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Philosophie
Der Craniosacrale Rhythmus ist das erste sich entfaltende System des Embryos im Mutterleib und zugleich das letzte System, welches nach dem Tod aufhört zu pulsieren, oftmals erst Stunden nach dem Herzstillstand. Somit ist er anderen körpereigenen Rhythmen wie Atem oder Herzschlag übergeordnet. Die rhythmischen Bewegungen der Strukturen im ganzen Körper fühlen sich an wie langsame, tiefe Atembewegungen, die direkt aus der Essenz des Seins zu kommen scheinen. Dass diese rhythmischen Bewegungen stattfinden, wurde mittlerweile in verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen an den Schädelknochen messtechnisch nachgewiesen. Darüber jedoch, wie dieser Rhythmus zustande kommt, besteht bis heute keine Einigkeit. Dr. Sutherland sagte hierzu folgendes:
"Innerhalb der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit gibt es ein unsichtbares Element, auf das ich mich beziehe als den "Atem des Lebens". Ich möchte, dass ihr euch diesen Atem des Lebens als eine Flüssigkeit innerhalb dieser Flüssigkeit vorstellt, als etwas, das sich nicht vermischt; etwas, was die Kraft hat, die Bewegung der Flüssigkeit zu bewirken. Ist es wirklich wichtig zu wissen, was bewirkt, dass die Flüssigkeit sich bewegt? Stellt euch eine Kraft vor, eine intelligente Kraft, die viel intelligenter ist als eure eigene menschliche Mentalität."
Sutherland sprach auch sehr oft von der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit als "flüssiges Licht". Interessanterweise fanden russische Forscher inzwischen heraus, dass sich im Liquor eine hohe Konzentration von Lichtphotonen befindet, die sich in zusammenhängenden Wellenformen durch das Flüssigkeitssystem bewegen.
Als ich hierüber las, erstaunte es mich auch nicht mehr, dass ich das craniosacrale System immer deutlicher als das Bindeglied zwischen Geist und Materie empfand. Sozusagen als den Ort, wo sich Geist zu Materie verdichtet. Diese innewohnende Intelligenz, von der Sutherland sprach, dieses "Bewusstsein innerhalb des Bewusstseins" spricht während einer Therapie oft zu mir in einem inneren Dialog wie eine eigenständige Persönlichkeit (siehe hierzu auch das Register "Fallbeispiele"). Ich stelle dabei ohne Ausnahme fest, dass das craniosacrale System immer der beste Freund und treuste Diener "seines" Menschen ist und alles tut was es kann, damit es dem geliebten Menschen gut geht.
Wenn wir davon ausgehen, dass das craniosacrale System eine so zentrale und grundlegende Rolle in unserer menschlichen Verkörperung spielt, ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass die Wirkungsweise der Craniosacral-Therapie so breit gefächert ist. Jeder Mensch ist eine geistige, seelische und körperliche Einheit, welche durch Familie, Kultur und Gesellschaft und nicht zuletzt durch seine eigene Lebensgeschichte massgebend geprägt ist. Die seelischen und körperlichen Belastungen die wir erleben, wie Stress, Angst, Verletzungen, Krankheiten und Traumata, zeichnen unser Wesen, und können so unser Leben und unsere Zukunft beeinflussen.
Die grundlegende Haltung in der Cranio-Therapie ist Empathie, Wertschätzung und Achtung des Menschen, unabhängig von seiner lebensgeschichtlichen Prägung und Herkunft und frei von Wertung. Der Mensch wird in seiner Ganzheit behandelt. Oft zeigen sich daher auch bei physischen Problemen die zugrunde liegenden psychischen Aspekte.
Alle Antworten liegen dabei im Klienten selbst. Unsere Aufgabe als Therapeuten ist es, Prozesse, die sich zeigen, zu begleiten, und den Klienten so in Kontakt mit sich und seinen inneren Ressourcen zu bringen, dass er sich selbst von innen heilen kann. Dabei "manipulieren" wir das System nicht nach eigenem Gutdünken, sondern sind mit unseren "hörenden, sehenden, fühlenden, denkenden, wissenden und von selbst handelnden Händen" (Zitat von Ramraj Ulrich Löwe) begleitende und unterstützende Assistenten oder Katalysatoren der Gesundheit und unerschöpflichen Weisheit, die jedem Menschen innewohnen.