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Vergangenen Sonntag sass ich in der Ambulanz einer Unfallklinikin der geliebten grossen Stadt. Vor dem Fenster des Behandlungszimmers, in dem ich auf den Arzt wartete, zwitscherte der Sommermorgen, ab und zu trafen Krankenwagen ein. Ich konnte nur hören, nicht sehen, was vor sich ging. Zuerst wurde eine alte Frau eingeliefert. Sie war gestürzt, hatte eine Weile gelegen,sich dann zum Sofa schleppen und die Sanität informieren können. Der Sanitäter sagte, sie habe vor dem Transport unbedingt noch zur Toilette gebracht werden wollen. Er sagte es so bedeutungsvoll, dass ich schloss, er müsse etwas anderes meinen. Die Frau berlinerte munter dazwischen. Mir schien, dass auch sie etwas anderes meinte: Alles halb
so schlimm, ich muss nicht ins Heim!
Dann sah ich zwei Männer, die sich dem Eingang lautstark näherten, der eine, blond, redete heftig auf den anderen, dunkelhäutig, ein. Ich vermutete: ein Asylbewerber und sein Betreuer. Vor der Tür drehten sie um, lärmend gingen sie davon. Der nächste Krankenwagen brachte eine Frau, die schrie. Sie musste gebändigt werden: «Legen Sie sich wieder hin,
junge Frau! Alles ist gut! Legen Sie sich jetzt hin! Hinlegen jetzt!» Irgendwann wimmerte sie nur noch. Immer folgte auf die Turbulenzen eine grosse Stille. Ich wartete, abgeschirmt von den Ausweglosigkeiten des Lebens, selbst von noch nichts Schlimmerem geplagt als einem entzündeten Insektenstich.