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In den Schweizer Primarschulen werden zwei Fremdsprachen gelernt. Im Wallis sind dies Französisch und Englisch. Werden die Grundschüler dadurch überfordert? Die Direktoren der Schulen Brig, Visp und Naters äussern sich dazu und erklären, welche Sprache Vorrang haben sollte.
In der Sprachenstrategie der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren heisst es: «Alle Kinder in der Schweiz lernen in der Primarschule zwei Fremdsprachen, die erste spätestens ab der dritten Klasse, die zweite spätestens ab der fünften Klasse.»
Das sogenannte Modell 3/5 ist stark umstritten. In mehreren Kantonen wurden in den vergangenen Monaten politische Vorstösse eingereicht, die verlangen, dass auf der Primarstufe nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird. Die Kinder seien mit zwei Fremdsprachen überfordert, so die Kritik.
Diese Ansicht vertritt auch der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, der rund 50 000 Lehrkräfte vertritt. Falls sich die Bedingungen nicht bessern würden, sollte die zweite Fremdsprache nur noch als Wahlpflichtmodul unterrichtet werden, so dieser in einer Stellungnahme.
Im Oberwallis wird die zweite Landessprache Französisch ab dem 3. Schuljahr unterrichtet. Es folgt Englisch ab dem 5. Schuljahr. Im Unterwallis wird ab dem 3. Schuljahr Deutsch unterrichtet, ab dem 5. Schuljahr Englisch.
Mehr Unterrichtszeit für naturwissenschaftliche Fächer
Robert Lochmatter, Direktor der Schulen Brig-Glis, hat sich in der Ausgabe 2013 der Infoschrift Schulen «BRIGGA» ebenfalls zu diesem Thema geäussert: «Persönlich finde ich, dass zwei Fremdsprachen auf Stufe Primarschule zu viel sind. Ich würde es begrüssen, wenn man schweizweit in der Primarschule als erste und einzige Fremdsprache Englisch unterrichten würde und ab Orientierungsschule dann eine der Landessprachen - im Oberwallis Französisch.»
Auf diese Weise, so die Argumente des Schuldirektors, würde in der Grundschule mehr Zeit für die Muttersprache und naturwissenschaftliche Fächer bleiben. Gerade letztere kommen seiner Ansicht nach im Vergleich mit anderen Ländern zu kurz.
Er gibt zu bedenken, dass paradoxerweise gerade durch einen zu starken Akzent auf die Mehr- und Vielsprachigkeit die Schweiz den Anschluss an die Herausforderungen der globalisierten Welt verlieren könnte.
Überforderung bei schwächeren Schülern
Bruno Schmid, Schuldirektor der Visper Schulen, räumt ein: «Bei schwächeren Schülern kann eine gewisse Überforderung da sein. Bei Schülern mit Migrationshintergrund ebenfalls, weil schon Deutsch für sie eine Fremdsprache ist, vor allem, wenn sie erst seit kurzem in der Schweiz sind.»
Die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtmodul anzubieten, wie es der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer vorschlägt, hält er für wenig sinnvoll. Dies hätte zur Folge, dass in der 1. OS nicht alle Schüler am gleichen Ort abgeholt würden.
Welche Sprache Vorrang haben muss, ist für Schmid klar: «Im bilingualen Kanton Wallis ist die erste Fremdsprache Französisch. Das soll so bleiben.»
Anfängliche Zweifel verflogen
Norbert Zurwerra, Direktor der Natischer Schulen, kann keine Überforderung der Primarschüler durch zwei Fremdsprachen feststellen: «Nach den bisherigen Erfahrungen der Lehrpersonen ist der Umgang mit Sprachen für die Kinder alltäglich und ganz natürlich.»
Anfängliche Zweifel der Eltern, etwa Befürchtungen, dass sich die Sprachen vermischen und die Kinder verwirrt werden, seien inzwischen verflogen. «Es stellte sich eher heraus, dass die Schüler Zusammenhänge entdecken und Wörter genau aus dem Grund verstehen, weil sie diese in der jeweils anderen Sprache gelernt haben.»
Die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtmodul anzubieten, hält er ebenfalls nicht für sinnvoll: «Dies würde erhebliche organisatorische Probleme und Unruhen mit sich bringen.» Die Erfahrungen würden zeigen, so der Natischer Schuldirektor, ob Anpassungen notwendig sind.
Grundlegende Zweifel am System hegt er keine: «Für einen zweisprachigen Kanton wie das Wallis kommt nur der eingeschlagene Weg in Frage: Im Oberwallis wird Französisch als erste und Englisch als zweite Fremdsprache unterrichtet.»