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Dass die Bildungsdirektion des Kantons Zürich den Zugang von Schülern zu den internationalen (nicht deutschsprachigen) Schulen erschweren will, löst unter vielen Eltern Konsternation und Verwirrung aus.
Die für die Bildung zuständige Regierungsrätin und Sozialdemokratin Regine Aeppli beabsichtigt, ab nächstem Sommer den Zugang zu den internationalen Schulen im Kanton Zürich zu erschweren.
Diese Absicht bildet ein weiteres Kapitel in der seit Jahren laufenden Debatte zur Bewahrung der eigenen Sprache und Kultur, angesichts des stetig zunehmenden Stroms ausländischer Arbeitnehmender.
Mit dieser Absicht wird der Entscheid aus dem Jahr 1998 rückgängig gemacht, als die Bildungsdirektion entschieden hatte, es stehe jedermann frei, ohne weitere Begründung eine internationale Schule zu besuchen.
Zu grosser Erfolg?
Etliche Eltern mit ständigem Wohnsitz im Kanton nahmen seither die Chance wahr und entschieden sich, ihren Kindern eine internationale Schulbildung zu ermöglichen. Einige dachten, es sei vorteilhaft für die Kinder, in einem angelsächsisch geprägten Ambiente auf Englisch eingeschult zu werden.
Andere Eltern, die für multinationale Unternehmen arbeiten und damit rechneten, früher oder später in ein nicht-deutschsprachiges Land zu ziehen, wollten ihren Kindern den Übertritt in eine dortige Schule erleichtern.
Der kantonalen Bildungsbehörde ist jedoch seither aufgefallen, dass sich immer mehr Eltern, die ständig in Zürich wohnhaft sind, für eine internationale Schulen entschieden. So wurde 2005 ein Zusatz zum kantonalen Bildungsgesetz eingeführt, der die Möglichkeit einer Limitierung der Zulassung zu nicht deutschsprachigen, internationalen Schulen vorsieht.
Nach jahrelangen Debatten soll diese Limitierung nun ab 2013 fixiert werden.
Interkantonales Seldwyla
Ab dem kommenden Schuljahr müssen Eltern nun glaubhaft nachweisen, dass sie entweder bald ins Ausland entsandt werden oder dass ihre Kinder eine nicht auf Deutsch begonnene Schullaufbahn weiterverfolgen, bevor sie für die internationalen Schulen zugelassen werden.
Zwar gilt diese Neuregelung nicht für Kinder, die bereits internationale Schulen besuchen. Dennoch: "Die internationalen Schulen der Region Zürich wenden sich vehement gegen diese Absicht der Behörde", schrieb Peter Mott, Direktor der Zurich International School (ZIS), in einem Brief an die besorgten Eltern.
"Eine der absurderen Folgen dieser Absicht ist, dass sich Schüler aus einem Nachbarkanton von Zürich weiterhin in eine internationale Schule im Kanton Zürich einschreiben dürfen, auch wenn sie ständig wohnhaft sind und keine Absichten haben, die Schweiz zu verlassen. Dasselbe dürfen im Kanton Zürich Wohnhafte nicht."
Grauzone für gemischte Elternpaare
Die unklare neue Regelung könnte sich vor allem negativ auf jene Familien auswirken, die sich in einer Grauzone befinden: Zum Beispiel dort, wo ein Elternteil Schweizer ist und der andere Ausländer, oder für den Fall, dass Kinder Doppelbürger-Status haben.
"Sehr viele unserer Kinder, die Doppelbürger sind, sprechen gar kein Deutsch", sagt Rhonda Mott-Hill, Präsidentin der Swiss Group of International Schools (SGIS) und Direktorin der Internationalen Schule Zürich, gegenüber swissinfo.ch . "Für sie würde es schwierig sein, sich in eine lokale Schulklasse zu integrieren."
Das könnte dann dazu führen, dass "einige Eltern in einen Nachbarkanton umziehen werden, um ihre Kinder weiterhin in eine internationale Schule in Zürich schicken zu können", so Mott-Hill.
Anreiz für ausländische Arbeitskräfte
Bildungsdirektorin Regine Aeppli erklärte in den Medien, an einigen internationale Schulen in Zürich sei rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler einheimisch. Die Schulen halten dagegen, diese Zahl enthalte Familien, in denen nur ein Elternteil Schweizerin oder Schweizer sei.
Laut Mott-Hill sind an der Internationalen Schule Winterthur lediglich 16 von 180 Schülerinnen und Schülern voll Schweizer. Die Internationale Schule Zürich sagt, nur eine einstellige Prozentzahl der Schülerschaft könnte als "rein schweizerisch" bezeichnet werden. Bei einer tiefen zweistelligen Prozentzahl handle es sich um Kinder von Eltern mit Doppelbürgerstatus.
Es ist klar, dass internationale Schulen in Schweizer Kantonen ein Anreiz für ausländische Arbeitskräfte sind. Viele Kantone werben bei ausländischen Unternehmen darum, dass diese ihren Hauptsitz in die Schweiz verlegen. Und die Schweizer Wirtschaft betont immer wieder, wie wichtig gut qualifizierte ausländische Arbeitskräfte für wichtige Jobs sind.
Verunsicherung bei Schweizern
Die Welle von ausländischen Arbeitskräften hat den Ausländeranteil an der Bevölkerung in der Schweiz erhöht. Dies hat zu Verunsicherung unter Schweizerinnen und Schweizern geführt, die um ihre Traditionen, ihre Identität, ihre Landessprachen bangen.
Die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) führte für die Parlamentswahlen vom letzten Wochenende eine Kampagne gegen die "Masseneinwanderung". In einem Wahlinserat warnte die SVP davor, dass Schweizer Kinder in den Schulklassen eine Minderheit werden könnten. Früher in diesem Jahr lehnte das Stimmvolk des Kantons Zürich eine Vorlage ab, wonach im Kindergarten Schweizerdeutsch durch Hochdeutsch ersetzt werden sollte.
Nur in Zürich
Es ist kaum anzunehmen, dass die Zugangserschwerung zu internationalen Schulen für Schweizer Kinder auch in anderen Kantonen verwirklicht wird. Anders als in Zürich unterstützten die Behörden in Zug ihre internationale Schule mit Direktzahlungen an die Bücher jedes einzelnen Schülers.
Internationale Schulen in Genf und im Kanton Waadt versprüren nicht denselben Druck wie jene in Zürich. "Bisher gab es bei uns keine ähnliche Debatte, wie wir sie in Zürich sehen", sagt Michaelene Stack von der Internationalen Schule Genf. "Aber wir sind uns dessen bewusst, was in Zürich passiert, und werden diesen Prozess weiterhin verfolgen."
Internationale Schulen in der Schweiz
In der Schweiz sind 40 Institute im Schweizer Dachverband der Internationalen Schulen organisiert (Swiss Group of International Schools SGIS).
In den letzten Jahren hat die wachsende Zahl ausländischer Arbeitnehmer und ihrer Familien in der Schweiz Druck auf diese Schulen ausgeübt, mehr Plätze für Kinder der Expat-Gemeinde in der Schweiz anzubieten.
Die Internationale Schule Zürich (Zurich International School) hat heute fünf Gebäude und einige davon wegen der erhöhten Nachfrage ausgebaut. Die Schule hat über 1400 Schülerinnen und Schüler, mehr als doppelt so viele wie vor fünf Jahren.
Insgesamt gibt es im Kanton Zürich insgesamt rund 3400 Schülerinnen und Schüler. Das entspricht ungefähr 1,9% der gesamten Schülerschaft im Kanton Zürich. 2001 waren es noch 0,9%.
Die Internationale Schule Genf hat seit 2006 1300 neue Plätze geschaffen für heute 4300 Schülerinnen und Schüler.
Auch die Internationalen Schulen in Winterthur, Schaffhausen , Aargau, Zug, St. Gallen und Freiburg haben in den letzten Jahren infolge der wachsenden Nachfrage expandiert.Infobox Ende
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle und Jean-Michel Berthoud)), swissinfo.ch