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In der Presse und im Internet wird im Moment viel über "Premium" Intraokularlinsen (IOLs) oder IOLs "mit Zusatzfunktionen" geschrieben und diskutiert. Meist sind damit "torische" und "multifunktionale" Implantate gemeint, manchmal auch solche mit "Blaulichtfilter", "Asphärizität" oder "Scharfen Kanten". Viele Augenchirurgen und Zentren verlangen für diese Implantate eine Zusatzzahlung durch den Patienten.
"Blaulichtfilter Linsen":
In den 90er Jahren stellte die Wissenschaft fest, dass im Erwachsenenalter die natürliche Linse im Auge nicht ganz klar ist, sondern einen leichten Gelbstich hat, auch wenn kein eigentlicher Grauer Star (Katarakt) besteht. Gelb ist die Gegenfarbe von Blau, das heisst gelbe Linsen blockieren blaues Licht. Blau ist am energiereichen Ende des Lichtspektrums, leicht gelbe Linsen filtern also das energiereiche („aggressive“) Licht ein wenig aus dem gesamten Licht heraus.
Gleichzeitig hatte man auf Grund gewisser „populationsbasierter“ Studien den Eindruck, das Risiko für die Entwicklung einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) sei nach Katarakt-Operation erhöht. Daher wurde postuliert, dass man bei der Operation des Grauen Stares wieder ein Implantat einsetzen sollte, welches das energiereiche Blaulicht blockiert, um das Risiko für AMD zu senken. Es wurden also Implantate mit „Blaulichtfiltern“ oder „blue light blocking IOLs“ eingeführt.
Allerdings konnte in der Folge nie wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass dies tatsächlich klinisch relevant ist. Es zeigte sich, dass die Studien, welche ein erhöhtes AMD Risikon nach Katarakt-Operation zeigten, methodische Fehler enthielten. Der Verdacht, die Operation des Grauen Stares würde das AMD Risiko erhöhen, ist mittlerweile vom Tisch. Auf dem Markt gibt es aber nach wie vor „klare“ IOLs (ohne Blaulichtblocker) und „gelbe“ IOLs (mit Blaulichtblocker). Am Anfang der Technologie waren die entsprechenden Implantate richtig kräftig gelb und hatten den nachteiligen Effekt, dass Patienten mit diesen Implantaten bei schlechtem Licht auch schlechter sahen. Mittlerweile sind die meisten Hersteller zu „natural yellow“ oder ähnlich bezeichneten Filtern übergegangen,welche diesen Nachteil kaum mehr zeigen. Es ist daher etwas Ansichtssache ob es Sinn macht, solche IOLs zu verwenden. Die Augenklinik Herisau Appenzell verwendet üblicherweise „klare“ Implantate. Auf jeden Fall sind wir der Meinung, dass es nicht korrekt ist, dem Patienten eine Zusatzzahlung für solche Filterlinsen zu verlangen. Erstens ist der Nutzen für die Patienten wie oben beschrieben zweifelhaft. Ausserdem besteht in aller Regel kein Preisunterschied beim Einkauf verschieden gefärbter Implantate, entsprechend ist ein Aufpreis nicht gerechtfertigt.
A propos Filter: Auch für den UV Licht Filter sollte kein Aufpreis verlangt werden. Dieser ist nämlich gesetzlich vorgeschrieben und in allen Implantaten enthalten.
„Asphärische Implantate“:
Ähnlich wie bei den Filtern wird auch die Asphärizität seit langem kontrovers diskutiert. Neben den üblichen Sehfehlern Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) haben die meisten menschlichen Augen auch einen „asphärischen“ Sehfehler. Man hat heute die Möglichkeit das Implantat für die Katarakt-Operation so herzustellen, dass dieser „asphärische Fehler“ korrigiert wird. Der Effekt ist, dass das Kontrastsehen bei schlechtem Licht (zum Beispiel Autofahren beim Einnachten) etwas besser ist. Auf der anderen Seite ist die Schärfentiefe etwas vermindert, was dazu führt, dass man beim Lesen häufiger die Lesebrille braucht. Zudem wird die „Asphärizität“ nicht individuell korrigiert, sondern pauschal bei allen Patienten um den selben Wert korrigiert. Ob ein Implantat asphärisch ist oder nicht, macht bei der Herstellung keinen Unterschied, entsprechend ist auch der Einkaufspreis von asphärischen IOLs nicht teurer. Wir sind daher dezidiert der Ansicht, dass es nicht vertretbar ist für die Verwendung eines asphärischen Implantats einen Aufpreis zu verlangen. Die von der Augenklinik Herisau Appenzell verwendeten Implantate sind alle asphärisch, um die Sehleistung unserer autofahrenden Patienten zu optimieren. Einen Aufpreis verlangen wir dafür selbstverständlich nicht.
Intraokularlinsen mit „scharfen Kanten“
Moderne Intraolularlinsen haben scharfe hintere Kanten („sharp edge design“). Dies reduziert das Wandern von Epithelzellen aus der Peripherie des Kapselsackes ins Zentrum und damit die Bildung von so genanntem „Nachstar“. Dieser Effekt ist wissenschaftlich erwiesen und gut dokumentiert. Entsprechend macht es Sinn, solche Implantate zu verwenden. Wie bei Blaulichtfilterlinsen und asphärischen Linsen ist es erneut so, dass die Herstellung nicht aufwändiger oder teurer ist, wenn man diese „scharfe Kante“ macht oder nicht. Entsprechend halten wir auch hier eine Aufpreis für nicht rechtfertigbar. Die Augenklinik Herisau Appenzell verwendet konsequent IOLs mit scharfen Kanten.
Torische Intraokularlinsen
„Torizität“ ist ein wissenschaftlicher Begriff für „Hornhautverkrümmung“. Letzterer Begriff ist irreführend, da nicht nur die Hornhaut, sondern jedes optische Element eine Torizität aufweisen kann. Entsprechend kann eine „Hornhautverkrümmung“ durch die Implantation einer torischen Linse reduziert oder aufgehoben werden. Allerdings ist es eine Herausforderung, die Hornhautverkrümmung wirklich genau zu messen und die richtige Linse zu berechnen. Zudem muss sie ganz exakt in einer bestimmten Achslage implantiert werden und kann sich nach der Operation noch einmal von der optimalen Lage weg drehen. Grundsätzlich stellen torische Linsen einen echten Mehrwert für den Patienten dar, weil das Sehen ohne Brille nach der Operation deutlich besser ist oder die Brillenkorrektur geringer und damit auch preiswerter ausfallen wird. Torische Linsen sind im Einkauf teurer als Standardlinsen, müssen in der Regel individuell bestellt werden und die Lagerhaltung ist aufwändiger. Daher ist bei torischen IOLs ein Aufpreis gerechtfertigt. Die Augenklinik Herisau Appenzell empfiehlt in etwa 5% der Fälle den Einsatz von torischen Linsen.
Multifokale Intraokularlinsen
Ähnlich wie bei Gleitsichtbrillen können auch Implantate so gestaltet werden, dass man mit ihnen besser in die Ferne UND die Nähe sehen kann, als mit normalen „monofokalen“ IOLs. Solche Implantate nennt man „multifokale“ Intraokularlinsen. Im Gegensatz zur Gleitsichtbrillen schaut man aber immer durch das Zentrum der IOL. Die verschiedenen optischen Elemente sind daher in der Regel in konzentrischen Kreisen wie auf einer Zielscheibe angeordnet. Während das optische Prinzip grundsätzlich funktioniert, haben solche Implantate eine Reihe von Nachteilen. Zum Beispiel kann man unter Umständen die Ringe bei Gegenlicht, zum Beispiel im Strassenverkehr, sehr störend wahrnehmen. Ausserdem entsteht eine leichte Qualitätseinbusse sowohl in die Ferne als auch in die Nähe. Der Einsatz solcher multifokaler Implantate muss daher mit Patienten, welche dies in Erwägung ziehen, individuell ausführlich besprochen werden. Die Augenklinik Herisau Appenzell bietet die Implantation von multifokalen IOLs an, allerdings nur, wenn sich der Patient auch dafür qualifiziert. Wir setzen diese Implantate in einer sehr kleinen Minderheit der Patienten ein. Da multifokale IOLs im Einkauf deutlich teurer sind als Standardimplantate und einzeln bestellt werden müssen, ist ein Aufpreis gerechtfertigt.