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Im Zuge der internationalen Finanz-, Banken- und Staatsschuldenkrise erhöhte sich die schweizerische Arbeitslosenquote deutlich von 2,6% im Jahr 2008 auf 3,7% im Jahresdurchschnitt 2009. Von 2010 bis 2011 bildete sie sich mit der überraschend kräftigen wirtschaftlichen Erholung dann wieder rasch von 3,5% auf 2,8% zurück. Seit Mitte 2011 weist die Arbeitslosenquote saisonbereinigt eine weiter leicht steigende Tendenz auf, die sich aber allmählich abschwächt.Im Jahresverlauf 2012 stieg die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt von 120 000 auf rund 131 000 an. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenzahl bei 125 600, was einer Arbeitslosenquote von 2,9% entspricht. Die Zahl der Stellensuchenden entwickelte sich parallel dazu und erreichte im Jahresdurchschnitt rund 178 400.Durchschnittlich rund 10 000 Personen waren 2012 jeden Monat von Kurzarbeit betroffen. Das waren etwa 4 000 Personen mehr als 2011, aber fast sieben Mal weniger als 2009, als im Jahresdurchschnitt noch 67 000 Personen Kurzarbeitsentschädigung bezogen.Die Zahl der Personen, die seit mehr als einem Jahr als arbeitslos gemeldet waren (Langzeitarbeitslose), sank von durchschnittlich 24 700 im Jahr 2011 auf 19 300 im Jahr 2012. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen am Total aller Arbeitslosen sank von 20% auf 15%. Seit Anfang 2013 steigt die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit rund einem Jahr Verzögerung auf die allgemeine Arbeitslosigkeit tendenziell an. Ende August 2013 lag der Anteil der Langzeitarbeitslosen bei 16,1%.
Leicht steigende Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr
Die leicht steigende Tendenz in der Zahl der Arbeitslosen und Stellensuchenden setzte sich 2013 fort. Ende August 2013 waren 130 000 Personen als arbeitslos und 181 130 als stellensuchend gemeldet, rund 8,5% respektive 6,4% mehr als ein Jahr zuvor.Im 3. Quartal 2013 konnte die Abschwächung des leichten Beschäftigungsanstieges gestoppt werden. Für das Jahr 2013 erwartet die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes eine Beschäftigungszunahme von 1,3% zu Vollzeitäquivalenten, die auch 2014 unverändert stark anhalten dürfte. Der Jahresdurchschnittswert der Arbeitslosenquote wird auf 3,2% prognostiziert. Der Hauptgrund für die anhaltend recht günstige Arbeitsmarktentwicklung ist das wieder anziehende BIP-Wachstum, das 2013 bei 1,8% liegen und sich 2014 weiter verstärken dürfte. Einer robusten Inlandkonjunktur stehen schwierigere Bedingungen für die Exportwirtschaft gegenüber. Die Inlandnachfrage profitiert im Bereich der Immobilien- und Baubranche und der privaten Dienstleistungen von der stetigen Zuwanderung und von den sehr tiefen Zinsen, im Bereich der öffentlichen und staatsnahen Dienstleistungen zudem von den intakten Staatsfinanzen. Im Bereich der Industrie und im Tourismus wird dagegen immer mehr die ausländische Rezession spürbar, auch in Form des noch immer sehr starken Frankens.
Die neue Volkszählung und deren Auswirkungen
Die Arbeitslosenquote zeigt den Anteil der arbeitslosen Personen am Total aller Erwerbspersonen.
Die Arbeitslosenquote errechnet sich wie folgt: (Anzahl Arbeitslose/Anzahl Erwerbspersonen)*100. Diese Grösse kann gesamthaft oder aufgeteilt nach bestimmten Kriterien (Alter, Region etc.) ausgewiesen werden. Monatlich berechnet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Arbeitslosenquote und veröffentlicht eine umfassende Pressedokumentation.Zur Ermittlung der Arbeitslosenquote wird die Anzahl aller Arbeitslosen und beim RAV registrierten Personen verwendet. Die Anzahl Erwerbspersonen wird der Eidgenössischen Volkszählung entnommen. Als Erwerbspersonen gelten dabei alle erwerbstätigen Personen ab einer Arbeitsstunde pro Woche plus die erwerbslosen Personen. Bis anhin wurde die Volkszählung alle zehn Jahre mittels einer Vollerhebung durchgeführt. 2010 hat das Bundesamt für Statistik (BFS) die Methode geändert. Neu wird die Volkszählung als Kombination einer Register- und Stichprobenerhebung durchgeführt. Dadurch sollen die erhobenen Zahlen rascher verfügbar und aktueller sein.Die neue Erhebungsmethode der Volkszählung 2010 hat Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote. Durch die Volkszählung 2010 erhöhte sich die Zahl der Erwerbspersonen in der Schweiz von 3 946 988 im Jahr 2000 auf 4 322 899 Personen im Jahr 2010. Durch diese Zunahme sank die Arbeitslosenquote: Für das Jahr 2010 beträgt diese nun 3,5% anstelle von 3,9%. Die Anpassung der Arbeitslosenquote an die neuen Erwerbspersonenzahlen aus der Strukturerhebung der Volkszählung 2010 hat, je nach Kategorie der Arbeitslosen wie Geschlecht, Alter, Nationalität und Wohnkanton, mehr oder weniger grosse Abweichungen zu Tage gefördert. In Prozentpunkten gemessen sind diese Abweichungen umso höher, je grösser die Veränderung der Zahl der Erwerbspersonen und deren struktureller Zusammensetzung zwischen dem neuen und dem alten Erhebungszeitpunkt ist.Die gesamten Daten zum Erwerbsleben der Bevölkerung (Erwerbsstatus, Beruf etc.) sind nicht in den amtlichen Registern verfügbar. Sie müssen im Stichprobenverfahren geschätzt werden. Wie Abklärungen zeigten, gibt es derzeit keine geeigneten Alternativen zur Volkszählung, um die gewünschten Daten zu erhalten. Schweizweit wie auch auf Kantonsebene ist die Verwendung der jeweils aktuellsten Zahlen des Stichprobenverfahrens für die Berechnung der Arbeitslosenquoten durchaus vertretbar. Um auch für Quoten mit kleinem Stichprobenumfang Daten publizieren zu können, wurde ein Bewertungsmodell entwickelt. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass es sich bei den Daten der Volkszählung um Stichproben handelt, deren effektiver Wert eine gewisse Unschärfe aufweist.Die revidierte Arbeitslosenquote konnte termingerecht am 9. Juli 2012 eingeführt werden. Alle bisher in der Pressedokumentation verfügbaren Tabellen werden ohne Abstriche weitergeführt. Für eine Verbesserung der Präzision der stichprobenbedingt unscharfen Werte muss auf Poolingdaten (über 3 bis 5 Jahre) gewartet werden. Die Folgen der neuen Volkszählung bleiben folglich auch mittelfristig Thema.
Finanzen: Erneuter Überschuss
Beiträge der Versicherten und Arbeitgeber
Bei einem Beitragssatz von 2,2% beliefen sich die Beiträge der Versicherten und Arbeitgeber im Jahr 2012 auf 6354,8 Mio. Franken (2011: 6144,8 Mio. Fr.). Diese haben gegenüber dem Vorjahr um 210,0 Mio. Franken oder 3,4% zugenommen.
Arbeitslosenentschädigungen
Im Berichtsjahr sind insgesamt 4277,1 Mio. Franken (2011: 4157,9 Mio. Fr.) Entschädigungen an Arbeitslose ausgerichtet worden, 119,2 Mio. Franken oder 2,9% mehr als im Vorjahr. Es wurden somit durchschnittlich je Monat rund 356,4 Mio. Franken ausbezahlt.
Kurzarbeitsentschädigung
Die Kurzarbeitsentschädigungen haben gegenüber dem Vorjahr um 61,1 Mio. Franken auf 157,5 Mio. Franken zugenommen (2011: 96,4 Mio. Fr.).
Arbeitsmarktliche Massnahmen
An individuellen arbeitsmarktlichen Massnahmen sind 123,5 Mio. Franken (2011: 124,2 Mio. Fr.) ausbezahlt worden. Das sind 0,7 Mio. Franken oder 0,6% weniger als im Vorjahr. Die Kosten der kollektiven arbeitsmarktlichen Massnahmen sind gegenüber dem Vorjahr um 30,5 Mio. Franken oder 6,7% auf 424,2 Mio. Franken gesunken (2011: 454,7 Mio. Fr.). Der Beitrag der Kantone an Kurskosten beträgt 8,8 Mio. Franken (2011: 4,2 Mio. Fr.). Dies entspricht einer Zunahme von 4,6 Mio. Franken.
Rückerstattung Grenzgänger: Neue EU-Verordnung
Die Koordination der Systeme der sozialen Sicherheit im Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU beruht auf dem Personenfreizügigkeitsabkommen. Grundlage für die Koordination ist ab 1. April 2012 die neue EU-Verordnung Nr. 883/04. Die massgebende Bestimmung sieht eine teilweise Mitbeteiligung der Beschäftigungsstaaten an den ALE-Beiträgen für arbeitslose Grenzgängerinnen und Grenzgänger vor.Unter der genannten EU-Verordnung gilt in Bezug auf arbeitslose Grenzgänger der Grundsatz, dass der Beschäftigungsstaat die ALV-Lohnbeiträge erhebt und einbehält, jedoch der Wohnsitzstaat die Leistungen bei Arbeitslosigkeit zu erbringen hat. Die EU-Verordnung Nr. 883/04 sieht deshalb neu einen Ausgleich vor. Die Beschäftigungsstaaten erstatten den Wohnsitzstaaten die ausgerichtete Arbeitslosenentschädigung teilweise zurück. Dauerte das Arbeitsverhältnis im Beschäftigungsstaat weniger als zwölf Monate, so sind die effektiven Kosten für die ausgerichtete Arbeitslosenentschädigung für die ersten drei Monate zu erstatten, bei überjährigen Arbeitsverhältnissen die effektiven Kosten für die ersten fünf Monate. Dieser Grundsatz gilt auch für Schweizer Grenzgänger. Angesichts der in der EU-Verordnung Nr. 883/04 vorgesehenen Rechnungsstellungsmodalitäten wurden gegenüber der Schweiz bisher nur die Kosten für die Zeitdauer von April 2012 bis und mit Juni 2012 geltend gemacht. Dabei wurden knapp 4 Mio. Franken in Rechnung gestellt.
Beitragsrückerstattungen Kurzaufenthalter
Inzwischen sind die Verträge mit den EU- sowie Efta-Staaten mehrheitlich beendet. Es werden nur noch die zwei Staaten Bulgarien und Rumänien retrozediert (bis 31.05.2016). Im Berichtsjahr betragen diese Rückerstattungen 1 Mio. Franken (2011: 2,1 Mio. Fr.).
Ergebnis
Die Rechnung schloss mit einem Überschuss von 1157,9 Mio. Franken ab (2011: 1627,5 Mio. Fr.).
Bundestresoreriedarlehen
Im Berichtsjahr konnten 1000,0 Mio. Franken Tresoreriedarlehen an den Bund zurückbezahlt werden. Ende Jahr belaufen sich diese Darlehen total auf 5000,0 Mio. Franken (2011: 6000,0 Mio. Fr.). In den im Jahr 2011 zurückbezahlten Tresoreriedarlehen von 1400,0 Mio. Franken waren auch die einmaligen 500 Mio. Franken enthalten, welche gemäss Beschluss des Parlamentes im Rahmen des Massnahmenpaketes für die Finanzierung zukünftiger Massnahmen zur Abfederung der Frankenstärke im Jahr 2011 an den ALV-Fonds geflossen sind.
Tabelle 1: «Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung: Bilanz per 31. Dezember 2012»
Tabelle 2: «Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung: Rechnungsergebnis 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012»