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Kann man die Elektroautos sinnvoll einsetzen, um die zufällig anfallende Windenergie besser zu nutzen? Ein Forschungsteam hat diese Frage untersucht und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen.
China baut Windkraft rasant aus. Da diese Energieform nicht dann produziert wird, wenn sie gebraucht wird, lag die Produktion 2016 etwa 17% unter dem vollen Potenzial.
Ein Harvard-Forschungsteam hat daher untersucht, ob die Elektromobilität die Nachfrage beeinflussen oder als Speicher dienen kann, um diese Verschwendung zu verringern. Die Ergebnisse variieren je nach Ladestrategie.
Anhand des Strommix und Fahrzeugbestands von Beijing haben sie die Auswirkungen des Zeitpunkts des Ladevorgangs und eines grösseren Anteils Elektroautos unter die Lupe genommen.
Sie sind zum Schluss gekommen, dass eine Schnellladestrategie für leichte Nutzfahrzeuge die Tagesnachfragespitze verschärft und einen zusätzlichen Strombedarf von 50% verursacht. Im chinesischen Stromnetz wird diese Zusatznachfrage durch Kohlekraftwerke abgedeckt, was für mehr CO2-Emissionen sorgt.
In Beijing finden diese Verbrauchsspitzen um 12 bzw. um 20 Uhr statt. Die Mittagspause oder der Zeitraum nach der Arbeit sind auch die Zeiten, wo die Fahrerinnen und Fahrer ihre Elektroautos schnell laden. Langsame Ladevorgänge werden eher nachts oder am Wochenende durchgeführt.
Selbst bei einer langsamen Ladestrategie führt ein Ersatz der konventionell angetriebenen Leichtfahrzeuge zu mehr CO2-Ausstoss, sofern keine Windenergie in den Strommix einfliesst. Eine Schnellladestrategie lässt selbst mit einem höheren Anteil dieser erneuerbaren Energie den CO2-Ausstoss steigen.
Zusammenfassend lässt sich folgendes Fazit ziehen:
- Ein Ersatz von Benzin- durch Batteriefahrzeugen bietet keine Garantie dafür, dass der CO2-Austoss sinkt.
- Das Verhalten der Konsumenten bleibt entscheidend für den Erfolg eines Technologiewechsels.
- Der Fokus auf erneuerbare Energie ist irreführend, wenn nicht gleichzeitig das gesamte Energiesystem betrachtet wird.
Obwohl Kohle im chinesischen Strommix eine deutlich bedeutendere Rolle spielt als hierzulande, sind die Annahmen bezüglich Ladeverhalten wahrscheinlich auf die Schweiz übertragbar.
Die Energiestrategie 2050 sieht aber einen Rückgang des Stromverbrauchs und eine Zunahme der Flatterenergie (vor allem Solarstrom) vor. Es stellt sich daher die Frage: Werden bei schlechtem Wetter oder am Abend zusätzliche Gas- oder Kohlekraftwerke hochgefahren, um Schweizer Elektroautos zu laden?