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Lebensmittelkontaktmaterialien sind Gegenstände, die dazu bestimmt sind, im Zusammenhang mit der Herstellung, Verwendung oder Verpackung von Lebensmitteln mit diesen in Berührung zu kommen. Eine beträchtliche Anzahl der organischen Verunreinigungen von Lebensmitteln stammt aus Lebensmittelkontaktmaterialien. Die geeignete Wahl dieser Materialien bei der Herstellung, Verwendung und Verpackung von Lebensmitteln stellt demzufolge einen bedeutenden Beitrag zur Lebensmittelsicherheit dar.
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder durch Lebensmittelkontaktmaterialien verursachte Vorfälle, so zum Beispiel 2005 ITX in Milch und Saft, 2009 Benzophenon und 4-Methyl-Benzophenon in Cerealien, Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOAH) in verschiedenen Lebensmitteln sowie die Diskussion um Bisphenol A und Cyclo-di-BADGE. Diese Ereignisse lassen die Frage zu, wie es weitergeht.
Gesetzliche Anforderungen.
Die allgemeinen Anforderungen an Lebensmittelkontaktmaterialien sind in Artikel 34 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV) festgelegt. Lebensmittelkontaktmaterialien dürfen Stoffe an Lebensmittel nur in Mengen abgeben, die gesundheitlich unbedenklich und technisch unvermeidbar sind sowie keine Veränderung der Zusammensetzung oder der organoleptischen Eigenschaften der Lebensmittel herbeiführen. Dieser Artikel ist fast identisch mit Artikel 3 der EU-Verordnung (EG) Nr. 1935/2004.
Des Weiteren gibt es in der Bedarfsgegenständeverordnung weitere Anforderungen an diverse Materialien zur Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien, wie beispielsweise Anforderungen für Produkte aus Kunststoff. Wie die lebensmittelverarbeitenden und -produzierenden Unternehmen unterliegen auch die in die Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien involvierten Firmen der Pflicht zur Selbstkontrolle gemäss Artikel 23 des Lebensmittelgesetzes.
Pflicht zur Selbstkontrolle.
Kommunikation ist der Weg zum Erfolg. Doch was heisst das für die Lieferanten und Hersteller von Lebensmittelkontaktmaterialien? Um der Pflicht zur Selbstkontrolle nachzukommen, benötigen Hersteller oder Verwender von Lebensmittelverpackungen ausreichende Informationen über das vorliegende Produkt von ihren Vorlieferanten. Die Verantwortung für die Sicherheit von Lebensmittelkontaktmaterialien erstreckt sich über alle Stufen der Herstellungskette, vom Hersteller der Rohstoffe beziehungsweise Chemikalien bis hin zum Inverkehrbringer des fertigen Bedarfsgegenstandes. Jede Stufe der Herstellung muss die notwendigen Informationen über beispielsweise migrierende Substanzen weitergeben, damit am Ende die Gesundheit der Konsumenten sichergestellt ist. Die Weitergabe der Informationen erfolgt in Form von Konformitätserklärungen oder Unbedenklichkeitserklärungen. Diese Konformitätsarbeit stellt den wesentlichen Teil der Selbstkontrolle dar.
Der Begriff der Konformitätserklärung stammt aus der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 für Kunststoffe im Lebensmittelkontakt und ist nur in der EU für Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff sowie für aktive und intelligente Materialien explizit gefordert. Für alle weiteren Materialien, für die gesetzlich keine Konformitätserklärungen gefordert sind, müssen Hersteller schriftliche Erklärungen der Rechtskonformität, sogenannte Unbedenklichkeitserklärungen, ausstellen und weitergeben. In der Regel erkennen Schweizer Unternehmen die in der EU gültigen Konformitätserklärungen und nach europäischem Recht ausgestellte Unbedenklichkeitserklärungen an, sofern die detaillierten Anforderungen für Druckfarben und Silikone der Bedarfsgegenständeverordnung berücksichtigt sind. Neben der Bescheinigung der Konformität müssen Betriebe den Behörden auf Anfrage einen Nachweis, zum Beispiel in Form von Untersuchungsergebnissen, zur Verfügung stellen. Für die Wahl der geeigneten Migrationsbedingungen für Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoffen beruft sich das kantonale Labor Zürich auf die europäischen Regelungen mit dem Hinweis, dass das Schweizerische Lebensmittelbuch in dieser Hinsicht veraltet ist.
Neue Union-Guidelines veröffentlicht.
Die DG Sanco veröffentlichte im Dezember 2013 die «Union Guidance on Regulation (EU) No 10/2011 on plastic materials and articles intended to come into contact with food as regards information in the supply chain» sowie im Februar 2014 die «Union Guideline on Regulation (EU) No 10/2011 on plastic materials and articles intended to come into contact with food».
Diese Dokumente stellen Leitlinien zur Anwendung der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 dar. Sie präzisieren die für die Konformitätsarbeit notwendigen Informationen auf verschiedenen Herstellungs- und Vermarktungsstufen in der Lieferkette und konkretisieren den Geltungsbereich und zahlreiche Begriffe der genannten Verordnung. Sie sind Teil einer geplanten Serie von Dokumenten, die Hilfestellungen zu der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 geben sollen. Folgende Dokumente sind noch in Arbeit:
Die im Dezember veröffentlichte Leitlinie hebt insbesondere die wechselseitige Kommunikation innerhalb der Lieferkette hervor und zeigt auf, wie unumgänglich der Austausch von Informationen ist, die es den Lieferanten und Kunden erlauben, ihre eigene Konformitätsarbeit zu vollziehen. Es ist davon auszugehen, dass diese Leitlinien auch in der Schweiz Anwendung finden.
Komplexe Analysen und Fragestellungen sowie die Umsetzung der Guidelines verlangen Spezialisten und hohe technische Kompetenz. Das Outsourcing der Analysen an Fachlaboratorien, die bei der Konformitätsarbeit unterstützend zur Seite stehen, bringt die nötige Sicherheit.
Weitere Informationen:
Eurofins Scientific AG
www.eurofins.ch