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Baumnüsse / Walnüsse
Die Echte Walnuss hat sich bereits vor 2000 Jahren nördlich der Alpen etabliert. Heute gehört sie wie selbstverständlich zu uns und kommt praktisch in allen gemässigten und wärmeren Zonen Eurasiens sowie grösstenteils in Amerika vor. Doch ursprünglich stammt sie aus Persien und ihre Geschichte reicht über 7000 Jahre zurück. Es wird vermutet, dass sie in Syrien sowie West- und Südanatolien die Eiszeiten überstand, denn sie ist bereits für das Tertiär belegt - das Erdzeitalter, welches vor 65 Millionen Jahren (Ende der Kreidezeit) begann und bis zum Beginn der Klimaveränderung vor rund 2,6 Millionen Jahren dauerte. Das Klima auf der Erde war im Tertiär wesentlich wärmer als heute. Doch mittlerweile, durch den Klimawandel bzw. die Erderwärmung begünstigt, taucht die Echte Walnuss vermehrt in den Wäldern der Voralpen auf, vor allem in Auwäldern, Laubmischwäldern, sommerwarmen Hangwäldern und an Waldrändern. Obschon sie in den Alpen bis zirka 1200 Metern zu finden ist, wächst sie selten auf Standorten über 800 Meter Meereshöhe.
Auf Handelswegen gelangte der Walnussbaum sowohl nach Zentralasien und China als auch ins alte Griechenland und später ins Römische Reich. Die Römer entdeckten ihn durch die Griechen und brachten ihn nach Rom, wo sie ihn erst in ihre Gärten pflanzten und anschliessend kultivierten. Mit der Ausdehnung des Römischen Reichs verbreitete er sich in ganz Mitteleuropa. Über Gallien fand der Nussbaum seinen Weg nach Deutschland, wo man ihm den Namen Walchbaum gab, da man die Gallier zu dieser Zeit Walchen nannte. Im achtzehnten Jahrhundert ist daraus der uns bekannte Name Walnussbaum entstanden.
Heute ist der Walnussbaum von Südosteuropa bis nach Nordindien, China und Zentralasien heimisch. In Südosteuropa ist beispielsweise der türkische Ort Adilcevaz bekannt für seine Walnüsse. Seit 2018 hat auch der Anbau in der Schweiz stark zugenommen. Ausserhalb Europas wird die Echte Walnuss allem voran in Nordamerika angebaut, besonders intensiv in Kalifornien, dem Sonnenstaat der USA.
Der Walnussbaum, meist schlicht Walnuss genannt, ist in der Schweiz als Baumnuss bekannt, aber auch in anderen südwestlichen Gebieten des deutschsprachigen Raums, wo das Altalemannische seine Wurzeln findet. In Österreich und Bayern wird die Walnuss indes auch Welschnuss genannt. Dieser Name entwickelte sich vom Mittelhochdeutschen «welsch nuz», was «von den Romanen herkommende Nuss» bedeutet. Im Englischen ist der Name «persian walnut» geläufig, der auf die ursprüngliche Herkunft des Baums hinweist. Der Begriff stammt aus dem Altenglischen «walhnutu», der sich wiederum von den Wörtern «wealh» und «hnutu» für «fremde Nuss» ableitet. Daher auch der gelegentlich angetroffene deutsche Name Persische Walnuss. Die Dänen wiederum nennen das Gehölz «valnød» und die Schweden «valnöt».
Die Früchte der Walnuss sind die bekannten Wal- bzw. Baumnüsse.
Traditionell galten sie in der Botanik als Steinfrüchte, doch neuere Untersuchungen zeigen, dass sie zu den Nussfrüchten gehören. Sie sind besonders energiereich und nährend, da mehrfach ungesättigten Fettsäuren in ihnen schlummern, besonders wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Weil der Walnussbaum allerdings nur sehr langsam wächst, dauert es gut 15 bis gar 20 Jahre, ehe er zum ersten Mal blüht und damit Früchte austrägt bzw. Nüsse bildet. Der Baum kann jedoch bis zu 300 Jahre alt und 20 Meter hoch werden! Bei idealen Bedingungen beschenkt er seine Besitzer daher für eine lange Zeit mit reichen Ernten. Ein Baum in voller Produktion kann pro Jahr bis zu 150 Kilogramm Nüsse liefern.
In Deutschland des 18. Jahrhunderts waren Walnussbäume gemäss den Anordnungen zur Brandverhütung im Kurfürstentum Trier und in weiteren Kurfürstentümern des Heiligen Römischen Reiches zwischen den Häusern als etwaiger Schutz gegen Flammen anzupflanzen, da sie hochstämmige, blätterreiche Bäume sind und damit einen idealen Brandschutz bieten sollen.
Das Walnussholz gehört zu den Edellaubhölzern und gilt als das begehrteste und wertvollste des mitteleuropäischen Waldes. Es zeugt von ganz besonderer Schönheit und wird deshalb seit Jahrhunderten und über alle Zeitepochen als auch Stilrichtungen hinweg zu den bevorzugten Luxushölzern gezählt.
Nicht nur biologisch, sondern auch mythologisch reichen ihre Wurzeln weit hinab. Die Walnuss galt bereits in der Antike als Symbol der Fruchtbarkeit, weshalb die Griechen sie «Dios balanos» nannten, übersetzt «Eichel Gottes» oder «Eichel des Zeus». Bei den Römern hiess sie «Iovis glans», was «Eichel des Jupiters» bedeutet.
Sowohl bei den Griechen als auch den Römern des Altertums spielten Walnüsse an Hochzeiten eine zentrale Rolle. So wurden sie unter die Gäste geworfen sowie im Gemach des Brautpaares verstreut. Damit wünschte man dem Brautpaar eine glückliche Ehe und einen reichen Kindersegen. Darüber hinaus rührt der Begriff «Polterabend» möglicherweise vom Poltern der aufschlagenden Nüsse am Boden her.
Über die Vermählungsbräuche gelangte die Walnuss symbolisch wahrscheinlich auch zur christlichen Weihnacht und damit zur Geburt Christi. Denn die Walnuss wird eng mit dem Fleisch Christi bzw. Jesus Christus verknüpft, der in Marias Schoss herangewachsen und am 25. Dezember auf die Welt gekommen ist. Bis heute ist die Walnuss fester Bestandteil des Weihnachtsfestes und findet auch in vielen Weihnachtsliedern Erwähnung. Sie gehört noch heute traditionell zur Weihnacht und wird auch in der Vorweihnachtszeit vom wohltätigen Sankt Nikolaus als Himmelsgabe (früher vor allem an Arme) verteilt. Darüber hinaus steht sie sinnbildlich für die Kirche selbst. Mit ihrer grünen Farbe, der harten Schale und dem köstlichen Kern galt sie als Zeichen der Dreieinigkeit. Dem Verständnis der Kirche nach wird unter der widerstandsfähigen Schale die liebliche Tugend im weichen Kern bzw. Herzen sicher verwahrt. Josef wird des Weiteren, als er Maria zur Braut nahm, gerne mit einem Zweig des Walnussbaums in der Hand dargestellt. Im Mittelalter wurde ausserdem der Geruch der Blätter als reinigend angesehen und so nutzte man diese genau wie Weihrauch oder Wacholder zum Ausräuchern gegen das Böse oder von beispielsweise Krankenzimmern.
Im germanischen Volksglauben erscheint der Walnussbaum als Lebensbaum. Oft wurde und wird er noch heute gerne bei der Geburt eines Kindes gepflanzt. Doch immenser ist seine Tradition als Totenbaum und ist häufig auf Friedhöfen anzutreffen: In der Antike nahm man an, dass es ungut sei in seinem Schatten zu schlafen, weil böse Mächte ihn als Versammlungsplatz nutzten. Es sollen Teufel in ihm wohnen und Verstorbene unter ihm weilen.
Gattung: Echte Walnuss
Lateinischer Name: Juglans regia L.
Pflanzenfamilie: Walnussgewächs (Juglandaceae)
Unterfamilie: Juglandoideae
Tribus: Juglandeae
Anzahl bekannter Arten: rund 60
Habitus: sommergrüner, selten immergrüner Laubbaum I besitzt in der Jugend eine glatte und aschgraue Rinde, im Alter entwickelt sich eine tiefrissige, dunkel- bis schwarzgraue Borke I Laubblätter wechselständig angeordnet und unpaarig oder paarig gefiedert I elliptische bis eiförmige Blätter, die bis auf die unterseitigen Achselbärte unbehaart sind I Blattrand ganz oder gesägt I zerriebene Blätter verströmen einen aromatischen Duft I im Frühjahr ergrünt die Walnuss als letzter Laubbaum nach der Eiche, im Herbst wirft sie früh ab I erst im Alter von 15 bis 20 Jahren setzt zum ersten Mal die Blüte ein I sie bildet weibliche und männliche Blüten aus I mengenmässig unterliegen die weiblichen, anfangs glänzend grün und nachher rötlich gefärbten Blütenstände den männlichen, welche zu vielen, hängenden, dicken und walzenförmigen «Kätzchen» (Ähren) heranreifen sowie grünlich-gelb gefärbt sind I die Früchte sind vier bis sechs Zentimeter gross, elliptisch bis rundlich geformt und von einer fleischig-faserigen Fruchthülle umschlossen I Fruchthülle springt bei der Reife auf und entlässt den runzeligen, hellbräunlichen Kern, welcher aus zwei verwachsenen Hälften besteht
Alter: bis zu 300 Jahre
Hauptblütezeit: männliche Blütenkätzchen ab Mitte Mai und bis zu vier Wochen vor den weiblichen Blüten.
Erntezeit: September bis Oktober
Standort: da relativ anspruchsvoll, bevorzugt sie tiefgründige, nährstoffreiche, kalkhaltige, nicht zu feuchte Böden, die sie sich mit ihrem tiefen und weit über die Kronentraufe reichenden Wurzelwerk erschliesst I am liebsten mag sie die Bedingungen, die in Weinbaugebieten zu finden sind
Besonderheit: Tief-/Pfahlwurzler I Manchmal fällt die Blüte Spätfrösten zum Opfer I sehr empfindlich gegenüber Verpflanzungen, verträgt jedoch Einschüttungen mit lockerem Material und Überschwemmungen I Baumschnitte sind nur im Spätsommer (nie nach Neujahr) möglich, da der Baum sonst sehr stark «blutet» I Am liebsten wächst der Walnussbaum alleinstehend. Um sein Ziel zu erreichen, sondert er wachstumshemmende Stoffe an umgebende Pflanzen ab, was mit sich bringt, dass unter und nehmen ihm nicht viel wächst bzw. lebt. So werden durch diese Ausdünstung seiner Blätter werden auch viele Insekten vertrieben.