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Frage: Im Freundeskreis hatten wir folgendes Problem besprochen: Einer unserer Freunde ist ein begeisterter Hobbymaler. Ab und zu verkauft er auch Bilder. Doch der Ertrag steht in keinem Verhältnis zum Aufwand, den er für dieses Hobby betreibt. Muss er die Einnahmen trotzdem versteuern? K.R. via E-Mail
Wer Bilder malt, um sie zu verkaufen, betreibt einen Nebenerwerb. Einkünfte aus einem Nebenerwerb sind als Einkommen zu versteuern. Das heisst gleichzeitig, dass auch die entsprechenden Kosten vom Erlös abgezogen werden können. Ich denke an Farbe, Pinsel, Spachtel, Lösungsmittel, Leinwand, Malerschurz und Atelierecke. Werden aber die Bilder aus reiner Freude gemalt und ohne Absicht, damit Geld zu verdienen, gilt das als Freizeitbeschäftigung. Logischerweise können dann auch keine Abzüge vorgenommen werden.
Was ist nun, wenn ab und zu Bilder verkauft werden? Werden die Werke an einer öffentlichen Ausstellung angepriesen, so ist das als Nebenerwerb zu betrachten. Werden die Bilder bloss im Freundeskreis verkauft, so wird die Steuerverwaltung von Fall zu Fall entscheiden. Massgebend ist nicht nur die Frage, ob Bilder verkauft werden. Massgebend ist vor allem, ob das Malen auf Erwerb ausgerichtet ist.
In diesem Zusammenhang kommt mir folgende Geschichte in den Sinn, die mir einst ein Steuerberater erzählte: Ein Hobbymaler aus der Ostschweiz soll ziemlich erfolglos Bilder gemalt haben. Als er die Kosten dieses teuren Hobbys vom steuerbaren Einkommen abziehen wollte, erhielt er von der Veranlagungsbehörde die Antwort, Malen sei Liebhaberei und könne nicht geltend gemacht werden. Dann geschieht, was geschehen muss: Besagtem Hobbymaler gelingt ein Werk, um welches sich die Leute reissen. Er verdient viel Geld und wird berühmt. Und als dann der Steuervogt seine Begehrlichkeiten anmeldet, meint der Künstler trocken: «Tut mir leid. Malen ist Liebhaberei.» Se non è vero, è ben trovato.
Erschienen im BLICK am 13. November 2004