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Eines der wichtigsten Instrumente des Naturschutzes ist die Ausscheidung von N.n, die unersetzl. Lebensraum bestimmter Tiere und Pflanzen sichern. Die Forderung nach N.n, insbesondere nach Nationalparks, entwickelte sich im 19. Jh. ausgehend von neuen Vorstellungen über den Umgang mit der Natur, nachdem Industrialisierung und Urbanisierung immer mehr Naturräume zerstört hatten. Der 1872 in den USA gegr. Yellowstone-Park hatte dabei als erster Nationalpark Vorbildcharakter.
In der Schweiz wurde 1886 die Schaffung eines Nationalparks diskutiert. Im Zuge der Institutionalisierung des Naturschutzes erfolgte 1914 die Umsetzung des Projekts. Bestrebungen zur Einrichtung von N.n gab es jedoch schon vor der Gründung des Nationalparks. 1906 überprüfte das ständige Komitee des Schweiz. Forstvereins aufgrund einer Motion diese Frage, worauf die Diskussion von der Schweiz. Naturschutzkommission (SNK) aufgenommen wurde. Auch auf Bundesebene erfolgten erste Schritte: Art. 702 des Zivilgesetzbuchs von 1907 sah vor, dass zum Schutz von Naturdenkmälern Enteignungen vorgenommen werden konnten. In der Folge veranlassten die SNK und der Schweiz. Bund für Naturschutz (SBN, seit 1997 Pro Natura) die Schaffung zahlreicher N., etwa das Reservat St. Jakob an der Birs (1910) oder jenes im Dürsrütiwald in Lauperswil (1912). Andere Projekte, wie die Schaffung eines N.s im Aletschwald (Aletschgletscher), mussten wegen Interessenkonflikten teilweise jahrzehntelang auf ihre Realisierung warten.
Die Aufmerksamkeit der Naturschützer richtete sich v.a. auf Seen und Moore (z.B. bei der Rothenturm-Initiative 1987), die in der 1. Hälfte des 20. Jh. im Zuge der Binnenkolonisation stark bedroht waren. So unterlagen die Ziele des Naturschutzes nicht selten wirtschaftl. Interessen. Häufig schlugen die kant. Naturschutzkommissionen neue N. vor und schieden diese aus, da sie vor Ort mehr unternehmen konnten als Dachorganisationen wie die SNK oder der SBN.
Ursprünglich wurde zwischen botan. und zoolog. Reservaten unterschieden, was aber bald zugunsten einer ganzheitl. Betrachtung der N. aufgegeben wurde. Dennoch blieb die Einstellung von Politik und Wissenschaft gegenüber dem Reservatsgedanken ambivalent: Einerseits steht hinter den N.n ein "Inseldenken", was dazu führt, dass problemat. Entwicklungen in den nicht geschützten Gebieten ausgeblendet werden, andererseits lassen sich in den N.n bereits Ansätze eines modernen, ökolog. Naturverständnisses entdecken.
Seit 1946 verkaufen der SBN und der Schweiz. Heimatschutz (SHS) gemeinsam den Schoggitaler, dessen Erlös für die Rettung von Natur- und Kulturdenkmälern und die Schaffung von N.n verwendet wird. Zwischen 1963 und 1988 erstellte eine gemeinsame Komm. des Schweizer Alpen-Clubs, des SBN und der SHS auf eigene Initiative ein Inventar der zu erhaltenden Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, welches als Instrument zur Erhaltung der benannten Landschaften und Naturdenkmäler dienen sollte. Dieses Inventar wurde 1977 teilweise ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung übernommen, das zwischen 1958 und 1967 entstanden war. Auch zu Beginn des 21. Jh. war das Engagement privater Organisationen bei der Schaffung und beim Unterhalt von N.n von grosser Bedeutung, so war beispielsweise Pro Natura 2009 an über 700 N.n beteiligt. Insgesamt verfügte die Schweiz 2009 über mehr als 3'000 geschützte oder zumindest inventarisierte Gebiete in versch. Kategorien, was einer Fläche von insgesamt 54'786 ha oder einem Anteil von 1,33% der Gesamtfläche des Landes entspricht.
Literatur
– R. de Miller, Matériaux pour l'histoire de l'environnement en Suisse, 1999
– A. Schmidhauser, Entwicklung und Aktivitäten wichtiger Naturschutzorganisationen von gesamtschweiz. Bedeutung, 1999
Autorin/Autor: Stephanie Summermatter