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NIFFF 11: Interview mit Eli Roth
Er hat "Hostel" gedreht und schwingte als Basterd den Baseballschläger. Wir trafen Eli Roth während des NIFFFs und redeten mit ihn über Torture Porn, traumatisierende Filmerlebnisse und Remakes.
OutNow.CH (ON): Du bist bekannt als Fan von alten Horrorfilmen wie zum Beispiel The Wicker Man. Was hältst du von all den Remakes, die momentan gemacht werden?
Eli Roth (ER): Solange der Film gut ist, habe ich damit keine Probleme. Es gibt genügend positive Beispiele wie The Thing von John Carpenter oder Evil Dead 2, der ein Komödienremake von Teil 1 ist. Der Grund, warum gerade heute so viele Remakes und Sequels gemacht werden, ist Angst. Nicht die Angst, die wir haben, wenn wir einen Horrorfilm sehen, sondern die Angst vor einem fianziellen Verlust. Mit jedem Film sind mehrere Jobs in Gefahr. Ein normaler Film kostet alleine an Marketing schon gut 30 Millionen Dollar. So muss ein Film 100 Millionen einspielen, um erfolgreich zu sein. Die Verantwortlichen machen sich keine Gedanken, ob der Film gut ist oder nicht, sondern, ob man gefeuert wird, wenn der Film sein Geld nicht wieder einspielt. Wenn man ein Remake oder eine Comicbuchverfilmung macht, kann man die Schuld danach immer noch auf jemand anderen schieben, nicht aber, wenn man eine neue Story präsentiert. Warum glaubst du, dass Spider-Man jetzt schon einen Reboot bekommt?! Sie können es sich nicht leisten, keinen Spider-Man zu machen.
ON: Würdest du selber auch mal Remakes machen?
ER: Ich wurde schon mal angefragt, jedoch lehnte ich ab, da mich das Skript nicht überzeugt hatte. Früher wollte ich unter gar keinen Umständen eines machen, denn ich liebte es, meine eigenen Geschichten umzusetzen. Heute bin ich da offener. Aber es muss wirklich etwas Tolles sein, denn meine Fans haben hohe Erwartungen an mich.
ER: Es ist sehr schwierig, ein Schauspieler zu sein: all die emotionale Arbeit, die ich in Piranha 3D machen musste - wegen den vielen Brüsten um mich herum (lacht)! Ich mag es, zu schauspielern, denn es hilft mir nachher, besser mit meinen Schauspielern umzugehen. Jedoch möchte ich weiterhin lieber schreiben und Regie führen.
ON: In deinen Filmen geizt du nicht gerade mit Blut. Kannst du denn reales Blut sehen oder kippst du dann weg?
ER: Ein bisschen Blut macht mir nichts auf, aber wenn etwas Gröberes vor meinen Augen passieren sollte, wie wenn jemandem ein Arm weggerissen würde, dann wäre es etwas anders. Ein Arzt könnte ich nie werden. Das, was man in Filmen sieht, ist für mich nur Lebensmittelfarbe, Kornsirup und Latex und deshalb überhaupt kein Problem.
ON: Bisher inszeniertest du drei Horrorfilme. Könntest du dir auch mal vorstellen, eine Liebeskomödie zu machen?
ER: Na klar. Ich würde gerne eine Komödie machen oder einen Actionfilm. Bevor Cabin Fever habe ich 20 Kurztrickfilme gemacht und die waren alle humorvoll. In Hollywood glaubten sie damals, dass ich so etwas wie The Simpsons oder Spongebob machen würde. Du bist, wer du bist, bis du dich selber neu erfindest. Momentan tue ich das auch gerade wieder mit einem Film namens The Man with the Iron Fists, den ich mit RZA geschrieben habe. Es ist ein Martial-Arts-Fantasyfilm. Es wird sowas in der Tradition eines frühen Tim Burton-, oder Terry Gilliam-Werkes.
ER: Ich finde es lächerlich. Es sagt mehr über die Kritiker aus, als über die Filme. Leute, die keine Fans davon sind, brauchen den Begriff, um sie als billig abzutun, ohne sie je gesehen zu haben. Andersherum finde ich es toll, dass ich mithelfen konnte, ein neues Subgenre zu erschaffen. Und es hilft definitiv, dass man auch Jahre danach noch über Hostel spricht und streitet. Mehr kann man von einem Horrorfilm kaum erwarten. Leute, die den Begriff benutzen, verstehen einfach die Intelligenz dahinter nicht und sie werden es wohl auch nie verstehen.
ON: Wie läuft es so mit dem Berühmtsein? Wirst du auf den Strassen erkannt?
ER: Nach Inglourious Basterds kannten mich plötzlich ganz viele Leute. Vor diesem Film kannten mich nur die Horrorfans. Heute kann man Quentins Werk überall schauen und die Leute finden den Typen cool, welcher Hitler ins Gesicht geschossen hat. Beim Flug in die Schweiz riefen mir viele Leute "Bear Jew, Bear Jew" zu. Die Leute, die dann den Mut haben, mit mir zu reden, sind meistens Filmfans, mit denen es Spass macht, über Filme zu quatschen. Ich geniesse das sehr.
ON: Was waren die Werke, die dich inspiriert haben, selbst Regisseur zu werden?
ER: Das waren viele Filme Ende der Siebzigerjahre und zu Beginn der Achtzigerjahre, wie Friday the 13th, Mother's Day oder Maniac. Da kam jede Woche ein neuer solcher Film ins Kino. Das war toll. Ich fragte mich vor jeder Vorstellung, wie die Kills sein werden und was man an Nacktheit sehen wird. Als dann die Videokassetten aufkamen, habe ich mir alles reingezogen, was ich in die Finger bekam. Ich entschied mich bereits mit acht Jahren, dass ich Filme machen wollte. Mit sieben war ich in einem Schultheaterstück, jedoch gefiel es mir dort nicht, wie ich herumkommandiert wurde. Deshalb war für mich klar, dass ich derjenige sein wollte, der die Leute dirigiert. Ich musste dann aber bis Mitte dreissig warten, bis sich der Erfolg einstellte. Jetzt bin ich nur froh, dass ich es geschafft habe, denn es gibt viele Regisseure, die erst nach ihrem Tod oder kurz davor für ihre Leistungen anerkannt werden.
ON: Was war denn das intensivste Filmerlebnis, das du je hattest?
ER: Das kommt immer darauf an, wann man einen Film gesehen hat. Mit drei Jahren ist The Wizard of Oz sehr unheimlich. Als ich jedoch sechs Jahre alt war, sah ich zum ersten Mal The Exorcist und war danach traumatisiert. Von der Intensität her kam danach nichts mehr an dieses Erlebnis heran.