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Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) ist ein seltener, bösartiger Tumor der Schilddrüse. Je nachdem, von welchem Zelltyp der Schilddrüse er ausgeht, unterscheiden sich die Behandlung und der Krankheitsverlauf.
Mediziner teilen Schilddrüsenkrebs in sogenannte papilläre, follikuläre, anaplastische und medulläre Karzinome ein. Bei letzteren ist die Besonderheit, dass sie nicht aus Zellen entstehen, die für die Schilddrüsenhormone T3 und T4 zuständig sind. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom entsteht aus den C-Zellen, die den Kalziumhaushalt hormonell steuern, und kann gemeinsam mit anderen Tumoren (z.B. der Nebenniere) auftreten. Der Mediziner spricht dann von einem MEN-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie).
Zu den bisher bekannten Ursachen von Schilddrüsenkrebs zählen der Jodmangel, ionisierende Strahlen, Vorerkrankungen der Schilddrüse (z.B. das gutartige Schilddrüsenadenom) und genetische Faktoren.
Liegt ein Schilddrüsenkarzinom vor, treten Beschwerden im Allgemeinen erst mit zunehmender Krankheitsdauer auf. Manche Patienten ertasten den Tumor oder bemerken – wenn der Schilddrüsenkrebs bereits die benachbarten Halsregionen befallen hat – angeschwollene oder verhärtete Lymphknoten. Drückt das Schilddrüsenkarzinom auf Luft- oder Speiseröhre, kommen Beschwerden wie Atemnot oder Schluckstörungen hinzu. Auch Heiserkeit ist ein mögliches Symptom, weil der Schilddrüsenkrebs die Nervenversorgung des Kehlkopfs beeinträchtigen kann.
Die Diagnose stellt der Arzt mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall und Szintigraphie. Ebenfalls wichtig ist eine Gewebeprobe (Biopsie). Je nachdem, wie sehr die entnommenen Krebszellen noch gesundem Schilddrüsengewebe ähneln, können Ärzte abschätzen, ob es sich um einen sehr aggressiven Tumor handelt oder nicht.
Die Behandlung von Schilddrüsenkrebs besteht vorwiegend kombiniert aus Operation, Bestrahlung und Hormontherapie. Bei der Operation entnimmt der Chirurg die Schilddrüse in der Regel komplett. Ausserdem entfernt er die Halslymphknoten. Die Bestrahlung kann in Form der sogenannten Radiojodtherapie erfolgen. Die operierten Patienten nehmen dabei radioaktives Jod auf, das sich in verbliebenen Tumorresten oder Metastasen anreichert und den Krebs zerstört. Die Hormontherapie versorgt die behandelten Patienten mit Schilddrüsenhormonen, die sie bei entfernter Schilddrüse nicht mehr selber bilden können.
Die Heilungsaussichten von Schilddrüsenkrebs hängen von der Art und dem Stadium des Tumors ab, sind im Allgemeinen jedoch recht gut.
Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) ist ein bösartiger Tumor, der von den Zellen der Schilddrüse ausgeht. Je nachdem, aus welchen Zellen der Schilddrüsenkrebs entstanden ist, unterscheidet man mehrere Arten von Schilddrüsenkarzinomen:
Die Schilddrüse wiegt zwischen 25 und 30 Gramm. Sie besteht aus zwei Seitenlappen, die über den Schilddrüsenmittellappen (sog. Schilddrüsen-Isthmus) miteinander verbunden sind. Die Schilddrüse liegt mittig im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfs. Mit ihren Seitenlappen liegt sie der Luft- und Speiseröhre seitlich an.
Die Schilddrüse bildet wichtige Hormone. Die Drüsenzellen produzieren und speichern die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) und geben sie ins Blut ab. T4 und T3 steuern – im Zusammenspiel mit vielen anderen Botenstoffen – den Energiehaushalt und beeinflussen Körperfunktionen (z.B. die Herzfrequenz). In der Schilddrüse kommen ausserdem sogenannte C-Zellen vor. Sie produzieren keine Schilddrüsenhormone sondern Kalzitonin, ein Hormon, das den Kalzium- und Phosphatspiegel im Blut reguliert.
In der Schweiz erkranken jährlich schätzungsweise 300 Menschen an einem Schilddrüsenkarzinom. Schilddrüsenkrebs gehört damit zu den seltenen Krebserkrankungen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei Frauen um das 52., bei Männern um das 56. Lebensjahr.
Zu den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen gehören das papilläre und das follikuläre Schilddrüsenkarzinom. Der Begriff «differenziert» lässt sich so erklären: In ihrer Struktur ähneln differenzierte Tumorzellen noch weitgehend dem normalen Schilddrüsengewebe und haben damit einen niedrigen Grad der Bösartigkeit. Dies spiegelt sich unmittelbar in den Heilungschancen wider. Differenzierte Schilddrüsenkarzinome gehören zu den Tumoren mit den besten Heilungsaussichten überhaupt.
Papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome unterscheiden sich hinsichtlich der Bildung von Tochtergeschwulsten (Metastasen): Das papilläre Karzinom bildet Tochtergeschwulste vorwiegend in den Lymphknoten in der Nähe der Schilddrüse. Metastasen an entfernt liegenden Organen (Fernmetastasen) treten häufiger in der Lunge als in Knochen auf. Bei Patienten unter 40 Jahren sind Fernmetastasen dieser Form des Schilddrüsenkrebs sehr selten.
Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom entwickelt dagegen nur selten Lymphknotenmetastasen. Kommt es zu Tochtergeschwulsten, handelt es sich vorwiegend um Fernmetastasen, die Lunge und Knochen in gleicher Häufigkeit befallen.
Zu den undifferenzierten Schilddrüsenkarzinomen, die auch als anaplastische Karzinome bezeichnet werden, gehören sogenannte spindelzellige, parenchymatöse und kleinzellige Karzinome. Im Gegensatz zu den differenzierten Tumorzellen, ähneln undifferenzierte Formen von Schilddrüsenkrebs dem normalen Schilddrüsengewebe kaum noch. Sie weisen einen hohen Grad an Bösartigkeit auf – das heisst zum Beispiel, dass sie schnell und aggressiv in das umliegende Gewebe einwachsen.
Meist sind bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung Lymphknoten- und Fernmetastasen vorhanden. Neben der Lunge und den Knochen sind vor allem das Gehirn und die Leber betroffen.
Das medulläre Schilddrüsenkarzinom entwickelt sich aus bestimmten Zellen der Schilddrüse, die nicht an der Bildung von Schilddrüsenhormonen beteiligt sind, den C-Zellen. Sie produzieren ein für den Kalziumstoffwechsel wichtiges Hormon, das Kalzitonin. Es treten sowohl Lymphknotenmetastasen als auch Fernmetastasen (z.B. in Lunge, Leber, Knochen und Nebenniere) auf.
Wie bei vielen Erkrankungen sind auch bei Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) die Ursachen noch nicht restlos aufgeklärt. Es sind jedoch einige Faktoren bekannt, die eine Entstehung von Schilddrüsenkrebs begünstigen: In Gebieten mit Jodmangel ist das Risiko, an einem Schilddrüsenkarzinom zu erkranken, regelmässig erhöht. Auch ionisierende Strahlen können an der Entwicklung von Schilddrüsenkarzinomen beteiligt sein. Deshalb erkranken zum Beispiel Menschen – insbesondere Kinder – die aufgrund einer Reaktorkatastrophe einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt waren, vermehrt an Schilddrüsenkrebs. Als Vorerkrankungen mit einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenkrebs gelten Kropferkrankungen (sog. Struma) – vor allem für Personen unter 50 Jahren – und gutartige Adenome der Schilddrüse.
Darüber hinaus kann die Veranlagung, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, erblich bedingt sein. Insbesondere das medulläre Schilddrüsenkarzinom kommt im Rahmen des sogenannten MEN-Syndroms II in manchen Familien deshalb gehäuft vor. MEN steht für «multiple endokrine Neoplasien». Bei dem Syndrom erkranken meist junge Erwachsene an mehreren Tumoren verschiedener Hormondrüsen. So sind neben medullären Schilddrüsenkarzinomen oft zusätzlich Tumoren der Nebenniere und der Nebenschilddrüse vorhanden. Bei Personen mit dieser Erkrankung sollte die gesamte Familie auf den zugrunde liegenden Gen-Defekt auf dem Chromosom 11 untersucht werden und regelmässig an Früherkennungs-Untersuchungen teilnehmen.
Zu Beginn der Erkrankung ruft der Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) kaum Symptome hervor. Die Betroffenen bemerken ihn daher gar nicht. Erst mit zunehmender Tumorgrösse kommt es dann zu Beschwerden. Erkrankte ertasten einen Knoten in der Schilddrüse, der mit der Zeit grösser wird und durch Druck auf die Speise- beziehungsweise Luftröhre das Essen und Atmen erschweren kann.
Schädigt der wachsende Schilddrüsenkrebs Nervenbahnen, können Symptome hinzutreten, die Mediziner als Ausfallerscheinungen zusammenfassen: Die Stimme kann infolge einer Lähmung der Stimmlippen heiser klingen. Ausserdem kann sich ein sogenanntes Horner-Syndrom entwickeln: Dabei ist die Pupille verengt, der Augapfel ist in die Augenhöhle zurückgesunken und das Oberlid der betroffenen Seite hängt herab.
Sind Halslymphknoten von dem Schilddrüsenkarzinom befallen, sind diese sehr geschwollen und mit ihrer Umgebung «verbacken» – das heisst sie lassen sich im Gewebe schlecht verschieben.
Hat der Arzt den Verdacht auf Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom), sichert er die Diagnose mithilfe unterschiedlicher Untersuchungen. Am Anfang erhebt der Arzt die Anamnese, das heisst er befragt den Patienten ausführlich zu seiner Krankengeschichte. So kann er herausfinden, ob es zum Beispiel schon Fälle von Schilddrüsenkrebs in der Familie des Patienten gab.
Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt in einigen Fällen das Schilddrüsenkarzinom als Knoten in der Schilddrüse ertasten.
Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der Arzt die gesamte Schilddrüse hinsichtlich ihrer Grösse und Gewebsveränderungen beurteilen und flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) von Tumoren unterscheiden. Blutuntersuchungen geben Auskunft über die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse und können zum Beispiel anhand der Kalzitonin-Konzentration auf ein medulläres Schilddrüsenkarzinom hinweisen.
Ein wichtiges Untersuchungsverfahren der Schilddrüsenkrebs-Diagnose ist die Schilddrüsen-Szintigraphie. Die Szintigraphie kann die Unterscheidung zwischen einer sogenannten Schilddrüsenautonomie und einem krebsverdächtigen Knoten erleichtern. Bei der Untersuchung erhält der Patient den leicht radioaktiven Stoff Technetium als Injektion in die Vene. Je nachdem, wie das Schilddrüsengewebe beschaffen ist, nimmt es das Technetium (kurz Tc 99m) auf: Gebiete mit einer verminderten oder fehlenden Tc-Aufnahme bezeichnet man als "kalte Areale", wohingegen Gebiete mit einer erhöhten Aufnahme «heisse Areale» heissen. Befinden sich im Gebiet einer verminderten Tc-Aufnahme Knoten, werden diese «kalte Knoten» genannt; ein Knoten im Gebiet mit erhöhter Tc-Aufnahme heisst dementsprechend «heisser Knoten». Szintigraphisch heisse Areale sind Zeichen einer Schilddrüsenautonomie. Verdächtig auf Schilddrüsenkrebs sind szintigraphisch kalte Knoten. Um die Diagnose zu sichern, muss der Arzt weitere Untersuchungsmethoden einleiten – zum Beispiel punktieren.
Bei der Schilddrüsen-Punktion (Feinnadelpunktion) sticht der Arzt mit einer dünnen Nadel in den krebsverdächtigen Knoten ein und entnimmt einige Zellen zur feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop. Bei dem kleinen Eingriff verspürt der Patient in der Regel kaum Schmerzen und eine Vollnarkose ist nicht notwendig. In manchen Fällen lässt sich anhand der entnommenen Zellen der Schilddrüsenkrebs sicher erkennen. Ein negativer Befund der Feinnadelpunktion schliesst ein Schilddrüsenkarzinom jedoch nicht sicher aus. Insbesondere bei follikulären Tumoren ist es oft schwierig zu beurteilen, ob es sich um bösartige (follikuläres Karzinom) oder gutartige (follikuläres Adenom) Tumoren handelt. Stellt der Arzt eine solche unklare follikuläre Neoplasie fest, entfernt er den verdächtigen Knoten sicherheitshalber. Erst nach diesem Eingriff stellt sich bei Gewebeuntersuchungen heraus, ob der Knoten gutartig oder bösartig war.
Bestätigt sich der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, gehört nun zur Diagnose, dass der Arzt bestimmt, wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat (sog. Staging). Dazu nutzt er bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs, eine Kehlkopfspiegelung sowie eine Knochenszintigraphie sind ebenfalls notwendig, um zum Beispiel Tochtergeschwulste (Metastasen) in Lunge oder Knochen zu entdecken.
Die Wahl der geeigneten Schilddrüsenkrebs-Therapie (Schilddrüsenkarzinom-Therapie) hängt von der Art des Tumors sowie vom Ausbreitungsgrad der Erkrankung ab. Die Entscheidung über die individuell beste Behandlung treffen Fachleute der verschiedenen medizinischen Disziplinen und dem Erkrankten gemeinsam. Chirurgen, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten und Stoffwechselexperten arbeiten bei der Therapie zusammen. Bei Schilddrüsenkrebs stehen die Operation, die Bestrahlung in Form einer Radiojodtherapie oder einer äusserlichen Bestrahlung als Therapie-Optionen zur Verfügung. Die Hormontherapie ist dann notwendig, wenn die Patienten – zum Beispiel nach der kompletten Entfernung der Schilddrüse – kontinuierlich Schilddrüsenhormone einnehmen müssen.
Chemotherapien spielen bei der Schilddrüsenkrebs-Therapie bisher kaum eine Rolle, da diese Tumoren oft nur wenig empfindlich auf die dabei einsetzbaren Medikamente (Zytostatika) reagieren. Bei verstreut liegenden Metastasen und besonders aggressiven Tumorarten kann die Chemotherapie beim Schilddrüsenkarzinom dennoch gute Aussichten auf Erfolg bieten.
Das anaplastische Schilddrüsenkarzinom ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung meist bereits in Nachbarorgane eingewachsen und hat häufig auch schon Tochtergeschwulste gebildet. Mittels Operation verkleinert der Arzt den Tumor, damit er nicht zu Schluck- oder Atembeschwerden führt. Da ein anaplastisches Schilddrüsenkarzinom im Allgemeinen kein Jod aufnimmt, ist die Radiojodtherapie hier nicht sinnvoll. Eine Bestrahlung der Halsregion von aussen (perkutane Bestrahlung) zeigt dagegen beim anaplastischen Schilddrüsenkarzinom Wirkung.
Die Entfernung der gesamten Schilddrüse und der unmittelbar benachbarten Lymphknoten ist bei Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) die Behandlung mit den besten Heilungsaussichten. Befindet sich in einem der entnommenen Lymphknoten eine Metastase, entfernt der Operateur auf der befallenen Halsseite sämtliche Halslymphknoten (Neck-dissection).
Wenn keine Halslymphknoten befallen sind, reicht es bei kleinen Tumoren von weniger als einem Zentimeter Durchmesser manchmal, nur eine Hälfte der Schilddrüse zu entfernen (Hemithyreoidektomie).
Auch beim medullären Schilddrüsenkarzinom spielt die Operation eine wichtige Rolle in der Behandlung. Der Chirurg entfernt die Schilddrüse und die Halslymphknoten dabei vollständig. Eine Radiojodtherapie ist nicht sinnvoll, denn dieser Tumor speichert kein Jod. Im Anschluss an die Operation wird die Halsregion meist zusätzlich von aussen bestrahlt. Vor allem dann, wenn der Arzt die Schilddrüse nicht komplett entfernen konnte oder wenn Metastasen in Lymphknoten entstanden sind, sollte eine Bestrahlung erfolgen.
Die Radiojodtherapie als besondere Form der Strahlentherapie kann bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen angewendet werden, da bei diesen Formen von Schilddrüsenkrebs die Fähigkeit zur Jodaufnahme und -speicherung erhalten bleibt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Radiojodtherapie ist eine möglichst vollständige operative Entfernung des Schilddrüsengewebes.
Bei der Radiojodtherapie erhalten die Erkrankten radioaktives Jod meist in Form von Kapseln, die sich erst im Magen auflösen. Die Dosierung richtet sich nach dem jeweiligen Befund. Da Jod ausschliesslich von Schilddrüsengewebe aufgenommen und gespeichert wird, sammelt es sich in den Schilddrüsenkrebszellen an und zerstört diese durch seine Strahlung. Die Radiojodtherapie richtet sich damit gegen alle Krebszellen, die nach der operativen Entfernung der Schilddrüse im Körper verblieben sind. So kann die Radiojodtherapie Tochtergeschwulste (Metastasen), zum Beispiel in der Lunge, bekämpfen. Die Radiojodtherapie erfolgt etwa vier Wochen nach der Operation und kann bei Bedarf wiederholt werden.
Zu den unmittelbaren Nebenwirkungen der Radiojodtherapie gehören Schmerzen im Bereich der verbliebenen Rest-Schilddrüse oder im Bereich der Metastasen und eine vorübergehende Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Auch die Speicheldrüsen können sich entzünden. Vorübergehend ändert sich auch die Zusammensetzung des Knochenmarks, was die Betroffenen anfälliger für Infekte macht. Eine Spätkomplikation ist bei 10 bis 20 Prozent der Behandelten eine Funktionsstörung verschiedener Drüsen mit Mundtrockenheit und Bindehautentzündung (Sicca-Syndrom). Sehr seltene Spätfolgen sind eine Leukämie und eine Lungenfibrose.
Nach einer operativen Entfernung der kompletten Schilddrüse und anschliessender Radiojodtherapie befindet sich im Körper des so behandelten Patienten kein funktionsfähiges Schilddrüsengewebe mehr. Darum müssen die Betroffenen lebenslang Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten einnehmen, um die fehlende Hormonproduktion der Schilddrüse auszugleichen.
Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) ist nicht gleich Schilddrüsenkrebs – Verlauf und Prognose hängen deshalb davon ab, um welchen Tumor es sich genau handelt. Wie bei den meisten Krebsarten ist auch bei Schilddrüsenkrebs entscheidend, welches Stadium der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits erreicht hat.
Ob im Anschluss an die Behandlung des Schilddrüsenkrebs eine Rehabilitation in der Klinik notwendig ist, entscheidet sich im Einzelfall. Insbesondere Patienten, die nach der Operation den Kopf nicht richtig bewegen können oder Probleme mit der Hormontherapie haben, profitieren von der Rehabilitation. Im Allgemeinen geht es den Betroffenen Operationswunde jedoch gut, wenn ihre Operationswunde abgeheilt ist, sodass keine Einschränkungen im Privat- und Berufsleben zurückbleiben.
Die Heilungsaussichten beim papillären Schilddrüsenkarzinom sind sehr gut. Etwa 90 Prozent der Patienten leben noch länger als zehn Jahre nach der Behandlung. Erkrankte, die jünger als 45 Jahre alt sind, haben dabei eine bessere Prognose als ältere. Die Prognose des follikulären Schilddrüsenkarzinoms ist ebenfalls gut. Etwa 75 Prozent der Patienten leben noch länger als zehn Jahre.
Regelmässige Kontrolluntersuchungen (Ultraschall, Blutuntersuchungen) sind notwendig, um bei einem Rezidiv – also einem Wiederkehren der Erkrankung – rechtzeitig behandeln zu können. Bei der Früherkennung lässt der Arzt auch das Thyreoglobulin im Blut messen. Es handelt sich dabei um ein Eiweiss, das Schilddrüsenzellen produzieren. Es dient als sogenannter Tumormarker für den papillären Schilddrüsenkrebs. Steigt der Thyreoglobulin-Wert an, könnte ein neuer Tumor oder eine Tochtergeschwulst die Ursache dafür sein. Alle zwei Jahre erfolgt eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Drei bis vier Monate und ein Jahr nach der Radiojodtherapie wird eine Szintigraphie durchgeführt. Bei hohem Risiko für ein Rezidiv sollten sich die Betroffenen alle ein bis zwei Jahre einer Szintigraphie unterziehen.
Es gelingt nur selten, undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome vollständig zu entfernen. Patienten, die an dieser aggressiveren Form von Schilddrüsenkrebs leiden, haben eine deutlich schlechtere Prognose als Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom. Dennoch kann eine sorgsam ausgewählte Behandlung die Beschwerden deutlich lindern. Insbesondere Schmerzen sind mit einer effektiven Schmerztherapie gut zu beseitigen.
Beim medullären Schilddrüsenkrebs hängen Verlauf und Prognose in erster Linie vom Erfolg der Operation, der Grösse des Tumors sowie vom Vorhandensein von Fernmetastasen, zum Beispiel in der Lunge, ab. Auch bei Metastasen sind Überlebenszeiten von bis zu zehn Jahren möglich. Erfolg die Therapie bereits in einem sehr frühen Stadium, besteht auch beim medullären Schilddrüsenkarzinom eine 90-prozentige Chance auf Heilung. Zur Verlaufskontrolle erfolgt die regelmässige Bestimmung von Kalzitonin als Tumormarker. Ein Gentest gibt Aufschluss darüber, ob das medulläre Schilddrüsenkarzinom die Folge einer Erbkrankheit gewesen ist.
Bei Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) orientieren sich die Massnahmen zum Vorbeugen an den bisher bekannten beziehungsweise vermuteten Ursachen.
Beugen Sie also einem Jodmangel vor: Die Schweiz ist Jodmangelgebiet – das heisst die Nahrung hierzulande enthält nicht genügend Jod, um den täglichen Bedarf zu decken. Sorgen Sie dafür, dass auf ihrem Speiseplan regelmässig Fisch steht, denn Seefisch und Meeresfrüchten enthalten besonders viel Jod. Verwenden Sie zum Würzen stets jodiertes Speisesalz.
In entsprechenden Betrieben und im Gesundheitswesen beugen spezielle Vorschriften und Richtlinien einer unnötigen Strahlenbelastung vor, da Schilddrüsenkrebs die Folge ionisierender Strahlung sein kann.