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Viele Dinge in Brasilien sind so einzigartig oder fremd, dass man sie sich kaum vorstellen kann. Und das Land der Gegensätze ist so reich an Superlativen, dass es schier unmöglich schein, sie aus dem Kopf heraus aufzuzählen. Nachfolgend wollen wir auf einige ungewöhnliche Fragen überraschende Antworten geben. Viel Spaß auf dieser Entdeckungsreise durch Brasilien!
Wussten Sie schon?
…dass das Wort “favela” seinen Ursprung im Nordosten Brasiliens hat?
Die Entscheidungsschlacht in der blutigen Auseinandersetzung zwischen der Bundesregierung und religiösen Fanatikern aus Canudos in Bahia fand in Morro da Favela statt. Als die siegreichen Bundestruppen entlassen wurden, siedelten sich viele in Rio de Janeiro, auf dem Morro da Providência, an. Ihre Gemeinde nannten sie Favela, die allmählich aufgrund schlechter Löhne und fehlender Infrastruktur auf den Hügeln zu einem Slumviertel verfiel. Seitdem heissen Rios Barackenviertel an den Berghängen favelas.
…dass die Brasilianer am liebsten in Amerika arbeiten?
Eine Untersuchung der “Ipsos World Monitor” in zwölf Ländern zeigt, dass die brasilianischen Exekutives diejenigen sind, die am liebsten in amerikanischen Unternehmen arbeiten möchten.
…dass Brasilien das Land der Zukunft ist?
Eine Studie, die letzten Monat von der amerikanischen CIA, veröffentlicht worden ist, besagt, dass Brasilien innerhalb von nur 15 Jahren eine Weltmacht sein wird. In den letzten zwei Jahren häufen sich die Prophezeiungen, die Brasilien als das “Land der Zukunft” sehen.
Prophezeiung: Weltspitze in der Landwirtschaft
Wann: im Jahr 2015
Autor: Englisches Finanzministerium.
Prophezeiung: Status einer Weltmacht
Wann: im Jahr 2020
Autor: CIA, amerikanische Regierung
Prophezeiung: Zehnte Wirtschaftsmacht der Welt (heute an 13. Stelle)
Wann: im Jahr 2020
Autor: Weltbank
Prophezeiung: Fünfte Weltwirtschaftsmacht
Wann: im Jahr 2050
Autor: Banco Goldmann, Sachs.
Nach Schätzungen der Engländer werden Produkte, wie zum Beispiel das Zuckerrohr, Brasilien zur grössten Wirtschaftsmacht unseres Planeten machen.
…dass der brasilianische Fussball einen Export-Rekord aufstellt?
Brasilien hat noch nie so viele Cracks exportiert, wie gegenwärtig. Im Jahr 2006 sind 851 Fussballspieler ausgewandert. Die Gehälter, die von den ausländischen Clubs bezahlt werden, sind fünfmal so hoch wie in Brasilien, aber dies ist lediglich einer der Gründe für die Abwanderung der Athleten.
…dass in den Flüssen Amazoniens mehr Fischarten leben als in ganz Europa?
Richtig – in den Flüssen Amazoniens gibt es die grösste Anzahl von Fisch-Spezies der ganzen Welt. Schon 1.500 Arten von ihnen wurden wissenschaftlich beschrieben, man darf jedoch annehmen, dass es mindestens doppelt so viele sind. Und das entspricht zirka 15-mal der Zahl von Fischarten, die man in den Flüssen Europas katalogisiert hat.
…dass das Wort “copacabana” aus der Sprache der Quechua-Indianer, die um den Titicacasee an der Grenze zu Peru und Bolivien leben stammt?
Copa bedeutet “leuchtender Ort” und Caguana bedeutet “blauer Strand”. Als die Spanier im 16. Jahrhundert zum Titicacasee vordrangen, entdeckten sie einen bei den Indianern als heilig geltenden Ort namens Copa Caguana. Die Spanier errichteten dort ihre eigene Kapelle, in der sie das Standbild von Nuestra Senora da Candelária aufstellten. Die Indianer nannten ihren Ort nach ihrer Christianisierung jedoch weiter Copa Caguana, aus dem dann Copacabana wurde. Jahrzehnte später liess ein mit Silber handelnder Kaufmann eine Kopie des Standbildes vom Titicacasee machen und schenkte es der Diözese von Rio.
…dass Krokodile weinen?
Sie kennen sicher den Ausdruck “Krokodilstränen” vergiessen, was eigentlich bedeutet, Trauer vorzuspielen. Aber können Krokodile wirklich weinen?
Die Antwort ist laut einer Untersuchung amerikanischer Forscher JA. Das hat eine bestimmte Ursache: Krokodile weinen beim Verschlingen ihrer Opfer tatsächlich. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass es aus den Tränendrüsen der Reptilien beim Fressen regelrecht sprudelt. Mitgefühl mit den unglücklichen Opfern spielt dabei bestimmt keine Rolle. Vielleicht sind es Freudentränchen, weil es so gut schmeckte. Da die Tiere beim Fressen heftig zischen und schnaufen, wird die Luft so stark durch die Nasenhöhlen gepresst, dass sie in die Tränendrüsen dringt und diese zum Entleeren bringt.
…dass die Riesenseerose “Victória-Régia” Lasten bis zu 80 kg tragen kann?
Die Blätter dieser Wasserpflanze können einen Durchmesser von mehr als 2 Metern erreichen. Der Stängel, welcher die Pflanze auf dem Grund des Gewässers verankert, kann eine Länge von bis zu 5 Metern haben. Im innenseitigen Bereich der schwimmenden Blätter ist ein Netz von Blattnerven zu sehen, welche unzählige Luftgefüllte Zellen einrahmen, die von einer Stachelbewehrten Aussenhaut bedeckt sind. Die Blüten – von weisser bis rosaroter Färbung – strömen einen angenehmen Duft aus.
…dass der Amazonas mehr Wasser, als alle Flüsse Europas zusammengenommen transportiert?
Der Amazonas hat tausend Nebenarme, und einige – wie der Rio Madeira, der Tapajós oder der Xingú – zählen selbst zu den mächtigsten Strömen der Erde. Die Grösse des Amazonasbeckens entspricht dem Dreieck Moskau-London-Dakar oder der Fläche Australiens. Sieben Millionen Quadratkilometer.
…dass der grösste Papagei der Welt, der Hyazinth-Ara (Anodorhynchus hyacinthinus), eine Länge von rund 1 Meter erreichen kann?
Der Hyazinth-Arara ist unter den Einheimischen in Brasilien immer noch unter dem Namen “Arara preta” bekannt. Dieser Name stammt aus der indianischen Tupi-Sprache “Arara una”. “Arara” ist ein lautmalerischer Name und das Tupi-Wort “una” bedeutet dunkel, schwarz wie in Portugiesisch “preta”.
Papageien erreichen meist ein sehr hohes Lebensalter! Bei einigen der grösseren Arten wird das Alter bis zu 70 Jahren geschätzt!
…dass eine Vogelspinne Amazoniens wesentlich grösser sein kann als ein Handy-Telefon?
Die grösste Spinne der Welt kann eine Länge von 28 Zentimetern mit ausgestreckten Beinen erreichen. Das entspricht fast der doppelte Grösse eines normalen Handys.
…dass der kleinste Affe Südamerikas in Brasilien lebt?
Er wird “Sagüi-leãozinho” (Cebuella pygmaea) genannt – ein Löwenäffchen von der Grösse einer Zahnbürste, das zwischen 107 und 141 Gramm wiegt. Er ist der kleinste Primat des südamerikanischen Kontinents – als solcher auch im Guinness Book der Rekorde eingetragen. Er bewohnt bestimmte Areale des Amazonas-Regenwalds – auch solche der Nachbarstaaten – in kleinen, familiären Verbänden.
…dass zwei von drei brasilianischen Indianern in einem Indianer-Territorium (IT) Amazoniens leben?
Das sind 170.000 Personen auf einer Landfläche von der dreifachen Grösse Deutschlands! Nur die 8.200 Yanomamis besetzen eine Fläche von 94.000 Quadratkilometer – grösser als die Fläche Portugals! Jeder brasilianische Indianer besitzt heute eine durchschnittliche Fläche von 3,6 Quadratkilometer – das entspricht mehr als zweimal dem Ibirapuera-Park in São Paulo. Insgesamt leben die Indianer auf fast 12% des brasilianischen Nationalterritoriums.
…dass in den 30er Jahren der Pionier des amerikanischen Automobils, ein gewisser Henry Ford, sich entschloss, in Amazonien Gummi-Bäume anzupflanzen?
Aber die Pflanzung war eine Pleite – die Gummi-Bäume wurden von einem Schädling befallen und gingen ein.
…dass das “Instituto Nacional de Colonização e Reforma Agrária” (Institut für Kolonisierung und Agrarreform) zwischen 1970 und 1980 annahm, dass es möglich sei, 5 Millionen Bauern aus dem armen, brasilianischen Nordosten ins Amazonasgebiet umzusiedeln?
Es gelang zwar, 5.000 Familien dorthin zu locken – indem man ihnen ein Stück Land zum bebauen und den Mindestlohn während der ersten sechs Monate versprach, aber die Einwanderer fanden heraus, dass die Erde innerhalb von nur zwei Jahren ihre Fruchtbarkeit verliert. Und sie wurden von Isolation und Krankheiten geplagt und wieder vertrieben.
…dass es 75 Affenarten in Brasilien gibt?
Affen sind für viele Menschen die interessantesten Tiere im Regenwald, wahrscheinlich weil sie ihnen am ähnlichsten sind. Von den 75 Affenarten, oder Primaten, Brasiliens, springen 58 im Amazonasgebiet von Ast zu Ast. Einer der bekanntesten ist der Wollaffe (brasilianisch: “Barrigudo” – der Dickbauchige) – er ist zutraulich und friedlich und wird von Indianern wie von Flussbewohnern gern als Haustier gehalten.
…dass es in Brasilien eine Schlange gibt, die sich von Giftschlangen ernährt?
Sie heisst “Clelia clelia” und ist selbst ungiftig. Dieses “kannibalische Reptil” hat eine Immunität gegen das Gift der eigenen Verwandtschaft entwickelt – allerdings gibt es eine unter ihnen, deren Biss für die Muçurana tödlich ist, die “echte Korallenschlange” (Cobra coral verdadeira). Die Muçurana (Mussurana in deutsch) erreicht eine Länge von 2,5 Metern als ausgewachsenes Tier und vertilgt bis zu 17 Giftschlangen pro Jahr. Deshalb wird sie bei den Waldbewohnern häufig als Haustier gehalten.
…dass die amerikanische Freiheitsstatue in der Tiefe des Amazonas vollkommen vom Wasser bedeckt wäre?
Der Amazonasstrom erreicht an verschiedenen Stellen eine Tiefe von 120 Metern. Mit ihren 91,5 Metern Höhe wäre also die weltberühmte Freiheitsstatue, die den Hafen von New York schmückt, bis über ihre hochgereckte Fackel vom Wasser bedeckt, wenn man sie in den grössten Strom unseres Planeten versenken würde.
…dass das erste Fussballspiel in Brasilien noch im 19. Jahrhundert stattfand?
Und zwar im Stadtteil “Várzea do Carmo” von São Paulo, am 14. April 1895. Die beiden gegnerischen Teams waren “São Paulo Railway” (die Eisenbahner) gegen die “Companhia de Gás” (Arbeiter aus den Gaswerken) – beide Teams bestanden aus Engländern, die als Einwanderer in die paulistanische Hauptstadt gekommen waren. Charles Miller, den man den “Vater des Brasilianischen Fussballs” nennt, war Mitglied des ersten Teams, welches die Partie mit 4:2 gewann. Miller brachte die ersten zwei Fussbälle mit nach Brasilien – am 9. Juni 1894 und verschloss sie zehn Monate lang in einem Schrank, bis zum ersten Spiel auf brasilianischem Boden.
…dass in Amazonien jeden Tag eine Waldfläche abgeholzt wird, die der Grösse von 5.000 Fussballfeldern entspricht?
Im Jahr 1994, als das “Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais” die letzte Untersuchung dieser Art vornahm, waren 15.000 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald abgeholzt worden. Das heisst: pro Tag war eine Fläche, die zirka 5.000 Fussballfeldern oder 90-mal dem Vatikan-Staat entspricht, der Zerstörung zum Opfer gefallen.