Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03161.jsonl.gz/2952

Die Mandelentzündung heilt fast immer ohne Antibiotika aus. Bei bestimmten Warnzeichen sind sie aber sinnvoll. Erfahren Sie mehr über die Symptome von bakterieller und viraler Mandelentzündung sowie über die Behandlung, Hausmittel und wann Sie zum Arzt gehen sollten.
Der Hals schmerzt, die Rachenmandeln schwellen an und die Schleimhaut im Rachen ist ganz rot: Bei diesen Symptomen lautet die Diagnose «Tonsillitis», auf Deutsch Mandelentzündung.
Sie wird überwiegend durch Viren verursacht und nur in einer Minderheit der Fälle durch Bakterien. Da Antibiotika aber nur gegen Bakterien wirken, nützen sie also bei der Mehrzahl der Mandelentzündungen nichts.
Wenn nebst der Mandelentzündung auch die Nase läuft, Husten besteht und wenn die Augenbindehäute gerötet sind, spricht das sehr für eine Virus-Infektion. Für eine bakterielle Infektion sind der oft sehr abrupte Beginn und ein starkes Krankheitsgefühl typisch.
Ein einfaches Hilfsmittel, der sogenannte «Centor-Score», hilft beim weiteren Vorgehen. Für jedes der folgenden vier Kriterien gibt es einen Punkt:
Bei null bis zwei Punkten wird die Mandelentzündung meist «symptomatisch» behandelt. Bei drei oder vier Punkten ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass es sich um eine bakteriell verursachte Mandelentzündung handelt. Dazu weiter unten mehr.
«Symptomatische» Behandlung bedeutet, dass man versucht, die Symptome zu lindern. Konkret heisst das: Viel trinken, um die Schleimhäute im Hals feucht zu halten, beispielsweise mit Salbei-, Thymian-, Eibisch- oder Kamillentee. Auch Gurgeln hat sich bewährt. Auf der Website der «Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene» findet man Tipps, wie und womit man am besten gurgelt. Flüssige oder weiche Speisen lassen sich bei der Mandelentzündung einfacher schlucken als solche, die erst gut gekaut werden müssen.
Wenn die Schmerzen zu unangenehm sind, darf man einen Halsspray oder Lutschtabletten mit dem lokalen Betäubungsmittel Lidocain benützen. Fiebersenkende, entzündungshemmende Schmerzmittel wie zum Beispiel der Wirkstoff Ibuprofen können ebenfalls die Symptome lindern.
Wer lieber zu Hausmitteln greift, kann einen Quarkwickel machen. Dazu wird etwas Magerquark auf Haushaltspapier oder eine Gazewindel gestrichen, dann macht man daraus ein Päcklein und legt es vorne und seitlich auf den Hals auf (nicht hinten im Nacken). Zuletzt wickelt man ein Handtuch herum, das austretende Flüssigkeit aufsaugt.
Nicht alle Patienten mögen so einen kühlenden Umschlag. Wem Wärme lieber ist, dem kann ein Kartoffelwickel mit gekochten Kartoffeln guttun. Diese werden zerstampft und abgekühlt bis auf eine als angenehm empfundene Wärme.
(Fortsetzung weiter unten…)
All diese Mittel darf man auch anwenden, wenn der «Centor-Score» drei oder vier Punkte ergibt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sich um eine bakteriell verursachte Mandelentzündung handelt.
Früher galt die Devise, dass eine solche Infektion pauschal antibiotisch behandelt werden muss. Heute weiss man jedoch, dass dies nicht unbedingt nötig und auch nicht sinnvoll ist. Denn das Antibiotikum verkürzt die Erkrankung nur wenig, es schützt nicht vor etwaigen Komplikationen und es kann Nebenwirkungen wie Durchfall hervorrufen.
Falls eine antibiotische Behandlung erwogen wird, führt der Arzt oder die Ärztin bei einem «Centor-Score» von drei oder vier einen Streptokokken-Schnelltest durch. Streptokokken sind Bakterien, die sowohl Halsentzündungen als auch Scharlach verursachen können und die gut auf Antibiotika ansprechen. Allerdings leben auch bei bis zu 30 Prozent der gesunden Menschen Streptokokken-Bakterien im Rachen.
Einst gefürchtete Komplikationen der Halsentzündung durch Streptokokken – das rheumatische Fieber und Nierenschäden – treten seit langem in der Schweiz nur noch sehr selten auf. Deshalb wird heutzutage nur unter bestimmten Umständen eine antibiotische Behandlung (meist für sechs Tage mit einem Penicillin-Wirkstoff) empfohlen, zum Beispiel, wenn die betroffene Person schwer krank wirkt oder immungeschwächt ist.
Ein Kompromiss ist ein beobachtend-abwartendes Vorgehen, wobei man maximal drei Tage den weiteren Verlauf abwartet. Oft bessern die Beschwerden in dieser Zeit von allein, so dass sich die antibiotische Behandlung erübrigt.
Komplikationen, etwa ein Abszess im Hals, sind bei der Mandelentzündung selten. Wenn es dazu kommt, ist eine rasche Behandlung wichtig. Zur Ärztin oder zum Arzt sollte man gehen: