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Raiffeisen gestern und heute
Zu Beginn…
Die Geschichte der genossenschaftlichen Bank geht zurück auf das Jahr 1862. Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Bürgermeister im rheinischen Heddesdorf (D, heutiges Neuwied), hatte damals die zündende Idee der Selbsthilfe. Das Kapital wurde da nutzbar gemacht, wo man es erarbeitete. Er sammelte also das Geld der Dorfgemeinschaft in Form von Spareinlagen und lieh es gegen Sicherheiten zu günstigen Bedingungen im Ort wieder aus.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen verpflichtete die Kreditinstitute auf genossenschaftliche Grundsätze. Alle Mitglieder sollen die Dienste ihrer Bank beanspruchen können und ein Recht auf Mitbestimmung haben, gleichzeitig sind aber alle auch mitverantwortlich für das Wirken und Gedeihen der Genossenschaft.
Pfarrer Johann Evangelist Traber
(1854-1930)
Schon bald wurde Raiffeisens Selbsthilfegedanke in weiteren Ländern Europas übernommen. Auf Initiative von Pfarrer Johann Traber entstand 1899 in Bichelsee TG die erste Raiffeisenkasse der Schweiz.
Im Jahre 1899 beschloss Pfarrer Traber eine Darlehenskasse nach den Ideen und Grundsätzen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen aufzubauen. Pfarrer Traber sah mit der Gründung einer Darlehenskasse, die Möglichkeit, Bauern und Arbeiter zum Sparen zu animieren und ihnen günstige Kredite zu beschaffen. Am 21. Dezember 1899 wurde aus dem damaligen katholischen Männerverein der Spar- und Darlehenskassenverein Bichelsee-Balterswil gegründet. Pfarrer Traber wurde von den 40 Mitgliedern zum Vorstandspräsidenten gewählt.
Mit Pfarrer Trabers Hilfe wurden in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Zürich, Zug, Schwyz und Luzern weitere Kassen gebildet.
Nach 3-jähriger Tätigkeit als Vorsitzender des Darlehenskassenvereins Bichelsee-Balterswil sah er bald ein, dass das System von Friedrich Wilhelm Raiffeisen nur Erfolg haben konnte, wenn es möglich war, eine schweizweite Zentralkasse einzurichten.
1902 gründeten zehn Institute den Schweizerischen Raiffeisenverband. 1936 liess sich der Verband in St.Gallen nieder, wo er heute noch zu Hause ist.
Das Raiffeisen-System ist in über 100 Ländern mit rund 350 Millionen Genossenschafts-Mitgliedern verankert. Selbsthilfe, demokratische Strukturen und Solidarität überzeugen weltweit.
Am 25. September 1902 wurde mit der Gründung des Schweizerischen Raiffeisenverbandes der Grundstein für den Erfolg dieser Banken in der ganzen Schweiz gelegt. Ziel dieses Verbandes war es, die Gründung von Raiffeisenkassen zu unterstützen, die Genossenschaften zu beraten und die gemeinsamen Grundsätze nach aussen zu vertreten. Zugleich sollte auch der Geldausgleich zwischen den einzelnen Kassen geregelt werden.
Die Raiffeisenbank am Bichelsee wurde zum ersten Verbandssitz und Pfarrer Traber zum Verbandsdirektor des Schweizerischen Raiffeisenverbandes gewählt. Die Raiffeisenbank am Bichelsee stellt somit den Ursprung der Raiffeisenbewegung in der ganzen Schweiz dar.
Heute…
Die 292 Raiffeisenbanken sind juristisch und organisatorisch selbstständige Genossenschaften mit selbstgewählten Verwaltungsräten und einer unabhängigen Revisionsstelle. Eigentümer der Raiffeisenbanken sind die Genossenschafter. Die örtliche General- oder Delegiertenversammlung wählt die Mitglieder des Verwaltungsrats. Diese garantieren den fairen Ausgleich zwischen den Anliegen der einzelnen Bank und denjenigen der Genossenschafter. Die Raiffeisenbanken sind zu 100 Prozent Eigentümer von Raiffeisen Schweiz.
Unsere einmalige Stärke ist unsere lokale Verankerung. Mit 1’004 Bankstellen verfügt Raiffeisen über das dichteste Bankstellennetz der Schweiz. Dazu zählen auch die sechs Niederlassungen in St. Gallen, Winterthur, Basel, Zürich, Bern und Thalwil, die direkt von Raiffeisen Schweiz geführt werden.
Die Bevölkerung spürt diese Nähe ganz direkt: Die Raiffeisenbanken sind innerhalb ihres klar definierten und überschaubaren Geschäftskreises tätig und fördern so die lokale Wirtschaft. Spargelder aus der Region werden in derselben Region in Form von Hypotheken und anderen Krediten reinvestiert. Die Raiffeisenbanken sind auch attraktive Arbeitgeberinnen. Durch Steuerbeiträge lassen sie die Region am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben. Zudem ermöglichen sie als Sponsoren vielfältige kulturelle und sportliche Aktivitäten in der Region.
Die Raiffeisenbanken sind in 21 Regionalverbänden zusammengeschlossen, die als Vereine organisiert sind. Die Verbände nehmen eine Bindegliedfunktion zwischen Raiffeisen Schweiz und den einzelnen Raiffeisenbanken wahr.
Zu den Aufgaben der Regionalverbände gehören insbesondere die Organisation der Wahl der Delegierten für die Delegiertenversammlung von Raiffeisen Schweiz, die Koordination von regionalen Werbeaktivitäten, die Durchführung von Ausbildungsveranstaltungen für die Raiffeisenbanken sowie die Wahrung und Vertretung der Interessen der Raiffeisenbanken gegenüber kantonalen Wirtschaftsverbänden und Behörden.