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Everest über alles Frühling 2003 an den Bergen Nepals und Tibets (1)
Die Frühlingssaison 2003 an den Bergen Nepals und Tibets war vom Everest dominiert. Zum 50-Jahr-Jubiläum seiner Erstbesteigung wurde er nicht nur von zahlreichen Expeditionen besucht, das Interesse am Berg wurde auch medial breit und weltweit abgehandelt.
Nepal feierte das Everest-Jubiläum u.a. mit einem Fest in Kathmandu am Tag der Erstbesteigung, am 29. Mai, wozu alle früheren Everest-Besteiger geladen waren. Eine Hand voll von ihnen – da- runter Sir Edmund Hillary, Reinhold Messner, Junko Tabei, die erste Frau auf dem höchsten Berg der Welt, und Apa Sherpa, «Rekordhalter mit 13 Gipfelbesteigungen » – wurden in offenen Pferdekutschen durch die Stadt gefahren und von König Gyanendra und Kronprinz Paras empfangen. Dabei erhielt Hillary als erster Ausländer die Ehrenstaatsbürgerschaft Nepals – als Anerkennung für seine Everest-Besteigung, aber auch für sein unermüdliches Wirken zu Gunsten der Bewohner der Region am Fuss des Berges.
Die Hälfte der 137 Expeditionen, die im Frühjahr 2003 einen über 6500 Meter hohen Berg im nepalesischen Himalaya zu besteigen versuchten, waren am Everest unterwegs: 35 Teams auf der nepalesischen und 34 auf der tibetischen Seite.
Die Grösse der Everest-Expeditionen variierte zwischen einem einzelnen Bergsteiger bis zu Riesenmannschaften mit gegen achtzig Teilnehmern und Sherpas.
Entsprechend gross war das Zeltdorf im Basislager auf der nepalesischen Seite mit 441 Bergsteigern der Everest-Teams, ihren Begleitern und Sherpas sowie zehn Expeditionen zum Lothse und einer zur Nuptse-Nordﬂanke. Die Zahl im Basislager erreichte zeitweise jene von Namche Bazar, dem grössten Dorf der Gegend, mit seinen rund 850 Einwohnern.
Neben den « traditionellen » Bergsteigerländern wie Amerika, England, Spanien, Deutschland, Japan, Schweiz usw. waren auch Alpinist/innen aus Island, Estland, Georgien, Andorra, Bhutan, Kuwait, Ecuador usw. am Berg. Unter anderem stand der erste Mensch schwarzer Hautfarbe, Sibusiso Vilane aus Südafrika, auf dem Gipfel.
Bekannte Bergsteiger wie Hillary und Messner machten sich für Zulassungsbeschränkungen stark, andere fordern die Freiheit für jedermann, wie der blinde Amerikaner Erik Weihenmayer, der den Gipfel 2001 erreichte. Er argumentierte, dass die Geschichte des Everests die Geschichte der modernen Welt mit all ihren Herausforderungen und Missbräuchen – und ihren unvergleichlichen Möglichkeiten für menschliche Bestrebungen – sei.
Bevor die Sherpas auf Expedition gehen, bestellen sie die Kartoffeläcker in ihren Dörfern. Phortse in der Khumbu-Region Fotos: Christine K opp D I E A L P E N 9 / 2 0 0 3 Keine grösseren Zwischenfälle Zu Beginn der Saison herrschte eine ge- wisse Besorgnis, dass die zu erwartende Zahl von Everest-Anwärtern mit ihren unterschiedlichen technischen Fähigkei- ten zu Staus und zu einem Desaster wie im Mai 1996 führen könnte. Letzteres traf glücklicherweise nicht zu. Allerdings gab es längere Staus sowohl am Hillary Step auf der Südseite als auch am Second Step, 8600 m, auf der Nordseite, wo die von Kari Kobler geleitete kommerzielle Schweizer Expedition umkehren musste. 2 Erfolgreich waren hingegen die Schwei- zer Thomas Zwahlen und Christian Rossel auf der Südseite des Berges.
Tödliche Unglücksfälle gab es drei, ein Pole stürzte ab, zwei Nepalesen starben an den Folgen der Höhenkrankheit.
Eher kurios mutet die Meldung an, dass ein erfahrener amerikanischer Bergsteiger von einer Sauerstoffflasche, die ein anderer Bergsteiger unachtsam « entsorgt » hatte, am Hinterkopf getroffen wurde, was ihn zur Umkehr zwang! Lange Wartezeiten Ein Drittel der 69 Teams erreichte den Gipfel nicht. Viele hatten nicht genügend Geduld, die lange Schlechtwetterperiode mit starkem Wind und viel Schneefall auszusitzen. Trotzdem war eine Rekordzahl von Bergsteigerinnen und Bergsteigern erfolgreich: Zwischen dem 2O. und dem 31. Mai standen 251 Menschen auf dem Gipfel, davon allein am 22. Mai 103 Personen. Zum Vergleich: Nach der Erstbesteigung hatte es 25 Jahre gedauert, bis im Oktober 1988 die 251. Person den Gipfel erreichte!
Neben der siebzehnjährigen Mingkipa Sherpa und dem siebzigjährigen Japaner Yuichiro Miura, die einen neuen « Ju- gend- bzw. Altersrekord » aufstellten, taten sich vor allem Sherpas hervor: Der 42 Jahre alte Apa aus Thame stand zum 13. Mal auf dem Everest. Pemba Dorje Sherpa und Lhakpa Gelu Sherpa, beide von Flaschensauerstoff in der Gipfelre- gion unterstützt, stellten mit 12 Stunden und 45 Minuten bzw. mit 10 Stunden und 56 Minuten zwei unglaubliche neue Geschwindigkeitsrekorde auf. Ausser- gewöhnliches bot Vernon Tejas: Er liess ein paar Gitarrenklänge auf dem Gipfel erklingen – wohl ironisch gemeint, wenn man diesen amerikanischen Bergführer kennt.
Kein Erfolg am Nuptse Weder der Südtiroler Hans Kammerlan- der noch der Russe Valeri Babanov wa- ren bei ihren Neutourversuchen über Südpfeiler am 7795 Meter hohen Nuptse East I, eine der grossen Herausforderun- gen für Spitzenbergsteiger mit technisch extrem schwierigen Linien, erfolgreich.
Beide Extremalpinisten wollen an ihre begonnenen Routen zurückkehren.
Hingegen gelangen an weniger hohen Bergen Erstbesteigungen: Am Hunchi, 7036 m, in der Gegend von Gokyo, war zuerst eine japanische, dann eine korea- nische Expedition erfolgreich. In der Region nordnordöstlich des Dhaulagiri I, 8167 m, bestieg eine deutsche Gruppe zwei Sechstausender erstmals, bevor sie auch den nahen Achttausender erfolg- reich erkletterte. Sie hatten an diesen Bergen sicherlich mehr Ruhe als die Teams am höchsten Berg der Welt. a C h r i s t i n e Ko p p, U n t e r s e e n Die Frühjahrssaison 2003 an den Bergen Nepals war aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums der Erstbesteigung vom Everest dominiert. Blick vom Flugzeug auf den Everest im Hintergrund rechts, davor Menlungtse, links die Pyramide des Pumori Zu den Festen, einem wichtigen Bestandteil im Jahresablauf der Nepali, gehören die Feierlichkeiten rund um « Losar », das tibetische Neujahrsfest, das von den buddhistischen Sherpas in Kathmandu während mehrerer Tage begangen wird. Entsprechend wurde auch das 50-Jahr- Jubiläum der Erstbesteigung des Everest würdig gefeiert.