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Die ressourcenschonende Wirtschaft ist eine Chance für die Schweiz – aber es hat Konsequenzen, wenn diese Chance nicht wahrgenommen wird. Nicht alle Folgen der Übernutzung der globalen Ressourcen werden sofort sichtbar. Aber je länger diese Übernutzung anhält, desto gravierender werden die Umweltschäden. Und in vielen Fällen dürften die damit verbundenen Schäden nicht mehr wiedergutzumachen sein. Dabei wäre es bedeutend wirtschaftlicher, jetzt in den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen zu investieren, statt später Schäden zu sanieren. Zu diesem Schluss kommt ein 2014 publizierter Bericht unter dem Titel "Better Growth – Better Climate".
Der Klimawandel und seine Folgen sind die am besten untersuchten Formen der Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Die Industriegesellschaften haben seit zwei Jahrhunderten ihren Wohlstand auf der Nutzung fossiler Energieträger aufgebaut. Damit haben sie grosse Mengen CO2 freigesetzt, das während Millionen von Jahren in der Erde gebunden war. Die Freisetzung des Treibhausgases heizt die Atmosphäre auf und versauert die Meere. Das führt weltweit zu einem steigenden Meeresspiegel, einer Zunahme der extremen Wetterbedingungen und zu einer zusätzlichen Belastung vieler Lebensräume. Der in Genf ansässige Weltklimarat IPCC untersucht den Klimawandel seit 1988. Danach ist der Klimawandel menschengemacht und nicht mehr aufzuhalten. Die Menschheit kann im besten Fall noch sein Ausmass beschränken und mit seinen Folgen umgehen lernen.
Der Klimawandel trifft auch die Schweiz. Die durchschnittlichen Temperaturen sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 2012 um 1,8 Grad angestiegen, weltweit waren es im gleichen Zeitraum nur 0,85 Grad. Die Zahl der Sommer- und Hitzetage hat besonders im Mittelland zugenommen. Die Zahl der Frosttage hat dagegen abgenommen. Ohne globale Klimaschutzmassnahmen könnte die durchschnittliche Temperatur um bis zu 4,8 Grad steigen.
Das hat Auswirkungen auf die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen. So spielen Gletscher bisher eine zentrale Rolle in der Wasserversorgung des Landes. Künftig müsste die Schweiz ohne sie auskommen. Lange Trockenperioden können die Schweiz künftig ebenso vermehrt treffen wie Unwetter. Der Rückgang des Permafrosts in den Bergen erhöht die Gefahr von Steinschlägen. Der Boden dürfte vermehrt erodieren, die Stabilität von Hängen abnehmen.
Der Rückgang der Biodiversität weltweit schränkt die Ressourcen ein, welche die Natur uns zur Verfügung stellen kann. Der Schwund dieses Umweltkapitals droht den Wohlstand der Menschheit zunichte zu machen, stellt etwa die OECD, die Denkfabrik der Industrieländer, in ihrer 2012 vorgestellten Einschätzung zu den Folgen der Übernutzung der Umwelt fest. Der Rückgang der Regenwälder vermindert die Fähigkeit der Natur, Treibhausgase zu binden. Gleichzeitig verschwinden mit den Regenwäldern wertvolle Pflanzen- und Tierarten für immer. Die industrialisierte Landwirtschaft beschränkt die Artenvielfalt riesiger Flächen. Die Erschöpfung der Meere durch die Überfischung beschädigt den grössten Lebensraum der Welt überhaupt.
Auch in der Schweiz hat die Biodiversität abgenommen. Die grosse natürliche Vielfalt der Ökosysteme in der Schweiz wurde durch den gewachsenen Siedlungsdruck, den erhöhten Energiebedarf, die gesteigerte Mobilität wie auch durch die Rationalisierung der Land- und Forstwirtschaft massiv eingeschränkt. Dieser Druck auf die Artenvielfalt hält an. Er beraubt die Schweiz schleichend, aber umso wirksamer um eine ihrer wenigen natürlichen Schätze. So haben die Trockenwiesen und -weiden seit den 1970er Jahren 30 bis 40 Prozent ihrer Fläche eingebüsst. Rund 70 Prozent der in der Schweiz vorkommenden Amphibienarten gelten als gefährdet. Bei den Reptilien sind es sogar 79 Prozent.
Die Abhängigkeit der Schweiz von knapper werdenden Ressourcen verringert ihre Versorgungssicherheit. Sie ist darauf angewiesen, dass diejenigen Länder, welche über diese Ressourcen verfügen, diese auch tatsächlich zu liefern bereit sind. Die Erfahrung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte hat gezeigt, dass dies nicht immer der Fall ist. Als ein kleines, neutrales Land ohne Zugang zum Meer hängt sie von Abkommen mit den Lieferanten und Nachbarländern ab. Eine Studie von BAK Basel und dem Global Footprint Network im Auftrag des Bundes kam 2014 zum Schluss, dass sich bei sinkender Ressourcenverfügbarkeit auf den Weltmärkten, die Risiken für die Schweizer Volkswirtschaft sowohl auf ihren Zulieferer- sowie Absatzmärkten erhöhen könnten.
Die Schweiz kann im Umgang mit den ökologischen Risiken auf die Erfahrungen der Vergangenheit zurückgreifen. Sie hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Lösungen gefunden, um eine steigende Umweltbelastung zu bewältigen. Das zeigen die Erfolge im Umgang mit den Siedlungsabfällen. Die Zeit der Abfalldeponien gehört der Vergangenheit an. Rund die Hälfte der Abfälle wird stofflich wiederverwertet, Tendenz steigend. Die andere Hälfte wird energetisch verwertet; Abfall ist immer noch die wichtigste erneuerbare Energie der Schweiz nach der Wasserkraft. Zudem konnte dank grosser Umweltschutzanstrengungen die Luft- und Wasserqualität massgeblich verbessert werden.
Die Erfahrungen der Vergangenheit können bei der Bewältigung der Zukunft helfen. Die Schweiz als ein kleines Land ohne grosse Ressourcen muss um des eigenen Wohlstands und der eigenen Sicherheit willen schonend mit der Natur umgehen. Der schonende und effiziente Umgang mit den natürlichen Ressourcen bildet dabei ein wichtiges Element.