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Die Begriffe Frontalunterricht und Klassenunterricht werden in diesem Buch gleichbedeutend verwandt, obwohl eine Differenzierung möglich wäre: "Klassenunterricht" als rein formale Beschreibung der Sozialstruktur, "Frontalunterricht" als Wertung und Kritik an der häufig vorherrschenden Lehrerzentriertheit dieser Sozialform. Ich verzichte auf eine solche Unterscheidung, weil sie den falschen Eindruck erwecken könnte, als ob das Problem zu hoher Lehrerlenkung im Gruppenunterricht, in der Partner- und Einzelarbeit (wo entsprechende Begriffsdifferenzierungen fehlen!) nicht gegeben sei! Der Begriff "Klassenunterricht" ist auch zu eng: Es gibt an Hochschulen und in der Weiterbildung, in ein- und zweiklassigen Dorfschulen, im Kurssystem der gymnasialen Oberstufe usw. vielfältige Formen des Frontalunterrichts ohne Bezug zu einer Jahrgangsklasse.
In dem fast immer lehrgangsmässig aufgebauten Frontalunterricht herrscht ein Macht- und Kompetenzgefälle zwischen dem Lehrer und "seinen" Schülern. Dies muss zwar nicht grundsätzlich so sein, ist im Schulalltag jedoch die Regel. Dabei ist es nicht erforderlich, dass der Lehrer immer physisch anwesend ist oder immer vorn steht, redet und handelt. Er kann sich vielfältige Stellvertreter suchen: Er kann einen Schüler beauftragen, ein Referat zu halten; er kann einen Film vorführen usw.
Meyer, H. (2011). Unterrichtsmethoden II: Praxisband. Berlin: Cornelson.S. 182/183