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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Fünftes Buch
9. Kapitel: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben.“
4.
Wenn man jedoch die Wahrheit sagen soll, so nimmt das Fleisch nicht in Besitz, sondern wird in Besitz genommen, wie der Herr spricht: „Selig die Sanftmütigen, da sie durch Erbschaft die Erde besitzen werden“1 . Also wird im Reiche gleichsam die Erde erblich besessen, von der auch die Substanz unseres Fleisches stammt; und deshalb will er auch, daß der Tempel rein sei, damit sich der Geist Gottes in ihm ergötze, wie der Bräutigam bei der Braut. Wie nun die Braut den Bräutigam nicht freien kann, wohl aber vom Bräutigam gefreit werden kann, wenn der Bräutigam kommt und sie nimmt, so kann auch das Fleisch an und für sich das Reich Gottes nicht aufnehmen, sondern wird vielmehr von dem Geiste in das Reich Gottes aufgenommen. Der da lebt, erbt das Eigentum des Toten. Etwas anderes ist es, erben, und etwas anderes, geerbt zu werden. Der Erbe nämlich lenkt und herrscht und verwaltet das Erbe nach seinem Willen; das Erbe aber untersteht und gehorcht und wird beherrscht von dem Erben. Was ist nun also das Lebende? Der Geist Gottes. Was aber ist das Eigentum des Toten? Die Glieder des Menschen, die sich in Erde auflösen. Diese also werden von dem Geiste ergriffen und in das Himmelreich übertragen.
1: Mt. 5,5