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Zündholzfabriken im Kanton Bern
Amtsbezirk Frutigen

1864 - 1873 Frutigen (Gufer)

Johann Moser
Zündholzfabrik
Von der Brandversicherung her, ist das Gebäude im Lagerbuch unter der Nummer 1111 mit einen Eintrag vom 13.10.1865 zu finden. Die Größe des Gebäudes beträgt 39x34 m, es besteht aus einen Stockwerk, die Versicherungssumme beträgt 3.200 Fr. Die Berichte des Amtsarztes für die Folgejahre schneiden nicht gut ab. Bereits für das Jahr 1867 wird gesagt, die Fabrik sollte so nicht geduldet werden. Die Arbeitsverhältnisse werden vom Arzt als sehr schädlich eingestuft, es soll auch eine Anzeige dem Strafrichter vorgelegt worden sein, wegen Nichtbefolgung der Vorschriften.
|1874 - 1876 Frutigen (Gufer)|

Peter Maurer & Johann Sigmund Pieren
Am 20.01.1874 verkauft Johann Moser, Samuels sel. Sohn, von Biglen, Negotiant und Zündhölzchenfabrikant in Frutigen die Zündhölzchenfabrik unter 1111 nun für Fr. 4000 brandversichert an Peter Maurer, Johannes sel. von Adelboden, Krämer in Frutigen, und Johann Sigmund Pieren, Christians sel. Sohn von Adelboden.
Aus dem Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1876 können wir erfahren, dass die Wohnung im Dachstock, so wie angewiesen aufgegeben worden ist.
|1876 - 1880 Frutigen (Gufer)|

Johann Sigmund Pieren
Zum 1.08.1876 steigt Peter Maurer aus dem Geschäft aus und verkauft seine Hälfte an den bisherigen Teilhaber Johann Sigmund Pieren.
Pieren wird bereist am 25.08.1876 mit einen Schaden konfrontiert, der durch den Brand am Dörrofen entstanden ist.
Im Brandprotokoll wird dazu berichtet, dass im Gebäude wo der Dörrofen steht ein Brand ausgebrochen ist. Der Brand sei durch Zufall entstanden und verursachte einen Schaden von 225 Fr, wobei die Versicherungssumme 1.253 Fr. beträgt. Am 16.09.1878 unterschreibt Sigmund Pieren die gemeinsame Fabrikordnung für die Zündholzfabriken im Amte Frutigen.
Kurz vor dem Verbot des gelben Phosphor sind die Zündhölzer sehr gefragt, es wird daraufhin auch ohne Genehmigung in Überstunden fabriziert. Das letzte führt am 21.05.1879 zu einer Anzeige. Im Jahr 1880 muss Pieren in Zahlungsschwierigkeiten geraten sein, denn sein Besitz wird von der Gütergemeinschaft übernommen. Pieren muss die Fabrik am Gufer verlassen, um danach in der Fabrik Moser im Altenweg als Pächter Zündhölzer zu fabrizieren.
|1880 - 1884 Frutigen (Gufer)|

Samuel Allenbach
Zündholzfabrik
Die Fabrik wird mit einer Steigerungskaufbeile am 3.10.1880 vom Christian Hari, Gilgians sel. Sohn, von Kandergrund, Z&uumL;ndholzfabrikant im Altenweg Frutigen übernommen und noch am selben Tag weiterverkauft.
Neuer Eigentümer wird Samuel Allenbach , Peters sel. Sohn, Zündholzfabrikant.
Bereits im selben Jahr wird Allenbach beschuldigt Kinder im Alter unter 14. Jahren zu beschäftigen, was lt. Fabrikgesetz verboten ist. Es kommt eine weitere Anzeige vom 7.01.1881 hinzu, er fabriziert weiter Zündhölzer bei Verwendung von gelben Phosphor, obwohl dies lt. Gesetz ab den 1.01.1881 verboten ist.
Allenbach erhält von der Direktion des Innern die Anweisung, alle vom Gesetz geforderten Umänderungen und Umbauten vorzunehmen. Er bittet nun um die Bau und Einrichtungsbewilligung. Diese wird auch ende Januar 1881 erteilt. Die bewilligten Umbauten werden durchgeführt, aber vom Fabrikarzt immer wieder beanstandet. Auch das neue Rezept wird nicht endgültig genehmigt. Ob Allenbach überhaupt wieder die Fertigung aufgenommen hat ist nicht mehr nachvollziehbar. Für das Jahr 1884 wird berichtet, die Fabrik sei ausser Betrieb.
Am 3.04.1888 kommt es zu einen Steigerungsverkauf, wo die aus 67 Gläubigern bestehende Gemeinschaft, die Immobilie an Abraham Aellig allié Schmid veräussert.
|1890 - 1906 Frutigen (Gufer)|

Christian Hari-Stoller
Mit Kaufvertrag vom 3.04.1888 wird die ehemalige Zündhölzchenfabrik von Christian Hari aliié Stoller, Gilgians sel. von Kandergrund erworben.
Die Fabrikräume werden zur dieser Zeit als Wohnungen genutzt. Christian Hari-Stoller versucht eine erneute Betriebsbewilligung zu erlangen, was aber vor der entsprechenden Einrichtung der Zündhölzchenfabrik gar nicht in Erwägung genommen wird.
In der Beitrittserklärung zur Zündwaarengesellschaft Frutigen, am 11.02.1890, weist Hari sowohl die Fabrik im Vordorf, wie auch die auf dem Gufer aus. Für die letzte wird ihm ein Limit von 30 Kisten gewährt. Vermutlich wird dieses Limit in der Fabrik im Vordorf genutzt, den die auf dem Gufer ist vorerst weiter ausser Betrieb. Ein Gesuch für die Erteilung einer Bau und Einrichtungsbewilligung wird erst am 26.10.1891 gestellt, hierzu wird auch die Mitteilung ausgearbeitet, was alles zu tun sein, um eine spätere Betriebsbewilligung zu erhalten. Diese scheint auch erteilt worden zu sein, denn das Fragenschema aus dem Jahr 1895 enthält die Angabe, es seien hier 13 bis 15 Arbeiter beschäftigt und auch eine Zündholzeinlegemaschine sei im Betrieb.
Nach der Feststellung des Fabrikinspektors ist der Betrieb zum 1.04.1895 aufgenommen worden. Im Jahr 1896 bearbeitet Christian Hari-Stoller eine Fabrikordnung, die vom Regierungsrat am 15.07.1896 genehmigt wird. Aus den Folgejahren sind einige kleine Beanstandungen des Amtsarztes bekannt, die auch behoben werden.
Im Jahr 1900 muss Christian Hari die Herstellung von Zündhölzern bei der Verwendung von gelben Phosphor einstellen. Mit Bundesgesetz vom 2.11.1898 kommt es zum endgültigen Verbot des Gesundheitsschädlichen gelben Phosphor.
In der Zwischenzeit bemühen sich alle Zündholzfabrikanten um eine Rezeptur mit der phosphorfreie überall entzündbare Zündhölzer hergestellt werden könnten. Auch Christian Hari ist dabei, wobei der für einige Fabrikanten geltenden Rezeptur der Regierungsrat des Kantons Bern erst am 3.04.1901 zustimmt.
In der Betriebserlaubnis des Kantons Bern, die nach den Gesetz aus dem Jahr 1898 erneut notwendig war, wird u.a. als Auflage genannt,:
"Die Schachteln und Pakete (mit Zündhölzern ) müssen die Firma oder die auf dem eidg. Amt für geistiges Eigentum in Bern deponierte Fabrikmarke des Fabrikanten tragen". Christian Hari hat seinerseits kein Warenzeichen hinterlegt, seine Zündhölzer müssten also eine genaue Bezeichnung der Fabrik tragen.
Der Weiterbestand der Fabrik wird, von der richtigen Entlüftung abhängig gemacht, wobei für den Antrieb des Exostor noch ein elektrischer Motor fehlte. Seitens des Fabrikinspektors werden immer wieder neue Änderungswünsche vorgetragen.
Im Jahr 1906 wandert Christian Hari-Stoller in die USA aus, wo er in Portland Oregon sesshaft wird.
Die Fabrik wird zunächst bis 1910 an Ferdinand Gehring verpachtet.
Zum 29.Juni 1920 wird die ganze Besitzung verkauft. Wie die Nutzung zwischen 1910-1920 ausgesehen hat, ist nicht bekannt.
|1906 - 1910 Frutigen (Gufer)|

Christian Hari-Stoller
Pächter: Ferdinand Gehring
Ferdinand Gehring beschäftigt in der Fabrik bloss noch 6 Arbeiter, der Betrieb wird also in immer kleineren Umfang aufrecht erhalten. Ausser einigen Beanstandungen des Fabrikinspektors gibt es leider keine weiteren Angaben über diese Fabrik. Aus dem Jahr 1910 stammt der Hinweis, dass Ferdinand Gehring, Sohn, sich aus der Fabrik am Gufer zurückgezogen hat, um sich seiner Z&umml;ndholzfabrik in Reinisch (1909-1924) zu widmen.
Im Jahr 1920 verkauft Christian Hari-Stoller, der jetzt in Portland Oregon U.S.A. lebt, die Besitzung unter 119A an Karl Robert Leuenberger, von Trachselwald, Malermeister auf dem Gufer zu Frutigen.