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In der Übersicht
Das Schlagzeug spielt eine zentrale Rolle in der westlichen Populärmusik; es ist ein fester Bestandteil der Instrumentierung. Songs ohne Schlagzeug kommen in diesen Genres kaum je vor. Die rhythmischen Muster des Schlagzeugs sind in hohem Mass relevant für die Definition eines regelmässigen Pulses und für die Etablierung einer stabilen taktmetrischen Ordnung an der sich die Körperbewegung der Tanzenden orientiert.
Im Projekt „The Fundaments of Groove“ gingen wir davon aus, dass das Schlagzeug für das Groove-Phänomen eine grosse Bedeutung hat. Wir untersuchten die Wirkung von 250 ikonischen Drumpatterns, gespielt von 50 der einflussreichsten Schlagzeuger in Funk, Rock, Metal, Fusion, R&B oder Pop.
Die Drum Beats wurden transkribiert und performative Aspekte (Timing, Dynamik) extrahiert. Schliesslich wurden die Patterns auf Basis von Samples als realistisch klingende Tonaufnahmen rekonstruiert. Die rekonstruierten Drumpatterns stehen anderen Forscherinnen und Forschern als einfach manipulierbare Hörbeispiele für weitere Experimente zur Verfügung (https://www.grooveresearch.ch/).
Die Groovequalitäten der rekonstruierten Drum Patterns wurden im Rahmen eines online durchgeführten Hörexperiments von 665 Hörerinnen und Hörern bewertet. Anhand der Bewertungen zeigten sich zahlreiche kleine rhythmische Effekte: Zum Beispiel erzeugten komplexere Schlagzeug-Rhythmen eine höhere Groove-Wirkung. Doch dieser Effekt hing massgeblich von der musikalischen Expertise der Umfrage-Teilnehmenden ab: Berufs- und Amateurmusikerinnen und -musiker reagierten positiv auf Komplexität, während sich die Laien genauso gerne zu einfachen Rhythmen bewegen wollten. Einen deutlich grösseren Einfluss hatte jedoch der persönliche Musikgeschmack: Die Teilnehmenden schätzten ein Schlagzeugmuster signifikant besser ein, wenn sie dachten, es stammt von einem Stil, den sie mögen oder von einem Song, den sie kennen.
Die Groove-Forschung suchte bisher nach universellen Faktoren, nach musikalischen Eigenschaften, die auf die Mehrzahl der Menschen eine ähnliche Wirkung haben. Die neuen Resultate stellen diesen Ansatz in Frage: Je nach stilistischem oder kulturellem Kontext können es völlig unterschiedliche Faktoren sein, die bei den Menschen den Wunsch auslösen, zu tanzen. Diesen Kontexte und Faktoren wird ein nächstes Projekt gewidmet sein. Zu diesem Zweck haben wir den Groove-Fragebogen überarbeitet, um geschmackliche besser von motorischen Reaktionen unterscheiden zu können. Der neue Fragebogen wird zurzeit im Rahmen einer breit angelegten Umfrage getestet: (https://www.hslu.ch/groove-questionnaire/ (Englisch). Die Projektresultate wurden in der Zeitschrift PLoS ONE veröffentlicht (siehe Publikationen).