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Seit Jahren prozessiert die Rockband Scorpions gegen die Jeeves Group in Liechtenstein. Vater und Sohn Jeeves fielen zuletzt durch ein Urteil in den USA auf.
Als ein Hell's Angels-Mitglied im Namen der deutschen Rockband Scorpions (Bild) Geld von der Jeeves-Gruppe im liechtensteinischen Schaan zurückforderte, war das der heimischen Presse vor einiger Zeit noch eine Erwähnung wert.
Die je dreistelligen Millionenbussen, zu denen der schillernde, 72-jährige Treuhänder Bryan Jeeves und sein Sohn Alexander in den USA verurteilt wurden, machten bislang im «Ländle» keine Schlagzeile.
Zweimal 157 Millionen Dollar
Alexander Jeeves bestätigt die zivilrechtliche Verurteilung zu einer Busse zu je 157 Millionen Dollar auf Anfrage. Dieses Urteil sei in ihrer Abwesenheit gefällt worden und ihnen auch erst durch einen Bericht im «Sydney Morning Herald» zur Kenntnis gebracht worden. Allerdings hatten er und sein Vater sich vergewissert, dass das US-Gericht «keine Jurisdiktion über uns hatte».
Die australische Zeitung erwähnte die Verwicklung der Jeeves-Gruppe nach verschwundenen Pensionsgeldern in Australien im Fall eines «Aktien-Anleihen-Programm» in den USA, das als angebliches Schneeballsystem eingeklagt worden war.
«In der Zwischenzeit werden die Details des «Settlement Agreements» finalisiert, und wir sind guter Hoffnung, dass dies in der näheren Zukunft unterzeichnet und das Urteil gegen uns aufgehoben wird», führt Alexander Jeeves gegenüber finews.ch aus.
Die Verbindung zum US-Anwalt Jack Flader
In der Klageschrift zum Verfahren vor dem US District Court in Charleston, South Carolina, wurde auch der US-Anwalt Jack Flader diverser Betrugsdelikte und Geldwäscherei angeklagt.
Die Verbindungen zwischen der Familie Jeeves und dem US-Anwalt Flader erstrecken sich bis nach Asien. So übernahm die Jeeves Group Anfang 2010 von Flader die Firma Global Consultants and Services Ltd. (GCSL) in Hongkong.
Ein australisches Verfahren
Flader hatte diese dort erst 2007 gegründet, um Offshore-Vermögen via Firmenkonstrukte in Steueroasen zu schützen, via Vertretungen in Belize, Anguilla, Singapore, Cook Islands, Samoa and Shanghaiu. Flader sollte gemäss einer damaligen Mitteilung der Jeeves Group auch nach dem Verkauf als Berater an Bord bleiben.
Mittlerweile will sich die Jeeves Group vom US-Anwalt getrennt haben, wie Alexander Jeeves gegenüber finews.ch betont. «Jack Flader war der ehemalige CEO/Managing Director der GCSL. Nach der Uebernahme schied er aus und hat demgemäss seitdem keine Funktion mehr innerhalb der ehemaligen GCSL und/oder der Jeeves Group», präzisiert Alexander Jeeves gegenüber finews.ch.
Doch die Hongkonger Firma GCSL war schon vor ihrer Übernahme durch die Jeeves Group in einer australischen Strafuntersuchung erwähnt worden , weil sie möglicherweise etwas mit dem Verschwinden von 120 Millionen australischer Dollar an Pensionsgeldern zu tun haben könnte.
Dazu sagt Alexander Jeeves: «Ein ehemaliger Kunde der dannzumaligen GCSL wurde angeklagt und gemäss unserem Wissensstand im letzten Jahr verurteilt. Zum Zeitpunkt der Übernahme der GCSL war dieser kein Kunde der GCSL mehr.»
Der Konflikt mit den Scorpions
Diese drei Fälle erstrecken sich zugegebenerweise über einen längeren Zeitraum. Und auch das älteste Verfahren, das gegen die Scorpions, steht nun laut Alexander Jeeves vor einem guten Abschluss: «In der Zwischenzeit sieht es so aus, als ob das Verfahren bald eingestellt werden könnte. Da es sich aber um eine laufendes Verfahren handelt, werden Sie verstehen, dass wir Ihnen derzeit keine weiteren Details geben können.»
Der Konflikt steht im Zusammenhang mit dem Transfer von Song-Rechten zur Steueroptimierung. Wenn der Jeeves-Finanzgruppe im «Ländle» ein besonderer Ruf anhängt, so hat dies vielleicht auch mit diesem Fall zu tun, der als typisch gilt für die Geschäftsätigkeiten der Gruppe.
Dazu trägt aber auch der einzigartige Lebenslauf des Firmengründers, Bryan Jeeves. Dessen auf dem Internet veröffentlichter «Curriculum Vitae» liest sich wie ein Feuerwerk der Ehrentitel.
Feuerwerk der Titel
- In der «New Years Honours List 2007» Ihrer Majestät Queen Elizabeth II. wurde Bryan Jeeves in Anerkennung geleisteter Dienste in St. Vincent und den Grenadinen im Finanzdienstleistungssektor zum «Companion of the Most Distinguished Order of St. Michael and St. George (CMG)» ernannt.
- Seine Durchlaucht Hans Adam II. Fürst von und zu Liechtenstein hat am 6. Februar 2007 Herrn Bryan Jeeves CMG OBE das Komturkreuz des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens für besondere Verdienste um das Land Liechtenstein verliehen.
- Britischer Honorarkonsul ab 1992 bis Grossbritannien, ab 2001, mit einem Botschafter in Liechtenstein vertreten war.
- Seit über 20 Jahren fungiert er am Fürstlichen Landgericht als Sachverständiger bei Verhandlungen, die in englischer Sprache geführt werden.
- Im Juli 2004 wurde ihm auf der Generalversammlung der BSCC in Genf die seltene Ehrenmitgliedschaft der British Swiss Chamber of Commerce auf Lebenszeit in Anerkennung seines aussergewöhnlichen Engagements verliehen.
- Von 1995 - 2001 war er Präsident der COBCOE (Konferenz Britischer Aussenhandelskammern in Europa)
- Mitglied des Carlton Club, London
- Er ist Gründungsmitglied des Kiwanis Club Liechtenstein (1974) und war 1979/1980 dessen Präsident. Für seine erbrachten Verdienste wurde er von Kiwanis International mit der Hixson Goldmedaille ausgezeichnet.