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Das, was sich heutzutage unter dem breit gefassten Begriff der Psychotherapie, also der Behandlung (therapeia) der Seele (psyche), als eigenständige Profession und Wissenschaft etabliert hat, wurde vor unserer Zeit über einen noch viel grösseren Zeitraum hinweg im Namen der Philosophie betrieben. Insbesondere die Philosophen der Stoa verstanden sich explizit als "Ärzte der Seele", welche durch die Kunst der Philo-sophia den Menschen dazu verhalfen, ihre Einstellung zum Leben – ihr Leben – zu verändern.
Der Philosophie wurden also Aufgaben zugeschrieben, die dem zeitgenössischen Verständnis nach klar in den Aufgabenbereich der Psychotherapie fallen. So würde heutzutage wohl kaum jemand auf die Idee kommen, sich mit den Leiden einer klinischen Depression an erster Stelle an die Philosophie zu wenden.
Im Zuge des langen Atems der Aufklärung haben sich so die Bereiche der Psycho-therapie und der Psycho-logie von der Philosophie separiert. Es wurden neue wissenschaftliche Ansprüche formuliert und das Gebiet der "Seelenheilkunde" wurde dem Kompetenzbereich der Philosophie entzogen.
Die Fragen, die sich nun stellen, sind: Was ist übrig geblieben von dieser Einheit? Was verbindet den Bereich der Psychotherapie auch heute noch mit dem der Philosophie und umgekehrt? Wie können die beiden Bereiche voneinander profitieren? In welcher Form lassen sich philosophische Überlegungen mit psychotherapeutischer Praxis verbinden und wie könnte diese Verbindung in Zukunft aussehen?