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Bühler Ernst , *1932, Genossenschafter/Politiker
Ernst Bühler ist ein Mann der Tat. In unzähligen Sitzungen hat er sich für seine Gewerkschaft, seine Partei und den sozialen Wohnungsbau engagiert. Seine Arbeitsweise war vielfältig, effizient und vor allem erfolgreich.
Tatsächlich gab es in Oberwinterthur bis in die 1950er-Jahre eine jährliche Chilbi auf der Wiese vor dem Restaurant Bahnhof. 1956 wurde eine Wohnsiedlung zusammen mit einem Postneubau erstellt, was auch das Ende der Karussells an diesem Ort bedeutete. Das war für Ernst und Maria Bühler-Della Valle nicht mehr von grosser Bedeutung. Sie waren seit dem 9. Januar 1952 verheiratet aber sie haben sich dort auf eine Riitschuel kennengelernt.
Ernst Bühler (geb. 27. Juli 1932) der sich später in und für Winterthur in mannigfaltigen Facetten eingesetzt hatte, war in Zürich aufgewachsen und mit der Dreherlehre bei Sulzer 1948 ins Sulzer-Lehrlingsheim nach Oberwinterthur gekommen. Maria Della Valle (geb. 1930) ist im Veltlin geboren und ist 1948 als „Gastarbeiterin“ für die Hühnerfarm Weidmann in Zinzikon nach Winterthur gekommen. Am 9. Januar 1952 haben die beiden geheiratet und sind über Wila und Reutlingen wieder nach Oberwinterthur zurückgekommen. Sie fanden im Grabenacker-Quartier 1957 ihr Familienheim, in dem sie heute noch wohnen.
Gewerkschaftliches und politisches Denken waren bei Ernst Bühler ganz einfach immer vorhanden gewesen. So engagierte er sich als junger Sulzeraner beim Metallarbeiterverband und führte bald drei Lehrlingsgruppen. Nach dem Eintritt in die SP startete auch seine politische Karriere. Nebst innerparteilichen Funktionen wirkte er 12 Jahre im damaligen Schulrat. In dieser Funktion hat er wesentliche Verdienste für das 1967 gebaute Schulhaus für die Werkjahrschule in Wülflingen. Ein weiteres Projekt das Bühler mit viel Engagement verfolgte war die Schaffung der Berufswahlschule (BWS). Nur mit einem Minderheitsantrag des damaligen Kommissionspräsidenten Ernst Bühler passierte die Vorlage im Schulrat äusserst knapp. Auch im Grossen Gemeinderat fand sich nur eine hauchdünne Mehrheit für eine definitive Einführung ab 1970. Erst die Volksabstimmung im Jahre 1973 brachte die definitive und klare Entscheidung. Mit einem Stimmenverhältnis von 9:5 wurde die BWS Winterthur vom Stimmbürger der Gemeinde Winterthur genehmigt. Das neue Angebot entwickelte sich schnell. Bereits 1978 musste eine fünfte Lehrkraft engagiert werden.
Fünf Jahre (1974-1979) war er Mitglied im Grossen Gemeinderat von Winterthur und in Zürich acht Jahre (1979-87) im Kantonsrat. 1978/79 präsidierte Ernst Bühler das Stadtparlament. Den nachhaltigsten nebenamtlichen Einsatz leistete Bühler in der Heimstätten-Wohnbau-Genossenschaft, der er von 1985 bis 2005 als Präsident vorstand. Unter seiner Führung hat die HWG unzählige gut bezahlbare Wohnungen gebaut und vermietet. Viele Jahre nach seinem Rücktritt gehen noch Neubauten auf seine vorausschauende Initiative zurück.
Damit aber nicht genug. Auf ein Jahrzehnte langes Wirken kann Ernst Bühler auch in der Presseunion zurückblicken. Die Genossenschaft „Presseunion Winterthur“, 1909 gegründet, war die Herausgeberin der Arbeiterzeitung (später Winterthurer AZ). Nach 10 Jahren als Aktuar übernahm er 1974 das Präsidium. Nach vielem Auf und Ab und der schliesslichen Aufgabe der Zeitung in den 1990er-Jahren führte Bühler die Genossenschaft bis 2017 in erster Linie als Inhaber und Verwalter der traditionellen Liegenschaft Technikumstrasse 90 erfolgreich weiter. 1980 wurde Haus aufgestockt und damit in der Höhe den beiden Nachbarliegenschaften gleichgestellt. Als letztes grosses Projekt hat Bühler die Liegenschaft 2016/17 mit einer totalen beidseitigen Fassadenrenovation und den Einbau von zwei Wohnungen im Dachgeschoss in einen modernen Schwung gebracht. Im Mai 2017 wird Ernst Bühler das Präsidium nach 43 verdienstvollen Amtsjahren weitergeben.
Für die Genossenschaft Wohnhotel Winterthur mit ihrer Liegenschaft an der Wülflingerstrasse 15 hat sich Ernst Bühler in den Jahren 2008 bis 2017 engagiert. Sein Vorgänger ist überraschend gestorben. Bühler war als damaliger Präsident der Sektion Winterthur des Verbandes für Wohnungswesen der Lückenbüsser. Er lenkte das Genossenschafts-Schiff wieder in die richtige Richtung und leitete das Geschick neun Jahre lang. Das in die Jahre gekommene Haus wurde unter seiner Initiative 2010 umfassend renoviert. Der Fortbestand der auf vier Stockwerken verteilten 21 Wohnungen, nämlich fünf Drei-, zehn Zwei- und sechs Einzimmerwohnungen, erschlossen durch Laubengänge, ist damit gesichert. Weiterhin können alleinstehende berufstätige Frauen und Studentinnen in günstigen Wohnungen in Stadtnähe wohnen.
Beruflich hat Ernst Bühler 1966 die Werkstatt verlassen. Nach der Einführung des Eidgenössischen Arbeitsgesetzes konnte er die Arbeit als Kantonaler Arbeitsinspektor aufnehmen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe erfüllte ihn bis zu seiner Pensionierung.
Ernst Bühler war aber manchmal auch zu Hause. In Haus im Grabenacker wuchsen fünf Kinder auf. Inzwischen ist eine Grossfamilie entstanden. Nebst den zwei Söhnen und den drei Töchtern gehören inzwischen auch neun Enkel und zwei Urenkel dazu. Nach wie vor ist der Kontakt zur Heimat von Maria Bühler nicht abgebrochen. In ihrem Veltliner Elternhaus in Chiuro finden regelmässig Ferien und Familientreffen statt. Dort beweist Ernst auch, dass er die Handarbeit nicht verlernt hat. Er pflegt dort eine neue Leidenschaft, die Steinbildhauerei nämlich.