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Der Kurs steht auf pari (al pari), wenn er dem Nennbetrag eines Wertpapiers (bei Wechseln demnach der Wechselsumme) gleich ist,
er steht über pari, wenn er mehr, unter pari, wenn er weniger beträgt. Der Kurs fremder Geldsorten
wird im allgemeinen vom Metallgehalt nur wenig abweichen und zwar innerhalb der Grenzen,
[* 4] welche durch den Vorteil des Einschmelzens,
bez. durch den derAusfuhr bedingt sind. Ebenso sind die Grenzen für den Kurs von ungemünztem Gold
[* 5] (Barrengold) durch die Prägungskosten
oder durch die Menge der dafür erhältlichen Banknoten (1392 Mk. nach dem deutschen Bankgesetz) bestimmt.
Das Metallgeld der Landeswährung hat dagegen keinen Kurs, solange es seinen Zweck vollständig erfüllt. Bildet sich jedoch
neben ihm eine Papierwährung aus, indem dem PapiergeldZwangskurs beigelegt, d. h. jedermann gezwungen wird, das (entwertete)
Papiergeld zu seinem Nenngehalt anzunehmen, so bezeichnet man den Aufschlag des Metallgeldes als Agio (s. d.).
Von einem Kassenkurs spricht man dann, wenn Geldsorten an Staatskassen zu einem bestimmten Betrag stets angenommen werden.
Die Höhe des Kurses regelt sich im allgemeinen nach den Gesetzen, nach denen der Preis überhaupt sich richtet. Ist der Zinsfuß
gegeben, so hängt der Kurs bei Wertpapieren, welche Zinsen oder Dividenden in Aussicht stellen, von deren
Einträglichkeit, mithin auch von dem Vertrauen ab, welches der Schuldner genießt (Kredit des Staats etc.) oder welches man in
das betreffende Unternehmen (Aktienunternehmung) setzt. Der Wechselkurs nach fremden Plätzen hängt vorzüglich von der Menge
der Zahlungen ab, welche nach außen zu machen oder von dort zu erhalten sind.
Man spricht vom Wechselpari zweier Plätze, wenn dieselben gleiche Kurse haben, bez. wenn bei sofort einlöslichen
Wechseln am einen Orte die gleiche Menge an Metall, bez. bei ungleicher Währung die gleiche Wertsumme zu zahlen, wie am andern
Ort zu erhalten ist. Sind nun viele Hinauszahlungen zu machen, so werden, um die Kosten der Metallsendung
zu meiden, Wechsel auf fremde Plätze gesucht. Infolgedessen steigt der Kurs über pari, und man bezeichnet ihn dann als günstig
für den Ort, auf welchen der Wechsel lautet (nämlich weil dieser Ort mehr Geld zu empfangen, als zu zahlen
hat); im entgegengesetzten Fall ist der Wechselkurs für diesen Ort ungünstig.
Doch kann der Wechselkurs zwei bestimmte Grenzen nicht überschreiten, nämlich diejenigen, von welchen ab es vorteilhaft sein
würde, Verbindlichkeiten durch Metallsendungen auszugleichen (Kosten der Barsendung gegenüber denen der Provision, der Kourtage
und des Stempels, welche für den Wechsel zu zahlen sind. Vgl. Goldpunkt). Im übrigen sucht die Arbitrage
(s. d.) Kursverschiedenheiten zwischen verschiedenen Wechselplätzen auszugleichen.
Die Zusammenstellung aller Kurse eines Platzes bildet den Kurszettel desselben. Es gibt amtliche und nichtamtliche Kurszettel.
Die Privatkurszettel werden teils von einzelnen Maklern oder Bankhäusern, bez. Bankinstituten herausgegeben und an
ihre Korrespondenten versandt, teils von den Börsenberichterstattern der Fachzeitungen zur Orientierung der Zeitungsleser
verfaßt. Dieselben weichen nicht nur oft von den offiziellen Kursnotierungen ab, sondern sie enthalten auch Kurse von Wechsel-,
Geld- und Effektensorten, welche nicht in den
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forlaufend
amtlichen Kurszetteln notiert sind. Die amtlichen oder offiziellen Kurszettel, welche nur diejenigen Effekten enthalten, die
von der Börsenbehörde zur amtlichen Notierung zugelassen sind, dienen bei Streitigkeiten in Geld-, Wechsel- und Effektengeschäften
den richterlichen Entscheidungen zur Grundlage. (Vgl. das Allgemeine deutsche Handelsgesetzbuch, Art. 343 u. 353.) Die Feststellung
der Kurse findet durch die vereideten Makler (Börsenältesten, Börsenkorporationen etc.) auf Grund bestimmter
Usancen oder Vorschriften statt und beruht auf den von den vereideten und nicht vereideten Maklern gemachten Angaben, zu welchem
Kurs die ihnen an dem betreffenden Tag übergebenen An- und Verkaufsaufträge ausgeführt worden sind.
Laufen dieselben noch bis zu 8 Tagen (Petersburg
[* 13] bis 3 Wochen), so haben sie kurze Sicht (kurs S.); Wechsel, welche noch 3 Monate
laufen, sind langsichtig, daher die Bezeichnungen: »kurz London«,
[* 14] »lang Petersburg«. LaufenWechsel länger
als 14 Tage und kürzer als 2½ Monate, dann gelten solche als mittelsichtig und werden gewöhnlich zum langen Kurs, vermehrt
um einen zu vereinbarenden Zinssatz für die abgelaufenen Tage, gehandelt. Der Spalte für die Sicht folgt diejenige für den
Zinsfuß (Z. F.), welcher zur Berechnung kommt, wenn der Verfalltag eines Wechsels entweder über die kurze
Sicht (höchstens 8 Tage) hinausgeht, oder die lange Sicht (um höchstens 14 Tage) nicht erreicht. Im erstern Fall wird der sich
ergebende Zins für die überschießenden Tage von der aus dem Kurs berechneten Valuta in Abzug gebracht, im
andern Fall für die an der langen Sicht fehlenden Tage zur berechneten Valuta hinzugezählt. Der Zins wird zum Teil nach den
Diskontraten
der großen Banken bemessen oder (und dies ist überwiegend der Fall) nach den Diskontsätzen, welche am offenen Markt in London,
Paris und andern Plätzen bezahlt werden, und die meist von den betreffenden Bankraten abweichen.
Im Berliner und FrankfurterKurszettel findet sich eine solche Scheidung in drei Spalten nicht, es wird hier nur eine Kurszahl
angegeben und hinter dieselbe entweder »B.« oder »G.« oder »bz.«
oder »bz. B.« oder »bz. G.« gesetzt. Steht hinter der Kurszahl: B., so war zu dem betreffenden noch Ware
angeboten;
steht dahinter G., so blieb zu diesem Kurs der betreffende Gegenstand gesucht;
die Bezeichnung »bz.« gibt die vorgefallenen
Schlüsse an.
Die Abkürzungen »bz. B.« und »bz. G.« erklären sich danach von selbst. Die Bezeichnungen
»Brief« und »Geld« für »angeboten« und »gesucht«
sind im Börsenverkehr so allgemein geworden, daß sie nicht nur bei der Notierung von Wechseln und Effekten,
sondern auch bei Geldsorten und selbst bei den Artikeln der Produktenbörse in Anwendung kommen.
Im Kurszettel für Sorten, d. h. Gold-, Silber- und Papiergeldsorten, wird der Kurs entweder pro Stück der betreffenden Münze oder
(namentlich bei Banknoten) für je 100 Münzeinheiten oder endlich bei einzelnen Geldsorten sowie bei
Barren nach dem Gewicht (al marco) von 500 g fein angegeben. Etwas verwickelter sind Einrichtung und Berechnung der Effektenkurszettel.
Bei denselben ist zunächst zwischen »Zins-« und »Dividendenpapieren«, sodann zwischen vollgezahlten
und nicht vollgezahlten Stücken, zwischen Effekten, welche auf die jetzige inländische Währung oder auf
eine frühere oder eine fremde Währung lauten, zwischen Papieren, welche pro Stück oder nach Prozenten des Nennbetrags berechnet
werden, zu unterscheiden.
2) bei den Dividendenpapieren die Dividenden der letzten Jahre, der laufende usuelle Börsenzinsfuß,
der Dividendenerhebungstermin sowie ebenfalls Größe, bez. Nennbetrag der einzelnen Stücke. An den Börsen, an welchen eine
Lostrennung der Dividendenkoupons mit Ablauf
[* 15] des Geschäftsjahrs stattfindet, tritt eine veränderte Notierung insofern ein,
als dem Kurs das Plus der geschätzten Dividende über den laufenden Zins ab- und das Minus zugerechnet wird.
Wird keine Dividende erwartet, so erhöht sich der um den in der Regel 4 Proz. betragenden
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Die Provision berechnet der Bankier meist nach dem ausmachenden Betrag. Stehen die betreffenden Effekten jedoch unter pari,
so wird die Provision meist vom Nennbetrag berechnet. Kourtage und Provision werden beim Ankauf zu dem ausmachenden
Betrag hinzugerechnet, beim Verkauf dagegen von demselben in Abzug gebracht.
Vgl. Göschen, Theory of foreign exchanges (12.
Aufl., Lond. 1886; deutsch, Frankf. 1875);