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Der Autor:
Ali Bader, heute wohnhaft in Belgien, wurde im Jahre 1964 in Bagdad geboren. Er studierte französische Literatur, leistete während des iranisch-irakischen Krieges Militärdienst und wurde nach einer Ausbildung für Handschriftenrestauration und dem Versuch, sein Französischstudium mit einer Arbeit über Roland Barthes abzuschliessen, aus der Universität ausgeschlossen. Für seine literarischen Werke wurde er in verschiedenen Ländern der arabischen Welt ausgezeichnet.
Der Roman:
In den 1950er und 1960er Jahren herrschte in manchen Ländern der östlichen arabischen Welt eine regelrechte Gier nach westlichem Einfluss. Zahlreich sind die Berichte, in denen Autoren und Autorinnen zeigen, wie sie in jenen Jahrzehnten Filme aus dem Westen sahen, wie sie französische, englische, amerikanische, eben „internationale“ Literatur verschlangen und nachzuahmen versuchten, und wie sie sich unter diesem kulturellen Einfluss von den real existierenden Traditionen lösen und gegen die real existierende Repression stellen wollten. Es war eine Zeit der grossen Hoffnungen. Chaled Sijadeh (Freitag Sonntag) schildert den Vorgang in Tripoli im Libanon, Abdelkader al-Dschanabi (Vertikale Horizonte) in Bagdad.
Im Jahre 2001 hat der inzwischen nach Brüssel umgesiedelte Iraker Ali Bader, der, 1964 geboren, den Vorgang nicht aus eigener Anschauung kennt, einen Roman unter dem Titel Väterchen Sartre veröffentlicht, einen Roman, der dieses Thema aufgreift. Es ist ein hübscher und witziger Roman eines der häufig genannten zeitgenössischen Romanciers aus dem Irak.
Erzählt wir darin die Geschichte eines Mannes, der in seiner Umgebung „Väterchen
Sartre“ heisst, da er als Student einmal einige Zeit in Paris zugebracht hat, angeblich Philosophie studierend. In Wirklichkeit haben ihm seine ärmlichen Französischkenntnisse nie erlaubt, auch nur einen einzigen philosophischen Text zu lesen, geschweige denn an philosophischen Debatten teilzunehmen. So driftete er einfach in der Seine-Stadt umher und traf dabei auch ein kleines Serviermädchen, das er ehelichte und als „Sartres Base“ nach Bagdad mitnahm.
Dort lebt er, aus besseren irakischen Kreisen stammend, in scheinbarer Einfachheit, fasziniert seit Kindesbeinen von den „einfachen Leuten“. Ihm beigesellt ist eine Art alter Ego, ein Mann aus sehr bescheidenen Verhältnissen. Des Philosophen Geschichte und besonders auch familiäre Vorgeschichte sind Gegenstand des Romans. Boshaft und witzig, kritisch und ernsthaft, schildert der Autor die kulturelle Situation jener Zeit, als der Existenzialismus in die arabische Welt eindrang.
Die ganze Erzählung ist in eine Rahmenerzählung eingebettet, in der jemand beauftragt wird, die Biografie dieses „Sartre“ zu schreiben, jedoch feststellen muss, dass es keinerlei Dokumente gibt, auf die er zurückgreifen könnte und deshalb auf mündliche Aussagen angewiesen bleibt. Diese sammelt er, um seinen Bericht anzufertigen.
Leseprobe
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