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One Life
James Hawes, GB, 2023o
Nicky, ein junger Londoner Makler, besucht Prag im Dezember 1938 und findet dort Familien vor, die vor dem Aufstieg der Nazis in Deutschland und Österreich geflohen waren und unter verzweifelten Bedingungen und der unmittelbaren Bedrohung einer Nazi-Invasion leben. Ihm wird sofort klar, dass es ein Wettlauf gegen die Zeit ist: Wie viele Kinder können er und sein Team retten, bevor die Grenzen geschlossen werden? 50 Jahre später wird Nicky noch immer vom Schicksal der Kinder verfolgt, die er nicht nach England in Sicherheit bringen konnte.
Nachdem Nazi-Deutschland 1938 das Sudentenland in der Tschechoslowakei besetzt hatte, fuhr der wohlhabende Londoner Börsenmakler Nicholas Winton (1909-2015) nach Prag, um Tausenden geflüchteter Familien zu helfen – die meisten von ihnen jüdischer Herkunft. Vom Schicksal der vielen Kinder aufgerüttelt, versuchte er, so viele wie möglich vorübergehend – so jedenfalls dachte man – nach Grossbritannien in Sicherheit zu bringen. Frei von persönlichen Interessen, ohne jeden offiziellen Auftrag und unter enormen Anstrengungen rettete Winton so 669 Kinder. Die Verfilmung seiner Lebensgeschichte mit Antony Hopkins als altem und Johnny Flynn als jungem Winton ist weitgehend frei von Pathos und historischem Kitsch – und gerade deshalb zutiefst bewegend. Eine bessere Dramaturgie als jene, die das Leben hier selbst schrieb, ist auch kaum denkbar: Die Rettungsaktion des vollkommen bescheidenen Winton blieb bis Ende der 1980er Jahre, in denen ein Grossteil des Films spielt, unbekannt und wurden einer breiten britischen Öffentlichkeit erst über Fernsehbeiträge bewusst. Von selbst versteht sich zudem, dass es in diesem Film nicht nur zum x-ten Mal um den Holocaust geht. Die Botschaft von menschlicher Grösse und persönlichem Einsatz, der Verfolgten und Geflüchteten handfeste Hilfe bietet, ist an keine historische Epoche gebunden.Till Brockmann