Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03101.jsonl.gz/937

An schlechte Nachrichten aus dem Jemen hat man sich in den vergangenen fünf Jahren gewöhnt. Der Konflikt zwischen den Huthi-Rebellen und der jemenitischen Exilregierung sowie den Stellvertretermächten Saudi-Arabien und Iran, die von mehreren Alliierten unterstützt werden, dauert seit 2015 an.
Der Konflikt trat mehrmals in eine hoffnungsvolle Phase ein, gelöst ist er nicht. 2017 suchte eine Choleraepidemie das Land heim, 2019 folgte eine Heuschreckenplage, 2020 kam die Corona-Pandemie, gleich danach gab es grosse Überschwemmungen im Jemen.
15 Prozent aller Kinder unter Fünf ernsthaft unterernährt
Der Krieg blieb, der Hunger auch. Derzeit ist die Versorgungslage so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bis Ende des Jahres könnte es laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) 2,4 Millionen mangelernährte Kinder im Jemen geben. 15 Prozent aller unter Fünfjährigen sind ernsthaft unterernährt, das ist die höchste Quote seit Beginn des Krieges, haben die Vereinten Nationen (UN) vorgerechnet. Fast 100’000 Kinder unter Fünf sind vom Hungertod bedroht. Besonders schlimm ist die Lage im Süden des Landes.
«Wenn der Krieg jetzt nicht endet … riskieren wir den Verlust einer ganzen Generation jemenitischer Kleinkinder», verdeutlichte Lise Grande, die humanitäre Koordinatorin der Vereinten Nationen für den Jemen, gegenüber dem «Guardian». Tausende weitere könnten wegen mangelnder Gesundheitsversorgung sterben. Wegen des Krieges arbeitet die Hälfte aller Spitäler nicht mehr, und wenn, fehlt ihnen oft das Notwendigste, um die Versorgung zu gewährleisten.
Tausende könnten wegen mangelnder Gesundheitsversorgung sterben
COVID-19 hat das Elend verstärkt, die Ausmasse werden erst allmählich klar. Eine Studie, die auf Satellitenbildern von Friedhöfen basiert, hat Ende Oktober eine erhebliche Übersterblichkeit in der Interimshauptstadt Aden festgestellt. Die Anzahl der Toten in Aden hat sich gegenüber dem Durchschnitt der letzten Jahre mehr als verdoppelt, zwischen April und September gab es etwa 2’100 frische Gräber mehr als die erwartete Anzahl von 1’300.
Offiziell gemeldet wurden im selben Zeitraum 34 COVID-19-Tote. Hochgerechnet auf das ganze Land, entspricht das 58’000 bis 84’000 Todesfällen durch COVID-19 während der ersten sechs Monate der Pandemie. Die Studie der «London School of Hygiene & Tropical Medicine» und dem Geoanalysespezialist «Satellite Applications Catapult» ist noch nicht peer-reviewed.
Das Geld, das fehlt, aber Waffen
Mark Lowcock, Leiter des Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der Vereinten Nationen, warnte bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates , dass noch viel mehr Menschen verhungern, an COVID-19 oder an Cholera sterben oder ihre Kinder mangels Impfung an tödliche Krankheiten verlieren könnten, berichtete «Al Jazeera».
UN-Generalsekretär António Guterres sprach davon, dass «Millionen Menschen ums Leben kommen könnten», wenn die internationale Gemeinschaft nicht handelt. Die Lage im Jemen gilt seit Jahren als grösste humanitäre Krise der Welt. Der grösste Teil der Bevölkerung Jemens ist von humanitärer Hilfe abhängig. Hilfsgelder für das Land wurden jedoch zuletzt drastisch gekürzt.
«Oxfam» rechnet auf, dass die Mitglieder der G20 seit Beginn des Jemenkrieges 2015 Waffen im Wert von 17 Milliarden Dollar nach Saudi-Arabien exportiert haben. Bezieht man auch Ägypten und die Arabischen Emirate in die Rechnung ein, werden 31 Milliarden Dollar daraus.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine