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Der Windatlas 2016 ist auf der Website des BFE verschwunden. Anfang Februar hat das Bundesamt für Energie (BFE) den Windatlas 2019 publiziert und dazu behauptet, dass „gegenüber der Ausgabe von 2016 der Windatlas 2019 in den meisten Regionen leicht tiefere Windgeschwindigkeiten“ zeige. Ein Dokument von „energieSchweiz“ zum gleichen Thema offenbart aber die ganze Brisanz des neuen Windatlas. Die Wind-Werte im verschwundenen Vorgänger waren absichtlich hoch, um die Abstimmung über das neue Energiegesetz am 21. Mai 2017 zu gewinnen.
Die Medienmitteilung des BFE vom 7. Februar 2019 klingt so, als handle es sich um nur geringfügige Unterschiede, die sich gleichmässig über das ganze Land verteilen. Konsultiert man aber den am 28. November 2018 von „energieSchweiz“ herausgegebenen Bericht zur Aktualisierung des Wind-Atlas von 2016 („Windpotentialanalyse für Windatlas.ch – Jahresmittelwerte der modellierten Windgeschwindigkeit und Windrichtung“), so ergibt sich ein anderes Bild.
In den meisten Regionen ist die Windgeschwindigkeit 0.5 m/s geringer als im Windatlas 2016 ausgewiesen. In den mit Windenergie-Projekten reich bestückten Kantonen TG und VD liegen die Windgeschwindigkeiten aber sehr „deutlich tiefer“ (Zitat), ebenso im Süden des Kantons SG, im Norden des Kantons GR sowie im Misox, im westlichen Wallis und in Teilen des Kantons NE (S. 24).
„Es war bekannt, dass die Werte vom Windatlas 2016 in diesen Regionen zu hoch ausfielen. (…) Die zu hohen Windgeschwindigkeiten des Windatlas 2016 wurden in der Aktualisierung nach unten korrigiert. Aus Gründen des Datenschutzes wird keine Differenzenkarte gezeigt.“ (Zitate aus dem im Auftrag des BFE veröffentlichen Bericht von energieSchweiz.)
Der Datenschutz wird nun vorgehalten, um das Verschwinden des Windatlas 2016 zu rechtfertigen. Damit soll der Bevölkerung vorenthalten werden, dass die Werte im Windatlas 2016 absichtlich hoch waren, um das Potential der Windenergie in der Schweiz massiv zu übertreiben.
Unterschiede von 0.5 m/s oder etwas mehr mögen klein erscheinen. Für die Nutzung der Windenergie sind sie jedoch von grosser Bedeutung: Die Stromproduktion einer Windturbine nimmt bei der Abnahme der Windgeschwindigkeit mit der dritten Potenz ab. Rechnete man bisher bei einem Projekt mit Jahresmittelwerten von 5.5 bis 6.0 m/s und einer Produktion von 166 bis 216 GWh, so sind bei neu 5.0 bis 5.5 m/s nur noch 125 bis 166 GWh zu erwarten, d. h. die Produktion reduziert sich um 25%. Es gibt sogar Projekte, die mit einer Reduktion von 50% konfrontiert sind.
Der neue Windatlas 2019 enthält immer noch sehr hohe Unsicherheiten. Im Jura und den Voralpen liegt die Abweichung bei +/- 0.5m/s, im Mittelland bei 0.7m/s, im Alpenraum sogar bei 1.3m/s.
Wenn vermeintlich kleine – und vom BFE kleingeredete – Unterschiede so grosse Wirkung haben, drängen sich einige Fragen auf:
– Wie ist das Auf und Ab der Windgeschwindigkeiten von 2004 bis 2019 zu erklären?
– Warum ist der Windatlas 2016 aus dem Internet verschwunden, was Vergleiche mit dem Windatlas 2019 verunmöglicht?
– Warum wurde „vereinbart, die Standorte der verwendeten Windstatistiken geheimzuhalten“ (Zitat, S. 14)?
– Warum darf die Bevölkerung der Schweiz nicht wissen, wo es welche Unterschiede gibt?
Wer immer als Steuerzahler, als Stromkonsument oder gar als Anwohner eines Windparkprojekts von den Folgen unterschiedlicher Windmessungen betroffen ist, hat gemäss Öffentlichkeitsprinzip ein Anrecht auf die Offenlegung der Daten.