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Karl Heinzmann

Karl Heinzmann20.12.1937 VMC Aargovia Möhlin
Sportliche Laufbahn:
1957 Erste Rennen auf Bahn und Strasse. Medaillenfinal gegen Benny Rieker. Qualifikation zum Bahnamateur.
1958 Siege: Basler Americaine mit Jörg Hänggi. Beim Abschiedsrennen von Ferdi Kübler im Hallenstadion, als Aussenseiter Sieg im Punktefahren-Final vor der gesamten Zürcher Elite.
1959 Qualifikation zum Amateur A bei der Habsburgrundfahrt. Je ein Sieg auf den Winterbahnen von Zürich und Basel.
1960 Erste Ehrenplätze bei Strassenrennen und Kriterien als Amateur A. Americaine-Sieg mit Robi Hügli in Lausanne. Siege auf den Winterbahnen von Zürich und Basel. Dritter der Zürcher Omnium-Meisterschaft.
1961 Siege in den Kriterien von Fleurier,Radolfzell, Möriken und Würenlingen. 2 Rang an der Americaine- Meisterschaft des SRV mit Walter Signer als Partner hinter Fritz Pfenninger- Werner Weckert. Dritter der Zürcher Omnium-Meisterschaft .
1962 Siege in den Kriterien von Birsfelden und Schönenwerd. 10. Rang Schweizer Strassenmeisterschaft in Hochdorf. Siege auf den Winterbahnen von Basel und Zürich.
1963 Mehrere Ehrenplätze bei Strassenrennen.
1972 - 1980 Mehrere Siege bei Seniorenrennen in der Schweiz, Oesterreich, Italien und Deutschland
Begonnen mit dem Radsport habe ich 1955 mit gelegentlichen Ausfahrten mit meinen Kollegen beim VC Aargovia. Damals fuhr ich noch mit einem so genannten Halbrenner. Als dann die Basler Winterbahn in der Mustermesse ihren Betrieb aufnahm und ich die ersten Rennen mit Roth- Bucher, Koblet-Von Büren, Plattner-Pfenninger und Co. erleben durfte, wollte ich mindestens einmal auf dieser Bahn ein wenig herumkurven. Also löste ich Jahr darauf eine Lizenz und kaufte bei Erich Grieshaber eine Bahnmaschine. Viele Sachverständige erklärten mir vor meinen ersten Runden, dass es kein Leichtes sei, auf dieser kurzen bahn mit ihren engen Kurven, zu fahren. Aber nach einigen Runden hatte ich meine Hemmungen ab- gelegt und hängte mich an die Hinterräder meiner zukünftigen Konkurrenten. Dabei wurde es dann, bei einem meiner riskanten Innenvorstösse, “ein wenig eng” und ich fuhr meinem Vordermann ins Hinterrad. Wir stürzten beide auf die Latten. Ausser dem kaputten Hinterrad meines Vordermannes entstand kein Schaden. Doch es folgte noch ein Nachspiel. Nach ein paar Minuten kam ein gewisser Hans Kirchhofer zu mir und sagte, ich müsse das Hinterrad ,das nicht sehr schön aussah, bezahlen. Ich wehrte mich aber und hielt dem Herrn Kirchhofer einen Vortrag in Sachen Rennreglement. Und dort steht geschrieben, dass jeder auf eigene Rechnung und Gefahr fährt. Später erfuhr ich, dass der Hans einer der besten Velomechaniker sei und bei Cenci arbeite. Und da der Geschädigte ein Cenci-Rad fuhr, wusste ich, warum der Hans Kirchhofer mich “legen” wollte. Mein erstes Strassenrennrad war dann gleichwohl ein Cenci-Rad, erstanden bei Hansruedi Buser. Er überliess mir das Velo zu einem günstigen Preis. Auf diesem Velo fuhr ich dann die ersten Strassenrennen und verwendete es danach einige Jahre beim Starrlauf-Training im Herbst und Winter. Im Sommer fuhr ich dieses Velo bei Rennen auf geeigneten Rundstrecken mit einem einfachen Leerlauf. 50x16 Zähne war ein idealer Gang. Gross genug, um bei den Wertungen mit zu sprinten. Und das wichtigste, das Velo lief extrem leicht. Und da ich immer den gleichen Gang treten musste, kam ich in einen guten Rhythmus. Das war auch nötig. Denn an nationalen Rennen gab es viele Fahrer, die waren viel stärker als ich. Da der Rahmen extrem steil gebaut war, konnte ich besonders schnell um die Kurven fahren. Das hohe Tretlager und die 170-er Kurbeln halfen mir zusätzlich um die Hausecken zu flitzen. So habe ich mich mit der Zeit zu einem Hauseckenrennen-Spezialisten entwickelt. “Zusammengelegt” wurde der Rahmen bei einem Kriterium in Lengnau bei Solothurn, als beim Schluss-Spurt in der letzten Kurve vor dem Ziel mein Vordermann Hansjörg Minder ausrutschte und sich quer auf die Strasse legte. In der Folge machte ich einen “doppelten Rittberger” mit einer Landung auf dem Rücken. Ich war aber schnell wieder auf den Beinen und auf dem Velo, denn ich musste ja innert 30 Sekunden das Ziel erreichen, um den 2. Rang zu sichern. Da aber das Vorderrad am gestauchten Rahmen streifte, fuhr ich wie ein Besoffener die Ziegerade hinauf, aber noch rechtzeitig ins Ziel. Sieger wurde bei diesem Rennen Erwin Jaisli. Ich liess mich nie von einem Trainer betreuen. Ich wollte alle Entscheidungen immer selber treffen, war aber lernfähig und hatte die Augen offen. Ich liess mich von Gusti Herzog und von meinen Rennfahrerkollegen beraten und schaute vieles bei den besten Amateuren und Profis ab. Ausserdem las ich Bücher über Trainingslehre, auch von andern Sportarten. Mit 20 Jahren, nach der RS begann ich dann ein wenig System in mein Training zu bringen und konnte dadurch meine Leistung steigern. Schon 4 Monate nach der RS platzierte ich meine erste “Duftmarke” im Zürcher Hallenstadion beim Abschiedsmeeting von Ferdi Kübler. Wegen einem Sonderprogramm zu Ehren von Ferdi National, wurde für die Amateure nur ein Punktefahren mit 3 Vorläufen und einem Final ausgetragen. Und da das Hallenstadion mit mehr als 10 000 Zuschauern platschvoll war, waren die Zürcher Favoriten wie Freddy Rüegg, Leo Wikihalder, Egon Scheiwiler, Josef Wiler, Kurt Rechsteiner, Werner Weckert u.v.a. scharf auf einen Sieg. Ich konnte mich für den Final qualifizieren. Ich hoffte, auch im Final einige Punkte zu ergattern. Aber das Rennen war dermaßen schnell, dass ich ständig am Ende des Feldes herumkurvte. Da Fredy Rüegg zwischen den Wertungen immer wieder angriff und die andern die Löcher zufahren mussten, hatte ich keine Gelegenheit nach vorne zu fahren. Aber nach der 3. Wertung stand das Feld plötzlich still und ich benutzte die Gelegenheit und fuhr am obersten Rand der Bahn mit Schwung am Feld vorbei. 3 Runden waren noch zu fahren, wobei ich auf der letzten Runde noch ziemlich ”beissen musste”. Aber es reichte, um das Zielband als Erster zu überqueren. Da ein anderer Aussenseiter, Albert Frick den Spurt des Feldes gewann, wurden die Favoriten stark zurückgebunden und ich konnte mit den 10 Punkten das Rennen gewinnen. Es war wahnsinnig. Ich, der kleine Rennfahrer fuhr die Ehrenrunde vor 10 000 Zuschauern. Anschliessend hörte ich mir die “angeregten Diskussionen” der Zürcher Fahrer im Kabinenhof an. Es war sehr unterhaltsam, zu hören, wie sie sich gegenseitig das Rennen “vermasselt” zu haben. Meine schönsten Siege waren diejenigen in Birsfelden und Schönenwerd sowie der zweite Rang beim Europakriterium in Baden-Baden. Am Start zu diesem Rennen waren der deutsche Bahn-Vierer, der später die Welt-Meisterschaft gewann sowie weitere starke Fahrer aus Europa. Sieger wurde Bernd Rohr vom deutschen Bahn-Vierer. Stolz bin ich auf meinen 10. Rang an der Schweizermeisterschaft in Hochdorf 1962. Waren doch über 2400 Höhenmeter zu bewältigen. In Anbetracht meiner bescheidenen Qualitäten als Kletterer, war das eines meiner besten Rennen. Hatte ich doch noch einen Platten zu beklagen und einen Sturz wegen einem Blick-Reporter, der sich mir in der Verpflegungszone in den Weg stellte. Eine grosse Chance verpasste ich 1960 , als ich mich mit meinem Freund Ueli Fischer an der Züri-Metzgete in einer 9-Mann Spitzengruppe befand . Vor dem Siglistorfer hatten wir 8 Minuten Vorsprung auf das Feld, als ich einen Reifendefekt auf der Naturstrasse erlitt. Ich konnte in aller Ruhe einen neuen Reifen aufziehen und mich vom Feld einholen lassen, wo ich noch ein wenig Störarbeit verrichtete, denn mein Freund Ueli lag nach dem 2. Regensbergeraufstieg, als letzter Überlebender der Spitzengruppe, immer noch alleine in Führung und wurde erst 12 km.vor dem Ziel eingeholt. Meine schmerzhafteste Niederlage erlebte ich an der Zürcher Omnium-Meisterschaft 1961. Nachdem ich nach 3 Disziplinen mit 3 Punkten Vorsprung auf den Zweiten das Klassement anführte, und das Rennen im abschliessenden Zeitfahren verlor. Dass war bitter. Denn dieser Titel war heiß begehrt und nur Namen der besten Amateure der Schweiz zieren die Siegerliste. Schöne Rennen erlebte ich später bei der Seniorenrenngemmeinschaft Freiburg i.B. Da fuhr ich während einigen Jahren (pro Jahr ca. 6 Rennen) ohne einen einzigen Sturz. Als dann aber einige “Gentlemen” aus der Schweiz mitmischten, wurde ich an 3 Rennen hintereinander in einen Massensturz verwickelt. Da ich jedes Mal zuoberst auf dem Haufen lag, erlitt ich keine Verletzungen. Aber mir war die Lust an der Rennerei vergangen. Ich brauchte auch keine Motivation mehr, um regelmäßig mich aufs “Geländer zu schwingen”. Seither mache ich regelmäßig meine Ausfahrten denn es heisst ja “Sport mässig betrieben ist wenig schädlich”. Es waren schöne Jahre, die ich beim Radsport erleben durfte. Ich möchte sie nicht missen. Nach Abschluss der Sekundarschule im Alter von 14 Jahren und 3 Monaten drückte mir mein Vater ein SBB-Billet in die Hände. Genève einfach. Ich trat eine Stelle an als” Porteur de Pain dans la Boulangerie Maillard au Petit Lancy près de Genève”an. Nach einigen Monaten wurde ich, bei einem meiner nächtlichen Streifzüge durch die Stadt Genf, von der Polizei aufgegriffen und nach Hause geschickt. Ich hätte in diesem Alter in der “grossen weiten Welt” noch nichts zu suchen , hieß es. Aber nach 2 Wochen zu hause, habe ich die Stelle wieder angetreten. Ich habe einfach 2 Wochen Ferien genommen und die Sache war erledigt. Nach 15 Monaten kam ich in die Deutschschweiz zurück und absolvierte ein Lehre als Bäcker- Patissier in der Bäckerei Baumann an der Kleinhüningerstrasse zu Basel. Ich blieb dann auf diesem Beruf weiter bis zur Rekrutenschule. Nach der Rekruten-Schule arbeitete ich im elterlichen Betrieb. Da meine Eltern neben dem Gasthof auch noch das Kino bewirtschafteten, war genügend Arbeit vorhanden. Neben allen möglichen Arbeiten im Restaurant, war ich auch Kino-Operateur und wurde vielfach an den Wochenenden eingesetzt , wenn ich kein Rennen hatte. Mein Vater war auch noch Imker und ich musste ihm beim Honigschwingen helfen. Beim Königen züchten habe ich dann noch den “Doktor gemacht“. Auch beim Schnapsbrennen war ich ein Meister. Da brauchte es standfeste Leute mit einem soliden Charakter. Ich konnte mir genügend Zeit für das Training nehmen, in der Woche 10 bis 12 Stunden, und konnte alle Rennen bestreiten , die ich wollte. Auf der andern Seite habe ich in den 6 Jahren , da ich den Rennsport ernsthaft betrieb, nur 2 Wochen Ferien genommen. Und so die Zeit, die ich für Training und Rennen benötigte, kompensiert. Auch hätte auch mit dem Auto an die Trainingsrennen in der Sporthalle fahren können. Benutzte aber meistens das Starrlauf-Velo welches mit Schutzblechen und Licht ausgerüstet war. Wenn auch Fritz Galati an den Trainingsrennen teilnahm, gab es nach den Rennen auf der Bahn, meistens ein Nachtrennen bis nach Möhlin. Da mussten der Ueli Fischer und ich nochmals auf die Zähne beissen. Der Fritz konnte ja nie vernünftig Velofahren, da musste immer gerissen werden. In der Zwischenzeit habe ich dann meine Frau kennen gelernt 1964 heirateten wir und übernahmen bald den elterlich Betrieb. Nach 26 Jahren Selbständigkeit musst ich aus gesundheitlich Gründen die Wirterei aufgeben. Ich fand dann eine Stelle in Kaffee-Rösterei Bertschi in Birsfelden. Ich war halbtags als Chauffeur tätig. In der übrigen Zeit wurde ich als Mädchen für alles eingesetzt. Die abwechslungsreiche Arbeit gefiel mir so gut, sodass ich während 15 Jahren diesem Betrieb die Treue hielt. Die letzten 6 Jahre allerdings nur noch als Aushilfskraft. So konnte ich mich langsam ans Rentnerdasein gewöhnen und musste keinen Schock erleiden. Nun bin ich vollamtlicher Rentner und geniesse das Leben. 3 bis 4 Monate bin ich in meiner Ferienwohnung im Wallis anzutreffen. Im Sommer stehen Wanderungen mit meiner Frau auf dem Programm. Am späten Nachmittag ein gut einstündiges Bergtraining auf dem Velo. Im Winter wird Ski gefahren dass es “chlöpft”. Bin ich zuhause, stehen neben meinen fast täglichen Ausfahrten mit dem Velo, Arbeiten in Haus und Garten an. Ausserdem gehe ich fast jeden Tag an einen Stammtisch im Adler, Bahnhöfli oder Löwen und lasse mich weiterbilden. Im Kreise meiner Kollegen und Freunde geht es immer lustig zu und her. Da kommt der Humor nicht zu kurz, höchstens mein Hausarzt. Den habe ich in den letzten 6 Jahren nur einmal besucht, wegen dem Attest für den Führerschein. Als Sportbegeisterter begleite ich natürlich meinen Enkel an die Handball-Matches und meine Enkelin an die Leichtathletik-Meetings, die sie mit grossem Erfolg bestreitet. Neben kant. Meistertiteln erreichte sie im Migros-Cup Final 1996 in Delsberg im 60 Meter-Sprint den 3.Rang und somit die Bronze-Medaille. Alle in unserer Familie treiben Sport und erfreuen sich bester Gesundheit. Fast hätte ich etwas vergessen. Im Alter von 65 Jahren lernte ich noch Schlittschuh laufen. Ein heute 81-jähriger hat es mir beigebracht. Vor- und rückwärts übersetzen, kein Problem. Und ab und zu ein Hokey-Bögli oder einen kreischenden Stop. Da bleibt man jung und beweglich. Ab Ende Oktober, wenn es zum Radfahren etwas kühl wird, bin ich öfters auf der Kuntschti in Rheinfelden anzutreffen. Manchmal werde ich von den anwesenden Buben eingeladen zu einem Mätchli. Dann fühle ich mich wieder so jung wie ein Sekundarschüler. Und wenn ich von all dem genug habe, sitze brav neben meiner Irma auf dem Sofa und schaue TV oder hantieren an meinem PC. Da gibt es noch einiges zu lernen. Karli Heinzman