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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

7. Buch
6. Varros Ansicht, wonach Gott die Seele der Welt ist, die Welt jedoch in ihren Teilen viele Seelen hat, deren Natur göttlich ist.
Also unser Varro sagt, und zwar noch in der Vorrede, wo er von der natürlichen Theologie spricht, daß er der Meinung sei, Gott sei die Seele der Welt, des κόσμος, wie die Griechen sagen, und diese Welt selber sei Gott; wie man aber den weisen Mann, obwohl er aus Leib und Geist bestehe, doch nur mit bezug auf den Geist als weise bezeichne, so werde die Welt Gott genannt mit bezug auf den Geist, obwohl sie aus Geist und Leib bestehe. Damit bekennt er sich doch wie immer zu einem einzigen Gott; um aber für mehrere auch Platz zu machen, fügt er bei, die Welt zerfalle in zwei Teile, in Himmel und Erde; und der Himmel wieder in zwei, in Äther und Luft, die Erde aber in Wasser und Land; davon sei das oberste der Äther, an zweiter Stelle komme die Luft, an dritter das Wasser, an letzter das Land; all diese vier Teile wimmelten von Seelen, Äther und Luft von unsterblichen, Wasser und Land von sterblichen. Zwischen der äußersten Grenze des Himmels und der Kreisbahn des Mondes hätten als Sternbilder und Sterne die ätherischen Seelen ihren Platz und das Dasein dieser himmlischen Götter erkenne man nicht bloß mit dem geistigen Auge, sondern nehme es auch mit den physischen Augen wahr; zwischen der Mondbahn und den höchsten Schichten der Wolken und Winde sodann befänden sich die Luftseelen, doch diese gewahre man nur mit dem Geiste, nicht auch mit den Augen und man nenne sie Heroen, Laren und Genien. Das also ist die in jener Vorrede kurz dargelegte natürliche Theologie, die nicht nur bei Varro Anklang gefunden hat, sondern auch bei vielen Philosophen; von ihr wird eingehender zu handeln sein, sobald ich unter dem Beistand des wahren Gottes mit der staatlichen Theologie fertig gemacht und den Rest davon, der sich auf die auserlesenen Götter bezieht, erledigt habe.