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Geheimbünde
Seit den Mysterienbünden der Antike haben geheime Gesellschaften Eingeweihte und Außenstehende fasziniert. Das Spektrum ist breit: Illuminaten, Freimaurer, Rosenkreuzer, daneben tätige (P2) und kriminelle (Yakuza, Triaden, Mafia) Gruppen. Geheimbünde sind Gesellschaften und Gruppen mit Elementen der Geheimhaltung. Vor allem aber sind sie ein Thema der Imagination: Sie beschäftigen unsere Fantasie, sie verbinden sich mit Faszination, Hoffnung und Angst. Geheimbünde haben als eine Struktur religiösen und gesellschaftlichen Lebens eine Geschichte, die weit über die Mysterien der Antike zurückreicht. Zum Beispiel der Glaube an Hexen und Magier, ihre besonderen Kräfte und an den Schaden, den sie der Gesellschaft zufügen. Was im späten Mittelalter zu der aus der Antike und dem alteuropäischen Raum ererbten Hexenvorstellung hinzutritt, ist die Konstruktion einer „Hexensekte“, sozusagen einer eigenen schwarzmagischen Religion. Damit wurde ein Paradigma (eine bestimmte Art der Weltanschauung) geschaffen, das bis in die jüngste Vergangenheit unheilvoll wirksam war. Der historische Illuminatenorden; am 1. Mai 1776 gründet der erst 28-jährige Professor für Kirchenrecht Adam Weishaupt in Ingolstadt mit Studenten den Illuminatenorden (lat. Illuminati „Erleuchtete“). Dem Orden war nur eine kurze und wenig glanzvolle Geschichte beschieden, aber er wurde zum Ansatzpunkt für eine der erstaunlichsten Legendenbildungen in den Annalen der Geheimbünde. Name der Gründung war zuerst „Bund der Perfektibilisten“. Die „Mafia“ ist heute zu einem Synonym für organisierte Kriminalität geworden, meint aber von Hause aus einen Geheimbund, der seine Wurzeln im Sizilien des 19. Jhdts. hatte. Allgemeiner kann man immerhin von „mafiosen Organisationen“ sprechen. Mafia und Staat sind in gewisser Hinsicht immer Konkurrenzunternehmen, „Parallelsysteme organisierter Macht“. Persönliche Vorteilsverschaffung macht die Mafia für breite Kreise attraktiv, während ihre in vieler Hinsicht altertümlich-paternalistische Geheimbundstruktur ihr einen festen Rückhalt in manchen Kreisen schafft. Und ein Wort noch zu den Scientologen, deren erstes Ziel die Erreichung des Zustandes „Clear“ ist, der alle negativen Erfahrungen („Engramme“) vollständig bewältigt habe und über ein vollkommenes Gedächtnis, eine gesteigerte Intelligenz und geläuterte Emotionen verfüge sowie keine psychosomatische Störungen mehr aufweisen solle. Scientology verdient Analyse, vor allem als neuzeitliche Bewegung, die sich im Gegensatz zu den meisten „Sekten“ und Neuen Religiösen Bewegungen vollständig außerhalb der Matrix einer der traditionellen Religionen bewegt. In religionswissenschaftlicher Analyse stellt Scientology den neuzeitlichen Typ einer dualistischen, dezidiert gnostischen („Befreiung“ als Erkenntnisgeschehen) Mysterienreligion mit strikter Arkandisziplin dar. Äusserlich oft als Lebenshilfeangebot auftretend, zielt die innere Struktur von Scientology auf völlige Hingabe des Mitgliedes an die Ziele der Bewegung („a clear planet“). Sie setzt sich damit freilich auch regelmäßig dem Totalitärismusverdacht aus.
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