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Haus Bethlehem in Schwyz – das älteste Holzhaus in Europa
Bei archäologischen Untersuchungen mehrerer Häuser im Jahr 1987 rückte das Haus Bethlehem in Schwyz in den Blickpunkt der Denkmalpflege. Wie sich herausstellte, wurde das Gebäude bereits im Jahr 1287 oder ganz kurz danach errichtet – eine Entdeckung, die in der Schweiz und auch im Ausland Staunen erregte, denn bis dahin glaubte niemand, dass sich Holzhäuser aus mittelalterlicher Zeit bis heute erhalten haben.
Haus Bethlehem wurde also vier Jahre vor der Zeit errichtet, als die drei Urkantone sich zu einer Allianz zusammenschlossen und den Grundstein für die heutige Eidgenossenschaft legten.
Das zweistöckige Haus Bethlehem – wie auch die anderen untersuchten Bauten – weist eine sehr differenzierte Raumstruktur auf, die darauf schliessen lässt, dass es sich um ein ehemaliges Herrenhaus handelt. Experten der Denkmalpflege gehen davon aus, dass die Bauherren und späteren Bewohner zu einer lokalen oder regionalen Führungsschicht gehörten. Der Familienname ist allerdings unbekannt. Solche Häuser aus Holz boten im gemässigten Klima Mitteleuropas einen angenehmeren Aufenthalt als solche aus Stein, deshalb war diese Bauweise damals weit verbreitet. Allerdings erforderte die Errichtung ein Höchstmass an handwerklichem Können und zahlreiche Arbeitskräfte.
Das Holz für das Blockhaus stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus einem der damals umliegenden Wälder. Ausser den Fensteröffnungen mit ihren Zugladeneinrichtungen und den verschalten Lauben aus dem 18. Jahrhundert ist der Originalzustand noch weitestgehend erhalten. Es grenzt an ein mittleres Wunder, dass Haus Bethlehem heute noch steht.
Schliesslich hat es viele Wirren der Zeit und ein grosse Feuersbrunst im 17. Jahrhundert überstanden, bei der ein grosser Teil des Ortes durch die Flammen zerstört wurde. Auch ein Schicksal wie das des nicht weit entfernten Hauses Nideröst, das noch älter war und 2001 abgebaut und eingelagert wurde, blieb ihm durch die Aufmerksamkeit der Denkmalpflege erspart.
Haus Bethlehem ist eins von zwölf historischen Gebäuden im Kanton Schwyz, die sämtlich zu den ältesten Häusern ihrer Art auf dem Kontinent gehören. Im Bethlehem befindet sich heute ein Museum, ein Grossteil der übrigen ist bis in die Gegenwart bewohnt. Nach aussen sehen sie für heutige Zeitgenossen alle wie einfache, schlichte Bauernhäuser aus, aber in damaliger Zeit konnten sich nur reiche Bürger derart komfortable und komplex gestaltete Wohnhäuser leisten, betonen Experten der Denkmalpflege.
Die weitaus simpleren Holzhütten der ärmeren Bevölkerung sind im Lauf der Jahrhunderte allesamt verschwunden. Man nimmt an, dass die ersten Besitzer trotz ihres Wohlstands wohl trotzdem hart arbeiten mussten. Ihr Haupterwerbszweig war wohl die Landwirtschaft, daneben wahrscheinlich Dienste beim Militär und in der lokalen Verwaltung.
Das Alter von Haus Bethlehem und seiner „Geschwisterbauten“ ermittelten Archäologen anhand dendrochronologischer Untersuchungen, also der Altersbestimmung des verwendeten Holzes aufgrund einer Zählung der Jahresringe. Dass sie alle sich so lange erhalten haben, liegt an der ununterbrochenen Nutzung durch ihre Bewohner. Bethlehem war beispielsweise bis weit in die 1980er Jahre bewohnt, aufgeteilt in zwei Einheiten. Die jetzige Nutzung als Museum sorgt auch für eine weiterhin entsprechende Zuwendung, so dass das Gebäude sicherlich noch lange für die Nachwelt zu bewundern ist.
Die lange Lebenszeit aller historischen Holzhäuser verlief selbstverständlich nicht ohne Änderungen oder Erweiterungen. Neben den oben schon erwähnten Renovierungen am Bethlehem wurden von den vielen Generationen innen liegende Wände entfernt oder neu errichtet, neue Stockwerke eingezogen oder Anbauten erweitert.
An der Bausubstanz, den Wänden und Stützbalken, können Experten aber relativ einfach bestimmen, aus welcher Zeit das zum Bau verwendete Holz ursprünglich stammt. Ob Haus Bethlehem den Titel als ältestes hölzernes Wohnhaus Europas behält, können die Denkmalpfleger allerdings nicht garantieren, denn in Osteuropa warten viele alte Gebäude darauf, von Fachleuten auf ihr Alter hin untersucht zu werden. Eventuell bekommt Bethlehem dann Konkurrenz.
Der Originalstandort der mittelalterlichen Bauten in Schwyz kann durchaus auch woanders gewesen sein. Im gesamten Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit herein war es nicht ungewöhnlich, Häuser von einem Ort an einen anderen zu versetzen. Meist war diese Variante billiger als ein komplett neuer Bau. Oft geschah es auch, dass Besitzer, deren Häuser einem Feuer zum Opfer fielen, ein anderes kauften und am Platz des alten wieder aufstellten.
Es gab sogar Unternehmen, die Häuser bauten, verkauften und anschliessend sofort wieder zerlegten, um sie an anderer Stelle neu aufzubauen. Dafür gibt es zahlreiche Belege in alten schriftlichen Quellen bzw. durch archäologische Ausgrabungen. Eine Studie aus dem Kanton Appenzell zum Beispiel geht davon aus, dass etwa 20 Prozent aller dortigen noch erhaltenen Holzhäuser mindestens einmal versetzt worden sind.
Das Haus Bethlehem hat aber wohl seinen letzten, dauerhaften Standort auf dem Gelände der Ital-Reding-Hoftstatt gefunden. Das Museum im Inneren lädt seine Besucher zu einer Reise in die Vergangenheit – und das wird noch lange so bleiben.
Oberstes Bild: Haus Bethlehem – gebaut für Jahrhunderte (Bild: Schulerst, Wikimedia, CC)