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Definition des Verwendungszweckes
Unter Kanalisieren versteht man das Bündeln des Stimmklangs mittels Ausformung der Lippen.
Varianten des Bewegungsablaufes
Der Bewegungsablauf des Kanalisierens kann mit einem Mund in Schnutenform einhergehen, es kann aber auch mit einem Überstülpen der Unterlippe über die unteren Schneidezähne einhergehen. Der Bewegungsablauf des canalizzare la voce kann aber auch unsichtbar bleiben. Einziges sicheres Erkennungsmerkmal ist die sonore Klangqualität. Diese grenzt sich ab von hellen oder unsauberen Vokalfarben, sowie von einem durch breite Mundform gestreuten Stimmklang.
Wichtiger Hinweis
Die Vokalfarben können im Selbststudium nur bedingt optimiert werden, da das Gehör eines Gesangsschülers nicht geübt genug ist, die Nuancierungen herauszuhören, die eine solide Stimme ausmachen.
Stimmheoretische Hypothesen der Autorin zum umschriebenen Bewegungsablauf
Hypothese: Es dient zur Ausformung der Vokalfarbe beziehungsweise des Stimmklangs, hat aber auch einen Einfluss auf die an der Phonation beteiligten Körperstrukturen.
Äusserungen anderer Autoritäten zum umschriebenen Bewegungsablauf
Der italienische Gesangslehrer und Tenor Menicucci betont, dass die Oberlippen die obere Zahnreihe beim Singen bedecken muss (2011, S. 17). An anderer Stelle spricht er von einem Kanalisieren des Tones (ebd., S. 143).
Die amerikanische Koryphäe Miller bezeichnet die Anweisung „Pull down the upper lip (covering the upper teeth) to focus the tone“ als „flat-earth school of vocal pedagogy“ und spricht ihr jede Wirkung ab (1996, S. 70 – 71). Ebenfalls verpönt er die Anweisung: „Pout or trumpet the lips on all vowels to ensure uniform vocal color“. Unklar ist, ob Miller diese Manöver als wirkungsvolle Massnahmen gegen breitgezogene Lippen erkennt?
der Gesangslehrer Jones, Vertreter der italienisch-schwedischen Gesangstradition, spricht davon, dass bei breiter Mundform die Vokale zu hell klingen. Für eine Verbesserung muss die Mundform abgerundet werden (2002, 28). Wie bereits im Abschnitt zum Sorriso ausgeführt, spricht Jones zudem davon, dass der Unterkiefer nach jedem Konsonant zurückbewegt werden muss, wobei er das Verb „to wrap“ verwendet (2002, 18). Er erwähnt die Unterlippe nicht explizit, mit dem verwendeten Verb impliziert er jedoch ein Abdecken der unteren Zahnreihe mit der Unterlippe. Als Ziel des Bewegungsablaufs nennt er die Beziehung zwischen Konsonanten und Vokalen (ebd.)
AMiller hält allerdings auch das Überstülpen der Unterlippe über die unteren Schneidezähne für „flat-earth school of vocal pedagogy“ (ebd.). Miller verrät nicht, wie die Lippen stattdessen ausgeformt werden müssen.
Der renommierte Stimmforscher Sundberg gibt an, dass die Lippenform das Ansatzrohr verlängert und daher günstig auf den Stimmklang wirkt (1997, S. 35).