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| Athenagoras (2. Jhd.) - Über die Auferstehung der Toten (De Resurrectione)

17.
Die menschliche Natur ist nun einmal von Anfang an nach dem Willen des Schöpfers mit Ungleichheit ausgestattet; diese zeigt sich daher auch im Leben und in der Fortdauer; jetzt führt der Schlaf, dann der Tod eine Unterbrechung herbei; hieher gehören auch alle Veränderungen, welche durch die jeweilige Altersstufe bedingt sind. Dabei lassen sich die späteren Zustände aus den früheren keineswegs klar und deutlich erschließen. Wer würde ohne vorhergegangene Erfahrung glauben, daß im unterschiedslosen, unförmlichen Samen so zahlreiche und bedeutende Lebenskräfte schlummern und auch schon der große Unterschied der hieraus sich entwickelnden und festigenden Massen begründet ist, nämlich der Knochen, Sehnen und Knorpeln, ferner der Muskeln, des Fleisches, der Eingeweide und der sonstigen Körperteile? Weder im feuchten Samen ist etwas hievon zu erblicken noch kann man aus der Gestalt des Säuglings auf die des gereiften Jünglings schließen oder aus der des Jünglings auf die des gestandenen Mannes oder hieraus auf die des Greises. Wenn auch von dem vorher Erwähnten manches gar nicht und manches nur dunkel die natürliche Aufeinanderfolge und die der menschlichen Natur widerfahrenden Veränderungen ahnen läßt, so wissen doch alle, die in Beurteilung dieser Erscheinungen nicht infolge von Bosheit oder Gleichgültigkeit blind sind, daß zuerst die Befruchtung eintreten muß, daß dann, wenn sich aus dem Samen die einzelnen [S. 363] Glieder entwickelt haben und das Kind das Licht der Welt erblickt hat, das Wachstum im ersten Lebensalter sich vollzieht und damit die Entwicklung zur Reife, daß auf die Reife ein Nachlassen der physischen Kräfte folgt, das sich bis ins Greisenalter fortsetzt, und daß schließlich der lebensmüde Körper der Auflösung anheimfällt, Wie also hier, da man aus dem Samen nicht das Wachstum oder die Gestalt des Menschen und aus dem Leben nicht die Auflösung in die Elemente ablesen kann, erst die tatsächliche Reihenfolge der natürlichen Vorgänge das beglaubigt was durch die Einzelerscheinungen allein noch nicht beglaubigt ist, so ist es noch viel mehr der Verstand, der die Auferstehung beweist, indem er durch die natürliche Schlußfolge der Wahrheit auf die Spur kommt. Der Verstand aber ist untrüglicher und stärker als die Erfahrung überall da, wo ein Wahrheitsbeweis erbracht werden soll.