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Von Zürich mit dem Schiff über den Zürichsee gleiten und dann mit der Bahn via Wädenswil und Arth-Goldau auf die Rigi zum Sonnenaufgang: Diese Reise wurde Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und 1897 probehalber erstmals durchgeführt. Im Rahmen des 175-Jahr-Jubiläums der Schweizer Bahnen wird diese Fahrt nun 125 Jahre nach ihrer Premiere einmalig wieder durchgeführt (siehe Infobox).
Erstaunlich ist nicht nur die Idee, den Sonnenaufgang auf der Rigi zu erleben, sondern auch die damalige Routenwahl ab Zürich. Das liegt wohl nicht nur daran, dass die direkte Bahnstrecke von Zürich nach Arth-Goldau ebenfalls erst 1897 eröffnet wurde, sondern auch an der Tatsache, dass die Südostbahn in dieser Zeit für einen Teil des Schiffverkehrs auf dem Zürichsee zuständig war - und das erst noch in Konkurrenz zur damaligen Nordostbahn (NOB).
Als 1877 die Wädenswil-Einsiedeln-Bahn (WE) - eine Vorläuferin der heutigen Südostbahn - den Betrieb aufnahm, passten die Anschlüsse von der NOB auf die WE in Wädenswil ganz und gar nicht. Die Nordostbahn war damals auch für den Schiffsbetrieb auf dem Zürichsee zuständig. Deren Schiffe legten nur zweimal täglich auf der linken Seeseite in Wädenswil an, weil sie das rechte Zürichsee-Ufer prioritär bedienten - schliesslich war auf der rechten Zürichsee-Seite damals noch nicht einmal die Bahn gebaut.
Das Bedürfnis der Wädenswiler nach besseren Verbindungen von und nach Zürich sowie Richtung Einsiedeln und Gotthard war so gross, dass 1894 kurzerhand die Wädenswiler Dampfbootgesellschaft gründete wurde. Die Maschinenfabrik Escher-Wyss & Co. baute daraufhin ein eigenes Dampfboot für 300 Fahrgäste. Vertraglich vereinbart wurde, dass die Südostbahn den Betrieb und die Verwaltung des Schiffsangebotes übernahm. 1895 stach die «Wädensweil» dann erstmals in den See. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ausgerechnet in dieser Zeit, als die Südostbahn Schiff- und Bahnbetrieb verantwortete, die Idee einer nächtlichen Rigi-Reise geboren wurde.
Das Abenteuer eines eigenen Schiffsbetriebes auf dem Zürichsee nahm für die Südostbahn nur einige Jahre später ein rasches Ende. Die beiden Schiffe “Wädensweil” und “Speer” konnten nämlich nie einen Gewinn erzielen. Zwar waren die Frequenzen im Tagesverkehr zufriedenstellend, die Kohlepreise allerdings viel zu hoch. 1899 forderte die Nordostbahn von den Ufergemeinden zudem mehr Geld, um ihren Schiffsbetrieb aufrechtzuerhalten. Weil Wädenswil beide Unternehmen subventionierte, war sie am eigenen Schiffahrtsbetrieb nicht mehr interessiert und verkaufte die Schiffe der Zürcher Dampfbootgesellschaft.
Die Idee der nächtlichen Rigi-Fahrten lebte auch unter den neuen Besitzern weiter. 1908 wurde sie etwa zum 1. August hin angeboten. Allerdings in Konkurrenz zum Zürcher Seenachtsfest, das mit dem Fahrpreis von 1 Franken in der 2. Klasse wohl erschwinglicher war als die grosse Rigi-Reise, die zum Preis von 8.50 Franken angeboten wurde.
Die Rigi-Nachtfahrten wurden in den kommenden Dekaden immer wieder auferweckt. Definitiv eingestellt wurden sie Ende der 1970er-Jahre, als das Interesse mit den veränderten Reisebedürfnissen stetig zurückging. Die Faszination einer nächtlichen Fahrt auf die Rigi ist aber geblieben - auch deshalb lebt die Idee in diesem Jahr erneut auf.
Text: Conradin Knabenhans
Bilder: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / PK_000167 / Ans_05444-017-AL-F / PK_007255
In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 2022 wird die Sonnenaufgangsfahrt auf die Rigi wieder lebendig: Start der Sonnenaufgangsreise ist kurz vor Mitternacht in Zürich am Bürkliplatz. Die Schifffahrt endet in Rapperswil, wo ein Voralpen-Express auf die Gäste wartet und über Rothenthurm nach Arth-Goldau bringt. Von dort aus geht es mit der Zahnradbahn auf die Rigi. Unterwegs erwartet die Gäste ein nächtliches Konzert in Rothenthurm und Alphorn-Klänge auf der Rigi. Tickets können Sie hier buchen: Sonnenaufgangsfahrt