Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/1366

Bald nach der Gründung des Kath. Gesellenvereins Zürich im Jahre 1863 sprach man von der Notwendigkeit eines Gesellenhauses. Bereits am 25. August 1889 wurde das Gesellenhaus Wolfbach eingeweiht. Einige Jahre nach der Eröffnung kamen unruhige Zeiten für die Arbeiterschaft. Das führte zu einer grossen Fluktuation im Mitgliederbestand. Die Kantonalbank Schwyz als wichtigste Geldgeberin hatte grosse Bedenken, dass durch den stetigen Wechsel die Vereins- und Führungsstruktur keine genügende Sicherheit mehr gewährleiste und verlangte deshalb bessere Garantien. Dies war die Geburtsstunde des Kath. Gesellenhausvereins, heute Kolpinghausverein Zürich (KHVZ), welcher am 18. September 1894 vorwiegend von bestandenen Ehrenmitgliedern gegründet wurde. An einer a.o. Generalversammlung des Kath. Gesellenvereins wurde der Verkauf der Liegenschaft an den KHVZ mit grossem Mehr bewilligt.
Das Gesellenhaus Wolfbach, liebevoll nur Wolfbach genannt, durchlief insbesondere während den beiden Weltkriegen eine schwierige Zeit. Der Wolfbach galt aber auch über Jahrzehnte als bestes «Heiratsvermittlungsinstitut» für katholische Ehen.
Mit den neuen Pfarreizentren in der Stadt Zürich, insbesondere aber nach der staatlichen Anerkennung der Kath. Kirche im Kanton Zürich per 1. Januar 1964, verlor der Wolfbach zunehmend an Bedeutung. Aufgrund des baulichen und betrieblichen Zustandes des Gebäudes, der Auflagen der Denkmalpflege und der fehlenden finanziellen Unterstützung der kirchlichen Instanzen wurde der Wolfbach am 29. April 1981 verkauft. Mit dem Gesellenhaus Wolfbach ging ein bedeutender Teil von Katholisch Zürich unter, diente es doch vor der Errichtung der Kirchen Liebfrauen und St. Anton als eigentliche Pfarrkirche auf der rechten Seite der Limmat und war kirchliches Zentrum für rund 17 000 Katholiken.
Die Bemühungen, den Erlös aus dem Verkauf des Wolfbachs sinnvoll zu reinvestieren, dem Verband und der Krankenkasse Kolping ein neues Zuhause zu geben und jungen Kolpingmitgliedern einige Zimmer zur Verfügung zu stellen, konnten mit dem Kauf der Liegenschaft Badenerstrasse 78, Zürich, erfolgreich umgesetzt werden. Bei der Liegenschaft handelt es sich um das ehemalige Casino Aussersihl, welches der Casino Gesellschaft Zürich, zu dieser Zeit präsidiert von Guido Kolb, dem damaligen Pfarrer von St. Peter und Paul, gehörte. Der Erwerb geht auf das Jahr 1981 zurück. Dem Kauf folgte eine umfangreiche Sanierung. Das renovierte «neue» Kolpinghaus wurde am 18. November 1984 mit einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul eingeweiht.
Vorbesitzer des Mehrfamilienhauses an der Krummackerstrasse 3 in Dietikon, welches seit 2008 dem KHVZ gehört, war der Gesellenhausverein Dietikon. Fehlende personelle und finanzielle Ressourcen waren hier Hauptgründe für den Verkauf, und obschon die Kirchgemeinde Dietikon Baurechtgeberin war, lehnte es seinerzeit die Kirchgemeindeversammlung ab, die Liegenschaft selbst zu erwerben. Der KHVZ hat das Mehrfamilienhaus daraufhin gekauft und für rund 1,6 Mio. Franken total saniert. Gleichzeitig sind nicht familienfreundliche Kleinwohnungen zusammengelegt und die Balkone erweitert worden.
Das Mehrfamilienhaus an der Bertastrasse 76, Zürich, ist als letzte Liegenschaft dazugekommen. Sie wurde per 1. Januar 2011 von der Genossenschaft Wohnhaus Palme erworben, nachdem nach personellen Problemen in der Leitung der Genossenschaft der KHVZ mit seinen Ressourcen einsprang. Gegründet wurde die Genossenschaft Jugendwohnhaus Palme im Jahre 1971 einzig mit dem Zweck, ebendiese Liegenschaft von der Caritas-Stiftung St. Peter und Paul zu erwerben, was ihr im Jahre 1972 auch gelang.
Alle drei Liegenschaften haben sozusagen eine «katholische» Vorgeschichte. Sie sind in hervorragendem Zustand und stellen mit einem Gebäudeversicherungswert von 10.9 Mio. Franken (ohne Grundstückanteil) und einem Buchwert inkl. Grundstücken von 8,3 Mio. Franken das wichtigste Aktivum des Vereins. Sie ermöglichen es dem KHVZ, trotz komplett geänderter Rahmenbedingungen den Idealen von Adolph Kolping auch heute noch nachzuleben. Dank umsichtigem Engagement gelingt es dem Verein alljährlich, ansehnliche Überschüsse zu erzielen, welche gemäss den geltenden Statuten zu mindestens 75 % für karitative und gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Bei seinen Spenden werden jährlich mit einigen tausend Franken auch internationale Projekte von Kolping Schweiz unterstützt.
Erich Schneider / Peter Lichtsteiner