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Die Jurte der mongolischen Nomaden
Die Jurte (türkisch: Yurt = Heim) ist das traditionelle Zelt der Nomaden in West- und Zentralasien.
Die Jurte dient den mongolischen Nomaden als mobile Wohnunterkunft und steht daher für eine Kultur der Mobilität. Zugleich ist sie Ausdruck des Zwangs, sich den natürlichen Kreisläufen anzupassen. Durch die nötige Beweglichkeit müssen ihre Zelte leicht auf- und abzubauen sein und sind den klimatischen Bedingungen optimal angepasst. Eine Jurte kann sich zudem verhältnismäßig klein verpacken, so dass früher für den Transport einer Jurte nur zwei Kamele, Yaks oder ein paar Pferde benötigt wurden.
Das nomadische Selbstverständnis fußt hier auf dem Vorbild Dschingis Khans, dem berühmten Führer eines riesigen Reiterheeres im 12.-13. Jahrhundert. So wohnten in den 20er Jahren 98% der Mongolen in einer Jurte. Danach bot die Volksrepublik Alternativen durch den Aufbau von Industrie, Jobs und Siedlungen an. Mitte der 80er Jahre lebten nur noch 35 Prozent der Mongolen nomadisch. Anfang der 90er Jahre wurden Demokratie und Marktwirtschaft eingeführt. Auch der sanfte Tourismus bietet den Nomaden neue Einnahmequellen. Seitdem finden viele Mongolen zum mobilen Leben zurück, Wissenschaftler sprechen sogar von Re-Nomadisierung.
Der Holzrahmen einer mongolischen Jurte hat sich bis heute kaum verändert und besteht in der Regel aus Scherengittern für die Wand, einer Krone in der Mitte, die durch zwei Stützen getragen wird und den Dachsparren, die das Gitter und die Krone miteinander verbinden. Die ursprüngliche Jurte wurde mit mehreren Filzschichten isoliert und danach mit diversen Tüchern abgedeckt. Die Tür wurde häufig mit verschlungenen farbigen Mustern bemalt, ebenso die Stützen, Dachkrone und Stangen.
Die Jurte spiegelt in ihrer Einrichtung die soziale und spirituelle Ordnung, der in ihr lebenden Menschen wieder. Jedem Familienmitglied sind sein Platz und sein Wirkungsbereich in der Jurte genau zugewiesen. Raumaufteilung und Ausstattung sind hoch optimiert, um bei dem begrenzten Raumangebot und den teils extremen klimatischen Bedingungen Kochen, Arbeiten, Wohnen und Schlafen zu ermöglichen.
Auch heute noch haben Jurten in der Mongolei eine große Bedeutung, nicht nur die Nomaden, sondern auch Teile der städtischen Bevölkerung leben einen Teil des Jahres in der Jurte, die im Winter manchmal sogar wärmer sind als die festgebauten Häuser.
Bildquelle: Camping Sunêlia L’Atlantique
Die Form der traditionellen Jurte wird von vielen Jurtenbauern in Amerika und Europa neu interpretiert. Inzwischen existiert eine Vielzahl von modernen Jurten, die dem heutigen Komfort mit einer Küche und Bad entsprechend angepasst wurden. Diese Jurten haben nicht mehr viel mit der nomadischen Kultur zu tun, sind aber Beweis dafür, wie vielseitig diese geniale Zeltbauarchitektur eingesetzt werden kann.