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Längst reicht ein teures Auto vor dem Haus oder eine teure Uhr am Arm nicht mehr um zu zeigen, was wir sind. Die Welt braucht neue Statussymbole und zwar etwas plötzlich.
Vor nicht allzu langer Zeit war der Status des beschäftigten Menschen auf den ersten Blick ersichtlich. Wer sich nicht dreckig machte bei der Arbeit, mit Anzug und Krawatte unterwegs war, hatte den Status eines gutbezahlten Angestellten. Wer ein Übergwändli trug, hatte ein bildungsfernes Elternhaus. In den späten 80er Jahren des letzten Jahrhunderts kamen Studenten aus einem bildungsnahen Elternhaus im Lumpenlook daher, dem eine Zeit lang auch andere Jugendliche folgten. Heutzutage tragen Greise Sweatshirts mit Aufdrucken wie «Fuck you» oder «University of California». An Altersausflügen übertrifft man sich gegenseitig mit dreifarbigen Sneakers (turnschuhähnliche Plastikdinger in grellem Pink, Giftgrün und Gelb.)
Kürzlich begegnete Hugo einem mehr oder weniger heruntergekommenen Paar; die Frau hatte eine Zigarette im Mund und lange Zehennägel guckten aus den zerrissenen Sneakers. Der Mann trug einen Plastiksack gefüllt mit Bierbüchsen; aus einer trank er. Auf der Rückseite seines T-Shirt stand «just do it». Ja was denn? Wobei Hugo, selbstkritisch wie er war, sich sagen musste, wenn ein Banker dieses T-Shirt getragen hätte, wäre es ihm auch wieder nicht recht gewesen.
Hugo trägt manchmal auch ein angeschriebenes Leibchen. Sein Statussymbol ist vielleicht seine uralte Baseballmütze, da steht drauf «FUN». Was er jedenfalls nie tragen würde, wären zerrissene Hosen; er würde sie erst flicken.
Heutzutage tragen nicht mehr nur eritreische Flüchtlinge angeschriebene Leibchen und zerrissene Jeans, auch ältere Damen zeigen ihre operierten Knie, sogar Meghan Markle, die Ehefrau von Prince Harry, lässt ihre Knie aus zerrissenen Jeans blitzen.
Bei den Flüchtlingen hatte Hugo erst gedacht, die zerrissenen Hosen seien die, die sie in ihrem Herkunftsland getragen hätten, und daran sähe man, wie arm und geschunden sie dort sind. Oder noch schlimmer, man hätte es bei der Caritas nicht für nötig befunden, die Hosen wenigstens zu flicken. Dem ist aber weder so noch so. Wie auch immer, es ist ein Zeichen dafür, wie Arm und Reich zusammenwachsen. Angenommen ein eritreischer Flüchtling wäre wirklich mit seinen einzigen, zerrissenen Hosen geflohen, wäre damit übers Mittelmeer ins gelobte Europa gekommen, hätte er nicht nur die Hosen weiterhin tragen können, er wäre sogar «up to date» gewesen. Und ist es jetzt erst recht. Die Statussymbole sind globalisiert worden. Die Schere zwischen armen und reichen Hosen ist geschlossen, nicht nur deshalb, weil die Löcher in den Jeans nicht geschnitten, sondern gerissen werden müssen.