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Die Mehrsprachigkeit ist ein Grundelement der Schweizer Identität. Sie ist in der Verfassung verankert.
Bund und Kantone haben die Pflicht, Sprachminderheiten zu schützen.
Seit der Gründung des modernen Bundesstaats im Jahr 1848 definiert sich die Schweiz als mehrsprachiges Land. 1938 wurde Rätoromanisch neben Deutsch, Französisch und Italienisch als nationale Sprache anerkannt, 1999 wurde es zur offiziellen Amtssprache aufgewertet.
Die Schweiz versucht in ihren Institutionen, die Sprachminderheiten zu berücksichtigen. Beispielsweise sitzen im Bundesrat mindestens zwei Vertreter der lateinischen Schweiz.
Im Unterschied zu Belgien haben die verschiedenen Sprachregionen keine eigenen politischen Strukturen. Die Sprachgrenze verläuft quer durch die Kantone. Dies erklärt zum Teil, warum es bis heute zu keinem ernsthaften Konflikt zwischen Angehörigen verschiedener linguistischer Gruppen gekommen ist.
Gesetzliche Grundlagen
Der Sprachenartikel in der Verfassung definiert zwei fundamentale Prinzipien der Schweizer Sprachenpolitik. Einerseits das Recht der Sprachminoritäten, von ihrer eigenen Sprache Gebrauch zu machen, und andererseits die Verteidigung und Förderung von Sprachminderheiten.
Insbesondere ist die Eidgenossenschaft gehalten, Initiativen der Kantone Tessin und Graubünden zur Erhaltung des Italienischen und Romanischen zu unterstützen. An einem eidgenössischen Sprachengesetz wird momentan gearbeitet.
Förderung der Mehrsprachigkeit
In der Praxis führt der Plurilinguismus vor allem zu einer sehr regen Übersetzungstätigkeit, sowohl auf Bundesebene, als auch in zwei- oder dreisprachigen Kantonen. Normen und Mitteilungen der Regierung werden zumindest in die drei Hauptsprachen des Landes übersetzt.
Eine wichtige Rolle nimmt die nationale Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR idée suisse ein, die ihre Programme mit 7 TV-Sendern und 11 nationalen und regionalen Radiostationen in vier Landessprachen ausstrahlt. Die Einkünfte aus den Empfangsgebühren werden nach Solidaritäts- Kriterien verteilt, um so die Sprachminderheiten zu schützen.
Zur Stärkung des Italienischen und Rätoromanischen finanziert der Bund - via den Kanton Graubünden - unter anderem die Organisationen Pro Grigioni Italiano und Lia Rumantscha
Gefördert wurde zudem die Gründung einer rätoromanischen Nachrichtenagentur.
Bedrohtes Rätoromanisch
Obwohl vor 20 Jahren mit dem "Rumantsch grischun" eine Schriftsprache für die fünf rätoromanischen Idiome geschaffen wurde, ist die vierte Landessprache ernsthaft bedroht. Seit 1990 ist der Bevölkerungsanteil, der Rätoromanisch als Hauptsprache angibt, weiter geschrumpft, von 0,6 Prozent auf heute 0,46 Prozent oder umgerechnet 34'000 Personen.
Diese alarmierende Situation hat Vertreter der rätoromanischen Schweiz dazu veranlasst, stärkere Förderungsmassnahmen zur Erhaltung dieser Minderheitensprache einzufordern. Unter anderem sollen Gemeinden, in denen Deutsch und Rätoromanisch verbreitet ist, verpflichtet werden, in Verwaltung und Schule die rätoromanische Sprache zu verwenden.
Andrea Tognina
(Übertragen aus dem Italienischen: Gerhard Lob)