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Ich habe in einem anderen Forum etwas geschrieben und möchte dies gerne nochmals hier veröffentlichen.
Hinter dem Ausdruck "menschenwürdiges Leben" und der leicht dahingesagten Floskel "und dergleichen mehr" versteckt sich das Problem, dass wir selber nicht so sicher wissen (mir geht es jedenfalls so), was wir unter solchen Ausdrücken konkret vorstellen sollen. Noch schwieriger ist es, sich mit anderen darüber zu verständigen, weshalb man heftig darüber streiten kann, was auf der Liste unverzichtbarer Sachverhalte und Umstände zu stehen habe. Fragt man danach, antwortet der eine, ihm sei sein Glaube wichtig, für den anderen ist es seine gesellschaftliche Stellung, dem Dritten der Andere, dem Vierten gar sein trautes Heim. Ich denke, diese Auskünfte sind bemerkenswert, antworten sie doch alle auf etwas, wonach gar nicht gefragt wurde, nämlich wofür es sich zu leben lohne, nicht aber wovon.
Bedenkt man, dass der größte Teil des gesamten Volksvermögens (auch in unserer Schweiz) einer relativ kleinen Zahl von Eigentümer gehört, die sich, aller existentiellen Sorgen ledig, Güter, Lebensfreude und Gesundheit nach Belieben leisten können, wegen der geltenden Steuergesetze aber nur geringe oder gar keine Abgaben zahlen, während ein großer Teil der Bevölkerung bei hoher Steuerlast sich bescheiden und einschränken, und ein beachtlicher Teil sogar am Rande der Existenz leben oder gar ohne Arbeit, Wohnung und gesellschaftlich Anerkennung dahinvegetieren muss, dass auch Macht, Position und Tätigkeiten auf ähnlich asymmetrische Weise verteilt sind, und bedenkt man zudem, wie ungleich, global gesehen, der Reichtum und die Ressourcen dieser Welt auf entwickelte und auf nicht so hoch entwickelte Gesellschaften verteilt sind, so dass die Bevölkerung vor allem nördlicher Länder im Wohlstand, die ganzer Kontinente aber in Armut und in den unwürdigsten Umständen lebt, ausgebeutet und aller Rechte beraubt, und bedenkt man schließlich, dass all das im Prinzip gerechtfertigt und höchstens in Einzelheiten als mangelhaft empfunden wird, dann muss man sagen, dass wir in der denkbar ungerechtesten Welt leben.