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Jessen 1890
Obwohl Peter Jessen schon kurz nach dem Ankauf der Sammlung Destailleur durch die Bibliothek des damaligen Königlichen Kunstgewerbemuseums (die heutige Kunstbibliothek der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz [SMPK]) in Berlin auf diese Erwerbung aufmerksam machte, fanden seine Hinweise besonders auf die umfangreichen und detaillierten Antikenaufnahmen praktisch keine Beachtung. Ursache hierfür dürfte der wohl als entlegen zu charakterisierende Publikationsort sein.
Jessen [Jessen 1890, S. 114] nennt als einen möglichen Vorbesitzer den 1835 verstorbenen Architekten Étienne Callet (auch Callet pére), wobei er sich vermutlich auf eine Aussage Geymüllers stützt, die sich jedoch zweifellos auf einen anderen Codex aus der Sammlung Destailleurs (Kunstbibliothek Berlin, OZ 109) bezieht:
"A l'occasion du Panthéon, nous voudrions signalerà l'attention des personnes qui s'occupent des monuments de l'antiquité, les dessins soignés d'une magnifique porte en bronze, contenus dans l'un des volumes de dessins d'architecture qu'a réunis M. Hippolyte Destailleur, architecte habile et connaisseur distingué, et qu'il a bien voulu nous faire voir à plusieurs reprises." [Geymüller 1883, S. 35]
In der zugehörigen Fussnote 1 auf derselben Seite heißt es präzisierend:
"Page 6 d'un volume in-folio relié en vélin, contenant 109 feuillets du format 0m,503 sur 0m,33, et formé par Dufourny, l'un des commissaires attachés aux armées français en Italie. Il appartint ensuiteà M. Callet, puisà M. Destailleur père, et se trouve dans la partie de la collection Destailleur qui a passé à Berlin, où elle porte encore le même nom, et constitue, croyons-nous, le noyau d'un musée en formation." [ebd.]
Die Annahme, dass sich der Codex Destailleur D entgegen Jessens Vermutung nie im Besitz Étienne Callets, befand, legt dessen eigene Schrift über die französischen Architekten der Renaissance [Callet 1842] nahe, in der nicht nur jeglicher Hinweis darauf fehlt, dass der Verfasser im Besitz des vorliegenden Codex gewesen sei, Callet erwähnt dort sogar ausdrücklich, dass er sich bei seinen Recherchen sowohl auf eigene als auch auf in fremdem Besitz befindliche, unveröffentlichte Zeichnungen stützte, so dass die Nichterwähnung des Codex Destailleur D als hinreichendes Ausschlusskriterium gegen die Annahme des Besitzes angesehen werden darf.
Dem vermeintlichen Vorbesitzer Callet schreibt Jessen auch ohne weitere Begründung die ursprüngliche Anordnung der Zeichnungen in drei Bänden zu. [Jessen 1890, S. 114] Dabei wird diese Ordnung als "etwas gewaltsam" bezeichnet; die Blätter seien jedoch "neuerdings […] aus dieser willkürlichen Form gelöst und thunlichst wieder auf ihr ursprüngliches Format gebracht worden." [ebd.] — Trotzdem gibt Jessen in seiner vor allem auf die Thermenzeichnungen konzentrierten Beschreibung nicht die neuen Signaturen oder als Ersatz — im Anschluss an Hülsen (Vgl. die Beiträge Hülsens in: [Iwanoff / Hülsen 1898]) — die ursprünglichen Inventarnummern oder die Numerierungen des Vorbesitzers an, sondern zählt die einen Gebäudekomplex betreffenden Blätter jeweils neu, so dass ihr Wiederauffinden zumindest nicht erleichtert wird.
In Anlehnung an Hülsens für die Caracalla-Thermen zweifellos korrekte Angabe über das bei den Vermessungen zugrunde gelegte Mass (den französischen Fuss – vgl. [Hülsen 1886]) bezeichnet Jessen [Jessen 1890, S. 114] — offensichtlich ohne genauere Prüfung — diesen als das verwendete Maß des gesamten Codex Destailleur D, obwohl ihm schon bei oberflächlicher Durchsicht hätte auffallen müssen, dass in mehreren Zeichnungen unzweifelhaft der palmo romano als Referenz verwendet und sogar angegeben bzw. in Originalgrösse abgebildet wird.