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Der Titel scheint ziemlich abwegig für eine Beratungsfirma, die ihre Kunden bei der Suche nach den besten Talenten unterstützt. Und doch steckt darin mehr als nur ein Funken Wahrheit.
Denn bei der Rekrutierung ist es häufig entscheidender, ob jemand kompetent wirkt, als ob die Kompetenz wirklich vorhanden ist. Im üblichen Bewerbungsgespräch ist es nämlich kaum möglich, Kompetenzen unter Beweis zu stellen: Das Gegenüber kann nur mit Worten, nicht aber mit Taten überzeugt werden. Worin besteht hier die Kompetenz? In der Kommunikation?
In der Regel wird angenommen, dass ein 45-jähriger, schlanker Mann mit leicht ergrauten Haaren und einem gut sitzenden Anzug kompetent ist – bevor er irgend etwas sagt. Im Gespräch kann er dann alle Prognosen Lügen strafen. Wenn er sich jedoch zusätzliche zu den optischen Eigenschaften, auf die er wenig Einfluss hat (ausser vielleicht auf die Wahl des Schneiders) in einer einigermassen akzeptablen Art seine Fähigkeiten darlegt, stehen die Chancen gut, dass er sich durchsetzt. Ist seine Kompetenz damit bewiesen? Nicht einmal ansatzweise. Ein guter erster Eindruck, ein zufriedenstellendes Gespräch und die Würfel sind bereits gefallen – zu seinen Gunsten.
Stellen wir uns nun vor, dass sich eine Frau als Mitglied der Geschäftsleitung in Branchen wie Werkzeugmaschinen, Automobile, Banken, Bau oder Detailhandel (und viele weitere) bewirbt. Sie muss im Gespräch wesentlich überzeugender auftreten und ihr Wissen eindrücklich demonstrieren, damit sie das Rennen für sich entscheiden kann.
Wir rekrutieren regelmässig auch Personen für politisch geprägte Funktionen, und die Politik ist ein gutes Beispiel, da politische Vertreterinnen und Vertreter ihre Stimmen häufig dank ihres Images erhalten – also nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten, sondern aufgrund unseres Eindrucks von ihren Fähigkeiten. Haben Sie jemals gehört, dass Gewählte ein Assessment durchlaufen müssen, bevor sie ihr Amt antreten? Obsiegen bei Wahlen häufig männliche, grau melierte Personen um die 50? Wir überlassen es Ihnen, diese Fragen zu beantworten.
Natürlich wird eine vollkommen inkompetente Person schnell entlarvt, und sie wird sich nicht ewig in einer anspruchsvollen Position halten können. Doch ob jemand überhaupt in eine solche Position gelangt, hängt immer stark davon ab, wie er oder sie die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren weiss.
Wir wollen hier keine Geschlechterdebatte entfachen, sondern lediglich darauf hinweisen, dass die Wahrnehmung der Kompetenzen eine enorme Rolle spielt, sowohl für eine Berufslaufbahn als auch bei einer Rekrutierung. Natürlich ist es nicht ratsam, in einen Grössenwahn zu verfallen, doch zu wissen, wie man seine Fähigkeiten ins rechte Licht rückt, ist an sich eine zentrale Fähigkeit. Allerdings ist das Unterfangen nicht ungefährlich, denn wie bei einer Gratwanderung darf man sich auf keine Seite zu weit hinaus lehnen: Weder zu viel Demut noch zu viel Stolz führen zum Ziel.
Kompetenz spielt also keine Rolle…solange man weiss, wie man darüber spricht.