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Festungsgeschichte Schweiz
Seit Jahrtausenden gibt es auf dem Gebiet der Schweiz Festungen. Schon die Helvetier errichten Höhenfestungen. Die Römer bauen entlang des Rheins Wachtürme und Kastelle. Im Mittelalter entstehen zahlreiche Burgen und ca. 200 befestigte Städte. Bald nach 1291 beginnen Schwyz und Unterwalden, die Zugänge in ihre Täler mit Letzinen zu sichern. Die erhöhte Wirksamkeit der Artillerie führt im 16. Jahrhundert zu erhöhter Festungsbautätigkeit. Das betrifft vor allem Zug, Solothurn, Genf, Zürich und Basel sowie Schaffhausen, das den Munot erbaut. Mit der Bedrohung der Schweiz im Dreissigjährigen Krieg und den konfessionellen Spannungen innerhalb der Schweiz wird im 17. Jahrhundert eine weitere Runde eingeläutet. Nach den neuesten Erkenntnissen der Festungsbaukunst umgeben sich Genf, Bern, Zürich und Solothurn mit Wällen und Bastionen. In den Grenzgebieten zur jeweils anderen Konfession legen die katholischen wie auch die reformierten Stände Festungen an, um die es in den Villmergerkriegen teilweise zu Kämpfen kommt.
Im 19. Jahrhundert kommt zum ersten Mal die Idee eines Réduit auf. In diesem Zusammenhang entstehen 1831 die Festungen bei Aarberg. Auf der St. Luziensteig entsteht gleichzeitig ein Pass- und bei Saint Maurice eine Talsperre. Damit sich das Tessin im Kriegsfall bis zum Eintreffen eidgenössischer Verstärkung halten kann, entstehen bis 1854 Festungen südlich von Bellinzona. Die Eröffnung des Gotthard-Eisenbahntunnels und das Entstehen der beiden Nationalstaaten Italien und Deutschland führt zwischen 1885 und 1902 zu einer Befestigung des Gotthardgebiets. Kurz vor Ausbruch und während des 1. Weltkriegs entstehen im Tessin erneut Festungen. Im Raum Olten und in der Gegend von Murten entstehen Festungssysteme, die eine Neutralitätsverletzung Frankreichs oder Deutschlands verhindern sollen.
Von den Helvetiern bis ins Mittelalter
Das Bedürfnis, sich durch Festungen zusätzlichen Schutz zu geben, ist auf dem Gebiet der heutigen Schweiz Jahrtausende alt. Zahlreiche Höhenfestungen aus vorrömischer Zeit sind nachgewiesen. Zur Zeit der römischen Herrschaft entsteht entlang des Rheins ein Netz von Wachtürmen und Kastellen. Im Mittelland erbauen die Römer befestigte Städte weitere Kastelle sowie das Legionslager in Vindonissa (Windisch). Im Mittelalter baut sich der Adel zahlreiche Burgen und gründet vor allem im 12. und 13. Jahrhundert rund 200 Städte, die er mit Stadtmauern umgibt. Viele davon verlieren noch im Mittelalter ihren Stadtcharakter wieder, die Befestigungen werden abgetragen.
Letzinen
Der Festungsbau der Eidgenossen beginnt schon bald nach 1291. Schwyz und Unterwalden beginnen kurz vor dem Morgartenkrieg damit, die Zugänge zu ihrem Territorium zu Land und über den Vierwaldstättersee mit Sperren - den so genannten Letzinen - zu schützen. Uri muss keine Geländeverstärkungen anlegen, da es durch seine abgeschlossene Lage genügend geschützt ist. Bis ca. 1330 entstehen so die Letzinen bei Arth und Oberarth, Rothenturm, Morgarten, auf der Rengg und auf der Brünigpasshöhe. An Sperren für den Zugang über den See entstehen die Anlagen bei Brunnen, Ennetbürgen-Buochs, Beckenried sowie die ausgedehnten Anlagen im Seebecken von Stansstad.
Tor der ehemaligen Letzi von Rothenthurm © Reto Fürer
Etwas später entstand die Letzi, mit welcher die Glarner bei Näfels den Zugang zu ihrem Tal sperren. Die einzigen dieser Anlagen, die sich militärisch zu bewähren haben, sind die Näfelser Letzi 1388 beim Einfall des habsburgischen Adels und die Befestigungen von Stansstaad im September 1798 beim Angriff der Franzosen.
Aufgabe der einzelnen Stände
Der Befestigungsbau ist Sache der einzelnen Stände. Im 14. und 15. Jahrhundert geschieht wenig und was gebaut wird, unterscheidet sich nicht von dem, was auf nichteidgenössischen Territorien entsteht. Die Luzerner geben sich zu Beginn des 15. Jahrhundert mit der Museggmauer eine neue Stadtbefestigung und Bern verstärkt seine Stadtmauern in mehreren Etappen. Nach der Eroberung des Unterwallis in den Burgunderkriegen befestigten die Walliser Zehnden den Rhôneübergang bei Saint Maurice als neuen Grenzpunkt. Bis 1496 entsteht das noch heute erhaltene Schloss von Saint Maurice
Im Tessin wird in dieser Zeit Bellinzona zur Talsperre ausgebaut. Damit versuchen sich die Herzöge von Mailand gegen die expansiven Innerschweizer zu schützen, die aus dem Norden vorstossen. Auch das Schloss von Locarno erfährt umfassende Erweiterungen.
Erhöhte Wirksamkeit der Artillerie
Die erhöhte Wirksamkeit der Artillerie führt im 16. Jahrhundert zu einer erneuten Festungsbautätigkeit. Die Türme werden tiefer, dafür aber breiter. Erste Bastionen fügen sich in die Stadtmauern ein, wo sie als Geschützplattformen dienen. Gerade Kanten werden zugunsten von Rundungen vermieden. Dank ihnen sollen Kanonenkugeln abprallen, statt Schaden anrichten. In Zug entsteht zwischen 1519 und 1530 eine neue Stadtmauer, die allerdings noch weitgehend der traditionellen Bauweise folgt. Solothurn, Genf, Zürich und Basel verstärken dagegen ihre Stadtmauern nach den neuen Erkenntnissen. Schaffhausen geht mit dem Bau des kreisförmigen Munots einen eigenen Weg. Auch an den Burgen von Morges, Burgdorf, Aarburg und Dorneck werden Modernisierungen vorgenommen.
Dreissigjähriger Krieg
Mit der Bedrohung der Schweiz im Dreissigjährigen Krieg wird eine weitere Runde einzelörtischen Festungsbaus eingeläutet. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts erneuern fast alle eidgenössischen Stadtorte die Befestigungen ihrer Hauptstädte. Den Reigen beginnt 1602 das zugewandte Genf. Es legt eine neue Befestigung mit acht Bastionen an. Finanziert wird dieses kostspielige Werk durch das protestantische Ausland, das damit einen Beitrag zum Schutz des «protestantischen Roms» leistet. Genf fühlt sich permanent durch Savoyen bedroht.
Ebenfalls mit Wällen und Bastionen umgeben sich Bern (ab 1622), Zürich (ab 1642) und Solothurn (ab 1687). Basel (ab 1615) und Fribourg verstärken ihre mittelalterlichen Stadtbefestigungen partiell oder sogar nur mit einzelnen modernen Elementen. Bern modernisiert die Befestigungen von Yverdon, sowie die Landvogteischlösser von Lenzburg und Aarwangen. Zürich umgibt Winterthur mit Wällen und baut die Befestigung der rechtsrheinischen Seite von Stein am Rhein mit Schanzen aus, ebenso wie das Schloss Forsteck in Ihrem Herrschaftsgebiet Sax im St. Galler Rheintal.
Konfessionelle Spannungen
Nach dem Dreissigjährigen Krieg verstärken sich die Spannungen zwischen den katholischen und den reformierten Orten. Es kommt 1656 und 1712 zu Religionskriegen dem ersten und dem zweiten Villmergerkrieg. In diesem Umfeld entsteht eine ganze Reihe von Befestigungen.
Auf reformierter Seite: An der Grenze zum Kanton Schwyz baut Zürich eine in die Tiefe gestaffelte Abwehrfront. Die vordere Linie besteht aus fünf feldmässig erstellten Schanzen zwischen Hütten und Richterswil. In der Tiefe werden weitere Schanzen angelegt, der Kirchhof von Schönenberg befestigt sowie das Landvogteischloss von Wädenswil mit Schanzen versehen. An seiner Ostgrenze zur vorwiegend katholisch regierten Grafschaft Baden erfolgt die Erneuerung der Befestigungen von Regensberg. Die Kirchhöfe von Weiach und Bachs erhalten einen Ausbau zu befestigten Stützpunkten.
Bern dagegen baut das Landvogteischloss von Aarburg zur modernen Artilleriefestung aus und sichert damit die Verbindung in den Berner Aargau an der engsten Stelle, wo sie im Norden an das katholische Solothurn und im Süden an den ebenfalls katholischen Stand Luzern grenzt. Auch auf der Brünigpasshöhe entstehen Schanzen.
Auf katholischer Seite: Im Meiental modernisiert Uri die bereits bestehenden Anlagen (Meienschanze) und erreicht so die Sperrung der Einfallsachse über den Sustenpass. Die strategisch wichtig gelegenen katholischen Städte Rapperswil (Schanzen auf der Landseite) und Baden (Erstellung einer Festung anstelle der 1415 zerstörten Burg Stein) modernisieren ihre Stadtbefestigungen. Rapperswil wird im 1. Villmergerkrieg durch die Reformierten belagert. Baden erleidet dieses Schicksal im 2. Villmergerkrieg.
Schwyz legt gegenüber den Zürcher Befestigungen ebenfalls Feldbefestigungen an. Unterwalden befestigt seine Seite des Brünigs und Zug die Brücke von Sins mit feldmässig erstellten Schanzen.
Sankt Luziensteig und erneut Genf
Unter dem Zürcher Festungsbauer Werdmüller erstellt Graubünden zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf der immer wieder umkämpften St. Luziensteig eine Speerfestung. Der Übergang ist der wichtigste Zugang von Norden nach Graubünden, da die Rheinebene bei Landquart kaum passierbar ist. Genf verstärkt ab 1724 erneut seinen Schanzenring nach den neuesten Erkenntnissen des Festungsbaus und legt u.a. so genannte Ravelins an.
Der gesamteidgenössische Festungsbau beginnt
Nach dem Sturz Napoleons erneuert sich die Eidgenossenschaft. Umsichtige Offiziere vor allem aus Basel, Genf und Zürich machen sich Gedanken über mögliche militärische Bedrohungen der Schweiz und was dagegen vorzukehren sei. Führender Kopf dieser Offiziere ist der Zürcher Johann Conrad Finsler (1765-1839). 1814 erarbeitet er einen Vorschlag, wie die militärisch ideale Grenze der Schweiz auszusehen hätte. Dazu nimmt er grosszügige Abrundung vor. Er betrachtet das Pay de Gex ebenso als notwendiger Bestandteil des Schweizer Territoriums, wie auch Hochsavoyen, Domodossola und das Veltlin. Er schlägt auch die Schaffung einer Zentralstellung (Gebiet östlich Saane, südlich Aare, Limmat und Linth und entlang des nördlichen Alpenkamms) vor, aus welcher heraus die Schweizer Armee im Kriegsfall operieren sollte Damit nimmt er Idee des Réduit vorweg. Ab 1823 wird die Schweiz durch kleine Offiziersgruppen rekognosziert.
Als besonders gefährdet wird das geographisch isolierte Wallis betrachtet. So ist es kaum ein Zufall, dass die Wiederaufnahme des Festungsbaus 1825 mit dem Bau von Anlagen in der Gondoschlucht entlang der strategisch wichtigen Passstrasse über den Simplon beginnt.
Die Projekte von 1831
Wegen den politischen Wirren in Frankreich wird 1831 der Waadtländer Charles Jules Guigier de Prangins von der Tagsatzung zum General gewählt. Sein Generalstabschef ist der künftige General Dufour. Dufour schlägt die Anlage von Festungen vor. Die Tagsatzung gibt freie Hand für den Bau einiger Anlagen. Es entstehen Befestigungen bei Aarberg, auf der St. Luziensteig und bei Saint Maurice. In Aarberg wird der Brückenkopf über die Aare mit Schanzen befestigt, auf der Luziensteig wird eine Sperrfestung gebaut, welche auch die noch bestehenden Elemente der alten Sperrfestung aus dem 18 Jahrhundert mit einbezieht. In Saint Maurice entsteht eine ausgedehnte und in die Tiefe gestaffelte Sperrstellung zur Abriegelung des Rhônetals. Die Festungen auf der Luziensteig und bei Saint Maurice werden auch in den folgenden Jahrzehnten systematisch weiter ausgebaut.
Das Basler Eisenbahntor
Ein letztes Mal baut in dieser Zeit auch eine Schweizer Stadt ihre Befestigungen aus. Der Französische Bahnhof von Basel wird in die Stadtbefestigung integriert, indem der Wall im Bereich des St. Johannstors erweitert wird. Der Zugang für die Eisenbahn wird mit einem eigenen verschliessbaren Eisenbahntor ermöglicht.
Die Befestigung des Südtessins
1844 gelangt eine Tessiner Gesandtschaft an die Tagsatzung. Sie verlangt, bei Bellinzona seien Festungen anzulegen, welche den Tessinern Schutz böten und damit sie einen Stützpunkt erhielten in welchem sie sich verteidigen könnten, bis die Verstärkung aus der übrigen Schweiz eintreffe. Die Tagsatzung beauftragt Dufour ein Gutachten zu verfassen. In seinem Bericht macht Dufour Vorschläge für eine Befestigung von Bellinzona. Unter dem Eindruck der Konflikte, die in den Folgejahren in Italien ausbrechen, entstehen bis 1854 zwei Festungslinien südlich von Bellinzona
Die Gotthardbefestigungen
Zwischen 1860 und 1885 wird der Gotthard-Eisenbahntunnel eröffnet und die beiden Nationalstaaten Italien und Deutschland entstehen. Zusammen mit Österreich-Ungarn schliessen sie sich zum Dreibund zusammen. Damit rückt die Nordsüdachse - die schnellste Verbindung zwischen Italien und Deutschland - ins Rampenlicht. Eine heftige Diskussion beginnt, wie das Gotthardgebiet zu befestigen sei. Es entstehen zwischen 1885 und 1902 eine Reihe von Batterien (davon die Grösste auf Motto Bartolo oberhalb von Airolo) sowie eine Anzahl Artillerieforts (Fondo del Bosco bei Airolo, Bühl und Bäzberg bei Andermatt, Stöckli am Oberalp und Gallenhütten auf dem Furkapass). Dazu Infanterieanlagen, deren wichtigste die Redoute Hospiz auf der Gotthardpasshöhe ist. Gleichzeitig wird die Festung St. Maurice in mehreren Etappen neu erbaut.
Blockhaus aus dem Jahr 1905 beim Portal des Gotthardtunnels in Airolo © Reto Fürer
Der 1. Weltkrieg
Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs beginnen erneut Befestigungsarbeiten im Südtessin. Ziel ist die Erstellung von Sperren auf dem Monte Ceneri, bei Magadino und bei Gordola (Infanteriewerke, Flankenbatterien und Kehlkasernen). Das alte Dispositiv südlich von Bellinzona wird gewissermassen weiter nach vorne geschoben an die topographischen Eckpunkte See und Ceneri.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erstellt die Truppe überall in den Grenzgebieten Feldbefestigungen. Die Anlagen im Südtessin werden weiter ausgebaut und durch eine Befestigung des San Jorio-Passes im Osten Bellinzonas ergänzt. Es entsteht eine geschlossene Abwehrstellung im Tessin.
Der Eisenbahnknotenpunkt Olten und die Aarebrücken von Olten und Aarburg sind bei einem möglichen deutschen Einfall von grosser Bedeutung. Es gilt sie zu schützen, weshalb auf den umliegenden Jurahöhen die halbpermanent ausgebaute Fortifikation Hauenstein entsteht (die Fortifikation Hauenstein wird derzeit auf der Homepage von Oswald Schwitter aufgearbeitet).
Ein gleiches geschieht im Westen der Schweiz mit der Fortifikation Murten. Mit dieser entsteht eine Sperre auf der Achse Bielersee-Murtensee-Saane um einer französischen Neutralitätsverletzung entgegen treten zu können. 1915, nach dem Kriegseintritt von Italien auf der Seite der Alliierten, erfolgt die Anlage von Befestigungen am Umbrail.
Autor: Reto Fürer
In der Zwischenkriegszeit war man mehrheitlich der Meinung, Befestigungen hätten ihren Wert verloren, da die Erfahrungen des 1. Weltkrieges deren Wert relativiert hätten. Das Büro für Befestigungsbauten wurde aufgelöst. Erst die Tatsache, dass in Frankreich erneut starke Grenzbefestigung entstanden, liess in der Schweiz den Festungsgedanken wieder wach werden. In Frankreich wurde damals die Maginotlinie mit Festungswerken von der Schweizer Grenze bis an den Ärmelkanal erstellt. Und in der Schweiz war nicht einmal bekannt, was und oft auch wo von den Stellungen des 1. Weltkrieges noch etwas vorhanden war.
Kurz vor dem 2. Weltkrieg entstanden Festungen im Schweizer Grenzgebiet an verschiedenen wichtigen Punkten, wie in Vallorbe und am Rhein. Neue Anlagen wurden am Gotthard, in St. Maurice und im Raum Sargans erstellt. Im zweiten Weltkrieg wurden die Festungsbauten dann verstärkt fortgesetzt. Es entstanden ausgedehnte Sperrwerke und Panzerhindernisse, denen der geübte Betrachter auch heute noch in der ganzen Schweiz begegnet.
Für die Lage dieser Anlagen sind vor allem die zwei Operationsbefehle von General Henri Guisan Nr. 12 vom 17. Juli 1940 und Nr. 13 vom 24. Mai 1941 massgebend. Unter dem Eindruck der Blitzkriege Deutschlands gegen Polen und Frankreich kam der General zum Schluss, dass die Armee nicht flächendeckend über die ganze Schweiz, sondern schwerpunktmässig nur in einem begrenzten Gebiet erfolgreich kämpfen könne.
Man entwickelte ein dreistufiges Konzept mit einer Verteidigung in der Grenzzone, einer ersten Stellung im Mittelland (der sogenannten vorgeschobenen Stellung) und einer Zentralraumstellung, dem Reduit. Zudem musste mangels einer eigenen Panzerwaffe der Schutz vor allem in Geländeverstärkungen, Sperren und Befestigungen gesucht werden. Die vorgeschobene Stellung verlief von Sargans dem Zürichsee und der Limmat entlang in den Raum Hauenstein, von dort über den Jura gegen den Jolimont zwischen Neuenburger und Bielersee, sodann über den Vully und anschliessend von Murten an die Saane.
Die Zentralraumstellung umfasste im wesentlichen den Alpenraum ohne den grösseren Teil Graubündens und ohne das Tessin, wobei die Grenze im Berner Oberland durch den Hohgant, Heiligenschwendi und den Thunersee, sowie den unteren Lauf der Kander und die Stockhornkette gebildet wurde. In diesem Raum sind zahlreiche interessante Anlagen noch heute zu sehen. Mit dem Operationsbefehl Nr. 13 wurde dann die vorgeschobene Stellung als operative Stellung aufgegeben und es erfolgte die endgültige Aufstellung praktisch der gesamten Schweizer Armee im Reduit.
Von der Grenze durchs Mittelland sollte nur noch ein Verzögerungskampf geführt werden. In der Folge zog sich das Gros der Armee in die befestigten Alpen zurück. Das erforderte massive Bauten an den Eingängen dieser Zentralfestung. Die meisten grossen Festungswerke der Schweiz stammen aus dieser bedrohlichen Zeit und wurden mehrfach modernisiert und ausgebaut, bevor Ende des letzten Jahrhunderts deren endgültiges Aus kam.
Die Baukosten des Reduit bis Ende Krieg beliefen sich laut Bericht vom 10.6.2006 in der Luzerner Zeitung auf 657 Millionen Franken, das sind hochgerechnet heute etwa acht Milliarden Franken. Nebenbei: Schon die ersten militärischen Bauten in den Alpen ab 1886 waren fünfmal teurer als der gesprochene Kredit von 2,7 Millionen Franken.
Plan des Reduitbefehls
Der Chef des Generalstabes fasste die Arbeiten während des Aktivdienstes zuhanden des Oberbefehlshabers wie folgt zusammen:
Während im Zeitabschnitt 1920-1934 dem Festungswesen geringe Bedeutung zugemessen wurde und die finanziellen Mittel für einen sorgsamen Unterhalt und Ausbau im Sinne der Verbesserung der Anlagen St. Maurice und St. Gotthard sozusagen ausblieben oder zumindest derart beschnitten waren, dass sie trotz wiederholten Eingaben der Festungssektion kaum für den Unterhalt ausreichten, so änderten sich die Verhältnisse im Jahr 1934. Die Erkenntnis der Notwendigkeit eines wirksamen Schutzes der Mobilmachung bewirkte die Organisation eines Grenzschutzes und die Verstärkung der Grenzen durch den Bau von Befestigungsanlagen, wobei man sich anfänglich auf die Einfallstore beschränkt hatte.
Die Festungssektion arbeitete im Rahmen ihres Aufgabenbereiches die Eingaben und die entsprechenden Kreditbegehren an das EMD aus, befasste sich mit technisch-taktischen Studien nach Weisungen des Chefs der Generalstabsabteilung und bearbeitete die Bewaffnung, die Ausrüstung der Werke sowie die Organisation der Besetzung. In den Jahren 1934-1938 wurden in Bezug auf Konstruktion wie auf die taktische Anordnung von Befestigungen Erfahrungen gesammelt. Von der Anordnung einzelner Bunker entwickelte sich bald die durchgehende Linie mit Geländeverstärkungen durch Hindernisse. Die Kredite zur Durchführung (aus Arbeitsbeschaffung und Wehranleihe) wurden etappenweise zur Verfügung gestellt, was einer Gesamtplanung recht hinderlich war.
Mit Beginn der allgemeinen Kriegsmobilmachung 1939 stockte der Befestigungsbau. Es mussten Mittel und Wege gesucht werden, um die benötigten Arbeitskräfte baldmöglichst wieder frei zu bekommen. Nach abgeklärtem Einsatz der Armee folgte eine neue Epoche eines forcierten Befestigungsbaus. Rekognoszierungen, Studien, Überprüfungen der von den Heereseinheiten zur sofortigen Ausführung anbegehrten Anlagen mussten bearbeitet und in Kreditbegehren umgesetzt werden.
Die Zeit drängte; die Truppe baute selber und da bis zirka Mitte 1940 keine einheitlichen Richtlinien und Typenschemata vorhanden waren, wurde vielfach von der Truppe nach eigenen Systemen konstruiert. Dies musste sich selbstredend in Bezug auf Ausrüstung, Unterhalt und Ersatz mit der Zeit nachteilig auswirken. Bis zur Niederlage Frankreichs im Mai/Juni 1940 konzentrierte sich der Befestigungsbau auf die Grenzzonen, Sargans, Linthebene, Limmatstellung, nördlicher Jura mit Hauenstein sowie St. Maurice. Die Bauarbeiten erstreckten sich auf permanente und halbpermanente Infanteriestände, Geschützstellungen, Tankhindernisse, Kommandoposten, Strassen, Mannschaftsunterkünfte usw.
Nach dem Zusammenbruch Frankreichs waren die wenigsten Anlagen der damaligen Armeestellung vollendet. Es hat sich deutlich gezeigt, wie notwendig es ist, in Friedenszeiten alle erforderlichen Vorkehrungen zutreffen, besonders was Befestigungsanlagen und deren Ausrüstung anbelangt. Ausführung von Kunstbauten, Beschaffung von Kriegsmaterial und Ausrüstungsgegenständen benötigen eine nicht zu unterschätzende Zeitdauer. In Friedenszeiten ist die Rohmaterialbeschaffung leichter, und die Herstellungs- und Anschaffungspreise sind geringer. Nach einer allgemeinen oder teilweisen Kriegsmobilmachung werden die Arbeitskräfte den Produktions- und Ausführungsstellen entzogen und deshalb die Ablieferung oder Fertigstellung von Material und Bauten empfindlich verzögert oder gar verunmöglicht.
Am 23. Juni 1940 erliess der Oberbefehlshaber der Armee den Befehl zur Einstellung der Befestigungsarbeiten in den bisherigen Armeestellungen. Immerhin sollten an einigen Anlagen noch die letzten Fertigstellungsarbeiten durchgeführt werden. Mit dem Bezug der Reduitstellung begann ein neuer Abschnitt für die Befestigungsbauten. Auf die Ausarbeitung der Projekte und die allseitige Zweckmässigkeit und Einheitlichkeit besonders bei Artilleriewerken wurde vermehrtes Gewicht gelegt. Bei der taktisch-technischen Beurteilung der eingereichten Vorschläge wurden die gemachten Erfahrungen berücksichtigt und es machte sich bei der Bauausführung der Einfluss einer zentralisierten Oberleitung bemerkbar. Bei den Armeekorps und Heereseinheiten wurden eigene Baubüros organisiert. Grössere Arbeiten, namentlich Artilleriewerke, wurden nach Möglichkeit, d. h. soweit dessen Personal reichte, dem Büro für Befestigungsbauten (BBB) übertragen.
Gleichzeitig führte die Festungssektion eine genaue Aufnahme sämtlicher bis anhin noch nicht registrierter Befestigungsanlagen durch, und vom Armeekommando wurde eine periodische Meldepflicht der Heereseinheiten über fertige, halbfertige, im Bau begriffene und projektierte Befestigungen jeder Art angeordnet. Die Festungssektion führte Kontrolle über die Verteilung der zusätzlichen Waffen und die Munitionszuteilung für die Ausrüstung der kampffertigen Anlagen. Bis zum Jahr 1942 bot die Übernahme von fertig erstellten Anlagen in den Unterhalts- und Verwaltungsdienst grosse Schwierigkeiten, ganz besonders nachdem die turnusmässigen Ablösungsdienste eingesetzt hatten. Erst nach der Aufstellung des FWK war es möglich, in dieser Hinsicht eine durchgreifende Besserung zu erzielen. Mit der Schaffung eines Zentralmagazins bei der neuen Festungsorganisation, der Inventarisierung und der Feststellung durch Übernahme aller fertigen Werke in den Truppenräumen sowie der Nachschub- und Unterhaltsorganisation beim FWK war eine schon längst dringende Aufgabe der Festungssektion erfüllt, und die vielfach ihre Abschnitte wechselnden Truppen sind dadurch entlastet worden.
Das Gesamtbild am Ende des Aktivdienstes stellt sich folgendermassen dar: Die Grenzbefestigungen umschliessen das ganze Land mit Ausnahme einiger ausspringender Geländeteile, deren Verteidigung nicht in Betracht gezogen werden kann. Sie erstrecken sich in mehr oder weniger breitem Gürtel, entsprechend der Geländebeschaffenheit sowie der operativen und taktischen Bedeutung der Abschnitte, von Sargans längs dem Rhein bis gegen Basel und durch den ganzen Jura von Koblenz bis zum Genfersee. In der ganzen Tiefe des Jura sind die Einfallsstrassen in den Klusen und Engnissen mehrfach gesperrt; der Lücke zwischen Jura und Genfersee wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Auf der Südfront sind im Wallis die Grenzübergänge mehrfach gesperrt; im Tessin wurden die Befestigungen am Monte Ceneri verstärkt, der Gürtel nach beiden Seiten verlängert und eine gute rückwärtige Sperre des Tessintals südlich von Biasca geschaffen. Im Kanton Graubünden wurde insbesondere der Strassenknotenpunkt Süs-Zernez zum vorgeschobenen Stützpunkt ausgebaut, daneben aber im ganzen Kanton alle Pässe und Engnisse mit grösstenteils unscheinbaren, aber guten Sperren versehen. Die Grenzbefestigung besteht zum grossen Teil aus Bunkern für Infanteriewaffen und Hindernissen. Nur an einigen Stellen besonderer Bedeutung wurden grössere Artilleriewerke erstellt, so insbesondere zur Beschiessung der schweizerseitigen Ausgänge des Simplon- und Mont d'Or-Tunnels; an einigen andern Orten ergab Artilleriefeuer von weiter her günstigere Lösungen als am Ort der Wirkung eingebaute Infanteriewaffen.
Zweck des Grenzschutzes und der als Rückhalt für die Grenztruppen gebauten Befestigungen ist die Sicherung der Mobilmachung und des Aufmarsches der Feldarmee. Diese Befestigungen haben also nur verhältnismässig kurze Zeit zu halten. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes hat der Grenzschutz durch die Befestigungen eine enorme Verstärkung erhalten und es darf verantwortet werden, die Bestände zu schwächen und die Aufgabe den mit dem Festungswachtkorps durchsetzten älteren Jahrgängen zu übertragen. Die Reduitbefestigung hat St. Maurice und Sargans als Eckpfeiler und den Gotthard als Kernfestung. Sargans wurde im Lauf des Aktivdienstes zu einer St. Maurice ebenbürtigen, wenn nicht überlegenen Festung ausgebaut. Gotthard und St. Maurice wurden modernisiert und die Zahl der Forts und Waffen vermehrt. Die Befestigung der Süd- und Ostfront des Reduits fällt teilweise mit der Grenzbefestigung zusammen.
Zwischen Sargans und St. Maurice ist der ganze Nordrand der Alpenkette durchgehend in dem Sinn befestigt, dass alle Taleingänge stark gesperrt sind und das Zwischengelände entsprechend seiner taktischen und operativen Bedeutung verstärkt ist. Es wurde hier ein gut ausgeglichenes Befestigungssystem erzielt, das allerdings einen Abschnitt aufweist, in welchem die Schwächen des gut gangbaren Geländes durch Befestigungen nicht ausgeglichen werden konnten. Dieser Abschnitt wird bei allfälligem Kampf ums Reduit stärker mit Truppen und besonders Panzervernichtungswaffen zu belegen sein. Die Reduitbefestigung weist neben Infanteriewaffen-Bunkern und Hindernissen Artilleriewerke in grösserer Zahl auf, teils als einfache Batteriestellungen unter Fels, teils zu richtigen, allseitig Front machenden Forts ausgestaltet. Zwischen Reduit und nordwestlicher Grenzbefestigung ziehen sich zwei befestigte Linien quer durch das Mittelland: Die Limmatlinie mit Front gegen Nordosten und die Murten-Saane-Linie mit Front gegen Südwesten. Ihr festungsmässiger Ausbau hat wegen Mangel an Zeit und Mitteln bei weitem nicht die Stärke der Reduitbefestigung erreicht, wird aber in ihnen eingesetzten Teilen der Feldarmee trotzdem eine nicht zu verachtende Unterstützung bieten.
Waffen und Munition der Festungen sind dieselben wie in der Feldarmee. Neu zu schaffen waren geeignete Lafettierungen zum Schiessen durch schwer gepanzerte Minimalscharten, geeignete Optik und Feuerleitungshilfsmittel zum Ausgleich der beschränkten Sicht aus Minimalscharten. An Lafetten kamen verschiedene Systeme zur Verwendung:Die sogenannten BBB-Lafetten für werkeigene Waffen, und Hebellafetten, welche gestatten, von Geschützen der Feldarmee Rohr mit Wiege und Schussbremse zum Einbau zu verwenden. Man wirft unserem Festungsbau oft vor: zu wenig Waffen, zu viel Beton und Zutaten. Man übersieht dabei, dass mehr Waffen grössere Mannschaftsbestände benötigen, während die Hindernisse und sonstigen passiven Anlagen auch alleine ihren wenn auch beschränkten Dienst tun. In unterirdischen Bauten kann schliesslich nicht ohne ein Minimum an Komfort jahrelang gelebt und gekämpft werden.
Kosten der Festungsbauten (Bericht des Generalstabschefs an den Oberbefehlshaber).
Für die Bedürfnisse des Befestigungsbaus im Zweiten Weltkrieg standen Landesbefestigungskredite, Kredite für den Stellungsbau der Truppe, Überbrückungskredite und später Objektkredite zur Verfügung. Zwangsläufig sowie infolge der Dringlichkeit der Inangriffnahme und Durchführung von Befestigungsbauten war es nicht zu umgehen, vorübergehend die Überbrückungskredite oder die jedem Armeekorps zugeteilten laufenden "Kredite für Stellungsbau der Truppe" zu beanspruchen. Die nachfolgend angeführten runden Beträge veranschaulichen die finanziellen Aufwendungen für unsere permanenten Landesbefestigungen.
Vor dem Aktivdienst:
* Grenzbefestigungen und Festung Sargans (ohne St. Maurice und St. Gotthard): 161'750'000 Fr.
Während des Aktivdienstes:
* Grenzbefestigungen und Festung Sargans: 225'650'000 Fr.
* Abschnitt 1. AK: 91'700'000 Fr.
* Abschnitt 2. AK: 58'700'000 Fr.
* Abschnitt 3. AK: 74'000'000 Fr.
* Abschnitt 4. AK: 56'600'000 Fr.
* Abt. für Festungswesen: 3'350'000 Fr.
* Geniechef der Armee: 6'850'000 Fr.
* EMD-Landerwerb: 18'000'000 Fr.
* Hierzu kommt noch ein Betrag für Bewaffnung, Munition, Korpsausrüstung und Proviant als Ausrüstung der Anlagen von 200'000'000 Fr.
* Total rund 900'000'000 Fr.
Bereits kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges verflog die Friedensstimmung wieder, desarmierte Werke wurden bald wieder bewaffnet, der Kalte Krieg zwischen dem Westen und dem Ostblock brach aus. In der Armee 61 wurden etliche Umstrukturierungen und Umbenennungen durchgeführt. Die Festungstruppen erhielten endlich neue moderne Ausrüstung und auch wirkungsvollere Werke. In den Jahren nach 1961 (Truppenordnung 61) ist vor allem zu bemerken, dass die Festungstruppen 1977 als eigenständige Truppengattung gebildet wurden.
Bisher waren in den Anlagen auch weitgehend im Feld nicht mehr einsetzbare Waffen montiert, was mit dem neuen 12 cm-Festungsminenwerfer eine Wende erlebte. Mit der Übernahme der Festungstruppen durch die Abteilung für Genie und Festungen änderte man auch den Ausbildungsmodus für die Festungsinfanterie und für die Festungsfliegerabwehr. Statt diese Teile mit Infanterie- bzw. Fliegerabwehrpersonal aus der Landwehr zu dotieren, begann die Ausbildung von Anfang an in der Rekrutenschule. Dies geschah in den Festungsrekrutenschulen (für die Fest Inf zusammen mit der Fest Art) bzw. in den Flabrekrutenschulen des Kommandos der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen (für die Fest Flab).
Neue Ausbildung
Wie das bisher bei der Festungsartillerie der Fall gewesen war, besassen nun die Aussenverteidigungsformationen ebenfalls von Grund auf ausgebildete Auszugskader und Mannschaften. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Wehrmann bei den Festungstruppen bis ins Landsturmalter in der gleichen Einheit blieb. Aus diesem Grunde wurde ein neuer WK-Turnus eingeführt, nämlich nur alle zwei Jahre drei Wochen Wiederholungskurs. So bildeten sich eingeschworene Einheiten, die eine umfassende Kenntnis ihres möglichen Kampffeldes hatten und auch untereinander eine Einheit bildeten – die «Roten» waren stolz auf ihren Sonderstatus, der durch die strenge Geheimhaltung noch verstärkt wurde. Dadurch wurden natürlich auch viele Geschichten über die Welt im Berginnern in Umlauf gebracht, die nur teilweise oder gar nicht der Wahrheit entsprachen. Kontrollieren konnten den Wahrheitsgehalt ja die wenigsten der Zuhörer…
Anpassungen Mitte 1980-er Jahre
Die Revision 86 der Truppenordnung 61 stand ganz im Zeichen der Redimensionierung und Strukturanpassung. Wie im "info fest trp" von August 1986 erläutert wird, erfolgte zusammen mit den Brigadekommandanten eine taktisch-technische Beurteilung der Permanenzen. Als Folge davon wird eine Grosszahl von Anlagen umklassiert. Durch Schliessung obsoleter Werke, den Einbau neuer Waffen sowie Bildung von Festungshaubitzbatterien musste die Organisationstruktur und die Sollbestände bei fast allen Formationen angepasst werden. Der teilweise Ersatz von 7,5 cm Kan und 15 cm Hb 16 durch 10,5 cm Kanonen und Haubitzen (Festungslafetten) und Aussenbatterien war bis 1986 abgeschlossen. Neu wurden Vo-Messvorrichtungen (Radar) bei den 15 cm Kan 42/46 installiert. Das Funkkonzept 84 gelangte zur Einführung. Im selben Zeitraum wurden für die Ausbildung mobile Übungsbunker gebaut (Mob U Bkr 7,5 mm Mg 51/80, Schart Laf und Mob U Bkr 9 cm Pak 50/57, Piv Laf). An mobilen Waffen wurden bei den Festungstruppen das 8,3 cm Raketenrohr 80 sowie das 7,5 mm Mg 51/80 mit Schartenlafetten eingeführt. Der Werkschutz erhielt das Kreislaufgerät 84 (KG 84), den Handlöschwagen HSP 50/50, den Transportwagen für Handfeuerlöscher und das Notatmungsgerät 77.
Handlöschwagen/Transportwagen für Handfeuerlöscher
Im «info fest trp» vom Mai 1987 wird erwähnt, dass die neue Kreisteilung bei den Festungsgeschützen eingeführt wird. Konkret statt 2x3200 Artilleriepromille neu 1x6400 Promille. In der Folge wurden auch die Batterieinstrumente bei den mobilen Batterien angepasst und das Rundblickfernrohr 84 für die Haubitzen eingeführt. Abgegeben wurde neu der Toporechner (Marke Sharp), der Sitometer 85, der Kartenwinkelmesser 85 und das Schiesskommandantenbrett 85. Die Schiesskommandanten erhielten auch den Periskop-Goniometer 85. Eine grosse Leistungssteigerung verzeichneten die Festungsflab-Truppen mit dem Ersatz der 20 mm Flab Kan 38 durch das Modell 54. Die Kadenz stieg von 400 auf 1000 Schuss pro Minute. Da verschiedene Festungsanlagen durch Luft- oder Standseilbahnen erschlossen waren, kam dieser Infrastruktur grosse Bedeutung zu. Das Konzept Seilbahndienst des Werkschutzes sah vor, dass Seilbahnspezialisten für Seilbahnen und Schrägaufzüge zugeteilt wurden. Andere Fördermittel waren Truppen-Angelegenheit. Der Unterhalt erfolgte durch das Festungswachtkorps, im Kriegsfall zusammen mit der Truppe. In der Info-Schrift wird ebenfalls über den geplante C-Schutz-Erhöhung informiert. Dies soll durch die Vergrösserung der Filterluftmenge sowie zusätzliche Gasschleusen erfolgen. Anlagen älterer Bauart (KP grosser Verbände, Artillerieforts und Artilleriebunker) sollen nachgerüstet werden, während neuere Anlagen bereits die nötigen Installationen umfassen würden. Nach der Installation soll jeweils ab Werkbezug die Luftversorgung über Filter erfolgen.
Modernere Feuerleitung
Die Einführung einer technisch modernen Feuerleitung bei der Festungsartillerie war ein langer Weg über etliche Hürden. In «info fest trp» vom August 1987 wurde der damalige Stand erklärt. "Ursprünglich waren für die Batterie-Feuerleitstellen der mobilen und Festungsartillerie das Artillerie-Feuerleitsystem 83 FARGO vorgesehen. 1982 entschied der Rüstungsausschuss im Zusammenhang mit dem im Rüstungsprogramm 83 vorgesehenen Kredit, den Beschaffungsumfang zu reduzieren. Dies führte zum Entscheid: Verzicht bei der Festungsartillerie. Die Forderung: Für die Festungsartillerie sei ein billigeres, einfacheres Rechensystem zu suchen, eventuell in Kombination mit dem Minenwerfer-Feuerleitrechner der Infanterie. Die verschiedenen Anforderungen von Artillerie und Infanterie liessen sich jedoch nicht in einem Gerät verwirklichen, die beiden Vorhaben wurden Ende 1983 wieder getrennt.
Die Festungsartillerie prüfte die Verwendung des vom Bundesamt für Artillerie damals geforderten Ersatzverfahren in Form des Rechners Epson HX-20. Im Herbst 1984 zeigte sich, dass sich de Epson nicht als Hauptverfahren eignet (1986 wurde auf dieses Gerät auch als Ersatzverfahren verzichtet). Fazit: die Festungsartillerie verfügte noch immer nicht über ein modernes Verfahren. Das 1985 erneut aufgestellte Pflichtenheft bewirkte die Freigabe eines Kredites für die Entwicklung des Fest Art Flt Syst 89 (damals gab es die Abkürzung FARGOF noch nicht). Das System berechnet für jedes der sechs Geschütze der Batterie individuelle Schiesselemente unter Berücksichtigung des Stellungsunterschiedes zum Leitgeschütz, der Zielausdehnung und der aussen- und innenballistischen Gegebenheiten. Zudem werden die Sicherheitsbestimmungen, zahlreiche Vermessungswerte sowie Schusskorrekturen, aufgrund der Beobachtungen des Schiesskommandanten, berücksichtigt. Dann sollen die Werte gleichzeitig an alle Geschütze übermittelt werden und auf einem kleinen Anzeigegerät beim Geschützführer auftauchen. Der Schiesselementerechner SER und der Korrekturrechner KR werden bei der Einführung des Feuerleitsystems eingezogen, diese ist auf 1991/92 vorgesehen. Im "fest trp info" Mai 1992 ist dann die Einführung und Ausbildung des FARGOF genannten Systems beschrieben.
Neue Waffen: Fest Mw, Centi-Bkr und Bison
Drei moderne Waffen wurden in der Folge bei den Festungstruppen eingeführt: Einerseits der Festungsminenwerfer, der laufend Anpassungen und Neuerungen durchmachte, dann der 10,5 cm Centi-Bunker sowie die 15,5 cm Festungskanone 93 Bison (diese sind im Kapitel WAFFEN genauer beschrieben).
Mit dem neuen Festungsminenwerfer wurde es möglich, mit relativ geringem Aufwand bei den Kampfbrigaden eine Verbesserung des schweren Unterstützungsfeuers herbeizuführen. Im Hinblick auf die notwendige Erneuerung des Geschützmaterials wurden zudem entsprechende Studien und Abklärungen gemacht. Das Fazit: Im Rahmen einer gewissen «Festungsminenwerfer-Euphorie» wurde der Gesamtausbau der Festungsartillerie zu wenig intensiv und zu spät in Angriff genommen. Das Resultat, die moderne 15,5 cm Festungskanone 93 Bison, kam nämlich erst in den neunziger Jahren zum Einbau.
Was das Material angeht, sind in den Jahren 1982 bis 1985 zu bemerken, dass die Umrohrung von mehreren Artilleriewerken auf ein grösseres Kaliber (von 7,5 cm auf 10,5 cm) und mit gleichzeitiger Verbesserung des Schutzes vor Chemiewaffen stattfand. Die Planung von neuen Artilleriewerken in der sogenannten Monobloc-Bauart wurde vorangetrieben und mehrere Festungskompanien erhielten mobile 10,5 cm Haubitzen als «Aussenbatterien» zugeteilt (2-4 Fest Hb Bttr pro Brigade). 1987 und 1988 wurden insgesamt 46 Festungs-Haubitz-Batterien (10,5 cm) aus dem Material der Feldarmeekorps gebildet. Die verbleibenden Aussenbatterien wurden bis 1990 von 4 auf 6 Geschütze (10,5 cm Hb 42 mobil) aufgestockt.
Gemäss «info fest trp» vom Mai 1989 wird laufend neues Material an die Festungstruppen abgegeben: Zum Beispiel erhielt jeder Geschützzug der Fest Flab Abt ein 8,3 cm Rak Rohr 80. Die Artillerie wurde mit neuen Lasergonimeter 85 ausgerüstet, die Reichweite betrug gut 10 km. Die 12 cm Fest Mw erhielten Annäherungs-Momentan-Zünder 87. Die Übermittlung führte die Telefonzentral 85 ein, jede Festungs-Feuerleitkompanie erhielt 3 Exemplare, die Festungskompanien Typ C ebenfalls drei und die Festungs-Flab-Batterien ein Exemplar. Als Ersatz der Telefonzentrale P55 wurde die neue Zentrale H-88 beschafft. Jeder Fest Mw des Bautyps 85 erhielt eine solche, die P55 wurden in anderen Anlagen ersetzt. Die Festungsinfanterie erhielt für ihre 9 cm Pak die Hohlladungsgranate 57/83 mit Leuchtspur. Diese diente als Ersatz für die bisherige Stahlgranate 50/57 sowie die Hohlpanzergranate 57. Es handelt sich dabei um ein neu entwickeltes Geschoss mit stark verbesserter Durchschlagskraft. Es besteht aus dem flügelstabiliserten Hohlladungsgeschoss sowie der Hülse mit der Treibladung und ist eine schwedische Entwicklung, Lizenzfertigung Munitionsfabrik Altdorf. Alle Festungswerke mit 9 cm Pak wurden damit ausgerüstet. Im Bereich Werkschutz wurde der neue CO-Filter 86 eingeführt. Die Zuteilung des tragbaren und an die Schutzmaske anschliessbaren Filters erfolgte an alle Angehörigen von Werk- und Festungsformationen.
Alle Festungskanonierrekruten werden neu zuerst an der mobilen 10,5 cm Haubitze ausgebildet. Die Spezialisierung auf ein bestimmtes Festungsgeschütz erfolgt erst in der zweiten RS-Hälfte. Wie weit dieses Vorgehen Sinn machte, ist offen. Kaum einer der Rekruten aus meinem Zug hat je begriffen, wie das Einrichten des Geschützes genau funktioniert. Das änderte sich sofort, als endlich die Arbeit im Bunker am Minenwerfer begann. Mit Begeisterung wurde von der schweren und lauten Haubitze Abschied genommen und der leistungsfähige Minenwerfer übernommen. Laufend wurden nun neue Festungsminenwerfer-Züge in die bestehenden Kampfabschnitte eingegliedert.
Im "info fest trp" von Dezember 1989 wird über die Einführung und das Konzept der Centi-Bunker informiert, der eine massive Leistungssteigerung bei den Festungsinfanterie-Truppen in weiten Sperrstellen darstellt. Zurückgezogen wird in derselben Zeit das Infrarot-Material aus den Werk- und Festungsformationen. Es geht dabei um das Infrarot-Nachtsichtgerät BZ 1500, das Infrarot-Beobachtungsgerät B200 sowie das Infraskop. Grund ist die mangelnde Kriegsbereitschaft respektive militärische Verfügbarkeit (Überalterung, technisch überholt, Unterhalt und Reserve). Als Ersatz soll ab 1992 der 6 cm Werfer 87 mit Beleuchtungsgeschossen dienen, in weiterer Zukunft auch optronische Geräte.
Für die Grundausbildung der Festungsinfanterie an verbunkerten Waffen wird der Manip- und Schiesstrainer Fest Mg 51/80 und Fest Pak noch eingeführt. Dieser umfasst auf Paletten montierte Mg resp. Pivot-Pak 9 cm und soll dem Training der Besatzungen für die Handhabung der Waffensystem dienen.
Bautypen: Monobloc statt Festung
Allgemein ist bei der Festungsartillerie in dieser Zeit die Abkehr vom System der Grossfestung und der Übergang zum Monoblock festzuhalten. Diese Phase wurde mit den Festungsminenwerfern eingeleitet. Als Monoblock ist ein verbunkertes Waffensystem zu verstehen, das ohne die kilometerlangen Tunnels auskommt. Im Hinblick auf die Armee 95, welche eine grundlegend neue Organisation der Festungstruppen brachte, wurden in den Jahren 1991-1994 keine wesentlichen organisatorischen Änderungen mehr vollzogen.
1993 konnte der hundertste Festungsminenwerfer der Truppe übergeben werden und die Einführung der neuen 15,5 cm Festungskanone 93 Bison als Monoblock fand statt. Eine erste Tranche Bisons von vier Batterien (16 Geschütze) wurde mit dem Rüstungsprogramm 93 beschafft. Die Kampfanlagen werden als Kompaktbauten eingegraben. Der Zielwert wird dadurch, gepaart mit Geländeblenden und Dezentralisation der Monoblocks, klein gehalten.
Konzept der personal- und kostenintensiven Grossfestungen
Konzept der effizienteren Monobloc-Bauten
Per Ende 1994 werden im Rahmen der Überführung in die Armee 95 – verteilt auf die ganze Schweiz – folgende Geschütze ausser Dienst gestellt:
* 6x 12 cm Fest MW 59 (1. Serie)
* 22x 10,5 cm Panzerturm-Kanone 39
* 276x 10,5 cm Haubitze 46 (mobil)
* 2x 15 cm Panzerturmkanone 58
* 36x 10,5 cm Hb 46/Kan 35 (Kasematte)
Einzig die neueren 12 cm Festungsminenwerfer und die 15 cm Bunkerkanonen bleiben vorderhand aktiv. Die letzten jedoch nur, um die Soldaten und Offiziere für die 15,5 cm Bison auf einem aktuellen Ausbildungsstand zu halten. Mit dem Rüstungsprogramm 1991 wird das Festungsartillerie-Feuerleitsystem 91 FARGOFF beschafft, ein deutlicher Schritt in die computerisierte Zukunft der Feuerleitung. Im Bereich Munition liess die Gruppe für Rüstungsdienste im Oktober 1993 in Israel mit einem Bison-Geschützrohr technische Schiessversuche durchführen. Mit einer neuen Einheitsladung 10 soll die Reichweite des Festungsgeschützes auf rund 35 km gesteigert werden. Bei Probeschiessen wurden vom Gütsch aus Weiten über 40 Kilometer erzielt!
Grosse Festungsverbände wurden mit der Realisierung der Armee 95 aufgelöst oder zusammengefasst und die grossen Artilleriewerke definitiv geschlossen - davon mehrere im Raum der Reduitbrigade 21, also im Berner Oberland. Bei der Festungsartillerie bewirkte die Armeereform 95 grosse Änderungen. Die 12 cm Fest Mw gehörten nicht mehr zur Festungsartillerie. Sie wurden Bestandteil der Festungspionier-Bataillone, deren Kampfinfrastruktur zusätzlich permanente Sprengobjekte (früher bei den Genietruppen), permanente Hindernisse und Panzerabwehrbunker (Centi-Bunker) umfasste.
Schrittweise wurden die noch verbliebenen Kasematt-Geschütze nach dem letzten Wiederholungskurs der betreffenden Abteilungen bis Ende 1999 liquidiert und nur teilweise durch 15,5 cm Bison-Batterien ersetzt. Diese sollen das Gerippe für den Feuerkampf entlang der Alpentransversalen und in den Grenzräumen bilden. Eine weitere Tranche Bison-Batterien sollte das Sperrsystem vervollständigen, wurde jedoch vom Parlament nicht mehr bestellt. Nach Umsetzung der Armee 95 bestand die Festungsartillerie lediglich noch aus der Festungsartillerie-Abteilung 13 für Sargans/St-Maurice und der Festungsartillerie-Abteilung 6 für den Gotthard.
Die Armee XXI brachte nochmals einen Kahlschlag in den bereits geschrumpften Festungstruppen. Die gesamte Festungsartillerie ist in der Festungsartillerie-Abteilung 13 zusammengefasst. Diese soll sowohl die 12 cm Festungsminenwerfer als auch die wenigen Bison-Batterien betreiben. Es geht in erster Linie darum, die Waffensysteme und die Führungsstrukturen am Leben zu erhalten. Mit einer aktiven Feuerleitkompanie und je einer aktiven und inaktiven Festungsartilleriekompanie sind deshalb nur ein Bruchteil der Anlagen zu betreiben. In der Folge werden immer mehr der Festungsminenwerfer eingemottet und die Panzerdeckel über den Geschützrohren mit Erde überdeckt.