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Krakau, dessen Altstadt den Zweiten Weltkrieg ohne grössere Schäden überstanden hat, ist eine herzlich schöne Stadt mit viel wienerischem Charme, einem Hauch von Dolcefarniente und einer fröhlich gehissten WodkaFahne zum Wochenende. Es gibt hier Turmbläser, die nur halbe Melodien spielen, einen süssen Drachen mit eigener Höhle, vielleicht den grössten mittelalterlichen Marktplatz und ganz bestimmt die besten Salzgurken der Welt (auf dem Kleparz-Markt). Kein Wunder also, sind die Krakauer tüchtig stolz auf ihre Stadt und neigen dazu, alles auf dieser Welt am Massstab Krakau zu messen.
Und da beschäftigt es einen plötzlich, welche Gedanken Karol Józef Wojtyła wohl hatte, als er von Krakau aus nach Rom und von Rom aus in die weite Welt aufbrach – als Globetrotter im Dienst der heiligen römischen Kirche. Natürlich sind es die unpassenden Gedanken, die uns interessieren: Was fiel ihm ein, als er zum ersten Mal in Afrika aus dem Flieger stieg und sich zu Boden warf, um den Kontinent zu küssen? Dachte er an die frisch gebohnerten Dielen in seinem Elternhaus? Fehlte ihm der Wind, der die Trauerweiden am Ufer der Weichsel bewegt? Oder verspürte er plötzlich die eigentümliche Lust, in eine jener weichen Brezel zu beissen, die in Krakau an jeder Ecke verkauft werden? Vielleicht lächelte er beim Gedanken, was wohl sein Sekretär für ein Gesicht machen würde, wenn er ihn im Herzen von Afrika mit der Besorgung eines solchen Gebäcks betraute. Wie misst man Afrika an Krakau? Zweifellos eine berechtigte Frage.
First Publication: 22-2-2012
Modifications: 20-6-2013