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Die Hauptstadt der Edelsteine liegt an derselben Bundesstrasse BR-116, die von Belo Horizonte nach Salvador/Bahia führt, und ist 446 km von der Hauptstadt entfernt. Die Stadt liegt ebenfalls in einem Tal, durch das sich der Rio Mucuri sein Bett gegraben hat.
Man nennt die Stadt allgemein „Capital das Pedras Preciosas“ – die Hauptstadt der Edelsteine – wegen der enormen Mengen verschiedenster Halbedelsteine, die man noch heute im Boden der näheren Umgebung findet und fördert. Einige von grossem Wert und internationalem Ruf, wie zum Beispiel der tiefblaue Aquamarin „Marta Rocha“, ein gigantischer Stein, dem man zur Zeit seiner Endeckung den Namen der damaligen brasilianischen Schönheitskönigin gab. Auch der Tourismus in dieser Stadt ist in der Regel mehr an den Steinen und allem, was mit ihnen zusammenhängt, interessiert, als an der durchaus reizvollen Umgebung.
Die Region entwickelte sich, als bekannt wurde, dass hier Smaragde gefunden worden seien – in einer Gegend, die man deshalb „Serra das Esmeraldas“ nannte. Die Portugiesische Krone schickte mehrere Expeditionen aus, die zwar die Existenz von jenen Smaragd-Minen nicht bestätigen konnten, die aber unterwegs Camps mit Vorräten für den Rückweg anlegten, aus denen sich kleine Siedlungen entwickelten. Aus einem dieser Camps ging auch die die „Fazenda Mestre Campo“ hervor (1752) – heute Sitz der Kolonie „Francisco Sá“, in der sich neben den Mineiros auch Deutsche, Österreicher, Schweizer und andere Europäer niedergelassen haben.
Der Hauptverantwortliche für die positive Entwicklung der Stadt im Tal des Mucuri, war „Teófilo Benedito Ottoni“ (1807-1869), ein brasilianischer Politiker, der in „Serro“ geboren wurde und sich schon früh mit dem Kaiser Dom Pedro II. anlegte, als er 1842 die „Revolução Liberal“ in Minas Gerais ausrief. Seine Gefolgsleute wurden geschlagen, und er selbst in Ouro Preto in den Karzer gesteckt – aus dem man ihn nach anderthalb Jahren entliess. 1845 wurde er zum Abgeordneten seines Bundesstaates gewählt und 1849 tritt er von diesem Amt zurück, um sich fortan der Entwicklung des mineirischen Nordostens zu widmen, seiner Heimat. Er gründet die „Companhia Mucuri“, die sich zum Ziel gesetzt hat, das grosse Gebiet zu besiedeln. Am 7. September 1853 gründet er die heutige Stadt unter dem Namen „Filadelfia“, seinem amerikanischen Vorbild.
Und es gelang ihm, Emigranten aus allen Teilen Europas nach Filadelfia zu holen, die sich auch im Hinterland niederliessen, wo sie in friedlicher Eintracht mit verschiedenen Indianerstämmen lebten, die von Ottoni immer mit Respekt und Toleranz behandelt worden waren. 1864 wurde Ottoni zum Senator seines Bundesstaates gewählt und verweigerte sich diesem Ruf nicht. Am 9. November 1878 – zehn Jahre nach seinem Tod – gab man der Stadt Filadelfia seinen Namen.
Wie ein Heuschreckenschwarm fallen die unzähligen Edelstein-Händler über die neuangekommenen Besucher her, die aus den Überlandbussen steigen. Rund 16.000 Menschen (von 126.895, Stand 11/2007) leben hier vom Handel mit Steinen. Und wenn man sich cool gibt, kann man interessante Dinge sehen, sehr nette Menschen kennenlernen und durchaus vergnügliche kleine Geschäfte abschliessen. Man kann Sammler besuchen und etablierte Händler, Schleifereien in Augenschein nehmen oder ein Edelsteinmuseum. Das schönste Erlebnis allerdings ist eine Original-Mine, in der man die Steine-Förderung erleben kann – und danach sich sogar aus den „Abfällen“ ein schönes Sammlerstück mitnehmen darf!