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anderen Anfang der Stadt Ulm nach ihrem Namen an, indem sie sagten, es habe einst Völker gegeben, welche die Küste des Balthischen Meeres und beide Ufer der Vistula und Hystula (Weichsel und ?) bewohnten (pag. 12). Diese Völker aber wurden, wie Michael de insignibus orbis sagt, Ulmerigi genannt. Die Gothen nun, als sie von der Insel Scandavia nach dem Festland herabkamen, vertrieben die Ulmerigi aus ihrem Land und ließen sich an deren Wohnstätten nieder. Die Ulmeriger aber, gezwungen, sich andere Wohnsitze zu suchen, wurden in verschiedene Gegenden zerstreut, und einige von ihnen ließen sich, an den Ufern der Donau aufwärts gehend, an der Stelle nieder, wo der Fluß schiffbar zu sein anfängt, gründeten eine Stadt und nannten sie nach ihrem Namen Ulm.
Irgendwo habe ich den Namen dieses Volkes mit dem Hauchlaut H geschrieben Hulmerigi gefunden, und so findet sich auch in den ältesten Schriften Ulma mit H geschrieben Hulma. Und hiebei fällt mir etwas Biblisches ein, daß vielleicht die Hulmerigi von dem uralten Hul, dem siebenten Sohn Sems, eines Sohnes Noahs, wie es l. paralip. 1 (= 1 Chron. 1, 17) steht, abstammten und nach ihm genannt wurden, dann von ihren Brüdern im Orient getrennt den Norden in der Gegend des Balthischen Meeres, das man jetzt das Prutenische nennt, in Besitz nahmen und von da bis hieher zerstreut Ulma oder Hulma gründeten.
Wir wissen aber, daß Sem der edelste Sohn Noahs gewesen ist, von welchem der Adel sich verbreitet hat und die ganze Welt ziert; über ihn heißt es genes. 9, 26 f. «Gelobet sei Gott, der Herr Sems, Kanaan sei sein Knecht; Gott breite Japhet aus, und er wohne in den Hütten Sems, auch sein Knecht sei Kanaan. » Die Hütten Sems sind die Städte, in denen die Söhne Japhets d. h. die Bürger wohnen, deren Knechte Kanaan d. h. die Bauern sind. Dies sehen wir so vor Augen geschehen. Hieraus aber kann entnommen werden, daß der Adel der Stadt Ulm und ihrer Bürger nicht gering ist, sondern (pag. 13) auch ein hohes Alter hat; denn das grausige Wüten der Gothen, wobei die Ulmerigi zerstreut wurden und andere Wohnstätten einnahmen, begann zur Zeit Constantins des Großen, der im Jahr des Herrn 334 lebte.
Andere sagen, der Anfang der Stadt Ulm sei also gewesen. Ein edler Herr soll eine Burg und Stadt in dem Tal auf der Westseite des Berges des heiligen Michael gehabt haben, das gewöhnlich Kruogtal (Ruhetal) genannt wird. Als dieser aus Gründen in überseeische Gegenden abreisen wollte, ließ er einen andern ihm vertrauten Edeln die Sorge für alles und reiste ab; der Edle aber schaltete mit dem seiner Obhut Anvertrauten, wie es ihm behagte, mißbrauchte sowohl die Frau als die sonstige Habe des Reisenden und gedachte, das erlangte Glück für sich zu behalten, weshalb er den Zurückkommenden weder kennen noch in das Seinige einlassen wollte.
Der Vertriebene aber sammelte bewaffnete Freunde, nahm den treulosen Verwalter gefangen und brachte ihn mit verdienter Strafe um, und zur Sühne für das gegen ihn begangene Verbrechen zerstörte er die Burg und Stadt von Grund aus, nahm die Steine und alles Material, brachte alles an die Stelle zwischen Donau und Blau und errichtete sich daselbst eine neue Burg und Stadt. Von diesem glauben einige von den Ulmern, er sei einer aus dem Geschlecht der Strölin gewesen, das sie edel und sehr alt nennen, wie aus dem Folgenden zu sehen sein wird. (Siehe Hauptst. IV, Kap. 3, pag. 87. ) - Andere sagen, die Stadt Ulm sei von den sehr edlen Freiherrn von Klingenberg gegründet worden, welche einst in fast allen Gegenden Schwabens Städte, Burgen und Klöster gründeten, indem sie in ihren ¶
Gründungen einige Zeichen entweder von ihrem Namen oder ihrem Wappen zurückließen; so hat die von ihnen gegründete Stadt Klingnaw von ihnen den Namen, so die Burg Klingen und Klingaberg und das Kloster Klingental in Klein-Basel und die Burg Klingenstein bei Ulm, von der man glaubt, daß durch die auf ihr weilenden Edeln von Klingenberg Ulm seinen Anfang genommen habe. Zum Zeichen dafür, sagt man, haben sie den Ulmern ihre Abzeichen gegeben: (pag. 14) Wappen, Fahne und Schild, mit zwei sehr edlen Farben, Schwarz und Weiß, geschmückt, welche heute sowohl die Herren von Klingenberg als die Ulmer haben mit den gleichen Farben;
doch besteht ein Unterschied darin, daß die Herren von Klingenberg einen mit einem Pflugrad geschmückten Schild samt Turnierhelm und beide Farben ohne Unterschied mit Epheu überzogen, die Ulmer aber über dem Schild einen zum Lanzenstechen und Krieg geschmückten Helm haben und beide Farben gekreuzt ohne Einführung einer anderen Farbe.
Einige sagen jedoch, auf andere Weise sei den Ulmern das Schwarz und Weiß von einem Kaiser, nämlich Karl, gegeben worden, der, als er sie dem Abt von Au (Reichenau) zu eigen gab, ihnen die Farben der Kleidung dieser Mönche, Schwarz oben, Weiß unten verlieh. Andere sagen, ein Abt von Au habe ihnen diese Farben zu Ehren seiner Abstammung und zur Erinnerung daran gegeben, daß dieser Abt einer von dem Geschlecht Klingaberg war. Andere sagen, daß, als die Ulmer ihre Stadt mit Mauern umschlossen hatten und die Stadt von Tag zu Tag größer wurde, sie den Kaiser viele Jahre um die Abzeichen einer Fahne und eines Schildes baten, endlich aber der Kaiser, besiegt, ungeduldig das Taschentuch, das er in der Hand trug, in den Schmutz warf, indem er das Tüchlein mit dem Fuß in den Schmutz hineinstieß, dessen unterer Teil jedoch aus Zufall, nicht absichtlich, außen blieb.
Indem nun der Kaiser das zum Teil beschmutzte Taschentuch aufhob, hielt er es den Bettenden hin und sagte: «Die Abzeichen! und was sonst verdienen schmutzige Bauern als ein solch schmutziges Abzeichen?» Daher nahmen sie es an, fanden es schwarz und weiß gefärbt und malten danach ihre Fahnen, Schilde und Wappen. Andere sagen, daß zu der Zeit, als die Sueven die Stadt Siena erbauten, wie oben gesagt wurde, die Ulmer durch ihre denkwürdige Anstrengung mit der Zustimmung aller Fürsten verdient haben, die Abzeichen eben dieser Stadt umgekehrt zu tragen. Es haben nämlich die Einwohner von Siena das Weiß oben und das Schwarz unten, die Ulmer aber umgekehrt. -
Wieder andere sagen von dem Namen der Stadt Ulm, daß der Namen ihr deswegen gegeben worden sei, weil darin die Jahreszahl ihrer Gründung gefunden werde, die Stadt hat nämlich MLV, und sei gegründet worden im Jahr MLV, aber ob vor oder ob nach Christi Geburt so viele Jahre verflossen seien, sagen sie nicht; denn wenn sie im Jahr 1055 vor Christi Geburt erbaut worden ist, hat sie ihren Anfang zur Zeit Salomos oder etwas nachher genommen, wenn nach der Geburt, so ist sie zur Zeit Heinrichs des Zweiten *) gegründet worden, (pag. 15), wovon beides Anstände hat, die ich übergehe. Andere halten fest, daß die Stadt Ulm von den latinischen Römern gegründet und nach der Etymologie der Buchstaben und Silben absichtlich so genannt worden sei, worin die bekannte Verfassung einer guten Stadt vollständig enthalten ist: es hat nämlich Ulma 4 Buchstaben, der erste ist u und bezeichnet
*) So haben alle Handschriften, Heinrich II. aber hat 1002-1024, dagegen Heinrich III. 1039-1056 regiert. ¶