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Ljesskòw,
Nikolai Ssemjónowitsch, russ. Schriftsteller, geb. im Gouvernement Orel, erhielt seine Erziehung zuerst im Gymnasium zu Orel, dann die weitere Ausbildung in Kiew. [* 2] Hierauf war er eine Zeitlang Geschäftsreisender seines Oheims, des Engländers Scott, wodurch er Gelegenheit erhielt, mit den verschiedensten Personen in Beziehung zu treten und allerlei Verhältnisse kennen zu lernen, die seinen feinen Beobachtungssinn künstlerisch lebhaft anregten.
Bald darauf widmete er sich ganz litterarischer Thätigkeit. Das erste Werk, welches seinen Namen bekannt machte, war der 1864 erschienene Roman »Ohne Ausweg«, ein hervorragendes Sittenbild aus der russischen Gesellschaft, in welcher radikale und nihilistische Elemente bereits ihre zerstörende Kraft [* 3] zu üben begannen, und das eins seiner besten Werke geblieben ist. In dem Roman »Die Geistlichen« enthüllte er in scharf gezeichneten Bildern das Leben der russischen Geistlichkeit, und der große Roman: »Bis aufs Messer« [* 4] schildert ausführlich den Zwiespalt und die Parteiungen im Lager [* 5] der russischen Intelligenz.
Außerdem hat eine Reihe andrer Erzählungen geschrieben, die auch mehrfach alte Legendenstoffe behandeln. ist eine vollkommen selbständige künstlerische Natur, die von Originalitätssucht nicht ganz frei ist, in der aber ein tiefer sittlicher Ernst steckt, welcher sich mit einer ansehnlichen Begabung für die Schilderung und Zergliederung der Erscheinungen russischen Lebens verbindet. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 10 Bänden (Petersb. 1890).