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Erinnern sei für den Schriftsteller ein Akt der Wirklichkeit, begrüsste Ortrud Gysi von der «Literarischen Aarau» die sechzig Zuhörer in der Aula des Aarauer Pestalozzischulhauses zur Lesung des vielfach prämierten Aargauer Schriftstellers Christian Haller.
Für einmal kam der Autor ohne abgeschlossenes Werk und las aus noch unveröffentlichten und bereits publizierten Texten wie dem bekannten «Der Brief ans Meer» (1995). Kenner des Werks verorteten die neuen Texte im noch nicht erschienenen dritten Teil seiner zweiten grossen Romantrilogie – für die erste «Trilogie des Erinnerns» erhielt er 2007 den Schillerpreis. Haller nennt sein Schreiben «literarische Archäologie»: das systematische Hervorbringen von Vergangenem durch Schreiben. Das Schreiben, erzählt er in seinem jüngsten Roman «Das unaufhaltsame Fliessen», war für ihn wie die brüchige Terrasse eines Hauses, das auf festen Felsen gebaut ist. Eine Metapher für sein eigenes Leben: der feste Felsengrund der Bürgerlichkeit, war ihm doch die brüchige Terrasse des Schreibens die wahre Existenz.
Von einer prägenden Erinnerung aus den Anfängen dieses Schreibens erzählte Christian Haller, als er den bekannten Liedermacher Georg Kreisler traf. Wenn er, Haller, sich vor einem ehrlichen Urteil nicht fürchte, möge er ihm einige Texte senden. Haller sandte Gedichte und erhielt von Georg Kreisler folgende Antwort: «Ich muss sie, leider, ermutigen.» Die Ermutigung hielt ein Leben lang an.
Abgerundet wurde die Lesung durch eine Leseperformance zusammen mit dem bekannten Perkussionisten Marco Käppeli.
pd