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Hat der Verein Multimondo Hilfe geleistet bei einem Prozess gegen die Stadt Biel?
«Es gab Gerüchte, wonach die von der Stadt subventionierte Beratungsstelle Multimondo dem kongolesischen Diamantenhändler Kafi S., 54, bei einem Prozess gegen die Stadt Biel geholfen habe.» So begründet SVP-Stadträtin Sandra Schneider eine Interpellation, in der sie vom Gemeinderat Klarheit über die Hintergründe des Falls verlangt, der letzten Sommer für Schlagzeilen in der ganzen Schweiz sorgte.
Kafi S. lebt seit 19 Jahren in der Schweiz und verdiente in den Jahren 2008 und 2009, wie später nachgewiesen werden konnte, zwischen 72‘800 und 140‘000 Dollar mit Diamanten. Den «Nebenerwerb» verschwieg er aber gegenüber den Bieler Behörden. Die Stadt verweigerte ihm im Februar 2012 die Sozialhilfe. Sozialdirektor Beat Feurers Mitarbeiter hatten «erhebliche Zweifel an seiner Bedürftigkeit». Aber Kafi S. rekurrierte erfolgreich beim Verwaltungsgericht. Die Stadt muss nachzahlen.
Missbrauch.
Hat Multimondo, ein Verein, der Dienstleistungen für Migranten in den Bereichen Bildung, Beratung und Begegnung anbietet, Kafi S. juristische Hilfe geleistet? Schneider: «Es wäre ein Skandal, wenn eine subventionierte Institution vor Gericht gegen die Stadt antritt.»
Der Gemeinderat teilt die Meinung der Interpellantin, wonach es nicht erwünscht sei, dass ein Leistungsvertragsnehmer der Stadt Biel den Missbrauch der Sozialwerke unterstütze. Zwar sei nicht auszuschliessen, dass Multimondo Kafi S. geholfen habe. Aber, so der Gemeinderat: «Bei der rechtlichen Unterstützung des Rekurses an das Verwaltungsgericht handelt es sich nicht um Multimondo, sondern um die Organisation Swiss-Exile.»
Eine unverbindliche Antwort. Denn: Wer steckt hinter diesem 2009 gegründeten Verein, der in der Tat Hilfe für Migranten in Rechtsverfahren leistet? Seit Oktober 2011 ist sein Hausjurist kein Geringerer als – Ricardo Lumengo. Der 1962 in Angola geborene, 1997 eingebürgerte studierte Jurist hat eine politische Blitzkarriere (2004 Stadtrat, 2006 Grossrat, 2007 bis 2011 SP-Nationalrat) hinter sich. Sie endete wegen des Vorwurfs der Wahlfälschung abrupt: Lumengo verliess die SP und wurde nicht wiedergewählt. Ober- und Bundesgericht hatten ihn freigesprochen.
Swiss-Exile.
Pikant: Lumengo war juristischer Berater bei Multimondo. Im Oktober 2011 übernahm er die gleiche Funktion bei Swiss-Exile. Dass er Kafi S. schon zu seiner Zeit bei Multimondo kannte, ist nicht unwahrscheinlich. Lumengos Ehefrau lebt mit den Kindern im Kongo. Er war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Multimondo arbeitet auch mit Swiss-Exile zusammen: Asylsuchende werden an Swiss-Exile weitergereicht, trotz «horrender Preise» (so eine Multimondo-Sprecherin). Swiss-Exile gilt in Biel als einziges Büro für Fälle aus dem
Asylbereich. Die Organisation bezieht indes keine Subventionen…
Quelle: Werner Hadorn, BIEL-BIENNE