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Eine kurze Zunftgeschichte
Die ehemalige «Gemeinschaft» der Schmiede ist aus einer «religiösen Bruderschaft» hervorgegangen. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft verehrten einen Schutzpatron, den «Heiligen Eligius».
Nach einer Legende war derselbe von Beruf Hufschmied, jedoch zu gleicher Zeit soll er imstande gewesen sein, für Klöster, Kirchen und Fürstlichkeiten Gold- und Silbergeräte von hohem künstlerischem Wert anzufertigen.
Infolge seines religiösen Lebenswandels und grosser Gebefreudigkeit von Kultgegenständen soll er vom Domkapitel zum «Bischof von Noyon» (Frankreich) gewählt worden sein. - Er wurde in Limoges (Frankreich) im Jahre 588 geboren.
Die «Schmiede-Gemeinschaft» besass im 15. Jahrhundert im Münster einen dem «Heiligen Eligius» geweihten Altar.
Die wirtschaftlichen Rechte der Zünfte werden schon im Jahre 1200 in einem «Bischöflichen Lehensbuche» genannt.
Mit der Stadtvergrösserung im 12. Jahrhundert wuchs die Zahl der Handwerker.
Auf dem Markt vollzog sich der gewerbliche Verkehr, wo die Handwerker ihre Erzeugnisse feilhielten. Damit traten sie unter das «Marktrecht des Bischofs», als des «Marktherrn», nicht bloss für die Marktgebühren, sondern auch für die Marktpolizei bezüglich der Aufsicht über die Güte und die Preise der Waren.
Auf diese Weise vereinigten sich die Interessen des Marktherrn und die der Handwerker in dem einen Zwecke einer «Organisation» der Handwerker zu Genossenschaften. So entstanden die Zünfte.
Die Schmiedenzunft-Ordnung wurde während der Regierungszeit Bischof Heinrichs von Thun in Kraft gesetzt. (Letzterer starb 1238.)
Heinrich von Thun organisierte die Zünfte militärisch. Sie wurden zum Schutz der Stadt herangezogen. Jede Zunft hatte den ihr zugewiesenen Teil der Stadtmauer zu bewachen.
Schmieden- und Metzgernzunft hatten gemeinsam denjenigen Teil der Stadtmauer zu beschützen, der sich von der «Lyss» abwärts nach dem Turm «Lueg ins Land», der Stelle, wo sich heute das Bernoullianum befindet, erstreckt.
Im Jahre 1262 trat in Amt und Würde eines Bischofs von Basel Heinrich aus dem Hause der Grafen von Neuenburg am See. Er veranlasste die Handwerkszünfte, sich am städtischen Regiment (Regierung) zu beteiligen. Bis anhin waren es hauptsächlich Angehörige der Rittergeschlechter, die Mitglieder des Rats waren.
Das 13. Jahrhundert bedeutete für die Zünfte einen grossen Fortschritt.
Von nun an bestand der Rat aus 4 Richtern, 8 Bürgern und 15 Handwerkern. Durch das Erstarken der Zünfte bemühten sie sich um den Erwerb oder Bau eigener Zunfthäuser. Als erste entstanden die «Safran- und Spinnwettern» Zunftgebäude.
Der Kauf der alten Liegenschaft, auf der heute das «Schmiedenzunft-Gebäude» steht, erfolgte im Jahre 1411. Er fand statt, als Cunzmann Lory das Amt eines Schultheissen der Stadt Basel innehatte und als Oswald Wartemberg, der Messerschmied, Meister E. E. Zunft zu Schmieden war.
Der Kaufbrief nennt die Lage des Gebäudes: «Am alten Rindermarkt gegen dem Kaufhus über gelegen». Der Kaufpreis betrug 350 Gulden in Gold. Die Urkunde ist handschriftlich auf Pergament niedergeschrieben.
Aus dem für das Jahr 1948 herausgegebenen 126. Neujahrsblatt, verfasst von Rudolf Kaufmann, erfährt man für unsere Zunft interessante Angaben:
« 1411 gaben die Huf- und Waffenschmiede ihre Trinkstube hinter dem Spalenschwibbogen (dem alten, 1838 abgebrochenen Stadttor am Ausgang des Spalenberges gegen den heutigen Petersgraben) und die Messerschmiede ihre im Haus «zum Korb» an der Spiegelgasse befindliche Stube auf und vereinigten sich in der grossen, vom Bischof erworbenen Liegenschaft zwischen Gerbergasse und Rümelinbach, die vordem von Beginen bewohnt gewesen war.
(Beginen waren in früheren Jahrhunderten wohltätige, weltliche Frauenvereinigungen.)
Im Jahre 1373 wurde am Münster die erste Schlaguhr angebracht. Sie war das Werk des Basler Meisters Heinrich Halder, der als Uhrmacher zu Schmieden zünftig war.
Das Anbringen der Münsteruhr stand im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Erdbeben von 1356.
Nach einem Verzeichnis, das im 14. Jahrhundert geschrieben wurde, umfasste die Schmiedenzunft folgende Berufsgruppen: Armbruster, Büchsenschmiede, Harnischer, Hufschmiede, Kessler, Kupferschmiede, Nagler, Schleifer, Schlosser, Schwertfeger, Uhrmacher, Waffenschmiede und Windenmacher.
Im Laufe der Zeit wurden noch folgende Berufe in unsere Zunft aufgenommen: Eisenhändler, Buchdrucker, Drahtflechter, Feilenhauer, Messerschmiede, Müller, Papiermacher, Schriftsetzer, Sporrenmacher, Zirkelschmiede und in neuerer Zeit Elektriker.
Im Jahre 1529 wurde in Basel die Reformation eingeführt. In der Folge forderte der Basler Reformator Oekolampad vom Rat, dass in Zukunft die Zunftmeister und Sechser von den Zunftversammlungen gewählt werden müssen, was bis anhin nicht der Fall war.
Der berühmte Gelehrte Wurstisen, der von 1544 bis 1588 an der Universität Basel Theologie, Mathematik und Geschichte lehrte, entstammte einer jener
Familien, die der Schmiedenzunft angehörten und bei der Aufnahme in die Zunft ihren ursprünglichen Namen durch Anhängen von .. .isen, .. .eysen oder yssen ergänzten. Wie die Namen Wurstisen, Streckysen, Thurneyssen usw.
Im Protokollbuch der Schmiedenzunft vom Jahre 1546 - 1596 steht folgendes wörtlich: «Anno Domini Fünfzehn Hundert Vierzig und Sechs, auf den Sechs und Zwanzigsten Tag des Monats Augusti haben die Ehrwürdigen, Frommen, Fürsichtigen, Ehrsamen und Weisen H. H. Ratsherren, Meister und Sechser E. E. zu Schmidten in der Stadt Basel (folgen die Namen von 16 Ratsherren und Meistern und 12 Sechsern) einhellig erkannt:
«Nachdem von etlichen Jahren her das Silbergeschirr still gelegen und keinen Nutz bringen mögte etc etc, so verkaufen sie von ihrem Zunftschatz 44 silberne Becher im Gewicht von 430 Loth, zum Preis von 350 Pfund und 6 Schilling.»
«Nach diesem sind noch überblieben: 25 Tischbecher, darinnen der Herren Ratsherren, Meister und Sechser Wappen sich befinden. Darunter ist auch der vergüldet Becher, samt dem Deckel und Männlin daruf. Solche 25 Becher werden in dem Zunftgewölbe behalten bis künftiger Zeit andere mehr dazukommen. Gott verleihe einem Jeden langes Leben und aller Wohlergehen.»
1647 entstanden im Schosse der Schmiedenzunft die 4 Handwerke der Schlosser, der Uhren-, Büchsen- und Windenmacher.
Aus einem Protokollbuch des Jahres 1691 erfährt man, wie viel Zunftbrüder an einer Zunftversammlung teilgenommen haben. Beispielsweise wurde ein Sechser mit 95 Stimmen gewählt.
Anlässlich einer Ratsherrenwahl, die auf der Zunftstube mit einem Mahle gefeiert wurde, haben 88 Zunftbrüder 201 Mass Wein getrunken, was pro Zunftbruder etwa 2,3 Mass ausmacht.
Auf welche Weise die Zunft in früheren Jahren zu ihrem Silberschatz gekommen ist, bekunden folgende Eintragungen in Protokollbüchern: «Sonntags den 3 ten Juli 1692 sind die alten Irtenmeister aufgefordert worden Rechnung abzulegen. Bei dieser Gelegenheit haben 4 dieser Herren 6 silbervergoldete Gabeln geschenkt.»
Im Jahre 1752 haben 3 Irtenmeister 1 silberner Vorleg-Löffel, 2 silberne Esslöffel und 2 Messer mit silbernen Heften geschenkt.
Die Rechnungsführung scheint nicht immer geklappt zu haben, das beweist folgende Abschrift aus einem Meisterbuch:
«Anno 1700, den 7. Juli, auf den Schwörtag wurden die alten Irtenmeister zur Rechnungsabgabe aufgefordert, welche aber, wie alle Zeit, übel bestanden, die hingegen (die Irtenmeister) 3 silberne Löffel und zwei ziervergoldete, silberne Salzbüchslin verehrten etc.»
Irtenmeister oder Stubenmeister nannte man früher diejenigen Vorstandsmitglieder, die bei Zunftmahlzeiten oder anderen Festlichkeiten, welche auf der Zunftstube abgehalten wurden, für Speise und Getränk zu sorgen hatten.
Wie wenig Einwohner unsere Stadt beispielsweise im Jahre 1760 hatte, beweist eine Anmerkung in einem Protokollbuch, dass sich die Einwohnerzahl nur auf 15000 belief.
Aus einem Inventar vom Jahre 1776 ersieht man, was für Schätze die Zunft damals vorweisen konnte. Unter vielen anderen Sachen besass sie: 68 silberne Esslöffel, 56 Paar silberne Messer und Gabeln, 2 vergoldete Becher, 7 silberne Weinkannen, 342 zinnerne Teller usw. Im Inventar desselben Jahres sind ausserdem noch 4 Laden (Truhen) erwähnt: Eine davon den Huf- und Waffenschmieden gehörend, die folgende den Nagelschmieden, die dritte den vereinigten Handwerkern und die letzte den Kupferschmieden gehörend. Diese Truhen sind heute noch vorhanden.
Vom Jahre 1848 bis 1861 befanden sich im Innern des Schmiedenhofes Remisen und Stallungen für Postwagen und Pferde. Auch Oel- und Weinfässer und Käse wurden dort magaziniert. Nach Aufgabe der Remisen durch die Postverwaltung befanden sich dort Ablagen der Handwerker, die keine eigenen Läden besassen.
Anno 1882 wurde ein Teil des Archivs der Schmiedenzunft dem Staatsarchiv zur Aufbewahrung übergeben.
Im Jahre 1887 erteilte der Bürgerrat dem Zunftvorstande die Ermächtigung zum Verkauf ihres Zunftgebäudes an die «Gesellschaft zur Förderung des Guten und Gemeinnützigen in Basel». Diese baute das Gebäude für ihre Zwecke um. Seit dem Jahre 1891 steht im Schmiedenhof das von Bildhauer Lanz geschaffene Standbild des Basler Ratsschreibers «Isaac lselin», des hochverdienten Gründers der «Gesellschaft des Guten und Gemeinnützigen».
Die Oberst-Zunftmeister standen im Range direkt unter dem Bürgermeister. Sie standen in zweithöchster Stelle, die damals die Stadt Basel zu vergeben hatte.
Anno 1887 verkaufte die Zunft laut Beschluss der Zunftversammlung das ganze Areal mit allen Gebäuden zu 130'000.-- Franken.