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Sollte die Welt nicht aufhören, fossile Rohstoffe zu verbrennen und damit die globale Erwärmung weiter antreiben, werden unwiderrufliche Veränderungen in der Arktis verheerende Auswirkungen auf dessen Bewohner und auch den Rest der Welt haben. Zu diesem Schluss kommt eine Gruppe von Forschern nach einer 5-Jahres Studie. Die Ökosysteme der Arktis sind fundamental bedroht durch den Klimawandel und andere menschliche Aktivitäten wie Öl- und Gasförderung, schreiben sie in ihrem Bericht an den Arktisrat, dem internationalen Forum zum Schutz der arktischen Umwelt und der Bewohner.
„Die arktischen Ökosysteme verändern sich auf dramatische Art: das Eis schmilzt, die Meeresspiegel steigen, Küstengebiete erodieren weg, der Permafrostboden tauft auf und Lebensräume von Tieren und Pflanzen verschieben sich“, heisst es in dem Bericht. Er beschreibt 19 „Systemveränderungen“, d.h. grosse, schwer vorhersehbare Kipppunkte, die bereits überschritten wurden oder kurz davor stehen, innerhalb der arktischen Land- und Meeresgebiete. Diese Veränderungen beinhalten u.a. meereisfreie Sommer und den Zusammenbruch von Fischbeständen. Diese Veränderungen beeinflussen die Stabilität von Klima und Landschaft, die Fähigkeit der Arten zu überleben und die Lebensgrundlagen und –weisen von indigenen Völkern, fügt der Bericht an.
Die möglichen Auswirkungen arktischer Systemveränderungen auf den Rest der Welt sind „substantiell“, wie beispielsweise auf den Monsun in Asien, aber wenig verstanden, heisst es im Bericht weiter. „Wenn sich mehrere Veränderungen gegenseitigen verstärken, könnten die Auswirkungen katastrophal sein“, erklärt Johan Rockström vom Stockholm Resilience Center und Mitautor der Studie in einer Erklärung. „Die Breite der Effekte, wie wir sehen können, bedeutet, dass sich Arktisbewohner und Strategien auf Überraschungen gefasst machen sollten. Wir erwarten, dass einige der Veränderungen das regionale und globale Klima destabilisieren werden, und zwar mit grossen Folgen.“ Der Mitherausgeber des Berichts, Marcus Carson vom Stockholm Umwelt Institut erklärte gegenüber Reuters, dass in den letzten 6 bis 12 Monaten „noch weitere Alarmglocken wegen der Arktis und deren Übertragungseffekte klingelten.“ Im November hatten Wissenschaftler bis zu 20°C über dem Durchschnittswert über dem arktischen Ozean gemessen, womit sich die Eisbildung verzögert hatte. „Weil die Arktis mit dem Rest des Planeten in Bezug auf das Klima verknüpft ist, wird sich die Veränderung, die wir in die Arktis schicken, dort verstärken und dann auf uns zurückkommen“, erklärt Carson weiter.
Der Bericht beschreibt weiter, wie Gemeinden in arktischen Ländern von Finnland bis Russland und Kanada mit den aufziehenden Veränderungen umgehen. Es zeigt sich, dass einige sich besser anpassen können als andere. Als Beispiel dienen die Inuit von Cap Dorset in Nunavut, Kanada, die sich von nomadischen Jägern zu international anerkannten Künstlern aufgrund ihrer traditionellen Handwerke. Und in Island haben reduzierte Kabeljauquoten und ein Anstieg in der Walpopulation dazu geführt, dass die Fischereigemeinde von Husavik zu einem der angesagtesten Walbeobachtungsplätze des Landes konvertierte. Aber andere Orte zeigten sich nicht so unverwüstlich. In Schweden kämpfen die Sami, die Rentiere züchten, darum, ihre Tiere mit genügend Nahrung zu versehen und wandern wegen des immer weniger werdenden Eises immer mehr herum. Andere Gemeinden in Russland, Grönland und Alaska haben Probleme, haben Probleme mit Übersiedlungen und Verlagerungen.
Die Studie hebt die die Wichtigkeit hervor, die richtigen Gesetze und Systeme zu haben, so dass arktische Gemeinden kollektive Entscheidungen treffen können, wie man am besten mit dem Klimawandel umgehen soll. „Ultimativ wird die Umsetzung der Anpassungsfähigkeit in der Arktis davon abhängig sein, wie stark man die Menschen motivieren kann, sich selbst zu organisieren, die Herausforderungen selbst zu definieren und ihre eigenen Lösungsansätze zu entwickeln. Alles im Wissen, dass sie die Flexibilität und die Unterstützung von aussen haben, ihre Pläne umsetzen zu können“, heisst es im Bericht abschliessend.
Quelle: Thomson Reuters
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