Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03313.jsonl.gz/361

Jérémy Desplanches hält Wort. Der 26-jährige Genfer liefert in Tokio über 200 m Lagen das Rennen seines Lebens und gewinnt mit Landesrekord die Bronzemedaille. Gleichzeitig sorgt er für die bereits neunte Medaille der so erfolgreichen Schweizer Delegation in der japanischen Hauptstadt.
Desplanches schwamm im Final über 200 m Lagen fast die ganze Zeit an vierter Stelle – sowohl nach der Delfin-, der Rücken- und auch der Brust-Strecke lag er an dieser Position. Auf der abschliessenden Crawl-Strecke schien es ebenfalls, als könnte sich der 26-Jährige nicht mehr verbessern und müsse er sich mit dem undankbaren 4. Platz begnügen. Doch auf dem letzten Meter konnte sich Desplanches noch an Weltmeister Daiya Seto vorbeischieben. Der Japaner, der vor zwei Jahren im südkoreanischen Gwangju vor dem Schweizer Gold geholt hatte, lag letztlich um fünf Hundertstel hinter Desplanches zurück
«Das war der Anschlag meines Lebens, genau den habe ich gebraucht. Am Ende habe ich nicht mehr geatmet, nichts mehr gesehen. Es ist unglaublich», sagte der 26-jährige Genfer, nachdem er aus dem Wasser gestiegen war. «Aber ich habe das nicht alleine geschafft, da waren auch meine Familie, meine Freundin, meine Coaches. Das ist wichtig, denn du musst nicht nur physisch, sondern auch psychisch bereit sein. Es ist unglaublich. Ich weiss gar nicht, was sagen. Ich werde wohl drei oder vier Tage nicht schlafen. Das war das Rennen meines Lebens.»
Der Europameister von 2018 und EM-Zweite von 2021 schlug nach den vier Bahnlängen in 1:56,17 an, womit er seinen Schweizer Rekord um 0,39 Sekunden senkte. Einzig der chinesische Olympiasieger Wang Shun (in 1:55,00) und der Briten Duncan Scott (1:55,28) lagen für ihn ausser Reichweite.
Desplanches sorgte zugleich für die erste Olympia-Medaille eines Schweizer Schwimmers seit 37 Jahren. 1984 in Los Angeles – als wegen des Boykotts zahlreiche Länder nicht antraten – hatte sich Etienne Dagon über 200 m Brust Bronze gesichert. Ansonsten hatte sich noch nie ein Schweizer Schwimmer an Olympia in den Top 3 klassiert.
«Das war mein erster olympischer Final und ich gewinne gleich eine Medaille. Ich bin extrem zufrieden», freute sich Desplanches. (pre/sda)