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Die geballte Kraft von Hochwasser prägte meinen beruflichen Alltag als Journalist und Pressefotograf. Die Jahrhundertflut, die Teile des Kantons Uri überschwemmte und die hochgehende Saltina in Brig VS, die Tod und Verderben brachte.
Aus Wasser wird Eis. Auf der Spurensuche im Rhonegletscher und beim Nonno mit den Wasser trinkenden Kühen waren weitere einprägsame Momente.
Flüelen war überschwemmt und konnte nur noch mit dem Boot durchquert werden
Am 25. August 1987 in den frühen Morgenstunden ruft mich ein Urner an: «Sepp, komm, es bahnt sich eine Katastrophe an.» Ich fahre auf den noch trockenen Parkplatz neben dem Bahnhof Flüelen, der einzige Ort, wo eine Verbindung mit dem Natel möglich ist. Fünf Minuten später hat mich das Hochwasser erreicht. Der Pegel steigt rasant. Ich fahre durch das Wasser zur nächsten, höher gelegenen Garage und stecke einen Zettel unter die Windschutzscheibe. «Bitte den Motor trocknen!» Dann finde ich ein Ruderboot und fahre durch das inzwischen überschwemmte Dorf, durch das offene Fenster eines Restaurants bis an die Bar, wieder zurück und treffe die ersten Feuerwehrleute. Später überfliege ich mit einem Helikopter das Katastrophengebiet und verfolge die Rettung von Schweinen aus einem Bauernhof. In der Polizeizentrale orientiert der Katastrophenbeauftragte Franz Steinegger über die Situation und die eingeleiteten Massnahmen.
Die Klausenstrasse ist bei Witterschwanden teilweise weggespült und unterbrochen, der Schächen ist im Bereich der Mündung in die Reuss bei Attinghausen über die Ufer getreten. Sowohl die Kantonsstrasse durch den Talboden als auch die Autobahn sind mittlerweile gesperrt. Das Dorf Flüelen ist ebenfalls nicht mehr passierbar, Bauen und Isenthal können wegen eines Strassenunterbruchs beim Bolzbach nicht mehr erreicht werden, und das Gebiet Isleten wird vom Isenthalerbach überschwemmt. Amsteg steht teilweise unter Wasser.
Ab 22.10 Uhr ist der Kanton Uri von Norden her nur noch über den Seeweg erreichbar. Die Autobahn ist im Raum Stans gesperrt, und in Sisikon ist die Bahnlinie unterbrochen.
Am 24. September 1993 im Wallis. Ein Gewitter im Simplongebiet löst eine Flutkatastrophe aus. Bis zu drei Meter hoch türmt sich das Geschiebe, das die Saltina mittransportiert und in die Innenstadt von Brig schwemmt. Auch grosse Teile von Glis und das Industriequartier in Gamsen stehen unter Wasser. Die Katastrophe kostete zwei Menschen das Leben. Die Schäden beliefen sich auf eine halbe Milliarde Franken. Ausgelöst wurde die Katastrophe durch heftige Regenfälle, die den Pegel stark ansteigen liessen. Das mitgeführt Geschiebe und Schwemmholz stauten an der Saltinabrücke und diese trat über die Ufer.
Die Saltina trat trat über die Ufer und überschwemmte Brig
Die Katastrophe löste Betroffenheit und Solidarität in der ganzen Schweiz aus. Der damalige Bundesrat Adolf Ogi besuchte Brig drei Tage nach dem Unglück. Glückskette, Rotes Kreuz, Caritas und viele andere Organisationen sammelten für die Opfer.
Die Menschen brachten sich in Sicherheit
Armee und Zivilschutz waren bis Dezember mit Räumungsarbeiten beschäftigt. Insgesamt standen 7’500 Helferinnen und Helfer im Einsatz. 250’000 Kubikmeter (etwa 20’000 Lastwagenladungen) Schlamm, Sand und Geschiebe räumten sie aus dem Stadtgebiet von Brig weg.
Allein die Schäden an privaten Mobilien und Immobilien erreichten einen damaligen Rekordwert von 250 Millionen Franken. Davon ausgenommen waren Schäden an Infrastruktur, Fahrzeugen sowie Verluste wegen Betriebsunterbrechungen. Die Gesamtschäden beliefen sich auf mehr als eine Milliarde Franken.
«Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt. Die Natur kennt keine Katastrophen.» Max Frisch machte mit diesem Ausspruch deutlich, dass die Alpen kein Horrorraum sind. Es gibt mit Hochwasser, Lawinen, Bergstürzen, Steinschlag, Gletscher und so weiter eine sprunghafte Naturdynamik, was wir dann als Naturkatastrophe bezeichnen.
Aus Wasser wird Eis, aus Eis wird Wasser
Wasser besteht aus winzigen Teilchen, den Wassermolekülen, die sich bei warmen Temperaturen sehr viel bewegen. Deshalb ist Wasser flüssig. Je kälter es wird, desto langsamer werden die Bewegungen der Wasserteilchen. Ist es null Grad und kälter, werden die Moleküle starr – aus dem flüssigen Wasser wird festes Eis, entstehen Gletscher.
Die Suche nach den Geheimnissen des ewigen Eises brachte mich vor vielen Jahren auf den Rhonegletscher. Zusammen mit der Armee habe ich eine Reportage über den Rückgang der Gletscher realisiert und mich in eine Gletscherspalte abgeseilt. Die Stelle gibt es inzwischen nicht mehr. Der Gletscher hat sich zurückgezogen.
Eis kommt und geht. An einem sehr kalten Winter traf ich in Brione im Verzascatal TI auf diese Eisskulptur, die nur die Natur so hervorbringen kann.
Wasser brauchen auch die Kühe, die hier im Dorfbrunnen in Alnasca im Verzascatal ihren Durst löschen, betreut vom Nonno Antonio Gnesa.
Fotos: Josef Ritler und Screenshot