Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03283.jsonl.gz/40

Androcur-50 ist ein antiandrogen wirksames Hormonpräparat. Es hemmt den Einfluss der männlichen Geschlechtshormone (Androgene), die in geringem Umfang auch vom weiblichen Organismus gebildet werden.
Beim Mann lassen unter der Behandlung mit Androcur-50 der Geschlechtstrieb und die Potenz nach. Die Hodenfunktion wird gehemmt. Diese Veränderungen gehen nach Absetzen der Behandlung wieder zurück. Androcur-50 schirmt androgenabhängige Erfolgsorgane, wie z.B. die Prostata, gegen die Einwirkung der aus den Keimdrüsen und/oder den Nebennierenrinden stammenden Androgenen ab.
Es wird angewendet beim Mann zur Triebdämpfung bei krankhaft verändertem Geschlechtstrieb (Sexualdeviationen) und zur Antiandrogenbehandlung bei inoperablem Prostatakarzinom.
Bei der Frau werden krankhaft vermehrte Körperbehaarung, aber auch androgenbedingter Ausfall des Kopfhaares reduziert sowie verstärkte Talgdrüsentätigkeit abgeschwächt. Während der Behandlung wird die Eierstockfunktion gehemmt.
Es wird angewendet bei der Frau im Falle von schweren Androgenisierungserscheinungen, wie krankhaft vermehrter Gesichts- und Körperbehaarung (hochgradiger Hirsutismus) und androgenbedingtem starken Ausfall des Kopfhaares bis zur Glatzenbildung (schwere androgenetische Alopezie), oft verbunden mit schweren Formen von Akne und/oder fettiger Haut sowie fettigem Haar mit Schuppenbildung (Seborrhö).
Das Präparat wird Frauen jedoch nur verschrieben, wenn mit einer Behandlung mit einem niedriger dosierten Präparat kein befriedigender Erfolg erzielt wurde.
Androcur-50 darf nur auf Verschreibung des Arztes bzw. der Ärztin und unter der ständigen Kontrolle eines Arztes bzw. einer Ärztin verwendet werden.
Bei Frauen muss vor Beginn der Therapie eine gründliche allgemeine und gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. Bei Patientinnen in der Geschlechtsreife muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.
Androcur-50 ist zusammen mit einem speziellen oralen Empfängnisverhütungsmittel (z.B. Diane-35) anzuwenden, um den notwendigen Empfängnisschutz zu erreichen und um unregelmässige Blutungen zu vermeiden.
Falls es unter der Kombinationsbehandlung innerhalb der drei Einnahmewochen zu einer leichten Blutung «ausserhalb der Reihe» kommt, ist die Anwendung nicht zu unterbrechen, bei jeder stärkeren Blutung jedoch ist der Arzt bzw. die Ärztin aufzusuchen.
Während der Behandlung sind die Funktion der Leber, der Nebennierenrinde und das rote Blutbild zu überwachen.
Darüber hinaus sind im Zusammenhang mit der notwendigen zusätzlichen Gabe des verschriebenen Empfängnisverhütungsmittels alle für dieses Präparat geltenden Angaben zu beachten.
Bei der zyklischen Kombinationsbehandlung von schweren Androgenisierungserscheinungen beachten Sie ausserdem die Angaben zu Kontraindikationen in der Fachinformation von Diane-35 oder von einem anderen Kontrazeptivum, das in Kombination mit Androcur-50 angewendet wird.
In Einzelfällen wurden über gutartige und bösartige Leberveränderungen unter der Behandlung mit dem Wirkstoff von Androcur-50 berichtet. Bei Dosierungen von 100 mg pro Tag oder höher wurde auch über Fälle mit tödlichem Ausgang berichtet. Die Mehrzahl dieser tödlichen Fälle traten bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom auf. Lebertumore können vereinzelt zu lebensgefährlichen Blutungen in die Bauchhöhle führen. Deshalb ist unbedingt der Arzt/die Ärztin zu informieren, wenn ungewohnte Oberbauchbeschwerden auftreten, die nicht von selbst bald vorübergehen.
In Verbindung mit einer Langzeitanwendung von Cyproteronacetat in Dosen von 25 mg/Tag oder höher (meist über mehrere Jahre) wurde über das Auftreten von gutartigen Hirntumoren (einzelne und multiple Meningeome) berichtet. Wird bei Ihnen ein Meningeom diagnostiziert, wird Ihr Arzt/Ihre Ärztin die Behandlung mit Androcur-50 abbrechen (siehe Kapitel «Wann darf Androcur-50 nicht angewendet werden?»).
Informieren Sie Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin, wenn Sie an Zuckerkrankheit leiden, da diese Krankheit eine sorgfältige Überwachung erfordert und der Bedarf an Arzneimitteln gegen Zuckerkrankheit sich durch Androcur-50 ändern kann.
Gelegentlich kann Androcur-50 zu einem Gefühl der Kurzatmigkeit führen.
Über das Auftreten thromboembolischer Ereignisse (Bildung von Blutgerinnseln in den Gefässen) bei Patienten unter Androcur-50 liegen Berichte vor, aber ein Kausalzusammenhang wurde bisher nicht erstellt. Bei Patienten mit vorausgegangenen arteriellen oder venösen thrombotischen/thromboembolischen Ereignissen (z.B. tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt), mit zerebrovaskulären Ereignissen (z.B. Schlaganfall) in der Vorgeschichte oder mit fortgeschrittenen bösartigen Erkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für weitere thromboembolische Ereignisse.
Patienten mit inoperablem Prostatakarzinom, thromboembolischen Ereignissen in der Vorgeschichte oder Patienten, die an Sichelzellanämie oder schwerem Diabetes mit Gefässveränderungen leiden, müssen ihren Arzt oder ihre Ärztin informieren. Diese werden vor der Verordnung von Androcur-50 in jedem Einzelfall eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Bewertung durchführen.
Bei männlichen Patienten kommt es unter Behandlung mit Androcur-50 zu einer Dämpfung des Sexualtriebs und verminderter Potenz ebenso wie einer Hemmung der Gonadenfunktion (Hodenfunktion). Diese Veränderungen sind nach Absetzen der Behandlung reversibel.
Nach mehrwöchiger Anwendung führt Androcur-50 aufgrund seiner antiandrogenen und antigonadotropen Wirkung zu einer Hemmung der Spermatogenese (Spermienbildung). Innerhalb weniger Monate nach Absetzen der Behandlung kommt es zu einer allmählichen Erholung der Spermatogenese.
Bei männlichen Patienten kann Androcur-50 zu einer Vergrösserung der Brust führen. Bei längerer Behandlung kann es zu einer Osteoporose (Knochenschwund) bei Männern kommen.
Bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol ist wegen seines enthemmenden Einflusses eine Verminderung der triebdämpfenden Wirkung von Androcur-50 möglich.
Wenn unter der Kombinationstherapie in den 3 Wochen der Tabletteneinnahme Schmierblutungen auftreten, ist die Tabletteneinnahme normal fortzusetzen. Wenn jedoch anhaltende oder wiederkehrende Blutungen in unregelmässigen Abständen auftreten, muss eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden, um eine organische Erkrankung auszuschliessen.
Der Bedarf an Antidiabetika oder Insulin kann sich durch Verschlechterung der Glukosetoleranz ändern.
Dazu zählen insbesondere Arzneimittel mit Ketoconazol, Itraconazol, Clotrimazol (gegen Pilzinfektionen), Ritonavir (gegen AIDS), Rifampicin (gegen Krampfanfälle), Phenytoin, Produkte, die Johanniskraut (Pflanzenmittel gegen Depressionen) enthalten, und Produkte, die zur Gruppe der Statine gehören (Medikamente, welche erhöhte Blutfettwerte senken, z.B. Cholesterin und Triglyzeride).
Bei Letzteren kann das Risiko von schweren statinbedingten unerwünschten Wirkungen im Muskelgewebe (sogenannte Myopathie oder Rhabdomyolyse) erhöht sein, wenn diese zusammen mit hohen therapeutischen Dosen von Androcur-50 verabreicht werden, da die Wirkstoffe dieses Arzneimittels demselben Stoffwechselweg unterliegen.
Informieren Sie ebenfalls Ihren Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin, wenn Sie an anderen Krankheiten leiden, Allergien haben oder andere Arzneimittel (auch selbst gekaufte!) einnehmen oder äusserlich anwenden.
Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit, die Fähigkeit Werkzeuge oder Maschinen zu bedienen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Androcur-50 kann schädliche Wirkungen auf das ungeborene Kind und ? beim Stillen ? auch auf den Säugling haben. Deshalb darf es unter keinen Umständen während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit angewendet werden.
Die Tabletten sind nach den Mahlzeiten mit Flüssigkeit einzunehmen.
Die jeweilige Dosierung bestimmt der Arzt bzw. die Ärztin.
Zur Anfangsbehandlung beträgt die Tagesdosis im Allgemeinen 2mal 1 Tablette. Es kann erforderlich sein, die Dosis auf 2mal täglich 2 oder vorübergehend sogar 3mal täglich 2 Tabletten zu erhöhen. Wenn ein befriedigendes Behandlungsergebnis erreicht ist, wird versucht, den Therapieeffekt mit einer möglichst geringen Dosis aufrechtzuerhalten. Oft genügt 2mal täglich ½ Tablette. Bei der Einstellung auf eine Erhaltungsdosis und beim Absetzen wird nie abrupt, sondern ausschleichend reduziert. Dabei ist in Abständen von jeweils einigen Wochen die Tagesdosis um 1 Tablette oder besser ½ Tablette zu vermindern.
Um den Therapieeffekt zu stabilisieren, ist es erforderlich, Androcur-50 über längere Zeit einzunehmen, wenn möglich unter gleichzeitiger Anwendung psychotherapeutischer Massnahmen.
2 bis 3mal täglich 2 Tabletten (= 200?300 mg/Tag).
Wenn es zur Besserung oder Remission gekommen ist, soll weder die vom Arzt bzw. von der Ärztin verordnete Dosis geändert noch die Behandlung unterbrochen werden.
Zunächst 5?7 Tage 2mal täglich 2 Tabletten Androcur-50 (= 200 mg/Tag) allein, anschliessend 3?4 Wochen lang 2mal täglich 2 Tabletten Androcur-50 (= 200 mg/Tag) zusammen mit einem GnRH-Agonisten in der vom Hersteller dieses letzten Arzneimittels vorgesehenen Dosierung.
Täglich 1?3 Tabletten (50?150 mg/Tag) mit Steigerung auf bis zu 3mal täglich 2 Tabletten (300 mg/Tag) falls nötig.
Schwangere dürfen Androcur-50 nicht einnehmen. Deshalb muss vor Beginn der Therapie eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.
Schwere Androgenisierungserscheinungen wie krankhaft vermehrte Gesichts- und Körperbehaarung (hochgradiger Hirsutismus), androgenbedingter starker Ausfall des Kopfhaares bis zur Glatzenbildung (schwere androgenetische Alopezie), oft verbunden mit schweren Formen von Akne und/oder Seborrhö: Frauen in der Geschlechtsreife beginnen mit der Behandlung am 1. Zyklustag (= 1. Tag der Blutung).
Nur Frauen, die keine Menstruationen haben, fangen mit der vom Arzt bzw. von der Ärztin verordneten Therapie sofort an; in diesem Fall ist der 1. Einnahmetag mit dem 1. Zyklustag gleichzustellen und entsprechend den folgenden Empfehlungen weiterzurechnen:
Vom 1.?10. Zyklustag (= 10 Tage) sind täglich 2 Tabletten Androcur-50 zu je 50 mg einzunehmen. Zusätzlich erhalten diese Frauen zur Stabilisierung ihres Zyklus und für den erforderlichen Empfängnisschutz ein spezielles Empfängnisverhütungsmittel mit antiandrogener Wirkkomponente, z.B. vom 1.?21. Zyklustag (= 21 Tage) täglich 1 Dragee Diane-35.
Bei der zyklischen Kombinationsbehandlung sollte die Tabletteneinnahme immer zu einer bestimmten Tageszeit erfolgen.
21 Tage nach Beginn der Therapie wird eine 7tägige Pause eingelegt, in der es zu einer Blutung kommt. Vier Wochen nach Einnahmebeginn, d.h. am gleichen Wochentag, fängt man mit der nächsten zyklischen kombinierten Behandlung an, unabhängig davon, ob die Blutung schon beendet ist oder noch anhält.
Nach Besserung des Krankheitsbildes kann der Arzt bzw. die Ärztin die tägliche Androcur-50-Dosis in den ersten 10 Tagen der Kombinationsbehandlung mit dem verschriebenen Empfängnisverhütungsmittel auf 1 oder ½ Tablette herabsetzen. Eventuell genügt auch das Empfängnisverhütungsmittel allein.
Bei der zyklischen kombinierten Behandlung mit einem Empfängnisverhütungsmittel sollte die Einnahme zu einer bestimmten Tageszeit erfolgen. Wird dieser Zeitpunkt um mehr als 12 Stunden überschritten, ist die empfängnisverhütende Wirkung für den betreffenden Zyklus in Frage gestellt. Für spezifische Angaben besonders zur kontrazeptiven Zuverlässigkeit und für das Vorgehen bei vergessener Pilleneinnahme wird auf die Fach- und Patienteninformation des verschriebenen Empfängnisverhütungsmittels verwiesen. Kommt es jedoch innerhalb der Pause zu keiner Entzugsblutung, muss vor der Fortsetzung der Pilleneinnahme eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.
Vergessene Androcur-50 Tabletten können die therapeutische Wirksamkeit herabsetzen und zu Zwischenblutungen führen. Vergessene Androcur-50 Tabletten sollten nicht nachträglich eingenommen werden. Anstelle der vergessenen Tablette soll keine doppelte Dosis eingenommen werden.
Die tägliche Einnahme ist zur gewohnten Zeit zusammen mit dem verschriebenen Empfängnisverhütungsmittel fortzusetzen.
Sollte es in der Einnahmepause zu keiner Blutung gekommen sein, ist der Arzt bzw. die Ärztin aufzusuchen.
Postmenopausale Frauen oder Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, können Androcur-50 allein erhalten. Abhängig vom Schweregrad der Störungen beträgt dabei die Dosis 1?½ Tablette Androcur-50 zu 50 mg täglich nach dem Schema 21 Tage Einnahme, 7 Tage Pause.
Androcur-50 Tabletten dürfen bei Kindern oder Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden.
Ändern Sie nicht von sich aus die verschriebene Dosierung. Wenn Sie glauben, das Arzneimittel wirke zu schwach oder zu stark, so sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker bzw. mit Ihrer Ärztin oder Apothekerin.
Folgende Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Androcur-50 auftreten:
Häufig: Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme, Antriebsminderung, zeitweise Unruhe, Müdigkeit, Gelbsucht, Leberentzündung, Leberinsuffizienz.
Gelegentlich: depressive Verstimmungen, Hautausschläge, Kurzatmigkeit.
Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen (allergieähnliche Reaktionen), thromboembolische Reaktionen, thromboembolische Ereignisse (Bildung von Blutgerinnseln in den Gefässen), Lebertumore.
Häufigkeit nicht bekannt: gutartige Hirntumore (Meningeome).
Sehr häufig: verminderter Sexualtrieb, erektile Dysfunktion (Impotenz), reversible Hemmung der Spermienbildung (Spermatogenese).
Häufig: Gynäkomastie (Anschwellen der Brustdrüsen) manchmal zusammen mit einer Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen, Hitzewallungen und Schweissausbrüche.
Sehr selten: Osteoporose (Knochenschwund).
Häufigkeit nicht bekannt: Blutarmut.
Sehr häufig: Unterdrückung des Eisprungs.
Häufig: Spannungsgefühl in der Brust.
Gelegentlich: verminderter Sexualtrieb, Galaktorrhö (Milchfluss).
Selten: gesteigerter Sexualtrieb.
Im Hinblick auf die notwendige zusätzliche Gabe von einem Kontrazeptivum wie Diane-35 wird auf die besonderen Hinweise zu unerwünschten Wirkungen in der Fachinformation von diesem Präparat verwiesen.
Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, die hier nicht beschrieben sind, sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin informieren.
Androcur-50 ist bei Raumtemperatur (15?25 °C) und ausserhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Weitere Auskünfte erteilt Ihnen Ihr Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin. Diese Personen verfügen über die ausführliche Fachinformation.
1 Tablette enthält als Wirkstoff 50 mg Cyproteronacetat sowie Hilfsstoffe.
37482 (Swissmedic).
In Apotheken nur gegen ärztliche Verschreibung.
Es gibt Packungen zu 50 und 250 Tabletten.
Bayer (Schweiz) AG, 8045 Zürich.
Diese Packungsbeilage wurde im August 2011 letztmals durch die Arzneimittelbehörde (Swissmedic) geprüft.