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Die besonderen Verdienste von Markus Mattmüller liegen darin, dass er sich dem zuwandte, was zuvor aus dem harmonisierenden und auf die "grossen" Personen fixierten Geschichtsbild ausgeblendet und ausgegrenzt worden war: Als eigentlicher Pionier in der schweizerischen Bevölkerungs- und Agrargeschichte hat er den Blick geöffnet für die "Kleinen" in der Gesellschaft des Ancien Régime, die Kleinbauern, Tauner, Landlosen und die Heimarbeiter. Und in der politischen und der Mentalitätsgeschichte hat er massgeblich dazu beigetragen, den oppositionellen Strömungen, der Arbeiterbewegung, der Friedensbewegung und herausragenden Dissidenten in der Schweiz den ihnen gebührenden Platz einzuräumen. An erster Stelle ist dabei natürlich die zweibändige Biographie des religiös-sozialen Theologen Leonhard Ragaz zu nennen. Weit über die Lebensbeschreibung von Ragaz hinaus hat Markus Mattmüller darin eine breit angelegte Sozialgeschichte des Religiösen Sozialismus und der pazifistischen und antimilitaristischen Strömungen zur Zeit des Ersten Weltkriegs geschrieben.
Selber in der religiös-sozialen Tradition verwurzelt - sein Vater war als Arzt Militärdienstverweigerer und 1924 einer der Initiatoren der ersten Zivildienstpetition und SP-Grossrat in Basel - schloss sich Markus Mattmüller früh der Blaukreuz-Bewegung und dem Internationalen Zivildienst an. Von letzterem her kam er auch zum Schweizerischen Friedensrat, dessen Sekretariat er von 1951 bis 1954 führte. Akzente setzte er dabei in der Förderung einer breiten Diskussion über die Friedensgestaltung in Europa und über die Hilfe für "unterentwickelte Länder". So etwa an den von ihm organisierten Jahresversammlungen, an welchen der spätere englische Premierminister Harold Wilson und der spätere deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann auftraten. Daneben rief er auch eine Kommission ins Leben, die sich mit der Verankerung des Friedensanliegens im Geschichtsunterricht auseinandersetzte. Sein aktives Wirken wurde auch vom Staatsschutz aufmerksam verfolgt, der Markus Mattmüller 1956 in seinen Fichen folgendermassen charakterisierte: "Er ist keineswegs kommunistenfreundlich, jedoch als Draufgänger zu wenig wählerisch in der Wahl der Mittel zur Erreichung des Zieles." Dass er es sehr wohl verstand, mit Augenmass und Weitsicht zu agieren bewies er nicht nur in friedenspolitischen Organisationen und in der Religiös-Sozialen Bewegung, sondern in den 1960er-Jahren auch im Basler Verfassungsrat, als Richter am Zivilgericht und als Synodaler der reformierten Kirche Basel-Stadt. Als Institutsvorsteher am Historischen Seminar der Universität Basel setzte er sich seit seinem Amtsantritt erfolgreich und gegen lange anhaltenden Widerstand für die paritätische Mitbestimmung aller Gruppierungen sowie für neue, partizipative Unterrichtsformen ein. Demokratie und Solidarität waren für ihn nicht nur Gegenstand von Lehre und Forschung, sondern gelebtes Engagement.
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