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In der letzten Ausgabe von «Schlag den Raab» hatte Stefan Raab gestern seinen letzten grossen Auftritt. Wir zeigen dir, warum der 49-Jährige einer der besten Entertainer der deutschen TV-Landschaft war.
Stefan Raab absolvierte eine Lehre als Metzger und produzierte später Werbejingles. Nachdem er dem Sender Viva Programmjingles vorgeschlagen hatte, wurde ihm die Moderation der Sendung «Vivasion» angeboten. Während der Fussball-WM 1994 kam da sein erster Chart-Hit zustande: «Böörti Böörti Vogts», eine Hommage an den deutschen Bundestrainer. 1995 folgte das Cover von «Ein Bett im Kornfeld» mit Bürger Lars Dietrich und Jürgen Drews. 1996 interpretierte und komponierte er den Song «Hier kommt die Maus» zum 25. Geburtstag der «Sendung mit der Maus». Es folgten Radiosendungen beim WDR und der Gewinn des Echos als bester Produzent.
1998 produzierte Stefan Raab «Guildo hat euch lieb» von Guildo Horn. Dieser trat damals beim Eurovision Song Contest in Birmingham an und sorgte für einen der skurilsten Eurovision-Auftritte aller Zeiten. Mit den «Nussecken mit Himbeereis» reichte es für den siebten Platz.
1999 wurde der Startpunkt gelegt für Stefan Raabs Zusammenarbeit mit ProSieben. «TV total» ging an den Start und wurde zu einer, wenn nicht der erfolgreichsten Latenight-Shows der deutschen TV-Landschaft. Vorerst wurde «TV total» nur einmal wöchentlich, aufgrund des Erfolges ab 2011 dann viermal in der Woche – von Montag bis Donnerstag – ausgetrahlt. Auch Songs kamen in dieser Zeit nicht zu kurz: Unvergessen bleibt das von Raab produzierte «Ö La Palöma» der «Ö La Palöma Boys» und natürlich sein «Maschendrahtzaun», welches er mit Schnippseln aus der Gerichtsshow «Richterin Barbara Salesch» produzierte und somit dreifach den Goldstatus ereichte. Am letzten Donnerstag wurde «TV total» zum letzten Mal ausgestrahlt.
Nach dem erfolgreichen Abschneiden beim Song Contest 1998 wollte es Stefan Raab in Stockholm gleich selber versuchen: Mit «Wadde Hadde Dudde Da?» ging er zum zweiten Mal für Deutschland ins Rennen und sorgte (wieder) für einen der buntesten Auftritte der ESC-Geschichte. Damit schaffte er es auf den fünften Rang und bekam die Höchstpunktzahl (12 Punkte) von Spanien, Österreich und der Schweiz. In der Hitparade schaffte es der Song in der Schweiz auf Platz 33, in Österreich Platz 34 und in Deutschland auf den zweiten Platz. Die Geschichte hinter dem Lied ist witzig: Stefan Raab hat auf einem Spaziergang eine ältere Frau angetroffen, die ihren Hund auf dem Schoss hatte und etwas an seiner Schnauze fand. Darauf fragte sie den Hund: «Wadde hadde dudde da?». Und so entstand der einzige Eurovisions-Hit, den Stefan Raab selbst auf der Bühne präsentierte.
In einer spektakulären TV-Show, welche 7,65 Millionen Zuschauer in Deutschland vor den Fernsehgeräten verfolgten, boxte Stefan Raab gegen die damals amtierende Weltmeisterin im Juniorfliegengewicht Regina Halmich. Stefan Raab hatte natürlich wenig Chance, er brach sich sogar die Nase. Im Jahr 2007 wollte Raab die Revanche und boxte vor 19'500 Zuschauern in der Kölnarena erneut gegen Halmich. Aber auch dieses Mal hatte der Entertainer keine Chance und verlor gegen die Boxerin. Diesmal aber ohne gebrochene Nase.
Raab produzierte mit Prosieben immer wieder neue Fernsehformate. So startete seine Sportreihe 2003 mit der Wok-WM, die aus einer verlorenen Wette bei «Wetten Dass..?» mit Thomas Gottschalk entstand. Stefan Raab musste damals in einem Wok eine Bobbahn runterfahren. «Warum nicht eine jährliche Weltmeisterschaft veranstalten?», dachte er sich und erschuf die Wok-WM. Es folgten weiter sportliche Sendungen mit Promis: Das «TV total Turmspringen», die «Stock Car Crash Challenge», die «Autoball-WM» und regelmässige Poker-Nächte.
Casting-Shows wurden schon immer belächelt, doch Stefan Raab hatte den Dreh raus. Mit «SSDSGPS», was soviel heisst wie «Stefan sucht den super Grand-Prix-Star», sorgte er ab Ende 2003 für einen erneuten Quotenschlager. In wöchentlichen Sendungen, die auf dem Sendeplatz von «TV total» stattfanden, wurde ein deutscher Vertreter für den Eurovision Song Contest gesucht. In der Jury sassen Thomas Anders und Joy Fleming. Max Mutzke aus Waldshut-Tiengen (gleich an der Schweizer Grenze) gewann diesen Wettbewerb und durfte zum deutschen Vorentscheid. Auch dieser wurde von ihm gewonnen und somit durfte er nach Istanbul zum ESC 2004. Dort belegte er mit «Can't wait until tonight» den achten Platz.
Der TV-Entertainer scheint sehr angetan zu sein von der grössten Musiksendung der Welt. Anders lässt es sich nicht erklären, wieso er sechs Mal mitgewirkt hat und auch eine rein deutsche Edition davon auf die Bildschirme brachte: den Bundesvision Song Contest. Die 16 deutschen Bundesländer traten dort in einer Abendshow gegeneinander an. Viele bekannte Namen haben den Wettbewerb schon gewonnen: Seed, Peter Fox (Bild) und Unheilig sind nur drei davon. Seit 2005 findet der Contest jedes Jahr statt.
Jeder, der sich über die Länge von «Wetten dass..?» beschwerte, durfte Schlag den Raab nicht schauen. Eine der längsten Unterhaltungssendungen des deutschen Fernsehens ging erstmals 2006 auf Sendung. Fünf Kandidaten werden zu Beginn der Sendung vorgestellt, mittels Televoting wird entschieden, wer gegen Raab antreten darf. Das Spielprinzip ist einfach: Wer das erste Spiel gewinnt, bekommt einen Punkt. Beim zweiten Spiel können zwei Punkte gewonnen werden, beim dritten drei und so weiter. Das Ziel ist, die Hälfte der Punkte, also mindestens 61 Punkte zu erreichen. Maximal gibt es 15 Spiele. Dies kann zu einer sehr langen Sendezeit führen: Am 15. November 2014 dauerte die Sendung rekordverdächtige 6 Stunden und 11 Minuten. Der Kandidat gewinnt bei einem Sieg mindestens 500'000 Euro, bei einer Niederlage landet das Geld im nächsten Jackpot. Das Konzept der Sendung wurde unter anderem im Vereinigten Königreich, in Schweden, Australien, Serbien und Frankreich adaptiert. Gestern, am 19. Dezember 2015, wurde die Sendung zum letzten Mal ausgestrahlt.
Nachdem der DSDS-Kandidat Max Buskohl nach seinem Ausstieg in der Casting-Show aus vertraglichen Gründen nicht bei ProSieben auftreten durfte, erschuf Raab die Casting-Show «Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf», kurz: «SSDSDSSWEMUGABRTLAD». Stefanie Heinzmann aus Eyholz in der Schweiz gewann dieses Format und sicherte sich mit «My Man is a Mean Man» den dritten Platz in den deutschen Charts, den 6. Platz in den österreichischen Charts und den ersten Platz in der Schweizer Hitparade. Zudem gewann sie einen Echo als «Beste Künstlerin National Rock/Pop»
Im Jahr 2010 hiess es für Deutschland: «Wir sind Lena!» Nachdem Stefan Raab es schaffte, mit «Unser Star für Oslo» eine gemeinsame Sendung von einem öffentlich-rechtlichen Sender (ARD) und einem Privatsender (ProSieben) auf die Beine zu stellen, war der Eurovision-Star geboren: Lena Meyer-Landrut. In Oslo gewann sie mit «Satellite» zum zweiten Mal den Grand Prix für Deutschland (1982 gewann Nicole mit «Ein bisschen Frieden»). Somit durfte Deutschland 2011 den ESC im Heimatland aufführen. Natürlich war auch Raab damals nicht unbeteiligt: zum einen trat Lena für die Titelverteidigung an und sicherte sich den 10. Platz, zum anderen moderierte Raab die Sendung an der Seite von Anke Engelke und Judith Raakers und sorgte für das wohl spektakulärste ESC-Opening aller Zeiten: