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Am Lehrstuhl Finke wird seit vielen Jahren gezielt ein regionaler Schwerpunkt auf Zentralasien gesetzt. Hierzu zählen die früheren Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgizstan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, die Mongolei, Tibet und Xinjiang sowie angrenzende Gebiete im Norden Afghanistans und Irans beziehungsweise im Süden Sibiriens und in der Mandschurei.
Die unterschiedlichen Gebiete zeigen in vielen Aspekten grosse Parallelen. Angefangen von Landschaft und Ökologie, geprägt von einem kontinentalen und trockenen Klima, finden sich vielfache Ähnlichkeiten im Hinblick auf soziale Organisation, religiöse Überzeugungen und wirtschaftliche Praktiken, die sich traditionellerweise auf bewässerte Landwirtschaft, Pastoralnomadismus und Handel stützen. Aufgrund seiner Lage im Inneren des eurasischen Kontinents existieren seit jeher intensive politische und kulturelle Einflüsse aus und nach Zentralasien. Über Jahrhunderte hinweg waren es die mongolische und türkische Vorherrschaft, die interne Entwicklungen wie auch die Beziehungen zu den Nachbarregionen prägten. Nach dem kolonialen Vordringen des russischen und des chinesischen Imperiums seit dem 18. Jahrhundert war das Schicksal der Menschen in Zentralasien in den vergangenen hundert Jahren vor allem geprägt durch die Experimente sozialistischer Systeme und nach deren Fall durch die folgenden Transformationsprozesse.
Forschung
An keiner Universität im europäischen Raum findet sich eine solche Breite und Dichte ethnologischer Forschungen zur grösseren Region Zentralasien. Der Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls manifestiert sich sowohl in BA und MA-Arbeiten, Dissertationen wie auch in einem grossen Teil der Forschung von Prof. Finke. Thematisch beschäftigen sich abgeschlossene, laufende und geplante Forschungen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Themen wie dem Entstehen und Wandel sozialer Kooperation, Identität und Ethnizität, Migrationsbewegungen, Diasporas und Fragen der Integration sowie mit lokalen ökonomischen Strategien und den Transformationsprozessen nach dem Zerfall sozialistischer Systeme. Seit langem steht dieser Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Deutschland). 2012 wurde diese Zusammenarbeit durch das gemeinsame Zentrum CASCA (Halle-Zurich Centre for the Anthropological Study of Central Asia) institutionalisiert. Für mehr Informationen: www.casca-halle-zurich.org
Lehre
In der Lehre wird der Forschungsschwerpunkt in Form von Regional- und Sprachmodulen (Kirgisisch, Kasachisch) wie auch von spezialisierten Veranstaltungen umgesetzt. Seit 2011 finden ausserdem regelmässig studentische Exkursionen nach Kirgizstan, Kasachstan und in die Mongolei statt. Kleine Gruppen von Studierenden bereiten sich dafür in entsprechenden Veranstaltungen inhaltlich und methodisch auf eigene kleine Forschungen vor, die sie während ein bis drei Monaten durchführen. Die Ergebnisse dieser Exkursionen können die Grundlage für eine BA- oder MA-Arbeit darstellen.
Die Exkursionen finden in Zusammenarbeit mit Partneruniveristäten in Taldykorgan (Zhetysu State University, Kasachstan), Almaty (Al-Farabi Universität, Kasachstan) und Ulan-Batar (National University of Mongolia, Mongolei) statt. Sie werden ergänzt durch Summerschools in der Schweiz, zu denen Studierende dieser Universitäten eingeladen werden, um mit Studierenden des Ethnologischen Seminars Zürichs, die sich auf den Schwerpunkt Zentralasien spezialisiert haben, ins Gespräch zu treten. Diskutiert werden dabei aktuelle Debatten der Ethnologie Zentralasiens sowie die Erfahrungen und Vorhaben eigener Forschungen.