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mit der Töss vereinigt haben. Später wurde ihr bei Rickenbach auch dieser Ausgang verschlossen. Als dann der Rheingletscher sich zurückzog, fand sie den heutigen Weg nach O. Es entstand ein breites Thal bis nach Bischofszell, das aber am Schluss der Eiszeit mit grossen Kiesmassen wieder teilweise aufgefüllt worden ist, in welche die Thur sich neuerdings einschnitt, aber breite Terrassen zurückliess. Heute ist die Thalsohle ein typisches Inundationsgebiet. Gerade unter Altbrugg wird das Thal breit; grosse Sand- und Kieslager, «Thurgrien» genannt, liegen zu beiden Seiten des Wassers und bezeichnen die Breite des Hochwasserprofils, die bis 200 m beträgt; auf dem kiesigen Boden steht buschiger Wald, «Thurstuden» geheissen, und erst in einigem Abstand vom Fluss treten die Wiesen auf, die aber bei ausserordentlichen Hochwassern ebenfalls noch überschwemmt werden können. 1876 erreichte das unter Wasser gesetzte Gebiet eine Breite von bis zu 900 m. Besonders im untern Teil des Laufes tritt Stromteilung auf; dagegen ist das Land durch das immer noch beträchtliche Gefälle von 0,28% vor Versumpfung bewahrt.
Das ganze Ueberschwemmungsgebiet zerfällt in 3 Abschnitte:
1) Altbrugg-Brühbach (gegenüber Henau), 2) Brühbach-Thurhof (gegenüber Oberbüren) und 3) Thurhof-Bischofszell. Bei Brühbach und Thurhof treten mächtige Nagelfluhbänke bis an das Flussbett heran, während sonst das anstehende Gestein sich weit von diesem entfernt hält. Hier und bei Bischofszell, wo Molasse am Flussbett auftritt, befinden sich denn auch die einzigen Brücken des Flussabschnittes von Wil bis Bischofszell. Auf der modernen Alluvion liegt keine einzige Ortschaft; dagegen treffen wir ringsum auf den Terrassen und den Bildungen der Eiszeit zwölf Städtchen und grosse Dörfer (Schwarzenbach, Nieder- und Oberstetten, Henau, Niederuzwil, Oberbüren, Niederbüren, Bischofszell, Niederhelfentswil, Zuzwil, Wil, Rickenbach) und viele kleinere Ansiedlungen. Zuflüsse sind die Glatt, gegenüber dem Kloster Glattburg zwischen Niederuzwil und Oberbüren, und die Sitter bei Bischofszell.
c) Unterlauf.
Von Bischofszell an durchströmt die Thur ein normales Mittellandthal, das seiner Richtung nach als Unterlauf der Sitter erscheint und ungefähr parallel zur Linie Bodensee-Rheinthal und zum Tössthal verläuft. Die Thur hat auf dieser Strecke eine Länge von 58,6 km. Ein Gefällsbruch tritt mit der Mündung der Murg ein, indem das Gefälle oberhalb derselben 0,28 und unterhalb davon 0,14% beträgt. Das gesamte Inundationsgebiet wird durch die Engen von Bürglen-Istighofen (gebildet aus oberer Molasse) und von Andelfingen (hauptsächlich aus Erratikum) in drei Abteilungen gegliedert.
Unterhalb Bischofszell ist die Thur zunächst von Höhen eingeschlossen, die aus Gletscherschutt bestehen. Oberhalb Schönenberg treten diese zurück, so dass Platz für eine Alluvialebene entsteht, die bis Bürglen eine Länge von 6 km und bei Sulgen eine Breite von 1,5 km hat. Flurnamen wie Thurau, Auholz, Langstudenäcker u. a. geben Auskunft über die Beschaffenheit der Ebene. In Schönenberg und Bürglen wird der Fluss industriell ausgenutzt. Rings um die Ebene herum liegt grösstenteils ungeschichtetes Erratikum, auf welchem auch die Siedelungen des Gebietes sich befinden: Bischofszell, Schönenberg (Flussübergang), Istighofen, Bürglen (Flussübergang), Sulgen, Hohtannen und viele kleinere.
Von Bürglen bis Andelfingen hat die Ebene eine Länge von 32 km, eine grösste Breite von 2,5 km (Frauenfelder Allmend) und eine mittlere Breite von 1,5-1,8 km. Auf der S.-Seite wird sie bis nach Amlikon von Erratikum begleitet, das stellenweise schöne Terrassen aufbaut und die Dörfer Wertbühl, Rotenhausen, Bussnang und Amlikon trägt. Von Amlikon bis Frauenfeld besteht das Thalgehänge aus oberer Molasse, von der zahlreiche kleine Bäche herkommen. Wo diese die Ebene erreichen, haben sie Schuttkegel gebildet, auf welchen wiederum Dörfer entstanden sind: Eschikofen, Hüttlingen, Mettendorf, Wellhausen.
Von Frauenfeld bis Andelfingen finden sich Ablagerungen aus der Eiszeit, die um Frauenfeld und Andelfingen geschichtet, um Ellikon, Altikon und Thalheim dagegen ungeschichtet sind. Die ganze N.-Flanke des Thales besteht aus Gletscherschutt, mit Ausnahme der Gegend von Weinfelden, wo sich der aus oberer Molasse aufgebaute Ottenberg erhebt. Wir finden hier: Bürglen auf prachtvoller Terrasse und vom Giessenbach durchströmt, dessen Mündung um etwa 5 km verschleppt ist;
Märstetten am Eintritt des Kemmenbaches ins Hauptthal;
Wigoltingen auf ins Thal vorspringender Terrasse;
Müllheim;
Pfin, wo die Gewässer, die sich von Märstetten an in der Ebene gesammelt haben, in die Thur geleitet werden;
Weiningen, Wart, Ittingen, Uesslingen, Nieder Neunforn und Ossingen. Im ganzen liegen ringsum 29 grössere Ansiedlungen, in der Ebene dagegen bloss ein einziges Dörfchen (Felben) und einige Weiler.
Die Ebene ist durch folgende Erscheinungen als Ueberschwemmungsland gekennzeichnet: durch die Stromteilung des ehemaligen Flusslaufes, durch Kieslager mit Buschwald (Rohr, Widen, Auholz, Auliholz, Stöcken, Hau), durch von Pfin an auftretendes Sumpfland, durch verschleppte oder auf erhöhtem Bett strömende Seitenbäche und durch alte Flussstücke. Die thurgauische Korrektion sucht ¶
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die Ueberschwemmungen zu verhindern 1) durch Geradlegung des Flusslaufes;
2) durch Anlage von Dämmen (Niederwasser- und Hochwasserquerprofil) längs des Flusses;
3) durch Dämme, die entfernt vom Fluss beginnen und sich ihm allmählig nähern, wodurch die Seitengewässer in die Hauptrinne gezwängt werden. 1876 betrug die grösste Breite des unter Wasser gesetzten Gebietes etwa 2 km.
Dieses Stück des Thurthales ist Sitz einer währschaften Landwirtschaft: Wiesen- und Ackerbau, Wein- und besonders Obstbau. Es umschloss schon zur Römerzeit ein Stück der grossen Längsstrasse, die die Schweiz durchzog (Ad fines = Pfin), und heute liegt die Strecke Frauenfeld-Sulgen der Bahn Winterthur-Romanshorn darin. Wichtige Verkehrslinien, die Bodensee und Rhein mit dem südl. Thurgau und dem Toggenburg verbinden, kreuzen es und haben den Bau von 9 Strassen- und 3 Eisenbahnbrücken veranlasst. Die letztern befinden sich bei Andelfingen (Linie Winterthur-Schaffhausen), Ossingen (Linie Winterthur-Etzwilen-Singen) und Eschikofen (Frauenfeld-Romanshorn).
Schon bei Ossingen bildet das Erratikum zu beiden Seiten der Thur prachtvolle Terrassen, die durch die Ossinger Bahnbrücke miteinander verbunden sind und sich bei Andelfingen voneinander entfernen, um nun rasch immer weiter vom Fluss zurückzutreten, so dass wiederum Platz für ein breites Inundationsgebiet entsteht. Dieses erreicht zwischen Flaach und Ellikon eine Breite von 3 km. Einst durchfloss es die Thur in riesigen Serpentinen; heute ist der Fluss durch die zürcherische Korrektion in einen geraden Kanal gezwängt. Oft aber ist das alte Flussbett noch sichtbar, und auf den Kiesflächen zunächst des Stromes breiten sich die flachen Waldungen der verschiedenen «Haue» aus (Hau, Fahrhau, Wollauerhau, Forrenhau, Thurhau).
d) Kurze Uebersicht über das Thurgebiet als Ganzes.
Das Gefälle beträgt von Wildhaus (1028 m) bis zur Mündung in den Rhein (348 m) nicht weniger als 680 m. Es schwankt von 0,14-0,28% in den Ueberschwemmungsgebieten, von 0,37-0,63% in den in Erweiterung begriffenen Thalstrecken und von 1,64-2,85% in den Schluchten und Engen.
Das gesamte Einzugsgebiet zeigt die normale Gestalt einer Keule. Die Wasserscheide gegen die Linth beginnt am Gamserruck, geht über die Churfirsten (wo aber die unterirdische Wasserscheide vielleicht nicht mit der oberflächlichen zusammenfällt) zum Leistkamm, um die Amdenermulde zum Mattstock und dann über Speer, Regelstein, Rickenpass, Tweralp und Kreuzegg zum Schnebelhorn. Hauptpunkte in der Wasserscheide gegen die Töss sind: Hulftegg, Sitzberg, Schauenberg, Thalwasserscheide bei Elgg, Schneitberg, die Höhen nördl. Hagenbuch und Gündlikon, südl. Rickenbach, Dinhard und Eschlikon; Berg, Dägerlen, Thalwasserscheide von Henggart, Irchel.
Gegen den Rhein: Gamserruck, Passhöhe bei Wildhaus, Gulmen, Hohenkasten, Kamor, Fähnern, Hirschberg, Passhöhe des Stoss, Gäbris, Vögelinsegg, nördl. Speicher und Teufen, westl. St. Gallen, Rosenberg, Wittenbach, Höhen nördl. der Sitter, Zihlschlacht, Höhen nördl. Sulgen, quer über den Seerücken bis Happerswil, Oberhofen, Schwaderloh, Bogen parallel dem Untersee bis Nussbaumen, Steineggersee und Nussbaumersee, Höhen südl. Waltalingen, nördl. Ossingen und Alten, Ellikon. Gesamtumfang des Einzugsgebietes etwa 250 km.
Vom Mündungs- bis ins Quellgebiet wächst die jährliche Niederschlagsmenge von 90 bis auf 200 cm. Ueber die Abflussverhältnisse geben Auskunft die Pegelstationen von Bazenheid, Bürglen-Istighofen, Weinfelden-Rotenhausen, Amlikon, Bonau, Eschikofen, Felben-Pfin, Weiningen, Nieder Neunforn-Altikon, Gütikhausen und Gross Andelfingen. Im Toggenburg ist die Thur ein echter Voralpenfluss mit andauerndem Hochwasser in den Monaten März bis Juli, mit Niederwasser in den übrigen Monaten.
Vom August bis Oktober setzen sich dem Niederwasser zahlreiche Sommer- und Herbst-Hochwasser auf, während in den Monaten November bis Februar nur seltene und kleine Winter-Hochwasser sich zeigen. In Andelfingen nähert sich die Thur dem Typus der Mittellandflüsse, indem daselbst die sommerliche Niederwasserzeit einen Monat früher eintritt und die winterlichen Hochwasser mehr Bedeutung haben. Aber auch hier behält die Thur in ihren Schwankungen noch Wildbachcharakter bei, indem sie z. B. innert 2 Tagen um 3 Meter steigen und dann am folgenden Tag wieder um 2 Meter fallen kann. Ausserordentliche Hochwasser traten ein: 1664, 1755, 1789 (das grösste je beobachtete), 1852, und In allen Fällen war die Wassertiefe bei der Andelfingerbrücke etwa 6 m. Maximale Wasserfuhr an dieser Stelle etwa 1400 m3, mittlere rund 35 m3 und minimale rund 6 m3 per Sek. Gewitter im Quellgebiet können für sich allein Hochwasser erzeugen, die sich etwa 2 Tage nachher in Andelfingen zeigen.
Nach Cl. Hess entfallen von der gesamten Abflussmenge des Thurgebietes: ¶