Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/974

Emma Watson und Daniel Radcliffe haben zwei Dinge gemeinsam: Sie spielten Hauptrollen in der erfolgreichsten Fantasyfilmserie aller Zeiten, und sie setzen nun alles daran, mit ihrer weiteren Rollenwahl ihr Image als jugendliche Zauberlehrlinge Hermione Granger und Harry Potter abzustreifen.
Im Film «The Perks of Being a Wallflower» (ab 8. November 2012 im Kino) spielt Emma Watson (22) ein Highschool-Girl in einer Aussenseiterclique. Sie gilt als Flittchen, verliebt sich in das Mauerblümchen («Wallflower») Logan Lerman und ist Stiefschwester eines selbstbewussten jungen Schwulen (Ezra Miller), mit dem sie im Laufe der Story noch dazu einen Auftritt in dem schräg-verruchten Klassiker «The Rocky Horror Picture Show» hat.
Und in Sofia Coppolas «The Bling Ring», der nächstes Jahr in die Kinos kommt, spielt sie ein Celebrity-besessenes Mädchen, das bei Stars einbricht. Dabei war Watson gegen Ende der Potter-Jahre gar nicht so sicher, ob sie die Schauspielerei überhaupt weitermachen will. Wohl auch deshalb hat sie ein Englisch-Studium aufgenommen, das sie nun 2013 in Oxford abzuschliessen plant. Mittlerweile scheint aber klar, dass sie ihre Vorbehalte gegenüber dem Filmen aufgegeben hat, steht sie doch für diverse weitere Projekte vor der Kamera, unter anderem in «Noah» mit Anthony Hopkins und Russell Crowe.
Daniel Radcliffes (23) Schritt weg von «Harry Potter» war deutlich radikaler. Bereits 2007 spielte er die Rolle des psychisch angeschlagenen Stallburschen im Theater-Klassiker «Equus». Darin hat er eine fast schon sexuelle Obsession mit Pferden und steht gegen Schluss rund 10 Minuten lang komplett nackt auf der Bühne. Das Stück im Londoner West End kam bei Publikum und Kritik derart gut an, dass es auch am New Yorker Broadway gespielt wurde. Dort sang, tanzte und spielte Radcliffe ausserdem 2011 vor regelmässig ausverkauftem Haus im Musical «How to Succeed in Business Without Really Trying». Es zeigte sich, dass der ehemalige Zauberlehrling über erhebliches komödiantisches und Entertainer-Talent verfügt.
Radcliffes erster grosser Post-Potter-Film war «The Woman in Black», ein fast schon altmodischer, sehr atmosphärischer Geisterfilm, in dem er einen jungen Anwalt spielt, der ein seit längerem leerstehendes Haus in einem abgelegenen Moor für den Verkauf vorbereiten soll. Schnell jedoch wird er in unheimliche Vorgänge verwickelt. Ein klarer Bruch mit dem Fantasygenre wird 2013 «Kill Your Darlings», in dem Radcliffe den schwulen Poeten Allen Ginsberg spielt, eine Ikone der amerikanischen Beat Generation um Jack Kerouac und William S. Burroughs, die im Film ebenfalls auftauchen. Und unlängst machten Fotos die Runde, die Radcliffe mit «Mad Men»-Star Jon Hamm gemeinsam in einer Badewanne zeigen: erste Bilder aus der britischen TV-Miniserie «A Young Doctor's Notebook», in dem die beiden dieselbe Figur spielen, einen Arzt, der sich an seine Zeit im Ersten Weltkrieg zurück erinnert.
Auch der dritte im Bunde, Rupert Grint alias Ron Weasley (24), bleibt dem Kino treu, obwohl seine Projekte in den Medien deutlich weniger Aufmerksamkeit erregen als die seiner Co-Stars. Schon 2009 spielte er an der Seite des britischen Teenie-Schwarms Robert Sheehan («Misfits») in «Cherrybomb», ein sensibles Drama über Freundschaft, Eifersucht, Leid und Freud der ersten Liebe. Aber weder damit noch mit der Krimikomödie «Wild Target» (2010) oder dem Kriegsdrama «Into the White» (2012) erlangte er grössere Publizität. Zumindest in den Kreisen der Punkrock-Fans dürfte sich das 2013 mit „CBGB“ ändern, in dem Grint den amerikanischen Punkrocker Cheetah Chrome spielt (übrigens an der Seite seines Potter-Co-Stars Alan Rickman).
Der fiese Gegenspieler des Helden-Trios, Tom Felton alias Draco Malfoy (25), stand schon vor Potter mit zwölf Jahren in einem grossen Film vor der Kamera: Er spielte Jodie Fosters Sohn in «Anna and the King» (1999). Anders als seine Co-Stars setzt er nach der «Harry Potter»-Serie weiterhin stark auf das Genre des fantastischen Films. Letztes Jahr hatte er eine kleine Rolle im exzellenten SciFi-Drama «Rise of the Planet of the Apes» und blieb dort als fieser Wärter einer Affenanlage seiner Rolle als «Bad Guy» treu.
Pech hatte er mit dem Horror-Film «Apparition», der nach einigen Problemen erst mit grosser Verzögerung in die US-Kinos kam und dann dort wenig erfolgreich lief. Dem Fantasy-Genre bleibt er auch weiterhin treu: einerseits mit «Fangs of War», der die Dracula-Story etwas abgewandelt in den Zweiten Weltkrieg verlegt und nächstes Jahr abgedreht sein dürfte, andererseits mit der britischen Mini TV-Serie «Labyrinth», in der zwei Archäologinnen den Heiligen Gral suchen.