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Paul Keller, der von 1954 bis 1963 in Beringen SH und anschliessend während 24 Jahren bis zu seiner Pensionierung 1987 in Ramsen SH als Pfarrer wirkte, schrieb in seinem autobiografischen Lebensrückblick unter anderem:
„Als zweites Kind der Heilsarmeeoffiziere Gottfried und Louise Keller-Kobel wurde ich in einer Dachkammer der Offizierswohnung in Affoltern am Albis am 14. Februar 1922 geboren. Der erste Umzug, den ich miterlebt habe, führte nach Richterswil. Bis zu meinem 15. Lebensjahr erlebte ich 5 Umzüge, was nicht immer einfach war. Als ich in der zweiten Klasse war, wurde meine Liebe zur Bibel gefördert, als ich ein kleines Neues Testament mit Bildern geschenkt bekam. Es war besonders das Anliegen meines lieben Vaters, dass ich Freude an der Bibel bekam. Für mich neu und kostbar war in der 6. Klasse der Religionsunterricht beim evangelischen Pfarrer, in dem ich die beiden Paul Gerhard-Lieder „Geh aus mein Herz und suche Freud...“ und „Befiehl du deine Wege...“ auswendig lernen durfte... Schon in jungen Jahren durfte ich Gottes Bewahrung in verschiedenen Situationen erleben.
Als die Frage der Berufswahl aktuell wurde, waren meine Lehrer einhellig der Meinung, mir den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen. Ich holte 3 Jahre Latein nach. Bald kam Griechisch und Hebräisch dazu. Theologie zu studieren und Pfarrer der Landeskirche zu werden, verstand sich für einen Sohn von Heilsarmeeoffizieren nicht ohne weiteres. Doch dann begann ich nach der Maturität im Herbst 1943 mein Theologiestudium in Zürich und setzte es später in Basel und Montpellier (F) fort. Verschiedene Vikariate folgten und im Juni 1951 trat ich die Pfarrhelferstelle in der Kirchgemeinde Gontenschwil-Zetzwil an. Unterdessen hatte ich Bekanntschaft geschlossen mit Elsy Miescher, mit der ich mich im September 1951 vermählte. Am 15. Februar 1953 wurde uns Christine geschenkt. Bald wurde bei Elsy Brustkrebs festgestellt und sie starb im März 1957.
Unterdessen waren wir (1954) dem Ruf nach Beringen gefolgt. Unsere Haushaltung, Vater und Töchterlein Christine brauchten dringend eine Person, welche an die Stelle der verstorbenen Gattin und Mutter trat. Darum schrieb ich an Lilly Gautschy, der Gontenschwiler Familienhelferin einen Brief und wartete gespannt auf ihre Antwort. So trat Lilly anfangs Mai 1957 in die Lücke ein, zunächst als Haushälterin. Doch wuchs zwischen uns eine starke Liebe, und mit Freuden sahen wir unserem Hochzeitstag, dem 5. Mai 1958, entgegen. Am 12. April 1960, Lillys eigenem Geburtstag, wurde unserer Familie eine zweite Tochter, Magdalena, geschenkt. Ich betrachte es als Zeichen der treuen Fürsorge Gottes, dass wir im Jahr 1962 den Ruf in die reformierte Gemeinde Ramsen bekamen. Am 4. September 1963 wurde uns eine dritte Tochter, Elisabeth, geschenkt. Im Laufe der Sechzigerjahre wurde mir an der Heilpädagogischen Schule Schaffhausen der reformierte Religionsunterricht anvertraut. Im Laufe der Jahre konnte ich eine Reihe Kinder mit einer Behinderung mit meinen Konfirmanden in Ramsen konfirmieren. Das war immer ein gefreutes Ereignis. Im Jahre 1987 traten wir in den Ruhestand. Wir konnten eine schöne Wohnung in Reinach AG beziehen. Dort blieben wir 18 Jahre. Im Mai 2005 wurde uns im Alters- und Pflegeheim Dankensberg in Beinwil am See eine Alterswohnung angeboten. Dorthin zügelten wir im Juli 2005.“
Soweit die eigenhändigen Aufzeichnungen von Paul Keller.
Nicht unerwähnt sei, dass Paul Keller lange Jahre Präsident der Schaffhauser Bibelgesellschaft war und sich auch stark einsetzte für die Evangelische Allianz und die Pflege der ökumenischen Beziehungen. Vor allem im damals noch mehrheitlich katholischen Ramsen gab es im Nachgang zum Zweiten Vatikanischen Konzil eine Zeit des ökumenischen Aufbruchs, was nach den Jahrhunderte dauernden und zum Teil schweren konfessionellen Spannungen wohltuend war. Eine besondere Gabe Kellers war die Seelsorge. Er verstand es sehr gut, auf Hilfesuchende einzugehen. Auch seine Gattin Lilly setzte sich auf ihre Weise tatkräftig für die Gemeindearbeit in Beringen und in Ramsen ein.
Nach einem Sturz mit Schenkelhalsbruch im November 2010 siedelte Paul Keller mit seiner Gattin in die Pflegeabteilung des Altersheims Dankensberg über. Bis ins hohe Alter machte es ihm Freude, sich im Freien zu bewegen und den Kontakt zu den andern Bewohnern zu pflegen und die Besuche von Familienangehörigen, Verwandten und Freunden entgegenzunehmen.
Nachdem ihm seine Gattin am 7. Dez. 2013 im Tod vorangegangen war, durfte Paul Keller am 31. Januar 2015 nach einem reich erfüllten Leben im hohen Alter von fast 93 Jahren friedlich einschlafen. Sein Grab ist in Reinach AG, wo er die ersten 18 Jahre seines Ruhestandes verbracht hatte.
Christoph Buff, Stein am Rhein