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Saint Ralph (2004)
Saint Ralph (2004)
Oder: Vom Walker zum Runner
Ralph Walker (Adam Butcher) ist dem gestrengen Pater Fitzpatrick (Gordon Pinsent) ein Dorn im Auge. Nicht nur bricht der schlacksige Vierzehnjährige ständig die Schulregeln, sondern auch mit den katholischen Werten der Bildungsanstalt kann Ralph herzlich wenig anfangen. Insbesondere die Aufforderung zur Enthaltsamkeit und Reinheit beeindruckt den Teenager nicht im Geringsten - ein Umstand, welcher den Schulleiter ganz besonders erzürnt. Als Ralph beim Onanieren (in einem öffentlichen Schwimmbad...) erwischt wird, auferlegt ihm Fitzpatrick deshalb eine besonders saftige Strafe: zwei Wochen lang täglichen Querfeldeinlauf mit der Läufertruppe der Schule.
Dabei hat es Ralph auch ohne solche Schikanen schon schwer genung. In der Schule wird er von den Jungs angepöbelt, das Mädchen seiner Träume will trotz seinem Charme nicht mit ihm ausgehen und sein Zuhause ist ein menschenleeres Haus: Ralphs Mutter (Shauna MacDonald), die einzige lebende Verwandte die er noch hat, liegt schwer krank im Spital. Als seine geschwächte Mama bei einem seiner täglichen Besuche auch noch ins Koma fällt, erlöscht für Ralph der hellste Funke in seiner sonst eher düsteren Welt.
Obwohl die Krankenschwester Alice (Jennifer Tilly) den Jungen gerne trösten möchte, kann sie Ralph wenig Hoffnung machen. Damit seine Mutter wieder aufwache, brauche es wohl ein Wunder, meint sie traurig - und bringt Ralph damit auf eine Idee, die fortan sein ganzes Denken und Tun beherrscht: Er, Ralph Walker, wird ein solches Wunder vollbringen und damit seine Mama retten! Darauf, was dieses Wunder sein wird, bringt ihn unabsichtlich Pater Hibbert (Campbell Scott), unkonventioneller Lehrer an Ralphs Schule und gleichzeitig Coach der Geländeläufer: Ein Wunder wäre es, so sagt dieser in einem Training leicht spöttisch, wenn der vierzehnjährige Ralph im renommierten Boston-Marathon siegen würde.
Ralph ignoriert die Ironie in Pater Hibberts Statement und nimmt ihn beim Wort. Sein Plan steht fest: Er wird das Wunder vollbringen und den Boston-Marathon gewinnen. Obwohl ihn alle für verrückt halten, trainiert Ralph fortan mit eisernem Willen und findet je länger je mehr Freunde, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützen. Das Wunder scheint mit fortschreitendem Training tatsächlich möglich zu werden - wäre da nicht der gestrenge Pater Fitzpatrick, welcher Ralph auf keinen Fall am Boston-Marathon teilnehmen lassen will...
Film-Rating
An das Unmögliche glauben, alle Hindernisse überwinden, das Undenkbare wahr machen - Saint Ralphs zentrales Thema ist nicht neu. Genauso wie die Bedeutung von Freundschaft, Vertrauen und Mut ist es etwas, das den Menschen beschäftigt und fasziniert. Und etwas, das von den Filmemachern immer wieder gerne aufgegriffen und auf der Leinwand präsentiert wird. Die Gefahr, dass eine Geschichte mit dieser Thematik in der Menge anderer, im Kern gleicher Stories versinkt, ist deshalb gross.
Was Saint Ralph aus der Masse solcher "Wenn ich daran glaube, schaffe ich es auch"-Filme hervorhebt, ist sein Witz und seine Heiterkeit. Die Stärken des Films liegen entsprechend in seinen vielen lustigen Szenen, die von einem feinen, sympathischen Humor geprägt sind und dem Film einen ganz eigenen Charme und Ton verleihen. Stark beeinflusst wird diese humorvolle Tonart zudem durch den spitzbübischen Adam Butcher (Super Rupert), der eine ausgezeichnete Darbeitung liefert. Ralph ist eine vielschichtige Persönlichkeit, die in kein Schema passt: selbstbewusst und verletzlich zugleich, einerseits schon sehr erwachsen und andererseits noch ein Kind. Butcher stellt diesen facettenreichen Charakter ausgesprochen liebenswert dar und macht Ralph zu einer spannenden und lebendigen Figur.
Die übrigen Schauspieler/innen, alle eher weniger bekannt, zeigen unter der Führung von Regisseur Michael McGowan (My Dog Vincent) ebenfalls gute Darstellungen: Jennifer Tilly (The haunted Mansion) als hart aber herzliche Krankenschwester mit rauchiger Stimme, Campbell Scott (Marie and Bruce) als väterlicher Coach und Lehrer sowie Gordon Pinsent (The Shipping News) als böser Pater Fitzpatrich mit geradezu diabolisch frisierten Augenbrauen. Allerdings sticht dabei niemand so deutlich hervor wie Adam Butcher/Ralph.
Und ganz ohne Schwächen ist Saint Ralph leider auch nicht. Dann nämlich, wenn der Humor vom Pathos verdrängt wird, wenn bedeutungsschwangere Sätze fallen und die Kamera auf Zeitlupe schaltet, dann verliert der Film seine Leichtigkeit und damit seine persönliche Note und seinen Charme. Dass sich Pater Fitzpatrick zudem zum Ende hin doch noch anders besinnt, ist zwar abzusehen, aber trotzdem schade, da es der Figur ein bisschen die Würze nimmt.
Glücklicherweise gibt es nicht allzuviele solcher Szenen und Ungereimtheiten und man sollte sich entsprechend nicht zu stark davon stören lassen. Einen vergnüglichen Kinobesuch kann man mit Saint Ralph allemahl erleben - alleine schon dank der wertvollen Trainingstipps der kanadischen Marathonlegende Tom Longboat, welche Ralph aus einem Ratgeber zitiert. Also nicht vergessen: Von nun an wird rückwärts gerannt und tüchtig gegessen!
OutNow.CH:
28.09.2005 / rs
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