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|Karies ist eine weit verbreitete Volkskrankheit, die in jedem Lebensalter auftreten kann. Behandelt wird das kariöse „Loch“ im Zahn mit einer Füllung. In der modernen Zahnheilkunde werden hochsensitive Füllungsmaterialien verwendet, die eine Verarbeitung unter trockenen Bedingungen erfordern. Je nach Grad der Trockenlegung von Zähnen in der Mundhöhle, dem einfachen Schutz vor Kontamination mit Speichel oder dem zusätzlichen Schutz vor Feuchtigkeit aus der Atemluft, spricht man von relativer oder absoluter Trockenlegung. Die absolute Trockenlegung kann unkompliziert mit einer schon sehr alten Erfindung erreicht werden, dem Kofferdam.

Kofferdam: Was ist das eigentlich?
Den Begriff Kofferdam kennt man aus drei verschiedenen Arbeitsbereichen. Er hat dabei eine analoge Bedeutung - er stellt die Isolierung eines Bereichs von seiner Umgebung her. In der Wasserbautechnik versteht man unter „Kofferdamm“ eine provisorische Barriere, um bestimmte Bereiche, zum Beispiel zur Errichtung von Brückenpfeilern, trockenlegen zu können. Im Schiffsbau versteht man darunter einerseits den Leerraum zwischen der Aussenhaut und dem ersten inneren Längsschott und andererseits den Schutzraum zwischen dem Ölbunker und den anschliessenden Räumen mit empfindlichem Gut. In der Zahnheilkunde schliesslich versteht man darunter ein separierendes Hilfsmittel, um das Arbeitsfeld vom Rest der Mundhöhle zu isolieren.
Die Geschichte des Kofferdams in der Zahnheilkunde
Erste Versuche einer systematischen Trockenlegung datieren aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Aufgrund des damaligen Technikstandes dauerten die zahnärztlichen Behandlungen sehr lange und mussten ohne Betäubung und vor allem ohne Absauganlagen durchgeführt werden, da es beides noch nicht gab. Das grösste Problem dieser Zeit war somit die Trockenlegung des Arbeitsfeldes für die langwierigen und feuchtigkeitsempfindlichen Restaurationstechniken mit den damals angewendeten Metallfüllungen. Die Mundhöhle musste mit verschiedenen feuchtigkeitsaufsaugenden Materialien regelrecht ausgestopft werden, um das Eindringen von Blut und Speichel in die Füllungskavität (Kavität: Loch im Zahn) zu verhindern. Dazu benutzten die damaligen Zahnärzte Flachs, Schwämme oder Baumwoll-, Leinen- und Musselinstoffe, eine für beide Seiten wenig komfortable Vorgehensweise.

|Kofferdam

Preiswerk: Zahnerhaltung
1903
Der erste erfolgreiche Versuch der Zahnisolierung stammt von Rich aus dem Jahr 1836. Er verwendete ein Goldband, um einen Zahn zu isolieren. Es wurden noch weitere Methoden zur Zahnisolierung von anderen Zahnärzten entwickelt, welche allesamt sehr aufwendig, umständlich und im Ergebnis wenig zufriedenstellend waren - bis 1864 Dr. Sanford C. Barnum, ein Zahnarzt aus New York, den bis heute bekannten und verwendeten Kofferdam erfindet. Eine entscheidende Rolle spielte hierbei die Entdeckung der chemischen Vulkanisation des Kautschuks zu Gummi von Goodyear im Jahr 1839. Um die Zähne zu isolieren, experimentierte er mit Gummiringen und Öltüchern, was eine umständliche und wenig effektive Methode darstellte. Am 15. März 1864 kam Barnum dann erstmals auf die Idee, ein Gummituch zu lochen und es über einen Zahn zu ziehen: Der Kofferdam war geboren. Seine Erfindung wurde bereits im gleichen Jahr durch seinen Onkel auf einem Meeting der New York Dental Society vorgestellt. In der Folge wird seine Isolierungsmethode von vielen Kollegen übernommen, und die Kofferdamtechnik erfährt eine schnelle Verbreitung. Bis zum heutigen Tag ist die Kofferdam-Methode der konkurrenzlose Goldstandard in der absoluten Trockenlegung.
Die Anwendung des Kofferdams in der Zahnarztpraxis heute
Trotz modernster Technik, guter Betäubungsmethoden und effektiver Absauganlagen ist der Kofferdam im alltäglichen Gebrauch in der Zahnarztpraxis auch heute noch nahezu unentbehrlich. Moderne zahnfarbene Füllungsmaterialien werden adhäsiv mit der Zahnhartsubstanz verbunden. Diese „Klebung“ ist extrem feuchtigkeitsempfindlich – schon wenig Feuchtigkeit reicht aus, um den Haftverbund zu beeinträchtigen. Kofferdam sichert also auch hier, wie auch schon damals bei der Metallfüllungstherapie, die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Füllungstherapie.