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Während in der nördlichen Hemisphäre der letzte Sommer rekordhohe Temperaturen und Waldbrände in Sibirien verzeichnete, war es am Südpol noch nie so kalt. Die durchschnittliche Temperatur an der Amundsen-Scott-Station am Südpol war zwischen April und September mit minus 61 Grad Celsius die kälteste seit der Aufzeichnung im Jahr 1957.
Der Klimatologie-Journalist Stefano Di Battista twitterte zuerst über die extremen Temperaturen, und ein NASA-Forscher bestätigte dies später. Experten weisen auf einen Polarwirbel und einen daraus resultierenden Ozonabbau als Schuldigen hinter der tiefen Kälte hin.
Es war außergewöhnlich kalt am Südpol in der Zeit von April bis September. Das ist erstmal nicht außergewöhnlich, aber in diesem Jahr war es etwas extremer als üblich.
Die kalten Temperaturen breiteten sich auch anderswo in der Antarktis aus, was laut einem Bericht der Washington Post zu einer rekordverdächtigen Ausdehnung des Packeisgürtels führte, welcher die Antarktis umgibt.
Selbst jetzt, da der Frühling bereits in vollem Gange ist, erlebt die Antarktis weiterhin Rekordtemperaturen. Vor einigen Tagen erreichte die russische Wostok-Station mit minus 79,4°Celsius, nur 0,6º Celsius über der kältesten Oktobertemperatur aller Zeiten.
Die aktuellen Temperaturen sind immer noch weit entfernt von den kältesten, die jemals auf dem Kontinent gemessen wurden. Am 21. Juli 1983, zu Zeiten der antarktischen Polarnacht, verzeichneten die Forscher auf der Wostok-Station mit minus 89,6 Celsius einen neuen Minusrekord. Am 23. Juli 2004 wurde nordwestlich der Forschungsstation durch Satellitenmessungen sogar eine Oberflächentemperatur minus 98,6º Celsius registriert. Die Daten wurden mittels des Infrarotspektrometers MODIS an Bord des Satelliten Terra direkt auf der Eisoberfläche gemessen und sind von daher mit den an der Forschungsstation gemessenen Lufttemperaturen in der international üblichen Messhöhe von zwei Metern nicht direkt vergleichbar. Deshalb wurden diese Messwerte von der zuständigen Weltorganisation für Meteorologie (WMO) nicht als Kälterekord anerkannt.
Ein Ausreisser in den Daten macht noch keinen Trend. Experten sind sich überall einig, dass der Klimawandel sowohl weltweit als auch in der Antarktis, immer noch ein ernstes Problem darstellt. Ironischerweise erlebte der Planet als Ganzes von Juni bis August seine viertwärmsten Temperaturen, während die Antarktis fror.
Wissenschaftler betonten, dass die Rekordkälte über dem Südpol die Schwere der globalen Erwärmung in keiner Weise widerlegt oder verringert. Die Antarktis ist berüchtigt für ihre wilden Wetter- und Klimaschwankungen, die den globalen Trends zuwiderlaufen können.
Heiner Kubny, PolarJournal