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Der Name Lavaux an sich kann nur jeden erstaunen, der versucht mit ihm vertraut zu werden. Welche Verunsicherung muss der Beobachter spüren, wenn er feststellt, dass die Genfer-See-Seite des Lavaux keineswegs wie ein Tal aussieht…
Kein Tal!
Lange hat man auf den Höhen von Lutry die Spur eines Tals gesucht, das durch die Lutrive gegraben wäre, um die Bezeichnung „la vallée“ (das Tal) zu rechtfertigen. Aber man muss schon viel Fantasie haben, wenn man sich mit einer solchen Erklärung zufrieden gibt.
Die jüngere Toponymieforschung merkt an, dass der Begriff VALLIS ab der Karolingerzeit (IX. Jahrhundert) eine administrative Verwendung erfahren konnte, zunächst im Süden Galliens, aber auch in der Westschweiz: nach dem Muster von PAGUS „Bezirk“ konnte VALLIS die Bezeichnung für ein „Verwaltungsgebiet“ sein.
Das ist wahrscheinlich bei der Region Lutry passiert. Das älteste lateinische Zeugnis vallem de Lustriaco, zu verstehen als „Verwaltungsgebiet Lutry“ und nicht als „Tal Lutry“ kann in einer Bulle von 1139 nachgelesen werden. Dann findet man eine vergleichbare Fomulierung vallem Lustriaci in einem Dokument von 1316, bevor der französische Ausdruck la Vaulx de Lustry auftaucht.
Zwei Schichten
Die Haupttoponyme, die mit der Gebietskörperschaft des Lavaux verbunden sind, lassen sich in zwei Schichten aufteilen: die eine, die ältere, bringt (allein oder in Form von Ableitungen) Namen von galloromanischen Eigentümern ins Spiel (wie bei Lutry, Cully, Jongny beziehungsweise Corsy und Corsier); die andere, neueren Datums, aber vor dem Jahr 1000, besteht aus ziemlich verbreiteten Gattungsnamen (z.B. Chenaux, Corseaux, Rivaz oder Epesses).
Es muss betont werden, dass kein Ortsname germanischen Ursprungs auf –ens oder –enges in der toponymischen Stratigraphie des Lavaux vorkommt (der Marsens-Turm verdankt seinen Namen den Prämonstratensermönchen dieses Freiburger Klosters, die an der Rodung dieser Ecke im Dézaley beteiligt waren), was vermuten lässt, dass die Besiedlungsdichte des Lavaux nach den Invasionen der Barbaren keine neuen Niederlassungen hervorgerufen hat.
Bibliografie : ZUFFEREY, François, « Toponymie », in Lavaux, Vignoble en terrasses face au lac et aux Alpes, Dossier de candidature de Lavaux au patrimoine mondial de l’UNESCO, Cully, Janvier 2006, pp. 114-116.