Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03488.jsonl.gz/1310

Ein 64-jähriger Patient stellte sich mit einer depressiven Symptomatik in unserer alterspsychiatrischen Poliklinik vor. Die mittelgradig depressive Episode als Folge eines massiven Erschöpfungssyndroms wegen Überengagements am Arbeitsplatz wurde durch eine Kombination aus Psychotherapie und antidepressiver Pharmakotherapie erfolgreich behandelt.
Ein halbes Jahr nach Remission erschien der Patient notfallmässig in Begleitung seiner Ehefrau, welche angab, dass sie den Patienten seit einer Stunde beunruhigt und verwirrt erlebe. Dieser stelle wiederholt Fragen nach Zeit, Ort sowie situativen Umständen und könne sich nur lückenhaft an Dinge des Vortages erinnern. Die Veränderung sei plötzlich und ohne Vorwarnung eingetreten. Im Vorfeld der Konsultation habe der Patient über Kopfschmerzen geklagt.
Anamnestisch bestanden keine Hinweise auf Trauma oder bekannte Epilepsie. Der Patient leide seit Jahren unter einer arteriellen Hypertonie, welche medikamentös gut eingestellt sei.
Der wache und kontaktfähige Patient imponierte ratlos und unruhig. Den Behandler erkannte er nicht, bezüglich Zeit, Ort und Situation war er vollständig desorientiert, zur Person hingegen vollständig orientiert. Die Aufmerksamkeit war mässig reduziert. Beim 3-Wort-Test war die unmittelbare Wiedergabe intakt, der verzögerte Abruf und das Wiedererkennen gelangen jedoch nicht. Ereignisse der vergangenen Tage konnten nur bruchstückhaft erinnert werden, das Erinnern weiter zurückliegender Ereignisse (z.B. Schulzeit, Berufslehre, Hochzeit) ging deutlich besser. Der übrige psychopathologische Befund war weitgehend unauffällig.
Der afebrile Patient war kardiopulmonal stabil, der Blutdruck normoton, neurologisch zeigte sich eine diskrete Kraftminderung im rechten Bein gegenüber links, ein Vorbefund lag nicht vor.
Zur ätiologischen Klärung und insbesondere zum Ausschluss eines zerebrovaskulären Ereignisses wurde der Patient in die Akutsomatik überwiesen. Die umgehend durchgeführte zerebrale Magnetresonanztomographie (cMRT) zeigte bis auf periventrikulär betonte, am ehesten mikrovaskulär bedingte Hyperintensitäten keine Auffälligkeiten. Neben einer Laboranalyse (z.B. Glukose, Elektrolyte) und der Ableitung eines Elektroenzephalogramms (EEG) wurden aufgrund des Vorliegens eines zerebrovaskulären Risikofaktors eine Dopplersonographie der hirnversorgenden Gefässe, ein EKG und eine Echokardiographie durchgeführt. Alle Untersuchungen blieben ohne pathologischen Befund.
An welche Diagnose denken Sie?