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Wer zum Henker hat den Begriff «Powerfrau» erfunden? Es muss jemand sein, der glaubt, Frauen müssten in ein niedliches, schillerndes Etikett verpackt werden, sobald sie in der Geschäftswelt etwas erreichten. Als ob ein einziger Ausdruck all das Talent, die Hingabe und die Vielseitigkeit einfangen könnte, die Frauen in ihre Arbeit und ihr Leben stecken.
Was ist, wenn wir den Scheinwerfer einmal weg von der schicken Büroumgebung auf andere Bereiche des Lebens richten? Wo bleibt die «Powerfrau», die sich um ihre drei Kinder kümmert, während sie den Haushalt managt und nebenbei eine Weiterbildung macht? Oder die Frau, die nach einem Nine-to- five-Job sich ehrenamtlich in einem gemeinnützigen Verein engagiert? Oder jene, die in ihrer Freizeit Porzellan bemalt?
Sind das keine «Powerfrauen»? Offensichtlich nicht, denn über sie wird selten bis nie nur ein Wort verloren. Es scheint mir, als ob der Titel «Powerfrau» nur Frauen vorbehalten ist, die in einer bestimmten, gesellschaftlich akzeptierten Weise erfolgreich sind. Mit anderen Worten: Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen.
Interessant ist ja, dass es für Männer keine solchen Begriffe gibt. Niemand spricht vom «Powermann» oder «Supermann», es sei denn, er kann fliegen oder hat ein Faible für rote Unterhosen. Gut, seit der CS-Übernahme durch die UBS gibt es neu den Begriff «Super-Ermotti». Das ist aber eine andere Geschichte. Männer werden in der Regel einfach als erfolgreich, talentiert oder kompetent bezeichnet, ohne dass ihre Leis- tung mit Fantasiebegriffen überhöht wird.
Deshalb meine Empfehlung: Werfen wir das Etikett «Powerfrau» in den Papierkorb der Geschichte. Stattdessen feiern wir Frauen – und Männer – für ihre individuellen Talente, Fähigkeiten und Erfolge, ohne sie in eine Schublade zu stecken. Auch weil am Ende des Tages jeder Mensch seine eigene wertvolle «Power» besitzt.
Kolumne vom 16. Januar 2023 im General Anzeiger Brugg sowie in der Rundschau Süd und Nord. Die Kolumne findest du auf der Seite 9.