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Die vorgeschlagene Erbschaftssteuer ist illiberal und Diebstahl am Mittelstand. Liberal sein heisst, Vertragsfreiheit zwischen Personen zuzulassen und das Recht zu schützen, die entstehenden Resultate solcher Verträge selber zu vereinnahmen.
Zwischen 1990 und 2013 haben sich die Bundesausgaben von 31.6 Milliarden auf 63.7 Milliarden Franken, also um mehr als 100%, erhöht. Das reale Wachstum, sprich das Wachstum nach Berücksichtigung der Inflation, betrug rund 75% oder 2.4% pro Jahr. Das Einkommenswachstum pro Kopf der Bevölkerung war indes praktisch null.
Seit einer ganzen Generation verbraucht der Staat also das gesamte Wirtschaftswachstum. Mit einer zusätzlichen Erbschaftssteuer und entsprechendem Staatswachstum würde das Einkommen des Mittelstandes jedes Jahr fallen. Das ist nicht Service Public, das ist Diebstahl.
Zweitens: Deindustrialisierung der Schweiz. Falls Unternehmen oder Landwirtschaftsbetriebe vererbt oder verschenkt werden, so sollen Steuerermässigungen zum Einsatz kommen, wenn diese Firmen zehn Jahre weiter geführt werden. Auf diese Weise soll der Weiterbestand solcher Firmen nicht gefährdet werden, und Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.
Wer Unternehmer ist oder selber eine Firma führt, weiss: In der heutigen Zeit vergeht bei einer modernen Firma kein Jahr, ohne dass nicht etwas verkauft, umstrukturiert oder dazu gekauft wird. Zehn Jahr unverändert bleiben nur technologisch überalterte Betriebe, die ohnehin untergehen werden. Mit der Erbschaftssteuer würden also genau die Erben der erfolgreichen, dynamischen Firmen bestraft, die wir gerne in der Schweiz hätten.
Drittens: Abwanderung von Unternehmern. Unternehmer, die ihr ganzes Leben ihrer Unternehmung gewidmet haben, werden nicht einfach zuschauen, wie der Staat die Weiterführung ihres Unternehmens verhindert. Die Verlegung des Wohnsitzes ist einfach. Man kann ja weiterhin 180 Tage in der Schweiz verbringen; kaum weniger, als wenn man nicht umsiedelt.
Die Erbschaftssteuer würde dazu führen, dass wegen der Abwanderung in der Zukunft nicht nur fast keine Erbschaftssteuer bezahlt würde. Es werden auch sofort deutlich weniger Einkommens- und Vermögenssteuern anfallen. Längerfristig würden diese Unternehmer Firmengründungen auch eher an ihrem neuen Wohnsitz vornehmen als in der Schweiz.
Viertens: Die Erbschaftssteuer schadet der Reorganisation der Altersvorsorge. Vom Ertrag der Erbschaftssteuer würden zwei Drittel an den Ausgleichsfonds der Alters- und Hinterlassenen-Versicherung (AHV) gehen, ein Drittel an die Kantone. Man spricht von zwei oder drei Milliarden Franken pro Jahr, die in den AHV-Fonds fliessen würden.
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Die AHV hat ein ganz anderes Problem als Einnahmen von zwei oder drei Milliarden Franken pro Jahr zu erzielen. Die AHV hat ungedeckte Zusagen für künftige Renten in der Grössenordnung von heute über 1’000 Milliarden Franken (bei einem Bruttoinlandsprodukt von 600 Milliarden Franken pro Jahr). Diese ungedeckten Zusagen nehmen jedes Jahr um mehrere Prozent zu.
Die Erbschaftssteuer würde in der zweiten Säule dazu führen, dass Personen wieder vermehrt eine Rente beziehen und nicht das Kapital, das ebenfalls der Erbschaftssteuer unterläge. Das führt zu einer weiteren Destabilisierung der 2. Säule, die ohnehin aus dem Lot geraten ist.
Lassen wir uns von den Schalmeien-Klängen neuer Steuern, die das Problem der Altersvorsorge nicht lösen, nicht einlullen. Wir müssen über die Bücher und unsere Altersvorsorge reorganisieren.
Fünftens: Wohlstand und internationaler Wettbewerb. Die Schweiz ist ein wunderschönes Land, in dem zu leben sich lohnt. Aber machen wir uns nichts vor: Der Wohlstand ist nicht einfach untrennbar mit der Schweiz verbunden. Wohlstand und Wohlergehen müssen jeden Tag von neuem gesichert werden.
Ohne gute Rahmenbedingungen vor allem für Unternehmer und gut ausgebildete Personen, wird das Volks-einkommen rasch um zwei oder mehr Prozent fallen pro Jahr.
Im Vergleich zu erfolgreichen Ländern, die drei oder mehr Prozent pro Jahr wachsen, macht das schon nach kurzer Zeit einen Riesenunterschied aus, der kaum mehr wettzumachen ist. (Bei gleicher Ausgangslage macht die Differenz schon nach 10 Jahren mehr als 56 Prozentpunkte aus.)
Tragen wir den Rahmenbedingungen Sorge. Das heisst auch, das Wachstum des Staates für die kommenden zehn Jahre deutlich unter das Wirtschaftswachstum zu senken. Eine Erbschaftssteuer wäre Gift für die Schweiz.
Kommentare
Der Artikel ist ein Witz. Volkswirtschaftlich ist die Erbschaftssteuer in allen Fällen der Einkommens- oder anderen Konsumsteuern (wie z.Bsp. MwST) vorzuziehen, vor allem wie wenn hier vorgeschlagen Freibeträge von 2 Mio. für Privatpersonen resp. 50 Mio. für KMUs eingeplant sind.
Ideologisch noch vom Schutz des Mittelstandes zu reden ist eine Frechheit, diese Initiative wäre auf Kosten der obersten 5% gegangen und auf jeden Fall zu einer Umverteilung zu Gunsten des Mittelstandes geführt. Wirtschaftstechnisch ist die Erbschaftssteuer sogar noch effizienter, weil Erbschaften typischerweise nicht in Konsum resultieren, sondern das Vermögen in Immobilien oder andere langfristige Anlagen investiert wird, was wiederum am Mittelstand vorbeigeht.
Es gibt genau einen Grund gegen die Initiative: sie ist reine Symptombekämpfung für die Probleme unserer AHV und wird längerfristig keinen Unterschied machen. Alle anderen Argumente sind ideologische Augenwischereien und gehören in die Mülltonne.
Ich habe diverse Studien mir angeschaut und für mich ist recht klar: aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre eine hohe Erbschaftssteuer kombiniert mit einer kräftigen Gewinnsteuersenkung und Abschaffung des grotesken Eigenmietwerts abgesehen ideologischer Überlegungen das beste! Warum:
70 bis 80% der hohen Vermögen stammen von Unternehmern, restliche von Top Managern, Popstars, Sportlegenden und nicht mehr wirtschaftlich tätigen Erben 2. und 3. Generation.
Familiengeführte Unternehmen sind überdurchschnittlich erfolgreich. Die hohen Gewinnsteuern motivieren fälschlicherweise zur Auszahlung der Gewinne und schwächt die Substanz.
Familiengeführte Unternehmen sind in 2. Generation nur unterdurchschnittlich erfolgreich, zu weit über 70% sind die Nachkommen nicht über längere Zeit erfolgreich (W. Buffet meinte einmal dazu: es ist ja auch Schwachsinn, die Kinder der Olympiasieger zur nächsten Olympiade aufzustellen! )
Familiengeführte Unternehmen in 3. Generation gibt es kaum oder werden spätestens dann gegen die Wand gefahren.
Eine hohe Erbschaftssteuer motiviert, die Firma zu verkaufen statt der nächsten Generation zu übergeben, da ja Cash gebraucht wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die neuen Firmenkäufer erfolgreicher und schaffen mehr Arbeitsplätze als die direkten Nachfolger.
Man stelle sich vor Hirschmann Senior hätte die Firma nicht frühzeitig verkauft sondern dem Junior übergeben! Statt ein paar privater Eskapaden wären 1000e Arbeitsplätze verloren gegangen!
An alle, die glauben 2 Mio seien schwer zu erreichen – bis ins Pensionsalter äufnet sich auch das Kapital der Vorsorgekapitalien. Rechnet doch mal im Schnitt dafür 1 Mio dazu, wenn die PK einigermassen stimmt – und schon hört ihr auf zu jubeln und die neue Steuer zu loben. Und… ja auch die PK Gelder wurden oder werden einmal besteuert, je nach dem wann und wie man sie bezieht.
seit wann hat der Mittelstand CHF 2 Mio Vermögen??
Nun, dass diese 5 Punkte rein ideologisch gefärbt sind, zeigt schon die Nummer eins: wer 2 Millionen vererben kann, gehört zum Mittelatand. Bravo!
Dann trifft’s ja nicht viele und kann problemlos umgesetzt werden, oder?
Ausserdem verschwinden föderalistische Erbschaftssteuern, welche teilweise schon bei einem Erbe von 10’000 Franken (1/20 der zur Diskussion stehenden Summe) greifen.
Das Schweizer Stimmvolk soll sich kein X für win U vormachen lassen und sich nicht wieder von der Geldaristokratie blenden und einschüchtern lassen!
Wer weniger als 2’000’000 Franken (ver)erben kann, kann und darf und soll gerne JA stimmen! Für mehr soziale Gerechtigkeit, gegen die Interessen einer schamlosen Geldscheffel-Clique und ihre Lobbyisten im Parlament!
In diesem Artikel werden einem Halbwahrheiten und Widersprüche in Serie vor die Füsse geworfen:
– Wer der Mittelschicht angehört, erbt nicht automatisch über 2 Millionen Franken (Beträge darüber würden besteuert).
– Eine Firma wird nicht der Erbschaftsteuer unterstellt, weil sie was dazukauft.
– Leistungen aus der 2. Säule, die verbraucht werden, werden nicht der Erbschaftsteuer unterstellt, auch wenn sie als Kapital bezogen werden. Unverbrauchte Leistungen könnten immer besteuert werden (auch angesparte Renten). Die Bezugsart (Rente oder Kapital) ist bezüglich Erbschaftsteuer vollkommen wurscht. Abgesehen davon sind beide Bezugsarten auch gleichzeitig (gemischt) möglich.
– Der Kapitalbezug würde die 2. Säule entlasten, da die Umwandlungssätze für Renten gegenwärtig bekanntlich zu hoch sind. Das würde keinesfalls zur „weiteren Destabilisierung der 2. Säule“, wie behauptet wird, sondern zu einer Verbesserung der Situation.
– Ich glaube kaum, dass die Mittelschicht nur 180 Tage in der Schweiz wohnt, wie suggeriert wird und deshalb den Wohnsitz ins Ausland in die Zweitliegenschaft (die man ja einfach so hat) verlegt.
– Weil die AHV grosse Finanzierungsprobleme hat, ist der Schluss dass sie deshalb keine (nur) einstelligen Milliardenbeträge entgegennehmen soll („Die AHV hat ganz andere Probleme …“) absurd.
– usw.
Wir haben genug Steuern!
Laufend neue Steuern und Abgaben (ua. Billag) zu erfinden mag für Politiker und Staatsangestellte, resp. für Profiteure von Staatsausgaben, interessant sein.
Für jeden arbeitenden Bürger sind die heutigen Steuern und Abgaben bereits ein Ärgernis und eine Bestrafung der Tüchtigen.
Es muss endlich Schluss sein mit dem erfinden von Staatsaufgaben und der Verschiebung von Kantons- und Gemeinde-Aufgaben/Zuständigkeiten auf die Bundesebene.
Wie im Artikel erwähnt, ist die AHV ein riesiges „Ponzi Scheme“, die 2. Säule kommt ins gleiche Fahrwasser.
Die Gesundheitskosten laufen aus dem Ruder, ohne Aussicht auf Besserung.
Die Ausbildungsqualität lässt sehr zu wünschen übrig, verschlingt aber Unsummen!
Wir müssen endlich den Mut haben, Prioritäten zu setzen.
Allen Leuten Recht getan ist eine Kunst die niemand kann!
Aber die Politiker lügen weiterhin das Blaue vom Himmel herunter und tun so, als hätten sie Lösungen bereit.
Dem Volk bleibt nur eines: Ein kompromissloses NEIN zu jeder neuen Steuer/Abgabe.
Erbschaftssteuer im Kombinat mit der bestehenden Vermögenssteuer?
ein Rohrkrepierer!
die Vorlage hätte gar nicht zur Volksabstimmung gebracht werden dürfen, da sie in gravierender Weise gegen das Gebot der Rechtsgleichheit verstösst und Mehrfachbesteuerung gleicher Tatbestände exponentiell zulässt!
Es genügt, wenn schon heute die gleiche Ursprungstransaktion mehrfach besteuert wird!
Geschädigt wird einmal mehr der Mittelstand, der es sich nicht leisten kann, durch Holding- und andere Konstruktionen (z.B. Stiftungen) der drohenden Steuerlast zu entgehen.
Im übrigen:
http://dievolkswirtschaft.ch/de/2014/03/marty-3/
Wie kann man nur behaupten, der Mittelstand werde durch eine Erbschaftssteuer geschädigt ? Hallo, was ist mit ganz simplem rechnen ? Wir – Familie mit 2 schulpflichten Kindern – steuerbares Einkommen von gut 200 kCHF / Eigentumswohnung für 1.8 Mio sind wohl Mittelschicht und LOGISCH stimme ich für die Erbschaftssteuer, das ist die gerechteste Steuer überhaupt. Und das Argument mit der Mehrfachbesteuerung ist doch schlicht ein Witz, aber zieht wohl bei Leuten die keine Ahnung haben.
@ Leo Huwiler
Wenn es für Sie so LOGISCH ist, dann bringen Sie doch die Argumente, weshalb es die gerechteste Steuer ist. Rechnen Sie Ihre simplen Zahlen vor.
Nur mit Herumbellen wurde noch keine Schlacht gewonnen; höchstens am Stammtisch!
Also: Ihre Argumente bitte!
@ Steuerzahler: Sie wollen eine Berechnung? Bitte: Wer sich den Freibetrag von 2 Mio. ersparen möchte, muss ab seinem 25. Lebensjahr ca. CHF 50’000.- auf die Seite legen – und das nach allen Abzügen die es zu tätigen gilt. Und selbst dann könnte man das ganze angesparte Vermögen steuerfrei vererben. Möchten sie mir also tatsächlich verklickern, dass der gesamte Mittelstand ein solches Vermögen ansparen kann?
@ Lucas Tschan
Ihr Denkansatz ist unrealistisch: Entweder Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer aber nicht beides kumulativ.
Zudem: Sie gehen von einem linearen Ansparen aus. Der Lebensarbeitszyklus erstreckt sich über 40 Jahre und der Einkommensstrom lässt sich nicht einfach als Trendextrapolation darstellen.
Gehen Sie von einem Lebensarbeitseinkommen aus: Die Hauptansparphase ist ab 55 Jahre im Durchschnitt wesentlich höher als vorher, z.B. wegen höherem Einkommen und geringeren familiären Ausgaben. In dieser Phase (ab 55) kommt zudem der sog. Zinseszinseffekt (gegenwärtig zwar klein) aufgrund der grösseren Beträge zum Tragen. Wer zudem sein Vorsorgekapital (anstatt Rente) bezieht und ein Wohneigentum hat, das ebenfalls im Wert gestiegen ist und noch von seinen Eltern etwas erbt (ich spreche immer von Erwerbstätigen ab 55) hat – so er früh verstirbt – einiges zu vererben.
Kommen wir doch auf den Punkt: Ihnen und vielen andern Befürwortern geht es darum, dass jeder sein Vermögen selbst erarbeiten sollte und wer in ein „gemachtes Nest“ sitzt, soll etwas dafür bezahlen.
Ok, dann aber muss die Vermögenssteuer verschwinden.
Dabei handelt es sich unter allen Titeln um selbst erarbeitetes Vermögen im Rahmen der individuellen Lebensarbeitszeit. Dass reine Lohnempfänger mit der Vermögenssteuer auf keinen grünen Zweig kommen ist einfach nachzuvollziehen.
So, und jetzt können Sie Ihre Modellrechnung anpassen und schauen was bei diesen kumulativen Steuern (Vermögenssteuer + Erbschaftssteuer) – auch für den Mittelstand – rauskommt.
Daher: setzen Sie Ihre nächste Initiative so an, dass die Vermögenssteuern abgeschafft werden!
Schon bedenklich was Herr Janssen fuer einen Quatsch schreibt, da staune ich nur, wie er zu einer Professur gekommen ist, das sind einfach ein paar populistische Statements aber sachlich belanglos. Die Mittelschicht tangiert die Erbschaftsteuer nicht und Bezuege der PK werden vom buergerlichen Parlament inabsehbarer Zeit sowieso eingeschraenkt werden. Einer liberalen Position entspricht es auch ueberhaupt nicht, dass man ohne jegliche Leistung einfach Geld erhaelt, das in aller Regel sowieso aus Kapitalgewinnen besteht. Man muss die Steuern auf Arbeit tief halten und nicht ein Feudalsystem staerken umsomehr als aufgrund der Technologisierung / Automatisierung die Arbeitnehmer kuenftig weiter unter Druck kommen werden. Geradedie Mittelschicht profitiert von einem guten Steuersystem mit einer Erbschaftssteuer !
Typischer Fehler der Partialbetrachtung: wenn die „Mittelschicht“ oder wer auch immer, nicht durch einen direkten Zahlungsstrom betroffen ist, sind in jeder praktischen Analyse mögliche Zweit- und Drittrundeneffekte in Betracht zu ziehen.