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Drei Wanderpreise symbolisieren die ersten 25 Jahre Geschichte der Nationenpreise: der «King Edward VII Cup», der «Aga Khan Cup» und die «Coppa d’Oro». Die drei Trophäen wurden nach jeweils drei Nationenpreissiegen gewonnen. Russland holte sich den 1909 vom damaligen englischen König Edward VII gestifteten Cup nach drei Siegen 1912, 1913 und 1914 in der Londoner Olympiahalle. Die Schweiz gewann, nach drei Siegen 1926, 1927 und 1930, den Aga Khan Cup bei der Horse Show der Royal Dublin Society in Ballsbridge, Dublin. Deutschland siegte 1931, 1932 und 1933 dreimal hintereinander im Nationenpreis von Rom, um die von Mussolini gestiftete «Coppa d’Oro». Schauplatz dieses damals allergrösste Schlagzeilen in der deutschen Presse machenden Triumphes war die Piazza di Siena in der Villa Borghese, dem schönen Park am Ende der Via Veneto.
Drei Schweizer Anläufe
Die von den Russen gewonnene «King Edward VII Trophy» ist verschollen. Sie verschwand wohl in den Wirren des bolschewikischen Umsturzes. Der «Aga Khan Cup» und die «Coppa d’Oro» dagegen werden in Bern respektive Warendorf aufbewahrt. Zwei der drei Gewinne (durch die Russen und die Deutschen) kamen hintereinander. Bei den Schweizern dagegen brauchte es nach den Siegen von 1926 und 1927 drei Anläufe, bis es 1930 endlich klappte. Es war die letzte Chance der Schweizer. Damals lauteten die Bestimmungen für einen endgültigen Gewinn eines Wanderpreises: entweder drei Siege hintereinander oder zumindest drei Siege innert fünf Jahren.
Rodzianko und Van Exe
Bei den Russen und Deutschen schafften es zwei respektive ein Reiter, jedes Mal dabei zu sein. Für Russland ritten Paul Rodzianko und Dimitri van Exe, jedes Mal in der Equipe, dies, obwohl damals die Delegationen eines Landes bis zu einem Dutzend Reiter umfassten. Dimitri Ivanenko war der dritte Mann 1912, Michael Plechkoff 1913 und 1914. Paul Rodzianko wurde ab Mitte der 20er-Jahre berühmt als Trainer der irischen Offiziere in den McKee Barracks in Dublin, die in den Zwischenkriegsjahren 23 Nationenpreise gewannen. Der adelige Van Exe dagegen lebte nach dem Umsturz in Russland im Exil in Polen ein diskretes Leben.
Starke Deutsche
In Rom ritten 1931 nur drei Deutsche, 1932 und 1933 dagegen vier, mit je einem Streichresultat. Richard Sahla stand jedes Mal in der Equipe. Harald Momm, Hermann von Nagel und Heinz Brandt je zweimal. Zu je einem Start kamen Ernst Hasse (Bruder des Olympiasiegers von 1936) und Gustav von Nostiz-Wallwitz. Brandt, der einzige dieser elf Starter, der bei den Olympischen Spielen von 1936 ritt (was die Leistungsdichte der Deutschen der 30er-Jahre aufzeigt), starb als unbeteiligtes Opfer des Anschlages auf Hitler am 20. April 1944. Richard Sahla galt als fröhlich und etwas unkontrollierbar. Harald Momm war ab 1936 Leiter des Springstalls der Kavallerieschule in Hannover und nach dem Krieg Equipenchef der deutschen Springreiter. Die Siegerequipe von 1933 mit Momm, Sahla, Von Nagel und Brandt bot auch ein prominentes Pferdeangebot: Brandt ritt Tora, die er später an Kurt Hasse abgeben musste, der die Stute 1936 zum olympischen Gold führte. Sahla ritt den Schimmel Wotan, mit dem Hermann von Nagel später berühmt wurde. Von Nagel selber hatte Olaf zur Verfügung, auch Olaf ein Pferd, das mit verschiedenen deutschen Reitern erfolgreich war. Harald Momm schliesslich hatte den gleichermassen umschwärmten Baccarat.
Alphonse Gemuseus
In Dublin in Ballsbridge ritten jeweils drei Reiter pro Equipe. Bei den Schweizern war Henri von der Weid 1926 und 1927 zweimal dabei. Dazu kamen Hans Ed. Bühler und Charles Kuhn 1926 sowie Heinrich Hersche und Alphonse Gemuseus 1927. Drei Jahre später, 1930, kehrte Kuhn in die siegreiche Mannschaft zurück. Dazu kamen Louis Degallier und Hans Daetwiler. Der bekannteste der sieben beteiligten Schweizer ist natürlich Alphonse Gemuseus, mit Lucette 1924 der erste Schweizer Reitolympiasieger. Jurist Gemuseus, Ziegeleibesitzer in Basel, gehörte auch zur Schweizer Equipe, die 1927 den ersten Genfer Nationenpreis gewann. Charles Kuhn, der Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele von 1928, war bis 1929 Reitlehrer an der Regie in Thun und führte dann eine private Reitanstalt in Zürich. In den 70er-Jahren traf ich seine Tochter. Sie war Chefstewardess der Swissair. Henri von der Weid und Hans E. Bühler gehörten zusammen mit Gemuseus und Werner Stuber zur Schweizer Silberequipe an den Olympischen Spielen von 1924. Der Industrielle Bühler bleibt auch in Erinnerung als geschätzter Bildhauer und Vater der Militaryreiter Hans und Anton Bühler. Louis Degallier war der vielleicht erfolgreichste Schweizer Springreiter der 30er-Jahre. Ein Olympiastart 1936 wurde ihm verwehrt. Er war kein Berufsmilitär, sondern führte als Milizoffizier eine private Reitschule – verdiente also als Reitlehrer privates Geld, und nicht im Dienste des Landes, und das war olympisch damals nicht erlaubt.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 26/2017)
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