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Datierung
1990
Blattmasse
49 x 50 cm
Technik/Material
Kupferstich
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers und Gret Utzinger
Inv.-Nr.
SK07016
Ohne Titel
Jahresgabe der Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst, 1990
Im Mittelpunkt des Werks von Jean Pfaff (1945, Basel, CH) steht das Wahrnehmungsfeld der Farbe. Während seiner Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste München (1965–1967) sowie an der Hochschule der Bildenden Künste Hamburg (1967/1968) fand, sozusagen als Vorstufe seines künftigen Schaffens, eine intensive Auseinandersetzung mit ihren physikalischen, physiologischen und psychologischen Aspekten statt. In den 1970er-Jahren machte Pfaff sie zum Gegenstand einer primär analytischen, der Minimal und Concept Art nahestehenden Untersuchung, und auch in seinen nachfolgenden Werken blieb sie der bestimmende Faktor: in seinen geometrischen Abstraktionen der 1980er-Jahre und deutlicher noch in der gegen Ende des Jahrzehnts erfolgten Ausweitung auf das monochrome respektive polychrome Strukturfeld. Beispielhaft für die 1980er-Jahre ist «Römisch-Rot II», das in der Konfiguration einer dominanten roten Farbfläche mit zwei sie begrenzenden schwarzen Doppelbalken zu einer grösseren, farblich ausdifferenzierten Werkfolge gehört. Möglicherweise lässt sich darin ein Vorzeichen der nun in den Vordergrund rückenden Beschäftigung mit dem monochromen Bildfeld erkennen, wovon der Gelb-Grau-Dialog des Diptychons «Ohne Titel (Nr. 10/06)» von 1987, das intensive Blau von «Azul-Indigo» aus dem Zyklus der Emaille-Lack-Arbeiten auf Papier oder auch der aus der Überlagerung von Gelb und Blau entstandene grünliche Kupferstich «Ohne Titel» von 1990 Zeugnis ablegen. Der Hintergrund dieser Verlagerung beruhe, so Pfaff, auf seiner Intention, «nicht mehr mit der Farbe, sondern an der Farbe arbeiten zu wollen», d. h. sich von der Farbe ausgehend auf die Grundprinzipien der Malerei, wie sie in den 1970er-Jahren von den Vertretern des Radical Painting verfasst wurde, zu besinnen. Fortan werden die Bedingungen der Malerei – «color – paint – surface» – in periodischem Wechsel unter jeweils neu definierten Gesichtspunkten ergründet. Jede der inzwischen rund zwanzig Werkfolgen – darunter Tafelmalerei, Arbeiten auf Papier, Bild- und Bodenobjekte – verkörpert in ihrem jeweiligen Beziehungsmodus zwischen Farbe (Tonwert und Materialität), Farbauftrag (lasierend oder blickdicht, neutral oder getröpfelt und verwischt) und Bildträger (Leinwand, Baumwolle, Sperrholz, MDF, Papier) eine je andersartige, subtil austarierte bildnerische Konstellation.
Pfaffs langjährige Beschäftigung mit dem Wahrnehmungsfeld der Farbe beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf die Kunst. Pfaff ist ein weithin geschätzter Experte für bauliche Farbgestaltung; mit seinen präzis durchdachten Ausführungen hat er wesentlich zur farblichen Neuausrichtung in der aktuellen Schweizer Architektur beigetragen.
Elisabeth Grossmann