Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03449.jsonl.gz/715

Kreuzbandriss bedarf chirurgischer Therapie
Rehabilitation versus surgical reconstruction for non-acute anterior cruciate ligament injury (ACL SNNAP): a pragmatic randomised controlled trial
Beard D.J. et al. Lancet 2022;400(10352):605
316 Patienten mit symptomatischen Knieproblemen (Instabilität) aufgrund einer ACL (vorderen Kreuzband)-Verletzung wurden entweder der chirurgischen Rekonstruktionsgruppe (156) oder der Rehabilitationsgruppe (160) zugeteilt.
Der mittlere KOOS4 (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score-4) nach 18 Monaten betrug 73.0 in der chirurgischen Gruppe und 64.6 in der Rehabilitationsgruppe (p=0.0053). 65 (41%) von 160 Physiotherapie-Patienten wurden innerhalb von 18 Monaten protokollgemäss einer Operation unterzogen. 43 (28%) von 156 Patienten der Operationsgruppe erhielten keine Rekonstruktion. Die interventionsbedingten Komplikationen waren nicht unterschiedlich.
Während sich die Behandlungsempfehlung für Meniskusläsionen am Knie in den letzten Jahren änderten, gilt für die (auch nicht akute) Kreuzbandläsion nach wie vor, dass bei klinischer Instabilität eine chirurgische Behandlung nötig ist. Mich erstaunte, dass Patienten in eine solche Studie einwilligten.
Welche SSc-Medikation wählen Patienten mit SSc-ILD
Patient preferences for the treatment of systemic sclerosis-associated interstitial lung disease: a discrete choice experiment
Bruni C. et al. Rheumatology 2022;61:4035
Mittlerweile stehen verschiedene Medikamente für die Behandlung der SSc-ILD (Interstitielle Lungenerkrankung bei Sklerose) zur Verfügung. Ein Abwägen von Nutzen und Nebenwirkungen gelingt am besten gemeinsam mit dem Patienten. In dieser Studie wird untersucht, welche Therapiepräferenzen auf Seite der Betroffenen besteht. Gefragt wurde vor dem Hintergrund von unterschiedlichen Schweregradszenarios und entsprechender oraler oder i.v. Therapie. Unter anderem wurde auch gefragt, welches maximale Risiko durch ein mögliches Medikamentenprofil ein Betroffener vor dem Hintergrund einer schweren Manifestation eingehen würde.
Hierzu konnten von über 1000 angefragten Patienten letztlich die online-gegebenen Informationen von 231 Patienten beurteilt werden. Patienten bevorzugten eine zweimal tägliche orale Applikation und 6-12 monatliche Infusionen. Ausschlaggebend hierfür waren zumeist die Risiken von gastrointestinalen Nebenwirkungen oder Infektionen. Im weiteren haben Patienten differenzierter angegeben, wieviel Risiken der Nebenwirkungen sie bereit wären einzugehen, wenn dennoch eine gewisse Symptomreduktion hiermit verbunden wäre.
Fazit für die Praxis
Diese erstmalig zum Thema der Patientenpräferenz bezüglich Therapie einer SSc-ILD erschienenen Daten geben die weitere Basis für die bekannte und allseits praktizierte «shared-decision-making», hier im Bezug auf eine lebensbedrohliche Manifestation und deren Therapie.
Es lohnt sich, eine dezidierte Aufklärung und Therapiewahl gemeinsam mit dem Patienten durchzuführen, um auch eine Therapieakzeptanz und Selbstmanagement der Erkrankung zu ermöglichen.
Romosozumab bei Osteoporose Patientinnen mit eingeschränkter Nierenfunktion
Efficacy and Safety of Romosozumab Among Postmenopausal Women With Osteoporosis and Mild-to-Moderate Chronic Kidney Disease
Miller P et al., J Bone Miner Res 2022;37(8):1437
In dieser post-hoc Analyse aus Daten der beiden grossen Zulassungsstudien Romosozumab bei Osteoporose FRAME (Romosozumab versus Placebo n=7147) und ARCH (Romosozumab versus Alendronat n=4077) wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Romosozumab bei Patientinnen mit leicht (CKD Stadium 2 GFR 60-89 ml/min/1.73m2) oder mittelschwer (CKD Stadium 3 GFR 30-59 ml/min/1.73m2) eingeschränkter Nierenfunktion untersucht. 69% der Patientinnen in der FRAME Studie und 61% der ARCH Studie hatten ein CKD Stadium 2, und 19%, resp. 24% ein CKD Stadium 3. In den beiden Patientinnengruppen mit CKD Stadium 2 und 3 zeigte sich nach 12 Monaten Studiendauer eine vergleichbare Verbesserung der Knochendichte (BMD) und Reduktion des Risikos von vertebralen und nicht-vertebralen Frakturen. Die Inzidenz von Nebenwirkungen, eine Abnahme der Calciumserumkonzentration oder Verschlechterung der Nierenfunktion war in allen Patientengruppen vergleichbar.
Kommentar
Diese post-hoc Analyse aus den grossen Zulassungsstudien von Romosozumab belegt, dass dieses Medikament auch gut wirkt bei eingeschränkter Nierenfunktion (CKD) bis und mit Stadium 3. Auch die Sicherheit ist dabei gewährleistet. Unklar ist jedoch die Datenlage bei Patienten mit CKD Stadium 4 und 5. Bei diesen Patientinnen besteht nicht selten eine renale Osteopathie, welche die Therapie einer begleitenden Osteoporose erschwert. Dementsprechend ist eine antiresorptive Therapie bei diesen Patienten sehr zurückhaltend einzusetzen. Bisphosphonate akkumulieren vermehrt, da sie renal eliminiert werden und bei einer renalen Osteopathie kann bei bereits vermindertem Knochen-Turnover dieser noch verlangsamt werden. Allenfalls ist eine Therapie mit dem knochenanabolen Teriparatid möglich. Die wichtigste Therapie ist jedoch bei diesen Patienten die Kontrolle des Ca/Phosphat Haushaltes, ein guter Vitamin D Spiegel und ein möglichst tiefes Parathormon.
Tenotomie versus Tenodese der langen Bizepssehne
Clinical effectiveness of tenotomy versus tenodesis for long head of biceps pathology: a systematic review and meta-analysis
Hartland AW et al. BMJ Open 2022:online ahead of print
Review und Metaanalyse von Tenotomie versus Tenodese der langen Bizepssehne als Therapie für Bizepssehnenpathologien. Die Untersuchung schloss 11 randomisierte klinische Studien ein.
(Tenotomie: Durchtrennung der Sehne; Tenodese: Umlagerung einer Sehne mit anschliessender Verankerung im Knochen).
Einschluss von 860 Patienten (426 Tenotomien versus 434 Tenodesen). Diese Daten ergaben keine signifikante Differenz bezüglich Schmerz. Die Tenodese zeigte, wie zu erwarten war, eine geringere Häufigkeit an Popeye-Deformitäten.
Fazit
Abgesehen von der tieferen Rate an kosmetischer Deformität der Tenodese gegenüber der Tenotomie zeigte sich kein signifikanter klinischer Vorteil der einen gegenüber der anderen operativen Methode. Während heutzutage Orthopäden oft die Tenodese bevorzugen, zeigt diese qualitativ hochstehende Studie keine Überlegenheit dieser Methode.