Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03352.jsonl.gz/3760

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM*) ist eine Jahrtausende alte medizinische Wissenschaft mit Ursprung in China. Die zahlreichen diagnostischen und therapeutischen Methoden fussen auf eigenen, grundlegenden Denkmodellen. Physiologie und Pathologie werden nicht nur analog, sondern auch in Resonanz zur Natur und deren Physik betrachtet.
Hunderte von Einführungen in die Traditionelle Chinesische Medizin schwirren bereits im virtuellen Raum herum. Wohl keine davon wird der Komplexität, Universalität, Funktionalität, Tiefe und Breite der TCM auf Anhieb gerecht. Die eigentliche Schwierigkeit dürften wir westlichen Menschen mit der östlichen Denkweise haben, auf der das ganze System aufgebaut ist.
Dafür wird das Verstehen, je weiter man geht, umso einfacher. Der Weg (Dao) bis zu diesem Verständnis ist am Ende genauso kurz wie er am Anfang lang ist. Dazu Lao Zi's (~600 v. Chr.) Vers aus dem Dao De Jing [4]:
dao erzeugt eins
eins erzeugt zwei
zwei erzeugt drei
drei erzeugt alles
Die Entwicklung der Traditionellen Chinesischen Medizin hat sich über einige Tausend Jahre hingezogen. Der Zeit der streitenden Reiche (400-200 v. Chr.) entstammt eines der einflussreichsten, schriftlich überlieferten Werke: „Huang Di Nei Jing“ (Des Gelben Kaisers Innerer Klassiker) [1]. Darin werden erstmals systematisch und in grösserem Umfang Physiologie, Pathologie, Diagnostik und Therapie zur Behandlung von Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit abgehandelt. Zudem wiederspiegeln sich in diesem Werk die Gedanken von Lao Zi, dem Gründer des Daoismus[4].
In der Vielfalt und Verschiedenheit der Schulen und schriftlichen Werke, welche später unter den grossen chinesischen Kaiserdynastien hervorgebracht wurden, wurde das Wissen unter immer wieder anderen Schwerpunkten verfeinert und vertieft. Die in den grossen Klassikern beschriebenen Naturgesetze und Denkmodelle bilden heute noch weitgehend unverändert die Grundlage für die tägliche Praxisarbeit.
Zuletzt erfuhr die Chinesische Medizin im Zuge der Kulturrevolution (1966-1976) unter Mao Zedong eine tiefgreifende Reform. Zum einen sollte sie erneut von religiösen Aspekten und vom Mystizismus gesäubert werden, zum andern wurde eine Fakultät etabliert, die heute in über 30 Hochschulen und Universitäten [2] Chinas gelehrt wird.
China ist und bleibt unumstritten das Zentrum und Mutterland der TCM. Die TCM verbreitete sich bereits vor dem 19. Jahrhundert in den benachbarten Ländern Taiwan, Nord- und Südkorea, Vietnam und Japan. Dort, aber auch in den durch die politischen Reformen weniger betroffenen Gebieten innerhalb Chinas, überlebte auch jenes Wissen, welches zeitweise verdrängt oder gar verboten war. In den letzten Jahren kann es wieder zunehmend zurück zum Ursprung fliessen, nicht zuletzt dank der zunehmenden Popularität der TCM im Westen.
Bislang wurde angenommen, Marco Polo habe erstmals von der TCM im Westen berichtet. Doch die 1991 in Südtirol entdeckte Gletschermumie [5] „Mann von Hauslabjoch“ wirft in diesem Zusammenhang brisante Fragen auf. Die über 5300 Jahre alte Leiche weist nämlich am Rücken und an den Beinen Tätowierungen auf, die exakt mit den Akupunkturpunkten übereinstimmen, welche heute noch zur Behandlung von Lendenarthrose gewählt werden. Tatsächlich bestätigen Röntgenaufnahmen der Mumie diese Diagnose [5]. Zwei Fragen also: Wie alt ist dieser Wissensschatz und woher kommt er wirklich?
Im letzten Jahrhundert hat die Verbreitung von TCM im Abendland erst seit den 70er Jahren wieder zugenommen. Anfangs waren es nur einige wenige Pioniere, die fundiert chinesische Medizin praktizierten; die grosse Mehrheit bildeten Medizinalpersonen, die lediglich Akupunktur als Ergänzung zu westlich-medizinischen Berufen erlernt haben. TCM ist jedoch ein eigenständiges, sehr umfangreiches System, dessen Aneignung eine ebenso umfangreiche und vor allem fundierte Ausbildung erfordert. Ohne entsprechendes Hintergrundwissen kann das volle Potential der TCM nicht ausgeschöpft, und die Qualität der Behandlung nicht gewährleistet werden. Daher wurden Fachverbände gegründet, die mittlerweile hohe Ausbildungsstandards festgelegt haben [8]. Seit bald zwei Jahrzehnten existieren in den USA und in Europa verschiedene höhere Schulen, die TCM als Vollzeitausbildung anbieten [6].
Während im Westen für sämtliche Wissenschaften lediglich ein und dasselbe zu Grunde liegende Modell verwendet wird, kommen in der chinesischen Medizin verschiedene Modelle zum Einsatz.
Das Modell der westlichen Wissenschaften und Medizin ist natürlich die Mathematik bzw. Physik. Beispielsweise bewertet man Blutdruck mit [mmHg], Körpermassindex mit [kg/mx2], Blutsenkungsgeschwindigkeit mit [mm n. W.], Pulsfrequenz mit [Hz], usw. Man misst und zählt.
In der TCM hingegen, wird eher qualifiziert als quantifiziert. Anstatt mit Zahlenskalas zu messen, wird beobachtet, erfasst und Entsprechungen mit Naturgesetzen gesucht. Diese werden durch die Denkmodelle der TCM repräsentiert. Damit können nicht nur akute Zustände erfasst und verstanden werden, sondern auch die allgemeine Verfassung in ganzheitlicher Sicht, Prozesse im Wandel, die Zusammenarbeit der Funktionskreise, Konstitution, Umgebungsfaktoren, usw.
Die Modelle der TCM sind weniger universell als die Mathematik, dafür ist die Varietät grösser und es kann von Fall zu Fall entschieden werden, welches Modell sich am besten eignet [7].
2 Wandlungen
5 Wandlungsphasen
8 Prinzipien
Schätze und Kammern
4 Schichten Modell
6 Schichten Modell
Buch der Wandlungen
Ein weiterer Unterschied zur Mathematik besteht auch durch die Dialektik, die vielen dieser Modelle innewohnt. Dialektik im Sinne einer höheren Einsicht, die aus zwei scheinbar widersprüchlichen Thesen oder Betrachtungsweisen gewonnen werden kann. Mit dieser Denkweise tun wir uns im Westen etwas schwer. Zwar wurden bereits in der Vergangenheit Ansätze unternommen (z. B. von C.G. Jung), doch anstatt zu versuchen sie fortzusetzen, versuchte man, teilweise erfolgreich, sie zu widerlegen. Erst mit dem Aufkommen der Quantenphysik entdecken „unsere“ Wissenschaftler zunehmend die Parallelen zu jenem Wissen, welches über solche Denkmodelle schon seit Tausenden von Jahren in der TCM zur Anwendung kommt [9].
Ein einfaches Beispiel der Dialektik:
yáng = Rumpf
- - - - -
yìn =
Beine
yáng =
Kopf
- - - - -
yìn =
Rumpf
Widersprüchlich und korrekt - obwohl dem Grundgesetz folgend wird der Rumpf - je nach Betrachtungsweise - einmal dem yáng (oben), und einmal dem yìn (unten) zugeordnet.
Ein weiteres einfaches Beispiel einer therapeutischen Strategie: Sogenanntes „Feuer“ kann entweder mit „Wasser“ oder mit „Feuer“ behandelt werden. Beide Methoden funktionieren in der Praxis, sind mathematisch gesehen aber falsch. (Angenommen Beschwerdefreiheit entspreche dem Wert 0, Feuer = 1 und Wasser = 1,
dann stimmt zwar 1-1= 0, aber 1+1 ist NICHT = 0)
Die alten Chinesen haben schon früh damit begonnen, die Mechanismen des menschlichen Organismus im Zusammenspiel mit den Mechanismen der Natur zu vergleichen. Äussere Faktoren erzeugen eine Resonanz und wirken auf entsprechende Systeme im Körper.
Im nachfolgenden Beispiel mit dem Wu Xing Modell (5 Phasen) werden Organe bzw. deren Funktionskreise, Jahreszeiten und Geschmäcker zugeordnet. Die Beispiele sind zwar stark vereinfacht, haben aber eine hohe klinische Relevanz. Die Geschmäcker in der Nahrung sind für die entsprechenden Organe lebenswichtig und schaden nur im Übermass. Die Klima-Faktoren sind ätiologisch und damit meistens eher pathogen, also krankheitsverursachend.
Leber & Gallenblase, Sauer, Wind
Frühling und Aktivität stehen in der Wandlungsphase des Holzes. Frühlingswind (mit Pollen, Erregern, etc.) und Überaktivität stressen die Leber. Saure und z. B. grüne Nahrungsmittel können sie entspannen.
Herz & Dünndarm, Bitter, Sommer
Zuviel Hitze begünstigt Herzkreislaufprobleme. Bittere Mittel leiten Hitze nach unten aus. Wird aber zu viel ausgeleitet, trocknen die Säfte aus, was auch wiederum zu Hitze führen kann.
Milz & Magen, Süss, Feucht
Nahrungsmittel der Geschmacksrichtung Süss sind nährend. Zu wenig Nährendes führt zu Müdigkeit und Schwäche, zuviel davon erzeugt Feuchte, die blockiert und zu Müdigkeit und Schweregefühlen führt.
Lunge & Dickdarm, Scharf, Trocken
Verstopfte Atemwege können mit scharfen Nahrungs- oder Arzneimitteln befreit werden. Scharfes zerstreut die Energie, zuviel davon kann deshalb auch zu Schwäche, Trockenheit oder Hitze führen.
Nieren & Blase, Salzig, Winter
So wie aus dem (Salz-)Wasser alles Leben entsteht, versorgen und wärmen die Nieren alle anderen Organe. Lange Erkrankungen, Kälte und exessiver Lebenstil erschöpfen die Nieren.
Abwehrenergie an der Körperoberfläche, Immunsystem
Allgegenwärtige, bewegende und wärmende Energie
„Blut“, substanzielle und nährende Energie
nicht erneuerbare Essenzen, Nerven, Mark, Eizellen
Geistige und spirituelle Energie
Ein Beispiel dazu: Heuschnupfen könnte durch einen Mangel an Wei-Qì (Überforderung des Immunsystems durch Pollenangriff) oder durch eine „Blut“-Leere (die Schleimhäute wurden nicht genügend genährt und befeuchtet) entstanden sein. Um das Spiel fortzusetzen nehmen wir noch einen inneren pathogenen Faktor dazu: Schleim. Dieser entsteht, wenn das Qì die Flüssigkeiten nicht mehr genügend transformieren oder transportieren kann. Beim Heuschnupfen kann dies zur Folge haben, dass der Schleim mit der Hitze nach oben steigt und den Kopf und das Shen „vernebelt“. Geistige Unklarheit, Sinushöhlenkopfschmerzen und oder Schwindel sind die Auswirkungen davon.
Sämtliche verfügbare Indizien werden zu einem Diagnoseteppich verwoben, der das Gesamtbild des Krankheitsmusters zeigt:
Symptome (subjektive Empfindungen des Patienten)
Zeichen (Beobachtungen und Wahrnehmungen des Therapeuten, z. B. die für die TCM sehr wichtige Zungen- und die Pulsdiagnose)
Konstitution, Lebensumstände und Krankheitsentwicklung
Ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen medizinischen Systemen ist, dass zu jedem Krankheitsmuster empirische und logisch darauf abgestimmte, therapeutische Strategien bekannt sind. Die Interpretation und die Wahl der verschiedenen Modelle lassen dennoch einen gewissen Spielraum, in welchem der ebenso wichtige Teil der Therapie, nämlich den des Verstehens, der Intuition und der Therapeut-Patient Beziehung, Platz finden.
Ein Krankheitsmuster lautet je nach angewendetem Denkmodell z. B.: yáng-Syndrom, Erde attackiert Metall, Aussen-Kälte-Leere, Le-Qì-Stagnation mit stagniertem Feuer, Frühlingshitze im yìng Stadium, Taiyìn Bing, usw. [7].
Versuchen Sie dieses einfache Diagnosemodell zu verstehen:
yìn entspricht:
Leere (z. B. Schwäche, Muskelschwund, etc.)
Kälte (z. B. Kälteempfindungen, kühle, trockene Haut, etc.)
Blässe (z. B. Blutarmut bzw. fehlende oder gestörte Blutzirkulation)
yáng entspricht:
Fülle (z. B. Schwellung, Blutstau, etc.)
Wärme (z. B. Entzündung, Hitzesensation, etc.)
Rötung (z. B. Bluterguss, Mikroblutung, etc.)
Wie würden Sie folglich nun eine akute, stumpfe Verletzung wie z. B. ein verstauchter Fuss (Fussgelenkskapsel-Distorsion) einordnen? Handelt es sich dabei um ein yìn- oder ein yáng-Syndrom?
Überlegen Sie, bevor Sie die Lösung lesen! (von rechts nach links: !mordnyS-gnaY nie hcilrütaN)
Mit der Chinesischen Medizin können keine Krankheiten weggezaubert werden. Mit therapeutischen Strategien kann aber individuell auf die Konstitution und Krankheitsmuster jedes einzelnen Patienten eingegangen werden. Darüber hinaus ist es das Ziel, die Menschen zu ihrem vollen Potential zu führen, wo Gesundheit über Krankheit herrscht.
Chinesische Arzneimitteltherapie:
Pflanzliche, tierische und mineralische Arzneimittel werden individuell nach bestimmten Spielregeln zu einem Rezept komponiert, das exakt auf das Krankheitsmuster und die Konstitution des Patienten abgestimmt ist. Es wird zwischen Interna (Dekokte, Extrakte, Pillen, Tabletten, Kapseln) und Externa (Kräuterpackungen, Tinkturen, Kompressen oder Salben) unterschieden. Ausführlichere Informationen über die verschiedenen galenischen Formen gibt's hier.
Akupunktur: Stimulation bestimmter Punkte oder Strukturen durch 0.1 bis 0.3 mm dünne Nadeln aus Edelmetall, meist entlang der Meridiane. Am verbreitetsten sind Ganzkörper-, Ohr- und Schädelakupunktur.
Moxa: Lokale Erwärmung durch das Abglühen von Artemisiakraut über bestimmten Körperarealen und Akupunkten.
Diätetik: Ernährungsberatung nach dem 5-Elemente Modell unter der Berücksichtigung von Geschmacksrichtungen, Temperaturverhalten und Energetik der Nahrungsmittel, sowie Essrhythmus, Bekömmlichkeit, etc.
Tuina: Energetische und therapeutische, meist stark stimulierende Massage, eventuell mit Schmerzempfindungen nach der Behandlung.
Qi Gong: Übungssystem für Energiearbeit in Ruhe oder Bewegung.
Tai Qi: Anspruchsvolle Bewegungskunst und geistige Disziplin.
Feng Shui: Architektur und Lebensraumgestaltung zur Harmonisierung der umgebenden Energien.
Gua Sha: Reizung bzw. Stimulation von Hautarealen durch Schaben mit einem leicht abgerundeten, flachen Werkzeug.
Ba Guan: Äusserliche Applikation von Schröpfgläsern (unter Vakuum) zur Stimulation von Hautarealen und Akupunkten.
Einige Lehrer betonen, dass die oben aufgeführten Methoden sekundär sind und nur zur Unterstützung der wichtigsten Therapieform dienen:
Die Beratung: Der Auslöser und damit die Wurzel und Ursache der vorliegenden Erkrankung werden entsprechend den Naturgesetzen der TCM dargelegt. Der Patient kann beraten werden, welche Veränderung von Verhaltensweisen im Alltag (Lebensstil, Verhalten, Ernährung, etc.) die Heilung unterstützen bzw. die krankheitsverursachenden Faktoren reduzieren.
Im wesentlichen wird der Heilerfolg von fünf Faktoren beeinflusst:
Lebensweise und umgebende Faktoren des Patienten
Therapiebereitschaft und Mitwirken des Patienten (compliance)
Methodische und intuitive Fähigkeiten des Therapeuten
Lebenskraft und Qì-Qualität des Therapeuten
Qualität der eingesetzten Werkzeuge, Arzneimittel, etc.
Es ist unumstritten, dass der Glauben an die Wirkung von TCM keine unbedingte Voraussetzung für den Heilerfolg ist. Doch das geistige Mitwirken des Patienten und Therapeuten trägt wesentlich dazu bei.
("Wissenschaftlichkeit" ist hier im engeren Sinne des westlichen Verständnis, der normativen Methodik, Objektivität, etc. gemeint.)
In der klinischen Forschung ([10] Studien) wird versucht, den Einfluss von TCM auf den Krankheitsverlauf bestimmter Krankheiten mit westlichen Massstäben und -systemen zu messen oder eben „wissenschaftlich“ zu belegen. Aus verschiedenen Gründen ist dies aber für die TCM eine eher ungeeignete Art, deren Potential darzulegen. Zum einen, weil sie über eigene Denkmodelle und Masssysteme verfügt. Aber auch, weil in der TCM die subjektive Wahrnehmung, sowohl des Patienten wie auch des Therapeuten, einen untrennbaren Bestandteil bildet, der bewusst zur Diagnose und Therapie eingesetzt wird. In den Studien der westlichen Medizin ist es normalerweise umgekehrt das Ziel, Placeboeffekte und psychosoziale Faktoren zwischen Therapeut und Patient möglichst auszuschliessen.
Nachdem der deutsche Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen im Jahre 2000 Akupunktur aus der vertragsärztlichen Versorgung ausgeschlossen haben, reagierten eine Grosszahl deutscher Krankenkassen und Sozialversicherungen mit der Lancierung der bis dahin umfangreichsten europäischen Studie über den Einfluss der Akupunktur bei chronischen Schmerzen: www.gerac.de. Auch wenn nur sehr geringe Unterschiede zwischen Shamakupunktur (Behandlung von bewusst falsch lokalisierten Akupunkten) und richtiger Akupunktur gemessen wurden, sind die Resultate beider Anwendungen erstaunlich: Punkto Heilerfolg lassen sie alle anderen Disziplinen (Physiotherapie, moderne westliche Medizin, etc.) weit hinter sich. Und dennoch findet die Studie seitens TCM Fachpersonen Kritik: "Die Erfolgsquote könnte nochmals wesentlich gesteigert werden, wenn die ausführenden Behandler besser in Akupunktur ausgebildet seien, und nebst Akupunktur auch die Chinesischen Arzneimittel eingesetzt würden. Ausserdem könne mit der Standardisierung und damit Reduzierung einer Therapiestrategie auf ein einzelnes Symptom, das volle Potential der TCM längst nicht ausgeschöpft werden." Die Durchführung einer wissenschaftlich anerkannten Studie erfordert bislang leider jedoch klar abgegrenzte Symptome. In der TCM bilden die Symptome nur einen Bestandteil der ganzheitlichen Diagnose und folglich der Therapie.
In China wurde in den letzten 15 Jahren viel klinische Forschung [10]. auf - westlich gesehen - hohem Niveau betrieben. Zwar findet diese weltweite Anerkennung, es wird aber häufig „nur“ noch nach westlichen Massstäben und vorwiegend für Akupunktur gearbeitet. Das liegt daran, dass die chinesische Arzneimitteltherapie wesentlich komplexer ist und an eine Standardisierung – auch wenn sich das einige Pharmakonzerne anderes zurechtlegen – noch weniger zu denken ist.
Ausser, dass der Wissenschaft etwas zu beweisen, hat es nach meinem Empfinden keinen Zweck, unsere Heil- und Lebenskünste zu messen und in Zahlen zu bewerten. Im Gegenteil, anstatt Wissen-schaft zu betreiben, sollte das Pendel vermehrt in Richtung Verständnis-schaffen schwingen. Wir können uns zwischenmenschlich mehr Zeit schenken, um Raum für Intuition und Liebe zu schaffen. Die Aufgabe der Mediziner bzw. Neoschamanen ist, durch das Verständnis der Prozesse zwischen Mensch und Umgebung, den Patienten zu helfen, Ihre Probleme zu bewältigen und die subjektive Lebensqualität zu erhöhen.
Hier handelt es sich persönliche Literaturempfehlungen rund um die TCM. Für weitere Informationen und um Bücher zu bestellen, empfehle ich: Huber & Lang
Selbstheilung mit den 5 ElementenJason Elias - O. W. Barth (6., Aufl.) 2002 - ISBN: 3502610363
Es ist wohl unmöglich eine Einführung zu kreieren, welche dem Umfang und der Diversität der TCM gerecht wird. Immerhin kann man sich aber durch das Verstehen eines einzelnen Fragmentes der Idee des Ganzen nähern. Dies ist eine Anleitung für interessierte Laien um einfache Diagnosen und Therapien mit dem fünf Phasen Modell praktisch an sich selber durchzuspielen.
Der Weg und die Kraft R. L. Wing – Bechtermünzverlag 1999 – ISBN 3-8289-1822-0 Eine sehr genaue Übersetzung von Lao Zi’s Meisterwerk Dao De Jing, der Bibel des Daoismus. Anstelle religiöser oder dogmatischer Doktrinen werden fundierte und ganzheitliche Erläuterungen zur Ethik und den Mechanismen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft geboten. Die Verse sind so einfach, wie sie tief sind. Sämtliche Textpassagen und die zusätzlichen chinesischen Kalligraphien werden erläutert.
Abartig genial. Textausschnitt: 33. und 42. Vers
Leitfaden Chinesische Medizin Div. Autoren – Urban & Fischer 2003 (4. Aufl.) – ISBN 3-437-56481-1
Ich staune immer wieder, was alles in diesem Buch Platz findet. Dank ständiger Überarbeitung zahlreicher Autoren ist es im deutschen Sprachraum das Standardwerk für TCM schlechthin. Übersichtlich, umfangreich, aktuell. Als Nachschlagewerk für Praktizierende oder solche die es werden wollen.
Die Grundlagen der TCM James Skoien – Tectum Verlag 2005 - ISBN 3-8288-8787-2
Die Grundlagen und Krankheitsmuster der TCM werden klar, strukturiert und lückenlos paradigmatisch aufgeführt (einzigartig!). Die Anschaffung des Buches lohnt sich alleine schon wegen der sprachlichen Präzision und den intelligent arrangierten multiple-choise Fragen, die jedem Kapitel angehängt wurden. Ein Muss-Buch für Studenten und Profis.
Medizin in China, eine Ideengeschichte Paul U. Unschuld – Verlag C.H. Beck 1980 – ISBN 3-406-07599-1
Päuli ist wohl Europas meist zitierter Sinologe, wenn es um TCM geht. Vor allem die, die es genau wissen wollen finden in dieser kulturhistorischen Abhandlung zur Entstehung der Chinesischen Medizin reichlich Nahrung.
Muster Differenzierung in der TCM Band II James Skoien; Luzern 2006 - ISBN 13: 978-3-033-01103-8 Das Sammeln, Überprüfen und Strukturieren von Erkenntnissen über Jahrtausende macht die TCM zur vielleicht grandiosesten Erfahrungswissen- schaft der Menschheit. Früher waren es Zhang Zhongjing oder Li Shi Zhen, die eine Lebzeit dafür gaben, heute heissen sie Bensky, Maciocia oder Skoien. Über die Königsdisziplin der TCM, der Musterdifferenzierung, hat Skoien ein Kompendium geschaffen, dass punkto Umfang, Vollständigkeit, Präzision und Paradigmatik einen neuen Massstab setzt. Für Profis ein Muss.
Materia Medica 3rd Edition (Deutsche Ausgabe voraussichtl. 2014)Bensky, Clavey, Stöger– Eastland Press 2004 - ISBN 0-93616-42-4 Most Chinese become envious seeing this tome (for two-hand use only). The index on its own includes over 300 pages. Each of the more than 530 drugs are described impressively elaborate in the following aspects: glossary, actions and indications, specialities, combinations, comparisons, nomeclature, contraindications, sideeffects, toxicity, quality criteria, preparations, alternate names, adulterants, major known chemical constituents, … for nerds, fanatics and passionists.
Den Geist verwurzeln Josef Viktor Müller – Verlag Müller & Steinecke – ISBN 3-87569-178-4
Die Namen der Akupunkturpunkte als Bindestriche der Psycho-Somatik. Zitate vom Buchrücken: „...Akupunkturpunkte benutzen um die Pole von Körper und Seele aufeinander bezogen zu halten“, „...die Akupunkturnadel als Pfeiler der Seele.“ Wissen, welches vor der Kulturrevolution noch fester Bestandteil der TCM war und der Josi mit seinem Buch nun wieder verankert. Vertiefungslektüre für Fortgeschrittene, die gerne auch mal spirituelle und karmische Aspekte mit einbedenken.
Psychosomatik in der Chinesischen Medizin- Urban&Fischer - K. D. Platsch - ISBN 3-437-56110-3 Ich bin beeindruckt und berührt ob der Tiefe, Sorgfalt und Liebe, die der Kläusi der Psychologie bzw. Psychosomatik als unzetrennbaren Bestandteil der TCM abgewinnt. Weil seine Ideen einerseits klar mit den Prinzipien der TCM einhergehen, er aber trotzdem aus den Erfahrungen als Arzt, Psychotherapeut und spiritueller Schüler von Irina Tweed schöpft, hat er sich zu einem meiner Lieblingsdozenten gemausert.
Huang Di Nei Jing Su Wen (Des Gelben Kaisers Innerer Klassiker).
Englische Übersetzung (Texte, Historik, Interpretation, Beschaffenheit, Metaphorik, etc.) von Prof. Paul U. Unschuld (April 2003). Berkerly and Los Angeles: University of California Press. ISBN 0-520-23322-0
[2]
TCM-Hochschulen und -Universitäten in China
Übersicht vom 'Chinese Scholarship Council': www.csc.edu.cn/en Übersicht vom 'Ministry of Education' (alle Unis): www.moe.edu.cn Einige Direktlinks zu TCM-Universitäten (unvollständige Liste):
www.cdutcm.edu.cn (ChengDu, SiChuan)
www.lnutcm.edu.cn/en
www.dongfangyy.com.cn
www.zryhyy.com.cn/
www.njutcm.edu.cn
www.gzhtcm.edu.cn/en
www.lnutcm.edu.cn/en
www.ccucm.edu.cn
www.zhejiang.gov.cn
www.english.jnu.edu.cn
www.tjutcm.edu.cn
www.en.jlu.edu.cn
www.sxtcm.edu.cn
www.tijmu.edu.cn/eindex.htm
www.cpums.edu.cn
www.zs-hospital.sh.cn
www.jcjx.sdu.edu.cn
www.fjtcm.edu.cn/
www.china-university.chinardf.cn/
www.admissions.cn/jzmu/
www.hactcm.edu.cn/
www.zju.edu.cn/english/
www.ictmu.com.cn/
www.chinatefl.com/zhejiang/study/zjzy.htm
www.guoji.web.sdutcm.edu.cn
www.acupuncture.edu/guangzhou/
[3]
Unschuld, Prof. Paul U., (1980): Medizin in China, eine Ideengeschichte. München: Verlag C.H. Beck. ISBN 3-406-07599-1.
Mehr über dieses Buch: Literaturempfehlungen