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Col
des
Roches (Le) (Kt. Neuenburg,
Bez. und Gem. Le Locle).
Im 18. Jahrhundert und noch in den ersten Ausgaben der Dufourkarte
Cul des
Roches
genannt. 919 m. Dorf, 2 km wsw.
Le Locle, im untern Abschnitt
des
Vallon du
Locle, am
Bied u. an der Grenze gegen Frankreich.
Station der Linie Le
Locle-Besançon. Postablage, Telephon. Zollamt. 15
Häuser, 144 reform. Ew. Uhrenindustrie. Gasthöfe.
Die alte mehrstöckige
Mühle, deren untere Geschosse unter der Erdoberfläche lagen, ist heute Grenzschlachthaus.
Der
Ort liegt in einer Sackgasse
des S.-Schenkels der Kette des
Larmont-Pouillerel, deren Juraschichten (Portland, Kimmeridge,
Sequan) hier zu einer Flexur abgebogen sind, die bei
Les Eroges und
Les Billodes, näher
Le Locle, in eine wirkliche Verwerfung
übergeht.
Der
Col des Roches bildet eine Sackgasse (impasse), d. h. eine unvollständige
Kluse, deren unter dem
Namen der
Roche Fendue bekannte Oeffnung die Schichten der
Roches Voumard im O. von denen der
Roches Houriet im W. trennt. Die
Wasser des tertiären
Vallon du
Locle fanden früher ihren mehr oder weniger langsamen natürlichen Abfluss durch die zeitweise
verstopfte und mit unterirdischen
Gängen und Spalten in Verbindung stehende Kluft (gouffre oder fondrière),
über deren Oeffnung der bekannte
Moulin du
Col steht.
Das grosse Mühlrad war vollständig unter der Bodenoberfläche zwischen den
Wänden der Kluft eingesetzt. Um dem Uebelstand
periodischer Ueberschwemmungen abzuhelfen, beschlossen die Behörden von
Le Locle, den
Col des
Roches in
einer unterirdischen Gallerie zu durchstechen und so eine regelrechte Entwässerung des
Thales zu bewirken. Dieser 1805 vollendete
Stollen mündet nach seinem Austritt aus dem Fels unterhalb der heutigen Strasse nach
Les Brenets in den
Ruz de la
Rançonnière
aus und treibt gegenwärtig das Elektrizitätswerk von
Le Locle.
In früheren Zeiten führte ein schlechter Fusspfad über den Einschnitt der Roche Fendue hinüber zur Argovien-Combe von Le Chauffaud, s. Malpas. Als die Verhältnisse unleidlich geworden und die neue Kantonalstrasse gebaut wurde, führte man diese 1854 in einem Tunnel durch den Felsen. Gleich beim Austritt aus diesem verzweigt sich die Strasse, um längs beider Thalhänge des tiefen und wilden Ruz de la Rançonnière nach rechts Les Brenets und nach links Villers le Lac (im französischen Département du Doubs) zu erreichen.
Bald nach der Verzweigung gehen beide Strassen neuerdings in einem Tunnel durch Sequan-Schichten durch, treten dann in die Argovien-Comben von Monterban im O. und von Le Chauffaud im W. und endlich in das Doggermassiv (Callovien-Vésulien oder Grande Oolithe) von Malpas ein. Die Landesgrenze, kurz vor welcher die Strasse neuerdings einen Tunnel passiert, ist durch die in eine Felswand (Roche aux Ecussons) eingehauenen Wappenschilder der alten Grafschaft Neuenburg und der spanischen, spätern französischen Freigrafschaft Burgund gekennzeichnet. Dieser Grenztunnel der nach Villers führenden Strasse ist von einem grossen Kreuz gekrönt und trägt in einer Nische über seinem Eingang das der Schweiz zugekehrte Standbild der h. Jungfrau (Niche de la Madonne).
Wie die Strasse unterfährt auch die Eisenbahn Le
Locle-Besançon seit 1878 den
Col des
Roches in einem
Tunnel, der vom O.-Eingang (zwischen der Strasse und dem
Moulin du
Col) sich bis auf 917 m, d. h. tiefer als die Thalsohle
des
Vallon du
Locle senkt. Weiter nach O., nahe dem Bahnhof
Le Locle, durchbricht denselben Bergzug endlich noch die Lokalbahn
(Régional) nach
Les Brenets ebenfalls in einem
Tunnel, dessen Bau 1889 die Flexur der Schichten der
Monts
du
Locle bloslegte. An dem so malerischen
Col des
Roches selbst sind die Schichten zu stark gequetscht und gequält, als
dass ihre tektonischen Verhältnisse ohne genaues
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mehr
Studium zu erkennen wären. (Vergl. Jaccard, Aug. Deuxième Supplément à la Descr. du Jura Neuchâtelois... in Matériaux pour
la carte géolog. de la Suisse. VII. Berne 1893. Planche III). Der
Col des
Roches kann nach dem Gesagten in jeder Hinsicht
als eine der merkwürdigsten Stellen des Juragebirges angesprochen werden.
[Dr. L. Rollier.]
Bei Verstopfung des Schachtes und zur Zeit grosser Niederschläge oder der Frühjahrsschneeschmelze gestaltete sich der Abfluss des Wassers aus dem Vallon du Locle besonders schwierig; seine Thalsohle wurde jedes Frühjahr völlig unter Wasser gesetzt, und es bildete sich ein See, der dann allmählich in einen Sumpf überging und regelmässig den Ausbruch von Typhusepidemien zur Folge hatte.
Es ist erwiesen, dass die Sohle des Vallon du Locle vor der Glazialzeit in tieferem Niveau gelegen war als heute, da ihre Mitte von einer mächtigen Lage von lehmigem (wahrscheinlich glazialem) Detritus mit darüber gelagerter Seekreide und Torfmooren ausgefüllt ist. Es muss daher vor dem heutigen Abflusstrichter schon früher am Ende der ursprünglichen Thalfurche ein tiefer gelegener vorhanden gewesen sein, der heute verstopft und zugedeckt ist.
[Dr. H. Schardt.]