Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/215208

<h2>SubmittedText<h2><p>Gemäss Daten des BAG starben viele Menschen im Zeitraum Mitte März bis Ende April, seither sind kaum noch Covid-positive Todesfälle zu verzeichnen (exakt 64 von den total 1747 Todesfällen seit Ende Mai). Die Anzahl der neuen positiven Tests ist ein höchst trügerischer Indikator für den Verlauf der Infektionen. In den letzten 7 Tagen wurden gemäss BAG von 86 030 durchgeführten Tests etwa 3100 positive Tests verzeichnet, was einer Positivitätsrate von 3,6 Prozent entspricht.</p><p>Es ist aber unbestritten, dass die verfügbaren Tests nicht perfekt sind. Je nach Quelle werden für die Spezifität der aktuellen PCR-Tests Werte von nur gerade 95 Prozent angegeben, was die Möglichkeit von bis zu 5 Prozent "False Positives" bedeuten würde. Die gemessene Positivitätsrate beläuft sich also deutlich innerhalb des zu erwartenden Fehlerbereichs der Tests und muss daher auch nicht bedeuten, dass tatsächlich viele Leute infiziert sind. Gemäss Schätzungen handelt es sich denn auch bei etwa 80-90 Prozent der positiv getesteten um False Positives, also Personen die eigentlich gar nicht infiziert sind.</p><p>Die Problematik dieser unzuverlässigen Tests ist, dass man damit rein schon aus mathematischen Gründen nie auf eine tiefe Anzahl positiver Fälle kommen kann, solange in grossem Umfang getestet wird. Folglich ist es also sinnfrei, die Bevölkerung täglich mit der Anzahl neuer positiver Tests zu schrecken. </p><p>1. Welche Daten über die Genauigkeit der PCR-Tests liegen dem BAG vor und weshalb werden diese nicht publiziert?</p><p>2. Wie setzt sich die prozentuale Verteilung der verwendeten Tests zusammen und wie hoch sind jeweils pro Testkategorie Sensitivität und Spezifität?</p><p>3. Unter Berücksichtigung der Spezifität der Tests, wie hoch schätzt das BAG den Anteil der False Positives unter den positiven Testresultaten?</p><p>4. Falls keine Daten zu Testgenauigkeit vorliegen, worauf stützt sich die Einschätzung des BAG, bei wie vielen positiven Tests es sich tatsächlich um infizierte Personen hält?</p><p>5. Unter Berücksichtigung dieser Spezifität ist eine gewisse Quote positiver Tests zu erwarten, auch wenn keine einzige Person infiziert wäre. Wie gedenkt das BAG diesem Umstand bei der zukünftigen Kommunikation der täglichen Fallzahlen Rechnung zu tragen?</p><p>6. Welche Kennzahlen hält das BAG als geeignet zur Kommunikation der täglichen Situation, gegeben dass die Anzahl Neuinfektionen stark durch False Positives verfälscht ist?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p><b>1 und 2.</b> Die Erfüllung der Qualitäts- und Validierungsanforderungen an diagnostische Tests muss von den Herstellern vor dem Inverkehrbringen sichergestellt werden. Rechtlich gesehen müssen die Laboratorien eine Implementierung gemäss der Guten Laborpraxis für Mikrobiologie gewährleisten.</p><p>Zurzeit werden in der Schweiz verschiedene Tests von den zugelassenen qualifizierten Laboratorien eingesetzt. Es gibt Hunderte von Tests auf dem Markt, und eine zentralisierte Aufzeichnung der Validierungsdaten und der individuellen Leistung der verschiedenen verwendeten Tests erfolgt weder in der Schweiz noch in Europa. Alle Tests, die auf den Markt gebracht werden, müssen jedoch die gesetzlich festgelegten grundlegenden Anforderungen erfüllen, stehen bei Beobachtung oder Meldung von Problemen unter Kontrolle und werden mittels verschiedener organisierter Studien oder Bewertungs- und Verifizierungsverfahren in den zuständigen Laboratorien und Spitälern evaluiert und verglichen. Die von der zuständigen Bundesstelle in den Laboratorien durchgeführten Inspektionen ermöglichen zudem, die Einhaltung der Guten Laborpraxis bei der Einführung und Anwendung von Analysesystemen sowie die Ergebnisse zu überprüfen, die im Rahmen von organisierten Ringversuchen oder Qualitätskontrollprogrammen mit Beteiligung von Schweizer Laboratorien erzielt werden. Die von den Laboratorien gemeldeten Ergebnisse werden daher vom BAG als zuverlässig erachtet.</p><p>Das BAG verfügt weder über die Validierungsdaten noch über die Ergebnisse der Qualitätsbewertungen und kann diese daher nicht veröffentlichen. Eine Datenbank auf europäischer Ebene (EUDAMED), in die die Schweizer Laboratorien eingebunden werden sollen, ist in Vorbereitung.</p><p><b>3, 4 und 5.</b> Das BAG veröffentlicht die von den Laboratorien bereitgestellten Ergebnisse in transparenter Weise. Es publiziert keine Falsch-Positiv-Zahlen. </p><p>Gleichwohl ist der PCR-Test derzeit die weltweit am weitesten verbreitete Methode und stellt einen "Goldstandard" dar. Die PCR-Methoden gelten als die leistungsstärksten Analysen, um zu bestimmen, ob ein Erreger in einer Probe vorhanden ist. Darüber hinaus verwenden die meisten Laboratorien in der Schweiz so genannte "Multiplex-Tests", das heisst mehrere Targets oder Zielregionen im Virusgenom werden gleichzeitig amplifiziert. So lässt sich bestätigen, dass die getestete Person tatsächlich positiv ist, was die Wahrscheinlichkeit für falsch positive Ergebnisse verringert. Die Schätzung von 80-90 Prozent falsch positiver Ergebnisse trifft daher nicht zu. Allerdings können mehrere Faktoren das Ergebnis eines PCR-Tests beeinflussen. Die Qualität des Abstrichtupfers und des Transportmediums, die Durchführung des Abstrichs und die Zeit bis zum Eingang der Probe im Labor können das Endergebnis beeinflussen. Jede Person, die positiv getestet wird, gilt aus Sicht des BAG als infiziert.</p><p><b>6.</b> Das BAG veröffentlicht regelmässig die Zahl der durchgeführten Tests und der positiven Tests, die Positivitätsrate sowie die Anzahl der Neuhospitalisierungen und der Todesfälle. Diese Daten liefern ein Gesamt- und Echtzeitbild der Entwicklung der Pandemie in der Schweiz.</p>  Antwort des Bundesrates.