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Ortsteil Riedern
515 m ü. M.
691 Einwohner (Stand 1.1.2019)
Riedern liegt auf einem Schuttkegel eines prähistorischen Bergsturzes aus dem Gebiet östlich des Deyenstockes (“Blanken“). Im Lauf der Jahrtausende formte der Löntsch in den Schuttmassen eine Rinne, welche das Fliessgewässer zum heutigen “Buchholz“ bei Glarus und zur Linth leitete. Bei der “Bärschirüti“ durchbrach dann indes der Bach sein linkes Ufer, und es entstand dessen neues Bett über das “Kohlgrüebli“ sowie durch Riedern.
Aus dem Jahr 1350 stammt die erste schriftliche Überlieferung des Namens Riedern. Der Begriff deutet darauf hin, dass das Kulturland durch Reutungen entstanden war. Hierauf verweist zudem der bereits im Habsburger und Säckinger Urbar genannte Tagwen Turreson, aus dem unter anderem die Dorfschaft hervorging. Das Wort für diesen Weiler trägt die Bedeutung Baumstrunk, was seit 1939 das Gemeindewappen mit dem “Stubben“ zum Ausdruck bringt. (Die beiden sechsstrahligen Sterne stellen die Tagwen Riedern und Durschen dar.)
Wohl seit dem 15. Jahrhundert zum Ort Glarus gezählt und dorthin kirchgenössig, bildete Riedern dennoch eine eigene Genossame. Sie war seit der Reformation paritätisch, jedoch mehrheitlich evangelischen Glaubens, und löste sich wahrscheinlich im Rahmen von Streitigkeiten um Weiderechte zwischen 1543 und 1630 von Glarus ab. Noch 1560 zählte aber Gilg Tschudis Häuserrodel zehn Einheiten auf Riedern und eine in der Lärchen zum Tagwen Glarus “ussert“ dem Dorf. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts trat jedoch Netstal Rechte über die Weiler Bruch, Au und Durschen an Riedern ab. Trotz der Trennung bildeten Letzteres und Glarus in früher Neuzeit einen Wahltagwen, stellten im Militärwesen gemeinsame Mannschaften und gehörten in kirchlichen und schulischen Angelegenheiten zusammen. Folgerichtig wurde 1862 die Kirchgemeinde Glarus-Riedern aus der Taufe gehoben.
Überdies nahmen Grundbesitzer der beiden Gemeinwesen (sowie von Netstal) Einsitz in der Brunnenkorporation, welche 1607 in einem Dokument erstmals genannt wurde. Dieses kam etwa 1793 zur Anwendung, als Johann Marti, der Entdecker der Stachelberger Heilquelle, von Brunnenvogt Rudolf Zwicky beschuldigt wurde, von einem Rinnsal verbotenerweise ein “Röhrli Wasser“ in das “Lusthäusli“ des Arztes genommen zu haben. (Notabene handelte es sich dabei um das noch existierende “Suworowhäuschen“ zwischen Glarus und Netstal; ein weiteres Nachtlager des russischen Generals befindet sich an der Klöntalerstrasse.) Erst 1959 gingen Rechte und Pflichten der Brunnenkorporation an die Ortsgemeinde über.
Diese bewilligte 1971 einen Kredit für Kanalisationsarbeiten, das Wassernetz sowie für Kabelrohre für das Elektrizitätswerk und das Fernsehen. 1985 konnte ein Mehrzweckgebäude mit Gemeindehaus bezogen werden. Sieben Jahre danach erhielt Riedern ein neues Dorfzentrum, 1993 einen Gemeindesaal. 1996 fusionierte die Feuerwehr mit Glarus. Seit dem Jahr 2002 besteht zudem das Sozialamt der beiden Nachbargemeinden. Riedern sorgt schliesslich für den Unterhalt der alten (mit “Gletschermühlen“) und neuen 40 m langen Tobelbrücke über den Löntsch.
Von öffentlichen Aufgaben profitierte seit dem 16. Jahrhundert das Handwerk: 1595 sind Kübelmacher bezeugt; im späten 18. und im 19. Jahrhundert das Steinmetzgewerbe. Salomon Simmen und Jakob Stüssi verarbeiteten Riedener Bergsturzfelsen zu Brunnenbetten, welche dann – auf unterlegten Tannen – von bis zu 60 Männern in die verschiedenen Dörfer gezogen wurden. (1777 zählte man in Riedern total 102 männliche Landleute.)
Gleichzeitig führte ein Rudolf Heer unter anderem in Riedern die Handspinnerei ein. Einer seiner Söhne, Johannes (1792–1856), entschloss sich um die Mitte der 1830er Jahre, in der Lerche neben einer Weberei eine Stoffdruckerei zu betreiben, die er aber bald darauf nach Glarus ins Pressi-Quartier verlegte. Ein langjähriger Mitarbeiter in Vater Heers Betrieb, Jakob Spälty (1775–1875!), gründete mit seinen zwei Söhnen die Firma Jakob und Gabriel Spälty, welche 1837 im Lerchen die mechanische Spinnerei lancierte. Die Fabrik nutzte dafür den Löntsch, der unterhalb Riederns gestaut worden war. Er lieferte in den Blütezeiten des Unternehmens Wasserkraft für 11 000 Spindeln; daneben wurde auf 340 Webstühlen produziert. Zwischen 1850 und 1888 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl Riederns beinahe; sie stieg von 341 auf 642. Anfangs der 1940er Jahre betrug sie noch knapp 500. Nach 1943 war Gabriel Spälty-Bally der Vertreter der fünften Inhabergeneration.
Gabriel Spälty-Leemann aus Netstal erwarb im Jahre 1954 die Baumwollweberei Riedern AG. Danach existierte am herkömmlichen Geschäftssitz nur noch eine Spinnerei, während in den neuen Gebäuden Webmaschinen betrieben wurden. Im Jahre 1981 jedoch wurde die Weberei stillgelegt. Danach mieteten sich in der früheren Fabrik der Spälty & Cie. AG verschiedene Firmen ein. 1989 zählte man in der Gemeinde sogar mehr als 650 Einwohnerinnen und Einwohner.
Eine Weberei wurde ausserdem 1867 im Gebiet Auli von Landrat J. H. Leuzinger-Sigrist aus Netstal erbaut. Im Maximum wurden dort 170 Arbeiter angeworben. Am 26. August 1910 indes brannte die Fabrik nieder und wurde daraufhin nicht mehr aufgebaut. Dasselbe Schicksal ereilten die Räumlichkeiten einer grossen Bleiche und Weberei, welche Schlossermeister Matheus Staub (1812–1888) in den Jahren 1855–57 sowie 1866 am Löntsch errichtet hatte. 1912 erfolgte die Fusion der Firma mit der von den ehemaligen Inhabern der zerstörten Auli-Weberei neu gegründeten Baumwollweberei (nach 1956 Teil der Firma Spälty & Cie. AG Netstal) und Bleicherei (seit 1955 das Gebäude einer Armee-Basisapotheke) Riedern AG. Die stillgelegten, später zum Teil bewohnten, Bauten an der Klöntalerstrasse wurden am 26. Oktober 1955 ein Raub der Flammen, wobei es vier Todesopfer gab.
Erst 1872 erfolgte der Bau des Schulhauses, das vier Jahre später von der Schulgemeinde Glarus-Riedern übernommen wurde.
Zur Postversorgung diente ab 1866 ein Briefkasten, der am Gasthaus “Tell“ (eröffnet 1826) befestigt war. Jakob Stüssi war dort Wirt und Posthalter von 1901 bis 1944.
Weitere lokale und nationale Berühmtheiten aus Politik und Sport brachte Riedern hervor. 1952 und 1959 wurde Fritz Stüssi-Ries mit dem Karabiner Armeegewehr-Schweizermeister. Als erster Glarner Langläufer hielt 1967 Fritz Stüssi, Mitglied des Skiclubs Riedern, Einzug in die Nationalmannschaft und vertrat im folgenden Jahr die Schweiz an den Olympischen Spielen in Grenoble. Ebenfalls 1968 starb der frühere Landammann und Ständerat Heinrich Heer. Er hatte mit Rudolf Stüssi, ebenfalls Riedener Bürger, viele Jahre lang den Stand Glarus in der kleinen Kammer in Bern vertreten – wohl ein Unikum für eine kleine Gemeinde. Riederns erster Regierungsrat wurde 1974 Emil Fischli-Grab. 1976 nahm Hansruedi Süssli an der Olympiade in Innsbruck im Biathlon-Einzellauf teil, zwei Jahre später errang er den Schweizermeister-Titel in dieser Sportart. Die Sportschützen waren 1983 in der Nationalliga A. In den zwei darauffolgenden Jahren wurde Markus Hauser Schweizermeister im militärischen Fünfkampf. An Winter-Armeemeisterschaften hatte bereits Röbi Bernold in den 1960er Jahren insgesamt dreimal Gold geholt. 1988 ging Balz Stüssi-Rickenbacher nach 17 Jahren als Gemeindepräsident und 41 Jahren als Lehrer in Pension. 1995 wurde der spätere Regierungsrat Röbi Marti erster Landratspräsident aus der Gemeinde. Überragt werden aber diese Personen vom französischen Bürgerkönig Louis Philipp, der von oberhalb der Büttenenwand aus mit steinerner Miene dem Geschehen im Tal zuschaut…