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Wie wirkt sich der Kernenergieausstieg auf unsere CO2-Emissionen aus?
Wenn der Strom aus unseren Kernkraftwerken durch erneuerbare Produktion ersetzt würde, so blieben die CO2-Emissionen stabil. Würden wir aber den Atomstrom durch Strom aus Schweizer Gaskraftwerken oder importierten Strom ersetzen, dann könnten unsere Emissionen spürbar ansteigen, was voraussichtlich kompensiert werden könnte.
Alle Energieträger verursachen Treibhausgasemissionen. Diese Emissionen können direkter Natur sein, wie z. B. bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Kohle, Heizöl, Erdgas usw.). Sie können aber auch indirekt erzeugt werden: beim Abbau oder der Veredelung von Brennstoffen (z. B. Raffinieren von Erdöl) oder bei der Entwicklung der Energieinfrastrukturen: Erzeugung, Transport und Installation der Anlagen (Solarpanel, Windkraftwerke, Turbinen, Kraftwerksbau usw.).
Die Kernkraftwerke stossen zwar während ihres Betriebs kein CO2 aus, dafür aber beim Abbau und der Aufbereitung des Uranerzes. So stösst der Schweizer Kernenergiesektor durchschnittlich 7 Gramm CO2 pro produzierter kWh aus, wobei in dieser Zahl die zukünftigen Emissionen im Zusammenhang mit dem Abwracken der Kraftwerke nicht enthalten sind. Diese hervorragende CO2-Bilanz des Kernenergiesektors beinhaltet jedoch eine grosse Unsicherheit in Bezug auf die heute schwierig voraussagbare Höhe der zukünftigen Emissionen im Zusammenhang mit dem Rückbau der Kraftwerke und mit der langfristigen Lagerung der radioaktiven Abfälle.
Der Sektor der erneuerbaren Energien emittiert ebenfalls Treibhausgase, im Wesentlichen während der Erzeugung der dafür notwendigen Anlagen: zwischen 10 und 80 Gramm CO2 pro kWh je nach Energieträger und Technologie, d. h. etwas mehr als die Kernenergie [→ F65].
Die Erdgaskraftwerke weisen ihrerseits hohe direkte Emissionen auf, die grosso modo für Wärmekraftkopplungsanlagen (die Fernwärmenetze speisen) in der Grössenordnung von 100 Gramm CO2 pro kWh und für Grosskraftwerke, deren Abwärme nicht genutzt wird, bei etwa 400 Gramm liegen.
Was kann unter diesen Bedingungen beim Atomausstieg mit unseren CO2-Emissionen passieren?
Wenn es uns gelingt, unseren Atomstrom vollständig durch erneuerbare Energiequellen zu ersetzen, werden unsere CO2-Emissionen nicht bedeutend ansteigen.
Sollten wir uns hingegen für die Stromerzeugung mit Erdgas in der Schweiz entscheiden, werden unsere nationalen energiegebundenen CO2-Ausstösse je nach gewählter Produktionsart um 5 bis 20% ansteigen, was unseren Klimaschutz-Verpflichtungen widersprechen würde [→ F4]. Hier kommt die Kompensationspolitik zum Zug, die Bestandteil des Schweizer CO2-Gesetzes ist. Dieses Gesetz verpflichtet die zukünftigen Betreiber von Gaskraftwerken in der Schweiz, die Gesamtheit ihrer Emissionen zu „kompensieren“. Sie müssen in erneuerbare Energieprojekte oder Energieeffizienz investieren, um eine Reduktion der CO2-Emissionen im Umfang der von ihren eigenen Gaskraftwerken verursachten Emissionen zu ermöglichen (eine andere Option wäre die Abscheidung und Speicherung der Emissionen dieser Kraftwerke [→ F95]. Die Gesamtbilanz wäre somit neutral, die Reduktionsprojekte würden gewissermassen die Emissionen der Kraftwerke „kompensieren“.
Diese Kompensationsvorschrift betrifft aber nur Treibhausgasemissionen auf Schweizer Boden. Stromimporte sind davon nicht betroffen.
Was würde nun eben passieren, wenn wir mehr Strom aus unseren Nachbarländern importieren? Ein grosser Teil des Stroms in Europa wird in Kohlekraftwerken produziert. Der Anteil von fossilem CO2 im europäischen Strommix ist daher sehr hoch (523 gCO2/kWh). Würden wir unsere gesamte derzeitige Atomstromproduktion durch Importstrom ersetzen, dann käme es zu einem bedeutenden Anstieg unserer Treibhausgasemissionen, nicht in der Schweiz, aber in Europa. Die Europäische Union hat allerdings eine Obergrenze für ihre CO2-Emissionen festgelegt, über die hinaus die Emissionen kompensiert werden müssen. Es ist also wahrscheinlich, dass die Auswirkung Schweizer Importe sogar klimaneutral sein könnte. Man darf aber nicht aus den Augen verlieren, dass „kompensieren“ nicht völlig gleichbedeutend ist mit „nicht emittieren“ und Emissionsvermeidung natürlich die bevorzugte Lösung bleibt [→ F83].
Quellen
- European Energy Agency (2019)
- European Energy Agency (2019). CO₂-emission intensity.
- Inspection fédérale de la sécurité nucléaire (IFSN) (2019)
- Inspection fédérale de la sécurité nucléaire (IFSN) (2019). L’autorité de surveillance de la Confédération pour la sécurité et la süreté des installations nucléaires en Suisse. [Online]. Available at: www.ensi.ch/fr/.