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Dissertationsprojekt: «Die Wissenschaft der Reproduktion» – Die Sexualwissenschaft als Projekt der arabischen Moderne?
Der ägyptische Arzt Faḫrī Faraǧ stellt 1924 fest, das Sprechen über Sex habe zu lange Zeit unter der Repression der religiösen Autoritäten und Traditionen gelitten. Nun sei es an der Zeit, sich wissenschaftlich und ohne jede falsche Scham mit Sexualität zu befassen und die geistige Unterdrückung durch die Religionen abzuschütteln. Er setzt sich zum Ziel, in Ägypten eine Sexualwissenschaft zu begründen. Diese wird bei ihm zum Wendepunkt für den Eintritt Ägyptens – oder gar der arabischen Welt – in die Moderne.
Das Markieren des eigenen Wissens als ‹modern› findet sich in zahlreichen medizinischen Texten des untersuchten Zeitraums (ca. 1879–1930). Es stellt sich die Frage, weshalb die Markierung des eigenen Wissens als grundlegend ‹modern› in der arabischen Wissenschaftslandschaft um die Jahrhundertwende so zentral war und was genau damit gemeint war. Wie wird das eigene Wissen mit Autorität versehen, nicht trotz, sondern gerade durch die Abgrenzung von einer etablierten Wissenstradition?
Die Texte, die in dieser Zeit zu Fragen rund um Sex(ualität) erschienen, werfen darüber hinaus auch inhaltliche Fragen auf: Wie wird in einem Diskurs, in dem Sexualität an Reproduktion geknüpft ist, mit Unfruchtbarkeit umgegangen? Wird in den untersuchten Texten eine umfassende Sexualtheorie entwickelt? Und welche Rolle spielt die arabische Rezeption von Darwins Evolutionstheorie für die Naturalisierung der heterosexuellen Monogamie?