Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03157.jsonl.gz/2109

Die SGG macht sich auf die Suche nach einer neuen Nationalhymne. Immer wieder werde ich als Präsident der SGG gefragt: «Wieso sucht die SGG eine neue Nationalhymne?» oder angriffiger: «Habt ihr nichts Wichtigeres [nbsp]zu tun? Was ist daran gemeinnützig?»
Wer einen Blick zurück wirft in die Geschichte der SGG wird bald feststellen: Sehr vieles an diesem Projekt ist gemeinnützig. Die SGG ist im 19. Jahrhundert als Verein entstanden. Ein Verein, gegründet von engagierten [nbsp]und aufgeklärten Bürgern. Bereits zu Beginn war die SGG ein Diskussionsforum für politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen. Sie war zudem die wichtigste liberale, soziale und sozialpolitische Organisation im Rahmen der Bundesstaatsgründung im Jahr 1848. Historisch hat sie sich stets mit der Frage auseinandergesetzt: Welche Schweiz wollen wir? Was sind unsere Werte? Sie macht das heute unvermindert.
Gemeinnützigkeit war also nicht immer private Gemeinnützigkeit, die subsidiär oder komplementär zu einem Staat funktionierte, die Bundesstaatsgründung selbst war ein Akt, der von gemeinnützigen Kreisen mitgetragen wurde. Und: Gemeinnützigkeit bedeutete längst nicht immer das Verteilen von Geld, denn die SGG war im 19. Jahrhundert alles andere als vermögend.
Die SGG und SGG-nahe Kreise sahen einen allgemeinem Nutzen darin, darüber nachzudenken, wie eine Gesellschaft sich politisch organisieren möchte, welche Aufgaben dem Staat übertragen werden sollen und welche den Bürgerinnen und Bürgern eines Landes. Diese Diskussion ist jedoch nie abgeschlossen, sondern wird von jeder Generation neu geführt.
Mit der Suche nach einer neuen Nationalhymne möchte die SGG diese Fragen gemäss ihrer Tradition fortsetzen. Die SGG versteht den Bundesstaat und die Schweiz als demokratisch veränderbares Gebilde. Schliesslich ist die Verfassung von 1848 nicht mehr identisch mit derjenigen von 1999, sondern sie wurde im Laufe der Geschichte an neue Gegebenheiten angepasst. Aber beide Verfassungen gründen auf den gleichen aufklärerischen Werten: Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Werte, wie sie auch in der Präambel der Bundesverfassung von 1999 verankert sind und von einer Mehrheit des Stimmvolkes gut geheissen wurden. Deswegen möchte die SGG durch die Auseinandersetzung mit der Präambel der Bundesverfassung im Rahmen des Hymnen-Wettbewerbs eine aktuelle Diskussion um diese Werte anregen. Und vielmehr noch wünscht sich die SGG eine Nationalhymne, die diesen Werten mit einem der Präambel zugrunde liegenden Text ebenfalls Rechnung trägt.
Und schliesslich fühlt sich die SGG als Verwalterin des Rütli, der Wiege der Eidgenossenschaft, und der Organisatorin der traditionellen jährlichen 1. Augustfeier auf dieser symbolträchtigen Wiese durchaus befugt, einen neuen Text für die schweizerische Nationalhymne vorzuschlagen.