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Über 400 Millionen Tonnen Kunststoff werden pro Jahr weltweit hergestellt, zwischen 1950 und 2015 waren es insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen. Nicht einmal ein Zehntel davon ist recycelt worden, wie aus dem Plastikatlas von Umweltverbänden hervorgeht. Die Welt wird überschwemmt mit Plastik – doch wohin mit dem ganzen Abfall?
Eine schottische Firma leistet mit einem neuartigen Strassenbelag einen Beitrag im Plastikmüll-Problem: Sie mischt die Abfälle unter die Strasse. Erstmals wurde in der Schweiz eine Strasse in Zermatt (VS) damit asphaltiert.
«Für unsere Asphaltmischung benutzen wir Plastikmüll, der für die Deponierung oder Verbrennung bestimmt ist. Wir nehmen das Plastik und produzieren damit einen widerstandsfähigen Belag für den Strassenverkehr», erklärt Nick Burnett, Mitbegründer des Unternehmens MacRebur Limited.
Geringer Anteil, grosse Wirkung
Produziert wurde die Mischung kurz zuvor in einem regionalen Kieswerk. 150 Kilogramm Plastikabfälle wurden dafür mit 45 Tonnen Bitumen gemischt. Das entspricht einem Anteil von lediglich 0,3 Prozent.
In der Schweiz produzieren wir 6,5 Millionen Tonnen Asphalt jedes Jahr. Und wenn man dafür Plastik benutzen würden, dann könnten wir dafür 16'000 Tonnen Plastik verwenden.
Trotzdem könnte der Belag einen Beitrag im Plastikmüll-Problem leisten, sagt Lily Poulikakos. Sie befasst sich bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa mit Asphaltmischungen. «In der Schweiz produzieren wir 6,5 Millionen Tonnen Asphalt jedes Jahr. Und wenn man dafür Plastik benutzen würden, dann könnten wir dafür 16'000 Tonnen Plastik verwenden.»
Für die Umwelt dürfte der Einsatz von Plastik kein Problem sein, das Verschmutzungsrisiko ist gering. «Das Plastik ist von Bindemittel umhüllt und kann deshalb nicht in die Umwelt kommen», erklärt Poulikakos. Man werde dies jedoch noch genauer untersuchen.
Zersetzung dauert mehrere Hundert Jahre
Plastik wird aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas hergestellt und braucht in der Umwelt teils mehrere Hundert Jahre, um sich zu zersetzen. Mikroplastik, also kleinste Plastikpartikel etwa aus Reifenabrieb, Kosmetika oder Abwasser, finden Wissenschaftler inzwischen auch an entlegenen Orten der Erde - und in Lebensmitteln. Plastik findet sich im Boden, in der Luft und auch im Wasser.
Test unter Extrembedingungen
In Zermatt schwanken die Temperaturen je nach Jahreszeit zwischen minus 20 und plus 30 Grad. Burnett sieht darin kein Problem: «Der Belag ist sehr belastbar. Wir haben ihn so gemacht, dass er den Temperaturen, die hier im Sommer und Winter herrschen, standhalten kann.»
Laut den schottischen Herstellern soll der Asphalt durch die Plastikbeigabe gar flexibler und langlebiger sein. Das Pilotprojekt in Zermatt wird zeigen, ob dem tatsächlich so ist.