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Burgruine, Bad und Fluh. Nach einer Zeichnung von Emanuel Büchel von 1752
Schauenburg im Jahre 1868 nach einem Aquarel von C. Oppermann
Schauenburg ca. 1660 nach einem Aquarell von Albert Kauw
Auf der Höhe zwischen den Tälern von Pratteln und von Rösern liegt westlich über Frenkendorf die Burgruine Schauenburg. Nach spätern Berichten über das Erdbeben von 1356 sollen in diesem zwei Burgen Schauenburg zerfallen sein. Die eine, die alte Schauenburg, ist nach dem Erdbeben wieder aufgebaut worden. Sie ist die uns hier beschäftigende Burg. Die andere, die neue Schauenburg, beim heutigen Hofe Neu-Schauenburg im Banne Pratteln, blieb Ruine. Sie ist heute verschwunden und hat keine Geschichte.
Die Vergangenheit der alten Schauenburg läßt sich bis in das ausgehende 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie war damals der Sitz eines wohl froburgischen Dienstmannengeschlechtes, das dann in die Dienste der Bischöfe von Basel getreten ist. Zur Feste Schauenburg gehörte in älterer Zeit keine Herrschaft. Noch im 14. Jahrhundert erklärte bei Anlaß eines Rechtsstreites ein Kundschafter, daß Schauenburg zu Munzach gehöre und daß Twing und Bann sowie die hohen und niedern Gerichte zu Munzach ihrerseits wieder nach Liestal gehören. Die Ausstattung der Burg bestand in zerstreutem Besitz an Eigenleuten und Gefällen zu Füllinsdorf, Frenkendorf, Munzach, Nuglar, Büren, Lupsingen, Liestal, Augst, Pratteln, Rheinfelden sowie auf dem Hofe bei der Schauenburg.
1385 waren die Edelknechte von Schauenburg schon ausgestorben. Nach ihrem Erlöschen kam die Burg an die Vitztum, einem im Dienste des Bischofs von Basel emporgekommenen Geschlechte. Deren Nachfolger waren im beginnenden 15.Jahr hundert die Truchsessen von Rheinfelden. Diese verkauften Schauenburg bald an Konrad Sintz, den Sprossen einer durch erworbenen Reichtum aus dem Bürger' stande zum Patriziat aufgestiegenen alten Basler Familie. Aber auch des Konrad Sintz Schloßherrentum auf Schauenburg war nicht von langer Dauer. Schlechte Wirtschaft und mißratene Spekulationen ließen dessen gewaltiges Vermögen zer rinnen und noch Schulden entstehen. Die Not verführte Sintz zu Betrügereien, und das Ende war, daß der ins Unglück geratene Mann sein Heil in der Flucht aus der Vaterstadt suchen mußte. Nun machten sich die Gläubiger über die Vermögensteile des flüchtigen Schuldners her, und die Folge war der Übergang Schauenburgs an Henman Offenburg.
Bad Alt-Schauenburg Nach einem Aquarell von Franz feyerabend (1755-1800)
Der neue Schloßherr auf Schauenburg gehörte einer aus Villingen im Schwarzwald stammenden alten Apothekerfamilie an. Sein Vater war in Basel eingewandert und er selbst hier 1393 Bürger geworden. Vermöge seiner Gewandtheit in finanziellen Geschäften aller Art hat es Henman Offenburg verstanden, die baslerische Politik durch Jahrzehnte hindurch zu beeinflussen. Von Haus aus als Apotheker der Zunft zu Safran angehörig, hatte er durch klugen Geschäftsbetrieb und sorgsames Zusammenhalten seines Erwerbes seinen Wohlstand gemehrt. So konnte er, nachdem er Ratsherr der Safranzunft gewesen war, 1423 Achtburger werden, fortan als Patrizier im Rate sitzen und das Amt eines Oberstzunftmeisters bekleiden. Aber auch über Basel hinaus gewann Henman Offenburg wachsende Bedeutung. 1433 begleitete er König Sigismund zur Kaiserkrönung und erhielt dann von dem neugekrönten Kaiser auf der Tiberbrücke zu Rom den Ritterschlag. Schon vorher war Henman Offenburg von Sigismund durch einen Wappenbrief und eine Wappenbesserung ausgezeichnet worden. Dieser bedeutende Mann wurde 1428 Schloßherr zu Schauenburg. Das bescheidene Schloßbesitztum, wie es seine Vorgänger innegehabt, ein einfaches Eigengut, vermochte aber dem weitstrebenden Offenburger nicht zu genügen. Seine Absichten gingen nach einer völlig unabhängigen Herrschaft. Die großen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, und seine guten Beziehungen zum Reichsoberhaupte ließen ihn hoffen, ein solches Ziel erreichen zu können. Vom Freiherrn von Falkenstein, dem damaligen Inhaber der Landgrafschaft im Sisgau, ließ er sich mit dem Rechte der hohen und niedern Gerichtsbarkeit als Annex zu seinem Schlosse Schauenburg belehnen für ein Gebiet, das durch die Bänne von Liestal, Munzach, Muttenz, Pratteln, Frenkendorf, Nuglar und Gempen seine Begrenzung fand. Zur Sicherung seiner Rechte ließ sich Offenburg auch noch vom Kaiser mit der Befugnis ausstatten, in seinen Besitzungen über das Blut zu richten. Damit hatte Henman Offenburg sich tatsächlich eine Herrschaft Schauenburg gebildet. Und zu seinen Lebzeiten vermochte er sie auch zu behaupten. Aber unter seinem Sohne, dem Junker Peter Offenburg, wurde das anders, wohl offenbar infolge des Übergangs der Landgrafschaft im Sisgau mit der Farnsburg an die Stadt Basel (1461). Der Schultheiß und die Räte zu Liestal beanspruchten, daß die Feste Schauenburg in den Gerichten, Zwingen und Bännen des Dorfes und Kirchspiels Munzach, das zu Liestal gehörte, liege. Kundschaften ergaben, daß dem tatsächlich ursprünglich so gewesen sei, und die Folge war, daß dem Offenburger die Gerichte wieder entzogen wurden.
So ist dieser Ansatz zur Bildung einer Twingherrschaft im Baselbiet nach wenigen Jahrzehnten wieder zunichte geworden. Als aber die Offenburger ihren Plan der Gründung einer Herrschaft gescheitert sahen, verließen sie gegen das Ende des iç. Jahr' hunderts Schauenburg. Die seit dem Erdbeben von 1356 in Trümmern liegende sogenannte Neue Schauenburg hatten sie schon den Eptingern zu Pratteln über' lassen. Aus dem Mauerwerk dieser Schauenburg erstand das von den Eptingern gestiftete Bruderhaus an der Stelle des heutigen Hofes Neu-Schauenburg im Banne von Pratteln, das als solches bald einging und von Beginen besiedelt wurde. Die offenbar auch baufällig gewordene alte Schauenburg, auf der sie gesessen, verkauften die Offenburg an einen Schuhmacher zu Liestal. Und von diesem ging dann die alte Schauenburg an das erwähnte Schwesternhaus zu Neu-Schauenburg über. Die Beginen ließen aber die ohnehin schon baufällige Burg gänzlich zerfallen. So traten die Offenburg, als sie 1523 die alte Schauenburg von den Schwestern mitsamt dem Hause zu Neu-Schauenburg zurückerwarben, eine Ruine an. Mit Unterbrechungen blieb nun Schauenburg im Besitze der Offenburg, die ihren Wohnsitz im ehemaligen Schwesternhause aufschlugen, bis zum Aussterben des Geschlechtes. Durch die Tochter des Hans Philipp Offenburg, Juliane, kam Schauenburg um die Mitte des 17. Jahrhunderts an ihren Gemahl Philipp Rudolf Dräß (Drais) von Sauerbrunn, einen deutschen Edelmann. Dessen Schwiegertochter, eine geborene von Rotberg, entdeckte 1691 ein Heilwasser. Der Junker Dräß erhielt darum von der Obrigkeit die Bewilligung, zu Neu-Schauenburg ein Bad einzurichten. Dieses hieß im Gegensatz zum ältern südlich der Ruine im Banne Liestal gelegenen Bade das Neue Bad Schauenburg. 1700 verkauften dann die Dräß das Bad Neu-Schauenburg und das Schloßgut Alt-Schauenburg an den Liestaler Stadtschreiber Johann Friedrich Wettstein und dessen Schwager, den Pfarrer Johann Heinrich Gernler in Klein-Basel. Gleichwohl blieben die Dräß aber - als Mieter oder Pächter - noch bis 1720 zu Schauenburg wohnhaft. Von den spätern Dräß (Drais) sei hier noch genannt der Freiherr Karl Drais, der 1817 den Vorläufer des Fahrrades, die nach ihm genannte Draisine (Laufmaschine), erfunden hat.
Die Erben Wettsteins und Gernlers verkauften dann 1748 Schauenburg weiter an den Liestalers Gärtner Johannes Gysin. Von diesem ging das Gut mit dem Badhaus zu Neu-Schauenburg und dem Burgstall Alt-Schauenburg 1792 durch Verkauf an Daniel Iselin-Weiß und von diesem erbweise an Achilles Forcart-Iselin über. Unter den neuen Besitzern kam das Bad völlig in Abgang. In neuerer Zeit gehörte das Gut Schauenburg der Frau Valerie Riggenbach-Bumckhardt. Und gegenwärtiger Eigentümer ist H. L. Miescher-Riggenbach in Emmenbrücke.
Der heutige Zustand der Ruine ist folgender: "Der Mauerring folgt dem Rande des sich unvermittelt auf der Berghöhe erhebenden Felsens, wodurch die Burg die unregelmäßige Gestalt erhielt. Mitten durch den Hof zog sich in der Längsrichtung ein Felsband und schied die Burgstelle in eine östliche höhere und eine westliche tiefere Hälfte. Beide Teile weisen noch Spuren ehemaliger Gebäude, die sich an die zwei Meter dicke Ringmauer lehnten; auf der höchsten Stelle wurde in neuerer Zeit ein kleiner Bau errichtet. Das Mauerwerk besteht aus Bruchsteinen. Das Burgtor befand sich bei der Nordostecke und war durch eine Zwingeranlage geschützt. Ein kleines Mauerstück hievon hat sich erhalten."
Schon zur Zeit des Topographen Georg Friedrich Meyer, im Jahre 1678, war von der Ruine nur noch die Ummantelung ohne Einbau zu sehen. So sah auch Emanuel Büchel 1745 die Ruine.
Bibliographie