Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03246.jsonl.gz/1786

Ein Kraftort von Einsiedlern in den Sandstein gemeisselt
Die Magdalena-Einsiedelei in Düdingen ist aus dem Winterschlaf erwacht. Seit dem Ostersonntag ist sie wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Jean Dupré und Jean Licht, zwei Einsiedler des 17. Jahrhunderts, sind verantwortlich für das Aushöhlen der Sandsteinmolasse mit Meissel und Hammer. Das Resultat sind mehrere Räume mit einer Gesamtlänge von 120 Metern, wie Wolfgang Portmann, Sakristan der Pfarrei Düdingen, berichtet.
Im ersten Raum wurde die Kapelle errichtet. Sie ist schlicht ausgestattet, mit einem hölzernen Altar, an der Wand hängt ein Kreuz und es gibt einige Bänke. Die Kapelle dient als liturgischer Ort, an dem auch heute noch Messen und Andachten abgehalten werden.
Es finden auch weltliche Konzerte in der Kapelle statt. Die Akustik sei bestechend, ob es nun Chorgesang oder die Klänge eines Didgeridoos sind, schwärmt Wolfgang Portmann.
Mord in der Einsiedelei
In einem weiteren Raum - die kleine Küche - ist die Jahreszahl 1906 und ein Kreuz in den Boden eingeritzt. Dies markiert den Ort eines Verbrechens: Hier wurde der Einsiedler Johann Neuhaus von einem Clochard aus Freiburg ermordet. Die Beute war gering: ein paar Franken und die Kleider des Einsiedlers, die der Mörder in Freiburg verkaufen wollte. Dies führte zu seiner Überführung und letztlich zu seiner Verurteilung.
Der letzte Einsiedler, Camille Egger, lebte von 1945 bis 1960 in der Einsiedelei. Als Künstler meisselte er Figuren von Heiligen in die Sandsteinwände und stellte auch Strassenkreuze für die Pfarrei und Rosenkränze her.
Zeitzeugen eines vergangenen Meeres
Die Einsiedelei beherbergt ein erst in jüngerer Zeit erkanntes geologisches Phänomen: Der wellenartig geformte Sandsteinboden zeugt von fossilen Sanddünen, die in einem tertiären Meer entstanden sind.
Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich somit auf Sandsteindünen, die vom Vorhandensein eines Meeres in Freiburg vor ungefähr 20 Millionen Jahren zeugen. Die Lokalität wurde zu einem Geotop erklärt und ist erdgeschichtlich schützenswert.
Die Pfarrei Düdingen bietet Führungen durch die Einsiedelei an. Offen ist sie April und Oktober von 9 Uhr bis 18 Uhr. Von Mai bis September von 9 Uhr bis 20 Uhr.
Mehr Informationen findest du hier.