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Wochenbesinnung
Gottesdienst «Kantate» «Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder « (Psalm 98,1)-
Musée du protestantisme dauphinois, F-Le Poet-Laval
Sonntag Kantate
Der heute Sonntag, der immer noch in die österliche Zeit fällt, hat in gewissen Kirchenordnungen den Namen «Kantate». Das ist die lateinische Übersetzung von «Singet». Das Lob Gottes, das gemeinsame Singen steht im Zentrum. Zwei Chöre, einer aus Thusis, der andere aus der Region Imboden, sind am Sonntag auch in unserer Kirchgemeinde zu Gast. Das passt sehr gut.
Dorf im Süden
Im Süden Frankreichs, liegt ein kleines Dorf am Hang. Die Gegend wird auch die Drôme-Provencale genannt, wegen ihres südlichen Charakters. Das Dorf, eigentlich eine Burg und später Schlossanlage, wurde schon im frühen Mittelalter gegründet. Es heisst Le Poët-Laval und zieht nicht wenige Touristen jedes Jahr an.
Reformation
Anfang des 16. Jahrhunderts nahmen die Gedanken der Reformation Einzug. Der Schlossherr stellte danach die Bibel, das Wort Gottes, in den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Die grosse Kapelle wurde vereinfacht, Altäre hinausgetragen und hinfort ein reformierter Gottesdienst gefeiert. Der Bischof hatte nichts mehr zu sagen. Doch blutige Religionskriege beherrschten aber die Zeit bis 1598. Dann erliess Frankreichs König Henri Quatre einen Religionsfrieden, «Edikt von Nantes» genannt. Mit strengen Auflagen für beide Seiten, die römischen Katholiken und die Reformierten.
Das bedeutete u.a. Die Kapelle in Le Poët-Laval mussten wieder an die Katholiken zurückgegeben werden. 1622 wurde im Innern der Burg, in einem grossen Saal, der auch den Versammlungen des Dorfes diente, ein reformierter Versammlungsraum, ein sog. «Temple» eingeweiht. Er ist heute nun Teil eines Hugenottenmuseums, des sog. Musee du Protestantisme Dauphinois. Wie durch ein Wunder und durch das beherzte Reagieren der Dorfbevölkerung überlebte er die Verfolgungen und Zerstörungen nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 durch König Ludwig den XIV..
Versammlung unter Gottes Wort
Was konnte er in diesem sorgfältig gepflegten Museum entdecken? Wer wurde in den verschiedenen Vitrinen dargestellt? Es waren Menschen, Gläubige, die trotz allen Widrigkeiten die Osterbotschaft ernstnahmen. Luther, Calvin. Guillaume Farel, der Reformator von Neuchâtel, der aus der Dauphiné, aus Gap stammt, kleinere Reformatoren, mutige Frauen. Die sich ein Jahrhundert sogar in der sog. «Wüste», im Freien, ohne Gotteshaus und Pfarrer mit dem stärkenden Wort Gottes versammelten.
Psalmengesang -Gemeinsam, als Gemeinde
Sie haben das Wort nicht nur gehört, sie haben es auch gesungen. Die ersten reformierten Gesangbücher waren vertonte Psalmen, noch keine Dichtungen. So kam übers Singen der geistliche Gehalt des Liedes ins Herz, ins Gemüt. Und das gemeinsame Singen stärkte, wie heute noch. Es machte Mut, es gab Hoffnung. Das gab ihrem Leben Wurzeln und Halt.
Das ist auch heute noch so.
Ein Beispiel ist jener 98. Psalm, aus dem wir einen Vers, den ersten herausgegriffen haben.
Psalm 146
Ein anderer Psalm ist Psalm 146. Paul Gerhardt, ein berühmter deutscher Liederdichter, hat ihn neu in Sprache gefasst. In der 2. und 3. Strophe des Liedes «Du meine Seele singe» heisst es: «Ihr Menschen, lasst euch lehren, es wird sehr nützlich sein: Lasst euch doch nicht betören, die Welt mit ihrem Schein. Verlasse sich ja keiner, auf Fürsten Macht und Gunst, weil sie wie unsereiner, nichts sind als ein Dunst. - Wohl dem, der einzig schauet, nach Jakobs Gott und Heil. Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen, bleibt ewig unbetrübt.»
Die eingängige Melodie, die in unserem Gesangbuch in helles B-Dur gesetzt ist, stammt von Johann Georg Ebeling.
Danken, vor Gott bringen
«….weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ist`s billig, dass ich mehre, sein Lob vor aller Welt», endet das Lied gleichsam mit einer Aufforderung auch an jeden von uns.
Loben wir Gott, bringen wir von ihn mit Singen, was uns bewegt, das macht uns frei, das entlastet uns. Auch über den Sonntag «Kantate» hinaus.
Herzliche grüsst Sie Ihr Hans Walter Goll, Pfarrer