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Sie waren stets eine Minderheit und mussten sich erstickendem Sexismus widersetzen. Und sie scherten sich einen Deut darum und gaben Gas.
Gestatten, Catie Munnings:
Catie ist eine 23-jährige britische Rallye-Fahrerin, Gewinnerin der FIA European Rally Championship Ladies Trophy 2016 und aktuell unter Vertrag bei Andretti United Extreme E. Und Munnings steht hier stellvertretend für den Nachwuchs einer stetig wachsenden Gilde von Rennfahrerinnen weltweit.
Aber: Trotz der Erfolge von Damen wie Danica Patrick (IndyCar), Ashley Force Hood (Dragster) und anderer Grössen des Sports ist die Frauenquote nach wie vor gering. Dabei gab es seit Beginn der Geschichte des Automobils etliche eigenwillige Damen, die sich hinter das Steuer setzten und Gas gaben. Und sich dabei gegen erstickenden Sexismus durchsetzten.
Dieses Zitat stammt vom australischen Rennfahrer Paul Hawkins, der nach einem Crash im 12-Stunden-Rennen von Sebring 1967 die Schuld dem Rennteam von Janet Guthrie und Liane Engeman gab. Nur so als Beispiel für das, womit sich Rennfahrerinnen herumschlagen mussten.
Gut, dass es immer wieder Frauen gab, die sich einen Deut darum scherten. Vorhang auf für sechs sehr, sehr coole Pionierinnen aus der Geschichte des Rennsports:
Liane Engeman begann ihre Rennkarriere in den Sechzigerjahren in den heimatlichen Niederlanden in Mini Coopers. Bald aber nahm sie an der britischen Tourenwagen-Meisterschaft teil, gefolgt von Formel 3, bis sie schliesslich bei der Meisterschaft des Sports Car Club of America (SCCA) mitfuhr. In den USA spannte sie oftmals mit Kolleginnen wie Janet Guthrie, Donna Mae Mims oder Suzy Dietrich in reinen Frauenteams zusammen. Doch auch in Europa blieb sie präsent, fuhr unter anderem die 24 Stunden von Le Mans oder Targa Florio.
Engemans Co-Fahrerin am 1967er Langstreckenrennen von Sebring war Janet Guthrie, die von Beruf eigentlich Luft- und Raumfahrt-Ingenieurin war und Rennsport anfänglich nur als Hobby betrieb (nur so von wegen «Eine Frau gehört an den Herd»). Sie erwies sich aber als derart talentiert, dass sie ab 1972 vollberuflich Rennen fuhr. Guthrie schrieb Motorsportgeschichte als erste Frau, die sowohl am Indianapolis 500 als auch am Daytona 500 teilnahm. Ausserdem war sie die erste Frau, die in einem Rennen der NASCAR Winston Cup Series führte.
Zeitlebens engagierte sie sich wortstark gegen den strukturellen Sexismus in der Branche. In ihrem konkreten Fall äusserte sich das darin, dass sie – obwohl sie als Frau viel mehr Publicity als die männlichen Kollegen bekam – dennoch stets Schwierigkeiten bekundete, adäquates Sponsoring zu finden.
Bevor Mariette Hélène Delangle eine Ikone des Motorsports wurde, hatte sie bereits eine erfolgreiche Karriere als Model und Balletttänzerin absolviert. Derart erfolgreich, dass sie sich mit 26 Jahren bereits ein Landanwesen und eine Jacht erstehen konnte. Doch ein Skiunfall mit Knieverletzung beendete die Tanzkarriere von Hellé Nice, wie ihr Künstlername lautete, weshalb sie auf Autorennsport umsattelte und prompt grosse Erfolge in Grand Prix, Rally und Bergrennen erzielte.
Im Jahr 1936 lag sie beim Grand Prix von São Paulo auf dem dritten Platz, als ihr Alfa Romeo sich überschlug und in die Tribüne krachte, wobei sechs Menschen starben. Nice wurde aus dem Auto geschleudert und landete auf einem Soldaten, der die volle Wucht des Aufpralls abfing und ihr das Leben rettete. Die Wucht des Aufpralls tötete den Soldaten, und versetzte Nice in ein Koma, aus dem sie drei Tage später erwachte.
Ihr Sozial- und Liebesleben war ebenso extravagant wie ihre Fähigkeiten hinter dem Steuer und Hellé Nice unterhielt Liebschaften mit etlichen Rennfahrer-Kollegen ihrer Ära. Doch das (sehr wahrscheinlich erfundene) Gerücht, sie habe während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg eine Liason mit einem SS-Angehörigen unterhalten, verunmöglichte eine Wiederaufnahme ihrer Karriere nach dem Krieg. Das Stigma haftete und Nice würde nie wieder an einem Autorennen teilnehmen. Auch ihre Familie wandte sich von ihr ab und Hellé Nice lebte in zunehmend ärmlichen Verhältnissen, bis sie mit 83 Jahren vergessen in Nizza verstarb.
So spricht jemand, die als erste Frau die nationale Meisterschaft des Sports Car Club of America (SCCA) gewann. So taff ihr sportliches Ethos auch war, achtete Donna Mae Mims stets darauf, ihren Spass am Wettkampf zu haben. Und zum Spass gehörte, sich das Image als The Lady In Pink zuzulegen: Rosafarbene Renn-Anzüge; ihre Autos – Mims fuhr u.a. MGB, Corvette, Chevrolet Corvair, Triumph TR-3, Austin Healey Sprite – waren ebenfalls allesamt in Pink lackiert.
1972 nahm Mims am illegalen Cannonball-Run-Strassenrennen von New York nach Los Angeles teil, als Teil eines reinen Frauenteams, das später die Inspiration für die Lamborghini-Damen im Film «Cannonball Run» war.
Mims starb 2009 an einem Schlaganfall. Gemäss ihren Wünschen wurde ihr Leichnam zur Aufbahrung auf den Fahrersitz einer pinkfarbenen Chevrolet Corvette gesetzt.
«Heutiger Rallyesport ist für Jungs. Gruppe B war für Männer.» So heisst es in der Einführung jenes Videos mit haarsträubend gefährlichen Szenen aus den Wettkämpfen der Achtzigerjahre, als gefährlich übermotorisierte Gruppe-B-Autos in halsbrecherischem Tempo sich durch unkontrollierte Zuschauermengen schlängelten. Nun, abgesehen davon, dass jener Spruch ordentlich doof ist, lässt er zudem komplett ausser Acht, dass eine der erfolgreichsten Fahrerinnen dieser Ära kein Mann war. Michèle Mouton – die anfänglich für Alpine und Fiat fuhr, später für Audi und Peugeot – gilt als die erfolgreichste und bekannteste Rallyefahrerin der Motorsport-Geschichte.
Nach mehreren schweren Unfällen verbot die Fédération Internationale de l’Automobile 1986 die weitere Verwendung von Gruppe-B-Fahrzeugen im Rahmen der Rallye-Weltmeisterschaft. Kurz danach beendete Mouton ihre Karriere. Mit als Grund nannte sie, dass die neuen, aus ihrer Sicht «gezähmten», Autos langweilig zum Fahren seien. Dennoch blieb sie im Sport präsent und seit 2011 ist sie offizielle WRC-Managerin der FIA.
Verehrte Damen und Herren, wir präsentieren: Dorothy Levitt, erste Rennfahrerin Grossbritanniens, Weltrekordhalterin des allerersten Geschwindigkeitsrekords auf dem Wasser, Inhaberin des Weltrekords für Frauen auf dem Land, Feministin, Autorin, gelegentliche Gesetzesbrecherin und ganz offensichtlich eine ziemliche Exzentrikerin.
Geboren 1882 als Elizabeth Levi in Hackney, London, brachte sie Königin Alexandra und den Prinzessinnen das Autofahren bei. Im Jahr 1905 stellte sie den Rekord für die längste Fahrt einer Automobilistin auf, indem sie einen De Dion-Bouton in zwei Tagen von London nach Liverpool und zurück fuhr, was ihr von der Presse den Übernamen «Fastest Girl In the World» einbrachte. Sie wurde einmal mit einem Bussgeld von 5 Pfund belegt, weil sie im Hyde Park zu schnell gefahren war und, als sie angehalten wurde, dem Polizeibeamten bedeutete, sie «würde gerne jeden Polizisten überfahren und wünschte sich insbesondere, sie hätte gerade ihn überfahren und dabei getötet».
Levitts Buch «The Woman and the Car: A Chatty Little Handbook for all Women who Motor or Want To», das 1909 erschien, empfahl Frauen, «immer eine Handfeuerwaffe bei sich zu tragen». Und ausserdem «beim Autofahren einen kleinen Handspiegel an einer geeigneten Stelle zu tragen, damit sie ihn von Zeit zu Zeit hochhalten können, um beim Fahren im Verkehr nach hinten zu sehen» – womit sie nachweislich den Rückspiegel erfand, Jahre bevor er 1914 von einzelnen Automobilherstellern eingeführt wurde.
Im November 1906, nach dem Aufstellen ihres neuen Weltrekords, war Levitt Gegenstand eines ganzseitigen Profils in der National Penny Illustrated Paper, das die Überschrift trug, «The Sensational Adventures of Miss Dorothy Levitt, - Champion Lady Motorist of the World». In dem Artikel beschrieb sie das Gefühl, mit grosser Geschwindigkeit unterwegs zu sein: