Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03444.jsonl.gz/496

– Policy Brief –
Wirksamkeit von Medikamenten gegen COVID-19
Download Policy Brief PDF
Zusammenfassung
Die Resultate einer wachsenden Zahl von klinischen Studien wirken sich nicht grund-legend auf die Einschätzung der verfügbaren COVID-19-Therapien aus. Dexamethason senkt die Sterblichkeit und bleibt in der Schweiz die Standard-Behandlung für hospitalisierte Personen, die Sauerstoff benötigen. Remdesivir scheint die Dauer des Krankenhausaufenthalts zu verkürzen und ist in bestimmten Situationen indiziert; sein Stellenwert ist jedoch noch nicht eindeutig erwiesen. Diverse Studien zeigen den Nutzen von Tocilizumab dabei, die Sterblichkeitsrate schwerkranker Patientinnen und Patienten zu senken. Zu beachten ist, dass das vorliegende Dokument keine Behandlungsleitlinien darstellt; diese werden von verschiedenen nationalen medizinischen Fachgesellschaften veröffentlicht.
Tausende von klinischen Studien sind bisher durchgeführt worden oder werden derzeit durchgeführt, um die Wirksamkeit Dutzender möglicher Therapien zur Behandlung von COVID-19 zu bestimmen. Die jüngsten Analysen bestätigen die bisherigen Einschätzungen, mit einer neuen Entwicklung bei Tocilizumab. Wir betonen, dass das vorliegende Dokument und der darin zusammengefasste Policy Brief keine Behandlungsleitlinien darstellen. Letztere werden von verschiedenen nationalen medizinischen Fachgesellschaften heraus-gegeben, unter anderem von der Schweizerischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin.
Dexamethason ist in der Schweiz die Standardbehandlung für hospitalisierte Patientinnen und Patienten, die Sauerstoff benötigen. Grosse Studien zeigen, dass die Sterblichkeitsrate im Vergleich zur Standardbehandlung deutlich sinkt, und zwar um schätzungsweise 17% bei stationär behandelten Patienten und sogar um 34% bei kritischen Fällen.
Remdesivir scheint die Dauer der Genesung und des Krankenhausaufenthaltes von Covid-19-Patientinnen und -Patienten zu verkürzen, wirkt sich aber nicht auf die Sterblichkeit aus. Die WHO hat eine bedingte Empfehlung für seinen Einsatz zur Behandlung von Covid-19 ausgesprochen. Dieser dürfte jedoch marginal sein; in der Schweiz wird das Medikament für die Behandlung hospitalisierter Personen nicht routinemässig eingesetzt.
Jüngste Studien zu Tocilizumab zeigen eine signifikante Verringerung der Sterblichkeit, die auf 15% geschätzt wird. Die WHO empfiehlt das Medikament für Patientinnen und Patienten mit Ateminsuffizienz, die auf eine Steroidtherapie wie Dexamethason nicht rasch genug ansprechen.
Weitere Behandlungen waren im Allgemeinen mit keiner deutlichen Verbesserung des Krankheitsverlaufes verbunden, könnten aber, in Abhängigkeit von den Ergebnissen demnächst veröffentlichter Studien, in bestimmten Situationen in Betracht gezogen werden. Gerinnungshemmer haben sich bei schweren Fällen von COVID-19 als nicht wirksam erwiesen, es gibt aber Studien, die auf eine mögliche Wirkung bei leichten Fällen hinweisen. Die Transfusion von Rekonvaleszenzplasma scheint sich nur dann positiv auszuwirken, wenn sie frühzeitig und bei Patientinnen und Patienten mit geschwächten Immunsystem erfolgt.
Monoklonale Antikörper sind nützlich, wenn bereits kurz nach der Diagnose bei besonders gefährdeten Personen von einem schweren Krankheitsverlauf ausgegangen werden muss. Sinnvoll kann die Verschreibung derartiger Biopharmazeutika auch bei stationär behandelten Patienten sein, die noch nicht genügend Zeit hatten, ihre eigenen Abwehrkräfte zu mobilisieren.
Zu beachten ist, dass in der ambulanten Versorgung inhalative Steroide wie Budesonid von Interesse sind und die Dauer der Symptome verkürzen können. Ihr Beitrag dazu, Kranken-hausaufenthalte oder Langzeit-Covid zu verhindern, muss noch bestätigt werden. Schliesslich könnten sich für die Behandlung nichthospitalisierter Covid-Erkankter auch Fluvoxamin, ein bekanntes Antidepressivum, als ein interessantes Präparat erweisen.
Keine signifikative Verbesserung konnten die grossen Studien hinsichtlich folgender Therapien nachweisen: Hydroxychloroquin, Colchicin, Lopinavir/Ritonavir und Beta-Interferon.