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Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an einen Lumpensammler denken? Ein Mann, schmutzig und schlecht gekleidet, der umherstreift, um in einem Müllhaufen nach Abfallstoffen zu suchen? In Wirklichkeit sind die meisten Lumpensammler Frauen oder kleine Kinder. Sie arbeiten hart, um ihre Familien zu ernähren.
Perumugai ist ein kleines Dorf mit weniger als tausend Einwohnern in Tamil Nadu, in der Nähe von Vellore, am Fuße eines Hügels, der kein Grün hat. An diesem Ort bin ich aufgewachsen. Meine Eltern waren Tagelöhner, die es trotz harter Arbeit schwer hatten, über die Runden zu kommen.
Ein Monatslohn von 9 Franken
Aufgrund finanzieller Engpässe war ich nach dem Abschluss der Sekundarschule gezwungen, in einer Lederfabrik zu arbeiten. Ich verdiente 750 Rupien (Fr. 9.-) im Monat. Ich musste Schafsleder, in kleine Stücke schneiden, die für die Herstellung von Handschuhen verwendet wurden. Die Arbeit war hart, meine Hände bekamen Schwielen, ich hatte Atemprobleme und meine Beine waren vom langen Stehen überanstrengt. Dies war ein normaler Arbeitstag in der Lederfabrik als ich 16 Jahre alt war. Die Arbeitsbedingungen ließen uns Arbeitern manchmal die Emotionen durchgehen, was regelmäßig dazu führte, dass wir Teile des Leders aus Frust absichtlich beschädigten und verschwendeten. Nach zwei Jahren harter Arbeit konnte ich aber mit meinen Ersparnissen und Sozialleistungen wieder an die Hochschule gehen und meinen Abschluss nachholen.
Leidenschaft für die Abfallwirtschaft
Aber auch dort verhinderte Geldmangel meine postgraduale Ausbildung. Ich nahm meine Arbeit in der Lederfabrik wieder auf, jetzt als Personalassistent, und absolvierte nebenbei einen Masterstudiengang im Fernstudium. In meiner neuen Rolle als Vorgesetzter kritisierte ich meine früheren Kollegen, die immer noch Leder beschädigten und verschwendeten. Doch was für unser Unternehmen eine Verschwendung war, stellte für andere eine Ressource dar. Außenstehende kauften diese Lederreste, um daraus Schlüsselanhänger, Armbanduhrstreifen und andere kleine Gegenstände herzustellen. Dies war die Geburtsstunde meiner Leidenschaft für die Abfallwirtschaft. Mit meinem neuen Master-Abschluss wollte ich mich beruflich verändern, aber meine Bemühungen stießen nur auf Ablehnung, da mein Fernstudium nicht anerkannt wurde.
Auch hier setzte ich meine Ersparnisse ein, um eine Studie durchzuführen, in der ich vor Ort untersuchte, wie sich das Verhalten der Mitarbeiter auf die Abfallerzeugung auswirkt. Dafür kontaktierte ich mehrere Lederfirmen, um ihre Zustimmung zu erhalten. Die Arbeitgeber sagten, sie fänden die Idee zwar gut, aber sie erlaubten einem Außenstehenden nicht, mit ihren Mitarbeitern zu sprechen. Das war also eine Sackgasse. Schließlich blieb nur noch die Möglichkeit, die Zielgruppe von den Arbeitnehmern auf die Verbraucher zu verlagern. Die Studie gab Aufschluss über die Einstellung der Menschen zum Konsum.
Die Chance auf eine bessere Zukunft
Im Jahr 2013 wollte ich einen Job im Bereich der Abfallwirtschaft finden. Ich bewarb mich bei einem Institut, das über ein ausgezeichnetes Abfallmanagementsystem verfügte. Sie stellten mich jedoch ein, um Hochschulprojekte zu fördern. Im Rahmen ihres Stipendienprogramms besuchte ich 2018 einen Studenten, um den sozioökonomischen Status seiner Familie zu überprüfen. Die Begegnung mit ihm hat mich sehr beeinflusst. Er hatte seinen Vater verloren und seine Mutter arbeitete als Lumpensammlerin, um ihre Familie versorgen zu können. Er erhielt das Stipendium und bekam nach seinem Abschluss einen Job im IT-Sektor. Sein Leben hat sich durch diese Unterstützung deutlich verändert, aber seine Altersgenossen leben immer noch in ärmlichen Verhältnissen und sind weiterhin als Lumpensammler tätig.
Nachhaltige Gesellschaft
In allen Phasen meines Lebens war ich eng mit dem Leben der Lumpensammler verbunden, auch wenn ich selbst nicht dazu gehöre. Aber da ich aus derselben Gemeinschaft stamme, habe ich alle Umstände der Benachteiligung und des Schmerzes erlebt, denen sie in ihrem Leben ausgesetzt sind. Noch heute stellt diese Gemeinschaft 99% der Arbeitskräfte, die im formellen und informellen Sektor die Umwelt reinigen.
Ich kann kein Wunder vollbringen, um das Leben von allen zu verändern. Aber ich glaube, dass Abfall, wenn er richtig bewirtschaftet wird, eine Ressource ist, die eine wichtige Rolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft spielt. Die Förderung neuer Wege der Abfallbewirtschaftung könnte für viele Menschen eine Existenzgrundlage bieten. Deshalb möchte ich würdige Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, die zu einer saubereren und nachhaltigeren Gesellschaft führen.