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- Eine im Fachjournal «Science» veröffentlichte Studie zeigt, dass selbst im günstigsten Fall ein grosser Teil der Gletscher weltweit verschwinden wird.
- Demnach dürfte fast jeder zweite der rund 215'000 berücksichtigen Gletscher bis im Jahr 2100 schmelzen – wenn der Temperaturanstieg auf 1.5 Grad begrenzt wird.
- Sollte die Erderwärmung zwei Grad erreichen, würden gar 70 Prozent der Gletscher verschwinden.
Mit seinen Berechnungen bestätigt das internationale Team um David Rounce von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh bisherige Erkenntnisse zum Ausmass der Gletscherschmelze. An der Studie waren unter anderem auch die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL sowie die ETH beteiligt.
Vor allem kleinere Gletscher massiv bedroht
Der Studie zufolge steht das Schmelzen der Gletscher in linearem Zusammenhang mit dem durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg. Bei einem Anstieg um zwei Grad – dem im Pariser Abkommen vereinbarten Ziel für die maximale Erwärmung – könnten knapp 70 Prozent der bis zu einer Grösse von einem Quadratkilometer verschwinden. Von den Gletschern zwischen einem und zehn Quadratkilometern würden fast 20 Prozent komplett abschmelzen.
Ausgehend von den Klimazusagen der UNO-Klimakonferenz COP26 in Glasgow im Jahr 2021, auf deren Grundlage ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 2.7 Grad bis Ende des Jahrhunderts prognostiziert wurde, werden Gletscher in vielen Regionen nahezu ganz verschwinden, wie es in der Studie weiter heisst. Dazu zählten die der europäischen Alpen, im westlichen Kanada, den Vereinigten Staaten sowie in Neuseeland.
Bei einem durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg von vier Grad würden der Studie zufolge 83 Prozent aller Gletscher weltweit bis 2100 verschwinden. Das hätte dramatische Folgen. Denn das Schmelzen der Gletscher lässt den Meeresspiegel ansteigen.
«Jeder Millimeter mehr Meeresspiegelanstieg führt zu mehr Überschwemmungen an vielen Küstengebieten, und die Gletscher sind eben einer der Hauptantriebe des Meeresspiegelanstiegs», sagte Fabien Maussion von der Universität Innsbruck, Co-Autor der Studie.
Das ist ein Problem für Bewässerung, Trinkwasser, Warentransport, Fauna und Flora und so weiter.
Ausserdem seien die Gletscher natürliche Süsswasserspeicher. «Wenn sie weg sind, heisst es zwar nicht, dass wir kein Wasser mehr haben, aber dass das Wasser nicht mehr dann kommt, wenn es benötigt wird – nämlich in trockenen, heissen Sommermonaten», teilte Matthias Huss von der ETH Zürich, ebenso Co-Autor der Studie, mit.
Wenn das Eis weg sei, sei vor allem in Dürrephasen mit Wasserknappheit zu rechnen. «Das ist ein Problem für Bewässerung, Trinkwasser, Warentransport, Fauna und Flora und so weiter», so Huss.
«Kompletter Kurswechsel» ist nötig
Trotzdem unterstreicht das Team um Rounce: Es sei durchaus möglich, die Schmelze durch sofortige und umfassende Klimaschutz-Massnahmen auf globaler Skala mittelfristig zu verlangsamen. «Auch wenn wir die Gletscher nicht so retten können, wie sie aktuell aussehen, bewirkt jedes Zehntelgrad eingesparter Erwärmung einen geringeren Rückgang und damit auch geringere negative Auswirkungen», so Huss.
«Wir brauchen einen kompletten Kurswechsel, was unsere Emissionen angeht, wir müssen die globalen Emissionen wirklich deutlich stärker reduzieren», unterstrich Maussion.