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20. November 2011
In gesprochener Sprache können sich Wörter oft ganz anderes anhören, als man es im Unterricht lernt. Eine Rolle spielen sowohl regionale Einflüsse als auch das Register (informell etc.) oder der Sprecher selbst.
Wenn man die Lernenden fit machen möchte für die echte Welt, dann müssen sie Gelegenheit bekommen, mit solchem Material zu üben, so dass sie
- ihr Hörspektrum (zum Beispiel um ihnen weniger bekannte Varietäten) erweitern,
- Strategien zum Umgang mit solchem Input ausprobieren,
- Regularitäten der Umgangssprache lernen oder entdecken
können.
Zu den erwähnten Regularitäten gehört zum Beispiel, dass E-Laute am Ende eines Wortes (genauer gesagt Schwas) ganz weggelassen werden oder unbetonte Wörter stark reduziert oder sogar zusammen gezogen werden (z.B. ne statt eine, hat se statt hat sie, macht’s statt macht es oder hammer statt haben wir).
Unter anderem wegen den vielen Reduktionen benütze ich gerne das Lied “Was soll ich ihr schenken” von den Prinzen (Text mit englischen Erklärungen und Midi).
Auch geeignet scheint mir folgendes Video über die Solar City in Linz, das auch ein Interview mit einem der Bewohner enthält.
Der grösste Teil ist Standarddeutsch, die drei Interviewsequenzen sind umgangssprachlich und österreichisch gefärbt. Sie dauern 15-20 Sekunden und sind damit kurz genug für mehrmaliges, detailliertes Hören.
Als erstes stellt man am besten einige Fragen zum Verständnis der Standarddeutsch gesprochenen Passagen, die die Lernenden vor dem Sehen des Videos durchlesen können. Anschliessen kann man dann auf die Interviewsequenzen eingehen, zum Beispiel indem man die Lernenden eine Transkription mit mit dem Audio vergleichen lässt. Dazu habe ich die drei Sequenzen in Standardsprache (aber wortgetreu) transkribiert.
1-04-1.23
Das schönste an die Wohnung ist natürlich der Ausblick auf den See und der Blick ist da zwar sehr schön, das Tolle wäre natürlich wenn es dahinein grosse Fenster gäbe hinauszugehen aber es ist die Nordseite und das ist natürlich wieder der Kompromiss an die Engergiebereitstellung, das was nach Norden ist, werden kleinere Fenster um Energie zu sparen.
1.38-1.52
Solaranlagen sind ja nur Teil des Gesamten, nicht, beonders wichtig, besonders grosses Augenmerk ist gelegt worden auf die Isolierung der Häuser und die Ausrichtung der grossen Fensterflächen nach Süden weil ja die Sonne da natürlich die Wärme über die thermischen Fenster bietet.
2.40-3.00
Sagen wir ich habe den grössten Garten vor der Wohnung, den man sich vorstellen kann, weil wo hat man das schon im städtischen Bereich, das man an einem See wohnen kann. Das hat ein fast ein bisschen was von Urlaub. Und das ist etwas ganz besonderes, finde ich, diese Verbindung von Stadt, Natur und Freizeit direkt vor der Haustüre.
Die Lernenden haben die Aufgabe, Wörter oder Sequenzen zu markieren, die anders klingen, als sie es erwartet haben, oder die sie nicht oder schlecht wahrnehmen konnten. Bei der anschliessenden Diskussion im Plenum (evtl. mit vorangehender Kleingruppenarbeit) geht es darum, diese Stellen zu sammeln und zu systematisieren.
Das Hauptziel dieser Übung ist, die Wahrnehmung der Lernenden zu schärfen. Wenn sie nach der Übung nur schon mehr Unterschiede wahrnehmen können, ist bereits viel wesentliches passiert.
Anhand dieser drei Sequenzen, kann man auch sehr schön thematisieren, dass auch Muttersprachler beim sprechen Fehler machen, mitten im Satz umformulieren, neu ansetzen etc.