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Tango Argentino als Verschmelzung verschiedenster kultureller
Elemente
Tango Argentino beinhaltet Musik und Tanz, die sich beide parallel entwickelt haben. Argentinien war nach der Kolonialisation durch die Spanier im 16. Jh. weitgehend spanisch geprägt. Buenos Aires war von Beginn weg eine Hafenstadt und diente als Ausgangspunkt für die Besiedlung und Eroberung weiter Teile Südamerikas. Bis zur Loslösung Argentiniens vom spanischen Mutterland im Jahre 1816 setzte sich die Bevölkerung aus Kreolen (Nachkömmlinge der spanischen Einwanderer), der indigenen Bevölkerung und Menschen afrikanischer Herkunft zusammen. Die Sklaverei wurde erst wenig Jahre zuvor abgeschafft. Argentinien entwickelte sich zu einem Agrarstaat mit zunehmender Exporttätigkeit. Als die Arbeitskräfte nicht mehr ausreichten, wurden ab 1860 europäische Immigranten angelockt, mit dem Versprechen der Landzuweisung, ähnlich wie es in Nordamerika mit der Inbesitznahme des "Wilden Westens" und gleichzeitiger Landverteilung vorgelebt wurde. Allerdings gehörten die Ländereien in Argentinien Grossgrundbesitzern, die nur billige Arbeitskräfte wollten und keine Besitzaufgabe. Die deutschen, italienischen, spanischen, polnischen, französischen, englischen, österreich-ungarischen Einwanderer und Menschen aus dem vorderen Orient liessen die Bevölkerung von ursprünglich 1,7 Mio. (1869) auf fast 8 Mio. (1914) anschwellen.
Stationen der musikalisch-tänzerischen Entwicklung
Die Einwanderer brachten Ihre Musik und andere kulturelle Elemente aus der Heimat mit. Zusammen mit den bereits vorhandenen musikalischen Elementen der bisherigen Argentinier entwickelte sich der Tango Argentino. Im Tango Argentino sind Einflüsse der kubanischen Habanera, des spanischen Tango Andaluz, der Mazurka, Polka, und des rhythmischen Candombe erkennbar.
Candombe ist eine kultische Tanzpantomime, die von der schwarzen Bevölkerung (ehemalige Sklaven) zur Ehren des Heiligen San Benito getanzt wurde. Musikalisch ist der Candombe durch afrikanisch geprägten Rhythmus und durch die Trommeln erkennbar. In der spanischen Kolonie Kuba entstand um ca. 1825 die Habanera, welche eine gewisse Verwandschaft zum Candombe aufweist. Der Tango Andaluz, um 1850 in Spanien entstanden, geht rhythmisch aus der Habanera hervor und zeichnet sich durch gittarrenbegleiteten Gesang aus. Die Milonga entstand in den ländlichen Gebieten Argentiniens um ca. 1860 und wurde von den Gauchos gesungen, den "Cowboys" Argentiniens. Der Begriff "Milonga" soll aus der ostafrikanischen Kimbundusprache stammen und sei die Mehrzal von "mulonga" (Wort). In Argentinien blieb die Bedeutung von "Milonga" als Gerede unter der schwarzen Bevölkerung erhalten, wobei in Urugay mit Milonga mehr die städtische Art zu singen gemeint war. Unter dem Begriff "Milonga" versteht man heute eine schnelle, fröhliche Rhythmusrichtung wie auch die Benennung eines Tanzlokals. Daraus abgeleitet stehen "Milonguero / Milonguera" für einen tangotanzenden Mann oder eine tangotanzende Frau und ein engumschlungener Tanzstil, der Tango Milongero genannnt wird. Zu den Milongas wurde getanzt und gesungen, es ist fröhliche Unterhaltungsmusik.
Erst nach 1900 verlangsamt sich die Musik und wird zur Tango-Milonga
oder zum Canyengue. Die musikalische Vielfalt vergrössert sich, das Bandoneon etabliert sich zum typischen Intstrument und das Klavier verdrängt die bis anhin oft gespielte Flöte und die Gitrarre aus den Tango-Orchestern. Milonga und Tango-Milonga werden in Paartanzhaltung getanzt; die Haupttanzrichtung ist zur Seite in die Richtung der "gestreckten Arme". Gegen 1930 hin, nach dem Börsencrash von New York (1929), als es plötzlich weniger Arbeit gab und nach der Einführung des arbeitsfreien Samstag (1932), entwickelte sich die Tango Musik und der Tanz rasant. Die 30er und 40er Jahre gelten als das goldene Zeitalter des Tangos. Die Musik wird langsamer - zum Tango, die Lyrik klagender und die Tanzelemente werden vielseitiger. Die Haupttanzrichtung für den Mann wird ein Vorwärtsgehen und für die Frau ein vorwiegendes Rückwärtsgehen. Der dem Tango entsprechende Tanzstil heisst "Tango Orillero", die Grundlage des heutigen Paartanzes innerhalb des Tango Argentino.
Von Anfang an waren die Walzer im 3/4 Takt in Argentinien zugegen,
wo sie als "Vals" bezeichnet werden. Auf einen gekürzten Nenner gebracht, gibt es
3 Haupt-Rhythmusrichtungen im Tango Argentino: Milonga,
Tango und Vals. Tango ist aus der Übergangsform von
Tango-Milonga oder Canyengue aus der Milonga heraus entstanden.
In den 1950er Jahren erneuert Astor Piazzolla den Tango Argentino, indem er Elemente klassischer Musik und des Jazz in den Tango integriert. Ursprünglich wollte er Komponist für klassische Musik werden, wurde jedoch in Paris von seiner Lehrerin Nadia Boulanger zum Komponieren von Tangos ermuntert, gemäss einer Anekdote mit den Worten: "Astor, deine klassischen Stücke sind sehr gut geschrieben, aber der wahre Piazzolla ist hier, lass ihn niemals hinter dir." Entsprechend heisst die neue Musikstilrichtung "Tango Nuevo". Tango Nuevo fand lange kaum Gegenliebe in Buenos Aires. Zu fortschrittlich klang er in den Ohren der Portenos, fand allerdings Anhänger in vielen anderen Teilen der Welt.
Tango Argentino war usprünglich die Musik der "niederen sozialen Klassen" und wurde von der argentinischen Mittel- & Oberschicht lange Zeit nicht akzeptiert. Erst als der Tango - Musik und Tanz - ab ca. 1910 in Paris Furore machte, wurde der Tango auch von den besseren Gesellschaftsschichten akzeptiert, da sie sich kulturell stark an Paris orientierten.
Lunfardo ist die Lautsprache des Tangos. Es ist die Umgangs- oder "Gassensprache" in Buenos Aires. Viele Ausdrücke sind aus dem Spanischen abgewandelt worden, haben eine Bedeutungsverschiebung erhalten oder sind schlicht neu erfunden. Viele Texte gesungener Tangos sind im Lunfardo geschrieben. Beim Lied/Stück "Gallo Ciego" geht es nicht etwa um einen blinden Gockel, sondern um einen Mann ohne einen Heller in der Tasche. Auf der folgenden Seite ist eine
Spanisch-Spanisch-Übersetzung zum Lunfardo
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