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Als mit Bümpliz und Ostermundigen die ersten Kandidaten für eine Eingemeindung auftraten, stellte sich im Frühjahr 1915 der Stadtrat von Bern auf den Standpunkt, die Eingemeindungsfrage müsse in einem grösseren Rahmen gelöst werden. An einer vom Regierungsrat einberufenen Konferenz stimmten Bümpliz und Ostermundigen dem erweiterten Eingemeindungsprojekt von Bern vorbehaltlos zu. Ittigen war nicht grundsätzlich gegen eine Fusion, aber nicht in der vorgesehenen Form. Bolligen und Köniz wehrten sich gegen die Abtretung von Teilgebieten – und Muri stellte sich grundsätzlich gegen eine Eingemeindung, da aus seiner Sicht kein Bedürfnis dafür vorliege.
Ab 1918 verbesserte sich die Lage der Vororte infolge des Übergangs von der arbeitsörtlichen zur wohnörtlichen Steuerpflicht. Doch die Eingemeindungsfrage blieb weiterhin virulent. Insbesondere Bremgarten hielt an der Fusionsabsicht fest. In dessen Fall weigerte sich die Stadt Bern wegen des Aaregrabens auch aus geographischen Gründen und drängte den Regierungsrat, auf finanzkräftigere Gemeinden Druck auszuüben, ihrerseits mit Bern zu fusionieren, um eine finanziell ausgewogene Lösung zu erreichen. Aber dieser meinte, vorläufig sei nur Bremgarten dringend. Nachdem die Eingemeindung von Bümpliz höhere Kosten verursachte als angenommen, war der Berner Gemeinderat zu keiner Unterstützung Bremgartens bereit, bevor nicht Gemeinden wie Muri und Köniz als Ausgleich miteinbezogen würden.
In dieser Pattsituation setzte der Regierungsrat 1925 eine «Ausserparlamentarische Kommission zur Eingemeindung von Aussengemeinden der Stadt Bern» ein. Doch auch eine zeitraubende Umfrage bei den Gemeinden hatte keine Folgen. Zehn Jahre später erklärte Stadtpräsident Hermann Lindt (1872−1937), Eingemeindungen stünden nicht mehr im Vordergrund, die Bildung von Gemeindeverbänden sei zweckmässiger. Die Gemeinde galt damals überhöht als notwendiges Grundelement der Demokratie; augenfälliges Sinnbild des Föderalismus war die Höhenstrasse an der Landesausstellung von 1939 in Zürich mit den Fahnen der 3000 Gemeinden.
Gross-Bern?
Haupthindernisse in den jahrelangen Verhandlungen um die Eingemeindungsfrage waren die kategorischen Haltungen Muris und der Stadt Bern. Im Falle der Stadt war in der Zwischenzeit eine neue Frage hinzugekommen: «Soll Bern Grossstadt werden?», überschrieb die Berner Woche 1932 den Beitrag eines Architekten anlässlich des Wettbewerbs für einen Allgemeinen Erweiterungsplan der Stadt Bern und ihrer Vororte. Schon 1918 hatten Berner Architekten angeregt, die Stadterweiterung nicht privater Willkür zu überlassen, sondern das zukünftige Gross-Bern als organisches Ganzes zu gestalten. Ernst Reinhard (1889−1947), Baudirektor der Stadt Bern, schrieb 1942: «Bern will keine Grossstadt schaffen, sondern einen Freundschaftsverband der Stadt mit dem Kranz kräftiger Ortschaften, der sie umgibt; es will keine neuen Aussenquartiere, sondern selbständige Vororte, die mit ihm vertrauensvoll zusammenarbeiten.»[1]
Gemeindeverband und neue Ansätze
Es sollte allerdings noch zwei Jahrzehnte dauern, bis es soweit war. Die Idee, Zweckverbände oder Gemeindeverbände zur Bewältigung gemeinsamer Aufgaben zu bilden, war zwar schon Mitte der 1920er-Jahre als anpassungsfähige Lösung, welche die Gemeindeautonomie nicht tangiert, in der Diskussion aufgetaucht. Die Eingemeindung wurde allmählich als letzter Ausweg angesehen, wenn alle andern Mittel nicht halfen. 1952 vereinbarten die Stadt Bern und Bremgarten in einem Gemeindeverband die jährliche Ausrichtung von finanziellen Zuschüssen.
Schliesslich kamen im Frühjahr 1962 die Stadt und die Nachbargemeinden Bolligen, Muri, Köniz, Bremgarten und Zollikofen zwecks Bildung einer Arbeitsgemeinschaft für eine planerische Zusammenarbeit zu einer Konferenz unter dem Vorsitz des damaligen Regierungspräsidenten zusammen, worauf im folgenden Jahr die Gründung des Regionalplanungsvereins der Stadt Bern und umliegenden Gemeinden gelang. 1980 erfolgten Statutenänderung und Umbenennung in Verein für die Zusammenarbeit in der Region Bern, 1996 die Verkürzung zu Verein Region Bern (VRB).
Seit 2010 ist die Regionalkonferenz Bern-Mittelland das Organ für die verbindliche regionale Zusammenarbeit im Gebiet von 77 Gemeinden des gleichnamigen Berner Verwaltungskreises; die Aufgaben betreffen Raumplanung, Verkehr, Kultur, Regionalpolitik und Energieberatung. Die Kulturkommission der Regionalkonferenz hat den Kompetenzbereich der früheren Regionalen Kulturkonferenz RKK Bern übernommen. Ebenfalls 2010 wurde der Verein Hauptstadtregion Schweiz gegründet, der als Zusammenschluss der Kantone Bern, Freiburg, Neuenburg, Solothurn und Wallis sowie mehrerer Regionen und Gemeinden das Potential Berns als nationales Zentrum von Politik und Verwaltung im Wettbewerb der Metropolitanräume stärken will. Die um Jura und Waadt erweiterte Organisation der gleichen Kantone unter dem Namen Espace Mittelland war 2009 aufgelöst worden, da sie die gesteckten Ziele nicht erreicht hatte. Quasi nahtlos daran anschliessend nahm 2009 der Verein Bern NEU gründen seine Tätigkeit auf. Er beabsichtigt, Debatten zu lancieren und Lösungen aufzuzeigen, um Stadt und Agglomeration Bern zu stärken und politisch neu zu strukturieren. Seine Vision ist es, dass dereinst die politischen Grenzen der Stadt den realen Verhältnissen in der Kernagglomeration Bern angepasst sind.
[1] Ernst Reinhard: Lebendiges Bern. Bern/Basel/Rickenbach-Olten 1942, S. 15.