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Für die Kinder des Krieges
Der Touring Club Italiens hatte nicht nur eine grossartige Idee, sondern auch grosszügige Mäzene: Nach dem Ersten Weltkrieg sollte ein Heim entstehen, wo Waisen und kriegsgeschädigte Kinder Erholung fanden. Als Ort kam nur eine abgelegene Stelle in Frage, die absolute Ruhe für die Kleinen garantierte, und die in einer Höhe liegen sollte, wo die Reinheit der Luft baldige Gesundung versprach. Man fand diesen Ort auf 900 Meter über Meer in der Valganna. Gebaut wurden in diesem Villaggio Alpino zunächst zwei Häuser auf einem Gebiet, das sich in einem lichten Laubwald befindet. Bereits am 17. Juli 1921 wurde es feierlich eröffnet; zunächst fanden hier jeweils fünfzig Waisenkinder Unterschlupf. Freiwillige Frauen betreuten sie, die man liebevoll „le mamme“ nannte. Spiele im Freien und Turnübungen für alle Fünfzig, wie sie auf alten Fotos zu sehen sind, stärkten die kleinen Geschwächten. Ihr Aufenthalt dauerte einen oder zwei Monate, die Rückkehr ins alte Leben danach erwies sich als sehr hart. Anderseits war die Ankunft von neuen Waisenkindern jedes Mal ein festliches Ereignis; sie wird in einem Dokument wie folgt beschrieben: „Jedes Jahr anfangs Juli erlebt die kleine Station eine festliche Ankunft, die sich während der Saison noch zweimal wiederholt. Eine lebhafte und staunende Schar von Buben und Mädchen, betreut von einem Generalstab von Freiwilligen, nimmt einen schattigen Pfad unter die Füsse, der sanft in die Höhe führt.“
Eine autonome Stadt en miniature
Schon 1922 erfuhr das Villaggio eine Erweiterung, und zwar durch das grosse Eingangsgebäude mit der imposanten Säulenhalle, gestiftet vom Ingenieur Italo Vandone, dessen gefallener Sohn ihn zu diesem Werk inspirierte. Es folgten eine elektrische Zentrale, Duschen im Freien, eine Wäscherei und ein Kino. Ein Zaun, der heute noch steht, umgab die Anlage zum Schutz der Kleinen. Wichtigste Erweiterung jedoch war der Bau einer kleinen Kapelle. So konnten nämlich die Gottesdienste im Villaggio selbst abgehalten werden, was die Waisen vom sonntäglichen Gang in den nächstgelegenen Ort befreite. Indem die Wasserversorgung verbessert und die ärztliche Betreuung erweitert wurden, erreichte das Villaggio ein beachtliche Autonomie, ja durfte, weil über alle Ressourcen verfügend, als Stadt en miniature bezeichnet werden.
„Die schönste Geschichte, die je erzählt wurde“
Später kam sogar eine Schule hinzu; schliesslich konnte es ja nicht sein, dass die Kleinen in ihren Wohnort zurückgingen und dort im schlimmsten Fall ein ganzes Schuljahr wiederholen mussten. Und 1928 öffnete das Villaggio seine Türen auch im Winter, und dies vor allem für tuberkulosekranke Kinder. Vorräte für drei Monate garantierten den Unterhalt, auch wenn die Zugangswege zugeschneit und nur mühsam von Maultieren begangen werden konnten. Im Endausbau umfasste das Villaggio neun Gebäude, in denen Tausende von Kindern Erholung und Heilung fanden. „Die schönste Geschichte, die je erzählt wurde“, so nennt deshalb der Historiker Paolo Ricciardi das Villaggio Alpino TCI.