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Station 16
Philipp Anton von Segesser
Auf dem Inseli, das damals dem Festland vorgelagert war, lebte ab 1867 Philipp Anton von Segesser in einem Landhaus.
Er war eine der interessantesten Persönlichkeiten des Kantons Luzern. Aus einem Patriziergeschlecht stammend, war er während vielen Jahren ein einflussreicher Politiker, der das konservative Luzern prägte und sich im Kulturkampf als umsichtiger Sachwalter katholischer Interessen erwies. In der Luzerner Regierung wirkte er während vielen Jahren prägend, und im Nationalrat vertrat er den Heimatkanton während 40 Jahren. Er genoss hohes Ansehen als Historiker und war als politischer Publizist und Journalist tätig.
Näheres dazu erfahren Sie im Audiobeitrag oder im vollständigen Text "Philipp Anton von Segesser".
Im Namen "Insel" steckt die Erinnerung an die Insel, die ursprünglich dem Festland vorgelagert war. Hier lebte ab 1867 Philipp Anton von Segesser (1817–1888), eine der interessantesten Persönlichkeiten, die der Kanton Luzern hervorgebracht hat. Die Nachwelt kennt vor allem den Politiker, der als Nationalrat, Grossrat und Regierungsrat 40 Jahre lang das konservative Luzern prägte. Er gab den Verlierern des Sonderbundskriegs eine Stimme und erwies sich im Kulturkampf als umsichtiger Sachwalter katholischer Interessen. Überraschend aktuell sind die Reflexionen des ebenso engagierten wie kritischen Katholiken über das Verhältnis der Kirche zum modernen Staat und zur liberalen Gesellschaft. In Fachkreisen geniesst Segesser zudem grosses Ansehen als Historiker. Namentlich mit seiner "Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Luzern" (1850–1858) setzte er Massstäbe.
Der Neigung zur Geschichtswissenschaft folgend, hatte der junge Patrizier das juristische Fachstudium durch historische Vorlesungen – unter anderem bei Leopold von Ranke und Jules Michelet – ergänzt. Gerne wäre Segesser, welcher der Luzerner Lehranstalt mannigfache Anregungen verdankte, 1841 als Geschichtsprofessor ans Lyzeum zurückgekehrt. Der Gedanke war nicht abwegig. Der Lehrstuhl für Geschichte war vakant, und die Luzerner Behörden hatten schon mehrmals begabte Studenten direkt von der Universität an die Lehranstalt berufen. Doch im Revisionsjahr 1841 war die Konstellation ungünstig – die neue konservative Regierung ernannte Segesser nicht zum Geschichtsprofessor, sondern zum Ratsschreiber. Die Geschichtsprofessur wurde 1844 einem Zuger Geistlichen übertragen, der den Erziehungsrat mit seiner Predigt zur Schlachtfeier am Gubel überzeugt hatte. Der Weg an die Lehranstalt blieb Segesser auch später versperrt: Für die Liberalen, die 1848 die Macht wieder übernommen hatten, war der ehemalige Beamte der Sonderbundsregierung, der sich rasch als Vorkämpfer der konservativen Opposition profilierte, nicht wählbar.
Nach dem konservativen Wahlsieg 1871 wurde Segesser zum Spiritus Rector der Luzerner Regierung. Mit seinen eigenwilligen Ideen blieb er indessen oft isoliert, so auch bei der Reform des höheren Bildungswesens 1872/73. Das Konzept, das er als Präsident des Erziehungsrats vorlegte, zielte darauf, die Luzerner Schultradition mit den Erfordernissen des technischen Zeitalters zu verbinden: Die Realschule, ein Zwitter, der sowohl als Vorstufe für die ETH wie auch als Handelsschule diente, sollte verlängert und in das humanistische Gymnasium integriert werden. Damit wollte Segesser nicht nur den Realschülern eine breitere Bildung vermitteln, sondern auch die Gymnasiasten an die Naturwissenschaften heranführen. Das zweijährige Lyzeum, ein Erbstück der Jesuitenschule, sollte beiden Richtungen einen "Ruhepunkt" bieten, "auf welchem der jugendliche Geist in der Rekapitulation und philosophischen Durchdringung des bisher Gelernten sich sammelt, kräftigt und jene Selbständigkeit des Urteils und jene höheren Standpunkte gewinnt, welche dem Berufsstudium die höhere Weihe geben". So hochgemut diese Vision sich dem damals schon vorherrschenden Trend zum Nützlichen widersetzte, so eng war der Blickwinkel in seiner Fokussierung auf das männliche Geschlecht. Vergeblich sucht man bei Segesser Überlegungen dazu, ob es nicht an der Zeit wäre, Mädchen den Zugang zur Gymnasialbildung zu eröffnen, oder gar einen konkreten Vorschlag für die Weiterentwicklung der Töchterschule, an der einst seine Tante als Ursuline und später als weltliche Lehrerin unterrichtet hatte. In dieser Beziehung war er nicht weitsichtiger als andere, auch nicht eigenwilliger und nicht einmal besonders konservativ – vielmehr verharrte er im Rahmen dessen, was damals in der Luzerner Erziehungspolitik über die Parteigrenzen hinweg als selbstverständlich galt.