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Die Tiefenverhältnisse des StillenOzeans sind durch eine Reihe von Forschungen in den beiden letzten Jahrzehnten in großen
Zügen bestimmt worden. Danach befindet sich im nördlichen StillenOzean ein großes Depressionsgebiet
von über 6000 m Tiefe (Tuscaroratiefe), dessen westlicher Teil die größte bisher gelotete Tiefe aufweist (8513 m; vgl.
die Tabelle im Art. »Meer«, S. 411). Der steile Abfall von der Küste von Japan zu diesen großen Tiefen ist bemerkenswert. Ein
kleines tiefes Gebiet liegt in großer Nähe des südamerikanischen Kontinents. Dagegen ist der südliche
StilleOzean, soweit bis jetzt erforscht, verhältnismäßig arm an großen Tiefen. Die Tiefenverhältnisse zwischen den einzelnen
Inselgruppen sind
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noch wenig bekannt und nach den vereinzelten Lotungen als sehr ungleichmäßig zu betrachten.
Die Ergebnisse sind daher noch ungenau. Auf Grund der verschiedenen Lotungen und Berechnungen bis zum
Jahr 1878 ist die mittlere Tiefe des StillenOzeans von Supan gefunden worden zu 3370 m, von Krümmel (ohne Rücksicht auf die
Wellenrechnung) zu 3912 m. Das Stromsystem an der Oberfläche des StillenOzeans zeigt in seinen Hauptzügen
Analogien mit dem des Atlantischen Ozeans. Auch hier wird ein Äquatorialstrom von den Passaten zu beiden Seiten des Äquators
nach W. getrieben.
Die Nordgrenze dieser Westströmungen setzt Duperrey in 24° nördl. Br., die Südgrenze in 26° südl. Br. In der Nähe des
Äquators findet sich ein östlich gerichteter Äquatorialgegenstrom, in der Regel zwischen 2 und 6° nördl.
Br. angegeben. Diese Strömungen sind bei weitem nicht so stark und beständig wie die analogen des Atlantischen Ozeans. Da
außerdem ihre Grenzen
[* 11] nach N. und Süden mit den Jahreszeiten
[* 12] schwanken müssen, so bedarf es einer sehr großen Zahl von Beobachtungen,
um ein zuverlässiges Bild dieser Verhältnisse zu erlangen.
Südlich von 30° südl. Br. herrschen Westwinde und mit ihnen laufende Ostströme vor, welche nach der Westküste Südamerikas
das Wasser hintreiben. Daraus resultieren an dieser Küste die an der patagonischen Küste nach Süden um
das KapHorn setzende Strömung und nach N. die kalte Peru- oder Humboldt-Strömung, welche sich bis über die Galapagosinseln
hinaus fortsetzt und auf das Klima der ganzen Küste einen so wohlthätigen Einfluß ausübt. Die an der Küste von Chile
[* 15] und
Peru
[* 16] bekannten dichten Nebel werden diesem kalten Wasser zugeschrieben. Doch wird selbst diese Strömung
streckenweise durch anhaltende Nordwinde in ihren obern Schichten zum Stillstand gebracht. Neuere Forschungen machen es wahrscheinlich,
daß das kalte Wasser an der peruanischen Küste nicht der Strömung direkt entstammt, sondern aus der Tiefe aufsteigt.
Die Temperaturverteilung an der Oberfläche dieses ausgedehnten Wasserbeckens ist nur lückenhaft erforscht.
Es knüpft sich jedoch an die Kenntnis derselben das für die Südsee so wichtige Problem von der Verbreitung der Riffe bauenden
Korallen;
[* 17] man hat daher aus direkten Beobachtungen, aus den Strömungen und aus der Lage der Koralleninseln wechselseitig Schlüsse
gezogen. Danach ist die Oberflächentemperatur zwischen 28° nördl. Br. und 28° südl. Br. im allgemeinen
nicht niedriger als 20° C., mit Ausnahme der Gewässer im Bereich der peruanischen Strömung und der Küste von Kalifornien,
während im O. das warme Wasser noch höhere Breiten (Japan) erreicht. Im Bereich des Äquatorialgegenstroms ist das Wasser,
ebenso wie im Atlantischen Ozean, am wärmsten.
Das Gebiet, in welchem das Wasser über 20° warm bleibt, bietet die Lebensbedingungen für die Riffe bauenden Korallen, welche
im StillenOzean eine so große Verbreitung aufweisen (vgl. Dana, Corals and coral-islands) und Inselgruppen von der Ausdehnung
der Karolinen u. der Tuamotus u. a. ganz ausschließlich aufgebaut
haben. Eine charakteristische Eigentümlichkeit des westlichen StillenOzeans sind die tiefen Meeresbecken,
welche von der freien Zirkulation des Tiefenwassers durch unterseeische Bodenerhebungen abgeschlossen werden (vgl.
Tiefentemperatur im Art. »Meer«, S. 413 f.). Eine solche Erhebung verbindet in ca. 2600 m Tiefe Japan mit den Bonininseln, Marianen
und Karolinen und umschließt ein 8400 m tiefes Becken. Das Korallenmeer mit Tiefen von 4900 m ist in 2500 m
durch eine Bodenerhebung abgesperrt, ebenso sind die Sulusee (4700 m), Mindorosee (4800 m), Celebessee (5150 m) in Tiefen
von 600-1200 m umrandet, wie sich aus ihren warmen Bodentemperaturen unzweifelhaft ergibt.
Die Windverhältnisse des StillenOzeans sind im allgemeinen denen des Atlantischen Ozeans ähnlich. Zwischen
25° nördl. Br. und 25° südl. Br. wehen vorherrschend Nordost- und Südostpassate, welche jedoch hier nur durch einen schmalen,
im mittlern Teil sogar überhaupt nicht durch einen Stillengürtel voneinander getrennt sind. An der Westküste von Nordamerika
sind nördliche, an der von Südamerika
[* 18] sehr beständige, aber schwache südliche Winde
[* 19] das ganze Jahr
hindurch vorherrschend. Die Westseite des StillenOzeans, namentlich die oben genannten, durch ihre Tiefentemperaturen merkwürdigen
Meeresteile liegen im Gebiet der Monsune, welche sie mit dem IndischenOzean (s. d.) gemeinsam haben. Die höhern Breiten beider
Hemisphären weisen, ähnlich wie im Atlantischen Ozean, vorherrschend Westwinde auf, welche namentlich
im Süden sehr kräftig und beständig angetroffen werden.
Der StilleOzean ist erst sehr spät dem Weltverkehr eröffnet worden. Seine nordwestliche Küste wurde allerdings schon in
früher Zeit befahren, ohne daß man aber eine Ahnung davon hatte, daß man sich hier in andern Gewässern
befinde als denen des Atlantischen Ozeans. Auch Kolumbus meinte, daß letzterer bis nach Japan und China reiche. Erst dem VascoNuñez deBalboa verdanken wir die Entdeckung der Existenz einer zwischen der Westküste Amerikas und Asien sich hinziehenden Meeresfläche.
Als der
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eigentliche Entdecker des StillenOzeans muß aber Magelhaens gelten, welcher ihn in seiner ganzen Ausdehnung von SO. nach NW.
durchquerte. Aber erst 44 Jahre später (1565) gelang demMönch und Seefahrer Urbaneta der oft gemachte, stets mißglückte
Versuch, den StillenOzean von W. nach O. zu durchmessen. Doch bot trotz mancher neuen Unternehmungen noch 250 Jahre
nach Magelhaens der StilleOzean noch immer ein ungeheures Feld für Entdeckungen; der Ruhm, nicht nur die in ihm verstreuten Archipele
und einzelnen Inseln, auch seine Tiefenverhältnisse und Riffe näher bekannt gemacht zu haben, gebührt unbestritten Cook,
und wenn auch nach ihm noch viel gethan wurde, die Hauptarbeit hatte er doch geleistet.
Indessen eine Verkehrsstraße wurde der StilleOzean erst viel später. Seine Ränder freilich wurden an den asiatischen und
den australischen Küsten sowie entlang der Westseite Amerikas mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, bez. der Erschließung
derselben für den europäischen Handel mit jedem Jahr belebter; allein ein Bedürfnis, durch die ganze
weite Fläche des Ozeans einen regelmäßigen Verkehr hindurchzuleiten, stellte sich erst weit später ein. Dies fand erst nach
dem Aufblühen der australischen Kolonien und nach der regern Anteilnahme Nordamerikas an dem Handel mit Ostasien statt.
Englische,
[* 30] französische und deutsche Dampfer traten hier in Konkurrenz. Den nördlichen StillenOzean durchziehen zwei von Hongkong
über Jokohama gehende Dampferlinien, deren eine in San Francisco, deren andre in Vancouver endet. Ein größerer Verkehr mit
und zwischen den einzelnen Inseln wurde erst dann zum Bedürfnis, als man auf denselben oder in deren Gewässern
Waren entdeckte, deren der Welthandel benötigt, wie Kopra und Kokosnußkerne, Perlen und Perlmutter, Trepang, Schildkrötenschalen,
und als die von europäischen Unternehmern in Ostaustralien und auf mehreren Inselgruppen begonnene Plantagenwirtschaft eine
Nachfrage nach Arbeitern erzeugte, die nur durch Herbeiziehung von Bewohnern gewisser Inselgruppen
befriedigt werden konnte. Daß das Telegraphenkabel hier noch einen wenig bedeutenden Platz einnimmt, ist bei der ungeheuern
Ausdehnung des StillenMeers erklärlich. Doch haben bereits seit längerer Zeit Tasmania und Neuseeland Anschluß an den Australkontinent
gefunden, der wiederum durch Kabel und Landlinien mit der übrigen Welt in Verbindung steht.