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::Lowcost Leslie-Kabinett::
Angefangen hat alles mit dem Suchen einer geeigneten Ausschlachtorgel für die Tastatur meines Modularsynthesizers. Dabei bin ich auf eine BK-20B von Yamaha gestossen, die auch über einen eingebauten Leslie verfügt. Ungewöhnlicherweise fand sich nicht die übliche Holz- oder Styroportrommel vor einem Lautsprecher, sondern ein kleiner Lautsprecher, der auf einer Achse mit Gegengewicht rotiert. Ungewöhnlich, aber sicher eine gute Lösung. Yamaha hat auch Selbständige Lautsprecher gebaut, die ein solches Ding enthalten.
Nur die Mittel- und Hochtöne gelangen durch diesen Rotationslautsprecher, die Bässe der Orgel kommen über einen separaten Lautsprecher. Dazu ist eine Frequenzweiche vorhanden, die aber überbrückt werden kann, um nur statischen Klang zu erhalten.
Das Design des Kabinets, in dem die Leslieeinheit fortan ihren Dienst antreten soll, ist insofern ungewöhnlich, da der Lautsprecher um eine waagrechte Achse rotiert und der Klang das Gehäuse auf der Oberseite und den Seiten verlässt. Beim richtigen Lesliespeaker rotiert das Horn um eine senkrechte Achse.
Als ich das erste mal als Hammond-Grünschnabel ein Leslie gesehen habe, dachte ich erst, dass das Horn tatsächlich um eine waagrechte Achse rotiert, und hatte das Design in etwa so in Erinnerung, wie mein Gehäuse nun aussieht. Tatsächlich war es ein Leslie 760, bei dem die 'Vorhänge' herausgeschnitten wurden...
Was sollte nun mit dem Bass geschehen? Entweder ein elektronisch verzögertes Tremolo oder eine mechanische Trommel stand zur Debatte. Die Wahl it auf eine Trommel gefallen, weils technisch interessanter und einfacher erschien. Die Kiste erhielt Rollen, was beim Transport den Rücken und den Boden gleichermassen schont.
Nun wurde die arme Electone ausgeschlachtet. Ohne Schaltpläne wurden mit Multimeter die noch benötigten Komponenten von der Klangerzeugung getrennt. Die massiven Kabelbäume und kilometerlanges Gedrähte machten die Sache nicht einfach, aber besser ein solides, aufgeräumtes und durchschaubares Orgelinnenleben als irgend ein billiges Gebastel. Nachdem die Orgel komplett zerlegt war, blieb für den Leslie noch das Netzteil, der Verstärker, die Rotationseinheit und der Basslautsprechen inklusive Weiche und aller Schalter übrig.
Nachdem die Gehäuseteile ausgeschnitten und teilweise montiert waren, konnten die Komponenten an den neuen Platz geschraubt werden. Die Schalter wurden durch Relais ersetzt, hier und dort Kabel gekürzt und angepasst, Eingangsbuchse und Netzschalter eingebaut, und siehe da: alles funktionierte noch wie gewohnt!
Nach diesem Erfolg kam die Basstrommel an die Reihe. Als Motor war ein alter Lüftermotor sammt Steuerung aus einem Laborofen vorgesehen. Die Trommel selbst wurde aus Styropor geschnitten. Damit die Deckel schön rund wurden, ging ich dabei nach auf dem Bild gezeigten Verfahren vor, bei dem ein heisser Draht den Schnitt erledigte. Als Modellflieger habe ich so schon ganze Flugzeuge aus dem Vollen geschnitten. Die Achse wird mit 2 Kugellagern und Stellringen in Position gehalten, die auch die Trommel fixieren. Auf dem Trommeldeckel befindet sich eine dünne Holzverstärkung, auf den auch der Ring für den Antieb geklebt ist. Um den Rundlauf zu garantieren, habe ich dazu eine Lehre angefertigt. Als Antriebsriemen dient eine Gummikordel. Die Trommel selbst sollte sehr leicht sein, um den Motor nicht unnötig zu belasten und nicht ewig zu beschleunigen. Ausgewuchtet sollte das Ding auch sein.
Momentan habe ich noch Probleme, dass die Steuerung des zweiten Motors den Verstärker zum Brummen bringt, und die Relais beim Schalten ein Knacken generieren. Aber sonst klingt es nicht übel.
Beim Basteln geht auch nie alles glatt, so habe ich z.B. den Lautsprecherausschnitt zu gross gemacht, was einen Adapter erforderte, der über den Ausschnitt geklebt wurde.
Weitere Arbeiten dürften die Entknackung des Schaltvorganges sein, die Lackierung des Gehäuses mit Struckturlack und ein Stoffbezug der Schallöffnungen.
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