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Blaugrau
Übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle
Daniel de Roulet: Die menschliche Simulation [3]240 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
September 2001
SFr. 34.–, 34.– €sofort lieferbar
Titel der Originalausgabe: «Gris-bleu» (Edition du Seuil 1999)
978-3-85791-366-2
Blaugrau sind die Augen des jungen Mannes, der rastlos durch die Welt treibt, den Tod im Nacken. Er ist ein Retortenkind mit einem Fehler im genetischen Code, der ihn vorzeitig altern lässt: Ein moderner Odysseus, dessen Irrfahrt der verzweifelte Versuch ist, den programmierten Tod, die ultimative Heimkehr zu verhindern. Seine beiden Brüder, wie er im Reagenzglas gezeugt, sterben innerhalb eines Jahres exakt im gleichen Alter. Sein Professor vermutet Manipulationen am Sperma, er verdächtigt eine kanadische Sekte. Der junge Tsutsui soll der Sache nachgehen. Aber er ist kein Held. In einer Mischung aus Verlorenheit und Trotz steigt er aus und begibt sich auf eine Reise, auf der Suche nach sich selbst. Aber im fernen Kanada stolpert er direkt in die Sekte, von der er nichts hören wollte. Es beginnt eine Irrfahrt über die Kontinente und durch die Verästelungen einer zwielichtigen Organisation alter Männer mit ihrem Traum vom ewigen Leben.
«Ich widme diesen Roman allen Kindern, deren Väter in der Zeit ihres Heranwachsens abwesend waren. Sie sollen wissen, dass sich hinter der kühlen Figur des O-Blau (der ist ja ganz schön allein, hat mein Sohn zu mir gesagt) diese eine Frage verbirgt, die mir am Herzen liegt: Werden wir eines Tages fähig sein, über frischen Schnee zu laufen, ohne Spuren zu hinterlassen?» Daniel de Roulet
Der rasante Text ist der dritte Roman aus Daniel de Roulets fünfteiliger «blauer Serie». Es ist das Tagebuch eines jungen Japaners, dem Geliebten der Wolkenforscherin und Kumos unbekannter Vater aus «Blaues Wunder».
«Ich widme diesen Roman allen Kindern, deren Väter in der Zeit ihres Heranwachsens abwesend waren. Sie sollen wissen, dass sich hinter der kühlen Figur des O-Blau (der ist ja ganz schön allein, hat mein Sohn zu mir gesagt) diese eine Frage verbirgt, die mir am Herzen liegt: Werden wir eines Tages fähig sein, über frischen Schnee zu laufen, ohne Spuren zu hinterlassen?» Daniel de Roulet
Der rasante Text ist der dritte Roman aus Daniel de Roulets fünfteiliger «blauer Serie». Es ist das Tagebuch eines jungen Japaners, dem Geliebten der Wolkenforscherin und Kumos unbekannter Vater aus «Blaues Wunder».
© Yvonne Böhler
Daniel de RouletDaniel de Roulet, geboren 1944, war Architekt und arbeitete als Informatiker in Genf. Seit 1997 Schriftsteller. Autor mehrerer Romane, für die er in Frankreich mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurde. Er lebt in Frankreich.
Maria Hoffmann-Dartevelle1957 in Bad Godesberg geboren, studierte Romanistik und Geschichte in Heidelberg und Paris. Seit Mitte der Achtzigerjahre u.a. als freiberufliche Übersetzerin tätig. Übersetzte neben Sach- und Kinderliteratur Romane, Essays, ein Hörspiel und Liedertexte französischer, Schweizer, spanischer und südamerikanischer Autoren, darunter René Crevel, Alberto Giacometti, Marcel Lévy, Joseph Bialot, Michel Quint, Tito Topin, Daniel de Roulet, Amélie Plume, Noëlle Revaz, Pascal Rebetez, Rafael Alberti, Manuel Altolaguirre, César Aira, Rubén Blades, Silvio Rodriguez, Fito Paez.
Was soll ich von einem Typen wie mir halten?
Was soll ich von einem Typen wie mir halten?begib dich auf die Fahrt und suche nach deinem lange verschollenen Vater! Vielleicht kann es dir einer von den Sterblichen sagen, oder du hörst ein Gerücht ... Odyssee, I, 280—283
Bei mir hat alles Standardformat, die Vergangenheit — bis achtzehn im Gymnasium —, die Gegenwart — seit einem Jahr an der Universität von Tsukuba — und sogar die Zukunft: ein Diplom in Gentechnik, eine feste Stelle, eine kleine Familie und eine Wohnung mit genügend Komfort, damit Mutter und Großmutter möglichst oft zu Besuch kommen.
Ich trage Sportschuhe aus der Fernsehsendung Gefühle live!
Meine T-Shirts sind mit hippen Sprüchen bedruckt: »Ich hab Walfische zum Fressen gern!«
Meine engen Hosen mit den fünf Taschen behalten ihre Bügelfalten, weil ich sie unter die Matratze lege.
Mutter versorgt mich nach wie vor mit Socken und Unterwäsche.
Der Friseur stutzt mir die Haare auf die Standardfrisur der Campusstudenten: ausrasierter Nacken, darüber längeres Oberhaar.
Was die Zukunft betrifft, werde ich vielleicht doch mal anders sein als meine Kollegen, etwas weniger standardisiert. Mutter jedenfalls behauptet, das Gelb meiner Haut unterscheide sich von dem der anderen, weil es mit weiß vermischt sei. Sie glaubt, dass der Inhalt des Reagenzglases, den man ihr in die Eileiter gegossen hat, nicht hundertprozentig made in Japan war. Daher meine überdurchschnittliche Größe, meine zu runden Augen und mein verfrühter Bartwuchs, der nach täglicher Rasur verlangt. Der fehlende Vater ist kein Handikap, in der Hinsicht geht es mir wie den Söhnen der Kamikazeflieger. Mutter hat ihren Vater, dessen letztes Foto mit der weißen Uniform des Marineoffiziers pietätvoll unser Wohnzimmer schmückt, nicht gekannt.
Jetzt unternehme ich einige Anstrengungen, um herauszubekommen, was ich von mir halten soll: An meinem Handheldcomputer sitzend, schreibe ich mit so wenig Gefühl wie möglich meine Tageserlebnisse auf. Die Technik ist neutral, sie speichert. So erzähle ich ihr von meiner Leidenschaft für Mützen mit großem Schirm, von meiner Liebe zu blauen Brillen und meinen Neid, wenn jemand Handschuhe aus einem neuen Material trägt.
*
Heute morgen, als ich gerade dabei bin, die Entwicklung des geklonten Gewebes von Zellen afrikanischer Frösche unterm Mikroskop zu beobachten, lässt der Assistent mich wissen, dass Herr Professor Takeda mich in seinem Büro erwartet. Jetzt gleich.
Was kann er von mir wollen? Meine Semesternoten liegen über dem Durchschnitt, meine Hausarbeiten hab ich fristgerecht abgegeben. Herr Professor Takeda hat mir sogar ein persönliches Lob auf das von der Universität ausgegebene Formular geschrieben. Ich tue mein Bestes, um mich nicht von meinen Kollegen zu unterscheiden. In meinem Zimmer im Studentenwohnheim dusche ich weder nach zweiundzwanzig Uhr noch vor sechs Uhr morgens und benutze die Handtücher nicht für meine Kulis. Ich verstopfe das Waschbecken nicht mit Kippen. Was den Genetikunterricht betrifft, halte ich Abstand von den extremistischen Sprüchen anonymer Kritiker, die die Toilettentüren und den unteren Teil der Pulte zieren. Ich verstreue auch nicht die Eier dreibeiniger Frösche in der Natur.
...
Le Magazine littéraire (Jean-Claude Renart), Juni 1999
Tages Anzeiger (Christine Lötscher) 16. April 1999
Le Soir (Pierre Maury), 31. Mai 1999
Le Monde (Philippe-Jean Catinchi), 25. Juni 1999
France Culture (Colette Fellous,) 7. Juni 1999
France Info (Philippe Vallet), 27. Mai 1999
France Culture Panorama (Claire Pouly) 27. Mai 1999
Radio France Internationale (Catherine Rousseau), 27. Juni 1999
Radio Alligre (Philippe Vanini,) 26. Mai 1999
Politis (Marie-Odile Dupé), 27. Mai 1999
La Tribune de Genève (Alain Penel), 17. April 1999
La Tribune de Genève (Thierry Mertenat), 17. April 1999
Le Temps (Isabelle Martin), 1. Mai 1999
Le Courrier (Francine Collet), 24. April 1999
L'Hebdo (Michel Audétat), 20. Mai 1999
Espace 2 (Isabelle Rüf), 7. April 1999
Radio Suisse Romande 1 (Geneviève Bridel), 10. April 1999
24 Heures (Jean-Louis Kuffer), 20. April 1999
La Liberté (Eliane Waeber), 25. April 1999
Le Magazine littéraire (Jean-Claude Renart), Juni 1999
Télévision Suisse Romande (Florence Heiniger), 15. April 1999
Scène Magazine (Jean-Michel Olivier), Mai 1999
Tages Anzeiger (Gérald Froidevaux), 11. Oktober 1999
Le Républicain Lorrain (Nickie Bardat), 6. August 1999
Tages-Anzeiger (Gérald Froidevaux), 8. Oktober 2001
«Eine Abenteuergeschichte und Analyse der Gegenwart, grell beleuchtet durch de Roulets exakte Fantasie.» Tages-Anzeiger
«Diese vergnügliche Scharade dürfte noch komplizierter werden, wenn einmal die beiden noch ausstehenden Romane vorliegen.» Neue Zürcher Zeitung
«‹Blaugrau› ist der dritte Roman, in dem de Roulet, nach ‹Die blaue Linie› und ›Blaues Wunder›, die Saga der Jahrhundertwende fortschreibt, hart am Nerv einer Zeit, die sich anscheinend mit dem Verschwinden der Realität abfindet und dennoch zunehmend die Macht über Leben und Tod ergreift.» Gérald Froidevaux, Tages-Anzeiger