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Irgendwann hatte Toyota einfach genug und knallte auch einen Supersportwagen auf den Markt. Der Supra Mark IV war ein technischer Leckerbissen.
- Gebaut von 1993 bis 2002
- Etwa 45’000 Exemplare verkauft
- Berühmt aus «The Fast and the Furious»
Die erste Generation des Toyota Supra war einfach ein etwas adipöser Celica. Aber die maximal 145 PS gab es eh nur in Japan und sie lockten Ende der 70er Jahre auch niemanden hinter dem Ofen hervor. Die zweite Generation (1981 bis 1985) schaffte es dann schon auf 170 PS, aber war auch ein Celica-Derivat.
Der dritte Supra (MA70/71) durfte dann endlich eigenständig sein, kam als 3.0 GT Turbo A ab 1988 auf anständige 270 PS, tat aber gegen andere Sportwagen trotzdem kaum einen Stich. Irgendwann hatten die Japaner aber genug vom süffisanten Lächeln der Konkurrenz, man konnte ja durchaus auch anders. Und so entstand mit dem Supra Mark iV, intern JZA80, dann ein wahrhafter Supersportwagen, der heute Kult ist.
Der Toyota Supra Mark IV wurde in zwei Motor-Varianten angeboten, beides 3-Liter-Reihensechszylnder, einmal ohne, einmal mit zwei kleinen, sequentiell geschalteten Turbos, aber immer mit zwei obenliegenden Nockenwellen, von Yamaha entwickelten Alu-Zylinderköpfen und vier Ventilen pro Zylinder. Ohne Turbo waren es beschauliche 220 PS (bei 5800/min) und friedliche 294 Nm maximales Drehmoment (bei 4800/min), mit Turbos dann aber anständige 330 PS (bei 5600/min) und fette 441 Nm maximales Drehmoment (bei 4800/min). Geschaltet wurde über eine 4-Gang-Automatik, die zwar ohne Aufpreis geliefert wurde, aber in Europa niemand haben wollte; die bessere Wahl war sicher das manuelle 6-Gang-Getriebe, das von Getrag geliefert wurde.
Die Turbos erhielten zudem ein Differential nach Torsen-System für besseren Schlupf sowie eine abschaltbare Traktionskontrolle. Auch das Fahrwerk war sehr aufwendig. Rundum Einzelradaufhängung versteht sich von selbst, vorne mit oberen und unteren Dreieckquerlenkern, hinten gab es oben einen Dreieckquerlenker und einen Doppelquerlenker unten, dazu Stabis und Gasdruckstossdämpfer.
Hergestellt wurde der Mk IV zwischen 1993 und 2002, rund 45’000 Exemplare wurden in diesen Jahren weltweit verkauft. Dass der böse Supra kein grösserer Erfolg wurde, lag in erster Linie daran, dass er ab 1996 in Europa offiziell nicht mehr angeboten wurde, in den USA ab 1998 Schluss war. Ein Grund dafür war der nicht gerade reissende Absatz, obwohl der Preis durchaus vernünftig war: in der Schweiz kostete so ein Supra 3.0 Twin Turbo Targa genannter Wagen 1996 vernünftige 90’900 Franken, für den günstigsten und deutlich schwächeren Porsche 911 musste die Hälfte mehr entrichtet werden. Der andere die strengeren Abgasvorschriften, die dem Mk IV das Leben nicht leichter machten.
Den JZA80 gab es als Coupé und als Targa, wobei nur das Targa-Modell offiziell nach Europa eingeführt wurde. In der Schweiz hingegen war auch immer das Coupé erhältlich (auf Wunsch auch nach 1996…), und die helvetischen Modelle verfügten noch über eine Besonderheit: es gab sie auch ohne den martialischen Heckflügel (und deshalb dann auch ohne den ansonsten automatisch ausfahrenden Frontspoiler). Dies deshalb, weil der Gesetzgeber das Ding nicht erlaubte. Dies führte aber zur aussergewöhnlichen Situation, dass viele ausländische Kunden ihren Supra in der Schweiz kauften. Die einen deshalb, weil er halt unauffälliger war ohne das imposante Flügelwerk. Die anderen, die wahren Kenner, sie wussten hingegen, dass der Mk IV ohne Spoilerverzierung schlicht und einfach schneller war. Und darauf kommt es bei einem Supersportwagen ja an.
Im Herbst 1993 musste so ein Toyota Supra in einem Vergleichstest des deutschen Fachblattes «auto, motor und sport» gegen einen Porsche 911 Carrera (272 PS), einen Ferrari 348 GTB (320 PS) und eine Viper RT/10 (394 PS) antreten (Bericht in Heft 25/1993). Im Sprint von 0 auf 100 km/h tat er keinen Stich (der Toyota war auch bis zu 280 Kilo schwerer als die Konkurrenz), wobei die 5,2 Sekunden trotzdem beachtlich waren; auch bei der Höchstgeschwindigkeit lief nicht viel, ganz einfach deshalb, weil der Japaner elektronisch auf 250 km/h eingeschränkt wurde (in den USA, wo er «offen» ausgeliefert wurde, kam er auf 285 km/h).
Doch dann, bei den wirklich relevanten Zahlen, jenen, auf die es beim sportlichen Auftritt ankommt, da zeigte der Supra der berühmten Konkurrenz, wo der Hammer hängt. Auf der Kreisbahn schaffte er den ersten Rang, in Sachen Elastizität konnte nur die Viper einigermassen mithalten (Porsche und Ferrari sahen so richtig alt aus), und in Sachen Bremsleistung von 100 auf 0 km/h machte er sowieso alle platt. Der Supra stand schon nach 35,7 Metern, neun Meter früher als alle Konkurrenten.
Als der Supra Mk IV eingeführt wurde, wurde viel über seine Optik gelästert. So schreib «ams» im schon erwähnten Vergleichstest: «Nur deshalb sei hier auch die Meinung erlaubt, dass der Supra eine stilistische Entgleisung ist. Die aufgesetzte Hutze auf der Motorhaube und – weit schlimmer noch – der gigantische Flügel am Heck setzen aufdringliche Akzente, die Lichtjahre entfernt sind von der schlichten Eleganz eines Porsche oder Ferrari.» Heute sieht man mit anderen Augen, da wirkt der 4,52 Meter lange, 1,81 Meter breite und 1,27 Meter hohe Supra auch mit Spoilerwerk schon fast filigran.
Die Ausstattung war sehr vollständig: (bequeme) Ledersitze, Klimaautomatik, Radio/CD (damals noch nicht allerorten lieferbar), Tempomat, zwei Airbags. Doch nicht deshalb wurde der Toyota Supra Mark IV so richtig berühmt. Das schaffte er erst posthum, nachdem er in der ersten Folge von «The Fast and the Furious» (2001) eine Hauptrolle spielen durfte. In den USA stieg danach nicht nur die Zahl der Fans rasant an, auch die Preise für gebrauchte Mk IV machten einen Sprung nach oben. Diese Entwicklung hält weiterhin an, gute Exemplare sind selten auf dem Markt: Kenner und Liebhaber wissen, was sie am ersten Supersportwagen von Toyota haben.
In der monatlich erscheinenden Klassik-Beilage der AUTOMOBIL REVUE finden Sie immer schöne Old- und Youngtimer. Abos gibt es: hier. Online entsteht ausserdem eine Reihe mit Kult-Autos aus Japan, schon behandelt haben wir: Nissan 240RS, Mazda RX-7, Subaru Impreza 22B STI.