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September 1971. Eben raus aus dem Elternhaus am Bodensee und noch nicht ganz angekommen in Zürich. Eben die erste Kleinstwohnung in einem alten Bauernhaus im Zürcher Kreis 6 bezogen. Problemlos Arbeit gefunden bei einem Architekten in der Nähe des Frauenspitals. Endlich Livemusik! Weather Report, Colosseum, das Irène Schweizer Trio im «Hinteren Sternen».
Oktober 1971. Das legendäre Trio des Saxofonisten John Surman spielt, der junge Jan Garbarek ebenfalls, zwischendurch mit Freunden nach Donaueschingen gefahren, zu Soft Machine, Don Cherry, Peter Brötzmann, Han Bennink und den anderen. Dann am 22. Oktober in die Neue Stadthalle Dietikon zu Miles Davis gepilgert. Damals hiess das noch nicht Agglomeration, aber es war weit weg. Eine grosse Halle mit dem Charme, den Mehrzweckhallen so versprühen. Aber das war egal.
Miles Davis! «Yesternow» hat er als Tribut für den ersten schwarzen «Heavyweight Champion» Jack Johnson geschrieben. Der junge Keith Jarrett sanft am Elektropiano, Michael Henderson baut mit dem Elektrobass Spannung auf, Miles’ gedämpfte Trompetentöne setzen zarte Akzente, Leon Chandler, Don Alias und James Mtume zerdehnen den Hintergrund mit Schlagzeug und Perkussionsinstrumenten. Miles Davis schneidet die Luft, wird kurz lyrisch, Gary Bartz hält mit seinem Sopransax dagegen.
August 2011. Die Musik, die das Miles Davis Septet in Dietikon gespielt hat, ist auf verschlungenen Wegen nach Tokio gelangt. Dort hat sie jemand auf zitronengelbes Vinyl gepresst und in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren in einer transparenten Hülle in Umlauf gebracht.
Wohl nicht ganz legal, aber wie mir vor vielen Jahren mal ein profilierter Schallplattenhändler in einer schwachen Stunde erzählt hat: «Illegale Pressungen sind keine Gefahr für die Industrie, die haben meistens eine lausige Aufnahmequalität und werden nur von Leuten gekauft, die auch alles kaufen, was legal erscheint.» Das war kurz bevor er mir seine Sammlung mit illegalen Filmsoundtracks gezeigt hat.
April 2013. Das Dietiker Konzert stammt definitiv nicht aus meiner Lieblingsphase von Miles Davis. Aber als er 1960 mit John Coltrane im Kongresshaus Zürich spielte, war ich einfach noch drei Nummern zu klein.