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Tagesbericht vom 03.08.2002
Bären sichten heisst das Motto für den heutigen Morgen. Diese Attraktion findet in Alaska, in der Grenzstadt ‚Hyder', fünf Kilometer weiter westlich von ‚Stewart' statt, weshalb wir die Grenze passieren müssen. Am Fish Creek, der voller Lachse ist – es hat fast mehr Lachse als Wasser – sollen sich die Bären satt fressen. ‚Bear watch area' heisst das auf gut amerikanisch. Dass die Bären hier ab und zu speisen, sieht man schnell: auf den Sandbänken links und rechts des Flusses liegen die Reste der Bärenmahlzeiten. Es wimmelt nur so von Menschen, die hier Bären anschauen möchten. Wenn ich Bär wäre, würde ich an einer anderen Stelle meine Mahlzeit nehmen. Und so verlassen wir die Menschenmenge wieder ohne einen Bären gesehen zu haben.
Hyder (the friendliest ghost town in Alaska) zählt ca. 60 und Stewart ca. 500 Seelen. Die Städte sollen vor 1929 von über 10'000 Personen bevölkert worden sein. Gold- und Silberminen haben die vielen Leute anno dazumal in diese verlassene, kalte Gegend gelockt. Wir verzichten auf deren Besuch und fahren nordwärts weiter.
Zurück nach Meziadin Junction geht die Reise, um endgültig nach Alaska zu gelangen. Das Wetter ist wieder freundlicher: die Sonne scheint und die Temperaturen halten sich im Rahmen (10° bis 12° Celsius). 10:57 Uhr ist es. Was hüpft da vorne auf der Strasse und verschrickt als er Sir James sieht und hört? Ein Bär, genauer ein Braunbär. An Position Nord 56° 9' 6“ und West 129° 18' 17.2“ verschwindet er im Gebüsch. 11:53 Uhr, da vorne hüpft ja wieder ein Bär über die Strasse. Aber diesmal ist es ein Schwarzbär. Aber die Zeit reicht nicht aus, um eine Foto zu schiessen. Zu schnell ist der Schwarzbär im Gebüsch links von der Strasse verschwunden.
In ‚Bell II', einem der grössten Heliskiorte, erhält Sir James einen Dieselölschub. Die Dieselpumpe, die Dieselöl vom hinteren Tank in den vorderen Tank des Sir James pumpen sollte, scheint der schweren Arbeit nicht mehr gewachsen zu sein. Der Verbrauch an Dieselöl ist grösser als der Nachschub aus dem hintern Tank. Das solche Sachen immer erst dann geschehen, wenn man darauf angewiesen ist!
Vor Iskut treffen wir auf einen schönen und sauberen Verpflegungsplatz mit Garage, Restaurant, Laden und Campingplatz. Das hübsche Anwesen gehört einem Schweizer. Für uns ist es jedoch noch zu früh um an eine Übernachtung zu denken. Wir fahren weiter den endlosen Seen, Flüssen und Wäldern entlang. Was dieser Teil von Kanada von Namibia unterscheidet? Hier hat es Wälder, in Namibia hat es Sand. In beiden Teilen dieser Welt wohnen aber etwa gleich viele Leute: meilenweit keine Seele! Die Weite von Kanada ist kaum zu glauben. Seit Tagen schon fahren wir zwischen 300 bis 400 Kilometer täglich und befinden uns immer noch in British Columbia, im gleichen Staat wie seit der Grenzüberschreitung von den USA nach Kanada. Aber uns gefällt es gut. So wie wir reisen, finden wir es schöner, durch fast unbewohnte und kaum berührte Natur zu fahren, als von Stadt zu Stadt auf Autobahnen durch die Zivilisation zu rollen.
Und doch brauchen wir die Zivilisation hie und da. Zum Beispiel heute. Sir James möchte wieder einmal mit Frischwasser aufgefüllt werden. Die letzten Tage waren die Campingplätze zwar romantisch gelegen, verfügten aber nicht über Wasseranschlüssen. Der heutige RV Platz in ‚Dease Lake' an Position Nord 58° 25' 58.3“ und West 129° 59' 8.7“ ist nur für RV's (recriation vehicles) konzipiert, deshalb ist ‚tenting' (zelten) nicht möglich. Jeder ‚Parkplatz', ein Standplatz auf einem Kiesareal, verfügt über Elektrisch- und Wasseranschluss. Da Sir James sehr flexibel ist, kann er sich je nach Möglichkeit als Zelt oder, eben wie heute, als RV ausgeben. Aus der Reihe tanzt er schon, der Sir James. Nein, nicht nur wegen seiner Grösse, respektive Kleine, sondern weil er zudem, nicht wie vom Platzbesitzer (der im Militär mindestens General sein muss) angeordnet, wie alle andern Vehikel mit der Front nach Norden steht, sondern mit dem Hinterteil. Selbstverständlich stört dies den Platzmeister, doch weil wir das Hubdach schon aufgestellt haben, drückt er ein Auge zu. Und wer park sich neben Sir James. Ein anderer Toyota Landcruiser mit Wohnanhänger. Sein Besitzer ist mächtig stolz auf sein 87-er Modell, das ebenfalls noch mit einem Dieselmotor betrieben wird. Er weiss um die Nöte für die Ersatzteilbeschaffung für Toyota Dieselfans und gibt uns die Adresse seiner Garage in Surrey, British Columbia. Für alle Fälle. Man weiss ja nie.