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Die Jahreslosung 2023, die auch Thema des ersten Gottesdienstes vom 8. Januar ist, lautet «Du bist ein Gott, der mich sieht». Der Text stammt aus dem Buch Genesis und steht in Kapitel 16, Vers 13. Was sagen uns diese Worte?
Der gekürzte Bibelvers der Jahreslosung 2023 stammt aus einer dramatischen Geschichte. Es geht um das Ehepaar Abraham und Sara. Sara ist unfruchtbar und bittet daher ihren Mann, ein Kind mit der Magd Hagar zu zeugen. Doch die Schwangerschaft sorgt für einen Konflikt zwischen den Frauen. Sie demütigen und verachten sich.
Für Hagar scheint die Lage ausweglos zu sein, sie flieht. Heimatlos und einsam läuft sie zu einer Wasserquelle in der Wüste. Hagar betet an der Wasserquelle zu Gott und stellt fest: «Du bist ein Gott, der mich sieht».
Diese Aussage ist ungewöhnlich, denn es geht hier um die Selbstwahrnehmung. Hagar hat das Gefühl, so gesehen zu werden, wie sie ist, von Gott in ihrem Dasein erkannt zu werden. Der Vers hat im Hebräischen verschiedene Bedeutungen. Der hebräische Begriff «Sehen» kann wörtlich als «Du bist Gott, der Mich-Sehende» verstanden werden – oder als «Gott schaut auf mich» oder auch als «Gott sieht nach mir». Hagar erfährt, dass sie als Frau in einer bedrohlichen Situation gesehen wird. Dieser Zuspruch, den sie von Gott bekommt, stärkt sie für ihren weiteren Lebensweg. Gott ist ein Gott, der sieht. Bei Gott haben wir Ansehen. Auch in Momenten der Verzweiflung schaut Gott nach und auf uns. Dieser Zuspruch möge uns im neuen Jahr begleiten.
Pfarrerin Sibylle Forrer
Gottesdienst zur Jahreslosung, Sonntag, 8. Januar 2023, 10.00 Uhr, reformierte KircheZurück