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Edvin Uncorked
07.08.2020, 12:1407.08.2020, 16:34
Liebe Weinfreunde und Weinfreundinnen
«Wer möchte die Weinkarte?»
Zirrp. Zirrp.
Die Chance ist ziemlich klein, dass sich zwei oder mehrere Tischnachbarn um die Weinkarte streiten. Meistens wandert die Karte immer zum gleichen Kollegen oder zur gleichen Kollegin oder jemand fühlt sich gezwungen und nimmt die Karte in Empfang. Widerwillig und bald in Schweiss gebadet.
Es gibt keine Anleitung, wie man den perfekten Wein im Restaurant findet. Aber ich kann euch ein paar Tipps geben, so dass ihr euch immerhin an zwei, drei Rettungsringen festhalten könnt:
- Rufe Dein Geografiewissen ab: Wollt ihr einen leichteren Wein, suche nach «kühleren Regionen». Wollt ihr einen schweren Wein, suche nach «wärmeren Regionen» (Faustregel, nicht in Stein gemeisselt!).
- Gebe dem/der KellnerIn Bescheid, was ihr sonst so trinkt und benutze folgende Wörter: Schwere, volle oder leichte Weine. Trockene (nicht süsse) oder eher lieblichere (süsse) Weine.
- Das Konsumverhalten der Schweizer, was Wein anbelangt, sieht wie folgt aus: 40% Schweizer Wein, 25% italienische Weine, 15% französische Weine, 12% spanische Weine und 4% Überseewein, 4% Portugal, Österreich u.a.. Wenn Du unsere Schweizer WinzerInnen unterstützen willst, dann entscheide Dich für einen Schweizer Wein. Wenn Du dich nicht so mit Schweizer Weinen auskennst, dann frage jemanden in der Runde oder die/der KellnerIn. Wenn Du keine Lust auf Schweizer Wein hast, dann wähle einen italienischen Wein aus (Beliebte Gebiete: Piemont, Toskana, Sardinien, Sizilien)... So gehst Du meistens auf absolute Nummer sicher.
- Mein Tipp: Zum Apéro IMMER Schweizer Weisswein. Hier geht alles. Immer.
- Es gibt nichts Schöneres, als neue Weine und Weinregionen zu entdecken. Sei mutig! Frag die Gruppe:
«Losed. Ich kenn de Wii ned, aber hättet ihr au Luscht druf? Mal was neus?»
Wenn jemand mit «den kenne ich» antwortet, frage ihn, ob er ihn der Runde empfehlen würde.
Madelyne's Ende
Meine Rettungsinseln
Die Weinbranche wird mich jetzt auseinanderreissen wie eine schwer zu öffnende Verpackung. Meine Mission lautet: Weinwissen vermitteln. Es ist meine Aufgabe, euch Weinwissen auf eine einfache Art und Weise in den Kopf zu stopfen. Was ist aber, wenn ihr in einem Resti sitzt und wirklich ABSOLUT KEINE AHNUNG VON WEIN HABT UND NOCH NIE WAS VON EDVIN GEHÖRT, GELESEN ODER GESCHAUT HABT? In diesem Fall empfehle ich euch die untenstehenden Weine, welche normalerweise sehr mehrheitsfähig sind. Und aus genau diesem Grund, für meine Banalität, werde ich wahrscheinlich für immer und ewig verachtet... aber für euch mache ich alles. Es ist für das Wohl der ahnungslosen Weingesellschaft, nicht für mich und auch nicht für andere Experten:
- Roero Arneis
, Sauvignon Blanc
(Sancerre), Johannisberg
oder Räuschling
: Süffige Weissweine zum Apéro
- Chardonnay
als Essensbegleiter für Fischgerichte (mild und rund)
- Nebbiolo
, Gamay
, Pinot Noir
für leichtere Hauptgänge
- Rioja
, Zweigelt
, Touriga Nacional
oder Toskaner
für schwerere Hauptspeise
- Malbec
oder Cabernet Sauvignon
für Fleischliebhaber
Weitere Pairings findet ihr hier
.
Indem ich nun ganz strikte Pairings empfohlen habe und hunderte Weine/Traubensorten ignoriert habe, habe ich mich nun total disqualifiziert. Dafür habt ihr nun einen blassen Schimmer beim nächsten Mal.
GANZ wichtig ist auch das Probieren des bestellten Weines. Es ist essentiell. Hier die wichtigsten Punkte:
Der Probierschluck
Die Dos beim Wein bestellen
- Etikette lesen: Erinnerst Du dich noch an den Wein, den Du ausgewählt hast? ;-) Dann lese kurz die Etikette und prüfe, ob es effektiv der Richtige ist. Achte beim Weinauswählen auf den Namen und den Jahrgang. Wenn der/die KellnerIn einen anderen Jahrgang bringt, könnte sich dies auf den Preis auswirken (meistens negativ).
- Weinglas schwenken: Der evaporierende Alkohol zieht so die Aromen hoch und Du riechst tausendmal mehr
- Rieche am Wein: Suche nach Fehlernoten. Der Wein riecht lecker? Dann ist alles i.O. Der Wein riecht irgendwie nach Keller oder nassem Karton? Muffig? Dann ist er gekorkt. Riechst Du nichts und hast keine verstopfte Nase? Dann sag dies dem/der KellnerIn und frage sie, ob sie den Wein evtl. dekantieren könnten. Schon nach 10 Min (je länger desto besser) wirst Du einen Unterschied merken
- Probiere den Wein! Nimm einen Schluck! Das ist so wichtig! Zum Teil kann der Wein ok riechen, aber im Mund total abflachen. Fehlt ihm der Kick? Die Säure? Er wirkt plump und fad? Dann ist er überegheit ;-) Hier kannst Du sehr gut sagen, dass der Wein definitiv seinen Höhepunkt schon gehabt hat und nicht mehr geniessbar ist. Zum Teil schmeckt man mit dem Gaumen besser, zum Teil mit der Nase, also immer beides machen!
- Genauso wichtig wie der Geruchstest ist die Temperatur des Weines. Ist der Wein eiskalt, wird es schwierig, einen Korkgeruch oder irgendwelche andere Aromen herauszuriechen. Ist der Wein warm, dominiert der Alkohol und stellt alle anderen Aromen in den Schatten.
Die Don'ts beim Wein bestellen
- «Ich mag diesen Wein nicht». Ist keine Argument, den Wein wieder zurückzuschicken. Dann hast Du einfach scheisse ausgewählt und/oder kennst deinen Geschmack/Weinstil nicht.
- Die halbe Flasche trinken und dann behaupten, dass er Zapfen hat.
- Alle am Tisch fragen, was sie gerne trinken möchten. 1. Die eine Hälfte weiss es nicht. 2. Die zweite Hälfte gibt fünf verschiedene Antworten. Frag, ob weiss oder rot, das sollte reichen.
Menge berechnen?
Wie viele Flaschen für wie viele Geniesser?
Wenn ihr zu zweit seid und nicht gleich eine Flasche wollt, macht es völlig Sinn, je ein Glas zu bestellen anstatt einen ganzen Wein. Es macht Spass, im Restaurant drei, vier Weine auszuprobieren. So wähle ich meistens zwei verschiedene Gläser Wein aus und mein Gegenüber wählt 2 verschiedene Gläser Wein aus. Eine Flasche reicht für fünf Gläser bzw. fünf Personen (1,5dl pro Person). Es würde auch knapp für 6 Gläser ausreichen (1dl pro Person), wenn ihr wirklich pingelig sein wollt. Während eines Abendessens trinkt die Mehrheit im Durchschnitt drei Gläser, also fast eine halbe Flasche Wein (7,5dl).
Kein Essen wurde jemals durch einen nicht perfekt passenden Wein ruiniert.
Einen passenden Wein für sechs verschiedene Gerichte am Tisch zu finden, wird eher schwierig, solange kein Sommelier oder eine weinaffine Kellnerin Dir zur Seite steht. Also entspann Dich und wähle einen Wein aus, den Du magst und eventuell auch schon mit Freuenden genossen hast. Die Hauptsache ist schlussendlich, dass ihr einen wunderbaren Weinmoment zusammen erlebt.
Cheers, eure Edvin
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