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Genetische Übereinstimmung zwischen Mensch und Affe
Dieses Heft gehört zur Serie „Christliche Antworten auf schwierige Fragen“ (hard questions). Vern S. Poythress, Mathematiker und Theologe, stellt sich diesen Fragen. Er geht von Zeitschriftenberichten aus, welche Übereinstimmungen im Erbgut von Menschen und Schimpansen zu 99 % verkündeten. Poythress mahnt zur Vorsicht. Zunächst können verschiedene Stränge von DNS-Übereinstimmungen unterschieden werden. Je nach Wahl beträgt die Übereinstimmung noch 96 %. Weiter: Ein anderer Fachaufsatz brachte zu Tage, dass 28 % vom Vergleich ausgeschlossen werden mussten.
Über diese technischen Einschränkungen hinaus stellt sich die Frage der Interpretation: Wie sind die Ähnlichkeiten einzuordnen? Welches Gewicht ist ihnen beizumessen? Für eine Antwort müssen wir zwangsweise auf einen Denkrahmen zurückgreifen. Auch die Verantwortlichen von Studien müssen dies tun! Darwinismus ist der Hauptrahmen für die Erklärungsversuche. Das heisst, die Grundannahme besteht in der doppelten Annahme von rein gradueller Entwicklung von Lebewesen. Dieser Prozess geschah zudem zufällig und damit ohne Ziel. Eine plötzliche, zielgerichtete Erschaffung durch einen „Designer“ wird per Definition ausgeschlossen.
Das Argument der Zielgerichtetheit
Poythress geht zuerst auf das Argument der Zielgerichtetheit ein. Gott regiert durch zielgerichtete, graduelle Prozesse innerhalb seiner Schöpfung (Psalm 104; z. B. V. 10, 14, 20, 30). Insbesondere ist Gott auch in die Schaffung eines Menschen involviert (Psalm 139,13). Gott ist zudem als „erste Ursache“ durch Zweitursachen aktiv. Auch wenn er über graduelle Veränderungen geschaffen hätte, so würde dies die Wissenschaft niemals zur Schlussfolgerung berechtigen, dies sei ziellos geschehen. Wir haben es mit einem Meta-Argument zu tun, das mit der gesamten Weltsicht und nicht mit den vorhandenen Daten an und für sich zusammenhängt.
Das Argument der graduellen Entwicklung
Gott greift durch graduelle Veränderungen in seine Schöpfung ein. Das bedeutet aber nicht, dass er auf diese Art von Änderungen limitiert wäre. Er regiert über die Welt, weil er ja auch die Prozesse an sich geschaffen hat! Ausnahmen im Sinne von einmaligen, nicht wiederholten Vorgängen sind also vom Prinzip her möglich. Diese Grundannahme ist religiöser, nicht wissenschaftlicher Natur. Eine „weltanschauliche Neutralität“ ist daher prinzipiell ausgeschlossen. Das heisst jedoch nicht, dass viele Menschen (unhinterfragt) davon ausgehen, dass die beiden Argumente des Zufalls und der ausschliesslich graduellen Entwicklung richtig seien.
Nochmals zur genetischen Übereinstimmung von Mensch und Affe
Wer von einem zielgerichteten Schöpfungsakt Gottes ausgeht, interpretiert die genetische Übereinstimmung zwischen Mensch und Affe anders. Die genetischen „Bausteine“, sowohl die übereinstimmenden wie auch die abweichenden, sind im göttlichen Verstand gewollt, also zielgerichtet. Es bleibt die Frage offen, ob sie graduell oder durch einmalige Ausnahmeereignisse herbeigeführt wurden. Ein darwinistischer Interpretationsrahmen fokussiert sich verständlicherweise auf die Übereinstimmungen und nicht auf die Abweichungen. Wenn Gott Ähnlichkeiten zwischen Tieren und Menschen wollte, legte er sie auf diese Weise an. Die Bibel enthält keine Informationen zur chemischen Zusammensetzung von Menschen- und Tierkörpern.
Sehr wohl berichtet die Bibel jedoch darüber, dass der Mensch ein „lebendiges Wesen“ sei (1. Mose 2,7). Dasselbe wird von den Tieren gesagt (1. Mose 1,19+20+24). Der Mensch ist im Bild Gottes, aber auch in Gemeinschaft mit den anderen Lebewesen, den Tieren, geschaffen.
Zum Vergleich: Wenn Jesus Wasser in Wein verwandelte (Joh 2,1-11), gibt es gute Gründe dafür, dass die chemische Zusammensetzung durch ein Wunder – also ein aussergewöhnliches, einmaliges Ereignis – verändert wurde. Ein zweites Beispiel: Jesus als Mensch wurde in allem den Menschen gleich, ausgenommen die Sünde (Hebr 2,17; 4,15). Somit verfügte er höchstwahrscheinlich über das Y-Chromosom.
Spielen die Prozentzahlen eine Rolle?
Wenn der Mensch in Gottes Bild geschaffen worden ist, dann ist der entscheidende Unterschied nicht in quantitativer, genetischer Übereinstimmung zu suchen. Das Entscheidende ist der personale Bezug des Menschen zum personalen Schöpfer!
Der Darwinismus gerät ob dieses Einwands nicht in Not, da es sich bei diesem Interpretationsrahmen um sein sehr flexibles Modell handelt. Viele Daten fügen sich in dieses sehr weit gefasste Modell ein, das über die letzten 100 Jahre viele verschiedene Ausprägungen entwickelte. Biologische Erkenntnisse sind also ideologie-getrieben! Die darwinistische Evolution stellt mit ihren Vorannahmen eine Anti-Theorie zur theistischen Option dar. Sie verhindert als solche mögliche Überlegungen von vornherein. Die Evolution wird – ohne diese zu hinterfragen – als Begründung für viele Phänomene angenommen. Das Argument der graduellen Entwicklung ist nicht verhandelbar. Beispiel: Selbst wenn 98 % unseres genetischen Materials nicht-funktional wären, liesse das noch immer Raum für die Möglichkeit, dass dies von Gott so beabsichtigt worden ist.
Wann lebten Adam und Eva?
Alle mathematischen Modelle basieren auf Annahmen über die Vergangenheit, beispielsweise darüber, dass diese Zeiten unter gleichen Bedingungen wie die der Gegenwart stattfanden. Wir müssen jedoch bedenken, dass der Sündenfall Folgen für die Generationenfolge der Menschen nach sich zog. Obwohl manche die lückenlose Rückrechnung über die Geschlechterfolgen in 1. Mose 5 und 10 annahmen, können wir nicht sagen, wann Adam und Eva lebten. Weshalb? Die Bibel gibt uns die Information einfach nicht. Populäre Behauptungen bezüglich Altersbestimmung müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Kraft von Beweisen überbetonen oder die Möglichkeiten der Forschung überschätzen.
Fazit: Gott schuf den Menschen nach seinem Bild
Wenn die entdeckten Gesetzmässigkeiten unpersönlich und mechanisch wären – weil ein Schöpfergott ausgeschlossen ist -, dann sind keine Ausnahmen zugelassen. Niemand kann jedoch Gott davon zurückhalten, im Sinne seiner Ratschlüsse aussergewöhnlich und im Widerspruch zu den normalerweise gültigen Gesetzen zu handeln. Gott ist kein Gefangener seiner eigenen Gesetze. Er hat die Welt so geschaffen, wie es ihm wohl gefiel. Uns Menschen obliegt es, das Geschaffene zu erforschen.