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An der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover äusserten sich praktisch alle Hersteller einigermassen zufrieden über die Entwicklung der Nutzfahrzeugverkäufe weltweit. Insbesondere standen dabei Asien sowie Lateinamerika im Vordergrund. Auf den west- und osteuropäischen Märkten kam die Nachfrage im 1. Halbjahr 2010 hingegen noch nicht richtig in Fahrt. Lediglich in der Gewichtskategorie von 3,5-6 t Gesamtgewicht resultierte bis Ende Juni ein Absatzplus von etwas mehr als 7%. Die Immatrikulationen von mittelschweren Fahrzeugen von 6,1 bis 15,9 t reduzierten sich dagegen nochmals um rund 14%, wobei alle Hersteller vom Rückgang betroffen waren. Schwer hatten es im 1. Halbjahr 2010 auch die schweren Nutzfahrzeuge ab 16 t Gesamtgewicht. In dieser Klasse reduzierten sich die Neufahrzeugverkäufe um knapp 18%. Auch in dieser Kategorie mussten sämtliche Hersteller Absatzeinbussen in Kauf nehmen.
Offensive in China
Einen Ausgleich finden Europas Hersteller in Asien. Der chinesische Markt entwickelte sich in jüngster Zeit nicht nur für die Personenwagenhersteller zum Eldorado, auch Trucks sind in China ein äusserst gefragtes Produkt. Da die Versorgung des Riesenreiches weitgehend nur mit dem Lastwagen zu bewältigen ist, wittern Europas Nutzfahrzeughersteller Morgenluft.
Einige wie Iveco und der vormalige Hersteller Steyr sind schon seit Ende der 1980er-Jahre im Reich der Mitte präsent und produzieren dort schon Nutzfahrzeuge. In den vergangenen fünf Jahren sind verschiedene europäische Hersteller dazugekommen. MAN Nutzfahrzeuge arbeitet mit Sinotruck zusammen, und die Münchner können sich vorstellen, in einigen Jahren auch Nutzfahrzeuge aus China in die umliegenden Staaten in Asien zu liefern.
Daimler Trucks steht kurz davor, ein Agreement mit Foton abzuschliessen. Dieses umfasst die Produktion von Nutzfahrzeugen unter dem Markennamen Auman. Auch bei Volkswagen sieht man Chancen, im chinesischen Transportermarkt Fuss zu fassen, eventuell in Zusammenarbeit mit MAN, deren Mehrheitsaktionär VW ist. Paolo Monferino, CEO von Iveco (siehe auch Seite 60), geht davon aus, dass in wenigen Jahren die chinesischen Nutzfahrzeugproduzenten die umliegenden Länder mit Trucks beliefern. Dass die Chinesen Nutzfahrzeuge nach Europa liefern werden, ist nach Meinung von Paolo Monferino nicht ausgeschlossen, doch «bis dann werden noch einige Jahre vergehen».
Andere Bedürfnisse
Eines ist klar: In China sind die Ansprüche an ein Nutzfahrzeug ganz anders als in Europa. In China sind robuste, aber wesentlich billigere Trucks gefragt, vor allem aber solche, welche nicht mit Elektronik vollgestopft sind, sondern solche, die man noch mit dem Schraubenschlüssel reparieren kann. Nach Angaben aus Herstellerkreisen kostet ein Lastwagen in China im Durchschnitt umgerechnet rund 35 000 Euro; in Europa liegt der Durchschnittspreis bei rund 80000 Euro. Ein deutlicher Unterschied, der so schnell nicht verschwinden wird.