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Mit viel Symbolik und ein bisschen magischem Realismus erzählt Nathalie Álvarez Mesén in «Clara Sola» von einer Frau, die übernatürlich tief mit der Natur verbunden ist und gleichzeitig als Aussenseiterin in der Gesellschaft gilt. Leider wird der Fokus teilweise so stark auf die Symbolik gelenkt, dass gewisse Szenen ermüdend wirken und die Spannung verloren geht.
Die 40-jährige Clara (Wendy Chinchilla Araya) lebt mit ihrer Mutter Fresia (Flor María Vargas Chaves) und ihrer Nichte Maria (Ana Julia Porras Espinoza) auf einem von Dschungel umgebenen Hof in Costa Rica. Aufgrund einer verkrümmten Wirbelsäule ist Claras Mobilität eingeschränkt, und sie muss von Mutter und Nichte umsorgt werden. Diese Fürsorge kommt jedoch einer Bevormundung gleich und kapselt Clara von der Aussenwelt ab. Jegliche Entscheidungen werden ihr von Fresia abgenommen.
Für die erzkatholische Fresia ist der Körper von Clara gottgegeben; sie denkt, dass die Jungfrau Maria in ihr steckt. Deshalb wird Clara in Heilmessen miteinbezogen und muss, ob sie nun will oder nicht, die Teilnehmenden segnen. Ruhe findet Clara bei den Tieren. Insbesondere mit der Schimmelstute Yuca pflegt sie ein sehr vertrautes Verhältnis, und es scheint fast, als könnte sie mit ihr sprechen.
«Für die erzkatholische Fresia ist der Körper von Clara gottgegeben; sie denkt, dass die Jungfrau Maria in ihr steckt.»
Als sie Marias Freund kennenlernt und von ihm wie ein Mensch behandelt wird, beginnt Clara, sich gegen die Bevormundung ihrer Mutter und deren konservative Ansichten zu sträuben. Allmählich bringt sie sich dazu, ihre Sexualität und ihren freien Willen zu respektieren.
Wendy Chinchilla Araya ist Tänzerin; die von ihr gespielte Protagonistin ist körperlich beeinträchtigt. Auf den ersten Blick mag dieses Casting ungeeignet scheinen, doch rasch wird klar, dass Araya ihre extreme Körperbeherrschung zu ihrem Vorteil nutzt. Sie schafft es, die gebückte und schmerzhafte Körperhaltung von Clara perfekt darzustellen. Es ist, als wäre der Körper von Clara zu eng für die unfassbare Kraft und den Lebenswillen, die in ihr stecken.
Trotz Arayas guter Darbietung und der imposanten grünen Landschaft von Costa Rica vergehen in «Clara Sola» bisweilen auch langwierige Minuten. Gewisse Sequenzen wirken in die Länge gezogen und versuchen zu nachdrücklich, den Zuschauer*innen die ihnen zugrunde liegende Metapher zu erklären. Das wirkt ermüdend und hindert den Erzählfluss.
«Mesén ist mit ‹Clara Sola› ein visuell ansprechender Film gelungen. Trotz gewisser erzählerischer Mängel ist ihre Geschichte einer unterdrückten Frau bewegend und ermuntert dazu, aus der Reihe zu tanzen und auf sich selbst zu hören. Allein schon deshalb lohnt sich ein Kinobesuch.»
Regisseurin Nathalie Álvarez Mesén schreckt aber auch nicht davor zurück, mit magischem Realismus zu spielen, sei es mithilfe der Wiederbelebung eines Käfers oder des Einrenkens von Knochen. Diese magischen Elemente sind nicht fehl am Platz, sondern werden auf eine äusserst natürliche Art und Weise in die Geschichte eingebracht, ohne den Anschein zu erwecken, es handle sich um einen Fantasyfilm. Dennoch ist stellenweise fraglich, ob diese Elemente überhaupt nötig sind, wäre die Botschaft doch auch ohne sie verständlich.
Mesén ist mit «Clara Sola» ein visuell ansprechender Film gelungen. Trotz gewisser erzählerischer Mängel ist ihre Geschichte einer unterdrückten Frau bewegend und ermuntert dazu, aus der Reihe zu tanzen und auf sich selbst zu hören. Allein schon deshalb lohnt sich ein Kinobesuch.
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Kinostart Deutschschweiz: 17.3.2022
Filmfakten: «Clara Sola» / Regie: Nathalie Álvarez Mesén / Mit: Wendy Chinchilla Araya, Daniel Castañeda Rincón, Ana Julia Porras Espinoza, Flor María Vargas Chaves / Costa Rica / 108 Minuten
Bild- und Trailerquelle: trigon-film
«Clara Sola» wird das Publikum mit Claras Selbstfindungsgeschichte in seinen Bann ziehen, auch wenn das Drama von Nathalie Álvarez Mesén gewisse Schwächen aufweist.