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Nordkorea hat am Dienstag angekündigt, sein Atomkraftwerk in Yongbyong wieder in Betrieb zu nehmen. Die umstrittene Anlage, die ab den frühen 1960er-Jahren mit sowjetischer Hilfe als Atomforschungszentrum geplant und gebaut wurde, ist seit 2008 stillgelegt. Nordkorea reagierte damals auf internationalen Druck, die in Yongbyong betriebene Aufbereitung von Plutonium einzustellen.
Als sichtbares Zeichen für den Abbau des Atomprogramms wurde der Kühlturm gesprengt. Der Rest der Anlage blieb bestehen. Bilder von 2008 zeigen verrottende Einrichtungen, die Steuerungsanlage ist wohl ein halbes Jahrhundert alt. Mittendrin auf dem Kommandopult steht ein wohlbekanntes Telefon.
«Das ist ganz klar ein Tritel, Modell Flims», sagt Karl Kronig, Leiter Sammlungen im Berner Museum für Kommunikation. Das Tritel Flims wurde ab 1985 von Ascom in der Schweiz hergestellt.
Der Telefoniekonzern Ascom ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Produktion in der Schweiz ist längst eingestellt, die Mitarbeiter sind entlassen oder pensioniert.
Mysteriöser Weg von Bern nach Nordkorea
«Ich habe Tritel-Flims-Apparate damals bei Ascom zu Tausenden repariert», erinnert sich Hansrudolf Remund. Ascom habe zwar neben der PTT – Vorgängerin der heutigen Swisscom – auch für andere Anbieter produziert. Dennoch kann Remund nur spekulieren, wie das Tritel Flims nach Nordkorea gelangt ist. Einen offiziellen Export dorthin habe es damals nicht gegeben.
Wahrscheinlicher ist wohl diese Version: Die PTT hat nach dem Auslaufen der Produktion des Tritel Flims die Lagerbestände abgebaut. Gleich Lastwagenweise seien die Geräte in den Osten, zum Beispiel nach Rumänien verscherbelt worden, sagt Remund. Oder das Telefon ist als Einzelstück im Rahmen von Entwicklungshilfe nach Nordkorea gelangt.
René Steiner, der bei Ascom unter anderem das firmeneigene Museum betreut hat, hat eine weitere Theorie: «Ascom hatte in China eine Tochterfirma, die Münzfernsprecher hergestellt hat.» Vielleicht sei dieses Tritel Flims von dort ins benachbarte Nordkorea gelangt.
Seit 2008 ist das Schweizer Telefon im stillgelegten Atomkraftwerk Yongbyong verstaubt. Werden die Reaktivierungspläne des nordkoreanischen Regimes tatsächlich umgesetzt, wird nicht nur das AKW, sondern vielleicht auch das Tritel Flims wieder ans Netz gehen. Dann würde dort im Notfall ein Stück Schweizer Qualität zur Verfügung stehen.