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Intelligente Kamera denkt mit
Software steuert mehrere Kameras
Kern ihrer Lösung bildet die Software, die künstliche Intelligenz, Bilderkennung und mathematische Vorhersagemodelle vereint. Sie kann die Bewegung einer Person im Bild antizipieren und die Kameras so schwenken, als würden sie von Menschen bedient. Dabei funktioniert die Software mit unterschiedlichen Kameras von verschiedenen Herstellern, was einen flexiblen und vielseitigen Einsatz der Technologie ermöglicht. Vom Computer aus kann eine Person die Videoaufnahmen steuern, Bildausschnitte wählen und Präsentationsfolien oder Videos einspielen. Die Anwendung eignet sich besonders für Übertragungen, wenn das Budget zu klein ist für ein ganzes Team von Kameraleuten oder das technische Know-how fehlt. Das können Geschäftspräsentationen sein, kulturelle Anlässe wie Konzerte oder sogar die Aufzeichnung eines Tennisspiels.
Der Weg bis zur heutigen Lösung von Seervision war von verschiedenen Versuchen und Umwegen geprägt. Dass Nikos Kariotoglou überhaupt sein Doktorat in Steuerungstechnik an der ETH Zürich absolvierte, war dem Zufall geschuldet. Während seines Masterstudiums in Elektrotechnik am Imperial College in London machte er einen Austausch an der ETH Zürich. In dieser Zeit verletzte er sich beim Fussballspielen am Knie und sass von da im Labor des Instituts für Automatik (IFA) fest. «Wäre das nicht passiert, wäre wohl vieles anders gelaufen», sagt er schmunzelnd. Er tüftelte an Robotern und war vom Labor so begeistert, dass er sich schliesslich für ein Doktorat bewarb.
Als Doktorand arbeitete Kariotoglou an ferngesteuerten Kameras und hatte die Idee, sie mit einem neuen Algorithmus zu verbessern. Die Kameras sollten intelligent auf die Bewegung eines Subjekts reagieren. Reto Hofmann, ein damaliger Masterstudent, nahm sich der Herausforderung an, ein solch intelligentes Kamerasystem zusammenzubauen für die Vorlesungen des Leiters des IFA, ETH-Professor John Lygeros. Der klobige, schwere Prototyp bildete den Grundstein für das Spin-off, das sie 2016 gründeten. Einige Monate später, als das System gedieh, hörte Conrad von Grebel von ihrer Idee. Der Besitzer einer Videoproduktionsfirma stieg kurzerhand beim Start-up als Mitgründer ein und brachte so wichtiges Branchenwissen ein.
Autor(in) Omar Zeroual, ETH-News