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Die vermögende Murtnerin Maria Elsa Liechti schuf vor über einem halben Jahrhundert die Grundlage für die Alterswohnsiedlung Wohnen im Meyland. In den 38 Wohnungen leben heute 42 Seniorinnen und Senioren.
«Das Projekt war damals sehr innovativ. So etwas gab es noch nicht», sagt Adrian Lerf. «Als es gebaut wurde, kamen Besucher aus der ganzen Schweiz nach Murten, um es sich anzuschauen», ergänzt Blasius Ehrsam. Sie sprechen von der Alterswohnsiedlung Wohnen im Meyland, die sich in Murten an der Ecke Meylandstrasse/Prehlstrasse befindet. Die Siedlung feiert nun ihr 50-Jahr-Jubiläum.
Am Ursprung von Wohnen im Meyland steht Maria Elsa Liechti. Vor ihrem Tod 1967 übertrug die kinderlose Frau ihr Vermögen und ihr Wohnhaus in eine neue Stiftung, die sie nach ihren Eltern benannte: die Hermann-und-Elisabeth-Liechti-Stiftung. Diese sollte einen Ort schaffen, wo «betagte Leute einen ruhigen und möglichst sorglosen Lebensabend verbringen können und für ihren Unterhalt ein bescheidenes Kostgeld zu entrichten hätten», lautete der Auftrag. 1971 wurde dieser mit der Eröffnung der Alterswohnsiedlung erfüllt.
Die Villa wurde gesprengt
Adrian Lerf hat eine besondere Verbindung zur Alterswohnsiedlung. Er ist nicht nur Präsident des Stiftungsrats, sondern lebte auch Ende der 1960er-Jahre in der Villa der verstorbenen Elsa Liechti. «Für einen neunjährigen Knaben war das grosse Haus mit seinem Umschwung ein Paradies. Es gab jedoch keine Heizung», erinnert er sich. Die Villa sei später im Rahmen einer Übung des Zivilschutzes gesprengt worden. An ihrer Stelle wurden die zwei Gebäude der Alterswohnsiedlung errichtet.
Heute lebten 42 Frauen und Männer zwischen 69 und 100 Jahren in der Alterswohnsiedlung, sagt die Leiterin Maya Delaquis. Die meisten hätten bereits vorher in der Region gelebt oder hätten Verwandte in der Umgebung. Die total 38 Wohnungen – elf 2-Zimmer-Wohnungen, zwei 1,5-Zimmer-Wohnungen und 25 1-Zimmer-Wohnungen – seien derzeit alle belegt. Die Miete für die 1-Zimmer-Wohnungen betrage, ohne Nebenkosten, 925 Franken, für die 2-Zimmer-Wohnungen seien es 1200 Franken, führt Blasius Ehrsam, Präsident der Betriebskommission, aus.
Den Alltag noch selbstständig bewältigen zu können, sei Bedingung, um eine Wohnung zu mieten. «Pflegeleistungen können wir nicht anbieten», so Maya Delaquis. Jedoch nehmen Bewohnerinnen und Bewohner die Dienste der Spitex in Anspruch. Wenn sich ihr Zustand altersbedingt verschlechtere, werde ein Wechsel in ein Pflegeheim notwendig.
Finanziert mit den Mieten
Wohnen im Meyland biete eine Reihe anderer Dienstleistungen an, die individuell verrechnet würden, sagt Blasius Ehrsam und zählt auf: «Wir servieren, falls gewünscht, ein Frühstück und ein Nachtessen. Das Mittagessen wird von der Senevita-Résidence Beaulieu geliefert. Wir bieten eine Wohnungsreinigung, einen Wäsche- und Bügelservice, einen Taxi- und einen Einkaufsdienst an. Unser Sekretariat hilft den Bewohnerinnen und Bewohnern bei administrativen Angelegenheiten, zum Beispiel beim Beantragen der Ergänzungsleistungen.» Brot und andere Backwaren würden in der Alterswohnsiedlung aufgebacken.
«Den Unterhalt der Alterswohnsiedlung finanzieren wir mit den Mieten und gelegentlich eintreffenden Spenden sowie Legaten», sagt Adrian Lerf und weist darauf hin, dass die Stiftung nicht gewinnorientiert sei. Sie sei selbsttragend und habe den Auftrag, die Alterswohnsiedlung langfristig zu betreiben. Das gesamte Stiftungsvermögen sei in der Liegenschaft investiert.
Um die 50 Jahre alten Gebäude in Schuss zu halten, setze die Betriebskommission eine langfristige Unterhalts- und Renovationsplanung um, so Blasius Ehrsam. Die Wohnungen hätten in den vergangenen Jahren neue Küchen und Duschen erhalten. Der Haupteingangsbereich und der Speisesaal seien renoviert und verschönert worden. Als Nächstes sei in Planung, die Fassade freundlicher zu gestalten. Ein Anschluss an die Fernwärmeheizung und der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sollen noch dieses Jahr realisiert werden. Ein Ausbau der Gebäude stehe aber nicht auf der Tagesordnung, sagt Adrian Lerf.
Ausflug mit dem Schiff geplant
Maya Delaquis, Adrian Lerf und Blasius Ehrsam wollen das 50-Jahr-Jubiläum von Wohnen im Meyland feiern. Die Pandemie erschwert jedoch die Planung eines grossen Festakts. Für Ende Mai sei ein Ausflug vorgesehen mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Mitgliedern des Stiftungsrats und der Betriebskommission. Per Schiff soll es von Murten zur St.-Peters-Insel im Bielersee gehen. Ob und wann der Tag der offenen Tür stattfinden kann, ist offen. Derzeit in Vorbereitung sei eine Chronik in Zusammenarbeit mit dem Murtner Stadtarchivar Markus Rubli.
Das Leben der Familie Liechti
Maria Elsa Liechti, Stifterin der Alterswohnsiedlung Wohnen im Meyland, wurde 1890 geboren. Ihr Vater, Hermann Liechti, war unter anderem Forstingenieur, FDP-Gemeinderat in Murten, Grossrat und Nationalrat. Das ergaben die Recherchen des Murtner Stadtarchivars Markus Rubli im Auftrag der Hermann-und-Elisabeth-Liechti-Stiftung.
Hermann Liechti starb 1921, seine Gattin Elisabeth anderthalb Jahre später. Maria Elsa, die an der Universität Lausanne studiert hatte, war die einzige Erbin des beträchtlichen Nachlasses. Die unverheiratete und kinderlose Frau war Rentiere, das heisst, sie lebte von den Einnahmen aus ihrem angelegten Vermögen.
Bei ihrem Tod 1967 hinterliess sie ein Vermögen, inklusive Liegenschaften, von rund 1,5 Millionen Franken – «das hätte heute kaufkraftmässig ein Mehrfaches an Wert», so Markus Rubli.
Dass Maria Elsa den Grossteil davon in eine Stiftung einbrachte, gehe auf einen Rat des Murtner Pfarrers Markus Berger zurück. Dieser war später Verwalter des Nachlasses und treibende Kraft hinter der Realisierung der Alterswohnsiedlung. jmw
Die Pandemie hat die Bewohner der Alterswohnungen verunsichert
Das Corona-Virus habe massive Veränderungen für die Bewohnerinnen und Bewohnern der Alterswohnsiedlung mit sich gebracht, berichtet Leiterin Maya Delaquis. «Die Pandemie hat sie sehr verunsichert, sie haben sich zurückgezogen. Wir gingen für die Bewohner einkaufen.» Jetzt würden sie wieder ins Stedtli spazieren gehen.
In der Alterswohnsiedlung hätten die Seniorinnen und Senioren Kontakt untereinander. Es gelte aber eine Maskenpflicht, und die Abstände seien einzuhalten. Im Speisesaal seien die Abstände zwischen den Tischen vergrössert worden, und der Sitzungsraum werde als Erweiterung des Speisesaals genutzt.
Maya Delaquis ist seit zwei Jahren Leiterin der Alterswohnsiedlung. «Nachdem ich mich eingearbeitet hatte, kam Corona. Meine Ideen und Pläne konnte ich deshalb noch nicht umsetzen.» Sie hätte den Seniorinnen und Senioren gerne eine Bewegungstherapie oder einen Malkurs angeboten. Auch wolle sie aussenstehende Personen für gemeinsame Aktivitäten mit den Bewohnern in die Siedlung einladen, was derzeit allerdings nicht möglich sei, bedauert sie. Das Lotto, Musiknachmittage und Spielnachmittage seien abgesagt worden. jmw