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Altes Seetor (Grendeltor)
|Bestellnummer:||407|
|Autor:||Heinrich Pfenninger

|Selbständige Einzelteile:||2|
|Schwierigkeitsgrad:||ab 10 Jahren

|Sprache:||d|
|Massstab:||n/a|
Nicht in Auswahlsendung enthalten

Das alte Zürich war mit Ringmauer und Wassergraben wohlbewehrt. Jeden Abend knarrten die sieben Stadttore beizeiten zu. Nur ein einziges, achtes Tor schloss sich jeweils geräuschloser, das Grendeltor. Dieses stand in der Limmat, hart am rechten Ufer, nicht weit unterhalb des heutigen Bellevue-Platzes. Gleich dahinter befand sich zu jener Zeit die Schifflände, der Hafen Zürichs. Wenn der Grendelwächter Feierabend haben wollte, kettete er einen schweren, mit Stacheln bewehrten Sperrbalken in den Durchlass. Tagsüber aber verwaltete der Torhüter seinen Posten getreulich vom aussichtsreichen Torstübchen herab. Dabei gab er wohl acht, welcher Art die grossen oder kleinen Schiffe waren, die Einlass in die Limmatstadt begehrten. Jeder der Ankömmlinge hatte einen Zoll (den Stadtzoll) zu entrichten. In einem Kesselchen wurden die verlangten Batzen jeweils an langem Seil in die Klause des Torwächters hinaufgezogen.
Das Grendeltor (von den Zürchern auch Grendelhütte genannt) muss ums Jahr 1445 herum erbaut worden sein. Von ihm lief der «Gran» (ein hoher Zaun) sperrend durch den ganzen übrigen Teil der Limmatbreite zum gegenüberliegenden Stadtmauerende. Links neben dem schönen Spitzbogen der Toröffnung leuchtete auf gelbem Grund, inmitten des Doppelschildes der Stadt, das Reichszeichen: der schwarze, zweiköpfige Adler. Auf der andern Seite der Einfahrt gab eine Inschrift jedem Schiffsmann Auskunft über die Öffnungszeiten des Tores und über die Höhe des zu erwartenden Zolls.
Die Zahl der schwerbeladenen Lastkähne, die täglich durchs Grendeltor einfuhren, soll beträchtlich gewesen sein. Nicht nur sandten beide Seeufer der Stadt dauernd ihre Produkte, nicht nur folgten sich immerfort die Steinfuhren zum weiteren Ausbau der Stadt, nein, da gab's sogar Lasten, die von sehr weit hergereist kamen. Kaufleute pflegten in Italien Kostbarkeiten einzukaufen, diese über die Bündner Pässe säumen zu lassen und sie sodann ab Walenstadt auf dem Wasserwege herzubringen. Nicht jede Schiffslast wurde indessen in Zürich ausgeladen. Manche Fuhre schaukelte sogleich limmatabwärts, um auf Aare und Rhein dem reichen Holland entgegenzugleiten. Vergessen wir nicht, dass auch der Personentransport auf dem See einst viel bedeutender war, als er heute ist. So liessen sich beispielsweise fremde Pilger zu Hunderten den Zürichsee hinunter rudern, nachdem sie den schon früh berühmt gewordenen Wallfahrtsort Einsiedeln besucht hatten. Aus all dem können wir leicht ermessen, dass der Grendelwächter zu seiner Zeit nicht nur auf einem wichtigen, sondern auch auf einem sehr einträglichen Posten gestanden haben muss.
Das schmucke Seetor Zürichs ist leider nicht mehr. Es wurde bereits im Jahre 1836 abgetragen, nicht zuletzt aus Rücksicht auf erboste Bauern am See, die fürder freien Einlass in die Stadt begehrten. Jenem trutzigen Wehrturm, dem Wellenberg, der sich einst nicht weit neben dem Grendeltor aus der Limmat erhob, ist es nicht besser ergangen. Auch er durfte unsere Zeit nicht mehr erleben.
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