Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03607.jsonl.gz/1331

Toxoplasmose ist eine in der Regel harmlos verlaufende Erkrankung. Doch während der Schwangerschaft oder für immungeschwächte Menschen stellt die Infektion ein Risiko dar.
Erreger der Toxoplasmose ist der Einzeller Toxoplasma gondii. Verschiedene Säugetiere und Vögel sind als Zwischenwirte von diesem Parasiten befallen, Endwirte sind immer Katzen. Der Mensch kann sich über Katzenkot, etwa beim Reinigen der Katzentoilette, infizieren. Daneben ist die Ansteckung mit Toxoplasmose auch durch den Genuss von rohem beziehungsweise nicht vollständig durchgekochtem Fleisch möglich. Die Mehrzahl der Infektionen bleibt unbemerkt. Erfolgt die Erstinfektion jedoch während der Schwangerschaft, kann das ungeborene Kind Schäden davontragen oder sogar sterben. Auch für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem ist die Toxoplasmose bedrohlich.
Die Diagnose der Toxoplasmose erfolgt in erster Linie über die Bestimmung der Antikörper im Blut. In der Schwangerschaft ist es ratsam, diese Untersuchung regelmässig zu wiederholen. Eine Behandlung der Toxoplasmose mit Antibiotika ist nur bei Risikopersonen und bei Auftreten von Beschwerden notwendig. Nach durchgemachter Toxoplasmose besteht eine lebenslange Immunität.
Toxoplasmose ist eine vorwiegend harmlose Infektionskrankheit. Ein Risiko stellt sie jedoch für Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie in der Schwangerschaft für das ungeborene Kind dar.
Der Name Toxoplasmose rührt von der gebogenen Gestalt (griech. Toxon = der Bogen) des Parasiten her, der die Erkrankung hervorruft: Toxoplasma gondii, ein 1908 bei einem nordafrikanischen Nagetier (dem Gondi) entdeckter Einzeller. Die erste Beschreibung der Toxoplasmose beim Menschen stammt aus dem Jahr 1923. Im Jahr 1969 erfolgte die vollständige Aufdeckung des Entwicklungszyklus des Parasiten.
Der für die Toxoplasmose verantwortliche Parasit befällt Säugetiere, Vögel und Menschen. Somit gehört die Toxoplasmose zu den sogenannten Zoonosen: zwischen Tieren und Menschen übertragbaren Erkrankungen.
Nach einer durchgemachten Toxoplasmose-Infektion besteht eine lebenslange Immunität. Das bedeutet für schwangere Frauen: Wenn sich eine Frau vor ihrer Schwangerschaft bereits mit Toxoplasma gondii infiziert hat und es zum Ausbruch der Erkrankung kam, kann sie nicht erneut an Toxoplasmose erkranken, sodass in diesem Fall keine Gefahr für das Ungeborene besteht.
Der Erreger der Toxoplasmose ist beim Menschen und bei Säugetieren weltweit verbreitet. Die Häufigkeit der Infektionen nimmt mit dem Alter zu: Der Anteil der infizierten Personen steigt beim Menschen mit jedem Lebensjahrzehnt um etwa 10 Prozent. In der Altersgruppe der über 50-Jährigen tragen bis zu 70 Prozent den Erreger der Toxoplasmose in sich.
Die Toxoplasmose wird von dem Parasiten Toxoplasma gondii ausgelöst. Dieser Einzeller befällt Vögel und Säugetiere einschliesslich des Menschen.
Als Endwirt des Toxoplasmose-Erregers nimmt die Katze unter den Säugetieren eine besondere Stellung ein: Ausschliesslich im Dünndarm von Katzen findet die geschlechtliche Vermehrung von Toxoplasma gondii statt. Aus den weiblichen und männlichen Geschlechtsformen der Toxoplasmen, den Gameten, entstehen nach der Befruchtung sogenannte Oozysten. Diese scheidet die befallene Katze mit dem Kot aus. So gelangen die Erreger auf den Erdboden, von wo mögliche Zwischenwirte (wie Schweine, Rinder oder auch der Mensch) sie (etwa über Gemüse- oder Futterpflanzen) aufnehmen können. Bevor jedoch die ausgeschiedenen Zwischenstufen des Toxoplasmose-Erregers beim Menschen eine Infektion auslösen können, benötigen sie mindestens drei Tage Luft, Feuchtigkeit und Wärme zur weiteren Entwicklung. Innerhalb dieser Zeit entwickeln sich aus einer Oozyste die nachfolgenden Entwicklungsstadien: die Sporozysten und anschliessend die Sporozoiten. Diese Formen bleiben unter Umständen monate- bis jahrelang infektiös.
Gelangt der Toxoplasmose-Erreger zum Menschen, befällt er dort bevorzugt einen bestimmten Teil des Immunsystems: das sogenannte retikuloendotheliale System. Hier entsteht in der befallenen Zelle eine Mutterzelle, die sich in zwei Tochterzellen umwandelt. Durch wiederholte Teilungen kommt es zu einer Anhäufung von Parasiten in der befallenen Zelle. Die Teilungen erfolgen so lange, bis die befallene Zelle mit Parasiten ausgefüllt ist. Es bildet sich eine Pseudozyste, deren Wand aus der Zellmembran der Wirtszelle besteht. In diesem Stadium der Entwicklung zerfällt die Pseudozyste und die Parasiten verteilen sich über das Blut im Körper – man spricht von einer Parasitämie. Sobald das Immunsystem nach etwa einer Woche reagiert, bildet der Parasit echte Zysten mit einer festen Wand aus. Diese Zysten sind sehr widerstandsfähig und finden sich bevorzugt in der Muskulatur und im Gehirn. In diesem Stadium bleibt der Erreger der Toxoplasmose inaktiv über viele Jahre lebensfähig.
Für eine Toxoplasmose kommen als Ursachen verschiedene Möglichkeiten der Ansteckung infrage: Die Übertragung der Erreger erfolgt vor allem durch den Verzehr von rohem Fleisch (Tartar, roher Schinken, Salami, Mettwurst et cetera) oder ungenügend erhitztem Fleisch wie Hackfleisch, vor allem vom Schwein.
Ein weiterer häufiger Übertragunsweg ist der Kontakt mit Erdboden, der mit Katzenkot kontaminiert ist: Beim Spielen im Sand, bei der Gartenarbeit, in der Landwirtschaft oder bei der Reinigung von Katzentoiletten kann der Mensch aus Katzenkot stammende Toxoplasmose-Erreger über den Mund aufnehmen. Auch Obst und Gemüse kann mit Katzenkot kontaminiert und so die Ursache für eine Toxoplasmose-Infektion sein.
Zu den seltenen Ursachen einer Toxoplasmose zählen Toxoplasmose-Erstinfektionen werdender Mütter: Nur in Einzelfällen kommt es während der Schwangerschaft zu einer Übertragung der Erreger auf das Ungeborene (pränatale Infektion). Zu Beginn der Schwangerschaft ist das Übertragungsrisiko geringer und nimmt bis zum Ende hin zu. Eine andere Übertragung der Toxoplasmose von Mensch zu Mensch ist nahezu ausgeschlossen.
Bei der Toxoplasmose beträgt die Inkubationszeit (der Zeitraum zwischen der Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten Symptome) zwei bis drei Wochen.
Eine Infektion mit dem Erreger der Toxoplasmose verläuft meist ohne Symptome. Nur in seltenen Fällen kommt es zu Anzeichen einer Erkrankung.
Anhand der auftretenden Symptome lassen sich drei Formen der Toxoplasmose unterscheiden:
Eine nach der Geburt (postnatal) erworbene Toxoplasmose zeigt in 80 bis 90 Prozent aller Fälle keinerlei Symptome, wenn das Immunsystem der Betroffenen intakt ist. In den restlichen Fällen äussert sich die Infektion durch Beschwerden ähnlich denen einer Grippe, wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen. Begleitend schwellen die Lymphknoten an, vor allem im Halsbereich (Halslymphknoten-Toxoplasmose).
Eine Toxoplasmose kann bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem heftigere Symptome auslösen: Der Toxoplasmose-Erreger Toxoplasma gondii befällt häufig das zentrale Nervensystem (ZNS: Gehirn und Rückenmark). Bei gesunden Menschen überleben die Zysten des Erregers nach der Infektion lebenslang im Gehirn, ohne jedoch Symptome hervorzurufen. Bei geschwächtem Immunsystem – etwa durch AIDS oder durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken – entstehen aus den überlebenden Zysten grosse Entzündungsherde. Die häufigsten Anzeichen der Toxoplasmose sind dann:
Unbehandelt führt die Toxoplasmose in solchen Fällen innerhalb weniger Wochen zum Tod.
Eine vor der Geburt erworbene (pränatale) Toxoplasmose geht mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent von der werdenden Mutter auf den Fötus über, was sich durch verschiedene Symptome äussern kann: Abhängig vom Zeitpunkt und von der Intensität der Infektion sind eine Fehlgeburt, seltener eine Totgeburt oder Symptome wie ein Wasserkopf (Hydrozephalus), intrazerebrale Verkalkungen und Entzündungen der Augeninnenhaut möglich. Pränatale Infektionen treten bei etwa 2 von 1000 Lebendgeburten auf.
Das Ausmass der Symptome einer vor der Geburt erworbenen Toxoplasmose beim Kind hängt vom genauen Zeitpunkt der Infektion ab: Eine Toxoplasmose des Ungeborenen zu Beginn einer Schwangerschaft führt zu schweren Schädigungen; findet die Infektion später statt, ist das Ausmass der Veränderungen geringer. Kommt ein pränatal infiziertes Kind zunächst scheinbar gesund zur Welt, so können Anzeichen für eine Toxoplasmose auch später auftreten: Dann kann es nach Monaten oder Jahren zu Spätschäden wie Entwicklungsstörungen, geistige Verlangsamung sowie Veränderungen der Augen bis hin zur Erblindung kommen.
Bei einer Toxoplasmose erfolgt die Diagnose über den Erregernachweis: Der ursächliche Parasit Toxoplasma gondii ist direkt und indirekt nachweisbar.
Der direkte Nachweis des Toxoplasmose-Erregers ist mithilfe von Gewebeproben aus verschiedenen Organen möglich, etwa aus Lymphknoten oder Gebärmutter. Nach Behandlung der Proben mit bestimmten Färbemethoden lassen sich die Erreger darin nachweisen. Dieser Nachweis ist jedoch wenig spezifisch, weshalb er zur Toxoplasmose-Diagnose seltener zum Einsatz kommt.
Das gängige Verfahren zur Diagnose einer Toxoplasmose ist der indirekte Nachweis des Erregers. Hierzu erfolgt eine Blutuntersuchung, um festzustellen, ob der Körper Antikörper gegen den Erreger der Toxoplasmose gebildet hat. Bei diesem Test ist schon eine Woche nach der Infektion eine Anstieg des Antikörperspiegels (Titer) nachweisbar.
Da eine Toxoplasmose im Allgemeinen wenige Beschwerden verursacht, ist eine Therapie meist nicht erforderlich. Wenn Sie jedoch schwanger sind und sich zum ersten Mal mit dem Erreger der Toxoplasmose infiziert haben, ist während der Schwangerschaft eine Therapie auch dann erforderlich, wenn Sie keinerlei Beschwerden haben: Ziel dieser Behandlung ist es, einer Infektion Ihres Kindes vorzubeugen. Hierzu geeignet ist das Antibiotikum Spiramycin – ab der 16. Schwangerschaftswoche auch in Kombination mit Pyrimethamin. Gleichzeitig erhalten Sie Folinsäure, um Schäden am Knochenmark zu verhindern. Die gleichen Medikamente kommen auch nach der Geburt zur Behandlung des Neugeborenen zum Einsatz.
Wenn Ihr Immunsystem geschädigt ist, etwa infolge einer HIV-Infektion, ist ebenfalls eine Therapie mit den genannten Medikamenten und gegebenenfalls zusätzlich mit Atovaquonen im Sinne einer Chemoprophylaxe empfehlenswert.
Toxoplasmose zeigt in der Regel einen harmlosen Verlauf. Nur während der Schwangerschaft oder bei einem geschwächten Immunsystem ist die Prognose weniger günstig:
Einer Toxoplasmose können Sie durch folgende Massnahmen vorbeugen:
Die Massnahmen zum Vorbeugen einer Toxoplasmose sind vor allem während der Schwangerschaft wichtig, wenn Sie sich vor Beginn der Schwangerschaft noch nie mit dem Erreger infiziert haben und so keine Immunität gegen die Toxoplasmose entwickeln konnten. Ob Sie immun sind oder nicht, lässt sich durch eine Untersuchung Ihres Bluts auf Antikörper feststellen. Fällt dieser Test negativ aus, ist er während der Schwangerschaft (im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge) wiederholt notwendig, um eine frische Infektion früh zu erkennen und behandeln zu können.