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Hochgeachteter Herr Bundesrath!
In Folge einer Abwesenheit von Zürich, welche ich zu machen genöthigt war, wird es mir leider erst heute möglich, Ihnen für die in Ihrem geschätzten Schreiben vom 12 dß.1 enthaltenen Mittheilungen zu danken & mich über dieselben gemäß Ihrer verehrl. Einladung auszusprechen.
Die Ansichten, welche ich Ihnen letzthin zu entwickeln die Ehre hatte, sind unverändert dieselben geblieben: es scheint mir ungemein wünschbar, daß bei der Unklarheit der Situation in der Angelegenheit der Tessin'schen Eisenbahnen die Bundesbehörden möglichst viel Einfluß auf den Gang der Dinge auszuüben in der Lage bleiben.2 Ich begreife, daß, wenn die von Ihnen dem Consul Rapp3 gestellten Fragen in befriedigender Weise beantwortet werden, es schwieriger wird, eine bloß vorläufige & noch nicht abschließliche Genehmigung des Finanzausweises auszusprechen.4 Indessen steht noch dahin, ob Ihre Fragen in vollständig genügender Weise beantwortet werden. Und sodann bleibt immerhin sehr fraglich, ob das für den Bau der Tessin'schen Bahnen in Aussicht | genommene Baucapital hinreiche & ob es bei diesen Bahnen möglich sein wird, die Hälfte des erforderlichen Capitales in Obligationen zu beschaffen. Es will mir also scheinen, Stoff zu einer bedingten Genehmigung wäre unter allen Umständen vorhanden & es wäre der Vorbehalt des Art. 4 des Beschlusses der Bundesversammlung5 als die jedenfalls gelinderte Form einer solchen bedingten Genehmigung anzusehen.
Die Ihnen wohl bereits bekannte Ratification der Gotthardt Übereinkunft durch den Tessin'schen Großen Rath6 ist eine erfreuliche Thatsache. Die Wahl neuer Ständeräthe dürfte mit der Alpenbahnfrage auch wenigstens in etwelchem Zusammenhange stehen.7
Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von
Ihrem freundschaftlich ergebenen
Dr A Escher
Belvoir
15. Mai 1864.