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ALEXANDER ZEMLINSKY HOME PAGE
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ARNOST MAHLER
ALEXANDER ZEMLINSKY.
DAS PORTRÄT EINES GROSSEN MUSIKERS
QUELLE

ORDINARIAT FÜR WERTUNGSFORSCHUNG
PALAIS MERAN, LEONHARDSTRAßE 15

Es ist bestimmt charakteristisch, daß ein Symposion über Alexander Zemlinsky vor diesem Forum mit einer biographischen Einführung beginnt. Die Gründe liegen auf der Hand. Handelt es sich doch um einen zeitgenössischen großen Musiker, den noch mehrere früher Geborene, zu denen auch ich mich zähle, sogar persönlich kannten und dessen Biographie viele Unklarheiten, ja sogar falsche Angaben enthält. Dabei sind die meisten dieser Irrtümer nicht erst in der letzten Zeit, oder nach dem Tode Zemlinskys entstanden, sondern noch zu seinen Lebzeiten, so daß er selbst von vielen Fehlern wußte, sie selbst las und keine Einwände erhob, ja sogar hinsichtlich seines Geburtsdatums, auf das wir noch zu sprechen kommen, unrichtige Angaben beinahe unterstützte. Die Witwe, Frau Louise Zemlinsky, die jetzt in den USA lebt, erklärte mir auf meine konkrete Anfrage, wie dies alles möglich war, kurz und bündig: «Das interessierte ihn einfach nicht!» Diese Worte dürften vieles, aber nicht alles erklären.
Über Zemlinsky gibt es keine besondere Literatur und meine bereits seit längerer Zeit druckreif fertiggestellte Biographie und auch mein heutiges Referat können sich daher nur auf Auszüge aus Zeitungen und Zeitschriften, Nachforschungen in Archiven, Erinnerungen seiner Zeitgenossen und schließlich auch auf meine eigenen stützen. Es ist mir in vielen Fällen vielleicht gelungen, Klarheit in bisher unrichtige, allgemein verbreitete Angaben zu bringen. Es gibt aber nicht ein einziges vollständig gedrucktes Verzeichnis aller seiner Werke, denn Zemlinsky selbst führte keine verläßlichen Aufzeichnungen, ja die meisten seiner Kompositionen besitzen nicht einmal eine Opuszahl. In seinen jüngeren Jahren wurden seine Arbeiten von verschiedenen Verlagsgesellschaften, auch solchen, die heute nicht mehr bestehen, gedruckt und verlegt und daher konnten auch aus diesen Quellen keine authentischen Daten erzielt werden.
Zemlinsky hat sein Wirkungsfeld nicht allzuoft geändert, aber auch in dieser Hinsicht gibt es falsche Angaben, die ich in einigen Fällen richtigstellen konnte.
Bereits das Geburtsdatum gab Anlaß zu Zweifel. Frau Zemlinsky machte mich vor längerer Zeit darauf aufmerksam, daß ihr Gatte am 14. Oktober 1871 und nicht im Jahre 1872 geboren wurde. Der Reisepaß ihres verstorbenen Mannes befinde sich in ihren Händen und auch aus diesem Dokument sei das richtige Datum zu ersehen. Meine weiteren Nachforschungen hatten Erfolg. Das Matrikelamt der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien bestätigte mir mit Schreiben vom 3. Juli 1970, daß Alexander von Zemlinsky am 14. Oktober 1871 als ehelicher Sohn des Adolf von Zemlinsky und seiner Frau Clara, geborener Semo, in Wien Odeongasse 3 geboren wurde. In der Eintragung ist der Name von Zemlinszky noch mit SZ geschrieben. Vater Zemlinsky hat in seiner Wiener Zeit das Z weggelassen. Der Sohn verwendete bis 1918 sehr oft das Adelsprädikat, wie wir aus allen Theaterzetteln seiner Prager Vorkriegszeit ersehen. Aber nach Kriegsschluß erscheint dann immer der Name ohne «von». Von seiner Mutter wurde behauptet, sie sei eine türkische Jüdin gewesen. Auch für diesen Irrtum finden wir leicht eine Erklärung. Sie stammte aus Sarajevo, das bis 1878 noch zur Türkei gehörte. Es liegt mir natürlich ferne, mich mit Rassenfragen zu befassen, aber einige Worte seien mir auch dazu gestattet. Zemlinsky wurde nach seiner Geburt, wie wir gerade hörten, in die Matrik der Kultusgemeinde eingetragen. Es ist nicht anzunehmen, daß der Vater dies veranlaßt hätte, wäre er nicht selbst jüdischer Abstammung gewesen trotz seines Adelsprädikates, das übrigens nicht nachgewiesen werden konnte. Nachgewiesen ist aber, daß Alexander Zemlinsky laut Eintragung in der Matrik vom Arzt Dr. Knöpfelmadier mit dem Kennzeichen seiner Rasse versehen wurde. Zemlinsky trat dann 1899 aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus. Aus der früheren Zeit fand ich, neben dem immer falsch angeführten Geburtsdatum (einschließlich bei Riemann und M. G. G.) nur zweimal einen richtigen Hinweis, wenigstens was das Jahr betrifft: Heinrich Jalowetz führt in seinem Vorwort zum III. Streichquartett das Jahr 1871 an und auch der Musikkritiker Alfred Einstein schreibt im Jahre 1931 im Berliner Tagblatt, daß Zemlinsky «heuer» - also 1931 - sechzig Jahre alt werde.
Zemlinsky trat 1884 - 13 Jahre alt - in das Wiener Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde ein und studierte bis 1890, verlängerte aber zwecks Vervollkommnung seines Klavierspieles sein Studium um zwei Jahre. Über den Studienverlauf gibt es im Archiv der Gesellschaft ausführliche Angaben. In dieser Hinsicht ist der Artikel Horst Webers im Archiv der Musikwissenschaften aus dem Jahre 1971 aufsdilußreich. Als Kompositions-Dissertation schrieb der junge Komponist einen Walzer-zyklus für Klavier, den er selbst stolz als Opus 1 bezeichnete und der später von Breitkopf & Härtel verlegt wurde [S. 5 Catalogue of Composition = CoC]. Bald nach Abschluß seiner Studien schrieb er sein erstes und wahrscheinlich einziges Streichquintett, das 1893 vom Helmesberger-Quartett uraufgeführt wurde [S. 7 CoC]. Bemerkenswert ist, was Zemlinsky selbst dazu erzählte:
Brahms erklärte sich bereit, die Komposition mit mir zu besprechen. Die Vorstellung, daß der große Brahms über meine Kompositionsversuche mit mir sprechen wolle, steigerte meinen ohnehin gewaltigen Respekt bis zur Angst. Am Klavier nahm er meine Komposition mit mir durch, anfangs schonungsvoll, aber niemals lobend, dann immer heftiger werdend. Und als ich eine Stelle zu verteidigen suchte, schlug er ein Mozartsches Streichquintett auf, erklärte mir die noch nie übertroffene Formgestaltung und sagte dazu wörtlich: «So macht man es von Bach bis zu mir.»
In seiner ersten Wiener Zeit will ich besonders die Jahre an der Volksoper und die kurze Episode an der Hofoper erwähnen. Vorerst aber: Zemlinsky begann seine Laufbahn als Operettendirigent am Wiener Carltheater und am Theater an der Wien. Eine Zeitlang dirigierte er auch das Laienorchester Polyhymnia. Dort lernte er 1894 den um drei Jahre jüngeren Bankbeamten Arnold Schönberg kennen, der im Orchester als Cellist wirkte. Damals begann eine Freundschaft, die später durch die Heirat Schonbergs mit Zemlinskys Schwester Matilde noch gefestigt wurde. Über das Verhältnis der beiden soll noch heute in einem Referat ausführlich die Rede sein.
1904 holte Rainer Simons Zemlinsky als ersten Kapellmeister an die Volksoper und am 15. 9. 1904 dirigierte dieser als erste Einstudierung den Freischütz. «Orchester, Chor und Solisten wirkten mit großem Eifer und folgten willig den Intentionen des Dirigenten» schrieb am nächsten Tag die Neue freie Presse und beendete das Referat mit der Feststellung: «Obgleich alles präzise ausgearbeitet war, litt doch der einheitliche Guß der Ouverture und der klassische Aufbau des Werkes zerflatterte». Soweit die Presse. Es folgten in verhältnismäßig rascher Folge Undine, Zar und Zimmermann, Margarethe und Siegfried Wagners Kobold, sowie Carmen. Dann kamen Der Waffenschmied und Hans Heiling, um nur einige Werke zu nennen. Im Mozartjahr 1906 studierte er in einer Saison Hochzeit des Figaro, Die Zauberflöte und Don Giovanni ein. Zemlinsky brachte aber nicht nur das klassische Repertoire, sondern auch die damalige Moderne auf den Spielplan. So in einer glanzvollen Aufführung Ariane und Blaubart von Dukas und am 2.12. 1910 Seine eigene Oper Kleider machen Leute in der ersten Wiener Fassung. Am 18. 1. 1911 dirigierte er - noch vor der Hofoper - die für Wien neue Salome und verabschiedete sich im April mit einer Neueinstudierung der Oper Der Prophet. Diese 7jährige erfolgreiche Tätigkeit an der Volksoper wurde für beinahe em Jahr unterbrochen, als Gustav Mahler, der selbst schon vor seinem Austritt aus der Hofoper stand, Zemlinsky an dieses Theater berief. Im Protokoll des Oesterreichischen Staatsarchives heißt es dazu: «Der Kapellmeister am Kaiserlichen Jubiläumstheater und der Volksoper Alexander von Zemlinsky wird ab 1. 9. 1907 gegen ein Honorar von 10.000.- Kronen als Kapellmeister am Hoftheater engagiert.» Das Verhältnis zwischen Zemlinsky und Mahlers Nachfolger, Felix Weingartner, war alles eher denn gut und Zemlinsky ersuchte bald um Enthebung aus seinem Vertragsverhältnis. Während der ganzen Hofopernzeit kam es wahrscheinlich nur zu einer Einstudierung durch Zemlinsky - Verdis Othello. Zemlinsky hatte ursprünglich nicht mit einer Rückkehr an die Volksoper gerechnet. Er beschwerte sich bei Mahler, der damals bereits in Amerika war, und der ihm antwortete:
Leider waren mir die Mitteilungen über Ihr Abenteuer mit dem neuen Regime nicht unerwartet. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, daß W. sein Versprechen, vor allem anderen Ihre Oper herauszubringen, so ohne weiteres ignorieren werde. (Gemeint ist der Traumgörge, der übrigens später nie aufgeführt wurde.)
Zemlinsky kehrte also wieder an die Volksoper zurück und blieb dort bis zu seiner Berufung an das Prager deutsche Theater. Bevor er im Herbst 1911 sein Engagement in Prag antrat, dirigierte er in den von Max Reinhardt in München veranstalteten Offenbach-Festspielen. Dort lernte er auch den jungen Otto Klemperer kennen.
Bei kritischer Betrachtung von Zemlinskys Tätigkeit an der Volksoper muß man berücksichtigen, daß Wien auch damals zwei Opernbühnen hatte. Mit der staatlich subventionierten Hofoper und ihrem Dirigentenphänomen Gustav Mahler zu konkurrieren, war gewiß keinem Dirigenten gegeben. Zemlinsky sah jedoch in Mahler sein großes Vorbild. Auch Mahler kannte bereits Zemlinsky vor dessen Antritt in der Volksoper. Er hatte ja schon am 22. Januar 1900 in der Hofoper Es war einmal des damals nodi nicht 30jährigen Komponisten einstudiert. Aber es gab nodi andere Bindungen zwischen den beiden Musikern. Zemlinsky gründete gemeinsam mit Schönberg die Vereinigung schaffender Tonkünstler* unter dem Ehrenpräsidium Mahlers, die aber keine Lebensdauer hatte.
Lexikale Behauptungen, die von einem Zwischenengagement in Weimar oder Mannheim sprechen, sind, wie mir von der Generalintendanz des Deutschen Nationaltheaters in Weimar und der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek in Mannheim bestätigt wurde, unrichtig.
Wenn ich mich mit der nächsten Wirkungsstätte Zemlinskys, mit Prag, etwas eingehender befassen werde, laufe ich gewiß Gefahr, als «Lokalpatriot» bezeichnet zu werden. Wir dürfen aber eines nicht außer acht lassen. In Prag verbrachte der Meister jene Zeit, in welcher er gewiß am Höhepunkt seiner künstlerischen Tätigkeit als Komponist, Dirigent und Lehrer stand. 16 Jahre wirkte er hier, gefeiert wie in keiner Stadt vor- und nachher.
Nach dem Tode Angelo Neumanns**, des Direktors des Prager deutschen Theaters, wurde Heinrich Teweles als Direktor berufen. Dieser Mann, Theaterfachmann im Schauspiel, war sich dessen bewußt, daß er dem Prager deutschen Publikum in erster Linie gute Musik bieten müsse. Er berief daher einen Künstler, der nicht nur Dirigent war, sondern auch dramaturgische und organisatorische Fähigkeiten hatte. Das war Alexander Zemlinsky. In Wien war es die Oper am Ring, hier in Prag das tschechische Nationaltheater, das sein Wirken beeinflussen mußte. Aber Zemlinsky sah dem «Sängerkrieg» mit Vertrauen entgegen. Dem Korrespondenten der Bohemia sagte er noch in Wien: «Sie wissen gar nicht, wie ich mich freue, an der Spitze des Orchesters des Prager deutschen Theaters zu stehen. Auch von den Solisten, die in Prag wirken, kenne ich viele persönlich.» Anfangs September 1911 kam er nach Prag und schon am 24. September wurde die erste Neueinstudierung aufgeführt: Fidelio. Felix Adler, der Kritiker der Bohemia, schrieb am nächsten Tag:
Wegen Zemlinsky war man gekommen, den Fidelio hat man aber mit der ganzen unermeßlichen Intensität erlebt. Das war der große Gewinn des Abends, der mehr bedeutet als das Engagement eines bedeutenden Kapellmeisters.
6 Tage nach dem Fidelio folgten am 30. 9. Tannhäuser und am 15. Oktober Der Freischütz. Der bekannte tschechische Musikwissenschaftler Zdenk Nejedly schrieb in seiner Kritik: «Ein Kapellmeister, der arbeitet. In unserem Theater (gemeint war das Národni divadlo) wird statt gearbeitet nur gejammert.»
Am 12. Oktober 1912 hatte das Prager Publikum zum erstenmal Gelegenheit, seinen Operndief auch als Komponisten kennenzulernen. Er brachte Seine von Mahler uraufgeführte Oper Es war einmal. 1913 führten beide Bühnen am gleichen Tage, das Nationaltheater unter Kovarovic, das Deutsche Theater unter Zemlinsky, Tristan und Isolde auf. Publikum und Presse boten sich Vergleichsmöglichkeiten, die Zemlinsky nicht zu fürchten brauchte. Am 1. Jänner 1914 war die Schutzfrist für Parsifal erloschen und wiederum brachten beide Bühnen, beinahe zur gleichen Stunde, das Bühnenweihfestspiel.
In diese Zeit des ersten Weltkrieges fällt, einen Monat nach der Stuttgarter Uraufführung, 1917, die Prager Premiere seiner Oper Eine florentinische Tragödie, die der Komponist dirigierte. Nach Beendigung des Krieges stand dem deutschen Theater nur noch eine große Bühne zur Verfügung, das Neue deutsche Theater,
das heutige Smetanatheater, dennoch wurden viele Opernneuigkeiten aufgeführt und natürlich auch das laufende Repertoire bestritten. Wir erwähnten bereits die Wiener Uraufführung der Zemlinskyoper Kleider machen Leute. 1922 erlebte sie unter seiner Leitung ihre zweite, die sogenannte Prager Premiere.
Ich hätte große Freude, wenn Du dirigieren wolltest, denn es ist für mich nicht nur sehr lehrreich und erfreulich, wenn ich meine Werke in Deiner Interpretation höre und Deinen Proben beiwohnen kann, sondern ich weiß auch die Bedeutung zu schätzen, wenn eine Autorität wie Du sich gegen Orchester und Publikum mit dem Werk identifiziert, während ich doch den Bestien ausgefolgt bin, umsomehr, als man es sonst als Ablehnung ansehen würde: Nicht einmal seinem Schwager gefällt ja diese Musik.
Und so dirigierte Zemlinsky. Noch zweimal hatte das Prager Publikum Gelegenheit, Zemlinskyopern auf seiner Bühne zu hören, aber in beiden Fällen dirigierte er nicht mehr seine eigenen Kompositionen. Die einaktige Oper Der Zwerg überließ er seinem zweiten Kapellmeister Hans Wilhelm Steinberg. Als Zemlinsky nach der Pause am Dirigentenpult erschien, um die zweite Oper des Abends, Korngolds Violanta zu dirigieren, da brach stürmischer Beifall aus, der diesmal - ich erinnere mich selbst sehr gut an dieses Ereignis - in erster Linie dem Komponisten der vorher gespielten Oper Der Zwerg galt.
Stuckenschmidt schrieb im B. Z. am Mittag: «Höchstes Lob, das man der Aufführung spenden kann.» Dann folgte Verdis Rigoletto, Charpentiers Louise und Madame Butterfly unter der Regie des kürzlich verstorbenen Dr.Hans Curjel. Am 7. Juni 1931 kam es noch zu zwei Schönberg-Erstaufführungen für Berlin. Klemperer dirigierte die Glückliche Hand und Zemlinsky die Erwartung. In diese Zeit fällt noch die Berliner Erstaufführung von Kurt Weiills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny durch Zemlinsky.
Alexander Zemlinsky wird am 4. Oktober (richtig 14.) 60 Jahre alt. Berlin hat besonderen Anlaß, seiner zu gedenken: als eines Opfers der Auflösung der Oper am Platz der Republik, die ihm eine ganze Reihe ihrer Erfolge verdankt, an der er neben Klemperer eine hingebende, phrasenlose, sachliche Arbeit geleistet hat, nach deren Schließung er klanglos verschwunden ist. Nun, er hat es scheinbar nicht nötig. Am äußeren Erfolg liegt ihm wenig.
Zemlinskys Werke
sind die Schöpfungen eines hervorragenden, den Durchschnitt weit überragenden Komponisten. Wenn ihnen die große Popularität versagt blieb, wenn sie nur bei Musikern in hohem Ansehen stehen und der großen Menge oft fremd sind, so liegt dies hauptsächlich daran, daß ihr Autor niemals billigem Erfolg nachging, nie nach Sensationsstoffen suchte und als Opernkomponist vielleicht nicht das Glück hatte, die breite Öffentlichkeit dauernd zu gewinnen.
Die bisher erwähnten vollendeten Opern sind in Fachkreisen wohl bekannt. Ich will aber noch die Bühnenwerke kurz anführen, die nie zur Aufführung gelangten oder nicht gelangen konnten, da sie über das Anfangsstadium eines Kompositionsversuches nicht herauskamen. Die meisten dieser Entwürfe und Kompositionsskizzen befinden sich bei der LOC, so z. B. die noch vor seiner Volksopernzeit geschriebene Ballettmusik nach einem Libretto von Hugo von Hofmannsthal Der Triumph der Zeit, deren Titel er später auf Das gläserne Herz umänderte. Die Arbeit trägt das Datum 23. Juli 1901. Nach Horst Weber soll das Ballett am 18. 2. 1903, wahrscheinlich in einer Kurzfassung, in Wien konzertant aufgeführt worden sein. In Prag entstand - ungefähr 1918 - die dreiaktige Oper Raphael nach dem Roman von Balzac Peau de Chagrin [II]. Ebenfalls in Prag entstand das Bühnenwerk Herrn Arnes Schatz nach einem Roman von Selma Lagerlöf. Während seines zweiten Aufenthaltes in Wien komponierte er die dreiaktige Oper Der König Kandaules nach einem Text von André Gide. Die Oper ist, wie Frau Zemlinsky mir schrieb, wohl vollkommen durchkomponiert, aber nur zur Hälfte instrumentiert. Ein weiterer dramatischer Versuch, der erst in Amerika entstand, war eine Oper in drei Akten von Irma Stein und Walter Firner, Circe. Auch hier liegt bei der LOC ein unvollständiger Entwurf für einen Klavierauszug. Prof. Walter Firner, der Textdichter, teilte mir mit, daß Bodanzky, damals Direktor der MET, das Werk auf Grund des noch unvollständigen Materials bereits angenommen hatte. Zemlinsky erklärte eines Tages, den ersten Akt bereits durchkomponiert zu haben, lehnte es aber ab, etwas vorzuspielen, ehe die ganze Oper beendet sei. Dazu kam es aber nicht mehr.
|This was the brainchild of composers Arnold Schoenberg and Alexander von Zemlinsky. Schoenberg and his colleagues often felt shut-out by the musical establishment in Vienna, especially the Musikverein, the common name of the Gesellschaft der Musikfreunde (Society of Friends of Music), and their response was the Vereinigung. The name itself is a jibe at the Musikverein, as Vereinigung ("collective") has a less formal connotation than Verein ("association"). Mahler was sympathetic, and agreed to be honourary president. The Vereinigung Schaffender Tonkünstler only survived a single season, but it was able to present several important concerts. The Mahler Lieder-Abend mit Orchester was arguably its crowning achievement.|
|** CFR. anche Kafka e la musica|