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Ozelot - Felis (Leopardus) pardalis
Langschwanzkatze - Felis (Leopardus) wiedii
© 1988 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Mit den Katzen (Familie Felidae), den grossen wie den kleinen, ist der Natur eine Komposition gelungen, die von uns Menschen in vieler Hinsicht als vollendet empfunden wird: reizvoll in ihrem Aussehen, beeindruckend in ihrer Kraft, faszinierend in der Eleganz ihrer Bewegungen. Kaum jemand kann sich der Ausstrahlung, die von einer Katze ausgeht, entziehen.
Während wir die Grosskatzen - vorab Löwe, Tiger und Leopard - aus Fernsehfilmen, Zirkus, Zoo und Büchern einigermassen kennen, ist uns nur gerade eine Kleinkatze wirklich vertraut: unsere anschmiegsame Hauskatze. Über die restlichen Kleinkatzen - immerhin 29 an der Zahl - hört und liest man wenig. Zwei besonders hübsche Kleinkatzen, den Ozelot (Felis pardalis)
und die Langschwanzkatze (Felis wiedii)
, welche beide in Mittel- und Südamerika beheimatet sind, wollen wir uns im folgenden etwas genauer ansehen.
Erst seit kurzem in Südamerika
In Mittel- und Südamerika - der sogenannten «neotropischen Region» der Tiergeografen - leben insgesamt zehn Arten von Katzen in freier Wildbahn: neben der Grosskatze Jaguar (Panthera onca)
sind dies die Kleinkatzen Puma (Felis concolor)
, Ozelot, Langschwanzkatze, Tigerkatze (Felis tigrina)
, Wieselkatze (Felis yagouaroundi)
, Kleinfleckkatze (Felis geoffroyi)
, Chilenische Waldkatze (Felis guigna)
, Pampaskatze (Felis colocolo)
und Bergkatze (Felis jacobita)
. Als besonders erfolgreiche Tiersippe haben sie praktisch jeden Winkel dieses Erdteils erobert. So findet man in den öden, subantarktischen Heideländern Patagoniens wie in den offenen, baumlosen Pampas-Hochgrasländern Argentiniens, in den üppigen Dschungeln des Amazonasbeckens wie an den steilen, felsigen Hängen der Hochanden jeweils mindestens eine, ja oft sogar mehrere Katzenarten. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Katzen verhältnismässig neue Glieder der neotropischen Tierwelt sind. Wahrscheinlich wanderten die ersten Katzen «erst» vor etwa drei Millionen Jahren von Norden her (über die neugebildete mittelamerikanische Landbrücke) nach Südamerika ein, was stammesgeschichtlich gesehen lediglich ein kurzer Augenblick ist.
Sie sehen einander zum Verwechseln ähnlich
Ozelot und Langschwanzkatze sehen einander dermassen ähnlich, dass lebende Tiere leicht und ihre Felle noch leichter miteinander verwechselt werden können.
Das Ozelotfell gilt als eines der prächtigsten Raubkatzenfelle der Welt. Seine Beschreibung ist allerdings nicht einfach, da keine zwei Felle «tupfengleich» sind. Immerhin lässt sich eine allgemein gültige Grundmusterung erkennen: So befinden sich im allgemeinen auf jeder Seite des Kopfes zwei schwarze Längsstreifen. Vier bis fünf schwarze Streifen zieren den Hals. Auf dem Rücken finden sich - in Längsreihen angeordnet - unterschiedlich grosse längliche Ringflecken, bei welchen gewöhnlich ein schwarzer Rand einen etwas helleren «Hof» umschliesst. Die Flecken auf dem Bauch sind vollständig schwarz, und der Schwanz weist schwarze, auf der Unterseite offene Ringe auf. Im übrigen variiert auch die Grundfärbung des Ozelotfells sehr stark, nämlich von weisslich über braungelb und zimtfarben bis schiefergrau.
Die Fellzeichnung der Langschwanzkatze ist derjenigen des Ozelots sehr ähnlich. Die Grundfärbung des Fells ist jedoch weit weniger variabel; sie ist zumeist braungelb.
Auffälligere Unterschiede zwischen den beiden Katzenarten zeigen sich im Körperbau: Der Ozelot ist eine recht «stämmige» Kleinkatze, die an Körpergrösse in ihrer Heimat nur noch vom Puma übertroffen wird. Grosse Ozelotmännchen erreichen eine Gesamtlänge von 135 Zentimetern, wovon rund 40 Zentimeter auf den Schwanz entfallen. Die meisten Männchen sind allerdings kleiner (95 bis 120 Zentimeter), und die Weibchen werden höchstens 110 Zentimeter gross. Die Schulterhöhe des Ozelots beträgt 40 bis 50 Zentimeter, und das Gewicht liegt bei 11 bis 15 Kilogramm.
Die Langschwanzkatze weist zwar beinahe dieselbe Gesamtlänge auf wie der Ozelot: Grosse Männchen können bis 130 Zentimeter messen. Sie ist aber wesentlich leichter gebaut und wiegt höchstens 9 Kilogramm. Ausserdem ist ihr Schwanz mit bis zu 50 Zentimetern verhältnismässig länger (daher ihr Name) und dasselbe gilt für die Beine.
Ozelot und Langschwanzkatze sehen nicht nur fast gleich aus, sondern sie weisen auch fast dasselbe, recht ausgedehnte Verbreitungsgebiet auf: Dasjenige des Ozelots erstreckt sich von den Südstaaten der USA (Texas und Arizona) südwärts über Mexiko und die anschliessenden mittel- und südamerikanischen Staaten bis ins nördliche Argentinien. Einzig in Chile und Uruguay ist die hübsche Katze nicht anzutreffen. Das Verbreitungsgebiet der Langschwanzkatze beginnt nicht ganz so weit nördlich: Sie kommt in den USA nicht vor, sondern lediglich von Mexiko südwärts bis Argentinien. Dafür findet man die Langschwanzkatze im Gegensatz zum Ozelot auch in Uruguay. Sie fehlt jedoch wie jener in Chile.
Jeder Ozelot besitzt einen ausgedehnten Eigenbezirk
Über die Lebensweise von Ozelot und Langschwanzkatze in freier Wildbahn ist wenig bekannt - angesichts ihres heimlichen Lebensstils eigentlich kein Wunder.
Vom Ozelot wissen wir, dass er ein ausgesprochen anpassungsfähiger Jäger ist, der sich in vielen verschiedenen Lebensräumen wohlfühlt: im feuchtwarmen Dschungel ebenso wie im nebelverhangenen Bergwald, im überfluteten Mangrovendickicht genauso wie in der halbtrockenen Dornbuschsavanne. Nur das offene Feld betritt er niemals. Denn für seinen Jagderfolg ist ausreichend Deckung von entscheidender Bedeutung.
Der Ozelot ist ein ausgesprochener Bodenbewohner. Er geht hauptsächlich - jedoch nicht ausschliesslich - nachts auf Beutefang. Den Tag verschläft er zumeist in einer Baumhöhle, in dichtem Gebüsch oder - im Blattwerk verborgen - auf einem dicken Ast. Hier zeigt sich, dass das wunderschöne Fleckenmuster seines Pelzes keineswegs eine «Laune der Natur» ist, sondern der Tarnung dient, so dass der tüchtige Jäger ungestört ruhen kann.
Bei seinen nächtlichen Pirschgängen macht sich der Ozelot über Tiere unterschiedlichster Grösse her - von Mäusen und Fröschen über Schildkröten und Vögel bis hin zu kleinen Hirschen und Neuweltschweinen. Es wird sogar von einem Ozelot berichtet, der eine zweieinhalb Meter lange Boa-Schlange getötet und verspeist hat.
Wie wenig über das Sozialverhalten des Ozelots bekannt ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass selbst in Grzimeks Enzyklopädie von 1988 noch Bezug genommen wird auf über 150 Jahre alte Beobachtungen. Sie stammen vom Schweizer Naturforscher J. R. Rengger, welcher zu Beginn des 19. Jahrhunderts sechs Jahre in Paraguay verbrachte. Rengger schrieb damals: «Der Ozelot lebt paarweise in einem bestimmten Gebiete. Der Jäger kann gewiss sein, nachdem er einen aufgescheucht hat, den anderen in nächster Nähe zu treffen. Mehr als ein Paar trifft man jedoch niemals in dem nämlichen Walde an. Männchen und Weibchen gehen nicht zusammen auf Raub aus, sondern jedes jagt für sich. Auch helfen sie einander nicht bei der Jagd oder bei feindlichen Angriffen.»
Immerhin wissen wir inzwischen, dass Renggers Beobachtungen nur zum Teil richtig waren. Jedenfalls geben die Untersuchungen, welche die amerikanische Zoologin Louise Emmons kürzlich im tropischen Regenwald des Manu-Nationalparks in Peru durchgeführt hat, ein etwas anderes Bild: Laut Emmons besitzen zwar die erwachsenen Tiere feste Eigenbezirke, aus denen sie Eindringlinge unnachgiebig vertreiben. Doch leben die Tiere nicht paarweise, sondern es besitzt jedes Männchen und jedes Weibchen sein eigenes Territorium. Bei ewachsenen Weibchen stellte sie nicht überlappende Territorien von rund zwei Quadratkilometern fest. Die Territorien der erwachsenen Männchen waren hingegen fünf bis sieben Quadratkilometer gross und überlagerten (ganz oder teilweise) diejenigen mehrerer Weibchen.
Auf ihren durchschnittlich drei bis sechs Kilometer langen nächtlichen Streifzügen besuchten die von Emmons beobachteten Individuen immer wieder andere Bereiche ihres Territoriums, so dass sie alle zwei bis vier Nächte ihren gesamten Eigenbezirk kontrolliert hatten. Dadurch konnte kein Eindringling lange unentdeckt bleiben.
Sowohl die Männchen als auch die Weibchen setzten auf ihren Streifzügen immer wieder optische und geruchliche Marken: Sie bespritzten auffällige Gegenstände «am Wegesrand» mit ihrem Harn, kratzten häufig an umgestürzten Bäumen über ihren Pfaden und setzten an gut sichtbaren Stellen ihren Kot ab. Mit diesen Marken konnten die verschiedenen Individuen eines bestimmten Waldstücks Fühlung untereinander halten.
Die Weibchen bringen nach einer Tragzeit von etwa 80 Tagen im allgemeinen ein bis zwei, selten drei oder gar vier Junge zur Welt. Diese wiegen bei der Geburt un gefähr 100 Gramm und werden in den ersten Wochen ihres Lebens von der Mutter an einem sicheren Ort, etwa zwischen Felsblöcken, versteckt gehalten. Im Alter von sechs bis neun Monaten machen sich die jungen Ozelots selbständig und erreichen mit 12 bis 18 Monaten die Geschlechtsreife.
Die Langschwanzkatze ist eine Kletterakrobatin
Über das Leben der Langschwanzkatze in freier Wildbahn wissen wir noch weniger als über das des Ozelots. Bekannt ist lediglich, dass die Langschwanzkatze fast ihr ganzes Leben im Geäst der Bäume, hoch über dem Waldboden, verbringt. Deshalb - und wegen ihrer grossen Ähnlichkeit mit dem Ozelot - wird sie häufig auch «Baumozelot» genannt. Beobachtungen des deutschen Katzenforschers Paul Leyhausen an gefangen gehaltenen Langschwanzkatzen zeigen, dass diese Tiere «Kletterakrobaten» sondergleichen sind: Spiralig um einen Baum rasen, wie ein Faultier mit allen vieren unter einem Ast entlang hangeln, nur an einem Bein von einem Ast herunterhängen, kopfvoran wie ein Eichhörnchen einen senkrechten Baumstamm hinunterlaufen - all dies tut die Langschwanzkatze mühelos. Bei all diesen «Kunststückchen» ist natürlich der lange Schwanz als Balancierhilfe sehr dienlich. Auch das im Vergleich zum Ozelot geringere Gewicht und die längeren Gliedmassen sind zweifellos Anpassungen an das Baumleben.
Wie der Ozelot schläft die Langschwanzkatze tagsüber. Nachts geht sie dann in den Baumkronen auf Jagd nach Hörnchen, Beutelratten, Affen, Vögeln, Baumfröschen und grossen Insekten.
Aus Zuchten in Gefangenschaft weiss man, dass das Langschwanzkatzen-Weibchen gewöhnlich ein bis zwei Junge nach einer Tragzeit von ungefähr 80 Tagen zur Welt bringt.
Für Pelzmäntel mussten Hunderttausende ihr Leben lassen
Angesichts ihres ausgedehnten Verbreitungsgebiets und ihrer - zumindest im Falle des Ozelots - beachtlichen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume sollte man eigentlich annehmen, dass Ozelot und Langschwanzkatze in ihrem Bestand kaum gefährdet sind. Leider ist das nicht so. Beiden Arten machen die Zerstörung ihres Lebensraums und die Bejagung ihres hübschen Fells wegen arg zu schaffen.
So nützlich sich der «Tarnanzug» von Ozelot und Langschwanzkatze am Ruheplatz und auf der Jagd erweist, so schädlich hat er sich für seine Träger ausgewirkt, als in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts Pelzmäntel aus Katzenfellen in Mode kamen. Die Nachfrage war riesig, die Preise dementsprechend hoch, so dass die zumeist arme Bevölkerung der mittel- und südamerikanischen Länder alles daran setzte, die hübschen Tiere auch in den abgeschiedensten Winkeln ihres Verbreitungsgebiets aufzustöbern. Die Bilanz war erschreckend: Im Jahr 1969 importierten beispielsweise allein die USA sage und schreibe 133 069 Ozelotfelle aus Südamerika! Kein Wunder waren Ozelot und Langschwanzkatze schon bald in manchen Regionen ihres Verbreitungsgebiets vollständig ausgerottet und vielerorts äusserst selten geworden.
Glücklicherweise hat sich die Situation in den letzten zehn Jahren etwas gebessert. Internationale Handelsbeschränkungen, ausgelöst vor allem durch das Internationale Abkommen über den Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten (CITES) von 1973, haben zu einem Rückgang der Nachfrage im internationalen Pelzhandel geführt. Gleichzeitig haben die Tier-, Natur- und Umweltschutzorganisationen in den wohlhabenden Staaten mittels aufwendiger Informationskampagnen erreicht, dass heute eine breite Öffentlichkeit das Tragen von Pelzmänteln nicht mehr akzeptiert. Dies hat die Nachfrage nach Pelzen weiter gesenkt. Hinzu kommt, das viele mittel- und südamerikanische Länder in jüngerer Zeit begonnen haben, ihre Naturschutzgesetze wirksam zu vollziehen, so dass die Bejagung der Raubkatzen und der Handel mit ihren Fellen auch in ihren Heimatländern stark abgenommen haben.
Es wäre allerdings falsch zu glauben, dass die Bejagung von Ozelot und Langschwanzkatze praktisch zum Erliegen gekommen ist. In Fachkreisen ist man sich im klaren darüber, dass es noch immer einen beträchtlichen illegalen Handel mit den Fellen der bedrängten Tiere gibt und dass weiterhin grosse Anstrengungen nötig sind, um dieses unselige Geschäft endgültig zu stoppen.
Was den beiden hübschen Kleinkatzen heute zusätzlich und in zunehmendem Masse zu schaffen macht, ist die Zerstörung ihrer südamerikanischen Waldheimat durch den immer weiter vordringenden Menschen. Fast überall in Mittel- und Südamerika werden Jahr für Jahr weite Urwaldgebiete gerodet, um landwirtschaftliche Nutzflächen, Weideland und wertvolle Edelhölzer zu gewinnen. Die Langschwanzkatze, die als Baumbewohnerin auf ein möglichst geschlossenes Kronendach angewiesen ist, leidet hierunter natürlich ganz besonders. Der Ozelot ist als Bodenbewohner weniger auf geschlossene Waldungen angewiesen und vermag darum Veränderungen seines Lebensraums eher zu ertragen. Wo aber die Pflanzendecke vollständig vernichtet wird, wie dies vor allem in Mittelamerika noch viel zu häufig geschieht, hat auch er keine Überlebenschance. Für die langfristige Erhaltung von Ozelot und Langschwanzkatze - und mit ihnen unzähliger weiterer neotropischer Tiere und Pflanzen - ist darum die Ausweisung ausgedehnter Wälder als Naturschutzgebiete von grösster Bedeutung.
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