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vierte unmittelbar mit dem Hauptkörper verknüpft sind, während der fünfte blos eine vom vierten ausgehende Abzweigung niedrigeren Ranges vorstellt. Von den Gipfelpunkten der dritten Seitenkette nennen wir das Fäschhorn (3214 m), Rotlauihorn (3155 m) und Gredetschhörnli (3662 m); von denen der vierten das bedeutende Unterbächhorn (3517 m), dann das Gisighorn (3182 m) und Foggenhorn (2578 m). Am Unterbächhorn entspringt der letzte Seitenzweig, der über den Hohstock (3175 m) bis zum Sparrhorn (3026 m) zuerst nach O. zieht, hier nach S. abbiegt u. die Schlucht der dem Grossen Aletschgletscher entspringenden Massa im W. begleitet.
Nach dem Breithorn folgen als Fortsetzung der Bietschhornkette der lange Kamm des Beichgrates (3254 m), dann das Schienhorn (3807 m), Distelhorn (3748 m) und das schon zu dem den Grossen Aletschgletscher umrahmenden Gebirgsring gehörige Sattelhorn (3745 m). Das Schienhorn sendet zwischen Beichfirn und Ober Aletschgletscher einen mit dem Thurberg (3030 m) endigenden Felskamm nach S. aus.
Ueber die Bietschhornkette und ihre Verästelungen führen eine Reihe von Pässen, die das Lötschenthal mit den Thälern der S.-Flanke oder diese Thäler selbst miteinander verbinden. Von solchen, die die Hauptkette überschreiten, nennen wir (von W.-O. zählend) das Kastlerjoch (ca. 3100 m), Wilerjoch (3078 m), Bietschjoch (ca. 3100 m), Baltschiederjoch (ca. 3250 m) u. den Beichpass (3136 m). Alle sind Gletscherpässe, die nur von geübten Bergsteigern begangen werden können.
Die zweite Hauptkette, die des Petersgrates, ist von der Balmhornmasse durch den kleinen Lötschengletscher u. den vom Gasternthal zum Lötschenthal hinüberleitenden Lötschenpass (2695 m) geschieden. Während der S.-Hang der Kette zum tief eingeschnittenen Lötschenthal absteigt, ist die ihren N.-Hang begleitende Senke weit weniger scharf ausgesprochen und in ihrem mittlern Abschnitt mit Firn und Gletschern aufgefüllt (Kanderfirn, Tschingelfirn, Breithorngletscher).
Die Kette beginnt über dem Lötschenpass mit dem Schilthorn oder Hockenhorn (3297 m), dem das Sackhorn (3218 m), Birghorn (3216 m) und der etwa 5 km lange geradlinige Eiskamm des Petersgrates folgen (sinkt nirgends unter 3175 m). Beide Hänge des Petersgrates werden von einer einzigen zusammenhängenden Eisdecke umhüllt, die im S. als Telligletscher, Ausser Thalgletscher und Inner Thalgletscher und im N. als Kanderfirn bezeichnet wird. Am O.-Ende des Petersgrates steigt mitten aus den rings lagernden Eismassen das Tschingelhorn (3581 m) auf, das nach NW. zur Blümlisalp einen den Kanderfirn vom Tschingelfirn trennenden, die Felsinsel des Mutthorns (3041 m) tragenden und die Wasserscheide zwischen Kander und Weisser Lütschine bildenden Eiskamm aussendet.
Darüber führt zwischen Mutthorn und Blümlisalp der Tschingelpass (2824 m). Nach dem Tschingelhorn setzt sich die Kette fort mit dem Breithorn (3779 m), ihrer höchsten Spitze, u. dem Grosshorn (3765 m) und verknüpft sich am Mittaghorn (3895 m) mit dem Gebirgsring des Grossen Aletschgletschers. In dieser ganzen langen Kette ist nur ein einziger Passübergang, die zwischen Tschingelhorn und Breithorn eingeschnittene Wetterlücke (3159 m), zu nennen.
Die Kette der Blümlisalp beginnt im W. mit den zwischen Gastern- und Oeschinenthal aufragenden Felsbastionen der Fisistöcke (2947 m), setzt sich über die mit ihren Eishängen den Oeschinensee beherrschende Doppelpyramide des Doldenhorns (3474 und 3647 m) fort und verknüpft sich am Fründenhorn (3367 m) mit dem prachtvollen Gebirgsstock der Blümlisalp. Diese besteht aus sieben in einer Doppelreihe angeordneten Spitzen: dem Oeschinenhorn (3490 m), Blümlisalphorn (3669 m), der Weissen Frau (3661 m) und dem Morgenhorn (3629 m) in der s., die Hauptachse der Kette fortsetzenden Reihe, u. dem Blümlisalp Rothorn (3300 m), Blümlisalpstock (3219 m) u. der Wilden Frau (3259 m) in der n., vom Oeschinenhorn abzweigenden u. rings von Eismassen umpanzerten Reihe.
Der S.-Hang der ganzen Blümlisalpkette bildet eine grossartige Felsenmauer, während dem weniger steilen N.-Hang weite Eisfelder auflagern. Oestl. der Blümlisalp schneidet die tiefe Scharte der Gamchilücke (2833 m) in den Kamm ein, der von da als wildzerrissener Grat bis zur kühnen Spitze des Gspaltenhorns (3437 m) zieht und dann über den Tschingelgrat u. einige weniger bemerkenswerte Gipfel allmählig zur Weissen Lütschine absteigt. Das Gspaltenhorn schiebt nach N. die von ihm durch eine tiefe Scharte abgetrennte Pyramide der Büttlassen (3197 m) vor. Zwei der Erwähnung würdige Gletscherpässe führen über die Kette der Blümlisalp: das zwischen Doldenhorn u. Fründenhorn eingeschnittene Fründenjoch (3001 m) und die das Lauterbrunnenthal mit dem Kienthal verbindende Gamchilücke (2833 m).
Der zentrale Ring der Finsteraarhorngruppe hat die Gestalt einer unregelmässigen Ellipse, deren etwa 12 km lange grosse Achse der Hauptrichtung der ganzen Gruppe folgend von SW.-NO. orientiert ist. Das Innere dieses riesenhaften Amphitheaters füllen ungeheure Firn- und Eisfelder völlig aus, die hier und da durch Felskämme gegliedert erscheinen und alle auf die grosse Lücke zusammenfliessen, durch die der Grosse Aletschgletscher seinen Ausweg nach SW. findet.
Als mächtige Torhüter stehen hier im W. das Dreieckhorn (3822 m) und im O. der Kamm (3870 m), von deren erstgenanntem aus eine mit dem Olmenhorn (3318 m) endigende Kette längs dem rechten Ufer des obern Grossen Aletschgletschers nach SSO. zieht. W. vom Dreieckhorn besteht die Ringmauer zunächst aus einem sich zur dreieckigen Pyramide des Aletschhorns (4182 m) hebenden Eisgrat. Von hier zweigt nach S. eine Felszunge ab, die sich in der Folge in zwei Aeste teilt und zusammen mit der eben genannten Kette des Olmenhorns den Mittler Aletsch- oder Olmengletscher, einen rechtsseitigen Zufluss zum Grossen Aletschgletscher, einschliesst. Dieser s. Ast des Aletschhorns bildet mit der Bietschhornkette und mit dem von dieser ausgehenden Zweig des Grossen Nesthorns ein zweites, dem zentralen Ring im SW. angegliedertes Felsenamphitheater, das in seinem Innern die Firnmassen birgt, die den ebenfalls von rechts auf den Grossen Aletschgletscher ausmündenden Ober Aletschgletscher nähren. Die Ringmauer des grossen zentralen Zirkus
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setzt sich nach NW. zum Sattelhorn (3745 m) fort, an das sich die schon beschriebene Bietschhornkette anschliesst, senkt sich zur Lötschenlücke (3204 m) u. zieht über den Anengrat (höchster Punkt in 3681 m) zum Mittaghorn (3895 m), dem Schlussglied der Kette des Petersgrates. Die ö. Abschnitte der Ketten des Bietschhorns und Petersgrates bilden mit dem Anengrat zusammen die Umrandung eines dem Hauptring angegliederten zweiten Firn- u. Gletschergebietes, dessen Eismassen sich schliesslich alle zum Lötschengletscher vereinigen.
Vom Mittaghorn an biegt die Kammlinie des Hauptringes nach NO. aus und trägt der Reihe nach die Ebnefluh (3964 m), das Gletscherhorn (3982 m) und die Jungfrau (4166 m), die westlichste Spitze des über der Kleinen Scheidegg aufragenden Dreigestirns Eier, Mönch und Jungfrau. Am Mönch (4105 m) wendet sich die Umrandung des zentralen Zirkus nach O., während der den Eiger (3975 m) tragende Wall die Linie Jungfrau-Mönch in der Richtung der Tangente nach NO. fortsetzt und mit dem Felsgipfel des Hörnli (2706 m) über dem Unter Grindelwaldgletscher abbricht.
Der Eiskamm des Fieschergrates, der vom Mönch an den zentralen Ring nach O. fortsetzt, endigt an den in der Richtung des Kammes hintereinander liegenden zwei Spitzen des Gross Fiescherhorns (4049 m) und Hinter Fiescherhorns (4020 m), sendet aber vorher noch eine Felszunge nach NO., die das Klein Fiescherhorn oder Ochs (3905 m) und das Grindelwalder Grünhorn (3121 m) trägt und den weiten Grindelwalder Fieschergletscher auf der rechten Seite umwallt (links die Ausläufer des Eiger).
Vom oben genannten Mittaghorn bis zum Hinter Fiescherhorn bildet die Kammlinie des zentralen Ringes die Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Rhone und Aare. Verfolgen wir vom Hinter Fiescherhorn aus die Hauptkammlinie weiter, so sehen wir sie bald nach S. ablenken, über das Klein Grünhorn (3927 m), Gross Grünhorn (4047 m) und Grüneckhorn (3869 m) ziehen und endlich an der Felspyramide des Kamm (3870 m) ihren Abschluss finden. Wie schon bemerkt, stehen Kamm und Dreieckhorn gleich riesigen Torpfeilern links und rechts vom Abfluss des Grossen Aletschgletschers aus dem zentralen Firngebiet. An den Kamm schliessen sich nach S. noch die Walliser Fiescherhörner an, die in den ringsum vergletscherten Gipfeln des Schönbühlhorns (3864 m) und des Gross und Klein Wannehorns (3905 und 3717 m) ihre bedeutendsten Höhen erreichen. Endlich müssen wir noch des etwa 15 km langen Felskammes gedenken, der vom Klein Wannehorn nach S. abzweigend das linke Ufer des Grossen Aletschgletschers begleitet und auf dieser Strecke durch die Lücke des berühmten Märjelensees (2367 m) unterbrochen ist, um sich jenseits von Neuem zu heben, im weltbekannten Aussichtsberg des Eggishorns 2934 m zu erreichen und schliesslich in breiten Alpweidenterrassen zur Rhone niederzusteigen.
Eine Reihe von meist ausserordentlich schwierig zu begehenden Gletscherpässen unterbricht die Umfassungsmauer des zentralen Firngebietes. Wir nennen sie in der gleichen Reihenfolge, die wir bei der Aufzählung der Gipfel beobachtet haben: die Lötschenlücke (3204 m), führt ins Lötschenthal;
das Ebnefluhjoch (3750 m), zwischen Mittaghorn und Ebnefluh;
das Lauitor (3700 m), zwischen Gletscherhorn und Jungfrau, führt nach Lauterbrunnen;
das Jungfraujoch (3470 m), zwischen Jungfrau u.
Mönch, führt nach Lauterbrunnen;
das Mönchjoch (3618 m), führt nach Grindelwald;
die Grünhornlücke (3305 m), s. vom Grünhorn, führt zum Walliser Fieschergletscher;
endlich, zwischen Mönch und Eiger, das Eigerjoch (3619 m).
Das Hinter Fiescherhorn ist der Ausgangspunkt der Finsteraarhornkette im engern Sinne, die zuerst über einen Eis- und Felskamm zum Agassizhorn (3956 m) nach O. zieht, dann nach SO. umbiegt, sich zum Agassizjoch (3850 m) senkt und endlich zur gewaltigen steilen Pyramide des Finsteraarhorns (4275 m) sich aufschwingt. Das Finsteraarhorn hat der ganzen mächtigen Gebirgsgruppe seinen Namen gegeben und steigt dem Matterhorn ähnlich aus den ringsum um etwa 1000 m tiefer gelegenen Firngebieten mit derart steilen Felswänden zum Himmel auf, dass der Schnee an ihnen kaum zu haften vermag.
Während das Finsteraarhorn nach SO. zwischen Walliser Fiescherfirn und Studerfirn den mit dem Rothorn (3549 m) endigenden Felssporn vorschiebt, streicht die Kammlinie der Hauptkette nach O. fort, trägt über einem Eisgrat das Studerhorn (3637 m) und erreicht das Ober Aarhorn (3642 m), an dem sich die Kette in zwei, den Ober Aargletscher zwischen sich einschliessende Arme spaltet. Der die Wasserscheide zwischen Rhone und Aare fortsetzende S.-Arm zieht zunächst auf eine kurze Strecke direkt südlich, biegt dann aber plötzlich nach O. ab und endigt mit abnehmender Höhe über der Grimsel.
Von seinen Gipfeln mögen genannt werden das Rothorn (3458 m), Löffelhorn (3098 m) und das Gross und Klein Sidelhorn (2881 und 2766 m). Nach S. lösen sich von diesem Arm in beinahe rechtem Winkel eine Reihe von Seitenzweigen ab, die kleine, von zur Rhone gehenden Wildbächen entwässerte Querthäler unter sich einschliessen. Der westlichste dieser Seitenzweige geht vom Rothorn aus und spaltet sich selbst bald wieder in einen das linke Ufer des Walliser Fiescherhorns begleitenden, das Hinter u. Vorder Galmihorn (3482 und 3524 m) und das schöne Wasenhorn (3457 m) tragenden W.-Zweig und einen O.-Zweig.
Der andere vom Ober Aarhorn sich lösende Arm begleitet das linke Ufer des Unter Aargletschers u. das rechte des Ober Aargletschers; er zieht über das Grunerhorn (3510 m) zum Scheuchzerhorn (3471 m), das den Felssporn des Escherhorns (3080 m) nach N. zum Unter Aargletscher vorschiebt, biegt allmählig nach O. um und steigt über den Tierberg (3202 m), den Hinter Zinkenstock (3042 m) und Vorder Zinkenstock (2922 m) bis zur Vereinigung der beiden dem Ober und Unter Aargletscher entspringenden Quellbäche der Aare ab.
Die Kette des Finsteraarhorns wird ausser vom Agassizjoch noch vom Fiescherjoch (ca. 3600 m; zwischen Hinter Fiescherhorn und Klein Fiescherhorn), Studerjoch (3428 m) und Ober Aarjoch (3233 m) überschritten.
Der ganze nö. Abschnitt der s. Hälfte der Finsteraarhorngruppe bildet sozusagen eine eigene Gebirgsmasse, die man nach ihrem höchsten Punkt die Schreckhorngruppe nennen kann. Von den eben beschriebenen Gebieten trennt sie eine im Zickzack verlaufende, aber im Ganzen doch der Richtung SO.-NW. folgende Senke, die nur durch den die Strahlegghörner mit der Kette des Finsteraarhorns verbindenden Sattel des Finsteraarjoches (3390 m) unterbrochen erscheint. Dieser Sattel ist das einzige Verbindungsglied der Schreckhorngruppe mit den übrigen Abschnitten der Finsteraarhorngruppe. N. vom Finsteraarjoch wird die eben genannte Senke von dem seine Schmelzwasser zur Schwarzen Lütschine sendenden Unter Grindelwaldgletscher, s. davon von dem gewundenen Finsteraargletscher und dem ihn fortsetzenden Unter Aargletscher erfüllt.
Die Gruppe des Schreckhorns gehört in ihrer Gesamtheit zum Einzugsgebiet der Aare. Ihr westlichster Abschnitt besteht aus einer von SO.-NW. ziehenden Kette, die im S. mit der steilwandigen Pyramide des Abschwung (3143 m) beginnt und in der riesigen Schartenmauer der Lauteraarhörner sich fortsetzt. Deren höchster Gipfel, das Lauteraarhorn (4043 m), schiebt nach W. einen Fels- und Eisgrat vor, der sich am Strahleggpass (3351 m) nach S. wendet, unter dem Namen Mittelgrat oder Strahlegghörner (3482 m) parallel zur Kette der Lauteraarhörner streicht und mit der Nassen Strahlegg (3488 m) endigt. In der Hauptkette folgen auf die Lauteraarhörner das Gross und Klein Schreckhorn (4080 und 3497 m), die beide mit ihren dunkeln Felsabstürzen die beiden Grindelwaldgletscher überragen und von denen das Gross Schreckhorn der höchste Gipfel dieses ö. Abschnittes der Finsteraarhorngruppe ist.
Mit dem Mettenberg (2998 m) fällt diese Hauptkette zum Grindelwald ab. Von dem zwischen beiden Schreckhörnern stehenden Nässihorn (3749 m) zweigt nach NO. ein Eisgrat aus, über dessen tiefsten Punkt der Lauteraarsattel (3156 m) führt und der sich jenseits davon in zwei Arme spaltet. Der S.-Arm streicht zunächst auf etwa 4 km Länge nach SO., trägt als bedeutende Gipfel das Ankenbälli (3605 m) und Ewigschneehorn (3331 m), wendet sich dann über das Hubelhorn (3256 m) und den Kamm der Hühnerstöcke (3348 m) nach O. und endigt mit dem Bächlistock (3270 m). Hier neue Spaltung in drei weitere Zweige, deren (von S. an gezählt) erster und zweiter nur kurz sind, nach O. ziehen, den Bächligletscher zwischen sich einschliessen und am Aarelauf abbrechen. Der erste (rechtes Ufer des Bächligletschers) trägt das Brandlammhorn (3115 m),
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die Brunberghörner (2984 m) u. den Juchlistock (2586 m), der zweite (linkes Ufer des Bächligletschers) den Diamantstock (2800 m) und Aelplistock (2895 m). Der dritte der vom Bächlistock ausstrahlenden Zweige ist etwa 12 km lang, geht der Aare nahezu parallel nach N., trägt das Hühnerthälihorn (3181 m), das Ritzlihorn (3282 m), den langen Kamm der Gallauistöcke (2894 m), das Bettlerhorn (2133 m) und findet über der Einmündung des Urbaches in die Aare seinen Abschluss.
Der nach N. orientierte zweite Arm der jenseits des Lauteraarsattels sich vollziehenden Spaltung hebt sich zunächst zum Berglistock (3657 m), senkt sich darauf zum Berglijoch (3141 m) und geht wiederum in zwei Kämmen auseinander, deren einer die stolze Gruppe der Wetterhörner trägt und deren anderer sich am Renfenhorn mit der das Urbachthal im W. begleitenden Kette verknüpft (während die gegenüberliegende Seitenmauer dieses Thales von den schon erwähnten Gallauihörnern gebildet wird).
Die Masse der Wetterhörner besteht aus drei in der Richtung nach NW. aufeinander folgenden Gebirgsstöcken, dem Rosenhorn (3691 m), Mittelhorn (3708 m) und Wetterhorn (3703 m), welch' letzteres seinerseits wieder einen im Wellhorn (3196 m) gipfelnden Kamm nach NO. vorschiebt. Wetter- und Wellhorn scheiden mit ihren drohenden Felswänden die Grosse Scheidegg im W. von dem Rosenlauigletscher im O. Beide Gehängeflanken der Wetterhörner sind mit mächtigen Firnfeldern umpanzert, die auf der einen Seite den Ober Grindelwaldgletscher, auf der andern den Rosenlauigletscher zu Thal senden.
Der vom Berglijoch nach NO. ausstreichende zweite Kamm bildet einen Schnee- und Eisgrat mit einigen aufgesetzten Felsspitzen und trennt den Rosenlaui- vom Gauligletscher. In seiner Mitte ist in ihn die wenig tiefe Scharte der Wetterlimmi (3182 m) eingeschnitten; an seinem O.-Ende verwächst er, wie bereits bemerkt, mit der das Urbachthal auf der linken Seite bogenförmig begleitenden Kette, die im S. mit dem felsigen Tellengrat (2824 m) beginnt, im Hangendgletscherhorn (3294 m) ihren höchsten Gipfel hat, mit der dreieckigen Pyramide des Renfenhorns (3272 m) weit nach W. ausbiegt und dann über Dossenhorn (3140 m), Gstellihorn (2857 m), die Engelhörner (2783 m), die Hohjägiburg (2641 m) und Jägiburg (2500 m) nach NO. zieht, um schliesslich unter das Aarethal zu tauchen.
B. Die nördliche Hälfte der Finsteraarhorngruppe
unterscheidet sich von der eben beschriebenen südlichen sowohl in ihrem landschaftlichen Charakter wie in ihrem geologischen Aufbau (der später eingehend behandelt werden wird) ganz wesentlich. Keiner ihrer Gipfel erreicht 3000 m, woraus folgt, dass mit ganz unbedeutenden Ausnahmen auch keine Gletscher und Firnfelder sich ausbilden können. Bezeichnend für das Ganze ist dessen Zusammensetzung aus zahlreichen, nach allen Richtungen hin streichenden kleinen Felsketten, die teils isoliert für sich bleiben, teils wieder miteinander verschmelzen und die einer Einteilung nach grossen Zügen ziemliche Schwierigkeiten entgegensetzen.
Diese n. Hälfte der Finsteraarhorngruppe kann in ein Dreieck zusammengefasst werden, dessen von S.-N. laufende Grundlinie der nahezu gerade Lauf der Kander bildet und dessen nach O. gerichtete scharfe Spitze in den Winkel zwischen Reichenbach und Aare zu liegen kommt. Eine Reihe von Querthälern durchschneidet das so umgrenzte Gebiet; ihr bedeutendstes ist das der Lütschine, das sich aus dem von S. herkommenden Lauterbrunnenthal und dem von O. herabsteigenden Lütschinenthal im engern Sinne oder dem Grindelwald zusammensetzt.
Daneben verdient auch noch das Kienthal, ein linksseitiger Ast des Kanderthales, genannt zu werden. Unsere Beschreibung gliedern wir der Uebersichtlichkeit wegen nach diesen Thalfurchen, derart, dass wir zuerst das Gebiet zwischen der Kander und dem Kienthal, dann dasjenige zwischen Kienthal und Lauterbrunnenthal, darauf die zwischen beiden Lütschinen (Lauterbrunnenthal und Grindelwald) sich erhebende Bergmasse und endlich das ganze Stück ö. der Schwarzen Lütschine als Einheiten betrachten werden.
Zwischen dem Lauf der Kander und dem Kienthal erhebt sich eine der Form nach einem liegenden T zu vergleichende Gebirgsmasse. Der horizontale Ast dieses T streicht über dem Oeschinenthal von W.-O. und beginnt im W. mit der trotzigen Pyramide der Birre (2511 m), um über das Zahlershorn (2745 m) die Wittwe oder das Dündenhorn (2865 m) zu erreichen, das im Schnittpunkt der beiden Aeste des T liegt und zugleich die höchste Spitze dieses Gebietes ist. Auf der anderen Seite des Dündenhorns setzt sich der horizontale Balken dieses T mit einem am Hohtürli (2707 m) endigenden Felskamm fort. Der nach N. zu gerichtete vertikale Ast des T trägt in seiner Mitte das Aermighorn (2745 m) und sendet einige wenig wichtige Verzweigungen nach O. aus. Parallel mit dem vertikalen Balken des T streicht im selben Gebiet eine weitere, kleine Kette, die im Giesenengrat (2379 m) gipfelt und im N. mit dem Gerihorn (2132 m) abschliesst.
Wir kommen zum Teilstück zwischen Kienthal und dem Thal der Weissen Lütschine (Lauterbrunnenthal). Hier fällt uns zunächst im S. ein halbkreisförmiger, nach N. zu konkaver Gebirgsbogen auf. Am Schilthorn (2973 m), dem höchsten Gipfel der gesamten N.-Hälfte der Finsteraarhorngruppe, vereinigen sich von NW. und NO. her die beiden Bogenstücke dieses Hufeisens. Der NW.-Arm springt zunächst mit der Kilchfluh (2834 m) nach innen vor, erreicht dann das Gross Hundhorn (2932 m) und begleitet als langer felsiger Kamm die rechte Seite des Kienthales; der NO.-Arm streicht über den Schwarzgrat, setzt sich im Schwarzbirg (2758 m) fort und endigt breit zwischen Sausbach und Weisser Lütschine.
Dieser Halbkreis umfasst, wie schon bemerkt, nur den s. Abschnitt des Gebietes zwischen Kienbach und Weisser Lütschine; die übrige Hälfte erfüllen eine Reihe von mehr vereinzelt stehenden kleinen Gebirgsstöcken. Deren bedeutendster ist der sternförmige Stock des Morgenberghorns (2251 m), dessen drei Strahlen mit unter sich nahezu gleichen Winkeln nach NW., SO. und NO. auszweigen. Der NW.-Strahl, der kürzeste und niedrigste der drei, bildet den rechtsseitigen Abschluss des zum Kienthal ausmündenden Suldthales.
Der SO.-Strahl senkt sich vom zentralen Morgenberghorn an zunächst zu dem vom Suldthal ins Saxetenthal hinüberführenden Pass des Tanzbödeli (1880 m) und steigt dann über die Schwalmernhörner bis zu seinem Gipfelpunkt, dem Höchst Schwalmern (2727 m), stetig an, um hier seinerseits sich nach drei Seiten zu verzweigen: nach SW. mit dem im Mittel 2500 m hohen, über dem Bochtenbach (Zufluss zum Kienbach) endigenden felsigen Schwalmerngrat, nach S. mit einem das Hohganthorn (2776 m) tragenden und am Drettenhorn (2806 m) mit einer kleinen, der Innenseite des bereits beschriebenen Hufeisens vorgelagerten Kette im rechten Winkel verschmelzenden Kamm und endlich mit einem vom Höchst Schwalmern nach O. abgehenden, an den Lobhörnern (2523 und 2570 m) nach N. umbiegenden und die Sulegg (2412 m) und den Bellenhöchst (2094 m) tragenden Ast, der nach O. noch einige kleine Ausläufer entsendet und zusammen mit dem SO.- und NO.-Strahl des Morgenhorns das reizende Saxetenthal einschliesst.
Der NO.-Strahl des Sternes ist ein etwa 8 km langer steiniger Kamm der zuerst Leissigengrat (2035 m), dann Därligengrat (1822 m) heisst, an Höhe beständig abnimmt, über der kleinen Alluvionsebene des Bödeli endigt und das Saxetenthal vom Thunersee trennt. Im gleichen Gebiet können noch zwei zwischen Suld- und Kienthal von SW.-NO. streichende kleine Ketten erwähnt werden, deren südliche im Dreispitz (2522 m) gipfelt und über rasenbestandene Rücken einerseits mit dem schon genannten Schwalmerngrat, andererseits mit der nördlichen der beiden kleinen Ketten, der im Wetterlattehorn (2011 m) gipfelnden Standfluh, verschmilzt.
In dem von den beiden Armen der Lütschine und der Kleinen Scheidegg umschlossenen Raum erhebt sich ein Berggebiet, das ebenfalls mit einem dreistrahligen Stern verglichen werden kann. Vom Mittelpunkt, dem berühmten Aussichtsberg des Männlichen (2345 m), zweigt der Hauptstrahl dem Thal der Weissen Lütschine parallel nach S. aus, trägt den Tschuggen (2523 m) und das Lauberhorn (2475 m) und senkt sich schliesslich zur kleinen Scheidegg (2066 m) ab.
Die beiden andern, viel weniger wichtigen Strahlen
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liegen mit einander beinahe in einer geraden Linie, stehen beide senkrecht auf den S.-Strahl und begleiten eine Strecke weit das Thal der Schwarzen Lütschine im S.
Die letzte Unterabteilung der n. Hälfte der Finsteraarhorngruppe wird begrenzt von der Schwarzen Lütschine, der Grossen Scheidegg, dem Reichenbach, der Aare und dem Brienzersee. Hier herrscht Parallelstruktur von kleinen SW.-NO. streichenden Ketten vor, die im allgemeinen als ziemlich breite Rücken ausgebildet sind und zwischen denen nur wenig tiefe und stellenweise durch Querketten wieder gegliederte Thalfurchen sich finden. An Länge und Höhe die wichtigste dieser kleinen Parallelketten ist die südlichste, die des Faulhorns.
Sie beginnt im W. mit dem Kamm der Winteregg (2570 m), setzt sich über das Faulhorn (2683 m) nach O. im Felskamm des Hinterbirg bis zum Schwarzhorn (2930 m) fort, biegt hier auf eine kurze Strecke bis zum Wildgerst (2892 m) scharf nach N. ab, geht dann bis zur Garzenscheer (2618 m) wieder in die allgemeine NO.-Richtung über und spaltet sich hier in einen S.-Ast mit den Schöniwanghörnern (2448 m) und dem Tchingelhorn (2324 m) und einen mit dem Wandelhorn (2306 m) abschliessenden NO.-Ast.
Das Faulhorn selbst sendet nach S. den kurzen Kamm des Simelihorns (2752 m) und des Rötihorns (2759 m) und einen mit dem sogleich noch zu nennenden Schwabhorn sich verknüpfenden N.-Grat aus. Die zweite der Parallelketten ö. der Schwarzen Lütschine beginnt im W. mit dem Schilthorn (1822 m), streicht, der Winteregg parallel und von ihr durch das schmale aber wenig tiefe Weitthal getrennt, über das Stellihorn (2080 m) und die Sägishörner (2427 m) zum Schwabhorn (2376 m), nimmt dann bis zum Einschnitt des Giessbaches an Höhe beträchtlich ab und setzt sich jenseits desselben mit einer Reihe von Felsgipfeln (Tschingel 2245 m, Axalphorn 2327 m und Oltschikopf 2238 m) bis zur Aare fort, zu der sie in terrassierten Felswänden abbricht.
Die Felsgruppe des Gummihorns (2101 m) mit dem berühmten Aussichtspunkt der Schinigen Platte (1970 m) bezeichnet den Ausgangspunkt der dritten Parallelkette, die sich über Laucherhorn (2235 m), Schrännigrat (2278 m), Lägerhorn (2297 m), Furggehorn (2172 m), Bättenalpburg (2133 m) und Litschenburg (2116 m) zieht und im Winkel zwischen Giessbach und Brienzersee in eine Reihe von breiten Rasen- und Waldrücken auflöst. Der NW.-Hang dieser Kette steigt sanft zum Brienzersee ab, nach SO. ist sie mit der vorhergehenden durch die zwei kurzen Seitenäste von der Schränni zu den Sägishörnern und von der Bättenalpburg zum Schwabhorn verknüpft.
Von den zahlreichen im Gebiet der Finsteraarhorngruppe tätigen Forschern haben zu ihrer Kenntnis am Meisten beigetragen Franz Josef Hugi, Arnold Escher von der Linth, Bernhard Studer, Karl Vogt, Louis Agassiz, Eduard Desor, John Tyndall, Dollfus-Ausset, Edmund von Fellenberg u. A. Ihren Bemühungen ist es zu verdanken, dass die Gruppe des Finsteraarhorns, zusammen mit derjenigen des Matterhorns, ein Hauptziel des Fremdenstroms geworden ist, dessen gefahrvolle Hochgebirge die Alpinisten und dessen bald ernste und erschreckende, bald liebliche und malerische Landschaft die Sommerfrischler aus aller Herren Ländern anziehen.
Die bald bis an den Fuss der Gemmi ihre Fortsetzung findende Thunersee- und Simmenthalbahn (Frutigen-Spiez-Erlenbach-Zweisimmen), die durch die Linie über die Kleine Scheidegg mit einander verbundenen Bahnen nach Grindelwald und Lauterbrunnen, die Drahtseilbahn Lauterbrunnen-Mürren und die Jungfraubahn gestatten den Reisenden das mühelose Eindringen bis ins Herz der Hochgebirge oder doch zum mindesten bis an den Fuss der dieses ganze Gebiet beherrschenden Bergriesen.
Dazu kommen die zahllosen guten Gasthöfe, die auch ihrerseits den Weltruf des Berner Oberlandes mit begründet haben. Endlich haben der Schweizerische Alpenklub und Privatinitiative mitten im Gipfel- und Firngebiet der Finsteraarhorngruppe zahlreiche Schutzhütten geschaffen, die dessen Erforschung nach allen Richtungen hin ungemein erleichtern. Es sind dies: die Doldenhornhütte, 1900 von den Führern von Kandersteg erbaut;
Blümlisalp- oder Hohtürlihütte (2760 m), Ausgangspunkt für Hochtouren im Gebiet der Blümlisalp;
Mutthornhütte (ca. 2900 m);
Nest- oder Bietschhütte (2573 m), am Fuss des Bietschhorns, dem Gasthof Ried gehörend;
Oberaletschhütte (2650 m), am linken Ufer des Oberaletschgletschers;
Konkordiahütte (2870 m), am Fuss des Kamm und am linken Ufer des Grossen Aletschgletschers;
Rotthalhütte (2764 m), am Fuss der Jungfrau und am rechten Ufer des Rotthalgletschers;
Guggihütte, am Fuss des Mönch und am rechten Ufer des Guggigletschers;
Berglihütte (3299 m), auf einem aus dem Grindelwalder Fieschergletscher aufragenden Felssporn;
Schwarzegghütte (2500 m), am Fuss des Schreckhorns und am rechten Ufer des Unter Grindelwaldgletschers;
Glecksteinhütte (2345 m), auf einem Felsrücken über dem rechten Ufer des Ober Grindelwaldgletschers;
Dossenhütte (2750 m), nahe dem linken Ufer des Rosenlauigletschers;
Oberaarjochhütte (3180 m), auf der Passhöhe des Oberaarjoches;
Oberaargletscherhütte (2258 m), vor der Front des Oberaargletschers;
der Pavillon Dollfus (2393 m), am linken Ufer des Unteraargletschers, heute Eigentum des S. A. C. Dieser Liste mag noch eine Reihe von Gasthöfen beigefügt werden, die mitten im Hochgebirgsgebiet hoch genug gelegen sind, um gleich den Hütten als Ausgangspunkte für Hochtouren dienen zu können: die Gasthofe Schwarenbach (2067 m) und Wildstrubel (2329 m), beide an der Gemmi;
das Hotel Jungfrau (2193 m), am Hang des Eggishorns;
Hotel Belalp (2137 m), am Fuss des Sparrhorns und hoch über dem Grossen Aletschgletscher;
Grimselhospiz (1875 m);
Hotel Bellevue (2064 m), an der Kleinen Scheidegg, Standquartier für die Besteigung des Eiger;
u. a.
Diese Hütten und Gasthöfe und die erfahrenen und tüchtigen Führer des Berner Oberlandes und Lötschenthales gestatten eine Masse von Hochgipfeltouren in der Gruppe des Finsteraarhorns: Wetterhorn, Jungfrau, Mönch, Eiger, Finsteraarhorn, Mittelhorn, Schreckhörner, Lauterbrunnen Breithorn, Hockenhorn, Balmhorn, Blümlisalp u. a. werden jedes Jahr erklettert;
andere Gipfel, die weniger hoch sind und keine Schwierigkeiten bieten, erhalten während der schönen Jahreszeit täglich Besuch.
Diese dem eigentlichen Herzen des Hochgebirges im N. und S. vorgelagerten Gipfel zweiter Ordnung bieten prachtvolle Gelegenheit, die um das Finsteraarhorn aufragende Schaar von Spitzen und das dazwischen gebettete Chaos von Gletschern und Firnfeldern aus nächster Nähe zu bewundern. Die berühmtesten dieser Aussichtspunkte sind Faulhorn, Männlichen, Schilthorn, Sulegg, Lauberhorn, Rötihorn, Klein Sidelhorn, Torrenthorn u. a., denen man als nicht weniger berühmt noch die am Hang des Gummihorns liegende Terrasse der Schinigen Platte beifügen muss, auf die man heute vermittels einer Zahnradbahn bequem gelangen kann.
Die mächtige Verbreiterung des mittlern und östlichen Abschnittes der Finsteraarhorngruppe gestaltet dieses Gebiet der Alpen zu einem für die Ausbildung von Firnfeldern und Gletschern ausserordentlich geeigneten Einzugsbecken. Deshalb enthält unsere orographische Gruppe des Finsteraarhorns auch die grössten Eismassen von ganz Europa (die arktischen Gebiete des Erdteiles natürlich ausgenommen). Der ausgedehnteste aller dieser Eisströme ist der Grosse Aletschgletscher, der 24 km lang ist, eine Fläche von 103 km2 bedeckt und dessen ungeheures Einzugsgebiet den von uns früher beschriebenen zentralen Zirkus der Finsteraarhorngruppe umfasst.
Dann lassen sich nennen der mit dem Fiescherfirn zusammen 14 km lange Walliser Fieschergletscher, der mit dem Unteraargletscher, seiner Fortsetzung, zusammen 12 km lange Finsteraargletscher, der Ober Aletschgletscher und Unter Grindelwaldgletscher mit je 8 km Länge etc. Die Gesamtfläche der Firn- und Gletschergebiete in der Gruppe des Finsteraarhorns kann auf 500 km2 beziffert werden. Es gibt hier 16 Gletscher erster Ordnung (Thalgletscher) und über 100 Gletscher zweiter Ordnung (Hängegletscher etc.). Der Druck der ungeheuern Eismassen lässt in unserem Gebiet die Gletscher sehr tief in die Thäler heruntersteigen, tiefer als sonst irgendwo in unsern Breiten. So hat z. B. der Grindelwaldgletscher vor seiner jetzigen Rückzugsperiode einst bis in etwa 900 m hinuntergereicht, d. h. bis in die Zone der Kirschbäume. Das untere Ende des Grossen Aletschgletschers liegt in 1353 m, des Walliser Fieschergletschers in
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1500 m, des Rosenlauigletschers ebenfalls in etwa 1500 m, des Oberaargletschers in 1877 m. Endlich sei noch betont, dass die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen über Gletscher im Gebiet der Finsteraarhorngruppe, und hier besonders am Unteraargletscher angestellt worden sind, zuerst von Franz Josef Hugi, dann von einer ganzen Schaar von Schweizer Gelehrten wie Louis Agassiz, Eduard Desor, César Nicolet, Karl Vogt, Bernhard Studer u. a., und endlich von Ausländern wie Charles Martins, James Forbes, Dollfus-Ausset, John Tyndall u. a.
Wenn wir die Resultate unserer Wanderung durch die Finsteraarhorngruppe noch einmal zusammenfassen wollen, so ergeben sich als charakteristische Hauptzüge zunächst die ungeheure Entwicklung ihrer Firn- und Eisgebiete und dann ihr komplexer orographischer Aufbau, der die Erkennung einer zentralen Achse mit davon ausgehenden Seitenzweigen zu einer so ausserordentlich schwierigen Aufgabe gestaltet.
Geologie.
Die geologischen Verhältnisse der S.-Hälfte der Finsteraarhorngruppe sind hauptsächlich von Emmanuel v. Fellenberg und Armin Baltzer untersucht worden. Von besonderem Interesse ist hier die unmittelbare Ueberlagerung der Gneise durch die Jurakalke und die daraus sich ergebende Kontaktzone zwischen diesen beiden Formationen mit ihren eigentümlichen Dislokationserscheinungen. Diese Kontaktzone lässt sich auf der N.-Seite der Gruppe an Jungfrau, Mönch, Eiger, Wetter- und Wellhorn verfolgen; sie beginnt über Lauterbrunnen und setzt sich nach O. zu bis weit ausserhalb die Grenzen der Gruppe, d. h. bis an die Reuss auf eine Länge von etwa 60 km fort.
Die beiden Formationen, Kalk und Gneis, haben vereinigt sehr wechselvolle Faltenbiegungen erlitten. Die Falten sind an manchen Stellen schief; es erscheinen dann die Juraschichten oft in Form eines Keiles tief in die Gneise hineingepresst, oder es werden die Sedimentgesteine von den Gneisen überlagert (wie am Wetterhorn, Mönch und an der Jungfrau). Am Gstellihorn, im Hintergrund des Urbachthales und an andern Orten wiederholen sich die Falten mehrmals, wodurch Gneise und Kalke einander gegenseitig vielfach ablösen und ganz ineinander geknetet erscheinen.
Die ursprünglich noch vorhandenen Faltenumbiegungen sind später durch die Tätigkeit von Erosion und Verwitterung abgetragen worden, so dass man jetzt nur noch entweder Reste von Kalkfalten isoliert mitten in Gneisen oder vereinzelte Gneisfetzen mitten in Kalkschichten (Gipfel des Mönch und Gstellihorns) antrifft. Das Finsteraarhornmassiv ist nicht symmetrisch gebaut (vergl. das geolog. Querprofil). Es besteht zum grössten Teil, namentlich in den zentralen Abschnitten, aus krystallinen Gesteinsarten: Gneis, mehr oder weniger schiefrig, übergehend in Augengneis, Granitgneis oder Protogin (Hühnerstöcke, Bächlistöcke, Brunberghörner, Juchlistöcke, Hühnerthälihörner), in Serizitgneis (Ritzlihorn) oder auch in Amphibolgneis (Finsteraarhorn, Grünhorn, Oberaarhorn). An die Gneise schliesst sich nach S. eine beinahe bis zur Rhone reichende breite Zone von Casannaschiefern an, die an einigen Stellen wieder Uebergänge in Gneis zeigen.
Dieser Zone von Casannaschiefern gehören an das Lötschenthal, die Bietschhornkette (mit Ausnahme der aus Amphibolschiefern aufgebauten höchsten Teile) und der Petersgrat, an dessen N.-Hängen aber hier und da Granite und Verrucanofetzen anstehen. Grünliche oder rosarote Granite finden sich auch im obersten Abschnitt des Gasternthales zwischen Alpetligletscher und dem Fuss des Balmhorns. Die Kette der Blümlisalp besteht aus mächtig entwickelten Juraschichten (Dogger und Lias), die nach N. fallen und unter denen mancherorts Dolomite und Verrucano zu Tage anstehen. Auch die Gruppe des Balmhorns gehört in ihren Gesteinen der Hauptsache nach den Schichten des untern und mittleren Jura an, die wiederum auf den Quarzsandsteinen des Verrucano ruhen. Zwei der Vorberge des Balmhorns endlich, das Klein Rinderhorn und Tatlishorn, sind Ueberreste von Kreide- und Jurafalten.
Die n. Hälfte der Finsteraarhorngruppe besteht (im Gegensatz zu der vorwiegend krystallinen S.-Hälfte) der Hauptsache nach aus Sedimentgesteinen der sekundären Formationsgruppe. An den Grenzen trifft man aber auch hier und da, besonders im nw. Abschnitt, auf tertiäre Schichten. Die Thalböden sind, wie überall, mit Gebilden quaternären Alters (Alluvionen, Sturzschutt, Tuffen etc.) überführt. Hier herrschen Absätze der mittlern Jurazeit vor, und aus Juragestein besteht auch die grosse Mehrzahl aller Gipfel. Im Abschnitt zwischen Kander und Kienthal tritt auch Lias (Sinémurien) auf, der mit dem Dogger zusammen die kurze Kette der Wittwe aufbaut; der an die Wittwe im rechten Winkel anschliessende Ast gehört dagegen der Kreide (Neocom und Urgon) an. Nach N., wo alle diese Ketten sich beträchtlich absenken, tauchen Jura und Kreide unter eine beträchtliche Decke von eocänem Flysch und Nummulitenkalk. - Zwischen Kienbach und Lütschine besteht das Hufeisen des Schilthorns mit allen seinen Verzweigungen und dem dazwischen gelegenen Gebiet aus unterem und oberem Jura, der nach N. von einer Kreidezone (Urgon u. Berrias) überlagert wird, die noch weiter n. ihrerseits wieder unter den Flysch taucht. - Im Dreieck zwischen beiden Lütschinen, dessen Mittelpunkt der Männlichen ist, herrschen durchaus Juraschichten (unterer und oberer Dogger) vor, mit Ausnahme eines s. über Grindelwald hinziehenden Flyschbandes. - Die gleichen Verhältnisse treffen wir auch überall ö. der Lütschine, wo die ganze Reihe der durch Oxfordmulden von einander getrennten und durch die Erosion an den Umbiegungsstellen abgetragenen Doggergewölbe nach N. überliegt.
Immerhin zeigen sich in der dem Brienzersee nächstgelegenen Kette auch Kreidereste (Berrias) und längs des Reichenbaches ein langes Band von Flysch und Nummulitenkalk. Für Einzelheiten vergl. Baltzer, Armin. Der mechan. Kontakt von Gneis und Kalk im Berner Oberland, sowie Fellenberg, Edmund v., und Casimir Mœsch. Geolog. Beschr. des westl. Teiles des Aarmassivs... (beide in den Beiträgen zur geolog. Karte der Schweiz. Lieferung 20 und 21). Bern, 1880 und 1893.
[Dr. Emil André.]
Flora.
Die Finsteraarhorngruppe bildet in botanischer Hinsicht dank ihrem topographischen Bau, der bedeutenden Höhe ihrer Gipfel und der petrographischen Zusammensetzung ihrer zu einem Teil krystallinen Gesteinsarten ein vom westlichen Oberland deutlich geschiedenes Gebiet für sich. Der die beiden Gebirgsgruppen orographisch scheidende Pass der Gemmi bildet auch die Grenzlinie
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zwischen den beiden Floren. Immerhin ist aber diese Querscheide weniger scharf ausgeprägt, als diejenige, welche durch die Kammlinie zwischen den Einzugsgebieten von Aare und Rhone als Längsscheide gekennzeichnet ist. Der Unterschied in den floristischen Erscheinungen zwischen N.- und S.-Seite der Gruppe wird um so auffallender, je tiefer man thalwärts absteigt. Hermann Christ hat schon bemerkt, dass die Hochalpen des Berner Oberlandes für die Ausbreitung der Mehrzahl der südlichen Typen der reichen Walliser Flora eine unüberwindliche Schranke gebildet zu haben scheinen. So wie man nach Ueberschreitung der Gemmi oder Grimsel die Walliser Seite der Gebirgsgruppe erreicht hat, nimmt man mit Erstaunen einen plötzlichen Wechsel im Charakter u. Reichtum der Flora wahr.
Doch ist in Wirklichkeit das seltene Auftreten von südlichen Typen auf der N.-Seite weniger eine Folge der orographischen Mauer, als vielmehr der zu beiden Seiten der Kammlinie von einander vollständig verschiedenen klimatischen Verhältnisse. Es sind aber trotz allem dennoch eine Reihe von südlichen Arten auf dem Weg über die Passlücken nach N. gelangt u. haben sich hier erfolgreich zu behaupten vermocht. So findet man auf dem Plateau der Gemmi Anemone baldensis, Ranunculus parnassifolius, Viscaria alpina, Crepis pygmaea, Alsine laricifolia, Oxytropis lapponica etc.; am N.-Hang des Lötschenpasses Oxytropis lapponica, Salix glauca, Potentilla frigida, Phyteuma Scheuchzeri; am N.-Hang der Grimsel Salix glauca und S. myrsinites, Androsace tomentosa, Pinguicula grandiflora, Potentilla frigida, Phaca alpina. Andere für die Walliser Flora charakteristische Arten, wie z. B. Ranunculus pyrenaeus, Sedum alpestre, Saxifraga muscoides und S. Seguieri, Achillea nana etc. finden sich an isolierten Standorten des n. Gebirgsabfalles.
Nordseite. Im östlichen Abschnitt der Finsteraarhorngruppe, besonders im Ober Hasle und in dem orographisch schon der Dammagruppe zugehörigen Gadmenthal, zeigt sich der Einfluss des Föhns auf die Flora im Vorkommen mehrerer südlichen Elemente der insubrischen Flora, wie z. B. des Polygonum alpinum (Guttannen), der schönen Saxifraga cotyledon, einer Zierde der Felswände der zentralen und südlichen Alpen, der zusammen mit Woodsia ilvensis bei Lauterbrunnen wachsenden Betonica Jacquini etc. «Dass der Föhn, der gerade die Ostflanke des Berner Oberlandes mit ungeheurer Kraft bestreicht, an diesem südlichen Charakter ihrer Flora den grössten Anteil hat, ist unzweifelhaft. Sowohl seine wärmende und aufhellende Hauptwirkung, als seine regenspendende Nachwirkung ist in diesen Thälern bedeutender als irgendwo: ihre Niederschlagsmenge ist durchaus die der Südalpen, sie übersteigt 200 cm und erreicht im obersten Aarthal (Grimsel 226 cm) den zweithöchsten in unsern Alpen beobachteten Wert.» (H. Christ: Pflanzenleben der Schweiz. 2. Ausg. S. 372).
Diesen insubrischen Arten fügen wir als solche der zentralen und östlichen Alpen noch bei Rumex nivalis, Saxifraga aphylla und Primula integrifolia. Auch die von uns für die Kette des Faulhorns (s. diesen Art.) genannten Arten finden sich mit nur wenigen Ausnahmen auf verschiedene Standorte im übrigen Teil der Finsteraarhorngruppe verteilt. Wenn man jene Liste mit den hier schon genannten und sogleich noch anzuführenden Arten ergänzt, so erhält man ein ziemlich vollständiges Verzeichnis der auf der N.-Seite der Finsteraarhorngruppe wachsenden interessanten Florenelemente.
Erwähnenswert sind für die N.-Seite der Gebirgsgruppe ferner: Viola palustris und Drosera longifolia (Grimsel), Viola lutea (bei Mürren häufig), Spergularia campestris (von Guttannen bis Grimsel);
Trifolium rubens (Lütschenthal), T. Thalii und T. badium;
Phaca alpina und Ph. astragalina (Umgebung von Grindelwald);
Oxytropis Halleri (Gadmen) und O. cyanea (Rosenlaui und Hintergrund des Lauterbrunnenthales);
Coronilla vaginalis (Fuss des Wetterhorns bei Grindelwald);
Geum reptans, Agrimonia odorata (Innertkirchen), Potentilla dubia und P. frigida, Dryas octopetala (Fuss des Grindelwaldgletschers), Sorbus chamaemespilus (Kleine Scheidegg, Rosenlaui etc.);
Sedum villosum, S. atratum und S. annuum;
Sempervivum Mettenianum (bei Innertkirchen und Wengen);
Saxifraga cotyledon, S. caesia, S. oppositifolia, S. macropetala, S. aspera, S. stellaris, S. cuneifolia, S. muscoides (Unteraargletscher), S. exarata, S. Seguieri (Grindelwalder Eismeer, Eiger, Aargletscher) und S. androsacea;
Laserpitium panax (Grimsel, Guttannen, Umgebung von Grindelwald gegen das Faulhorn zu), Adenostyles leucophylla (Rotthal bis Jungfrau);
Achillea atrata, A. nana u. A. moschata;
Chrysanthemum coronopifolium (Sulegg, Rosenlaui), Arnica montana (Handeck bis Aargletscher, Kleine Scheidegg, Wengen, Mürren etc.), Saussurea alpina (Gipfel des Männlichen), Crepis pygmaea (Lammerengletscher).
In den Grindelwalderbergen nennt Christener zahlreiche bemerkenswerte Habichtskräuter, wie z. B. Hieracium glanduliferum, H. Gaudini, H. scorzoneraefolium, H. bernense, H. glaucum, H. Jacquini, H. Trachselianum, H. caesium, H. pseudo-porrectum, H. gothicum, H. perfoliatum, H. valdepilosum, H. albidum (Handeck bis Grimsel), etc. Ferner Orobanche salviae (Lauterbrunnen), Plantago fuscecens (Lämmernalp), Phyteuma Halleri, Pirola uniflora;
Gentiana nivalis und G. obtusifolia;
Pedicularis rostrata und P. recutita;
Salix helvetica, S. glauca, S. myrsinites, S. retusa etc. Monokotylen: Sparganium minimum (Grosse Scheidegg, Wengernalp, Spitalboden auf der Grimsel), Orchis pallens (Grindelwalder Alpen), Chamaeorchis alpina (beim Eigergletscher), Allium fallax (Innertkirchen, Wengen), Heleocharis pauciflora (Rosenlaui);
Carex pauciflora (Handeck, Grimsel), C. Laggeri (Grimsel), C. leporina (Grimsel), C. irrigua (Grosse Scheidegg, Grimsel), C. ustulata (bei Rosenlaui), die seltene C. sparsiflora (Schwabhorn; einziger Standort der Schweiz neben dem Ober Engadin), C. tenuis (Grindelwalder Alpen);
Poa hybrida (Grimsel), Festuca varia (Wengernalp).
Für weitere Einzelheiten verweisen wir auf Prof. L. Fischers Verzeichnis der Gefässpflanzen des Berner Oberlandes. Bern 1862; mit zwei Supplementen 1875 und 1889.
In der Waldzone treffen wir hauptsächlich die Weisstanne und Fichte, beide meist in gemischten Beständen. Die Fichte steigt hoch auf, geht aber doch nicht über 1800-1900 m. Nur ausnahmsweise stehen hier und da noch bis auf 2000 m und darüber vereinzelte und verkümmerte Exemplare. Im Schatten dieser Waldungen gedeiht an den feuchtesten Stellen der Thäler die Mehrzahl unserer Orchideen: Herminium monorchis (auf feuchten Wiesen, zwischen Wilderswil und Zweilütschinen häufig), Epipogium aphyllum (am Weg auf die Schinige Platte), Listera cordata (Mürren, Trachsellauenen, Ober Hasle, bei der Handeck etc.), Goodyera repens (an trockeneren Standorten, z. B. bei Wengen, Rosenlaui), Corallorrhiza innata (Wengernalp, Trachsellauenen etc.), Malaxis monophylla (beim Staubbach und Giessbach), Cypripedilum calceolus (bei Wengen und Rosenlaui).
Die Buche bildet reine oder, in den tiefern Lagen der Thäler, gemischte Bestände und steigt kaum höher als bis 1300 m an. Die Waldföhre kommt auf der N.-Seite der Gruppe nirgends in grössern Beständen vor, während die Bergföhre im Ober Hasle häufig angetroffen wird und in einzelnen isolierten Gruppen noch bis nahe an 1900 m gedeiht. Auch vereinzelte Arvengruppen lassen sich da und dort noch entdecken; oberhalb der Kleinen Scheidegg lassen noch einige alte Stümpfe die einstige grössere Verbreitung dieses Baumes erkennen.
Einzelne Exemplare der Arve steigen in der Umgebung der Aargletscher bis über 2000 m an. Sie findet sich im ö. Abschnitt des Oberlandes noch häufiger als in den Thälern der Simme und Kander, wo sie zu einer recht seltenen Erscheinung geworden ist. Auch die Eibe ist nicht mehr stark vertreten und stockt u. a. noch im Kienthal und Lütschenthal. Interessante Pflanzenarten der Bergregion sind: Clematis vitalba (Hasle), Aquilegia alpina, Delphinium elatum (Schwarzhorn, Mürren etc.), Aconitum paniculatum (Schilthorn, Ober Hasle etc.), Berberis vulgaris (Sichellauenen; auf Gneis), Papaver alpinum (Gadmenthal), Impatiens noli tangere (Ober Hasle), etc.
Südseite. Wie sich zwischen den Floren der N.-Flanken von Wildhorn- und Finsteraarhorngruppe ein Unterschied zeigt, so auch zwischen denen der S.-Flanken dieser Gruppen. Doch finden sich im S. eine grosse Anzahl der für die ö. Hälfte der Kette charakteristischen Arten auch an dem der w. Hälfte angehörenden, z. T. aus krystallinen Felsarten aufgebauten Mont Fully. Solche
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beiden Hälften der S.-Flanke gemeinsame Typen sind (nach dem Catalogue de la flore valaisanne von Henri Jaccard) z. B. Aquilegia alpina, Coronaria flos Jovis, Geranium rivulare, Adenostyles leucophylla, Phaca alpina, Sedum annuum u. S. alpestre; Saxifraga aspera, S. aspera v. bryoides, S. exarata und S. adscendens; Bupleurum stellatum, Erigeron Schleicheri, Achillea nana und A. moschata, Centaurea rhaponticum, Hypochaeris uniflora, Veronica bellidioides, Empetrum nigrum, Juncus trifidus u. J. Jacquini, Silene valesia, Campanula cenisia etc. In der Bergregion zwischen den Schluchten der Massa und dem Fiescherthal trifft man noch einige der für das zentrale Wallis charakteristischen Arten, wie Astragalus exscapus, Centaurea axillaris, Campanula excisa, Linaria italica, Euphrasia Christii und Galium pedemontanum, das bis über Deisch noch blüht.
Die O.-Hälfte der Kette, im Goms, hat dagegen eine an Arten arme Flora; die grosse Mehrzahl der alpinen Typen der Penninischen Alpen fehlt hier, und es bietet auf diesen zu trockenen Rücken und Halden die Pflanzendecke oft eine ermüdende Einförmigkeit. Sie besteht der Hauptsache nach aus nur wenigen Arten, die oft ganze grosse Flächen ausschliesslich bedecken: Leontodon pyrenaicus, Arnica montana, Trifolium alpinum, Veronica bellidioides, Gentiana obtusifolia.
Auch die nivale und subnivale Flora ist hier eine kümmerliche, wie dies Henri Jaccard nachgewiesen hat. Er sagt darüber: «Man findet hier auf den Schuttfeldern u. an den Felsen kein Thlaspi, keine Achillea, keine Androsace, keine Artemisia und keine Draba; nur Saxifraga aspera v. bryoides, Primula viscosa und Phyteuma hemisphaericum grüssen den Botaniker. Auf den obersten Rasenflächen besteht der ganze Pflanzenteppich aus nicht mehr als etwa 10 Arten: Veronica alpina, Gnaphalium supinum, Gentiana bavarica, Cardamine alpina, Sibbaldia procumbens, Oxyria digyna, Salix herbacea und einigen andern.» Blos im Münsterthale stösst man noch auf einige gute Arten, die in den benachbarten Gebieten selten sind oder ganz fehlen, wie z. B. Campanula excisa, Primula longiflora, Phaca alpina und Ph. frigida, Saxifraga cotyledon, Androsace imbricata.
Grossen Florenreichtum weisen dagegen die Umgebungen der Furka, des Gries- und Nufenenpasses, sowie der Grimsel auf, wo sich die klassische Fundstelle der Maienwand findet, die wir im Artikel Goms des näheren besprechen werden.
Zahlreiche Forscher - Lindt, E. v. Fellenberg, A. Escher v. der Linth u. A. - haben ihre Aufmerksamkeit der nivalen Flora der Finsteraarhorngruppe geschenkt und die obere Verbreitungsgrenze der verschiedenen Arten festgestellt. Am Wetterhorn hat man den Leontodon pyrenaicus noch über 3000 m beobachtet, und ebenso hoch steigen Campanula cenisia, Poa alpina und Androsace helvetica an. Androsace glacialis ist am Oberaarhorn noch bei 3500 m gefunden worden. Auf dem Gaulipass (3274 m) kann man folgende neun Arten pflücken: Poa laxa, Chrysanthemum alpinum, Androsace glacialis, Gentiana bavarica, Ranunculus glacialis, Silene acaulis, Saxifraga oppositifolia und S. muscoides, Potentilla grandiflora. Am Ewigschneehorn hat man in etwa 3400 m Poa laxa und Androsace imbricata gesammelt, am Oberaarhorn in derselben Höhe Androsace glacialis, A. helvetica und A. obtusifolia, Ranunculus glacialis, Draba carinthiaca, Saxifraga oppositifolia, Artemisia spicata, Achillea moschata und Linaria alpina. Am S.-Hang des Finsteraarhorns wachsen in 3350 m noch Poa laxa, Linaria alpina, Draba frigida, Silene acaulis, Saxifraga aspera v. bryoides und S. muscoides, in 4000 m (nach Lindt) noch Saxifraga aspera v. bryoides, S. muscoides und Achillea atrata; ganz nahe dem Gipfel, in 4270, hat man im Monat September noch ein kleines Polster von blühendem Ranunculus glacialis angetroffen. An der Jungfrau hat E. v. Fellenberg in einer Höhe von 3000 m notiert Thlaspi rotundifolium, Hutchinsia alpina, Gaya simplex, Erigeron uniflorus, Artemisia mutellina und A. spicata, ferner 300-400 m höher noch Silene acaulis und Saxifraga oppositifolia. Im Uebrigen ist die oberste Grenze, bis zu welcher die nivalen Typen aufsteigen, eine sehr wechselnde, da sie hauptsächlich vom Vorhandensein von Humus abhängt und mehr vom Schnee als von der Höhenlage bedingt wird. Jeder für einige Wochen im Sommer schneefreie Fleck kann die Ansiedelung einer nivalen Florula gestatten.
(Dr. Paul Jaccard.)