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LILY UDOMKHUNNATUM. Um Geld müsste sie sich keine Sorgen machen. Das finanzielle Fundament, das ihr ihre Eltern legten, ermöglicht der Thailänderin Khun Lily Udomkhunnatum ein angenehmes Leben. Faulenzen ist jedoch nicht ihr Ding, ihre Visionen liegen anders: Sie will den Leuten das zurückgeben, was sie von ihnen erhalten hat.
Der Reihe nach: Aufgewachsen in Bangkok, jedoch bereits als Vierjährige nach Singapur «verfrachtet», wo sie bis zum 16. Altersjahr zur Schule ging, profitierte Khun Lily bereits von einer Vorgabe, von der Gleichaltrige nicht einmal zu träumen wagen. Zurück in Bangkok, drückte sie erneut die Schulbank für drei Jahre und schloss mit dem Bachelor Degree in Finanz- und Bankwesen ab. Einem Auslandjahr in Japan, wo sie einerseits japanisch lernte und anderseits einem Teilzeitjob nachging, folgten vier Arbeitsjahre in Bangkok. In einem landesweiten Haushaltwarenunternehmen arbeitete sie sich innert Kürze bis zur Assistant General Managerin hoch. Sie wollte jedoch mehr. An der University of Michigan in Ann Arbor in den Staaten machte sie ihren Master-Abschluss in Finanzwesen.
Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Die finanzielle Basis für ein privilegiertes Leben legte ihr Vater. «Er war ein Self-made-Businessman, war Verkäufer einer Bekleidungsfirma und machte sich schnell mit einer eigenen Marke selbstständig», schildert die stets fröhliche Thailänderin. Aus einer wurden bald fünf Marken, die Jeans-Produkte, Frauen-, Männer- und Kinderbekleidung umfassten. Das Geschäft lief, die Nachfrage war enorm und in Thailand begann sich eine immer breiter werdende Mittelschicht zu etablieren. «Daraufhin gründete mein Vater den Robinson Department Store. Dies ist heute die zweitgrösste Einkaufskette in Thailand.»
80-Stunden-Wochen als Regel
Bereits mit neun Jahren habe sie zweimal im Jahr während der Schulferien im «Robinson» die Gestelle aufgefüllt, beschreibt sie ihre ersten Arbeitserfahrungen. Nach ihrem Master-Abschluss in Amerika hingegen wurde ihr eine Stelle im Hauptquartier der Investment-bank Bear Stearns in New York angeboten. Dies sei für sie ein wirklicher Kulturschock gewesen. Open-door-Politik, keine Hierarchien, wie man dies aus Fernost gewohnt ist – und alles sei dauernd in Bewegung gewesen. Sie hatte sich zu behaupten, speziell in einer Männerwelt; sie als Frau und einzige Asiatin stand starken Herausforderungen gegenüber.Diese waren klar und deutlich: Das Investmentgeschäft besteht aus nackten Zahlen, Geld und Vermögen. Dies wiederum bedeute null Toleranz. «Wir mussten wissen, was in der Welt abgeht, wer mit wem was verhandelt. Stressige 80-Stunden-Wochen waren daher die Regel», blickt sie zurück. Trotzdem seien die zwei Jahre in New York die beste Erfahrung gewesen, die sie je gemacht habe.
Patong soll erstklassig werden
Nach zwei Jahren stressigem Investment Banking kam Udomkhunnatum 2003 zurück nach Bangkok, um erst einmal Ferien zu machen. Da überraschten sie ihre Eltern: Sie besichtigten mit ihrer Tochter ein Stück Land auf der Ferieninsel Phuket – genau dort steht heute das Burasari Resort. Von der Idee begeistert, entschloss sich die junge Geschäftsfrau, in Thailand zu bleiben, ihre grosse Chance zu packen und fortan ihren eigenen Geschäften nachzugehen. Als Hotelbetreiberin.Warum aber hat sie aus mehreren Möglichkeiten gerade den verruchten und mit einem schlechten Image versehenen Ort Patong auf Phuket gewählt? Khun Lily: «Patong ist die wichtigste Tourismusdestination auf Phuket. 80% aller Einwohner Phukets leben vom Tourismus. Wenn wir die Qualität anheben können, können wir auch den Lebensstandard der lokalen Einwohner erhöhen.» Sie möchte mithelfen, Patong zu einer erstklassigen Tourismusdestination zu entwickeln. Sie weiss, alleine ist dies nicht möglich. Aber: «Stellen Sie sich vor, Patong mit vielen Bäumen und grünen Flächen anstelle der Betonwüste. Qualitativ gutes Essen, ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das stimmt, Sicherheit für alle, saubere Luft, sauberes Wasser und ein breit gefächertes Unterhaltungsangebot – all dies könnte mit wenig Aufwand in kürzester Zeit realisiert sein.»Seit August dieses Jahres ist ihr Burasari Resort, mitten in Patong gelegen, als erstes Hotel in das von der Regierung initiierte Healthy Hotel Program aufgenommen worden. Das «Burasari» erfüllt höchste Anforderungen bei Sauberkeit des Wassers, Sicherheit und einer modernen Abfall- und Abwasserentsorgung. «Für mich sind Hotels der Gateway zur Destination», erklärt sie ihre Vision. Wenn das Hotel stimme, sind die Besucher glücklich. «Das touristische Betätigungsfeld, das ich eingeschlagen habe, gibt mir die Möglichkeit, Träume und Wünsche anderer Menschen wahr zu machen.» Tourismus verhelfe zudem zu einem besseren Verständnis zwischen den verschiedensten Kulturen.
Expansion in vollen Zügen
Diese Visionen versucht sie in Phuket und Bangkok umzusetzen. Eigentlich steht aber die Geschäftsfrau erst am Anfang einer umfassenden Expansion. «Mit ‹Burasari› will ich nach Khao Lak und Khao Yai expandieren. Mit dem Shanghai Inn, dem zweiten Hotel, das ich kurz nach dem ‹Burasari› in Bangkok eröffnete, will ich in Singapur und Schanghai Fuss fassen. Und mit ‹Floyd’s› – dies ist mein Signature-Restaurant im ‹Burasari› – ist der Schritt nach Singapur und Malaysia geplant. Dies alles hoffe ich, in fünf Jahren zu realisieren», gibt sie konkrete Pläne bekannt.In ihrer jungen Karriere als Geschäftsfrau musste sie jedoch auch einen herben Rückschlag einstecken. Geplant war das Grossprojekt «Jungceylon» für Patong. Eine Riesenanlage mit Geschäften, Shoppingcenter, Kinos, Restaurants und zwei Hotels. «Während der Projektrealisation gingen die anfänglich identischen Vorgaben immer mehr auseinander, die Visionen splitteten sich auf. Schweren Herzens und mit einem grossen finanziellen Verlust hat sich meine Familie aus dem Projekt zurückgezogen.»Dafür läuft ein anderes in vollen Zügen. Celebrity-Koch Keith Floyd – bekannt aus unzähligen TV-Shows und Autor von 25 Kochbüchern – eröffnete im «Burasari» seine Brasserie. «Wir wollen weiter in den asiatischen Raum expandieren», erklärt Khun Lily. Aber nicht nur mit «Floyds» will sie ausbauen. Das «Burasari» auf Phuket wurde von vorerst 90 auf 186 Zimmer erweitert. Dies, nachdem sie kurzerhand das nebenanliegende Hotel gekauft hat. Sie besitzt ausserdem noch drei Grundstücke auf Khao Yai, das zwei Autostunden von Bangkok entfernt liegt, sowie ein weiteres auf der Insel Maprow, zehn Minuten ausserhalb von Phuket. Und ihr Vier-Sterne-Stadthotel Shanghai Inn Bangkok wird 2008 von 55 auf 100 Zimmer ausgebaut. Mit einer Wohltätigkeitsstiftung, die Minderbemittelten eine Ausbildung und Stelle in der Tourismusindustrie ermöglichen sollen, will Khun Lily Udomkhunnatum in Bälde auf ihr Versprechen zurückkommen und möglichst vielen ärmeren Landsleuten eine gute Zukunftsperspektive geben.