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Mit seinem Gesamtsieg am 102. Giro d‘ Italia hat Richard Carapaz für sein Heimatland Ecuador Sportgeschichte geschrieben. Er ist der erste Fahrer aus der Anden-Republik, der eine der grossen Rundfahrten gewinnen kann. Geschichte hatte Carapaz bereits 2018 geschrieben, als er am Giro als erster Ecuadorianer eine Etappe einer Grand Tour gewann. Und notabene ist Carapaz nach den Kolumbianern Lucho Herrera und Nairo Quintana auch erst der dritte Südamerikaner, der eine grosse Rundfahrt gewinnen kann.
Der neue Nationalheld
Doch nicht nur für den Radsport ist der Sieg des 26-Jährigen bedeutend. Ecuador ist auf der Weltkarte des Sports ein ziemlich weisser Fleck. Zwei Olympiamedaillen hat man seit 1924 verbuchen können, beide durch den Geher Jefferson Perez (Gold 1996 in Atlanta, Silber 2008 in Peking).
Der neue Nationalheld heisst nun also Richard Carapaz. «Ich glaube, das ganze Land schaut den Giro. Auch wenn die Leute sehr früh aufstehen müssen», freute er sich. So tut dies auch sein 58-jähriger Vater, der sich daneben um Kühe, Hühner und Schweine kümmert. Mutter Ana ist dagegen auf Einladung einer TV-Station nach Italien gereist.
Fast ein Kolumbianer
Für den Radsport brachte Carapaz beste Voraussetzungen mit. Geboren wurde er in El Carmelo in der Provinz Carchi, nahe der Grenze zu Kolumbien, auf einer Höhe von knapp 3000 Metern über Meer. Bereits mit 15 Jahren ging er zur Ausbildung in Kolumbiens Hauptstadt Bogota, bereits damals trug er den Spitznamen «La Locomotora de Carchi».
2015 gewann Carapaz das wichtigste U23-Rennen in Kolumbien, worauf ihm der Sprung nach Europa und ins Team Movistar gelang. In der Equipe um Quintana, Alejandro Valverde und Mikel Landa («Mit ihm habe ich einen Lehrer, auf den ich mich konzentrieren und viel von ihm abschauen kann») reifte er weiter, ein Etappensieg und ein 4. Gesamtrang am Giro 2018 waren die ersten Ausrufezeichen.
Die Lehren von 2018 gezogen
Ein Jahr später steht Carapaz nun als Gesamtsieger da. Mit einer souveränen 3. Woche hat er sein Leadertrikot bis in die Arena di Verona verteidigt. Erobert hatte er die Maglia rosa eine Woche zuvor mit seinem Solosieg in Courmayeur. Carapaz profitierte dabei von der Passivität der Top-Favoriten Vincenzo Nibali und Primoz Roglic, die sich gegenseitig belauerten und den Ecuadorianer ziehen liessen.
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Carapaz ausgerechnet von einer solchen Blockade-Situation profitierte. Noch im Vorjahr hatten er und Miguel Angel Lopez sich im Kampf ums Nachwuchstrikot in der Etappe über den Colle dell Finestre ganz ähnlich verhalten und Tom Dumoulin die Unterstützung verweigert. Chris Froome konnte profitieren und fuhr mit einem grossen Solo zum Giro-Sieg.
Carapaz nutzte die Taktik 2018 nichts, er blieb in der Nachwuchswertung Zweiter hinter Lopez. Doch er hat seine Lehren daraus offenbar gezogen.
Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 28.05.2019, 22:20 Uhr