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Was ist Endometriose?
Die Endometriose ist eine häufig auftretende gutartige gynäkologische Erkrankung bei Frauen im reproduktiven Alter. Es handelt sich um Zellverbände der Gebärmutterschleimhaut, die sich ausserhalb der Gebärmutter befinden. Insgesamt sind 6 bis 10 Prozent aller Frauen von einer Endometriose betroffen. Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose vergehen im Durchschnitt zehn Jahre.
Häufig befinden sich die sogenannten Endometriose-Herde im unteren Bauch- bzw. Beckenraum, an den Eierstöcken (als Zysten), in den Eileitern und in tieferen Wandschichten der Gebärmutter und am bzw. im Darm.
Welche Symptome gibt es bei Endometriose?
Die Symptomatik hängt zum Teil von der Lokalisation der Endometriose-Herde ab und ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich.
Häufige Symptome sind unter anderem:
- Dysmenorrhoe: Schmerzhafte krampfartige Unterbauchschmerzen während der Periode sowie chronische Bauch- und Rückenschmerzen
- Dyspareunie: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Sterilität: Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben häufiger eine Endometriose (35-50 Prozent). Dies ist einerseits bedingt durch die Beeinträchtigung der Eireifung, durch die reduzierte Beweglichkeit der Eileiter, aber auch durch eine entzündliche Beeinträchtigung der Implantation.
- Blase oder Darmbeschwerden: Sind Blase oder Darm betroffen, kann der Stuhlgang oder das Wasserlassen schmerzhaft oder von einer Blutung begleitet sein.
- Fatigue: Erschöpfung und Müdigkeit im Rahmen des chronischen Krankheitsgeschehens
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Wie entsteht Endometriose?
Die Entstehung der Endometriose ist trotz intensiver Forschung nicht vollständig geklärt. Es gibt eine Reihe von Theorien. Häufig diskutiert, ist die «Implantationstheorie». Sie beschreibt, dass Einwandern von Gebärmutterschleimhautzellen während der Periode durch die Eileiter in die Bauchhöhle. Durch das Fehlen einer immunologischen Reaktion wird diese Schleimhaut nicht abgebaut und setzt sich ausserhalb der Gebärmutter fest.
Welche Ursachen hat Endometriose?
Obwohl die Erkrankung nicht vollständig verstanden ist, existieren einige Risikofaktoren, welche die Entstehung der Endometriose begünstigen. Zu diesen Risikofaktoren gehören: familiäre Belastung, also eine genetische Disposition; andererseits ein früherer Zeitpunkt der ersten Regelblutung, Fehlbildungen der Gebärmutter, die den Abfluss der Menstruation vermindern oder immunologische Erkrankungen, wie Schilddrüsenpathologie. Auch Belastungen in der Kindheit, zum Beispiel Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung können die Ausbildung einer Endometriose begünstigen.
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Warum wird es so spät erkannt?
Da die Symptome häufig unspezifisch sind, lassen sie sich nicht sofort die Endometriose zuordnen. Ausserdem handelt es sich um eine in der Gesellschaft verbreitet Annahme, dass es normal ist, dass eine Regelblutung schmerzhaft ist. Dies ist nicht so. Wer über mehrere Tage Schmerzmittel einnehmen muss oder schmerzbedingt von der Schule/Arbeit fernbleiben muss, sollte unbedingt eine gynäkologische Abklärung machen lassen.
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Wie kann eine späte Diagnose verhindert werden? Was muss geleistet werden?
Frauen mit Endometriose typischen Beschwerden sollten ihren Frauenarzt oder ihre Frauenärztin zu Rate ziehen. Die Beschwerden der Patientinnen sollten ernst genommen und eine ausführliche Anamnese und gynäkologische Untersuchung nach sich ziehen. In der klinischen Untersuchung und im Ultraschall kann bei genügend Erfahrung die Endometriose hochgradig vermutet werden. Die Vermutung ist ausreichend für eine Therapieentscheidung. Die Bauchspiegelung ausschliesslich zur Diagnostik ist obsolet. Wiederholte Operationen sind nach Möglichkeiten zu vermeiden. Im Zweifel sollte die Patientin an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen werden.
Wie wird Endometriose behandelt?
Die Behandlung der Endometriose erfolgt interdisziplinär. Dabei spielen verschiedene Fachdisziplinen wie unter anderem Gynäkologie, Schmerztherapie und Reproduktionsmedizin eine wichtige Rolle.
Das Behandlungskonzept umfasst eine adäquate Therapie der Schmerzen. Oft ist dies durch eine Kombination von Schmerzmitteln und einer hormonellen Therapie zu erreichen. Bei starken Schmerzen oder einer Beeinträchtigung der Darm- oder Blasenfunktion ist eine operative Therapie mittels Buchspiegelung notwendig. Bei Kinderwunsch ist manchmal eine Unterstützung der Eireifung und gegebenenfalls auch eine künstliche Befruchtung notwendig, da die Beweglichkeit der Eileiter bei Frauen mit Endometriose oft durch Verwachsungen beeinträchtigt ist.
Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Aussichten auf langfristige Beschwerdefreiheit und Erhalt der Fruchtbarkeit.
Wie wirkt sich Endometriose auf die Sexualität aus?
Die Sexualität von Frauen mit Endometriose wird durch die Erkrankungs-assoziierten Symptome wie Unterbauchschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr teilweise stark beeinträchtigt. Die Häufigkeit sexueller Störungen liegt bei 30 - 60 Prozent. Sexualität sollte nach Diagnose einer Endometriose thematisiert, und Hilfestellungen zur Gestaltung einer erfüllenden partnerschaftlichen Sexualität sollten angeboten werden. Hierbei ist sowohl eine entsprechende Behandlung der Endometriose als auch eine Sexualtherapeutische Begleitung hilfreich.
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Wie wirkt sich Endometriose auf die Fertilität aus?
Die Hälfte aller Frauen mit Endometriose sind von einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit betroffen. Wie erwähnt gibt es unterschiedliche Faktoren, die sich auf die Fruchtbarkeit auswirken können. Sind in den Eierstöcken Zysten vorhanden, dann können diese das gesunde Eierstockgewebe verdrängen und die Reifung der Eizellen im Eierstock beeinträchtigen. Ausserdem muss davon ausgegangen werden, dass der Gehalt an Eisen und freien radikalen Stoffen in der Nähe von Endometriosezysten erhöht ist. Dies kann sich negativ auf die Eizellreifung auswirken. Die Eileiter sind durch Verwachsungen im Bauch oft in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt. Studien legen nahe, dass eine Endometriose mit entzündlichen Störungen verbunden ist, die durch unterschiedliche Mechanismen zu einem erhöhten Risiko für die Einnistung und damit auch einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten führen könnten.
Frauen mit Endometriose mit Kinderwunsch sollten sich in einem spezialisierten Zentrum vorstellen, sofern innerhalb von 6 - 12 Monaten keine Schwangerschaft eintritt. Sind Endometriosezysten oder Verwachsungen bekannt, sollte die Vorstellung im Kinderwunschzentrum baldmöglichst erfolgen, auch wenn keine Partnerschaft besteht. Es gibt die Möglichkeit, nach einer hormonellen Stimulationsbehandlung Eizellen einzufrieren, mit denen die Chancen zur Erfüllung des Kinderwunsches auch später erhöht werden kann. Diese Therapie ist bei Frauen schwergradiger Endometriose auch vor einer allfällig notwendigen ausgedehnten Operation zu empfehlen. Es braucht in jedem Fall eine individuelle Beratung zur Planung der bestmöglichen Therapie.
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Wie häufig geht Endometriose mit der Gebärmutterentfernung einher?
Bei Patientinnen, die sehr stark durch die Schmerzen und andere Symptome der Endometriose belastet sind, kann nach Abschluss der Familienplanung eine Entfernung der Gebärmutter notwendig werden. Dies ist bei ca. zwölf Prozent der Frauen die bereits eine Bauchspiegelung wegen Endometriose hatten, der Fall.
Die drei Ärztinnen Angela Vidal, Dr. Christiane Wachter und PD Dr. Alexandra Kohl Schwartz haben die Fragen beantwortet. Sie arbeiten auf der Abteilung für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie der Frauenklinik am Luzerner Kantonsspital.
Das Interview wurde schriftlich geführt.