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Aus dem Alpstein
Von E. Attinger.
Westgrat des Gamskopfes.
Die Südwand des Gamskopfes ( westlicher Alpstein ) schliesst im Westen mit einem scharfen, ziemlich steilen Grate ab.
Man begeht am besten von Süden her ( Ausgangspunkt Alp Schrenit ob Unterwasser ) die kaminartige Rinne zwischen Scherenspitz 1 ) und Gamskopf bis zum tiefsten Einschnitt zwischen diesen beiden Gipfeln. Von hier entweder so lange als möglich auf dem Grate selbst oder ziemlich von Anfang an in einen brüchigen Kamin dicht nördlich der Gratkante. In beiden Fällen gelangt man ins obere Ende dieses Kamins, der seinen Abschluss in einem überhängenden Felswinkel findet. Dieser etwa 7—8 Meter hohe Überhang ist der Abbruch oder das Schlussstück eines oberhalb desselben längs der Nordseite des Westgrates weiterziehenden zweiten couloirartigen Risses. Zur Umgehung dieses Überhanges wird die Südwand des Kamins ( etwa 4—5 Meter westlich des überhängenden Endstückes ) bis zur Westgratkante erklettert, wo sich ein kleiner Standpunkt findet. Unter Sicherung durch den Nachfolger wird nun von diesem Standplatz aus die ziemlich glatte Wand auf der Nordseite des Westgrates bezwungen, wodurch man direkt oberhalb des vorgenannten Abbruches in den darüber ansetzenden zweiten Kamin gelangt ( etwa Mitte Höhe der Route ). Dieses Couloir wird aufwärts verfolgt ( immer direkt nördlich der Westgratkante ). Zuerst massig geneigt, muss es später vermittelst Stemmens bis zu einem kleinen Felsenfenster hinauf benutzt werden. Kurz oberhalb dieses Fensters betritt man den brüchigen aber verbreiterten Westgrat im obersten Viertel selbst und folgt ihm bis zur obersten Nordwestkante, um welche, etwa 7—8 Meter unterhalb des Gipfels, exponiert auf die Nordseite übergegangen wird. Über einige Blöcke zum südlichen felsigen Teil des Gipfels und von hier über einen kleinen Einschnitt zum gleich hohen nördlichen Gipfelpunkt.
Scherenspitz ( Ostgipfel ) über Nordwand und Osfgrat.
Vom Sattel zwischen Gamskopf und Scherenspitz westwärts in die senkrechte Nordwand des letzteren hinaustraversieren. Nach etwa 12—15 Meter gelangt man oberhalb eines Überhanges in eine sehr steile Rinne, durch die man exponiert direkt aufwärts der Ostgratkante zuklettert. Oberhalb der Rinne über steile und brüchige Rasentritte links ostwärts zum scharfen Ostgrat. ( Auf Photographie unterer fast senkrechter Teil der Nordwand nicht sichtbar, wohl aber die Rasenflecke, die zur Gratkante leiten. ) Über die Kante ( luftig ) oder rechts unterhalb derselben durch die Nordwand und durch eine kaminartige Rinne bis etwa 10 Meter unterhalb des Gipfels, wo gute Sicherungsmöglichkeit direkt neben Gratkante vorhanden. Von hier in die abschüssige Nordwand und über diese, zuletzt nochmals den Ostgratbenützend, zur Spitze. Die Spitze bildet eine scharfe, etwa drei Meter lange, unregelmässige Kante mit einzigartigem, allseitigem, wildromantischem Tiefblick im besten Sinne des Wortes. Ich kenne kaum einen Gipfel von solcher Beschränktheit des Raumes. Wer auf dem einzigmöglichen Ort, am Ostende des Gipfelgrates, frei und aufrecht stehen will, der darf weder eine grosse Schuhnummer besitzen, noch mit Schwindel behaftet sein. Der Abstieg von diesem Ostgipfel des Scherenspitzes kann auch über die Nordwand nahe deren Westkante gemacht werden. Man erreicht damit die Scharte zwischen beiden Spitzen der Schere.Von hier kann man nördlich unter dem Westgipfel durchtraversieren, um auf die Westroute des Scherenspitzes zu gelangen 1 ).
Die Nordwand-Ostgratroute zeigt besonders im mittleren Teil häufige lose Griffe, und auch die Rasenpartie unter dem Grat ist mit Vorsicht zu begehen. Dauer 1— 1 1/2 Stunden.
Auf dem beigegebenen Bild ist nur der obere Teil der Route, nicht aber der senkrechte untere Teil der Nordwand zu sehen, denn dieser ist verdeckt durch die Felsen im Vordergrund.
So sind in diesem Gebiet vier schöne und äusserst abwechslungsreiche Kletterwege zu machen, die ich zum Teil in « Die Alpen » 1932 beschrieben habe, und zwar:
1. Turm über Südwand.
2. Scherenspitz über Südwestgrat ( Westgipfel ).
3. Scherenspitz über Nordwand-Ostgrat ( Ostgipfel ).
4. Gamskopf über Westgrat.
Genug, um den Tag eines guten Kletterers zu füllen. Insbesondere im Frühling, wenn der Schnee noch in den Nordwänden des Säntismassivs liegt, die steilen Spitzen aber in heisser Sonne flimmern, ist dieses Felsenland von grossartiger und wilder Schönheit.
Ich habe das Gebiet lange vor dem Krieg, etwa um 1911 oder 1912 herum, erstmalig durchklettert, die Gipfel und Routen sind aber auch heute noch, sicher zu Unrecht, turistisch sozusagen unbekannt.