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Humanoide Roboter – Fluch oder Segen?
SHS: Jean Christophe Gostanian, wer ist und was kann «Pepper»?
Jean Christophe Gostanian: «Pepper» ist ein humanoider Roboter. Er ist 120 cm gross und wiegt ungefähr 40 kg. Pepper kann sich fortbewegen, indem er fährt. Er spricht aktuell 21 Sprachen. Der Roboter ist 12 Stunden autonom unterwegs, und er fährt automatisch retour zu seiner Ladestation. Zudem ist zu erwähnen, dass «Pepper» über Face Recognition verfügt.
SHS: Was bedeutet Face Recognition in diesem Zusammenhang?
Gostanian: Pepper ist darauf programmiert, die Mimik und Gestik von Menschen zu erkennen und darauf zu reagieren. Wir verfügen in unserer Software-Lösung über ein Modul «Survey», mit dem Aussagen über die von «Pepper» angetroffenen Menschen generiert werden können. «Pepper» kann zum Beispiel Männer von Frauen unterscheiden und auch bestimmen, ob diese ein eher freundliches oder eher unfreundliches Gesicht machen. All diese Angaben werden gesammelt und können für verschiedene Zwecke ausgewertet werden.
SHS: Welche Technologie ist bei «Pepper» im Einsatz?
Gostanian: Die Technologie, die dahintersteht, ist IBM Watson, ein ComputerProgramm, das Fragen in natürlicher Sprache beantworten kann und in den Bereich künstliche Intelligenz gehört. Watson wurde speziell für das TV-Quiz Jeopardy! entwickelt und gewann 2011 im Wettkampf gegen die menschlichen Rekordgewinner der Wissens-Show. Dabei hatte Watson Zugriff auf ungefähr 200 Millionen Seiten, darunter der gesamte Text der englischen Version von Wikipedia, was einem Datenvolumen von vier Terabytes entspricht. Das vermutlich wichtigste Entwicklungsfeld von Watson liegt zurzeit im Gesundheitswesen. Hier soll Watson Ärzte in Zukunft unter anderem bei der Diagnosestellung unterstützen. In einem nächsten Schritt dürfte «Pepper» bald in der Lage sein, Gegenstände zu erkennen.
SHS: Wie funktioniert das technisch gesehen?
Gostanian: «Pepper» ist mit Sensoren und Kameras ausgestattet, um Wege oder Personen zu erkennen. Er kann sich wie gesagt via Face Recognition an seine Gäste adaptieren. Er verfügt über die Software Yeolab und Yeo-Suite und kann diverse Grundfunktionen ausführen. Entscheidend dabei ist momentan die Lösung Text to Voice oder umgekehrt. «Pepper» hält ein Tablet vor sich und kann ganze Präsentationen abhalten. Andererseits besteht die Möglichkeit, «Pepper» via Remote zu steuern. Im Moment arbeiten wir an einem Projekt im Gesundheitswesen, bei dem es «Pepper» Dolmetschern erlauben wird, aus der Distanz Gespräche zwischen Ärzten und Patienten zu verfolgen und zu übersetzen.
SHS: Wie sieht es mit der Sprache aus. Sie haben gesagt, dass Pepper 21 Sprachen spricht. Kann der Roboter automatisch von einer Sprache zur anderen wechseln?
Gostanian: Genau daran arbeiten wir mit unserem Programmier-Team im Moment. Die Entwicklung der Roboter, die Robolution, schreitet zurzeit rasant voran. Wir entwickeln ein Modul zur Spracherkennung, damit «Pepper» in Zukunft die Sprache, in der er angesprochen wird, automatisch erkennt. Dabei machen wir jede Woche Fortschritte. Das vollständige Modul sollte voraussichtlich ab September verfügbar sein.
SHS: Wie intelligent ist «Pepper»?
Gostanian: Wir sprechen heute von künstlicher Intelligenz (KI). Avatarion arbeitet mit verschiedenen grossen Konzernen wie Microsoft und IBM zusammen. Teilweise forschen diese an neuen Generationen von KI. Heute, Mitte 2017, reden wir mehr von gelernter Intelligenz als von selbstständiger Intelligenz, aber die Entwicklungen sind extrem rasant, und wir haben in wenigen Wochen grosse Fortschritte gemacht. «Pepper» wird laufend weiterentwickelt.
SHS: Sie beobachten, dass die Entwicklung der Roboter rasend schnell geht. Wie kann «Pepper» im Hotel eingesetzt werden?
Gostanian: Es existieren heute diverse Anwendungszwecke, zum Beispiel als Concierge. «Pepper» kann unterschiedliche Arten von Informationen wie Menü, Weganweisungen, Verkehrs- und Wetterinformationen weitergeben. Dabei bieten vor allem seine ausserordentlichen Sprachfähigkeiten, gerade in der Schweiz, einen grossen Mehrwert für die Gäste. Zudem kann er in der Gastronomie eingesetzt werden. Etwa für die Aufnahme einer Bestellung oder für den gesamten Prozess bis zur Zahlung. In der Nacht übernimmt er die Aufsicht in den Korridoren. Eine grosse Stärke bietet er für den MICE-Bereich. «Pepper» kann die Gäste begrüssen und die Zutritte mittels Scan kontrollieren. Er kann die Gäste den richtigen Räumen zuweisen und deren Zufriedenheit nach den Vorträgen live mit einem Check evaluieren.
SHS: Zum Abschluss unseres Gespräches möchte ich Sie etwas fragen, das viele Menschen im Zusammenhang mit dem Aufkommen von Robotern beschäftigt: Welche Auswirkungen wird diese Entwicklung auf unsere Arbeitsplätze haben?
Gostanian: Viele sprechen heute von der Hotellerie 4.0, die durch die Entwicklung von humanoiden Robotern erschüttert wird – ähnlich wie beim Durchbruch des kommerziellen Internets vor mehr als 20 Jahren. Der grosse Unterschied heute ist, dass wir exponentiell vorwärtskommen. Sobald SIRI, Cortana und alle anderen Formen von Assistenten reif sind, und das wird nur noch Monate dauern, wird sich die Robolution rasant entwickeln. Komplette Berufsgattungen müssen umdenken, und es freut mich, dass sich heute alle Universitäten und Fachhochschulen in der Schweiz mit Robotics beschäftigen. So zum Beispiel die Ecole hôtelière de Lausanne, mit der wir in Zusammenarbeit mit der Haute Ecole d’Ingénierie et de Gestion du Canton de Vaud in Yverdon-les-Bains ein KTI-Projekt zum Thema betreiben. Aber auch die Hotelfachschule Belvoirpark in Zürich ist Besitzerin eines «Pepper» und sensibilisiert die nächste Generation für diese relevanten Veränderungen in unserer Arbeitswelt. Schliesslich möchte ich doch festhalten, dass wir bei Avatarion bisher noch keinen Kunden hatten, der wegen «Pepper» eine Stelle aufgehoben hätte. Es ist vielmehr so, dass «Pepper» Service-Funktionen übernimmt, die bisher in dieser Art noch nicht ausgeführt wurden.
Am Swiss Innovation Day der SHS am 6. September 2017 in Luzern stellt Jean Christophe Gostanian den Roboter Pepper vor.
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Swiss Hospitality Solutions (SHS)
Das Start-up mit Sitz in Meggen erarbeitet und setzt massgeschneiderte Revenue- und Vertriebsstrategien für Hotels um. Im Rahmen des Weiterbildungsangebots der SHS Academy bietet das Unternehmen regelmässig diverse Schulungen und Weiterbildungen für die Hotellerie und Gastronomie an. Die SHS Academy hat vom Tageskurs bis zum umfassenden Lehrgang ein breites Spektrum an Weiterbildungsmöglichkeiten im Angebot.
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Der Autor
Der 30-Jährige Gianluca Marongiu ist Managing Partner, Berater und Dozent beim Start-up Swiss Hospitality Solutions (SHS) mit Sitz in Meggen. In seiner Beratertätigkeit begleitet er Projekte zur Digitalisierung von touristischen Destinationen strategisch.