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Maya Graf ist Mitglied der ständerätlichen Kommission für soziale Sicherheit, arbeitet bereits seit 2001 im Eidgenössischen Parlament und ist seit 2014 Co-Präsidentin von alliance F, der viele Frauenorganisationen angehören. Doch offensichtlich hat die Politikerin den Kontakt zur Basis etwas verloren, denn sonst würde sie am Fernsehen nicht «vor allem das Abschaffen des Koordinationsabzugs beim BVG» fordern, wie sie es in der Hauptausgabe der SRF-Tagesschau am Abend des Abstimmungssonntags erneut gemacht hat.
Ihre Forderung ist zwar mehr als berechtigt. Aber Maya Graf ist zu raten, auf der Strasse einmal zehn Frauen zu fragen, ob sie wissen, was der «Koordinationsabzug» ist. Neun von zehn Frauen werden es nicht wissen oder höchstens antworten, dass dies etwas mit der Zweiten Säule zu tun haben muss.
Mit «Koordinationsabzug» bezeichnen Technokraten der Sozialversicherungen die Tatsache, dass die ersten 25’095 Franken des jährlichen Lohnes bei den Pensionskassen gesetzlich nicht versichert sind. Betroffen und benachteiligt sind vor allem Teilzeitarbeitende und das wiederum betrifft grossmehrheitlich Frauen. Frauen, die im Jahr beispielsweise 40’000 Franken verdienen, sind bei ihrer Pensionskasse in der Regel nur für 14’905 Franken versichert, weil die ersten 25’095 Franken eben «abgezogen» werden. Das führt im Alter zu einer mickrigen Pensionskassenrente.
Man kann jedoch die Frauen für diese Benachteiligung kaum sensibilisieren und mobilisieren, indem man das «Abschaffen des Koordinationsabzugs» fordert.
Fordert man beispielsweise, die «massive Diskriminierung der Teilzeitarbeitenden bei den Pensionskassen zu beseitigen», dann wird klar, dass es sich nicht um irgendeinen «Abzug» handelt, sondern um eine Diskriminierung oder Benachteiligung vor allem von Frauen.
Maya Graf ist nicht die Einzige der Grünen und der SP, die im Abstimmungskampf unter anderem mit dem «Koordinationsabzug» argumentierten.
Um zu mobilisieren, kann eine ständig wiederholte, sich einprägende Wortwahl entscheidend sein. Das Wort «Koordinationsabzug» ist dazu sicher untauglich. Offensichtlich haben die Abtimmungsstrategen der Grünen und der SP entweder schlecht gearbeitet oder ihre Vorgaben wurden von den Exponentinnen und Exponenten ignoriert.
Die Bürgerlichen Parteien und namentlich die FDP-Frauen, welche für das Abstimmungs-Ja das Zünglein an der Waage waren, hatten versprochen, das Pensionskassengesetz so zu revidieren, dass Teilzeitarbeitende nicht mehr diskriminiert werden. Viele Ja-Stimmende haben dieses Versprechen für bare Münze genommen. Man darf sie jetzt nach diesem knappen Abstimmungsergebnis nicht im Stich lassen.
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PS. Journalistinnen und Journalisten im Berufsalter, die bei Infosperber in Teilzeit arbeiten und Honorare erhalten, werden bei der Pensionskasse nicht diskriminiert, weil die Stiftung SSUI bei der Pensionskasse freiwillig die gesamten Bezüge versichern lässt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.