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Das Fraumünster in Zürich – Kirche, Kunstausstellung, Klangkörper
Das Fraumünster ist die Klosterkirche der ehemaligen, gleichnamigen Abtei am Westufer der Limmat. Sie ist eine von drei Kirchen in der Altstadt und gehört zu den Wahrzeichen Zürichs. Die restliche Klosteranlage wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit dem Kratzquartier vollständig abgebrochen. Das Fraumünster ist heute ein Kulturgut von nationaler Bedeutung und steht damit unter dem Schutz der Denkmalpflege.
An der Südwand des Querschiffs befindet sich eine dreiteilige Nische mit einem darüberliegenden Fresko, auf dem die Gründungslegende des Klosters dargestellt wird. Es handelt sich allerdings um eine Kopie, das Original aus dem 13. Jahrhundert wurde durch Übertünchen in der Reformationszeit zerstört. Die Legende besagt, dass Hildegard und Bertha, Töchter des Königs Ludwig des Deutschen, sich in die Abgeschiedenheit der Burg Baldern auf dem Albis zurückgezogen hatten. Sie verabscheuten das Leben in der königlichen Pfalz und wollten stattdessen in der Stille ihr Leben Gott widmen.
Nachts begaben sie sich häufig hinab nach Zürich und suchten dort die Kapelle der beiden Heiligen Felix und Regula auf, um zu beten. Da der Weg dunkel und gefährlich war, sandte Gott ihnen immer an der gleichen Stelle einen weissen Hirsch mit brennenden Kerzen im Geweih. Dieser wies ihnen den Weg durch den Wald, wartete vor der Kapelle und begleitete sie auch wieder nach Hause. Die Schwestern glaubten, dieses Wunder sei ein Zeichen dafür, dass sie an der Stelle ein Gotteshaus errichten sollten.
Als der König von den Unternehmungen seiner Töchter erfuhr, folgte er ihnen eines Nachts. Nachdem er das Wunder mit eigenen Augen gesehen hatte, sprach er mit den beiden. Allerdings gefiel ihm der Ort nicht. Hildegard und Bertha flehten Gott um Beistand an, der daraufhin ein grünes Seil vom Himmel herabliess. Da lenkte der König ein und stiftete bereitwillig ein Kloster, das allerdings Edelfrauen vorbehalten sein sollte. Soweit die Legende.
Die tatsächliche Stiftung ist urkundlich belegt. Am 21. Juli 853 überschrieb Ludwig, ein Enkel Karls des Grossen, seiner Tochter Hildegard ein bereits vorhandenes kleineres Kloster sowie ausgedehnte Ländereien in der Umgebung. Ausserdem wurde das Kloster mit einer eigenen Gerichtsbarkeit ausgestattet. Die Schenkungsurkunde ist übrigens die älteste Urkunde im kantonalen Staatsarchiv.
Was den Besitz anging, war die Fraumünsterabtei zu ihrer Zeit das bedeutendste Kloster – bezogen auf das Gebiet der heutigen Schweiz – und sogar grösser als Reichenau oder St. Gallen. Solange das Kloster bestand, wurden nahezu ausschliesslich Frauen des Hochadels aufgenommen. Sie lebten nach der benediktinischen Ordensregel, konnten aber auch wieder austreten und heiraten. Nachdem die Linie der Karolinger ausgestorben war, übernahm ein Reichsvogt den Schutz und die Wahrung der Rechte des Klosters.
Seine Blütezeit erlebte die Fraumünsterabtei zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert unter den salischen Königen. Heinrich III. verlieh der Äbtissin das Markt-, Münz- und Zollrecht, wodurch sie zur eigentlichen Herrin über Zürich wurde. Heinrich IV. feierte Weihnachten 1055 in der Fraumünsterkirche die Verlobung mit Berta von Savoyen. Kaiser Friedrich II. schliesslich übernahm im Jahr 1218 die Reichsvogtei wieder selbst und unterstellte das Kloster unmittelbar seiner Herrschaft. Sein Statthalter Heinrich VII. ernannte die Äbtissin Judenta von Hagenbum um 1234 zur Reichsfürstin, was dem Kloster erheblichen Einfluss auf Zürich und die Region verschaffte. Um 1400 begann die Phase des Niedergangs, die sich bis zur Reformation hinzog. Am 30. November 1524 hob die letzte Äbtissin, Katharina von Zimmern, den Konvent auf. Alle Rechte und alles Eigentum fielen an den Rat von Zürich.
Die Fraumünsterkirche war in ihrer Geschichte einigen Wandlungen unterworfen. Die Einweihung des ersten Baus – damals noch ohne Türme – erfolgte 874. Aus diesem Anlass wurden Reliquien der Heiligen Felix und Regula vom Grossmünster in das neue Gotteshaus überführt. Es handelte sich um eine dreischiffige Basilika mit einem Querschiff sowie drei Apsiden. Der erste (Süd-)Turm und eine Aussenkrypta wurden in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts hinzugefügt. Im 13. Jahrhundert entstanden der Nordturm, der Kreuzgang und das Konventgebäude, auch das Querschiff wurde neu angelegt. Hier mischen sich romanischer und gotischer Stil.
Das Langhaus wurde im 14. und 15. Jahrhundert errichtet, allerdings bereits in den Zeiten des Niedergangs des Klosters, so dass es am Ende nicht den ursprünglichen Plänen entsprach. Nach weiteren kleinen Umbauten erfolgte mit dem Abriss des Südturms und der Erhöhung des Nordturms zwischen 1728 und 1732 die markanteste Änderung im Gesamtbild der Kirche. Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen während der Französischen Revolution diente sie dann teilweise als Heulager und Truppenquartier für die Franzosen.
Das heutige Erscheinungsbild des Fraumünsters geht zurück auf die Renovation durch Gustav Gull in den Jahren 1911/12. Er liess die Westfassade erneuern, einen neuen Eingang zum Paradeplatz hin anlegen und das Mittelschiff erhöhen. Im Lauf des 20. Jahrhunderts erhielt die Kirche wundervolle farbliche Akzente – einerseits durch den Freskenzyklus von Paul Bodmer (1924-1934) im Kreuzgang, auf denen u.a. die Gründungslegende dargestellt ist, andererseits durch die Glasfenster berühmter Künstler. Das Fenster hinter der Orgel schuf Clement Heaton (1914), im nördlichen Querschiff verewigte sich Augusto Giacometti mit dem Werk „Himmlisches Paradies“ (1945). Die Glasfenster im Chor (1970) und die Rosette im südlichen Querschiff (1978) schliesslich stammen von Marc Chagall.
Man könnte sagen, das Fraumünster in Zürich ist annähernd ein Gesamtkunstwerk, denn auch die Musik hat einen festen Platz in der Kirche. Immerhin verfügt sie nach der Koppelung von Haupt- und Chororgel 1998 über das grösste Instrument dieser Art im ganzen Kanton.
Oberstes Bild: Das Zürcher Fraumünster ist ein schlichter Bau mit aussergewöhnlichen Kunstwerken (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)