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Geschichte verschiedener bedeutender
Schweizer-Klaviere
Präludium BWV 999 gespielt auf Burger&Jacobi von Christof Bucherer
Burger&Jacobi
Heinrich Christian
Joahnn Jacobi (1791-1879) aus Walthershausen (Thüringen) arbeitete ab 1842 in
Thun, Schweiz. Er hatte drei Söhne welche alle das Handwerk vom Vater lernten.
Der jüngste von ihnen, Hermann Emil (1852-1928), absolvierte seine Wanderjahre
in Basel, Paris und Zürich. Darauf heiratete er die Tochter des Klavierbauers
Christian Burger (1842-1925), welcher seine 1875 gegründete Fabrik von Burgdorf
nach Biel verlegte. Die Firma wurde infolgedessen in Buger&Jacobi umbenannt
und siedelte 1882 nach Biel-Madretsch um. Unter Hermann Jacobi (Gründer) blühte die Firma
auf, gründete den Bieler Handwerkerverein und war Mitgründer der bernischen
Angestellten- und Gewerbekammer.
Bild gefunden in Burger&Jacobi-Klavier Nr. 6055 (von ca. 1902, 1/1-Gussplatte)
eines der schönsten Burger&Jacobi-Modelle (weil es div. Nussbaum-Wurzelmaser-Einlagen hat, Drechsel- und Schnitzarbeiten, sowie in seinem ganzen Aufbau wohlgeformt ist. Die Mechanik stammte damals von Fritz&Mayer, Berlin) Dieses Modell befand sich in einem Bauernhaus in der Nähe des Schlosses Jegenstorf auf der Heubühne und wurde zerlegt abgeholt (zerlegt, weil vermeintlich wertlos!). Ein komplet restauriertes Stück, frisch gespritzt, mit Petrof-Innenteil kostet heute über Fr. 11'000.- (noch käuflich durch Bucherer Pianos! Dieses schöne Stück hier ging bei Bucherer Pianos neu befilzt und mit frischen Blankbezug für Fr. 5000.- über den Ladentisch).
bei der Neubesaitung dieses Klaviers (neue Stimmwirbel und Saiten, Gussplatte musste zur Reparatur des Resonanzbodens und zum Richten des Druckes entfernt werden. Deshalb leichte sichtbare Verletzung (Schrauben) des Burger&Jacobi-Signetes).
geschnitzte Rosette eines anderen alten Burger&Jacobi-Klaviers
Mein glücklicher Enkel erhält von seinem Grosspapi ein ähnliches revidiertes Modell in Deutschland
Er präsidierte den Verband der Schweizerischen
Klavierfabrikanten und war Gemeinderat von Madresch und Stadtrat von Biel. Alle
vier seiner Söhne beteiligten sich am Unternehmen, waren kulturell und politisch
tätig, wie auch sein Enkel Hans (1910-1988). In dritter Generation traten
Hugo (*1917) und Rudolf(*1918) an. Die Firma stellte in ihrer
Blütezeit ca. 800 Instrumente pro Jahr her und erreichte bis zuletzt die höchste
Pruduktionszahl von Klavieren in der Schweiz (Serienummer über 50'000!). Burger
& Jacobi beschäftigte 1984 45 Angestellte und wurde von Klavierhändler
Jean-Claude Häfliger gekauft. 1988 ging die Firma leider infolge der zu hohen
Lohnstruktur und der zu geringen Nachfrage nach Klavieren
als zweitletzte Klavierfabrik der Schweiz in den Konkurs. Jean-Claude Häfliger produzierte ab
Serienummer 100'000 weiterhin in Tschechien und neuerdings bei Sejung, China,
unter dem Namen Hermann Jacobi (siehe oben: Hermann Emil), Wilhelm Tell und Feinmann.
selten schönes Burger&Jacobi geliefert Nov. 2009 nach Herrliberg
Schmidt-Flohr
Gründer: Johann
Andreas Gottfried Flohr (1798-1872) geboren in Strassberg im Harzgebirge
(Deutschland). Als neuzehnjähriger Tischler ging er auf Wanderschaft und
arbeitete in Leipzig, Frankfurt, Bern und Paris bevor er sich in Bern endgültig
niederliess und die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielt. Flohr begann 1830
unter dem Namen "A. Flohr & Cie" mit der Klavier-Produktion (jährlich ca. 35
Klaviere). Nach Flohrs Tod 1872 übernahm seine Schwiegersohn, August Schmidt
(Jahrgang 1904) die Firma und benannte Sie in "Schmidt-Flohr" um. Die Firma
erfreute sich eines stetigen Wachstums und erreichte eine Produktion von beinahe
700 Instrumenten im Jahr 1920. Nebst Klavieren produzierte Schmidt-Flohr Flügel
in verschiedenen Grössen, zumeist in schwarzem Schellack, welche einen schönen
ausgewogenen Ton erzeugten. Aber auch an Schmidt-Flohr gingen die
wirtschaftliche Depression und der zweite Weltkrieg nicht spurlos vorüber; die
Produktion an Pianos halbierte sich!
Schmidt-Flohr-Pianos waren bis ins Aussland sehr geschätzt
und gewannen den Grand Prix an der Weltausstellung 1929 in Barcelona.
Hier ein neu besaitetes Schmidt-Flohr-Klavier von Bucherer Pianos. Sämtliche Hämmer wurden durch die Firma ABEL neu befilzt, alle Dämpferpüschel und Unterrahmenfilze sowie der Rückwandstoff ersetzt, der Resonanzboden repariert. Der Bass-Steg erhielt ein neues Steg-Doppel. Das Gehäuse ist in gutem Original-Zustand, schadhafte Stellen wurden von Hand leicht aufgefrischt.
Nach dem zweiten Weltkrieg konnte sich die Firma Schmidt-Flohr wieder auffangen und
wachsen. Sie erreichte aber die Spitzenproduktion von 1929 nie mehr.
1975 wurde die
Piano-Produktion in Bern aufgegeben und bis 1977 in Lizenz von Kemble in England
produziert. Heute wird unter dem Namen Schmidt-Flohr durch die Firma Bachmann,
St. Gallen, noch in Tschechien produziert.
Zur Frage der Neubesaitung von Schmidt-Flohr- und anderen Klavieren welche oft Einzelösen-Saiten-Aufhängung verwendeten:
Wohlfahrt
Wohlfahrt
Hermann Wohlfahrt gründete in der Näche von Biel seine eigene Fabrik. Sie durchlief verschiedene Stationen, wie Niedau, Lengnau und überlebte mehrere Generationen. Es wurde die drittgrösste Marke im Kanton Bern, heutiges Ladengeschäft zu finden in Grenchen, Solothurn. Viele schöne Klaviere sind auch aus dieser Produktion entstanden.
Anmerkung zum "Überbleibsel" Klavierbau in der Schweiz:
Als letzte Klavierfabrik der Schweiz schloss die Firma Sabel, Rorschach, ca. 1992 ihre Tore, welche 1920 aus der J. Bieger & Co hervor gegangen ist.
Noch ältere, zum Teil sehr schöne und noch brauchbare Klaviermarken, sind zu finden in Zürich: wie Hüni, Rordorf, Trost, Suter, Goltermann usw. (wann diese Firmen ihre Tore schlossen ist zumeist vermerkt in den neueren Ausgaben von "Europe Piano Atlas", Verlag Das Musikinstrument - Frankfurt am Main".)
Die Kurs-Ausbildung von Klavierbauern wechselte von Rorschach in die Lehrwerkstatt nach Brügg bei Biel. Ab 2008 wurde sie zusammen mit der Ausbildung von Orgelbauern/Zinnpfeifenmachern und Blasinstrumentenbauern/Reparateuren an den Bodensee verlegt. LBBZ Aarenberg. Siehe auch: http://www.musikinstrumentenbauer.ch.
Viele der guten, alten Schweizer-Klaviere werden heutzutage gerne ins nahe Ausland "geschafft".