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Laut einem Bericht in der NZZ nahm die Stadtpräsidentin Corine Mauch an einer Gedenkveranstaltung in der Zürcher Synagoge teil und drückte damit ihre Solidarität mit der jüdischen Bevölkerung aus, die nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober einem zunehmenden Antisemitismus ausgesetzt ist.
In ihrer Rede kam Mauch auf die Kunstsammlung von Emil G. Bührle zu sprechen. «Bührle konnte diese nur aufbauen, weil er mit dem NSDAP-Regime gute Geschäfte gemacht hatte und dann von der Verfolgung jüdischer Menschen profitierte», wird sie zitiert. Sie bedauere, heisst es weiter, dass der Fokus bei der Präsentation der Sammlung im Kunsthaus erst seit kurzem verstärkt auch auf dem Schicksal der Vorbesitzer der Bilder liege. «Das späte Handeln im Kunsthaus war rückblickend ein Fehler – ein Fehler, für den auch ich eine Mitverantwortung trage.»
Zu diesem erstmaligen Eingeständnis dürften Ort, Zeit und Anlass ausschlaggebend gewesen sein; es war, gemessen an den Reaktionen, die Mauchs «Mitverantwortung» ausgelöst hatten, längst fällig. Es hätte früher kommen müssen und dürfte auch zustande gekommen sein unter dem Eindruck der Tatsache, dass kürzlich der Beirat zum Umgang mit der Bührle-Sammlung im Kunsthaus in corpore zurückgetreten ist, weil die Präsentation der Sammlung nicht, wie Mauch in ihrer Rede zum Ausdruck brachte, verstärkt auf den Vorbesitzern der Bilder liege, sondern immer noch zu stark auf Bührle.
Dennoch ist bemerkenswert, dass eine Politikerin eingestanden hat, dass es ein Fehler war, unter ihrer Federführung einen Steuerungsausschuss einzurichten, um die wissenschaftliche Erforschung der Bührle-Sammlung zu zensieren, damit im Zusammenhang mit der Person des Waffenfabrikanten Emil G. Bührle die Begriffe «Antisemitismus, Freikorps und Zwangsarbeit» im Untersuchungsbericht der Universität Zürich zu tilgen seien. Es war ein dreister Versuch, die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung einzuschränken. Dabei ging es um die Einweihung des Neubaus zur Erweiterung des Kunsthauses Zürich, die im Blick auf eine internationale Präsenz möglichst unbelastet von Bührles Schandtaten gefeiert werden sollte, ähnlich vielleicht wie die unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter Maria, um sie von der Erbsünde zu befreien.
Nur geht die Erbsünde der stadtzürcherischen Politik rund um das Zürcher Kunsthaus bereits auf die Jahre vor der Abstimmung über den Baukredit zurück, die im Jahr 2012 mit nur 53 Prozent Zustimmung über die Bühne gegangen war. Hätte die Stadtregierung unter dem Präsidium von Corine Mauch schon damals adäquat über die Provenienz der Bührle-Sammlung, für die der Neubau errichtet wurde, informiert, und hätte sie die Kritik der Autoren des «Schwarzbuchs Bührle» respektiert und nicht dem politischen Kalkül untergeordnet, so wäre die damalige Abstimmung höchstwahrscheinlich anders herausgekommen. In der Tat hatte man die Steuerzahlenden für eine Sammlung zur Kasse gebeten, die untrennbar mit dem Nationalsozialismus verbunden ist, auch in Zukunft. Corine Mauch hatte alles dazu getan, um dies zu kaschieren. Dafür hat sie sich (noch) nicht entschuldigt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Erich Schmid ist Autor und Film-Regisseur. Er lebt und arbeitet im Wohn- und Atelierhaus von Max Bill in Zumikon.
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