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Die Bevölkerung des IT Uru-Eu-Wau-Wau besteht aus verschiedenen Untergruppen, wie: Jupaú, Amondawa und Uru-Pa-In. Sie verteilt sich auf sechs Dörfer, jeweils an der Grenze ihres Reservats, um so ihr Land vor Eindringlingen zu schützen. Ausser den oben genannten Ethnien leben unter ihnen auch verschiedene isolierte Indianer, wie zum Beispiel die Parakuara und die Jurureis – und zwei weitere Gruppen, deren Namen nicht bekannt sind, ein im Südwesten (am mittleren Rio Cautário) und die andere im Zentrum des IT (am Igarapé Água Branca).
Uru-Eu-Wau-Wau
|Andere Namen: Bocas-negras, Bocas-pretas, Cautários, Sotérios, Cabeça-vermelha, Urupai

Sprache: Tupi-Guarani
Population: 115 (2010)
Region: Bundesstaat Rondônia
|INHALTSVERZEICHNIS

Einführung
Identifizierung und Demografie
Lebensraum
Geschichte des Erstkontakts
Invasionen
Das Konflikt-Gebiet des Burareiro
Gesellschaftliche Organisation
Eheschliessung und Verwandtschaft
Tote und Geister
Körperschmuck und Feste
Zur Zelebrierung der ersten Menstruation wird das Fest der Jungfrau gefeiert
Materielle Kultur
Produktive Aktivitäten
Ausrüstung für die unterschiedlichen Jagdtechniken
Landwirtschaft
Ernährung
Zeitgenössische Aspekte
Gesundheit
Erziehung
Landwirtschaft aktuell
Indigene Vereinigung
Die Jupaú übersetzen ihre Selbstbezeichnung mit “die Genipapo benutzen” (eine essbare Frucht, deren blauschwarzer Saft zur Körperbemalung genutzt wird). Die Bezeichnung “Uru-Eu-Wau-Wau” wurde den Jupaú vom Volk der Oro-Uari gegeben.
Es wurde den Uru-Eu-Wau-Wau eine Vielzahl anderer Namen angehängt. Die Bezeichnungen “Bocas-Negras, Bocas Pretas, Cautários, Sotérios, Cabeça-vermelha” kann man in ihren historischen Beschreibungen finden, sie haben entweder mit ihrer geografischen Ortung zutun oder entstanden aus den kulturellen und sprachlichen Ähnlichkeiten der Jupaú und Amondawa, oder mit den Gruppen der Kawahib im Allgemeinen.
Nach dem Erstkontakt, am Anfang der achtziger Jahre, wurden diese Gruppen von einem signifikanten Bevölkerungsschwund betroffen, besonders beim Volk der Jupaú ging die Zahl von 250 im Jahr 1981 auf 89 im Jahr 1993 zurück. Zirka zwei Drittel wurden aufgrund von Konflikten und sukzessiven Krankheiten dezimiert, welche die Dörfer heimsuchten – besonders ansteckende Infektionen der Atemwege. In den folgenden Jahren nach 1993 stieg die Bevölkerungszahl wieder ein bisschen an, teilweise bedingt durch die Demarkierung, Kontrolle und Beobachtung des IT. Das signifikanteste Anwachsen fand unter der Amondawa -Bevölkerung statt. Im Jahr 1995 bestand die Bevölkerung des IT aus 114 Personen – im Jahr 2000 waren es 160 Personen – im Jahr 2002 waren es 168 Personen.
Individuell unterscheidet sich das Volk der Amondawa von den anderen Ethnien im IT durch sein grösseres Bevölkerungswachstum, insgesamt 83 Personen. Das kann man anhand ihrer besseren sozialwirtschaftlichen Bedingungen erklären, denn sie besitzen eine ansehnliche landwirtschaftliche Produktion, mit technischer Assistenz im Dorf Trincheira (wo sie leben), die ihnen eine sichere Ernährung garantiert.
Die vier Dörfer der Jupaú (Alto Jamari, Jamari, Linha 623 und Alto Jaru) stellen ein Kontingent von 85 Personen, unter denen es eine Nicht-Indianerin gibt, die mit einem Mann der Jupaú verheiratet ist – eine Arara-Indianerin verheiratet mit einem Amondawa – drei Juma-Indianerinnen verheiratet mit Jupaú-Männern und ein Juma-Mann (die Juma leben im Dorf Alto Jaru).
1985 zum permanenten Besitz der Indianer erklärt und 1990 vom Präsidenten José Sarney wiederrufen, wurde das IT Uru-Eu-Wau-Wau im Jahr 1991 erneut per offiziellem Dekret des damaligen Präsidenten Fernando Collor abgesegnet. Das IT hat eine Fläche von 1.867.117,80 Hektar und einen Umfang von 8.656,15 Kilometern. Das Gebiet schliesst sich an den 1979 gegründeten Nationalpark “Pacaás Novos” an.
Das IT Uru-Eu-Wau-Wau wird von der Fundação Nacional do Índio (FUNI) verwaltet – es untersteht deren regionaler Administration in Porto Velho. Das IT besitzt drei “Postos Indigenas” (FUNAI-Posten vor Ort – Abkürzung PIN) – mit unter Vertrag stehenden Postenchefs: PIN Comandante Ari – PIN Trincheira und PIN Jamari – keine Postenchefs haben die “Postos Indigenas de Vigilância” (PIV – das sind Beobachtungsposten, die durch Indianer selbst besetzt sind): einer am Alto Jaru (Dorf Arimã), der PIV Linha 623 (Dorf Paiajub), der PIV Bananeira und der PIV Oro-win Es gibt ausserdem einen nicht offiziellen Indianerposten, genannt São Luiz, in dessen Umfeld die Gruppe Oro-win lebt, er befindet sich am Ufer des Flusses gleichen Namens und steht unter dem Schutz der regionalen Administration in Guajará Mirim.
Das Indianerterritorium Uru-Eu-Wau-Wau erfasst einen Teil der Serra dos Pacaás Novos und der Serra dos Uopianes. Erstere hat besondere Bedeutung, weil sie den höchsten Berg des Bundesstaates Rondônia enthält, den Pico do Tracoá, mit 1.230m Höhe – die zweite Serra (Gebirge) enthält Höhen, welche über 600m nicht hinausgehen. Die einzelnen Landschaften sind ganz unterschiedlich beschaffen, und ihr Relief präsentiert sich einmal hügelig, mit und ohne Wald, zum andern mit Tafelbergen und residualen Reliefs (Inselbergen) – viele davon enthalten Höhlen.
Die Region birgt eine reiche biologische Diversifikation und noch unangetastete Gebiete. Sie ist ausserdem die Wiege von wenigstens 12 hydrografischen Becken Rondônias. Auf den Kämmen der Gebirge sind Formationen von Campos, Cerrados und anderen endemischen Biotopen anzutreffen, während an den Begrenzungen, mit tieferen Böden, tropischer Regenwald – sowohl offen wie verschlungen – vorherrscht.
Die Flüsse werden in der Kawahib-Sprache “Paraná” genannt – die Igarapés (Bäche) nennen sie “Coô-via” – die Seen “Ipapê-bua”. Den Galeriewald bezeichnen sie als “Paraná-capura”
Nach den von Curt Nimuendajú beschriebenen anthropologischen Indizien besitzt der Bundesstaat Rondônia eine beträchtliche Anzahl “Waldmenschen” diverser Ethnien, die dort leben. Ausser der traditionellen Bevölkerung geschah die Besetzung Rondônias durch Nicht-Indianer stets aus wirtschaftlichen Interessen. Der erste Strom entstand im 17. Jahrhundert, als man Indianer einfing und zur Arbeit als Sklaven zwang. Der zweite im 18. Jahrhundert wurde von der Gier nach Gold motiviert. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann der “Gummi-Boom”, der zwischen 1910 und 1920 abflaute. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel eine Aufwertung des Gummis zusammen mit einer Mineralien-Ausbeutung – Cassiterit und Gold in Amazonien – was eine neue Einwanderungswelle zur Folge hatte, welche die Region besetzte und Konflikte mit Dutzenden eingeborener Völker heraufbeschwor. Tausende Indianer starben in Scharmützeln und/oder Epidemien und wurden von ihrem angestammten Grund und Boden vertrieben.
In den vierziger Jahren beginnen die ersten Kolonisations-Projekte von Seiten der Regierung. Anfang der sechziger Jahre beginnt man mit dem Bau der Bundesstrasse BR-364, welche den Bundesstaat von Südost nach Nordwest durchschneidet – ausgeführt von der “POLONOROESTE” (Programa Integrado de Desenvolvimento do Noroeste do Brasil – Integriertes Programm zur Entwicklung des brasilianischen Nordwestens) – finanziert von der Weltbank. Dem Verlauf jener Strasse folgen im Lauf der siebziger Jahre grosse Kolonisationsprojekte der Regierung, die Tausende von Bauern aus dem Süden und Südosten Brasiliens mobilisieren.
Was die Uru-Eu-Wau-Wau betrifft, so hat man zwar Berichte über die eingeborene Besetzung der Region schon seit 1909 – inklusive wusste man bereits von Konflikten und dem Standort ihrer Dörfer – aber den offiziellen Registrierungen ging man erst ab 1976 nach, als man drei Dörfer zwischen den oberen Abschnitten der Flüsse Rio Branco de Cautário und Sotério ortete, in der Nähe der Serra dos Pacaás Novos, und ein weiteres in der Nähe des Flüsschens Souza Coutinho, am Mutum-Wasserfall.
Der Lebensraum der Uru-Eu-Wau-Wau erstreckte sich von den Flusstälern des Rio Madeira (im Norden), dem Rio Machado (im Osten), dem Rio Guaporé (im Süden) bis zum Rio Mamoré (im Westen) – so steht es in den verfügbaren Registern und so entspricht es auch den Berichten der Indianer selbst. Mindestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts kämpften die Uru-Eu-Wau-Wau gegen die expansionistischen Fronten, die ihr Gebiet zu vereinnahmen drohten.
Weit vor dem offiziellen Kontakt mit diesen Gruppen wurde bereits der erste Vorschlag einer Abgrenzung des Indianerreservats eingebracht – das war im Jahr 1946, als man die Regierung des Territoriums Rondônia von der indigenen Besetzung des gesamten Jamari-Beckens und auch des Floresta-Beckens, bis hin zur Serra dos Pacaás Novos, in Kenntnis setzte. Entsprechend dem offiziellen Dokument wurde diesem Antrag am 26. November 1946 entsprochen. “Im Jahr 1946, nach dem Massaker, welches von Senhor Manoel Lucinda gegen die Dörfer der Oro-Towati provoziert wurde, sowie nach diversen Gegenangriffen von Seiten der Indianer, entscheidet der SPI (Serviço de Proteção aos Índios – Indianerschutz) jenes vom Seringal São Luiz (Gummisammler-Niederlassung) besetzte Gebiet als “off limits” zu erklären, mittels des Regierungs-Dekrets 30/64, 32/64, 33/64 – dieser Akt wurde Senhor Manoel Lucindo, der Regierung von Rondônia und der Kreditbank von Amazonas, mitgeteilt”.
Es folgen verschiedene Invasionen des Gebiets, bis endlich am 24. März 1984 der Präsident der FUNAI – mittels des Dokuments 176/E – eine Arbeitsgruppe zum Studium der Identifizierung und Definierung des Gebiets der Uru-Eu-Wau-Wau und der Urupa-in aufstellt. Am 9. Juli 1985 wurde es dann zum permanenten Besitz der Indianer erklärt – mittels Dekret 91.416. 1990 beanspruchte der damalige Präsident Sarney das Gebiet erneut, aber am 29. Oktober 1991 segnete der neue Präsident Fernando Collor die administrative Demarkierung des IT Uru-Eu-Wau-Wau erneut ab.
Die Uru-Eu-Wau-Wau waren von der FUNAI ab dem 10.03.1981 gezählt worden – in Alta Lídia, das heute Comandante Ari heisst. Damals zählte man 250 Personen. 1984 entdeckte die FUNAI drei Dörfer – aber 1986 waren es schon acht. Zu jener Zeit war der Posten Comandante Ari schon von mehr als 150 Indianern besucht worden – die FUNAI kalkulierte danach, dass es sich bei den Uru-Eu-Wau-Wau um mindestens 500 Individuen handelte.
Die Jupaú berichteten von drei weiteren Gruppen, welche bis heute noch nicht kontaktiert worden sind – sie leben im Gebiet des Rio Muqui, Cautário und São João do Branco. In dem Bericht jener Zeit wird die Existenz verschiedener Dörfer noch ohne Kontakt erwähnt, in denen zirka 1.000 bis 1.200 isolierte Indianer innerhalb des IT leben sollten. Untersuchungen haben ergeben, dass eine Gruppe, die als Mamoã identifiziert wurde, gratis für die Gummisammler arbeitete. Die Amondawa waren von weissen Invasoren eingeschlossen und verlangten die Intervention der FUNAI, deren Beamte nicht einmal den genauen Standort ihrer Dörfer kannten. Eine Jupaú-Indianerin mit Namen Kaninde kommentierte, dass ihre Mutter und ihre Schwester von einem Gummi-Baron mit Namen Alfredo verschleppt worden waren. Seine Nachfahren berichten noch heute, dass ihre Mutter gestorben war und ihre Schwester sich immer noch in der Gewalt jenes Invasors befinde, und dass sie gerne in ihr Heimatdorf zurückkehren wolle, obwohl sie nicht unter den Jupaú aufgewachsen war.
Der Chef der FUNAI-Zweigstelle in Guajará-Mirim folgert in seinem Bericht vom 03.05.1988, dass man ein Reservat besser nicht an jenem Ort der indianischen Besetzung gründen solle, denn dies wäre gegen die Interessen der Gummi-Barone und Gummisammler. Zu jener Zeit schuf der INCRA (Latifundien-Institution der Regierung) bereits das Projekt Costa Marques, welches eine klare Begünstigung der Nicht-Indianer darstellte. Jedoch macht der Bericht auch auf die Notwendigkeit aufmerksam, einen Sertanista (Indianerbefrieder) der FUNAI in das Gebiet zu entsenden, und zwar noch bevor sich die Gummi-Barone dazu entschliessen sollten.
1980 ortete man 11 Tapiris (Unterstände) und Felder am Rio Jamari sowie in der Nähe der Gegend von Comandante Ary (Alta Lídia). Ausserdem fand man Camps am linken Ufer des Rio Urupá, nahe der Bundesstrasse BR-429, und im Jahr 1984 entdeckte man ein Dorf am Urupá und ein anderes in São Miguel – weiterhin Camps in der Serra do Tracoá, der Trennung zwischen Jamari und Candeias, am Ricardo Franco, Muqui, Igarapé Pombal, Jarú, Cautário, São Miguel, Ouro Preto, Água Branca und in der Serra dos Pareci/Pacaás Novos (drei Dorfanlagen mit verschiedenen Malocas im Innern des Parks von Pacaás Novos, mit einer Entfernung von etwa sieben Kilometern zueinander).
In der Geschichte des IT kommen aufeinander folgende Invasionen vor – sowohl seitens der Holzfäller und Latexsammler als auch von Bauern auf der Suche nach Land. Diese Invasionen nahmen ab den 80er Jahren zu und haben bis heute noch nicht aufgehört. Die geringe Kontrolle der verantwortlichen öffentlichen Organe, sowie die Isolation jenes Gebietes haben dazu beigetragen, das sich diese Situation verschärft hat. Denunzierungen sind häufig, obwohl die Regierung von Rondônia ein Kontrollabkommen hinsichtlich jener Invasionen unterzeichnet hat. Ein kürzlich vorgefallenes Beispiel aus dem April 2003 ist die Invasion von 5.000 Nichtindianern, die sich selbst als “Liga der armen Bauern” betitelten. Ihr Rückzug fand dann Wochen später statt, und er vereinte diverse öffentliche Stellen zu einer gemeinsamen Vertreibungsaktion: die Bundespolizei, die FUNAI, die IBAMA, den INCRA, das Bataillon der Feldpolizei und das Sekretariat der öffentlichen Sicherheit des Bundesstaates Rondônia – auch die GNO Kanindé war beteiligt.
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre, nach der Asphaltierung der Bundesstrasse BR-364, beginnt eine Zunahme des Holzhandels mit dem Süden des Landes. Die selektive Nutzung von Edelhölzern im Bundesstaat Rondônia minderte den Vorrat dieser Arten auf den Ländereien in Privatbesitz und die Entfernungen zum Nachschub wurden zunehmend grösser. Dadurch verstärkte sich der Raubbau von Holz in den Indianerterritorien (ITs), besonders von Edelhölzern wie Mogno und Cerejeira. Verschiedene Städte mit Dutzenden von Sägewerken befinden sich an der Peripherie der ITs. Man schätzt, dass 90% des Mogno und 80% des Cerejeira, die in den Holzindustrien von Rondônia verarbeitet werden, aus Indianerterritorien oder biologischen Reserven stammen.
Der Druck der Holzindustrie wächst und mit ihm auch die Bevölkerung rund um die Einheiten zur Erhaltung der Natur. Aus wahlstrategischen Gründen wurden viele neue Munizipien im Bundesstaat gegründet – ein Teil davon ohne die geringste Infrastruktur und mit einer kleinen Bevölkerung, ohne Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 1991 hatte der Bundesstaat Rondônia nur 40 Munizipien – heute sind es 52! Das Gebiet verschiedener neu gegründeter Munizipien verläuft bis zu 50% innerhalb der Indianerterritorien. Und aufgrund dieser Realität kann man eine Tendenz zunehmenden Drucks auf die ITs voraussehen!
Die Amondawa und die Jupaú sind die historischen Feinde jener Siedlerinvasionsfronten schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie leben im Dauerkonflikt mit Latexsammlern und Goldsuchern. In den zwei letzten Jahrzehnten galt ihr Kampf der Invasion von Viehzüchtern, Bauern, Goldsuchern und der Ausbeutung jener Sägewerksbesitzer, die in einem Jahrzehnt mehr als 500.000 Kubikmeter Edelholz aus den Indianern von Regierungsseite zugesprochenen und verbrieften Gebieten gestohlen haben.
In den letzten zehn Jahren hat man in den ITs und im Nationalpark eine grosse Zahl von Kontrollen durchgeführt. Und die Aktionen, welche Erfolg hatten, führten zur Eröffnung von Dutzenden von Polizeiuntersuchungen, die wiederum eine Beschlagnahme von fast einhundert Fahrzeugen – LKWs und Traktoren – nach sich zog. Die grössten dieser Fahrzeuge wurden den Gesetzesbrechern zurück gegeben, in Übereinstimmung mit der Gesetzgebung, welche den Angeklagten selbst als Verwalter des “Corpus delicti” bestimmt, während sein Prozess von der Justiz vorbereitet wird. Jedoch mehrere Male geschah es, dass sich die Indianer gegen die Entscheidung des Gerichts erhoben und jene Fahrzeuge verbrannten, damit sie den “Invasoren” nicht zurück gegeben werden konnten. Und viele dieser angeprangerten Verbrecher kamen wieder und stehlen heute immer noch Edelholz! (Die brasilianische Justiz, im Vergleich mit anderen Ländern, hat wegen ihrer laschen Handhabung und den geringen Strafen kaum eine abschreckende Wirkung auf die Verbrecher – Resultat: Gesetzesübertretungen steigend! Anmerkung des Übersetzers).
In der jüngsten Geschichte der Jupaú war der Fluss Rio Floresta Bühne eines grossen Konfliktes zwischen Indianern und Nicht-Indianern. Selbst nachdem die FUNAI der INCRA-Behörde (Landverteilungs-Gesellschaft) mitgeteilt hatte, dass dieses Gebiet für die Indianer reserviert und deshalb für andere Einflüsse gesperrt sei, stellte dieses Regierungsorgan noch 122 Besitztitel für Bauern aus, die sich im Innern des Reservats Uru-Eu-Wau-Wau festgesetzt hatten und schuf damit ein Problem, welches bis zum heutigen Tag nicht aus der Welt geschafft ist.
Gegen Ende der siebziger Jahre wurde die geografische Abteilung des brasilianischen Heeres von der FUNAI beauftragt, die Demarkierung des Indianerterritoriums (IT) durchzuführen, wegen der Komplexität der Konflikte in jenem Gebiet und dem Ausmass der zu vermessenden Fläche. Allerdings vergingen einige Monate, ohne dass die FUNAI je die anlässlich jener Arbeit abgesteckten Grenzen kontrolliert hatte. Als schliesslich ihre Waldläufer sich auf die Socken machten, um die entsprechenden Markierungen und Schneisen aufzufinden, gelang ihnen dies nicht. Die anzulegenden Schneisen waren nur mangelhaft angelegt und vom Urwald schnell wieder überwachsen, und die wenigen angebrachten Schilder waren von den Invasoren einfach wieder abgerissen worden.
Am 08. November 1980 bestätigte die INCRA 113 unrechtmässige Besitztitel im südlichen Teil des “Projekts Burareiro” innerhalb des IT. Die Mirad-Incra erkennt 1985 an, dass die Mehrheit jener Personen, welche besagte Titel erhielten, gar nicht auf ihren Grundstücken wohnten, denn der Zugang zu diesen war schwierig wegen fehlender Strassenverbindungen und, dass die Waldrodung in jener Region gerade erst im Anfang begriffen war (Altamir Wolmann, Mirad/Incra, 04.06.85). In diesem Jahr werden dann endlich die Grenzen durch Dekret des brasilianischen Präsidenten definiert und man durfte annehmen, dass die INCRA nunmehr, in Anerkennung des IT, die irrtümlich vergebenen Besitztitel auf ein anderes Gebiet verlegen würde. Aber das geschah nicht.
Im “Land- und Waldwirtschaftlichen Plan von Rondônia (PLANAFLORO)” sowie in sukzessiven “Gedächtnisstützen der Missionen des BIRD in Rondônia” konstatierte man die Problematik des Burareiro, aber in der Praxis der Anwendung jenes Plans wurde dann nicht genügend Druck ausgeübt, um die Situation zu entschärfen. Sie wurde als ein juristisches Problem bezeichnet, welches allein die FUNAI zu lösen hätte. Und diese, verspätet, erhob erst 1994 endlich Klage gegen die INCRA, in der sie die Annullierung jener Titel innerhalb des IT Uru-Eu-Wau-Wau verlangte. Das Einschreiten der Justiz 1996 war wiederum zum Nachteil der Indianer, denn ihre Richter interpretierten, dass die von der FUNAI eingeleitete Aktion nicht gegen die INCRA sondern gegen jeden einzelnen der 122 Titel-Besitzer durchzuführen sei. Und weil die Mehrzahl jener Titel inzwischen an Dritte verkauft worden waren, löste diese Tatsache eine so grosse Zahl von juristischen Aktionen gegen die effektiven Titelhalter aus, dass mit Ergebnissen weder in kurzen noch mittleren Zeitläuften zu rechnen ist!
Die juristische Entscheidung von 1996 bezüglich des Burareiro-Gebiets wird von skrupellosen Unternehmern und korrupten Politikern der Munizipien Ariquemes und Monte Negro verdreht und dazu benutzt, Invasionen zu intensivieren. Die FUNAI, die Polícia Federal und das Ministério Publico – mit Unterstützung des Indianerverbands Jupaú und Kanindé – führten im Jahr 2001 eine Evakuierung des Nordflügels des IT durch, indem sie Dutzende der Invasoren hinter Schloss und Riegel im Zentralgefängnis von Porto Velho brachten. Den Repräsentanten zweier Invasoren-Verbände wurde der Prozess gemacht. Zum ersten Mal gelang es damit, die professionellen Besetzer indianischer ITs in Rondônia die Macht des Gesetzes zu demonstrieren.
Wie die anderen Kawahib-Völker auch, sind die Jupaú und Amondawa in verwandtschaftliche Gruppen unterteilt, jede mit einem Chef, organisiert in zwei Hälften: Mutum (Auerhahn) und Arara (Ara). Vor ihrem Erstkontakt mit Nicht-Indianern besassen sie eine erstaunliche Mobilität, mit festen Dörfern zu bestimmten Jahreszeiten und vorübergehenden Camps (Tapiris), die in ihrem gesamten Territorium zu finden waren. Die Dörfer wurden auf kleinen Lichtungen innerhalb des Waldes angelegt. Auf ihren Feldern pflanzten sie Mais, Maniok, Süsskartoffeln, Cará (essbare Knollenfrucht) und Baumwolle. Sie produzierten Maniok-Mehl und Cauim (fermentiertes Getränk) aus Maniok. Sie benutzten keinen Tabak und, entsprechend der Aufzeichnungen, lebte ein Nicht-Indianer in den vierziger Jahren unter ihnen, der seinen Tabakkonsum durch die Latexsammler deckte (Costa 1981).
Vor dem Erstkontakt bewohnten sie rechteckige Malocas (indianische Häuser) mit Giebeldächern, die sehr hoch waren und Türen an beiden Seiten besassen. Gegenwärtig, mit nur noch wenigen dieser Malocas, wohnen die meisten in Holzhäusern, welche mit Wellblech gedeckt sind – eine Praxis, die von der FUNAI eingeführt wurde. Die Jupaú beschweren sich, dass diese Häuser furchtbar heiss seien, und ziehen es vor, sich während des Tages in den wenigen Malocas aufzuhalten, die es noch gibt.
Die Ehen sind traditionsmässig polygam und werden innerhalb der beiden “Hälften” geschlossen – das heisst: Mutum heiratet ausschliesslich in die Arara-Gruppe ein. Die Verheiratungen finden zwischen so genannten “gekreuzten Cousins und Cousinen” statt: Ein Bursche heiratet die Tochter des Bruders seiner Mutter. In den letzten Jahren, wegen fehlender Frauen und durch den Einfluss des Kontakts mit Nicht-Indianern, sind die Ehen eher monogam geblieben – es gibt sogar Fälle von Polyandrie.
Wenn ein Kind geboren wird, ist es bereits zur Verheiratung versprochen. Die Mädchen haben die Erlaubnis, ihre ersten sexuellen Erfahrungen zu sammeln, ab dem Zeitpunkt, da sich ihre Brüste entwickeln. Gegenwärtig gibt es allerdings schon Fälle, in denen der “versprochene Ehemann” abgelehnt wird, und das bringt Konflikte in die Verwandtschaftsgruppe.
Personen beiderlei Geschlechts praktizieren eine Änderung ihres Namens anlässlich einer jeden Geburt eines neuen Mitglieds der Kernfamilie. Wenn ein Junge geboren wird, erhält dieser den Baby-Namen seines Vaters – im Lauf der Zeit und jeweiligem Alter übernimmt er alle Namen, die sein Vater bereits vor ihm besessen hat.
Die Jupaú beerdigen ihre Toten innerhalb der Malocas mit allen ihren Besitztümern. Wenn sie aus irgendeinem Grund umziehen, kommen sie besuchsweise an diesen Ort zurück und säubern die Stelle, wo ihre Toten begraben sind – oder sie graben die Knochen aus und nehmen sie mit an ihren neuen Wohnort. Die Gräber sind rund, und der Tote wird sitzend begraben, zusammen mit allen seinen Besitztümern – inklusive einem Kopfschmuck aus Federn des Falken, den man auf seine Brust legt, und der ihn in der Geisterwelt beschützen soll.
Die Jupaú glauben, dass es im Wald verschiedene Geistwesen gibt, denen sie diverse Namen geben, und sie berichten von deren Taten und wie sie das Leben in ihrer Kommune beeinflussen. Eins dieser Geistwesen ist der “Anhangá”, er besitzt die Gestalt einer grossen Fledermaus, trägt die Menschen mit sich fort und saugt ihnen alles Blut aus. Sie erzählen, dass der Enkel von Djurips (ein Jupaú) Grossvater von Anhangá weggetragen wurde. Der Grossvater machte sich auf die Suche nach dem Jungen und hörte plötzlich das Geräusch des heran flatternden Wesens – er versuchte, es mit einem Haumesser zu erledigen, aber es gelang ihm nicht – der Geist wich ihm aus. Der Grossvater sah den Jungen in seinen Krallen – der Geist verschwand mit ihm im Dunkel der Nacht. Nach dem Bericht der Uru-Eu-Wau-Wau geschah dies am Oberlauf des Rio Jamari.
Die Jupaú und Amondawa pflegen in der Nacht zu singen, um Feinde mit ihren Schreien abzuschrecken oder geliebter Toter zu gedenken. Und sie tanzen anlässlich diverser Feste – wie zum Beispiel dem Maisfest (Ipuã) und einem anderen besonders beliebten Fest, welches sie Yreruá nennen. Letzteres wird vom Klang der Bambusflöten begleitet, welche von den Männern geblasen werden – andere Männer legen Pfeile auf ihre Bögen und spannen sie, als wollten sie sich gegenseitig erschiessen – aber es ist nur eine Inszenierung, die zur Zeremonie gehört. An einem bestimmten Höhepunkt des Festes fassen sich alle Frauen gegenseitig an den Armen und tanzen unter schrillen Schreien der Männer – das Ganze zeigt eine deutliche kriegerische Tendenz.
Während des Tanzes befindet sich der “Chef des Festes” in der Mitte des Kreises der Tanzenden – er bläst die grösste der Bambusflöten (Yreruá) und gibt den Tanzenden den Rhythmus an mittels Stampfen seiner Füsse. Die Männer haben ihren Körper an den Hüften mit verschiedenen Lianen umwickelt, die über dem Becken enger und in Bauchhöhe, wo sie ihre Macheten befestigt haben, etwas lockerer geschlungen sind.
Während der Zeit der Paranuss-Ernte wird das Mädchen einundeinhalb Monate lang in der Hütte ihrer Familie eingesperrt. Sie bleibt da, ohne je zu baden – ihr Körper wird mit Babaçu-Palmöl eingerieben. Wenn sie zum zweiten Mal menstruiert, sagt sie es ihrer Mutter, die unterrichtet den Vater, und der gibt die Neuigkeit der gesamten Dorfgemeinschaft bekannt. Das Mädchen verlässt seine Hängematte und wird von ihrer Tante gebadet, die das Öl von ihrem Körper entfernt.
Am Spätnachmittag brechen Männer die gesammelten Paranüsse auf. Im Morgengrauen des folgenden Tages erhebt sich der Vater des Mädchens, läuft im Dorf umher und verkündet singend, dass nun der Tag der Verheiratung gekommen sei. Dann begeben sich Vater, Onkel, Brüder, der Bräutigam und die Braut zum Fluss, um Wasser zum Kochen der Nüsse zu holen. Die andern bemalen sich gegenseitig für das Fest. Dann kochen die Frauen – zusammen mit der frisch gebackenen Jungfrau – die Nüsse. Letztere erhält verschiedene Geschenke, um sich damit zu schmücken (z.B. eine Halskette aus Jaguar-Zähnen, Armbänder und Halsketten aus Capivarazähnen). Ihr zukünftiger Ehemann erhält Kopfschmuck, Pfeile und Ketten aus Zähnen von Wildkatzen und Fischottern. Diese Geschenke dürfen niemals weiter gegeben werden! Die junge Frau muss nun noch einige intensive tägliche Bäder nehmen und sich in den Regen stellen, um den intensiven Geruch des Babaçu-Palmöls loszuwerden.
Anlässlich ritueller Gelegenheiten bemalen die Indianer ihren Körper mit Urucum (rote Pflanzenfarbe), und wenn sie auf dem Kriegspfad sind, bemalen sie ihre Brust mit Jenipapo (blauschwarze Pflanzenfarbe) in Form eines grossen “X” – es sieht aus wie ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln.
Sie tätowieren das Gesicht mit einer Linie von den Mundwinkeln bis zu den Ohren und um die Lippen herum. Vielleicht hat man sie deshalb auch “Boca-Preta” (Schwarz-Münder) genannt. Bei den Männern kommt ausser der Gesichtstätowierung noch eine andere in Fischform auf dem linken Arm dazu, die mittels eines Blattes angebracht wird. Diese Tätowierung erhält der junge Mann anlässlich einer Zeremonie, die ihn vom Knaben zum erwachsenen Krieger weiht – etwa im 13. Lebensjahr.
Die Frauen tätowieren rund um den Mund ein kreisförmiges Design, welches sie “Cobra grande” (Grosse Schlange) nennen. Diese Tätowierungen wurden einst sowohl bei Männern wie bei Frauen anlässlich ihrer Verheiratung angebracht. Jedoch infolge so vieler Veränderungen, denen die Völker der Jupaú und der Amondawa unterworfen waren, haben die Männer aufgehört mit der Tätowierung. Die Frauen allerdings tätowieren sich immer noch, denn sie glauben, dass sie auf diese Weise ihre Männer und Söhne während der Jagd beschützen können.
Kopfschmuck und Pfeile werden von den Männern mit Federn von Papageien, Aras und Falken verziert – sie werden nur von männlichen Mitgliedern (Erwachsene und Kinder) benutzt. Ein bestimmter Kopfschmuck aus Falkenfedern ist nur dazu bestimmt, einem Toten auf die Brust zu legen – während bestimmter Feste werden sie nur getragen, um den Glanz der Federn zu erhalten.
Ein Kopfschmuck wird als Gabe an die Geister angesehen, gegen die man in ihrem Schutz steht. Die Federn des Falken gelten als ganz besonderer Schutz, da dieser die Fähigkeit besitzt, sich im Wald ganz plötzlich unsichtbar zu machen (durch sein Federkleid der Vegetation perfekt anzupassen). Dieser besondere Kopfschmuck darf weder verkauft noch verschenkt werden.
Die Frauen pflegen gewöhnlich ein Halsgebinde aus einem Schneidezahn des Capivara zu tragen – die Männer Hauer vom Wildschwein. Die Frauen stellen auch Ketten und Ringe aus den Nussschalen der Tucumã-Palme her und solche aus Zähnen verschiedener Tiere. Heutzutage benutzen sie, in einigen Fällen, für ihr Kunsthandwerk auch Deckelchen von Medikamenten, Knöpfe und andere Industrie-Produkte in ihren Ketten. Zu ihrer Tradition gehörten einst auch Keramikgefässe und selbst geflochtene Körbe zum Tragen der Jagdbeute, zum Sammeln von Früchten und Honig im Wald.
Die Jagd ist eine maskuline Aktivität und findet in der Umgebung der Dörfer statt – auf gewohnten Pfaden – etwa in einer Entfernung zwischen 3 und 5 Kilometern. Man formiert sich hie und da auch zu Gruppen, welche sich dann zur Jagd weiter vom Dorf entfernen.
An verschiedenen Stellen im Wald gibt es Stellen, an denen sich Tiere und Vögel versammeln, um im Boden zu graben und das in ihm enthaltene konzentrierte Salz aufzunehmen. Die Menschen Amazoniens nennen solche Stellen “Barreiros” oder “Saugplätze” – die Indianer sagen dazu “Itiwawa”. Während der Trockenperiode (Kuaripé) kann man leichter auf jagdbare Tiere treffen als in der Regenzeit – aus verschiedenen Gründen: In der Trockenzeit reifen die Früchte, die Wasserläufe sind nicht so tief und man wird nicht durch Regen behindert. Die Jagdbeute wird unter allen Dorfmitgliedern aufgeteilt.
Die Indianer stellen Fallen auf (Tukai) aus Babaçu-Palmstroh, um damit in erster Linie “Inhambus” (eine Art Taube) zu fangen – die Fallen werden in Dorf nähe aufgestellt, an Stellen, wo Früchte von den Bäumen fallen oder an den beschriebenen Salzlecken.
Sie verstehen es meisterhaft, Tierstimmen nachzuahmen, um sie aus ihren Verstecken zu locken (grosse Tiere, wie Tapir oder Wildschwein) – in bestimmten Fällen imitieren sie die Stimmen von verirrten Jungtieren (beim Hirsch und beim Wildschwein).
Sie sind exzellente Fährtenverfolger – diese Technik wenden sie an, um bestimmte Fusseindrücke vom Wildschwein oder Tapir zu verfolgen – manchmal über Stunden. Wen dann das Tier angeschossen ist und blutet, verfolgen die Indianer seine Blutstropfen auf dem Waldboden.
Bogen und Pfeile waren einst die wichtigsten Jagd- und Kriegswaffen der Jupaú – gegenwärtig benutzen sie Gewehre verschiedenen Kalibers. Jedoch die Älteren benutzen weiterhin Bogen und Pfeile. Es kommen Pfeile verschiedener Art zur Anwendung: Uywa, mit einer Spitze aus Schilfrohr zum Erlegen grösserer Tiere – Miarakanga, mit einer Spitze aus Knochen des Jaguars, in erster Linie zum Erlegen von Vögeln und manchmal auch für Fische – Um’ywa, mit einer Spitze aus Pupunha-Palmholz zum Erlegen von Fischen.
Der Gebrauch von “Tikyguywa” (einer pflanzlichen Substanz) an der Pfeilspitze ist eine weitere Jagdtechnik, um beim angeschossenen Tier eine starke Blutung (Hämorrhagie) zu verursachen.
Der Fischfang wird sowohl von Männern wie Frauen praktiziert. Die Männer benutzen dazu Pfeil und Bogen, Harpune und auch Fangnetze. Die Zeit des grössten Fischüberflusses ist während der Trockenperiode, wenn die Flüsse weniger Wasser führen. Obwohl die Indianer bereits viele neue Fangtechniken kennen, bevorzugen sie ihre traditionelle Fangmethode mit Pfeil und Bogen. Der geeignetste Pfeiltyp hat eine Spitze aus Pupunha oder Jaguarknochen. Der Gebrauch von “Timbó” (ein Lianengift, das die Fische betäubt) wird häufig angewandt, besonders zu Jahreszeiten, in denen der traditionelle Fischfang schwierig ist.
Es gibt eine bestimmte Auswahl von Fischarten, die man bevorzugt – je nachdem, ob man sie direkt essen möchte (gekocht, gegrillt oder geröstet – eingerollt in bestimmte Blätter), oder ob man sie geräuchert eine Weile aufheben möchte. Die Indianer machen zum Beispiel eine Art Trockenfutter (Pirakuia) – auch zum Mitnehmen für unterwegs auf der Jagd – indem sie in einem Mörser den geräucherten Fisch zu Krümeln stampfen und dann mit Maniokmehl mischen. Sie pflegen auch das Fett der “Cachorra” (Hundsfisch) auszulassen und aufzubewahren, um es später mit Maniokmehl zu verzehren.
Ihr bevorzugter Speisefisch war der “Jatuarana” (piawuhua), aber der ist aus dem Rio Jamari nach dem Bau des Wasserkraftwerks “Hidrelétrica de Samuel” verschwunden. Während die Fische “Cuiucuiu” und der “Jandia” auch nach dem Bau noch vorkommen.
Bei den Aktivitäten, welche ihrer Lebenserhaltung dienen, ist die gesamte Familie beteiligt. Während eines Jahres wechseln sich landwirtschaftliche Aktivitäten mit jenen des Sammelns, der Jagd, des Fischfangs und einer aufmerksamen Kontrolle der Reservatsgrenzen ab.
Sie bauen Maniok und Macaxeira an – letztere kann gebraten verzehrt werden oder, nach dem Kochen zu einem Brei zerdrückt werden. Sie produzierten auch Mehl aus der gemahlenen Maniokwurzel, welches dann während einiger Tage auf einer Matte in die Sonne gelegt wurde, um zu trocknen – anschliessend war es fertig für den Konsum. Gegenwärtig sind die einzelnen Etappen der Herstellung des Maniokmehls folgende: Schälung der Wurzeln, unter Benutzung von Messern – das Raspeln, mit einer manuellen Reibe – das Einweichen und Fermentieren – das Vermischen in einem Holztrog – die Pressung in einer Holzpresse – die Röstung geschieht in Metallbehältern über einem Holzfeuer. Eine Aktivität an der Männer und Frauen teilnehmen. Nach der Röstung wird das Mehl für den internen Konsum in Säcke abgefüllt – ein eventueller Überschuss wird auch an Nicht-Indianer auf dem nächsten städtischen Markt verkauft. Die Indianer produzieren ausserdem Maismehl (watikuia) im Mörser – sie verzehren grünen und auch ausgereiften Mais.
Sie kennen verschiedene Sorten der Cará-Wurzel (cara), die auf neuen Feldern gepflanzt wird und in Löchern von entfernten Bäumen. Auf einem Teil der Felder, oder an der Dorfgrenze, pflanzen sie verschiedene Sorten von Süsskartoffeln (ytyga). Sie kultivieren verschiedene Taioba-Arten (mabaé) und verzehren ihre Blätter gekocht, zusammen mit Fleisch und Maniokmehl – das nennen sie Mbotawa. In der Nähe ihrer Behausungen pflanzen sie ebenfalls verschiedene Arten von Baumwolle (amanjiju) und Urucum. Die Baumwolle wird zu Schnüren und Stricken verarbeitet. Urucum wird zur Körperbemalung und zur Abwehr von Insekten eingesetzt.
Die Papaya ist eine Pflanze, die schon von den Vorfahren gepflanzt wurde, die verbreitet sich von allein auf den alten Feldern, die nach einiger Ruhezeit wieder benutzt werden. Das für die Anlage der Felder genutzte Terrain liegt in der Regel in der Nähe der Dörfer – der Platz wird im Wald ausgesucht, ausgebrannt und die Bäume entfernt. Diese Technik ist eine der ältesten unter den Indianern – und auch unter den Nicht-Indianern der Region – und hat sich bis heute nicht verändert – nur die Bäume werden mit Schneidwerkzeugen aus Metall gefällt.
Vor dem Erstkontakt benutzten die Indianer Steinäxte zum Fällen der Bäume – damals war es eine sehr arbeitsaufwendige Sache, ein Terrain für die Anlage der Felder zu säubern. Das Unterholz wurde während der Trockenperiode abgebrannt. Diese Art der Behandlung des Waldes nennt man “agricultura migratória” (wandernde Landwirtschaft).
Nach der Bepflanzung und anschliessenden Abernte des Feldes wird es verlassen, und der Boden ruht aus, um dann nach ein paar Jahren aufs Neue genutzt zu werden. Die Rodung als solche ist eine Arbeit der Männer. Die Bepflanzung, das Unkraut jäten und die Ernte werden von allen Mitgliedern der Dorfkommune ausgeführt.
Es ist Aufgabe der Männer zu jagen, die Jagdbeute zu zerlegen und zu säubern, den Bratrost zu konstruieren (bei grösseren Tieren) und das Feuer anzustecken. Die Frauen bereiten die zusätzlichen Lebensmittel zu, fischen und kümmern sich um die Kinder, die von ihren Eltern liebevoll behandelt werden.
Fleisch ist ihre wichtigste Proteinquelle und im Indianerterritorium reichlich vorhanden. Allerdings treffen sie, entsprechend ihrer Kawahib-Tradition, eine rigorose Auswahl betreffend ihres Tierkonsums. Vom getöteten Tier wird das Fell nicht abgezogen, sondern es wird in Teilen auf einen Rost gelegt, wo die Haare abbrennen – das Fleisch röstet in der Haut und bleibt saftig – dann wird es in Stroh eingewickelt und in Körben verstaut, damit keine Insekten ihre Eier hineinlegen können – so bleibt es über mehrere Tage haltbar.
Eine “Farofa” der Indianer (mbiarakuia) besteht zum Beispiel aus Maniokmehl und gebratenem Fleisch, welches im Mörser zu kleinsten Teilchen zerstossen wird und dann mit dem Mehl gemischt. Das Fett des Tapirs wird ausgelassen und aufgehoben, um es zusammen mit Maniokmehle zu essen. Wenn sie einen trächtigen Tapir erlegen, verzehren sie den Fötus gebraten in Pacova-Blättern.
Ausser den erwähnten Tieren wird ihre Ernährung angereichert durch den Konsum von Honig und von einigen Insekten. Das Sammeln von Früchten, die roh gegessen werden und mit denen sie ihre Ernährung vervollständigen, ist eine weitere bedeutende Aktivität in ihrem Leben. Das Indianerterritorium ist reich an Fruchtbäumen unterschiedlicher Arten.
Die Jupaú und Amondawa unterliegen verschiedenen Ernährungs-Tabus – hier ein Ausschnitt:
- Die Eltern eines Neugeborenen dürfen keine warmen Speisen essen, sonst verliert das Baby seine Haare und schreit andauernd.
- Der Rothirsch – sie betrachten ihn als Menschenwesen. Wenn sein Fleisch gegessen wird, bekommt die entsprechende Person Schwindelanfälle und stirbt langsam.
- Affe – bewirkt, dass die Kinder weinen und nicht einschlafen können.
- Jacu (Fasanenvogel) – gleicher Effekt wie beim Rothirsch.
- Jacamim (Vogel) – wenn die Person zwei kleine Kinder hat, weinen die andauernd.
- Curimba und Urumará (Fischarten) – führen zu Körperjucken.
- Paca (kleineres Nagetier, Verwandter des Meerschweinchens) – führt zu schwarzen Flecken am Körper.
Beide Gruppen pflegen den Habitus, Vögel und Säugetiere aufzuziehen, welche dann als Lieferanten für die Schmuckfedern ihrer Kunsthandwerks-Produkte und als Schosstiere für ihre Kinder gehalten werden. Besonders Aras und Falken werden aufgezogen, um Federn für ihre Pfeile und ihren Körperschmuck zu liefern.
Andere Tiere, die sie aufpäppeln und vor allem als Spielzeug für die Kinder betrachten, sind:
Inambu-galinha (Namburawa – Hühnervogel) – Inambu Tona (Nambuteua – Hühnervogel) – Jacamim (Gwyryao – Singvogel) – Mutum (Mutun´a – Fasan) – Saracura (Arakuria – Laufvogel) – Periquito (Kykykyia – Sittichart) – Curica (Karainha – Vogel) – Papagaio (Airuia Airuua – Papagei) – Caititu (Taitetua – Wildschweinart) – Queixada (Taiahu – Wildschweinart).
Im Lauf des Jahres 1995 waren auf dem FUNAI-Posten “Trincheira”, der zum Dorf der Amondawa gehört, Krankenhelfer stationiert – nach einem System mit einem Monat vor Ort und acht Tagen Pause. Der Bericht weist darauf hin, dass trotz der Mittel des PLANAFORO (Plano Agropecuário e Florestal de Rondônia) und unter Vertragsnahme von Ärzten, Dentisten, Laboranten, Krankenschwestern und Krankenhelfern über den festgesetzten Zeitraum, “diese Anstrengungen in die institutionelle Leere der FUNAI und die Unerfahrung des PNUD fielen, sodass das Jahr wenige Resultate und viel Frustration aller Beteiligten brachte” (Gesundheitszustands-Bericht der indigenen Gebiete von “Igarapé Lourdes, Zoró, Rio Branco und Posto Indigena Trincheira” – PNUD / PALNAFORO, 1995).
Die gegenwärtig am häufigsten im IT Uru-Eu-Wau-Wau auftretenden Krankheiten sind: Malaria, Wurmbefall, Tuberkulose, Lungenentzündung, Grippe, Durchfall, Gastritis, auditive Probleme (besonders Taubheit). Was die Fälle von DST (doenças sexualmente transmissíveis – Sexuell übertragbare Krankheiten) betrifft, so wurden 2001 ein Fall von HPV (Humane Papilloma-Viren) und acht Fälle von Gardnerella Vaginalis (Entzündung der Scheide) registriert. Betreffend der indigenen Gesundheitsfürsorge sind Impfkampagnen durchgeführt worden – es gibt Impfungen für alle Altersgruppen – von der “Equipe Multidisciplinar de Saúde”, die von der CUNPIR (Coordenação da União das Nações e Povos Indígenas de Rondônia, Noroeste do Mato Grosso e Sul do Amazonas) und der FUNASA unter Vertrag genommen wurde.
Die indigene Krankenbehandlung wurde ausserdem vom Gesundheitsdienst innerhalb des Dorfes durch den indigenen Gesundheitsagenten AIS), das “Casa de Saúde Indigena (FUNASA) “sowie öffentliche Hospitäler unterstützt. Gegenwärtig befinden sich fünf indigene Gesundheitsagenten in der Ausbildung, die in den Dörfern des Alto Jaru, Alto Jamari, Jamari, Linha 623 und Trincheira arbeiten werden.
Wie auch in anderen Fällen der indigenen Völker Rondônias, ist die Instabilität der Gesundheit bei Kindern eines der Hauptprobleme. Häufig müssen die Eltern ihr Dorf verlassen, um sich zur Behandlung ihrer kranken Kinder in die Stadt zu begeben. Wenn es einen Gesundheits-Posten innerhalb des Dorfes gäbe, könnte man diese Kinder dortselbst behandeln, und die Eltern müssten nicht ihre notwendige Tagesarbeit (Jagd und Pflanzung) vernachlässigen, um weit weg in die Stadt und wieder zurück zu gelangen.
Die Regierung des Bundesstaates Rondônia beabsichtigt, ein Projekt, genannt “Açaí” zur Ausbildung von indigenen Lehrern, durchzuführen, aber bis zum Jahr 2003 war es lediglich eine Indianerin vom Stamm der Jupaú, die daran teilnahm. Ende 2001 entbrannte die Diskussion hinsichtlich eines spezifischen Projekts für die Völker, welche das IT Uru-Eu-Wau-Wau bewohnen – die vorschlagenden Institutionen sind die “Secretaria de Estado da Educação”, die FUNAI, die “Universidade Federal de Rondônia” und die CUNPIR, sowie andere Organe der Regierung und ONGs – nachdem die Repräsentanten der indigenen Kommune entsprechend vorstellig wurden. In allen Dörfern gibt es einen Ort, der zur Schulausbildung eingerichtet worden ist – eine Schule oder ein Haus – jedoch ist die Präsenz der Lehrer nicht konstant!
Im Vergleich mit anderen indigenen Völkern Brasiliens ist die sozialwirtschaftliche Situation der Jupaú und Amondawa ausserordentlich prekär, besonders deshalb, weil sie nicht die nötige Unterstützung von Seiten der Regierungen des Landes, des Bundesstaates und des Munizips bekommen. Darüber hinaus gibt es immer noch konstante Bedrohungen durch Invasoren, wie zum Beispiel Holzfäller, Landbesetzer und Goldschürfer.
Die Produktion von Maniok und Maniokmehl stellt eine gute Einnahmequelle für die Dörfer dar. Im Dorf und dem Posten Alto Jamari beträgt die durchschnittliche Maniokmehl-Produktion 20 Sack pro Monat! Das Mehl ist von exzellenter Qualität und wird vom lokalen Markt sehr gut akzeptiert. Aber es gibt Probleme beim Transport der Produktion, weil die Indianer keine Transportfahrzeuge zur Verfügung haben und angemietete Transporteure die prekären Pisten scheuen.
Andere, von den indigenen Kommunen zum Verkauf produzierte Produkte sind: Kakao, Bananen, Kaffee, Bohnen, Reis, Mais, Pupunha, Kokosnüsse, Cupuaçu-Früchte, Graviola-Früchte, Orangen, Zitronen, Goiabas, Avocados, Jambos, Kürbisse, Melonen und viele andere. Ausserdem züchten sie inzwischen Hühner, die als Freilandhühner sehr begehrt sind. Die Produktion ist je nach Dorf unterschiedlich – die einen konzentrieren sich auf bestimmte Produkte, die anderen ziehen andere Produkte zum Verkauf vor.
Das IT Uru-Eu-Wau-Wau besitzt eine grosse Vielfalt natürlicher Ressourcen – viele der Wissenschaft noch unbekannt – hier muss man mit Studien zur Erkennung der biologischen Diversifikation ansetzen, um sie schützen zu können und Projekte zur alternativen wirtschaftlichen Entwicklung zu schaffen, die das natürliche Ambiente nicht zerstören.
Am 8. Februar 1997, mit Orientierung von Seiten der FUNAI, wurde die Vereinigung “Jupaú – Associação do Povo Indígena Uru-Eu-Wau-Wau” gegründet, mit Sitz im Indianerposten Jamary – und mit folgenden Zielen:
- Die Entwicklung der sozialwirtschaftlichen Aktivitäten in kollektivem Charakter zu promovieren.
- Die Verteidigung des territorialen, ambientalen und kulturellen Erbes des indigenen Volkes Uru-Eu-Wau-Wau zu promovieren.
- Die Rechte und Interessen des indigenen Volkes Uru-Eu-Wau-Wau gegenüber den öffentlichen und privaten Organen zu verteidigen.
- Austausch, Projekte und Abkommen mit nationalen und internationalen Regierungs- und Privat-Institutionen zu promovieren.
Auf diese Weise versuchen die Jupaú ihr Territorium vor andauernden Invasionen von Seiten der Holzfäller und Landbesetzer zu beschützen – sie machen Grenzkontrollen, (was ihnen direkte Konflikte mit den Invasoren eingebracht hat) und sie versichern sich der Partnerschaften mit der Federal-Polizei, der IBAMA, der FUNAI, der CUNPIR und der ONG Kanindé.
Die “Associação Jupaú” hat mit Unterstützung des WWF (World Wildlife Fund) ein Projekt zum Schutz des IT Uru-Eu-Wau-Wau durchgeführt. Sie hat mit Mitteln der PLANAFLORO ein Projekt für wirtschaftliche Alternativen, für Gesundheit und zum Schutz ihres ITs durchgeführt. Sie hat in Partnerschaft mit der ONG Kanindé und der Unterstützung der schwedischen ONG “Freunde der Erde” ein Projekt zur institutionellen Stärkung und wirtschaftlichen Alternative entwickelt. Ihre Mitglieder wechseln sich ab in Wach- und Kontrollaktionen, welche lebenswichtig für alle Völker sind, die innerhalb des Indianer-Territoriums wohnen.
Die “Associação Jupaú” hat an das Staats- und Landes-Ministerium, an die FUNAI und an die Federal-Polizei Informationen über besagte Invasionen ihres IT weitergegeben, damit diese Organe entsprechende Massnahmen ergreifen hinsichtlich jener Probleme, von denen sie bedroht werden. Gegenüber der Bevölkerung ihres Staates Rondônia haben sie – zusammen mit der Kanindé – Fotoausstellungen mit Ansprachen durchgeführt, welche dasselbe Problem behandelten – und sie haben in Zeitungen jene unerfreulichen Geschehnisse denunziert.
Gegenwärtig halten sich in den Dörfern der Jupaú evangelische Missionare auf, die sich selbst “Junge Leute mit einer Mission” nennen. Viele Personen der indigenen Kommunen haben bereits deren religiöse Messen frequentiert und inzwischen gehört es zum guten Ton unter den Uru-Eu-Wau-Wau, sich über Jesus zu unterhalten. Die ONG Kanindé betrachtet diese Entwicklung als extrem gefährlich für die Indianer, denn sie kann in einer Fragmentierung verschiedener Aspekte resultieren, welche die Basis der Jupaú-Kultur bilden.
Unterschrieben:
Kanindé – Vereinigung zur Ethnoambientalen Verteidigung. Der Text entstand in Zusammenarbeit mit der Jupaú – Vereinigung des Indigenen Volkes Uru-Eu-Wau-Wau im Juli 2003.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther