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Unterschriften für Beschwerde gegen «SRF Börse»
Infosperber erhebt eine Konzessionsbeschwerde gegen die Sendung «SRF Börse» vor der Tagesschau. Wer will, kann mitunterschreiben.
Die tägliche, zu bester Sendezeit kurz vor der Tagesschau ausgestrahlte Sendung «SRF Börse» ist einseitig, unsachlich und vermischt Meinungen und Tatsachen. Die Zuschauenden können sich über das Börsengeschehen keine eigene Meinung bilden. «SRF Börse» lässt nur CEOs, Verwaltungsratspräsidenten oder «Chefökonomen» von Banken zu Wort kommen, die selber an der Börse handeln und in der Börsensendung ihre eigenen Interessen vertreten.
Die Sichtweisen der Anleger, der Pensionskassen-Versicherten, der Kleinsparer und Obligationenbesitzenden kommen praktisch nicht zum Ausdruck. Noch weniger verbreiten die Sendungen von «SRF Börse» Informationen über Auswüchse sowie Fehlentwicklungen an der Börse. Die Börse ist heute in erster Linie ein Casino mit einem Mikrosekundenhandel ohne Nutzen für die reale Wirtschaft.
Das Börsengeschehen
«SRF Börse» beschränkt sich im Wesentlichen darauf, eine Veränderung der Tageskurse mit einem Tagesereignis wie einem Quartalsabschluss eines Unternehmens in Verbindung zu bringen, obwohl meist kein direkter Zusammenhang besteht. Grössere Zusammenhänge des Börsengeschehens mit der Stabilität des Finanzsystems, der Wirtschaftsentwicklung insgesamt sowie mit der Verteilung der Vermögen lassen die Sendungen «SRF Börse» aussen vor.
Über die Vielfalt der Börsen-Ereignisse und -Ansichten wird nicht konzessionskonform informiert, wenn u.a. über folgende Aspekte und Entwicklungen der Börse praktisch nie informiert wird (in den zehn analysieren Sendungen nie):
a) Die Aktivitäten von Schattenbanken, welche mehr Vermögen verwalten als der offizielle Bankensektor, und welche die Relevanz der offiziellen Börse relativieren;
b) Der spekulative Mikrosekunden-Handel, der heute über die Hälfte der getätigten Börsengeschäfte abdeckt und die Börse zum Casino ohne volkswirtschaftlichen Nutzen macht;
c) Die Gefahren von undurchsichtigen Finanzprodukten;
d) Die Bildung von Blasen und deren mögliche Folgen für die Börse und die reale Volkswirtschaft;
e) Der grosse Einfluss der Börse auf die Vermögensverteilung. Das Handeln mit Wertpapieren ist von Steuern weitgehend befreit (keine Mehrwertsteuer, keine Kapitalgewinnsteuern, keine Finanztransaktionssteuern); die Tiefzinspolitik treibt die Aktienkurse in die Höhe, während Sparer und Obligationenbesitzende (auch Pensionskassen!) keine Zinsen mehr erhalten.
f) Die vielen Möglichkeiten für Unternehmen, ihre Bilanzen und Gewinne besser oder schlechter darzustellen (z.B. 6 Mrd CHF wertloser «Goodwill» in der Bilanz der CS; zu hohe oder zu niedrige Rückstellungen; Gewinnverschiebungen in Steueroasen dank willkürlicher interner Verrechnungspreise und Lizenzgebühren, etc.). Die gesetzlichen Vorgaben lassen allen Unternehmen einen grossen Spielraum. Deshalb sind insbesondere Vierteljahresabschlüsse in der Regel irrelevant, um sich eine eigene Meinung zu bilden.
SRF argumentiert gegenüber dem Ombudsmann, das Informieren über diese genannten Aspekte des Börsengeschehens sei in einer 2-minütigen Sendung nicht möglich. Daraus muss man den Schluss ziehen: 2-minütige Informationssendungen über das Börsengeschehen können die Auflagen der Sachgerechtigkeit und des Vielfaltsgebots nicht einhalten und müssen deshalb abgesetzt werden. Andere Sendungen kompensieren die Einseitigkeit von «SRF Börse» über die Themen Börse, Börsenentwicklung und Abschlüsse von Unternehmen nicht.
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- Hier können Sie die Beschwerde unterschreiben. Es erscheint ein PDF zum Downloaden, dann ausdrucken, unterschreiben und an Infosperber schicken.
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Warum der Ombudsmann unsere Beanstandung abgelehnt hat
Der SRG-Ombudsmann hat eine Beanstandung von Infosperber im Wesentlichen mit folgenden zwei Argumenten abgelehnt (vollständiger Text hier):
- Das Sendekonzept sei bekannt. Das Schweizer Fernsehen habe die einseitige Auswahl der Gesprächspartner «im Internet transparent und vollständig» wie folgt bekannt gemacht: «...SRF Börse holt die Meinung von Konzernchefs und anderen wichtigen Entscheidungsträgern der Wirtschaft ein.»
Die tägliche Sendung «SRF Börse» ist also per definitionem ein Sprachrohr von Konzernchefs und Entscheidungsträgern der Wirtschaft. Eine solche Sendevorgabe verstösst unserer Meinung nach gegen das Gebot der Sachlichkeit und gegen das Gebot, die Vielfalt der Meinungen angemessen wiederzugeben. SRF kann eine Konzessionsverletzung nicht damit rechtfertigen, dass die Einseitigkeit im Internet bekannt gegeben wurde. Man stelle sich vor, der Kassensturz würde bekannt machen, dass in dieser Sendung nur die Meinungen von betroffenen Konsumentinnen und Konsumenten sowie von Konsumentenorganisationen eingeholt werden.
- Das restliche SRF-Programm schaffe einen Ausgleich. Laut früheren UBI-Entscheiden ist ein «bewusst einseitiger Charakter einer Sendung für sich dann nicht konzessionsverletzend, wenn der angemessenen Darstellung der Vielfalt der Meinungen in der Gesamtheit des Programms Genüge getan wird». Dies sei der Fall, argumentiert der Ombudsmann: «In andern Sendegefässen von SRF werden regelmässig die von Ihnen geforderten kritischen Informationen über das Wirtschafts- und Börsengeschehen übermittelt.»
Den inhaltlichen Beweis dafür bleibt der Ombudsmann allerdings schuldig. Tatsächlich ist nur ein einziges aller Themen, welche die zehn analysierten Sendungen «SRF Börse» behandelten, in der Tagesschau vertieft behandelt worden. In den meisten Fällen ist die redaktionelle Nähe von «SRF Börse» zur Tagesschau eher kontraproduktiv, was die Vielfalt der Sichtweisen und Meinungen angeht: Häufig reicht die Tagesschau den gleichen CEOs oder «Chefökonomen» von Banken und Unternehmen das Mikrofon wie kurz zuvor «SRF Börse», wohl aus arbeitsökonomischen Gründen. Das verstärkt die Einseitigkeit der wiedergegebenen Sichtweisen und Meinungen anstatt die Vielfalt zur Darstellung zu bringen.
Tatsachen von Meinungen nicht klar getrennt
Die Zuschauenden von «SRF Börse» können sich zusätzlich auch deshalb keine eigene Meinung bilden, weil umstrittene Aussagen nicht immer als solche erkenntlich sind und Meinungen nicht deutlich von Tatsachen-Darstellungen zu unterscheiden sind. Wir beschränken uns hier auf das Beispiel der Sendung «SRF Börse» vom 12.10.2015.
Diese Sendung informierte über steigende Aktienkurse von Rohstoffunternehmen wie demjenigen des Konzerns TransOcean. Auf die selbst gestellte Frage, warum die Kurse so stark stiegen, antwortete Moderatorin Patrizia Laeri gleich selber:
«Stillstand ist der Grund für den Aktienboom. Nicht nur Ölfelder in der Arktis liegen auf Eis. Die globalen Förderer drehen Projekten und Investitionen massiv den Hahn zu. Die Ölindustrie müsste jährlich rund 300 Milliarden Dollar investieren, um die Produktion in etwa zu halten. Genau das tut sie aber nicht. Im Gegenteil: Die Investitionen sind in einem historisch noch nie dagewesenem Masse eingebrochen. Ergo wird das Angebot knapper und das Erdöl sich wieder verteuern. Die Opec prophezeit just ebenfalls höhere Ölpreise. Der Tiefpunkt sei vorbei. Und auch professionelle Anleger investieren anscheinend wieder in grossem Stil in den lange verschmähten Energiesektor.»
«Stillstand ist der Grund für den Aktienboom» ist die Meinung der Moderatorin, wird von den Zuschauenden aber als Tatsachen-Darstellung wahrgenommen. Ebenfalls die Behauptung, dass die Investoren (wenigstens «anscheinend») «wieder in grossem Stil in den Energiesektor investieren».
Die Zuschauenden wurden dazu angeregt, Aktien des Erdölsektors zu kaufen. Einen andern Informationsgehalt hatte der Beitrag über den Energiesektor und TransOcean nicht.
Doch der Börsenkurs wird von vielen andern Faktoren beeinflusst. Die behaupteten und fälschlicherweise als Tatsachen hingestellten «Kausalitäten» sind eben tatsächlich nicht vorhanden: Bis zum Stichtag vom 21. Dezember 2015 hat die Ölindustrie keine 300 Milliarden investiert. Trotzdem ist das Angebot nicht knapper geworden und das Öl nicht teurer. Die Aktienkurse der TransOcean sind nicht gestiegen, sondern stark gefallen. Falls Zuschauende aufgrund der falschen Tatsachen-Darstellungen, die nicht als blosse Meinungsäusserung erkennbar waren, in den Energiesektor investierten, haben sie grosse Verluste eingefahren. Obwohl sich die von «SRF Börse» angeführten «Tatsachen» und angeblichen Kausalitäten seit dem 12. Oktober nicht verändert haben, fiel der Ölpreis bis zum 21. Dezember um 18 Prozent von 52'000 Dollar (Brent) auf 36'500 Dollar:
In der gleichen kurzen Periode fiel der Preis der TransOcean-Aktie um 20 Prozent (Swiss Exchange):
Beschwerde an die UBI unterschreiben
- Hier können Sie die Beschwerde wegen Konzessionsverletzung der Sendungen «SRF Börse» mit der vollständigen und detaillierten Begründung konsultieren oder herunterladen.
- HIER können Sie das Unterschriftenblatt der Popularbeschwerde herunterladen, unterschreiben und uns per A-Post zustellen (muss bis 16. Januar bei uns eintreffen).
- Hier können Sie für das Beschwerdeverfahren eine Spende einzahlen: Vermerk «Beschwerde».
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Die Redaktionsleitung Infosperber ist Initiatorin dieser UBI-Beschwerde. Eine Beanstandung hat der SRG-Ombudsmann am 21. Dezember 2015 abgewiesen (siehe Infosperber vom 32.12.2015). – Die Redaktion Infosperber hat sich stets für eine starke SRG eingesetzt und zum Beispiel die neue Gebührenordnung unterstützt. Siehe Dossier «Medien: Service public oder Kommerz» sowie Artikel «Tages-Anzeiger-Verleger Petro Supino redet am Wesentlichen vorbei».
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7 Meinungen
Zu den Börsenindizes werden noch der Dollar- und der Eurokurses angegeben - ohne irgendwelchge Erläuterung und ohne Hinweise, ob diese Kurse gestiegen oder gefallen seien, und ohne Angabe, zu welchem Zeitpunkt diese Kurse gültig waren.
Solche Pseudoinformation sind völlig wertlos. Man würde sie besser ganz weglassen.
Im übrigen bleibe ich eher auf den Börsenseiten des Teletext, welche einiges lesbarer geworden sind.
Meine Schlussfolgerung auf diese Kommentare bleibt aber seit Jahren immer dieselbe : informativer Inhalt praktisch null, was heute als wahr und weltbewegend angekündigt wird widerspricht der Aussage von gestern und die Skalierungen der gezeigten Graphiken sind so unterschiedlich, dass Vergleiche in der Regel keine vernünftigen Interpretationen zulassen.
Die Börsenberichte sind das ultimative in Kurzlebigkeit und könnten ebenso gut durch irgendwelche Comics ersetzt werden. Immerhin sind sie für mich etwas wie der Ausdruck in der «instant» Gesellschaft alles immer und sofort zu wissen, selbst, wenn man nichts davon verstehen kann.
Der Manipulationsvorwurf hat zweifellos etwas für sich. Aber auch die Banken drehen ihren Kunden Wertpapiere an, welche sie selbst nicht mehr in ihren Portfeuilles haben wollen. So war es schon immer, und so wird es wohl weiter sein.
Ich halte es nach wie vor mit Mahatir (Malaysia), welcher in einer der vielen internationalen Finanzkrisen ganz einfach die Finanzmärkte für ein paar Wochen geschlossen hatte und das Land von der internationalen Finanzmanipulation weithin bewahren konnte.
Die Märkte scheinen nicht mehr, was sie einst zu sein vorgaben. Aber Roulette scheint weniger attraktiv als die Börse.
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