Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03129.jsonl.gz/3008

Als kleines Kind verbrachte Gilma oft ihre Ferien in Satipo, dem Heimatort ihrer Mutter. Lediglich 275 Luftlinien-Kilometer trennen Lima und diese Ortschaft im Regenwald Perus voneinander, doch die Anden und ein 4800 Meter hoher Pass liegen dazwischen.
In den 80er Jahren verbreitete der «Sendero Luminoso» (Leuchtender Pfad; maoistische Guerillabewegung) in Peru Angst, Schrecken und Gewalt. Eine Reise nach Satipo wäre in dieser Zeit zu gefährlich gewesen, so dass Gilma einige Jahre nicht mehr dahin konnte.
1993 reiste sie endlich wieder nach Satipo, von wo die Terroristen vom Militär vertrieben worden waren. Den damaligen Besuch bezeichnet Gilma heute als ihre «Impfung». Lebten für sie bis anhin die Armen «nur» in Afrika, bekam sie das Elend der Terroristen-Flüchtlinge hautnah mit. Die vom «Sendero Luminoso» entführten Personen hatten in den vom Militär errichteten Camps Zuflucht gefunden, doch es mangelte ihnen an allem. Wieder zurück in Lima machte sich Gilma sogleich daran Lebensmittel, Medikamente und Kleider zu sammeln. Innert kürzester Zeit hatte sie fünf Tonnen Hilfsgüter gesammelt – ihr Hilfsprojekt war somit entstanden! «Achkiy Suyaykim» - «Luz que llevamos» (Das Licht in uns) nannte sie es damals. Bewusst hatte sie eine Bezeichnung in Quechua gewählt, weil vor allem die indigene Bevölkerung unter den Terroristen zu leiden hatte.
Vier Jahre hatte Gilma das Projekt vorangetrieben und in dieser Zeit auch viele
dafür gewinnen können. Dann lernte sie 1996 während einem Transportflug von Lima nach Mazamari ihren zukünftigen Mann Marc kennen. Im März 1997 wurde Hochzeit gefeiert und kurz darauf war
Gilma in der Schweiz. Leider hatte sie in Peru niemanden gefunden, der sich ihrem Projekt annehmen konnte. Was geschah nun mit den Leuten?
Jedes Jahr kehrte Gilma in ihre Heimat zurück, doch mit ihren Kindern wagte
sie sich zunächst nicht nach Satipo. Denn wann und ob der «Sendero Luminoso» jemals aufgehört hat zu wirken, da gehen die Meinungen auseinander.
Ende 2004 trat sie die Reise mit ihrer Familie dann endlich wieder an. Von den ehemals grossen Ländereien ihres Grossvaters, waren nur noch ein Haus und zwei Hektaren Land übrig geblieben. Genug dachte sich Gilma, um das was sie vor sieben Jahren zurückgelassen hatte wieder neu und etwas anders aufzubauen: «Sopita» - ein Hilfsprojekt für Kinder. Für Kinder ohne elterlichen Halt, Waisen, für die Kinder von den Kindern, die sie 1997 zurückgelassen hatte. Mit Hilfe einer Freundin aus Lima wurde im Haus des Grossvaters zunächst mit einem Zvieri begonnen. Ein halbes Jahr wurde das Projekt von der Familie Márquez Rudolf finanziert. Schnell hatte sich dann aber «Sopita» im Freundes- und Bekanntenkreis in Nänikon und Greifensee herumgesprochen. Die Idee, dieses mit einem peruanischen Essen zu unterstützen kam von Gilmas Nachbarin. Und auch wenn das erste «Sopita»-Fest nicht ganz so erfolgreich war wie erhofft, so waren es die nachfolgenden umso mehr.
In den Jahren 2008 bis 2010 wurde «Sopita» auch von der «Arbeitsgruppe Faire Welt, Greifensee-Nänikon» grosszügig unterstützt. Diese ermöglichte damals, dass zwei weitere «comedores» (Speisesäle) in ärmlichen Zonen Satipos eröffnet werden konnten. Auch ein Kindergarten konnte in dieser Zeit eingeweiht werden. Für diese Hilfe ist Gilma sehr dankbar, denn sie weiss, dass das schnelle Wachstum von «Sopita» sonst nie möglich gewesen wäre.