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Mit L’Assassinat du Duc de Guise begann 1908 eine Entwicklung, die für das Kino der 1910er-Jahre prägend werden sollte: Die einstige Jahrmarkt-Attraktion Film erkämpfte sich eine kulturelle Reputation. Die Produktionsgesellschaft mit dem programmatischen Namen «Le Film d’Art» engagierte für diesen Film als Drehbuchautor ein Mitglied der Académie Française, Henri Lavedan, und verpflichtete ein Mitglied der Comédie Française, Charles LeBargy, für die Titelrolle und als Co-Regisseur (mit André Calmettes). Die weiteren Hauptrollen besetzte sie ebenfalls mit Mimen aus dem Hause Molières, sie liess sich historisch exakte Dekors bauen und gab bei einem renommierten Komponisten, Camille Saint-Saëns, eine Originalpartitur zur Begleitung des Films in Auftrag.„Das erste Jahrhundert des Films: Die 1910er-Jahre“ weiterlesen
Man nennt sie gern die «Kinderjahre» der Kinematographie, die anderthalb Jahrzehnte nach der ersten Filmprojektion im März 1895. Damit ist gemeint: Der Film hatte noch viel zu lernen. Und schliesst auch den «Jööö-Effekt» ein, den erste ungelenke Gehversuche auslösen. Es spricht daraus die «Erwachsenen»-Perspektive, die zu wissen glaubt, wo das hinführt.
Auf die frühen Filme bezogen, ist diese Betrachtungsweise so zutreffend wie einseitig. Natürlich haben sich die Filmtechnik und ihr Einsatz zu künstlerischer Gestaltung erst nach und nach entwickelt. Die rückblickende, teleologische Optik bedarf aber der Ergänzung in der Gegenrichtung. Es ist durchaus spannend, gewissermassen ergebnisoffen zuzuschauen, wie sich das «Kind» Film in wenigen Jahren ungeahnte Fähigkeiten zulegte. Und man sollte dabei nicht jene vielversprechenden Anlagen übersehen, die später verkümmerten.„Das erste Jahrhundert des Films: Die 1900er-Jahre“ weiterlesen