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Viel wissen wir in der Schweiz ja nicht über Nordirland, den Nati-Gegner in der WM-Barrage. Das Guinness-Bier, die lustigen Kobolde, das Kleeblatt und St.Patrick's Day: All das verbinden wir mit der Republik Irland im Süden der Insel. Zum Teil fälschlicherweise.
«Als sie Belfast verliess, war sie noch ganz.» Ein Spruch, der a) gut ist und b) stimmt. Denn die Titanic wurde tatsächlich in Belfast gebaut. Von da aus brach sie nach Southampton zum Start ihrer Jungfernfahrt auf, deren Ziel sie nie erreichte. Auf dem früheren Gelände der Werft wurde 2012 ein Titanic-Museum eröffnet, das sich der Konstruktion und natürlich auch dem Untergang des Passagierschiffs widmet. Es gilt als Touristen-Attraktion Nummer 1 von Belfast.
Troubles – so werden heute die Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken genannt. Ein ziemlich niedlicher Begriff (auf Schweizerdeutsch bedeuten troubles in etwa «chli Lämpe»), wenn man bedenkt, dass im Nordirlandkonflikt rund 3500 Menschen ums Leben kamen. Zwischen 1969 und 1998 kämpften zwei Bevölkerungsgruppen gegeneinander: englisch- und schottischstämmige und damit pro-britische Protestanten auf der einen Seite, irisch-nationalistische Katholiken auf der anderen. Ziel war je nach Standpunkt die Wieder-Zusammenführung der beiden Irland beziehungsweise die anhaltende Trennung. Die Band U2 verarbeitete den Konflikt im Song «Sunday, Bloody Sunday».
Heute hat sich das Ganze zwar etwas gelegt, doch regelmässig flammt der Kampf neu auf. Es gibt auch immer noch Mordanschläge und in einigen Gegenden von Belfast trennen noch heute hohe Mauern protestantische von katholischen Wohngegenden. Und wenn alljährlich am 12. Juli einer siegreichen Schlacht des Oranier-Ordens über ein irisch-katholisches Heer im Jahr 1690 gedacht wird, ziehen Protestanten durch katholische Viertel Belfasts und es kommt oft zu blutigen Ausschreitungen.
Dass das Thema einer Wiedervereinigung – dass die ganze Insel wieder ein Irland wird – wieder intensiver diskutiert wird, liegt an Grossbritannien. Dieses hat bekanntlich den Ausstieg aus der EU beschlossen. In Nordirland stimmte aber eine knappe Mehrheit gegen den Brexit und für einen Verbleib in der Europäischen Union. In beiden Irland wurde daraufhin über ein mögliches Referendum zur Vereinigung gesprochen. Auch wirtschaftlich könnte das Sinn machen, denn die beiden Länder sind eng verwoben. So wird, um nur ein Beispiel zu nennen, das berühmte Guinness-Bier in Dublin hergestellt, in Belfast verpackt und wieder nach Dublin gebracht, wo es in alle Welt exportiert wird.
Der berühmteste nordirische Fussballer und vielleicht der berühmteste Nordire der Welt. Schliesslich wurde nach seinem Tod im Jahr 2005 Belfasts städtischer Flughafen in George Best Belfast City Airport umgetauft. Sein Name lädt zum Wortspiel ein: «Maradona good, Pelé better, George Best.» Der Angreifer von Manchester United, der als «fünfter Beatle» galt und der erste Pop-Star des Fussballs war, war ein Lebemann, der viel zu viel trank. Sein berühmtestes Zitat: «Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.» Ein anderes war, dass er einst den Frauen und dem Alkohol abgeschworen habe: «Es waren die schlimmsten 20 Minuten meines Lebens.»
Der Spitzname der irischen Rugby-Nationalmannschaft – und zwar der gemeinsamen beider Irland. Denn in einer der populärsten Sportarten auf der grünen Insel waren Republik Irland und Nordirland nie getrennt. Probleme gibt's höchstens neben dem Spielfeld: Bei der Frage, welche Hymne gespielt oder welche Flagge gehisst werden soll. Häufig wird dazu das Shamrock verwendet, das dreiblättrige Kleeblatt und 1995 wurde eine eigene Nationalhymne für die Rugby-Spiele komponiert, «Ireland's Call». Witzige Bemerkung am Rande: Während die Rugby-Spieler offenbar echte Männer sind («Men in Green») lautet der Spitzname der Fussballnati der Republik Irland «Boys in Green» (Buben in Grün).
Das Auto aus der Film-Trilogie «Zurück in die Zukunft» stammt aus Nordirland. Von Frühling 1981 bis Ende 1982 wurden im Werk in Dunmurry etwa 9000 Exemplare hergestellt. Ein grosser Erfolg war der Wagen mit seinen charakteristischen Flügeltüren nicht. Die Insolvenz der Firma kostete 2500 Menschen den Job.
Die populäre TV-Serie wurde zu einem wesentlichen Teil in Nordirland gedreht. In den vergangenen Jahren entstand deshalb eine immer grösser werdende Zahl von Tourismusangeboten, welche Fans an die Drehorte führt. So wurden in Nordirland etwa Szenen aus den «Game of Thrones»-Orten Westeros und Iron Islands aufgezeichnet.
Nordirlands wahrscheinlich bekannteste Naturschönheit, seit 1986 eine UNESCO-Welterbestätte. Ganz im Norden der Insel wird dieser «Damm des Riesen» durch etwa 40'000 gleichmässig geformten Säulen aus Basaltgestein gebildet. Die grössten der zumeist sechseckigen Säulen sind zwölf Meter hoch. Entstanden ist der Giant's Causeway mutmasslich, als sich heisse Lava abkühlte. Die irische Legende spricht hingegen vom Riesen Fionn mac Cumhaill, der beschlossen habe, einen Damm gegen seinen schottischen Rivalen Benandonner zu bauen.
Der 17. März wird mittlerweile in der gesamten westlichen Welt gefeiert. Der heilige Patrick ist der Schutzpatron Irlands, sein Gedenktag ist sowohl in der Republik Irland wie auch in Nordirland ein gesetzlicher Feiertag. Angestossen wird sehr oft mit Guinness, das auch im Norden das beliebteste Bier ist. Allerdings sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Mikrobrauereien gegründet worden.