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Chelsea Marilyn Zurflüh (25) ist Elevin am Konzert Theater Bern, sang schon die Hymne mit Bundesräten und schliesst bald ihren Master in klassischem Gesang ab. Zurzeit wohnt sie noch bei ihren Eltern. Bald zieht es sie ans Opernhaus in Zürich.
«Bei uns war immer etwas los», so Chelsea Marilyn Zurflüh, die das dritte von sechs Kindern ist. «Alle haben von klein auf Musik gemacht», erzählt die Opernsängerin bei einem Kaffee im Berner Rosengarten. «Die Brüder spielten Schlagzeug und Gitarre, ich lernte beim Flötespielen das Notenlesen.» In der vierten Klasse forderte die Lehrerin Zurflüh auf, einmal eine Strophe ganz alleine zu singen. «Zu meiner Überraschung waren alle begeistert», so Zurflüh, die damit ihr Gesangstalent entdeckt hatte. Mit dreizehn Jahren nahm sie schliesslich Unterricht in klassischem Gesang und entschied sich nach dem Besuch einer Wirtschaftsmittelschule für ein Studium an der Hochschule für Musik in Luzern. Als «Ännchen» in der Oper «Der Freischütz» hatte sie im Rahmen ihres Abschlussprojektes im Bachelor ihren ersten richtigen Auftritt in einer Oper. Das «Ännchen» ist eine sogenannte Soubrette. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet so viel wie «Zofe» oder «Dienerin.» Das weibliche Rollenfach wurde der Colombina aus der Commedia dell’arte nachempfunden und beschreibt eine verschmitzte, muntere und oft etwas naive Figur. «Ich werde aufgrund meines Alters und meines Stimmfachs oft als Soubrette besetzt», so Zurflüh. Zurzeit ist sie als Elevin bei Konzert Theater Bern engagiert. In der Operette «Die Fledermaus» ist sie in der Zweitbesetzung als Adele zu sehen. «Adele ist eine typische Soubrette, eine Unschuld vom Lande, die nach oben will», so Zurflüh. Gibt es keine Konkurrenz zur Erstbesetzung? «Nein, gar nicht. Wir helfen uns sogar untereinander», winkt Zurflüh ab. Als Elevin erhält sie während einem ganzen Jahr verschiedene Rollen. «Corona hat meinen Auftritt als Lucia in der abgesagten Produktion ‹The Rape of Lucretia› von Benjamin Britten vereitelt», bedauert die Sängerin. Doch insgesamt sei sie gut durch die Pandemiezeit gekommen und konzentrierte sich auf ihre Ausbildung. Zurflüh studiert am Schweizer Opernstudio in Biel und schliesst im Sommer ihren Master of Arts Specialized Music Performance Opera ab. Gemeinsam mit einem Coach hat sie die Rolle der Susanna – auch sie ist eine Soubrette – aus «Le Nozze di Figaro» einstudiert. «Mittlerweile kann ich alle 25 Rezitative» so Zurflüh, die damit die gesprochenen Stellen in der Oper meint.
Vater liebt Rock
Zurflüh wohnt noch bei ihren Eltern in Pieterlen. «Wir sind sehr eng», verrät sie. «Meine Eltern haben fast alle meine Auftritte gesehen.» Die Mutter ist auf den Seychellen aufgewachsen, der Vater im Seeland. Beide haben Zurflüh in ihren künstlerischen A m b i t i o n e n bedingungslos unterstützt. Ein Highlight war für die junge Sängerin, als sie 2019 die Anfrage bekam, bei der Vereidigung der Ständeräte zu singen. «Ich lernte dabei die sehr coole Band Pegasus kennen». Aufregend sei es gewesen, die erste Strophe der CHELSEA MARILYN ZURFLÜH SCHLÜPFT IN DIE ROLLE DER SOUBRETTE Kokett, etwas verschmitzt und immer gut drauf Landeshymne allein und danach mit allen Bundesräten zusammen zu singen. «Ich habe mir extra ein violettes Kleid für diesen Auftritt gekauft, ein richtiges Opernkleid.» Kleider beziehungsweise Kostüme helfen Zurflüh sich in ihre jeweiligen Rollen zu versetzen. «Als Zofe in ‹Die Fledermaus› trage ich ein Dienstmädchen-Kleid und eine orange Perücke.» Die Vorbereitung auf eine Rolle geht sie sowohl intuitiv wie analytisch an. «Ich beschäftige mich mit dem Libretto und schaue mir andere Inszenierungen an. Doch am Ende gibt man der Figur seine eigene Prägung.» Hat sie eine Lieblingsoper? «Ich bin ziemlich verliebt in ‹Die Zauberflöte›». Privat hört Zurflüh fast alle Genres. «Meine Eltern lieben Rock, meine Schwester Elektro und House und meine Brüder Blues und Metal.» Zurflühs Vater ist Fahrlehrer und hat mit all seinen Kindern das Fahren geübt. «Er ist streng, aber gut», so Zurflüh lachend. Er könne es nicht lassen, weiterhin Tipps zu geben, wenn er mit einem seiner Kinder mitfahre. «Meine Mutter hat sich von Anfang an um uns Kinder gekümmert, uns liebevoll begleitet und den Haushalt organisiert.» Zurflüh, die mit einem Pianisten liiert ist, wird wohl bald ausziehen, so schwer ihr dies fällt. «Ich werde ans internationale Opernstudio in Zürich gehen». Dort wartet vor allem viel Praxis auf sie. So wird sie etwa in kleineren Rollen am Opernhaus Zürich zu sehen sein. Wer die sympathische Soubrette im Rahmen der Bärnerbär-Aktion gewinnt, dürfte einen Arien-Abend erleben. «Ich werde aus meinem Repertoire singen, das Ännchen oder die Susanna», verrät sie.
Helen Lagger