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29. April 2023 |18.30 Uhr | opus278 Fazioli-Raum | St. Gallen
MITWIRKENDE:
Ivo Dudler - Waldhorn
Claire Pasquier - Fazioli-Flügel
Matthias Flückiger - Moderation & Interview
PROGRAMM:
Ludwig van Beethoven (1700 – 1827)
Sonate für Horn und Klavier in F-Dur, op. 17
(Andante moderato - Poco Adagio, quasi Andante - Rondo. Allegro moderato
Der berühmteste Hornist Europas am Ende des 18. Jahrhunderts war der Böhme Wenzel Stich. Unter dem Künstlernamen Giovanni Punto feierte er als reisender Virtuose in ganz Europa glänzende Erfolge und hat selber 11 Hornkonzerte komponiert. Als er im Jahre 1800 sein Wiener Debüt gab, wurde er am Flügel von Beethoven begleitet. Dieser begann erst zwei Tage vor dem Konzert mit der Komposition der Sonate in F-Dur, seiner einzigen für Horn. Sie ist ganz auf die genialen Fähigkeiten des virtuosen Hornisten zugeschnitten. Die Uraufführung war ein rauschender Erfolg. Da Beethoven in seiner Jugend selber das Hornspiel erlernt hat, konnte er das Instrument (damals noch das ventillose Naturhorn) aufs effektvollste einsetzen.
Die Sonate beginnt mit einem fanfarenhaften Einstieg, auf den das Klavier galant antwortet. Im Adagio reagiert das Naturhorn mit zarten Echos auf die düsteren f-Moll-Klänge des Klaviers. Das Finale ist eine gesangliche Gavotte, deren Charme Horn und Klavier miteinander teilen.
Robert Schumann (1810 – 1856)
Adagio und Allegro für Horn und Klavier in As-Dur, op. 70
(Langsam, mit innigem Ausdruck - Rasch und feurig)
Im Jahre 1849 komponierte Schumann eines der ersten romantischen Kammermusikwerke für modernes F-Horn. Es entstand zeitgleich mit dem berühmten Konzertstück für 4 Hörner und Orchester.
Das Adagio hieß ursprünglich Romanze und zeigt auffallende Ähnlichkeiten zum Adagio aus Schumanns 2. Sinfonie. Das Allegro ist ein für Schumann typischer Gefühlsaufschwung in Triolen, unterbrochen von versonnenen Episoden.
Das relativ kurze Stück enthält gemäss einer zeitgenössischen Rezension “Stellen innigsten, zartesten Ausdrucks, wie auch andere der feurigsten Leidenschaftlichkeit”. Schumann selber hat von diesem Werk auch Fassungen für Violoncello oder Violine und Klavier anfertigen lassen.
Robert Schumann (1810 – 1856)
3 Romanzen für Horn und Klavier, op. 94
(Nicht schnell - Einfach, innig - Nicht schnell)
Die „Drei Romanzen für Hoboe (ad libitum Violine) und Begleitung des Pianoforte“ hat Schumann im Jahre 1849 in Düsseldorf komponiert. Er schuf das Werk in nur fünf Tagen und hat es seiner Frau Clara als sein „hundertstes Opusculum“ zu Weihnachten geschenkt. Dieses Werk wurde seinerzeit auch in Fassungen für Violine oder Klavier oder eben Horn herausgegeben. Die Gattung der Romanze taucht in Schumanns Werk immer wieder auf, z.B. als Klavierzyklus, als Mittelsatz der 4. Symphonie oder als Chorromanze. Die drei Romanzen op. 94 sind wunderbare poetische Stücke, in denen sich die beiden Instrumente wie ein flirtendes Liebespaar umschmeicheln und umranken. Das erste Stück beginnt in balladenhaftem Ton. Das zweite Stück hat den Charakter eines Liedes ohne Worte mit drängendem Mittelteil und das Finale begeistert mit seinen Ruf-Motiven und Klavier-Arpeggien.
Robert Schumann (1810 – 1856) im Wechsel mit Daniel Schnyder (1961 – )
Waldszenen für Klavier, op. 82 (Ausschnitte) im Wechsel mit Le monde minuscule für Horn solo
„Waldszenen“ nannte Robert Schumann seinen neunteiligen Klavierzyklus aus dem Jahre 1849, eine poetische Hommage an den deutschen Wald. Der Wald ist die Sehnsuchtslandschaft der deutschen Romantiker. Hier gewinnt der Mensch Abstand zur realen Welt, findet Schutz und Geborgenheit vor einer als zerstörerisch empfundenen Zivilisation. Als Schumann seine Waldszenen beendet, ist er 49 Jahre alt und die Welt befindet sich im Umbruch.
Schumanns Waldszenen erzählen vom Wald jedoch nicht nur als harmonischen Rückzugsort. Mitunter herrscht im Grünen auch Melancholie oder es drohen Gefahr und Schrecken.
Der Schweizer Komponist Schnyder ist sowohl im Jazz als auch in klassischer Musik aktiv und überschreitet bewusst die Grenzen der sonst meist streng getrennten Musikwelten, In seinem Werk "Le monde minuscule" lebt er sich äusserst kreativ und fantasievoll in einer eigenen Miniaturwelt aus - geschaffen für das Horn als Soloinstrument. Jeder der einzelnen Sätze hat einen besonderen Charakter und stellt eine andere Herausforderung an den ausführenden Musiker. Dabei verwendet Schnyder einen bunten Strauss an klanglichen Effekten, die sich auf dem Horn erzeugen lassen. Ohne diese wäre es wohl kaum möglich, dass für die Vertonung einer E-Mail, eines kleinen Amerikaners oder den Tanz der Mikrobe Melodien und Töne von nur einem Instrument ausreichen.
Sie werden sich wundern, wie nahe sich die romantische Welt der Waldszenen und die Miniaturwelt des 21. Jahrhunderts stehen!
Franz Joseph Strauss (1822 – 1905)
Empfindungen am Meere für Horn und Klavier, op. 12
Der Vater von Richard Strauss war ein deutscher Hornist und Komponist. Er war einer der angesehensten Waldhornvirtuosen seiner Zeit. Wäre er nicht der Vater eines berühmten Sohnes geworden, so wäre er zweifellos in der Rubrik der vergessenen Komponisten zu finden. Da sein Sprössling jedoch ein Wunderkind war und sowohl auf symphonischem wie musikdramatischem Gebiet weltberühmt wurde, hat auch der angesehene Solohornist der Bayerischen Staatskapelle viel Aufmerksamkeit gefunden. Er komponierte unter anderem zwei Hornkonzerte und viele so genannte „Charakterstücke“, wie das heute gespielte.
IVO DUDLER - Biographie
Der in der Schweiz geborene Hornist Ivo Dudler ist seit 2017 Solohornist der NDR Radiophilharmonie Hannover. Neben seiner Tätigkeit im Orchester ist er international gefragter Solist und Kammermusiker. Ivo Dudler ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe wie dem ARDMusikwettbewerb und dem Hornwettbewerb in Markneukirchen. Er ist Gewinner des Schuncke Hornpreises und war Stipendiat des Migros Kulturprozent. Als Solist konzertierte er mit Orchestern wie dem Symphonieorchester und Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks, der Philharmonie Baden-Baden, der Camerata Schweiz und vielen Weiteren. 2022 erscheint seine erste Solo-CD beim Label Alpha mit dem 4. Hornkonzert von W.A. Mozart als Teil des Projekts „Next Generation Mozart Soloists“ der Orpheum Stiftung zusammen mit der Camerata Schweiz unter Howard Griffiths. Seine musikalische Ausbildung startete er in der Schweiz bei Enrico Cerpelloni und Mischa Greull, 19-jährig zog er nach Berlin und nahm sein Bachelorstudium bei Prof. Christian-Friedrich Dallmann und Sebastian Posch an der UdK Berlin auf. Es folgte ein Masterstudium bei Prof. Szabolcs Zempléni an der HfMT Hamburg. Vor seiner Festanstellung in Hannover war er Absolvent der KarajanAkademie der Berliner Philharmoniker. Ivo Dudler ist regelmäßig bei führenden Orchestern in Deutschland und der Schweiz als Solohornist zu Gast, seine Engagements führten ihn zu den großen Rundfunk-Sinfonieorchestern Deutschlands sowie zu zahlreichen renommierten Sinfonie- und Opernorchestern. 2019 wurde er zudem in das Orchester der Bayreuther Festspiele berufen. Darüber hinaus widmet er sich dem Spiel auf historischen Instrumenten, sowohl in Barockensembles als auch bei klassischem Repertoire im Sinfonieorchester. Eine weitere Leidenschaft ist die Kammermusik, so ist Ivo Dudler Mitglied im Ensemble Oktoplus und Gründungsmitglied von Spirilado Brass. Mit verschiedenen anderen Ensembles ist er regelmäßig in diversen Besetzungen von Trio über Hornquartett bis hin zu großen Blechbläser- und gemischten Ensembles zu hören.
Ganz gelassen nach ganz oben: Der Steinacher Hornist Ivo Dudler ist Preisträger des internationalen ARD-Musikwettbewerbs
Zielstrebig spielt sich der junge Hornist Ivo Dudler die Karriereleiter empor. Der gebürtige Steinacher ist seit vier Jahren Solo-Hornist bei der Radiophilharmonie Hannover; diesen September erzielte er den Dritten Preis beim renommierten ARD-Wettbewerb in München. Taktgebend ist für ihn die pure Spielfreude.
Der junge Ostschweizer Hornist Ivo Dudler macht in Deutschland Karriere. Bild: Michel Canonica
Seinen Lieblingsort in St.Gallen darf man nur mit Filzfinken betreten. Die Stiftsbibliothek mit ihren imposanten Bücherwänden und den schmucken Zierdecken im Klostergebäude erinnere ihn intensiv an seine Schuljahre an der Buebeflade in St. Gallen, erklärt der gebürtige Steinacher Ivo Dudler. Eine Zeit, die ihn nachhaltig geprägt habe. Vielleicht auch, weil er dort begann, der klassischen Musik einen höheren Stellenwert in seinem Leben einzuräumen.
Kathrin Signer, Tagblatt St. Gallen 21.12.2021
https://www.tagblatt.ch/kultur/ostschweizerkultur/portraet-ganz-gelassen-nach-ganz-oben-der-steinacher-hornist-ivo-dudler-ist-preistraeger-des-internationalen-ard-musikwettbewerbs-ld.2230006?reduced=true
CLAIRE PASQUIER - Biografie
Claire Pasquier ist seit über 20 Jahren erfolgreich als Musikerin tätig. Sie tritt solistisch als Pianistin auf und war Preisträgerin verschiedener Kammermusik Wettbewerbe. Als Korrepetitorin genoss Sie Engagements an der Victoria State Opera in Melbourne, am English National Opera Studio und am Royal Opera House in London, an der English
National Opera in Glyndebourne, bei der Pariser Fondation Royaumont, beim Israeli Vocal Arts Institute Tel Aviv in Zusammenarbeit mit der New Israeli Opera und der Metropolitan Opera New York, am Theater St.Gallen und bei den Bregenzer Festspielen. Heute arbeitet Claire Pasquier europaweit als freischaffende Pianistin und Begleiterin von verschiedenen Ensembles mit Sängerinnen und Sängern zusammen, aber auch mit Musikerinnen und Musikern sowie Orchestern, z.B. mit dem Sinfonieorchester St. Gallen, den Wiener Symphonikern und dem Musikkollegium Winterthur.
In Jahr 2008 hat sie die Künstleragentur «Absolutely Classical» für private Anlässe und Konzerte gegründet: www.absolutelyclassical.ch.
MATTHIAS FLÜCKIGER - Biografie
Matthias Flückiger, Schauspieler und Regisseur, geboren 1965 in Biel-Bienne, studierte nach der Matura von 1987- 1991 Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellenden Kunst „Mozarteum“ in Salzburg, Österreich. Das Studium schloss er mit Auszeichnung ab. Von 1991 bis 2001 war er Mitglied des Ensembles am Theater St.Gallen. Während dieser Zeit hatte er mehrere Gastengagements, u.a. in den USA, in Frankreich und in Deutschland. Seit 2001 ist er freischaffend tätig, mit Engagements u.a. in den Sophiensäle Berlin, am Theater Basel, Schlachthaus Bern, Theater Chur, Theater St.Gallen, Theater an der Winkelwiese Zürich, Theaterspektakel Zürich und seit 2015 regelmässig im Theater «parfin de siècle», St. Gallen, dessen Direktor er seit dem 1. Januar 2021 ist.
KONZERT & DINNER
So exquisit es aus dem Fazioli-Flügel klingt, so exquisit duftet es aus dem Buchenholzgrill des Restaurants Lagerhaus an derselben Adresse. Dort werden jeweils exklusiv für die Konzertbesucherinnen und -