Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03176.jsonl.gz/666

Seit 2012 ist die Temperatur am Grund des Genfersees um ein Grad gestiegen. Dies sei beträchtlich, hielt Nicole Gallina, die Generalsekretärin der CIPEL, fest. An der Oberfläche erreichte die durchschnittliche Wassertemperatur im Jahr 2022 13,6 Grad, was einem Anstieg von 1,2 Grad innerhalb von dreissig Jahren entspricht.
2022 war durch einen Hitzerekord gekennzeichnet. Das Jahr wies ausserdem geringe Niederschlagsmengen und eine hohe Sonneneinstrahlung auf. Diese Bedingungen führten dazu, dass die Temperatur der Oberflächenschicht des Sees zwischen null und zehn Metern die monatlichen Normen ständig überschritt.
Die Seltenheit strenger Winter mit windigen Episoden verhinderte eine vollständige Durchmischung des Wassers des Genfersees. Dadurch wurde die Sauerstoffversorgung der tieferen Schichten des Sees behindert. Heute gebe es in der Tiefe nicht mehr genug Sauerstoff, um die Anwesenheit von lebenden Organismen zu ermöglichen, stellte Gallina fest.
Gestörte Nahrungskette
Aufgrund der fehlenden Durchmischung sammeln sich die Nährstoffe, die für die Entwicklung von Phytoplankton unerlässlich sind, in der Tiefe an. Phytoplankton ist jedoch die Grundlage der Nahrungskette, erklärt die Generalsekretärin der CIPEL. Die Biodiversität des Sees sei somit gefährdet.
Auch die Wasserqualität wird laut dem wissenschaftlichen Bericht unter der globalen Erwärmung leiden. Der Genfersee ist eine Trinkwasserquelle für ein Einzugsgebiet von einer Million Einwohnern. Wenn das Wasser nicht mehr trinkbar sei, müsse es aufbereitet werden und werde teurer im Verbrauch.
Laut dem Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) sind die alpinen Seen anfälliger für den Klimawandel als andere Gewässer. Sie erwärmen sich vier- bis fünfmal schneller als die Ozeane. Bei der derzeitigen Geschwindigkeit könnte die Temperatur ihres Wassers bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,8 Grad steigen.
Der Genfersee sei eine Oase der Erfrischung, erklärte Gallina. Das Auftreten invasiver Arten und die Verschlechterung der Wasserqualität könnten dazu führen, dass er diese Funktion verliert. Das Baden könnte problematisch werden, und auch die Berufsfischerei könnte stark darunter leiden.