Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03498.jsonl.gz/1426

Neues Coronavirus: Neues SARS?
Seit einigen Monaten werden Einzelfälle von respiratorischen Infektionen mit einem neuen Coronavirus berichtet. Nun hat ein UK-Team die Übertragbarkeit des Erregers von Mensch zu Mensch bewiesen. Was heisst das?
Das ganze begann mit einer Mitteilung von ProMed im September 2012. Ein neues, bisher nicht bekanntes Coronavirus wurde bei einem 60-jährigen Mann mit einer Pneumonie in Saudiarabien entdeckt. In der Folge wurde das Virus noch bei einzelnen, weiteren Patienten mit einer Pneumonie gefunden. In der Regel sind Krankheitserreger, die beim Menschen neu auftreten, von einem Tier auf den Menschen übertragen worden. So war es auch bei SARS (severe acute respiratory syndrome), der letzten, die ganze Welt umspannenden Epidemie. Auch SARS wurde durch ein Coronavirus ausgelöst. Die Sars-Pandemie konnte jedoch durch rasche Einführung von Isolationsmassnahmen effizient kontrolliert werden (s. unseren abschliessenden Bericht).
Dokumentierte Mensch zu Mensch-Übertragung
Anfang Februar 2013. Bei einem Reiserückkehrer aus Saudiarabien wurde nach seiner Pilgerreise nach Mekka wegen einer schweren Lungenentzündung auf einer Intensivstation in England behandelt. Die Symptome begannen bereits 10 Tage vor seiner Rückkehr in Saudiarabien. In London wurde er am 31. Januar 2013 hospitalisiert, wo er wegen rascher respiratorischer Verschlechterung intubiert und intensivmedizinisch behandelt werden musste. Der Patient ist zur Zeit weiterhin in kritischem Zustand (ECMO seit 5.2.).
Komplexe Diagnostik
Die Diagnose wurde insofern erschwert, als bei diesem Mann zunächst eine Influenza mit dem pandemischen H1N1-Virus nachgewiesen, doch wegen zunehmender Verschlechterung und fehlendem Ansprechen auf Tamiflu wurde am 7.2. das neue Coronavirus gesucht und nachgewiesen.
Die weiteren Infektionen
In der Folge wurde bei zwei weiteren Personen, die mit dem Patienten in Kontakt kamen (1x zu Hause, 1x im Spital), eine Pneumonie mit dem selben Erreger diagnostiziert. Eine der beiden Kontaktpersonen (unter immunsuppressiver Therapie) starb an den Folgen der Infektion, die zweite Person hat sich nach 10 Tagen milder Erkrankung wieder erholt. Die Chronologie dieser Erkrankungen findet sich in der Abbildung der Originalarbeit.
Isolation dürfte wirken
Beide Fälle zeigen, was wir auch schon aus der SARS-Epidemie wissen. Coronaviren können von Mensch zu Mensch übertragen werden. Genau wie beim SARS-Coronavirus ist auch bei diesem neuen Virus (nCoV) die Ansteckung auch noch viele Tage nach Symptombeginn möglich. Das ist fundamental anders, als bei der Influenza, wo das Maximum der Infektiosität vor Beginn der Symptomatik liegt.
Dies war der Grund, dass SARS durch einfache Isolationsmassnahmen (Isolierung von Erkrankten Personen) kontrolliert werden konnte. Wahrscheinlich wird dies auch beim nCoV der Fall sein.
In der zitierten Originalarbeit findet sich auch eine detaillierte Aufarbeitung der Kontaktpersonen des Indexpatienten zu Hause und im Spital. Insgesamt entwickelten 14 von 92 Kontaktpersonen respiratorische Symptome innert 10 Tagen nach dem Kontakt. Nur bei den zwei obgenannten erkrankten Kontaktpersonen konnte das Virus auch nachgewiesen werden. Von den beiden sekundär infizierten Patienten hat keine Kontaktperson (Anzahl infolge Frühdiagnose und Isolation sehr klein) eine nCoV-Infektion. Beide sekundär infizierten Patienten hatten auch noch eine Parainfluenza-Infektion.
Die Konsequenzen
Im Moment scheint es nicht so, dass diese sicher von Mensch zu Mensch übertragbare Infektion pandemisches Potential hat. Doch es lohnt sich, aufmerksam zu bleiben. Sicher müssen wir in den Spitälern darauf achten, dass wir bei Patienten mit schweren respiratorischen Infektionen an die Möglichkeit einer nCoV-Infektion denken. Es scheint, dass das nCoV vor allem im Zusammenhang mit einer zweiten Virusinfektion zu schwerem Verlauf führt. Aber dazu werden wir bestimmt noch weitere Informationen hören.
Quelle: Eurosurveillance, 14.3.13