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Dieser eigentümliche Roman wurde von einer Autorin (oder ev. auch einem Autor) mit dem Pseudonym Uhoura geschrieben und 1973 in einem obskuren Verlag namens «Editions de l'éspace» wahrscheinlich in Port-Louis veröffentlicht. Aus diesem Verlag sind keine weiteren Titel bekannt – gut möglich also, dass es sich um eine Art Selbstverlag handelt. Uhoura ist in der Fernsehserie «Star Trek» die Funk-Offizierin des Raumschiffs «Enterprise».
«Les Amazones de la voie lactée» erzählte die Geschichte von kriegerischen Frauen, die ein Raumschiff mit dem seltsamen Namen «Mauvaise carotte» durch allerlei Weltraumabenteuer steuern. Sie begegnen eigentümlichen Wesen wie den Alexandrinern, die 12 Augen haben und nur in Versform sprechen können – was einige Missverständnisse provoziert und schliesslich in ein Gemetzel mündet. Bei dieser Gelegenheit wird Abdomina, die Kapitänin des Schiffes schwer verwundet. Um sie retten zu können, fahren die Amazonen zum Planeten Sumasi, wo ein seniler Drache haust, dessen Schleim allein die Anführerin heilen kann. Der Name des Planeten ist wahrscheinlich kein Zufall: 1972 war Hector Sumas Präsident von Santa Lemusa (siehe Geschichte) – und wurde von Uhoura offenbar nicht sehr geschätzt. Auf dem Planeten verliebt sich Trapeza, die Tochter von Abdomina unsterblich in einen Pilz, der ganz spezielle Pheromone absondern kann – und so mit der jungen Frau kommuniziert. Kaum ist Abdomina wieder bei Kräften, köpft sie den Pilz – worauf ihre Tochter in ihrer traurigen Verzweiflung das Raumschiff entführt. Abdomina muss sich Orgas hingeben, einer Art Weltraumtrapper, der sein Geschlechtsorgan mitten im Gesicht trägt – denn nur er verfügt über ein Raumschiff, mit dem man die «Mauvaise carotte» einholen kann…
So banal viele dieser Abenteuer scheinen mögen, sie sind fast durchgängig mit moralischen Botschaften verknüpft, die offenbar sehr ernst gemeint sind. So auch die Geschichte vom Planeten Brassika, der von primitiven Humanoiden bewohnt wird, die Blumenkohl anbauen – und zwar ausschliesslich zu rituellen Zwecken. Wenn ein Streit zwischen zwei Stämmen ausbricht, dann versammeln sich Repräsentanten beider Gruppen in der Halle des Krieges, wo sie sich gegenseitig die wüstesten Beleidigungen an den Kopf werfen. In einem zweiten Schritt werden auf beiden Seiten ebenso viele Blumenkohl-Köpfe annihiliert, wie es Kontrahenten gibt. Nach Abschluss dieser kulinarischen Katharsis sind die Parteien gehalten, die Art des Sprechens über den jeweiligen Gegner zu verändern. Uhoura beschreibt alle Details dieses Rituals – ein für die siebziger Jahre typischer Versuch, Modelle für unblutige Konfliktlösungen zu entwickeln. Gemüse spielt auch in anderen Teilen des Romans immer wieder eine zentrale Rolle.
Der Roman steuert auf ein Happy End zu, dessen bizarr-erotische Details hier nicht verraten seien. Als Zugabe gibt Uhoura unter dem Titel «Gemüse im Weltall» im Anhang noch ein paar streng vegetarischen Rezepte preis, wie sie an Bord der «Mauvaise carotte» gekocht werden. Einzelne Zutaten, wie zum Beispiel Milch von Blotscher-Läusen, dürften für die meisten Köche allerdings nur schwer aufzutreiben sein – zum Glück schlägt Uhoura in den meisten Fällen Alternativen vor.
Illustrationen gibt es in dem 300 Seiten starken Taschenbuch leider keine. Der Umschlag ist etwas unbeholfen gestaltet. Als Basis diente der Grafikerin eine Zeichnung von Étienne Léopold Trouvelot (1827-1895), einem französischen Astronomen, wissenschaftlichen Illustrator und Entomologen. Bei dem Helm, der das Logo des Verlages darstellt, handelt es sich um die schematische Darstellung eines griechischen Schmuckhelms – seine Bestandteile fliegen seltsamerweise etwas weiter rechts durch die Milchstrasse davon.
First Publication: 26-6-2014
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