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11.06.2019 Rivne-Schytomyr
Mein freundlicher Gastgeber serviert mir ein riesiges Frühstück – ein Würstschen, Spaghetti, Salat, Eier, Gurken, Tomaten. Ich verabschiede mich und fahre ab. Das Navi macht Aerger, ständig schaltet es ab. Ich denke, es ist kaputt und hat irgendwo einen Haarriss in der Platine. Das wäre verheerend für mich, denn ich habe nicht einmal eine detaillierte Karte dabei. Alle elektronischen Geräte sind am Ausfallen, auch der PC scheint ein Problem zu haben und die Kamera läuft schon lange nicht mehr, nachdem sich die Batterie nicht mehr auflädt. Die Fahrt auf der Autobahn ist monoton, doch sind die Nebenstrassen dermassen schlecht, dass ich nicht wage, darauf zu fahren. In Hoshcha biege ich zum gross ausgeschilderten Walewski Palast ab. Ich kann es fast nicht glauben, als ich vor einem völlig zerfallenen Fachwerkgebäude aus dem 18. Jahrhundert stehe. Zur Sicherheit frage ich noch einen Gärtner, doch der lacht nur und meint, ich solle stattdessen einen uralten Baum im Park anschauen. Der ist nur 100 Jahre jünger als der Palast, aber noch in besserem Zustand. Es gibt noch eine lustige Parkbank in Form eines Sattelschleppers aus Walt Disneys „Cars“, zur Freude der Kinder. In Korets biege ich nochmals von der Autobahn ab. Ich suche die Festung, die ausgeschildert war, doch weitere Wegweiser gibt es nicht und nicht einmal die Einheimischen wissen etwas davon. Hier muss ich über eine längere Schlaglochpiste, die ich nur mit 25km/h schaffe. Auf vielen Bushäuschen steht „Lies Vl. Megre, Anastasia“, ein esoterisch-rechtsextremes Buch. In Schytomyr kämpfe ich mit dem Navi, das andauernd abschaltet. Ich erreiche das Hostel Sofia, das in einem modernen Hochhaus ist. Die Empfangsdame will unbedingt, dass ich mein Motorrad in einen bewachten Parking stelle. Zweimal versuche ich den von ihr beschriebenen zu finden, jedoch erfolglos. Es stellt sich heraus, dass er aufgehoben worden ist. So kommt ihr Mann mit dem Auto und ich muss ihm nachfahren. Am Peremohy Ploshchad, 1.5km vom Hostel entfernt, finden wir einen, jedoch sträubt sich der Angestellte dagegen, einen Scooter aufzunehmen. Erst ein Telefonat der beiden Chefs löst das Problem. Ich kann meinen Scooter einstellen, zahle 24 Griwna und werde zum Hostel zurückgebracht. Endlich kann ich in die Stadt laufen. In einem „Produkte“ Laden kaufe ich Wasser und ein Stück Pizza. Etwas anderes ist auf die Kürze nicht zu erhalten. Ich besuche die Transformations-Kathedrale, die keine Zwiebeltürme hat, den Soborny Ploshchad mit dem Springbrunnen. Lenin wurde von seinem Sockel gestürzt, stattdessen weht nun eine ukrainische Fahne dort und es sind die Bilder der im Krieg gegen Russland gefallenen angeschlagen. Erstaunlich ist, dass auch hier im Zentrum in allen Häusern in den oberen Stockwerken Wohnungen sind. Fussgängerzone ist das Bulevard Michailivska, die mit farbigen Bändern und am oberen Ende mit farbigen Regenschirmen überdacht ist. Ich gelange zum Postgebäude mit seinen sowjetischen Reliefs, zum Teil bereits beschädigt. Entlang der Nebesnoi-Sotni Vulitsa folge ich der Tramlinie bis zur Michaila Grischenskogo Vulitsa und biege dann in die Pokrovska Vulitsa und schliesslich in die Lesya Ukrainka Vulitsa ein, bis ich wieder zum Hostel komme. Ich muss etwas ausruhen, dann kaufe ich Milch, Brot und Hühnchen und esse diese, als ein Schwarzer dazukommt. Er scheint auf Sparflamme zu leben, so gebe ich ihm einen Teil davon ab. Wir diskutieren über Nigeria, das ich ja auch gut kenne. Am Abend kommt ein Hostelgast mit seiner Bandura – ich habe ihn bereits in der Fussgängerzone spielen gehört. Er spielt extra für uns, sehr gut und melodisch.