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Mit Ausnahme von Sisi Bolliger, Kurt Haas, René Kolb, Elijah, J.Lager, Fritz Müller, Linda Naeff, A.Rüttemann, Adolf Wölfli, Alain Signori und Marilena Pelosi, sowie Angkasapura und King Orth, welche ich beide auf der Plattform Facebook fand und kontaktierte, fanden sich die meisten der gezeigten Arbeiten auf Ebay, begonnen mit dem in Paris lebenden tunesischen Künstler Jaber, der meine Sammelfreude geweckt hat. Bei regelmässigen Streifzügen im Intermet stiess ich immer wieder auf Arbeiten, die mich überzeugten, die bezahlbar waren und die ich kaufte. Nach diesem "Zufalls-Prinzip" entstand im Laufe der Zeit eine Sammlung, die Arbeiten von Künstlern verschiedener Länder umfasst.
Die grösste Entdeckung war Ernst Kolb, dessen einzigartige Zeichnungen auf der Seite vorgestellt werden. Seine Zeichnungen wurden ab 2011 von Rolf Bergmann auf eBay angeboten. Ich war fasziniert und begeistert und als ich einige Zeichnungen ersteigert hatte, sandte ich eine Dokumentation an Fachleute. John Maizels, der Herausgeber der Fachzeitschrit «RAWVISION», reagierte postwendend und schlug vor, Kolb einen Beitrag zu widmen. Er erschien in Nummer 79 und ist hier als Download verfügbar. Die renomierte «Collection de l'Art Brut» in Lausanne bezeichnete Kolb ihrerseits als "créateur tout à fait étonnant". Sie kaufte in der Folge 2013 von Rolf Bergmann eine erste Serie von 25 Zeichnungen und legte viel Wert darauf, imKolb gewidmeten Artikel in «RAWVISION», mit eigenen-Zeichnungen von Kolb vertreten zu sein.
Damals suchte man Ernst Kolb im Internet vergebens, er war vollkommen unbekannt. Ich verfasste deshalb einen Wikipedia-Beitrag, der dies änderte. Wie sich zeigte, konnte aus Gründen des Urheberrechts dort aber keine Zeichnungen gezeigt werden (dies wäre erst 2063, 70 Jahre nach seinem Tod möglich!). Ein Beitrag über einen Künstler, ohne seine Werke zu zeigen, war sinnlos und so entschloss ich mich, die von mir gesammelten Kolb-Zeichnungen im Internet auf einer eigenen Webseite zugänglich zu machen. Seither können Kolbs Zeichnungen über einen Link selbst auf Wikipedia betrachtet werden und Google findet mehr Bilder von ihm als von zahlreichen anderen Aussenseiterkünstlern.
Wer würde von Ernst Kolb heute ohne Rolf Bergmann etwas wissen? Der Autor und Biograf Rolf Bergmann lebte von 1942 bis 2015. Er hat Kolb persönlich gekannt und diesem nach dessen Tods zur Erinnerung das Büchlein "Der Mann mit der Plastiktasche" gewidmet. Er hat sich unermüdlich für Kolb eingesetzt und sich um dessen Nachlass gekümmert. Im Nachlass ist er ist auf Tagebücher in alter deutscher Sütterlin-Schrift gestossen. Es war zunächst eine wahre Sisiphus-Arbeit, diese in lesbares Deutsch zu übertragen und das Leben des Vergessenen erschien in ganz neuem Licht, so dass Rolf Bergmann beschloss, Kolb eine Biografie zu widmen. Kolbs Zeichnungen, die dieser kaum je mit Titel versehen hatte, versah Bergmann mit originellen und treffenden Titeln und bot sie auf Ebay zum Verkauf an, wo Liebhaber von Art Brut aufmerksam wurden, was den Stein ins Rollen brachte. Der "RAWVISION"-Artikel erschien, bereits Jahre zuvor hatte Rolf Bergmann sich noch erfolglos an die Collection de l'Art Brut gewandt, jetzt war die Reaktion positiv.
Als Sammler und Kolb-Bewunderer bin ich Rolf Bergmann unendlich dankbar, auf Kolb aufmerksam gemacht worden zu sein! Wir waren per Email in Kontakt und ich hatte 2013 die grosse Freude, ihn in Mannheim bei einer unvergesslichen Lesung aus seiner damals soeben veröffentlichten Biografie im Rahmen einer Kolb gewidmeten Ausstellung in Mannheim kennenzulernen. Sein Erfolg brachte betrüblicherweise Neider auf den Plan, die ihm vorhielten, Zeichnungen Kolbs zu Unrecht auf eBay verkauft zu haben. Dies hat seine letzten Jahre überschattet. Es sei hier ausdrücklich festgehalten: ohne Rolf Bergmann wäre Kolb ein Unbekannter und falls sein Nachass gar in andere Hände geraten und auf Unverständnis gestossen und gar entsorgt worden, wären viele wunderbare und ganz einzigartige Zeichnungen für immer verloren gegangen! Die Anfeindungen und der bösartige Vorwurf haben den gesundheitlich angeschlagenen Rolf Bergmann sehr getroffen. Mit seinem Tod im Mai 2015 hat Kolb seinen wichtigsten Mentor verloren und es wurde still um Kolb. Es war gar zu befürchten, er werde nochmals vergessen. Glücklicherweise hatteen die Aktivitäten von Rolf Bergmann etwas in Bewegung gesetzt und 2018, drei Jahre nach Bergmanns und 25 nach Kolbs Tod fand in der Collection de l'Art Brut in Lausanne 2018 eine Ausstellung der Kolb-Zeichnungen statt. Damit war ein vergessener Künstler wiederentdeckt, der seither als bedeutender Vertreter der Art Brut wahrgenommen wird.
Die Veröffentlichung von Kolbs Zeichnungen im Internet, der Ankauf von Zeichnungen durch das Museum, die Publikation in der Fachzeitschrift und die Veröffentlichung der Biografie "Ernst Kolb, Bäcker, Bürger, Künstler" von Rolf Bergmanns im Wellhöfer Verlag Ende 2013 waren wichtige Schritte. Zu Lebzeiten Bergmanns erreichten seine Webseite (http://www.rolfbergmann.de/home/) und diese Seite – beide waren praktisch gleichzeitig entstandenen – dass Ernst Kolb von Suchmaschinen gefunden wurde. Aus verständlichen Gründen ist die Seite von Rolf Bergmann seither unverändert geblieben, während Kolbs einzigartige Arbeiten zusammen mit vielen spannenden Werken anderer Künstler, die sweither dazukamen, auf der Seite zu entdecken sind.
Erstmals werden hier auch die entdeckenswerten subtilen, im Verborgenen entstandenen Farbkompositionen meiner Mutter, Sisi Bolliger, gezeigt (Abbildung oben rechts).
Sie hat zu Lebzeiten nie ausgestellt und die wenigsten Leute, die sie kannten, wussten etwas von diesen Zeichnungen.