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Brasílias Herausforderung für die WM 2014
Die Unterhaltung des Stadions „Mané Garrincha“ nach der Weltmeisterschaft ist das grösste Problem.
Brasiliens Hauptstadt Brasília wurde 1960 vom damaligen Präsidenten Juscelino Kubitschek gegründet ̶ seither ist sie Sitz der drei Gewalten: Exekutive, Legislative und Justiz. Ihr Bauplan basiert auf einem Projekt des Städtebauers Lúcio Costa, der einen nationalen Wettbewerb mit seinem Vorschlag gewann – ihre bedeutendsten Gebäude wurden vom Architekten Oscar Niemeyer entworfen – inzwischen haben ihre futuristischen Anlagen und Bauten der Postkartenindustrie einen neuen Boom beschert.
Der so genannte „Distrito Federal“ (der Regierungsdistrikt) befindet sich auf einem riesigen Zentral-Plateau, auf dem fast alle Gewässer entspringen, welche die grossen hydrografischen Becken Brasiliens bilden – ausgenommen das des Amazonas. Die Region ist reich an Wasserfällen, Bächen, Flüssen, Seen und Lagunen. Rund um das Plateau gibt es historische Städte, Naturrefugien, Reservate, Naturmonumente und vor allem den „Cerrado“, eine typische Vegetationsdecke, welche den gesamten Mittelwesten Brasiliens bedeckt.
So heisst das in Brasília ausgewählte Stadion, in dem die Weltmeisterschafts-Begegnungen stattfinden werden – es wurde 1974 gebaut. Es verfügt über Umkleideräume, Physiotherapie-Einrichtungen, Unterkünfte, Restaurant und Gymnastik-Säle. Heute kann es 45.000 Zuschauer aufnehmen – nach der geplanten Reform soll sich die Kapazität auf 70.000 erhöhen. Neben Veränderungen am Rasen und den Tribünen, wird das Stadion ein Dach bekommen, sowie einen Sektor für Boutiquen und andere kommerzielle Einrichtungen.
Zwölf neue Rampen sollen den Zugang verbessern. Die Umbauarbeiten haben 2009 begonnen. Was die touristische Infrastruktur betrifft, so hat Brasília zwei Sektoren mit Hotels und Flats – zusammen 50 Unterkunftsmöglichkeiten, mit einem gesamt von 28.000 Betten.
Die vom Stadion am weitesten entfernte Unterkunft befindet sich in einer Distanz von 2km, kann also sogar zu Fuss überwunden werden. Es sind bereits ein paar neue Projekte zum Ausbau des Hotelnetzes in Arbeit, bis 2014 soll das Übernachtungsangebot um mindestens 20% erweitert werden.
Als eine auf dem Reissbrett geplante Stadt verfügt Brasília über breite Strassen mit übersichtlichen Zufahrten. Der Bus ist heute das bedeutendste öffentliche Transportmittel, und das funktioniert lediglich befriedigend. Viele Buslinien fahren am besagten Stadion vorbei – ein Integrationsprojekt befindet sich in der Entwicklung. Um die Hauptstadt mit dem Interior zu verbinden, wird ein neuer Busbahnhof gebaut, der Mitte 2010 fertig werden wird. Dieser Busbahnhof wird in das Schema des neuen „Veículo leve sobre trilhos (VLT)“ integriert – einem leichten, auf Schienen fahrendem Transportsystem, weches mittelfristig die Busse aus dem Innenstadtbereich verdrängen wird. Dieses Transportsystem wird anfangs auf drei Strecken mit Stadtbahnen verkehren – mit Express-Linien und Stationen, welche ins U-Bahnnetz integriert werden.
Ausserdem plant die Regierung des „Distrito Federal“, die Fortbewegung auf Fahrrädern zu motivieren: mit diesem Ziel rief sie das grösste Fahrrad-Programm des Landes ins Leben, sie nannten es „Pedala-DF“ (pedala=Pedal). Man plant, bis 2010 rund 600km Fahrradwege anzulegen.
Der Flughafen der Hauptstadt „Juscelino Kubitschek“ steht heute hinsichtlich Flugbewegungen an dritter, hinsichtlich der Bewegung von Passagieren an vierter Stelle im Land. Wegen seiner strategischen Lage wird er als idealer Umsteige-Flughafen für Destinationen im ganzen Land benutzt. Damit ist der An- und Abflugverkehr in Brasília sehr dicht – zirka 555.000 Flüge pro Jahr.
Der Flughafen wurde 1957 in Betrieb genommen und hat bereits Reformen und Erweiterungen hinter sich. Eine erneute Erweiterung soll das Passagier-Terminal, sowie den Bereich der Zufahrten zum Airport vergrössern. Das gegenwärtige Terminal soll um zirka 8.000 Quadratmeter vergrössert werden, inklusive Korridor, Ankunfts- und Abflughallen, Check-in, Eingangskontrollen und Gepäckabfertigung. Zu der Terminal-Erweiterung werden weitere 80.000 Quadratmeter bereitgestellt, wodurch pro Jahr zirka 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden können. Diese Umbauarbeiten werden zirka 140 Millionen Reais kosten (67 Millionen US$) – das Geld kommt vom PAC?. Ausserdem sieht der Plan die Anlage eines neuen Parkplatzes vor dem Flughafen vor – der heutige hat eine Kapazität für 1.300 Fahrzeuge, er wird auf 5.000 erweitert.
Zuerst einmal muss eine Lösung für die Unterhaltung des aufwendig reformierten Stadions nach der „Copa 2014“ gefunden werden! Brasília hat kein ausreichendes sportliches Potential, um die aufwendige Sportstätte allein mit dem Erlös aus Fussballspielen zu finanzieren. Die einleuchtendste Alternative ist die, das Stadion auch für Shows und andere grosse Events zu nutzen und entsprechend anzupassen.
Eine zusätzliche Herausforderung wäre, die Stadt für grosse, internationale Kongresse zu profilieren – für mehr als 5.000 Teilnehmer – was nach neuen Räumlichkeiten für Events verlangt, die mit sämtlicher notwendiger Kommunikations-Infrastruktur ausgestattet sein müssten, die man für diese Art von Aktivität braucht. Wie gesagt, die Stadt verfügt bereits über einen recht dynamischen Hotelpark, dem dieser Business-Tourismus „aprés Copa“ sicher nicht ungelegen käme.
Autoritäten und Spezialisten trafen sich ebenfalls in der Hauptstadt des Landes, um die Pläne Brasílias hinsichtlich des Empfangs der Copa-Gäste zu diskutieren. Das Seminar „Desafios de Brasília para a Copa 2014“ fand am 02. April 2009 im dortigen Alvorada Park Hotel statt.