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1983 geboren in Oostakker-Lourdes, Belgien
“The Flemish” 2016Triptych, 215 x 291 x 8 cm, mixed Media
Was sehe ich?
Die dreiteilige Wandinstallation wird von innen mit gewundenen Neonröhren in unterschiedlichen Farben beleuchtet, ausserdem befinden sich noch eine ganze Reihe weiterer Objekte dahinter. Es handelt sich um drei Holzkästen, die vorne mit Plexiglas verschlossen sind. Der mittlere Kasten ist etwas breiter als die Seitlichen. Holzstücke, Reste einer Leinwand, Nägel und allerlei Material befinden sich dahinter in einem wilden Sammelsurium. Worum geht es hier und weshalb wurden diese Objekte zurückgelassen?
Kunstwerk im Kontext
Joris van de Moortel ist sowohl bildender Künstler, als auch Musiker. Er möchte in seiner Kunst Bild und Klang, Sehen und Hören, Stillstand und Bewegung miteinander verbinden. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen den Künsten untereinander hat schon viele Künstler über die Jahrhunderte beschäftigt. Unter anderen war es der russiche Künstler Vassily Kandinsky, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen mit seinem Komponistenfreund Arnold Schönberg die Frage stellte: „Wenn die Musik nichts „darstellen“ muss – weshalb muss es dann die Kunst?“ Dies war der Beginn der abstrakten Kunst. Van de Moortels Kunstwerke greifen Musik direkt auf, indem sie die „Überreste“ seiner selbst gebauten Bühneninstallationen, welche er für seine Konzerte baut, wiederverwerten. Das dreiteilige Kunstwerk mit dem Titel „The Flemish“ (Die Flamen) erinnert neben der Musik aber auch an die Tradition des christlichen Triptychons, das man vor allem in der Altären von Kirchen findet. Ursprünglich hatten diese dreiteiligen Wandbilder eine religiöse Funktion bei der Anbetung oder Fürbitte. Im mittleren Teil eines Triptychons wurden jeweils Jesus oder die Jungfrau Maria dargestellt und auf den beiden Seitentafeln unterschiedliche Heilige. Van de Moortel, der selbst aus Flandern stammt, ist durch die flämischen Künstler des späten Mittelalters, wie den Gebrüdern van Eyck oder Hugo van der Goes, eng mit diesem Erbe verbunden. Er schafft in seinem Kunstwerk aber auch etwas ganz Neues und Zeitgenössisches. Die Leiter könnte ein Verweis auf die Kreuzabnahme von Jesus sein, oder sie ist ganz einfach eine Bauleiter. Die roten Neonschlingen sind ein Symbol für das vergossene Blut Christi, oder aber auch nur ein Farbpunkt im Bühnenbild. Die Farbe Blau wird normalerweise dem Umhang der Jungfrau Maria zugeordnet. Und die bekritzelte Leinwand könnte auf das Leichentuch von Jesus hindeuten. Ob eine Geschichte erzählt wird und was die Buchstaben H und R tatsächlich bedeuten, lässt der Künstler offen. Van de Moortel schafft es, ein ursprüngliches Genre wie das Altarbild in die Gegenwart zu holen und es durch seine Musikperformance zu einem neuen Ort der Verehrung werden zu lassen.
Interpretation Lernende
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