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"LENI SINCLAIR: PARTICIPANT OBSERVER"
19.09.2022 Ausstellung in der Photobastei Zürich, bis am 23. Oktober 2022
Bild: Eine Art Freiheitsstatue mit Gewehr und irrsinnig gemustertem Blumenhemd: MC5-Gitarrist Wayne Kramer vor der US-Flagge, 1969 in East Lansing, Michigan - Foto: © Leni Sinclair
Leni Sinclair, Fotografin, Aktivistin und Mitbegründerin der White Panthers, hat einige der grössten MusikerInnen ihrer Generation sowie den rebellischen Kampf für die Bürgerrechte in Detroit in prägenden Bildern festgehalten. Ihre Fotografien zeigen, wie untrennbar die Musik und der Kampf um Freiheits- und Bürgerrechte in den USA der 1960er- und 1970er-Jahre miteinander verknüpft sind.
Leni Sinclair wurde 1940 in Königsberg, Ostpreussen, geboren und wuchs in der ehemaligen DDR auf. Sie floh von dort noch vor dem Bau der Berliner Mauer, wanderte mit Hilfe von Verwandten nach Amerika aus und liess sich in Detroit nieder. Während ihres Studiums in den frühen 1960er-Jahren organisierte sie die Detroit Artists Workshop, eine Kulturkooperative, mit und begann, die kulturelle und politische Geschichte Detroits mit ihrer Kamera zu dokumentieren.
Bald entdeckte sie die florierenden Detroiter Jazzclubs, und Mitte des Jahrzehnts fand sie sich auch inmitten der explosiven "Michigan Rock"-Szene wieder, während sie gleichzeitig Light-Shows zusammen mit Garry Grimshaw und anderen KünstlerInnen im legendären Grande Ballroom entwarf und umsetzte.
1964 lernte sie ihren späteren Mann John Sinclair kennen: den Anarchisten, Dichter, Schriftsteller und Manager der Rockband MC5 und eine einflussreiche und bekannte Stimme der radikalen politischen Hippiebewegung. Durch dessen Umfeld hatte Leni Sinclair freundschaftlich privaten Zugang zu Musikern wie John Coltrane, Miles Davis, Thelonious Monk, Sun Ra, Iggy Pop, John Lennon, Yoko Ono und vielen anderen. So entstanden ab Mitte der 1960er-Jahre unzählige Fotografien dieser Musikszene, fotografische Dokumente grosser Konzerte wie Woodstock, sowie intime Einblicke ins Leben der Stars.
Besonders viele berühmt gewordene Bilder sind live im Konzertgeschehen entstanden, nicht zuletzt in Detroits legendärem Grande Ballroom, der nun schon seit Ewigkeiten leer steht und verfällt. Hier wurde Silvester 1968 "Kick out the Jams" aufgenommen, hier wurden die zarten, nackten Jungmänneroberkörper der MC5 von Sinclair fotografiert, und hier räkelte sich Iggy Pop vor ihrer Kamera so meerjungfrauenhaft auf dem Mikrofonständer über den Bühnenrand wie die Galionsfigur an einem Piratenschiff.
Ein zweiter Schwerpunkt ihrer Arbeit als Fotografin sind die revolutionären sozialen und politischen Unruhen Ende der 1960er-Jahre in Detroit. Zusammen mit ihrem Mann und Pun Plamondon gründete sie aus Solidarität mit der Black Panther Party die fast noch radikalere, auch zur sexuellen Entfesselung entschlossene White Panther Party. Es entstehen in diesem Umfeld jene Bilder einer teilnehmenden Beobachterin mitten im Geschehen, sei es an Demonstrationen, an Sit-Ins, an Podien oder aber im Privaten, beim Kinderhüten, Kochen oder Chillen.
Leni Sinclair war Teil der politischen Bewegung, die sie mit ihrem Auge und ihrer Kamera dokumentierte. In ihren Bildern kommen die Aufbruchstimmung und die Kraft der Bewegung in ihrer alltäglichen Form wie auch in den Momenten des Zusammenpralls als historisches Zeugnis zur Geltung.
Leni Sinclair lebt in Detroit/USA.
Zur Ausstellung erhältlich ist ein im Mitteldeutschen Verlag erschienenes Buch über Leni Sinclair, herausgegeben von der Akademie der Künste Sachsen-Anhalt.
cp
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