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Seit 20 Jahren plagen uns aufpopende Werbefenster. Der geistige Vater der Pop-ups zeigt sich reuig und erklärt, dass er es doch nur gut gemeint habe.
Sie sind überall. Auf praktisch jeder Webseite. Bei Smartphones meist so platziert, dass man das erlösende X in der rechten oberen Ecke nicht erwischt und stattdessen auf einer Dating-Seite oder schlimmeren landet: Pop-ups. 20 Jahre nach ihrer Einführung äussert sich der Erfinder Ethan Zuckerman in einem ausführlichen Essay im Magazin The Atlantic über die «Erbsünde des Internets», wie er sie nennt.
Zwischen 1994 und 1999 arbeitete Zuckerman bei Tripod.com, einem Webhoster. In den Anfängen des Internets testete man unterschiedlichste Business-Modelle, um Umsatz zu generieren. Was sich bekanntermassen durchgesetzt hat, ist die Werbefinanzierung. Parallel dazu erschuf Zuckerman eines der meist gehassten Werkzeuge der Werbeindustrie: das Pop-up. Es sei ein Weg gewesen, um Werbung an einen User auszuliefern, ohne sie sichtbar für alle auf der Webseite platzieren zu müssen. Werbekunden fürchteten mit dem Inhalt der Seite assoziiert zu werden. «Wir sind darauf gestossen, als ein bedeutender Autohersteller ausrastete, weil er eine Banner-Werbung kaufte, die auf einer Seite lief, welche Analsex zelebrierte», schreibt Zuckerman. Er habe den Code geschrieben, der ein Fenster aufpopen lässt und darin Werbung abspielt. «Es tut mir leid, unsere Absichten waren gut.»
Heute ist Zuckerman überzeugt, dass Werbung die Erbsünde des Internets ist. «Der Niedergang des Internets ist die direkte, wenn auch unabsichtliche, Konsequenz von der Wahl, Werbung als das Standard-Finanzierungsmodell für Online-Inhalte und -Dienste zu verwenden.» Die User seien so darauf sensibilisiert, dass sie für Werbezwecke überwacht werden, dass selbst die Snowden-Enthüllungen sie nicht mehr aus der Ruhe bringen können.
Zuckerman hat keine Paradelösung für die Finanzierung des Internets parat. Nach 20 Jahren mit einem werbegestützten Netz sei es jedoch an der Zeit, für unsere Privatsphäre zu zahlen, die Dienste, die wir lieben zu unterstützen und die, die uns vermarkten, aufzugeben.
Via The Atlantic