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Kaum zu glauben, in unseren Breiten steht die Kartoffel erst seit etwa 250 Jahren auf dem Speiseplan. Ihre Einführung in die deutsche Landwirtschaft verdanken wir der Politik Friedrich des Grossen (1712 - 1786). Und er muss seine Untertanen zum Anbau der Kartoffel zwingen ("Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht"). Mit ihrem Anbau beginnt eine Vervielfachung der Produktivität in der Landwirtschaft und eine wirksame Bekämpfung der Hungersnöte, die zwar nicht ausbleiben, aber seltener werden. Dass die Pflanze aber für einige Zeitgenossen gewöhnungsbedürftig ist, zeigt nebenstehende zeitgenössische Karikatur.
Die Kartoffel, "Solanum tuberosum", enthält Stärke, Vitamine und Mineralien. Das macht sie zu einer reichhaltigen Speise. Sie besitzt aber auch ein Gift, vor allem in den grünen Teilen, das erst durch Kochen zerstört wird, das Solanin, das die Pflanze auch weitgehend vor Fressfeinden schützt. Einen gefährlichen hat sie allerdings doch und der wird schliesslich mit der Pflanze in Europa eingeführt, der Kartoffelkäfer (Bild rechts) und seine Larven. Ihren Ursprung hat diese Kulturpflanze in den hohen Anden. Dort haben sie die Inkas kultiviert. 1438 gründet der Gottkönig Pachacuti das Inkareich und dehnt es durch Kriege enorm aus. Die Kartoffel (die Inkas nennen sie "papa") spielt dabei eine wichtige Rolle. Niemand muss im Inkareich hungern. Die Inkaherrscher fördern den Kartoffelbau durch den Bau von Bewässerungskanälen und Terrassenanlagen.
1533 erobern Spanier unter dem Abenteurer Pizarro das Inkareich. Sie bringen den Gottkönig Atahualpa um und beuten das Land aus (Gold, Silber). 1570 bringen sie die Kartoffel, ihrer schönen Blüten wegen, als Zierpflanze mit nach Spanien. Jahre später tun es ihnen die Engländer gleich. Diese aber erkennen den Wert dieser unschätzbaren Kulturpflanze für die Landwirtschaft, nachdem klar geworden ist, dass ihre wertvollen Teile nicht überirdisch, sondern in der Wurzelknolle unter der Erde liegen, und sie nutzen sie für die Ernährung der Menschen.
Anfang des 19. Jahrhunderts wird die Kartoffel als neues Nahrungsmittel in ganz Europa bekannt. Sie verbreitet sich rasch und ermöglicht den endgültigen Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft. Nie zuvor haben die Landwirte Nahrung für so viele Menschen erzeugen können. Die in der Landwirtschaft frei werdenden Arbeitskräfte stehen den neu entstehenden Fabriken zur Verfügung.
In den Höhen der südamerikanischen Anden, in ihrer Heimat, hat sich die Kartoffel an karge Böden, niedrige Nachttemperaturen und ein relativ trockenes Klima gewöhnt. Für nährstoffarme Böden ist sie besser geeignet als Getreide und ihr Anbau ist ohne den Einsatz von viel Werkzeug, notfalls nur mit den Händen möglich. Sie kann an fast jedem beliebigen Standort angebaut werden, und wird jeweils frisch für den Verzehr geerntet. Erst durch die Ernährung mit der Kartoffel wird die Ernährung vieler Leute und damit ein grosses Wachstum der Bevölkerung möglich. In Irland z.B. verfünffacht sich die Bevölkerung zwischen 1801 und 1841 in nur 40 Jahren. Als aber 1845 die bis dahin unbekannte "Kartoffelpest" (eine Pilzkrankheit) ausbricht, zwingt die Hungersnot Hunderttausende von Iren zur Auswanderung in die Neue Welt (Amerika).
Das Inkawort "papa" heisst soviel wie "Knolle". Auf ihrem Weg nach Europa hat sie (wahrscheinlich) in Italien den Beinamen "Trüffel", italienisch: "tartufoli" bekommen. Die weitere Abwandlung im Deutschen ist über "Tartuffeln", "Artuffel", "Artoffel" bis zur Kartoffel erfolgt. Der Botaniker Caspar Bauhin schliesslich nennt die Knolle dann "Solanum tuberosum esculentum", was so viel bedeutet wie "essbarer knolliger Nachtschatten". Für die Umgangssprache hat er den Namen Grübling (für Trüffel) eingeführt, der sich aber offensichtlich nicht durchgesetzt hat.
Die Tatsache, dass sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum "Volksnahrungsmittel" geworden ist, ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie gross die Widerstände der Bevölkerung gegen die "Erdäpfel" gewesen sind. Dabei ist die Kartoffel ein wertvoller Vitamin C-Lieferant und ein hochwertiges, sättigendes Nahrungsmittel, das nicht dick macht (wenn man das Öl beiseite lässt!). Seine Stärke soll sogar Krebserkrankungen vorbeugen.