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Obwohl ich eigentlich erst kurz nach 6 Uhr morgens aufstehen müsste, wecken mich doch regelmässig vor 5 Uhr die Glocken der Pagoda (Wat) in der Nähe, die eine Hochzeit oder ein Begräbnis einläuten. Offiziell finden wir Lehrer uns um 7 Uhr in der Schule ein, um Vorbereitungen zu treffen, damit die Schule um 7.15 Uhr losgehen kann. Nicht selten kommt es aber vor, dass sich die erste Lehrperson erst so gegen halb 8 einfindet. Somit verschiebt sich zwar der ganze Zeitplan um etwa eine halbe Stunde, woran sich aber niemand gross zu stören scheint.
Morgens sind die Kinder jeweils in 3 Klassen eingeteilt. In der ersten Stunde findet kein Englisch statt, sodass ich meist mit den Primarschulkindern (ca. 6-8 Jahre) am Tisch sitze und versuche, dem Khmer-Unterricht zu folgen. Im Khmer-Unterricht geht es in erster Linie darum, das Schreiben zu lernen. Dazu werden pro Stunde jeweils 2 Wörter detailiert besprochen. Es folgt für mich eine Englisch-Stunde mit den älteren Schülern und Schülerinnen (ca. 8-11 Jahre). Im Moment besprechen wir das Thema "Verkauf" mit allerlei Lebensmitteln, die man kaufen kann wie "fish", "bananas", "eggs" etc. Nach diesen 2 Lektionen, die jeweils 45 Minuten dauern und von 15 Minuten Pause unterbrochen werden findet die Spiel-Stunde statt. Am Montag, also heute, ist das Motto jeweils "Outside-Game": das heisst, die Kinder spielen draussen Volleyball, Federball und Ähnliches. Um 10.30 Uhr ist die Schule dann fertig und die Kinder können nach Hause, um ihren Eltern vor dem Mittagessen eventuell noch im Haushalt zu helfen.
Ich selber mache mich dann auch auf den Heimweg, wobei ich jeweils beim Markt in der Nähe Lebensmittel für das Abendessen einkaufe und anschliessend zum PKO-Büro fahre. Mittags darf ich immer in der dortigen Kantine essen. Bei der Kantine handelt es sich um ein weiteres Sozialprojekt von PKO, da die Organisation dort versucht, ungelernte Jugendliche zu Köchen auszubilden. Das Essen schmeckt jeweils vorzüglich und ich kann jeden Tag ein neues Khmer-Gericht ausprobieren.
Um 14 Uhr (bezw. auch hier meist etwas verspätet) beginnt dann die erste Nachmittagslektion. Am Nachmittag sind mehr Kinder im Youth Center als am Morgen, weshalb es 4 Klassen gibt. Wiederum findet in der ersten Stunde kein Englisch-Unterricht statt und ich lerne wiederum mit den Kindern Khmer. Allerdings sitze ich am Nachmittag meist bei der Kleinklasse bestehend aus "slowly learners". Es handelt sich nur um 4 Kinder ganz unterschiedlichen Alters, denen das Schreiben besonders schwer fällt. Der Lehrer versucht, die Stunden jeweils möglichst interaktiv zu gestalten; z.B., indem sich die Kinder in einer Reihe aufstellen (jeweils mit dem Gesicht zum Rücken des Kindes davor) und der Lehrer dem hintersten Kind ein Wort auf den Rücken schreibt. Dieses Kind schreibt das Wort dann dem Kind vor sich auf den Rücken und so weiter bis das vorderste Kind das Wort dann auf eine Tafel schreibt. Wenn alles gut gegangen ist, steht auf der Tafel dasselbe Wort, das der Lehrer dem ersten Kind auf den Rücken geschrieben hat. Und wenn nicht, dann sorgt das Missverständnis jeweils für viel Gelächter. Die zweite Lektion ist für mich wiederum Englisch-Unterricht, diesmal jedoch mit den ältesten Kindern (ca. 12-15 Jahre). Das aktuelle Thema ist die Aussprache der Laute "ea" und "ee", die zwar gleich tönen, aber anders geschrieben werden. Dies üben wir an Wörtern wie "tree", "read", "see", "sea" etc. Am Nachmittag findet als dritte Lektion die gleiche Spiel-Stunde statt wie am Morgen und danach gehen die Kinder um ca 17 Uhr nach Hause. Auch wir Lehrer können nach dem Aufräumen und Vorbereiten kurz danach nach Hause.
Viele der Lehrer haben allerdings nach der Schule noch Nebenjobs oder eine grosse Familie, um die sie sich kümmern müssen. Für diese ist die Arbeit also in dem Sinn noch nicht zu Ende. Ich selber aber geniesse die freien Stunden meist im Park, der direkt am Fluss Sangke gelegen ist, und wo sich um diese Zeit auch viele andere zum Spazieren, Joggen, Lesen oder Spielen einfinden. Gegen 18.30 h wird es allerdings schon wieder dunkel und ich mache mich langsam auf den Heimweg.
Anna Bugmann
Die Autorin Anna Bugmann unterstützte von Januar 2014 bis März 2014 unser Schulbildungsprojekt in Kambodscha als freiwillige Englischlehrerin.