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Dem in Delsberg geborenen Maler Albert Schnyder (1898–1989) wird unter dem Titel «A la croisée des chemins» erstmals nach seinem Tode eine umfassende Retrospektive gewidmet. Von seinen rund 1200, in einer Vielzahl von Museen und Privatsammlungen vorhandenen Gemälden sind 80 Exponate aus allen Schaffensperioden zusammengetragen worden. Von den 700 Zeichnungen, Lithographien, Aquarellen und Gouachen wurden für die Ausstellung vor allem Vorstudien ausgewählt.
So gradlinig und authentisch wie der Mensch Schnyder ist auch seine Kunst. Sein Suchen nach einer eigenen Bildsprache in den ersten Schaffensjahren, vor allem von 1922 bis 1924, als er durch Deutschland reiste und von den expressionistischen, naiven, kubistischen und anderen Stilrichtungen geradezu überwältigt und wohl auch verwirrt wurde, löste eine eigentliche Krise aus, an deren Tiefpunkt er viele seiner bis dahin entstandenen Werke zerstörte. Ab 1925 ist eine klare, unverkennbare, jedoch eher in der traditionellen Kunst verhaftete Linie erkennbar. Schnyder fand seinen eigenen, allerdings einsamen Weg. Seine Thematik war konsequent die eigene, in Delsberg wohnhafte Familie und die nach seinen Worten «widerspenstige, aber herrliche Juralandschaft». Ab 1930 war Schnyder «etabliert», erhielt ein Stipendium der Eidgenössischen Kunstkommission, und seine Bilder fanden den Weg in die Privatsammlungen wichtiger Schweizer Sammler, wie etwa die von Oskar Reinhart, Winterthur, oder die des Ehepaars Rupf in Bern. Durch das Ehepaar Rupf lernte Schnyder Paul Klee kennen, und es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden so ungleichen Künstlerpersönlichkeiten.
Ganz anders als Klee, der in den Dreissigerjahren auch nach seiner Rückkehr in die Schweiz als «Abstrakter» an den Rand der Kunstszene gedrängt wurde, erlebte Schnyder als «Gegenständlicher» in dieser Zeit einen eigentlichen Höhenflug. Mit guten Gründen weist Matthias Frehner in seinem Katalogaufsatz auf den damaligen «eidgenössischen Kunstgeschmack» hin, der von der «geistigen Landesverteidigung» geprägt war. Das einfache Leben, die Natur, der Mensch in dieser Natur, seine Heimat und Familie entsprachen ganz der erwünschten Thematik der Epoche, der sich Schnyder jedoch bereits vor dem Aufflammen von Faschismus und Nationalsozialismus in Europa zugewandt hatte.
Schnyders Bilder sind karg und von einer tiefen Melancholie geprägt. Die Farbgebung ist durchwegs verhalten und gedämpft. Um so mehr überrascht es, wenn plötzlich bunte Farbtupfer aufleuchten, wie im Bild «Paysanne dans le jardin» aus dem Jahr 1953. Von der linken Bildhälfte her wandelt sich die noch orange-rote Farbe des Mohns langsam über das rostige Rot der Feuerlilie in der Bildmitte zum leuchtenden Rot des Kopftuches der vom Betrachter abgewandten Bäuerin auf der rechten Bildhälfte. Die Weite und Einsamkeit der Freiberge macht weder vor den Bauerngärten noch vor den Menschen Halt. Die Juralandschaft, «eine schöne Frau, die nicht umworben werden will», liess Schnyder zeitlebens nicht los. Er war zwar offen für neue Strömungen und wurde auch immer wieder als Experte angefragt; aber – wie er anlässlich seiner Demission von der Museumskommission des Berner Kunstmuseums 1965 schrieb – «…je ne peux et ne veux pas forcer ma nature – je veux être libre, libre – libre!» Schnyders Freiheitsdrang manifestierte sich auch darin, dass er seinem selbstgewählten Weg treu blieb, obwohl er immer wieder mit anderen Wegen, die seinen Weg kreuzten, konfrontiert wurde. Der Titel des Gemäldes «A la croisée des chemins», 1966, steht somit als Metapher für eine eigenwillige Künstlerbiographie.
Wie dem Zuger Maler Hans Pothoff oder Vater und Sohn Liner in Appenzell, gelingt es Albert Schnyder, mit Bildern wie «Paysage au Clos du Doubs», 1964, oder «Paysage bleu-vert», 1967, zu den Wurzeln einer Landschaft und eines Menschenschlags durchzudringen. Dafür braucht es wohl tatsächlich ein ganzes Leben.
Die Ausstellung «Albert Schnyder (1898–1989)» ist bis 26. September im Kunstmuseum Bern und von 17. Oktober 2004 bis 30. Januar 2005 im Museum Oskar Reinhart am…