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Die Leute kommen von weit her, um sich diese Show anzusehen. Sie sind herausgeputzt. Tragen die neusten Cowboy-Hüte, die glänzendsten Cowboy-Stiefel und die elegantesten Blue-Jeans. Die Frauen tragen entweder enge Jeanshosen oder kurze Jeansröcke, stets mit viel glitzernden Pailletten verziert.
Auch eine fünfköpfige Männergruppe aus South Dakota hat es nach Omaha geschafft: Hutch, Jim, Rod, Cody und Kenny. Alle arbeiten zu Hause auf einer Farm. „Ich komme vor allem wegen den Cowgirls“, sagt Hutch. Seine Freunde grölen. Cody ist wegen seinem Neffen hier, der am Turnier teilnimmt. „Wir werden ihm sicher laut zujubeln.“
Zur Verteidigung
Und wem jubelt ihr im Präsidentschaftswahlkampf zu?
„Ist das eine ernsthafte Frage? Mitt Romney natürlich“, antwortet Hutch für die Gruppe.
Weshalb?
„Präsident Obama hat vor, das Waffengesetz zu verschärfen. Aber wir wollen unsere Knarren!“, sagt Hutch. Rod bekräftigt: „Genau, wir wollen uns verteidigen können. Mein Gewehr liegt geladen zu Hause.“
Musste sich jemand von euch schon mal mit dem Gewehr verteidigen?
„Nein, aber wenn es passiert, wollen wir bereit sein“, sagt Rod. „Ich lasse nicht zu, dass jemand mich oder meine Familie erschiesst. Verstehst du?“
„Wenn Obama diese Wahl gewinnt, dann reise ich nach Kanada aus“, sagt Jim voller Überzeugung.
Dort haben sie aber nicht besonders viele Waffen, entgegne ich.
„Oh. Ja, stimmt. Tja, dann gehe ich halt in die Schweiz!“
2008 hatte Obama überraschenderweise eine Elektorenstimme in Nebraska gewonnen. Während sonst in den Staaten die Stimmen aller Elektoren an einen Kandidaten gehen, werden sie in Nebraska und in Maine nach politischen Kreisen aufgeteilt. Ob Obama dieses Kunststück dieses Jahr nochmals schafft, ist fraglich. Denn die rechtslastige Regierung bediente sich der sogenannten Gerrymandering-Taktik. Dabei werden die Wahlkreise absichtlich so verschoben, um den gewünschten Stimmengewinn wahrscheinlicher zu machen.
Episches Rahmenprogramm
Die Rodeoshow, die folgt, dürfte ganz nach dem Geschmack der fünf Ü50-Cowboys sein. Um punkt sieben Uhr geht’s los. Die Halle wird stockdunkel. Es ertönt epische Helden-Musik, die aus irgendeinem Jerry-Bruckheimer-Actionfilm stammen könnte, sei es „The Rock“ oder „Fluch der Karibik“. Hauptsache viel Bass und Crescendo. Auf den vier Bildschirmen in der Mitte des Stadions wird den Zuschauern klar gemacht, um was es geht. Passion (Leidenschaft). Strength (Kraft). Excellence (Spitzenleistung). Bravery (Mut). The Time is Now! (Jetzt ist die Zeit gekommen!) Wird der Präsident etwa schon heute hier in Omaha gewählt?
Was ist das? Ein Engel? Nein. Ein Cowgirl reitet im vollen Scheinwerferlicht in die Halle und trägt den „Star Spangled Banner“ vor sich her, die amerikanische Flagge. Der Moderator spricht zu seiner Gemeinde: „Schaut sie euch an. Sie ist die Freiheitsstatue. Sie widerspiegelt das Beste in Amerika. Unsere Kinder, unsere Kirchen.“ Ein Countrysänger mit Gitarre steht auf dem Feld im Stadion. Die Menge erhebt sich.
„Oooh say can you seeeee....“
Oops, beinahe hätte ich vergessen mein Baseball-Cap abzuziehen, das hätte ins Auge gehen können. Reflexartig halte ich es auf meine linke Brust, so wie das die amerikanischen Sportler und Politiker jeweils tun, wenn die Nationalhymne gespielt wird. Fast jeder im Stadion singt mit.
„...and the hooome, of theeee braaaaave!“
Danke liebe Sponsoren
„USA! USA! USA!“ Die Halle bebt. Plötzlich bemerke ich im Lärm des Applaus, wie über die Stadionlautsprecher Motorengeheule eingespielt wird. Einfach so. Obwohl wir hier an einem Rodeo sind, und nicht an einem Monstertruck-Rennen. Das nenn ich unterschwelliges Anheizen des Publikums! Und es funktioniert.
Weniger unterschwellig ist die Kommerzialisierung der Show. Alle zehn Minuten reiten Cowgirls durch die Halle mit den Fahnen der Sponsoren. Wells Fargo. Justin Boots. Physicians Mutual. Conagra Foods. Jack Daniels. Wobei es beim Dank an den Whisky-Hersteller über den Lautsprecher auch immer heisst: „Please folks, remember to drink responsibly.“ Bitte Leute, denkt daran, verantwortungsvoll zu trinken. Die Tournee durchs ganze Land ist einträglich. Erfolgreiche Rodeo-Cowboys können hier zu Millionären werden.
Sieben Disziplinen bekommen die Zuschauer heute innert zweieinhalb Stunden zu sehen: Bareback Riding, Steer Wrestling, Team Roping, Saddle Bronc Riding, Tie Down Roping, Barrel Racing, und die Königsdisziplin Bull Riding. Die Cowboys und -girls reiten auf wilden Pferden bis zum Abwurf, fangen junge Stiere mit dem Lasso ein, und bestreiten mit ihren Pferden einen Fässer-Parcours gegen die Zeit. Und die drei- bis fünfjährigen Rodeo-Cowboys dürfen sich auf dem Rücken von Schafen versuchen. Jede Disziplin hat selbstverständlich ihren eigenen Hauptsponsor, der immer und immer wieder erwähnt wird.
Ab zur Afterparty. Aber...
Um halb zehn ist der Spuk vorbei. Wer will, kann sich nun noch ein Autogramm bei den Cowboys- und girls holen. Ein Souvenir kaufen. Oder am Freitag und Samstag nochmals vorbeischauen. Dann gibt es auch noch ein Konzert des berühmten Countrysängers Jake Owen, eine Parade, ein Grill-Wettbewerb, ein Bier-Tasting, ein Traktor-Rennen, oder die Auszeichnung der schönsten Schweine.
Und jeden Abend lädt das Hilton-Hotel gleich neben dem Stadion zur Afterparty. Mit Countrymusik bis ein Uhr morgens. Und Whisky. Gesponsert von Jack Daniels. Aber please folks, remember to drink responsibly.
(Grosse Bildergalerie per Klick auf Bild)
Es ist ein Abend für das gute, alte Amerika in Omaha. Ein Abend mit Cowboys, Pferden und wilden Stieren. Der Wilde Westen hält Einzug in der grössten Stadt Nebraskas im Century Link Stadion. An diesem Donnerstagabend startet das viertägige «River City Rodeo».
Die Leute kommen von weit her, um sich diese Show anzusehen. Sie sind herausgeputzt. Tragen die neusten Cowboy-Hüte, die glänzendsten Cowboy-Stiefel und die elegantesten Blue-Jeans. Die Frauen tragen entweder enge Jeanshosen oder kurze Jeansröcke, stets mit viel glitzernden Pailletten verziert.