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Liechti, Uhrmacherfamilie
Die Liechti’s waren eine Uhrmacherfamilie, die ab dem 15. Jhdt. in Winterthur gewirkt hat. Als Stammvater gilt der Schlosser und Uhrmacher Laurentius (†1545). 1514 erstellte er die nicht mehr erhaltene astronomische Uhr der Liebfrauenkirche von München. Bis zu seinem Tod konstruierte er ungefähr neunzehn Turmuhren.
In der Anfangsperiode nannten sich die Uhrmacher noch Schlosser und Uhrmacher. Die Nachfrage nach Zeitmessern war zu klein, um nur durch die Uhrenherstellung den Lebensunterhalte bestreiten zu können. Die Uhrmacher waren an keine strengen Zunftregeln gebunden. Die Geschäftsgeheimnisse und Erfahrungen wurden streng bewacht und nur in der Familie weitergegeben. Die Turmuhrmacherei stand bis zur Mitte des 16. Jhdt. im Vordergrund. Anschliessend erlebte die Hausuhrmacherei ihre Blütezeit. Sorgen traten auf, als Mitte des 18. Jhdt. Konkurrenz aus dem Schwarzwald und dem Neuenburger Jura auftrat. So begann um die Jahrhundertwende 1800 der Niedergang der einst dominierenden Winterthurer Uhrmacherei. Insgesamt hatten neunzehn Liechtis den Uhrmacherberuf ausgeübt.
Die Uhrendynastie Liechti begann mit Laurentius Liechti (†1545). Seinen Durchbruch erreichte er mit dem Auftrag, für die Liebfrauenkirche in München eine astronomische Uhr zu erstellen. Das war 1514. Nachgewiesen ist, dass er 19 Turmuhren gebaut hat. Einige sind noch heute in Betrieb. Einige Beispiele sind:
Kirche St. Martin in Baar, Turmuhrwerk von 1526, noch in Betrieb
Käfigtor Winterthur, Turmuhrwerk mit Astrolabium von 1529, im Museum Lindengut ausgestellt,
Reformierte Kirche Unterkulm, Turmuhrwerk von 1530, noch in Betrieb,
Obertor Aarau, Turmuhrwerk von 1532, noch in Betrieb
Kirche Remigen, eisernes Turmuhrwerk von 1535 http://de.wikipedia.org/wiki/Reformierte_Kirche_Remigen
Schloss Wolfsberg Ermatingen, Turmuhrwerk von 1540 aus dem alten Schloss, heute an der Westwand der Bibliothek
Zeitglockenturm Solothurn, Turmuhrwerk von 1545, noch in Betrieb
Die Herstellung der ganz aus Eisen gearbeiteten Werke war eine mühsame Werkstattarbeit. Seine schönste und wohl komplizierteste Uhr erbaute Laurentius Liechti 1529 auf dem alten Torturm oder Chefiturm, der die Marktgasse gegen das Untertor abschloss. Das alte Werk ist im Heimatmuseum Lindengut (im Kellergeschoss) ausgestellt.
Nach dem Tode von Laurentius I führten seine Söhne Laurentius II (†1597) und Erhard (†1591) das Gewerbe eigenständig weiter, nachdem sie manche Jahre mit dem Vater zusammen das Können aus dem Effeff gelernt hatten. Während Vater und Laurentius II nur Turmuhren herstellten, fertigte Erhard fast nur Hausuhren, von denen sich etwa drei Dutzend erhalten haben. Das Handwerk hat Erhard vermutlich in Deutschland erlernt. Er kopierte jedoch seine Werke nicht einfach, sondern er baute sie nach eigenem Empfinden in solider, bodenständiger Art. Die älteste Uhr ist datiert aus dem Jahre 1557, die letzte wurde 1591 hergestellt. Seine Werkstatt hatte er in der Untervorstadt, heute Untertor 2 (Ecke Casinostrasse/Untertor). Ein weiteres Haus besass er am Untertor 27.
In der damaligen Zeit waren die Handwerker den verschiedenen Zunftstuben oder Trinkstuben zugehörig. Da die Zünfte in Winterthur keine politische Rolle spielten, dienten sie hauptsächlich der Geselligkeit. Die Uhrmacher gehörten zur Oberstube. Diese befand sich bis zu ihrer Auflösung 1836 im Oberen Bogen, dem Turm, der die Marktgasse gegen den Graben abschloss. 1563 erstellt Erhard Liechti eine Turmuhr und erweiterte so die Anzahl der öffentlichen Uhren auf drei. Sie ist heute verschollen. Hingegen ist die Turmuhr der Kirche Buch am Irchel, Baujahr 1562, im Heimatmuseum Winterthur ausgestellt.
Nach dem Tod von Erhard Liechti wurde die Werkstatt von seinen Söhnen Ulrich (+ 1627) am Untertor 27 und Andreas I (1562 - 1621) am Untertor 2 übernommen. Ungewöhnlich ist, dass die Brüder ihre Arbeiten (meist Zimmeruhren) gemeinsam ausführten und sie mit UAL signierten. Doch hat jeder Partner auch für sich alleine gearbeitet. Sie haben sich vermutlich 1598 getrennt. Andreas Liechti II (1582-1650), Sohn von Andreas I, war in Winterthur Stadtuhrmacher und Mitglied des grossen Rates. Er ging als erster der Familie von der bisherigen Herstellungsform ein wenig ab, denn die letzte von ihm erhaltene Uhr (1639) zeugt von einer gewissen Eigenart, einem Bruch mit der Familientradition. Diese Uhr ist auch die letzte erhaltene Uhr in der typischen gotischen, offenen Bauweise. Andreas war der siebte Uhrmacher Liechti. Es folgten noch zwölf weitere bis gegen Ende des 19. Jhdt. das Uhrhandwerk in Winterthur seine Bedeutung verlor.
Eine Darstellung über die verschiedenen Uhrmacher Liechti ist in der Rubrik „Dokumente“ in Form eines Stammbaums zu finden.
Die Angaben zu diesem Glossar-Eintrag haben wir weitgehend aus dem Büchlein "Die Uhrmacherfamilie Liechti von Winterthur und ihre Werke" von Adolf Schenk entnommen. Es ist als überarbeitete Neuauflage des 290. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur 1970 zur Eröffnung der Uhrensammlung erschienen.