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Interessenspolitik. Vergemeinschaftung und nicht-menschliche Subjektivität im neuen Klimaregime
Historiker*innen in der Klimawende tragen zu einer Transformationsforschung bei, indem sie sich diese mit eigenen methodischen Zugängen interpretierend erschreiben und so neue Denkräume eröffnen. Bruno Latour hat in Kampf um Gaia ein Angebot gemacht, um das Verhältnis menschlicher Tiere zur sogenannten «Natur» zu verhandeln. Es geht in diesem Narrationsprojekt darum, menschliche Tiere ihrer exzentrischen Position zu entledigen und sie in einem «neuen Klimaregime» zu verorten: Das Projekt verfolgt unter anderem eine Vergemeinschaftung von menschlichen und nicht-menschlichen Tieren. Ein derartiges Regime allerdings, das nicht nur die Interessen der Menschen vertritt, bedarf eines Gegenübers, das als interessensfähiges Subjekt angenommen wird.
Eine Wissensgeschichte nicht-menschlicher Subjektivitäten zeigt, wie nicht-menschliche Tiere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Status änderten und in verschiedenen Kontexten zu Eigentümer*innen von Interessen wurden, die sich physiologisch und auch kognitiv nicht kategorisch, sondern nur graduell von denjenigen menschlicher Tiere unterschieden. Eine lebenswissenschaftlich fundierte Perspektive auf den Subjektstatus nicht-menschlicher Tiere bildete die Grundlage für verschiedene juristische und ethische Kodifizierungen von Beziehungsformen, und damit auch von Vergemeinschaftungsabsichten in der Klimawende. Anhand einiger Beispiele aus dieser nicht-menschlichen «Interessenspolitik» seit ca. 1950 soll in diesem Beitrag eine Genealogie nicht-menschlicher Subjektivitäten mit ganz realen gesellschaftlichen Auswirkungen entworfen werden. Damit schlägt der Beitrag als historische Herleitung der interspezifischen Vergemeinschaftung ein alternatives Narrativ zu anthropozentrischen Subjektformationen vor, das sich neben naturwissenschaftlich-technischen Angeboten als Beitrag einer kritischen Geschichte der Gegenwart zu den Herausforderungen der Klimawende versteht.