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Die Gründungsjahre
Als im Herbst 1921 ein frisch vermähltes Paar von ihrer Hochzeitsreise zurückkam, veranstalteten einige Dorfbächler das übliche Empfangsschiessen im Gasthaus Mythen. An diesem Abend wurde auch die Fasnacht zum Gesprächsstoff. Viele der Anwesenden bekundeten, dass die Fasnacht auch nicht mehr das gleiche sei, was sie einmal war. Dadurch kam man auf die Idee, eine Gesellschaft aus der Taufe zu heben, die einen festen Rhythmus ins Fasnachtstreiben einbringen sollte.
Es gründete sich daraus der Verein „Gesellschaft zur Hebung alter Fasnachts-Sitten und Gebräuche“. Ein erstes Komitee leitete die Vorarbeiten und legte zur Deckung der Kosten einen Jahresbeitrag von zwei Franken fest.
Die erste Versammlung fand am Samstag vor dem Güdelmontag 1922 statt und es erschienen ungefähr 60 Fasnächtler. Ein Jahr später wurden dann die ersten Statuten genehmigt. Die „Gesellschaft zur Hebung alter Fasnachts-Sitten und Gebräuche“ bezweckte, die althergebrachte Strassenfasnacht, nämlich das Nüsseln und Fasnachtstreiben in Schwyz, zu organisieren.
1923 fand das erste Preisnüsseln unter der Obhut der „Gesellschaft zur Hebung alter Fasnachts-Sitten und Gebräuche“ statt. 24 Jahre später wurde das erste Kinderpreisnüsseln durchgeführt und seitdem findet auf dem Hauptplatz in Schwyz „im Zweijahresturnus abwechselnd am Ersten Fasnachtstag ein Preisnüsseln für Erwachsene und am Güdeldienstag eines für die Kinder“ (Hans Steinegger: Schwyzer Fasnacht 1991, Schwyz 1991, S. 33) statt.
Fasnacht während des Zweiten Weltkriegs
1940 war analog des Ersten Weltkriegs nur noch ein Fasnachtstag erlaubt. Dieser wurde durch den Bezirksrat Schwyz bestimmt, da dieser Rat auch bisher die Fasnachtstage festsetze. Auch 1941 wurde nichts an dieser Praxis geändert und der Güdelmontag wurde als der einzig gestattete Fasnachtstag festgelegt.
1942 jedoch geschah etwas Merkwürdiges: der Bezirksrat entschied sich für den Schmutzigen Donnerstag als Fasnachtstag. Dieses Vorgehen stiess bei der „Gesellschaft zur Hebung alter Fasnachts-Sitten und Gebräuche“ auf Ablehnung, hatte sich im Dorfe Schwyz der Güdelmontag als einzig legaler Fasnachtstag bereits eingebürgert. So legte die Gesellschaft Beschwerde gegen den Bezirksbeschluss ein. Der Bezirk gab nun den Güdelmontag 1942 frei und an diesem Tag war das Fasnachtstreiben von 15.00 bis 18.00 Uhr erlaubt, jedoch ohne Masken. Während der Kriegsjahre war das Tragen von Masken sonst immer erlaubt. 1943, 1944 und 1945 wurde der offizielle Fasnachtstag wieder auf den Güdelmontag gelegt und ab Kriegsende durfte man die Fasnacht wieder an allen drei Tagen ohne irgendwelche Einschränkungen geniessen.
Die Spaltung
Franz Steiner-Schuler war es ein Anliegen, den Güdelmontagmorgen nach den Kriegsjahren wieder neu zu beleben. „1949 stellte er darum eine Güdelmontagmorgen-Rott mit zwölf Maschgeraden zusammen“ (Hans Steinegger: Güdelmontag-Rott Schwyz, Schwyz 1989, S. 5), welche im ehemaligen Restaurant Alpenrösli auf die Tambouren der „Gesellschaft zur Hebung alter Fasnachts-Sitten und Gebräuche“ warteten. Jedoch kamen keine Trommler. Für die zwölf Fasnachtsbegeisterten im Alpenrösli war dies ein grosses Verbrechen. „Die Dörfler haben die Dorfbächler sitzen gelassen“ (Hans Steinegger: Güdelmontag-Rott Schwyz, Schwyz 1989. S. 6).
Daraufhin gründeten die Dorfbächler am Mittefastensonntag desselben Jahres im Restaurant Edelweiss die „GüdelmontagmorgenRott“. Wie es der Name bereits vermuten lässt, war die Rott nur am Morgen des Güdelmontags unterwegs und zwar ausschliesslich im Dorfbach, Hinter- und Unterdorf.
Verlauf bis heute
„Anno 1946 durfte die Gesellschaft ihr 25-jähriges Bestehen feiern, was sie mit einem glanzvollen Umzug und einem Plöder auf dem Hauptplatz zu umrahmen wusste“ (Richard Heinzer, Josef Kessler, Paul Kamer: 50 Jahre Schwyzer Nüssler, Schwyz 1971, S. 9).
1971 lud der mittlerweile zu Schwyzer Nüssler umgetaufte Verein zum zweiten grossen Geburtstag - dem 50. - ein. Dieses Jubiläum wurde mit einem grossen Festumzug mit über 1000 Mitwirkenden, einer Jubiläumsfeier, je einem Preisnüsseln für Erwachsene und Kinder und mit einer „Monsterrott mit einem Rottentreffen“ (Richard Heinzer, Josef Kessler, Paul Kamer: 50 Jahre Schwyzer Nüssler, Schwyz 1971, S. 1) gebührend gefeiert.
1977 kauften die Schwyzer Nüssler die Maskengarderobe von Franz Grossmann. Es wurde eine Garderobenkommission ernannt, welche bis spätestens 1980 zusammen mit dem Ministerrat der Schwyzer Nüssler die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen sollten, damit die Garderobe in den Verein überführt werden kann. Da die Garderobe von Grossmann Fr. 70'000.- kostete, wurde eine Sammelaktion mit Urkunden lanciert. An der GV 1980 wurde erklärt, dass die Garderobe nun offizieller Besitz der Schwyzer Nüssler ist und 1992 wurde die Garderobenkommission aufgelöst und im Ministerrat der Posten des Garderobenverwalters eingeführt.
1991 durfte das 70-jährige Bestehen gefeiert werden. Auch dieses spezielle Ereignis wurde mit einem grossen Umzug mit gegen 50 Gruppen zelebriert.
1996 wurden die Schwyzer Nüssler 75-jährig, was sie dazu veranlasste, das Erwachsenenpreisnüsseln zusammen mit dem Kinderpreisnüsseln durchzuführen. Seit einigen Jahren findet das Erwachsenen Preisnüsseln aufgrund sinkender Teilnehmerzahlen nicht mehr am ersten Fasnachtstag statt. Das Preisnüsseln wurde auf einen Freitagabend verlegt und hiess nun „Fyrabignüsseln“. Die Teilnehmerzahlen stiegen zuerst wieder an und gingen dann auch wieder stetig zurück. Nun wird das Preisnüsseln der Erwachsenen an einem Samstag durchgeführt.
Quellen: Heinzer Richard/Kessler Josef/Kamer Paul: 50 Jahre Schwyzer Nüssler, Schwyz 1971; Steinegger Hans: Schwyzer Fasnacht 1991, Schwyz 1991; Steinegger Hans: Güdelmontag-Rott Schwyz, Schwyz 1989; Steiner Beat: Schwyzer Nüssler Archiv, Ordner 0, Inhaltsverzeichnis, div. Dokumente, Schwyz o. J. (unveröffentlicht), Register: öffentliche Tanztage; Plakat des Fasnachtsabends der Schwyzer Nüssler, 1. Februar 2003.