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Ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) ist ein Schmerz, der keine typischen Merkmale von Nervenschmerzen zeigt und dem keine anderen Erkrankungen zugrunde liegt.
Damit steht ein atypischer Gesichtschmerz dem typischen Gesichtsschmerz (sog. Trigeminusneuralgie) gegenüber und stellt eine Ausschlussdiagnose anderer Gesichtsschmerzen dar. Gekennzeichnet ist der anhaltende idiopathische Gesichtsschmerz durch erst unregelmässige, später täglich auftretende brennende, bohrende Schmerzen, die sich keinem Ast des Gesichtsnervs (Trigeminus) eindeutig zuordnen lassen.
Erfahrungsgemäss ist ein atypischer Gesichtsschmerz am bestem mit einer Kombination aus Antidepressiva und Stressbewältigungstraining behandelbar. Begleitend können zur Therapie entspannende Massnahmen helfen.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (heute auch als anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz bezeichnet) ist per Definition ein Schmerz, der nicht die kennzeichnenden Merkmale einer Neuralgie (Nervenschmerz) besitzt und nicht durch andere Erkrankungen bedingt ist. Den Begriff atypischer Gesichtsschmerzen prägten Frazier und Russell im Jahr 1924, um den typischen Gesichtsschmerz (Trigeminusneuralgie) von anderen Formen des Gesichtsschmerzes zu unterscheiden. Diese Bezeichnung verlor jedoch später ihre Gültigkeit.
Der anhaltende idiopathische Gesichtsschmerz ist demnach eine Ausschlussdiagnose bekannter primärer Gesichtsschmerzsyndrome und sekundärer Gesichtsschmerzen aufgrund bestimmter Ursachen. Ein anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz liegt nur vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
Ein atypischer Gesichtsschmerz betrifft zu 90 Prozent Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (heute auch: anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) tritt ohne erkennbare Ursachen auf. Als Auslöser für die Entstehung des Schmerzes im Gesicht kommen psychologische sowie psychosomatische Störungen infrage. Bei Betroffenen lässt sich an manchen Nervenzellen im Gehirn eine Vermehrung der Andockstellen für einen bestimmten Botenstoff (Dopamin) beobachten, wobei unklar ist, ob dies Ursache oder Folge der Schmerzen ist. Der Dopamin-Haushalt spielt unter anderem im Hinblick auf die Entstehung von Psychosen eine Rolle.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (heute auch anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) hat vermutlich psychosomatische Ursachen. Der Begriff psychosomatisch umfasst die Wörter psyche (Seele) und soma (Körper).
Psychosomatische Erkrankungen sind damit die Äusserung seelischer Befindlichkeiten, Probleme oder Krankheiten, die sich in körperlichen Beschwerden äussern. Dasselbe gilt auch andersherum: Körperliche Beschwerden können ihrerseits seelische Probleme nach sich ziehen.
Das vegetative Nervensystem bildet eine Brücke zwischen Seele und Körper. So können Angst- oder Stresssituationen zum Beispiel einen erhöhten Herzschlag und eine gesteigerte Durchblutung auslösen. Dauert die Überbelastung zu lange an, sind psychosomatische (somatoforme) Störungen möglich. Äussern sich diese durch dauerhafte Schmerzen, durch die beispielsweise ein atypischer Gesichtsschmerz gekennzeichnet ist, entsteht wiederum eine Stresssituation – und der Teufelskreislauf schliesst sich.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) äussert sich zunächst durch unregelmässige, später täglich auftretende Symptome: brennende, bohrende, einseitige, örtlich schwer einzugrenzende Schmerzen in Auge, Nase, Wange, Schläfe oder Kiefer. Die Schmerzen lassen sich keinem Ast des Gesichtsnervs (Trigeminus) eindeutig zuordnen. Häufig verschlimmert Kälte die Symptome. Im Gegensatz zum typischen Gesichtsschmerz (sog. Trigeminusneuralgie), bei dem auf eine Schmerzattacke immer eine völlig schmerzfreie Phase folgt, bestehen die Schmerzen beim anhaltenden idiopathischen Gesichtsschmerz dauerhaft. Unter Behandlung und selten auch spontan kann es jedoch vorübergehend zu symptomfreien Phasen kommen, die einige Wochen bis Monate anhalten können.
Ein atypischer Gesichtsschmerz zeigt meist Symptome, die denen einer akuten Entzündung ähneln. Dabei ist entweder kein oder zumindest kein den Beschwerden entsprechender krankhafter Befund an Zähnen, Nasennebenhöhlen oder am Kiefergelenk feststellbar.
In seltenen Fällen kann sich auch ein anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz wie die Trigeminusneuralgie durch attackenartige Schmerzen äussern. Diese Schmerzattacken erschweren die Einordnung der Symptome. Auffallend häufig treten sie in Verbindung mit psychischen Veränderungen auf: Zwei Drittel der Betroffenen haben begleitend depressive Verstimmungen. Daneben kommt es, wie bei vielen chronischen Schmerzerkrankungen, gehäuft zu folgenden psychischen Erkrankungen:
Ein anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz äussert sich ausserdem häufig zusätzlich durch Begleiterscheinungen wie
Ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose, weshalb bei der Diagnose organische Ursachen für den Schmerz auszuschliessen sind. Um einen anhaltenden idiopathischen Gesichtsschmerz diagnostizieren zu können, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
Ein atypischer Gesichtsschmerz erfordert zur Diagnose immer eingehende, nicht-invasive Untersuchungen durch die betreffenden Fachabteilungen. Nur so lässt sich sicher ausschliessen, dass der Schmerz nur ein Alarmsignal für eine zugrunde liegende Erkrankung ist. Besonders wichtig ist die Unterscheidung von der Trigeminusneuralgie, da diese durch Operationen therapierbar ist, operative Eingriffe beim atypischen Gesichtsschmerz aber verstärkend wirken können.
Daneben macht ein möglicher anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz auch Untersuchungen des Hals-Nasen-Ohrenbereichs sowie der Zähne und des Kiefers notwendig, um organische Ursachen für die Gesichtsschmerzen auszuschliessen. Viele Betroffene waren vor der Diagnose bereits lange Zeit erfolglos in zahnärztlicher Behandlung. Um den anhaltenden idiopathischen Gesichtsschmerz von anderen Erkrankungen abzugrenzen, kommt ausserdem ein Röntgenbild zum Einsatz, in dem keine Auffälligkeiten zu erkennen sein dürfen.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) lässt sich am besten mit einer Therapie behandeln, die Antidepressiva und Methoden zur Stressbewältigung miteinander kombiniert. Zur Behandlung können begleitend entspannende Massnahmen helfen. Eine gesicherte vorrangige Therapieempfehlung gibt es jedoch nicht.
Ein atypischer Gesichtsschmerz erfordert es vor allem, schmerzhafte Eingriffe (z.B. Operationen) zu vermeiden, da sich die Schmerzen anschliessend anhaltend verstärken. Psychologische Schmerztherapien und verhaltenstherapeutische Massnahmen können den Betroffenen Strategien zum aktiven Umgang mit dem Schmerz vermitteln.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) lässt sich durch verschiedene nicht-medikamentöse Verfahren behandeln. Zur Therapie ist beispielsweise die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) geeignet, bei der man mit einem kleinen Gerät Reizstrom erzeugt und über Elektroden auf Ihre Haut überträgt. Dies erzeugt einen schmerzmildernden Gegenreiz. Die Reizung (Stimulation) der Nerven durch elektrischen Strom ist eine völlig nebenwirkungsfreie Methode, deren Wirkmechanismus zumindest teilweise dem der Akupunktur ähnelt. Verglichen mit Letzterer hat sie den Vorteil, dass sie Ihnen aufgrund der geringen Grösse des Geräts immer zur Verfügung steht und Sie die Behandlung zu Hause anwenden können. Somit sind häufige Arztbesuche nicht nötig.
Im späteren Verlauf sind autosuggestive Methoden wie autogenes Training und Biofeedback hilfreiche Methoden zur Behandlung anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerzen. Diese Methoden können Sie bei schmerztherapeutisch geschulten Psychotherapeuten lernen.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) lässt sich durch eine geeignete medikamentöse Therapie lindern: Niedrig dosierte Antidepressiva vom müde machenden (sedierenden) Typ, vorzugsweise abends eingenommen, können die Schmerzen unterdrücken. Übliche Schmerzmittel sind meist unwirksam.
Da ein anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz vermutlich psychologische Hintergründe hat, können Sie auch auf natürliche Präparate zurückgreifen, um einem Teufelskreis aus seelischer Belastung, Schmerz und weiterer seelischer Belastung zu entkommen. Johanniskraut, eine alte europäische Hauspflanze, hemmt den Abbau der Glücksbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Körper. So lässt sich die Stimmung stabilisieren und der Teufelskreis durchbrechen.
Ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) nimmt in der Regel einen hartnäckigen Verlauf. Durch Behandlung und selten auch spontan können beschwerdefreie Phasen auftreten, die manchmal einige Wochen bis Monate anhalten. Oft gelingt es jedoch nicht, den Schmerz dauerhaft auszuschalten: Nach vorübergehenden Besserungen sind Rückfälle möglich. Ärzte und Psychologen können aber helfen, die bestehenden Schmerzen zu lindern, besser mit ihnen zu leben und vor allem überflüssige Operationen zu verhindern.
Da ein atypischer Gesichtsschmerz (anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz) psychisch oder psychosomatisch bedingt sein kann, können Sie ihm nur bedingt vorbeugen: Empfehlenswerte Massnahmen sind Stressvermeidung und Muskelentspannungsübungen. Besteht die Erkrankung bereits, können Sie einer erneuten Schmerzattacke durch Medikamente wie niedrig dosierte Antidepressiva vorbeugen.