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Das „Business Cycle Dating Committee“ mag ja klingen wie der „Lonely Hearts Club“ für liebesbedürftige Volkwirte, aber weit gefehlt. Es handelt sich um den Ausschuss, der über Rezessionen in den USA befindet und der seit 1945 elfmal ausreichend Beweise dafür fand, dass „die Wirtschaftstätigkeit insgesamt für mehr als nur einige Monate signifikant nachliess“. Steuern wir nun in die zwölfte Rezession? Was die Antwort so schwierig macht, ist, dass Rezessionen sehr unterschiedlich ausfallen und mehr oder weniger schwerwiegend und langanhaltend sein können. Seit 1945 war die durchschnittliche Abschwungphase (11 Monate) weit kürzer als die jeweils vorhergehende Wachstumsphase (58 Monate). Aber im Einzelnen gab es grosse Unterschiede. Die Rezession zwischen 2007 und 2009 war zum Beispiel relativ langanhaltend (18 Monate), ihr ging jedoch auch ein sehr langer Boom voraus (73 Monate). Beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 lief es hingegegen sehr viel schneller ab, hier war die nach 120 Wachstums-Monaten eintretende Rezession nach gerade mal acht Monaten überstanden. Für die Ursachen einer Rezession gibt es unterschiedliche Ansätze: Sieben Jahre nach Überwindung der Rezession im Jahr 2009 macht sich die Befürchtung breit, das Wachstum sei vielleicht schon „zu alt“, um noch lange anzuhalten. Jüngste Studien der San Francisco Federal Reserve Bank kommen jedoch zu dem Schluss, dass es im siebten Jahr der Erholungsphase auch nicht wahrscheinlicher ist, dass sie endet, als im dritten oder fünften Jahr. Als weitere Ursache werden auch Schocks, die sich auf die Angebotsseite auswirken, oder politische Massnahmen mit Schockwirkung auf die Nachfrage diskutiert.
Sollten wir uns Sorgen machen?
Kurz gesagt: ja. Die Rezession ist zwar nicht unser Basisszenario für 2016, aber es gibt durchaus Grund zur Sorge. So sind die jüngsten Marktentwicklungen beunruhigend, auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Die Performance globaler Aktien ist seit ihrem Hoch im Mai letzten Jahres um 20 Prozent eingebrochen und damit fast auf Baisse-Niveau. Öl- und Metallpreise sind seit Jahresanfang weiter gefallen, die Goldpreise hingegen gestiegen und auch die Credit Spreads sind auf ihrem höchsten Niveau seit 2011. Zusammen könnten diese Veränderungen einen schwächer werdenden globalen Wachstumstrend anzeigen. Marktdaten sind jedoch nicht immun gegen falsche Signale – direkt zu extrapolieren und von den Marktbewegungen auf eine Rezession zu schliessen, ist daher nicht immer sinnvoll. Aber auch die Wirtschaftsdaten geben Anlass zur Sorge. Auf die Verlangsamung des globalen Wachstums in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres folgten negative Überraschungen bei den Wirtschaftsdaten in den ersten Monaten des laufenden Jahres. Das Problem bei Wirtschaftsdaten ist, dass sie immer mit Zeitverzögerung veröffentlicht und oft revidiert werden. Wir müssen uns nur 2007 ansehen, um eine Rezession zu finden, die fast niemand vorhergesagt hatte, obwohl diese (wie spätere Daten belegten) bereits im Gange war. Angesichts dieses Problems haben wir versucht, mit Prognosesimulationen herauszufinden, wie die Markttrends die noch zu veröffentlichenden Daten verändern könnten. Momentan legen diese Simulationen nahe, dass eine nachhaltige Baisse an den Aktienmärkten in den USA und eine nur schleppende Erholung im zweiten Halbjahr die USA eventuell in eine wirkliche Rezession abgleiten lassen könnten. Allerdings müssten gleichzeitig zusätzlich Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen deutlich einbrechen und die Bedingungen für die Kreditvergabe weiter verschärft werden. Darüber hinaus kann eine Akkumulation kleinerer Schocks auch eine wichtige Botschaft enthalten. Zuerst war da die Enttäuschung darüber, dass die Europäische Zentralbank im Dezember keine nennenswerten geldpolitischen Anreize mehr setzte. Dann machte man sich Sorgen über den US-Hochzinsmarkt und zur Jahreswende kamen erneut Befürchtungen hinsichtlich der chinesischen Währung auf. Bei fallenden Ölpreisen machte sich dann in den ersten Wochen des neuen Jahres Angst auf den Aktienmärkten breit. Seit Kurzem ist der globale Finanzsektor wieder in den Fokus gerückt. Diese Schocks mögen oberflächlich betrachtet nichts miteinander zu tun haben, aber sie sind alle in einem Umfeld aufgetreten, das von nachlassendem globalem Wachstum, gemässigtem Inflationsdruck und (im Ergebnis) einer Ausweitung der Massnahmen der globalen Zentralbanken geprägt war.
Risikofaktor anhaltende Verunsicherung
Andererseits sind die Nachfragedaten aus den grossen Industrienationen - insbesondere was die Arbeitsmärkte betrifft – fundamental solide und das heisst, eine Rezession ist nicht unvermeidlich. Umgekehrt bedeutet das aber auch nicht, dass wir sie sicher vermeiden können. Relativ sicher ist nur: Wie in der wahren Liebe läuft dieses Jahr wohl auch in der Weltwirtschaft nicht alles ganz so reibungslos. Um das Rezessionsrisiko einschätzen zu können, muss man die Marktvariablen beobachten und wissen, dass auf diesen basierende Vorhersagen tendenziell zu stark ausfallen. Man muss zeitnahe wirtschaftliche Daten beachten und hierfür Stimmungsumfragen, wöchentliche Arbeitslosenzahlen und Auftragseingänge beobachten und dabei beachten, dass sie den Entwicklungen als Spätindikatoren hinterherhinken. In einer idealen Welt würden innovative geldpolitische Massnahmen dem Risiko entgegenwirken und den Kreislauf unterbrechen. Aber die jüngsten Entwicklungen sind noch nicht ausreichend getestet und es wird Zeit brauchen, bis sich alles gesetzt und etabliert hat. Solange besteht weiterhin die Gefahr, dass die Unsicherheit hinsichtlich der Wirkung der quantitativen Lockerung und der Negativverzinsung die Angst nicht schmälert, sondern schürt, und so eine Brutstätte für weitere „kleinere Schocks“ entsteht. Und je länger die Unsicherheit auf den Märkten anhält, desto grösser ist das Risiko, dass die andauernde negative Stimmung sich als „Self-fulfilling Prophecy“ bewahrheitet oder zumindest die ohnehin bescheidenen globalen Wachstumsaussichten bremst.