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<h2>SubmittedText<h2><p>Pferde galten vor Jahrhunderten als wichtigstes Exportgut der Schweiz. Die Schweiz kannte 19 Pferderassen. 18 davon sind ausgestorben. Die letzte Schweizer Pferderasse, das Freiberger Pferd, droht in seiner ursprünglichen Form ebenfalls auszusterben. Denn seine genetische Basis erodiert. Das Schweizer Nationalgestüt hält keine reinrassigen Hengste mehr. Und der vom Bund unterstützte Freibergerverband führt gerade noch einen Hengst, von dem man weiss, dass seine Vorfahren seit 1950 nicht eingekreuzt wurden.</p><p>Damit geht nicht nur genetische Vielfalt verloren, sondern auch ein herausragendes Zuchtmerkmal. Denn die Urfreiberger zeichnen sich als ruhige, gutmütige Zug- und Arbeitspferde aus. Ihr sehr zuverlässiger unkomplizierter Charakter ist ein Alleinstellungsmerkmal in der modernen Pferdezucht. Der vom Bund unterstützte Schweizer Freibergerverband schafft es aber nicht, diese Eigenschaft zu erhalten, weil er aus dem Freiberger durch Einkreuzung ein Freizeitpferd machen und es anderen Reitpferden angleichen will. </p><p>Deshalb entstand der Urfreibergerverband RRFB, der sich auf den Erhalt der einzigartigen genetischen Eigenschaften des Pferdes fokussiert und dessen Fohlen sich im Gegensatz zum herkömmlichen Verband wachsender Nachfrage erfreuen. Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Was tut der subventionierte Schweizer Freibergerverband, um die Urfreiberger zu erhalten?</p><p>2. Warum wurde ein Urfreibergerzuchtverband gegründet, wenn doch der Schweizer Freibergerverband den Bundesauftrag haben müsste, das Schweizer Pferd in seiner ursprünglichen Genetik zu erhalten?</p><p>3. Warum ist keiner der 55 Freiberger-Hengste im Nationalgestüt reinrassig, in dem Sinne, dass seit 1. Januar 1950 kein Fremdblut eingekreuzt wurde?</p><p>4. Teilt er die Einschätzung, dass das Urfreibergerpferd gemäss Biodiversitätskonvention erhalten werden und im Aktionsplan zum Erhalt tiergenetischer Ressourcen eine wichtige Rolle spielen muss?</p><p>5. Wie unterstützt der Bund demgemäss die Urfreibergerzucht? Wie gedenkt er sie zu stärken?</p><p>6. Warum macht der Bund keine genetischen Vorgaben an das Nationalgestüt?</p><p>7. Warum besagt die Verordnung, dass nur ein Verband unterstützt werden kann? Wäre es zur Erhaltung der genetischen Vielfalt nicht besser, diese Bestimmung aufzuheben?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Schweizerische Freibergerverband (SFV) ist vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) als Zuchtorganisation für die Betreuung der Rasse Freibergerpferd anerkannt. Der SFV betreut die ganze Freibergerpferdepopulation in einem Herdebuch. Innerhalb dieses Herdebuchs gibt es eine Unterteilung in verschiedene Kategorien, gemessen am Fremdblutanteil. Es handelt sich dabei um die Kategorien Stud-Book, Basis, Stud-Book Urfreiberger sowie FM Andere. Die Kategorie der Urfreiberger innerhalb der Population Freiberger wird analog zu den anderen Kategorien ebenfalls durch den SFV betreut. Der SFV führt verschiedene züchterische Leistungsprüfungen durch, nimmt die Tiere, die den Anforderungen entsprechen, in sein Herdebuch auf und stellt für diese Abstammungspapiere aus. Die züchterischen Entscheide für die Urfreiberger werden jedoch direkt durch den Urfreibergerzuchtverband RRFB getroffen.</p><p>2. Der SFV nimmt den Bundesauftrag des Erhalts der Schweizer Rasse Freiberger wahr. Der RRFB ist Mitglied des SFV. Das Modell, dass einzelne Organisationen sich in einem nationalen Zuchtverband organisieren, um dieselben oder ähnliche Interessen zu verfolgen, gibt es auch bei anderen Gattungen (z. B. Rindvieh). Nach Ansicht des Bundesrates ist es zielführend, dass sich Züchter, welche wie der RRFB zusätzliche Interessen in der züchterischen Bearbeitung einer Rasse verfolgen, zusammentun und sich innerhalb des nationalen Verbandes organisieren.</p><p>3. Die aktuelle Rassenzugehörigkeit bei den Freibergerpferden ist durch die Reglemente des SFV definiert. Sämtliche sich im Eigentum des Bundes befindenden Zuchthengste sind dementsprechend reinrassig. Einen Freiberger als reinrassig zu bezeichnen, sofern seit 1950 kein Fremdblut eingekreuzt wurde, ist aus wissenschaftlicher Sicht abzulehnen. Im Rahmen von wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass sämtliche Freibergerpferde Fremdblutanteile aufweisen. Die Urfreibergerzuchthengste lassen sich genetisch nicht von den anderen Freibergerzuchthengsten (Kategorie Stud-Book und Basis) unterscheiden.</p><p>4. Der Bund hat die Aufgabe, erhaltenswerte Schweizer Rassen zu fördern. Urfreiberger werden deshalb als Teil der Freibergerpopulation vom Bund gefördert.</p><p>5. Der Bund unterstützt die Zucht von Freibergerpferden einerseits über klassische Förderinstrumente in der Pferdezucht wie Beiträge für die Herdebuchführung und Hengstleistungsprüfungen und andererseits über spezifische Beiträge zur Erhaltung der Freibergerrasse. Im Rahmen der Strategie Tierzucht 2030 und der damit verbundenen Weiterentwicklung des Schweizer Tierzuchtrechts ist die Förderung von erhaltenswerten Schweizer Rassen ein wichtiges Thema. In diesem Kontext wird der Bundesrat aufzeigen, welche Fördermassnahmen bestmöglich zur Erhaltung von Schweizer Rassen beitragen können. Urfreiberger werden demnach als Teil der Schweizer Rasse Freiberger gefördert. Sie sind innerhalb der Freibergerrasse nicht besonders förderungswürdig.</p><p>6. Die Aufgaben und Ziele des Schweizer Nationalgestüts (SNG) sind im Arbeitsprogramm Agroscope 2018-2021 enthalten und beziehen sich primär auf die Erhaltung der genetischen Diversität beim Freibergerpferd. Das SNG deckt mit seinem Bestand an Zuchthengsten die gesamte Breite der genetischen Diversität ab. Die Förderung einer bestimmten Kategorie wie des Urfreibergers stellt kein Ziel dar.</p><p>7. Artikel 5 Absatz 2 der Tierzuchtverordnung (SR 916.310) besagt, dass eine Organisation nicht als Zuchtorganisation für eine bestimmte Rasse anerkannt wird, wenn für die Rasse bereits eine oder mehrere Organisationen anerkannt sind und eine Anerkennung die Erhaltung der Rasse oder das Funktionieren des Zuchtprogrammes einer bestehenden Organisation gefährden könnte. Urfreiberger gehören zur Rasse Freibergerpferd. Eine Aufspaltung der Zuchtpopulation der Freibergerpferde würde die Erhaltung der einzigen Schweizer Pferderasse gefährden. Insbesondere würde sie zu einer Steigerung des Inzuchtgrads, dem häufigeren Auftreten von genetischen Defekten, einem Verlust an Selektionspotenzial und einem verringerten Zugang zu reinrassigen Zuchttieren oder deren Zuchtmaterial für die Züchter führen.</p>  Antwort des Bundesrates.