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Was Frauen tun: Geschlecht als empirischer und normativer Gegenstand der Nationalökonomie im langen 19. Jahrhundert
Charakteristisch für die Nationalökonomie als neue wissenschaftliche Disziplin des späten 18. und 19. Jahrhunderts ist, dass sie in der Regel zur Herleitung volkswirtschaftlicher Zusammenhänge von Individualität und Spezifik konkreten Wirtschaftens abstrahierte. In frühen nationalökonomischen Schriften trifft man auf Frauen bestenfalls in Metaphern und an den Unterseiten der Argumente. Dies änderte sich ab den 1840er Jahren in der zunehmenden empirischen Sozial- und Wirtschaftsforschung insbesondere zu Haushaltsbudgets und Einkommensverhältnissen, zur Lage der Fabrik- und Landarbeiterschaft und des Handwerks, in der Geschlecht eine analytische Kategorie bildete und die Bedeutung weiblicher Erwerbstätigkeit sichtbar wurde. Dieser empirische Blick stand in einem zunehmenden Spannungsverhältnis zu normativen Überlegungen über geschlechterspezifische ökonomische Rollen und Funktionen, die zwischen der Beobachtung zunehmender weiblicher Emanzipation, der «Polarisierung der Geschlechtercharaktere» und veränderten ökonomischen Paradigmen und Grundkonzepten navigierten. Die Vorstellung einer «natürlichen» sozioökonomischen Geschlechterordnung erwuchs dabei weniger aus der wissenschaftlichen Empirie selbst, sie erschien eher als eine aus der eigenen Lebenswelt, dem gesellschaftlichen Selbstverständnis heraus für selbstevident befundene Tatsache, die als Paradigma in empirische Arbeiten hinein und in das breitere (bürgerliche) Publikum hinausgetragen wurde.