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In wissenschaftlichen Texten erlangt die geschlechtergerechte Sprache immer mehr Bedeutung. Fast jede Hochschule legt Wert darauf, dass Studierende in ihren Arbeiten auf das generische Maskulinum verzichten und stattdessen die Gendersprache nutzen, um alle Geschlechtsidentitäten gleichermaßen anzusprechen. Eine Form des Genderns ist das Gendern mit Unterstrich, was wir hier mit vielen Beispielen erklären.
Definition: Gendern mit Unterstrich
Der Unterstrich ist ein mögliches Sonderzeichen, mit dem Texte geschlechtersensibel verfasst werden können. Er wird in diesem Zusammenhang auch als Gendergap bezeichnet. Der Unterstrich wird zum Gendern zwischen die maskuline Form und die feminine Endung eines Wortes gesetzt und mithilfe einer kleinen Pause zwischen beiden Endungen ausgesprochen. Diese Pause bezeichnet man auch als Glottisschlag.
Der Gendergap ist in erster Linie dazu da, um neben Frauen und Männern auch nichtbinäre Personen anzusprechen und sprachlich sichtbar zu machen. Das vielfältige Spektrum der Geschlechtsidentitäten kann durch das Gendern mit Unterstrich direkt abgebildet werden und Raum für alle Menschen schaffen, die sich in den Kategorien weiblich oder männlich nicht wiederfinden.1
Gendern mit Unterstrich: Akzeptanz & Gebrauch
Bereits 2003 wurde in der Queer-Theorie das Gendern mit dem Unterstrich vorgeschlagen. Queere Menschen kritisierten, dass das bisher allgegenwärtige Binnen-I nichtbinäre Geschlechtsidentitäten sprachlich verdränge: Menschen, die sich weder als Lehrer noch als Lehrerin identifizieren, mussten sich im Wort «LehrerInnen» der sprachlichen Binärität unterordnen. Durch das Gendern mit Unterstrich sollte Platz für diese Menschen geschaffen werden.
Der Duden listete den Gendergap im Jahr 2020 als vom amtlichen Regelwerk nicht abgedeckte Option des Genderns auf. Auch die Gesellschaft für deutsche Sprache erkennt den Unterstrich und andere Genderzeichen nach wie vor nicht an. Das liegt vor allem daran, dass sie nicht barrierefrei sind. Beispielsweise können Screenreader für Sehbehinderte den Gendergap nicht korrekt vorlesen.
Verbreitung des Genderns mit Unterstrich
Heute ist der Gendergap zwar den meisten Menschen bekannt, aber weniger verbreitet als beispielsweise das Gendersternchen. Dennoch führen viele Hochschulen wie die HU Berlin und die TU Darmstadt das Gendern mit Unterstrich als eine der akzeptierten Varianten der geschlechtersensiblen Sprache auf. Auch manche Unternehmen wie beispielsweise Audi haben das Gendern mit dem Unterstrich fest eingeführt.
Gendern mit Unterstrich: Beispiele
Der Unterstrich wird beim Gendern zwischen den maskulinen Wortstamm und die feminine Wortendung gesetzt. Die Endung wird dabei kleingeschrieben.
Im Folgenden stellen wir dir vier wichtige Fälle auf, in denen du auf den korrekten Einsatz des Gendergaps achten solltest:
- Gleicher Wortstamm
- Unterschiedlicher Wortstamm
- Artikel und Pronomen
- Komposita
Merke: Das Gendern mit Unterstrich ist kein Teil der amtlichen Rechtschreibung, weswegen keine offiziellen Regeln zu seiner Verwendung existieren. Unsere Tipps orientieren sich an den am häufigsten genutzten, von der Allgemeinheit akzeptierten Schreibweisen.
Es ist jedoch möglich, dass die Richtlinien deiner Hochschule davon abweichen. Frage im Zweifelsfall stets bei deiner Betreuungsperson nach.
Gleicher Wortstamm
Das Gendern mit Unterstrich kann genutzt werden, wenn die maskuline und die feminine Form eines Worts denselben Wortstamm besitzen. Er wird dann zwischen den maskulinen Wortstamm und die feminine Wortendung gesetzt.
Jedoch ist dies nur möglich, wenn die sogenannte Weglassprobe funktioniert: Auch mit weggelassener Wortendung muss vor dem Unterstrich immer noch ein sinnvolles Wort stehen. Gleichzeitig muss das Wort auch dann Sinn ergeben, wenn man es von vorn bis hinten ohne den Gendergap durchliest.
Unterschiedlicher Wortstamm
Es kann vorkommen, dass die feminine Form eines Worts nicht denselben Wortstamm besitzt wie die maskuline Form. Das ist beispielsweise bei Worten der Fall, bei denen in der femininen Form ein Umlaut hinzugefügt wird. Der Unterstrich kann dann nicht zum Gendern genutzt werden, da die Weglassprobe nicht mehr funktioniert. Stattdessen bieten sich Synonyme an.
Artikel und Pronomen
Manche Artikel und Pronomen können geschlechtersensibel geschrieben werden, indem der Gendergap wie gewohnt zwischen den Wortendungen platziert wird. Bei anderen ist dies nicht möglich, da sie nicht über denselben Wortstamm verfügen. Du solltest dann beim Gendern mit Unterstrich auf die Beidnennung zurückgreifen.
Komposita
Als Komposita werden zusammengesetzte Wörter bezeichnet. Beim Gendern sind sie dann relevant, wenn einer der beiden Wortteile geschlechtsspezifisch ist. Das ist beispielsweise bei «Leserbrief» der Fall: Das Wort «Brief» ist neutral, das Wort «Leser» jedoch spricht nur männliche Personen an. Solche Komposita sollten gegendert werden. Unnötig ist das Gendern mit Unterstrich bei Worten, die keine spezifische Person in den Vordergrund stellen oder nicht gegendert werden können.
Es gibt Komposita, die im Amtsdeutsch festgelegt sind und deshalb nicht gegendert werden dürfen. Zu diesen Wörtern zählen beispielsweise «Ministerkonferenz» oder «Kanzleramt». Auch, wenn das konsequente Gendern von deiner Hochschule vorgeschrieben wird, darfst und musst du bei diesen Wörtern eine Ausnahme machen.
Vor- und Nachteile – Gendern mit Unterstrich
Wie jede Form des Genderns hat auch der Unterstrich Vor- und Nachteile. Was überwiegt, solltest du nach deinem persönlichen Empfinden entscheiden.
Abbildung aller Geschlechter
Keine Anerkennung der amtlichen Rechtschreibung
Sehr inklusive Sprache
Nicht barrierefrei
Anerkennung von vielen Hochschulen
Kein Unterstreichen des Wortes möglich
Neutrale Formulierungen statt Unterstrich
Das Gendern mit Sonderzeichen, also Gendern mit Unterstrich, lässt sich häufig umgehen, indem du neutrale Formulierungen nutzt. Diese sind barrierefrei und stellen kein einzelnes Geschlecht in den Vordergrund, sodass sich alle Menschen angesprochen fühlen. Neutrale Formulierungen bieten sich vor allem für zusammengesetzte Worte an.
Häufig gestellte Fragen
Der Unterstrich wird auch als Gendergap bezeichnet, wenn er in Texten genutzt wird, um geschlechtliche Vielfalt abzubilden. Zwischen den binären Polen soll der Gendergap auch nichtbinäre oder intersexuelle Geschlechtsidentitäten abbilden.
Für gewöhnlich wird der Unterstrich zwischen den geschlechtsspezifischen Wortendungen platziert. Besondere Regeln gibt es für Komposita, Artikel und Wörter, bei denen die geschlechtsspezifischen Formen nicht denselben Stamm haben.
Der Gendergap bildet mehr als zwei Geschlechter ab und ist somit sehr inklusiv. Er ist jedoch weder barrierefrei noch dudenkonform.
Um den Gendergap auszusprechen, lässt du zwischen dem Wortstamm und der Endung eine kleine Pause, die auch als Glottisschlag bezeichnet wird.
Das hängt von den Richtlinien deiner Hochschule ab. Bist du dir nicht sicher, solltest du auf neutrale Formulierungen zurückgreifen, um die Genderzeichen zu umgehen.
Quellen
1 Universität Rostock: Übersicht für eine gendergerechte Schreibweise, in: uni-rostock.de, o.D., [online] https://www.uni-rostock.de/storages/uni-rostock/UniHome/Vielfalt/Vielfaltsmanagement/Toolbox/UEbersicht_gendern.docx.pdf (13.01.2023)