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Annette Hug folgt Enrique von Malakka um den Globus
In Sevilla wurde bereits im September 2019 gefeiert. Ein Nachbau von Ferdinand Magellans Schiff verliess dort den Hafen. Für 2022 sind noch grössere Feiern angekündigt, denn dann jährt sich das Ende der ersten Weltumseglung zum 500. Mal. Wobei nur knapp 20 von 240 Seefahrern die Reise überlebten, auch Ferdinand Magellan kehrte nicht nach Spanien zurück. Er war 1521 auf der Insel Cebu, die heute zu den Philippinen gehört, gefallen. Dort finden die Jubelfeiern denn auch dieses Jahr statt, sie stehen unter dem Motto «500 Jahre Christentum». Der Papst persönlich predigte zum Auftakt, per Streaming.
Etwas weniger prominent werden diejenigen gefeiert, die sich der Eroberung entgegenstellten. So kommt auch Enrique zur Sprache, den Magellan auf einer früheren Reise nach Südostasien in der Hafenstadt Malakka als Sklave in Besitz genommen hatte. Antonio Pigafetta, der Chronist der Weltumseglung, berichtet, dass Enrique ursprünglich aus Sumatra stammte. Unter Magellan lernte er Spanisch und Portugiesisch, fuhr in dessen Diensten über den Indischen Ozean und ums afrikanische Kap der Guten Hoffnung nach Spanien.
1519 überquerte er den Atlantik, segelte durch eine Meeresstrasse an der Südspitze Amerikas und über den Pazifik. Als die Spanier die Insel Cebu erreichten, konnte er sich mit den dortigen Anführern gut verständigen. So übersetzte er während der Massenkonversionen zum Christentum und beim Versuch, Unterwerfungsverträge abzuschliessen. Nachdem Lapu-Lapu, ein lokaler Anführer, Magellan besiegt und getötet hatte, schlug sich Enrique auf die Seite der Einheimischen und verschwand aus den europäischen Berichten.
Heute kommt er in patriotischen Geschichten wahlweise als Indonesier, Malaysier oder Filipino vor. Der Filmemacher Kidlat Tahimik macht ihn zum Urahn der «balikbayan», jener EmigrantInnen, die nach Jahren der Arbeit in Übersee auf die Philippinen zurückkehren. Der Historiker Ferdinando A. Santiago nimmt die Geschichte dagegen zum Anlass, die enge Verflechtung der Inselwelt Südostasiens vor der Ankunft der europäischen Kolonialmächte aufzuzeigen. Enriques Lebenslauf ist nur denkbar in einem Archipel, in dem sich Malaiisch als Lingua franca der HändlerInnen aller Inselgruppen etabliert hatte.
Was für eine Welt das war, aus der Enrique stammte, ist zurzeit auch in einer kleinen Ausstellung des Völkerkundemuseums in Zürich zu erahnen. Hier sind Werke von Weberinnen aus Sumatra ausgestellt. Sie zeigen allesamt Schiffe. «Seelenschiffe» nannte sie der Zürcher Ethnologe Alfred Steinmann, der diese Sammlung in den 1920er Jahren begonnen hatte.
In einem Mythos der Lampung erscheint selbst das Leben an Land als Fahrt einer Schiffsbesatzung, die zwischen Himmel und Wasser treibt. Auch Särge nahmen auf vielen Inseln Südostasiens die Form von Kanus an. Auf Seelenschiffen fahren die Toten ins Jenseits. Auf einem der in Zürich zu sehenden Schiffstücher wachsen die Steven an der Spitze und am Ende eines solchen Schiffs wie Bäume dem Himmel zu, ein ganzer Hof mit Tieren, Häusern und Menschen ist an Bord versammelt.
Wie der Mann aus Sumatra, der den Taufnamen Enrique erhielt, die Welt auf seiner weiten Reise sah, ist Stoff von Romanen und Filmen geworden. Eine Quelle dafür haben wir leider nicht.
Annette Hug ist Autorin in Zürich. Die Ausstellung «Schiffe und Übergänge» im Völkerkundemuseum Zürich ist noch bis am 21. Oktober 2021 zu sehen.