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Die Vereinschronik in Kurzfassung
erstellt von Carl Willy Hörner, Aktiv-Ehrenmitglied
100 Jahre Harmonie Eintracht Küsnacht 1889-1989
Erstes Vereinsfoto aus dem Jahre 1894
Gegründet wurde die Küsnachter Dorfmusik Harmonie Eintracht am 13. Mai 1889 im damaligen Restaurant "Eintracht" an der oberen Dorfstrasse. 21 Musikanten schlossen sich auf die Initiative des Dirigenten Albert Schulthess zusammen, sie hatten zuvor in zwei verschiedenen Vereinen gespielt, einem älteren und einem jüngeren Datums, welcher sich "Alpenrösli" nannte.
Erstes Probelokal war der "Schweizerhof". Bereits am 25. Januar 1891 konnte die erste Uniform eingeweiht werden - die "Sonne" gab den richtigen Rahmen für die Festlichkeiten. Ein Markstein in der jungen Geschichte der Harmonie war die Eröffnung der rechtsufrigen Bahnlinie am 14. März 1894, wofür der Verein als Festmusik engagiert worden war. Die Küsnachter Musikanten erinnerten sich noch lange an dieses Fest, nicht nur ihrer Vorträge und des Festweines wegen, sondern vor allem deshalb, weil der Festzug kurz vor der Einfahrt in die Station Herrliberg-Feldmeilen mit Steinen bombardiert wurde: Wütende Herrliberger hatten es nicht verwinden können, dass "ihr* Bahnhof auf Meilener Boden errichtet worden war und zertrümmerten nun am vorbeifahrenden Zug einige Fensterscheiben.
Der Beginn des neuen Jahrhunderts stand nicht eben unter einem glücklichen Stern. Der schnelle Wechsel in der Direktion brachte den Verein an den Rand des Abgrundes. Am 1. Juni 1901 waren noch ganze elf Musikanten vorhanden, als die Leitung einem Aktivmitglied Gottlieb Welti - dem Vater von alt Gemeinderat Gottlieb Welti -, übertragen wurde. Während Jahren führte er den Verein wieder aufwärts, und viele schöne Erfolge konnten unter seiner Stabführung errungen werden.
Der Musikverein im Jahre 1923
Am 18. Mai 1924 bekam die Harmonie dann ihre erste Fahne, gestiftet hatte sie Emil Haller, und ihren Dienst versah sie bis zum 30. Mai 1954.
Nach Emil Hofmann, 1917 - 1933, übernahm Robert Löhrer die musikalische Leitung des Vereins und konnte bereits mit seinen Musikern lorbeergeschmückt vom Eidgenössischen Musikfest 1935 in Luzern nach Hause kommen - in der 2. Kategorie hatten sich die Küsnachter den ersten Lorbeerkranz erspielt.
Eidg. Musikfest Luzern 1935 (Marschmusik 2. Kat. / 1. Rang)
Verschiedene Vereinspräsidenten standen dem Verein bis 1938 vor, worauf Ernst Fröhlich das Präsidium übernahm. Von 1945 - 1952 trat Paul Rothmund an die Spitze des Vereins, während Emil Hürlimann volle 26 Jahre die Vereinskasse betreute. Nach dem Rücktritt Robert Löhrers 1945, hatte die Harmonie dann 1947 das Glück, in Heinrich Menet wiederum einen sehr fähigen Leiter zu finden. Sein nobler Charakter übte einen vorzüglichen Einfluss auf die Musiker aus. Nicht zuletzt der offensichtlichen Leistungsverbesserung war es zu danken, dass die kostspielige Neuuniformierung - durch die Gemeinde finanziert - problemlos vonstatten ging. Vom kantonalen Musikfest 1951 in Winterthur kehrte der Verein mit einem Goldlorbeer an den See zurück. 1952 übernahm Albert Amrein sen. das Szepter, das er während acht Jahren in vorbildlicher Weise behielt. In seine Präsidialzeit fiel die Weihe der neuen Fahne, Max Christen hatte das 1954 erstmals entrollte Banner gestiftet.
Einer Initiative Präsident Amreins entsprang auch die Freundschaft mit dem Musikverein Freiburg - St. Georgen (Breisgau), die nun bereits 37 Jahre hält und durch gegenseitige Besuche und Konzerte immer wieder vertieft wurde.
Ein bedeutender Auslanderfolg der Harmonie war auch die Teilnahme am 1954 stattfindenden Internationalen Musikfest im holländischen Kerkrade. 1960 gab Albert Amrein das Präsidium ab und nun übernahm der bereits erwähnte Gottlieb Welti für ein Jahr die Führung des Vereins. 1961 trat Heinrich Menet als Dirigent zurück infolge anderweitiger Aufgaben und sein Nachfolger wurde Paul Ackermann, gleichzeitig übernahm Jakob Frei das Präsidium. In seine Amtszeit bis 1966 fiel das Jubiläum zum 75jährigen Bestehen der Harmonie - das 1964 nicht nur mit glanzvollen Musiktagen, sondern auch mit einer weiteren Neuuniformierung, an die die Gemeinde erneut einen bedeutenden Beitrag leistete, verbunden war. Heute - 25 Jahre später - versieht diese, in den Küsnachter Farben rotgelb gehaltene Uniform immer noch vollumfänglich ihren Dienst, wobei der Bestand laufend erneuert oder ergänzt wird.
Der nächste Präsidentenwechsel fiel ins Jahr 1966, als Ernst Brunner Jakob Frei ablöste. Ein Jahr später trat Paul Ackermann aus beruflichen Gründen zurück und wurde ersetzt durch Guido Steiger aus Zug, der indessen nur ein zweijähriges Gastspiel gab. Für die sechziger Jahre verzeichnet die Vereinschronik mehrere Auslandreisen: 1965 war die Harmonie in Wien, 1967 in Nizza - sie war für den bekannten Blumencorso engagiert worden - und 1968 folgte eine weitere Reise nach Paris.
Musikalisch von schönsten Erfolgen begleitet war die Direktion von Rolf Egger aus Adliswil, der am 11. September 1969 auf dem Berufungswege verpflichtet wurde. Unter seiner mustergültigen Stabführung konnte der Verein manchen grossen Erfolg erringen, so 1974 am kantonalen Musikfest in Adliswil - wo in der 2. Kategorie der erste Rang erzielt wurde - oder am Eidgenössischen Musikfest in Biel 1976, dem ersten seit 19 Jahren, an dem die Küsnachter teilnahmen und mit bester Qualifikation abschliessen konnten. Manches schöne Konzert im Dorf - oder im Limbergsaal - legte Zeugnis ab von der gehobenen Leistung des ganzen Korps unter seiner Leitung.
Ein stattliches Spiel am Kant Musikfest 1974 in Adliswil (2. Kat. / 1. Rang)
Vier Jahre lang leitete Ernst Brunner die Geschicke des Vereins, dann übergab er das Präsidium Willy Hoerner, welcher den Verein von 1970 - 1977 mit sichtlichem Erfolg führen konnte.
Dringend notwendig war inzwischen eine Neuinstrumentierung geworden. Auch diesmal zeigte sich die Gemeinde von der grosszügigsten Seite und die Gemeinderäte konnten denn auch am 24. April 1971 im Kirchgemeindehaus, anlässlich des Einweihungskonzertes, den wohlverdienten Dank der Harmonie entgegennehmen. Am 12. April 1962 waren es 50 Jahre her, dass die beiden Aktiven Max Keller und Emil Hürlimann erstmals eine Probe besucht hatten - es war der Tag, an dem die "Titanic" unterging
Grund zum Feiern hatte die Harmonie (Eintracht) am 13. April 1977, als ihre beiden Aktivmitglieder Max Keller (links) und Emil Hürlimann (rechts) die 65. Wiederkehr des Tages begehen konnten, da sie erstmals an einer Probe des Vereins teilnahmen. Das war am 12. April 1912, am Tag, als die "Titanic" unterging, Max Keller, geboren 1896, spielte das Flügelhorn, Emil Hürlimann, geboren 1898, den B-Bass.
Seit 1977 präsidiert Kurt Walder den Verein, der der Harmonie schon seit Jahren als Fähnrich gedient hat. Auch ihm blieb die unangenehme Aufgabe nicht erspart, einen neuen Dirigenten zu verpflichten: Rolf Egger legte nach neun Jahren den Dirigentenstab in Küsnacht nieder, um ihn künftig vor der Feldmusik Baar zu schwingen. Aus einer Dreierbewerbung wurde am 23. August 1979 Balthazar Boller aus Pfaffhausen zum neuen Direktor bestimmt. Unter seiner Leitung nahm der Verein die letzten zehn Jahre des Vereinsjahrhunderts in Angriff.
Anlässlich des Kirchenkonzertes vom 13. Dezember 1981 durften wir unsere neue Konzertuniform - welche wiederum von der Gemeinde in grosszügiger Weise finanziert worden war - erstmals vor einer grossen Zuhörerschaft präsentieren. Diese aus blauvioletter Jacke und hellbeiger Hose bestehende leichte Sommeruniform für Konzerte und Saalanlässe, soll unsere roten Uniformen schonen helfen.
Infolge anderweitiger Berufung stellte Balthazar Boller 1983 sein Dirigentenamt zur Verfügung. Als Nachfolger konnte nach mehreren Direktionsproben Alois Brandenberg aus Rudolfstetten verpflichtet werden, die musikalische Leitung zu übernehmen, welche er mit Erfolg drei Jahre ausübte.
Das grosse Dorffest vom 4./5. September 1982 brachte der Harmonie nicht nur viel Arbeit mit der selbstgebauten "Musigstube" beim Restaurant Ochsen - welche übrigens als Lokal mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde - sondern auch viel Anerkennung für die gute kameradschaftliche Zusammenarbeit im Verein.
Anlässlich der 30jährigen Freundschaft mit dem Musikverein Freiburg - St. Georgen (Breisgau) am 24. Juni 1984 wurde im Saal des Schulhauses Limberg ein gemeinsames Konzert bei vollbesetztem Saal durchgeführt. Dass diese Freundschaft weiterhin bestehen bleibt, beweist ihr Besuch an unserem Jubiläum 1989, zu dem der Musikverein Freiburg - St. Georgen eingeladen wurde.
Manch schöne Abendunterhaltung im Limbergsaal seit 1970 erfreute stets viele Besucher - man erinnere sich an jenen Abend mit Wysel Gyr "für Berg und Tal" - mit den Alphornbläsern als Aktive im Verein, welcher ein voller Erfolg wurde.
Durch den Rücktritt von Alois Brandenberg 1986 musste wieder ein neuer Dirigent gesucht werden. Nach mehreren Probedirektionen und dank einer Empfehlung konnte Patrick Gründler aus Wald am 2. September 1986 als neuer Dirigent gewonnen werden. Der als Spielfeldweibel ausgebildete, tüchtige Musiker erfüllt zur vollsten Zufriedenheit aller Musikanten seine Aufgabe. Dass das musikalische Niveau seither enorm gestiegen ist, war anlässlich des Frühlingskonzertes vom 24. April 1988 sowie am Kirchenkonzert vom 11. Dezember 1988 unüberhörbar festzustellen.
Seit 40 Jahren spielt nun Ernst Brunner - übrigens auch Felix Künzli - als Aktiver im Verein. Dies war der Grund für eine TV-Sendung, welche am 21. April 1988 im Kirchgemeindehaus aufgezeichnet und am 4. Juni 1988 mit Wysel Gyr ausgestrahlt wurde. Anlässlich der Veteranentagung 1988 in Bonstetten konnte Paul Rothmund für seine 60-jährige Aktivmitgliedschaft im Verein mit der internationalen CISM-Medaille ausgezeichnet werden und er wurde anlässlich des Frühlingskonzertes vom 24. April 1988 vom Vereinspräsidenten öffentlich geehrt.
Paul Rothmund, Int. CISM-Veteran
Die Confédération Internationale des Sociétés Musicales (CISM) hat 1988 zum ersten Mal den Musikanten mit 60 Aktivjahren eine Urkunde mit Medaille überreicht. Der Jubilar kann auf 66 Aktivjahre als Waldhornist in der Harmonie Eintracht zurückblicken.
An der Generalversammlung vom 11. März 1988 übernahm Hanspeter Merki das Präsidium des Vereins von Kurt Walder, welcher mit grossem Einsatz und Erfolg 11 Jahre lang den Verein geführt hatte aber aus Gesundheitsgründen kürzer treten musste.
Zur Eröffnung der Feierlichkeiten der 800-Jahrfeiern am 28. Mai 1988 in Küsnacht war selbstverständlich die Harmonie öfters im Einsatz, ebenso am Dorffest vom 27./28. August 1988 - wiederum mit unserer "Musigstube", welche sehr guten Anklang bei der Bevölkerung fand. - Ein Jubiläums-Frühlingskonzert mit anschliessendem Apéro mit den Konzertbesuchern am 29. April 1989 im Kirchgemeindehaus mit beschwingter, unterhaltsamer Musik für Jung und Alt, hat auf die bevorstehenden Jubiläumstage hingewiesen. - Dass am kantonalen Schwingertag vom 30. April 1989 die Harmonie auch präsent war, ist im Jahresprogramm ebenso vermerkt, wie weitere Anlässe in diesem Jahr. Bei festlichen Anlässen mit Marschmusik können wir seit Jahren auf eine Tambourengruppe des Tambourenvereins zählen, ohne deren Einsatz ein klingendes Spiel undenkbar wäre.
Die kurz geschilderten Höhen und Tiefen des Harmonie-Vereinslebens zeigen deutlich, welchen Einsatz es vor und hinter den Kulissen bedarf, damit die Musikanten die ihnen immer wieder gestellten Aufgaben gewissenhaft und erfolgreich erfüllen können. Damit der Verein aber auch künftig zur Freude der Küsnachter Bevölkerung musizieren darf, braucht es Nachwuchs. Glücklicherweise konnten an der 100. Generalversammlung vom 13. März 1989 gleich sieben junge Mitglieder als Aktive aufgenommen werden, sodass die Harmonie nunmehr 44 Aktive zählt. Zwar ist er nicht - wie viele andere Vereine - vom Gespenst der Überalterung bedroht, doch muss er sich gleichwohl immer bewusst sein, dass die älteren Jahrgänge seiner Mitglieder früher oder später einmal das Instrument aus der Hand legen müssen und dass sie zu ersetzen sein werden. So sei denn die Gelegenheit dieser Darstellung dazu benützt, musikfreudige und musikbegabte Einwohner zu ermuntern, in die Reihen der Harmonie zu treten.
Nicht vergessen sei bei dieser Gelegenheit aber auch der Dank an die Gemeindebehörden und an die Passivmitglieder, die der Harmonie die finanzielle Unterstützung in Form einer jährlichen Subvention stets gewähren, ohne die der Bestand einer Dorfmusik, wie sie unsere Harmonie darstellt, heute gar nicht mehr denkbar wäre.
Die Präsidenten der HEK:
1889 - 1892 Heinrich Kölliker
1892 - 1893 Heinrich Brunner
1893 - 1894 Rudolf Hoffmann
1894 - 1897 Heinrich Brunner
1897 - 1898 Ferdinand Schmid
1899 - 1902 Ignaz Borcowetz
1902 - 1910 Hans Gloor
1910 - 1915 Heinrich Brunner
1915 Josef Bürgisser
1915 - 1917 Heinrich Brunner
1917 - 1922 Gotthilf Pfister
1922 - 1923 Ernst Rothmund
1923 - 1929 Gotthilf Pfister
1929 Ernst Trümpler
1930 - 1937 Ernst Bucher
1938 - 1941 Ernst Fröhlich
1941 - 1945 Paul Rothmund
1945 Ernst Fröhlich
1945 - 1952 Paul Rothmund
1952 - 1960 Albert Amrein
1960 - 1961 Gottlieb Welti
1961 - 1966 Jakob Frei
1966 - 1970 Ernst Brunner
1970 - 1977 Willy Hörner
1977 - 1988 Kurt Walder
1988 - 2000 Hanspeter Merki (Ehrenpräsident)
2000 - 2002 Hanspeter Wirz
2002 - 2014 Marlies Schatt (Ehrenpäsidentin)
seit 2014 Martina Richli
Die Dirigenten der HEK:
1889 - 1893 Albert Schulthess
1893 Rudolf Mathis
1893 - 1902 Edwin Holzhauser
1902 - 1903 Rino Wegner
1903 - 1904 Edwin Holzhauser
1904 Emil Recordon
1904 - 1909 Robert Hotz
1909 - 1917 Gottlieb Welti
1917 - 1920 Emil Hofmann
1920 - 1921 B. Klein
1921 - 1933 Emil Hofmann
1933 - 1945 Robert Löhrer
1946 - 1947 Ernst Lüthold
1947 - 1961 Heinrich Meneth
1961 - 1968 Paul Ackermann
1968 - 1969 Guido Steiger
1969 - 1978 Rolf Egger
1979 - 1983 Balthazar Boller
1983 - 1986 Alois Brandenberg
1986 - 1990 Patrick Gründler
1990 - 1993 Beat Kuster
1993 - 2010 Martin Schiesser
seit 2010 Thobias Loew