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Ein Hai hat einen Surfer getötet, und der Bürgermeister gibt zu Protokoll, was Hunderte vor ihm, ob Terroranschlag oder Naturkatastrophe, Polizeigewalt oder Amoklauf, auch schon mit denselben Wörtern gesagt haben: [Meine Gedanken sind bei] den Angehörigen, den Eltern, der Ehefrau oder bei wem auch immer.
Das klingt, als ob sein Kopf ein Taubenschlag wäre und er nun gleich mehrere seiner Zöglinge mit Taubenpost zu den Betroffenen geschickt hätte, tröstliche Worte am Bein. Jedenfalls hat er sie gut erzogen und dressiert. Seine Gedanken folgen ihm, und er hat sie im Griff.
Glaubhaft finde ich das kaum. Es klingt wie ein abrufbarer Krisenfall im Lexikon höfischer Diplomatie. Vorgestanzte Floskeln für alle Fälle. Wenn Barack Obama nach dem fünfzehnten Amoklauf vor laufender Kamera über Eltern nachdenkt, deren Kind nun tot ist, und man merkt, dass ihm eben einfällt, wie es wäre, seine beiden Töchter nicht mehr zu haben und ihm dabei Tränen herunterlaufen, die er nicht leugnet, glaube ich es. Sonst nicht.
Deutsch und persönlich wäre: Ich werde an Sie denken! Individuell und fromm wäre: Ich werde für Sie beten! Alles andere ist für Kameras und Zuschauer, Quoten und Likes.
Taubenpost ist übrigens fast so alt wie die Menschheit, bereits Sumerer und Ägypter kannten sie. Im biblischen Hohelied schickt der Liebhaber via Taubenpost Liebesgrüsse an die Geliebte. In der Schweiz hat die Post ihre Brieftaubenabteilung erst 1997 aufgelöst. Vielleicht sollte man die Brieftaube für solche Zwischenfälle wieder einführen. Der Bürgermeister könnte den Angehörigen des Haiopfers dann etwas Persönliches schicken und die Paparazzi den Flug der Taube filmen.