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Das Wichtigste in Kürze
- Eine Sprachwissenschaftlerin plädiert für mehr Sensibilität im Umgang mit sprachlichen Relikten der deutschen Kolonialherrschaft.
So dürfen deren Vertreter nach Ansicht von Koloniallinguistin Doris Stolberg auf Strassenschildern nicht mehr geehrt werden.
«Auch wenn man den Namen beibehält und ihn in einen erklärenden Kontext stellt, ist das zu wenig», sagte die Expertin vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim der Deutschen Presse Agentur. Vorteil der Diskussion um Strassenumbenennungen sei, dass ein grösserer Teil der Bevölkerung als bisher sich mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands auseinandersetze.
An die Opfer erinnern
Neben einem anderen unverdächtigen Namen als Ersatz für historisch fragwürdige Namen komme auch eine Benennung infrage, die an die Opfer von Kolonialherrschaft erinnert. Als Beispiel nannte Stolberg eine Herero-Strasse im Gedenken an das Hirtenvolk, das in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, fast komplett getötet wurde.
Auf der anderen Seite stehen Stolberg zufolge Namensgeber wie der Kolonialherr Carl Peters (1856 bis 1918), der in vielen deutschen Städten zu Unrecht mit einem Strassennamen gewürdigt worden sei. Der Gründer der Gesellschaft für deutsche Kolonisation ging in Ostafrika so grausam gegen die Bevölkerung vor, dass er zurückbeordert wurde.
Der Schwerpunkt der Linguistin liegt in der Übersetzung von Dokumenten aus der Kolonialzeit. «Wir wollen für die Nachfahren der Menschen, die unter der Kolonialherrschaft gelebt haben, in Englisch, Französisch und Deutsch abgefasste Dokumente in deren eigenen Sprachen zugänglich machen.»