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Hallo New Mexico!
Wir haben über Weihnachten und Neujahr in Texas am Strand mit Freunden abgemacht. Bis dahin liegt noch ein langer Weg vor uns und es gibt noch einiges zu entdecken. So stehen wir nun auf der Grenze zwischen den Bundesstaaten Arizona und New Mexico. Im Rückspiegel sehen wir den Chiricahua Gebirgszug, welcher sich inselartig aus der Ebene erhebt. Grün, bewaldet setzt sich das Gebirge von der Umgebung ab. Wir sind im Flachen, mitten in den Ausläufern der Chihuahua-Wüste. Die Sonne brutzelt auf unsere Haut und seit langem verspüren wir mal wieder das Gefühl von Hitze.
Je nach Jahreszeit bewegte sich das Nomadenvolk der Chiricahua-Apache in genau diesen warmen Ebenen. Während den Sommermonaten hingegen wanderten sie in die kühleren Berge. Als Jäger und Sammler lebten sie in Wickiups. Das sind einfache kuppelförmige Hütten aus Ästen, Gras und Tierhäuten. In diesem Volk konnten Männer und Frauen Krieger werden. Schon früh begann die Ausbildung und extrem hartes Training wurde gefordert, um die beste körperliche Verfassung zu erreichen. Nachdem der Apache von den Spaniern mit Pferden bekannt gemacht worden war, wurde er zu einem der besten Reiter Nordamerikas. Im Umgang mit Pfeil und Bogen waren sie schon Meister. Die besten Bogenschützen konnten sieben Pfeile in die Luft schiessen, bevor der erste den Boden berührte.
Die Chiricahua-Apachen überfielen gerne andere Stämme und später die Spanier, Mexikaner und amerikanischen Siedler. Vieh, Lebensmittel, Munition, Waffen und alles was interessant war, nahmen sie mit. Die Chiricahua-Apachen widersetzten sich auf ihrem Land vehement den mexikanischen Eindringlingen und weissen Siedlern. Die Reaktion auf ihren Widerstand war Völkermord und Krieg. Die anhaltenden Apachen-Kriege und der systematische Diebstahl ihrer Ländereien führten zu einer massiven Vertreibung und Zerstreuung des Volkes.
Schnee in der Wüste?
Surreal anmutend, wellenförmig und weiss erstrecken sich kleinere und grössere Dünen vor unseren Augen. Wie Neuschneehügel erhebt sich der White Sands National Park glitzernd aus der umliegenden Chihuahua-Wüste. Aber was ist dieser schneeweisse Sand, der uns so blendet und in seinen Bann zieht? Vor langer, langer Zeit bedeckte ein uraltes Meer den grössten Teil des Südwestens der USA. In dieser Zeit lagerte sich Gips auf dem Meeresboden ab. Berge wurden geformt und enthalten nun Gipsschichten. Der Regen und die Schneeschmelze aus diesen Bergen lösen den Gips auf und spülen ihn in die Ebene, das sogenannte Tularosa-Becken. Dieses Becken ist wie eine Badewanne ohne Abfluss. Demzufolge sammelt sich das Wasser am tiefsten Punkt im Lucero-See. Stimmen die Wetterbedingungen verdunstet das Wasser und die gelösten Mineralien kristallisieren. Es bilden sich Selenitkristalle. Selenit ist eine kristalline Form von Gips. Diese Kristalle sind sehr spröde und zerbrechlich. Starke Winde zerlegen die Kristalle in kleine Körner und polieren sie. Strahlend weiss werden sie vom Wind fortgetragen und stapeln sich in diesem schneeweissen Dünenfeld.
Die weisse Wüste
Die Dünen ziehen sich scheinbar bis zum bergigen Horizont hin. Eine gut präparierte Piste führt wenige Kilometer in das Dünenfeld hinein. Riesige Parkplätze mit zahlreichen überdachten Picknicktischen zeugen davon, wie viele Leute es wohl in der Hochsaison hierhin zieht. Wir sind fast ganz allein da. Warnschilder weisen darauf hin, dass man für jeden Spaziergang oder jede Dünenwanderung genügend Wasser mitnehmen soll. Die aufgeführte Menge lässt vermuten, dass es hier richtig heiss werden kann. Davon kriegen wir nichts mit. Unser Outfit ähnelt eher dem einer winterlichen Schneeschuh-Tour.
Als wir auf einer Düne stehen, verstärkt sich das Gefühl des Staunens. Perspektiven, Farben und Geräusche nehmen wir nur noch verzerrt wahr. Ein Flüstern hallt plötzlich laut über die benachbarte Düne und Entfernungen werden schwer schätzbar. Der feine Sand fühlt sich kalt an und es bereitet Freude ihn durch die Finger rieseln zu lassen. Eine Düne wirkt wie eine riesige Staffelei. Mit dem Wanderstab versuchen wir ein Bild in den Sand zu malen. Doch der starke Wind säuselt durch den Sand und wirbelt die feinen Körner umher. Das Bild, in ständiger Veränderung, verschwindet schneller wieder, als wir es zu Ende malen können.
Tief hinab ins Erdreich
Grandios, riesig, mystisch! Wir haben lange gezögert, ob wir den Carlsbad Cavern Nationalpark anfahren sollen. Wir sind müde, eine Entscheidung zu treffen, schieben diese vor uns hin und vertagen den Höhlenbesuch bis endlich die Lust und der richtige Moment da ist…
Und wie sich dieser Besuch lohnt! Überrumpelt von dem gefüllten Parkplatz stellen wir uns darauf ein, gemeinsam mit vielen Leuten ins Erdreich abzusteigen. Gut geschnürt sind unsere Wanderschuhe, als wir die steilen Serpentinen hinunter wandern. Obwohl, wir sind tatsächlich zu gut ausgerüstet, der breite Pfad ist asphaltiert und wir hätten ihn sogar mit Adiletten zurücklegen können. Die schweren Schuhe hallen durch die Höhle und jedes noch so leise Flüstern klingt laut. In der Nase liegt ein eigenartiger Geruch. Ehrlich gesagt ist das ziemlich höflich ausgedrückt. Unser Blick schweift umher und wir entdecken die Übeltäter. Vom Frühling bis im Oktober hausen Fledermäuse in einem Teil der Höhle. Die nutzen täglich diesen Eingang, um abends auf Jagd zu gehen und mit Insekten vollgefressen zurück zu kommen. Dabei hinterlässt der eine oder andere sein grosses Geschäft links und rechts vom Wanderweg.
Wir hören jemanden schwer Atmen. Doch es dauert noch eine ganze Weile, bis ein Ranger mit roten Wangen und Schweissperlen auf der Stirne um die Kurve kommt. Wir sind überrascht und zugleich erleichtert, weil dies die einzige Person ist, der wir seit dem Höhleneingang begegnet sind. Anscheinend ist der steile Ab- und Aufstieg zu anstrengend für viele amerikanischen Füsse, sodass sie den 79 Stockwerk hohen Aufzug hinab in den „Big Room“ der Höhle der kleinen Wanderung vorziehen. Wir aber nicht. Viel zu viel hätten wir sonst verpasst.
Mystische Welt unter der Erde
Weg vom Sonnenlicht, von blühenden Kakteen, von singenden Vögeln und heulenden Kojoten wird uns unter der Erde eine gigantische Welt präsentiert. Wie schon bei White Sands geht die Entstehung der Carlsbad Cavern auf ein uraltes Meer zurück. Die Höhle befindet sich innerhalb eines ehemaligen Riffs, welches von Schwämmen, Moostierchen und Algen bedeckt war. Viele Höhlen wurden durch Regenwasser gebildet, wobei Kalkstein langsam aufgelöst wurde. Wasser, das durch Dolinen sank, wuchs zu unterirdischen Bächen und Flüssen, die dadurch komplexe Höhlensysteme bildeten. Doch die Höhlen hier im Guadalupe-Gebirge wurden auf eine ganz andere Weise geformt. Als der Grundwasserspiegel abfloss, füllten sich die Hohlräume des löchrigen Bodens mit Luft und aufsteigendem Schwefelwasserstoffgas. Das Gas oxidierte zu Schwefel, der an den Wänden kristallisierte. Bakterien, die auf dem Schwefel gediehen, erzeugten Schwefelsäure, die die Kalksteinrinde in Gips umwandelten. Diese Schichten fielen von den Wänden ins Wasser und lösten sich auf. So wurde Schicht für Schicht abgetragen und langsam entstanden die riesigen Kammern.
Wir steigen fasziniert immer tiefer hinab. Es wird kälter. Egal zu welcher Jahreszeit, in der Höhle herrscht immer 13 °C und eine Luftfeuchtigkeit von rund 90%. Es kommt uns vor, als spazieren wir durchs Märchenland. Unterschiedlichste Formationen, Gebilde und Formen ragen um und über uns auf. Die Entstehung der komplexen Tropfsteinformationen verdanken wir dem kalkhaltigen Wasser, welches über Tausende von Jahre von der Decke tropfte und erstarrte. Dicke und dünne, hohe und kleine Stalagmiten; zarte, eiszapfenähnliche Stalaktiten, die in einer riesigen Ansammlung von der Decke hängen; massive Formationen, die erstarrten Wasserfällen gleichen; majestätische Säulen oder kleine, glasklare, stille Wasserlachen bringen uns zum Staunen. Haben wir doch noch gezweifelt, ob wir dieser Höhle wirklich einen Besuch abstatten möchten. Letztendlich müssen wir uns sogar noch beeilen, um vor der Schliessung das Nationalparkgelände zu verlassen.
Texas, die Heimat der Ölbarone
Gemeinsam mit gigantischen Lastwagen spulen wir Kilometer ab. Keine Erhebung, pfeifengerade Strassen durch die trockene, sandige und unseres Erachtens trostlose Gegend. Ja, es ist die platte Langweiligkeit entlang der riesigen Ölbohrfeldern und Windparks. Kurze Abstände trennen die kleinen Ölpumpen, die mit monotonem Nicken das schwarze Gold aus der Erde holen. In der Nase liegt ständig ein seltsamer Geruch. Beschreiben lässt er sich nicht, aber riechst du ihn, weisst du, es ist Erdöl. Einzige Auflockerung unterwegs sind all die Ansiedlungen, die eher an bewohnte Schrottplätze erinnern, Trading Posts (Handelsposten) und unsere Podcasts. Das Regenwetter über die hunderten Kilometer flaches Nichts heitert nicht unbedingt auf und die schönen Übernachtungsplätzchen lassen sich auch nicht finden. Wie auch, auf dieser Ebene gibts ja nichts, um sich ein wenig zu verstecken. Im Dunkeln blinken und funkeln Tausende von Lichter an den gigantischen Raffinerien. Tagsüber protzt die silberne Architektur von Stahlrohren und Leitungen. Die Spur des Öls zieht sich bis an die Küste des Golfs von Mexiko.
Der Lone Star State ist ein Bundesstaat der Superlative. Alles ist noch ein wenig grösser als sonst irgendwo. Egal ob es die Fahrzeuge sind, die gigantischen Wohnmobile, an denen der SUV und das Boot hinten mitfahren, die Kleidergrössen in den Einkaufsläden oder eine Pizza. Es scheint, als hebt sich Texas gerne noch ein bisschen von den anderen 49 Bundesstaaten ab. Schliesslich war es ja auch 1836 für fast 10 Jahre eine eigenständige Republik mit Plänen sich zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten als Pufferstaat bis an den Pazifik zu vergrössern. Hier gibt es den amerikanischen Patriotismus ebenso wie in Utah, Wyoming oder Alaska. Und vielleicht spüren wir den Heimatstolz der Texaner noch ein wenig mehr. Egal ob jemand den Geruch einer Kuh kennt oder nicht, das Tragen eines Cowboyhuts gehört hier zur Mode.
Weihnachten am Golf von Mexiko
Uns locken im Reiseführer die milden Temperaturen über den Jahreswechsel in die Umgebung um Corpus Christi am Golf von Mexiko. Um die 20 °C, Sonne, Strand und Meer – das sind für uns perfekte Voraussetzungen für ein paar Tage Strandurlaub… Lange ist es her, als wir das Meer zum letzten Mal gesehen haben und entsprechend gross unsere Vorfreude.
Langgezogene Industriegebiete, Shops, Malls und aneinandergereihte Fast-Food-Restaurants begrüssen uns in Corpus Christi. Vom Himmel giesst es aus Kübeln und wir ziehen Baden im Hallenbad und eine dortige warme Dusche dem Meer und der kalten Stranddusche vor. Sauber und fein duftend geht es auf die Suche nach einem einsamen, ruhigen Übernachtungsplätzchen. Also nichts wie raus aus der Stadt auf die Padre Island an den Strand. Wenige Kilometer vom Festland entfernt liegt die unverbaute, vorgelagerte Barriereinsel Padre. Über ein grosses Brückensystem gelangen wir dahin. Sie liegt parallel zur Festlandküste und trennt den Golf von Mexiko von der hyper-salzhaltigen Laguna Madre. Zum offenen Meer hin schmücken Sanddünen die Oberfläche und den Strand, während die Insel zur Landseite eher flach und enorm feucht ist, also ein Paradies für viele Vögel und Fische.
Wir fahren mit Manny auf dem sandigen Strand entlang und knapp vor der Dunkelheit entscheiden wir uns für eine Plätzchen mit Meersicht am Rand der Düne. Erst müssen wir aber kräftig Schaufeln, um Manny einigermassen eben hinzustellen, schliesslich wollen wir die nächsten Tage nicht in einem schiefen Bett schlafen oder unser Geschirr ständig festhalten müssen, damit es nicht davon rollt.
Am darauffolgenden Tag haben sich die Regenwolken verzogen, die Sonne lächelt uns an und wir geniessen ein ausgiebiges Frühstück mit Blick aufs Meer. Wachsam beobachten wir die Wellen. Gegen Mittag ist das Wasser schon sehr nahe bei den Vorderrädern von Manny. Na ja, die Flut kommt ziemlich weit auf den Strand. Die Gelassenheit weicht und leichte Nervosität macht sich spürbar. Wir ziehen eine Linie im Sand. Wenn das Wasser diese überschreitet, packen wir zusammen und suchen uns was anderes. Es dauert nicht lange und in Windeseile brechen wir unser Lager ab, fahren auf dem sandigen Strand zurück und suchen uns ein breiteres Plätzchen, an dem wir entspannt verweilen können, ohne ständig darauf achten zu müssen, dass wir nicht von der nächsten Flut weggespült werden.
Gar nicht so einfach. Wir kommen an viele wunderschöne Strände, heller Sand glitzert in der Sonne und das tiefblaue Meer prasselt über den Strand. Nirgends fühlen wir uns genügen sicher vor dem Wasser. So entdecken wir auf einer gut 60 km langen Fahrt unglaublich viele einsame Plätzchen direkt am Meer, getrauen uns aber erst auf der Mustang Island am Strand von Port Aransas niederzulassen. Hier ist nichts mit Einsamkeit, dafür müssen wir uns aber keine Sorgen um plötzliche nasse Füsse machen.
Mehr als nur Begegnungen
Gerade in der Weihnachtszeit keimt das Verlangen nach sozialer Interaktion vermehrt auf. Dabei geht es nicht nur darum mit Menschen zusammen zu sein, vielmehr das Bedürfnis eine gemeinsame Sprache zu sprechen und einander verbunden zu sein. Ja, wir vermissen Freunde und Familie und ehrlich gesagt, obwohl jahrelang leicht abgestritten, hat die Weihnachtszeit vielleicht doch eine etwas grössere Bedeutung.
Schon seit Tagen ist die Vorfreude riesig. Wir haben mit einem Overlander-Paar zu Weihnachten abgemacht und über Silvester wird uns Domi aus der Schweiz besuchen. Als Lea und Simon mit ihrem Land Rover Hubert auf uns zurollen, werden sie wie Familienmitglieder begrüsst. Zugegeben vielleicht war es für die erste Begegnung etwas überschwänglich, doch es schien ihnen nichts auszumachen. Schlussendlich verweilen sie mit uns fast drei Wochen an diesem Strand bei Port Aransas.
Unser Plätzchen wird zu einem richtigen Treffpunkt. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Wir werden von Einheimischen und Urlaubern beschenkt, bekocht, unterstützt, ausgefragt oder mit einer warmen Dusche belohnt. Im Gegenzug schenken wir Zeit und Reisegeschichten. Besonders wichtig sind uns hier aber die Freunde. Auf einmal tauchen nämlich auch noch für ein paar Tage Tina und Johannes auf und auch unser Nachbar Claudio gesellt sich ab und zu an unseren grossen Tisch. Gemeinsam Kochen, Lachen, Plaudern, Reisepläne schmieden, Biere trinken, Philosophieren, Diskutieren, Kiten, Tiere beobachten, Fondue essen und den ganzen Tag Spiele spielen. Das sind doch geniale Ferien!
Nach gut 3 Wochen wird es dann auch für uns langsam wieder Zeit aufzubrechen. Während die einen Richtung Norden gehen, die andern in den Süden und Domi in den Osten, fahren wir in den Westen. Bye-bye ihr Lieben, die Zeit mit euch in Port Aransas wird uns in guter Erinnerung bleiben!
Aufbruchstimmung – ab nach Mexiko
Lange haben wir hin und her überlegt. Wo soll es nach Mexiko gehen? Entschieden haben wir uns schlussendlich doch für den Grenzübergang in Tecate. Deshalb geht es für uns nach Westen und zwar bis nach Kalifornien. Um die USA erneut zu traversieren lassen wir uns Zeit. Nach einem Fahrtag bleiben wir die nächsten drei Tage an einem Plätzchen in der Wüste und geniessen die Ruhe sowie die Natur. Zwischen Kakteen, Sanddünen und runden Felsformationen machen wir auch eine Zeitreise weit zurück in die Vergangenheit. Niemand der lebt, weiss wie sich die Menschen nannten, die Casa Grande in der Nähe vom heutigen Phoenix, Arizona gebaut hatten. Archäologen verwenden heute den Begriff Hohokam um die Kultur zu benennen, die hier von etwa 300 bis 1450 n. Chr. blühte.
Casa Grande Ruins National Monument
Wir stapfen mit einem Ranger über den geschichtsträchtigen Wüstenboden, entlang von uralten Erdhaufen, Mauern und Ruinen. Der Himmel ist übersät mit Wolken und jeder Einheimische hier würde über einen Tropfen Regen jubeln.
In der sogenannten Sonora-Wüste in Süd- und Zentralarizona lebte entlang der Flüsse Salt und Gila das Hohokam Volk. Sie werden oft als „Meister der Wüste“ bezeichnet, denn als sesshafte Bauern entwickelten sie ein modernes Bewässerungssystem. Damit gelang es ihnen jahrhundertelang an denselben Standorten Getreide, Mais, Bohnen, Kürbis, Tabak, Agave und sogar Baumwolle anzupflanzen. Dadurch konnten sie eine grosse, gut organisierte und prosperierende Gesellschaft schaffen.
Für die Archäologen bleibt ein mehrstöckiges Gebäude weiterhin ein Rätsel. Casa Grande, benannt von den frühen spanischen Entdeckern, wirft zahlreiche Fragen auf. War es ein Observatorium? Warum richten sich die Wände in Nord-Süd-Ost-West-Richtung aus? Wurden hier heilige Zeremonien abgehalten? Hat der Dorfchef in diesen Räumen gearbeitet? Wir spazieren x-Mal um die grosse Ruine, sind beeindruckend und hätten noch Tausend Fragen. Es existieren keine schriftlichen Überlieferungen aus dieser Zeit, so bleibt vieles noch ein Geheimnis. Ebenso kennt man die Gründe nicht, weshalb die gut florierende Gesellschaft, ja diese blühende Kultur, ungefähr hundert Jahre vor dem Kontakt mit den Europäern, plötzlich und dauerhaft verschwand.
Am Südzipfel von Kalifornien, etwas in der Höhe und mitten im Wald, haben wir mit Katja und David, die mit Mister Taro unterwegs sind, abgemacht. Gemeinsam wollen wir morgen über die Grenze nach Mexiko fahren. Die 141 Tage in den USA lassen wir bei einem gemütlichen Lagerfeuer mit Overlandern ausklingen.