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Vom Stadtderby zum Familienduell26.09.2014
Vor 17 Jahren war die Fusion nicht unumstritten. Auch wenn die Fusion schon damals unemotional betrachtet als sinnvolle Zweckehe angesehen wurde und der Erfolg dieser These heute noch recht gibt, erinnerten bei der Geburt der ZSC Lions Hardcore-Fans und Nostalgiker beider Clubs an die frühere Rivalität, als man auf Augenhöhe in der NLA gegeneinander antrat.
Während der ZSC 1997 in den hinteren Tabellenregionen vor sich hin lebte und GC mit Walter Frey, aber bescheidenem Anhang den Aufstieg in die NLA serienweise verpasste, gab es lange davor auch Zeiten, in denen man sich um Titel duellierte. So auch im Cup.
Am 22. Februar 1966 traten der ZSC und die Grasshoppers im Zürcher Hallenstadion gar im Cupfinale gegeneinander an, nachdem sich GC eine Woche zuvor bereits den Meistertitel gesichert hatte.
Die Neue Zürcher Zeitung schrieb von einem ausgeglichenen, schnellen, fairen und lebhaften Kampf zu Beginn des Spiels als der ZSC zweimal eine Führung des Stadtrivalen ausglich. Bei Spielmitte folgte dann die Vorentscheidung. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel als Meier für den ZSC zum vermeintlichen 3:2 traf und eine Minute später erzielte Schurr die Führung für die Grasshoppers, die sie sich nie mehr entgleiten liessen. Der Cupsieg GCs sei jedoch nicht „diesem unglücklichen Schiedsrichterentscheid“ zuzuschreiben, so die Zeitung, sondern weil die als Favoriten ins Spiel gegangenen Grasshoppers klug, diszipliniert und ungemein kämpferisch spielten.
Der Grasshopper-Club holte somit sein erstes und einziges „Double“ im Eishockey durch den Sieg im vorletzten Cupfinale vor der Wiederbelebung dieses Jahr.
Heute sieht alles etwas anders aus. Wenn die ZSC Lions nach Küsnacht zu ihrem Farmteam reisen, so kommt es zu einem Familienduell. Oftmals spielt man früh im August gegeneinander, damit der ZSC-Trainer sehen kann, welche jungen Spieler sich für die NLA aufdrängen könnten. So entdeckte einst Bob Hartley Luca Cunti, holte ihn gleich zu sich ins Team und machte ihn zum Nationalspieler. Auch Marc Crawford holte diesen Sommer jugendliche Talente wie Jonas Siegenthaler von den GCK Lions in sein eigenes Team.
Nun aber tritt man nicht in einem Freundschaftsspiel gegeneinander an. Die ZSC Lions wollen sowohl in der Meisterschaft wie auch im Cup unter die besten Vier kommen. GCK-Trainer Matti Alatalo hat das Cup-Achtelfinal als Zielsetzung bekannt gegeben. Eine der beiden Lions-Mannschaften wird das Ziel somit nicht erreichen. Von Losglück spricht ZSC-CEO Peter Zahner daher nicht.
„Wir haben da ein Zielkonflikt mit den GCK Lions. Einer wird in der ersten Runde scheitern und dann werden wir das intern ausknobeln“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Dafür haben wir aber ein Team fix in der zweiten Runde und die ZSC Lions können mit den Privatautos nach Küsnacht fahren. Wir werden ein Heimspiel haben.“
Die Favoritenrolle im Familienduell ist klar. Schliesslich kann Crawford die besten Spieler der Lions-Familie für sich beanspruchen, während die zweite Garnitur in der NLB antritt. So will es das Modell der Lions-Pyramide. Ganz so einfach sieht es der Kanadier aber nicht.
„Nichts ist garantiert in einem Cup-Wettbewerb. Wenn man Fussball schaut, sieht man viele Spiele in denen Mannschaften aus unteren Ligen gute Leistungen zeigen“, sagt Crawford. „Der Cup ist gut für Fans aller Regionen der Schweiz. Er ist gute Werbung fürs Eishockey in der Schweiz und um Eishockey zu verbreiten.“
Aufgrund der Farmteam-Konstellation werden die GCK Lions auf ihrer heimischen Kunsteisbahn Küsnacht topmotiviert zur Sache gehen. Schliesslich können sie auch zeigen, wie nahe oder weit sie von der NLA entfernt sind. Doch so früh in der Saison möchte der Trainer keine allzu hohen Erwartungen wecken.
„Die Hälfte unserer Spieler sind neu. Wir müssen Geduld mit der ganzen Mannschaft haben und dem Aufbau der jungen Spieler“, so Alatalo. „Wir sind vor allem in der Defensive etwas jünger. Wir haben Verteidiger, die immer noch im Elite-Alter sind. In der Offensive sind wir etwas erfahrener als letztes Jahr, aber immer noch jung.“
Doch was sich viele Fans seit der Auslosung fragen: Darf denn das Farmteam überhaupt gegen den grossen, ambitionierten Bruder gewinnen?
„Die Mannschaft die gewinnt, gewinnt“, sagt Zahner. „Wenn die GCK Lions die ZSC Lions schlagen würden, dann wäre es halt so. Beide Mannschaften sollen mit einer guten Einstellung in diesen Wettkampf gehen.“
Und so hofft man beidseitig auf ein gelungenes Fest der Löwenfamilie mit vollem Haus in Küsnacht.
Von Martin Merk
Telegramm Cupfinal 1966:
Zürcher SC – Grapphopper-Club 3:6 (2:2, 0:2, 1:2)
Hallenstadion. – 6500 Zuschauer. – SR: Ehrensperger (Kloten), Madörin (Basel). – Tore: 1. Weber 0:1. 2. Wespi 1:1. 15. Näf 1:2. 16. Loher 2:2. 33. Schurr 2:3. 37. Berry 2:4. 48. Thoma 2:5. 53. Berry 2:6. 60. Mühlebach 3:6. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen den ZSC, 6-mal 2 Minuten gegen GC.
ZSC: J. Furrer; U. Furrer, Riesch; Berchtold, Müller; Ehrensperger, Steinegger, Mühlebach; Meier, Loher, Parolini; Gretener, Wespi, Jegi; Secchi.
GC: Meier; Spillmann, Secchi; Müller, Schurr; Berry, Weber, Keller; Moos, K. Heiniger, Hafner; Thoma, H.J. Heiniger, Näf; Marti.