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Verhütung
Wie zuverlässig ist eine Methode?
"Safety first"! Eines der wichtigsten Argumente für oder gegen eine bestimmte Verhütungsmethode ist natürlich die Sicherheit und Zuverlässigkeit. Dafür gibt es für die gängigen Methoden auch ganz konkrete Zahlen. Gemessen wird die Zuverlässigkeit nach der "Versagerquote", dem sogenannten Pearl Index. Wenn 100 Paare eine bestimmte Methode 12 Monate lang korrekt anwenden, dann entspricht die Anzahl der ungewollten Schwangerschaften diesem Pearl Index. Je niedriger der Pearl Index um so sicherer ist die Methode. Bei den Beschreibungen der einzelnen Verhütungsmethoden finden Sie daher immer Angaben zu diesem Pearl Index.
Die Pille
Die Pille ist mit Abstand eines der sichersten Verhütungsmittel. Durch die jahrelange Forschung ist die Pille immer weiterentwickelt worden und enthält heute sehr geringe Hormonmengen. Allerdings sollte auch bei dieser Verhütungsmethode einiges bedacht werden. Die Pille ist als einzige Verhütungsmethode neben der Sterilisation zu fast 100% sicher, wenn sie regelmässig eingenommen wird. Allerdings kann die Sicherheit durch zwei Dinge beeinträchtigt werden 1. Wenn Sie innerhalb der ersten drei Stunden nach der Einnahme starken Durchfall oder Erbrechen bekommen, kann es sein, dass die Pille unwirksam wird. In der Regel wird empfohlen, innerhalb der nächsten 12 Stunden eine weitere Pille zu nehmen. In diesem Fall sollten Sie uns fragen. 2. Bestimmte Medikamente können die Wirkungsweise der Pille beeinträchtigen. Wenn Sie also andere Medikamente nehmen müssen, dann fragen Sie bei uns nach, ob dadurch die Wirkung der Pille beeinflusst wird. Wenn die Pille jeden Tag regelmässig eingenommen wird, liegt der Pearl Index bei 0,2-0,9.
Die "Pille danach"
Die "Pille danach" ist kein echtes Verhütungsmittel und sollte nur in Ausnahmesituationen verwendet werden. Man kann die "Pille danach" auch als eine Art "allerletzte Notbremse" bezeichnen. Sie ist für Situationen gedacht, in denen es zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen ist oder wenn eine Frau gar vergewaltigt worden ist. In diesen Fällen kann die "Pille danach" eine wirksame Hilfe sein, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Als regelmässiges Mittel zur Empfängnisverhütung ist diese "morning after pill", wie sie auch genannt wird, nicht geeignet. Nach einem ungeschützten Verkehr sollte die "Pille danach" möglichst schnell, spätestens aber 48 Stunden "danach" mit der Einnahme begonnen werden. Bei rechtzeitiger und genauer Anwendung ist von einer Sicherheit um 99% auszugehen. Sollten Sie in so eine Situation geraten, dann rufen Sie uns schnellstmöglich an und lassen sich beraten.
Die Mini-Pille
Die Mini-Pille wird häufig mit niedrig dosierten Pillen verwechselt. Dabei hat sie mit der Pille nur soviel gemeinsam, dass beide zu den hormonellen Verhütungsmethoden zählen. Während in der Pille die beiden Hormone Östrogen und Gestagen enthalten sind, enthält die Mini-Pille einzig das Hormon Gestagen in geringen Mengen. Die Wirkungsweise der Mini-Pille ist deshalb etwas anders als bei der Pille. Gegenüber der typischen Pille ist die Zuverlässigkeit etwas geringer, weil bei der Mini-Pille viel genauer auf den Einnahmerhythmus geachtet werden muss. Die übliche Einnahmezeit darf nicht mehr als drei Stunden überschritten werden. Wenn Sie die Mini-Pille nehmen und die Einnahme einmal vergessen, dann sollten Sie bis zur nächsten Regelblutung auf alle Fälle nicht mehr ohne ein anderes Verhütungsmittel mit Ihrem Partner schlafen. Für die Mini-Pille liegt die Versagerquote nach dem Pearl Index bei 1-3.
Kondome
Kondome schützen vor AIDS! Deshalb sind Kondome immer dann zu empfehlen, wenn Sie einen neuen Traumprinzen kennenlernen. Aber auch, wenn Ihnen Ihr Partner einen Seitensprung beichtet, oder Sie selbst nicht widerstehen konnten, sollten Sie, bis der AIDS-Test Aufschluss gibt, diesen Schutz vor dem HIV-Virus nutzen. Es gibt kein anderes Verhütungsmittel, das Sie vor dem Virus schützen kann. Das Kondom bietet auch einen weitgehenden Schutz vor Geschlechtskrankheiten, wie Syphilis, Gonorrhö, Tripper oder bei Pilzerkrankungen. Kondome besitzen eine mittlere Zuverlässigkeit. Der Pearl Index liegt bei 3-5, was aber teilweise mit falscher Handhabung zusammenhängt. Das Kondom ist mit anderen Verhütungsmitteln z.B. der Pille kombinierbar, was die Sicherheit erhöht.
Das Schaum-Ovulum
Das Schaum-Ovulum ist ein chemisches Verhütungsmittel. Es wird vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt und braucht dann einige Minuten, bevor es wirksam werden kann. Das Schaum-Ovulum wirkt auf zwei verschiedene Arten. Zum einen bildet es einen zähen Schaum oder Schleim, der sich schützend vor den Gebärmutterhals legt. Zum anderen wirkt die Substanz samentötend (spermizid). Viele Paare verwenden ein Schaum-Ovulum zusammen mit einem Scheiden-Diaphragma oder einem Kondom. Als alleiniges Verhütungsmittel ist das Schaum-Ovulum nicht geeignet, da nur mit einer mittleren Sicherheit zu rechnen ist. Wichtig ist es, genau die Gebrauchsanleitung zu lesen. Eine fehlerhafte Verwendung vermindert die Sicherheit. Im Gegensatz zu früheren Präparaten sind die heutigen chemischen Verhütungsmittel schon wesentlich sicherer. Dennoch kann man nur von einer mittleren Zuverlässigkeit ausgehen. Der Pearl Index liegt bei 5 bis 10. Die Sicherheit erhöht sich natürlich, wenn dieses Verhütungsmittel zusammen mit einem Diaphragma oder einem Kondom verwendet wird.
Die Spirale
Die Spirale ist eine mechanische Verhütungsmethode. Sie wird vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingelegt und verbleibt dort. In unser Praxis haben wir dieses Verhütungsmittel vorrätig. So kann die Spirale gleich an Ort und Stelle eingesetzt werden, wenn dieses Verhütungsmittel geeignet ist. Es gibt verschiedene Spiralenmodelle. Je nach Körperbau der Frau beschliesst der Frauenarzt, welche Spirale für die einzelne Frau geeignet ist. Durch die Kupferanteile im Innern einer Spirale wird die Beweglichkeit der Samenfäden herabgesetzt. Weiter bewirkt die Spirale auch eine Veränderung der Gebärmutterschleimhaut. Die Spirale wird jungen Frauen weniger empfohlen, da es bei ihnen zu Komplikationen, insbesondere zu Entzündungen im Bereich der Eileiter und Eierstöcke kommen kann, die den späteren Eintritt einer Schwangerschaft erschweren oder sogar unmöglich machen können. Die Spirale ist ziemlich sicher: Mit der Dauer der Anwendung erhöht sich, nach allgemeinen Beobachtungen, die Sicherheit der Spirale sogar. Der Pearl Index liegt bei 1-2.
Das Intrauterin-System
Das Intrauterin-System (IUS) ist eine neue, wirksame Methode zur Empfängnisverhütung. Das IUS wird vom Frauenarzt eingesetzt und verbleibt dann als sicheres und langanhaltendes Verhütungsmittel in der Gebärmutter. Die Besonderheit beim Intrauterin-System besteht darin, dass eine moderne Spirale mit einem Hormondepot versehen wird. Die Hormondosis kann beim IUS deshalb so gering gehalten werden, weil diese direkt in die Gebärmutter abgegeben werden. Das IUS kann so bis zu 5 Jahren empfängnisverhütend wirken. Die Wirkung des IUS ist vergleichbar mit der Mini-Pille, die ebenfalls nur den Wirkstoff Gestagen enthält. Das IUS ist neben der Pille und der Sterilisation eines der sichersten Verhütungsmittel. Unter 1000 Frauen, die diese Verhütungsmethode angewandt haben, wurden nur zwei Frauen schwanger.
Das Scheiden-Diaphragma oder Scheiden-Pessar
Das Scheiden-Diaphragma, auch Scheiden-Pessar genannt, gehört wie das Kondom zu den mechanischen Verhütungsmethoden. Es sieht aus wie ein gewölbtes Gummihäutchen, das von einem elastischen Ring umgeben ist. Es wird in die Scheide eingeführt und liegt bei korrektem Sitz vor der Gebärmutter und bildet damit ein "Hindernis" für die Samenfäden. Das Diaphragma gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren. Es wird vor allem von Frauen verwendet, die die Pille nicht vertragen oder nur selten Geschlechtsverkehr haben. Beim Diaphragma kann man von einer mittleren Zuverlässigkeit ausgehen. Um die Sicherheit zu erhöhen, verwenden viele Frauen zusätzlich eine samenabtötende Creme. Der Pearl Index liegt dann bei 2- 4. Damit das Diaphragma optimal schützen kann, muss es richtig sitzen. Ein zu kleines Scheiden-Diaphragma bietet geringeren Schutz. Deshalb wird es vom Frauenarzt angepasst.
Die Temperatur-Methode
Diese Methode gilt als sehr ungeeignet für junge Mädchen. Das liegt daran, dass junge Mädchen oft einen unregelmässigen Zyklus haben. Der ist aber für die Temperatur-Methode von grosser Bedeutung. Frauen sind innerhalb eines Zyklus nur an wenigen Tagen fruchtbar. Die restliche Zeit können sie nicht schwanger werden. Durch Messungen der Körpertemperatur wird der Zeitpunkt des Eisprungs erfasst. Dadurch lässt sich errechnen, wann eine Frau ihre fruchtbaren Tage hat. Ein bis zwei Tage nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur um 0,3 bis 0,5°C an. Ab dem dritten Tag des Temperaturanstiegs ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, relativ gering und ein Paar kann daher ab diesem Zeitpunkt bis zur nächsten Regelblutung Geschlechtsverkehr haben. Dies ist die "strenge Form" der Temperatur-Methode. In der "erweiterten Form" kann auch die Zeit bis sieben Tage vor dem nächsten Temperaturanstieg genutzt werden. Die Messungen sollten stets am Morgen, nach dem Erwachen durchgeführt werden. Die Werte trägt man in eine Tabelle ein, um so einen besseren Überblick zu haben. Die strenge Form der Temperatur-Methode ist sicherer als die erweiterte Form, da die Frau nicht in die Nähe der fruchtbaren Tage gelangt. Insgesamt zählt man aber die Temperatur-Methode zu den mittelmässig zuverlässigen Verhütungsmethoden. Auf dem Pearl Index erreicht diese Art der Verhütung einen Wert von 1 bis 3. Für junge Frauen mit einem unregelmässigen Zyklus ist diese Methode nicht zu empfehlen, da die Bestimmung der fruchtbaren Tage sehr schwierig wird. Ältere Frauen haben mehr Erfahrung mit ihrem Zyklus und können deshalb die Temperatur-Methode sicherer einsetzen.
Die Sterilisation
Die Sterilisation ist eines der zuverlässigsten Verfahren zur Empfängnisverhütung. Sie bezweckt eine dauerhafte Unfruchtbarkeit. Die Sterilisation kommt vor allem in Betracht, wenn eine Schwangerschaft die Frau gesundheitlich gefährden würde, wenn mit schweren körperlichen oder geistigen Schäden der Kinder zu rechnen wäre oder wenn ein weiteres Kind eine untragbare Belastung für die Frau bzw. die Familie darstellen würde. Wenn Sie die Sterilisation aus Gründen der Familienplanung wünschen, so sollten Sie bedenken, dass sich die Familienverhältnisse ändern können, z.B. durch Scheidung oder den Tod eines Familienangehörigen. Gründlich überlegt werden sollte auch, ob sich die Frau oder der Mann sterilisieren lässt. Dabei sind u.a. das Lebensalter der Partner, eventuelle Erkrankungen und die ggf. unterschiedliche seelische Belastbarkeit zu berücksichtigen.