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Ein Fund aus dem 12. Jahrhundert: der Codex Pray in Budapest
Im Jahr 1990 wurde in Budapest eine kleine Sammlung hochmittelalterlicher Manuskripte und Zeichnungen zu christlichen Themen aufgefunden. Einige Seiten stammen aus dem späten 12. Jahrhundert. Dieser „Codex Pray“ ist einer der wichtigsten Dokumente, die im Budapester Nationalmuseum aufbewahrt werden.
In ihm findet sich eine Abbildung, die zwischen 1192 und 1195 entstanden ist, sie zeigt die Darstellung eines Engels, der den Frauen, die am Ostermorgen zum Grab gekommen sind, die Leinentücher zeigt. Auf dem Grabtuch sieht man, ebenso wie auf dem Turiner Grabtuch, die über der Scham gekreuzten Hände, auf denen nur vier Finger dargestellt sind, während der Daumen fehlt - ein Phänomen, das auftritt, wenn ein wichtiger Nerv im Bereich der Handwurzel durchtrennt wurde.
Aber es findet sich noch ein weiteres wichtiges Detail: das abgebildete Tuch zeigt – ebenso wie das Original - vier runde Brandlöcher, in Form eines L angeordnet. Diese Brandstellen werden auch von Albrecht Dürer wiedergegeben, 15 Jahre vor dem großen Brand, dem das Turiner Grabtuch im Jahr 1532 in Chambery, Frankreich ausgesetzt war. Auch die dargestellte Gewebestruktur entspricht der auf dem Original.
Wie kommt eine Darstellung des Grabtuches nach Ungarn? Im Jahr 1150 wurde in Konstantinopel eine ungarische Delegation empfangen, um eine Hochzeit zur politischen Annäherung zwischen dem oströmischen Kaiserreich und dem ungarischen Reich zu planen. Kaiser Manuel Komnenos II zeigte seinen Gästen seine besonderen Schätze, so auch das „Sindon“ (Grabtuch). Aus diesem Anlass dürfte eine Zeichnung von dem Tuch entstanden sein, die dann mit der Delegation nach Ungarn gekommen ist.
Der Codex Pray entstand bis zu zweihundert Jahre vor der Zeit, welche von der Radiocarbon-Methode im Jahre 1988 als Entstehungszeit des Grabtuches angegeben wurde.