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| Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben

Dritte Rede
6.
Die Wissenschaft ist die verborgene Brücke der Seele, auf der sie zu den verborgenen Dingen hinübergeht. Sie ist der Schlüssel der Armut, womit diese sich Schatzkammern aufschließt. Sie ist die Ehre des Alters, welches durch sie der Jugend Einsicht mitteilt. Sie ist die Schutzmauer der Jungfräulichkeit, von der sie die Räuber abhält. Sie unterwarf das Meer den Seefahrern und das Land den Bauern; sie legte den Schiffen Zügel an und machte sie über das Meer eilen. Wagen auf dem Meere entstanden ihr, und Schiffe bereitete sie sich auf dem Lande. Sie nimmt sich der Schwachheit an und macht sie kräftig; sie naht sich der Ausgelassenheit und macht sie besonnen. Sie naht sich der Unwissenheit und lehrt sie eine Menge von Kenntnissen; sie naht sich der Stummheit und bringt sie zur Beredtheit. Streng tritt sie mit dem Richter auf, demütig mit dem Schuldigen. Jenen lehrt sie, wie er zu strafen; diesen, wie er zu flehen hat. Sie forscht mit den Forschenden und untersucht mit den Unterrichteten; sie sucht auf der einen Seite und findet auf der andern Seite. Beides ist in ihr verbunden, weil sie zu beidem Dienste leistet. Ohne mit Gewalt zu zwingen, herrscht sie doch über alles. Sie lehrt den Künstler, aus etwas etwas zu machen, damit er Gott kennen lerne, der alles aus nichts macht. So belehrt sie den Geschaffenen, daß sein Schöpfer größer ist als er; denn der Geschaffene schafft aus etwas, der Schöpfer aus nichts.