Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03564.jsonl.gz/1769

Eisen
[* 5] ist im Drahtzug weit dehnbarer als unter dem Blechhammer; Blei
[* 6] und Zink lassen sich dagegen zu dünnen Blättchen schlagen
oder walzen, aber nicht zu Drähten ausziehen, was jedoch Platin wieder gestattet. Letzteres kann man gleichwohl
nicht zu so dünnen Blechen verarbeiten wie Gold
[* 7] und Silber, ohne daß es wie Spinnengewebe netzartig, löcherig wird. Daraus
geht schon hervor, warum die Dehnbarkeit nur zu den sogen. relativen Eigenschaften der Körper gezählt wird, indem sie nicht allen
Körpern zukommt, am allerwenigsten aber der Materie im allgemeinen.
Geringe Beimengungen eines fremden Stoffes und schnelles Erkalten vermindern zuweilen die Dehnbarkeit beträchtlich; auch das Hämmern,
Walzen und Drahtziehen vermindern bei manchen Metallen die Dehnbarkeit, indem sie dieselben verdichten. Es macht sich deshalb in der
Praxis oft nötig, die Metalle mehrmals zu erhitzen und an der Luft langsam abkühlen zu lassen, um das
Zerreißen zu verhindern. Die Dehnbarkeit ist ferner sehr abhängig von der Temperatur, und im allgemeinen wächst sie mit der Wärme.
[* 8]
Zwischen 100 und 150° C. aber läßt es sich schmieden, zu dünnen Blechen walzen und zu feinem Draht
ausziehen, und bei 205° C. wird es wieder so spröde, daß es in einem bis zu dieser Temperatur erhitzten Mörser zu Pulver
zerstoßen werden kann. Ähnlich verhält sich schwefelhaltiges Eisen, welches in gewöhnlicher Temperatur schmiedbar
ist, aber wegen seiner Sprödigkeit in der Rotglühhitze den Namen rotbrüchiges Eisen erhalten hat. AndreKörper werden dehnbar,
wenn sie Wasser einsaugen, z. B. tierische Häute, Leim, Gummi, dann Töpferthon etc. Gold ist äußerst streckbar; es läßt sich
ebensowohl zu dem feinsten Draht ausdehnen, wie zu äußerst dünnen Platten durch Walzen umarbeiten.
Nach Réaumur kann 1 Gran
[* 11] (0,06 g) Gold zu 250 qcm ausgedehnt und eine Unze (30 g), welche als Würfel etwa 1 cm Seite hat, in
eine Fläche von 14,5 qm ausgebreitet werden. Auf dem aus vergoldeten Silber hergestellten Drahte, der auf LyonerTressen verarbeitet
wird, beträgt die Dicke der Goldschicht nur 0,000012 mm und zeigt doch alle dem Gold eigentümlichen Merkmale.
Taucht man einen solchen Draht in Salpetersäure, so wird zwar
das Silber angegriffen und bei längerer Dauer aufgelöst, nicht
so das Gold; letzteres bleibt dann als eine Röhre zurück.
Platindraht läßt sich nicht so fein zubereiten wie Golddraht; gleichwohl hat Wollaston dergleichen von
0,0008 mmDicke gefertigt, und Becquerel hat Stahldraht bis zu einem Durchmesser von 1/30 mm bis 128 mmLänge ausgezogen. Dies
konnte auf die Weise erreicht werden, daß das auszuziehende Metall als feiner Draht in ein dickeres StückSilber eingelassen
wurde, welches dann mit den gewöhnlichen Hilfsmitteln zu möglichst feinem Draht ausgezogen wurde. Natürlich
verlängert sich dabei das eingeschlossene Metall in gleichem Grad, und wenn man schließlich das äußere Metall mit geeigneten
Mitteln entfernt, so bleibt der feine Draht des andern zurück. Glas, bei gewöhnlicher Temperatur äußerst spröde, läßt
sich, wenn man es stark erhitzt, zu sehr feinen Fäden ausziehen, die nach dem Erkalten eine Biegsamkeit
besitzen, welche derjenigen von Gespinstfasern
[* 12] ähnlich ist.