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1948-1966
Festanlässe des KREIS
... die legendären KREIS-Feste
Ab 1948 wurde die "Eintracht" am Neumarkt in der Zürcher Altstadt mit ihrem Theatersaal zum Lokal für die grossen, festlichen Anlässe (heute heisst das Haus "Theater am Neumarkt"). Die Mittwochabend-Treffs fanden weiterhin, wie seit 1945, im oberen Teil des noch heute bestehenden Restaurants "Schlauch" an der Münstergasse 20 statt. Dieses Lokal hat auch einen (diskreten, separaten) Eingang von den Oberen Zäunen her.
Ab Herbst 1950 stand jedoch das Lokal oben im "Schlauch" nicht mehr zur Verfügung, weil es "durch Billardspieler belegt" sei1 (was noch heute so ist). Die Mittwochabende wurden daher ebenfalls in die "Eintracht" verlegt.
Für die Grossanlässe - Maskenball im Februar, Sommer- oder Herbstfest, Weihnachtsfeier und Silvesterball - stand ab 1954 das ganze Haus am Neumarkt zur Verfügung. Restaurant und Bar unten im Parterre hingegen blieben meistens auch Aussenstehenden zugänglich.
Nur für den KREIS reserviert waren die Garderobe und der grosse Saal mit seiner Theaterbühne im zweiten Stock und fast immer auch die Zimmer im ersten Stock. Dort wurde in den frühen 50er-Jahren das Fest eröffnet, während der Saal erst für die Theateraufführungen und Cabaret-Einlagen zugänglich war. Später dienten das Treppenhaus und einer der unteren Räume im ersten Stock Edmond Moser und anderen Fotografen wie Karlheinz Weinberger / Jim und Tom Wetzel für ihre Foto-Portraits von Teilnehmern. In anderen Zimmern konnte man sich - etwa für die Maskenbälle - umziehen und im grössten spielten Schallplatten oder ein Zweimann-Orchester Tanzmusik für alle, die oben keinen Platz fanden oder etwas andere Klänge suchten.
Feste mit internationaler Ausstrahlung
Rasch wurden diese Veranstaltungen weit herum bekannt. Es kamen Gäste nicht nur aus der ganzen Schweiz, sondern auch aus halb Europa, aus Nordamerika und Südafrika. Denn die beiden grössten Festlichkeiten, Maskenball und Herbstfest, waren damals weltweit die einzigen schwulen Grossereignisse.
Alle Anlässe hielten sich auf beachtlich hohem Niveau. In den Glanzzeiten Ende der 50er Jahre gab es bis zu 800 Teilnehmer.
Damit entwickelten sich diese Feste zur wichtigsten Einnahmequelle sowohl für den KREIS als auch die Pächterfamilie, welche die "Eintracht" führte. Denn die Liegenschaft gehörte der Stadt Zürich (bis heute).
Eine weitere Einnahmequelle war der Erlös aus den Verkäufen homoerotischer Werke am Bücher-Tisch und jenem für Kunstblätter (Originale und Drucke). Diese Angebote standen am Sonntag nach jedem grossen Fest offen und wurden besonders von Abonnenten und Gästen aus anderen Kantonen oder dem Ausland rege benutzt. Der Zeitschrift beigelegte Listen oder das Kleine Blatt verzeichneten zudem mehrmals jährlich Hinweise auf Neuerscheinungen und Auktionen von bibliophilen Bänden, vergriffenen Büchern in allen drei Sprachen (gelegentlich auch Italienisch und Spanisch) und von Kunstblättern wie Fotoabzügen. Alles lag dann an Mittwoch-Treffs zum Kauf bereit.
Ernst Ostertag, Mai 2005
Quellenverweise
Weiterführende Links extern
- 1
Der Kreis, Nr. 10/1950, Kleines Blatt