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Die Geschichte der Gärten ist eng mit den Geschichten von Doreen, Dorianne, Daria, Gabrielle, Lucy und Silvana verknüpft. Auch wenn ihre Namen weniger bekannt als die der Hunderte von Irisarten in den Gärten, hätten es diese Frauen dennoch verdient, dass eine Blume nach ihnen benannt wird. Sich den Iris und den Gärten mit Leib und Seele zu widmen, ist mehr als ein Beruf oder eine Leidenschaft: Es ist eine Berufung.
Doreen Bovet, die Ehefrau von Bernard Bovet de Mestral und Mutter des derzeitigen Schlossherrn, ließ einen Garten anlegen. Aus San Francisco stammend und von Iris seit jeher fasziniert, war es nur konsequent, dass Doreen bei dem renommierten, aus der Schweiz stammenden und in den USA lebenden Züchter Schreiner fünf neue Sorten bestellte. Als sie vor 65 Jahren das erste Rhizom einer „Miss California“ pflanzte, legte sie damit den Grundstein für den Garten ohne dabei zu ahnen, dass er einige Jahrzehnte später der größte Europas sein würde. Als gute Unternehmerin rief Doreen 1955 die ersten Floralies ins Leben mit der Idee, die Einnahmen zur Finanzierung des Unterhalts für das Anwesen zu nutzen. Für die Schlossherrin und große Iris-Liebhaberin war jede Reise in die USA ein Vorwand für den Kauf neuer Arten und ausgewählter Rhizome von den renommiertesten Züchtern. Die letzten 20 Jahre ihres Lebens bis zu ihrem Tod 1974 widmete sie dem Anwesen des Château de Vullierens.
Die aus Prag stammende Dorianne Destenay-Bovet war die Ehefrau des Schlossherrn. Nach ihrer Einheirat in die Familie nahm sie sich der Gärten an und setzte die Arbeit ihrer Schwiegermutter fort. Die anerkannte Malerin und Anhängerin der New Yorker „Colorfield Painting“-Bewegung brachte über 30 Jahre lang ihren außergewöhnlichen Kunstverstand in das Anwesen ein. Viel Zeit verbrachte sie 1998 mit der Planung und Renovierung der Portes des Iris, dem ehemaligen Wirtschaftshof des Schlosses. Vor ihrem geistigen Auge entstanden die Gärten rund um die Gebäude. Sie zeichnete die großen Glastüren, von denen jede mit floralen Elementen versehen ist, ebenso wie die Kronleuchter, die sie eigens in der Toskana anfertigen ließ. Ihr eigenes Gespür für die Kunst veranlasste sie dazu, meisterhafte Skulpturen auszustellen und so der botanischen eine künstlerische Komponente hinzuzufügen. Sie ist es auch, die Manuel Torres einlädt, nachdem sie sich bei einem Spaziergang im Jura schlagartig für sein Werk begeisterte. Heute gehören 57 Skulpturen von 18 Bildhauern zur Anlage und verleihen ihr eine einzigartige Atmosphäre. Nach ihrem Tod führt das Team der Gärtner ihr Werk weiter. Ihre Spuren sind bis heute deutlich zu erkennen.
Von ihrer Mutter Doreen Bovet hatte Daria die Liebe zu Gärten und Blumen, insbesondere Iris, geerbt. Sie kannte den Namen jeder einzelnen der über 400 Arten. Zwar lebte sie in New York, doch kam sie jeden Sommer nach Vullierens und in die Gärten. Nach ihrem Tod 2013 wurde ihr 2014 ein Themengarten gewidmet.
Die aus Vullierens stammende Gabrielle Martignier unterstützte Doreen bei der Vorbereitung der Farbexplosionen für die nächste Saison. „Gaby“ ist die Seele der Gärten. Schon als Mädchen meldete sie sich freiwillig. Nach dem Setzen ihrer ersten Iris lernte sie alles über die Blume und avancierte schließlich zu einer der offiziellen Gärtnerinnen des Schlosses. 70 Jahre lang, bis zu ihrer Rente 2003 im Alter von 84 Jahren, diente sie dem Anwesen mit Leib und Seele und bereitete Quadratmeter für Quadratmeter und Jahr für Jahr das vergängliche Fest der Farben im Frühjahr vor. Bei der Entwicklung der Gärten und der Aufwertung des Schlosses spielte sie eine entscheidende Rolle. Als sie 1974 Doreen als Verantwortliche für die Gärten ablöst, züchtet sie mit der Unterstützung von Dr. Bovet vor allem neue Irisarten, von denen nach dem Besuch von Prinzessin Caroline zwei auf den Briefmarken des Fürstentums Monaco verewigt wurden. Die Sammlung von Taglilien wird ebenfalls auf ihre Initiative hin angelegt.
Ihr Erbe hat Gabrielle an Lucy Mercier weitergegeben. Die ebenfalls aus Vullierens stammende junge Frau lernte an der Seite Gabrielles so lange die Geheimisse des Anbaus der herrlichen Blumen, bis auch Lucy alle Namen der Sorten kannte. 2004 nahm sie die Zügel für die Gärten in die Hand und wurde so zu ihrer Schaltzentrale. Auch heute noch, mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihren Anfängen im Schloss, begegnet man Gabrielle zuweilen in den Gärten, während sie Besucher berät oder entlang der Wege welke Blüten abzupft. Eine Angewohnheit, die sie niemals ablegen wird…
Als nächste Frau tritt Silvana Facchini in das Leben des Schlossherrn und damit auch der Gärten. Silvana hat italienische Wurzeln und wurde in Sao Paulo geboren. 1999 eröffnete sie eine Galerie für zeitgenössische Kunst in Miami, die sich schon bald als eine der wichtigsten der Stadt etablierte und mit der sie an der berühmten Art Basel Miami teilnahm. Nach ihrer Ankunft in Vullierens im Jahr 2007 widmete Silvana ihre Energie und ihr Know-how der Restaurierung des Schlossinterieurs und der Verschönerung der Gärten. Die Rosenliebhaberin lässt Hunderte vielfarbiger Arten anpflanzen und entwirft den kinetischen Rosengarten, den sie dem Andenken Doriannes widmet. Darüber hinaus koordiniert und organisiert sie insbesondere die Ausstellungen in der Galerie und der Skulpturen im Garten.