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Letztere beiden Gebiete gehörten jedoch nur zeitweilig zu Palästina, dessen Westgrenze im wesentlichen mit dem
Beginn des Hügellandes zusammenfällt. Die nördliche Grenze lag bei Rama (Rame) und Dan (Tell elKadi) am
Fuß des Hermon, die östliche etwa unter 36° östl. L. v. Gr.,
wo sich der rötliche, ackerbaufähige Boden scharf von dem östlichen Weideland der Steppe abhebt, die südliche etwa unter
31¼° nördl. Br. beim heutigen Bir es Seba'a und im Ostjordanland unter 31½° am FlußArnon¶
(Wadi Modschib). Somit beträgt die größte Breite
[* 8] Palästinas im S. etwa 133 km, die geringste im N. 60-70 km, die größte
Länge von Bersaba bis
Dan 230,. vom Arnon bis
Dan 200. km. Der Flächeninhalt belief sich rund auf 24,800-27,500 qkm (450 bis 500 QM.);
ihn genau anzugeben, ist unmöglich, da nach allen Seiten die Grenzen
[* 9] oft wechselten, wie denn z. B. die
Stämme des Ostjordanlandes mit den Nachbarvölkern (Syrern und Moabitern) im steten Kampf um ihr Land lagen.
Das so umgrenzte Gebiet zerfällt in vier von Natur scharf geschiedene Teile: die Ebene am Meer, das westjordanische Hochland,
die Jordanniederung und das ostjordanische Hochland. Die Ebene am Meer hat vom VorgebirgeKarmel im N. bis
Gerar (Umm Dscherâr) im S. eine Länge von 165 km und eine durchschnittliche Breite von 15 km. Das Gestade selbst ist flach und
sandig, mit Dünen besetzt und zu Landungsplätzen wenig geeignet. Erst nördlich von Cäsarea (Kaisarieh)
tritt das Gebirge stellenweise steiler an das Meer heran und wird buchtenreicher, bis nördlich vom 33. Breitengrad im eigentlichen
Phönikien Steilküsten die Regel bilden.
Jene Ebene, das eigentliche Kanaan, ist ein besonders in seiner nördlichen Hälfte ungemein fruchtbarer Alluvialboden, welcher
im Altertum, von wenigen Ausnahmen im Hochland abgesehen, die meisten und größten Städte von ganz Palästina trug.
Ihre südliche Hälfte hieß Sephela, ihre nördliche Saron; Joppe oder etwa der 32. Breitengrad machte die Grenze. Auf diese
Ebene, deren östlichste Teile am Fuß des Hochlandes eine Höhe von 50-80 m erreichen, folgt östlich ein terrassenförmiges
Hügelland von derselben Breite wie die Ebene und von 200-500 m Meereshöhe und, damit zusammenhängend,
das westjordanische Hochland von 600-900 m Höhe.
Ursprünglich hingen das west- und ostjordanische Plateau, deren Höhenverhältnisse und geologische Beschaffenheit sich genau
entsprechen, zusammen und wurden erst in der Tertiärzeit durch Spaltung und tiefe einseitige Senkung des dazwischenliegenden
Teils, des jetzigen Jordanthals (Ghor), voneinander getrennt. Dies beweisen unter anderm die auf dieser
Spalte hervortretenden heißen Quellen und Erdbeben.
[* 10] Erstere sprudeln in Hamath (jetzt Hamam) bei Tiberias, in Amatha beim heutigen
Mkes und in der Kallirrhoe im Thal
[* 11] des Wadi Zerka Ma'in.
dann nördlich vom Jabbokfluß das eigentliche
GebirgeGilead bis zum tief eingeschnittene Thal Jarmuk und nördlich davon bis zum Hermon und der Nordgrenze Palästinas die
vulkanische Landschaft Golan (Dscholan), im Hami Kursuh zu 1198 m, im Tell esch-Schecha zu 1294 m ansteigend.
Im allgemeinen ist das Ostjordanland heutigestags besser bewaldet und bewässert als das Westjordanland, und obwohl meist
von Beduinen durchzogen und weniger Dörfer enthaltend, entbehrt es doch nicht fruchtbarer Ebenen;
Der Unterschied im natürlichen ReichtumPalästinas von einst und jetzt ist nicht so bedeutend, als viele
glauben. Einerseits sind die Schilderungen der Bibel (»das Land, wo Milch und Honig fließt«) von orientalischer Phantasie eingegeben,
anderseits ist Palästina, wenn es auch früher eine größere Einwohnerzahl ernährte, wie die überall zahlreichen
Reste von Ortschaften, Terrassen, Zisternen etc. beweisen, doch auch noch heute fruchtbar und für den
Anbau von Wein, Öl, Gemüsen und allerhand Früchten, weniger von Getreide
[* 17] (wegen der zuweilen großen Trockenheit und der Heuschrecken)
[* 18] sehr geeignet.
Nur fehlen ihm menschliche Kräfte und vor allem eine redliche, geordnete Verwaltung, um wieder aufzublühen. Waldreich war
das Westjordanland (von Teilen seines westlichen zum Mittelmeer sich senkenden Abfalles abgesehen) wohl
nie, und darum sind auch seine Bäche nie viel wasserreicher gewesen als jetzt. In der Regenzeit tosende Gießbäche, trocknen
sie schon im April und Mai fast völlig aus
und sind zudem für die Bewässerung des Landes wegen ihrer tief eingeschnittenen
Schluchten von geringem Wert.
Gegen den Sommer hin erscheinen noch Nebel in den Bergen, verschwinden aber im Hochsommer ganz, wo dann die Atmosphäre wunderbar
klar ist. Meist fällt alsdann auch während der NachtTau, oft tritt sogar empfindliche Kalte ein. Der Wind kommt gewöhnlich
von NW.; Ostwind bringt Dürre, während der ermattende, heiße Südwind (Chamsin) immer nur wenige Tage anzuhalten pflegt. Schon
Mitte Mai bekommt das Land infolge des Regenmangels ein vertrocknetes Ansehen, und nur bei künstlicher Bewässerung erhält
sich die Vegetation noch frisch.
Die Regen, von einigen schönen Tagen noch unterbrochen, werden häufiger, zu Anfang November entlauben sich die Bäume; der
Dezember ist schon stürmischer, nebelig und regnerisch, und schon gegen Ende des Jahrs fällt auf den
Bergen etwas Schnee. Januar und Februar sind kalt und bilden den eigentlichen Winter; sie bringen Schnee, der sich aber nur auf
den Bergen länger als 24 Stunden hält, und spärliches, rasch schmelzendes Eis
[* 23] auf den Gewässern. Gegen Anfang März bedecken
sich die Fluren wieder mit Grün. Die Temperaturunterschiede in Palästina sind bedeutend; die mittlere Jahreswärme
in Jerusalem beträgt +17,5° C. Ganz abweichende Verhältnisse zeigt wegen seiner tiefen Depression
[* 24] das Jordanthal, wo die
Hitze schon zu Anfang Mai über 50° steigt und die Ernte
[* 25] bereits Mitte April beginnt.
Die Vegetation des Küstenstrichs ist im ganzen die Mittelmeerflora und wird durch eine Menge immergrüner,
schmal- und lederblätteriger Sträucher und rasch verblühender Frühlingskräuter (Oleander, Myrte, Pinie, Ölbaum, Scilla, Tulpe,
Anemone, einjährige Gräser)
[* 26] charakterisiert. Östlich vom Libanon und von dem GebirgeJuda beginnt die orientalische Steppenvegetation,
durch große Mannigfaltigkeit der Arten, geringen Baumwuchs, dagegen viele Dorngesträuche ausgezeichnet, während das
Ghor eine mit indischen und nubischen Formen verwandte
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