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Stempelschneider/in
Die ersten Münzen der Menschheitsgeschichte wurden im 7. Jahrhundert v. Chr. in Lydien geprägt, einem kleinen Reich an kleinasiatischen Mittelmeerküste. Zu Beginn waren diese Münzen nichts wieter als flach gedrückte Metallklumpen. Sie bestanden aus Elektrum, einer natürlichen Legierung aus Gold und Silber. Als man ein wenig später begann, mit Schlagstempeln einfache Bilder einzuprägen, waren sogleich die Stempelschneider[1] gefragte Handwerker. Im 6. Jahrhundert wurde in einer Münzreform schliesslich auch das Gewicht der Münzen genormt. Damit war erstmals ein einheitliches und einfach zu benutzendes Tauschmittel geschaffen. Die Münze trat ihren Siegeszug in die Welt an und mit ihr der Stempelschneider.
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In der Antike waren Stempelschneider in jeder Stadt gesuchte Handwerker. Auch bei den Römern setzte sich die Münze schnell durch; im riesigen Imperium der Kaiserzeit war eine gewaltige Zahl von Münzen im Umlauf. Diese wurden zumeist mit einem Hammer geprägt, indem man auf eine runde Münzplatte zwischen zwei Prägestempeln schlug. Die Hammerprägung blieb bis in die Renaissance das am weitesten verbreitete Herstellungsverfahren in Europa und insbesondere aufgrund dessen waren die Stempelschneider bis dahin gefragte Handwerker.
In der Renaissance allerdings mit der Verbreitung der Spindelprägung[2] verlor das Stempelschneiderhandwerk zwar im Bereich der Münzenherstellung zusehends an Bedeutung, doch hatte sich dieses seit dem 14. Jahrhundert im Zuge der Buchdruckerfindung ein anderes Wirkungsfeld aufbauen können. Die Stempelschneider stellten die für den Buchdruck benötigten Stahlstempel (Patrizen und Matrizen) her. Für jeden einzelnen Buchstaben wurde zunächst die Patrize hergestellt, ein Stempel aus Eisen, in den der Buchstabe seitenverkehrt graviert und mit Punzen, Sticheln sowie Feilen sorgfältig ausgearbeitet wurde. Die fertige Patrize wurde durch Abschlagen in einen kleinen Block aus Kupfer oder Messing geprägt und hinterliess in diesem ein nunmehr seitenrichtiges, eingetieftes Abbild des Buchstabens. Dieses musste akkurat nachbearbeitet werden, so dass der eingeprägte Buchstabe exakt waagrecht lag und an allen Stellen die für eine bestimmte Schrift vorgeschriebene Tiefe erreichte. Die Stempelschneider waren in diesem Zusammenhang bis 19. Jahrhundert europaweit gesuchte Handwerker.
Als im Rahmen des Buchdrucks im Verlaufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche technische sowie technologische Verbesserungen und Neuerungen erfolgten, galt das Handwerk des Stempelschneiders nunmehr in seinem Fortbestehen gefährdet (vgl. hierzu auch Schriftgiesser). Die wenigen Stempelschneider, die sich in der Schweiz mit kleinen Aufträgen wie zum Beispiel den Brennmarken von Rindern und Pferden ihre Existenz zu sichern versuchten, gelangten zusehends in Bedrängnis. Aus veterinärmedizinischen Gründen und aus Gründen der Rationalisierung wurde in den 70er Jahren auch der Hornbrand abgeschafft und damit auch das Handwerk des Stempelschneiders.
[1] Für bessere Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Stempelschneiderin.
[2] Im Rahmen dieses Verfahrens erfolgt die Prägung mittels einer handbetriebenen Presse.
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Literatur
Bruckner Albert: Schweizer Stempelschneider und Schriftgiesser. Geschichte des Stempelschnittes und Schriftgusses in Basel und der übrigen Schweiz von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Münchenstein 1943.
Neukirchen Florian: Von der Kupfersteinzeit zu den seltenen Erden. Eine kurze Geschichte der Metalle, Berlin/Heidelberg 2016.
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