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| Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)

IX. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Über das Wort „Schöpfer Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren".
7.
Möge keiner auf diejenigen hören, welche lehren, [S. 139] der Schöpfer des Lichtes sei ein anderer als der Schöpfer der Finsternis! Man denke an das Wort des Isaias: „Ich, Gott, habe erschaffen das Licht und bereitet die Finsternis!“1 Bist du darüber ungehalten, o Mensch? Ärgerst du dich über die Zeit, welche dir zur Ruhe gegeben ist? Der Knecht würde von den Herren keine Ruhe erhalten, wenn nicht die Finsternis zwingen würde, Erholung zu gewähren. Werden wir nicht oftmals, wenn wir tagsüber uns geplagt haben, durch die Nacht wieder erfrischt? Ist nicht der, welcher gestern von der Arbeit erschöpft war, am Morgen durch die Ruhe der Nacht wieder gekräftigt? Was nützt der Weisheit mehr als die Nacht? Denn nachts denken wir oftmals über Gott nach. Nachts lesen und betrachten wir die göttlichen Worte. Wann ist unser Geist mehr gesammelt zum Psalmensingen und Beten? Nicht in der Nacht? Wann wurden wir so oft an unsere Sünden erinnert? War es nicht in der Nacht? Nehmen wir also nicht die sündhafte Lehre an, ein zweiter Gott habe die Finsternis erschaffen! Die Erfahrung zeigt uns, daß auch sie gut und sehr nützlich ist.
1: Is. 45, 7.