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Meridian-Therapie 119
Meridian ist ein Begriff aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), der Heilkunde Chinas, die seit mehreren tausend Jahren praktiziert wird, und heisst auf Chinesisch jingluò: „jing“ steht für Kette oder vertikaler Faden beim Weben, „luò“ steht für Schuss oder horizontaler Faden beim Weben. In Analogie zu den Meridianen der Erde wurde „jingluò“ zuerst in Frankreich in Meridian übersetzt und ist heute ausserhalb Asiens unter diesem Begriff bekannt. Es handelt sich dabei um die Energie-Leitbahnen im Körper. Die Bezeichnung Meridian-Therapie ist ein Überbegriff, unter dem alle Therapieformen zusammengefasst werden, die auf einer Behandlung der Meridiane beruhen.
Das grundlegende medizinische Fachwerk über die Prinzipien der TCM ist das „Huang Di Nei Jing“, das „Buch des Gelben Kaisers über Innere Medizin“, das wahrscheinlich um 200 v. Chr. entstand. In diesem Buch werden erstmals die wesentlichen, auch heute noch gültigen Konzepte der TCM dargelegt, so auch die Meridiane.
Die TCM war zwar bei Alltagsleiden erfolgreich, gegen schwerere Krankheiten konnte sie jedoch wenig ausrichten und eine Chirurgie im heutigen Sinn gab es überhaupt nicht. Deshalb wurde das traditionelle Medizinsystem nach der Einführung der westlichen Medizin in China im 19. Jahrhundert zunächst in den Hintergrund gedrängt. Im Jahr 1929 wurde die TCM in China sogar teilweise verboten. In den 1950er Jahren begann die kommunistische Regierung der neu gegründeten Volksrepublik China alte nationale Kulturgüter zu fördern. In diesem Zusammenhang bemühte man sich auch, die Medizintradition der TCM wiederzubeleben und zu verbessern. Dies war der Beginn der „modernen“ TCM. Heute wird die TCM in China parallel zur westlichen Medizin an den chinesischen Universitäten gelehrt. Ein Teil der medizinischen Einrichtungen in China arbeitet nach den Prinzipien der traditionellen Medizin, der Bevölkerung ist freigestellt, welche Art der Behandlung sie im Krankheitsfall wählt.
Mit der Öffnung der Volksrepublik China in den 1970er Jahren nach aussen begann auch der Transfer der TCM-Methoden nach Nordamerika und Europa. Vor allem die Akupunktur erlebte einen regelrechten Boom. Im Jahr 1995 veröffentlichten die chinesischen Behörden einheitliche Kriterien für Diagnose und Therapie der TCM. Auf diese Weise sollte die internationale Entwicklung der TCM gefördert werden. Mittlerweile sind die Methoden der TCM in den westlichen Ländern weit verbreitet: In zahlreichen Praxen und Kliniken werden TCM-Behandlungen angeboten, Ernährungsberater geben Kurse in chinesischer Diätetik, Physiotherapeuten wenden Tui-Na-Behandlungen an und Hebammen setzen Akupunktur in der Geburtshilfe ein. Besonders beliebt in den westlichen Ländern sind die chinesischen Pflanzenheilmittel, die inzwischen zu einem der wichtigsten Exportgüter Chinas geworden sind. Durch die Verbreitung der TCM ausserhalb Chinas kommt es auch zu Weiterentwicklungen, die in China nicht bekannt sind. Ein Beispiel hierfür ist die Akupunktur an Tieren.
Die TCM sieht den Menschen als ganzheitliches Wesen, das in die Natur und das System des Yin und Yang eingebunden ist. Yin und Yang stehen für gegensätzliche, aber sich auch ergänzende Kräfte oder Energieformen, die immer in Wechselbeziehung zueinander stehen wie zum Beispiel Tag und Nacht, Erde und Himmel oder Kälte und Wärme.
Das dynamische Wechselspiel von Yin und Yang bringt die Lebensenergie der Natur, das Qi hervor. Qi ist die Grundlage alles Lebendigen und bildet auch die Lebensenergie des menschlichen Körpers. Es schützt den Körper vor Erkrankungen, fördert Wachstum und Entwicklung, regt die Funktion der inneren Organe an, bildet und verteilt Blut und Körpersäfte, steuert die Körpertemperatur und reguliert den Wasserhaushalt und die Verdauung. Diese Lebensenergie fliesst in Energie-Leitbahnen, den sogenannten Meridianen, durch den Körper: Nach den Vorstellungen der chinesischen Medizin wird der Körper von 12 Hauptmeridianen („Jing Mai“) und zwei „ausserordentlichen Gefässen“ („Ren Mai“ und „Du Mai“) durchzogen. Auf den Meridianen befinden sich die Akupunkturpunkte. Es gibt weitere Meridiane, Gefässe und Bahnen, welche die 14 Hauptkanäle an bestimmten Akupunkturpunkten kreuzen. Jeder Meridian ist mit einem Organ beziehungsweise einem Organsystem verbunden. Den 12 Hauptmeridianen wird eine Fliessrichtung zugeschrieben: Yin-Meridiane verlaufen von den Zehen zum Stamm und vom Stamm zu den Fingern, Yang-Meridiane hingegen von den Fingern zum Gesicht und vom Gesicht zu den Zehen. Die Hauptmeridiane sind paarig jeweils auf der rechten und linken Körperseite vorhanden. Sie befinden sich in einem 24-Stunden-Kreislauf, so dass jeder Meridian jeweils für zwei Stunden sein Maximum erreicht. Der Shao-Yin-Meridian zum Beispiel ist der Herzmeridian und erreicht sein Maximum in der Zeit von 11 bis 13 Uhr.
Befinden sich die Yin- und Yang-Elemente im Körper in einem dynamischen Gleichgewicht, kann die Lebensenergie Qi ungehindert den Körper durchfliessen – der Mensch ist gesund. Krankheiten entstehen, wenn die Harmonie des Yin-/Yang-Systems gestört ist und daraus Blockierungen und Stauungen der Lebensenergie resultieren. Das Ziel einer Meridian-Therapie ist es, Blockierungen und Stauungen der Lebensenergie zu beseitigen und den Kreislauf des Qi im Körper wieder zu harmonisieren.
Quelle: EMR Schweiz
Notwendige Ausbildungsdauer in Std. für die Krankenkassenanerkennung in der Schweiz:
Methodenausbildung: 500
Schulmedizinische Ausbildung: 600
EMR-Methode Nr. 119