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Shinkansen vs. Flugzeug
Der Bahnbetreiber JR East deckt den Osten und Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu ab. Dieses riesige Gebiet umfasst 17 Präfekturen. Zwischen Aomori und Tokio beträgt die Entfernung knapp 590 Kilometer Luftlinie. Und so verwundert es nicht, dass lange Zeit nicht die Bahn, sondern das Flugzeug das mit Abstand schnellste Verkehrsmittel war, um die weiten Distanzen von der Hauptstadt bis zu den äussersten Rändern des JR-East-Gebietes zurückzulegen.
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Dies änderte sich erst, als auch der Nordosten des Landes kontinuierlich mit einem Shinkansen-Netz erschlossen wurde. Der Startschuss war 1982, als der Tohoku- und der Jōetsu-Shinkansen in Betrieb genommen wurden. In den 1990ern folgten die Verlängerungen in die Präfekturen Akita und Yamagata am Japanischen Meer und eine neue Verbindung hoch in die Berge nach Nagano. Letztere wurde 2015 in Zusammenarbeit mit JR West bis nach Kanazawa erweitert. Es war die Geburt des sogenannten Hokuriku-Shinkansen (Asienspiegel berichtete). 2016 folgte unter der Leitung von JR Hokkaido der Hokkaido-Shinkansen, der die Strecke des Tohoku-Shinkansen von Shin-Aomori bis hoch zur Nordinsel fortführte (siehe Karte unten) (Asienspiegel berichtete).
Der Shinkansen dominiert
Heute ist dieses weitverzweigte Shinkansen-Netz von JR East ein Beweis dafür, wie erfolgreich die Bahn den Flugverkehr verdrängen kann. Die dazugehörigen Statistiken sind eindrücklich. Auf den Strecken von Tokio über Sendai nach Morioka und von Tokio nach Niigata hat der Flugverkehr nur noch eine marginale Bedeutung. Praktisch 100 Prozent der Passagiere entscheiden sich auf diesen Strecken für den Shinkansen, der sie direkt vom einen ins andere Stadtzentrum führt. Lediglich auf von der Hauptstadt in die weiter entfernten Regionen Aomori und Akita hat der Flugverkehr einen Marktanteil 19 bis 31 Prozent halten können.
Zuletzt machte der Hokuriku-Shinkansen eindrücklich vor, wie der Flugverkehr in kürzester Zeit marginalisiert werden kann. Noch ein Jahr vor der Eröffnung im März 2015 wählten 68 Prozent der Passagiere, die von Tokio nach Kanazawa reisten, die Flugverbindung. Die Fahrt mit der Bahn war in der Vor-Shinkansen-Zeit umständlich. Im besten Fall dauerte die Fahrzeit vier Stunden, mindestens einmal musste man umsteigen. Mit dem Shinkansen verkürzte sich diese Reise auf 2 Stunden 28 Minuten. Das ist bedeutend schneller als mit dem Flugzeug, das im Flughafen Komatsu landet, rund 40 Busminuten von Kanazawa entfernt. Heute dominiert der Shinkansen mit einem Marktanteil von 83 Prozent gegenüber dem Flugzeug diese Verbindung.
Die Ausnahme
Zugleich zeigt das Beispiel Japan, bis wohin der Hochgeschwindigkeitszug konkurrenzfähig ist. Zwischen Tokio und dem knapp 700 Kilometer entfernten Hakodate auf der Nordinsel hat die Flugbranche weiterhin einen dominierenden Marktanteil von 67 Prozent und dies trotz der Konkurrenz durch den Hokkaido-Shinkansen. Mit einer Shinkansen-Fahrzeit von 3 Stunden 57 Minuten scheint eine Schmerzgrenze für die Passagiere erreicht zu sein. Die Bahnbetreiber JR East und JR Hokkaido geben jedoch nicht auf. Mit höheren Höchstgeschwindigkeiten und einem neuartigen Shinkansen soll die Fahrzeit in den nächsten Jahren entscheidend verkürzt werden (Asienspiegel berichtete).
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