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Im nordostspanischen Figueres hat am Donnerstagabend die Exhumierung des Surrealismus-Künstlers Salvador Dalí begonnen. Gerichtsmediziner wollen genetische Proben des einbalsamierten Leichnams entnehmen, um zu klären, ob eine heute 61-Jährige die Tochter von Dalí ist.
Ein Richter in Madrid hatte im Juni diese Massnahme angeordnet, um eine Vaterschaftsklage zu klären. Die Spanierin Pilar Abel Martínez behauptet, Dalís Tochter zu sein. Sie versichert, ihre Mutter habe in den 1950er Jahren eine heimliche Liebesbeziehung mit Dalí gehabt. Ein DNA-Test soll nun Aufschluss geben.
Spanischen Medienberichten zufolge waren auch Juristen bei der Exhumierung im «Theater-Museum Dalí» anwesend. Damit nichts über den Zustand des Körpers an die Öffentlichkeit dringt, begannen die Arbeiten erst nach der Schliessung des Museums.
Abgeschottet von neugierigen Blicken
Techniker und Bauarbeiter rückten an, die auch die Glaskuppel, unter der der Leichnam in einer Grabkammer ruht, vorsorglich abdecken sollten - um Neugierige und Fotografen davon abzuhalten, auf das Dach zu steigen und einen Blick auf den geöffneten Sarg zu erhaschen, berichtete das spanische Fernsehen.
Vor dem Museum hatten sich zahlreiche Reporter aus aller Welt und viele Schaulustige versammelt. Die Aktion sollte laut Medienberichten mehrere Stunden dauern, da das Grab mit einer eineinhalb Tonnen schweren Marmorplatte bedeckt worden war, die zunächst mittels eines Gerüsts abgenommen werden musste.
Erst am Freitagmorgen wollte die Gala-Salvador-Dalí-Stiftung bei einer Medienkonferenz Details bekanntgeben. Sie hatte sich bis zuletzt gegen die Exhumierung gewehrt.
Das Ergebnis der DNA-Abgleichung wird vermutlich frühestens in einem Monat vorliegen. Am 18. September will das zuständige Gericht dann seine Entscheidung fällen.
Keine Kinder
Die Klägerin Abel Martínez kämpft nach eigenen Worten um das Recht, den Namen des berühmten Malers, Bildhauers und Grafikers tragen zu können. Ihr würde aber auch ein millionenschwerer Pflichterbteil zustehen. Sein Vermögen und die Rechte auf seine Werke hinterliess Dalí dem Staat sowie der Stiftung, die seinen und den Namen seiner Ehefrau und Muse Gala trägt.
Der exzentrische Künstler mit dem hochgezwirbelten Schnurrbart hatte stets behauptet, impotent zu sein. Seine Ehe mit Gala (1894-1982) blieb kinderlos. Auch in seinen teilweise von Alptraumvisionen geprägten Werken hatte der Meister sein schwieriges Verhältnis zur Sexualität thematisiert, so etwa in den 1929 entstandenen Bildern «Der grosse Masturbator» und «Rätsel der Begierde».
Der für seine provokanten Auftritte bekannte Dalí, der in seinen letzten Lebensjahren kaum noch gearbeitet und zurückgezogen gelebt hatte, starb 1989 im Alter von 84 Jahren an Herzversagen. Sein wohl bekanntestes Gemälde ist «Die Beständigkeit der Erinnerung», auch «Die zerrinnende Zeit» genannt, das er 1931 mit nur 27 Jahren malte. Es ist im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen. (sda/dpa)