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Die Landwirtschaft zieht sich aus ökonomischen Gründen immer mehr aus dem Berggebiet zurück. In die Bresche springt eine Pflanze, die natürlicherweise in Lawinenzügen und Bachrunsen vorkommt: die Grünerle.
Wie die Akademien der Wissenschaften Schweiz in einem soeben publizierten Factsheet schreibt, überwuchert die Grünerle jährlich mehrere hundert Hektaren aufgegebener Alpweiden und breitet sich damit drei- bis viermal schneller aus als der Wald. Dabei wäre der Wald die ursprüngliche Vegetation des Alpenbogens. Überwuchern Grünerlen Gebiete quasi als Monokulturen, sinkt die Biodiversität massiv, die Böden versauern und der Erosions- und Lawinenschutz ist im Vergleich zu einer Wiederbewaldung schlechter. Bedecken Grünerlen nur schon die Hälfte einer Fläche, wird die Pflanzenvielfalt halbiert, aber auch Insekten und Vögel werden seltener.
Mit der Bundesverfassung verpflichtet sich die Schweiz zur Pflege der Kulturlandschaft. Die – noch nicht verabschiedete – Agrarpolitik 2014-17 setzt denn auch Anreize, damit Alpweiden offengehalten werden. Laut einer Studie von Agroscope genügen die geplanten Massnahmen jedoch nicht. Besonders effektiv wäre der vermehrte Einsatz von Ziegen und einer bestimmten Schafrasse, den Engadiner Schafen. Diese fressen die Triebe und die Rinde von Grünerlen, was zu deren Absterben ohne Stockausschlag führt.
Bild: Anton Schrödl (1823–1906)