Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/3724

Der bedeutendste Schweizer Verleger, Pietro Supino von der Tamedia G, Vizepräsident des Verbandes Schweizer Presse, lässt in seiner renommierten Zeitungsbeilage „Magazin“ verbreiten: „Noch nie war das Angebot an Informationen so vielfältig und breit wie heute“. Supino will damit dem Eindruck entgegen treten, es sei um die Qualität der Schweizer Presse schlecht bestellt. Er ruft den Lausanner Politologen Andreas Ladner zu Hilfe, der ihm bestätigt: „Die Leute verfügen heute über ein höheres Bildungsniveau und haben einen besseren Zugang zu Informationen.“
Beide irren: Vom 1. Internationalen Dahrendorf-Symposium des „Club Dialog“ an der Universität St. Gallen zurückkommend, wo sich eine Fülle internationaler „egg heads“ über den Zustand des Liberalismus äusserten, kann berichtet werden, dass Zweifel an der Qualität der Ausbildung der Studenten weit verbreitet sind. Nur eine kleine Elite verfügt wirklich über einen hohen Bildungsgrad, bestätigen selbst Hochschullehrer.
Ein „vielfältiges und breites Angebot an Informationen“, wie Supino dies fordert, ist noch kein Nachweis für ein qualitative hochsehendes Angebot an Informationen. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:
1. Interviews, die nach dem Motto „Ich frage, Du antwortest.“ Ablaufen, sind nicht hochstehend, Der Befragte, je wichtiger, desto mehr, muss durch Zusatzfragen herausgefordert werden. Die üblichen Fragekataloge der Journalisten genügen nicht; Roger Schawinski kann dies besser.
2. Die Vorgänger um die „Basler Zeitung“ und das im Aufbau begriffene Mini-Medienimperium von Dr. Christoph Blocher könnte Tamedia sicher sehr gut recherchieren.
3. Die Bedeutung von Fulvio Pelli und Franz Steinegger für den Untergang der FDP ist in den Tamedia-Medien noch nie kohärent geschildert worden.
4. Die Zusammenhänge zwischen noch aktivem Schweizer Grosskapital und zunehmend eindringendem ausländischen Kapital, sei es auch nur für den Kanton Zürich wurden im „Tagesanzeiger“ noch nie gewürdigt. „NZZ“, „Tagesanzeiger“ und „Le Temps“ sind für Schweizer Leser ganz vernünftige, aber keineswegs international vergleichbare brillante Publikationen. Wer als Leser nationaler Publikationen nicht auf die Zusatz-Nahrung internationaler Publikationen zugreift, wird über den Stand der Welt nicht genügend wissen. Insofern ist die Qualität der Schweizer Medien ungenügend. Ob unsrer Verleger noch die Kraft haben, dies zu ändern, darf bezweifelt werden.