Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/1885

Die Geschichte der Musikinstrumente ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon seit der Vorgeschichte haben Menschen nach Wegen gesucht, Klänge und Melodien zu erzeugen, um ihre Emotionen auszudrücken und ihre Umwelt besser zu verstehen. In diesem Artikel werden wir die Geschichte und Entwicklung von Musikinstrumenten von den Anfängen bis zur heutigen Zeit betrachten.
Prähistoriker sind überzeugt, dass Musik in Form von Gesang und primitiven Klangkörpern schon sehr früh eine Rolle im Leben der Menschen gespielt hat. Dabei könnten zu Beginn die natürlichen Geräusche der Umgebung, wie das Heulen des Windes, Tierlaute oder das Grollen des Gewitters nachgeahmt worden sein. Bereits die Neanderthaler könnten getrommelt haben.
Ein Grossteil der Instrumente, die uns heute bekannt sind, wurden jedoch erst vergleichsweise spät in der Kulturgeschichte der Menschheit erfunden. Die ersten Instrumente waren noch nicht dafür geeignet, Melodien zu erzeugen. Es handelte sich um reine Rhythmusinstrumente wie Trommeln und Rasseln. Der älteste Nachweis solcher Instrumente geht auf das alte Ägypten zurück. Die ersten Melodieinstrumente waren Harfe, Flöte und Leier sowie die Pfeife. Die Harfe ist bereits 4500 vor Christus bei den Sumerern aufgetaucht, allerdings war sie mit dem heutigen Instrument noch nicht vergleichbar. Die Instrumente dienten oft einem religiösen Zweck, wie der Vertreibung von Dämonen oder der Anbetung von Göttern.
Die klassischen Konzertinstrumente, wie wir sie heute kennen, wurden erst im Rahmen der Klassik entwickelt. Dazu zählen Violine, Bratsche, Cello ebenso wie einige der Blasinstrumente. Die Trompete gab es allerdings bereits 1300 vor unserer Zeitrechnung und ist damit eines der ältesten Blechblasinstrumente.
Das heute sehr beliebte Klavier entstand wahrscheinlich im 12. Jahrhundert und ging aus einer Drehleier hervor. In Erscheinung trat es aber erst Anfang des 15. Jahrhunderts, dem Geburtsjahrhundert der Tasteninstrumente.
Die Musikinstrumentenkunde oder Organologie ist ein Fachbereich der Musikwissenschaft, welches mittels natur- und geisteswissenschaftlicher Methoden der Erforschung, der Dokumentation und der Lehre über Musikinstrumente dient. Instrumentenkunde schliesst alle historischen und modernen Musikinstrumente ein, sowohl jene der europäisch geprägten Kunstmusiktradition, der Volks- und Popularmusik als auch alle modernen und alten klang erzeugenden Instrumente aussereuropäischer Musiktraditionen. Der Fokus und die Forschungsmethoden sind vielfältig.
Die Lehre vom Einsatz der Instrumente in Kompositionen und Arrangements (die Instrumentation) nennt man Instrumentationslehre oder Instrumentationskunde. In Überschneidung mit der musikalischen Akustik werden in der technischen Instrumentenkunde der Aufbau und die daraus resultierenden Klangeigenschaften untersucht.
Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. klassifizierten die Chinesen die Instrumente nach dem verwendeten Material (Stein, Bambus, Seide etc.). Im europäischen Mittelalter gab es eine Einteilung nach der Art des Musikgenres (mit/ohne Gesang, zum Tanz etc.). In der Neuzeit wurde bereits nach der Art der Tonerzeugung unterteilt, jedoch systematisch inkonsequent (Blasinstrumente, Streichinstrumente, Zupfinstrumente…).
Die bis heute weltweit verwendete Hornbostel-Sachs-Systematik stammt von Erich Moritz von Hornbostel und Curt Sachs. Sie basiert grundlegend auf dem System von Victor-Charles Mahillon, dem Kurator des Museums des Brüsseler Konservatoriums, aus dem Jahr 1888. Die Hauptgruppen der Hornbostel-Sachs-Systematik basieren überwiegend auf der Art der Tonerzeugung, dem Tonerzeuger (Oszillator).
Tübinger Archäologen entdeckten in einer Höhle in der Schwäbischen Alb zwei Flöten aus Schwanenknochen sowie eine aus Mammutelfenbein. Die Objekte sind bis zu 37.000 Jahre alt und damit die ältesten bekannten Musikinstrumente der Menschheit. Mindestens drei Grifflocher hat die Elfenbein-Flöte, und ein Nachbau zeigt, dass sich mit ihr verschiedene Töne erzeugen lassen: vier Grund- und drei überblasene Töne. Zudem hatten ihre Erbauer offenbar bereits ein Gefühl für Harmonien und haben die Löcher so angeordnet, dass melodische Intervalle ertonen.
Evolutionsbiologen und Neurobiologen haben lange versucht zu verstehen, warum Menschen Musik mögen. Ein Instrument zu beherrschen, den richtigen Ton zu treffen oder den Gesängen anderer zu lauschen hat keinen offensichtlichen Nutzen und Überlebensvorteil. Kein Tier komponiert Symphonien, und auch der Mensch scheint erst spät in seiner Entwicklung Vergnügen an scheinbar nutzlosen Melodien und Rhythmen gefunden zu haben.
Das musikalische Grundverständnis für Melodien, Rhythmen und Klänge ist biologisch im Gehirn angelegt. Musik löst Emotionen aus und könnte daher evolutive Vorteile mit sich gebracht haben, so neue Hypothesen: Musizierende Männer sind attraktiver für Frauen, Mütter können ihre Babys durch Gesang beruhigen, und Musik hält eine Gruppe sozial zusammen.
Musikinstrumente waren über lange Zeit keine bewussten Sammlungsobjekte, sie "sammelten" sich nur irgendwo an (etwa in einer fürstlichen Kapelle oder in einer Kirche) und dienten dort als eine Art Reservoir für den musikalischen Gebrauch oder wurden, wenn sie defekt oder veraltet waren, dort abgestellt. Ausnahmen stellen einige äusserst reichhaltige Instrumentensammlungen von Königen, Fürsten oder reichen Patriziern dar, die zur Darstellung von Magnifizenz, Reichtum, Geschmack und verfeinerter Bildung dienten.
Seit dem 19. Jahrhundert und mit dem Interesse an der musikalischen Vergangenheit setzte auch ein Sammeln von Musikinstrumenten ein, die als Dokumente oder historische Accessoires dienten. Aus dieser Zeit stammen eine Reihe der grossen europäischen Sammlungen mit Musikinstrumenten, etwa jene in Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum), in Paris (Musée du Conservatoire) oder in Basel (Historisches Museum).
Neben solchen öffentlichen Sammlungen gab es bald auch private Sammler, die meist eine Art "Arche Noah"-Sammlung anstrebten, von jedem Typus und jeder Art ein Exemplar besitzen wollten. Diese Zeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wird oft als "golden age of collecting" bezeichnet, da an alte Musikinstrumente leicht heranzukommen war und auch interessante Musikinstrumente günstig erworben werden konnten.
Ein besonderer Sammlertypus fertigte Nachbauten und Rekonstruktionen von Musikinstrumenten aus Mittelalter und Renaissance an, auf denen gespielt werden durfte. Diese private Sammlung hat den Zweck, spielfähige Musikinstrumente dem Publikum vorzuführen und bietet damit eine besondere Möglichkeit, die Geschichte der Musikinstrumente erlebbar zu machen.
Die Geschichte und Entwicklung von Musikinstrumenten ist ein faszinierendes Feld, das uns Einblicke in die kulturelle Geschichte der Menschheit und die Veränderung unserer Wahrnehmung von Musik und Klang ermöglicht. Durch das Sammeln und Erforschen von Musikinstrumenten können wir die Vergangenheit besser verstehen und die Bedeutung von Musik in unserem Leben besser schätzen.
Nächster →