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Auch im zweiten Rennen in Wengen kann sich der Sieger nur bedingt freuen. Nachdem am Vortag Odermatts Triumph von der Verletzung seines guten Freundes Marco Kohler überschattet wurde, war am Freitag auch Sarrazin nicht wirklich nach Jubeln zumute. «Meine Gedanken sind bei Alexis (Pinturault), den Sieg widme ich ihm», sagte der Franzose, dessen Teamkollege heftig gestürzt war und per Helikopter abtransportiert werden musste.
Entsprechend nüchtern analysierte der 29-Jährige seinen immerhin erst dritten Erfolg im Weltcup. Er habe sich gut gefühlt und an den richtigen Stellen «gepusht». «Im Ziel wusste ich noch nicht, ob es für den Sieg reichen würde, da ich doch auch ein paar Fehler gemacht hatte», erklärte Sarrazin. Doch spätestens nach der Fahrt von Überflieger Odermatt war ihm klar, dass er kaum noch von der Spitze verdrängt werden würde.
Es war Sarrazins zweiter Saisonsieg nach dem 1. Platz in der Abfahrt von Bormio. Am Vortag hatte er bereits mit dem 2. Rang in der verkürzten Abfahrt am Lauberhorn überzeugt. Dazu kommen zwei 4. Plätze in Gröden. Seine starke Speed-Bilanz wird einzig durch zwei Ausfälle getrübt.
Oft im Modus «Alles oder Nichts»
Woher kommen bloss diese Leistungen? Sarrazin fährt seit 2016 im Weltcup und hatte bis zu dieser Saison erst zwei Podestplätze herausgefahren - beide Male in Alta Badia. Gleich in seinem ersten Weltcup-Jahr holte er sich sensationell den Sieg im Parallel-Riesenslalom, wobei er sich im Final gegen den Schweizer Carlo Janka durchsetzte. Drei Jahre später fuhr er am selben Ort im «normalen» Riesenslalom auf den 2. Platz.
Danach wurde es wieder ruhig um den Athleten, der im südlichen Teil der Westalpen aufwuchs und dort auch das Skifahren erlernte. Lange war Sarrazin einzig im Riesenslalom unterwegs, in dem er auch aufgrund der hohen Ausfallquote nur selten in die Punkte fuhr. 2021 absolvierte er erstmals einen Super-G - und schied einmal mehr aus. Bis heute fährt er oft mit dem Motto «Alles oder Nichts».
Trotz des missglückten Speed-Einstands sah Sarrazin, dass er seine Stärken in diesen Disziplinen besser ausspielen konnte, sein Fokus verschob sich. In dieser Saison liess er den Auftakt in Sölden erstmals bewusst aus, weil er sich auf Abfahrt und Super-G konzentrierte. Im Riesenslalom trat er einzig in «seinem» Alta Badia zweimal an, Punkte gab es keine.
Im mentalen Bereich gearbeitet
Sarrazin hat die Wandlung vom Techniker zum Speed-Fahrer vollzogen und vor allem im mentalen Bereich viel an sich gearbeitet, wie er festhielt. Dabei ging es auch privat darum, Ruhe und Einklang mit sich selbst zu finden. Bereits am Donnerstag hatte er den schönen Satz gesagt: «Si je suis bien dans ma vie, je suis bien sur mes skis.» Geht es ihm im Leben gut, fährt es sich auch einfacher auf den Ski.
Seit dieser Saison sei er nicht mehr ständig auf der Suche nach Optimierungen oder Anpassungen, sondern könne einfach fahren, wie er sich das vorstelle, erklärte Sarrazin. Vereinfacht könnte man es auch so ausdrücken: Wenn es läuft, dann läuft es. Und angesichts des Hochs, in dem sich Sarrazin befindet, zählt er auch bei der Originalabfahrt am Samstag zu den Sieganwärtern.