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Den Passagieren befahl er über Lautsprecher, sich nicht zu rühren. Kapitän Lee Jun-seok selbst verliess die südkoreanische Fähre «Sewol» als einer der Ersten. Die meisten der 30-köpfigen Besatzung folgten ihm und entliessen über 300 Passagiere in den Tod.
Wie war das noch mal mit der Seemannsregel, wonach der Kapitän das Schiff als Letzter verlässt?
Erinnerungen an den italienischen Kapitän Francesco Schettino werden wach. Auch er war unter den Ersten, die das 2012 verunglückte Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» verliessen.
Im selben Jahr veröffentlichte die schwedische Universität Uppsala eine Studie, wonach solche Kapitäne nicht die Ausnahme, sondern die Regel darstellen. 18 Havarien aus drei Jahrhunderten hatten die Forscher untersucht und kamen zum Schluss, dass Besatzungsmitglieder wesentlich häufiger überlebten als Passagiere.
Laut internationalem Seerecht ist der Kapitän für die Sicherheit des Schiffs und seiner Passagiere verantwortlich. Daraus ergibt sich allerdings nicht automatisch, dass er als Letzter von Bord gehen muss. Die Leitung einer Evakuierungsaktion wäre – je nach Lage auf dem Schiff – vielleicht von einem Rettungsboot aus besser zu bewerkstelligen.
In dieser Hinsicht hat Lee Jun-seok allerdings Pech: Das südkoreanische Gesetz schreibt explizit vor, dass ein Kapitän im Fall einer Havarie auf dem Schiff zu bleiben hat. Der 69-Jährige befindet sich denn auch zusammen mit sieben anderen Besatzungsmitgliedern in Haft.
Sinnbildlich für den bis zur letzten Konsequenz pflichtbewussten Schiffsführer steht Edward Smith. Der Kapitän der Titanic bestand darauf, Frauen und Kinder zuerst zu evakuieren. Als der Koloss unterging, stand er noch immer auf der Brücke.