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DIE STÜCKE
Die hier eingespielten Sonaten in B-dur und a-moll sind repräsentativ für den Höhepunkt von Weiss’ kompositorischem Schaffen. Sie finden sich in der einen grossen Werksammlung, dem so genannten «Dresdner Manuskript». Dort trägt die B-dur Sonate die Nummer 25 (entspricht der Smith-Crawford-Nummerierung 49), die Introduzzione stammt aus Sonate Nr. 27 (S-C Nr. 50). Die Sonate in a-moll ist im Dresdner Manuskript unter der Nummer 16 wiedergegeben (S-C Nr. 43), das Bourrée, Posato stammt aus Sonate Nr. 14 (S-C Nr. 42). Beide Werke entstanden vermutlich nach 1725 und sind für 13-chörige (Barock-)Laute geschrieben. Das Prélude und die Fantasie in c-moll finden sich in der zweiten grossen Sammlung, dem so genannten «Londoner Manuskript», welches die frühere Schaffenszeit von Weiss umfasst. Das Prélude stammt aus der Sonate in c-moll (Londoner Manuskript Nr. 21, S-C Nr. 27) und ist für 13-chörige Laute geschrieben, wobei der letzte Chor nicht verwendet wird. Die Fantasie in c-moll (Londoner Manuskript Nr. 16, S-C Nr. 9) trägt den Zusatz «Weiss 1719 à Prague» und ist für ein 11-chöriges Instrument notiert.
MUSIKALISCHE EINFLÜSSE
Der aufmerksame Hörer entdeckt in diesen Werken den Lebensweg von Silvius Leopold Weiss, insbesondere den unüberhörbaren Einfluss, den der italienische Musikstil auf Weiss ausübte. Dies findet auch in der von Weiss oft gewählten italienischen Bezeichnungen Suonata, Introduzzione oder Presto ihren Niederschlag. Sonst folgen die Sätze dem damals dominanten französischen Stil (Allemande, Courante, Bourrée, Sarabande, Menuet usw.). Die Verbindung von musikalischen Einflüssen aus Frankreich und Italien war zu dieser Zeit üblich. Dennoch – oder gerade deswegen – ist das Lautenwerk von Weiss typisch für den Deutschen Spätbarock und in seiner Art unvergleichlich.
IMPROVISATION
Wir dürfen annehmen, dass die Interpretation von Yasunori Imamura dem Genie von Weiss in Komposition und Vortrag gerecht wird. Das Prélude der Sonate in a-moll ist eine Improvisation Imamuras. Ganz in der Tradition der damaligen Zeit, sind die Präludien oft nicht notiert. Das Präludium war der Ort, in welchem der Interpret seine Improvisationskunst unter Beweis stellen konnte. Auch diese hohe Kunst beherrscht Imamura und macht damit dem grossen Vorbild Silvius Leopold Weiss alle Ehre.
BEAT HÄNGGI
Yasunori Imamura
Yasunori Imamura wurde in Osaka (Japan) geboren. Er studierte Laute bei Eugen M. Dombois und Hopkinson Smith an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er mit dem Solistendiplom abschloss. Daneben hat er Aufführungspraxis und Generalbassspiel bei Ton Koopman und Johann Sonnleitnerund Kompositionen bei Wolfgang Neininger studiert.
Heute ist Imamura als Solist und Generalbassspieler weltweit gefragt. Er ist Professor für Laute am Conservatoire National de Région de Strasbourg und hat einen Lehrauftrag für Laute an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main. Daneben leitet er verschiedene Meisterkurse in Europa und Fernost.
Als Solist hat er Solo-CDs aus den Lautenwerken von Johann Sebastian Bach, Silvius Leopold Weiss, Robert De Visée und Simone Molinaro aufgenommen. Als Generalbassspieler hat er mit Künstlerinnen und Künstlern wie Cecilia Bartoli, Teresa Berganza, Gérard Lesne, Marc Minkowski, William Christie, Martin Gester, Jean-Claude Malgoire, Jos van Immerseel und Alan Curtis zusammengearbeitet. Über hundert Einspielungen sind daraus entstanden. Imamura ist Mitglied der Ensembles «La Stagione Frankfurt», «Les Musiciens du Louvre» (Grenoble)‚ «Le Parlement de Musique» (Strasbourg) sowie der «Camerata Köln».
Seit 1997 leitet er das Ensemble «Fons Musicae», mit dem er in ganz Europa und Fernost konzertiert. Bis jetzt hat das Ensemble fünf CDs aufgenommen (Lambert, Bononcini, Steffani, Caldara und Gasparini), welche mit verschiedenen Preisen wie «Classica» oder «Sterne des Monats» ausgezeichnet wurden.