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100 Jahre Viehversicherung Bösingen
Hubert Rudaz, Präsident der Viehversicherung Bösingen, erinnerte an der Jubiläums-Versammlung daran, dass sich die Landwirtschaft am Ende des letzten Jahrhunderts in einer ähnlich schwierigen Situation befand wie gegenwärtig wieder. Mit Selbsthilfe-Organisationen versuchten damals initiative Bauern, ihre Interessen zu wahren und den Absatz ihrer Produkte zu sichern. So waren 1882 in Düdingen die landwirtschaftliche Genossenschaft und der ökonomische Verein entstanden. In Schmitten, damals noch ein Weiler der Gemeinde Düdingen, wurde 1890 die erste Viehzuchtgenossenschaft des Kantons und die dritte in der Schweiz gegründet. Nicht weniger als sechs der 20 Pioniere dieser Organisation stammten aus Bösingen.
«Ob wir es wollen oder nicht, wir müssen mit neuen Formen von Zusammenarbeit, Produktion und Vermarktung an unsere Kunden gelangen. Es kann dies eine neue Chance für die Landwirtschaft sein. Packen wirs an», forderte der Präsident seine Kolleginnen und Kollegen auf.
Risiken verringern
Wie Hubert Rudaz weiter ausführte, barg die einseitige Entwicklung der Landwirtschaft auf Rind- und Milchviehzucht auch grosse Risiken in sich. Dies hat den Staatsrat veranlasst, auf den 1. Dezember 1899 ein Gesetz über die obligatorische Rindviehversicherung zu erlassen. Am 23. Februar 1900 wurde das entsprechende Reglement veröffentlicht und am 28. Februar der Beschluss über die Errichtung und Abgrenzung der Viehversicherungskreise. Der Sensebezirk wurde in 30 und das damalige Gebiet der Gemeinde Bösingen in drei Kreise eingeteilt – Bösingen, Ammerswyl (sic!) und Uttewil.
Amtmerswil liegt heute auf dem Gebiet der Gemeinde Wünnewil-Flamatt. Die beiden Kreise Bösingen-Dorf und Bösingen-Uttewil wurden am 21. Februar 1998 zusammengelegt.
Bei der Konstituierung des Versicherungskreises Bösingen-Dorf am 19. März 1900 waren rund 60 Viehbesitzer anwesend. Drei Tage später – am 22. März 1900 – wurde der Versicherungskreis Uttewil-Friesenheid konstituiert.
Schrift zum Jubiläum
Der vereinigte Versicherungskreis Bösingen zählt 34 Mitglieder. Versichert sind zurzeit 859 Tiere. Wie aus der interessanten Jubiläumsschrift, die von Viehinspektor Beat Gobet zusammenstellt wurde, hervorgeht, zählte der Versicherungskreis Bösingen-Dorf 1911 132 Viehbesitzer mit 967 versicherten Tieren. Die höchste Zahl an versicherten Tieren wurde mit 1283 Stück 1944 registriert; dies bei 102 Viehbesitzern. Schon das Reglement vom 23. Februar 1900 hat in Artikel 19 ausdrücklich vorgesehen, dass «Personen weiblichen Geschlechts ebenfalls an der Versammlung teilnehmen oder sich durch einen besonderen Bevollmächtigten vertreten lassen können».
Aus den Schlachtberichten
Entschädigt hat die Versicherung 1906 14 und 1999 13 Tiere. 1959 wurden – das bisherige Maximum – 26 Tiere entschädigt. Die Schadenfälle werden im Schlachtbericht etwa wie folgt beschrieben: «Herr Bongni in Vogelshaus hat eine sechs Jahre alte Kuh, die zwei Kälber geworfen hat. Herr Bertschy (Vieharzt) constatiert Lungentuberkulosis; es ist unheilbar. Das zu 600 Franken geschätzte Tier wurde zu 7/10 vergütet und das Fleisch zu 60 Centimes verteilt.» (10. November 1900.) «Frau Marie Riedo in Noflen hat eine Kuh sieben Jahre, graue Farbe, welche wegen Lungentuberkulosis und Blutarmut abgemagert war. Die Kuh wurde der Eigentümerin überlassen, welche dann für 70 Franken nach Laupen verkauft wurde. Es wurde der Eigentümerin eine Entschädigung von 55 Franken von der Versicherung vergütet.» (12. Juli 1906.)