Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/2810

Expressionismus
Der Expressionismus in der Bildenden Kunst basiert im Wesentlichen auf zwei Strömungen:
Die Brücke
In Dresden gründeten 1905 Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl die Künstlergruppe “Brücke”, die später durch weitere Künstler wie Hermann Max Pechstein, Otto Mueller, Cuno Amiet und zeitenweise auch Emil Nolde und Kees van Dongen ergänzt wurde. Der neue Stil war gekennzeichnet durch eine vereinfachende kantige ausdrucksstarke Formensprache und durch leuchtende pastos aufgetragene Farben und schwarze Konturen. Der Holzschnitt spielte eine besonders wichtige Rolle. Die Sujets erstreckten sich von arkadischen Landschaften über das pulsierende Grossstadtleben hin zu lebhaften Varieté- und Zirkusszenen, wobei der menschlichen Figur eine Schlüsselfunktion zukam. Die Künstler hielten sich und die Personenkreise, in denen sie verkehrten, die Bohème, in Einzelporträts, Menschengruppen und Akten fest, vor allem in den berühmten Badeszenen an der Ostsee. 1913 löste sich die Brücke in Berlin auf.
Neue Münchner Künstlervereinigung
In München entstand 1908 ein zweiter expressionistischer Kreis um die v.a. russischen Künstler Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky. Gabriele Münter, Franz Marc, Alexander Kanoldt, Adolf Erbslöh, Alfred Kubin und andere mehr schlossen sich dieser “Neuen Münchner Künstlervereinigung” an, deren Mitglieder in der Wahl der Themen, des Stils, der Palette weit auseinanderdrifteten. Gemeinsamer Nenner war das Streben nach einer künstlerischen Synthese, die man erreichte, indem man innere Eindrücke und äussere Erlebnisse in der Konzentration aufs Wesentliche verband.
Der Blaue Reiter
Als sich die Künstler z.T. in konträrer Richtung entwickelten und Kandinsky als weithin unverstandener Wegbereiter der Avantgarde sein erstes abstraktes Gemälde vorlegte, löste sich die Neue Künstlervereinigung nach drei Ausstellungen im Zwist auf. Aus dieser entwickelten Kandinsky und Marc 1911 den “Blauen Reiter”, einen “Almanach” und eine lose Künstlerverbindung, dem sich Gabriele Münter, August Macke, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Henri Rousseau, der Musiker Arnold Schönberg und ein weiter Kreis von unterschiedlichsten Kunstschaffenden anschloss. Als Maxime galt, bei aller Verschiedenheit eine innere Gemeinsamkeit anzustreben. Kandinsky verband mit dem Reiter den Heiligen Georg, mit der Farbe Blau die Unendlichkeit des Himmels, die Sehnsucht nach Reinheit und Übersinnlichem. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 löste sich die Gruppe auf und war mit Ausnahme von wenigen Vorreitern unverstanden geblieben.