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Vor 50 Jahren war die Panflöte im Westen völlig unbekannt. Die Etablierung der Panflöte in der westlichen Welt kam langsam aber stetig. Spätestens durch Quentin Tarantino’s «Kill Bill» erlangte das Instrument seinen Ruhm in Europa. Ich gehe noch weiter: Würde Johann Sebastian Bach heute noch leben, würde er Werke für Panflöte schreiben.
Das Musikstudium im Fach Panflöte war einzig in Rumänien möglich. Der Vater der modernen Panflöte, Fănică Luca, unterrichtete an der Musikhochschule in Bukarest seine ersten Studenten im Jahr 1949. Einer seiner Studenten war der weltberühmte Gheorghe Zamfir, welcher in den 70gern die Panflöte mit dem Song «Der einsame Hirte» von James Last nach Westeuropa brachte. Zamfir lebte einige Jahre in Bad Ragaz und machte in den 80ern das Instrument in der Schweiz sehr populär. Panflötenbauer und Panflötenlehrer schossen wie Pilze aus dem Boden und vermittelten ihr Knowhow nach dem Prinzip «Laie unterrichtet Laie» in der Schweiz. Ein weiterer Student von Fănică Luca, es war Nicolae Pîrvu, brachte die Panflöte nach Holland. An der Hochschule für Künste war es neben Rumänien das zweite Land, welches ein Studium im Fach Panflöte ermöglichte. In der Schweiz hatte die professionelle Panflöte vor rund 20 Jahren Fuss gefasst und ermöglichte Studiengänge erst beim SMPV und später an der Hochschule in Luzern sowie an der Fachhochschule Kalaidos.
Der Klang der Panflöte berührt die Seele und gehört wohl zu den komplexesten Instrumenten mit einem facettenreichem Laut. In Rumänien hat der Student die Möglichkeit, sich zwischen den Musikrichtungen Klassik oder Folklore zu entscheiden. In der Schweiz hingegen ist nur ein klassisches Studium möglich. Im technischen Bereich erreichen die heutigen Interpreten immer wieder Höchstleitungen. Es ist beeindruckend, was man mit 22 Bambusröhren realisieren kann. Arbans «Karneval von Venedig», welches für Trompete komponiert wurde, spielte Cornel Pana erstmals ende 90er im Originaltempo auf der Panflöte. Später war es sogar der «Hummelflug» von Korsakow! Auch Bach hätte wohl Freude gehabt seine H-Moll Suite von Simion Stanciu zu hören. Ich bin überzeugt, er hätte sie für Panflöte komponiert.
An unserer Schule unterrichte ich derzeit ein Kind, welches mit 6 Jahren begann, die Panflöte zu spielen. Das scheint auf den ersten Blick etwas früh zu sein, doch ich sehe kein Argument, das dagegenspricht, in diesem Alter mit dem Unterricht zu starten. Bereits nach 5 Monaten spielte der junge Nachwuchskünstler am ersten Schülerkonzert.
Melodien für Panflöte sind übrigens auch im Jazz und Pop zu finden. Mir persönlich gefällt die Folklore sehr gut und weiss auch die Kinder zu begeistern, wenn es darum geht, ein möglichst breites Spektrum an musikalischen Optionen zu erkunden.
Am letzten Wochenende des Septembers (23.-25.9.2022) findet in den Räumlichkeiten der Musikschule Zürcher Unterland das vierte «PanflötenFestival Schweiz» statt. Hier gibt es viel Neues zu hören und zu entdecken: Konzerte, Ausstellungen und Workshops. Anerkannte Panflötenprofis aus der Schweiz, Liechtenstein und aus Holland treten ins Rampenlicht und zeigen die Vielfalt der Panflöte auf höchstem Niveau, in verschiedenen Besetzungen und natürlich mit Leidenschaft. Das «PanflötenFestival Schweiz» ist auch für Nichtpanflötisten eine spannende Entdeckungsreise und ein Besuch wert.