Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03464.jsonl.gz/1548

Veröffentlichung der Resultate der Studie SWISS INTERNATIONAL ENTREPRENEURSHIP SURVEY (SIES) 2016
Die Studie Swiss International Entrepreneurship Survey (SIES) der Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HSW-FR) in Partnerschaft mit PostFinance basiert auf Angaben von über 600 KMU aus allen Landesteilen der Schweiz.
Die Studie von 2016 zeigt, dass die internationalen Schweizer KMU den Härtetest der Frankenstärke und grundsätzlich der Globalisierung relativ gut bewältigen. Sie haben den Aufwertungsdruck mehr oder minder verdaut, konnten sich dem veränderten Währungsumfeld anpassen und beurteilen ihre Perspektiven selbst wieder zuversichtlicher. Die Resultate belegen unter anderem, dass die globale Öffnung einen positiven Effekt auf die Innovationskraft hat.
Die Auslandsnachfrage bleibt der Hauptmotor für die Internationalisierung
Eine vergleichende Analyse der Ergebnisse von 2016 mit den Resultaten der drei vorherigen Studien (2007, 2010, 2013) ermöglicht, die Entwicklung des Internationalisierungsverhaltens von Schweizer KMU differenziert zu erfassen. Eine Haupterkenntnis ist, dass die Auslandsnachfrage als Grund zur Internationalisierung zwar an Relevanz verloren hat, aber nichtsdestotrotz ihr Hauptmotor (72% im 2013 gegen 54% im 2016) bleibt. Zu erklären ist dies damit, dass die Auswirkungen des starken Schweizer Frankens seit Anfang 2015 vermehrt spürbar sind. Die nicht vorteilhaften Wechselkurse motivieren die Schweizer KMU, forciert den Heimmarkt ins Visier zu nehmen. 2007 bezeichneten 58% der befragten KMU das limitierte Potential des Heimmarktes als Hauptgrund für Internationalisierung, 2016 nur noch 42%.
Schutz gegen den starken Schweizer Franken
Um ihre Abhängigkeit von den europäischen Märkten und von den Risiken des starken Schweizer Frankens zu reduzieren (81% der KMU sind in Westeuropa aktiv), wird für unsere exportierenden KMU immer entscheidender, von den globalen Märkten zu profitieren. In verschiedenen globalen Märkten aktiv zu sein, erlaubt zum einen, Risiken zu minimieren; zum andern können als Zulieferer und/oder Element globaler Wertschöpfungsketten neue Geschäftsgelegenheiten generiert werden. Ende 2015 waren mehr als ein Drittel der befragten KMU in Nordamerika, 20% in Südostasien präsent.
Professionalisierung der Internationalisierung
Der direkte Export ist zwar wie in vorangehenden Jahren der meistgewählte Internationalisierungsweg der befragten Schweizer KMU, allerdings zeigen sich Veränderungen: In ausländische Märkte treten nunmehr häufiger Grossabnehmer ein. Der Anteil an KMU, die über Auslandsniederlassungen, Tochtergesellschaften oder mittels eines ausländischen Produktionsbetriebs mit eigener Vertriebsstruktur international agiert, ist ebenfalls signifikant gestiegen. Dies unterstreicht, dass sich die Entscheidungsträger mit dem internationalen Geschäft professioneller als früher auseinandersetzen.
Internationalisierung als Doping für Innovation
Der Internationalisierungsprozess birgt nicht nur gewisse Risiken, sondern auch diverse Chancen. So kann sich die internationale Öffnung eines KMU positiv auf dessen Innovationskraft auswirken, und zwar im Hinblick auf die Entwicklung neuer Produkte, auf eine bessere Qualifikation des Personals sowie die Anzahl Patente. Indem die KMU ihre Produkte oder Dienstleistungen den internationalen Marktbedingungen anpassen, verlassen die KMU ihre Komfortzone und erhöhen ihre Adaptionsfähigkeiten.
Globale Städte als Hub für kulturell entfernte Weltregionen
Die Studie 2016 konstatiert die Vorgehensweise der KMU mittels „Hubs“, wenn sie in räumlich und kulturell entferntere Regionen expandieren, etwa nach Japan, Zentralamerika oder Südostasien. Tritt ein KMU in kulturell andersartige Märkte ein, wird der Geschäftserfolg meist über eine Mega-Metropole wie Tokio (70,4%), Mexiko-Stadt (51,7%) oder Singapur (48,7%) wesentlich mitentschieden. In diesen Metropolen konzentrieren sich lokale Entscheidungsträger und spezialisierte Dienstleister in Informatik, Marketing, Recht, Finanzen oder Kommunikation. Die Innovationskapazität der KMU hängt markant von solchen Netzwerken ab, die den Firmen bei der Erkennung und Umsetzung von Geschäftsgelegenheiten dienen.
Nur rund ein Sechstel der KMU sind von der Partnerschaft mit Hochschulen überzeugt
Lediglich 14,6% der befragten KMU sind der Meinung, dass in Zukunft die Kooperation in Forschung und Entwicklung mit Universitäten und Fachhochschulen für Innovationsprojekte erfolgsversprechend ist. Dies ist ein alarmierendes Signal und offenbart den Mangel an engen und befriedigenden Zusammenarbeitsmodellen zwischen KMU und Schweizer Hochschulen. An die Publikation der Studie SIES 2016 folgend, organisiert die HSW-FR mit Unternehmern in der Schweiz deshalb verschiedene Workshops zu Internationalisierungsstrategien von KMU
Ein Viertel der Entscheidungsträger internationaler KMU haben keine internationale Erfahrung.
Die Befragung indiziert auch, dass mehr als die Hälfte der Befragten berufliche Auslandserfahrung gesammelt oder längere Auslandsaufenthalte verbracht hat. Überdies weist knapp die Hälfte konkrete Arbeitserfahrung in einem internationalen Unternehmen auf, 21,2% wurden sogar im Ausland ausgebildet. Als problematisch ist zu bewerten, dass ein Viertel der Befragten über keinerlei Auslandserfahrung verfügt. Aus diesen Gründen investiert die HSW-FR vermehrt in die Ausbildung internationaler Unternehmer. Mit Programmen wie dem International Bootcamp, mit Studienreisen in die USA (Boston, Silicon Valley), nach Singapur oder in Regionen in China sowie mit einem dreisprachigen Bachelor-Lehrgang eignen sich Studierende und Teilnehmer Kompetenzen an, die für eine internationale Karriere unabdingbar sind.