Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/3793

Das zur Tradition gewordene Januar-Seminar an der Schrennengasse in Zürich im Atelier von René Mutti fand dieses Jahr aus terminlichen Gründen am 4. Februar statt. 13 Damen und ein Herr trafen pünktlich ein und so konnte René den Tagesablauf bekannt geben. Am Vormittag gestalteten wir ein Hana-Kanade - der neue Stil von Headmaster Hiroki Ohara – vorgestellt während seiner „one man show“ im März 2012. René erklärte die Bedeutung des Wortes: Es wird aus zwei Kanji’s gebildet, Hana bedeutet Blume und Kanade beinhaltet drei verschiedene Formen – eine keimende Pflanze, zwei Hände und eine Form, die ein Vorwärtsgehen andeutet. Das Kanji Kanade ist auch mit „kuge“ verbunden (Blumenopfer an Buddha) und Kanaderu (Verb) bedeutet Musik mit Instrumenten spielen. Also kann man diesen Stil als die Kreation einer Resonanz zwischen den Pflanzen betrachten. Die Hauptlinien werden in einem rechtwinkligen Dreieck gesteckt und müssen sich kreuzen. René sagte dass das Kreuzen wichtiger sei als das obere Dreieck. Für das Hana-Kanade wird hauptsächlich die Madoka verwendet. Die Füsse des Gefässes zeigen nach vorne. Wichtig ist, dass man sich einen Zylinder vorstellt innerhalb dessen gesteckt wird. Grün ist die Grundfarbe! Es sollten aber nicht alle Kenzane mit demselben Material gefüllt werden. Zudem genügend Abstand dazwischen einhalten, denn man muss Wasser sehen.
Die Masse der Hauptlinien sind: Shu = 1 ½ Durchmesser der Schale plus Höhe Fuku= ¾ der Länge von Shu oder gleich lang Kyaku= 2/3 bis ¾ von Shu
Es können bis zu fünf Materialien verwendet werden. Für die drei Hauptlinien kann man das gleiche Material verwenden, oder Shu und Fuku dasselbe, Kyaku ein anderes, oder Shu und Kyaku dasselbe und Fuku etwas anderes. Die Zusatzelemente im Kenzan nach aussen stecken. René benutzte für die drei Hauptlinien Koala-Gras, Scabiosa Stellata, Edelrosen Latina de Valleverde und für die Füller Pittosporum Tenuifolium und Schneeball plus etwas Koala-Gras. Nachdem allen Teilnehmern das schon vorbereitete Material verteilt wurde, machten wir uns mit viel Spass an die Arbeit. 14 verschiedene Gestecke korrigierte der Meister anschliessend und gab dazu auch viele lehrreiche Kommentare.
Nun hatten wir unser Mittagessen verdient und begaben uns ins nahegelegene Restaurant „Hot Pot“. Nach dem reichhaltigen und vorzüglichen Mahl wäre ein Liegestuhl willkommen gewesen, doch die Pflicht rief für den zweiten Teil des Seminars, nämlich die Gestaltung eines Morimono.
René erklärte, dass dies ein „Stil“ des Bunjin sei. Es gibt keine Vorschriften, die Schönheit des Materials zählt und die Vase und die Blumen müssen Chinesisch sein, denn der Ursprung kommt aus der Chinesischen Malerei. Für Shu-Shi (Chin. Shutai) wird entweder eine Vase oder eine Schale verwendet und das ganze Arrangement wird auf einem Brett gestaltet. Fuku-Shi (Chin. Dou) sollte nicht zu nahe bei der Vase platziert werden. Kyaku-Shi (Chin. Tenkei) wird auf der rechten Seite der Unterlage platziert. Otoshikomi ist die Unterstützung des Shu-Shi und Tsunagi ist die Verbindung zwischen Shu-Fuku und Kyaku.
Auch hier wurden wir mit viel Material verwöhnt und René erklärte uns noch die Symbolik der Pflanzen:
Orchideen = Vornehmlichkeit Zitrone = Glück und Kraft Bambus, Pflaume, Chrysanthemen und Orchideen = 4 Freunde Trauben, Granatapfel und Früchte = Unabhängigkeit.
Das Seminar hat riesig Spass gemacht und wir haben wieder viel gelernt. Herzlichen Dank dem Meister und auch den Helferinnen und dem Helfer für die Vorbereitungen.
Auf Wiedersehen 2018!
Fotos: Theres Marty --- Text: Bernadette Koch