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Manes Kartagener (1897-1975), geboren in Galizien, emigriert mit 18 Jahren in die Schweiz. Der Gymnasiast aus Lemberg holt in Zürich die eidgenössische Matura nach, dann Medizinstudium an der hiesigen Hochschule. Es folgen Assistenzarztjahre im Institut für Pathologie, in der Dermatologie, in der Kinderklinik ebenda, schliesslich die Ausbildung zum Internisten an der universitären Poliklinik unter dem legendären Wilhelm Löffler.
In einer 1933 erschienenen Publikation beschreibt Kartagener anhand von 4 Kasuistiken erstmals die Trias von Bronchiektasen, rezidivierenden Sinusitiden und Situs inversus. Manes Kartagener habilitiert mit seinen Arbeiten zu Bronchiektasen, eröffnet später eine erfolgreiche internistische Praxis in Zürich, wird Titularprofessor. Die erwähnte Publikation wirkt namensgebend.
Erst viel später kommt zur Trias noch die Infertilität dazu – der gesamte Symptomenkomplex wird heute unter dem Begriff primäre Ziliendyskinesie (“immotile cilia syndrome”) geführt. Ursächlich findet sich ein Gendefekt, eine Störung in einem akzessorischen Protein (Dynein), das die Bewegung der mikrotubulären Zilienstruktur koordiniert. Zu einem Situs inversus kommt es dabei in 50% der betroffenen Patienten: offenbar ist die Zilienfunktion bei der embryonalen Zellwanderung entscheidend für die topographische Ausrichtung der künftigen Organe. Bei einem Defekt entscheidet der Zufall.
Manes Kartagener – ein Zürcher. Das nach ihm benannte Syndrom wurde erst gerade unter dem entsprechenden Eponym als Image in Clinical Medicine wieder prominent publiziert. Als interessante Zufälligkeit oder symbolische Koinzidenz: der Erstautor dieser Arbeit heisst Zurcher…