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Ursprünge der Villa Rosenau

Herr J. / 02. Januar 2012:
Ich habe eine Frage zur vieldiskutierten Villa Rosenau in Basel. Das Haus ist scheinbar einmal aus separaten Platten zusammengebaut worden, was merkwürdig aussieht. Stimmt es, dass es einmal als behelfs-Wohnung in der Nachkriegszeit gebaut wurde?
Antwort von altbasel.ch:
Ihre Vermutung ist korrekt. Die angesprochene Liegenschaft hat ihre Ursprünge in einem staatlichen Bauprogramm zur Bekämpfung der Wohnungsnot in den 1940er Jahren. Ich erlaube mir zu diesem Thema ein wenig auszuholen. Während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre und in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zeichnete sich in Basel ein zunehmender Mangel an Wohnraum ab. Die Bevölkerung Basels wuchs konjunkturbedingt von 171'904 Personen im Jahr 1943 auf deren 186'546 bis Ende 1947.
Diese Leute benötigten dringend Wohnraum. Das Angebot hielt aber nicht Schritt mit der Nachfrage, womit sich eine Wohnungsnot ergab. Eine erste staatliche Massnahme war die Umnutzung leerstehender Gebäude als provisorische Unterkünfte, der Einbau neuer Wohnungen in Altbauten und das Aufstellen von Armeebaracken als temporäre Behausungen. Nach einigen Jahren wurde deutlich, dass eine Linderung der Wohnungsnot nicht länger ohne eigentliche Neubauten erreicht werden konnte.
Mit staatlichen Subventionen wurden im Rahmen eines speziellen Bauprogramms Notwohnungen errichtet. Teil dieses Projekts war die vom Hochbauamt erstellte kommunale Notwohnungssiedlung in der Rosenau an der Neudorfstrasse an der Grenze zu Frankreich. Sie bestand aus 13 Mehrfamilienhäusern einheitlichen Typs so wie einem Kindergarten. Charakteristisch war die Zusammensetzung der Häuser aus genormten und industriell vorgefertigten Bauteilen; weil damals schnell gebaut werden musste.
Die Häuser entstanden 1948/49 aus Platten die trocken in einem Holzgerüst zusammengefügt wurden. Dies ermöglichte einen raschen Aufbau. Die Platten bestanden aus sogenanntem Durisol, einem in den 1930er Jahren entwickelten Baustoff der sich aus Holzresten und Zement zusammensetzte. Jedes der Häuser wies zwei Geschosse auf die mit einem Treppenhaus in der Mitte verbunden waren. Jede Geschosshälfte war mit fünf Zimmern versehen, was zehn Zimmer pro Geschoss ergab.
Sie konnten zu zwei Fünfzimmerwohnungen oder zwei Zwei- und zwei Dreizimmerwohnungen pro Geschoss aufgeteilt werden, je nach Grösse der betreffenden Familien. Die Etagen teilen sich ein Badezimmer. Die rasch erstellten Häuser der Notwohnungssiedlung waren für die vorübergehende Unterbringung von Familien in Not konzipiert. Die Villa Rosenau ist der letzte überlebende Teil dieser Siedlung. Häuser selben Typs wurden auch an der Burgfelder Grenze und beim Friedhof Hörnli gebaut.
Beitrag erstellt 04.01.12
Quellen:
Dorothee Huber, Architekturführer Basel, herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, 2. Auflage 1996, ISBN 3-905065-22-3, Seiten 378 bis 379
Rudolf Kaufmann, Abschnitt C "Baukunst", in "Das künstlerische Leben in Basel vom 1. Oktober 1947 bis 30. September 1948", publiziert im Basler Jahrbuch 1949, herausgegeben von Ernst Jenny und Gustav Steiner, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1948, Seite 187
Rudolf Kaufmann, Abschnitt C "Baukunst", in "Das künstlerische Leben in Basel vom 1. Oktober 1948 bis 30. September 1949", publiziert im Basler Jahrbuch 1950, herausgegeben von Ernst Jenny und Gustav Steiner, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1948, Seite 226