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Die Wirtschaft von Hongkong ist im ersten Quartal unerwartet geschrumpft. Rückläufige Einzelhandelsumsätze und die stärkste Abschwächung des Immobilienmarktes seit 25 Jahren schlugen zu Buche. Singapur kam im gleichen Zeitraum zwar auf ein leichtes Wirtschaftswachtum. Schwache Exporte und die Flaute bei Finanzdienstleistungen hinterliessen aber ebenfalls Bremsspuren.
Beide Städte kämpfen mit ähnlichen Schwierigkeiten. Banken haben Probleme, ihre Gewinne anzukurbeln, die Neueinstellungen fallen geringer aus und der Aktienhandel liegt am Boden. Zudem fehlen die Kapitalzuflüsse, die zunächst von den quantitativen Massnahmen der US-Notenbank und dann von chinesischen Anlegern angefacht wurden. Damit scheinen die Jahre des rasanten Wachstums durch den Finanzsektor vorbei zu sein.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. In Hongkong gelistete Aktien kamen dieses Jahr auf einen durchschnittlichen Tagesumsatz von 67 Mrd. Hongkong-Dollar (8,6 Mrd. Dollar) und damit 46 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Neuemissionen am Aktienmarkt summierten sich sich auf 5,6 Mrd. Dollar, was weniger als die Hälfte der 14,4 Mrd. Dollar des Vorjahres ist, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. In Singapur sind unterdessen die Übernahmen unter Beteiligung von Unternehmen aus der Region um 24 Prozent auf 64,9 Mrd. Dollar geschrumpft. 2015 waren es noch 85 Mrd. Dollar gewesen.
China-Magnet wirkt weniger stark
"Als Finanzentren können beide Städte nicht den geopolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen Chinas entgehen", sagt Andrew Sheng vom Asia Global Institute in Hongkong, der zuvor bei der Hong Kong Monetary Authority und der malaysischen Notenbank gearbeitet hat. "Somit beeinträchtigt der Abschwung beide."
Lange vorbei scheinen die Zeiten zu sein, als das massive Wachstum Chinas die beiden Städte beflügelte. Konzerne und Banken griffen damals auf das in Hongkong und Singapur konzentrierte Fachwissen zurück, um milliardenschwere Anleihe- und Aktienemissionen zu bewerkstelligen. Die Folge war ein fulminantes Wachstum bei Banken, Tourismus und Luxusgeschäften.
Noch immer ist die Finanzindustrie einer der Pfeiler der Städte. Singapur beheimatet über 1200 Unternehmen aus dem Sektor, wie aus Angaben der Monetary Authority of Singapore hervorgeht. Danach gibt der Finanzsektor fünf Prozent der Beschäftigten im Stadtstaat Arbeit. Finanzdienstleister und Versicherer machten 2015 fast 13 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, so das Ministerium für Handel und Industrie.
Tourismus boomt
In Hongkong entfiel 2014 sogar der zweitgrösste Teil des Bruttoinlandsprodukts auf den Finanzsektor. Mit 16,6 Anteil lag die Branche nach Zahlen der Regierung allein hinter Handel und Logistik. 6,3 Prozent der arbeitenden Bevölkerung verdienten hier ihren Lohn und 156 Banken waren zum 17. Juni zugelassen.
Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer. So profitiert der Tourismus von reichen Chinesen, die ihre Sommerfrische in den schillernden Kasinohotels verbringen. Die Credit Suisse rechnet damit, dass die Zahlen in diesem Jahr über den Prognosen der Singapurer Tourismusbehörde liegen und um acht Prozent auf 16,5 Millionen zum Vorjahr klettern könnten.
Hongkong bleibt unterdessen ein Tor für Kapitalerhöhungen chinesischer Unternehmen und ein bedeutender Standort für das Privatkundengeschäft, das sich um die Wohlhabenden der Region kümmert.
Grund zur Sorglosigkeit gibt es freilich nicht, so lange die Wachstumsprobleme Chinas anhalten. "Für keine der beiden sind die konjunkturellen Belastungen in irgendeiner Weise ausgestanden", sagt Klaus Baader, Chefvolkswirt Asien-Pazifik bei Société Générale. "Die Herausforderungen sind äusserst gross."
(Bloomberg)