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Hilfseinsatz von Schweizer Pfadfindern im 1. Weltkrieg
Im Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914 wurde der Thronfolger der österreichisch-ungarischen Krone, Erzherzog Franz Ferdinand, und dessen Gattin durch Mitglieder der revolutionären Untergrundorganisation Mlada Bosna ermordet, die in Verbindung mit offiziellen Stellen Serbiens stand bzw. gebracht wurde. Hauptmotive waren die Befreiung Bosnien-Herzegowinas von der österreich-ungarischen Herrschaft mit dem Ziel einer Einigung der Südslawen unter Führung Serbiens. Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg. Die Kriegsbegeisterung in ganz Europa war gross und die Interessenlagen der Großmächte und die deutschen militärischen Planungen (Schlieffen-Plan) ließen den Lokalkrieg innerhalb weniger Tage zum Kontinentalkrieg unter Beteiligung Russlands (deutsche Kriegserklärung vom 1. August 1914) und Frankreichs (deutsche Kriegserklärung vom 3. August 1914) eskalieren. Die deutschen Truppen griffen Frankreich von Nordosten an und verletzten dabei die Neutralität Belgiens und Luxemburgs. Dies führte zum Kriegseintritt der belgischen Garantiemacht Großbritannien und seiner Dominions (britische Kriegserklärung vom 4. August 1914).
In der Schweiz beschloss der Bundesrat am 31.Juli 1914 die Pikettstellung der Armee, für den 3. August die allgemeine Mobilmachung sowie die Einberufung der im Ausland lebenden Angehörigen des Auszugs und der Landwehr, wobei deren Mobilmachungstelegramm am 1. August abgeschickt wurde. Erstmals erhielten die Einheiten des Landsturms den Auftrag, die Mobilmachung und den Truppenaufmarsch zu decken.
Die Schweiz blieb neutral, war aber von Kriegsmächten umschlossen. Der Erste Weltkrieg wird in der Schweiz auch als Grenzbesetzung 1914–1918 bezeichnet. Die Kriegsjahre stellten Volk und Armee vor schwere innere Probleme. Am 3. August 1914 wählte die Bundesversammlung Ulrich Wille zum General der Schweizer Armee. Der Gesamtbestand der aktiven Feldarmee betrug rund 250.000 Mann und 77.000 Pferde. Dazu kam der Hilfsdienst mit rund 200.000 Mann.
Ein Soldat leistete im Durchschnitt etwa 500 Diensttage und erhielt keine Verdienstausfallentschädigung, da die Erwerbsersatzordnung erst im Laufe des Zweiten Weltkrieges eingeführt wurde. Die Truppen gründeten Fürsorgekassen für in Not geratene Wehrmänner, die mit dem Erlös aus dem Verkauf der Soldatenmarken finanziert wurden. Ihre private Post konnten Wehrmänner gratis senden und empfangen.
Unter den einrückenden Wehrmännern waren auch Pfadfinderführer. So konnte diese auch für ihre Korrespondenz im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Pfadfinder die Feldpost gratis benützten. Im newsletter 1/2013 ist ein solcher Beleg ausführlich beschrieben.
Die freiwilligen Helfer versahen ihren Dienst in Zivilkleidern. Das Kennzeichen war die eidgenössische Armbinde in roter Farbe mit weissem Schweizerkreuz. Mit dabei dabei waren auch Pfadfinder, die ihre Uniform trugen. Von ihrem Einsatz zeugen verschiedene Fotos und Ansichtskarten. Ob die im Einsatz des Landes und der Armee stehenden Helfer, und damit auch die Pfadfinder, für ihre Post Portofreiheit erhielten, ist nicht bekannt. Die Tatsache, dass bis heute kein einziger Beleg von einer solchen Portofreiheit bekannt ist, lässt dies eher ausschliessen.
Werner Kradolfer
Quellen
Historisches Lexikon der Schweiz, Wikipedia.org
Links: Zürcher Landsturmfüsilier und Pfadfinder 1914 in Bubikon, Foto aus ‚Tanzbödeler', März 2012, S.75; Der Pfadfinder trägt die eidgenössische Armbinde, rote mit weissem Schweizerkreuz
Unten: Fotokarte
Links: Zürcher Landsturmfüsilier und Pfadfinder 1914 in Bubikon, Foto aus ‚Tanzbödeler', März 2012, S.75; Der Pfadfinder trägt die eidgenössische Armbinde, rote mit weissem Schweizerkreuz
Ansichtskarte aus der bekannten Serie von Emil Huber, 1915, Rückseite Text ‚Nr 1 Pfadfinder im Dienste der Armee
Unten: Fotokarte
Militär und Pfadfinder mit eidgenössischer Armbinde vor einem Fourgon, beschriftet ‚Stab Inf Brigade 23'
Pfadfinder-Ansichtskarte aus der Serie ‚Edition Roberic, Paris', unten links ist eine Soldatenmarke des Infanterie-Regimentes 11, 1914-1916 und Überdruck 1917, versehen mit dem Regiments-Stempel, augeklebt (Vergrösserung oben rechts) und unten rechts ist ein Stempel mit dem damaligen Abzeichen des Schweizerischen Pfadfinderbundes in violetter Farbe angebracht.