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Die Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi) ist die bisher grösste bekannte Krebsart. Durch ihre schieren Ausmasse und die beeindruckende Morphologie ist sie zu einem begehrten Objekt für Aquarien geworden. In diesen werden die Tiere als Botschafter des Ozeans präsentiert und hinterlassen grossen Eindruck bei den Besuchern ¹.
Auch im geplanten „Ozeanium“ ist ein Becken für diese Tiere vorgesehen (in den Bauplänen „Japanisches Meer – Riesenkrabben“ betitelt) ². Dies, obwohl im Handbuch der „Association of Zoos and Aquariums“ (AZA) anerkannt wird, dass „wir wenig über das Verhalten dieser Art wissen“ ². So wurden in Gefangenschaft zum Beispiel Männchen beobachtet, die sich in Anwesenheit von Weibchen bekämpften. Ob dieses Verhalten auch in der Wildnis vorkommt, können Forschende nicht sagen. Viele Aquarien ziehen es deshalb vor, nur Männchen in ihren Becken zu halten, um Aggressionen zu vermeiden ².
Die Japanische Riesenkrabbe lebt in der Regel auf sandigen, flachen Böden. Einige Aquarien haben jedoch Bereiche installiert, in denen die Krabben klettern können, da beobachtet wurde, dass sie diese nutzen und die Kletterei der Tiere für die Aquarienbesucher natürlich spannend aussieht. Nehmen diese Kletterbereiche allerdings zu viel Platz ein, bergen sie das Risiko, dass sich die Krabben nicht mehr häuten können, Gliedmassen verlieren und sogar sterben können ³.
In Bezug auf den Platzbedarf für die Tiere ist indes nicht bekannt, welchen Abstand verschiedene Individuen, die gemeinsam in Gefangenschaft leben, voneinander haben sollten. Man nimmt an, dass es den Krabben umso besser geht, je mehr Platz sie zur Verfügung haben, und dass Krabben in Aquarien mit wenig Platz zumindest in der Lage sein sollten, auf ihren Beinen stehen zu können ohne dabei ein anderes Tier zu berühren. In Aquarien mit unzureichendem Platzangebot können Aggressionen zwischen Individuen zu Schalenschäden, Verlust von Gliedmassen und sogar zum Tod führen ³.
Wir wissen nichts über die kognitiven Fähigkeiten und emotionalen Empfindungen der Japanischen Riesenkrabbe; jedoch verfügen wir über Versuchsansätze bezüglich der Empfindungsfähigkeit anderer Krebsarten ⁴. Einsiedlerkrebse entwickeln zum Beispiel Vorlieben für bestimmte Schalen und weisen ein Motivationsgleichgewicht zwischen einem potenziell schmerzhaften Reiz und anderen Voraussetzungen auf, was darauf hindeutet, dass sie Schmerzerfahrungen haben können ⁵. Der Amerikanische Flusskrebs und die Gemeine Seekrabbe lernen, Orte zu meiden, die mit potenziell schmerzhaften Erfahrungen verbunden sind ⁶ ⁷. Des Weiteren lässt sich feststellen, dass mit einer solchen negativen Erfahrung eine physiologische Reaktion auf Stress einhergeht, die am Laktatspiegel gemessen werden kann ⁷.
Trotz dieser ersten Studien, die darauf hindeuten, dass Krustentiere Erfahrungen mit Schmerzen, Stress und Ängsten haben könnten, wird das Thema der Empfindungsfähigkeit bei Krustentieren in der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch nicht allzu ernst genommen. Es besteht nach wie vor die Ansicht, dass die Daten zweifelhaft sind und nicht ausreichen, um den Vorsorgeansatz anzuwenden und Tierschutzmassnahmen für Krustentiere zu entwickeln – gerade auch angesichts der Kosten und weitreichenden Folgen, die diese Massnahmen für Industrie und Forschung mit sich bringen würden.
Deshalb: NEIN zum «Ozeanium» am 19. Mai 2019!
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