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Der Run auf das afrikanische Öl habe erst begonnen. Dies sagt Conrad Gerber, unabhängiger Ölmarktexperte. Letzte Woche sprach er an einer Tagung der Entwicklungsorganisation Swissaid in Genf. Gerber erwartet, dass in den nächsten Jahren die Erdölförderung in Afrika um fünfzig Prozent und mehr ansteigt. In Afrika fördern täglich bereits 250 Firmen Erdöl im Wert von 250 Millionen US-Dollar. Das sind zwölf Prozent der weltweiten Ölproduktion. Wie kann aber die Bevölkerung davon profitieren? Das war die zentrale Frage der Tagung.
Ernüchternd zeigt sich eine neue Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Fazit: Afrika ginge es ohne Erdöl besser. Die Studie hat die wirtschaftliche Entwicklung von sieben afrikanischen Ölstaaten mit anderen Staaten Afrikas verglichen, wo kein Erdöl gefördert wird. In den Ölstaaten gebe es heute mehr Armut und mehr Arbeitslose als vor fünfzehn Jahren, sagt Peter Peek von der ILO. Hingegen gehe es der Bevölkerung in den Ländern ohne Erdöl besser. Der Grund: Die Ölindustrie produziere in abgeschotteten Wirtschaftsenklaven und sorge nicht für Wachstum und Arbeitsplätze in der lokalen Wirtschaft.
Die ILO will nun Druck auf die Ölfirmen ausüben. Vorbild dabei ist die Textil- und Schuhindustrie. «Noch vor fünfzehn Jahren haben Nike, Adidas und Reebock das gleiche Verhalten an den Tag gelegt wie die Ölfirmen», sagt Peek. Dank des Drucks von nichtstaatlichen Organisationen hätten die Sportfirmen Verhaltensregeln eingeführt. «Die Situation ist noch nicht perfekt, aber der Trend ist positiv», so Peek.
Ein Vorbild für die afrikanischen Ölstaaten könnte Norwegen sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das skandinavische Land zum Armenhaus Europas. Dank der staatlich gelenkten Erdölförderung in der Nordsee und der öffentlichen und transparenten Verwaltung der Ölgelder konnte sich Norwegen zu einem wirtschaftlich potenten Staat entwickeln. Trotzdem wolle Norwegen nicht mit gut gemeinten, aber untauglichen Ratschlägen in Afrika hausieren, sagt der norwegische Vertreter an der Uno, Frederik Artur. Die sozialen und politischen Unterschiede zwischen Norwegen und Afrika seien doch zu gross.