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Bericht über Honigbienen von Erwin Verhoeven, erschienen im „Freude Am Garten“ Ausgabe 4/2007
Bienen sind verantwortlich für die Bestäubung vieler Pflanzen und deshalb ein wichtiger Teil unseres Ökosystems. Da sie stechen, machen Sie sich bei vielen Menschen unbeliebt. Das tun sie aber nur zur Selbstverteidigung oder um ihre Kolonie zu schützen. Die Biene selber stirbt nach dem Stich.
Bienen brauchen das ganze Jahr über viel Aufmerksamkeit und gute Pflege. Ein Imker muss im Herbst sicher sein, dass sein Bienenvolk genügend Wintervorrat eingelagert hat. Um den Winter gut zu überstehen, müssen im Oktober etwa 14 Kilogramm Futter vorhanden sein. Hat der Bienenhalter seinen Honiganteil geerntet, muss er das Defizit mit Zuckersirup nachreichen.
Vom Winter zum Frühling..
Ein Bienenvolk besteht aus Arbeiterinnen und einer Königin. Ende Winter liegt die Anzahl der Arbeiterinnen bei nur 10 000 bis 15 000 Tieren. Die Königin legt in den Wintermonaten keine Eier. Abhängig vom Wetter, fängt sie im Februar wieder damit an. Arbeiterinnen fliegen nun auf die ersten Blüten, um Honig und Pollen zu sammeln. Vor allem Pollen sind die Proteinquelle für die Aufzucht von Jungbienen. Die Winterbienen, im August und September geschlüpft, sterben nun nach und nach aus. Weil sie im Winter wenig aktiv sind, leben sie fast ein halbes Jahr. Die Bienen, die im Frühling zur Welt kommen, sind dagegen viel aktiver. Ihre Lebenszeit beträgt jedoch nur sechs Wochen. Da im Frühjahr die Winterbienen fast weggestorben sind, muss der Stock durch junge Bienen frisch bevölkert werden. Erschwerend kommt dazu, dass die Temperaturen manchmal nicht hoch genug sind und die Bienen wenig ausfliegen können.
Fallen die Temperaturen im Inneren unter 14º C, heizen die Bienen durch ständige Bewegung die Temperaturen bis auf 25 bis 30º C auf. An heissen Tagen müssen immer genügend Bienen daheim bleiben, um die Brut zu versorgen und die Temperatur im Brutnest zu regulieren. Bei warmen Wetter legt die Königing mehr Eier, am Tag bis zu 2000! Das Volk wächst ständig, und im Mai umfasst ein gutes Bienenvolk 50 000 bis 60 000 Arbeiterinnen.
Vorbereitung zum Schwärmen…
Frühling ist die Zeit für neues Leben. Jedes Volk mach sich bereit, kleine Jungvölker entstehen zu lassen. Männliche Bienen sind nur im Frühling und Sommer vorhanden. Die Königin legt dafür unbefruchtete Eier, aus denen nach 24 Tagen die Männchen, die Drohnen, schlüpfen. Danach werden Königinnenzellen gebaut. Die Königin belegt diese mit befruchteten Eiern. Duch Fütterung mit dem Wundermittel „Gelee Royal“ beginnen sich bei den Puppen Eierstöcke zu entwickeln, was bei den Arbeiterinnen nicht der Fall ist – eine neue Königin entsteht. Bevor diese schlüpft, hört die <<alte Königin>> mit dem Eierlegen auf. Ihre Eierstöcke schrumpfen, und sie verliert an Gewicht; eine wichtige Vorbereitung auf das Schwärmen, denn eine Königin, die in voller Eierproduktion steht, ist dafür zu schwer.
Das Ausschwärmen…
Das Volk schwärmt zur Mittagszeit aus. Die alte Königin verlässt mit einem Grossteil des Volkes den Stock. Unvergesslich ist es, eine schwarze Wolke von Tausenden von Bienen am Himmel fliegen zu sehen. Meistens hängt sich der Schwarm irgendwo an den Ast eines Baumes. Manchmal sucht er sich aber auch ausgefallene Plätze aus: Dies kann ein Stuhl auf einer Terrasse in der Altstadt oder auch eine Velostange sein. Doch keine Angst, bevor die Bienen ausschwärmen, legen sie für mehrere Tage einen Futtervorrat an, indem sie ihre Honigmägen füllen. Und ein voller Magen wirkt beruhigend. Dies ist die Erklärung warum schwärmende Bienen selten stechen! Schwärme meldet man am besten an den nächsten Imker oder der Polizei.
Das restliche Volk…
Siebe Tage nachdem die alte Königin das Volk verlassen hat, sind die jungen Königinnen bereit, um zu schlüpfen. Ist die erste geschlüpft, produziert sie einen deutlich hörbaren Piepston, etwa so wie ein <<Besetztzeichen>> am Telefon. Für die anderen, noch nicht geschlüpften Königinnen heisst das: Bleibt, wo ihr seid, also in der Königszelle, bis ihr mich nicht mehr hört! Würde eine zweite Königin schlüpfen, so würde das einen Kampf auf Leben und Tod auslösen, denn im Volk wird nur eine Königin aufs Mal geduldet. Wenn die junge Königin mit einem weiteren Teil des Volkes ausfliegt, ergibt das den zweiten Schwarm. Nun ist der <<Besetztton>> weg: Ein Zeichen fürs Schlüpfen der zweiten Jungkönigin. Das Ganze wiederholt sich einige Male, bis das Volk befindet, es habe sich nun genügend vermehrt. Die noch ungeschlüpften Königinnen werden getötet. Es ist die Kunst des Imkers, beim obigen Prozess rechtzeitig einzugreifen, damit sein Honigvolk erhalten bleibt und genügend Arbeiterinnen vorhanden sind, die den begehrten Honig einsammeln können. Eine sehr spannende aber arbeitsintensive Zeit für den Imker.
Die junge Königin…
Die junge Königin muss begattet werden. Sie fliegt mehrere Male aus und kopuliert jedes Mal mit bis zu 15 Drohnen. Das alles geschieht – sehr romantisch – hoch am Himmel. Weniger romantisch ist, dass danach die Drohnen sterben. Bis zu 5,5 Millionen Samenzellen werden in der Samenblase der Königin aufbewahrt. In allen Zellen legt die Königin ein Ei und – je nach Zellengrösse – befruchtet sie dieses.
Aus den befruchteten Zellen entstehen Arbeiterinnen und aus den unbefruchteten entwickeln sich Drohnen. Bis Ende des Sommers wird das Volk wachsen und eine respektable Grösse erreichen. Damit ist es genügend erstarkt, um den Winter zu überleben.
Erwin Verhoeven