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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
17. Kapitel: Die Emanationen stimmen nicht
9.
Damit wären, soweit ich sehe, alle Möglichkeiten der Emanationsart erschöpft, und ebensowenig konnten sie uns noch eine andere Möglichkeit angeben, so viele Unterredungen wir auch mit ihnen über diesen Punkt gehabt haben. Nur das geben sie noch an, daß jeder Äon allein den gekannt habe, von dem er selbst ausgegangen sei, nicht aber weiter hinauf. Sobald sie jedoch erklären sollen, auf welche Weise die Emanationen erfolgten, oder wie solches bei einem geistigen Wesen möglich ist, sitzen sie fest. Sofern sie sich nämlich weiter vorwagen, sind sie gezwungen, wider allen gesunden Verstand und die Wahrheit zu behaupten, daß der Logos, der von dem Nous ihres Urvaters ausgesandt wurde, bei seiner Emanation geringer geworden wäre. Der von dem vollkommenen Bythos ausgegangene vollkommene Nous hätte schon nicht mehr eine vollkommene Emanation hervorbringen können, sondern nur noch eine, die hinsichtlich der Erkenntnis und der Größe des Vaters blind gewesen sei, welches Geheimnis der Erlöser durch den Blindgeborenen angezeigt hätte: der blinde, von dem Eingeborenen ausgegangene Äon sei nämlich die Unwissenheit. So lügen sie Unwissenheit und Blindheit dem Worte Gottes an, das in zweiter Linie von dem Urvater ausging. O diese wunderbaren Weisheitslehrer und Erforscher der Tiefen des unbekannten Vaters und Erklärer der überhimmlischen Geheimnisse, „in welche die Engel zu schauen verlangen!“1 Der vom Nous des allerhöchsten Vaters ausgegangene Logos ist blind gewesen, d. h. hat den Vater nicht gekannt, von dem er ausging!
1: Petr. 11,12