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Chinese Martial Arts
Um die chinesische Kampfkunst zu verstehen und zu erklären, muss man weit vor unsere Zeitrechnung zurückblicken. In seiner 7000 Jahre alten Geschichte und Kultur durchlebte China viele territoriale Konflikte und Kriege, Aufstände, Überfälle und Invasionen fremder Kulturen, die in langjährigen Besetzungen grosser Teile Chinas endeten.
Es war eine Zeit in der der waffenlose Kampf (Kampfkunst), wie wir ihn heute kennen, in der Kriegsführung und auf dem Schlachtfeld eine nur untergeordnete Rolle spielte. Auch wenn die Entstehung der fortgeschrittenen Kampfkünste im 1. Jahrtausend unserer Zeitrechnung (ca. 500 n.Chr.) begann, hatten sie ihren Ursprung und ihre Wurzeln in der Kriegskunst.
Von zentraler Bedeutung war dagegen die Verwendung und Ausbildung von und mit Waffen. Das Werfen von Geräten oder Waffen, die Ausbildung mit Schuss und Schutzwaffen und speziell das Reiten bildeten die Grundlagen im Training der Soldaten oder der Bauern in den Lagern der Aufständigen.
Die Schusswaffen hatten eine zentrale Stellung in der chinesischen Militärgeschichte. Wenn man eine einzige Waffe benennen will, die in China bis zum Aufkommen der Feuerwaffen die alles entscheidende Rolle gespielt hat, dann ist dies der Bogen.
Für militärische Führungskräfte waren Prüfungen im Bogenschiessen in der Zeit vor den Han- bis zur Qing-Dynastie, 500 v. Chr. bis 1911 n.Chr. ein integrierter Bestandteil. Bereits 600 v.Chr. wurden Armbrüste mit ausgefeilten bronzenen Abwehrmechanismen hergestellt, die hohe Zuggewichte zuliessen. In der Zhou-Dynastie (1122-256 v.Chr.) gehörte das Bogenschiessen zu einer der sechs edlen Künste, neben dem Beherrschen des Reiten, Musik, Kalligrafie, Mathematik und das Wagenlenken. Bei den chinesischen Meistern galt der Bogen als Zeichen der Tugendhaftigkeit. Schon 2000 v.Chr. begannen sich soziale, philosophische und spirituelle Werte in der chinesischen Kultur zu verbreiten, die in das Denken der Bewegungskultur und schlussendlich in die Kriegskunststrategien einbezogen wurden. Es war die Kunst/Philosophie der Kriegsführung, die im „alten China“ neben dem Schlachtfeld schnell seinen Platz in den elitären Schulen und Zentren der Wissenschaft fand.
Was bedeutet Kampfkunst? Wie lässt sich das Wort „Kunst“ mit dem Kampf vereinbaren? In der Gegenwart verwenden wir den Begriff ohne die wahre Bedeutung zu kennen. Nur die Auseinandersetzung mit der Bezeichnung Kampfkunst ermöglicht das Vertiefen in der Praxis und weisst uns den Weg zur Steuerung der Lebensenergie (Qi) die Vervollkommnung in der Kampfkunst zu erreichen. Kampfkunst ist und entsteht durch einen kreativen Prozess. Es ist ein Vorgang, in dem man durch Wissen, Übung, Technik, Wahrnehmung und Intuition eine Tätigkeit entwickelt, deren Nährboden und Einfluss oft ein kultureller Hintergrund ist. Wir denken dabei eher an die „klassischen“ Künstler, die Musik, Gemälde, Worte oder Architektur kreeiren. In der Kampfkunst offenbaren wir unsere Seele, geformt mit Leidenschaft, Disziplin und Ästhetik ohne Grenzen moralischer, gesellschaftlicher oder kriegerischer Natur.
Es dauerte fast 3000 Jahre, bis die Kampfkünste so wie sie uns bekannt sind ihre Entstehungsgeschichte begannen. Mit der Errichtung des legendären Shaolin Klosters (Henan Provinz) im 5. Jahrundert n.Chr. bis zur Ming-Dynastie (1368-1644 n.Chr.) entstanden unzählige Schulen und Stilrichtungen in China.
Mitte des 6. Jahrhunderts (n.Chr.) belegen Dokumente erstmals zwei Kampfkunststile, die das Konzet von Yin und Yang beinhalten. (post heaven techniques und small nine heavens) Sie sollen die Quelle und Basis zur Entstehung des Taijichuans sein. Auch dem Hsing Yi mitte des 6. Jahrunderts wird der Einfluss der Shaolin Kloster nachgesagt. Zwischen 950-1200 n.Chr. ist das Entstehen des Long Fist-Kung Fu (Changquan), Liu He Ba Fa (waterstyle boxing) wie auch das Taijiquan im legendären Wudang Kloster dokumentiert. Diese Zentren der Kampf und Kriegskünste schulten auch oft Soldaten und aufständige Bauern in Waffen und Kampftechniken, während die zur Meisterschaft geführten Kampfkünstler unter erfahrenen Lehrern langfährige Ausbildungen durchliefen.
Um die Vielzahl der verwendeten Waffen zu charakterisieren, sprach man von den 18 Waffen-Künsten (Shiba Ban Wuji). Die 18 Waffen der Song-Dynastie (960-1280 n.Chr.) sind:
Schild (Dun)
Bogen (Gong Jian)
Armbrust (Nu)
Peitsche (Bian)
Lanze (Mao)
Speer (Qiang)
Hellebarde (Ge)
Mondsichelhellebarde (Ji)
Harke (Ba) Langstielige Streitaxt (Yue)
Langstielige Klaue (Zhua)
Säbel (Dao)
Schwert (Jian)
Kurzstielige Streitaxt (Fu)
Kriegshammer (Chui)
Kurzer Dreizack (Chai)
Sichel (Lian)
Kurzstab (Bang)
Der Begriff Kampfkunst umfasst somit viele Gebiete menschlichen Handelns, das sich auf Kampf und Kriegskunst bezog. Das Werfen und Schiessen verschiedener Gegenstände und Geschosse, Kunstreiten und Wagenlenken, die Militärstrategie, die Schanzkunst, theatralische Zweikämpfe und Akrobatik bei gesellschaftlichen Anlässen. Der Zweikampf mit und ohne Waffe, Das Erlernen und Steuern der Lebensenergie (Qi) blieb jedoch im Verborgenen und wurde nur den Auserwählten in geheimen Schulen oder Kloster gelehrt. Aus der Kriegskunst entstanden hat sich die Kampfkunst bis zur Gegenwart zur Lehre einer geistigen Kultur entwickelt.