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Die Reizblase wird in erster Linie medikamentös behandelt. Wenn diese Therapie keinen zufrieden stellenden Erfolg bringt oder inakzeptable Nebenwirkungen der Medikamente auftreten, wird das LION-Verfahren angewendet.
Behandlungmethode bei Blasen- und Prostatabeschwerden
Die Elektrostimulation an Nerven ist seit Langem ein bekanntes Verfahren, bei dem eine elektrische Stimulation über implantierte Elektroden erfolgt. Symptome, die den unteren Harntrakt und die Schmerzwahrnehmung im kleinen Becken betreffen, können damit positiv beeinflusst werden. Das Ziel der sakralen Neuromodulation ist eine Verminderung der Symptome durch das Ausbalancieren der Blasen- und Darmfunktionen. Die sakrale Nervenstimulation kommt insbesondere bei der Behandlung von Blasenhyperaktivität, weiblichem Harnverhalt sowie Blasen- und Darmschwäche zum Einsatz. Daneben gibt es auch Hinweise, dass die Neuromodulation bei Patienten mit Entleerungsstörungen neurologischen Ursprungs, z.B. bei Multiple Sklerose und Rückenmarksverletzungen oder bei schmerzhafter chronischer Blasenentzündung, hilfreich ist.
Die sakrale Neuromodulation ist seit 1997 für die Therapie der Dranginkontinenz und seit 1999 für die Behandlung der Harnverhaltung zugelassen (USA). Normalerweise wird der sakrale Neuromodulator durch die Haut implantiert. Eine vierpolige Elektrode mit vier unabhängigen Stimulations-elektroden wird unter örtlicher Betäubung und Röntgen-Kontrolle durch das Sakralwurzelloch so nah wie möglich an die Sakralnervenwurzel positioniert. Einer der Nachteile der Methode liegt darin, dass die Nadelelektrode blind (d.h. ohne direkte Sichtkontrolle) implantiert wird, so dass es im Falle eines Nichtansprechens der Behandlung unklar ist, ob das Prinzip der Neuromodulation nicht funktioniert oder die Elektrode zu weit vom Nerv entfernt implantiert wurde. Um diese Fehlerquelle möglichst klein zu halten, werden Vierfachelektroden eingesetzt. Das sakrale LION-Verfahren hingegen hat den Vorteil, dass nur eine einzige Elektrode mit direktem Kontakt zu allen sakralen Wurzeln angebracht wird, die an der Steuerung der Blase, des Darms und der Schliessmuskeln beteiligt sind.