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Die "Nürnberger Chronik" oder auch "Schedelsche Weltchronik" ist ein Werk von Hartmann Schedel (1440 - 1514). Hartmann Schedel war Arzt, Humanist und Historiker. Er war ein vielseitiger Gelehrter, reiste viel und sammelte und kopierte Bücher.
Im Jahre 1493 veröffentlichte er seine Weltchronik in lateinisch und deutsch. Auf dem Register der deutschen Ausgabe stand "Register Des buchs der Croniken und geschichten - mit figuren und pildnüssen von anbeginn der welt bis auf dise unnsere Zeit".
Die Chronik stellte die Geschichte der Welt in sieben Zeitaltern dar, wie das zu dieser Zeit üblich war. Das sechste Zeitalter - die Gegenwart - ist der umfangreichste Teil des Buches und enthält eine Europa- und eine Weltkarte und 29 Stadtansichten.
Die Stadtansicht
Das "Blat CCXLIII" der Schedelschen Weltchronik zeigt eine Stadtansicht von "Basilea" unter einer Beschreibung der Stadt und ihrer Lage. Die Stadtansicht ist eine naive mittelalterliche Darstellung. Die Proportionen sind nur ganz grob eingehalten worden und der Zeichner hat sich viel künstlerische Freiheit gelassen. So steht z. B. die St. Martinskirche auf einem grasbewachsenen Hügel statt in einem von einer Stützmauer umgebenen Kirchgarten (siehe Artikel zum Haus zum Sonnenfroh). Das St. Johannstor und das Bläsitor führen nach Norden statt nach Westen aus der Stadt damit sie von vorne gezeichnet werden konnten. Südlich der Stadt hat der Zeichner noch schroffe Felsen hinzugefügt, die es dort beim besten Willen nicht gibt.
Die äussere Stadtmauser war bei ihrer Fertigstellung um 1402 sehr grosszügig gebaut, sodass noch bis ins 19. Jahrhundert viel Platz für Reben, Gärten und Parks war. Auf der Stadtansicht in der Nürnberger Chronik hingegen ist die Stadt bis an die Stadtmauern bebaut.
Einer der Münstertürme ist auf der Stadtansicht gerade im Bau. Tatsächlich war 1493 von den vier im im Erdbeben 1356 zerstörten Türme nur der Georgsturm schon wieder aufgebaut worden. Sein Gegenüber - der Martinsturm - wurde erst am 23. Juli 1500 fertiggestellt. Der Zeichner hat sich aber in der Seite geirrt: Der im Bau befindliche Martinsturm befindet sich - von Kleinbasel aus gesehen - auf der linken Seite.
Die Beschreibung der Stadt
Der Text über Basel beginnt mit einer etwas wirren Erklärung des Namens der Stadt. Darauf folgt ein ausführlicher Diskurs über den Rhein, der offenbar zu diesen Zeiten viel wilder war. Auf jeden Fall wird das Donnern der Stromschnellen und die Aushöhlung durch das Wasser für die Erdbeben in Basel verantwortlich gemacht. Danach wendet sich die Beschreibung der Stadt selbst, ihren Gebäuden und der Umgebung zu. Der Schluss bildet eine Aufzählung aller wichtiger Kirchen und Klöster.
Zitat: "Basel ist ein weyte und fast (sehr) namhaftige statt schweyzerlands an eim königclichen ende erpawt. Dann so diese statt lateinisch genennt wirdt so ist es nach art des kriechischen gezüngs sovil als königclich gesprochen [1]. Oder aber diese statt hat iren namen von dem mangel der grundfeste ausz ursachen der vilfeltigen erdpide (Erdbeben), und ausz bedeutnus des lateinischen namens dieser statt. Wiewol man in der gemainde sagt, das ettwen ein Basilisck alda verborgen gelegen sey von dann her diser statt ir namen entstannden und bliben sey. Der Rhein fleuszt schier mitten durch dise statt. Doch ist darüber ein prugt (Brücke) vo einem teyl zu dem andern. Derselb flufs des rheins entspriengt in dem gepirg unnd wirdt durch mancherlay anstösze zwischen gehen (gäch, steil) scharpffen felsen also eingezwengt das er einen erschrecklichen saws (Saus) vo ime gibt. Sunderlich fleuszt er bey Schafhawsen mit groszer ongestümigkeit uberwaltzende. und under dem stettlein Lauffenberg wirdt er mit felsen also eingedrenngt das er vor zwancksale und gestösze als ein weisser schaym erscheint. Von dannen rynnet er grawsamlich schaymende in wytem schlund bis gein (nach) Basel, diselben statt und prugt heymlich beschedigende, dan er flöszet die gestadt hin, sucht newe genng, hölert das ertreich und füllet es dan mit wind und wasser. Daher kömbts das dise stat mermals mit erdpidem beschedigt worden ist. Dise statt hat von dem rhein darauff man daselbsthin und vo dannen in schiffen vil gütere füeret grosze nutzperkeit. Sant Ursula die heillige iunckfraw hat auch (als die hystozien sagen) mit iren weggeferten von Kölne auff dem Rhein gein Basel auffgeschiffet. un wiewol der Rhein den die dabey wonen zuzeiten vil schadens zufüegt so gibt er inen doch einen fruchtpern erdpodem. Diser statt ist in unszern zeiten mit zygelstaynin mewrn, fast schönen behawsungen, groszen clöstern und kirchen, mit weyte spitalen und andern einer statt nottürftigen dingen mit groszem umbkrays und zynnen und mit tieffen greben geziert und befestigt und hat zwischen den pergen ein weyte feldung, an getrayd unnd guotem wein fast fruchtper. Aber wiwol in diser löhlichen und alten statt vil anzaigung und uberbleibung ser alter gepew erscheinen, so sind doch dieselben ausz pawfelligkeit und erdpidem, auch ausz alter also entstelt das man nicht erkennen kan was gestaltnus und zu welchem geprauch dieselben gepewe gemacht gewesen seyen. Aber dise statt ist wundperlich geauffet und nach dem erdpidem wider erpawt unnd zu unszern zeitten daselbst ein hohe schul auffgericht. Dise statt ligt im Elszas ettwen Sweitz genant ettwen in galliaz yetzo in teutsche land gehörede. Als Ludwig der Viennisch delphin die vo basel schier mit aller Gallische ritterschaft uberfiele do schickte die schweitz er ire aydenossen 4000(?) woltüchtiger man zu hilff [2]. davon hernach wyter meldug beschiht.
Die Statt hat zwu seyten. In der grösseren seyten sind drey berg. auff dem einen ist die bischoflich kirch, der heilligen junckfraue marie thumstift mit hilff des seligen kaiser heinrichs des anderen gezieret. Auff dem andern wone die geregelte chor herrn zu sannt Leonhart. Auff dem dritten ligt sant Peters kirch. Das erste chloster mit der ebbtey zu sannt alban ligt an der spitz diser stat. In dieser seyten haben auch die parfüsser augustiner und prediger brüed ire clöster. Und die creützherrn on teütschen herrn ire hewsser. auch die closter frawe zu sant Katherine, zu sant Clare, und zu sant Maria magdalenen ire clöster. Aber in der klainen seyten ist ein fast treffenlichs cartheüsser closter und sant Theodora und sant Niclasen kirch und andere gotzheüsser. In diser statt ist auch nicht wenig heyligthumbs. [...]"
Fazit
Die Nürnberger Chronik ist als Quelle für zuverlässige historische Fakten vielleicht nicht geeignet. Sie gibt aber Aufschluss darüber, wie Basel im ausgehenden 15 Jahrhundert von aussen wahrgenommen wurde und auf was sich Kartographen und Historiker jener Zeit konzentriert haben.
Anmerkungen
[1] Das Wort "königclich" gehört wohl zur Namenserklärung für "Basilea". Dieser Name ist dem lateinisch / griechischen Wort "Basileus" (König) sehr ähnlich. Heute wird aber davon ausgegangen, dass der Name "Basel" keltischen Ursprungs ist.
[2] Gemeint ist Ludwig Dauphin von Viennois, der damalige Kronprinz und spätere König Ludwig XI von Frankreich. Der Text spielt auf die Schlacht von St. Jakob an der Birs im Jahr 1444 an, wo das zahlenmässig überlegene Armagnaken-Heer unter Führung Ludwigs eine eidgenössische Truppe völlig aufrieb.
Quellen: