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Professor Dr. Martin Karplus
Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Herrn Prof. Dr. Martin Karplus in Anerkennung seiner fundamentalen Beiträge zur Entwicklung der Moleküldynamik-Computersimulation, welche eine wichtige Grundlage der computergestützten Chemie und Strukturbiologie bildet. In seiner sich über 50 Jahre erstreckenden wissenschaftlichen Karriere hat sich Professor Martin Karplus primär dem Verständnis biologischer Prozesse auf molekularer Ebene gewidmet. Um die dabei entstehenden Fragen beantworten zu können, bedarf es eines multidisziplinären Ansatzes. Dieser geht aus von den physikalischen Gesetzen und Grundlagen der theoretischen Chemie mit ihren intermolekularen Wechselwirkungen bei der Untersuchung fundamentaler biologischer Abläufe und ihrer Modellierung mit computergestützten Methoden. Seine Entdeckungen machten es unter anderem den Biochemikern möglich, die Faltung und Funktion der Proteine, der vielseitigsten aller biologischen Moleküle, auf atomarer Ebene zu modellieren und zu verstehen.
Prof. Dr. Martin Karplus wurde 1930 in Wien geboren. Von dort übersiedelte seine Familie 1938 zunächst nach Zürich, dann nach Frankreich und schliesslich in die USA, wo er 1945 amerikanischer Staatsbürger wurde. Nach seinem Baccalaureat (B.A.) an der Harvard University (1950) promovierte er 1953 am California Institute of Technology beim späteren Nobelpreisträger Linus Pauling. Nach seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in Illinois (1957-1960) und an der Columbia University (1960-1966) kehrte er an die Harvard University zurück, wo er den Theodore William Richards Lehrstuhl in Chemie innehat. Seit 1994 ist er ebenfalls Professeur Conventionné an der Université Louis Pasteur in Strasbourg. Prof. Karplus ist unter anderem mit dem «Irving Langmuir Award in Chemical Physics» (1987) und dem ersten «Theoretical Chemistry Award» (1993) der American Chemical Society sowie dem «Pauling Award» (2004) ausgezeichnet worden; er wurde bereits im Alter von 37 Jahren zum Mitglied der US National Academy of Science sowie 2002 auch der UK Royal Society ernannt. Mehr als 700 Veröffentlichungen zeugen von der enormen Produktivität von Prof. Karplus. Besonders erwähnenswert ist diejenige zur heute als «Karplus Equation» bezeichneten Beziehung, die für die Strukturaufklärung biologischer Moleküle mittels Kernresonanztechniken (Nobelpreise u. a. für die Schweizer Wissenschaftler Felix Bloch, Richard Ernst und Kurt Wüthrich) von immenser Wichtigkeit ist. Die aus dem Jahr 1963 stammende Publikation gehört zu den meistzitierten in der 125-jährigen Geschichte der American Chemical Society. Bereits 1977 zeigte ferner die erste Computersimulation der molekularen Dynamik eines Proteins, dass Proteine im Gegensatz zur bis dahin vorherrschenden Meinung nicht starre Gebilde sind, sondern dass gerade ihre interne Beweglichkeit ihre Funktionen bestimmt. Von diesen Anfängen ausgehend können heute, dank weiterer Pionierarbeiten von Martin Karplus, sowie von seinen Mitarbeiter/-innen und Schüler/-innen, die z. T. auch als Professoren an Zürcher Hochschulen zu finden sind, zum Beispiel die Proteinfaltung, enzymatische Mechanismen und andere biochemische Regelprozesse besser theoretisch verstanden und auf Rechnern simuliert werden.