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Mein Vater, Josef Anton Bieri (+1985) ist 1947 nach Südamerika ausgewandert, zog dann nach Mexico um
und lernte dann dort meine Mutter Maria Luisa Huft kennen. Ich wurde am 11. Januar 1953 in Coyoacan (ein Stadtbereich von Mexico City) geboren. Ich verbrachte mit meinen Brüdern Bernhard und Hugo
eine fröhliche Kindheit, allerdings waren unsere Eltern oft im eigenen Restaurantbetrieb. Die Schulzeit verbrachte ich bis 19 in Mexico, mit 20 Jahren zogen wir in die Schweiz.
Der Religionsunterricht wurde von Laien betreut. Besonders die Erstkommunion-Vorbereitung fand ich sehr interessant, weil der Unterricht sehr persönlich und deshalb auch fesselnd.
Meine Mutter gab meinen Brüdern und mir damals schon audiovisuellen Katechismusunterricht; damals nannte man dies Tonbildschau. Das muss man sich so vorstellen, dass an einem kleinen Gerätchen
etwas wie Dias vorbeigezogen wurden und nebenbei eine Schallplatte mit passendem Inhalt lief. Unsere Pfarrei „Santa Rosa de Lima" betreuten spanische Missions-Dominikaner.
Der vorkonziliare Messe habe ich in guter Erinnerung. Es war oft irgendwie sehr faszinierend, all die Lichter, aufwändige Bekleidung, Messgewänder, ja die ganze Liturgie. Mit 12 Jahren wurde die heutige Messform eingeführt. Als Kind konnte ich mich ohne Probleme umstellen und fühlte mich sehr rasch auch in der nachkonziliaren Liturgie sofort wohl. Die Firmvorbereitung wurde dann bei der deutschen Seelsorge durchgeführt.
Mit ungefähr 15 Jahren wurde ich dann von einem gleichaltrigen Kollegen schlecht beeinflusst, so dass ich etwa ein Jahr nicht mehr zur Kirche ging. Mein Vater war mit meinem Verhalten nicht einverstanden. So klagte ich bei meiner Grossmutter mein Leid, aber meine „innere Ablehnung und Auflehnung" gegen die Kirchte bessert sich deshalb noch nicht. Von der Grossmutter hatten wir Bücher im Haus. Diese begann ich dann durchzulesen, mit der Absicht, etwas zu finden, was ich kritisieren könnte respektive etwas was unlogisch ist. In einem dieser Bücher, von einem Jesuiten geschrieben, griff der Author zu einem Vergleich der etwa ungefähr so lautete: Arrojar la cara importa, que el espejo no hay porqué (von Quevedo). Übersetzt heisst das: Wichtig ist nicht den Spiegel wegzuwerfen, sondern das Gesicht Sinngemäss heisst dies: wenn du in einen Spiegel schaust und siehst darin etwas, das dir nicht gefällt, merkst du ja auch, dass der Spiegel nichts dafür kann... und hier ergriff Gott mein Herz: ich fühlte mich tief betroffen und ich musste weinen. Dann ging ich beichten.
Bereits mit 12 Jahren begann ich Geige zu spielen. Mit etwa 15 Jahren empfahl mich der Lehrer, Bratsche zu lernen und in einem Quartett zu spielen. Die Musik öffnete mir quasi auch die Augen, ich
sah sehr viel Schönes und Erhabenes in der Musik. Bei den Proben war ich immer sehr begeistert. Die Musik hat in diesem Sinne für mich auch etwas transzendentes.
Unsere Eltern wollten für uns Kinder eine gute Lehrausbildung haben und zogen deshalb mit uns 1972 in die Schweiz. Ich habe dann die zweijährige Bank-Bürolehre abgeschlossen. Durch die „Deutsche Schule" in Mexiko konnte ich bereits gut Deutsch und konnte so den Beruf gut erlernen.
In der Schweiz fühlte ich mich etwas verloren, mein Kollegenkreis und sämtliche Bekannte waren ja in Mexiko zurück geblieben, ich musste von neuem anfangen. Ich fühlte mich deshalb leer, bin deshalb dann auch weiter und regelmässig zur Kirche gegangen und hab religiöse Bücher gelesen. Ich war dann Mitglied der Kolpingfamilie. Im kirchlichen Umfeld fühlte ich mich zunehmend wohler und ich begann zu überlegen, ob eine Ordensberufung für mich der geeignete Weg wäre. Ich habe mich dann einer Gruppe „Interessierte für geistliche Berufe" angeschlossen und besuchte dann berufsbegleitend den katholischen Glaubenskurs und Katechetik-Kurs. Mit dieser Gruppe haben wir auch verschiedene Ordensgemeinschaften besucht.
Ich arbeitete bei einer Bank bis etwa 33jährig. Pater Karl, erster Leiter der Gruppe „Interessierte für geistliche Berufe", lud mich dann mal für einen Monat in Zürich zum „Mitleben" bei den
Franziskanern ein. Hier konnte in meinem Herzen die Überzeugung reifen, dass das Ordensleben als Franziskaner das richtige für mich wäre.
Zu Beginn des Ordenslebens arbeitete ich halbtags fürs Büro der Berufungspastoral (IKB) und besuchte den Theologiekurs für Laien. Seit 25 Jahren bin ich nun im Orden und verbrachte eine meist schöne Klosterzeit. Aber es gab auch Zeiten des Zweifels und Unsicherheit. Stationiert war ich in diesen Jahren in Zürich, Lugano und Näfels. Die Musik begleitet mich auch weiterhin, ich spiele ab und wann auch in Kammermusik-Ensemble's mit. Als Hauptaufgabe betreue ich ökonomisch das Haus in Zürich und bin Koordinator für die Schweizer-Kustodie für das franziskanische Anliegen: Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung (-> Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung).
Ihr Br. Federico Bieri, 2012