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Beobachtungen zur Verlaufsgestaltung klassischer Sonatenexpositionen (2023)
Felix Baumann, „Beobachtungen zur Verlaufsgestaltung klassischer Sonatenexpositionen“, in: Notation. Schnittstelle zwischen Komposition, Interpretation und Analyse. 19. Jahreskongress der Gesellschaft für Musiktheorie, Zürich 2023, S. 509-529.
ABSTRACT
Musikkundige wissen, dass das Seitenthema einer klassischen Sonatenexposition in Dur in der Oberquinttonart steht. Weniger oder gar nicht bekannt ist, dass sich einhergehend mit der harmonischen Modulation eine rhythmische Intensivierung vollzieht, womit der Prozess der Modulation als ein dramatischer wahrgenommen wird. Diese mit einer inneren Beschleunigung einhergehende Differenzierung der musikalischen Textur erfährt oft eine Zuspitzung vor dem Abschluss der Exposition. In den musiktheoretischen Schriften wird diesem Gegenstand bisher wenig Beachtung geschenkt. Immerhin finden sich bei James Hepokoski und Warren Darcy und vor allem bei Charles Rosen Ansätze einer adäquaten Beschreibung, die hier entwickelt und ausgeführt werden. Anhand der frühen Haydn’schen Klaviersonaten wird in diesem Aufsatz das Phänomen beschrieben und nachvollziehbar gemacht. Gleichzeitig möchte der Beitrag die Diskussion darüber anregen, was dieser Befund für das Verständnis, die Analyse, das Nachschaffen und die Interpretation von Sonatensätzen seit der Wiener Klassik beitragen kann.
Zwei- oder vieltonal.
Ein Diskussionsbeitrag über die innere Mechanik der Klanggestaltung in Strawinskys «Sacre du Printemps» (2017)
Felix Baumann, «Zwei- oder vieltonal. Ein Diskussionsbeitrag über die innere Mechanik der Klanggestaltung in Strawinkys «Sacre du Printemps», in: Benjamin Lang (hg.), Lost in Contemporary Music? Neue Musik analysieren, Regensburg: ConBrio 2017, S. 81-124
ABSTRACT
Der Text versucht freizulegen, wie Strawinsky ausgehend vom berühmten Akkord zu Beginn der zweiten Szene mittels einer unerschöpflichen Kreativität in der Entfaltung motivischer Elemente und vor allem durch deren Kombination systematisch eine abenteuerliche Harmonik baut, die er selber als ‚zwei- oder vieltonal‘ beschrieben hat, einer Harmonik also, die nicht modal oder innerhalb eines harmonischen Feldes zu verstehen ist, sondern auf die Vielfalt der harmonischen Perspektiven zielt. Einhergehend mit der Vitalität der rhythmischen Elemente realisiert Strawinsky im Sacre eine neuartige Gestaltung der Harmonik.
Hören als aktiver Prozess. Was die Neurowissenschaft und Komponisten Neuer Musik über das Hören sagen (2014)
Felix Baumann, Hören als aktiver Prozess. Was die Neurowissenschaft und Komponisten Neuer Musik über das Hören sagen, in: Stefan Willer, Daniel Weidner (hg.), Zuhören. Trajekte Nr. 29. Zeitschrift des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin, Berlin, Kulturverlag Kadmos, 2014, S. 33-42.
ABSTRACT
Die Lektüre verschiedener Komponisten zeigt, dass mit jedem von ihnen ein eigenes Denken, eine eigene Ästhetik ins Spiel kommt, womit sich die Hörmethoden erweitern, vervielfachen und differenzieren. Dabei wird deutlich, dass es über die Hör-Erfahrung Schritt für Schritt um die Aus-Bildung von Begrifflichkeiten geht, mittels derer sich das hörende Subjekt immer besser und rascher in der Klangsprache orientieren und verständigen kann. Nach und nach hört sich das zugewandte Ohr ein in die unterschiedliche Gangart, in das spezifische Klima eines Musikstücks. Im Wissen darum, dass sich die Struktur unseres Gehirns in jedem Augenblick weiter aufbaut, neu gestaltet und neue Verschaltungen in ungeahnter Zahl herstellt, möchte ich nicht allein verschiedene Positionen und Hörmethoden erörtern, sondern dafür plädieren, sich in ungewohnte Hör-Abenteuer zu stürzen. Das Gehirn ist nicht nur in der Lage, mit einer verwirrenden Vielfalt von Klängen und Informationen umzugehen, sondern sich daran buchstäblich zu bilden. Es ist auch eine Frage der Hör-Kilometer, ob sich Zugänge zu uns eben noch fremder Musik erschliessen.
Der Text ist eine gekürzte und überarbeitete Fassung des Beitrags «Hören als kulturelle Leistung» in dem von Benjamin Lang herausgegebenen Band Ganz Ohr? Neue Musik in der Gehörbildung (Regensburg 2013).
Hören als kulturelle Leistung (2013)
Felix Baumann, Hören als kulturelle Leistung, in: Benjamin Lang (hg.), Ganz Ohr? Neue Musik in der Gehörbildung, Regensburg: ConBrio, 2013, S. 11-30.
ABSTRACT
Ausgehend von Erkenntnissen aus den Neurowissenschaften, dass der Mensch gar nicht anders kann als alles ihn umgebende in einem vielfachen Abtastverhalten wahrzunehmen, stellt sich die Frage, nach welchen Filtern sich Individuen im Weltganzen orientieren und wie sie sich in vorfindlichen Räumen bewegen. Insbesondere im Zusammenhang mit aktueller Kunstmusik ist diese Erkenntnis von Bedeutung. Aussagen von bedeutenden Komponisten wie Lachenmann, Ablinger, Stockhausen, Nono, Cage u.a werden diesbezüglich untersucht.
Beobachtungen aus der Entwicklungspsychologie zeigen darüber hinaus, wie das differenzierte Hören im frühen Instrumentalspiel die manuelle Ausführung vereinfacht, oft erst ermöglicht und rückwirkend wiederum die Instrumente des Erkennens bereichert. Entsprechend besteht die Hauptaufgabe einer Hörerziehung auch darin, Individuen über bisher Bekanntes hinaus an Punkte der Unvoreingenommenheit zu begleiten, von denen aus sich die akustische Welt ganz neu und existentiell erschliessen kann.
Zur Thematik des Schliessens: Das Zoomen (2002)
Felix Baumann (et al.), Wann ist ein Stück Musik zu Ende? Zwei Antworten von Felix Baumann und Rico Gubler, in: Dissonanz 78 (2002).
Gibt es Kriterien für ein gelungenes Stück? Wie entscheidet sich, wo der Schlussstrich unter eine Musik gesetzt werden kann, was muss sich davor ereignet haben? Welches sind übergeordnete Bedingungen, die – ohne allzu sehr verallgemeinern zu müssen – sich in einem guten und bewegenden Stück auf irgendeine Weise wiederfinden?
Der Text sucht nach Antworten auf diese Fragen und danach, ob es überhaupt eine Antwort auf diese Fragen geben kann.