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Die Organisatoren der Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld» sagen, ihnen seien durch die Organisation der diesjährigen «Baselworld», welche wegen der Corona-Epidemie kurzfristig abgesagt werden musste, Kosten von 18,3 Millionen Franken entstanden. Die «Baselworld» hat darum einen Brief an die Aussteller geschickt und ihnen zwei Optionen unterbreitet.
Im einen Fall würden diese 15 Prozent der geleisteten Kosten für die Hallenmiete an die Messe abgeben zur Deckung der entstandenen Kosten. Der Rest des Geldes würde an die Miete für die nächste «Baselworld» im Januar 2021 angerechnet. Im zweiten Fall würden die Aussteller zwar sofort 30 Prozent in Cash zurückerhalten. Sie müssten aber deutlich mehr an die Kosten der ausgefallenen Messe zahlen, nämlich ebenfalls 30 Prozent der geleisteten Miete.
Aussteller reagieren entrüstet
Beide Optionen kommen für die grossen Uhrenmarken offenbar nicht infrage. Die Zeitung «Le Temps» hat den Inhalt eines vertraulichen Briefs des Ausstellerkomitees der Schweizer Uhrenhersteller an die Organisatoren der «Baselworld» veröffentlicht. Darin weisen sie offenbar die Aufforderung, sich an den Kosten zu beteiligen rundweg ab und drohen, an der «Baselworld» nicht mehr teilzunehmen. Tags darauf folgte – wiederum gemäss «Le Temps» – der europäische Verband der Uhrenhersteller und forderte ebenfalls eine hundertprozentige Rückerstattung der geleisteten Hallenmiete.
Jetzt nimmt der Chef der «Baselworld» Michel Loris-Melikoff gegenüber dem «Regionaljournal Basel» Stellung zur Kritik der Verbände und verteidigt die Position der Messe.
Was sagen Sie zur heftigen Kritik der Aussteller?
Michel Loris-Melikoff: Auf der einen Seite verstehe ich den Unmut. Wir sind alle in einer ausserordentlichen Lage, die für alle mit Stress behaftet ist. Grundsätzlich ist es aber so, dass eine Rückzahlung von hundert Prozent – und das ist ja das, was die Aussteller fordern – nicht möglich ist.
Warum ist das nicht möglich?
Das ist nicht möglich, weil wir auch allen anderen Ausstellern gegenüber eine Verantwortung haben, nämlich, dass es eine «Baselworld» im 2021 geben kann. Und zum anderen ist es so, dass unsere Kosten in der Höhe von 18,3 Millionen Franken gedeckt werden müssen. Wenn man eine Veranstaltung kurz vor dem Aufbau absagt, sind alle diese Kosten angefallen. Wir haben die «Baselworld» am Wochenende vor dem Beginn des Aufbaus abgesagt. Und damit sind bereits alle Kosten angefallen.
Die Aussteller sagen, falls die Messe an der Kostenbeteiligung der Aussteller festhalte, könne dies das Ende der «Baselworld» sein. Was sagen Sie dazu?
Wissen Sie, wir sind grundsätzlich in einer Lose-Lose-Situation. Und jetzt geht es ja darum, dass man im Gespräch eine Lösung findet, die für alle machbar ist. Wenn ich 100 Prozent dieser Kosten tragen muss, dann ist die Zukunft der «Baselworld» sehr stark gefährdet. Und da habe ich auch eine Verantwortung, eine Lösung zu finden, die sowohl für die Aussteller stimmt, aber auch für die Zukunft der «Baselworld».
Führt der Weg nun über individuelle Lösungen?
Das würde ich so nicht sagen. Wir sind nach wie vor offen, neue Lösungen zu erarbeiten. Im Moment ist es halt wirklich so, dass jeder Liquidität braucht und natürlich versucht, so viel wie möglich Liquidität zurückzukriegen. Gleichzeitig muss man sagen: Es ist nicht Aufgabe der «Baselworld», Firmen zu sanieren. Es gibt sowohl in der Schweiz als auch in vielen anderen Ländern diverse Programme, die von den Regierungen initiiert worden sind, und die genau das bezwecken, nämlich den Firmen in dieser Situation auszuhelfen. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber der MCH Group und der Zukunft der «Baselworld».
Wie optimistisch sind Sie, dass Sie noch eine Lösung finden, die für alle stimmt?
Ich bin grundsätzlich sehr optimistisch. Denn wir haben alle letztlich dasselbe Interesse, nämlich dass die «Baselworld» auch in Zukunft stattfinden wird. Und solange die Parteien miteinander reden und willens sind, Lösungen zu finden, so lange muss man optimistisch sein, und genau das bin ich auch.
Interview: Georg Halter