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Die Dissertation «Kulturlabor Seoul» entschlüsselt in Seouler Parkanlagen kulturell tradierte Gestaltungskonzepte, und untersucht deren Wahrnehmung, Bedeutung sowie gestalterische Übertragung in das 21. Jahrhundert.
In Südkorea vollzog sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein tiefgreifender wirtschaftlicher und sozialer Wandel, der alle Lebensbereiche umfasste: Die Transformation vom Agrar- zum exportorientierten Industriestaat ereignete sich innerhalb weniger Jahrzehnte und forderte ein grosses politisches, wirtschaftliches und soziales Engagement. Nach dem Korea-Krieg (1950-1953) führte eine schnelle Urbanisierung und Modernisierung sowie die Öffnung für den internationalen Markt zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.
Im Zuge dessen übernahmen südkoreanische Landschaftsarchitekten amerikanische und europäische Gestaltungstheorien, -techniken und -elemente. Als Resultat entstanden zahlreiche Landschaftsarchitekturprojekte, die «westliche» Design-Stile imitierten. Das kulturell tradierte Wissen der koreanischen Bau- und Gartenkunst, beispielsweise Pungsu-jiri, wurde in vielen Fällen nicht in die Planung einbezogen. Pungsu-jiri sind Lehren der koreanischen Geomantie, die die räumliche Anordnung, Ausrichtung und Verwendung spezifischer Orte zum Nutzen der Menschen festlegen. Diese Lehren haben in Korea seit der Chosŏn-Dynastie (1392–1910) nicht nur die Gestalt der Städte und Landschaften geprägt, sondern auch den Volksglauben sowie das Raum- und Naturverständnis. Der Verlust dieser traditionellen Besonderheiten führte zu einer kritischen Debatte über Identität und Kultur innerhalb der südkoreanischen Landschaftsarchitektur.
Seit den 1990er Jahren kann jedoch beobachtet werden, dass Politiker zunehmend eine Rückkehr zur koreanischen Kultur, Geschichte und Natur fordern. Dieser Paradigmenwechsel wurde von der Stadtpolitik von Seoul eingeleitet und hat die Hauptstadt seither in eine Art Laboratorium verwandelt. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Landschaftsarchitekturprojekte realisiert, die versuchen kulturell tradierte und modernen Gestaltungsansätze zu verbinden. Diese Projekte erhielten in der Fachwelt und in den Medien große Aufmerksamkeit, allerdings wurden die Gestaltungstrategien sowie die teilweise im Verborgenen übertragenen Bedeutungsmuster dieser Projekte wissenschaftlich nicht eingehend untersucht.
Die Doktorarbeit erforscht diese Projekte in Hinblick auf die Wahrnehmung und Bedeutung von kulturell tradierten Gestaltungsansätzen und forciert ein kulturspezifisches Landschaftsdesign innerhalb der heutigen Gestaltungspraxis.
Kontakt
Projektbetreuung
Prof. Christophe Girot
Finanzierung
Projektfinanzierung durch den Schweizerischen Nationalfonds SNF
Projektlaufzeit
2016 – 2019
Status
Laufende Dissertation