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Sie ist hübsch anzuschauen, die Galaxie NGC 7727, die rund 90 Millionen Lichtjahre von unserer heimischen Galaxie, der Milchstrasse, entfernt ist. Das feine, leuchtende Gespinst um ihren hellen Kern hat ihr den Namen «Zuckerwatte»-Galaxie eingetragen.
Doch hinter dem schönen Anblick verbirgt sich Chaos. Die Zuckerwatte-Galaxie ist das Ergebnis einer gigantischen kosmischen Kollision: Vor rund einer Milliarde Jahren stiess eine klassische Spiralgalaxie, die sich ungefähr am Ort von NGC 7727 befand, mit einer anderen Galaxie zusammen. Die Verschmelzung der beiden Sternsysteme ist noch nicht abgeschlossen und hat die wohlgeordneten Spiralarme zu einem wirren Knäuel deformiert.
Dessen äussere Ränder bestehen aus interstellarem Staub und Gas. Im Inneren leuchten die Kerne der beiden nach wie vor verschmelzenden Galaxien. In deren Zentren befindet sich – wie in fast jeder Galaxie – je ein supermassereiches Schwarzes Loch. Das eine ist 154 Millionen Mal massereicher als unsere Sonne, das andere hat etwa 6,3 Millionen Sonnenmassen. Zum Vergleich: Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstrasse ist nur etwa so schwer wie 4,3 Millionen Sonnen.
Vor der Kollision befanden sich die beiden Schwarzen Löcher jeweils allein im Herzen der Vorläufergalaxien. Jetzt sind sie, zumindest in kosmischen Massstäben, nahe zusammengerückt: Nur noch 1600 Lichtjahre trennen die beiden Gravitationsmonster – bisher wurde noch kein anderes Paar von supermassereichen Schwarzen Löchern gefunden, die sich so nahe beieinander befinden. Zugleich handelt es sich um das nächstgelegene Paar von supermassereichen Schwarzen Löchern, das bisher entdeckt wurde.
Die beiden Schwarzen Löcher befinden sich auf Kollisionskurs. In etwa 250 Millionen Jahren werden sie vermutlich zusammenstossen und ein noch schwereres Schwarzes Loch bilden. Auch wenn dieses Gebilde ungeheuer massiv sein wird, spielt es noch nicht in der Liga der wirklichen Schwergewichte: Das Monster, das sich etwa im Zentrum der Riesengalaxie Messier 87 (M87 oder NGC 4486) befindet, hat eine Masse, die 6,5 Milliarden Sonnen entspricht. Das schwerste bekannte supermassive Schwarze Loch bringt es gar auf ungefähr 66 Milliarden Sonnenmassen.
Wenn wir von einer Kollision der beiden Vorläufergalaxien sprechen, kann dies freilich falsche Vorstellungen wecken. Die Abstände zwischen den Sternen innerhalb der Galaxien sind enorm – so enorm, dass Himmelskörper wie Sonnen oder Planeten nur durch einen extremen Zufall tatsächlich zusammenstossen. Es ist eher so, als würden zwei Wolken verschmelzen. Die Gravitationskräfte wirken indes auch dann, und sie haben dafür gesorgt, dass Sterne und Nebel weggeschleudert wurden und dann wieder durch die Anziehungskraft der Schwarzen Löcher näher zum Zentrum gezogen wurden.
Die Kollision von Gaswolken hat zudem einen Effekt, der sich auch in Teilen der Zuckerwatte-Galaxie beobachten lässt: Es entstehen Gebiete, in denen sich neue Sterne bilden. In der Zuckerwatte-Galaxie haben die Astronomen 23 Stellen gefunden, in denen die Rate der Sternentstehung sogar so hoch ist, dass sich dort vermutlich Kugelsternhaufen bilden – das sind riesige Ansammlungen von manchmal hunderttausenden von Sternen, die dichtesten durch Schwerkraft gebundenen Sternsysteme im Weltall.
Allerdings wird auch diese Phase enden. Irgendwann in einer fernen Zukunft wird die Zuckerwatte-Galaxie sich in eine elliptische Galaxie verwandelt haben, die dann vornehmlich aus älteren Sternen bestehen wird und in der sich kaum noch neue Sterne bilden werden.
Die Kollision zweier Galaxien ist auch deshalb interessant, weil unserer Milchstrasse ein ähnliches Schicksal blüht. Derzeit bewegen sich unsere Heimatgalaxie und die Nachbargalaxie, der Andromeda-Nebel (M31), mit einer Geschwindigkeit von rund 110 Kilometern pro Sekunde aufeinander zu und werden unweigerlich aufeinandertreffen. Derzeit sind die beiden Sternsysteme aber noch etwa 2,5 Millionen Lichtjahre voneinander entfernt – bis zur ersten Nahbegegnung zwischen den beiden Spiral-Galaxien werden beinahe vier Milliarden Jahre vergehen. Das ist fast so lange, wie etwa die Erde bisher existiert.
Wenn die Aussenbereiche der Andromeda-Galaxie und der Milchstrasse aufeinandertreffen, geschieht das mit einer Geschwindigkeit von schätzungsweise 1000 Kilometern pro Sekunde. Die beiden Kerne sind dann aber noch etwa 50'000 Lichtjahre voneinander entfernt. So dauert es weitere 16 Millionen Jahre, bis sie aufeinandertreffen. Vermutlich werden sie sich jedoch zunächst nur einander annähern, knapp verfehlen und kurzzeitig wieder voneinander entfernen, bis die Gravitation sie endgültig zusammenschweisst.
Das Resultat dieses kosmischen Tanzes, bei dem die beiden Spiralgalaxien ihre Form verlieren und in die Länge gezogen werden, wird dann wie im Falle der Zuckerwatte-Galaxie eine gigantische elliptische Galaxie sein, die keine Spiralarme aufweist. Elliptische Galaxien sind eher selten, die gehören zu den ältesten Sternpopulationen im All und bestehen meist aus alten Sternen.
Immerhin wird der Andromeda-Nebel, der jetzt als kleiner, zigarrenförmiger Lichtfleck erscheint, schon vor der Kollision unseren Nachthimmel dominieren. Bis es so weit ist, werden aber immer noch rund 3,75 Milliarden Jahre ins Land ziehen. Wer weiss, ob es dann noch Augen gibt, die dieses Spektakel bestaunen werden ...
Frau Röcke, weltweit fliesst viel privates Geld in die Longevity-Forschung. Werden wir irgendwann in der Lage sein, das Altern aufzuhalten und den Körper sogar zu verjüngen?
Ich finde das ein schwieriges Thema. Wenn man die Veränderung der Lebenserwartung betrachtet und wie wir mit Krankheiten umgehen, kann es sein, dass viele Menschen irgendwann 100 Jahre alt oder sogar älter werden. Biologisch ist jedoch bei rund 120 Jahren die Grenze des Möglichen erreicht.