Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03217.jsonl.gz/1941

Pierre Condamin-Gerbier, früheres Kadermitglied der Genfer Bank Reyl & Cie, gilt als Hauptzeuge im Fall Cahuzac: Er soll die französischen Steuerbehörden auf die Schwarzgeld-Spur des früheren Budgetministers Jérôme Cahuzac geführt haben.
Condamin-Gerbier in Untersuchungshaft
Die Bundesanwaltschaft bestätigte gegenüber dem Westschweizer Fernsehen einen Bericht der «Tribune de Genève». Condamin-Gerbier hatte im Juni vor einer parlamentarischen Untersuchungskommission in Frankreich zur Affäre Cahuzac ausgesagt. Die Verhaftung fand bereits am 5. Juli in der Schweiz statt. Pierre Condamin-Gerbier befindet sich seither in Untersuchungshaft.
Die Bundesanwaltschaft erklärte, eine Strafuntersuchung gegen Condamin-Gerbier eingeleitet zu haben, unter anderem wegen wirtschaftlichen Nachrichtendienstes (Art. 273 Strafgesetzbuch). Ihm wird laut Zeitungsbericht vorgeworfen, Bankdaten an Dritte übermittelt zu haben. Zum weiteren Verfahren oder welche Strafe dem Banker droht, äusserte sich die Bundesanwaltschaft nicht.
Anzeige von Ex-Arbeitgeber
Die Genfer Bank Reyl & Cie und deren Tochtergesellschaft Reyl Private Office hatten im letzten Monat Strafanzeige gegen Condamin-Gerbier erstattet. Die Privatbank wirft ihrem ehemaligen Mitarbeiter Diebstahl, Urkundenfälschung und Verstoss gegen das Berufs- und Geschäftsgeheimnis vor.
Die wiederholten Falschdarstellungen und Behauptungen des Bankiers gegenüber den französischen Medien trotz kategorischer Dementi der Reyl-Gruppe sowie die Fälschung eines internen Papiers hätten der Bank keine andere Wahl gelassen. Die Bank habe die Beweise der Bundesanwaltschaft am 17. Juni übergeben.
Condamin-Gerbier hatte vor französischen Parlamentskommissionen behauptet, die Reyl-Gruppe verwalte nicht deklarierte Konten französischer Politiker. Er verfüge über eine Liste mit den Namen von rund 15 französischen Ministern und Ex-Ministern vom linken und vom rechten Lager mit Konten in der Schweiz. Die Bank hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.