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Rezital mit Anna Tsybuleva (Klavier)
Wir wissen nicht genau, wie viele Klaviersonaten Johannes Brahms komponierte, jedenfalls mehr als er veröffentlichte, denn er war äusserst streng gegen sich selbst und hat Manuskripte, die ihm nicht genügten, zum Tapezieren benutzt oder zerrissen und in Flüsse gestreut. Seine f-Moll-Sonate op. 5 schrieb der 20-jährige Hamburger als Gast des Künstlerehepaares Robert und Clara Schumann 1853 in Düsseldorf – da lag das ganze Leben noch vor ihm. Trotzdem blieb die als dritte gezählte Klaviersonate seine letzte. Brahms schuf keine klassische Sonate in vier Sätzen, sondern eine romantische in fünf, sogar mit einem literarischen Motto von «Mondlicht» und «zwei Herzen in Liebe vereint». Als der Wiener Franz Schubert hingegen 1827 seine Impromptus komponierte, im Alter von 30 Jahren, war sein Leben schon fast vorüber. Den Titel «Impromptu» mit seinen Assoziationen an Fantasie und Stegreifspiel hatte Schuberts Verleger erst nachträglich festgelegt, aber er passt ideal zu dem freien, improvisatorischen, spielerisch überschwänglichen Charakter dieser Klavierstücke.
Das Programm im Detail:
Franz Schubert (1797–1828)
Aus den Impromptus für Klavier D 899 – op. 90 (1827)
- Nr. 1 in c-Moll. Allegro molto moderato
- Nr. 3 in Ges-Dur. Andante
- Nr. 4 in As-Dur. Allegretto – Trio
Johannes Brahms (1833–1897)
Klaviersonate Nr. 3 in f-Moll op. 5 (1853)
- Allegro maestoso
- Andante. Andante espressivo – Andante molto
- Scherzo. Allegro energico – Trio
- Intermezzo. Andante molto
- Finale. Allegro moderato ma rubato – Più mosso – Presto – Tempo primo
Die Künstlerin
Die 1990 geborene russische Pianistin wuchs in einem Dorf im Nordkaukasus auf. Im Alter von dreizehn Jahren begann sie ihr Studium in Moskau, an der Zentralen Musikschule und am Tschaikowsky-Konservatorium. Nach ihrem Abschluss mit einer Auszeichnung als «beste Studentin» wechselte Tsybuleva an die Hochschule für Musik in Basel und studierte dort bei Claudio Martínez Mehner. Nachdem sie bereits mit dem Ersten Preis bei der «International Piano Competition in Memory of Emil Gilels» in Odessa ausgezeichnet worden war, gewann Anna Tsybuleva 2015 «The Leeds International Piano Competition», einen der wichtigsten Klavierwettbewerbe überhaupt. Anna Tsybuleva gibt Klavierabende in so berühmten Konzerthäusern wie der Tonhalle Zürich, der Philharmonie Luxembourg, dem Concertgebouw Amsterdam oder der Londoner Wigmore Hall. Als Solistin konzertierte sie mit dem Royal Philharmonic Orchestra, den Sankt Petersburger Philharmonikern, der Russischen Nationalphilharmonie, der Singapore Symphony und dem Tokyo Philharmonic Orchestra. Sie arbeitet mit Dirigenten wie Yuri Temirkanov, Vladimir Spivakov und Mark Elder zusammen. Auf ihrer Solo-Debut-CD Fantasien spielt Anna Tsybuleva Werke von C.P.E. Bach, Beethoven, Schubert und Brahms. Dessen zweites Klavierkonzert hat die Pianistin im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und der Dirigentin Ruth Reinhardt aufgenommen.
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