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Die kleine Kirche im Dorf Grafstal, das heute zur Gemeinde Lindau gehört, hat eine besondere Vergangenheit. Das Grundstück, auf dem sie steht, ist ein Geschenk der Firma Maggi, die damit seinerzeit einen Beitrag zur seelsorgerlichen Betreuung ihrer katholischen Arbeiter leisten wollte. Und St. Josef ist das erste katholische Gotteshaus im Kanton Zürich, das an eine andere Religionsgemeinschaft weitergegeben wurde.
|Patrozinium||Hl. Josef|
|Baujahr||1929|
|Architekt||unbekannt|
|Heutige Nutzung||seit 2016 durch die Kopten genutzt|
|Politische Gemeinde
||Lindau-Grafstal|
Geschichte
Noch um 1900 gab es auf einer Strecke von rund 20 km zwischen den beiden Pfarreien Herz Jesu Zürich-Oerlikon und St. Peter und Paul Winterthur keine katholische Seelsorgestelle. Da in dieses grosse Gebiet wegen der Industrialisierung immer mehr Katholiken zuzogen, kaufte die Pfarrei Herz Jesu Oerlikon 1902 in Grafstal ein kleines Gebäude, in dessen Untergeschoss eine Notkapelle eingerichtet wurde. Flächenmässig war dieses Seelsorgegebiet eines der grössten im Kanton Zürich. Mit dem Aufbau künftiger Pfarreien in der Region reduzierte es sich auf ein bewältigbares Mass, sodass Grafstal um 1920 ausschliesslich für die Katholiken von Lindau, Illnau-Effretikon und Brütten zuständig war. Am 2. September 1928 konnte dann auf dem von der Firma Maggi geschenkten Areal die heutige Kirche eingesegnet werden.
Die Kirche befindet sich, entsprechend ihrer Entstehungsgeschichte, mitten in einer Fabrikarbeitersiedlung und ist, passend dazu, dem Hl. Josef, dem Schutzpatron der Arbeiter, geweiht. Interessant ist, dass sich der eigentliche Kirchenraum nicht im Erdgeschoss befindet, sondern im ersten Stock über dem Pfarreisaal, eine kostengünstige Lösung, die erlaubte, beide Räume im gleichen Gebäude unterzubringen und dem Kirchenschiff mit dem Luftraum unter dem Dachgiebel trotzdem eine würdige Höhe zu geben.
Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Zahl der Einwohner von Illnau-Effretikon rasch an. Die Pfarrei beschloss deshalb 1963, dort eine zweite Kirche zu errichten, die sich anschliessend zum Mittelpunkt des heutigen Gemeindelebens entwickelte. Da St. Josef in jüngerer Zeit immer seltener gebraucht wurde, entschlossen sich die Verantwortlichen der Pfarrei, die kleine Kirche 2016 den koptischen Christen im Baurecht zu übergeben.