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Allgemeine Grundsätze
Die Standesregeln umfassen folgende Grundsätze:
- Die Berufsangehörigen üben ihre Tätigkeit so aus, dass das in sie gesetzte Vertrauen und das hohe Ansehen gerechtfertigt sind. Sie besorgen die ihnen anvertrauten Aufträge mit der gebotenen Sorgfalt im Rahmen der geltenden Rechtsordnung und nach bestem Wissen und Gewissen. Sie enthalten sich jeder Tätigkeit, die mit dem Ansehen des Berufsstandes unvereinbar ist. Sie wenden einheitliche Grundsätze bei der Berufsausübung an.
- Treuhänder verpflichten sich, den Beruf gewissenhaft und verantwortungsvoll, auf der Basis des Gesetzes und den Grundsätzen von Treu und Glauben, auszuüben. Ausser den gesetzlichen Vorschriften müssen sie die anerkannten Grundsätze für die Berufsausübung sowie die allgemeinen, anerkannten Regeln in den verschiedenen Bereichen ihrer Tätigkeit anwenden und die Annahme von Mandaten verweigern, die sie aus ihrer Haltung und dem Gewissen heraus nicht korrekt ausführen können.
- Schweizer Treuhänder führen ihre Tätigkeit mit eigener, voller Verantwortlichkeit aus, vertreten ihre eigene Meinung und fällen die Entscheide unabhängig. Verfehlungen gegen die Standesregeln lassen sich nicht dadurch rechtfertigen, dass man Instruktionen von Mandanten und Dritten erhalten habe.
- Treuhänder sollen ihre beruflichen Kenntnisse stets auf dem neuesten Stand halten und die gezielte Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden fördern.
- Treuhänder sollten unabhängig sein und alle Verbindungen und Tätigkeiten vermeiden, welche ihre Entscheidungsfreiheit oder ihre Objektivität beeinträchtigen könnten.
- Vor der Annahme eines Auftrages prüfen die Berufsangehörigen sorgfältig und gewissenhaft, ob sie in der Lage sind, den Auftrag frei von Interessenkonflikten, unabhängig und objektiv sowie sachverständig durchzuführen. Ist dies nicht der Fall, so lehnen sie den Auftrag ab.
Offertenstellung und Regelung des Auftragsverhältnisses
Das Auftragsverhältnis muss klar geregelt werden. Dazu gehört, dass bei der Abgabe von Offerten vom potentiellen Auftraggeber die für die Beurteilung der Art und des Umfanges des Auftrages notwendigen Unterlagen und Auskünfte verlangt werden.
Die Annahme von Revisionsmandaten setzt eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem obersten Leitungsgremium (bzw. seinen Ausschüssen) und dem Revisionsunternehmen voraus. Die Abgabe von Offerten für Revisionsmandate zur ordentlichen Revision soll daher nicht ohne Zugang zur obersten Führung erfolgen.
Haftung der Schweizer Treuhänder
Sorgfaltsmassstab
Treuhänder haften für eigenes Verschulden sowie für das Verschulden der Mitarbeitenden und zwar für die gleiche Sorgfalt wie der Arbeitnehmer im Arbeitsverhältnis (Art. 398, Abs. 1 OR).
Achtung
In der Praxis werden bei der Beraterhaftung tendenziell strengere Grundsätze angewendet als im OR vorgeschrieben.
Bei einer Fachperson verlangt man, dass ihre Kenntnisse den Kompetenzen entsprechen, die ein Angehöriger des Berufsstandes haben muss. Dies ist auch ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des Treuhänders, wobei der Auftraggeber mit Vorteil Nachweise über seine Ausbildung und Referenzen verlangt. Beim Schweizer Treuhänder kann wirtschaftliche Selbständigkeit vorausgesetzt werden. Man geht davon aus, dass er frei ist, Aufträge abzulehnen, wenn er von der Materie wenig oder nichts versteht. Führt er den Auftrag trotzdem aus, gilt das als Übernahmeverschulden.
Hilfspersonenhaftung
Der Treuhänder haftet auch für Schäden, die Angestellte oder Beauftragte verursachen. Je nach Fall ist ausser Art. 399 OR auch Art. 55 OR oder Art. 101 OR anzuwenden. Häufig wird in einem Treuhandvertrag die Haftung auf rechtswidrige Absicht oder grobe Fahrlässigkeit beschränkt.
Informations- und Rechenschaftspflicht
Wenn der Auftraggeber es verlangt, haben Treuhänder ohne Verzug Rechenschaft über die Behandlung der Geschäfte abzulegen. Wenn Art und Inhalt des erteilten Auftrages dies erfordern, so hat die Orientierung unaufgefordert zu erfolgen.
Wichtig
Auf jeden Fall sollten Schweizer Treuhänder ohne Verzug die Auftraggeber über Vorkommnisse informieren, welche für diesen nachteilige Folgen haben können.
Die Abrechnungen haben innert angemessener Frist zu erfolgen sowie die Weiterleitung der im Auftrage der Kunden einkassierten Beträge. Vorbehalten bleibt Verrechnung der einkassierten Summe mit Honoraransprüchen.
Nach Abschluss des Auftrages oder auf Begehren des Auftraggebers haben die Treuhändern alle Dokumente an den Berechtigten abzugeben. Am besten vereinbart man das auch im Vertrag.
Honorar
Treuhänder können ihre Honorare selber festlegen. Der STV bietet Honorarvorschläge an, die aber nicht zwingend sind.
Im Allgemeinen werden die Honorare auf der Basis der Schwierigkeit des Auftrages und der aufgewendeten Zeitdauer festgelegt. Eine andere Berechnungsmethode kann bei Aufträgen angewendet werden, wo eine besondere Behandlung nötig wird, wobei sachliche Kriterien anzuwenden sind.
Nach Standesregeln der Treuhand-Kammer gelten für Revisionsmandate spezielle Regelungen:
- Die Vereinbarung von Erfolgshonoraren ist nicht gestattet.
- Pauschal- und Festhonorare sind nur unter Bedingungen zulässig, welche die pflichtgemässe Bearbeitung von Revisionsmandaten nicht beeinträchtigen. Insbesondere muss gewährleistet sein, dass man bei unvorhersehbaren Umständen die zu einer Erhöhung des Prüfungsaufwandes führen, das Honorar entsprechend anpassen kann.
Wenn der Auftraggeber es verlangt sollten die Schweizer Treuhänder unentgeltlich eine detaillierte Honorarabrechnung erstellen.
Geheimhaltung
Selbstverständlich ist Diskretion besonders wichtig bei Treuhandaufträgen. Die Berufsangehörigen unterliegen dem Berufsgeheimnis. Die Verschwiegenheitspflicht erstreckt sich auf alle in Ausübung der Berufstätigkeit bekannt gewordenen Sachverhalte.
Die Verpflichtung zur Geheimhaltung beginnt, sobald der Treuhänder oder sein Personal die ersten Informationen für die Ausübung eines Mandates erhalten hat. Diese Verpflichtung wird durch den Abschluss des Mandates nicht aufgehoben.
Praxis-Tipp
Empfehlenswert ist die Vereinbarung, dass die Geheimhaltung auch dann besteht, wenn der Auftrag nicht oder nicht im vorhergesehenen Umfang erteilt oder angenommen wird.
Befreiung
Die Schweizer Treuhänder werden von der Verschwiegenheitspflicht befreit,
- bei ausdrücklicher Einwilligung des Auftraggebers. Falls Interessen Dritter betroffen sind, ist deren Einverständnis erforderlich.
- wenn die geheim zuhaltenden Tatsachen allgemein bekannt werden
- wenn Bestimmungen des eidgenössischen oder kantonalen Rechts sie dazu ermächtigen oder auffordern
- soweit überwiegende Interessen der Treuhänder eine Offenlegung des Geheimnisses erfordern. Dies gilt besonders dann, wenn Schweizer Treuhänder in Prozessen oder in Verfahren wegen Verletzung von Standesregeln auf die Offenlegung angewiesen sind.