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16 Mal war er schon nominiert – 15 Mal ist nichts passiert: Jon Hamm alias Don Draper hat endlich seinen Emmy gewonnen. Doch mit dem Ende seiner Figur aus «Mad Men» dürfte auch seine Karriere vorbei sein.
Der Mann ist Hamms Schicksal. Sieben Jahre lang spielte Jon Hamm aus St.Louis, Missouri, in «Mad Men» den Schönsten aller Schönen: Don Draper, New Yorker Werbegenie aus den Sixties und Auslaufmodell einer klassischen Männerkaste, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg ganz heimlich die Werte von vor dem Krieg zurückwünscht. Die Frauen. Den Lifestyle. Die rein männliche, rein weisse Definitionsmacht über alles.
Als Don Draper war Jon Hamm vollkommen. Wegen Don Draper wurde das Wort «retrosexuell» erfunden. Als die «New York Times» einmal eine Strassenumfrage zum Thema Hamm/Draper machte, sagten die New Yorkerinnen: «Er scheint jeder Frau zu sagen: ‹Oh Baby, ich besorg's dir wie kein anderer, aber ich sorge auch für dich.›»
Dass Don Draper nicht nur im Büro, sondern auch im Bett ein paar Jahre lang der Beste war, das machte uns «Mad Men» klar. Und das waren auch die Jahre, in denen Jon Hamm so gut für sich und seine Freundin, die Regisseurin Jennifer Westfeldt, zu sorgen wusste, wie nie vorher. Denn vor «Mad Men» hatte er nur kleine Gelegenheits-Schauspieljobs. Und kellnerte. Und schob Kulissen in Pornofilmen – «na ja, sagen wir, in Erwachsenenfilmen, die sehr spät nachts ... Es waren die elendesten Jahre meines Lebens.» Sein einziger Besitz war damals sein Skateboard, seinen Führerschein hatte er wegen häufigen Falschparkens verloren. Seine auffälligste Rolle war stumm und hiess «gorgeous guy at bar», 1997 in «Ally McBeal». Im Jahr, als er Jennifer Westfeldt kennen lernte.
Damals war sie der Star. Oder ein Nachwuchstalent, dem man das Zeug zum Star zutraute. Eine Schauspielerin, die einmal ein Drehbuch schrieb («Kissing Jessica Stein»). Als Jon Hamm dann schon bei «Mad Men» war, hatte sie eine regelmässige Rolle in «24» und führte Regie für «Friends with Kids», einen verklemmt-verstopften Rohrkrepierer von einer Komödie – mit Jon Hamm in einer Nebenrolle.
Da lief gerade die fünfte Staffel von «Mad Men», und Don Draper hatte seinen Schlüsselmoment: Seine neue Frau (Jessica Paré) lässt ihn mit «Tomorrow Never Knows» von den Beatles allein, verstört und verloren sitzt er da. Wundert sich angesichts der radikalen Avantgarde über die komische junge Welt von morgen.
Das war vor drei Jahren. «Was ist Ihnen am wichtigsten?» fragte ich Jon Hamm damals. «Treue.» «Sind Sie glücklich?» – «Mir fehlt es an nichts. Zum ersten Mal in meinem Leben.» «Sind Sie Don Draper?» – «Ich habe mich noch nie versucht gefühlt, mich mit Don Draper zu identifizieren. Er hat kein wirklich gutes Leben, es ist eine Abfolge von Widersprüchen. Ich dagegen bin erfüllt, ehrlich, total zufrieden.»
Dann ging's bergab. Mit Don Draper und mit Jon Hamm. Weil Jon die Trennung von Don nicht mehr gelang. Weil er sich mit der zunehmend auseinander fallenden Figur identifizierte, obwohl er doch gerade das nie gewollt hatte. «Ich bin nicht immun gegen ihn», gestand er schliesslich. Jon wurde – wie Don Draper – Alkoholiker. Jon verlor Jen – so wie Don Draper alle seine Frauen verloren hatte. «Mit grosser Trauer haben wir uns entschieden, uns nach 18 Jahren voller Liebe und gemeinsamer Geschichte zu trennen», verkündeten die beiden im Sommer.
«Don Draper ist ein Arschloch», sagte er einmal. Jon Hamm ist kein Arschloch. Aber was er auch versuchte ausserhalb von Don Draper, es glückte nicht. Die zwei Staffeln von «A Young Doctor's Notebook», die er immerhin mit Daniel Radcliffe zusammen bestritt, gingen kaum gesehen unter. Sonst blieb er ein Don-Draper-Zitat mit Auftritten in Comedy-Serien. Eine Fussnote seiner selbst.
Denn das Problem ist der Mann in Hamm. Er ist halt ein Klassiker. Nicht wirklich modern. Genau wie Don Draper. Aber leider nicht so genial wie dieser. Eine Cary-Grant-Kopie in einer Zeit, die Eddie Redmayne als Transgender sehen will.
Sein Emmy ist die Abschiedshuldigung einer Industrie. An einen Mann, der als das schönste Eight-Year-Wonder aller bisherigen Zeiten in die Seriengeschichte eingehen wird.