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Seit Beginn der 1990er Jahre werden die Licht durchfluteten Räume dieses Baudenkmals vor allem von Malern und Bildhauern genutzt. Die Berliner Kulturszene und die Akademie der Künste unterstützten kontinuierlich die Künstler, die nahezu 10 Jahre lang gemeinsam mit dem Bezirk Mitte und Politikern aus allen Parteien für die dauerhafte Erhaltung dieses wichtigen Atelierstandortes kämpften. Mit dem Erwerb des Grundstücks durch die Stiftung Edith Maryon im Jahr 2009 wurde in letzter Minute die spekulative Umwandlung des Gebäudes in Lofts gestoppt. Die Künstlergenossenschaft Wiesenstrasse 29 eG erwarb in der Folge von der Stiftung das Baurecht (in Deutschland: Erbbaurecht). Die Genossenschaft bewirtschaftet und vermietet seitdem den Bau, der ideale Arbeitsbedingungen für bildende Künstlern bietet. Zurzeit arbeiten hier rund 25 Künstler (Video Wiesenstrasse 29 eG).
Bei dem Gebäudekomplex Wiesenstrasse 29 handelt es sich um eine sechsgeschossige Industriearchitektur, errichtet im Jahr 1957/58 für die Druckmaschinenwerke Rotaprint. Eine Shedkonstruktion mit grossflächigen durchgehenden Lichtbändern überdacht die dazu gehörende Montagehalle in über sechs Metern Höhe. Die beheizbare Nutzfläche beträgt insgesamt 2’600 Quadratmeter. Der kulturhistorische Wert des Baudenkmals gründet in seiner rationellen, streng an funktionalen Gesichtspunkten orientierten lichten Gestaltung, welche zentrale Forderungen des Bauhauses umsetzt, sowie in seiner industriellen Vorgeschichte.
Das Atelierhaus Wiesenstrasse 29 liegt an dem kleinen Fluss Panke, gegenüber dem Gedenkstein für den "Roten Wedding", der an die Opfer eines vorsätzlich brutalen Polizeieinsatzes im Mai 1929 erinnert. Zuvor stand auf dem Grundstück das Geburtshaus des Schriftstellers Theodor Plievier (geboren 1892 in Berlin, gestorben 1955 im schweizerischen Avegno).
In der unmittelbaren Nachbarschaft befinden sich die international bekannten Bildhauerwerkstätten, zahlreiche weitere Atelierstandorte und das ebenfalls von der Stiftung Edith Maryon (zusammen mit der Stiftung trias) erworbene Baudenkmal Gottschedstraße 4 der ExRotaprint gGmbH.