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Das Indiovolk der Deni ist unter den eingeborenen Gruppen der Region zwischen den Flüssen Juruá und Purus, die in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts den Schock des zweiten Gummi-Zyklus erlebten, welcher Tausende von Emigranten in ihr Gebiet lockte. Und mit ihnen kamen Krankheiten, von willkürlicher Gewalt geprägte territoriale Auseinandersetzungen und die Ausbeutung der eingeborenen Arbeitskraft.
Seither haben die Deni Jahrzehnte warten müssen, um ihre territorialen Rechte von der Regierung bestätigt zu bekommen – eine Kampagne der Selbstdemarkierung ihres Territoriums, mit Unterstützung einiger ONGs, war nötig, um schliesslich die offizielle Demarkierung zu erreichen, welche erst im August 2003 vollzogen war. Noch immer, allerdings, müssen sie sich gegen eine Invasion von aussen verteidigen, Eindringlinge, die gesetzeswidrig in ihrem Gebiet fischen oder heimlich Edelhölzer extrahieren.
Deni
|Andere Namen: nicht bekannt

Sprache: Aus der Familie Arawá
Population: 1.254 (2010)
Region: Bundesstaat Amazonas
(Zwischen den Flüssen Juruá und Purus)
|INHALTSVERZEICHNIS

Name und Sprache
Lebensraum und Bevölkerung
Geschichte und territoriale Situation
Kampagne und offizielle Demarkation
Kosmologie und Gesellschaft
Politische Organisation, Mobilität und Wohnung
Krankheit und Tod, Schamanentum und Rituale
Feste und Spiele, Kontakt mit Nicht-Indianern
Produktive Aktivitäten
Jagd, Fischfang, Feldwirtschaft, Kunsthandwerk
Extrativismus, Ethnopharmakologie
Die Deni vom Rio Xeruá nennen sich selbst “Jamamadi-Deni”, während die Deni vom Rio Cuniuá sich selbst als “Madihá-Deni” bezeichnen. Diese Unterscheidung ist die Folge des Einflusses der Mission “Novas Tribos do Brasil” (Neue Stämme Brasiliens, MNTB), die in der Region des Rio Cuniuá seit 1982 arbeitet *.
Die Sprache der Deni gehört zur Sprachfamilie Arawá (oder auch Arawak). Über diese Sprache gibt es nur wenige Studien – sie begreift, ausser der Deni-Sprache, noch die folgenden Sprachen ein: Paumari, Jamamadi, Banawa–Yafi, Jarawara, Kulina und Suruwahá – alle diese Ethnien sind Bewohner der ethnographischen Region “Juruá-Purus (Melatti 1998). Nach Aussage des Linguistikers Aryon Rodrigues sind die verschiedenen Arawá-Dialekte sich einander sehr ähnlich – nur der Paumari-Dialekt weicht davon ab (Rodrigues, 1986: 71). Dixon benennt die Sprache der Jarawara, Jamamadi und Banawa-Yafi als “Madi” – er bestätigt, dass sie untereinander vergleichbar sind und alle ein zu 95% gleiches Vokabular besitzen. Wie dieser Autor schreibt, hat “Madi” eine starke grammatikale und lexikale Ähnlichkeit mit den Dialekten der Deni und Kulina (Dixon, 1999: 292-306).
*In Anlehnung an jene Beobachtung hat der Missionar der MNTB, Vladimir Cunha, den folgenden Kommentar abgegeben: “Die Deni nennen sich selbst “Madiha” – nicht unter Einfluss des MNTB. Wenn man sich mit ihrer Sprache beschäftigt, kann man sehr leicht erkennen, dass dies der Name ist, den sie sich selbst gegeben haben. In der Vergangenheit gab man den Deni den Namen “Jamamadi”, der jedoch von diesem Volk niemals angenommen wurde, weil er eine starke phonetische Ähnlichkeit mit “Zama Madi” (wilder Mensch) hat – also mit einem Verhalten wie dem eines wilden Tieres – so wie auch die Bezeichnung “Índio” von ihnen abgelehnt wird, wegen der Ähnlichkeit mit “izu” = Scheisse. Ich habe die Deni vom Rio Xeruá selbst hinsichtlich des Ursprungs jener Information konsultiert, und sie sagten mir, dass es ihnen nie gefallen hat, mit einem Schimpfwort bezeichnet zu werden. Der Terminus “Deni” dagegen, welcher offiziell von einer Mehrheit der ONGs und Ogs benutzt wird, ist lediglich eine pluralisierend Endung einiger ihrer Substantive und ist von ihrem Volk allgemein akzeptiert worden. Wenn ein Deni sich heutzutage auf sein eigenes Volk bezieht und den Begriff “Deni” verwendet – für sie ein portugiesisches Wort – dann benutzt er den Plural und sagt “Denideni” = die Deni”.
Das Volk der Deni bewohnt eine weite Region zwischen den Flüssen Juruá und Purus, in den Distrikten von Itamarati, Lábrea und Tapauá im Bundesstaat Amazonas. Nach einer ambientalen Studie von Pezzuti gehört ihr IT zum hydrografischen Becken des Rio Solimões und wird von einem Nebenfluss des Rio Juruá, dem Rio Xeruá, bewässert, sowie vom Rio Canaçã und Rio Cuniuá – Zuflüsse des Rio Tapauá, der seinerseits in den Rio Purus mündet. Das Indianer-Territorium (IT) Deni befindet sich inmitten der Region, welche die beiden hydrografischen Becken dieser beiden grossen Weisswasserflüsse (Juruá und Purus) voneinander trennt.
Für Studienzwecke kann man dieses IT in zwei Teile spalten: den okzidentalen und den orientalen Teil. Im okzidentalen Teil befinden sich vier Dörfer, die am Rio Xeruá liegen und einigen seiner Nebenflüsse. Dies sind: Rezemã, Morada Nova, Boiador und Itaúba. Der Xeruá ist ein Nebenfluss des Juruá. Im orientalischen Teil des IT gibt es weitere vier Dörfer, alle am Ufer des Rio Cuniuá, Nebenfluss des Rio Purus: Cidadezinha, Marrecão, Visagem und Samaúma.
Es gibt keine Flussverbindung zwischen Xeruá und Cuniuá – auf dem Landweg existiert ein Pfad durch den Wald, welcher das Dorf Itaúba mit dem antiken Dorf Kumarú Novo verbindet. Diese Wanderung dauert in der Regel zirka drei Tage. Um die Entfernung zu den anderen Dörfern zurückzulegen, braucht man zwischen einer und zwei Wochen. Es existieren verschiedene Waldwege, welche die einzelnen Dörfer mit bestimmten Jagd-, Sammel- und Fischgebieten verbinden. Im Mai 1999 haben wir festgestellt, dass 666 Indianer in dem IT wohnten, die sich auf 116 Residenzen innerhalb von neun Dörfern verteilten. Aktualisierte Daten von 2002 durch die ONGs von GREENPEACE, CIMI und OPAN bestätigen ein Wachstum dieser Bevölkerung auf 736 Personen – in acht Dörfern.
Die ersten staatlichen Interventionen mit dem Ziel, die Besitzrechte des IT Deni und der anderen Its der ethnographischen Region Juruá-Purus zu regeln wurden bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unternommen. Der Assistent des “Serviço de Proteção aos Índios” (Indianerschutzdienst – SPI), José Santana Barros, nahm an einer Inspektionsreise zum Rio Tapauáund seinen Nebenflüssen, am 18. März und 24. April 1930, teil. Er präsentierte einen Reise-Report, in dem er die diversen Ethnien zitiert und beschreibt, welche in diesem Gebiet ansässig waren. Dies war ein erster Versuch, von Indianern im Gebiet Juruá-Purus bewohnte Areale zu identifizieren – und dieser folgten weitere Expeditionen des SPI in den 40er Jahren. Leider wurde nicht ein einziger Vorschlag für eine Regulierung der Landbesitzrechte präsentiert, obwohl alle Relatorien sehr interessante Daten präsentierten.
Viele Jahre später, mittels der Verfügung No. 1813/E, de 07/01/85, wurde eine technische Kommission (GT) geschaffen, welche die Identifikationsstudien und eine Besetzungs-Aufstellung weiter verfolgen sollte, mit dem Ziel, die Grenzen des IT Deni zu definieren. Dazu wurden fünf Techniker benannt, welche die Feldarbeiten innerhalb von 30 Tagen erledigen sollten. Das anthropologische Relatorium der Wissenschaftlerin Therezinha de Barcellos Baumann wurde dazu allerdings nie beachtet. Von bezeichnter GT wurde lediglich ein schriftliches Memorandum produziert, mit einer Beschreibung der Grenzen und eine zusätzliche Information von zwei Seiten über die Zahl der nicht-indianischen Landbesetzer und eine annähernde Aufstellung der Deni-Bevölkerungszahl. Das eingeborene Deni-Gebiet wurde mit einer Oberfläche von 998.400 Hektar und einem Umfang von 750 Kilometern angegeben.
Am 21. Januar 1992 beauftragte die “Comissão Especial de Análise” (CEA) der FUNAI (Nachfolgerin des SPI) die Spezialisten für indigene Völker des “Conselho Indigenista Missionário” (Cimi), Gunter Kroemer und Terezinha Weber, unter Rücksicht auf die vorher gemachten Demarkations-Versuche vor Ort, mit dem Versuch einer Überprüfung der Grenzen, die man 1985 definiert hatte. Am 05. Juni 1992 präsentierten die beiden Beauftragten den Indianern im Dorf Kumarú ihre Grenzvorstellungen, mit denen die Deni aber nicht einverstanden waren, denn sie umfassten bei weitem nicht das Gesamt der von ihnen traditionell besetzten Ländereien. Kroemers Bericht wurde der FUNAI 1995 offiziell vorgelegt, jedoch, wie aus der Versammlung mit den Deni von 1992 klar hervorging, waren die Indianer selbst mit dem Resultat der Studien von 1985 nicht einverstanden – also entschloss man sich, neue Studien zur Identifizierung der Reservatsgrenzen einzuleiten.
Noch im selben Jahr 1995 begab sich eine Gruppe vom Gesundheitspersonal der FUNAI zum Rio Xeruá, um die Indianer zu impfen und sich allgemein um ihre Gesundheit zu kümmern – viele Deni hatten sich noch nicht ganz von einer verheerenden Masern-Epidemie erholt, welche 1992 unter ihnen wütete. Die Equipe wurde vom Anthropologen Eduardo Vieira Barnes begleitet, der unter Vertrag genommen war, um als Berater für ethnologische Studien zu fungieren, mit dem Ziel, endlich das IT Deni zu identifizieren und zu demarkieren. Nach seiner Rückkehr nach Brasília trat der Anthropologe jedoch von seinem Vertrag zurück. Eine weitere Arbeitsgruppe wurde aufgestellt – unter der Leitung von Rodrigo Padua Rodrigues Chaves (Autor dieses Textes). Die Feldarbeit lief in zwei Etappen ab: vom 23. November 1998 bis zum 05. Januar 1999 und vom 10. April 1999 bis zum 28. Mai 1999 – insgesamt 93 Tage. Nach dem Bericht der GT – von der FUNAI im Februar 2001 akzeptiert – wurde das Indianer-Territorium Deni mit einer Fläche von 1.530.000 Hektar identifiziert. Im Dezember desselben Jahres wurde es dann als “permanenter Besitz der Eingeborenen” vom Justizministerium erklärt und im Mai 2003 definitiv demarkiert.
Dem Demarkationsprozess ging eine Kampagne voraus, welche von der ONG GREENPEACE angeführt wurde. Im Jahr 1999 untersuchte diese ONG den Ankauf von 313.000 Hektar Regenwald durch den Holzgiganten WTK aus Malaysia, der in dieser Region Bäume zur Fabrikation von Sperrholz für den Export fällen lassen wollte. Die GREENPEACE fand heraus, dass 150.000 Hektar des von der WTK angekauften Landes in das von den Deni beanspruchte Gebiet fielen. Die GREENPEACE initiierte daraufhin eine Kampagne unter der Klientel der WTK, welche das Unternehmen zwang, eine Erklärung abzugeben, in der seine Administratoren versprachen, dass sie von einer Exploration jenes Gebiets der Deni Abstand nähmen und auch keine gerichtlichen Schritte vorhätten, um den Prozess der Demarkation aufzuhalten.
Nach vielen weiteren Hindernissen unterschrieb der damalige Justizminister im Oktober 2001 die offizielle Demarkations-Verfügung, und im Mai 2003 begann endlich die offizielle Demarkierung. Am 05. August desselben Jahres feierten die Deni mit Gesang und Tänzen die Vollendung dieser Demarkierung ihres Landes – nach 18 Jahren des Wartens! Mit der Demarkierung des Deni-Landes wurde ein ethnoambientaler Korridor von mehr als 3,6 Millionen Hektar amzonensischen Regenwaldes geschaffen, der 8 verschiedene ITs miteinander verbindet.
Nach einer Untersuchung von Koop (1983) werden Heiraten vorzugsweise zwischen “gekreuzten Cousins” vollzogen – die Frau heiratet den Sohn der Schwester ihres Vaters – oder der Mann heiratet die Tochter des Bruders seiner Mutter. Eine Heirat zwischen parallelen Cousins gilt als Inzest – das drückt sich auch durch die Tatsache aus, dass die Brüder des Vaters wie Väter (abi) behandelt werden und die Schwestern der Mutter in derselben Kategorie der Mütter (ami) stehen.
Die Regel der Wohnungsnahme nach der Heirat tendiert zum matrilokalen System: “Wenn ein Junge heiratet, zieht er um ins Haus seiner Frau”, sagt Hamú, der “Patarahú” (Chef) des alten Dorfes Buzina – und drückt damit das Ideal der Matrilokalität aus. Der Missionar Gordon Koop bestätigt folgendes: “Wenn sich die Tochter der Pubertät nähert, arrangiert ihr Vater in der Regel ihre Heirat, und der Schwiegersohn wechselt in sein Haus über – oder in einem Haus an der Seite des Hauses seines Schwiegervaters. Während dreier Vollmonde erhält der Schwiegersohn nichts weiter von seiner Frau, als eben deren Zuneigung. Auf der anderen Seite muss er jagen, fischen, Früchte des Waldes sammeln und all das seiner Schwiegermutter (Mashudini) weitergeben – ausser einer kleineren Portion, die er seiner eigenen Mutter bringen darf. Nach Ablauf dieser drei Monate beginnt seine neue Frau für ihn zu kochen und ihm das Essen zu servieren, was vorher Aufgabe der Schwiegermutter war. Ab sofort teilt er nun Jagdbeute und Fische auf unter seiner Frau und seiner Schwiegermutter – und einen kleinen Teil reserviert er für seine eigene Mutter.
Im Allgemeinen wohnt der Schwiegersohn in der Nähe seines Schwiegervaters während eines Jahres oder länger, und er arbeitet auch während dieser Zeit mit ihm bei allen Projekten zusammen – wie zum Beispiel einem Hausbau oder der Rodung eines Waldstücks. Und er jagt und fischt ebenfalls zusammen mit dem Schwiegervater.
Ungeachtet der Matrilokalität allerdings, bildet die Abstammung von der paternalen Seite die Basis der gesellschaftlichen Organisation. Männer, welche vom selben Vater abstammen, oder deren Väter denselben Vater haben (Cousins), bilden eine Verwandtschaft, welche in der Regel in unmittelbarer Nähe voneinander wohnt, sich dieselbe kollektive Arbeit teilt und die Verheiratung ihrer Töchter und Söhne arrangiert. Wenn eine Gruppe von Brüdern aus drei oder mehr erwachsenen Männern mit Frauen und Kindern besteht, können sie sich vom Haus des Schwiegervaters entfernen und ihre eigenen Häuser in seiner Nähe errichten. Die strukturellen Verbindungen einer Grossfamilie sind die zwischen einer Gruppe von Brüdern oder zwischen dem Schwiegervater (Hedi) und seinen Schwiegersöhnen (Hirubadi).
Mit der Volkszählung in den acht Deni-Dörfern beobachtete man die Gegenwart der folgenden Untergruppen: 1) Seruvá Kudé Deni – das Volk vom Rio Xeruá, wie die Deni vom Rio Cuniuá sie bezeichneten. 2) Upanavá Deni – sie kamen vom anderen Ufer des Rio Purus, überquerten ihn – erreichten den Rio Pauni – zogen den Rio Mamorea und den Rio Ará hinauf, bis sie den Rio Cuniuá erreichten. Sie bilden die Majorität in den Dörfern Marrecão und Beira Rio. 3) Bukuré Deni – sie kamen vom Rio Aruá, einem Nebenfluss des Cuniuá, und sie bilden die Majorität in den Dörfern Visagem und Samaúma. 4) Kunivá Deni – sie stammen vom unteren Rio Cuniuá und bilden die Majorität im Dorf Boiador. 5) Varasá Deni – sie stammen vom Rio Xeruá und bilden die Majorit ät im Dorf Cidadezinha. 6) Minú Deni – sie kommen vom Igarapé (Bach, Flüsschen) Curabi, einem Nebenfluss des Rio Xeruá und sind Majorität im Dorf Morada Nova. 7) Katú Deni. 8)Havá Deni – das Volk vom Rio Patauá, Majorität im Dorf Rezemã, sowie im IT Deni. 9) Tamakuri Deni – Majorität im Dorf Marrecão-Pista de Pouso. 10) Mei Vessé Deni – das Volk der “Taioba Branca”. 11) Makui Deni – Majorität im Dorf Itaúba. 12) Zumahé Deni – das Volk des Jaguar, von demlediglich noch ein einzelner Vertreter im IT existiert. 13) Putavi Deni – ebenfalls nur noch ein einziger Repräsentant übrig.
Traditionell sind die Häuptlinge (Patarahú) und die Schamanen (Zupinehé) diejenigen mit einer politisch tonangebenden Position in einem Dorf. In früheren Zeiten hatten die einen oder anderen auch mehrere Frauen. Es gibt keine literale Erklärung für “Patarahú”, die treffendste wäre etwa “Chef einer Hausgemeinschafts-Gruppe”. In den letzten Jahren – unter dem Einfluss der FUNAI sowie der Missionare, die in jener Region tätig sind – bekam die Rolle des Patarahú grössere Bedeutung und ist heute Sinonym eines “Tuxaua” oder Chefs des Dorfes. Die älteren Männer des Dorfes sind die “Imabuté” – die Geschichtenerzähler.
Nach Koop sind die wichtigsten Eigenschaften eines Dorfhäuptlings die, dass er ein reifer Mann ist (mit Kindern in einem fortgeschrittenen Alter), vorzugsweise war sein Vater bereits Häuptling und, vor allem, muss er eine Führerpersönlichkeit sein, das heisst, persönliche Qualitäten besitzen, die ihn für diese Aufgabe qualifizieren.
Der Chef kann trotzdem nicht einfach irgendwelche Entscheidungen treffen, sondern muss sie vorher mit den erwachsenen Männern des Dorfes diskutieren (mit Söhnen die bereits “rennen können, und die an der Inhalierung von Schnupftabak (Shina) teilnehmen). Während der Versammlungen, welche in der Regel kurz vor Sonnenaufgang stattfinden, präsentiert der Häuptling seine Absichten. Von seiner Hängematte aus spricht der Häuptling – oder sonst jemand, der seine Meinung abgeben möchte – mit laut erhobener Stimme. Kommentare dazu, aus den Hängematten der jeweiligen Sprecher, schwirren wie ein Echo über den zentralen Dorfplatz. Auf diese Weise werden Entscheidungen und Projekte des kommenden Tages im Kollektiv vorgenommen (Koop, 1983).
Die Geschichte des IT Deni bestätigt, dass die mittlere Besetzungszeit eines Dorfes in der Regel keine fünf Jahre überdauert. Die Verlegung eines Dorfes ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Ausser der eigenen Dynamik in der Schaffung von Untergruppen aus denen von Hausgemeinschaften, sind vor allem durch Weisse eingeschleppte Krankheiten, welche hohe Sterbeziffern zur Folge hatten – wie Tuberkulose, Masern und Lungenentzündung – an einer Dorfverlegung schuld. Solche Epidemien haben das Verlassen eines ganzen Dorfes zur Folge und die Zerstreuung der Überlebenden.
Sahavi, der Patarahú des Dorfes “Morada Nova” erzählt von den ersten Kontakten mit den Weissen folgendermassen: “Früher gibt es keine Weissen, nur Indianer. Dann kommt Weisser hierher . . . hatte Mumps, hatte Masern, hatte Grippe. Aber damals wusste man nicht – wer Husten bekam, starb, es gab kein Heilmittel – starb, starb, starb. Da rannte der Rest weg, verteilte sich, da wo es keine Krankheit gibt. Wenn ihn Krankheit befällt, stirbt er – damals blieb er weit weg, um keine Grippe zu bekommen. Sie starben, töteten, starben, starben, starben, starben. Dann flüchten sie Fluss weiter hoch – aber Weisse hinterher. Deshalb die Deni wenige heute – wegen Krankheit. Jetzt wachsen wir wieder”.
Ein anderer Grund zur Verlegung eines Dorfes können die erschöpften Mittel zur Lebenserhaltung der Dorfbevölkerung sein – die Deni sind geschickte Jäger, und die Jagd ist eine der Aktivitäten, die für sie von grosser Bedeutung ist. Nachdem man ein paar Jahre am selben Ort wohnt, gehen die Jagdergebnisse zurück, und die Jäger müssen von Mal zu Mal mehr Energie und Zeit für immer weniger Jagdbeute aufwenden. Auch dieser Faktor trägt dazu bei, nach einem neuen Ort mit mehr Möglichkeiten Ausschau zu halten.
Die Hütten der Deni besitzen im Allgemeinen keine Wände und werden in einer Höhe zwischen 1,5 und 3 Metern über dem Boden angelegt, um das Eindringen von Kriech- und Krabbeltieren zu verhindern. Die Stützen und die Basis einer Hütte werden aus widerstandsfähigem Holz angefertigt – wie zum Beispiel Jatobá, Matá-Matá, Acapú, Acariquara oder anderen. Der Fussboden wird aus Stämmen der Paxiúba gefertigt, dessen Bedeckung man aus Blättern der der Caranaí anlegt, welche mit den Stämmen verflochten werden. Die Hütten der Deni haben eine mittlere Lebensdauer von drei Jahren. Die Küche wird in der Regel an diese Konstruktion angebaut oder befindet sich als Extra-Hütte gleich nebenan.
Die Gesellschaft der Deni erlitt einen intensiven Bevölkerungsschwund, besonders ab 1940, als ihr Kontakt mit den Fronten der weissen Bevölkerung zunahm, die auf der Suche nach begehrten Rohstoffen, wie Latex und Edelhölzer, in ihr Gebiet eindrangen. Dieser Schock sprengte die traditionellen Dorfgemeinschaften und führte später zu einer Neuorganisation verschiedener Untergruppen der Deni. Im Lauf der Geschichte des Kontakts mit der sie umgebenden nationalen Gesellschaft hat man verschiedene Epidemien von Tuberkulose, Lungenentzündung und Masern unter den Deni festgestellt. Ihre physische und kulturelle Reproduktion waren bedroht – zu Beginn der 90er Jahre erlebte diese Eingeborenengruppe ihren niedrigsten Bevölkerungsstand. Dann kam 1992 eine neue Masernepidemie über sie, die im Lauf von 12 Monaten weitere 67 Todesopfer forderte. Die Sterbequote zu jener Zeit lag bei 12% und es gab verschiedene Denunzierungen hinsichtlich der Verursacher dieses Dramas, das man dann mit einer simplen Hilfsmassnahme in den Griff bekam, indem man die Indianer impfte. Mit der Impfung begann sich eine langsame Besserung abzuzeichnen, trotzdem stehen die Deni immer noch ernsten Gesundheitsproblemen gegenüber, denn sie können höchstens auf eventuelle Hilfeleistungen bestimmter ONGs zählen und seltener auf die offizielle Hilfe von Seiten der Regierung durch die FUNASA.
Wegen der hohen Sterblichkeitsziffer der Deni gibt es in ihrem Gebiet zahlreiche Friedhöfe, die auf ihr gesamtes Territorium verteilt sind. Die Art und Weise der Bestattung folgt in allen Dörfern einem und demselben Muster: Die Leiche wird in eine Hängematte gelegt, die man innerhalb einer etwa zwei Meter tiefen Grube aufspannt. Die Grube wird nicht mit Erde aufgefüllt, sondern man bedeckt sie mit Latten aus dem Stamm des Paxiúba-Baumes, auf die man dann die Erde häuft. Zum Schluss errichtet man eine kleine Hütte im Deni-Stil über dem Grab.
Wie Sahavi Deni erzählt, bahrt man im Fall des Todes eines Patarahú (Chef der Hausgemeinschaft) seinen Körper in der Umgebung seiner Residenz auf, und sämtliche Dorfbewohner kommen im Lauf von vier Tagen vorbei, um ihn zu betrauern. Man entzündet ein Feuer unter seiner Hängematte, damit die Leiche nicht verwest. Dann bestattet man ihn in der Nähe seines Hauses oder seines Feldes.
Heutzutage sind die Schamanen und ihre Rituale immer seltener unter den Deni. Traditionell wurden die Schamanen (Zupinehé) seit ihrem dritten Lebensjahr auf ihre besondere Aufgabe vorbereitet. Wie Koop (1983) berichtet, besteht der grundsätzliche Unterschied zwischen Schamanen und normalen Männern aus einer im Körper vorhandenen Substanz, die sie “Katuhe” nennen – sowie einer Fähigkeit, sich persönlich mit den Geistern (Tukurime) in Verbindung setzen zu können. “Katuhe” ist ein gelbes, sehr festes Wachs, welches man aus den Waben wilder Bienen gewinnt. Der Schamane kaut dieses Wachs, bevor er in Trance fällt, Visionen hat und mit den Geistern kommuniziert. Seine allererste Verbindung mit der Geisterwelt kann dauern – er kaut das Wachs zirka zwei Wochen lang und übergibt sich mehrmals zwischendurch – schläft vor Schwäche fast nur in seiner Hängematte – und erzählt schliesslich, dass er zum Himmel geflogen sei und dort den Tukurime zugehört habe.
Der bedeutendste Beitrag des Dorfschamanen sind seine Visionen und sein Umgang mit der Geisterwelt, sodass er auf diese Weise Krankheiten und Todesursachen identifizieren kann und die Bevölkerung orientieren, wie sie sich gegen solche Gefahren schützt.
Wenn ein Deni stirbt, versucht der Schamane, mit seinem Geist in Verbindung zu treten, um den Grund seines Todes herauszufinden. Dazu kaut er solange “Katuhe”, bis er eine Vision hat, in der er Flügel bekommt, bis in den Himmel hinauffliegt un dort die Geister der Indianer (Abanu) trifft, sowie auch die gefährlichen Geister. Dann erfährt er vom Geist des Verstorbenen, oder jenem, der ihn angegriffen hat, den Grund seines Todes. Von dieser Information hängt es ab, ob die Dorfgemeinschaft sich entscheidet, an einen anderen Ort zu ziehen oder etwas zu unternehmen, um zukünftigen Aggressionen aus dem Weg zu gehen.
Neben seiner Funktion als Heiler von kranken Personen, hat der Schamane traditionell auch eine politische Verantwortung. So wie der Dorfhäuptling, kann auch er die Bevölkerung zu einem Fest aufrufen. In allen Festen war der Schamane oberster Vorsänger. Nach einer solchen festlichen Nacht versammelten sich die Männer auf dem Dorfplatz – sie fassten sich alle an den Händen, der Schamane in ihrer Mitte. Die Frauen bildeten eine Reihe vor den Männern, und der Schamane leitete nun jeden Gesang mit seiner Stimme ein – dem alle im Chor folgten, und sie tanzten, zuerst nach vorn, dann zurück, und im Kreis um eine imaginäre Mitte (Koop, 1983). Heute kann die Funktion des Leadsängers auch von anderen Mitgliedern des Dorfes übernommen werden. Wie auch immer, bei allen Festlichkeiten kommt dem Leadsänger (Hiridé) eine bedeutende Rolle zu. Alle Deni singen gern und viele kreieren ihre eigene Musik – einige von ihnen mit viel Erfolg.
Im Jahr 1999 hatte ich Gelegenheit, bei einem Heilungsritual im Dorf Marrecão anwesend sein zu dürfen. Sivirivi, aus dem Nachbardorf Cidadezinha, hatte eine Allergie gegen Wildschweinfleisch (Anubezá) und jedesmal, wenn er davon ass, bekam er Verdauungsprobleme. Am 24.04.1999 war es wieder einmal soweit, Sivirivi ging es furchtbar schlecht, und er bat mich, ihn ins Dorf Marrecão zu bringen, damit der dortige “Zupinehé” ihn gesundbeten könne – denn, so behauptete er, dies sei die einzige Art, um ihn zu heilen. Wir erreichten Marrecão und begaben uns ins Haus von Zutihári – der legte den Kranken auf ein Brett und begann dann die “befallenen Stellen seines Körpers” (Magen und Darmteil mit dem Mund abzusaugen und dann auszuspucken. Gleichzeitig massierte er die entsprechende Region. Die Heilungsarbeit dauerte nicht länger als acht Minuten – schliesslich entnahm er dem Bauch von Sivirivi zwei Steine. Kurz darauf erklärte sich der Kranke erleichtert und seine Übelkeits-Symptome verschwanden.
Feste finden regelmässig während des gesamten Jahres statt, besonders das “Ima Amusinahá” – wörtlich: “die Verlängerung eines guten Gesprächs”. Besonders während des amazonensischen Sommers verbringen die Deni einen grossen Teil ihrer Zeit mit Vorbereitungen und der Teilnahme an Festlichkeiten. In dieser Zeit des Überflusses finden Rituale statt, die einige Tage dauern können – das Sommerfest (Banivá danará) dauert sogar 30 Tage! Für seine Vorbereitungen gehen die Deni etwa drei Monate lang jeden Tag auf die Jagd. In früheren Zeiten waren solche Rituale häufiger, während der der Dorfhäuptling den ganzen Tag lang Geschichten erzählte und sein Haus von Gästen wimmelte.
Es gibt eine Reihe von Wettkämpfen unter den Deni, einer davon besteht aus einer Art Stafettenlauf, für den ein spezieller Pfad durch den Wald angelegt wird. Jedes Dorf stellt seine Läufer, die jeder einen Abschnitt des Pfades mit einem Pfeil in der Hand zurücklegen – den sie dann na den nächsten Läufer ihres Teams weitergeben – Sieger ist das Team, welches als erstes das Dorf der Gastgeber erreicht. Wenn der Letzte eingetroffen ist, begibt man sich zur Tafel mit Wildpret, Bananen und “Caiçuma” (einem fermentierten Getränk aus Maniok).
Eine Art Gesellschaftsspiel dreht sich um Zuckerrohrstengel, bei dem die Männer gegen die Frauen antreten – es kann zu jeder Jahreszeit stattfinden: Die Männer holen ein Bündel Zuckerrohr vom Feld, dann legen sie es in der Mitte des Dorfplatzes nieder. De Kommune hat sich inzwischen versammelt – die Männer schneiden sich jeder ein Stück Zuckerrohr ab und beginnen rund um den Platz zu zirkulieren – die Rohrstücke müssen nun von den Frauen “erbeutet” werden. In der ersten Runde leisten die Männer keinen Widerstand, wenn die Frauen ihnen das Stück abnehmen. In der zweiten Runde dann müssen die Frauen allerdings Gewalt anwenden, um sich des Rohrstücks zu bemächtigen, und es entspinnt sich eine wilde Schlacht, bei der alles erlaubt ist. Das Spiel endet, wenn alle Rohrstücke im Besitz der Frauen sind. Es gibt auch die umgekehrte Version, bei der die Frauen das Zuckerrohrbündel vom Feld holen.
Koop war Zeuge eines ähnlichen Rituals, als er sich 1983 unter den Deni aufhielt, aber in diesem Fall brachten die Männer Maniok vom Feld, um damit die Frauen zu verköstigen. Der Autor kommentiert, dass die Frauen unter Buh-Rufen und Gelächter aus ihren Hütten kamen, um kleine Portionen zu essen und sich währenddessen über die Männer lustig machten, mit lauter Stimme, dass alle es hören konnten. Später brachte der Häuptling eine grosse Aluminiumplatte auf den Dorfplatz, einen Kochtopf mit Maniok und eine Schüssel mit Fleisch oder Fisch. Nachdem er die Maniok auf der Platte ausgebreitet hatte, rief er seine Leute zusammen, um mit ihm zu essen. Einer nach dem andern brachte nun jede Hausgemeinschaft ihren Beitrag zum Fest – Maniok, Fleisch und Fisch. Männer und Knaben bildeten einen Kreis – Frauen und Mädchen einen anderen. Jede Person hatte ihre eigene Essschale mit einer Portion Maniok und Fleisch oder Fisch auf den Knien. Unter jenen gleichen Geschlechts schoben erwachsene Männer wie Frauen Fleisch oder Fisch von einer Schale zur anderen, es war durchaus üblich, dass ein Stück Fleisch durch viele Hände ging, bis es von jemandem verschlungen wurde. In der Regel begann dieses Essen mit Beginn der Dunkelheit und erstreckte sich bis tief in die Nacht. Dann begann man mit dem Tanz, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Am folgenden Morgen beschlossen Ringkämpfe auf dem Dorfplatz das Fest. Die Frauen rangen gegeneinander um den Preis einer Frucht oder Stücke vom Zuckerrohr. Manchmal jedoch, provozierten sie auch die Männer zum Kampf. Das Ereignis endete mit einem Haufen von müden und völlig verdreckten Indianern und Indianerinnen – die aber alle einen glücklichen Eindruck machten und ausgelassen fröhlich zum Bad im Fluss rannten (Koop, 1983).
Die Berichte der Deni stimmen darin überein, dass ihr erster intensiver Kontakt mit den “Cariú” (Weissen) sich in den 40er Jahren vollzog. Zu Beginn – bis in die 50er Jahre – verkauften ihnen die Indianer Tierfelle – vom Jaguar (dagegen erhandelten sie ein neues Gewehr mit Munition), vom Fischotter, Ozelot, Wildschwein, Tapir, Boa Constrictor und Hirsch. Schon in den 50er Jahren waren einige Indianer bei der Latex-Extraktion engagiert. In den 60er und 70er Jahren gingen sie zur Extraktion von Copaíba-Öl und Edelholz über.
Der intensive Kontakt und der daraus resultierende Bevölkerungsschwund, waren Konsequenzen aus dem neuen Gummi-Boom in den 40er Jahren, der von der weltweiten Nachfrage während des Zweiten Weltkriegs angetrieben wurde. In diesem Zusammenhang wurde die Region Juruá-Purus von Tausenden von Latex-Sammlern buchstäblich invadiert. Noch während der 80er Jahre (1985) gab es am Rio Xeruá verschiedene nicht-indianische Familien (31) ebenso am Rio Cuniuá (22). Von denen blieben dann 1999 nur noch sieben Familien am Xeruá und eine am Cuniuá übrig.
Von Anfang an waren die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Deni und den Weissen geprägt von der Ausnutzung der Indianer, und bis zum heutigen Tag hat sich ein ungleich gewichtetes Tauschsystem zwischen Indianern und Weissen erhalten: Der Händler (Patron) verkauft ihnen Waren auf Raten gegen Feld- oder Waldprodukte. Heute ist die Figur des Patrons verschwunden und wird vom Aufkäufer ersetzt, der mit seinem Hausboot – auf dem er wohnt und seine Waren transportiert – die einzelnen Indianerdörfer anläuft, die an Ufern von Flüssen im Innern Amazoniens leben. Er ist die einzige wirtschaftliche Verbindung dieser Menschen mit dem nationalen Markt und nutzt das aus.
Am Rio Cuniuá wurde der entsprechende Händler mehrmals als Schuldiger für das Fehlen von Nahrungsmitteln in einigen Dörfern angezeigt. Denn er tauschte Produkte, wie Salz und Zucker gegen Maniokmehl – bezahlte einen insignifikanten Preis für das Mehl und verlangte bis zu 400% erhöhte Preise für seine Waren. Dadurch verschuldete er die Indianer in einer Höhe, die sie niemals würden bezahlen können. Am Rio Xeruá haben die Indianer die Möglichkeit, einige ihrer Produkte in dem Örtchen Itamarati abzusetzen, das sich etwa zwei Tage zu Fuss vom Deni-Dorf Itaúba befindet.
Ambientale Verbrechen innerhalb des Indianer-Territoriums Deni sind häufig. Der Grund ist ein völliges Fehlen von Kontrollen und der Assistenz von Seiten der FUNAI. Auch die IBAMA (Naturschutzbehörde) ist unfähig, solche Praktiken zu unterbinden. Jedes Jahr, zwischen Oktober und Dezember, konzentrieren sich Dutzende von Fischerbooten (regional bekannt als “Pexeiros”) na der Mündung des Rio Xeruá in den Rio Juruá. Ihr grösstes Kontingent kommt aus Cruzeiro do Sul (Bundesstaat Acre), Eirunepé, Manaus und Carauari (Amazonas). Am Rio Cuniuá ist das Problem ähnlich – Dutzende von Booten fahren den Fluss hinauf, um den wertvollen Speisefisch “Matrinxã” zu fangen. Ein anderes Problem ist der Fang von gefährdeten Spezies, den die Deni allein nicht unterbinden können – solche gefährdeten Arten sind der “Pex-Boi” (Süsswasser-Seekuh – ein Säuger), der “Pirarocu” (grösster Süsswasserfisch der Erde) und die Schildkröten (deren Fang offiziell unter Strafe steht). Inzwischen beginnen die Indianer sich zu organisieren, um solche Verbrechen aus eigener Kraft zu verhindern.
Ein anderes, recht häufiges Verbrechen ist die Extraktion von Edelhölzern aus dem Indianergebiet. Die wertvollsten sind: andiroba, cedro, jacareúba, copaíba, louro, saboeiro, samaúma unter anderen. Der so genannte “Pau Rosa” Baum wurde zwischen 80er und 90er Jahren dermassen abgeholzt, dass er inzwischen in diesem Gebiet ausgerottet ist. Im Gebiet des Rio Xeruá wird dieser Holz-Raubbau besonders von Holzfällern aus Itamarati und Carauari angeführt. An den Flüssen Cuniuá und Tapauá kommen sie aus der Gegend von Foz de Tapauá – letztere jedoch sind lediglich der verlängerte Arm von Sägewerksbesitzern in Manaus, wohin sämtliches illegal geschlagene Holz transportiert wird.
Die Deni finden den grössten Teil ihrer zur Existenz benötigten Lebensmittel im Regenwald. Dazu ist ihre Mobilität eine Grundvoraussetzung für ihr Überleben.
Der Jagd kommt eine ausserordentliche Bedeutung im Wirtschaftssystem der Deni zu. Dies ist eine typisch maskuline Aktivität, welche bei der Gruppe in hoher Gunst steht. Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Jagd: Das Verfolgen von Pfaden im Wald auf der Suche nach einem Hör- oder Sichtkontakt mit den Tieren. Gruppen von Wildschweinen, die eine Zahl von 300 Stück erreichen können, hinterlassen deutliche Fährten im Wald, die “Rizama Raviné” genannt werden. Tapire und Hirsche hinterlassen ebenfalls Fährten, denen die Jäger manchmal bis zu einem Tag lang folgen. Bei einer solchen Jagd sind Hunde von tragender Bedeutung, denn sie verfolgen die Beute, stellen und verbellen sie. Die andere Alternative besteht aus einer Jagd in den “Barreiros” – den erhöhten Stellen innerhalb eines Überschwemmungsgebiets, die Inseln in einer Wasserlndschaft bilden, auf die sich die verschiedensten Tiere zurückgezogen haben.
Die Deni ziehen verschiedene Waldtiere innerhalb des Dorfes auf, wie zum Beispiel Wollaffen, Brüllaffen und Kapuziner, Fasanen und Rebhühner oder Landschildkröten. Neben den Waldbewohnern halten sie auch Haustiere, wie Hunde, Enten, Hühner und Schweine.
So wie der Jagd, kommt auch der Aktivität des Fischens eine grosse Bedeutung innerhalb der Beschaffung von Produkten zu, welche den Speiseplan der Deni ausmachen. Hierbei handelt es sich um eine wichtige Proteinquelle, besonders während des amazonensischen Sommers, wenn die Fische durch den niedrigen Wasserstand leichter gefangen werden können.
Fischen ist eine diversifizierte Aktivität, welche die Anwendung verschiedener Techniken erfordert: Pfeil und Bogen, das lähmende Gift “Vekamá” oder Haken und Schnur. Längere Fischzüge, die einige Tage Abwesenheit vom Dorf und die Errichtung von Camps erfordern, werden ausschliesslich von den Männern und grösseren Burschen durchgeführt. Die Fischerei mit Gift involviert die gesamte Dorfgemeinschaft – angefangen vom Einsammeln der Vekamá-Blätter, über die Zubereitung des Giftes und das Fischen selbst, bis zur Zubereitung der Fische.
Das Fischen ist auch unterschiedlich in Bezug auf die Umgebung, in der es praktiziert wird. Sämtliche Wasserläufe innerhalb des IT werden zum Fischen genutzt. Nach dem Biologen Juarez Pezzuti: “Seen, Kanäle, Flüsse, Bäche und Überflutungen des Waldes, alles wird zum Fang von Fischen und Krustentieren genutzt. Die unterschiedlichen jährlichen Wasserstände beeinflussen die Verbreitung der aquatischen Fauna entscheidend und, in Konsequenz werden dadurch auch die Stellen bestimmt, an denen der Fischfang jeweils stattfindet. Wenn das Wasser seinen tiefsten Stand erreicht hat, konzentrieren sich die Fische in den zurück gebliebenen tieferen Gewässern, was das Fischen besonders ergiebig macht. Im gleichen Mass, wie das Wasser wieder steigt, suchen sich die Fische neue Futterplätze im überschwemmten Wald, und die Fischer begleiten ihre Ausbreitung und wählen neue Fangplätze aus. Diese Ausbreitung der Fische erschwert den Fang – sowohl innerhalb des IT als auch im Amazonasbecken ganz allgemein. Der hohe Wasserstand der Flüsse ist deshalb eine Periode, die kaum Fisch auf dem Deni-Speiseplan kennt.
Die Fangtechnik mit dem Haken haben sie von den Weissen übernommen. Heute wird wahrscheinlich der grösste Teil tierischen Proteins, den die Deni konsumieren, mittels einer Angel besetzt mit Regenwürmern (Sumi) gefangen, deren Köder sie ebenfalls von den Weissen übernommen haben. Ausser der Bestückung eines Angelhakens mit Würmern und kleinen Fischen, konnte ich auch die Verwendung von Früchten als Köder beobachten (Pezzuti, 1999).
Das Gift “Vekamá” wird auch zum Fang des Piau (Fisch) an der Angel verwendet – und zwar auf eine recht intelligente Weise. Die Indianer mischen das Gift mit den Larven einer bestimmten Wespenart, sowie einem Bisschen Maniokmehl. Aus dieser Mischung formen sie eine kleine Kugel, die sie auf den Haken spiessen. Der Fisch frisst das Kügelchen ab – und kurz danach treibt er betäubt an der Wasseroberfläche, wo er leicht harpuniert werden kann.
Die Deni aus dem Dorf Cidadezinha legen weite Strecken zu Fuss zurück, wenn sie sich auf einem Fischzug befinden oder Schildkröteneier sammeln. Dann fischen sie entlang des gesamten Rio Cuniuá, bis hinauf zum Igarapé (Bach) São Luís und dem Rio Canaçã. Sie sammeln Eier an den Flüssen Cuniuá und Canaçã während des amazonensischen Sommers und fangen Land- und Wasserschildkröten auf Ausflügen, die bis zu acht Tagen dauern können. Sie schiessen die Schildkröten mit Pfeil und Bogen im Moment, da diese Luft holen an der Wasseroberfläche – in diesem Fall hat der Pfeil eine Eisenspitze mit Widerhaken. Da ihre Fänge lediglich zur Selbsterhaltung dienen, fangen sie höchstens fünf Schildkröten pro Jäger.
Die Bedeutung der Feldfrüchte für die Deni erklärt sich aus der Tatsache, dass ihre wichtigste pflanzliche Nahrungs- und Kohlenhydratsquelle von ihren Feldern stammt. Einige davon, unterteilt in Familienfelder, haben eine Grösse von bis zu 15 Hektar, und jedes Jahr richtet man neue Felder ein. Auch die Felder antiker Dörfer werden bis zu 15 Jahren lang noch genutzt – sowohl zur Ernte von Früchten, als auch für die Jagd, denn sie sind in der Regel Stellen, an denen verschiedene Tierarten vermehrt auftreten.
Es geschieht häufig, dass man ein neues Feld an der Stelle eines alten anlegt, besonders bei Feldern in Dorfnähe. Felder mit einem Alter von mehr als vier Jahren werden abgebrannt, umgegraben und neu eingepflanzt – in manchen Fällen sogar mehr als einmal. Diese Neuverwendung geschieht besonders, wenn sich das Dorf in einem Gebiet befindet, in dem höher gelegene Areale selten sind, oder wenn eine grössere Nachfrage hinsichtlich neuer Felder zur Pflanzung von Maniok besteht. Die Grab- und Einsäarbeit ist in diesem Fall verständlicherweise viel einfacher, als bei frisch gerodeten Feldern im Wald – auf der anderen Seite sind die Erträge dieser Zweit- und Dritt-Felder geringer wegen der Ausnutzung des Bodens, der sowieso recht arm an Nährstoffen ist.
Es folgt eine Liste jener Pflanzen, die von den Deni auf ihren Feldern kultiviert werden: Maniok (wilde Art, enthält Blausäure), Macaxeira (ungiftige Art Maniok), verschiedene Cará-Arten (Knollenfrucht), Taioba, Pimenta de Cheiro (Pfefferart), Pimenta Malagueta (Pfefferart), Bananen (9 verschiedene Arten), Ananas, Zuckerrohr, Baumwolle, Tabak (zwei Arten), Tingui, Urucum (roter Farbstoff), Pupunha (Palmfrucht), Süsskartoffeln, Caju (Cashew), Papaia, Graviola (Frucht), Araticum (Frucht), Biribá (Frucht), Cupuacu (Frucht), Mais, Avocados (Pezzuti, 1999: 25-26).
Der Tabak wird allgemein angebaut, allerdings nicht zum Rauchen, sondern er bildet die Basis des Schnupftabaks (Rapé) ein Produkt, was sich bei den Deni aussergewöhnlicher Beliebtheit erfreut. Der Rapé, so schreibt Pezzuti, wird gewonnen “indem man pulverisierte Tabakblätter mit der Asche der Pupuí-Rinde (Theobroma sp.) mischt – letztere enthält eine stimulierende Substanz, das Theobromin (Anderson Guimarães, persönliche Auskunft). Dieser Schnupftabak ist weit verbreitet und wird von Männern und Frauen während der verschiedensten täglichen Aktivitäten eingenommen – ebenfalls abends vor dem Einschlafen. Er kann direkt oder mittels einem Inhaliergerät (dem “Piri”) eingenommen werden – letzteres wird aus einem hohlen Affenknochen (Ateles sp.) hergestellt. Das Pulver kann auch in den Mund, zwischen den Backenzähnen und den Backen, genommen werden oder einfach geschluckt (Pezzuti, 1999: 29).
Die erste Etappe zur Anlage eines Feldes besteht aus der Rodung des nativen Waldes, bei der die gesamte Gruppe mithilft. In der Regel findet die Rodung im April statt – im August wird abgebrannt und umgegraben. Zirka zwei Wochen später beginnt man mit der Einsaat und Pflanzung.
Die Herstellung von Kunsthandwerk bedeutet für die Deni keine alternative Einnahmequelle – wenigstens nicht in grösserem Umfang – wegen dem Absatzproblem einer solchen Produktion. Allerdings produzieren die Indianer verschiedene Arten von Kunsthandwerk für den Eigenbedarf der Gruppe: Hängematten aus Baumwolle, Korbflechterei, Behälter aus Keramik, Halsketten, Armschmuck, Holzschnitzerei, Spielzeug, Bogen, Pfeile, Blasrohre etc. Es gibt zahlreiche Keramikkünstlerinnen am Rio Cuniuá, zwei von ihnen sind sehr bekannt: Taisá, aus dem Dorf Marrecão und Amanihú, aus dem Dorf Cidadezinha.
Das Öl der “Copaíba” (Karumã) ist eins der bedeutendsten Produkte, das von den Deni kommerzialisiert wird. Die Art und Weise, wie sie es extrahieren, bedeutet allerdings, dass dies eine Einnahmequelle ist, welche immer weniger rentabel zu werden droht, denn es wird zunehmend schwieriger, an diesen Rohstoff zu gelangen, und das deshalb, weil die Indianer das Öl gewinnen, indem sie sich einer Axt bedienen, mit der sie die Rinde des Copaíba-Baumes abschälen, wodurch der Baum abstirbt. Die Indianer sind sich bewusst, dass dies ein Raubbau an der Natur ist, und nicht die beste Alternative. Sie haben vorgeschlagen, dass ihnen die FUNAI Bohrer geben solle, mit denen sie die Rinde des Baumes anbohren könnten und so das Öl auffangen – so könnte man den Baum viele Male nutzen.
Es gibt mindestens zwei “Tapiris” (Camps) am Rio Canaçã, welche von den Indianern aus den Dörfern Cidadezinha, Marrecão und Visagem benutzt werden, wenn sie Copaíba-Öl extrahieren. Diese Camps werden aber auch für Jagd- oder Fischzüge genutzt. Ein Fusspfad verbindet diese Orte mit dem Dorf Cidadezinha – zirka einen Tag Fussmarsch.
Das Fällen von Edelhölzern durch weisse Eindringlinge innerhalb des Deni-Territoriums fand mit hoher Frequenz statt, und die Deni selbst wurden als willkommene Holzfäller ausgenutzt – die Weissen betrogen sie regelmässig am Zahltag, was zur Folge hatte, dass die Deni ihr Interesse an dieser Hilfsarbeit verloren. Heutzutage findet die Ausholzung ohne die Indianer statt – und gegen ihre Zustimmung.
Ausser denen, welche für Nichtindianer bei der Holzfällung innerhalb der Deni-Reserve arbeiteten, gab es andere Indianer, welche als Holzfäller an der Mündung des Rio Tapuá und des Igarapé Coatá tätig waren. Sie verliessen ihre Familien innerhalb des IT und verbrachten Monate ausserhalb, um schliesslich ohne Geld und ohne Waren, betrogen von den Weissn, zurückzukehren. Die Deni sammeln verschiedene Waldfrüchte, wie Patauá, Açaí, Bacaba, Buriti, Pupunha etc. Verschiedene Ausflüge werden dazu während unterschiedlicher Perioden eines Jahres organisiert.
Die weich geklopfte Rinde des Amapá-Baumes nennen sie “Batú” – sie wird von den Müttern benutzt, um ihre Babies zu tragen. Die Asche der Zwischenrinde des Caripé-Baumes benutzen sie, um den Ton für die Konfektion von Keramikbehältern zu härten. Der “Tsubicutsu” (Caripé) wird zur Herstellung von Keramik benutzt, indem man die Rinde verbrent und malt. Die so gewonnene Asche (Kununé) bindet den Ton, wenn sie mit ihm gemischt wird.
Die Deni sammeln auch Honig. Obwohl diese Tätigkeit keinem bestimmten System unterliegt, sondern seine Frequenz abhängig ist von der Häufigkeit seines Vorkommens in ihrem Wohngebiet. Der Honig stammt von folgenden Bienenarten: der Jandaira (Rizi Tereré), Abi (Itsuí), Arapuá (Rizi Vaká), Uruçu (Rizi Vesevi), Zumahê, Abelha pimenta (Abi Kashi) und anderen.
Die Deni sammeln verschiedene Arten von Lianen und andere Pflanzen: Das Gift “Karatunahú”, welches zur Jagd benutzt wird (entweder mit dem Blasrohr oder per Pfeil und Bogen), wird aus einer Mischung zweier Lianen hergestellt – der “Irrá” und der “Bekú” (Curarea tecunarum). “Inupupu” (Jurubeba) wird als Anesthesikum gegen Zahnweh verwendet. Von der “Patsi” benutzen sie die Wurzeln, welche gequetscht und dann in Form eines Tees ebenfalls gegen Zahnschmerzen eingenommen werden. Die “Mapidzú” ist ein Schmerzmittel gegen den Stich eines Stachelrochens. Von der “Unuvana rebeberi” stellen sie eine Emulsion zur Senkung von Fieber her. Die Liane “Tsudá Kumani” dient der Fiebersenkung bei Kindern. “Avi Kuburi” Blätter zerquetscht und mit Wasser gemischt provoziert Erbrechen und beendet das Leiden. “Zuká” ist eine Liane, deren Brei ebenfalls Brechreiz hervorruft und die Person stark und wieder lebenslustig machen soll. “Burinú” ist eine andere Liane, die einen Jäger mit Glück auf der Jagd versorgt. Das Sammeln und die Zubereitung dieser Pflanzen unterliegen rigorosen Kriterien, damit sie auch die erhofften Ergebnisse zeitigen. Die besten Kenner dieser Pflanzen sind die “Zupinehé” (Schamanan), was nicht bedeuten soll, dass andere Mitglieder des Stammes der Deni sie nicht auch kennen und wissen, wie man sie anwendet.
Doktorarbeit an der Uni Brasília – September 2003
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung, Klaus D. Günther