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Am 20. Juli 1969 betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Was Armstrong sah und schon damals niemanden mehr überraschte: eine staubige, dreckige Einöde. Keinerlei Vegetation, von irgendeiner Art Leben keine Spur.
Der Mond: ein Mysterium
130 Jahre früher, im Jahr 1835, war der Mond noch weit weg. Ein kleiner Punkt am Himmel. Für manche vielleicht ein Traum, für alle ein Mysterium. Wie sieht es da aus? Gibt es Leben auf dem Mond? Tiere, Pflanzen? Vielleicht etwas menschenähnliches? Darüber gab es die wildesten Spekulationen.
Am 25. August 1835 schien das Rätsel endlich gelöst. Dann erschien in der New Yorker Zeitung «The Sun» der erste Artikel einer Serie von insgesamt sechs Artikeln unter dem Titel «Great astronomical discoveries lately made by Sir John Herschel, L.L.D. F.R.S. &c. At the Cape of Good Hope [From Supplement to the Edinburgh Journal of Science]».
«The Great Moon Hoax» nachlesen
Die ganze Artikelserie kann bei Projekt Gutenberg nachgelesen werden:
Groteske Blöcke aus Kreide
Darin wird detailliert pseudowissenschaftlich beschrieben, wie ein Wissenschaftler sein Weltraumteleskop so weiterentwickeln konnte, dass er damit sehen konnte, was auf dem Mond alles vor sich ging.
Und was er da sah, das war wirklich fantastisch: «Ein Strand mit strahlend weissem Sand, umsäumt von wilden zinnenartigen Felsen, scheinbar aus grünem Marmor mit Schluchten, alle zwei bis dreihundert Fuss, mit grotesken Blöcken aus Kreide oder Gips und auf dem Gipfel gefiedert und geschmückt mit dem Blattwerk unbekannter Bäume. Das Wasser, das wir sahen, war fast so blau wie das des tiefsten Ozeans und brach in grossen weissen Wogen auf den Strand.»
Gehörnte Bären und zweibeinige Biber
Und er bekam nicht nur eine für uns völlig fremdartige Natur zu sehen. Auch die Tierwelt, die er entdeckte, mutete an wie von einem fremden Planeten. Von den Tieren klassifiziert er vier neuen Arten von Säugetieren und fünf eierlegende Arten.
Zu den ersteren zählen eine kleine Rentierart, der Elch, der gehörnte Bär und der zweibeinige Biber. Letzterer ähnelt in jeder Hinsicht dem Biber auf der Erde, nur dass er keinen Schwanz hat und immer nur auf zwei Füssen geht. Er trägt seine Jungen auf den Armen wie ein menschliches Wesen und geht mit einer leichten gleitenden Bewegung.
Verkaufszahlen schossen in die Höhe
Alles Mumpitz, wie wir heute wissen. Nichts davon war auch nur annähernd wahr. Doch die Leserinnen und Leser rissen sich um die vermeintlichen Neuigkeiten. Die Verkaufszahlen der erst ein Jahr zuvor gegründete New York Sun schossen in die Höhe. Tatsächlich waren die Artikel auch gar nicht ernst gemeint, sondern als Satire, um sich über all die wilden Theorien über den Mond lustig zu machen.
Doch geschrieben war das Ganze so überzeugend, dass es sogar Wissenschaftler der Yale Universität auf den Plan rief, die unbedingt mehr erfahren wollten. Gut drei Wochen, nachdem der erste Artikel erschienen war, löste «The Sun» das Mysterium auf und gestand: alles nur ein grosser Schwindel.
Die Menschen nahmen es sportlich, waren eher belustigt als erbost über das ganze Aufhebens, das um die pseudowissenschaftlichen Artikel und fantastischen Erzählungen über den Mond entstanden war. Die Verkaufszahlen von «The Sun» blieben weiterhin hoch.