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Das Mittelalter wird oft als Zeitalter des Glaubens bezeichnet. Die Spannung zwischen Jenseits und Diesseits, zwischen Paradies, Welt und Hölle bestimmte weitgehend das Leben der Menschen.
Eine Ursache der Gläubigkeit war die hohe Gefährdung des Menschen. Gräberfunde auf dem Münsterhof in Zürich haben ergeben, dass 46 % der Bestatteten Kinder und Jugendliche waren. Viele Frauen starben bei der Geburt ihrer Kinder. Aber auch Naturereignisse und Seuchen rafften unzählige Menschen dahin. Um für das Seelenheil zu sorgen, schenkte man den Kirchen und Klöstern Güter, Naturalgaben und Geld. Die Klöster übernahrnen zu einem grossen Teil die Fürsorge für Kranke, Behinderte und Waisen.
Zu den edelsten Pflichten des Ritters gehörte es, das Heilige Land den Mohammedanern zu entreissen und es für die Christen zu sichern.
Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts brachen immer wieder neue Ritterscharen mit wechselndem Erfolg nach Osten auf.
Wer es sich leisten konnte, unternahm in seinem Leben mindestens eine Wallfahrt nach Jerusalem, nach Rom oder nach Santiago di Compostela. Um für die Kranken und die Pilger zu sorgen, bildeten sich eigene Gemeinschaften von Ordensrittern, die an den Pilgerwegen ihre Niederlassungen bauten. Eine solche Komturei besassen die Johanniter von 1358 bis 1531 im heutigen Seminargebäude von Küsnacht.
Der Adel gründete zahlreiche Klöster. Hinter diesen Gründungen steckten nicht nur fromme Absichten. In den Klöstern konnte man Söhne und Töchter unterbringen und damit verhindern, dass der Besitz durch Erbschaften zerstückelt wurde. Auch Bischöfe und Äbte stammten fast ausschliesslich aus vornehmen Familien.
Nú biten wir den heiligen geistumb
den rehten glouben allermeist,
daz er uns behüete an unserem ende,
só wir heim suhn varn úz disem
ellende.
Kyrieleis.
Nun bitten wir den Heiligen Geist
um den rechten Glauben vor allem,
dass er uns behüte bei unserem Ende,
wenn wir heimgehen werden aus diesem
fremden Lande.
Kyrie eleison!
(Unbekannter geistlicher Minnesänger, 13.Jh.)
Der mittelalterliche Mensch stellte sich die Welt als geschlossenes System vor mit der Erde als Scheibe und dem Himmel, der die Erde wie eine Glocke überwölbte. Die Welt war Gottes Schöpfung und funktionierte nach den unumstösslichen Gesetzen eines Kreislaufes von Werden und Vergehen. Auch der Mensch war diesen Gesetzen unterworfen. Zudem unterstand er einer hierarchischen, gottgewollten Gesellschaftsordnung.
Vieles an der Welt war dem Menschen unverständlich, schien im grausam und ungerecht. Er fühlte sich - wie der Dichter sich ausdrückt - «in einem fremden Land».
Doch der Mensch nahm eine Sonderstellung innerhalb der Schöpfung ein: Er war nach dem Bild Gottes geschaffen und konnte sich dank der Botschaft Christi eine Vorstellung von einer guten und gerechten Heimat im Jenseits machen. Jesus hatte den Weg gezeigt, der Heilige Geist half dem Menschen, diesen Weg nicht zu verlieren und nach den christlichen Grundsätzen von Glaube, (Nächsten-) Liebe und Hoffnung zu leben.