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Noch 2019 befand sich die norwegische Low-Cost-Fluggesellschaft Norwegian auf globalem Expansionskurs. Zahlreiche neue Routen nach Nordamerika und Asien wurden angekündigt und auch viele davon aufgenommen. Dafür brauchte es auch eine entsprechende Flotte, wobei Norwegian auf Boeing 787 «Dreamliner» setzte. Die Airline wurde global bekannt und zog durchaus auch Kundschaft an, doch der Preis der Expansion war hoch, und bereits 2018 waren die Zahlen tiefrot, weshalb Norwegian parallel zur Expansion ums Überleben kämpfte. Norwegian fand sich ständig auf Wettlisten hinsichtlich dem nächsten Airline-Konkurs wieder, doch trotz Corona ist die Airline immer noch flügge, allerdings in deutlich reduzierter Form - und kämpft immer noch ums Überleben.
Inzwischen hat die Airline auch ein Einsehen gehabt und die Strategie geändert. Gestern (14. Januar) hat Norwegian eine «vereinfachte Geschäftsstruktur» vorgestellt, welche voll auf ein Kurzstrecken-Netzwerk setzt. Der Fokus liegt künftig wieder auf Domestic-Routen innerhalb Norwegens, gesamtskandinavischen Routen sowie ausgewählten Europa-Strecken. Wie Jacob Schram (CEO, Norwegian) erklärte, werden 2021 Europa-Ziele mit 50 Narrowbody-Flugzeugen bedient; 2022 sollen daraus 70 Flugzeuge werden. Dafür wird Norwegian im Verlauf dieses Jahres die Schuldenlast um 20 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Franken) reduzieren und gleichzeitig frisches Investmentgeld in Höhe von 4-5 Milliarden Kronen (420-525 Millionen Franken) zu erhalten versuchen. Interessenten seien vorhanden und es wird auch mit dem norwegischen Staat - der sich aus der Mitbewerberin Scandinavian Airlines (SAS) zurückgezogen hat - verhandelt.
Was ist mit der Dreamliner-Flotte? Diese ist seit März 2020 komplett gegroundet, und die zukünftige Nachfrage nach Langstreckenflügen ist höchst unsicher. Unter diesen Umständen sei der Betrieb eines Langstreckengeschäfts für Norwegian nicht sinnvoll, und wird deshalb eingestellt. Die Flotte wird Im Ausland - etwa in Italien, Frankreich, Grossbritannien und den USA - haben lokale Norwegian-Geschäftszweige Insolvenz angemeldet; das dort tätige Personal muss mit Entlassungen rechnen. Das sei schmerzhaft, doch gehe es darum, die Firma am Leben zu erhalten und für die Zukunft fit zu machen.
Vor allem hat der Fall Norwegian einmal mehr deutlich aufgezeigt, dass Langstrecken-Lowcost im Flugbereich - man erinnere sich an die Norwegian-Flüge für 200 Pfund ab London nach Brasilien - wirtschaftlich praktisch unmöglich zu betreiben ist.