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(Pflanzenläuse, Aphidina Burm.), Insektenfamilie aus der Ordnung der Halbflügler, kleine
Tiere mit hervorgestreckten, fünf- bis siebengliederigen Fühlern, die häufig länger als der Körper sind, zusammengesetzten
Augen, dreigliederigem Schnabel bei beiden Geschlechtern, langen und dünnen Beinen mit zweigliederigen Tarsen und vier dünnhäutigen,
aber häufig auch fehlenden Flügeln. Bei den zahlreichen Arten der GattungAphis stehen zwei längere oder
kürzere Saftröhren (Honigtrompeten) zur Seite des Rückens auf dem sechsten Glied,
[* 4] welche eine süßliche Flüssigkeit absondern;
auch ragt nicht selten noch ein »Schwänzchen« über die Leibesspitze hinaus,
erscheint aber erst vollkommen entwickelt, wenn die Häutungen zu Ende sind, und wird daher zu dem wichtigsten Unterscheidungsmerkmal
zwischen Larve und ungeflügeltem Imago.
Die meisten Blattläuse sind grün, häufig bereift, bisweilen durch Ausschwitzungen mit förmlichem Wollpelz bedeckt (Wollläuse).
Die Blattläuse nähren sich vom Safte der Blätter, Stengel
[* 5] und zuweilen auch der Wurzeln bestimmter Pflanzen, welche sie mit ihrem Schnabel
anstechen, und finden sich auf diesen oft den ganzen Sommer hindurch in großer Anzahl beisammen; manche
leben in der Höhle großer, gallenartiger Anschwellungen (Gallenläuse), welche das Mutterweibchen durch Anstechen an Blättern
erzeugt, und deren Wachstum durch ein gleiches Verfahren der Nachkommen fortschreitet.
Die Blattläuse zeigen eine höchst merkwürdige Entwickelungsgeschichte.
[* 6] Aus den im Herbst gelegten, zwischen Rindenschuppen oder unter
Laub verborgenen oder frei einem Stengel angeklebten Eiern der Blattläuse aus der GattungAphis (Neffen) schlüpfen
im Frühjahr ausschließlich Weibchen (und zwar meist flügellose) aus, welche sich sofort auf einer Pflanze anfangen, sich
mehrmals häuten, ohne ihre Gestalt wesentlich zu verändern, und dann ohne vorherige Begattung lebendige Junge gebären. Diese
gleichen vollkommen der Mutter, saugen sich an, häuten sich und gebären wieder lebendige Junge. Bouché
sah eine Rosenblattlaus 4 Tage lang täglich 15-20 Junge gebären, welche nach 4 Tagen wieder fortpflanzungsfähig waren. In
solcher Weise vermehren sich diese Ammen viele Generationen hindurch und
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bleiben, dicht zusammengedrängt, um einen jungen Trieb oder anderswo sitzen. Einigen dieser Ammen wachsen aber Flügel, so
daß sie auf andre Pflanzen übergehen und eine neue Kolonie gründen können, indem sie fortfahren, lebendige Junge zu gebären.
Erst von der letzten Generation im Herbst werden geschichtliche geflügelte oder ungeflügelte Männchen und
meist flügellose Weibchen geboren, welche sich begatten und Eier
[* 8] legen. In Gewächshäusern und auf Zimmerpflanzen,
[* 9] bisweilen
aber auch im Freien, überwintern einzelne Ammen und reife und unter geeigneten Verhältnissen kann man Blattlauskolonien jahrelang
nur durch Ammen erhalten, die geschlechtliche Fortpflanzung völlig ausfallen lassen.
Wesentlich verschieden ist die Fortpflanzungsweise der Tannenlaus (Chermes abietis), von welcher man keine
Männchen, sondern nur zwei Formen geschlechtlicher Weibchen kennt, welche ohne Befruchtung
[* 10] Eier legen. Über die Fortpflanzung
der Reblaus
[* 11] s. d. Unter noch nicht aufgeklärten Verhältnissen erscheinen plötzlich
ungeheure Schwärme geflügelter Blattläuse, welche die Luft wie mit einer Wolke erfüllen und durch Luftströmungen fortgeführt werden.
In solchen Schwämmen, welche das Atmen erschwerten und das Tageslicht verdunkelten, beobachtete man Aphis fabae, rumicis,
bursariae, persicae. Die von vielen Blattläusen aus ihrem Hinterleib in hellen Tropfen abgesonderte zuckerhaltige Flüssigkeit
wird in weitem Bogen
[* 12] fortgespült und bildet den Honigtau; sie lockt besonders Ameisen und verschiedene Zweiflügler
[* 13] in Menge
an, welche aber nur selten die Blattläuse selbst vertilgen. Die von den Larven abgeworfenen Häute, welche auf
den vom Honigtau klebrigen Pflanzenteilen haften bleiben, bilden eine Form des Meltaues.
Man räuchert abends, kehrt
am Morgen die abgefallenen Blattläuse zusammen und wiederholt die Räucherung. Oder man sprengt stark mit
Gas-, Teerwasser oder erdölhaltigem Wasser; auch eine Abkochung von 60 g Tabaksblättern, 60 g Pfeffer,
einer Handvoll Wermut und 250 g schwarzer Seife soll ein sehr wirksames Sprengmittel sein. Das Einsammeln von Koccionellen und
Goldaugen, um sie in Gewächshäusern anzusiedeln, ist ebenfalls sehr wirksam. Als sichere Vorbeugungsmittel gelten für Gewächshäuser
gehörige Feuchtigkeit der Luft, Vermeidung zu großer Wärme
[* 18] und eines häufigen Wechsels von warm und kalt,
feucht und trocken, hell und dunkel.
Licht
[* 19] und Luft verhindern die Ansammlung der Blattläuse. Zu der verwandten GattungSchizoneuraHart., mit sechsgliederigen Fühlern und
kurzen, warzenartigen Honigröhren, gehört die Blutlaus(S. lanigera Hausm.),
1,5 mm lang, honiggelb bis braunrötlich, auf dem Rücken weißwollig, mit kleinen Augen und blaßgelben,
kurzen Fühlern, im geflügelten Zustand schwarz, am Hinterleib schokoladenfarben, mit großen Augen, noch kürzern Fühlern
und dunklern Schenkeln und Schienenspitzen, ebenfalls mit Wollhaar überzogen, gibt beim Zerdrücken einen blutroten Fleck.
Sie saugt an Rinde und Splint des Apfelbaums und erzeugt dadurch krankhafte Stellen, sitzt auch an älterm
beschädigten Holz
[* 20] und hindert die Vernarbung der Wunde. Überwinterte Muttertiere gebären lebendige Junge, die sich den Sommer
über parthenogenetisch in acht Bruten fortpflanzen. Im Herbst erscheinen auch geflügelte Läuse, die eine Weile saugen, dann
schwärmen, neue Kolonien gründen und zweierlei große, zarte Läuse mit verkümmerten Mundteilen, wahrscheinlich
Männchen und Weibchen, gebären.
Letztere legen Eier oder ein Winterei. Als bestes Mittel zur Vertilgung empfiehlt sich Ausschneiden der krankhaften Stellen,
Bepinseln oder Betropfen mit einer Mischung aus 50 Teilen grüner Seife, 100 Teilen Fuselöl (Amylalkohol), 200 Teilen Weingeist, 650 Teilen
Wasser. (Vgl. Goethe, Die Blutlaus, 2. Aufl., Straßb. 1885.) Die
Rüsterhaargallenlaus (Schizoneuralanuginosa Hrs.)
erzeugt auf Rüsterblättern behaarte, blasige Auftreibungen, aus welchen später geflügelte und ungeflügelte, schwarze,
weißwollige Blattläuse ausschlüpfen. Zu der GattungRinden- oder Tannenlaus (ChermesL.), mit sehr kurzen, fünfgliederigen Fühlern,
ziemlich kurzen Beinen und ohne Saftröhren, gehört C. abietisL. (s. Tafel »Halbflügler«).
Diese überwintert unter einem weißlichen Wollkleid an der Wurzel der Fichtenknospe (Pinus picea) und bohrt im April die Knospe
an, worauf alsbald deren Wucherung beginnt; die Blattlaus legt an 200 Eier, die im Mai ausschlüpfenden Larven setzen sich
zwischen die Nadeln
[* 21] des Triebes und erzeugen durch ihr Saugen zwischen den geschwollenen und dicht gedrängten
Nadeln gleichfalls Wucherungen, so daß allmählich ein ananasartiger Zapfen
[* 22] entsteht, in dessen zellenartigen Räumen die Larven
sitzen, welche endlich ausschlüpfen, sich häuten und als geflügelte Insekten
[* 23] ca. 20 Eier legen. Die aus letztern ausscheidenden
Jungen bleiben flügellos und überwintern. Man kennt nur Weibchen.