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| Tertullian († um 220) - Gegen Hermogenes. (Adversus Hermogenes)

25. Cap. Er will daher unter dem Ausdruck „Erde”, Gen. 1, 2, die Materie verstanden wissen. Das führt aber zu Widersprüchen.
Er behauptet also, in der hl. Schrift seien zwei Erden gegeben, die eine, welche Gott im Anfang schuf, und die andere, die Materie, aus der er schuf, von welcher es heisst: „Die Erde aber war unsichtbar und wüste.” Wenn ich nun frage, welche von den beiden ist die, der man den Namen Erde beilegen muss, so wird er natürlich sagen: Die, welche geschaffen wurde, hat von jener, die als Stoff zum Schaffen diente, die Benennung entlehnt; denn es ist wahrscheinlicher, dass das Kind den Namen von der Mutter bekomme als umgekehrt. — Ist dem so, dann wirft sich uns eine andere Frage entgegen: Schickt es sich, dass die von Gott geschaffene Erde von jener, aus der er sie erschuf, ihren Namen entlehnte? Denn ich erfahre von Hermogenes und den andern Häretikern, die sich mit der Materie abgeben, dass jene erste Erde ungestaltet, unsichtbar und wüst gewesen sei, unsere jetzige dagegen sowohl Gestalt, als Ansehen und Schönheit von Gott erhalten habe, also etwas anderes geworden sei, als diejenige, woraus sie entstanden ist. Ist sie etwas anderes geworden, so darf sie nicht mit derjenigen, von deren Beschaffenheit sie sich entfernt hat, den gleichen Namen führen. Wenn Erde der jener Materie eigentümlich zukommende Name war, so kann sie, die anders geworden und also nicht mehr Materie ist, auch nicht den Namen Erde führen, da derselbe ein fremder und zu ihrem Wesen nicht gehörender ist. Allein die gewordene Materie, nämlich die Erde, hatte ja mit ihrem Ursprunge den gleichen Namen so wie die gleiche Art. — Doch nicht! Ein Geschirr werde ich, wenn es auch aus Thon gemacht ist, doch nicht mehr Thon, sondern eben Geschirr nennen, und dem Elektrum, ist es gleich aus Gold und Silber zusammengesetzt, gebe ich doch weder den Namen Gold noch den Namen Silber, sondern eben Elektrum. Wenn [S. 84] ein Ding ein anderes Aussehen annimmt, so gibt es in gleicher Weise den Namen des früheren auf, indem die Benennung sowie die Beschaffenheit zwei Sachen für sich sind. Wie weit aber die gegenwärtige Erde sich vom Zustande jener andern, d. h. der Materie, entfernte, wird schon dadurch klar, dass sie in der Genesis das Zeugnis „gut” bekommt, „und Gott sah, dass es gut war”,1 jene erstere aber wird bei Hermogenes als der Ursprung und die Ursache alles Schlechten hingestellt. Endlich, wenn sie Erde ist, weil jene es auch ist, warum sollte die letztere nicht auch so gut wie die erstere Materie sein? Ja, noch mehr, sogar der Himmel und alle übrigen Dinge sollten, wenn sie aus der Materie bestehen, ebenfalls den Namen „Erden” und „Materien” führen. So viel genügt in betreff des Ausdrucks Erde, worunter Hermogenes die Materie verstanden wissen will, der aber allen als Name eines der Elemente bekannt ist, wie erstens die Natur, zweitens die hl. Schrift lehrt. Es müsste etwa sein, Silen, der nach dem Berichte des Theopompus vor dem Könige Midas die Existenz eines zweiten Erdkreises behauptete, verdiente Glauben. Allein bei ihm kommt eine Vielheit von Göttern vor.
1: Gen. 1, 31.