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Einem Schreiben der Schweizerischen Gesellschaft für Chemische Industrie in Zürich vom 4. April d. J.2 an unsere Delegation in Berlin ist zu entnehmen, dass Herr Willi Längert, der sich als Handelsbevollmächtigter für die Schweiz im Ministerium für Aussenhandel und Innerdeutschen Handel ausgibt, beabsichtigte, Sie anlässlich der Schweizerischen Mustermesse zu besuchen.
Im Zuge der verschärften Visapraxis gegenüber Angehörigen der DDR wegen den in Ostberlin inhaftierten Schweizer Studenten Cloetta und Baumgartner3 wurde indessen dem Genannten die Einreiseerlaubnis nicht erteilt. Er konnte somit die Schweizerische Mustermesse nicht besuchen.
Zum Problem der Besuchsreise des Herrn Längert gestatten wir uns, folgendes mitzuteilen:
Die ostdeutschen Behörden versuchen immer wieder mit allen Mitteln, einer de facto Anerkennung ihres Staates durch die Schweiz näher zu kommen4. Das Ministerium für Aussenhandel und Innerdeutschen Handel versucht dieses Ziel dadurch zu erreichen, dass es zunächst informelle Gespräche mit schweizerischen Stellen führt, denen dann später offizielle Kontakte folgen sollten. Unter diesem Gesichtspunkt sind auch die Vorsprachen des Herrn Längert zu beurteilen. Zur Illustration des geschilderten Vorgehens möchten wir darauf hinweisen, dass der Genannte sich nach dem Besuche der letztjährigen Mustermesse am 1. Mai 1964 in privater Eigenschaft an Ihre Zentrale in Lausanne wandte. Es sind ihm als Privatmann auch die gewünschten üblichen Auskünfte erteilt worden5. Nachdem einmal dieser erste Kontakt hergestellt war, ist bereits Mitte Mai 1964 versucht worden, weitere Besuche zu vereinbaren6. Für diese Korrespondenz wurde schon Papier mit dem Briefkopf «Regierungder DDR – Ministerium für Aussenhandel und Innerdeutschen Handel» benützt7. Zweifellos wünschte Herr Längert in offizieller Eigenschaft in die Schweiz zu kommen, um hier gewisse Amtshandlungen vorzunehmen. Richtigerweise hat sich Ihr Sitz in Lausanne unter diesen Umständen vom Genannten distanziert und auf das Schreiben nicht reagiert8.
Nach unserem Dafürhalten sollte, sobald sich solche Personen auf eine amtliche Eigenschaft berufen, ein Gespräch unter ausdrücklichem Hinweis auf die fehlende Anerkennung der DDR abgelehnt werden9. Die Handels abteilung ist mit uns der Auffassung, dass heute kein schweizerisches Interesse an einer offiziellen Kontaktnahme mit Herrn Längert oder andern Vertretern der DDR besteht10. Wir möchten deshalb auch Ihnen empfehlen, falls sich Vertreter der DDR bei Ihnen melden sollten, diese nicht oder allenfalls erst nach vorgängiger Fühlungsnahme mit uns zu empfangen.
- 1
- Schreiben (Kopie): E 7110(-) 1976/21 Bd. 103 (870). Verfasst von H. Zimmermann. Diese Kopie ging an die Handelsabteilung des Volkswirtschaftsdepartements. Weitere Kopie an die schweizerische Delegation in Berlin.↩
- 2
- Vgl. das Schreiben von J. Egli an M. Corti vom 7. April 1965, Doss. wie Anm. 1.↩
- 4
- Zur Frage der Anerkennung der Deutschen Demokratischen Republik durch die Schweiz vgl. DDS, Bd. 19, Dok. 96, dodis.ch/9041, und Dok. 102, dodis.ch/9043; DDS, Bd. 21, Dok. 38, dodis.ch/15230, und Dok. 57, dodis.ch/15291; das Schreiben von M. Corti an P. Micheli vom 28. Februar 1966, dodis.ch/31191 sowie den Bericht von B. von Tscharner vom 9. Juli 1964, dodis.ch/31189. Vgl. auch DDS, Bd. 23, Dok. 43, dodis.ch/31039, bes. Anm. 11.↩
- 5
- Vgl. das Schreiben von A. Masnata an E. Stopper vom 5. Mai 1964, Doss. wie Anm. 1.↩
- 6
- Vgl. das Schreiben von A. Masnata an das Politische Departement vom 3. Juni 1964, Doss. wie Anm. 1.↩
- 8
- Vgl. Anm. 6.↩
- 9
- Zur nochmaligen Kontaktnahme mit der Zentrale für Handelsförderung in Zürich vgl. das Schreiben von A. J. Staehelin an P. Micheli vom 9. Mai 1966, dodis.ch/31186.↩