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Bei seiner zweiten Medienkonferenz in Bern liegt der Fokus des Abstimmungskomitees «Nein zur Ehe für alle» auf dem Kindeswohl. Die Referenten des überparteilichen Komitees halten fest, dass es durchaus eine Rolle spielt, in welcher Beziehungskon-stellation Kinder aufwachsen. Sie stützen sich dabei auf wissenschaftliche Forschung, langjährige Erfahrung und die persönlichen Geschichten betroffener Pflege-Adoptiv- und Spenderkinder.
Ehe für alle missachtet die Natur des Menschen
Rechtsverhältnisse gibt es nur beim Menschen. Sie reflektieren meist in irgendeiner Weise seine leibliche, seelische und geistige Natur. Das Rechtsinstitut der Ehe reflektiert die Polarität der Geschlechter, auf deren Fruchtbarkeit und Familienbildung das ganze Menschengeschlecht beruht. Nachdem gleichgeschlechtliche Verbindungen keine Nachkommen zeugen und damit keine natürliche Familie bilden können, stellt eine Erweiterung des Instituts der Ehe auf gleichgeschlechtliche Verbindungen eine Art konstruktivistischen, offensichtlich ideologisch motivierten Willkürakt dar. Der Versuch, gleichgeschlechtliche Verbindungen durch ein Adoptionsrecht der natürlichen Familie anzunähern und damit gesellschaftliche Bedeutung zu erlangen, steht gegen Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention, nach der bei «allen Massnahmen, die Kinder betreffen, […] das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt [ist], der vorrangig zu berücksichtigen ist». Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein Kind bei Vater und Mutter gross wird oder bei zwei Frauen oder zwei Männern. Die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und die Studienlage über das «outcome» von Kindern aus unterschiedlichen Familienstrukturen unterstreichen dies.
Arrangierte statt «gesetzte» Beziehung
Jede nichtleibliche Elternschaft ist arrangiert, nicht «gesetzt». Sie muss sich von Eltern- und Kindesseite her immer wieder neu beweisen und bestätigen. Dies führt zu Verunsicherung und Fragen – in Krisenzeiten und besonders in der Pubertät. Arrangierte Elternschaft bringt immer zusätzliche Belastungen mit sich, sogar bei Adoption, wo zwar der juristische Teil geklärt ist, der Abstammungsteil aber nicht. Die Beziehungs-Sicherheit ist labil. Dass im Fall der Samenspende für lesbische Paare eine Frau in der Regel die leibliche Mutter ist, während die andere Frau genetisch eine Fremde bleibt, konstruiert ein komplexes Beziehungsgefüge.
Des Weiteren zeigen Studien[1], dass in Familien mit nicht-leiblichen Elternteilen deutlich mehr Übergriffe auf Kinder stattfinden, als dies in Familien mit ausschliesslich leiblichen Eltern-Kind-Beziehungen der Fall ist. Arrangierte Elternschaft gesetzlich zu etablieren, würde in Anbetracht dieser Fakten einen vorsätzlichen Verstoss gegen grundlegende Kindesinteressen und den Kindesschutz bedeuten.
Im Zweifel für das Kindeswohl
Aus langjähriger Forschung und Erfahrung im Adoptiv- und Pflegekindbereich ist bekannt, wie stark die biologische Abstammung Identität und Biografie eines Kindes prägt. Fachpersonen, die im Bereich der Integration prä- und perinataler Erfahrungen arbeiten, halten fest, dass der Weg der Herkunft jedes Kindes in dessen Zellen gespeichert ist: Jedes Sperma und jede Eizelle haben einen epigenetischen Hintergrund. Das heisst: Sie bringen die Generationen vor ihnen mit in ihr Leben. Es geht in diesem sensiblen Bereich um ein Anerkennen einer noch weitgehend fremden Erfahrung, über die wir gegenwärtig noch viel zu wenig wissen. Äusserst vorsichtig äusserte sich auch die Französische Akademie der Medizin zur Samenspende für Frauenpaare. Laut ihrem Communiqué von September 2019[2] ist die Datenlage, insbesondere was die europäischen Länder betrifft, noch wenig aussagekräftig und «die absichtliche Zeugung eines Kindes ohne Vater nicht ohne Risiken für seine psychologische Entwicklung und sein Wachstum.»
Kinder nicht zum Spielball von Erwachsenenwünschen machen
Am elementarsten von den Auswirkungen der Ehe für alle inklusive Samenspende betroffen wären nicht die Erwachsenen, sondern die Kinder. Ihnen vorsätzlich die Möglichkeit zu verwehren, während den 18 wichtigsten Lebensjahren die Identität des eigenen Vaters zu kennen und eine Beziehung zu ihm aufbauen zu können, wäre ein Handeln gegen Sorgfalt, Vernunft und besseres Wissen. Im Argumentarium, das die SP Schweiz vor einem Jahr zum Vaterschaftsurlaub veröffentlichte, steht: «Die Forschung zeigt: Kinder von engagierten Vätern sind gesünder, glücklicher und erfolgreicher. Ein frühes väterliches Engagement stärkt die Beziehung zum Kind ein Leben lang. Fragt man die Kinder selbst, sagen sie klar: Wir wollen Mama und Papa nahe sein in unserem Leben.»[3]
Weil Kinder unsere Zukunft sind, setzen wir darauf, dass eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung dem Kindeswohl Vortritt vor Erwachsenenwünschen gewähren wird.
Abstimmungskomitee «Nein zur Ehe für alle»
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[1] Sedlak, A., Fourth National Incidence Study of Child Abuse and Neglect 2010. Zit. nach: Schumm, W., 2018, a.a.O., S. 93.
[2] https://www.academie-medecine.fr/wp-content/uploads/2019/09/Rapport-sur-le-projet-de-loi-relatif-a%CC%80-la-bioe%CC%81thique-2019-09-ANM.pdf
[3] SP Schweiz: Argumentarium ‘Ja zum Vaterschaftsurlaub’ (online am 25.08.2021, https://www.sp-ps.ch/sites/default/files/documents/argumentarium_lang.pdf)