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Hühnereier
(lat. ova gallinacea; frz. oeufs de poule; engl. pullet eggs). - Dieselben bilden nicht allein einen bedeutenden Artikel des Lokalhandels, sondern werden auch jetzt unter Begünstigung der Eisenbahnen und Dampfschiffe mehr und mehr in weitre Fernen versandt und treten namentlich in der Versorgung großer Städter wie Paris, London, Berlin, als ein wirklicher Großartikel auf. Berlin erhält seinen Eierbedarf hauptsächlich aus Schlesien. Ein großartiger Handel von Land zu Land bewegt sich beständig von Nordfrankreich, nächstdem auch von Italien, Österreich, Deutschland, Belgien, Holland, Spanien und Portugal und andern Ländern nach England, und haben sich die französischen nördlichen Provinzen auf die Gewinnung von Eiern sehr großartig eingerichtet, um den gewaltigen Konsum der Engländer zu ermöglichen, die außer ihrem eigenen Erzeugnis auch noch das irische zur Verfügung haben, aber doch die fremden Eier zu vielen Millionen beziehen.
Die
Eier werden in Kisten mit Stroh verpackt, 6-1200 Stück pro Kiste. 120 Stück, also ein Doppelschock, heißt ein Großhundert
und bildet gewöhnlich die Einheit bei den Zahlangaben. England bezog 1866 beinahe 439 Millionen Stück
Eier vom Kontinent und der Import ist seitdem noch beständig im Steigen. Paris konsumirt jährlich für 12 Mill. Frcs.
Italien führte 1876 für 24000000 Lire
Hühnereier aus. Österreich-Ungarn exportierte 1878: 199403 m.
Ztr.
Eier, 1879 schon 300000 m. Ztr., wovon Ungarn und
Galizien die Hauptmenge lieferten. Wien verbrauchte 1878 allein 58 Mill. Stück
Eier. -
Über die technische Bedeutung der Eier ist das Nötige unter Albumin beigebracht. Eiweiß wird jetzt massenhaft in Zeugdruckereien besonders zum Fixieren der Anilinfarben und außerdem in den Fabriken photographischer Papiere konsumiert, ist daher stets gesucht und teuer, wogegen das übrigbleibende Eigelb schwerer ¶
mehr
anzubringen ist, es wird von den Sämisch- und Glacéledergerbereien, namentlich aber bei der modernen Fabrikation von Kidkalbleder in ganz bedeutenden Mengen verbraucht. Neuerdings ist man darauf gekommen, das Eigelb als Genußmittel dadurch zu konservieren, daß man es auf heiße, blanke Metallplatten streicht, wobei es zu dünnen, zerbrechlichen Tafeln, einer Art Oblaten, erhärtet und so für lange Zeiten haltbar sein soll. Auch bildet mittels Salicylsäure oder Glycerin konserviertes Eigelb jetzt einen Handelsartikel im Großen.
Die sonstige technische Benutzung überschüssigen Eigelbes ist die auf Eieröl (oleum ovorum) eine gelbliche, butterähnliche
Masse, die durch Erwärmen flüssig und durchsichtig wird. Das Öl ist sehr gut brauchbar an Stelle von
Baumöl in der feinen Sämischgerberei, hat auch einige medizinische Anwendung als äußeres Mittel. Man gewinnt dasselbe,
1-1½%, durch Auspressen des hartgekochten Eigelbes oder besser durch Erhitzen der frischen Substanz unter beständigem Rühren,
bis die Masse bräunlich wird, worauf man sie in Leinenbeutel hüllt und zwischen erwärmten Metallplatten
unter die Presse bringt. Wird statt der Pressung eine Extraktion des Öls durch Petroleumäther angewandt, so ist die Ölausbeute
etwas größer. Man bringt neben dem Öl auch das entölte und entwässerte Eigelb als feines Pulver in den Handel. Pulver
und Öl zu gleichen Teilen mit der doppelten Menge Wasser geben eine Emulsion, die zu den oben genannten
Gerbereizwecken vollkommen dienlich ist. - Zoll:
Hühnereier s. Tarif im Anh. Nr. 37 b;
Albumin (getrockneter Eiweißstoff) zollfrei. Eiweiß oder Eigelb in Flaschen, Büchsen etc.
eingemacht (konserviert) Nr. 25 p 1.