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Um sich möglichst erfolgreich und effizient bewerben zu können, ist es hilfreich, sich mit folgenden Faktoren auseinanderzusetzen:
1. Deinen beruflichen Interessen, Neigungen und Erfahrungen
2. Argumente, die du auf Grundlage deiner Interessen, Neigungen und Erfahrungen in der Bewerbung aufführen kannst
Am zielführendsten wäre es natürlich, wenn du möglichst viele Berufe und Tätigkeiten über einen ausreichend langen Zeitraum ausprobieren könntest, damit du feststellen kannst, worin du gut bist, was dir Freude bereitet und dich längerfristig motiviert. Dieser Weg dürfte jedoch unrealistisch sein, da viele Firmen nicht die dafür benötigten Kapazitäten aufweisen.
Hast du auch sonst keine Optionen, dich in unterschiedlichen Berufsgruppen auszuprobieren, fehlen dir sowohl die Erfahrung und Kenntnisse bezüglich deiner beruflichen Neigungen und Interessen wie auch die daraus folgenden Argumente für die Bewerbung.
Abhilfe können dabei diverse Testverfahren schaffen, die entwickelt wurden, um Neigungen und Interessen abzuklären und eine entsprechende Hilfe bei der Berufswahl sein können.
Entwicklung der Testverfahren: Von der Drahtbiegeprobe zu modernen Berufseignungstests
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sehr viele Tests auf industrielle Berufe ausgerichtet, da die Nachfrage in diesem Sektor damals am grössten war. Die Testverfahren waren noch nicht mit Blick auf die individuellen Bedürfnisse oder Neigungen entwickelt worden, sondern dienten als Ausschlusswerkzeug, um die „Fähigen“ von den „Unfähigen“ zu trennen.
Eine solche Art von Testverfahren ist beispielsweise die Drahtbiegeprobe:
Der Proband muss den Draht so biegen, dass er möglichst genau der Form der Vorlage entspricht. Der Draht muss zudem so gebogen werden, dass weder am Anfang noch am Ende ein Rest übrigbleibt. Nach Abschluss einer vorgegebenen Instruktion muss der Proband den gebogenen Draht nach spätestens 20 Minuten abgeben. (Baumgarten, Franziska: Die Berufseignungsprüfungen. Theorie und Praxis, Oldenburg, München und Berlin 1928.)
Die Drahtbiegeprobe wird in modernisierter Form auch heute noch angewendet.
Da sich das Arbeitsumfeld, die Tätigkeiten und damit auch die Anforderungen an Arbeitnehmer:innen im Laufe der Zeit verändert haben, wurden auch die Testverfahren stetig weiterentwickelt und an die neuen Gegebenheiten und Anforderungen angepasst.
In den 70er Jahren rückten die sogenannten "Schlüsselqualifikationen" in den Fokus. Zu den Schlüsselqualifikationen (oder Soft Skills) gehören beispielsweise Teamfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Sprachkompetenzen, EDV-Kenntnisse, Lernkompetenz, Kreativität, Eigeninitiative, usw.
Zusätzlich zur Fachkompetenz rückten entsprechend auch die Sozial-, Methoden-, Selbst-, Handlungs- und die Medienkompetenz in den Fokus. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der zunehmenden Vielfältigkeit der Berufswelt nimmt dieser Trend weiterhin zu, was sich auch in der Vielzahl Testverfahren widerspiegelt, die heute zur Anwendung kommen.
Welche Testverfahren gibt es heute?
Testverfahren für Berufseinsteiger:
Für Berufseinsteiger gibt es sowohl Tests, die von den Firmen selber, Berufsverbänden oder Schulen angeboten werden wie auch kostenpflichtige und kostenlose Tests von unabhängigen Firmen, die den Bedürfnissen der Berufsfelder angepasst sind:
Weitere Infos dazu findest du auch auf Berufsberatung.ch oder mache einen Termin bei deinem BIZ.
Testverfahren für Berufserfahrene:
Im Internet findest du eine grosse Vielzahl an Testverfahren. Manche dieser Tests zur Selbsteinschätzung sind frei zugänglich, andere kostenpflichtig. Eine gute Übersicht über aktuelle Testverfahren findest du hier.
Für viele Tests für Berufserfahrene wird die Anleitung durch eine Fachperson empfohlen, resp. die Fachperson muss dir allenfalls sogar den Zugang zu den Testverfahren ermöglichen. Solche Fachpersonen sind beispielsweise Personalverantwortliche, Coaches oder Berufs- Studien- und Laufbahnberater:innen der regionalen BIZ.
Ebenfalls eine ganze Palette an Fragebögen und Arbeitsmitteln findest du auf der Laufbahndiagnostik-Plattform der ZHAW. Nach erfolgter Registrierung ist die Nutzung der Angebote kostenlos.
Kritik an Testverfahren
Heutige Testverfahren sind viel spezifischer und ausgefeilter als früher. Hat man zu Beginn konkrete Fähigkeiten gemessen, wie beispielsweise die Geschicklichkeit, lassen sich mit modernen Tests viel mehr Fähigkeiten und Kompetenzen erfassen, was auch die Auswertung entsprechend komplexer macht.
Dazu kommt, dass die Tests in einem begrenzten Zeitraum stattfinden und somit von der aktuellen Verfassung der Probanden abhängig sind. Weiter hat das Verhalten der Probanden ebenfalls eine Auswirkung auf das Ergebnis. Je ehrlicher du mit dir selber bist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis eine gewisse Aussagekraft hat, die auf dich zutrifft.
Ein Test kann dir allenfalls die Augen öffnen für Möglichkeiten, die du vorher nicht in Betracht gezogen hast. Neue Berufsgruppen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Ausbildungen aufzeigen, die du dir nicht zugetraut hättest oder die du nicht gekannt hast.
Somit kann ein Test durchaus ein erster Schritt, eine Art Leitfaden sein, anhand dem du eine Um- oder Neuorientierung vornehmen und deine Motivation positiv beeinflussen kannst.
Ein Test kann auch deine Argumente in der Bewerbung stärken, dich sicherer machen, da du mit den Ergebnissen eine Grundlage hast, auf die du dich beziehen kannst. Die Ergebnisse alleine reichen dabei als Argumente jedoch noch nicht aus, aber zumindest können sie dir eine gewisse Orientierung und Halt bieten.
Wir wünschen dir viel Glück und noch mehr Erfolg beim Bewerben 🚀.
Leben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben?
👉 In der nächsten Folge geht es um die Frage, warum wir arbeiten, um Work-Life-Balance und den Stellenwert von Arbeit.