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Schweizer Schüler an Internationaler Philosophie-Olympiade ausgezeichnet
Vom 26. bis 29. Mai fand die 30. Internationale Philosophie-Olympiade (IPO) statt. Zum ersten Mal seit drei Jahren wurde der Wettbewerb für nachdenkliche Jugendliche nicht online abgehalten. Stattdessen trafen sich über 80 Teilnehmende aus über 40 Ländern in Lissabon.
Die Schweizer Delegation bei der Eröffnungszeremonie. Von links nach rechts: Lara Gafner und Stéphanie Pereiras Gomes (Volunteers), Mathys Douma und Noah Rosenbaum. (Bild: International Philosophy Olympiad 2022)
Noah Rosenbaum und Mathys Douma (Bild: Lara Gafner)
Noah Rosenbaum (Bild: International Philosophy Olympiad)
Mathys Douma (Bild: International Philosophy Olympiad 2022)
Volunteers organisieren die Bewertung der Essays (Bild: Lara Gafner)
Bei der Ankunft in Lissabon. Von links nach rechts: Stéphanie Pereiras Gomes (Volunteer), Mathys Douma, Martin Helg (Reporter), Noah Rosenbaum. (Bild: Lara Gafner)
Für die Schweiz am Start waren:
Noah Rosenbaum, Gymnasium Oberwil (BL)
Mathys Douma, Lycée cantonal Porrentruy (JU)
Noahs Essay wurde mit einer Honorable Mention ausgezeichnet. Der 18-jährige Basler Gymnasiast war beim nationalen Finale im März auf dem ersten Platz gelandet und hatte sich so für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Der Zweitplatzierte, Philipp Altmann, konnte krankheitshalber nicht nach Lissabon fliegen. Stattdessen wurde die Delegation durch Mathys ergänzt, der auf nationaler Ebene den dritten Platz erreicht hatte.
Von Schuld und Schönheit
Am vergangenen Freitag war in Lissabon volle Konzentration gefragt. Die Teilnehmenden der IPO hatten vier Stunden Zeit um einen Essay zu einem von vier Themen zu schreiben. Danach wurden die Essays bis in die Abendstunden hinein von der Jury, bestehend aus den anwesenden Lehrpersonen aller teilnehmenden Länder, anonym bewertet. Die Kriterien sind Relevanz, philosophisches Verständnis, Kohärenz, Originalität und die Qualität der Argumentation. Noah bezog sich in seinem Text zu einem Zitat von Hannah Arendt über kollektive Schuld unter anderem auf den britischen Kolonialismus als historisches Beispiel. «Eigentlich aber gewinnt weder die Vollkommenheit durch die Schönheit noch die Schönheit durch die Vollkommenheit», lautete das Zitat von Kant, welches Mathys wählte. Für eine Medaille reichte es nicht ganz, doch Noah erhielt eine Ehrenmeldung. Die zwei Goldmedaillen gingen an Teilnehmende aus Deutschland und Italien.
Portugal für Philosophen
Neben dem eigentlichen Wettbewerb geht es bei der Olympiade auch darum, Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen. «Es ist ein sehr sozialer Event», meint Mathys. Das Rahmenprogramm beinhaltete Vorträge, zum Beispiel über die Frage, ob Maschinen denken können. Daneben gewährten eine Stadtführung und ein Fado-Konzert Einblicke ins Gastgeberland. Sogar die Metal-Band «Moonspell» trat auf und besang das Lissabonner Erdbeben von 1755, welches die Philosophie zu der Zeit stark beeinflusste. Aus aktuellem Anlass wurde ausserdem in einem Workshop das Thema Krieg philosophisch beleuchtet. «Ich bin etwas aus meiner Komfortzone herausgekommen, indem ich mitdiskutiert und Fragen gestellt habe», erzählt Mathys. Für den 15-jährgen Jurassier war es zwar die erste IPO, bei der Mathematik-Olympiade war er aber schon zweimal auf internationaler Ebene am Start. Seine Interessen will er später durch ein Studium in Neurowissenschaften verbinden. Noah möchte nächstes Jahr erneut an der Philosophie-Olympiade teilnehmen. Aber erstmal müssen die beiden Denker wohl ein bisschen Schlaf nachholen. Wer nur vier Tage Zeit hat, um existentielle Fragen zu beantworten, ein weltweites Netzwerk aus jungen Philosophen zu weben und nebenbei Lissabon zu erkunden, tut nämlich kein Auge zu.
Die Wissenschafts-Olympiade fördert Jugendliche, weckt wissenschaftliche Begabungen und Kreativität und beweist: Wissenschaft ist spannend. Zehn Olympiaden finden jedes Jahr statt: Workshops, Lager, Prüfungen sowie Wettbewerbe für über 4'000 Talente in Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Linguistik, Mathematik, Philosophie, Physik, Robotik und Wirtschaft. Die Organisatoren sind junge Forschende, Studierende oder Lehrpersonen, die freiwillig viele Stunden und Herzblut in das nationale Programm investieren.