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Die Ehemaligen
Pukllasunchis hat bisher zwei umfassende Umfragen bei ihren ehemaligen Schülerinnen und Schülern durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, wie deren Lebensumstände heute aussehen und wie sie ihre Zeit in der Modellschule von Pukllasunchis aus heutiger Sicht sehen und beurteilen, eine erste im Jahre 2010 und eine zweite im Jahre 2018.
Die Ergebnisse der beiden Studien stimmen zu grossen Teilen überein und geben ein sehr gutes Bild darüber ab, was Pukllasunchis bei diesen ehemaligen Schülerinnen und Schülern bewirkt hat. Wichtigstes Fazit: 9 von 10 der antwortenden Ehemaligen würden ihre Kinder in die Schule von Pukllasunchis schicken, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.
Pukllasunchis im Rückblick von Ehemaligen
Pukllasunchis hat bisher zwei umfassende Umfragen bei ihren ehemaligen Schülerinnen und Schülern durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, wie deren Lebensumstände heute aussehen und wie sie ihre Zeit in der Modellschule von Pukllasunchis aus heutiger Sicht sehen und beurteilen. In der ersten Umfrage von 2010 wurden die Abschlussjahrgänge 1997 – 2009 einbezogen; von den insgesamt 596 ehemaligen Schülerinnen und Schülern antworteten deren 301 (Rücklauf 51%). Die zweite Umfrage im Jahre 2018 erfasste alle Abschlussjahrgänge von 1997 – 2017 mit insgesamt 1037 Ehemaligen, die zum Zeitpunkt der Umfrage zwischen 19 und 40 Jahre alt waren. Hier betrug der Rücklauf 66% (686 auf 1037).
Die Ergebnisse der beiden Studien stimmen zu grossen Teilen überein und geben ein sehr gutes Bild darüber ab, was Pukllasunchis bei diesen ehemaligen Schülerinnen und Schülern bewirkt hat und was nicht.
Zum Profil der befragten Ehemaligen: Wo leben sie, was machen sie heute?
Die grosse Mehrheit der ehemaligen Pukllaschülerinnen und –schüler wohnt weiterhin in Peru.
Mehr als die Hälfte (55%) sind noch immer in Cusco und etwas mehr als ein Viertel (28%) in anderen Teilen Perus wohnhaft, 80% davon in Lima. Die restlichen 17% sind auf der ganzen Welt verstreut, die Hälfte von ihnen in Europa, der Rest in Südamerika, der Karibik, den USA und Ozeanien.
Praktisch alle Ehemaligen haben ein weiterführendes Studium angetreten.
97% haben nach ihrem Abschluss bei Pukllasunchis an die Universität (80%) oder an eine technische Fachhochschule (20%) gewechselt; lediglich 23 der befragten Ehemaligen haben nicht weiter studiert. Die Palette der gewählten Studienrichtungen ist mit über 50 Nennungen (Universitäten und Fachhochschulen zusammengenommen) sehr breit. Am meisten nachgefragt sind die Ingenieurwissenschaften (27%), Betriebswirtschaft (24%), Recht (12%), Tourismus (11%) und Kommunikationswissenschaft (10%).
Bei den Abschlussjahrgängen 1997-2009 haben mehr als 80% ihr Studium abgeschlossen: 32% mit einem Lizentiat, 28% mit einem Bachelor, 20% mit einem Master und 15% mit einem höheren technischen Abschluss. Bei den jüngeren Abschlussjahrgängen (2010-2017) haben erst knapp 20% ihr Studium abgeschlossen; da lassen sich noch kaum Rückschlüsse machen.
Dieses Zahlenbild widerspiegelt die peruanische Realität: Für junge Erwachsene mit einem Schulabschluss wie demjenigen von Pukllasunchis gibt es mehr denn je kaum andere Möglichkeiten als ein Studium, um Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten. Eine duale Berufsbildung wie in der Schweiz und Deutschland existiert in Peru allerhöchstens in Ansätzen.
Der Anschluss an den Arbeitsmarkt
Die Antworten der Umfrage betr. Arbeit und Beschäftigung sind je nach Abschlussjahrgang unterschiedlich. Denn während es bei den Abschlussjahrgänge 1997 – 2009 rund 80% Anschluss an den Arbeitsmarkt haben, sind es bei den Jahrgängen 2010-2017 lediglich rund 20%. Alle zusammengenommen sind zum Zeitpunkt der zweiten Umfrage rund 60% im Arbeitsmarkt integriert. Sie arbeiten bevorzugt im Tourismus (18%), im Bildungs- und Gesundheitsbereich (je 10%), im Industrie- und Bausektor, in der öffentlichen Verwaltung und als Kulturschaffende (je 8%).
Rund die Hälfte von ihnen bezeichnen sich als Angestellte, ein Drittel als selbständig und etwas mehr als 10% als Kleinunternehmer. Darunter fallen Kleinhändler wie unabhängige Kulturschaffende, aber auch diejenigen Ehemaligen, welche ihr eigenes kleines Unternehmen gegründet haben und sich auf dem Markt zu behaupten versuchen. Sie sind meist im ökologischen Bereich angesiedelt, bieten Kleider, Agrarprodukte, Kosmetika, Möbel, Süssigkeiten an oder führen ein Restaurant oder ein Tourismusbüro.
Zur Beurteilung von Pukllasunchis: Was war, was ist geblieben, was sollte besser sein?
Der grosse Trumpf von Pukllasunchis: die Persönlichkeitsbildung
Für 94% der Ehemaligen hat Pukllasunchis ihre Persönlichkeit entscheidend mitgeprägt. Gestärkt wurden vor allem: Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, Respekt und Offenheit gegenüber Anderen, Beziehungsfähigkeit, Gemeinschaftssinn und soziale Verantwortung, Autonomie und Unabhängigkeit und kritisches Denken.
Pukllasunchis und das Leben danach
Die ganz grosse Mehrheit der Ehemaligen ist überzeugt, dass Pukllasunchis etwas Besonderes ist und die Wirklichkeit ausserhalb von Pukllasunchis daher nicht deckungsgleich ist mit dem, was sie bei Pukllasunchis erlebt und erfahren haben. 58% fanden es aber nicht schwierig, sich an das Leben nach Pukllasunchis zu gewöhnen. 42% hingegen hatten Mühe, sich in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden. Sie beklagen das Konkurrenzdenken und den Mangel an Solidarität und Werten in den menschlichen Beziehungen. Eine Minderheit von ihnen empfand das akademische Niveau an den Hochschulen als hoch und musste grosse Anstrengungen machen, um mithalten zu können. Ein Drittel beklagt die fehlende persönliche Vorbereitung auf diesen schwierigen Wechsel, der in Peru in einem frühen Alter (16-17) stattfindet.
Das Colegio: Stärken und Schwächen
Es gibt klare inhaltliche Unterschiede zwischen den von den Ehemaligen vorgebrachten Stärken und Schwächen des Colegio von Pukllasunchis. Als Stärken werden vor allem menschliche Aspekte hervorgehoben: die Gleichheit der Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülern, zwischen Jungen und Mädchen, zwischen Arm und Reich, die Wertschätzung des Einzelnen und die Tatsache, ernstgenommen und angehört worden zu sein. Defizite hingegen werden ausgemacht in der Qualität und der Organisation des Unterrichts: vor allem das tiefe akademische Niveau, wenig klare Grenzen und wenig Disziplin und die geringen schulischen Anforderungen (10%).
Die Lehrpersonen: Vorzüge und Mängel
Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei der Einschätzung der Lehrpersonen. Die Ehemaligen schätzten an ihnen: ihre respektvolle Haltung gegenüber dem Einzelnen und ihr Beitrag zur Stärkung des Selbstwertgefühls des Einzelnen. Kritisiert wurden hingegen: ihre übertriebene Nachgiebigkeit, ihre fehlende Autorität, ihre schlechte Vorbereitung und ihre ungenügenden inhaltlichen Kenntnisse und die zu tiefen Ansprüche an die Lernenden.
Verbesserung der akademischen Arbeit
Folgende Veränderungen würden die Ehemaligen vornehmen:
- das fachliche akademische Niveau verbessern
- die Disziplin stärken
- bessere qualifizierte Lehrpersonen rekrutieren bzw. die Qualifikation der Lehrpersonen mittels geeigneter Unterstützungs- und Weiterbildungsmassnahmen verbessern
- höhere fachliche Anforderungen an die Lernenden stellen sowie mehr Gewicht auf die Begabtenförderung legen.
Trotz allem: Grundvertrauen in Pukllasunchis
Trotz dieser teils kritischen Haltung halten 93% einen Ex-Puklla für etwas Besonderes.
85% schicken bzw. würden ihre Kinder zu Pukllasunchis schicken, wenn sie die Möglichkeit hätten. Sie betrachten Pukllasunchis als ein Ideal für die Erziehung ihrer jetzigen und zukünftigen Kinder; sie selbst bewerten die pädagogische und menschliche Erfahrung, die sie bei Pukllasunchis gemacht haben, sehr hoch ein.
Folgerungen der Geschäftsleitung von Pukllasunchis aus den Ergebnissen der Umfrage
Die Geschäftsleitung ist sich bewusst, dass ihre Schüler und Schülerinnen beim Übertritt von einer auf Persönlichkeitsentwicklung ausgerichteten Institution in auf Wissensvermittlung programmierte Bildungsinstitutionen des herkömmlichen Bildungssystems Schwierigkeiten haben können. Sie ist aber überzeugt, dass ihre Schülerinnen und Schüler über das notwendige Rüstzeug verfügen, um mit neuen Situationen und Herausforderungen fertig zu werden. Das belegt auch die Tatsache, dass mehr als 95% ihre Studien erfolgreich abschliessen.
Pukllasunchis setzt auf Selbstdisziplin und Eigenständigkeit und auf gleichwertige, respektvolle Beziehungen zwischen den Jugendlichen selber, aber auch zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. Dieses horizontale Beziehungsmuster steht im Gegensatz zu den vertikal strukturierten Beziehungen in den herkömmlichen Bildungsinstitutionen und wird oft missverstanden.
Die mathematischen Disziplinen sind im Stundenplan von Pukllasunchis besser dotiert als es der nationale Lehrplan vorschreibt. Nichtsdestotrotz sind sie ein Dauerthema bei Pukllasunchis. Schulverantwortliche wie Lehrpersonen sind ständig auf der Suche nach neuen Methoden und Ansätzen.
Nicht alle Lehrpersonen genügen den Anforderungen von Pukllasunchis. Dazu gehört ein professioneller Umgang mit Nähe und Distanz im Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, um disziplinarische Schwierigkeiten zu vermeiden. Pukllasunchis wünscht sich Lehrpersonen, die ihr Unterrichtsthema beherrschen, mit Leidenschaft unterrichten und ihre Schülerinnen und Schüler gernhaben. Solche Lehrpersonen sind aber in Peru nicht einfach zu finden.