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Ob in riesigen Metallbuchstaben an Großmarktfassaden oder als Massenwarenetikett an der Tür des Friseursalons – landauf, landab lesen wir den Gruß "Herzlich Willkommen". Er ist nach der traditionellen Rechtsschreibung ebenso falsch geschrieben wie nach der reformierten. […] Nach 20 Jahren neuer Rechtschreibungen ist das Sprachgefühl, die intuitive, vom Regelwissen unabhängige Sprachkompetenz, bei einem Großteil der Bevölkerung ausgehebelt. […] Der Rechtschreibexperte Peter Eisenberg sagte vor kurzem in einem Interview der Zeitung "Sprachnachrichten": "Die sog. Orthografiereform war nicht von der Sache her, sie war politisch motiviert. An der Rechtschreibung selbst gab es ja ... kaum etwas auszusetzen." Die Mehrheit der Deutschsprechenden hat resigniert oder dämmert in einer Art Rechtschreibdemenz vor sich hin. Was nicht heißt, das Bildungsniveau könne nicht weiter gesenkt werden. Auf einer Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung wurde allen Ernstes erwogen, das Wort "rangieren" mit "sch" zu schreiben. Zum Glück hätten sich "die Schweizer und Österreicher ... hinreichend dagegen gewehrt". […] Die reformpädagogische Methode "Lesen durch schreiben", derzufolge die Erst- und Zweitklässler nur nach Gehör schreiben lernen sollen, ohne daß Lehrer und Eltern die Fehler korrigieren, führe, so der Schweizer Sprachwissenschaftler Rudolf Wachter, zu "orthographischer Verwahrlosung".
Auch die glühendsten anhänger der alten rechtschreibung vergessen sie langsam: Zweitkläßler, neu Zweitklässler.