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Bild
Titel:
Bau der Haggenbrücke
Thema: Land
Datum: --.--.1936
Masse: 20.6 x 22.4 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden (Vorbesitz: Helena Forderer, Gossau)
Urheber/-in: Josef Forderer (1913-1991), Maschinist beim Bau der Haggenbrücke
Beschreibung:
Schwarz-Weiss-Fotografie vom Bau der Haggenbrücke. Zeigt einen Arbeiter, der scheinbar ungesichert auf einem rund 80 Meter hohen Träger sitzt. Er trägt einen Hut, seine Hose hat er durch Hosenträger fixiert, die Ärmel seines weissen Hemdes hat er hochgekrempelt. Mit der einen Hand stützt er sich an einem Pfeiler ab, mit der anderen geht er ans Werk. Vor ihm steht eine Dose mit Pinsel, unter ihm liegt die alte Brücke, unter der die Sitter durchfliesst. Am rechten Ufer, das wie sein Gegenüber von Steinen, Sträuchern und Bäumen umgeben ist, sind zahlreiche Balken abgelegt. Im Hintergrund der frei vorgebauten Brückenkonstruktion ist ein Hilfsgerüst zu erkennen.
Geschichte:
Mühsam war der alte Saumweg zwischen der Wasserburg Stein und der Stadt St.Gallen. Von der Blatten führte er ins Tobel und schliesslich die 365 Stufen der Hundwiler Leiter hinauf nach Haggen. Zwei Unglücke hatten sich auf dem Pfad bereits ereignet. Mitte der 1880er-Jahre setzte sich deshalb ein Initiativkomitee für den Bau einer Verbindungsbrücke ein. Die andauernde Wirtschaftskrise aber verunmöglichte eine Finanzierung. Der Untergang der Heimindustrie hatte viele Ausserrhoder arbeitslos gemacht. Bald sollte auch der Erste Weltkrieg ausbrechen.
Ein halbes Jahrhundert später kam es zu einem erneuten Vorstoss. In der Kirchhöri entschied die Steiner Bevölkerung schliesslich, den Bau einer Brücke zwischen Stein und Haggen zu unterstützen. Die Gesamtkosten sollten sich auf 348'826.05 Franken belaufen. Gedeckt wurden diese durch den Bund, den Kanton, den Verkehrsfonds, die Stadt St.Gallen, die Gemeinde Stein und zahlreiche freiwillige Beiträge. Dies in einer Zeit, in der Geld knapp war.
Für rund einen Franken pro Stunde legten denn auch die Arbeiter Hand an. Auf schmalen Eisenstreben in 80 Metern Höhe waren sie oft ungesichert am Werk; da gehörte neben Schwindelfreiheit eine gehörige Portion Mut dazu. Dennoch ereignete sich während des gesamten Baus nur ein einziger Sturz – und der ging dank der federnden Wirkung der Baumkronen glimpflich aus.
Das Baumaterial wurde mit Pferdefuhrwerken vom Lagerort im Störgel zur Rollbahn in die Blatten und schliesslich mit einem Kranen zur Verwendungsstelle transportiert. Von Stein her wurde die Brücke gänzlich frei vorgebaut; liess es die Höhe zu, wurden Hilfsstützen genutzt. Der Übergang zum Erddamm und der Stahlbau erfolgten von der gegenüberliegenden Seite aus. Ende Mai 1937 konnten die beiden Teilkonstrukte vernietet werden. Um die natürlichen Schwingungen der Brücke aufzufangen, hatte der Luzerner Ingenieur Rudolf Dick, veranlasst, verschiedene Teile der Brücke freischwebend anzubauen; so beispielsweise die Gehwege.
Im Oktober 1937 war die Haggenbrücke fertig gestellt. 355.50 Meter war sie lang, 98 Meter hoch, 3.8 Meter breit und 350 Tonnen schwer; die Steigung von Stein nach Haggen betrug 14 Meter. Die Einweihungsfeier wurde noch im selben Monat abgehalten. Der Belastungsprobe mit sechs mal acht Tonnen Wagen hielt der Neubau wohl stand, die drängende Menschenmasse von 5600 Personen aber versetzte ihn arg in Schwingung. Das darauf erstellte Gutachten forderte denn auch einige Verbesserungen der Konstruktion. Zudem wurde die Haggenbrücke für den Automobilverkehr gesperrt, wie es ursprünglich geplant gewesen war.
Liebevoll wurde die Haggenbrücke fortan „Ganggelibrogg“ genannt. Auch die zahlreichen mehr oder weniger grossen Renovationen, die sie mittlerweile durchlebt hat, vermochten an ihrem eigentümlichen Charakter nicht zu rütteln. – Noch heute, wenn der Wind über ihre Träger und Pfeiler fegt, schaukelt sie gemächlich hin und her.
Autorin: Susanna Schoch, Herisau
Literatur:
Rohner, Willi u.a.: 1749-1999: 250 Jahre Gemeinde Stein AR. Berneck 1999. S. 58-62.
StAAR, Hd ST 1005, Der Bau der Haggenbrücke 1936-1937.
StAAR, Me.003-020, Haggenbrücke Stein-St.Gallen, 1911-2010.
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