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Der seltene Fluch der Presidents’ Trophy
Die Boston Bruins haben in überragender Art und Weise als punktbestes Qualifikationsteam die Presidents’ Trophy gewonnen. Doch einmal mehr zeigte sich, dass die einst so relevant beste Ausgangslage in der NHL heutzutage aufgrund der Parität bezüglich der Leistungsstärke zwischen den Teams längst keinen Erfolg in den Playoffs garantiert. Fun Fact: Von 1986, als die Trophy erstmals vergeben wurde, bis 2014 haben die jeweiligen Qualifikationssieger mindestens die dritte Playoff-Runde erreicht. Danach geschah dies sogar regelmässig.
Die Boston Bruins haben bereits schon einmal in dieser Position frühzeitig in den Playoffs die Segel streichen müssen: Das war 2014 gegen die Canadiens de Montréal. Sage und schreibe sieben Mal in den letzten zehn Jahren ist dies erneut dem Sieger der Presidents’ Trophy widerfahren. Aber in der ersten Runde hat es bisher erst einen anderen erwischt: die Tampa Bay Lightning 2019 beim legendären Sweep gegen den krassen Aussenseiter Columbus Blue Jackets. Erstaunlich war diesmal, dass die Bruins einen Vorsprung von 3:1-Siegen hergeschenkt haben.
Die gejagten Titelverteidiger
Der seltene Fall, dass sowohl der Quali-Sieger wie auch der Titelverteidiger in der ersten Playoff-Runde ausscheidet, ist eingetreten. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass der Stanley-Cup-Titelverteidiger relativ früh – ja sogar in der ersten Runde - aus den Playoffs ausscheidet. Manche Defending Champions haben zuweilen sogar im Jahr danach die Playoffs verpasst. In der ersten Runde erwischte es schon manche Titelverteidiger – genau genommen neun Mal seit der Jahrhundertwende. Zuletzt beispielsweise Chicago 2016 und Washington 2019. Nun folgt der nächste mit den Colorado Avalanche. Die „Avs“ konnten sich gegen das resiliente Team der Seattle Kraken nur phasenweise in ihrem gewohnten Playoff-Rhythmus etablieren und den Gegner spielerisch und läuferisch dominieren.
„The monkey“ is now off your back
Elf Mal in Folge scheiterten die Maple Leafs in der ersten Playoff-Runde. Und seit 19 Jahren feierte man in Toronto keinen Einzug mehr in die zweite Playoff-Runde. In ganz Kanada wurden die reichen Leafs mit ihrer breiten Fanbase aber auch genauso breiten Hate-Community belächelt als „Losers since '67“. Es gibt sogar followerstarke Facebook- und Instagram-Gruppen mit diesem Namen. Nun aber ist der Bann gebrochen. In Nordamerika spricht man vom „Affen im Nacken, von dem man sich nun entledigt“ habe. Sie schafften dies gegen die Tampa Bay Lightning nach drei Overtime-Siegen, die paradoxerweise allesamt in der Amalie Arena in Tampa Bay und alle durch einen abgefälschten Schuss zustande kamen. Ist das nun das lang ersehnte Jahr der Leafs in Anbetracht dessen, dass die playoffgestählten Boston Bruins nun doch nicht ihren Weg kreuzen werden?
Derbyfieber reloaded!
Die Canadiens de Montréal gegen die Boston Bruins – dies wird oft als die „Mutter aller Playoff-Derbies“ bezeichnet. Es gibt aber auch andere emotional getränkte und geschichtsträchtige Playoff-Derbies – sowohl in der Eastern wie auch Western Conference. 2023 war es, nach elf Jahren, mal wieder soweit für das Hudson-River-Derby in den Playoffs. Und die seit fast 40 Jahren währende Rivalität, die in den 90er-Jahren aufgrund der Playoff-Historie so richtig Fahrt aufnahm, wurde wieder geboren. Besonders spannend war nicht nur der sportliche und dramaturgische Verlauf der Serie über sieben Partien zwischen den New York Rangers und New Jersey Devils. Für alle Nostalgiker wurden alte, memorable Geschichten wieder lebendig und die Generation Z durfte auch endlich live erleben, wie intensiv und emotionsgeladen diese Rivalität ist.
Neue Playoff-Helden
Bisher konnten manche NHL-Stars in den Playoff-Jahren zuvor noch nie oder nur zeitweise glänzen. Einige von ihnen haben nun in der ersten Playoff-Runde endlich auch in der Post-Season dominieren können. So zum Beispiel Aggressivleader Matthew Tkachuk (Florida Panthers) mit elf Punkten und einer +5-Bilanz. Oder auch Roope Hintz, der die Playoff-Skorerliste sogar anführt mit 12 Punkten (+3-Bilanz). Herausragend war auch der Oilers-Blueliner Evan Bouchard mit zehn Skorerpunkten und alleine acht davon im Überzahlspiel. Er ist gewissermassen avanciert zum neuen „Quarterback“ an der blauen Linie im Powerplay. Auch eine positive Überraschung: Panthers-Verteidiger Brandon Montour mit acht Skorerpunkten (zwei davon in Spiel 7 gegen Boston!) und 24:45 Minuten Eiszeit pro Partie. Effizient waren zudem mit einer Top-Bilanz in den persönlichen Werten Brett Howden (Vegas, +8) und auch Mitch Marner (Leafs), welcher endlich in den Playoffs dominieren konnte (Bestwert mit einer +9-Bilanz).