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Nicht weit von unserem Ausgangspunkt in Mirbat liegt die antike Stadt Sumhuram, der wir heute gleich bei Öffnung einen Besuch abstatten, bevor wir weiter zum Wadi Darbat, dem Weihrauch Souk und Ain Razat fahren. Wie so oft gibt es im Oman mehrere Schreibweisen für einen Ort. Sumhuram wird auch als Samhuram oder auch Samharam bezeichnet und befindet sich zwischen Mirbat und Taqah am Meeresarm Khor Rori (auch Khor Rohri, Khor Rouri). Dieser Meeresarm versandete im Laufe der Zeit und ist heute durch eine Sandbank vom Ozean getrennt.
Als wir kurz nach 9.00 Uhr Sumhuram erreichen, brennt die Sonne schon unbarmherzig vom Himmel. Insofern sind wir froh, dass wir nicht vor dem Eingang parken und laufen müssen, sondern man sich in der umzäunten Anlage mit dem klimatisierten Auto bewegen darf. Unser erster Halt ist vor dem Info Center. Drinnen riecht es nach Weihrauch und ist angenehm kühl. Ein Film bringt zur Freude der Mädchen die Geschichte der Dhofar Gegend, des Weihrauchhandels und von Sumhuram näher.
Von dort gehen wir zu den Ruinen der alten Stadt. Infotafeln am Weg liefern Erklärungen. Sumhuram wurde von 3 m dicken Stadtmauern, die bis zu 10 m hoch waren, geschützt. Innerhalb der Stadtmauern fand man einen 25 m tiefen Brunnenschacht. Neben dem Stadttor wurde eine versunkene Tempelanlage zu Ehren der Mondgottheit Sin entdeckt. Weiterhin fand man innerhalb der Stadt private und öffentliche Häuser, grosse Lagerflächen, riesige Wehranlagen, Töpfereien, Öfen, Münzprägung, sogar Bergbauareale.
Der Hafen von Sumhuram spielte eine wichtige Rolle im Weihrauchhandel ab dem 3. Jhd. vor Chr. bis ins 5. Jhd. nach Chr. Eine Steintafel gibt Auskunft über die Gründe der Stadtgründung und die Namensgebung.
Die Versandung des Meeresarmes und die Angriffe der Perser führten zum Niedergang des Hafens und der Stadt. In den Ruinen der Stadt fand man 2000 Jahre alte Münzen aus dem Mittelmeerraum, indische Keramik und kunstvolle Bronzefiguren. Diese Funde belegen die Verbindung Sumhurams mit der Welt.
Ein Teil der Funde wird im Visitor Center gezeigt, dem wir auch noch einen kurzen Besuch abstatten. Auf Empfehlung einer jungen Frau fahren wir schliesslich noch auf einer unbefestigten Strasse zu einer schönen Meeresbucht. Dort hat es allerlei interessantes Getier angespült.
Irgendwo auf den Felsen neben der Bucht ist noch der Inqitat Komplex im Prospekt eingezeichnet. Einen regulären Weg nach oben sehen wir nicht und bei der Hitze hält sich unser Entdeckerdrang in Grenzen.
Als nächstes folgen wir einer Strasse, die in Richtung Wasserfall führt, den wir schon mehrfach von der Autobahn und auch von Sumhuram aus gesehen haben.
Während wir der Strasse nach oben folgen, versuchen wir immer wieder einen Blick auf den Wasserfall zu erhaschen. Von einem Seitenweg aus, nähern wir uns dem Wasserfall endlich und bekommen schöne Ausblicke auf das Wasser und die Landschaft oberhalb und unterhalb vom Wasserfall.
Rechts und links des Weges stehen auch Weihrauchbäume an deren Stämmen man die Einkerbungen von der Weihrauchernte erkennen kann.
Schliesslich folgen wir dem Fluss bis zu einem Parkplatz. Ein kurzer Weg führt zu den Terrassen, über die das Wasser nach unten läuft. Jetzt im April mit wenig Wasser bilden sich kleine Wasserfälle. Alles ist hier etwas grüner und grosse Bäume mit interessanten Stämmen machen diesen Ort zu etwas Besonderem. Vor Ort in dieser trockenen, ockerfarbenen Landschaft erscheint uns dieser Flecken Erde überirdisch schön.
Ein alter Mann steht auf dem Parkplatz und verkauft Melonen, die er mit Hilfe von Verdunstungskälte kühlt. Brennholz hat er auch schon gesammelt. Da er wahrscheinlich erst nach Hause geht, wenn er seine Melonen verkauft hat, kaufen wir eine Melone. Mit einem Messer zerteilt er sie geschickt und freut sich, dass sie uns schmeckt. Allerdings ist eine ganze, grosse Melone doch etwas viel, da die Kinder bald streiken.
Nach dieser Erfrischung geht es weiter. Wir folgen dem Wasser. Oberhalb des Parkplatzes hat man noch einmal schöne Ausblicke auf das Wasser.
Eine Brücke führt über den Fluss. Kamele stehen am Wasser. Kühe trotten im Flusstal entlang. Die Holzzäune rechts und links der Strasse sind teilweise von früheren Überschwemmungen zerstört. Die Strasse endet bei einem Kiosk. Im Fluss warten Bootsvermieter auf Kundschaft.
Wir drehen um und fahren nach Salalah auf den Weihrauchmarkt. Auf dem Rückweg kreuzt eine Herde Kamele die Strasse und läuft Richtung Fluss weiter. Hier sehen wir das einzige wirklich alte Kamel im ganzen Urlaub.
Der Weihrauch (Boswelia sacra) hat in vielen Sprachen einen Namen. Die Tränen Allahs, wie das Harz auch genannt wird, war eines der Geschenke der drei heiligen Könige aus dem Morgenland an Jesus. Es war so wertvoll wie Gold und wurde vor allem für kultische Zwecke (heiliges Räucherwerk) und zur Mumifizierung verwendet. Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus wurde in Mesopotamien und Ägypten Weihrauch verbrannt, um eine göttlich durchdrungene Atmosphäre zu schaffen. Auch als Heilmittel wird der Weihrauch seit Jahrhunderten geschätzt.
Die Welt hat durch die UNESCO erklärt, dass Dhofar das Land des Weihrauchs ist, durch seine Qualität und Menge der Produktion und durch die Vielfalt an Bäumen.
Weihrauch wird in unterschiedlichen Qualitätsstufen verkauft. Die Qualität entsteht durch den Standort des Weihrauchbaums und die Klarheit des Harzes. Es gibt vier Anbaugebiete in der Dhofar Gegend, die die Qualität bestimmen. Nur das grünliche bis weisse Harz aus dem östlichen Quaragebirge beim Jebel Samhan wird als beste Qualität unter dem Namen Al Hojari verkauft und kann auch zu Heilzwecken gegessen werden. Das Harz aus dem Nejd Gebiet wird unter dem Namen Annajdi verkauft und hat die zweitbeste Qualität. Mindere Qualitäten werden nur zum Räuchern verwendet.
Die Ernte der Weihrauchbäume findet vor und nach dem Monsun Khareef statt. Dazu werden die Bäume, die der Sage nach von Geistern bewacht werden, mit Messern eingeritzt. Nach 14 Tagen wird das ausgetretene Harz entfernt, ebenso verfährt man mit der zweiten Ernte. Erst die dritte Ernte gelangt nach der Trocknung (Aushärtung) in den Handel. Mit jedem neuen Einschnitt wird die Qualität des Harzes besser.
Die Römer nannten diese Gegend übrigens «Arabia felix».
Mit diesem Wissen ausgerüstet machen wir uns auf den Weg zum Weihrauch Souk. Diesen Souk hätten wir uns ganz anders vorgestellt. Wir wissen, dass der Weihrauch Souk umziehen soll, aber als wir ihn besuchten, war er noch am alten Platz. Vieles, was früher neben dem Souk gestanden hat, von der Moschee und einigen Häusern abgesehen, wurde bereits abgerissen.
Der Souk besteht aus vier schmalen Gängen, die überdacht sind. Die Hälfte der Geschäfte war noch geschlossen. Bis auf ein Ladengeschäft wurden alle Läden von indisch-stämmigen Männern geführt. Neben Weihrauch wird vor allem Parfüm und was Touristen sonst so kaufen könnten von Magneten, Kaffeekannen bis zum Khanjar (Krummdolch) verkauft.
Wir wollen uns erst einmal einen Überblick verschaffen, aber das ist gar nicht so einfach bei den geschäftstüchtigen Männern, die sofort mit Parfümflakons in den Gängen stehen und unsere Töchter als willfährige Opfer erkennen. So kaufen wir erst einmal hier und da in kleine Flakons abgefüllte, sehr fruchtig duftende Parfüms für die jungen Damen.
Mit dem Kauf des Weihrauchs gestaltet es sich jedoch schwieriger. Wir wollen keines der abgepackten Päckchen kaufen, sondern von dem lose angebotenen Harz. Wenn schon, denn schon soll es auch beste Qualität sein. Allerdings sind wir überrascht, dass der Preis fast doppelt so hoch sein soll, als der uns als Richtpreis im Reiseführer angegebene Preis. Wir sind hier nur ein halbes Jahr nach Erscheinungsdatum des Reiseführers. Also ist dies wohl der Preis für Touristen.
Auf unsere dilettantischen Handelsversuche geht die einzige Verkäuferin im Souk nicht ein. So probieren wir es im nächsten Gang und siehe da, da ist der Ausgangspreis schon 5 OMR (das sind z.Zt. etwa 13 Sfr) günstiger fürs halbe Kilogramm. Noch ein wenig handeln und schon steht dem Kauf nichts mehr entgegen. Zufrieden machen wir uns mit unserer Beute auf den Weg zum Auto. Trotz Plastikverpackung des Weihrauchs «duftet» das ganze Auto nach kurzer Zeit nach Weihrauch .
Zuletzt fahren wir noch ins 8 km von Salalah entfernte Quellgebiet Ain Razat.
Die Strasse zu den Parkplätzen unter schattenspendenden Bäumen führt entlang eines schönen Parks. Leider hat der Park nur in der Khareef-Zeit täglich geöffnet. Wir sind am falschen Tag da, so muss ein Blick durchs Tor reichen.
Während ich noch den Park betrachte, ist die Familie schon weiter gegangen. Das Wasser sickert aus vielen Einzelquellen aus den Steinen und ergiesst sich ins gefassten Flussbett. In einem Falaj-Kanal wird ein Teil des Wassers abgeführt. Ein Vogel, der uns an einen Kolibri erinnert, begegnet uns.
Einige Leute picknicken unter den Bäumen. Väter spielen mit ihren Kindern im Wasser, obwohl Schilder auf die Bilharziosegefahr aufmerksam machen. Auch wir freuen uns auf ein kühlendes Bad im Meer und fahren deshalb auf dem schnellsten Weg zurück nach Mirbat.
Beim Abendessen in einem einfachen Hotel mit Tauchbasis unterhalten wir uns eine ganze Zeit mit einem deutschen Taucher, der sich hier seinen Traum vom Divemaster erfüllt. Er erzählt uns, dass nicht weit draussen, Unmengen (250 bis 1000 Tiere) an Delfinen unterwegs sind. Man kann dort nicht nur tauchen, sondern auch schnorcheln. Diese Information kommt jedoch für uns ein wenig zu spät, denn morgen verlassen wir Mirbat und fahren durch die Wüste nach Duqm. Die Delfine kommen auf alle Fälle auf die Liste mit den Gründen für einen erneuten Besuch des Omans.
Alle Beiträge zu dieser Oman-Reise findet ihr nachstehend in der Reihenfolge der Reise:
Die Reise- und Besichtigungstipps für den Oman findet ihr unter: