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Stellen Sie sich vor unser Klima sei ein Flugzeug. Wie alle Flugzeuge benötigt auch unser „Klimaflugzeug“ eine komplexe Maschinerie und einiges an Expertise, um in der Luft zu bleiben. Bei diesem sehr wichtigen Flug sind politische Entscheider und internationale Unternehmen die Piloten, die Entscheidungen treffen, um den Flug stabil zu halten. Klimaregulationen stellen hingegen die Navigationswerkzeuge dar, mit denen unser Flugzeug durch die Luft geführt wird.
Der Weg zu einer nachhaltigen Zukunft war bis jetzt eher turbulent. Die Menschheit hat keine besonders gute Arbeit geleistet, um unseren Flieger auf einer sicheren Höhe zu halten. Gerade als wir einen Weg entdeckt hatten, um die Hälfte des Plastikmülls in den Ozeanen innerhalb der nächsten fünf Jahre zu reinigen, erhält eine Mega-Miene die Genehmigung Wasser in der Nähe des Great Barrier Reefs abzubaggern. Und gerade als Apple ein „Closed-Loop“ Recycling Versprechen abgibt, bestätigt Trump den Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen.
Trotz all dieser Unsicherheit kann ein Fakt nicht angezweifelt werden: Der Klimawandel existiert und verschwindet nicht mehr so einfach. Unser Planet ist auf der Flugbahn in Richtung eines „2-Grad-Erderwärmung“-Absturzes. Um die CO2-Emissionen zu reduzieren und die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen zu mildern, welche dieser Wandel mit sich bringen wird, ist die Zusammenarbeit auf einer globalen Ebene erforderlich. Politiker mögen sich streiten und nicht nachhaltige Entscheidungen mögen getroffen werden – aber der Rest von uns kommt mit der Klimamilderung voran, indem wir die uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge und Methoden umsetzen, um eine saubere und nachhaltige Zukunft sicherzustellen.
Wie können wir also unser Klimaflugzeug für eine sanfte Landung verlangsamen? Noch besser, wie können wir es vor dem Sinkflug stoppen? Eine der am weitesten verbreiteten freiwilligen Massnahmen, die für Betriebe und Einzelpersonen zur Verfügung stehen, ist die CO2-Kompensation. Dies ist ein oft verwendeter Begriff, was er jedoch genau beinhaltet (und was dies für das Klima bedeutet) ist häufig unklar.
Was ist CO2-Kompensation?
Die CO2-Kompensation kann auf der einen Seite als Fallschirm gesehen werden: Sie hilft den Sinkflug unseres Flugzeugs zu verlangsamen und gibt unserer Welt dadurch mehr Zeit um sich auf die Auswirkungen vorzubereiten. Zeitgleich schafft die CO2-Kompensation eine Reihe an Möglichkeiten und Vorteilen, welche über den Klimaschutz hinausgehen; dies bedeutet, dass sie sogar als zusätzliches Triebwerk für unser Flugzeug dienen kann. Es ist ein System, das neue Wege innerhalb der Wirtschaft bereitstellt, die ein nachhaltiges Wachstum ermöglichen, und gleichzeitig eine Lösung für die schädlichen Treibhausgas-Emissionen, die unseren Planeten erwärmen, bereitstellen.
Einfach gesagt bezieht sich CO2-Kompensation auf den Prozess, bei dem eine Organisation oder eine Person in ein Nachhaltigkeitsprojekt oder eine Initiative mit dem Zweck investiert, eine bestimmte Menge an CO2- Emissionen zu vermeiden, welche sie selbst produziert, (z.B. die Emissionen, die beim Verbrennen von fossilen Brennstoffen zur Stromerzeugung für ein Büro entstehen oder das Kohlendioxid, das bei einem internationalen Flug produziert wird).
Das Nachhaltigkeitsprojekt kann überall in der Welt durchgeführt werden. Die Möglichkeiten reichen davon Bäume anzupflanzen, die CO2 aufnehmen, bis hin zum Ersatz von Strom aus fossilen Quellen durch erneuerbare Windenergie. Um für eine Kompensation geeignet zu sein, muss die Projektaktivität eine Reduktion der CO2-Emissionen bedingen.
Indem sie also in solch ein Projekt investieren (also „Emissionsgutschrift erwerben“) ermöglichen die Käufer Massnahmen, welche die CO2-Emissionen an anderen Orten auf der Welt reduzieren, womit sie global betrachtet zu einer Emissionsreduktion beitragen. Somit können, in Abhängigkeit von der Menge der gekauften Gutschriften, die eigenen CO2- Emissionen neutralisiert d. h. „kompensiert“ werden.
Vorteile, die über CO2 hinausgehen
Bei der CO2-Kompensation geht es weder um die Fortführung von schlechten Gewohnheiten, noch ist es ein einfacher Austausch von Geld für eine abstrakte Menge an CO2 in einem weit entfernten Land. Dahinter steckt ein komplexes und reguliertes System von Standards, um sicher zu stellen, dass die Projekte möglichst greifbare und nachhaltige Auswirkungen haben. Projektstandards definieren die Kriterien, mit welchen Projekte ausgewählt und ausgewertet werden. Sie dienen ausserdem der Unterscheidung, ob die Emissionsgutschriften im freiwilligen oder im Compliance-Markt erworben werden [1]. Normalerweise beinhalten die Projektstandards Kriterien zum Projekttypus, zu den Auswirkungen des Projekts auf lokale Gemeinschaften und zum Potenzial des Projekts, einen Beitrag zu zusätzlichen Emissions-Reduktionen zu leisten. [2]
Zur Vereinfachung lassen sich die Standards mit den Fairtrade- und Bio-Labels im Lebensmittelbereich vergleichen. Freiwillige Standards wie z.B. der Voluntary Gold Standard (VGS) und der Voluntary Carbon Standard (VCS), stellen sicher, dass ein Projekt tatsächlich die Menge an CO2 reduziert, die es angibt. Der kürzlich eingeführte Gold Standard for Global Goals (GSGG) ist ein Label, welches Projekte anfordern können, wenn sie mindestens drei der UN Sustainable Development Goals des Pariser Abkommens umsetzen konnten.
Das Kariba REDD+ forest protection project in Zimbabwe reduziert z.B. CO2-Emissionen durch eine Reihe von Aufforstungsmassnahmen. Dabei entstehen neue Arbeitsplätze, eine bessere Gesundheitsfürsorge, mehr Bildungs- und neue Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Es verbessert also die wirtschaftlichen Bedingungen und die Lebensumstände in der Projektregion. All das wird möglich, weil ausländische Betriebe Emissionsgutschriften erwerben! Ähnlich ist es beim Caceres and Cravo Norte project in Kolumbien, welches die biologische Vielfalt in zerstörten Landflächen wieder aufbaut und dabei 150 neue Arbeitsplätze schafft, während das Chorchaiwat Wastewater Treatment project in Thailand die Luftqualität für Anwohner verbessert und das durch CO2 Guthaben eingenommene Geld benutzt, um Sozial- und Bildungsaktivitäten für lokale Gemeinschaften zu finanzieren.
Plötzlich ist unser CO2-Kompensations-Fallschirm nicht nur ein Mittel um den Klimawandel zu verlangsamen – er agiert auch als ein zusätzliches Triebwerk, welches uns dabei hilft, eine nachhaltige Zukunft für die Weltbevölkerung zu ermöglichen.
Kompensation für eine nachhaltige Kultur
Die Welt nach dem Pariser Abkommen ist dabei sich zu verändern. Während Regierungen die national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions – NDC) erreichen möchten, beginnen die Betriebe, freiwillige Verpflichtungen als einen klugen Schachzug zu verstehen. Der Wechsel zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft findet bereits statt und je früher wir sowohl im Unternehmen als auch im Privatleben mit der Umsetzung von Massnahmen zur CO2-Reduktion anfangen, desto schneller kann das wirtschaftliche Potential eines kohlestoffarmen Weges realisiert werden.
Während die Kompensation ein guter Weg ist, um die unvermeidbaren Emissionen zu reduzieren (und im Falle von Unternehmen eine 100%ige CO2 Neutralität zu erreichen), gibt es ausserdem viele ganzheitliche Wege, um auf einer persönlichen Ebene „CO2 neutral“ zu werden. Den Energieverbrauch zu reduzieren, sicherzustellen, dass unsere Investitionen eine grünere Zukunft unterstützen oder eine klimaschonende Transportmöglichkeit zu finden, sind nur einige kleine Veränderungen, die wir in unserem Alltag machen können, um unseren CO2- Fussabdruck zu reduzieren. Die We Act Challenge ist ein toller Weg um die verschiedenen Wege zu kennenzulernen. Routinen und Gewohnheiten können nachhaltiger werden, indem man eine Vielzahl von kleinen Aktivitäten unternimmt und so ein CO2-armes Büro wird. Um die positiven Auswirkungen zu verstärken, wird South Pole Group für jede gemachte Aktion während der We Act Challenge 2017, 5kg CO2 über ein von den Teilnehmern ausgewähltes Klimaprojekt kompensieren.
Indem wir der Reduktion unseres CO2-Fussabdrucks mehr Aufmerksamkeit widmen und die Emissionen, die wir nicht reduzieren können mit qualitativ hochwertigen Emissionsprojekten kompensieren, können wir eine Kultur erschaffen, die nicht nur die Klimaerwärmung verlangsamt, sondern auch Unternehmens-Potentiale und sozio-ökonomische Vorteile für alle Gemeinschaften rund um die Welt erschliesst.
Lasst uns die Nachhaltigkeitskultur begrüssen und unser „Klimaflugzeug“ in der Luft halten.
Über den Autor
South Pole Group bietet Dienstleistungen innerhalb des gesamten CO2-Kompensations-Zyklus. Das Unternehmen hilft Betrieben dabei auszurechnen und zu verstehen, wie viel CO2 sie emittieren. South Pole Group hilft ausserdem beim Aufgleisen und Durchführen von Projekten und stellt zertifizierte Emissionsgutschriften aus.
Dieser Artikel wurde von Lily Keenan, Kommunikationsspezialistin bei South Pole Group verfasst. Die Autorin erhielt Unterstützung von den South Pole Group Experten im Emissionsreduktions-Management. Lily ist eine Absolventin der Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität in Sydney und verfügt über Erfahrungen in den Bereichen Medien, Kommunikation und soziale Unternehmen.
Fussnoten
[1] Kohlenstoffmärkte existieren sowohl unter Compliance-Richtlinien als auch als freiwillige Programme. Compliance-Märkte basieren auf verpflichtenden nationalen, regionalen oder internationalen Richtlinien zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen. Freiwillige Märkte funktionieren ausserhalb der Compliance-Märkte und ermöglichen es Unternehmen und Individuen, Emissionsgutschriften auf freiwilliger Basis zu erwerben, ohne eine beabsichtigte Nutzung zu Compliance-Zwecken. Die Standards für diese beiden Märkte unterscheiden sich.
[2] Allein durch Standards kann die Qualität eines Projekts nicht sichergestellt werden. Daher werden die Standards von einem Verifizierungsprozess begleitet. Die Verifizierung besteht aus der turnusmässigen Überwachung (Monitoring) und Überprüfung bestehender Projekte zuzüglich zu einer Evaluation nach Projektende. Durch das Monitoring wird sichergestellt, dass das Projekt seine Ziele erreicht und korrekt abläuft.