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Die Unterschrift kostete Marc Ravalomanana sein Amt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte der Präsident Madagaskars die Hälfte des fruchtbaren Ackerlandes der Insel an den südkoreanischen Daewoo-Konzern verkaufen wollen. Dabei ist Madagaskar selbst auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Im Februar stürzte Ravalomanana dann über diesen Landverkauf.
Doch bei diesem einen Coup wird es wohl nicht bleiben: Reiche Ölstaaten und boomende Schwellenländer sichern sich weltweit immer mehr Agrarflächen, Abbaugebiete für seltene Rohstoffe und exklusive Lizenzen für die eigene Ölversorgung.
Auslöser für diesen Wettlauf um Rohstoffgebiete und Ackerflächen ist nicht nur die weltweit steigende Bevölkerungszahl. Es sind auch das gewaltige wirtschaftliche Wachstum der grossen Schwellenländer und der enorme Bedarf an Nahrung und Rohstoffnachschub. Die steigende Nachfrage führte zu höheren Preisen: Weizen verteuerte sich innerhalb weniger Monate um 136%, Reis legte um 217% zu, Mais sogar um 241%.
Afrika steht hoch im Kurs
Bei den zahlungskräftigen Importländern wie China, den Golfstaaten oder Südkorea setzte wegen der rasanten Preisentwicklung ein Umdenken ein. Reihenweise verabschiedeten diese Staaten nationale Versorgungsstrategien, die nun mit privaten Firmen oder staatlichen Konzernen umgesetzt werden. Anstatt von Agrarhandel und Spekulanten abhängig zu sein, wollen die Regierungen lieber die Produktion direkt kontrollieren und sich so die Importe sichern. Offshore Farming lautet das neue Modewort. Hinter dem Landkauf steht nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein ausgeprägtes politisches Kalkül.
Hoch im Kurs steht besonders Afrika. So haben mehrere Golfstaaten begonnen, dort nach Land für Viehzucht, Tierfutter und Nahrungsmittel Ausschau zu halten. Im Sudan sicherten sich die Vereinigten Arabischen Emirate 400 000 ha, Saudi-Arabien kaufte sich rund 500 000 ha in Tansania für den Anbau von Agrarprodukten. Und China, das sich anschickt, zum grössten Landaufkäufer der Welt zu werden, verfügt künftig in der Demokratischen Republik Kongo über fast 3 Mio ha - und die nächsten Verhandlungen, etwa mit Sambia über den Ankauf von weiteren 2 Mio ha, laufen bereits. Experten schätzen, dass allein in Afrika innerhalb von drei Jahren rund 20 Mio ha an ausländische Investoren gegangen sind. Diese Art der Nahrungsmittelsicherung birgt Zündstoff. Denn immer mehr Menschen müssen durch eine Ackerfläche versorgt werden, die bestenfalls konstant bleiben wird. Ein Verteilungskampf um die knappen Ackerböden scheint daher wohl unvermeidlich - und Agrarland ist nicht der einzige begehrte Grund und Boden.
Auch der Wettlauf um die letzten Abbaugebiete von Rohstoffen hat längst begonnen. Allen voran China betreibt eine aggressive Strategie der nationalen Rohstoffversorgung. Die Regierung in Peking investiert ihre umfangreichen Devisenreserven in den Aufkauf ganzer Abbaugebiete, in Schürf- lizenzen und Förderrechte. 58 Mrd Dollar gab China allein im vorigen Jahr für die Sicherung von Rohstoffquellen im Ausland aus.
Gezielte Versorgungsstrategie
Das Reich der Mitte produziert bereits in zahlreichen Ländern Asiens Reis, Fisch, Soja und Zuckerrohr - so in Burma, Laos und den Philippinen. Gleichzeitig sichert die Volksrepublik den Nachschub für das enorme Wachstum der chinesischen Wirt-schaft durch eine gezielte Versorgungsstrategie. Um nicht in die Abhängigkeit von Öllieferungen aus den Golfstaaten zu geraten, wurden umfangreiche Rohstoffverträge mit anderen Staaten geschlossen. Inzwischen ist Angola grösster Erdöllieferant Chinas - noch vor dem Iran und Saudi-Arabien.
Für die Bevölkerung in den Entwicklungsländern bleibt dieser Ausverkauf nicht ohne Folgen. Schon jetzt sind etwa 43 der 53 afrikanischen Länder nicht in der Lage, für eine ausreichende Ernährungssituation zu sorgen.
Industriestaaten sind alarmiert
Auch wenn die ausländischen Investoren oftmals den Kauf von Land oder Abbaugebieten den jeweiligen Regierungen mit Gegenleistungen versüssen, etwa dem Aufbau der Infrastruktur, entpuppen sich solche Versprechungen als substanzlos. «Der Sudan», sagt Kanro Oshidari von der Uno, «könnte sich selbst versorgen. Er könnte die Kornkammer Afrikas sein, wenn er das eigene Ackerland nicht an ausländische Inves-toren verkaufen würde.»
Die Brisanz des Themas haben inzwischen auch die G20 erkannt und wollen darüber beraten. Die Experten befürchten Konflikte um die knapper werdenden Ressourcen und einen deutlichen Preisanstieg für Böden und Rohstoffe. Die Folgen bringt ein Londoner Investmentbanker auf einen Nenner: «Vergesst Gold! Kauft Käse!»