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Eine kurze Geschichte des Albums
In den 60er Jahren wurde das Album gegenüber den Singles zum führenden Schallplatten-Format – zumindest in Rock und Folk. Populäre Musikformen wurden zuvor vor allem durch Singles und EPs, also durch Kurzformate verkauft. Pop-Alben gab es schon auch, doch diese bestanden in der Regel aus ein bis zwei Singles plus Füllmaterial. Das Füllmaterial bestand meist aus Standards, die auch zum Live-Set eines Acts gehörten. Da viele Live-Konzerte damals kürzer dauerten als heute, vielleicht 20 bis 30 Minuten, füllten aber auch die Live-Stücke selten ein Album.
Das Füllmaterial verschwand bei Bands zusehends, die ihre Kunst ernst nahmen, d.h. als Autoren ihres Songmaterials auftraten. Bei den Beatles kann man diese Tendenz daran festmachen, dass ab dem 1965er Album Rubber Soul keine Fremdkompositionen mehr auf ihre Alben kamen. Sodann wurde das Format Album für Rockbands ab 1964/65 ein Anlass von Wettbewerb untereinander, zum Beispiel zwischen den Beatles und den Beach Boys. Dieser Wettbewerb bescherte uns Alben wie Rubber Soul, Pet Sounds, Revolver und das in den 60ern nicht mehr erschienene Smile, über dem Brian Wilson zusammenbrach. Als das finale Kunstwerk in dieser Reihe kann man Sgt. Pepper sehen, das erste Album, das in einem Gatefold-Sleeve erschien und die Texte abgedruckt hatte. Wie kein anderss Kunstwerk seiner Zeit sprach Pepper zu einer ganzen Generation und läutete die Zeit der Konzeptalben ein: Alben, die die klassischen Grossformate wie Konzert und Oper konkurrenzierten. Es entstanden mit Tommy und Quadrophenia Rock-Opern und mit Hair, Jesus Christ Superstar oder der Rocky Horror Picture Show Rock-Musicals. Diese Grossformate wiesen eine durch die einzelnen Songs hindurchgehende Erzählung auf.
Das Album als Leitmedium wurde zum ersten Mal von der Tanzmusik (Disco bis Techno und Dubstep) in Frage gestellt, wo kleinere Formate dominierten und heute noch dominieren. Das Aufkommen der CD in den 80er Jahren festigte das Format des Albums eher.
Neuste Entwicklungen
Wir leben in einer Zeit, in der das Album als Leitmedium vielleicht abtreten muss. Andere Formate wie Vinyl-Releases oder Kassetten-Releases in kleinen Auflagen sprechen Sammler und Liebhaber an.
Im März 2011 erschien in Death To The Shiny Disc von Ethan Kaplan @ Blackrimglasses ein Artikel, der den Tod der CD und damit des Albums verkündet.
Simon Reynolds stellt fest, dass die heutigen Alben (bzw. Musik überhaupt) lausig produziert sei und diese Tatsache trägt
zum Verlust der Aura des Albums bei. Musik muss in iPods und auf Copmputerlautsprechern, ja über das Mobiltelefon gut klingen. Für meien Hi-Fi-Anlage, für die ich so richtig Geld ausgegeben habe, produziert niemand mehr.
Ich bleibe dran und berichte, was passiert, aber vorläufig stelle ich fest, dass immer noch Alben produziert und veröffentlicht werden.