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Das Rheintor an der Schifflände

Schifflände / Eisengasse
Tram-/ Bushaltestelle Schifflände
Stadttor am Rheinübergang
Es gibt verschiedene Theorien zur Datierung des Tores an der Grossbasler Seite der Rheinbrücke. Unbelegbar ist, dass das Rheintor römischen Ursprungs sein könnte. Plausibler wirkt die Annahme, dass der Bau wie die Rheinbrücke zu Zeiten von Bischof Heinrich von Thun (gestorben 1238) nach 1225 errichtet wurde. Anfangs hatte das Tor eine Zugbrücke. Sie verschwand gegen Ende des 14. Jahrhunderts zugunsten eines festen Übergangs. 1363/64 wurde das Tor erneuert.
Für 1376 ist belegt, dass das Tor Gefängniszellen hatte. Einerseits wurden dort leichte Vergehen abgesessen. Doch es gab es auch den "Fledermausturm" im Rheintor, wo schwere Vergehen gebüsst wurden. In genannten Jahr kam es zur Fasnacht zu Unruhen Basel. Um Berittenen den Durchgang zu erschweren, wurde nach den Geschehnissen eine Sperrkette am Tor angebracht. Direkt neben dem Torturm stromabwärts lag das sogenannte "Niedere Rheintor".
Erstmals wird im Jahr 1440 ein solcher weiterer Torbogen erwähnt. Vermutlich ist dieses zweite Tor älter. Es könnte sein dass es entstand als man die Zugbrücke aufgab. Die frühesten Darstellungen des Tores zeigen den Turm noch, wie er einen Obergaden mit umlaufender Holzverkleidung trägt. Neben dem Rheintor wurde 1402 das Zunfthaus der Schiffleute erbaut, welches 1533 nach einem Brand mit finanzieller Unterstützung des Rates neu aufgebaut werden musste.
Das Rheintor um 1615 auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum.
1 - Das Rheintor mit der Uhr von 1531
2 - Das Niedere Rheintor mit dem Reitergemälde
3 - Die 1533 neu aufgebaute Schiffleutezunft
4 - Die alte Rheinbrücke
Ein Reiterbild im Wandel
Im Jahr 1420 erneuerte Hans Tieffental von Schlettstadt am Turm rheinseitig ein grosses Gemälde eines Reiters mit Baslerschild. Mit dieser Arbeit erlangte er das Bürgerrecht von Basel. Da die Rede von einer Erneuerung war, existierte es schon zuvor. 1450 wurde das beliebte Reiterbild durch Meister Hans Gilgenberg restauriert. Im Jahr 1531 baute man eine Uhr mit zwei Zifferblättern in den Turm ein. Sie waren sowohl von der Brücke als auch von der Eisengasse her zu sehen.
Die Uhr wurde von Hans Holbein dem Jüngeren (ca 1498-1543) bemalt. Es wurde auch eine Sonnenuhr angebracht, die bereits 1543 eine Restauration benötigte. Spätestens mit dem Einbau der Uhr verschwand der hölzerne Dachaufbau und das Dachgeschoss bekam ein neues Aussehen. Um Raum für die Uhr zu schaffen, verschwand das Reitergemälde. Holbein malte es am Niederen Rheintor neu. Beim Brand der Schiffleutezunft 1533 wurden wohl Tor und Gemälde beschädigt.
Das erneut restaurierte Bild wird 1577 geschildert. Das Pferd habe einen weissen Schweif gehabt. Die Zügel seien golden gewesen, das Haar des Reiters goldgelb. Als symbolischer Hüter Basels wandte sich der Reiter stromauf. Wegen Sanierungen am Tor 1617/19 verschwand das Gemälde. Danach malte Hans Bock (ca 1550-1624) mit seinen Söhnen ein neues Reiterbild ans Niedere Tor. Wider andere potentielle Feinde gerichtet, war der Reiter diesmal rheinab gewandt.
Die Arbeiten 1617/19 waren nötig geworden weil die Turmfundamente vom Rhein unterspült worden waren. Man war in Basel allerdings mit solchen Baumassnahmen wenig vertraut. Daher zog man ausländisches Material wie Wasserpumpen aus Nürnberg so wie Hans Fuchs, einen Strassburger Meister für Wasserbauten bei. Die Unterspülung blieb aber ein fortwährendes Problem. Von 1669 bis 1671 waren erneute Renovationsarbeiten am Rheintor notwendig deswegen.
Lange herrschte Uneinigkeit über Massnahmen zur Schonung des Tores. Dazu untersagte man beispielsweise schwer beladenen Fuhrwerken das Passieren der Tordurchfahrt. 1674 wurden das Wachthaus, das Niedere Rheintor und teilweise die Schiffleutezunft unter Mithilfe der Werkmeister Colmars, Mülhausens und Rheinfeldens erneuert. Die Rheinfront erhielt einen Zinnenkranz dessen Zinnen mit den Wappen der 13 alten Orte der Eidgenossenschaft versehen waren.
Die gegen die Eisengasse gelegene Partie des Rheintores. Man erkennt links neben dem Tor die Schiffleutezunft und dass der Turm der Tores auch ein Uhrenzifferblatt zur Eisengasse hin aufweist. Die engen Strassenverhältnisse sind deutlich.
Das Rheintor als Haftlokal
Das Rheintor machte als Gefängnis von Johannes Fatio (1649-1691) Basler Justizgeschichte. Er war Führer jener Ausschüsse die sich gegen die Obrigkeit erhoben hatten. Die Rebellion scheiterte. Fatio wurde im Rheintor inhaftiert. Für seine Rolle bei der Erhebung wurde der Chirurg zusammen mit zwei Mitverurteilen am 28. September 1691 auf dem Marktplatz geköpft. Entgegen des Flehens seiner Angehörigen wurde sein Kopf zur Abschreckung am Rheintor anfgehängt.
Im selben Jahrhundert, etwa um 1642, erschien mit dem Lällekönig noch ein anderer Kopf am Rheintor. Es handete sich um einen grossen bemalten Königskopf auf Kupferblech. Ans Uhrwerk gekoppelt rollte er mit den Augen und streckte die Zunge (baseldeutsch "Lälli") heraus. Im Rheintor befand sich auch die Wohnung des Gerichtsknechts. Die fortwährende Nutzung des Turmes zu Gefängniszwecken belegt 1806 die Anschaffung eines Mahlenschlosses für ein Gefangenenlokal.
Zwischen 1700 und 1702 kam es neben dem Torturm zu Neubauten. Das Niedere Rheintor und die Schiffleutezunft bekamen dabei einen Zinnenkranz, wie bereits 1674. Definitv verschwand das Reitergemälde. Auch der Lällekönig musste weichen, als zur Helvetik 1798 die neue Obrigkeit befahl alle Insignien des vorrevolutionären Regimes entfernen zu lassen. Während der folgenden Zeit der Mediation kehrte der Lällekönig jedoch wieder an seinem alten Platz zurück.
Die Schifflände 2003. Als rote Fläche ist der einstige Standort des Rheintores (nur Torturm ohne Seitenanbau) markiert. Man beachte im Vergleich mit den anderen Bildern, wie sehr sich Raumverhältnisse um die Brücke veränderten.
Hindernis für den Verkehr
Die letzte nennenswerte Baumassnahme am Rheintor selbst wurde wie erwähnt 1719 verrichtet. Danach beklagte sich übrigens die Schiffleutezunft über etlichen Schaden, welchen die Bauarbeiter während der Sanierung an ihrem Eigentum hinterlassen hätten. Die zentrale Lage des Rheintors sollte ihm zu seinem Verhängnis werden. An der engen Eisengasse hinter dem Tor traf sich der Verkehr vom St.Johann-Tor, von der Rheinbrücke und aus der Grossbasler Innenstadt.
Die Eisengasse selber hatte Steigungen und Senkungen. An ihrer schmalesten Stelle beschrieb sie eine Kurve, so dass dort keine zwei Fuhrwerke aneinander vorbeifahren konnten. An diesem heiklen Punkt in der Gasse wurde der Verkehr ständig von einem Wachtposten der Standestruppe beaufsichtigt. Seit 1815 hatte es immer wieder Gedanken zur Beseitigung dieses hemmenden Engpasses gegeben, zu dem auch das Rheintor als Verkehrshindernis beitrug.
Um 1836 arbeitete man konkrete Pläne dazu aus. Ziel war die Verbreiterung der Eisengasse so wie der Abriss von Rheintor, Niederem Rheintor, Schiffleutezunft und Wachtstube. Im Februar 1839 wurde der Wehrbau schiesslich abgetragen. Die Anwohner befanden das Tor wohl für ehrwürdig, doch es hätte die engen Gassen sehr verdunkelt. Das Verschwinden der Turmuhr bedauerte damals niemand, denn die Uhr ging oft falsch und Schlagwerk hatte sie auch keins.
Querverweis zum Thema:
>> Bischof Heinrich von Thun, Bauherr der ersten Rheinbrücke
>> Der Lällekönig am Rheintor
Beitrag erstellt 18.03.03 / Korrektur Quellen 11.01.17
Quellen:
Casimir Hermann Baer, Beitrag "Schmuck der Mauern und Tore", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, herausgegeben von der Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler, Birkhäuser Verlag, Basel, 1932/1971 Seiten 205 bis 219
Emil Blum/Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seiten 64 bis 66
Daniel Albert Fechter, Beitrag "Die öffentlichen Uhren in Basel während des Mittelalters", publiziert im Basler Taschenbuch 1852, herausgegeben von Wilhelm Theodor Streuber, Druck und Verlag der Schweighauser'schen Buchhandlung, Basel, 1852, Seiten 244 bis 248
Annie Hagenbach, Basel im Bilde seiner Maler 1770-1870, 1939, B. Wepf & Co, Basel, 1939, Beitrag 41
Guido Helmig/Christoph Philipp Matt, Beitrag "Inventar der Basler Stadtbefestigung - Planvorlage und Katalog, 2. Die rheinseitige Grossbasler Stadtbefestigungen", publiziert im Jahresbericht 1990 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von Rolf d'Aujourd'hui, Basel, 1992, ISBN 3-905098-11-3, Seiten 167 bis 171
Paul Koelner, Anno Dazumal, Lehrmittelverlag des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, Basel, 1929, Seiten 304 bis 305
Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, Verlag Peter Heman, Basel, 1986, ISBN 3-85722-010-5, Seite 52
Eugen Anton Meier, Basel Einst und Jetzt, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 3. Auflage, 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seiten 188 bis 190
Christian Adolf Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, Teil 2, 134. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1956, Seiten 49 bis 52