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Nachdem wir am Mittwoch vor einer Woche in Kennedy Meadows angekommen sind, mussten wir bis am Sonntagmorgen auf besseres Wetter warten um in ersten Abschnitt der Sierras zu starten. Neben meiner normalen Ausrüstung benötige ich in den Sierras eine Eisaxt, Microspikes für meine Schuhe, wärmere Socken, Handschuhe und einen Bärenkanister um mein Essen darin zu versorgen. Für den Weg von Kennedy Meadows bis zum Kearsarge Pass rechneten wir mit ca. einer Woche. Trotzdem musste ich Essen für neun Tage mitnehmen, falls wir von einem Schneesturm überrascht werden oder umkehren müssen. Als ich versucht habe das Essen, das ich mir in einem Paket von Tehachapi aus geschickt habe im Bärenkanister zu versorgen, habe ich schnell gemerkt, dass es nicht möglich ist alles in den Bärenkanister zu versorgen und mitzunehmen. Also musste ich wieder von ca. 5000 auf 3000 Kalorien zurückgehen. So konnte ich sechs Tage Essen in den Bärenkanister versorgen und die ersten drei Tage habe ich in meinem normalen Essenssack mitgenommen. Mit dem Essen für neun Tage und der zusätzlichen Schneeausrüstung wog mein Rucksack dann 20 Kilogramm. Leider konnte uns Thomas nicht begleiten, da er krank wurde und nach Ridgecrest zu einem Doktor musste. Wir hatten jedoch bereits davor geplant uns für die Sierras mit weiteren Personen zusammen zu tun, so dass Frank und ich nicht nur zu zweit weiter mussten.
Am Sonntagmorgen ging es dann endlich weiter. Nachdem wir seit Anfang Mai fast zehn wanderfreie Tage eingelegt haben um nicht viel zu früh in Kennedy Meadows zu sein, war ich nun froh, dass es endlich in die Sierras ging. Zusammen mit Frank, Chris, Duncan, Chelsea, Colton und Eric lief ich um ca. 7:30 Uhr in Kennedy Meadows auf knapp 1900 MüM los. Den ganzen Tag über war das Wetter sehr wechselhaft. Es regnete, schneite und war ab und zu sonnig oder bewölkt. Erst am Nachmittag und auf ca. 2500 MüM liefen wir durch die ersten Schneefelder. Gegen Abend waren wir dann auf 2800 MüM bei Meile 721 (Km 1160) wo wir unsere Zelte aufstellten und ziemlich schnell in unsere Schlafsacke schlüpften, da es sehr kalt wurde, wenn man sich nicht mehr gross bewegte.
Wie in jeder Nacht danach fiel die Temperatur auch in der ersten Nacht auf fast minus 10 Grad. Im Schlafsack war die Kälte, mit Thermokleidern und Mütze, sehr gut auszuhalten. Jedoch frierten die Wasserflaschen und die Schuhe, falls sie vom Vortag noch nicht ganz trocken waren, immer ein. Die Schuhe und Schuhbändel musste ich ganz öffnen, um sie am nächsten Morgen überhaupt wieder anziehen zu können. Am zweiten Tag standen wir um 4 Uhr auf und liefen kurz nach 5 Uhr los. Das Wetter war sehr gut. Die Sonne schien fast die ganze Zeit und auch der Wind war nicht zu stark. Nach einem Anstieg auf 3200 MüM ging es danach noch einmal auf 2700 MüM hinunter. Auf dieser Höhe liefen wir das letze Mal nicht im Schnee sondern auf dem Trail, da wir in den Tagen danach nie mehr tiefer als 2950 MüM kamen. Um ca. 16 Uhr und bei Meile 742 (Km 1194) entschieden wir uns zu stoppen, da das vorwartskommen im sulzigen Schnee viel zu anstrengend wurde.
Am Dienstag hatten wir einen weiteren Tag mit viel Sonnenschein und wir kamen gut vorwärts. Am höchsten Punkt waren wir auf mehr als 3500 MüM. Am Abend stellten wir unsere sieben Zelte bei Meile 756 (Km 1216) auf dem einzigen schneefreien Platz den wir finden konnten auf. Es dauerte eine Weile, aber zuletzt hatte jeder genug Platz für sein Zelt ;-).
Am nächsten Morgen war der Schnee fest gefroren und wir kamen gut vorwärts. Nach ca. 6 Kilometer mussten wir auf einem Baumstamm den ersten Fluss ohne Brücke überqueren. Da sich das Wetter an diesem Tag verschlechterte und es stark zu schneien begann, entschieden wir uns den Aufstieg zum 12 Kilometer vom PCT entfernten Mount Whitney (4421 MüM) am nächsten Tag nicht zu versuchen sondern gleich Richtung Forester Pass weiterzulaufen. Am Abend waren wir bei Meile 770 (Km 1240) noch 14 Kilometer vom höchsten Punkt des PCT’s entfernt.
Am Donnerstagmorgen machten wir uns um 4:30 Uhr auf den Weg zum Forester Pass. Da es in der Nacht ungefähr 20 cm Neuschnee gegeben hatte, mussten wir uns den Trail auf den ersten 7 Kilometer neu bahnen. Danach konnten wir in Fussspuren von anderen Hikern weiterlaufen, die näher am Pass übernachtet hatten. Nach einem eindrücklichen Sonnenaufgang schien bis wir zuhinterst im Tal waren die Sonne. Erst danach veränderte sich das Wetter schnell und es begann zu schneien. Für die letzten 200 Hm, auf denen der Weg sehr steil hinauf führte und exponiert war, mussten wir zu unserer eigenen Sicherheit die Eisaxt benützen. Als wir nach ungefähr 1.5 Stunden auf dem Pass waren, hatte sich das Wetter so verschlechtert, dass wir keine 20 Meter weit mehr sehen konnten. Daher blieb uns nicht viel Zeit den höchsten Punkt des PCT’s auf genau 4009 MüM, zu geniessen. Wir machten uns schnell daran, auf der anderen Seite die ebenfalls steil abfiel, einen Weg nach unten zu bahnen. Trotz dem schlechten Wetter erreichten wir an diesem Nachmittag Vidette Meadows, das 12 Kilometer und 1100 Hm weiter unten bei Meile 787 (Km 1267) lag. Zum Znacht konnte ich dann endlich das erste Mal so viel essen wie ich wollte, da wir nun nur noch einen Tag von der Stadt entfernt waren und ich noch Essen für vier weitere Tage hatte.
Vorgestern waren es nur noch 2.5 Kilometer auf dem Trail, ehe wir weitere 12 Kilometer über den 3569 MüM hohen Kearsarge Pass zum Onion Valley Parkplatz liefen. Da dort zu dieser Zeit des Jahres noch nicht viel los war mussten wir fast zwei Stunden warten, ehe uns ein Paar das eine Tageswanderung gemacht hatte, mit ins Tal nahm und uns dann fast 70 Kilometer in die nächste grössere Stadt Bishop fuhr. Die Fahrt auf dem Highway durch das Owens Valley war wunderschön, da wir auf beiden Seiten des Tals die verschneiten Berge sehen konnten. In Bishop angekommen gingen wir zuerst in ein mexikanisches Restaurant und fanden in einem kleinen Hostel einen Platz zum übernachten. Dort konnten wir endlich unsere Zelte, Schlafsäcke und Kleider richtig trocknen, da in den letzten Tagen in der Kälte und ohne viel Sonnenschein alles immer nässer wurde.
In den letzten beiden Tage erholten wir uns hier in Bishop von den anstrengenden Bedingungen der vergangenen Tage in der Höhe. Trotzdem habe ich den Abschnitt von Kennedy Meadows bis zum Kearsarge Pass sehr genossen. Die Landschaft in diesem hochalpinen Gebiet ist einfach zu schön und ich kann es kaum erwarten wenn wir nach dem nächsten Sturm, voraussichlich am Dienstag, wieder zurück auf den Trail können! Der Abschnitt danach wird einer der anstrengendsten auf dem ganzen PCT. Wir werden mehr als 200 Kilometer und 8000 Hm über fünf Pässe laufen müssen, bis wir wieder in die nächste Stadt kommen. Dazwischen gibt es zwar zwei Sidetrails über die wir den PCT verlassen können. Allerdings wollen wir das nur in einem Notfall tun, da das verlassen des Trails über diese Sidetrails einen ganzen Tag in Anspruch nimmt.