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Vor drei Jahren brachte Quentin Tarantino seinen ersten Westernfilm auf die große Leinwand. „Django Unchained“ überzeugte nicht nur seine Fans, sondern auch die Kritiker. Ob „The Hateful Eight“ dasselbe schaffen wird? Ich bin kein Freund der großen Western, jedoch ein Fan von Quentin Tarantino, der jedoch mit „Inglorious Basterds“ sowie „Django Unchained“ beinahe schon „Filme für die Masse“ produzierte. Fans der beiden letztgenannten Filme werden am Ende von „The Hateful Eight“ vielleicht enttäuscht sein; der Rest, der schon „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ und „Jackie Brown“ gut fand, wird begeistert sein.
„The Hateful Eight“ besteht aus Dialogen, einer Kutsche und einem Raum
Verstehen Sie mich nicht falsch. „Inglorious Basterds“ und „Django Unchained“ sind geniale Werke, aber keinesfalls mit den Filmen „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“ vergleichbar, die mitunter Quentin Tarantino sein Image bescherten. Mit „The Hateful Eight“ kehrt er jedenfalls zu seinen Wurzeln zurück. Nicht nur, dass „The Hateful Eight“ knapp 170 Minuten dauert, spielt sich die Handlung des Films zu 20 Prozent in einer Kutsche und zu 80 Prozent in einem Raum ab. Das klingt nach Langeweile? Gar nicht. Der Film wird nie langweilig. Auch wenn in der ersten Filmhälfte die Dialoge überwiegen, starrt man gebannt auf die Leinwand. Dass die zweite Filmhälfte in „Tarantino-Manier“ für Chaos, Verwüstung und Tod sorgen, ist kein Geheimnis. Die Schauspieler (allen voran Samuel L. Jackson und Kurt Russell) überzeugen zu 100 Prozent und beweisen, dass sie nicht umsonst zu den Lieblingsprotagonisten von Tarantino zählen.
Warum der britische Henker an Christoph Waltz erinnert
Apropos Lieblingsschauspieler: Christoph Waltz fehlt. Jedenfalls offiziell. Wer den Charakter des britischen Henkers näher beobachtet, wird relativ schnell feststellen, dass Tarantino hier durchaus einen Christoph Waltz im Kopf hatte. Leider kann ein Tim Roth dem zweifachen Oscar-Preisträger aber nicht das Wasser reichen. Wohl auch, weil Waltz für sein Charakterspiel bekannt und geliebt wird. Roth, der – wenn man die letzten Filme von Tarantino gesehen hat – sogar teilweise wie Waltz agiert, versucht nicht nur einen, sondern zwei Charaktere zu verkörpern. Einerseits die für ihn geschriebene Rolle, andererseits den Schauspieler Christoph Waltz.
Ein schwacher Tim Roth sorgt für keinen Punkteabzug
Der Film reiht sich gnadenlos an die „Ur-Werke“ von Quentin Tarantino an. „The Hateful Eight“ ist mehr „Jackie Brown“ und weniger „Django Unchained“. „The Hateful Eight“ erinnert mehr an „From dusk till dawn“ als an „Inglorious Basterds“. Auch wenn Christoph Waltz diesmal nicht mit von der Partie ist, überzeugen Samuel L. Jackson, Jennifer Jason Leigh, Kurt Russell sowie Walton Goggins. Wer sich auf eine Reise einlässt, die er so wohl noch nie gesehen hat, wird „The Hateful Eight“ lieben. Wer hingegen eine stilistische Fortsetzung von „Django Unchained“ erwartet, wird am Ende enttäuscht sein.
Einfach vorurteilsfrei und erwartungslos in das Kino gehen und begeistert sein, welche neuen Überraschungen Tarantino diesmal präsentiert.