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Da steht er nun, mit seinem schäbigen Plastiksack in der Hand. Und ist fehl am Platz.
Diese Szene, wie der talentierte Zlatan Ibrahimovic erstmals bei Malmö FF, der Nummer 1 der Stadt, auftaucht, steht sinnbildlich für seinen Werdegang. Auf ihn wartet niemand.
Wo der Junge auch ist, fast immer gibt es Scherereien. Das zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, der in Ibrahimovics Kindheit beginnt und mit seinem Wechsel von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin im Sommer 2004 endet.
Aufgewachsen im Stadtviertel Rosengard, wo heute 85 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund haben, ist der kleine Zlatan früh auf sich gestellt. Die Eltern trennen sich, in der Schule ist er ein Problemfall, er klaut und zofft sich beim Fussballspielen mit den Mitspielern. Das geht so weit, dass diese Unterschriften für seinen Rauswurf sammeln.
Sein Dasein als Fremder zeigt sich nicht nur beim Streiten mit den blonden Mitspielern. Dass der Regisseur vom zweiteiligen Mannschafts-Bild Jugoslawiens im Panini-Album nur die linke Hälfte zeigt, ist kaum ein Zufall; das Klebebild der rechten Hälfte fehlt. Zlatan ist nicht nur Schwede, für die Schweden ist er ein halber «Jugo».
Als er ein Päckchen der Sammelbilder öffnet, ist er enttäuscht darüber, darin nicht Roberto Baggio oder Marco van Basten zu finden, sondern einen Clown namens Thomas Ravelli, den er gar nicht kennt. Dabei bestritt der Goalie 143 Länderspiele für Schweden.
Ibrahimovic ist zehn Jahre alt, als in der Heimat seiner Eltern der Krieg ausbricht. Dieser belastet vor allem den Vater, bei dem der Junge lebt. Vom Pfand der Bierdosen, die der Vater vor dem Fernseher trinkt, während er die Nachrichten vom Balkan schaut, finanziert sich Zlatan seinen Znacht: Hamburger, Hot Dogs und Pommes frites. Er lernt früh, dass er sich selber helfen muss, wenn er etwas will.
Der Junge hat ein aufbrausendes Temperament und Probleme mit der Disziplin. Autoritätspersonen können ihn mal, egal ob es die Lehrerin ist oder der Fussballtrainer. «Ibra» verhält sich in einer Mannschaft unmöglich. Er versteht Fussball nicht als Teamsport, sondern als Ego-Show. Sein Talent und sein Fleiss retten den Stürmer, der den Ball nie abgibt, sondern immer nur selber brillieren möchte.
Zlatan ist ein Vulkan mit sehr kurzer Zündschnur – und doch wird ihm nach jedem Ausbruch vergeben. Weil er halt eben auch den Charme eines Schnuderbuebs besitzt. Das hat er mit seinem Agenten Mino Raiola, der kürzlich verstorben ist, gemein. Die wenigen Szenen mit ihm gehören zu den Höhepunkten des Films, weil man ahnt, dass die Treffen der beiden Alphatiere sich genau so und nicht anders abgespielt haben.
Als vor rund zehn Jahren die Autobiographie «Jag är Zlatan – ich bin Zlatan» erschien, habe ich sie mit Genuss gelesen. Daher waren meine Erwartungen an den Film gering, ich wusste ja schon alles. Doch dem Regisseur Jens Sjögren ist es gelungen, die Buchvorlage für die Kino-Leinwand umzusetzen. Die Handlung wird gut portioniert – dank Hitzkopf Zlatan ist auch immer etwas los. Die Spielszenen, in vielen Fussballfilmen ein Schwachpunkt, können ebenfalls überzeugen.
Der Fussballer wird von zwei Schauspielern gemimt. Besonders Dominic Andersson Bajraktati, der den jungen Zlatan gibt, überzeugt. Schon der Bube besitzt dieses markante Grinsen, das sagt: «Schaut her! Ich bin der König der Welt!»
Der Film «I Am Zlatan» ist ab dem 2. Juni in Schweizer Kinos zu sehen.
Tennis-Star Roger Federer ist schon Olympiasieger. 2008 gewann er mit Stan Wawrinka die Doppel-Konkurrenz in Peking.