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«Aschermittwochswurstessen»
Vor exakt 500 Jahren, am Aschermittwoch 1522, organisierte der Zürcher Drucker Christoph Froschauer ein Wurstessen in seinem Haus. Dieses Ereignis gilt als Auslöser der Zürcher Reformation. Dabei waren einige hohe Beamte, einige Priester, unter ihnen Zwingli, der aber nicht von der Wurst gegessen haben soll. Es gab eine Untersuchung, denn aufgrund der herrschenden Gesetze war Fleischgenuss in der Fastenzeit verboten. Zwingli argumentierte, dass diese Gesetze jeglicher biblischer Grundlage entbehrten. Der Stadtrat folgte nach langen Auseinandersetzungen Zwingli und schaffte die Fastengesetze ein Jahr später ab.
Heute ist es in unseren westlichen Gesellschaften schwer vorstellbar, wie eine weltliche Behörde geistliche Gesetze hatte einführen und durchsetzen können. Gefastet wird zwar immer noch; in der Regel zur Gewichtsreduktion oder um sonstwie das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Immer mehr Leute entdecken aber die geistliche Dimension des Verzichts heute neu. Was ich weglasse, schafft Platz für die Begegnung mit Gott. Dazu braucht es keine Polizei, sondern die Einsicht, dass in der Begrenzung Freiheit zu finden ist.
Heiner Schubert