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| Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)

Buch 1
Traktat VI. Die Geduld.
Inhaltsangabe
Wie seine Vorbilder Tertullian und Cyprian, so hat auch Zeno die Geduld im Sinn der Standhaftigkeit des Menschen im Leiden und der Ausdauer im Guten überhaupt zum Gegenstand eines Traktates gemacht. An den benützten Beispielen und einzelnen Gedanken zeigt sich die Lektüre der genannten Schriftsteller. Im übrigen ist er selbständig.
Die Geduld ist die Tugend, der die andern Tugenden zustreben und ohne die keine Tugend sein kann. Ihr Wesen besteht darin, daß sie sich selbst besiegt (Kap. 1). Auch in der Natur zeigt sich die Notwendigkeit der Geduld. Sie findet ihren Ausdruck im Lauf der Sonne und der Gestirne, in den Erscheinungen des Meeres, der Pflanzenwelt und des Tierlebens (Kap. 2). Ungeduldig ist nur der Mensch. Die Ungeduld bringt ihm großen Schaden und hat viel Unglück im Gefolge gehabt. Der Fall Adams, der Brudermord Kains, die Sünde der Sodomiten, die Undankbarkeit der Juden gehen darauf zurück (Kap. 3). Ihr steht die Geduld gegenüber. Ihr Segen zeigt sich an den Beispielen von der Gerechtigkeit Abels und der Rettung Noes aus der Sintflut (Kap. 4), dem glücklichen Ausgang der Opferung des Isaak durch seinen Vater Abraham (Kap. 5), der Gewinnung des Segens und des ehelichen Glückes von seiten Jakobs und der Erhöhung [S. 112] seines Sohnes Joseph (Kap. 6), der schließlichen Zurückgabe des früheren Glückes an den Dulder Job, Die Zeichnung der Geduld Gottes selbst ist in Verbindung mit menschlichen Beispielen nicht angängig. Von ihm geht alle Geduld aus (Kap. 7), Der Traktat klingt aus in einem Lobpreis der Geduld, die alles in sich zusammenschließt (Kap. 8).