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„Bauen in Basel 1780 – 1880“ widmet sich den „Architekten des Klassizismus und Historismus“. Autorin Rose Marie Schulz-Rehberg gelingt es, einen umfassenden, faszinierenden Überblick über das Baugeschehen dieser Epoche, die von Um- und Aufbrüchen geprägt wurde, zu vermitteln.
Spätestens im frühen 19. Jahrhundert wurden Auswirkungen der Ideen der Aufklärung, die die bestehenden Machtstrukturen des Ancien Régime in Frage stellten und dadurch grundlegende politische und gesellschaftliche Umbrüche ermöglichten, auch in Basel spürbar. Fortschrittlich denkende Persönlichkeiten wie beispielsweise Ratsschreiber Isaak Iselin setzten sich vehement für die Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ein. Im einleitenden Essay zum „Baugeschehen in Basel zwischen Klassizismus und Antiklassik“ werden die Leitbilder einer aufgeklärten Gesellschaft – genauer des Bürgertums – dargelegt. Man besann sich auf die attische Demokratie und die römische Republik. Sie wurden nicht nur als politische, sondern auch als ästhetische Vorbilder angesehen. Die antike Architektur und die Schriften des römischen Architekturtheoretikers Vitruv dienten als Grundlagen einer neuen, bürgerlich-aufgeklärten Architektur, die eine geradlinig-rationale Schlichtheit als Stilideal propagierte. Die gemäss Jacob Burckhardt „stets gut gelaunte“ Repräsentationsarchitektur des Barock sollte damit überwunden werden.
Nebst der Antike diente erstaunlicherweise auch das Mittelalter als architektonischer Bezugspunkt. Das von England ausstrahlende „Gotic Revival“ sorgte für Neugotische, aber auch Frühromantische Stileinflüsse. Man könnte die Bestrebungen der Baumeister und Architekten unter dem Thema der Rückbesinnung auf ursprüngliche, vermeintlich reine Werte, seien dies die Antike, das Mittelalter oder die Natur zusammenfassen. Rose Marie Schulz-Rehberg verweist insbesondere auf die Bedeutung der öffentlichen Bauten zur Etablierung der neuen Architektur: 1822/23 wurde das erste Schulhaus am Steinenberg erbaut. Fast zeitgleich baute Melchior Berri das Stadtcasino am Barfüsserplatz. „Ein früher Höhepunkt“ der Architektur des 19. Jahrhunderts. Weiter wurden das Bürgerspital auf dem Gelände des Markgräflerhofs, der Bahnhof St. Johann, der Centralbahnhof (heute Bahnhof SBB) und schliesslich 1862 der erste Badische Bahnhof am Riehenring erbaut. Auch sakrale Bauten wurden errichtet: 1865 die Elisabethenkirche, kurz danach die Synagoge und 1886 die Marienkirche. Der stark anwachsende Platzbedarf für neue Bauten hatte im Jahre 1859 den Beschluss zur Schleifung der Stadtmauern zur Folge.
In Form eines übersichtlichen Stadtplans werden sämtliche im Buch vorgestellten Bauten kartographiert. Ein hilfreiches Werkzeug für Stadtspaziergänger und Architekturinteressierte, die wissen, dass man Architektur nur in der Realität wirklich erfahren und verstehen kann. An das Kartenwerk anschliessend werden die dreizehn bedeutendsten Architekten der Epoche vorgestellt: Auf eine Kurzbiografie folgt der Blick auf das Werk des jeweiligen Architekten. Die wichtigsten Bauwerke werden zudem in Form von Farbfotografien und kleinen Grundrissplänen dokumentiert. Darunter finden sich einige wahre Juwelen der Basler Architekturgeschichte – die teilweise auch Papier blieben. Beispielsweise wird der grandiose Entwurf von Achilles Huber für ein Theater am Petersplatz aus dem Jahre 1813 vorgestellt. Die volumetrische Ausformulierung mit einem Mittelbau und zwei symmetrischen Flügelbauten und die monumentale, aber gleichzeitig äusserst schlichte Fassade erinnern an die grandiosen Entwürfe der französischen Revolutionsarchitektur.
Das Buch wird von einem ausführlichen Werkkatalog der Architekten, einem Verzeichnis der AuftraggeberInnen, Namens-, Strassen- und Ortsverzeichnis sowie einer Auswahl-Bibliografie abgerundet. Der Autorin schafft dank akribischer Recherchearbeit in den Tiefen der städtischen Archive und Bibliotheken ein umfassendes, unverzichtbares Standardwerk zur Basler Architektur zwischen 1780 und 1880. Der lesende Architekt hätte sich vielleicht ein paar mehr Grundrisspläne gewünscht, doch das soll die Qualität des Werks keinesfalls schmählern. Nach dem 2012 erschienen Buch zur Architektur des Fin de Siécle würde sich die Autorin – konsequent der Architekturgeschichte rückwärts folgend – als nächstes dem Barock in Basel widmen. Man darf auf jeden Fall gespannt sein – und bis dahin mit grösster Freude den Bauten des Klassizismus und Historismus frönen.
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Rose Marie Schulz-Rehberg
Architekten des Klassizismus und Historismus
Bauen in Basel 1780-1880
Erschienen im Oktober 2015
240 Seiten, 130 meist farbige Abbildungen und Grundrisse, gebunden, 14,5 x 21 cm
ISBN 978-3-85616-643-4
CHF 39.00 / EUR 38,00