Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/2083

George Orwell hat in den Jahren 1946-48 seinen berühmten Roman «1984» geschrieben. In diesem Roman wird ein totalitärer Überwachungs- und Präventionsstaat im Jahre 1984 dargestellt. Er war damals seiner Zeit voraus, aber es ist wohl vieles in irgendeiner Art wahr, was er geschrieben hatte.
Seit ein paar Wochen beherrschen immer wieder Schlagzeilen über den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die Nachrichten. Portionenweise wird immer wieder Neues über die weltweiten Überwachungsprogramme geschrieben. Ob es stimmt oder nur Wichtigtuerei ist, wissen wir nicht.
Die Staaten sind entsetzt, dass sie abgehorcht werden. Müssen sie ja, denn würden sie zugeben, dass sie Bescheid wissen, würde sie wohl ein Problem mit ihren Bürgern bekommen. Doch wir sind nicht so leicht zu täuschen. Jeder Staat hat seinen Geheimdienst und dieser wird wohl schon lange wissen, was alles abläuft. Wenn nicht, wäre es an der Zeit den Geheimdienst aufzulösen, da er unnütz ist.
Es gibt Gesetze, dass der Staat seine Bürger nicht überwachen darf, ohne dass er eine Genehmigung hat. Dies kann relativ einfach umgangen werden, wenn man einen anderen Staat anfragt, was er so alles über uns weiss. Das heisst die amerikanische NSA (National Security Agency) fragt einfach den deutschen BND (Bundesnachrichtendienst) und erhält so die notwenigen Informationen ohne ein Gesetz zu verletzen.
Wenn sie denken, dass man über sie nichts weiss oder keine Fiche angelegt hat, so sind sie gar etwas leichtgläubig. Jede Krankenkasse, Versicherung oder Bank hat ein umfangreiches Dossier über sie. Welche Krankheiten haben sie? Welche Medikamente beziehen sie? Welche Versicherungsschäden sind eingetragen? Sind sie ein Kandidat für eine Fahrtauglichkeitsprüfung? Wo beziehen sie Geld? An welchen Orten oder in welchen Ländern verkehren sie? Wann haben sie an welchem Ort Geld an einem Bankomaten bezogen? Dies ist nur ein kleiner Teil der möglichen Anwendungen der gespeicherten Daten.
Kaufen sie mit Kundenkarten ein oder bezahlen sie mit Kreditkarten beim Einkaufen, so sind sie bereits erfasst und ihr Kundenprofil kann studiert werden um zum Beispiel gezielte Werbung zu platzieren. Telefonieren sie mit einem Mobiltelefon oder surfen sie im Internet, so sammeln die Telefonanbieter oder die Internetriesen wie Facebook, Apple, Google, Bing, Yahoo etc. ihre Daten um daraus selber Geld zu machen. Im Prinzip kann auch ihr Stromanbieter sie «ausspionieren». Er kann über den Stromzähler jederzeit herausfinden, wann sie wie viel Strom brauchen und somit «sehen» wann sie zu Hause sind.
Verhindern kann man eine Überwachung nicht wirklich. Man müsste sich total von der Umwelt abschirmen. Man darf keine Verbindung zu irgendeinem Medium haben (TV, Radio, Telefon), keine Verbindungen zu seinen Lieferanten haben (keine Kundenkarten, Barzahlung, immer wechselnde Lieferanten), kein Auto haben (Nummer kann gescannt werden durch Verkehrsüberwachung) und müsste ohne Strom leben. Dies nur ein paar Beispiele, welche man nicht mehr verwenden darf, um sich unsichtbar zu machen
Dies alles zu berücksichtigen ist wohl eher unrealistisch.
Wichtig ist, was man aus dem Wissen überwacht zu werden macht. Was passiert mit meinen Daten? Diese können sehr wohl für sinnvolle Sachen verwendet werden. Zum Beispiel die Sammlung und zentrale Speicherung von Gesundheitsdaten kann lebensrettend sein, wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. Man ist nie gefeit vor Datenmissbrauch, aber darf sich davon nicht beherrschen lassen. Mit der Datensammlung spielerischer Umgehen und sich davon nicht beherrschen lassen ist ein Weg. Mit der Überwachung «spielen», heisst «beobachten was mit meinen Daten passiert und das nützliche daraus ziehen». Kriege ich Werbung, die ich nicht brauche – wegwerfen oder einfach mit Vermerk zurück an den Absender in den Briefkasten. Viele Firmen hören auch irgendwann auf, wenn nie was bestellt wird. Manchmal reicht auch einfach ein Anruf oder ein Mail (nicht bei echtem Spam!) und man wird von der Liste gestrichen. Beobachten sie wie sich die eigene Werbe-Umwelt verändert. Kriege ich andere Mail oder spezielle Werbung?
Sie können sich nur bedingt wehren oder davor schützen, also bleibt nichts anderes übrig, als damit zu leben und es als Spiel anzusehen.
ebu