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Wozu dient eine Herzkatheteruntersuchung?
Durchblutungsstörungen am Herzmuskel gehören zu den häufigsten Erkrankungen der zweiten Lebenshälfte. Herz-Kreislauferkrankungen stellen sogar die häufigsten Todesursachen dar, sodass eine frühzeitige Erkennung einer Minderdurchblutung am Herzmuskel entscheidend für die weitere Prognose des Patienten ist.
Das Herz wird durch die Herzkranzgefässe (Koronarien oder Koronargefässe) mit Blut versorgt (Abb 1.). Der Mensch hat ein rechtes (=RCA, blauer Pfeil) sowie ein linkes Herzkranzgefäss, welches sich dann aufteilt in ein Vorderwandgefäss (=RIVA, roter Pfeil) und ein Seitenwandgefäss (=LCX, grauer Pfeil).
Abbildung 1.
Computertomographie des Herzens
Herzgefässe:
blau…rechte Koronarie
rot…Vorderwandarterie RIVA
grau…Seitenwandarterie LCX
Patient mit akutem Herzinfarkt (NSTEMI): Angiografie der linken Herzkranzarterie mit eingerissener Plaque im Bereich des Hauptstammes sowie hochgradige Verengung am Abgang des Seitenwandgefässes (LCX)
Angiografie der rechten Herzkranzarterie
Ein Stent wird im Hauptstamm platziert
Der Stent wird mit einem Ballon nochmals nachgedehnt
Sehr gutes Endresultat nach Stenting des Hauptstamms und des Seitenwandgefässes
Was ist eine „Koronarstenose“ und wodurch entsteht sie?
Engstellen an einem Herzkranzgefäss (=Koronarstenose) werden vor allem durch Ablagerungen wie Cholesterinplaques und Verkalkungen hervorgerufen. Diese Gefässveränderungen nennt man „Arteriosklerose“. Die Arteriosklerose ist ein chronischer langsam fortschreitender Prozess der Arterien, welcher nicht nur die Herzgefässe sondern auch alle anderen arteriellen Gefässe des Menschen, z.B. auch die Blutgefässe im Gehirn oder an den Beinen betreffen kann. Deshalb haben Patienten welche bereits einen Herzinfarkt durchgemacht haben, auch ein erhöhtes Schlaganfallrisiko.
Diese Gefässablagerungen (Arteriosklerose) haben mehrere Ursachen
Kardiovaskuläre Risikofaktoren
- Alter: bereits ab dem 25. Lebensjahr sind erste Veränderungen an den Herzkranzgefässen möglich, welche im Laufe des Lebens zunehmen können.
- Rauchen führt zu einer Schädigung der innersten Gefässschicht (Endothel) und begünstigt so ein Voranschreiten der Arteriosklerose
- Hoher Blutdruck
- Hoher Cholesterinspiegel, und andere erhöhte Blutfette (z.B. Lipoprotein a)
- Zuckerkrankheit (Diabetes)
- Genetische Faktoren: wenn beispielsweise der Vater <55 Jahren oder die Mutter <65 Jahren einen Herzinfarkt hatte.
Diese genannten Faktoren nennt man auch kardiovaskuläre Risikofaktoren. Entsprechend ist deren Behandlung, soweit möglich, von grösster Bedeutung, um das Auftreten von Herzinfarkten oder Schlaganfällen zu verhindern!
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Welche Auswirkungen haben Koronarstenosen?
Engstellen an den Herzkranzgefässen führen vor allem bei Anstrengung (z.B. beim Treppensteigen oder beim Sport, aber auch bei emotionalen Aufregungen) zu Brustschmerzen, da der Herzmuskel dann nicht mehr mit genügend Blut und somit Sauerstoff versorgt werden kann. Wenn ein Gefäss nahezu vollständig oder komplett verschlossen ist, kommt es zum Herzinfarkt (= Myokardinfarkt) und der Patient verspürt Brustschmerzen und Atemnot bereits in Ruhe – ein absoluter Notfall! Diese Patienten werden in der Regel vom Notarzt erstversorgt und dann in ein Spital mit Herzkatheter (z.B. Hirslanden Klinik St. Anna) eingeliefert, wo dann eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt wird.
Wie läuft die Herzkatheteruntersuchung ab?
Der Patient tritt in der Regel am Nachmittag des Aufnahmetages ins Spital ein. Allenfalls wird noch ein EKG aufgezeichnet und falls erforderlich noch Blutuntersuchungen durchgeführt. Dann erfolgt ein ausführliches Aufnahmegespräch und es wird die Herzkatheteruntersuchung im Detail erklärt und auch über den Nutzen sowie mögliche Nebenwirkungen ausführlich gesprochen. Wie bei allen medizinischen Eingriffen muss dann eine Einverständniserklärung vom Patienten unterschrieben werden.
Am Tag des Eingriffes kann noch ein leichtes Frühstück eingenommen werden. Es darf auch klare Flüssigkeit, allerdings KEIN Kaffee, Tee, Coca Cola oder andere koffeinhaltige Getränke eingenommen werden.
Der Patient wird im Herzkatheterlabor (Abb. 2) von der Herzkatheterpflege begrüsst und auf den Herzkathetertisch umgebettet. Nun wird der Patient mit einem keimfreien Tuch abgedeckt, welches nur eine kleine Aussparung entweder am Handgelenk oder in der Leiste aufweist (siehe unten).
Der Tisch, auf dem der Patient liegt, wird vom Arzt während der Untersuchung bewegt, um die optimalen Bildeinstellungen erreichen zu können. Zusätzlich kann die Röntgenröhre in alle Richtungen um den Patienten bewegt werden (siehe Abb 2.).
Abbildung 2.
Herzkatheterlabor
Die Herzkatheteruntersuchung wird in Lokalanästhesie durchgeführt. Zusätzlich kann ein leichtes Schlafmittel verabreicht werden. Eine Vollnarkose ist nie erforderlich, weil der Eingriff weitgehend schmerzfrei erfolgt.
Der Zugang zum Herzen erfolgt über eine Arterie entweder vom rechten Handgelenk aus (radial, blau) oder von der rechten Leiste (femoral, gelb, siehe Abb. 3). Über >90% der Eingriffe werden bei uns über den moderneren radialen Zugang ausgeführt. Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass der Patient sofort nach der Herzkatheteruntersuchung wieder mobil ist und aufstehen kann. Wird der femorale Zugangsweg gewählt, so muss der Patient nach der Untersuchung noch 4-6 Stunden liegen. Zusätzlich konnten grosse Studien zeigen, dass der radiale dem femoralen Zugang überlegen ist, da dadurch die Blutungskomplikationen deutlich vermindert werden können. Der femorale Zugang wird vor allem dann gewählt, wenn das Gefäss am Handgelenk sehr zart und fragil ist (z.B. bei sehr schlanken Frauen <50kg Körpergewicht) sowie nach Bypass-Operation, da in letzterem Fall die Bypässe leichter dargestellt werden können.
Abbildung 3.
Radialer (blau) und femoraler Zugang (gelb) bei der Herzkatheteruntersuchung
Über einen der oben gezeigten Zugangswege wird nun ein dünner (ca. 1.5 - 2mm Durchmesser) sehr biegsamer vorgeformter Plastikschlauch (=Herzkatheter, Abb. 4) zum Herzen vorgeschoben und in die Öffnung des linken und rechten Herzkranzgefässes eingebracht. Nun kann Röntgenkontrastmittel injiziert werden und gleichzeitig erfolgt unter Röntgendurchleuchtung eine Aufnahme der Herzkranzgefässe – man nennt diese Aufnahme auch Koronarangiografie. So können Engstellen an den Koronargefässen (roter Pfeil Abb. 4) zuverlässig nachgewiesen werden. (Herzkatheter: blauer Pfeil, Vorderwandgefäss = RIVA: orange, Seitenwandgefäss = LCX: grüner Pfeil)
Abbildung 4.
a) Verschiedene Herzkatheterformen
b) Koronarangiografie mit Stenose (roter Pfeil) der LCX (grüner Pfeil)
Was kann mit einer Herzkatheteruntersuchung erreicht werden?
Wird bei der Herzkatheteruntersuchung keine Engstelle an einem Herzkranzgefäss gefunden, so ist die Untersuchung nach 10-15min bereits wieder zu Ende.
Sollten sich Engstellen finden, dann werden wir mit Ihnen während der Untersuchung besprechen, was die beste Behandlungsstrategie ist. In den allermeisten Fällen kann in der gleichen Sitzung auch eine Ballondilatation sowie eine Stentimplantation vorgenommen werden. Dies dauert dann nochmals ca. 20-90min, je nach Komplexität des Eingriffs.
Bei sehr komplexen Engstellen an allen drei Herzkranzgefässen und besonders wenn der Patient Diabetiker ist, kann es notwendig sein, dass durch einen später geplanten herzchirurgischen Eingriff sogenannte Bypässe angelegt werden müssen. In den meisten Fällen ist dies jedoch durch die Implantation von Stents vermeidbar.
Weiterführende Links:
Wie geht es nach der Herzkatheteruntersuchung weiter?
Nach der Herzkatheteruntersuchung – sowohl wenn ein Stent implantiert wurde, als auch ohne Stentimplantation - wird die Punktionsstelle am Handgelenk mit einem Spezialverband für vier Stunden verschlossen; allerdings kann der Patient hier sofort vom Kathetertisch aufstehen und ist voll mobil.
Bei einer Punktion in der Leiste wird die Punktionsstelle mit einer kleinen Gefässnaht versorgt, damit es nicht blutet. Der Patient muss dann 4-6 Stunden liegen bleiben. Bis auf einen ca. 1-2mm langen sehr feinen Schnitt bleiben keine Narben zurück. Es kann allenfalls ein kleiner Bluterguss für mehrere Tage bis Wochen sichtbar sein, was in den allermeisten Fällen aber harmlos ist. Meistens kann der Patient vom Herzkatheterlabor direkt auf sein Zimmer verlegt werden. Nach der Stentimplantation erfolgt bei komplexen Eingriffen gelegentlich eine Routine-Überwachung für einige Stunden auf unserer Überwachungsstation.
Am Nachmittag/Abend des Eingriffstages erfolgt eine Visite, bei der nochmals die Erkenntnisse der Untersuchung im Detail erläutert werden und auch das weitere Vorgehen mit dem Patienten und den Angehörigen abgesprochen wird. Am nächsten Morgen folgt noch ein Entlassungsgespräch, bei welchem der Spitalaufenthalt zusammengefasst wird. Unter Umständen werden neue Medikamente erforderlich sein, sodass auch ein Rezept mitgegeben wird. Zudem erhält der Patient einen Arztbericht, welcher auch an Ihren Hausarzt und den zuweisenden Arzt geschickt werden kann.