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Wir schreiben das Jahr 2020: Die Welt steht am Abgrund. In dieser düsteren Zeit versucht Laura Kuper (Bernadette Heerwagen), sich in die Berge durchzuschlagen, da sie für sich und für ihr 14 Monate altes Kind in Berlin keine Zukunft mehr sieht. Acht Jahre zuvor: Laura lebt zusammen mit ihrer Schwester Cecilia (Johanna Wokalek) und deren Freund Konstantin (August Diehl) in einer WG. Nachdem Konstantin begonnen hat, sich vermehrt bei Demonstrationen zu beteiligen, werden er und Cecilia Mitglieder der Terrorgruppe "Schwarze Stürme".
Laura verliebt sich derweil in Hans (Daniel Brühl), einen Geschäftskollegen ihres Vaters. Da Hans langsam erblindet, kündigt er seinen Job und will fortan nur noch Vögel beobachten, solange er dies noch tun kann. Laura und Hans werden ein Paar, und schon bald ist ein gemeinsames Kind unterwegs. Als Laura dieses verliert, trennt sie sich von ihm. Während sie versucht, ihr Leben normal weiterzuleben, muss sich Cecilia entscheiden, ob sie mit Konstantin den eingeschlagenen Weg des Terrorismus weitergehen oder mit ihm Schluss machen will.
"Wie wird die Welt aussehen, in der unsere Kinder aufwachsen?" - eine Frage, die sich wohl jeder in einer Variation bereits gestellt hat. Genauso wie Regisseur Lars Kraume, als er Vater wurde. Nach viel Arbeit entstand schliesslich der apokalyptische Film Die kommenden Tage - eine deutsche Produktion mit rund 6 Millionen Euro Budget und grossen Ambitionen. Allerdings gehören Endzeitproduktion wie auch Sience-Fiction-Filme und Fantasy-Epen zu den am schwierigsten umzusetzensten Genres, weil sie meistens enormen Aufwand benötigen und es sehr schwierig ist, das bereits Dagewesene zu übertrumpfen.
Die kommenden Tage hat das Manko, dass es die Macher in Sachen Budget kaum mit den grossen Hollywoodproduktionen aufnehmen können, weshalb Regisseur Kraume auch die Charaktere deutlich in den Vordergrund geschoben hat. Die Familie von Laura Kuper bildet den Kern des Filmes, und Kraume versucht, den immer mehr voranschreitenden Zerfall der Zivilisation um diese Familie herum zu gestalten. Dabei kommt es zu Verschwörungen: Die einen sind aktiv am Terrorismus beteiligt, während andere mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben und vorerst gar nicht bemerken, wie weit der Zerfall schon vorangeschritten ist. An sich ist das keine schlechte Ausgangslage, denn wenn die Charaktere und die Geschichte stimmen, benötigt es keine grosse Effekthascherei für einen gelungenen Film.
Leider ist eben genau da der Hund begraben: Die Story rund um die Familie bewegt sich auf berechenbarem Soap-Niveau, zieht sich wie Kaugummi in die Länge und bietet bis zum Schluss kaum Überraschungen. Da aufgrund des vergleichsweise eher kleinen Budgets die epischen Bilder wegfallen, welche die Endzeit-Streifen meistens auszeichnen, wird die immer wieder angesprochene Weltumwälzung meistens ausgeblendet oder im Hintergrund abgehandelt. Was man jedoch davon sieht, ist durchaus gelungen. Es wäre deutlich interessanter gewesen, mehr darüber zu erzählen und diesen Aspekt zu vertiefen, als ein zweites Mal die Babythematik durchzukauen. Leider ist dies aber Hintergrundrauschen, und es bleibt grösstenteils dem Zuschauer überlassen, sich die Welt von 2020 auszumalen.
Fazit: Die kommenden Tage ist sicher ein ehrgeiziges Projekt mit vielen sehr guten Ansätzen im Bereich Zukunftsszenario, das inzwischen auch beinahe von der Realität eingeholt worden ist. Leider erhalten genau diese gelungenen Aspekte viel zu wenig Spielzeit, statt dessen beschäftigt sich der Film primär mit Familie Kuper und ihren Problemchen. Da aber glücklicherweise die Rollen sehr gut besetzt sind, wird die Soap-Handlung deutlich besser gespielt, als man es in den bekannten TV-Sendungen antrifft. Schade, man hätte diese Welt gerne noch näher erkundet.
Die DVD liefert den Film in einer soliden Qualität und auch in gutem Ton. Das Bonusmaterial setzt sich auf der ersten Disc aus alternativen Szenen und Making-of-Schnipseln zusammen, die sich teilweise mit den Interview-Schnipseln überschneiden. Die Informationen sind allerdings eher dünn. Auf der zweiten Disc gibt es ein Making-of der etwas anderen Sorte, bei dem der Verantwortliche für den 1.5-stündigen Film selber zugibt, das Ding nur zu machen um seinen eigenen Film zu finanzieren. Das ist ungewohnt ungefiltert und wohl das ehrlichste Behind the Scenes, das ich bisher gesehen habe.