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Chronik
Gemeinsam zum Tanz aufgespielt hatten sie schon oft, bevor sie am 3. November 1894 den Herrliberger Musikverein gründeten: Jakob Egli vom Rain, Johann Fierz vom Habüel, Bäcker und Fuhrhalter Werner Sennhauser, Arnold Sennhauser, der Wirt zur Buech, Heinrich Kündig vom Obergrüt, Jakob Kühne im Geissbüel und Adolf Ammann, der damals in der Vogtei wohnte. Ausser den Anlässen der Vereine gab es damals in den Dörfern am See wenig Unterhaltung. Zu ihren Festen wurden die Herrliberger Musikanten vielerorts engagiert.
Sie spielten auch 1895 bei der Eröffnungsfeier der Dampfschiffgesellschaft Wädenswil. Dennoch musste schon zwei Jahre darauf, weil es an Mitgliedern fehlte, der Konzertmusikbetrieb aufgegeben und der Vertrag mit dem Capellmeister Holzhauser in Küsnacht aufgelöst werden. Bereits im Frühjahr 1898 fasste man jedoch den Beschluss, weiter zu musizieren. Die Direktion übernahm wieder wie einst Johann Fierz. Von jetzt an ging es, abgesehen von den Kriegszeiten, aufwärts mit dem Herrliberger Musikverein.
Mit strengen Präsidenten und guten Dirigenten zum Erfolg
Ab dem Frühjahr 1899 leitete der musikbegeisterte Gemeinderat, Gemeindegutsverwalter und Rebbauer Robert Pfister die Musik während vollen 25 Jahren - und das erst noch unentgeltlich. 1925 spielten sich die Herrliberger unter dem deutschen Kapellmeister Max Schulz bei ihrem ersten Besuch eines Musikfestes in Altstätten mit einer Mozart-Ouvertüre in der 3. Kategorie gleich in den 2. Rang. In der Krisenzeit wurde Schulz, der ebenfalls in Meilen dirigierte und dazu noch Privatunterricht erteilte, auf Drängen der Konkurrenz ausgewiesen, obwohl sich Herrliberg bei der Regierung für sein Bleiben eingesetzt hatte. Auch in der Folge haben gute Dirigenten der Herrliberger Musik zu Erfolg und Ansehen verholfen.
So auch der bekannte Marschmusikkomponist Arthur Klein, der von 1933-36 in Herrliberg wirkte. 1956 erzielten die Herrliberger unter Heini Menet am Kantonalen Musikfest in Küssnacht am Rigi 98 Punkte, die höchste Punktzahl aller teilnehmenden Vereine. 1960, ebenfalls unter Menet, errangen sie in Bäretswil Gold im 1. Rang. Heini Menet, der in der Schweizer Blasmusik führend war, erwarb sich um die Herrliberger Musik, die er von 1945-1961 leitete, bleibende Verdienste. Auch Edi Nussbaumer, der während 23 Jahren Dirigent in Herrliberg war und Hanspeter Kunz, der von 1989 bis Ende 1998 den Verein leitete, machten sich um sie verdient.
Präsident war nach dem Gründungsmitglied Schaggi Egli für 12 Jahre und später mit Unterbrüchen noch für weitere 7 Jahre Henri Sutz. Die ersten Präsidenten führten ein strenges Regime. Anders als heute, wo man die Spieler mit Belohnungen in Form von Zinnbechern und -krügen motiviert, waren im Reglement von 1896 für jene Zeit recht saftige Bussen festgelegt:
Bis zu 5 Franken für «das Spielen in Wirtschaften zum öffentlichen Ärgernis des Vereins» und das «unentschuldigte Wegbleiben von einem Konzert». Schon ein unentschuldigtes Zuspätkommen von nur fünf Minuten wurde geahndet.
Fahne und Uniform mussten erdauert werden
1906 zählte der Musikverein bereits 18 Aktiv- und 77 Passivmitglieder. Doch eine Fahne hatte er auch für den Besuch des Musikfestes von 1925 in Altstetten noch nicht. Wie ein Foto von damals zeigt, musste eine aus einem Weinfass aufragende Stange den Dienst tun. Auf sie wurde stolz der errungene Silberkranz gesteckt. 1939 erst fand die Weihe der ersten Fahne statt. Nicht ganz so
lang wie auf die Fahne musste der Verein auf die erste Uniform warten. Das Herrliberger Musikkorps war 1928 das letzte ohne Uniform am Zürichsee. Dennoch entspann sich, letztlich nicht zu seinem Schaden, eine Kontroverse um die von den «wackeren Musikern» (wie sie ein Leserbriefschreiber wohlwollend nannte) erbetene freiwillige finanzielle Unterstützung.
Geselligkeit schon immer wichtig
Wie wacker die Mannen waren, beweisen auch die Bergtouren, die sie unternahmen, am denkwürdigsten jene von 1919: Ausgerüstet mit Pickel und Seil, schleppten sie ihre Instrumente von Amsteg via Maderanertal zur Hüfthütte und am nächsten Tag gar über den Gletscher zur Claridenhütte. Auch den Titlis haben sie 1922 noch bestiegen, 1923 den Urirotstock, doch darnach war es Schluss mit der Gipfelstürmerei. Dafür fuhr der Musikverein 1968 samt Frauen für vier Tage nach Paris. Sogar das Moulin Rouge wurde besucht, aber weil der Eintritt teuer war, saugte man einen Abend lang an der gleichen, von einem Vereinsmitglied wegen einer verlorenen Wette spendierten Flasche Champagner.
Sonst waren die Musiker auch im Trinken wacker. Einmal, 1921 soll es gewesen sein, da haben sie bei einem feuchtfröhlichen Gelage den Sauser gleich mit dem Mundstück aus dem Fass getrunken. In die Vereinsgeschichte eingegangen ist ebenfalls die Seegfrörni. Beim Konzert auf dem zugefrorenen Zürichsee anno 1929 fehlte nicht mehr viel und die Musiker wären abgesunken. Weil sie keine Schlittschuhe trugen, taute das Wasser unter ihren Füssen. Mit Schleifeisen an den Schuhen sind sie eine Woche darauf blasend nach Oberrieden gezogen und nach einigen Bechern mit den Kollegen vom andern Ufer blasend wieder zurück, um im Raben weiterzufesten.
Der Musikverein heute
Vieles hat sich in den letzten Jahren gewandelt, allem voran die Musik selbst, die gespielt wird. Schon längst beschränkt sich das Repertoire nicht mehr auf Marschmusik, sondern umfasst heute viele Sparten von klassischer bis zur Unterhaltungsmusik. Früher eine Männerdomäne, steht der Herrliberger Musikverein seit Mitte der 60er Jahre den Frauen ebenfalls offen. Diese machen heute etwa ein Drittel der Aktiven aus. Viele ältere Herrliberger, die schon in den 50er Jahren bei der Musik mitmachten, sind heute noch mit dabei. Unter den Generationen herrscht ein echter Teamgeist.
Zwar zieht die Blasmusik nicht mehr wie einst zum Promenadenkonzert am Sonntagmorgen bereits ab sechs Uhr durch das ganze Dorf. Doch auch heute noch sind öffentliche Feste und Feiern ohne die Mitwirkung des Musikvereins in Herrliberg nicht denkbar. Regelmässig erfreut er die Bevölkerung mit Ständchen an wechselnden Standorten; dazu kommt jährlich das Konzert in der Kirche. Jeder Auftritt erfordert einen grossen Extraaufwand an Proben. Den Musikern wird der Erfolg nicht geschenkt, sie aber schenken Herrliberg mit ihrem Einsatz viel!