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Unia-Preise für wissenschaftliche Forschungen zum Thema «Arbeit» verliehen
Der Internationale Hauptpreis von 4000 Franken geht an den Historiker Andreas Fasel, für seine an der Universität Zürich eingereichte Dissertation «Rationalisierung, Sozialpolitik und Wohnungsbau in der Schweizer Maschinenindustrie, 1937 – 1967». Fasel führt in seiner facettenreichen und doch kompakten Arbeit durch die Industrielandschaft der Nachkriegszeit im Dreieck zwischen den Fabriken der Brown Boveri in Baden, der Maschinenfabrik Oerlikon in Zürich und den Werken der Gebrüder Sulzer in Winterthur.
Industrie-Unternehmen als «Stadt in der Stadt»
Vania Alleva würdigte in ihrer Laudatio seine «packende Beschreibung einer Schweizer Fabrikgesellschaft». Er analysiere überzeugend deren patriarchale, nationale und autoritäre Ausprägung und ihre Querverbindungen zur kapitalistischen Entwicklungsdynamik. Dabei werde plastisch nachvollziehbar, inwiefern die Unternehmen eine «Stadt in der Stadt» bildeten, welche das Leben der Beschäftigten und ihrer Familien umfassend kontrollierten
Der Nachwuchspreis von 1000 Franken geht an Philomina Bloch-Chakkalakkal für die an der Universität Basel eingereichte Masterarbeit «unsichtbar unverzichtbar. Familien- und Berufsleben von «Nurses» aus Kerala in der Schweiz aus einer postmigrantischen Perspektive». Die Arbeit folgt der Migrations-, Arbeits- und Familienbiografie von Pflegefachkräften aus der in Südindien ansässigen Malayali-Bevölkerung.
Kulturgeschichte der Pflege, Care-Ökonomie und Migrationsregimes
Diese Forschungsergebnisse verwebt sie geschickt mit Analysen einer Kulturgeschichte der Pflegeberufe, der Care-Ökonomie unter kapitalistischen Vorzeichen sowie der Bildungs- und Migrationsregimes, welche hier wie dort zur Steuerung des transnationalen Pflegearbeitsmarktes installiert werden.
Auch diese Arbeit mache deutlich, dass die Gestaltung der Arbeitsbeziehungen im Zusammenhang mit der Dynamik des Familien- und Soziallebens untersucht und verstanden werden müsse, betonte Vania.
Die Preise werden von der Gewerkschaft Unia gestiftet. Verantwortlich für die Jury und die Durchführung des Preisausschreibens war Christine Michel (Unia). In der Jury vertreten waren zudem Alessandro Pelizzari (HETSL), Roland Erne, University College Dublin und Sarah Schilliger (Universität Bern).
Vernetzung der Arbeitswissenschaften an Universitäten und Hochschulen
Die interdisziplinäre Tagung zu «Arbeitswissenschaften und industrielle Beziehungen» fand nach 2019 und 2021 zum dritten Mal statt. Die ersten beiden Male fungierten die soziologischen Institute der Universitäten Basel und Fribourg als Gastgeber:innen. Mit der diesjährigen Durchführung in Lausanne stiess die HETSL dazu. Nun soll die Vernetzung der Arbeitswissenschaften an Schweizer Universitäten und Fachhochschulen weiter verstärkt werden.
Ein entsprechendes Netzwerk zur Arbeitsforschung, dem sowohl akademische Institute als auch Gewerkschaften beitreten können, wird am 13. März 2023 gegründet.
Die Tagung fand dieses Jahr unter dem Titel «Arbeitsorganisation und Arbeitszeit: Covid-19 und darüber hinaus» statt. Vor gegen 100 Teilnehmenden referierten Dozent:innen der Universitäten Basel, Bern, Freiburg und Genf sowie der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI).