Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03457.jsonl.gz/575

In ihrem ersten Jahr als Managerin der Harvard-Stiftung musste Jane Mendillo gegen die schlimmste Finanzkrise seit Generationen kämpfen. Dabei hat die 50-Jährige ihre Lektion gelernt und strukturiert nun das grösste Stiftungsvermögen der USA um. Der Schlüssel ihrer Strategie: Mendillo will einige Positionen in Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften sowie bei anderen Vermögensverwaltern auflösen und das Geld lieber intern verwalten lassen. Dafür stockte sie erst kürzlich ihr Personal auf. «Wir wollen in den nächsten Jahren einen grösseren Teil unserer Anlagewerte selbst managen», erklärt Mendillo. «Das erlaubt uns, agiler zu agieren. Wir haben so einen besseren Einblick in unser Portfolio und sind liquider.» Harvards Kehrtwende folgt dem Beispiel anderer US-Eliteschulen, die in der Krise die Nachteile von Investments in schwer verkäufliche Assets wie Private Equity kennenlernten.
Die Harvard-Stiftung rechnet für das zurückliegende Geschäftsjahr, das im Juni endete, mit einem Verlust von bis zu 30%. In einer ähnlichen Grössenordnung haben auch die Stiftungen anderer US-Eliteunis verloren. Im vergangenen Sommer lag Harvards Stiftungsvermögen bei 37 Mrd Dollar.
Kritik an Millionengehältern
Einen grösseren Teil dieses Kapitals intern zu managen und dafür mehr Personal zu bezahlen, könnte auf Kritik stossen. In früheren Jahren, als die Stiftung extrem erfolgreich war, stiegen die Gehälter einiger Investmentmanager auf einige Millionen Dollar im Jahr. Weitaus mehr, als die Nobelpreisträger oder Dekane der Universität bekamen. Kritiker argumentieren deshalb, dass die Universität mehr von ihrem Vermögensmanagement auslagern sollte, um Kosten zu sparen.
Doch Mendillo ist sicher, dass mit eigenen Investmentstrategen Stiftungsgelder gespart werden können. Sie kosteten nur ein Viertel oder ein Fünftel dessen, was ein Fremdmanager für denselben Deal bekäme. Harvard Management Co, das Unternehmen, das den Stiftungsfonds verwaltet, hatte in der Vergangenheit das Geld auf etwa 200 Fremdmanager verteilt. Diese Zahl will Mendillo, die bereits von 1987 bis 2002 für die Harvard-Stiftung arbeitete, verringern. Ausserdem versucht sie, eine Reduzierung der Provisionen bei Fonds zu erwirken, mit denen sie weiter zusammenarbeiten will.
Zudem sei es nach Aussage von Mendillo gelungen, Käufer für einige Private-Equity-Anteile zu finden, für die im vergangenen Jahr noch kein akzeptabler Preis erzielt werden konnte. Die Stiftung wolle ein «aktiver Käufer und Verkäufer» von Private Equity auf dem Sekundärmarkt sein, sagt Mendillo. Dennoch soll das Engagement in privatem Beteiligungskapital insgesamt reduziert werden. Vor einem Jahr hatte Harvard etwa 13% seines Stiftungsvermögens in Private Equity angelegt.
Noch zu Beginn dieses Jahres stutzte Mendillo das Personal bei Harvard Management Co von 200 auf 150 Mitarbeiter und löste das Devisenteam auf. Im Juni liess sie zwei Mitglieder der Anleihegruppe von Harvard Management gehen. Seit einigen Wochen stellt sie wieder gezielt Leute ein. Die Stiftung hat nun zwei neue Portfoliomanager für Anleihen und Aktien. Und für die nächsten Monate plant Mendillo, noch weitere drei bis vier Manager einzustellen.