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<h2>SubmittedText<h2><p>1. Verfügt der Bundesrat über Daten zur Verbreitung der 4-Tage-Woche oder ähnlicher Formen der Arbeitszeitreduktion in der Schweiz? Wie viele Lohnabhängige arbeiten bereits in reduzierter Erwerbsarbeitszeit, wie viele Unternehmen (ohne Teilzeit)? Wenn nein, hat er in naher Zukunft vor entsprechende Daten zu erheben?</p><p>2. Gemäss repräsentativen Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer für die Reduktion der Erwerbsarbeit aus. Beabsichtigt der Bundesrat diesen Wunsch aus der Bevölkerung aufzunehmen? Ist er bereit, entsprechende branchenspezifische Verhandlungsbemühungen zwischen den Sozialpartnern anzuregen und zu begleiten? Sucht der Bundesrat zu diesem Thema das Gespräch mit den Sozialpartnern?</p><p>3. Sind dem Bundesrat wissenschaftlich ausgewertete Pilotprojekte mit der 4-Tage-Woche oder ähnlichen Modellen der Reduktion der Erwerbsarbeitszeit in der Schweiz bekannt? Wenn ja, zu welchen Ergebnissen kommen diese Untersuchungen?</p><p>4. In der Bundesrat bereit, ein entsprechendes Pilotprojekt zum Beispiel im Rahmen eines Nationalen Forschungsprogrammes NFP zu initiieren?</p><p>5. Ist der Bundesrat bereit einen runden Tisch zur Frage der Reduktion Erwerbsarbeitszeit ins Leben zu rufen? Analog zum runden Tisch "ältere Arbeitnehmende" könnten die Vor- und Nachteile verschiedener Modelle gerade in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter, ökologische und volkswirtschaftliche Auswirkungen in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Sozialpartnern und zivilgesellschaftlicher Expertise besprochen und ausgewertet werden.</p><p>6. In Grossbritannien wurde eben ein Pilotprojekt zur Arbeitszeitreduktion abgeschlossen (The results are in: The UK's Four-Day Week Pilot, Feb. 2023). In wie weit lassen sich die Ergebnisse auf die Schweiz übertragen? Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass eine Reduktion der Erwerbsarbeitszeit wohl auch in der Schweiz die Burnout-Rate senken und ganz allgemein die psychische Gesundheit der Lohnabhängigen stärken würde? Wie gross schätzt der Bundesrat die entsprechenden, volkswirtschaftlichen Einsparungen bei einer flächendeckenden oder teilweisen Reduktion der Erwerbsarbeitszeit in der Schweiz? </p><p>7. Teil der Bundesrat die Ansicht, dass die Reduktion der Erwerbsarbeitszeit einen positiven Effekt auf die Mobilisierung des inländischen Arbeitskräftepotentials und auf die Umwelt haben könnte? Wenn ja, von welchen Effekten geht er aus?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Arbeitsvolumenstatistik des Bundesamtes für Statistik gibt detailliert Auskunft über die Arbeitszeiten je nach Pensum. Die durchschnittliche wöchentliche Normalarbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten in der Schweiz ist von 44,1 Stunden im Jahr 1991 auf 41,8 Stunden im Jahr 2021 gesunken, folgt also einem rückläufigen Trend. Unter Berücksichtigung der Teilzeitarbeit ging die wöchentliche Normalarbeitszeit im Durchschnitt von 35,9 auf 32,7 Stunden zurück. Es liegt keine Erhebung vor, die ermittelt, wie viele Unternehmen eine "Vier-Tage-Woche" eingeführt haben. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass relevante Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt mit den vorhandenen Daten zuverlässig beobachtet werden können. Es ist derzeit keine zusätzliche Erhebung vorgesehen.</p><p>2. Die Schweizer Arbeitsmarktpolitik zeichnet sich durch einen grossen Spielraum für Verhandlungslösungen und dezentrale Entscheide innerhalb des gesetzlichen Rahmens aus. Sie beruht auf der Überzeugung, dass die Sozialpartner am besten in der Lage sind, dem jeweiligen Kontext angepasste Lohn- und Arbeitsbedingungen festzulegen. Die Flexibilität des Schweizer Arbeitsmarkts in Verbindung mit dem hohen Lohnniveau bietet zudem gute Voraussetzung für die individuelle Optimierung. Die Schweiz weist im europäischen Vergleich nach den Niederlanden gemäss OECD die zweithöchste Quote an Teilzeiterwerbstätigkeit auf. Der Bundesrat erachtet einen staatlichen Eingriff in das gut funktionierende, anpassungsfähige System nicht als sinnvoll.</p><p>3./4./5. Dem Bundesrat sind keine wissenschaftlich ausgewerteten Pilotprojekte aus der Schweiz bekannt. Er sieht keinen Bedarf für ein Pilotprojekt oder einen runden Tisch zum Thema. Die Forschenden aller Schweizer Hochschulforschungsstätten haben die Möglichkeit, beim SNF oder bei Innosuisse Mittel für die Durchführung wissenschaftlicher Projekte im erwähnten Themenbereich zu beantragen. Weiter können interessierte Kreise Themenvorschläge für nationale Forschungsprogramme (NFP) im Rahmen von NFP-Prüfrunden beim Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung / Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation einreichen. Die Fristen und Bedingungen für neue NFP-Vorschläge werden jeweils auf der Website kommuniziert (<a href="https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/forschung-und-innovation/forschung-und-innovation-in-der-schweiz/foerderinstrumente/nationale-forschungsprogramme-nfp.html">www.sbfi.admin.ch</a>).</p><p>6. Wie bei anderen Pilotprojekten dieser Art haben sich die partizipierenden Unternehmen freiwillig zur Teilnahme gemeldet. Inwieweit sich mittels gezielter organisatorischer Massnahmen Effizienzsteigerungen erzielen lassen, die zur Arbeitszeitreduktion genutzt werden können, dürfte je nach Branche, Tätigkeit und Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Ausserdem war die zeitliche Befristung des Experiments von Anfang an bekannt, d.h. es wurden keine langfristigen Effekte untersucht. Daher ist grundsätzlich von einer begrenzten Aussagekraft auszugehen, auch in Bezug auf gesundheitliche Aspekte.</p><p>7. Bei einer Reduktion der Erwerbsarbeitszeit würde das Potenzial der heute Erwerbstätigen weniger stark genutzt. Eine Mobilisierung zusätzlicher Arbeitskräfte wäre in der Schweiz aufgrund der bestehenden Möglichkeiten zur Teilzeiterwerbstätigkeit und der sehr hohen Arbeitsmarktbeteiligung wenig wahrscheinlich. Die Auswirkungen auf die Umwelt hängen von verschiedenen Faktoren ab, weshalb keine pauschale Antwort möglich ist. Einen wichtigen Einfluss hätte beispielsweise das Verhalten der Individuen in der neu gewonnenen Freizeit (Konsum, Mobilität).</p>  Antwort des Bundesrates.