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Aus Überzeugung Moralist: Émile Zola (1840-1902)
Dass nicht nur die Reichen, sondern auch die Armen und Beleidigten zum Glück berufen seien, hiess die Botschaft Émile Zolas, und weil er nicht mit schönen Worten das finale Glück, sondern mit hässlichen Worten die traurige Ausgangslage beschrieb, nannte man ihn einen Naturalisten, verketzerte die erschütternden Sozialstudien «Thérèse Raquin», «Nana», «L'Assomnoir» und «Germinal» jahrzehntelang als Tendenzliteratur, und sogar Theodor Fontane befand: «Talent gross, doch unerfreulich, durchaus niedrig in Gesamtanschauung von Leben und Kunst».
Dennoch verschlangen Millionen Zolas Bücher wie Offenbarungen, und am Ende kam er doch noch ins Panthéon: als Klassiker, auf dessen Büchern sich schon Staub sammelte.
Wer ihn verstehen will, vergleiche ihn mit Paul Cézanne, der ein Leben lang ebenso verkannt war wie Zola berühmt. In «Minute des Lebens» hat Kurt Guggenheim die ungleichen Freunde 1969 porträtiert, und dort ist dem Ich-Erzähler Montgéroult zu Zolas Naturalismus folgendes in den Mund gelegt: «Ohne die Wahrheit erreichen wir keinen Fortschritt. Ist die Wahrheit unappetitlich, so hat der Schriftsteller nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, diese Wahrheit auszusprechen.»
Was am spektakulärsten im Jahre 1898 geschah, als Zola im legendären «Aurore»-Leitartikel unter dem Titel «J'accuse!», «Ich klage an!» seinen ganzen inzwischen beträchtlichen Ruhm auf die Waagschale warf, um den jüdischen Mitbürger Hauptmann Emile Dreyfus zu retten.
«Er war aus tiefer Überzeugung Moralist», konnte Anatole France am 5.Oktober 1902 jedenfalls zu Recht an seinem Sarg sagen, nachdem Zola am 29.September 1902 mit 62 Jahren an einer Gasvergiftung gestorben war.