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Hormonell bedingter Haarausfall (Alopecia androgenetica) betrifft die Kopfhaare von Männern und Frauen. Der Haarverlust beginnt allmählich und erstreckt sich meist über mehrere Jahre. Die Veranlagung zum hormonell bedingten Haarausfall wird vererbt und ist nicht heilbar. Der Haarverlust kann aber mit Medikamenten verzögert oder gestoppt werden.
Jeder Mensch, der Haare hat, verliert auch welche, jeden Tag. Haare wachsen, werden ausgestossen, entstehen neu. Nur wenn dieser normale Prozess dazu führt, dass Sie täglich mehr als 100 Haare verlieren, sprechen Ärzte von Haarausfall.
Haarausfall wird auch Alopezie (lateinisch Alopecia) genannt. Hormonell bedingter Haarausfall entsteht, wenn im Körper bestimmte männliche Hormone (Androgene) aktiv werden. Deshalb lautet die medizinische Bezeichnung für hormonell bedingten Haarausfall Alopecia androgenetica (APA). Da die Veranlagung für APA vererbt wird, spricht man auch von erblich bedingtem oder anlagebedingtem Haarausfall.
Alopecia androgenetica ist keine hormonelle Erkrankung: Der erblich bedingte Haarausfall entsteht nicht durch einen Überschuss von Hormonen. Die Ursache liegt vielmehr in Haarwurzeln, die auf Hormone empfindlich reagieren.
Bei Männern kommt hormonell bedingter Haarverlust sehr häufig vor. Er wird bei ihnen nicht als Krankheit im engeren Sinne angesehen. Während in der Schweiz und im übrigen Europa etwa jeder zweite Mann bis zu seinem 60. Lebensjahr von hormonell bedingter Alopezie betroffen ist, erlebt nur etwa jede fünfte Frau diese Form des Haarausfalls.
Wenn Sie unter hormonell bedingtem Haarverlust leiden, reagieren auf Ihrem Kopf bestimmte Zellen überempfindlich auf das männliche Sexualhormon Testosteron. Es wird in geringerer Menge auch im weiblichen Organismus gebildet. Ein Abkömmling dieses Hormons mit dem Namen Dihydrotestosteron (DHT) bewirkt eine Verkleinerung der Haarwurzeln (Follikel). Dadurch bilden sich deren Blutgefässe zurück, wodurch die Follikel nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Sie sterben ab, die Haare werden dünner und fallen aus.
Die Überempfindlichkeit der Haarwurzeln wird vererbt. Forscher und Forscherinnen haben eine Reihe von Genen ermittelt, die am anlagebedingten Haarausfall beteiligt sind. Eines der hauptverantwortlichen Gene ist das Androgenrezeptor-Gen. Doch nicht nur Gene und männliche Sexualhormone sind an der Entstehung der androgenetischen Alopezie beteiligt. Viele andere Faktoren kommen hinzu. So spielt zum Beispiel auch das Hormon Melatonin eine Rolle, das unseren Schlaf-Wach-Rhythmus steuert.
Männer mit hormonell bedingtem Haarausfall verlieren ihre Haare fast immer zuerst im Bereich der Schläfen und Stirn – hier bilden sich „Geheimratsecken“. Die nächste Station ist oft eine Stirnglatze. Manchen Männern bleibt schliesslich nur noch ein Haarkranz am Hinterkopf oder eine komplette Glatze.
Bei Frauen zeigt sich der erblich bedingte Haarausfall eher im Bereich des Mittelscheitels. Die weibliche Form der Alopecia androgenetica (APA) endet nur selten mit komplettem Haarverlust. Viele Frauen, die von APA betroffen sind, sind an bestimmten Körperstellen (Unterschenkel, Zehen, Gesicht) stark behaart.
Der hormonell bedingte Haarausfall kann jederzeit nach der Pubertät einsetzen. Wie der Haarverlust in den weiteren Lebensjahren verlaufen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Es gibt Männer, bei denen sich erst mit 30 Jahren Anzeichen der vererbten Alopezie zeigen. Andere haben in diesem Alter schon eine Glatze. Ein früher Beginn des hormonell bedingten Haarausfalls kann auf einen schweren Verlauf der Alopezie hinweisen – dennoch bleiben Ausmass und Ende im Einzelfall ungewiss.
Wenn Sie den Verlauf Ihres erblich bedingten Haarausfalls beeinflussen wollen, sollten Sie bei der Wahl Ihrer Mittel kritisch sein. Haarwasser, Tinkturen, Shampoos und andere Kosmetikprodukte bringen die erhoffte Haarfülle meist nicht zurück. Wissenschaftliche Studien zeigen: Wirksame Hilfe gegen Alopecia androgenetica bieten am ehesten Arzneimittel.
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kennt verschiedene Wirkstoffe, mit denen sich erblich bedingter Haarausfall behandeln lässt. Manche können allerdings auch erhebliche Nebenwirkungen haben. Am besten besprechen Sie diese mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt:
Die ersten Behandlungserfolge – gestoppter Haarausfall oder sogar neuer Haarwuchs – zeigen sich bei diesen Wirkstoffen erst nach Wochen oder Monaten. Eine weitere Gemeinsamkeit der Arzneimittel: Wenn Sie mit der Behandlung beginnen, sollten Sie sie ohne Unterbrechung als Dauertherapie fortführen. Denn sobald Sie Ihr Medikament absetzen, müssen Sie damit rechnen, dass der hormonell bedingte Haarausfall wieder einsetzt.