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In den 80er-Jahren war die gebürtige polnische Psychologin Alice Miller in aller Munde. Ihr Buch «Das Drama des begabten Kindes» war weltweit bekannt. Miller, die in Basel studiert und promoviert hat, setzte sich mit der kindlichen Psyche auseinander und auch damit, was Gewalt bei Kindern auslöst. Was damals niemand wusste: Millers eigener Sohn, Martin Miller, wurde von seinem Vater regelmässig verprügelt.
Reise in die Vergangenheit
Ein Widerspruch, den der Basler Regisseur Daniel Howald nun auf die Kinoleinwand bringt. Er hat Martin Miller begleitet und sich mit ihm auf Spurensuche gemacht. Gemeinsam reisten sie unter anderem nach Polen, wo Alice Miller, die jüdisch war, vor den Nazis fliehen musste. Martin Miller, der auch heute noch unter den Erlebnissen in seiner Kindheit leidet, ist dabei Hauptprotagonist. Als zweite Protagonistin lernt man eine Cousine von Alice Miller kennen, die mittlerweile in den USA lebt.
Er habe sofort gewusst, dass die Geschichte Kino-Stoff ist, sagt Howald. «Das ist eine unglaubliche Geschichte und man möchte verstehen, was dahinter steckt». Der Film zeige, wie auch die sogenannte «second generation» immer noch unter dem Krieg leide, sagt Howald. «Martin Miller hat den Krieg zwar nicht miterlebt, die Erlebnisse seiner Mutter haben aber trotzdem einen Einfluss auf ihn», sagt er.
Verletzende Briefe
Das zerrüttete Verhältnis zwischen Martin Miller und seiner Mutter, die 2010 verstorben ist, wird im Film unter anderem durch Briefe belegt, die sich Mutter und Sohn geschrieben haben. Dabei vergleicht die Mutter ihren Sohn auch mit Adolf Hitler. Es sei nicht so, dass Martin Miller sich im Film an seiner Mutter rächen will, sagt Howald. «Mir ging es nie um Abrechnung. Ich wollte aufzeigen, wie es sein kann, dass eine so gescheite Frau wie Alice Miller so etwas zulassen konnte».
Der Film läuft ab 3. September in den Schweizer Kinos.