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Müller Erich, *1938, Finanzchef und Politiker
Erich Müller war ein Sulzeraner durch und durch. Als Programmierer fing er an und als Finanzchef und Verwaltungsratsmitglied hörte er auf für dieses Unternehmen tätig zu sein. Von 1995 bis 2003 war er überdies auf Vorschlag der FDP Mitglied es Nationalrats.
Der im Jahr 1938 geborene Erich Müller legte im Anschluss an eine Banklehre die Matura ab und bewarb sich an der Hochschule St. Gallen, wo er als lic. oec. HSG abschloss. Als Doktorand hatte er 1965 bei Sulzer einen Teilzeitjob in der EDV-Abteilung, wo er danach auch fest angestellt wurde, als er die Promotion an den Nagel hängte. Zu jener Zeit beschaffte sich das Unternehmen als erstes in der Schweiz das modernste Datenverarbeitungssystem auf dem Markt, eine IBM 1401.
Müller liess sich zum Programmierer ausbilden und blieb in der Informatik, die bei Sulzer zur damaligen Zeit fast ausschliesslich in der Administration zum Tragen kam. Mit Computern wurde vor allem das Rechnungswesen bearbeitet, der Anteil an Produktionssteuerung war noch sehr gering. Müller war als Organisator für Abläufe des Rechnungswesens tätig, bis eines Tages sein Vorgesetzter, Finanzchef Artur Frauenfelder, ihn zu sich bestellte und fragte, ob er sein Assistent werden wolle. Die Antwort lautete selbstverständlich Ja.
Zunächst als Assistent von Frauenfelder im Finanz- und Rechnungswesen, arbeitete sich Müller zum Leiter der Vorkalkulation hoch und fiel dabei Alt-Finanzchef und Verwaltungsrat Alfred Schaffner auf. Im Jahr 1971, ca. drei Wochen bevor Müller in den Generalstabskurs in die Armee einrücken musste, liess ihn Schaffner rufen und teilte ihm mit, das Einrücken komme überhaupt nicht infrage, weil Sulzer mit ihm etwas ganz anderes vorhabe. Er hatte nämlich in Gedanken bereits beschlossen, dass Erich Müller Finanzchef von Sulzer werden sollte und Militärdienst störend war, weil der Kandidat dadurch häufig abwesend wäre.
Frédéric Comtesse, der damalige Personalchef, der selbst Oberst war, wurde um Rat gefragt, wie man Müller vom Militärdienst befreien könnte. In dieser verzwickten Situation gab es nur eine raffinierte Lösung: In drei Wochen durfte Müller einfach nicht mehr in der Schweiz sein, und da er sowieso noch sein Englisch aufbessern musste, bot sich die Konzerngesellschaft in Sheffield als idealer Aufenthaltsort im Ausland an.
Der überraschte Müller kam aus dem Staunen nicht heraus: Entweder Firma oder Militär, setzte ihn Schaffner, die graue Eminenz, die Pistole auf die Brust. Müller wurde schliesslich Mitglied der Konzernleitung, Finanzchef und Verwaltungsrat von Sulzer. 2001 zog er sich zurück, blieb aber noch zwei Jahre im eidgenössischen Parlament. Auch in seiner Stadt Winterthur hat er in verschiedenen Funktionen von sich hören gemacht. So zum Beispiel als Initiant und Förderer der Judd-Brunnen in der Steinberggasse. Dorthin verlegt er als Pensionierter auch seinen Wohnsitz.
Der Glossar-Artikel folgt einem Text aus dem Buch „SULZER im Wandel“ von Anna Balint. Auch die Fotos sind aus diesem Buchwerk.