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Demenz verändert den Sinn für Humor
Demenzielle Prozesse lassen auch den Humor der Patienten nicht unbeeinflusst. Das zeigt eine kleine britische Studie.
Humor hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und beeinflusst zwischenmenschliche Beziehungen erheblich. Demnach könnten Veränderungen des "heiteren Erlebens" das soziale Miteinander in relevantem Maß beeinträchtigen.
Klinische Erfahrungen zeigen, dass neurodegenerative Erkrankungen eine Auswirkung auf diesen Teil der Persönlichkeit haben. Britische Kollegen untersuchten nun verschiedene Demenzkranke auf mögliche Humor-Veränderungen.
Wenn Humor umschlägt in Schadenfreude
Dazu befragten sie nahestehende Personen von 15 Kranken mit frontotemporaler Demenz und Verhaltensabweichungen (bvFTD), von sieben mit semantischer Demenz (SD), von zehn mit progredienter nicht flüssiger Aphasie (PNFA) – diese drei Formen wurden früher unter dem Begriff des M. Pick zusammengefasst – sowie von 16 Alzheimer-Patienten (AD). 21 Gesunde dienten als Kontrolle.
Die langjährigen Vertrauten sollten Auskunft darüber geben, wie sich die Wahrnehmung unterhaltsamer, amüsanter oder witziger Inhalte im Verlauf der letzten 15 Jahre eventuell verändert hatte.
Ein Wandel im Humor fand sich, wie die Analyse ergab, signifikant häufiger bei bvFTD und SD (etwa 40 % der Betroffenen) als bei PNFA oder AD. In diesen beiden auffälligen Gruppen gab es bei jeweils der Hälfte der Probanden unangemessene Reaktionen wie z.B. ausgeprägte Schadenfreude.
Der Spaß an Satire oder absurder Comedy war gegenüber Gesunden bei allen Kranken reduziert. Die Lust an Satire ließ vor allem bei bvFTD, PNFA und dem M. Alzheimer nach und der Wandel zeichnete sich den Berichten zufolge schon zwei bis 13 Jahre vor den typischen Demenzsymptomen ab.
Die Autoren glauben, dass gerade bei Alzheimer-Patienten Abweichungen beim Humor bisher unterschätzt wurden. Generell halten sie die Frage danach bei jeder Demenzform für ein sensitives Mittel, um soziale Defizite zu ermitteln.
Quelle: Camilla N. Clark et al., Journal of Alzheimer‘s Disease 2016; 49: 111-119