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Der Cardigan Welsh
Corgi - Ein Porträt

Von Shelley Camm, Kanada
"Oh schau, der Hund der Königin" oder "Das ist eine Kreuzung eines Corgis mit einem Border Collie, nicht wahr?".
Das sind wohl die beiden häufigsten Bemerkungen, mit denen man als Cardigan Corgi Besitzer konfrontiert wird. Wie das weniger bekannte Geschwister eines Filmstars haben die Cardigans ihre eigenen Merkmale und ihre eigene Persönlichkeit. Der Cardigan ist tatsächlich der ältere der beiden Corgi Rassen und stammt aus der Cardiganshire Grafschaft in Wales (heute Ceredigion), eine gebirgigere und rauere Region als die Strände des maritimen Pembrokeshire.
So haben sie sich auch unterschiedlich entwickelt. Cardigan Corgis haben grosse, dicke Marshmallow-Pfoten, geeignet für unwegsames Gelände, sie sind länger und schwerer, und als primärer Bauernhund hat er eine weniger kontaktfreudige, "Lass uns Partie machen"-Persönlichkeit als der Pembroke. Sie sind ernsterer in allem was sie tun, sei es Viehhüten, Obedience, Kinderhüten oder Bewachung des Heims.
Äusserliche Eigenschaften
Wenn du das erste Mal einen Corgi siehst, gibt es mehrere Unterschiede, die dir einen Hinweis geben sollten, um welchen der beiden Corgi-Rassen es sich handelt.
Die Farbe - Pembrokes gibt es nur in Rot mit Weiss, Sable mit Weiss und dreifarbig, d.h. Schwarz mit Weiss mit rotem oder schwarzem Kopf. Das ist alles.
Der Cardigan hingegen kommt in mehreren Farben vor. Zusätzlich zu Rot mit Weiss, und Sable mit Weiss, gibt es sie auch in Brindle (gestromt) in allen Schattierungen von Weizen, Rot und Schwarz, und es gibt sie auch in Blue merle. Die schwarz und weissen gibt es in zwei Ausgaben, mit roten und mit brindle Abzeichen (Wangen und Augenbrauen). Wir nennen sie die Luxusausgabe des Corgis, weil sie eine grössere Auswahl an Farben bieten.
Der Kopf des Pembrokes ist wie ein gleichseitiges Dreieck, gemessen von Ohr zu Ohr und Nasenspitze. Der Kopf des Cardigans ist mehr wie ein stumpfer Keil, wobei die Schnauze 3/8 und der Hinterkopf 5/8 des Kopfs ausmacht.
Die Ohren des Cardigans sind grösser und mehr abgerundet als die des Pembrokes und etwas tiefer angesetzt.
Pembrokes haben ovale Pfoten und Knochen, während Cardigans grosse, dicke und runde Pfoten und Knochen haben.
Die Vorderbeine des Pembrokes sollten von der Schulter bis zum Boden gerade sein. Der Cardigan sollte einen leicht gebogenen Oberarm und geraden Vordermittelfuss haben, wobei die Pfoten nicht mehr als 15° nach aussen gedreht sein sollten (wie 11 und 1 Uhr bei einer Uhr).
Das letzte Kennzeichen ist die Rute. Im grössten Teil von Nordamerika ist das Kupieren der Rute immer noch erlaubt und es ist üblich die Rute des Pembrokes zu kupieren. In Europa und Australien ist es verboten und so sieht man dort Pembrokes mit Ruten, aber sie können anhand der oben erwähnten Kennzeichen sofort als Pembrokes identifiziert werden. Cardigans hatten und werden immer eine lange Rute haben.
Persönliche Eigenschaften
Ungleich dem unbekümmerten Pembroke, der mit allen auf Du ist, ist der Cardigan kritischer, mit wem er befreundet sein will und wird zuerst fragen: "Wurden wir vorgestellt?" Aber wenn du einmal von einem Cardigan akzeptiert bist, gehörst du zum Rudel, teilst mit ihm Freud und Leid und stehst unter seinem Schutz.
Bei der Arbeit nimmt der Cardigan seine Aufgaben sehr ernst, sei es beim Hüten, Agility oder Obedience. Weil sie sich dabei so engagieren, muss man dafür sorgen, dass es ihnen Spass macht und sie sich nicht langweilen und das Interesse verlieren.
Cardigans sollten nicht Agility auf hohem Niveau betreiben oder aus grösserer Höhe (Möbel, Treppen) rauf und runterspringen, bevor sie ihre volle Grösse (zwischen 18 und 24 Monaten) erreicht haben und ihre Wachstumsfugen geschlossen sind. Weil sie vorderlastige Hunde mit tiefer Brust sind, kann wiederholtes schwere Aufschlagen zu einer Valgusdeformität (oder Short Ulna Syndrom) führen, die durch die verfrühte Schliessung einer beschädigten Wachstumsfuge verursacht wird.
Cardigans und Kinder
Die meisten Cardigans können gut mit Kindern umgehen, wenn sie mit ihnen zusammen grossgezogen werden und sind ausgezeichnete Gefährten bereit für jedes Abenteuer. Man muss aufpassen, dass Kinder den Welpen nicht verletzen, indem sie ihn falsch aufheben und dass sie lernen, den "Platz" eines älteren Hundes zu respektieren, sei es ein Hundebett oder eine Box, wo er sich zurückzieht, wenn er in Ruhe gelassen werden will. Ich kenne mehrere Familien, wo ältere Cardigans Neugeborenen sklavisch ergeben sind und sich später freiwillig als Kissen, Beissring und Lauflernhilfe zur Verfügung stellen. Kenn deinen Hund und wenn er zeigt, dass es ihm unangenehm ist (starrer Blick, leckt sich die Lefzen, will sich entziehen, dann sag ihm, er soll an seinen Platz gehen, und den Kindern, sie sollen ihn in Ruhe lassen. Kleine Kinder soll man nie allein mit einem Hund lassen.
Vielseitigkeit
Der Cardigan ist ein äusserst vielseitiger Hund, mit dem man Spass haben kann. Er wird sich grosse Mühe geben, um es dir recht zu machen. Obwohl nicht jeder Welpe für jede Arbeit geeignet ist, wird eine verantwortungsvolle Züchterin einen Welpen finden, der zu dir passt, sei es als Begleiter, oder für Obedience, Agility, Hüten, Therapiearbeit, Spur- oder Nasenarbeit. Es gibt so viele Dinge, die du mit deinem Cardigan machen kannst. Falls du Interesse am Ausstellen hast, besuche eine Hundeausstellung und rede mit Züchtern, deren Hunde erfolgreich sind, und sei bereit, auf den richtigen Welpen zu warten.
Die guten und weniger guten Seiten
Cardigans haben so viele wunderbare Eigenschaften, dass Neulinge sich von der Rasse angesprochen fühlen. Sie sind hoch intelligent und lernen schnell (das Gute wie das Schlechte). Sie haben eine lustige Persönlichkeit und wollen gerne an den Aktivitäten der Familie teilnehmen, sei es auf dem Sofa sitzen, wandern oder in einem See schwimmen (einige waten nur herum, andere schwimmen). Auf der negativen Seite können sie Kläffer sein, wenn man sie nicht früh abgewöhnt. Sie haaren ausgiebig zweimal im Jahr, wobei sie ihre Unterwolle in Büscheln verlieren. Bei einzelnen kann es etwas dauern, bis sie stubenrein sind - aber mit konsequenter Erziehung werden sie es lernen - und nie mehr vergessen.
Gesundheit
Cardigans sind allgemein eine gesunde und robuste Rasse mit recht hoher Lebenserwartung. 14-15 Jahre sind nicht ungewöhnlich.
Je nach Land gelten verschiedene Anforderungen für die Zuchtzulassung:
DNA Test auf PRA, eine erbliche Augenkrankheit, die zu Blindheit führt
Untersuchung auf HD und ED
DNA Test auf DM, eine erbliche Krankheit, die im fortgeschrittenen Alter zur Lähmung der Hinterhand führt, wobei der Pembroke bedeutend mehr von dieser Krankheit betroffen ist.
Wo finde ich eine seriöse Züchterin?
Am besten wendet man sich an den nationalen Rasseklub. In Europa ist es meistens der Welsh Corgi Club, der beide Rassen betreut, oder der Club für britische Hütehunde. Im Ursprungsland der Rasse ist es die Cardigan Welsh Corgi Association (UK)
Shelley Camm (02.04.1957-10.08.2020)
erfolgreiche Cardigan Züchterin in Canada unter dem Zwingernamen Yasashiikuma.
Der vollständige Artikel erschien auf Laurie Eno's Blog The Daily Corgi am 28. Oktober 2016.