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Die Streits oder die Streite?
Die Mehrzahlform „die Streits“ ist nicht selten anzutreffen. Wie die Spaghettis und die Müslis gehört sie zu einer jugendlichen Geht-schon-Grammatik. Der Duden, sprachlichen Neuerungen gegenüber sonst keineswegs verschlossen, hat sie allerdings bislang nicht abgesegnet. Beim Eintrag „Streit“ bietet er den Plural „die Streite“ an, allerdings mit dem einschränkenden Vermerk: „selten“. In seiner Liste der Beispiele führt der Duden jedoch keines mit der nun offiziell gebilligten Pluralform an.
„Streit“ ist ein Singularetantum wie „Glück“, „Regen“ oder „Gold“. Stets sind dies Wörter für Dinge, die nicht als zählbare Mengen in Erscheinung treten. Der in der Einzahl verbleibende Streit meint ein solches nicht zählbares Ding, nämlich den Zustand feindseligen Gegenüberstehens als Gegensatz zu dem des Friedens.
Geht es um einzelne Vorkommnisse solcher Gegnerschaft, so verschiebt sich die Bedeutung von „Streit“. Die Fälle treten in zählbaren Mengen auf, und das Wort benötigt dann eine Pluralform. Üblicherweise benützt das Deutsche hierfür einen Trick und spricht von Streitigkeiten, Streitfällen oder Streitsachen. Medien und Slang jedoch schätzen die Kürze; deshalb: Streite, Streits. Beides tönt falsch – aber offenkundig nicht mehr in jedermanns Ohren. Bei „die Streite“ hat der Duden schon halb nachgegeben, während es sich bei „die Streits“ vielleicht um eine Sprachmode handelt, die wieder verschwindet.
Die bis vor kurzem undenkbare Form „die Unglücke“ erscheint dem Duden heute als unverdächtig: Sie wird nicht nur durchdekliniert, sondern im Regelwerk auch mit einem Beispielsatz als korrektes Deutsch vorgestellt. Das Gegenstück „die Glücke“ fassen die Sprachregulierer hingegen mit spitzen Fingern an. Auch hier vermerkt der Duden, der Plural sei selten – um dann aber allen Bedeutungsgruppen von „Glück“ den Hinweis „Grammatik ohne Plural“ voranzustellen.
Beim Wort „Frieden“ ist der Stand der Duden-Vorschriften genau wie bei „Streit“. Das Regelwerk führt zwar in der grammatischen Liste die Pluralform „die Frieden“ auf, erwähnt sie aber unter den Beispielen der Wortbedeutung nicht. In den Sprachgebrauch ist sie bis jetzt auch tatsächlich nicht eingegangen. Um von der Mehrzahl zu reden, nimmt man auch hier Komposita wie „Friedensschlüsse“ zu Hilfe. Irgendwann wird das dann wohl als zu umständlich empfunden werden.
Nur zu! Sollten „die Frieden“ in Nahost, im Südsudan und allen anderen Kriegsgebieten Wirklichkeit werden, so wollen wir uns nicht an einer schräg tönenden Vokabel stören.