Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03269.jsonl.gz/222

Herr Huang Zhuhua, Jahrgang 1960, ist einer der ältesten Züchter in China. Von den anderen Züchtern wird er sehr geachtet und für sein Wissen respektiert. Mr Huang gab mir dieses Interview sehr gerne und freut sich sehr darüber das Menschen in der Welt inzwischen Interesse zeigen für die Rasse in China.
(Übersetzung aus dem chinesischen Original)
Sie haben eine sehr lange Geschichte mit dem Shar Pei. Können Sie uns sagen, wie und wann Sie mit der Rasse in Kontakt gekommen sind?
Ich wuchs in einer Familie auf, die ihren Lebensunterhalt seit Generationen mit der Jagd verdient hat. Als kleiner Junge hörte ich immer den Geschichten meines Vaters und seinen Jägerfreunden zu, die mir oft von der Jagd mit Hunden erzählten. In unserem Dorf gab es immer Hunde, auch Shar Pei. Es waren schwierige Zeiten und die Versorgung der Hunde im Dorf war oft nicht einfach. Wenn wir nicht genügend Futter hatten, sind die Hunde zu einer kleinen Schweinefarm in der Nähe gelaufen und haben das Schweinefutter gefressen. Aufgrund dieser schweren Kindheit musste ich früh erwachsen werden.
Als ich 14 Jahre alt war habe ich mir heimlich die Schrotflinte meines Vaters genommen, die Schule geschwänzt um selber Vögel zu jagen um deren Fleisch zu verkaufen. Einige dutzend Kilometer entfernt traf ich einen alten Frisör, der eine sehr schöne Shar Pei Hündin hatte. Ich bat diesen Mann mir diese Hündin zu verkaufen und er verlangte von mir 32 Yuan. 1974 entsprach das ungefähr dem Jahreseinkommen eines fleissigen Bauern. Ich musste also wieder gehen.
Jeden Tag in der Schule dachte ich an diese Shar Pei Hündin. Ich fing an mich heimlich aus der Schule zu schleichen und so viele Vögel zu jagen wie ich konnte. So verdiente ich insgesamt 16 Yuan. Ich erzählte einem Freund von meinem Vater, Li Yuchang (黎玉常), von meinem Vorhaben die Shar Pei Hündin bei dem alten Mann in dem weit entfernten Dorf zu kaufen. Li Yuchang gab mir 16 Yuan und sagte ich solle losgehen und die Hündin kaufen. Auch wenn sie mir nur zu 50 Prozent gehörte, so war diese Hündin doch mein erster eigener Shar Pei.
Was mögen Sie am meisten an der Rasse?
Ich habe früher auch andere, international bekannte Hunderassen gezüchtet. Jetzt bin ich älter und habe mich schon lange ganz auf den Shar Pei konzentriert. Der Shar Pei war immer Teil meines Lebens und er ist das Vermächtnis meiner Vorfahren. Ich mag ihn besonders, weil er multifunktional ist:
- Er ist ein hervorragender Familienhund.
- Er besitzt einen soliden und starken Charakter.
- Er kläfft nicht.
- Er ist seinem Besitzer sehr treu.
- Er geht zu fremden Menschen auf Distanz.
- Er kann das Haus bewachen.
- Er ist ein guter Jagdbegleiter in den Bergen.
- Er hat ein schönes kurzes Fell.
- Er hat eine gute Gesundheit.
- Nicht viele Menschen haben einen Shar Pei.
Was antworten Sie, wenn Sie gefragt werden, worauf bei der Haltung eines Shar Pei besonders geachtet werden soll?
Das Wichtigste bei der Erziehung eines Shar Pei ist die Liebe. Ob man reich oder arm ist, ist nebensächlich, aber wenn sie die Liebe zum Hund verlieren, können sie keinen guten Hund erziehen.
Wie wichtig ist es für Sie als Züchter, den Stammbaum Ihres Hundes zu kennen?
Es gibt leider nicht sehr viele Züchter in China. Hunde deren Stammbaum man über Jahrzehnte verfolgen kann sind leider selten. Früher wurde kein Buch geführt darüber. Je mehr man über die Vorfahren eines Hundes weiss, umso besser ist es.
Sie haben viele Shar Pei in Ihrem Leben gesehen. Wie ist Ihrer Meinung nach die Gesamtqualität der Shar Pei in China?
Die ursprünglichen Hunde haben durchschnittlich eine sehr gute Qualität, optisch gibt es natürlich bessere und schlechtere, aber grundsätzlich ist der geringe Bestand der Rasse hier von guter Qualität.
Seit den 1990er Jahren kommen immer wieder fleischigere Shar Pei von Hong Kong nach China. Diese Hunde sind oft krank, haben Haut und Augenkrankheiten.
Wir haben oft über die Unterschiede von China und Hong Kong gesprochen in Bezug auf Shar Pei. Viele Leute kennen diese Unterschiede nicht. Können Sie uns die Unterschiede erklären?
Der grösste Unterschied zwischen Hong Kong und China besteht darin, das die Menschen in Hong Kong eine höhere Bildung und somit mehr Möglichkeiten haben. Sie können viel bessere Geschichten über Shar Pei erzählen und somit Meinungen verbreiten.
Wir Menschen auf dem Festland haben eine geringere Bildung, wir wissen nicht wie man gute Geschichten schreibt. Wir wissen nicht wie man sich gut vermarktet. Wir sind leider sehr unerfahren mit der Werbung für den chinesischen Shar Pei.
Aber es geht jetzt nicht mehr darum Geld zu verdienen, es geht um den Erhalt und die Liebe zum Shar Pei.
Das einzige was in Hong Kong und in China gleich ist, ist die Liebe zum Shar Pei.
Wie viel Austausch hat in der Vergangenheit von Hunden und Wissen zwischen China und Hongkong stattgefunden. Wann begann dieser Austausch und wie wirkte er sich auf die Population von Shar Pei auf beiden Seiten der Grenze aus?
1975 kamen die ersten Menschen von Hong Kong nach China weil sie Hunde suchten. Ich habe damals schon Kontakt zu ihnen aufgenommen. Das Verständnis über die Rasse ist unterschiedlich. Das meiste Basiswissen über die Rasse stammt bei vielen von Onkel Ki. Aber die Entwicklung der persönlichen Sichtweisen hat sich in den vielen Jahrzehnten in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Es wurden viele eigene Hybriden geschaffen, die dem eigenen Bild und der eigenen Vorstellung entsprechen sollten.
Ich glaube das ein guter Züchter nicht nur seine, sondern auch andere Rassen gut kennen sollte. Denn wenn man andere Rassen nicht gut kennt, dann kann man seine eigene Rasse nie umfassen lesen. Wer nur seine eigene Rasse kennt, der muss Geschichten erzählen, damit andere glauben, das er seine Rasse gut kennt.
1989 hatte ich nach 10 Jahren das erste mal wieder einen meatmouth Shar Pei gesehen. Einen blauen Shar Pei habe ich bis heute noch nie gesehen. Im Herbst 1989 haben Menschen aus Hong Kong meatmouth Shar Pei nach Dali gebracht und das Züchten und die Hybridisierung mit diesen Hunden wurde propagiert.
Kurz danach haben wir den Dali Shar Pei Club gegründet, da wir erkannten, dass wir etwas unternehmen müssen um den ursprünglichen Typ zu schützen. Leider verstarb der erste Präsident des Clubs, Yan Runhe, nach nur einem Jahr.
Mit dem zweiten Präsidenten des Clubs, Xu Jianguo, waren leider alle guten Intentionen zunichte, da Hundehändler aus Hong Kong einen grossen Einfluss ausübten.
1997 haben sich der Shar Pei Club von Dali und der Club in Hong Kong zusammen geschlossen und eine große Anzahl von Hongkonger Hybriden Shar Pei wurde beworben. Die Werbungen im Radio, im Fernsehen, in Zeitungen und in Zeitschriften kam alles aus Hong Kong.
Ich war zu der Zeit ein Dissident, da ich immer den ursprünglichen Shar Pei schützen wollte. Damals wurde ich von einem ranghohen Mitglied des Clubs auf die aller unterste Stufe degradiert.
Nach Jahren des gemeinsamen Marketings beider Clubs und der vielen falschen Informationen die über die Rasse in Umlauf gebracht wurde, denken heute viele Menschen, das der meatmouth korrekt sei und der echte chinesische Shar Pei ist nahezu unbekannt.
Ich versuche seit Jahrzehnten die ursprünglichen Zuchthunde zu schützen, aber durch die schlechte wirtschaftliche Situation mit den chinesischen Shar Pei musste ich früher auch andere Rassen wie den Deutschen Schäferhund züchten, um überleben zu können.
Seit fast zwei Jahren ist die Situation besser und der Shar Pei Club von Dali hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht den echten chinesischen Shar Pei zu schützen und bekannt zu machen.
Bis vor kurzem gab es nur wenig Wissen über Shar Pei in China, nur ein paar Bilder, die im Internet zu sehen waren. Sehr oft sehen wir Hunde an schweren Ketten. Warum ist das so?
Traditionell werden Hunde oft mit schweren Ketten trainiert damit die Brust breiter und kräftiger wird, ebenso wie für eine kräftigere Taille und mehr Oberschenkel Muskulatur. Aber es muss keine Kette sein, auch ein Seil oder eine starke Leine können benutzt werden.
Oft sind Hunde aber auch nur für ein Foto an der Leine.
Was sind Ihre Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft der Shar Pei?
Ich wünsche mir, dass Züchter sich genau mit dem Zweck ihrer Hunderasse beschäftigen, dass sie ihre ursprüngliche Bedeutung verstehen und ihren individuellen Nutzwert erkennen. Es ist wie beim Sport, je individueller die Förderung, desto besser wird das Ergebnis eines Sportlers sein.
Züchter sollen ein gutes Auge für ihre Hunde bekommen. Der Shar Pei kann sehr vielseitig sein. Ist er ein guter Jäger, fördern Sie das und bilden ihn aus, ist er ein guter Sportler, machen Sie Sport mit ihm, präsentiert er sich gerne, dann stellen Sie ihn aus.
Vielen Dank Mr Huang für dieses Interview