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Gleich und gleich gesellt sich gern?
Fast überall auf der ganzen Welt bleiben selbst in Multikulti-Zeiten manche Bevölkerungsgruppen oft gerne unter sich. Türken flirten mit Türkinnen, Russinnen heiraten Russen und Männer mit Behinderung bandeln sich mit ... ähh! Gilt das auch für Menschen mit Behinderung??
Peter* würde mit einem glatten Nein antworten. Er ist blind, Anfang zwanzig und derzeit solo. Auch wenn „vor rund acht Jahren ein oder zwei Blinde“ unter seinen Ex-Freundinnen waren, zieht er grundsätzlich Sehende vor. Das liegt insbesondere an seiner Einstellung gegenüber seiner eigenen Behinderung: Er sehe sich „in gewisser Weise verpflichtet, sein Möglichstes zu tun, um sich der Normalität anzunähern“, da die Behinderung ihn vom Grossteil der Menschen unterscheide.
Deshalb hat er nur ein paar Blinde in seinem Freundeskreis, die allerdings Peters Überzeugungen in etwa teilen. Er schliesst Beziehungen mit behinderten Frauen dennoch nicht von vornherein aus. „Bei Partnerschaften kommt es ja darauf an, wer sich in wen verliebt“. Peters Einstellung lässt Fragen aufkommen: Ziehen manche behinderte Menschen nichtbehinderte Partner vor, weil sie vielleicht ein Problem mit ihrer Behinderung haben? Oder fusst ihre Entscheidung auf alltagspraktischen Gründen? Lebt es sich in einer Beziehung mit einem Nichtbehinderten einfacher?
Sind nichtbehinderte Partner praktischer?
Barbara weist diese Frage entschieden zurück. Sie und ihr Mann – beide querschnittgelähmt – sind seit 24 Jahren verheiratet. Wobei sie ihre Behinderung schon vorher hatte und ihr Mann erst seit einem Unfall vor elf Jahren im Rollstuhl sitzt. Ein nichtbehinderter Partner könnte, so Barbara, „die Partnerschaft dadurch belasten, da er sich nicht ganz in die Lage seines behinderten Partners hineinversetzen kann.“ Deshalb sei es nicht automatisch einfacher oder vorteilhafter, sich als behinderter Mensch einen nichtbehinderten Partner auszusuchen.
Auch Peter glaubt, in Beziehungen zwischen beiderseits behinderten Partnern gebe es „ein paar Fragezeichen weniger“, da sie sich mit den typischen Problemen auskennen. Aber behinderte Menschen „können auch sehr unterschiedlich sein. Wenn ein Führhundhalter mit einer totalen Führhundgegnerin zusammenkommt, sehe ich da keine sehr harmonische Zeit kommen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Neue Herausforderungen gemeinsam meistern
Birgit Schopmans von der fab-Beratungsstelle für behinderte Menschen berichtet, dass mehr Menschen in „ungleichen“ Beziehungen sich beraten lassen als beiderseits behinderte Paare. Die Diplom-Sozialpädagogin weist aber darauf hin, dass das nicht zwangsläufig bedeute, Partnerschaften zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen hätten mehr Beziehungsprobleme. „Nicht selten kommen Menschen zu uns, deren Partner im Laufe der Beziehung durch einen Unfall oder eine Krankheit behindert wurden. Diese Menschen haben dann Schwierigkeiten, mit den neuen Herausforderungen umzugehen und die Behinderung zu akzeptieren.“
Paaren, bei denen ein Partner behindert ist, rät Schopmans dasselbe, was jede andere Partnerberatung empfehlen würde: „Offen über die Probleme sprechen. Und Kritik formulieren, aber auch Kritik akzeptieren.“ Am Ende hat sie noch einen behindertenspezifischen Rat parat: „Die eigene Behinderung sowie die des Partners sollte akzeptiert werden und ein gesundes Selbstbewusstsein trägt ebenfalls zu einer guten Partnerschaft bei.“
Abhängigkeit gegenüber Partner unbedingt vermeiden
Für besonders wichtig hält Schopmans, dass eine Beziehung sich nicht in eine dauerhafte Abhängigkeit durch Hilfeleistungen des nicht- oder geringfügiger behinderten Partners ausarten darf. Unter Hilfeleistungen versteht sie beispielsweise das Führen des blinden Partners, das Dolmetschen für den gehörlosen Partner, Transport- oder Pflegedienste. „Solche Hilfeleistungen sollten am besten soweit wie möglich von externen Personen übernommen werden“, so Schopmans weiter.
Barbara hat die Problematik einer solchen Abhängigkeit selbst erlebt. Damals, als ihr Mann seine Behinderung noch nicht hatte, hatten sie es zeitweise damit versucht, dass er den Assistentenjob übernahm. Aber es „gab dann Probleme beruflich und privat“, weswegen sie das kurz später wieder verwarfen.
Mein Unfall hat mir „meinen Horizont erweitert“,
sagt Martin, Mitte zwanzig, gutaussehend und auch im Rollstuhl sitzend. Er fühlt sich seit seinem Unfall „tiefgelähmten Paraplegikerinnen wie ich“, insbesondere mit den „zwangsläufig dünnen Beinen“ zugeneigt. Dabei müsse der Rollstuhl zur Frau passen, denn er sehe ihn als Teil des Körpers. Ein sportlich eleganter Rollstuhl runde das Gesamtbild einer attraktiven Rollstuhlfahrerin ab: „Das hat Sexappeal!“
Er ist aber mit seiner nichtbehinderten Frau, mit der er schon vor seinem Unfall zusammen war, seit acht Jahren zusammen, davon vier verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter im Alter von drei Jahren. Allerdings, erzählt Martin, kommen bei ihnen erst in letzter Zeit die üblichen Probleme hoch, da sie seit seinem Unfall kaum Zeit miteinander hatten. Martin glaubt jedoch, dass die Behinderung nur in der Anfangsphase einer jeden Beziehung im Vordergrund steht: „Ansonsten entsteht ja der gleiche Alltag und somit dieselben Probleme.“ Dass auch „ungleiche“ Beziehungen funktionieren können, dokumentiert die Webseite 2sames.
Auf derselben Wellenlänge
Ein behinderter Mensch findet bei einem behinderten Partner jedoch „Gleichheit und Verständnis“. Darin sind sich alle Befragten einig. Peter hält es aber durchaus für möglich, dass Menschen mit Handicap ihresgleichen suchen, weil sie „Angst vor Ablehnung oder vor zu hohen Erwartungen des Partners“ haben. Barbara glaubt, manche hätten vergleichsweise wenig Kontakte zu Nichtbehinderten, weswegen sich ihre Auswahl grösstenteils auf behinderte Menschen reduziere. Auch Peter findet, man habe „schlicht weitaus größere Chancen“, wenn man auch mit Nichtbehinderten verkehre.
Barbara weiß von behinderten Menschen zu berichten, die „der Meinung sind, sie finden aufgrund ihrer Behinderung keinen Partner und verbissen einen suchen“. Ihnen lässt sie folgenden Rat mitnehmen: „Locker bleiben, offen sein und ja selbstbewusst sein. Man soll auch in einer Beziehung sein eigenes Ding machen.“ Das gelte aber für jeden Menschen, ob behindert oder nicht, fügt sie schnell hinzu.
Die Liebe muss selbst hinfallen
Schliesslich „geht es um den Menschen und nicht um die Behinderung“, betont Barbara. Ihr Beispiel gibt ihr recht. Vor 24 Jahren heiratete sie ihren Mann – zu dieser Zeit sass er noch gar nicht im Rollstuhl.
Leser, die sich noch auf der Partnersuche befinden, könnten ihre Chancen eventuell mit unseren Links zu Partnervermittlungen für behinderte Menschen in der Linkbox unten steigern. Auch eine professionelle Beratung, wie sie beispielsweise die Pro Mente Sana anbietet, kann in Erwägung gezogen werden, falls es doch länger nicht klappen sollte.
* Name von der Redaktion geändert
Text: TMI
Bilder: pixelio.de, 2sames.de