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Wochen-Zeitung
Die Schweizer sind die ganz grosse Überraschung der WM. Die beiden Langnauer Martin Gerber und Simon Moser gehören zu den Schlüsselspielern.
Wer hätte den Schweizern an der WM in Stockholm eine derartige Zwischenbilanz zugetraut? Drei Siege innerhalb von nur vier Tagen gegen lauter Medaillenanwärter: 3:2 gegen Schweden, 3:2 n.P. gegen Kanada und 5:2 gegen Tschechien. Drei «grosse» Eishockeynationen haben die Schweizer zuletzt 1948 in St. Moritz beim Olympiaturnier bezwungen, das gleichzeitig auch noch als WM und EM galt. Mit 8:2 gegen Schweden, 5:4 gegen die USA und 12:3 gegen Grossbritannien, das damals noch zur Weltklasse zählte, holten sich die Schweizer Olympia- und WM-Bronze sowie EM-Silber. Vor 65 Jahren gehörten die Schweizer auch noch zum Favoritenkreis, jetzt aber sind sie Aussenseiter. Das nächste Ziel der Mannschaft von Headcoach Sean Simpson in Stockholm ist die Leistungsbestätigung gegen Slowenien, Dänemark, Norwegen und Weissrussland und die Qualifikation für die Viertelfinal.
Moser spielt sich nach Nordamerika
An den drei Exploits gegen Schweden, Kanada und Tschechien waren die Langnauer Martin Gerber und Simon Moser massgeblich beteiligt. Beide haben mit ihren Klubmannschaften schwierige Monate hinter sich, aber an der WM gehören sie zu den Schlüsselspielern. Martin Gerber stieg mit Rögle in der schwedischen Elitserien ebenso ab wie Simon Moser mit den SCL Tigers. Der Powerstürmer erlitt vor einem Jahr an der WM in Finnland einen Totalschaden im Knie und während der NLA-Meisterschaft auch noch einen Mittelfussknochenbruch. Beide liessen sich aber nicht entmutigen, sondern kämpften sich auf ihr bestes Niveau zurück. Torhüter Martin Gerber wehrte gegen Schweden und Kanada 92,3 Prozent aller Schüsse sowie sieben von acht Penalties ab. Gegen Tschechien erhielt er eine Verschnaufpause und wurde durch Reto Berra mit einer Abwehrquote von 94,9 Prozent erstklassig vertreten. Wie bereits vor einem Jahr bis zur schweren Knieverletzung bildet der 24jährige Simon Moser wiederum den Paradeblock mit den drei Routiniers Mathias Seger (35jährig; 285 Länderspiele), Julien Vauclair (33/193) und Martin Plüss (36/224) sowie Nino Niederreiter (20/20). Er stand gegen Schweden, Kanada und Tschechien bei bisher vier Toren und keinem einzigen Gegentreffer auf dem Eis (+4), bereitete gegen Tschechien das 2:0 von Niederreiter vor und erzielte in der 46. Minute mit dem 3:2 auch das sogenannte Game-Winning-Goal. Kann Simon Moser sein Niveau auch im weiteren Verlauf der WM halten, dann wird er von den SCL Tigers nicht zu einem NLA-Konkurrenten wechseln, sondern eine Chance in Nordamerika erhalten.
Hut ab vor Martin Gerber
Für Martin Gerber waren die Siege gegen Schweden und Kanada eine grosse Genugtuung. In diesen Nationen hat er die Mehrheit seiner zwölf Auslandsaisons verbracht. Für Dave Reid, dem Eishockeyexperten des kanadischen TV-Sportsenders TSN und zweifachen Stanleycupsieger, hatten die überraschenden Schweizer Triumphe einen Namen: «Martin Gerber. Wenn ein Torhüter im Alter von 38 Jahren seinem Team auf höchstem internationalen Niveau gegen Weltklassegegner eine Siegeschance geben kann, bleibt nur eines: Den Hut zu ziehen.»