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«Ich hatte kein Corona» – «Also, das Bier oder die Infektion?». Während der Pandemie hat Corona – die Abkürzung der Infektionskrankheit sowie der Name der mexikanischen Biermarke für so manche Verwechslung gesorgt. Das Bier rückte in Pandemiezeiten aber immer mehr in den Hintergrund.
Nun wird das Bier wieder zum Thema – zumindest in Mexiko. Diesmal steht es aber nicht mehr in Verbindung zur Pandemie, sondern zu einer anderen Krise: dem Klimawandel.
Mexiko leidet aufgrund extremer Dürre an Wassermangel.
Seit Anfang des Jahres muss im ganzen Land Wasser gespart werden, nur die Bierproduktion lief ungebremst weiter. Doch damit ist nun Schluss. Im Norden des Landes dürfen Corona, Heineken und Co. ab sofort nicht mehr produziert werden.
Die Bierproduzenten müssen die Herstellung des Getränkes im Norden des Landes einstellen, da die Region unter schwerer Wasserknappheit leidet, kündigte der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador am Montag an.
Mehr als 5 Millionen Einwohner der Stadt Monterrey, die im Norden des Landes liegt, haben derzeit keinen Zugang zu fliessendem Wasser. Die zweitbevölkerungsreichste Stadt Mexikos ist auch die Heimat der wichtigsten Brauindustrien, die ihren Betrieb nun einstellen oder verlagern müssen, um die Wasserkrise in den Griff zu bekommen.
Unter Wasserknappheit leidet Mexiko schon seit Monaten. Anfang des Jahres haben die Behörden Wasserhähne aufgrund extremer Dürre regelmässig blockiert. Mitte Juli verschlimmerte sich die Krise. In einigen Regionen haben Einwohner nur wenige Stunden pro Tag Zugang zu Leitungswasser. Aufgrund des fehlenden Regens sind einige Wasserhähne im Norden mittlerweile komplett trocken gelaufen.
«Hier muss man dem Wasser buchstäblich nachjagen», sagt Claudia Muñiz, die in einem der ärmsten Viertel Monterreys wohnt, gegenüber «The New York Times». Einige Städte haben den «Día Cero» («Tag Null») erreicht – den Tag, an dem die Wasservorräte zur Neige gehen und der Alarmzustand ausgerufen wird. Dazu zählt auch Monterrey.
Die Suche nach Wasser hat die Menschen von Monterrey an den Rand der Verzweiflung gebracht. Während einige Einwohner stundenlang Schlange standen, um Wasserrationen von Lieferwagen zu erhalten, begannen andere Medienberichten zufolge illegale Rohre anzuzapfen.
Aus der Verzweiflung wuchs auch Wut. Wut auf die Getränkekonzerne, darunter Coca-Cola, Heineken oder Grupo Modelo, die Milliarden Liter Wasser aus öffentlichen Reservoirs und somit den Menschen die lebenswichtige Ressource entnehmen.
Die Wasserrationierungen sowie die Empörung über die Brauereien und Erfrischungsgetränkehersteller, die Wasser aus dem Stausee entnehmen, haben Einheimische zu Protesten bewegt. Besonders ein Satz wurde populär: «No es sequía, es saqueo» (Es ist keine Dürre, es ist Plünderung) – eine Anspielung auf die Getränkehersteller, die laut «Guardian» jährlich fast 90 Milliarden Liter Wasser für Produktionszwecke verwenden, wovon mehr als die Hälfte des Wassers aus öffentlichen Talsperren stammt.
Die Aktivistinnen und Aktivisten forderten demnach eine fairere Verteilung des Wassers sowie eine bessere Versorgung für die Zukunft.
Einen Teilerfolg haben sie nun erreicht.
Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador erlässt nun ein Verbot für die Brauereien: «Wo es kein Wasser gibt oder wo der Grundwasserspiegel vollständig erschöpft ist, darf kein Bier mehr produziert werden». Auch die Hersteller von Erfrischungsgetränken sind von diesem Erlass betroffen.
Das Verbot bedeute aber nicht, dass gar kein Bier mehr produziert werden dürfe. In Südmexiko dürfen Nebenflüsse für die Produktion noch genutzt werden. López Obrador zeigte bei seiner Rede am Montag auch Daten von Statista, in denen das Land vom weltweit viertgrössten Bierexporteur im Jahr 1995 zur Nummer eins im Corona-Jahr 2021 aufstieg.
Beim Produktionsverbot im Norden handle es sich um eine vorläufige Massnahme, um aus der Krise zu kommen.
Heineken schrieb in einer Stellungnahme, dass das Unternehmen voraussichtlich ungehindert weiterproduzieren könne. Der Corona-Hersteller Constellation Brands habe bereits erste Expansionspläne im Süden Mexikos vorgestellt.
Ganz aus der Wasserkrise wird Mexiko laut der Zwischenbilanz des Ausschusses der Vereinten Nationen für Klimawandel aber nicht kommen. Die Experten befürchten, dass das Problem in den kommenden Jahren andauern werde. Und dies nicht nur aufgrund des Klimawandels. Bevölkerungswachstum, steigende Nachfrage sowie schlechte Infrastruktur begünstigen eine Wasserkrise zusätzlich.
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