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Das Alpinum ist ein mit Felsblöcken übersäter Hang auf der Nordseite des Institutgebäudes. Im Sommer sorgt ein Bergbach für die passende Geräuschkulisse.
Viele der hier wachsenden Pflanzen stammen aus den Alpen und anderen europäischen Gebirgen wie Pyrenäen, Karpaten und Kaukasus. Durch diese Alpenflora können Sie in unserem Alpinum ohne steile Wander- oder Kletterwege wandern. Dabei zeigen wir Ihnen europäische Gebirgspflanzen in den Sektoren „Kalk-Europa“, „Urgestein-Europa“ und „Verrucano-Europa“. In weiteren Sektoren gibt es auch Bergpflanzen aus Asien, Amerika und Neuseeland zu entdecken. Unter den Vertretern Nordamerikas und Asiens findet sich manche aus Europa bekannte Gattung: z.B. Föhre (Pinus), Rhododendron & Azalee (Rhododendron), Frauenschuh (Cypripedium), Christophskraut (Actaea) und Adonisröschen (Adonis). Dies bedeutet, dass die Gebirgs- und Waldfloren der Nordhalbkugel einen gemeinsamen Ursprung haben. Asien und Amerika waren noch durch eine breite Landbrücke verbunden, als vor 50 bis 100 Millionen Jahre wichtige Gruppen der Blütenpflanzen entstanden.
Als Alpenpflanzen im engen Sinne bezeichnet man all jene Gewächse, welche die Gebiete oberhalb der Baumgrenze besiedeln. Sie passen sich dem rauen Klima mit kurzen Sommerzeiten wie folgt an:
Dank Zwergwuchs trotzen viele Alpenpflanzen austrocknenden Winden und scharfen Stürmen. Häufige Rosetten-, Horst- und Polsterbildung bringen den Vorteil, dass die Wärme, welche dem Boden und vor allem den sonnenbeschienenen Felsen entströmt, besser gespeichert werden kann. Somit werden die in den Bergen herrschenden Temperaturextreme besser ausgeglichen. Ausserdem hält sich in Polsterpflanzen die Feuchtigkeit von Tau und Regen länger.
Gegen übermässige Verdunstung schützen sich Alpenpflanzen auch durch starke Behaarung, fleischige Verdickung (Sukkulenz) und Ledrigkeit ihrer Blätter.
Ein stark verzweigtes Wurzelsystem oder eine in die Tiefe gehende Pfahlwurzel erhöhen die Aufnahmekapazität der spärlich vorhandenen Nährstoffe. Oft wird durch Symbiose der Wurzeln mit Pilzen die Stickstoffversorgung von Gebirgspflanzen verbessert. Der Mangel an bestäubenden Insekten förderte bei zahlreichen Alpenpflanzen den Übergang von Fremd- zur Selbstbestäubung, um wenigstens so die sexuelle Fortpflanzung zu garantieren. Die Blühreife wird vielfach erst nach Jahren erreicht. Befruchtung und Samenbildung können schliesslich ganz aufgegeben werden. Die Vermehrung erfolgt dann vorwiegend vegetativ: z.B. durch Ausläufer, Brutknospen, oder Bildung von Tochterrosetten. Der Wind ist wichtigster Träger der Ausbreitungseinheiten.
Die Kultur der Alpenpflanzen im Tiefland ist wegen anderer klimatischer Bedingungen nicht immer ganz einfach: Das weniger starke Sonnenlicht lässt bei uns im Botanischen Garten die intensiven Blütenfarben verblassen und fördert das Längenwachstum bei sonst eher gedrungenen Wuchsformen. An heissen Sommertagen fehlt der kühle Wind und die Pflanzen vermissen dann die in der tau- und regenreichen Heimat vorkommende hohe Luftfeuchtigkeit. Durch Bäche, Wasserfälle oder Teiche in der Nähe des Alpinums kann diesem Mangel begegnet werden.
Im Winter fehlt zudem häufig die schützende Schneeschicht, welche die Pflanzen vor starken Frösten schützt.
In Planung ist die Neugestaltung verschiedener Sektoren im Alpinum! Wir sind daran, Pflanzengemeinschaften aus dem Alpenraum auszuwählen und anzuziehen, die sich leichter an unsere “Tieflandbedingungen“ anpassen. Es handelt sich dabei um Zwergstrauchheiden, Gebüschsäume und Hochstaudenfluren, die in den Alpen auch unterhalb der Baumgrenze wachsen. Diese Pflanzen sollten in den neu zu gestaltenden Alpinumsektoren gut gedeihen, damit Sie sich als Besucher(in) wie in den Bergen fühlen.