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Das Wetter zeigte sich von der besten Seite und die Lawinensituation wurde immer günstiger. Es wäre eine perfekte Wintersportwoche gewesen- doch es kam anders. Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mussten am Wochenende alle Skigebiete schliessen und auch sonst kam es zu immer mehr Einschränkungen.
In der Nacht auf Freitag, 13.03. fielen in den Waadtländer Alpen und im Unterwallis 10 bis 20 cm Schnee, im westlichsten Unterwallis bis 30 cm. Dies allerdings erst hoch oben, denn die Schneefallgrenze sank nur allmählich von 2400 m auf 2000 m. Im Oberwallis und am Vormittag auch am Alpennordhang fielen verbreitet 5 bis 15 cm Schnee, wobei die Schneefallgrenze am Schluss auf etwa 1200 m sank. Der Freitag war im Wallis und im Süden recht sonnig, sonst bewölkt.
Am Samstag war es nur im südlichen Wallis und am östlichen Alpennordhang teils sonnig, sonst bewölkt. In den Tälern des Nordens blies teils starker Föhn, während die Winde im Hochgebirge meist nur mässig wehten. Im Südosten fiel etwas Schnee, am meisten mit etwa 20 cm im Puschlav sowie auf den höchsten Gipfeln des Sotto Ceneri.
Am Sonntag war es im Süden noch bedeckt (Abbildung 1) und kühl, sonst überall sonnig. Ab Montag schien in der ganzen Schweiz die Sonne und die Mittagstemperaturen auf 2000 m lagen bei milden +5 °C.
In der Nacht auf Freitag, 13.03., aber auch schon in den Tagen und Wochen davor, war vor allem im westlichsten Unterwallis immer wieder Schnee gefallen (siehe Wochenbericht vom 12.03.). Auch wenn sich die Situation im Vergleich zu den Wochen davor bereits deutlich beruhigt hatte, musste in diesem Gebiet trotzdem noch vor "erheblicher" Lawinengefahr (Stufe 3) und einem Neuschneeproblem gewarnt werden.
Völlig überraschend wurde am Freitag eine extrem grosse, spontane Schneebrettlawine aus dem hintersten Val Ferret gemeldet (Abbildungen 2 und 3). Diese war auf etwa 3500 m als trockene Schneebrettlawine angebrochen. Auf ihrem Weg ins Tal riss sie weiter unten auch nassen Schnee mit und kam erst nach etwa 3.5 km und annähernd 2000 m weiter unten zum Stillstand. Weil es sich um typisches Lawinengelände handelt, wurden keine Schäden verursacht. Der Anrissmächtigkeit nach brach mehr als nur der Neuschnee vom Donnerstag, 12.03 ab. Wo genau der Bruch erfolgte, blieb indes unbekannt.
Sonst bestand am Anfang der Berichtsperiode gebietsweise ein Triebschneeproblem. Die Triebschneeansammlungen waren teils sehr leicht auslösbar, aber meist so klein, dass eher die Absturz- als die Verschüttungsgefahr im Vordergrund stand (Abbildung 4).
In der Folge wurde die Lawinensituation immer günstiger. Die Lawinengefahr wurde zunächst im Jura, den Voralpen und im Sotto Ceneri als "gering" eingeschätzt (Stufe 1). Ab Dienstag galt die tiefste Gefahrenstufe überall, ausser in den inneralpinen Gebieten mit ihrem Altschneeproblem. Die noch vorhandene Gefahr ging von oberflächennahen Schichten aus, konnte aber nicht mehr klar einem typischen Lawinenproblem zugeordnet werden. Bei solchen Verhältnissen wird seit diesem Winter "kein typisches Lawinenproblem" verwendet.
"Tief in der Schneedecke sind vor allem in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens besonders an selten befahrenen, windgeschützten Hängen oberhalb von rund 2400 m stellenweise Schwachschichten vorhanden…" Fällt den Lawinenwarnern nichts anderes ein, oder malen sie schwarz mit der weissen Gefahr? So langsam mag man diesen oder ähnliche Sätze nicht mehr hören. Und doch: Eingeschneite Schwachschichten aus grossen, kantigen Kristallen bleiben sehr lange erhalten. Nachdem Anfang März keine Altschneebrüche mehr verzeichnet wurden, gingen mit dem Regen in der letzten Berichtsperiode wieder viele spontane Lawinen ab, die in diesen Schwachschichten gebrochen waren. Mit der Abkühlung nahm die Auslösebereitschaft in dieser Berichtsperiode wieder deutlich ab. Dass trotzdem vereinzelt solche Brüche möglich waren, zeigten je eine Fernauslösung im Grenzbereich des Puschlavs (Abbildung 5) und in der Region Davos (Abbildungen 6 und 7).
Die Gefahrenstellen waren auch in den inneralpinen Gebieten so selten, wie es eher zur Stufe 1 passt. Wegen der Grösse der Lawinen wurde aber weiterhin vor mässiger Lawinengefahr (Stufe 2) gewarnt.
In den klaren Nächten gefror die Schneeoberfläche in mittleren Lagen an allen Expositionen und an steilen Südhängen bis auf etwa 3000 m hinauf tragfähig. Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung stieg die Gefahr von nassen Lawinen jeweils im Tagesverlauf an (Abbildung 8). Insgesamt hielt sich die Lawinenaktivität aber in Grenzen, so dass lediglich vor einer "mässigen" Gefahr von nassen Lawinen (Stufe 2) gewarnt wurde. Mit dem klaren Himmel und der trockenen Luft blieben steile Nordhänge in hohen Lagen trotz der milden Lufttemperatur kalt und weitgehend trocken.
Auch aus dieser Berichtsperiode wurden Gleitschneelawinen gemeldet, und das nicht nur aus Südhängen. Das Schwergewicht lag in den schneereichen Gebieten des westlichsten und nördlichen Unterwallis (Abbildung 9). Einzelne Gleitschneelawinen waren gross oder sogar sehr gross (Abbildung 10).
Mitte März lagen auf 2000 m verbreitet 1 bis 2 m Schnee, in den oberen Vispertälern und im Oberengadin weniger. Im Jura lag nur noch an den höchsten Gipfeln durchgehend Schnee. In mittleren Lagen waren die Schneehöhen durchwegs unterdurchschnittlich. In hohen Lagen dagegen waren sie nur am Alpennordhang kleiner als zu dieser Jahreszeit üblich. In den übrigen Gebieten lagen sie im Durchschnitt, im Wallis sogar deutlich darüber (Abbildung 11).
Nach einem Erlass des Bundesrates am Freitagnachmittag, 13.3. mussten alle Skigebiete ihren Betrieb einstellen. Die meisten taten das unverzüglich schon am selben Abend, die letzten folgten im Laufe des Samstags, 14.03.
Mit dem Saisonende des Skibetriebs standen der Lawinenwarnung deutlich weniger Informationen zur Verfügung als sonst zu dieser Jahreszeit. In der Folge wurde die Morgenausgabe des Lawinenbulletins am Dienstag, 17.03. eingestellt. Das Bulletin am Abend erscheint weiterhin täglich um 17 Uhr.
Nach einem weitergehenden Erlass des Bundesrates vom Montag, 16.03. waren organisierte und geführte Touren in der ganzen Schweiz untersagt. Private Skitouren wurden nicht schweizweit verboten. Wichtig war, sich auch hier an die Empfehlungen des BAG zu halten, also Distanz halten, keine unnötige Reiseaktivität und besondere Vorsicht, um das ohnehin bald überlastete Gesundheitswesen nicht mit zusätzlichen Unfällen zu strapazieren. Um nicht auf die perfekten Tourenverhältnisse aufmerksam zu machen und so die Tourenaktivität möglicherweise noch zu fördern, hat die Lawinenwarnung alle regelmässigen Radiointerviews zur Schnee- und Lawinensituation ab Sonntag, 15.03. eingestellt. Wenn bei erhöhter Lawinengefahr Verkehrswege gefährdet sein können, werden sie situationsbezogen wieder aufgenommen.
Bei der mehrheitlich günstigen Lawinensituation gab es nur wenige Gefahrenstellen, und wegen der Corona-Pandemie nur wenig Wintersport. Es wurden zwar auch in dieser Berichtperiode einige Lawinen ausgelöst und eine Person erfasst, Schäden gab es zum Glück aber keine.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.