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Ein Leser fragte mich kürzlich: Warum heisst eigentlich Ihre Kolumne «Vierte Säule»? Sie müsste «Erste Säule» heissen, ist sie doch auf der Zeitungsseite stets in der ersten Spalte platziert.
Nun, die ersten drei Säulen der Vorsorge sind schon besetzt. Doch ein Gebäude mit drei Säulen ist etwa so wackelig wie ein Stuhl auf drei Beinen. Deshalb braucht es zur Stabilität des Systems eine vierte Säule – eben diese Kolumne. Hier stehen Beiträge, Kommentare, Gedanken und Randnotizen zum Dreisäulensystem und verwandten Gebieten. Dass sich gerade ein Printmedium der vierten Säule bemächtigt, ist wohl auch kein Zufall. Neben den drei Gewalten im Staat – der Legislative, Exekutive und Judikative – gibt es ja auch eine vierte Gewalt: die Medien.
Es war die Sportredaktion, die mich zu diesem Namen inspirierte. Eine Provision habe ich ihr dafür noch nicht bezahlt. Das Gefäss, in welchem meine Kollegen vom Sport jeden Montag Randnotizen zum Fussballgeschehen abhandeln, heisst «Dritte Halbzeit». Die Side-Storys zum Eishockey finden sinngemäss im «Vierten Drittel» statt. Und hätte die Sportredaktion Platz und Zeit, über das Geschehen der amerikanischen Baseballszene zu berichten, so hiesse die entsprechende Rubrik «Zehntes Inning». Diese müsste dann aber mindestens so spannend und prickelnd sein wie ein Baseball-Game im Yankee-Stadium.
Zur Erinnerung: Die erste Säule ist die staatliche Vorsorge, die AHV. Die zweite Säule ist die berufliche Vorsorge, die Pensionskassen. Die dritte Säule ist die private Vorsorge. Wobei diese dritte Säule streng genommen aus zwei halben Säulen besteht, der gebundenen Säule 3a und der freien Säule 3b. Manche Banken sprechen salopp von der dritten Säule und meinen die Säule 3a. Das Geld auf dem Konto 3a bleibt bis fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter gebunden und kann nur bei gewissen Ausnahmefällen vorbezogen werden. Zur Säule 3b, der freien Vorsorge, zählen alle anderen Vermögenswerte, von den Aktien, über die Obligationen bis zum ganz gewöhnlichen Sparheft.
Erschienen in der BZ am 9. Oktober 2012
PS: «Ein Gebäude mit drei Säulen ist etwa so wackelig wie ein Stuhl auf drei Beinen», schrieb ich vergangene Woche. Ein Leser meinte, ich sei wohl noch nie in einem Stall gewesen. Nicht umsonst hätten Melchstühle auf unebenem Boden drei Beine. Dreibeinige Stühle wackelten nicht, weil alle drei Beine voll belastet seien. Ganz im Unterschied zu den vierbeinigen Tischen in den Restaurants. Ich gebe zu: Man hat nie ausgelernt. Ich war der Meinung, der Melchstuhl habe nur ein Bein.
Erschienen in der BZ am 16. Oktober 2012