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Unter „Blutverdünnung“ versteht man die Reduktion der Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Die Blutgerinnung wird unter anderem angestossen durch Blutplättchen (Thrombozyten, blau auf dem Bild unten), die sich zusammenklumpen (Aggregation) und durch chemische Botschaften weitere Blutplättchen anziehen und die Blutgerinnung durch die Gerinnungsfaktoren im Blut (spezielle Proteine) in Gang setzen.
Gerinnungskaskade
(Von Joe D – http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Coagulation_full.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2471574)
Thrombozyten blau (rote und weisse Blutkörperchen rot und gelb)
(Von Electron Microscopy Facility at The National Cancer Institute at Frederick (NCI-Frederick) – [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=407197)
Die erste Phase der Blutgerinnung, die Thrombozytenaggregation kann durch Medikamente wie Aspirin, Clopidogrel (Plavix®) und weitere Thrombozytenaggregationshemmer (Efient®, Brilique® z.B.) beeinflusst und teilweise gehemmt werden. Die zweite Phase der Blutgerinnung, die humorale Gerinnung, wird durch eine komplizierte Kaskade von Veränderungen der Gerinnungsfaktoren bewirkt, ausgelöst von Thrombozyten oder Stoffen, die bei einer Gewebsverletzung freigesetzt werden. Dadurch „gerinnt“ das Blut. Altbewährte Medikamente, die in dieser Phase einwirken sind Sintrom® und Marcoumar®. Sie verhindern die Wirkung von Vitamin K, das für die Synthese der meisten Gerinnungsfaktoren benötigt wird, dadurch kann in der Leber weniger an Gerinnungsfaktoren gebildet werden und der entstehende Mangel vermindert die Blutgerinnung.
Neuere Medikamente reduzieren nicht die Gerinnungsfaktoren sondern greifen direkt in den Gerinnungsvorgang ein. Einerseits gibt es Pradaxa® (Dabigatran), das eine Hemmung der Wirkung von Thrombin bewirkt, andererseits gibt es Medikamente, die eine Stufe höher in der Kaskade ansetzen und die Bildung von Thrombin hemmen (Xarelto®, Eliquis®, Lixiana®). Thrombin ist das Eiweiss, das in der letzten Stufe die Gerinnung in Gang setzt.
Die Indikation zur Therapie mit Aspirin etc. ist meistens die Prophylaxe einer Folge der Arteriosklerose (Gefässverkalkung). Durch die Arteriosklerose werden die Gefässinnenwände der Arterien „rau“, an rauen Stellen können sich Thrombozyten festhaken und schliesslich einen Thrombus, ein Blutgerinnsel bilden. Die „Klebrigkeit“ der Thrombozyten wird durch die Thrombozytenaggregationshemmer reduziert. Beispielsweise bei koronarer Herzkrankheit, nach Stents, nach gewissen Arten von Schlaganfall, bei Verkalkung der Arterien am Hals und auch in den Beinen sind Aspirin und ähnliche Medikamente indiziert. Nach Einlage von Stents muss man 2 dieser Medikamente für einige Zeit kombinieren.
In anderen Situationen ist die Therapie mit Aspirin und ähnlichen Medikamenten ungenügend oder unwirksam. Blutgerinnsel im venösen System (Thrombosen) oder die Folge davon, die Lungenembolie können nur durch Hemmung der humoralen Blutgerinnung beeinflusst werden. Weiter ist bei Vorhofflimmern und bei künstlichen Klappen je nach dem eine Blutverdünnung mit mehr als Aspirin notwendig.
Die Indikation zur Blutverdünnung und die Art der Durchführung ist häufig relativ klar. In manchen anderen Situation jedoch bedarf es der ausführlichen Überlegung und Diskussion mit den Betroffenen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Selbstverständlich berate ich diesbezüglich meine Patientinnen und Patienten gerne. Eine gut verständliche Broschüre finden sie hier.