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Dalberti, Vinzenzo - Präsident des Kl. Raths, Kt. Tessin + Pellegrini, Annibale - Staatsschreiber
Brief vom 10. Januar 1805 aus Bellizona vom Präsidenten des Kleinen Rats Vinzenzo Dalberti und vom Staatssekretär Annibale PELLIGRINI an den Regierungskommissar von Locarno.
Hinweis für den Vorphilatelisten: Auf der Adressseite finden wir 2 Stempel des Kleinen Rats des Kantons Tessin (Winkler Seltenheitsgrad 6) und den eingerahmten, schwarzen Stempel «BELLINZONA» (Winkler Seltenheitsgrad 8). Es geht um die Kopie eines Gerichtsurteil des Berufungsgerichts betreffend einem Vittorio Pedrazzini, welche man dem Kommissar im Valle Maggia zustellen soll.
DALBERTI, Vincenzo (*1763 - †1849), kath., von Olivone. Mittelschulen in Mailand, an der Schule der Arcimboldi und in Brera. Dalberti wurde 1786 in Mailand zum Priester geweiht, war aber schon 1783 mit einer Pfründe in Olivone ausgestattet worden. Hierher übersiedelte er kurz vor 1798 und bewies gleich seine politische Begabung. Zwischen 1803 und 1814 war er die dominierende Gestalt der Tessiner Regierung (Kl. Rat) und der eigentliche Führer des neu entstandenen Kantons. In diesen Jahren begann er einen regen Briefwechsel mit Paulus Usteri und knüpfte so Kontakte mit den liberalen Kreisen Zürichs. Ebenso wichtig war die Freundschaft mit dem Lombarden Baron Pietro Custodi, einem «alten Jakobiner» und eingefleischten Büchernarren, wie D. selber einer war. Diesem half D. bei der Edition einer wichtigen Sammlung klassischer ital. Schriftsteller der Nationalökonomie. Mit der Restauration musste D. die Regierung verlassen; 1817 wurde er jedoch ins einflussreiche Amt des Staatsschreibers gewählt und so erneut zum "gesetzgebenden Kopf" des Kantons. Er spielte eine zurückhaltende, aber wichtige Rolle in der Bewegung, die das Regiment der Landammänner beendete und zur Verfassungsreform von 1830 führte. Von 1830-37 war er wieder Staatsrat, 1839 wurde er erneut zum Staatsschreiber gewählt. Die Machtübernahme durch die Radikalen im Dezember des gleichen Jahres beendete faktisch seine polit. Karriere, wenn er auch 1842-44 noch einmal im Gr. Rat sass. Ab 1840 warnte er vor den wachsenden Gefahren, denen die kath. Religion durch die seiner Ansicht nach übertriebene Pressefreiheit ausgesetzt sei. 1842 war er beinahe der einzige, der sich öffentlich gegen die eben vom Parlament angenommene Verfassungsreform wandte. Er bekämpfte schliesslich die Säkularisierung der höheren Schulen und die Aufhebung der religiösen Gemeinschaften, welche die von ihm immer schärfer kritisierte liberale Regierung anstrebte. Dalbertis breite, von der Aufklärung geprägte Bildung, seine Geistesgaben und staatsmännische Fähigkeiten fanden zusammen mit seiner verblüffenden Schaffenskraft Ausdruck sowohl in den publizierten Schriften als auch in den vielen, umfangreichen Briefwechseln.
PELLEGRINI, Annibale (*1756 - †1826), kath., von Ponte Tresa. Student der Rechte in Pavia, später Anwalt. Bei den Unruhen in Lugano vom 15.2.1798 gehörte Pellegrini zur Delegation, die von den eidgenössischen Abgeordneten die Unabhängigkeit der ennetbirg. Vogteien verlangte. 1798-1800 sass er im helvetischen Grossen Rat, 1803-15 im Tessiner Grossen Rat. 1803-07 war er Staatssekretär des Kantons Tessin und 1803 Tagsatzungsgesandter. Er gilt als einer der Anstifter der gescheiterten liberalen Revolution von 1814 im Tessin. Pellegrini war ein typischer Vertreter des aufklärerischen Reformismus und propagierte ein repräsentatives liberales System, das er in einem kleinen Werk, «I vantaggi della libertà e del governo democratico rappresentativo» (1798), darlegte.
Grösse und Beschaffenheit des Dokuments: 30x20 cm, Papier.