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vor 1806
Es war einmal vor langer Zeit
Dort wo der Bach aus dem Hagtobel fliesst, wurden die beiden natürlichen Wasserfälle bereits vor Jahrhunderten genutzt. Auf kurzer Strecke arbeiteten drei Wasserräder von Drechslerei, Fläschnerei, Knochenstampfi und Sägerei.
Vor 1915
Fläschnerei
Das Gebäude dürfte über 300 Jahre alt sein. Belegt ist das Haus im ersten Wattwiler Verzeichnis von 1806. Überliefert ist, dass es früher eine Fläschnerei war.
In der Fläschnerei wurden runde Gefässe aus Blech hergestellt, für Trinkgefässe und Pulverhörner.
1915
Ein Jahrhundert ohne Wasserrad
Etwa um 1915 wurde das Gebäude vergrössert. Die Bauherrschaft muss vermögend gewesen sein: Das Haus wurde mit einem Mansardendach um ein Stockwerk erhöht, wie es in jener Zeit in Paris verbreitet war. In der Stube wurde ein Boden aus Pitch-Pine gefunden, einer kostbaren Holzart, die aus Kanada eingeführt worden ist. Im Anbau, wo das Wasserrad stand, befand sich nun eine Waschküche für das Quartier.
1947
20. Jahrhundert
Das Wasserrecht wurde um 1910 an die unten angrenzende Sägerei abgegeben, welche bis 1947 von einem Wasserrad angetrieben wurde. In jenem Winter wurde es durch Eisbildung stark beschädigt und durch eine moderne Turbine aus Metall ersetzt. Um die Leistung zu erhöhen, wurde im Tobel eine 8 Meter hohe Staumauer gebaut. Die Druckleitung führte zuerst zur Drechslerei. Nach der Turbine wurde das Wasser sofort wieder gefasst und mit einer zweiten Druckleitung zur Sägerei geleitet. Das Gefälle betrug total 38 Meter.
Diese Anlagen waren bis in die 1970er Jahre in Betrieb. Der Bodeneinlass für die zweite Druckleitung wird heute als Fassung für das neue Wasserrad genutzt.
1985
Besitzerwechsel
Im Jahr 1985 kaufte Markus Aepli die Liegenschaft in desolatem Zustand. Bei jeder Ausbauetappe war die Wärmedämmung zentrales Thema: Je weniger Energie die Haustechnik verbraucht, desto effizienter lässt sich der Rest später mit erneuerbarer Energie decken.
A: Weitere Informationen
Fläschnerei
Die Werkstatt im Erdgeschoss weist eine Raumhöhe von drei Metern auf. An der Decke und an den Wänden hatte es eine Transmission mit Radscheiben aus Holz und Riemen aus Leder. Damit wurde die Kraft des Wasserrades auf die Maschinen übertragen.
Der Boden war lehmgestampft. Auf der Südseite bringen drei grossflächige Fenster Licht in die Werkstatt herein. Das damalige Wasserrad soll einen Durchmesser von 6,5 Metern aufgewiesen haben. Bei Bauarbeiten am Fundament wurde der alte Unterwasserkanal sichtbar.
Beim Aushub für das Fundament des neuen Wasserrads wurden Blechschnipsel gefunden, wie sie in Fläschnereien beim Ausschneiden der Rondellen angefallen sind.
B: Hintergrund
Im Mittelalter spielte die Wasserkraft eine wichtige Rolle in verschiedenen Berufen. Eine der bekanntesten Anwendungen war die Nutzung von Wassermühlen zur Getreideverarbeitung. Das Wasser trieb die Mühlräder an, die wiederum die Mahlsteine in Bewegung setzten. Dadurch konnten grosse Mengen an Getreide effizient gemahlen werden. Wasserkraft wurde auch in anderen Handwerksberufen genutzt, wie zum Beispiel in Sägewerken, Schmieden oder Hammerwerken. Die Kraft des Wassers ermöglichte es, schwere Maschinen anzutreiben und die Produktivität zu steigern. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Menschen im Mittelalter die natürliche Ressource der Wasserkraft genutzt haben, um ihre Arbeit zu erleichtern.
In der Hochblüte des letzten Jahrhunderts waren in der Schweiz etwa 40’000 Wasserräder in Betrieb. Die Kraft des Wassers erleichterte den Handwerkern Schwerstarbeit: Statt einen Baumstamm von Hand in Balken und Bretter zu sägen, wurde der Trämel durch eine wasserbetriebene Gattersäge gestossen.
Statt Korn mühsam zu stampfen, wurde es in der Mühle zwischen vom Wasser angetriebenen Mühlsteinen zu feinem Mehl gemahlen.
Knochenstampfi waren in der Gegend weit verbreitet.
Schmitten nutzten Wasserräder für Hammerwerke und zum Schleifen von Werkzeugen.
Mit zunehmender Mechanisierung entwickelten sich die Handwerksbetriebe an den Flüssen und Bächen zu Fabriken und Industriebetrieben (zum Beispiel Textil- und Maschinenindustrie).
Etwa ab 1880 revolutionierte die Elektrizität die Energienutzung. Nun wurde Strom in viel grösseren Anlagen mit Turbinen und Generatoren erzeugt. Über das Stromnetz konnte er einfach und schnell in Fabriken und Haushalte transportiert werden. In der Folge wurden die kleinen Wasserräder aufgegeben und die Anlagen zerfielen.
C: Aufgabe
Zähle einige Handwerke auf, die im Mittelalter ihren Beruf an einem Bach mittels Wasserkraft ausgeübt haben.
Müller, Drechsler, Schmiede, Sägewerke, Walkmühlen, Schleifereien, Papiermühlen, Färbereien und weitere.