Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03548.jsonl.gz/152

EM 1996 in England: Premiere des Golden Goal
Das Golden-Goal-Format (sofortiges Spielende bei einem Tor in der Verlängerung) war zwar bereits in den Jahren zuvor bei diversen Fussball-Turnieren getestet worden. Doch seine Premiere an einer EM- oder WM-Endrunde erlebte es 1996 in England. Zur Anwendung kam die neue Regel aber nur gerade einmal: Im Final zwischen Tschechien und Deutschland.
Es lief die 95. Minute am 30. Juni 1996, als Jürgen Klinsmann eine Flanke auf Oliver Bierhoff zirkelte. Der eingewechselte Stürmer, der zuvor bereits den Ausgleich erzielt hatte, nahm den Ball an, drehte sich um die eigene Achse und traf zum 2:1. Deutschland war zum 3. Mal Europameister und Bierhoff avancierte vom Ergänzungsspieler zum umjubelten Helden (siehe Video oben).
Die Golden-Goal- wurde später in eine Silver-Goal-Regel (Spielende bei Halbzeit oder Ende der Verlängerung, sollte ein Tor fallen) aufgeweicht und nach der EM-Endrunde in Portugal wieder abgeschafft.
WM 2002 in Südkorea und Japan: Brasilien zieht davon
Seit 1994 und dem Titel in den USA war Brasilien mit 4 Titeln zum Rekordweltmeister vor Deutschland und Italien (je 3) avanciert. 2002 baute die «Seleçao» dann die Führung aus, was sich rückblickend als essenziell herausstellen sollte. Denn auch Italien (2006) und Deutschland (2014) konnten nochmals je eine WM gewinnen und damit den Rückstand auf Brasilien wieder verkürzen.
Die erste WM in Asien war ein einziges Schaulaufen der Brasilianer. Sie gewannen alle 7 Spiele in der regulären Spielzeit und mussten nur gerade 5 Gegentore hinnehmen. Mit Ronaldo (8 Tore), Ronaldinho (2) und Rivaldo (5) stellten die Südamerikaner zudem ein offensives Trio der Extraklasse.
Ronaldo war es denn auch, der den Final am 30. Juni 2002 mit einem Doppelpack entschied, auch wenn er bei seinem ersten Treffer von einem Fehler von Deutschland-Keeper Oliver Kahn profitierte. So überzeugend trat Brasilien in der Folge nie mehr auf und wartet deshalb schon seit 18 Jahren auf den nächsten WM-Titel.
WM 2006 in Deutschland: Ein Spickzettel verzückt die Nation
Als hätte der Goalie-Wechsel im Tor der Deutschen kurz vor dem WM-Start nicht schon genug Wellen geworfen: DFB-Trainer Jürgen Klinsmann hatte sich überraschend für Jens Lehmann und gegen Oliver Kahn entschieden. Im Viertelfinal an der Heim-WM rückte Lehmann am 30. Juni 2006 endgültig in den Fokus. Denn gegen Argentinien musste das Penaltyschiessen entscheiden.
Zwei Szenen blieben dabei haften: Vor dem Nervenkrimi gesellte sich Kahn zu Lehmann und sprach diesem nochmals Mut zu. Und anschliessend steckte Torhütertrainer Andreas Köpke Lehmann einen Zettel mit Notizen zu den argentinischen Elfmeterschützen zu.
In der Folge parierte der Keeper die Versuche von Roberto Ayala sowie Esteban Cambiasso. Deutschland stand im Halbfinal, das Sommermärchen war geboren, auch wenn der Halbfinal gegen Italien danach Endstation bedeutete.