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Datierung
1994
Objektmasse
225 x 4 x 2 cm
Technik/Material
Leuchtstoffröhre, Klebband
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers
Inv.-Nr.
SK98033
Postitiv-Negativ
Der holländische Künstler Jan van Munster (1939, Gerinchem, NL) setzte sich nach seiner Ausbildung an der Academie van Beeldende Kunsten in Rotterdam (1955–1957) und am Instituut voor Kunstnijverheidsonderwijs Amsterdam (1957–1969) zunächst mit Prozessen des Wachstums auseinander. Ab den 1970er Jahren trat, daraus hervorgehend, die Konkretisierung von Energie in den Erscheinungsformen Hitze, Kälte, Magnetismus und Licht in den Mittelpunkt. So entwarf van Munster eine Reihe von Kälteobjekten, die sich allmählich mit Eiskristallen überziehen (darunter die «Studie für einen perfekten Schneeball» von 1992 und «Gefrorenes Licht» von 1996), oder er liess die Zeichen für Plus und Minus aus einer Schneedecke herausschmelzen. Ob in ephemeren Aktionen oder in verfestigter Form – die von van Munster zur Anschauung gebrachten energetischen Prozesse spielen sich hauptsächlich im Spannungsfeld von Gegensätzen ab: schwarz/weiss, warm/kalt, hell/dunkel oder positiv/negativ. Trotz ihrer geradezu minimalistisch verknappten Formulierung geht es in diesen Werken nicht nur um eine wissenschaftlich inspirierte Auseinandersetzung mit physikalischen Phänomenen. Seine Arbeit schliesse, so der Künstler im Gespräch, immer auch existenzielle Fragen mit ein.
Meist spielt van Munster bereits im Werktitel auf das jeweilige Grundthema an. Im Fall des Neonobjektes in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv lässt sich «Positiv-Negativ» – Inbegriff eines Gegensatzpaares – sogar doppeldeutig verstehen, ist doch bereits die Lichterzeugung selbst vom Schliessen der Plus-/Minuspole im Stromkreis abhängig. Die künstlerische Umsetzung ist einmal mehr auf das Allernotwendigste beschränkt: Die untere Hälfte der Leuchtstoffröhre ist frei belassen, die obere so mit einem schwarzen Klebeband beklebt, dass nur noch der Widerschein auf der Wand ihre Leuchtkraft erahnen lässt. Eine einzige Geste, eine simple Interaktion genügt, um in diesem Kunstwerk die Polarität von Hell/Dunkel auf den Punkt zu bringen.
Von solchen Neonarbeiten ausgehend, hat van Munster in den letzten Jahren einen neuen Zugang zu dem Thema Energie gefunden: In der Kurvatur der Neonröhren spiegeln sich seine eigenen Hirnströmungen wider, womit sich zwei Energieformen, die psychische und die physische, zu einem Kreislauf schliessen.
Elisabeth Grossmann