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Guy Edmond Maurice Baward kommt am 11. September 1882 in Les Balcons de la Bandole zur Welt. Mit 18 Jahren zieht er nach Port-Louis, um Journalist zu werden – und schreibt in der Folge kleinere Texte für Magazine und Broschüren über so verschiedene Themen wie Gartenbau, Musik, Kunst, Mode, Pharmazeutik oder Theologie. 1902 veröffentlich er einen Kriminal-Roman mit dem Titel «Le Cuisinier qui savait trop» und entdeckt offenbar im Verlauf des Schreibens sein Interesse für kulinarische Fragen. 1906 verfasst er den Artikel über «La Cuisinie de Santa Lemusa» für die «Encyclopédie Universelle Maisonneuve & Duprat», die seit 1894 regelmässig bei «Maisonneuve & Duprat» erscheint. Es ist sein erster Text, der sich ganz mit kulinarischen Dingen beschäftigt.
Zwischen 1908 und 1913 hält er sich drei Mal längere Zeit in Paris und ein Mal in Lyon auf, wo er die Küche Frankreichs studiert und verschiedene Essays dazu schreibt, die jedoch nicht veröffentlicht werden.
1920 gibt er bei der «Librairie Port Louis» die erste Nummer einer Zeitschrift mit dem Titel «Santa Lemusa gastronomique» heraus, die sich mit den verschiedenen Küchen der Insel und ihrer Restaurants beschäftigt. Es bleibt allerdings bei dieser einen Nummer. Ebenfalls ab 1920 stellt er sich aus uns unbekannten Gründen in all seinen Schriften als Guy Baward «Père» vor – obwohl von einem Guy Baward «Fils» keinerlei Schriften bekannt sind. Ja wir wissen auch, dass Baward sich zeitlebens nicht dazu entschliessen konnte, zu heiraten und folglich wahrscheinlich auch keine Kinder in die Welt gesetzt hat.
1928 publiziert er, wieder bei der «Librairie Port Louis», sein «Manuel de Cuisine» – ein kleinformatiges Büchlein, in dem er auf 378 eng bedruckten Seiten mehr als 600 Rezepte vorstellt. Die Auswahl ist stark von der französischen Küche geprägt – vermittelt aber auch einen guten Eindruck der Inselküche jener Jahre. Aus heutiger Sicht besonders interessant ist ein zehnseitiges Vorwort, in dem der Autor seine Auffassungen zum Thema Kochen und Essen darlegt (mehr dazu hier). 1932 wird das «Manuel de Cuisine» noch einmal aufgelegt – um einige Rezepte ergänzt und mit einem neuen Vorwort versehen.
In den 1930er Jahren hält sich Baward vor allem in seinem Haus in Les Balcons de la Bandole auf, wo er an einer erweiterten Fassung seines Manuals arbeitet und die Neu-Lancierung der Zeitschrift «Santa Lemusa gastronomique» plant. Beide Pläne scheitern an mangelnder Finanzierung.
1948 bricht Baward mit 66 Jahren zu einer mehrjährigen Weltreise auf – die Mittel dazu stammen offenbar aus einer grösseren Erbschaft (näheres ist dazu nicht bekannt). Er reist quer durch Afrika und setzt von Sansibar aus nach Indien über, wo er sich einige Monate aufhält. Später besucht er Malysia und Borneo, reist dann über Vietnam nach Laos, quer durch China, nach Korea und von dort aus nach Japan. Er setzt über nach Alaska und reist der amerikanischen Westküste entlang bis nach Mexiko, dann durch Mittelamerika bis nach Bolivien, um schliesslich 1953 via Französisch Guaiana nach Santa Lemusa zurückzukehren.
Die letzten Jahre seines Lebens verbringt er in Les Balcons de la Bandole, wo er die Publikation eines Buches mit dem Titel «Mon monde à table» plant, in dem er nicht nur Rezepte aus der ganzen Welt, sondern auch Hintergründiges zu den Zutaten der verschiedenen Küchen vorstellen will. Er publiziert dann und wann kleinere Aufsätze, widmet sich aber hauptsächlich seinem grossen Vorhaben.
Ohnehin eher kräftig gebaut, nimmt er in diesen Jahren offenbar nochmals tüchtig zu. 1965, das Buch soll bis auf ein paar einleitende Kapitel fertig gewesen sein, lässt er sich von seinem Arzt und seiner Haushälterin zu einer Diät überreden, die ihn offensichtlich derart schwächt, dass er ohnmächtig von seinem Balkon stürzt und stirbt. Die genauen Umstände seines Todes sind allerdings bis heute nicht ganz geklärt.
Da er keine Erben hinterlässt, wandert das Manuskript von «Mon monde à table» in die Archives Nationales von Santa Lemusa, wo es bis heute liegt. Seine überaus umfangreiche Sammlung von teils historischen Kochbüchern(Scappi, Escoffier etc.), auf die er sich auch in seinen Schriften mehrfach bezieht, geht an die Nationalbibliothek.
First Publication: 13-12-2010
Modifications: 28-12-2010, 30-9-2011