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Yaw nodded. He sat in his chair at the front oft he room and looked at all the young men. “This is the problem of history. We cannot know that which we were not there to see and hear and experience for ourselves. We must rely upon the words of others. Those who were there in the olden days, they told stories to the children so that the children would know, so that the children could tell stories to their children. And so on, and so on. But now we come upon the problem of conflicting stories. Kojo Nyarko says that when the warriors came to his village their coats were red, but Kwame Adu says that they were blue. Whose story do we believe, then?”
The boys were silent. They stared at him, waiting.
“We believe the one who has the power. He is the one who gets to write the story. So when you study history, you must always ask yourself. Whose story am I missing? Whose voice was suppressed so that this voice could come forth? Once you have figured that out, you must find that story too. From there, you begin to get a clearer, yet still imperfect, picture.”
Warum dieser Auszug?
Selten kam mir ein Buch unter die Augen, zu dem ich einen so engen Bezug herstellen konnte, ohne tatsächlich einen zu haben. Beschrieben wird die Geschichte zweier Familien, die den selben Ursprung haben, und die vom aufkommenden Sklavenhandel im Westafrika des späten 18. Jahrhunderts betroffen sind.
Am Ende landet der Leser in der US-amerikanischen Gegenwart, und hat über die dazwischenliegenden Jahre kurze Einblicke in jeweils ein Leben dieser Familienmitglieder erhalten. Man liest von Misshandlung, Zwangsarbeit, Vergewaltigung, Widerstand und Instrumentalisierung und dem scheinbar ewig währenden Kampf um Freiheit und Selbstbestimmtheit. Und man stellt mit Schrecken fest, wie schleppend die Veränderung trotz der 200 Jahre seit dem Boom im Sklavenhandel an der Goldküste (heutiges Ghana) vorangeht.
Diese Passage oben zeigt die Logik, die hinter dem Buch steht und die es so erschütternd macht. “Homegoing” zeigt all die Geschichten und Schicksale derer, von denen nie geredet wird. Und es zeigt sie auf eine so diskrete, unaufgeregte Art, dass sich beim Lesen zwangsläufig das Gefühl einstellt, nur an der Spitze des Eisbergs zu kratzen. Aber – ohje – wie schrecklich ist nur diese Spitze.
Manchmal wundert es mich wie weit die Vorstellung einer Gesellschaft, die über all die Errungenschaften verfügt, über die wir nun mal verfügen, sich von der Wirklichkeit unterscheidet. Noch viel mehr wundere ich mich aber über mich selbst, dass ich darüber tatsächlich so überrascht bin.
Sämtlicher Fortschritt, sei es Globalisierung, Technik, Internet, Medizin oder das Entdecken ferner Planeten lässt uns doch mit einer unerschüttlerlichen Wahrheit zurück, dass wir letztlich doch nur Menschen sind. Keine technisierte Überform davon, keine evolutionäre nächste Stufe, sondern einfach nur Menschen; die menschlich handeln, falsche Entscheidungen treffen, Gesetze brechen, die sie selbst geschaffen haben und Sachen tun, von denen sie wissen, dass sie falsch sind.
Wir sind weit entfernt von einer Gesellschaft, wie wir sie heute erträumen könnten. “Homegoing” zeigt wo die soziale Ungerechtigkeit wurzelt, mit der Schwarze heute zu kämpfen haben; wie viele Schicksale völlig sinnlos gescheitert sind und für wie viele die Hoffnung auf Veränderung nicht erfüllt worden ist. “Homegoing” zeigt die hässliche Seite der Menschlichkeit und wie schnell es gehen kann, dass man die verführerische Geschichte, die am häufigsten erzählt wird, für die Wahrheit hält.
Interessiert?
“Homegoing” ist im weitesten Sinne eine Familiensaga. Sie beginnt bei den Halbschwestern Effia und Esi im Ghana des 18. Jahrhunderts. Sie haben beide die gleiche Mutter, aber lernen sich nie kennen. Effia wird an einen reichen Briten verheiratet, der im Land des Sklavenhandel professionell aufbaut. Ihre Halbschwester wird gefangen genommen und endet als Sklavin.
Über die nachfolgenden Generationen zieht man von den Baumwollplantagen im Süden der USA in die Kohleminen Alabamas und schliesslich nach New York im 20. Jahrhundert. Und man lernt Ghana kennen, die Kontroversen der Völker Fanti und Aschanti und die andere Seite eines Rassenkonflikts zwischen Schwarz und Weiss. Yaa Gyasi schafft mit ‘Homegoing’ ein Stück erschütternde Literatur, die politisch hochaktuell ist.
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Wer noch mehr wissen will: