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Ausser dem Verlangen der Grundbedürfnisse schreien Babys nie grundlos, haben Bauchschmerzen oder leiden an einer inneren Unruhe.
Mit Unterstützung durch Entladung und sanfter Körperarbeit, wie die emotionale sichere Begleitung der Eltern, lösen sich diese körperlichen Botschaften auf.
Was passiert, wenn Babys Halt und Sicherheit verlieren. Die neurobiologischen Zusammenhänge, einfach und verständlich zusammengefasst:
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Schon mein halbes Leben lang beschäftige ich mich als Hebamme mit der Frage, welche Folgen bei Babys entstehen, wenn ihre Geburt mit einer Intervention wie Kaiserschnitt, Zange oder Saugglocke endet, und ebenso wenn die Schwangerschaft mit Risiken belastet wurde. Als Spitalhebamme bekam ich ausreichend Möglichkeiten, mich mit dergleichen Themen auseinanderzusetzen, wie sich Babys nach nicht natürlichen Geburten verhalten und begann sie, über viele Jahre während ihrer Schwangerschaft, bei ihren Geburten und in den ersten Lebensmonaten in ihrer Entwicklung zu beobachten. Am meisten beschäftigten mich Babys, die sich nach schmerzhaften Interventionen sehr ruhig, schlafend und zurückhaltend verhielten. Meine Arbeit wurde vor vielen Jahren durch einen Fachartikel von Stephen Porges, einem amerikanischen Wissenschaftler bestärkt, der von seinen Forschungen über das Polyvagale System berichtete.
Mit seinen Methoden und Theorien bestätigte Porges meine Erfahrungen und zusammen mit seinen Erkenntnissen, wurde es mir möglich, meine Arbeit weiter auszubauen, und die Babys in ihrer Verarbeitung angemessener zu unterstützen. Porges fand heraus, dass sich der parasympathische Nervus Vagus auf der Höhe der Speiseöhre in zwei Teile teilt. In einen ventralen Vagus, der bauchwärts verläuft, und in einen dorsalen Vagus der rückenwärts entlang läuft, jeweils mit völlig unterschiedlichen Funktionen. Der ventrale Vagus ist zuständig für Sicherheit und Wohlbefinden und der dorsale Vagus greift ein, wenn sich Babys in höchster Lebensgefahr befinden.
Die körperlichen Schutzmechanismen sind ineinandergreifend und sehen folgendermassen aus: Der Sympathikus wird aktiviert bei Angst-und Stresszuständen und löst bei Babys gleichzeitig die Kampf-und Fluchtmechanismen aus. Da Babys keine Möglichkeiten haben zu kämpfen und zu fliehen, bleibt diese aktivierte Energie im Körper zurück. Ihr meist genutztes Schutzverhalten ist die Erstarrung, ein Zustand, indem der dorsale Vagus ausgelöst wird. Er bewirkt im Körper der Babys eine Immobilität in Form von Erstarren. Bei diesen Babys merken wir vorerst nichts von ihrer Not an. Ihr Verhalten ist sehr ruhig, sie schlafen viel, und müssen oftmals zu ihren Mahlzeiten geweckt werden. Die Babys, die noch in ihren Sympathikus-Aktivierungen stecken, sind leichter zu erkennen, da ihre Botschaften nicht zu überhören sind. Sie schreien viel, sind unruhig, aufgewühlt und brauchen viel Körperkontakt.
Tatsache ist aber, dass all diese Babys durch ihre Überlebensstrategien eine hochdosierte Menge an bereitgestellten Energien besitzen, die sich noch nicht entladen konnte, und im Körper der Babys schmerzhafte Spuren hinterlassen. Betroffen sind meistens die Gebiete um den Verdauungstrakt herum, demzufolge reagieren sie oftmals mit Bauchschmerzen, häufiges Aufstossen oder Verdauungsproblemen. Babys versuchen nun auf ihre Weise diesen Überschuss mit körperlichen Botschaften, meist über Arme und Beine, oder über ihre Stimme zu entladen. Dies wird ihnen nur gelingen, wenn sie Eltern haben, die mit ihnen in (Ver-)Bindung gehen, und sie mit Halt, emotionaler Präsenz und Sicherheit zur Seite stehen. Ausserdem brauchen sie Menschen, die ihnen auf sanfte Weise bei ihren Entladungen und ihrer Aufarbeitung Unterstützung bieten.