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Den Auftakt macht die Green frame figure (2020) von Simone Holliger (*1986): Das grosse Wandrelief breitet sich auf der Wand aus und greift in den Raum hinein. Die ins Dreidimensionale drängende Formation und die Monumentalität des Gebildes suggerieren, dass die Arbeit aus einem schweren, starren Material wie Metall geformt ist, sogar Schweissnähte sind zu sehen. Allerdings erweist sich diese erste Annahme als Illusion: Das Werk ist aus Papier und die Schweissnähte sind Klebstoffspuren. Was zunächst nach Bildhauerei aussieht, die durch ausschweifende Gesten und brachiale Kraftanwendung entsteht, entpuppt sich also als Ergebnis minutiöser Arbeit.
Ihren Ursprung haben Holligers Arbeiten unverkennbar im Zweidimensionalen und in der Zeichnung, so erinnert die Green frame figure denn auch an einen überdimensionierten Scherenschnitt – hier wird quasi mit der Schere gezeichnet. Neben der grossen Green frame figure stellt Holliger zwei kleinere Wandreliefs aus demselben Jahr aus; sie sind ebenfalls aus bemaltem Papier zusammengeklebt. Die Formen sind abstrakt, gleichwohl rufen die Rundungen und Ausstülpungen Assoziationen an Tiere oder andere Gestalten hervor: kleine, kurze Arme oder Beinchen schälen sich aus dem Papier, erinnern an Formen, wie sie auch bei Hans Arp oder Henri Matisse anzutreffen sind. Durch die Überführung in ein unmöglich erscheinendes Material geschieht dieser Hinweis aber leichtfüssig und augenzwinkernd.