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"Schau hier", sagt Bauer Ronnie van den Putte. Er geht über seine Felder in Riethoven, einem kleinen Dorf im Süden Hollands nahe Eindhoven. "Da sind viele solcher Stellen im Feld, wo das Jungvieh war. Es sieht aus, als sei das Gras verbrannt", so der Milchbauer. Die anderen Farmer auf dem Feld nicken. "Hat jemand eine Idee, wie das passieren konnte?", fragt Coach Henk Antonissen. "Urin?" "Salz?". Coach Antonissen beantwortet die Frage selbst: "Vielleicht ist zu viel Harnstoff im Urin der Kälber. Das geschieht, wenn man sie nur mit frischem Gras füttert. Der Proteingehalt wird zu hoch und verlässt die Kuh als Harnstoff." Deshalb sei es besser, den Kälbern auch ein wenig Mais zu füttern, erklärt Antonissen den Männern.
Die Milchbauern gehen weiter über die Weiden. "Wie viel Gras gibt es auf diesem Land?", fragt der Coach die Bauern. "Die Temperatur der Erde war bisher nicht unter 8 Grad, das Gras wird also gut wachsen", wirft einer ein. Doch ist es genug Gras für die Kühe?
Wegen Image und Gesundheit
"Weideland-Management ist viel schwieriger als ich gedacht habe", sagt Bauer van den Putte später. Seine 105 Milchkühe waren 2014 und 2015 das ganze Jahr über im Stall. Nur Galtkühe und das Jungvieh waren draussen. Der Milchbauer liess das Jungvieh raus, weil er damals schon mit der Weidehaltung liebäugelte. "Wenn man die Tiere jung an die Weide gewöhnt, hat man keine Probleme, wenn man sie später rauslässt", sagt van den Putte.
Aber Weide-Management ist auch beim Jungvieh nicht so einfach. "Das erste Mal gehen sie mit 16 Monaten raus", sagt der Milchbauer. "Sie drehen dann völlig durch, rennen und hüpfen. Sie ruinieren das Land und es besteht die Gefahr, dass sie sich verletzen."
Van den Putte suchte einen Weg, das zu verhindern. Er brachte sein Vieh künftig in kleinen Gruppen auf ein Stück eingezäuntes Land. Damit sollten sie sich langsam an die Haltung gewöhnen. Seither läuft es laut van den Putte besser, dennoch: "Man muss sehr aufpassen bei der Einzäunung. Ich muss diese immer wieder verstellen, um sicher zu gehen, dass die Tiere genügend Gras haben. Ich muss die Grashöhe messen, um zu sehen, wie viel sie essen und wie viel ich ihnen drinnen noch füttern muss."
Für 2016 hat sich van den Putte entschieden, im Sommer alle Milchkühe rauszulassen. "Das habe ich wegen dem Image und der Tiergesundheit getan. Immer mehr Konsumenten wollen Milch von Kühen, die draussen weiden." 'Weidemelk' wird diese Milch in den Niederlanden genannt. Ausserdem sei die neue Haltungsform besser für seine Kühe. "Sie bewegen sich mehr und in den letzten Monaten sind sie gesünder geworden", sagt der Milchbauer.
Bonus auf Milchpreis
Zudem erhält van den Putte für seine Weidemilch einen besseren Preis vom Verarbeiter. Wenn ein Milchbauer seine Kühe mindestens 6 Stunden pro Tag und 120 Tage pro Jahr draussen hält, so erhält er dieses Jahr 0,65 Cent mehr pro Liter Milch. 2017 wird der Bonus auf 1,15 Cent angehoben. Van den Putte erfüllt die Anforderungen, seine Milchkühe waren dieses Jahr 133 Tage draussen.
Damit alles funktioniert braucht van den Putte aber den Weide-Coach. "Es gibt zwar viele Leute mit Wissen über die Weidehaltung, die mir helfen könnten. Aber diese Leute sind nicht neutral. Besonders Futtermittel-Berater sind sehr zurückhaltend, wenn es um die Weidehaltung geht. Denn sie wollen ihr Produkt verkaufen und befürchten, dass ihr Absatz kleiner wird. Deshalb bin ich froh um Henk, der mir neutralen Rat gibt."
70 Weide-Coaches
Henk Antonissen ist einer von 70 Weide-Coaches, die in den ganzen Niederlanden im Auftrag der Stiftung "Stichting Weidegang" arbeiten. Allein 2016 waren es mehrere Hundert Bauern in den Niederlanden, die auf Weidehaltung umgestiegen sind.
Die Stiftung unterstützt die Bauern beim Start mit ihren Beratern. Unter anderem treffen sich dabei Gruppen von Milchbauern regelmässig auf einem Betrieb, wo sie das Land anschauen und von den Erfahrungen der anderen lernen - wie eben auf dem Betrieb von van den Putte.
Gegründet wurde die Stiftung 2007, um den Weidegang zu fördern und Bauern beim Wissenstransfer zu unterstützen. "Viel Wissen ist verloren gegangen. Bei den Bauern und bei den Kühen", sagt Kees-Japp Hin, Geschäftsführer der Stichting Weidegang. Man könne nicht einfach die Stalltüre öffnen, sagt Hin. Vielmehr müssten die Bauern wieder lernen, das Grasland zu managen und die Kühe wieder lernen, das Gras zu fressen.
Van den Putte wird seit einem Jahr gecoacht. Nach einem ersten Eindruck über Hof und Umfeld ging es darum, einen Plan zu erarbeiten. "So ein Plan ist sehr hilfreich. Dennoch muss man jeden Tag schauen, ob auch alles so funktioniert, wie es der Plan vorsieht", sagt van den Putte. "Ich mass das Gras alle zwei Tage. Doch was sollte ich tun, wenn es zu viel Gras hat? Ich lernte, dass ich dieses Land mähen muss, bevor die Kühe darauf gehen. Was ist, wenn es zu nass ist? Dann kann ich die Kühe in den Stall tun, damit sie das Land nicht zerstören. All diese Dinge musste ich während meiner ersten Saison lernen. Mein Ziel: Das Grasland-Management zu optimieren."
Noch nicht wirklich überzeugt
Während des Winters sind die Kühe wieder im Stall. "Ich gebe zu, das ist für mich etwas erleichternd. Denn ich weiss nun genau, was sie fressen und die Milchproduktion bleibt immer auf demselben Level. Zu Beginn der Gras-Saison ging die Produktion leicht zurück, ebenso der Proteingehalt." Während der Saison stieg die Produktion wieder an. Nun hat van den Putte eine Durchschnittsproduktion von 7'800 Kilo pro Kuh und Jahr, bei 4,6 Prozent Fett und 3,65 Protein.
Grundsätzlich sieht er das Jahr positiv, allerdings ist er noch nicht wirklich überzeugt: "Die Tiergesundheit ist besser, ich hatte tiefere Kosten, die jungen Tiere lernte das Weiden. Aber es ist harte Arbeit. Ich benötige den Bonus des Milchverarbeiters wirklich. Es kompensiert die etwas tiefere Produktion."
Van den Putte geht davon aus, dass mit rund 10 Hektaren mehr Land alles etwas einfacher wäre. "Mit 9 Kühen pro Hektare habe ich keine grossen Möglichkeiten. Am Ende der Saison musste ich richtig nach guten Plätzen Grasland suchen. Vielleicht hätte ich die Kühe zwei Wochen früher reinnehmen sollen. Man muss aus der Erfahrung lernen, nur dann kann man es das nächste Mal besser machen. Ich jedenfalls gebe noch nicht auf", sagt van den Putte.