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von André Schnyder
Freiherr Johann I. von Ringgenberg ist mit drei Seiten und einer Miniatur in der Manessischen Liederhandschrift (A. 14. Jh.) vertreten. Er gehört allerdings nicht zu den Minnesängern, sondern zu den Spruchdichtern. Während der Minnesang den adligen Sängern vorbehalten war, galt die Spruchdichtung, ebenfalls mit Gesang vorgetragen, als nicht-aristokratische Genre. Als Vortragende von Spruchdichtung treffen wir deshalb meist nicht-adlige Sänger an. Sie verdienten als Fahrende ihr Brot, indem sie von Burg zu Burg, von einem Fest zum anderen, oder von einer Stadt zur anderen zogen, und ihre Texte, eigene und fremde, vortrugen.
In den 17 erhaltenen Strophen finden wir eine vielfältige Gedankenwelt des Dichters. Einige Texte umkreisen religiöse Themen, andere behandeln ethische Fragen, mehrfach wird die Frau als von Got hervorgehobenes Geschöpf gepriesen, zweimal verwendet er das Glücksrad als Sinnbild. In der Regel sind es belehrende Texte.
Bemerkenswert an Johann von Ringgenberg ist, dass er sich als Adliger in der (nicht-aristokratischen) Spruchdichtung der Fahrenden versucht. Vielleicht erfahren wir aber durch diese Dichtung, was Johnnes alles am Herzen lag bei seinem wohl vielfach mühsamen Alltag als kleiner adliger Grundherr im Abwehrkampf gegen Habsburg und die Stadt Bern.
, André : Ein "Minnesänger" auf Burg Ringgenberg: Freiherr Johannes I. und seine Sangsprüche
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 6. Jahrgang 2001, Heft 4, 13 - 15.