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Die Biodiversität erbringt für die Menschheit überlebenswichtige Leistungen. Ihr Zustand ist bedroht. Um sie zu erhalten, braucht es Massnahmen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene.
Hauptverantwortlich für den globalen Verlust von Biodiversität sind der Lebensraumverlust, die übermässige Nutzung der natürlichen Ressourcen, der Klimawandel, die Verschmutzung der Umwelt sowie eingewanderte, gebietsfremde Arten. Der schlechte Zustand der Biodiversität ist auf allen drei Ebenen Ökosysteme, Arten und Gene sichtbar.
Ökosysteme
Weltweit werden insgesamt 1525 verschiedene «Ökoregionen» beschrieben: terrestrische Regionen wie die Taiga Ostsibiriens oder die Patagonische Steppe, Süsswasserregionen wie der Baikalsee und Küsten- und Meeresregionen wie beispielsweise das Great-Barrier-Riff. Jede einzelne Ökoregion beherbergt ihrerseits verschiedenste Ökosysteme und Lebensräume.
Ökosysteme ermöglichen die Existenz der Lebewesen, die in ihnen vorkommen. Sie erbringen in ihrer Gesamtheit aber auch unverzichtbare Leistungen für den Menschen – sogenannte Ökosystemleistungen - und stellen damit die Grundlage für menschliches Wirtschaften und Wohlergehen dar. Schätzungen gehen davon aus, dass die Ökosystemleistungen einen Nutzen von 125-140 Billionen US Dollar pro Jahr erbringen, d.h. mehr als das 1.5 Fache des globalen Bruttoinlandsprodukts (OECD, Biodiversity: Finance and the Economic and business Case for Action, 2019).
Diese Leistungen sind gefährdet. Der globale Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES hält fest, dass die Mehrzahl der Ökosystemleistungen seit 1970 rasch abgenommen haben.
Arten
Gegenwärtig kennt die Wissenschaft rund 1.74 Millionen Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, wobei die tatsächliche Zahl nach Schätzungen um ein Vielfaches höher liegen könnte.
Untersuchungen von Fossilien zeigen, dass eine Art nach ihrer Entstehung zwischen 1 bis 10 Millionen Jahre existiert, bevor sie natürlicherweise wieder ausstirbt. Die natürliche jährliche Rate von aussterbenden Arten liegt bei 0.1 Arten pro eine Million Arten. Gemäss dem globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES liegt die aktuelle Aussterberate bereits 10 bis 100-mal höher als im Durchschnitt der vergangenen 10 Millionen Jahre und beschleunigt sich fortwährend.
Das Aussterben ist nur der Schlusspunkt eines Rückgangs, der sich bereits viel früher abzuzeichnen beginnt, wenn die Bestände einer Art zurückgehen. Der Living Planet Index, der Trends in Wirbeltierpopulationen zusammenfasst, zeigt, dass die Arten seit 1970 rapide zurückgegangen sind, mit einem Rückgang von 40% bei den Landarten, 84% bei den Süsswasserarten und 35% bei den Meeresarten.
Auch die Roten Listen sind Beleg für den schlechten Zustand der Biodiversität: Von 115'000 untersuchten Arten müssen weltweit 27% als bedroht eingestuft werden (Kategorien «vom Aussterben bedroht», «stark gefährdet» und «gefährdet» der Weltnaturschutzunion IUCN).
Genetische Vielfalt
Angaben zur genetischen Vielfalt basieren fast ausschliesslich auf Kenntnissen über Kultursorten und Zuchtrassen. Bei den Nutztieren müssen von 8‘200 Züchtungen 16% als gefährdet eingestuft werden (Global Biodiversity Outlook 4). Bei den Kulturpflanzen wird befürchtet, dass seit Beginn des 20. Jahrhunderts sogar 75% der genetischen Vielfalt verloren gegangen sind.
Internationale Verantwortung
Die Schweiz und ihre Tätigkeiten haben nicht nur Auswirkungen auf die einheimische, sondern auch auf die globale Biodiversität, sei es über die Mitverantwortung für den Klimawandel, den Verbrauch von Rohstoffen oder den Konsum weltweit gehandelter Güter und Dienstleistungen.
Die Erhaltung der Biodiversität ist darum eine Herausforderung, die sowohl lokales, regionales als auch globales Handeln erfordert. Das umfassendste Instrument ist dabei das Übereinkommen über die biologische Vielfalt CBD. Es wurde 1992 am Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro verabschiedet. Inzwischen zählen 196 Länder - unter ihnen die Schweiz - zu den Vertragsstaaten. An der 10. Konferenz der Vertragsparteien vom Oktober 2010 in Nagoya einigten sich die Vertragsparteien auf einen Strategischen Plan für die Zeit 2011 – 2020 mit 20 Zielen (Aichi-Ziele). Eines der Ziele ist es, 17% der Landfläche unter Schutz zu stellen. Keines der Ziele konnte bis 2020 vollumfänglich erreicht werden. Ein weiteres wichtiges Ergebnis war die Annahme des Nagoya-Protokolls über den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile (Access and Benefit Sharing, ABS).
Daneben gibt es weitere Konventionen, die bestimmte Arten oder spezifische natürliche Milieus abdecken, wie u.a. das Bonner Übereinkommen zur Erhaltung wandernder, wildlebender Tierarten (CMS), das Ramsar-Übereinkommen über Feuchtgebiete, die Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) sowie das Berner Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (vgl. auch Internationale Abkommen).
Im Jahr 2022 soll ein neues globales Rahmenwerk für die Biodiversität beschlossen werden, welches den auslaufende Strategischen Plan ablösen soll.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 10.06.2022