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Geschichte des Hinduismus in der Schweiz
Der Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Welt und prägt das Leben, Fühlen und Denken von rund 930 Millionen Hindus vor allem auf dem indischen Subkontinent, aber auch in Nepal, Sri Lanka, Bali, Mauritius und anderen Ländern Asiens. In der Schweiz machen die Hindus mit ca 50`000 Personen etwa 0,6% der Bevölkerung aus.
Der Hinduismus ist enorm Vielfältig was der Glaube, die Theologie und Lebensweise unterschiedlicher Tradition angeht. Dies gilt auch für den Hinduismus in der Schweiz, wo wir neben einer starken Vertretung von tamilischen Hindus auch Gläubige mit Herkunft aus Indien und Nepal vorfinden, sowie Schweizer, welche sich der hinduistischen Spiritualität zugewandt haben.
`Hinduismus` ist weder ein Sankskritwort noch findet man es in den vedischen Schriften. Dieser Begriff wurde von den Muslims geprägt, die in Nordindien eindrangen (12-14Jh). Mit dem Wort `Hindu`bezeichneten sie allgemein alle Mitglieder der nicht-mohammedanischen indischen Religionen auf der anderen Seite des Flusses Sindhus (Indus). Heute bezeichnet sich der Sammelbegriff `Hinduismus`auf alle möglichen religiösen Strömungen und Traditionen in Indien.
Wenn Hindus selber ihre Religion beschreiben, beziehen sie sich in der Regel auf den alten, traditionellen Begriff Sanatana Dharma, was so viel wie `ewige Religion` oder `ewige Ordnung` bedeutet.
Hinduistisches Gedankengut
Erstes hinduistisches Gedankengut soll in den 1920er Jahren durch den französische Schriftsteller Romain Rolland (1866-1944) in die Schweiz gekommen sein. Der Nobelpreisträger verfasste Biographien über den bengalischen Heiligen Ramakrishna (1836-1886) und dessen Schülers Swami Vivekananda (1863-1902), welche auch in deutsch übersetzt wurden. Es war Swami Vivekananda, der 1893 in Chicago bei der ersten Sitzung des Weltparlaments für Religionen auftrat und somit zum ersten grossen Vertreter des Hinduismus im Westen wurde.
Interesse an Yoga
Die erste Yoga Schule hierzulande wurde bereits vor 70 Jahren gegründet. Die ungarische Pianistin und Bildhauerin Elisabeth Haich zog in den 1940er Jahren zusammen mit ihrem indische Ehemann und Arzt Selvarajan Yesudian von Budapest nach Zürich. Zusammen eröffneten sie 1948 die erste Yoga Schule in der Schweiz. Obwohl Yoga heute vor allem als eine Form von Entspannung und Körperübung verstanden wird, weckt es auch heute noch bei vielen Praktizierenden das Interesse am Hinduismus, im Wissen, dass Yoga ursprünglich einen tief religiösen-spirituellen Ansatz besitzt.
Gurus aus Indien
Weitere hinduistische Impulse kamen dann vor allem in den 1960er und 70er Jahren nach Europa und so auch in die Schweiz. Mehrere spirituelle Lehrer, Gurus kamen damals in den Westen um verschiedene Formen des Hinduismus und indischer Spiritualität zu verbreiten. Der erste indische Mönch welcher in der Schweiz ein Verein gründete war Swami Omkarananda, welcher 1966 das Divine Light Zentrum in Winterthur ins Leben rief. Anfang 70er Jahren verbreitete sich zusätzlich die Osho-Gemeinschaft under der Führung von Bhagwan Shree Rajneesh sowie die von Swami Prabhupada gegründete ISKCON (Internationale Gesellschaft für Krishna Bewusstsein). Die ISKCON, auch Hare Krishna Bewegung konnte sich über die Jahrzehnte gut etablieren und umfasst heute ein Gemeinde von ca 400 Mitgliedern und einen Kreis von ca 2000 Freunden und Sympathisanten. Weitere Gruppierungen, welche in der Schweiz eine Gemeinschaft besitzen sind Ananda Marga (seit 1972),Maharishi Yogi (seit 1973) sowie die Brahma Kumaris und die Sathy Sai-Vereinigung (beide seit 1980). Nicht alle dieser Gemeinschaften verstehen sich selber als `hinduistisch`, da dieser Begriff, wie bereits erwähnt, eine Fremdbezeichnung darstellt. Aus diesem Grund sehen sich manche dieser Gruppierungen lieber als Nachfolger des Sanatan Dharams oder einfach als spirituelle Gemeinschaften indischer Herkunft.
Hindukultur durch Einwanderer
In der Schweiz sind es aber die in den 1980er Jahren eingewanderten Flüchtlinge und Arbeitsemigranten aus Südasien, vor allem aus Sri Lanka, welchen den grossen Teil der Hindus ausmachen. Als 1983 in Sri Lanka durch den Konflikt zwischen singhalesische Mehrheit und der tamilischen Minderheit ein Bürgerkrieg entfachte, flüchteten viele Tamilien nach Europa und so auch in die Schweiz. Während in den Anfangszeiten vor allem der, 1980 eröffnete , Krishna Tempel am Zürichberg für viele Tamilen eine erste Zuflucht bot, bildeten sich im Verlauf der Jahre verschiedne Gemeinden, so dass 1986 der erste Tamilische Tempel in Basel eröffnet wurde. Weitere Tempel-Eröffnungen folgten, in allen Teilen der Schweiz, so das es heute über 20 verschieden tamilische Hindu Temple gibt.
Vielfalt des Hinduisms
Durch alle diese verschiedenen Einflüsse entstand in der Schweiz eine bunte, vielfältige hindiustischen Landschaft, welche für die Öffentlichkeit oft schwer zu verstehen ist. Schliesslich gibt es eben nicht einfach den einen Hinduismus. Es gibt auch nicht einen Vertreter oder ein gemeinsames Oberhaupt, oder eine gemeinsame Heilige Schrift, welche alle Hindus besitzen. Die Unterschiede beziehen sich nicht nur auf die Herkunft, sondern zeigen sich auch in der Praxis, in der zu verehrenden Gottheiten und der religiösen Schule welcher man sich zugehörig fühlt. So steht für die Saivaites Shiva und Murguan im Mittelpunkt wohingegen die Vaishnavas ihr Leben Gott in der Form von Vishnu, Krishna und seinen verschiedenen Avataren widmen.
Gerade unter diesem Umständen wird die Notwendigkeit eines Schweizerischen Dachverband für Hinduismus deutlich. Schliesslich dienen alle verschiednen Traditionen, trotz der unterschiedlichen Herkunft und Praxis dem gleichen Sanatana Dharma, der gleichen göttlichen Ordnung wie sie in den Vedas beschrieben wird.
In dem im April 2017 gegründeten Verband, haben wir Mitglieder aus allen Formen des Hinduismus eingeladen sich sich unter einem gemeinsamen Dach zusammen zu finden. Verschiedene Gemeinschaften sind dieser Einladung gefolgt und gemeinsam arbeiten wir daran den Kontakt untereinander zu fördern und den Hinduismus für die breite Öffentlichkeit zugänglicher zu machen.
Hari Om Tat Sat
Quellen:
- Blickpunkt - Religion und Kultur, Band 3, Lehrmittelverlag Zürich
- Tempel und Tamilen in zweiter Heimat, hg. von M. Baumann et al., 2003
- https://www.unilu.ch/fakultaeten/ksf/institute/zentrum-religionsforschung