Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/495

Das Dorf Riehen liegt im Wiesental etwas erhöht auf der linken Niederterrasse und war deshalb vor dem Hochwasser der Wiese geschützt. Bis zu ihrer Begradigung Ende des 19. Jh. nahm die Wiese besonders bei Überschwemmungen den ganzen Talboden ein. Rechtsufrig befindet sich der Tüllinger Berg, dessen südöstlicher Abhang als «Schlipf» bezeichnet wird. Auf der gegenüberliegenden Talseite befindet sich das westliche Ende des Dinkelberges, der sich vom Wehratal bis nach Riehen hinzieht. Beide Hügelzüge sind mit teils mächtigen Lössdecken überlagert.
Riehen war über Jahrhunderte ein kompaktes Bauerndorf umgeben von viel fruchtbarem Landwirtschaftsgebiet. Um 1800 wurde der Flurzwang aufgehoben, was eine Ausdehnung der Wohnflächen ermöglichte. Mit der Industrialisierung ab 1850 stieg die Bevölkerungszahl stetig an. Zwischen 1900 und 1970 verdoppelte sich die Stadtbevölkerung Basels. Ausgelöst durch Stadtflucht und Pendlertum geriet Riehen als stadtnahe Nachbargemeinde in einen Wachstumsschub. Heute ist Riehen die zweitgrösste Stadt der Nordwestschweiz. Über 20 000 Einwohner profitieren von der bevorzugten und ruhigen Lage in Zentrumsnähe.
Lange Zeit wurden die Verkehrswege in Riehen nur vom lokalen Verkehr genutzt. Einzig die Strasse von Basel ins Wiesental diente dem Transport von Gütern. Mit der Industrialisierung im 19. Jh. stiegen die Ansprüche an die Strassen. Arbeitende pendelten nun in die Fabriken in die Stadt Basel. 1915 begann man mit der Asphaltierung einzelner Strassen. Mit der zunehmenden Ausdehnung der Siedlung wurden viele Feldwege in Quartierstrassen umgewandelt. Viele Ortsstrassen wurden begradigt und verbreitert. Nur im Dorfkern blieb die Baselstrasse als Hauptachse wegen der historischen Bausubstanz bis heute ein Engpass.
Der Durchgangsverkehr durch Riehen nahm stetig zu und so plante man von 1933 bis 1978 über 20 Varianten von Umfahrungsstrassen. Einige führten im Osten um den Dorfkern, andere verliefen auch mitten durch die Grünzonen der Langen Erlen. 1969 entschied sich die Basler Stimmbevölkerung der Grundwasserschutzzone in diesem Gebiet den Vorrang zu geben. Damit war eine Strassenführung durch den linksufrigen Talboden vom Tisch.
Dies nährte die Hoffnung auf die schon früher geplante Zollfreistrasse zwischen Lörrach und Weil, die 740 m über Riehener Boden führen sollte und auf einem Staatsvertrag von 1852 mit dem Grossherzogtum Baden beruht. Trotz Protesten aus der Bevölkerung und Geländebesetzungen wurde die Strasse zwischen 2006 und 2013 gebaut. Die Zerstörung der Auenlandschaft an dieser Stelle geschah entgegen den Argumenten der Besetzer nicht durch die Zollfreistrasse, sondern aufgrund der Begradigungen zu Beginn des 19. Jh. Hingegen bewirkt die neue Strasse Mehrverkehr im Wiesental. Das Dorf Riehen selber wurde aber um rund 2000 Autos täglich entlastet.
Schon im Mittelalter wurde von der Wiese beim Wuhr Lörrach-Tumringen Wasser in einen Kanal abgezweigt, der als «Teich» oder Mundart «Dyych» bezeichnet, die Mühlen von Lörrach und Riehen mit Wasser versorgte. Dieser «Mühleteich» teilt sich auf der Höhe von Riehen Dorf in einen «Alten Teich» und in einen «Neuen Teich». Im Gebiet der Langen Erlen wurde früher ein Teil des Teichwassers periodisch in die Matten abgeleitet. Schliessen regulierten die Wasserzufuhr zu den Wässermatten, die in Trockenzeiten bewässert und durch die enthaltenen Schwebstoffe gedüngt wurden.
Die beiden Teiche vereinigen sich beim Eglisee wieder zum «Riehenteich», der bis 1923 in verschiedenen Armen durchs Kleinbasel floss, die Kleinbasler Mühlen speiste und im Klingental in den Rhein mündete. Seit 1923 wird der «Riehenteich» ab dem Erlenpumpwerk unterirdisch wieder in die Wiese geleitet. Ein zweiter Teich wurde beim Wuhr Lörrach-Stetten als «Weilmühleteich» aus der Wiese abgeleitet und betrieb die Mühlen von Weil. Das Gewässer existiert heute noch.
Die Fruchtbarkeit des Umlandes und die Nähe zur Stadt bot dem Bauernstand ein gutes Auskommen. Ende des 18. Jh. war praktisch die gesamte Bevölkerung mit Landwirtschaft beschäftigt. Die Flurnamen Oberfeld, Mittelfeld und Niederfeld zeugen heute noch von der Dreifelderwirtschaft. Die Getreide Gerste, Roggen, Hafer und Hirse wurden überall angebaut, dazu kamen die Weizenarten Einkorn und Dinkel, der dem Dinkelberg seinen Namen gab. Einen grossen Stellenwert hatte der Obstanbau, so dass die Obsthaine mit Wäldern verglichen wurden und die Basler Bauern starke Konkurrenz befürchteten.
Auch der Weinbau hat eine uralte Tradition und spielte bis etwa 1900 eine wichtige Rolle. Die klimatisch beste und bekannteste Lage ist der Schlipf, wo bis heute noch Reben stehen. Der Lösslehm des Schlipfs kam in den vergangenen Jahrhunderten mehrmals ins Rutschen, weshalb sich die Lage bis heute nicht als Bauland eignet. Im 20. Jh. ist die Landwirtschaft stark zurückgegangen und es finden nur noch wenige Personen darin ein Auskommen. Das starke Siedlungswachstum, das grosse Angebot an Arbeitsplätzen in der Stadt und die Grundwasserschutzzone in den Langen Erlen, die keinen intensiven Ackerbau mehr zulassen, sind die Hauptgründe für den starken Rückgang der Landwirtschaft in Riehen.
BE