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1979 wandte sich ein dänischer Hersteller von Haushaltsgeräten, Landmaschinen und Hydraulikkränen dem Bau von Windkraftanlagen zu. Vierzig Jahre später hatte er mehr als 66 000 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 100 Gigawatt in über 80 Ländern auf fünf Kontinenten installiert – genug, um 83 Millionen Glühbirnen zum Leuchten zu bringen. 1)
Es besteht ein grosser Unterschied zwischen Unternehmen mit guten Umweltschutzmassnahmen und Unternehmen, die Lösungen für Umweltprobleme anbieten. Vestas2 hätte sich die letzten vierzig Jahre auf die Herstellung der energieeffizientesten Haushaltsgeräte, Landmaschinen und Hydraulikkräne konzentrieren können. Das Unternehmen hätte seine Produktionsprozesse verfeinern können, um den Verbrauch von Kunststoffen zu minimieren und Abwasser wiederaufzubereiten. Und es hätte eine solide Kultur aus guten Arbeitspraktiken, Gesundheitsschutz und Sicherheit sowie klare Strategien und Massnahmen für alles von Verletzungen am Arbeitsplatz bis zur Offenlegung von Missständen fördern können. Doch es war die Entscheidung, bei der Lösung eines Umweltproblems mitzuwirken, die dazu führte, dass Vestas eine so bedeutende, positive Rolle im Kampf gegen den Klimawandel hatte.
Probleme wie der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität lassen sich nicht im Labor lösen. Sie werden vielmehr von Unternehmen gelöst, die neue Technologien und Innovationen aufgreifen, diese kommerzialisieren und dann in grossem Massstab einsetzen. Es handelt sich um einen Prozess. Nehmen wir beispielsweise Wasserstoff. Technologien wie die Elektrolyse zur Wasserstoffproduktion und Brennstoffzellen gibt es schon seit Jahrzehnten – das erste Fahrzeug mit Wasserstoff-Brennstoffzellen wurde 1966 entwickelt3 –, aber erst jetzt werden diese Technologien kommerziell genutzt und als Mittel zur Dekarbonisierung von Industrie- und Transportprozessen eingesetzt.
Es braucht Unternehmen, die als Pioniere den Weg weisen. Unternehmen mit den richtigen Fähigkeiten, der richtigen wissenschaftlichen Herangehensweise und den richtigen Partnern. Diese Unternehmen machen aus einem Konzept ein Produkt, sie machen aus der Theorie eine umsetzbare Praxis. Schon bald ziehen andere Unternehmen nach. Daraus entwickeln sich Branchen. Und schliesslich passen sich angrenzende Branchen an und übernehmen die Produkte, bis sie nahezu allgegenwärtig sind.
Im November kommen die Staats- und Regierungschefs der Welt in Glasgow zur UN-Klimakonferenz (COP 26) zusammen, um sich auf zwei Hauptziele zu einigen: die Einhaltung der globalen Null-Grad-Grenze bis zur Mitte des Jahrhunderts, die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad sowie Anpassungen zum Schutz von Gemeinschaften und natürlichen Lebensräumen. Wenn wir diese Ziele erreichen wollen, brauchen wir mehr Unternehmen wie Vestas. Mittlerweile ist die Lage jedoch so, dass wir es uns nicht leisten können, die vierzig Jahre zu warten, die Vestas gebraucht hat, um vom Waschmaschinenhersteller zum Windkraftriesen zu werden.
Wenn wir eine Chance haben wollen, die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, müssen wir viel, viel mehr Unternehmen dieser Art finden und ihr Wachstum ankurbeln, indem wir ihnen Zugang zu dem von ihnen benötigten Kapital verschaffen. Ausserdem müssen wir die Zusammenarbeit fördern und sicherstellen, dass sich die gesamte Wertschöpfungskette in der gleichen Geschwindigkeit fortbewegt. Um beim Beispiel Wasserstoff zu bleiben: Wir müssen sicherstellen, dass sich die Wasserstoffversorgung, die Brennstoffzellenherstellung, die Fahrzeugproduktion und die Tankstellennetze im Gleichschritt entwickeln.
Noch besteht Hoffnung. Anfang dieses Jahres startete ein Joint Venture zwischen einem koreanischen LKW-Hersteller und einem Schweizer Energieunternehmen ein Pilotprojekt mit 46 wasserstoffbetriebenen LKW, bei dem 25 Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Vertrieb und Bestellabwicklung für Supermärkte zusammenarbeiteten. In nur elf Monaten legte die Flotte, deren LKW an Tankstellen im ganzen Land betankt wurden, über eine Million Kilometer zurück und sparte dabei über 630 Tonnen CO2 ein.4 Dieses lobenswerte Unterfangen zeigt, was möglich ist – doch ein Vergleich mit den mehr als drei Billiarden Tonnenkilometern, die allein von Lastwagen in den USA jedes Jahr5 zurückgelegt werden, zeigt deutlich, dass noch ein langer Weg vor uns liegt.
3) Quelle: GM Heritage Center
4) Quelle: Hyundai.com am 02.07.2021
5) Quelle: US Bureau of Transport Statistics, LKW-Tonnenmeilen 2018 (umgerechnet in Kilometer)
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