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Ursprünglich war das schöne Anwesen auf halben Weg zwischen den Orten Libourne und Saint-Émilion ein gallo-römischer Landsitz, dessen Besitzer, ein gewisser Figeacus dem Ort seinen Namen verlieh. Die Geschichte der Familien, die hier im Laufe der Jahrhunderte lebten ist lange und abwechslungsreich. 1654 ging der mittelalterliche Herrensitz durch Heirat in die Familie de Carle über, 1803 wird der Lebemann André de Carle-Trajet Eigentümer, der den Weinbau zugunsten anderer Kulturen wie Klee oder Krapp (Färberröte) vernachlässigt. Keine gute Idee, wie sich bald herausstellte, er hinterlässt seiner Witwe 1825 erhebliche Schulden, die diese dadurch zu tilgen trachtet, indem sie Teile des Landbesitzes verkauft. So entstehen Château Cheval Blanc und einige weitere Weingüter, die in ihrem Namen den Zusatz Figeac tragen.
1838 wird Figeac selbst veräussert und gerät in unsicheres Fahrwasser. Siebenmal wechseln nun die Besitzer und nach Ablauf von 50 Jahren ist das Weingut so gut wie von der Bildfläche verschwunden. Erst mit Henri de Chèvremont, der 1892 das Anwesen für seine Tochter Henriette Villepique erwirbt, kommt der Betrieb über seine Enkelin Elisabeth Manoncourt schliesslich an seinen Urenkel, Thierry Manoncourt, der sich zur seiner Lebensaufgabe macht, Château Figeac unter den besten Weingütern Bordeaux zu etablieren. Mit Erfolg, denn das Etikett, das im Jahr 1906 von einem Onkel Thierry Manoncourt eigenhändig entworfen wurde, ist heute ebenso längst legendär wie der einzigartige Wein, der hier entsteht.
Manoncourt war 30 Jahre alt und Agraringenieur als er sich 1947 anschickte, die Leitung von Château Figeac zu übernehmen. Seinem wissenschaftlichen Ansatz folgend erforschte er zunächst gründlich das Terroir, das rund 40 Hektar Rebfläche umfasst. Eine Besonderheit für Saint-Emilion sind drei mit Kiesböden bedeckte Hügel, hier liegt bis zu sieben Meter hoch Silex und Quartz auf blauem Lehn Manoncourt erfasst schnell, dass die ein optimaler Standort für Cabernet ist, er strich den Malbec zur Gänze aus seiner Cuvée und entwickelte Figaec zu einem Cabernet-dominierten Wein, ausgestattet mit einem einzigartigen und unverkennbaren Profil.
Rund ein Drittel Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot bestimmen das Aroma, der Ausbau erfolgt seit 1970 ausschliesslich in neuen Barriques, seit 1964 wurde jede einzelne Flasche direkt am Weingut abgefüllt. Beginnend 1971 nimmt der Winzer gemeinsam mit seiner Gattin Marie-France ein ehrgeiziges Projekt in Angriff und errichtet einen neuen Fasskeller mit unterirdischen Anlagen mit sechs Gewölben, ein Gärtank aus Edelstahl wurde angeschafft, – es war der dritte nach Haut-Brion und Latour.
Grossgewachsen, vielsprachig und kommunikativ wurde Thierry Manoncourt, der gemeinsam mit seiner Frau die Welt bereiste um den Wein von Figeac aber auch von Saint-Emilion zu bewerben, zum bekanntesten Botschafter der grossen Rotweine seiner Heimat. 23 Jahre lang wirkte er als Erster Jurat, er gehörte zu den Mitbegründern der Union des Grands Crus. Er verstarb 2010 kurz vor seinem 65 Weinjahrgang, seither setzen Marie-France und ihre Töchter sein Lebenswerk mit enormen Engagement fort.
Von 1988 an hatte Thierry’s Schwiegersohn Eric d’Aramon und dessen Gattin Laure die Leitung des Familienbetriebes inne, mit 2013 entschied der Familienrat, die Führung von Château Figeac unter Einbeziehung von externen Experten neu aufzustellen und mit einem bedeutenden Investitionsprogramm den Weg für kommende Generation zu bereiten. Nicht weniger als 15 Millionen Euro wurden in den 2021 neu eröffneten Keller investiert, gleichzeitig wurde unter der Führung von Generaldirektor Frédéric Faye an allen Stellschrauben der Qualität gedreht.
Marie-France Manoncourt fungiert als Mitgesellschafterin und Ehrenpräsidentin, sie ist seit 1956 das gastfreundliche Herz von Figeac, ihre beiden Töchter Hortense und Blandine haben ebenfalls wichtige Funktionen im Betrieb übernommen. Mit dem Private Equity-Experten Jean-Valmy Nicolas, der auch Miteigentümer des bekannten Château La Conseillante in Pomerol ist, haben die Manoncourts einen wichtigen Berater als Mitgesellschafter gewinnen können. Man darf also resümierend feststellen, auf Figeac hat man sich nach allen Regeln der Kunst für die Zukunft aufgestellt.
Die im Spätherbst 2021 am Weingut vom amerikanischen Weinjournalisten Panos Kakaviatos (Wine Chronicles) initiierte und von Generaldirektor Frédéric Faye umgesetzte Vertikalverkostung hat den qualitativen Anstieg der Weine in der letzten Dekade ganz eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nun bleibt abzuwarten, ob mit dem neuen Klassement in Saint-Emilion, dass mit 2022 präsentiert werden wird, eine Rückbesinnung auf die wahren Werte diesen traditionsreichen Appellation erfolgt, welche die historisch erwiesene Güte eines herausragenden Terroirs über jene einer modernen Marketingmaschinerie stellt.
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