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Momentan deutet vieles darauf hin, dass die Aminosäure Taurin die psychische Gesundheit junger Menschen mit einer Erst-Episoden-Psychose (FEP) verbessern kann. Dies gilt in geringerem Maße für andere häufig genannte Nährstoffe. Bemerkenswert ist, dass die Ergebnisse in Bezug auf Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien in Form von Vitaminen inkonsistent und widersprüchlich sind.
Ernährungsmängel gelten als Risikofaktor für verschiedene psychiatrische Erkrankungen. So ist bekannt, dass sich zum Beispiel Menschen mit Schizophrenie qualitativ schlecht ernähren. Eine übermäßige Zufuhr von kalorien- und fettreichen Lebensmitteln, die wenige Nährstoffe enthalten, beeinträchtigt die psychische Gesundheit. Vieles deutet darauf hin, dass ein Junk-Food-reicher Lebensstil Entzündungsprozesse und oxidativen Stress im Gehirn erhöht. Ein Mangel an neuroprotektiven Nährstoffen kann die psychiatrischen Symptome verschlimmern.
Verschlechterte FEP-Symptome einschließlich neurokognitiver Einschränkungen sind ebenfalls mit einem niedrigen Vitamin- und Fettsäurestatus verbunden. Die großangelegte Studie, die unter anderem in Australien durchgeführt wurde, untersuchte, ob eine Ergänzung mit Nahrungssupplementen bei der Behandlung junger Menschen mit Psychose wirksam ist. Dazu verglich das Forschungsteam acht klinische Studien zur Nahrungsergänzung bei mehr als 450 jungen Menschen. Dies waren Menschen mit frühen Symptomen einer psychiatrischen Störung wie zum Beispiel Schizophrenie. Die Übersichtsstudie wurde in der Fachzeitschrift „Early Intervention in Psychiatry“ veröffentlicht.
Die Forscher stellten fest, dass ergänzend zur Standardbehandlung verabreichte Nahrungssupplemente die psychische Gesundheit junger Menschen deutlich verbessern können. Standardbehandlungen ohne Ergänzung sind weniger effektiv als Standardbehandlungen, die mit bestimmten Supplementen kombiniert werden. Die vom Gesundheitspsychologen Firth und seinem Team durchgeführte Studie betritt insofern Neuland, als sie erstmalig eine Bewertung des Nutzens von Nahrungssupplementen bei Patienten mit FEP vornimmt. Firth zufolge wird Nahrungsergänzung zur Behandlung von psychischen Erkrankungen auch heute häufig noch zynisch belächelt oder als Hype abgetan. Dies ist jedoch ganz offensichtlich unberechtigt, da nun wissenschaftliche Beweise für die Nützlichkeit zusätzlicher Nährstoffe vorliegen. Mit anderen Worten: Von nun an kann mit voller Berechtigung von „evidenzbasierter Medizin“ gesprochen werden, wenn es um den Einsatz von Supplementen bei jungen Menschen mit Psychose geht. Wohlgemerkt: nicht als Ersatz für herkömmliche Behandlungsmethoden, sondern als Ergänzung zu Medikamenten.
Einer der untersuchten Nährstoffe ist Taurin, ein Stoffwechselprodukt aus den Aminosäuren Cystein und Methionin. Taurin ist vor allem in eiweißreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Krustentieren, Geflügel und Eiern enthalten. Insbesondere Krustentiere haben einen hohen Tauringehalt. Eine klinische Studie unter 121 jungen Patienten mit Psychose zeigte, dass 4 Gramm Taurin pro Tag die psychotischen Symptome innerhalb von 12 Wochen verringerten. Bis heute ist der Wirkmechanismus von Taurin bei FEP noch nicht völlig geklärt. Eine weitere Studie hat gezeigt, dass es möglicherweise als Inhibitor des N-Methyl-D-Aspartat (NDMA)-Rezeptors wirkt oder Stammzellen beeinflusst (Firth, 2018; O\'Donnell 2016).
Einige antioxidative Substanzen wie N-Acetylcystein (NAC) und Vitamin C können ebenfalls wirksam sein. Besonders bei Patienten mit einer hohen Belastung durch oxidativen Stress und freie Radikale. Die acetylierte Form von L-Cystein, NAC, eine schwefelhaltige Aminosäure, sollte in der Lage sein, Neuroinflammation und oxidativen Stress bestimmter Neuronen (Interneuronen) zu verringern. Eine klinische, placebokontrollierte Studie in der Schweiz zeigt, dass 2700 mg NAC pro Tag die Konzentration des Antioxidans Glutathion nach 6 Monaten erhöht, wobei allerdings keine positiven Effekte hinsichtlich der Verringerung psychotischer Episoden beobachtet wurden (Conus, 2017). Besonders Menschen mit einer hohen Empfindlichkeit gegenüber oxidativem Stress scheinen von einer Supplementierung von Antioxidantien zu profitieren.
Einer Studie zufolge scheint die Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren die psychische Gesundheit junger Menschen mit Psychose zu verbessern, obwohl schlüssige Hinweise auf eine Verringerung der psychotischen Symptome fehlen und/oder widersprüchlich sind. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sollten neuroprotektiv wirken und in der Lage sein, Neuroinflammation und oxidativen Stress zu verringern. Außerdem sollten die synaptische Plastizität und Neurotransmission zunehmen. Diese positiven Effekte werden jedoch in den kürzlich durchgeführten Studien nicht berichtet. Hier ist noch vieles unbekannt. Mit anderen Worten: Noch ist Vorsicht geboten, wenn es um das Ziehen harter Schlussfolgerungen geht.
Großangelegte und gut konzipierte Folgestudien sind erforderlich. Da sich einzelne Nährstoffe mäßig positiv auf die psychische Gesundheit auswirken, sollten solche potenziell nützlichen Nährstoffe in einem Präparat kombiniert werden. Es könnte sich zeigen, dass eine Nährstoffintervention, bei der mehrere Nährstoffe in einem Präparat kombiniert werden, eine größere und vorteilhaftere Wirkung bei jungen Menschen mit dieser Erkrankung entfaltet.
Firth J, Rosenbaum S, Ward PB, Curtis J, Teasdale SB, Yung AR, Sarris J.
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