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Endokrinologie der Geburt
Das während der Trächtigkeit dominierende Hormon ist Progesteron, es bewirkt die Ruhigstellung der Uterusmuskulatur. Eine Aufhebung dieses Progesteronblocks ist die Voraussetzung für die Geburt. Nicht bei allen Spezies wird Progesteron bis ans Ende der Trächtigkeit durch den Gelbkörper produziert.
Bei Pferd und Schaf übernimmt die Plazenta gegen Ende der Trächtigkeit den grössten Teil der Progesteronbildung. Ausser bei Schaf und Pferd ist die Luteolyse also die Voraussetzung zur Geburt und der Progesteronwert im maternalen Blut sinkt ein bis zwei Tage vor der Geburt auf den Basalwert ab. Schaf und Pferd hingegen können unter der Geburt noch einen relativ hohen Blut-Progesteronspiegel aufweisen.
Bis jetzt konnte nicht abschliessend geklärt werden, welche Vorgänge genau die Luteolyse auslösen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Cortisolproduktion des Feten und der Luteolyse gilt aber als gesichert.
Mit fortschreitender Entwicklung wird im fetalen Hirn Corticotropin-Releasing-Hormon und konsekutiv ACTH aus dem fetalen Hypophysenvorderlappen ausgeschüttet. In der fetalen Nebennierenrinde steigt nun die Cortisolproduktion an und das fetale Glukokortikoid bewirkt die Synthese von Prostaglandin F2α im Uterus. Prostaglandin F2α löst einerseits die Luteolyse aus und stimuliert andererseits die glatte Muskulatur des Myometriums, indem Oxytocin-Rezeptoren im Myometrium ausgebildet werden.
Beim Schaf sind die Zusammenhänge am besten untersucht. Das fetale Glukokortikoid bewirkt eine erhöhte plazentäre Östrogenkonzentration, indem Progesteron aus der Plazenta über Androgene in Östrogen umgewandelt wird. Dadurch steigt das Östrogen/Progesteron-Verhältnis an und fördert die Aktivität der Phospholipase A, die über Arachidonsäure zur Synthese von Prostaglandin F2α führt.
Durch die erhöhte Kontraktionsbereitschaft des Myometriums kommen erste Wehen zustande. Der Fetus in seinen Fruchthüllen wird durch den erhöhten intrauterinen Druck Richtung Zervix geschoben. Die mechanische Reizung der Zervix führt über den Ferguson-Reflex zur Auschüttung von Oxytocin aus dem maternalen Hypophysenhinterlappen. Oxytocin dockt an den Rezeptoren im Myometrium an und löst die Presswehen aus.
Abschliessend kann somit festgehalten werden, dass die Signale zur Aufhebung der Progesterondominanz und damit zur Einleitung der Geburt vom Fetus ausgehen.