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© Beat Rüegger
Noch vor wenigen Jahrzehnten besiedelte das Rebhuhn klimatisch günstige Ackerbaugebiete der Schweiz. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sank dann der Bestand von 10'000 auf wenige Individuen. Die Artenförderungsprojekte in den Kantonen Genf und Schaffhausen haben das Ziel, diese Art in der Schweiz mit geeigneten Fördermassnahmen zu erhalten.
Das Rebhuhn ist eine typische Brutvogelart der offenen Kulturlandschaft. Früher war das kleine Feldhuhn eine häufige Vogelart, heute ist es in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Das Ziel dieses seit 1991 laufenden Projekts ist es, die Restbestände in der Champagne genevoise im Kanton Genf und im schaffhausischen Klettgau zu fördern. Dazu werden seit Projektbeginn die Lebensräume für die anspruchsvolle Art aufgewertet. Von 1998 bis 2012 wurden die Bestände zumindest zeitweise mit Aussetzungen gestützt und wissenschaftlich begleitet.
1991 beauftragte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Schweizerische Vogelwarte mit einem Förderungsprojekt für das Rebhuhn. In enger Zusammenarbeit mit Landwirten und den kantonalen Behörden wurden im Klettgau und in der Champagne genevoise neue Lebensräume geschaffen. Mit Buntbrachen, Niederhecken und extensiven Wiesen wurden grosse Gebietsteile ökologisch aufgewertet. Dadurch entstand auf mehreren Quadratkilometern Fläche ein optimaler Lebensraum für Rebhühner.
Nach sieben Jahren intensiver Lebensraumaufwertung wurden 1998 im Klettgau die ersten Rebhühner wiederangesiedelt, und eine Dissertation untersuchte das Ansiedlungsverhalten, die Habitatnutzung und den Bruterfolg dieser Hühner. Durch die positiven Resultate ermutigt, entschieden sich die Schweizerische Vogelwarte und der Kanton Schaffhausen im Jahr 2002, das Projekt weiterzuführen. Der kleine Bestand wurde von 2004 bis 2007 durch regelmässige Aussetzungen von wenigen bis maximal 100 Rebhühnern gestützt. Nach einem v.a. klimatisch bedingten Zusammenbruch des Rebhuhnbestands werden im Klettgau werden seit 2008 in Absprache mit den kantonalen Behörden keine weiteren Aussetzungen mehr gemacht. Die Aktivitäten im Kanton Schaffhausen beschränken sich auf weitere Aufwertungen der Lebensräume und auf die Erfassung der Brutvogel- und Feldhasenbestände. Ob und in welcher Form weitere Aktivitäten zur Ansiedlung des Rebhuhns im Klettgau gemacht werden, hängt unter anderem von den Resultaten aus dem Projekt im Kanton Genf ab.
2004 wurde analog zum Vorgehen im Kanton Schaffhausen auch im Kanton Genf ein Aussetzungsprojekt zur Stützung des Restbestands gestartet. In der Projektphase 2008 bis 2012 war es in Genf das Ziel, mit der Freilassung von zahlreichen Familienverbänden im Herbst, sogenannten Herbstketten, den Frühjahrsbestand auf 200 Rebhühner zu erhöhen und eine Dichte von 3 Brutpaaren pro km2 zu erreichen. Die Vogelwarte baute dafür eine eigene Aufzuchtsstation auf, um genügend Jungvögel für die Freilassung aufziehen zu können. Von 2008 bis 2012 entliessen wir jährlich durchschnittlich 500 Rebhühner in die Freiheit. Der Erfolg der Massnahmen zur Wiederansiedlung und Bestandsstützung wird im Rahmen von wissenschaftlichen Erfolgskontrollen dokumentiert.
Die Hauptursache des Verschwindens des Rebhuhns ist die Verarmung des Lebensraumes. Zudem zeigte sich, dass die Verluste durch Räuber, namentlich des Fuchses, während der Brutperiode sehr hoch sind und menschliche Aktivitäten die Rebhühner beträchtlich stören können. Von den durchgeführten Landschaftsaufwertungen profitieren nicht nur Rebhühner, sondern auch andere bedrohte Tiere und Pflanzen und erfreulicherweise auch die Landwirte. Als Nebenprodukt des Rebhuhnprojekts hat sich im Klettgau der Wiederanbau der alten Getreidearten Emmer und Einkorn etabliert. Produkte aus Emmer und Einkorn werden durch Grossverteiler wie die Migros und die Grossbäckerei Hiestand erfolgreich vermarktet und garantieren den Landwirten eine hohe Wertschöpfung.
Im Förderprojekt für das Rebhuhn gab es immer wieder Rückschläge. So entwickelte sich der Bestand im Klettgau in den Jahren 2002 bis 2004 positiv und stabilisierte sich bei 15–20 Paaren. Im Kanton Genf zählte man 2006 rund 32 Brutpaare. Die schneereichen Winter 2005/2006 im Klettgau und 2006/2007 in der Champagne genevoise führten jeweils zum Zusammenbruch der Bestände. Da im Klettgau seit 2008 keine Aussetzungen mehr gemacht werden, beobachten wir dort nur noch unregelmässig Rebhühner. Es ist davon auszugehen, dass der Bestand erlöschen wird.
In Genf nahm der Brutbestand mit den Aussetzungen der Herbstketten wieder stetig zu. Im Frühjahr 2012 zählen wir 60 Brutpaare, ein neuer Höchststand seit Projektbeginn 1991. Unsere Auswertungen zeigen, dass in Freiheit geborene Rebhühner im Vergleich zu den Freigelassenen höhere Überlebens- und Reproduktionsraten aufweisen. Wie sich der Genfer Bestand ohne weitere Aussetzungen entwickeln wird, ist ungewiss. Entscheidend ist neben den Überlebensraten, welche in Genf international vergleichbare Werte aufweisen, insbesondere ein guter Bruterfolg. Deshalb werden wir im Bruthabitat weitere Lebensraumoptimierungen umsetzen.
Dr. Bertold Suhner-Stiftung für Natur-, Tier- und Landschaftsschutz
CIC, Internationaler Jagdrat zur Erhaltung des Wildes
DIANA Suisse
Fondation pour les animaux du monde, Vaduz
Fondation Segré
Groupe de Jeunes de Nos Oiseaux
Groupe Perdrix Romande
Jagd Schaffhausen
Pro Natura Genève
Société zoologique de Genève
TURDUS Vogel- und Naturschutzverein Schaffhausen
WWF Genève
WWF Schaffhausen
Zigerli-Hegi-Stiftung