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Es begann alles mit diesem Satz: «Lass uns den Karren verschenken.»
Sind wir verrückt? Extrem spendabel? Wir entschieden uns aus verschiedenen Gründen für diese Variante.
Es begann alles mit diesem Satz: «Lass uns den Karren verschenken.»
Sind wir verrückt? Extrem spendabel? Wir entschieden uns aus verschiedenen Gründen für diese Variante.
Wir fanden, dass es uns im Verhältnis immer eher gut ging. Und fanden es wird Zeit, etwas von den Privilegien zurückzugeben, Andererseits wollten wir unser verrücktes Abenteuer Weltreise mit einer verrückten Aktion starten.
Doch alle anderen Gründe wurden nebensächlich, als wir das Auto der glücklichen Gewinnerin übergaben. Jessica. Und all die Zweifel, ob wir soviel Geld nicht für anderes einsetzen sollten, wurden nebensächlich. Uns war sofort klar: Das war das richtige!
Michel Gysi war mein Fahrlehrer. Ein kleiner Mann mit grossem Herz. Er half mir durch die Autoprüfung mit Geduld, Charme und einer unkomplizierten Art Wissen zu vermitteln. Fahrlehrer wie er, gibt es ganz wenige.
Michel erfuhr von unserer Verschenk-Aktion und schrieb mir, dass er eine Frau kennt, der dieses Auto das Leben retten würde: Jessica.
Jessica meldete sich für den Wettbewerb an und ich meldete mich bei Michel, damit er mir ein paar Worte über diese Frau erzählt. Sie habe vier Kinder. Ihre finanzielle Lage sei ein Desaster. Ein Leben von Pleiten, Pech und Pannen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Ihr eigenes Auto liess sie im Stich. Bei Michel waren für die Fahrstunden mehr als ein paar Franken offen.
Diese Frau hätte es verdient. Michel sagte, dass er seinem Gefühl für gewöhnlich traut und das sage ihm: Diese Frau, die ihre Lehre noch nachholen will, bekäme durch dieses Auto einen super Boost für ihre Zukunft.
Michel überzeugte mich und ich fuhr in das schöne Berner Oberland. Wir trafen uns dort, wo Michel und ich jeweils unsere Fahrstunde starteten.
Wir trafen uns dort, wo auch er und Jessica sich trafen. Um – vermeintlich – ein ernstes Wort mit ihr wegen der Schulden zu führen.
Ich crashte diese Trauerveranstaltung. Mit einer abgefahrenen Überraschung.
«Jessica, brauchst du ein Auto?»
Sie verstand nichts. So viel Glück kann man gar nicht haben. Mit so etwas rechnet doch niemand. Michel mischte sich ein: «Jessica, Michael geht mit seiner Familie auf Weltreise und will vorher sein Auto verschenken. Und zwar an dich.»
«Ah okay.»
Ich war etwas sprachlos. Ich erwartete Freudensprünge. Gekreische. Ich, der Zalando-Postbote. Sie, die Shoppingqueen. Sie glaubte es nicht wirklich. Zu viele Rückschläge in ihrem Leben, um diesen Glücksmoment zu realisieren.
Liebe Jessica, genau darum schenken wir dir unser Auto. Weil du damit nicht gerechnet hast. Weil du dachtest, das kann nicht sein. Wir hoffen, wir haben deine Gedanken eines Besseren belehrt. Die Gedanken, die durch negative Erfahrungen geprägt sind. Dir gezeigt, dass es überraschende positive Wendungen im Leben kann.
Du wirst deine Lehre nachholen, immer für deine Kinder da sein und ihnen eine tolle Zukunft ermöglichen. Und wenn du wieder fällst, dann steh auf und steig in dein Auto ein. In dein Auto, das fährt und nicht immer schlapp macht, wie dein 20-jähriger Audi.
Ich wünsche dir, dass dich dieses Geschenk viele Probleme abzuhaken und dein Leben zu geniessen und dich auf deine Zukunft zu freuen. Ich wünsche dir und deinen Kindern, dass ihr unser Auto gebrauchen könnt. Und ich hoffe, dass du dich nochmals artig bei Michel bedankst. Dein Fahrlehrer hat an dich gedacht. Nicht an deine Schulden. Er wusste in welcher Lage du bist und anstatt an sich und seine sechsköpfige Familie zu denken, dachte er an dich.
Wir brauchen mehr solche Menschen. Menschen, die zuerst an den anderen und erst dann an sich selbst denken.
Menschen, die für dich, Jessica, da sind.
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