Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03610.jsonl.gz/581

Hatten ursprünglich verschiedene afrikanische Ethnien die Inseln der Region bevölkert, begann die kulturelle Durchmischung Jamaikas um die Jahrhundertwende, was sich auch auf die überlieferte Musik der einzelnen Bevölkerungsgruppen auswirkte. Einflüsse aus Süd- und Nordamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Europa vermengten sich zu den jeweils populären Musikstilen.
So sahen die Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts das Entstehen von Mento, einem stilistischen und instrumentellen Gebräu, dessen einzelne Bestandteile kaum mehr auf ihren Ursprung zurückgeführt werden können. Da gibt es die Rhumba-Box, einen rechteckigen hölzernen Klangkörper mit vier oder fünf daran befestigten Metallstreifen, deren Herkunft aus Kuba vermutet wird, die aber geradesogut afrikanischer Abstammung sein könnte (Mbira, Daumenklavier).
Fest steht, dass die Rumba-Box direkt Vorfahre des Reggae-Basses mit seinen simplen und starken Melodielinien war. Die Gitarre, das Banjo können aus Nordamerika kommen, die Gitarre könnte aber ebenfalls von Spanien her nach Jamaika gefunden haben.
Wurden zu Beginn die Instrumente gebraucht, um in Liedern politischen Inhalts soziale Kritik zu äussern, nahm mit der Popularität von Mento, die durch erste Schalplattenaufnahmen in den Fünfzigerjahren rasch wuchs, auch die Tendenz zu, solche «gefährlichen» Inhalte zu verbannen. In den Sechzigerjahren, unter den missverständlichen Namen «Calypso» und «Jamaican Rumba», wurde der Stil gar durch die Regierung des Präsidenten Bustamante gefördert. Als 1964 die junge Rasta-Sensation The Skatalites nach New York eingeladen wurde, Jimmy Cliff und Minnie Small zu begleiten, wurden sie kurzerhand durch die «Calypso»-Band Byron Lee and The Dragonaires ersetzt.
1968, im Jahr, als zum ersten Mal das Wort Reggae auftauchte, und Bob Marley & The Wailers ihre Karriere begannen, gründete der ’42 geborene Stanley Beckford das Soul Syndicate: Eine Band, die im Schatten der Wailers stand, und vor allem für Studio-Sessions mit den angesagten Stars gefragt war, weshalb Stanley auf Jobs als Nachtwache zurückgriff um zu überleben.
Gitarre spielend und singend verbrachte er so die Nächte, wobei ihn einmal die Festnahme eines gesuchten Verbrechers, die er beobachtete, zu seinem ersten Hit «Wanted Man» (’73) inspirierte. Mit dem Gesangstrio The Starlights und Stanley and The Turbines machte Beckford fortan Karriere als Reggae- und als Mento-Artist. 2001 nahm er, mit Frau und Tochter als Backing Vocals, die CD «Stanley Beckford Sings Mento» auf, dem musikalischen Stil in seiner ursprünglichen Form zum Überleben verhelfend.
Die Musik, aus der Reggae hervorgegangen ist, die aber nebenher immer existiert hat, auch live in unseren Längen und Breiten bekannt zu machen, ist Stanley Beckford auf seiner Tour durch Europa auch bei uns zu Gast.