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In Seebach gab es acht Bahnübergänge mit Barrieren, alle anderen Übergänge waren nur mit Andreaskreuzen gesichert. Die beiden Übergänge an der ehemaligen Bölsterlistrasse (zum Stierliareal und zum Kosakenweg) sowie der Übergang Felsenrainstrasse wurden vom Bahnhof Seebach aus mit einer Drahtwinde ferngesteuert. Die Situation an den ganz frühen Bahnübergängen zum Schiessplatz und an der alten Schärenfeldstrasse konnten von der OGS noch nicht erarbeitet werden. Die früheren Übergänge an der Schärenmoosstrasse und an der Unterwerkstrasse wurden von einem Bahnhwärterhüsli aus bedient, welches am Bahnübergang Unterwerkstrasse stand und zwar haarscharf an der Gemeindegrenze, jedoch noch auf Seebacher Boden. Es trug die alte Assek-Nr. 153, neu 682 und wurde von der Nordostbahn (NOB) im Jahre 1864 erstellt. Dies war noch so um 1925, 1935, 1952. Bald nach 1968 wurden die beiden Bahnübergänge durch eine Unterführung ersetzt, vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau der Contraves-Gebäude. Im Bahnwärterhüsli Unterwerkstrasse sah man meist eine ältere Frau, welche zwischen den Schliesszeiten der Barrieren an Socken und Pullovern strickte, so berichtete Berta Wintsch-Fürst in Erinnerungen in "Alt Seebach 1948". Im Weiteren schrieb sie, dass ihr 4 Jahre alte Enkel sehr beeindruckt war, wenn die Bahnwärterin immer wieder das grosse Rad drehen musste.
In einer Personalzeitung der Firma L. Kissling & Co. AG war 1975 in einem Beitrag zur Frühgeschichte der Firma zu lesen, dass ein Bahnwärter namens Nepfer sich beschwerte, weil ganz in seiner Nähe ein Geschoss der in Entwicklung befindlichen Becker-Fliegerabwehrkanone der Firma Seebacher Maschinenbau AG einschlug. Da der Schiessstand sich zwischen den beiden Bahngleisen gleich neben dem Gauss-Areal befand, dürfte es sich um den Bahnübergang Unterwerkstrasse gehandelt haben.
Früher war es üblich, dass man nur verheiratete Bahnwärter/-innen an den Übergängen einstellte, damit sich diese gegenseitig ablösen können und tags und nachts den Übergang bedienen konnten. Bei der oben erwähnten, strickenden Dame könnte es sich ziemlich sicher um Nepfers Frau gehandelt haben. Das Ereignis muss sich um 1920 herum zugetragen haben.
Die dortige Bahnwärterin musste von ihrem winzigen Bahnwärterhäuschen aus insgesamt 5 Barrieren bedienen. Innert ihrem 5-stündigen Arbeitstag musste sie 150 Mal die Barrieren öffnen und schliessen. Daraus lässt sich leicht nachrechnen, dass sie 1968 wohl kaum mehr Zeit hatte zum Stricken. Bei YouTube kann man unter dem Titel "Alltag einer Bahnwärterin (1968)" einen rund zweiminütigen Film sehen, welcher die damalige Bahnwärterin bei der Arbeit zeigt. Der Zugriff erfolgt über https://www.youtube.com/watch?v=yczcoI_o1F0. Der Kurzfilm entstammt der Sendung "Rendez-vous" vom 16. Juni 1968 der SRG und wurde kürzlich vom SRF-Archiv hochgeladen.
Quellen: - Reinhard Ochsner in «100 Jahre Bahnhof Seebach» - Personalzeitung der Firma L. Kissling & Co. AG 1975 - Christian Rümbeli (machte die OGS freundlicherweise auf den Film in YouTube aufmerksam) - Berta Wintsch-Fürst in "Alt Seebach 1948"