Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03489.jsonl.gz/405

Leben wir in einem Computer?
Der Film „Matrix“, beeindruckend aber intellektuell schwach, ist sicher Vielen bekannt. Die Grundidee dazu ist der 1964 erschienene Roman „Simulacron-3“ von Daniel F. Galouye. Ich kann mich noch sehr gut an die hervorragende Verfilmung „Welt am Draht“ von R. W. Fassbinder anfang der 70er erinnern.
Das ist die Grundidee. In 2003 verfasste der Philosoph Nick Bostrom sein „Simulationsargument“, auf dem die „Simulationshypothese“ aufgebaut ist. (Da springen dann gleich ein Haufen Spinner wie Elon Musk drauf)Das Simulationsargument:
Dieses Papier argumentiert, dass mindestens eine der folgenden Aussagen wahr ist:
(1) Die menschliche Spezies wird sehr wahrscheinlich aussterben, bevor sie ein „posthumanes“ Stadium erreicht;
(2) es ist äußerst unwahrscheinlich, dass eine posthumane Zivilisation eine signifikante Anzahl von Simulationen ihrer Evolutionsgeschichte (oder Variationen davon) durchführt;
(3) wir leben mit ziemlicher Sicherheit in einer Computersimulation. Daraus folgt, dass der Glaube, dass wir eines Tages mit großer Wahrscheinlichkeit zu Posthumanen werden, die Ahnensimulationen durchführen, falsch ist, es sei denn, wir leben derzeit in einer Simulation. Eine Reihe weiterer Konsequenzen dieses Ergebnisses werden ebenfalls diskutiert. https://de.wikipedia.org/wiki/Simulatio ... shypothese
Man kann die Frage aber systematisch angehen. Es müssen vernünftige und ggf. auch widerlegbare Annahmen getroffen werden, aus denen sich dann Aussagen z.B. zu Wahrscheinlichkeiten machen lassen.Voraussetzungen:
a) Unsere Physik lässt sich auf diskreten Quantencomputern effizient simulieren, aber nicht auf klassischen Computern.
b) Simulierte Zivilisationen können ihre eigenen Simulationen erstellen, sobald sie die erforderliche Technologie entwickelt haben.
c) Im Durchschnitt ist das Verhalten intelligenter Wesen unabhängig davon, ob sie real oder simuliert sind (rekursiv oder nicht).
d) In Ermangelung zusätzlicher Beweise ist der Gesamtanteil simulierter Wesen eine gute Schätzung der Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer Simulation leben. Ohne dieses Argument von Bostrom ist es fast unmöglich, dieses Thema quantitativ zu behandeln.
Zu a): Simulation bedeutet, dass es keine Kontinuität gibt, sondern das Universum, also Raum, Materie, Energie, Denken etc. diskret verläuft, d.h. durch endlich viele Punkte im Rechner bestimmt ist. Die Qualität der Simulation hängt somit direkt von der „Rechenpower“ ab. Was bedeutet, dass es eine untere Grenze gibt für diese Power, unter der keine sinnvolle Simulation mehr möglich ist. Zudem lassen sich manche quantenmechanische Prozesse falls überhaupt nur mit exponentiell wachsendem Aufwand simulieren. Damit ist das klassische Computing ausgeschlossen.
Zu b): Eine Simulation, in der der erreichbare Level beschränkt ist, bringt nicht nur keinen Informationsgewinn, sondern führt mit Sicherheit zu Degeneration und Aussterben.
Zu c): Die Grundeigenschaft einer Simulation ist, dass sie das ursprüngliche Modell zur Basis hat.
Zu d): Da die Betrachtungen vor allem auf benötigter „Rechenleistung“ beruhen, die direkt mit der Anzahl der Individuen gekoppelt ist, die Zugang dazu haben, sowohl in der realen als auch in den simulierten Welten, spielt die Zahl der echten und simulierten Wesen eine entscheidende Rolle. (Ähnliches findet sich auch in der Drake-Gleichung über die Existenz extraterrestrischen Lebens)Wahrscheinlichkeiten:
Mit diesen Voraussetzungen lässt sich zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer Simulation leben, deutlich unter 50% liegt, mit gewisser Plausibilität eher bei 1%.
Hinter den Berechnungen steckt eine hierarchische Betrachtung. Jede Simulation benötigt eine bestimmte Rechenleistung. Schafft sie nun weitere Simulationen auf dem nächsten Level, so kann sie nicht mehr Leistung für alle zur Verfügung stellen, als sie selber zur Verfügung hat. Da für eine Simulation aber eine Mindestleistung notwendig ist, und die Gesamtleistung, die vom realen Universum für die Simulationen des ersten Levels bereitgestellt wird, nur endlich sein kann, kann es insgesamt nur endlich viele Simulationen geben.Überwachung/Beobachtung:
Können die Simulationen abgehört/überwacht werden? Auf einem klassischen Computer wäre das kein Problem: Anhalten, Daten auslesen, weiterlaufen lassen. Aber mit einem klassischen Computer kann ich keine Simulation fahren, in der quantenmechanische Prozesse simuliert werden. Einen Quantencomputer abhören? Das bedeutet, eine Messung zu machen. Messung am ganzen System heißt, es bricht zusammen und ich muss neu anfangen. Werden aber nur Teile gemessen, kommt es zu Störungen, die in der Simulation als „von außerhalb“ wahrgenommen werden. Und dann?
Nun, die reale Welt, also Level 0. ist eine Welt der klassischen Physik und die Denkprozesse etc. sind auf makroskopischen Level. Während schlecht konzipierte Angriffe innerhalb der Simulation erkannt werden könnten, würden die (postulierte) grundsätzlich klassische Natur unseres Geistes und die Fähigkeit der Simulatoren, ihre Computersysteme adaptiv neu zu verdrahten, es ihnen ermöglichen, einen unschlagbaren Generalangriff auf uns durchzuführen.https://royalsocietypublishing.org/doi/ ... .2020.0658