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Die Quellen zur Demografie auf dem Gebiet der heutigen Schweiz sind bis ins späte MA spärlich. Da zudem die B. in den drei Hauptzonen Jura, Mittelland und Alpen sehr unterschiedlich wuchs, erweist sich eine globale Schätzung der frühen Bevölkerungszahlen als schwierig. Eng mit der Entwicklung der B. verbunden sind die Siedlungsgeschichte (Siedlung), die Migrationsgeschichte und die Geschichte des Wirtschaftswachstums (Konjunktur).
Unter Berücksichtigung der damals vorhandenen Techniken und Ressourcen schätzen Archäologen die B. im schweiz. Mittelland auf 10'000-20'000 Personen im Neolithikum und auf 30'000-40'000 Personen in der Eisenzeit. Diese Bevölkerungszunahme ging mit der Weiterentwicklung in der Metallverarbeitung einher und war die Folge stärkerer Wanderungsbewegungen wie auch vermehrten Handels. In der Bronzezeit führte v.a. der Tauschhandel zur Besiedlung von Berggebieten. Unmittelbar vor der Eroberung durch die Römer werden die Angaben zuverlässiger. Nachdem Caesar 58 v.Chr. die Helvetier in der Schlacht bei Bibracte geschlagen hatte, lebten im Mittelland nach allgemeiner Auffassung und gestützt auf Caesars Bericht knapp 150'000 Personen, was einer Dichte von 13 Einwohnern/km² entspricht.
Unter röm. Herrschaft bestand die Landbevölkerung im 2. Jh. n.Chr. Schätzungen zufolge aus 120'000 Einwohnern, zu welchen in den drei Coloniae Augusta Raurica, Aventicum und Colonia Iulia Equestris, in dem Marktort Forum Claudii Vallensium (Octodurus), dem Legionslager Vindonissa sowie den rund zwanzig Vici weitere 70'000 Personen hinzukamen. Als Folge der Alemannen- und Burgundereinfälle verringerte sich die B. stark, und erst im 6. und 7. Jh. entstanden neue Siedlungen. Von der Jahrtausendwende bis zum Ende des hochma. Landesausbaus um 1300 wuchs die B. schätzungsweise von knapp 500'000 auf 700'000-850'000 Personen. Ein wirtschaftl. Aufschwung begleitete dieses Wachstum: Neueren Schätzungen zufolge konnte die landwirtschaftl. Nutzfläche im Mittelland durch Urbarisierung um gut ein Viertel bis ein Drittel erweitert werden. Bestehende Ortschaften wurden ausgebaut, neue Siedlungen gegründet, und zwar im Flachland wie in Höhenlagen, auf den Jurahöhen und in den Voralpen ebenso wie in den Alpen. Das markante Bevölkerungswachstum dauerte bis gegen Mitte des 13. Jh.
Die Bevölkerungszunahme ging einher mit einer Welle von Städtegründungen und Stadterweiterungen. Seit der Antike bestehende Civitates wurden zu Bischofsresidenzen und entgingen dem Untergang (Genf, Lausanne, Sitten, Basel und Chur). Andernorts wuchsen Siedlungen um Klöster und Pfalzen zu Städten (z.B. Luzern, St. Gallen, Zürich). Im Lauf des 12. Jh. vergrösserte sich die Siedlungsfläche der bestehenden Städte z.T. auf das Doppelte bis Dreifache. Betrug z.B. die Einwohnerzahl Genfs Ende des 11. Jh. lediglich 1'350 Personen, so waren es 1250 nahezu 3'800 Einwohner. Auch eigentl. Stadtgründungen trugen zum Aufschwung des Städtewesens bei. Zu den 17 Städten, die das FrühMA überdauert hatten, kamen im 12. Jh. 15, im 13. Jh. 156 und im 14. Jh. 8 neue hinzu. Einige blieben infolge der hohen Städtedichte im schweiz. Mittelland sehr klein. Die Kleinheit der Schweizer Städte erklärt, weshalb die Schweiz im Vergleich zu andern Ländern, gemessen am modernen Kriterium der Mindestgrösse von 5'000 Einwohnern, am Ende des HochMA einen geringen Urbanisierungsgrad aufwies: Um 1300 lebten weniger als 3% der Gesamtbevölkerung in Städten dieser Grösse, gegenüber 7,9% in Deutschland, 8% in Frankreich und 20,8% in Italien.
Autorin/Autor: Anne-Lise Head-König / AL
In einigen Regionen, v.a. in der Westschweiz, zeichnet sich mit den Erschütterungen um 1320 zum ersten Mal ein verlangsamtes Bevölkerungswachstum ab. Für die Zeit danach häufen sich die Anzeichen, dass sich die Lebensbedingungen verschlechterten und infolge einer relativen Übervölkerung Ressourcenknappheit herrschte (Krise des Spätmittelalters). In einigen höher gelegenen Regionen wurde die kurz vor der grossen Pest bestehende Bevölkerungsdichte erst zu Beginn des 19. Jh. wieder erreicht, zu einem Zeitpunkt also, da die Landwirtschaft wesentlich weiter entwickelt war. Dies gilt v.a. für das Wallis. Vom durch die Pestzüge und die Agrarkrise bedingten Bevölkerungsrückgang war indes nicht die gesamte Schweiz betroffen: Die Dörfer im Neuenburger Jura und im Berner Oberland verzeichneten einen ungebremsten Aufschwung. Im Glarnerland entstanden neue Pfarreien. Auch für die Zentralschweiz gibt es eindeutige Anzeichen für ein anhaltendes Bevölkerungswachstum.
Wie die Landschaft wurden im 14. Jh. auch die Städte ganz unterschiedlich von der Bevölkerungskrise betroffen. Insgesamt war das 15. Jh. klar durch ein grosses Städtesterben geprägt. Die Hälfte der 200 (Kleinst-)Städte, die um 1400 im Gebiet der Schweiz bestanden, verwandelten sich in Dörfer oder verschwanden ganz. Auch die weiter bestehenden Städte entwickelten sich auf ungleiche Weise. Einige erlebten einen allmähl. Niedergang, in andern setzte mit ihrer zunehmenden Bedeutung im internat. Handel ein Bevölkerungswachstum ein. Im internat. Vergleich blieben die Schweizer Städte jedoch von bescheidener Grösse. Basel und Genf, die damals grössten, zählten kaum 10'000 Einwohner. Wie überall in Europa ging das Wachstum der Städte auf das Konto der Landflucht (Binnenwanderung). Da die Sterbeziffer (Mortalität) in den Städten die Geburtenziffer (Natalität) in der Regel übertraf, musste das Defizit durch Zuwanderung wettgemacht werden, wie zahlreiche Einbürgerungen belegen. Dennoch konnte ein Bevölkerungsschwund nicht immer verhindert werden. Die gewichtige Rolle, welche die Zuwanderung aus ländl. Gebieten, v.a. von Lohnarbeitern und Gesinde, bereits im MA spielte, ist allgemein bekannt. Es gilt aber auch die Bedeutung nicht zu verkennen, die diesen Menschen bei der Erneuerung der städt. Eliten zukommt. Angehörige der Führungsgruppen der Schweizer Städte zollten ab dem 14. Jh. - eine Besonderheit in Europa - einen hohen Tribut in fremden Diensten, was wiederum Zugewanderten Gelegenheit zum sozialen Aufstieg gab. Am Beispiel von Luzern lässt sich gut zeigen, welche Möglichkeiten den Zuwanderern und ihren Nachkommen offen standen. In der 2. Hälfte des 14. Jh. und im 15. Jh. konnten die Nachkommen von Zugewanderten aus privilegierter Stellung in die höchsten Positionen der Stadt gelangen.
Auch in räuml. Hinsicht entwickelte sich die B. ungleich. Sie wuchs im 15. Jh. in Berggebieten stärker, sei es, dass sich die von der demograf. Krise verschonten Gebiete weiter entwickeln konnten, sei es, dass der Aufschwung nach den Pestzügen früher einsetzte. Zudem verlief das Wachstum im Alpenraum regelmässiger als im Mittelland, das häufiger von Epidemien und Kriegswirren heimgesucht wurde. Diese Sonderstellung der Berggebiete könnte die Zunahme der mit der allg. Entwicklung der Reisläuferei im 15. Jh. gekoppelten Migrationsbewegungen erklären. Es ist anzunehmen, dass die Bevölkerungsdichte im SpätMA in den Alpen- und Voralpenregionen die Grenze der Tragfähigkeit erreicht hat. Auch strukturelle Veränderungen in der alpinen Landwirtschaft werden dazu beigetragen haben: Die intensiver betriebene Viehwirtschaft benötigte weniger Arbeitskräfte als der zurückgedrängte Ackerbau. Die Bevölkerungsdichte in den Berggebieten erklärt z.T. auch das polit. Gewicht, das den eidg. Orten des Alpenraums in der gesamten Eidgenossenschaft noch auf der Schwelle zum 16. Jh. zukam.
Autorin/Autor: Anne-Lise Head-König / AL
Erst Anfang des 16. Jh. erreichte die Bevölkerungszahl in der Schweiz wieder den Stand, den sie vor dem Einbruch des 14. Jh. aufgewiesen hatte. Abgesehen von kurzen und vereinzelten Rückschlägen waren die ersten zwei Drittel des Jahrhunderts von einer Bevölkerungszunahme mit jährl. Wachstumsraten von 0,6-1% geprägt. Mit dem Anstieg der B., die Anfang des 17. Jh. rund 900'000 Personen umfasste, ging eine vielfach belegte Verbesserung und Ausweitung der Bodennutzung einher. Auch die Gewichte zwischen den einzelnen Teilräumen der Schweiz verschoben sich. Nach 1500 verzeichneten die von Gewerbe, Handel und erster Protoindustrie wenig berührten Berggebiete innerhalb der Eidgenossenschaft einen relativen Rückgang. Der Anteil der Gebirgskantone an der gesamten schweiz. B. ging sukzessive von 50-53% (um 1500) über 43% (1600) auf 34% (1700) zurück.
Die Gründe für das Wachstum der B. sind erst z.T. bekannt, obschon es v.a. ab dem 16. Jh. nicht an Quellen mangelt. Einer durch regionale Untersuchungen gestützten Annahme zufolge hatten die Menschen während und nach den Pestzügen ihr Reproduktionspotenzial durch frühe Heiraten (Nuptialität) und erhöhte Geburtenzahlen voll ausgeschöpft. Dieses aus Krisenzeiten stammende demograf. Verhaltensmuster behielten sie auch nach dem Abklingen der Epidemien bei. Feststellbar ist auch, dass diese Dynamik nicht nur auf die einheim. B. zurückzuführen ist. Die Einwanderung, deren Verlauf zusehends besser erforscht wird, spielte beim Bevölkerungsanstieg im 16. Jh. eine wesentl. Rolle, zumindest bis zu dem Moment, da die ersten Massnahmen zu ihrer Beschränkung in den Städten wie in den Dörfern zu greifen begannen. Im ausgehenden 16. und frühen 17. Jh. nahm die B. in manchen Regionen nur noch langsam zu oder sogar ab. Damals dürfte das Bevölkerungswachstum zusammen mit der Verbesserung der Bodennutzung auf immer weiter unterteilten Nutzflächen eine obere Grenze erreicht haben. Der folgende konjunkturelle Rückgang war gekoppelt mit einer steigenden Sterbeziffer (zu der auch die in grossem Stil betriebene Reisläuferei in den Diensten Frankreichs, Spaniens und Savoyens beigetragen hat) und einer offenbar sinkenden Fruchtbarkeit. Von diesem Schema ausgenommen waren jene Regionen, in denen sich eine Modernisierung der wirtschaftl. Strukturen in Richtung Protoindustrialisierung bemerkbar machte.
Die Haupttendenzen des 17. Jh. sind rasch nachgezeichnet: bis 1640-50 ein schwaches Wachstum mit wiederholten Epidemien und Krisen, 1650-80 eine gesamtschweiz. Bevölkerungszunahme, allerdings mit regional unterschiedl. Ausprägung je nach Einfluss der Auswanderung, der Bodennutzung, der protoindustriellen Heimarbeit und des Heiratsverhaltens. Das Wachstum ergab sich aus einer höheren Lebenserwartung und einer steigenden Geburtenrate, die (ohne Berücksichtigung der Kinder, die vor der Taufe starben) häufig über 40o/oo lag. Teuerungen und Epidemien führten im ausgehenden 17. Jh. zu einer Trendwende in der Bevölkerungsentwicklung, die sich je nach Region sehr unterschiedlich auswirkte. Gesamthaft wuchs die B. in der Schweiz im 17. Jh. von 0,9 auf 1,2 Mio. Einwohner, was einer jährl. Zuwachsrate von 0,28% entspricht.
Autorin/Autor: Anne-Lise Head-König / AL
Bis ins 17. Jh. waren hohe Heirats- und Geburtenraten sowohl in der Stadt - wie z.B. in den gut untersuchten Städten Genf, Zürich und Liestal - als auch auf dem Land die Regel. Da aber solche hohen Raten die soziale Reproduktion gefährdeten, erwiesen sich neue Strategien v.a. im städt. Milieu als erforderlich (Bevölkerungspolitik). Die städt. Eliten folgten Vorbildern aus dem deutschsprachigen Raum und setzten Heiratsbeschränkungen (Ehehindernisse) wie auch Mittel der Einwanderungskontrolle ein und konnten sich so ihre Privilegien sichern. Ab Mitte des 17. Jh. galten in allen kath. wie ref. Städten - in Genf als Grenzstadt ohne grosses Umland in geringerem Masse - äusserst restriktive Einreisebestimmungen, die bewirkten, dass eine stärkere Zuwanderung, selbst aus den eigenen Untertanengebieten, unterbunden wurde. Hinzu kam, dass ab Mitte des 17. Jh. die Geburtenregelung in ref. Städten in den wohlhabenden Familien allgemein eingeführt war - in Zürich und Genf nach einem Anstieg der Geburtenrate - so dass die Geburtenziffer in den Städten im letzten Drittel des 17. Jh. in allen Schichten zurückging. So brachten in Zürich lediglich 8,2% der Frauen, die 1580-1649 geheiratet hatten, ihr letztes Kind vor ihrem 35. Geburtstag zur Welt, im Zeitraum 1650-89 aber bereits 21,1%. Auch das Geschlecht der Kinder war für die Familienplanung von Bedeutung. Paare mit mehreren Söhnen zeigten sich abgeneigt, weitere Nachkommen zu zeugen. Insgesamt ist die Bevölkerungszunahme ab Ende des 17. Jh. auf die ländl. B. protoindustrialisierter Gegenden zurückzuführen, ohne dass die Städte (auch dank des demograf. Verhaltens) ihre wirtschaftl. Vormachtstellung aufgrund der Protoindustrialisierung eingebüsst hätten.
Autorin/Autor: Anne-Lise Head-König / AL
Von 1700 bis 1914 wuchs die B. der Schweiz von 1,2 Mio. auf 3,9 Mio. Einwohner. Allerdings stechen einmal mehr regionale Unterschiede ins Auge, langfristige Folgen der im ausgehenden 17. Jh. ausgelösten demograf. Krise: In einigen Regionen, z.B. im Glarnerland, folgte auf den Einbruch eine rasche Erholung, in andern Gebieten wie dem Waadtländer Jura oder dem Thurgau stagnierte die Entwicklung mehrere Jahrzehnte, im Tessin sogar ein ganzes Jahrhundert lang. Mitunter, z.B. im Unterengadin, kündigte die Krise gar eine rückläufige Bevölkerungsentwicklung an, die sich bis Anfang des 19. Jh. fortsetzte.
Allgemein setzte nach 1730 eine Bevölkerungszunahme ein, zu welcher die einzelnen Regionen je nach wirtschaftl. Dynamik der Industrie oder Landwirtschaft in unterschiedl. Mass beisteuerten. Der Anstieg, der in einigen Hügel- und Voralpengebieten sehr stark ausfiel, ging nicht in erster Linie auf eine rückläufige Mortalität zurück, sondern vielmehr auf eine höhere Fruchtbarkeit, verbunden mit einem sinkenden Heiratsalter und einer geringeren Mobilität der fortpflanzungsfähigen Männer und Frauen. Eindeutig bewirkte die Protoindustrie dort, wo sie sich stark entwickelte, dass sich Leute niederliessen, die ansonsten auf Dauer oder zumindest auf Zeit hätten abwandern müssen. Die Verlangsamung des Wachstums, die Ende des 18. Jh. einsetzte und fast ein Vierteljahrhundert anhielt, war ebenso eine Folge der Konjunkturabkühlung wie der Revolutionswirren, die wiederum den Aussenhandel (Kontinentalsperre) und den Arbeitsmarkt überlagerten.
Die positive gegenseitige Beeinflussung demograf., wirtschaftl. und gesellschaftl. Faktoren begünstigte ein rasches Anwachsen der B. im 19. Jh. Neben institutionellen Faktoren wie der Niederlassungsfreiheit, welche die Binnenwanderung förderte, waren auch die Industrialisierung, die Urbanisierung und der Ausbau des Dienstleistungssektors im Zuge des Wirtschaftswachstums massgebend. Insgesamt verlief die Bevölkerungsentwicklung sehr ungleich: Ein Merkmal war, v.a. ab der 2. Hälfte des 19. Jh., der rückläufige Trend in den Berggebieten. Der Bevölkerungsrückgang in den Alpenregionen - und allgemein deren sinkender Stellenwert - ist in erster Linie auf die Industrialisierung zurückzuführen, die bewirkte, dass die Protoindustrie teilweise aufgegeben und die Produktionsstätten wegen des wachsenden Energiebedarfs in die Täler und in das Flachland verlegt wurden. Verstärkend wirkte sich die Agrardepression aus, die im letzten Drittel des 19. Jh. die Schweiz ebenso wie das übrige Europa traf und einen Exodus aus Land- und Berggebieten auslöste.
|Zeitraum||Einwohnerb||Gesamtzunahmec||Wanderungssaldoc||Ausländeranteilb||Anteil der über 59-Jährigenb|
|1798-1837||1'664'832||7o/oo||-||-||-|
|1837-1850||2'190'258||7o/oo||-1o/oo||-||-|
|1850-1860||2'392'740||5o/oo||-1o/oo||2,9%||-|
|1860-1870||2'510'494||6o/oo||-2o/oo||4,6%||8,4%|
|1870-1880||2'655'001d||6o/oo||-1o/oo||5,7%||9,0%|
|1880-1888||2'831'787d||4o/oo||-4o/oo||7,4%||9,0%|
|1888-1900||2'917'754||11o/oo||2o/oo||7,8%||9,4%|
|1900-1910||3'315'443||12o/oo||2o/oo||11,6%||9,3%|
|1910-1920||3'753'293||3o/oo||-3o/oo||14,7%||8,9%|
|1920-1930||3'880'320||5o/oo||-2o/oo||10,4%||9,3%|
|1930-1941||4'066'400||4o/oo||0o/oo||8,7%||10,7%|
|1941-1950||4'265'703||11o/oo||3o/oo||5,2%||13,1%|
|1950-1960||4'714'992||14o/oo||7o/oo||6,1%||14,0%|
|1960-1970||5'429'061||14o/oo||6o/oo||10,8%||15,1%|
|1970-1980||6'269'783||2o/oo||-2o/oo||17,2%||16,4%|
|1980-1990||6'365'960||8o/oo||5o/oo||14,8%||18,3%|
|1990-2000||6'873'687||6o/oo||3o/ooe||18,1%||19,2%|
|2000||7'288'010||-||-||20,5%e||20,2%e|
Obwohl die Wachstumsraten in beiden Hälften des 19. Jh. (bis 1850 0,68% pro Jahr, danach 0,65%) vergleichbar waren, veränderten sich die Variablen, auf denen sie beruhten: Die Mortalität ging klar zurück, zugleich sank aber auch die Fruchtbarkeit kontinuierlich weiter. Das Bevölkerungswachstum, das aus diesen Faktoren resultierte, wurde z.T. durch Emigration abgeschwächt; bis in die 1880er Jahre hinein blieb die Schweiz ein typisches Auswanderungsland.
Autorin/Autor: Anne-Lise Head-König / AL
Ende der 1880er Jahre vollzog sich eines der Hauptereignisse der Schweizer Bevölkerungsgeschichte - die radikale Umkehr des Migrationsflusses. Von dieser Zeit an kamen wesentlich mehr Ausländer in die Schweiz, als Auswanderer das Land verliessen. Grund hierfür war der steigende Bedarf der wachsenden Schweizer Wirtschaft an Arbeitskräften. Der Grossteil der Ausländer stammte aus den umliegenden Ländern. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in allen Sektoren war derart gross, dass 1837-1910 der Ausländeranteil von 2,6% (bei noch eingeschränkter Bewegungsfreiheit) auf 14,7% anstieg. Die meisten Zuwanderer stammten aus Deutschland. Hauptmerkmal ist die Konzentration der Einwanderung auf die Städte. Ballungsgebiete waren Zürich, Genf und Basel, die 30% aller in der Schweiz wohnhaften Ausländer auf sich vereinten. Der Bevölkerungsanstieg in der 2. Hälfte des 19. Jh. war mit einer räuml. Umverteilung und ausgeprägten Urbanisierung der B. im Mittelland gekoppelt: Lebten um 1800 6% aller Personen in Städten mit mehr als 5'000 Einwohnern, so waren es 1910 33%. Gleichzeitig veränderten sich das Netzwerk und die Hierarchie der Städte. Zürich, dessen B. sich zwischen 1850 und 1910 mehr als verzehnfachte - nicht zuletzt durch Eingemeindungen - gelangte an die Spitze. Nicht nur Städte wuchsen durch die industriebedingte Einwanderung stark an, sondern auch Orte zweitrangiger Bedeutung, die sich auf neue Gebiete spezialisiert hatten. Bei diesem markanten Bevölkerungsanstieg spielte die natürl. Wachstumsbilanz nur noch eine untergeordnete Rolle.
Autorin/Autor: Anne-Lise Head-König / AL
Zwischen 1914 (3,9 Mio. Einw.) und 2000 (7,1 Mio. Einw.) hat sich die B. der Schweiz fast verdoppelt. Betrachtet man die einzelnen Jahrzehnte, so verlief die Entwicklung jedoch sehr unterschiedlich. Der 1. Weltkrieg brachte einen Einschnitt, bedingt durch den Wegzug zahlreicher Ausländer und ein neues demograf. Verhalten: Die Zahl der Eheschliessungen ging zurück und mit ihr die Geburtenrate, gleichzeitig stieg mit der Grippe-Epidemie von 1918 die Sterbeziffer. Besonders ausgeprägt war das verlangsamte Wachstum allerdings in den Zwischenkriegsjahren, bedingt durch die tiefe Fruchtbarkeit: Betrug die Geburtenrate vor dem 1. Weltkrieg noch 26,9o/oo, so fiel sie bis 1938 auf 15,9o/oo, was lediglich 1,8 Kindern pro Frau entsprach. Die Weltwirtschaftskrise trug überdies zu einem erhebl. Rückgang ausländ. Arbeitskräfte bei. Der Ausländeranteil sank von 15,4% kurz vor dem 1. Weltkrieg auf 5,2% im Kriegsjahr 1941.
Nach dem 2. Weltkrieg führte der Babyboom in der Schweiz wie in andern westl. Industrieländern zu einem Bevölkerungsanstieg, der um so stärker ausfiel, als die Sterblichkeit gleichzeitig zurückging. Ab Ende der 1950er Jahre trug auch die Hochkonjunktur wesentlich zum Wachstum und zur Veränderung der Bevölkerungsstruktur bei. Die starke Nachfrage nach Arbeitskräften konnte nur dank massiver Einwanderung befriedigt werden, eine Situation, die auch auf die geburtenschwachen Jahrgänge der 1920er und 30er Jahre zurückzuführen ist. So ergab sich 1975 ein Ausländeranteil von 16,4%, wobei der Grossteil aus Italien stammte (1970 53,6% der ausländ. Wohnbevölkerung). 1941-70 wuchs die B. der Schweiz um knapp 50% (von 4,3 Mio. auf 6,3 Mio. Einw.), und in den 1960er Jahren verzeichnete die Schweiz die höchste Wachstumsrate ganz Westeuropas. Die Rezession Mitte der 1970er Jahre, als eine grosse Anzahl Ausländer das Land verliessen, und der Einbruch der Geburtenraten nach 1965 führten zu einer Trendwende in der Bevölkerungsbewegung. Das Bevölkerungswachstum blieb im folgenden Jahrzehnt wie auch in den 1990er Jahren moderat, zumal Massnahmen dafür sorgten, dass die Niederlassung von Ausländern in der Schweiz limitiert wurde. Im Gegenzug bewirkte das Abkommen über die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der Europ. Union, welches 2002 in Kraft trat, einen starken Zuzug an Immigranten und das grösste Wachstum seit den 1960er Jahren. 2008 entsprach der Zuwachs an Einwohnern fast der Bevölkerung des Kt. Zug.
Autorin/Autor: Anne-Lise Head-König / AL