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"Die Volkswirtschaft des Euroraums braucht letztlich Banken, die ausreichend gross und effizient sind, um auf grenzüberschreitender Grundlage in einem einheitlichen europäischen Markt zu operieren und Risiken zu diversifizieren, aber klein genug, damit sie mit den Mitteln des einheitlichen Bankenabwicklungsfonds (SRF) abgewickelt werden können", heisst es in einem Beitrag über die Geschäftsmodelle der Banken im Finanzstabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank, der letzte Woche veröffentlicht wurde. "Dies würde dazu beitragen, die Vorteile der Bankenunion voll zu nutzen und den Zielkonflikt zwischen Finanzstabilität und wirtschaftlicher Effizienz zu lockern."
Im europäischen Bankensystem gibt es einige wenige Schwergewichte wie BNP Paribas und Banco Santander und Tausende kleiner, lokal ausgerichteter Banken, die Unternehmen in ihrem Bereich mit Krediten versorgen und Arbeitsplätze für gut vernetzte, leitende Mitarbeiter bieten. Der Zusammenbruch einer der Megabanken würde ganzen Volkswirtschaften schaden. Die kleinen Kreditinstitute sind hingegen anfällig bei regionalen Abschwüngen und ihre grosse Zahl zehrt an der Profitabilität des gesamten Sektors, was wiederum die Risiken für die Finanzstabilität erhöht.
Die Konsolidierung im Bankensektor habe sich in Europa seit 2007 "erheblich" verlangsamt, schreiben Christoffer Kok, Csaba More und Monica Petrescu in ihrem Bericht. Diese Abschwächung beziehe sich sowohl auf den Wert als auch auf die Zahl der Transaktionen. Die Autoren fordern daher, dass "Anstrengungen unternommen werden könnten, um die grenzüberschreitende Konsolidierung innerhalb des Euroraums zu verstärken".
Riskantere Geschäfte
Schwaches Wachstum und niedrige Zinsen sowie die daraus resultierende niedrigere Profitabilität könnten dazu führen, dass die Banken in riskantere Geschäfte getrieben werden, wie etwa die Kreditvergabe an bonitätsschwächere Kunden und eine Erhöhung bei den Positionen in längerfristigen Anleihen, schreiben die Autoren weiter.
"Dies beleuchtet, dass es notwendig ist, die Interaktion zwischen Veränderungen des Geschäftsmodells, dem Eingehen von Risiken bei den Banken und dem systemischen Risiko genau zu beobachten", heisst es in der Studie.
Die Autoren werfen auch einen Blick auf die Rechtskosten von 26 grossen Banken in den USA und Europa seit der Finanzkrise, die sich insgesamt auf fast 275 Mrd. Dollar belaufen - allein im Zeitraum 2013 bis 2014 waren es 140 Mrd. Dollar.
Viele Rückstellungen
"Diese Entwicklung ging überwiegend auf die US-Banken zurück, die weitaus früher und in weitaus höherem Umfang als ihre europäischen Wettbewerber mit Rechtskosten konfrontiert waren", schreiben die Autoren Sandor Gardo und Benjamin Klaus. "Die hohe Anzahl der noch anhängigen Rechtsfälle sowie Unsicherheiten in Bezug auf das Ausmass und den Zeitpunkt zukünftiger Einigungen führen voraussichtlich auch dazu, dass die Banken ihre Geschäftsmodelle verändern und Geschäftsfelder, die Rechtsrisiken bergen, verkleinern oder aufgeben."
Die europäischen Banken mussten den Autoren zufolge seit Beginn der Krise 160 Mrd. Dollar an Rückstellungen für erwartete Rechtskosten bilden. Das entspreche fast der Hälfte ihres Nettogewinns im Zeitraum von 2008 bis 2015. Darüber hinaus würden die europäischen Banken weitere 50 Mrd. Dollar an Rechtskosten erwarten, heisst es in dem Bericht.
"Der zugrundeliegende Trend bei den Rückstellungen signalisiert", so die Autoren, "dass für viele Banken in Grossbritannien und im Euroraum der Höhepunkt noch nicht erreicht ist."
(Bloomberg)