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Shah Abbas I. hatte viele Armenier, die wegen ihrer handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten berühmt waren, in Isfahan angesiedelt und ihnen weit reichende Rechte, besonders in Bezug auf die Ausübung ihres Glaubens, zugesichert. So war in Isfahan ein ganzes armenisches Viertel mit insgesamt 13 Gemeinden und Kirchen entstanden. Die theologische Konzeption der Armenier ist der Monophysitismus, was bedeutet, dass sich die Natur Gottes, menschlich und göttlich zugleich, in einer Person manifestiert. Die grösste armenische Kirche in Isfahan ist die Vank-Kathedrale. Äusserlich gleicht die Kathedrale – Typus Kreuzkuppelkirche mit frei stehendem Glockenturm – eher einer Moschee denn einer Kirche, und nur ein kleines Kreuz auf der Kuppel weist darauf hin, dass es sich bei dem Gebäude um ein christliches Gotteshaus handelt. Das Innere der Kirche ist gewöhnungsbedürftig: Sämtliche Wände sind über und über mit Fresken bemalt – der reinste Horror Vacui. Aus Themen der Bibel sowie aus Heiligen- und Märtyrerlegenden rekrutieren sich die Motive. Genüsslich sind die Höllenqualen der Sünder grotesk-übertrieben dargestellt, Folterungen mit schauderhaften Details wie zum Beispiel aus dem Bauch quellendes Gedärm, vor Schmerz verzerrte Gesichter, verrenkte Gliedmassen, grausame Folterknechte. Ein paar wenige Auserwählte haben aber auch Glück – sie werden in ein kitschig-zuckersüsses Paradies entrückt. Interessanterweise wurde bei der Ausgestaltung der Kirche auch auf islamische Kunstelemente zurückgegriffen: sowohl die Kuppel der Kirche wie auch der Sockel entlang der Wand im Kirchenschiff sind mit wunderschöner Fliesenkeramik verkleidet – ein merkwürdiger Kontrast.