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Das Schloss und der Turm
Gabs irgendwo ein Dörfchen traut und minnig
So nannten es die guten Alten Wil.
Dies Schloss gelegen hoch und sinnig
Kund drum nicht anders heissen als Schloss Wil.
Mit diesem schlichten, in zierlicher kleiner Schrift in einer Fensternische des Schlosses an die Mauer geschriebenen Verslein hat jemand der hohen und schönen Lage dieses Sitzes Ausdruck gegeben. Wie ganz nimmt sich das Schloss von den verschiedenen Seiten aus, freundlich und sonnig von der Südseite her, finster im Schatten des Hürnbergwaldes gelegen und am besten an seine einst wehrhafte Bedeutung erinnernd aus der Gegend Worb gesehen. Der Turm und die Allee gewähren einen herrlichen Ausblick in die nähere und weitere Umgebung.
Von der Dorfstrasse in Schlosswil führt ein breiter Weg zum Schloss hinauf. Wir gelangen am Gefängnisgebäude vorbei in den äusseren Schlosshof. Durch das wappengeschmückte Portal betritt man den Nordflügel. Die Aufschriften in den Gängen verraten das bernische Amthaus. Der Eingang führt in den inneren Schlosshof und an die frei stehende Nordseite des Turmes. Auf allen übrigen Seiten lehnen die Gebäudeteile des Schlosses direkt an den Turm. Auf der Südseite befinden sich die Gärten und Anlagen, ein Weiher mit Springbrunnen und die grosse schöne Allee.
Der Turm
Von der ursprünglichen Burganlage ist einzig der Wehrturm erhalten geblieben. Seine Höhe bis zur Helmspitze beträgt 43,5 Meter, bis zum Dachfirst 38 Meter. Die Form ist quadratisch, seine Seiten messen im Erdgeschoss 11,3 und 11,7 Meter. Die Mauer hat unten die ansehnliche Dicke von 3,4 Metern. Sie enthält an den äusseren Rändern mächtige Felssteine und Granitblöcke. Es ist anzunehmen, dass beim Turmbau von der höher gelegenen "Egg" her ein Damm oder Gerüst aufgeführt (und dann wieder abgetragen) wurde. Das Baudatum der Burg ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass es in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts falle und dass der Erbauer einer der Edlen von Wiler gewesen sei.
Der Schlossturm als Kornhaus
Als nach dem Umsturz von 1798 infolge der Neuregelung der Pfarrbesoldungen ein grosser Teil der Bondenzinse und Zehnten an den Kanton Bern überging, wurde die Schaffung eines Kornhauses notwendig, da die Pfrundspeicher zur Aufnahme des abgelieferten Gewächses nicht genügten. Die Amtsschaffnerei Konolfingen begnügte sich anfangs mit dem Zumieten eines Gewächsbodens. Nach Ankauf des Schlosses durch den Staat wurde der Turm als Getreidemagazin eingerichtet. Vom Jahre 1818 an war er für das ganze Amt Konolfingen das einzige Kornhaus. Das Getreide wurde auf sieben Böden aufgeschüttet. Als Aufzug diente ein Aufzugrad mit Seil, dessen Befestigungsstelle an einem Balken im Turm sichtbar war.
Die Kornhäuser spielten damals im Staatshaushalt eine wichtige Rolle. Sie dienten nicht nur zur Entgegennahme der in Getreide bestehenden Abgaben, sondern auch als Fürsorge für Kriegs- und Missjahre. Der Wert dieser Einrichtung erwies sich besonders bei der Missernte und grossen Teuerung des Jahres 1816/17, wo die Regierung dank ihrer Vorräte die Landesversorgung mit Getreide sicherstellen konnte.
Brand im Schloss
Im Jahre 1546 ist das Schloss von einem Brand heimgesucht worden, wodurch es viel von seinem früheren mittelalterlichen Aussehen eingebüsst hat. Der damalige Besitzer, Niklaus von Wattenwyl, liess das Schloss neu und schöner wiederaufbauen und zu einem herrschaftlichen Sitz einrichten.
Anlässlich des Schlossumbaus 1937 wurde ein Ziegelboden freigelegt, der in das Jahr 1547 datiert. Damalige Handwerker haben sich ein Kurzweil daraus gemacht, auf einigen dieser Ziegel Jahrzahlen und Zeichnungen anzubringen. Die Mauern des Gerichtssaales enthalten noch verkohlte Holzüberreste, die offenbar auf den Brand von 1546 zurückzuführen sind. Ein Torbogen auf der Ostseite des innern Schlosshofes trägt die Jahrzahl des Brandes von 1546.
Der Staat - neuer Eigentümer - neuer Zweck
Das vom Staat angekaufte Schloss diente vorerst einzig dem Oberamtmann als Wohnung nebst Audienzstube und Wartezimmer. Die Amtsschreiberei war bis zum Jahre 1847 in Grosshöchstetten untergebracht. In der alten Herrschaftsschreiberei wurde das Erdgeschoss zu einer Landjägerwohnung und der 1. Stock für den Schlossaktuar, später als Gerichtsschreiberei eingerichtet. Nach der Gewaltentrennung im Jahr 1831 musste der letzte Oberamtmann einem Regierungsstatthalter und Gerichtspräsidenten Platz machen. Die Gerichtsschreiberei verlegte ihr Büro ebenfalls ins Schloss. Im Jahre 1891 wurde das Betreibungsamt durch Abtrennung von der Gerichtsschreiberei zu einer selbstständigen Beamtung. So waren fünf Beamtungen und zwei Amtswohnungen im Schloss untergebracht. Den räumlich und hygienisch ungenügend gewordenen Verhältnissen hat der Amthausumbau von 1936/37 abgeholfen. In vorbildlicher Weise wurden bei allen nötigen Umbauten im Innern das Gebäude und seine Vergangenheit gewürdigt. Alle wertvollen, alten Bauteile wurden schonend und neu wiederhergestellt und in ihrer Schönheit zur Geltung gebracht.
Renovation Schlossturm 2001
Die letzte Renovation fand im Jahr 2001 statt. In der ersten Etappe der Restaurierung überzogen die Maurer die Fassaden des Turm mit Kalkmilch. Diese althergebrachte Behandlung konserviert die Mauern. Sie präsentieren sich jetzt wieder so wie nach der letzten Grossrenovation im Jahre 1546.
Schloss in Privateigentum
Die Verwaltungsreform des Kantons Bern wirkte sich entscheidend auf die Nutzung des Schlosses aus. Auf 2010 und 2011 wurden die im Schloss untergebrachten Kantonalen Verwaltugnsabteilungen sowie das Gericht zentralisiert. Nachdem das Schloss rund 200 Jahr im Eigentum des Staates Bern war, erwarb die Familie Steinmann im 2011 das Schloss und gründete die Steinmann Stiftung Schloss Wyl. 2012 baute der neue Besitzer, Unternehmer und frührere Medienprofessor, Matthias Steinmann das Schloss um. Teile des Schlosses Wyl sowie die Umgebung stehen wiederum für die öffentliche Nutzung zur Verfügung.
Weitere Informationen übers Schloss, Ausstellungen und Nutzungsmöglichkeiten finden Sie unter http://www.schloss-wyl.ch
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