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Wie schreibt man Zahlen korrekt?
Die korrekte Schreibweise von Zahlen ist ein Thema, das mich im Lektorat und Korrektorat von Texten regelmässig beschäftigt. Die zwei häufigsten Fragen sind wohl, ob eine Zahl gross- oder kleingeschrieben wird und wann man eine Zahl als Wort ausschreibt und wann als Ziffer. Aber auch Fragen zur Gruppierung von grösseren Zahlen oder zur Zusammen- und Getrenntschreibung tauchen regelmässig auf. Antworten auf diese Fragen finden Sie in den folgenden Abschnitten rund um die Frage, wie man Zahlen korrekt schreibt.
In der deutschen Sprache werden Zahlen im Allgemeinen kleingeschrieben. Unproblematisch unter den Zahlwörtern sind die Zahladjektive, die wohl die meisten Schreibenden automatisch kleinschreiben:
- Mein Nachbar hat fünfzig Kühe im Stall.
- Eine traditionelle Familie besteht aus einem Elternpaar und zwei Kindern.
- Die meisten Trinkgläser fassen rund drei Deziliter.
Zahlwörter schreibt man aber auch klein, wenn ihnen ein Pronomen vorausgeht:
- Hallo, ihr zwei!
- Ich freue mich auf den Urlaub mit euch fünf.
Wenn eine bestimmte Ziffer gemeint ist oder die Zahl substantiviert wird, schreibt man sie hingegen gross:
- Sein Aufsatz wurde mit einer Vier benotet.
- Im Lotto wurde am Wochenende die Drei als Zusatzzahl gezogen.
- Beim nächsten Mal würfle ich bestimmt eine Sechs.
Gross schreibt man zudem alle Zahlen ab einer Million, weil es sich dabei immer um ein Substantiv handelt:
- Diese Regel habe ich dir nun schon drei Millionen Mal erklärt.
- Auf der Welt Leben weit über eine Milliarde Menschen.
- In einem Lichtjahr legt das Licht gemäss Wikipedia 9,46 Billionen Kilometer zurück.
Gross (Dudenempfehlung) oder klein darf man «Hundert(e)»/Tausend(e)» schreiben, wenn damit eine unbestimmte Menge gemeint ist, also nicht exakt hundert bzw. tausend Menschen, sondern einfach viele Menschen:
- Am Konzert waren mehrere hundert/Hundert begeisterte Musikfans anwesend.
- Am Fastnachtsumzug säumten tausende/Tausende Schaulustige die Strassen.
Nur kleingeschrieben wird somit die exakte Menge:
- Du schuldest mir (genau) hundert Euro.
- Heute hat unser Freizeitpark (exakt) tausend Eintritte verkauft.
Einige weitere Beispiel zur Gross- oder Kleinschreibung eines Zahlwortes finden Sie zudem in meinem Beitrag zur Frage, ob man «null/Null» gross oder klein schreibt: siehe hier.
Vielleicht kennen Sie noch die klassische Buchdruckerregel, Zahlen von eins bis zwölf auszuschreiben und bei Zahlen ab 13 die Schreibung mit Ziffern zu verwenden: «Unser kleiner Verein besteht aus zwölf Mitgliedern. Gerne kannst du aber beitreten, dann sind wir 13 Personen.»
An diese eiserne Regel müssen Sie sich heute nicht mehr halten. Der Duden hält eindeutig fest: «Zahlen von 1 bis 12 in Buchstaben und die Zahlen ab 13 in Ziffern zu schreiben […] gilt heute nicht mehr!» (siehe hier)
Laut Duden darf man Zahlen im Allgemeinen sowohl als Ziffern als auch in Buchstaben schreiben.
- «Ich habe 3 Hunde, 2 Katzen und 1 Hamster»
- «Ich habe drei Hunde, zwei Katzen und einen Hamster.»
In der deutschen Sprache werden Zahlen nach meiner Erfahrung aber (fast) immer in Ziffern geschrieben, wenn sie Teil einer Adresse, eines Datums oder einer Uhrzeit sind.
- «Ich wohne an der Dorfstrasse 45.»
- «Heute ist der 21. Dezember.»
- «Es ist jetzt 15:30 Uhr.»
Äusserst unüblich (aber grundsätzlich erlaubt) ist:
- «Ich wohne an der Dorfstrasse fünfundvierzig.»
- «Heute ist der einundzwanzigste Dezember.»
- «Es ist jetzt fünfzehn Uhr dreissig.»
Ebenso sind Zahlen als Ziffer zu bevorzugen, wenn man sie mit Abkürzungen von Gewichten, Massen, Geldsorten usw. kombiniert:
- «Über Weihnachten habe ich 2 kg zugenommen.»
- «Heute sind wir über 10 km gewandert.»
- «Der Kinoeintritt kostet 12 CHF.»
Wenn man die Mengenangabe ausschreibt, ist aber auch die (ganze) Zahl in Buchstaben absolut erlaubt und gut lesbar:
- «Über Weihnachten habe ich zwei Kilogramm zugenommen.»
- «Heute sind wir über zehn Kilometer gewandert.»
- «Der Kinoeintritt kostet zwölf Franken.»
Ich empfehle, ein- oder zweisilbige Zahlen in der Regel in Worten zu schreiben, insbesondere in formalen Texten oder wenn der Satz mit einer Zahl beginnt:
- «Zwölf Hunde waren auf dem Spielplatz.»
- «Hundert Menschen nahmen an der Demonstration teil.»
Gut lesbare Zahlen kann man aber auch in Buchstaben schreiben, wenn Sie aus mehr als zwei Silben bestehen:
- «Meine Urgrossmutter ist dieses Jahr fünfundneunzig Jahre alt geworden.»
- «Zu deinem zwanzigsten Geburtstag gratuliere ich dir ganz herzlich.»
Fazit: In der deutschen Sprache gibt es keine feste, unumstössliche Regel, wann Zahlen in Ziffern und wann in Worten geschrieben werden. Relevant ist der Kontext, in dem die Zahl verwendet wird.
Alle oben erwähnten Regeln und Empfehlungen gelten grundsätzlich auch für wissenschaftliche Arbeiten. Allerdings tendiere ich beim Lektorat einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit je nach Kontext dazu, Zahlen eher auszuschreiben oder eher als Ziffer zu notieren, und zwar nach folgender Grundüberlegung:
- Spielen Zahlen in einer wissenschaftlichen Arbeit eine untergeordnete Rolle, kann man sie meines Erachtens meist problemlos ausschreiben. Optisch wirkt eine ausgeschriebene Zahl sogar deutlich weniger «aufdringlich» in einem Text, der weitgehend ohne Zahlen auskommt.
- Besonders in empirischen Arbeiten, die mit statistischen Auswertungen arbeiten, ist die Ziffernschreibung meiner Meinung nach aber zu bevorzugen, weil die Zahlen optisch schneller zu erfassen und ein längerer Text mit vielen Zahlen auf die Dauer so besser lesbar ist: «Von allen Befragten antworteten 17 % mit ‹sehr gut› und 23 % mit ‹gut›. Die restlichen Antworten (60 %) verteilten sich auf ‹schlecht› oder ‹sehr schlecht› usw.» Wenn Sie diesen Satz ausschreiben, wirkt er meines Erachtens langfädiger und schlechter lesbar: «Von allen Befragten antworteten siebzehn Prozent mit ‹sehr gut› und dreiundzwanzig Prozent mit ‹gut›. Die restlichen Antworten (sechzig Prozent) verteilten sich auf ‹schlecht› oder ‹sehr schlecht› usw.»
Grundsätzlich empfehle ich zudem, Ziffern- und Buchstabenschreibung von Zahlen nicht zu vermischen, sondern sich in einem Text möglichst an eine der zwei Varianten zu halten.
Entscheidet man sich, eine Zahl auszuschreiben, lautet die Regel für die Getrennt- oder Zusammenschreibung von Zahlen gemäss Duden: Zahlen über einer Million schreibt man getrennt, Zahlen unter einer Million schreibt man zusammen.
- Heute wird mein Onkel sechsundfünfzig Jahre alt.
- In Zürich wohnen mehr als vierhunderttausend Menschen.
- Sie gewann im Lotto drei Millionen siebenhundertsechzigtausend Euro.
Bei allen Zahlen über tausend stellt sich bei der Ziffernschreibung die Frage, wie man diese vierstelligen, fünfstelligen oder mehrstelligen Zahlen am besten darstellt und gruppiert. Das ist in erster Linie eine Frage der Typografie, wobei auch der Duden festhält, dass ganze Zahlen mit fünf oder mehr Ziffern durch Zwischenräume in dreistellige Gruppen gegliedert werden können. Daraus lassen sich folgende Grundregeln ableiten:
Vierstellige Zahlen (und kleinere Zahlen) stehen im Text üblicherweise ohne Abstand zwischen den Ziffern:
- Unsere Gemeinde hat 8953 Einwohnerinnen und Einwohner.
- Ein Generalabonnement der SBB kostet jährlich 3860 Franken.
Sind die vierstelligen Zahlen aber in einer tabellenartigen Auflistung zu finden, gliedert man auch diese mit einem kleinen Abstand nach der ersten Ziffer, um die Zahlen in der Tabelle schön untereinander auszurichten:

Monat

Einnahmen

Januar

CHF 5 550

Februar

CHF 8 390

März

CHF 10 152

April

CHF 13 250
Fünf- und mehrstellige Zahlen werden sodann in Dreiergruppen gegliedert, die durch einen Festabstand – idealerweise ein Achtelgeviert; in Word aber meist ein geschützter Leerschlag – getrennt sind:
- Im vergangenen Jahr musste sie 15 000 Franken Steuern bezahlen.
- In der Stadt Zürich wohnen ungefähr 402 000 Personen.
- Der neu entdeckte Stern liegt über 65 000 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Bruchzahlen schreibt man gross, wenn sie als Substantiv verwendet werden:
- Ein Achtel ist weniger als ein Viertel.
- Ein Drittel der Anwesenden brach in Gelächter aus.
Die Kleinschreibung ist obligatorisch, wenn die Bruchzahl mit Gewichts- oder Massangaben verknüpft wird, z. B.: Nach dem ersten Schluck waren noch zwei drittel Liter Milch in der Tasse übrig.
Schreibt man die Bruchzahl in Ziffern, gelten dieselben Regeln wie bei den ganzen Zahlen, unabhängig davon, wie man den Bruch darstellt, z. B. 0,5 oder ½.
Manchmal verbindet man als Ziffern geschriebene Zahlen mit einem Wort. Dann stellt sich die Frage, ob und wo ein Bindestrich gesetzt werden muss. Dazu lässt sich Folgendes festhalten:
- Startet die Zusammensetzung mit der Ziffer, schreibt man anschliessend einen Bindestrich: 1-Liter-Flasche, 3.-Klass-Unterricht, 200-m-Becken, 1.-August-Feier, 57-jährig, 100-prozentig.
- Die Verknüpfung einer Ziffer mit «fach», darf man mit oder ohne Bindestrich schreiben: 2-fach/2fach, 3,7-fach/3,7fach.
- Vorsilben (Präfix) und Nachsilben (Suffix) werden ohne Bindestrich an die Ziffer gehängt: ein 18tel, etwas ver10fachen, die 80er (aber: 80er Jahre oder 80er-Jahre).