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Benedikt Knittel (1650–1732)
Abt OCist in Schöntal 1683–1732
Herkunft
Der spätere Abt von Schöntal wird am 16. Dezember 1650 in Lauda an der Tauber geboren und auf den Namen Johannes getauft. Er ist dritter Sohn des zeitweise als Ratsherr amtierenden Weinbauern Johannes Knittel oder Knüttel und seiner Ehefrau Ursula Rauch. Der älteste Sohn Daniel tritt später als Laienbruder (Konverse) ins Kloster Schöntal ein, wo er 1712 mit 70 Jahren stirbt. Die Geburtsstadt Lauda liegt im Hochstift Würzburg und ist Mittelpunkt eines fürstbischöflichen Amtes.
Konventuale in Schöntal
Bis zu seinem Eintritt in das Zisterzienserkloster Schöntal an der Jagst, sieben Wegstunden südlich seiner Heimatstadt, ist von ihm nichts bekannt. Er trifft nach abgeschlossenen Philosphiestudien in Würzburg im August 1670 in Schöntal ein.[1] Er ist jetzt 20-jährig. Im Oktober 1671 leistet er hier Profess und erhält den Klosternamen Benedikt. In Würzburg wird er 1672 zum Subdiakon und 1675 zum Priester geweiht. Nach der Rückkehr ins Kloster durchläuft er rasch die innerklösterliche Ämterlaufbahn. Unter der Regierung des Ende 1675 gewählten Abtes Franziskus Kraft wird er 1676 Cantor und 1677 Subprior. 1680 folgt die Ernennung zum Servitor, ein Jahr später zum Pistrinarius und zum Prior.[2] 1682 ist er zudem Novizenmeister.
Abt in Schöntal
Nach nur acht Jahren Regierung stirbt Abt Franziskus am 5. Juli 1683. Die Wahl findet unter bewusstem Ausschluss der kurmainzischen und würzburgischen Vertreter schon am anderen Tag statt.[3] Als neuer Abt wird Benedikt Knittel gewählt. Am 7. November erfolgt, nach der Wahlbestätigung des Generalabtes in Cîteaux, die Weihe und Infulierung. Die Zeremonie wird unter Assistenz der Benediktineräbte von Donauwörth und Neresheim durch den Abt von Kaisheim vorgenommen. Schon mit diesen ersten Zeremonien zeigt Knittel, dass er gewillt ist, die zunehmenden Einmischungen der beiden kirchlichen Territorialmächten Mainz und Würzburg in klosterinterne Angelegenheiten nicht mehr zu akzeptieren. Er pocht auf den Status der Reichsunmittelbarkeit.[4]
Wappen
Abt Benedikt wählt ein redendes Wappen. Seinen Namen, der erst in neuerer Zeit nicht mehr Knüttel geschrieben wird, versinnbildlicht er mit einem aus dem linken Schildrand hervorkommenden abgewinkelten, gepanzerten Arm, der einen goldenen Knüttel oder Knüppel in Form des Morgensterns schwingt. Der Abt selbst erläutert, dass auf veilchenfarbenen Grund ein aus Wolken ragender, gepanzerter Arm die stachelige Keule des Herakles hält. Auch seine Wahlsprüche sind kämpferisch. Als Abtsspruch wählt er den Psalm 18,35 (Er lehrt meine Hände das Kämpfen) und als Herrschaftsdevise «Pugnando, tolerando, sperando itur ad astra» (Durch Kampf, Geduld und Hoffnung gelangt man zum Sternenhimmel). Auch die Schildbekrönung ist mit Mitra und doppeltem Abtsstab anstelle des üblichen einseitigen Stabes zeigt Selbstbewusstsein.[5]
Knittelverse
Benedikt Knittel ist Schriftsteller mehrerer Werke, die sich teilweise mit der Klostergeschichte, aber auch mit seinen Inschriften und kunstvoll durchkomponierten lateinischen Gedichten befassen. Viele dieser Reime, Chrono- und Anagramme sind heute in der barocken Klosteranlage über Türen, an Wänden, unter Fresken und Sonnenuhren zu sehen und bieten für viele Besucher die Hauptattraktion. Die Deutsche Schiller-Gesellschaft Marburg erklärt 1990 das Kloster kurzerhand zum Literaturmuseum. Abt Benedikt ist ein Meister des Sprachspiels und auch des Witzes. So ist der Eingang zu den Aborten mit «AD CVLIANUM» (zu den Hintern) beschrieben und enthält in der darunterliegenden Supraporte unter der Überschrift «ex natura res» (aus der Natur der Sache) den Vers
«NUNC STAS ANTE LARES CVLIANI; COMPRIME NARES;
Si natura tamen monet, ipsi ferto levamen»
(Stehst du jetzt vor dem Heiligtum der Schutzgötter des Hintern, halte die Nase zu. Wenn die Natur dich aber bedrängt, geniere dich nicht und erleichtere dich schnell).
Knittel schreibt nicht nur lateinisch oder übersetzt seine Verse oft gleich an Ort, wie bei der Erläuterung zur Tiergruppe am Nordturm. Am Architrav ist zu lesen:
«HUC OLIM GEMINOS VODO CONSCENDERE CERVOS
CUM CANE & EIUS HERO; MONUMENTO CREDITE VERO.
IN FIDEM SVBSCRIPSIT HAEC. F. B. A. S.»
(Das Chronogramm ergibt 1709).
Darüber, am Fries des Kranzgesimses übersetzt er:
Ein gros paar Hirsch sambt einem Hundt / Nebst ihrem Herrn frisch und gesundt / Auf disem Platz vor Zeiten stundt / Mit Warheits Grund sey dieses kundt.
Benedikt Knittel ist nicht Erfinder dieser Versform, wie vor allem die heutige Schreibung seines ehemaligen Namens Knüttel vermuten lässt. Der Knittelvers ist schon im 15. Jahrhundert als deutscher Reimvers bekannt. Der Schöntaler Abt schreibt allerdings vorwiegend in lateinischen Hexametern, die er vorzüglich beherrscht und in die er fast immer auch Chronogramme einflicht.
Abt Benedikt als Ökonom und Politiker
Die beiden Vorgängeräbte hinterlassen dem neugewählten Abt einen gefestigten Konvent und solide Finanzen. Getreu dem Wahlspruch verfolgt er die Stärkung der wirtschaftlichen Autarkie des Klosters. Mit Aufkäufen von landwirtschaftlichen Grundstücken, mit Rodungen, dem Anlegen von Fischteichen und Weinbergen, dem Bau von Ökonomiegebäuden wie Mühlen und Scheunen und auch mit dem Kauf der württembergischen Herrschaft Ebersberg verfolgt er das Ziel, ein grosses Mass an Überschüssen zu erzielen, um alle seine schon früh begonnenen Bauvorhaben schuldenfrei durchzuführen. Er weiss, dass Schöntal militärisch gegen Übergriffe seiner Nachbarn machtlos ist. Er vertraut aber den alten Urkunden. Der neue Archivturm, den er 1697 bauen lässt und die damit verbundene Neuordnung des Archivs sollen ihm im Kampf um die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit und Exemtion helfen. Seine gekonnte Diplomatie ermöglicht es ihm aber, mit allen benachbarten Fürsten ein spannungsfreies Verhältnis aufzubauen. Dazu zählt auch seine finanzielle Unterstützung des Kaisers im Spanischen Erbfolgekrieg. Er kann so, wenn auch nicht formell, die Unabhängigkeit Schöntals wahren.
Abt Benedikt als Bauherr
Noch vor seinen grossen Bauvorhaben, die heute das Gesicht Schöntals prägen, fördert der ehemals als Cantor tätige Abt mit dem Bau neuer Orgeln die Kirchenmusik. 1684 richtet er die grosse Orgel ein, die er noch 1690 und 1695 mit neuen Registern erweitert. 1707 lässt er im Langhaus ein neues Positiv mit 6 Registern erstellen. 1727 folgt die grosse Chororgel mit 20 Registern. Diese Werke des Orgelbauers Will aus Würzburg sind seit der Säkularisation nicht mehr vorhanden. Aber seine Bauwerke in Schöntal und in der Herrschaft haben die Jahrhunderte überlebt. Er beginnt in Schöntal 1697 mit dem Bau des Archivturms, plant aber schon zu dieser Zeit den weitgehenden Neubau der Klosteranlage. Als Planer zieht er den Bamberger Hofbaumeister Leonhard Dientzenhofer bei, der ihm vielleicht als Baumeister der Bruderäbte in Ebrach und Langheim schon bekannt ist.[6] Gemäss der Planung Dientzenhofers beginnt er 1700 den Offiziantenbau mit dem grossen Weinkeller, 1701 den Neubau des Konvent-Ostflügels und das Waschhaus mit Stallungen, 1708–1717 das neue Kirchenlanghaus mit der Doppelturmfront. 1716–1718 folgt der Zentralbau der Heiliggrabkapelle auf dem Kreuzberg. Für die Finanzierung der nun folgenden Neubauten von Chor und Querhaus verkauft er 1718 den Schöntaler Hof in Hall.
Auch in der Klosterherrschaft ist er tätig. 1706 erweitert er die Wallfahrtskirche Neusass, 1713 beginnt er in Aschhausen mit dem vollständigen Umbau des Schlosses und 1720 mit dem Neubau des Schlosses in Ebersberg. Pfarrkirchen baut er 1722 in Bieringen und 1724 in Winzenhofen. Damit sind nur die wichtigsten Bauunternehmungen des Abtes aufgezählt. Er führt sie alle ökonomisch klug durch und hinterlässt seinem Nachfolger keine Schulden. Sein Klosterneubau darf auch als gebaute Demonstration der wirtschaftlichen Potenz der Abtei betrachtet werden.

Jahr

Die wichtigsten Bauwerke
|1697||Schöntal: Neubau Archivturm bei der alten Abtei.|
|1700||Schöntal: Neubau Offiziantenbau mit Weinkeller im Klosterareal Schöntal|
|1701||Schöntal: Neubau Waschhaus und Stallung, später Gasthaus zur Post.|
|1701–1707||Schöntal: Neuer Ostflügel des Konventgebäudes.|
|1703–1704||Schöntal: Neue Wasserversorgung|
|1706||Neusass: Wallfahrtskirche. Umbau und Verlängerung des Langhauses.|
|1713–1732||Aschhausen: Umbau und Erweiterung des Schlosses.|
|1716||Schöntal: Heiliggrabkapelle auf dem Kreuzberg.|
|1716–1727||Schöntal: Neubau der Klosterkirche.|
|1720–1724||Ebersberg: Schloss. Neubau nach Brand 1714.|
|1722–1723||Bieringen: Neubau Pfarrkirche St. Kilian|
|1724||Winzenhofen: Umbau der Pfarrkirche|
Lebensende
Sein goldenes Abtsjubiläum kann er nicht mehr erleben. Nach 49 Regierungsjahren stirbt Benedikt Knittel am 21. August 1732 «mobis, senio et laboribus confectus», also an Krankheit, Altersschwäche und Arbeit erschöpft, mit 82 Jahren. Sein Epitaph, dass er schon 1722 in Auftrag gegeben hat, ist im nördlichen Seitenschiff seiner Kirche beim Gitter zum Querschiffbereich zu sehen. Das Sandsteingrabmal ist, offensichtlich bewusst, nicht barock gestaltet. Es lehnt sich stilistisch und in der Grösse an die in der Kirche vorhandenen alten Abtsepitaphe an, etwa an dasjenige des legendären ersten Abtes Herwick.[7] Nur im prunkvollen Pontifikal-Ornat, in dem sich Abt Benedikt darstellen lässt, in den sehr feinen, realistisch ausgeführten plastischen Details und in der doppelten Diagonalbetonung mit Abtsstab und Wappen unterscheidet sich das Epitaph von den einfacheren Vorbildern. Zu seinen Füssen ist das «grosse Klosterwappen» zu sehen, das erst unter Abt Benedikt in ein dreispaltiges und geteiltes Schild verwandelt wird. Er fügt zu dem vorher zweispaltigen Schild nun den Eber für Ebersberg und das fünfspeichige Rad für Aschhausen oder Berlichingen bei. Da auf dem Grabmal die Farben fehlen, könnte das Rad in Unkenntnis der Unabhängigkeitsbemühungen von Abt Benedikt und böswillig auch für Kurmainz gehalten werden.[8] Sein persönliches Wappen ist diagonal entgegengesetzt am Kopf als Gegenstück zur kräftigen Akanthus-Krümme zu sehen
Pius Bieri 2018
|Literatur:

Schönhut, Ottmar Friedrich Heinrich: Chronik des Klosters Schönthal. Mergentheim 1850.
|Müller, Gregor P. OCist: Der Convent Schönthal von der Gründung 1157 bis zur Aufhebung 1803 (nach Leypold Aquilin: Prospectus Speciosae Vallis novae et vetreis exhibens a Seaculo XII. usque ad Saeculum XIX.), in: Cistercienser-Chronik Vol. 4 (1892), Seite 1-18, 33-45, 65-74, 97-110, 129-134, 161-170, 200-207, 231-235.|
|Brümmer, Johannes: Kunst und Herrschaftsanspruch. Abt Benedikt Knittel (1650–1732) und sein Wirken im Zisterzienserkloster Schöntal. Sigmaringen 1994.|
Anmerkungen:
[1] «Philosophiae mag. Herbipoli creatus ad s. Ordinem et monasterium venit in vigil S. P. N Bernardi 1670, 2. Septbr. indutus s. habitu novit» (P. Wilhelm Hohenrein in den «Miscellana» Seite 61). Auch die weiteren Daten nach P. Hohenrein.
[2] Der Cantor ist für die Durchführung des Gottesdienstes und dessen musikalischer Ausgestaltung zuständig. Der Subprior ist Stellvertreter des Priors, dem wichtigsten Klosteramt. Der Servitor ist Diener des Abtes. Der Pistrinarius (Klosterpfister) ist Verwalter der Mühle und der Bäckerei.
[3] Die Klosterverantwortlichen halten die ernsthafte Erkrankung des Abtes geheim. Sie beordern zur Sicherheit den Kaisheimer Abt schon Ende Juni in den Schöntaler Hof von Heilbronn. Deshalb kann am 6. Juli die Neuwahl stattfinden. Die kurzfristige Einladung der unerwünschten Vertreter von Kurmainz und Würzburg hat eine Klage und Protestnoten zur Folge, die den neuen Abt unbeeindruckt lassen.
[4] Die Reichsunmittelbarkeit Schöntals ist nur relativ, denn als Schutzvogt ist seit 1495 Mainz bestimmt. Der Mainzer Kurfürst kann aber trotz Dauerversuchen nie die Territorialhoheit gewinnen.
[5] Er darf wegen der fehlenden hohen Gerichtsbarkeit das Schwert nicht führen und ersetzt es durch einen zweiten Abtsstab.
[6] Leonhard Dientzenhofer (1660–1707) aus St. Margarethen ob Flintsbach am Inn. Zu ihm siehe die Biografie und Werkliste in dieser Webseite. Dientzenhofer baut in Ebrach 1687–1698 den Klosterneubau, in Langheim 1691–1704 den Abteiflügel. Er ist zur Zeit der Kontaktaufnahme am Klosterneubau in Banz und auf dem Michelsberg in Bamberg, aber auch an Bauten für die Schönborn-Fürstäbte in Bamberg und Gaibach beschäftigt. Vielleicht trifft er den Baumeister 1698 in Bamberg anlässlich einer Reise zum dortigen Fürstbischof und Mainzer Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn wegen Schlichtung von Streitigkeiten. Lothar Franz von Schönborn ist grosser Förderer des Hofbaumeisters und könnte die Verbindung sogar hergestellt haben.
[7] Das Memorial-Epitaph steht in der Kirchenvorhalle, zusammen mit denjenigen von Wolfram von Bebenburg, Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich Barbarossa. Während das Bebenburger-Epitaph von 1414 stammt, werden die anderen erst 1714 in Auftrag gegeben.
[8] Berlichingen führt in Schwarz ein fünfspeichiges silbernes Rad. Aschhausen führt in Rot das gleiche Rad. Das entsprechende Schöntaler Rad ist rot und liegt in Gold. Kurmainz führt hingegen in Rot ein sechsspeiches silbernes Rad. Zum Klosterwappen und seiner Entwicklung siehe die Ausführungen im Werkbeschreib «Schöntal» in dieser Webseite.
Porträt des Abtes Benedikt Knittel (1727/28) im Alter von 77 Jahren.
|Benedikt Knittel (1650–1732), Abt OCist 1683–1732 in Schöntal|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|16. Dezember 1650||Lauda an der Tauber||Hochstift Würzburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Zisterzienserabtei Schöntal||1783–1732|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|21. August 1732||Schöntal||Schöntal / Kurfürstentum Mainz|
|Kurzbiografie|
|Abt Benedikt Knittel ist in der Reihe der Barockprälaten von Schöntal eine ausserordentliche Erscheinung. Ähnlich dem Bauabt Wilhelm I. in Ebrach will er die Wirtschaftskraft der Abtei im Sinne des «Guten Regimentes» einsetzen und die Herrschaft wie in alten Zeiten wieder reichsunmittelbar regieren. Dieses Ziel ist Triebfeder seiner 49-jährigen Regierung, die im vollständigen Neubau der Klosteranlage gipfelt. Das meiste, was heute Schöntal ausmacht, kann als sein Werk bezeichnet werden. Er ist auch Literat und schmückt mit viel Sprachgewalt und Witz die Bauten mit Reimversen und Chronogrammen, sodass seine Knittelreime heute für viele Besucher die Hauptattraktion Schöntals sind.|
|PDF (nur Text)||Biografie||Porträt und Eptiaph||Bildlegende|

Das Porträt
G. B. Ferradini[1] malt um 1727/28 das Gemälde des Abtes Benedikt im Alter von 77 Jahren. Das Gemälde ist weniger künstlerisch,[2] als vielmehr dank seiner Bildaussage und Zeichensprache ausserordentlich wertvoll. Es ist eine eigentliche Leistungsschau des Lebenswerkes von Abt Benedikt.
Der Abt ist mit dem schwarz-weissen Ordenshabit bekleidet und trägt als Kopfbedeckung das Biret, das im Zisterzienserorden den Äbten vorbehalten ist. Als Zeichen der Abtswürde trägt er zudem das 1685 angeschaffte kostbare, mit Chysolythen besetzte Pektorale. In der rechten Hand hält er das Brevier. In seinem Gesicht sind die Spuren des Alters feststellbar. Er wirkt hagerer als im fünf Jahre älteren Epitaph.
Er steht in der üblichen Form eines Kniestückes an einem mit Kleingegenständen und Urkunden bedeckten Tisch. Der kleine Löwe im Vordergrund kann als Hund gedeutet werden und gibt dem seitlich hinter dem Abt hervorschauenden Reh einen Sinn, die Erzählung ist noch heute am Nordturm der Kirche ablesbar. Die Urkunden mit kaiserlichem und päpstlichem Siegel weisen auf seinen Kampf um die Reichsunmittelbarkeit hin. Der ausgestopfte Vogel könnte auf die Kunst- und Wunderkammer bei der Bibliothek hindeuten. Ein Regal mit Foliobänden, hinter dem Abt sichtbar, weist auf seine Neuorganisation des Archivs hin.
Eine geraffte Vorhangdraperie mit dem Wappen des Abtes öffnet sich zu Landschaftsdarstellungen, die ausschliesslich dem Lebenswerk des Abtes gewidmet sind. In der Öffnung links ist das Schloss Ebersberg zu sehen, das Benedikt Knittel 1698 erwirbt und nach einem Brand 1720–1724 neu aufbaut. Im rechten Landschaftsausschnitt des Gemäldes ist das neue Kloster Schöntal unter dem Kreuzberg mit dem Rundbau der Heiliggrabkapelle zu sehen.
Die lateinische Beschriftung, übersetzt von Johannes Brümmer, lautet
Anmerkungen:
[1] G. B. Ferradini ist Mitarbeiter des Freskanten Luca Antonio Colomba, der 1724–1727 in der Klosterkirche arbeitet. Seine Lebensdaten sind unbekannt. Sein Vorname wird in Schöntal als Giovanni Battista geschrieben, der Mitarbeiter Colombas in Ludwigsburg und Schöntal nennt sich aber Giacomo Bartolomeo Ferradini. Er ist bis 1753 in Württemberg nachweisbar.
[2] Vergleiche mit den gleichzeitigen Porträts von Jacob Carl Stauder, der Äbte Stephan Jung von Salem (1722) oder Abt Rupert Ness von Ottobeuren (1723) in dieser Webseite.
|Das Epitaph

Sein Epitaph, dass er schon 1722 in Auftrag gegeben hat, ist im nördlichen Seitenschiff seiner Kirche beim Gitter zum Querschiffbereich zu sehen. Das Sandsteingrabmal ist, offensichtlich bewusst, nicht barock gestaltet. Es lehnt sich stilistisch und in der Grösse an die in der Kirche vorhandenen alten Abtsepitaphe an, etwa an dasjenige des legendären ersten Abtes Herwick.[3] Nur im prunkvollen Pontifikal-Ornat, in dem sich Abt Benedikt darstellen lässt, in den sehr feinen, realistisch ausgeführten plastischen Details und in der doppelten Diagonalbetonung mit Abtsstab und Wappen unterscheidet sich das Epitaph von den einfacheren Vorbildern. Zu seinen Füssen ist das «grosse Klosterwappen» zu sehen, das erst unter Abt Benedikt in ein dreispaltiges und geteiltes Schild verwandelt wird. Er fügt zu dem vorher zweispaltigen Schild nun den Eber für Ebersberg und das fünfspeichige Rad für Aschhausen oder Berlichingen bei. Da auf dem Grabmal die Farben fehlen, könnte das Rad in Unkenntnis der Unabhängigkeitsbemühungen von Abt Benedikt und böswillig auch für Kurmainz gehalten werden.[4] Sein persönliches Wappen ist diagonal entgegengesetzt am Kopf als Gegenstück zur kräftigen Akanthus-Krümme zu sehen.

Anmerkungen:
[3] Das Memorial-Epitaph steht in der Kirchenvorhalle, zusammen mit denjenigen von Wolfram von Bebenburg, Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich Barbarossa. Während das Bebenburger-Epitaph von 1414 stammt, werden die anderen erst 1714 in Auftrag gegeben.
[4] Berlichingen führt in Schwarz ein fünfspeichiges silbernes Rad. Aschhausen führt in Rot das gleiche Rad. Das entsprechende Schöntaler Rad ist rot und liegt in Gold. Kurmainz führt hingegen in Rot ein sechsspeiches silbernes Rad. Zum Klosterwappen und seiner Entwicklung siehe die Ausführungen im Werkbeschreib «Schöntal» in dieser Webseite.

Bildinformationen: Fotografien CC-NC-BY Pius Bieri 2018