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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Fünftes Buch
29.
Wie mir scheint, hat Celsus einige der tieferen Lehren von der Verteilung der irdischen Dinge mißverstanden, Lehren, an die wohl auch die griechische Geschichte anknüpft, wenn sie berichtet, dass einige der vermeintlichen Götter miteinander um den Besitz von Attika gestritten haben, und wenn sie bei den Dichtern einige der sogenannten Götter zugeben läßt, dass manche Orte ihnen lieber seien als andere. Auch die nichtgriechische Geschichte, besonders aber die ägyptische, enthält solche Andeutungen über die Verteilung der sogenannten Nomen1 Ägyptens, indem sie sagt, dass dieselbe Athene, welcher Sais als Wohnort zugefallen sei, auch Attika bekommen habe. Die ägyptischen Gelehrte können unzählige solche Angaben machen, ob sie aber auch die Juden und deren Land in eine solche Verteilung miteinbegreifen, weiß ich nicht. Aber solcher ZeuGenisse, die sich außerhalb des göttlichen Wortes für den fraglichen Punkt finden, sind für jetzt genug angeführt.
Wir erwähnen jedoch, dass Moses, der nach unserer Überzeugung ein Prophet und ein treuer Diener Gottes gewesen ist, über die Teilung der irdischen Dinge im Deuteronomium, in seinem Liede, solche Andeutungen gibt. Er sagt: "Als der Höchste die Völker zerteilte, als er die Söhne Adams zerstreute, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Engel Gottes; und des Herrn Teil wurde sein Volk Jakob, und Israel das Ausmaß seines Erbes"2 . Derselbe Moses gibt in seinem Buche, das den Titel "Genesis" trägt, über die Teilung der Völker folgende geschichtliche Darstellung: "Und die ganze Erde hatte nur eine Sprache und nur eine Rede für alle. Und als sie vom Aufgange herzogen, fanden sie eine Ebene im Lande Sennaar und wohnten daselbst"3 . Und bald darauf fährt er fort: "Der Herr stieg herab, um die Stadt und den Turm zu sehen, den die Söhne der Menschen gebaut hatten. Und der Herr sprach: Siehe, es ist ein Volk und eine Sprache aller; und dies haben sie begonnen zu tun, und nun wird ihnen der Erfolg nicht ausbleiben von allem, was sie sich vornehmen zu vollbringen. Wohlan, lasset uns herabsteigen und daselbst ihre Sprache verwirren, dass einer des andern Rede nicht versteht. Und der Herr zerstreute sie von da über die ganze Erde, und sie hörten auf, die Stadt zu bauen und den Turm. Deshalb hieß ihr Name "Verwirrung"4 , weil daselbst Gott der Herr die Sprachen der ganzen Erde verwirrte; und von da zerstreute sie Gott der Herr über die ganze Erde".5 . Und in dem Buche, das die Weisheit Salomos heißt und von der Weisheit und von der Verwirrung der Sprachen handelt, bei welcher die Teilung der Länder auf der Erde erfolgte, wird solches über die Weisheit gesagt: "Sie erkannte auch, als sich die Völker ohne Unterschied der Bosheit hingaben, den Gerechten und bewahrt ihn untadelig vor Gott und erhielt ihm die Stärke bei dem Mitleiden über sein Kind"6
Wir könnten über diesen Gegenstand viele und tiefe Gedanken äußern, doch es paßt auf ihn das Wort:"Das Geheimnis eines Königs zu verbergen ist schön"7 . Sonst würde vielleicht die Lehre von der Bindung der Seele an den Leib, die nicht eine Wanderung derselben von einem Leib in einen andern voraussetzt, den ersten besten Leuten zu Ohren kommen, und so würde "das Heilige den Hunden gegeben", und "die Perlen würden den Schweinen vorgeworfen werden"8 . Ein solches Handeln wäre gottlos und würde Verrat an den geheimnisvollen Aussprüchen der göttlichen Weisheit in sich schließen, von der so schön geschrieben steht: "In eine Böses ersinnende Seele wird die Weisheit nicht eingehen, noch wird sie Wohnung nehmen in einem Leibe, der der Sünde verfallen ist"9 . Es genügt aber, das mit verborgenem Sinn in der Form einer Erzählung Gesagte nach Art der Geschichte darzustellen, damit die Befähigten den Sinn der Stelle für sich selbst mit herausarbeiten können.
1: =Gaue
2: vgl. Dtn 32,8.9
3: vgl. Gen 11,2 f
4: =Babel
5: Gen 11,5-9
6: vgl. Weish 10,5
7: vgl. Tob 12,7
8: vgl. Mt 7,6
9: vgl. Weish 1,4