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Töffpilot Dominique Aegerter sieht nach dem ersten Trainingstag zum GP von Malaysia aus wie Muhammad Ali nach der Entthronung durch Joe Frazier. Er ist am Ende der Kräfte und ohne Selbstvertrauen.
Nein, Malaysia wird nicht die Wende bringen. Am ersten Trainingstag liegt Dominique Aegerter hoffnungslos zurück: Rang 26 nach zwei freien Trainings, 1,794 Sekunden hinter der Bestzeit von WM-Leader Esteve Rabat. Was noch mehr schmerzt: Auch Tom Lüthi (4. Platz) ist ausser Reichweite. Sogar von Randy Krummenacher (25.) ist er besiegt worden.
So sieht ein besiegter, trauriger Held aus. Dominique Aegerter sitzt erschöpft auf einem Plastikstuhl in der Box, völlig durchgeschwitzt, mit einem Handtuch um den Hals und unter dem linken Auge hat er einen Bluterguss. Wie ein besiegter Boxer. Der Bluterguss ist nicht die Folge eines Boxkampfes. Er hat in Australien bei ausgelassenem Tun versehentlich einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen. So elend hat er noch nie ausgesehen. Wie ein Vogel, der zu weit geflogen ist.
Der wahre Dominique Aegerter würde selbst hier in der tropischen Hitze von Malaysia kaum schwitzen. Aber wir sehen seit mehreren Rennen nicht mehr den wahren Dominique Aegerter. Zuletzt war er 18. in Japan und 8. in Australien. In der WM liegt er nun zehn Punkte hinter Tom Lüthi auf dem 5. Zwischenrang.
Wenigstens ist der Grund für die Malaise klar. Er und sein Teamkollege Robin Mulhauser haben eine Virusinfektion, eine Grippe erwischt. Mulhauser musste deswegen sogar auf das zweite freie Training verzichten.
Dominique Aegerter hat Medikamente erhalten. Aber viel genützt hat es noch nicht. «Eigentlich sollte es jetzt besser sein. Aber es ist noch nicht besser geworden.» Unter diesen Umständen sei es nicht möglich, schnelle Rundenzeiten zu fahren. «Die Kraft fehlt und es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren.»
Die Grippe reduziert die Anstrengungen erst einmal auf eine rasche Genesung. Das Grübeln über die zwei letzten schweren Niederlagen gegen Tom Lüthi entfällt hier vor Ort. Aber daheim in der Schweiz laufen die Drähte heiss.
Am Mittwoch trafen sich Teambesitzer Olivier Métraux und Aegerters Manager Robert Siegrist zum Krisengipfel. Wie weiter? Welche Massnahmen braucht es, damit Dominique Aegerter sein Selbstvertrauen wieder findet?
Die Teamstruktur für nächste Saison mit Tom Lüthi und Dominique Aegerter ist klar. Aber wie sieht das Umfeld aus? Soll Fred Corminboeuf weiterhin das Team «an der Front» managen? Soll Aegerters Manager eine stärkere Position bekommen? Braucht es einen neuen Fitnesstrainer? Braucht es einen Mentaltrainer? Wie viel Einfluss soll der Vater auf dem Rennplatz haben? Braucht es eine Loslösung vom Elternhaus? Sollte Dominique Aegerter gar eine eigene Wohnung nehmen? Sollte beim nun grösseren Einkommen eine Steueroptimierung angestrebt werden? Ist der Zusammenhalt des Teams noch gut genug? Braucht es eventuell neues technisches Personal?
Während der Held der Asphaltpiste an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden in Japan, Australien und nun in Malaysia um WM-Punkte kämpft, ist die Unruhe zwischen Rohrbach, Zürich und Etagnières, den Wohnorten des Fahrers, des Managers und des Teambesitzers, gross. Zeitweise lag sogar ein Rücktritt von Robert Siegrist in der Luft.
Beim Krisengipfel am Mittwoch in Etagnières ist vieles geklärt worden. Siegrist sagt: «Wir hatten sehr gute Gespräche.» Der Pulverdampf verzieht sich. Die Position von Teammanager Corminboeuf steht nicht zur Debatte und Siegrist macht weiter. Aber der Weg zurück zur Harmonie ist noch lang. Nächste Woche ist Aegerter zurück in Rohrbach. Es braucht noch viele Gespräche. Viele Missverständnisse müssen ausgeräumt werden. Wenigstens zeichnet sich ab, dass das Gewitter der letzten Wochen, die Niederlagen auf der Rennpiste, eine reinigende Wirkung haben.
Dominique Aegerter geht es nicht gut. Sein künftiger Teamkollege Tom Lüthi hingegen surft auf Wolke sieben. Er hat sein Privatleben geregelt und sich von seiner Langzeitfreundin Fabienne Kropf getrennt. Nichts stört mehr seine Konzentration. Wir sehen hier in Malaysia den wahren Tom Lüthi. So stark war er seit 2005 wohl nie mehr. Damals sicherte er sich mit Siegen in Australien und hier in Malaysia den 125er-WM-Titel.
Tom Lüthi steht als Beispiel dafür, wie schnell Helden fallen und wieder aufstehen. Als Dominique Aegerter den GP von Deutschland gewann, steckte Tom Lüthi (er wurde in diesem Rennen 9.) in seiner wohl schwersten Krise.