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Seit Louis Moinet den 1815/1816 hergestellten Chronographen im März 2013 entdeckt hat, ist zwischen Montblanc und Graham eine Diskussion entfacht worden. Jeder für sich schreibt sich die Erfindung des Chronographen auf seine Fahne. Auf Spurensuche.
Historisch gesehen gilt eigentlich George Graham als „Vater des Chronographen“, der 1720 einen Apparat zum Abschätzen der Dauer eines Ereignisses auf 1/16 Sekunde genau ermöglicht.
George Graham begann seine Arbeit im Jahr 1695. Ergebnis seiner Studien waren einige großartige Erfindungen. Er baute zum Beispiel die Ruhehemmung, die Zylinderhemmung und die Graham-Hemmung, Dämpfer-Minutenrepetition und den ersten Chronographen der Geschichte der Uhrmacherei. 1713 übernimmt der Uhrmachermeister George Graham nach dem Tod seines Lehrmeisters Thomas Tompion – dem Vater der englischen Uhrmacher – dessen Geschäft und legt damit den Grundstein für eine der traditionsreichsten und prestigeträchtigsten britischen Uhrmanufakturen. Graham ist damals weniger an Geld interessiert als an der Umsetzung seiner brillanten Ideen – so zeichnet er für eine Vielzahl an bahnbrechenden Erfindungen verantwortlich: 1715 erfindet er beispielsweise den ersten ruhenden Ankergang für Pendeluhren, nur fünf Jahre später entwickelt er seine erste Zylinderhemmung.
Als einen Erfinder des Chronographen könnte man Louis Moinet bezeichnen, dessen «60stel-Sekundenzähler» von 1815/1816 erst kürzlich entdeckt wurde. Der neu entdeckte Chronograph sei seiner Zeit voraus gewesen. Der Uhr verfügte über einen zentralen Zeiger, der die 60stel-Sekunde anzeigte. Zwei weitere Zifferblätter zeigten Sekunden und Minuten an, sowie ein Zifferblatt die Stunden. Die Funktionen für Start, Stopp und Rücksetzungsfunktionen seien über zwei Drucktasten gesteuert worden. Der Chonograph arbeitete gemäss dem Uhrmacher mit 216’000 Schwingungen, was einer Frequenz von 30 Hertz entspricht. Der Uhrmacher Louis Moinet entwickelte die Uhr offenbar, um ein möglichst präzises Instrument für seine astronomischen Beobachtungen zu schaffen. Der Chronograph habe bereits den Schriftzug Louis Moinet getragen und über mehr als 30 Stunden Gangreserve verfügt.
Louis Moinet lebte von 1768 bis 1853 und stellte nach Angaben des Hauses Pendeluhren für wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit her. So für Napoléon Bonaparte, den amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson sowie für den englischen König George IV.
Bisher wurde die Erfindung des ersten Chronographen auf das Jahr 1822 datiert und dem Franzosen Nicolas Mathieu Rieussec zugeschrieben, der die Uhr damals zum Patent angemeldet hatte. Montblanc hat die Geschichte für sich in Anspruch genommen, wobei hier von der Deutschen Uhren-Journaille respektive von „Deutschlands Uhrenjournalist Nr. 1“ nachgeholfen wurde.
Der Franzose Rieussec hatte 1821 einen echten Chronographen, also einen Tintenschreiber, erfunden und 1822 zum Patent angemeldet. Ein Gerät, bei dem sich ein Zifferblatt drehte und ein Schreibmechanismus darauf die Zeitintervalle in Form von Strichen und Punkten festhielt. Am 1. September 1821 stoppte er damit auf dem Champ de Mars die Zeiten von vier Pferderennen. Der Apparat arbeitete so vorzüglich, dass er sich für künftige Rennen empfahl. Mehr noch: Unter Bezugnahme auf den Abschlussbericht von Antoine-Louis Breguet und Gaspard de Prony, Ingenieur, Mathematiker und Mitglied des Längengrad-Ausschusses, erkannte die Königliche Akademie der Wissenschaften den sogenannten Sekunden-Chronographen am 15. Oktober 1821 an.
Taschenuhren mit einem stoppbaren Sekundenzeiger gab es zwar schon seit etwa 1800, doch wurde durch das Auslösen des Stoppmechanismus das ganze Werk angehalten und somit die Uhrzeit danach natürlich unbrauchbar verfälscht wurde.
Es folgten weitere Erfindungen zur Messung eines Zeitabschnittes wie z.B. ein von J.T. Winnerl konstruierter Mechanismus mit zwei Zeigern, von denen einer den Beginn, der andere das Ende des zu messenden Zeitabschnitts anzeigte. Leider konnten die Zeiger aber nicht auf Null gestellt werden, und somit war auch dies keine befriedigende Lösung.
Als eigentlicher Erfinder des Chronographen gilt Adolphe Nicole. Nicole war Mitinhaber der im Vallée de Joux ansässigen Firma Nicole & Capt. Im Jahre 1844 erfand Nicole das, auf der Welle des Sekundenrades befestigte Nullstellherz und meldete es zum Patent an. Unter Mithilfe des, in seiner Firma beschäftigten, Henri Féréol Piguet entstand schliesslich die erste uneingeschränkt brauchbare Taschenuhr mit Chronographen. 1862 erfolgte die Präsentation dieser neuen Erfindung. Die endgültige Form wie sie heute bekannt ist und verwendet wird, war damit aber noch nicht gefunden. Bis diese Form mit dem werksseitig über den Brücken und Kloben angeordneten Zusatzmechanismus gefunden war, dauerte es fast weitere zwanzig Jahre. Diese, auf Auguste Baud zurückzuführende Entwicklung fand um 1880 ihre uhrmacherische Realisation und somit war der Chronograph endlich alltagstauglich geworden. Was ein Chronograph genau definiert, ist aber auch heute immer noch ein umstrittenes Thema.
Der Chronograph – Geschichte
Kurz und bündig – Chronologie
1720 Graham erbaut einen Apparat der das Abschätzen der Dauer eines Ereignisses auf 1/16 Sekunde genau ermöglicht
1815/1816 Louis Moinet, Uhrmacher, erfindet den «60stel-Sekundenzähler»
1822 Rieussec, Uhrmacher in Paris erfindet den ‚richtigen‘ Chronographen – den Zeitschreiber
1831 Winnerl erfindet den Doppelzeiger-Chronographen
1878 Zähler mit abgestoppter Unruh bekannt
1844 Adolphe Nicole erfindet den ersten Chronographen mit Nullstellung
1862 Adolphe Nicole präsentiert den ersten Chronographen mit Nullstellung
1868 Auguste Baud entwickelt den ersten ’sichtbaren‘ Chronographen, d.h. auf der Brückenseite
1880 Der Doppelzeiger-Chronograph in seiner heutigen Form wird erfunden
1883 Chronographen mit Doppeldrücker sowie Tacho- und Telemeter
1892 Chronographen mit Reibungskupplung