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Hartnäckigkeit ist für ForscherInnen eine Tugend. Ein besonders hartnäckiger Wissenschaftler ist der Biologe Gilles-Éric Séralini, der sich um die Sicherheit gentechnisch veränderter Nahrungsmittel sorgt. Immer wieder legt er sich deshalb mit dem Agrokonzern Monsanto an. Auch wenn er dabei den Kürzeren zieht – abschrecken lässt er sich nicht: Am 24. Juni 2014 hat Séralini eine toxikologische Langzeitstudie mit Monsanto-Mais, der gegen das Monsanto-Herbizid Roundup resistent ist, publiziert. Genauer, zum zweiten Mal publiziert. Die Fachzeitschrift «Food and Chemical Toxicology» («FCT»), in der die Studie im September 2012 erschienen war, zog sie nach einer Hetzkampagne ein Jahr später wieder zurück.
Die Geschichte dieser Studie steht sinnbildlich für die Machtpolitik von Grosskonzernen der Agrotechindustrie, die Wissenschaft und Regulierungsbehörden, ja sogar Nationalstaaten in ihrer Souveränität unterwandern. Jüngstes Beispiel ist El Salvador: Laut Zeitungsberichten von Mitte Juni soll ein zugesicherter US-Entwicklungshilfebeitrag nur ausbezahlt werden, wenn das Land im Gegenzug gentechnisch veränderten Mais von Monsanto anbaut.
Séralini hatte zwei Jahre lang Ratten mit Monsanto-Mais gefüttert. Dies störte nicht nur ihren Hormonhaushalt, sondern führte zuerst zu Vergiftungsanzeichen in Leber und Nieren und später zu ernsthaften Erkrankungen. Kaum ist seine Studie 2012 publiziert, brechen diskreditierende Kommentare über ihn herein, zu 75 Prozent verfasst von Forschenden mit mehr oder weniger engen Beziehungen zur Agrotechindustrie. Unter ihnen der Chefredaktor von «Transgenic Research», der die Resultate als «Munition für Extremisten» brandmarkt und Séralini betrügerische Absichten unterstellt – und dabei tunlichst verschweigt, dass er selbst ein transgenes Verfahren für Monsanto entwickelt hat, das Mais herbizidtolerant macht.
Im Februar 2013 stösst ein ehemaliger Monsanto-Mitarbeiter zur Redaktionsleitung von «FCT» und setzt durch, dass unter seiner Mitwirkung Séralinis Studie reevaluiert wird. Im Mai 2013 veröffentlicht eine renommierte Forscherin ein Assessment zur Sicherheit von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und stellt sich darin gleich zu Beginn hinter die Konzerne, denen «gründliche, langwierige und kostspielige Evaluationen von gentechnisch veränderten Pflanzen aufgezwungen werden, bevor sie diese vermarkten können». Ihr Fazit: Zusätzliche Langzeitstudien sind unnötig.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die seit Jahren am Pranger steht, weil die Mehrheit ihrer Mitglieder Verbindungen zu jenen Konzernen unterhält, die sie regulieren sollten, kommt bereits zwei Wochen nach der Publikation zum Schluss, Séralinis Studie könne nicht als valides Risikoassessment betrachtet werden. Richtlinien, wie Studien für ein Risikoassessment verfasst sein müssen, erlässt sie indes erst im Juli 2013.
Im November 2013 zieht der «FCT»-Chefredaktor Séralinis Studie zurück – mit der Begründung, die Resultate seien «nicht beweiskräftig».
Nun publiziert Séralini seine Studie erneut, in der für alle zugänglichen Fachpublikation «Environmental Sciences Europe» und inklusive Rohdaten. Das hat Signalcharakter. Anders als die Agrotechkonzerne, die die Rohdaten ihrer Zulassungsstudien unter Verschluss halten, fordert Séralini seine WissenschaftskollegInnen auf, die Resultate seiner Studie zu überprüfen und zu wiederholen. Genau dies gilt auch für die Konzerne: Sie müssen ihre Rohdaten vollständig offenlegen. Nur so kann unabhängig untersucht werden, wie sicher gentechnisch veränderte Nahrungsmittel tatsächlich sind.
Auch Regulierungsbehörden wie die Efsa stehen in der Pflicht, sich aus den Fängen der Industrie zu befreien. Studien dürfen nicht länger mit verschiedenen Ellen gemessen und nach den gewünschten Resultaten beurteilt werden; darauf insistiert Séralini. Während ihm vorgeworfen wird, zu wenige und ausserdem die falschen Ratten eingesetzt zu haben, erhielt Monsanto dank einer Studie mit exakt derselben Zahl und Art von Ratten die Zulassung für den fraglichen Mais. «Wenn zehn Ratten pro Gruppe zu wenig sind, um einen toxischen Effekt nachzuweisen», so Séralini, «dann ist diese Zahl mit Sicherheit zu gering, um die Sicherheit zu beweisen.»