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Gewicht verlieren im Schlaf – wie geht das?
Gewicht verlieren im Schlaf – das klingt verlockend, nicht wahr? Auch wenn sich die Idee im ersten Moment etwas verrückt anhört, so gibt es doch bedeutungsvolle medizinische Befunde, die auf spannende Zusammenhänge zwischen Schlaf und Gewicht hinweisen. So merken Forscher an, dass eine ungenügende Schlafdauer und eine mangelnde Schlafqualität das Verhalten des Gehirns dahingehend verändern, dass es schwieriger wird gesund zu essen und damit eine Gewichtszunahme zu verhindern.
Über die vergangenen Jahrzehnte konnte eine Tendenz zur Abnahme der Schlafdauer und der Zunahme von Fettleibigkeit beobachtet werden. Beinahe ein Drittel der arbeitstätigen erwachsenen Bevölkerung schläft nicht mehr als sechs Stunden pro Nacht. Eine Reihe von Erkenntnissen, basierend auf experimentellen Studien zum Thema Schlafentzug, bringen reduzierten Schlaf mit Fettleibigkeit in Verbindung: So verursacht chronischer, partieller Schlafentzug beispielsweise Müdigkeit, die wiederum zu reduzierter physischer Aktivität führen kann. Zudem haben Forscher herausgefunden, dass Schlafentzug zu bedeutsamen Veränderungen in der Aktivität zweier Hirnregionen führt, die beide an der Regulation des Essverhaltens beteiligt sind.
Bereits eine einzige Nacht mit Schlafentzug hat interessante Auswirkungen auf unser Gehirn: ungesunde, kalorienreiche Speisen erscheinen attraktiver und im gleichen Atemzug wird die Fähigkeit des Gehirns, solche Gelüste mittels rationaler Entscheidungen zu unterdrücken, beeinträchtigt. MRI-Untersuchungen bei Personen mit Schlafentzug konnten aufzeigen, dass das “Belohnungs-Zentrum” im Gehirn stärker auf Bilder mit kalorienreichen Speisen reagierte. Hirnbereiche im Frontallappen, die im Zusammenhang mit Entscheidungsverhalten und Verhaltenskontrolle stehen, zeigten hingegen weniger starke Aktivitäten auf. Weiter konnten Forscher darlegen, dass Hormone, die den Hunger regulieren, durch die Schlafdauer beeinflusst werden: Ghrelin, ein Hormon, das im Magen-Darm-Trakt gebildet wird, regt den Appetit an und Leptin, das in Fettzellen produziert wird, sendet ein Signal ans Gehirn, wenn man satt ist. Wie sieht der Zusammenhang dieser Hormone zum Schlaf aus? Ganz einfach: Wenn man nicht genug Schlaf bekommt, steigt der Ghrelin-Level an, was zu einer Anregung des Appetits und zu einem gesteigerten Essverhalten führt. Der Leptin-Level hingegen sinkt, was wiederum dazu führt, dass sich das Sättigungsgefühl nicht oder verzögert einstellt. Beide Hormone in Kombination sind damit Voraussetzung für das Phänomen des Überessens, was wiederum zur Gewichtszunahme führen kann.
Insgesamt könnte die Reaktion auf diese Hormone individueller sein, als wir uns vorstellen können. Unsere Umwelt, unser Ernährungsverhalten, Bewegungsmuster, persönliche Stresslevel und insbesondere unsere genetischen Voraussetzungen können sowohl die Produktion als auch die Reaktion auf diese Hormone beeinflussen. Daher, obwohl genug Schlaf ein wichtiger Faktor in der Gewichtsregulation zu sein scheint, sollte man nicht vergessen, dass viele andere Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Die meisten Experten stimmen anhand des heutigen Forschungsstandes darin überein, dass es eine gute Idee ist, einige Stunden mehr zu schlafen, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden oder das Gewicht zu halten – insbesondere, wenn man nicht bereits durchschnittlich 7.5 – 8 Stunden erholsamen Schlaf pro Nacht erreicht. Natürlich ist diese Schlafdauer ein Durchschnittswert. Die Schlafdauer bleibt trotz allem ein individueller Wert. Vielleicht stellen auch Sie fest, dass Sie mit einigen Stunden mehr Schlaf nicht so hungrig sind oder sich das Verlangen nach zucker- und kalorienhaltigen Nahrungsmittel verringert. Sollten Sie bereits viel schlafen oder Ihre Schlafdauer verlängern und trotzdem müde sein, dann empfehlen wir Ihnen, den Hausarzt zu kontaktieren, um eine allfällige Schlafstörung näher abzuklären.
Dr. med. Heydy González
Fachärztin für Psychiatrie Schlafspezialistin AASM und SGSSC