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Seeeis
Bergell und Engadin sind bekannt für die Loipen über zugefrorene Seen. In manchen Jahren hapert es jedoch mit dem Eis. Was sind die Zutaten für eine dicke Eisdecke oder sogar Schwarzeis auf dem See?
Wasser hat seine grösste Dichte bei 4° Celsius, dann ist es am schwersten und sinkt nach unten. Deswegen ist das Seewasser im Sommer am Grund am kältesten und oben, wo es von der warmen Luft und der Sonne aufgeheizt wird, am wärmsten.
Werden die Tage kälter, kühlt sich auch das Wasser an der Oberfläche ab, es wird schwerer, sinkt nach unten und wird durch wärmeres Wasser ersetzt. So wälzt sich das Seewasser um, bis der gesamte See nur noch 4° hat. Erst jetzt kann sich die Oberfläche weiter abkühlen und beginnen zu gefrieren, wobei das Eis von der Oberfläche nach unten wächst.
Weil dieser Prozess in flachem Wasser schneller abläuft als in tiefem, bildet sich die Eisschicht meist zuerst am seichten Ufer und wächst dann nach innen zusammen.
Gibt es keinen Niederschlag, während sich die Eisdecke bildet, so entsteht Schwarzeis. Das Eis ist durchsichtig und glatt – wie perfekt präpariert zum Eislaufen.
Was muss passieren damit der See möglichst schnell zufriert?
- Kalte Ausgangs-Wassertemperaturen, z.B. nach einem kühlen Sommer
- Eine Mindestanzahl von „negativen Gradtagen“ (die Durchschnittstemperatur multipliziert mit Anzahl der Tage, d.h. 3 Tage mit Durchschnittstemperatur von -5° ergeben 15 negative Gradtage). Für einige Seen der Schweiz hat MeteoSchweiz die Mindestzahl bestimmt. [i]
- Je ruhiger die Wasseroberfläche, umso schneller friert sie zu.
- Sobald sich eine dünne Eisschicht gebildet hat, kann der Effekt von Windchill allerdings dazu führen, dass sie schneller wächst als das ohne Wind der Fall wäre. [ii]
- Zusätzlich könnten Substanzen wie Alkohol oder Salz den Gefrierpunkt des Wassers heruntersetzen, so dass es z.B. erst bei -10° gefriert. Aber wir hoffen, dass dieser Effekt keinen Einfluss auf unser Seeeis hat…
Warum dauert es im Winter 2022/2023 besonders lange bis der Silsersee zufriert?
Laut MeteoSchweiz[iii] spielt für das Zufrieren der Engadiner Seen schon die Lufttemperatur im Oktober eine Rolle. Im Sommer 2022 waren im Engadin nicht nur die sommerlichen Tagesmittel deutlich über dem Durchschnitt, vor allem auch der Oktober und die Zeit von Mitte Dezember bis Mitte Januar waren deutlich wärmer als normal.
Obwohl Mitte Januar sowohl die Wassertemperatur als auch die Lufttemperatur das Zufrieren des Sees erlaubt hätte, hielten sich bis Anfang Februar immer noch ein paar Wasserlöcher, die einfach nicht zugehen wollten. In einer Sendung des Radio SRF[iv] wird das mit dem langanhaltenden, starken Nordwind und der damit verbundenen Wasserumwälzung erklärt.
Links
Verhaltenstips der Engadin St. Moritz Tourismus AG beim Betreten von Schwarzeis
https://www.engadin.ch/de/eissport/verhaltenstipps-beim-betreten-von-schwarzeis/
Im Januar 2023 warnt die Comune di Bregaglia vor dem Betreten des Schwarzeises
https://comunedibregaglia.ch/pubblicazioni/avvisi/avvisi-permanenti/556-avvertimento-sull-accesso-ai-laghi-dell-engadina-alta-2
Zum Tragverhalten von Eis hat die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG 2012 einen Leitfaden herausgegeben. https://icefishing.ch/web/images/stories/icefishing/pdf/Tragverhalten_von_Eis.pdf
Ein Projekt der EAWAG zeigt am Beispiel des Hallwilersees, wie sich die Wassertemperatur über die Seetiefe mit der Zeit verändert. https://www.datalakes-eawag.ch/datadetail/1046
[i]https://www.meteoschweiz.admin.ch/wetter/wetter-und-klima-von-a-bis-z/seegfroernen.html [abgerufen am 08.02.2023]
[ii] https://www.srf.ch/audio/wetterfrage/warum-gefriert-der-silsersee-trotz-kaelte-noch-nicht?id=12330151 [abgerufen am 08.02.2023]
[iii] https://www.meteoschweiz.admin.ch/ueber-uns/meteoschweiz-blog/de/2023/02/schwarzeis-im-oberengadin.html [abgerufen am 08.02.2023]
[iv] https://www.srf.ch/audio/wetterfrage/warum-gefriert-der-silsersee-trotz-kaelte-noch-nicht?id=12330151 [abgerufen am 08.02.2023]