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„Sie haben sich erfolgreich abgemeldet.“ Das steht auf dem Bildschirm, nachdem ich den Logout-Button angeklickt habe. Müsste ich annehmen, das Adverb „erfolgreich“ habe hier einen Grund, so gäbe das Sätzchen Rätsel auf. Eine Lösung könnte sein, dass ich im Moment des Abmeldens soeben irgendeinen Erfolg erlangt hatte, dass ich demnach als ein Erfolgreicher mich vom Acker machte. Aber woher sollte die Website von meinem Erfolg wissen? Muss ich mir Sorgen machen, mein Computer wisse zuviel? Probieren wir eine andere Lesart: Meinte das Art-und-Weise-Wort „erfolgreich“, meine Abmeldung sei als starker Abgang über die Bühne gegangen? Ein bisschen zuviel der Ehre für einen simplen Klick!
Das Rätseln hilft nicht weiter. Es ist viel einfacher: „Erfolgreich“ bedeutet nichts. Es ist gleich Null. Die Lücke, wenn man es weglässt, ersetzt es vollkommen. Und das ist nicht etwa versehentlich und nur beim zitierten Satz der Fall, sondern in praktisch jeder Formulierung, in der „erfolgreich“ als Adverb eingesetzt ist.
In der heutigen NZZ lese ich im Lead eines Artikels über den Rechtsstreit zwischen Internetgiganten und der US-Regierung wegen den erzwungenen Datenlieferungen an die Geheimdienste: „Mit diesem Angebot hat Washington Gerichtsklagen der Firmen erfolgreich abgewehrt.“ Das Adverb „erfolgreich“ ist hier genauso überflüssig und nichtssagend wie im eingangs zitierten Sätzchen.
Es gibt wenige Fälle, in denen bei einem Tätigkeitswort die nähere Bestimmung „auf erfolgreiche Art und Weise“ einen Sinn ergibt. Nämlich dann, wenn das Verb über das Ergebnis eines Tuns keine Aussage macht. „Etwas erfolgreich versuchen“ sagt mehr als „etwas versuchen“. Gleiches gilt für anstreben, planen und ähnliche inbezug auf die Folgen des Tuns offene Verben.
Endemisch verbreitet ist das Erfolgs-Adverb aber als unnötiges Sahnehäubchen auf Tätigkeitswörtern, die den Erfolg des Tuns bereits enthalten: erreichen, ankommen, gewinnen, überzeugen, verkaufen, erobern, abwehren – und was der Lieblingsvokabeln der Effizienzapostel mehr sind.
Das Null-Adverb „erfolgreich“ ist eine Beschwörungsformel, eine verbale Bekreuzigung. Je häufiger sie vorkommt, desto grösser müssen die Unsicherheiten und Versagensängste sein, welche sie zu bannen versucht.