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Clinton oder Trump? Nach und nach trudeln am Wahlabend aus allen 50 Bundesstaaten der USA die Resultate ein – aber nicht in jedem Staat ist das Rennen gleichermassen spannend. In den meisten Staaten ist das Duell nämlich schon längst entschieden: Dass Clinton in Kalifornien siegen wird, ist so sicher wie Trumps Triumph in Texas.
Spannend ist die Wahl dagegen in jenen Staaten, in denen sie tatsächlich entschieden wird: Es sind die sogenannten «Swing States», die hart umkämpft sind. Die Kandidaten konzentrieren ihre Anstrengungen vornehmlich auf diese Staaten, während sie jene, die sie sicher gewinnen oder verlieren werden, eher vernachlässigen.
In fast allen Staaten räumt der jeweilige Gewinner gleich alle Wahlmänner ab – es gilt «Winner takes all». Um als nächster Potus ins Weisse Haus einzuziehen, benötigt ein Kandidat mindestens 270 der insgesamt 538 Wahlmänner im «Electoral College».
Derzeit liegt Clinton laut Umfragen mit 203 sicheren und wahrscheinlichen Wahlmännern deutlich näher bei dieser entscheidenden Marke als Trump mit 164. Der republikanische Kandidat muss daher die bevölkerungsreichsten Swing States unbedingt gewinnen, um Clintons Vorsprung wettzumachen.
Der Sunshine State im Südosten der USA ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und hat mittlerweile gleich viel Wahlmänner wie New York – nur Kalifornien und Texas haben noch mehr. Florida, wo Hispanics ein knappes Viertel der Bevölkerung ausmachen, ist ein klassischer Swing State; im Jahr 2000 entschieden wenige hundert Stimmen über den Ausgang der Wahl. 2000 und 2004 wählte Florida republikanisch, 2008 und 2012 demokratisch.
Auch dieses Jahr dürfte es in Florida äusserst knapp werden: Clinton und Trump liefern sich hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Laut der Prognose von Silver liegt Clinton mit 48,2 Prozent hauchdünn vor Trump mit 47,7 Prozent. Ihre Siegeschancen liegen bei 53,6 Prozent. Trump ist darauf angewiesen, Florida zu gewinnen – verliert er im Sunshine State, muss er praktisch alle anderen Swing States holen. Clinton hingegen könnte eine Niederlage hier verkraften.
Der nach Bevölkerung siebtgrösste Bundesstaat hat seit 1964 immer den Kandidaten gewählt, der dann tatsächlich Präsident wurde. In Ohio sind Minderheiten eher wenig vertreten; der Staat weist eine starke weisse Mehrheit von 84 Prozent auf. Als klassischer Swing State wählte Ohio 1996, 2008 und 2012 demokratisch, 2000 und 2004 dagegen republikanisch.
Derzeit liegt Trump in dem Staat im Mittleren Westen in Führung: Laut Silver kommt er auf 47,7 Prozent, während Clinton mit 46,0 Prozent 1,7 Prozentpunkte zurückliegt. Die Siegeschancen für Trump berechnet Silver auf 63,1 Prozent. Trump kann vermutlich bei den weissen Arbeitern im «Rust Belt» – dem früheren industriellen Herz der USA – punkten. Aber auch für Ohio gilt, dass Trump hier gewinnen muss, während Clinton eine Niederlage verkraften kann.
Pennsylvania, mit 12,7 Millionen Einwohnern der sechstgrösste Bundesstaat, hat seit 1992 ununterbrochen demokratisch gewählt. Auch dieser Staat gehört zum «Rust Belt», in dem es zahlreiche, mehrheitlich weisse Arbeiter gibt, die mit der Wirtschaftslage alles andere als zufrieden sind.
Dennoch konnte Trump dieses Wählerreservoir bisher nur im Westen des Staates für sich mobilisieren, während der bevölkerungsreiche Osten um Philadelphia mehrheitlich zu Clinton neigt. Gemäss den Prognosen von Silver dürfte Pennsylvania auch dieses Jahr an die Demokraten gehen. Im Moment führt Clinton mit 49,1 Prozent vor Trump mit 45,6 Prozent; Clintons Siegeschancen veranschlagt Silver auf 75,0 Prozent.
North Carolina gehört zu den Südstaaten und liegt an der Atlantikküste. Der bevölkerungsmässig zehntgrösste Bundesstaat hat 9,5 Millionen Einwohner; die afroamerikanische und hispanische Minderheit sind bedeutend. North Carolina wählte 1996, 2000 und 2004 republikanisch. Nach einem demokratischen Intermezzo 2008 kamen 2012 wieder die Republikaner zum Zug; North Carolina war der einzige Swing State, den Obama bei seiner Wiederwahl verlor.
In North Carolina liegt Clinton derzeit hauchdünn vorn: Laut Silver kommt sie auf 48,3 Prozent – 0,6 Prozentpunkte vor Trump mit 47,7 Prozent. Ihre Siegeschancen sieht Silver bei 54,5 Prozent. Wenn Clinton Florida und North Carolina gewinnt, hat Trump fast keine Chance mehr.
Der Industriestaat im Norden der USA ist der einzige Bundesstaat, dessen Bevölkerung in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Mit 9,9 Millionen Menschen liegt Michigan auf Platz 8 der US-Staaten. Michigan – das ebenfalls zum «Rostgürtel» gehört – hat unter der Abwicklung der ehemals dominierenden Autoindustrie stark gelitten. Seit 1992 hat der Bundesstaat stets demokratisch gewählt.
Auch Trump ist es bisher nicht gelungen, Clinton in Michigan einzuholen. Clintons Vorsprung ist indes nicht überwältigend, zudem ist er in letzter Zeit kleiner geworden. Derzeit führt sie gemäss Silver mit 48,5 Prozent vor Trump mit 44,4 Prozent. Ihre Siegeschancen stehen bei 77,8 Prozent. Doch Trump konzentrierte sich zuletzt stark auf die demokratischen Bastionen Michigan und Wisconsin und könnte dort womöglich für eine Überraschung sorgen.
Wisconsin, ein weiterer Staat im «Rust Belt», ist bevölkerungsmässig deutlich kleiner als Michigan. Wie dieser benachbarte Bundesstaat ist Wisconsin eine demokratische Hochburg: Seit 1988 hat der US-Staat immer demokratisch gewählt.
Die Chancen stehen für Clinton gut, dass es auch diesmal so sein wird: Silvers Prognose sieht sie bei 49,7 Prozent, während Trump bei 44,4 Prozent liegt. Clintons Siegeschancen stehen demnach bei 83,1 Prozent. Trumps Versuchen, diese demokratische Hochburg zu erobern, ist bisher kein Erfolg beschieden.
Virginia, einer der 13 Gründerstaaten der USA, liegt heute mit rund 8 Millionen Einwohnern auf dem 12. Platz der bevölkerungsreichsten US-Staaten. Die afroamerikanische Minderheit hat einen Anteil von knapp 20 Prozent, die Hispanics etwa sechs Prozent. Virginia wählte von 1952 bis 2004 stramm republikanisch, mit Ausnahme von 1964. Doch 2008 und 2012 gewann hier Obama, und es sieht im Moment ganz so aus, als ob der Staat auch 2016 demokratisch wählen würde.
Clinton verdankt ihren Vorsprung vornehmlich den dichter bevölkerten nördlichen Gebieten des Staates, die bereits zum Ballungsraum um Washington D.C. gehören. Silvers Prognose sieht Clinton bei 50,0 Prozent gegenüber 44,6 Prozent für Trump. Clintons Siegeschance veranschlagt er auf 84,9 Prozent.
Der Centennial State liegt mit gut fünf Millionen Einwohnern im Mittelfeld der US-Staaten. Grösste Minderheit sind mit rund 20 Prozent die Hispanics, die vornehmlich den Süden des Staates prägen. Mit der zunehmenden Urbanisierung vor allem im Grossraum Denver hat sich Colorado von einer Republikaner-Hochburg zu einem Swing State entwickelt: Von 1968 bis 2004 wählte der Staat nur einmal – 1992 – demokratisch. 2008 und 2012 dagegen obsiegte Obama.
Nach Prognose von Silver setzt sich dieser Trend auch 2016 fort: Clinton führt mit 47,5 Prozent vor Trump mit 43,7 Prozent. Die Siegeschancen der Demokratin stehen bei 75,6 Prozent.
Mit 2,7 Millionen Einwohnern gehört der Silver State zu den kleineren Bundesstaaten, doch die Bevölkerung wächst nirgendwo so schnell wie hier. Gut ein Viertel der Einwohner bezeichnen sich als Hispanics. Seit 1952 wählte Nevada mehrheitlich republikanisch, wobei es 1960 und 1964 sowie 1992 und 1996 jeweils zwei demokratische Unterbrechungen gab. Auch in Nevada gewann dann 2008 und erneut 2012 der Demokrat Obama.
Gemäss der Prognose von Silver führt Clinton in Nevada knapp vor Trump: Die Demokratin kommt auf 47,1 Prozent, 1,1 Prozentpunkte vor Trump, der bei 46,0 Prozent liegt. Die Siegeschance von Clinton liegt bei 57,5 Prozent.
Der Staat im Mittleren Westen ist landwirtschaftlich geprägt; in der Bevölkerung von gut drei Millionen Einwohnern gibt es nur kleine Minderheiten von Afroamerikanern und Latinos. Iowa, das bis 2008 noch 7 Wahlmänner stellte, hat seit 1988 – mit Ausnahme von 2004 – immer demokratisch gewählt.
Dieser Swing State weist also eine demokratische Tendenz auf, doch Silvers Prognose sieht im Gegensatz dazu Trump mit 48,2 Prozent vor Clinton mit 45,1 Prozent. Trumps Siegeschancen liegen bei 70,8 Prozent.
Der Neuenglandstaat gehört mit rund 1,3 Millionen Einwohnern zu den zehn bevölkerungsärmsten Bundesstaaten. Minderheiten sind kaum vertreten. The Granite State gilt im Gegensatz zu den benachbarten Neuenglandstaaten, die alle demokratisch dominiert sind, als Swing State. Von 1968 bis 1988 wählte New Hampshire republikanisch, seither demokratisch – ausser 2000, als hier George W. Bush gewann.
Gemäss Prognose von Silver wird New Hampshire auch 2016 demokratisch wählen: Clinton liegt mit 47,6 Prozent 3,4 Prozentpunkte vor Trump, der auf 44,2 Prozent kommt. Clintons Vorsprung ist allerdings in den letzten zwei Wochen stark geschmolzen. Ihre Gewinnchancen stehen derzeit bei 68,3 Prozent. Sieg oder Niederlage in New Hampshire dürften für beide Kandidaten nur dann von Belang sein, wenn sich in den anderen Staaten ein Patt abzeichnet.