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Blanchet & Valladao (1990): Maschinen und ihre Regulierung verstehen
Klassische flexible Interviews
Die Genfer Schule hatte sich zum Ziel gesetzt, beschreiben und erklären zu können, wie sich die Einsicht in immer komplexere Objekte und Sachverhalte entwickelt. Der Intelligenzbegriff der Genfer Schule war von Anfang an ganzheitlich. Aus diesem Grund liess man die Kinder und Jugendlichen mit verschiedensten Gegenständen operieren: Blumensträusse, Tiere, Uhrwerk (siehe Abbildung unten), mit physikalischen und chemischen Sachverhalten, mit Mengen und Fragestellungen der Mathematik, mit der Geometrie sowie mit Regeln des sozialen Lebens u.v.m.
Gesellschaftliche Verhältnisse und Zwänge können das Individuum und auch dessen Erforschung entfremden. Deshalb entschied sich die Genfer Schule für eine kritische Forschungsmethode und für theoretische Ansätze, welche die Suche nach Formen des Gleichgewichts und der Gegenseitigkeit (Reziprozität) in der Autonomie und der Mitverantwortung (siehe Piaget, 1976) unterstützen.
Die kritische Methode der Genfer Schule ist die Grundlage für entwicklungspsychologische Forschungen und für erkenntnistheoretische Erfahrungen. Sie ist auch ein Medium in der Bildung, welche das Denken, das Operieren mit Gegenständen sowie die Kooperation auf einer dialogischen Grundlage entfalten möchte. In beiden Bereichen regt das flexible Interview zum Nachdenken über Forschungs- und Interventionsmethoden an.
Das flexible Interview als Hebammenkunst
Im Menon-Dialog beschrieb Platon in der sogenannten "geometrischen Episode" (Merkelbach, 1988, S.6), wie Sokrates mit einem Sklaven über die Verdoppelung der Quadratfläche sprach, ohne dass er ihn dabei belehrte. Dieser Dialog wurde zum Lehrstück und Übungsstück der sogenannten Hebammenkunst.
Merkelbach (ebd., S. 69) umschrieb das Wort "Philosophie" mit "Sehnsucht nach dem Wissen". Platons Texte waren nach Merkelbach (ebd., S. 6) "Übungsbücher für den Gebrauch im Unterricht". - Das flexible Interview beinhaltet mehrere theoretische und pragmatischev Funktionen: die philosophisch-erkenntnistheoretische, die entwicklungspsychologische und die pädagogische.
Ein Beispiel dieser Methode ist "Anouchka et l'inclusion des fleurs" (Klasseninklusion). Das Mädchen soll herausfinden, ob es in einem Blumenstrauss (Rosen und Nelken) mehr Rosen oder mehr Blumen hat. Der Film wird von der Fondation Jean Piaget zur Verfügung gestellt.