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Es war ein eisiger Nachmittag auf dem Flughafen JFK in New York. Etwa 5000 Jugendliche, vor allem junge Frauen, warteten am 7. Februar 1964 auf vier junge Typen aus Liverpool. Das entfesselte Gekreische der Mädchen muss ohrenbetäubend gewesen sein, als John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr aus dem Flugzeug stiegen. In ihrer Heimat England waren die Beatles bereits seit rund einem Jahr Superstars.
Die «Beatlemania» ging um in Europa. Aber in den USA? Eine solche Hysterie um vier junge Musiker war ein neues Phänomen auf dem amerikanischen Kontinent. Der amerikanische Moderator Walter Cronkite kommentierte die Ankunft der Beatles in den Fernsehnachrichten als «britische Invasion». Seine Formulierung für jenen Tag wurde zum Synonym für eine Kulturrevolution des 20. Jahrhunderts.
«British Invasion» als globale Zeitenwende
John, Paul, George und Ringo blieben in den USA nicht lange alleine. Nach ihrem Start gelang die «Invasion» einer ganzen Reihe britischer Bands, darunter The Rolling Stones, The Kinks oder The Who. Die amerikanische Musikszene bestand zuvor fast ausnahmslos aus US-Produktionen in den Bereichen Rock‘n’Roll oder Blues – Elvis, Bob Dylan oder Jonny Cash. Die plötzliche Vielfalt an britischer und somit europäischer Kultur war für die amerikanische Musikindustrie zuerst ein Schock. Aus Verunsicherung ahmten US-Musiker teilweise britische Künstler nach und versuchten so, auf der Erfolgswelle der britischen «Newcomer» mitzureiten.
Bedeutender als für die Musik waren die Konsequenzen der «Invasion» britischer Künstler auf die gesamte Sub- und Jugendkultur. Erstmals kamen in den 60er-Jahren amerikanische Jugendliche mit europäischer Popkultur in Berührung. Die kulturelle Fusion zwischen den USA und dem United Kingdom veränderte damals das Denken der amerikanischen Jugendlichen.
«Stars and Stripes» meets «Union Jack»
Betroffen waren alle Bereiche des täglichen Lebens: Kleidungsstil, Sprechweise und graphisches Design. Der Erfolg britischer Künstler veränderte das Layout und den Inhalt amerikanischer Zeitschriften und Filme. Die Verschmelzung von «Stars and Stripes» mit dem «Union Jack» prägte in den darauffolgenden Jahrzehnten einschneidend die Popkultur auf der ganzen Welt. Bis heute.
Wer weiss, wie die Popgeschichte heute aussehen würde, hätten die Beatles 1964 nicht den Anfang gemacht. Dabei war der kommerzielle Erfolg der «Fab Four» in den USA eher einem Zufall zu verdanken.
Durchbruch in der «Ed Sullivan Show»
Capitol Records, der amerikanische Ableger der britischen Plattenfirma EMI, bei der die Beatles unter Vertrag standen, weigerte sich 1963 ihre Platten in den USA zu verkaufen. Die Plattenbosse glaubten nicht an einen Durchbruch in den Staaten. Nur das kleine Label Vee-Jay Records stellte Beatles-LPs und -Singles in vereinzelte Plattenläden. Ohne eine finanzstarke Plattenfirma im Rücken und entsprechendem Marketing waren die Beatles als Massenphänomen jedoch undenkbar.
Erst nachdem sich Brian Epstein, damaliger Manager der Beatles, im November 1963 in New York mit dem Entertainer Ed Sullivan traf, kam Bewegung in die Sache. Sullivan war Moderator seiner eigenen «Ed Sullivan Show», die wöchentlich ein Millionenpublikum erreiche. Schon Elvis Presley schaffte in dieser Sendung 1956 seinen Durchbruch.
Sullivan offerierte Epstein zwei Auftritte der Beatles in seiner Show. Am 9. November spielten die vier Pilzköpfe aus Liverpool einen knapp 15-minütigen Auftritt. Mehr als 73 Millionen Amerikaner schalteten ihr Fernsehgerät ein. Das Gekreische der weiblichen Fans im Fernsehstudio hallt bis heute nach. Und mit ihm die «British Invasion» in der globalen Alltagskultur.