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Unter Dekoration versteht man die Verzierung keramischer Erzeugnisse durch weiße und farbige Glasuren, durch Aufglasur-, Inglasur- und Unterglasurfarben mit Hilfe zum Teil mechanischer Dekorverfahren, u. a. durch Lüsterglasuren, Engobe, Schlickermalerei und letztlich auch durch eine plastische Gestaltung (Relief).
Geschichte und Aufgaben
Schon in frühester Zeit begannen die Menschen, ihre Tongefäße zu verzieren, durch Einritzen und Eindrücken erst einfacher, dann komplizierterer Muster aus Strichen und Linien. Man lernte auch, die natürlichen Erdfarben zu gebrauchen.
Mit der Erfindung der Töpferscheibe wurden weitere Möglichkeiten der exakteren Formgebung erschlossen. Schnaupe und Henkel entwickelten sich. Neue Techniken wurden erfunden, alte weiterentwickelt. Man begriff, dass Dekor und Form eine Einheit bilden müssen.
In der Blütezeit der assyrisch-babylonischen und der ägyptischen Herrscher lernte man, farbige Glasuren einzusetzen. Die Glasurkunst erreichte weitere Höhepunkte bei den Persern, den Mauren und auch bei den Chinesen. Heute stellt die Glasur noch immer ein wichtiges Dekorelement dar. Schließlich lernte man auch schon zeitig, die Flächen durch hervortretende Verzierungen zu beleben. Diese Art ist unter dem Begriff Relief bekanntgeworden und es ergibt sich so eine reizvolle Licht-Schatten-Wirkung. Vielfach werden die Reliefs noch durch Farbe oder Edelmetalle hervorgehoben.
Mit der Anwendung der Farbe entwickelte sich eine Vielzahl von Dekorationsmöglichkeiten. Waren es am Anfang die Erdfarben, so sind es einige Jahrhunderte vor Christus bereits die Schmelzfarben Schwarz, Weiß und Gelb in Babylonien und seit dem 9. Jahrhundert nach Christi Auferstehung gibt es Schmelzfarben auch in islamistisch geprägten Ländern. Hier war auch der Lüster bereits bekannt.
Die Chinesen kannten ab Anfang des 14. Jahrhunderts die Anwendung der Kobaltunterglasurmalerei. Da sie das Kobaltblau aus dem vorderen Orient bezogen, nannten sie es Mohammedanerblau. Im 15. Jahrhundert entstehen in China die ersten Malereien mit Aufglasurfarben, es waren aber nur wenige Farben, die zur Verfügung standen.
In Meißen gab es vor 1720 nur Eisenrot und ein Schwarzlot, das durch Braunsteinzusatz zu einem Bleifluss hergestellt wurde. Neben Goldauflagen soll auch ein von Böttger erfundener Purpurlüster erwähnt werden. Ansonsten aber war zuerst die „Kaltmalerei" (nicht eingebrannte Lackfarben) vorherrschend. Man lernte aber, den Dekorbrand mehr und mehr zu beherrschen.
Die Lösung seiner malerischen Probleme verdankte man in Meißen in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung besonders Johann Gregorius Höroldt, einem Mann mit beachtlichen Kenntnissen und Erfahrungen in der Farbchemie und in der Herstellung der Farben. Bereits 1731 legte er eine große Zahl von Farbrezepturen vor. Mit einer Art Bleifluss wurden entsprechende Farboxide gemischt. Es gab zu dieser Zeit auch das sogenannte Nepalgelb, den Goldpurpur, den Purpurlüster und die Anwendung von Kobaltverbindungen. Die Farben insgesamt erreichten zwar noch nicht die heutige Brillanz, aber das lag letztlich an den noch unreinen Chemikalien.
Dekorationsmittel
Die Dekoration feinkeramischer Erzeugnisse erfolgte in der Hauptsache mit keramischen Farben und Edelmetallpräparaten. Lüster werden nur in geringem Umfange, Farb- und Effektglasuren sowie Engoben im Wesentlichen nur bei Steingut und VC sowie bei Ziersteingut angewandt.
Zur Verarbeitung der keramischen Farben und Edelmetallpräparate nach den verschiedenen Dekorationsverfahren werden zahlreiche Dekorationshilfsmittel - Öle, Lacke und andere Medien - benötigt, die beim Einbrennen der Dekoration verdampfen bzw. verbrennen.
Keramische Farben
Keramische Farben sind anorganische Farben zur dauerhaften farbigen Dekoration feinkeramischer Erzeugnisse. Man unterscheidet, entsprechend den möglichen Dekorationsarten, Aufglasurfarben (Dekorbrand bei 800 bis 850°C), Inglasurfarben (Dekorbrand bei 1.200 bis 1.280°C) und Unterglasurfarben (Einbrand im Glattbrand bei 1.400°C).
Aufglasur- und Inglasurfarben bestehen aus Flüssen (Bleiborsilikate mit verschiedenen Zusätzen) und Farbkörpern (Metalloxide bzw. Verbindungen von Metalloxiden, ferner Kadmiumsulfide, -sulfoselenide und –selenide sowie goldhaltige Purpure). Als Unterglasurfarben können hochtemperaturbeständige Metalloxide allein verwendet werden.
Bei Aufglasurfarben unterscheidet man nach dem Grad ihrer Resistenz gegenüber Säuren und der Höhe der Schadstoffabgabe nichtresistente, mittelresistente und hochresistente Farben. Inglasur- und Unterglasurfarben sind praktisch vollständig resistent und geben keine Schadstoffe ab. Die Palette der Aufglasurfarben umfasst die gesamte Farbskala, die Reichhaltigkeit der Farbpaletten nimmt dann mit steigender Einbrenntemperatur ab.
Man unterscheidet entsprechend den möglichen Dekorationsarten:
Aufglasurfarben
Bei der Aufglasurdekoration werden die Farben nach einer der üblichen Dekorationstechniken auf dem den glasierten, glattgebrannten Scherben aufgebracht und bei einer solchen Temperatur oxydierend gebrannt, dass sie auf der Glasur aufschmelzen, ohne in die Glasur einzuschmelzen (im. allg. 800 bis 850°C). Die Palette der Aufglasurfarben, früher auch als Schmelzfarben bezeichnet, umfasst die gesamte Farbskala und es lassen sich durch Mischungen alle gewünschten Farbtöne darstellen.
Die Aufglasurfarben bestehen im allgemeinen aus einem sogenannten Fluss (oder einem Flussgemisch) und dem eigentlichen Farbkörper. Fluss und Farbkörper sind in den meisten Fällen nur feinst vermischt, manchmal aber auch gesintert, gefrittet oder geschmolzen. Mitunter werden auch gefärbte Flüsse als Aufglasurfarben verwendet.
Der Fluss dient dazu, den Farbkörper auf der Glasur zu befestigen und der Farbe Glanz, Härte und Widerstandsfähigkeit gegen mechanische und chemische Einflüsse zu geben.
Inglasurfarben
Die Inglasurdekoration nimmt eine Art Mittelstellung zwischen Aufglasur- und Unterglasurdekoration ein. Die Farben werden wie bei der Aufglasurdekoration nach einer der üblichen Dekorationstechniken auf den glasierten glattgebrannten Scherben aufgebracht, jedoch bei einer solchen Temperatur oxydieren gebrannt, dass sie in die erweichende Glasur einschmelzen (im allg. 1.200 bis 1.280°C).
Unterglasurfarben
Bei der Unterglasurdekoration werden die Farben direkt auf den verglühten Scherben gebracht, mit der rohen Glasur überzogen und im Glattbrand bei etwa 1.400°C (Porzellan) mit eingebrannt. Manchmal werden die Farben auch auf die ungebrannte Glasur aufgetragen. Ein spezieller Dekorbrand erübrigt sich so.
Als Unterglasurfarben können theoretisch die reinen Farbkörper verwendet werden. Man setzt ihnen jedoch im allgemeinen bis zu 20% Glasur oder Mischungen von Feldspat, Kaolin, Quarz und Kalkspat zu, um die Farbkörper beim Brand auf dem Scherben zu fixieren (Feuerkitt).
Infolge der hohen Einbrenntemperatur und der chemischen Beanspruchung durch reduzierende Ofenatmosphäre und schmelzende Glasur eignen sich nur wenige Farbkörper für die Unterglasurdekoration. Es sind im wesentlichen die Oxide des Kobalts und Chroms sowie gewisse Verbindungen des Eisens, Mangans, Nickels, Urans, Titans, Vanadiums, Zirkoniums und einiger seltener Erden, wobei auch hier bei den traditionellen Oxiden die Spinellstruktur angestrebt wird. Dadurch ist die Palette der Unterglasurfarben sehr eingeschränkt; eine Reihe von Farbtönen fehlt völlig.