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Der «Währungskrieg» in den Dreissigerjahren
Wenn immer heute der Vorwurf des Währungskriegs erhoben wird, klingt die Warnung mit, es nicht so weit kommen zu lassen wie in den Dreissigerjahren. Damals habe der zerstörerische Währungskrieg zum militärischen Krieg geführt. Wehret den Anfängen!
Auf vergangene Katastrophen hinzuweisen ist immer wirkungsvoll und manchmal auch richtig, aber in diesem Fall ist der historische Vergleich geradezu irreführend. Der grösste Fehler der Dreissigerjahre war nicht der Abwertungswettlauf, sondern das Festhalten am Goldstandard. Die Länder hätten, wenn schon, früher abwerten sollen, nicht die Abwertung verhindern. Denn nur durch die Aufhebung der Goldstandards gewannen sie die Freiheit zurück, ihr Bankensystem zu stützen, die Deflation zu beenden und die Zukunftserwartungen umzudrehen.
Barry Eichengreen und Jeffrey Sachs haben den Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Abwertung und dem industriellem Wachstum in den Dreissigerjahren anhand einer Grafik klar auf den Punkt gebracht. Die Grafik zeigt, dass das industrielle Wachstum besser war, je früher ein Land abgewertet hat (hier das ganze Paper, das 1985 im «Journal of Economic History» publiziert wurde). Grossbritannien und die nordischen Länder werteten bereits 1931 ab und erholten sich bald darauf, Frankreich wertete erst 1936 ab und blieb deshalb länger in der Krise stecken.
Auch der zweite Teil der historischen Analogie ist irreführend. Die Abwertungen trugen nicht zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bei. Viel wichtiger waren andere Faktoren: der gescheiterte Friedensvertrag, die Schuldenkrise in Deutschland, das schlechte Krisenmanagement der USA, die Unterschätzung Hitlers etc. Der Begriff Währungskrieg suggeriert, es sei schon in den Dreissigerjahren Krieg geführt worden, nur nicht mit militärischen Mitteln. Auch das ist irreführend. Die Tatsache, dass Frankreich erst 1936 in den Abwertungswettlauf einstieg, war vollkommen selbst verschuldet. Es war nicht Ausfluss einer Konfrontation mit Deutschland oder einer anderen Macht.
Im Übrigen ist auch heute nicht der Währungskrieg das Hauptproblem. Viel zentraler für die Weltwirtschaft sind die Tiefzinspolitik des Fed, die Eurokrise und die Probleme des chinesischen Wachstumsmodells. So werden auch künftige Historikerinnen und Historiker kaum den «Währungskrieg» ins Zentrum der Darstellung der aktuellen Krise stellen. Dieser Begriff lenkt nur vom Wesentlichen ab.