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Aus Unterseen im Berner Oberland hat mich folgender Erfahrungsbericht erreicht. Er scheint mir exemplarisch zu sein.
Die Geschichte handelt von Herrn Fischer und seiner verstorbenen Schwiegermutter Elise Steffen, wobei ich hier auf ausdrücklichen Wunsch die Namen abgeändert habe.
Herr Fischer erklärte Postfinance , dass seine Schwiegermutter Elise Steffen verstorben sei. Es gelte, das Postkonto aufzulösen. Als schriftliche Antwort erhielt Herr Fischer die Bestätigung: «Sehr geehrte Frau Steffen, wir bedauern, dass Sie Ihr Konto aufheben wollen.»
Naja, liebe Post, bedaure, aber wenn man verstorben ist, haben Postkonti ihren Dienst meist erfüllt.
Eine Woche später landen im Briefkasten von Herrn Fischer gleich zwei Briefe von Postfinance. Im ersten steht: «Wir haben die Nachricht erhalten, dass Frau Elise Steffen gestorben ist. Wir sprechen Ihnen unser Beileid aus.» Das ist an sich recht nett. Doch die Adresse lautet nicht auf Herrn Fischer, sondern auf die verstorbene Frau Steffen. Auch der zweite Brief ist an die Verstorbene adressiert, und er richtet sich auch an die Tote: «Sehr geehrte Frau Steffen, bevor wir Ihnen den Kontostand und den Marchzins per Todestag senden können, benötigen wir noch den Todesschein.»
Hoppla. Da sind wir beim bekannten Problem. «Die Post bringts», lautet der Werbespruch des gelben Giganten, der sich hier wie ein Trampeltier benimmt. Das Gleiche von Toten zu verlangen, ist vielleicht doch etwas übertrieben.
Die Serie der Peinlichkeiten reisst nicht ab: Zwei Monate später möchte Postfinance das eine oder andere noch klären und adressiert wieder einen Brief an die Verstorbene. Diesmal schreibt sie aber weder «Sehr geehrte Frau Steffen» noch «Sehr geehrter Herr Fischer». Diesmal schreibt sie «Sehr geehrter Herr Steffen». Fehlt nur noch die vierte Variante: «Sehr geehrte Frau Fischer».
Vier Tage später nochmals ein Brief. Bingo: Adresse und Anrede sind korrekt. Im fünften Anlauf hat es die Post doch noch geschafft. Wir jubeln mit ihr.
Erschienen in der BZ am 1. Dezember 2009