Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03132.jsonl.gz/896

Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura
Ferdinand GonsethBerner Jura - übrige Orte - Arbeitsformen - Kommunikation - Persönlichkeiten - Schule und Bildung - Wissenschaften
Ferdinand Gonseth wurde am 22. September 1890 in Sonvilier geboren. Schon seit seiner frühen Kindheit litt er unter einem stark eingeschränkten Sehvermögen. Nichts desto trotz besuchte er das Gymnasium in La Chaux-de-Fonds und studierte daraufhin Mathematik an der ETH in Zürich. Im Alter von 28 Jahren wurde Gonseth an der Universität Bern zum ausserordentlichen Professor ernannt. Von 1929 bis 1960 unterrichtete er als ordentlicher Professor an der ETH Zürich.
Ferdinand Gonseth interessierte sich insbesondere für die Grundlegung der Mathematik, für die Philosophie der Wissenschaft und für die Erkenntnistheorie. Er veröffentlichte in diesen Bereichen einige Werke und erlangte dadurch unter Wissenschaftlern und Philosophen international Bekanntheit. Sein Hauptwerk trägt den Titel «Les fondements des mathématiques» (Die Grundlagen der Mathematik). Das 1926 erstmals veröffentlichte Buch gilt noch heute als herausragende Einführung in die Philosophie der Mathematik. 1945 gründete Gonseth mit Gaston Bachelard und Paul Bernays die philosophische Zeitschrift «Dialectica», die von Wissenschaftlern in der ganzen Welt beachtet und gerühmt wurde. In dieser Zeitschrift, ebenso wie andernorts, publizierte Gonseth selber zahlreiche Artikel.
Gonseth prägte seine Zeit nicht nur durch seine Publikationen, er hatte auch viele Bewunderer, Schüler und Assistenten, mit denen er sich stets im Dialog befand und die er nachhaltig beeinflusste. Er hatte eine eigene Arbeitsweise entwickelt, die er die «Offene Methodologie» nannte und die noch heute von seinen Anhängern praktiziert und weiterentwickelt wird. Bei dieser wissenschaftlichen Vorgehensweise wird beabsichtigt, ein dogmatisches, von vorgegebenen Grundsätzen geleitetes Forschen zu vermeiden und sich statt dessen neuen Erfahrungsmöglichkeiten zu öffnen.
Gegen das Ende seines Lebens interessierte sich Gonseth vermehrt für die Geisteswissenschaften, insbesondere für die Linguistik und die Moral. Er versuchte darin jene Methode anzuwenden, die sich im Bereich der exakten Wissenschaften bewährt hatte. Ferdinand Gonseth starb am 17. Dezember 1975. Vier Jahre vor Gonseths Tod wurde in Biel die «Association Ferdinand Gonseth» gegründet, deren Ziel die Erforschung und Ehrung von Gonseths Werk ist. Die Association organisiert unter anderem Diskussionen zu naturwissenschaftlichen und philosophischen Problemen und beabsichtigt, den Dialog zwischen diesen beiden Forschungsgebieten zu fördern.
Autor: Manuela Di Franco / Quelle: 1880