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Wäre der 1949 beschlossene „Korrektionsplan Grossbasel“ umgesetzt worden, gäbe es den Andreasplatz heute nicht mehr. Denn es war geplant, das ganze Gebiet rund um den Andreasplatz abzubrechen. Aufgrund des Baus der sogenannten Talentlastungsstrasse, für die vier Fahrspuren geplant waren, hätte der Marktplatz nicht mehr genügend Nutzfläche geboten und wäre auf diesen neu geschaffenen Raum auf das Gebiet des Andreasplatzes verlegt worden.
Der Korrektionsplan für das Grossbasel wurde von der Basler Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg lanciert, um dem aufkommenden Verkehr mehr Raum zu geben. Die Hauptaufgabe des Korrektionsplans bestand darin, das Geschäftszentrum sowohl mit dem Bahnhof als auch mit den Wohnquartieren zu verbinden. Hierfür sollte eine leistungsfähige Strasse vom Marktplatz bis zum Bahnhof erstellt werden. Diese Verkehrsader hätte damit mitten durch den Stadtkern von Basel führen sollen, im Verlauf auf der Achse vom Barfüsserplatz über Gerbergässlein, Rümelinsplatz, Münzgasse, Schneidergasse bis zum Blumenrain. Der bestehende Marktplatz wäre dabei als Verkehrsdrehscheibe genutzt worden und als Nutzungsfläche für die Marktstände weggefallen.
Für den Andreasplatz hätte das bedeutet, dass die alte Bausubstanz abgerissen worden wäre, um den Platz stark zu vergrössern und so als Ersatz für den Marktplatz zu dienen. Zudem war auch die Erstellung von Parkplätzen vorgesehen. Ein von der Bauverwaltung ausgeschriebener Wettbewerb veranlasste 28 Teilnehmer, Vorschläge für die Neugestaltung des Gebietes rund um den Andreasplatz einzureichen. Vorgabe dabei war unter anderem:
„In das freizulegende Areal beim heutigen Andreasplatz sollen verlegt werden:
a) der Marktplatz, der an seiner heutigen Stelle nach durchgeführter Korrektion nicht mehr genügend Nutzfläche aufweist. Es kommt nur eine Verlegung des gesamten Marktes in Frage.;
b) der Fischmarkt, welcher bei Ausführung der beschlossenen Entlastungsstrasse von seinem heutigen Standort am Rümelinsplatz verschwinden muss;
c) der Geflügelmarkt, welcher jetzt im Sanierungsgebiet liegt.“
Wie der Andreasplatz heute aussehen könnte, zeigen Plan und Modellskizze des Basler Architekturbüros Bräuning, Leu, Dürig, das den ersten Preis des Wettbewerbs gewonnen hatte:
Ein Kreis junger Leute, hauptsächlich in den Zwanzigern, ergriff das Referendum gegen den Korrektionsplan und sammelte unter der Parole "Die Altstadt in Gefahr" über doppelt so viele Unterschriften, wie dies notwendig gewesen wäre. In der Folge wurde der Korrektionsplan dem Stimmvolk zur Abstimmung vorgelegt. An der Abstimmung vom 11. Dezember 1949 nahm es diesen mit 22'027 Ja- gegen 15'431 Nein-Stimmen an.
Trotz der Annahme des Korrektionsplans durch das Basler Stimmvolk wurde das Projekt nicht realisiert. Zumindest nicht vollständig, denn einzelne Strassenzüge in Basel zeugen dennoch von einer ansatzweisen Umsetzung. Als Beispiel dient die Gegend beim Spiegelhof, die bereits im Hinblick auf den Bau der Entlastungsstrasse konzipiert und neu erstellt wurde. Aber auch die Strassenlinie in der Aeschenvorstadt zeugt noch heute von den ursprünglichen Plänen.
Bereits im September 1955 erteilte die Regierung in Anbetracht der raschen Verkehrsentwicklung den Auftrag, einen Gesamtverkehrsplan zu erarbeiten. Die Fragestellung wich dabei deutlich von den Stossrichtungen des vom Volk bewilligten Korrektionsplans ab: Es ging dabei insbesondere um die Entlastung der Innenstadt von allem nicht an sie gebundenen Individualverkehrs durch Tangentenstrassen. Auch sollte die optimale Führung der Zubringerstrassen gewährleistet sein. Damit löste man sich vom Gedanken, den Verkehr durch die Innenstadt zu führen, und der Korrektionsplan sollte entsprechend abgeändert werden. Der Korrektionsplan Grossbasel war damit überholt.
Der Korrektionsplan mit seinen Korrektionslinien existierte formell noch bis in die frühen 1970er-Jahre. Es war ungewiss, wie sich die Verkehrsplanung entwickeln würde, was zur Folge hatte, dass Hausbesitzer nicht in die allenfalls von der Linienführung betroffenen Liegenschaften investierten. Konsequenz daraus war, dass diese stark renovationsbedürftig wurden und damit der Andreasplatz über die Jahre immer unansehnlicher wurde.
Im Herbst 1971 stellte das Stadtplanungsbüro auf dem Marktplatz einen Sanierungsplan für die Altstadt vor. Voraussetzung für die Durchführung eines solchen Sanierungsplans war natürlich die Aufhebung der Korrektionslinien aus dem Jahr 1949. 1974 unterbreitete folglich die Kommission des Grossen Rats ihre Anträge zum Ratschlag der Regierung betreffend neue Bau- und Strassenlinien in der Altstadt. Darin befürwortet die Kommission die Aufhebung der alten Linien der Talentlastungsstrasse. Die Idee, die Altstadthäuser abzubrechen, wurde damit endgültig verabschiedet und es wurden im Gegenteil Anstrengungen aufgenommen, die Altstadt am Leben zu erhalten. Im Jahr 1977 wurde die gesamte Altstadt der Schutz- oder Schonzone zugewiesen.
Der Andreasplatz blieb von den Folgen des – aus heutiger Sicht – undurchdachten Korrektionsplans verschont und ist heute ein schöner Ort in der Basler Altstadt, an dem sich die Menschen gerne treffen.