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L'emprim kino en Surselva: il kino Darms a Glion. Avert sias portas 1955 e serrà 35 onns pli tard per adina.
Svizra Rumantscha cun in purtret dal kino legendari en Surselva.
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Kino Darms
Der Gründer des Kinos, Georg Darms (1923-2003), wuchs zusammen mit einem Bruder und fünf Schwestern als Sohn eines Viehhandlers im Chalet «Paradiesgärtli» in llanz auf. Nachdem der Vater früh verstorben war, vermietete seine Mutter einige Zimmer im Haus, um ein Einkommen zu erzielen. Gieri machte die Lehre als Fachfotograf bei Jules Geiger in Flims und bildete sich einige Jahre in Lausanne, Bern und Vevey weiter. Als er die Kunstgewerbeschule in Zürich besuchte, arbeitete seine Mutter in der Stadt als Wäscherin und Glätterin. Das Einkornmen reichte nur knapp. Da Georg Darms das Haus in llanz nicht verkaufen wollte, kehrte er zurück und richtete im Untergeschoss sein Atelier und ein Fotogeschäft ein. Er war beliebt als Fotograf von Kinderporträts und von Firmen.
Reisekino im VW-Bus
Georg Darms kam durch die Fotografie zum Film. Er hatte die Vision, ein eigenes Kino zu betreiben. Den Impuls dazu gab ihm ein Arzt, für den er im Spital llanz Operationen fotografiert hatte. 1952 erhielt er die Konzession für den Bau des Kinos. Im gleichen Jahr heiratete er in der ersten Stadt am Rhein die holländische Apothekerin Willemine Bos, die in Leiden, der letzten Stadt am Rhein, studiert hatte. Nach den Kriegsjähren wollte sie gerne im Ausland arbeiten und fand 1948 durch ein Inserat zunächst eine Stelle in Thusis. Ab 1949 war sie in einer Apotheke in llanz tätig. Die Holländerin, die auch Deutsch, Englisch und Französisch sprach, lernte dort die Rezepte auf Romanisch zu schreiben. Bevor 1954 das Kino im Paradiesgärtli erbaut wurde, betrieb Georg Darms das private Reisekino Darms, denn in der Gegend gab es sonst kein Kino und von Chur fuhr abends kein Zug mehr zurück. Mit dem 350 kg schweren Filmprojektor der Marke Frey, den Filmrollen und der Leinwand reiste er mit seinem Lehrling oder einem Operateur und seiner Frau im VW-Bus mit der Autonummer GR 173 nach Vella und Vrin im Lugnez, nach Obersaxen, Brigels, Sedrun und in weitere Dörfer in der oberen Surselva. Dort zeigte er am Samstag- oder Sonntagabend in den Schulhäusern Spielfilme wie «Casablanca» oder «Quo vadis». Die Vorstellung von «Ben Hur» fand in Vais sogar in der Kirche statt. Der Operateur half beim Aufstellen des schweren Projektors und Willemine Darms betreute die Kasse. Wenn viel Schnee lag, musste die Kiste mit der Filmausrüstung auf dem Schlitten zum Schulhaus gezogen werden. Gieri Darms betrieb einige Jahre auch eine Kinofiliale in Disentis und kurze Zeit das Kino Greina-Grischuna in Rabius.
Die besten Spielfime
Durch das Reisekino waren die Bewohner der umliegenden Dörfer auf den Geschmack gekommen und als Georg Darms 1955 das Kino Darms in Ilanz eröffnete, bildete sich rasch ein Stammpublikum. Das Kino war ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Viele Leute reisten mit dem Postauto an, manche von Ladir und Ruschein kamen auf dem Schlitten angefahren und einzelne ritten sogar auf dem Pferd. Die treuen Kinogänger erschienen oft in Gruppen, um Filme wie «Gilberte de Courgenay» oder «Ueli der Knecht» gemeinsam zu sehen. Das neue Kino wurde als Aktiengesellschaft mit zwei Mitinhabern betrieben. Sofort erhob die Stadt Ilanz eine Vergnügungssteuer. Das Kino mit 250 Plätzen und vier Preiskategorien zwischen Fr. 1.10 bis Fr. 4.40 lief gut, denn Gieri Darms kannte sein Publikum und wusste immer, welche Filme beliebt waren. Er zeigte alle aktuellen Spielfilme im 35mm-Format, die er beim Filmverleih in Zürich mietete. Mit den Vertretern musste er jeweils über den Preis verhandeln. Auch mit den Churer Kollegen vom Kinoverband war er in Kontakt. Sein Operateur war ein ausgebildeter Elektriker, der den Apparat im Notfall flicken konnte. Es kam vor, dass der Strom ausfiel, etwa wenn der Schnee die elektrischen Leitungen zusammendrückte. Einmal musste das Kino aus tierseuchenpolizeilichen Gründen geschlossen werden.
Auch nach der Geburt der Tochter Margreth (1954) und der Zwillinge Gieri und Will (1957) blieb Willemine Darms in ihrem Beruf als Apothekerin tätig und sass abends an der Kinokasse. Für die Betreuung der Kinder wurde ein Kindermädchen angestellt, das als Zusatzverdienst im Kino mit einem Servierbrett durch die Reihen ging und Eis-Cornets für 2 Franken und 50 Rappen verkaufte. Im Dunkeln tropfte den Nonnen aus dem Kloster Ilanz manchmal Eis auf die Kleidung. Sie schauten besonders gerne «Die Familie Trapp». Es gab auch einen Kulturclub, für den Kulturfilme vorgeführt wurden. Beliebter waren aber unterhaltsame Nacktfilme für ein von der Polizei kontrolliertes Publikum. Spezielle Kindervorstellungen am Mittwoch- oder Samstagnachmittag mit Filmen wie «Winnetou» waren auch immer sehr gut besucht. Was das Kino für die Landbevölkerung zusätzlich attraktiv machte, war das WC mit Wasserspülung, das manche Leute zuvor nicht gekannt hatten.
Kino für Bauarbeiter
Während der Bauzeit der Kraftwerke in der oberen Surselva in den 1950er und 1960er Jahren erhielt Gieri Darms von den NOK den Auftrag, den italienischen und österreichischen Arbeitern auf den Baustellen in Zervreila, im Safiental, am Lukmanier- und am Oberalppass Filme vorzuführen, damit sie nicht den Koller kriegten. So fuhr er mit dem Operateur und dem Filmprojektor auch im Winter mit seinem VW-Bus ohne Heizung und ohne Vierradantrieb auf schlechten Strassen zu den Baracken an den Steilhängen, den sogenannten «Schwalbennestern». Teilweise waren sie nur über eine Seilbahn erreichbar - mit der schweren Kiste kein leichtes Unterfangen. Darms wählte für die italienischen Arbeiter Filme aus wie «Domani è troppo tardi» oder für die Österreicher «Im weissen Rössl am Wolfgangsee». Der Eintritt kostete 1 Franken. Der katholischer Pfarrer, der Dienst hatte, wunderte sich, dass so viele Italiener in den Gottesdienst kamen, dabei wollten sie nur für den anschliessenden Film einen guten Platz reservieren. Einmal, bevor Gieri Darms zurück nach Ilanz fahren wollte, ging eine Lawine nieder und verschüttete die Strasse. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als umzukehren und auf der Baustelle zu übernachten, während seine Frau wartete - ein Telefonanschluss war nicht vorhanden.
Vom Kino zum Uhrengeschäft
Das Kinotheater Darms verfügte auch über eine Bühne mit einem roten Vorhang. Dort trat zum Beispiel der Chor «Ligia Grischa» auf, und Zarli Carigiet sang «De Wände noh». 1965, zur 1200-Jahr-Feier von Ilanz, wurde das Kino Darms mit einer Breitleinwand ausgestattet. Die Anzahl Sitzplätze verringerte sich etwas und die Eintrittspreise stiegen. Als es während der Feierlichkeiten beim Openair ständig regnete, kam das Publikum lieber ins Kino und schaute «Irma la Douce» und «Doktor Schiwago». Mit der Zeit kamen Fernsehapparate auf und besonders die Videofilme wurden eine Konkurrenz zum Kinobetrieb. Als Gieri und Willemine Darms 1988 ins Pensionsalter kamen, hiess es nach 35 Jahren «Schluss der Vorstellung».
Nach der Schliessung des Kino Darms organisierte der Filmclub Ilanz Filmanlässe in verschiedenen Provisorien. 2010 wurde schliesslich die alte Schmiede zum Cinema Sil Plaz mit einem Kino- bzw. Konzertsaal mit 52 Plätzen und einer Bar umgebaut. Das Cinema Sil Plaz wird vom gleichnamigen Verein betrieben.
Quelle: ETH-Bibliothek/Silvia Conzett