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Am Tag, als die Schweiz die Notbremse gezogen und sich von der Wechselkursbindung an den Euro verabschiedet hat, habe ich der Europäischen Zentralbank (EZB) einige Fragen geschickt. Die Beantwortung dieser Fragen dauert wegen aktueller Überlastung der Gelddruckpressen noch an. Deswegen habe ich mich entschieden, nur die Fragen zu veröffentlichen. Ich glaube, dass die Fragen gut sind.
Liebe EZB, denken Sie, dass wir Schweizer das Vertrauen in den Euro endgültig verloren haben?
Denken Sie, dass Ihre Europäer selber noch an den Euro glauben?
Denken Sie, dass die Schweizer Nationalbank Sie, liebe EZB, ein bisschen wachrütteln wollte? Sind Sie jetzt wach?
Denken Sie nicht, dass Ihre ultralockere Geldpolitik beispielsweise ultralockere griechische Buchhalter animiert, weiter ultralocker mit Schulden umzugehen?
Ist Ihre Hauptaufgabe tatsächlich, die Kaufkraft des Euro und somit die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten? Wie wollen Sie das nun genau machen?
Stimmt es, dass der Hauptunterschied zwischen der Europäischen Zentralbank und einer Spielbank darin besteht, dass sich das bei Ihnen angelegte Geld endlos von selbst vermehrt, während es sich in der Spielbank nur dann vermehrt, wenn mir das Glück hold ist?
Sind Sie einverstanden mit meiner Einschätzung, dass die gesetzlichen Regeln für eine Spielbank grösser sind als die für Sie?
Spielen alle Angestellten der EZB noch andere Glücksspiele ausser «Mal schauen, wer seine Schulden noch zahlt»?
Raten Sie den europäischen Privathaushalten, zurzeit Gold zu kaufen? Zum Beispiel Krügerrand, Maple Leaf oder American Eagle?
Könnten Sie bitte Ihren Bürgern erklären, was Inflation ist? Wenn Sie es nicht können, ich kann es: «Wenn ein Kaugummi am Jahresanfang 50 Rappen kostet und am Jahresende 85 Rappen und man dem Kind das Taschengeld nicht erhöht, dann ist das Inflation!»
Können Sie sich eine Präventionskampagne unter dem Titel «Geld ist eine reine Vertrauenssache» vorstellen und was wären ihre Inhalte?
Könnten Sie nicht bitte, bitte einen Kurs mit den einzelnen Finanzministern machen unter dem Titel «Wenn Geld nichts mehr ist, was ist dann alles?».
Sagen Sie Ihren Bürgern deutlich, dass es einen Unterschied zwischen Geiz und Sparsamkeit gibt? Nur falls die einen wieder mit dem Finger auf die anderen zeigen.
Ich habe einen Wechselgeldautomaten mit frei wählbarem Kursverlust patentieren lassen. Sie können dort zum Beispiel einen 20-Euro-Schein hineinschieben, erhalten dafür 18 CHF, danach wechseln Sie die 18 CHF ein und erhalten wiederum 15 Euro, dann wechseln Sie die 15 Euro und erhalten immerhin noch 10 CHF usw. Die Verlustraten können frei gewählt werden, zum Beispiel so, dass man schon nach fünf Wechselvorgängen gar nichts mehr hat. Möchten Sie, dass ich Ihnen diesen Automaten zu Schulungszwecken aufstelle?
Herzliche Grüsse, bis bald
Michael Stauffer
AOWA – ausserordentlicher Wirtschaftsexperte auf Abruf