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September / Oktober 2018
Im Surin-Nationalpark in Thailand traf ich diesen Frühling eine Frau, die ganz begeistert von ihren Schwimmerlebnissen mit den Walen auf Tonga erzählte. Ihre Schilderungen waren so beeindruckend, dass ich Tonga auf meine Liste der nächsten Reiseziele nahm. Im Sommer zurück in der Schweiz, konkretisierte sich mein Plan. Ich entschied, kurz vor dem Ende der Walsaison, Ende September, Tonga zu besuchen, damit ich den grössten Teil des Sommers in der Schweiz verbringen konnte. Diese Buckelwal-Population hält sich von Mitte Juli bis Mitte Oktober in den seichten Gewässern von Tonga auf, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und sie auf die lange Reise zurück in die Antarktis vorzubereiten, wo die Wale wieder Nahrung finden. Zudem paaren die Wale sich in Tonga. Nach einer Tragezeit von 11 bis 12 Monaten gebären die Weibchen ihre Jungen zurück in Tonga. Die Neugeborenen sind 3 bis 5 Meter lang und wiegen bereits 1.5 bis 2 Tonnen. Jeden Tag trinken sie 400 – 500 Liter Milch und legen täglich 45 kg zu. Die erwachsenen Buckelwale bringen es im Schnitt auf 15 Meter und sind bis zu 40 Tonnen schwer. Ihre Brustflossen sind mit einer Länge von mehr als 4.5 Metern die grössten aller Wale und die Gesänge der männlichen Buckelwale sind die längsten und komplexesten im Tierreich.
Nach einem 27-stündigen Flug erreichte ich die Hauptinsel Tongas namens Tongatapu. Am nächsten Tag flog ich gleich weiter zum 160 km entfernten Archipel Ha’apai, wo ich mit den Walen schwimmen wollte. Von fünf Tagestouren konnte ich bloss ein Mal eine Walmutter mit ihrem Kalb über längere Zeit beobachten. Dies war ein eindrückliches Erlebnis, wie die Fotos zeigen.
Die Mutter war meist in einer vertikalen Position, während das Kalb unsere Gruppe beim Auftauchen zum Luftholen jeweils neugierig musterte. Es wäre für diese Wale ein Leichtes gewesen, in der Tiefe zu verschwinden, wie das an anderen Tagen oft der Fall war. Diese Mutter hat es aber ganz bewusst zugelassen, dass wir vier Schwimmer mit unserer Führerin Jess sie und ihr Junges beobachten konnten.
Die zweite Gruppe schwimmt zu einem Wal
Ich sah auch mehrere Wale ganz in der Nähe aus dem Wasser springen. Bis ich die Kamera bereit hatte, war das Spektakel allerdings bereits vorüber. Einmal hatten wir auf dem Boot ein Unterwassermikrofon dabei, so dass wir dem Gesang der Wale lauschen konnten.
Im Gespräch mit verschiedenen Wal-Guides fand ich heraus, dass Mitte August bis Mitte September die grösste Chance besteht, schnorchelnd eine längere Begegnung mit den Walen zu erleben. Zu dieser Zeit sind die Kälber schon grösser und selbstsicherer und die Mütter entspannter als im Juli kurz nach der Geburt. Auch Anfang Oktober hatten Leute noch tolle Wal-Interaktionen. Ein Guide meinte, dass die Zeit um Vollmond weniger gut sei für Wal-Interaktionen. Und weiter draussen im Meer sei die Sicht besser als im seichteren Wasser zwischen den Inseln. Es ist daher vorteilhaft, wenn man den Walen weiter draussen begegnen kann.
Es stellte sich heraus, dass ich mit einer unterdurchschnittlichen Wal-Tour-Firma unterwegs war. Andere Leute hatten bessere und öftere Begegnungen mit den Walen. Auch wenn ich trotz fünf sehr teuren Wal-Touren bloss ein Mal eine längere Wal-Interaktion erleben durfte, war dieses eine Mal ein besonderes Erlebnis. Die Reise nach Tonga hat sich also bereits gelohnt.
Anschliessend bereiste ich Tonga während weiteren sechs Wochen.