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Stan Douglas, geboren 1960 in Vancouver, zählt zu den wichtigsten kanadischen Künstlern der jüngeren Generation, deren internationaler Ruf sich in den neunziger Jahren gefestigt hat. Seine komplexen Installationen sind örtlich und thematisch auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt, verbinden aber immer wieder die Identität von ausgesuchten Schauplätzen und Personen mit einer differenzierten Form der Bild-Vermittlung. Häufig werden kollektive Erinnerungen aufgegriffen oder Bezüge hergestellt zu einer vergessen geglaubten Lokal- oder Regionalgeschichte. Von Douglas‘ frühen kurzen Fernseh-Dramen mit Schauplätzen in unheimlichen Vorstädten bis hin zu seiner spektakulären Installation Der Sandmann, die 1997 auf der Dokumenta X in Kassel der Öffentlichkeit präsentiert wurde, erweist sich Stan Douglas als ein akkurater Beobachter von psychologischen Befindlichkeiten und Prozessen sozialer Entfremdung.
Die Film-Installation Le Détroit, im Oberlichtsaal der Basler Kunsthalle erstmals in Europa zu sehen, versetzt Betrachter und Betrachterinnen ins Zentrum einer von Verwahrlosung und Arbeitslosigkeit heimgesuchten und von markanten sozialen Hierarchien zergliederten Stadt. In einer sechs-minütigen Sequenz folgen wir einer jungen schwarzen Frau, die sich in einem verwahrlost zurückgelassenen Haus auf die Suche macht nach etwas, was uns unbekannt bleibt. Langsam fortschreitende Kamera-Einstellungen führen in querformatigen Bildern durch unordentlich zurückgelassene Räume und evozieren eine beklemmende Stimmung. Die fortschreitende Erzählung endet da, wo sie angefangen hat und von wo sie in einer Endlosschlaufe immer wieder neu abgespielt wird. Die kleine Erzählung lehnt sich an den Roman The Haunting of Hill House von Shirley Jackson aus dem Jahr 1959 an. Ausserdem schöpft Douglas einzelne Motive aus den von Marie Hamlin 1884 edierten Legends of Le Détroit. Wenn auch die schwarz-weiss Verfilmung für Augenblicke die Erinnerung an historische Film-Dokumente wachruft, führen der Schauplatz und die zeitgemäss auftretende Hauptperson in die unmittel-bare Gegenwart.
Le Détroit besteht aus einer Doppelprojektion auf eine semitransparente Leinwand. Diese spielt mit Unschärfen sowie mit dem Effekt der Umkehrung: Der schwarz-weiss-Film auf der einen Seite überlagert sich mit minimer zeitlicher Verschiebung mit seinem Negativ in weiss-schwarz. Das sinn-bildlich Negative unterstreicht das gesellschaftliche Spannungsfeld eines Ortes, der von den Spuren rassistisch bedingter Konflikte gekennzeichnet ist. Gleichzeitig untersucht Stan Douglas die Möglichkeiten und Wirkung filmischer Arbeit. Le Détroit bewegt sich auf der Grenze zwischen erzählerischem Spielfilm, dokumentarischem Beitrag zur Geschichte eines Ortes, Überlieferung eines gespenstischen Mythos, sozialpolitischem Statement und immer auch museal angelegter Installation.
Zur Ausstellung Stan Douglas erscheint ein Katalog im Schwabe Verlag. Textbeiträge: Boris Groys / Terence Dick. Deutsch / Englisch.