Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03650.jsonl.gz/2730

Ochre MagicMarch 7th, 2016
Geführte Besichtigungen das ganze Jahr nach Voranmeldung
«La grange» eröffnete am 5. Juni die neue Ausstellung OCHRE MAGIC, eine Hommage an die grossen Künstler in den Kimberley in Westaustralien, wo traditionsgemäss die Kunstschaffenden ihre Bilder mit Ocker und anderen natürlichen Pigmenten malen.
Im Gegensatz zu früheren Ausstellungen in der “La grange”, welche die Vielfalt und Reichhaltigkeit dieser Kunst zelebrierten, stammen die neu ausgestellten Werke, die allesamt zur Sammlung der Burkhardt-Felder Kunst und Kultur Stiftung gehören, aus den Kimberley im hohen Norden Westaustraliens. Um ihre einzigartigen zeitgenössischen Werke herzustellen, sammeln die Künstler Ocker auf ihrem angestammten Land, mit dem sie eine spirituelle Beziehung haben, ein.
Die Kimberley, ein Gebiet zehn Mal grösser als die Schweiz, ist im Norden und Westen vom Indischen Ozean, im Süden von der Grossen Sandwüste und im Osten von der Tanami-Wüste umgeben. Seine Bevölkerung ist mit ca. 35‘000 Einwohnern, wovon 50% Aborigines, klein. Eine einzige Asphaltstrasse durchquert diese riesige Gegend. Die Kimberley-Landschaft ist vielseitig, zeitlos und variiert von Sand- und Kalkstein-Hügelketten bis hin zu zerklüfteten Küstenlandschaften, von den Schwemmgebieten der Fitzroy- und Ord-Flüsse bis zu welligen Sanddünen. Die Bungle Bungles, eine geologisch spektakuläre Formation orange-schwarz gestreifter, kuppelförmiger Felsen und von den Weissen erst in den 1980er Jahren entdeckt, ist für die Aborigines eine heilige Stätte, bekannt als Purnululu.
Die meisten Künstler arbeiteten für den Grossteil ihres Lebens als Viehtreiber auf riesigen Vieh-Ranches, bevor sie wegen eines neuen Landwirtschaftsgesetzes Ende 1960 ihren Job verloren und mit ihren Familien von ihrem angestammten Land vertrieben wurden. Ein harter Schlag für die Eingeborenen, die in Armut und Apathie versanken. Später erhielten sie Hilfe von Missionaren und der Regierung. Neue Gemeinschaften entstanden, und einzigartige Kunstformen entwickelten sich.
Rover Thomas, welcher ebenfalls seinen Job als Viehtreiber verlor und sich der Warmun-Gemeinschaft anschloss, erhielt in einem Traum die Idee für eine Zeremonie, genannt Gurrir Gurrir, welche Tanzen und Singen beinhaltet. Tanzbretter mussten gemalt werden. Auch Rover Thomas begann zu malen, in einem minimalistischen Stil. Heute zählt er zu den wichtigsten Künstlern in der zeitgenössischen Kunstbewegung. Sein Werk, Barramundi Dreaming, zweieinhalb Meter breit, ist ein typisches Meisterwerk aus den Kimberley, gemalt mit Ocker und anderen natürlichen Pigmenten. Auf eine kühne, abstrakte Art fasst dieses Bild mythologische und topographische Elemente zusammen. Queenie McKenzie, eine der ersten Frauen, die einen Bekanntheitsgrad als Künstlerin errang, zelebriert in ihren Ocker-Gemälden ihr Land, ihre Kultur und ihre Geschichte.
Die mächtigen Geister-Ahnen im westlichen Kimberley, Wandjinas genannt, hat Jack Dale, The Grand Old Man of the Kimberley, mit viel Schwung und grossem Respekt gemalt. Künstler aus den Siedlungen Balgo und Fitzroy Crossing, näher zur Wüste, sind ebenfalls mit ihren Werken präsent.
Ilmas, geschaffen für Zeremonien an der Nordwestküste Australiens sowie gravierte Perlschalen geben einen Einblick in die Kultur in jenem Teil der Kimberley. Gravierte Boab-Nüsse, bemalte Kopffiguren und Kopfskulpturen bereichern weiter diese Ausstellung.
In den Museumsräumen wird jedes Bild von einer Beschreibung begleitet, die Auskunft über die Künstler und ihre Arbeit gibt. Im kleinen Kinoraum wird ein Dokumentarfilm über die Kultur der Aborigines gezeigt.
Der 104 Seiten umfassende, vierfarbige Katalog ist erhältlich in Deutsch-Französisch wie auch in Französisch-Englisch und beinhaltet detaillierte Biographien der Künstler. Zwei Experten der Kultur der Aborigines, Professor John Stanton und Dr. Arnaud Morvan, haben mit aufschlussreichen Artikeln über Geschichte, Ritual und Kunst zu diesem Katalog beigetragen.