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Johann Karl Troger wird am 17. Oktober 1652 in Altdorf, dem Urner Flecken an der Strasse nach Italien, als Sohn des Johann Franz Troger und der Klara Arnold geboren. Die Familien Troger und Arnold sind regimentsfähige Urner Familien, der Vater ist Leutnant, ein Verwandter ist 1674−1684 Abt in Muri. Johann Karl tritt 1670 ins Kloster Fischingen ein. Er nimmt jetzt, wie schon Abt Joachim, den Namen seines Vaters an und nennt sich Franz oder Franciscus. 1676 wird er zum Priester geweiht. Am 10. März 1688 wählt ihn der Konvent zum Abt. Die vierzig Jahre seiner Regierung sind Höhepunkt der Klostergeschichte Fischingens. Er kann vom Vorgänger einen in Wissenschaft, Theologie und Musik bestens gebildeten Konvent von 19 Patres und 8 Laienbrüder übernehmen. Weitere 35 Neueintritte verzeichnet er während seiner Regierung. Auch er legt grossen Wert auf Gelehrtheit, veranstaltet öffentliche Disputationen, an denen die Professoren Thesen verteidigen müssen, schickt die Konventualen zur Musikausbildung nach Einsiedeln und fördert das Hausstudium. Er selbst ist Professor für Theologie, aber auch kluger Territorialpolitiker. Er kann 1693 vom dauernd unter Geldnot leidenden Konstanzer Fürstbischof die Rechte über die Herrschaft Tannegg für 35 000 Gulden erwerben und verfügt damit über ein geschlossenes Klosterterritorium im Hinterthurgau, das nun gegen Norden eine Ausdehnung von vier Wegstunden hat.
Die neue Klosterkirche, noch unter seinem Vorgänger eingeweiht, lässt Abt Franciscus bis 1690 weiter ausstatten. Dann bemüht er sich mit Hilfe der Konstanzer Jesuiten und des Fürstbischofs in Rom um eine Anerkennung der Ausweitung des Idda-Kultes. Er erreicht sein Ziel und wendet sich 1703 dem Neubau der nordseitigen Iddakapelle zu. 1704 legt er den Grundstein. Der neue Zentralbau ersetzt einen Anbau von 1625 und wird ein hochbarockes Meisterwerk. Abt Franciscus lässt sich dabei von Br. Caspar Moosbrugger beraten. Als Planer und Bauleiter zieht der Abt den Konstanzer Jesuitenbruder Christian Hueber bei. Die Ausstattung verdingt er an Wessobrunner, darunter ist als Altarbauer der junge Dominik Zimmermann zu finden. Die Kapelle ist 1708 erstellt. Der Zweite Villmergerkrieg von 1712, während dem sich der Abt in das Konstanzer Jesuitenkolleg begibt und der Konvent in süddeutsche Klöster flüchtet, unterbricht kurzfristig die weiteren Arbeiten. Die Iddakapelle wird 1724 geweiht, rechtzeitig zum fünfhundertsten Todestag der heiligen Idda im November 1726.
Im gleichen Monat feiert Abt Franciscus das goldene Priesterjubiläum. Aus diesem Anlass lässt er nebst goldenen Idda-Medaillen auch Gold- und Silberdukaten mit der heiligen Idda und seinem Wappen prägen.[1]
Am 30. April 1728 stirbt der grosse Barockprälat im Alter von 76 Jahren. Er wird in der neuen Iddakapelle begraben.
Sein Porträt ist als Kopie im Iddasaal, dem ehemaligen Refektorium, zu sehen. Es zeigt den Abt um 1700, sitzend, mit Mozetta und Biret, in der Linken ein Buch mit Psalmentext, oben rechts das geviertete Wappen (Fischingen und Troger) mit Mitra und Abtsstab. Auffallend ist das Brustkreuz in Form einer realistischen, noch gotisch anmutenden Kreuzigungsszene.
Ein weiteres Porträt, vielleicht vom oben beschriebenen Gemälde abgeleitet, erscheint 1702 in der «Idea sacrae Congregationis Helveto-Benedictinae» als Stich von P. Gabriel Hecht.
Über dem Eingang zur Iddakapelle ist gross sein Wappen angebracht. Das Wappen der Troger von Altdorf zeigt in Rot zwei gekreuzte, ausgerissene, grüne Tannen mit silbernem Stamm, beseitet von zwei sechsstrahligen, goldenen Sternen und pfahlweise begleitet von zwei goldenen Lilien. Das zusätzlich angebrachte Herzschild ist auch in seinem Wappen am Idda-Altar zu finden. Es ist das Wappen der von ihm erworbenen Herrschaft Tannegg, das schräggeteilt von Gold und Blau ist.[2]
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Meyer, Bruno: Fischingen, in: Helvetia Sacra, Abteilung II, Band 1, Erster Teil, Bern 1986.
Schildknecht, P. Benno: Der Fischinger Konvent zur Barockzeit, in: Barockes Fischingen, Ausstellungskatalog, Fischingen 1991.
Anmerkungen:
[1] Der goldene Jubiläumsdukat von 23 Millimeter Durchmesser wird in 56 Exemplaren geprägt. Er zeigt auf dem Avers das Wappenschild von Abt Franziskus mit der Umschrift «FRANCISCUS ABBAS FISCH. JUBILAEUS» und auf dem Revers die hl. Idda mit dem kerzentragenden Hirsch und der Umschrift «S. IDDA COMIT. TOGG.». Das Werk des Zürcher Medailleurs Hans Jakob Gessner ist ein Höhepunkt der eidgenössischen Prägekunst. 2006 wird ein Exemplar bei Stack’s Bowers für 10 000 Dollar versteigert. Auf der Seite von Stack’s http://www.stacksarchive.com/ (2006, Lot 132) kann der Golddukat betrachtet werden.
[2] Die Wappen sind nicht immer mit den korrekten Farben überliefert, vielleicht auch falsch restauriert. So ist das Herzschild Tannegg über dem Eingang zur Iddakapelle mit falschen Farben (Rot und schwarz) gemalt, auch die Stämme der Tannen sind hier schwarz-braun anstelle von Silber. Korrekt ist hingegen das Wappen am Idda-Altar.
|Abt OSB Franziskus Troger (1652−1728) von Fischingen|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|17. Oktober 1652||Altdorf Uri CH||Fürststift St. Gallen|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benediktinerabtei Fischingen||1688–1728|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|30. April 1728||Fischingen Thurgau CH||Herrschaft Fischingen|
|Kurzbiografie|

Die 40 Jahre dauernde Regierung des Abtes Franziskus Troger ist reicher Höhepunkt der Fischinger Klostergeschichte. Er fördert die Bildung im nun um die 30 Mitglieder zählenden Konvent, ist selbst Professor für Theologie, auch guter Politiker. Mit dem Erwerb der Herrschaft Tannegg kann er das Klosterterritorium entscheidend vergrössern. Als Bauabt hat er eine sehr glückliche Hand. Nach dem Abschluss des Kirchenneubaus beginnt er 1704 mit dem Bau der neuen Iddakapelle, einem hochbarocken Zentralbau mit schönsten Proportionen und edler Ausstattung, der auch die Wichtigkeit der von ihm stark geförderten Wallfahrt zur hl. Idda von Toggenburg betont.
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