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FFF - Natürliche Wirtschaftsordnung
Freiwirtschaft - was ist das?
Hansjörg Weder
Mein letzter «Forum»-Artikel («Sechs Milliarden Defizit sind sechs zuviel», BaZ Nr. 20, 1995) hat ein lebhaftes Echo ausgelöst. In einem Leserbrief wurde die Frage aufgeworfen, wie sich die Freiwirtschafter eine Wirtschaftsordnung ohne Zins vorstellen. Hier die Antwort.
Nach Auffassung der Freiwirtschafter gab es bis heute noch nie eine wirklich freie Marktordnung, weil der Marktmechanismus u.a. durch bestimmte Monopole gehemmt und in seiner ausgleichenden Funktion gestört wird. Monopole sind wirtschaftliche Machtpositionen einzelner Menschen oder Menschengruppen, die es diesen ermöglichen, von den übrigen Menschen einen Tribut zu erpressen, ihnen einen Teil ihres Arbeitsertrages abzunehmen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen. Die beiden Grundmonopole sind das Geld und der Boden; wer davon mehr besitzt, als er benötigt, kann die weniger Begüterten tributpflichtig machen: Ausbeutung wird möglich. Wichtig in diesem Zusammenhang ist nur die Feststellung, dass zwar das gegenwärtige Wirtschaftssystem auf der Marktwirtschaft beruht, sie aber nicht völlig verwirklicht hat, somit kein eindeutig liberales Gebilde darstellt.
Geld: ein besonderes Gut
Geld ist deshalb so begehrt, weil man es überall und jederzeit gegen alles und jedes eintauschen kann. Mit keinem anderen Gut ist das möglich. Wer eine Kiste Äpfel besitzt, muss diese möglichst schnell auf den Markt bringen, da sonst die Äpfel verderben. Aber auch Produkte, die nicht verderben, müssen möglichst bald angeboten werden, da sie zum Beispiel Lagerhaltungskosten verursachen oder die Nachfrage nachlässt oder von anderen befriedigt wird. Man kann bei allen Gütern einen Angebotszwang feststellen. Lediglich das Geld unterliegt keinem Angebotszwang. Es verdirbt nicht, verursacht keine Lagerkosten und wird jederzeit nachgefragt. Diese Überlegenheit erlaubt es dem Geldbesitzer, beim Ausleihen von Geld, Zins zu verlangen.
«Lagerkosten» für Geld nötig
Der freiwirtschaftliche Lösungsansatz besteht nun darin, die schädliche Umlaufsicherung Zins durch eine andere Umlaufsicherung zu ersetzen: Geld muss, wie alle anderen Güter auch, einem Angebotszwang unterworfen werden. Es müssen «Lagerhaltungskosten» für das Geld eingeführt werden. Die Freiwirtschafter schlagen eine «Nutzungsgebühr» (auch «Liquiditätsprämie» oder «Negativzins» genannt) von etwa sechs Prozent per Jahr vor. Damit wird der Geldbesitzer dem Warenbesitzer gleichgestellt. Er wird nicht mehr arbeitsfreies Einkommen erzielen, sondern sein Geld ausgeben oder ohne Zins ausleihen, um den Kosten für die Nutzungsgebühr zu entgehen. Diese Gebühr fliesst in die Staatskasse. Sie ist in geeigneter Form der Allgemeinheit zuzuführen. Um die Grundidee nochmals deutlich zu machen: Wurden bisher diejenigen, die ihr Geld dem Kreislauf zur Verfügung stellen, belohnt (mittels Zins), so sollen nach freiwirtschaftlicher Vorstellung diejenigen, die ihr Geld nicht erneut dem Kreislauf zur Verfügung stellen, «bestraft» werden (mittels Nutzungsgebühr). Jeder wäre also gezwungen, sein Geld entweder direkt dem Kreislauf zur Verfügung zu stellen, indem er es ausgibt, oder indirekt, indem er es bei einer Bank zinsfrei anlegt, die es dann zinsfrei gegen geringe Gebühr verleiht.
Die Aufgabe der Nationalbank
Damit das Geld aber auch seine Funktion als Wertmassstab und Wertaufbewahrungsmittel erfüllen kann, muss es inflations- und deflationsfrei sein. Dies aber ist Aufgabe der Nationalbank, die durch Beobachtung des Preisindexes die Geldmenge dem Bedarf ständig anpasst. So wie ein Meter immer gleich lang und ein Kilo immer gleich schwer zu sein hat, so hat auch der Franken immer gleich kaufkräftig zu sein.
Eklatante Vorteile
Die Vorteile dieser Art Geldordnung, die hier nur skizzenhaft aufgezeichnet werden können, sind eklatant:
Die ungerechte, einseitige Verteilung von Vermögen (und Macht) hört auf.
Der Zwang zum Wirtschaftswachstum entfallt.
Umweltschutzprojekte werden rentabler.
Die Arbeitenden erhalten ihren vollen Arbeitsertrag.
Das Geld verliert seine Götzenstellung.
Prof. H.C. Binswanger sagte: «99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich.»

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