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ART ACTION
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KONZEPT GERMANISCHE TRILOGIE
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Situation
Früh morgens. Im Hintergrund ist der Bundestag im schwachen Licht der Morgendämmerung zu sehen.
Die drei rund drei Meter hohen Bronze-Plastiken „Germanische Trilogie“ stehen in Reih und Glied auf der Wiese am Straßenrand.
Sie sind verhüllt. Auf jeder der drei Hüllen steht in großen Buchstaben je ein Wort:
Anstand
Ehre
Würde
(Die Hüllen sind aus einem leicht brennbaren Material gefertigt sowie mit einer Lösung getränkt, die sie schnell und gefahrlos abfackeln lässt.)
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Einführung
Sprecher:
Wenn die geladenen Gäste versammelt sind, wird kurz erläutert, worum es geht, was ablaufen wird.
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Erster Akt
Licht:
Scheinwerfer beleuchten die drei verhüllten 3m hohen Bronzen.
Sprecher:
„Als Zeichen des Verlustes von Anstand, Ehre und Würde in der Politik werden die drei Tugenden Anstand, Ehre und Würde öffentlich verbrannt."
Der Sprecher beginnt mit dem Countdown:
"Zehn, Neun, Acht,...."
Licht:
Bei Null wird das Scheinwerferlicht runter gefahren.
Ton:
Die Ouvertüre zu Rossinis Wilhelm Tell wird gespielt.
Action:
1. Hülle ANSTAND
wird mit einer Fackel entzündet. Sobald die Flammen der schnell brennenden Hülle verloschen sind, wird die Musik zurückgefahren.
Enthüllte Bronze - Hut auf der Stange.
Sprecher:
“Und dieses ist des Landvogts Will und Meinung: Dem Hut soll gleiche Ehre wie ihm selbst geschehen, man soll ihn mit gebeugtem Knie und entblößtem Haupt verehrn.“
(Quelle: Schiller, Wilhelm Tell)
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Action:
2. Hülle EHRE
wird entzündet. Solange sie brennt, wird erneut Rossinis Ouvertüre gespielt.
Enthüllte Bronze - Goldener Apfel auf der Stange.
Sprecher:
„Und dies soll sein Dein Weg fortan: Mit geschwellter Brust und hoch erhobnem Haupte sollst missachten Du des Landvogts befohlne Schmach, wissend, dass Du niemandem untertan und die Ehre, die Deinige Dir nie zu nehmen ist.“
(Quelle: WP)
Anmerkung: Der Goldene Apfel ist von unten betrachtet ein praller Hintern, in dessen Loch der Pfahl steckt.
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Action:
3. Hülle WÜRDE
wird entzündet. Solange sie brennt, wird Rossinis Ouvertüre gespielt.
Enthüllte Bronze - Kulturbeutel auf der Stange.
Sprecher:
„Lerne zu missachten den leeren Hut, zu erkennen den Hintern im goldnen Apfel und zu verstehen die Kultur im Beutel als Mahnung unserer Werte Schwund. Soll Kopflosigkeit, ein entblößter Hintern und gebeutelte Kultur die Zukunft unsrer Freiheit sein, für die dereinst unsere Väter ihr Leben gelassen?
Denk nach, mein Freund, ewig Zeit ist Dir nicht."
(Quelle: WP)
Ruhe. Licht aus.
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Zweiter Akt
Situation:
Anstand, Ehre (Ehrlichkeit) und Würde sind zu Asche geworden.
Was bleibt, sind die Bronzen: der leere Hut, der polierte Hintern und die Kultur im Beutel.
Action:
Die Bronzen der Germanischen Trilogie werden in zufälligen Überschneidungen auf einen roten Teppich auf der Straße gelegt.
Licht:
Spot an.
Action:
Eine Dampfwalze rollt an. In großen Buchstaben ist sie beschildert: „Das Volk“. Sie fährt über die Bronzen, zerstört sie.
Sprecher:
„Anstandslosigkeit, Entehrung und Entwürdigung sind platt gemacht.
ArtAction schafft Neues - Out of control - ein neues Kunstwerk - ein Mahndenkmal!"
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Dritter Akt
Situation:
Die Trümmer der zerstörten Trilogie liegen auf dem roten Teppich.
Action:
Das neue Kunstwerk entsteht indem die Trümmer vor Ort geschweißt werden, so wie sie auf dem roten Teppich liegen
(Schweißstellen zur Fixierung der Kontaktpunkte).
Künstler:
“Ein neues Kunstwerk ist entstanden. Out of Control. Ein Mahndenkmal für Anstand, Ehre und Würde.“
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ANMERKUNGEN
Germanische Trilogie
Hut auf der Stange
Bronze. 300 x 70 x 60 cm. Unikat. Guss 2003
Bewusst wurde nicht ein Hut gewählt, der der Zeit und dem Würdeträger entspricht, sondern einer, der aus Zeitungspapier gefaltet ist.
Apfel auf der Stange
Bronze. 330 x 70 x 70 cm. Unikat. Guss 2003
Von weitem zeigt sich die Bronze als überdimensionierter goldenen Apfel, den mein Freund Nikolai Tregor aus einer Laune des Gießers heraus „den Arsch kann er besser!“ während meiner Arbeit in der Gießerei in Wachs geformt hat. Betrachtet man den goldenen Apfel von unten, so erkennt man ihn als polierten Hintern, der auf der Stange steckt. – Analogien im Sinne der Pfählungen von Vlad III Draculea sind durchaus erwünscht.
Kulturbeutel auf der Stange
Bronze. 310 x 70 x 60 cm. Unikat. Guss 2003
1:1 Abguss eines handelsüblichen Kulturbeutels in Bronze. Anpoliert. Leicht patiniert.
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Symbolik
Die Verbrennung der verbal dargestellten Tugenden und deren Wandlung in Asche erinnert mit Absicht an gewisse vergangene Zeiten.
Die so enthüllte Trilogie aber ist Mahndenkmal für die Gegenwart. Sie nimmt Bezug auf die politische Frustration, die sich wieder in die deutschen Seelen schleicht ....
.... und muss auch darum zerstört werden.
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Neue Erfahrung
ArtAction out of control:
Die Zerstörung der Bronze-Trilogie ist eine irreversible Handlung, nicht gänzlich frei von Verlustgefühlen. Sie ist behaftet mit der Ungewissheit, ob das neue Werk künstlerischen Bestand haben wird. Man wird sehen.
Die Zerstörung ist jedoch eine Befreiung von falschen Werten, die durch den Verlust oder zumindest durch die Verwässerung der Werte Anstand, Ehre und Würde entstanden sind.
Es ist die symbolische Vernichtung des Drucks von oben, den sich das Volk in stiller Duldung gefallen lässt.
Neue Action
Neu ist, dass die Enthüllung einer Skulptur durch Verbrennung der Hülle geschieht.
Neue Kunst Zerstören und aus den Trümmern Neues entstehen zu lassen – ArtAction out of control.
Man muss es nur geschehen lassen.
Nicht neu
Schillers Wilhelm Tell von 1804 ist heute so aktuell wie damals.
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Konzeptentwicklung
1974: erste Idee „Kunst mit Kulturbeutel“
2001: Konzeptidee
2003: April und September Guss der Bronzen
2003: 1. Textentwurf
2004+: mehrere Textüberarbeitungen
© werner(at)pfaendler.ch
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INFO
Friedrich Schiller
10.11.1759 in Marbach
09.05.1805 in Weimar
Wilhelm Tell, Drama, 1804.
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Wilhelm Tell
Nationalheld der Schweiz, Ende 13. Jhdt.
Fiktive Gestalt, Tell hat wahrscheinlich nie gelebt.
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Hermann Gessler
Legende mit historischen Wurzeln. Reichsvogt in Schwyz und Uri, Statthalter der Habsburger, wird laut Schiller 1291 von Wilhelm Tell in der Hohlen Gasse bei Küssnacht erschossen.
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Schillers Schlusswort
Wilhelm Tell, 4. Aufzug, 3. Szene
Gessler
"Ich hab den Hut nicht aufgesteckt zu Altdorf
Des Scherzes wegen, oder um die Herzen
Des Volkes zu prüfen, diese kenn ich längst.
Ich hab ihn aufgesteckt, dass sie den Nacken
Mir lernen beugen, den sie aufrecht tragen.
Das Unbequeme hab ich hineingepflanzt
Auf ihren Weg, wo sie vorbeigehn müssen,
Dass sie drauf stossen mit dem Aug, und sich
Erinnern ihres Herrn, den sie vergessen."