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Ich war sieben Jahre alt, als ich meine erste Hitparade am Radio auf Cassette aufnahm – „Pop Muzik“ von M, „One Way Ticket“ von Eruption, „Gloria“ von Umberto Tozzi, „Save me“ von Clout oder das unverwüstlich grauenhafte „Ruf Teddybär eins vier“ von Jonny [sic] Hill kommen auf diesem Scotch-Tape mit dem braunen „Normal“-Band vor, das die Tonköpfe so unangenehm schnell belegte (und alles sehr dumpf klingen liess), bis man sie mit einem Alkohol-Ohrstäbchen sauberrubbelte.
Nummer eins in den ersten auf Tape gebannten „Bestsellern auf dem Plattenteller“ war aber „Hot Stuff“ von Donna Summer. Den Song fand ich grandios, er wirkte irgendwie monumental, ernst, er tönte nach grosser weiter Welt.
Ich dachte damals allerdings, das sei ein Song über einen Autostopper, denn das slangig ausgesprochene „Had sdaf“ interpretierte ich als „Haand staap“ bzw. „Hand Stopp“, was Klein Blöker eindeutig als Lied über jene Leute interpretierte, die am Rand der Strasse den Daumen in die Höhe strecken und das Auto quasi mit der Hand stoppen.
Die lasziven Synthi-Klänge (natürlich von Faltermeyer/Moroder sauber durchproduziert) passten perfekt zur damaligen SciFi-Ästhetik der Kampfstern-Galactica-Kinofilme oder Buck Rogers, die mich ebenfalls faszinierten – ich bin extrem dankbar, dass meine Verwandten mich den ganzen Glen-A-Larson-Käse damals haben schauen lassen. Colonel Deering hätte ich gerne als Lehrerin gehabt… genau, „Könel“, auch so ein faszinierendes Wort. Oder dieses astronomisch phänomelane Intro, aaah!
Twikis Geräusche (ein nasales „bidibidibidi“) gefallen meinen Göttikindern heute noch. Und Commander Adama alias Lorne Greene fand ich eh den Grössten, da der Raumschiffkapitän zeitgleich als Ben Cartwright in „Bonanza“ über die Mattscheibe ritt – was für ein Spagat!
Diese Aufnahme stammt ziemlich genau aus jener Woche im Sommer 1979 – es war mein Geburtstag, und im Hintergrund ist die Sony-Stereoanlage meiner Grosseltern zu sehen, auf der die Hitparaden-Aufnahmen oft stattfanden:
Damit zurück zu Donna Summer, die übrigens ausgezeichnet Deutsch spricht: Bewusst erinnern kann ich mich erst wieder an „She Works Hard For The Money“ sowie „Romeo“ (vom Flashdance-Soundtrack) aus dem Herbst 1983, als DRS3 und die ersten Lokalradios auf Sendung gingen.
Und den Sündenfall „This Time I Know it’s For Real“ durfte ich dann 1989 selbst in der Hitparade spielen – damals waren nicht mehr Moroder & Co. als Producer gefragt, sondern Stock Aitken Waterman. Drum könnte der Song genau so eines der Frühwerke von Rick Astley oder Kylie Minogue sein – im Nachhinein tut mir Donna fast schon leid, im Vergleich zu den kartfvollen Discoknüllern hören sich „This Time…“ und „I Don’t Wanna Get Hurt“ schlicht armselig an.
„On The Radio„, die Hymne auf mein Lieblinsgmedium, „I Feel Love“ und „State of Independence“ lernte ich erst später kennen – letztere finde ich inzwischen die schönste aller Summer-Singles. Eine solide Arbeit von Jon And Vangelis sowie Quincy Jones.
Die Nummer Eins der ersten Cassette des Lebens ist tot. Trotz schöner Erinnerungen kein schöner Tag für einen Popbesessenen. Mach’s gut, Donna, und danke für all die Meilensteine der Musikgeschichte.
Wer Fotos von dieser Seite verwenden will, fragt vorher fairerweise. Danke!
Dieser Text wurde von Andi Jacomet geschrieben und gehört zu den Kategorien
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