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| Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe

LXIII. (Mauriner-Ausgabe Nr. 210)
5.
Schon haben sie aber auch in eigenen Schriften diese Lehren niedergelegt, die sie zuerst dem Manne Gottes, dem Bischof Meletius1, zuschickten. Von ihm bekamen sie aber die gebührende Antwort. Wie die Mütter den Mißgeburten, die sich ob der Ausartungen der Natur schämen, so bargen auch sie ihre schändlichen Geburten in die gebührende Finsternis und pflegen sie. Auch machten sie mit einem Briefe einen Versuch bei dem uns gleichgesinnten Bischof Anthimus von Tyana - mit dem Vorgeben, Gregor hätte in der „Auslegung des Glaubens2” gesagt, Vater und Sohn seien zwar dem Begriffe nach zwei, der Hypostase (Person) nach aber einer. Daß er aber das nicht als Lehrsatz aufgestellt, sondern im Gespräche mit Aelian gesagt hat, vermochten sie nicht einzusehen, sie, die doch ob ihrer Verstandesschärfe sich so hoch erheben. In diesem Gespräche stehen übrigens so viele Fehler von Abschreibern, wie wir, so Gott will, an den einzelnen Worten nachweisen werden. Zudem fand er es bei der Unterweisung eines Heiden nicht für nötig, in der Wahl der Worte peinlich genau zu sein; vielmehr glaubte er da und dort der Denkart seines Schülers nachgeben zu müssen, um ihn nicht gegen die Hauptpunkte widerspenstig zu machen. Daher kann man dort auch viele Ausdrücke finden, die jetzt den Häretikern einen sehr starken Anhaltspunkt bieten, wie z. B. „das Gebilde3” und „das Geschöpf4” und andere dergleichen. Aber auch viele Ausdrücke über die Verbindung mit dem Menschen wollen sie da gelten lassen, wo von der Gottheit die Rede ist, sie, die ohne die nötige Vorbildung auf die Schriftworte hören. Und von der Art ist auch das, was von diesen kolportiert wird. Man muß wohl wissen, daß, wer das Gemeinsame [S. 240] der Wesenheit nicht bekennt, ebenso dem Polytheismus verfällt, wie der ins Judentum gerät, der die Besonderheit der Hypostasen (Personen) nicht zugibt. Unser Verstand muß gleichsam auf ein Subjekt sich stützen und dessen Merkmale genau sich einprägen, um so zur Erkenntnis dessen zu kommen, was er begehrt. Denn wenn wir die Vaterschaft nicht verstehen und nicht bedenken, wem diese Eigentümlichkeit zugeteilt ist, wie können wir da einen Begriff von Gott dem Vater bekommen? Es ist nicht genug, die Unterschiede der Personen5 aufzuzählen; man muß bekennen, daß jede Person als wirkliche Hypostase existiert. Denn auch ein Sabellius verwarf ein hypostasenloses Gebilde von Personen nicht, wenn er sagte, derselbe Gott, einer im Subjekte, verwandle sich entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen und rede bald als Vater, bald als Sohn, bald als Hl. Geist. Diesen längst zerstörten Irrwahn erneuern jetzt die Erfinder dieser anonymen Häresie: Sie verwerfen die Hypostasen und leugnen den Namen des Sohnes Gottes. Wenn sie von ihrer Gotteslästerung nicht ablassen6, so müssen wir sie als Christusleugner beweinen.
1: von Antiochien
2: Eine kurze, aber sehr klare und präzise Auseinandersetzung der Trinitätslehre (MPG X. 983-988), zwischen 260 und 270 verfaßt. (Bardenhewer, Patrologie 1910, S. 150)
3: κτίσμα
4: ποίημα
5: πϱοσώπν
6: vgl. Ps 74,6