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Nehmen wir an, Trump muss Hals über Kopf aus den USA verschwinden (realistisch). Er entscheidet sich für Rorschach als neue Heimat (völlig realistisch). Was wird er hier tun? Die kleine Stadt am See umkrempeln. Mit nachhaltigem Ergebnis, wie unsere Regio-Satire zeigt.
Als die «Washington Post? anhand eines Fotos mit Trump und Putin aus dem Jahre 2016 den einwandfreien Beweisgeliefert hatte, dass er, wie so oft, gelogen hatte, wurde er zum ersten Präsidenten der U.S.A., der vor seinem «lovely people» floh.
Hals über Kopf und nur mit dem nötigsten Gepäck, befahl er dem Airforce One-Piloten, ein sicheres Land anzufliegen.
Es begann eine schier endlose Odyssee durch die halbe Welt: Russland weigerte sich, weil es ein Einreiseverbot für Geistesgestörte hat, Deutschland verwies auf unbezahlte Zollgebühren, Frankreich hatte Angst, er könne die Gelbwesten finanzieren, Libyen nimmt nur registrierte Flüchtlinge auf und Angola kannte den Namen Trump nicht.
Also befahl er dem Piloten, eine Weltkarte zu bringen: «Melania! Zeig mit dem Finger auf ein Land!» Sie war raffiniert wie immer und kratzte mit ihren mehrfarbigen Fingernägeln auf «Switzerland – very good chocolat!»
Sein Bauchgefühl sagte ihm sofort, dass er dorthin müsse. Er googelte die Kümmerly und Frey-Strassenkarte und fand sehr schnell «Rorschach». Dieser Name war für ihn eine Jugend-Schmach, denn den Rorschach-Test hatte er nie bestanden, also würde er ihn sich jetzt kaufen.
Auf dem Flughafen «Säll» rieb man sich die Augen, als die riesige Airforce One ohne Ankündigung einflog und kurz vor dem Coop in Thal stehen blieb. Er charterte ein Rheintal-Taxi und befahl, sofort in die City dieser Stadt Rorschach zu fahren.
Der österreichische Fahrer war verunsichert, denn dort kannte er keine City, nur Strassen mit leeren Geschäftsräumen. Mutig stoppte er vor dem Kornhaus. Sofort begann Trump mit seinem beliebten Schreiton zu organisieren:
Er sah das vergammelte Hotelschild «Anker» und freute sich, dass er dank seiner Genialität sein Anker-Zentrum gefunden hatte. Die anderen Entscheidungen verliefen genau so rasant: Das Kornhaus wurde sein «Trump-Chalet», er übernahm das Würth-Haus, verschenkte alles darin und richtete eine Fotoausstellung für den «besten Präsidenten aller Zeiten» ein.
Ein kleines Missverständnis räumte der zitierte «Fürst von Rorschach» Thomas Müller selbst aus, er zeigte ihm seine grosse Visitenkarte, verwies demonstrativ auf die beiden Punkte über dem «u» in seinem Namen und packte sein bestes Englisch aus. «I am not Muller, I am Müüüüller!»
Dem anwesenden rasenden Reporter von «Die Ostschweiz» diktierte er: «Ich habe ihn myself wie alle anderen hierhergeholt! Ich verlängere deshalb meine Amtszeit um zwanzig Jahre!»
Auch er hatte aus seinem Bauchgefühl heraus alles richtig gemacht, denn Trump investierte wie in einer amerikanischen Grossstadt: Das einheimische Baugeschäft Meichtry musste dank der überdimensionalen Aufträge mit Cellere und Implenia kooperieren, und innerhalb weniger Wochen war das erreicht, was ohne Trump Jahrhunderte gedauert hätte. Plötzlich gab es eine echte City mit vielen Edelgeschäften, in denen Melania erst einmal selbst einkaufte.
Die drei schäbigen Hochhäuser wurden durch zehnmal höhere Wolkenkratzer ersetzt, Goldach als Gold-City eingemeindet, dem FC Rorschach-Goldach wurde der Aufstieg in die «Trump-Liga» finanziert, Bundesrätin Keller-Sutter verlegte ihre Büros ins vergoldete Pestalozzi-Schulhaus, um den Finanzen näher zu sein und die alte Feldmühle wurde zur grössten Shopping-Mall Europas. Die Swiss Singers Addi und Moritz brachten ihren Song «Rorschach – ach –ach-ach» in die Hitparade, der Volleyball-Club spielte plötzlich europäisch, für die Stadtmusik wurde die Bodensee-Philharmonie gebaut, zwanzig Kopien der Badhütte wurden in den See gesetzt und alle Wähler, die für die SVP gestimmt hatten, bekamen Steuerfreiheit.
Nachdem Trump in wenigen Monaten alles erreicht hatte, was er wollte, befahl er, eine Mauer entlang der österreichischen Grenze zu bauen, damit nicht «weitere Hitler» eindringen könnten. Die erste Milliarde dafür legte er selbst auf den Tisch, über die fehlenden zwei Milliarden debattierte der Bundesrat so lange, bis Trump die Geduld verlor.
Er sattelte erneut die Airforce One und flog nach irgendwohin, denn auch dieses «lovely people» hatte ihn enttäuscht.
Wolf Buchinger (*1943) studierte an der Universität Saarbrücken Germanistik und Geografie. Er arbeitete 25 Jahre als Sekundarlehrer in St. Gallen und im Pestalozzidorf Trogen. Seit 1994 ist er als Coach und Kommunikationstrainer im Management tätig. Sein literarisches Werk umfasst Kurzgeschichten, Gedichte, Romane, Fachbücher und Theaterstücke. Er wohnt in Erlen (TG).
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