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Seit 3. August ist der Reggaeton-Hit «Despacito» der Song mit den meisten Likes und seit 4. August mit den meisten Plays auf YouTube. Den Applaus für den Über-Hit heimsen Luis Fonsi und Daddy Yankee ein. Das Geld, welches der Song Minute für Minute einspielt, verteilt sich viel komplexer.
Zunächst gilt es zwischen zwei Einnahmequellen zu unterscheiden. Das eine sind sogenannte Tantiemen aus mechanischen Rechten. Heisst: Von jeder verkauften Kopie der Originalaufnahme eines Stücks kriegen die beteiligten Künstler, Label und Vertrieb ihren prozentualen Anteil. Je nachdem ob diese als Download, als CD oder auf Vinyl gekauft wird, variieren die Beteiligungen untereinander.
Nimmt nun ein amerikanischer Künstler «Despacito» als englischsprachige Version von Grund auf neu auf, stellt diese Aufnahme ein Original für sich dar. Hier verdienen die Originalkünstler beziehungsweise Autoren nicht an der mechanischen Vervielfältigung, sondern an den Verlagsrechten. Und genau diese Verlagsrechte sind ein gefragtes Anlageprodukt bei vermögenden Investoren.
Doch was genau sind Verlagsrechte? Bevor Musik klingt, ist sie eine Komposition, bestehend aus Taktvorgaben, Noten und Text. Als solche ist sie geistiges Eigentum und geniesst Urheberrechtsschutz – in den USA, der EU und der Schweiz bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Erben verstorbener Musikstars leben oft noch Generationen von diesen Einnahmen, beispielsweise die Familie von Marvin Gaye.
Denn jedes Mal, wenn eine Aufnahme einer Komposition abgespielt wird – im Shoppingcenter, im Radio oder als Filmsoundtrack – muss der Center-Betreiber, Radiomacher beziehungsweise Filmproduzent dafür einen Geldbetrag entrichten. In der Schweiz sammelt diese Tantiemen die SUISA ein und verteilt sie in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Verwertungsgesellschaften an die jeweiligen Songwriter weltweit.
Investoren kaufen sich über eine festgelegte Dauer das Recht an diesen Einnahmen oder an einem Teil davon. Ein prominenter Musikrechte-Anleger ist der amerikanische Sportartikelunternehmer David Goldberg. Er hat sich u.a. Anteile an den künftigen Einnahmen von «Elmo’s Song» (Sesamstrasse) und «Narcisstic Cannibal» von Korn gesichert. Sein Portfolio hat ihm in den letzten zwei Jahren nach eigenen Angaben 20 Prozent Rendite gebracht.
Und was haben die Urheber und sonstigen Beteiligten davon? Urheber, die gleichzeitig auch Künstler sind, wie zum Beispiel Luis Fonsi, der «Despacito» nicht nur singt, sondern auch mitgeschrieben hat, kann sich mit solchen Deals kurzfristig Kapital beschaffen, um in die Weiterentwicklung seiner Karriere zu investieren und sich so unabhängiger von Labels und Sponsoren zu machen. Produzenten können mit dem «Vorschuss» ihr Studio ausbauen, Songwriter und Verlage kriegen mehr Planungssicherheit.