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Linguistische Einheiten in Schreibbursts Eine Untersuchung zu Formulierungsprozessen von Primarschüler*innen
Autorin: Dr. des. Stefanie Wyss
Im SNF-Projekt «BASCH – Basale Schreibfähigkeiten fördern» unter der Projektleitung von Prof. Dr. Afra Sturm und Prof. Dr. Hansjakob Schneider wurden u. a. die narrativen Texte mit Smartpens erhoben und die Bursts ausgewertet. Unter einem Schreibburst wird eine Schreibaktivität zwischen zwei Pausen verstanden. Die Untersuchung von Bursts ist u. a. deshalb von Interesse, weil Studien aufzeigen, dass gute Schreiber*innen längere Bursts verfassen und die Burstlänge mit der Textqualität korreliert (Alves et al. 2015). Allerdings gibt es nur wenige Studien, in denen die sprachlichen Einheiten dieser Bursts in den Blick genommen werden. Erkenntnisse z. B. aus der Psycholinguistik weisen darauf hin, dass eine linguistische Einheit wie beispielsweise eine Nominalphrase oder satzartige Strukturen als Ganzes abgerufen werden. Solche vorfabrizierten Prozeduren entlasten das Arbeitsgedächtnis und müssten folglich auch in den Bursts als solche erscheinen. Über die linguistische Qualität der Burst ist nur wenig bekannt: In den bisherigen Studien (z. B. Olive & Cislaru 2015) wurden Schreibprozesse von Erwachsenen bzw. Student*innen untersucht; Ergebnisse dieser Art können aber nicht auf Schreibnoviz*innen übertragen werden. In der Arbeit wurde so vorgegangen, dass die Schreibprozessdaten von narrativen Texten (Klasse 4) als Datengrundlage für eine linguistische Analyse dienten. Zuerst wurden die Bursts danach untersucht, ob sie «gesättigt» (z. B. Satz) bzw. «ungesättigt» (damit sind beispielsweise unvollständige Phrasen gemeint) sind. In einem weiteren Schritt wurden die gesättigten Bursts einer syntaktischen Kategorie zugeteilt. Der Sättigungsgrad wurde weiter mit dem sprachlichen Hintergrund der Schüler*innen in Bezug gesetzt. Eine Erkenntnis dieser Arbeit ist, dass das flüssige Abrufen von sprachlichen Einheiten einen positiven Zusammenhang mit der Textqualität aufweist. So wurde beispielsweise ein positiver Zusammenhang zwischen dem prozentualen Anteil gesättigter Bursts und der Textqualität festgestellt sowie ein negativer Zusammenhang beim prozentualen Anteil ungesättigter Bursts und Textqualität. Die Resultate zeigen, dass das flüssige Abrufen von sprachlichen Einheiten im Formulierungsprozess für Schüler*innen mit Deutsch als Zweitsprache wichtiger ist als für Schüler*innen mit Deutsch als Erstsprache: Können Schüler*innen mit DaZ grössere Einheiten wie Sätze flüssig abrufen, hat dies positive Effekte auf die Textqualität. Eine wichtige linguistische Einheit im Schreibprozess sind satzartige Strukturen, die eine besondere Stellung im Formulierungsprozess einnehmen. Daraus kann abgeleitet werden, dass eine Förderung der Formulierungsflüssigkeit bei solchen Strukturen ansetzen könnte.