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Pflichtteilserben haben gegenüber Verfügungen, die ihren Pflichtteil verletzen, die Möglichkeit der Herabsetzungsklage für den Fall, dass der Erblasser seine Verfügungsbefugnis überschritten hat (ZGB Art. 522). Das gilt auch gegenüber anderen Pflichtteilserben. Der Herabsetzung unterliegen unter anderem die Schenkungen, die der Erblasser frei widerrufen konnte, oder die er während der vergangenen fünf Jahre vor seinem Tod ausgerichtet hat, mit Ausnahme der üblichen Gelegenheitsgeschenke sowie die Entäusserung von Vermögenswerten, die der Erblasser offenbar zum Zweck der Umgehung der Verfügungsbeschränkung vorgenommen hat (ZGB Art. 527). Versicherungsansprüche auf den Tod des Erblassers, die durch Verfügung unter Lebenden oder von Todes wegen zugunsten eines Dritten begründet oder bei Lebzeiten des Erblassers unentgeltlich auf einen Dritten übertragen worden sind, unterliegen der Herabsetzung mit ihrem Rückkaufswert (ZGB Art. 529).
Hat der Erblasser seine Erbschaft mit Nutzniessungsansprüchen und Renten derart beschwert, dass deren Kapitalwert nach der mutmasslichen Dauer der Leistungspflicht den verfügbaren Teil der Erbschaft übersteigt, so können die Erben entweder eine verhältnismässige Herabsetzung der Ansprüche oder deren Ablösung verlangen (ZGB Art. 530). Ausserdem kann eine Verfügung von Todes wegen auf erhobene Klage für ungültig erklärt werden, wenn sie vom Erblasser zu einer Zeit errichtet worden ist, da er nicht verfügungsfähig war bzw. aus mangelhaftem Willen hervorgegangen ist oder wenn ihr Inhalt oder eine ihr angefügte Bedingung unsittlich oder rechtswidrig ist. Die Ungültigkeitsklage kann von jedermann erhoben werden, der als Erbe oder Bedachter ein Interesse daran hat.
Family Office
Viele Eltern, die ihr Unternehmen in harter Arbeit selber aufgebaut haben, wünschen sich verständlicherweise, dass das Vermögen auch nach ihrem Tod langfristig gut angelegt und zu vernünftigen Zwecken gebraucht wird. Dafür ist ein Family Office auch für Vertreter des Mittelstandes eine interessante Lösung. Dabei wird das Vermögen einer Familie oder ein Teil davon als Gesamtvermögen angelegt und nur die Gewinne werden verteilt. Dabei ist wie bei allen erbrechtlichen Vereinbarungen eine Rechts- und Steuerberatung zu empfehlen, ebenso die Verwaltung durch unabhängige Vermögensberater. Wenn pflichtteilsberechtigte Erben vorhanden sind, genügt es bei der Errichtung eines Family Office nicht, einfach das Vermögen zusammenzulegen und eine Verwaltung zu organisieren. Dann kann es passieren, dass Erben nach dem Tod eines Angehörigen die Auszahlung ihres Pflichtteils verlangen. Die Pflichtteilsberechtigten müssen in einem Erbvertrag zuerst über das Verfügungsrecht über ihren Pflichtteil verzichten, allenfalls auch für spätere Ehepartner und Nachkommen.
Am einfachsten ist es, dass alle Personen, die sich am Family Office beteiligen, einen gemeinsamen Erbvertrag abschliessen. Dabei sind Pflichtteile der Personen zu respektieren, die sich nicht am Family Office beteiligen wollen. Wenn ein Erblasser wünscht, dass sein Vermögen erst nach dem Tod in einem Family Office angelegt wird, muss dies im Erbvertrag festgelegt werden. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Erblasser schon zu Lebzeiten einen Teil seines Vermögens für ein Family Office zur Verfügung stellt. Dann kann man dieses begründen und im Erbvertrag festlegen, dass das restliche Vermögen oder ein Teil davon nach dem Tod im Family Office angelegt wird.
Juristisch gilt das Family Office normalerweise als «Einfache Gesellschaft». Dabei gelten die Bestimmungen von OR Art. 530 ff. Diese kann ziemlich frei gestaltet und auf lange Sicht geplant werden. Ein wesentlicher Nachteil ist die solidarische und unbeschränkte Haftung der Mitglieder gegenüber Dritten. Denkbar wäre auch die Gestaltung des Family Office als Verein. Dass der Verein eine juristische Person ist, kann ein Vorteil sein, so wie die Beschränkung der Haftung auf das Vereinsvermögen nach ZGB Art. 75 a. Soll das Familienvermögen in einer Stiftung angelegt werden: Nach ZGB Art. 335 darf eine Familienstiftung nicht zum Unterhalt von Familienmitgliedern dienen, sondern nur Kosten der Erziehung, Ausstattung oder Unterstützung von Familienangehörigen decken.