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Bei Caster Semenya, der amtierenden Weltmeisterin über 800 Meter, war umstritten, ob sie als Frau oder Mann gelten soll. Doch dank einem Geschlechtstest kann sie an der heute eröffneten Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Südkorea ihren Titel verteidigen.
Erstmals seit 1999 wieder offizielle Geschlechtstests
Der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) ist der erste internationale Sportverband, der seit diesem Frühjahr offiziell wieder Geschlechtstests für Frauen durchführt. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) will demnächst beschliessen, solche Tests wieder einzuführen. Seit 1999 hatten die Sportverbände darauf verzichtet.
Eine Hormonbehandlung machte es möglich
Auslöser für die Wiedereinführung des Geschlechtstests war der Fall der südafrikanischen 800-Meter-Weltmeisterin. Caster Semenya wurde nach ihrem überraschenden Sieg an der WM 2009 suspendiert und durfte erst knapp ein Jahr später wieder an Wettkämpfen starten. Sie soll sich in der Zwischenzeit einer Hormonbehandlung unterzogen haben.
Entscheidend ist ein Testosteron-Höchstwert
Im Unterschied zu früher erheben die Sportverbände nicht mehr den Anspruch zu definieren, wer eine Frau ist und wer nicht. Stattdessen legen sie einen bestimmten Level des männlichen Hormons Testosteron fest. Dieses erhöht in vielen Disziplinen die Leistungsfähigkeit. Die Testosteron-Werte von Männern sind grundsätzlich höher als diejenigen von Frauen. Es gibt aber auch Frauen mit einem höheren Testosteron-Level. Die festgelegte Obergrenze dürfen Frauen nun nicht mehr überschreiten. Bei einem Verdacht darf eine Athletin getestet werden. Wenn sie zuviel männliche Homone aufweist, muss sie sich einer Hormon-Behandlung unterziehen.
Wer sich weigert, den Test zu machen, darf nicht starten. Arne Ljungqvist, Chef der Medizinischen Kommission des IOC, geht davon aus, dass es «nicht sehr viele Fälle» geben wird. In jedem Fall sollen Betroffene anonym bleiben. Damit will das IOC verhindern, dass weltweit über das Geschlecht einer Sportlerin diskutiert wird.
Stigmatisierung von Intersexuellen?
Dieser Schutz sei unzureichend, sagte die Medizinerin Claudia Wiesemann von der Universität Göttingen gegenüber der «Süddeutschen Zeitung». Ein solcher Test könne Sportlerinnen in Identitätsprobleme stürzen und sie in ihrem engeren Umfeld stigmatisieren. Die Expertin für ethische Fragen von Intersexuellen im Sport spricht von «Zwangs-Tests», da Sportlerinnen ein Startverbot droht, wenn sie den Test verweigern. Claudia Wiesemann fordert die Sportverbände auf, solche Tests nur auf freiwilliger Basis durchzuführen.
Indische Weltklasseläuferin beging Freitodversuch
Welche gravierenden Auswirkungen Geschlechtstests haben können, zeigt der Fall der indischen Weltklasseläuferin Santhi Soundarajan. Sie hatte vor fünf Jahren an den Asienspielen im 800-Meter-Lauf die Silbermedaille gewonnen. Aufgrund eines Geschlechtstests wurde ihr diese aberkannt. Kurz darauf versuchte sie, sich das Leben zu nehmen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht».