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Das Biozentrum
Das Gesamtkonzept des Biozentrums von 1967 sah eine Verwirklichung des Zentrums in drei Phasen vor: in der ersten Phase ein achtstöckiges Forschungs- beziehungsweise Laborgebäude, in der zweiten ein zweistöckiges Lehrgebäude und in der dritten ein weiteres auf etwa neun Stockwerke konzipiertes Forschungsgebäude. Die 3. Etappe sollte Raum schaffen für Forschung in Biophysik, Genetik, physiologischer Chemie, eventuell Immunologie und Virologie. Die Bewilligung für die 1. Etappe, entworfen von den Architekten Burckhardt und Partner, durchlief 1967 im Eiltempo sämtliche Instanzen. Die Basler Chemie beteiligte sich mit 5 Mio. Franken an den Baukosten von 37,5 Mio. Franken. Sie hätte ihre Forschung vermehrt in die ausländischen Konzernstützpunkte verlagern können, statt die Aufrechterhaltung der landeseigenen Forschung mitzufinanzieren. Man war aber daran interessiert, dass vor Ort genügend Nachwuchskräfte für die Forschung in den Stammhäusern ausgebildet würden. Im Moment der Einweihung der 1. Etappe im Juni 1972 war die Verwirklichung der 2. und 3. Etappe in weite Ferne gerückt. Anfänglich bestand die Hoffnung alle drei Etappen auf Ende der 1970er Jahre zu realisieren.
1974 wurde das zunächst als universitätsunabhängige Institution geschaffene Biozentrum zum regulären Bestandteil der Universität. Dass es bis zu diesem Zeitpunkt als eigene öffentlichrechtliche, aber staatsunabhängige Institution geführt wurde, brachte in der Aufbauphase einige Vorteile. Die Integration in die Universität wurde weniger aus technisch-administrativen Überlegungen gewünscht, sondern um den Kontakt mit den anderen Universitätsangehörigen zu fördern. Man wollte kein selbständiges Institut wie z.B. die Max Planck-Institute in Deutschland. Das Verhältnis zur Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät musste aber erst noch geklärt werden. Gefordert wurde eine Beteiligung am Unterricht der sogenannten Massenfächer.
Der Bau für die Molekularbiologen verstärkte den Wunsch verwandter Fächer, räumlich ebenfalls besser ausgestattet zu werden. So entstand 1980 der Plan, in der Nähe des Biozentrums einen Neubau zu errichten, in dem die bisher an verschiedenen Standorten untergebrachten Institute zusammengefasst werden könnten. Anfänglich war vor allem von der Pharmazie, der Zoologie und der Mathematik die Rede, später wurden auch die Botanik und die Geographie einbezogen.
In jedem dieser Fächer erforderte die Raumknappheit dringend neue Lösungen, in einzelnen kamen noch besondere Probleme hinzu: Abgesehen von den Raumbedürfnissen der einzelnen Fächer dachte man aus zwei Überlegungen an die Zusammenlegung der verschiedenen Institute: erstens wegen der Rationalisierung, die sich aus der gemeinsamen Benützung von Bibliotheken, Apparaten, Hörsälen und zentralen Diensten ergab, und zweitens wegen der Erleichterung der interdisziplinären Kontakte, die unter verwandten Fächern besonders wichtig ist. Mit dem Biozentrum, dem Rosshofzentrum und dem geplanten Zentrum für Naturwissenschaften (dem heutigen Pharmazentrum) kam eine Gegenbewegung zum Zug, die den im letzten Jahrhundert eingeleiteten Prozess teilweise wieder rückgängig machte. Nachdem nämlich die Spezialisierung zur Bildung neuer Fächer und Institute und in der Folge auch zu räumlichen Abspaltungen geführt hatte, kam nun vermehrt die Tendenz auf, die zerstreuten Lehr- und Forschungsstellen wieder «unter ein Dach» zu bringen und so die geistig notwendige und oft auch materiell sinnvolle Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Disziplinen zu erleichtern und zu fördern.
Nicht gerade die Tage und Monate, aber die Jahre des alten, 1971 eingeweihten Biozentrums sind gezählt. Bis 2015 soll an der Spitalstrasse Nr. 41 ein neues Biozentrum bezugsbereit sein. Mit dem Abbruch des seit Jahren nicht mehr gebrauchten und leerstehenden Gefängnisses Schällemätteli wurde Ende 2009 schnell begonnen, weil diese Art von Arbeit das benachbarte und im 2010 in Betrieb gehende Kinderspital stören würde.
Das Pharmazentrum
Die Eröffnungsansprachen vom 28. Oktober 2000 machten es deutlich, was es bedeutete, wenn die Universität ein eigenes neues Gebäude eröffnete und nicht nur ein Liegenschaft zur Miete bezog. Diese Bedeutung gewann übrigens mit zunehmendem Abstand zum Ereignis einen leuchtenden und zugleich etwas melancholischen Glanz: Seit nun einem Jahrzehnt hat die Uni kein weiteres Gebäude solcher Art bekommen oder zustande gebracht. Von der Schaffung eines solchen Gebäudes war bereits um 1980 die Rede. 1988 gab es zwei Vorprojekte, eines ein Rundgebäude von Hotz, das andere das später verwirklichte von Roost.
Das Pharmazentrum schuf allerdings keinen neuen Ort, sondern verstärkte als Erweiterungsbau den bestehenden, dreissig Jahre zuvor durch die Errichtung des Biozentrums an der Klingelbergstrasse geschaffenen Ort. Das äussere Charakteristikum des ganz auf Funktionalität und Flexibilität ausgerichteten Baus: ein rundum laufendes, von der Fassade abgesetztes Betongitter (Architekten: Andrea Roost). Seine Nutzung: Hier arbeiten wie im Biozentrum die Life-Sciences zur Erforschung des biologischen Grundlagen des Lebens, hier arbeiten Pharmazeuten, Biotechnologen, Zoologen und Mediziner. Hier ist auch das Dekanat der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät untergebracht.
1991 als «Phil. II-Gebäude» konzipiert, sollten hier vor allem die am Totengässlein domizilierte Pharmazie (die in den 1970er/1980er Jahren von der Schliessung bedroht war) sowie die Informatik zusammen mit dem Rechenzentrum ihren Platz bekommen. Beschlossen im Oktober 1991, traten 1993 Verzögerungen ein, weil der Bund, der die Pharmazie in Zürich und Lausanne konzentriert sehen wollte, dem Basler Standort zunächst die ordentliche Unterstützung (von rund 35 Prozent der Baukosten) versagte. Die klassische Pharmazie, welche vor allem der Apothekerausbildung diente, wurde zur Pharmazeutischen Wissenschaften erweitert, welche eine engere Vernetzung mit Nachbargebieten wie Pharmakologie, Biologie, Biotechnologie, Chemie und Medizin suchten - letztere als Teil des Departements Klinisch Biologische Wissenschaften (DKBW). Daher dann der Name des fächerübergreifenden Pharmazentrums, das seinerseits eine Vorstufe des später so definierten Makroschwerpunkts «Leben» war. Hier ist auch ein grosser Teil der Neurobiologen untergebracht. Bereits vor der Einweihung war in diesem Bereich mit einem formellen Vertrag eine Kooperation mit der ETH-Zürich vereinbart, eine Allianz «mit grossen Zukunftshoffnungen» geschlossen worden. Hier zeigte sich, was in einer Präsentation der universitären Orte bedeutsam ist: Schwerpunktbildung kann auch mit nicht realer Konzentration einhergehen, wie sie vom Bund zuvor angestrebt wurde. In der Zeit globaler Vernetzung ist Kooperation auch in polyzentrischen Strukturen möglich. Dies gilt nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Lehre. Vorlesungen werden an andere Orte übertragen, Studierende können im interaktiven System «Telepoly» mit Lehrenden kommunizieren. Das Pharmazentrum zeigt, wie die Schaffung eines neuen Gebäudes auch zu neuen Organisationsformen der Wissenschaft führen kann.