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18.06.2021, 11:54 Uhr
Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten haben sich vergangene Woche auf das Ziel einer globalen Steuer auf die Gewinne multinationaler Unternehmen von mindestens 15% geeinigt. Was haben grosse...Artikel lesen
Nassim Taleb, Ray Dalio und Mohamed El-Erian sind Verfechter davon, nur in risikoreiche und risikoarme Anlagen zu investieren. Anlagen mit mittlerem Risikoprofil werden konsequent gemieden. Charles-Henry Monchau von FlowBank erklärt die Vorteile der Langhantel-Strategie für Investoren.
Das Konzept der Langhantel-Anlagestrategie besteht darin, zur Erzielung des besten Risiko-Ertrags-Verhältnisses Anlagen an beiden Enden der Risikoskala in Betracht zu ziehen: Auf der einen Seite diejenigen Vermögenswerte, die das kleinste Risiko aufweisen aber auch nur begrenzte Erträge abwerfen, und auf der anderen Seite diejenigen Anlagen, die über das grösste Gewinnpotenzial verfügen, gleichzeitig aber auch das grösste Risiko mit sich bringen. Diesem Ansatz zufolge bringen die weniger risikoreichen Vermögenswerte Stabilität in das Portfolio, während am anderen Ende langfristige Kapitalgewinne winken.
Der andere Vorteil dieser Strategie sei die Diversifikation, da die beiden oben beschriebenen Anlageklassen wenig bis gar nicht korreliert seien, erklärt Charles-Henry Monchau, CIO bei FlowBank. Mit anderen Worten: Wenn die risikoreichsten Vermögenswerte stark korrigieren, absorbieren die sogenannten stabilen Vermögenswerte den Schock und begrenzen so Verluste. Auf der anderen Seite erzielt der stabile Teil des Portfolios in Phasen des Überschwangs für risikoreiche Anlagen eine enttäuschende Performance. "Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass er die Performance im Laufe der Zeit glättet – und damit den Anleger besser schlafen lässt", so Monchau.
Diese Anlagephilosophie wird von Nassim Taleb, ehemaliger Hedge-Fonds-Manager, Kraftsportler und Autor des berühmten Buches "Der schwarze Schwan", favorisiert. Auch andere berühmte Investoren wie Ray Dalio und Mohamed El-Erian haben die Vorzüge dieses Ansatzes gelobt.
Eine Langhantel-Strategie kann sowohl in einem Multi-Asset-Portfolio als auch innerhalb einer einzelnen Anlageklasse umgesetzt werden: "Zum Beispiel kann ein Anleihenmanager das Risiko-Rendite-Verhältnis maximieren, indem er sowohl in Anleihen mit kurzer Laufzeit und somit dem kleinsten Risiko als auch in Anleihen mit langer Laufzeit und entsprechend höherem Risiko investiert. Dies bedeutet, dass die mittleren Durationen – der 'weiche Bauch' der Kurve – im Portfolio untergewichtet sind", erklärt Monchau.
Das Gleiche gelte für ein Aktienportfolio. Einerseits würden grosskapitalisierte Aktien bevorzugt, die in ihren jeweiligen Sektoren führend sind und auf lange Sicht ein hohes Mass an Rentabilität aufweisen. Den anderen Teil des Portfolios bilden Small Caps mit hohem Wachstumspotenzial, das allerdings nicht in jedem Fall garantiert ist. In einem Multi-Asset-Portfolio impliziere diese Strategie die Investition in Geldmarktanlagen, Staats- und Unternehmensanleihen von guter Qualität sowie Gold für den risikoarmen Teil. Der andere Teil des Portfolios bestehe aus risikoreichen Aktien, Risikokapital, Sub-Investment-Grade-Anleihen, Kryptowährungen und Optionen. Die Gewichtung der verschiedenen Vermögenswerte werde durch die historische Volatilität bestimmt – je niedriger die Volatilität, desto höher die Gewichtung im Portfolio und umgekehrt.
In einem Portfolio mit konservativem Risikoprofil werden beispielsweise etwa 90% in den linken risikoarmen Teil und 10% in den rechten risikoreichen Teil investiert. Anlegerinnen und Anleger profitieren so vom hohen Wertsteigerungspotenzial des risktanten Teils des Portfolios, ohne ihr Vermögen zu gefährden.
"Im turbulenten vergangenen Jahr haben sich 'Hanteln' aussergewöhnlich gut entwickelt. Der Aktivismus der Zentralbanken und die Liquiditätsflut kamen nicht nur Staatsanleihen und Gold zugute, sondern auch den risikoreichsten Aktien, darunter Technologie- und E-Commerce-Titeln wie Google, Amazon und Zoom. Die beiden Extreme der Risikokurve sollten zwar theoretisch nicht gleichzeitig eine sehr gute Performance liefern, aber das Unwahrscheinliche ist 2020 geschehen", sagt Monchau.
Für Marktsegmente wie zyklische Aktien, Schwellenländer, Bankentitel oder Mid-Cap-Werte war das vergangene Jahr dagegen deutlich ungünstiger. Trifft das auch im laufenden Jahr zu? Die Pandemie ist nach wie vor präsent und bremst unverändert viele Bereiche der Wirtschaft. Als Folge haben die Zentralbanken keine andere Wahl, als weiter Geld zu drucken – ein Umfeld, das sowohl Staatsanleihen als auch Technologiewerte begünstige.
Allerdings beobachtet der Experte, wie die Märkte ein neues Szenario zu favorisieren beginnen. Wie die Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter Fondsmanagern zu Beginn des Jahres 2021 gezeigt hat, werden gerade diejenigen Marktsegmente favorisiert, die 2020 "vergessen" wurden. Tatsächlich sei eine Rotation hin zum Value-Stil, zu Schwellenländeraktien, britischen Aktien, Rohstoffen, Banken und Small Caps im Gange. Umgekehrt seien Large Caps und Wachstumsaktien, Anleihen sowie Cash weniger gefragt.
"Massenimpfungen sollten zu einer Erholung des Arbeitsmarktes und der Investitionsausgaben führen. Diese Entwicklung dürfte durch die Stimulierung der Zentralbanken und der Staatsausgaben unterstützt werden. Eine starke wirtschaftliche Erholung könnte dann zu einer steileren Anleiherenditekurve und einem Anstieg der Realzinsen führen, was sich nachteilig auf Staatsanleihen und Gold auswirken könnte", so Monchau. Zugutekommen sollten die Entwicklungen aber allen Marktsegmenten, die Nachzügler sind und über ein mittleres Risiko verfügen. "Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass ein solches Szenario beschrieben wird. Diese Vermögensrotation wurde in den vergangenen Jahren oft antizipiert und doch trat sie nicht ein. Daher könnte die 'Hantel'-Strategie weiterhin eine rosige Zukunft vor sich haben", meint der Experte abschliessend.