Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03220.jsonl.gz/304

Isolation
“Control” von Anton Corbijn
Der Photograph und Videoregisseur Anton Corbijn legt mit “Control” seinen ersten Spielfilm vor. Ein stilistisch überzeugendes Porträt über Ian Curtis, den Sänger der englischen Rockgruppe Joy Division, der sich am 18. Mai 1980 im Alter von 23 Jahren erhängte. Die Buchvorlage “Touching from a Distance” stammt von der Witwe Deborah Curtis.
Von Garabet Gül.
Joy Division dürfen trotz ihres kurzen Bestehens als eine der wichtigsten Gruppen der Post-Punk-Ära bezeichnet werden, ihre Musik diente und dient vielen nachfolgenden Musikern als Inspirationsquelle. Heute erfolgreiche Gruppen wie Interpol oder die Editors wurden massgeblich durch die Klangwelten des Quartetts aus Manchester beeinflusst. Wie so oft war auch bei Joy Division der Sänger, Ian Curtis, das Aushängeschild, mit seiner düsteren Stimme, seinem einnehmenden Charisma und der eigenwilligen Bühnenpräsenz trug er massgeblich dazu bei, dass Joy Division in kurzer Zeit bis über die Grenzen des Königreiches bekannt wurden und noch heute, 28 Jahre nach ihrem Ende, gehört werden.
Liebestriangel
Im Mittelpunkt des Films steht aber nicht die Musik, der Film konzentriert sich auf Ian Curtis’ (Sam Riley) Liebes- und Innenleben. Wir sehen einen psychisch labilen und an Epilepsie leidenden jungen Mann, der früh seine Jugendliebe Debby (durch Samantha Morton übertrieben naiv dargestellt) heiratet und Vater einer Tochter wird. Durch den Erfolg als Musiker quittiert er seine Stelle auf dem Arbeitsamt und lernt an einem Konzert die belgische Botschaftsangestellte und Teilzeitjournalistin Annik (Alexandra Maria Lara ) kennen. Hin und her gerissen zwischen den beiden Frauen und den sich häufenden epileptischen Anfällen mehren sich die Selbstzweifel und verstärken sich seine seelischen Notzustände. Ein Tag bevor Joy Division ihre erste Amerika-Reise antreten, begeht Ian Curtis Selbstmord.
- © Studio / Produzent
Künstler porträtiert Künstler
Zugute gehalten werden kann dem Drehbuch, dass es keine neuen Mythen schafft und von einem einfachen jungen Menschen mit gewöhnlichen Sorgen aus Manchester erzählt. Leider wirkt die Darstellung der Dreiecksbeziehung selten überzeugend und streckenweise zu bemüht und romantisierend. Die Stärken des Films liegen eindeutig in seiner Form. Man sieht es dem Film an, dass Corbijn, von dem auch die meisten Original-Bilder der Gruppe stammen, eigentlich ein Photograph ist. Das schwarz-weisse Dekor wird hier nicht dazu verwendet, um dem Film einen pseudo-künstlerischen Anstrich zu verpassen, es ist schlichtweg nicht möglich, sich diesen Film in Farbe vorzustellen. So gelungen und authentisch wirkt jede einzelne Einstellung, dass man sich fragt, ob die Welt vor knapp dreissig Jahren tatsächlich schon farbig war.
Eine Bekannte meinte nach der Visionierung treffend: “Eine zweistündige Photographie, verdammt grossartig diese Bilder. Inhaltlich bestimmt nicht der spannendste Film aller Zeiten, aber diese Bilder! Ich würde jede Sekunde dieses Films an die Wand hängen.” Sie muss grosse Wände besitzen.
Ausstattung
Das Zusatzmaterial ist umfangreich und wird auf einer zusätzlichen DVD mitgeliefert. Sehenswert ist insbesondere das 25 minütige ‘Making Of’ und das Interview mit Anton Corbijn. Der Regisseur erzählt von seinen Begegnungen mit Ian Curtis und Joy Division und von seiner Arbeit als Photograph der Gruppe.
Seit dem 14. August im Handel.
Originaltitel: Control (GB / USA/ Australien/ Japan 2007)
Regie: Anton Corbijn
Darsteller: Sam Riley, Samantha Morton, Alexandra Maria Lara, Joe Anderson
Genre: Biographie / Künstler-Porträt/ Drama
Dauer: 117min
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch (optional)
Audio: Dolby Digital 5.1)
Bonusmaterial (auf separater DVD) : Audiokommentar vom Regisseur, Making Of, Live-Auftritte aus dem Film in voller Länge, Musikvideo, Interviews, Bildergalerie, Kinotrailer
Vertrieb: Max Vision
Im Netz
Trailer