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Im Rahmen des kirchlichen Unterrichts liess ich vor längerer Zeit Schüler:innen Plakate gestalten. Sie sollten darstellen, was ihnen wichtig war, was ihnen wirklich am Herzen lag.
Als wir die Resultate besprachen, zeigte ein Schüler stolz seine Kreation, auf der das Kürzel WWF zu sehen war. Ich freute mich und bestätigte, dass das Engagement des World Wide Fund for Nature für unsere Umwelt etwas ganz Zentrales sei.
Da unterbrach er mich und erklärte, er meine etwas anderes, nämlich die World Wrestling Federation. Das ist eine Organisation, die Wettkämpfe veranstaltet, in denen sich muskelbepackte Männer auf scheinbar brutalste Art und Weise bekämpfen. In Wahrheit sind diese Kämpfe jedoch professionell einstudierte Shows.
Das war nun ein Herzensanliegen, das ich weit weniger gut mit meinen Idealen christlicher Ethik verbinden konnte…
Tja, Buchstaben, Worte und Zeichen können zwar identisch sein, aber durchaus nicht dasselbe meinen. Und es ist immer wieder verblüffend, wie das Milieu, in dem ich mich bewege, wie der Kontext, in dem man sich befindet, die Wahrnehmung steuern; wie wir das verstehen, was wir verstehen wollen, und nicht das, was gemeint ist.
Darum ist es gut, wenn wir über die Grenzen unseres eigenen Milieus hinaus mit anderen ins Gespräch kommen und versuchen, uns in sie einzufühlen.
Nicht zum ersten Mal zitiere ich die bekannte Liedstrophe aus „Der Mond ist aufgegangen“:
„Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.“
Übrigens: Die Wettkampforganisation heisst mittlerweile World Wrestling Entertainment (WWE), weil die Umweltorganisation 2002 einen Rechtsstreit über die Markenbezeichnung „WWF“ gewann.
Foto: Claude-MUC, 2020. Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Halbmond_am_02.01.2020.jpg