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Die koptisch-katholische Kirche Ägyptens betreibt in Shoubra el-Khema eine kleine Poliklinik, deren Einrichtung dringend erneuert werden muss. Das «Dispensary St. Mary» bietet in einem ländlichen Quartier rund 240 000 Menschen medizinische Grundversorgung. Der Betrieb der Poliklinik wird durch den Sozialdienst «Diakonia» der Patriarchaldiözese gewährleistet, doch für die Anschaffung von neuen Geräten ist Hilfe von aussen nötig.
Shoubra el-Khema ist die viertgrösste Stadt Ägyptens mit über einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie schliesst nördlich an Kairo an und bildet mit Kairo und Giza eine grosse Agglomeration, in der rund 15 Millionen Menschen leben. Die früheren Gärten und Paläste, die der Region den koptischen Namen «Shoubra» – Landschaft – gaben, wurden seit den 1950er Jahren von meist ungeregelten Arbeitersiedlungen überwuchert. Ein Kohlekraftwerk und Schwerindustrie verdrecken die Luft. Der fruchtbare Deltaboden am Nil ist grösstenteils überbaut.
Amr (5) bricht plötzlich zusammen
Es ist ein ganz normaler sonniger Tag, als Amr, ein fünfjähriger Junge, mit seinen Freunden vor dem Haus spielt. Plötzlich bricht er zusammen. Der Vater bringt das Kind sofort zur Krankenstation St. Mary und schreit um Hilfe, da er keine Ahnung hat, was mit ihm los ist. Die Eltern denken, es sei die Hitze oder ein niedriger Blutdruck, die Amr in Ohnmacht fallen liess. Nach einigen Tests stellt sich heraus, dass Amr ein Herzproblem hat. Der Herzmuskel ist zu schwach. Der Kardiologe Dr. Mikael Moftah behandelt ihn. Heute kommt Amr noch zu Kontrolluntersuchungen. Ohne die Poliklinik St. Mary müsste Amrs Vater ins Spital gehen, das anderthalb Stunden weg liegt und viel zu teuer für ihn ist. Die Poliklinik St. Mary hat das Leben seines einzigen Kindes gerettet.
Die koptisch-katholische Kirche ist mit rund 250 000 Gläubigen eine Minderheit in der christlichen Minderheit des Landes. Die koptisch-orthodoxe Kirche macht rund 10 Prozent der rund 105 Millionen Ägypterinnen und Ägypter aus, die mehrheitlich sunnitische Muslime sind. 2019 weihte Patriarch Ibrahim Isaac Sedrak seinen Privatsekretär Father Hani Bakhoum zum Bischof und setzte ihn als Kurienbischof für seine Patriarchaldiözese ein. Anba Bakhoum, so sprechen ihn die Gläubigen an, ist oberster Verantwortlicher für den 2010 errichteten Sozialdienst «Diakonia» der Patriarchaldiözese und garantiert, dass die Spenden zielgenau eingesetzt werden.
Eine Mutter (35) von drei Kindern verbrennt sich das Gesicht
Amal (35) hat drei kleine Kinder. Sie kommt in die Poliklinik St. Mary, nachdem sie sich beim Kochen des Abendessens für ihre Familie im Gesicht verbrannt hat. In der ersten Sprechstunde weint Amal vor Schmerzen und ihre Kinder mit ihr. Die Kinder begleiten die Mutter, weil sie noch zu klein sind, um alleine zu Hause zu bleiben. Der Ehemann zittert und hat Angst um seine Frau. Dr. Marian Samir, Dermatologin in der Poliklinik, reinigt die verbrannte Haut. Der chirurgische Eingriff ist erfolgreich. Amal bleibt etwa einen Monat lang in der Krankenstation. Die Ärztin Christina Nasser hilft Amal, die psychologische Notlage zu bewältigen und ihr neues Gesicht zu akzeptieren. Amal geht es heute viel besser und sie führt ein normales Leben mit ihrer Familie.
Die von «Diakonia» seit vielen Jahren geführte Krankenstation dient rund 240 000 in der Umgebung lebenden Menschen. Zwölf hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte und mehrere Krankenschwestern betreuen die Pa-tientinnen und Patienten, ohne nach Relgionszugehörigkeit zu unterscheiden. Diese Station ist für die Gegend sehr wichtig; sie soll jedoch dringend renoviert und ihre Infrastruktur ergänzt werden. Neben Behandlungsstühlen und sechs Spitalbetten braucht es medizinische Geräte, Laboreinrichtungen und Klimaanlagen. Ziel ist es, künftig 50 bis 60 Fälle pro Tag aus verschiedenen Fachbereichen – allgemeine Chirurgie; interne Medizin; Herz- und Zahnmedizin; Dermatologie; Kinderheilkunde; Orthopädie und Physiotherapie – behandeln zu können. Die Kosten für die ärztliche Untersuchung betragen symbolische 40 Pfund oder weniger, wenn die Familien nicht zahlen können. Die Menschen in Shoubra el-Khema sind froh, dass sie die Poli-klinik St. Mary in ihrer Nähe haben.
Ein 12-jähriges Mädchen wird Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht
Nicht alle Geschichten haben ein Happy End. Ein 12-jähriges Mädchen, das Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht wird, kommt mit einer gebrochenen Rippe und einem gebrochenen Bein in die Krankenstation. Der Unfall verursacht innere Blutungen, und das Mädchen müsste geröngt oder mit einem CT untersucht werden. Doch diese Geräte gibt es nicht. Das Mädchen in das nächstgelegene Spital zu verlegen, geht nicht. Die Ärzte versuchen alles, um dem kleinen Mädchen zu helfen, doch sein Herz bleibt stehen. Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung wird durchgeführt, die wegen der gebrochenen Rippe äusserst schmerzhaft ist. Doch das kleine Mädchen stirbt und die Familie ist am Boden zerstört.
Sobald die Finanzierung steht, können die Räume saniert werden und die Einrichtung, Möblierung und medizinische Apparate werden ergänzt. Dann erhalten endlich auch mittelose Menschen eine bessere medizinische Versorgung. Danke, dass Sie mithelfen, Leben zu retten.
Hans Rahm