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Geburtsort: São Paulo
Geburtsdatum: 21/03/1960
Gestorben: 01/05/1994 in Bologna
Einstiegsjahr in die Formel-1: 1984
Körpergewicht: 70 kg
Grösse: 1,75 m
BIOGRAFIE
Er ist brasilianischer Nationalheld, Mythos und vor allem eine Legende. Kein anderer Rennfahrer aus Brasilien wird so eng mit der Formel 1 verbunden wie der am 21. März 1960 in São Paulo geborene Aryton Senna da Silva. Seine Perfektion ist bis heute unvergessen, sein tragischer Unfalltod bis heute nicht überwunden.
Ayrton Senna wurde nur 34 Jahre alt. Drei Jahrzehnte lang ging er seiner Leidenschaft nach – dem Rennsport. Schon im Alter von 4 Jahren bekam der Sohn eines erfolgreichen Unternehmers seinen ersten Kart, den er sogleich in sein Herz schloss. Mit 10 Jahren nahm er erstmalig an Rennen teil, ermutigt von seinem Vater, der stets dafür sorgte, dass er ausreichend trainieren konnte. Schon damals steckte in Senna dieser gigantische Wille der Perfektion, welcher später Millionen Fans weltweit faszinieren sollte. Nach einem Training baute er oft seinen Kart vollständig auseinander um ihn Teil für Teil zu reinigen und zu pflegen. Es war ihm egal, wie viel Zeit er dafür benötigte, er hörte erst auf, wenn die Arbeit erledigt war.
1973 konnte er dann endlich an seinem ersten offiziellen Rennen teilnehmen – direkt vor der Haustür in Interlagos in São Paulo. In der Klasse Junior 1 konnte er dabei gleich erste Siege erringen, welche ihn mit Sicherheit noch stärker motivierten. Doch zu diesem Zeitpunkt war Senna ein “Schönwetterfahrer“, der seiner Meinung nach bei Regen kläglich versagte. Daher zog es ihn bei schlechtem Wetter stets auf die Piste. Und wenn dies aus zeitlichen oder logistischen Gründen nicht möglich war, dann sah man ihn manchmal sogar in seinem Stadtteil auf der Strasse trainieren.
In dieser Zeit legte er sich seinen weltbekannten aggressiven Rennstil zu, der ihn 1977 und 1978 dann auch verdientermassen den Titel des Südamerikameisters einbrachte. 1978 und 1981 wurde er zudem brasilianischer Meister und 1979 und 1980 Vizeweltmeister. Und nach diesen enormen Erfolgen war der nächste Schritt zum Automobilrennsport faktisch vorprogrammiert. Sehr zum Leidwesen seiner Eltern, für die das „Hobby“ nun doch langsam überhandnahm. Mit 20 brach er gegen ihren Willen sein Studium der Wirtschaftswissenschaften ab und zog nach England.
Ende 1980 bekam er dann seine grosse Chance, als Ralph Firman vom Team Van Diemen ihn für die kommende Saison in der Formel Ford engagierte. Er steigerte sich mit jedem Rennen und dominierte am Ende die englische Formel Ford. Mit zwölf Siege, fünf zweiten sowie je einem dritten und fünften Rang heimste er in diesem Jahr gleich zwei britische Titel ein, den des königlichen Automobilclubs und die Townsend Thoresen Trophäe.
Dass er ein Ausnahmetalent war, stellte sich bereits ein Jahr später fest. Am Steuer eines Van Diemen RF82 holte er 22 Pole Positions und 22 Siege, gewann damit 1982 die englische und europäische Formel Ford 2000 Meisterschaft. Nun wurden auch die Verantwortlichen in der Königsklasse auf den jungen Brasilianer aufmerksam. Dabei hatte es vor der Saison noch ganz anders ausgesehen. Aufgrund fehlender Sponsoren war er nach seinen grossen Erfolgen 1981 nach Brasilien zurückgekehrt und half 5 Monate im Bauunternehmen seines Vaters mit. Doch glücklich machte es ihn keineswegs, der Drang Rennen zu fahren war einfach zu stark. Nun gab ihm sein alter Herr endlich die Chance und stellte ihn vor die Wahl – Business oder Rennen – und die Entscheidung für den Rennsport kam dann wohl auch kaum überraschend.
Auch wenn er nach der hervorragenden Saison 1982 bereits Angebote für die Formel 1 bekam, entschied sich Senna noch ein Jahr in der Formel 3 zu fahren. Mit 12 Siegen sicherte er sich den Titel und konnte sich nun faktisch seinen Rennstall in der höchsten Motorsportklasse aussuchen. Nach Verhandlungen und Testfahrten mit Brabham, Toleman, Williams und McLaren unterschrieb Senna letztlich bei Toleman-Hart.
Sein erstes Formel 1 Rennen bestritt Senna nur drei Tage nach seinem 24. Geburtstag in seinem Heimatland Brasilien. Doch der Saisonstart am 25. März 1984 auf dem Kurs von Jacarepaguá in Rio de Janeiro endete für den Newcomer aufgrund eines Motorschadens vorzeitig und damit enttäuschend. Bereits im Folgerennen in Südafrika sicherte er sich dann zwar seinen ersten WM-Punkt, seine grosse Stunde sollte jedoch in Monte Carlo schlagen. Von Startplatz 13 gestartet fuhr er bei widrigsten Bedingungen bis auf Platz 2 vor und es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis der Vorausfahrende Alain Prost überrundet werden würde. Doch wegen des schlechten Wetters wurde das Rennen frühzeitig abgebrochen, Senna sah sich um seinen Sieg betrogen und machte aus seinem Ärger keinen Hehl.
Im Laufe der Saison fuhr der forsche Brasilianer mit weiteren zwei dritten Plätzen abermals auf das Podest und somit bestand keine Sorge, dass er auch in der kommenden Saison am Start sein würde. Senna hatte zwar ein Vierjahresvertrag mit Toleman unterzeichnet, liess jedoch frühzeitig durchblicken, dass er nicht abgeneigt war, den Rennstall zu wechseln.
1985 sass er dann auch im Cockpit eines Lotus und konnte damit seinen ersten Grand Prix Sieg feiern. In einem chaotischen Regenrennen in Estoril in Portugal dominierte er das Geschehen und kam am Ende mit über einer Minute Vorsprung vor einem Ferrari ins Ziel. Auch sein zweiter grosser Erfolg in Spa-Francorchamps fand genau bei dem regnerischen Wetter statt, welches ihm in seiner Jugend so viele Probleme bereitet hatte. Die Saison beendet er schliesslich auf dem 4. Rang, ein Jahr später wiederholter das gute Ergebnis. In seinem dritten und letzten Jahr bei Lotus schnuppert er mit dem 3. Platz in der Gesamtwertung erstmalig Höhenluft, doch der grosse Triumph sollte noch eine Saison auf sich warten lassen.
1988 bis 1993 – die sechs Jahre bei Honda McLaren bzw. McLaren sollten Senna Unsterblichkeit verleihen. Und er fuhr oftmals auch so seine Rennen. Auf der Suche nach der Perfektion, der Demonstration eines unglaublichen fahrerischen Könnens stellten sich ihm jedoch manchmal die Gesetze der Physik in den Weg. Man muss bei allem Respekt vor den grandiosen Leistungen und dem unglaublichen Talent jedoch anmerken, dass der oft ungestüme Brasilianer sich oder sein Auto einfach überschätzte. Ob er wegen Spritmangels liegenblieb, mit nur einer Hand am Lenkrad in der letzten Kurve in die Reifenstapel knallte oder sich mit dem Boliden seines Konkurrenten verhakte – mehrfach hat sein aggressiver aber von den Fans gefeierter Fahrstil wichtige Punkte gekostet.
Einen Meilenstein seiner Karriere bedeutete für ihn jedoch ein Sieg in seinem Heimatland. Beim Grossen Preis von Brasilien in Interlagos in São Paulo konnte er endlich nach mehreren Anläufen im Jahr 1991 einen Sieg einfahren. Der Kampf um dieses für den damals zweimaligen Weltmeister begann schon bei der Qualifikation, wo seine Bestzeit von Riccardo Patrese zunächst um fast eine halbe Sekunde unterboten wurde und Senna erneut in den Boliden steigen musste. Patrese verlor die sicher geglaubte Pole am Ende um 38 Hunderstel. Im Rennen selbst kam Senna am Schnellsten weg, doch Nigel Mansell heftete sich an seine Fersen. 59 Runden kämpften beide um den Sieg, doch der Brasilianer behauptete trotz Getriebeproblemen gegen Rennende die Führungsposition bis zum Durchfahren der Ziellinie. Endlich hatte er seinen Heim Grand Prix gewonnen.
Mit 1988, 1990 und 1991 konnte er dreimal die Weltmeisterschaft für sich entscheiden, 1989 wurde er Zweiter. Und dies abermals aufgrund eines verzweifelten Versuchs, seinen ärgsten Konkurrenten Alain Prost in fast aussichtsloser Situation zu überholen. Die Autos stiessen zusammen und Senna, der sich nur durch die Mithilfe der Streckenposten im Rennen halten konnte, wurde als späterer Sieger disqualifiziert. Prost wurde Weltmeister, auch ein anschliessendes umstrittenes Untersuchungsverfahren änderte nichts daran. Auch hier erlebte man Senna als notorischen Hitzkopf, der dem Weltverband FIA zunächst Manipulation vorwarf, dies aufgrund einer drohenden Sperre dann wieder zurücknahm. 1992 beendete er die Saison als Vierter und 1993 musste er sich erneut mit dem Titel des Vizeweltmeisters zufrieden geben.
1994 wechselte Senna, inzwischen lebende Legende und in den Augen seiner Fans der unnahbare, unfehlbare beste Fahrer aller Zeiten zu Williams. Doch durch ein verändertes Reglement hatte der Rennstall die technische Überlegenheit der vergangenen Jahre eingebüsst und so lag es an Senna, diesen Makel durch sein Können zu kompensieren. Als selbsternannter Favorit setzte er sich dabei jedoch selbst stark unter Druck. Durch einen Fahrfehler im ersten Rennen und einer unverschuldeten Kollision im Zweiten jeweils ausgeschieden wollte der Perfektionist nun im dritten Rennen alles geben um seinen starken Konkurrenten Michael Schuhmacher nicht noch weiter davon ziehen zu lassen.
Der Grosse Preis von Imola in San Marino stand jedoch unter keinem guten Stern. Bereits im Training erlitt Sennas Landsmann Rubens Barrichello einen Unfall und musste bewusstlos von der Strecke geborgen werden. Der Brasilianer schied daraufhin frühzeitig aus. Beim Abschlusstraining am Samstag verunglückte dann auch noch der Österreicher Roland Ratzenberger tödlich. Senna ging daraufhin laut der Aussage von Freunden mit gemischten Gefühlen in das Rennen, welches durch einen schweren Auffahrunfall beim Start gleich mit einer Safety Car Phase eingeleitet wurde.
Senna, der zuvor harsche Kritik an der Piste geübt hatte, blieb beim Neustart vor Schumacher und versuchte sich abzusetzen. In der sechsten Runde ereignete sich dann die Tragödie, die ein ganzes Land in kollektive Trauer versetzen sollte. In der Tamburello-Kurve schoss Senna voll bremsend, jedoch ohne erkennbare Lenkkorrektur über den Seitenstreifen. Beim Aufprall in die Streckenbegrenzungsmauer riss das rechte Vorderrad ab, wobei sich eine Strebe der Radaufhängung durch Sennas Helm bohrte. Der Brasilianer erlitt schwerste Kopfverletzungen und wurde mit dem Rettungshubschrauber direkt von der Unfallstelle in eine Unfall-Klinik in Bologna geflogen. Ein Ärzteteam kämpfte stundelang um sein Leben, am Abend mussten sie Senna jedoch für hirntot erklären.
Wir schwer der Verlust nicht nur für seine Fans sondern für die gesamte Sportwelt war, zeigen auch die Bilder des weinenden Alain Prost in der Box in Imola. Beide waren über Jahre erbitterte Konkurrenten, fast verfeindete Rivalen gewesen. Auch Michael Schuhmacher liess nach dem Rennen seinen Tränen freien Lauf. Und Gerhard Berger brachte das Unfassbare auf den Punkt: “Es ist, als würde die Sonne vom Himmel fallen.“
Brasilien stand derweil unter Schockzustand. Der damalige Staatspräsident Itamar Franco rief eine dreitägige Staatstrauer aus, Schulen und Geschäfte blieben geschlossen. Beim Fussballspiel zwischen Flamengo e o Vasco da Gama wurde eine Schweigeminute eingelegt, danach skandierten die 75.000 Zuschauer seinen Namen.
Mehr als 1 Millionen Menschen säumten die Strassen von São Paulo, als der Sarg von einem Löschzug zur letzten Ruhestätte gebracht wurde, Millionen Fans in aller Welt konnten das Geschehen live am Fernseher mit verfolgen. Düsenjäger der brasilianischen Luftwaffe flogen derweil über die Millionenmetropole ehrten so den Helden einer automobilverrückten Nation.
Ayrton Senna fuhr von 1984 bis 1994 in der Formel 1 und bestritt 161 Rennen. Achtzigmal stand er auf dem Podium, 41 Siege und drei Weltmeisterttitel trug er davon. Senna war stolz, Brasilianer zu sein und demonstrierte dies so oft wie möglich. Er übertrug seine Leidenschaft für den Rennsport auf eine ganze Nation, seine Suche nach Perfektion und die bewiesene Dominanz seiner Fähigkeiten bei vielen Rennen machten ihn zu dem gottgleichen Idol, dessen Verlust Brasilien bis heute nicht ganz verkraftet hat.
Senna hat die Formel 1 nie verlassen. Auch heute ist er noch bei jedem Rennen allgegenwärtig – in den Gedanken von Fans und Fahrern, wie auch Rubens Barrichello unumwunden zugibt: “Er blieb für mich immer der wichtigste Maßstab. Wenn ich ein Rennen gewonnen habe, danke ich immer Gott – und Senna.“