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Auge in Auge mit Christine Lagarde Sie hat Antworten auf schwierige Fragen und findet den Weg in unruhigen Zeiten: die geschäftsführende Direktorin des IWF war Referentin am 43. St. Gallen Symposium. Sie diskutierte mit BBC-Hardtalk-Moderator Stephen Sackur. 2 Mai 2013 Christine Madeleine Odette Lagarde bekleidete verschiedene Ministerposten in der französischen Regierung und war die erste Finanzministerin eines G8-Landes. In ihrer gegenwärtigen Funktion als geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) führt sie eine aus 188 Ländern bestehende Organisation. Diese hat die Aufgabe, die internationale Währungszusammenarbeit zu unterstützen, die finanzieller Stabilität zu sichern, den internationalen Handel zu begünstigen, und für einen hohen Beschäftigungsgrad und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu sorgen. Auf diese Weise will der IWF Armut auf der ganzen Welt bekämpfen. Globale Ausrichtung Der Mann, der Lagarde auf der Bühne kritische Fragen über die Rolle des IWF in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und über ihre Zukunftsperspektiven stellte, war Stephen Sackur. Er ist der Moderator der Vorzeige-Interviewsendung der BBC, HARDtalk. 2010 wurde Sackur von der Association for International Broadcasting als International TV Personality of the Year ausgezeichnet Bezüglich der Kreditgewährungsaktivitäten des IWF sagte Lagarde, dass die Organisation 50 Programme verfolge, die numerisch mehrheitlich in Afrika angesiedelt seien, während der Löwenanteil der Kredite, nämlich gut 60%, in Europa ausgegeben werde. Sackur fragte seinen Gast, ob sie bei Antritt ihres Amtes als geschäftsführende Direktorin erwartet hatte, so viel Zeit und Geld für Europa aufzuwenden. Sie gab zum Ausdruck, dass ein Grossteil des Geldes in Europa bereits gebunden gewesen sei, räumte indes ein, nicht geglaubt zu haben, dass sie dafür so viel Energie brauchen würde. Sie führte jedoch weiter aus, dass sie die täglichen Ereignisse und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft im Auge behalten müsse, der IWF indes auch längerfristige Entwicklungen betrachte. «Der IWF war stark in Europa engagiert, aber vor mehr als dreissig Jahren lag dann der Schwerpunkt auf Asien, danach gab es mehr als eine Periode starken Engagements in Lateinamerika, und jetzt sind wir zurück in Europa. Wir dienen der gesamten Gemeinschaft.» Weltweites Wohlergehen In der weiteren Diskussion über die Weltwirtschaft und die Rolle des IWF bemerkte Lagarde: «Wenn etwas nicht so gut funktioniert, wie wir und die Gemeinschaft der Wirtschaftswissenschaftler erwartet haben, dann müssen wir zurückbuchstabieren… der IWF ist stolz darauf, etwas zu hinterfragen, nachzuprüfen und darauf zurückzukommen… der Zeit immer voraus zu sein und zu sehen, was funktioniert und was nicht. Wir sind 188 Ländern Rechenschaft schuldig.» Sackur bedrängte seinen Gast mit der Mutmassung, dass der IWF möglicherweise eine eurozentrische Organisation sei, die bezüglich europäischer Länder mildere Normen anwende. Lagarde führte ins Feld, dass sie – zusammen mit den an den Programmen beteiligten europäischen Ländern – nicht der Meinung sei, dass bei den Euroländern leichtere Standards zur Anwendung kämen. Der IWF sei verpflichtet, sämtlichen Volkswirtschaften zu Stabilität zu verhelfen, und das Wohlergehen Europas sei lebenswichtig. Das 43. St. Gallen Symposium vereint internationale Referenten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zur Diskussion des Themas «Rewarding Courage».