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Welche Möglichkeiten bieten Digitalisierung, Robotik und künstliche Intelligenz, wohin führen sie uns gesellschaftlich? Wie profitieren Unternehmen davon? Das sind die Themen auf dem Swiss Leadership Forum 2017 in Zürich. Ein wichtiger Speaker ist Neil Harbisson, der weltweit erste offiziell anerkannte Cyborg.
Wer ist Neil Harbisson?
Der 1984 in Katalonien geborene Avantgarde-Künstler mit britischen Wurzeln ist ein Cyborg-Aktivist, der heute in New York lebt. Als erster Mensch der Welt lebt er die biologische Digitalisierung: In seinem Kopf ist eine Antenne implantiert. Dass er ein Cyborg ist, also eine Mischung aus Mensch und Maschine, wurde inzwischen staatlich anerkannt. Harbissons Antenne übersetzt hörbare Schwingungen im Kopf in Informationen. Sie misst und erkennt elektromagnetische Strahlung, Musik, Videos, Bilder und Telefonanrufe. Die Bilder werden in Klänge übersetzt. Auch Satellitensignale kann Harbisson über seine Wi-Fi-Antenne empfangen. Das erste mit ihm verbundene Gerät war ein Eyeborg, der Farben in Klänge übersetzt. Dass er durch Implantate zum Cyborg wurde, geht seit 2004 durch die internationalen Medien. Damals erhielt er seinen offiziellen "Cyborg-Status" durch die britischen Behörden verliehen, als diese seinen Pass verlängerten und dabei - nach Intervention durch Harbissons Arzt und Universitätsprofessoren - auf dem Passfoto den sichtbaren Eyeborg akzeptieren mussten. Sie anerkannten damit, dass der junge Mann ein Cyborg ist. Harbisson ist ein Cyborg-Künstler. Er verfügt durch die Implantate über neue Sinne aufgrund der ständigen Verbindung zwischen seinem Gehirn und elektronischen Komponenten. Durch seinen neuen Status erschloss sich ihm auch die juristische Problematik von Cyborgs. Er gründete daher 2010 die Cyborg Foundation. Diese internationale Stiftung verteidigt Cyborg-Rechte und fördert den sogenannten “Cyborgismus” als eine Kunstbewegung. Zudem fördert sie Menschen, die zum Cyborg werden wollen. Das wirkt zunächst nicht unbedingt relevant für die Allgemeinheit, doch man stelle sich den umgekehrten Vorgang vor, nämlich die Verknüpfung einer Maschine mit menschlichen Elementen. Diesen Weg beschreitet die Robotik längst. Wenn also ein ursprünglicher Roboter irgendwann mit einem menschlichen Gehirn oder Teilen davon ausgestattet würde, müsste die Frage gestellt werden, welchen juristischen Status dieses Wesen - per se ebenso ein Cyborg - dann erhält. Harbissons Vorreiterrolle ist daher nicht hoch genug einzuschätzen. Er wirkt darüber hinaus auch auf ganz praktischen Geschäftsfeldern. 2015 gründete er das Unternehmen Cyborg Nest, das mit künstlichen Sinnen die Wahrnehmung erweitert, also eine Spielart der Augmented Reality aufgreift.
Wie kam Neil Harbisson auf diese Ideen?
Harbisson wurde mit Achromatopsie geboren. Solche Personen sehen keine Farben, sondern nur schwarz-weiss-graue Schattierungen, sie sind also absolut farbenblind. Im Alter von 20 Jahren installierte sich der technisch und künstlerisch hochbegabte Harbisson dann einen Eyeborg, der ihm Farben in Klänge übersetzt. Den dadurch erreichten Zustand nennt die Fachwelt “Sonochromatismus” (eine Zusammensetzung von griechisch chroma = Farbe und lateinisch sonus = Klang). Harbisson ist “farbenhörig” und nach eigenen Aussagen nicht mehr “farbenblind”, denn schließlich kann er nun Farben unterscheiden. Sofort fällt dem vorgebildeten Leser die Synästhesie ein, bei der Menschen zu Farben bestimmte Töne und Klänge empfinden. Doch das treffe auf ihn ebenfalls nicht zu, so Harbisson. Bei der Synästhesie hört nämlich jede davon betroffene Person zu jeder Farbe einen ganz eigenen Klang, doch Harbisson hört zu jeder exakten Farbe einen exakten Ton - so ein E für Rose, ein Cis für Blau, ein A für Grün und ein F für Rot. Er kann daher wie ein ganz normaler Mensch jede Farbe exakt erkennen. Mit seiner durch die Implantate geschaffenen Sonochromatopsie verfügt er über einen zusätzlichen Sinn, den er sicher auf dem Swiss Leadership Forum 2017 demonstrieren wird. Der Sohn einer spanischen Mutter und eines irischen Vaters wuchs in Katalonien auf, lernte Klavier und studierte Kunst im Alexander Satorres Institut. Seine künstlerischen Arbeiten führte er schwarz-weiß aus. Ab dem 18. Lebensjahr studierte er Klavier an der Dubliner Waltons School of Music, anschließend studierte er Klavier und experimentelle Komposition am englischen Dartington College of Arts. Seine Lehrer waren der einarmige Pianist John Railton und der englische Komponist Frank Denyer. Von Railton lernte Harbisson, dass ein körperliches Handicap kein Hinderungsgrund für ein erfülltes, leistungsbezogenes Leben sein muss. Während des Studiums lernte er den Kybernetik-Absolventen Adam Montandon kennen, mit ihm zusammen schuf er seinen Eyeborg für die Übersetzung von Farben in Klänge.
Die Bedeutung von Harbissons Entwicklung für die künstliche Intelligenz
Für die Digitalisierung, die Robotik und die künstliche Intelligenz ist ein “erfolgreicher Cyborg” ein großer Gewinn. Mensch und Maschine wachsen schon länger auf unterschiedlichsten Ebenen und Wegen zusammen, doch so symbiotisch wie bei Harbisson ist die Verbindung nur äußerst selten. Die Zukunft aber, um die es schließlich auf dem Swiss Leadership Forum 2017 geht, wird von Cyborgs geprägt werden. Schon heute erweitern Menschen ihre Sinne mit Virtual und Augmented Reality, die längst auch im industriellen Produktionsalltag angekommen sind. Der Cyborg Harbisson repräsentiert die nächste Stufe bei dieser Evolution.
Expect the Unexpected
Die diesjährige Ausgabe des Swiss Leadership Forum thematisiert den Umgang mit dem Unerwarteten und beleuchtet mit seinen Referenten und Podiumsgästen unterschiedliche Aspekte des Möglichen und vermeintlich Unmöglichen. Lassen Sie sich inspirieren!