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In ihrer Biografie von Marie Boehlen zeichnet Liselotte Lüscher ein vielschichtiges Bild der unermüdlichen Frauenrechtlerin, die sich ganz einfach weigerte, an unveränderbare Realitäten zu glauben.
Geboren 1911 in Riggisberg im Kanton Bern wuchs Marie Böhlen auf dem Bauernhof auf. Ihr Wunsch das Gymnasium in Bern zu besuchen blieb unerfüllt, denn ihre Eltern fanden, dass eine Ausbildung als Lehrerin für sie ausreiche. Bereits in den 30er Jahren beschloss Marie Boehlen ledig zu bleiben, weil vielen verheirateten Frauen die Erwerbsarbeit vorenthalten blieb. In einem persönlichen Fotoalbum bezeichnet sie sich selbst als „militante Frauenrechtlerin“, die vehement für die Rechte der Frauen eintrat. Was sich Marie Boehlen in den Kopf setzte, das verwirklichte sie früher oder später. So holte sie 1933 die Matura nach und studiere Jurisprudenz in Bern. Während des Studium trat sie der sozialistischen Studentengruppe bei und kam erstmals mit Politik in Berührung. Nach einem Auslandjahr an der Universität Syrakus (New York) schreibt sie einen Dissertation über das Problem Armenrechte und erhält 1951 den Doktortitel. 1957 wird sie zur ersten Jugendanwältin der deutschen Schweiz gewählt.
Den Kampf um die politische Mitbestimmung der Frauen führte sie als Präsidentin des Aktionskomitees für das Frauenstimmrecht hartnäckig. Als 1971 die ersten Nationalratswahlen mit Frauen stattfanden, kandidierte sie. Jedoch fehlte es an der nötigen Parteiunterstützung und die Genossen riefen unverblümt auf, sie von der Liste zu streichen. Im Berner Stadtrat war sie erfolgreicher und wurde 1972 gewählt und 1974 schaffte sie auch den Sprung in den Grossrat. Der Rücktritt erfolgte 1986. An ihrem 75. Geburtstag erhielt sie den Dr. Somazzi Preis als Anerkennung ihres lebenslangen Kampfes für die Gleichberechtigung der Frauen. Marie Bohelen starb im November 1999 in Bern.
Dass sich Marie Böhlen nicht so schnell aus der Fassung bringen liess, zeigt auch folgende Anekdote: Sie hatte Grossratskollegen zu einem Fondue Bourguignon eingeladen. Diese waren mit ihren Frauen am Apéro als Marie Böhlen ruhig aus der Küche gelaufen kam, und sagte: „Manne, es brönnt. Dir müest mer häufe lösche“. In der Tat war die Küche voller Rauch, weil sich das Öl in der Pfanne überhitzt hatte und brannte. Als das Feuer gelöscht war, schickte Maria Böhlen die Gäste nicht etwa nach Hause, sondern sie holte sich bei Nachbarn frisches Öl. Nach dem Essen wollte sie auch nichts von Hilfe beim Aufräumen in der verrussten Küche wissen. Am nächsten Morgen käme dann sowieso die Putzfrau, weshalb sie jetzt auch schlafen gehen würde.
Liselotte Lüscher
Eine Frau macht Politik – Marie Boehlen 1911–1999
240 Seiten, 35 Fotos und Dokumente, Pappband, Fr. 34.–
Limmat Verlag Zürich, Website
Das Buch kann ab Januar 2010 im SP-Sekretariat zum Vorzugspreis von Fr. 25.- bezogen werden, zuzüglich Porto. Bestellungen ans Sekretariat oder 031 370 07 80.