Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03569.jsonl.gz/1792

Inhalt
Eierstockzyste (Ovarialzyste)
Ursachen
Eine Eierstockzyste (Ovarialzyste) kann verschiedene Ursachen haben. Mediziner unterscheiden Eierstockzysten aufgrund unterschiedlicher Ursachen und Entstehungsmechanismen in funktionelle Zysten und Retentionszysten.
Retentionszyste
Eine Retentionszyste entsteht, wenn sich Drüsenflüssigkeit anstaut. Drüsen bilden als sogenannte exkretorische Organe Flüssigkeit (Sekret) und leiten es – zum Beispiel über einen Gang – aus dem Körper ab. Funktioniert dieser Abgabemechanismus nicht, sammelt sich vermehrt Sekret an, welches nicht abfliessen kann. Durch diesen Rückstau von Sekret (Retention) schwillt die Drüse zu einer Zyste an.
Zu den Retentionszysten zählen beispielsweise die sogenannten Dermoidzysten. Dermoidzysten sind von den Keimzellen abstammende, angeborene Fehlbildungen. Sie können Haare, Talg, Knorpel- oder Knochengewebe sowie Zähne enthalten. Dermoidzysten sind gutartige Veränderungen und machen etwa ein Drittel aller gutartigen Neubildungen an den Eierstöcken aus. Sie treten vor allem bei jüngeren Frauen auf. In seltenen Fällen entartet eine Dermoidzyste in einen bösartigen Tumor.
Funktionelle Zyste
Die meisten Eierstockzysten sind funktionelle Zysten, deren Ursachen Hormone sind. Eine funktionelle Eierstockzyste kann infolge des normalen monatlichen Zyklus entstehen – die körpereigenen Geschlechtshormone rufen dabei Veränderungen am Eierstock hervor. Sie tritt aber manchmal auch als Nebenwirkung einer Hormontherapie auf oder wenn körpereigene Hormone fehlreguliert sind. Funktionelle Zysten kommen fast ausschliesslich bei der geschlechtsreifen Frau vor, gehäuft kurz nach der Pubertät und in den Wechseljahren.
Die häufigsten und klinisch relevanten funktionellen Eierstockzysten mit jeweils unterschiedlichen hormonellen Ursachen sind:
- Follikelzyste
- Corpus-luteum-Zyste
- Lutein-Zyste
Follikelzyste
Erkennt der Arzt am normalen Eierstock zystische Strukturen, kann dies eine Follikelzyste (Bläschenzyste) sein. Diese Form einer Ovarialzyste kann zwischen wenigen Millimetern bis zu 15 Zentimetern gross werden. Sie tritt hauptsächlich bei jungen, menstruierenden Frauen auf. Eine Follikelzyste entsteht aus einem nicht gesprungenen Graaf-Follikel, welcher in der ersten Hälfte des Menstruationszyklus heranreift und die Eizelle sowie Flüssigkeit enthält. Durch das Zerplatzen des Graaf-Follikels (Eisprung) gelangt die Eizelle in den Eileiter und kann befruchtet werden. Erfolgt kein Eisprung, bleibt der Graaf-Follikel erhalten. Wenn er weiter Flüssigkeit produziert und dadurch immer weiter wächst, entwickelt er sich zu einer Follikelzyste.
Follikelzysten können etwa vier bis acht Wochen bestehen bleiben und in dieser Zeit Hormone produzieren. Meist bilden sie sich spontan zurück oder zerplatzen.
Corpus-luteum-Zyste
Der sogenannte Gelbkörper (Corpus luteum) entsteht nach dem Eisprung aus den Resten des gesprungenen Graaf-Follikels. Der Gelbkörper bildet Östrogen (weibliches Geschlechtshormon) und Progesteron. Wird die reife Eizelle nicht befruchtet, bildet sich der Gelbkörper zurück. Dadurch sinkt der Hormonspiegel und die Menstruation wird ausgelöst. In der Schwangerschaft bleibt der Gelbkörper in den ersten drei Monaten erhalten und produziert Hormone, welche die Schwangerschaft aufrechterhalten.
Eine Corpus-luteum-Zyste ist ein zystenförmig vergrösserter Gelbkörper. Corpus-luteum-Zysten können eine Grösse von bis zu acht Zentimetern erreichen und bilden sich in der Regel von selbst zurück.
Luteinzyste
Luteinzysten bilden sich meist in beiden Eierstöcken, wenn die Produktion von HCG (humanes Choriongonadotropin) stark erhöht ist. Dies ist zum Beispiel bei Mehrlingsschwangerschaften oder manchen Erkrankungen der Fall. HCG ist ein Hormon, welches der Mutterkuchen (Plazenta) vor allem in den ersten zwei bis drei Schwangerschaftsmonaten bildet. Das Hormon HCG ähnelt den Hormonen FSH, LH und Prolaktin, sogenannten gonadotropinen Hormonen – sie regen die Eizellen in den Eierstöcken an, zu reifen. FSH, LH und Prolaktin eignen sich deshalb zur Behandlung der weiblichen Unfruchtbarkeit. Als Nebenwirkung dieser hormonellen Therapie können ebenfalls Luteinzysten auftreten. Die Zysten werden bis zu 30 Zentimeter gross.
Luteinzysten bilden sich meist von selbst zurück, wenn ihre Ursachen beseitigt werden: Etwa nach der Geburt von Mehrlingen oder dem Absetzen einer Hormonbehandlung.
Weitere Ursachen
Verschiedene Erkrankungen kommen bei einer Eierstockzyste (Ovarialzyste) ebenfalls als Ursachen infrage. Polyzystische Ovarien als Sonderform funktioneller Zysten sind ein Hauptmerkmal des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCO), einem eigenständigen Krankheitsbild. Dabei kommen in den Eierstöcken viele Zysten vor, die aber meistens relativ klein sind.
Ein weiteres Krankheitsbild, welches bei einer Eierstockzyste zu den Ursachen zählen kann, ist die sogenannte Endometriose. Endometriosezysten haben ein charakteristisches Aussehen. Sie enthalten dunkelbraune, eingedickte Blutabbauprodukte und werden deshalb auch als Schokoladenzysten bezeichnet.