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Marianne, seit wann nutzen Sie Partnerbörsen im Internet?
Mit einigen Unterbrüchen seit etwa zehn Jahren.
Warum wählen Sie immer wieder das Internet, um Menschen kennenzulernen?
Ich habe ein Kind und arbeite viel, da bleibt mir wenig Zeit, um jemanden kennenzulernen. Viele meiner Kolleginnen befinden sich in einer Partnerschaft, und als Frau gehe ich nicht allein in eine Bar oder in den Ausgang.
Auf welchen Plattformen sind Sie unterwegs?
Anfangs nutzte ich häufig Singles.ch, später Badoo sowie ab und zu die Handy-App OKcupid.
Haben Sie Männer getroffen, die Sie online kennengelernt haben?
Ja, einige (lacht). Ich habe zwischen 30 und 40 Männer getroffen.
Und dabei fühlten Sie sich immer sicher?
Ich habe die Kontaktdaten immer an eine Freundin weitergegeben und sie über Zeit und Ort des stets öffentlichen Treffpunkts informiert. Entweder war sie in der Nähe, oder wir vereinbarten einen genauen Zeitpunkt für einen Kontrollanruf. Ja, ich fühlte mich durch diese Absicherung meinerseits relativ sicher, und es ist auch nie etwas passiert.
Hat sich aus den vielen Treffen auch etwas Ernstes ergeben?
Ja, eine Beziehung, die immerhin anderthalb Jahre gehalten hat.
Wie viele Betrugsversuche erlebten Sie in den zehn Jahren?
Einen einzigen.
Erzählen Sie, bitte.
Passiert ist es auf Badoo. Sein Profil sah ganz normal aus: Ortsangabe Zürich, normale Fotos von ihm und seinem Sohn …
… wie verlief die Unterhaltung?
Unüblich. Erstens, weil die Profilangaben nicht stimmten und er in Tat und Wahrheit nicht in Zürich lebte, sondern scheinbar in Kabul für die US-Armee in Kabul stationiert war. Deshalb schrieben wir uns auf Englisch. Zweitens sprach er im Unterschied zu vielen anderen Männern sehr schnell von der grossen Liebe.
Verliebten Sie sich, ohne ihn zu treffen?
Ich kam zumindest ins Schwärmen. Er war sehr nett und zuvorkommend, fragte mich, was mir gefalle, und erzählte auch von sich. Praktisch jeden Tag zur gleichen Zeit kam ein „Ich denke an Dich“, oder er schrieb: „Du fehlst mir.“ Das kommt schon gut an.
Das kann ich mir vorstellen. Wie ging es weiter?
Wir hatten jeden Tag Kontakt. Unterhielten uns über alltägliche Dinge wie Familie und Beruf. Er erzählte viel von seinem Leid, das er in Kabul sehe. Dennoch sagte er immer, dass er schon zurechtkomme, ich aber auf mich aufpassen solle: „Take care, honey!“
Wurden Sie nie skeptisch?
Doch, es klang eigentlich alles viel zu schön, um wahr zu sein. Aber ich habe anfangs die Bedenken beiseitegeschoben, bis es darum ging, sich zu treffen.
Warum genau da?
Bei diesem Thema wich er immer wieder aus: „Nur noch drei Wochen, dann sehen wir uns.“ Immer wieder wurde ich vertröstet. Als er merkte, dass es mir langsam verleidete, sprach er plötzlich vom grossen Geld. Dass er über eine Million Dollar auf der Seite habe und ausserdem Gold sowie Diamanten.
Spätestens in so einem Moment sollten alle Alarmglocken schrillen.
Das stimmt, ich wurde sehr skeptisch und fand es sogar fast lächerlich. Zudem schrieb er mir, dass er sofort aus der Armee austreten wolle und dafür seinen Anwalt in den Vereinigten Staaten kontaktieren müsse. Ich solle ihm doch bitte helfen und für ihn anrufen. Weil ich vermutete, dass es nur darum ging, an meine Telefonnummer und persönliche Daten zu kommen, habe ich das nicht getan.
Wie hat er sich endgültig verraten?
Durch einen kleinen Fehler. Ich habe ihn nach seinem Geburtstag gefragt, und er antwortete: 27. August. Ich stellte daraufhin fest, dass er Jungfrau sei. Worauf er meinte: „Nein, ich bin Löwe.“ Er wusste, dass ich Widder bin, und offensichtlich hatte er gegoogelt, was astrologisch am besten zusammenpasst …
Raffiniert.
Allerdings. Ich habe seinen Fehler zum Glück sofort erkannt und deshalb zunehmend zurückhaltend und sarkastisch reagiert.
Geld hat er nie verlangt?
Nein. Er wird realisiert haben, dass ich Bescheid weiss. Daraufhin hat er nicht mehr weitergeschrieben. Ich bin aber sicher, dass es früher oder später zu einer Geldforderung gekommen wäre.
Welche Tipps geben Sie anderen Frauen, um Betrüger zu enttarnen?
Leicht fehlerhaftes Englisch ist bei einem angeblichen Amerikaner oder Englänger das erste Anzeichen. Darüber hinaus reden Betrüger schnell von der grossen Liebe und verwenden ständig Wörter wie „Darling“, „Baby“, „Honey“ oder „Sunshine“ und versuchen bereits eine gemeinsame Zukunftsplanung in die Kommunikation zu integrieren. Ebenfalls versuchen sie relativ schnell von der offiziellen Plattform wegzukommen und möchten direkter kommunizieren via E-Mail oder Yahoo Messenger. Wenn der Chatpartner sofort wie ein Traummann erscheint, ists meistens zu schön, um wahr zu sein. Ich rate allen, unbedingt jemandem die Onlinetätigkeiten anzuvertrauen. Es hilft schon, wenn Aussenstehende ihre Sicht der Dinge zeigen.
Was müssten Datingplattformen tun, um die Nutzerinnen besser zu schützen?
Viele Frauen denken, dass ihnen so etwas nie passieren könne. Aber das stimmt nicht: Wenn jemand schon länger allein ist und sich wirklich nach echter Liebe sehnt, geht eine Frau vielleicht zu schnell eine virtuelle Bindung ein, entwickelt sogar Gefühle und hofft, dass aus dem Traum bald Realität wird. Deshalb müssen Datingplattformen viel besser vor den Gefahren warnen. Zudem sollten sie eine Warngalerie veröffentlichen.