Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03152.jsonl.gz/3477

| Tertullian († um 220) - Gegen die Juden (Adversus Iudaeos)

6. Kap. Aufgabe der Untersuchung ist, festzustellen, ob der Verkünder dieses neuen Gesetzes, der Messias, schon erschienen sei oder nicht.
Da es also klar ist, daß ein bloß temporärer Sabbat anbefohlen und ein ewiger verkündet, daß eine fleischliche Beschneidung vorhergesagt und eine geistige vorher angezeigt, ein bloß zeitweiliges und ein ewiges Gesetz angemeldet, fleischliche und geistige Opfer vorgezeigt worden sind, so folgt daraus, daß, nachdem in der vorangegangenen Zeit alle diese Vorschriften dem Volke Israel in fleischlicher Weise gegeben waren, eine Zeit kommen würde, wo die Vorschriften des alten Gesetzes und die früheren Zeremonien aufhören und das Versprechen eines neuen Gesetzes, die Anerkennung der geistigen Opfer und die Verheißung eines neuen Bundes eintrifft, wozu uns, die wir in Finsternis saßen und vom Schatten des Todes gefesselt waren, das Licht von oben leuchtet.
Weil wir also oben gesagt haben, es sei von den Propheten ein neues Gesetz angekündigt worden, und zwar eines von anderer Beschaffenheit als das bereits ihren Vätern zur Zeit ihrer Herausführung aus Ägypten gegebene, so liegt uns notwendig die Pflicht ob, zu zeigen [S. 315] und zu beweisen, daß jenes alte Gesetz aufgehört habe und das neue, das verheißene, nunmehr in Wirksamkeit stehe. Und zwar ist zuerst zu untersuchen, ob ein neuer Gesetzgeber erwartet wurde, ein Erbe des Neuen Bundes, ein Priester mit neuen Opfern, eine neue geläuterte Beschneidung und ein Beobachter des ewigen Sabbats, der das alte Gesetz überwinde, den Neuen Bund herstelle, die neuen Opfer darbringe, die alten Zeremonien beseitige, die alte Art der Beschneidung mit dem dazu gehörigen Sabbat unterdrücke und ein neues Reich, das nicht vergeht, ankündige.
Ob dieser neue Gesetzgeber, dieser Pfleger des geistigen Sabbats, dieser Priester mit den ewigen Opfern, dieser ewige Herrscher eines ewigen Reiches, ob er, sage ich, gekommen sei oder nicht, das ist nun der Gegenstand der Untersuchung. Wenn er bereits gekommen ist, so muß man ihm dienen, wo nicht, ihn erwarten, wofern nur klar ist, daß mit seiner Ankunft die Vorschriften des alten Gesetzes unterdrückt werden und die Anfänge des neuen Gesetzes hervortreten müssen. Vor allem aber muß man den Satz festhalten, das alte Gesetz und die Propheten hätten nicht können aufhören, wenn nicht der, dessen Ankunft durch dasselbe Gesetz und dieselben Propheten angekündigt worden ist, bereits gekommen wäre.