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Am Eingang zum heutigen Städtchen Kaiserstuhl erhebt sich der mächtige „Obere Turm“, der im frühen Mittelalter zuerst die Fähre über den Rhein, dann die hölzerne Brücke zu schützen hatte. Mit dem Ortsnamen Kaiserstuhl sollte eine Beziehung zu den römischen Kaisern hergestellt werden. Bis jetzt aber sind ausgedehnte Funde aus der römischen Zeit ausgeblieben, und der Obere Turm ist eindeutig ein Bauwerk aus dem Mittelalter. Der imposante Wohnturm erreicht noch heute eine Höhe von fast 30 Metern und bildet im Grundriss ein Quadrat von 12 Metern Seitenlänge. Die Mauerstärke ist beachtlich. Sie beträgt im Erdgeschoss 2.5 Meter und verjüngt sich bis ins oberste, sechste Geschoss auf 1.2 Meter. Das Mauerwerk des Turms besteht in den untersten Lagen aus kleinen Rollsteinen im Ährenverband, in der unteren Turmhälfe aus gewaltigen Findlingen und in der oberen Turmhälfte schliesslich aus kleineren Findlingen mit vielen Tuffsteinen und Nagelfluhbrocken. Grosse, sorgfältig versetzte Tuffquader mit Randschlag bilden die Ecken. Der ursprüngliche Eingang befand sich an der Ostseite des Bauwerks in sechs Metern Höhe und führte direkt ins zweite Geschoss. Über eine hölzerne Laube gelangte man zum Wehrgang an der Ringmauer.
Heute zeugen nur noch die Balkenlöcher für die Tragbalken. Das heutige Tor im Erdgeschoss auf der Südseite wurde erst 1852 eingebrochen. Ein Zeltdach krönt den Turm. Nicht alle der unregelmässig angeordneten Fenster entsprechen den ursprünglichen, mittelalterlichen Scharten. Dass die aus dem Mittelalter stammenden Holzeinbauten bis in unsere Zeit hinein erhalten blieben, ist als seltener Glücksfall zu werten. Meistens wurde der innere Einbau der mittelalterlichen Wohntürme zerstört. Hier aber haben sich die gewaltigen Eichenbalken mit den Bretterböden erhalten. Ungefügte Blocktreppen führen von Stockwerk zu Stockwerk, welche jeweils nur einen Raum aufweisen. In der Raummitte steht je ein gefasster Pfosten mit Sattelholz, im oberen Geschoss trägt der Pfosten den Dachstuhl.
Die schriftlichen Nachrichten über Kaiserstuhl setzen im 12. Jahrhundert ein und sind eher dürftig. Die Siedlung gehörte den Freiherren von Kaiserstuhl, von denen 1236 erstmals ein Rudolf erwähnt wird. Ihre Behausung bildete der mächtige Wohnturm, der wohl anlässlich der Stadtgründung erbaut wurde. Die Freien von Kaiserstuhl vergaben im 13. Jahrhundert verschiedene Güter an geistliche Institutionen. Die Besitzungen bei der Stammburg gelangten durch Heirat an den Freiherren Lütold VI von Regensberg. 1294 verkauften die Regensberger die Stadt und Burg zu Kaiserstuhl an den Bischof Heinrich II von Konstanz. Kaiserstuhl gehörte fortan zu den sogenannten bischöflich-konstanzischen Ämtern. Ein Vogt residierte von nun an im Ort. Der Bischof hielt Stadt und Turm Kaiserstuhl den österreichischen Herzögen offen. 1406 unternahm das Städtchen einen erfolglosen Aufstand gegen den Bischof. Im 15. und 16. Jahrhundert einigten sich der Bischof und die Eidgenossen über ihre verschiedene Befugnisse in Kaiserstuhl.
Das sechste Geschoss des Turms diente im Spätmittelalter dem Stadtwächter als Wohnung. Auf der Ostseite befindet sich noch eine hölzerne Laube mit altem Aufzug. Das Tretrad dazu ist zwischen den Dachbalken erhalten. Dem Wächter wurde auch die Feuerwacht übertragen. Schadenfeuer hatte er sogleich durch Hornstösse zu melden. Auf der Höhe des fünften Geschosses wurde die Turmuhr angebracht. Die unteren Geschosse benutze man als Lagerräume und als Gefängnis. 1955 wurde der schadhafte hölzerne Innenausbau ersetzt und die Wächterlaube gesichert. Die Turmuhr erhielt ein neues Zifferblatt.
Das Bauwerk hat die kriegerischen Ereignisse der letzten Jahrhunderte unbeschadet überstanden. Mit seiner gewaltigen Höhe gehört der Turm zu den mächtigsten erhaltenen mittelalterlichen Wehrbauten des Kantons Aargau.
Der Turm war in die mittelalterliche, im Dreieck angelegte Befestigung einbezogen worden. An ihn schlossen die Ringmauern des Städtchens an. An allen drei Ecken standen nun hohe Mauertürme, die durch Wehrgänge zugänglich waren. Der westliche Mauergang war zusätzlich mit einem Turm bewehrt. Zwischen den beiden Türmen gegen den Rhein hin stand das Torhaus mit dem Ausgang zur hölzernen, teilweise gedeckten Rheinbrücke, die zum Schloss Röteln oder Rotwasserstelz- jetzt auf deutschem Boden führte. Die erste Nachricht von der hölzernen Rheinbrücke von Kaiserstuhl datiert von 1294.
Innerhalb der Befestigungsanlage, nicht mit der Stadtmauer verbunden, erhob sich ein weiterer Turm. Auch dieses Bauwerk wurde wiederholt fälschlicherweise als römisch bezeichnet. Der ehemals mit einem vorkragenden Holzüberbau ausgerüstete Turm wurde zu einem Kirchenturm umgebaut. Im Erdgeschoss wurde der Chor der Kirche eingebrochen.
Bibliographie