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Zwei Brüder erzählen. Söhne eines syrischen Vaters und einer bretonischen Mutter, die gestorben ist, als sie noch Kinder waren. Jetzt sind sie Mitte zwanzig und versuchen, sich irgendwie durch das Leben zu schlagen. Der ältere Bruder fährt nach einer kleinkriminellen Karriere für Uber, wo er in den ersten Jahren auch gutes Geld verdient. Der jüngere Bruder, Krankenpfleger, hält es nicht mehr aus, einerseits in Frankreich als Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden und andererseits sein Heimatland, das mythische Al-Scham, zerstört zu sehen. Er beschliesst, mit einer islamischen Hilfsorganisation nach Syrien aufzubrechen und dort in einem Spital zu arbeiten. Sein Bruder und sein Vater müssen die Konsequenzen tragen, einen nahen Angehörigen zu haben, der möglicherweise in den Dschihad gezogen ist. Und was wäre denn, wenn der Bruder nach Frankreich zurückkehrte?
In abwechselnden Abschnitten erzählen die beiden Brüder von ihren Leben, als Uber-Fahrer in Paris und als Krankenpfleger in Syrien, von ihren Hoffnungen, Idealen, Frustrationen. In eindringlichen Passagen schreibt Guven vom Leben der Vorstadtkinder in Frankreich. Er tut dies in einer rauen, harten Sprache, gespickt mit zahlreichen Slang-Ausdrücken aus der französisch-arabischen Szene. Die Übersetzung ins Deutsche mag nicht so wirklich überzeugen, ein Glossar zu den Slang-Ausdrücken, die aus dem Französischen übernommen worden sind, wäre hilfreich gewesen. Wie auch immer – das Buch ist äusserst lesenswert und hinterlässt einen irritiert und betroffen in einem durchaus konstruktiven Sinn! cnKlappentext:
Tag für Tag, Nacht für Nacht zieht der grosse Bruder in seinem Uber-Taxi durch die Strassen von Paris. Der kleine Bruder hält es in Frankreich nicht mehr aus und geht als Assistenzarzt nach Syrien. Für die richtige Sache. Der Grosse bleibt zurück und kümmert sich um den vereinsamten Alten, der das Taxifahren aufgegeben hat. Die geliebte Mutter ist längst gestorben, die Familie zerrüttet. In Syrien gerät der Kleine in die Fänge des Dschihad, und zu Hause hält man ihn für verschollen. Bis er plötzlich vor der Tür steht, beim grossen Bruder untertauchen muss und die gesamte Familie in Gefahr bringt. Zwei junge Stimmen, die abwechselnd erzählen, und ein Sound, der so konsequent und mutig ist, dass man ihn nicht mehr vergisst.
Eine universelle Fabel über zwei ungleiche Brüder, die umeinander und um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen.Über die Autorin / über den Autor:
Mahir Guven wurde 1986 in Nantes geboren, hat türkisch-kurdische Wurzeln und lebt in Paris. Zwei Brüder ist sein erster Roman, mit dem er bereits mehrere Preis und unter anderem den Prix Goncourt du premier roman 2018 gewonnen hat.
André Hansen hat in Mainz, Bologna und Dijon studiert. Er war Teilnehmer am Georges-Arthur-Goldschmidt-Programm 2016 und lebt als Übersetzer aus dem Französischen, Italienischen und Englischen in Berlin.Preis: CHF 28.90