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Und was ist mit reformiert, methodistisch, lutherisch…?
Wer in der Kirchenlandschaft auf Reisen geht, steht manchmal leicht verwirrt vor Ortstafeln oder Wegweisern. Da steht zum Beispiel “evangelisch-lutherisch”, gleich daneben “reformiert” – und auch “evangelisch-methodistisch” taucht auf.
“Evangelisch” trifft mit wenigen Ausnahmen auf alle Kirchen zu, die aus der Reformation im 16. Jahrhundert heraus gewachsen sind oder sich später innerhalb dieser Familie selbständig machten. Darum wird meist ein zweiter Begriff angefügt:
Evangelisch -lutherisch; -reformiert; -methodistisch.
Wo liegen hier die Unterschiede? Da sich Luther und Zwingli / Calvin in wichtigen Punkten nicht einigen konnten, entwickelten sich diese Kirchen getrennt. Das Verständnis des Abendmahls war der wichtigste Streitpunkt. “Reformiert” hat sich für die Kirchen eingebürgert, die von Zwingli und Calvin geprägt sind. Und die evangelisch-methodistische Kirche, entstanden im 19. Jahrhundert, ist eigenständig, steht aber klar auf der Grundlage der Reformation. In der Schweiz ist sie Mitglied des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Unklarheiten können auch entstehen, wenn von “reformatorischen” Kirchen die Rede ist, denn da sind die Evangelisch-Lutherischen mit dabei, auch wenn sie klar nicht “reformiert” heissen.
Wie sieht es aus, wenn wir eine Weltreise machen?
Rund um den Globus treffen wir auf Kirchen, die sich zur evangelisch-lutherischen Familie zählen und im “Lutherischen Weltbund” zusammengeschlossen sind. Und parallel gibt es die “Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen”, in der sich jene Kirchen sammeln, die sich vor allem auf Calvin und Zwingli stützen. Hier treffen wir auch auf viele Kirchen, die sich “presbyterianisch” nennen, vor allem im englischen Sprachraum. Das erinnert daran, dass in der Leitung der Kirchgemeinden wie auch der grösseren Einheiten die Mitverantwortung der Laien viel Gewicht hat.
Beide Familien orientieren sich an einem Bekenntnis: Für die lutherischen Kirchen ist es das “Augsburgische”, für die reformierten das “zweite Helvetische Bekenntnis”. Wer nach Österreich reist, findet bei evangelischen Kirchen die Buchstaben “A.B” oder “H.B.”; das steht für Augsburgisches, bzw. Helvetisches Bekenntnis, also lutherisch oder reformiert.
Nachdem die Beziehungen zwischen diesen beiden Familien über Generationen gespannt und schwierig waren, gelang in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts eine Verständigung, die auf dem Leuenberg im Kanton BL beschlossen wurde und damals “Leuenberger Konkordie” heisst. Sie stellte klar, dass die beiden Kirchen die Taufe wie auch die Abendmahlsfeier der anderen voll anerkennen.
Zum Schluss zurück in die Schweiz: Hier könnte man meinen, es gäbe nur im französisch sprechenden Teil “Protestanten”. Der “Schweizerische Evangelische Kirchenbund” heisst dort “Fédération des Eglises Protestantes Suisses”. Aber vor allem in der älteren Generation ist auch in der Deutschschweiz noch von den “Protestanten” die Rede. Und im englischen Sprachraum wird die Bezeichnung auch verwendet – und meint, wie im Titel zu sehen, das selbe wie “evangelisch”. Der Ausdruck entstand noch in der ersten Generation der Reformation in Deutschland und erinnert an einen formellen Protest an einem Reichstag.
Jakob Bösch, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft