Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/178119

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt aufzuzeigen, wie mit einem Zeitvorsorgesystem spezifische Dienstleistungen abgegolten und wie mit den dadurch aufgebauten Guthaben entsprechende Dienstleistungen bezogen werden können. Dabei geht es insbesondere um Dienstleistungen rund um die Betreuung und Pflege von älteren Menschen, aber auch um die familienergänzende Kinderbetreuung, soweit diese ohne spezifische Fachausbildungen wahrgenommen werden können.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Idee eines Zeitvorsorgesystems, bei dem Einzelpersonen untereinander Dienstleistungen erbringen, die sie später gegen Hilfeleistungen eintauschen können, hat bereits vor knapp zehn Jahren die Aufmerksamkeit des EDI geweckt. Damals wurden im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) die Ausgestaltungs- und Umsetzungsmodalitäten einer Zeitvorsorge geprüft, wobei Erfahrungen aus dem Ausland einbezogen wurden (Bass, "Zeitgutschriften für die Begleitung, Betreuung und/oder Pflege älterer Menschen. Literaturübersicht und Einschätzungen von Experten aus der Praxis", Bern 2008). Basierend auf dieser Vorstudie haben das BSV und die Stadt St. Gallen mit einer Machbarkeitsstudie abgeklärt, ob sich diese Stadt für ein Pilotprojekt eignet. Das Projekt wurde 2014 lanciert, und das Stadtparlament entscheidet im Verlauf des Jahres 2017 über die Weiterführung. Seinen Entscheid stützt es auf die Ergebnisse einer eigens durchgeführten Evaluation.</p><p>In der Zwischenzeit wurden im Kanton Obwalden und in mehreren Zentral- und Ostschweizer Städten Zeitvorsorgesysteme umgesetzt, die auf dem Kooperationsmodell beruhen. Sie sind unter der Dachorganisation Kiss Schweiz zusammengefasst, die sie bei der Gründung und Weiterentwicklung begleitet. Die Evaluation dieses Modells ist ebenfalls für 2017 vorgesehen.</p><p>Die ersten Erfahrungen zeigen, dass Zeitkreditsysteme auf relativ kleiner Stufe und basierend auf den jeweiligen lokalen Gegebenheiten konzipiert werden müssen und dass die Organisation und die Wahl der ausgetauschten Leistungen viel Flexibilität erfordern. Bisher wurde die Zeitvorsorge hauptsächlich auf Gemeindeebene umgesetzt. Die Kantone, die die Machbarkeit einer Erweiterung des Anwendungsbereichs auf das Kantonsgebiet geprüft haben, sind skeptisch, weil sie zu hohe Umsetzungskosten befürchten.</p><p>Der Bundesrat ist der Ansicht, dass der Bund einen wertvollen Anstoss zur Entwicklung des Konzepts der Zeitvorsorge und zu dessen Abklärung geliefert hat. Den interessierten Kreisen stehen zwei Grundmodelle zur Verfügung, die sich auf andere Kontexte übertragen lassen. Die Grundlagen dieser Modelle entsprechen den Erwartungen des Postulates, weshalb der Bundesrat keinen Anlass sieht, eine erneute Studie durchzuführen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.