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Kommission «Geschichte der Kartographie»
Übersicht (Periode 1954 bis 1999)
Bericht über den Arbeitskreis bzw. die Kommission Geschichte der Kartographie, von Wolfgang Scharfe, Berlin.
Die ersten Jahre
Der 1954 im Rahmen des ersten Berliner Kartographentages gegründete und bis 1965 von Wilhelm Bonacker geleitete Arbeitskreis (AK) setzte sich zunächst eine eng begrenzte fachliche Aufgabenstellung.[1] Nach dem raschen zweifachen Wechsel des AK-Leiters 1967/1970 und der Übertragung der AK-Leitung an den jetzigen Leiter 1972 bedurfte es einer Übergangsphase von rund 10 Jahren, um den AK in seinen Aufgaben neu und zukunftsorientiert auszurichten und durch die Aufnahme jüngerer Mitglieder umzugestalten.
Stationen dieses Prozesses waren im nationalen Rahmen die Wiederherstellung der Kontakte zu den AK-Mitgliedern, die regelmäßig abgehaltenen AK-Sitzungen auf den Deutschen Kartographentagen, die Inangriffnahme der Kartendrucke von Deutschland (bis 1815)[2] als sammlungsunabhängiges Titelverzeichnis gedruckter Karten deutscher Territorien sowie Rundschreiben an die AK-Mitglieder mit bibliographischen und Veranstaltungshinweisen.
Internationale Aktivitäten
Diese Aktivitäten wurden international ergänzt durch die Mitarbeit des AK-Leiters als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der von Helen Wallis (London) geleiteten Working Group (später Standing Commission) History of Cartography der IKV seit ihrer Gründung 1973, die deutschen Beiträge zu dem von der IKV-Kommission bearbeiteten Map making to 1900. A historical glossary of cartographic innovations and their diffusion sowie die 1979 in Berlin abgehaltene 8th International Conference on the History of Cartography.[3] Für diese internationale Konferenz in Berlin waren von 150 Teilnehmern aus 19 Ländern 40 Vorträge eingereicht worden; 26 von ihnen wurden präsentiert. Wohl erstmals stellten sich – im Vergleich zum in diesen Jahren international tonangebenden angloamerikanischen Raum – in einem derartigen Rahmen die Kartographiehistoriker des deutschsprachigen Raumes als leistungsfähig, vielseitig und gleichberechtigt vor; und es war mehr als ein Nebeneffekt, daß die deutschen Vertreter samt ihren deutschsprachigen Nachbarn als eine Gruppe gesehen wurden und sich dieser Rolle bewußt wurden.
Durch diese Initiativen konnten einerseits im deutschsprachigen Raum neue Interessenten und Mitarbeiter für die Geschichte der Kartographie gewonnen werden; andererseits wurde – vor allem nach der Berliner Konferenz 1979 – gefordert, über die AK-Sitzungen hinaus ein Kommunikations- und Diskussionsforum sowie ein Publikationsorgan für die Geschichte der Kartographie ins Leben zu rufen. Dieser Ansatz ist dann 1982 durch das AK-Mitglied Hans Vollet realisiert worden, der zum Kartenhistorischen Colloquium Bayreuth einlud; die Vorträge und Berichte des Colloquiums erschienen als Tagungsband beim Dietrich Reimer Verlag. Der Erfolg dieser Veranstaltung nach Inhalt und Form führte zur Institutionalisierung des Kartographiehistorischen Colloquiums als Tagung vornehmlich mit Teilnehmern aus dem deutschsprachigen Raum und des jeweiligen Tagungsbandes als fachspezifisches Publikationsorgan.
Aufgaben seit 1997
Die politische Wende von 1989 führte am 28. September 1990 zur Vereinigung des Arbeitskreises «Geschichte der Kartographie» der DGfK mit dem 1976 gegründeten gleichnamigen Arbeitskreis der Geographischen Gesellschaft der DDR unter der Leitung von Egon Klemp. Die beiden AK-Leiter haben seit 1990 den gemeinsamen AK auch gemeinsam geleitet. Auf der AK-Präsentation anläßlich des 46. Deutschen Kartographentages 1997 in Coburg wurden Entwicklung und Stand des AK folgendermaßen vorgestellt:
Weitere Aufgabenfelder
Wandel in der Geschichte der Kartographie
Die Darlegung der Entwicklung seit 1984 bliebe in einem wesentlichen Punkt unvollständig, wenn der Wandel der Geschichte der Kartographie unerwähnt bleiben würde.[6] Das Verhältnis zwischen der Geschichte der Kartographie und der Kartographie hat sich – wenn auch mit einer gewissen Verzögerung – entsprechend der Entwicklung der Kartographie zu einer eigenständigen Wissenschaft fundamental gewandelt. Geschichte der Kartographie ist nicht mehr ein mehr oder minder musealer Zweig der modernen Kartographie und von dieser weitgehend getrennt. Vielmehr ist Geschichte der Kartographie die historische Analogie zu modernen Problemen und Prozessen mit ihren entsprechenden zeitunabhängigen Grundlagen, nämlich der Suche nach Lösungen für die möglichst analoge Darstellung räumlicher Strukturen im Rahmen der allgemeinen menschlichen Kommunikation. Logische Konsequenz dieser Erkenntnis wurde eine Definition für Kartographie in einem zeitunabhängigen Sinne, die moderne Kartographie und Geschichte der Kartographie nicht mehr trennt, sondern zu einer Einheit zusammenschließt:
KARTOGRAPHIE ist die
Diese von der Fachrichtung Kartographie der Freien Universität Berlin im Jahre 1994 entwickelte Definition bildet lediglich eine Form des Ausdrucks für neue, sich abzeichnende und teilweise bereits realisierte Sichtweisen des Selbstverständnisses im kartographischen Wissenschaftsraum. Dazu gehört einerseits, Erkenntnisse und Ansätze aus der historischen Dimension in die Problemfelder der Gegenwart zu transponieren, und andererseits z.B. die Anwendung moderner rechnergestützter Methoden zur Lösung von historischen räumlichen Kommunikationsproblemen.
Ein wesentlicher Schritt mit einer Fülle von bislang noch nicht einmal ernsthaft durchdachten Problemen dürfte die Anwendung der kognitiven Raumforschung auf historische Situationen sein. Denn hierbei wird es nicht allein mehr darum gehen können, wie bisher Karten und Kartenverwandte Darstellungen oder insgesamt die Konfigurativen Darstellungsformen zu betrachten, sondern alle Raumvorstellungserzeugenden Kommunikationsformen in die kartographiehistorischen Untersuchungen miteinzubeziehen:
Vgl. auch den hier anschliessenden Bericht über die Jahre 1999 bis 2003.
Anmerkung
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