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Viele Schiffe sind sowohl zum Segeln als auch zum Dampfen eingerichtet. Im allgemeinen nennt man solche immer Dampfschiffe;
eine Ausnahme bilden einige große Schiffe, bei denen das Segelvermögen weit überwiegt, die aber eine
kleine Hilfsmaschine haben, um ihnen bei ihren Reisen durch die Kalmen zu helfen. Dampfschiffe (s. d.) haben, um nicht ganz
hilflos zu sein, wenn die Maschine
[* 6] versagt, sofern sie zu den Seeschiffen gehören, stets auch Takelage, meist
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Die Tafel stellt eins der größern Schraubenschiffe der Handelsmarine, den transatlantischen Dampfer Frisia, in äußerer
Ansicht, im Längsschnitt durch die Symmetrieebene und einem Horizontalschnitt dar. Aus dem Längsschnitt ist zunächst
ersichtlich, daß sich die zehn Kessel zu zwei Feuerungen, von denen fünf in der dargestellten Backbordhälfte
des Schiffs sichtbar sind, ungefähr in der Mitte der Länge des Schiffs befinden. Vor und hinter dem Kesselraum sowie seitlich
neben demselben sind mittels eiserner, wasserdicht gearbeiteter Wände die Vorratsräume für die Kohlen abgeteilt, welche
Kohlenbunker genannt werden und den Kesselraum vollständig umschließen. Die Lage der Kessel und Kohlenräume in der
Mitte der Länge wird deswegen getroffen, damit das Schiff nach Beendigung seiner Reise, nachdem es um das Gewicht der verbrannten
Kohlen erleichtert ist, um gleichviel an den Enden aus dem Wasser auftaucht. - Hinter dem hintern Querkohlenbunker ist im Längsschnitt
der Maschinenraum erkennbar, in welchem die Hauptteile der 3200 Pferdekräfte entwickelnden Maschine mit
dargestellt sind.
Die äußere Ansicht zeigt die vom Schiff mitgeführten Rettungsboote, die so konstruiert sind, daß sie nicht sinken können;
ferner die Takelage. Letztere erscheint im Verhältnis zur Größe des Schiffs nur klein, und die Segel sind
relativ weit nach vorn und hinten angeordnet. Daraus ergibt sich, daß man von dem Druck des Windes auf die Segel nur einen
geringen Beitrag zur Vergrößerung der Geschwindigkeit des Schiffs erwartet, die Segel vielmehr dazu benutzt, um
dem Schiff eine stetige Lage mit Bezug auf die Richtung des Seegangs zu geben und seine schaukelnden Bewegungen um die Längsachse
zu mäßigen.
In der äußern Ansicht sind ferner die runden, kleinen Seitenfenster für die Erleuchtung und Lüftung der Kabinen dargestellt;
dieselben sind selbstverständlich wasserdicht verschließbar und werden Ochsenaugen genannt. Die hellere
Schraffur des untern Teils der
[* 7]
Figur deutet an, daß dieser Teil der permanent unter Wasser befindliche ist; er wird mit roter
Ölfarbe, deren Hauptbestandteil Bleimennige ist, gestrichen, um den Schiffsboden vor dem Verrosten zu schützen. Der
obere Teil des Schiffs erhält einen schwarzen Ölfarbenanstrich.
Die im Längsschnitt ersichtlichen Decks teilen den innern Schiffsraum in vier sich längsschiffs erstreckende
Räume, die in der Mitte allerdings durch die Maschinen und Kesselräume zum Teil unterbrochen werden. Alle vier Längsräume
werden durch eine Anzahl wasserdichter eiserner Querwände in Unterabteilungen zerlegt, die in den untern Räumen des Schiffs
und nach den Enden hin zahlreicher und daher kleiner
sind als in der Mitte des Schiffs und weiter oben.
Soweit sie übereinander liegen, stehen die auf diese Weise gebildeten Räume durch wasserdicht verschließbare Luken miteinander
und dem Oberdeck in Verbindung; soweit sie nebeneinander liegen, wenn erforderlich, durch eiserne, wasserdichte Thüren. Der
Zweck dieser Anordnung besteht darin, daß beim Leckwerden des Schiffs immer nur diejenige Abteilung desselben
voll Wasser laufen kann, in deren äußerer Begrenzung die Leckstelle liegt.
Die innerhalb des doppelten Schiffsbodens liegenden Zellen haben eine sorgfältige Drainage,
[* 15] um das hier
eingedrungene Wasser mittels der Dampfpumpen wieder über Bord schaffen zu können. Mittschiffs ist eine gepanzerte Citadelle
(Kasematte) von 42 m Länge, welche bis 1,5 m in unter Wasser reicht, und deren Oberkante 2,336 m über Wasser liegt, aufgebaut.
Die in der Dillinger Hütte gefertigten Stahleisen- (Compound-) Panzerplatten haben bis 0,6 m unter der
Wasserlinie eine Dicke von 355 mm, von da ab nach unten im Durchschnitt 250 mmStärke;
[* 16] sie liegen auf einer Teakholzhinterlage
von gleicher Dicke. Von der Kasematte geht nach vorn und achter ein 75 mm dicker gewölbter Deckpanzer,
der mittschiffs 0,6, an der Schiffswand 1,5 m unter Wasser liegt und bis zur Unterkante des Kasemattpanzers reicht. Nach
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vorn setzt sich der Deckpanzer fort bis in den 3 m vor den Vordersteven vorspringenden Sporn. Die Panzerkasematte soll die
von ihr umschlossene Maschine mit den Schornsteinen sowie die Munitionskammern gegen feindliche Artilleriegeschosse schützen,
während unter dem Panzerdeck die Kohlen und Vorräte liegen, welche zum Betrieb der Maschine und zur Erhaltung
des Schiffs notwendig sind. Im vordern Teil der Citadelle stehen diagonal zur Schiffsmittellinie zwei feste Panzertürme und
in jedem derselben 2-35 Kaliber lange 30,5 cm Kruppsche Kanonen auf einer Drehscheibe parallel nebeneinander.
Das Schiff selbst erhält seine Fortbewegung durch zwei vollständig voneinander getrennte dreicylindrige Compoundmaschinen,
deren jede eine vierflügelige Bronzeschraube treibt. Den Dampf
[* 23] erhält jede dieser Maschinen aus
vier
Kesseln, von denen immer je zwei in einer wasserdichten Abteilung mit der Feuerung nach der Bordwand zu liegen, da auch die
Kohlen in Räumen an den Schiffsseiten gelagert sind und so deren Zubringung erleichtert ist; das Schiff hat Raum für 1000 Ton.
Kohlen.
Die vier Kessel einer Maschine haben einen besondern Schornstein. Beide Maschinen indizieren 6000 Pferdekräfte.
Besondere Aufmerksamkeit erregte seiner Zeit die Einrichtung für die elektrische Beleuchtung
[* 24] aller Innenräume des Schiffs
wie seines Vorfeldes zur Abwehr nächtlicher Angriffe von Torpedobooten; zu letzterm Zweck sind in den beiden Marsen je zwei
große Scheinwerfer aufstellbar. Die Innenräume dagegen werden durch 240 Glühlampen erleuchtet, welche
von drei elektrodynamischen Maschinen gespeist werden. Diese Einrichtung bezeichnete einen außerordentlichen Fortschritt,
durch den die verhängnisvolle Feuersgefahr für die Kriegsschiffe, auf denen so viele Räume sind, in welche kein Tageslicht
fallen kann, z. B. die Munitionskammern, beseitigt wird. Bei der Überführung nach China,
[* 25] für welche
das Schiff Schonertakelage mit drei Raaen am Fockmast erhalten hatte, hat sich das Schiff vortrefflich bewährt.
Bedeutender ist die Kampfkraft seiner Geschütze. Die 30,5 cmKanonen erreichen mit 162 kg Ladung braunen
Pulvers und 455 kg schweren Stahlgranaten eine Stoßkraft von 7400 Metertonnen, welche hinreichen würde, in nächster
Nähe schmiedeeiserne Panzerplatten von 75 cmDicke zu durchschlagen; auf 2000 m Entfernung würde die Granate bei senkrechtem
Auftreffen noch durch 62 cmEisen
[* 26] hindurchgehen und daher auch die schwersten Panzerschiffe der Gegenwart
mit Erfolg beschießen können, namentlich dann, wenn alle 4-30,5 cmKanonen konzentrierte Lagen abgeben; bei einer solchen
werden 1820 kg Geschosse mit etwa 29,000 Metertonnen lebendiger Kraft
[* 27] gegen einen Punkt geschleudert.
Flußschiffe, die nicht Dampfer sind, haben meistens nur den Zweck, große Lasten überhaupt ohne Rücksicht
auf Geschwindigkeit zu transportieren; an ihrem Bau ist daher höchstens bemerkenswert, daß der Boden nach vorn und hinten
leicht ansteigt, oder daß das S. nach beiden Enden spitz zuläuft, um der Vorwärtsbewegung einen geringern Widerstand entgegenzusetzen.
Die Flußdampfer sind oft, wie z. B. die auf den StrömenNordamerikas gebräuchlichen, von bedeutender
Größe.
Äußerlich riesigen Palästen von zwei und drei Etagen gleich, in einer Gesamthöhe von 10-15 m bei 100 m Länge und mit starken
Maschinen, haben sie es bis zu einer Fahrt von 20 Knoten gebracht und tauchen dabei doch nicht tiefer als
etwa 2 m, um über die zahlreichen Untiefen hinwegzukommen. Zu den Flußdampfern gehören auch die Kettenschleppschiffe (s.
Tauerei). Küstenschiffe halten zwischen den vorigen und den Seeschiffen die Mitte; sie sind noch flach, resp.
klein genug, um seichte Gewässer befahren zu können, aber doch von genügender Stabilität, um gegen
das Kentern (s. d.) gesichert zu sein. Zu dieser Klasse gehören die norddeutschen Ewer, Galjoten, Galjassen und die holländischen
Tjalken, Smacken und Kuffen, welch letztere sogar bis zu den afrikanischen Kolonien fahren.
Unsre Küstenschiffe haben, um besser kreuzen (s. Lavieren) zu können, ein sogen. Schwert an jeder Seite. Dieses,
ein Brettgefüge in Form eines Flügels, wird parallel dem Kiel ins Wasser gelassen und verhindert dann das Seitwärtstreiben
des Fahrzeugs. Das Schwert vertritt somit den bei den Seeschiffen tief hinabreichenden Kiel. An die Seeschiffe werden bei weitem
die höchsten Anforderungen gestellt. Speziell wieder sind große Kriegsschiffe, welche den Dienst in fernen
Meeren versehen, sogen. Kreuzer (Panzerschiffe sind oft abnorm), mit allen den Seedienst betreffenden Einrichtungen auf das
sorgfältigste ausgerüstet.
(Hierzu die Tafeln »Schiff I und II«, mit Erklärungsblatt.)
Soll ein hölzernes S. erbaut werden, so wird zunächst
[* 31]
(Fig. 4-6, S. 456) der »Kiel gestreckt«, welcher das Rückgrat des
Schiffsgerippes bildet und aus längsschiffs zusammengefügten Balken von rechteckigem Querschnitt besteht. An denselben schließt
sich nach vorn der Vorsteven an, erst wenig, dann steiler ansteigend, also nach vorn konvex. Am Hinterende des Kiels steht
senkrecht zu ihm der gerade Hintersteven. Schraubendampfer haben noch einen Rudersteven, der, ersterm ähnlich, in einem
Abstand, welcher zur Anbringung der Schraube genügt, hinter demselben ebenfalls senkrecht von einer Verlängerung
[* 33] des Kiels
aufsteigt.
Die
Spanten, gewissermaßen die Rippen des Schiffs, sind rechtwinkelig auf den Kiel aufgebolzt und bestehen jedes aus zwei Lagen
gekrümmter Hölzer, jede Lage wieder aus mehreren Stücken, von denen das unterste, quer über den Kiel
gelegte und mit ihm verbolzte Bodenwrange heißt; darauf folgen nach oben die Kimmstücke, zu oberst die Auflanger, sämtliche
Teile untereinander durch eiserne Bolzen verbunden. Den vordern und hintern Teil des Schiffsgerippes bilden die Kantspanten,
halbe Spanten, die je nach der Form des Schiffs einen mehr oder minder spitzen Winkel
[* 34] mit dem Kiel bilden.
Die Verstrebung der Seitenwände und den hauptsächlichsten Querverband bilden die Deckbalken, welche durch hölzerne oder
eiserne Kniee mit den Spanten verbunden werden. Sie gehen von Spant zu Spant quer über das S. und ruhen mit ihren Enden auf den
Balkwegern, starken Balken, die von vorn bis hinten reichen, und von denen mehrere übereinander
[* 31]
(Fig. 5 k) an der Innenseite
der Spanten befestigt sind. Ganz ähnliche Hölzer sind die Wassergänge, nur liegen diese auf den Deckbalken
und gegen die Spanthölzer gebolzt.
Sind die bisher erwähnten Teile angebracht, so ist das Gerippe des Schiffs fertig und damit seine Form gegeben. Auf der Außen-
und Innenseite der Spanten wird jetzt eine Haut
[* 36] von Bohlen, sogen. Planken, angebracht, die, von oben anfangend,
außen die Namen: Farbegangs-, Bergholz-, Kimmungs-, Boden- und Kielplanken, innen die Namen: Setzbord-, Wegerungs-, Kimmwegerungs-
und Sandstaakplanken führen. Dieselben stehen stumpf auf- und nebeneinander, werden durch Bolzen an den Spanten etc. befestigt
und enden im Kiel, Vor- und Hintersteven, welche für die feste Lagerung derselben mit einer Rinne (Sponung)
versehen sind.
Die Außenhaut besteht dann aus 2-3 übereinander liegenden Plankenlagen, von denen die eine, bez.
die beiden innern (im letztern Fall sich kreuzend) in einem Winkel von 45° gegen den Horizont geneigt sind.
Die äußere Plankenlage ist horizontal. Schiffe dieser Art nennt man diagonal gebaut. Sie haben vor Schiffen der gewöhnlichen
Bauart den Vorteil größerer Leichtigkeit und Festigkeit, aber auch einige Nachteile. Um den Schiffskörper wasserdicht zu
machen, werden sämtliche Nähte, d. h. die Fugen zwischen zwei Planken, abgedichtet,
[* 31]
^[Abb.: Fig. 1 u. 2. Schiffsbodenformen.]
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