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In der Antarktis wurden einzigartige Eisproben aus einer Tiefe von 3,5 km von Spezialisten der Russischen Antarktisexpedition des Arktis- und Antarktis-Forschungsinstituts (AARI) geborgen. Dies vermeldet die Pressestelle des AARI. Dieser Bohrkern aus der Eisschicht über dem Wostoksee ist mehr als 1 Million Jahre alt und speichert Informationen über die Veränderungen des Erdklimas vom mittleren Pleistozän bis heute. Die neuen Daten, die den Wissenschaftlern zur Verfügung stehen, werden dabei helfen, die Natur zu verstehen und die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung in der Vergangenheit abzuschätzen, was es ermöglichen wird, die Klimasituation in naher Zukunft vorherzusagen.
˝Für Wissenschaftler ist das etwa 1 Million Jahre alte Eis von grösstem Interesse. In dieser Zeit konnte eine erhöhte Konzentration von CO2 in der Erdatmosphäre beobachtet werden, und vermutlich wurde in dieser Zeit das Klimasystem auf dem Planeten umstrukturiert. Durch die Untersuchung der in Eisbohrkernen gespeicherten Daten zum Klimawandel können Wissenschaftler Hypothesen über die möglichen Ursachen, Zeit und Folgen der stattgefundenen Veränderungen aufstellen, um zu berechnen, wie das natürliche System unter Bedingungen erhöhter CO2-Konzentrationen funktionieren kann. Die globalen Klimaveränderungen der Vergangenheit waren viel schwerwiegender als die, die wir jetzt erleben. Aber sie geschahen aus natürlichen Gründen. In den letzten Jahrhunderten hat sich die Industrie aktiv entwickelt, die Menschheit beeinflusst die Atmosphäre mit nicht immer durchdachten Produktionsaktivitäten. Jetzt, wie vor einer Million Jahren, findet der Klimawandel auch auf der Erde statt, aber seine Geschwindigkeit ist merklich schneller als je zuvor“, sagte Alexander Makarov, Direktor des AARI.
Die antarktischen Eisproben werden nach St. Petersburg in das Labor des AARI geliefert. Insgesamt wurden während der kurzen Sommer-Saisonarbeit (Dezember- Februar) etwa 60 Meter lange Eisbohrkerne aus einem Bohrloch oberhalb des Wostok-Sees geborgen.
Das Projekt wird von der AARI im Rahmen des Programms zur umfassenden Untersuchung des subglazialen Wostok-Sees und des Paläoklimas der Erde im Bereich der russischen Antarktisstation Wostok zusammen mit Spezialisten der St. Petersburg Mining University durchgeführt. In dieser Saison arbeiteten vier AARI-Mitarbeiter, darunter zwei Forscherinnen, sowie acht Spezialisten der Universität St. Petersburg in der Antarktis.
Geheimnisvoller See unter dem Eis der Antarktis
Der subglaziale Wostok-See, einer der grössten der Erde, wurde Ende des 20. Jahrhunderts in der Antarktis im Bereich der russischen Wostok-Station entdeckt, wonach er seinen Namen erhielt. Die geschätzte Fläche dieses subglazialen Süsswasserreservoirs beträgt etwa 16.000 km². Die Tiefe des Sees beträgt zwischen 400 und 1.000 Meter. Mehrere Millionen Jahre lang blieb das Ökosystem des Wostok-Sees unter einer Eisdecke in einer Tiefe von etwa 4.000 Meter von äusseren Einflüssen isoliert. Aufgrund seiner Lage tief unter dem Eis handelt es sich um den wohl unberührtesten und ursprünglichsten See der Erde.
Die erste Bohrung bei der Wostok-Station wurde im Januar 1970 von Mitarbeitern des AARI und des Bergbauinstituts begonnen.
1990 wurde an der Wostok-Forschungsstation ein Gemeinschaftsprojekt zur Gewinnung eines Eisbohrkernes für die Klimaforschung unter russischer, französischer und US-amerikanischer Beteiligung gestartet. Wie sich später herausstellte, befindet sich die Bohrung genau über dem Wostoksee. Die Bohrung wurde bis zu einer Tiefe von 3.623 Metern geführt und erst im Januar 1998 aufgrund eines internationalen Abkommens etwa 130 Meter über dem See gestoppt.
Trotz der wissenschaftlichen Bedenken kündigte das AARI Anfang Januar 2011 an, den See anzubohren und Proben zu entnehmen.
Am 5. Februar 2011 musste die Bohrung kurz vor Erreichen des Sees wegen des einsetzenden antarktischen Winters vorläufig unterbrochen werden. Im darauffolgenden Süd-Sommer setzte das russische Team die Bohrung fort. Am 6. Februar 2012 erreichten sie die Oberfläche des Wostoksees unter einer 3.768 Meter dicken Eisdecke. Das Seewasser strömte in das Bohrloch ein und gefror darin. Aus diesem gefrorenen Seewasser wurden einige Monate später Bohrkernproben entnommen und nach St. Petersburg geschickt.
Heiner Kubny, PolarJournal