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Schon zu Beginn seiner Karriere in den frühen 1990er-Jahren fügte er seinen Vornamen je ein «e» hinzu, um das Publikum über sich und seine Person im Unklaren zu lassen. War Tayou ein Mann? Eine Frau? Und was tat das zur Sache? Seit er 2002 zur documenta in Kassel sowie 2005 und 2009 zur Biennale in Venedig eingeladen war, ist dieses produktive Verwirrspiel Geschichte. An Tayous Interesse an der Verflüssigung von Grenzen hat seine Popularität nichts geändert. In Kamerun geboren und aufgewachsen, lebte er in Stockholm und Paris und hat sein Studio heute im belgischen Gent. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der postkolonialen Kultur sowie den Widersprüchen, Stereotypen und Ausbeutungsdynamiken, die das Verhältnis zwischen Europa und Afrika nach wie vor prägen.
Die Arbeit Ritual Pots von 2017, welche die Mobiliar 2018 für ihre Sammlung erstand, besteht aus zehn gebrauchten Blechtöpfen, die an mehrfach verknoteten bunten Schnüren an einem Nagel an der Wand hängen. Die Innenseite der Gefässe ist mit Goldglitter bedeckt. Als Metapher für die kontinuierliche Zirkulation der Individuen und Dinge in der Welt stehen die Ritual Pots exemplarisch für Tayous künstlerischen Ansatz. Seine überbordenden, farbintensiven Installationen, für die er meist gebrauchte Alltagsobjekte oder Recyclingmaterialien wie PET-Flaschen, Blechdosen und Kartons verwendet, lassen sich oft sowohl als doppelbödige Parodien etwa auf «afrikanische Stammeskunst» verstehen als auch als kulturell, politisch und theoretisch präzise informierte Hommagen an die Vielgestaltigkeit der Welt und die Kräfte hinter den Formen ihres Alltags.
Tayous Arbeiten aktualisieren Marcel Duchamps Konzept des Readymade für eine Kunst, welche die Widersprüche der Globalisierung in den Blick nimmt und Denkräume für den gesellschaftlichen Wandel öffnet.
Pascale Marthine Tayou, 1966 geboren in Nkongsamba (CMR), lebt und arbeitet in Gent (BEL) und Yaoundé (CMR).
Tätigkeitsbereiche: Installation, Skulptur, Video, Zeichnung, Performance