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Bindung: So wichtig sind die Väter
1. Auch Männer können von Natur aus Bindungskandidaten sein. Bei Vätern ist das Männlichkeitshormon Testosteron niedriger und der Prolaktinspiegel – das Hormon, das für das Stillen notwendig ist – höher als bei kinderlosen Männern. Man nimmt an, dass diese hormonellen Gegebenheiten in Zusammenhang mit dem Fürsorgeverhalten gegenüber dem Neugeborenen stehen. Dasselbe wird nämlich bei den männlichen Tamarin-Affen beobachtet, die sich sehr bei der Pflege des Nachwuchses engagieren. Väter besitzen, im Gegensatz zu kinderlosen Männern, eine den Müttern ebenbürtige Kompetenz im Umgang mit Babys und Kleinkindern. Allerdings ist diese Kompetenz stärker als bei ihren Partnerinnen davon abhängig, ob sie von Anfang an Betreuungsaufgaben und Verantwortung für den Säugling übernehmen.
2. Untersuchungen zeigen, dass die Mutter-Kind-Bindung von Sicherheit, Trost, Zuverlässigkeit sowie Stressreduktion geprägt ist, die Vater-Kind-Bindung von Assistenz, Neugier und der sicheren Erkundung der Welt.
3. Väter verwenden einen wesentlichen Teil ihrer Zeit mit dem Kind fürs Spielen. Sie spielen dann überraschender und herausfordernder als Mütter. Selbst im Umgang mit Säuglingen sind Väter oft wesentlich ungestümer als die Mütter. Sie vollführen die waghalsigsten Spielchen mit ihnen, sie werfen sie in die Luft und so weiter. Väter erzeugen damit «Stimulationszyklen», die rasant und dramatisch sind, weil sie unaufhörliche Wechsel zwischen Ruhe und Aufregung enthalten.
Der Vater ist meist fordernder und gibt weniger Hilfestellung als die Mutter – und fördert so die Eigenständigkeit des Kindes.
4. Der Einsatz des Vaters im Alltag erweitert die Erfahrungs- und Lernchancen für das Kind, er ermöglicht eine komplexere Wechselbeziehung im Familiensystem und kann mögliche Defizite in anderen Bereichen des familiären Lebens kompensieren. Darüber hinaus ist der Vater auch wichtig für die Entwicklung der Identität von Mädchen wie von Jungen und kann, wenn die Rahmenbedingungen es ermöglichen, die kognitive Entwicklung seiner Kinder stimulieren, deren Empathie fördern und die schulische Leistung steigern.
5. Väter sind für die verbale Fitness des Kindes von besonderer Bedeutung. Zwar sprechen Väter weniger mit ihren Kindern als Mütter und helfen seltener weiter, wenn die Kommunikation ins Stocken gerät, fragen aber häufiger, besonders W-Fragen: Wer, wo, warum? Väter verwenden abstraktere Wörter. Laut Forschung haben sie einen insgesamt fordernden Sprachgebrauch. Das alles sorgt dafür, dass das Kind Sprache insgesamt besser versteht und so seine sprachliche Kompetenz erweitert. So wie der Vater für das Kind der tendenziell schwierigere Gesprächspartner ist, bringt er es auch auf anderen Gebieten voran, indem er ihm weniger Hilfestellung anbietet, es zu eigenen Lösungsversuchen ermutigt und damit insgesamt dessen Eigenständigkeit fördert.
Quellen: Fleming 2002, Lamb 2002, Fthenakis 2002, in: Neumann & Baisch 2009; Liselotte Ahnert 2010; Wassilios E. Fthenakis 2006; Abkarian 2003, Pancsofar 2006, Le Camus 2006; GfK 2010; Untersuchung «Vaterbilder» von Johanna Claus aus Deutschland