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In einer Gesamtspielzeit von rund 75 Stunden über zwölf Tage werden ab Mittwoch die Olympiasieger im Curling der Männer und Frauen ermittelt. Die Schweiz ist mit guten Chancen vertreten.
«Wir sind kribblig.» «Wir sind froh, dass es endlich losgeht.» «Ich bin ein bisschen nervös, aber positiv nervös.» «Wir sind gut vorbereitet, man kann etwas erwarten.» «Wir träumen von einer Medaille, aber es wird schwer werden.» Diese Fetzen aus Interviews mit den Schweizer Nummern 4 Benoît Schwarz und Silvana Tirinzoni sind austauschbar und mit gleichen oder ähnlichen Formulierungen von Athletinnen und Athleten aus allen Sportarten zu hören, bevor der wichtigste Wettkampf, der olympische, anfängt.
Die Spielerinnen und Spieler der Teams von Silvana Tirinzoni und Peter De Cruz haben allerdings allen Grund, kribblig und gesund nervös zu sein, zumal die Erwartungen in der Schweiz hoch sind. Der Verband Swiss Curling hat die Latte hoch hinaufgesetzt. In den drei Wettbewerben seien zwei Medaillen zu holen. Dies in Teilnehmerfeldern, die gerade im klassischen Vierer-Curling hochwertig sind.
Die Olympia-Turniere der Frauen und der Männer beginnen nur wenige Stunden nach der Medaillenvergabe im Mixed-Doppel, der neuen Disziplin unter den fünf Ringen.
Im klassischen Curling sind Überraschungen möglich, aber meistens sind die Topfavoriten zuletzt die Sieger oder zumindest unter den Medaillengewinnern. Das beste Beispiel liefert der grandiose und verbissene Schwede Niklas Edin. Der 32-Jährige aus Karlstad ist für sein Land ein Erfolgsgarant. Von 17 grossen Wettkämpfen (EM, WM, Olympia), die er als Skip mit teils wechselnden Formationen bestritt, kehrte er nur vier Mal ohne Medaille zurück. Er ist zweifache Weltmeister. An den Europameisterschaften letzten November in St. Gallen stellte er mit dem vierten Titel in Folge einen Rekord auf.
Wer in den nächsten elf Tagen in der südkoreanischen Hafenstadt Gangneung an Edin und dessen Tre Kronor vorbeikommen will, muss konstant gut spielen. Dennoch muss der Schwede die Rolle des ersten Goldmedaillenanwärters teilen. Kanadas Kevin Koe, Skip aus Calgary, holte in drei WM-Starts zweimal den Titel, zuletzt 2016 in Basel. Nur 2014 scheiterte er – mit einer Niederlage im Spiel um Bronze just gegen die Genfer.
Falls Edin und Koe in Gangneung auf ihrem normalen vorzüglichen Niveau spielen, wird für die übrigen acht Teams nur eine Medaille irgendeiner Farbe offen sein, also auch für Valentin Tanner, Peter De Cruz, Claudio Pätz und Benoît Schwarz. Die Schweizer haben indessen allen Grund zur Zuversicht. In bislang fünf WM- und EM-Turnieren haben die früheren Junioren-Weltmeister immer eine Medaille geholt, wenn auch nie die goldene. Noch Mitte Januar liessen sie am Canadian Open in der Provinz Alberta die ganze Weltelite hinter sich. «Das war unser bisher grösster Erfolg», sagt Benoît Schwarz. «Wir wissen, dass wir alle Topteams schlagen können.»
Für Tirinzoni wird es Zeit
Scheinen bei den Männern zwei von drei Olympiamedaillen reserviert zu sein, gibt es bei den Frauen von Vornherein nur eine sichere Medaillenanwärterin: die Kanadierin Rachel Homan, aktuelle Weltmeisterin. Für Marlene Albrecht, Esther Neuenschwander, Manuela Siegrist und Silvana Tirinzoni wird in dem ausgeglichenen Feld also einiges möglich sein.
Obwohl sie seit langem zu den besten Schweizer Skips gehört, spielte Tirinzoni mit 38 Jahren erst viermal an Welt- oder Europameisterschaften. Dabei gewann sie nie eine Medaille. Das Olympia-Turnier wäre die beste Plattform für eine Abkehr von der Gewohnheit. An Turnieren der World Curling Tour dagegen war keine Schweizerin erfolgreicher als sie. Vor dem Start in ihre ersten Winterspiele sagt sie: «Ich spüre einen Druck. Aber der Druck bedeutet, dass wir Medaillenchancen haben.»