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Aussenwacht Gotzenwil ob Seen
Gotzenwil, am östlichen Rand der Stadt gelegen, ist heute eine von Äckern und Wiesen umgebene Wohnsiedlung. Auch wenn noch einige ehemalige Bauernhäuser in der Seemer Aussenwacht stehen, überwiegen die in den letzten zwanzig Jahren gebauten Reiheneinfamlienhäuser.
Gotzenwil wurde im Jahr 869 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name geht auf einen Vogt namens Cozzot zurück, nach dem der Weiler „Cozzoltwilare“ genannt wurde. Anfänglich gehörte der Hof dem Kloster St. Gallen, später unter anderem den Grafen von Kyburg. 1398 ging der Hof „Gozatwille“ in den Besitz des Klosters Beerenberg in Wülflingen über. Nach der Reformation wurden auch die Güter des aufgelösten Klosters in Gotzenwil von der Stadt Winterthur übernommen. Im Laufe der Jahre wechselte der Hof häufig den Pächter, da diese weiterhin hohe Belastungen wegen der jährlichen Grundzinsen und dem „Zehnten“ zu ertragen hatten. Schon im 17. Jahrhundert tauchen die Familiennamen Ott und Zehnder in den Verzeichnissen auf, Familien deren Nachfahren heute noch in Gotzenwil wohnen.
Nach der französischen Revolution wurde der frühere Hof in mehrere Einzelbetriebe aufgeteilt. Diese gehörten allerdings keiner Gemeinde an. Erst 1868 schlossen sie sich – inzwischen zum Weiler angewachsen - der Zivilgemeinde Iberg an. 1921 wurde Iberg, und somit auch Gotzenwil, mit der Stadt Winterthur vereinigt, beziehungsweise von dieser eingemeindet.
Wie in Iberg ist um die Jahrtausendwende auch in Gotzenwil viel gebaut worden, vor allem Reiheneinfamilienhäuser. Und wie in Iberg hat die Bevölkerung in dieser Zeit markant zugenommen, von 300 im Jahre 1990 auf 660 zwanzig Jahre später.
In neuerer Zeit geriet Gotzenwil zweimal in die politischen Schlagzeilen. Geplant war am südlichen Rand Anfang der Nullerjahren eine weitere Überbauung mit rund 150 Wohnungen. Dazu wäre eine Umzonung der dortigen Landparzellen nötig gewesen, die aber in einer Volksabstimmung deutlich abgelehnt wurde. Und 2010 wurde bekannt, dass der Stadtrat rund 30 Hektaren Land zwischen Gotzenwil und Oberseen als Baulandreserve belassen wollte, entgegen den Bestrebungen des Kantons. Dazu gab es schon detaillierte Studien und Überbauungsvorschläge. Aufgrund heftiger Opposition aus der Bevölkerung machte die Stadtregierung jedoch einen Rückzieher. Das betreffende Gebiet ist jetzt im kantonalen Richtplan als Landwirtschaftsland verzeichnet.
Text: Jean-Pierre Gubler