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Vergangenes Jahr die EU – dieses Jahr die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Die Organisation mit Sitz in Den Haag erhält den Friedensnobelpreis 2013.
«Entwaffnung spielt in Alfred Nobels Willen eine wichtige Rolle», führte der Komiteevorsitzende Thorbjörn Jagland in der Begründung aus. Das norwegische Nobelkomitee habe mit zahlreichen Preisen den Bedarf unterstrichen, Nuklearwaffen zu vernichten. «Mit diesem Preis an die OPCW will das Komitee zur Zerstörung von Chemiewaffen beitragen», sagte Jagland.
Die Würdigung der Arbeit der Chemiewaffenkontrolleure verband der Nobelkomitee-Vorsitzende mit Kritik an Washington und Moskau. «Manche Staaten sind immer noch keine OPCW-Mitglieder. Einige Staaten haben die Deadline nicht beachtet, die für April 2012 festgesetzt war, ihre Chemiewaffen zu zerstören», sagte Jagland. «Dies gilt insbesondere für die USA und Russland.»
5000 Inspektionen in 86 Ländern
Die OPCW ist für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahr 1997 zuständig. Sie soll die Chemiewaffenbestände der Vertragsstaaten überprüfen und deren Vernichtung kontrollieren.
Bei Verdacht auf den Einsatz von Chemiewaffen kann die OPCW auch Inspektoren in Chemiewerke schicken, um zu kontrollieren, ob Chemikalien tatsächlich nur für zivile Zwecke verwendet werden.
Seit 1997 wurden mehr als 5000 Inspektionen in 86 Ländern abgeschlossen. Dabei wurden nach Angaben der OPCW etwa 80 Prozent der bekannten Bestände vernichtet. Die OPCW ist eine unabhängige Organisation, die eng mit der UNO zusammenarbeitet.
Einsatz auch in Syrien
In den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte die OPCW mit dem Giftgasangriff im August in Damaskus. Bei der Attacke mit dem Nervenkampfstoff Sarin wurden mehr als 1400 Menschen getötet. OPCW-Inspektoren überwachen nun die Vernichtung der international geächteten Waffen.
«Aktuelle Ereignisse in Syrien, wo Chemiewaffen erneut genutzt wurden, haben das Bedürfnis unterstrichen, die Bemühungen, solche Waffen zu zerstören, zu erhöhen», führte das Nobelkomitee aus. Bislang hat die OPCW 189 Mitgliedsstaaten. Syrien soll ihr am kommenden Montag als 190. Staat beitreten.
Der Friedensnobelpreis ist der einzige, welcher nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen wird. Die mit 1,1 Millionen Franken dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, übergeben.
Ein norwegischer Radiosender hatte bereits eine Stunde vor der offiziellen Verkündigung den Friedensnobelpreisträger 2013 angekündigt.
OPCW-Generaldirektor Ahmet Üzümcü
hat die Zuerkennung des Friedensnobelpreises als «extrem wichtige» Stütze für seine Mitarbeiter bei ihrem Einsatz in Syrien gewertet.
«Ich sehe ihn auch als eine Anerkennung der Bemühungen unserer Mitarbeiter, die jetzt in Syrien sind, und die sehr mutige Anstrengungen unternehmen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.»
Als Favoritin für den Preis war zuvor die 16 Jahre alte Pakistanerin Malala Yousafzi gehandelt worden. Sie stellt sich in ihrer Heimat Pakistan gegen die Taliban und setzt sich für das Recht auf Bildung von Frauen und Mädchen ein. Im Voraus wurde spekuliert, Yousafzi könnte zusammen mit der UNESCO ausgezeichnet werden.
Die Friedensnobelpreisträger der vergangenen Jahre
|2012||Die Europäische Union – für ihren 60 Jahre währenden Beitrag für Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Europa.|
|2011||Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee (beide Liberia) sowie Tawakkul Karman (Jemen) –für gewaltfreien Kampf zur Stärkung der Rechte von Frauen.|
|2010||Der Menschenrechtler Liu Xiaobo (China) – wegen seines langen und gewaltfreien Kampfes für die Menschenrechte in seiner Heimat.|
|2009||US-Präsident Barack Obama – für seinen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern.|
|2008||Finnlands Ex-Präsident Martti Ahtisaari – für seine Vermittlung in Kriegen und Konflikten, etwa im Bürgerkrieg in der indonesischen Provinz Aceh.|
|2007||Ex-US-Vizepräsident Al Gore und der UNO-Klimarat - für ihren Beitrag zur Mobilisierung gegen eine drohende Klimakatastrophe.|
|2006||Der Wirtschaftsfachmann Muhammad Yunus (Bangladesch) und die von ihm gegründete Grameen Bank – für die Idee, Kleinstkredite an Arme zu vergeben.|
|2005||Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und ihr Direktor Mohammed el Baradei – für ihren Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen.|
|2004||Die Umweltaktivistin Wangari Maathai (Kenia) – für ihr Engagement für eine nachhaltige Umweltentwicklung sowie Demokratie und Frieden.|
|2003||Die Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi (Iran) – für ihren Einsatz für Kinder- und Frauenrechte sowie politische Dissidenten.|
C-Waffen in der Welt
Die weltweit grössten Arsenale lagern in den USA und Russland. Zu den Staaten, die nach eigenen Angaben C-Waffenbestände haben, gehören ausserdem Albanien, Indien, der Irak und Libyen. In den Konventionsstaaten gab es ursprünglich rund 71'000 Tonnen chemischer Kampfstoffe. Knapp 58'000 Tonnen davon wurden mittlerweile zerstört.