Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/1526

Zöliakie und einheimische Sprue (ausgesprochen „Spruh“) sind Bezeichnungen für eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut. Ein erstmaliges Auftreten ist in jedem Lebensalter möglich. Geschieht dies bei Kleinkindern, spricht man von Zöliakie, bei Erwachsenen wird teils noch der früher geläufige Begriff einheimische Sprue verwendet.
Da das Ausmass der Schädigung an der Darmschleimhaut oft so gering ist, dass die Diagnose ausserhalb von Studienbedingungen gar nicht gestellt wird, weichen Angaben zur Häufigkeit der Zöliakie extrem voneinander ab. Sie schwanken zwischen 1 von 100 bis 1 von 3‘000 Einwohner.
Charakteristisch bei stark ausgeprägter Zöliakie ist das Unvermögen des Dünndarms, eingenommene Nahrungsmittel zu verdauen und Nährstoffe daraus in die Blutbahn aufzunehmen, so dass Erkrankte schliesslich an Unterernährung und vielfachen Mangelerscheinungen leiden. Schlecht aufgenommen werden nicht nur Fett und Kohlehydrate (Kalorienträger) sowie Eiweiss, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe (Kalzium, Phosphor, Eisen usw.).
Manche Zöliakiekranke haben vorübergehend oder längerfristig eine Milchunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder andere gesundheitliche Störungen, die auffallend oft zusammen mit Zöliakie auftreten (s. unten).
Das Unvermögen des Dünndarms, eine genügende Menge an Nährstoffen aus dem Darm in die Blutbahn aufzunehmen.
Gliadin ist ein Bestandteil von Gluten („e“ wird betont). Beide sind pflanzliche Eiweisse (Proteine), die in vielen Getreideprodukten vorkommen. Bei Zöliakie lösen sie im Darm eine Autoimmunreaktion aus (s. unten). Abhängig vom Schweregrad ist die Verdauung und Resorption von vielen Nahrungsstoffen vermindert, nicht nur die von gluten- oder gliadinhaltigen Speisebestandteilen.
Substanz verschiedenster Natur, welche die Bildung von Antikörpern auslöst. Beispiele von Antigenen sind Bakterien oder Viren und deren Toxine (Gifte), eiweisshaltige Stoffe (stärkste Antigene), aber auch Medikamente und viele andere chemische Substanzen. Bei Zöliakie wirkt Gluten als Antigen.
Diese „Abwehrstoffe“ sind spezifische Eiweissverbindung, die das Immunsystem als Reaktion auf ein Antigen erzeugt. Sie sind Teil des Immunsystems und gewährleisten die Abwehr von Krankheitserregern, Toxinen und anderen Fremdstoffen. Wenn die Antikörper jedoch körpereigene Strukturen angreifen und deren Funktion beeinträchtigen, handelt es sich um eine kontraproduktive und vielfach krankmachende Autoimmunreaktion.
Bei autoimmunen Vorgängen richtet sich das Abwehrsystem gegen körpereigenes Gewebe und schädigt dieses mit der Zeit; bei Zöliakie und einheimischer Sprue sind die Schleimhäute des Dünndarms betroffen.
Das Wort ist abgeleitet vom griechischen κοιλιά (koilia) der Bauch. Als Synonyme zu Zöliakie verwendet werden einheimische Sprue und glutensensitive Enteropathie. Enteropathie: Darmerkrankung.
Diese Krankheit ist von der Zöliakie zu unterscheiden, wenn auch die Symptome ähnlich sind. Tropische Sprue wird vermutlich durch Besiedlung des Darms mit krankmachenden Bakterien verursacht, kommt in manchen tropischen Ländern vor und kann von dort auch als Reisekrankheit „mitgebracht“ werden.
Sie sind nicht lückenlos geklärt. Es existieren noch verschiedene Theorien, gut belegt mittels moderner Untersuchungen und Technologie ist die Immunhypothese.
Der definitive Krankheitsausbruch ist von mehreren Faktoren abhängig.
Bei den folgenden Krankheiten ist die Wahrscheinlichkeit für Zöliakie erhöht:
Zöliakie verläuft mehrheitlich symptomlos oder so mild, dass sich ein entsprechender Verdacht nur durch Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Dünndarmschleimhaut bestätigen lässt.
Bei schwereren Formen sind die Krankheitszeichen von Kindern und Erwachsenen praktisch identisch:
Sie leiden neben den oben genannten Symptomen an Gedeihstörung und Entwicklungsrückstand, die Pubertät tritt verspätet ein. Mangel an D-Vitaminen und Mineralien kann zu Kleinwuchs und zu Rachitis führen, eine heute selten gewordene Knochenkrankheit mit Skelettdeformierungen.
Ohne glutenfreie Diät sind teils schwere Folgen möglich, die Hinweis sind auf die lang andauernden Resorptionsstörungen.
Wenn die Diätvorschriften (s. unten) konsequent eingehalten werden, bilden sich in der Regel alle Krankheitszeichen zurück und das Risiko für Darmkrebs sinkt.
Zöliakie kann nicht ursächlich geheilt werden, weshalb eine lebenslange glutenfreie Ernährung eingehalten werden muss. Die spezifische Vorbeugemassnahme gegen eine Erkrankung besteht im Beachten der Ernährungsrichtlinien bei bekannter Veranlagung.
Glutenfrei und damit unproblematisch für den Konsum sind:
Vom Speiseplan zu streichen sind alle Speisen, die Gluten oder Gliadin in irgendeiner Form enthalten:
Wenn solche Nahrungsmittel doch konsumiert werden, kann es nach 1 bis 2 Stunden zu Durchfällen kommen, mit allergischen Reaktionen muss hingegen nicht gerechnet werden.
Bei Verdacht ist eine Abklärung durch den Arzt sinnvoll.
Der Nachweis von Antikörpern gegen Gliadin, einem Bestandteil von Gluten, der Nachweis von grösseren Mengen Fett im Stuhl, Dünndarmfunktionstests und insbesondere eine Gewebsentnahme aus der Dünndarmschleimhaut dienen der Diagnose. Von Bedeutung im Hinblick auf die Therapie ist die Abgrenzung gegenüber chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die ebenfalls zu Resorptionsstörungen und Durchfällen führen.
Im Zentrum steht die glutenfreie Langzeitdiät. Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) und einige Spurenelemente (Kalzium, Magnesium, Eisen) müssen eventuell in Spritzenform verabreicht werden.
Nach spezifischen Medikamenten wird geforscht und einige werden bereits in klinischen Studien getestet. Ziel ist es, die Lebensqualität von Zöliakiekranken zu verbessern, indem die Diätvorschriften wenigstens teilweise gelockert werden können.