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Die Pilgerreise von John Bunyan ist eines der wichtigsten Bücher der Literaturgeschichte. Selbst für die Literatur Indiens hatte es entscheidende Wirkung. Im neu übersetzten Buch Die Seele des Westens von Vishal Mangalwadi wird in Kapitel 12 (“Das Reden Gottes und die Literatur der Menschen”) die wichtige Rolle der Literatur für die Nationenbildung hervorgehoben.
Literatur ist die Seele einer Nation, weil sie das Geheimnis der Identität und Geschichte eines Volkes beinhaltet. Sie ist eine treibende Kraft für die kreative Bestimmung einer Nation. (Kindle-Position 4917)
Nachdem die Pilgerreise für ca. 100 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen vor allem die ärmeren Schichten der Bevölkerung erreicht hatte, wechselte dies nachher.
Die ‹Pilgerreise› ist vielleicht das einzige Buch, bei dem nach hundert Jahren die gebildete Minderheit sich der Meinung des gemeinen Volkes angeschlossen hat. (5077)
Das Werk erlangte auch ausserhalb des Westens an Bedeutung. Die missionarische Aktivität der Bibelübersetzung in Indien wurde durch die Übersetzung der Pilgerreise ergänzt.
Abgesehen von der Bibel scheint die Übersetzung der Pilgerreise eine der häufigsten und beliebtesten missionarischen Aktivitäten in allen Teilen Indiens gewesen zu sein. (5241)
Von da aus gewann das Genre des Romans auf dem Subkontinent erst ihre Bedeutung.
Der Roman universalisiert die biblische Vision vom menschlichen Wohlergehen. Er ist im Einklang mit dem starken Erlösungsthema der Bibel und setzt die Hoffnung ins Zentrum menschlicher Geschichten. In diesem Sinne steht er dem Fatalismus, der viele traditionelle Kulturen kennzeichnet, diametral entgegen. (5209)
Auch ich lasse mich regelmässig auf die epochale Allegorie von John Bunyan ein. Zu dieser Reise gehört der Blick aufs Ziel, so wie er Christ bei den Hirten gewährt wurde (16. Kapitel):
Um diese Zeit bekamen die Pilger ein Verlangen, weiter zu reisen, und die Hirten waren damit einverstanden. So wanderten sie denn mit einander bis zum Ende des Gebirges. Hierauf sagten die Hirten zu einander: „Lasset uns den Pilgern die Thore der himmlischen Stadt zeigen, wenn sie im Stande sind durch unser Fernglas zu sehen.” Die Pilger aber nahmen das Anerbieten gerne an. Und nun führten die Hirten sie auf den Gipfel eines hohen Berges, Hell genannt, wo sie ihnen das Fernglas in die Hand gaben, um durch dasselbe zu sehen.
Die Pilger versuchten’s nun zwar, allein die Erinnerung an das, was ihnen die Hirten zuletzt gezeigt hatten, machte, daß ihre Hände zitterten und dadurch wurden sie denn verhindert, einen sichern Blick durch das Glas zu thun. Doch meinten sie etwas einem Thore Ähnliches und auch Einiges von der Herrlichkeit jenes Ortes zu erblicken.