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Eigentlich sollte er einen Artikel über die Folgen des Burenkrieges in Südafrika recherchieren. Da er sich aber bereits in London aufhielt, als man den Auftrag wieder zurückzog, nutzte der 1876 in San Francisco geborene Schriftsteller die Zeit für eigene Untersuchungen: Er verkleidete sich als Seemann und nahm sechs Wochen lang die Lebens- und Arbeitsbedingungen im heruntergekommenen Londoner East End unter die Lupe. Heraus kam eine erschütternde Sozialreportage, die die betuchte US-amerikanische Gesellschaft Gift und Galle spucken liess – und das obwohl er für einmal keine Revolution, sondern lediglich soziale Reformen einforderte.
Das Arbeiterleben in den USA kannte der 26-jährige Sozialist damals schon zur Genüge: Aus armen Verhältnissen stammend, musste er sich bereits mit dreizehn Jahren mit Gelegenheitsjobs durchschlagen. Er war Fabrikarbeiter, Austernpirat, Matrose und Vagabund. Es grenzt an ein Wunder, dass er nebenbei noch die Aufnahmeprüfung für die Universität Berkeley bestand, doch der manische Autodidakt hatte nur ein Ziel: Schriftsteller zu werden – dafür liess er sich auch zensieren und auf den US-amerikanischen Mainstream zurechtbürsten. Zu bleibendem Ruhm gelangte er schliesslich nicht mit seinen sozialistischen Essays und Romanen, sondern mit von Darwin inspirierten Abenteuergeschichten – durch sie wurde der chronisch finanzschwache Utopist zu einem der bestbezahlten Schriftsteller Amerikas.
Wie heisst der erfolglose Goldsucher und Weltumsegler, der am Ende seines nur vierzigjährigen Lebens noch eine «Arbeiterkolonie» gründen und ein Buch unter dem etwas verräterischen Pseudonym Jack Liverpool veröffentlichen wollte?
Wir fragten nach Jack London, dem Autor von «Wolfsblut» und «Der Seewolf». Seine Londoner East-End-Reportage erschien 1902 unter dem Titel «People of the Abyss» («Menschen des Abgrunds»). Sein 1907 veröffentlichtes Buch «The Iron Heel» («Die eiserne Ferse») war der erste, viel beachtete Arbeiterroman in den USA.