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Für die Grundlastversorgung dürfte er sogar die wirtschaftlichste Lösung sein, wenn eine Treibhausgasabgabe von CAD 15 pro Tonne CO2 (rund 14,90 CHF /t) erhoben wird. Dies geht aus einer Studie des CERI (Canadian Energy Research Institute) hervor, einer 1975 gegründeten gemeinsamen Energieforschungsstelle der Regierung, der Wissenschaftsakademien und der Industrie.
Der Bericht vergleicht die Gesamtkosten -einschliesslich Finanzierung, Steuern und Abgaben, Bau, Betrieb, Brennstoffbeschaffung, Stilllegung sowie Abfallbeseitigung - von neuen Grundlastkraftwerken, die in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts in Betrieb gehen und während 30 Jahren am Netz bleiben sollen. Für die Finanzierung kommen im Bericht zwei Modelle zu Anwendung, nämlich die Finanzierung durch eine öffentliche Körperschaft oder eine rein private Finanzierung mit einer Eigenkapitalrendite von 12%. Betrachtet werden ein 500-MW-Kohlekraftwerk mit Abgasreinigung, ein 580-MW-Erdgaskraftwerk in GuD-Technik (kombinierter Gas- und Dampfturbinenkreislauf), ein 1406-MW-Kernkraftwerk mit zwei ACR-700-Ein-heiten (fortgeschrittene Candu-Reaktoren) sowie ein Zwillingskernkraftwerk mit Candu-6-Einhei-ten. Andere Stromerzeugungssysteme kommen laut CERI-Erhebung praktisch nicht in Frage. Eine Ausnahme wäre die Erneuerung und Lebensdauerverlängerung bestehender Kernkraftwerke, die indessen mangels detaillierter Informationen nicht näher untersucht werden konnte.
Nicht überraschend zeigen die Berechnungen, dass eine rein private Finanzierung - besonders bei den kapitalintensiven Kohle- und Kernkraftwerken - zu höheren Stromgestehungskosten führt als die öffentliche Finanzierung, bei der ja der Steuerzahler das Finanzierungsrisiko trägt. Durchgerechnet wurden Szenarien mit Diskontierungsraten von 6% bis 12%. In fast allen schnitt das Erdgaskraftwerk - wegen der abzusehenden Gaspreisentwicklung - am unvorteilhaftesten ab, während das Kohlekraftwerk unter Vernachlässigung potenzieller Kosten für die Treibhausgasemissionen die tiefsten Stromerzeugungskosten ergab. Doch bereits unter der Annahme einer moderaten CO2-Abgabe von 15 CAD /t wäre der Bau und Betrieb eines Zwillingskraftwerks mit ACR-700-Einheiten je nach Diskontierungsrate gleich teuer wie ein Kohlekraftwerk oder sogar die wirtschaftlichste Lösung. Die Berechnungen beruhen auf der Annahme, die beiden ACR-700 wären die ersten einer Serie dieses neuartigen Reaktortyps. Würden deutlich mehr als zwei ACR-700 gebaut, könnte dieser Kraftwerkstyp sogar ohne CO2-Abgabe mit Kohlekraftwerken konkurrieren. Hingegen schneidet der Bau einer herkömmlichen Candu-6-Zwillingseinheit wegen der hohen Kapitalkosten in jedem Fall ungünstiger ab als der neu entwickelte ACR-700, es sei denn, die Finanzierung erfolge durch öffentliche Mittel und zu einer ausgesprochen tiefen Diskontierungsrate.
Sensitivitätsanalysen zeigen, dass die absehbare Entwicklung des Kohlepreises wenig und des Uranpreises kaum Einfluss auf die Ergebnisse ausübt, während die Wirtschaftlichkeit der Erdgaslösung massiv von einem Erdgaspreis abhängt, der zu wenig Optimismus Anlass gibt. Für den Bau eines Erdgaskraftwerks würden allenfalls der tiefere Kapitaleinsatz beim Bau und die mit drei Jahren relativ kurze Bauzeit sprechen; der Bau eines Kohle- oder Kernkraftwerks dauert dem gegenüber mindestens sechs bis sieben Jahre. Nicht bestritten ist gemäss den Ergebnissen des CERI die wirtschaftliche Überlegenheit der Erdgaslösung für die Deckung der Spitzenlast. Auch empfiehlt das CERI vor einem weittragenden Entscheid noch die Variante "Nachrüstung und Lebensdauerverlängerung bestehender Kernkraftwerke" näher zu untersuchen. Ohne die Lebensdauerverlängerung bestehender Produktionseinheiten müsste Ontario bis 2020 zwingend rund vier Fünftel der bestehenden Kraftwerkskapazität durch Neuanlagen ersetzen.
Quelle
P.B. nach CERI-Report, August 2004