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Seit Anfang der 1970er-Jahre wurden vermehrt internationale Konventionen zum Umweltschutz verabschiedet; unter anderem das Londoner Übereinkommen zur Verhinderung der Meeresverschmutzung, das 1975 in Kraft trat. Mit der Feststellung, dass zuvor als harmlos geltende Industriechemikalien die schützende stratosphärische Ozonschicht beschädigten, wurde 1985 ausserdem ein Internationales Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht geschaffen.
Zukunftsüberlegungen
In den 1980er und 1990er Jahren wurde zunehmend abgewogen, wie der Mensch den grösstmöglichen Nutzen aus der Umwelt ziehen und gleichzeitig eine nachhaltige Umwelt für künftige Generationen bewahren kann. Dieser Nachhaltigkeitsgedanke war denn auch zentrales Thema der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro, die schliesslich in den Formulierungen der Leitlinien für das 21. Jahrhundert, der «Agenda 21» (nun «Agenda 2030») mündete.
Ausserdem wurde in Rio 1992 eine vielbeachtete, tausendseitige Bewertung der globalen Biodiversität unter UNEP (dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen) zur Unterzeichnung aufgelegt. Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (oder Biological Diversity = Biodiversity) wurde von 190 Staaten verabschiedet und trat 1994 in Kraft. Dieser Entschluss war auch bitter nötig und ist es noch immer: Seit 1950 hat sich die überbaute Fläche der Schweiz mehr als verdoppelt. Naturnahe Flächen wie Trockenwiesen sind rar geworden und die Böden werden oft mit hohen Schadstoffmengen belastet. Zudem hat die biologische Vielfalt deutlich abgenommen: Mittlerweile gelten rund 35% der bewerteten Arten in der Schweiz als gefährdet.
Trotz der ebenfalls in Rio unterzeichneten Klimakonvention steigen die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre weiter an mit den bekannten Auswirkungen. Der Benzinverbrauch in der Schweiz ist seit 1950 denn auch um das Zwölffache angestiegen, die Anzahl Personenwagen auf das Zwanzigfache. Auch der Luftverkehr hat stark zugenommen.
Dennoch endeten viele der anschliessend anberaumten Klimagipfel ohne befriedigende Beschlüsse. Einen Lichtblick aus Schweizer Sicht gibt es: Mit dem Übereinkommen von Paris hat sich unser Land bis 2030 auf die Herabsetzung von Treibhausgasemissionen um mindestens 50% verpflichtet.
Bescheidenheit ist eine Tugend
Es ist eine Notwendigkeit, sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass nicht wir Menschen die Umwelt lenken, sondern umgekehrt. Die Natur bildet nun mal unsere Lebensgrundlage, vom Sauerstoff über das Wasser bis zur Nahrung. Alles was wir ihr antun, tun wir uns selber an.
Nach jahrelangen Diskussionen steigt der Druck zu handeln stetig an; auf die Politik, auf Unternehmen und auf Privatpersonen gleichermassen. Und doch: Nach all dieser Zeit gibt es immer noch Stimmen, die den Umweltschutz als unwichtig beiseiteschieben und jeweils bloss die gegenwärtige, oft finanziell motivierte Genugtuung sehen. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass wir generell nicht sehr vorausschauend handeln, sondern erst nach einem einschneidenden Ereignis reagieren. Das funktioniert allerdings weder mit der Biodiversitätskrise, noch mit den sich oft erst nach Jahren auswirkenden klimatischen Veränderungen.
Doch wie nimmt die Bevölkerung die Umwelt heute wahr?
In den Jahren 2011, 2015 und 2019 wurde die Schweizer Bevölkerung für eine Studie des Bundesamts für Statistik zu den Themen Umweltqualität und Umweltverhalten befragt.
Den Biodiversitätsverlust und Klimawandel stuften 2019 rund 54% der Befragten als gefährlich für Mensch und Umwelt ein, verglichen mit 36% im Jahr 2015. Der Trend zum Kauf von mehr Bioprodukten setzt sich fort: Es gibt immer weniger Menschen, die selten oder nie zu Bioprodukten greifen. Den Verkehrslärm, die Luftverschmutzung und die von Mobilfunkantennen oder Hochspannungsleitungen ausgehenden Strahlungen empfindet die Bevölkerung vermehrt als störend. Mit dem Landschaftsbild ihrer Wohngegend waren 2019, trotz rückläufiger Zahlen, noch immer 90% der Bevölkerung zufrieden.
Kommt es zur Einschätzung der Umweltqualität generell, schätzen Schweizer diese 2019 mit 89% des Bevölkerungsanteils als gut bis sehr gut ein. Im Vergleich zur Bewertung der weltweiten Umweltqualität (nur 13% der Befragten beurteilen diese als gut bis sehr gut) herrscht hier weiterhin grosse Zufriedenheit. Allerdings wurde die Umweltqualität in der Schweiz in den Jahren 2011 und 2015 noch von 95% der Bevölkerung als gut bis sehr gut eingeschätzt.
Die menschliche Inanspruchnahme der natürlichen Ressourcen unseres Planeten ist gewachsen und wird durch das abzusehende Wachstum der Gesamtbevölkerung weiter ansteigen. Allerdings ist das Thema Umweltschutz über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte immer mehr in den Vordergrund gerückt. Die Schweizer Bevölkerung ist sich der Veränderungen offensichtlich bewusst. Unzählige Organisationen, Einzelpersonen und lokale Vereine stecken viel Zeit und Energie in den Umweltschutz: Auf dass die Zukunft des Schweizer Umweltschutzes mutig vorangetrieben wird und Verbesserungen noch vor den schlimmsten Auswirkungen vorgenommen werden können. Da ist zwar gewiss noch viel Entwicklungspotenzial, und Grund zur Entwarnung ist noch keineswegs gegeben. Doch ein zukunftsweisender Anfang ist gemacht.
Quellen und weitere Informationen:
Convery, I. and Peter, D. (2016): Changing Perceptions of Nature
Historisches Lexikon der Schweiz: Umwelt
Bundesamt für Statistik: Wahrnehmung der Umwelt durch die Bevölkerung
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