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Liberales Institut
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Henry Hazlitt — der Starkolumnist der Freiheit
Das jüngste LI-Gespräch thematisierte die zeitlosen Weisheiten des grossen liberalen Publizisten.
Der amerikanische Wirtschaftspublizist Henry Hazlitt (1899-1993) gehörte zu den herausragenden Stimmen der Freiheit im 20. Jahrhundert. Hazlitt war als Wirtschaftspublizist in den USA tätig. Der Schweiz ist er trotzdem nicht ganz fremd. Er ist etwa in der mehrsprachigen Bibliothek der Freiheit des Liberalen Instituts in der Berner Innenstadt bestens vertreten. Dort befinden sich seine bekanntesten und weniger bekannten Werke, die weiterhin als Referenzen gelten. Zudem war Hazlitt als Gründungsmitglied der Mont Pèlerin Society 1947 oberhalb Veveys am Genfersee mit dabei. Er reiste von den USA mit dem Schiff zusammen unter anderem mit dem späteren Nobelpreisträger der Chicagoer Schule Milton Friedman. Hazlitt war auch einer der wichtigsten Stützen von Ludwig von Mises, dem Vordenker der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, als dieser Genf für New York verlassen musste, knapp bevor die Schweiz von den Achsenmächten umgeben wurde.
Anlässlich des jüngsten Gesprächs des Liberalen Instituts am 29. September an der Universität Zürich legte Michael von Prollius, Autor des Breviers «Der Starkolumnist der Freiheit» dar, wie Hazlitts Stärke — seinen Sinn für zeitlose Weisheiten, die er sehr prägnant formulierte — keinerlei an Aktualität eingebüsst hat. In der Debatte um den Wohlfahrtsstaat (der eher «sozialistischer Staat» genannt werden sollte, da er die Wohlfahrt zerstört) vertritt Hazlitt die Ansicht, dass das einzig wahre Heilmittel für Armut Produktion ist. Sozialhilfe und Umverteilung von Einkommen — ob freiwillig oder erzwungen — sind hingegen keine Lösungen, sondern bestenfalls eine vorübergehende Notlinderung. Die beste Hilfe für einen arbeitslosen Mann ist nicht ein Kredit oder ein Geschenk, sondern ein Job. Er durchschaut dabei auch den Widerspruch zwischen öffentlicher und privater Moral: «Wenn ein Privatmann Bankrott anmeldet, dann gilt das als Schande. Wenn eine Regierung das tut, handelt sie, als hätte sie einen brillanten Coup gelandet».
Hazlitt unterschied zwischen guten und schlechten Ökonomen sowie zwischen guter und schlechter Wirtschaftspolitik, indem er die Kurzsichtig- und Einseitigkeit der letzteren bemängelte. Ein guter Ökonom blickt tiefer und begnügt sich nicht damit, nur die unmittelbaren Folgen einer Massnahme oder nur deren Auswirkung auf eine bestimmte Gruppe zu sehen. Daher setzte sich Hazlitt entschieden für einen internationalen Goldstandard ein, um die Marktwirtschaft vor staatlichen Währungsmanipulationen zu schützen. Inflation als Folge der Ausweitung des Angebots von Geld und Kredit hat auch stets eine politische Ursache. Sie beruht meist auf die leider immer noch einflussreichen Fehlratschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit des britischen Ökonomen John Maynard Keynes, der Archetyp des kurzfristig orientierten Ökonomen: die öffentliche Schuldenfinanzierung und künstliches billiges Geld, von der Zentralbankpolitik bereitgestellt. Keynes' Allgemeine Theorie enthält «eine ausserordentliche Zahl von Fehlschlüssen, Inkonsequenzen, Verschwommenheiten, wechselnde Definitionen und Wortanwendungen, sowie ganz offensichtliche Irrtümer in Bezug auf Tatsachen». Ihr Erfolg erklärt sich nur damit, dass sie den Kapitalismus zum Sündenbock stempelte. Keynes sei der subtilere Marx des 20. Jahrhunderts.
Neben Ökonomie beschäftigte sich Hazlitt ausführlich mit den moralischen Grundlagen einer freien Gesellschaft. Da die Menschen ganz unterschiedliche Moralvorstellungen haben, entwickelte er einen Regelutilitarismus, der universalisierbar und unparteiisch auf jeden angewendet werden kann. Das Fundament davon ist die soziale Kooperation auf Grundlage individueller Eigentumsrechte, die in der freien Marktwirtschaft ihren besten Ausdruck findet. Erst die gegenseitige Anerkennung von Freiheit und Gerechtigkeit nach dieser Grundlage erlaubt dem Menschen, seine individuellen Ziele in Frieden und Harmonie zu verwirklichen. Eine solche Moral hat den Vorteil, autonom und unabhängig von irgendeiner theologischen Doktrin oder einem religiösen Glauben zu sein.
3. Oktober 2016