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Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder sowie Katastrophen-Prävention: Diese Ziele verfolgen Schweizer Projekte in der westlichen Ukraine.
In den Dörfern Transkarpatiens bedroht die einseitige Abhängigkeit von der Holzwirtschaft das Ökosystem. Eine Alternative sehen die Einwohner in einem sanften Tourismus.
Wir befinden uns in Uholka, innerhalb des Naturreservats Transkarpatien mit einer Fläche von 9000 Hektaren. Es ist einer der letzten unberührten Wälder Europas. Das Ambiente ist märchenhaft. Die Sonnenstrahlen bahnen sich nur mit Mühe ihren Weg durch die Jahrhunderte alten Fichten.
Hier hat vor 5Jahren die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der Ukraine im Hinblick auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder begonnen. Die lokalen Behörden kooperieren mit dem Eidgenössischen Forschungsinstitut für Wald, Schnee und Landschaft.
Gemeinsam wird eine Studie erarbeitet, in der ein Gebiet mit weitgehend unberührter Natur mit einem intensiv bewirtschafteten Wald in der Schweiz verglichen wird. Das Naturreservat in Transkarpatien ist seit den Zeiten des Österreichisch-Ungarischen-Kaiserreichs geschützt.
"Dank der Zusammenarbeit mit der Schweiz können wir wichtige Informationen für die Bewirtschaftung unserer Wälder sammeln", sagt Vasyl Pokynchereda, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Naturreservat arbeitet.
Vorbeugen bei Überschwemmungen
Die Diskussion um den Nutzen der Wälder in Transkarpatien begann nach den Überschwemmungen von 1998 und 2001. Man ging davon aus, dass diese Ereignisse bei einer ökologischeren Waldbewirtschaftung hätten verhindert werden können.
Nach einer ersten Nothilfe entschied die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), eigene Erfahrungen aus der Waldbewirtschaftung zur Verfügung zu stellen und ein Präventions-Dispositiv für den Katastrophenfall mit aufzubauen.
Als erster Schritt wurde der Bau von Deichen und Erdwällen entlang risikoreicher Flussläufe finanziert. Diese haben einige Dörfer bereits vor Überflutungen geschützt.
Weiter südlich, in einem Seitental des Flusses Rika, erscheinen die Dämme allerdings sehr brüchig. Ein älterer Einwohner sagt: "Die Idee ist sicher gut, aber wenn es wie im Jahr 2001 regnet, nützt das alles nichts."
DEZA-Sprecher Thomas Jenatsch hält dagegen fest, dass die Arbeiten auf alle Fälle nützlich sind und die Einwohner zu Eigeninitiative anspornen sollen.
Ökotourismus soll Wälder retten
Die Präsenz der Schweiz in dieser bergigen Gegend der Ukraine verfolgt nicht nur technische, sondern auch wirtschaftlich-soziale Ziele. "Wir wollen die lokalen Gemeinschaften in die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und die Katastrophenvorbeugung einbinden", sagt Hilmar Foellmi, der für das Entwicklungsprojekt Forza in Transkarpatien verantwortlich zeichnet.
Foellmi weist darauf hin, dass Transkarpatien eine arme Region mit geringen wirtschaftlichen Perspektiven ist. Es sei schwierig, die Einwohner von der Ausbeutung der Wälder abzuhalten. Holz sei der hauptsächliche Rohstoff der Gegend.
Um der Region mehr wirtschaftliche Dynamik zu verleihen, will die DEZA einen sanften Tourismus fördern. "Es gibt touristisches Potential, doch bis heute ist es nie genutzt worden", meint Ludmyla Nestrylay vom DEZA-Kooperationsbüro.
Private sollen Zimmer vermieten
Als erster Schritt wurde ein Touristen-Führer veröffentlicht und ein Wegnetz für Wanderer ausgeschildert.
Spektakuläre Landschaften, eine reiche Flora und Fauna, und sogar die Präsenz von Bären und Wölfen reichen nicht aus, um den Tourismus zu fördern, wenn es keine Infrastruktur gibt. Einwohner aus der Gegend sind daher animiert worden, Zimmer an Touristen vermieten.
Im Dorf Nuzhniy Bystry finde ich so für eine Nacht Unterschlupf bei der ehemaligen Dorflehrerin Anna Michelovska. "Viele Leute haben das Dorf verlassen, weil sie Arbeit suchen. Der Tourismus könnte tatsächlich eine Alternative darstellen", sagt sie.
Die Tafel ist reich gedeckt. Biskuits, Schokolade, Salami, Käse, Eier, Kaffee und Wodka gibt's zum Frühstück. Nicht nur die ukrainische Gastfreundschaft ist dafür verantwortlich, wie mir meine Gastgeberin sagt: "Du warst der erste Tourist, den ich in meinem Haus aufgenommen habe."
swissinfo, Luigi Jorio, Nuzhniy Bystry, Ukraine
(Übertragung aus us dem Italienischen: Gerhard Lob)
Fakten
Transkarpatien ist eine Berggegend im äussersten Westen der Ukraine.
Grösse: 12'800 Km2.
Bevölkerung: 1,2 Millionen Einwohner.
Wichtigste Erwerbszweige: Landwirtschaft, Holzwirtschaft.
In Kürze
Das Projekt FORZA wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mit 2 Mio. Franken unterstützt.
Ziel ist es, in Transkarpatien eine nachhaltige und vielfältige Forstwirtschaft zu verwirklichen.
Besonderes Augenmerk wird auf die Katastrophen-Prävention und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung gelegt.
Die Verantwortlichen des Projekts FORZA halten dieses nur für sinnvoll, wenn es von der lokalen Bevölkerung unterstützt wird.