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Online-Ausstellung
4'000 Kriegswaisen finden eine neue Familie
Der Krieg in Ex-Jugoslawien machte in Bosnien-Herzegowina und der Serbischen Republik viertausend Kinder zu Vollwaisen. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA wollte den bosnischen Staat bei der Bereitstellung von Lebensräumen für diese Kinder unterstützen und beauftragte 1998 Rolf Widmer mit der Konzeptentwicklung.
Die Abklärung vor Ort ergab, dass unklar war, wo sich die Waisen aufhielten und dass qualifiziertes Heimpersonal fehlte. Rolf Widmer empfahl, auf den Bau von Heimen zu verzichten. Zuerst sollte ein interdisziplinäres Team von bosnischen Fachleuten die Situation der 4000 Kinder abklären. Dafür reiste Rolf Widmer jedes dritte Wochenende nach Bosnien, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen (in Zürich leitete er wochentags die Asyl-Organisation, heute AOZ).
Die individuellen Abklärungen ergaben, dass rund neunzig Prozent der Kinder in der Verwandtschaft ein neues Zuhause fanden, aber gegen 400 Kinder und Jugendliche ausserfamiliäre Betreuung benötigten. Hier kam das Modell der Sozialpädagogischen Grossfamilien des Ostschweizer Vereins tipiti zum Zug. Es wurde in einem partizipativen Prozess auf die bosnischen Verhältnisse adaptiert. Das intensive Lobbying bei lokalen Regierungsinstanzen, die finanzielle Unterstützung durch die DEZA und die fachliche Begleitung durch tipiti führten zum Erfolg.
Statt dass Heime gebaut wurden, fanden 300 Kinder bei Paaren mit eigenen Kindern ein neues Zuhause, 45 Jugendliche ab 15 Jahren fanden Betreuung und Förderung in einem Internat. Zwanzig Sozialarbeiter wurden zu Kinderbeauftragten ausgebildet. Tipiti stellte mit ihnen die Ausbildung und Begleitung der Pflegeeltern auf die Beine. In zwölf Gemeinden der Region Una Sana und der Serbischen Republik wurden durch die DEZA je zwei Familienhäuser gebaut. In jedem Haus nahm eine Familie vier bis sechs Pflegekinder auf, betreute sie im Familienalltag und sicherte sich und den Kindern dadurch eine wirtschaftliche Basis.
In jeder Gemeinde wurden Begegnungsräume für alle Kinder der Region aufgebaut. Ab 2008 initiierte tipiti eine Selbsthilfegruppe und einen Fonds zur beruflichen und sozialen Eingliederung.
Fotografien © Urs Rennhard