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Thomaz Pedro ist Regisseur des Films «Bedrohter Tapajós», den die GfbV produziert hat. Der Film zeigt die Sicht von Indigenen aus der Region Tapajós im brasilianischen Amazonas auf eine Reihe von geplanten Infrastrukturprojekten. Der Film wurde an verschiedenen Festivals gezeigt und fand grossen Anklang beim Publikum.
Was motiviert Sie, Filme über das Leben und die Herausforderungen von indigenen Gemeinschaften im brasilianischen Amazonas zu machen?
Im Film sehe ich die Möglichkeit, mündliche Traditionen und Wissen verständlich zu machen und festzuhalten. Darin liegt auch meine Motivation, Filme mit Indigenen zu produzieren. Die Darstellung von indigenen Lebensweisen und die damit einhergehende Kritik der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage und Kultur ist auch ein wichtiges Instrument von indigenen Gemeinschaften im Kampf um ihre Rechte.
Für Ihren Film «Bedrohter Tapajós» sind Sie zu indigenen Gemeinschaften in den Amazonas gereist. Was hat Sie während dieser Reise am meisten beeindruckt?
Diese Region Brasiliens ist wirklich wunderschön: Ein riesiger Fluss, dichter Regenwald und Wildtiere. Was mich aber fast am meisten beeindruckte war die Tatsache, wie indigene Gemeinschaften den Angriffen von Sojabauern, illegalen Bergleuten und illegalen Holzfäller ausgesetzt sind. Die einzige Möglichkeit, sich zu verteidigen, besteht darin, sich zusammenzuschliessen und in Gemeinschaft zu leben.
Welches ist die grösste Herausforderung für die indigenen Gemeinschaften unter all den Herausforderungen?
Die grösste Herausforderung ist Präsident Jair Bolsonaro, der eine schlimme Anti-Indigenen-Politik betreibt. Bolsonaro muss gestoppt werden. Indigene Rechte müssen wieder gestärkt werden, besonders was die Anerkennung der Territorien betrifft.
Wie ist die Reaktion der brasilianischen Öffentlichkeit auf Ihren Film?
Unser Film wurde von der brasilianischen Öffentlichkeit sehr gut aufgenommen! Er wurde auf einigen wichtigen Festivals vorgeführt und hat auch viele Menschen erreicht. Heute habe ich eine Nachricht von einem befreundeten Lehrer einer Klasse erhalten, der mir mitteilte, dass einige seiner 17-jährigen Schüler ein Projekt zum Thema «Bedrohter Tapajós» gemacht haben. Ich glaube, das ist genau das, was wir mit unserem Film erreichen wollten.
Der Film hat bereits drei Preise erhalten. Welche Wirkung kann ein Dokumentarfilm wie «Bedrohter Tapajós» haben?
Es ist wirklich wichtig für einen Film, diese Anerkennung von Festivals zu bekommen. Gerade die Publikumspreise zeigen, dass wir unsere Botschaft auf eine Art und Weise vermitteln konnten, die unser Publikum erreicht hat.
Wie können wir in der Schweiz die indigenen Gemeinschaften im Amazonasgebiet unterstützen?
Ein erster Schritt ist es, zu verstehen, wer diese Menschen sind, die in Brasilien leben. Aus internationaler Sicht ist es dringend notwendig, sich klar gegen Bolsonaros indigenen- und umweltfeindliche Agenda zu positionieren. Weiter ist es wichtig, dass die Schweizer Banken kein Geld für die Finanzierung der Projekte im Tapajós-Flussgebiet zur Verfügung stellen.
GfbV Film «Bedrohter Tapajós»
Der GfbV Film «Bedrohter Tapajós» zeigt die Perspektive von Indigenen aus dem Amazonas auf eine Reihe von geplanten Infrastrukturprojekten in der Tapajós Region, im Herzen des Amazonas. Mit einer Eisenbahn und einer Wasserstrasse sollen Produkte aus dem Amazonas wie Rindfleisch und Soja noch schneller in die Welt transportiert werden. Der Film zeigt Auswirkungen und Widerstand der indigenen Gemeinschaft gegen diese Projekte. «Bedrohter Tapajós» gewann bereits mehrere Preise an verschiedenen Festivals und fand grossen Anklang beim Publikum.
Das Interview wurde in der GfbV-Mitgliederzeitschrift Voice im März 2022 veröffentlicht.