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In den 1970er-Jahren bot das rote Dreirad von Wisa Gloria vielen Schweizer Kindern einen Einstieg in die Mobilität auf Rädern. Seine reduzierte Gestaltung und die poppige Farbe vereinen die Designtendenzen der Zeit. Besonders prägnant ist die einfache sichtbare Konstruktion aus einem verformten Stahlrohr.
Kaum ein Haushalt in der Schweiz war ohne Kinderwagen, Kindermöbel oder Spielwaren der Wisa Gloria-Werke in Lenzburg. Die 1882 gegründete Firma belieferte ab 1915 dank einem internationalen Handelsnetz auch Frankreich, Griechenland und Südamerika. Bis in die 1960er-Jahre produzierte Wisa Gloria Dreiräder mit geschwungenen Stahlrohrrahmen oder Blechverkleidungen im Stromlinienstil. 1970 entwickelte ein firmeneigener Konstrukteur ein preiswertes Modell, das im Katalog von 1974 als Kassenschlager für 75 Schweizerfranken beworben wurde. Die einfache Konstruktion beruht auf einem einzigen Stahlrohr, dessen runder Durchmesser an dem einen Ende vertikal und an dem anderen horizontal zum flachen Oval gepresst wurde. Diese Reduktion auf ein statisches Prinzip, die formale Klarheit und die rote Lackierung machten das Dreirad zum zeitlosen, in Gestalterkreisen bevorzugten Modell. Einzig der hochgebogene Lenker erinnert an Zwei-Gang-Mopeds der Zeit. Mit einer Jahresproduktion von 1500 Stück war das Dreirad ein letztes Erfolgsprodukt der Firma Wisa Gloria, die ihr breites Angebot nach und nach einschränken und 1992 die Produktion einstellen musste. Es ist dem emblematischen Dreirad von 1970 zu verdanken, dass Haderer, ein kleiner Kindergerätehersteller aus Vorarlberg, die Marke übernahm. Haderer verlegte seinen Sitz in die Schweiz und produziert das Dreirad seit 2010 im Retronachbau – allerdings mit Pedalen aus Buchenholz. (Renate Menzi)