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Jetzt ist es auf Band: Donald Trump wusste bereits Anfang Februar über die Gefährlichkeit des Coronavirus Bescheid. In der Öffentlichkeit spielte der Präsident die Bedrohung aber wiederholt herunter und verglich das Virus mit der Grippe.
Dies geht aus dem neuen Buch «Rage» Bob Woodward hervor. Der Starautor hat 18 Mal mit dem Präsidenten gesprochen und die Aussagen Trumps aufgenommen. Unter anderem berichteten die Washington Post und CNN vorab darüber. Die Aufnahmen fanden mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Präsidenten statt. Trumps Aussagen bestätigen Recherchen der «New York Times», die diese bereits im April veröffentlichte.
So ist zu hören, wie der Präsident am 7. Februar zu Woodward sagt, dass das Virus «tödliches Zeugs» sei. Es sei fünf Mal tödlicher als die Grippe. «Man atmet einfach Luft ein, und das ist, wie es sich überträgt. Das ist also ein sehr kniffliger Fall. Das ist eine sehr heikle Angelegenheit.»
Bereits am 28. Januar sei Trump informiert worden, schreibt Woodward, der schon massgeblich an den Watergate-Enthüllungen mitgearbeitet hatte. Der nationale Sicherheitsberater, Robert C. O'Brien, warnte den Präsidenten bei einem Briefing: «Dies wird die grösste Bedrohung für die nationale Sicherheit sein, der Sie während Ihrer Präsidentschaft gegenüberstehen.»
Trump habe darauf seinen Kopf gehoben, schreibt Woodward. Nur drei Tage nach dem Briefing schloss der Präsident die Grenzen für Chinesen. Gleichzeitig verharmloste er aber das Virus. Am 25. Februar bezeichnete Trump das Coronavirus als «ein Problem, das weggehen wird». Am Tag darauf machte er eine Prognose zu den Fallzahlen: «Innerhalb ein paar Tage werden sie unten sein, nahe bei null.»
Die Liste ähnlicher Aussagen ist lang. So schlug der Präsident bei einem Treffen mit Experten vor, dass man doch einfach die Grippe-Impfung nehmen könne, um das Virus zu bekämpfen. Wer sich die Verharmlosungen ansehen möchte, das Newsportal «NowThis» hat sie in folgendem dreiminütigen Clip zusammengetragen:
Trump in newly surfaced audio: 'I wanted to always play [the coronavirus] down. I still like playing it down' (March 19)— NowThis (@nowthisnews) September 9, 2020
CNN has obtained Bob Woodward's new book 'Rage' in which the president admits he was hiding the truth about COVID-19 https://t.co/vmgVfa2wTb pic.twitter.com/6LDtnOzpMu
Am 19. März gab der Präsident gegenüber Woodward zu, dass er gegenüber der Öffentlichkeit nicht die ganze Wahrheit sage. «Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will», so der Präsident.
Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany erklärte in einer ersten Reaktion: «Der Präsident hat die amerikanische Öffentlichkeit nie über Covid belogen.» Es habe aber dafür gesorgt, dass die Bevölkerung die Ruhe behalten habe.
Joe Biden ging hingegen hart mit Trump ins Gericht. Der Präsidentschaftskandidat sagte beim Besuch einer Autofabrik: «Er wusste, wie tödlich es ist und hat es gezielt heruntergespielt. Schlimmer noch, er hat das amerikanische Volk angelogen.» Zehntausende Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn Trump schneller gehandelt hätte, so Biden.
Joe Biden accused President Trump of "a life-and-death betrayal of the American people" hours after journalist Bob Woodward revealed ahead of the publication of his new book, "Rage," that Trump had concealed the true threat posed by coronavirus. https://t.co/UiDbqMI5bW pic.twitter.com/tpI6YCBeps— CNN (@CNN) September 9, 2020
Am Mittwochabend nahm der Präsident selber Stellung. «Ich bin der Cheerleader für dieses Land. Ich liebe dieses Land und ich will dieses Land und die Welt nicht in Panik führen», sagte Trump. «Und das haben wir getan. Wir haben einen fantastischen Job gemacht.»
Er müsse Führungsqualitäten zeigen, so Trump, und das Letzte, was man haben wolle, sei Panik. «Sonst hat man ganz schnell noch grössere Probleme.» Lange bevor es irgendjemand gemacht habe, habe er die Grenzen für Chinesen geschlossen, so der US-Präsident. «Es war eine Entscheidung, die ich getroffen habe.»
Trump weiter: «Wenn wir nicht gehandelt hätten, wie wir es getan haben, dann wären wahrscheinlich Millionen von Menschen gestorben. Wir haben wirklich einen fantastischen Job gemacht.»
Bis heute sind in den USA 194'000 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl – Tote pro 100'000 Einwohner – schneiden die USA damit etwas besser ab als etwa Spanien oder Italien. Allerdings deutlich schlechter als das Nachbarland Kanada oder die Schweiz.