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Zielrichtung aus Nachhaltigkeitssicht
Gesundheit ist wesentlich für die individuelle, soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Sie beinhaltet neben der Abwesenheit übertragbarer sowie nichtübertragbarer Krankheiten auch das soziale und psychische Wohlbefinden. Ziel ist es, das hohe Niveau beim Schutz der Gesundheit zu erhalten sowie das seelische Wohlbefinden zu erhöhen. Gleichzeitig soll die Lebensqualität erkrankter Personen so gut wie möglich erhalten bleiben (Tertiärprävention).
Der Erhalt einer guten Gesundheit bedingt einerseits gesundheitsfördernde Lebensbedingungen, die eine eigenverantwortliche Sorge zur individuellen Gesundheit ermöglichen. Andererseits sind stabile und tragbare Versorgungs- und Finanzierungsstrukturen des Gesundheitswesens notwendig.
Gesundheit und Wohlbefinden werden anhand der verlorenen potenziellen Lebensjahre sowie der Lebenserwartung in guter Gesundheit gemessen.
Stand Gesundheit und Wohlbefinden 2020
Der folgende Text beschreibt den Stand der Indikatoren G6.1 (2000–2018) und G6.2 (2010/2017)
Die vorzeitige Sterblichkeit nimmt seit Jahren sowohl schweizweit als auch im Kanton Aargau insgesamt ab (BFS 2020). Krebs ist die Hauptursache für vorzeitige Sterblichkeit: Bei den Männern gehen 28,5 Prozent, bei den Frauen 46,6 Prozent der verlorenen potenziellen Lebensjahre auf das Konto dieser Krankheit. Unfälle und andere Gewalteinwirkungen sind die zweithäufigste Ursache für vorzeitige Sterblichkeit (BFS 2019a). Die Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung bei Geburt zählt zu einer der höchsten weltweit (BFS 2017a). Die Lebenserwartung der Männer lag 2018 bei 81,7 Jahre, diejenige der Frauen bei 85,4 Jahre (BFS, 2019b). Betrachtet man die Lebenserwartung in guter Gesundheit bei Geburt, konnten Schweizerinnen 2017 mit 71,7 "gesunden Jahren" rechnen, die Schweizer mit 70,7. Die Lebenserwartung in guter Gesundheit von ausländischen Männern betrug 65,8 Jahre. Jene der ausländischen Frauen hat zwar zwischen 2010 und 2017 um 3,7 Jahre auf 65,3 Jahre zugenommen, der Unterschied zu den Schweizer Frauen ist mit 6,4 Jahren aber nach wie vor gross (BFS 2019c). Personen mit Migrationshintergrund weisen in der Schweiz ein 4,4-mal höheres Risiko auf, aus finanziellen Gründen auf medizinische oder zahnmedizinische Leistungen verzichten zu müssen (BFS 2017b).
Stress und Schlafstörungen haben in der Aargauer Bevölkerung zugenommen: Die Zahl der Erwerbstätigen im Aargau die unter Stress leiden, hat zwischen 2012 und 2017 um 5,6 Prozent zugenommen und kam so auf den Schweizer Durchschnitt von 20,2 Prozent zu liegen. Auch jedes fünfte Schulkind im Alter von 15 Jahren fühlte sich 2017 gestresst. Zudem waren im selben Jahr Schlafstörungen so stark verbreitet (27,8 Prozent der Bevölkerung) wie letztmals vor 20 Jahren (DGS 2020).
Depressionssymptome stiegen zwischen 2012 und 2017 von 26 Prozent auf 34,5 Prozent, wobei es sich bei 7,7 Prozent um mittlere bis schwere Symptome handelte. 13,3 Prozent der Aargauer Bevölkerung fühlte sich 2017 mittel oder schwer psychisch belastet und jede dritte Person war von Einsamkeit betroffen. Hinzu kommt, dass über die Hälfte der Aargauerinnen und Aargauer über ein mittleres oder tiefes Energie- und Vitalitätsniveau verfügte, was ebenfalls auf eine belastete psychische Gesundheit hindeuten kann (DGS 2020).
Mehr als drei Viertel der Aargauer Bevölkerung bewegte sich 2017 ausreichend, jedoch nur jedes zehnte Schulkind im Alter von 15 Jahren. Der Anteil von Adipositas-Betroffenen wuchs im Kanton Aargau seit 1992 von 5,8 auf 14 Prozent im Jahr 2017. Gleich wie vor 10 Jahren, rauchte 2017 rund ein Viertel der Aargauer Bevölkerung täglich oder gelegentlich. Der chronisch riskante Alkoholkonsum hat abgenommen und betraf 2017 noch 3 Prozent der Bevölkerung. Von problematischer Internetnutzung sind 3,2 Prozent der Bevölkerung – mehrheitlich junge Menschen – betroffen (DGS 2020).
Zwischen 2001 und 2018 ist die Zahl der Hospitalisierten in Aargauer Spitälern um 30,8 Prozent auf rund 103'700 Patientinnen und Patienten angestiegen. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl Pflegetage von 1'103'600 um 0,17 Prozent auf rund 1'105'500 an. Die Leistungskosten im Gesundheitswesen sind zwischen 2014 und 2018 von 531,5 Millionen auf 657,6 Millionen Franken angewachsen (DGS 2019).
Indikator G6.1: Verlorene potenzielle Lebensjahre, Aargau und Schweiz
Die verlorenen potenziellen Lebensjahre zeigen die vorzeitige Sterblichkeit. Die Differenzen zwischen dem Sterbealter und dem 70. Lebensjahr werden aufsummiert und für eine Bevölkerung von 100'000 Personen angegeben
Die verlorenen potenziellen Lebensjahre sollen sinken.
|langfristig (seit 2000)||positiv|
|kurzfristig (seit 2016)||negativ|
Verlorene potenzielle Lebensjahre, Aargau und Schweiz, 2000–2018
Aktualisierung Daten 2022
|langfristig (seit 2000)||positiv|
|kurzfristig (seit 2016)||positiv|
Verlorene potenzielle Lebensjahre, Aargau und Schweiz, 2000–2020
Indikator G6.2: Lebenserwartung bei guter Gesundheit, Schweiz
Die Lebenserwartung in guter Gesundheit errechnet sich aus der Lebenserwartung in einem bestimmten Alter und dem Anteil an Personen, die sich in diesem bestimmten Alter gesund oder krank fühlen. Das Konzept der Lebenserwartung in guter Gesundheit berücksichtigt demnach neben der Lebensdauer auch die gesundheitliche Qualität der verbrachten Lebensjahre.
Die Lebenserwartung in guter Gesundheit steigen.
|langfristig (seit 2000)||positiv|
|kurzfristig||Aussage nicht möglich|
Lebenserwartung bei guter Gesundheit, Schweiz, 2010 / 2017
Herausforderungen für das Thema Gesundheit und Wohlbefinden
- Der medizinisch-technische Fortschritt zieht bessere Diagnose- und Therapiemöglichkeiten nach sich. Sie erhöhen die Lebenserwartung und den Konsum an Versorgungsleistungen.
- Demographische Veränderungen schlagen sich in der zunehmenden Anzahl älterer Menschen und chronisch/multimorbid Erkrankter nieder.
- Das Verständnis von Gesundheit als ein Zusammenspiel von physischen, psychischen und sozialen Komponenten führt zu einem Bedarf an differenzierteren Versorgungsmodellen.
- Aufgrund (digitaler) Verfügbarkeit von Informationen, wandelt sich die Rolle der Patientinnen und Patienten: Einerseits werden sie anspruchsvoller, andererseits auch kompetenter.
- Die Mobilität der Menschen wächst rapide an, was zu einer schnelleren Verbreitung von Krankheiten, aber auch zu einer verstärkt interregionalen und interkantonalen Wahl des Behandlungsorts sowie zu mehr ortsunabhängigen Behandlungsmöglichkeiten führt.
- Auf dem Angebotsmarkt wird durch die stetige Ausdifferenzierung der Leistungen und des Personals die Fragmentierung weiter zunehmen – dadurch werden mehr Koordination unter den Leistungserbringern und mehr integrierte Versorgungsmodelle benötigt.
- Bei den Gesundheitsberufen herrscht im Kanton Aargau ein Fachkräftemangel, sowohl bei akademischen Fachkräften (Ärzte, akademische Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte) als auch bei nichtakademischen Fachkräften (Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte). Im Fachkräfteindex Aargau von 2018 entfallen ein Viertel der Berufe mit dem grössten Fachkräftemangel auf den Gesundheitsbereich. Vor dem Hintergrund des steigenden Konsums von Versorgungsleistungen wird sich der Personalmangel weiter verschärfen.
Quellen
Für das Thema "Gesundheit und Wohlbefinden" relevante SDGs der Agenda 2030
Spotlight Klima
Klimawandel und Gesundheit – sowohl Chancen als auch Risiken
"Der Klimawandel kann in Zukunft zu vermehrten gesundheitlichen Problemen vor allem bei älteren und gesundheitlich geschwächten Personen führen. So können zum Beispiel steigende Temperaturen einen negativen Einfluss auf die Ausbreitung bestimmter nicht-übertragbarer Krankheiten (Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) haben. Gleichzeitig sind auch positive Auswirkungen auf vulnerable Personen denkbar: eine geringere Sturz- und Unfallgefahr im Winter oder eine Steigerung der psychischen Stabilität durch ein wärmeres Klima mit längeren Sonnenstunden."
DGS, Abteilung Gesundheit
Der Klimawandel ist eine der wichtigsten Herausforderungen die ein nachhaltiges Handeln fordert. Die Spotlights-Klima beleuchten aktuelle Herausforderungen oder laufende Projekte in Zusammenhang mit dem Klimawandel aus Sicht der kantonalen Verwaltung.
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