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Seinen ersten grossen Erfolg feierte der Maler, Plastiker und Schriftsteller Martin Disler 1981 mit seinem Gemälde Umgebung der Liebe. Im selben Jahr erschien sein Buch in zweiter Auflage Bilder vom Maler in dem er sich vertieft mit dem Verhältnis zwischen Künstler und Masse auseinandersetzte. Zu lesen ist darin folgende, sehr eindrückliche Schilderung: Der Maler wird an einen Computer angeschlossen und seine Augen mit einer schwarzen Binde verbunden, wobei der Künstler noch nicht weiss, dass er zum Tode verurteilt worden ist. So zappelt er an Elektroden durch ein Stadion, stolpert über Farbfässer und bekleckert sich mit Farbe, währenddessen das Publikum in aggressivem Rausch den gesteuerten Maler mit Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten hetzt. Die Stimmen überschlagen sich. Die Farben laufen ineinander. Die Bewegungen des Malers werden matter. Er bleibt an der Farbe kleben, rutscht auf den Pfützen aus. Er kann sich nicht mehr erheben und stirbt vom Publikum getrieben einen grausamen Tod.
Die Bilder von Martin Disler dokumentieren nicht jene tragische Ahnung, sondern machen auf die Realisierung und Reflexion der eigenen Situation als Künstler aufmerksam. Die in der Ausstellung gezeigten Werke erscheinen so in einem starken Kontrast, wo existentielle, anfänglich tabuisierte Themen auf rastlose künstlerische Tätigkeit treffen. Sexualität, Gewalt und Angst sind in den Werken wieder zu erkennen. Dem Betrachter eröffnet sich so ein expressiver und figurativer Ausdruck der dargestellten Personen. Oft findet sich auf den Bildträgern der Aspekt der Bewegung wieder, bei welcher die Figuren in der Komposition agieren. Zu dieser Wirkung tragen massgeblich auch die schnell ausgeführten Pinselstriche des Künstlers bei. Die Bilder scheinen fliessend entstanden zu sein, wo Kreide und Gouache sich gegenseitig ergänzen. Die daraus resultierenden Farben sind erdig und düster.
Martin Dislers künstlerisches Schaffen ist als vehemente Antwort auf die Konzeptkunst der 1960er Jahre zu verstehen. Mit der axialen Anordnung der einzelnen Bildträger lassen sich Bezüge zwischen den einzelnen Bildthemen herstellen, wodurch eine gesteigerte Wirkung der Bilder erreicht wird. Zugleich wird das Interesse des Rezipienten geweckt, sich mit dem Künstler und seinem Leben näher auseinander zu setzen. Die Arbeiten der Galerie „Hilfiker Kunstprojekte“ gewähren nicht nur Einblick in Martin Dislers künstlerische Tätigkeit, sondern sind zugleich unmittelbares Zeugnis seines Verlangens nach Entfaltung und Selbsterkenntnis. Das selbstinitiierte Hineinsteigern war dabei charakteristisch für Martin Dislers enormen Schaffensprozess während seines kurzen Lebens.
Die Ausstellung „Martin Disler“ ist noch bis zum 22. Februar 2014 in der Galerie“ Hilfiker Kunstprojekte“ an der Museggstrasse 6 in Luzern zu sehen.