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In was für eine Szene war ich da hineingeraten? War das noch Job oder schon Theater? Der Schauplatz: das Sitzungszimmer eines Altersheims, irgendwo im Mittelland. Die Figuren: ein Präsident, ein Geschäftsführer und eine Hilfspflegerin.
Mit ihr hatte ich telefoniert, sie hatte mir einige Dokumente geschickt. Die beiden Männer wollten zuerst nicht, dass ich dabei war, liessen mir dann aber oft das Wort. Es blieb ihnen nämlich die Luft weg, wenn die Pflegerin etwas sagte. Sie gab sich Mühe, sachlich zu bleiben, doch ein Vorwurf führte zum nächsten. Die Fehler, die man ihr ankreidete, waren kaum belegt. Der Chef intrigierte, glaubte sie.
Als Gewerkschaftssekretärin wurde ich ab und zu von Mitgliedern aufgeboten, die einen Konflikt lange allein ausgetragen hatten. Wenn ich dann kam, war alles Geschirr schon zerschlagen. Mir war, als trete ich in die letzte Szene eines Dramas, das ich nicht durchschaute. Meine Rolle musste ich improvisieren, konnte vielleicht eine Frage einwerfen, wenn sich die andern in gegenseitigen Vorwürfen verhakten, oder eine Abfindungssumme nennen, mit der man aus der Verhakung wieder herauskäme. Es konnte aber sein, dass eine Kollegin trotz hoher Summe nicht zufrieden war, weil sie sich ja eigentlich nur gewünscht hätte, noch einmal umarmt zu werden, wie früher, als es so gut gelaufen war im Team. Oder es wurde deutlich, dass ein Konflikt von weit her kam, vor zwanzig Jahren an einer Schule in Bratislava begonnen hatte, und hier neu aufflammte. Ich hätte mich dann gern aus der Szene ausgeklinkt, wäre der Geschichte bis nach Bratislava nachgegangen. Aus dem dramatischen Moment wären ausgreifende, verwinkelte Erzählungen gewachsen. Man sollte die Zeit auffalten können, dachte ich, um jedem Konflikt ein halbes Jahr zu widmen. Die Verhältnisse erschienen mir nicht mehr statisch, im Kleinen bewegte sich alles, stand unter Spannung, da brach immer etwas auf. Wenn man nur die Zeit hätte, das zu beschreiben. Aber schon kam die nächste Nachricht mit Bitte um Rückruf.