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Sind Kinder aus privilegierten Elternhäusern im Vorteil?
Es gibt einen substanziellen Zusammenhang zwischen Schulleistungen und sozioökonomischem Status. Dies zeigt sich unter anderem an der sogenannten «30 Million Word Gap»-Studie aus den USA.
Was besagt sie?
Die US-amerikanischen Forscher Betty Hart und Todd Risley haben versucht, den sprachlichen Heimvorteil bildungsbürgerlicher Kinder konkret zu beziffern. Sie beobachteten Familien aus verschiedenen Milieus und zählten über Monate die Anzahl der Wörter, die sich über den Nachwuchs ergiessen. Am Ende nannten sie ihre Studie «The Early Catastrophe», «die frühe Katastrophe». 45 Millionen Wörter – so viele Wörter hören wohlhabende und umsorgte Kinder bereits in den ersten vier Jahren. Weniger privilegierte Kinder hören in dieser Zeitspanne dagegen nur 10 bis 13 Millionen Wörter. Das drückt sich auch im eigenen Wortschatz aus. Ein Kind aus einer höheren Schicht kennt mit drei Jahren ungefähr 1000 Wörter, ein Kind aus tieferer Schicht nur die Hälfte. Keine Schule dieser Welt kann eine derartige Kluft später auch nur annähernd schliessen – mögen sich die Lehrer noch so abmühen.
Können Eltern helfen?
Der «30 Million Word Gap» ist in der Tat modulierbar durch das Verhalten der Eltern. Je mehr man mit dem Kind spricht, ihm Dinge zeigt und mit ihm interagiert, desto bessere sprachliche Fähigkeiten entwickelt es. Das heisst: Auch wenn ich vielleicht einen einfachen Schulabschluss habe, kann ich dennoch möglichst viel mit meinem Kind sprechen. Das wirkt sich positiv auf die sprachliche Entwicklung aus.
Warum ist Sprache so wichtig?
Unser gesamtes Schulsystem basiert auf Sprache. Wenn ich im Rechnen gut bin, aber die Textaufgaben nicht verstehe oder sehr lange dafür brauche, sie zu lesen, werde ich möglicherweise eine schlechtere Note haben als jemand, der vielleicht kein Rechengenie ist, aber dafür gut lesen und verstehen kann. Das heisst: Wenn ich Sprache gut verstehe und mich gut ausdrücken kann, ist das eine wichtige Grundlage dafür, dass ich in der Schule Erfolg haben werde.
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Was halten Sie von Frühförderung?
Der Grat zwischen Fördern und Überfördern sowie Fordern und Überfordern ist sehr schmal. Ich finde die Tendenz, das Leben der Kinder zu stark zu verplanen, falsch. Kinder wollen und sollen gefördert und gefordert werden, aber gleichzeitig braucht es Freiraum und auch mal Leerlauf. Es ist sehr schwierig einzuschätzen, was für das eigene Kind genug und was zu viel ist.
Wie viele Hobbys soll ein Kind haben?
Ein Kind, das viel Input braucht, hat nichts dagegen, ins Fussballtraining zu gehen, ins Schwimmtraining und Klavier zu lernen. Ein anderes Kind ist damit vielleicht überfordert. Man kann auch nicht einfach sagen: Ein Kind muss ein Instrument und eine Sportart ausüben. Diese Formel stimmt nicht für alle Kinder.
Wie erkennt man, was richtig ist und was zu viel?
Indem man nahe am Kind ist, seine Stärken und Schwächen erkennt und sensibel dafür ist, was es braucht. Und wenn man es in die Entscheidungen einbezieht und nach einem halben Jahr den Mut hat, zu sagen: Es ist zu viel. Wichtig sind dabei zwei Dinge: Einerseits, dass das Kind Spass am Hobby hat, aber auch einen Durchhaltewillen zeigt und nicht gleich aufgibt, wenn es mal keine Lust hat. Andererseits muss man sich als Eltern auch immer fragen, ob ein Hobby der Wunsch des Kindes oder der eigene Wunsch ist.
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