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Zur Postgeschichte der Rigi (1)
Mit der Rigi befassen sich viele Philatelisten. Es sind einmal die Heimatsammler der Kantone Schwyz und Luzern, dann die Hotelpostsammler. Aber auch wer sich mit den Kurorten und Bergbahnen beschäftigt, die Bildchenpostkarten- und Ansichtskartensammler sowie am Rande auch die Flugpostfreunde kommen um diesen berühmten Berg nicht herum. Uns interessiert in dieser Artikelreihe vor allem die eigentliche Postgeschichte des Rigi-Gebietes, seine Poststellen und Stempel bis etwa 1925. Die Postgeschichte dieses Gebietes ist damit jedoch nicht abgeschlossen; wir möchten einfach das, was wir zusammengetragen haben weitergeben und sind für Berichtigungen und Ergänzungen sehr dankbar. Es darf vermutet werden, dass die Anfänge eines regelmässigen Briefverkehrs vom Rigi ins Tal einmal mehr bei den "Klosterboten" zu suchen sind. Die kleine Kloster-Niederlassung bei Rigi-Klösterli (ab 1719) wurde wegen der vielen Pilger, es waren 12'000 bis 15'OOQ pro Jahr, 1761 durch vier Kapuziner betreut, die mit ihrem Kloster in Arth wohl gelegentlich auch in schriftlicher Verbindung standen.
Zu den Pilgern kamen schon sehr bald die "Touristen", welche nach Albrecht von Haller die "Alpen" entdecken wollten und auf der Rigi vor allem den Sonnenaufgang und die Naturereignisse im Zusammenhang mit Nebelmeer und Berggewitter bewunderten. Schon 1781 standen in Rigi-Klösterli drei Gasthäuser: "Maria zum Schnee", "Zum Ochsen" und "Zum weissen ROSS". Das erste Wirtshaus auf Rigi-Kulm wurde im August 1816 eröffnet (Abb. l),bemerkenswerterweise durch Geldsammlungen im ganzen Schweizerlande; 1951 wurden wiederum durch einen Talerverkauf das Gross-Hotel abgerissen und — wie gehabt — ein umweltfreundlicheres Berghaus auf Kulm gebaut.
Abb . 1 Rigi-Kulm, erstes Berghaus von Josef Bürgi, 1816.
Auf Rigi-Kaltbad bewilligte die Luzerner Regierung schon 1756 eine Wirtschaft, die 1824 erweitert wurde. Das Gasthaus "Staffel" wurde 1816 erbaut. (*1) Da diese "Touristen" bis Ende des 19. Jahrhunderts keine Ansichtskarten versandten, bleiben bis dahin die postalischen Belege von der Rigi eher selten.
Jean J. Winkler führt in seinem "Handbuch der Schweizer Vorphilatelie 1695 — 1850" Seite 541 unter der Nummer 4125 einen kursivhandschriftlichen Rötelvermerk "Rigi" auf, mit der Datumangabe 1833. Dies dürfte der erste bisher bekannte Postvermerk (besser: Botenvermerk) auf einem Rigi-Brief sein. Und tatsächlich hat zu dieser Zeit eine feste Postverbindung bestanden, wie wir aus der Beilage zur Neuen Zürcher Zeitung Nr. 59 vom 25. Juli 1832 erfahren (Abb. 2). Dort steht:
Abb. 2
Bekanntmachung
Zum Behuf einer regelmässigen Verbindung mit den Gasthäusern auf dem Rigi während der Kurzeit ist ein Botenkurs eingerichtet, der jedoch einzig auf den Transport von Briefen und
Gegenständen von unbedeutendem Werth und unter 10 Pfund Gewicht beschränkt bleibt. Der Abgang von Zürich findet statt: Montag und Freytag um 12 Uhr Mittags und die Ankunft in Zürich Sonntag Abends um 8 Uhr und Mittwoch Morgens um 6 Uhr. Auf dem Rigi soll der Bote ankommen: Zu Maria zum Schnee (Klösterli) Dienstag und Samstag um 8 Uhr Morgens, im Kaltenbad um 9 Uhr, und zurückkehren am gleichen Tag Nachmittags: Vom Kaltenbad um 2 Uhr, vom Klösterli um 3 Uhr. Zürich den 20. Juli 1832
Ober-Postamt
Für Reisende war die normale Route zur Rigi sicher das Ruder/Marktschiff von Luzern nach Küssnacht, Weggis, Vitznau oder Gersau; von Zürich aus über Zug, den Zugersee nach Arth oder Immensee. 1827 wurde die Fahrbarmachung der Strasse von Zug über Walchwil nach Arth, Schwyz und Brunnen beschlossen (Schwyzer Wochenblatt Nr. 40 vom 6. Oktober 1827). Im neuen Postvertrag von 1834 zwischen dem Stande Schwyz und dem Stande Zürich (welcher auf Schwyzer- Gebiet die Hauptpoststrecken vertraglich seit 1804 übernommen hatte, um sich die Gotthard-Route zu sichern) wurde bestimmt, dass zwischen Zug und Schwyz dreimal wöchentlich Botengänge stattfinden und auf dieser Route "eine Fahrpostverbindung eingesetzt werden" solle, die spätestens 1835 bestand (s. Inserat von Xaver Keiser, Kutscher, im Freien Schweizer Nr. 14 vom 3. April 1835). Man darf also festhalten, dass ab 1835 regelmässige Fahrpostgelegenheiten an den FUSS der Rigi führten.
Diese Fahrverbindung wurde in der Folge sehr rasch ausgebaut, sowohl durch offizielle Fahrpostkurse wie auch durch private Kutscher. Mit dem Aufkommen der Dampfboote auf dem Zürchersee (erste Fahrt des Dampfbootes "Minerva" am 19. Juli 1835) wie auch auf dem Vierwaldstättersee (erste Fahrt der "Stadt Luzern" nach Flüelen am 24. Herbstmonat 1837) wurden die Rigi-Reisen schlagartig volkstümlich. So z.B. das Inserat im Freien Schweizer Nr. 14 vom 15. Heumonat 1836:
Schnelle und billige Reisegelegenheiten von Zürich nach Art am Fusse des Rigiberges. Dienstag, Freitag, Samstag Morgens &1/2 Uhr fährt das Dampfboot Minerva bei seinen gewöhnlichen Doppelfahrten an diesen Tagen, von nun an bis Ende August von Zürich nach Horgen, von wo sofort nach der Anzahl der Reisenden, ein oder mehrere bequeme gedeckte
Reisewagen über Zug nach Art am Fusse des Rigiberges abgehen und dort circa 2 Uhr Nachmittags eintreffen, so dass der Rigiberg denselben Abend noch bequem bestiegen werden
kann. Dieselben Wägen fahren an gleichen Tagen Abends 4 Uhr von Art nach Horgen zurück, wo das Dampfboot die Reisenden den folgenden Morgen 6^/2 Uhr nach Zürich aufnimmt. Die Abfahrt geschieht in Horgen' beim Schwanen, in Art beim schwarzen Adler; in Zug beim Ochsen ... Caspar, Laemmlin et Cs.
(*1) Basil Zimmermann, Das Rigigebiet und seine durch Verkehrsveränderung bedingte Umgestaltung in Siedlung und Wirtschaft (in Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Luzern, Band 17, Luzern 1955)
© Schweizerische Vereinigung für Postgeschichte / SVPg