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Das Leben im Mittelalter hat auch heute seine Faszination nicht verloren. Daher gibt es in Deutschland etliche Mittelalter-Interessengemeinschaften, die etwa das Leben im 13. Jahrhundert so authentisch wie möglich nachstellen. Dazu gehören Schwertkampf, Bogenschießen, mittelalterliches Handwerk, mittelalterliche Kochkunst und der Minnegesang, eine Musikdarbietung aus längst vergangenen Zeiten. Bevorzugte Instrumente beim Minnegesang waren damals Harfe, Fidel und Laute. Hier und da kamen auch Sackpfeifen, Schellen und Handtrommeln zum Einsatz. Schottische, irische und jüdische Musikstile verweisen heute noch auf die mittelalterliche Musik, sodass die Ursprünge bis bis zum heutigen Tag bewahrt sind.
Minne und Liebe
Die Begriffe Minne und Liebe bezeichnen gewissermaßen das Gleiche. Das Wort Minne wurde im Spätmittelalter durch das Wort Liebe ersetzt. Heute wird die Bezeichnung Minne für die höfische Liebe, der hôhe minne, verwendet. Die hohe Minne, eine Art Liebeslyrik, entwickelte sich Ende des 12. Jahrhunderts bei Hofe. Sogenannte Minnesänger besangen etwa Liebe, Treue oder Ehrbarkeit. Minnegesänge wurden alleinig von Männern vorgetragen. Ihr Gesang drehte sich um die adlige Dame und dem vergeblichen Werben um diese.
Die hohe Minne wurde bald abgelöst von der niederen Minne und hier ging es gewissermaßen um eine Frau niederen Standes. Einer der bekanntesten Sänger war Walther von der Vogelweide, der größte und wichtigste Minnesänger im 13. Jahrhundert. Seine wohl bekannteste Darbietung ist Under der linden, bei der die Erinnerung an eine Liebesnacht im Freien gesanglich geschildert wird.
Minnegesang am Hof
Etwa im 12. Jahrhundert entstand an den Höfen und auf den Burgen in Deutschland, Italien, Frankreich und England der Minnedienst. Ein Rittersmann besingt eine unerwiderte Liebe ohne Hoffnung darauf, erhört zu werden. Minnesänger hatten in der Ritterzeit eine große Bedeutung. Der Gesang bedeutete Verehrung einer in der Regel hochgestellten Dame oder Frau. Häufig wurden Ritterfrauen, die verheiratet waren, von den Sängern verherrlicht. Dazu verfasste jeder Minnesänger seinen eigenen Text und gab ihn mit Fidel oder Laute zum Besten.
Die Barden reisten, vielfach zu Fuß, von Burg zu Burg und sorgten dort für Zerstreuung und Abwechslung. Hierbei wären ihnen sicher komfortable Schuhe, wie wir sie heute kennen, willkommen gewesen.
Die ersten bescheinigten Minnesänger waren die Troubadoure im südlichen Frankreich. Der erste und älteste Vertreter war Wilhelm IX.,Herzog von Aquitanien, der zwischen 1071und 1126 lebte und auch als Lebemann bezeichnet wurde. Als letzter seiner Zunft wird Raimon de Cornet benannt, der einer der wichtigsten Dichter der Blumenspiele von Toulouse war. Das tragende Element des Minnegesangs waren die Dichtungen, die schier durch die Musik dramatisiert und aufgebläht wurden.
Den Minnesängern oblag eine besondere Stellung bei Hofe. Neben ihrer Musikdarbietung waren sie Boten und bisweilen Berater der Aristokraten. Da sie viel reisten und nur geringe Zeit an den jeweiligen Höfen gastierten, hatten sie viele Neuigkeiten zu berichten. Sie waren eine Art unterhaltsame Postille mit Showeinlagen. Gepflogenheiten in anderen Ländern, Nachrichten über Schlachten sowie Klatsch kamen daher immer öfter auch im Minnegesang vor.