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Cavendish sprintet wie zu seinen besten Zeiten
Mark Cavendish gewinnt an der 108. Tour de France zum zweiten Mal innert drei Tagen. Der Brite sprintet wie zu seinen besten Zeiten und kann an dreiwöchigen Rundfahrten nun 50 Etappensiege vorweisen.
Châteauroux und Mark Cavendish, da besteht eine Vorgeschichte. Der Brite von der Isle of Man hatte im Hauptort des Departements Indre schon zweimal triumphiert. 2008 holte er sich in seiner persönlich zweiten Frankreich-Rundfahrt erstmals einen Tagessieg, dem er in der gleichen Ausgabe noch drei weitere folgen liess. 2011 setzte sich Cavendish in Châteauroux wiederum durch - Sieg Nummer 17 bei der Grande Boucle.
Mit dem neuerlichen Triumph an gleicher Stelle ist der Zähler für den britischen Star-Sprinter bei 32 Tour-Erfolgen angelangt. Damit scheint sogar der Rekord des belgischen «Kannibalen» Eddy Merckx, der von 1969 bis 1975 gleich 34-mal triumphierte, für Cavendish wieder in Griffnähe.
Zurück zum Erfolgsteam
Was für eine wundersame Wendung in Cavendishs so erfolgreichen Karriere, die im vergangenen Oktober schon fast ihr Ende gefunden hätte. Der Brite stand am Ende der verkürzten Corona-Saison als 35-Jähriger ohne Vertrag da. Er hatte, ausser seinem eindrucksvollen Palmarès, nicht mehr viele Argumente für seine Verpflichtung vorzuweisen. Sein damals letzter Sieg, der 146., datierte von Anfang Februar 2018.
Ein Teamchef fand sich allerdings doch, der trotz allem noch an die Fähigkeiten von Mark Cavendish glaubte: Patrick Lefevere. Der Belgier lotste den Strassenweltmeister von 2011 zu Deceuninck-Quick Step. Es war für ihn zugleich eine Rückkehr ins belgische Erfolgsteam, für welches er in den drei Saisons von 2013 bis 2015 zu 44 Siegen gesprintet war.
Drüsenfieber und Depression
Danach ging es für Cavendish vorwiegend bergab. Im Frühjahr 2017 erkrankte er - wie 16 Monate später erneut - am Pfeifferschen Drüsenfieber. Im Sommer 2017 stürzte der Brite zudem an der Tour de France schwer, nachdem er in einem Massensprint von Peter Sagan abgedrängt worden war. Mit gebrochenem Schulterblatt war Cavendishs Saison vorzeitig zu Ende.
Im Frühjahr 2020 gab der Sprintstar auch zu, dass er in den Jahren zuvor nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Im August 2018 war bei ihm gar eine klinische Depression diagnostiziert worden.
50. Grand-Tour-Etappensieg
All diese Probleme sind zwar nicht vergessen, so aber doch wieder in den Hintergrund gerückt. In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit füllt Cavendish wieder perfekt die Rolle als einer der besten Sprinter der Radsport-Geschichte aus. In Châteauroux gelangte der Routinier souverän zu seinem 50. Tageserfolg in einer dreiwöchigen Rundfahrt. Zu den nun 32 Etappensiegen an der Tour kommen deren 15 am Giro d'Italia und drei an der Spanien-Rundfahrt.
Schöner Nebeneffekt seines Comebacks: Cavendish baute auch die Führung in der Punktewertung auf den ersten Verfolger deutlich aus. Wie gut der 36-Jährige die anstehenden Berge übersteht und ob er das grüne Trikot zum zweiten Mal nach 2011 bis Paris bringen kann, wird sich weisen.