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Die beiden grossen Jahre von Xamax
Dank des Geldes und der guten Kontakte von Präsident Gilbert Facchinetti und des Fachwissens von Trainer Gilbert Gress mauserte sich Neuchâtel Xamax in den 1980er-Jahren zum Schweizer Spitzenklub. Die Neuenburger Hochphase gipfelte in den beiden Meistertiteln 1987 und 1988 - bis heute die einzigen in der Geschichte des Klubs.
IN den 19080er Jahren war in Neuchâtel etwas Besonderes am Heranwachsen. Unter dem langjährigen Präsidenten Gilbert Facchinetti, der von 1979 bis 2005 im Amt war, und Trainer Gilbert Gress wurde die Mannschaft kontinuierlich verstärkt. 1981 - noch ohne Gress - erreichte Xamax mit Rang 3 zum ersten Mal das Podest der Schweizer Meisterschaft. Mit dem Coach aus dem Elsass folgten hinter den beiden Liga-Dominatoren GC und Servette die Positionen 4, 6, 4, 3 und 2. Schon bei diesem Titel des Vizemeisters 1986 sahen die Neuenburger lange wie der neue Meister aus, wurden aber von den Berner Young Boys in einem fulminanten Schlussspurt im direkten Duell auf der Maladière noch überholt.
Für die nächste Spielzeit hatten die aufstrebenden Rot-Schwarzen aber offensichtlich die richtigen Lehren gezogen und konnten in der Saison 1986/87 endlich den grossen ersten Triumph feiern. Es war die letzte Saison in der 16er-Liga. In der darauffolgenden Saison 1987/88 kam zum ersten Mal der neuartige 12-Modus mit Qualifikation, Finalrunde und Auf-/Abstiegsrunde zum Einsatz. Der Titelverteidiger gehörte ohne Wenn und Aber auch in der neuen Spielzeit zum Favoritenkreis. Im Jahresbericht des Komitees der National-Liga 1987/88 wurde der Saisonverlauf, inklusive Sensation zur Winterpause, wie folgt beschrieben:
«Mit grosser Spannung waren die Auswirkungen der neuen Meisterschaftsformel erwartet worden. Diese kündigten sich schon beim Abschluss der in der Spitzenklasse äussert hart umkämpften Qualifikationsrunde sehr positiv an. Schliesslich blieben mit dem FC Basel und dem FC Zürich zwei Teams auf der Strecke, die wenige Jahre zuvor als Meister und Cupsieger geglänzt hatten. Dasselbe wiederfuhr der AC Bellinzona und dem FC Sion, die dann im Frühjahrsprogramm beide den Platz in der NLA zurückgewannen. Basel wie Zürich bestanden hingegen ihr Examen nicht und wurden in die NLB relegiert.»
Als Sieger dieser erstmals durchgeführten Qualifikation ging Titelverteidiger Neuchâtel Xamax hervor, jedoch mit nur einem Punkt Vorsprung auf den Grasshopper Club Zürich und fünf Zähler vor dem BSC Young Boys. Im Hinblick auf die Finalrunde der besten acht Mannschaften wurden die Punkte halbiert, was zusätzliche Spannung ins Meisterrennen brachte, wie der Jahresbericht in Erinnerung ruft:
«Überaus attraktiv verlief in der Folge die Endrunde der acht Meisteranwärter. Der meist führende Titelträger Neuchâtel Xamax vermochte sich erst im allerletzten Spiel gegen den erstaunlich starken FC Aarau, die Grasshoppers und Servette neuerdings durchzusetzen, die alle ihre Chance zu wahren suchten. In ihrer direkten Auseinandersetzung auf dem Hardturm mobilisierten GC und Aarau mit 27'500 Zuschauern den Rekordbesuch dieser an Höhepunkten reichen Finalrunde!»
Wie spannend die letzten Runden der Meisterschaft 1987/88 im Detail verliefen, geht aus diesem Text nicht hervor. Blicken wir zurück: In der drittletzten Runde bezwang das Zweitplatzierte Xamax den überraschenden Leader Aarau vor 21'500 Fans auf der Maladière mit 2:0 und holte sich die Tabellenspitze zurück. Dahinter lauerten die Favoriten GC und Servette. In Runde 35 kam es zum grossen Zusammenschluss, weil Xamax gegen YB mit 0:1 verlor, die direkten Konkurrenten aber punkteten. So lautete die Tabelle vor der Schlussrunde: Xamax und Aarau je 30 Punkte +8 Tore, Servette 28 Punkte +11 Tore und GC 28 Punkte +1 Tor. Bei Punktgleichheit am Ende der Saison entschied die Tordifferenz über die Klassierung.
Drei Duelle am 1. Juni 1988 mussten also die Entscheidung bringen: Xamax empfing St.Gallen, im einzigen Direktduell trafen GC und Aarau aufeinander und Servette musste gegen Lausanne-Sports antreten. GC und Servette konnten nur Meister werden, wenn weder Xamax noch Aarau punkteten (es galt noch die 2-Punkte-Regel).
Aarau für wenige Minuten Schweizer Meister
Bereits in der 4. Minute setzte Servette mit dem 1:0 durch John Eriksen gegen Lausanne Druck auf. Nach 14 Minuten vermeldete der Totomat das 1:0 von Aarau im Direktduell mit GC - zu diesem Zeitpunkt war der FC Aarau zum ersten Mal seit 1914 wieder Schweizer Meister. Im Duell mit Xamax konnte nun jedes Tor die Entscheidung bringen. Nach knapp einer Stunde fiel Aarau nach dem 1:1 durch GC wieder vom Meisterthron. Und als Xamax schliesslich durch einen Penalty von Rene van der Gijp mit 1:0 in Führung ging, brachen in Neuenburg alle Dämme.
Xamax konnte seinen Titel verteidigen und schoss in der 81. Minute noch das erlösende 2:0. In Genf hatte Eriksen in der Zwischenzeit noch drei weitere Tore zum 4:0 erzielt, die im Meisterrennen aber unbedeutend bleiben sollten und Servette schliesslich auf den zweiten Rang brachten. Der dänische Stürmer feierte aber persönlich mit 36 Toren aus 34 Einsätzen den Titel des Torschützenkönigs - ein Wert, der bis heute unerreicht bleiben sollte. Aarau schliesslich kassierte in Zürich noch das 1:2 und reihte sich in der Schlusstabelle auf Rang 3 ein, konnte aber GC dank der besseren Tordifferenz hinter sich lassen.
Hermann und Stielike als Schlüssel zum Erfolg
Die Freude und die Stimmung auf der Maladière waren riesig. Der entscheidende Schritt war den Neuenburgern im Sommer 1985 mit den Verpflichtungen von Uli Stielike und Heinz Hermann gelungen. Der Deutsche Weltmeister Stielike konnte sich mit seinem damaligen Klub Real Madrid nach acht erfolgreichen Jahren nicht auf einen neuen Vertrag einigen und folgte dem Lockruf aus Neuenburg. Der Schweizer Rekordinternationale Hermann hatte nach vier Meistertiteln mit GC auch Angebote aus dem Ausland, doch Xamax bot ihm die besseren (finanziellen) Perspektiven.
Im offensiven 4-3-3-System von Gress übernahmen die beiden die kreativen Aufgaben im Mittelfeld und fütterten Star-Stürmer Robert Lüthi (15 Saisontore) mit Vorlagen. Weitere Stützen der Meistermannschaft waren die Schweizer Internationalen Alain Geiger, Philippe Perret (mit 540 Einsätzen Schweizer Liga-Rekordspieler), Beat Sutter, Claude Ryf, Frédéric Chassot sowie der neue Nati-Goalie Pascal Corminboeuf. Als weitere Ausländer neben Stielike, der mit diesem Meistertitel seine beeindruckende Karriere beendete, standen der Däne Carsten Nielsen und der holländische Meisterschütze René van der Gijp im Kader.
Zweimal Vizemeister - und europäische Ausrufezeichen
Noch zwei Mal sollte Xamax bis zuletzt um den Meistertitel mitspielen, in den Spielzeiten 1989/90 und 1991/92. 1990 verspielten die Neuenburger den Titel wegen zwei torlosen Unentschieden in den letzten drei Runden und landeten am Ende mit nur einem Punkt Rückstand auf Meister GC auf Rang 3. Zwei Jahre später stand ihnen der FC Sion mit dem ersten Meistertitel der Klubgeschichte vor der Sonne. Und auch beim Titel 1997 der Walliser belegten die Neuenburger den 2. Platz.
Ein eigenes Kapitel verdient hätten die grossen Europacup-Abende auf der Maladière: Bereits beim ersten Auftritt 1981/82 erreichten die Neuenburger den Viertelfinal im UEFA-Cup und mussten sich dem Hamburger SV knapp mit 2:3 geschlagen geben. 1986 scheiterte Xamax im UEFA-Cup-Viertelfinal hauchdünn an Real Madrid (2:0-Sieg im Rückspiel vor 25'500 Fans nach 0:3 auswärts), im Meistercup 1987/88 brachte Xamax den deutschen Rekordmeister Bayern München im Achtelfinal an den Rand des Ausscheidens (2:1-Heimsieg nach 0:2 auswärts).
1988/89 standen die Neuenburger zudem in den Achtelfinals des Meistercups, in denen sie in denkwürdigen Spielen an Galatasaray Istanbul scheiterten (3:0 und 0:5). 1992 schliesslich folgten erneut Heimsiege gegen Celtic Glasgow (5:1) und Real Madrid (1:0). Xamax blieb in den ersten 27 (!) Heimspielen in europäischen Wettbewerben ungeschlagen (18 Siege, 9 Unentschieden). Das 0:2 im 1/32-Final des UEFA-Cups gegen Inter Mailand 1998 bedeutete die erste europäische Niederlage.