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Die Einsiedlerin Lena Schuler lebt seit Januar 2021 in Hamburg. Dort besuchte sie die «Stage School Hamburg», eine Schule für angehende Musicaldarsteller. Mit dem Einsiedler Anzeiger sprach sie während ihrem Sommerurlaub zu Hause in Einsiedeln.
Im Klosterdorf besuchte Lena Schuler den Kindergarten, die Primarschule und zwei Jahre die Oberstufe. Bereits von klein auf tanzte sie in verschiedenen Tanzstudios in Einsiedeln und nahm regelmässig an Shows teil. Im Jahr 2019 schloss Lena Schuler die Kantonsschule Ausserschwyz mit der Matura ab. Und dann kam die Frage auf: Was nun? Sie wollte ein Zwischenjahr einschalten und in Spanien die Landessprache lernen. Ihr Zwischenjahr startete sie als Serviceangestellte im Restaurant Meinradsberg und überlegte sich, welches der nächste Schritt nach diesem Jahr sein könnte.
Und was kommt jetzt?
An der Kanti besuchte sie den Schwerpunkt Musik. Begonnen hat ihre musikalische Karriere auf dem Xylophon. Nach und nach fand sie aber auch Gefallen am Klavierspielen und wechselte das Instrument. In ihrem Schwerpunktfach organisierte ihr damaliger Fachlehrer eine Exkursion nach Stuttgart. Als Höhepunkt der Reise stand der Besuch des Disney-Musicals «Der Glöckner von Notre Dame» auf dem Programm. Sie war begeistert von der Inszenierung und erkundigte sich bei ihrem Lehrer über den Werdegang einer Musicaldarstellerin. «Musicaldarstellerinnen und -darsteller werden an einer Musicalschule ausgebildet », erhielt sie als Antwort. So kam es, dass sich während ihres Zwischenjahres die Möglichkeit ergab, an der «Stage School Hamburg» einen Work-shop zu besuchen. Dieser dreitägige Workshop galt zugleich als Aufnahmeprüfung. Bereits im Januar 2020 hätte sie die verkürzte Ausbildung antreten können. Doch halt, da war ja noch etwas mit spanisch …
Corona als Spielverderber
Alles wäre geplant gewesen und dann schlug die Covid-Pandemie zu. Der Spanien-Sprachaufenthalt fiel ins Wasser. So blieb sie in der Heimat und legte die Schule vorerst auf Eis. Nachdem der Studienstart im Januar 2021 ein weiteres Mal verschoben wurde, startete sie im Februar endlich mit ihrer Ausbildung. Dann war bis und mit Juli Schule angesagt, ohne Ferien, um auf das gleiche Level zu kommen wie die Mitschüler, welche bereits im August 2020 gestartet waren. Während dieser Zeit galt es, sich in den Sparten «Tanzen», «Gesang» und «Schauspiel» das notwendige Rüstzeug als Musicaldarstellerin anzueignen. Beim «Tanzen» standen Ballett, Jazz- und Stepptanz auf dem Stundenplan. Hinzu kamen dann mit der Zeit auch Fächer wie «Musical Dance Repertoire », abgekürzt MDR, und Ensemble Staging. Darin galt es, Originalchoreografien aus verschiedenen Musicals zu erlernen und die drei Sparten Tanz, Gesang und Schauspiel zu vereinen. Im Fach «Schauspiel» wurde neben dem Schauspiel-Unterricht Wert auf den Umgang der eigenen Stimme gelegt. Wie kann ich meine Stimme richtig einsetzen, ohne diese zu überstrapazieren? Auch wurden Sprechtechniken und Aussprachen geübt. Das Aufwärmen der Stimme aber auch Atemübungen gehörten dazu. Beim Gesang gab es immer wieder Einzelunterricht. Jede und Jeder konnte so seine Stimme schulen. In der dazugehörigen «Musiktheorie» galt es Noten zu lesen, die Harmonielehre, Akkorde und Umkehrungen zu kennen und anzuwenden. Unter dem Punkt «Repertoire» wurden die Lieder musikalisch einstudiert und dann im Fach «Interpretation » schauspielerisch umgesetzt und inszeniert.
Singen, Tanzen, Schauspielern
Auf die Frage, welches ihr Lieblingsfach gewesen sei, konnte sie nicht sofort eine Antwort geben. Nach einigen Überlegungen entschied sie sich, dass sie doch gerne Jazz- und Stepptanz hatte. Da konnte sie am meisten lernen. Im Frühsommer dieses Jahres standen die Abschlussprüfungen an. In jeder Sparte wurden die Schülerinnen und Schüler geprüft. Im Tanz wurden zu zweit zwei Choreos einstudiert und gezeigt. Die externen Experten konnten danach auch noch weitere Tänze einfordern. Auch diese wurden im Voraus einstudiert und bei Bedarf vorgetanzt. Beim Schauspiel musste ein typischer Theatermonolog aufgeführt werden. Je nach Situation wurde noch ein zweiter oder sogar ein dritter verlangt. Insgesamt wurden drei Monologe vorbereitet. Bei Gesang musste ein deutsches Hauptlied gesungen werden. Zusätzlich wurden aber noch sechs weitere Songs in verschiedenen Kategorien und Sprachen vorbereitet.
Erstes Engagement
Bereits im Frühling erhielt Lena Schuler ein Engagement im Ensemble des Musicals «Sister Act» im First-Stage-Theater. Dabei ist sie nicht nur in verschiedenen Rollen auf der Bühne zu sehen, sondern als Dance Captain auch noch im Hintergrund tätig. Sie erledigt Aufgaben wie die Besetzungslisten schreiben, Proben planen und leiten sowie die Show Backstage betreuen. Sister Act wurde als Abschlussprojekt festgelegt und alle, die bestanden hatten, durften da mitmachen. Bei der Audition ging es lediglich noch um die Rollenbesetzung. Im Moment befindet sich das Musical um eine Nachtclubsängerin, welche sich in einem Kloster vor dem Zugriff eines Mafiosi versteckt, in der Sommerpause. Vorgestern Mittwoch wurde die zweite Spielzeit in Angriff genommen. Das ist natürlich auch der Zeitpunkt, auf welchen die Einsiedler Musicaldarstellerin zurück an die Elbe reisen musste. Sie wird dann wieder ihren Alltag einnehmen. Während den Aufführungen heisst das, am Tag nach der Show nicht allzu früh aus den Federn. Am frühen Abend gilt es, sich ins Theater aufzumachen und sich vorzubereiten. Je nach gespielter Rolle, als Ensemble werden mehrere Rollen gespielt, sind diese Vorbereitungen teilweise grösser, teilweise kleiner. Vor der Show wärmt man sich auf und es werden notfalls noch kleine Proben durchgeführt. Nach dem «Circle» im Backstage, einem nochmaligen Zusammenkommen des gesamten Ensembles hinter der Bühne, startet die Show um 19.30 Uhr. Nach einer Pause fällt spätestens um 22 Uhr der Vorhang. Nach dem Aufräumen geht es meistens nach Hause und sie fällt müde ins Bett. Während der Probenzeit sind die Tage lang. Man beginnt erstmal um 10 Uhr und probt bis um 20 Uhr. Dann wechselt man in die Theaterzeit. Diese beginnt um 13 Uhr und endet um 22 Uhr, wobei anschliessende Besprechungen bis in die Nacht dauern können.
Erstmals im Ensemble
Auf die Frage, welches ihre Musical Traumrolle sei, konnte sie sich nicht festlegen. Im Moment sei sie ein Allrounder im Ensemble und geniesse diese Zeit. Ihr Lieblingsmusical sei «Hamilton». Das Musical erzählt die Geschichte von einem der Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Lieder des Stückes sind beeinflusst durch die Musikstile Hip-Hop und R’nB. Als Künstlerin wolle sie erst mal auf der Bühne stehen, Erfahrungen sammeln und Leute kennenlernen. Dank der Musicalschule durfte sie während der Ausbildung schon an Projekten mitwirken und realisieren und eigene Choreos auf die Bühne bringen. Sie sei offen, auch künftig ihre eigenen kreativen Ideen zu verfolgen und zu veröffentlichen. Das Leben in der Grossstadt gefalle ihr irgendwie auch. Hamburg sei wie ein grosses Dorf. Mit dem Fahrrad komme man gefühlt in 20 Minuten überall hin. Doch auch Einsiedeln hat seinen Reiz. Sie habe sich gefreut, einige Tage im Klosterdorf zu verbringen. Für sie sei es ein Privileg, diese Ausbildung gemacht zu haben und so in das Berufsleben einer Bühnendarstellerin zu starten.
Einsiedler Anzeiger / René Hensler