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Der Nachlass des im Mai 2014 verstorbenen Conelius Gurlitt hat sich zu einem Streitthema ersten Ranges entwickelt. Die mehr als 1.500 Werke umfassende Sammlung enthält unter anderem Bilder von Henri Matisse, Pablo Picasso, Emil Nolde und Marc Chagall. In einem Testament hatte Gurlitt das Kunstmuseum Bern als Alleinerben eingesetzt.
Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, warnt das Berner Kunstmuseum, die Gurlitt-Sammlung zu übernehmen. Sollte das Kunsthaus das Erbe antreten, werde dies “eine Lawine von Prozessen auslösen”. In einer viel beachteten Rede in der Berliner Gedenkstätte “Topographie des Terrors” sagte der Präsident des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), die Gurlitt-Kunstwerke seien die “letzten Gefangenen des Zweiten Weltkriegs”.
Lauder gab außerdem zu verstehen, dass er “mehr als erfreut” sei, wenn das Museum das Erbe antrete – und zwar deshalb, weil es Forschern und Anwälten “die Schweiz öffnen” würde. Die Berner würden so zu einem “Museum für Raubkunst”. Beobachter gehen im Falle einer Übernahme von einer Klagewelle aus, die das Ansehen der Schweiz im Ausland beschädigen könnte. Als öffentliche Institution könne sich das Museum einer Einigung mit den Erben jüdischer Verfolgter über eine angemessene Entschädigung oder eine Rückgabe nicht entziehen.
Im Rahmen eines gemeinsamen Interviews mit Lauder bestätigte die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters, dass derzeit mit dem Kunstmuseum Bern über eine Übernahme der Werke verhandelt werde. Das Museum bekenne sich zu der von dem Kunstsammler zugesicherten Aufarbeitung. Dies schließe auch die Rückgabe zwangsverkaufter, enteigneter und geraubter Kulturgüter von Raubkunst ein. Der Entscheid über den Gurlitt-Nachlass soll am 26. November fallen.
Die Beschlagnahme der Bilder sorgte für mediales Aufsehen
Ende 2013 hatte das Amtsgericht München eine vorläufige Betreuung des damals 79-jährigen Gurlitt angeordnet. Bis zu seinem Ableben wurde er von Christoph Edel, einem Anwalt mit Sitz in München, betreut. Bereits im März 2012 hatte die Staatsanwaltschaft Augsburg sämtliche Kunstwerke, die aus dem Nachlass des Vaters stammten, in einer spektakularen Aktion beschlagnahmt. Bekannt wurde dies jedoch erst am 03. November 2013, als das Nachrichtenmagazin “Focus” einen entsprechenden Bericht veröffentlichte. Vor allem in Deutschland gibt es zahlreiche Rechtsexperten, die die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahme anzweifeln.
Eine mögliche Verhandlungslösung bahnt sich an
Hinter vorgehaltener Hand wird schon seit Langem über eine mögliche Kompromisslösung spekuliert, wonach Kunstwerke mit unklarer Herkunft zunächst in Deutschland bleiben würden. Das Berner Museum würde umgehend den Bestand an moderner Kunst übernehmen, welche Gurlitts Vater in den 1930er Jahren von deutschen Museen ankaufte. Darauf angesprochen sagte Grütters, dass sie den Ergebnissen der Beratungen nicht vorgreifen wolle.