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Ist Barack Obama der erste postethnische Präsident der USA? Die Musik der multikulturellen Hip Hop Hoodíos legt genau dies nahe.
«Hoodíos» ist eine teilanglisierte Schreibung des spanischen Wortes «judíos» (Juden). Gegründet wurden die Hip Hop Hoodíos von Josh Norek, einem New Yorker mit jüdischen Wurzeln, dem jüdisch-puertorikanisch-amerikanischen Musiker Abraham Vélez und dem chinesisch-amerikanisch geprägten Federico Fong, dessen Vater aus Panama stammt. Bereits ihre erste EP überzeugte mit einer absolut irrwitzigen Mischung aus diversen lateinamerikanischen Einflüssen, inklusive Rock en español, Hip-Hop und sephardischer Folklore («Ocho kandelikas», geschrieben von Flory Jagoda).
Viele CDs haben sie zwar nie verkauft, und auch im digitalen Format gehören sie wohl nicht gerade zu den Mega-Sellern. Aber die Hoodíos stehen wie keine andere Gruppe für ein postethnisches, im positiven Sinne kontaminiertes Amerika, in dem die Menschen stolz sind auf ihre gemischten Wurzeln, auf die ihrer Vorfahren ebenso wie die aus freien Stücken adoptierten. So hat denn auch Josh Norek – sein Pseudonym Josué Noriega hin oder her – keine lateinamerikanischen (oder sephardischen) Wurzeln, und Federico Fong ist nicht jüdisch.
Raza Mestiza
Da darf es auch nicht verwundern, dass die Hoodíos mit Happy Sanchez zusammengearbeitet haben, mit Kemo the Blaxican (ehemaliger MC der Delinquent Habits) ebenso wie mit Frank London von den Klezmatics, Don Verde von Los Abandoned, Juan Caipo von Orixa, Paul Shapiro, Wil-Dog von Ozomatli und vielen anderen. Einen schönen Überblick über ihr (zugegebenermassen eher schmales) Werk findet sich auf der Compilation «Carne masada – quite possibly the very best of Hip Hop Hoodíos». Und auch neue Tracks sind auf «Carne masada» zu hören – darunter ihre Obama-Hymne «Shalom Obama», auf der der lateinamerikanische TV-Star Don Francisco die multikulturellen Massen mobilisiert.
Sicherlich, die alten ethnischen Zuschreibungen und Loyalitäten bleiben noch länger bestehen; daran kann auch der postethnische Groove der Hoodíos nicht rütteln. Aber es ist ein Zeichen einer zum Glück immer durchlässiger werdenden Kultur, wenn Menschen ihre ethnischen Wurzeln nach Gutdünken mit anderen vermischen können. Genau das haben Barack Obamas Eltern auch gemacht. Und das Wahlvolk ist ihnen gefolgt. Die USA, ein postethnisches Land? Vielleicht – auf jeden Fall hat sich viel geändert, dies zeigt auch der afroamerikanische Akademiker Bakari Kitwana in seinen Büchern auf. Aber die Musik der Hoodíos ist vor allem eins: absolut empfehlens- und hörenswert!
Hip Hop Hoodíos. «Carne masada – quite possibly the very best of Hip Hop Hoodíos». Jazzheads 2009.
Bakari Kitwana. «Why White Kids Love Hip-Hop». Basic Civitas 2005.
- Monty Python meets Conan the Barbarian
- Blood Simple