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Es gibt Automarken, die kennt jedes Kind und es gibt Marken, die kennt fast niemand. Je kleiner ein Hersteller ist oder war, je unbekannter ist er in der Regel. Ausnahmen gibt es natürlich, wie z.B. Tucker, von dem 1947 und 48 lediglich 51 Fahrzeuge gebaut wurden. Dank dem Konstrukteur Preston Tucker und seiner Lebensgeschichte, die sogar verfilmt wurde, sind die Fahrzeuge heute sehr bekannt und werden für siebenstellige Summen gehandelt. Im Rennsport gab es eine Vielzahl Kleinsthersteller, die ein oder zwei Fahrzeuge bauten und damit an Rennen teilnahmen. Errangen diese Fahrzeuge Siege, stieg der Bekanntheitsgrad deutlich, sonst aber wurden diese Autos vergessen. In Italien sieht man zum Beispiel an der Mille Miglia etliche davon, viele sind im Besitz von japanischen Sammlern.
Manchmal sieht man ein Auto, das man noch nie zuvor gesehen hat und man hat nicht einmal ansatzweise eine Idee, was es sein könnte. So geschehen 2015 am Rossfeldrennen in Berchtesgaden. Im Bereich des Fahrerlagers stand ein skurriles Gefährt, mit mattgrauer Aluminiumkarosserie und sehr niedrigem gedrungenen Aufbau, zugelassen mit einem Österreichischen Kennzeichen. Von hinten wirkte das Fahrzeug wie ein zusammengedrückter Jaguar E-Type Low Drag. Natürlich wollten wir wissen, um was es sich da genau handelt. Bei näherer Betrachtung kamen Zweifel auf, ob das wirklich ein altes Fahrzeug ist oder ob sich da jemand aus Teilen eines alten Kampfjets einen fahrbaren Untersatz zusammengebastelt hatte, denn die ganze Erscheinung wirkte sehr improvisiert und irgendwie nicht fertig. Diese Meinung unterstützte die Tatsache, dass die Karosserie nicht aus Aluminium, sondern aus Kunststoff, gefertigt war. Vorne auf der langen Haube war ein Logo mit der Aufschrift Kellison angebracht. Die zwei Doppelscheinwerfer erinnerten an einen Jensen CV 8, aber man konnte das Ding wirklich nicht einordnen. Wir machten ein Bild und freuten uns auf den kommenden Tag. Der Tag kam, das Auto aber leider nicht mehr. Wir fragten noch ein paar Leute, wo dieses Auto geblieben sei, niemand wusste etwas. Das Rossfeldrennen ging vorbei, ohne dass wir dieses aufregende Fahrzeug nochmals gesehen haben. Schade, aber wir konnten an dieser Tatsache nichts ändern.
Einige Monate später, anfangs Juni 2016, fand in der Zentralschweiz das 4. Treffen für Kunststoffautos, Fantastic Plastic, statt. Wir fuhren zuerst nach Einsiedeln, wo der Treffpunkt war. Wir kamen aus dem Staunen kaum heraus, da stand tatsächlich genau dieser Kellison, den wir schon am Rossfeldrennen bestaunten. Jetzt wollten wir es aber wissen und schnell bekamen wir die Auskunft, dass es sich um einen amerikanischen Kellison J-5 handelt, aufgebaut auf einer Corvette C2 aus den frühen Sechzigerjahren. Das spektakuläre Fahrzeug gewann am Treffen sogar den verdienten Publikumspreis.
Jim Kellison gründete sein Unternehmen Kellison Engineering and Manufacturing Mitte der Fünfzigerjahre im kalifornischen Folson. Er begann mit der Produktion von Autos und Kit Cars, die unter dem Markennamen Kellison verkauft wurden. 1957 wurde der erste Kellison der Öffentlichkeit präsentiert und nachdem am ersten Fahrzeug einige Modifikationen und Verbesserungen vorgenommen wurden, kam das erste fertige Auto auf den Markt, der J4. Ein sehr niedriges Coupé, lediglich 99cm hoch. Es wirikte sehr aerodynamisch und gedrungen. Parallel dazu konnte man den J4 auch als Roadster ordern. Die Fahrzeuge hatten einen von Chuck Manning entworfenen Rohrramen. Kellison selber entwickelte kurz darauf einen eigenen X-Frame Rahmen mit Aufhängungen der Chevrolet Corvette C2. Kellison setzte seine Verfeinerungen fort und stellte später den J-5, immer noch als Zweisitzer, vor, aber mit einem verlängerten Radstand von jetzt bis zu 102 Zoll, der etwas mehr Platz im Inneren bot. Der J-5 hatte auch zwei Scheinwerfer und vertiefte Rücklichtöffnungen. Die Türen wurden etwas verlängert und um das Ein- und Aussteigen zu erleichtern, wurde das Dach für mehr Kopffreiheit um einen Zentimeter angehoben. Der J-5 wurde zu einem Preis von nur 700,00 USD angeboten.
Neben dem J-4 und J-5 baute man noch kleinere Fahrzeuge, für die man Rahmen von MG oder Austin Healey verwendete. Dieser J-3 genannte Wagen konnte auch mit Motoren aus dem Hause Volkswagen oder Porsche ausgerüstet werden, entweder als Coupé oder als Roadster. Für Rennsporteinsätze gab es Fahrzeuge mit einer Leichtbaukarosserie. Leichtbau hiess bei Kellison, dass man kurzerhand die Innenkotflügel und die Trennwand zum Motorraum wegliess. Bestückt waren diese Rennfahrzeuge mit dem Triebwerk der Chevrolet Corvette. Kellisons letzte Neugestaltung der J-Serie war der J-6 Panther. Dieses Auto wurde so entwickelt, dass die Karosserie direkt auf ein Cprvette-Chassis von 1953 bis 1962 geschraubt werden konnte. Das Dach wurde erneut um 2 1/2 Zoll für mehr Kopffreiheit angehoben. Die Heckscheibe wurde zur besseren Sichtbarkeit vergrößert und erstmals ein Kofferraumdeckel hinzugefügt. Mitte der Sechzigerjahre wendete man sich bei Kellison vermehrt der Produktion von Buggies und anderen Spezialfahrzeugen zu, es wurden nur noch Bausätze, Teile und Zubehör angeboten. Die Kellison Company bestand bis Mitte der 70er-Jahre. Kellison gründete später eine neue Firma namens Red Stallion. Es wurden doch ordentliche Stückzahlen gebaut, auf der Website von www.kellisoncars.com werden die Produktionszahlen wie folgt angegeben:
J-1 unbekannt
J-2 Coupé 15 – 20
J-2 Roadster unbekannt, vermutlich 2 Exemplare
J-3 Coupé 10 – 15
J-4 Coupé 300
J-4 Roadster 20 – 25
J-5 Coupé 350 – 400
J-6 Panther über 500
X300 GT 500
Stallion 117
Auf der Website von Kellison findet man viele weitere Informationen, Bilder, Prospekte, Geschichten usw.