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Philippinen, wo er erschlagen wurde. Sein zusammengeschmolzenes Geschwader erreichte die Molukken, und das einzige Schiff [* 2] Viktoria unter Sebastian d'Elcano gelangte 1522 in die spanische Heimat. Damit war die erste Weltumseglung vollbracht. Es würde zu weit führen, die einzelnen Entdeckungsthaten aufzuzählen, welche die Spanier im Lauf des 16. Jahrh. durch das ganze tropische Amerika, [* 3] die Engländer durch die östlichen Gebiete Nordamerikas (s. Amerika), die Portugiesen nach Indien und Ostasien und zu den Gewürzinseln brachten (s. Asien). [* 4]
Seit 1584 begannen die Russen Sibirien im Flug zu erobern, 1648 umsegelte der Kosak Deschnew die Beringsstraße; gleichzeitig ward die Amurmündung gesunden. Holländische [* 5] Seefahrer umsegelten das Kap Horn (Hoorn) 1643, entdeckten, nachdem sie die Portugiesen von den Molukken verdrängt, das von jenen schon gesehene Nordaustralien wieder (1605 f.), und Abel Tasman (1640 f.) zerstörte durch seine kühne Fahrt das Wahngebilde eines großen Südlandes (s. Australien). [* 6] Die Inselwelt des Pazifischen Ozeans enthüllte sich langsamer, ebenso die arktischen Archipele im N. Amerikas und Europas, wo wesentlich englische und holländische Entdecker auftraten, welche eine nordwestliche oder nordöstliche Durchfahrt nach Ostasien hin erstrebten (s. Polarexpeditionen).
Während so in überraschender Weise die räumliche Kenntnis unsrer Erde von Spaniern, Portugiesen, Briten und Niederländern gefördert wurde, entwickelte sich auch die wissenschaftliche Erdkunde [* 7] gewaltig, zumal in Deutschland, [* 8] das an den räumlichen Entdeckungen keinen direkten Anteil hatte. Kopernikus und Kepler gestalteten die Astronomie [* 9] um; aber nur schwierig brachen die neuen Wahrheiten sich Bahn. Die Breiten- und Längenbestimmungen wurden in dieser Periode schärfer ausgeführt, und Willebrord Snellius maß zwischen Bergen op Zoom [* 10] und Alkmar den ersten Erdbogen mittels Dreiecken, welche Messung nur um 2/57 zu kurz ausfiel. Was die Kartographie anbelangt, so glänzten im 16. Jahrh. die Deutschen, denen dann die Niederländer folgten. Deutsche [* 11] Mathematiker wagten zuerst, bei der Übertragung von Kugelflächen in die Ebene (Projektionen) die Vorbilder des Altertums zu verlassen;
so Stöffler (gest. 1530) und Johann Werner, der das stereographische Gradnetz einführte;
vor allen aber Gerhard Kremer, genannt Mercator (geb. 1512 zu Rupelmonde), der außer zahlreichen andern auch die scharfsinnige nach ihm benannte Projektion [* 12] erfand und zuerst 1569 aus seiner Weltkarte in Anwendung brachte;
dieselbe ist für Seekarten seitdem unentbehrlich.
Nachdem die alten Ptolemäischen Karten noch lange im Gebrauch gewesen (im 15. Jahrh. erschienen in Deutschland allein 16 Ausgaben davon), kamen bessere Erdbilder auf. Sebastian Münster [* 13] aus Basel, [* 14] Verfasser einer bekannten Kosmographie, zeigt noch geringe Fortschritte, bis Peter Bienewitz (Apianus) 1524 seine Tafeln für Länge und Breite [* 15] herausgab, welche namentlich den deutschen Karten eine staunenswerte Genauigkeit gewährten. Die Karte Brandenburgs von Camerarius, Bayerns von Cellarius, Preußens [* 16] von Henneberger, alle im 16. Jahrh. entstanden, sind für ihre Zeit Musterblätter.
Deutschland überhaupt wurde damals am vorzüglichsten dargestellt. Mercator und sein Freund Abraham Ortelius (Örtel) brachten die Kartographie nach den Niederlanden, wo man zuerst Atlanten, Sammlungen von Karten, schuf. Jodokus und Heinrich Hondius, Petrus Plancius, Aurigarius standen damals in Ruf wie heute ein Stieler, Kiepert oder Berghaus. Über den ersten Mittagskreis herrschte damals so wenig Eintracht wie gegenwärtig. Mercator legte ihn über die Azoreninsel Corvo, Hondius durch die kapverdische Insel Santiago, andre Niederländer durch Teneriffa. Am tagte zu Paris [* 17] eine Geographenversammlung, welche sich darüber verständigte, die Längengrade von der Insel Ferro an zu zählen, ein Beschluß, den Ludwig XIII. für alle Kartographen als verbindlich erklärte.
Indessen war dies nur ein verhüllter Meridian von Paris, da Ferro genau 20° westlich von Paris angenommen wurde, während es schon in 19° 36' 51'' westl. L. liegt. Ein solcher Meridian fällt also nicht mehr in die kleine Insel, sondern bereits in den Atlantischen Ozean. Auch aus den Naturwissenschaften erhielt die Erdkunde fördernde Anregung. Die Geologie [* 18] lag freilich noch im argen, und hinsichtlich der Höhenkunde gab man sich fabelhaften Vorstellungen hin. Sebastian Münster hielt Gipfelhöhen von 2-3 Meilen für möglich; der Jesuit Riccioli, ein sehr gelehrter Mann des 17. Jahrh., dachte sich den Kaukasus sogar 10 Meilen hoch.
Die Hydrographie mußte durch die zahlreichen Seereisen aufgeklärt werden. Nachdem noch Kolumbus geglaubt, die feste Oberfläche unsers Planeten [* 19] überwiege die flüssige, vermutete Mercator ein Gleichgewicht [* 20] zwischen beiden. Aber erst nachdem Abel Tasman die großen Ozeanflächen im S. Australiens kennen gelehrt, gewann die See die Oberhand über das Festland. Größere Meerestiefen vermochte man nicht zu messen; doch gab schon 1586 Lukas Aurigarius (Wagner) Seetiefkarten der Nordsee und des Kanals heraus, für welche die Tiefenangaben durch Lotungen gewonnen waren.
Das Eintreffen der Flutwellen wurde von allen Seefahrern beobachtet, so daß wir die »Hafenzeiten« in den Handbüchern jener Periode angegeben finden. Auch die dauernden Meeresströmungen [* 21] waren den Entdeckungsreisenden nicht entgangen; die Portugiesen fanden im 15. Jahrh. den Guineastrom, Vasco de Gama den Mosambikstrom, Alaminos 1513 den Golfstrom in seiner floridanischen Enge. Desgleichen wurden die Luftströmungen ausführlich beschrieben, die Namen der Passate und Monsune treten auf.
Die zusammenfassenden Handbücher jener Zeit werden am besten durch Sebastian Münsters »Cosmographia universalis« (Basel 1550) charakterisiert. Dieses reich illustrierte, oft aufgelegte Werk, in welchem Geographie und Geschichte bunt durcheinander gehen, gleicht indessen nicht unsern heutigen Länderkunden, sondern mehr unsern Reisehandbüchern. Ungleich höhern wissenschaftlichen Rang müssen wir der »Geographia generalis« (»Allgemeine Erdkunde«) des in Ülzen gebornen Bernhard Varenius (ca. 1650) beimessen, deren Inhalt noch heute durch die Klarheit der Gedanken unsre Bewunderung erregt. Auf Varen fußen die zahlreichen Handbücher der physischen Geographie noch aus dem vorigen Jahrhundert (Lulof 1750, Bergmann 1760 und auch Kant 1802).
[Neuere Zeit.]
Um die Mitte des 17. Jahrh. war die Verteilung von Land und Wasser auf unsrer Erde bis auf ein Drittel der Oberfläche erforscht. Nun aber trat von 1648 bis 1769 ein Stillstand in den überseeischen Entdeckungen ein, da die Ursprungsländer der gewinnbringenden Handelsgegenstände erreicht, Niederlassungen genug gegründet waren. Nur Rußland bemühte sich in jener Zeit, den Norden [* 22] Sibiriens aufzuhellen, wo namentlich die Reisen Berings und Gmelins hervorzuheben sind. Außerdem schritt die Enthüllung der pazifischen Inselgruppen langsam vorwärts, woran sich außer den Engländern auch ¶
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Franzosen (Bougainville) beteiligten (s. Ozeanien). [* 24] Diese von J. ^[James] Cook 1769 energischer aufgenommene Erforschung der Südsee wurde bis in die ersten Jahrzehnte unsers Jahrhunderts fortgesetzt und zum Abschluß gebracht, worauf nur noch die beiden Polarräume und das Innere der Kontinente, namentlich Afrikas und Australiens, aufzuhellen waren. Hieran wird noch in unsern Tagen eifrig gearbeitet. Ihr Charaktermerkmal erhält diese neue Periode der Entdeckungen durch die technische Verschärfung aller Beobachtungen, deren Endzweck die Aufstellung vergleichbarer Werte wird.
Eingeleitet wurde dieses »Zeitalter der Messungen«, wie Peschel es nennt, durch eine Reihe rein wissenschaftlicher Expeditionen, welche schon mit dem Franzosen Jean Richer beginnen, der 1672 in Cayenne aus den Schwingungen des Pariser Sekundenpendels fand, daß die Erde keine reine Kugel, sondern am Äquator angeschwollen sei. Kurz darauf trat Edmund Halley seine physikalischen Entdeckungsreisen an, und durch ihn gewannen wir die erste Karte der Luftströmungen und die erste Karte mit Linien gleicher magnetischer Mißweisungen, so daß er der Begründer der neuen physikalischen Geographie genannt zu werden verdient. Der französische Botaniker Joseph Pitton de Tournefort (geb. 1656) erkannte 1700 bei einer Wanderung am Ararat, daß bei senkrechtem Aufsteigen die Gewächse höherer Breiten sich wieder zu zeigen beginnen, und daß die Erhebung ihres Standorts ähnlich wirke wie ein Wachsen der Polhöhe in den Niederungen.
Die ersten genauen Ortsbestimmungen, bei denen die Längen mit Hilfe der Verfinsterungen der Jupitermonde ermittelt wurden, verdanken wir im Beginn des 18. Jahrh. dem Franziskaner Louis Feuillé, dessen Polhöhen bis auf 2 oder 3 Minuten sicher sind, dessen Längen aber nicht völlig um einen halben Grad von unsern heutigen Angaben abweichen. Die erste Hälfte des 18. Jahrh. ist in der Geschichte der Erdkunde ferner noch ausgezeichnet durch die Erdbogenmessungen der Franzosen und zwar die lappländische 1736 durch Maupertuis, Clairaut, Lemonier ^[richtig: Lemonnier = Pierre Charles Lemonnier, 1715-1799] u. a. und die peruanische unter Bouguer, Lacondamine und Godin.
Unter den Deutschen war es Karsten Niebuhr (geb. 1733), welcher, vom König Friedrich V. von Dänemark [* 25] ausgerüstet, 1763 eine epochemachende Reise in das Bergland Jemens (Arabien) unternahm, zuerst die geographischen Längen durch die Abstände des Mondes von der Sonne [* 26] oder von Fixsternen maß und die ersten zuverlässigen Karten vom Roten Meer, Arabien und Kleinasien lieferte. Im Dienste [* 27] der Kaiserin Katharina II. von Rußland bereiste 1768-74 der Berliner [* 28] P. Simon Pallas Sibirien, dessen eigentlicher zoologischer und botanischer Entdecker gerade er wurde. Am Schluß des 18. Jahrh. trat Alexander v. Humboldt seine epochemachenden Reisen an, bei denen er weniger als alle seine Vorgänger den Blick auf die Entdeckungen vorher unbekannter Länder wandte. Er hatte viel höhere Zwecke im Auge, [* 29] nämlich die Sammlung von Größen und Thatsachen, die untereinander verglichen werden konnten.
Auf dem Gebiet der astronomischen Erdkunde ist es unser Zeitalter, welches eine Reihe der wichtigsten Entdeckungen aufweist. Zur genauern Messung von Polhöhen bedurfte man schwerfälliger astronomischer Instrumente, bis 1731 Hadley den Spiegelsextanten erfand. Jeder Seemann konnte nun auch an schwankendem Bord eine Sonnenhöhe messen. Ehemals konnten nur die Durchgänge von Gestirnen durch den Mittagskreis zu Breitenbestimmungen benutzt werden. Mit der Vervollkommnung der Chronometer durch John Harrison (1693-1776) und seine Nachfolger wurde es nun möglich, auch Höhenwinkel sowohl um als außer dem Mittag zur Messung von Polhöhen anzuwenden, ein Verfahren, welches in Amerika zuerst Humboldt benutzte.
Die Verfinsterungen des Mondes, ehemals das brauchbarste Mittel, geographische Längen zu finden, wurden entbehrlich hierfür, als Cassini die Jupitermonde und ihre Umläufe zu Längenbestimmungen heranzog, ein Verfahren, welches wiederum durch die Messung der Monddistanzen [* 30] verdrängt wurde, nachdem Leonhard Euler und Tobias Mayer ihre verbesserten Mondtafeln in der Mitte des vorigen Jahrhunderts herausgegeben hatten. Die richtige Längenbegrenzung der Alten Welt konnte erst im vorigen Jahrhundert erfolgen; Ptolemäos hatte 62°, die Araber 52° für die Länge des Mittelmeers [* 31] angegeben, während 1694 Cassinis Schüler de Chazelles die richtige Länge von 41° 41' von Alexandrette bis Gibraltar [* 32] fand.
Die Größe und Gestalt unsrer Erde wurde durch die im verflossenen Jahrhundert begonnenen und mit vereinten Kräften im laufenden fortgesetzten Erdbogenmessungen bestimmt, und man erkannte eine Abplattung der Erde von 1/299 (nach Bessels Rechnung); aber die Messungen führten auch zu der überraschenden Erkenntnis, daß unsre Erde keine völlig reine mathematische Gestalt besitzt, was sich namentlich auch aus den Pendelbeobachtungen ergab. Das beneidenswerte Verdienst, die Fortschritte der Astronomie im 17. Jahrh. für die darstellende Erdkunde zuerst benutzt zu haben, fällt den Franzosen zu. Cassini entwarf 1680 in der Pariser Sternwarte [* 33] das erste Weltbild nach neuen astronomischen Angaben; Guillaume Delisle aber gab 1725 zum erstenmal auf einer Karte dem Mittelmeer seine richtige Gestalt und verwertete überhaupt alle bekannt gewordenen astronomischen Ortsbestimmungen. Es gehörte dazu nicht bloß eine in damaligen Zeiten noch seltene mathematische Bildung, sondern auch Mut, um die alten eingebürgerten Vorstellungen zu verdrängen.
Gleich nach Delisle trat in Frankreich ein darstellender Geograph von gleicher Berühmtheit, der gelehrte d'Anville (1697-1782), auf, dessen Hauptverdienst darin besteht, durch Sammlung und scharfsinnige Benutzung der Wegabstände in den Itinerarien seinen Bildern die noch jetzt bewunderte Vollkommenheit gegeben zu haben. Seit 1750 erwarb sich auch der geistreiche Buache einen Namen, und als Altersgenossen Humboldts finden wir Jomard, Maltebrun, Walckenaer. Am Schluß des vorigen Jahrhunderts rückte dann der Sitz der Kartographie durch die Leistungen von Desparres, Rennell und Arrowsmith nach England.
Deutschland, das früher so Bedeutendes in diesem Zweig der Erdkunde geleistet, bot seit dem Dreißigjährigen Krieg ein Bild der Verödung. Dem Kupferstecher Joh. Homann (geb. 1664), der sich zu Nürnberg [* 34] etabliert hatte, verdanken wir die Wiederbelebung der Kartographie in unserm Vaterland, wo bis in unser Jahrhundert hinein nur wenig von seiten der Regierungen für dieses Fach geschah, weil diese die Veröffentlichung genauer Karten für staatsgefährlich ansahen. Erst mit Heinrich Berghaus (geb. 1797) begann die neue Blüte [* 35] der deutschen Kartographie. Höhenmessungen hatte man noch bis in das vorige Jahrhundert hinein mittels Dreiecken vorgenommen, bis man sich zu diesem Zweck des 1643 von Torricelli erfundenen Barometers bedienen lernte. J. J. ^[Johann Jakob] Scheuchzer wagte es zuerst 1705-1707 auf seinen Alpenwanderungen, die Höhe von Orten aus dem Barometerstand abzuleiten. Die erste allgemein gültige Barometerformel für Höhenmessungen fand aber ¶