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I.
S. 9 Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, an die Kirche Gottes in Korinth und an die Heiligen alle in ganz Achaja. Gnade euch und Friede von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus! Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unserer Drangsal: auf daß auch wir trösten können Die, welche in jeglicher Bedrängnis sind, durch die Ermunterung, mit welcher wir selbst aufgerichtet werden von Gott.
Zuerst ziemt sich die Frage nach den Gründen, aus welchen der Apostel einen zweiten Brief an die Korinther zu dem ersten fügt, und was ihn bewegt, den Ausgang zu nehmen von den Erbarmungen Gottes und dem Troste. S. 10 Was ist also die Veranlassung des zweiten Schreibens? Im ersten Briefe hatte Paulus angekündigt: "Ich werde zu euch kommen und kennen lernen nicht das Wort der Aufgeblasenen, sondern die Kraft." Und am Ende des Schreibens hatte er das Versprechen wiederholt mit den milderen Worten: "Ich werde zu euch kommen, wenn ich Macedonien durchwandert habe; denn über Macedonien will ich gehen; bei euch aber werde ich vielleicht verweilen oder sogar den Winter zubringen." Inzwischen war nun eine lange Zeit vergangen, ohne daß der Apostel gekommen war; ja trotz des Umflusses der bestimmten zeit ließ er noch immer auf sich warten; denn der göttliche Geist hielt ihn bei andern Arbeiten zurück, die noch weit dringender waren. Daher die Notwendigkeit eines zweiten Schreibens, dessen es bei nur geringer Verspätung nicht bedurft hätte. Doch ist das nicht der einzige Grund. Der erste Brief hatte bessernd auf die Korinther gewirkt. Sie hatten nämlich jenen Unzüchtigen, der vorher in Zunft und Ehre bei ihnen stand, aus Verkehr und Gemeinskchaft gänzlich ausgeschlossen. Das sagen uns die Worte: "Wenn jemand betrübt hat, so hat er nicht mich (allein) betrübt, sondern einigermaßen, damit ich (ihn) nicht beschwere, euch alle. Genug ist für den Mann diese Strafe, die von der Mehrheit ist auferlegt." Und im Verlauf des Schreibens kommt er nochmals auf diesen Gegenstand zurück. "Denn siehe," sagt er, "gerade Dieses, daß ihr gottgemäß betrübt wurdet, welche Regsamkeit hat es in euch bewirkt, welche Entschuldigung, welchen Unwillen, ja Furcht und Sehnsucht, ja Eifer und Strafnahme! In Allem habt ihr euch ausgewiesen, daß ihr rein seid in dieser Sache." Auch waren sie an die anbefohlene Sammlung milder Gaben mit großem Eifer gegangen. Das heben rühmend die Worte hervor: "Ich kenne eure Bereitwilligkeit, wegen S. 11 deren ich mich eurer rühme bei den Macedoniern, daß nemlich Achaja mit den Gaben schon in Bereitschaft ist seit dem vorigen Jahre." Endlich hatte Titus, vom Apostel gesendet, in Korinth die herzlichste Aufnahme gefunden. Das anerkennt der Apostel, wenn er sagt: "Sein Innerstes ist euch jetzt noch mehr zugethan, da er sich vergegenwärtigt die Willfähigkeit von euch allen, wie mit Furcht und Zittern ihr ihn habt aufgenommen."
... S. 12