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Er verlor als Baby alles ausser sein Leben. Er wurde wie ein lebloses Gepäckstück behandelt. Und dann schaffte er es bis ganz nach oben. Dies ist die Geschichte des Schimpansen Kisembo.
Kisembo war wenige Monate alt, als er von Wilderern überfallen wurde. Seine Mutter, die das Baby im Fell trug, wurde wohl kaltherzig umgebracht. Dann verlor sich Kisembos Geschichte im Dunkeln, irgendwo in einem schattigen Wald in Zentralafrika, bevor sie richtig begonnen hatte.
Und plötzlich fiel wieder Licht auf ihn. Kisembo tauchte im benachbarten Uganda auf: Auf dem Gepäckträger eines Velos! Ein Händler fuhr ihn nach Arua, eine Stadt im Nordwesten des Landes, um ihn auf dem Markt als Haustier zu verkaufen – höchst illegal, denn Schimpansen sind vom Aussterben bedroht und in ihrem ganzen Verbreitungsgebiet streng geschützt.
Die Behörden beschlagnahmten Kisembo noch auf dem Velo und brachten ihn in die Schutzstation Ngamba Island im Viktoriasee, die seit zwei Jahren existierte. Hier schätzte man sein Alter gerade einmal auf ein Jahr.
Kisembo bekam eine menschliche Ersatzmutter, die ihm rund um die Uhr viel Aufmerksamkeit und Liebe schenkte. So klein er auch war, er war stark und gedieh. Langsam und mit viel Unterstützung des ganzen Teams lernte er, sich in der Gruppe der anderen Schimpansen zu behaupten. Mit ihnen verbrachte er seine Tage im Wald, und wie sie kehrte er meistens abends für die Nacht in eine Hängematte zurück, die für ihn in der Schutzstation bereitstand.
20 Jahre später – mittlerweile im besten Alter – gelang es Kisembo, sein ganzes Potential zu entfalten. Er wurde Alpha-Mann der inzwischen 50-köpfigen Schimpansengruppe. Doch der Weg hierhin war steinig.
Schon im Alter von 14 Jahren hatte Kisembo gezeigt, dass er nach Grossem strebte. Als der damalige Alpha-Mann Mika starb, begann er, mit mehreren anderen Teenagern – Umutama, Kalema und Okech – mit harten Bandagen um den Chefposten zu kämpfen. Es gab Verletzte.
Lange Jahre blieben die Machtverhältnisse diffus. 2016 musste Kisembo einsehen: der ältere Umutama hatte sich durchgesetzt. Obwohl er ihn weiterhin herausforderte, blieb Umutama ihm stets körperlich überlegen.
Doch dann zündete Kisembo die nächste Stufe. Denn er hatte nicht nur Muskeln, sondern auch Köpfchen – und einen langen Atem. Während Umutama sich vor allem auf seine körperliche Überlegenheit verliess, suchte Kisembo geduldig Unterstützung bei den anderen Schimpansen. Indem er mit ihnen Futter teilte und sie bei Auseinandersetzungen konsequent unterstützte, scharte er immer mehr einflussreiche Verbündete hinter sich – dazu gehörten nicht zuletzt auch die hochrangingen Schimpansinnen.
Und gemeinsam mit ihnen gelang ihm der grosse Coup: Kisembo wurde im Jahr 2020 stolzer Alpha-Mann der Schimpansen auf Ngamba Island. Er ist bis heute von seiner Gruppe hoch respektiert. Und wenn die anderen Jungs es wagen, an seinem Ast zu sägen – was sie als gute Schimpansen natürlich weiterhin tun – kann sich Kisembo auf breite Unterstützung aus der Gruppe verlassen.
Kisembos eindrücklicher Weg vom erniedrigten Baby zum stolzen Alpha-Mann ist einer von 190 Lebenswegen von Schimpansen, die wir zurzeit in unseren Auffangstationen begleiten. Es berührt uns sehr, dass wir all diesen Geschichten, die schlimm begonnen haben, ein gutes Ende geben können.
Danke, dass Sie uns dabei unterstützen.