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Der Mensch ist weder schnell noch verfügt er über natürliche Waffen, wie Krallen oder Reisszähne. An Schnelligkeit und Kraft kann er es kaum mit einem grossen Tier aufnehmen. Diesen Nachteil musste er irgendwie wettmachen und entwickelte Geschick und Köpfchen. Der grosse Trumpf im Ärmel des Menschen ist seine Gabe zur Improvisation. Das bedeutet, sich in den verschiedensten Situationen etwas einfallen zu lassen oder etwas Neues auszuprobieren.
Nicht der stärkste Mensch ist ein guter Jäger,
sondern der Klügste macht reiche Beute.
Eine sehr wichtige Stütze im Überlebenswettbewerb in der Natur, war das Wissen der älteren und erfahrenen Jäger, welche die jungen noch unerfahrenen Stammesmitglieder unter ihre Fittiche nahmen.
Auch Frauen gingen auf die Jagd. Sie jagten Kleintiere. Vielleicht lernten die kleinen Jungs das kleine Einmaleins der Jagd erst bei ihren Müttern, bevor sie als heranwachsende Jünglinge mit ihren Vätern zur Grosswildjagd aufbrachen. Denn in der Steinzeit konnte die Clans es sich nicht leisten, dass ein übermütiger Spinginsfeld ihnen eine gutgeplanten Jagdausflug gefährdete.
Jagen in der Eiszeit
Mit dem Einbruch des Eiszeit verlagerte sich das Leben auf die wenigen eisfreien Zonen in Mittel-, und Südeuropa. In den Tropen blieb es angenehm warm, während weiter nördlich nur die zäheren Arten überleben konnten. In diesen eisigen Zeiten mussten sich sowohl Homo erectus, wie auch seine Nachfahren, der Heidelberg Mensch (Homo erectus heidelbergensis), der Neandertaler und später auch der moderne Mensch etwas einfallen lassen. Denn der Körper verbraucht in kalten Zeiten viel mehr Energie, um sich warm zu halten. Jagen bedeutete Energieverlust, der nur wieder mit der Nahrungsaufnahme wettgemacht werden konnte. Ein Mensch in der Eiszeit brauchte mehr Kalorien, als ein Mensch in angenehm warmen Zonen.
Auf den stetig gefrorenen Böden wuchs nur eine karge Vegetation, wie die Zwergbirken, Kriechweiden, Moos und Gras. So mussten die Menschen in den langen Wintermonaten der Eiszeiten vor allem auf Fleisch und Fett zurückgreifen, um diese Zeit überleben zu können.
Es klingt nach einem harten Leben. Aber Fleisch gab es damals wahrscheinlich im Überfluss, da grosse Tierherden die Tundren bevölkerten. Es gab Riesenhirsche, Mammuts, Bisons, Rentiere, Wildpferde, Steinböcke, Auerochsen, Moschusochsen, Saigaantilopen und Höhlenbären.
Aber nicht nur der Mensch war ein Jäger, er konnte auch schnell zur Beute werden. Denn er teilte sich seine Jagdreviere mit Hyänen, Wölfen, Vielfrassen, und Höhlenlöwen. Ein unvorsichtiger Mensch stellte für diese Raubtiere leichte Beute dar.
Jagdmethoden
Die Forscher machten sich viele Gedanken über die Jagdmethoden der Jäger. In kleinen Sippen zu jagen, wäre auf Dauer sicherlich nicht sehr ertragreich gewesen. Man vermutet daher, dass sich die verstreut lebenden Sippen zu bestimmten Zeitpunkten trafen, um gemeinsam so viele Tiere wie nur möglich zu erlegen, um so Vorräte im gefrorenen Boden auf lange Zeit hinaus anlegen zu können. In der Sierra da Guadarrama in Spanien wurden die Überreste von 80 grossen Tieren entdeckt, die vor 300’000 Jahren dort erlegt wurden.
Im französischen Solutré, unterhalb eines Felshanges, fanden Forscher die Gebeine von 100’000 Pferden, die vor 25’000 Jahren von den Cro-Magnon Menschen über den Abgrund in den Tod gehetzt wurden.
Diese Jagd-Zusammenkünfte waren für die Menschen sicherlich auch die beste Gelegenheit, innerhalb der verschiedenen Sippen die Bündnisse zu stärken, indem junge Männer und Frauen sich in den anderen Sippen ihre neuen Partner suchten.
In der Eiszeit war pflanzliche Nahrung in Mitteleuropa nur noch in den kurzen Sommerphasen zu finden. Die Jagd war also für die Menschen überlebenswichtig.
Jagdwaffen
Wie jagten die frühesten Jäger, wie Homo erectus und die Neandertaler? Sicher hatten beide Arten Holzspeere. Der Forscher Rene-Louis Nougier vermutet, dass die frühen Jäger Steinwurfgeräte entwickelt hatten, wie sie bis zum heutigen Tag bei der Jagd eingesetzt werden, die sich um die Beine der flüchtenden Tiere wickeln und sie so zu Fall bringen.
Die Speerschleudern wurden in der jüngeren Altsteinzeit von Homo sapiens sapiens entwickelt. Die Jäger konnten damit Tiere auf weite Distanzen erlegen. Die Speerschleuder wirkt wie ein Katapult und schleudert den Speer um ein Vielfaches weiter, als es der menschliche Arm vermag.
Pfeil und Bogen wurden am Ende der Eiszeit mit dem Einzug der Wälder erfunden, als sich die Speerschleuder für die Jagd zwischen Ästen und Büschen als weniger effizient erwies. Der kleine Pfeil dagegen, der im Unterholz mit dem Bogen abgeschossen wurde, fand seinen Weg auch durch die dichte Waldvegetation. Mit der Wanderung der Menschen von Südeuropa nach Nordeuropa, am Ende des jüngeren Altsteinzeit (vor etwa 11’000 Jahren) verbreitete sich diese Waffe auf dem ganzen europäischen Kontinent.
Die Jäger der Naturvölker heute
Die Jäger in der Kalahariwüste in Afrika beispielsweise, haben in Sachen Spurenlesen ein scharfes Auge. Selbst im lockeren Wüstensand können sie Spuren von kleineren Lebewesen ausmachen. Diese Menschen leben heute noch genauso, wie die Jäger und Sammler der Steinzeit. Um zu überleben, sind sie darauf angewiesen, das Verhalten der Tiere rechtzeitig zu deuten, wenn sie auf die Jagd gehen. Darum nimmt ein Jäger seine Umgebung sehr genau wahr. Von abgebrochenen Zweigen, Bodenspuren und anderem vermag er viel zu “lesen”. Diese Jäger sind hervorragende Spurensucher und Spurenleser.
Doch es ist nicht nur die Kunst des Spurensuchens alleine: Aus den Geräuschen von anderen Tieren kann ein erfahrener Jäger sehr viel deuten. Im Gegensatz zu den Raubtieren fehlt ihm ein feiner Geruchssinn, ein sensibles Gehör und das scharfe Sehvermögen. Um trotzdem erfolgreich auf der Jagd zu sein, gehören Vorstellungs-, und Einschätzungsvermögen zu den wichtigsten Eigenschaften eines Jägers.
Jäger und Sammler müssen, um zu überleben, ein hohes Wissen und Können an den Tag legen. Unsere Vorfahren, wie auch die Jäger der heutigen Naturvölker, sind sehr intelligente Menschen, die mannigfaltige Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen.