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Wie es bei einem jungen Menschen so fest um Bestrafungen gehen kann und so wenig um Rehabilitation ist mir absolut unverständlich.
Das Ziel des Rechtsstaates muss hier sein: Brian wieder in die Gesellschaft einzugliedern, nicht ein Leben lang wegzusperren.
Und dann kommen natürlich wieder das älteste Argument der Welt: "Der Staat müsse nicht einen unsinnigen finanziellen Aufwand für einen jungen Straftäter leisten, der sich nicht zusammenreissen könne." Vielleicht wäre es günstiger, wenn man an Deeskalation arbeiten würde anstatt an Bestrafung (zumal Brian nicht mehr im Strafvollzug ist, sondern in Sicherheitshaft).
Ich finde, dass er selbst schuld ist an seiner Situation. Man sollte auch etwas Solidarität mit den Menschen aufzeigen die mit ihm arbeiten müssen.
Ja, unbedingt Solidarität mit den VollzugsmitarbeiterInnen. Aber auch Solidarität mit einem Insassen, der seit bald drei Jahren in völliger Isolation gehalten wird und sich nicht körperlich austoben kann. Brian hatte dies einmal so formuliert: Wenn er nur jeden Tag eine Stunde lang joggen könnte, wäre es ihm möglich, aufsteigende Aggressionen zu verarbeiten. Oder: Wie man von ihm ein menschliches Verhalten erwarten könne, wenn er wie ein Tier gehalten werde.
Danke, dass Sie bei solchen Themen am Ball sind.
Brian Carlos ist ein schwieriger Mensch, sehr jung und sehr schwierig. Und es stimmt, dass er schon als Jugendlicher schwierig war. Die mit ihm befassten Personen haben allesamt stabile Persönlichkeiten, gute Ausbildungen, leben in geordneten Verhältnissen und haben sich gut bezahlte Berufe daraus gemacht, mit schwierigen Personen wie Carlos Brian umzugehen.
Für Carlos Brian war seinerzeit Jugendanwalt Hansueli Gürber zuständig. Gürber war bzw. ist ein weitherum anerkannter und sehr erfolgreicher Fachmann. Weil Brian Carlos schwierig war, richtete Gürber ein sehr teures "Sondersetting" ein. Als das bekannt wurde fielen die Medien wie Hyänen über Carlos und Gürber her. Immer wieder wurde das Amtsgeheimnis gebrochen, Carlos diabolisiert, wie ein kleiner Frankenstein vekauft. Gürber wurde - eigentlich nicht unähnlich wie Stadträtin Stocker - aus dem Amt gemobbt.
Wer dabei am meisten litt, war Carlos. So bekamen wir einen schwierigen, ausgerechnet von den Vollziehern des Rechtsstaates zusätzlich kaputtgemachten jungen Menschen. Und skandalisieren, dass er sich nicht so gemessen und in taktischer Wahrheitsbearbeitung geübt verhält wie zum Beispiel Gürbers Vorgesetzte oder die erstaunlichen Juristen, die doch tatsächlich und ausgerechnet für den Zürcher Justizvollzug zwischen menschenrechtswürdigen und -unwürdigen Menschen zu unterscheiden versuchen. Das gab's doch schon einmal.
Im Zürcher Strafvollzug gab es eine Zeitlang eine rechte Häufung von Selbstmorden (NZZ ca. 2016) und im Folgejahr noch mehr. Und was machte Carlos Brian? Keinen Selbstmord, dafür wurde er noch schwieriger. Chef Forschung etc. im Amt für Justizvollzug ist der Psychiater Prof. Endress. Wie wäre es, wenn der Professor aufhören würde zuzuschauen, wie bei Carlos Brian der Vollzug aus dem Ruder läuft, und stattdessen forschen würde, wie man Carlos Brian wieder in die Spur bringen kann?
Weiter wäre es sicher interessant zu erfahren, ob die bisherige und weitere Tortur wirklich weniger kostet(e), als Gürbers seinerzeitiges Sondersetting.
Ich stimme mit Ihnen völlig überein, bis auf seine frühe Jugend und sein damaliges Umfeld. Denn ich denke, Brian war nicht immer schwierig. Gewisse Leute meinen sogar, es gibt keine schwierigen Kinder - nur schwierige Erwachsene. Wahrscheinlich waren nicht alle "mit ihm befassten Personen ... stabile Persönlichkeiten".
Gleichzeitig hatte er das Pech, dass in dem für ihn wichtigsten Moment die institutionelle Aufrichtigkeit, das hohe Gut der Rechtssicherheit unterhöhlt wurde. Der vom Volk gewählte Entscheidungsträger hatte weder Grösse noch Moral, sich vor einen der Schwächsten der Gesellschaft zu stellen. Damals war Brian noch "sehr jung", heute ist er es nicht mehr.
Danke Frau Hürlimann dass Sie am Fall dranbleiben. Menschen wie Brian dürfen nicht allein gelassen werden.
Wenn einer seit frühester Jugend permanent ungerecht behandelt wird, die jüngste Verweigerung einer Entschädigung aufgrund verpasster Fristen (!) eingeschlossen, dann ist er entgegen der saloppen Aussage des Gerichts nicht psychisch krank, sondern traumatisiert (PTBS). Man soll ihm endlich die entsprechende Behandlung zukommen lassen.
Und der Regierungsrat, der aufgrund öffentlichen Drucks das damalige, teure aber im Vergleich zu den heute aufgelaufene Kosten günstige Setting zugunsten der Sozialisierung des Traumatisierten handstreichartig gegen eine Gefängniszelle eintauschte, sollte mindestens für einige Monate in dessen Schuhen stecken. Was sind schon die Tränen einer Abwahl gegen das Martyrium Brians.
Eine Wiedereingliederung von Carlos B. muss weiterhin das Ziel sein. Abbruch der gescheiterten Strafmassnahmen. Warum spielten seine Eltern keine aktivere Rolle im Ganzen? Sie hätten Carlos aus der Justizmühle herausnehmen sollen. Es wäre auch eine sinnvolles Projekt für das ZKB-Jubiläum gewesen...
Und letztlich haben wir alle versagt, weil uns wir nicht deutlicher für diesen jungen Menschen eingesetzt
haben.