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Gross, grösser, Amerika - mit 65 Millionen Dollar schüttet das US Open das höchste Preisgeld in der Geschichte von Grand-Slam-Turnieren aus. Die Summe hätte sich Billie Jean King 1972 nicht erträumen können, als sie für ihren Sieg 10'000 Dollar erhielt. Es war damals für Frauensport ein stolzer Betrag - aber 15'000 Dollar weniger als der Männersieger Ilie Nastase einstrich.
King ärgerte sich und pokerte hoch. «Das stinkt», habe sie gesagt, blickte die heute 79-jährige Kalifornierin mit insgesamt zwölf Grand-Slam-Titeln im Einzel letzte Woche in einem Interview zurück. Und dann drohte sie: «Ohne gleiches Preisgeld für die Frauen spiele ich nächstes Jahr nicht. Und keine andere Frau:» Dabei hatte sie keine Zusage der anderen Spielerinnen für den drastischen Schritt.
Frauen bei den Besuchern populär
«Eine Stimme in meinem Kopf sagte: Was tust du da?», erinnerte sich King. «Was, wenn sie nicht gleicher Meinung sind?» Die andere Stimme in ihrem Kopf war lauter, und die sagte: «Was solls, ich glaube nicht, dass wir zurückkommen.» Die Frauen kehrten zurück, denn ihre Forderung nach gleichem Preisgeld wurde 1973 erfüllt. Sponsoren deckten die Differenz, welche der amerikanische Tennisverband USTA damals nicht stemmen wollte, denn Umfragen bei den Turnierbesuchern hatten gezeigt, dass mehr von ihnen die Frauen spielen sehen wollten als die Männer.
1973 war für die Tennisfrauen auch sonst ein entscheidendes Jahr. Sie gründeten die «Women's Tennis Association» (WTA) und King gewann den berühmten «Kampf der Geschlechter» gegen den ehemaligen Wimbledonsieger und 26 Jahre älteren Bobby Riggs. 50 Millionen Amerikaner sassen vor den TV-Geräten, 90 Millionen weltweit. Es ist bis heute das meistgesehene Tennisspiel der Geschichte. Der Sieg brachte King zudem 100'000 Dollar ein, zehnmal so viel wie der sportlich wertvollere US-Open-Titel zwölf Monate zuvor.
Der Zeit weit voraus
Billie Jean King, die als Jugendliche von Baseball zu Tennis wechselte, weil ihre Eltern dies mehr «ladylike» fanden, wurde damit zur Vorreiterin der Gleichberechtigung von Frauen, ebenso wie - eher unfreiwillig - das US Open. «Wir nehmen das heute für selbstverständlich, aber damals war die USTA ihrer Zeit so weit voraus», betonte Stacey Allaster vor dem Start des diesjährigen Turniers. Die ehemalige Chefin der WTA ist seit drei Jahren als erste Frau Turnierdirektorin des US Open. «Es ist keine Frage, dass Billies Mut und Leadership die Türen für uns geöffnet hat.»
Das US Open war damals seiner Zeit tatsächlich weit voraus. Erst 2001 folgte das Australian Open, fünf Jahre später Paris und 2007 als letztes der Grand-Slam-Turniere Wimbledon. Heute sind sieben der zehn bestverdienenden Sportlerinnen weltweit Tennisspielerinnen. Die diesjährige Siegerin wird am 9. September einen Check über 3 Millionen Dollar entgegennehmen.