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Reiseliteratur als Kontaktzone und Schreibort: Lady Mary Wortley Montagu als Mittlerin zwischen den Kulturen
Mit ihren "Turkish Embassy Letters" etablierte sich Lady Mary Wortley Montagu (1689-1762) auf ganz verschiedenen miteinander verbundenen Ebenen als Grenzgängerin und Mittlerin: zunächst fungieren alle AutorInnen von Reiseliteratur schon als GrenzgängerInnen zwischen den Gattungen, insbesondere zwischen Fakt und Fiktionalisierung. Im Falle von Lady Montagu bedingen die variösen Perspektivenwechsel in ihren Briefen an unterschiedliche Adressaten die kommunikativen und diskursiven Strukturen in interkultureller Vermittlung. Ihre eigene textuelle Positionierung stellt sie zusätzlich als eine Grenzgängerin zwischen Geschlechterrollen heraus, was wiederum ihre Wahrnehmung des ‚Fremden’ und der eigenen Kultur dezidiert prägt. Während sie so neue Bilder des Orients zum Entstehen bringt und kulturelle Defizite ihres Heimatlandes herausstellt, erzeugen ihre Briefe jedoch auch neue Formen von Grenzziehungen: während sie ihren europäischen Lesern neue Einblicke jenseits stereotyper Wahrnehmungen ermöglicht, bewirkt sie diskursiv gleichzeitig eine Europäisierung des Orients. Die Überwindung kultureller Grenzen wie auch die erneuten Grenzziehungen spielen sich ab im Spannungsfeld zwischen der ‚Kontaktzone’ (Pratt), die die Reisende in den konkreten Wahrnehmungsraum zwischen den Kulturen versetzt, und dem ‚Schreibort’ (Frederiksen), an dem Wahrnehmungen diskursiv und literarisch geformt und die kommunikativen Bedingtheiten der Vermittlung zwischen den Kulturen ausgelotet werden.