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Jeffrey Toobin entblösste sich vor laufender Kamera. Was mehrere Folgen für Amerikas Film- und Serienwelt haben könnte.
Man sieht sich. Also: Man sieht sich 2020 noch genauer im Spiegel der virtuellen Vervielfältigung. Bei all den homeoffice-bedingten Zoom-Meetings und Skype-Apéros. Die plastische Gesichtschirurgie vermeldet einen Boom. Menschen entdecken entsetzt ihr Doppelkinn und wollen das wegmachen, und mit der Maskenpflicht wird auch noch ein gesteigertes Bewusstsein für Augenpartien entwickelt, auch da wird inflationär gespritzt und gezurrt.
Alle sind vorsichtiger und selbstkritischer geworden in der selbstbezogenen Abgeschiedenheit. Nur einer nicht. Ein bekannter Amerikaner namens Jeffrey Toobin, der vor ein paar Wochen dadurch noch viel bekannter wurde, weil er während eines Zoom-Meetings seinen Schwanz auspackte und fröhlich vor sich hin masturbierte. Was während eines Arbeitstreffens unangebracht und respektlos ist und von einem erheblich eigenwilligen Selbstbild zeugt.
Die Gruppe simulierte via Zoom für den «New Yorker» in einem Rollenspiel den Ablauf der Präsidentschaftswahl 2020. Toobin, dem prominenten CNN-Rechtsanalysten und langjährigen Mitarbeiter des «New Yorker», kam dabei die Rolle des Supreme Court zu. Und offenbar richtete sich da was auf beim Gericht, und Toobin richtete auch noch seine Kamera drauf. Die andern sahen auch, wie er jemandem ausserhalb ihres Treffens einen Luftkuss schickte.
Toobin meinte dabei niemanden aus der Runde, seine Selbstbefriedigung kann nicht wirklich als Übergriff im Arbeitskontext bezeichnet werden, er habe, so behauptet er, gemeint, die Kameras der anderen seien kurz ausgeschaltet gewesen. Waren sie nicht.
Und so kam es, dass Toobin nicht wie geplant während der Wahlberichterstattung seine Analysen in die TV-Kamears sprach. CNN und «New Yorker» entliessen ihn vorübergehend aus ihren Diensten, Jimmy Fallon, Donald Trump Jr. und O.J. Simpson machten sich über Tobin lustig, auf Twitter kursierte der Hashtag #MeToobin.
Aus dem bizarren Zoom-Unfall wurde erst der «Zoom Dick Incident» (ZDI) und schliesslich eine Untersuchung, und es ist zum aktuellen Zeitpunkt noch ungewiss, ob die nicht noch mehr zu Tage förderte. Denn dass Toobins Liebesleben reich war und stets zu seinen Gunsten geregelt wurde (er beschloss zum Beispiel, dass er ein Kind, das bei einer seiner vielen Affären entstand, erst nach dessen zehntem Lebensjahr überhaupt kennen lernen wolle), ist bekannt.
Doch Toobin ist nicht nur ein Medienmann, er ist auch in der Film- und Serienwelt überaus präsent. Sein Bestseller über den Simpson-Prozess wurde zur True-Crime-Serie «The People v. O.J. Simpson». Serienhit-Fabrikant Ryan Murphy verfilmt gerade sein Buch über Monica Lewinsky für FX. Warner Bros. arbeitet an einer Adaption seines Bestsellers «The Nine» über den Supreme Court. Ob diese jetzt realisiert oder wie Toobins Medienjobs ebenfalls gekündigt werden, ist noch offen.
Aus einem prominenten Projekt wurde er bereits entlassen: In der HBO-Serie «The Undoing» mit Nicole Kidman und Hugh Grant spielte er nämlich sich selbst, den TV-Mann, der einen Gerichtsprozess kommentiert. Als die Serie neulich ausgestrahlt wurde, war seine Stimme noch zu hören. Sein Gesicht war bereits durch das eines anderen ersetzt worden.