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Bildnerei befassen, welche auf sein künstlerisches Wesen die stärkere Anziehungskraft ausübte. Aus dem, was bereits an früherer Stelle, über Michelangelo als Baukünstler und Bildner gesagt wurde, läßt sich unschwer dieses Verhältnis erklären.
Ihm war die Gestaltung der Formen - natürlich in erster Linie jene des Menschen - die Hauptsache und sozusagen das Endziel aller Kunst. Wohl hatte auch Lionardo die Formbehandlung als «Seele der Malerei» bezeichnet, immerhin aber zur Trägerin dieser Seele die Farbe gemacht. Michelangelo ging darauf hinaus, daß die Form selbst schon
^[Abb.: Fig. 513. Michelangelo: Die Erschaffung der Gestirne.
Aus dem Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle. Rom, Vatikan.] ¶
zu solcher Vollendung gebracht werde, daß sie den Gedanken in voller Reinheit und Eindringlichkeit verdeutliche, und die Farbe mehr nur als Hilfs- und Schmuckmittel ihr diene. In der «Körperlichkeit» sah Michelangelo den Schwerpunkt der künstlerischen Gestaltung, und seiner Natur nach mit Recht, denn die Gewaltigkeit seiner Gedanken erheischte auch eine geschlossene Festigkeit der Formen; er gab ja nicht «Stimmungen», für welche die reine Farbenkunst die richtigeren, weil feineren und schmiegsameren Ausdrucksmittel besitzt.
^[Abb.: Fig. 514. Michelangelo: Die Erschaffung des Lichtes.
Aus dem Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle. Rom. Vatikan.] ¶