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Instrumentale Bearbeitungen des Genfer Psalters
Im nachreformatorischen Basel legte Samuel Mareschal drei Tabulaturhandschriften mit Bearbeitungen des Genfer Psalters für Tasteninstrumente an. Ein Symposion und ein Konzert anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der SMG sind diesen Quellen und ihrer Edition gewidmet.
Basel lag im 16. und 17. Jahrhundert in einem konfessionellen Grenzraum zwischen lutherischen, katholischen, rekatholisierten und reformierten Gebieten. Die Einflüsse aller drei reformierten Konfessionen verschmolzen hier zu einem Amalgam eigener Prägung – dies äusserte sich unter anderem auch darin, dass die Reformation hier quasi in Wellen verlief und die endgültige Entscheidung für den Calvinismus erst relativ spät vollzogen wurde.
Der Basler Sonderweg im ‹reformatorischen› 16. Jahrhundert betrifft auch die Musik: Zwar wurde im Zuge der Einführung der Reformation das Spiel der Orgel («unerbawliche bapstleir») in der Liturgie abgeschafft, aber auf einen völligen Abriss des Instruments verzichtet. Zudem wurde der Psalmengesang im Gottesdienst weiterhin toleriert und gefördert. Man erkannte die Macht des Gesangs als Kommunikationsmedium reformatorischen Gedankenguts wie als Instrument zur Bestätigung der Identität der Glaubensgemeinschaft.
1576 trat der aus Tournai stammende Samuel Mareschal (1554–1640) in Basel seine Stelle als Münsterorganist, Professor musices an der Universität und Lehrer an der Münsterschule an. Er hat sich vor allem durch die 1606 erfolgte Herausgabe des Genfer Psalters in der deutschen Übersetzung Ambrosius Lobwassers sowie von lutherischen Kirchenliedern in einfachen, vierstimmigen Bearbeitungen verdient gemacht.
Mareschals Position als Lehrer und Vermittler ist für die Transmission der Glaubensinhalte nicht zu unterschätzen. Als Lehrer fungierte er als Schnittstelle zum Alltag der Glaubensausübung in den Privathäusern, wo im Rahmen von Privatandachten ebenfalls musiziert wurde – die Laien-frömmigkeit mit Psalmengesang stellt einen wesentlichen Teil des gelebten Glaubens dar, der von Calvin wie Zwingli dezidiert gefordert wird.
Bereits 1593 stellte Mareschal instrumentale Adaptionen des Psalters zusammen (CZ-Pn Bludov R 18). Er schrieb die Tabulatur für den aus Mähren stammenden Ladislav Velen von Žerotín (1579–1638), der sich im Zuge einer Bildungsreise von März 1592 bis Ende 1593 in Basel aufhielt. Seine calvinistische Gesinnung geht auf seine Erziehung bei den Mährischen Brüdern zurück, die ihn eventuell darum gebeten haben könnten, von seinen Reisen Psalmvertonungen für das häusliche Musizieren mitzubringen.
Am Ende seines Lebens begann Mareschal mit einer erneuten instrumentalen Bearbeitung des Psalters, die in zwei Handschriften von 1638 und 1640 überliefert ist (CH-Bu F IX 47 und 48). Die Instrumentalsätze basieren auf seinen eigenen vierstimmigen Vokalsätzen von 1606 und sind somit ein seltenes Beispiel dafür, dass vokale Vorlage und instrumentale Bearbeitung vom gleichen Komponisten angefertigt wurden. Systematische Zusammenstellungen aller Psalmen sind insbesondere im pädagogischen Bereich anzusiedeln – so können auch Mareschals Handschriften als Grundlage für seinen Unterricht gedient haben.
Mareschals langjährige wiederholte Auseinandersetzung mit den Melodien des Genfer Psalters führen zu unterschiedlichen Ergebnissen, die sich auch in der Präsentationsform niederschlagen: Stellen die vierstimmigen Vokalsätze des Druckes eindeutige, quasi normative Realisierungen dar, so sind die drei handschriftlichen Orgeltabulaturen nicht nur im privaten Bereich anzusiedeln, sondern weisen sowohl in der Faktur als auch in ihrer Niederschrift gewisse Offenheiten auf.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der SMG wird ein Band mit Mareschals instrumentalen Bearbeitungen des Genfer Psalters präsentiert, die nun erstmals komplett in einer wissenschaftlichen Edition vorliegen. Ein halbtägiges Symposion thematisiert die Bedeutung der Quellen insbesondere für die regionale Musikgeschichtsforschung. In Referaten zum Genfer Psalter und seiner Rezeption, zur Pflege der Tastenmusik sowie zur Situation im nachreformatorischen Basel wird der Kontext aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Darauf basierend werden die im Rahmen der Editionsarbeit erzielten historischen, musikalischen und philologischen Forschungsergebnisse zu Mareschal und seinen Tabulaturen vorgestellt. Die vielfältigen musikalischen Transformationspraktiken und Erscheinungsweisen der Psalmen werden in einem Konzert in der Basler Predigerkirche mit einer Auswahl von Mareschals vokalen wie instrumentalen Psalmbearbeitungen klanglich erlebbar.