Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03190.jsonl.gz/1768

Die begonnene Partie
von SSB-Schiedsrichterkommission (Kommentare: 0)
SSB - Neben den Missverständnissen bei Partieende gibt es auch solche zu Partiebeginn. Auf diese gehe ich im Folgenden ein.
Das häufigste Missverständnis ist die Remis-Vereinbarung. Diese muss während der Partie erfolgen, wobei jeder Spieler mindestens einen Zug ausgeführt haben muss – sofern keine Mindestzugzahl vorgeschrieben ist (Artikel 9.1.1 der FIDE-Regeln).
Ist die Zugvoraussetzung nicht gegeben, muss der Schiedsrichter die Remis-Vereinbarung zurückweisen und auf Weiterspielen bestehen. Gewiefte Grossmeister spielen eine bekannte Kurzpartie aus der Eröffnungstheorie und einigen sich dann auf Unentschieden.
Remis-Vereinbarungen vor der Partie müssen vom Schiedsrichter mit einem 0:0 gewertet werden – sofern der Schiedsrichter Zeuge dieser Absprache ist. Dies zu beweisen, ist jedoch sehr schwierig, da man die Delinquenten in flagranti erwischen müsste.
Die Partie beginnt mit dem ersten Zug von Weiss, da Artikel 5.2.3 definiert, dass die Remis-Vereinbarung während der Partie und nach je einem Zug beider Spieler erfolgen kann. Dies bedeutet, dass die Partie beginnt, bevor beide Spieler je einen Zug gemacht haben. Für den Partiebeginn ist es dabei irrelevant, ob die Uhr läuft oder nicht.
Der Schiedsrichter setzt zum festgelegten Zeitpunkt die Uhr von Weiss in Gang. Das Wort «Partiebeginn» in der deutschen Übersetzung kommt im englischen Originaltext nicht vor. Fehlen beide Spieler, so wird die Zeit bis zum Eintreffen des Spielers von Weiss diesem abgezogen, sofern nicht die Karenzzeit von einem oder beider Spieler überschritten wurde oder der Schiedsrichter anders entscheidet.
Damit eine Partie von der FIDE gewertet werden kann, müssen Weiss und Schwarz je einen Zug gemacht haben. Auch für die Schweizer Führungsliste muss die Partie gespielt worden sein – was nur dann der Fall ist, wenn Weiss und Schwarz mindestens je einen Zug gemacht haben.
Michael Hein
Josef Nemecek, Präsident der Schiedsrichterkommission des Schweizerischen Schachbundes, freut sich über Ihr Feedback und Ihre Fragen zu den «SSZ»-Regelecken. Sie können ihm auch eigene Themen vorschlagen: <email-pii>.