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Schweizer Autorin Hanna Johansen mit 83 Jahren gestorben
Die Schweizer Schriftstellerin Hanna Johansen ist tot. Die Autorin von Romanen, Erzählungen und Kinderbüchern ist am Dienstag in Horgen bei Zürich mit 83 Jahren gestorben, wie ihre Familie am Mittwoch mitteilte.
Hanna Johansen gilt als Grande Dame der Schweizer Literatur. Für ihr literarisches Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet. So erhielt sie 2015 den Schweizer Literaturpreis oder 2003 den Solothurner Literaturpreis. Zu ihren Ehrungen gehören zudem der Marie Luise Kaschnitz-Preis (1986), der Preis des Landes Kärnten (1993) und der Kunstpreis der Stadt Zürich (2008).
Sie habe ihr Auskommen mit Hausarbeit verdient, sagte sie selbst in einem Gespräch mit Keystone-SDA zu ihrem 80. Geburtstag. „Hätte ich einen anderen Beruf ausgeübt, wäre das Schreiben vielleicht gar nicht möglich gewesen“, so die Autorin. Vor dem Hintergrund ihrer vielen Auszeichnungen erstaunt diese Aussage. Im Übrigen war Hanna Johansen ein Pseudonym. Mit bürgerlichem Namen hiess sie Hanna Margarete Muschg. Sie war mit dem Schriftsteller Adolf Muschg verheiratet und hat zwei Söhne grossgezogen.
Mit Muschg war sie 1972 Jahren nach Kilchberg bei Zürich gezogen. Hier hatte sie zu schreiben begonnen und in den folgenden Jahrzehnten über 30 Bücher für Kinder und Erwachsene geschrieben – mit einem Blick über den Zürichsee, dahinter der Alpenkamm.
Ihr allererstes Buch „Die stehende Uhr“, 1978 beim Münchner Hanser-Verlag erschienen, habe sie ohne Vorbereitung geschrieben, „als ob innen alles bereit läge“. Die Reaktionen waren kontrovers. Auch zum zweiten Roman „Trocadero“ (1980), der albtraumartig die Situation einer Hausfrau schildert, die aus dürftigen Resten ein Festmahl für eine wichtige männliche Delegation zaubern soll, war das Urteil zwiespältig. Erst für ihre dritte Veröffentlichung erhielt Hanna Johansen den einstimmigen Beifall von Literaturkritik und Leserschaft.
Johansen wurde 1939 im norddeutschen Bremen geboren. Der Krieg prägte ihre frühe Jugend. In eben jener dritten Veröffentlichung, der Erzählung „Die Analphabetin“ (1982), berichtete die damals 43-Jährige aus der Perspektive eines fünfjährigen Mädchens von Bombennächten im Bunker.
Es sei das einzige Mal gewesen, dass sie autobiografisch geschrieben habe, sagte Johansen rückblickend – bis zu ihrem letzten Roman, der von ihrem langjährigen Verlag abgelehnt worden war. Herausgebracht hat ihn schliesslich 2014 der Zürcher Dörlemann-Verlag. „Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte“ berichtet vom Vorhaben, mit über 70 Jahren noch etwas ganz Neues zu lernen – und davon, dass bei den pianistischen Etüden Erinnerung um Erinnerung anklang. Der Roman bescherte Johansen den Schweizer Literaturpreis.
Auch bei dem Gespräch griff Johansen auf der Tischplatte in die Tasten, liess die Finger tanzen wie auf einer Schreibmaschine oder einem Computer. Handschriftlich mache sie nur Notizen, sagte sie, die Ideen seien ihr immer schon beim Tippen gekommen.
Im Gehirn, so ein wissenschaftlicher Artikel, den sie gelesen habe, da liege der Bereich, der die Fingerkuppen repräsentiere, gleich neben demjenigen der Phantasie. Wissen schien wichtig für diese Frau. Sie wollte „alles besser verstehen“. Doch so präzis die Fakten waren, die sie zusammentrug, um sich beim Schreiben darauf zu stützen, so sehr verliess sie sich gleichzeitig auf ihre Intuition. Ihre Texte faszinieren wegen der Verbindung von Genauigkeit und Gefühl, die gemeinhin als unvereinbar gelten.
Erfolgreich war Johansen auch mit ihren Kinderbüchern, beispielsweise „Felis, Felis“ (1987), „Omps – Ein Dinosaurier zuviel“ (2003) oder „Die Hühneroper“ (2004). Und „Ich bin hier bloss die Katze“ wurde 2007 zum Bestseller.
Studiert hat Hanna Margarete Meyer, wie sie mit Mädchennamen hiess, in Marburg und in Göttingen. Ihre Fächer waren Altphilologie, Germanistik und Pädagogik. Einen Abschluss machte sie nicht. Von 1967 bis 1969 lebte sie in Ithaca in den USA und 1970 für einige Zeit in Genf.
Beim Gespräch 2019, kurz vor ihrem 80. Geburtstag, dachte sie noch über weitere Projekte nach. Etwa der jüngere Bruder der Titelheldin aus dem Roman „Lena“ (2002) beschäftige sie noch immer, verriet sie damals. Doch angesichts gesundheitlicher Probleme fragte sie sich: „Werde ich noch schreiben können?“ Sie konnte, wenn auch keinen Roman mehr.
Noch im vergangenen September erschienen „Bilder. Geschichten vom Sehen“, eine Sammlung persönlicher Geschichten von Erlebnissen mit Bildern für Erwachsene und „Alphabeth der Träume“, Gedichte für Kinder. Jetzt ist Hanna Johansen gestorben; sie hinterlässt zwei Söhne und eine Enkeltochter.
(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)
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