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Nach dem Ausscheiden im Penaltyschiessen gegen Kroatien sind die japanischen Spieler am Boden zerstört und gehen sehr hart mit sich selber ins Gericht. "Ich entschuldige mich, dass wir die Menschen dieses neue Szenario eines Viertelfinals nicht erleben lassen konnten", sagte Flügelspieler Junya Ito. Und einer der fehlbaren Schützen, Kaoru Mitoma, fügt zerknirscht hinzu: "Mir hat alles in diesem Spiel gefehlt."
Seit Südkorea 2002 an der Heim-WM dank eines euphorisierten Publikums und fragwürdiger Schiedsrichterentscheiden in den Halbfinal stürmte, schaffte es kein asiatisches Team mehr unter die besten acht. Ausser dem nach dem Wechsel Australiens in den asiatischen Verband ohnehin chancenlosen Ozeanien steht kein Kontinentalverband schlechter da. Dabei hatte es bei der zweiten WM in Asien durchaus viel versprechend begonnen.
Saudi-Arabien schaffte gleich zum Auftakt mit einem 2:1 gegen Argentinien eine Sensation. Der Iran gewann gegen Wales, Australien gegen Dänemark, Südkorea gegen Portugal und Japan sogar gegen Deutschland und Spanien. Mit Australien, Südkorea und Japan zogen erstmals drei asiatische Vertreter in die Achtelfinals ein, als es dann aber wirklich ans Eingemachte ging, war Endstation.
Am Talent liegt es nicht, gut organisiert sind die asiatischen Teams meist auch, genügend Fussballer und Geld ist auch vorhanden. Es fehlt eine Portion Cleverness, Abgezocktheit, ein Selbstverständnis, das man sich durch regelmässige Auftritte auf der höchsten Bühne holt. In der asiatischen WM-Ausscheidung werden die Spitzenteams aber oft wenig bis gar nicht gefordert. Australien gewann in der Qualifikation gegen Taiwan 5:1 und 7:1, Südkorea gegen Sri Lanka 8:0, der Iran gegen Kambodscha und Japan gegen die Mongolei sogar je 14:0.
In der Ausscheidung treten sie jeweils dominant auf, an der WM sehen sie sich selber jedoch auch selber als Aussenseiter. So wie die Schweiz vor zwei Jahrzehnten glaubt man daran, die "Grossen" ärgern zu können, der absolute Glaube, sie auch in einem wichtigen Spiel bezwingen zu können, fehlt aber.
So trat Japan gegen keineswegs überragende Kroaten trotz sieben Bundesliga- und Premier-League-Söldnern sehr vorsichtig auf. Südkorea hingegen rannte gegen allerdings brillante Brasilianer relativ naiv ins Verderben, Australien drehte gegen Argentinien erst nach dem Zufallstor zum 1:2 auf. Der nächste Schritt vom durchaus ernst zu nehmenden Herausforderer zum selbstverständlichen Viertelfinal-Kandidaten ist zwar nicht mehr riesig. Doch die letzten Meter sind bekanntlich immer die schwierigsten.
Dessen sind sich die Protagonisten durchaus bewusst. "Wir müssen hart arbeiten, um bei der nächsten WM mehr gewinnen zu können", betonte Brightons japanischer Stürmer Mitoma. Captain Maya Yoshida gibt sich hoffnungsvoll: "Ich hoffe, dass viele Kinder dieses Spiel gesehen haben und vom Fussball träumen", meinte der Schalke-Profi. "Und dass sie selbst eines Tages bei einer WM spielen und diesen erstmaligen Einzug in den Viertelfinal schaffen." Vom ultimativen Selbstbewusstsein zeugt der Satz allerdings nicht. Eher von einer Hoffnung für die ferne Zukunft.
(sda)