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Tragen wir einen Blütenzweig im Herzen, so wird sich immer wieder ein Singvogel darauf niederlassen.
Ich heisse Philomena Franz und bin in dem romantischen Württemberg aufgewachsen, wo es viele Weinberge und grosse, schattige Wälder gibt.
Mein Grossvater war schon für den König von Württemberg als Hofmusikant tätig. Mit unserer Grossfamilie zogen wir in unserem Wohnwagen durch das Land, und ich erlebte eine schöne Kindheit voller Romantik und mit viel Musik.
Ich war etwa zehn Jahre alt, als meine Familie sich sesshaft machte. Wir besassen ein Haus in einer sehr schönen Umgebung, und ich wuchs dort mit sieben Geschwistern auf.
Mit einundzwanzig Jahren wurde ich nach Auschwitz deportiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahmen wir unsere musikalische Tradition wieder auf. Ich habe dann geheiratet und bin Mutter von fünf Kindern.
1995 wurde mir das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. 1997 nahm ich teil am Symposium „Goethes Begriff der Weltliteratur“ in Weimar, das dazu beitrug, dass Weimar 1999 zur Kulturhauptstadt Europas wurde.
2001 wurde ich von der Europäischen Bewegung Deutschland zur „Frau Europas 2001“ gewählt.
Ich lebe in Bergisch Gladbach bei Köln und halte Vorlesungen an Schulen, Volkshochschulen und Universitäten.
Philomena Franz
Philomena Franz wurde 1922 in einer Sinti-Musikerfamilie geboren. Sie war Sängerin und Tänzerin, trat als Kind schon im Lido in Paris und in der Stuttgarter Liederhalle auf. 1943 wurde sie durch das nationalsozialistische Regime nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte die Konzentrationslager und Arbeitslager Auschwitz-Birkenau, Schlieben, Ravensbrück, Oranienburg und Auschwitz. Nach dem Krieg wurde sie die erste Sinti-Schriftstellerin Deutschlands. Heute lebt sie als Buchautorin in Bergisch Gladbach bei Köln. Für ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit an Schulen, in Kirchen und an Universitäten und für ihr Engagement in der Europäischen Frauenbewegung erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande und den „Prix Femmes d’Europe“.