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Die Tuberkulose („Schwindsucht“, Abkürzung: TB oder Tbc) gehört weltweit immer noch zu den häufigsten schweren Infektionskrankheiten. Verursacher ist das Tuberkelbakterium (Mykobakterium tuberculosis), das 1882 von Robert Koch in Berlin entdeckt wurde. In 90% der Fälle gelangen die Erreger über die Lungen in den menschlichen Körper. Ein weiterer Infektionsweg war früher die Milch infizierter Kühe (Rindertuberkulose).
Tuberkulose ist in den Industrienationen während des 20. Jahrhunderts deutlich seltener geworden, hat indessen durch AIDS und Immigration wieder an Bedeutung und Zahl der Fälle zugenommen. Die WHO schätzt, dass weltweit jährlich etwa 8 Millionen Menschen an Tuberkulose erkranken, gegen 2 Millionen sterben daran.
In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts suchten viele Kranke Heilung in alpinen Tuberkulosesanatorien der Schweiz. Das Leben von Tuberkulosekranken in der Zeit vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs ist eindrücklich beschrieben im Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann. Bedingt durch verbesserte Hygiene und das Aufkommen der Antibiotika ging die hohe Zeit der Sanatorien mit dem 2. Weltkrieg zu Ende.
Verschiedene Stämme von Tuberkelbakterien befallen Menschen und Tiere. Menschen infizieren sich durch das Einatmen bakterienhaltiger Tröpfchen und Partikel, die ein Tuberkulosekranker beim Sprechen, Husten, Niesen in die Luft streut („Tröpfcheninfektion“). Ein hohes Gefahrenpotential geht von Personen aus, bei denen die Krankheit nicht diagnostiziert wurde und die deshalb nicht behandelt werden. Dies gilt namentlich für illegal eingewanderte Personen, welche die Tuberkulose aus ihrem Herkunftsland mitbringen, aber unerkannt bleiben wollen und keinen Zugang zum hiesigen Gesundheitswesen suchen.
Über die Atemwege gelangen die Bakterien in die Lungen.
Ein hohes Risiko, angesteckt zu werden, haben Personen mit beruflicher Exposition wie Ärzte, Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Lehrpersonen und in engen Wohnverhältnissen lebende Menschen. Ob es nach der Ansteckung zum Krankheitsausbruch kommt, hängt einerseits von der Zahl und Virulenz (Aggressivität) der eingeatmeten Bakterien ab, andererseits von der individuellen Gefährdung. In diesem Sinn besonders gefährdet sind:
Vier bis zwölf Wochen nach der Ansteckung kommt es zu ersten Krankheitszeichen.
In den weitaus meisten Fällen wird die Lunge von der Tuberkulose als Eintrittspforte betroffen (Primärtuberkulose), sehr selten werden primär andere Organe wie Darm, Lymphknoten oder Haut infiziert.
Als Folge der Infektion entsteht ein tuberkulöser Primärherd, meist im Lungengewebe, der bei guter Abwehrlage abgekapselt wird und später vernarbt oder verkalkt. In Narben können Tuberkulosebakterien allerdings lange überleben und Jahre später die Krankheit wieder aufflackern lassen (postprimäre Tuberkulose).
Gerät das infizierte Gewebe in Verbindung zu den Atemwegen, spricht man von offener Tuberkulose. Bakterien werden dann über den Luftweg weitergegeben und der Auswurf ist ansteckend.
Bei schlechter Abwehrlage können sich die Bakterien von Anbeginn in den Lungen und im ganzen Körper verbreiten und tuberkulöse Ableger in anderen Organen bilden.
Zur Reduktion der Zahl von fortgeschrittenen Erkrankungsstadien ist das frühzeitige Erkennen und Behandeln infizierter Menschen besonders wichtig.
Eine Arztkonsultation ist bei blutigem Auswurf dringend angezeigt und grundsätzlich nötig, wenn oben genannte Allgemeinsymptome während längerer Zeit bestehen
Mit einem Hauttest (Tuberkulin-Test) lässt sich in Erfahrung bringen, ob eine Infektion stattgefunden hat, allerdings nicht immer, ob sie gerade eben erfolgte, oder irgendwann früher im Leben. Der direkte Erregernachweis im ausgehusteten Material ist oft schwierig.
Röntgenaufnahmen, Computertomographie und Magnetresonanztomographie der Lungen lassen verdächtige Veränderungen bildlich darstellen. Manchmal braucht es eine zweite Untersuchung nach wenigen Wochen, um den Verdacht zu bestätigen oder auszuschliessen.
Die Krankheit ist gegenüber der Gesundheitsbehörde meldepflichtig, und wenn eine Person an Tuberkulose erkrankt ist, werden von Gesetzes wegen die Untersuchung und gegebenenfalls die Behandlung aller Kontaktpersonen verlangt
Die Therapie ist überwiegend medikamentös
Lokalisierte tuberkulöse Herde werden operativ entfernt, wenn sie trotz ausreichender medikamentöser Therapie nicht zum Ausheilen gebracht werden konnten und ein Rückfallrisiko darstellen.