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Grundlagen
In der ersten Monatshälfte herrschten milde Temperaturen. Gewitter brachten vor allem in der Südschweiz teils grosse Regenmengen. Ab dem 17. September sanken die Temperaturen deutlich. Die Schneefallgrenze sank auf 1400 bis 1800 Meter. Ab dem 25. September kamen aus dem Westen feuchte Luftmassen, welche täglich Niederschläge brachten. Die Durchschnittstemperaturen lagen im September im landesweiten Mittel um 0,4 Grad unter der Norm 1991-2020. Die Monatssumme der Niederschläge lag nördlich der Alpen deutlich über der Norm. In einigen Regionen war es der nässeste September seit 1864. Auf der Alpensüdseite war es deutlich trockener. Im nordwestlichen Tessin und regional im Wallis fielen weniger als 50 % der gemäss Norm zu erwartenden Niederschläge.
Bis Ende August verzeichnete Schweizer Hagel insgesamt 7439 Hagelmeldungen und somit deutlich weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr (11 484 Meldungen) aber weit mehr als 2020 (2030 Meldungen). Auch bei den Elementarschäden liegen die Meldungen bisher zwischen jenen des Vorjahres und jenen des Jahres 2020 (Tabelle 1.6).
Pflanzenbau
Während im aktuellen Jahr im Allgemeinen genügend Heu von guter Qualität geerntet werden konnte, wurde aufgrund der Trockenheit im Mittel weniger Emd und Silage geerntet als in anderen Jahren und zudem von mässiger Qualität (Tabelle 2.1). Im Futterbau lässt sich das aktuelle Jahr am ehesten mit den ebenfalls trockenen Jahren 2003, 2015 und 2018 vergleichen. Die frühen Ackerkulturen (Getreide, Raps und Körnerleguminosen) lieferten 2022 insgesamt gute Erträge (Tabelle 2.2). Regional gab es jedoch schon erste Probleme mit der Trockenheit. Bei der Kartoffelernte wird bei annähernd gleich bleibender Fläche ein leicht unterdurchschnittlicher Ertrag pro Hektare mit einer kleinen Gesamternte von 390 000 Tonnen geschätzt (Tabelle 2.3). Die Gemüseproduktion liegt aktuell auf dem Niveau des Jahres 2020. Kumuliert ergibt sich bei der Produktionsmenge Ende August eine Steigerung um 19,4 % gegenüber der Vorjahresmenge (Tabelle 2.4).
Milchwirtschaft
Die Milchproduktion nahm im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 % ab (Tabelle 3.1). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr hat sich damit leicht abgeschwächt (Tabelle 3.1). Die Produktion von Konsummilch hat im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 % zugenommen (Tabelle 3.3). Kumuliert lag die Produktion Ende Juli jedoch im Vergleich zu 2021 um 4,7 % in Rückstand. Beim Käse hat im Juli vor allem die Produktion von Frischkäse und insbesondere jene von Mozzarella zugenommen (Tabelle 3.4). Aktuell ist wenig Butter an Lager (Tabelle 3.6). Ende August waren es 1450 Tonnen. In den letzten Jahren war nur 2020 die Menge zu diesem Zeitpunkt mit 179 Tonnen noch kleiner. Die mittleren Milchgehalte lagen im Juli mit 4,00 % Fett und 3,23 % Eiweiss tief (Tabelle 3.7).
Viehwirtschaft
Der Rindviehbestand lag Ende August weiterhin leicht höher (+8958 Tiere bzw. +0,6 %) als im Vorjahr (Tabelle 4.1). Die Abnahme des Milchkuhbestandes beschleunigte sich ein wenig und stieg auf -1,1 % im Vergleich mit dem Vorjahr. Weiterhin hoch lagen die Bestände der jüngeren Tiere (Tabelle 4.2). Im August gingen die Inland-Schlachtungen gegenüber dem Vorjahr nur bei den Stieren (-4,7 %) und den Kälbern (‑3,7 %) zurück (Tabelle 4.5). Der Anstieg in den übrigen Rindvieh-Kategorien könnte zumindest teilweise ein Effekt der Trockenheit sein. Bei den Schweinen (+2,4 %), den Schafen (+6,7 %) und den Ziegen (+10,2 %) nahmen die Schlachtungen ebenfalls zu. Auch bei den Schafen und Ziegen könnte die Trockenheit und der damit verbundene Futtermangel in vielen Regionen den Anstieg der Schlachtungen gegenüber dem Vorjahr mit verursacht haben. Bei den Schweinen ist weiterhin kein Rückgang der Schlachtungen erkennbar. Der Trend ist eher zu- als abnehmend. Die Schlachtgewichte waren ausser bei den Ochsen (+0,1 %), den Schweinen (+2,1 %) und den Ziegen (+8,7 %) eher tiefer als im Vorjahr, was insbesondere bei den Kühen auf einen frühen Verkauf der Schlachttiere hindeuten könnte. Bei den Schweinen wurden weniger leichte Spanferkel geschlachtet. Dies war neben den hohen Schlachtzahlen wohl der Hauptgrund für den deutlichen Anstieg des Gewichts. Bei den Ziegen dürfen Schwankungen des Schlachtgewichts aufgrund der spärlichen Gewichtsangaben nicht überbewertet werden. Nur bei 13,4 % der geschlachteten Ziegen wurde auch das Schlachtgewicht erfasst. Im August wurde 2,6 % mehr Rindfleisch als im Vorjahr produziert (Tabelle 4.8). Die Produktion von Kalbfleisch nahm um 4,4 % ab. Beim Schweinefleisch (+4,7 %) und beim Schaffleisch (+6,1 %) ergab sich eine deutliche Zunahme der Inlandproduktion. Die Produktion von Geflügelfleisch nahm auch im August um 2,4 % zu. Das Wachstum verläuft aktuell jedoch deutlich schwächer als 2020 und 2021 (Tabelle 4.10). Im August nahm die Eierproduktion gegenüber dem Vorjahr um 5,2 % ab (Tabelle 4.11). Kumuliert verzeichnet die Produktion bis Ende August eine Zunahme um 3,3 %. Der Trend verläuft aktuell leicht abnehmend.
Aussenhandel
Die Käseexporte lagen im August um 4,3 % tiefer als im Vorjahr (Tabelle 5.6). Wertmässig gingen die Exporte nur um 0,3 % zurück, da die Exportpreise deutlich höher lagen als in den Vorjahren. Auch die Importe nahmen leicht ab (-0,3 %). Dabei sind die Importpreise relativ betrachtet noch stärker angestiegen als die Exportpreise. Am besten entwickelten sich im August die Exporte von Fertigfondue und von Frischkäse (Tabelle 5.8). Mengenmässig gingen die Importe von Futtermittel, Stroh, Dünger und Pflanzenschutzmitteln im August zurück. Die Importe von Dünger nahmen kumuliert bis Ende August um 22,4 % ab. Wahrscheinlich reduzieren die Landwirte im laufenden Jahr die Zukäufe von Produktionsmitteln aufgrund der hohen Preise so weit wie möglich. Darauf deutet auch der Umstand hin, dass der Importwert von Maschinen und Geräten kumuliert gegenüber dem Vorjahr trotz der Teuerung um 6,5 % abgenommen hat.
Preise
Die Preise für Muni, Ochsen und Rinder nahmen im September um ca. 25 Rappen pro Kilogramm Schlachtgewicht zu (Tabelle 6.4). Die Preise der Verarbeitungstiere RV und VK erholten sich weitgehend von der leichten Preisbaisse im August. Die Preise für Schlachtkälber stiegen im September an und lagen leicht über dem Vorjahresniveau (Tabelle 6.5). Die Preise für Tränkekälber bewegten sich auch im September unter dem Niveau des Vorjahres und folgen der Saison entsprechend einem sinkenden Trend (Tabelle 6.6). Angesichts der zu zahlreichen Schlachtungen verharrten die Schweinepreise im September auf rekordtiefem Niveau. Die Preise für Lämmer und Schlachtschafe gingen im September mit Ausnahme der Kategorie SM zurück (Tabelle 6.8). Weidelämmer schienen wenig gefragt zu sein, was einen Zusammenhang mit der vielerorts schwierigen Futtersituation haben könnte. Bei den Schlachtlämmern lagen die Preise weiterhin im Bereich des Vorjahres. Die Produzentenpreise entwickelten sich beim Frischgemüse und vor allem bei den Schlachtschweinen im Jahresvergleich deutlich negativ (Tabellen 6.10 und 6.11). Diese beiden Positionen haben im Index zusammen ein Gewicht von 24,3 %. Deshalb ging der Index gegenüber dem Vorjahr trotz teilweise deutlichen Zunahmen in vielen anderen Positionen um 0,4 % zurück. Der Einkaufspreisindex landwirtschaftlicher Produktionsmittel ist im August nochmals leicht angestiegen und lag um 11,3 % höher als im Vorjahr (Tabellen 6.15 und 6.16). Auf dem Weltmarkt entwickeln sich die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe und Produktionsmittel sehr variabel (Tabellen 6.24, 6.25 und 6.27). Bei vielen Pflanzenbauprodukten schwanken die Preise auf tieferem Niveau als im ersten Semester. Deutlich zurück gingen die Preise für diverse Pflanzenöle. Bei den Energie- und Düngerpreise ist die Preisentwicklung sehr unterschiedlich, die Preise liegen jedoch weiterhin massiv höher als im Vorjahr.