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«Ich Meister Johannes Rüeff bekenn das ich von den lobwürdigen Gotshaus gegeben von den obigen Acordt mit Dankh bezalt bin 18 October 1739»[1]
Die alte Baumeisterfamilie aus dem Bregenzerwald wird mit Rüf, Ruef, Rüeff und Rief geschrieben, je nach der dialektalen Direktübersetzung des Chronisten. Der am 17. April 1686 in Au getaufte Johannes Rüeff, Sohn des Maurermeisters Jakob (1653–1705) und der Elisabeth Sailer, schreibt sich selbst immer «Rüeff». 1704 wird er einer dreijährigen Maurerlehre in der Auer Zunft ledig gesprochen. Der Einsiedler Klosterbaumeister Bruder Caspar Moosbrugger, ebenfalls aus Au stammend, fördert den jungen Gesellen und vermittelt ihm eine Ausbildung beim Architekturzeichner Matthias Leonz Kaufflin in Einsiedeln. Zur dieser Zeit entstehen auch die sogenannten Auer Lehrgänge, eine Sammlung von Architekturvorlagen für die Ausbildung im Winterhalbjahr. Ein Grossteil dieser Zeichnungen wird neuestens dem jungen Johannes Rüeff zugeschrieben.[2]
Zwischen 1713 bis 1735 vermählt sich Rüeff viermal. Seine zweite Frau Barbara Moosbrugger ist eine Nichte von Caspar Moosbrugger, auch sie stirbt jung. Von seinen Nachkommen ist nur der Stuckateur Johann Jakob Rüeff (1740–1807) bekannt.
Seit etwa 1720 arbeitet Johannes Rüeff in Einsiedeln. Fürstabt Thomas Schenklin hat soeben mit dem Vorarlberger Baumeister Michael Rüeff (1667–1726) aus Au, dem Schwager Caspar Moosbruggers, einen Akkord für den Kirchenneubau abgeschlossen. In diesem Trupp ist Johannes Rüeff Parlier. Mit dem Baumeister Rüeff ist er nicht verwandt, beide Rüeff sind aber mit den Moosbruggers verschwägert. 1723 stirbt Moosbrugger. 1725–1726 finden wir Rüeff in Säckingen, wo er an der Stiftskirche die Türme erhöht und die seitlichen Kapellen erbaut. 1726 stirbt Baumeister Rüeff in Einsiedeln. Nun übernimmt Johannes Rüeff den Vorarlbergertrupp von 30 Mauern und 20 Handlangern auf der Grossbaustelle der Einsiedler Stiftskirche. Noch während Rüeff mit der Errichtung der beiden Einsiedler Kirchtürme beschäftigt ist, bewirbt er sich bei der Fürstabtei St. Blasien um den Neubau der dortigen Stiftsanlage. Den Auftrag erhält 1727 allerdings nicht Rüeff, sondern Johann Michael Beer von Bleichten (1700–1767), der zwei Jahre später in Engelberg wieder mit Rüeff konkurriert. Hier erhält Rüeff aufgrund seiner Referenzen aus Einsiedeln und wegen des tiefen Angebotes den Zuschlag. Mit dem Klosterneubau in Engelberg erstellt er 1729–1739 seinen ersten eigenständigen Bau und zugleich sein architektonisches Hauptwerk. Vermutlich berücksichtigt er bei der Planung zwei erhaltene, Caspar Moosbrugger zugeschriebene Baupläne von 1704. Die Kontakte zu Einsiedeln brechen auch jetzt nicht ab: Parallel zu seinem Auftrag in Engelberg erbaut Rüeff 1736–1737 für den Einsiedler Statthalter das Gasthaus Raben im thurgauischen Eschenz. Darauf baut er, wiederum in Einsiedler Auftrag, 1737–1738 in Sarmenstorf den Chor der Pfarrkirche um. Nach Vollendung des Engelberger Klosterneubaues kehrt Rüeff wieder nach Einsiedeln zurück. 1743 entschliesst sich der dortige Fürstabt zu einer neuen Platzanlage vor der Klosterkirche. Die endgültige Ausführung durch Rüeff erfolgt 1745–1747 nach Plänen des Mailänders Paolo Federico Bianchi. Für den neuen oberen Chor zeichnet Rüeff um 1746 die Pläne zum neuen Mönchschor und errichtet 1746 das so genannte Wechselgebäude, den Nordwestflügel der Einsiedler Stiftsanlage. Der Bau des Neuklosters von Fischingen[3] ist ihm bereits vertraglich zugesichert, als er am 8. April 1750, 64-jährig, bei einem Bauunfall in Lachen am Zürichsee stirbt.
Ein Nachruf des Einsiedler Chronisten ist recht realistisch, wenn er schreibt: «übrigens wahre er in den Rissen sehr guet, hatte auch gute Einfähl, wahre aber nitt erfahren vollkommen und gar nitt gereist, sonder hatte alles von sich selbsten, ausgenommen was er von dem Mathias Kaufflin sel. in hier durch Rissen erlehrnet, meistens hat selbige durch die Praxin und viele bauen allhier zu Einsidlen erlehrnet, desswegen er je mehr und mehr bekannt worden».
Mit dem Kloster- und Kirchenneubau in Engelberg hat Rüeff sein einziges wirklich selbständiges grosses Bauwerk erstellt. Es ist traditionelle und zeitlich schon lange überholte, solide Vorarlberger Baukunst in der Anlehnung an frühe Moosbrugger Entwürfe. Rüeff ist Zeichner, nicht Architekt. Sein Verdienst liegt in der soliden und zuverlässigen Umsetzung fremder Entwürfe, vor allem in Einsiedeln. Mit der Ausführung des Klosterplatzes und dem Neubau des Nordwestflügels setzt er den Schlusspunkt unter eine der wichtigsten barocken Gesamtanlagen in Europa.
Säckingen (D), Damenstiftskirche, Türme und seitliche Kapellen, 1725–1726
Einsiedeln (SZ), Benediktiner-Abteikirche, Fertigstellung der Ausführung nach Plänen Caspar Moosbruggers 1726–1728.
Engelberg (OW), Benediktinerabtei und- Kirche, Neubau 1729–1739.
Einsiedeln (SZ), Platzanlage, Ausführung nach Entwürfen von Paolo Federico Bianchi 1745–1747
Pius Bieri 2008
Tomaschett, Michael: Planung, Bau und Ausstattung der barocken Klosteranlage Engelberg; Dissertation 2006. (Siehe auch Benediktinerabtei Engelberg).
[1] Unterschrift in Engelberg
[2] Eine Zuschreibung der Auer Lehrgänge als reine interne Familienweiterbildung, von Franz Beer I für seine Söhne angefertigt (Norbert Lieb 1966), ist angesichts der Tatsache, dass von Franz Beer I kein gezeichneter Plan bekannt ist und dass unterschiedliche Autoren für die Lehrgänge verantwortlich sind, doch eher gewagt. Vielleicht ist Franz I Beer für die Sammlung verantwortlich.
[3] Ausführung durch Johann Michael Beer von Bildstein.
|Johannes Rüeff II (1686–1750)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|17. April 1686||Au-Rehen im Bregenzerwald||Vorarlberg A|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Vorderösterreich OA Bregenz||Konstanz|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|8. April 1750||Lachen||Schwyz CH|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Eidg. Stand Schwyz||Konstanz|
|Kurzbiografie|
|Johannes Rüeff II stammt aus einer Baumeisterfamilie des Bregenzerwaldes. Nach seiner Lehre wird er in Einsiedeln von Br. Caspar Moosbrugger gefördert. 1725–1726 gestaltet er die Westfassade des Münsters in Säckingen neu. Nach 1726 ist er Leiter der Grossbaustelle in Einsiedeln. Sein Hauptwerk ist der Neubau der Stiftskirche und des Klosters Engelberg. 1740 ist er wieder in Einsiedeln und arbeitet, allerdings stark beeinflusst von Mailänder Entwürfen, am Klosterplatz. Er ist guter Zeichner, aber bleibt in seinen eigenen Entwürfen der Architektur seines Lehrers Moosbrugger verhaftet und verliert den Anschluss an die neue, böhmisch beeinflusste zeitgenössische Architektur des Spätbarock.|