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Sie hat in 14 Minuten die Charts erobert – und im Weltall die Astronauten geweckt
April Stevens ist am 17. April 2023 im Alter von 93 Jahren gestorben. April Stevens? Ein Name, der wohl nur sehr eingefleischten Musikfans ein Begriff ist. Dabei steht sie hinter einer sehr aussergewöhnlichen Geschichte eines Nummer-1-Hits.
Im Jahr 1963 landete sie mit ihrem Bruder Nino Tempo und dem Song «Deep Purple» an der Spitze der Charts. Das Lied selbst ist eine Adaption, bereits Bing Crosby feierte damit grosse Erfolge.
Text vergessen und ein neues Instrument gespielt
Doch etwas war an dieser Version anders. An einem Punkt des Lieds spricht April Stevens den Text, der danach von Nino Tempo in Falsettstimme nachgesungen wird. Ein Effekt, der aus der Not heraus geboren wurde: Tempo konnte sich den Text nicht merken und so sprach Stevens ihn ihm vor. Als sie das Resultat hörten, waren sie begeistert.
Nach einer Aufnahmesession hatten sie noch ein bisschen Zeit und spielten «Deep Purple» innert 14 Minuten ein.
Tempo spielt dazu auch noch die Mundharmonika, ein Instrument, das er zuvor noch nie in der Hand hatte. Es tönte grauenhaft. Zumindest meinten das die Label-Bosse. «Der schlimmste Song, den ihr je gemacht habt», sagten sie. Er sollte nie veröffentlicht werden.
Grammy für den besten Song
Aber den Geschwistern gefiel das Lied in dieser Version. Für sie war klar: Entweder der Song wird veröffentlicht – oder sie werden aus dem laufenden Plattenvertrag entlassen, damit sie ihn selbst raus bringen können. Die Plattenchefs gaben nach und innert eines Monates erklomm «Deep Purple» die Spitze der Billboard-Charts.
«Deep Purple» wurde über eine Million Mal verkauft, die Geschwister gewannen den Grammy für die beste Rock'n'Roll-Aufnahme des Jahres.
Einen Nummer-1-Hit hatten April Stevens und Nino Tempo danach nie mehr, obwohl sie regelmässig in die Charts kamen. Ihr Rock'n'Roll mit Jazz-Einflüssen ebnete aber den Beatles 1964 den Weg in den USA.
Der Bruder war der eigentliche Musiker
April Stevens kam am 29. April 1929 als Carol Vincenette LoTempio in New York zur Welt. Dabei war ihr Bruder, mit bürgerlichem Namen Anthony Bart LoTempio, der musikalisch Begabte der Geschwister: Bereits als Kind sang er auf der Bühne mit Benny Goodman.
Die Familie zog nach Los Angeles, um die Musikkarriere des Buben zu fördern. Bevor die Geschwister zusammen auftraten, hatten beide erfolgreiche Solo-Karrieren.
Mit April Stevens im Weltall erwachen
1959 machte April Stevens auf sich aufmerksam, als sie den Song «Teach Me Tiger» veröffentlichte, ein sehr anzügliches Lied. Obwohl es eine Kontroverse um das Lied gab, erreichte es nur gerade Platz 86 der Charts.
1983 wurde «Teach Me Tiger» von der Nasa dazu genutzt, die Astronauten auf einer Mission zu wecken. April Stevens wurde dazu eingeladen, die Landung des Shuttle im Nasa-Kontrollzentrum mitzuverfolgen.
In den 1970er-Jahren trennten sich die musikalischen Wege der Geschwister, Nino Tempo konzentrierte sich auf seine Karriere als Jazz-Saxophonist, April Stevens kehrte dem Scheinwerferlicht den Rücken und zog sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück.