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Themenstarter
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- 08.10.04
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Geschichtlicher Hintergrund:
Man unterscheidet also zwischen Kanner Autismus und Asperger Autismus. Für Asperger hab ich einen separaten Thread eröffnet. Hier wenden wir uns also dem Kanner Autismus, resp. dem frühkindlichen Autismus zu:
Es gibt noch mehr Unterteilungen:
Begleitsymptome:
Die sozialen Schwierigkeiten des Autisten ähneln jenen des AD(H)S-Betroffenen:
aus: https://www.akzschweiz.ch/autismus-autismus-de.htmlDer Begriff “Autismus” wurde 1911 durch den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler geprägt. Autismus nannte er ein Grundsymptom der Schizophrenie, das die Zurückgezogenheit in die innere Gedankenwelt bei an Schizophrenie erkrankten Menschen meinte.
Leo Kanner (1943) und Hans Asperger (1944) nahmen diesen Begriff unabhängig voneinander auf und benannten so ein Störungsbild eigener Art. Im Unterschied zu Menschen mit Schizophrenie, die sich aktiv in ihr Inneres zurückziehen, beschrieben Kanner und Asperger Menschen, die von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit leben. Damit unterlag der Begriff „Autismus“ einem Bedeutungswandel. Heutzutage wird der Begriff „Autismus“ zur Bezeichnung des von Kanner und Asperger beschriebenen Störungsbildes gebraucht.
Kanner’s Nachforschungen, die den Begriff Autismus eng fassten und im wesentlichen den heute so genannten frühkindlichen Autismus beschrieben, erlangten internationale Anerkennung und wurden zur Grundlage der weiteren Autismusforschung. Die Veröffentlichungen Aspergers hingegen, die den Begriff Autismus weiter fassten und auch leichtere Fälle mit einbezogen, wurden zunächst international kaum rezipiert, zum einem wegen des Zweiten Weltkrieges und zum anderen, weil Asperger auf Deutsch publizierte. Erst in den 1990er Jahren erlangten die Forschungen Aspergers internationale Bekanntheit in Fachkreisen. Die englische Psychologin Lorna Wing (1981) führte in den 1980er Jahren die Forschungen Aspergers fort und definierte die von Asperger beschriebenen leichteren Fälle von Autismus als Asperger-Syndrom.
Man unterscheidet also zwischen Kanner Autismus und Asperger Autismus. Für Asperger hab ich einen separaten Thread eröffnet. Hier wenden wir uns also dem Kanner Autismus, resp. dem frühkindlichen Autismus zu:
aus: https://www.akzschweiz.ch/autismus-preautismus-de.htmlDie beiden international gebräuchlichen Klassifikationssysteme für Krankheiten, ICD 10 und DSM-IV, nennen vier diagnostische Kriterien für frühkindlichen Autismus:
- Qualitative Beeinträchtigungen wechselseitiger sozialer Interaktionen
Die Beziehungsaufnahme zu Personen, Ereignissen und Dingen ist stark auffällig und bedeutet eine extreme Kontaktstörung. Betroffene können soziale und emotionale Signale nicht angemessen erkennen, einschätzen und anwenden. Einfühlungsvermögen (Empathie) in andere Menschen ist kaum vorhanden. Frühe Symptome: kein Antwortlächeln, keine oder wenig Aufnahme von Blickkontakt, fehlende Unterscheidung von Eltern und anderen Personen, keine antizipatorische Handlungen (z.B. Ausstrecken der Arme, wenn es hochgenommen werden will), kein „Rückversichern“ (soziales Referenzieren) bei den Eltern, kein Teilen von Erfahrungen (Gegenstand bringen oder darauf zeigen, um die Eltern darauf aufmerksam zu machen).
- Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation
Fehlen oder starker Mangel sozialen Gebrauchs sprachlicher Fertigkeiten. Auch besteht ein Mangel an emotionaler Resonanz auf verbale und nonverbale Annäherungen durch andere Menschen. Die nonverbale Kommunikation und Sprachmelodie sind stark beeinträchtigt.
- Repetitive und stereotype Verhaltensmuster
Betroffene zeigen meist einen hohen Widerstand gegen Veränderungen, sie können in Angst-, Panik- oder Aggressionszustände geraten, wenn sich in ihrer Umgebung etwas ändert. Viele Betroffene zeigen Stereotypien, die als Selbststimulation von Sinnesbereichen gedeutet werden können (z.B. Augenbohren, Auf und ab hüpfen, Flattern der Hände vor den Augen).
Das Spiel ist meist nicht funktional, sondern mechanisch (z.B. am Rad des Autos drehen, anstatt das Auto fahren lassen).
- Manifestation vor dem 3. Lebensjahr
Darüber hinaus nennt ICD-10 noch unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlafstörungen, Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen und selbstverletzendes Verhalten.
Es gibt noch mehr Unterteilungen:
aus: https://www.akzschweiz.ch/autismus-icd-de.htmlEinteilung nach Klassifikationssystem ICD-10
Autismus wird in der ICD-10, dem Klassifikationssystem für Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), als tiefgreifende Entwicklungsstörungen unter dem Schlüssel F84 aufgeführt und wie folgt unterteilt:
F84.0: Frühkindlicher Autismus
F84.1: Atypischer Autismus
F84.10: Autismus mit atypischem Alter des Auftretens der Symptome
F84.11: Autismus mit atypischer Symptomatik
F84.12: Autismus mit atypischem Alter des Auftretens der Symptome und
atypischer Symptomatik
F84.5: Asperger-Syndrom
Begleitsymptome:
aus: https://www.akzschweiz.ch/autismus-begleitsymptome-de.htmlMögliche Begleitsymptome des Autismus
-Sensorische Auffälligkeiten: Übersensibilität auf Licht, Töne, Berührungen,
Materialien, auch Untersensibilität (z.B. Schmerz)
-Motorische Auffälligkeiten: Feinmotorik, Grobmotorik, Ungeschicklichkeit,
Koordination
-Emotionale Regulierung: Ängste, Depression, Aggression
-Physische Auffälligkeiten (Verdauung): Allergien, Diäten
-Stereotype Verhaltensweisen: repetitive Handlungen, z.B. sich im Kreis drehen.
Diese Störungen oder Symptome treten zwar gehäuft bei Menschen mit Autismus auf, sie sind aber nur Begleitsymptome des Autismus und gehören nicht zur Definition des Störungsbildes.
Die sozialen Schwierigkeiten des Autisten ähneln jenen des AD(H)S-Betroffenen:
aus: https://www.akzschweiz.ch/autismus-ass-de.htmlAutismus-Spektrums-Störungen (ASS)
Diese neuere Bezeichnung basiert auf der Auffassung, dass die autistischen Störungen sich nicht qualitativ unterscheiden, sondern lediglich quantitativ, also in Bezug auf den Schweregrad der Störung. Damit wird ein dimensionaler Ansatz vertreten, der annimmt, dass sich die verschiedenen autistischen Störungen nicht in klar unterscheidbare Kategorien unterteilen lassen. Die Ausprägungsgrade haben eine grosse Variationsbreite, welche eine Diagnostizierung dieser Störungen erschweren, was leider dazu führt, dass immer noch viele Kinder erst spät erfasst und somit behandelt werden.
Zentrale Defizite des Autismus
Aufgrund der Erkenntnisse aus der Autismus-Forschung der letzten Jahre haben sich folgende zentralen Defizite des Autismus herauskristallisiert, welche laut „Gutstein“ die Autismus-Spektrums-Störung definieren.
Dynamische Analyse: Die Fähigkeit, die relative Bedeutung und den Wert von Informationen fest zu stellen und flexibel auf die ändernden Umstände zu reagieren. Episodisches Gedächtnis, Widerstandsfähigkeit, Selbsterkenntnis: Die Fähigkeit zu reflektieren (überlegen), voraus zu schauen, zu regulieren, zu evaluieren (einschätzen) und zu hypothetisieren. Mit Unsicherheit in einer produktiven Art und Weise umgehen können.(Mit)Teilen von Erfahrungen: Die Fähigkeit, unterschiedliche Ansichten zu teilen, mehrere Informationskanäle zu integrieren und ein Verständnis für das „Gut-Genug-Konzept“ zu haben. Flexible und kreative Problemlösestrategien: Die Fähigkeit, mehrere Lösungen für ein Problem zu entwickeln, das „Gut-Genug-Konzept“ annehmen und anwenden können.
Zusammen genommen können diese zentralen Defizite als „Beziehungs-Intelligenz“ umschrieben werden. Wenn diese fehlt, müssen sogar Menschen mit hohen intellektuellen und guten sprachlichen Fähigkeiten kämpfen, um in dynamischen Interaktionen, aus welchen unsere alltägliche Welt besteht, erfolgreich zu sein.
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