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Die gegenwärtige Situation der Philosophie läßt sich durch den Konsens charakterisieren, daß wir, vernünftige, denkende, handelnde Wesen, die wir sind, wesentlich materiell, leiblich und zeitlich existieren, und daß das dafür entscheidend ist, was Vernunft, Denken, Handeln sind. Dieser Konsens bezeichnet jedoch kein geteiltes Fundament, sondern den Punkt, in dem konträre Auffassungen aufeinandertreffen.
Man kann die Debatte um drei Pole organisieren. Im englischen Sprachraum dominiert der Naturalismus, der zeigen will, daß und wie sich Vernunft, Moral, Erkenntnis dem, was sich mit den Mitteln der Naturwissenschaften untersuchen läßt, einordnen. Im deutschen und französischen Sprachraum halten viele an Folgeprojekten der Transzendentalphilosophie fest, deren Grundbegriff nicht der des Menschen, sondern der des freien, vernünftigen Subjekts ist. Nach ihnen setzt uns unsere Freiheit instand, jede Natur, insbesondere jede vorgebliche Natur des Menschen, zu übersteigen. Schließlich bilden von Wittgenstein und Aristoteles inspirierte Positionen einen dritten Pol, für die die philosophische Untersuchung eine Form der Aufklärung des menschlichen Lebens über sich selbst ist, was dann jedoch bedeutet, daß das menschliche Leben nicht ausschließlich und nicht zuerst ein Gegenstand naturwissenschaftlicher Erkenntnis ist.
Die drei Familien von Positionen bilden ein Dreieck: Den Naturalismus verbindet mit an Wittgenstein und Aristoteles anschließenden Positionen, daß für beide der Begriff des spezifisch menschlichen Lebens eine materielle Wirklichkeit bezeichnet, auf die sich die traditionellen Fragen der Philosophie beziehen. Die letzteren sind mit transzendentalen Positionen durch den Gedanken verbunden, daß daraus, daß der Mensch wesentlich materiell, leiblich und zeitlich existiert, nicht folgt, daß die empirische Erforschung des Menschen die Stelle der Philosophie treten kann. Schließlich verbindet Naturalismus und transzendentale Positionen die Idee, daß menschliche Freiheit eine Freiheit von jeder und damit auch der menschlichen Natur ist, weshalb Naturalisten aufzudecken vorgeben, daß es Freiheit nicht gebe, während transzendentale Positionen jeder "Naturalisierung" vorwerfen, gesellschaftlichen Zwang zu verdecken. Das Zentrum des Dreiecks ist der Begriff des menschlichen Lebens. An seiner Bestimmung entscheidet sich, wie die Einheit von Vernunft und Materie, von Freiheit und Natur, die wir sind, zu verstehen ist.