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Die Vielfalt des Sündopfers
1. Teil: a) Das Sündopfer - 3Mo 4
2. Teil: b) Die Vielfalt des Sündopfers
Inhaltsverzeichnis
Das Sündopfer - 3Mo 4
II. Die Vielfalt des Sündopfers
Die Mannigfaltigkeit in diesem Opfer, durch welche verschiedene Grade der Erkenntnis dargestellt wird, in welchem jeweils eine Seite des Opfers Christi erfasst werden kann. Hier finden wir noch eine viel größere Mannigfaltigkeit als bei den vorhergehenden Opfern. Bei dem Sündopfer sehen wir nicht nur Mannigfaltigkeiten in dem g e o p f e r t e n Tier und in den Einzelheiten, welche über die Art und Weise der Darbringung berichtet werden, sondern es werden auch verschiedene Personen genannt, die das Opfer bringen, eine Eigentümlichkeit, die sich bei keinem der anderen Opfer findet. Außerdem gibt es Unterschiede in Bezug auf das B l u t, das F e t t, den L e i b und endlich betreffs des N a m e n s des Opfers. Jede dieser Verschiedenheiten ist, da sie vom HErrn berichtet sind, unseres aufmerksamen Nachdenkens wert. Ich werde nur einige der Hauptumrisse andeuten, und der HErr Selbst lehre Sein Volk, daraus Nutzen zu ziehen.
1. Verschiedenheit beim Opfertier3Mo 1.) Hier bei dem Sündopfer aber durfte man als geringste Gabe sogar Semmelmehl darbringen (3Mo 4:23.28.32 und 3Mo 5:11). So lesen wir: "Vermag er aber nicht zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben, so bringe er für seine Sünde sein Opfer, einen zehnten Teil Epha Semmelmehl zum Sündopfer. Er soll aber kein Öl darauf legen, noch Weihrauch darauf tun; denn es ist ein Sündopfer."
Wir haben bereits die Bedeutung dieser verschiedenen Sinnbilder betrachtet; ich brauche daher nur auf sie hinzuweisen. Bei dem Sündopfer wie bei dem Brandopfer finden wir verschiedene Auffassungen in Bezug auf das Wesen des Opfers. Der eine erblickt die willige Arbeit, ein anderer die Ergebung, ein dritter die Unschuld des Opfers, welches Jehovah dargebracht wird. Bei dem Sündopfer aber finden wir noch niedere Anschauungen, von denen die geringste, wie wir schon gesehen haben, einem Speiseopfer ähnlich ist. Die Lösung ist leicht. Wie wir es bei den vorhergehenden Opern sahen, dass ohne Ausnahme in den niederen Anschauungen eine Unklarheit, beinahe Verwirrung stattfand, so ist es auch hier: auf der niedrigsten Stufe gleicht das Sündopfer dem Speiseopfer. Der Gedanke ist beinahe der, welcher dem Speiseopfer zugrunde liegt, doch wird es als für die Sünde dargebracht angesehen. Dies wird ausdrücklich erwähnt; obgleich nur aus Mehl bestehend, ist es ein S ü n d o p f e r (3Mo 5:11).
Wie genau diese Eigentümlichkeit in dem Vorbild die Art und Weise, in welcher etliche das Opfer betrachten, bezeichnet, wird am besten von denjenigen verstanden, welche sich von Kraft zu Kraft entwickelt haben. Sie wissen, wie vielfach Christus Selbst von denen, die Ihn lieb haben, doch nur stückweise erkannt wird. Etliche sehen den Schmerz und die Pein, die Christus litt, sie sehen das Zermahlenwerden, Zerquetsch- und Ausgepresstwerden des Speiseopfers und denken darin habe das Tragen der Sünde bestanden. Sie können nicht zwischen den Prüfungen und dem Fluch unterscheiden. Sie sehen freilich ein Leben des Leidens, aber sie sehen nicht den für sie Verfluchten. Doch erkennen sie, dass ein Dulder sich aufopfert, und obgleich ihnen viele Punkte in Seinem Opfer verloren gehen, so verstehen sie doch, dass es um der Sünde willen dargebracht worden ist. Wie viel geht bei so einseitiger Anschauung des Opfers Christi von dessen Zweck und Wesen verloren!
2. Die Person des Opfernden
Eine weitere Verschiedenheit, die wir bemerken, betrifft die P e r s o n des O p f e r n d e n. Wir sehen hier den Priester, die Gemeinde, den Fürsten, den gemeinen Israeliten. Der Reihenfolge nach tritt uns zuerst das Sündopfer für den P r i e s t e r entgegen (3Mo 4:3-12), sodann das Sündopfer für eine S e e l e aus dem gemeinen V o l k (3Mo 4:27-35) und endlich das Sündopfer für besondere Sünden (3Mo 5:1-13), bei welchem die Person des Opfernden außer acht bleibt, wogegen aber die bestimmte T a t , um deren willen er opfert, deutlicher gesehen wird. Hier fällt der Unterschied zwischen dem Sünd- und Schuldopfer beinahe weg.
Was hat aber die Verschiedenheit in der P e r s o n die das O p f e r bringt, zu bedeuten? Wir dürfen uns nur daran erinnern, was diese Verschiedenheiten darstellen. Sie bedeuten nur, wie wir dies genügend gesehen haben, verschiedene Erkenntnisgrade. Bei dem Brand-, Speise- und Dankopfer sind uns die Mannigfaltigkeiten in dem Opfer schon bekannt geworden, und wir sahen, dass sie das verschiedene Maß der Erkenntnis bedeuten, welche man über den Wert und das Wesen des Opfers gewinnen kann. Auf dieselbe Weise stellen die Verschiedenheiten, welche bei dem Sündopfer über die P e r s o n des O p f e r n d e n bemerkt werden, verschiedene Anschauungen über den dar, der das Opfer bringt. Natürlich ist hier, wie anderswo, Christus der Opfernde, der Mensch unter dem Gesetz, unserer Stellvertreter, der mit dem Bekenntnis seiner Sünde vor Gott tritt. Als solcher kann Er jedoch in sehr verschiedener Weise gesehen werden. Im ersten Fall wird der Opfernde z.b. als Priester gesehen, d.h. als die Person, welche als Vertreter einer F a m i l i e oder G e m e i n d e dasteht. In anderen Fällen sieht man den Opfernden als "eine Seele vom gemeinen Volk" als einen, der einfach nur als Vertreter einer e i n z e l n e n Person dasteht. In den allerniedrigsten Graden wird die Person des Opfernden ganz aus den Augen verloren; es wird weder eine einzelne Person noch eine Gemeinde gesehen, und die Sünde, für die er opfert, ist beinahe das einzige, was erkannt wird.
Doch lasst uns hier etwas eingehender den genauen Unterschied beachten, der mit diesen einzelnen Anschauungen von dem Opfernden bezweckt wird; und damit wir den Gegensatz noch deutlicher sehen, stellen wir einen Augenblick die höheren und niederen Grade des Sündopfers nebeneinander.
Zu der ersten Klasse ist der Opfernde der "Priester, der gesalbt ist"; in der folgenden "die ganze Gemeinde"; und in einer niederen Klasse (wie groß ist hier der Gegensatz) ist der Opfernde "eine Seele vom gemeinen Volk". Der "Priester, der gesalbt ist," und "die ganze Gemeinde" sind Bilder, die jedem Christen bekannt sind. "Der gesalbte Priester", das Haupt der priesterlichen Familie und der Mittler zwischen Gott und Menschen, ist das Vorbild Jesu als Haupt einer priesterlichen Familie und auch als Mittler der auserwählten Gemeinde Gottes. In diesem Fall steht Christus, welcher das Sündopfer darbringt, als Haupt der Gemeinde oder als deren von Gott bestimmter Mittler. Sein Opfer wird nicht nur als Sühne für diese oder jene einzelne Persönlichkeit, sondern in Verbindung mit einer ganzen Familie oder einem Volk erblickt.
In der folgenden Stufe opfert "die Gemeinde". Diese Gemeinde stellt die Kirche Christi dar. Hier verlieren wir den Priester, als mit unter der Schuld der Sünder Israels stehend, aus den Augen; dies ausgenommen, aber ist das Opfer der Gemeinde beinahe gleichbedeutend mit dem vorigen. Der Punkt, der in diesen beiden Fällen besonders hervortritt, ist, dass die Sünde und die Versöhnung, welche geschieht, nicht nur eine Person betrifft, sondern ganz Israel. Beachten wir nun den Gegensatz. In den niederen Stufen ist der Opfernde eine Privatperson, "eine Seele vom gemeinen Volk", und seine Sünde und die Versöhnung, die für dieselbe geschieht, geht ihn allein an. Die Gläubigen, welche das Sündopfer am tiefsten erfassen, erkennen, dass es nicht sie allein angeht, sondern auch den Priester und ganz Israel. Die, welche eine geringere Erkenntnis davon haben, sehen es nur als für sie selbst geschehen an. Das Interesse das der Hohepriester oder Israel daran haben, wird von ihnen ganz übersehen.
Die Erkenntnis, welche also etliche von Christo als dem Sündopfer haben, ist die, dass sie einen sehen, der in seiner Person die ganze Gemeinde darstellt, wobei die Gemeinde entweder als Familie des Priesters oder als das ganze Israel gedacht wird. Andere wiederum sehen Ihn als das Haupt eines Stammes, "den Fürsten"; ín diesem Fall wird die Einheit der Gemeinde aus den Augen verloren. Eine viel größere Anzahl Christen aber erkennt von alle dem nichts, denn sie sehen in Christo, dem Sündopfer, nur den, der sie persönlich vertritt. Noch andere, deren Erkenntnis noch schwächer ist, sehen überhaupt nur, dass Er für die Sünde eingetreten ist. Diese Abstufung in der Erkenntnis und Erfahrung wird reiferen Christen schon aufgefallen sein.
So viel von der Verschiedenheit in der Person bei Opfernden und von ihrer Bedeutung - wenn ich sie recht verstehe. Wir haben nur die Umrisse berührt, die Einzelheiten aber sind ebenfalls sehr lehrreich. Wenn genug geistliches Verständnis vorhanden ist, tiefer einzudringen wird dies unserer Seele reichen Gewinn bringen. Gerade wie jede Verschiedenheit bei dem O p f e r - ich meine den Unterschied zwischen einem Farren einem Lamm oder einer Turteltaube - uns einen Zug des Werkes Christi vor Augen stellt, so finden wir auch hier in jeder der Verschiedenheiten bei dem, der das Opfer bringt, einen neuen Gedanken über die Person Christi. Ich will jedoch nicht näher darauf eingehen, dieselben zu betrachten, nicht weil ich an ihrem Wert zweifle, sondern weil ich fürchte, zu weitläufig werden zu müssen.
3. Unterschiede beim Blut
Ein dritter Punkt, den wir nun berühren wollen, bezieht sich auf " das B l u t". Bei den höheren Stufen wurde das Blut auf den Räucheraltar gesprengt (3Mo 4:25.30.34). Ich fürchte, es wird unmöglich sein, dies für solche verständlich zu machen, welche niemals die vorbildliche Bedeutung der Bestandteile der Stiftshütte studiert haben. Zweierlei muss wenigstens erkannt werden: erstens die Bedeutung dieser Altäre, sodann ihre Besprengung.
Was die Altäre betrifft, so war der eine golden, der andere ehern. Der eherne stand in dem äußeren Vorhof der Gemeinde, der andere, der goldene, stand im Heiligen, das bekanntlich von niemandem außer dem Priester betreten werden durfte. Der äußere Vorhof mit seinem ehernen Altar und Handfass stellt die Erde dar und die Arbeit, welche für Gott verrichtet wird. Das Heilige mit dem goldenen Räucheraltar bildet uns die himmlischen Stätten ab mit dem Dienst, der dort geschehen soll. Auf dem ehernen Altar wurden die Opfer Israels dargebracht. jeder Israelit durfte, wenn er rein war, sich nähern und selbst opfern (2Mo 29:36-43). Aber zu dem goldenen Altar durften allein die Priester nahen, und es wurde nichts darauf gebracht, als nur der wohlriechende Weihrauch (2Mo 30:1-10). Die Stellung und der Gebrauch dieser Altäre und die Hinweisungen auf dieselben im Neuen Testament (Hebr 13:10-16 - Offb 8:3.4) dienen sämtlich dazu, deren vorbildliche Bedeutung klarzumachen. Der eine Altar zeigt uns etwas von dem Dienst der Gemeinde auf Erden und der andere von ihrem Dienst als Priester in den himmlischen Stätten.
So viel über die Altäre Was nun das Blutsprengen anbelangt, so brauche ich kaum zu sagen, dass es immer auf die Versöhnung durch das Opfer hinweist. Es bedeutet, dass die besprengte Sache oder Person durch das Blut aus einem Zustand der Entfernung von Gott in einen Zustand des Naheseins gebracht wird. Das Blutsprengen auf den Räucheraltar bedeutete also, das man demselben nicht nahen durfte, ohne Blut zu sprengen; ferner, dass folglich ohne diese Besprengung aller priesterliche Dienst und daher aller Dienst jeglicher Art zwischen Gott und Israel gehemmt war. Dasselbe galt auch von dem ehernen Altar. In beiden Fällen sieht man, dass durch die Sünde die Gemeinschaft mit Gott unterbrochen ist; in dem einen Fall die Gemeinschaft der Priester, in dem andern die Gemeinschaft Israels. Das Blutsprengen aber beweist, dass die Gemeinschaft durch das Sündopfer wieder hergestellt ist und zwar auf dem goldenen Räucheraltar für die Priester und auf dem ehernen für Israel.
Die Bedeutung des Unterschiedes, den wir betrachten, wird jetzt deutlich genug sein, denke ich. An den höheren Stufen, wo bemerkt wird, dass der Räucheraltar der Besprengung bedarf, sieht man, dass die Folgen der Sünde sehr weit gehen, denn es wird die Unterbrechung der Gemeinschaft nicht nur von Menschen auf Erden empfunden, sondern auch von Priestern bei ihrem Zutritt zu Gott. An den niederen Stufen dagegen, zum Beispiel bei der Seele "vom gemeinen Volk", sieht man nicht, dass die Sünde die Gemeinschaft der ganzen Gemeinde mit Gott unterbrochen hat, denn es wird nicht bemerkt, wie der Priester und Israel mit darin verflochten sind, es dreht sich vielmehr alles um das eigene Ich. Mit einem Wort, es werden auf den unteren Stufen sowohl die Folgen der Sünden, als auch das genugsame Gegenmittel nur teilweise erkannt. Es wird freilich die Notwendigkeit der persönlichen Annahme und Versöhnung zugegeben und diese Annahme und Versöhnung auch angeeignet, dass aber die Gemeinde als Ganzes der Versöhnung bedarf, ja dieselbe schon besitzt, bleibt unerkannt und doch wenigstens unbeachtet. Demgemäß richtet sich das Urteil über die Ausdehnung des Bösen, das durch die Sünde verursacht wird, genau nach der Tiefe der Anschauung, die man über die Tragweite der Versöhnung hat. Nur derjenige, welcher erkannte, dass der Altar der Priester durch das Blut des Sündopfers erst zum Gottesdienst geweiht wurde, erkannte auch, dass überhaupt die Gemeinschaft des Altars durch die Sünde unterbrochen war. So ist alles allenthalben. Je tiefer die Erkenntnis von der Wirksamkeit des Blutes ist, desto tiefer wird auch das Verständnis für das sein, wovon es uns erlöst.
Doch können wir noch eingehender über diesen Punkt sprechen. In dem fünften Kapitel, welches uns die geringsten Grade des Sündopfers zeigt, wird weder der eine, noch der andere Altar genannt3. Alles, was bemerkt wird, ist, dass der Priester eine Versöhnung vollbracht hat; die Altäre und ihre Wiederherstellung zum Dienst werden vergessen. Dies ist leider bei vielen heutzutage der Fall. Dass eine Versöhnung für die Sünde geschehen ist, das wissen sie, und sie sind auch dankbar dafür, was aber die richtige Erkenntnis der verschiedenen Altäre anbelangt, oder in wie fern ihr Gebrauch durch die Sünde behindert und durch das Sündopfer wieder hergestellt ist, davon wissen sie nicht nur nichts, sondern verurteilen auch solche Dinge als unwichtig und unnötig. Derselbe Geist, der den Toren sprechen lehrt: "Es ist kein Gott", verleitet sogar Christen zu sagen: "Vieles, was Er getan, hat keinen Wert für uns."
- 3 3Mo 5:6 "Er soll für seine Schuld dieser seiner Sünde, die er getan hat, dem HErrn bringen von der Herde eine Schaf- oder Ziegenmutter zum Sündopfer; so soll ihm der Priester seine Sünde versöhnen. Hier ist von keinem Altar die Rede.
4. Das Fett im Sündopfer
Ein vierter Punkt, der bei dem Sündopfer in Betracht kommt, bezieht sich auf "das F e t t". In den höheren Graden wurde das Fett auf dem Altar verbrannt (3Mo 4:8-<ip-pii>.35), bei dem niedrigsten Grad wird dies übersehen (3Mo 5:6). Wie gewöhnlich, so gibt es auch hier zwischen der höchsten und niedrigsten Klasse verschiedene Abstufungen des Verständnisses. Bei dem ersten Grad sieht man nicht allein das Verbrennen des Fettes, sondern wir finden auch die eingehendste Beschreibung der einzelnen Bestandteile desselben4. Auch bei den folgenden Graden, ja bei allen, ausgenommen den niedrigsten, wird das Fett verbrannt, aber seine einzelnen Teile werden nicht unterschieden. Bei dem letzten Grad wird das Fett des Opfers gar nicht einmal erwähnt. "Das Fett", wie wir schon bei den anderen Opfer gesehen haben, stellt die Gesundheit und Stärke des ganzen Leibes dar. Dass es vor dem HErrn verbrannt wurde, zeigt, das das Schlachtopfer, welches für die Sünde dargebracht wurde, doch an und für sich angenehm war. Dieses Wohlgefallen an dem Opfer tritt bei den höheren Klassen am deutlichsten hervor, ist aber auch bei allen übrigen Graden außer dem niedrigsten immer noch zu erkennen. Bei diesen wird die Versöhnung, welche für die Sünde geschehen ist, allerdings erkannt, allein weiter geht das Verständnis nicht. Solchen Christen ist nur die Vergebung der Sünden, nicht die vollkommene Erlösung von Wichtigkeit.
4 3Mo 4:8-9. Wir lesen hier: "Alles Fett am Eingeweide die zwei Nieren mit dem Fett, das daran ist, an den Lenden und das Netz über der Leber, an den Nieren abgerissen" etc. Bei keinem der anderen Grade finden wir diese Einzelheiten.
5. Der Leib im Sündopfer
Eine weitere Verschiedenheit, die wir bei dem Sündopfer bemerken, bezieht sich auf den L e i b desselben. Bei den höheren Graden wird derselbe hinaus vor das Lager geworfen (3Mo 4:12.21) und bei den niedrigen nicht. In dem Gesetz über die Opfer wird aber noch etwas weiteres genannt: man sieht, wie sich der Priester von dem Opfer nährt. Was dies bedeutet, ist klar. Wird die Bedeutung des Sündopfers völlig erkannt, so sieht man, dass das Schlachtopfer, das heißt der Sündenträger unter dem Fluch steht und daher in die Wüste hinausgestoßen werden muss. Bei geringerem Verständnis ist einem das Schlachtopfer nur noch Sündenträger; dass es aber tatsächlich von Gott geschieden ist, das ahnt man nicht, und sein Tod scheint daher auch nur den Mittler zu befriedigen.
Hier möchte ich bemerken, wie inmitten aller dieser Verschiedenheiten in den Einzelheiten doch durchweg eine große Gleichartigkeit betreffs des Grundgedankens zu finden ist. Auf den unteren Stufen, nämlich da, wo ein geringeres Maß von Verständnis ist, wird immer wieder die Anschauung von der N a t u r des Opfers durch eine Anschauung über die W i r k u n g desselben verdrängt; mit anderen Worten: man sieht, in wie fern das Opfer Israel betrifft, nicht aber, was es an und für sich ist, seinem eigentlichen Wesen nach. Dem gemäß werden Einzelheiten wie das Verbrennen des Fettes, welches die Vollkommenheit des dargebrachten Schlachtopfers zeigt, und das Hinauswerfen seines Leibes, welches die Art und Weise der Verdammnis andeutet, - also Einzelheiten, welche das Opfer selbst betreffen, auf den niederen Stufen aus dem Gesicht verloren, während die Wirkungen des Opfers, da sie eine Versöhnung zustande bringen, vielleicht noch schärfer ins Auge gefasst werden. Wie genau stimmt dies mit der Erfahrung der Christen überein! Zuerst wird Christi Werk oder Person oder Opfer immer daraufhin betrachtet, was es für uns ist. Nichts scheint der Beachtung wert, als was sich auf uns bezieht oder einen Nutzen für uns hat. Das Opferlamm hat unsere Sünden getilgt und uns versöhnt, dies ist das eine und fast das einzige, was erkannt wird. Auf dieser Stufe würde alles weitere Eindringen als eine große Vermessenheit angesehen werden. Ist aber erst die Frage betreffs des Friedens mit Gott ins Reine gebracht, und sind wir erst unserer Annahme gewiss, so wird auch die Vollkommenheit des Opfers, und was es an und für sich ist, besser verstanden werden.
6. Die Namen des Sündopfers
Die letzte Verschiedenheit die ich hier bei dem Sündopfer hervorheben will, hängt mit dem Namen zusammen, mit welchem das Opfer abwechselnd bezeichnet wird. Auf den höheren Stufen wird es immer ein S ü n d o p f e r (3Mo 4:<ip-pii>) genannt und es ist von keiner besonderen Tatsünde die Rede; in den niederen Graden dagegen wird es ohne Unterschied abwechselnd als S c h u l d o p f e r oder S ü n d o p f e r (3Mo 5:6.7) bezeichnet, und die Person, die das Opfer bringt, wird bei der bestimmten Versündigung übersehen. Ist demnach das M a ß der E r k e n n t n i s gering, so wird sich ein Mangel an Unterscheidung zwischen Sünde und Schuld finden; nicht allein aber das, sondern man wird auch das Opfer einzig als für S ü n d e n geschehen erkennen, dass es für Personen dargebracht worden ist, wird nicht erkannt.
Die Ausdrücke, welche für die verschiedenen Stufen des Sündopfers gebraucht werden, sind so mannigfaltig, dass wir nicht umhin können, sie zu beachten. Bei dem "Opfer der Gemeinde" (3Mo 4:20) sehen wir einfach nur: "Der P r i e s t e r soll sie versöhnen", bei "dem Fürsten" (3Mo 4:26) dagegen: "Der Priester soll ihm seine S ü n d e versöhnen"; und bei einer der Seelen "vom gemeinen Volk" (3Mo 4:35) noch ausführlicher "Der Priester soll v e r s ö h n e n seine S ü n d e, die er g e t a n hat. Im ersten Fall wird die Versöhnung angesehen als für Personen geschehen. Natürlich geschieht auch hier die Versöhnung infolge der Sünde, es wird aber vornehmlich an die Personen und nicht so sehr an die Sünde gedacht. Bei der folgenden Stufe geschieht die Versöhnung mehr für die S ü n d e als für die Person, obgleich ebenso die Person als deren Sünde versöhnt werden. Bei der untersten Stufe, wo von der Versöhnung einer Seele vom gemeinen Volk die Rede ist, bleibt die Person unberücksichtigt, denn " die S ü n d e, die er g e t a n hat" ist der vorwiegende Gedanke.
Wie vieles findet sich in diesen kleinen Unterschieden zu unserer Belehrung! Wie klar erkennen wir hier, woher die verschiedenen Anschauungen der Heiligen über die Versöhnung kommen! Es gibt Gläubige, welche die Versöhnung für die Sünde annehmen, aber nicht anerkennen, dass auch für die Person des Sünders Versöhnung geschehen ist. Sie erkennen, das Christus um unserer Sünde willen dahingegeben ist, denken aber kaum daran, dass Er an der Stelle von Sündern stand (1Petr 3:18). Mit ihrem Munde sprechen sie vielleicht dem Apostel nach: "Der mich geliebt hat und Sich Selbst für m i c h dahin gegeben" (Gal 2:20), der vollen Kraft und Bedeutung dieser Worte aber lässt man schwerlich ihre Geltung. So lange es noch verschiedene Grade der Erkenntnis gibt, so lange wird auch die Verschiedenheit der Ansicht unvermeidlich sein; denn obgleich die Wahrheit nur eine ist, wird doch diese eine Wahrheit bis das Stückwerk aufhören wird, verschieden von den Einzelnen erkannt werden.
Hiermit haben wir auf die wichtigsten Mannigfaltigkeiten im Sündopfer hingewiesen. Sie zeigen uns, in wie verschiedener Weise Christus als der Sündenträger erkannt wird; auch lernen wir hier, wie vieles diejenigen von Christo einbüßen, und daher auch an wirklicher Freude, welche sich begnügen, in gewisser Unkenntnis über das Opfer zu verharren. Ich würde mich freuen, wenn der HErr diese meine Bemerkungen dazu gebrauchen wollte, dass auch nur e i n e r Seiner Jünger dahin gebracht würde, Seine Gemeinschaft mehr zu suchen, und es sich von Ihm sagen zu lassen, wie viel ihm noch fehlt.
Die rote Kuh und der ledige Bock
Wir haben nunmehr die Einzelheiten im Sündopfer durchgenommen, soweit dieselben in dem Gesetz über das Sündopfer enthalten sind. Was sonst noch darüber an anderen Stellen der Schrift gesagt wird, bietet im wesentlichen wenig Neues. Ich weise daher nur noch hin auf die r o t e K u h (4Mo 19) und auf den ledigen B o c k am großen Versöhnungstag (3Mo 16). Die rote Kuh, von der wir im 4. Buch Mose lesen, zeigt uns weniger, was das Opfer an und für sich ist, als vielmehr, wie dasselbe angewandt werden soll, um den Bedürfnissen in der Wüste zu entsprechen. Kein einziger Teil der roten Kuh wurde auf dem Altar angezündet; auch sehen wir nicht, das ihr Blut in die Stiftshütte getragen wurde, sondern das ganze Tier wurde außen vor dem Lager verbrannt, nur die Asche wurde aufbewahrt um mit dem Sprengwasser vermischt zu werden. Geschah es dann, dass ein Israelit durch Berührung mit einem Toten unrein war, so wurde er mit dieser Mischung von Asche und Wasser besprengt.
Alles dieses stellt uns das Sündopfer von der Seite dar, wie es unserem Bedürfnis der Reinigung entspricht. Es ist uns zu dem Zweck gegeben, dass es die Befleckung hinweg nehme, welche die toten Dinge der Wüste verursachen. Das Besondere, was wir daraus lernen, ist, dass der Geist Gottes, der durch das Wasser vorgebildet ist, diese Reinigung vermittelt. Der ledige Bock, der am großen Versöhnungstag dargebracht wurde, zeigt uns etwas ganz Anderes. Bei diesem Sündopfer welches, nur einmal im Jahr vollzogen wurde, sah man, dass das Blut auf den Gnadenstuhl gesprengt wurde. Das Opfer, von dem es zeugt, wird uns von Paulus als ein für allemal geschehen dargestellt. Die Folge dieses Opfers ist das Recht des Zutritts zum Allerheiligsten (Hebr 10:1.22). Ich will jedoch nicht weiter auf diese Einzelheiten eingehen, da wir die Grundsätze, auf denen sie beruhen, schon genügend betrachtet haben. Derjenige, welcher das, was wir bereits in Augenschein genommen, verstanden hat, wird auch selber weiter forschen können.
Gelobt sei Gott, dass wir ein solches Opfer haben! "Er hat Den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in Ihm würden die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (2Kor 5:21).
Lies weiter hier: 6. Teil: Das Schuldopfer - 3Mo 5