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Sean Connery feierte am 25. August seinen 90. Geburtstag. Aus dem Filmgeschäft hatte er sich längst zurückgezogen. Vom schottischen Milchmann zur Ikone in Hollywood - eine erstaunliche Karriere.
Der junge Thomas Connery hatte keinen Grund anzunehmen, dass sich sein Leben dereinst inmitten des globalen Scheinwerfer-Lichts abspielen sollte. Seine Kinderjahre in der schottischen Arbeiterstadt Edinburgh verbringt er in prekären Verhältnissen.
Bitterarm und ohne Bildung
Mit neun Jahren muss er bereits Geld verdienen, weil das Einkommen der Eltern nicht reicht. Seine Schulbildung endet mit 13, eine Berufsausbildung bekommt er nicht.
Connery arbeitet in seinen Teenager-Jahren als Milchmann, später geht er zur Marine. Als die Gesundheit nicht mehr mitspielt, wird er aus dem Dienst entlassen.
Connery steht jung, ohne Sold, aber gut trainiert auf der Strasse. Seinen Körper stählt er weiter und erreicht bei der Mister-Universe-Wahl 1953 einen Podestplatz. Schliesslich findet er im Cast einer Musical-Truppe Unterschlupf: der Anfang einer einzigartigen Tellerwäscher-Karriere.
Low-Budget-Agent
Talent ist da, zwei Handicaps aber auch: Der junge Schotte redet in jungen Jahren wie ein Trampel. Und es fehlt ihm an jeglicher Bildung.
«Ein BBC-Produzent sagte mir: ‹Als erstes musst du anständig sprechen lernen und du musst lesen!› Er drückte mir zehn Bücher in die Hand. Das war der Anfang meines lebenslangen Selbststudiums», erinnert sich Connery später.
Erste TV-Rollen im britischen Fernsehen wecken das Interesse am stattlichen Schotten mit der sonoren Stimme in Hollywood.
Programmhinweis
- «James Bond 007 jagt Dr. No», 31.10.2020 um 22.40 Uhr auf SRF 1.
- «James Bond 007 – Feuerball», 31.10.2020 um 0.40 Uhr auf SRF 1.
- «The Rock – Fels der Entscheidung», 2.11.2020 um 22.50 Uhr auf SRF zwei.
Als Bond nur zweite Wahl
1962 produzieren die Gebrüder Broccoli den ersten James-Bond-Film («James Bond jagt Dr. No»). Connery war für die Hauptrolle nur zweite Wahl.
«Die Broccolis wollten Cary Grant als 007, nur reichte für ihn das Budget nicht», schildert Connery.
Tatsächlich ist dieses mit rund einer Million Dollar eher bescheiden (der jüngste Bond-Film «No Time to Die» kostet 250 Millionen Dollar), wird aber zur Eintrittskarte für den völlig unbekannten Schotten Sean Connery in die Hollywood-Studios.
Gage für Bildung
Der Rest ist Superagenten-Geschichte. Bis heute gilt Sean Connery in Umfragen mit Abstand als bester James-Bond-Darsteller aller Zeiten.
Sieben Mal verkörpert er 007 und vernascht dabei Ursula Andress das Bond-Girl aus Ostermundigen (1962 das erste Bond-Girl überhaupt) oder Kim Basinger («Sag niemals nie», 1983).
Mühe mit dem Erfolg
Mit dem Erfolg kommt Sean Connery nicht sonderlich gut zurecht. Seine erste Ehe geht unter dem Druck der Öffentlichkeit in die Brüche.
Der Schauspieler verglich den Rummel um seine Person einst mit dem Hype um die Kult-Band The Beatles, der in derselben Zeit herrschte: «Es war ein Phänomen, nur waren die Jungs zu viert, um das auszuhalten.»
Den inneren Zwiespalt löst Sean Connery pragmatisch. Die Gage seines zweitletzten Bond-Films «Diamantenfieber» (1971) verwendet er zur Gründung eines Bildungs-Fonds, der mittellose schottische Studenten in Kultur und Sport förderte.
Alles auf Anfang
Auf dem Höhepunkt seines Ruhms fängt er noch einmal ganz von Vorne an. Die Heldenrollen legt er beiseite, was ihm bei Kritikern viel Lob, vom Publikum aber wenig Beifall bringt.
Der Anti-Held
In Sidney Lumets Filmen «The Hill» und «The Offence» legt Sean Connery sein Innerstes frei. Die Filme richten sich gegen Krieg und Polizeigewalt: Connery, der Anti-Held.
Er erweitert mit diesen Rollen gescheiterter Charaktere sein Palmarès glaubhaft und seine Emanzipation von Bond akzeptiert schliesslich auch das Publikum.
Nun, von 007 trennt er sich trotzdem nicht ganz. 1983 schlüpft er ein letztes Mal in den Agenten-Smoking («Never say never»). Danach folgt eine äusserst erfolgreiche Zeit für den Schauspieler.
Ruhm, Ehre, Oscar, Kilt
Sean Connery beweist in den kommenden zwei Jahrzehnten, dass er alles und jeden spielen kann: einen Mönch mit Sherlock-Holmes-Gespür («Der Name der Rose»), einen unerschütterlichen Streifenpolizisten («Die Unbestechlichen»), einen russischen U-Boot-Kapitän («Jagd auf Roter Oktober») oder Indiana Jones’ Vater.
Für seine Rolle als Jim Malone in Brian De Palmas Gangsterfilm «Die Unbestechlichen» wird er mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
Ein Herz für Schottland
2003 beendet Sean Connery seine Filmkarriere, drei Jahre nachdem ihn Königin Elisabeth II zum Ritter geschlagen hatte.
Sean Connery zeigt bei der Zeremonie noch einmal, wofür sein Herz schlägt: Schottland. Der Herrscherin über Grossbritannien (wozu Schottland gehört) stellte sich der bekennende Patriot demonstrativ im Kilt entgegen.