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Das chemisch reine Anilin ist ein farbloses Öl vom spez. Gew. 1,036, riecht aromatisch, honigähnlich,
erstarrt bei -8°, löst sich in 31 Teilen Wasser, mischt sich mit Alkohol, Äther und Ölen, verflüchtigt sich bei gewöhnlicher
Temperatur, siedet bei 184°, brennt mit leuchtender, rußender Flamme
[* 7] und bildet mit Säuren farb- und geruchlose, gut kristallisierende
Salze (daher Kristallin), welche in Wasser und Alkohol löslich sind, Fichtenholz gelb färben (so daß man
sie zur Nachweisung von Holzstoff
[* 8] in Papier benutzen kann) und mit Chlorkalk
[* 9] eine violette Färbung liefern.
Eisenchlorür. Es entsteht salzsaures Anilin, und wenn man nun gelöschten Kalk zusetzt und gespannten Wasserdampf in den Cylinder
leitet, so destilliert das Anilin über, welches zur Reinigung rektifiziert wird.
Diese dienen als Bleu Coupier in der Seiden- und Wollfärberei. Im Violanilin kann man Wasserstoffatome
durch Alkoholradikale ersetzen. Aus dem auf solche Weise erhaltenen Trimethylviolanilin und Triphenylviolanilin bereitet man
Sulfosäuren, die in der Färberei und zu Tintenpulvern benutzt werden. Bei Einwirkung von Salzsäure auf Violanilin entsteht
Triphenylendiaminblau C18H12N2 , dessen Sulfoderivat als Marineblau zur Woll-
und Seidenfärberei dient. Bei der Fuchsindarstellung durch Behandeln von Nitrobenzol mit Anilin entsteht Azodiphenylblau, welches
wahrscheinlich mit Violanilin identisch ist.
Als Nebenprodukte der Fuchsinbereitung gewinnt man gelbes Phosphin (Granat,
[* 16] Xanthin, gelbes Fuchsin), Kastanienbraun (Marron),
Mauvanilin, Chrysanilin und die oben schon genannten Farbstoffe. Die arsenhaltigen Rückstände bieten große Schwierigkeiten
dar und müssen aufgearbeitet werden, da sie nicht leicht in unschädlicher Weise zu beseitigen sind. Man versetzt sie
z. B. mit Manganchlorür, fällt mit Kalkmilch arsenigsauren Kalk, mischt diesen mit allerlei arsenhaltigen harzigen Rückständen
von der Fuchsinbereitung, mit Kohle, Sägemehl, Teer und verbrennt ihn in besonders konstruierten Öfen,
[* 17] mit welchen Giftkammern
verbunden sind. In diesen sammelt sich arsenige Säure, die wieder in Arsensäure verwandelt wird.
Nach Coupiers
Verfahren wird die Arsensäure ganz vermieden. Man erhitzt in einem mit Rührwerk versehenen
Kessel Anilinöl, welches zu zwei Dritteln mit Salzsäure neutralisiert ist, mit Nitrobenzol und etwas Eisen, löst die Schmelze
in Wasser, setzt Kalk hinzu, um noch vorhandenes salzsaures Anilin zu zersetzen, destilliert das frei gewordene Anilin ab
und reinigt das ausgeschiedene salzsaure Rosanilin durch Umkristallisieren. Bei diesem Prozeß wird das
Eisen zunächst in Eisenchlorür verwandelt, und dies oxydiert sich durch Einwirkung des Sauerstoffs des Nitrobenzols zu Eisenchlorid,
welches wieder durch das Anilin reduziert wird etc. Die harzigen Rückstände von dieser
Methode werden der trocknen Destillation unterworfen, wobei man Ammoniakwasser und basische Öle
[* 18] erhält,
aus denen wieder Anilin, Toluidin, Naphthylamin und Diphenylamin gewonnen werden.
Das Rosanilin ist farblos, kristallinisch, in Wasser wenig, in Alkohol etwas leichter löslich, bildet mit 1 MolekülSäure sehr
beständige Salze, welche im durchfallenden Lichte dunkelrot sind, im auffallenden Licht
[* 19] wie die grünen Flügeldecken mancher
Käfer
[* 20] metallisch schimmern und sich meist in Wasser und Alkohol mit dunkelroter Farbe lösen. Die zweisäurigen
Salze sind blau und geben eine violette Lösung, die dreisäurigen sind gelbbraun, sehr unbeständig und werden schon durch
Wasser zersetzt.
Bei der Einwirkung von Anilin auf salzsaures Anilin bei 220-250° entsteht Diphenylamin, welches, mit Salzsäure ausgezogen, aus der
Lösung durch viel Wasser gefällt und durch Rektifikation gereinigt wird. Erhitzt man dasselbe mit Oxalsäure auf 110-120°,
so entsteht Diphenylaminblau, welches durch Überführung in die Sulfosäure wasserlöslich gemacht wird.
Man kann auch das Diphenylamin in die Sulfosäure verwandeln und diese mit Oxalsäure nicht über 30° erhitzen.
Erhitzt man ein Rosanilinsalz mit Anilin, so werden Wasserstoffatome durch Phenylgruppen ausgetauscht, und es entstehen
rotviolettes Monophenylrosanilin (Amarant), blauviolettes Diphenylrosanilin (Violet de Parme) und blaues Triphenylrosanilin
(Lichtblau, Azulin, Azurin, Bleu de Lyon).
[* 25] Letzteres wird besonders durch Erhitzen von Rosanilin mit Anilin und etwas Benzoesäure
auf 180° erhalten; es entweicht dabei viel Anilin und Ammoniak, und wenn man die Masse dann in Salzsäure bringt, so scheidet sich
der Farbstoff aus.
Man druckt auf das Gewebe
[* 29] eine durch Gummi verdickte Lösung von möglichst toluidinfreiem salzsauren Anilin, chlorsaurem
Kali und Salmiak, welche mit einer Kupferverbindung (vorzugsweise Schwefelkupfer) versetzt ist, und läßt das Schwarz unter
Zutritt des Sauerstoffs der Luft bei etwa 30° sich entwickeln. Statt des Kupfers hat man mit gutem Erfolg auch Vanadin- und
Cersalze angewandt. Ein Teil Vanadinchlorür soll bei Gegenwart von chlorsaurem Kali 1000 Teile salzsaures
Anilin verwandeln.
Oft wird das Schwarz nach einiger Zeit grün, doch kann dies vermieden werden, wenn man die Gewebe mit chromsaurem Kali und
Schwefelsäure behandelt. Wenn man konzentrierte Lösungen von Anilinsalzen durch den galvanischen Strom zersetzt, so scheidet
sich am positiven Pol Anilinschwarz aus. In konzentrierter Schwefelsäure löst sich das Schwarz zu einer
Sulfosäure, deren alkalische Lösung durch reduzierende Körper entfärbt wird, unter dem Einfluß des Sauerstoffs der Luft aber
wieder Anilinschwarz liefert. Das Anilin wird nur in der Zeugdruckerei benutzt und zeichnet sich durch seine vollkommene Echtheit
aus.
Die Anilinfarben sind an sich nicht giftig, doch enthält nicht kristallisierte Ware bisweilen giftige, zu ihrer Bereitung benutzte
Stoffe, wie Arsenik, Quecksilbersalze, die indes auch nur unter besondern Verhältnissen schädlich werden können. Mit Fuchsin
gefärbte Nahrungsmittel
[* 30] enthalten so außerordentlich wenig Farbstoff, daß ein Gehalt an Arsen, welcher
doch immer in engen Grenzen
[* 31] bleibt, kaum noch in Betracht kommt. Enthielte das Fuchsin selbst 10 Proz. Arsen (was niemals vorkommt),
so würde man in 100 ccm eines damit gefärbten Likörs doch nur 0,02 mgArsen dem Körper zuführen, eine Dosis, die völlig
unschädlich ist. Daß mit Anilinrot gefärbte Zeuge irgendwie schädlich sich erwiesen hätten, ist niemals behauptet oder
beobachtet worden; wohl aber könnten mit Anilinrot bedruckte StoffeGefahr bringen, wenn von dem vorausgesetzt stark arsenhaltigen
Farbstoff mit der vielleicht angewandten arsenhaltigen Beize erheblichere Mengen sich abrieben und
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