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Palermo/Castelvetrano/Cefalù (gro) Zum dritten Mal bewegt man sich diesen Herbst auf „Den Spuren Friedrich II.“ durch Sizilien. Dahinter steht, wie in früheren Jahren, eine Stiftung: die in Palermo ansässige „Fondazione Federico II.“. Ihren Ausgang nahm die jüngste Reise in Castelvetrano (Provinz Trapani). Auf die Reise geschickt wurden die „Federicianer“ von Giovanni Ardizzone (unser Bild), dem Präsidenten des sizilianischen Regionalparlaments, also von höchster Warte der Politik. Die Rundreise geht am Freitag nächster Woche, am 16. Dezember, in Cefalù zu Ende. Die neueste Spurensuche führt zu 22 Stätten, zu Burgen, Befestigungen und Jagdschlössern, die unter der Machtregie des sagenumwobenen Staufers im 13. Jahrhundert auf Sizilien entstanden sind.
Der Stauferkaiser wird bis heute innig geliebt
Das Wesen der Sizilianer wird bis heute geprägt durch drei Jahrtausende Fremdherrschaft. Häufig hasste man die fremden Herren, meistens ertrug man sie mehr oder weniger murrend. Gelegentlich jagte man sie mit blutigen Attacken von der Insel, wie die Französischen Besatzer des Hauses Anjou am 30. März des Jahres 1282 oder wie die spanischen Bourbonen mit Hilfe eines Revolutionärs namens Garibaldi und seinen 1000 Freiwilligen (darunter viele Sizilianer) am 11. Mai 1860. Mindestens einen ihrer ehemaligen Herren verehren und lieben die Sizilianer bis heute: Friedrich II., König von Sizilien und später auch noch Kaiser des Römischen Reiches deutscher Nation.
Vom Papst verteufelt, für seine Fans der Grösste
Friedrich II. wurde bereits im sehr jugendlichen Alter von vier (!) Jahren, natürlich aus politischen Gründen, zum König von Sizilien gekrönt – mit dem Papst als Erziehungsbeauftragtem. Der kümmerte sich wenig um den Knaben, der als Waise in Palermo aufwuchs und vor allem von arabischen Lehrern unterrichtet und aufs Erwachsenenleben vorbereitet wurde. Dank seiner Lehrer wuchs er heran zu einem hoch gebildeten jungen Mann, der es verstand, als 18-jähriger die deutschen Fürsten und Herzoge dazu zu bringen, ihn als römisch-deutschen König und acht Jahre später als Kaiser des römisch-deutschen Reichs zu akzeptieren. Der Papst dagegen, der seinen Einfluss auf Friedrich verloren hatte, verteufelte ihn als Ketzer und „Bestie der Johannes-Apokalypse“. Für heutige Sizilienreisende spielt das kaum mehr eine Rolle. Wer Ferien macht auf Sizilien, sei es im Hotel, in einer Ferienvilla oder in einer Ferienwohnung, erwartet gut funktionierende Kochnischen und bestbestückte Küchen, komfortable Betten und ein gemütliches Aufenthaltsklima.
Vorbild für Toleranz und Menschlichkeit
Friedrich II. sprach fliessend Arabisch, gut Griechisch und Italienisch und natürlich auch Deutsch. Da er sich an seinem Hof in Palermo und später auch in Apulien vor allem mit arabischen Staatsgelehrten und Juristen umgab, blieb er dem Papst ein Dorn im Auge, nicht zuletzt deshalb, weil er 1225 auch noch zum König von Jerusalem avancierte, nachdem er einen dem Papst mehrfach versprochenen Kreuzzug wiederholt verzögert hatte. Als Friedrich schliesslich doch noch los zog, vermied er jedes Blutvergiessen und sicherte den Zugang der Christen zu den heiligen Stätten durch geduldig und klug geführte Verhandlungen mit dem Sultan von Jerusalem. Insofern, so heisst es bei der Palermitaner Fondazione Federico II, sei der Staufer auch ein leuchtendes Vorbild für Toleranz und Menschlichkeit.
Bewunderung für die moderne Staatskunst
Bewundert wird Friedrich II. ausserdem für seine Tatkraft. Er habe es geschafft, die zerstrittenen Regionen der Insel auf Linie zu bringen. Die Befestigungsanlagen, die während seiner Regentschaft und unter seiner architektonischen Regie entstanden sind, hätten ganz wesentlich dazu beigetragen, ein modernes Staatsgebilde zu schaffen, von dessen Struktur die Insel bis heute profitiere. All das und vieles mehr wird in Schulen und kulturellen Veranstaltungen bei den Aktionen der Initiative „Federico II.“ unters sizilianische Volk gebracht. Insgesamt werden diesmal, wie oben erwähnt, 22 historische Stätten mit einander vernetzt und behandelt: in Schulen, bei Vorträgen und bei historisch engagierten Verbänden und Vereinen. Parlamentspräsident Giovanni Ardizzone ist überzeugt davon, dass daraus „fruchtbringende Impulse“ für Sizilien ausgehen, nicht zuletzt für die Förderung des Tourismus‘ in „einer der wichtigsten Ferienregionen Europas“.