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Mikaela Shiffrin wird bei der WM in Cortina im Super-G, der Kombination, im Riesenslalom und im Slalom antreten. Wenn immer sie an den Start geht, muss man sie auf dem Zettel haben. Im Interview mit «blue Sport» hält sie fest, dass sie sich nicht zu sehr unter Druck setzen wolle.
Mikaela Shiffrin, Sie starten am Donnerstag mit dem Super-G in die Weltmeisterschaft. Glauben Sie, dass Sie Ihren 2019 gewonnenen Titel in Are verteidigen können?
Ich werde versuchen, so schnell wie möglich zu fahren. Aber es gibt keine Garantie, dass ich meinen Titel im Super-G verteidigen kann. Es war ja schon eine Überraschung, dass ich ihn vor zwei Jahren gewonnen habe. Die Weltcup-Punkte, die ich gesammelt habe, halten mich in der Startliste für den Super-G an der Spitze. In den letzten Trainingstagen in dieser Disziplin habe ich mich auf den Skiern gut gefühlt und ich glaube, dass ich ein gutes Ergebnis erzielen kann. Aber ich gehe nicht mit dem Ziel an den Start, meinen Titel zu verteidigen.
Wer könnte Sie denn beerben?
Es gibt viele Kandidatinnen. Lara Gut-Behrami ist schnell unterwegs und ist natürlich die grosse Favoritin. Petra Vlhova, Ester Ledecka, Federica Brignone, Marta Bassino oder Tamara Tippler können auch schnell fahren. Es gibt also eine grosse Liste mit Fahrerinnen, die auf das Podium klettern können. Es ist schwierig, eine Prognose abzugeben. Es ist sicher spannend, dass es so viele Athletinnen gibt, die es auf das Podium schaffen können.
Wie fühlen Sie sich auf dieser Strecke?
Ich habe in Cortina schon grosse Erfolge gehabt (Anm. d. Red.: Super-G-Sieg 2019 und 3. Platz in der Abfahrt 2018). Ich freue mich deshalb darauf, wieder hier zu fahren. Tatsächlich habe ich mich auf dieser Strecke von der ersten Inspektion an ziemlich gut gefühlt. Zu der Zeit (Anm. d. Red.: 2017) hatte ich gar nicht die Absicht, im Super-G mitzumischen. Ich wollte in dieser Disziplin nur antreten, um zu sehen, ob es funktionieren könnte ... und dann wurde ich Vierte. Ich hatte also gleich ein gutes Gefühl beim Super-G. In dieser Disziplin gibt es eine Menge Herausforderungen, die dem Rennen einen taktischen Aspekt verleihen. Man muss die richtige Mischung zwischen Geschwindigkeit und technischen Aspekten finden. Und die Strecke? Es ist wirklich etwas Besonderes mit dieser herrlichen Bergkulisse hier. Aber man muss sich auf das Rennen konzentrieren, nicht auf die schöne Aussicht.
Sie nehmen bereits zum fünften Mal an Weltmeisterschaften teil. Woran erinnern Sie sich, wenn sie zurückblicken?
Bei meiner ersten Weltmeisterschaft 2013 in Schladming war ich extrem nervös. Zwischen den beiden Slalomläufen hatte ich Angst. Steven Nyman (Anm. d. Red.: US-amerikanischer Skifahrer) sagte mir dann, dass ich nicht eine Startnummer oder Weltcup-Punkte verteidigen müsse, sondern einfach nur gewinnen. Er fügte hinzu, dass es bei einer WM keine Taktik gebe. Man könne alles gewinnen, aber nichts verlieren. Sein Rat war sehr interessant. Das hat mir zwar nicht den Druck genommen, aber es hat mir erlaubt, mein Bestes zu geben. Ich habe seine Worte nie vergessen. Egal ob ich mich gut oder nervös fühle, ich denke an das, was er mir damals gesagt hat. Ich weiss, dass ich die Fähigkeit habe, schnell zu fahren und zu gewinnen. Wenn man bei so einem grossen Event nicht um Gold kämpft, kann man die Leute auch enttäuschen.
Vierfache Weltmeisterin im Slalom, Silber- und Bronzemedaillengewinnerin im Riesen und amtierende Weltmeisterin im Super-G: Ihre Erfolgsbilanz bei Weltmeisterschaften ist beeindruckend. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Seit meiner ersten Weltmeisterschaft 2013 in Schladming ist viel passiert. Nachdem ich bereits vier Goldmedaillen in Folge im Slalom gewonnen habe, versuche ich nicht, an eine fünfte zu denken. Es ist nicht lange her, da habe ich dieses Rennen in Schladming wieder gesehen. Ich bin im Zielbereich mit den Skiern gegen den Kopf zu Boden gefallen, genau wie Bode Miller. Das ist das, woran ich mich am meisten erinnere. Der Sport ist verrückt. Es gibt so viele tolle Momente, aber es gibt auch schlechte. Ich hatte diesen Sieg, diesen Moment für mich verinnerlicht. Aus irgendeinem Grund brauchte ich diesen ruhigen Moment. Es war das erste Mal, dass ich einen Sieg so gefeiert habe.
Im Gesamtweltcup stehen Sie derzeit auf Platz 7. Sie liegen damit leicht hinter Ihrer gewohnten Platzierung zurück. Wie erklären Sie sich das?
Ich fühle mich nicht so frei auf meinen Skiern, wie ich es gerne hätte. Mit den Jahren gibt es Druck und das mag ich nicht. Wenn ich Ski fahre, möchte ich einem fliegenden Vogel ähneln. Wenn ich den Schmerz, die Frustration und das Leiden hinter mir lasse, dann klappt das oft. Alles in allem ist es schön, dass ich wieder in einer Position bin, in der ich Erwartungen an mich selbst habe. Das bedeutet, dass ich in letzter Zeit gut gewesen bin.
In den letzten Wochen haben Sie sich einige Rennen ausgelassen und sich vermehrt auf das Training konzentriert. Zahlt sich das aus?
In den letzten Jahren konnte ich in den Rennen auf einem hohen Niveau mithalten und das war aufregend. Aber im Training fühle ich mich frei. Ich versuche produktiv zu sein und mich fürs nächste Rennen zu verbessern. Die Trainingsblöcke zwischen den Rennen machen mir nichts aus, weil ich gerne trainiere. Vor Levi (A. d. Red.: November 2020) war ich fast ein Jahr lang kein Rennen mehr gefahren. Und je mehr ich an Rennen teilnehme, desto mehr weiss ich, woran ich noch arbeiten muss. Aber ich weiss, dass ich auch trainieren muss. Und es ist auch nicht schlecht, ein Jahr zu haben, in dem ich weniger Rennen fahre, sofern ich etwas lerne und die Leistungen konstant sind. Vielleicht lerne ich etwas für den Rest meiner Karriere.