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Die Idee des Equal Pay Day stammt aus den USA, wo ihn die amerikanischen Business and Professional Women BPW 1988 zum ersten Mal organisierten. In der Schweiz wird der Anlass ebenfalls von Schweizer BPW-Mitgliedern durchgeführt, 2010 zum zweiten Mal. Eine rote Tasche, die am 11. März gratis verteilt wird, manifestiert den Protest gegen die Entgeltungsungleichheit und macht auf rote Zahlen aufmerksam, da die Frauen nach wie vor weniger Geld in der Tasche haben als Männer.
Die Wahl des Datums hat einen tieferen Grund: Da Frauen19,3% weniger Lohn verdienen, müssen sie bis zum 11. März 2010 arbeiten, um für gleichwertige Arbeit denselben Lohn zu erhalten, den die Männer schon am 31. Dezember 2009 in der Tasche hatten, so die neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik in Bern. Seit 1981 ist das Prinzip der Gleichstellung von Mann und Frau in der Schweizerischen Bundesverfassung verankert. Die Auswertungen von Studien zeigen aber, dass Frauen nicht deshalb weniger verdienen, weil sie weniger leisten, sondern weil sie für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden. Der Lohnunterschied wird grösser, je höher eine Frau in der Hierarchie aufsteigt. Dies hat Auswirkungen auf die Altersrente und Pensionen.
Dass Frauen auch bei absolut gleicher Ausbildung und Qualifikation schon von Anfang an tiefere Einstiegslöhne bekommen, zeigt ein Beispiel, das auf der Website von BPW Schweiz erscheint: Sonja und Urs haben an der ETH Informatik-Ingenieur studiert und vor drei Jahren als Projektassistent in grösseren IT-Firmen in der Nordwestschweiz begonnen. Der Einstiegslohn von Sonja betrug 6539 Fr., der von Urs 7398 Fr.
Bestätigt wird diese Tatsache auch durch eine Studie des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2008 über Hochschulabsolventen und Absolventinnen auf dem Arbeitsmarkt: Fünf Jahre nach dem Abschluss verdienten hochqualifizierte Frauen jährlich 20000 Fr. weniger als hochqualifizierte Männer. Und das ist nicht nur für die Frauen ärgerlich. Markus Theunert, Präsident männer.ch - Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen: «Auch wir Männer haben ein Eigeninteresse, dass Frauen gleich gut entlöhnt werden. Sonst tappen wir noch lange in die Ernährerfalle.»
Ungleiche Lohnverhandlungen
«Leider nehmen die Frauen immer noch zu wenig Verantwortung wahr und realisieren nicht, welchen Stellenwert Geld hat», sagt Annette Isenschmid von Isenschmid Consulting, Zürich. Ihres Erachtens liegt das grösste Problem darin, dass gerade junge Hochschulabsolventinnen sich nicht bewusst sind, dass es Ungleichheit gibt.
Während des Studiums hatten sie gleiche Chancen, erst beim Eintritt ins Berufsleben beginnen sie zu realisieren, dass es Ungleichheit eben doch gibt. Die besonderen männlichen Spielregeln sind ihnen nicht vertraut. Bis sie das realisieren, sind die männlichen Kollegen schon einen Schritt weiter.
Sonja A. Buholzer, Inhaberin von Vestalia Vision, bestätigt diese Erfahrung. Die Wirtschafts- und Unternehmensberaterin stellt fest, dass der kapitale Fehler von Frauen darin bestehe, dass viele die fatale Einstellung haben, dass Geld per se etwas Schlechtes sei. Wenn Frauen aber infolge dieser Einstellung bis zu einen Drittel weniger Lohn verlangen, müsse an der eigenen Einstellung gearbeitet werden.