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(Ceroma), die farbige, weiche
Haut
[* 2] an der Schnabelwurzel der
Raubvögel,
[* 3] Papageien u. s. w.,
die, wie es scheint, hauptsächlich zum
Tasten dient, wenigstens reich an Nervenendkörperchen ist.
Die allgemeine Form des Körpers entspricht den beiden Hauptarten der Bewegung: dem Flug und dem Gehen oder Hüpfen
auf dem Erdboden. Der eiförmige Rumpf stützt sich in schräger Lage auf die beiden säulenartig erhobenen
hintern Extremitäten, setzt sich nach hinten und unten in einen kurzen Schwanz fort und verlängert sich nach oben und vorn
in einen langen, sehr beweglichen Hals, auf welchem ein leichter, rundlicher Kopf balanciert. Die vordern Extremitäten liegen,
zu Flügeln umgebildet, mit zusammengefalteten Abschnitten an den Seiten des Rumpfes
[* 4]
(Fig. 1). Die Haut der
Vögel erreicht nie einen bedeutenden Grad von Dicke und Festigkeit;
[* 7] die charakteristischen Anhänge derselben, die Federn (s. d.),
entsprechen in ihrer Bildungsweise den Haaren derSäugetiere, und wie diese eine zweifache Form zeigen, so bedecken auch bei
den Vögeln kürzere, lockere Federn ohne oder mit nur sehr kurzer, weicher Spule (Dunen) die Haut unmittelbar,
während die steifen, längern, die Färbung des Federkleids bedingenden Konturfedern darüber herausragen.
Die Anordnung der Federn bezeichnet man als Pterylose. Die Konturfedern stehen meist in regelmäßig geordneten Gruppen (Fluren),
zwischen denen federlose oder nur mit Dunen bedeckte Züge (Raine) liegen. Selten ist die Befiederung ununterbrochen.
Von Wichtigkeit ist die Stellung der Federn an den Flügeln und am Schwanz, von denen die erstern gewissermaßen als Ruder fungieren,
der letztere als Steuer wirkt. Der Flügel ist ein Doppelfächer, der sich im Ellbogen- und im Handgelenk einfalten
läßt und seine große Fläche zum Teil durch zwei Hautsäume, besonders aber durch die Schwungfedern (Schwingen) erhält.
Diese sind am Unterrand von Hand
[* 8] (Handschwingen oder Schwingen erster Ordnung, gewöhnlich zehn) und Vorderarm (Armschwingen
oder Schwingen zweiter Ordnung, in wechselnder Zahl) befestigt und werden an ihren Wurzeln noch von den mehrfachen
Reihen der kleinern Deckfedern überdeckt, so daß ein vollkommener Schluß des Flügels hergestellt wird. Die Schwungfedern
fehlen übrigens denjenigen Vögeln, welche ihre vordern Gliedmaßen entweder als Ruder beim Schwimmen (Pinguine) oder zur Unterstützung
des Laufs (Strauße) benutzen. Den zusammengefalteten Flügel bedeckt von obenher der sogen. Schulterfittich;
¶
der Büschel kleiner, vom Daumen getragener Federn am Flügelbug heißt der Eckflügel. Die großen Federn des Schwanzes (Steuerfedern,
gewöhnlich zwölf) können sowohl einzeln als auch zusammen bewegt werden, fallen aber bei verkümmertem Flugvermögen gleichfalls
aus. Jährlich erneuern sich die Federn durch die plötzlich oder ganz allmählich stattfindende Mauser (s. d.). Das
durch letztere gebildete Winterkleid färbt sich meist im nächsten Frühjahr mit eintretender Brunstzeit noch vollkommener
aus und bildet dann das Hochzeits- oder Sommerkleid.
Die meisten Vögel erhalten bereits im ersten Jahr nach ihrer Geburt ihre definitive Färbung, einige erst im zweiten Jahr. Das
Jugendkleid ähnelt im allgemeinen dem der Weibchen und ist namentlich viel einfacher gefärbt. An gewissen
Stellen bleibt die Haut nackt, besonders am Schnabel und an den Zehen, meist auch am Lauf, zuweilen am Hals (Geier) und selbst am
Bauch (Strauß). Die nackte Haut am Schnabelgrund bleibt in größerer oder geringerer Ausdehnung
[* 14] weich und bildet die sogen.
Wachshaut, während sie an den Schnabelrändern gewöhnlich verhornt.
Das Skelett
[* 18] zeigt sehr charakteristische, auf das Flugvermögen bezügliche und mit der Ausbildung desselben
parallel gehende Eigentümlichkeiten. Während nämlich die Knochensubstanz selbst ungemein dicht und fest ist, wird das
in der Jugend vorhandene bluthaltige Mark allmählich resorbiert; die so entstehenden Hohlräume sind mit Luft erfüllt und
kommunizieren mittels der Luftsäcke (s. unten) mit der Lunge.
[* 19] Bei großen Vögeln mit raschem, ausdauerndem
Flug sind sämtliche Knochen mit Ausnahme der Jochbeine und des Schulterblatts hohl (pneumatisch), während bei den großen Laufvögeln
nur einzelne Schädelknochen Lufträume enthalten.
Ziemlich allgemein aber sind außer dem Jochbein und Schulterblatt auch der Unterschenkel und Vorderarm markhaltig und ohne
Lufträume. Am Kopfe verwachsen die Schädelknochen, deren Zahl den Reptilien gegenüber bedeutend reduziert
ist, sehr frühzeitig zur Bildung einer leichten und festen Schädelkapsel, welche gleich derjenigen der Reptilien mittels
eines einfachen (nicht wie bei Säugetieren und Amphibien doppelten) Gelenkhöckers auf dem ersten Halswirbel ruht und nach
allen Richtungen gedreht werden kann.
Die Knochen des Gesichts sind sehr eigentümlich gestaltet und vereinigen sich zur Herstellung eines weit
vorragender, mit Hornrändern bekleideten Schnabels (s. unten). An der Wirbelsäule unterscheidet man einen sehr langen, beweglichen
Halsteil, eine feste Rücken- und Beckenregion und einen rudimentären, nur wenig beweglichen Schwanz. Hals- und Rückengegend
sind aber nicht scharf abgegrenzt, da einerseits die Halswirbel Rippenrudimente tragen und anderseits
die Rippen der ersten Brustwirbel nicht bis an das Brustbein reichen.
Der Hals enthält 9, häufig mehr, bisweilen 24 Wirbel, die Zahl der kürzern Rückenwirbel schwankt zwischen 6 und 10, die
vordern 4-5
sind oft miteinander verwachsen; sie tragen sämtlich Rippen, welche durch Vermittelung je eines
besondern Knochens mit dem Brustbein in Verbindung stehen und eine große Erweiterung des Brustkorbes gestatten. Das Brustbein
bedeckt auch einen großen Teil des Bauches und besitzt bei Vögeln mit starkem Flugvermögen einen kielförmigen Kamm zum Ansatz
der kräftigen Flugmuskeln.
In der Lenden- und Kreuzbeingegend sind die zahlreichen (bis zu 23) Wirbel sowohl untereinander als mit
den langen Hüftbeinen des Beckens zu einem Kreuzbein verschmolzen, zu dessen Bildung aber auch noch die letzten Rücken- und
die ersten Schwanzwirbel mithelfen. Noch weiter nach hinten liegen 7-8 bewegliche Schwanzwirbel, von denen der letzte, aus
einer Verschmelzung von 4-6 Wirbeln entstanden, eine senkrechte, seitlich zusammengedrückte Platte darstellt,
an welche sich die Muskeln
[* 20] zur Bewegung der Steuerfedern des Schwanzes anheften.
Der Oberarm ist in der Ruhe nach hinten, der Unterarm nach vorn gerichtet, und die Hand biegt wieder nach hinten um. Der Gürtel
[* 21] der hintern Extremität bildet ein sehr lang gestrecktes, vorn offenes Becken, welches durch feste Verschmelzung sämtlicher
Knochenstücke ausgezeichnet ist. Der kurze, kräftige Oberschenkelknochen ist schräg horizontal nach
vorn gerichtet und meist ganz zwischen Fleisch und Federn am Bauch verborgen, so daß das Kniegelenk äußerlich nicht sichtbar
wird.
Durch diese Lage des Oberschenkels wird der Unterschenkel weit nach vorn gerückt und der Fußpunkt der Schwerlinie, selbst
bei ziemlich wagerechter Haltung des Rumpfes, zwischen die große von den Zehen umspannte Fußfläche gelegt.
Wo die hintere Extremität hauptsächlich als Ruder dient, da ist sie weit nach hinten gerückt, und der Rumpf muß dann beim
Gehen in fast senkrechter Stellung getragen werden. Von den Knochen des bei weitem längern Unterschenkels ist vom Wadenbein
nur ein Rest in Gestalt eines Knochenstabes an der äußern Seite des Schienbeins vorhanden.
Mit dem Schienbein verwächst am untern Ende ein Fußknochen; der nun folgende Lauf oder Tarsus ist aus der Verwachsung der noch
übrigbleibenden Tarsal- und Metatarsalknochen hervorgegangen und von sehr verschiedener Länge. Die 2-4 Zehen haben 2-5 Glieder.
[* 22] Eine eigentümliche Einrichtung im Verlauf der Sehnen am Unterschenkel zieht bei der Beugung des
[* 23] Kniegelenks
zugleich die Zehen zusammen; infolge davon hält der Vogel während des Schlafs lediglich durch seine Schwere den Zweig, auf dem er
sitzt, umklammert. Übrigens sind die hintern Gliedmaßen sehr vielgestaltig
[* 13]
(Fig. 2). Man unterscheidet in erster Linie die
bis zur Fußbeuge befiederten Gang- und die im Bereich der Schiene teilweise oder völlig nackten Watbeine.
Erstere sind entweder Klammerfüße (die vier Zehen nach vorn gerichtet), oder Kletterfüße (zwei Zehen nach vorn, zwei nach
hinten), oder Wandel-, Schreit-, Sitz- und
¶
mehr
Spaltfüße (bei allen nur eine Zehe nach hinten, die übrigen mehr oder weniger durch Haut verbunden). Die Watbeine mit sehr
langem Lauf heißen Stelzfüße (je nach der Verbindung der Vorderzehen durch Haut: geheftete und halbgeheftete); letztere ohne
Hinterzehe sind Lauffüße. Sind die Zehen der Watbeine mehr oder minder vollständig durch Haut verbunden,
so hat man halbe oder ganze Schwimmfüße, gespaltene Schwimmfüße, Lappenfüße und Ruderfüße.
Von den innern Organen übertrifft das Gehirn
[* 25] in Masse und Bau das Reptiliengehirn und erfüllt vollständig die Schädelhöhle,
doch entbehren die großen Hemisphären noch der Windungen an ihrer Oberfläche. Unter den Sinnesorganen erreichen die Augen
eine hohe Ausbildung. Ihre geringe Beweglichkeit wird durch die große des Halses und Kopfes ersetzt; stets
ist eine Nickhaut vorhanden. Neben der Schärfe des Sehvermögens ist besonders die Akkommodationsfähigkeit entwickelt.
Die Öffnung des Gehörorgans ist häufig von einem Kranz größerer Federn umstellt und bei den Eulen
[* 26] von einer häutigen, ebenfalls
mit Federn besetzten Klappe, einer rudimentären äußern Ohrmuschel, überragt. Die beiden Nasenöffnungen
liegen der Wurzel
[* 27] des Oberschnabels mehr oder minder genähert, sind zuweilen von steifen Haaren verdeckt und geschützt, bei
den Sturmvögeln röhrenartig verlängert. Übrigens ist der Geruchssinn sehr viel weniger ausgebildet als Gehör
[* 28] und Gesicht,
[* 29] und auch der Geschmack steht auf niederer Stufe, weil die Zunge fast in allen Fällen nur an ihrer Basis weich
bleibt.
Das Gefühl vermitteln wohl nur Schnabel und Zunge; ersterer erhält unter Umständen eine Bekleidung mit einer sehr nervenreichen
Haut. Die Verdauungsorgane sind im allgemeinen einfach und ziemlich übereinstimmend gebaut. Statt eingelagerter Knochenzähne
sind die Kiefer von einer festen Hornscheide überdeckt und zum Schnabel ausgezogen
[* 24]
(Fig. 3). Während
der Oberschnabel aus der Verwachsung von Zwischenkiefer, Oberkiefer und Nasenbeinen gebildet ist, entspricht der Unterschnabel
den beiden Unterkieferästen.
Beim Öffnen des Schnabels bewegt sich infolge der eigentümlichen Einlenkung desselben am Schädel nicht nur der Unterschnabel
nach abwärts, sondern auch die Spitze des Oberschnabels ein wenig nach aufwärts. Die Form des Schnabels
ist eine sehr verschiedene und steht immer in enger Beziehung zur Art der Nahrung, welche der Vogel genießt. Auch die Zunge
ist sehr vielgestaltig. Bei Raubvögeln und Papageien ist sie breiter und weicher, bei insekten- und körnerfressenden
Vögeln härter und schmäler.
Zwei kleine rundliche Nebensäcke am Kropf der Tauben
[* 32] sondern zur Brutzeit einen käsigen, zum Atzen der Jungen dienenden Stoff
ab. An dem Magen
[* 33] unterscheidet man den drüsenreichen Vormagen,
der nur eine Fortsetzung der Speiseröhre
vorstellt, und den Muskelmagen, welcher sich wie ein Blindsack daran anschließt und namentlich bei Körnerfressern als Kauorgan
wirkt. Hierzu ist er durch den Besitz von zwei festen Reibeplatten, welche durch starke Muskeln bewegt werden, vorzüglich geeignet,
zumal wenn mit der Nahrung zugleich kleine Steinchen verschluckt werden und gewissermaßen als Mühlsteine
[* 34] dienen.
Der Dünndarm übertrifft die Körperlänge meist nur um das Drei- bis Vierfache;
Die Respirationsorgane zeigen eine der äußerst aktiven Bewegungsweise und dem dadurch gesteigerten
Atembedürfnis entsprechende Einrichtung. Die hinter der Zungenwurzel befindliche Kehlritze führt in eine lange Luftröhre;
der ihren Anfang bildende obere Kehlkopf ist für die Stimmbildung unwesentlich, dagegen findet sich bei fast allen Vögeln
(ausgenommen Störche, Strauße und einige Geier) an der Teilungsstelle der Luftröhre in die Bronchien ein
unterer Kehlkopf, der als Stimmorgan zur Verwendung kommt und besonders bei den Singvögeln sehr ausgebildet ist.
Nicht selten verläuft die Luftröhre, vornehmlich beim männlichen Geschlecht, unter Biegungen und Windungen; auch bildet
sie bisweilen Verengerungen und Erweiterungen. Die Lungen hängen nicht, wie bei den Säugetieren, frei
in der geschlossenen Brusthöhle, sondern sind an deren Rückenwand angeheftet und an den Seiten der Wirbelsäule in die Zwischenräume
der Rippen eingesenkt; auch sind sie nicht in Lappen geteilt. Von den in sie eintretenden Bronchien begeben sich mehrere Äste
an die Vorderfläche und münden hier in die mit den Lungen in Verbindung stehenden Luftsäcke, welche
anderseits mit den Lufträumen der Knochen kommunizieren.