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Bitte ein Pitt!
Sie staunt, was er beim Blick in den Spiegel sieht.
Steven Schneider: Ich bin in unserem Garten an der Arbeit, denn Jäten kann manchmal auch Freude machen.
«
Ich gucke in den Spiegel. Hätte ich besser sein lassen.
»
Als ich an der Veranda vorbeigehe, blicke ich zufällig durch die offene Terrassentür und betrachte mich im grossen Spiegel, der in der Stube hängt. Hätte ich besser sein lassen.
Da blickt ein eher klein gewachsener, um die Bauchregion herum kräftig gebauter Mann zurück, der in einer blauen Latzhose und einem hellblauen T-Shirt dasteht.
Untersetzt nennt sich das, also nicht besonders gross, aber stämmig. Eher gross ist dafür die Nase, die ich von meinem italienischen Grossvater geerbt habe. Sie ragt aus einem Kopf heraus, der früher von langen blonden Locken eingerahmt war.
Heute habe ich zwar immer noch einige Haare, aber keine langen, sondern 3 bis 4 Millimeter kurze, die sich auf dem Scheitel ziemlich rar machen. Es ist nun mal so: Attraktiv ist anders. Mir fällt ein, dass wir am Vorabend einen Film mit Brad Pitt gesehen haben.
«Moneyball» hiess er und Pitt managte darin ein Baseball-Team.
Tja, so können Männer auch aussehen.
Da tritt Schreiber heraus auf die Veranda, strahlt mich an und sagt: «Na, schöner Mann?
Toll siehst du aus!»
Sieht sie nicht gut?
Oder meint sie es bloss gut?
Sybil Schreiber: Der Tag dreht uns den Rücken zu und so liegen wir auch im Bett. Beide lesend, beide in unserer eigenen Welt, beide zufrieden.
«
Nagt etwas an seinem Selbstwertgefühl?»
Da fragt Schneider: «Findest du Brad Pitt so richtig attraktiv?» Wie bitte? Solche Fragen stelle normalerweise ich Schneider – mit weiblichen Protagonisten wie Kate Winslet, Sophie Marceau oder Cate Blanchett.
Ich denke ein wenig nach: «Ja, doch, der sieht blendend aus! So eine Mischung aus Junge und Kerl.» Schneider räuspert sich: «Und Daniel Craig?» – «Stark, sehr stark», sage ich, «aber zu wenig locker. Zu männlich, das finde ich auf die Dauer langweilig.»
Schneider schnauft und ich wundere mich: Nagt etwas an seinem Selbstwertgefühl? Liegt es am Alter?
Wenn ich uns hier so im Bett herumliegen sehe, dann muss ich natürlich zugeben: Jung und knackig ist Vergangenheit.
Jetzt sind wir zwei mittelattraktive Menschen im mittleren Alter.
Ich sage freundlich: «Weisst du, ich liege trotzdem viel lieber mit dir im Bett als mit Brad Pitt.» Schneider dreht sich erwartungsvoll zu mir.
Ich lächle: «Ja, stell’ dir vor, was das für ein Riesenstress wäre: Mit so einem Traummann an meiner Seite müsste ich dauernd den Bauch einziehen und könnte nicht schlafen.»
(Coopzeitung Nr. 23/2013)
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