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Quartier mit zwei Gesichtern
Das heutige Wohnviertel St. Johann ist der nördlichste Teil des alten gleichnamigen Stadtquartiers, wie es bis 1904 existierte. Dieses reichte damals bis an die Grossbasler Altstadt und umfasste somit auch die Vorstadt.
Zwei verschiedene Charaktere, zwei verschobene Bauphasen
Das heutige Quartier erstreckt sich vom St. Johanns-Ring nordwestwärts bis zur französischen Landesgrenze und hat zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Grob kann es in das von der Industrie geprägte untere und in das beschauliche obere St. Johann eingeteilt werden. Geläufig ist auch die Unterscheidung in ein stadtnahes inneres und ein grenznahes industriegeprägtes äusseres St. Johann. Die Unterscheidung nach unterem und oberem Quartierteil ist auf die Terrassen, die vom Rhein geschaffen wurden, zurückzuführen. Der Grund für die auffallende Verschiedenartigkeit der beiden Quartierteile im Erscheinungsbild liegt neben den Nutzungsunterschieden auch in den zeitlich verschobenen Bauphasen. Funde belegen, dass auf der untersten Terrasse, nördlich der Voltastrasse beim alten Gaswerk, bereits eine keltische Siedlung bestanden hat.
Anfangs nur dünne Bebauung
Bis 1870 waren auf dem Gebiet des heutigen Wohnviertels St. Johann nur vereinzelte Bauten zu finden. Ab 1870 bis 1900 wurden erste Wohnhäuser zwischen St. Johanns-Ring und Voltastrasse sowie Industriebauten auf dem «Lysbüchel» genannten Feld zur Landesgrenze hin errichtet. Dazu kam ebenfalls in Grenznähe die grosse Anlage der Psychiatrischen Klinik Friedmatt mit einem weitläufigen Gartenareal zu stehen. Zu Therapiezwecken wird dort ein Rebareal gepflegt, aus dessen Trauben Wein gekeltert wird.
Um die Jahrhundertwende nehmen die Industriebauten stark zu
In den folgenden Jahrzehnten wurde sowohl bei den Wohn- als auch bei den Industriebauten im gesamten unteren Teil des Wohnviertels puzzlemässig weitergebaut. Zwischen der Jahrhundertwende und 1920 war der Zuwachs an Industriebauten vor allem im nördlichsten Zipfel des Quartiers beträchtlich. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war im unteren St. Johann der stadteinwärts liegende Wohn- und Gewerbebereich vollständig erstellt. Nur im grenznahen Industriegebiet lagen zu diesem Zeitpunkt noch wenige Parzellen brach. Im oberen St. Johann dagegen entstand im gleichen Zeitraum einzig eine einheitliche Siedlung mit kleineren Reihenhäusern, welche nordwestlich an den Kannenfeld-Gottesacker (Eröffnung 1868/Umwandlung in einen Park 1951) anschliesst.
Wohnungen in Flughafennähe
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren im unteren St. Johann nur noch die wenigen verbliebenen Baulücken vorhanden. Etwa ab den 1970er-Jahren begann man dort ältere Häuser abzureissen und durch überwiegend wenig gefällige Betonbauten, häufig mit Kleinwohnungen, zu ersetzen – ein Trend, der bis in die 1980er-Jahre anhielt. Im oberen St. Johann konzentrierte man sich nach dem Krieg dagegen zuallererst auf den Ausbau der Strassen. Im Zusammenhang mit der Verlegung des Flugplatzes vom Birsfelder Sternenfeld an den Rand von Saint-Louis wurde auch die Flughafenstrasse verwirklicht. In der Folge setzte die Wohnbautätigkeit entlang dieser Verkehrswege, vor allem am Luzernerring, ein.
In den 1990er-Jahren müssen Familiengärten weichen
Ein ansehnlicher Teil des Plateaus blieb jedoch lange unbebaut und wurde teilweise als Familiengartenareal genutzt. Trotz Protesten der betroffenen Gartenbesitzerinnen und -besitzer musste in den 1990er-Jahren der grösste Teil des Gebietes einer Wohnsiedlung mit Altersheim weichen. Das Areal stellt eine der wenigen unverbauten Geländereserven der Stadt Basel dar. Im selben Zeitraum wurden zwei weitere Projekte realisiert. Eine Wohnüberbauung Davidsboden auf dem Bertrams-Areal (1989), einem ehemaligen Fabrikgelände, sowie in unmittelbarer Nähe zum Rhein die Umwandlung der alten Stadtgärtnerei und des alten Schlachthofes in den Grünpark St. Johann.
Grössere Einrichtungen im äusseren Bereich des Quartiers
In den äusseren Bereichen des St. Johannquartiers, gegen die Grenze zu Frankreich hin, befinden sich neben den bereits erwähnten Universitären Psychiatrischen Kliniken die Behinderteninstitution WWB (Werkstätten und Wohnzentrum Basel), die zeba AG (ehemalige Zentralwäscherei), der Schlachthof, der Güter- und Regio-S-Bahnhof St. Johann sowie die Kehrichtverbrennungsanlage. Auf einem Teil des früheren Areals der Zentralwäscherei wurden zudem ein Spielcasino sowie ein Hotel eröffnet.
In Rheinnähe prägen Industriebauten das Bild – Hafen stillgelegt
In Rheinnähe wird das Quartierbild des unteren St. Johann von Industriebauten verschiedener Firmen sowie den Hafenanlagen geprägt. Allen voran sind es die Verwaltungs-, Forschungs- und Produktionsbauten von Novartis. Der Konzern ist aus einer Fusion der in diesem Quartierteil seit der Gründung (1885) ansässigen Firma Sandoz mit der rechts des Rheins gelegenen Ciba-Geigy AG entstanden. Zurzeit gestaltet Novartis das 20 Hektaren umfassende Firmenareal neu. Im Rahmen des Projekts «Campus des Wissens» wird der Standort zu einem wichtigen Forschungs- und Verwaltungszentrum ausgebaut. Gleichzeitig wird die Stilllegung des Hafens St. Johann und die Umwandlung des Gebiets in eine Erholungszone derzeit betrieben. Es entsteht eine Uferpromenade mit Fussgänger- und Veloverbindungen nach Frankreich.
Teilweise unterirdisch geführte Nordtangente – Voltaplatz umgestaltet
Parallel fanden weitere grosse Veränderungen im unteren St. Johann statt. Während mehrerer Jahre wurde dort die teilweise unterirdisch geführte Stadtautobahn «Nordtangente» gebaut. 2001 wurde die neue Dreirosenbrücke, die erste zweistöckige Brücke der Schweiz, eröffnet. Das letzte Teilstück der Nordtangente, die das Schweizer Nationalstrassennetz an die französische Autobahn anbindet, wurde Mitte 2008 fertiggestellt. Seit Inbetriebnahme der Nordtangente wurde das gesamte Gebiet um den stark verkehrsbelasteten Voltaplatz und den Bahnhof St. Johann mit mehreren Wohn- und Geschäftsüberbauungen neu gestaltet.
Weiterführende Informationen
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