Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03212.jsonl.gz/2592

Bereits die alten Römer kannten die Heilkraft der mineralischen Quellen unserer Region. Aufgrund von entsprechenden Überlieferungen erhielt Theodor Zwinger 1693 den Auftrag für Eptingen ein Gutachten zum Rucheptingerwasser zu erstellen.
Dieses soll fast so klar wie Brunnenwasser gewesen sein, mit einem etwas rauen Geschmack. Heilende Eigenschaften wurden ihm attestiert: unter anderem die Reinigung von unreinem Blut, Verhütung der Verstopfungen von Leber, Milz und Nieren oder den Entzug von Mattigkeit der Glieder. Des Weiteren soll es raue oder juckende Haut gesäubert, geheilt und sogar die Esslust gefördert haben. Der Expertenbericht schloss mit den Worten: «Wir achten es also für Schaden, dass dieses Mineralbaadwasser nicht mehr probieret und gebrauchet wird, als bisher geschehen...».
Bad Ruch-Eptingen erbaut um 1700
Der alte Name des Dorfes «Ruch-Eptingen» deutet darauf hin, dass hier ein raues Klima geherrscht haben muss. Aus Aufzeichnungen des Müllers Hans Jakob Strub in den frühen 1770er Jahren soll das Bad um 1700 erbaut worden sein. Ab 1771 teilte Strub sich die Bewirtschaftung des Bades mit dem Dorfwirt Johannes Thommen vierteljährlich. Thommen, der im Laufe der darauf folgenden Jahre auch das Bad erwarb, übertrug 1782 das Wirtsrecht an seinen Sohn.
Wissenschaftliche Untersuchung des Wassers
1826 untersuchte Dr. Christoph Staehelin das Eptinger Wasser erneut und stellte schwefelsaure Talk- und Kalkerde, Kieselerde, salz- und kohlensaure Kalkerde sowie eine Spur Eisenoxyd fest. Ferner bestätigte er dem Wasser einen besonderen Nutzen gegen Rheumatismen und Gelenksteifigkeit. Der innere, wie äussere Gebrauch wurde bei Magen- und Nierenleiden, Stockungen in Leber und Milz und Hautausschlägen empfohlen.
Im 19. Jahrhundert das bestbesuchte Bad im Baselbiet
Der erholungsbedürftige wohlhabende Mittelstand aus Basel, aber auch aus Mülhausen, Zürich und dem Aargau, genoss den Kurort. Vor allem während den warmen Sommermonaten. Streng und sittlich, ohne Musik und Tanz, fanden die Städter Erholung in den drei Gebäuden mit ihren 50 Zimmern und 75 Betten, welche durch Galerien miteinander verbunden waren und über acht Badezimmer mit 30 Wannen verfügten.
Edmund Buchenhorner und Ernst Singer übernehmen das Bad und Quelle
Zwei junge und tüchtige Freunde und Schwager, ein Koch und ein Zöllner aus dem Thurgau, landeten auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee 1899 im Baselbiet und erwarben das Bad. Sie merkten schnell, dass mit der Mineralquelle und dem Betrieb des Badhotels noch viel mehr Geld zu verdienen war. Alsbald verkauften sie das heilkräftige Mineralwasser auch ausserhalb des Dorfes. Es ging sehr schnell und die jährliche Produktion erreichte die Millionen-Flaschen-Grenze.
Der im Kurhaus angebaute Wasserkeller konnte der gesteigerten Nachfrage nicht mehr genügen. Neue Gebäude in Eptingen und an der Bahnlinie in Sissach konnten errichtet werden. 1924 stellte man den Badebetrieb ein, das Kurhaus überging in Pacht. Um im Badehaus Wohnungen für Mitarbeitende der Mineralquelle einzurichten, wurden die Gebäude 1948 getrennt.
Familie Schwander-Büttler
1954 verkauften Buchenhorners das Kurhaus an die Familie Schwander-Büttler, die fünf Jahre später im Hauptgebäude noch zusätzlich eine Metzgerei einrichtete. Nach dem frühen Tod von Theodor Schwander übernahm dessen Gattin Elisabeth die Führung des Betriebs. 1979/80 trat Sohn Heinz ins elterliche Geschäft ein und das Hotel und Restaurant wurden während einem Jahr komplett saniert. Seit 1996 leiten er und sein Partner Stefano Spata das Hotel mit 16 Zimmern, Seminar und Tagesräumen äusserst erfolgreich gemeinsam.
Die Zeiten der Badekuren in Bad Eptingen sind längst vorbei und trotzdem nehmen täglich viele Baslerinnen und Basler die knapp 36 Kilometer in Kauf, um im dortigen Restaurant zu speisen. Das Gasthaus ist eine Perle, die Küche längst kein Geheimtipp mehr, Eptingermineralwasser und das daraus hergestellte Pepita gibt es obendrauf.
--
Betriebsferien Bad Eptingen vom 3. - 20 Juli 2017.
Weitere Informationen zur Geschichte rund ums Bad Eptingen finden sich im Band «Von alten Bädern in der Stadt und der Landschaft Basel», 1964 von Eugen A. Meier, Verlag Helbing & Lichtenhahn.
Wollen Sie sich dazu äussern? Hier geht es zur Diskussion.