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Das Münstertal, das seit 1992 amtlich rätorom. V. heisst (ital. Val Monastero), bildete bis 2000 einen eigenen Bündner Bezirk und Kreis und wurde dann als eigener Kreis dem Bez. Inn angeschlossen. Das im östlichsten Teil der Schweiz gelegene Tal bestand bis 2008 aus den sechs Gem. Tschierv, Fuldera, Lü, Valchava, Santa Maria Val Müstair und dem Hauptort Müstair, die sich 2009 zur polit. Gem. V. zusammenschlossen. Es umfasst ferner das sich zum Inn hin entwässernde Val Mora und wird vom Rom (dt. Rombach) durchflossen, der bei Glurns in die Etsch mündet. Das sich vom Ofenpass bis zur ital. Grenze erstreckende Tal misst 26 km und weist eine Fläche von 19'908 ha auf. 1850 1'483 Einw.; 1900 1'505; 1950 1'787; 2000 1'605.
Bei archäolog. Untersuchungen im Kloster Müstair fand man ein bronzezeitl. Pfostenhaus sowie röm. Siedlungsreste. Die fassbare Geschichte des Tals beginnt mit der Gründung des Klosters im letzten Viertel des 8. Jh., das in der Folge die Entwicklung des Münstertals stark prägte. Von Müstair aus erfolgte ab dem 12. Jh. der Aufbau fester Siedlungen im Tal. Um 1170 erscheint die Kapelle Sancte Mariae in Silvaplana im heutigen Weiler Sielva (ehem. Gem. Santa Maria V.), um 1230 entstand in Santa Maria ein Hospiz. Die Siedlungsgemeinschaft in Santa Maria wurde bereits 1290 als commune bezeichnet. Der weitere Ausbau talaufwärts bis zum Ofenpass ging schrittweise voran, wobei auch die Bf. von Chur diesen förderten. Die Bedeutung der Pässe ins Veltlin (Umbrailpass), nach Livigno, nach S-charl und ins Engadin nahm stetig zu. 1239 ist erstmals ein Markt in Müstair bezeugt, wobei auch die Herstellung und der Export von grauem Tuch erwähnt wird. Vom 14. Jh. an ist im oberen Talabschnitt Bergbau nachgewiesen. Innerhalb des Gotteshausbundes, dem das V. 1367 beigetreten war, bildete die Talschaft als Gericht Obcalven ein halbes Hochgericht, dessen andere Hälfte, Untercalven, die Dörfer des oberen Vinschgaus umfasste. Gerichtsstätte war Müstair. Vor und nach der Schlacht an der Calven 1499 wurde das V. von österr. Truppen geplündert und verwüstet. Die Reformation erfasste das Tal recht früh, da die fünf oberen Gem. die neue Lehre bereits um 1530 annahmen. Das Klosterdorf Müstair blieb hingegen katholisch. In der Zeit der Bündner Wirren 1620-35 wurde das Tal wechselweise von österr., franz. und span. Truppen besetzt. 1728 verkaufte der Bf. von Chur das Tal an Österreich für den Betrag von 21'000 Gulden, 1762 erzwangen die Drei Bünde den Rückkauf für denselben Betrag. 1798-99 besetzten von Neuem österr. und franz. Truppen das V. Während der Helvetik wurde es dem Distrikt Inn unterstellt. Mit der neuen Bündner Kantonsverfassung von 1854 bildete es dann den Kreis und Bez. Münstertal und die sechs Gem. wurden politisch selbstständig. 1870-72 brachte der Ausbau der Ofenpassstrasse einen besseren Anschluss an die übrige Schweiz, 1898-1901 jener der Umbrailstrasse einen leichteren Zugang zum Veltlin. Das von Adolf Guyer-Zeller zu Beginn des 20. Jh. vorangetriebene Projekt einer Ofenbergbahn wurde nicht realisiert. In der Landwirtschaft dominieren Viehzucht und Milchwirtschaft nebst Getreideanbau. Ab den 1960er Jahren entwickelte sich im V. ein naturnaher Tourismus. Die weitgehend intakte Landschaft (Rettung des Rombaches, kleiner Anteil am Nationalpark) bietet zahlreiche Wandermöglichkeiten und der sanfte Ausbau des Gebiets am Minschuns für Schneesportarten brachte dem Tal auch im Winter Touristen. Zusätzlich zum traditionellen Handwerk und zur bedeutsamen Möbelindustrie liessen sich in den 1970er Jahren v.a. in Müstair versch. Industrie- und Dienstleistungsbetriebe nieder, was u.a. zu zahlreichen Zupendlern aus dem Vinschgau führte. Seit 1973 existiert der Regionalverband Corporaziun Regiunala V. Seit 2010 ist das V. ein Biosphärenreservat der Unesco. In Valchava befindet sich heute das Talmuseum Chasa Jaura, in Müstair das Klostermuseum.
Literatur
– P. Nolfi, Das bündner. Münstertal, 1958 (31980)
– I. Müller, Gesch. des Klosters Müstair, 1978
– C. Foffa, V., 2003
Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm