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MIT NEUER HOFFNUNG DAS TRAUMA ÜBERWINDEN - DANIYALS GESCHICHTE
ERHOLUNG VON DER VERHEERENDEN EXPLOSION IN BEIRUT
Daniyal, 12, ist in einer Kirche im Karantina-Viertel von Beirut und spielt mit anderen Kindern in einem der wenigen intakt gebliebenen Gebäude. Sie stehen sich in einem Kreis gegenüber und passen sich einen Ball zu während sie miteinander scherzen. Es ist die neueste Gruppe von Kindern, die an einem speziellen Right To Play-Programm zur Förderung der mentalen Gesundheit teilnimmt.
Am Ende des Spiels hilft Daniyal dem Trainer, den Ball und die Hilfsmittel wegzuräumen. Das Selbstvertrauen und die Ruhe, die er zeigt, ist eine grosse Veränderung gegenüber den ersten Wochen, als Daniyal, wie Tausende anderer Kinder in Beirut, darum kämpfte, sich von dem plötzlichen Verlust seines Zuhauses zu erholen.
Am 4. August 2020 verwüstete eine Explosion im Hafen Beiruts grosse Teile der Stadt. Als sich der Rauch verzogen hatte, waren mehr als 150 Menschen tot, 5'000 verletzt und 300'000 Menschen obdachlos. Das Haus von Daniyal und seiner Familie wurde ebenfalls schwer beschädigt.
Daniyal hatte draussen mit anderen Kindern gespielt, als das Feuer im Hafen ausbrach. Er rannte nach Hause, wo er zusammen mit seiner Mutter, seinem Vater und seiner Schwester verletzt wurde, als ihre Fenster durch die Explosion zerbarsten.
"Mein Mann fragte mich, ob ich Schmerzen hätte, und ich fragte mich, wovon er sprach” sagt Mona, Daniyals Mutter. "Ich wusste nicht, dass ich voller Blut war."
"ICH REDE NICHT SO GERNE, ABER ICH MUSS ETWAS TUN, WENN ICH TRAURIG BIN. ICH MÖCHTE SPIELEN. ICH MÖCHTE DIESE WUT AUF EINEN BALL WERFEN, NICHT AUF MENSCHEN." - DANIYAL
Mona, Daniyal und der Rest der Familie wurden medizinisch behandelt und verliessen dann ihr Zuhause, um im Wohnzimmer des Appartments eines Freundes zu wohnen, das die Explosion unversehrt überstanden hatte. Doch auch wenn ihre körperlichen Verletzungen behandelt worden waren, ihre seelische Narben blieben bestehen.
"Wir sind mehrere Tage in der Wohnung unseres Freundes geblieben. Wir wollten nach Hause zurückkehren, aber unsere Kinder lehnten dies ab, weil sie befürchten, dass sie das gleiche Ereignis noch einmal erleben könnten", sagt Mona.
Daniyal und seine Schwester Shatha, 9 Jahre alt, hatten in der Folge Albträume. Beide haben sich zurückgezogen und reagierten empfindlich auf alles, was sie an das Ereignis erinnerte. Einmal, als Mona sie kurz nachhause brachte, um die Tapete zu entfernen, damit das Haus repariert werden konnte, brach Shatha beim Geruch des Diesels, mit dem sie den Kleber auflösten, in Tränen aus, weil der Geruch sie an Feuer erinnerte.
"ICH HABE NICHT BEMERKT, DASS ER SO SEHR GELITTEN HAT. ICH HABE MICH GEFRAGT, WARUM ER EIN WINZIGES HERZ GEZEICHNET HAT, DAS VON EINEM GROSSEN SCHWARZEN KREIS UMGEBEN IST. - MONA, DANIYALS MUTTER
Daniyal wurde traurig, gelangweilt und wütend als sein soziales Leben zusammenbrach. Er und sein Freundeskreis waren durch die Explosion auseinandergerissen worden und plötzlich durch Beirut verteilt, so dass es schwierig wurde, einander zu sehen. Er begann, sich aufzuspielen und auf Dinge einzuschlagen, um seiner Wut Ausdruck zu verleihen.
Mona war sich nicht sicher, was sie für ihre Kinder tun konnte, bis sie von Right To Play's spielbasiertem Programm zur Unterstützung der psychischen Gesundheit von Kindern hörte, das gerade eine Woche nach der Explosion angelaufen war.
"Ich wusste von den Nachbarn, dass Aktivitäten zur psychosozialen Unterstützung in der Nähe unseres Hauses gestartet wurden. Ich konnte sehen, wie meine Kinder sich gefreut haben, an den Programmen teilzunehmen. Sie waren es, die uns schliesslich überzeugt haben, nach Hause zurückzukehren", sagt Mona.
Die Familie kehrte in ihr Haus zurück, und Daniyal und Shatha begannen regelmässig, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Ausgebildete Coaches leiten die Kinder bei Spielen und Aktivitäten an, die sie dabei unterstützen, ihre Emotionen positiv auszudrücken, Bewältigungsfähigkeiten zu erlernen und mental stark zu bleiben. Zuerst hatte Daniyal Probleme mit den anderen Kindern. Er war immer noch verschlossen und wütend, und er stiess sie weg, wenn sie versuchten, mit ihm zu interagieren.
Aber die Trainerin, die das Programm leitete, fand eine Lösung. Sie ernannte Daniyal zu ihrem Assistenten. Er würde ihr helfen, die Utensilien herauszunehmen, die Spiele zu leiten und ihr dann helfen, alles wieder einzuräumen. Bald begann er, sich den anderen Kindern zu öffnen und mit ihnen zu spielen.
"Ich wusste nicht, dass Lehrer Assistenten haben können. Ich habe nie versucht, Assistent eines Lehrers zu sein. Mir wurde diese Aufgabe übertragen, und das macht mich stolz", sagt Daniyal.
Die Aktivitäten unterstützen Daniyal und Shatha dabei, die emotionalen Narben zu heilen, die die Explosion hinterlassen hatte.
"Ich denke, dass Daniyal durch die Zeichenstunden Selbstvertrauen gewonnen hat. Er mag es, wenn andere neugierig darauf sind, was er gezeichnet hat, und ihm Fragen stellen", sagt Mona. Auch bei Shatha haben sich während des Projekts deutliche Fortschritte gezeigt, sagte Mona. "Ich weiss, wann immer Shatha an einer Aktivität teilnimmt, bricht sie ihr Schweigen mit einem Lächeln."
"UNSERE ZUKUNFT FUNKTIONIERT NICHT OHNE DIE VERGANGENHEIT. ICH MÖCHTE DAZU BEITRAGEN, EINE BESSERE ZUKUNFT ZU SCHAFFEN". - DANIYAL
Daniyal und Shatha sind nur zwei von vielen Kindern, die in Beirut vom Mental Health Response Program von Right To Play profitieren. Diese Kinder haben in diesem Jahr eine Krise nach der anderen erlebt - COVID-19, Wirtschaftskrise, zivile Unruhen und die Explosion, die im August grosse Teile Beiruts dem Erdboden gleichmachte.
Kinder wie Daniyal und Shatha bleiben durch die Teilnahme mental stark und lernen spielerisch den Auswirkungen dieser Krisen zu begegnen. Aber es gibt noch viele andere Kinder, die diese Art von Unterstützung dringend benötigen. Du kannst dich zusammen mit Right To Play engagieren, damit jedes betroffene Kind auf dem Weg der Verarbeitung spielerisch gestärkt wird.