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Vocoder: Magie mit Kriegs-Technologie
Der Vocoder ist ein Gerät, das die Möglichkeiten des Synthesizers mit der menschlichen Stimme kombiniert. Und vielleicht gerade deshalb umgibt ihn eine eigenartige Magie. Der Vocoder war auch Thema am diesjährigen SHIFT Festival in Basel. Es stand unter dem Motto „Birds on Wire – Stimmen unter Strom“.
Zu den Höhepunkten des Festivals gehörte der Auftritt des Amerikaners Dave Tompkins, der sich nicht nur als DJ sondern auch als Historiker mit der Geschichte des Vocoders befasst hat, wie er im digital brainstorming Podcast im Gespräch mit Dominik Landwehr erklärt
Bild: Wikipedia
Erfunden wurde der Vocoder schon in den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts und zwar im Umfeld der Telekommunikations-Industrie. Die Vocoder-Technologie ermöglichte es nämlich, Sprachsignale zu komprimieren, damit konnte die Kapazität von Transatlantik-Kabeln erheblich gesteigert werden.
Bild: Die äusserliche Rekonstruktion des SIGSALY Systems. Fotografiert im National Cryptologic Museum der NSA in Fort Meade (MD), Bild Dominik Landwehr
Einen Schub erlebte die Technologie im Zweiten Weltkrieg: Sie ermöglichte die Konstruktion eines Sprachverschlüsselungs-Gerätes. So konnten der US Präsident Roosevelt und der britische Kriegspremier Churchill sicher miteinander telefonieren. SIGSALY war der Codename des Gerätes, das eindrückliche Dimensionen hatte und mehrere Räume voller Elektronik benötigte:
Bild: Wikipedia
Eine zentrale Rolle spielten die beiden Plattenspielger, die im Bild von 1943 gut zu erkennen sind. Das Verschlüsselungs-Signal, das für die Sprach-Chiffrierung benutzt wurde, war nämlich ein natürliches Rauschen ab Platte. Mit einer identisch gepressten Schallplatten mit Rauschen wurde das Signal jeweils entschlüsselt.
Damals vor der Erfindung von Transistoren und integrierten Schaltungen wurden die Geräte mit Röhren realisiert und eines der Hauptprobleme war denn auch das Ableiten der entstehenden Hitze.
Die Technologie blieb aktuell und diente auch noch im Vietnam-Krieg der Verschlüsselung von Sprachsignalen. Nur waren die Geräte mittlerweile erheblich geschrumpft.
Bild: Wikipedia
Bereits Ende der 50er Jahre wurde in den Labors von Siemens die musikalischen Möglichkeiten der Vocoder-Technologie demonstriert. Es war aber dem Synthesizer Pionier Robert Moog vorbehalten, einen bühnentauglichen Vocoder zu brauchen. Der Erfolg in der Pop-Musik war umwerfend: Gruppen wie Kraftwerk, Alan Parson Project, Pink Floyd, Mike Oldfield und Jean-Michel Jarre benutzten das Gerät.
Das alles und mehr lässt sich im Buch von Dave Thomkin nachlesen. Es trägt den merkwürdigen Titel “How to Wreck a Nice Beach: The Vocoder from World War II to Hip-Hop, The Machine Speaks” und erscheint anfangs November 2011 als Taschenbuch.
Im digital brainstorming Podcast erzählt der Autor etwas über der spannenden Geschichte dieses Gerätes. Wer mehr wissen will bestellt sich die Paperback Ausgabe seines Buches oder macht sich auf der umfangreichen Website und dem Blog des Autors schlau.
Dave Tompkins: How to Wreck a Nice Beach: The Vocoder from World War II to Hip-Hop.The Machine Speaks. New York: Melville House 2011.
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