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Juri Rytchëu
1930–2008. Geboren als Sohn eines Jägers in der Siedlung Uëlen auf der Tschuktschenhalbinsel im äussersten Nordosten Sibiriens. Er war der erste Schriftsteller dieses nur zwölftausend Menschen zählenden Volkes. Mit seinen Romanen und Erzählungen wurde er zu einem berufenen Zeugen einer bedrohten Kultur. Er starb 2008 in St. Petersburg. (2015)
Übersetzungen (Auswahl)
Der letzte Schamane.
Übersetzt von Antje Leetz.
Unionsverlag, 2002
Der letzte Schamane
Unionsverlag, 2002
Aus: Der letzte Schamane. Übersetzt von Antje Leetz. Unionsverlag, 2002
Nach altem Brauch wird die Abstammung eines Menschen als Baum mit vielen verzweigten Ästen dargestellt.
Wo ich geboren wurde, da wachsen kein Wald und keine hohen Bäume. Aber das heisst nicht, dass es dort überhaupt keine Pflanzen gibt. Es gibt sogar Birken, Zedern, Weiden, Erlen. Allerdings ragt die Krone des grössten dieser «Bäume» nur wenige Zentimeter aus dem Erdboden.
Meine Ahnentafel gleicht dem Tundragewächs Junëu – der Goldenen Wurzel, die fest in der Muttererde verankert ist. Sie sitzt nicht tief, denn der ewige Frost macht den Boden hart. Aber kein Sturm kann sie ausreissen, keine Kälte ihre Wurzeln abtöten.
Genauso stelle ich mir meine Wurzeln vor, die ich in diesem Buch bis zu den frühesten Ursprüngen zu ergründen suche.