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In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurden im Nordwesten des Vatnajökull vier stärkere Erdbeben in kurzer Zeit registriert. Zwei davon erreichten 4.7 auf der Richterskala. Die Erdstösse kamen von Bardarbunga, einem der grössten Vulkansysteme Islands. Bereits vor wenigen Tagen und im vergangenen September wurden heftigere Erdbeben gemessen.
Sofort werden Erinnerungen an die Erdbebentätigkeit vor dem letzten Ausbruch im August 2014 wach. Die Meldungen über grosse Erdbebenserien bei Bardarbunga rissen damals nicht ab und man war sich mehr und mehr sicher, dass eine Eruption bevorstand. Aber man wusste nicht wo und wie genau das geschehen würde und fürchtete sich vor einem gigantischen Ausbruch in der Hauptcaldera unter dem Gletscher, welcher einen enormen Ascheausstoss und einen verheerenden Gletscherlauf zur Folge gehabt hätte. Ende August begann der Ausbruch, welcher bis Ende Februar 2015 dauerte. Es war der grösste seit der Eruption der Lakispalte im Jahre 1783. Island hatte aber Glück, denn der Ausbruch ereignete sich in Holuhraun, einem 200 Jahre alten Lavafeld nördlich des Gletschers. Ein neues Lavafeld von 85 Quadratkilometern entstand und extrem viel Schwefelstoff wurde ausgestossen. Niemand wurde verletzt und keine Häuser zerstört. Das warme Gestein erhitzte die Schmelzwasserflüsse in diesem Gebiet, welche Isländer und Touristen im Spätsommer 2015 als kurzfristige Badegelegenheit nutzten.
Fliegt man entlang des Vatnajökull zeigt sich im Nordwesten Bardarbunga als nicht sehr auffällige Erhebung. Bardarbunga ist mit gut 2000 Metern der zweithöchste Berg Islands. Der Vulkan ist von einer dicken Eisschicht bedeckt. Unter dem Eis befindet sich eine riesige Caldera, welche ungefähr 80 Quadratkilometern gross ist, zehn Kilometern Durchmesser hat und 700 Metern tief ist. Diesen Sommer wurden von Geologen massive Veränderungen auf dem Gletscher im Bereich von Bardarbunga entdeckt, welche vom letzten Ausbruch 2014/15 herrühren. Als das Magma aus der Caldera abgeflossen war, sackte diese ein. Die Erdwärme stieg und liess den Gletscher schmelzen. Vom Flugzeug aus konnte erstmals det Felsen unter dem Gletscher erkannt werden (Video des Journalisten Omar Ragnarsson bei RUV). Anscheinend haben sich auch zwei neue Krater gebildet. Man fürchtet, dass sich bei anhaltenden vulkanischen Vorgängen und einem weiteren Anstieg der Erdwärme Wasser in den Kratern sammelt und Gletscherläufe die Folge sein könnten.
Bis jetzt war die Rede vom Zentralvulkan, aber unter dem Namen Bardarbunga versteht man auch ein gigantisches, vulkanisches Spaltensystem von ungefähr 200 Kilometern Länge und riesigen alten Lavafeldern wie zum Beispiel Thjorsarhraun, welches alleine 950 Quadratkilometer und 130 Kilometer Länge auf 25 Km Breite misst. Die Brücke im Südwesten bei Eyrarbakki wurde auf dieser Lava erbaut. Der Ausbruch fand vor ungefähr 8700 Jahren im Gebiet der Veidivötn statt. Zum gleichen Spaltensystem gehören unter anderen auch der Schildvulkan Trölladyngia und das Maar Ljotipollur.