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Wir möchten nicht hinnehmen, dass das historisch wertvolle Ensemble zerstört wird! Die kantonale Denkmalpflege und der Denkmalrat haben das Ensemble 2015 als schützenwürdig befunden und dem Regierungsrat vorgeschlagen, die Häuser in das Inventar der schützenswerten Bauten aufzunehmen. Darüber hinaus liegt die Mattenstrasse 74 bereits in der Ortsbild-Schutzzone. Dennoch will der Verein «Vinzenz-Konferenz St. Marien» diese Häuser abreissen lassen.
Die Enstehungsgeschichte zeigt heute noch eindrücklich, wie sich die Aussenquartiere Kleinbasels Ende des 19. Jahrhunderts von einem ländlichen zu einem städtischen Raum entwickelten. Das noch vollständige erhaltene Wohnhaus mit Schmiede ist eines der letzten und einzigen Zeugnisse eines noch ländlichen Baustils in der Stadt Basel. Die einzigartige Anordnung des Ensembles formt einen dorfplatzähnlichen Innenhof, der verschiedene Baustile vereint. Drei der Häuser wurden von den damals stadtbekannten Architekten Eduard Pfrunder und Johann Ulrich Hammerer gebaut, die in Basel verschiedene geschützte Bauten errichteten, wie das «Haus zum Globus» (Feldbergstrasse 70), ein Gebäude am Erasmusplatz (Breisacherstrasse 38) und das im Jugendstil gebaute Ensemble an der Drahtzugstrasse & Hammerstrasse.
Ebenso sind in den Wohnungen viele Bauelemente im Originalzustand erhalten, so etwa Koch- und Kachelöfen, Terrazoböden, Fischgrät-Parkettböden, Stuck u.v.m. Die Grundrisse der Wohnungen (oftmals mit WC auf dem Stiegenhaus) verweisen auf die verschiedenen Wohnformen des 19. Jahrhunderts. Nur mit einer sanften Sanierung könnten diese Elemente vor dem Abriss gerettet und der Nachwelt als Zeugnis der Stadtentwicklung der Zeit der Industrialisierung Basels erhalten werden.
Entstehungsgeschichte:
Das historische Ensemble der Mattenstrasse 74 und 76 ist in den Jahren 1880 bis 1899 entstanden. Die Parzelle gelangte Mitte des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Schranz. Damals lag das Gelände noch hinter dem Badischen Bahnhof, der sich am heutigen Riehenring in unmittelbarer Nähe befand. Die Mattenstrasse selbst wurde erst langsam entwickelt. Im Hoferplan von 1822 ist bereits ein «Matt Weg» eingezeichnet – allerdings gibt es dort kaum noch Häuser.
Hoferplan von 1820: Eingezeichnet ist bereits der Mattweg.
Löffelplan von 1862: Bereits ersichtlich ist das in den 1890er abgerissene Eckhaus auf der Parzelle
Auch im Löffelplan von 1859 ist der Mattweg noch kaum bebaut. Auf der Parzelle der jetzigen Mattenstrasse 74 und 76 steht bereits ein unbekanntes Haus, das in den 1890er abgerissen wurde. Daneben sind Gärten eingezeichnet. Erst in den 1870er-Jahren wurden die Baulinien und die Strassenführung der Mattenstrasse festgesetzt.
Der Schmied Abraham Schranz, Besitzer der Parzelle lässt 1880 ein Wohnhaus mit Schmiede bauen. Das heute noch erhaltene Haus hat auf der Vorderseite eine hölzerne Veranda, in der das Stiegenhaus eingebaut ist. Auf dem Foto von 1894 ist diese ersichtlich, ebenso ein Anbau auf der Rückseite, der heute nicht mehr steht. Auf dem Foto sieht man zudem die Familie Schranz – über elf Menschen wohnten damals im Haus.
Fotografie der Familie Schranz und des Wohnhauses von 1894.
Das beiliegende Schriftstück, verfasst von der ehemaligen Besitzerin Anna Schranz, beschreibt das Foto:
Betrifft diese Photographie:
Diese wurde aufgenommen von August Jehle vom Schindgraben mit Stativ und schwarzem Tuch überm Kopf. Alle Anwesenden wollten aufs Bild! Im Vorgärtli ist Grossmamma Magdalena mit Robeli an der Hand, der am linken Arm ein Trauerflor trägt, weil im gleichen Jahr am 14. April 1894 der Grossvater Abraham starb.
Vorne im Weg ist Pappa Robert Schranz mit Velo (sein Hochrad und Auto Benz waren eingestellt). Die Frau mit Kind auf dem Arm im Weg, ist Tante Emilie, die Schwester von Pappa mit klein Pauli. Sie war verheiratet in Chicago U.S.A. mit einem Oesterreicher. War ihr zweitletzter Besuch. Ist verschollen. Im Hintergrund ist die Seifenfabrik Himmen mit Kamin. Walz und Eschle war Nachfolger. Links v. Haus ist die Vischers Matte und anschliessend der Weg zum Langen Erlen, wo heute der Deutsche Güterbahnhof ist.
Wie auf dem Bild ersichtlich, ist das Treppenhaus des Wohnhauses mit Schmiede in einer hölzernen Veranda/Laube vor dem Haus eingebaut. Die Laube ist heute noch im Originalzustand erhalten (Fotos, Ansicht von aussen & von innen)
Ebenfalls ist im Innern des Wohnhauses der alte Holz-Kochherd sowie die Holzöfen erhalten (Fotos von der Küche und einem Zimmer)
Stadtplan von 1896: Auf der Parzelle ist das Wohnhaus ersichtlich, ebenso das noch stehende Eckhaus.
Abrahams Sohn, Robert Schranz, plante in den 1890er-Jahren, drei neue Gebäude auf der Parzelle zu errichten. Er engagierte dafür den Architekten Jakob Reck. Schliesslich wurde von den drei Gebäuden nur der heute noch stehende Pferdestall im Jahr 1897 errichtet. Das Wohnhaus mit Schmiede blieb stehen. Robert Schranz engagierte danach die damals hoch angesehenen Architekten Eduard Pfrunder und Johann Ulrich Hammerer, die durch ihre Gründerzeit-Bebauungen in Kleinbasel bekannt wurden. Pfrunder und Hammerer planten das Hinterhaus mit einer Werkstatt im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen zwei Etagen. Das Haus ist heute noch erhalten, jedoch wurde die Werkstatt aufgeteilt, heute gibt es im Erdgeschoss die Werkstatt mit Dachfenster und zwei Künstlerateliers.
Im gleichen Zuge entwarfen die Architekten Pfrunder und Hammerer die zwei Vorderhäuser: In den 1890er-Jahren entstanden neue Gebäude an der Erlen- und der Mattenstrasse, das noch stehende Eckhaus in der Parzelle passte jedoch nicht in die Häuserlinie der beiden Strassen. So entwarfen Pfrunder und Hammerer das heute noch das Strassenbild prägende Doppelhaus Mattenstrasse 74 und 76.
Stadtplan von 1905: Nun ist das Ensemble auf der Parzelle fertiggestellt.
Wie auf dem Plan erstichtlich ist, wurde bereits direkt an das Wohnhaus mit Schmiede das vierstöckige Wohnhaus an der Erlenstrasse gebaut. In der Mattenstrasse 76 gab es zuerst zwei Geschäfte, eine Metzgerei sowie eine Konsumgenossenschaft. Später wurden diese jedoch zu einer Wohnung umfunktioniert. Noch erhalten ist das Geschäft der Mattenstrasse 74, wo heute das «Café Samstag» Getränke und Essen ausschenkt.
Architektonische Details:
Der schlichte Stil von Pfrunder und Hammerer lässt jedoch auch Platz für architektonische Details, so etwa die aus Holz geschnitzte Dachleiste…
… oder die mit Art Deco angehauchten Fenster…
… und die Säulen neben dem Hofdurchgang. Das Eisentor markiert den Durchgang in den Innenhof…
… dessen Boden mit heute sehr selten gewordenem Kopfholzpflaster gelegt ist.
Ebenso sind die schönen Terrazo-Küchenboden im Original erhalten:
In einigen Wohungen gibt es noch alte Basler-Kachelöfen:
Zudem originalen Stuck…
… selbst im Treppenhaus:
Zudem Wohnungseingänge aus Holz und Glas:
Wir freuen uns auf euren Besuch!
Baudaten
1880 Hüsli (Architekt unbekannt)
1897 Stallung/Scheune (Architekt J. Reck)
1898 Werkstatt und Wohnungen im Hinterhaus (Architekten E. Pfrunder und J. U. Hammerer)
1899 Mehrfamilien-Doppelhaus an der Strasse (Architekten E. Pfrunder und J. U. Hammerer)