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Hilfe für den Süden
Prozentsatz für Solidarität in Verfassung?
Der Kanton soll laut Verfassung verpflichtet werden, jährlich einen flexiblen Prozentsatz des Budgets für internationale Solidaritätsarbeit vorzusehen. Dies verlangt der Verband «Solidarisches Freiburg».
Von JEAN-LUC BRÜLHART
Der Verband «Solidarisches Freiburg» (siehe Kasten) möchte in der Verfassung einen festen Prozentsatz für Hilfsprojekte im Süden verankern. Dabei soll der Artikel 78 bezüglich der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit um folgenden Zusatz ergänzt werden: Der Staat verpflichtet sich, jedes Jahr einen fixen Prozentsatz des Budgets für die internationale Solidaritätsarbeit auszurichten. Der Verband gibt zu bedenken, dass der Kanton Freiburg 1999 mit 25 000 Franken direkten Zahlungen für Entwicklungszusammenarbeit an 25. Stelle der 26 Schweizer Kantone lag.
Verständnis müsste vorhanden sein
«Der Kanton Freiburg erlebt Solidarität am eigenen Leib», sagt Hugo Fasel, Präsident von Brücke – Le Pont, und spricht dabei den Finanzausgleich auf Schweizer Ebene an, bei dem finanzschwache Kantone wie Freiburg von den finanzstarken Kantonen unterstützt werden. Deshalb müsste im Kanton eigentlich das Verständnis für Solidarität vorhanden sein. Fasel, für den Entwicklungszusammenarbeit eine Einstellungssache ist, will die politischen Entscheidungsträger regelmässig auf die Anliegen des Südens aufmerksam machen. «Auch Entwicklungszusammenarbeit braucht Lobbying.»
Kanton Genf als Pionier
«Solidarisches Freiburg» sieht sich bestärkt durch die Entwicklung vergleichbarer Verbände in den anderen Kantonen der Romandie und im Tessin. In Genf wurde ein solcher bereits 1966 gegründet. Der Vorteil eines Verbandes liege darin, dass auf Schweizer Ebene die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und auf kantonaler Ebene der Staatsrat in Fragen der Entwicklungszusammenarbeit einen kompetenten Ansprechpartner hat. «Weil der Verband viel Vorarbeit leistet, konnte die Verwaltung in Genf 15 000 Arbeitsstunden pro Jahr einsparen», sagt Michel Diot, Sekretär Solidarisches Freiburg. Auf diese Weise soll auch vermieden werden, dass Geldflüsse doppelt fliessen.
Kein Giesskannen-Prinzip
Solidarisches Freiburg sieht seine Aufgabe ebenfalls darin, Projekte zu prüfen und anderen, kleineren Organisationen beim Verfassen und Ausfüllen von Unterstützungsanträgen behilflich zu sein.
Bernard Fragnière, Präsident von E-Changer, will bei der Unterstützung kein Giesskannen-Prinzip. Vielmehr sollen Projekte langfristig und professionell begleitet werden. Er ist überzeugt, dass Entwicklungszusammenarbeit auf Gegenseitigkeit beruht und beide Parteien von einem Engagement profitieren.
«Solidarisches
Freiburg»
«Solidarisches Freiburg» ist ein Verband für Entwicklungshilfe. Dabei koordinieren die fünf Freiburger Nicht-Regierungsorganisationen «Brücke Le Pont», «E-Changer», «Mission Bethlehem Immensee», «Internationale Friedensbrigade» und «Terre des hommes» ihre Kräfte und Tätigkeiten. Alle Organisationen haben ihren Sitz in Freiburg oder eine aktive Sektion im Kanton. Der neue Verband wurde im April dieses Jahres gegründet. «Solidarisches Freiburg» setzt sich für Entwicklung und Zusammenarbeit ein, die auf Gerechtigkeit, Menschenwürde und dem Respekt gegenüber der Umwelt aufbaut. jlb