Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/882

Besuch aus Indien
Am Mittwoch, 10. Mai, erreichte uns Herr Slesser Babu aus Indien. Er ist der CEO der Stiftung Rural India Self Development Trust (RISDT) im Bundesstaat Andhra Pradesh und erzählt uns von seinen 32 Jahren Arbeitserfahrung.
Die Rural India Self Development Trust (RISDT) ist eine 1983 gegründete Stiftung im Bundesstaat Andhra Pradesh im Süden Indiens. Ihre Geschichte begann in der Hütte eines Leprapatienten, welche kurzum zu einer kleinen Klinik für weitere 20 Personen mit Lepra umfunktioniert wurde. Private medizinische Versorgung konnten sich die Betroffenen nicht leisten und das soziale Stigma war eine weitere Bürde, die ihr Leben massgeblich beeinträchtigte.
Der Schweizer Bruno Jehle beschäftigte sich intensiv mit dem traurigen Schicksal dieser vernachlässigten Menschen. Er entschied sich, diesen betroffenen Menschen Gutes zu tun, indem er die vorhandene Klinik mit einer neuen ersetzte. Mit der Unterstützung FAIRMEDs gründete Jehle 1983 die Stiftung RISDT und bot in der dazugehörigen Alternativklinik Leprabetroffenen medizinische Dienstleistungen an. Heute unterhält die RISDT nicht nur ein Lepraspital, sondern eine ganze Institution mit integriertem Lepra- und Tuberkulose-Kontroll-Programm, Rehabilitationszentrum, Gesundheitszentrum, und vielem mehr. Die Referral English Medium High School in Kathipudi gehört ebenfalls zur RISDT.
FAIRMED: Herr Slesser, Sie arbeiten bereits seit über 30 Jahren bei der RISDT. Wie kamen Sie damals zu dieser Anstellung?
Slesser: Als junger Mann hatte ich einen Administrationsjob in der Stahlindustrie, eine sichere Zukunft stand mir bevor. Doch irgendwann wurde ich unglücklich und ich fühlte mich alleine. Also entschied ich mich, zurück in meine Heimat zu gehen. Da traf ich auf Herrn Bruno Jehle, der sich intensiv mit den von Lepra betroffenen Menschen beschäftigte. Ich begann als Volontär für ihn zu arbeiten und nach einiger Zeit, genauer gesagt 1983, gründete Herr Jehle die RISDT, welche seit ihrer Entstehung von FAIRMED unterstützt wird. So kam es, dass ich mich intensiv für die Gesundheit armer Menschen engagierte und weiterhin engagieren werde.
Dann war es Schicksal, das sie von der Stahlindustrie weggeführt hat?
Man könnte es so nennen. Doch kennen sie den heiligen Lazarus? Als kranker und armer Mann liegt Lazarus vor der Tür eines reichen Mannes und hofft auf Hilfe. Nachdem beide Männer gestorben sind, kommt der Reiche in die Hölle und Lazarus in den Himmel. Arme und kranke Menschen geben den bessergestellten Mitmenschen die Möglichkeit, Gutes zu tun und so eine gewisse Balance im Leben herzustellen. Ich habe im Vergleich zu den Armen ein gutes Leben im Diesseits, ich sehe es also als unsere Aufgabe, den Armen Menschen zu helfen. Wenn nicht wir uns um die Armen kümmern, wer soll es sonst machen?
In der Referral Englisch Medium High School, die ebenfalls zur RISDT gehört, bieten Sie 1250 Kindern und Jugendlichen eine gute Vorbereitung fürs Leben. Worin liegt Ihre Motivation für diese Arbeit?
Ich bin glücklicher mit dieser Arbeit als ich es je in der Stahlindustrie geworden wäre. Wir geben neues Leben. Ich sehe, wie sich die Schülerinnen und Schüler stark in ihrer Ausbildung engagieren und dann mit Bestnoten abschliessen. Der schönste Tag im Jahr ist jedoch der letzte Schultag und gleichzeitig das Abschlussfest der Schulabgängerinnen und -abgänger. Da teilen sie ihre Dankbarkeit und ihr Lob an die Lehrpersonen mit und das ist so schön, dass es allen Anwesenden Tränen in die Augen treibt. Dieses Fest motiviert immer und immer wieder und ist der Lohn für alle harte Arbeit.