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Als bedeutungsvolle Figur der Literaturszene der friulanischen Renaissance, jedoch gekennzeichnet durch eine gewisse Unsicherheit der biographischen Daten, versucht sich Erasmo di Valvasone (1528-1593), im Verlauf seiner literarischen Laufbahn, in mehreren poetischen Gattungen: Lyrik, höfischer Roman, Lehrgedicht und heiliges Epos. Zur Krönung seiner literarischen Karriere (1590), gibt Valvasone ein heiliges Epos in Achtzeilern – Angeleida – heraus, welches sich an die episch-höfische Tradition im Bereich des biblischen Themas und insbesondere die Rebellion Luzifers und den Kampf der Engel bindet.
Dieses ehrgeizige Epos in volgare, das sich am tassianischen Modell der Gerusalemme Liberata orientiert, steht im Zentrum dieses Forschungsprojekts. In erster Linie geht es darum, die Zusammenhänge dieses Valvasone-Epos und der klassischen Literatur (besonders der Epik) zu rekonstruieren. Danach ist es erforderlich, sich mit der europäischen Tradition des 16. Jahrhunderts, vor der und zeitgleich zur Angeleida, zum Thema des himmlischen Kampfs auseinanderzusetzen, insbesondere im Hinblick auf die zwei folgenden wichtigen Strömungen: Die höfische Epik (Tassos) einerseits und das heilige Epos, sowohl lateinisch (hauptsächlich De partu Virginis von Sannazaro und Christias von Vida) als auch volgare (La battaglia celeste tra Michele e Lucifero von Antonino Alfano und Il caso di Lucifero in ottava rima von Agnifilo), andererseits. Nach der Identifizierung und Analyse des wesentlichen epischen Schaffens zum Thema Religion, gekennzeichnet durch eine markante christlich-klassische contaminatio, wird man versuchen, die intertextuellen Ergebnisse zu umschreiben, welche die Literaturkritik mit einer gewissen Sicherheit als möglichen Einfluss der Angeleida auf Paradise Lost (1667) von John Milton sieht. So gilt es abzuschätzen, ob die zweifelfreien Affinitäten zwischen den zwei Werken von einem bestimmten Einfluss des italienischen Literaten auf den englischen Dichter abhängig sind oder ob sich diese lediglich in einem verbreiteten und gemeinsamen Topos widerspiegeln.