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Editorial
Von Martin Leschhorn Strebel / Medicus Mundi Schweiz
Fragile Staaten – schwache Staaten: Die beiden Begriffe werden gerne als Synonym gebraucht. Doch Fragilität bringt nicht in erster Linie Schwäche zum Ausdruck sondern Zerbrechlichkeit. Vor dem Hintergrund, dass in einer neoliberalen Weltsicht ein schwacher Staat durchaus ein gutes Staatswesen sein kann, ist diese Differenzierung durchaus wichtig.
Doch ein Staat kann dermassen schwach sein, dass er seine Pflichten den Bewohnerinnen und Bewohnern gegenüber nicht mehr wahrnehmen kann. Die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse wie Bildung, der Sicherheit oder der Gesundheit stehen auf dem Spiel. Daran kann ein Staatswesen in der Tat zerbrechen – und erscheint dann auf der Liste der gescheiterten Staaten.
Nichtregierungsorganisationen bringt dies in ein Dilemma: In fragilen Staaten sind sie gezwungen Aufgaben zu übernehmen, die eigentlich in die Verantwortung eines demokratisch legitimierten Staates gehörten. In vielen Einsatzländern ist diese Grundvoraussetzung aber nicht gegeben. Wie positioniert man sich in einem staatlichen Umfeld, das nur rudimentär vorhanden ist?
Mit diesem Dilemma setzen sich die Autorinnen und Autoren in dieser Ausgabe des Bulletins auf unterschiedliche Weise auseinander. Eines wird dabei klar: Es geht nicht ohne einen Ansatz, der darauf abzielt, die Bevölkerung in den betreffenden Staaten dazu zu ermächtigen, ihre Bedürfnisse selbst zu formulieren, einzufordern und in die Hand zu nehmen. Denn ein schwacher Staat kann nur gestärkt werden, wenn in sein demokratisches Potential investiert wird.
Martin Leschhorn Strebel
Redaktor des Bulletins und Geschäftsleitungsmitglied des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz. Kontakt: <email-pii>