Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03655.jsonl.gz/1206

Aber, aber, Herr Ludin, Komplexe scheinen hier doch eher Sie zu haben. Es tut mir ja leid, wenn Sie das Schweizerdeutsche nicht verstehen, aber jeder Deutsche, der will, hat den Dialekt nach etwa einem Jahr passiv intus. Wir Schweizer wissen eigentlich fast instinktiv, wo wir die Mundart benutzen und wo das Hochdeutsche. Ich glaube auch nicht, dass die Deutschkenntnisse der (gebildeten) Deutschschweizer schlechter werden (oder jemals schlechter waren als zum Beispiel die der Bayern). Aber unsere Muttersprache ("Sprache" kommt von "sprechen", weisch?) ist nun einmal das Schweizerdeutsche. Und auch der Dialekt hat durchaus Anwendungsformen in der Hochkultur. Oder meinen Sie ich unterhalte mich mit Schweizer Freunden über Goethe und Schiller auf Hochdeutsch? Das hat mit Nationalismus nichts zu tun, auf jeden Fall nicht mit der aggressiv-politischen Form, sondern höchstens mit den kulturellen Bewegungen des 19. Jahrhunderts.
Ihre Positionen kommen mir ehrlich gesagt hier ziemlich kleingeistig vor. Entweder SIE sind der Kulturchauvinist oder Sie sind noch nicht lange genug in der Schweiz, um das natürliche Zusammenspiel von Dialekt und Hochdeutsch zu verstehen.
Und Holzhuth: Dass man Gefühle in bestimmten Sprachen besser ausdrücken kann als in anderen ist natürlich Quatsch. Aber dass man in seiner Muttersprache immer eloquenter ist als in Fremdsprachen ist ein Fakt. Auch wenn für viele Schweizer der Unterschied zwischen Dialekt und Hochdeutsch nur sehr klein ist.
Was ich mich in diesem Zusammenhang immer frage: Wenn man mit zwanzig in der Jungen CVP aktiv ist, was zum christdemokratischen Teufel macht man dann mit fünfzig?
Die Thujahecke im Vorgarten begradigen? Die Rückspiegel seines Autos polieren? Den Kies auf dem Garagendach rechen?
Ich mag mit mit dieser Meinung in meiner Generation relativ alleine dastehen, aber ich finde immer noch (oder eher: immer mehr), dass Twitter ein sehr zweifelhaftes Medium ist. Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass die ungefilterte Dokumentation der Gefühle für die Beteiligten wenig vorteilhaft ist. Ein gut überlegter Zeitungsartikel hätte einer weitherum respektierten Politikerin wie Frau Badran mehr gedient als diese Kurznachrichten aus dem Affekt heraus.
Lieber Wahrsager, ich kenne ihren Fall nicht und werde mich deshalb auch nicht dazu äussern. Sie hat die Unkenntnis des Papiermühle-Falls offenbar nicht an einer Äusserung gehindert. Ich habe den Grossteil meines Lebens gleich neben dem Café Papiermühle gewohnt und mich nicht ein einziges Mal vom Lärm belästigt gefühlt. Die Abendveranstaltungen sind rar und immer sehr kultiviert, beim Nachbarn handelt es sich dagegen um einen unsäglichen Querulanten. Dass der Mann sein Ziel nun erreicht hat, ist extrem schade. Ich wünsche ihm einen Technoclub als Nachmieter.
Mal wieder eine völlig blödsinnige Idee von einem Fussballverband, wie auch schon die Entscheidung, die EM zu vergrössern. Durch diese Massnahme würde die Turnierstimmung zerstört, da das Turnier räumlich auseinandergezogen würde. Meiner Meinung nach sollten grosse Sportveranstaltungen nur noch an Orten durchgeführt werden, die die meiste Infrastruktur haben und auch nachher benutzen können.
Ich weiss ja nicht, wie genau diese Kriterien gewichtet wurden, aber dass Genf weit vor Basel liegt ist, in jeder Hinsicht lächerlich. Wer schon mal auf die Genfer ÖV angewiesen war, weiss, wovon ich spreche. Das Rollmaterial ist dort zwar meistens recht neu (zumindest Trams), dafür kommt es dauernd zu Konflikten mit dem Individualverkehr, weil das Tramnetz erst vor kurzem wieder aufgebaut wurde. Zudem gibt es viele Verspätungen und Ausfälle. Und teurer als Basel ist es auch.
Grundsätzlich kann man kaum bestreiten, dass die rotgrün dominierte Regierung in Basel eine gute Arbeit macht. Der pragmatische Ansatz ist meiner Ansicht nach der Richtige: In der heutigen Zeit ist eine moderner sozialliberale Politik gefragt und keine veraltete Klassenkampf-Rhetorik wie sie ein Cedric Wermuth gerne sähe.
Trotzdem trifft der Artikel einige wunde Punkte: Im zugegeben schwierigen Verhätnis zur Pharma wirkt die Regierung oftmals etwas untertänig. Die Wohnpolitik war in den letzten Jahren eindeutig zu sehr auf zahlkräftige Mieter ausgelegt - dies wird sich nun hoffentlich ändern. Und mit der Lärmschutzgeschichte droht sich Brutschin der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich werde trotzdem wieder rotgrün wählen und auf etwas mehr Mut der Regierung setzen.
Erfreulich ist übrigens, dass im Artikel endlich einmal offen die Schleifung der Rheinfront der Kaserne gefordert wird. Hier verpasst Basel (wie schon beim Casino) einmal mehr eine grosse Chance. Man könnte ja die beiden Ecktürme stehen lassen; dann könnte Herr Juillard dazwischen eine Kulisse aufstellen lassen für sein Tattoo.