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Gastbeitrag Joel Trummer – Nach 10 Jahren Amateurfussball meldet sich Yverdon-Sport mit einer beeindruckenden Saison zurück im Schweizer Profifussball. Die Mannschaft von Jean-Michel Aeby hat die Promotion League in den letzten Jahren praktisch nach Belieben dominiert und wäre ja sportlich bereits im letzten Jahr sehr wahrscheinlich aufgestiegen. Aufgrund des coronabedingten Saisonabbruches blieb ihnen dies jedoch verwehrt. Wie ist es Yverdon seit dem Abstieg aus der Challenge League ergangen und was dürfen wir von der Mannschaft aus dem Norden des Kanton Waadt in der nächsten Saison erwarten? Bolzplazz macht den Check.
Nachdem man in der Saison nach dem Abstieg von 2011 in die damals drittklassige 1. Liga (Gruppe 1) noch einen ansprechenden vierten Platz belegte, folgte in der darauffolgenden Spielzeit der Absturz in die vierthöchste Liga.
Im ersten Jahr erkämpfte sich Yverdon-Sport mit dem siebten Tabellenplatz eine eher mittelmässige Platzierung. Ein Jahr später, im Juni 2015, verpassten sie den Aufstieg in die Promotion League nur knapp. In der regulären Saison erreichte man hinter dem mittlerweile in der Challenge League spielenden Stade-Lausanne Ouchy den zweiten Platz. In der Zwischenrunde um die definitiven Aufstiegsplätze war man dem SC Kriens dann allerdings klar unterlegen. Die Zentralschweizer schickten Yverdon mit einer Gesamtskore von 8:2 in die Sommerpause.
Zwei Jahre später konnte die Mission Promotion League-Aufstieg schliesslich erfolgreich beendetwerden. Nach einer sehr souveränen Saison, in welcher man nur zweimal als Verlierer vom Platz ging, und mit elf Punkten Vorsprung den ersten Platz belegte, konnte auch die Zwischenrunde erfolgreich gemeistert werden. Zuerst ging es gegen den FC Solothurn, gegen welchen sich Yverdon knapp mit 4:3 (1:2 / 3:1) durchsetzen konnte. Im Aufstiegsfinale gab sich YS gegen Gossau allerdings keine Blösse und siegte mit einer Gesamtscore von 7:2.
Angekommen in der Promotion League, gehörten die Waadtländer von Beginn an zur Spitze der Liga. In den Spielzeiten 2017/18 sowie 2018/19 wurde mit den Tabellenplätzen zwei und drei klar aufgezeigt, in welche Richtung die Reise gehen soll.
Wie bereits zu Beginn erwähnt, wäre der Aufstieg unter normalen Bedingungen ziemlich sicher bereits letzte Saison gelungen. Lag man doch bei Saisonabbruch mit einem phänomenalen Torverhältnis von 45:15 und nur einer Niederlage aus 17 Meisterschaftsspielen auf dem ersten Tabellenplatz. In der aktuellen Saison konnte die starke Leistung aus dem Vorjahr wiederholt werden und somit gelang ohne grosse Mühe die Rückkehr in die Challenge League. Im 6.500 Zuschauer fassenden Stade Municipal konnte am 15. Mai 2021 der Aufstieg mit einem 3:2-Sieg über den SC Cham klargemacht werden.
Kaderanalyse
Wenn man einen Blick auf den aktuellen Kader wirft, wird eines relativ schnell klar: Yverdon ist kein gewöhnlicher Aufsteiger!
Die Defensive hat besonders in den letzten zwei Saisons gezeigt, dass sie gut eingespielt ist und sehr wenige Chancen zulässt. Im Schnitt kassierte Yverdon in den letzen zwei Spielzeiten immer weniger als ein Gegentor pro Spiel, was sich durchaus sehen lassen kann.
Hauptverantwortlich dafür sind vor allem die Routiniers in der Innenverteidigung um Kapitän Mustafa Sejmenovic (35), Adriano De Pierro (30) und Sébastien Le Neün (33). Gerade die zwei Erstgenannten bringen einiges an Profifussballerfahrung mit und könnten auch nächste Saison eine stabile Achse bilden, welche trotz des fortgeschrittenen Alters der beiden immer noch stark genug für das Niveau wäre. Zudem steht mit William Le Pogam (28) noch ein Aussenverteidiger im Kader, welcher die Challenge League aus diversen Engagements bei anderen Westschweizer Vereinen bereits kennt.
Im Mittelfeld sind vor allem auf den Aussenpositionen einige erfahrene und talentierte Spieler vorzufinden. Die Flügelspieler steuerten in dieser Saison zusammen über 20 Treffer zum Aufstieg bei. Mit Norman Peyretti (27) und Ridge Mobulu (29) hat man zwei gestandene Offensivspieler im Kader, welche in der nächsten Saison sicher wichtig für die Mannschaft werden. Ausserdem ist mit Marculino Ninte (23) ein junger und dynamischer Spieler da, welcher sich noch entwickeln kann. Dass er das Potenzial zu einer wichtigen Teamstütze hat, stellte er mit seinen 5 Treffern bereits unter Beweis.
Im Strum hat Yverdon mit Sergio Cortelezzi (26) und Gentian Bunjaku (28) zwei echte Knipser in den eigenen Reihen. Diese Konstellation war in der nun abgelaufenen Saison schon fast ein Luxusproblem. Da Yverdon in einem 4-2-3-1-System mit nur einem Stossstürmer gespielt hat, mussten beide ab und an mit der Rolle als Joker vorliebnehmen. Der aus Uruguay stammende Cortelezzi hat in seiner Zeit beim FC Will bereits Erfahrung in der Challenge League sammeln können. Dort hat er auch gezeigt, dass er auch auf diesem Niveau für das ein – oder andere Tor gut ist. Für Yverdon war er in dieser Spielzeit der wichtigste Mann im Angriff: In 19 Einsätzen gelangen ihm starke 15 Tore.
Insgesamt darf das aktuelle Kader als sehr gute Basis für die nächste Saison betrachtet werden. Eine solide und zuverlässige Defensive mit Spielern, welche Führungsqualitäten aufweisen, ist vorhanden. Ausserdem ist die Offensive gut aufgestellt und es stehen mehrere Spieler unter Vertrag, welche in der abgelaufenen Spielzeit regelmässig getroffen haben. Die Last kann somit auf mehrere Schultern verteilt werden. Handlungspotential kann indes vor allem im zentralen Mittelfeld verortet werden. Ein Spieler, welcher die Liga kennt und das Spiel führen kann, würde an dieser Stelle auf keinen Fall schaden. Ansonsten sollte man, falls der Kader noch punktuell ergänzt wird, relativ gut aufgestellt sein für die nächste Saison in der Challenge League.
Prognose für die kommende Saison: Eine Rolle wie SLO?
Klar ist: In der ersten Saison nach dem Aufstieg ist das primäre Ziel der Klassenerhalt. YS will sich wieder im Schweizer Profifussball etablieren und festbeissen. Wenn Yverdon die Mannschaft im Grossen und Ganzen zusammenhalten kann und noch einige Verstärkungen geholt werden, ist dies ein absolut realistisches Ziel. Für einen Aufsteiger sind ja bekanntlich die ersten Spiele von enormer Wichtigkeit. Wenn die Spielzeit mit einer positiven Serie gestartet werden kann, dürfte ihnen eine ähnlich beeindruckende erste Saison zugetraut werden, wie sie Stade-Lausanne Ouchy 2019/20 gelungen ist. SLO beendete seine Challenge League-Premierensaison damals mit 42 Punkten auf einem guten, 7. Rang.
In Yverdon-les-Bains dürfte der Aufstiegserfolg und die Aussicht auf Profifussball wieder mehr lokale Fussballfans für den Klub begeistern. YS hat bewiesen, strukturiert, durchdacht und professionell ausgerichtet zu sein. Der Vertrag mit Aufstiegscoach Aeby wurde jüngst um ein weiteres Jahr verlängert. Es herrschen also stabile Verhältnisse und der Verein ist gesund. Kann sich Yverdon-Sport in der Challenge League behaupten, wäre dies der Lohn der souveränen Arbeit der letzten Jahre. Für die Westschweiz ist es zudem äusserst erfreulich, nach Servette, Lausanne-Sport, Sion, SLO und Xamax mit einem 6. Verein im Schweizer Profifussball vertreten zu sein.