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Vor hundert Jahren wurde in Florenz einer der bekanntesten Cocktails aller Zeiten erfunden. Hier erfährst du alles zum Thema Negroni!
Wer war eigentlich dieser Herr Negroni? Und wieso gab er diesem Cocktail seinen Namen? Und ... wie genau geht der Drink schon wieder??
Oh ja. Man schrieb das Jahr 1919 und Ort des Geschehens war das Café Casoni in Florenz. Ein exzentrischer Adeliger mit dem klingenden Namen Il Conte Camilo Negroni beauftragte den Barista, seinen Lieblingscocktail – den Americano – zu stärken, indem er Sodawasser durch etwas Gin ersetzt. Barman Forsco Scarselli ersetzte zudem die übliche Zitronen-Garnitur durch eine Orangenscheibe – und der Negroni war geboren!
Der Cocktail verbreitete sich schnell nach Milano und Rom, wo er zunächst als «Americano come piace al Conte» («Americano, wie der Graf ihn mag») bekannt wurde. In der Liste der International Bartenders Association wird der dieser Cocktail – immer noch mit Scarsellis Originalrezept – unter den «Unforgettables» aufgeführt.
Ein Lebemann, kurz gesagt. Jemand, über den es einiges an Anekdoten gibt, aber herzlich wenig Information darüber, was sein Schaffen wirklich beinhaltete. Vermutlich war er wohl Influencer zu einer Zeit, als dies noch nicht als Berufsgattung existierte. Fest steht, dass Graf Negroni, Sohn eines toskanischen Grafen und einer vornehmen Engländerin, das Paradebeispiel eines viel gereisten Exzentrikers um die Jahrhundertwende war. Er soll fliessend Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch gesprochen haben. Fünf Jahre lang lebte er als Cowboy im damals noch ziemlichen wilden Westen, danach zog er nach New York City, wo er vermutlich erstmals seine Liebe zu Cocktails entdeckte. Später lebte er in London. Diese Erfahrungen und wohl auch seine britische Herkunft waren es, die seine Liebe zu Gin erklären.
Jap, der Americano ist einiges älter, denn er wurde in den 1860ern erfunden und zwar von niemand Geringerem als Gaspare Campari, dem Erfinder des Bitterlikörs gleichen Namens. Lange war der Americano als Milano-Torino bekannt, da Campari aus Milano und Punt é Mes, der ursprünglich dazu verwendete rote Vermouth, aus Torino.
Und so geht der:
Da der Negroni direkt vom Americano abstammt und letzterer von Herrn Campari selbst erfunden wurde, muss man konstatieren, dass eine echter Negroni immer mit dem mailänder Bitterlikör zubereitet werden sollte.
Klar, man kann einen Ramazzotti oder Cynar benutzen – es ist dann nicht mehr das Original, aber gewiss ein sehr feiner Cocktail.
Beim roten Vermouth liegt man mit Martini Rosso gewiss nie falsch. Natürlich darf man Cinzano, Cocchi, Carpano und Artverwandte nehmen. Beim Gin ist ein London Dry Gin Pflicht. Allzu florale, kopflastige Gins mit zig Botanicals sollte man vermeiden.
Mit ein Grund, weshalb der Negroni sich anno dazumal so schnell weltweit verbreitete, hat sehr mit der Kunstrichtung des Futurismus zu tun. Die aus Italien stammende avantgardistische Kunstbewegung, die sich in Malerei, Theater, Poesie und Musik manifestierte, erhob den Anspruch, eine neue Kultur zu begründen und wurde weltweit wahrgenommen. Diverse italienische Exportprodukte und ihre Werbekampagnen wurden im futuristischen Stil gehalten – unter anderem Campari (siehe obige Bildstrecke).
Ernest Hemingway liebte den Negroni so sehr, dass er einer seiner neun Hunde danach benannte. Ausserdem kommt der Drink in seinem Buch «Across the River and Into the Trees» vor.
Die historische erste hiess:
In den 1930ern erfunden, ist der Cardinale schlicht ein Negroni mit trockenem Vermouth statt dem süssen, roten.
Heutzutage die bekannteste Negroni-Variante, entstand der Sbagliato tatsächlich aus einem Fehler, als anno 1972 Mirka Stocchetto in der mailänder Bar Basso Spumante statt Gin verwendete. Als leichter, spritziger Sommerdrink geniesst der «Falsche» seither grosse Beliebtheit.
Und was macht man, wenn man – wie ich jüngst – keinen Campari zuhause hat, dafür aber einen feinen Averna? Und statt einen roten Vermouth nur noch einen Vermouth Rosé? Man mixt sich den Drink trotzdem wie gehabt und stellt fest: Mmh, verdammt fein!
So jetzt. Genug Geschwafel! Trinkt jetzt!