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Josephine,
Marie Rose, Kaiserin der Franzosen, erste Gemahlin Kaiser Napoleons I., geb. auf Martinique, wo ihr Vater Joseph Tascher de la Pagerie königlicher Hafenkapitän war, kam in einem Alter von 15 Jahren nach Frankreich und heiratete ihren Landsmann, den Vicomte Alexandre Beauharnais (s. d.). Die Sprößlinge dieser nicht glücklichen Ehe waren Eugen, der nachmalige Herzog von Leuchtenberg (s. d.), und Hortense (s. d.), die nachherige Gemahlin des Königs Ludwig Bonaparte von Holland, die Mutter Napoleons III. Nach der Hinrichtung ihres Gatten ward J. ebenfalls verhaftet und sollte vor dem Revolutionstribunal erscheinen, als die Katastrophe vom 9. Thermidor eintrat.
Auf Verwenden von Therese Cabarrus, der nachherigen Gattin Talliens, die sie im Gefängnis kennen gelernt, ward sie von Tallien befreit und erhielt durch ihn einen Teil ihrer konfiszierten Güter zurück. Im Haus von Barras, der ihr Freund und Beschützer wurde, lernte sie den General Bonaparte kennen und reichte demselben ihre Hand. [* 2] J. nahm den lebhaftesten Anteil an den Waffenthaten ihren Gemahls und konnte kaum abgehalten werden, denselben auch nach Ägypten [* 3] zu begleiten.
Sie lebte während dieser Zeit in Malmaison, das sie käuflich an sich gebracht hatte. Nach Bonapartes Rückkehr wirkte sie auch zu dessen politischen Zwecken erfolgreich mit; namentlich wußte sie an ihren kleinen Hof, [* 4] den sie nach dem 18. Brumaire im Palast Luxembourg eröffnete, und mit dem sie 1800 in die Tuilerien übersiedelte, auch Mitglieder der royalistischen Partei zu fesseln. Dabei entwickelte sie aber einen übergroßen Luxus, der sie in schwere Geldverlegenheiten stürzte.
Obwohl sie keine besondere Bildung genossen, so wußte sie doch diesen Mangel durch hohes geselliges Talent, das weniger durch eigentliche Schönheit als durch Anmut gehoben ward, reichlich zu ersetzen. Sie besaß ein außerordentliches Gedächtnis, welches Bonaparte oft benutzte. Die vielen Treulosigkeiten ihres Gemahls ertrug sie nur mit größtem Unwillen; mit den Geschwistern Napoleons stand sie von je in einem gespannten Verhältnis. Ihre menschenfreundliche Gesinnung zeigte sie, indem sie manche Härten ihres Gemahls auszugleichen suchte und ihn oft nicht ohne Erfolg von Gewaltthaten abmahnte.
Insbesondere zogen sie alte Sympathien zu dem emigrierten Adel hin, von dem viele Mitglieder ihr Amnestie, Ämter und Pensionen verdankten. Mit ihres Gemahls Streben nach souveräner Gewalt war sie keineswegs einverstanden und bot im Einverständnis mit Fouché alles auf, den letzten Schritt zu hindern oder wenigstens hinauszuschieben, da sie voraussah, daß die Gründung einer Napoleonischen Dynastie die Auflösung ihrer kinderlosen Ehe und eine anderweite Vermählung ihres Gemahls notwendig machen würde.
Als ihr indes Napoleon selbst die Kaiserkrone aufsetzte, fügte sie sich, obwohl ungern, in ihr Schicksal, das durch persönliche Differenzen mit Napoleon über ihre Verschwendung und ihr etikettewidriges Benehmen beschleunigt ward. Aber auf den Wunsch Napoleons, daß sie selbst auf Scheidung antragen solle, ging sie durchaus nicht ein und willigte erst nach langem Sträuben ein, daß die Trennung ihrer Ehe gesetzlich ausgesprochen ward. J. lebte seitdem mit kaiserlichem Titel und Glanze zu Navarre in der Nähe von Evreux, von ihrem alten Hof umgeben.
Sie bewahrte für ihren geschiedenen Gatten nicht nur ihre alte Neigung, sondern blieb mit ihm auch im Briefwechsel und empfing mehrmals seine Besuche. Sein Sturz brach daher ihre geistige und physische Kraft. [* 5] Die Gunst, den Gefallenen nach Elba begleiten zu dürfen, ward ihr nicht gewährt, wiewohl die verbündeten Monarchen sich sonst sehr rücksichtsvoll gegen sie benahmen. Sie starb in Malmaison an einer Halsentzündung und ward in der Kirche zu Ruel, unweit Malmaison, beigesetzt.
Ihre Kinder aus erster Ehe errichteten ihr daselbst 1822 ein Denkmal, auf welchem sie in knieender Stellung dargestellt ist.
Vgl. »Lettres de Napoléon à J. pendant la première campagne d'Italie, le Consulat et l'Empire« (Par. 1827);
»Lettres de J. à Napoleon et à sa fille« (das. 1833, 2 Bde.; deutsch von Elsner, Stuttg. 1838-39, 2 Bde.);
Aubenas, Histoire de l'impératrice J. (Par. 1857-1859, 2 Bde.);
»Mémoires de Mme. de Rémusat« (das. 1879-80, 2 Bde.; deutsch von Ebeling, Köln [* 6] 1880) und ihre Lebensbeschreibung von Saint Amand [* 7] (Par. 1884, 4 Bde.).