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Datierung
1984
Bildmasse
95 x 65.5 cm
Technik/Material
Acryl auf Leinwand
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr.
SK08060
Raster mit Dislokationen
Jan Kubíček (1927, Kolín, CZ – 2013, ebd.) suchte zeit seines Lebens nach einem Ausdruck in der Kunst, der seiner eigenen Befindlichkeit angesichts der ihn umgebenden Realität entsprechen sollte. Diese Suche war von ständigen Zweifeln begleitet, Zweifeln an der Richtigkeit seines Weges oder auch an Einzellösungen in seinen Bildern. Die Arbeiten von Jan Kubíček sind unter dem Aspekt zu betrachten, dass es in der ehemaligen Tschechoslowakei einerseits kaum eine Tradition des Konstruktivismus gab, andererseits eine lebhafte Auseinandersetzung mit der Entwicklung in anderen Ländern durch jahrelange Informationssperre unmöglich war.
Schon früh ging Jan Kubíček seinen eigenen Weg, der vor allem auf seiner Vorliebe für das Experiment und das dafür eingesetzte Material beruhte. Bis in die 1950er-Jahre experimentierte er mit allem, was er in seiner Umgebung vorfand: mit Reklametafeln, abgerissenen Versatzstücken, Verpackungsteilen oder Holzelementen, die er oft zu Assemblagen zusammensetzte. Ohne sich an einem Stil zu orientieren, kreierte er damit reizvolle Reliefs, in denen reale Partikel eingebunden sind. Jegliche Anklänge an figurative Elemente fehlen, vielmehr manifestieren sich Ordnungsschemata, die die Struktur des Bildes oder Objektes bestimmen und konstitutiv für das Werk sind. Die Assemblagen verdeutlichen, dass Jan Kubíček schon früh grossen Wert auf die technische Herstellung eines Werks legte. Dies zeigt sich auch an seinen frühen Lackbildern, die zunächst von der zufälligen Bewegung der Lacke auf dem Untergrund beherrscht wurden und mit der Zeit – dank deutlicherer grafischer Strukturen – den zunehmenden Gestaltungswillen des Künstlers erkennen lassen.
Als eigentlicher Kern von Kubičeks Arbeit erweist sich sein konstruktivistisches Schaffen. Die Basis für seine systematisch-konstruktive Arbeitsweise findet sich in der Hinwendung sowohl zum Quadrat als der vollkommensten geometrischen Figur in der Fläche als auch zum Buchstaben als Einzelelement Anfang der 1960er-Jahre. Aus dem Alphabet suchte Kubíček jene Buchstaben aus, die ihm die vielfältigsten Möglichkeiten der Modifikation gaben. Dieses formale Interesse vor allem war es, das Kubíček in den Umkreis der Prager Lettristen geraten liess.
Dominique von Burg