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Einen Moment lang dachte man an einen aberwitzigen Verkaufstrick, als gelte es, David Bowies «Blackstar» und Leonard Cohens «You Want It Darker» zu übertrumpfen – und das eigene Testament zu überleben. Das Wiederauftauchen von David Berman nach zehnjähriger Versenkung erschien surreal genug: aus dem bleiernen Nichts diesen Frühling plötzlich dieses traumhaft schöne, unfassbar traurige und trotzdem beschwingt schwebende Album «Purple Mountains». «Die Toten wissen, wohin sie gehen, wenn sie diesen Ort verlassen», singt er in «Nights That Won’t Happen». Die Singles vorab, «All My Happiness Is Gone», im munteren Tonfall des New-Wave-Hits «I Melt with You» von Modern English, gefolgt von «Darkness and Cold», das konnte nur er, David Berman.
«Dem Grössten seiner Generation» (Lloyd Cole) mit dem lakonischen Bariton traute man alles zu – sogar, dass er trotz der chronischen Depression seine Cracksucht, eine Augenoperation, den Tod seiner Mutter und die Trennung von seiner Frau und Mitmusikerin Cassie überwinden würde. Sowie die schwerste Last seines Lebens, wie er bekannte: die grausame Lobbyarbeit seines Vaters Richard, in Washington berüchtigt als «Dr. Evil».
Den neuen Bandnamen Purple Mountains anstelle der früheren Silver Jews verstand er als zynische Hommage an die inoffizielle Landeshymne «America the Beautiful», im Blick auf die violetten Berge die leise Hoffnung, dass das gute Amerika der weit offenen Horizonte nicht verloren sei. Nun hat Berman sein Licht gelöscht, zwei Tage vor dem Finanzzuhälter Jeffrey Epstein, das hässliche Amerika droht zu gewinnen.
Gegen die Dunkelheit aber bleiben Bermans Songs eine Ermunterung, noch im Angesicht des Todes den Humor nicht zu verlieren. «Am letzten Tag deines Lebens, vergiss nicht zu sterben», sang er auf dem ersten Album und verwandelte stets all seinen Schmerz über sich und die Welt in Empathie, Schönheit, Weisheit und Spott. Was bleibt, sind Nachrufe grosser Weggefährten wie Bill Callahan: «Die Welt ist und wird immer ein Gedicht von David Berman sein.» Und rührende Hommagen wie das Gemälde «SilverJewsLand» von Jeffrey Lewis mit 75 Songtiteln, die Landkarte einer anderen, beseelten USA.