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Dieser Besuch werde auf immer „einen wichtigen und prominenten Platz in der Geschichte unserer Schule“ einnehmen: Dr. Rudolf K. Sprüngli, Präsident des Schulvereins des Freien Gymnasiums Zürich, dürfte mit seinen abschliessenden Dankesworten dem in der Aula des FGZ versammelten Auditorium aus dem Herzen gesprochen haben im Angesicht des Besuchs von Prinzessin Akiko von Mikasa, Mitglied der kaiserlichen Familie Japans.
Aber um wen handelt es sich bei der 35-jährigen jungen Frau, die in bescheidener Zurückhaltung Einblicke in ihre Herkunft, ihr Leben und Wirken gab? Prinzessin Akikos Urgrossvater ist der 123. Kaiser Japans, der Taisho-Tenno Yoshihito, der das Land von 1912 bis 1921, als zweiter Herrscher seit der Meiji-Restauration von 1868, regierte. Von seinen vier Söhnen übernahm der älteste, Hirohito, 1921 die kaiserliche Regentschaft, die er, mit der bekannten Zäsur des Jahres 1945, bis 1989 innehatte. Sein ältester Sohn und Nachfolger ist der amtierende Kaiser Akihito.
Kaiser Hirohitos jüngster Bruder Takahito (Prinz Mikasa) war der Grossvater von Prinzessin Akiko; er verstarb im vergangenen Jahr 2016 und wurde über 100 Jahre alt. Damit überlebte er seinen ältesten Sohn, Prinz Tomohito von Mikasa, also den Vater der Prinzessin, der im Jahre 2012 verstarb. Prinz Tomohito hatte zwei Töchter, von denen Prinzessin Akiko, geboren im Jahr 1981, die ältere ist.
Und es war tatsächlich so etwas wie ein historischer Moment für unsere Schule, als die kleine Gruppe mit dem hohen Gast in die erwartungsvolle Stille der Aula eintrat. Das überwiegend jugendliche Publikum, Schülerinnen und Schüler der vierten und fünften Gymnasialklassen, erhob sich mit einem einheitlichen Ruck von seinen Stühlen, um mit einer „standing ovation“ das Mitglied des kaiserlichen Hauses und ihre Entourage, darunter auch der japanische Botschafter Etsuro Honda, akkreditiert in der Schweiz seit 2016, mit seiner Gemahlin sowie Vertreter der Asia Society Switzerland, zu begrüssen.
Rektor Dr. Thomas Bernet sprach zur Begrüssung von einer „einmaligen Gelegenheit, einen Einblick in die japanische Kultur zu gewinnen“, und würdigte, im Namen des Freien Gymnasiums Zürich, die „Grosszügigkeit“ des hohen Besuches. Frau Eunice Zehnder-Lai, Vorstandsmitglied der Asia Society Switzerland, betonte in der Folge die Ziele ihrer globalen Nichtregierungsorganisation, nämlich „Asien und Europa einander näher zu bringen“ sowie „die junge Generation auf Asien vorzubereiten“. Dass diese Ziele möglicherweise schon in grössere Nähe gerückt sind als vermutet, zeigte sich anhand einer spontanen Rundfrage darüber, wer bereits in Japan gewesen sei, wobei ein erheblicher Anteil des Schülerpublikums die Hand erhob. Frau Zehnder-Lai quittierte diese unerwartet hohe „Japan-Affinität“ mit der anerkennenden Bemerkung: „You are a very well travelled group!“
Im Gespräch mit Kazu Huggler, ehemalige Schülerin des FGZ (96. Prom./1989), studierte Kunsthistorikerin und erfolgreiche Modeschöpferin mit japanisch-schweizerischen Wurzeln, ergab sich in der Folge ein immer genaueres Bild der kaiserlichen Urenkelin: Prinzessin Akiko studierte in Japan und in England Geschichte und Kunstgeschichte und erwarb, als zweites Mitglied des kaiserlichen Hauses, 2011 einen Doktortitel der Universität Oxford. (Berücksichtigt man die Tatsache, dass Prinz Akishino, der zweite Sohn des amtierenden Tenno, sein 1996 in Ornithologie abgelegtes Doktorat im Modus eines Fernstudiums absolviert hatte, könnte man sogar vom ersten sozusagen „physischen“ Doktorat des japanischen Kaiserhauses sprechen.)
Das grosse Interesse an Geschichte begleitet die Prinzessin schon seit ihrer Kindheit, gefördert in erster Linie durch ihren Grossvater, auf dessen Schoss die Enkelin erstmals in historischen Enzyklopädien blätterte, in der Folge aber auch durch ihren Geschichtsunterricht. Sie berichtet freimütig über ihre Anfangsschwierigkeiten als einzige japanische Studentin im Seminar an der Universität Oxford, über bedeutsame Mentalitätsunterschiede und das herausfordernde Erlernen der englischen Sprache. Auch ihre Studien zur Kollektion japanischer Kunst im British Museum, die das Thema ihrer Dissertation bildete, oder zur schottischen (Kunst-)Geschichte, wo sie sich vornehmlich mit „Tartans“, also den Karomustern der Schottenröcke, beschäftigte, kamen zur Sprache.
Weitere Einblicke in das Leben und Wirken der jungen Prinzessin ergaben sich in der abschliessenden Fragerunde. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren mehr über ihr Leben als Prinzessin, stets „gerahmt“ durch ihre ständigen Begleiter, die Bodyguards, über ihre liebsten Kunstwerke und ihr inniges Verhältnis zum Ise-Schrein, dem wichtigsten Heiligtum der japanischen Ur-Religion des Shinto, in dem die Sonnengöttin Amaterasu verehrt wird, auf welche die kaiserliche Familie ihre legendäre Herkunft zurückführt. Auf die Frage, welchen Einfluss die Prinzessin heute auf ihr Heimatland zu nehmen vermag, verwies sie auf die Workshops in japanischer Kultur, die sie für Kinder durchführt, und darauf, dass sie im Begriff ist, mehr und mehr repräsentative Pflichten ihrer kaiserlichen Familie zu schultern.
Im abschliessenden Votum würdigte Rudolf K. Sprüngli die beeindruckenden Qualitäten Japans, dessen „Innovationskraft, Präzision, Disziplin, Hingabe, Kreativität und Spiritualität“, und bedankte sich bei der Prinzessin und ihren Begleitern mit einer adäquaten Verbeugung. Der Besuch der japanischen Prinzessin und ihres Gefolges war – bei allem gut schweizerischen Republikanismus – eine Sternstunde für das FGZ.