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Es wird der vorerst wichtigste und zugleich herausforderndste Kampf für Schwergewichtsboxer Anthony Joshua, wenn der Brite in der Nacht auf Sonntag auf Alexander Usyk trifft. Nach dem Wiegen am Freitag ist es Zeit für unsere Prognose – sie ist gewagt, aber begründet.
Beim offiziellen Wiegen am Tag vor dem Schwergewichts-Knüller zwischen Champion Anthony Joshua (31) und Alexander Usyk (34) bringt der englische WBA-, IBF- und WBO-WM-Titelhalter knapp 109 kg auf die Waage. Der 1,98 m grosse Joshua befindet sich damit im Gewichts-Rahmen seiner letzten WM-Kämpfe.
Beim offiziellen Herausforderer und früheren Cruisergewichts-König Usyk (1,91 m) hielt die Messung vor dessem dritten Schwergewichts-Kampf bei 100,2 kg. Joshua wird für den Kampf gegen Usyk eine Börse von umgerechnet knapp 19 Millionen Franken kassieren. Der Ukrainer Usyk wird mit rund 3,8 Millionen Franken entschädigt.
Hier kannst du den Fight in der Nacht auf Sonntag schauen
Der Kampf wird am Samstag live beim Streaming-Dienst DAZN übertragen und wird dort auch hierzulande zu sehen sein. Der Kampf beginnt um ca. 23:15 Uhr Schweizer Zeit.
Joshua muss sich für diese Top-Börse der wohl anforderungsreichsten Aufgabe seiner Karriere stellen seit seinem Spektakel-Sieg gegen Wladimir Klitschko vor viereinhalb Jahren. 60'000 Zuschauer werden das Duell Joshua vs. Usyk am späten Samstagabend Schweizer Zeit live im Londoner Fussball-Stadion von Tottenham Hotspur mitverfolgen.
Für den früheren Schweizer Profiboxer Stefan Angehrn ist der Fall für den Ausgang des Duells zwischen zwei Olympiasiegern von 2012 klar. Angehrn favorisiert gegenüber «blue Sport» den Linkshänder Usyk, der 2012 in London ebenso Olympia-Gold holte (im Schwergewicht bis 91 kg) wie seinerzeit Joshua, der damals im Superschwergewicht triumphierte.
«Usyk ist schneller, variantenreicher und hungriger.»
Ehemaliger Schweizer Spitzenboxer
Der heute 57-jährige Thurgauer hatte als Profi wie früher Usyk einst selbst im Cruisergewicht gekämpft. Und da brachte es Angehrn immerhin zu zwei (nach Punkten verlorenen) WBO-WM-Kämpfen gegen Ralf Rocchigiani. Später zwang der Schweizer mit Rocchigianis deutschem Landsmann Torsten May einen Olympiasieger zur Aufgabe. Durch jenen Karriere-Höhepunkt wurde Angehrn 1997 vom renommierten amerikanischen Faustkampfmagazin «The Ring» gar kurzzeitig in die Top Ten der Welt im Cruisergewicht eingestuft.
«Usyk ist ein genialer Boxer», schwärmt Angehrn. Sein unerschöpfliches Repertoire beim Weg zum Gewinn der Muhammad Ali Trophy im Cruisergewicht (2018) imponierte Angehrn nachhaltig. Den von Experten als maximal eingestuften Ring-IQ von Rechtsausleger Usyk vergleicht der Schweizer mit den Adaptionsfähigkeiten des früheren Schwingerkönigs Jörg Abderhalden. «Abderhalden konnte seine Gegner auch mit Fortdauer des Kampfes lesen und diese Erkenntnisse dann gewinnbringend umsetzen.»
Haye fordert frühes Angriffs-Furioso von Joshua
Dies ist sich natürlich auch Joshua bewusst, wenn er gegen Usyk im Ring steht. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Titelverteidiger kein allzu ausgiebiges Abtasten zulassen will. Der frühere Cruiser- und Schwergewichts-Weltmeister David Haye hatte seinen englischen Landsmann und Erzrivalen Dereck Chisora für dessen letzten Kampf gegen Usyk trainiert (Punktsieg von Usyk). Er rät Joshua trotz dessen Reichweiten-Vorteilen explizit von einem «Jab»-Duell ab. Dies wäre Usyk «in die Karten gespielt». Es gebe nur eines für Joshua: «Usyk möglichst schnell, möglichst hart zu treffen», fordert Haye.
Andernfalls dürften die Vorteile tatsächlich beim weniger schlagstarken, dafür boxerisch herausragenden Usyk liegen. Dies vorab dann, wenn der auf 12 Runden angesetzte Kampf in die hinteren Runden geht. Für Angehrn ist Usyk «schneller, variantenreicher und hungriger». Diese drei Gründe betrachtet Angehrn als Erfolgsgaranten gegen Joshua. Für Joshua spreche die Power beziehungsweise Kraft sowie die Physis hinsichtlich seiner Grösse und des Gewichts.
Die Prognose von «blue Sport»: TKO-Sieg von Usyk in der 10. Runde
Joshua kann vorab mit seinem rechten Aufwärtshaken bis zum Schlussgong noch gefährlich sein. Wird er aber selbst längere Zeit unter Druck gesetzt, verliert er rasch einmal die Übersicht. Dieser Fall dürfte bei einem Kaliber wie den mit allen Wassern gewaschenen Usyk (erst 18 Profikämpfe, aber davor über 350 Duelle als Amateur) früher oder später eintreffen. Deshalb die Vorwettkampf-Prognose von «blue Sport»: Abbruch-Sieg (TKO) von Usyk in der 10. Runde.
Einziger «Nachteil», falls der dreifache Familienvater Usyk gewinnt: Eine Rückkampf-Klausel ist fixiert. Dies bedeutet, dass der Ukrainer nicht sofort zu einem Titel-Vereinigungskampf gegen den WBC-Champion antreten dürfte. Dieser Fight käme wohl nur dann fast sicher als «Mega-Event» zustande, falls Joshua sowie WBC-Champion Tyson Fury ihre Gürtel behalten. Joshuas Landsmann, der 2,06-Gigant Tyson Fury, verteidigt seinen Titel in zwei Wochen in einem dritten Duell gegen seinen WBC-Weltmeister-Vorgänger, den Amerikaner Deontay Wilder.