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Kurt Wüthrich hat lange vor der Ehrung mit dem Nobelpreis Weltruhm als Forscher erlangt.
Nun steht der 64-jährige Biophysiker und diplomierte Sportlehrer mit ungebrochenem Forschungsdrang vor einem Neuanfang: Nach der Pension in Zürich will er in den USA ein Labor aufbauen, unter anderem mit dem Preisgeld.
Wüthrich ist seit über drei Jahrzehnten an der ETH in Zürich tätig. Seine Forschungstätigkeit bescherte ihm viele Preise, aber auch Ehrendoktorate der Universitäten Siena und Zürich sowie der ETH Lausanne.
Das Licht der Welt erblickte Kurt Wüthrich am 4. Oktober 1938 im bernischen Aarberg. Der Wissenschafter, der in der Erforschung der Strukturbiologie von Proteinen und Nukleinsäuren Weltruhm erlangen sollte, drückte zunächst die Schulbank in Lyss (BE).
Via Bern, Basel und Berkeley nach Zürich
Nach dem Gymnasium in Biel entschied es sich für die Universität Bern, wo er 1962, nach fünfjährigem Studium in Chemie, Physik und Mathematik mit dem Lizentiat abschloss.
Wüthrich zog es darauf von der Aare an den Rhein. An der Universität Basel machte er bis 1964 nicht nur das Eidgenössische Turn- und Sportlehrerdiplom, sondern promovierte auch mit einer Arbeit in anorganischer Chemie. Bereits damals beschäftigte er sich mit magnetischer Resonanzspektroskopie.
Seine berufliche Tätigkeit begann Wüthrich 1959 als Lehrer mit Teilpensen an Gymnasien in Solothurn, Biel und Basel. Zwischen 1964 und 1967 war er mit einem Stipendium der "Stiftung für Stipendien auf dem Gebiet der Chemie" in Basel und anschliessend an der University of California in Berkeley tätig.
Akademische Laufbahn an der ETHZ
Es folgten zwei Jahre bei Bell Telephone Laboratories in Murray Hill, New Jersey, bevor Wüthrich 1969 bei der ETH Zürich eintrat.
Dort durchlief er alle Stufen einer akademischen Laufbahn. Ordentlicher Professor ist er seit 1980. Zwischen 1995 und 2000 war er Vorsteher des Biologie-Departements. Seit letztem Jahr ist er auch am Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien tätig.
Baldige Pensionierung - dann Forschung in den USA
Wüthrich, Bürger von Trub (BE) und Brügglen (SO), ist seit 1963 mit Marianne Briner verheiratet. Sie haben zusammen einen 34-jährigen Sohn und eine 32-jährige Tochter.
Mit 64 Jahren steht der Nobelpreisträger heute nur ein Jahr vor dem altersbedingten Rücktritt an der ETH. Der Wissenschafter will sich aber keineswegs aufs Altenteil zurückziehen. Mit dem Preisgeld werde er unter anderem sein neues Labor in den USA finanzieren, sagte er.
Dass ihm die Schweiz in allen Jahren internationaler Forschungstätigkeit keineswegs gleichgültig geworden ist, zeigte Wüthrich in einer spontanen Reaktion auf den hohen Preis: "Ich bin froh, dass ein solcher Preis in die Schweiz kommt. Gerade in einem Moment, wo in der Schweiz vieles schief zu laufen scheint, zeigt dies, dass gewisse Dinge auch recht gemacht werden."
swissinfo und Thomas Brunner (ap)