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Frauen reagieren eher auf Kindchenschema
Auf das „Kindchen-Schema“ mit grossen Kulleraugen, rundem Kopf, hoher Stirn, kleiner Nase und kleinem Mund reagieren Menschen über alle Kulturen und Altersklassen hinweg. Kinder, die stärker dem Kindchenschema entsprechen, werden durch den Schlüsselreiz als niedlicher wahrgenommen. Bei Frauen ist dies jedoch noch entscheidender für ihre Fürsorge-Instinkte als bei Männern.
Die deutsche Verhaltensbiologin Melanie Glocker von der Universität Münster konnte dies in einer soeben veröffentlichten Studie zu den geschlechterspezifischen Unterschieden in der Niedlichkeitswahrnehmung und der Fürsorgemotivation zeigen. Mithilfe von so genannten anthropometrischen Methoden vermass sie zunächst die Kindchenschemamerkmale in 40 Portraits von Kindern im Alter von sieben bis 13 Monaten. Dazu bestimmte sie zum Beispiel das Verhältnis der Augenweite zur Gesichtsweite oder der Nasenlänge zur Kopflänge. "Auf diese Weise wurde das Kindchenschema objektiv quantifiziert", sagt die Doktorandin. Anhand dieser Messungen konnte sie über- und unterdurchschnittliche Abweichungen im Kindchenschemagehalt berechnen.
Danach veränderte sie Fotos von 17 Baby-Gesichtern durch digitale Bildbearbeitung und schuf damit eine Abstufung von hohen bis niedrigen Kindchen-Schema-Werten. Testpersonen mussten sich dazu äussern, ob das Bild bei ihnen Impulse weckt, sich um das Kind zu kümmern.
Sowohl weibliche als auch männliche Versuchspersonen fanden die Gesichter mit hohen Kindchenschemawerten niedlicher als die Gesichter mit durchschnittlichen und niedrigen Kindchenschemawerten. „Frauen sind jedoch noch eher bereit, sich um die „süssen“ Kinder zu kümmern als um die „durchschnittlichen“.“ Bei Männern ändere sich das Verhalten nicht.
Quelle: Glocker ML et al.: Ethology 115: 257-263, 2009.
Stand: 03/09, BH