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KURATORIN: MAJA WISMER MIT MARTIN BRAUEN
Die New Yorkerin Charmion von Wiegand (1896 – 1983) erlangte nach 1950 viel Anerkennung für ihre Gemälde und Collagen; in ihren Werken vereinte sie die westliche Tradition geometrischer Kunst mit spiritueller, mehrheitlich fernöstlicher Ästhetik. Die Praxis der abstrakten Malerei war damals noch relatives Neuland für sie. Sehr vertraut war ihr hingegen die New Yorker Szene: Als aktives Mitglied der literarischen Zirkel der 1920er-Jahre und als Reporterin im sowjetischen Moskau der 1930er-Jahre hatte sie sich als Kunstkritikerin einen Namen gemacht. In dieser Funktion kontaktierte sie Piet Mondrian, kurz nachdem dieser in den USA angekommen war. In der Folge widmete sie sich eingehend Mondrians Theorie des «Neoplastizismus». Seine Überlegungen wurden zum Ausgangspunkt ihrer eigenen Auseinandersetzung mit Abstraktion.
Charmion von Wiegand. Coloring Modernism ist die erste institutionelle Ausstellung ihrer Werke seit 1982. Um die in Europa nahezu unbekannte Künstlerin vorzustellen, werden Gemälde und Collagen aus allen Schaffensperioden gezeigt. Ihr Werk fasziniert durch die Vielfalt ihrer künstlerischen und intellektuellen Interessen. Die Ausstellung erweitert deswegen den kuratorischen Fokus über von Wiegands Kunstwerke hinaus. Ihre Position als im äussersten Masse aufgeschlossene Intellektuelle wird mit Schriften und Dokumenten sowie beispielhaften Werken ihrer Zeitgenossen veranschaulicht. Die Präsentation ausgewählter historischer buddhistischer Werke zeigt, wie offen sie für nicht-westliche Kulturen war. Tibetisch-buddhistische Objekte hat von Wiegand ebenso intensiv studiert wie die Gemälde und Collagen von Wassily Kandinsky, Mondrian oder Kurt Schwitters. Die ihren Werken gegenübergestellten Referenzen zeigen ihre politische Einstellung und ihre Geisteshaltung ebenso wie ihre Arbeit als Kritikerin und Kuratorin.