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Der ägyptische Bildungssektor
- Ägypten ist mit einer wachsenden Bevölkerung von 93 Millionen Einwohnern ein junges und dynamisches Land. Der Mangel an wirtschaftlichen Perspektiven und Beschäftigungsmöglichkeiten führten jedoch zu sozialen Unruhen. Die neue ägyptische Regierung arbeitet daran, prioritär Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen. Die Investitionen in das öffentliche Schulsystem sind minimal.
- Die Primär-, Sekundär- sowie Tertiärbildung Ägyptens rangieren betreffend ihrer Qualität weit hinten (139/140) im World Economic Forum Global Competiveness Report von 2015. Für Schülerinnen und Schüler aus der Unterschicht und Mittelklasse gibt es nur wenige Alternativen zu den öffentlichen Schulen, die oft überfüllt sind.
- Langfristige Finanzierungsprogramme von traditionellen Banken für das Bildungswesen waren und sind so gut wie inexistent. Dies verschärft die angespannte Lage der öffentlichen Schulen. Dies führt zu einer Situation, in der sowohl die öffentlichen wie privaten Ausgaben die Bedürfnisse der jungen und wachsenden ägyptischen Bevölkerung nicht decken können.
- Aufgrund der Bürgerkriege in der Region kommt eine wachsende Zahl von Flüchtlingen nach Ägypten. Die vorhandenen Räumlichkeiten und Infrastrukturen werden aufs äusserste genutzt und sind zunehmend ausgelastet. Flüchtlingskindern ist der Zugang zum öffentlichen Bildungssystem verwehrt, was langfristig zu negativen Effekten führen wird.
Entwicklungseffekte im Überblick
- CIRA bietet ägyptischen Familien Bildungsdienstleistungen von hoher Qualität zu einem erschwinglichen Preis. Dies wird durch eine effiziente Bauweise und Struktur der Schulen sowie eine zentralisierte Managementplattform erreicht.
- In den Schulen von CIRA werden neue Technologien und Ausbildungskonzepte eingesetzt, welche als Vorbild für den gesamten ägyptischen Bildungssektor dienen. Indem CIRA Schülerinnen und Schüler parallel zum öffentlichen Schulsystem ausbildet, wird das überlastete öffentliche Schulsystem entlastet.
- Die Eigenkapitalfinanzierung durch Abraaj North Africa Fund II hat es CIRA erlaubt, weiter zu expandieren. Durch die Errichtung von mehreren neuen „Futures Schools“ und einer neuen Universität kann dem Bedürfnis der Mittelklasse nach einer qualitativ hochwertigen Bildung begegnet werden.
- CIRA hat ein Pilotprojekt lanciert und stellt die Räumlichkeiten der „Futures Schools“ nach dem regulären Schulschluss für den Unterricht von syrischen Flüchtlingen zur Verfügung. Diese zahlen einen stark reduzierten Tarif. Aktuell sind rund 800 Schülerinnen und Schüler in diesem Programm und nochmals so viele stehen auf der Warteliste. Die lokale syrische Flüchtlingsgemeinschaft begrüsst dieses Angebot sehr.
Der Beitrag von CIRA: Hilfe, um die Lücken im Bildungssystem zu füllen
Futures Schools
CIRA ist die grösste Bildungsgruppe in Ägypten, welche Schulplätze vom Kindergarten bis zur 12. Klasse anbietet. Unter der Marke „Futures Schools“ bestehen mehr als 20 Schulen. Die Gruppe hat ein kräftiges Wachstum hinter sich. Aktuell sind beinahe 20’000 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben. Jährlich steigt die durchschnittliche Zahl der eingeschriebenen Kinder und Jugendlichen um ungefähr 8 %. Per Ende 2016 betreibt CIRA 25 Schulen.
Eine Gruppe von Freunden startete 1992 die Aktivitäten von CIRA. Sie hatten die Vision, ein Bildungsmanagementunternehmen aufzubauen mit dem Ziel, der ägyptischen Mittelklasse Schulen anzubieten, welche die höchsten Qualitätsstandards erfüllen. Die ägyptische Mittelklasse umfasst rund die Hälfte der Bevölkerung. Neben den öffentlichen Schulen, welche notorisch überfüllt sind, gibt es nur begrenzt Alternativen für diese Schülerinnen und Schüler. Futures Schools bietet eine erschwingliche, qualitativ hochstehende Bildung, wobei der Lehrplan auch musische und handwerkliche Aktivitäten inklusive Technologieintegration oder Fremdsprachenunterricht vorsieht. Diese Optionen sind sonst kaum vorhanden oder nur zu sehr hohen Kosten.
Badr University in Kairo
Nach der Fertigstellung 2018 wird die Badr University in Kairo über 15 Fakultäten verfügen und Studienplätze für 20’000 Studierende anbieten können. Die Universität hat den Betrieb bereits 2014 mit rund 2000 Studierenden aufgenommen, die an fünf Fakultäten unterrichtet werden. Die Betriebszahlen sind positiv. Genauso wie bei der Schulbildung ist auch bei der privaten höheren Bildung der Bedarf enorm, da die öffentlichen Universitäten überfüllt sind und weil der Zugangsprozess notenabhängig ist. Aktuell vergibt die Regierung 50 Stipendien für Studierende der Badr University, was eine Anerkennung des Bedarfs wie auch der bereits hohen Qualität und der hohen Standards bedeutet. Zusätzlich kann die Badr University mit intern angebotenen Stipendien und einem effizienten Management-Ansatz eine zahlbare und hochstehende Ausbildung anbieten.
Entwicklung der Bildung
CIRAs ausgeprägte Professionalität und das stetige Wachstum erregten auch die Aufmerksamkeit des ägyptischen Bildungsministeriums. Bei mehreren Gelegenheiten hat das CIRA-Management mit der Regierung zusammengearbeitet, um Regierungs- und Militärschulen Schulungen und Unterstützung zu bieten. Dies ist ein Beweis für die klare Führungspraxis und die Standards bei CIRA. Zusätzlich stellt CIRA als Teil seiner Bemühungen, den nationalen Bildungssektor weiterzuentwickeln, im Internet kostenlos Bildungsangebote zur Verfügung, welche sowohl von Lehrern wie Schülern genutzt werden können. Aktuell werden rund 8 Millionen User erreicht.
Der Direktor und CEO von CIRA glaubt, dass die ägyptische Bildungslandschaft im Wandel ist. Er lanciert bereits Projekte im Hinblick auf die künftigen Bedürfnisse. Angesichts der überfüllten Schulen und des vermehrten Zugangs zum Internet hat der CEO ein Pilotprojekt gestartet, welches Selbststudium und traditionelle Schule kombiniert. Dies ist das erste kombinierte Lernprogramm in Ägypten und bietet 2,5 Tage Schule vor Ort und 2,5 Tage Schule via Internet von zu Hause aus. Das Programm „Mavericks“ fördert das Selbststudium der Schüler, nutzt die Schulressourcen und die Infrastruktur optimal und reduziert die Bildungskosten. 150 Studierende haben sich für das Programm angemeldet, welches im September 2016 startete.
CIRA geht einen Schritt weiter: Unterstützung für vernachlässigte Zielgruppen
Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für Frauen
Rund 50 % der ägyptischen Bevölkerung sind Frauen, aber sie repräsentieren nur 23 % der Arbeitskräfte. Frauen erhalten oft keine weitergehende Ausbildung und entscheiden sich, zu Hause im Haushalt zu arbeiten, ihre Kinder aufzuziehen und sich um ältere Familienmitglieder zu kümmern. Vielleicht gehen sie zusätzlich einer informellen Arbeit nach. CIRA ist es wichtig, die Frauen zurück in den Arbeitsmarkt zu bringen, sobald ihre Kinder in der Schule sind. CIRA bietet Müttern von Schülerinnen und Schülern eine Fachausbildung an, damit diese als Lehrerinnen und Hilfskräfte in den Futures Schools arbeiten können. Auf diesem Weg beschäftigt CIRA heute über 2600 Mitarbeitende, 1760 davon sind Frauen. CIRA fördert so die Geschlechtergleichheit, indem es Frauen hilft, eine Anstellung zu erhalten und ihnen Arbeitsmöglichkeiten im formalen Sektor bietet.
Bildung für Flüchtlinge
2015 lebten rund 130’000 registrierte syrische Flüchtlinge in Ägypten. Aufgrund der mangelhaften öffentlichen Finanzierung und der unbeständigen Politik der Regierung kämpfen die Flüchtlinge mit den alltäglichen Dingen des Lebens. Sie haben Probleme, eine bezahlbare Unterkunft zu finden, angemessene medizinische Unterstützung zu erhalten und ihren Kindern eine adäquate Bildung zu ermöglichen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat CIRA ein Pilotprojekt angestossen, welches breite Unterstützung geniesst. CIRA hat eine Abendschule für syrische Flüchtlingskinder eröffnet und nutzt dazu die bestehenden Räumlichkeiten der Futures Schools, welche nur während des Tages gebraucht werden. Unterrichtet werden die Kinder von Lehrkräften aus der syrischen Flüchtlingsgemeinschaft in Kairo. Der Schulunterricht dauert von 15 bis 19 Uhr. Das Schulgeld kann so tief gehalten werden. Das Projekt ist ein Erfolg. 800 Schülerinnen und Schüler nehmen daran teil, mehr als 1000 stehen auf einer Warteliste. CIRA arbeitet daran, die Zustimmung der Regierung zu erhalten, um dieses Modell auf weitere Schulen auszudehnen.
Der Beitrag des Fonds: Unterstützung für Qualitätsinstitutionen und Erhöhung der Standards
Finanzierung der Expansion von Schulen
Schulen in Ägypten sind üblicherweise einzelne Unternehmen in Familienbesitz. Aus diesem Grund ist die langfristige Finanzierung durch Bildungsbanken praktisch inexistent. Auch CIRA kämpfte vor der Investition durch ANAF II damit, Wachstumskapital für die nötige Expansion zur Deckung der Nachfrage und einen Investor zu finden, welcher auch die Werte von CIRAs Mission unterstützte: Bildung von hoher Qualität in allen Futures Schools anzubieten. Es war das Wachstumskapital von ANAF II, welches CIRA das weitere Wachstum ermöglichte, aber es war zusätzlich die Unterstützung durch das ANAF-Team, welches das Wachstum mit der Mission verband.
Verbesserung der Managementkompetenzen
Das Abraaj-Nordafrika-Team unterstützt das CIRA-Management kontinuierlich, insbesondere bei der Verbesserung der administrativen Abläufe sowie den Finanzaufgaben und -systemen. Diese internen Systeme fördern die Professionalität von CIRA und erlauben es dem Unternehmen, das stetige Wachstum zu handhaben. Da das Abraaj Team vor Ort verankert ist, kann es Unterstützung und relevante Ratschläge auf täglicher Basis geben, wobei ihm zusätzlich sein lokales Netzwerk zur Verfügung steht.
Unterstützung von guter Unternehmensführung (Good Governance)
CIRA hat schon mehrfach gezeigt, dass es Praktiken guter Unternehmensführung anwendet. Seit der Investition durch ANAF II wurden diese Praktiken verstärkt und verbessert. Die CIRA-Aktionäre arbeiten mit dem Team von Abraaj North Africa zusammen, um die interne Infrastruktur und die Prozesse weiter zu verbessern und so mit dem schnellen Wachstum des Unternehmens Schritt zu halten. Dazu gehört die Zentralisierung von internen Kontrollen sowie die fortgesetzte Offenlegung der Finanzen, wie CIRA dies bereits praktiziert. Die Anwendung dieser Praktiken der guten Unternehmensführung durch CIRA ist beispielhaft in Ägypten. Sie erhöht die Leistungsfähigkeit und die Professionalisierung des privaten Bildungssektors.