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Radikaler Schnitt: Sturkopf Colm (Brendan Gleeson) lässt Freund Pádraic (Colin Farrell) quasi im Regen stehen. (Disney)
Abgetrennt und zerschnitten
Eine Freundschaft bricht auseinander, weil der eine einfach nicht mehr will. Sturkopf Colm macht einen radikalen Schnitt, und (Ex)Freund Padraic versteht die irische Welt nicht mehr. Martin McDonagh inszenierte dieses schroffe Drama …
Raue See, raues Klima. Die irische See und seine Inseln sind nichts für Weicheier. Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) versteht die Welt nicht mehr, als der alte Busenfreund Colm Doherty (Brenan Gleeson) ihm Knall auf Fall die Freundschaft kündigt. Warum nur? Der sture Kerl Colm verweigert jedes Gespräch und verbietet sich jedem Umgang, andernfalls will er sich, wenn Pádraic ihn wieder anspricht, einen Finger abhacken, eventuell zwei, dann drei … wenn nötig. Nicht nur gesagt, sondern auch getan.
Der unglückliche Pádraic lebt mit seiner Schwester Siobhan Súilleabháin (Berry Condon) zusammen in einer bescheidenen Hütte auf einer einsamen, vorgelagerten Insel Irlands. Sie versucht vergeblich zu vermitteln. Auch Dominic (Barry Keoghan), der naive, aber gutgläubige Sohn des trinkfesten und gewalttätigen Dorfpolizisten, versucht Pádraic zurückzuhalten. Als der erneut Colm anquatscht, «vergeht» sich der Sturkopf an Padraics Lieblingseselin – die stirbt.
Was für ein Drama, nicht nur zwischen zwei eigenwilligen Mannsbildern, sondern um eine Schwester, die sich fast bis zur Selbstaufgabe um ihren Bruder kümmert, und um einen etwas beschränkten Jüngling, der Anhang und Liebe sucht. Martin McDonaghs vierter Kinofilm (nach «Brügge sehen und sterben», «7 Psychos» mit Farrell und Gleeson und «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri») geht auf ein Theaterstück seiner Aran Islands Trilogie zurück. Die Dreharbeiten fanden auf den Inseln Árainn und Acaill vor der Westküste Irlands statt. Der irische Theater- und Filmautor McDonagh lässt Gegensätze aufeinanderprallen, seziert zwei Gefühlslagen, die Wirkung von Verlust und Verlassensein, wobei nicht nur das Band einer Freundschaft zerschnitten wird …
McDonagh kennt die Gegend (Schauplatz) aus seiner Kindheit und meint zur Geschichte: «Es ging mir darum, beide Seiten zu zeigen: die Trauer darüber verlassen zu werden, und die heikle Situation, jemanden verlassen zu müssen.»
Dazu lässt er zwei Schauspieler aufeinander los: Brendan Gleeson fesselt als barbeissiger Freundschaftszertrümmerer und Colin Farrell als gedemütigter verstossener Kumpan. Beide sind oscar-würdig. Ein Melodie, die im Film (Pub) zu hören ist, stammt von Brendan Gleeson, der laut McDonagh ein brillanter Geigenspieler ist. Der Filmtitel leitet sich von Todesfeen oder Geistfrauen (Banshees) ab, Inisherin ist der Name einer irischen Insel. Historisch gesehen, ist die Geschichte um 1922/23 angesiedelt, als der irische Bürgerkrieg tobt, den man aber nur von Ferne wahrnimmt und von dem die abgeschiedenen Insulaner nicht recht wissen, worum es eigentlich geht. So gesehen, mag der Bruch der Freundschaft auch eine Metapher für den irischen Twist sein, der die Teilung Irlands begründete.
Irland/GB 2022
114 Minuten
Buch und Regie: Martin McDonagh
Kamera: Ben Davies
Darsteller: Brendan Gleeson, Colin Farrell, Kerry Condon, Barry Keoghan
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