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medialex 1/2006 vom 03.03.2006
Kein Redaktionsgeheimnis für verdeckte Recherche
Für einen Fernsehdokumentarfilm über dänische Pädophile schlich sich ein Journalist unter dem Pseudonym «Jacob Andersen» in eine Pädophilenvereinigung ein. Mit versteckter Kamera filmte der Journalist unter anderem belastende Aussagen eines Pädophilen namens «Mogens» und eines indischen Knaben, der mit «Mogens» angeblich sexuelle Kontakte gehabt hatte. Im Einklang mit den medienethischen Grundsätzen für den Einsatz versteckter Kameras kontaktierte die TV-Produktionsfirma vor der Ausstrahlung des TV-Beitrags im Oktober 2000 die Pädophilenvereinigung und die heimlich gefilmten Mitglieder. Sie garantierte ihnen Anonymität (Verfremdung der Gesichter und Stimmen). Die Vereinigung versuchte danach vergeblich, die Ausstrahlung durch eine gerichtliche Verfügung zu verhindern. Die Polizeibeamten von Kopenhagen konnten den ihnen bereits vorher bekannten «Mogens» im Fernsehbeitrag identifizieren und am Tag nach der Ausstrahlung festnehmen. Die Staatsanwaltschaft verlangte in der Folge, dass der Medienschaffende auch sein nicht ausgestrahltes Filmmaterial herausgebe. Dieses Ansinnen wurde von den unterinstanzlichen Gerichten abgelehnt, vom obersten dänischen Gericht aber teilweise gutgeheissen. Der Journalist dürfe zwar die Herausgabe von Aufnahmen mit drei Gesprächsteilnehmern verweigern, die er unter Zusicherung der Anonymität gefilmt hatte. Kein Quellenschutz bestehe hingegen für die versteckten Aufnahmen von «Mogens» und des indischen Jungen.