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Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Der Körper braucht es vor allem für die Blutbildung, die Energie- und Sauerstoffversorgung der Zellen, die Abwehr von Infektionen sowie Herz- und Gehirnfunktionen. Als Naturheilspezialistin weiss Drogistin HF Désirée Schmid, wie man den Körper bei Eisenmangel (siehe Kasten «Auswirkungen von Eisenmangel») mit dem Mineralstoff versorgt.
Frau Schmid: Wie kommt es, dass es dem Körper an Eisen fehlt?
Drogistin HF Désirée Schmid: Der Mensch nimmt Eisen über die Nahrung auf, aber oft nicht genug. Häufig ist die Ernährung zu einseitig und es wird zu wenige Eisen zugeführt. Auch Darmkrankheiten wie Zöliakie, Morbus Crohn oder eine Erkrankungen der Darmschleimhaut wie das «Leaky-Gut-Syndrom» oder aber Leberfunktionsstörungen oder bestimmte Medikamente wie Antibiotika, Antazida und Lipidsenker können schuld sein, dass der Körper zu wenig des Spurenelements absorbiert. Und Frauen sind wegen des monatlichen Blutverlustes häufiger von Eisenmangel betroffen als Männer. Auch ein erhöhter Eisenbedarf kann ein Mangel verursachen, zum Beispiel in der Schwangerschaft, wenn ein Kind im Wachstum ist oder wenn jemand viel Sport treibt.
Täglicher Eisenumsatz im menschlichen Körper
Der tägliche Bedarf ohne Eisenmangel ist bei einem Erwachsenen 10 bis 15 Milligramm. Fünf Prozent, also 1 bis 2 Milligramm des täglichen Eisenbedarfs, gewinnt der Mensch über die Nahrung. Bis zu 95 Prozent des täglichen Bedarfs werden folgendermassen gedeckt: Nach rund vier Monaten werden in der Milz alte rote Blutkörperchen (Erythrozyten) durch weisse Blutkörperchen (Makrophagen) abgebaut. Aus diesem Prozess wird rund 20 Milligramm Eisen wiedergewonnen. Etwa 1 bis 2 Milligramm täglich gehen durch die normale Abschilferung von Haut- und Darmzellen verloren oder durch ausfallende Haare oder Schwitzen.
Symptome, die auf einen Eisenmangel hindeuten, sind beispielsweise starke Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel oder depressive Verstimmung. Was tun, wenn man den Verdacht hat, zu wenig Eisen zu haben?
Die gleichen Symptome können bei vielen anderen Krankheiten auftreten. Deshalb empfehle ich, die Eisenwerte beim Arzt überprüfen zu lassen. Personen, die nicht gleich zum Arzt gehen möchten, können sich vorher in der Drogerie beraten lassen. Drogistinnen und Drogisten können im Gespräch herausfinden, ob ein Eisenmangel vorhanden sein könnte.
Auswirkungen von Eisenmangel
Das Eiweiss Ferritin im Blut zeigt an, wie es um die Eisenreserven im Körper steht.,Liegt der Ferritinwert eines erwachsenen Menschen unter 15 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) sind die Eisenreserven erschöpft. Bei Kindern bis 13 Jahren liegt der untere Normalwert bei 24 ng/ml. Je nachdem, wie schwer der Mangel ist, sind folgende Symptome typisch: Chronische Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, verminderte Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelkrämpfe, Restless-Legs-Syndrom, brüchige Nägel, Haarausfall, schneller Herzschlag und schnelle Atmung. Eine Folge von Eisenmangel ist Anämie (Blutarmut). In diesem Fall ist die Hämoglobinkonzentration im Blut zu niedrig. Der rote Blutfarbstoff ist verantwortlich für den Sauerstofftransport, der bei einem Mangel nicht ausreichend gewährleistet werden kann. Um dieses Manko auszugleichen, erhöhen sich der Herzschlag und die Atemfrequenz. Das kann zu einer Herzmuskelschwäche führen. Bei Schwangeren kann Eisenanämie vorzeitige Wehen und beim Kind ein niedriges Geburtsgewicht auslösen. Möglicherweise besteht zudem ein erhöhtes Risiko für postnatale Depressionen. Kinder mit Eisenmangel und Anämie sind anfälliger für Infektionen. Und es können Entwicklungsstörungen, beispielsweise im Gehirn, auftreten und bei Mädchen Zyklusstörungen.
Was für Präparate sind in der Drogerie erhältlich?
Viele verschiedene, von Kapseln, Tabletten über Sirup. Es gibt solche mit zweiwertigem oder dreiwertigem Eisen. Rotes Fleisch, Fisch und Geflügel enthalten beispielsweise zweiwertiges Eisen, das sogenannte Häm-Eisen. Eisen aus pflanzlicher Nahrung und Milchprodukten ist dreiwertig, sogenanntes Nicht-Häm-Eisen. Ein weiterer Aspekt, in dem sich Eisenpräparate unterscheiden, ist die Tagesdosierung. Sie reichen von 10 bis 100 Milligramm Eisen.
Nicht alle vertragen Eisen in Tabletten, Tropfen oder Kapselform. Was ist das Problem?
Oft ist das bei hochdosierten Monoeisenpräparaten ab 30 Milligramm Eisen und mehr der Fall. Das Problem ist, dass diese oft Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit und Unwohlsein mitbringen. Ich empfehle deshalb lieber niedriger dosierte Eisenmittel. Und ich bin auch der Meinung, dass hohe Dosierungen nicht zwingend besser wirken. Wirksamer ist, wenn der Körper das Eisen aufnehmen und verwerten kann.
Und wie kann der Körper das?
Ich habe gute Erfahrungen mit Schüssler-Salzen gemacht. Sie beeinflussen den Stoffwechsel. Die Nummer 3, Ferrum phosphoricum, verbessert die Eisenaufnahme in den Zellen und die Nummer 19, Cuprum arsenicosum, verbessert die Aufnahme sowie die Verwertung. Das gleiche bewirkt die Phytotherapie, beispielsweise Brennnesseltee, -pulver oder Tinkturen mit Brennnesselextrakten. Eine weitere Möglichkeit sind Bitterstoffe als Tee oder Tropfen aus der Drogerie. Sie regen die Verdauungssäfte an, was Verdauungsprobleme lindert, die vielleicht durch die Eisensupplementation entstehen. Und weil auch Vitamin C die Eisenaufnahme fördert, empfehle ich meiner Kundschaft niedrig dosierte Eisenpräparate, die dieses Vitamin enthalten. So eine Kur dauert meistens rund drei Monate. Wir haben damit schon gute Resultate erzielt.
Wer zu wenig Eisen hat, kann nicht einfach gesünder, eisenhaltiger essen?
Eine Ernährungsumstellung ist sicher sinnvoll. Es gibt aber viele, die schon lange ausgewogen essen und trotzdem zu wenig Eisen aufnehmen.
Es gibt Nahrungsmittel, die die Eisenaufnahme hemmen. Welche?
Beispielsweise Koffein in Kaffee und Tee, Wein, Getreide oder Kalzium. Letzteres ist reichlich in Milchprodukten enthalten. Die Eisenaufnahme fördern kann dagegen Vitamin C in einer Orange oder einem Apfel.
Was gilt bei der Einnahme von Eisenpräparaten zu beachten?
Idealerweise nimmt man das Eisen morgens nach dem Aufstehen ein oder abends vor dem Schlafengehen. Am besten mit einem Glas Orangensaft oder einem Apfel für das Vitamin C, das die Eisenaufnahme fördert. Oder man nimmt ein Eisenpräparat ein, dass bereits Vitamin C enthält. 30 Minuten vor und nach der Einnahme sollte man nichts essen und weder Milch noch Kaffee, Grün- oder Schwarztee trinken. Falls es einem übel wird, wenn man das Präparat am Morgen auf nüchternen Magen einnimmt ist es besser, das Eisen zwei Stunden nach dem Morgen- oder Abendessen zu schlucken.
Können bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten und Eisenpräparaten Wechselwirkungen entstehen?
Ja. Die Medikamente und das Eisen können ihre Wirkung gegenseitig beeinflussen. Zum Beispiel zweiwertiges Eisen kann bei gleichzeitiger Einnahme mit Antibiotika, Parkinsonmittel oder Schilddrüsenhormonen eine Wirkungseinbusse verursachen. Oder Aluminium, Kalzium oder Magnesium verringern die Resorption von Eisen. Deshalb sollten Eisenpräparate nicht zusammen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden. Ich empfehle vorsichtshalber mindestens eine Stunde Abstand. Muss jemand Medikamente einnehmen, rate ich sowieso vor der Eiseneinnahme mit dem Arzt über die Therapie zu sprechen.
Eisenpräparate verursachen oft einen schwarzen Stuhl. Warum?
Einen grossen Teil des Eisens scheidet der Körper über den Stuhl wieder aus. Und Eisen färbt den Stuhl dunkel.
Ist das ein Zeichen dafür, dass das Präparat nicht wirkt?
Nein, der Körper kann nie alles aufnehmen. Es ist normal, dass er einen Teil des Spurenelements wieder ausscheidet.
- Quellen
Drogistin HF Désirée Schmid