Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03140.jsonl.gz/160

Die Super League ist nach Meinung von Real-Präsident Florentino Perez noch nicht gescheitert. «Da liegen sie komplett falsch», sagt er in Richtung der Kritiker, die das Projekt für erledigt erklärt haben, in einem Radio-Interview von SER.
Er denke nicht, dass die anderen Fussball-Vereine die Super League verlassen haben. «Es steht klar im Vertrag, dass du nicht einfach gehen kannst», erläutert Perez im rund 90 Minuten dauernden Gespräch und deutet damit womöglich auch eine juristische Auseinandersetzung an.
Am Mittwoch hatte Juve-Boss Andrea Agnelli auf die Frage, ob man das Projekt jetzt noch fortsetzen könne, geantwortet: «Um ehrlich und aufrichtig zu sein, nein, das ist offensichtlich nicht der Fall.» Perez ist laut Mitteilung Vorstand der Super League, Agnelli einer der beiden Stellvertreter.
«Man hat uns keine Gelegenheit dazu gegeben, das Projekt zu erklären.»
Florentino Perez
Die sechs beteiligten Teams aus England, die drei aus Italien sowie Atlético Madrid hatten zwischen Dienstagabend und Mittwoch ihren Rückzug von dem Vorhaben erklärt. Keine entsprechende Ankündigung gibt es von Real und dem FC Barcelona. Die zwölf Teams hatten sich in der Nacht zum Montag als Gründungsmitglieder der Super League zu erkennen gegeben und damit einen Angriff auf die UEFA und deren Champions League gestartet, der für massive Kritik gesorgt hatte.
«Das Champions-League-Format ist alt»
«Es war, als hätten wir jemanden getötet. Es war, als hätten wir den Fussball getötet. Aber wir versuchen, einen Weg zu erarbeiten, um den Fussball zu retten», hält Perez nach wie vor fest. «Ich bin seit 20 Jahren im Geschäft und ich habe noch nie Drohungen wie diese gesehen.» Man habe das Vorhaben womöglich nicht gut erklärt, «aber die haben uns auch keine Gelegenheit dazu gegeben, es zu erklären». Er sei traurig und enttäuscht, weil man an dem Projekt drei Jahre gearbeitet habe.
Perez machte erneut seine Unzufriedenheit mit der Champions League deutlich. «Das Champions-League-Format ist alt und erst ab dem Viertelfinal interessant», sagte er. Auf die Frage, warum er die Mitglieder Reals nicht um ihre Meinung gebeten habe, antwortete er: «Muss ich sie auch fragen, welche Spieler wir unter Vertrag nehmen?»
Weitere Aussagen aus dem Interview
Perez über UEFA-Präsident Aleksander Ceferin
«Ich möchte einfach einen höflichen UEFA-Präsidenten, der nicht beleidigt, so einfach ist das. Wir sind in einem demokratischen Europa und das ist nicht mehr normal. Ich möchte, dass er niemanden beleidigt, die Umgangsformen sind auch heute noch wichtig. Er sollte eigentlich ein Vorbild sein.»
Perez über das erste Scheitern der Super League
«Wir arbeiten schon seit vielen Jahren an diesem Projekt und haben es vielleicht nicht gut erklären können. Das Champions-League-Format ist veraltet und nur noch ab dem Viertelfinal interessant. In der letzten Saison sind 650 Millionen verloren gegangen, dieses Format funktioniert nicht. Wenn das alles vorbei ist und die Realität kommt, werden wir sehen, was passiert. Die Vereine werden mehr als zwei Milliarden verlieren.»
Perez über die Zukunft der Super League
«Ich habe die Verantwortung für Real Madrid, ein Vorreiter zu sein. Wenn es Geld gibt, gibt es Geld für alle. Das Projekt ist auf Stand-by. Wir denken über die Zukunft nach. Juventus ist nicht verschwunden. Die Hauptsache ist, dass die Spiele für die Jugendlichen interessant sind.»
Perez über eine Alternative zur Super League
«Ich denke, es gibt wirklich keine andere Lösung. Soll doch jemand etwas anderes erfinden. Die Besitzer der Engländer sind Amerikaner und sie sind begeistert von diesem Sport.»
Perez über Top-Transfers wie Kylian Mbappé oder Erling Haaland
«Ohne die Super League? Unmöglich. Weder für Real Madrid noch für irgendeinen anderen Verein. Dass ein Spieler wie Mbappé nicht kommt, sage ich damit nicht. Wir arbeiten daran, diese Saison abzuschliessen, die Verpflichtungen sind eine Sache für die nächste Saison. Generell ist es unmöglich, wenn das Geld nicht fliesst. Die Super League wäre dafür da gewesen, um die ökonomischen Schäden dieser Saison aufzufangen. Wenn Mbappé dieses Jahr nicht kommt, wird niemand erschossen. Die Leute wissen, wie ich bin. Und wenn etwas nicht gemacht wird, dann deshalb, weil es nicht möglich ist.»