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Die Geschichten und Mythen über ihn sind ebenso zahlreich wie fantasievoll. Seit jeher versetzt er die Menschen gleichsam in Furcht und Faszination. Er ist der grösste Raubfisch der Erde, und eine der bedrohtesten, aber auch der wichtigsten Arten: Der weisse Hai.
Weisse Haie sind sehr weit verbreitet, da sie sich (anders als die meisten wechselwarmen Haiarten) als warmblütige Fische gut an verschiedene Temperaturen anpassen können. Durch Beifang und Trophäenjagd selten geworden. Nicht anzutreffen sind sie in der Ostsee, dem Toten Meer, den Polarregionen oder jeglichen Süssgewässern. Am liebsten ziehen sie entlang der Küstengebiete, wo sie in flacheren Gewässern auf Jagd gehen. Lange Wanderungen um den Globus unternehmen zumeist nur die Männchen.
Forscher vermuten eine Lebensspanne von ca. 70 Jahren, aber gesicherte Erkenntnisse darüber, wie alt ein weisser Hai wirklich werden kann, gibt es nicht. Bestimmen lässt sich das Alter anhand der Grösse. Einige Weibchen werden bis zu sieben Meter lang und drei Tonnen schwer, doch die meisten Tiere messen nicht mehr als fünf Meter.
Das Sozialverhalten konnte bisher kaum untersucht werden, da man Weisse Haie zumeist alleine oder in Paaren, selten in grösseren Gruppen vorfindet. Da sie anders als Wale keine Laute erzeugen können, vermutet man eine Kommunikation über Körpersprache und Schwimmbewegungen. Angelegte Brustflossen und ein Schlagen der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche gelten als Drohgebärden.
Der weisse Hai hat sich über die Jahrtausende perfekt an die Lebensbedingungen im Ozean angepasst. Der torpedofähige Körper mit der spitzen Schnauze lassen ihn Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometer erreichen, wobei der Antrieb fast ausschliesslich durch Schwingbewegungen der grossen Schwanzflosse generiert wird. Wie die meisten Haiarten besitzt auch der weisse Hai ein Revolvergebiss. Seine Zähne werden das ganze Leben hindurch kontinuierlich nachgebildet. Dadurch verfügt er über mehrere Reihen an Zähnen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Die dunkel schattierte Haut seines Rückens lässt ihn von oben betrachtet fast unsichtbar erscheinen, so dass er sich seiner Beute unerkannt nähern kann. Vor allem Robben und Seelöwen werden impulsiv von unten angegriffen, was den Hai und seine Beute oftmals weit über die Wasseroberfläche hinausschiessen lässt. Zum Zeitpunkt des Bisses dreht der Hai seine Augen im Sockel nach hinten, vermutlich um sie vor Verletzungen zu schützen.
Weisse Haie ernähren sich von diversen Arten, unter anderem Wirbellose, Krustentiere, Knochenfische, Knorpelfische und kleinere Meeressäuger, aber gelegentlich auch von Meeresschildkröten und Seevögeln. Schwertwale gelten als ihre einzigen natürlichen Feinde. Anders als in vielen Filmen und Geschichten dargestellt, werden Menschen nur in Ausnahmefällen angegriffen, beispielsweise bei Verwechslungen mit Robben. Hierbei tötet der Hai zumeist nicht, sondern lässt seinen Fang direkt wieder los. Trotz ihrer Grösse und Kraft verhalten sich Weisse Haie auch in der Gegenwart von Menschen meist neugierig, aber nicht aggressiv.
Haie gehören zu den wichtigsten Lebewesen auf unserem Planeten. Sie stehen an der Spitze der Nahrungskette im Ozean und sorgen für das Gleichgewicht der marinen Ökosysteme, welche auch unsere Lebensgrundlage bilden. Durch starke Bejagung und Treibnetzfischerei sinken die Bestände drastisch ab. Wie viele Tiere noch übrig sind, und ob es eine Chance gibt sie zu retten, weiss niemand. Aber eines ist klar: Auf einem Planeten ohne Haie können auch keine Menschen mehr leben.