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Die Geschichte des Appenzellerlandes
10 February 2022
So schön die hügelige und bergige Landschaft der beiden Appenzeller Kantone ist, so typisch schweizerisch und einzigartig ist ihre Entstehungsgeschichte.
Die Fläche dieser Kantone beträgt 420 km2. Der nördliche Teil, im Kanton Appenzell Ausserrhoden (AR), besteht aus Hügeln und grenzt fast an den Bodensee. Im südlichen Teil, dem Kanton Appenzell Innerrhoden (AI), dominieren die Berge der Voralpen mit ihrem höchsten Gipfel, dem Säntis (2.502 Meter).
Appenzell Ausserrhoden besteht aus den Regionen Hinterland, Mittelland (mit dem Hauptort des Kantons Herisau) und Vorderland. Appenzell Innerrhoden besteht aus der Region Inneres Land mit Appenzell als Kantonshauptstadt.
Nach 1405 entstand das unabhängige Land Appenzell im heutigen Umfang mit neuen Verwaltungsbezirken, den Rhoden. Die Rhode Trogen war die grösste. 1597 war Trogen Hauptort des neunen Kantons Appenzell Ausserrhoden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Herisau Kantonshauptort.
Nach der Teilung des Landes Appenzell 1597 blieb Trogen jedoch bis zu ihrer Abschaffung 1997 Tagungsort der Landsgemeinde.
Der Name Rhode ist die Bedeutung der erstmals im vierzehnten Jahrhundert urkundlich erwähnten Verwaltungseinheiten.
Dies sind die sechs ‚äusseren Rhoden‘ (Urnäsch, Herisau, obere und untere Rhode Hundwil, Teufen und Trogen) und die sechs ‚inneren Rhoden‘ (Schwende, Rüte, Lehn, Schlatt, Gonten, Rinkenbach/Wies).
Diese einstige geografische Einteilung ist die Grundlage und der Name für die Aufteilung im Jahr 1597. Eine weitere Veränderung in dieser Zeit war der Wechsel vom Ackerbau zur Viehzucht, die bis heute der wichtigste landwirtschaftliche Zweig der Region ist.
Die äusseren Rhoden hatte zu dieser Zeit (um 1597) etwa 10 000 Einwohner*innen, die inneren Rhoden etwa 4 000. Heute liegen diese Zahlen bei 55 000 bzw. 16 000 Einwohner*innen.
Bis zur Reformation ca. 1530 gab es keine Belege für die Bildung von zwei Kantonen. Im Gegenteil, Appenzell war 1513 als dreizehntes Mitglied der Konföderation der Schweizer Kantone, der Eidgenossenschaft, beigetreten.
Der Zeitraum bis 1513
Appenzell war bis zur römischen Besetzung (15-13 v. Chr.) von rätischen Stämmen bewohnt. Nach dem Abzug der Römer im Jahr 410 entwickelte sich die rätoromanische Kultur und Sprache in dieser Region.
Ab dem 7. und 8. Jahrhundert besiedelten immer mehr Alemannen das Gebiet, weshalb das Alemannische zur Hauptsprache wurde.
Auch die berühmte Abtei St. Gallen spielte in dieser Region eine wichtige Rolle. Die Äbte wurden von den karolingischen Herrschern und ihren deutschen Nachfolgern des Heiligen Römischen Reiches benannt.
Die Abtei war ein Reichskloster, das dem Kaiser, und nicht einem lokalen Herrscher, direkt unterstand. Dieser Status ist vergleichbar mit der Reichsunmittelbarkeit der Schweizer Kantonshauptstädte und der Orte Schwyz, Uri, Glarus und Unterwalden.
Auch im Appenzell führte dieser Status zu einer zunehmenden Unabhängigkeit, unterstützt von den benachbarten Orten, insbesondere Schwyz und Glarus.
Als zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Abtei St. Gallen versuchte, mehr Einfluss in Appenzell zu gewinnen, unterstützten sieben der acht Kantone der Eidgenossenschaft (Schwyz, Glarus, Uri, Unterwalden, Luzern, Zug, Zürich) Appenzell. Nur Bern hielt sich zurück.
Der Konflikt zwischen der Abtei St. Gallen und Appenzell führte zu den Appenzeller Kriegen. Tatsächlich handelte es sich um einen Krieg zwischen Habsburg und der Abtei auf der einen Seite und der Eidgenossenschaft auf der anderen Seite.
Der Friede von 1429 bedeutete faktisch die Unabhängigkeit Appenzells unter dem Schutz der Eidgenossenschaft und als verbündeter oder zugewandter Ort, mit dem Status eines „ewigen Eidgenossen“.
Appenzell nahm in der Folge an den Kriegen der Eidgenossenschaft gegen Habsburg im Alten Zürichkrieg (1436), der Eroberung des Rheintals (1444), der Eroberung des Thurgaus von Habsburg (1460), dem Waldshuterkrieg (1468), den Burgunderkriegen (1474-1477) und dem Schwabenkrieg (1499) teil.
Die Trennung
Im Jahr 1597 kam es jedoch zu einer in Europa einmaligen Trennung: Der Kanton Appenzell spaltete sich in die Kantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden.
Die Ursache war die Religion: Appenzell Ausserrhoden war seit der Reformation (um 1530) evangelisch, Appenzell Innerrhoden blieb katholisch.
Die Bürger von Appenzell Ausserrhoden stimmten am 2. Juni 1597 für die Abspaltung, die Bürger von Appenzell Innerrhoden folgten am 15. Juni 1597. Die Eidgenossenschaft regelte und übersah die Teilung administrativ und juristisch. Am 8. September 1597 war der Trennungsvertrag fertig.
Die Eidgenossenschaft war ein Bund von souveränen evangelischen und katholischen Kantonen, die in der Tagsatzung völlig gleichberechtigt über Angelegenheiten diskutierten und entschieden. Dies war einzigartig und stellte eine Ausnahme im von Religionskriegen zerrissenen Europa dar.
Im Jahr 1513 trat Appenzell als dreizehnter Kanton der Eidgenossenschaft bei. Von diesem Zeitpunkt an folgte der Kanton der Geschichte der Eidgenossenschaft, einschliesslich des Status von zwei Halbkantonen mit nur einer Stimme pro Kanton (statt zwei) im Ständerat (Verfassung von 1848).
Die Landsgemeinde, welche noch heute Bestand hat in Appenzell Innerrhoden (und Glarus), ist übrigens seit dem Mittelalter die politische Organisation.
Schlussfolgerung
Die Weisheit der Führung in diesen Kantonen findet ihren Höhepunkt und ihre Symbolik im Jahr 1597. Auch die Eidgenossenschaft wurde durch religiöse Kämpfe und (Bürger-)Kriege zerrissen, sogar bis den Sonderbundskrieg im Jahr 1847. Diese hatten jedoch nicht die Rücksichtslosigkeit, Intensität und den Umfang der Nachbarländer.
Das hatte einerseits mit Glück und Zufall zu tun, aber auch mit dem für die Konföderation so charakteristischen Modell von (direkter) Demokratie, Kompromiss und Konsens.
Nicht alle (komplizierten) internationalen Verstrickungen und religiösen Allianzen sind in diesem Artikel benannt.
Die Eidgenossenschaft aus dreizehn souveränen evangelischen und katholischen Kantonen ging dank ihres politischen Konzepts relativ unbeschadet aus den Religionskriegen des 16. und 17. Jahrhunderts hervor.
Selbst der Sonderbundskrieg von 1847, der von religiösen und politischen Gegensätzen inspiriert war, hatte Versöhnung und Kompromiss als Ausgangspunkt und als Ergebnis.
Das katholische Appenzell Innerrhoden war in diesem Konflikt neutral, so hatten es die Bürger beschlossen. Die Appenzeller (und die Eidgenossenschaft) haben in dieser Hinsicht rückwirkend den Friedensnobelpreis verdient.
Quelle: A. Weishaupt u.a., ‚Appenzell (Kanton)‘, in Historisches Lexikon der Schweiz, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007389/2019-10-25).
Korrektorin: Melinda Fechner