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Spinnprozess (Video 1)
Spinnen ist, wie das Weben, eine der ältesten Techniken der Menschheit. Die Verfahren verfeinerten sich im Lauf der Zeit schrittweise, und es entstanden neue Techniken, um die Fäden herzustellen. Daher bedeutet Spinnen heute dreierlei:
- Es steht für den ganzen Prozess der Herstellung von Garnen aus einer Masse von Fasern endlicher Länge: mit Reinigen, Mischen und Parallel-Legen der Fasern, sowie der Fadenbildung durch Verziehen und Verdrehen samt anschließendem Aufspulen.
- Oft bezeichnet es nur den Teilprozess des Verziehens und Verdrehens von Fasern. Von Hand lassen sich Fasern quasi direkt auseinanderziehen und per Spinnrad verspinnen. Für maschinelles Spinnen müssen die Fasern bereits in einem gleichmäßigen Strang, dem Streckband, gerichtet vorliegen. Verstrecken und Verdrehen bringen die gewünschte Garnfeinheit und Festigkeit zustande.
Man spricht dann von Stapelfasern bzw. Spinnfasern.Versponnen werden z. B. Pflanzenfasern wie Baumwolle, Flachs oder Hanf, synthetische Fasern wie Polyamid, PET, tierische Fasern wie Wolle oder Seide, früher gar menschliche Haare oder mineralische Fasern wie Asbest.
Das Produkt beim Spinnen heißt Garn. Der Ausdruck Faden wird dafür nicht verwendet. Die wichtigsten Kenngrößen eines gesponnenen Garnes sind neben der verwendeten Faser das Gewicht pro Länge (Garnfeinheit) und die Festigkeit (Bezugsdehnung/Reißkraft). Hierbei ist die Spinngrenze zu beachten. Grundsätzlich gilt: Je feiner das Garn, desto feiner die verwendeten Fasern und desto aufwendiger der Spinnprozess. Daher: Je feiner das Garn, desto teurer.
Die Weiterverarbeitung des fertig gesponnenen Garns erfolgt auf unterschiedlichste Art, z. B.:
- in Form einer weiteren Veredelung als Garn durch Zwirnen und Färben
- durch Umwandlung in textile Flächen durch Weben, Stricken und Wirken
- als Arbeitsmaterial beim Nähen und Sticken
Kettbaum (Video 2 und 3)
Der Zettelbaum oder auch Teilkettbaum ist eine Walze, die in der Webereivorbereitung benötigt wird.
Von einem Spulengatter wird Garn, das spätere Kettgarn, auf den Zettelbaum aufgespult. Das Garn mehrerer Zettelbäume wird anschließend zu einem Kettbaum zusammengeführt bzw. assembliert. Dieser Vorgang ist oft mit dem Schlichten kombiniert, bei dem das Garn beschichtet wird um weniger Reibung im Webprozess zu verursachen.
Die Anzahl der Garne auf dem Zettelbaum ist nicht so hoch wie die Kettfadendichte auf dem Kettbaum und im Gewebe selbst. Für ein Gewebe werden oft mehrere tausend Kettfäden nebeneinander benötigt. Diese Fäden werden von einem Gatter abgezogen auf dem nur einige hundert Spulen Platz finden. Daher werden die Fäden erst in geringer Anzahl auf Zettelbäume aufgespult bevor mehrere Zettelbäume zusammengeführt werden.
Zettelbäume werden immer dann verwendet, wenn große Kettfadenlängen und nur einfache Muster benötigt werden. Ein alternatives Verfahren ist das Schären, das zwar aufwändiger ist, aber eine größere Musterung zulässt.
Schlichten
Die Schlichte ist eine Imprägnierflüssigkeit, welche auf textile Fäden etwa durch Sprühen oder Tauchen vor der Weiterverarbeitung wie dem Weben aufgebracht wird. Ein beschlichteter Faden ist geschmeidiger und widerstandsfähiger gegen mechanische Belastung. Ohne Beschlichtung kann ein Kettfaden durch die ständige Reibung am Schussfaden leicht brüchig werden und schließlich reißen.
Schären
Garnprüfung
Entwerfen vom Gewebe in 3D
Bevor man ein Gewebe produziert, muss das Muster entworfen werden.
Vom einfachen 1/1 Gewebe bis zur komplizierten Bindung wird eine sogenannte Schlagpatrone erstellt. Früher waren es Lochkarten wie du in einzelnen Videos sehen kannst. Heute geschieht dies durch Programmierung am PC.
Man hat wie in diesem Video die Möglichkeit, das Gewebe virtuell schon am Bildschirm zu betrachten.
Dadurch kann man dem Kunden schon vor der Produktion des Gewebes zeigen, wie es schlussendlich aussehen wird.