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(griech.), in der Geburtshilfe die künstliche Zerstückelung des Embryos, wenn bei Schulterlage und Tod des
Kindes die Wendung unmöglich ist.
Man öffnet dabei Brust- oder Bauchhöhle des Embryos zur Entfernung der Eingeweide (Exenteratio,
Evisceratio), trennt den Kopf vom Rumpf (Decapitatio) oder zertrümmert den Schädel (Cephalotomia, Cephalotripsia).
Durch diese Operation gelingt es oft, auch bei sehr engem Becken, das Leben der Mutter zu erhalten.
Stadt (Stadtkreis) im preuß. Regierungsbezirk Aurich (Ostfriesland), unweit der Ems, die in
frühern Zeiten unmittelbar an den Stadtmauern vorüberfloß, jetzt aber durch einen auch für größere Seeschiffe fahrbaren
Kanal mit der Stadt in Verbindung steht, Knotenpunkt der Linien Münster-Emden u. Emden-Wittmund der Preußischen Staatsbahn. Emden besteht
aus sechs Teilen: der am höchsten gelegenen Altstadt, Nord-, Süd- und Mittelfaldern und der tiefer liegenden
Boltenthors- und Neuthorsvorstadt, und ist nach Art der holländischen Städte von Kanälen durchschnitten, über welche 30 Brücken
führen. In diese Kanäle ergießen sich durch verschiedene Siele mehrere den Verkehr der Stadt mit dem Innern von Ostfriesland
in weitem Umfang vermittelnde Binnengewässer (sogen. Tiefe).
Sie bilden den doppelten Binnenhafen der Stadt (den Ratsdelft und den Falderndelft), der mehrere Hundert
Schiffe fassen kann. Häfen und Fahrwasser zur Ems, an dessen Ende sich eine Schleuse mit doppeltem Durchlauf befindet, die mit
den umliegenden Deichen die Stadt gegen Überflutungen sichert, gestatten nur Schiffen mit 4 m Tiefgang die Anfahrt mit
voller Beladung, während größere einen Teil der Ladung auf der Reede in der Nähe einer die Knock genannten, 7 km entfernten
Bucht, bei einer Landspitze, wo die größten Kriegsschiffe ankern können, einnehmen oder löschen müssen; doch ist von seiten
des Staats eine erhebliche Verbesserung und Vertiefung der Häfen in Verbindung mit der Herstellung des
Ems-Jadekanals in Angriff genommen.
Das am Zusammenfluß der Gewässer der beiden Binnenhäfen, an deren südwestlicher Seite belegene geräumige Dock ist mit
ansehnlichen Niederlagegebäuden versehen und steht in unmittelbarster Verbindung mit dem Bahnhof. Aus frühern Zeiten sind
noch Wall (mit sechs Bastionen) und Graben zum Teil erhalten; ersterer dient jetzt zu Spaziergängen. Emden hat
vier Thore, meist gerade und breite Straßen, in welchen neben den mehr modernen manche hohe, noch altertümliche Häuser (nach
Art der alten holländischen) stehen, wie überhaupt Äußeres und Inneres der Stadt mehrfach an holländische Weise und Sitte
gemahnt.
Gottesdienstliche Gebäude sind neun vorhanden, darunter 4 reformierte, eine lutherische, eine kath.
Kirche und eine Synagoge. Bemerkenswert sind die gotische, von 1455 an erbaute Große Kirche (ursprünglich zu St. Kosmas und
Damianus) in der Altstadt mit dem Marmordenkmal des ostfriesischen Landesherrn Grafen Enno II. und die Neue Kirche in Nordfaldern
(1643-47 errichtet), deren Turm mit der deutschen Kaiserkrone bedeckt ist. Das hervorragendste Gebäude
der Stadt ist das am Ratsdelft gelegene Rathaus, 1574-76 nach dem Muster des Rathauses von
Antwerpen erbaut, mit stattlichem
Turm, großem Saal und reichhaltiger Rüstkammer. Die Zahl der Einwohner beläuft sich mit Einschluß der Garnison (1 Inf.-Bat.
Nr. 78) auf (1885) 14,020 (meist Protestanten).
Unter den Erwerbszweigen stehen der Handel, namentlich der Seehandel, und die Schiffahrt obenan. Der Aktivhandel beschränkt
sich auf einheimische Produkte und Fabrikate, namentlich Getreide, Vieh (1883: 16,000 Stück, meist nach Deutschland, Österreich
und Rußland), Pferde (5000 Stück), Butter (1½ Mill. kg), Käse, Ziegel etc. Die Stadt vermittelt die Hälfte
des Verkehrs von ganz Ostfriesland und steht nach außen vornehmlich mit den Niederlanden, Belgien, Hamburg und Bremen im Verkehr.
Ein Leuchtturm wurde von Emden schon 1576 aus der Insel Borkum errichtet. Der Heringsfang, von einer Aktiengesellschaft (mit 14 Schiffen)
unterstützt, ist bedeutend, nicht minder der Schiffbau. Von Wichtigkeit sind ferner die Fabriken für
Strohpapier, Drahtseile, Zement, Tabak, Öl, eine Zuckerraffinerie, Wollspinnerei und -Weberei, Lohgerberei etc. Emden, das einen
lebhaften Verkehr mit den Inseln Borkum und Norderney unterhält, besaß 1883: 70 eigne Seeschiffe zu 7200 Registertons, während
in demselben Jahr 336 Schiffe mit 17,543 Registertons aus- und 303 Schiffe mit 13,945 Registertons einliefen.
Endlich ist der Sitz eines Landratsamtes, eines Amtsgerichts, einer Handelskammer, eines Hauptzollamtes, einer Reichsbankstelle
und andrer Geldinstitute, mehrerer Schiffsassekuranzen, eines Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger etc. An Wohlthätigkeitsanstalten
besitzt Emden ein großes Armen- und Waisenhaus (»Gasthaus« genannt), ein Krankenhaus etc.; an Bildungsanstalten ein Gymnasium,
ein Realprogymnasium, eine Navigationsschule, Taubstummenanstalt; von andern gemeinnützigen Instituten eine
Gesellschaft zum allgemeinen Nutzen (Filiale der großen holländischen Gesellschaft »Nut van't allgemeen«),
eine Naturforschende
Gesellschaft mit ansehnlichen Sammlungen, einen Verein für bildende Kunst und vaterländische Altertümer (im Besitz wertvoller
Gemälde etc.), mehrere Bibliotheken etc.
Emden (Emuden, Emetha) erscheint schon zu Anfang des 14. Jahrh.
als Stadt, von welcher 1312 Wiard Abdena zum Drost oder Kommandanten der Burg eingesetzt ward. Der Propst Hisco erlaubte den
Vitalienbrüdern (s. d.), hier ihren Raub zu verkaufen, wodurch Emden ein nicht unbedeutender Handelsort wurde. Um diesen Seeräubereien
ein Ziel zu setzen, ließ Hamburg 1402 die Stadt besetzen und stürzte 1431 in Gemeinschaft mit Edzard,
Herrn von Gretsyl, aus dem Haus Cirksena, die Abdenas, worauf die Stadt den Hamburgern und den Cirksenas gemeinschaftlich gehörte.
Im J. 1453 traten erstere die Stadt letztern auf 16 Jahre ab; später erkaufte Graf Ulrich von den Hamburgern das Erbrecht auf
Emden. Die Verbindung der Cirksenas mit dem Deutschen Reich verschaffte der Stadt 1494 vom Kaiser Maximilian ein
einträgliches Stapelrecht. Als infolge der niederländischen Revolution zahlreiche Einwanderungen nach Emden erfolgten, nahmen
Handel und Schiffahrt einen neuen Aufschwung, die reformierte Konfession ward eingeführt und die Macht der Grafen gebrochen. 1553 wurde
die erste Heringskompanie errichtet, 1595 ward Emden freie Reichsstadt unter dem Schutz Hollands, welches
hier traktatmäßig bis 1744 eine Garnison unterhielt. Emden war eine starke Festung, erwarb von 1597 an ein
nicht unbedeutendes Stadtgebiet, und seine Bevölkerung steigerte sich während des Dreißigjährigen Kriegs durch zahlreiche
Einwanderungen auf 22,000 Einw. 1744 kam die Stadt mit Ostfriesland an Preußen. Friedrich d. Gr. suchte die Schiffahrt durch
Errichtung eines Freihafens 1751 zu heben; allein erst der Siebenjährige und der englisch-amerikanische Krieg, besonders aber
der französische Revolutionskrieg (namentlich seit dem preußischen Separatfrieden mit Frankreich 1795)
führten einen Aufschwung des Handels und der Schiffahrt herbei, wie er noch nicht stattgefunden.
Desto tiefer war der Fall, der 1806 folgte. Infolge der Streitigkeiten zwischen Preußen und England verlor Emden durch englische
Kaper für 3 Mill. Gulden Eigentum und fast alle größern Seeschiffe. 1810 ward der Hauptort des französischen
Departements Ost-Ems, 1814 kam es an Preußen, 1815 an Hannover. Der fortdauernde Rückschritt der Stadt bis in die neueste Zeit
beruht vornehmlich auf ihrer geographischen Lage, die ungünstiger ist als bei andern deutschen Seestädten. Doch hebt sich
seit der Erweiterung des ostfriesischen Eisenbahnnetzes und dem Bau einiger Kanäle der Handel wiederum.