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Essen Sie gerne chinesische Gerichte? Sternanis ist neben Fenchel, Cassiazimt, Gewürznelken und Szechuanpfeffer ein Bestandteil im chinesischen Fünf-Gewürze-Pulver. Manchmal werden noch Süssholzwurzel, getrockneter Ingwer oder Kardamom dazugegeben. In Abhängigkeit vom Mengenverhältnis der einzelnen Zutaten hat die Mischung eine gelbliche oder braune Farbe. Das Pulver eignet sich beispielsweise zum Würzen von Fleisch- und Geflügelgerichten. Ausserdem darf Sternanis keinesfalls bei der Zubereitung der leckeren Pekingente fehlen.
Woher kommt der Sternanis?
Die ursprüngliche Heimat wird in Südchina und Nordvietnam vermutet. Es wird berichtet, dass der englische Seefahrer Sir Thomas Cavendish den Sternanis gegen Ende des 16. Jahrhunderts erstmals von den Philippinen nach Europa mitgebracht hat. Seinen Namen hat das Gewürz aufgrund seines Aussehens und Geschmacks erhalten. Der Sternanis wird heute hauptsächlich auf Plantagen in China, Indochina, Japan und den Philippinen angebaut. Wildwachsende Vorkommen gibt es mittlerweile nicht mehr.
Achthörniger Fenchel
Sternanisfrüchte wachsen in tropischen Gebieten an einem immergrünen Baum, der zur Familie der Sternanisgewächse (Illiciaceae) gehört. Die Bäume können Wuchshöhen von bis zu 10 Metern oder mehr erreichen. Die Blätter haben eine längliche, ovale Form und laufen spitz zu. Aus den cremeweissen Blüten entwickeln sich die sternförmigen Sammelbalgfrüchte. Sie haben meistens acht Zacken, worin jeweils ein glänzender, kastanienbrauner Same eingeschlossen ist. In der chinesischen Sprache bedeutet Sternanis übrigens "achthörniger Fenchel“. Die Früchte werden normalerweise kurz vor der Reife geerntet und anschliessend an der Sonne oder mittels schwacher, künstlicher Wärme getrocknet. Sie gelangen als Ganzes oder in zerstossener Form in den Handel. Daneben wird durch Wasserdampfdestillation das ätherische Sternanisöl gewonnen.
Anis oder Sternanis?
Handelt es sich bei Anis und Sternanis um das gleiche Gewürz? Zwar ist das Aroma ihrer Früchte sehr ähnlich, doch auf ihr Aussehen trifft dies überhaupt nicht zu. Wegen der dekorativen Sternform wird Sternanis (Illicium verum) gerne zum Basteln verwendet. Gerade zur Weihnachtszeit werden damit Adventsgestecke oder Türkränze verziert. Dahingegen sind die Früchte vom Anis (Pimpinella anisum) klein und unscheinbar. Aus botanischer Sicht besteht auch kein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen den beiden Pflanzen. Aus Kostengründen wird anstelle des teuren Anisöls gerne das sehr ähnlich schmeckende Sternanisöl verwendet. Es findet sich in Zahnpasten und leckeren Süsswaren oder dient zum Aromatisieren von Likören und anderen alkoholischen Getränken. Ausserdem verwenden Parfümhersteller das Sternanisöl für ihre verführerischen Duftkreationen, die unsere Sinne verzaubern.
Aromatische Inhaltsstoffe
Die Früchte des Sternanises haben einen anis- oder fenchelartigen Duft. Sie enthalten fünf bis neun Prozent ätherisches Öl, wobei der Inhaltsstoff trans-Anethol vorherrscht und für das typische Aroma verantwortlich ist. Ein weiterer, interessanter Bestandteil ist die Shikimisäure. Aus ihr kann in einem mehrstufigen, aufwendigen Verfahren Oseltamivir hergestellt werden. Dieser Wirkstoff kann die Vermehrung von Viren stoppen und ist daher in einem bekannten Grippemittel enthalten. Für ein Kilogramm Shikimisäure werden übrigens bis zu 30 Kilogramm Sternanis benötigt.
Gut für die Atemwege
Die Sternanisfrüchte selbst eignen sich zwar nicht zur Vorbeugung von Grippe, doch bei Katarrhen der Atemwege können sie festsitzenden Schleim lösen. Das ätherische Öl wird gerne in Erkältungssalben für Kinder verwendet, um damit Brust und Rücken einzureiben. Denn der häufig bei Erwachsenen eingesetzte Kampfer kann bei Kindern zu Schleimhautreizungen und Krämpfen der Atemwege führen. Er sollte deswegen lieber nicht genommen werden.
Verdauung wieder im Griff
Des Weiteren können Verdauungsbeschwerden und Krämpfe im Magen-Darm-Trakt gelindert werden. Gerade nach dem Verzehr von schweren und fettigen Köstlichkeiten wie Weihnachtsgans oder Festbraten leiden viele Menschen unter Völlegefühl und Übelkeit. Ein Tee aus zerstossenen Sternanisfrüchten kann hier gute Dienste leisten. Darüber hinaus bekämpft das Kauen der Samen nach der Mahlzeit Mundgeruch. Einem genussvollen Weihnachtsfest steht also nichts im Weg.