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Frauenfeld
Projektwettbewerb, 2016
Städtebau: ein kompakter Körper bildet drei Aussenräume
Im Geviert von Promenaden-, Staubegg-, Spanner- und Zürcherstrasse treffen drei unterschiedliche historische Bebauungsmuster aufeinander: Die Zeilenbebauung der spätmittelalterlichen Vorstadt an der Zürcherstrasse, das repräsentative Regierungsgebäude von 1868 als Abschluss der Promenadenstrasse sowie eine offene Villenbebauung mit Gärten im Scheitel von Staubegg- und Spannerstrasse. Der Bebauungsperimeter liegt bezogen auf Vorstadt und Regierungsgebäude auf der Rückseite, besitzt aber an der Staubeggstrasse gleichwohl Anstoss an den öffentlichen Strassenraum. Das Projekt sieht einen viergeschossigen, kompakten Körper mit annähernd quadratischer Grundfläche vor, der in diesem Kontext als eigenständiger Typus in Erscheinung tritt und das Gefüge der drei Bebauungsmuster gewissermassen neutral ergänzt. Mit den vier Geschossen übernimmt der Neubau die Traufhöhe des Regierungsgebäudes und reiht sich so in die öffentlichen Bauten ein.
Eine wesentliche Qualität besteht in der Klärung der Aussenräume, indem der Baukörper allseitig klare Raumzusammenhänge schafft: An der Staubeggstrasse wird die Strassenflucht des Regierungsgebäude verlängert und das Spannerschulhaus erhält ein Gegenüber. Die Rückseite des Regierungsgebäudes wird zu einem befestigten Hofraum geschlossen, welcher die Figur und Rückfassade des Altbaus stärkt. Die vielteilige Rückseite der Vorstadtzeile mit ihren kleinen, privaten Gärten wird ihrem Charakter entsprechend räumlich verdichtet und über einen Weg wird eine klare Grenze zwischen öffentlichen und privaten Räumen erzeugt. Hier schafft nicht Abstand sondern Nähe eine adäquate Situation. Auf der Ostseite wird ein parzellenübergreifender, öffentlich zugänglicher Garten vorgeschlagen, in dem die bestehenden Villen und das Atelier stehen. Weder das Fotoatelier Bär noch die Villa Wohlfender müssen verschoben werden. Mit der Freihaltung der östlichen Arealhälfte bestehen Landreserven für zukünftige Erweiterungsprojekte der Verwaltung; bis dahin entsteht ein parkartiger, öffentlicher Freiraum. Der Garten ist Teil eines übergeordneten Grünraums, der vom Staatsarchiv bis zum Botanischen Garten reicht.
Architektonischer Ausdruck: kontextbezogene Materialisierung und Tektonik
Über die Materialisierung und Gliederung der Fassaden entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Neubau und Regierungsgebäude sowie der weiteren Stadtstruktur. Durch die Verkleidung aus gehobeltem, in hellem, warmen Grau lasiertem Nadelholz tritt der Neubau in seiner Bedeutung hinter die steinernen Nachbarn von Regierungsgebäude und Spannerschulhaus zurück. Aufgrund des tektonischen Fassadenaufbaus mit differenziertem Relief erfährt der architektonische Ausdruck gleichzeitig eine Nobilitierung, die ihn als öffentliches, urbanes Gebäude auszeichnet und historische Bezüge zur Innenstadt an der Promenadenstrasse aufbaut. Die klassizistischen Anleihen der Fassadentektonik schaffen eine Ensemblewirkung und werden der Ortsbildpflegezone gerecht. Auch bezüglich der Rückseite der Vorstadtzeile und als räumlicher Abschluss des Gartens bietet die Materialisierung in Holz und die Tiefe der Reliefierung eine adäquate Stofflichkeit und die nötige «Weichheit» im Ausdruck.
Nutzungsverteilung und Betrieb: Übersichtlichkeit und Flexibilität
Der Erweiterungsbau ist an der Staubeggstrasse adressiert, wo sich der Haupteingang befindet. Die Verbindung zum Regierungsgebäude erfolgt über einen Nebeneingang vom Hof aus. Gleich daneben befindet sich die Anlieferung. Den zwei Eingängen entsprechen zwei vertikale Erschliessungen im Innern: Hinter dem Haupteingang und dem Empfang findet sich die Haupttreppe mit Aufzug. Beim hofseitigen Nebeneingang besteht ein zweites Treppenhaus für den internen Gebrauch. Die Tiefgarageneinfahrt ist am vorgegebenen Ort geplant und ins Gebäude integriert.
Im Erdgeschoss werden drei Nutzungseinheiten gebildet: Zum Empfang werden die allgemeinen Sitzungszimmer mit Foyer und Toiletten sowie die Cafeteria mit Aussenraum gruppiert. Diese Einheit funktioniert unabhängig vom Verwaltungsbetrieb. Eine zweite Einheit bildet Postdienst und Copycenter. Das Copycenter ist für die Mitarbeiter nahe der Haupterschliessung gut erreichbar, die Post ist direkt mit der hofseitigen Anlieferung verbunden. Die dritte Einheit umfasst ein halbes Verwaltungsmodul. Die Arbeitsplätze sind zum Garten hin orientiert. Aufgrund des leicht abfallenden Terrains befinden sie sich im Hochparterre, was Privatsphäre und Diskretion schafft.
Die drei Obergeschosse bieten Raum für je eineinhalb Verwaltungsmodule. Die halben Module sind über das Nebentreppenhaus miteinander verbunden. Die Raumschicht um den Hof dient der Kommunikation unter den Arbeitenden, dem Aufenthalt, der Besprechung und der Erschliessung. Die Arbeitsplätze sind allseitig nach Aussen orientiert. Je nach Büroorganisation werden zwischen 176 und 226 Arbeitsplätze angeboten. Die Geschosse sind aufgrund der neutralen Tragstruktur unterschiedlich und flexibel unterteil- und nutzbar. In nebenstehenden Schemen werden neben den geforderten Verwaltungsmodulunterteilungen auch grössere und kleinere Einheiten nachgewiesen. Im ersten Obergeschossplan wird ein Layout mit offenen und abgetrennten Arbeitsplätzen aufgezeigt.
Mit den drei Untergeschossen werden lediglich der Neubau sowie der befestigte Hof unterbaut. Im ersten Untergeschoss befinden sich die geforderten, öffentlichen Parkplätze, darunter die internen. Die Archiv- und Nebenräume sind direkt von der Haupttreppe und dem grossen Aufzug her zugänglich.
Gebäudestruktur: Deckenspiegel als raumbildendes Element
Die Gebäudestruktur wurde aus den Bedingungen des Programms und der Nutzung entwickelt: Sie soll nicht eine bestimmte Form der Büroorganisation vorgeben, sondern vielmehr selbstsprechend räumliche Qualitäten schaffen. In der zunächst offen gedachten Skelettstruktur sind es die tragenden Stützen sowie die Primärträger der Decken, welche den Raum bilden. Diese Primärstruktur spannt sich zwischen den Aussenfassaden und dem kreisrunden Innenhof auf. Die Tragbalken laufen dabei radial auf die Hofmitte und prägen über die starke Form des Deckenspiegels den Innenraum. Die Deckenuntersicht bleibt konsequenterweise frei von Haustechnikinstallation und Beleuchtung. Der Hof ist dabei strukturelles, organisatorisches und betriebliches Zentrum des Gebäudes: Die Raumschicht um den Hof dient der Kommunikation unter der Arbeitenden, dem Aufenthalt, der Besprechung und der Erschliessung. Alle Räume richten sich auf diese leere Mitte: Die Zusammenführung der Verwaltungseinheiten wird hier sinnbildlich umgesetzt. Unabhängig der Büroorganisation entstehen in dieser Struktur Arbeitsplätze mit einem hohen Mass an Individualität.
Konstruktion: Skelettbau in Holzbauweise mit hoher Wirtschaftlichkeit
Über den massiven Untergeschossen in Stahlbeton ist das Gebäude skelettartig in Holzsystembau durchgebildet. Die Primärstruktur ist von den Aussenfassaden verlaufend orthogonal ausgerichtet und fächert sich nach einer Stützenreihe im Innern Richtung Innenhof zusammen. Primärträger in Brettschichtholz mit einer Standarthöhe von 600 Millimetern tragen die lediglich drei Meter gespannten Brettsperrholzdecken, welche mit einer gebundenen Schüttung beschwert sind. Die vertikale Lastabtragung erfolgt über Stützen, die sich dem Kraftverlauf entsprechend in den oberer Geschossen verjüngen. Um die Kräfte im Auflagerbereich effizient einleiten zu können, werden die Primärträger mit Hartholzeinleimern verstärkt. Als Positions- und Lagesicherung und für die Brandfallbemessung sind die Träger über ein Einhängeprofil Stirnseitig zusätzlich mit den Stützen verbunden.
Hinsichtlich des Brandschutzes werden die Geschossdecken normgerecht auf 60 Minuten Abbrand dimensioniert. Die Bauweise der Geschossdecken mit einer gebunden Schüttung ermöglicht es ohne viel Feuchteeintrag und lange Arbeitsunterbrüche den Vorteil der trockenen Holzbauweise zu nutzen, ohne beim Schallschutz Abstriche machen zu müssen. Als Hauptstabilisierung dienen dem Gebäude die Treppenkerne in Massivbauweise. Über alle Geschosse abgestimmte und übereinanderliegende Wandscheiben erreicht man ausgeglichene Steifigkeiten mit wenig exzentrischen Lasten. Die Kompaktheit des Baukörpers und das gewählte Tragwerk ergeben eine hohe Wirtschaftlichkeit.
Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Theres Hollenstein, Sébastien Ressnig, Valentin Surber, Basil Bründler
Bauherrschaft
Staat Thurgau
Holzbauingenieur: IHT RAFZ Ingenieurholzbau + Holzbautechnik, Rafz