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Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie - das ist der vollständige Titel dieses Buches und gleichzeitig der erste Satz :). Persönlich bin ich ja kein Fan dieser überlangen Titel, aber neugierig machte mich die Geschichte bereits zu dem Zeitpunkt, als der Film zu dem Buch ins Kino kam.
Als ich das Buch bei uns in der Bücherei entdeckte, wollte ich mir eigentlich die Print-Ausgabe ausleihen, aber das gebundene Buch war dummerweise in einem eher beklagenswerten Zustand ... Daher wurde es dann doch das (gekürzte) Hörbuch.
Zum Inhalt:
Samantha Kingston gehört zur angesagten Clique auf ihrer High School. Zusammen mit ihren Freundinnen fiebert sie dem ersten Mal mit ihrem Freund entgegen. Der 12. Februar fängt dabei an wie jeder andere Tag auch, sie geht zur Schule, fragt sich, wie viele Rosen sie wohl am (vorgezogenen) Valentinstag bekommen wird, geht am Abend auf eine Party von Kent, einem Schulfreund. Auf der Fahr nach Hause passiert es: Sie stirbt bei einem Autounfall - nur um am Morgen desselben Tages wieder aufzuwachen und denselben Tag noch einmal zu durchleben ... Hat sie eine zweite Chance bekommen, ihr Leben zu retten?
Meine Meinung:
Anfangs dachte ich bei diesem Buch ja an eine Wiederholung des Stoffes aus "Und täglich grüßt das Murmeltier". Die Idee, den Helden oder die Heldin einen Tag immer wieder durchleben zu lassen, wurde ja schon öfter aufgegriffen. Das Prinzip ist sich jedenfalls relativ ähnlich: Der Protagonist lernt immer mehr über sein Umfeld, lernt seine Mitmenschen näher kennen und verändert sich dadurch.
"Wenn du stirbst ..." bildet hier nicht unbedingt eine Ausnahme. Sam gehört zwar zur Clique der beliebten Mädels, kommt aber selbst alles andere als sympathisch rüber. Sie hält ihr gesamtes Umfeld eher auf Distanz (auch ihre Familie), ist streckenweise sehr unfreundlich zu ihren Mitmenschen und eine typische Mitläuferin, was die "Chefin" der Clique - Lindsay - betrifft. Da Sam die meiste Zeit mit ihren drei Freundinnen verbringt, konnte ich mich gerade am Anfang lange nicht entscheiden, wen ich schlimmer fand - Sam oder Lindsay.
Einen großen Raum nimmt in der Geschichte das Thema Mobbing ein. Juliet, eine Mitschülerin, wird von den vieren regelmäßig verhöhnt und beschimpft, niemand traut sich, etwas zu sagen. Bei Kents Party am Abend eskaliert die Angelegenheit, als Juliet auftaucht und jedem der Mädchen "Miststück" an den Kopf wirft ...
Im Verlauf der Geschichte versucht Sam, ihr Schicksal zu ändern und wird von Mal zu Mal verzweifelter, als sie feststellen muss, dass sie schon wieder am selben Tag aufwacht. Was tun? Mit diesem Hintergrund ist es bis zu einem gewissen Maß verständlich, dass sie eine Zeit lang eine "Mir ist alles egal"-Mentalität an den Tag legt, die sie einige befremdlichen Dinge tun lässt. Die Autorin lässt dabei allerdings nichts aus ... Dies war für mich ein Punkt, wo ich ernsthaft überlegt habe, abzubrechen, weil es schon ans Absurde grenzte, was Sam auf einmal alles tut.
Trotzdem (oder Gott sei Dank?) habe ich aber weitergehört - und stellte wider Erwarten fest, dass es besser wurde. Ich konnte zwar nicht unbedingt nachempfinden, warum Sam doch noch ihr Gewissen entdeckte. Ich ertappte mich aber auf einmal dabei, mit ihr mitzufühlen, mit ihr mitzufiebern, ob es ihr nun gelingen würde, ihren Tod abzuwenden oder nicht. Manche Stellen ließen meine Augen sogar ein bisschen feucht werden ...
Worauf es am Ende hinausläuft, ist bis zu einem gewissen Maß nicht gerade eine große Überraschung. Überrascht hat mich aber zumindest die Art und Weise, wie es geschieht. Ich verstehe durchaus, dass das Ende polarisiert, dass viele sich ein anderes Ende gewünscht haben. Aber ich fand es trotzdem zur Geschichte passend, auch wenn ich noch die eine oder andere Antwort auf einzelne Fragen gehabt hätte.
Das Hörbuch ist - wie bereits erwähnt - gekürzt, mir sind allerdings beim Hören keine wirklich gröberen Schnitzer aufgefallen, die immer wieder durch Kürzungen entstehen. Anna Thalbach kenne ich bereits seit der Zeit, wo sie mit ihrer Mutter Katharina "Die Nebel von Avalon" gelesen hat. Sie erzählt die Geschichte professionell (wenn auch ein Fehler bei der Aussprache eines Fremdworts drin war) und es machte Spaß, ihr zuzuhören.
Mein Fazit:
"Wenn du stirbst ..." hat mir beim Hören ein gewaltiges Gefühlskarussell beschert. Wäre ich meinem Instinkt gefolgt, hätte ich wahrscheinlich abgebrochen, so aber wurde ich aber doch noch mit einem Ende belohnt, dass die Geschichte für mich herausgerissen und zu etwas Besonderem gemacht hat. Einen zusätzlichen Stern gibt es für die gut gemachte Lesung der Sprecherin.
- ★★★★★
- Hörbuch
- 447 Minuten
- Silberfisch
- 978-3867420716
Labels: 4 Sterne, Fantasy, Jugend, Rezension