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PID-Regler im Menschen
Essay über Elektronik, Biologie und Psychologie.
Die Temperatur in einem Raum eines Hauses z.B. wird an einem Temperaturregler eingestellt und von diesem geregelt. Elektronische Regler werden beinahe überall eingesetzt. Sie reagieren auf eine gemessene Grösse (Regelgrösse) , vergleichen diese mit dem Einstellwert (Führungsgrösse) und geben dann ein Reaktionssignal (Stellgrösse). Wird nun (z.B. im Winter) im Raum ein Fenster geöffnet, so wird es kühler (Störgrösse). Der Regler reagiert darauf, indem er die Heizungsleistung heraufstellt. Wie und wie schnell nun ein Regler auf solche schnellen oder langsamen Störgrössen reagiert, kann an PID-Reglern separat eingestellt werden. P bedeutet proportional, I integral und D differential. Der proportionale Faktor ist die direkte proportionale Reaktion, der integrale Faktor reagiert auf langsame Regelabweichungen (z.B. Temperaturschwankungen Tag/Nacht oder Winter/Sommer, gedämpft durch die Hauswand), und der differentielle Faktor reagiert auf schnelle Störgrössen (z.B. Fenster öffnen). Für unterschiedliche Anwendungen eines PID-Reglers müssen diese drei Faktoren jeweils optimal eingestellt werden.
Nun zum PID-Regler im Menschen: Der differentielle Regler entspricht beim Menschen den Reflexen. Dies sind blitzschnelle Reaktionen auf (Gefahren-) Einflüsse. Bereits niedere Tiere besitzen solche Reflexe, sie sind überlebensnotwendig. Ein solcher Reflex beim Menschen ist z.B. das Schliessen der Augenlider bei Blitz oder Knall. Er schützt das Auge innert Millisekunden. Die Reflexbögen führen über das Rückenmark oder Kleinhirn.
Der proportionale Regler entspricht dem Denken (Grosshirn). Reize und Wahrnehmungen werden logisch mit Erfahrungswerten verknüpft und anschliessend darauf reagiert. Solche rationalen Denkprozesse dauern länger. Durch sie schlagen wir und mehr oder weniger gut durchs Leben. Wenn ein Mensch seine Handlungen (Stellgrösse) aber nur auf rationales Denken abstützt, so können "langsame Faktoren" über längere Zeitspannen (Jahre, Jahrzehnte) übersehen werden und sich anhäufen. Diese Fehlregelung äussert sich dann z.B. in Krankheiten oder psychischen Störungen.
Der Mensch besitzt aber auch einen integralen Sensor: Den "Bauch" oder das Unbewusste. Es sammelt die nichtverwerteten Störgrössen und summiert diese. Falls auf diese nicht reagiert wird, so summieren sie sich weiter und äussern sich eben z.B. in Krankheiten. Wir besitzen aber ein Sensorium, um diese integrale Regelgrösse zu erfahren: Das Unbewusste äussert sich über "Gefühle im Bauch" oder über unsere Träume. Wenn wir darauf reagieren, so wird diese Störgrösse abgebaut. Auf unser Unbewusstsein zu hören und, erst recht, darauf zu reagieren - das will gelernt sein. Zuviele Abwehrmechanismen haben wir uns während unseres Lebens aufgebaut.
Wenn ein Mensch also gesund leben will, so muss er, neben den zumeist gut ausgebildeten differentialen und proportionalen Regelmechanismen, auch den integralen Regler berücksichtigen.