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A–R
CIAM
Die Internationalen Kongresse für Neues Bauen/Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) waren eine 1928 gegründete progressive propagandistische Vereinigung zur Beförderung der modernen Architektur und Stadtplanung, die als Netzwerk bis 1959 an elf programmatischen Kongressen gemeinsame Ziel und Strategien ausarbeitete.
Geschlossenes System
Bauten, die mit einem geschlossenen System errichtet werden, bestehen in der Regel im Gegensatz zu solchen, deren Ausführung mit einem → offenen System erfolgt, aus Komponenten, die z. B. aufgrund ihrer Masseinheiten, wegen ihrer Konstruktionsweise oder aus lizenztechnischen Gründen nicht mit Komponenten anderer Bausysteme kombinierbar sind.
Gewerk
Diejenigen Arbeiten im Bauprozess, die sich einem in sich geschlossenen Leistungsbereich zuordnen lassen, wie beispielsweise Zimmermanns-, Steinmetz-, Dachdecker- oder Elektroinstallationsarbeiten, werden als ein Gewerk bezeichnet.
Grosstafelbau, Grosstafelbauweise, Grosstafelbausystem
Grosstafelbauten bestehen grösstenteils aus tragenden Beton- oder sonstigen Fertigteilen (hauptsächlich Wand-, Decken- und Fassadenelementen). Im Vergleich zu → Skelettbauten fehlt ihnen ein tragendes Gerüst aus Stützen und Trägern, ihre industriell vorgefertigten Bauteile werden auf der Baustelle direkt aneinandergefügt und aufeinandergestellt. Beispiele: Element AG, Göhner, Igéco, Peikert (Wohnbausystem W-62), Claude Schelling.
Gute Form
Der Begriff «Gute Form» wurde in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg insbesondere durch den → Schweizerischen Werkbund und Max Bills gleichnamiges Buch von 1957 geprägt und fortan für Entwurfskonzepte verwendet, die Alltagsprodukten, Möbeln oder ganzen Bauten mithilfe einer funktionellen und sachlichen Gestaltung zu einem grösseren Nutzwert und zu einer grösseren Dauerhaftigkeit verhelfen sollten.
Immeuble préfabriqué à loyer modéré (IPLM)
Ein Immeuble préfabriqué à loyer modéré (IPLM) ist die insbesondere durch die Igéco SA sowie die Bauherrschaften verschiedener Wohnüberbauungen (z. B. L’Ancien Stand in Lausanne) in der Romandie geprägte Bezeichnung für Wohnbauten mit bewusst sozialverträglich angesetzten Mietzinsen oder staatlich subventionierten Wohnungen.
Leichtbau, Leichtbauweise, Leichtbausystem
Beim Leichtbau handelt es sich um eine Konstruktionsweise, die sowohl die Gewichtseinsparung als auch die Steigerung der Ressourceneffizienz zum Ziel hat. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf der Reduktion des Materialverbrauchs sowie der Verbesserung von Fertigungs- und Transportprozessen. Beispiele: ALCO, VE 66, Zweifel Strickler.
Metabolismus
Als Metabolismus wird eine japanische Architekturströmung der Nachkriegszeit bezeichnet, deren Vertreterinnen und Vertreter traditionelle japanische Stilformen ablehnten und stattdessen auf vorgefertigte Bauteile und auf das Konzept der regelmässigen substantiellen Erneuerung (in der Biologie ist Metabolismus das Fachwort für Stoffwechsel) von einzelnen Elementen oder ganzen Bauten zurückgriffen. Entstanden ist die Bezeichnung im Rahmen der 10. Tagung der → CIAM 1959.
Neues Bauen
«Neues Bauen» ist ein Sammelbegriff für eine sich hauptsächlich in der Weimarer Republik und in den Niederlanden während der 1920er und 1930er Jahre entwickelnden Bewegung in der Architektur und im Städtebau, deren Ideen und Ideale als Voraussetzung für den Systembau der Nachkriegszeit angesehen werden können: Durch die Rationalisierung von Bauabläufen, die Typisierung von Bauteilen und den Einsatz neuer Materialien wollten ihre Vertreterinnen und Vertreter – in Abgrenzung zum Historismus und zur Reformarchitektur – eine neue, effizientere und formal ehrlichere Art des Bauens etablieren. Ihre Bauten sind meist gekennzeichnet durch kubische Formen und freie Grundrisse mit einer möglichst reduzierten Anzahl von Stützen sowie nichttragenden Wänden.
Offenes System
Bauten, die mit einem offenen System errichtet werden, bestehen in der Regel im Gegensatz zu solchen, die mit einem → geschlossenen System realisiert werden, aus Komponenten, die aufgrund ihrer Masseinheiten, wegen ihrer Konstruktionsweise oder ihrer Verbindungen mit Komponenten anderer Bausysteme oder eigener Subsysteme (z. B. für Fassaden oder Installationen) kombinierbar sind. Offene Systeme sind zudem nicht unbedingt an einen Hersteller gebunden.
Plattenbau, Plattenbauweise
→ Grosstafelbau, Grosstafelbauweise, Grosstafelbausystem
Raumelementbau, Raumelementbauweise, Raumelementsystem
Im Gegensatz zu → Skelett- oder → Grosstafelbauten werden Raumelementbauten nicht aus einzelnen Bauteilen zusammengesetzt, sondern bestehen aus industriell vorgefertigten Raumeinheiten oder → Raumzellen, die aneinandergefügt oder aufeinandergestapelt werden. Entsprechend umfasst der Bauteilkatalog statt Stützen, Trägern, Wänden usw. eine beschränkten Anzahl Raumzellen, die mitunter bereits die vollständigen Installationen enthalten. Beispiele: Flex-Bau, Variel.
Raumzelle
Die Raumzelle ist die kleinste bauliche Einheit eines → Raumelementbaus.
Raumfachwerk, Raumfachwerksystem
Als Raumfachwerke werden meist mehrlagige, aus Stabverbindungen bestehende, raumüber- oder raumumspannende Tragwerke bezeichnet, die in sich stabil sind. Raumfachwerke werden etwa bei → Leichtbauten zur Überspannung grosser, stützenfreier Räume oder für den Bau von Vordächern verwendet. Beispiel: MERO.

S–Z
Sandwich-Element
Bei Sandwich-Elementen handelt es sich meist um zweischalige Wandelemente aus einer tragenden Stahlbetonschale und einer vorgehängten Fassadenschale mit dazwischenliegender Dämmschicht oder um metallene Raumabschlusselemente mit einem dämmenden Kern. Bei → Skelettbauten werden sie oft als nichttragende, bei → Grosstafelbauten meist als tragende Fassadenelemente verwendet.
Satellitenstadt, Satellitensiedlung
Eine Satellitenstadt bezeichnet in der Schweiz einen Stadtteil oder ein Quartier, in dem den Bewohnerinnen und Bewohnern die Deckung ihres täglichen Bedarfs sowie ihre Freizeitgestaltung innerhalb derselben Siedlungsstruktur möglich sind. Im Gegensatz zur → Trabantenstadt verfügt eine Satellitenstadt jedoch nicht über genügend Arbeitsplätze, um städtebaulich von der Kernstadt unabhängig sein zu können.
Scheibenhaus, Scheibenhochhaus
Ein Scheiben(hoch)haus ist ein vielgeschossiges Mehrfamilienwohnhaus mit einem – im Gegensatz zum Punkthochhaus – deutlich längsrechteckigen Grundriss. Meist werden die von Längsfassade zu Längsfassade durchgehenden Wohneinheiten in Scheibenhäusern über innenliegende Treppenhauskerne oder über aussenliegende Laubengänge erschlossen.
Schottenbau, Schottenbauweise
Bei der Schottenbauweise handelt es sich um ein konstruktives System tragender, parallel und quer zur Längsachse des Bauwerks angeordneter Wände, das über aussteifende Deckenplatten oder Längswände stabilisiert wird.
Schweizerischer Werkbund
Der Schweizerische Werkbund (SWB) ist eine 1913 gegründete, interdisziplinäre Vereinigung von in der Schweiz tätigen Gestalterinnen, Architekten und kunstgewerblichen Institutionen. Neben der Herausgabe der Zeitschrift Das Werk, bis 1976 gemeinsam mit dem Bund Schweizer Architekten (BSA), ist der SWB für sein Engagement für die → Gute Form bekannt. Die meisten in diesem Buch erwähnten Systembauarchitektinnen und -architekten waren oder sind Mitglieder des SWB.
Skelettbau, Skelettbauweise, Skelettbausystem
Das statische Gefüge eines Skelettbaus basiert meist auf einem ecksteifen System aus Stützen und Trägern, das die Grundform des Baukörpers determiniert und in das meist nichttragende Wand- und Deckenelemente eingehängt, eingestellt oder eingespannt werden. Das Skelett kann aus Holz, Stahl oder Stahlbeton bestehen, aussen wie innen sichtbar bleiben, verputzt oder verkleidet sein. Beispiele: CROCS, Haller, VE 66.
Solothurner Schule
Als «Solothurner Schule» wird die Architektur einer losen Gruppierung junger Schweizer Architekten, unter ihnen Fritz Haller, Franz Füeg, Max Schlup, Alfons Barth und Hans Zaugg, deren Bauten vermehrt entlang des Jurasüdfusses zwischen Aarau und Biel/Bienne zu finden sind. Sie alle prägten mit ihren konstruktiven Ideen und ihrer funktionalen, zurückhaltenden Material- und Formensprache die Schweizer Architektur der 1960er und 1970er Jahre entscheidend mit. Beispiel: Haller.
Trabantenstadt
Eine Trabantenstadt bezeichnet eine meist aus mehreren Grossüberbauungen bestehende Siedlung in unmittelbarer Nähe zu einer Stadt. Im Gegensatz zur → Satellitenstadt bietet sie nicht nur Wohn- und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, sondern auch genügend Arbeitsplätze, um städtebaulich von der Kernstadt unabhängig sein zu können. In der Schweiz wurden, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, nach dem Zweiten Weltkrieg keine Trabantenstädte errichtet.
Vierendeelträger
Der Vierendeelträger, benannt nach Arthur Vierendeel, wurde im 19. Jahrhundert als Brückenträger entwickelt und während der Nachkriegszeit häufig auch als Teil des Tragwerks mehrgeschossiger Gebäude eingesetzt. Er besteht aus zusammenhängenden, aneinandergereihten Viereckrahmen. Anders als bei → Raumfachwerken, die allein durch die Stäbe in sich stabil sind, müssen bei Vierendeelträgern die Verbindungsstellen zwischen den Stäben eckversteift werden.
Vollelementbau, Vollelementbauweise, Vollelementbausystem
Vollelementbauten sind meist → Grosstafelbauten, deren tragende Wand- und Fassadenelemente im Vergleich zu Bauten mit → Sandwich-Elementen- einschichtig, z. B. aus nur einer Beton-Schicht, aufgebaut sind.
Wärmedurchgangskoeffizient
Der Wärmedurchgangskoeffizient bezeichnet den Wärmedämmwert eines Festkörpers (z. B. einer Wand oder eines Wandelements), der sich am Temperaturunterschied zwischen dem Gas (oder der Flüssigkeit) auf der einen Seite des Festkörpers und demjenigen auf der anderen Seite bemisst. Im Fall einer ebenen Wand gibt er den Wärmestrom (Wärmeenergie pro Zeit) pro Fläche der Wand und pro Kelvin Temperaturunterschied der beiden Gase oder Flüssigkeiten an. Folglich lautet die Masseinheit W/(m²·K) – Watt pro Quadratmeter und Kelvin.
Wärmeleitfähigkeit
Die Wärmeleitfähigkeit ist eine Stoffeigenschaft, die den Wärmestrom durch ein Material bestimmt. An ihr lässt sich ablesen, wie gut oder schlecht sich ein Material zur Nutzung als Wärmedämmschicht (z. B. innerhalb eines → Sandwich-Elements) eignet. Je niedriger der Wert der Wärmeleitfähigkeit, desto besser ist die Wärmedämmung. Sie wird in W/(m·K) angegeben
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Das ca. 250 Seiten umfassende Buch «System & Serie. Systembau in der Schweiz – Geschichte und Erhaltung» enthält neben wissenschaftlichen Essays zur Geschichte und zur Bedeutung des Systembaus auch viele ausführliche Porträts von Schweizer Bausystemen und in der Schweiz errichteten Systembauten. Dazu kommen zwei interdisziplinäre Gespräche zu den Aspekten Bauphysik und Statik sowie ein umfassendes Werkverzeichnis, ein Glossar und ein Personenverzeichnis zum Systembau in der Schweiz.