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Vitamin K-ProphylaxeInhaltsverzeichnis
Autoren: Dr. med. M. Stocker
Version: 04/03
In der Schweiz erhalten über 99% aller Neugeborenen eine orale Vitamin K-Prophylaxe am 1. und 4. Lebenstag entsprechend den Richtlinien, die 1994 publiziert wurden. Die prospektive Überwachung der Inzidenz von Vitamin K-Mangelblutungen in der Schweiz hat gezeigt, dass Blutungen in der ersten Woche gänzlich verschwunden sind. Die Zahl von sogenannten Spätblutungen, die nach der ersten Lebenswoche bis zum 6. Lebensmonat auftreten können, ist wohl zurückgegangen, aber nicht ganz verschwunden (2.6/100'000 in den letzten 6 Jahren).
14 von 19 in den letzten 6 Jahren von Spätblutungen betroffene Kinder hatten ein angeborenes Leberleiden, das erst nach Auftreten der Blutung diagnostiziert wurde. Die Hoffnung, mit der neuen wasserlöslichen galenischen Form von oralem Vitamin K auch Kinder mit einem noch unentdeckten cholestatischen Grundleiden zu schützen, hat sich somit nicht ganz erfüllt. Bei 6 der 19 wurde die Vitamin K-Prophylaxe nicht durchgeführt.
Unterlassung oder Verweigerung der Vitamin K-Prophylaxe erhöht das Risiko einer Spätblutung um das 50-fache
Erfahrungen in anderen Ländern zeigen bessere Resultate: Die intramuskuläre Verabreichung von Vitamin K nach der Geburt schützt praktisch zu 100%, ebenso die tägliche Zufuhr von geringen Mengen (25 mg/Tag). Solche Mengen werden den Formula-Milchen zugesetzt und werden z.B. in Holland für voll gestillte Kinder als täglicher Zusatz empfohlen. In Deutschland ist die Prophylaxe mit 3 peroralen Dosen Vitamin K üblich. Das Auftreten von Spätblutungen konnte zwar nicht völlig verhindert werden. Betrachtet man nur diejenigen Kinder, bei denen die Prophylaxe mit Konakion® MM durchgeführt wurde, ist die Inzidenz aber um das 6-Fache tiefer als in der Schweiz (0.44/100'000).
Die umstrittene präpartale Vitamin K-Verabreichung an Schwangere, die enzyminduzierende Medikamente einnehmen, wird nur noch in ganz speziellen Fällen empfohlen (vgl. Sondersituationen).
Wegen der immer noch erhöhten Inzidenz von Spätblutungen in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern wurden auf den 1.1.2003 von der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie, der schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe neue Empfehlungen erarbeitet. Dieses Merkblatt basiert auf diesen neuen Empfehlungen. Aus Gründen der Praktikabilität wird in der Schweiz neu ebenfalls eine dritte Dosis empfohlen, die im Alter von einem Monat anlässlich der ersten Vorsorgeuntersuchung verabreicht wird. Die Vitamin K-Gaben sollen ins Gesundheitsheft eingetragen werden.
|Neugeborene ohne i.v.-Zugang|
|Alter||Zeitpunkt||Dosis|
|4 Stunden||nach der Geburt||2 mg Konakion® MM oral|
|4 Tage||mit dem Screening-Test "Guthrie"||2 mg Konakion® MM oral|
|4 Wochen||mit der Vorsorgeuntersuchung 1 Monat||2 mg Konakion® MM oral|
|Neugeborene mit i.v.-Zugang|
|Alter||Zeitpunkt||Dosis|
|4 Stunden||nach der Geburt||0.5 mg Konakion® MM i.v. (i.m.)|
|4 Wochen||mit der Vorsorgeuntersuchung 1 Monat||2 mg Konakion® MM oral|
Schwangere Frauen, die unter einer Dauermedikation mit enzyminduzierenden Medikamenten (Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepine, Primidone, Rifampicin, INH) stehen, benötigen in der Regel keine antenatale Vitamin K-Substitution.
Ausnahmen, bei welchen die Gabe von 20 mg/Tag Konakion® MM oral 7-10 Tage vor der erwarteten Geburt indiziert ist, sind
- geplante vorzeitige Entbindung (< 37 SSW) und Einnahme von enzyminduzierenden Medikamenten
- Hepatische Grunderkrankung der Mutter und Einnahme von enzyminduzierenden Medikamenten
- Kombinationstherapien von enzyminduzierenden Medikamenten
Gestillten Kindern, deren Mütter unter Phenprocoumon (Marcoumar®) stehen, soll wöchentlich 1 mg Konakion® MM oral zugeführt werden. Der kurzen Halbwertszeit wegen ist diese Vorsichtsmassnahme beim Einsatz von Acenocoumarol (Sintrom®) nicht notwendig.
Beobachtet man beim Säugling einen Ikterus prolongatus (sichtbar gelbe Haut nach dem 14. Lebenstag), so soll eine Cholestase ausgeschlossen werden. Liegt beim Kind eine Grundkrankheit mit gestörter Vitamin K-Resorption vor, muss entsprechend substituiert werden. Bei jedem Säugling mit Blutungen ohne ersichtliche Ursache ist eine Thromboplastinzeitbestimmung (Quick oder INR), allenfalls eine erweiterte Gerinnungsabklärung, angezeigt.
Quellen:
- Schubiger G. et al. Vitamin K-Prophylaxe bei Neugeborenen: Neue Empfehlungen. Paediatrica 2002; 13(6): 54-55 (PDF)