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Wir schreiben das Jahr 1841: Der Afro-Amerikaner Solomon Northrup (Chiwetel Ejiofor) lebt in New York als freier Mann und wird in seiner Gemeinde als freundlicher Mensch und begabter Musiker geschätzt. Vom Letzteren haben anscheinend auch zwei Zirkus-Betreiber mitbekommen, die Solomon mit auf eine Tour mitnehmen wollen. Doch die Einladung ist eine Falle, und die beiden Herren stellen sich als Sklavenhändler heraus. Solomon wird bewusstlos gemacht, in Ketten gelegt und in den Süden nach Louisiana verfrachtet.
Dort wird er unter dem Namen Port weiterverkauft. Sollte er je erwähnen, dass dies nicht sein richtiger Name oder dass er ein freier Mann ist, wird er getötet. So versucht Solomon einfach mal zu überleben, was aufgrund der schlimmen Behandlung der Sklaven im Süden von Amerika alles andere als leicht ist. Es folgen Jahre voller Qualen, aber auch menschliche Momente unter verschiedenen Sklavenhaltern (Benedict Cumberbatch, Michael Fassbender).
Die Academy ist manchmal ein seltsames Völkchen. Es passiert nicht selten, dass aussergewöhnliche Leistungen aus fadenscheinigen Gründen nicht gewürdigt werden und so Filme nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdienen würden. Im Jahre 2012 war Steve McQueens Shame so ein Fall. Das Thema Sexsucht war den Juroren wohl zu unangenehm und zu freizügig. Dies dürfte mit McQueens Nachfolgewerk nun definitiv anders sein. Der Engländer hat mit 12 Years a Slave ein Sklavendrama inszeniert, welches der Academy der Thematik wegen wohl gefallen dürfte, aber aufgrund seiner Direktheit und Brutalität nicht leicht verdaulich ist.
Basieren tut der Film auf den Memoiren von Solomon Northrup, der diese im Jahre 1853 verfasst hat. Wenn der Film ein Problem hat, dann dasjenige, dass er im Titel schon einen fetten Spoiler hat. Wir wissen, dass Solomon irgendwann der Sklaverei entkommen wird. Immerhin zeigt der Film nicht anhand von Jahreszahlen, in welchem der zwölf Jahre wir uns gerade befinden, was nur einen Countdown generiert hätte. So wird die Ungewissheit Solomons auf den Zuschauer übertragen und der steinige und schmerzhafte Weg in die Freiheit spürbar gemacht. McQueen hält nichts zurück und zeigt die unmenschliche Behandlung in psychischer und auch sehr physischer Form. Eine in einem Take gedrehte Auspeitschungsszene wird einige an ihre Grenzen bringen.
Hier gibt es keinen bärtigen Zahnarzt, der zur Hilfe eilt, sondern die Sklaven sind ihrem Besitzer hilflos ausgeliefert. Der fieseste unter ihnen wird von Michael Fassbender widerwärtig dargestellt. Doch diese Figur hat mehr zu bieten und ist um einiges vielschichtiger, als man vermuten könnte. Das wirklich wahre Böse lauert auf dieser Plantage woanders. Es ist schön zu sehen, dass es sich McQueen bei den Figuren nicht zu einfach macht. Auch verheimlicht der Film nicht menschliche Momente, wie bei Northrups erster Station. Dies macht aus 12 Years a Slave dann auch zu einem der besten Filme seines Genres.
In der Hauptrolle brilliert Chiwetel Ejiofor, der jahrelang immer Glanzleistungen zeigte, aber immer wieder von grösseren Stars in den Hintergrund gedrängt wurde. Ejiofor gelingt eine sehr kontrollierte Performance, die, wenn er mal Gefühle und Tränen zeigt, den Zuschauer voll mitnimmt. Eine ganz starke Performance, was auch vom bereits erwähnten Fassbender gesagt werden kann. Brad Pitt, der den Film auch produziert hat, gönnt sich derweil die Rolle des Samariters, die dann doch etwas zu gut ist. Übertrieben ist auch zu Beginn der Soundtrack von Hans Zimmer, der mit Bombast-Musik die Verschleppung untermalt. Zum Glück findet er im weiteren Verlaufe dann doch noch die ruhigeren Töne.
Fazit: 12 Years a Slave ist ein packendes Drama über ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte. McQueen ist ein niederschmetternder Film gelungen, der nun auch die Academy auf ihn aufmerksam machen wird, was aufgrund seiner Leistungen für Shame und Hunger überfällig ist. Doch wenn es tatsächlich soweit kommt, wird dies nicht nur eine Entschuldigung für Versäumtes sein: 12 Years a Slave ist ganz grosses Kino.
Christoph Schelb [crs]
Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.
Was für ein Medienhype. Wieder mal aufgebauschte Werbung für einen Film, der dies meiner Meinung nach nicht verdient hat. Völlig in die Länge gezogen und immer wieder dasselbe zeigend. Spannung fehlt, Schauspieler knapp genügend. Das einzig Positive: Schöne Landschaftsbilder.
Ganz toller Film, welcher Steve McQueen uns vorführt. 12 Years a Slave brilliert nicht mit Spannung, sondern mit viel Authentizität. Dies verdankt man vor allem den sehr guten Schauspielern und (wie yan schon gesagt hat) der unangenehmen Atmosphäre.
Unangenehmer, aber packender Film, der vor allem im Schlussteil an die Grenzen geht, da aber auch seine besten Momente hat. Gestört hat mich der etwas holprige Einstieg und wie bereits erwähnt Hans Zimmers musikalische Untermalung. Vor allem in den bedrohlichen Szenen wirkt der ungewöhnliche Ambientstil fehl am Platz und fällt immer wieder (negativ) auf. Die Gesangseinlagen hingegen sind fantastisch und haben da einiges wieder gutmachen können. Schauspielerisch gibts auch nur Gutes zu sagen, auch wenn ich nicht Nyong'o oder Ejiofor besonders hervorheben möchte, sondern wie so oft der beeindruckend aufspielende Michael Fassbender.