Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03405.jsonl.gz/809

Ägäis: die windsicherste Ecke des Mittelmeers
Die Ägäis, mit einer Fläche von rund 240.000 km², wird durch das griechische Festland und die Küste Kleinasiens sowie den Hellenischen Inselbogen, der die Gebirgszüge des Peloponnes über Kreta und Rhodos mit dem anatolischen Taurus verbindet, begrenzt. Im Süden taucht die Afrikanische Platte mit gegenwärtig 5 cm pro Jahr unter die Ägäische Mikroplatte ab, auf der die meisten griechischen Inseln liegen, wodurch das Gebiet ab und zu von Erdbeben erschüttert wird. Die Inselkette von Methana bis Bodrum ist eine magmatisch aktive Zone mit heissen Quellen und Fumarolen. Auf Nisyros ist bei einer Wasserdampfexplosion 1887 ein neuer Krater entstanden, die jüngste Eruption auf Santorin hat sich 1950 ereignet und unweit der Insel liegt der submarine Vulkan Kolumbos. Die Wassertiefe nimmt an den meisten Küsten und zwischen den Inseln rasch ab, die tiefste Stelle befindet sich westlich von Karpathos, wo der Meeresboden 2’945 m unter der Wasseroberfläche liegt. Im Südosten und Südwesten ist die Ägäis über sechs Meerengen mit dem offenen Mittelmeer verbunden. Via Dardanellen und Bosporus gelangt man ins Schwarze Meer, ins Ionische Meer durch den spektakulären Kanal von Korinth mit seinen hohen Felswänden. Fast alle Inseln der Ägäis gehören zu Griechenland, einzig Gökçeada und Bozcaada sowie ein paar Eilande direkt vor der anatolischen Küste zählen politisch zur Türkei. Zwischen den beiden Staaten gibt es Differenzen in Bezug auf die Souveränität über die Ägäis. Die Abgrenzung der Hoheitsgewässer ist ebenso umstritten wie die Nutzung des Kontinentalschelfs, wobei es auch um vermutete Ölreserven geht. Der Name dieses Meeresteil soll auf Aigeus zurückgehen, in der griechischen Mythologie ein König von Attika. Sein Sohn Theseus, der Athen vom Tribut an den Minotaurus befreien und das Ungeheuer töten soll, kehrt von Kreta unter schwarzen statt weissen Segeln zurück, die den Sieg bedeutet hätten. Aigeus stürzt sich bei diesem Anblick die Klippe hinunter ins Meer, welches seither nach ihm benannt ist. Die Gewässer der Ägäis sind sehr windsicher und zählen deswegen zu den attraktivsten Segelrevieren der Welt. Dies ist dem Meltemi zu verdanken, dem trockenen Nordwind, der von April bis Oktober beständig mit etwa 4 bis 7 Beaufort recht kräftig weht. Er wirkt im Sommer angenehm kühlend und beschert Griechenland den oft strahlend blauen und wolkenlosen Himmel.