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Mit der Geschichte, wie zwei Menschen ein Paar werden, lassen sich hunderte von Buchseiten füllen, denn sie folgt mehreren Kapiteln: Neugier, Anziehung, Wunsch, Annährung, Verliebtheit, Verlockung, Zärtlichkeit, Hingabe, Erfüllung, Bindung. Inwiefern unterscheidet sich eine Geschichte, in der die beiden Menschen, die ein Paar werden, Bruder und Schwester sind, von einer herkömmlichen Liebesgeschichte? Ist die intime Beziehung zwischen Geschwistern überhaupt ein romanfüllendes Programm?
Der Thematik bin ich damals als Germanistikstudentin begegnet. Man kann sie in manchen Klassikern der modernen deutschsprachigen Literatur finden – teils angedeutet, teils ausformuliert – z.B. bei Franz Kafka, Robert Musil, Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, aber auch in der neueren Gegenwartsliteratur, z.B. bei Pascal Mercier und Marlene Streeruwitz. Sie alle haben den eigentlichen Inzest auf karge Passagen reduziert und ihn gleichzeitig verschlüsselt, verunstaltet und entwertet.
Bis heute habe ich keine Erzählung gefunden, deren Sinn und Inhalt darin besteht, die Liebenden mit ihren Gefühlen und Gedanken darzustellen. Einen literarischen Text über Liebe suchte ich vergebens. Ich selbst habe mich deshalb oder trotzdem damit, einen Roman über die Intimität zwischen Bruder und Schwester zu schreiben, nicht leichtgetan.