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Das Dorf Kleinhüningen wurde 1640 vom Markgrafen von Baden-Durlach an die Stadt Basel verkauft. Die Grenze des Fischerdorfes verlief weit südlich der Wiese nahe beim Klybeckschloss. Für die Bevölkerung, die während des Dreissigjährigen Krieges viel gelitten hatte, brachte der Herrschaftswechsel eine polititsche Sicherheit und Stabilität. Aus französischer Seite lauerte Gefahr, die mit dem Bau der bedrohlichen «Festung Hüningen» 1679 unmittelbar vor der Haustür Kleinhüningens konkret wurde
Die Festung am anderen Rheinufer war immer wieder Ausgangspunkt für Kriegshandlungen in Süddeutschland. Kleinhüningen genoss jetzt zwar den Schutz der Eigenossenschaft, die Grenzlage blieb jedoch weiterhin riskant. 1815 kam es schliesslich zum Fall der Hüninger Festung, die auch der Stadt Basel ein Dorn im Auge war. Zwischen 1893 und 1908 wurde Kleinhüningen schliesslich schrittweise in Basel eingemeindet.
Kleinhüningen war zum Zeitpunkt des Anschlusses an Basel ländlich, mit viel ungenutztem Land und Kühen, die durch das Dorf getrieben wurden. Von den vielen Fischern sind nur noch vereinzelte übrig geblieben. Am Rheinbord spielten Kinder und Familien trafen sich auf ihren Spaziergängen. 1893 bekam Kleinhüningen schliesslich eine eigene chemische Fabrik und 1908 kam es zur vollständigen Verschmelzung der Gemeinde mit Basel Stadt.
Erst nach der Jahrhundertwende wurde das Dorf vom Bauboom erfasst. Die «Basler Chemische Fabrik Bindschedler», die 1908 mit der CIBA fusionierte, produzierte hier erstmals Farbstoffe und pharmazeutische Spezialprodukte. Die Bevölkerung Kleinhüningens bestand zu dieser Zeit hauptsächlich aus neu zugezogenen Leuten vom Land sowie wenig privilegierte Personen. Diese waren aufgrund der Immissionen nicht immer zufrieden mit dieser Situation. Abfälle aus Produktionsprozessen und die unmittelbare Nachbarschaft der Industriebetriebe machten gewisse Bereiche des Dorfes unwohnlich.
Bald machte auch die Stadt Basel Landansprüche in Kleinhüningen geltend. Privates Gelände am Rheinufer westlich des alten Dorfes wurde zum Bau des Rheinhafens aufgekauft. In den folgenden Jahren veränderte sich das Bild des ehemaligen idyllischen Fischerdorfes drastisch. Nach der Fertigstellung des Hafenbeckens I im Jahr 1922 wurden die zugehörigen Hafengebäude errichtet. Zwischen 1928 und 1931 wurde auch das Gaswerk der Stadt Basel gebaut. Die Entwicklung wurde 1939 durch den Bau des Hafenbeckens II vorläufig abgeschlossen. Auf den übrigen Flächen siedelten sich Industriebetriebe wie zum Beispiel die Stückfärberei an, die «Stücki».
Das frühere Fischerdorf wurde dermassen verändert, dass die Kleinhüninger das landwirtschaftlich geprägte Leben völlig aufgeben mussten. Zudem hatte die Korrektion des Rheins mit dem Bau des Kraftwerks in Kembs zur Folge, dass die Grossfischerei auf Lachse fast völlig zusammenbrach. Vom früheren Dorf sind heute als einzige unberührte Zone der Kronenplatz im Innern des ehemaligen Dorfes und die Uferzone der Wiese übrig geblieben. Mit der Überbauung der übrigen Landreserven verschwanden auch kleine Äcker, Pflanzflächen und Gärten von der Bildfläche.
Seit den 1950er-Jahren ist Kleinhüningen ein Standort für Gewerbe und Industrie und schweizweit einer der wichtigsten Transport-Drehscheiben. Insgesamt 17% des Aussenhandels und 40% der Importe in die Schweiz werden hier abgewickelt. Künftig soll sich Kleinhüningen zu einem Trendquartier entwickeln. Lokalitäten wie das Schiff, das Kulturprojekt «Ostquai» oder der Kubus «Brasilea» sind Beispiele für eine neue Nutzung. Durch den Bau neuer Wohnungen, durch das Einkaufszentrum Stücki, durch Hotel und Business Park blickt Kleinhüningen in eine neue Zukunft. Auf der Kleinhüninger Insel im alten Hafenbecken I und der Klybeckinsel soll mit dem Projekt «3Land» ein neuer städtischer Lebensraum entstehen und die Gemeinden Huningue und Weil am Rhein enger an Basel anbinden.
DK / AY