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Dolmetschen und Gebärdensprachdolmetschen: Hauptmerkmale
12.09.2023
Dolmetscher:innen und Gebärdensprachdolmetscher:innen haben einige gemeinsame Kernkompetenzen, wie etwa exzellente Sprachkenntnisse und die Fähigkeit, Informationen zwischen verschiedenen Sprachen zu übertragen. Es gibt jedoch auch wichtige Unterschiede zwischen den Berufen, insbesondere in Bezug auf den physischen Teil der Kommunikation.
In den folgenden Abschnitten werden die Hauptmerkmale dieser beiden Dolmetschtechniken vorgestellt, um eine effektive und barrierefreie Kommunikation zu gewährleisten.
Sprachliche Fähigkeiten
-> Dolmetscher:innen übersetzen gesprochene oder geschriebene Sprache von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache und umgekehrt. Sie benötigen hervorragende Kenntnisse in den betreffenden Sprachen und die Fähigkeit, Informationen präzise zu übertragen.
-> Gebärdensprachdolmetscher:innen übersetzen zwischen gesprochener Sprache und Gebärdensprache. Sie benötigen nicht nur Kenntnisse in den verschiedenen Sprachen, sondern auch in der Kultur der Gebärdensprache.
Kommunikationsform
-> Dolmetscher:innen arbeiten hauptsächlich mit gesprochener oder seltener auch mit geschriebener Sprache. Sie müssen die Informationen in der Regel in Echtzeit verarbeiten und in einer anderen Sprache wiedergeben, wobei Simultan-, Flüster- und Versetztdolmetschen unterschieden werden.
-> Gebärdensprachdolmetscher:innen verwenden neben der Lautsprache auch visuelle und gestische Kommunikationsmittel, um zwischen gesprochener Sprache und Gebärdensprache zu vermitteln. In der Regel wird simultan gedolmetscht, es kann aber auch konsekutiv gedolmetscht werden. In diesem Fall notiert sich die dolmetschende Person Teile des Gesprächs und übersetzt diese phasenweise.
Es gibt auch das Schriftdolmetschen, bei dem die dolmetschende Person die Beiträge der sprechenden Personen für die schwerhörige Person aufschreibt, so dass diese dem Gespräch lesend folgen kann.
Kulturelles Verständnis
-> Dolmetscher:innen müssen ein tiefes Verständnis für kulturelle Nuancen und Kontexte haben, um sicherzustellen, dass die Botschaft korrekt übertragen wird und auch sprachliche Besonderheiten wie etwa Redewendungen korrekt wiedergegeben werden.
-> Gebärdensprachdolmetscher:innen müssen nicht nur die jeweilige Sprache beherrschen, sondern auch die Kultur der Gehörlosen und Hörgeschädigten verstehen, um die Inhalte korrekt wiedergeben zu können.
Visuelle Kommunikation
-> Dolmetscher:innen konzentrieren sich auf die mündliche (auditive) und schriftliche Kommunikation. Sie übertragen das gesprochene Wort beim Schriftdolmetschen in geschriebene Texte oder beim klassischen Dolmetschen in eine andere Lautsprache.
-> Gebärdensprachdolmetscher:innen sind neben der auditiven und schriftlichen Kommunikation auch auf die visuelle Kommunikation spezialisiert. Sie übertragen Informationen visuell und gestisch durch Gebärden, Mimik, Körpersprache und Schrift.
Technische Fähigkeiten
-> Dolmetscher:innen benötigen unter Umständen technische Kenntnisse, um Technologien wie Konferenzsysteme für das Kabinendolmetschen oder Übersetzungssoftware einsetzen zu können.
-> Gebärdensprachdolmetscher:innen können ebenfalls auf technische Hilfsmittel zurückgreifen. Hilfreich sind z.B. Videokameras, Monitore und andere Kommunikationshilfen.
Bedeutung des Gebärdensprachdolmetschens in der Schweiz
Gebärdensprachdolmetschen ist in der Schweiz wie in vielen anderen Ländern von grosser Bedeutung, um die Kommunikation zwischen gehörlosen und hörbehinderten Menschen und der hörenden Bevölkerung zu erleichtern. In der Schweiz gibt es eine aktive Gehörlosengemeinschaft, und gehörlose und hörbehinderte Menschen verwenden die Gebärdensprache als primäres Kommunikationsmittel. Gebärdensprachdolmetschende spielen daher eine wichtige Rolle, um gehörlosen Menschen eine barrierefreie Teilhabe in verschiedenen Lebensbereichen zu ermöglichen. Das Recht auf Teilhabe beinhaltet den Anspruch auf eine/n Gebärdensprachdolmetscher:in und ist Teil des IV-Gesetzes. Anspruchsberechtigte Personen können die Kosten für Dolmetschdienste übernehmen lassen, wenn sie bei der Invalidenversicherung angemeldet sind.
Einsatzgebiete des Dolmetschens in Gebärdensprache
Gebärdensprachdolmetscher:innen werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt:
- Bildung: In Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen sorgen Gebärdensprachdolmetscher dafür, dass gehörlose Schüler und Studenten dem Unterricht folgen können.
- Gesundheitswesen: In Spitälern, Arztpraxen und Gesundheitseinrichtungen unterstützen Gebärdensprachdolmetscher gehörlose oder gehörgeschädigte Patient:innen bei der Kommunikation mit dem medizinischen Personal.
- Dienstleistungen des Gemeinwesens: Gebärdensprachdolmetscher:innen werden in Behörden, Ämtern und öffentlichen Einrichtungen benötigt, um gehörlosen Menschen den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen zu ermöglichen.
- Veranstaltungen und Konferenzen: Bei Veranstaltungen, Konferenzen und öffentlichen Versammlungen sorgen Gebärdensprachdolmetscher:innen dafür, dass gehörlose Teilnehmer die Informationen verstehen können.
- Medien und Unterhaltung: In TV-Sendungen, Filmen und Online-Videos werden manchmal Gebärdensprachdolmetscher:innen eingesetzt, um Untertitel oder Übersetzungen in Gebärdensprache anzubieten.
- Arbeitsplatz: Gebärdensprachdolmetscher:innen können in Unternehmen oder Organisationen eingesetzt werden, um die Kommunikation zwischen gehörlosen Mitarbeitenden und ihren Kolleg:innen zu erleichtern. Auf Gesuch hin kann die IV die Kosten für Gebärdensprachdolmetscher:innen am Arbeitsplatz im Rahmen einer Arbeitsplatzverfügung bis zu einem bestimmten Betrag übernehmen.
- Privatleben: Auch im privaten Bereich können Gebärdensprachdolmetscher:innen eingesetzt werden, z.B. bei Feierlichkeiten wie Geburtstagen oder im familiären Austausch zwischen hörgeschädigten Menschen und hörenden Familienmitgliedern. Insbesondere wenn ältere Menschen, die die Gebärdensprache noch nicht erlernt haben, von Hörverlust betroffen sind, kann das Schriftdolmetschen hilfreich sein.
Wichtigste Gebärdensprachen
Was die in der Schweiz am meisten nachgefragten Gebärdensprachen betrifft, stehen
- die Deutschschweizerische Gebärdensprache (DSGS),
- die Langue des Signes Française (LSF) und
- die Lingua Italiana dei Segni (LIS)
im Vordergrund.
Die DSGS ist die in der Schweiz am häufigsten verwendete Gebärdensprache. Hier müssen die Dolmetschenden auch die kantonalen Dialektvarianten berücksichtigen. Zudem wird Hochdeutsch beim Gebärden in der Regel lautlos artikuliert, so dass auch diese Kenntnisse vorhanden sein müssen. Darüber hinaus kann es auch eine Nachfrage nach Gebärdensprachdolmetschenden für internationale Gebärdensprachen wie American Sign Language (ASL) oder andere nationale Gebärdensprachen geben, insbesondere wenn internationale Kommunikation oder Veranstaltungen der Einsatzgrund sind.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Nachfrage nach bestimmten Gebärdensprachen von den jeweiligen Bedürfnissen der Gehörlosengemeinschaft, der Dienstleister und der Veranstaltungen oder Institutionen abhängt. Die Gebärdensprachen sind in der Schweiz noch nicht staatlich anerkannt und das Angebot an professionellen Gebärdensprachdolmetscher:innen ist noch relativ klein.
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