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Was zum Kuckuck ist «altfrentsch»?
Eine Notensammlung aus dem 18. Jahrhundert und Tonaufnahmen von Alpstubeten lieferten die Vorlagen für diese Tänze, gespielt von der Landstreichmusik.
Der Begriff «altfrentsch» bezeichnet eine volksmusikalische Besetzung: das Trio von Violine, Hackbrett und Bassett (Streichinstrument zwischen Cello und Kontrabass). Der Berner Kleinkünstler Franz Niklaus König hat dieses Ensemble 1826 als Vignette in der «Sammlung von Schweizer=Kühreihen und Volksliedern» dargestellt. In derselben Sammlung finden sich auch zwei Appenzeller Tänze für eben diese Besetzung. «Altfrentsch» bedeutet sinngemäss «altmodisch» und stammt wörtlich vom Ausdruck «altfränkisch».
In Gonten (Appenzell Innerrhoden) wurde 1998 eine Handschrift mit 54 Tänzen aus dem späten 18. Jahrhundert entdeckt, die das Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik 2008 unter dem Titel Altfrentsch publizierte. Diese mittlerweile durch eine Neuausgabe zugängliche Tanzsammlung enthält auch ausländische Melodien, die zweifellos von Wandergeigern und andern fahrenden Musikanten eingebracht worden sind.
Auf dem neuen Album Altfrentsch unterwegs haben die sechs Musikanten der Landstreichmusik unter der Leitung des Geigers Matthias Lincke nur die Hälfte der 16 eingespielten Tanzmelodien aus der erwähnten Handschrift gewählt. Die übrigen Stücke sind Tonaufzeichnungen von Alpstubeten abgehört, die auf Schellackplatten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben sind. Dabei wurden nicht nur alte Stücke, sondern auch die historischen Spielweisen (Besetzung, Tempi, Stimmführung, Tongebung, Phrasierung und Schlusswendungen) übernommen. Das Resultat wirkt verblüffend vital und unterscheidet sich von einstimmig vorliegenden, eigens mehrstimmig arrangierten älteren Schweizer Volkstänzen, wie sie in der Neuen Volksmusik Mode geworden sind.
Man hört dem empfehlenswerten Tonträger aber auch gerne zu, weil Dide Marfurt die Melodien mit der Maultrommel und anderen historische Musikinstrumenten aufmischt, Christine Lauterburg Geigenspiel und Stimme einbringt und der österreichische Volksmusikant Matthias Härtel (Kontrabass), Elias Menzl (Hackbrett) und Simon Dettwiler (Schwyzerörgeli) zur Atmosphäre beitragen.
Landstreichmusik. Altfrentsch unterwegs, Musiques suisses MGB-NV 34
Altfrentsch. Tanzmusik aus dem Appenzellerland. Spätes 18. Jahrhundert, Schriftenreihe der Stiftung Roothuus Gonten 001.1, Fr. 30.00, Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik, Gonten 2017 (Neuausgabe)