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Der Rohstoffkonzern Trafigura hat im Geschäftsjahr 2021/22 von den schwierigen Marktbedingungen profitiert. Der Umsatz stieg um mehr als ein Drittel an und beim Reingewinn gelang mehr als eine Verdoppelung.
Konkret stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende September) um 38 Prozent auf 318,5 Milliarden Dollar. Die bereinigte EBITDA-Marge nahm auf 3,8 von 3,0 Prozent zu. Und unter dem Strich stand ein Reingewinn von 7,0 Milliarden, was mehr ist als in den vergangenen vier Jahren zusammen.
Man habe den Kunden geholfen, turbulente Märkte und gestörte globale Lieferketten zu bewältigen, teilte der in der Schweiz ansässige Konzern mit. Die starke Nachfrage nach den Dienstleistungen habe in der Folge zu Rekordergebnissen geführt.
Mögliche Energiekrise auch im nächsten Winter
Das Gesamtvolumen der im Jahr 2022 gehandelten Rohstoffe war laut den Angaben allerdings niedriger als im Vorjahr. Dies sei auf eine Verringerung des Volumens an Öl und Erdölprodukten in der zweiten Geschäftsjahreshälfte zurückzuführen, was mit der Beendigung langfristiger Verträge für russisches Rohöl und Produkte wegen der Ukraine-Sanktionen zusammenhänge. Zudem habe man sich auf Geschäfte mit höheren Margen konzentriert.
Trafigura handelte durchschnittlich 6,6 Millionen Barrel Öl und Erdölprodukte pro Tag, verglichen mit einem Tagesdurchschnitt von 7,0 Millionen Barrel im Jahr davor. Das Handelsvolumen mit Nichteisenmetallen blieb mit 23,3 Millionen Tonnen unverändert, während das Volumen an Schüttgutmineralien vor allem wegen höherer Eisenerzmengen um 10 Prozent auf 91,3 Millionen Tonnen anstieg.
Im Zusammenhang mit seinem Jahresbericht warnte der Rohstoffriese auch, dass Europa auch im nächsten Jahr «riesige Mengen» an verflüssigtem Erdgas importieren müsse, um die stark gedrosselten russischen Lieferungen auszugleichen. Die Versorgungssicherheit werde auch über den nächsten Winter hinaus ein Thema bleiben.
«Wir erwarten, dass die Gas- und LNG-Märkte volatil bleiben werden», so Trafigura. «Während Europa in diesem Winter einen Stromausfall vermeiden sollte, indem es auf seine Vorräte zurückgreift und die Nachfrage senkt, wird es 2023 angesichts der massiven Verringerung der Lieferungen aus Russland große Mengen an LNG importieren müssen.»
Die LNG-Importe haben bereits ein Rekordniveau erreicht. Diese helfen der europäischen Bevölkerung, ihre Häuser zu heizen, nachdem Russland die Gaslieferungen aus den Pipelines auf einen Bruchteil des normalen Niveaus gedrosselt hat. Das US-amerikanische LNG hat die meisten Lücken gefüllt. Zudem sollen 2023 weitere LNG-Terminals in Europa eröffnet werden.
Von Explosion in LNG-Terminal betroffen
2022 handelte Trafigura mit verflüssigtem Erdgas in der Höhe 13 Millionen Tonnen Öläquivalent, gegenüber 14 Millionen Tonnen im Vorjahr. Die Erdgasmengen blieben mit 23,7 Millionen Tonnen kaum verändert. Das Handelshaus lieferte das Gas nicht nur aus, sondern lagerte es auch vor dem Winter in geleasten Speichern.
«Die Liquidität auf den physischen Märkten und den Finanzmärkten ging zurück, nachdem die Terminbörsen und Clearing-Broker die Margenanforderungen erhöht hatten, was die Kosten für den Transport von Ladungen erheblich erhöhte», so Trafigura. Der Konzern war zudem von einer Explosion im Freeport LNG-Terminal in den USA betroffen, mit dem das Unternhemen einen Abnahmevertrag abgeschlossen hat. Die Wiederinbetriebnahme des Terminals in Texas hat sich wiederholt verzögert, wobei der jüngste Zeitplan für die Wiederaufnahme des Betriebs Ende des Jahres vorsieht.
«Aufgrund der Grösse und des Umfangs unserer Aktivitäten waren wir jedoch in der Lage, die Probleme für unsere Endabnehmer im Zusammenhang mit den verlorenen LNG-Mengen erheblich zu mildern und eine sichere und zuverlässige Versorgung zu gewährleisten», so Trafigura.
(AWP/Bloomberg/mth)