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Ich wurde 1939 in Genf geboren. Bis in die 50er-Jahre gab es in den Strassen so wie ein Meer von Velofahrern und dazwischen ab und an ein Auto – heute sieht das Bild umgekehrt aus. Als Kind hatte ich ein Velo mit zwei Gängen und als ich dann eines mit drei bekam, war das in meinen Augen ein riesen Fortschritt.
Ich erinnere mich noch lebhaft an einen Unfall, den ich mit ungefähr 10 Jahren auf der Genfer Pont du Mont-Blanc hatte. Ein schwarzer Citroën Traction fuhr vor mir und bremste brüsk. Der Fahrer hatte auf dem Trottoir einen Bekannten gesehen, dem er etwas mitteilen wollte. Ich hatte keine Chance, rechtzeitig zu bremsen und prallte auf den Metalldeckel des Reserverads. Dieses war bei diesem Automodell auf der Kofferraumklappe befestigt. Mein Bremshebel durchbohrte meinen Unterkiefer. Es stellte sich heraus, dass der Citroën-Fahrer ein Pilot der Royal Air Force war. Der Krieg war nicht lange vorbei. Daher waren seine Erste-Hilfe-Kenntnisse noch frisch und er konnte mich vorbildlich verarzten. Das vergesse ich nie!
Mit dem Zweirad durch Londons Parks
Als Kind hatte ich öfter mit den Eltern Velotouren unternommen, genauer gesagt, mit meinem Vater. Meine Mutter war fast immer mit dem Tram gereist. Das führte regelmässig zu Synchronisationsproblemen. Das heisst, wir sind selten alle zu derselben Zeit am Ziel angekommen.
Nach der Matura hatte ich die Möglichkeit, in Zürich an der ETH Architektur zu studieren. Als ich das Studium beendet hatte, zog es mich für ein paar Jahre nach Paris. Nach der 68er-Revolution verlor ich aber meine Arbeitsstelle und kehrte in die Schweiz zurück. Da ich kurzfristig keine passende Stelle fand, entschied ich mich, ein Angebot in London anzunehmen. Dort bin ich mit dem geliehenen Velo eines Kollegen durch den Regent’s Park zur Arbeit gefahren. Das hat mir unheimlich gut gefallen, durch dieses viele Grün zu radeln.
Nach meinen Jahren im Ausland kehrte ich nach Zürich zurück und arbeitete an der ETH, zuerst als Assistent am damaligen Lehrstuhl für Orts-, Regional- und Landesplanung. 1985 habe ich eine Beamtenstelle im Bundesamt für Bildung und Wissenschaft in Bern angetreten. Dort haben wir die Investitionsbeiträge an die kantonalen Universitäten vorbereitet und ausgerichtet. Hochschulbauten standen verständlicherweise im Vordergrund. Arbeitsbedingt musste ich in dieser Zeit viel mit dem Zug durch die Schweiz reisen. Velofahrten in Verbindung mit der Arbeit wurden seltener. Als ich für meine Arbeit eine Aufgabe in Zürich zu erledigen hatte, weil etwa die Universitätskonferenz tagte, bin ich aber mit dem Velo dorthin gefahren. Das machte damals einen originellen, folkloristischen Eindruck, wie mir schien.
Herausforderung Velo-Transport – mit Kind und Velo unterwegs
Meine Familie bestand aus uns Eltern und drei Buben, darunter Zwillinge. Anfang der 80er-Jahre waren die Kinder alt genug, um Velofahren zu lernen. Ich fand das Velofahren eine notwendige Grundfähigkeit. Mit der Zeit konnten wir Familienausflüge machen. Die Velotouren aus meiner Kindheit hatte ich zwar in angenehmer Erinnerung. Doch in der Stadt Velo zu fahren, war damals weder üblich, noch bequem. Darum nahmen wir unsere Velos mit dem Auto mit aufs Land. Dort übten wir abseits des Verkehrs mit den Kindern und unternahmen später von auch Velotouren. Meine Frau war Französin. Deshalb verbrachten wir die Ferien oft in Frankreich. Unsere Velos nahmen wir aber nicht mit, sondern mieteten welche vor Ort.
Velofahren ist eine notwendige Grundfähigkeit
Ich stand damals oft vor der Herausforderung, fünf Velos aufs Land transportieren zu müssen. Das war die Initialzündung für meine Begeisterung für Moulton-Velos. So konnte ich vier Velos auf dem Dachträger montieren und das Moulton zerlegen und im Kofferraum mitführen. Das erschien mir ausgesprochen praktisch. Jedenfalls hat es sich für unsere
Velofahren nach Reha – gesund, umweltfreundlich und vergnüglich
Nach dem Auszug der Kinder und dem Tod meiner Frau hatte ich dann eine Phase, in der ich kaum Velo gefahren bin. Doch 2003 wurde eine Herzoperation notwendig. Eigentlich hätte ich nach dem Eingriff und der Reha zur Physiotherapie oder zu einer Herzsportgruppe zugewiesen werden sollen. Das wurde allerdings versäumt. Mir war damals klar, dass ich dringend etwas für meine Fitness tun musste. So habe ich wieder bewusst mit regelmässigem Velofahren begonnen. Velofahren hat viele Vorteile: Erstens macht man etwas für seine Gesundheit, zweitens kann man sich fortbewegen, ohne der Umwelt zu schaden, und drittens macht es einfach Spass. Mittlerweile lege ich pro Jahr zwischen 1’200 und 1’500 Kilometer zurück. Ein Auto habe ich schon länger nicht mehr.
Ich kaufte mir extra ein GPS-Gerät, um zu kontrollieren, wie viele Kilometer ich zurücklege und ob ich mein Niveau halten kann. Im Winter, besonders wenn es regnet, nehme ich lieber das Tram. Im Sommer akzeptiere ich den Regen, ausgerüstet mit entsprechendem Wetterschutz.
Ich bin Mitglied eines Informatiker-Clubs, der sich regelmässig in Meilen trifft. Da gehe ich, wenn immer möglich, mit dem Velo hin. Ich finde es schade, dass ich Mühe habe, in meinem Alter Mitfahrer zu gewinnen, um einen Ausflug zu machen. Meine Freunde sind entweder zu schnell oder können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mitradeln.
Ein extraleichtes, multinationales Velo mit Zukunftspotenzial
Vor ungefähr 10 Jahren habe ich mir ein neues Moulton geleistet, ein richtig multinationales Zweirad. Der Rahmen kommt aus England, die Schaltung aus Italien und die Räder aus Australien. Mein neues Moulton wiegt nur noch 11 Kilogramm. Das ist sehr hilfreich, wenn ich es über eine Treppe tragen muss oder mit, in den Zug nehmen will.
In meinen Augen ist Velofahren extrem effizient. Ich bewege mich und verbinde das erst noch mit etwas Nützlichem, wie Einkaufen oder jemanden Besuchen. Das finde ich toll. Ausserdem scheint mir Velofahren heutzutage fast schon eine Notwendigkeit. In diesen unsicheren Zeiten, in denen die Versorgung mit Erdöl immer problematischer wird und die Benzinpreise stetig steigen, könnte das Velo in der Zukunft als Transport- und Fortbewegungsmittel noch an Bedeutung gewinnen. Besonders mit E-Bikes kann man seinen Aktionsradius nicht nur im urbanen Raum ausdehnen.
Mit dem Velo unterwegs während der Pandemie
Mein persönlicher Radius hatte sich während Pandemie und Lockdown drastisch verkleinert. Die Beizen waren zu, Freunde hat man weniger besucht und die Velowege waren oft überfüllt. Ich empfand es als sehr schade, kein Ziel mehr zu haben. Ich lese gerne Zeitung in einem Kaffee, das hat mir in dieser Zeit sehr gefehlt. Diese Besuche sind auch gut fürs Gemüt, weil in Lokalen mit Gartenterrasse oft Mütter mit Kindern anwesend sind, das belebt und erfreut.
Besser signalisierte Velowege
Ich würde mir wünschen, dass die Velowege durchgehender wären. Es sollte klarer signalisiert werden, wo der Weg weiterführt, besonders auf komplizierten Kreuzungen oder dort, wo abgetrennte Velowege starten. Eine eindeutigere Signalisation wäre wünschenswert. Wenn man mit dem Velo unterwegs ist, muss man wirklich zu hundert Prozent präsent sein. Es gibt Autos, die mit zu wenig Abstand überholen, E-Trottinetts, deren Geschwindigkeit man schwer einschätzen kann, und weitere Gefahren. Trotzdem plädiere ich aber auch für mehr Disziplin seitens der Velofahrer!
Um mich bei Fussgängern, Hundehaltern und Kinder rechtzeitig bemerkbar zu machen, habe ich an meinem Moulton eine japanische Glocke angebracht. Die klingt einfach viel freundlicher, als manch «herkömmliche» Veloglocke.