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Monique Jaquet und Asvine Thillairajah passen trotz 50 Jahren Altersunterschied hervorragend zusammen. Die Ältere von beiden ist pensioniert, die Jüngere ist als Freiwillige beim Roten Kreuz tätig.
Monique ist dynamisch, aber keine Frühaufsteherin. Wenn Asvine Thillairajah sie besucht, macht sie allerdings gerne eine Ausnahme. Es ist Dienstag. Um Punkt zehn Uhr läutet die junge Freiwillige des Roten Kreuzes wie abgemacht an der Tür. Monique empfängt Asvine wie eine alte Freundin und gibt ihr drei Küsschen auf ihre eiskalten Wangen. Draussen ist es 10 Grad, sodass der warmherzige Empfang doppelt gut tut.
Die beiden richten sich vor dem Laptop ein. Der Rechner thront mitten im Wohnzimmer und ist mit allem Zubehör ausgerüstet. Heute hat Asvine vor, Monique die Website des Westschweizer Fernsehens zu zeigen. Das trifft sich gut, weil Monique am Vorabend eine Folge der Sendung «Histoire vivante» zum Thema «Neapel, eine offene Stadt» verpasst hat. «Ich schätze es sehr, dass Asvine zu mir nach Hause kommt, weil ich gesundheitliche Probleme habe. Es wäre für mich sehr schwierig, das Haus zu verlassen, um einen Computerkurs zu besuchen», sagt Monique. «Und ganz allein würde ich es niemals schaffen!»
Sag niemals nie
So treffen sich die 20-jährige Asvine und die 71-jährige Monique seit Februar einmal pro Woche. In wenigen Monaten hat Monique gelernt, mit ihrem Computer umzugehen. Ihr elektronischer Briefkasten birgt zum Beispiel (fast) keine Geheimnisse mehr für sie. «Sie ist begabt», bestätigt die junge Freiwillige und zeigt mit beiden Daumen nach oben.
Monique nutzt ihren Computer, um Kreuzworträtsel zu lösen, lustige E-Mails zu erhalten und zu versenden und das Neuste aus Neuenburg und der Welt zu erfahren. Und Facebook? «Oh nein, dafür habe ich keine Zeit. Ich schaffe es schon nicht, meine echten Freunde so oft anzurufen, wie ich möchte», meint die Rentnerin, die froh ist, von ihren beruflichen Pflichten befreit zu sein. Die Neugier hat sie aber dennoch gepackt, und so bittet sie Asvine wenige Minuten später, ihr ein Konto auf Facebook zu eröffnen. Sie möchte vor allem Kontakt mit ihrer Freundin Rozalia aufnehmen, die weit weg von Neuenburg lebt.
Asvine, die in Yverdon wohnt und in Neuenburg Life Sciences studiert, freut sich, Monique kennengelernt zu haben. Vor ihrem ersten Treffen fürchtete sie sich zwar ein wenig und zweifelte an ihrer Entscheidung, als Freiwillige beim Roten Kreuz zu arbeiten. Letztlich war es dann aber eine riesige und sehr positive Überraschung. Sie hatte Sri Lanka mit ihren Eltern verlassen und ihre Grosseltern nie gekannt. Monique füllt ein wenig diese Lücke. «Wir unterhalten uns viel. Es ist schön, die Meinung von jemandem zu hören, der den nötigen Abstand hat, um die Dinge beurteilen zu können», betont die junge Frau. Sie möchte dieses Abenteuer so lange wie möglich fortsetzen. «Auch nach meinem Studium werde ich weiter bei Ihnen vorbeischauen», verspricht sie Monique.