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Ashby, W. Ross: Einführung in die Kybernetik. stw 34, Frankfurt, Suhrkamp 1974
Introduction to Cybernetics, Chapman & Hall, 1956, ISBN 0-416-68300-2 die englische Ausgabe als pdf-Datei
deutsch (kleine Teile)
"Tatsächlich könnte man Kybernetik definieren als Erforschung von Systemen, die offen für Energie, aber geschlossen für Information, Regelung und Steuerung sind, - von Systemen, die 'informationsdicht' sind" (19). (Cybernetics might, in fact, be defined as the study of systems that are open to energy but closed to information and control — systems that are “information-tight” (S.9/19).
W. Ashby sagt an mehreren Stellen: man kann es einfach halten, wenn keine Missverständnisse zu befürchten sind. Den Ausdruck System verwendet er umgangssprachlich ohne jede Reflexion. Er meint damit offenbar immer, was er auch (ganz gegen den umgangssprachlichen Sinn) als "Maschine" bezeichnet: Etwas, was sich als Transformation zeigt. Deshalb beginnt das Buch mit der Transformation. (46f)
Systemzustände entsprechen den Operanden der Transformation. (47). Man kann sie als Trajektorie darstellen (47). Determinierte Maschinen haben eindeutige Transformationen (sic)
Am Beispiel einer Uhr sagt W. Ashby, dass die Urache der Zeigerbewegung, als der Operator (!) sich nicht definieren lasse, weil er ein sehr kompliziertes Ding sei (das scheint mir wieder ein sehr sinnfernes Beispiel: er sagt es hänge von Schwerkraft und Materialeigenschaften des Uhrwerkes und dergleichen ab).
Wichtig ist aber: Hypothesis non fingo (I. Newton): "
Wie wir in S.2/3 sagten, ist der "Operator" oft schlecht definiert und etwas willkürlich - ein Konzept von geringem wissenschaftlichen Nutzen. Die Transformation ist jedoch sehr gut definiert, denn sie bezieht sich nur auf die Fakten der Veränderungen, nicht auf mehr oder weniger hypothetische Gründe für diese Veränderungen.(48, en 26))
Das Ashby-Problem (Kybernetik als Mathematik)
Das Ashby-Problem besteht darin, dass er funktions-mathematisch argumentiert und deshalb keinen Mechanismus kennt, sondern nur Tabellen. Eine Tabelle - die eine Funktion repräsentiert (was W. Ashby als generelle Beschreibung verwendet) - zeigt pro Zeile eine Transition und als Tabelle eine Transformation.
Das sprachliche Chaos steht gleich am Anfang: Das Kapitel heisst "Change" (ich übersetze mit Veränderung). Der erste Satz heisst: Das grundlegendste Konzept in der Kybernetik ist das der "Differenz" (Unterschied) (25).
Von Veränderung spreche ich nur, wenn ich eine Differenz erkennen kann. Meine Leseweise: W. Ashby macht die Unterscheidung zwischen Veränderung und Differenz nicht, weil ihn die Wörter nicht interessieren. Er meint die Veränderung, auch dort, wo er von Differenz spricht. Sein fundamentalster Begriff ist Transition. Transition ist die Veränderung eines Operanden unter der Einwirkung eines Operators.
Hier ist noch völlig unklar, warum er nicht von einer Variablen und einem Prozess spricht.
Ashby definiert dann determinierte Maschine als das, was sich als geschlossene Transformation zeigt (Deshalb ist für ihn ein Geisterhaus eine Maschine (siehe unten)). Er unterscheidet determiniert und statistisch determiniert (Kap 9)
Dann gibt er - wieder ganz sinnfern - ein Beispiel für eine Maschine: Eine Kugel die an einer Feder hängt !!
Ich werde hier später aufräumen, im Moment geht es nur um die ersten Begriffe und um die Plausibilität des Anfanges:
Das grundlegendste Konzept in der Kybernetik ist das der "Differenz" (25)
Transition: Prozess mit einem Operand und einem Operator (die Haut wird durch das Sonnenlicht gebräunt. (2.1)
Die Transition bewirkt ein Transformiertes
Eine Menge von Transitionen heisst Transformation. (2.2)
Die Transformation wird durch eine Tabelle definiert
Die Transformation ist geschlossen, wenn keine neuen Elemente entstehen. Es werden keine Ursachen beobachtet, sondern nur die Elemente.
3/11 Was ist ein System?3/11
.. wie System zu definieren ist. (S. 68)
Das System besteht aus den gewählten Variablen. "Wir sind es, die letztlich entscheiden, was wir als "maschinenhaft" akzeptieren wird und was wir ablehnen werden." S. (70)
Anmerkungen
W. Ashby gibt in seiner Einführung vor, allgemein verständlich zu sein, weil er bei der Darstellung auf bestimmte Formen der Mathematik (Integral- und Differentialrechnung) verzichtet. Anstelle der formalen mathematischen Beschreibung setzt W. Ashby den "Mechanismus", den er aber ganz unmechanisch - in keiner Weise materiell - verstanden haben will. Er hebt ausdrücklich hervor, dass Modelle die Eigenschaft "materiell" weglassen können. Er könne sich Federn ohne Masse und Kugeln ohne Ausdehnung vorstellen. Das kann ich natürlich auch, aber das kann ich mir nur "vorstellen", ich kann es aber nicht - als Modell - vor(mich hin)stellen.
W. Ashby, der im Gefolge von N. Wiener steht, reagiert mit seiner "nicht materiellen Mechanik" auf die Angriffe von Vertretern der Systemlehre im Gefolge von L. von Bertalanffy.
Erst in der 2. Ordnung verschwindet das vermeintliche Dillema, weil dort der Beobachter, nicht mehr die Welt beschreiben wird. Modelliert werden Erklärungen und die sind mechanisch, aber nur die Erklärungen sind es, nicht die erklärte Sache. In den Texten von H. Maturana gibt es viele Stellen, aber oft lese ich auch, dass er über die Welt statt über Erklärungen schreibt. Insbesondere wird die Autopoiese als etwas dargestellt, was in der Natur stattfindet, anstatt als Theorie. Das öffnet die Tür für beliebige Verständnisse, etwa für N. Luhmann.
R. Ashby problematisiert den Begriff des Gedächtnis als Beobachterkonstruktion, die sinnvoll ist, wenn der Beobachter nicht alle Variablen eines Systems beobachten kann. Der Zustand einer Variablen X wird durch den Zustand von 2 anderen Variablen (A / B) bestimmt, die ihrerseits in einer Abhängigkeit stehen. Wenn man beide Variablen A und B sehen kann, kann man ohne Rückgriff auf früher sagen, was die Variable X macht. Wen man aber nur A sieht, muss man X via Gedächtnis rekonstruieren. In seinem Beispiel, muss man wissen, ob B zuvor in einen bestimmten Zustand versetzt wurde. Das heisst, man muss etwas über das Vorher wissen, was als Gedächtnis bezeichnet wird, weil man im Augenblick nicht genug weiss. (S.172f)/p>
W. Ashby argumentiert durchgehend mit Mechanismen. Um dem Verdacht "mechanistisch" zu denken vorzubeugen, erzählt er folgende Geschichte, die zeigen soll, dass kybernetische Mechanismen "geistige" Mechanismen sind, deren Gesetze und Eigenchaften mathematisch begründet sind und nicht aus wirklichen Mechanismen aus irdischer Materie ableitet sind. Das Kybernetik auch wirkliche Maschinen beschreiben kann, zeigt nur, wie universell die Kybernetik ist. W. Ashby vertritt damit, das gerade durch die Kybernetik brechende Paradigma der reinen Wissenschaften.
Mein lieber Freund
vor einiger Zeit habe ich dieses alte Haus gekauft; es stellte sich jedoch heraus, dass in ihm zwei geisterhafte Geräusche spucken - Grölen und Hohngelächter. Aus diesem Grunde ist das Haus so gut wie unbewohnbar. Aber es gibt noch einen Hoffnungsschimmer, denn ich habe durch genaue Untersuchung herausgefunden, dass der Spuk bestimmten Gesetzen unterworfen ist, die, wenn sie auch völlig unverständlich sind, nit Sicherheit zutreffen, und dass man den Spuk durch Orgelspiel und Weihrauch beeinflussen kann.
Während jeder Minute ertönt jedes Geräusch entweder, oder nicht - da gibt es keine feinere Abstufung. Was jedes Geräusch während der folgenden Minute tun wird, hängt, wie ich gleich genau schildern werde, davon ab, was während der vorhergehenenden Minute geschah: das Grölen macht in der folgenden Minute dasselbe wie vorher (schweigt oder ertönt), bis Orgelspiel ohne Gelächter ertönt, woraufhin es zum Gegenteil übergeht (vom Ertönen zum Schweigen und umgekehrt).
Nun zum Gelächter: Wenn Weihrauch entzündet wurde, beginnt es zu ertönen oder nicht, je nachdem, ob das Grölen ertönt ist oder nicht (so dass das Lachen das Grölen mit einer Minute Verzögerung nachmacht). Wurde jedoch kein Weihrauch entzündet, dann tut das Lachen das Gegenteil von dem, was das Grölen vorher tat.
In dem Moment, indem ich das hier niederschreibe, ertönen Gelächter und Grölen. Bitte gib mir einen Rat, wie ich Orgelspiel und Weihrauch anzuwenden habe, um das Haus endgültig zur Ruhe zu bringen! (S.96)
Die Geschichte ist wunderbar. Man kann sie so lesen, wie es Ashby suggeriert. Man kann sie aber auch im Sinne der konstruktiven Systemtheorie lesen: dann liest man von Signalen, die sich gegenseitig beeinflussen, also von einer Konstruktion. Dass Ashby ein bestimmtes Signal als "geisterhaftes Gelächter" bezeichnet, ist lustig, ändert aber nichts am materiellen Vorhandensein des Signals.
Jörg A. Huber, der Uebersetzer schreibt ein Vorwort, das sich nicht mit der Uerbersetzung, sondern mit der Interpretation der Kybernetik befasst. Er schreibt auch direkt in das Vorwort von Ashby (S.12), wie er meint, dass man Ashby verstehen sollte. Aus den editorischen Angaben ist nicht ersichtlich, wann das Buch übersetzt wurde, erschienen ist es nach Ashby's Tod.
Jörg A. Huber verweist auf den Streit zwischen Habermas und Luhmann: "Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie" in welchem die Grundbegriffe, insbesondere der Zentralbegriff "Reduktion der Komplexität" ambivalent geworden seien. (RT: "Reduktion der Komplexität" ist eben gerade kein Begriff, sondern eine funktionale Bestimmung von N. Luhmann, was Henting bereits im besagten Buch kritisierte.
Textstelen zu
Kybernetik behandelt existierende und mögliche Maschinen (17)
Die Vielfalt ist ein wesentliches Mass für die Kompliziertheit, die bei der Blackbox als Komplexität erscheint
Sie (die Kybernetik) fragt deshalb nicht: "Was ist dieses Ding?", sondern "Was tut es?"(S.15)
Komplexe Systeme (20f). Ashby lässt offen, was er als komplexe Systeme bezeichnet, er sagt, es seien Systeme, bei welchen nicht einzele Faktoren isoliert werden können. Sein Beispiel ist der Acker, wie er landwirtschaftlich von Fischer untersucht wurde.
Der Ausdruck "kompliziert" kommt im Buch nur 1 x vor, ich weiss nicht warum.
Maschine:
determinierte Maschine verhält sich so, wie eine geschlossene Transformation. Asby46
determ.M. sind "unbeeinflusst", also auf sie wird nicht aktiv eigewirkt 46
(hier öffnet sich wieder das Problem, das zwischen Sache und Abbildung nicht unterschieden wird: die Maschine ist eine Sache, die durch die Transformation beschrieben wird. Die Transformation (im sinne der sich verändernden Maschine) wird durch die Transformation (im sinne der Beschreibung) beschrieben. Wird von Asby s.50 explizit gemacht: Assby thematisiert aber eben gerade nicht das Materielle, sondern dass die Physik sehr einfache (kontinuierliche, lineare) und die Biologie sehr komplizierte (nicht kontinuierliche, nicht lineare) Fälle beschreibt.
In der Kybenetik (Mathematik) macht das keinen Unterschied, aber in der Pragmatik, wo der Ausdruck Maschine eben dezitiert als Referenz für Mascinen verwendet werden kann.
Asbys Konstruktivismus (Viabilität): Diese Definition (der determinierten Maschine) ist dadurch gerechtfertigt, dass sie uns nützt und nicht irgendwo dem zuwider läuft, was wir intuitiv als vernünftig erkennen. s.46
Kybernetische Definitionen beziehen sich nicht auf etwas Materielles, sondern auf beobchtbare Verhaltensweisen
Trajektorie (Verhaltenskurve): Beschreibt ein Folge von Zuständen eine Systems. Bei detrerminierten Maschinen ist sie eindeutig, da jedem Zustand nur ein Zustand folgen kann
Beispiele für Probleme, die sich anhand der idee "determ. Maschinen ergeben:
Ein Bakterienstamm, der sich stündlich verdoppelt, wird dieses Verhalten irgendwann aufgeben, also dann nicht ehr determiniert sein.
Ein Uhr ist in Bezug auf die Zeigerstellung determiniert, wir können aber den Operator nicht beschreiben: Oel das Messing schmiert, die Atome in dem Messing der Zahnräer usw. Deshalb ist der Operator begrifflich bedeutungslos, aber die Transformation sehr exakt definiert
Es gibt in der Biologie regelmässige Verläufe etwa Stadien von Krankheiten, die exakt aber nicht nummerisch als Transformation beschrieben werden können. Ein Beispiel liefert Tinbergen in Study of Instinct: Balzverhalten von Stichlingen (die Zustände mit Attrapen simmuliert)
Asby sagt: die Beobachtung sei immer diskret (zu diskreter Maschine) 52.
Teil und Ganzes 55
Der Zustand eines Marathonlaufes zu einem bestimmten Zeitpunkt ist die Menge der Zustände der Teilnehmenden
Vektor (das ganze, zB Marathon-Feld), ist eine Variable mit Teilvariablen Komponenten (die einzelnen Teilnehmenden)
Beispie: Wetter als Vektor mit den Komponenten: Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit,Bewölkung mit den Werten 998 ar, 9 Grd, 72%, 8.
Der Verktorverändert sich, wenn sich eine oder mehrere Komponenten verändern.