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Das Buch zeigt umfassend die Entwicklung der Invalidenversicherung in der Schweiz seit ihrer Entstehung bis zur dritten Revision 1992. Welche Motive standen hinter ihrer Einführung? Worüber wurde gestritten? Welche Entwicklung nahm die Versicherung institutionell und ideologisch? Wirtschaftliche Aspekte stehen neben sozialpolitischen, paternalistische Ansätze neben emanzipatorischen.
„Eingliederung vor Rente“ war der Grundgedanke, der die Invalidenversicherung seit ihrer Einführung über verschiedene Revisionen bis heute leitet. Der Gesetzgeber ging davon aus, dass Behinderte, die am Rande der Gesellschaft lebten, Mitleid und Solidarität verdienten. Sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ihnen zu ermöglichen, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, sollte sie befähigen, ihren Lebensunterhalt bis zu einem gewissen Grad selbst zu bestreiten. Verbunden war damit die Hoffnung, dass sie tiefere Rente beanspruchten. Mit der Zeit kam die Erkenntnis dazu, dass Integration den Behinderten auch ermöglichte, besser am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Ziel war Produktivität und finanzielle Unabhängigkeit zu verbessern, um damit Teilhabe, Achtung und Lebensfreude zu erhöhen.
Bei der Festlegung von Invaliditätsgrad und möglicher Rente fürchtete man jedoch immer die Gefahr des Missbrauchs. Insbesondere die Ärzteschaft warnte vor „Invaliditätsneurosen“. Behinderte hatten denn auch lange keinerlei Mitsprache. Über sie wurde verfügt. Eine Schwachstelle der Invalidenversicherung war zudem deren Zersplitterung. Allzu viele Stellen und Institutionen, die untereinander um Kompetenzen stritten, waren beteiligt. Und die Invalidenversicherung war lange Zeit männlich. Frauen waren doppelt diskriminiert – aufgrund ihrer Behinderung und wegen ihres Geschlechts waren sie in ihren Ansprüchen auf Rente und Integration benachteiligt. Der gesellschaftliche Wandel hat auch in der Invalidenversicherung zu einer veränderten Betrachtungsweise geführt. Aus „Eingliederung vor Rente“ wurde „Eingliederung dank Rente“.
Der Leser erlebt die Entwicklung der IV damit als Spiegel der Entwicklung Schwei-zer Gesundheits- und Sozialpolitik in der zweiten Hälfte des 20. und am Übergang zum 21. Jahrhundert.