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Seelen wirken konnte; sie machte sich ebenso die bildenden Künste, wie die Musik dienstbar. Wenn die Betrachtung eines schönen Gemäldes zunächst auch nur «ästhetische» Empfindungen erregt, so können sie doch von der bloßen Erhebung der Seele - ganz abgesehen vom Gegenstande der Darstellung - zur «frommen Erbauung» hinüberleiten, und damit ist erreicht, worauf es der Kirche ankam: die «Stimmung». Es war dies ein weitaus leichteres und auch stärkeres Mittel, um die Herrschaft über die Seelen zu erlangen, als wenn man den Geist zum verständigen Erfassen des Wortes zwingen wollte. In der protestantischen Kirche kehrte man aber gerade im 16. und 17. Jahrhundert den gegensätzlichen Standpunkt um so schärfer hervor, damit ja jede Aehnlichkeit mit der katholischen vermieden werde, und manche Eiferer gingen in dieser Hinsicht bis zum Aeußersten, indem sie alles, was irgendwie schmuckhaft war, verwarfen.
Es ist daher begreiflich, daß die kirchliche Baukunst in dem katholischen Süden und Westen und in dem protestantischen Norden und Osten Deutschlands ein ganz verschiedenes Gepräge erhielt. Von wesentlicher Bedeutung für die süddeutsch-katholische Gruppe wurde aber der Umstand, daß nunmehr in allen Dingen der katholischen Kirche Rom weit straffer und einheitlicher die Herrschaft ausübte, als früher, und zwar durch Vermittlung des Jesuitenordens. Bei der Besprechung der italienischen Baukunst wurde dessen Bedeutung und Anteilnahme schon hervorgehoben, doch war beides hier von erheblich anderer Art als in Deutschland.
Der Einfluß zeigte sich vornehmlich nur in der Gleichmäßigkeit des Grundgedankens, für welchen der Orden eintrat; die innere Verwandtschaft der Bauten beruht darauf, daß sie alle die gleiche «Zweckbestimmung» - Erzeugung von Stimmung durch Sinnenreize - hatten; die Mittel dazu konnten innerhalb gewisser Grenzen immerhin verschieden sein. Die italienische Barockkunst vermochte daher auch ihre heimische, bodenständige Eigenart zu behalten, sie entwickelte sich aus dem Volksgeiste und entsprach der Auffassung desselben. Dieser Volksgeist und diese Auffassung waren eben nur in eine bestimmte Richtung gelenkt worden, ohne daß jedoch ein Bruch mit der Vergangenheit und den künstlerischen Ueberlieferungen notwendig geworden wäre. Die Barockkunst hatte sich allmählich und natürlich aus der Renaissance herausgebildet.
Anders verhielt es sich in Deutschland. Die neue Bauweise, welche der Jesuitenorden für zweckmäßig hielt, war nicht nur von katholischem, sondern auch von romanischem Geiste erfüllt und daher eine volksfremde. Die deutsche Renaissance war von weltlich heiterer Art gewesen, und aus ihr ließ sich die neue Richtung nicht entwickeln. Es mußte daher ein völliger Bruch mit der bisherigen Kunstweise erfolgen, und wir sehen daher auch anfänglich die Jesuiten nicht nur als Gegner der deutschen Renaissance, sondern auch der deutschen Kunst überhaupt auftreten, weil diese dem Zwecke nicht dienlich war. Die natürliche Fortentwicklung der letzteren wurde unterbrochen und fremde Grundzüge mußten aufgenommen werden. Erst allmählich gelang es, diese zu verarbeiten und den deutschen Kunstgeist wieder zu Einfluß zu bringen, aber die gewaltsame Unterbrechung der künstlerischen
^[Abb.: Fig. 611. Karlskirche in Wien.] ¶
Ueberlieferung hatte ihn schwer geschädigt. - Eine Bemerkung muß ich hier einschalten. Man spricht vielfach von einem «Jesuitenstil» und meint damit jene Richtung, welche sich durch Ueberladung mit Prunk kennzeichnet. Diese kam aber erst, wie bei Italien erwähnt wurde, nach Guarini-Pozzo im 18. Jahrhundert auf.
Damit hatte der Orden als solcher aber nichts zu thun. Sein bestimmender Einfluß fällt vielmehr in die Zeit vorher, von 1600-1680, und was in dieser geschaffen wurde, ist von der späteren Entartung noch frei. Die erwähnte Bezeichnung hätte also etwa nur in dem Sinne eine Berechtigung, in welchem die Franzosen z. B. von einem Stile Louis XV. sprechen: es ist die kirchliche Bauweise jener Zeit, in welcher die Jesuiten die katholische Welt geistig beherrschten und leiteten.
Da die weltlich-bürgerliche Art der deutschen Renaissance der römisch-kirchlichen Auffassung nicht entsprach, für letztere aber heimische Künstler erst erzogen werden mußten, so ergab sich naturgemäß, daß man Italiener berufen mußte. Die ersten Werke der neuen Richtung finden wir daher in einem geistlichen Fürstentum und in einem Lande, in welchem die Wiedereinbürgerung des Katholizismus am kräftigsten betrieben wurde, in Salzburg und Steiermark; hier wie dort sind sie von italienischen Meistern ausgeführt.
Salzburg. In Salzburg hatte schon Erzbischof Wolf Dietrich die Residenz (seit 1592) ganz im italienischen Palaststil aufführen lassen. Ihre Erscheinung unterscheidet sich wesentlich von jener anderer deutscher Fürstenschlösser der gleichen Zeit; der regelmäßige Grundplan, die Gliederung der Massen, die bedeutenden Abmessungen der Stockwerke, die anschließenden Bogengänge (die Dombögen), das alles ist in italienischem Geiste erfunden.
Umsomehr war dies natürlich der Fall bei dem Dome (erbaut 1614-1634), da ja Scamozzi den Plan desselben entworfen und dessen Schüler Santino Solari die Ausführung übernommen hatte. Wie ich bereits erwähnt habe, war der venezianische Meister für eine
^[Abb.: Fig. 612. Palast der k. u. k. ungarischen Garde.
Wien.] ¶