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Das Türmlihaus
Erbauung als Schulhaus
Die Schulbildung im 17. Jahrhundert beschränkte sich ausschliesslich auf das für nötig erachtete religiöse Wissen. Unter dem aufklärerischen Einfluss jedoch änderte sich dies zusehends. So unterrichtete der Lehrer Hans Rudolf Baur (1744-1816) im Jahre 1799 neben Lesen, Schreiben und Singen bereits auch etwas Rechnen.
Als Schulstube diente das heutige Türmlihaus. Dessen Bau war vom Kleinen Rat der Stadt Zürich am 31. März 1871 beschlossen worden. Zur Finanzierung wurde das sog. „Schützengut“ beigezogen: im 16. Jahrhundert und sogar schon früher fand zu Wettswil alljährlich ein Schützenfest statt, das auch von Stadtzürchern und Angehörigen der Landvogtei Knonau rege besucht wurde. Mit den Überschüssen dieser Schützenfeste war ein Fonds zum Bau und Unterhalt des seit 1541 nachweisbaren Schützenhauses geäufnet worden. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aber nahm das Interesse am Schiessen ab, und das Geld wurde für die soziale Sicherung der Nachkommen der ehemaligen Schützen reserviert. So verfügte das Schützengut im Jahre 1780 über 1‘275 Pfund. Diese Summe wurde nach Abzug einer Entschädigung, an die Nachkommen der ehemaligen Schützen, zum Gemeindegut geschlagen und teilweise für den Schulhausneubau verwendet. Das Türmlihaus wurde 1784 fertig gestellt und seither mehreren Renovationen unterzogen.
Verkauf und Rückkauf
Nach der Fertigstellung des neuen, bedeutend grösseren Schulhauses, dem heutigen Gemeindehaus, veräusserte die Schulgenossenschaft Wettswil die überflüssig gewordene Immobilie 1885 an den Privatmann Robert Schenkel. Das Türmlihaus mit seinem Geläut wurde weiterhin durch die Gemeinde betrieben. Da zu diesem Zeitpunkt die Gemeinde über keine Kirche verfügte, wurde der Läutdienst jahrzehntelang durch drei Frauen versehen: Ella Hager, Philomena Keiser (bis 1974) und seither durch Irma Landis. Der Läutdienst wurde wie folgt festgelegt: im Sommer um 5 Uhr, im Winter um 6 Uhr, zur Kochenszeit um 11 Uhr, 15 bzw. 16 Uhr zum Feierabend, um halb acht Uhr zur Nachtruhe. Am 4. März 1974 beschoss der Gemeinderat die Anschaffung einer Glockenläutmaschine bei der Turmuhrenfabrik Mäder AG in Andelfingen für 10‘230 Franken. Seither ist das Geläut programmiert. Zu besonderen Anlässen wie 1. August oder Silvester/Neujahr jedoch muss die Glocke immer noch manuell ein- und ausgeschaltet werden. 1974 erhielt die Turmuhr auch einen zusätzlichen Zeiger, der die Minuten anzeigt.
Am 21. September 1962 unterbreitete der Gemeinderat den Stimmberechtigten einen Kredit von 50‘000 Franken zum Rückkauf des Türmlihauses zur Abstimmung. In der Weisung heisst es: zur Zeit lässt der Kanton Projektstudien für den Ausbau unserer Dorfstrasse durchführen. Trotz Ideen gewisser Planer, dieselbe in rigoroser Weise gerade zu ziehen und damit eine „Rennbahn“ zu ermöglichen, ist der Gemeinderat der Ansicht, das „Türmlihaus“ sollte stehen bleiben, weil es zum Dorfbild gehört. Diesem Begehren wurde stattgegeben. Die eingebauten Wohnungen wurden im Laufe der Zeit zurückgebaut. An deren Stellen traten die heutigen Räume, welche den vielseitigen Bedürfnissen der Benützer dienen. Das geschichtsträchtige Haus im Dorfzentrum wird laufend in "Schuss" gehalten. Das Türmlihaus gilt als Wahrzeichen der Gemeinde Wettswil und ziert nicht nur Postkarten. Die Mauern könnten so Einiges erzählen, sind doch die unterschiedlichsten Feste gefeiert worden. Auch inskünftig wird dieses Bijou Austragungsort von Sprachschulen, Weiterbildungen, Partys von Anlässen aller Art sein und den gemeinnützigen Zweck erfüllen.
Standort
Schautafel 2, Türmlihaus, Stationsstrasse 4