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Seitdem war sein Einfluß maßgebend für die
PolitikSachsens. Er schloß zwar das sogen.
Dreikönigsbündnis mit
Preußen
[* 21] ab, trat aber auf
Grund eines früher geheim gehaltenen »Vorbehalts« bald wieder davon
zurück und schlug nun eine antipreußische
Richtung mit möglichstem Anschluß an
Österreich
[* 22] ein.
SeinZiel war, die Bedeutung
und den Einfluß der Mittelstaaten, besonders
Sachsens, am
Bund zu erhöhen, indem er ihre Selbständigkeit möglichst vermehrte
und
Österreich bei der Demütigung des allein gefährlichen
Preußen beistand.
Als die nationale und liberale
Bewegung in
Deutschland
[* 24] und
Sachsen
[* 25] 1859 lebhafter wurde, gab sich Beust den
Anschein, als wenn er ihr eifrigster Anhänger wäre, und trat, um der
Bewegung die
Spitze abzubrechen und
Preußen zuvorzukommen,
selbst mit dem Bundesreformprojekt vom hervor, welches die lose Vereinigung der deutschen
Staaten im wesentlichen
aufrecht erhielt, zugleich aber neben der
Bundesversammlung auch den Vertretern des deutschenVolkes einigen
Anteil an der
Entscheidung über die allgemeinen deutschen Angelegenheiten gestattete. 1863 bot ihm die schleswig-holsteinische
Angelegenheit willkommenen
Anlaß, sich populär zu machen.
Auch bei den weitern
Phasen des schleswig-holsteinischen Streits vertrat er insofern die
Sache des
Bundes,
als er die
Entscheidung der Streitfrage diesem anheimgestellt wissen wollte. Da zuletzt auch
Österreich diesen Weg betrat,
während
Preußen dagegen protestierte, so kam in immer schärfern
Gegensatz zu
Preußen und in immer engere
Verbindung mit
Österreich.
Er galt daher für den hauptsächlichsten Förderer der wachsenden Zwietracht zwischen den deutschen
Großmächten und des Bündnisses, welches 1866 die Mittelstaaten mit
Österreich schlossen.
Ein bedeutendes Verdienst erwarb er sich durch sein entschiedenes Auftreten den Anmaßungen des katholischen Klerus gegenüber,
wie er auch beim Beginn des römischen Konzils 1870 ernstliche Mahnungen zur Mäßigung an die Kurie richtete und auf das Infallibilitätsdogma
mit der Aufhebung des Konkordats antwortete. In der auswärtigen Politik gaben ihm die politischen Verhältnisse
seit 1866 reiche Gelegenheit zu lebhaftester Thätigkeit; mit den friedfertigsten Äußerungen verband er ein Hinarbeiten
auf Rache für 1866 und auf eine französische Allianz.
Von 1840 bis zum Februar 1848 war er Mitglied der Landschaft. Im Mai 1850 wurde Beust zum Wirklichen Geheimrat
und Minister ernannt. Unter seiner Leitung wurde mit der Landschaft ein neues, dem preußischen nachgebildetes Wahlgesetz vereinbart,
welches an die Stelle des im April 1848 erlassenen demokratischen trat. Er begleitete im Mai 1850 den regierenden
Herzog zum Unionsfürstenkongreß nach Berlin und nahm
als altenburgischer Bevollmächtigter auch an den
DresdenerKonferenzen teil, wo er sich mit den übrigen thüringischen StaatenPreußen anschloß. Nachdem er 1853 seine Entlassung
aus dem altenburgischen Staatsdienst genommen hatte, war er bis 1867 Vertreter der thüringischen Staaten am preußischen Hof.
[* 32] Seitdem lebt in Altenburg.
4)
FriedrichFerdinand, Graf von, österreich. Staatsmann, starb auf SchloßAltenberg bei Wien, wohin
er sich nach seiner Pensionierung zurückgezogen hatte. Nach seinem Tod erst erschienen die von Beust selbst herausgegebenen
Denkwürdigkeiten: »Aus drei Vierteljahrhunderten. Erinnerungen und Aufzeichnungen« (Stuttg. 1887, 2 Bde.),
welche indessen nur einen geringen geschichtlichen und litterarischen Wert besitzen, da sie offenbar
nur dem BedürfnisBeusts dienen, sich vor der Mitwelt in besseres Licht
[* 34] zu stellen.
altes, aus der Altmark stammendes Geschlecht, jetzt in den sächs. Ländern und in Schlesien
[* 35] begütert. - Joachim
von Beust, geb. zu Möckern, studierte seit 1539 in Leipzig, erwarb 1548 zu Bologna die jurist.
Doktorwürde. Nach der Rückkehr 1550 zum kursächs. Rat ernannt, wurde er 1551 Professor zu Wittenberg, 1580 Konsistorialrat
zu Dresden und 1591 Aufseher der Prinzen. 1592 nahm er an der Generalvisitation der sächs.
Kirchen und Schulen teil. Er starb Von seinen Schriften ist die «Enarratio evangeliorum et epistolarum»
oft gedruckt. - Friedrich von ein Nachkomme des vorigen, hatte zwei Söhne: Joachim Friedrich von Beust, geb. 1696, gest. 1771 als
dän. Wirkl.
Geheimrat und Generalsalineninspektor, der in den Freiherrenstand erhoben wurde, und KarlLeopold von Beust, der die
Reichsgrafenwürde erhielt. Diese beiden wurden die Begründer der ältern, freiherrlichen, und der jüngern,
gräfl. Linie des Geschlechts. Der Enkelsohn des ersten Freiherrn, FriedrichKarlLeopold von Beust, starb als sächs.
Kammerherr und Oberhofgerichtsrat und hinterließ zwei Söhne: Friedr.
Konstantin von Beust (s. d.) und Friedr.
Ferdinand Graf von Beust (s. d.), 1868 in den Grafenstand erhoben
und dadurch Stifter eines neuen gräfl. Hauses.
GrafKarl Leop. von Beust, der Stifter der jüngern Linie, hinterließ zwei Söhne. Der ältere, Graf Gottlob von Beust, starb als herzogl.
sachsen-gothaischer Wirkl. Geheimrat und Konsistorialpräsident zu Altenburg Er hatte vier Söhne:
1) GrafHeinrich Gottlob von Beust (geb. gest. zu
Dresden ohne Nachkommen). Seine Gemahlin, Philippine Wilhelmine (geb. gest.
als Schriftstellerin bekannt, veröffentlichte u. a.: «Die
Familie Willmore» (Bresl. 1829). 2) GrafKarlLeopold von Beust, geb. gest. als
großherzoglich sachsen-weimar. und herzoglich sächs. Wirkl. Geheimrat
und vormaliger Gesandter der sächs. Herzogtümer am Bundestage.
3) Graf Traugott Friedrich von Beust, auf Serba (geb. gest. als
herzoglich sachsen-altenb. Kammerherr und Oberjägermeister), Vater desGrafenKarl Louis von Beust (s. d.).
4) Graf Ernst August von Beust (geb. gest.
preuß. Oberberghauptmann und Direktor der Abteilung für Bergwesen im preuß. Ministerium.
BeimAusbruch der Revolution von 1848 lebte er in London, wo er seit 1846 Ministerresident war, ging aber
im Mai als sächs. Gesandter nach Berlin. Nach dem Rücktritt des Ministeriums Braun übernahm er unter dem Vorsitz
Helds die Verwaltung der auswärtigen Angelegenheiten. (S. Sachsen, Königreich.) Eine der ersten Handlungen
des Ministeriums, an der auch Beust teilhatte, war die Veröffentlichung der von der Deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt
beschlossenen Grundrechte des deutschen Volks. Dagegen widerriet Beust dem Könige die Anerkennung der Reichsverfassung vom
wodurch die Sprengung des Ministeriums herbeigeführt wurde. Gegen den darauf in Dresden ausgebrochenen Aufstand
rief Beust 3. Mai preuß. Hilfe an, die, mit der Aufforderung, die Reichsverfassung nicht anzuerkennen, von Preußen bereits angeboten
worden war.
In dem nach Niederwerfung des Aufstandes neu gebildeten Ministerium Zschinsky übernahm Beust zu dem Departement des Auswärtigen
noch das des Kultus(14. Mai). Am 30. Mai ward der Abschluß des sog. Dreikönigsbündnisses mit Preußen oder
der Union durch eine von Beust mit unterzeichnete königl. Proklamation verkündigt.
Aber schon nach wenigen Monaten trat Beust auf Grund eines früher geheimgehaltenen, gleichzeitig von Stüve für Hannover
[* 37] gemachten
Vorbehalts, wonach im Fall des Nichtbeitritts des Südens neue Verhandlungen eröffnet werden sollten, thatsächlich von
der Union wieder zurück, rief den Gesandten aus dem
¶
mehr
Verwaltungsrate der Union ab und verweigerte die Beschickung des Unionsparlaments zu Erfurt.
[* 39] In beiden Kammern des Ende 1849 zusammenberufenen
neuen Landtags ward er deshalb auf das stärkste angegriffen, noch weit stärker, als er, nach dem fruchtlosen Versuche eines
Vierkönigsbündnisses (einer engern Vereinigung der vier Königreiche außer Preußen mit Anschluß an
Österreich), die Wiederherstellung des alten Bundestags im Bunde mit Österreich betrieb.
Infolgedessen fand die Auflösung des Landtags und unmittelbar darauf die Wiedereinberufung der 1848 aufgehobenen
alten Stände, zugleich mit dem Erlaß äußerst strenger Verordnungen über die Presse und das Vereinsrecht, statt. Beust galt
für den Haupturheber dieser Maßregeln wie überhaupt für die Seele der seitdem mit immer größerer
Entschiedenheit hervortretenden Reaktionspolitik. Als Kultusminister machte Beust eine positivere religiöse Richtung in Kirche
und Schule geltend, veranlaßte die BerufungHarleß' zum Oberhofprediger sowie das Gesetz vom das die Volksschullehrer
einer strengen Beaufsichtigung unterwarf, aber zugleich ihnen ein Minimaleinkommen sicherte. Im Frühjahr 1853 gab
Beust das Kultusministerium an von Falkenstein ab und übernahm dagegen das erledigte Ministerium des Innern. Nach dem Tode Zschinskys
ward auch dem Namen nach der Leiter des Kabinetts, was er thatsächlich längst gewesen war. Gegen das Drängen Österreichs
auf Teilnahme des Bundes an dem Auftreten gegen Rußland im Krimkriege schloß Beust im NamenSachsens mit den
andern Mittelstaaten eine Sondereinigung (die Bamberger Konferenz, s. d.), während er im ItalienischenKriege von 1859 für
eine Unterstützung Österreichs durch den Bund wirkte.
Der nationalen Strömung gegenüber, die seit 1859 in Deutschland sich wieder regte, erklärte sich Beust bei
der Beratung der deutschen Frage in der sächs. Kammer von 1860 bis 1861 bereit, eine Bundesreform
vorzuschlagen, und löste dieses Versprechen alsbald nach dem Schlusse des Landtags ein, indem er Vorschläge zu einer Umgestaltung
der Bundeseinrichtungen machte, besonders zur Einberufung einer Volksvertretung, die freilich nur in Landtagsdelegationen
bestehen sollte.
Für das von Wien aus 1863 angeregte Bundesreformwerk zeigte Beust lebhaftes Interesse. In den innern Angelegenheiten kam er namentlich
auf gewerblichem Gebiete den Forderungen der Zeit zum Teil entgegen. Eine hervorragende Rolle spielte er 1864 gegenüber den
im Holsteinischen Kriege alliierten Vormächten als Führer der Mittelstaaten, da er vom Bundestage den
Auftrag erhielt, den Bund als eine besondere Macht, unabhängig von den beiden deutschen Großmächten, auf der Londoner Konferenz
zu vertreten. Beust sah damit zugleich einen längst von ihm gehegten Lieblingsplan, die sog.
Triasidee, d. h. den Gedanken, neben Preußen und Österreich die übrigen deutschen Staaten als dritte Gruppe
gleichberechtigt hinzustellen, wenigstens für den einzelnen Fall verwirklicht. Seine Politik machte Sachsen 1866 zum Verbündeten
und Schicksalsgenossen von Österreich.
Nach der Schlacht von Königgrätz
[* 40] ging Beust im Gefolge des Königs nach Wien. Hier bemühte er sich während der Nikolsburger
Verhandlungen für Anschluß Sachsens an einen SüddeutschenBund, wollte zum Zweck der Friedensunterhandlungen
zwischen Sachsen und Preußen selbst nach Berlin reisen, mußte aber, da Bismarck sich weigerte, ihn
als Unterhändler zu empfangen,
seine Entlassung aus dem sächs. Staatsdienste nehmen. Darauf trat er im Okt. 1866 als Minister des Auswärtigen in österr.
Dienste,
[* 41] wurde nach dem SturzeBelcredis Ministerpräsident, erhielt die seit Metternich
erloschene Würde eines Reichskanzlers und ward in den erblichen Grafenstand erhoben. In wenigen Monaten erwirkte
Beust die Wiederherstellung der Februarverfassung von 1861, die Berufung des verfassungsmäßigen Reichsrates diesseit, die Wiederherstellung
der Verfassung von 1848 und ein parlamentarisches Ministerium jenseit der Leitha, endlich die Krönung
FranzJosephs in Ofen.
Die Einführung der dualistischen Staatsform, der Ausgleich mit Ungarn sind sein Werk; auch veranlaßte er die Verfassungsrevision
vom Dez. 1867 und die Berufung des Bürgerministeriums, das er 2 Jahre lang unterstützte, die Sanktion der konfessionellen
Gesetze bei der Krone vermittelnd. In der auswärtigen Politik suchte er die Errichtung eines SüddeutschenBundes zu ermöglichen, jedoch mit der ausdrücklichen Erklärung, daß jede Beziehung desselben zu Österreich ausgeschlossen
sein müsse, kündigte 1870 das Konkordat mit Rom,
[* 42] nachdem er schon vorher dessen thatsächliche Beseitigung ohne Bruch mit
Rom herbeigeführt hatte, und verließ die traditionelle Politik Österreichs als Anwalt der Pforte.
Zum Sturze des föderalistischen Ministeriums Hohenwart trug er dadurch bei, daß er, freilich erst nach dem Erscheinen des
ihm unbekannt gebliebenen, das böhm. Staatsrecht anerkennenden Reskripts, dem Kaiser die Unmöglichkeit
einer auswärtigen Politik bei einer solchen staatlichen Organisation nachwies. Weil er aber den Kaiser nicht zeitig genug
vor den Folgen dieser Politik gewarnt hatte, wurde er seines Amtes als Reichskanzler und Minister des Auswärtigen
und des kaiserl. Hauses enthoben und zum Herrenhausmitgliede und Botschafter in London ernannt. Im Okt. 1878 wurde
Beust österr.-ungar. Botschafter in Paris, wo er im Jan. 1882 bei einer Versammlung der Association Littéraire erklärte: «Mon
âme est reconnaissante, mon cœur est français». Auf seinen Wunsch wurde Beust in den Ruhestand versetzt, (S. Österreichisch-Ungarische
Monarchie.) Er zog sich nun auf sein Schloß Altenberg bei Greifenstein in Niederösterreich zurück und
starb daselbst Nach seinem Tode erschienen voll ihm Denkwürdigkeiten u. d. T. «Aus drei Viertel-Jahrhunderten.
Erinnerungen und Aufzeichnungen» (2 Bde., Stuttg. 1887).
-
Vgl. Ebeling, Friedr. Ferdinand, Graf von Beust. Sein Leben und vornehmlich staatsmännisches Wirken (2
Bde., Lpz. 1870-71).
mehrere Jahre in den Bergämtern Freiberg und Schneeberg sowie im Hüttenamte zu Freiberg, wurde 1835 zum Bergamtsassessor ernannt, 1836 Bergmeister
in Marienberg, von wo er 1838 als Bergrat nach Freiberg zurückkehrte. 1842 mit der Direktion des Oberbergamtes beauftragt,
ward er 1843 zum Berghauptmann und Blaufarbenkommissar und 1851 zum Oberberghauptmann befördert. Ende 1867 wurde
Beust zum Generalinspektor des cisleithanischenBerg-, Hütten- und Salinenwesens mit dem Charakter eines Ministerialrates ernannt.
Er starb, in den Ruhestand getreten, zu Torbole am Gardasee. Beust erwarb sich große Verdienste um die Hebung und
Regelung des sächs. und österr.
Karl Louis, Graf von, sachsen-altenb. Staatsminister, geb. zu Friedrichstanneck im Herzogtum
Sachsen-Altenburg, studierte zu Halle, Leipzig und Berlin die Rechte, trat 1834 in den preuß. Justizdienst, wurde 1836 Regierungsreferendar, 1838 Assessor
bei der Regierung in Altenburg, 1841 Regierungsrat, 1842 Kreishauptmann des Altenburger Ostkreises und
im Nov. 1848 vom Herzog mit dem Vorsitz im Staatsministerium betraut. Zwar nahm er bei Verzicht des HerzogsJoseph seine
Entlassung, trat jedoch nach dem Regierungsantritt des HerzogsGeorg in das vom Geheimrat von der Gabelentz neu gebildete Ministerium,
in welchem er nach dem freiwilligen Ausscheiden des letztern abermals den Vorsitz erhielt. Im Mai 1850 wurde
Beust zum Wirkl.
Geheimrat ernannt. In seiner amtlichen Laufbahn suchte er gemeinnützig und vermittelnd zu wirken. Den demokratischen Ausschreitungen 1848 und 1849 trat
er mit Entschiedenheit entgegen. Unter seiner Leitung kam auch mit der Volksvertretung ein neues, dem
preuß. nachgebildetes Wahlgesetz zu stande Anfang 1853 nahm Beust seine Entlassung aus dem altenb. Staatsdienst,
ward aber noch in demselben Jahre zum großherzoglich sächs. Gesandten in Berlin ernannt, als welcher er auch die Vertretung
der andern thüring. Höfe daselbst zu führen hatte. Diese Stellung hatte Beust bis 1867 inne; seitdem lebte
er zurückgezogen in Altenburg, wo er starb.