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sein zu lassen. Vorübergehend haben 1792-1797 die Klosterherren von Bellelay in Solothurn ein Pensionnat geführt, welche Schule einen ausgeprägt militärischen Anstrich hatte und von Schülern aus Frankreich, Savoyen, Holland, aber auch von Schweizern besucht war. Das Kollegium in Solothurn lief 1805 Gefahr, neuerdings in die Hände der Jesuiten zu kommen. Weitere Versuche, die Jesuiten herzurufen, wiederholten sich noch 1814, nachdem Papst Pius VII. am die allgemeine Wiederherstellung des Ordens verfügt hatte. Die (geistlichen) Professoren weigerten sich aber energisch, mit Jesuiten an der gleichen Schule zu lehren. 1832 hob man das Kollegium auf, wobei die bisherigen Professoren zum Teil pensioniert, zum Teil mit dem Recht, in der Anstalt wohnen und ihren gemeinsamen Haushalt fortführen zu dürfen, an der neuen solothurnischen Mittelschule weiter beschäftigt wurden.
Unsere Darstellung hat bisher besonders die Latein- oder Gelehrtenschule berücksichtigt. Die deutsche Schule, eine Vorbereitungsschule der lateinischen, entwickelte sich ganz allmählig zur Volksschule, die als selbständiges Institut neben Stifts- und Jesuitenschule, sowie Kollegium feste Wurzeln gefasst hat. Auch im Kanton war das Primarschulwesen in den ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts geordnet worden. In der Stadt Solothurn belief sich die Schülerzahl 1840 auf 425, 1850 auf 588, 1860 auf 492, 1870 auf 729, 1880 auf 900, 1890 auf 1059 und 1900 auf 1321. Gegenwärtig beträgt die Anzahl der Schüler der städtischen Schulen rund 1500, die der Kantonsschule ungefähr 430 Schüler und Schülerinnen. An den städtischen Schulen wirken mehr als 40 Lehrkräfte.
Wie andere Gemeinden hat die Stadt Solothurn für Jünglinge, die ihre Rekrutenprüfung machen müssen, freiwillige sog. Wiederholungskurse eingerichtet. Für die aus der Schule entlassenen Mädchen bestehen in der Stadt fakultative Fortbildungskurse und eine Haushaltungsschule; den Handwerkslehrlingen dient eine eigene Lehranstalt, die zumeist in den Abendstunden besonders in Zeichnen, aber auch in andern Fächern unterrichtet. An beruflichen Schulen besitzt Solothurn eine Uhrmacherschule. Hervorgehoben zu werden verdient die Unterrichtstätigkeit des kaufmännischen Vereins, der für die Weiterbildung seiner Mitglieder gewaltige Anstrengungen macht.
16. Oeffentliche Gesundheitspflege.
An der Spitze des kantonalen Sanitätswesens steht unter Vorsitz des dem Sanitätsdepartement vorstehenden Regierungsrates das Sanitätskollegium. Es besteht jetzt aus drei Aerzten, einem Apotheker und einem Tierarzt. An Aerzten weist der Kanton Solothurn 1906 bei rund 100000 Ew. 45, an Zahnärzten 10 und an Apotheken 7 auf. In fast allen Gemeinden zählen wir eine oder mehrere Hebammen, im ganzen 140. Als bedeutsame Institute im Dienste der Volksgesundheit sind zu nennen: der Kantonsspital in Olten, die Heil- und Pflegeanstalt Rosegg bei Solothurn und der Bürgerspital in Solothurn. Siehe auch im Kapitel Wohltätigkeit die zum Teil schon grossen Fonds für Bezirksspitäler in Dorneck und Thierstein, die Aufwendungen von Gesellschaften und Industriellen für Kranken- und Wöchnerinnenpflege, für Kurbeiträge, Unterbringung in Sanatorien u. s. f. Der allgemeine Gesundheitszustand des Kantons darf als ein guter bezeichnet werden.
Solothurn, Hägendorf und Olten hatten bis zur rationellen Quellwasserbeschaffung verschiedene Typhusepidemien durchzumachen. Pockenfälle sind selten; der Impfzwang hat auch in Zeiten, während welchen benachbarte Gebiete pockenverseucht waren, den Kanton vor dem Ausbruch der Krankheit bewahrt. Der Lungentuberkulose, die auch im Solothurnischen viele Opfer fordert, wird energisch zu Leibe gerückt. Ein Sanatorium wird, dank der raschen Aeufnung eines zu diesem Zwecke bestimmten Fonds, der heute gegen 300000 Fr. beträgt, in den Jahren 1908/09 errichtet werden können.
Die solothurnische Frauenliga zur Bekämpfung der Tuberkulose weist nach mehr als dreijähriger Wirksamkeit 6000 Mitglieder auf, die es sich zur Pflicht machen, von der Krankheit bedrohte Familien durch kräftige Nahrung zu unterstützen, Erkrankten durch Lieferung von Kleidern und Geldbeiträgen den Aufenthalt in Sanatorien zu ermöglichen, die Familien von zur Kur Abwesenden zu erhalten, nach Sterbefällen gründliche Desinfektionen vorzunehmen, sowie durch Lieferung von Spuckverboten und rationellen Spucknäpfen an Schulen, Fabriken, öffentliche Lokale der Verbreitung der Schwindsucht entgegen zu treten. Zahlreiche Samaritervereine unterrichten ihre Mitglieder in der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen, in der Krankenpflege u. s. f.
17. Finanzwesen.
a) Staatshaushalt.
1) Allgemeine Staatsrechnung. Sie erzeigt auf Ende 1904 folgenden Vermögensbestand:
|Fr.|
|Unproduktive Aktiven||2829086|
|Produktive Aktiven||9247854|
|Total der Aktiven||12076940|
|Total der Passiven||9533472|
|Reines Staatsvermögen||2543468.|
Die Aktiven bestehen zu 2,2 Mill. in Grundstücken und Gebäuden, zu 1,1 Mill. in Waldungen, zu 7,2 Mill. in Kapitalien, im übrigen in Mobilien, Ausständen und im Saldo der Generalkasse. Als Staatsschulden figurieren die vier Anleihen von 1888, 1889, 1894 und 1903, sowie eine Hypothekarschuld. Die Anleihen sind in Form 3½%-iger Obligationen kontrahiert; ursprünglich mit 10550000 Fr. erhoben, hat sich ihre Gesamtrestanz auf Ende 1904 auf 9185000 Fr. beziffert.
Im Jahr 1852, dem ersten Rechnungsjahr mit heutiger Währung, hat sich das reine Staatsvermögen bei 4825000 Fr. Aktiven und 680000 Fr. Passiven auf 4145000 Fr. gestellt. Die Folgezeit, bis zum Jahr 1875, steigerte trotz reicher staats- und volkswirtschaftlicher Tätigkeit - die Staatsausgaben sind im gleichen Zeitabschnitt von 1087000 Fr. auf 1875000 Fr. angewachsen - den reinen staatlichen Vermögensbesitz unausgesetzt; er stellte sich mit Ende 1875 auf 7461000 Fr. Mit dem folgenden Jahr aber griff, verursacht durch anhaltende erhebliche Verwaltungsdefizite, eine starke Vermögensverminderung platz; die Rechnung pro 1886 erzeigt noch ein Reinvermögen von 5547000 Fr. Dazu kam in gleicher Zeit die Liquidation zweier vom Staate garantierter Bankinstitute, wobei derselbe für einen Liquidationskonto von 2½ Mill. Fr. einzustehen hatte.
Ueberdies dotierte er die daraufhin neuerstandene jetzige Kantonalbank mit 5 Mill. Fr., sodass die Staatsschulden mit Ende 1887 auf über 10 Mill. angelaufen waren, während die Aktiven bis zum gleichen Zeitpunkt sich nur auf 13200000 Fr. erhöht haben. Allein die erhebliche Schuldenlast erzeugte neue Verwaltungsdefizite, die ihrerseits den Vermögensbestand noch mehr dezimierten, so dass die Rechnung 1896 mit einem Reinvermögen von nur noch 873000 Fr. schloss. Im gleichen Jahr wurde indessen mit der Erhebung einer direkten Staatssteuer eingesetzt, deren Ertrag auf Jahre hin die kontrahierte 1½%-ige Schuldentilgung ohne Störung ¶
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des finanziellen Gleichgewichts in der Verwaltungsrechnung ermöglichte, so dass das Reinvermögen mit Ende 1904 wieder die eingangs erzeigte Summe von 2500000 Fr. erreicht hat.
Seit 1903 steht der Kanton aber neuerdings vor einem Uebergewicht der Ausgaben. Die Schuldenverzinsung und -amortisation mit jährlich rund ½ Mill. wirken zu belastend auf die Verwaltungsrechnung, als dass es bei den vielen neu erstandenen Anforderungen der letzten Jahre - Besserbesoldung der Lehrer, Beamten und Angestellten; Bauten - möglich gewesen wäre, mit der bescheidenen Staatssteuer auf längere Dauer Defizite auszuschliessen.
Die Verwaltungsrechnung pro 1904 zeigt folgende Bilanz:
|Fr.|
|Total der Erträgnisse||2645729|
|Total der Ausgaben||2716844|
|Defizit:||71115|
Die Einnahmen haben sich seit 1869 verdoppelt. Ihre hauptsächlichsten Quellen sind: Ertrag des Staatsgutes 330827 Fr., Ertrag der Regalien 218597 Fr., Handänderungsgebühren 152286 Fr., Alkoholmonopolertrag 196571 Fr., Konzessions- und Patentgebühren 187410 Fr., Kanzlei- und Gerichtsgebühren 227592 Fr., direkte Staatssteuer 365181 Fr., Bankgewinn 200000 Fr.
Die Ausgaben verteilen sich im wesentlichen wie folgt: Allgem. Staatsausgaben (Räte, Bezirksverwaltungen, Bedürfnisse der Amtsgebäude) 372014 Fr., Finanzen 238755 Fr., Landwirtschaft 83412 Fr., Handel und Industrie 10771 Fr., Armenwesen 88394 Fr., Forstwesen 58062 Fr., Bauwesen 281277 Fr., Militärwesen 126463 Fr., Polizeiwesen 212829 Fr., Sanitätwesen 4327 Fr., Erziehungswesen 594212 Fr., Justizverwaltung 100074 Fr., Verzinsung der Staatsschulden 319462 Fr., Amortisationen 199000 Fr.
Zur Wiederherstellung des finanziellen Gleichgewichts in der Verwaltungsrechnung sind in das Auge gefasst eine Reduktion der Schuldentilgung auf rund 1% und eine Erhöhung der Staatssteuer um einen Zehntel.
2) Spezialfonds. Die 17 bestehenden Spezialfonds weisen in ihrer Gesamtheit ein Reinvermögen von 6270000 Fr. auf. Die wichtigsten unter ihnen sind der allgemeine Schulfonds mit 2369000 Fr. Nettovermögen, hervorgegangen aus dem Besitztum dreier im Jahr 1874 aufgehobener geistlicher Korporationen, ferner der Irrenhausfonds Rosegg mit 997000 Fr., der Kantonsspitalfonds mit 716000 Fr. und die Gebäude-Brandversicherungsanstalt mit 809000 Fr. Reinvermögen.
Die letztere hat ihre Versicherungsobjekte in drei Gefahrenklassen ausgeschieden: Gebäude mit harter Bedachung, Gebäude mit Stroh- und Schindeldächern, Gebäude mit Fabrikbetrieb oder fabrikähnlichem Gewerbe. Vier Fünfteile des Risikos sind rückversichert. Zur Bestreitung der daherigen Prämie, sowie des nicht rückversicherten Teils des Risikos und der Kosten der Anstalt sind Normalprämien von 1,5‰ für die 1. Klasse, 3‰ für die 2. Klasse und 1,75-10‰ für die 3. Klasse vorgesehen. Diese Versicherungsprämien haben im Jahr 1904, mit 1/10 Zuschlag erhoben, Fr. 351931 ergeben. Die Summe der Brandentschädigungen hat im Jahrzehnt 1895/1904 bei einem Versicherungskapital von rund 150 Mill. pro Jahr durchschnittlich rund 200000 Fr. betragen.
b) Gemeinde- und Privatfinanzen. Die letzte hierüber geführte Statistik betrifft das Jahr 1898. Damals haben an Verwaltungseinnahmen aufgewiesen:
|Fr.||Fr.|
|Die 132 Einwohnergemeinden||1721391|
|Die 132 Bürgergemeinden||1441431|
|Die 83 Kirchgemeinden||330960|
|Total Verwaltungseinnahmen||3493782|
|An Verwaltungsausgaben hatten|
|Die Einw.-Gemeinden||1630694|
|Die Bürgergemeinden||1343582|
|Die Kirchgemeinden||335061||3309337|
|Ueberschuss der Einnahmen:||184445.|
Die erzeigten Totaleinnahmen setzen sich zusammen aus 1591000 Fr. Vermögenserträgnissen, 1093000 Fr. Steuern und 808000 Fr. anderweitigen Einkünften.
Die Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden zusammen haben im Jahr 1895 besessen:
|im Betrage von Fr.|
|Immobilien||30084598|
|Kapitalien||16731297|
|Summa Aktiven:||46815895|
|Diesen haben an Passiven gegenübergestanden||2600309|
|Reinvermögen:||44215586.|
Davon sind entfallen: 12,6 Mill. auf die Einwohnergemeinden, 24,9 Mill. auf die Bürgergemeinden und 6,7 Mill. auf die Kirchgemeinden. Ein grosser Teil dieses Vermögens liegt in Waldungen, die gut gepflegt sind und einen Minimalwert von 25 Mill. Fr. aufweisen.
Hinsichtlich des Privatvermögens ist festzustellen, dass im Jahr 1898 zu handen des Staates ein Nettokapital von insgesamt 224,5 Mill. versteuert worden ist. Steuerfrei und mithin in dieser Vermögenserzeigung nicht inbegriffen sind aber 30% der Schatzung der Grundstücke, der Wert der Hausgerätschaften und Vermögen unter 3000 Fr.; das hiermit umfasste Reinvermögen darf auf 100 Mill. veranschlagt werden. Das Privatvermögen liegt zum überwiegenden Teil im Grundbesitz.
Die Liegenschaften waren 1898 zu 141 Mill., die Gebäude zu 144,8 Mill. gewertet. Auf diesen Immobilien von zusammen 285,8 Mill. hafteten 136,1 Mill. Hypothekarschulden, so dass 149,7 Mill. schuldenfrei gewesen sind; hiervon sind 120 Mill. als Privatvermögen zu betrachten. An Mobilien waren 1905 etwa 150 Mill. versichert. Die Sparkassaguthaben erreichten Ende 1898 die Höhe von 37,3 Millionen. Das Einkommen der Privaten ist 1898 an Hand der Staatssteuertaxationen mit Einschluss der Kapitalerträgnisse auf 36,1 Mill. berechnet worden.
c) Steuerwesen. Der Staat besteuert Vermögen und Einkommen; Haushaltungs- und Kopf- oder Personalsteuern werden nicht erhoben. Die Vermögensbesteuerung erfolgt mit ½‰; damit aber wird lediglich das Vermögen als solches betroffen, sein Ertrag fällt als Einkommen in Betracht. Die Steuer des Einkommens beträgt 1%. Zum addierten Ergebnis aus Vermögens- und Einkommenssteuer tritt die Progression, die bis zu 100% dieses Ergebnisses ansteigt. Von der so ermittelten Jahressteuer wurden bisher 7/10 erhoben.
Dies ergab 1900 Fr. 315003 oder Fr. 3,12 pro Kopf der Bevölkerung. 1898 hatten 21 Kantone und Halbkantone höhere Staatssteuern als Solothurn. Das Steuerwesen der Gemeinden beruht auf Reglementen, die in ihrer Anlage grösste Mannigfaltigkeit aufweisen. Die weitaus überwiegende Gemeindesteuer erheben die Einwohnergemeinden; sie war 1898 mit rund 1 Mill. durchschnittlich 3 ⅓ mal so hoch wie die Staatssteuer und hat sich pro Kopf der Bevölkerung auf rund Fr. 10,60 gestellt. Die Steuer der Bürgergemeinden ¶