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In mehreren europäischen Ländern wurden zwischen Ende September und Anfang Oktober 2017 Spuren von Ru-106 – einem Spaltprodukt aus der Nuklearindustrie und ein in der Medizin verwendetes Radionuklid – nachgewiesen. Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die in Europa gemessenen Ruthenium-106-Emissionen aus dem südlichen Ural stammen könnten. Eine von Russland mit der Untersuchung der Freisetzung beauftragte internationale Kommission trat im April 2018 zum zweiten Mal zusammen und gelangte zum Schluss, dass die verfügbaren Daten keine ausreichenden Informationen lieferten, um zuvor postulierte Erklärungen zur Freisetzung zu verifizieren.
Nun haben 69 Forscher aus 47 Instituten über 1300 Messwerte von Stationen aus Asien und ganz Europa ausgewertet, um die Freisetzungsquelle zu ermitteln. Sie veröffentlichten ihre Erkenntnisse 2019 in den Proceedings der National Academy of Sciences (PNAS) der USA unter dem Titel «Airborne concentrations and chemical considerations of radioactive ruthenium from an undeclared major nuclear release in 2017».
«Basierend auf Zeitreihen von Detektionen an verschiedenen Orten in Mitteleuropa wurde das Ereignis als kurze Freisetzung charakterisiert», heisst es in der Studie. Die Verweildauer habe je nach Standort durchschnittlich ein bis drei Tage betragen, mit Ausnahme einiger weniger Gebiete.
Die Freisetzung sei «zu erheblich» gewesen, um mit einer medizinischen Radionuklidquelle in Verbindung gebracht zu werden und ein Satellitenabsturz könne als Quelle für Ruthenium-106 ebenfalls ausgeschlossen werden. Es sei viel wahrscheinlicher, dass das Ru-106 bei der Wiederaufarbeitung ausgedienter Brennelemente entweicht sei, möglicherweise im Zuge der Fehlproduktion einer hochaktiven Cerium-144-Quelle für Forschungsanwendungen im Gran-Sasso-Labor in Italien. Die Studie folgert, die Uranaufarbeitungskomplex Majak der Rosatom müsse «als ein wahrscheinlicher Kandidat» für den Ursprung der Rutheniumwolke im Herbst 2017 betrachtet werden.
Rosatoms Antwort
In einer Erklärung vom 22. November 2017 hatte die Rosatom erklärt: «Die kürzlich in Europa entdeckte Freisetzung von Ruthenium-106 stammt nicht aus einer Rosatom-Anlage. Alle Rosatom-Nuklearanlagen, einschliesslich Kernkraftwerke und Aufbereitungsstätte für Kernbrennstoffe, werden sicher und normal betrieben. Es gab an diesen Standorten im Zeitraum von September bis Oktober 2017 keinen Zwischenfall.» Die Rosatom hat diese Aussage nun am 30. Juli 2019 wiederholt. Sie ergänzte, die jüngste PNAS-Studie enthalte keine neuen Daten oder Fakten, die von den zuvor analysierten Daten abwichen. Die unabhängige internationale Kommission habe alle Szenarien, auch eines einer mutmasslichen versehentlichen Freigabe aus Majak, überprüft.
Quelle
M.A. nach Masson, O. et al. Airborne concentrations and chemical considerations of radioactive ruthenium from an undeclared major nuclear release in 2017, PNAS, 26. Juli 2019, DOI: 10.1073/pnas.1907571116, und WNN, 30. Juli 2019