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Im Advent dieses Jahres blickt zmitz auf Bräuche und Anlässe, auf Geschichten und ehenswürdigkeiten, die in der Weihnachtszeit unsere Region prägen. Heute erzählen wir euch eine lustige Weihnachtsgeschichte.
Schon zu alten Zeiten vertrauten die Solothurner dem Christkind offenbar mehr als der weltlichen Regierung.
Lange ist es her, seit es einem Familienvater so schlecht ging, dass er sich kaum mehr zu helfen wusste. Er war bitter arm, daheim fehlte es an Esswaren und Brennholz, seine Frau sowie die Kinder hungerten und froren. In der Not klagte er sein Leid dem Posthalter im Dorf. Dieser runzelte seine Stirn und dachte lange nach; er hatte Verständnis für die Situation seines Mitbürgers.
Da macht der Mann von der Post dem Verzweifelten den Vorschlag, er möchte doch dem Christkind seine Situation in einem Brief schildern. Es könne ja gut sein, dass es Erbarmen habe und ihm in irgendeiner Form helfe. So setzte sich der arme Mann daheim an den Tisch und schrieb dem Christkind mit ungelenken Buchstaben von seinen grossen Sorgen. Er bat es, es möge ihm auf Weihnachten doch 100 Franken zukommen lassen.
Er brachte den Brief dem Posthalter, von dem er annahm, dass dieser die Adresse des Christkindes kenne. Dieser nahm ihn entgegen, und als sich der Mann verabschiedet hatte, steckte er ihn in ein Kuvert und adressierte dieses «An den hohen Regierungsrat» in der Hauptstadt.
Als die fünf Regierungsräte das Schreiben erhielten, lachten sie vorerst und legten den Brief beiseite. Aber an der nächsten Sitzung fanden sie, sie könnten doch ein weihnächtliches Zeichen setzen. So legte jeder aus seinem privaten Geldbeutel eine Zehnernote auf den Tisch. Die Geldscheine steckten sie in einen Briefumschlag. Auf ein Kärtchen schrieben sie einen herzlichen Gruss vom lieben Christkind und legten dieses bei. Als Absender stand auf dem Brief «der Regierungsrat».
Es waren ein paar Wochen vergangen, als sich der arme Mann wieder an den Tisch setzte und einen weiteren Brief an das Christkind schrieb. Das Papier reiste auf die gleiche Weise in die Hauptstadt. Darauf stand: «Liebes Christkind, dafür, dass Du vor Weihnachten meine Bitte erhört hast, danke ich Dir von Herzen. Nun sollte ich für Ostern wiederum 100 Fr. haben. Schicke diese aber bitte nicht mehr durch den Regierungsrat. Dieser hat nämlich das letzte Mal die Hälfte für sich behalten.»
Quelle: Elisabeth Pfluger