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Unter Präsident Franklin D. Roosevelt wurde 1937 während der Politik des New Deal die Farm Security Administration (FSA) gegründet. Ihr Ziel war es, den Kleinbauern und der armen Landbevölkerung zu helfen, sie zu neuen Zusammenschlüssen zu bewegen. Eine wichtge Nebentätigkeit der auf Landfreform und wirtschaftliche Belange spezialisierten Agentur war die Informationsarbeit, die einen unerwarteten Einfluss auf die Entwicklung der Dokumentarfotografie hatte. Von 1935 bis 1944 engagierte die FSA nämlich Fotografen und Autoren, um die Notlage der armen Farmer zu dokumentieren und darüber zu berichten. Bis weit in Roosevelts zweite Amtszeit Mitte der 40er Jahre herrschten in Teilen der USA große Not und Verzweiflung. Davon zeugen die Bilder, die namhafte Fotografen zwischen 1935 und 1943 im Auftrag der FSA bei ihren Reisen durch die Vereinigten Staaten machten – mit dem Ziel, „den Amerikanern Amerika vorzustellen“. Die Fotografien von Dorothea Lange, Walker Evans, Russell Lee, Marion Post Wolcott oder Arthur Rothstein zeigen, so Joachim Käppner und Christian Mayer von der Süddeutschen Zeitung, „ein Land am Abgrund und Menschen, die beinahe nichts mehr besitzen. Unvergessen sind die ikonischen Bilder von ausgemergelten Vätern und Müttern, die ihre Kinder in den Armen halten, von Wanderarbeitern, die sich ihr windschiefes Dach über dem Kopf gerade selbst zusammengezimmert haben, von verlassenen Farmhäusern, die im Staub versinken.“ Es sind aber auch Bilder von Amerikanern, die selbst in der größten Krise noch stolz auf ihre Heimat sind, die gemeinsam Musik machen und die beim kostenlosen Barbecue Gemeinschaftssinn zeigen. Es sind Bilder eines Landes, das sich langsam aus den Trümmern erhebt und zum normalen Leben zurückkehrt. Das FSA-Fotografieprogramm war mitverantwortlich für das Entstehen des Bildes der Depression in den USA. Viele der Fotografien erschienen in beliebten Zeitschriften. Die FSA liess 250.000 Bilder ländlicher Armut erstellen. Weniger als die Hälfte der Bilder überdauerte und sind nun in der Abteilung für Drucke und Photos der Library of Congress untergebracht. Die Bibliothek hat nun alle 164.000 entwickelten Negative online gestellt. (http://www.loc.gov/pictures/collection/fsa/ )
Eingeworfen am 16.4.2020
der text hat mich wieder einmal an ein tolles buch erinnert. (das foto oben zeigt übrigens nicht das bild, das später in die ausstellung „the family of man“ aufgenommen wurde – auf dem ikonisch gewordenen wenden sich die kinder ab…)
es gibt eine internationale kunstgeschichtliche und dann fotohistorisch kritische forschungsdiskussion zu Dorothea Langes foto.. Herbert Lethen macht sie in seinem (hervorragenden…) buch „Der Schatten des Fotografen“ (Rowohlt 2014) auf 20 seiten verständlich. das foto hatte ja eine einmalige karriere als ikone einer zeit hinter sich – ein unretuschierter abzug kostete irgendwann eine viertelmillion. die fotografierte und konsequent anonymisierte frau lebte noch jahrzehnte lang und sah keinen penny von ihrem ruhm…
Lethen rekonstruiert die ganz andere situation der aufnahme (die frau ist keine wanderarbeiterin, wie von anfang an behauptet, sie wartet mit ihren 8 kindern am straßenrand während einer autopanne, die abwesenheit des vaters ist nicht mythisch, er repariert gerade den kühler…).
die fotografin hat – dies macht die serie von 7 fotos im archiv deutlich, vermutlich die kinder dazu gebracht sich abzuwenden, also ihr propaganda-foto für die gute sache des new deal sorgsam arrangiert.
eine facettenreiche studie, erhellend noch bis zur viel späteren feministischen rezeption des bilds.