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FIFA-Präsident Sepp Blatter hat sich nach der Strafanzeige gegen ihn erstmals öffentlich verteidigt. Kriminell habe er nie gehandelt. Nur einen formellen Fehler gemacht.
Blatter reagierte auf den Vorwurf, er habe in zwei Fällen korrupt agiert, indem er Schecks ausgestellt habe ohne dafür ermächtigt gewesen zu sein. In den kommenden Tagen will Blatter in einem umfangreichen Schreiben auch auf die übrigen Anklagepunkte eingehen.
Blatter liess für das FIFA- Exekutivkomitee-Mitglied Wjatscheslaw Koloskow je einen Check über 50'000 Dollar als Aufwand-Entschädigung für die Jahre 1998 und 1999 ausstellen. Der Russe war jedoch im honorierten Zeitraum noch nicht gewählt. Dies sei gemäss Schweizer Strafrecht eine kriminelle Handlung.
"Nur ein Formfehler"
Blatter nimmt dazu wie folgt Stellung: "Ich habe einen Fehler gemacht, aber bloss einen formellen. Ich hätte erst das Exekutivkomitee informieren oder die Finanzabteilung fragen sollen. Sogar UEFA-Präsident Lennart Johansson sagte mir, die Zahlung wäre genehmigt worden, wenn ich das Anliegen vorgebracht hätte. Koloskow hatte mit der Arbeit für die FIFA in jener Zeit diese Gegenleistung verdient. Er war beispielsweise eine wichtige Person für die Realisierung eines Projekts."
In einem weiteren Fall liess Blatter den afrikanischen Schiedsrichter Lucien Bouchardeau aus Niger nach Zürich einfliegen, um Aussagen zu machen gegen Farah Addo, den somalischen Verbandspräsidenten und Vizepräsidenten des afrikanischen Kontinental-Verbandes.
Addo hatte Blatter des Wahlbetrugs beschuldigt. Der Schweizer habe Bouchardeau im Beisein von Zeugen einen Check über 25'000 Dollar ausgehändigt und nochmals die gleiche Summe versprochen, wenn seine Aussagen dem Präsidenten weiter helfen würden.
Bouchardeau hatte an der WM-Endrunde 1998 in Frankreich in der Vorrundenpartie Italien - Chile (2:2) den Italienern einen zweifelhaften Penalty zugesprochen. Darauf war er von Addo zurückgestuft worden und pfiff seither nie mehr Topspiele auf internationalem Niveau.
Zu romantisch veranlagt
Hierzu Blatter: "Bouchardeau ist ein mittelloser Mann. Er kam nach Zürich, war völlig aufgelöst. Ich habe ihm einen Check über 25'000 Dollar ausgestellt. Das Geld stammt jedoch von meinem Privatkonto, das können die damals anwesenden FIFA-Angestellten bezeugen. Weinenden Menschen gebe ich oft Geld. Allerdings war das eine einmalige Zahlung an Bouchardeau, eine zweite gab es nicht."
Blatter bezeichnete die Zahlung als "humanitären Akt" und gab eine eigene Schwäche zu: "Vielleicht bin ich einfach zu romantisch veranlagt."
Der FIFA-Präsident flog zunächst nach Glasgow zum Champions-League-Final und wird sich dann nach Tonga begeben, wo am Wochenende der ozeanische Kontinental-Verband tagt.
swissinfo und Agenturen