Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03366.jsonl.gz/2050

Während das Feuer in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso weiter wütet, rätseln die Behörden über die Ursache. Der Chef des Notdienstes Onemi, Guillermo de la Maza, vermutete am Montag Brandstiftung. Innenminister Rodrigo Peñailillo schloss dies dagegen aus.
«Es hat hier eine menschliche Handlung gegeben, und das untersuchen wir jetzt», sagte De la Maza laut einem Bericht des Nachrichtenportals Emol. Innenminister Peñailillo hatte hingegen wenige Stunden zuvor via Twitter erklärt, es gebe keine Anzeichen für Brandstiftung.
Als mögliche Auslöser des Infernos waren auch zwei Truthahngeier genannt worden, die sich auf eine Hochspannungsleitung gesetzt haben sollen. Im Wind hätten zwei Kabel sich berührt, die Geier seien dabei verbrannt. Die entstandenen Funken hätten trockene Blätter am Boden entzündet, berichtete Emol unter Berufung auf Ermittler.
Der Leiter des kriminalistischen Polizeilabors von Valparaíso, Claudio Pavez, bestätigte, dass Beweismaterial zu dieser Theorie eingesammelt worden sei. Er schliesse aber keine Möglichkeit zur Brandursache aus, berichtete Emol.
Der Chef des Katastrophengebiets, Konteradmiral Julio Leiva Molina, rief am Montag die Bewohner von drei südlichen Vororten von Valparaíso auf, sich für eine Evakuierung ihrer Wohnungen bereit zu halten. Das Feuer könne sich den Siedlungen von La Isla, San Roque und Hernán Mery gefährlich nähern, berichtete der Sender Radio Cooperativa.
Die neu entflammten Feuerherde tobten am Südrand der Stadt auf den Hügeln Rocuant, Pajonal und Ramaditas. Dieses Gebiet liegt rund drei Kilometer vom historischen Hafengebiet entfernt. Der zum Weltkulturerbe zählende Stadtkern Valparaísos blieb bislang von dem Feuer verschont.
Starker Wind habe die Flammen an mehreren Stellen wieder angefacht, sagte Innenminister Peñailillo. Rund 2100 Häuser auf den Hügeln der Metropole brannten bis auf die Grundmauern nieder, wie der Gouverneur der Region, Ricardo Bravo, mitteilte. Etwa 8000 Menschen wurden obdachlos.
Die Feuersbrunst erfasste ein Gebiet von 850 Hektar. «Es ist wahrscheinlich der schlimmste Brand in der Geschichte von Valparaíso», sagte die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, die sich dort ein Bild der Katastrophe machte.
Sie erklärte für das Gebiet den Notstand und mobilisierte rund 3000 Polizisten und Soldaten, um in der rund 300'000 Einwohner zählenden Stadt für Sicherheit zu sorgen: «Wir wollen Plünderungen vermeiden.»
Die Löscharbeiten könnten noch bis zu zwanzig Tage andauern, sagte der Chef der Waldwirtschaftskommission Conaf, Alfredo Mascareño, dem Sender Radio Cooperativa. Die Feuerwalze hat sich auf sechs der 42 teils schwer zugänglichen Hügel der Hafenstadt rasch ausgebreitet.
Im Kampf gegen die Flammen waren etwa 1250 Feuerwehrleute und 20 Löschflugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Sechs weitere Flugzeuge aus Argentinien sollen ab Dienstag zur Verstärkung in Chile eingesetzt werden, wie Aussenminister Heraldo Muñoz mitteilte. Medien zufolge sind unter den bislang 13 Toten mehrere ältere Menschen, die ihre Häuser nicht rechtzeitig verlassen konnten.
«Das Problem ist, dass es in dem Gebiet keine Brandschutzmauern gibt», sagte Gouverneur Bravo dem Sender Radio Cooperativa. Er sprach von «perfekten» Voraussetzungen für eine solche Katastrophe: schwer zugängliche Brandherde, ungewöhnliche Trockenheit und starke, sich drehende Winde.
Valparaíso ist die grösste Hafenstadt Chiles und Sitz des Parlaments. Das historische Zentrum der Stadt mit den bunt bemalten Häusern auf den Hügeln zur Bucht wurde 2003 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. (rey/sda/dpa)