste viel zu erzählen aus der Glanzzeit des Thusner Postverkehrs, wo dieser noch oben durch die „Streya“ das alte Dorf hinunter ging. 0 herrliche Postkutschenpoesie wohin bist du entschwunden? Auch die Leute, die an dieser Poesie ihre Freude hatten, sterben aus.
Diese «Post» nannte sich noch früher einmal Gasthaus zum «Goldenen Adler» und Conrad Ferdinand Meyer erwähnt es in seinem Roman Jürg Jenatsch. Um mit dem Dichter zu gehen, der u. a. sagt: «Das behäbige Haus (man denke sich m die Jahre um 1620 zurück) schenkte sein Getränk, den dunkeln mit seiner Herbe, das Blut nur langsam wärmenden Veltliner und den gefährlichen hellen Traubensaft der vier weinberühmten Dörfer am Rhein, nach Landessitte in zwei verschiedenen Stuben aus; die rechte, die eigentliche Schenke, mit den rohen Bänken und Tischen aus Tannenholz, war von lärmenden Marktleuten, Viehhändlern, Sennen und Jägern dermassen überfüllt, dass es schwer wurde, sein eigenes Wort zu verstehen. Wie wurden da die bauchigen Steinkrüge immer wieder aufgefüllt! In der Herrenstube gegenüber ließen sich die vornehmen Kriegsleute nicht weniger laut vernehmen und setzten dem Becher noch schärfer zu. Das viele Volk, das da ein- und ausging, die verschiedenen Staturen, Trachten und Sprachen aller bündnerischen Täler am Fuße des Heinzenbergs! Die Obersten der Bündner Regimenter waren gekommen, den Herzog Rohan zu empfangen. Wild und laut ging es in der ehrbaren Schenke oftmals zu und her.»
Im Geiste sehen wir noch das große Gasthaus, an dessen Mauern über dem Haupteingang ein weitausgehängter, eisengeschmiedeter Adler seine Gastlichkeit verkündete. Den Platz vis-a-vis, nördlich der Brauerei, nennt man noch heute überlieferungstreu den Kegelplatz; er wird zum «Goldenen Adler» gehört haben. Dort obendran wohnten einst die Gerbermeister Schlawig, ein leider ausgestorbenes Nachburengeschlecht.»
(Quelle: Referat von Gregor Eisenring, Thusis von 1943)
KELLER 16 GOLDENER ADLER
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
«1506 vom Kärntner Baumeister Andreas Bühler erbaut, stellt die reformierte Marienkirche von Thusis ein schönes Zeugnis spätgotischer Kunst dar. So liessen sich Geschichte und Wesen des Sakralbaus kurz schildern, allein vollkommen richtig wäre das nicht.
Reformiert wurde die Kirche erst 1525 und erbaut hat sie natürlich auch nicht Andreas Bühler allein, die Dorfbewohner wurden bereits 1491 zur Mithilfe verpflichtet. Überdies wurde aus dem Kärntner Baumeister bald ein Thusner, denn Andreas Bühler liess sich hier nieder – er hatte von hier aus viel zu tun.
So plante und leitete er etwa den Bau der Kirchen in Cazis, Masein und Portein. Die Marienkirche mit ihrem Sternengewölbe und den schlichten Rippen gilt aber als sein Hauptwerk.»
(Quelle: Broschüre «Fürnemer Flecken. Thusis»;
Herausgeber Kulturraum Viamala)
KELLER 17 HAUS CAVIEZEL
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
Die Sanitätshilfsstelle (SanHist) Thusis wurde 1966 in Betrieb genommen. Ein Dienstbarkeitsvertrag regelte die Nutzung der Räumlichkeiten unter der neu gebauten Katholischen Kirche zwischen der Katholischen Kirchgemeinde und der Politischen Gemeinde Thusis. Die SanHist war Teil des Sanitätsdienstkonzeptes des Kantons Graubünden. Sie wurde im Jahre 2005 offiziell aufgehoben und befindet sich derzeit in einem Rückbau-Prozess.
Sanitätshilfsstellen wie diese waren zu Zeiten des kalten Krieges in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wichtiger Bestandteil des Kantonalen Sanitätsdienstkonzeptes. Die folgenden Auszüge dokumentieren die einer SanHist zugedachten Aufgaben:
«Die Sanitätshilfsstelle bildet in der Vorangriffsphase, zusammen mit dem Sanitätsposten, das Zentrum der ambulanten ärztlichen Betreuung der Bevölkerung. Da der Patientenanfall sowohl quantitativ als auch qualitativ in weiten Bereichen schwanken kann, werden an die Flexibilität der SanHist grosse Ansprüche gestellt. Ihr Einsatz wird beispielsweise beim Anfall einer Grosszahl von Verstrahlten oder Vergifteten völlig anders sein, als wenn nach einem konventionellen Angriff eine beschränkte Anzahl komplizierter mechanischer Verletzungen zu behandeln ist. In allen Phasen ist die SanHist nach Möglichkeit auch zur Aufnahme und Betreuung von Alten, Gebrechlichen, Kranken. Müttern mit Kleinkindern usw. einzusetzen.»
(Text: Auszug aus «Technische Weisungen für Schutzbauten der Organisation und des Sanitätsdienstes (TWO), 1977)
KELLER 02 SanHist
GESCHICHTE DER LIEGENSCHAFT
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich der Charakter des Personenverkehrs durch unser Dorf allmählich verändert. Vor 1850 waren die meisten Reisenden «Italienfahrer», deren Ziel es war, aus geschäftlichen, privaten oder geistig-kulturellen Interessen so rasch als möglich über die Pässe zu kommen.
Dann aber entwickelte sich immer mehr der eigentliche Fremdenverkehr im heutigen Sinne verstanden: Zu den «Durchreisenden» gesellten sich immer mehr Leute, die in den Bergen Ruhe und Erholung suchten oder solche, die im Sommer und später auch im Winter dem Bergsport huldigten.
Der Aufschwung des Dorfes als Fremdenkurort im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert löste viel Initiative zur Erhaltung und Förderung des neuen Erwerbszweiges aus. In der näheren Umgebung, wurden gepflegte Spazierwege angelegt und unterhalten und in der Viamala-Schlucht wurde eine Treppenanlage gebaut.
Auf Initiative des Vereins Marktplatz und Zentrumsort Thusis wurde die Idee der Spazierwege jetzt wieder aufgenommen. Heute führen zwei markierte Spazierwege vom Rathaus weg durch die Nollagärten und den Schlosswald und vermitteln den Spazierenden spannende Episoden aus der bewegten Thusner Geschichte.
KELLER 09 HAUS SCHREIBER