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Einer Entdeckung, einem Prinzip, Syndrom oder Effekt den eigenen Namen anzuhängen, ist in der Welt der Wissenschaft eine besonders ehrenvolle Errungenschaft. Nach dem Physiker Wolfgang Pauli etwa wurde nicht nur das Pauli-Prinzip benannt, das in der Quantenmechanik zum Tragen kommt, sondern auch der sogenannte Pauli-Effekt. Er beschreibt den kuriosen Umstand, dass bei Anwesenheit des Physikers in unüblicher Häufigkeit wissenschaftliche Apparate zu Bruch gingen, und besagt in verallgemeinerter Form: «Es ist unmöglich, dass sich Wolfgang Pauli und ein funktionierendes Gerät im selben Raum befinden.»
Wissenschafter beweisen aber auch viel Willen zum Unsinn, wenn es darum geht, sich selber Namen für ihre Entdeckungen einfallen zu lassen. Das ist besonders der Fruchtfliege Drosophila Melanogaster zum Verhängnis geworden, die seit über hundert Jahren eines der beliebtesten Forschungsobjekte der Genetik darstellt. In ihrem Erbgut, das aus nur acht Chromosomen besteht, kommen rund 75 Prozent der Gene vor, die beim Menschen als Ursache einer Erkrankung bekannt sind. Zudem ist sie bezüglich Haltung und Vermehrung sehr anspruchslos, wie jeder unfreiwillige Küchengenetiker bestätigen dürfte.
Die spezifische Funktion eines Fruchtfliegen-Gens wird in einem Rückschlussverfahren durch seine Mutationen bestimmt, da diese relativ leicht erkennbare Veränderungen im Phänotyp der Fliege bewirken. Traditionellerweise wird das Gen nach den Eigenschaften dieses Mutanten benannt. So wurde eine Reihe von Mutationen, die in der Drosophila Sterilität bewirkten, nach europäischen Königshäusern benannt, die ähnliche Probleme hatten. Führte eine Mutation dazu, dass die äusseren Geschlechtsteile fehlten, taufte der Entdecker das betreffende Gen einfach «Ken and Barbie». Auf ähnlich inspirierte Weise kamen Gene wie «Klumpfuss», «Spätzle» oder «Dachshund» zu ihren Namen. Es finden sich auch Anleihen aus der Popkultur: Der Wegfall eines bestimmten Gens führte zu einem Embryo, dem das Herz fehlt – kurzerhand wurde das Gen «Tinman» getauft, nach dem Blechmann aus «Der Zauberer von Oz». Weniger Fantasie bewies die spätere Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, als sie 1985 das Toll-Gen entdeckte, das bei der Embryogenese eine wichtige Rolle spielt. Beim Anblick einer deformierten Fliegenlarve liess sie sich zum Ausruf hinreissen: «Das ist ja toll!» Und dank eines Gens, dessen Mutation in einem durchlöcherten Gehirn resultiert, stösst man auch in der Fachliteratur auf charmante Studientitel wie «Swiss Cheese Mutant Causes Brain Degeneration».
Das Prozedere der freien Assoziation hat allerdings zuweilen heiklere Nebeneffekte. Gene der Drosophila spielen nicht selten beim Menschen einen vergleichbaren Part. Früher wurde ihr Name einfach übernommen, was einen Arzt in die unangenehme Situation bringen konnte, seinem Patienten erklären zu müssen, dass ein nach einer Videospielfigur benanntes Gen zu seinem Ableben führen könnte. Es gab auch Fälle, in denen das bei der Taufe Pate stehende Objekt selber in ein ungünstiges Licht gerückt wurde: Als das Gen «Pokemon» mit Krebserkrankungen in der Fruchtfliege in Verbindung gebracht werden konnte, waren japanische Unternehmer wenig erfreut, dass diese Erkenntnis dramaturgisch verknappt als «Pokemon verursacht Krebs» in den Medien kursierte. Sie forderten eine Umbenennung, deshalb fristet das Gen heute ein unprominentes Dasein als: Zbtb7.