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Welch ein Drama für Tyson Gay. Da verpasst der Amerikaner im Königssprint der Olympischen Spiele am Sonntag Silber um lausige fünf und Bronze gar um eine einzige Hundertstelsekunde und vergiesst bittere Tränen. Und dann macht am Tag danach, Twitter sei Dank, eine längst vergessene, vor Dummheit und Ignoranz nur so strotzende Story wieder weltweit die Runde und bringt die «Spezialität» seines Nachnamen ins Spiel.
2008 während den Spielen in Peking passierte es, die Website OneNewsNow.com war es. Dabei handelt es sich um ein Nachrichten-Netzwerk, das sich selbst unter anderem wie folgt beschreibt: «Im Kampf um die biblische Wahrheit sind wir hier zu berichten. Bei uns schreiben Reporter, denen Sie vertrauen können, Reporter, die ohne die liberalen Vorurteile der 'Mainstream'-Medien arbeiten.»
Nun ist es so, dass OneNewsNow.com das Wort «gay» nicht mag. Oder wie es Chefredaktor Fred Jackson sagt: «Wir haben nichts gegen das Wort, ausser wenn es Leute beschreibt, die homosexuellen Lifestyle praktizieren.» Dann wird bei OneNewsNow.com «gay» zum «G-Wort» oder zu «Homosexueller». Der elektronische Filter der Website war bis 2008 so programmiert, dass das Wort «gay» automatisch durch «Homosexueller» ersetzt wurde. Das ergab auf OneNewsNow.com in einem von der Agentur AP übernommenen Interview mit Tyson Gay solche Stilblüten: «Tyson Homosexueller dominierte den Wettkampf. ‘Das bedeutete mir viel, denn ich weiss, dass mein Körper es kann, dass ich es in mir habe’, sagte der 25-jährige Homosexuelle.» Fred Jackson hat zwar den Filter anpassen lassen, die Geister von 2008 jagen ihn nun vier Jahre später dennoch.
Tyson Gay heisst auf Deutsch Tyson Fröhlich. Zensuriert wird er aber nicht, weil er «Fröhlich» ist. Sondern weil «gay» in der englischen Umgangssprache «schwul» bedeutet. Wer nun über Gay lacht, soll auf dastelefonbuch.de, dem deutschen Online-Verzeichnis, folgende Namen suchen und die Herren und Frauen Kotenbeutel, Fick, Notdurft, Popel, Kot oder Kotz anrufen. Sie dürften bestätigen, zumindest in ihrer Schulzeit gerne «Fröhlich» oder vielleicht sogar «Gay» gewesen zu sein. Auch Alexandra Neger und Helmut Judenfeind würden da wahrscheinlich zustimmen. Ihre Nummern stehen ebenfalls im Online-Telefonbuch.