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Die ewige Streitfrage: «Hat neben und in der Natur Technik überhaupt Platz?» Kraftwerk und Stausee geben in Klingnau dazu eine klare und überzeugende Antwort. Nach dem Rückzug der Gletscher nach der letzten Eiszeit wurde im Gletschervorfeld Schotter abgelagert. So ist auch das untere Aaretal entstanden. Das Schmelzwasser hat eine gewaltige Erosionskraft entfaltet und verschiedene Wasserläufe, Kiesinseln und Auenwälder gebildet. Durch das geringe Gefälle zwischen Böttstein und Koblenz kam es zu stetigen Auflandungen. Als Folge davon gab es immer wieder Überschwemmungen des Landwirtschaftsgebietes und in den angrenzenden Dörfern. 1885 beschloss der Grosse Rat, den Fluss zwischen Böttstein und der Mündung in den Rhein zu korrigieren. Die Aare wurde in ein kanalisiertes Bett gezwängt, beidseitig schützen Hochwasserdämme das Umland. Der Bau dieses Grossprojektes startete 1886 und erst nach 18 Jahren Bauzeit war das Werk vollendet. Der begradigte Aarelauf weckte die Idee, die Wasserkraft zu nutzen und ein Flusskraftwerk zu erstellen. 1929 wurde die Konzession erteilt. 1935 ging das Kraftwerk in den Vollbetrieb. Beidseitige Kanäle sammeln das Seitengewässer und führen es der Aare unterhalb des Kraftwerkes zu. Gegen den Bau des Kraftwerkes wurde in den 1920-er Jahren heftig gestritten. Vor allem die Konkurrenz und Wirtschaftskreise waren gegen das Kraftwerk. Der inländische Energiebedarf war damals fast vollständig gedeckt und die Schweiz befand sich in einer Wirtschaftskrise. Der Bau diente aber der Arbeitsbeschaffung und nach der Krise ging es wirtschaftlich rasch aufwärts und man war um diese weitere Energiequelle sehr froh. Naturschutzkreise stellten sich auch gegen das Kraftwerk, vor allem gegen den künstlichen See, welcher neu die Talsohle beherrschen sollte. Aber auch die Naturfreunde wurden überrascht. Der Stausee entwickelte sich schon bald nach seiner Entstehung zu einem Vogelbiotop von europäischer Bedeutung. Die ausgedehnten Schilfflächen, Seichtwasserzonen und Schlickflächen bieten einer Vielzahl von verschiedenen Vogelarten Nahrung, Deckung und Brutmöglichkeiten. So können bis jetzt 270 Vogelarten nachgewiesen werden. birdlife Aargau (der Verband hat rund 16 000 Mitglieder und 130 Sektionen) hat einen Vogelbeobachtungsturm errichtet und in unmittelbarer Nähe dazu seit 2019 ein neues Naturschutzzentrum (Bild) eröffnet, in welchem über Feuchtgebiete, Auen, Fliessgewässer und Vögel informiert wird. Rund um den Stausee kann man gemütlich spazieren, den kinderwagentauglichen Rundgang geniessen oder mit dem Velo, z.B. ab Bahnhof Döttingen, in das üppige Sommergrün dieser besonderen Natur-Wasser- und Uferlandschaft fahren.