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Der Beginn von cft Schweiz im Tessin
von MB (Kommentare: 0)
Corinna Schuppli, ein Mitglied der ersten Stunde, erinnert sich
Interview von Melanie Böhmer
Wann bist du cft beigetreten und welches war der erste aktive Einsatz von dir?
Ich trat cft Schweiz direkt bei der Gründung 1992 bei. Der erste grosse Einsatz, bei dem ich anwesend war, fand 1993 in Basel statt. Damals protestierten wir gegen das Musical «Jesus Christ Superstar». Wir waren extra aus dem Tessin angereist, um daran teilzunehmen. Ein weiterer Einsatz aus den frühen Jahren, der mir in Erinnerung geblieben ist, war eine Protestaktion gegen einen Männer-Striptease in Amriswil und St. Gallen. Es war berührend und ermutigend, positive Feedbacks von Ehemännern zu bekommen, deren Frauen die Veranstaltung besuchten und die sich freuten, dass wir uns dagegen einsetzten.
Welches war für dich die bedeutendste Aktion, bei der du je mitgearbeitet hast? Weshalb hat sie dich so berührt?
Es war eine Protestaktion gegen einen Männerstrip im Tessin im November 1994. Dies war eine der ersten Aktionen im Tessin und als Tessinerin lag mir das natürlich besonders am Herzen. Mein Bruder Dario war der Verantwortungsträger und stand mit dem offiziellen Amt und der Polizei in Kontakt, um die Genehmigung für unseren Protest zu organisieren. Wir bekamen eine Bewilligung, doch die Parameter, unter denen wir unsere Kundgebung abhalten durften, schränkten unsere Möglichkeiten ein. Am ersten Abend entschieden wir uns, es zu riskieren und bereits früher als bewilligt vor dem Veranstaltungsort einzutreffen. Ein Polizist, der sich bereits dort befand, befahl uns zu gehen. Doch eine mutige ältere Dame sagte, dass sie dableiben würde. Daraufhin wurde ihr mit Gewalt gedroht, doch sie blieb einfach stehen und mit ihr die ganze Gruppe von ca. 40 Personen. In dem Augenblick tauchte der Chefkommissar auf, welcher sich über unsere friedliche Protestaktion freute, und er bewilligte unser frühes Erscheinen direkt vor Ort. In all dem konnten wir Gottes Hand erkennen, der über uns wachte, als wir Ihn bezeugten. Das Schönste war jedoch, dass sich unser Zeugnis nicht nur auf diese zwei Abende beschränkte, sondern dass durch diese Aktionen Kontakte zu Gleichgesinnten entstehen konnten. Da die Medien laufend über uns schrieben, vereinten sich in unserer Aktion nicht nur Christen aus einer Gemeinde, sondern auch aus verschiedensten Denominationen. Durch einen meiner Leserbriefe hörte eine katholische Frau vom Collegio Pappio von der Aktion und sie wollte für uns die Faltblätter erstellen, die wir verteilten. Durch Bekannte durften wir auch in katholischen Jugendgruppen für diese Aktion werben. Gott hat uns trotz unserer verschiedenen Hintergründe zusammengeführt, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Für Ihn aufzustehen.
Als eine Vertreterin des Tessins, was siehst du als eines der akutesten Probleme in deiner Region?
Die Probleme unseres Landes beschränken sich nicht auf das Tessin. Leider lassen wir uns von Konfessionsunterschieden viel zu sehr davon abhalten, gemeinsam für christliche Werte und Ziele in der Gesellschaft aktiv zu werden. Wenn sich die Christen zusammentun, können sie Grosses erreichen und das gemeinsame Erleben von Gottes Wirken stärkt die Beziehung zueinander. Es überbrückt Grenzen und eint und dies unabhängig vom regionalen, kulturellen oder sprachlichen Hintergrund. Dies durften wir im Tessin 1994 erleben.
Was würdest du anderen cft Mitgliedern zur Ermutigung weitergeben? Wo kann man als einzelner Mensch in seinem Umfeld aktiv werden?
Es gibt Verschiedenes, das man tun kann. Zum einen kann man Leserbriefe schreiben. Man kann damit seine Meinung kundtun. Ich selber habe schon häufig Leserbriefe geschrieben und damit gute Erfahrungen gemacht. Noch wirksamer ist natürlich das persönliche Gespräch mit Menschen. Wenn man zum Beispiel in einem Geschäft eine unanständige Auslage entdeckt, kann man das Verkaufspersonal ansprechen. Doch es ist wichtig, nicht immer nur zu reklamieren, sondern auch zu danken, wenn einem etwas Positives auffällt oder wenn auf eine Bitte eingegangen wird. Angst, etwas zu sagen, hat praktisch jeder, aber wenn wir nur schweigen, dann kann es nur schlimmer werden. Und zu guter Letzt ist das Gebet nicht zu unterschätzen. Wenn alles andere nichts zu bringen scheint, ist das Gebet ein mächtiges Mittel, Berge zu bewegen.