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Die Lage sei sehr ungemütlich. Er glaube aber nach wie vor, dass nördlich, östlich und südlich der Ukraine ein militärisches Muskelspiel grossen Stils im Gange sei. Er sehe jedenfalls kein Interesse Russlands an militärischen Operationen gegen die Ukraine.
Die Kosten wären derart hoch, dass selbst ein geringfügiger Angriff gegen die Ukraine keinen Sinn ergebe. Er halte jedenfalls den russischen Präsidenten Wladimir Putin für einen rational denkenden und handelnden Staatspräsidenten.
Das grösste Risiko sei eine Provokation etwa mit einer verdeckten Operation (False Flag) an der Kontaktlinie zum Donbass. Hier müsse die Welt am genauesten hinschauen, sagte Greminger in dem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» weiter.
Würden Russlands Forderungen nicht erfüllt, berge dies die Gefahr eines Gesichtsverlustes vor dem Heimpublikum. Wenn Putin aber geschickt vermarkte, was in den letzten Wochen alles auf seinen Verhandlungstisch gekommen sei, könne er dies als Erfolg feiern.
Plötzlich werde wieder über Rüstungskontrolle, Prävention von Zwischenfällen oder mehr Transparenz bei Grossmanövern gesprochen. Über Jahre sei erfolglos versucht worden, darüber im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu debattieren. Jetzt sei es auf dem Tisch.
Der 60-jährige Diplomat Thomas Greminger hat verschiedene leitende Funktionen im EDA bekleidet. Er war ab 2010 Schweizer Botschafter bei der OSZE, die er in der Ukraine-Krise nach der Annexion der Krim während des Schweizer Vorsitzes als Vermittlerin positionierte. Seit Mai 2021 ist Greminger Direktor des Geneva Centre for Security.