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Der Vulkanausbruch in Indonesien und die Hungersnot in der Schweiz
17. März 2015
Vor 200 Jahren kam es in der Schweiz und vielen Teilen Europas zur bisher letzten grossen Hungerkrise. Hauptursache war der Ausbruch des Vulkans Tambora, der eine vorübergehende Abkühlung des Klimas bewirkte. In Erinnerung an dieses Ereignis organisiert das Oeschger-Zentrum am 8. April 2015öffentliches Podiumsgespräch. Experten gehen dabei der Frage nach, wie gut wir heute für so eine Katastrophe gerüstet wären.
Die Explosion war gewaltig. Als am 10. April 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora ausbrauch, wurden die obersten 1 500 Meter des Berggipfels schlicht weggesprengt. Vor allem aber schleuderte der Vulkan riesige Mengen Schwebeteilchen und Gase in die Atmosphäre. Die Folgen dieses möglicherweise grössten Vulkanausbruchs der vergangenen 7 000 Jahre waren verheerend. Allein auf Sumbawa und den Nachbarinseln starben über 70 000 Menschen. Doch der gewaltige Ausbruch hatte auch globale Folgen. Er wirkte sich derart stark aufs Klima aus, dass das darauffolgende Jahr in West- und Mitteleuropa aber auch im Nordosten der USA als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte einging. Die monatlichen Temperaturen lagen im Sommer 1816 zwischen 2,3 und 4,6 Grad unter dem langjährigen Mittel.
Die letzte grosse Hungerkrise der Schweiz
Die Folgen der nasskalten Witterung waren auch bei uns verheerend, in der Ostschweiz kam es zu einer Hungersnot und die Menschen assen Grass. Weniger dramatisch, aber kulturgeschichtlich interessant: Auch in der Westschweiz war der Sommer 1816 kalt und es regnete unablässig. Diese düstere Stimmung schlug auch auf das Gemüt von Mary Shelley und Lord Byron, die den Sommer am Genfersee verbrachten. Sie vertrieben sich die Zeit mit Schreiben, und so entstanden Shelleys „Frankenstein“ und Byrons Gedicht „Finsternis“.
Dass das „Jahr ohne Sommer“ auf den Vulkanausbruch in Indonesien zurückzuführen war, ahnte damals niemand. Erst hundert Jahre später kam die Klimaforschung diesem Zusammenhang auf die Spur. Doch auch heute liefert der Tambora-Ausbruch Stoff für wissenschaftliche Debatten. Unter dem Titel „Vulkane, Klima und Gesellschaft“ diskutieren vom 7. bis 10. April an der Universität Bern führende Experten über Ursachen und Folgen von dieser Naturkatastrophe vor 200 Jahren.
Wie wären wir heute für eine Tambora-Katastrophe gerüstet?
Am Rande der Konferenz findet am 8. April eine grosse öffentliche Podiumsdiskussion statt. Sie geht der Frage nach, wie die Schweiz und die Welt heute mit einer derartigen Krise umgehen würden. Unter der Leitung von Christine Hubacher (Radio SRF) diskutieren: Christian Pfister, ehemaliger Professor für Klima- und Umweltgeschichte, Jürg Fuhrer, Agrarökologe und Spezialist für Klimawandel und Landwirtschaft, Martha Bächler, als Talammannn von Engelberg bekannt geworden durch die Bewältigung der Hochwasser von 2005 sowie Stefan Brem, Chef Risikogrundlagen im Bundesamt für Bevölkerungsschutz, BABS.