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Geschichte der Meditation
Geschichte der Meditation
Heute ist es kaum vorstellbar, dass die Technik der Meditation früher ein streng gehütetes Geheimnis war, das nur ausgewählten Nonnen und Mönchen zur Verfügung stand. Fast alle religiösen Gemeinschaften und früh zeitlichen Völker besassen ihre eigenen Zeremonien der Versenkung und der Kontaktaufnahme mit einer höheren Macht. Oft handelte es sich um rhythmische, sich immer wieder wiederholende Gesänge, Tänze und Trommelspiele. Vorwiegend Schamanen und spirituelle Führer wandten diese Techniken an, um in einen tranceähnlichen Zustand zu gelangen. Nicht selten wurden pflanzliche Halluzinogene angewandt, um die Trance zu unterstützen, in der der Meditierende seinen Körper verlassen und Heilung, besondere Eigenschaften, Ratschläge und Zukunftsvisionen für seine Stammesmitglieder aus einer Art Geisterwelt mitbringen konnte.
Die früheste schriftliche Erwähnung der Meditation findet sich in den heiligen indischen Schriften, den Veden, die etwa auf das Jahr 1500 vor Christus datiert werden. Indische Priester nutzten Gesänge und Atemübungen, um einen hochkonzentrierten Zustand herbeizuführen. Um 600 bis 500 vor Christus entwickelten die Taoisten in China ihre eigenen meditativen Praktiken. Der Buddhismus mit seiner Meditation verbreitete sich im ersten Jahrhundert vor Christus in ganz China. Durch den Seidenhandel wurde der Buddhismus auch in andere orientalische Länder getragen. In Japan beispielsweise wurde im Jahr 653 die erste Meditationshalle eröffnet. Die islamischen Meditationsübungen entwickelten sich im achten bis zwölften Jahrhundert und integrieren Atemübungen und das Wiederholen heiliger Worte. Die erste christliche Meditationstechnik wurde zwischen dem zehnten und vierzehnten Jahrhundert in Griechenland entwickelt. Der sogenannte Hesychasmus, abgeleitet vom griechischen Wort für "Ruhe, Stille, Frieden, Schweigen, Einsamkeit, Gelassenheit", beinhaltet Atemübungen und das wiederholte Aufsagen des Jesusgebets.
Die Buddhistische Meditation
Kaum eine Glaubenslehre wird so eng mit Meditation verbunden wie der Buddhismus. Es war ein meditierender Mönch, der den Urvater des Buddhismus, Siddharta Gautama, dazu anregte, sich selbst auf die Reise ins Innere zu begeben. Der reiche Königssohn suchte nach einem Ausweg aus dem menschlichen Leiden, aus Altern, Krankheit und Tod. Er übte sich in Askese und zog als Bettelmönch umher, bis er schliesslich bei der Meditation unter einer Pappelfeige die Erleuchtung erlangte. So wurde er zum ersten Buddha, dem "Erwachten", der seine Unwissenheit und alle leidbringenden Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen überwunden hatte. Buddha lehrte seinen Weg aus dem unendlichen Rad des Verlangens, des Leidens und der Wiedergeburt hin zu einem Weg der Liebe, des Mitgefühls und der Freiheit bis an sein Lebensende.
Auch wenn Buddha die Meditation nicht erfand, er machte sie populär und zugänglich für alle Altersklassen, Geschlechter, Stände und Kulturkreise. Ziel der buddhistischen Meditation ist die Erleuchtung. Auf dem Weg zur Erleuchtung soll der Meditierende zunächst lernen, sich von allen störenden Gedanken und Gefühlen zu befreien. Es folgt das Sammeln positiver Eindrücke und Gefühle wie Liebe, Mitgefühl, Furchtlosigkeit und Inspiration im Geist. Schliesslich werden diese positiven Eindrücke an alle Lebewesen verschenkt, um letztendlich das Ego zu überkommen und seine eigenen Buddhaschaft zu entdecken. Angewandte Techniken sind die Konzentration auf den Atem, Licht, bestimmte Objekte und positive Gefühle. Die Samatha-Meditation schafft Ruhe im Geist, die Vipassana-Meditation dient der Entwicklung des Klarblicks oder der Hellsichtigkeit. Die Meditation mit Ziel der Erleuchtung wird im Buddhismus passenderweise auch als "Entwicklung" bezeichnet. Immer wieder betonte Buddha auch die Wichtigkeit der Achtsamkeit, also der wertfreien und neutralen Fähigkeit, immer im Ist-Zustand, im Hier und Jetzt zu sein.
Meditation heute
Noch in den 60er Jahren musste man in entfernte Länder zu geheimnisvollen Yogis und Gurus reisen, um die Meditation zu erlernen. Doch immer mehr Lehrer fanden ihren Weg in den Westen, wo heute jeder aus einer Fülle verschiedenster Meditationstechniken wählen kann. 1893 wurden asiatische spirituelle Lehren auf dem Weltparlament der Religionen erstmals einer breiten Öffentlichkeit im Westen präsentiert. Zu den Pionieren, die asiatische Geisteslehren in den USA verbreiteten, gehörten die Zen-Mönche Soyen Shaku und Nyogen Senzaki. In den 1920er Jahren zog der Yogi Yogananda in die USA, der bis heute weltweit eine grosse Anhängerschaft hat. Der hinduistische Denker Krishnamurti kam in den 40er Jahren nach Nordamerika und verbreitete zusammen mit seinem berühmtesten Schüler Aldous Huxley jahrtausendealte hinduistische Schriften.
In den 50er Jahren begann der Zen-Mönch D. Suzuki an der Columbia University zu lehren. Zu seinen Schülern gehörten die berühmten Psychoanalytiker Karen Horney und Erich Fromm. In den 60er Jahren machten die Beatles die transzendentale Meditation salonfähig. Die Erkenntnis, dass Meditation bei verschiedensten Krankheiten, Krisen und Problemen helfen kann, verbreitet sich immer weiter. Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, kann auch die moderne Wissenschaft immer mehr dieser positiven Wirkungen nachweisen und erklären. Die berühmteste, am besten erforschte und am meisten anerkannte Meditationstechnik ist wohl die von dem Wissenschaftler und Professor Jon Kabat Zinn entwickelte Achtsamkeitsmeditation, auf englisch "Mindfulness-Based Stress Reduction". Sie wird in vielen Therapiebereichen eingesetzt und von der modernen Medizin weitgehend als eigenständige oder ergänzende Behandlungsform anerkannt.
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