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Camille Pissarro (1830–1903) gehörte zu den bedeutendsten Künstlern im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Entlang seines überaus vielfältigen Werks entfaltete sich die Geburtsstunde der Moderne. Trotzdem wird Pissarro in der heutigen Kunstgeschichte oft an zweiter Stelle genannt. Die letzte Ausstellung eines Schweizer Museums, die diesem wichtigen Künstler gewidmet wurde, liegt über sechzig Jahre zurück.
Die umfassende Herbstausstellung im Kunstmuseum Basel bietet einen Überblick über das Schaffen Pissarros und legt das Augenmerk auf seine Zusammenarbeit mit Zeitgenossen. Als Freund und Mentor pflegte Pissarro rege Beziehungen mit Künstlern verschiedener Generationen wie Paul Cézanne, Claude Monet, Paul Gauguin, Edgar Degas, Mary Cassatt und weiteren. Der intensive Austausch kann als Katalysator für die wichtigsten Entwicklungen der Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstanden werden.
Als zentrale Figur prägte Pissarro den Impressionismus massgebend. Dabei schenkte er als einziger Impressionist der Landschaft wie auch der menschlichen Figur gleichermassen Aufmerksamkeit. Just in dem Moment, als der Impressionismus auch unter Sammlern Zustimmung fand und den Künstlern Geld einbrachte, wandte Pissarro sich in den 1880er Jahren einer zweiten malerischen Revolution zu – dem Neo-Impressionismus. Damit bewies er erneut seinen unbedingten Willen zu künstlerischem Fortschritt.
Camille Pissarro befasste sich – wie viele Neo-Impressionisten – mit dem Anarchismus. Inwiefern seine politische Gesinnung Eingang in seine Kunst fand, ist seit jeher von Interesse für eine sozio-historische Kunstgeschichte. Klar ist, dass Pissarro seine Bilder nicht als politische Programmbilder verstanden haben wollte. Nichtsdestotrotz verbinden die revolutionäre Malweise Pissarros sowie seine Bereitschaft, gegen alle Widerstände neue Wege einzuschlagen, seine Kunst mit den Kerngedanken des Anarchismus.
Für das Kunstmuseum Basel ist Pissarro von besonderer Bedeutung, befinden sich doch acht Gemälde und zahlreiche Arbeiten auf Papier in seiner Sammlung. Un coin de l’Hermitage, Pontoise aus dem Jahr 1878 war ausserdem das erste impressionistische Gemälde, das Eingang in die Öffentliche Kunstsammlung Basel fand. 1912 wurde es auf Initiative einiger Künstler und Kunstfreunde angekauft – was damals auch Skepsis auslöste. Damit war der Grundstein der Impressionisten-Sammlung des Kunstmuseums gelegt.