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Interview 2 2019/2020
Vier Stimmen, eine Leidenschaft
Immin Chung Poser (Klavier), Jeong Soo Lee (Bass), Terhi Kaarina Lampi (Mezzosopran), Marc Haag (Tenor) und Hiroko Haag (Sopran). Januar 2020
Terhi Kaarina Lampi (Mezzosopran), Jeong Soo Lee (Bass), Marc Haag (Tenor) und Hiroko Haag (Sopran) sind die Künstler des zweiten Konzertes. Vier Stimmen – eine Leidenschaft – begleitet auf dem Klavier von Immin Chung Poser. Konzertzyklus Uzwil hat im Interview einige Details für euch herausgefunden!
Konzertzyklus Uzwil: Sie singen Arien und Ensembles aus Opern und Operetten. Wie kann man eine Oper von einer Operette unterscheiden?
Marc Haag: Ist öfter lustig.
Terhi Kaarina Lampi: Die Operette ist auch mehr Entertainment, mehr Unterhaltung.
Marc Haag: Ein bisschen leichter. Es muss nicht alles ernst genommen werden. Es gibt Operetten, die nicht lustig sind. Zum Beispiel von Lehar, Judita. Aber diese Operetten werden nicht gespielt.
Jeong Soo Lee: Aber könnte man schon von Komponisten unterscheiden. Die, die Operetten geschrieben haben, haben keine – oder sehr selten – Opern geschrieben. Marc Haag: Und es war immer ein bisschen verächtlich.
Terhi Kaarina Lampi: Die Operette ist auch eher typisch für Deutschland oder Österreich. Respektive Ungarn, wenn man an diese Epoche denkt.
Jeong Soo Lee: Aber der grösste Unterschied ist, dass bei der Operette der Text, der Dialog, nicht begleitet wird.
Terhi Kaarina Lampi: Die Operette hat auch gesprochene Elemente. In diesem Sinne, ein Singspiel. Es hat lange, unbegleitete Dialoge.
Terhi Kaarina Lampi: Kann man sagen, dass der Ursprung des Musicals in der Operette liegt?
Marc Haag: Es gab die goldene Operettenzeit, darauf folgte die silberne Operettenzeit. Dann kam die Zeit, in der Operetten wie „Müll“ geschrieben wurden; diese Robert-Stolz-Geschichten. Das war eine Massenproduktion für das Fernsehen. Und danach kam das Musical.
Konzertzyklus Uzwil: Singen Sie anders, wenn Sie solo oder im kleinen Ensemble oder im Chor singen?
Jeong Soo Lee: Ich habe gelernt, dass ich immer gleich singen soll. Aber in der Tat – tue ich anders. Weil im Chor – das ist eine Gruppe – muss ich automatisch etwas reduzieren. Anpassen.
Marc Haag: Vielleicht kann man es vergleichen mit einem Fisch: Der einzelne Fisch schwimmt anders als ein Schwarm.
Jeong Soo Lee: Genau.
Marc Haag: Man muss sich irgendwie einfügen, damit es funktioniert. Wenn man alleine ist, dann kann man andere Sachen machen. Und das würde stören im Chor. Terhi Kaarina Lampi: Aber das merkt man hier auch schon. Ich bin nie im Chor gewesen. Aber ich merke es hier: Wir singen anders – weil wir wollen, dass unsere Stimmen zusammen gut klingen. Und nicht, dass ich als Einzelne toll klinge und es für mich toll mache – und die andern sind mir egal. Wir müssen uns anpassen, wir sind ein gemeinsamer Klang. Daher ist es immer anders durch andere Stimmen. Aber auch dadurch, ob es ein Quartett ist oder ein Terzett. Ein Duo ist anders als ein Trio, ein Trio anders als ein Quartett – und so weiter. Einfach immer das Beste geben!
Konzertzyklus Uzwil: Was sind Ihre Favoriten aus Ihrem Programm? Und warum?
Terhi Kaarina Lampi: Alle! Wir haben schöne Stücke ausgewählt. Ich singe sehr gerne dieses Terzett aus „Cosi fan tute“ – bezüglich der Harmonien ist es so schön. Als Sängerin muss ich den andern sehr genau zuhören, und es kann dann extrem harmonisch klingen.
Marc Haag: Für mich das Flower-Duett von Lakmé. Ich weiss, es ist harte Arbeit dieses Stück zu singen – aber dieses Stück macht alles. Da ist schon alles drin. Wenn man der Musik vertraut, wird es wunderschön.
Terhi Kaarina Lampi: Es fliesst so ein bisschen.
Marc Haag: Ja genau. Es hat diese Beweglichkeit – aber trotzdem diesen Rhythmus. Dieser Rhythmus liegt da so drunter wie ein Beben – es ist irre. Wahnsinnsmusik.
Terhi Kaarina Lampi: Es gibt jetzt so eine Sängerin aus Südafrika, sie heisst Pretty Yende. Sie ist so ein Shootingstar. Sie erzählt, weshalb sie Sängerin wurde: Dank diesem Flower-Duett von Lakmé! Als Kind hatte sie nichts zu tun mit klassischer Musik – nichts! In den Vororten, Townships von Johannesburg. Es gab damals eine TV-Werbung der britischen Airways, welche mit diesem Duett musikalisch unterlegt wurde. Sie war total fasziniert von diesem Musikstück. Ihre damalige Lehrerin konnte ihr die Information geben, dass es ein Duett aus einer Oper ist. Sie hat sich entschieden, diesen Weg zu gehen. Hat es angepackt – und ist heute ein grosser Star!
Jeong Soo Lee: Alles sind wirklich wunderschöne Stücke. Aber für mich ist es das Perlenfischer-Duett. Besonders. Weil ich singe es zum ersten Mal. Auch inhaltlich ist es sehr schön, diese Freundschaft und Treue …
Marc Haag: Diese Personen sind weit weg von einer Erinnerung. Sie sind mit ihren Gedanken in der Vergangenheit.
Konzertzyklus Uzwil: In diesem Falle ist es wichtig, dass das Publikum auch den Text versteht? Es stehen ja zwei Männer auf der Bühne …
Marc Haag, Tehri Lampi: Ja, das ist schon wichtig, es öffnet wie eine Tür, wenn man den Text kennt und versteht! Aber wir werden zwischen Stücken moderieren, um dem Publikum richtige Dimensionen über die Musik anzubieten.
Jeong Soo Lee: Was ist dein Lieblingsstück, Immin?
Immin Chung Poser: Eigentlich auch alle! Die Quartette „Bella figlia del amore“ aus dem Rigoletto. Diese Quartett-Wirkung ist ganz voll, ganz stark und mächtig. Eine sehr starke Harmonie – stark in dieser Kombination von Quartett und Klavier zusammen! Es sind auch sehr leichte, geniessbare Stücke, die nicht nur für Profimusiker interessant sind.
Terhi Kaarina Lampi: Kommt alle ans Konzert! Wir hoffen, dass das Publikum die gewählten Stücke ebenfalls besonders schön findet – und das Konzert sehr geniessen wird!