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Futtermittelallergie: Was Katze und Hund nicht vertragen
Allergien, insbesondere Futtermittelallergien, spielen leider eine zunehmende Rolle in der Praxis, wobei genaue Zahlen fehlen. Es gibt jedoch Untersuchungen, welche zeigen, dass Futtermittelallergien bei Hunden die dritthäufigste und bei Katzen die zweithäufigste Ursache allergischer Hauterkrankungen sind.
Zahlen bezüglich der Häufigkeit anderer Allergiereaktionen wie beispielsweise Durchfall oder allgemein gastrointestinaler Beschwerden (Magen/Darm) fehlen. Vielfach sind die Tiere aber gegenüber mehreren Futtermittelkomponenten empfindlich. Es kann gerade anschliessend an eine Fütterung und damit der Aufnahme des sogenannten «Allergens» (einer Komponente im Futter, welche die Allergie auslöst) zu einer Reaktion kommen. Aber auch eine verspätete Reaktion (ca. 4 –24 Stunden) ist möglich. Dabei stehen meist Erbrechen und Durchfall im Vordergrund. Diese Reaktionen können allein oder in Kombination mit Hautsymptomen wie Juckreiz auftreten. Etwa 10 bis 15 % der Futtermittelallergiker haben Hautveränderungen in Kombination mit Magen-Darm-Problemen.
Was genau führt zu solchen Reaktionen?
Am häufigsten sind Katzen und Hunde auf die Eiweisse in der Nahrung – insbesondere Rindfleisch, Milchproteine, Geflügelfleisch, Getreide und Sojaprotein – allergisch. Behandelte Eiweisse können ihre Fähigkeit, eine Allergie auszulösen, verlieren. Theoretisch vermögen aber alle Komponenten im Futter eine Allergie auszulösen, wobei Kohlenhydrate und Fette ein geringeres Risiko aufweisen. Auch Zusatzstoffe, Pilze (Hefen, Schimmelpilze) oder Parasiten (Futtermilben) im Futter können eine Allergie auslösen. Auch können sich Allergien zu einer bestimmten Jahreszeit manifestieren. Beispiel: Katzen mit Freigang fressen im Frühling und Sommer mehr Mäuse als sonst im Jahr.
Etwas Schulstoff zum besseren Verständnis. Eiweisse sind Ketten aus sogenannten Aminosäuren. Diese werden während der Verdauung in ihre Untereinheiten aufgespalten. Zunächst in Peptide (kürzere Ketten) und dann in einzelne Aminosäuren. Die allergischen Reaktionen werden ausgelöst, indem nicht ganz verdaute Bestandteile des Eiweisses, die Peptide, die Darmwand passieren und lokal eine Immunreaktion verursachen. Oft sind dabei bereits Entzündungen im Darm vorhanden und dadurch wird die Darmwand durchlässiger. Auch scheinen extrem hohe Mengen der Eiweissaufnahme oder eine geringe Aktivität der abbauenden Enzyme begünstigend zu sein. Zusätzlich haben Allergiker einen Regulationsdefekt, d. h., die Immunreaktion des
Körpers dieser Tiere ist überschiessend und nicht mehr reguliert. Dies führt über die Zeit zunächst zu einer Sensibilisierung und dann zu einer Allergie, da vermehrt bestimmte Antikörper gebildet werden.
Gut zu wissen
- Ständiger Futterwechsel kann eine Allergie auslösen – bleiben Sie bei einer bis maximal drei Eiweisssorten im Futter. Besonders exotische Eiweisse sollten «gespart» werden, damit bei einer Erkrankung noch nicht verwendete Eiweisse zum Einsatz kommen können.
- Bei Durchfall nicht dauernd das Futter wechseln, dies kann eine Allergie noch unterstützen.
- Allergiepatienten brauchen sehr konsequente Besitzer/Besitzerinnen, damit der Erfolg anhält.
Wie kann die Futtermittelallergie diagnostiziert werden?
Die sicherste Methode ist immer noch die Eliminationsdiät mit anschliessender Provokation. Es wird also zunächst nur eine Ration, bestehend aus einer Eiweisskomponente und einer Kohlenhydratkomponente, die bisher nicht gefüttert wurde, verabreicht. Das heisst, dass davon ausgegangen
werden kann, dass diese nicht allergisierend wirken. Diese Diät muss mindestens sechs Wochen gefüttert werden. Die Reduktion der Symptome weist dann auf eine Futtermittelallergie hin. Häufig reagieren die Tiere aber nicht nur auf Futtermittel allergisch, sondern ausserdem beispielsweise auf Pollen. Dies erschwert die Kontrolle der Erkrankung.
Zu erwähnen seien hier auch noch die entsprechenden Blut- bzw. Hauttests, die auf dem Diagnostikmarkt angeboten werden. Sie sind für sich allein genommen unsicher und können höchstens ergänzende Informationen bieten. Diese zeigen z. B. bei niedrigen Antikörpermengen gegen ein bestimmtes Nahrungseiweiss eher eine gute Verträglichkeit, währenddessen bei hohen Mengen von einer schlechten Verträglichkeit ausgegangen werden kann. Es kommt auch sehr darauf an, wie spezifisch diese Tests sind.
Es ist nicht ganz einfach, jene Eiweisse und Kohlenhydrate zu finden, welche das Tier noch nie in seinem Leben «zu futtern» bekommen hat. Der Einsatz von kommerziellen Futtermitteln ist dabei sehr schwierig, da hier häufig noch andere Komponenten im Futtermittel enthalten sind, die eventuell auch wieder eine Allergie auslösen können (zum Beispiel Bindemittel). In der weiteren Folge der Erkrankung und zur Fütterung der kranken Tiere können natürlich auch spezifisch für Allergie rezeptierte kommerzielle Diätfuttermittel eingesetzt werden. Zunächst geht das jedoch nicht, wenn man eine richtige Eliminationsdiät machen möchte. Dort empfiehlt sich immer noch die klassische Kombination aus Pferdefleisch und Kartoffeln. Bei der Katze ist dies meist schwieriger umzusetzen, da diese sehr häufig auf bestimmte Futter geprägt sind. Hier ist es noch wichtiger, dass versucht wird, eine ideale Eiweissquelle zu finden. Falls die Katze sich jedoch weigert, Pferdefleisch roh zu fressen, sollte versucht werden, das Fleisch mit etwas Salz zu kochen oder mit wenig Pflanzenfett anzubraten. Wenn eine Katze, die auf Trockenfutter geprägt ist, sich immer noch weigert, das Futter aufzunehmen, bietet sich letztlich an, ein kommerzielles Futter zu finden, welches eine einzige Eiweissquelle enthält.
Wie also weiter?
Nach der Diagnose durch die Eliminationsdiät kann mit den auslösenden Futtermitteln wieder «provoziert» werden. So ist sicher ausgeschlossen, dass etwas anderes dahintersteckt. Häufig allerdings, und das sehr verständlich, möchten die Besitzer dies nicht in Kauf nehmen, wenn es dem Tier endlich besser geht.
Wie also dann weiter? Die Eliminationsdiät wird über eine Zeit von mindestens sechs Wochen verabreicht. Dem Hund oder der Katze geht es deutlich besser damit, das heisst, sie kratzen sich nicht mehr und zeigen keinen Durchfall.
Danach kann man nun Schritt für Schritt damit beginnen, diese Ration auszugleichen, damit der individuelle Bedarf des Tieres an Energie und allen anderen Nährstoffen wie vor allem Mineralien und Vitaminen gedeckt ist. Langsam wird ein empfindliches Tier daran gewöhnt, indem z. B. anfangs ein halber Teelöffel Öl, dann einer, dann eineinhalb und so weiter gegeben wird, bis man die Menge an Öl erreicht hat, die in der Ration enthalten sein soll. Danach wird wieder zwei Wochen gewartet, um zu sehen, ob das Tier immer noch gut damit zurechtkommt. Wenn ja, dann kommt die nächste Komponente, das Mineralfutter. Auch hier wird langsam die Menge erhöht, bis die Gesamtmenge gegeben werden kann. Danach wieder zwei Wochen warten. Dann können Ballaststoffe wie z. B. Mohrrüben dazugegeben werden. Wichtig ist einfach die sehr langsame Erhöhung, und dass immer nur ein Futtermittel langsam dazugegeben wird.
Während dieser Zeit sollten weder Guetzli noch irgendetwas anderes «Fremdes» verfüttert werden. Dies bedeutet für den Halter/die Halterin sehr konsequentes Handeln, nur so wird sich der Erfolg einstellen. Als Belohnungshappen können z. B. getrocknete Pferdefleischstückchen angeboten werden oder gekochtes Pferdefleisch in kleinen Stückchen. Oder kommerziell hergestelltes Diättrockenfutter.