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L'usine (2005)
CH 2005 45'
ISAN: 0000-0001-A72E-0000-0-0000-0000-3
Kapitalismus und Nylonstrümpfe: Im Jahr 2002 wechselt die Fabrik Iril einst die Nummer eins der Schweizer Textilbranche ihren Standort. In den 70er-Jahren beschäftigte sie 1600 Personen, wovon 85 % Immigrantinnen waren. Was man als ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Betriebsschliessungen betrachten könnte, ist hier ein Ereignis von völlig anderer Tragweite. Im Westen von Lausanne war Iril ein Mythos und auch ein Rätsel. Dieser Film möchte den Mythos entschleiern und das Rätsel lösen.
Von den ehemaligen Arbeitern wagten es nur wenige, vor die Kamera zu treten. Diese wenigen aber erinnern sich mit grosser Präzision an den Gestank der Färbemittel und an die Arroganz ihres Patrons, an die Fremdenfeindlichkeit gegenüber den Gastarbeitern und an die in Renens als Irilitis bekannt gewordene Stresskrankheit. Und dennoch sind manche Angestellten stolz auf ihre einstige Arbeit. So sehr, dass sich eine von ihnen sogar zu der Bemerkung hinreissen lässt, dass sie ihren Ausbeutern keine Vorwürfe machen könne. So versteht sich Mayenfischs Film nicht nur als komplexe, sozialhistorische Gesellschaftskritik, sondern auch als eine einfühlsame psychologische Studie.
Visions du Réel