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Ende Juli gewannen junge Schweizer Springreiter an den EM der Jungen Reiter, Junioren und Children im irischen Millstreet zwei Bronzemedaillen. Damit erhielt das 1500-Einwohner-Dorf in der Nähe von Cork nach einigen Jahren der Obskurität wieder internationale Beachtung. Von 1992 bis 2000 waren in der «Glen Glens Arena» von Millstreet Weltcupspringen der Europaliga ausgetragen worden.
Vor rund 45 Jahren organisierte der Fabrikbesitzer Noel C. Duggan in seinem Wohnort Millstreet sein erstes internationales Turnier. Allerdings erschien der CSI im FEI-Kalender vorerst als CSI Cork, nach der 45 Kilometer entfernten Grossstadt. Ob der irische Pferdesportverband bei seiner Meldung an die FEI aus übertriebener Vorsicht aus dem kleinen Millstreet das grössere Cork gemacht hatte oder ob Noel C. Duggan der Lapsus passierte, ist nicht bekannt. Dass das Letztere zutrifft, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn Noel C., wie er in Irland genannt wird, strotzte schon damals vor Selbstsicherheit. Er war stolz auf sein Millstreet und wer je vom kleingewachsenen Noel C. vom Flughafen Cork abgeholt worden ist, um das Wunder Glen Glens in Millstreet zu erleben, weiss, mit welcher Begeisterung die Geschichte der Duggan Familie in Millstreet während 45 Kilometern erzählt werden kann.
Die mangelhafte Einschreibung des ersten CSI Millstreet als CSI Cork hatte Folgen. Als der französische Springreiter Michel Robert mit zwei Pferden über die See zum Turnier aufbrach, fuhr er nach Cork. Dort suchte er, ohne Erfolg, nach der Millstreet. Jemand klärte ihn auf und lotste ihn ins Dorf, wo er auf Noel C. Duggan mit seinem neuen Reitsportkomplex traf. Ob Michel Robert bei seiner Suche nach Millstreet den kleinen Umweg zum Blarney Castle machte, um dort den berühmten Stein zu küssen, der die Erfüllung aller Wünsche verspricht, ist nicht überliefert.
Der Glen Glens Komplex, von Noel C. Duggan aufgebaut, und jetzt von Sohn Thomas geführt, umfasst heute elf Freiluftplätze und drei Hallen, darunter die grosse Arena, wo Noel C. von 1992 bis 2000 Weltcupspringen durchführte und wo 1993 der Eurovision Song Contest stattfand. Für das kleine Dorf Millstreet ist die damalige Aufmerksamkeit der europäischen Fernsehzuschauer ein Höhepunkt der Dorfgeschichte. Der Stolz der Duggan Familie auf den Song-Anlass übertraf sogar die immer wieder hervorgehobene Tatsache, dass in der grossen Arena von Glen Glen’s die längste Bar Irlands aufgebaut ist.
Ab 1980 wurden in Millstreet über ein Dutzend FEI-Championate der Jungen Reiter, der Junioren und der Kinder ausgetragen – letztmals Ende Juli, mit den zwei Bronzemedaillen für den Schweizer Springnachwuchs bei den Jungen Reitern. Diese Nachwuchschampionate wurden nicht in der Arena, sondern auf den danebenliegenden Springplätzen ausgetragen. Organisatorisch erlebte man immer wieder Mängel; zum Teil als Resultat der von Noel C. Duggan herrührenden Einstellung des Alles-besser-Wissens, zum Teil aber auch der Schwäche des irischen Pferdesportverbandes und dessen offensichtlicher Furcht, sich in die Angelegenheiten der selbstsicheren Duggan-Familie einzumischen.
Einmal, Mitte der 90er-Jahre, bewarb sich Millstreet um die Ausrichtung des Weltcupfinals der Springreiter. Aber in der Abstimmung im Weltcupkomitee gab es nur eine Stimme für die Iren: den Zuschlag erhielt Genf. Von den zehn Mitgliedern des Weltcupkomitees gaben fünf ihre Stimme an Genf – vier stimmten für Canberra in Australien. Die einzige Stimme für Millstreet verhinderte wahrscheinlich ein Unentschieden zwischen Genf und Canberra, was eine zweite Abstimmungsrunde erfordert hätte.
Millstreet 1992 bis 2000 war nicht die erste irische Weltcupstation. Von 1979 bis 1982 wurde viermal im Simmonscourt Pavilion auf dem Ballsbridge Gelände der Royal Dublin Society um Weltcuppunkte geritten. Die Briten gewannen jedes Mal, zuletzt, 1982, Olympiasieger Nick Skelton mit St. James. Bei den neun Austragungen in Millstreet siegten die Briten nur drei Mal, wie auch die Iren: Jessica Chesney, die spätere Frau Kürten, siegte 1992, Trevor Coyle mit dem grossartigen Cruising zwei Mal, 1997 und 1998. Dazu gab es zwei deutsche und einen niederländischen Sieg.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 41/2016)
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