Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03335.jsonl.gz/2381

Nach dem tödlichen Unwetter 2007 wurden in der Region Huttwil Millionen in den Hochwasserschutz investiert. Die Bauten wurden rechtzeitig fertiggestellt, um den Rekordmengen an Regen in den letzten Wochen zu begegnen. Das Rückhaltebecken vor Rohrbach wurde am 25. Juni gefüllt, gestern weideten Kühe im Rückhaltebecken oberhalb von Huttwil. Im Wald sieht man die Spuren des vielen Regens. Ohne genannte Massnahmen können wir davon ausgehen, dass es im Tal zu Überschwemmungen gekommen wäre.
Die Langete ist Teil eines Wassersystems, das bis zur Nordsee geht. Der Schutz vor Hochwasser darf nicht nur lokal betrachtet werden, sondern muss auch im Gesamtkontext beurteilt werden. Die letzten Tage haben uns dies brutal in Erinnerung gerufen. Wenn die Aare, die Emme, die Reuss und die Limmat gleichzeitig Hochwasser führen, dann wird der Campingplatz in Yverdon-les-Bains geflutet, obwohl diese Flüsse weit von dieser Ortschaft vorbeifliessen. Das Wasser dieser Füsse enden im Rhein als der grösste Zufluss dieses europäischen Flusses. Die Maas ist der zweitgrösste Zufluss, hat sich eine Bahn durch die Ardennen gefressen und hat das Sediment in belgisch-niederländisch Limburg hinterlassen. In den Ardennen ist die Maas kanalisiert, um Städten wie Dinant oder Liège mehr Platz zu lassen, im Limburg sind die Ortschaften hinter Dämmen. Ist die Wassermenge zu gross, dann ist die Katastrophe Realitität.
Das ist mit den Massnahmen in der Region Huttwil nicht anders. Mit dem Hochwasserschutz ermöglichen wir zwar den Bau nahe am Wasser, genügt der Schutz nicht, sind die Schäden umso grösser. Die Dörfer im Emmental sind alle gegenüber der Emme erhöht, auch der Ortskern von Huttwil ist deutlich über dem Bachbett der Langete. Das hat seinen gute Grund.
Think global, act local. Vorerst sind Hochwasserschutzmassnahmen unsere einzige Möglichkeit, uns vor dem Hochwasser zu schützen. Längerfristig brauchen wir andere Lösungen. Wir haben zu nahe am Wasser gebaut, um den Wassermengen Herr zu werden, die uns aufgrund des Klimawandels erwarten.