Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03109.jsonl.gz/3316

Ein Foto aus unserem Teeseminar Pu Er am 19.03.2017.
Was kann das sein?
Gerade fertig geworden. Es gibt morgen viel zu arbeiten.
Unser Pu Er Lagerungexperiment ist nun auch fünf Jahre alt. Morgen können wir auch ein wenig degustieren, um zu vergewissern, wie man am besten Pu Er lagert! Beziehungsweise wie reagiert der Wuliangshan 2012 Gushu auf verschiedene Materialien nach fünf Jahren? Fünf Jahre ist auch einen Zeitraum um die Lagerung eine Bilanz zu ziehen.
Das spezielle ist auch den Bangwei Gushu zu degustieren, der einen Beweis dafür liefert, dass Yunnan das Heimat des Tees ist. Anhand dieses Tees kann die Wissenschaft feststellen, was ein genetisch wilder Baum und was ein kultivierter Baum ist, weil es einen Übergangsbaum dazwischen existiert.
„Laoshi, was macht man, wenn jemand nicht aufhören kann zu suchen?“
„Zeige ihm diesen Tee.“ er lächelte. Im Bild sieht man einen mit Kalligraphie geschriebene Teedose. Man würde denken, wow, was für einen eleganten Tee! Der Tee ist in der Wirklichkeit mit Sirup veredelt.
Ich zogen meine Augenbrauen zusammen.
„Weiß Du, das ist das Ergebnis. Man landet bei Scharlatan.“
Oder man wird selbst zu Scharlatan. Weil man an Selbstüberschätzung leidet.
Und die Resonanz.
„Warum kennst Du Yu?“ „Wieso findest Du solche schöne Dinge?“ „Wie kommen diese Leute zu Dir?“
Keine Ahnung! Wieso kommst Du zu diesem Blog?
Wenn ich ein Scharlatan bin, dann ziehe ich Menschen an, die an Autorität glauben und den Schein von dem Sein nicht unterscheiden können. Wenn ich übermutig bin, dann werden Menschen mich verlassen, die das Wesentliche wollen. Es sind immer Indizien für mich, mich auf meinen Weg zu jonglieren. Siehe, mit wem bin ich, mit wem komme ich und was geschieht.
Das geschieht, wenn man nicht mehr auf der Suche ist.
Als ich im Januar in Taiwan war, unterhielt ich mit meinem Lehrer über die Suche.
Die Suche nach einem guten Meister, die Suche nach einem idealen Partner, die Suche nach den besten Tees! Die Menschen sind stets auf der Suche.
Mein Lehrer lachte und brachte mir zwei volle Körben. „Du siehst, das ist die Ergebenisse von der Suche!“ Was meinte er?
Er packte die Körben aus. Es sind volle Teedosen und Teetüte. „Es sind die Teesorten die Deine Teeschwester Yueli gesammelt hat. Teilweise hat sie geschenkt bekommen, teilweise hat sie mit teuren Lehrgeld bezahlt. Nachdem sie bei mir gelandet ist, bracht sie mir alles, was sie nicht mehr trinken will. Ihre Suche hat ein Ende.“
Ich lachte. Solche Körbe habe ich auch, im Keller. Ich kann sie nicht trinken, nicht verkaufen auch nicht wirklich verschenken.
„Warum glaubt sie, dass sie bereits angekommen ist?“
„Warum glaubt man nicht?“ Atong fragte zurück.
„Im Europa würde man nicht so leicht glauben, dass nur dieser Mann oder dieser Lehrer den besten Tee hat.“
„Es geht auch nicht um den besten Tee.“ er grinste, „Es geht um das Leben von dieser Person.“
Was ist schon der beste Tee? Ich lachte nicht mehr so fröhlich. Was bringt mir der beste Tee? Für mich inzwischen ist diese Frage erledigt. Für mich inzwischen ist die Frage nach dem, was ich will mit Tee, viel wichtiger.
„Wenn die Suche zu Ende geht, spürt man eine Erleichterung. Man kann endlich sich auf das Wesentliche konzentrieren, anstatt auf das Aeusserliche.“ Es geht nicht mehr um ICH HABE und ICH KANN sondern um Tee mit mir.
Wir werden nie wissen, ob wir bereits den besten Tee trinken. Der beste von heute ist der zweite beste von morgen, vielleicht. Und dann? Die Welt des Tees ist vielschichtig. Je tiefer man hinein taucht, desto ruhiger bescheidener wird einer. Die Ruhe verleiht einem einen Raum, eigenen Rhythmus und Stil zu entwickeln. Bescheidenheit hilft einem den rechten Blick und Fokus zu richten – das Wesentliche anstatt den Schein.
Heute war eine in Ruhestand lebende Aerztin in Shui Tang. Ich sass zu ihr beim Tee. Sie lobte den Laden, wie wunderbar. Ich antworte „Es ist bloß eine Fassade, die Sie sehen. Sie sehen ein schöner Raum mit wunderbaren Objekte und vielleicht eine tapfere Frau. Sie sehen aber nicht, wie hart ich arbeite, wie meine Träne fließen und wie letztlich ich eigentlich bin. Heute morgen sah ich eine verstorbene Menglin in der Meditation. So musste ich stets Abschied nehmen von der Vergangenheit und Verletzlichkeit.“ Ich sah diese Menglin von Storm im Fluss weg floss. Die erfahrene Besucherin, die vieles im Leben angepackt und erlebte, nickte ihren Kopf. Es war ihr erster Besuch. Wir teilten die Ruhe und Schönheit in diesem Raum.
Die Suche kommt zu Ende, während die Dinge plötzlich auf dem Schoss fallen. Man kann eine Synchronizität beobachten. Man wünscht sich etwas und es geschieht. Man ahnt etwas und es kommt. Meiste Besucher fragen mich immer, wie komme ich zu diesen schönen Objekten. Ich sagte immer, es ist bloß Resonanz. Weil ich nicht mehr auf der Suche bin!
鮮味 Xian Wei, wie kann man es überhaupt übersetzen? Vielleicht kann man bloß ihn beschreiben? Ein Geschmack, der uns an das Frische und das Natürliche vom Lebensmitteln erinnert. Sei es fleischig, sei es würzig oder wohlschmeckend. Weil man es im Westen den Geschmack nicht direkt auf Deutsch ausdrücken kann, leiht man das japanische Wort Umami aus. Ein Fremdwort, oder eine fremde Wahrnehmung?
Japanischer Chemiker Kikunae Ikeda entdeckte die chemische Lesart dieses Geschmacks und erwarb dadurch ein Geschmacks-Patent. Seitdem fehlt keine Familie und kein Restaurant Glutamat (in der Schweiz wohl Mirador?) Ajinomoto wurde von Ikeda gegründet und ist mit dem Jahresumsatz 12 Milliarden Euro der Marktführer.
Wie kann man in der Schweiz kochen ohne Suppenwürfel oder so genannten Bouillon war der erste Gedanke und meine Fremderfahrung in der Küche. Wenn man alles mit Bouillon kochen kann, wozu Rezeptur? Wozu kreativ sein? Aber was ist mit uns Asiaten mit dem komischen Sojasoße? Ich versuche es zu reflektieren. Sojasoße ist nicht gleich Sojasoße. Und ein guter Koch verfügt nicht nur ein Geschmack von Sojasoße. Eigentlich ist es für einen ausgezeichneten chinesischen Koch viel wichtiger, den ursprünglichen einfachen Geschmack, der lebhaft wiederzugeben! 鮮 Xian bezeichnet man hier den unverbrauchten gesunden leuchtenden Geschmack auf der Zunge!
Als wir am vergangenen Freitag den Vergleich zwischen Alishan traditionell 2016 Frühling und den Alishan 2016 Winter degustiert kam es zu einem Erleuchtungserlebnis mit Xian Wei! Auf einmal weiss ich wie ich anderen Menschen vermitteln, was ist Xian Wei!
Der schöne Alishan traditionell vom 2016 Frühling war für meinen Lehrer ein bisschen zu früh gepflückt. Laut schlechten Wettervorhersage muss man die Blätter vor fast einer Woche pflücken. Nach der sorgfältigen Verarbeitung wurde er zu einem duftenden eleganten Hochlandsoolong, der nach Frieder, Maiglöckchen und frischen Narzissen riecht und Honignecktar schmeckt. Später röstete er diesen Hochlandsoolong stärker als was normale Teehändler verkraften würden. Dunkler Aufguss duftet zurückhaltender, während der geschmeidigen süssen Geschmack lang im Mund bleibt.
Wenn dieser traditionelle Alishan ein Sirup von Neroli sein sollte, ist der neue Alishan 2016 Winter wie ein Bankett von verschiedene Köstlichkeit. Florale Schönheit gemischt mit den köstlichen natürlichen Geschmack von reifen Tomaten, ein Schnitt von feinen Kohlrabi und ein Hauch von Bündner Fleisch ohne fleischig zu sein.
Ist der Versuch, den simplen Geschmack des Lebensmitteln zu wiedergeben, nicht zu langweilig? Ansonsten gäbe es keine Sojasoße oder Suppenwürfel! Ironischer weise ist Suppenwürfeln entstanden dank Glutamat. Vielleicht ist diese Aesthetik Xian Wei zu streben eine Annäherung an das wahre Selbst. Der unvertuschte einfache Geschmack ist dasselbe wie das einfache gewöhnliche Leben. Die Zusammenfassung meines Lebens.
Dieser frisch fröhliche Erlebnis mit Alishan 2016 Winter erlebten wir am Samstag auch im Gongfu Cha. Xian Wei, der lebendig auf der Zunge tanzte, begleitet uns in den Zürcher frühlingshaften Himmel. Ein Abend mit Xian Wei. Ein Leben mit Xian Wei begleitet, ein Zusammensein mit Menschen von Xian Wei begleitet, das wäre doch erstrebenswert!
Am Wochenende vom 22.09-24.09 wird ein Zeit-brücke gebaut, ein Brücke zwischen Heute und 8. Jahrhundert. Der Gesang aus dem tiefen Zentrum des Menschen, als Ausdruck der Lebenssituation oder Phantasie der Freiheit, erzählt uns Farbe und Gefühle der alten Zeit. Es wird begleitet von Shakuhachi, dessen Herkunft in China bis zum 3. Jh vor Christus zu führen ist.
Wir sind noch dabei am geeigneten Ort zu finden, damit Tee, Musik und Menschen ineinander verschmelzen können. Es sollte keine Trennung zwischen Zuschauer und Spieler sein. Ein Hauch von alten Teehaus, Klänge begleiten den Tee, sollte wahr werden!
Für Menschen, die sich dafür interessieren, bitte unbedingt das Nanguan Konzert DICK ins Kalender eintragen!