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«Letztlich macht es keine Differenz, ob Ihr Vermögen eine oder sechs Milliarden beträgt», meinte Ivan Glasenberg, CEO des Rohstoffkonzerns Glencore/Xstrata in einem Interview mit der Sonntags-Zeitung.
Für den Milliardär macht es offensichtlich auch keine Differenz, ob etwas wahr oder unwahr ist. Sonst hätte er seine folgenden Aussagen in der Sonntags-Zeitung vom 5. Mai 2013 nicht autorisieren dürfen.
Angesprochen auf die Kritik von Menschenrechts- und Umweltorganisationen über die Zustände in und um die Glencore-Minen in Afrika, antwortete er:
Glasenberg: «Was wir in Afrika tun, ist grossartig»
Die Fakten:
• Die Hilfsorganisation «Brot für alle/Fastenopfer» hat im April 2012 einen ausführlichen Bericht über Glencore-Minen im Kongo (Katanga) veröffentlicht und kam zum Schluss: «Business auf Kosten von Menschenrechten und Umwelt».
• Res Gehriger, Reporter des Schweizer Fernsehens SRF, hat im Oktober 2012 von einer Glencore-Kupfermine in Sambia Folgendes berichtet: «Kinder und Erwachsene sind dem Schwefeldioxid und dem sauren Regen schutzlos ausgeliefert. ‚Das Asthma wird immer schlimmer, wenn Abgase in der Luft sind‘, erklärte Makasa Sichela, Chefarzt des öffentlichen Spitals. ‚Wir sehen Neugeborene und Kinder unter fünf Jahren, die mit Brustkorb-Infektionen und Atemnot zu uns kommen.‘ Für den Mediziner ist ein direkter Zusammenhang zwischen Fabrikabgasen und Erkrankungen gegeben.»
Wie der Direktor der sambischen Umweltbehörde ZEMA, Jospeh Sakala, gegenüber dem SRF-Reporter erklärte, hat die Haufenlaugung dazu geführt, dass ein benachbartes Quartier saurem Nebel ausgesetzt war, was zu verschiedenen Gesundheitschäden (korrodierte Zähne, Atembeschwerden, Husten, Augenentzündungen) führte: «Wir gingen hin, haben das verifiziert und festgestellt, dass die Klagen der Anwohner begründet waren.»
Auf diese konkreten Vorwürfe an die Adresse des Rohstoffkonzern ging Glencore-Chef Ivan Glasenberg in der Sonntags-Zeitung nicht ein, sondern sagte:
Glasenberg: «Uns kritisieren Leute, die noch nie vor Ort in unseren Minen in Afrika oder Südamerika waren»
Die Fakten:
• Sowohl SRF-Reporter Gehriger als auch Chantal Peyer mit ihrem Team von «Brot für Alle/Fastenopfer» waren vor Ort, haben mit Minenarbeitern, Gewerkschaftern, Ärzten Lehrern und lokalen Beamten gesprochen, dokumentiert und fotografiert. Sowohl im Kongo wie in Sambia waren Wasser und Luft von den Minen extrem verschmutzt. In Sambia wurden Einwohner krank davon.
Weiter behauptete der Glencore-CEO:
Glasenberg: «Wir haben allen NGOs und den Politikern gesagt: Unsere Minen sind offen für euch. Doch bisher ist kaum jemand aus der Schweiz gekommen. Diese Leute wollen nicht sehen, was wir für die Leute vor Ort Gutes tun»
Die Fakten:
• «Brot für Alle/Fastenopfer» hat nur Zugang zum öffentlichen Gelände der Minen im Kongo gehabt, nicht jedoch ins private Gelände von Glencore, sagt Chantal Peyer, die vor Ort war.
• Ähnlich das Schweizer Fernsehen: Der Rohstoffkonzern hat dem Fernsehen vor Ort trotz mehrmaligen schriftlichen und mündlichen Anfragen verboten, auf dem Gelände der Kupferminen in Sambia zu filmen, ja es auch nur zu betreten. Nicht einmal ein Interview wollten die Glencore-Verantwortlichen in Sambia geben. Erst nach Rückkehr des Fernsehteams wollte die Glencore-Zentrale in Zug den Fernseh-Reporter für eine zweitägige Stippvisite auf Kosten des Konzerns zu einer Minen-Besichtigung fliegen. Das Fernsehen lehnte ab, weil Glencore vor Ort genügend Gelegenheit hatte, dem Reporter das Minengelände zugänglich zu machen. Vor der Kamera mochte Glasenberg auch nachträglich keine Fragen beantworten.
Glasenberg: «Wir bauen Spitäler, Schulen und Wasserversorgung»
Die Fakten:
• Chantal Peyer sagt, das stimme zwar, doch würde diese Infrastruktur in kolonialistischer Manier gebaut, ohne die Bedürfnisse der Bevölkerung gemeinsam mit dieser abzuklären. Glencore könne seine gesundheitsgefährdende Umweltverschmutzung nicht mit einer Schule oder einem Spital kompensieren. Der Rohstoffkonzern müsse mit den NGOs zusammen eine Analyse der Menschenrechts-Situation vornehmen.
• Der Rohstoffkonzern, der dem Fernseh-Reporter vor Ort das Filmen im Firmengelände verbot, lud den Reporter ein, in einem gesponserten Vorzeige-Privatspital und in einer gesponserten Vorzeige-Schule in Sambia zu filmen – jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, niemandem im Spital und in den Schulen Fragen zu stellen.
Das Spital, das Glencore dem SRF-Reporter als Beispiel für das gemeinnützige Engagement des Konzerns verkaufen wollte, entpuppte sich als eine Firmenklinik, die hohe Gebühren verlangt, welche für den Grossteil der Bevölkerung unerschwinglich sind.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine