Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03507.jsonl.gz/495

Wieder einmal liegt ein sportlicher Grossanlass hinter uns, diesmal die Ski-WM. Die Buchhalter haben ihre Arbeit gemacht, einen Medaillenspiegel und eine Rangordnung der teilnehmenden Länder erstellt. Medaillen an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sind auch die Fixpunkte im Palmarès der Athleten – obwohl an einem einzelnen Wettkampf Glück und Zufall grossen Einfluss haben. So erstaunt es nicht, dass es an der Ski-WM Goldmedaillengewinner gab, die vorher noch nie ein Rennen gewonnen haben. Wer am besten ist, zeigt sich am Ende einer Saison, nach 10 bis 15 Rennen. Aber leider beachten die Medien bei einer Würdigung die Rangliste des Weltcups nur wenig.
Oft geht es bei einem Wettkampf um kleine Leistungsunterschiede. Eine Hundertstelsekunde kann entscheiden, wer eine Medaille gewinnt und somit Gewinner und nicht Verlierer wird. Das Winner-Loser-Schema ist wohl auch der Grund, warum in Sportarten Nordamerikas (und seit einigen Jahren auch in der übrigen Welt) die Entscheidung in Playoffs und schliesslich in einem einzelnen Spiel fällt. Wie in einem Western, wo Held und Antipode am Schluss aufeinandertreffen und der Held siegt. Trump mit seinem Wildwest-Gehabe wurde vielleicht deshalb gewählt, weil er für seine Wähler den Winner verkörpert: Er ist Milliardär (hat aber sein Kapital mit Doping erworben und nicht gebührend versteuert).
Winner gibt es auch im Fussball: Wer an der Champions League teilnimmt und siegreich ist, bekommt zwar keine Medaille, erhält aber einen fürstlichen Lohn, wird immer reicher und kann die besten Spieler für horrende Beträge kaufen, so dass er weiterhin zu den Gewinnern gehört, während die andern Klubmannschaften darben müssen. Auch an den Olympischen Spielen im antiken Griechenland erhielt der Erste alles, der Zweite nichts. Sport als Abbild der Gesellschaft.
Beat Reidy, Freiburg