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Geschichte
Der Jura ist seit jeher wegen seiner kargen Böden und unwirtlichen Topographie eine dünn besiedelte Landschaft. Die meisten Menschen wohnen am Rand des Juras oder entlang der Verkehrsachsen. Mit Besançon (Vesontio) und Augst (Augusta Raurica) lagen aber zwei bedeutende römische Städte am Juranordfuss. In Vesontio und auf einem Hügel bei Salins-les-Bains befanden sich vor Christus bedeutende keltische Festungen.
Auf über 250km hat es nur sehr wenige Querstrassen durch den Jurabogen. In der Römerzeit waren die drei Strassenverbindungen durch die Taubenlochschlucht (Pierre Pertuis), durch den Waadtländer Jura bei Ste-Croix oder Vallorbe und über die beiden Solothurner Hauenstein-Pässe von internationaler Bedeutung.
Alle Routen wurden im Mittelalter weiter gepflegt. 1858 erschloss der Kanton Bern den zentralen Jura mit der Jurastrasse von Biel nach Delémont (heute A16) mit einer waghalsigen Brücke über die Taubenlochschlucht. Heute führen die Autobahnen A16 von Biel nach Belfort (Transjurane, Taubenloch – Pierrre Pertuis), die A2 von Egerkingen nach Basel (Hauenstein-Route, Belchentunnel) und die A3 von Brugg nach Rheinfelden durch den Jura.
Entsprechend begehrt war es im Mittelalter, die Herrschaft über die wenigen Strassenverbindungen innezuhaben, die Burgendichte war sehr hoch. Über hundert Adelsfamilien und vereinzelte Klöster teilten sich die Herrschaft über den Jura. Abseits der vielbefahrenen Verkehrsrouten, Burgen und Klöster war der Jura kaum bewohnt. Mehrheitlich war der Jura von Baden bis nach Neuenburg deutschsprachig.
Nach der Reformation flohen französische Hugenotten in die unbewohnten Gebiete des Juras, später kamen verfolgte Täufer-Familien aus dem Emmental. Durch den Freibrief des Bischofs von Basel von 1384 boten die Jurassischen Freiberge, aber auch sonst grosse Teile des Jurabogens, Freiheit für verfolgte Christen. Mehr und mehr dominierte im Jura Französisch. Die kargen Böden ermöglichten nur Viehwirtschaft und eine dünne Besiedlung. Bis heute ist der Jura bekannt für Käse und Wurst. Trotz der vielen Wälder gab es kaum Holzwirtschaft, denn es fehlte an Wasserkraft für Sägereien. Gewerbe konnte sich nur an der Areuse und der Birse ansiedeln, einige Mühlen gab es am schwer erreichbaren Doubs. Nur am Jurasüdfuss, im Seeland, wächst Wein. Im französischen Jura bei Salins-les-Bains wurde lange Zeit Salz abgebaut.
Bis zur Französischen Revolution verfielen die meisten Burgen im Jura. In einer vielfältigen Geschichte wechselten die Herrschaftsverhältnisse rasch. Der Schweizer Jura war lange Zeit fremdregiert: Alle eidgenössischen Staaten, die über ein Territorium des Juras regierten, hatten bis 1830 ihren Sitz ausserhalb des Juras, nämlich in Bern, Basel, Solothurn, Neuenburg und später Lausanne. Neuenburg mit seinem jurassischen Umland war bis 1857 eine preussische Kolonie.
Im zentralen Jura, zwischen Basel und Biel, gibt es den seit 1815 andauernden Jurakonflikt. Damals erhielt der Staat Bern als Ausgleich für den Verlust des Waadtlandes und des Aargau das aufgelöste weltliche Herrschaftsgebiet des Bistum Basel zugesprochen, also grosse Teile des mittleren Jura. Der Basler Bischof hatte seit der Reformation nicht mehr Sitz in Basel, sondern in Pruntrut im jurassischen Elsgau (Ajoie), und sein Domkapitel befand sich in Arlesheim (heute BL). Eine komplexe Angelegenheit!
Die Aufstückelung des alten Bistum Basel und die fremden Regierungen passt bis heute nicht allen: Zuerst wehrten sich um 1833 die Baselländer gegen die Herrschaft der Stadt, und der Halbkanton Basel-Landschaft mit Liestal als Hauptstadt wurde gegründet. Ab 1947 wünschte sich ein Teil des Berner Juras die Abspaltung vom Kanton Bern mit der weit entfernten Hauptstadt. Nach vielen Ereignissen wurde 1979 der Kanton Jura mit der Hauptstadt Delémont gegründet. Der neue Kanton hat als Zeichen der Freiheit den Basler Bischofsstab in seinem Wappen. 1994 spaltete sich das Laufenthal vom Kanton Bern ab und trat zum Kanton Basel-Landschaft, und 2021 stimmte die Bevölkerung von Moutier für den Kantonswechsel von Bern zu Jura.
Der Besuch von Jean-Jacques Rousseau im 18. Jahrhundert und die Besiedlung des Juras durch geflüchtete Hugenotten aus Frankreich prägen den Jura bis heute. Rousseau brachte die Aufklärung, die Hugenotten brachten die Uhrmacherei. Vor allem in der einzigartigen Planstadt La-Chaux-de-Fonds und in Le Locle sowie später am Jurasüdfuss in Neuenburg, Biel und Grenchen etablierte sich um 1850 die weltbekannte Schweizer Uhrenindustrie. Nach der Uhrenkrise in den 1970er Jahren erlebt die Branche wieder einen Aufschwung. Überlebt haben in den alten Uhrenmetropolen sowie im Berner, Solothurner und Waadtländer Jura auch zahlreiche Maschinen-, Metall- und Werkzeug-Unternehmen.
Seit 1952 gibt es im Jura sogar einen grossen Stausee, der La-Chaux-de-Fonds mit Strom versorgt: Den wundervollen Lac de Moron. Die einzigen beiden Grand Hotels aus der Belle Epoque im Jura haben überlebt und befinden sich in Les Rasses VD und in Magglingen (heute Bundesamt für Sport).
Heute ist die Landschaft des Juras durch den geplanten Bau von hunderten industriellen Windenergieanlagen mit Gesamthöhen bis zu 250m bedroht.
Verkehr
Schliesslich zurück zum Verkehr: Im Jura kommen Eisenbahn-Freunde voll auf ihre Kosten. Wie beim Strassenverkehr bildete die erste Jurakette ein fast unüberwindbares Hindernis. Eisenbahnprojekte gab es viele, und die Geschichte der Juratransversalen auf Schienen ist vielfältig.
Das grösste Eisenbahn-Projekt im Jura , der Wasserfallentunnel (zwischen Mümliswil und Reigoldswil) als Direktverbindung von Bern nach Basel, scheiterte 1874 durch Sabotage der Schweizer Centralbahn (SCB), nachdem 1858 die Hauenstein-Strecke der SCB von Basel nach Olten eröffnet wurde. 1916 erfolgte der Bau des neuen Hauenstein-Basistunnels, und Olten wurde definitiv zum Eisenbahn-Drehkreuz der Schweiz. Ähnlich verlief es anderswo: 1860 wurde die Strecke Neuenburg – Pontarlier durch das Val de Travers eröffnet, gleichzeitig die Bahnstrecke von Neuenburg nach La-Chaux-de-Fonds. 1870 wurde Vallorbe im Waadtländer Jura mit der Eisenbahn erschlossen, 1915 erfolgte der Durchstich der Simplonbahn durch den Mont d’Or, sodass die Paris-Mailand-Bahn über Vallorbe lief. 1874 finanzierte Frankreich einen Grossteil der technisch höchst anspruchsvollen Eisenbahnstrecke von Biel durch die Taubenlochschlucht und durch die Kluse von Court und Moutier nach Delémont (-Basel) und dann über St-Ursanne bis an die Französische Grenze in Delle (Jurabahn).
1915 wurde die Strecke durch den Grenchenbergtunnel abgekürzt. Ein direkter Anschluss von Biel nach La-Chaux-de-Fonds existiert seit 1888. Die Strecke Zürich-Basel (Bözbergbahn) im Aargauischen Jura wurde dann 1875 eröffnet.
Zwischen 1884 und 1913 eröffneten die Linien der romantischen Schmalspurbahn „Chemin de Fer du Jura“ von Glovelier durch die Freiberge nach La-Chaux-de-Fonds sowie von Tavannes nach Le Noirmont. 1910 folgte die Bahn von Pruntrut nach Pumpfel (Bonfol). Weitere Nebenlinien gibt es von Liestal nach Waldenburg seit 1880, von La-Chaux-de-Fonds nach Les Ponts-de-Martel seit 1889, von Yverdon nach Ste-Croix seit 1893, von Nyon nach La Cure seit 1917, von Vallorbe nach Le Brassus seit 1917 und von Moutier nach Solothurn seit 1922.
Alle Eisenbahnlinien im Schweizer Jura sind heute noch in Betrieb. Ausserdem gibt es am Wasserfallen bei Reigoldswil und am Weissenstein in Solothurn je eine Gondelbahn. Die Sesselbahn auf den Chasseral wurde 1997 abgebrochen .