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Achtermann,
Wilhelm, der Nestor der deutschen Bildhauer in Rom, geb. zu Münster in Westfalen, mußte, nachdem er den notdürftigsten Schulunterricht genossen, bis zu seinem 30. Jahr auf dem Bauerngut seines Oheims ¶
forlaufend
dem Pflug nachgehen, übte sich aber dabei im Hohschnitzen und brachte es darin zu einer solchen Geschicklichkeit, daß der Oberpräsident v. Vincke ihn an Rauch empfahl, der ihn auf Rietschels Bitte ins Atelier aufnahm. Später arbeitete er als Schüler der Akademie unter Tieck und Schadow. Gleich anfangs bildete er nur religiöse Gegenstände, die ihm vermöge ihrer streng nazarenischen Auffassung eine eigentümliche Stellung anweisen. Eins seiner ältern Werke, in welchem sich diese Hinneigung zur vorraffaelischen Formengebung ausspricht, ist das Relief an der Fassade der katholischen Kirche zu Berlin.
Unter diesen Umständen war es ganz begreiflich, daß er sich nach Rom sehnte, wo er, mit dürftigen Mitteln versehen, im Anfang der 40er Jahre ankam, seinen bleibenden Wohnsitz aufschlug und in der Skulptur ganz der nazarenischen Richtung treu blieb. Von dort aus versah er auch die Kirchen seines Heimatlands Westfalen mit zahlreichen Werken, deren Formen oft innerhalb eines gewissen konventionellen Typus blieben und den eigentlichen Schwung der religiösen Empfindung vermissen lassen.
Die besten darunter sind: ein Christus am Kreuz (1842) für den Herzog von Arenberg, eine im Dom zu Münster aufgestellte große Pietà und eine 1858 ebenfalls dorthin gekommene große Kreuzabnahme, aus einem einzigen Marmorblock gehauen. Unter den Arbeiten seiner spätern Jahre ist das bekannteste der Marmoraltar im Dom zu Prag (1873) mit drei großen Reliefs aus dem Leben Christi, von unendlicher Sorgfalt in der Ausführung, aber streng und trocken in Zeichnung und Modellierung.