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25 Jahre Windows 95
Internet verschlafen
Komplett falsch schätzte Gates damals den Online-Markt ein. Zu Beginn wurde Windows 95 sogar ohne Webbrowser verkauft, obwohl der britische Wissenschaftler Tim Berners-Lee das Web bereits fünf Jahre zuvor erfunden hatte und der populäre Mosaic-Browser auch schon seit 1993 verfügbar war. Erst im "Plus!"-Paket gab es einen Browser dazu.
Gates glaubte damals noch an den Erfolg proprietärer Online-Dienste wie Compuserve oder AOL und stattete sein Windows mit dem Microsoft-Gegenstück MSN aus. Diese geschlossenen Onlinedienste versuchten, die Nutzer in einem abgeschotteten Bereich zu halten, der vom offenen Web aus nicht erreichbar war. Erst als der Mosaic-Nachfolger Netscape den Markt überrannte, erkannte Gates die Herausforderung.
Immerhin reagierte der Microsoft-Chef schnell: Vier Monate nach der Premiere von Windows 95 änderte Gates seinen Online-Kurs um 180 Grad. Er wählte in einem Workshop dazu einen aussergewöhnlichen historischen Vergleich, um die neue Strategie zu verdeutlichen. Am Jahrestag des Überfalls Japans auf Pearl Harbor erinnerte er an den Kommentar des japanischen Admirals Yamamoto, «er fürchte, sie hätten (mit dem Überfall) einen schlafenden Giganten geweckt».
Die neue Ansage von Gates lautete: «Heute ist das Internet die treibende Kraft bei allen Verbesserungen, die wir bei all unseren klassischen Produkten vornehmen.» Microsoft verstrickte sich nach dieser Ansage in einen schmutzigen «Browserkrieg».
Kampf gegen Netscape
Der Kampf gegen Netscape hätte fast zur Aufspaltung des Konzerns geführt, weil sich die Aufsichtsbehörden an Microsofts Geschäftspraktik störten, den Browser Internet Explorer mit Windows zu bündeln. Zum Schluss blieb Netscape auf der Strecke.
Inzwischen spielt der Browsermarkt nur noch eine untergeordnete Rolle. Hier versucht Microsoft mit einem runderneuerten Browser Edge den x-ten Anlauf eines Comebacks gegen Google Chrome. Im Kampf um die Erlöse aus dem Netz steht Microsoft dennoch inzwischen auf der Siegerseite. Das Cloud-Geschäft mit Microsoft Azure und Microsoft 365 hat inzwischen die Erlöse mit Windows weit abgehängt.