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Neue, sehr teure und in der Schweiz noch nicht zugelassene Medikamente werden immer öfter angewendet. Darüber, wer die teure Behandlung bezahlen soll, herrscht Uneinigkeit.
Die neulich in den USA zugelassene Novartis-Gentherapie Zolgensma kostet umgerechnet 2,1 Millionen Franken pro Therapie.* Solche innovativen Therapien, für die vom Bundesamt für Gesundheit noch kein Preis festgesetzt wurde oder die von Swissmedic in der Schweiz noch gar nicht zugelassen sind, werden von den Krankenkassen meist pro Einzelfall nach gewissen Kriterien geprüft und vergütet.
Für einen Drittel der Schweizer ist mehr als eine halbe Million Franken für eine Behandlung zu viel. Dies zeigt die Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketagent im Auftrag von Comparis. Mehr als zwei Drittel, nämlich 69,4 Prozent der Befragten finden, dass der Staat eine Preisbegrenzung für die Offlabel-Medikamente einführen und so die Marktmacht der Pharmabranche beschränken soll.
- Wie viel darf eine Behandlung kosten?
- Wie wird der Behandlungserfolg gemessen?
- Wie sollen teure Behandlungen finanziert werden?
- Wer soll über die Bezahlung entscheiden?
- Sollen Betroffene die Finanzierung selbst organisieren?
Wie viel darf eine Behandlung kosten?
Gemäss der Umfrage wollen die Schweizerinnen und Schweizer keine Medizin um jeden Preis, aber auch keine Rationalisierung. Nur ein Viertel der Befragten setzt keine Grenze, wie viel eine Therapie pro Patient und pro gewonnenem Lebensjahr kosten darf.
Wie wird der Behandlungserfolg gemessen?
Ein allgemein gültiges Berechnungssystem für Kosten und Nutzen und somit für den Entscheid einer Behandlungsgutsprache analog dem britischen QUALY-System lehnen die meisten ab. QUALY steht für quality-adjusted life-year. Ein Jahr mit vollständiger Gesundheit erhält den QUALY-Wert 1, Tod erhält den Wert 0. In Grossbritannien wird QUALY seit 2013 zur ökonomischen Bewertung eines Behandlungserfolges verwendet. 40 Prozent befürchten durch ein solches System eine Zweiklassenmedizin. 16 Prozent vertrauen auf die Selbstverantwortung und glauben, gut informierte Patienten und Angehörige würden nicht jede erdenkliche Behandlung verlangen. Nur ein Fünftel befürwortet ein QUALY-System mit der Begründung, alle Patienten würde so gleichbehandelt.
Wie sollen teure Behandlungen finanziert werden?
62 Prozent der Befragten fordern, der Staat müsse eine Regelung einführen, wonach Krankenkassen teure Therapien nach Erreichung der vereinbarten Behandlungsziele vergüten müssen. Werden die Therapieziele nicht oder nur zum Teil erreicht, müssten die Pharmaunternehmen einen Teil des Risikos tragen.
52 Prozent der Befragten sehen die Lösung in einem von den Krankenkassen gebildeten gemeinsamen Pool zur Finanzierung der teuren Therapien. Eine zentrale Stelle des Bundes solle über die Behandlungsgesuche entscheiden.
Wer soll über die Bezahlung entscheiden?
Darüber, ob die einzelnen Kassen über den Einsatz von teuren Therapien selbst entscheiden, sind die Befragten geteilter Meinung. 37 Prozent sind dagegen, 30 Prozent dafür.
Sollen Betroffene die Finanzierung selbst organisieren?
In Härtefällen sollen die Betroffenen selbst die Finanzierung organisieren. Dies finden 38 Prozent der Befragten. Möglichkeiten dazu seien Crowdfunding oder wohltätige Stiftungen. 29 Prozent befürchten hingegen, dass mit der Eigeninitiative von Patienten und Angehörigen keine nachhaltige Behandlung sichergestellt werden könne.Hier geht’s zum Medikamentenpreisvergleich
Methodik: Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Marketagent im Auftrag von comparis.ch im Mai 2019 unter 1’000 Personen in der Deutschschweiz und Romandie durchgeführt.
*Zum Vergleich: Die gesamten von der obligatorischen Grundversicherung gedeckten ambulant abgerechneten Medikamentenkosten in der Schweiz beliefen sich im Jahr 2017 gemäss Helsana Arzneimittelreport auf 7,5 Milliarden Franken.