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Wenn Testfälle durchzuführen sind, benötigen Tester oft zusätzliche Informationen zur Ausführung ihres Auftrages, als ihnen im Moment vorliegen. Sei es, weil die Testfälle nicht oder ungenügend spezifiziert sind, oder sei es, weil sie etwa bei der Implementierung automatisierter Testfälle die jeweiligen Prozesse und Abläufe erst einmal kennen lernen. Dieses Wissen erhalten sie in der Regel von Vertretern des jeweiligen Fachbereichs oder von mit dem Testobjekt vertrauten Personen. Dafür wird hier die Bezeichnung «Fachinformationen» verwendet. Fachbereichsvertreter sind häufig gut ausgelastet oder sich nicht gewohnt, in strukturierter Weise über Prozessabläufe Auskunft zu geben. In solchen Situationen erhaltene Informationen lassen sich mit unterschiedlichsten Methoden erfassen.
Eine einfache Methode besteht darin, den Erklärungen der Fachperson zu lauschen, den Ablauf zu beobachten und sich das neue Wissen so gut wie möglich zu merken. In Ergänzung dazu lassen sich die neuen Kenntnisse nachträglich in geeigneter Weise schriftlich festhalten. Die Effizienz dieser scheinbar einfachen Methoden wird vermindert, wenn man sich entscheidende Inhalte nicht merken konnte oder wenn der zeitliche Abstand bis zur Umsetzung des so erhaltenen Wissens zu gross ist und diese daher teilweise bereits wieder vergessen worden sind. Dies erfordert zusätzliche Nachfragen bei der Fachperson.
Damit keine wesentlichen Informationen vergessen gehen, können die wichtigsten Inhalte während der fachlichen Erklärung schriftlich auf Papier oder mittels eines elektronischen Gerätes festgehalten werden. In letzterem Fall lassen sich ergänzend zweckdienliche Bildschirmfotos aufnehmen. Dadurch wird der Erzählfluss allerdings wiederholt unterbrochen und die Bildschirmausschnitte sollten präzise benannt oder gleich in ein Dokument eingefügt werden. Insgesamt wird daher die Erfassung nach dieser Methode als eher langsam erlebt.
Falls eine Software wie Tosca von Tricentis für die Testautomatisierung eingesetzt wird, lässt sich deren Modul «Exploratory Testing» für eine effiziente Aufzeichnung von Fachinformationen verwenden. Die Fachperson erhält eine Einladung per E-Mail mit einem Link zu einer Testsitzung. Nach der Installation eines Agenten auf dem lokalen Rechner werden die relevanten Anwendungen zur Aufzeichnung ausgewählt und die Sitzung gestartet. Entweder zeichnet die Software die einzelnen Aktionen mittels einer textuellen Auflistung und Screenshots auf. Festgehalten werden unter anderem Klicks, Texteingaben, Verschiebungen von Objekten mit der Maus u.a. Alternativ kann der Video-Modus gewählt werden. Im Nachhinein werden irrelevante Bilschirmfotos entfernt oder ergänzende Angaben in Form von Text oder grafischen Objekten hinzugefügt. Schliesslich lässt sich die Aufzeichnung z.B. im PDF-Format exportieren und dient so einer effizienten Umsetzung eines Testfalls in der Automatisierungsumgebung. Auf diese Weise sind bei Unklarheiten deutlich weniger Nachfragen notwendig. Zudem sind die zur Testfallimplementierung erforderlichen Informationen an einem zentralen Ort und einheitlich zusammengeführt. Ein PDF-Dokument ist einfach an andere Adressaten zu verteilen.
Ursprünglich entwickelt, um Beobachtungen beim explorativen Testen festhalten zu können, lassen sich auch mit einer kostenlosen Applikation wie Rapid Reporter oder deren überarbeiteter Version ArmstrongApp wesentliche Inhalte aus der Erklärung eines fachlichen Prozesses aufzeichnen. Über ein minimiertes Eingabefenster können einerseits kurze Notizen erfasst, andererseits Bildschirmfotos aufgenommen werden. Je nach Verwendungszweck werden die Aufzeichnungen z.B. im HTML-Format exportiert. Der wesentliche Ablauf lässt sich anhand eines solchen Dokuments gut rekonstruieren. Allerdings wird der Erklärungsfluss durch das intermittierende Aufzeichen der wichtigsten Informationen wiederholt unterbrochen. Insofern ist eine Anwendung, bei der die Aufzeichnung vollständig im Hintergrund erfolgt, einfacher und effizienter einzusetzen.
Mit dem qTest Explorer von QASymphony lassen sich alle relevanten Interaktionen mit einem Testobjekt aufzeichnen (Desktop- und Webanwendungen). Teilweise kann daraus ein Grundgerüst für automatisierte Tests erstellt werden.
Indem ein fachlicher Ablauf per Videoaufnahme direkt am Bildschirm festgehalten wird, lässt sich im Nachhinein aus der Filmsequenz das Vorgehen im Einzelnen genau erkennen. Wichtig ist eine genügende Vorbereitung für eine zielsichere, flüssige Videoaufzeichnung. Im Vergleich zu einer kombinierten Dokumentation aus Text und Bild mittels eines PDF-Dokuments ist der nachträgliche Zugang zu einer bestimmten Stelle in einem Video schwieriger und mit erhöhtem Suchaufwand verbunden. Ab einer bestimmten Dateigrösse lassen sich Videos nicht mehr einfach direkt verteilen, sondern über einen Link auf eine Dateiablage.
Aus persönlicher Sicht präferiere ich derzeit die Erfassung von Fachinformationen mittels des Moduls «Exploratory Testing» von Tricentis Tosca. Ein dadurch erhaltenes PDF-Dokument bietet meiner Erfahrung nach die grösste Flexibilität bezüglich der späteren Nachvollziehbarkeit, des gezielten Zugriffs auf gesuchte Informationen und der einfachen Verteilung.
Welche Erfahrungen zu diesem Thema haben Sie gemacht? Welche Methoden und Werkzeuge können Sie für die Erfassung von Fachinformationen empfehlen? Auf Ihre Kommentare freue ich mich.
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