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Immer voll drauf halten.
Frauen sind nicht solche Angsthasen wie Männer.
Immer voll drauf halten.
Frauen sind nicht solche Angsthasen wie Männer.
Ich weiss, dass ich langsam zum Newsportal Recycler verkomme, aber der hier ist zu gut, um ihn an mir vorbeiziehen zu lassen.
Pass auf: Ich mag die Foo Fighters und ganz besonders mag ich den Song Learn to fly.
Jetzt haben die Italiener den Vogel abgeschossen: in Cesena versammelten sich 1000 Hobby Musiker und Rock Fans, um gemeinsam genau diesen Song zu performen mit dem Ziel, die Foo Fighters zu einem Auftritt in Cesena zu bewegen.
Grossartiges Video. Das ist Musik.
Wie man auf Twitter lesen kann, sind die Foo Fighters begeistert. Sie kommen bald vorbei.
Ich habe eine Ausstellung in der Londoner Tate Modern besucht. Das Thema lautete Conflict, Time, Photography. Unter anderem war die Bildserie Shot at Dawn der Fotografin Chloe Dewe Mathews zu sehen.
Die Idee: während des ersten Weltkriegs wurden Dutzende britische, französische und belgische Deserteure erschossen. Mathews machte die Orte der Hinrichtungen ausfindig, reiste dorthin und fotografierte die Stellen zur Tageszeit, als die Leute erschossen wurden.
Es hat einige schöne Orte darunter, draussen auf dem Land, auf offenem Feld, in der Nähe von Wäldern. Ich wünschte mir, dass sich diejenigen, die über den Hinrichtungsort entscheiden mussten, gedacht haben: wenn schon einer von uns gehen muss, dann lass es wenigstens an einem schönen Ort geschehen.
Ich glaube nicht, dass sie diese Überlegungen anstellt haben.
Wir haben in Lausanne ein fantastisches Museum besucht: L’Art Brut. Von Jean Dubuffet in den 70ern initiiert, sind in diesem Museum jenseits des Mainstreams die Werke von Künstlern versammelt, die pure, rohe, naive Werke erschufen. Nicht wenige von ihnen haben ihr Leben in psychiatrischen Anstalten und Irrenhäusern verbracht. Andere sind einfach nur Besessene. Aber grossartige Kunst, solch ungefilterte Naturgewalt hat mir schon immer imponiert. Das sind meine Leute. Unbedingt dieses Museum besuchen, wenn ihr mal in Lausanne seid.
Vor dem Museum folgende Aussage von Dubuffet an die Fassade gekritzelt, die schönste Beschreibung von Kunst, die ich jemals gelesen habe:
Eines Nachts, als ich rastlos durch das Internet streifte, stiess ich zunächst auf die Band alt-J und dann auf dieses Musikvideo:
Vorsicht, ist nicht ganz ohne. Aber bemerkenswert. Er scheint glücklich zu sein am Ende, bevor er in Flammen aufgeht.
Starker Song, starkes Video.
Jetzt kann man sich natürlich fragen: was soll das? Hier ein YouTube-Erklärungsversuch von joshfcum:
Well from the meaning of the song this is my interpretation. Hunger of the pine is about that yearning you have for someone you love who doesn’t love you back. Each arrow represents being let down, or shot down if you will in your advances by this person. But that yearning and desire doesn’t leave, doesn’t dissipate and so you carry on, even though you’re hurting. You carry on even though you keep getting hurt and shot down until finally you can’t go anymore. At this point you make you’re final plea, and in doing that you set yourself up to be destroyed and the likelihood of it working is like the likelihood of missing all of those flaming arrows.
Diese Woche habe ich nach langer Zeit wieder mal das Magazin DER SPIEGEL gekauft, denn ich unternahm eine mehrstündige Zugreise und da kann eine interessante Lektüre nicht schaden. Ich habe zahlreiche Artikel gelesen, unter anderem über die Schweiz und ihre Banken, Mark Twain, Helmut Kohl, Drohnen, den georgischen Wahlkampf, die Ultras des 1. FC Köln, die SPIEGEL-Affäre, ein Interview mit J. K. Rowling, aber auch einen Beitrag, der den Hype thematisiert, den das neue iPhone 5 entfacht, obwohl die Unterschiede zu dessen Vorgängermodell wie mir berichtet wird marginal sind. In diesem Zusammenhang wurde im SPIEGEL-Artikel ein Gedicht des grossen Bertold Brecht zitiert, das ich an dieser Stelle in voller Länge wiedergeben möchte, denn es entlarvt nicht nur den aktuellen Apple-Hype, sondern vieles andere, was uns umgibt. Brecht war ein Gigant.
Siebenhundert Intellektuelle beten einen Öltank an
Ohne Einladung
Sind wir gekommen
Siebenhundert (und viele sind noch unterwegs)
Überall her,
Wo kein Wind mehr weht,
Von den Mühlen, die langsam mahlen,
Und den Öfen, von denen es heißt,
Daß kein Hund mehr vorkommt.
Und haben dich gesehen
Plötzlich in der Nacht,
Öltank.
Gestern warst du noch nicht da,
Aber heute bist nur du mehr.
Eilet herbei, alle
Die ihr abgesägt den Ast, auf dem ihr sitzet,
Werktätige!
Gott ist wiedergekommen
In Gestalt eines Öltanks.
Du Häßlicher,
Du bist der Schönste,
Tue uns Gewalt an,
Du Sachlicher!
Lösche aus unser Ich!
Mach uns kollektiv!
Denn nicht wie wir wollen
Sondern wie du willst.
Und bist du nicht gemacht aus Elfenbein
Und Ebenholz, sondern aus
Eisen.
Herrlich, Herrlich, Herrlich!
Du Unscheinbarer!
Du bist kein Unsichtbarer,
Nicht Unendlich bist du!
Sondern sieben Meter hoch.
In dir ist kein Geheimnis
Sondern Öl.
Und du verfährst mit uns
Nicht nach Gutdünken, noch unerforschlich
Sondern nach Berechnung.
Was ist für dich Gras?
Du sitzest darauf.
Wo ehedem Gras war
Da sitzest jetzt du, Öltank,
Und vor dir ist ein Gefühl
Nichts.
Darum erhöre uns
Und erlöse uns von dem Übel des Geistes
Im Namen der Elektrifizierung
Der Ratio und der Statistik!
Heute morgen bin ich zu früher Stunde in den Keller gestiegen und habe meinen alten MP3-Player (iAudio X5) ausgegraben, denn ich wollte Musik hören. Der Akku des X5 ist seit Jahren tot, aber, so dachte ich, als stationäre Musikanlage sollte er dank Docking Station immer noch zu betreiben sein. Für einem Moment schien es, als könne der X5 nicht mehr zum Leben erweckt werden, aber nachdem der Strom ihn einige Mintuen durchfloss, liess sich das alte Schlachtross wieder einschalten. Zäh und unverwüstlich wie sein Besitzer. Und dann geschah etwas Bemerkenswertes: vor mir entfaltete sich ein musikalischer Kosmos, den ich vor fünf Jahren verlassen hatte. Eine Reise in die Vergangenheit, frage nicht. Schnell wurde klar: ich war anders damals. Der Musikgeschmack weitaus aggressiver, roher, wilder, wütender, kompromissloser, existenzialistischer als heute.
Genau so war wahrscheinlich auch ich selber.
Aber natürlich grossartige Bands dabei: Arctic Monkeys, …And You Will Know Us by the Trail of Dead, The Von Bondies, Interpol, Johnny Lives!, Madrugada, Rise Against, The Automatic, The Bankok Five, The Hives, The Rifles, Die Gruppe Sport, Razorlight, usw.
Als ich durch die Liste scrollte und willkürlich Songs spielte, stellte ich erfreut fest, dass ich die Bands noch immer mag, aber mein Horizont hat sich in der Zwischenzeit erweitert und zwar in ruhigere Gewässer.
Es gab in den vergangenen zehn Jahren zwei Menschen, deren Musikgeschmack mich massgeblich beeinflusst haben: Dominic L. und Adi. Die beiden frage und fragte ich in unregelmässigen Abständen nach neuen Bands und Künstlern. Die oben aufgeführten Kapellen kommen tendenziell aus der Dominic-L.-Ecke.
Aber interessant: Der X5 beherbergt auch eine ganze Reihe Bands, die ich damals relativ selten gehört habe: Floatation Toy Warning, Animal Collective, Editors, Sigur Ros, The Hidden Cameras, Wolf Parade usw. Kommt alles aus der Adi-Ecke, gefällt mir heute ausgezeichnet. Ihre Zeit scheint gekommen zu sein. Endlich bin ich so weit.
Wer jetzt denkt, dass ich dem Indie-Rock-Pop-Punk gänzlich abgeschworen habe: keine Angst, ich werde mich auch weiterhin von jaulenden Stromgitarren beschallen lassen, die von Menschen gespielt werden, die mehr Bier trinken, als man sollte.
Die Basquiat-Ausstellung in der Fondation Beyeler ging am 5. September 2010 zu Ende. Es war dies die erste umfassende Retrospektive dieses ausserordentlichen Künstlers in Europa. Von allem Anfang an war klar, dass ich hingehen würde, denn Basquiat ist unter allen Künstlern mein grösster Held, doch habe es versäumt, einen Besuch in Basel zu planen, und also fuhr ich mit Laure am letzten Tag hin. Wir haben es nicht bereut.
Um es kurz zu machen: es war eine fantastische Ausstellung. Die beste, die ich jemals besucht habe, ganz ohne Zweifel, denn es gab ausschliesslich Bilder, die mir gefielen. Viele hatte ich schon oft in meinem Basquiat-Buch bestaunt. Nun stand ich ihnen direkt gegenüber. Ein grossartiges Gefühl.
Jean-Michel Basquiat hat in den acht Jahren seines künstlerischen Schaffens ein umfassendes Werk von 1000 Gemälden und 2000 Zeichnungen angefertigt, bevor er mit 27 Jahren an einer Überdosis Heroin verstarb. Als hätte er es geahnt und all seine Kreativität in diese acht Jahre gepackt.
100 dieser Werke wurden in der Fondation Beyeler präsentiert. Der Museumsgründer hat die Ausstellung leider nicht mehr erlebt, er verstarb wenige Monate vor der Eröffnung, aber ich bin sicher, sie hätte ihm gefallen. Am Eingang ist eine schlichte Inschrift angebracht:
in memoriam
Ernst Beyeler, 16. Juli 1921 – 25. Februar 2010
Daneben ein kleines Bild von Miró mit dem Titel L’étreinte du soleil à l’amoureux, 1952.
Ich kann nicht genau beschreiben, warum Basquiats Gemälde mich faszinieren, denn ich habe einen überaus unreflektierten Zugang zu Kunst. Ich mag Bilder oder ich mag sie nicht. Ich verstehe sie zumeist nicht oder unzureichend und wenn ich sie verstehe, schafft dieses Verständnis keinen Mehrwert (bei Installationen ist es anders). Ich stehe also wie das Kind vor dem Bild und mit ein wenig Glück finde ich einen Zugang zum Exponat. So einfach ist das. Bunte, aufmüpfige, chaotische Werke sind dabei klar im Vorteil. Ich mag Hundertwasser, Tinguely, Rauschenberg.
Im Saaltextheftli wird in der Beschreibung des Gemäldes Pegasus ein Mann namens Fab 5 Freddy zitiert:
Ich glaube, Jean-Michel lebte wie eine Flamme. Er brannte strahlend hell. Dann ging das Feuer aus. Doch die Glut ist noch nicht erloschen.
Er hat recht: noch immer kann man seine Kraft spüren.
Jetzt ein wichtiger Hinweis an meine Schwester: Auch U2 besass ein Bild von ihm: Untitled (Pecho/Oreja). Sie haben es im Juni 2008 für $10.1 Mio. bei Sotheby’s versteigert.
Ein bisschen Basquiat habe ich dann auch nach Hause mitgenommen, leider keine Orginiale (wären auch zu gross gewesen, hätten nicht ins Auto gepasst), sondern zwei Poster, das eine Untitled, das andere trägt den Namen Molasses (Titel waren offenbar nicht so sein Ding). Meine Basquiat-Poster-Sammlung wächst damit auf fünf Exemplare an. Nur aufhängen müsste ich sie noch. Das wäre schön.
Als ich aus dem Gebäude trat, da wusste ich: Papier, Acry-Farbe, Ölkreide besorgen und los gehts. Ein wenig Chaos im Kopf kann auch nicht schaden. Mehr braucht es nicht.