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Gemeindezentrum Mittenza
Adresse
4132 Muttenz
BL
Architektur
Das Gemeindezentrum Mittenza polarisierte nach seiner Vollendung die Öffentlichkeit. Neben kritischen Stimmen überzeugte der Bau aber den Schweizer Heimatschutz: Er würdigte ihn 1983, bei der Vergabe des Wakkerpreises an Muttenz, als Vorbild für eine zeitgemässe Ortsbildpflege. Noch heute gilt der Komplex als identitätsstiftende Mitte der Gemeinde. Die Formensprache – skulpturale Volumen, die trotz ihrer andersartigen Wirkung nicht den Bezug zum Bestand verlieren – bewirkt auf unverwechselbare Weise, dass sich der Bau in die Umgebung integriert, sich aber zugleich von ihr abhebt.
Chronologie
1960/1961 lancierte Muttenz, das damals stark wuchs, die Umgestaltung des historischen Ortskerns durch ein neues Gemeindezentrum. Den dafür ausgeschriebenen Wettbewerb konnten die Zürcher Architekten Rolf Keller und Fritz Schwarz für sich entscheiden. Der Bau wurde zwischen 1965 und 1970 anstelle der Gemeindekanzlei von 1942 errichtet. Für die Benennung des neuen Gemeindezentrums wurde der alte Ortsname von Muttenz, «Mittenza», gewählt. 2007 wurde der Mehrzweckraum des Kongresszentrums umgestaltet, die Nutzung aber beibehalten. Nachdem zwischenzeitlich auch über einen Abriss diskutiert wurde, schrieb die Bauverwaltung Ende 2021 einen Wettbewerb aus, durch den das Hotel und der grosse Saal umgenutzt werden sollen.
Lage
Der Baukomplex liegt direkt nördlich der mittelalterlichen Kirche St. Arbogast. Er fügt sich zwischen die von der Kirche sternförmig ausstrahlenden Strassen ein und ist dreiteilig. An der Hauptstrasse befindet sich das Geschäftshaus, südöstlich davon die Gemeindeverwaltung. Im Nordosten, eingespannt zwischen Hauptstrasse und Schulstrasse, schmiegen sich Hotel und grosser Saal an die Dorfstruktur an.
Beschreibung
Das Mittenza besteht aus drei Gebäudevolumen: Dem zur Gemeindeverwaltung umgebauten ehemaligen Gemeindehaus, dem Geschäftshaus und dem Hotel mit grossem Gemeindesaal. Im derzeit geplanten Umbau ist dort die örtliche Musikschule vorgesehen. Die Baukörper sind um einen Innenhof angeordnet, welcher durch drei Durchgänge aufgebrochen wird. Diese Durchgänge setzen Strassen- und Wegachsen des Ortskerns im Zentrum des Komplexes fort und kreuzen sich beim Gemeindezentrum. Die Architekten suchten in der Gliederung der als zweigeschossige Häuser aufgefassten Baukörper, der Gestaltung der Dachlandschaft, der Platzierung der Fenster und der Wahl von Materialien und Farben den Dialog mit den historischen Bauten des Orts und übersetzten die vorgefundenen Elemente in eine zeitgemässe Sprache. Diagonal gesetzte Anbauten ragen in den Innenhof und unterstützen so die kleinteilige Erscheinung der Gebäude. Das Geschäftshaus, der Hoteltrakt und die Gemeindeverwaltung weisen entlang der Strasse eine grössere Höhe auf und setzen mit ihrer Staffelung die örtliche Baustruktur fort. Prägend sind die steilen Ziegeldächer. Die Firste des Hoteltrakts und des Geschäftsgebäudes sind parallel zur Hauptstrasse ausgerichtet, alle übrigen quer zur Strasse. Die zum Dorf hin orientierten Dachflächen knüpfen mit den durch Aufschieblinge ausgebildeten Vordächern an bestehende traditionelle Dachformen an. Andererseits laufen die gegen den Innenhof geneigten Dachflächen spitz zu und kommen ohne Vordach aus. Äusserlich wirkt die Materialisierung des Komplexes zurückhaltend. Die sockellose Fassade besteht aus einem weissen Glattputz mit dunkelbraun gerahmten Fenstern. Die Giebelfassaden werden im Dachbereich durch grosse zurückversetze Flächenfenster aufgesprengt. Das erinnert an Holzverkleidungen von Bauernhäusern und Speichern. Diese Fensterflächen in den Giebeln sind im Kontrast zur Fassade in einem dunklen Braunton gehalten. Im Erdgeschoss werden grosse Öffnungen ebenfalls zurückversetzt. Die oberhalb liegenden Fenster sind geschossweise geordnet, wechseln aber, in Anlehnung an historische Bauten, ihre Grösse und Positionierung. Die Dächer prägen nicht nur den Aussenraum, denn auch im Innern wirken sie bestimmend: Die massive Konstruktion des Dachstuhls aus Föhrenholz ist im Foyer sowie im grossen Saal offengelegt. Wie eine spitz zulaufende Nussschale setzt sich das Dach auf den weiss verputzten tragenden Sockel. Dieser Kontrast zwischen hellen Wänden und dunkeln Holzdecken setzt die äussere Erscheinung ebenfalls im Innenraum fort. Das gegenteilige Prinzip kommt in den unteren Geschossen in Form von Weissputzdecken und dunkeln Wänden zum Einsatz. Für die Bodenbeläge wurden, je nach Nutzung, weisser Marmor, Parkett oder Spannteppich verwendet. Die Verkleidung der schrägen Dachflächen und Schreinerarbeiten bestehen aus Föhrenholz.
Literatur
- Broschüre Gemeindezentrum 1970. ohne Ort und Jahr, S. 18–23 (online)
- Gemeindezentrum Muttenz, in: Werk 58 (1971), S. 229–241 (online)
- Wyss, Alfred; Zumthor, Peter. Gemeindezentrum Muttenz, in: Werk 58 (1971), S. 771–772 (online)
- Ruegg, Andreas; Thalmann, Max. Aktiver Denkmalschutz in Muttenz, in: Schweizerische Bauzeitung 95 (1977), S. 630–632 (online)
- Thalmann, Max. Die praktische Realisierung einer Dorfkernplanung am Beispiel der Gemeinde Muttenz, in: plan 35 (1978), S. 8–12 (online)
- Badilatti, Marco. Ortsbildpflege in Muttenz, in: Heimatschutz 78 (1983), S. 12 u. 17 (online)
- Baertschi, Pierre. Aux abords de grandes villes : Dardagny et Muttenz sous la loupe, in: Heimatschutz 91 (1996), S. 8–12 (online)
- Liebensdörfer, Helen; Meier, Hanspeter; Vogt, Peter. Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, Liestal 2009, S. 147–148