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Die Herren von Ems (Hohenems) waren jahrhundertelang Grundherren über Lustenau, Au, Widnau und (Diepoldsau)-Schmitter. Im Jahr 1593 begann die längst begehrte kommunale Selbstverwaltung für Widnau-Haslach (Au) und somit die Trennung von Lustenau. Die Auer, Widnauer und Schmitter erhielten Grundbesitz in der heutigen Marktgemeinde Lustenau zur Nutzung zugeteilt. Diese Güter befinden sich heute im Eigentum der drei Ortsgemeinden.
Die Au wurde 1316 als Diken Auwe bezeichnet und gehörte zum Reichshof Lustenau, welcher unter der Hohenemser Herrschaft stand. Die Herren von Ems waren neben den Grafen von Montfort das bedeutendste Adelsgeschlecht in Vorarlberg. Die Familie lässt sich urkundlich bis in das Jahr 1170 zurückführen. Die Brüder „Rudolfus und Goswinus de Amides“ waren nach 1170 als Ministerialen des Staufers Friedrich von Schwaben eingesetzt. Sie kontrollierten das Rheintal von Vaduz bis zum Bodensee. Dem Flecken Ems, wurde vom Kaiser Ludwig von Bayern 1333 die Rechte und Freiheiten der Reichsstadt Lindau verliehen, was aber von den Herren von Ems nie umgesetzt werden konnte.
Gegenläufig zum allgemeinen Verfall des Ritteradels, wurden die Herrn von Ems dank einer Heiratsverbindung mit der Familie Medici, 1560 zu Grafen zu Hohenems erhoben. Ihre Herrschaft und reichsunmittelbare Position wurde dadurch ausgebaut. Sie gehörten nicht zu Vorarlberg, sondern war direkt dem Kaiser unterstellt. Diesen Aufstieg verdankt das Geschlecht den Tätigkeiten seiner Mitglieder in österreichischen Diensten. Darüber hinaus gelang es den Emsern, durch Darlehen an verschiedene Kaiser und den im Gegenzug gewährten Reichspfandschaften, Hoheitsrechte in ihre Hand zu bringen.
Sie erwarben 1613 von den Grafen von Sulz die Herrschaft Vaduz und Schellenberg. Es entstanden 1646 die Herrschaften Hohenems-Lustenau und Hohenems-Vaduz. 1759 starben mit Franz Wilhelm III. die Grafen von Hohenems im Mannesstamm aus und die Landeshoheit von Hohenems kam an Österreich. Der heutige Graf von Hohenems hat mit den „Herren von Ems“ keine verwandtschaftliche Beziehung. Die heutigen Grafen kamen erst 1830 nach Hohenems.
Auer erhalten Auer Riet zugeteilt
Im Jahre 1593 fand die erste Hofteilung statt. Da der Graf von Hohenems ein finanzielles Defizit aufbessern musste, konnte sich der Hof Widnau loskaufen. Die Widnauer mussten aber weiterhin einen Tribut oder Zent (10. Teil) bezahlen und bei einem Todesfall das schönste Tier und das Kirchenkleid dem Grafen von Hohenems überlassen.
Bei der zweiten Hofteilung im Jahre 1775 wurde der Hof Widnau in die Teile Widnau, Au und Schmitter geteilt. Diese Teilung richtete sich nach der Bevölkerung. Daher wurden Au 210 ha, Widnau 135 ha und Schmitter 110 ha zugesprochen. Zu dieser Zeit floss der Rhein noch willkürlich durch das Rheintal. Die Auer Bürger bauten ihre Häuser an den Heldsberg und somit war die Bevölkerungsdichte in diesem Teil der drei Gemeinden am Grössten.Das Riet wurde unter die Bürger zur Nutzung aufgeteilt. Jeder der 250 Bürger bekam einen Teil Acker und einen Teil Streue von etwa 40 Aren Fläche.
Auch nach der Gründung des Kantons St. Gallen 1803 wurde an diesem alten Recht festgehalten. All die Jahre seit den Hofteilungen gab es immer wieder Streit ums Riet mit den Österreichern. Erst im Jahre 1809 beendete Napoleon diese Streitigkeiten endgültig, indem er den Schweizern das Land unwiderruflich zuteilte. Die Schweizer konnten die Felder in Österreich auch während den beiden Weltkriegen bewirtschaften. Sie stachen Schollen zum Heizen und trieben natürlich weiterhin Ackerbau.
Im Jahre 1960 wurde das Riet melioriert und zu Grossparzellen zusammengelegt. Nun wurde das Riet durch Landwirte bewirtet. Die Bürger erhielten stattdessen bis 1980 einen Bürgernutzen. Dann wurde dies vom kantonalen Gesetzgeber unterbunden. Heute ist das Riet für sechs Bauern eine Existenzgrundlage. Sie pflanzen Mais, Tritical (Futterweizen), Bohnen, Gras und Streue an.
Im Jahre 1989 wurde das erste Biotop angebaut. Mittlerweile sind es sieben Nasszonen, welche vor allem von verschiedenen Vögeln aber auch Fröschen, Kröten und anderen Wassertieren bewohnt werden. Im Sommer wurden schon bis 68 Störche gezählt. Auch der seltene Kiebitz fühlt sich hier sehr wohl, wurden in den letzten Jahren doch immer ca. 15 bis 20 Brutpaare gezählt. Das ist mehr als in der ganzen Schweiz zusammen. Seit 2008 ist ein Teil des Auer Rietes im Österreicher Naturschutzgebiet „Natura 2000“ integriert.
Speziell am Auer Riet ist auch, dass Au als einzige Schweizer Gemeinde ein eigenes Jagdgebiet im Ausland besitzt. Dieses wird von zwei Schweizer Jägern unterhalten und untersteht dem österreichischen Jagdgesetz. Geschätzte 35 Rehe und 120 Feldhasen entsprechen einer sehr hohen Population. Praktisch bei jedem Spaziergang kann man aber auch Fasane und andere Vögel beobachten. Da sich die Tiere hier sehr wohl fühlen, kann man sich ihnen zum Teil bis auf wenige Meter annähern.
Mit den Schülern der 5. Klasse werden seit 1989 im Frühling jeweils ca. 700 Christbäume angepflanzt, welche nach ca. fünf Jahren an die Bevölkerung abgegeben werden. Mit ca. 15 freiwilligen Helfern wird das Riet an einem Tag im Frühling gehegt und gepflegt.
Das Riet wird von der Schweizer und Österreicher Bevölkerung als Naherholungsgebiet genutzt, geliebt und geschätzt. Der Ortsverwaltungsrat Au ist bestrebt, dass dies noch viele Jahrzehnte so bleibt und steht mit vollem Einsatz hinter diesem Erbe unserer Vorfahren.
Hier kann man per Klick den Original Text der Auer Zeitung anschauen: Auer Riet – Geschichte