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Gesellschaft
Unterwegs über den Horizont hinaus
"On the Road" (Deutsch: unterwegs), der Kult-Roman der Beat-Generation, wird 2017 60 Jahre alt und beeinflusste wie keine andere Geschichte das Lebensgefühl einer ganzen Generation und darüber hinaus noch viele weitere. Dabei war der Roman sogar selbst eine "Straße", auf der der Autor, Jack Kerouac, vermeintlich "unterwegs" war: "eine 120 Fuß lange, durch die Schreibmaschine gezogene Papierrolle, beschrieben ohne jeden Absatz". So dramatisch wird schon im einleitenden Kapitel die Situation des Begründers des Mythos beschrieben, der das Fortschrittsversprechen zumindest geographisch einhielt. Denn nichts anderes war hier für immer festgeschrieben worden: Der Amerikanische Traum. Der Pioniergeist. Das Streben nach der Überwindung der letzten Grenze.
Highway to Horizon
In der vorliegenden Anthologie kommen gleich mehrere Autoren zu Wort, die sich dem Phänomen des "Unterwegs-sein" schriftstellerisch annähern. Florian Winter zum Beispiel schreibt in seinem Beitrag "Hit the Road" von der Bedeutung, die die Überlandstraße in der angloamerikanischen Popmusik hat. Denn neben Sex, Liebe und Weltuntergang ist "the road"". das beliebteste Sujet in dieser Art Musik. Er bezeichnet sie sogar als "materielle Grundlage der Popmusik" und zitiert Depeche Modes "Stripped", dem ein Motorgeräusch im Leerlauf als Grundgeräusch des gesamten Liedes zugrunde liegt. Auch in AC/DCs "Highway to Hell" wird der Chronotops ("Allort") Straße beschworen und bietet metaphysische Anknüpfungspunkte, denn der Song ist nicht mehr nur horizontal, sondern auch vertikal zu interpretieren. Als "mother road" wird gemeinhin die US-amerikanische "Route 66" bezeichnet, denn schon in John Steinbecks 1939 erschienenen Roman "Grapes of Wrath" bekommt sie eine tragende Rolle: sie entspricht dem "manifest destiny" der gesamten Nation sich über den Horizont hinaus auszubreiten als wesentliche Bestimmung ihres eigentlichen Wesens, "immer Richtung Sonnenuntergang über den Mississippi, die Great Plains und die Rocky Mountains bis zur Pazifikküste".
Das Versprechen der Straße
Natürlich war die Straße aber auch im bundesdeutschen Kontext ein Versprechen des Wirtschaftswunders, wie etwa der Song "Autobahn" von Kraftwerk verspricht: "Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn". Weitere Beiträge in der vorliegenden Anthologie stammen von Kathrin Rottermann "Fotografin am Steuer", Philip Löffler "Pragmatismus und Heilsgeschichte", Verena Hertz "Momentaufnahmen", Ulrich van Loyen "Nacht um Neapel", Chris Petit "Fluchtpunkt" und vom Herausgeber zu "Realitätsraum und Geschwindigkeit". Im Anhang befinden sich Biografien und ein Abbildungsverzeichnis.