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Statt ca. 4 Liter Blut habt Ihr in der Schwangerschaft 30-40 % mehr, also ca. 5-6 Liter Blut.
Das braucht Euer Körper, um die erhöhte Durchblutung der Organe wie Gebärmutter und Niere zu gewährleisten, aber auch zum Ausgleich des Blutdruckes bei den weitgestellten Venen in der Schwangerschaft und als Vorbereitung für den Blutverlust bei der Geburt. Normalerweise beträgt der Blutverlust bei der Geburt nicht mehr als einen halben Liter.
Um die Gebärmutter aber auch die Brüste zur Vorbereitung auf das Stillen gut durchbluten zu können und um das zusätzliche Blutvolumen zu verteilen, erhöht das Herz seine Leistungsfähigkeit. Die Herzfrequenz wird schneller und erhöht sich ca. um 15 Schläge pro Minute auf 85-95 Schläge pro Minute.
Gleichzeitig wirft das Herz pro Herzschlag mehr Blut aus. Dadurch erhöht sich die Leistungsfähigkeit des Herzens um 50 %.
Das Herz vergrössert sich durch die vermehrte Arbeit etwas. Die wachsende Gebärmutter schiebt das Herz nach oben und aussen.
Die Veränderungen des Herzens erklären, dass viele Frauen ihren Herzschlag in der Schwangerschaft gelegentlich sehr viel deutlicher spüren als ausserhalb der Schwangerschaft. Das Wahrnehmen des eigenen Herzschlages wird von vielen Menschen als sehr unangenehm empfunden.
Mehr Blut und grössere Herzleistung müsste den Blutdruck eigentlich bei allen Frauen erhöhen. Durch die Weitstellung der Blutgefässe versackt aber ein grosser Teil des Blutes im venösen System und deshalb ist der Blutdruck bei den meisten Frauen nicht erhöht, sondern tendenziell eher tiefer. Speziell in der 16-20 SSW klagen viele Frauen über einen tiefen Blutdruck mit Müdigkeit, Schwindel und Schwächegefühl.
Tips bei tiefem Blutdruck und anderen Beschwerden gibt es →hier.
Die Menge des Blutes nimmt wie gesagt um ca. 30% zu.
Die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff binden und transportieren, nehmen um ca. 20-25 % zu. Der flüssige Anteil des Blutes, das sogenannte Blutplasma nimmt im Verhältnis noch mehr zu. Das Blut wird dadurch „wässriger“. Das ist wichtig, damit das Blut leichter vom Herzen transportiert werden kann und erleichtert auch den Stoffaustausch an der Plazenta, wo sich Nährstoffe und Gase zwischen kindlichem und mütterlichem Blut austauschen .
Durch diese gewünschte Blutverdünnung sinkt der Eisenwert und es entsteht bei allen Frauen eine ganz normale Schwangerschafts-Anämie. Der Wert sollte aber nicht tiefer als 11 mg/dl sinken. Dann spricht man von einer wirklichen Anämie, einem Eisenmangel. Infos und Tips dazu gibt es [hier].
Verdünntes, „wässriges“ Blut bedeutet eigentlich, dass es schwieriger ist, eine Blutung zu stoppen. Das wäre für die Geburt allerdings eine Gefahr. Und deshalb steigen die Gerinnungsfaktoren in eurem Blut, so dass der Blutverlust bei der Geburt trotzdem meistens nicht höher als ein halber Liter ist.
Ich finde es immer wieder so faszinierend, wie die Natur ganz gegensätzliche Aufgaben löst!