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«Nukleare Stromerzeugungssysteme müssen sicherer sein als andere Stromerzeugungssysteme», war der Ausgangspunkt der Darlegungen von Janice Dunn Lee, Vizedirektorin der Kernenergieagentur NEA der OECD. Vor diesem Hintergrund stellte sie die Prognose auf, dass es sich bei den allermeisten der künftigen Kernkraftwerke um standardisierte Systeme einiger weniger Reaktorbaureihen handeln werde. Als Beispiel wies sie auf das «Multinational Design Evaluation Programme» (MDEP) der NEA hin, einer multinationalen Initiative zugunsten der Aufsichtsbehörden, die auf die Harmonisierung der Sicherheitsnormen bei neuen Reaktorsystemen hinarbeitet. Mitglieder der MDEP sind zurzeit zehn Länder (China, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Japan, Kanada, Russland, Südafrika, Südkorea und die USA).
Ziel dieser Initiative ist es, die Sicherheitsstandards weiter anzuheben, die Auslegungsprüfung durch die Behörden zu vereinfachen und dank der internationalen Abstützung die Akzeptanz der Sicherheitsziele in der Öffentlichkeit zu verbessern. Die MDEP läuft parallel zu ähnlichen Bestrebungen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der Western European Nuclear Regulators Association (Wenra), an der auch die Schweiz beteiligt ist.
EU besinnt sich auf die Kernenergie
Ute Blohm-Hieber von der Generaldirektion Energie und Verkehr der Europäischen Kommission stellte die drei aktuellen Initiativen der EU im Bereich der Kernenergie vor. Die am 8./9. März 2007 von den 27 Regierungschefs der EU verabschiedete, künftige «20-20-20»-Energiepolitik sieht vor, bis ins Jahr 2020 die Energieeffizienz um 20% zu steigern, den CO2-Ausstoss um 20% zu vermindern und den Anteil der erneuerbaren Energien auf 20% zu erhöhen. Die Regierungschefs hielten dabei fest, dass die Kernenergie bezüglich Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit grosse Vorteile habe. «Anders als früher soll die Kernenergie bei der Zielerreichung eine bedeutende Rolle spielen», betonte Blohm-Hieber, wobei weiterhin gelte, dass der Entscheid zur Nutzung der Kernenergie auf der nationalen Ebene bleibe.
EU-Aktionsplan auf drei Pfeilern
Gemäss Blohm-Hieber umfasst der Aktionsplan der EU gegenwärtig drei Schwerpunkte:
- die «High Level Group for Safety» (HLG) zur Unterstützung der nationalen Aufsichtsbehörden: Ziel ist, auf europäischer Ebene schrittweise gemeinsame Ansätze im Bereich der nuklearen Sicherheit zu entwickeln. Das Panel hat am 12. Oktober 2007 seine Arbeit offiziell aufgenommen und am 11. Januar 2008 drei Arbeitsgruppen zu den Themen Reaktorsicherheit, radioaktiver Abfall und Transparenz gebildet.
- die «Sustainable Nuclear Energy Technology Platform» (SNE-TP) zur fokussierten Förderung von Forschung und Entwicklung. Im Rahmen dieser Technologieplattform haben führende Vertreter der europäischen Wissenschaft und Industrie im Herbst 2007 gemeinsame Empfehlungen für eine Forschungsagenda der kommenden Jahrzehnte formuliert. Die vorgeschlagenen Forschungsthemen umfassen die weitere Optimierung der heutigen Kernkraftwerke, die Entwicklung fortgeschrittener Rezyklierungstechnologien zur Minimierung der radioaktiven Abfälle, die Inbetriebnahme zweier Schneller Brüter unterschiedlichen Typs bis 2020 sowie die Inbetriebnahme eines Hochtemperaturreaktors, mit dem neben Strom auch alternative Treibstoffe produziert werden können. Nach Angaben von Blohm-Hieber soll die Forschungsagenda bis Ende 2008 bereinigt werden.
- das «European Nuclear Energy Forum» (ENEF): Dieses Forum soll einen politischen Rahmen für Diskussionen und Debatten über die Zukunft der Kernenergie in Europa schaffen. Die Gründungsveranstaltung fand am 26.-27. November in Bratislava statt. Dabei wurden drei Arbeitsgruppen zu den Themen Stärken der Kernenergie, Risiken und Transparenz zur Öffentlichkeit gebildet. Das nächste Forumstreffen findet am 22.-23. Mai 2008 in Prag statt.
Flut von Anfragen bei der IAEO
Schliesslich beleuchtete Ian Facer von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) die Lage der Kernenergie weltweit. Er hielt fest, dass die seit der Mitte der 1980er-Jahre beobachtete Stagnation beim Bau neuer Kernkraftwerke offensichtlich zu Ende ist. Er erinnerte daran, dass an der internationalen Konferenz «Nuclear Power for the 21st Century» im März 2005 in Pariseine deutliche Mehrheit der anwesenden Länder der Auffassung war, dass die Kernenergie einen wichtigen Beitrag zur Lösung der anstehenden Energieprobleme leisten kann. Die wichtigsten Gründe dafür sind der steigende Strombedarf, die Sicherung der Versorgung, der gute Umweltausweis der Kernenergie sowie ihre weltweit immer höhere Zuverlässigkeit.
Vor diesem Hintergrund ist bei der IAEO in den letzten Jahren eine Flut von Länderanfragen um Unterstützung beim Aufbau eines Kernenergieprogramms eingetroffen. Nach Angaben Facers stieg ihre Zahl von zwei Anfragen im Jahr 2001 auf bereits zehn im Jahr 2007, und für die kommenden Jahre erwartet die IAEO eine weitere starke Zunahme (vgl. Karte). Facer gab allerdings zu bedenken, dass die Nutzung der Kernenergie eine anspruchsvolle industrielle und regulatorische Infrastruktur sowie ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen erfordert. Er zeigte sich besorgt, dass einige Länder wohl zu schnell vorangehen und mit dem Bau von Kernkraftwerken beginnen wollen, bevor sie für diese Technologie wirklich bereit sind.
Quelle
M.S.
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