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Abgefahren!
Jürgen grüsst
Der Mann Mitte 30 lächelte mir freundlich zu, als er zu mir ins Abteil kam. So freundlich, dass es mich irritierte. Er hängte seine Jacke an den Haken an der Wand und streckte mir die Hand entgegen. «Ich bin Jürgen», sagte er. Ob er sich immer bei seinen Mitreisenden vorstelle, fragte ich überrascht. «Auf langen Reisen schon.» Schliesslich hätten wir eine 3½-stündige Zugreise vor uns. Ein Erlebnis auf dem Pilgerweg habe ihn auf die Idee gebracht. Damals begegnete er einem Mann, den er beinahe ohne mit der Wimper zu zucken überholt hätte. Aus irgendeinem Grund kamen sie aber doch ins Gespräch und die Zufallsbekanntschaft erzählte Jürgen, er habe nur noch zwei Monate zu leben. Die Gespräche mit dem Mann hätten ihn nachhaltig beeindruckt und geprägt. Und sie hätten ihn wachgerüttelt, aus seiner Isolation auszubrechen und offen auf Mitmenschen zuzugehen. «Deshalb stelle ich mich jetzt immer vor, wenn ich mich für eine längere Reise zu jemandem setze. Man weiss nie, was sich aus so einer Begegnung ergeben kann.» Eine Kolumne zum Beispiel, lieber Jürgen!