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Die Stadt Basel gewährt der legendären Tiergestalt des Basilisken seit Jahrhunderten wohlwollend Unterschlupf. Die mittelalterliche Welt jedenfalls war von der Existenz des wundersamen Schlangenvogels überzeugt.
Schon die Alten wussten, dass der Basilisk mit dem Schwanz den Schlangen ähnlich, mit dem übrigen Leib des Hahnes, zu vergleichen sei. Seinen Kopf präge ein giftspeiender Adlerschnabel, sein Kamm wäre als zackiges Krönlein ausgebildet, seine Schwingen stellten mächtige Drachenflügel dar und sein Schweif trage die Form eines unverwundbaren Eidechsenschwanzes.
Einem dotterlosen Ei entschlüpft, das von einem altersschwachen Hahn auf einen Misthaufen gelegt und von einer Kröte oder einer Schlange ausgebrütet worden sei, hause der König der Schlangen mit Vorliebe in tiefen Brunnenschächten, verfüge über einen giftigen Hauch und könne einen stechenden Blick entwickeln, der Menschen und Tiere töte. Die einzige Möglichkeit, ihn unschädlich zu machen, sei das Anbringen eines grossen Spiegels, welcher ihm zu erkennen gebe, wie fürchterlich er aussehe, was ihn augenblicklich umbringe.
Am Donnerstag vor Laurentius im Jahre 1474 liessen die Bürger auf dem Kohlenberg, dem berüchtigten Viertel der Unehrlichen und Ehrlosen, durch den Henker einen elfjährigen Hahn hinrichten, der ein Ei gelegt hatte. Denn es wurde befürchtet, dem Hahnenei könne ein Basilisk entschlüpfen, was nicht von Gutem sein könne. Als der Henker den getöteten Vogel aufschnitt, kamen drei weitere Eier zum Vorschein, worauf diese samt dem Hahn im Beisein vielen Volkes aus Stadt und Land auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.
Den Nachstellungen ängstlicher Menschen bis heute zu entziehen vermochte sich dagegen der Basilisk, der sich seit Urzeiten im sogenannten Gerberlochbrunnen am Aufstieg zum Gerbergässlein verborgen hält.
Das Quellwasser, das einst in dichtem Gehölz ans Tageslicht sprudelte, wurde später durch gediegene Messingröhren geleitet und in einem vertieften Bassin aufgefangen. Denn das Basiliskenwasser war so bekömmlich und schmackhaft, dass es von der Bevölkerung in Kupferzubern und hölzernen Gelten nach Hause getragen und zu den täglichen Mahlzeiten getrunken wurde.
Seit dem 1927 spiegelt der schmale Brunntrog nur noch kristallklares Leitungswasser. Und von Asphalt überzogene Granitplatten versperren den Zugang zu den unergründlichen tiefen des Gerberlochs, so dass das berühmteste Fabelwesen der Stadt weiterhin in öder Einsamkeit dahinbrütet. So bleibt der vom Basilisken behütete riesige Goldschatz auch künftighin dem Zugriff menschlicher Habsucht entrückt und mehrt ungestört seine Wertschaft.
Geokoordinaten: