Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03620.jsonl.gz/703

Nebelparder
Neofelis nebulosa
© 1988 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Kleinkatzen»)
Kopfrumpflänge: 75 - 105 cm
Schwanzlänge: 70 - 90 cm
Gewicht: 18 - 22 kg
Der Nebelparder ist eine «Mittelkatze». Weder zu den Kleinkatzen noch zu den Grosskatzen passt er nämlich so recht. Er erreicht beispielsweise fast die Grösse eines Leoparden, ist also für die Kleinkatzen eher eine Nummer zu gross und für die Grosskatzen eine zu klein. Seine Pupillen schliessen sich weder spaltförmig wie bei den typischen Kleinkatzen noch kreisrund wie bei den Grosskatzen, sondern spindelförmig. Beim Ruhen streckt er den Schwanz gerade nach hinten aus, wie dies die Grosskatzen tun, und schlägt ihn nicht um die Pfoten wie die Kleinkatzen. Dafür kann er nicht brüllen wie die Grosskatzen, sondern er schnurrt wie eine Kleinkatze. Die Fachleute haben diesen Sonderling daher kurzerhand in eine eigene Gattung (Neofelis)
eingeordnet.
Der Nebelparder ist in den immergrünen Regenwäldern Südostasiens zu Hause - von Nepal und Südchina südwärts bis nach Sumatra und Borneo. «Harimau dahan» - «Asttiger» - nennen ihn die Indonesier. Tatsächlich findet man die Fussspuren des Nebelparders nur sehr selten auf dem Waldboden; er hält sich die meiste Zeit hoch oben in den Bäumen auf und erweist sich dort als ausgezeichneter Kletterer. Seine ausserordentlichen Fähigkeiten zeigt er beispielsweise, wenn er einen senkrechten Baumstamm hinuntersteigt: Während die meisten anderen Katzen rückwärts ziemlich unbeholfen hinabklettern und dabei immer vorsichtig über die Schulter nach unten schauen, läuft der Nebelparder kopfvoran hinunter. In Anpassung an das Baumleben hat der Nebelparder ungewöhnlich lange Krallen entwickelt, die ihm einen sicheren Halt geben. Sein besonders langer Schwanz ist als Balancierhilfe eine nützliche Sache. Und dank seiner kurzen, aber überaus muskulösen Beine vermag er mühelos fünf Meter breite Lücken zwischen zwei Bäumen mit einem Riesensatz zu überspringen. Im übrigen tarnen ihn seine prächtigen Plattenflecken mit ihrem blasseren, «nebligen» Innern zwischen den Blättern ausgezeichnet.
Tagsüber döst der Nebelparder zumeist träge auf einem dicken Ast vor sich hin. Abends wird er dann munter und geht auf die Pirsch. Dabei fallen dem Kletterkünstler im Geäst allerlei Vögel, Hörnchen und Affen zum Opfer. Selbst junge Orang-Utans kann er überwältigen! Gern überfällt er auch Wildschweine, Hirsche und andere bodenlebende Säugetiere. Teils lauert er ihnen auf Ästen auf und stürzt sich dann invermittelt auf sie hinunter, teils schleicht er sich auch am Boden an sie heran. Seine langen, dolchartigen Eckzähne sind ihm beim Töten solch grosser Tiere sehr dienlich.
Über die Vermehrung des Nebelparders in der Wildnis weiss man praktisch nichts. In zoologischen Gärten hat man festgestellt, dass die Nebelparder-Weibchen nach einer Tragzeit von rund drei Monaten zwei bis vier Junge zur Welt bringen. Diese wiegen bei der Geburt 140 bis 170 Gramm und sind - wie alle Katzenkinder - zunächst noch blind. Nach zehn bis zwölf Tagen öffnen sie ihre Augen und sind dann schon mit fünf Wochen recht lebhaft. Sie werden bis zum Alter von fünf Monaten gesäugt und sind mit acht bis neun Monaten ganz ausgewachsen. In Menschenobhut sind Nebelparder schon über siebzehn Jahre alt geworden.
Die Bestände des Nebelparders schwinden leider ständig, da in weiten Bereichen seiner südostasiatischen Heimat die Wälder gerodet werden, um Holz zu gewinnen und Platz für die heranwachsende menschliche Bevölkerung zu schaffen. Die Internationale Union für Naturschutz (IUCN) hat die prächtige Raubkatze darum auf die Rote Liste der gefährdeten Tierarten setzen müssen. Für das Überleben des Nebelparders ist es sehr wichtig, dass möglichst viele der noch unberührten Tropenwälder Südostasiens unter Naturschutz gestellt werden.
ZurHauptseite