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Text: Sarah Kohler
Fotos: Njazi Nivokazi
Als am 30. Mai 1930 im aargauischen Menziken ein kleiner Bub das Licht der Welt erblickte, war sein Weg zur Zigarre schon deutlich vorgespurt: Vater Max und Onkel Hans führten damals bereits in zweiter Generation die Geschäfte der 1888 gegründeten Stumpenfabrik im luzernischen Pfeffikon. In deren ländlicher Umgebung wuchs der Bub fortan auf, genau wie seine Schwester Monika und sein Bruder Kaspar, der später auf dem politischen Parkett von sich reden machen würde. Ja, sein Weg zur Zigarre verlief seit Tag eins in ordentlich abgesteckten Bahnen. Seither geht er ihn beharrlich weiter: Heinrich Villiger wurde heuer 89 Jahre alt.
Das ist ein stolzes Alter, und so mancher hätte sich längst zur Ruhe gesetzt und würde die Tage entspannt begehen: mit Jagen, Ski-, Fahrrad- oder Motorradfahren, zum Beispiel – alles Hobbys von Heinrich Villiger. Der jedoch ist in der Firma noch immer voll am Ruder, führt die operativen Geschäfte und präsidiert die Verwaltungsräte der Villiger Söhne Holding AG sowie der Villiger Söhne AG in Pfeffikon. Ausserdem sitzt er in den strategischen Führungsgremien diverser Beteiligungsfirmen. Villiger leitet einen Grosskonzern: Auch wenn sein Name in der Schweiz für viele untrennbar mit dem urchigen Stumpen verbunden ist, gehört er de facto zu den grössten Zigarilloproduzenten Europas.
Das Handwerk lernte er von der Pike auf: Während sein Bruder die politische Laufbahn wählte, um die Ansinnen der (Tabak-)Wirtschaft zu vertreten, absolvierte Heinrich Villiger klassisch eine Handelsschule und eine vierjährige Ausbildung in Rohtabak, die ihn in die USA, nach Puerto Rico, Kuba und in die Dominikanische Republik sowie an die Tabakbörse in Holland führte. Es folgten Aufenthalte in Brasilien sowie der Türkei und eine Ausbildung in der Technik der Zigarren- sowie Zigarettenherstellung. Ab 1954 fungierte Heinrich Villiger als Teilhaber und Verwaltungsrat in den Unternehmen der Villiger-Gruppe. Vier Jahre später, als Kaspar Villiger in den Bundesrat gewählt wurde, übernahm er dessen Beteiligungen. Seither ist er Alleininhaber der Villiger Söhne Holding AG. Ebenfalls 1958 heiratete Heinrich Villiger seine Frau Martina, eine Tochter aus der Zigarren-Dynastie Burger. Das Paar hat heute vier erwachsene Kinder. «Kapitulieren», meinte der Patron alter Schule vor ein paar Jahren in einem Interview mit Cigar, «gehört grundsätzlich nicht zu unserer Strategie.» Es scheint ein Motto zu sein, dem Heinrich Villiger beharrlich treu bleibt. Genau wie seinem Bekenntnis zur Schweiz: Übernahmeangebote lehnte er stets ab, das Stammwerk in Pfeffikon, wo die Schweizer Produktion heute noch angesiedelt ist, gehört zum Ortsbild wie der Kirchturm mit seinen farbigen Ziegeln.
Heinrich Villiger seinerseits gehört zur Schweizer Zigarrenwelt wie kaum ein Zweiter – als Geschäftsmann genau wie als Mensch. Das zeigen auch seine regelmässigen Auftritte am Big Smoke in Zürich, wenn er sich jeweils unter die Aficionados mischt und auf der Bühne immer mal wieder deutliche Worte findet, um über die «Gesundbeter in ihrem Wahn» zu wettern. Nicht erst mit 89 nimmt Villiger kein Blatt vor den Mund und gut möglich, dass das mit ein Grund dafür ist, dass er die Unternehmensführung nun schon seit Jahrzehnten bestreitet. Es gab durchaus schon den Versuch, einen Nachfolger zu installieren: zuletzt den ehemaligen Conzzeta- CEO Robert Suter. Es blieb beim kurzen Gastspiel: Zwischen dem branchenfremden Nichtraucher und dem passionierten Stumpenpatron schiens nicht gut genug zu geigen. Nun könnte es allenfalls der Enkel richten: Lucien Villiger, studierter Architekt und Ende 20, sitzt seit 2018 im Verwaltungsrat der Villiger Söhne Holding AG und der Villiger Söhne AG. Vielleicht ist ja auch sein Weg zur Zigarre vorgezeichnet.