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Klassische Polyphonie
Klassische Polyphonie
Eine Kirchenkomposition ist umso heiliger und liturgischer, je mehr sie sich in Verlauf, Eingebung und Geschmack der gregorianischen Melodik nähert(...).
Im 10. Jh. begannen einige besonders experimentierfreudige Mönche die gregorianischen Melodien auszuschmücken, so dass sich allmählich die Mehrstimmigkeit entfaltete. Im Laufe des Mittelalters kamen immer mehr Stimmen dazu, Verzierungen wurden austextiert, die Rhythmen zunehmend verfeinert und bisweilen recht kompliziert. Zur Zeit der Reformation wurden die Kompositionen teilweise jedoch so undurchsichtig und infolge selbstständiger Textierung der einzelnen Stimmen so schwer verständlich, dass am Tridentinischen Konzil (1545 – 1563) die Kirchenmusik einer Reform unterzogen wurde.
Ein Verbotsantrag gegen die Mehrstimmigkeit wurde zwar zurückgewiesen, es wurden aber klare Bedingungen aufgestellt: Der Text musste vollständig und verständlich sein, die Würde im Ausdruck musste gewährleistet werden und alles Weltliche wurde ausgeschlossen. Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten der mehrstimmigen Kirchenmusik auf dem Konzil war Giovanni Pierluigi da Palestrina. Es gelang ihm auf eindrückliche Weise die Vokalpolyphonie mit dem italienischen Melodieempfinden zu verbinden und gleichzeitig den Forderungen des Konzils gerecht zu werden die der Liturgie entsprechende Würde im Ausdruck zu wahren.