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Abschliessende Gedanken zu einer Lektüre
„In diesem Buch wird Empathie als Mit-Erleben (co-experience) definiert […]. Mit-Erleben beinhaltet […] deutlicher als das Teilen von Gefühlen und Affekten auch Aktionen und vor allem zahlreiche kognitive Prozesse wie das Vorausschauen, das Erwägen der Umstände und das Mitüberlegen, was zu tun ist.“ (Breithaupt, 2017, S. 15ff)
Breithaupt weicht mit seiner Empathie-Definition gegenüber herkömmlichen Bestimmungen von Empathie dahingehend ab, dass er diese nicht nur als Ein-fühlungs-vermögen definiert, sondern die reflexiven Denkakte betont, welche dabei eine Rolle spielen. Damit vermeidet er zwar den Fehler, Affekte und das bewusste Denken als zwei strikt getrennte kognitive Areale zu betrachten, aber er büsst die Möglichkeit ein, analytisch zwischen „Einfühlen“ und „Nachvollziehen“ zu unterscheiden. Gemäss Breithaupt ist der emotionale Zustand eines Anderen nie erfahrbar. Wir fühlen also nicht mit dem Anderen mit, sondern mit dem stark vereinfachten Bild, welches wir uns von den Gefühlen des Anderen machen. Wie steht es aber um das Nachvollziehen der Lage eines Anderen, sofern diese Lage durch äussere Bedingungen gekennzeichnet ist. Mir scheint es durchaus möglich, mich anhand von zentralen Indikatoren in die schwierige finanzielle Lage eines Anderen zu versetzen, ohne dass ich die Gefühle wie Frust oder Angst miterlebe, welche der Andere in seiner Lage erlebt. Und anders als das Mit-Erleben, welches Breithaupt als Verstärker von Konflikten beschreibt, scheint mir das Nachvollziehen der Situation eines Anderen als Bedingung jedes Konsenses. Einen weiteren Unterschied sehe ich darin, dass das Mit-Erleben gemäss Breithaupt die Komplexität einer Situation senkt, da es eindeutige Emotionen schafft, während die De-Zentrierung der Situationsanalyse durch den Nachvollzug der Lage des Anderen die Komplexität erhöht, da ich erst dadurch die Handlungen des Anderen in meine Situationsanalyse und Handlungsplanung einbeziehen kann und muss. Ich denke, dass das sich in die Lage eines Anderen versetzen auch helfen könnte, spontane, einseitige Empathie-Bekundungen zu reflektieren, wie sie Breithaupt in seinem Buch kritisiert.
Der Autor beschreibt Empathie als Ursache und nicht als Lösung von Konflikten.
Fritz B.* geht davon aus, dass in Zeiten des Neoliberalismus das Selbst zunimmt und die Empathie dadurch reduziert wird.
Empathie benötigt Narrative als Transporter.
Empathie wird grundsätzlich abgeblockt, es sind bestimmte Bedingungen notwendig, damit Empathie entsteht.
Empathie festigt schnelle Urteile und diese Festigung erlaubt klare Verhaltensformen (S. 109).
Imaginär in der Situation eines anderen zu sein, unterscheidet sich grundsätzlich davon, sich selbst direkt in der Situation zu befinden. Einer der Unterschiede besteht darin, dass (meistens) ein Bewusstsein einer Differenz zwischen ich und anderen bestehen bleibt (S. 16 – 17).
Es gibt einen Drang zu Empathie. Man kann auch zu nicht lebenden Dingen Gefühle entwickeln (S. 81).
Man empfindet hauptsächlich mit den Helden von Geschichten Empathie und nicht mit den Leidenden.
*Name der Redaktion bekannt.