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Der erste Teil zeigte, wie der damalige Wegelin-Banker Daniel Sprecher in London in die Falle der Frau eines Geldwäschers tappte.
Nun folgt, wie die Amerikaner mit Hilfe des Ehepaars Seuss, das um die Käuflichkeit von Sprecher wusste, den vergifteten Triathleten nach Miami lockten – obwohl ihm dies seine Wegeln-Chefs strikt verboten hatten.
Es waren lähmende Wochen des Schweigens, nachdem Kathrin Seuss im Februar 2010 Daniel Sprecher in einem Londoner Hotel in ein Geldwäscherei-Gespräch verwickelt hatte, das vom FBI und von der Metropolitan Police (Met) heimlich aufgezeichnet worden war.
Dann endlich kam wieder Bewegung in die Sache. Stefan Seuss, Kathrins Mann und der grosse Verbrecher in dieser Geschichte, hatte von der US-Justiz seinen Pass zurück erhalten.
Diesen brauchte er, um seinen Schweizer Banker auf den Cayman Islands zu treffen. „Rein him back in“, wie das Gerichtsdokument festhält.
Das Meeting war der entscheidende Durchbruch. Nun glaubte Wegelin-Mann Sprecher, dass sein Job tatsächlich war, bei einer Flugzeugfinanzierung mit hinterzogenen und schmutzigen Geldern zu helfen, was ihm 40’000 Dollar einbringen würde.
Es kam zum zweiten Treffen mit Seuss‘ Frau Kathrin, wieder in London, in der gleichen Lobby des Hotels wie beim ersten Mal zu Beginn des Jahres 2010.
Auch war Kathrin Seuss erneut verkabelt. Alles war perfekt vorbereitet.
Nummer und Name des vermeintlichen Beneficial Owners eines Bahamas-Kontos, den Sprecher in London auf Seuss‘ Vermittlung treffen sollte und in Tat und Wahrheit ein verkleideter Metropolitan-Agent war, waren im Handy der Frau erfasst.
Warum das? Ganz einfach, meinte Kathrin Seuss später gegenüber den Behörden:
„(T)he plan was that I arrive a little early, have a little warmup talk with * * * [X], and then I would get a phone call from * * * [the beneficial owner] and I would say „Oh, he’s coming,” and even show it in the phone and, you know, make it very real.“
Es funktionierte. Der Metropolitan-Agent tauchte wenig später in seiner Rolle als Mit-Verschwörer im Hotel auf und unterhielt sich mit Sprecher über die Bahamas-Transaktion.
Auch da überliessen die Jäger nichts dem Zufall. Der verkleidete Agent sprach über seine vermeintliche Leidenschaft für Triathlon, was ihn Sprecher sympathisch machte.
Als das Terrain präpariert war, schlug der Agent dem Wegelin-Banker vor, an einem Triathlon auf den Bahamas teilzunehmen; da könne man dann schauen, wer besser sei.
Sprechers Ehrgeiz war geweckt. Er biss an. Am Ende sprachen die beiden entspannt über die geplante Business-Transaktion mit 1,2 Millionen Dollar Deliktgeld.
Alles schien geglückt. Bis die Amerikaner und Engländer merkten, dass sie nichts auf Band hatten.
Weder das Tonband am Körper von Kathrin Seuss noch jenes in ihrer Handtasche hatten ihren Dienst getan. Die inkriminierenden Worte von Sprecher waren verflogen, seine verräterischen Aussagen unbrauchbar für einen Prozess.
Die Sache drohte den Geheimleuten zu entgleiten. In einem Versuch, Sprecher zu erneuten Aussagen zu bewegen, rief Hauptakteur Stefan Seuss aus Miami immer wieder beim Wegelin-Mann an.
Und tatsächlich, Sprecher liess sich dazu hinreissen, das illegale Geschäft mit dem Flugzeugdeal und dem Karibik-Konto zu besprechen – zum Erstaunen von Seuss.
Der hatte gemäss Gerichtsdokument erwartet, dass Sprecher am Telefon bei Wörtern wie „veruntreut“ und „unversteuert“ zurückschrecken würde.
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Nun kam der entscheidende Teil der geheimen Operation. Sprecher musste in die USA gelockt werden.
Und auch das ging wie von selbst. Stefan Seuss schlug ein Treffen mit dem als Beneficial Owner verkleideten Metropolitan-Agenten vor, und zwar bei sich in Miami, bevor die zwei dann weiter auf die Bahamas für ihren Triathlon reisen würden.
Seuss stellte als Anreiz für das Treffen eine Vorauszahlung von 15’000 Doller in Cash in Aussicht.
Der Köder wirkte. Sprecher löste statt einem Direktticket in die Karibik eines mit Zwischenstopp in Miami. Dort schnappte die Falle zu.
Zeit für Teil Zwei im Schlachtplan der Amerikaner.
„After a week in custody, (Sprecher) agreed to assist the Government agents in their pursuit of the Targeted Business“, heisst es im Gerichtsdokument. „Target“ war die Wegelin-Bank
Sprechers Verhaftung „was kept quiet so as not to alert the Targeted Business; eventually he was released and permitted to return abroad.“
Sprecher flog laut einer Quelle auf die Bahamas. Von dort aus informierte er gemäss Dokument einen der beiden Wegelin-Partner, also Konrad Hummler respektive Otto Bruderer.
Für Sprecher war die Situation ungemütlich. Gemäss US-Auflage durfte er nichts verraten. Als Ausweg druckste Sprecher herum. Er sei verhaftet worden und bräuchte Hilfe.
Als die USA vom „Verrat“ Sprechers erfuhren, setzten sie erneut Stefan Seuss ein, den sie wegen dessen eigenen Verfahrens nach Belieben für ihre Zwecke nutzen konnten.
Seuss sprach Sprecher ins Gewissen. Er würde für den Rest seines Lebens ein Gefangener in Europa bleiben, denn „as soon as you jump over the water, they get you“.
Er, Sprecher, könne sich auf die US-Justiz-Leute verlassen. Das Spiel sei simpel: „(If) you screw them, you’re screwed.“
Schliesslich sei Sprecher bereit gewesen „to cooperate with the Federal authorities“, heisst es im Bericht.
Ein Durchbruch für die USA. Sie eröffneten im Geheimen ein Strafverfahren gegen die Wegelin-Bank, das ein Jahr später zum Untergang des einst stolzen Instituts und ihren bekannten Eigentümern führen würde.
Daniel Sprecher wurde zum entscheidenden Informanten der US-Justiz, der ständig neue Details über das Wegelin-Geschäft mit US-Kunden lieferte, welche von Seuss verifiziert wurden.
„Often when (Sprecher) provided prosecutors with information, (Seuss) would be asked to confirm its accuracy“, heisst es dazu.
„During this time (Seuss) met the assistant U.S. attorney leading the case, along with FBI and IRS agents, to discuss the organization and operation of the Targeted Business.“ Sprich Wegelin.
Am Ende kam es so heraus, wie der kriminelle Seuss den US-Behörden vorausgesagt hatte. Wegelin brach unter der US-Anklage ein, musste sich schuldig bekennen und zahlte 74 Millionen Dollar Strafe.
Seuss erhielt vom Chef-FBI-Agent ein E-Mail mit den Worten „GREAT JOB“, zusammen mit einem Kopie der Anklageschrift gegen die Wegelin-Bank.
Ein zweiter Agent beglückwünschte Verbrecher Seuss per Telefon, der sich das ganze Komplott ganz allein ausgedacht hatte.
Gegenüber dem Steuergericht, das über eine Whistleblower-Prämie für Seuss entscheiden musste und deshalb das hier geschilderte Dokument publizierte, bezeugten der FBI-Chef und der stellvertretende Leiter eines DOJ-Büros den Wert von Seuss‘ Arbeit.
Die Aktion gegen Wegelin „would not have been possible“ ohne Seuss, hielten sie fest. Das IRS (amerikanisches Steueramt) doppelte nach. Es habe einzig und allein die Operation von Seuss gegeben.
Selbst habe man „no ‚Plan B'“ zur Verfolgung von Wegelin gehabt.