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Skialpinismuswettkämpfe 2000: die Saison der Jungen.
Mit der Patrouille des Glaciers am 6. Mai ging die Skialpinismus-Saison zu Ende. Und mit den Finals des Schweizer Cup und des Europacup in Bivio ( GR ) fanden bereits am 16. April die unter der Ägide des SAC durchgeführten Wettbewerbe ihren Abschluss. Eine Bilanz.
Im Vergleich zum Vorjahr erwies sich der vergangene Winter wettermässig als viel weniger problematisch. Fast alle Rennen konnten bei guten, meistens sogar bei ausgezeichneten Bedingungen durchgeführt werden. Resultat: Die Beteiligung war bis zuletzt sehr hoch. Die Saison 2000 bildete aber auch einen Prüfstein für die Jungen, die erstmals am Europacup teilnahmen. Die Athleten der andern Alterskategorien erlebten wegen zahlreicher Verletzungen und den individuell unterschiedlichen Zielsetzungen schwierige internationale Einsätze.
Im nachfolgenden Interview äussern sich Raphy Frossard, Chef Technik und Nationaltrainer, und Romain Ducret, Verantwortlicher für die jungen Wettkämpfer, zu Entwicklungen und Trends.
ALPEN: Sie erhofften sich einen Schweizer Cup mit stärkerer Beteiligung. Hat sich diese Hoffnung erfüllt?
Raphy Frossard: Sie hat sich in der Tat erfüllt. Die Patrouille des Glaciers ( PDG ) animiert die Läufer zum Training. Schade nur, dass die meisten nur alle zwei Jahre ein Rennen bestreiten und nicht den Wunsch haben, andere Rennen, andere Regionen, andere Berge kennen zu lernen!
Nein. Man muss sehen, dass es vor allem im Zentralwallis mit seiner Tradition der Dreierteams starken Widerstand gegen Zweierteams gibt. Viele Teams nehmen auch nur an den Rennen in dieser Region teil. Neben der Patrouille des Glaciers und dem Trofeo Mezzalama (I), den beiden traditionsreichen Rennen, gibt es nur noch zwei Wettkämpfe, die aber nicht auf dieser Tradition aufbauen. Was letztlich zählt, ist die Freude an den Bergen in Verbindung mit dem Wettkampf.
Nein, überhaupt nicht. Die PDG, die auch ich einmal gewonnen habe, ist das Rennen, von dem alle träumen, sie ist ein Mythos. Aber sie ist weit weg vom heutigen Skialpinismus. Der Schweizer Cup und die Schweizer Meisterschaft im nächsten Jahr dürften auch Gelegenheit bieten, Neuentdeckungen zu machen. Die Jungen jedenfalls sind daran sehr interessiert.
Zu den Ski: Es ist eine Frage der sportlichen Fairness, wenn alle mit den gleichen Ski unterwegs sind. Im Übrigen ist der breite Ski äusserst leicht und sehr sicher. Die Hexenbesentechnik führt in bestimmten Schneearten zu sehr tiefen Spuren und einer gewaltigen Schneewolke, was diejenigen behindert und gefährdet, die dahinter abfahren. Schliesslich geht es auch um eine Anpassung an die Gepflogenheiten unserer Nachbarn. Ein Sport entwickelt sich nur dann weiter, wenn die Regeln überall gleich sind.
Ja, wir haben das Potenzial, und wir arbeiten an einer Verbesserung. Das Swiss Team verfügt aber noch nicht über die gleiche internationale Erfahrung wie seine Konkurrenten. Wir stehen etwa auf dem Niveau der Slowaken. Weit vor uns liegen Italien und Frankreich. Italien wird sehr schwer einzuholen sein.
Ja, auch wenn nicht alle Resultate meine Erwartungen erfüllt haben. In Bormio zum Beispiel hatten wir niemanden unter den ersten zehn, ebenso wenig an der Pierra Menta (F). Man muss allerdings auch festhalten, dass an diesen beiden Rennen die wirklich stärksten Mannschaften teilnahmen, vor allem in Bormio. Wir wurden aber nie deklassiert. Zudem haben wir junge Wettkämpfer, die grosse Qualitäten an den Tag legten.
Heute ja, aber die Entwicklung geht so rasch vor sich, dass alles möglich ist. Für uns ist wichtig, dass wir die Gelegenheit nicht verpassen. Im Moment mag es zwar so erscheinen, dass die ISMC noch zu wenig Gewicht hat, um solche Ziele anzuvisieren.
Romain Ducret: Ja, sehr. Wir hatten zwar keine eigentliche Nationalmannschaft, aber wir konnten mit sehr guten Wettkämpferinnen und Wettkämpfern teilnehmen. Jedes Mal war die Begeisterung der Teilnehmenden total, und die Kontakte mit den Teams aus dem Ausland waren sehr fruchtbar.
Die Resultate - mehrere Plätze auf dem Podium - waren gut, sogar sehr gut. Das ist aber gar nicht das Wichtigste. Unsere Jungen müssen lernen und gleichzeitig Spass haben. Im Skialpinismus sind Spitzenwettkämpfer unter 27 Jahre eine seltene Spezies. Lassen wir sie unter unserer Führung in ihrem Rhythmus reifen.
Nein, denn es gibt ja nur wenige Rennen - in diesem Jahr waren es drei - und die Routen sind speziell für die Jungen angelegt. Zudem werden sie von älteren Läufern betreut.
Noch nicht alle. In gewissen Regionen suchen wir noch Leiter. Unsere Erfahrungen zeigen ausserdem, dass wir präsenter sein und den Jungen regelmässige Trainings in ihren Regionen anbieten müssen.
Wir müssen sie in den Rennen ihrer Region ausfindig machen, vor allem bei den Nachtrennen auf der Piste. Dann müssen wir sie darüber informieren, was der SAC macht und wo sie uns finden. Es gibt immer eine Sektion in der Nähe.
Nein, denn die Strecken sind heute auf deren Fähigkeiten zugeschnitten. Das gilt sowohl für die Rennen im Ausland als auch in der Schweiz; die Höhendifferenz ist überall auf 1200 m begrenzt.
Wir sehen auf jeden Fall Potenzial, das sich entwickeln lässt. Aber wie bei allen Aktivitäten des SAC gilt auch hier unser Hauptaugenmerk dem Bergerlebnis. Man soll die Berge kennen lernen, dabei Spass haben und wissen, wie man sich darin sicher bewegt. Der Wettkampf kommt erst in zweiter Linie. Er ist gleichsam die «Nidle» auf dem Kuchen!