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Wie in den Monaten davor zeigte sich auch der Oktober lange Zeit zu trocken und zu warm. Dieses schon fast zur Gewohnheit gewordene Wetter wurde dann aber gegen Monatsende von einer anhaltenden, feuchten Südstaulage beendet. Diese brachte nicht nur dem Süden, sondern auch den nördlich daran angrenzenden Gebieten teils aussergewöhnlich grosse Regenmengen und viel Schnee (vgl. Bildstrecke). In dieser Situation wurden tägliche Lawinenbulletins herausgegeben und am Monatsende gebietsweise vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt.
Der nasskalte Start in den Oktober war von kurzer Dauer (Abbildung 1). Danach war es wochenlang mild und oft sonnig. Zum Monatsende brachte eine anhaltende Südstaulage dem Süden aussergewöhnlich ergiebige Niederschläge und in der Höhe und im Norden Schnee.
Am Montag, 01.10. war es stark bewölkt mit Niederschlag. Insgesamt fielen vom Sonntagabend, 30.09. bis Dienstagmorgen, 02.10. folgende Niederschlagsmengen:
Die Schneefallgrenze sank im Norden von 2400 m bis auf rund 1400 m. Oberhalb von 2800 m entsprach 1 mm Regen in etwa 1 cm trockenem Neuschnee (Abbildungen 2 und 3). Dieser fiel verbreitet auf den aperen Boden. Am Ende eines heissen und trockenen Sommers (siehe „Wochenbericht“ September) lag davor lediglich an steilen Nordflanken im Hochgebirge noch etwas Altschnee.
Am Dienstag 02.10. war es im Norden teils bewölkt, am Mittwoch, 03.10. im Nordosten bedeckt. Sonst war es bis am Freitag, 05.10. meist sonnig und bald wieder warm mit einer Nullgradgrenze gegen 4000 m. Nach zwei teils bewölkten Tagen war es am Montag und Dienstag, 08./09.10. in den Bergen wiederum sonnig und trotz Bise sehr mild.
Von Mittwoch, 10. bis Dienstag, 16.10. folgten sich zwei Phasen mit Südföhn, während denen es im Norden meist sonnig und warm blieb. Im Süden fiel während der ersten Phase, von Mittwoch 10. bis Donnerstag, 11.10. vom Simplon Gebiet bis in das nordwestliche Tessin 30 bis 50 cm Niederschlag. Mit der warmen Luft fielen nennenswerte Schneemengen aber auch dort nur oberhalb von 2600 bis 3000 m (Abbildung 4). Nach zwei meist sonnigen Tagen brachte die zweite Föhnphase dem Süden am Montag, 15.10. wiederum Staubewölkung, aber dieses Mal nur unbedeutende Niederschläge.
In der Folge reihte sich bis am Dienstag, 23.10. ein goldener Herbsttag an den andern (Abbildung 5). Am Mittwoch, 24.10. fiel im Norden wenig Niederschlag. Im Süden war es dank Nordföhn nicht nur warm, sondern heiss. Mit 30.5 °C in Locarno mass MeteoSchweiz zum ersten Mal einen Hitzetag im Oktober – und das erst noch gegen Ende Monat (siehe Blog von MeteoSchweiz). Mit dem Föhn kühlte es auch in der Nacht nur wenig ab, so dass gebietsweise eine Tropennacht gemessen wurde. Am Donnerstag, 25.10. war es in der ganzen Schweiz sonnig und warm, am Freitag, 26.10. im Norden nochmals.
Von Samstag, 27.10. bis zum Monatsende brachte eine anhaltende Südströmung ungewöhnlich grosse Niederschläge. Diese betrafen nicht nur den Süden, sondern griffen zu Beginn auch weit nach Norden über.
Bereits am Samstag fiel verbreitet Niederschlag, oberhalb von rund 2400 m im Süden bzw. 1200 bis 1800 m im Norden als Schnee. In der Nacht auf Sonntag, 28.10. waren die Niederschläge im Süden, aber auch in den nördlich angrenzenden Regionen vom Gotthardgebiet bis nach Graubünden sehr intensiv (Abbildung 6). Im Norden sank die Schneefallgrenze vorübergehend unter 1000 m. Besonders in Graubünden waren die Schneefälle für einen Oktobertag aussergewöhnlich. So wurden an drei Stationen noch nie im Oktober so grosse 1 Tages-Neuschneemengen gemessen (Tabelle 1), an 5 weiteren Stationen, bis auf eine Ausnahme ebenfalls in Graubünden, erst ein oder zwei Mal.
|Station||Neuschnee 1 Tag (cm), gemessen am 28.10.2018||Rang (Vergleich mit allen Oktober-Messungen dieser Station)||Messung seit|
|Arosa (5AR)||72||1||1890|
|Vals (5VS)||68||1||1970|
|Splügen (5SP)||59||1||1951|
|Disentis (DIS)||55||2||1946|
|Zuoz (7ZU)||54||2||1944|
|Weissfluhjoch Davos (5WJ)||52||3||1937|
|Simplon Hospiz (4SH)||45||3||1954|
|Chur (Chu)||10||3||1888|
Am Sonntag nahmen die Niederschläge tagsüber etwas ab und die Schneefallgrenze stieg aus Südosten auf rund 2200 m an. Am Montag, 29.10. war der Niederschlag im Süden nochmals anhaltend und intensiv, wobei der Niederschlagsschwerpunkt dieses Mal den westlichen Tessin und den Oberwalliser Alpenhauptkamm traf. Die Schneefallgrenze lag bei 2000 bis 2300 m, im Westen bei 1500 m.
Gemäss MeteoSchweiz fielen bis am Dienstagmorgen, 30.10. innert 3 Tagen am Alpensüdhang verbreitet 200 bis 300 mm Regen, im östlichen Tessin sogar 300 bis 420 mm. In den angrenzenden Gebieten vom Oberwallis über das Gotthardgebiet bis nach Nordbünden und im Oberengadin wurden 150 bis 240 mm gemessen. So viel Niederschlag in 3 Tagen ist selten:
|Station||Niederschlag (mm)||bisheriger Höchstwert||Rang||Messung seit|
|Segl-Maria||225||223||1||1864|
|Savognin||213||214||2||1892|
Eine Einordnung der dreitägigen Niederschläge punkto Schneefall gestaltet sich schwierig, weil die Schneefallgrenze zeitweise über 2000 m lag und es in den betroffenen Gebieten keine so hoch gelegenen manuellen Messstationen gibt. Auch aus den Schneemessungen der automatischen IMIS-Stationen geht das Oberengadin als die am stärksten betroffene Region hervor. Mit 170 bis 180 cm wurden 3 Tages-Neuschneesummen gemessen, wie sie nur alle 10 bis 20 Jahre zu erwarten sind. Eine ähnlich hohe Wiederkehrperiode ergibt sich auch lokal im Simplon Gebiet. Allerdings sind diese Werte ziemlich unsicher, weil sie auf berechneten Neuschneehöhen basieren. Ein Grund dafür, dass sie unter denjenigen des Flüssigniederschlags liegen, könnte eine ungewöhnlich hohe Schneedichte sein, wie sie vom Schneedeckenprogramm SNOWPACK berechnet wurde. Bei gleicher Masse (kg/m2) ergibt sich bei hoher Dichte eine geringere Neuschneehöhe (cm). Ein weiterer Grund können nicht erkannte Fehlmessungen oder Lawinenabgänge auf die Stationen in der Vergangenheit sein. Diese können dazu führen, dass an IMIS-Stationen in der Vergangenheit falsche, grosse Neuschneemengen berechnet wurden. Solch grosse, falsche Werte führen zu einer Unterschätzung der Jährlichkeiten eines richtigen modellierten Ereignisses.
Nach einer leichten Beruhigung waren die Niederschläge von Mittwochmittag, 31.10. bis Donnerstagvormittag, 01.11. nochmals sehr intensiv. Bei einer Schneefallgrenze um 1500 m fielen vom Simplon Gebiet bis ins westliche Tessin weitere 50 bis 90 cm Schnee. Damit wurden bis am Donnerstagmorgen, 01.11. oberhalb von rund 2200 m in 6 Tagen insgesamt die unten angegebenen Schneemengen gemessen (Abbildung 7). Auf dieser Höhe war der Schnee teils feucht und zwischenzeitlich fiel lokal sogar Regen. Oberhalb von 2500 bis 2800 m waren die Schneehöhen daher wohl noch etwas grösser.
In den Bergen lag vor dem Grossschneefall von Ende Oktober nur im Hochgebirge eine dünne, teils zusammenhängende Altschneedecke. Sonst fiel der Schnee verbreitet auf den aperen Boden. Trotzdem wurden ab Dienstag, 30.10. an den meisten auf über 2000 m gelegenen Messstationen des Oberwalliser Alpenhauptkammes, des Tessins und Graubündens (ohne Prättigau) so viel Schnee gemessen, wie noch nie an diesem Kalendertag. Allerdings handelt es sich bei den Messstationen meist um IMIS-Stationen mit nur etwa 20 jährigen Messreihen.
Währen der Niederschlagsperiode blies der Südwind oft stark und führte in der Höhe zu umfangreichen Verfrachtungen in die Nordhänge. In der Nacht auf Dienstag, 30.10. tobte er stürmisch und lokal sogar orkanartig. Dabei entstanden diverse Sachschäden, wie z.B. abgedeckte Häuser oder zwei umgeknickte Strommasten am Albulapass.
Anders als beim Wind waren die grossen Niederschläge glimpflich ausgegangen. Der vor den Schneefällen weitgehend apere Boden hatte die Auslösbarkeit von Schneebrettlawinen reduziert. Dass der Lawinenwarnung trotz der grossen Schneefälle und des Windes nur wenige Lawinen gemeldet wurden, hatte nebst dem Fehlen einer langlebigen Schwachschicht wohl auch noch andere Gründe: Bei der oft hohen Nullgradgrenze waren trockene Lawinen erst oberhalb von rund 2500 bis 2800 m zu erwarten. Zudem waren noch die meisten Skigebiete geschlossen und es hatten noch lägst nicht alle SLF-Beobachter ihre Arbeit aufgenommen. Zu erwarten also, dass zwar Lawinen abgegangen sind, aber nicht beobachtet und gemeldet wurden.
In hohen Lagen war auf dem zuvor aperen und oft warmen Boden mit Gleitschneelawinen zu rechnen (Abbildung 8). Weil sich Schwachschichten innerhalb des Neu- und Triebschnees in der Regel schnell verfestigen, konnte nach dem Ende der Grossschneefälle in den Hauptniederschlagsgebieten von einem raschen Rückgang der Lawinengefahr ausgegangen werden.
Bereits am Sonntag, 30.09., also noch im letzten hydrologischen Jahr, wurde ein situationsbezogenes Lawinenbulletin herausgegeben. Es warnte vor dem Anstieg der Lawinengefahr, hervorgerufen vom Schneefall vom Montag, 01.10.
Während den Schneefällen im Süden wurden ab Freitag, 26.10. tägliche Lawinenbulletins herausgegeben. Diese erschienen zunächst in Textform, seit Dienstag, 30.10. mit Gefahrenkarte.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.