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Unter Powell hat die US-Notenbank Federal Reserve die Zinssätze so vehement erhöht wie dies seit einer Generation nicht mehr der Fall gewesen ist. Zudem sagte Powell am Mittwoch, dass ein weiterer grosser Zinsanstieg möglich sei.
Dennoch haben Anleger die Aktienkurse nach oben steigen lassen, nachdem der US-Notenbankchef auch gesagt hatte, dass sich die Erhöhungen letztlich verlangsamen würden.
Einige Fed-Beobachter meinen jedoch, die Märkte hätten Powells Pressekonferenz zu eng interpretiert. So wiesen Ökonomen darauf hin, dass das Hauptaugenmerk der Fed darauf liege, die Inflation weiter einzudämmen. Sogar dann, wenn dies zu Lasten der Schaffung von Arbeitsplätzen gehe.
«Dot Plot» als Leitfaden
Darüber hinaus hat Powell Prognosen von Mitte Juni zitiert, wonach eine Zinserhöhung auf etwa 3,4 Prozent in diesem Jahr und auf 3,8 Prozent im Jahr 2023 stattfinden könnte. Dabei handelt es sich um Voraussagen, welche über den Markterwartungen liegen würden. Dieser so genannte "Dot Plot", den die Fed das nächste Mal im September aktualisieren wird, sei der beste aktuelle Leitfaden für die Pläne der US-Zentralbank in diesem und im nächsten Jahr, so Powell.
"Die Märkte haben zuerst geschossen und dann Fragen gestellt", sagte Neil Dutta, Leiter der US-Wirtschaftsforschung bei Renaissance Macro Research. "Ich glaube nicht, dass die Inflation auf solche Weise 'kooperieren' wird, dass Kürzungen plötzlich plausibel werden. Powell hat wiederholt geäussert, dass sich die Wirtschaft verlangsamen muss, um die Ziele der Zentralbank zu erreichen." Die Fed müsse mehr unternehmen.
Eine klassische Marktreaktion
Roberto Perli und Benson Durham von Piper Sandler halten fest, dass der Sprung bei den Aktienkursen und der stärkere Rückgang bei kurzfristigen Renditen als bei langfristigen Zinsen die "klassische" Marktreaktion sei, die man erwarten würde, wenn die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen gestiegen oder der Zeitpunkt vorverlegt worden wäre."
Aber Powells Kommentare waren "nicht die Worte eines Fed-Vorsitzenden, der sich in eine zurückhaltende Haltung begibt", schrieben der Ex-Fed-Beamte Perli, Leiter des Bereichs Public Policy, und Durham, Leiter des Bereichs globale Vermögensallokation.
"Die Märkte gehen eindeutig davon aus, dass die Fed weniger straffe Massnahmen ergreifen wird. Es war aber schwer, nach der Pressekonferenz den Eindruck zu erhalten, dass die Zentralbank in Zukunft zurückhaltender agieren wird", wie Analysten von NatWest Markets in einer Notiz schreiben. "Nach dem, was wir heute gehört haben, scheint unter den Fed-Mitgliedern die Meinung vorherrschend zu sein, dass sich der Leitzins für den Rest des Jahres noch erhöhen könnte."
(Bloomberg/cash)