Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03383.jsonl.gz/3084

Die Erzählerin sucht ihre Wurzeln, denn ihrer "Mutterzunge" Türkisch ist sie durch viele Jahre in Berlin entfremdet. Sie verliebt sich in den arabischen Schriftgelehrten Ibni Abdullah, der sie in die Sprache der "heiligen" Liebe, die Sprache des Korans, einführt. Mittels der "Grossvaterzunge" Arabisch, das vor Atatürks Reformen in der Türkei gesprochen und geschrieben wurde, gelingt ihr eine Rekonstruktion ihrer Herkunft. Emine Sevgi Özdamar erzählt begleitend das Märchen vom Bauern, der aus seinem armen, aber überschaubaren Dorf ins ferne Deutschland gelangt - aus dem türkischen Märchen wird bundesdeutsche Realität, aus dem Bauern ein Strassenkehrer. Ein bäuerliches Volk verwandelt sich in die Dienstbotenkaste westdeutscher Grossstädte. Zuletzt sinkt sogar Ophelia von der Bühne ihres Heimatlandes zur Putzfrau eines deutschen Theaters hinab. Ein feines, kluges, souveränes Buch - es ist unmöglich, sich dem Zauber von Emine Sevgi Özdamars Sprache und ihrer koboldhaften Ironie, die keinen ungeschoren lässt, zu entziehen.
Portrait
Die 1946 in Malatya, Türkei, geborene Emine Sevgi Özdamar ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin. Für ihr Werk erhielt sie viele Auszeichnungen, so den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Walter-Hasenclever-Preis, den Adelbert-von-Chamisso-Preis und den Kleist-Preis. Emine Sevgi Özdamar lebt in Berlin.