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Bernhard Luginbühl hatte ein Faible für Tiere und für die Maschinenästhetik des Industriezeitalters. Aus Eisen, Stahl und Schrott schweisste er seine oft sperrigen Plastiken und Fantasiegeschöpfe zusammen. Die schiere Grösse und die rohe Poesie dieser Arbeiten machten ihn zu einem der populärsten Plastiker in der Schweiz seit den 1960er-Jahren. Neben einem rund 1500 Plastiken umfassenden bildhauerischen Œuvre schuf er ein umfangreiches druckgrafisches Werk.
Die ersten Arbeiten Luginbühls entstanden in den späten 1940er-Jahren während seiner Bildhauerlehre, die der gebürtige Berner allerdings vorzeitig abbrach, um als freier Künstler zu arbeiten. Ab Mitte der 1950er-Jahre wechselte er von Holz und Stein zu Eisenschrott als bevorzugtem Material. Den Blick geschult an Werken abstrakt arbeitender Bildhauer wie Alexander Calder oder Eduardo Chillida, entwickelte er eine Formensprache, die die Urkraft des Materials atmete, aggressiv und zart zugleich, machtvoll und träge, organisch und technoid. Ein schönes Beispiel dafür ist Luginbühls Flügelmutterfigur von 1986 aus der Sammlung der Mobiliar. Was aus der Ferne wie eine gigantische Indoor-Tiefpumpe wirkt, erweist sich bei näherer Betrachtung als tonnenschwere Komposition von geradezu tänzerischer Leichtigkeit, ausgestattet mit dem typischen elefantenohrartigen Aufsatz seiner Flügelmutter-Plastiken. Neben dieser raumgreifenden Arbeit und der kleineren Elefantenplastik Nimrod III (1992) verfügt die Mobiliar über mehrere Kupferstiche – darunter das frühe Blatt Weiser Mann und Punch, das 1969 zeitgleich mit der Grossplastik Osaka Punch Japan entstand und auf exemplarische Weise davon erzählt, wie Luginbühl die zweidimensionale Druckgrafik zunächst zur Reflexion seiner bildhauerischen Arbeit nutzte, bevor sich diese Verbindung allmählich auflöste und die Grafiken zunehmend unabhängig von seiner plastischen Arbeit entstanden. Einen eigenen Sog ins Fantastische entfalten so etwa aus der Kupferstichserie Figurenschnittmuster die Linienstrukturen der Blätter I (1992), III (1993), IV (1993) und VI (1996), aber auch die Wucherungen aus Bändern, Spiralen, Zahnrädern und Sägeblättern der Serigrafie Fanal (1993).
Bernhard Luginbühl, der ab 1966 in Mötschwil im Emmental lebte und arbeitete, verstand Kunst immer auch als soziale Praxis und beharrte auf ihrer Nähe zum realen Leben – ob beim Happening auf dem Dorfplatz oder auf den internationalen Bühnen der Biennale von Venedig 1972 oder der documenta 7 von 1982, an denen er teilnahm.
Bernhard Luginbühl wurde 1929 in Bern (CHE) geboren und starb 2011 in Langnau im Emmental (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Eisenplastik, Kupferstich, Zeichnung, Aktionskunst, Siebdruck