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Ziel des Projekts „Sprachgebrauch und Spracherwerb des Tuatschins“ ist die Dokumentation und Erforschung des Spracherwerbs des Tuatschin, einer bisher fast unerforschten rätoromanischen Sprachvarietät. Anvisiert ist die Erstellung eines audiovisuellen, transkribierten und glossierten Korpus (Sammlung von Sprachdaten) natürlicher Sprache, das einerseits den spezifischen Zwecken des Projektes dienen (siehe Forschungsschwerpunkte) und andererseits auch die erste derartige Dokumentation des Erwerbs einer rätoromanischen Sprachvarietät darstellen wird.
Es entstehen zwei Subkorpora: eines, das Erwachsenensprache (verschiedener Altersgruppen) dokumentiert und ein Spracherwerbskorpus. Über mindestens ein Jahr hinweg werden sechs tuatschinsprachige Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren monatlich aufgenommen, um den Spracherwerb im Tuatschin zu dokumentieren. Daneben werden natürliche Sprachaufnahmen von erwachsenen Tuatschinsprechern erhoben, um ein Vergleichskorpus zu generieren. Das audiovisuelle Korpus wird transkribiert, übersetzt, und durch studentische Hilfskräfte auf verschiedenen Sprachebenen annotiert. Annotationen dienen zur Erforschung verschiedener sprachlicher Aspekte, darunter Fragen zur grammatischen Kongruenz im Tuatschin und zum Kontakt zwischen dem Tuatschin und anderen Sprachen und Sprachvarietäten im Val Tujetsch. Die vielsprachige Umgebung, in welcher die Sprecher leben und die Kinder ihre Muttersprache lernen, besonders auch im Hinblick auf die Rolle des deutschen Einflusses, ist hierbei besonders interessant.
Darüber hinaus stellt das Tuatschin, ohne eigene Schriftsprache, auch eine bedrohte Varietät des Rätoromanischen dar. Durch die Erstellung der ersten großen audiovisuellen Korpora des Tuatschin soll unser Projekt auch die wenigen existierenden Dokumente zum Tuatschin, welche die Sprache festhalten, anreichern und somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Sprache für die Nachwelt leisten.
Die Dokumentation des Tuatschin wird durch ein grosses Sprachkorpus (Sammlung von Sprachdaten) ermöglicht. Es stellt die erste derartige Dokumentation des Erwerbs einer rätoromanischen Sprachvarietät dar. Das Korpus besteht aus zwei Teilkorpora: ein Spracherwerbskorpus und ein Dokumentationskorpus der Erwachsenensprache.
Dr. Philippe Maurer erstellt eine Grammatik zum Tuatschin und zum Medelin, die bei Language Science Press in der Reihe "Studies in Diversity Linguistics" erscheinen wird.
Dr. Claudia Cathomas und Dr. Géraldine Walther erstellen in Zusammenarbeit mit Interessierten Personen aus dem Val Tujetsch und in Kollaboration mit Dr. Benoît Sagot (Inria, Paris) das erste Lexikon und eine Reihe erster Orthographienormen für das Tuatschin.
Dr Géraldine Walther und Dr Benoît Sagot (Inria, Paris) entwickeln ein automatisches morphosyntaktisches Annotationssystem (MELT_roh-t Tagger) für das Tuatschin.
Vorgesehen sind auch eine Reihe wissenschaftlicher Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten des Projekts, insbesondere zu den Themen Kongruenz und Sprachkontakt (siehe Publikationen).
Das Projekt "Documentation and Acquisition of Romansh Tuatschin" wird durch den Schweizerischen Nationalfond (SNF) finanziert.
Das Projekt "Code-mixing in Tuatschin" wird vom UFSP Sprache und Raum und vom Institut für Kulturforschung Graubünden finanziert.