Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/2197

Kopf,
Joseph, Bildhauer, geb. zu Unlingen (Württemberg), Sohn eines Ziegelbrenners, arbeitete als Maurer und Handlanger und kam erst nach Überwindung großer Schwierigkeiten 1846 in die Zeichenschule zu Biberach. 1851 hatte er so viel erspart, daß er nach München gehen konnte, wo er sich unter Sickingers Leitung durch energischen Fleiß allmählich emporarbeitete. Nachdem er dann noch bei Knittel in Freiburg gelernt und seine ersten Sandsteinstatuen ausgeführt hatte, wanderte er 1852 zu Fuß nach Rom, wo er sich zunächst durch Figurenschnitzerei für mehrere geistliche Institute bekannt machte, bis er durch einen sitzenden Christus (Modell) die Aufmerksamkeit von Cornelius auf sich zog.
Durch seine sowie durch Overbecks Verwendung erhielt er ein Stipendium, arbeitete für den König von Württemberg eine Verstoßung der Hagar und unter Wagners Leitung andre religiöse und allegorische Bildwerke. Eine andre, sein Talent für die Darstellung des Lieblichen und Natürlich-Schönen bekundende Arbeit sind die vier Jahreszeiten für den Kronprinzen von Württemberg, ferner ein Triton, eine Nymphe und eine griechische Tänzerin. Die bedeutendsten seiner dann folgenden Werke in der ihm eignen idealen Richtung sind mehrere Büsten, Reliefporträte und Medaillons, z. B.: des deutschen Kaisers und der Kaiserin, des Königs Karl und der Königin Olga von Württemberg, zwei große Kamine für das Residenzschloß in Stuttgart im Renaissancestil, eine Pietà für die katholische Kirche daselbst, die trefflich komponierte Gruppe: Joseph und Potiphars Weib, dann sein neuestes Werk, das sein Meisterstück zu werden verspricht: ein verwundeter Krieger, der sterbend seine Fahne verteidigt.