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Von Barberêche im Kanton Freiburg bis an die UNO in New York. Joseph Deiss hat es bis in die höchsten politischen Ämter geschafft. Sieben Jahre war er im Bundesrat, als Aussenminister und später als Chef des Volkswirtschaftsdepartements. 2010 präsidierte er ein Jahr lang die Generalversammlung der UNO. Nun hat er mit 72 Jahren ein Buch geschrieben. «Quand un cachalot vient de tribord» ist eine Sammlung von Anekdoten aus seiner politischen Karriere. «Ich wollte weder meine Memoiren schreiben noch eine wissenschaftliche Abhandlung. Ich wollte vor allem auch mir selber eine Freude machen.»
Joseph Deiss
Alt-Bundesrat
1946 wurde Joseph Deiss in Freiburg geboren. Er studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, ab 1973 lehrte er an der Universität Freiburg.
Seine politische Karriere begann der CVP-Politiker 1981 im Grossen Rat des Kantons Freiburg. Von 1982 bis 1996 war er zudem Gemeindepräsident in seiner Wohngemeinde Barberêche. 1991 wurde er Nationalrat. Von 1993 bis 1996 amtete er als Preisüberwacher. Bei den Ersatzwahlen 1999 gelang ihm der Sprung in den Bundesrat, zunächst als Aussenminister später als Volkswirtschaftsminister. 2006 trat er zurück. Sein grösster Erfolg als Aussenminister war der Beitritt der Schweiz zur UNO.
2010 präsidierte er ein Jahr lang die Generalversammlung der UNO - zur Zeit als Ban Ki-Moon Generalsekretär war.
Joseph Deiss ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.
Joseph Deiss über Menukarten: Meine Frau und ich sammeln Speisekarten aus aller Welt. Es sind Menukarten von Restaurants, in denen wir gegessen haben und die für uns speziell waren. Darunter ist auch die Menukarte vom Diner, als der deutsche Bundespräsident Johannes Rau auf Staatsbesuch in Bern war.
Wie sich Joseph Deiss schlank und rank hält: Ich rauche nicht. Und ich stehe jeden Morgen auf die Waage. Ein Kilo abtrainieren ist einfacher als zehn. Als Bundesrat wird man ja oft zum Essen eingeladen. Alkohol habe ich mir dabei zwar einschenken lassen und aus Höflichkeit auch daran genippt. Dann habe ich das Weinglas aber jeweils hinter das Wasserglas gestellt und nur Wasser getrunken. Und zu guter Letzt ist Bewegung zentral. Meiner Frau sage ich jeweils, wenn sie mich fragt, ob ich spazieren gehe: Ich gehe nicht spazieren, ich marschiere.
Über sein professorales Auftreten: Wenn ich einem Gesprächspartner entgegen gehalten habe, habe ich oft gehört. Jetzt redet wieder der Professor. Die Leute ernst nehmen – das ist mir schon als Professor an der Uni wichtig gewesen. Ich habe während der Vorlesungen jedem Studenten, jeder Studentin einmal in die Augen geschaut.
Über seine Frau Babette: Meine Frau Babette ist immer ein wichtiger Rückhalt gewesen. Auch jetzt. Sie ist die erste, die meine Texte liest. Und wenn sie etwas nicht gut findet, dann weiss ich, das ist nichts.
Über sein Jahr an der UNO: Das war schon «la cerise sur le gateau», das Tüpfchen auf dem i gewesen, das Jahr als UNO-Präsident. Mein oberstes Gebot dabei: Alles geben und es gleichzeitig auch geniessen. Um die Welt ging dabei das Bild von mir und UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Wir beide schauen auf die Uhr. Pünktlichkeit, das ist mir wichtig gewesen. Wenn die Sitzung um 10 Uhr angesetzt ist, und um 10.20 Uhr kann ich immer noch nicht anfangen. Das geht nicht. So wirkt man gegen aussen auch nicht glaubwürdig.
Über sein nächstes Buch: Es beschreibt meine Wanderung von Freiburg nach Rom. 1200 Kilometer bin ich unterwegs gewesen. Meine Eindrücke habe ich niedergeschrieben, als ich zum Beispiel im Winter bei Minus 10 Grad durch die zugefrorenen Reisfelder in der Po-Ebene gewandert bin. Mein nächstes Projekt steht auch schon. Von Freiburg nach Canterbury in England wandern. Denn: La marche, c'est bon pour la santé. Wandern ist gesund für Geist und Körper.