Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/1596

wird, so entsteht kohlensaurer Kalk CaCO3 . S. entstehen meist aus einer Säure und einer Base. Versetzt man nämlich
eine Säure mit einer Base oder umgekehrt, so tritt ein Punkt ein, bei welchem die Lösung weder sauer noch alkalisch reagiert,
sondern vollkommen neutral ist. Die neutralisierte Säure oder Base ist alsdann vollständig in ein Salz
verwandelt, welches wesentlich neue Eigenschaften besitzt. Man muß aber zwei Klassen von Salzen unterscheiden.
Wird in polyhydrischen Basen nur ein Teil des vertretbaren Wasserstoffs durch Säureradikal ersetzt, so entstehen basische
S. So gibt Aluminiumhydroxyd Al2H6O6
mit 3 Molekülen des zweiwertigen Säureradikals SO2 normales
schwefelsaures Aluminiumoxyd Al2(SO2)3O6 ^[Al2(SO2)3O6]; wenn dagegen nur 2 AtomeWasserstoff durch dies Säureradikal vertreten werden, so entsteht drittelschwefelsaures Aluminiumoxyd Al2H4(SO2)O6
^[Al2H4(SO2)O6].
Man erhält saure S. durch Einwirkung von Säure auf normale S. und umgekehrt aus letztern durch Einwirkung von Basen basische
S.; letztere entstehen aber oft auch schon bei Behandlung der normalen S. mit Wasser, wobei diese in saures
und basisches Salz zerfallen, außerdem bei Zersetzung gewisser Metallsalze durch kohlensaure Alkalien. Durch Einwirkung von
Basen auf saure S. oder von Säuren auf basische S. können normale S. erhalten werden. Manche basische S. fügen sich der angegebenen
Bildungsweise nicht, sie enthalten mehr Wasser, als derselben entspricht; andre sind wasserärmer und
andre wasserfrei.
Wird in polyhydrischen Säuren der Wasserstoff nicht durch ein, sondern durch zwei oder mehrere verschiedene Metalle vertreten,
so entstehen Doppelsalze. Sie werden erhalten durch Zusammengießen der Lösungen von zwei Salzen, welche dieselbe Säure, aber
verschiedene Basen enthalten (schwefelsaures Eisenoxydulammoniak entsteht z. B., wenn man schwefelsaures
Ammoniak mit schwefelsaurem Eisenoxydul mischt), oder durch Neutralisation eines sauren Salzes mit einer
andern Base (weinsaures Kalinatron durch Neutralisieren von saurem weinsaurem Kali mitNatriumhydroxyd) etc. Auch die Haloidsalze
bilden Doppelsalze durch Anlagerung zweier oder mehrerer Moleküle, und gewöhnlich vereinigen sich haloidreichere mit haloidärmern
Salzen.
S. sind bei gewöhnlicher Temperatur meist starre Körper, kristallisierbar oder amorph, farblos oder gefärbt;
viele schmecken salzig, manche süß, bitter, adstringierend (metallisch) oder wie die Säure (Sulfite); die unlöslichen sind
geschmacklos. Sehr viele S. lösen sich in Wasser, viele auch in Alkohol und Äther, und im allgemeinen steigt die Löslichkeit
mit der Temperatur. Saure S. sind in der Regel löslich, basische meist unlöslich. Man erhält unlösliche
S. in der Weise, daß man zu einem löslichen Salz ein andres lösliches Salz hinzufügt, dessen Säure oder Base mit der Base oder
Säure des erstern das gewünschte Salz bildet. So geben Lösungen von salpetersaurem Kalk und kohlensaurem Natron unlöslichen
kohlensauren Kalk und salpetersaures Natron.
¶
mehr
Beim Erhitzen schmelzen viele S., andre sind unschmelzbar, manche sind flüchtig, andre feuerbeständig, und viele werden
durch Hitze zersetzt. Manche S. sind hygroskopisch und zerfließen an der Luft; viele kristallisieren wasserhaltig und verwittern
dann bisweilen an der Luft, indem sie Wasser verlieren. Im allgemeinen werden die S. durch eine Säure zersetzt,
wenn diese stärker ist, mit der Basis des löslichen Salzes ein unlösliches Salz bildet oder weniger flüchtig als die Säure
des Salzes ist. In ähnlicher Weise werden die S. durch Basen zersetzt.
Verdampft man eine solche Lösung, so hängt es von der Löslichkeit der S. ab, welches von beiden sich zuerst ausscheidet,
und sehr oft verbindet sich die eine Säure vollständig mit der einen Base, und dies eine Salz kristallisiert,
während nur ein geringer Teil desselben mit der ganzen Quantität des zweiten Salzes in Lösung bleibt. Ist aber von den vier
Salzen eins sehr schwer oder ganz unlöslich, so scheidet sich die eine Säure in Verbindung mit der einen
Base in Form dieses Salzes sofort vollständig ab. Aus salpetersaurem Baryt und schwefelsaurem Natron entstehen in dieser Weise
sogleich schwefelsaurer Baryt und salpetersaures Natron. Auch durch Massenwirkung werden Zersetzungen herbeigeführt.