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Als Kind moderierte Jeniffer Mulinde Schmid eine TV-Show im Schweizer Fernsehen. Nun ist ihr Restaurant in Berlin ihre Bühne. In der "Schwarzen Heidi" serviert sie eidgenössische Küche – und manchmal jodelt die Wirtin auch.
In einer Seitenstrasse im quirligen Kreuzberg weist bereits das Schild über der Eingangstür auf die ungewöhnliche Restaurantbesitzerin hin: Wie eine stolze schwarze Kriegerin steht sie dort, ausgestattet mit einem helvetischen Wappen und einer übergrossen Gabel: Die Schwarze Heidi. Es ist ein Spiel mit Klischees und Namen und zugleich ein Verweis auf Jeniffer Mulinde Schmids Herkunft und Heimat, die sie nachhaltig geprägt haben.
"Ich hatte eine ganz spezielle und schöne Kindheit in der Schweiz", erzählt sie. Ihre Mutter, eine ugandische Flugbegleiterin, kam in den achtziger Jahren in die Schweiz. Sie verliebte sich in einen Mann aus dem Berner Oberland und blieb. Da war Jeniffer eineinhalb Jahre alt und lernte Schweizerdeutsch, auch von ihren beiden älteren Halbschwestern.
Schon als Kind im Rampenlicht
Später zog die Familie in die Nähe des Zürcher Flughafens. Ressentiments wegen ihrer Hautfarbe habe sie nie erlebt. Ganz im Gegenteil, als Siebenjährige moderierte sie bereits im Schweizer Fernsehen die Kindershow "Kidzs". "Ich habe es geliebt, vor der Kamera zu stehen", erinnert sie sich. Ihr Karrierewunsch stand fest.
Nach einem Schauspielstudium folgten Engagements in Zürich, am Thalia Theater in Hamburg und an den Kammerspielen in Bonn. Auch im Schweizer Fernsehen war Jeniffer Mulinde Schmid weiterhin zu sehen, zum Beispiel in dem Film "Die Standesbeamtin" und der Serie "Tag und Nacht". Doch während ihrer Engagements an deutschsprachigen Bühnen erlebte sie, wie ihre afrikanischen Wurzeln sie einschränkten. Klassische "weisse" Rollen blieben ihr verwehrt, mit der Begründung, die Zuschauer seien damit überfordert, diese durch eine schwarze Frau besetzt zu sehen. Der Rassismus des Kulturbetriebs kam auf leisen Sohlen daher, durch Kategorisierung und Ausschliessen. "Da habe ich gemerkt, dass das nicht meine Welt ist", erzählt sie.
Mit Comedy gegen Vorurteile
Also begann sie, mit erlebten Klischees und Erwartungen zu spielen und erfand für sich die Comedy-Figur der "Schwarzen Heidi": ein Mädchen, das eigentlich weiss ist – wenn es nicht beim Naschen in den grossen Topf mit flüssiger Schokolade gefallen wäre – und nun aus seinem Leben als vermeintlich Schwarze erzählt. "Die Heidi ist total durch die Decke gegangen", erinnert sie sich an ihre Auftritte, unter anderem im renommierten Berliner Quatsch Comedy Club.
Extrem lustig sei die Comedy-Zeit gewesen, erzählt sie beim Tee in ihrem Restaurant. Und vielleicht wäre daraus ja eine grosse Karriere geworden. Doch dann starb 2011 überraschend ihr Vater in der Schweiz. Der Verlust stellte ihre Welt auf den Kopf. "Danach konnte ich keine Comedy mehr machen", sagt die Gastronomin. Ihr blieb neben kleinen Aufritten in Filmen zunächst ein Kellner-Job in der Berliner "Helvetia Röschti Bar". Bald stieg sie mit in den Betrieb ein. Als ihre Mitstreiter das Restaurant verkaufen wollten, übernahm sie es 2016 kurzerhand ganz und nannte es fortan "Schwarze Heidi".
Plötzlich war sie Unternehmerin und musste von der Pike auf lernen, einen Gastro-Betrieb zu führen, das deutsche Finanzamt zufrieden zu stellen und mit Verwaltung und Grosshändlern zu verhandeln. "Mittlerweile läuft das", sagt sie stolz, doch die Anfänge seien hart gewesen. Das deutsche Steuersystem und die Bürokratie – bei diesem Thema kommt sie richtig in Fahrt.
Käsefondue ist bei Berlinern beliebt und öffnet auch Schweizer Herzen: Neulich servierte sie es Urs Fischer, dem aus der Schweiz stammenden Trainer des Bundesligisten Union Berlin während eines Interviews und plauderte mit ihm auf Schweizerdeutsch. Der zurückhaltende Schweizer taute hörbar auf.
Fonduehütte im Szenebezirk
Berlin ist ihr ans Herz gewachsen, doch ihren Schweizer Pass, den würde sie niemals aufgeben. "Ich bin Schweizerin", sagt Jeniffer Mulinde Schmid mit Nachdruck. Zumal ihre Mutter noch in Zürich Kloten wohnt und sie ihre Familie dort regelmässig besucht. Ihr fehlen die Berge, die gute Luft und auch der Respekt vor dem Essen, mit dem sie aufgewachsen ist.
In Berlin wird mit Billigpreisen um hungrige Gäste gekämpft, bei der Qualität bleibt da so manches Mal auf der Strecke. Und doch liebt sie die Stadt. "Ich bin hier angekommen", bekräftigt sie, auch wenn das Klima in jeder Hinsicht manchmal etwas rau sei.
Bald wird sie auch ihr zweites Standbein, eine Fonduehütte im angesagten Szenebezirk Friedrichshain, wieder für den Winter öffnen. Die urige Holzhütte bietet in den ungemütlichen Berliner Wintertagen eine heimelige Atmosphäre. Dort können auch grosse Gruppen zum Beispiel ihre Weihnachtsfeiern in echt Schweizer Ambiente feiern, inklusive Musik und Stockschiessen.
Dass der Stresslevel in diesen Monaten noch einmal ansteigt, das schreckt die Wirtin nicht. "Ich brauche das", sagt sie. Es mache einfach Spass, dass jeder Tag in der Gastronomie etwas Neues bringe. Am Ende zähle nur eins: "Die Leute sollen glücklich nach Hause gehen." Derzeit verhandelt sie über Franchiseprojekte ihrer “Schwarze Heidi Hütte“ in anderen deutschen Städten. In denen würde sie dann ab und an mal vorbeischauen und für die Gäste jodeln, sagt sie mit einem Lachen.
Die “Schwarze Heidi“ am Kreuzberger Mariannenplatz bietet eine zweite Heimat für Auslandschweizer in Berlin und Schweizer Küche für all jene, die neugierig darauf sind. Hier treffen sich Schweizer auch zum Schweizer Nationalfeiertag am 1. August. Neben den traditionellen Rösti und Spätzli und aus der Schweiz importierten Käsefondue stehen auch eigene Kreationen auf der Karte, zum Beispiel ein Röstiburger sowie Schweizer Tapas – Schwapas genannt. Allesamt Speisen, die es so nicht in den in Berlin so verbreiteten italienischen oder türkischen Restaurants gibt. Renner auf der Karte sind laut der Chefin das Käse-Fondue und die Berner Rösti mit Speck.Infobox Ende