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«Wer ist Dr. Ruth» fragt Dr. Ruth Westheimer in der ersten Filmsequenz den Amazon-Sprachassistenten «Alexa» und «Alexa» weiss die Antwort: «Ruth Westheimer, besser bekannt als Dr. Ruth, ist eine in Deutschland geborene jüdische Immigrantin in den USA, die als Sexualtherapeutin zur festen Grösse im Late-Night-TV und Popkultur-Ikone wurde. Ausserdem ist sie Medien-Persönlichkeit und Autorin zahlreicher Sachbücher zum Thema Sexualität.»
Selten hat mich eine Dokumentation so sehr unterhalten wie diese. In den 95 Minuten kommt keine Sekunde Langeweile auf. Dafür sorgen die quirlige Hauptdarstellerin und die Machart des Films.
Er wird auf verschiedenen Ebenen erzählt. Zum einen im Jetzt, von ihr selbst – zum anderen werden immer wieder alte Filmausschnitte oder Bilder ihrer Laufbahn eingeblendet. Zusätzlich werden ihre Kindheit und die Jahre als junge Frau, bis zu dem Zeitpunkt als sie von Paris nach Amerika immigriert, mit schönen, emotional animierten Sequenzen belebt
Geboren wird Ruth Westheimer 1928 als Karola Siegel. Die ersten 10 Jahre ihres Lebens beschreibt sie als ideal. Nach einem Vorfall 1933, als ihr Vater von den Nazis aus der Wohnung geholt wird, schicken ihre Eltern, aktive Mitglieder der jüdischen Gemeinde, sie als 10-Jährige mit einem Kindertransport in die Schweiz. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges verbringt sie im Kinderheim Wartheim in Heiden. Ihren Jugendfreund, Walter Nothmann bezeichnet sie als wichtigste Person in ihrem Leben in Heiden. Mit seiner Hilfe kann sie weiter lernen, da es den Mädchen nicht mehr erlaubt war die Oberschule zu besuchen. Überhaupt wird im Film immer wieder klar, wie wichtig Bildung für sie ist.
Nach Kriegsende wird die 17-Jährige nach Palästina verschifft. Dort wird sie Scharfschützin in der Hagana (zionistische paramilitärische Untergrundorganisation).
An ihrem 20. Geburtstag verliert sie beinahe beide Beine durch eine Bombe. Im Film befiehlt sie dem Kameramann, dem Publikum zu zeigen, wie schnell sie jedoch heute wieder laufen kann.
1951 geht sie mit ihrem ersten Ehemann, David; nach Paris. Dort besteht sie die Aufnahmeprüfung an die Sorbonne und studiert am Institut für Psychologie. Da ihr Ehemann zurück nach Israel will, Ruth jedoch ihr Studium beenden möchte, bleibt sie alleine in Paris und lässt sich von David scheiden.
Mit Mann Nummer Zwei, Dan, bekommt sie ihr erstes Kind, Tochter Miriam, und immigriert 1956 nach Amerika. Diesen sehnsüchtigen Wunsch kann sie sich aufgrund einer Gutmachungszahlung aus Deutschland leisten.
1958 trennt sie sich auch von Dan, und wird lieber alleinerziehende Mutter als sich mit einem Mann, der sie intellektuell nicht fordert, zu langweilen.
Einer der vielen amüsanten Sprüche, die sie im Film an dieser Stelle beiläufig fallen lässt ist: «Er bekam das Auto, ich das Kind».
Zu diesem Zeitpunkt war sie in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht konnte und verdiente 1 Dollar pro Stunde als Hausmädchen.
Mit ihrem Dritten Mann, Fred, den sie 1961 heiratet, wird sie bis zu seinem Tod 1997 glücklich verheiratet bleiben. Mit ihm bekommt sie ihren Sohn Joel.
Anfang der 80er Jahre tritt sie dann als «Dr. Ruth» an, um öffentlich über Sexualität zu reden. Das tat sie so beherzt, unverblümt und professionell, dass es vielen Leuten die Schamesröte ins Gesicht trieb. Sie stellte die weibliche Lust in den Fokus und erklärte vor laufender Kamera äusserst präzise, wie diese zu erzeugen sei.
Hier beginnt der Teil der Doku, in dem ihre berufliche Laufbahn erläutert wird. Dieser ist mindestens so beeindruckend wie ihre eigentliche Lebensgeschichte.
Die Themen, die für Dr. Ruth immer besonders wichtig waren – unter anderem Aids, Abtreibung und Homosexualität – haben bis heute nichts an Aktualität und Wichtigkeit verloren.
Tipp von Claudia Rodriguez, Mitarbeiterin GIBZ Mediathek (ursprünglich erschienen als Filmtipp in der Zuger Zeitung vom 01.07.2021)
Hinweis: Die DVD steht in der Mediathek im Dokfilm-Bestand unter 618, zudem hat es im Spezialregal “For boys & girls only” weitere Medien zum Thema Sexualität
Fragen Sie Dr. Ruth (DVD)
Ein Ryan White Film ; mit Dr. Ruth Westheimer
EuroVideo Medien GmbH, 2020, ca. 95 Min.
EAN 4009750200087