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Unweit des Fahrtsplatzes in Näfels steht, an die steinige Rautihalde geduckt, ein niedriges Tätschhäuschen, das irgendwann durch die Laune des Volksmundes den Namen «Schlössli» erhalten hat. Leider wurde dadurch das Haus nicht geräumiger, sondern dünkte den Näfelser Geisser, der damals dort residierte, nur um so kleiner, so dass er in schlaflosen Nächten darüber nachsann, wie er es vergrössern und verschönern könnte. Und wenn er sich den vollendeten Umbau vorstellte mit den Geranien vor den Fenstern und dem Feierabendbänklein auf dem Brückli, so fiel es ihm jedes Mal zentnerschwer auf die Seele: nämlich, dass er immer noch ledig sei und seine Pläne des köstlichsten Anreizes entbehrten. Deshalb setzte er sich eines Tages hoch über das Dorf, betrachtete die steilen Giebel, unter welchen die Ratsherrentöchter gediehen, und überblickte die flachen Dächer, welche die Kammern der angehenden Bäuerinnen und Handspinnerinnen schirmten. Schliesslich entdeckte er einen First mittlerer Art und darunter auch ein entsprechendes Mädchen, das er sofort zu seiner Liebsten machte. Wochenlang fehlte ihm der Mut, der Auserwählten den Entschluss zu offenbaren. An einem schönen Sonntagmorgen aber schlüpfte unser Geisser in die bessern Schuhe mit den Silberschnallen, steckte die goldene Uhr ins Westentäschlein und sah wirklich beinahe wie ein Kavalier aus, als er seinem Mädchen begegnete. Nach einigen Scherzworten würgte er die schicksalsschwere Frage hervor, gespannt lauernd, was für Wetter sie auf dem hübschen Gesichtlein hervorrufe. Die Schöne schaute ihn, den «Schlossherrn», eine gute Weile an, und vielleicht kamen ihr auch seine «Hallen und Säle» in den Sinn jedenfalls flog ein mitleidiges Lächeln um ihre Mundwinkel und formte sich endlich zu den Worten: «Da wird nichts daraus, wir gehen einander nichts an!»
An jenem Abend kehrten die Näfelser Geissen allein heim, der Hirte hatte sich an einer Tanne erhängt. «Uhren und Schuhe müssen laufen», sagte einer, der ihn baumeln sah, und nahm die Dinger mit. Getragen hat er sie nie, denn in der folgenden Nacht hörte er jemand vor dem Hause nach den gestohlenen Sachen rufen, und als der Leichenschänder hinausschaute, stand draussen ein grosser Hund, dem das Feuer aus Rachen und Augen züngelte. Geschwind warf der Dieb die Uhr und die Schuhe hinaus. Der Hund packte das Zeug und trug es ins «Schlössli» hinauf, wo noch des Geissers Schwestern hausten. Dort sah man das merkwürdige Tier öfters am Tag hinter dem Ofen liegen. Sonst soll es sein Lager in den Näfelser Bergen oben haben. Wer könnte es anders sein, als der unglückliche Geisser? Erscheint er als Hund, so geht’s noch an. Aber sollte er einmal als feuriger Mann bis zum «Brand» vordringen, dann ist «Mathäi am Letzten» wie man so sagt. Der Haslensee wird ausbrechen und das ganze Dorf überschwemmen. Ja, der feurige Geisser eilt über die Linth und zündet das Nachbardorf an. Nicht umsonst heisst es im Volksmund «Näfels mues verrünne und Mullis verbrünne».
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch