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Claude Monet (1840–1926) hatte seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit ein intensives Verhältnis zur Natur und ein grosser Teil seiner Werke geht auf unmittelbare Anregungen seiner Gärten zurück: In den 1860er Jahren war es sein Hausgarten in Sèvres; in den siebziger Jahren der Garten zweier Häuser in Argenteuil, gefolgt von einem Anwesen in Vétheuil und schliesslich seinen weitläufigsten in Giverny mit den berühmten Seerosen. Im Ranking der bestbesuchen Ausstellungen am Kunsthaus Zürich steht diese bei einer Geschichte von über tausend Ausstellungen seit 1910 an dritter Stelle.
Im 1200 qm grossen Ausstellungssaal des Kunsthauses erhielten die Besucher:innen Einblick in die künstlerischen Produktionsbedingungen des Impressionismus, die Wechselbeziehungen eines Künstlers mit seinen Motiven und dem Publikum und in den internationalen Kunstmarkt der Zeit. Die 71 Exponate stammten überwiegend aus europäischen und amerikanischen Sammlungen – darunter Leihgaben aus Privatbesitz, die selten öffentlich zu sehen sind. Ausgewählt wurden nicht nur jene Bilder, die Monets eigene Gärten zeigen, sondern auch Landschaften aus der Umgebung seiner Wohnsitze, die ihn als aktiven Gärtner angeregt und künstlerisch herau-gefordert haben. Ausstellungskurator und Kunsthausdirektor Christoph Becker gruppierte die Werke nach ihren Sujets wie z.B. «Spiegelungen», «Die japanische Brücke» oder «Die Rosenallée». Eine von Cathérine Hug und Monika Leonhardt in aufwändiger Recherchearbeit zusammengetragene Dokumentation mit 30 teils unbekannten originalen Fotografien und Briefe Monets aus den privaten Archiven seiner Nachkommen war wesentlicher Bestandteil der Ausstellung. Ein Ausschnitt aus Sacha Guitrys 1914 gedrehter Reportage «Ceux de chez nous» wurde ebenfalls gezeigt. Erstmals wurden alle grossen Seerosenbilder, die in den 1950er Jahren von Schweizer Sammlern wie Emil Georg Bührle und Ernst Beyeler erworben worden sind, mit den «Grandes Décorations» des Kunsthaus Zürich zusammengeführt. Im Ranking der bestbesuchen Ausstellungen am Kunsthaus Zürich steht diese Ausstellung an dritter Stelle mit insgesamt 224‘050 Besucher:innen, nach Nr. 1 Gustav Klimt (1992, 248‘738) und Edvard Munch (1987, 226‘114 Besucher:innen) und vor Salvador Dalí (1989, 211‘348). Diese Ausstellung beförderte auch die fortwährende Aktualität Claude Monets zu Tage, der die Abstraktion und das All-over-Painting vorwegnahm und immer wieder Faszination auf zeitgenössische Künstler:innen spätere Generationen inspirierte. Entsprechend spannend zu lesen und aussagekräftig ist das Interview von Barbara Basting mit dem bedeutenden Schweizer Fotografen Thomas Flechtner: «Basting: Was packt Sie an diesen Bildern? – Flechtner: Ich finde es spannend, wie hier in Bezug auf Auflösung und Format etwas zur Vollendung kommt. Mich interessieren Monets späte Bilder mehr als die früheren Werke: Der Künstler ist 43-jährig nach Giverny gezogen mit der Idee, dort seinen Traum vom idealen Garten zu realisieren. Das kann ich nachvollziehen, ich bin in diesem Alter und will nach all den Reisen, dem Suchen und Sammeln etwas Eigenes gestalten. Dafür habe ich in den letzten Jahren unterschiedliche Versuchsgärten angelegt. […] Garten und Natur sind für alle die Menschen seit je ein Thema. Sie offerieren eine sinnliche Erfahrung. Ich bin nach Gartenarbeit nie betrübt.» (Tages-Anzeiger, 03.12.2004, S. 55). Dies heute, fast 20 Jahre später im Jahre 2022 zu lesen, bekräftigt noch Monets Aktualität nicht nur als Maler sondern auch als visionären Lebenskünstler, leben wir doch in einer Zeit, wo unser Verhältnis zur Natur vor dem Hintergrund der Klimakrise erbauend für die Zukunft angegangen werden muss.
[Cathérine Hug]
«Sie haben die Anemonen gesehen, die ich Ihnen zu Ihrem Namenstag geschickt habe, die rosafarbenen und die rot krausblättrigen; es gibt hier überall welche davon, es gibt sie überall wild […] Es herrscht hier ein aussergewöhnlicher Rosa-Ton, unübersetzbar, die Morgenstunden sind ideal.» Claude Monet an seine zweite Frau Alice Hoschedé, Bordighera im März 1884
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