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Viele Allgemeinerkrankungen des Körpers betreffen nicht nur diesen, sondern auch die Augen. Dazu gehören Erkrankungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Störungen der Schilddrüsenfunktion, ein zu hoher Blutdruck (Hypertonie) und viele andere.
Wie kann ein hoher Blutdruck das Auge schädigen?
Ein langfristig erhöhter Blutdruck kann im gesamten Herzkreislaufsystem des menschlichen Körpers, aber auch in den Augen Schäden verursachen. Eine sogenannte hypertensive Retinopathie kann zwar schon länger bestehen, zeigt sich jedoch meist erst nach einiger Zeit. Durch den hohen Blutdruck kommt es zu einer Arteriosklerose, einer Verkalkung der Gefässe. Diese führt dazu, dass die Gefässe weniger elastisch und flexibel für Druckänderungen sind. Sie werden starrer, können dadurch leichter verstopfen und zu einer Thrombose führen, aber auch leichter bluten. Die Folge ist eine Verminderung des Sehvermögens. Ziel einer Behandlung ist es die erhöhten Blutdruckwerte durch Verhaltensmassnahmen und/oder Medikamente zu senken.
Wie kann eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) das Auge schädigen?
Zu hohe Zuckerwerte führen, wenn sie über einen längeren Zeitraum bestehen, zu einer Diabetes-Erkrankung. Das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin ist bei einem Gesunden in der Lage die erhöhten Zuckerspiegel zu senken. Bei einer zuckerkranken Person wird hingegen zu wenig Insulin gebildet (Diabetes Typ 1) oder es kann nicht mehr effektiv wirken (Diabetes Typ 2). Dieser zweiten Form von Diabetes kann anfänglich noch durch Sport und eine angepasste Ernährung entgegengewirkt werden, bei Diabetes Typ 1 hingegen muss das fehlende Insulin künstlich durch Spritzen ersetzt werden.
Die hohen Zuckerspiegel können an verschiedenen Stellen im Körper Schäden verursachen. Besonders betroffen sind Organe wie die Niere oder auch das Nervensystem und somit die Nervenfasern. Die Diagnose einer Zuckerkrankheit wird dadurch erschwert, als dass die Betroffenen in der Regel nicht bemerken, dass ihre Zuckerwerte erhöht sind. Auf lange Sicht schreitet die Erkrankung schleichend fort und führt zu Nierenfunktionsstörungen sowie Empfindungsstörungen (beispielsweise in den Beinen). Aber auch das Auge und hier insbesondere die Netzhaut können Schäden davontragen, man spricht hier von einer sogenannten diabetischen Retinopathie. In der Netzhaut kommt es zur Einsprossung neuer, weniger dichter Gefässe, welche auch leichter bluten können. Durch Blutungen und Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut entstehen, insbesondere wenn diese am Ort des Schärfsten Sehen, vorhanden sind, Sehstörungen und eine Sehverschlechterung. Als Komplikation können eine Netzhautablösung oder Einblutungen in den Glaskörper auftreten. Daher muss bei Beschwerden wie dem Sehen eines dunklen Schattens oder Russregens umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden! Wird eine diabetische Retinopathie nicht entsprechend behandelt, kann es schlimmstenfalls zu einer Erblindung kommen. Als therapeutische Optionen stehen eine Laserbehandlung, die sogenannte Photokoagulation oder Injektionen von Medikamenten (VEGF-Hemmern) in den Glaskörper zur Verfügung. Dadurch wird versucht die Bildung neuer Gefässe zu hemmen und Blutungen in der Netzhaut zu verhindern.
Wie können Schilddrüsenerkrankungen das Auge betreffen?
Auch Funktionsstörungen anderer Organe wie der Schilddrüse können einen Einfluss auf das Auge haben. Eine Schilddrüsenüberfunktion, die sich durch Beschwerden wie Nervosität, Unruhe, einen Gewichtsverlust oder einen zu schnellen Puls äussert, kann u.a. durch eine autoimmune Reaktion (Morbus Basedow) ausgelöst werden. Dabei kommt es zu einer Entzündung in der Augenhöhle, insbesondere betroffen sind das Binde- und das Fettgewebe. Dieses kann durch die Entzündung anschwellen und dazu führen, dass die Augen weiter nach vorne gedrückt werden. Durch die hervorstehenden Augen (Exophthalmus) können, je nach Ausprägung, die Lider die Augenoberfläche nicht mehr ausreichend bedecken, was eine Austrocknung der Hornhaut zur Folge hat. Hilfreich gegen trockene Augen ist hier die Applikation befeuchtender Augentropfen. Therapeutisch werden zudem Medikamente eingesetzt, die die Schilddrüsenwerte stabilisieren, unter Umständen kann aber auch die Entfernung der Schilddrüse notwendig sein.
Wie können neurologische Erkrankungen das Auge betreffen?
Eine der häufigsten Erkrankungen, die einen grossen Prozentsatz der Bevölkerung betrifft, ist die Migräne. Sie äussert sich durch anfallsartige, in der Regel einseitige Kopfschmerzen, die maximal 72h andauern können. Bei einigen Betroffenen kündigt sich eine Migräne-Attacke im Vorfeld durch eine sogenannte „Aura“ an. Vorboten einer Migräne können neben Beschwerden wie beispielsweise Übelkeit und Erbrechen auch Augenerscheinungen sein. Am häufigsten ist dabei das sogenannte Flimmerskotom, ein flimmernder und flackernder Fleck, der plötzlich erscheint, im Gesichtsfeld von einer Seite auf die andere wandert und anschliessend wieder verschwindet. Auch andere Augenbeschwerden, wie ein Sehverlust können auftreten. Sollten Augenerscheinungen bei einer Migräne länger als 1h anhalten, sollten sie augenärztlich bzw. neurologisch abgeklärt werden. Therapeutisch ist es nicht möglich einen Migräneanfall zu verhindern, dennoch können auslösende Faktoren (Trigger) identifiziert und gemieden werden. Zudem kann bei einem Flimmerskotom vorbeugend Magnesium eingenommen werden. Gegen die Kopfschmerzen werden herkömmliche Schmerzmittel oder auch spezielle Medikamente wie die sogenannten Triptane eingesetzt.
Wie können Autoimmunerkrankungen die Augen schädigen?
Autoimmunerkrankungen können sich auch an den Augen durch verschiedene Symptome manifestieren. Bei einer Myasthenie beispielsweise werden Antikörper gegen die Muskelendplatten gebildet, was eine Schwächung der Muskulatur zur Folge hat. Dabei sind neben anderen Muskeln im Körper, v.a. auch die Augenmuskeln betroffen. Als Folge können Doppelbilder auftreten oder es kommt durch Schwächung der Lidmuskeln zu einem hängenden Oberlid, einer sogenannten Ptose.
Bei einer Multiplen Sklerose, einer autoimmunen Reaktion und Entmarkung (Demyelinisierung) der Nervenscheiden, kann es zur Entzündung des Sehnerven kommen. Diese sogenannte Optikus-Neuritis zeigt sich durch Beschwerden wie schmerzhafte Augenbewegungen, Sehstörungen und eine Sehverschlechterung.
Bei einem Sjögren-Syndrom richten sich Auto-Antikörper gegen verschiedene Drüsen im menschlichen Körper. Da auch die Tränendrüsen betroffen sein können, sind trockene Augen (Sicca-Syndrom) ein häufiges Symptom dieser Erkrankung. Der Austrocknung kann durch die Verabreichung von befeuchtenden Augentropfen entgegen gewirkt werden.
Insgesamt werden Autoimmunerkrankungen in der Regel durch die Gabe von Cortison oder anderen Medikamenten, welche die Autoimmunreaktion hemmen, behandelt.
Wie können Allergien oder Hauterkrankungen das Auge schädigen?
Allergene können die Augen sowohl reizen, als auch entzünden. So kann eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) neben einer infektiösen (Viren, Bakterien), auch eine allergische Ursache haben. Diese äussert sich durch brennende, juckende und gerötete Augen. Im Unterschied zu einer bakteriellen Bindehautentzündung werden bei einer allergischen Ursache, keine antibiotischen Augentropfen verabreicht, sondern lediglich antiallergische Mittel (Antihistaminika) eingesetzt.
Auch Hauterkrankungen können sich im Auge manifestieren. Ein Beispiel ist die sogenannte okuläre Rosazea, einer Entzündung der Horn- und Bindehaut. Typische Beschwerden sind Rötungen an der Lidrändern, ein unangenehmes Gefühl (Fremdkörpergefühl) an den Augen sowie ein vermehrtes Jucken und Tränen der Augen. In der Regel wird bei der Behandlung der okulären Rosazea versucht die Symptome lokal zu reduzieren.
Wie können bestimmte Laborwerte auch eine potenzielle Schädigung der Augen hinweisen?
Bestimmte Laborwerte wie ein zu hoher Cholesterinspiegel, aber auch Gerinnungsstörungen können im gesamten Körper, aber auch in den Augen, Schäden verursachen. Beide Faktoren können zu einer Verstopfung der Gefässe, d.h. der Venen oder Arterien im Auge führen. Ein Verschluss der Zentralarterie im Auge manifestiert sich durch einen plötzlichen Sehverlust im betroffenen Auge, ein Verschluss der Zentralvene äussert sich langsamer und durch ein Sehen wie durch Schleiern. Die Behandlung zielt darauf ab, die unterbrochene Durchblutung der verstopften Gefässe wiederherzustellen. Vorbeugend sollten die erhöhten Cholesterinwerte gesenkt werden. Bei einer Gerinnungsstörung bei der das Blut zu schnell verklumpt, sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausreichend körperliche Bewegung geachtet werden. Rauchen und die Einnahme der Anti-Baby-Pille erhöhen das Risiko für eine Verklumpung des Blutes und das Entstehen einer Thrombose.
Fazit