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Ab 2020 dürfen in der Schweiz und in Deutschland keine lärmigen Güterwagen mehr verkehren. Nach dem Vorbild der 2013 von der Eidgenossenschaft beschlossenen Lösung hat das deutsche Parlament ein neues Gesetz gutgeheissen, das den Verkehr von Güterwagen, die den zulässigen Lärmgrenzwert überschreiten, verbieten wird. Dies ist eine gute Nachricht für die Anwohnerinnen und Anwohner der Eisenbahnlinien, stammt doch ein erheblicher Teil des durch die Schweiz führenden Güterverkehrs aus Deutschland.
Das schweizerische Modell wurde während der Debatten im deutschen Parlament explizit zitiert. Der Bundestag sprach sich schon am 30. März 2017 für das neue Gesetz aus, und zwar einstimmig, was selten vorkommt. Die zweite Kammer des Parlaments, der Bundesrat, folgte am 12. Mai 2017. Das Verbot lärmiger Güterwagen tritt in der Schweiz am 1. Januar 2020 in Kraft. Stichtag in Deutschland ist der 13. Dezember 2020, weil dann der Fahrplanwechsel ansteht.
Das Verbot lärmiger Güterwagen beruht nicht zuletzt auf der Erkenntnis, dass die Bevölkerung den zunehmenden Bahnverkehr und die Umsetzung von Eisenbahnprojekten eher akzeptiert, wenn sie vor dem Bahnlärm geschützt wird. Aus diesem Grund sind die EU und mehrere ihrer Mitgliedstaaten bestrebt, die Lärmvorschriften für Güterwagen zu verschärfen. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) möchte das weitere Vorgehen so gut wie möglich mit den Ländern des Rhein–Alpen-Korridors und mit der EU abstimmen. Schon heute belohnen verschiedene Länder des Korridors Umrüstungen mit lärmdifferenzierten Trassenpreisen (Lärmbonus).
Die Schweiz lancierte im Jahr 2000 das erste Programm, um Anwohnerinnen und Anwohner von Schienenwegen vor exzessivem Lärm zu schützen. Die getroffenen Massnahmen bewährten sich. Die Industrie und die Verkehrsunternehmen erzielten grosse Fortschritte dabei, das Rollmaterial leiser zu machen. Alle alten schweizerischen Güter- und Personenreisewagen wurden inzwischen umgerüstet und sind saniert.
Doch auch die leisen ausländischen Wagen werden immer zahlreicher. Einerseits sind in der EU seit über zehn Jahren strenge Emissionsgrenzwerte für die Inverkehrsetzung neuer Güterwaggons in Kraft. Andererseits steht seit vier Jahren eine zugelassene Bremsausrüstung zur Verfügung, die mit relativ bescheidenen Investitionskosten die Sanierung älterer Güterwagen erlaubt. Insbesondere die deutschen Wagenhalter bauen ihre Wagenflotten seither umfassend um. Heute werden etwa 80 Prozent der Bahngüter in der Schweiz mit leisen Wagen befördert.
Im Rahmen der infrastrukturseitigen Lärmsanierung wurden fast alle Projekte für den Bau von Lärmschutzwänden und den Einbau von Schallschutzfenstern abgeschlossen. Die letzten Projekte müssen im Jahr 2018 beendet sein.
Das Bundesamt für Verkehr verfolgt die Entwicklung der Lärmemissionen weiter, mit einem besonderen Augenmerk auf dem Lärm, der mit dem Netzausbau und dem Nachfragewachstum einhergeht. Er prüft auch, welche anderen lärmverringernden Massnahmen geeignet wären. Deshalb fördert er die Suche nach innovativen Lösungen, wie beispielsweise den Einsatz eines Diagnosefahrzeugs der SBB, mit dem erstmals die Schienenrauheit als wichtige Lärmursache gemessen werden kann. Studien zu weiteren schalltechnischen Verbesserungen von Eisenbahnwagen oder von Infrastrukturkomponenten sind im Gange.
BAV-News Nr. 50 Mai 2017
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Mehr Einzelheiten finden Sie im Standbericht 2016 zu den Eisenbahn-Ausbauprogrammen