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Der Zürcher Heinrich Keller (1778 – 1862) – genannt „Kartenkeller” – war ein Amateur-Kartograph, Panoramazeichner, Drucker, Verleger und Buchhändler in einer Person. Von seinen zahlreichen Reisen zu nahen und ferneren Aussichtspunkten zeugen schöne Panoramazeichnungen, so zum Beispiel vom Rigi, vom Uetliberg oder vom Weissenstein, die er als Souvenirs in seiner Buchhandlung an der Unteren Zäune verkaufte. Das einträglichste Geschäft jedoch machte er mit seinen Lehrmitteln, Stadtplänen und Reisekarten.
Ausschnitt aus “Keller’s Zweite Reisekarte der Schweiz”
Ausschnitt aus “Keller’s Zweite Reisekarte der Schweiz”
1813 veröffentlichte Keller seine erste Reisekarte der Schweiz im Massstab 1:500‘000, mit der er einen gewaltigen Erfolg verbuchen konnte. Zwanzig Jahre später erschien Keller‘s Zweite Reisekarte der Schweiz, neu bearbeitet und in den Massstab 1:440‘000 vergrössert. Sie wurde bis zu seinem Todesjahr 1862 laufend neu aufgelegt.
Für die Geländedarstellung der Reisekarten wählte Keller bewusst bescheidene Mittel. Die Bergketten waren in einfachen Schraffen in „Raupenmanier” dargestellt, die höchsten Gipfel wurden als runde Buckel hervorgehoben. Im Mittelpunkt des Interesses standen vielmehr alle Informationen, die die Reisenden interessieren könnten. So markierte er – eine kartographische Novität – lohnende Aussichtspunkte mit einem Stern. Die Karten waren zudem sehr reich an Ortsnamen und vielfältigen Signaturen.
In der abgebildeten Ausgabe von 1848 reicht die Palette der Signaturen von religiösen Stätten über allerlei Sehenswürdigkeiten sowie Angeboten für das leibliche Wohl vom „Sauerbrunn” (Quelle) bis hin zu „gutem Wein”. Strassen, Wege und allfällige Weghindernisse wurden bemerkenswert differenziert dargestellt: „Heerstrassen” finden sich genauso wie „Reitwege”, „rauhe Bergpfade” und „Zikzak Wege”.
Legende zur Karte
Für ausländische Reisende wurde der Massstab dreisprachig in „Schweizer Reise Stunden”, in „Geographischen oder Deutschen Meilen” und in „Englischen Meilen” angegeben. Einzeln stehende Zahlen mit bis zu drei Punkten bezeichnen in der Karte die Anzahl Stunden und Viertelstunden bis zur nächsten Berg- oder Passhöhe.
Massstabsangaben zur Karte
Keller’s Reisekarten sind frühe Touristenkarten und somit die Vorgänger heutiger Strassen- und Wanderkarten.
Die kolorierte Karte mit der Signatur K 690071 ist 53 x 66 cm gross und kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.