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Hubert erzählte bereits vor Monaten, dass er einen japanischen Besucher von Kaikado bekommt und ich ihm helfen soll, weil ich doch asiatisch bin.
Kaikado ist ein Manufactum in Kyoto, sie machen luftdichte Teedosen per Hand. Oft kommen Kunde von Hubert, die so eine Dose kaufen und dann Tee bei mir holen.
Diesen Besucher sollte ich heute kennen lernen.
Es ist ein junger Mann – ich dachte, ich hätte einen sechzigjährigen getroffen! Wer macht heute noch per Hand Teedose – wenn man nicht zu alt ist, um Umschulung zu tätigen?
Ein junger Mann mit Brille, sympatisch und natürlich. Ich sehe keine typische in meinen Augen übertriebene Manöver der Höflichkeit, sondern ein natürlicher souveräner Mann.
Taka – so stellte er sich vor. Er war zwei Male in Shui Tang, weil wir einen Tee miteinander trinken wollten. Heute war Shui Tang voller angemeldeten Gästen. Taka, sass und wartete vergeblich auf eine Tasse guten Pu Er. Er ging, als die Kunden an der Kasse standen. Ich arbeitete weiter, ohne ein Wort mit ihm auszutauschen, als ob es so einfach und selbstverständlich wäre, als ob wir uns schon lange gekannt hätten.
Endlich wurde die Tür geschlossen und Lichter gelöscht. Taka kam.
Die Lichter wurden wieder in Einsatz und ich bereitete ihm eine Tasse Menghai 1985 zu.
Wir begann miteinander zu sprechen mit unserem einfachen Tool von Englisch. Irgendwie war mein Englisch heute recht fliessend – erstaunlich. Er erzählte mir, dass er die sechste Generation ist, diese Teedosen zu fertigen. Er erzählte mir, wie schwer sein Grossvater es hatte, als Japaner die importierten Industrie-Teedosen bevorzugten. Er erzählte mir, wie sein Vater insistierte, weiter diese Tradition zu führen, egal wie die Aussenwelt sich verändert und ihm auslachte. „Money can not make us happy.“ er sagte, „My father said, if you do right thing for you, you will meet right people!“
Als ich es hörte, wusste ich, wen ich hier traf. Es ist nun wieder ein Mensch mit dem Zeichen an Stirn – wenn ich die Wörter von Hermann Hesse asuleihen darf, der zu mir geführt wird. Diese Menschen haben keine Angst vor Veränderung der Welt, keine Ambivalenz vor Zukunft. Sie wissen, dass sie selbst Verantwortung für ihr Leben tragen und sie leben im Prozess von Sich-Selbst-Werden anstatt von Selbst-Verteildigen. Ich erzählte ihm von mein Dasein in Zürich. Gerne gebe ich meiner Aussenwelt viel Macht. Gerne reagiere ich auf die Vorstellungen und Projektion des anderen. Gerne nehme ich die Reize wahr. Aber diese „Aussenwelt“ kann nun nicht mehr viel meine Wahrheit beeinflüssen. Ich möchte meine Welt gestalten, so wie ich es leben möchte – von innen.
„Wenn wir uns auf die innere Welt konzentrieren können, dann umarmen wir die Zukunft.“ so formulierten wir unsere Lebenshaltung.
„I do not concentrate on the money. I just concentrate on my work. Maybe the money will follow – „
„It happens automaticlly!“ – Wir gestalten unsere Welt, in der wir leben.
Ich fragte ihm, ob er irgendein traditionelles Praxis übt – Zenweg, Teeweg oder irgendetwas. Seine Wörter sind voller Lebensbejahung. Er sagte, „No, I just tell you, what my father and Grandfather said.“
Hubert kam endlich. Ich sagte ihm, „Hubert, er kommt aus dem gleichen Planet wie wir.“ Wir lachten.
Es ist ein chinesisches Ideal und ich bin sehr froh, dass ich es noch übermittelt bekam. Es ist nicht nötig nach der Herkunft und Geschichte meines Gegenüber zu fragen. In einer wahren Begegnung im Hier und Jetzt lernen Menschen Herzen zu Herzen kennen. Wozu von Zeit und Raum sprechen, wozu über die Vergangenheit und Zukunft zu forschen?