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Das Glass House
Manifattura Bulgari: Das europaweit grösste Zentrum des verarbeitenden Gewerbes für Juwelen erstreckt sich über eine Fläche von 15 000 m² und besteht aus einem Hauptgebäudekörper, der neu errichtet und dessen perforierte Metallfassade vom Unternehmen Stahlbau Pichler realisiert wurde. Neben dem neuen Gebäude befindet sich das alte Gebäude «Cascina dell’Orefice» (Landhaus des Goldschmieds), in dem Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Goldschmiedewerkstätten von Valenza untergebracht waren. Der Bau wurde vollständig saniert, aufgewertet und durch einen neuen, komplett mit Glas verkleideten Flügel erweitert: ein optisch überaus beeindruckendes Glass House, das über 13 m hoch und mit unterirdischen Repräsentations- und Empfangsbereichen ausgestattet ist. Auch das Glass House wurde komplett von Stahlbau Pichler realisiert, und dass ein solch origineller Bau im Laufe der Zeit zu einem unverwechselbaren Symbol für die historische Identität des Ortes werden wird, liegt auf der Hand. Der Komplex wurde mit dem Ziel geplant, die internationale LEED-Zertifizierung (Leadership in Energy and Environmental Design) zu erhalten – was noch innerhalb 2017 erfolgen sollte.
Kreativität und Stil
Die rechteckige Basis des Gebäudes hat einen Grundriss von 5,65 × 17,2 m und eine maximale Höhe von 13,6 m. Das Dach hat einen Doppelgiebel. Es ist ohne Zwischenebenen konstruiert und besteht nur aus der Aussenhülle. Die gesamte Hülle wurde aus Glasscheiben errichtet, die im Erdboden und auf dem Tragwerk aus Metall verankert sind. Die Struktur besteht aus neun untereinander parallel ausgerichteten Rahmen, die am Boden in das Fundament eingelassen und am oberen Ende durch drei Träger miteinander verbunden sind. Diese wiederum sind mit dem angrenzenden «Cascina»-Gebäude verbunden.
Auf der Vorderseite (Ostseite) wurden Träger aus Glas errichtet, um die horizontalen Bewegungen der Glasscheiben der Fassade zu begrenzen. Diese Träger sind an den Säulen des ersten Metallrahmens befestigt und werden von Metallaufhängungen getragen.
Auf das Eingangsportal sind Ts aus laminiertem Flachstahl geschweisst und darauf wiederum das Raico Fassadenprofil, das die Basis des Glasträgers bildet.
Dabei mussten die relativen Abweichungen ganz besonders berücksichtigt werden, da sich die Portale unter Windlast stark bewegen können. Um dies zu verhindern, wurde entschieden, im Innern des Glases einen Kanal von 25 mm tiefer zu verlegen, der dem Befestigungssystem ermöglicht, die erforderliche Toleranz aufzufangen.
Die Portale aus Stahl sind komplett mit Ummantelungen aus Edelstahl ausgestattet, für die eine elegante Spiegel-Oberfläche gewählt wurde. Diese Ummantelungen wurden jeweils aus einem einzigen Blech geformt und mit beidseitigem Klebeband und Sika -Struktursilikon verankert.
Die verbauten Glasscheiben sind Hochleistungsprodukte. Gewählt wurde Guardian Glas der jüngsten Generation auf Ultraclear-Basis mit 60/28-Coating für die vertikalen Ausfachungen und 50/23 für das Dach. Dies garantiert Leistungen auf höchstem Niveau sowohl bei der Lichtdurchlässigkeit als auch bei der Standfestigkeit und Dichte. Angesichts der erheblichen Dimensionen der Glasflächen waren für die Glasstärke präzise statische Untersuchungen und thermische Behandlungsverfahren erforderlich, die mit HST durchgeführt wurden.
Um die bestehenden Sicherheits- und Leistungsvorschriften zu erfüllen, wurden präzise Berechnungen durchgeführt und für das Metalltragwerk Stahl S355 verwendet. Sämtliche Tragwerkverschraubungen sind vom Typ «Nicht planmässig vorgespannte Schraubenverbindungen» vom Typ SB. Das Glas hat eine Dichte von 2500 kg/m³, ein elastisches Modul E mit 70 000 Mpa und einen Poisson-Koeffizienten von 0,22.
Auch die Auswirkung von Lasten und Beanspruchungen wurden berechnet. Es wurden Statikanalysen zur Kontrolle der Abweichungen unter Normalbedingungen – also nichtseismischen Bedingungen – sowie dynamische Analysen für die seismischen Bewertungen durchgeführt. Ausserdem wurden Analysen zur Bewertung der Knicklängen der Elemente gegenüber Instabilität durchgeführt.
Das Glass House ist ein individuell gestaltetes Bauwerk, dem eine äusserst gewagte Planung und eingehende Kenntnisse sowohl im Bereich Metall- als auch Glasbau zugrunde liegen. Diese Besonderheiten zeichnen das Unternehmen Stahlbau Pichler aus.
Die Hülle des neuen Fabrikgebäudes
Das neue Produktionsgebäude erstreckt sich über drei Ebenen und stellt eine Produktionsanlage der Avantgarde dar, die nicht nur ästhetische Kraft besitzt, sondern auch die Herstellungsprozesse rationalisiert, indem sie alle Phasen des Produktionsprozesses in einem einzigen Gebäude vereint, von den Prototypen bis zur zunehmend komplexeren Herstellung der Schmuck-Kollektionen. Die gesamte Aussenseite des Produktionsgebäudes ist umgeben von einer Metallhaut, die an den grossen, am Gebäude befestigten Toren verankert ist. Die Hülle hat einen Abstand von 8 m vom Gebäudekorpus. In diesem Zwischenraum können sich die Mitarbeiter frei bewegen und eine der Besonderheiten dieser Konstruktion geniessen: Das Metallblech ermöglicht wie ein Gitter den Blick von drinnen nach draussen auf die umgebende Natur. Hier hat Stahlbau Pichler ein innovatives Element verwirklicht: Die Durchdringung des Gebäudes mit natürlichem Licht bleibt erhalten, aber gleichzeitig wird ein angemessener Grad an Diskretion und Sicherheit gewahrt. Um diesen auch optisch interessanten Effekt zu erzielen, fertigte das Bozener Unternehmen 4500 m interferenzbehandeltes Metallblech. Diese Behandlung ist an sich bereits sehr charakteristisch. Es handelt sich dabei um eine spezielle Oxidation, die nur erzielt werden kann, wenn die Porenstruktur eine spezifische Beschaffenheit aufweist, und damit eine komplexe und besondere Bearbeitungsmethode.
Besonders ist auch die Komposition der Metallbleche mit einer Fläche von jeweils 3 m², die mit drei Arten von Mustern bearbeitet wurden und so angeordnet sind, dass sie den unteren Teil verdecken und oben freie Sicht lassen. Im unteren Teil wurden die Bleche mit den kleinsten Öffnungen von 4 mm angebracht, darüber die gemischt perforierten Bleche mit jeweils zur Hälfte 4 mm und 7 mm grossen Öffnungen und zuletzt die Bleche mit 7-mm-Öffnungen. Diese neue Strategie schützt die Privatsphäre, hält aber die Sicht auf den Himmel frei.Auf der Aussenseite sind sechs grosse Metalltreppe installiert, die von Stahlbau Pichler gebaut wurden.stahlbaupichler.com
Bautafel
Bauherr Bulgari Gioielli Spa
Generalunternehmer ATI Carron Cav. Angelo spa und Stahlbau Pichler GmbH
Architektur Open Project Srl, Bologna
Fassaden- und Metallbau Stahlbau Pichler GmbH
Tragwerksplanung Ing. Massimo Majowiecki