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Dass es das Buch von Michelle Steinbeck nicht auf die Shortlist für den deutschen Buchpreis geschafft hat, habe ich bereits in einem Kommentar zu meinen Bemerkungen über Mein Vater war ein Mann an Land und zu Wasser ein Walfisch festgehalten. Hier möchte ich noch nachtragen, dass es auf der Shortlist für den diesjährigen Schweizer Buchpreis sehr wohl figuriert.
Ausserdem möchte ich noch auf eine Frage eingehen, die mir andernorts in diesem Zusammenhang gestellt wurde, nämlich, ob ich nun zufrieden sei, dass das Buch es nicht auf die Shortlist des deutschen Buchpreises geschafft hat. Die Antwort ist ganz klar: Nein. „Nein“ nicht deshalb, weil ich fände, dass Steinbecks Text eine Klassierung in der Shortlist verdient hätte.
Sondern „Nein“ einerseits deshalb, weil mir die Kriterien nicht klar sind, nach denen ein Text es auf so eine Longlist schafft. Von den Kriterien, nach denen eine Longlist zu einer Shortlist kondensiert wird, ganz zu schweigen. (Über den Sinn oder Unsinn von Long- und Shortlists möchte ich mich schon gar nicht äusseren. Ausser der grösseren Vermarktungskapazität, weil Preis und Bücher länger und öfter in den Medien genannt werden können, will mir kein Grund dafür einleuchten. Und diesen Grund finde ich, gelinde gesagt, billig.)
Andererseits finde ich Steinbecks Text zwar clever gemacht, aber keineswegs ‚preiswürdig‘ in dem Sinne, wie ich das Wort verwenden würde. Der Text ist vor allem eines: eine grosse und bewusst inszenierte Provokation. Eine Provokation, die durchaus gelungen ist. Ein Grossteil des Feuilletons konnte in seiner Hilflosigkeit nicht anders, denn in Lobeshymnen ausbrechen; ein kleinerer Teil reagierte unmittelbarer, naiver, und befand den Text (und manchmal auch die Autorin) für krank, wo er eigentlich nur das Resultat einer cleveren Strategie war. Immerhin clever genug, dass ich beabsichtige, die Laufbahn von Frau Steinbeck weiter zu verfolgen. Vielleicht wird ja etwas aus ihr, so, wie aus Goethe oder Schiller etwas geworden ist nach ihren anfänglichen Provokationen.