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Ist „Schwarzfahren“ rassistisch?
Der Münchner Stadtrat A. wittert Diskriminierung und will den Begriff durch einen anderen ersetzen lassen. Was Sprachwissenschaftler zur Forderung sagen.
Dass man Cola-Weizen bestellt und keinen „Neger“, ist inzwischen Standard. Auch der Begriff „Schokoküsse“ hat sich für die früheren „Mohrenköpfe“ weitgehend durchgesetzt.
Jetzt startet Stadtrat A. einen weiteren Vorschlag zur Befreiung der Sprache von rassistischen Begriffen. Konkret stört er sich am Wort: „Schwarzfahrer“. Über die Ticketsünder war gerade viel geschrieben und geredet worden.
Das ist dem Stadtrat jetzt Anlass für seinen Antrag, worin er unter anderem fordert: Die Münchner Verkehrsgesellschaft soll darstellen, wie sie das Wort „Schwarzfahrer“ in den U-Bahnen, Trambahnen und Bussen „durch einen anderen Begriff, der nicht-rassistisch ist, ersetzen kann“.
Zur Begründung führt er an: Diese umgangssprachliche Bezeichnung für Menschen, die keine Fahrkarte haben, sei rassistisch, „da sie die Hautfarbe bestimmter Menschen in einen negativen Kontext stellt“.
Schwarzbrenner, Schwarzgeld, Schwarzarbeiter, Schwarzmarkt – alles diskriminierende Begriffe? Müssen wir, wenn wir politisch korrekt sein wollen andere Wörter wählen?
Linguisten und Sprachforscher winken einhellig ab: „Rassistisch ist das überhaupt nicht“, sagt etwa J.K., der früher Professor am Institut für deutsche Sprache und Linguistik an der Humboldt-Universität in Berlin war.
Die Linguistin C.W. an der Ludwig-Maximilians-Universität meint, mit der Hautfarbe habe der Begriff Schwarzarbeiter rein gar nichts zu tun. So wie ein blinder Passagier nichts mit Blinden zu tun habe. Vielmehr stehe „schwarz“ in dem Fall für illegal, für etwas, das im Dunkeln, im Verborgenen passiert. Schon vor Jahrhunderten seien solche Kombinationen aus Farbadjektiven und Hauptwörtern weit verbreitet gewesen. Dass „Schwarzfahrer“ ein rassistischer Ausdruck sein soll, hält sie für „sprachlich null haltbar und an den Haaren herbeigezogen“.
E.F. von der Universität Leipzig erklärt, dass der Begriff nach weit verbreiteter Auffassung auf den jiddischen Ausdruck „shvarts“ für „Armut“ zurückgeht. „Schwarzfahrer sind demnach diejenigen, die sich kein Fahrkarte leisten können.“ Julia Lenders, Abendzeitung vom 10. Febr. 2012 (gekürzt und bearbeitet skd)