Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/3588

Ästuārien
(lat.), Flutmündungen, offene, hohle, negative
Deltas, die Mündungen großer
Ströme, welche nicht durch
Alluvialmassen (Deltabildungen) versperrt sind, sondern sich als offene Weitungen darstellen.
Ästuarien sind seltener
als geschlossene Deltamündungen, sie finden sich in der
Elbe,
Weser,
Themse, am Ob,
Jenissei,
Lorenzstrom
etc.; am groß-
[* 1] ^[Abb.: Mündung des Amazonenstroms.] ¶
mehr
artigsten aber sind die 20 Meilen breiten Mündungen des Amazonenstroms (s. Kärtchen), vor denen zwar die Insel Marajo und viele
kleinere Inseln liegen, die aber nicht aus Alluvionen des Stroms gebildet, sondern durch Einbrüche des Meers vom Land getrennt
sind. Es liegt nahe, die Bildung der
Ästuarien mit der Ebbe und Flut in Verbindung zu bringen, und in der That
zeigen alle Flüsse,
[* 3] welche sich ins Mittelmeer ergießen, wo die Flutbewegung eine nur geringe ist, sehr ausgedehnte Deltabildungen.
Am Amazonenstrom
[* 4] anderseits ist die Flutbewegung eine so starke, daß sie noch über 500 engl.
Meilen von der Mündung entfernt in Seitenströmen wahrgenommen werden kann.
An der Nordsee dagegen, wo keine starke Flutbewegung herrscht, mündet der Rhein mit großartigen Deltabildungen, die Elbe und
die Themse aber mit
Ästuarien. Es ist mithin nicht einfach die An- oder Abwesenheit von Ebbe und Flut, welche über die Natur der Mündung
entscheidet, sondern es kommen dabei in Betracht die Menge und die Art des Erosionsmaterials, welches
die Ströme mitbringen, das Verhältnis der Stromkraft des Stroms zu der Flutbewegung des Meers, die An- oder Abwesenheit von
Küstenströmungen in der Gegend der Mündung, die herrschenden Windrichtungen, säkulare Hebungen und Senkungen etc. Vgl.
Delta.
[* 5]