Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03627.jsonl.gz/78

-
Michael Ronner Experte für Technik & Hörakustik
Dolmetscher übersetzen in der Regel das gesprochene Wort mündlich oder in Gebärdensprache. Man kann diesen Berufsstand auch als Sprachvermittler verstehen. Sie können Sprachbarrieren überbrücken und dafür sorgen, dass sich bestimmte Menschen oder Menschengruppen verstehen können.
Das Dolmetschen ist in der Schweiz, aber auch Weltweit ein hoch angesehener Beruf, der eine intensive Hochschulausbildung erfordert. Die Königsdisziplin im Dolmetschen ist das Simultandolmetschen, was höchste Konzentration Multitasking erfordert.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Berufsbild Dolmetscher oder Dolmetscherin
- 2 Wie wird man Dolmetscher?
- 3 Arten von Dolmetscher
- 4 Formen von Dolmetschern
- 5 Simultandolmetschen als höchster Schwierigkeitsgrad
- 6 Konsekutivdolmetschen
- 7 Flüsterdolmetschen
- 8 Verhandlungsdolmetschen
- 9 Dolmetscher als Sprachvermittlung für Anlässe
- 10 Dolmetscher müssen Multilingual sein
- 11 Dolmetscher für Schweizerdeutsch
- 12 Übersetzer Apps auf Smartphones
- 13 Hörgeräte sind neu auch Dolmetscher
- 14 FAQ Dolmetscher
Berufsbild Dolmetscher oder Dolmetscherin
Woher stammt der Begriff Dolmetscher?
Das Wort «Dolmetscher» geht ursprünglich direkt auf die alten slawischen und türkischen Wörter „tolmač“ und „tilmaç“ für «Sprecher» zurück.
Woher kommt der Beruf Dolmetscher?
Vermutlich kam die Idee des Berufsstandes Dolmetscher mit den türkischen Feldzügen nach Europa. Im Rahmen der Osmanischen und Slawischen Kriege sollen die Sprachmittler sogar begehrte Kriegsbeute gewesen sein.
Sprachgebildete Menschen waren schon vor vielen tausend Jahren gefragte Persönlichkeiten. In der Antike waren Griechisch und Latein die alles verbindende Sprachelemente. Gesprochen wurde Latein aber nur von Kirchenleuten, Adeligen, Schreibern und Gelehrten. Das normale Volk und selbst das Militär konnte auf internationaler Ebene nur schwer in Kontakt treten.
Im antiken Ägypten waren die Dragomanen Griechisch sprechende Menschen, die sich um christliche Pilger, politische Interessen und Fremde aus aller Welt kümmerten.
Wie wird man Dolmetscher?
Im heutigen Sprachgebrauch kennen wir Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen. Ein Übersetzer überträgt geschriebene Wörter in andere Sprachen, während der Dolmetscher gesprochene Wörter direkt und mit seiner Stimme übersetzt.
In der Schweiz sind beide Berufsbezeichnungen nicht geschützt. Im Grunde kann sich also jeder „Sprachmittler“ so nennen, auch wenn er keine besondere Ausbildung vorweisen kann. Offizielle Zusatzbezeichnungen sind:
- diplomiert
- zertifiziert
- öffentlich bestellt oder
- beeidigt.
Diese berufliche Spezialisierung ergreifen Menschen in der Regel nach einem Studium der Sprachwissenschaften beziehungsweise Linguistik oder mehrerer Fremdsprachen.
Die Weiterbildung erfolgt an bestimmten Schulen. Voraussetzung für zertifizierte Lehrgänge und Diplome sind ein höherer Schulabschluss und das vorausgegangene Hochschulstudium. Quereinsteiger oder Muttersprachler werden an offiziellen Dolmetscher-Schulen in der Schweiz nicht akzeptiert.
Sehen Sie in unserem Video ein Interview mit einem Dolmetscher (Quelle YouTube, Recht Bildung-Schweiz .ch):
Arten von Dolmetscher
Den Überbegriff Dolmetscher kennen sie Meisten. Welche Arten von Dolmetscher gibt es? Grundsätzlich wird zwischen vier Haupt-Dolmetscharten unterschieden.
Hauptarten im Dolmetschen;
- Simultandolmetschen (Lautsprachen)
- Konsekutivdolmetschen (älteste Dolmetschart)
- Flüsterdolmetschen (frz. Chuchotage)
- Verhandlungsdolmetschen
Sonderarten im Dolmetschen;
- Gebärdendolmetschen
- Schriftdolmetschen
- Konferenzdolmetschen
- Mediendolmetschen
- Bühnendolmetschen
- usw.
In Zeiten von Corona hat sich der Arbeitsalltag von Dolmetscher*innen geändert. Anstelle vor Ort Lippenlesen, heisste es nun aus dem Homeoffice an Online-Konferenzen und Teambesprechungen teilzunehmen. Computer und Kopfhörer wurden wichtige Arbeitsinstrumente.
Formen von Dolmetschern
Welche Dolmetschform zu welchem Anlass passt, können Sie aus den folgenden Detailbeschreibungen zur jeweiligen Dolmetschart lesen.
Simultandolmetschen als höchster Schwierigkeitsgrad
Nur die Besten erreichen diesen hohen Grad der Sprachvermittlung. Simultandolmetschen bedeutet, dass die Übertragung des gesprochenen Worts fast gleichzeitig mit der Ausgangsrede stattfindet. Diese Art der Übersetzung kommt vorzugsweise auf internationalen oder politischen Kongressen zum Einsatz. Für jede Landessprache gibt es einen Sprachdolmetscher-Experten, der in einer schalldichten Kabine Platz nimmt, und dann zeitgleich mit dem Redner am Pult die Sprache überträgt.
Simultandolmetschen ist Kommunikation in Perfektion: Die Wahrnehmung muss konzentriert und offen in der Gegenwart sein. Der Sprachübersetzer hört, übersetzt und spricht fliessend und zeitgleich (simultan). Simultandolmetschen erfordert höchste Konzentration und ist ermüdend. Nach ungefähr 20 Minuten müssen Simultandolmetscher von Berufskollegen abgelöst werden.
Konsekutivdolmetschen
Ein Konsekutivdolmetscher ist ein Vertragsdolmetscher oder auch ein Begleitdolmetscher. Konsekutivdolmetscher übertragen erst zeitversetzt nach dem Vortrag des Originaltextes vom Redner. Konsekutivdolmetschen wird vor allem in Verhandlungen benötigt, bei welchen auf die Anwesenheit des Dolmetschers vor Ort Wert gelegt wird.
Flüsterdolmetschen
Der Flüsterdolmetscher spricht gleichzeitig mit dem Redner vor Publikum. Flüsterdolmetschen wird vor allem bei Museums- oder Werksbesichtigungen benötigt. Grössere Gruppen sind nicht möglich, da sich Originalredner und Dolmetscher im selben Raum stören, wenn der Dolmetscher lauter sprechen müsste, um mehr Menschen verständlich zu erreichen. Zudem muss die Umgebungs-Akustik störungsfrei sein und die Zuhörer sollten nicht Schwerhörig sein, ansonsten ist ein Verstehen von Flüstersprache unmöglich. Aus diesem Grund der Begriff «Flüsterdolmetscher».
Verhandlungsdolmetschen
Der Verhandlungsdolmetscher kommt, wie es der Begriff bereits erahnen lässt, in Verhandlungen zum Tragen. Beim Verhandlungsdolmetschen werden kürzere Sätze Schritt für Schritt und zeitversetzt in eine andere Sprache übertragen, so dass beide Parteien bilateral Verhandeln können. Eine Verhandlung ist häufig interaktiv und geht hin und her.
Dolmetscher als Sprachvermittlung für Anlässe
Neben grossen Konferenzen arbeitet dieser Berufsstand vorzugsweise in der Wirtschaft: Wenn beispielsweise eine Schweizer Firma neue Kontakte in ein fremdes Land knüpfen möchte und die Beteiligten keine verbindende Mittlersprache (normalerweise Englisch) sprechen.
Bei Gericht oder bei allen Arten von Behörden übertragen Fachkräfte die Rede, wenn es um die Belange von Ausländern geht, die der Landessprache nicht mächtig sind.
In Krisengebieten oder unter Staatsoberhäuptern muss auch vermittelt und übersetzt werden. Hier benötigt es viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl eines Dolmetschers, um ja die richtigen Wörter in korrekten Kontext zu übersetzen. Eine heikle aber spannende Aufgabe.
Eine ganz besondere Art des Dolmetschens ist die Übertragung des gesprochenen Wortes in die Gebärdensprache. Diese Art der Sprachweiterleitung trifft man im Alltag, auf besonderen Veranstaltungen oder im TV-Programm für Hörbehinderte an.
Dolmetscher müssen Multilingual sein
Dolmetscher müssen mindestens zwei Sprachen beherrschen, um übersetzen zu können. Häufig sind Dolmetscher sehr sprachgewandt und verstehen mehrere Sprachen zugleich. Jedoch muss im Beruf ein grosses Vokabular vorhanden sein, um nicht ins Stocken und Stottern zu kommen.
Wo aber kein Profi anwesend ist oder sich kein Spezialist geleistet werden kann, gibt es auch viele Hobby- Dolmetscher, welche es in der Regel gut machen und den Zweck erfüllen.
Dolmetscher für Schweizerdeutsch
Gibt es Dolmetscher für Schweizerdeutsch? Ja, es gibt Dolmetscher für Schweizerdeutsch. Jedoch gibt es mehr Schweizer Dialekte als Kantone. In der Regel verstehen sich aber Schweizer untereinander, wenn nicht gerade regional eigene Wörter wie «Flickflauder» verwendet werden. Der Dialektausdruck Flickflauder stammt übrigens aus dem Appenzell-Innerrhoder Begriff für Schmetterling.
Übersetzer Apps auf Smartphones
Übersetzungs- oder Translator- Apps auf Smartphones sind heute nicht einfach Wörterbücher, welche von einem digitalen Übersetzer übermittelt werden. Nein, moderne Übersetzer-Apps sind mittlerweile extrem professionell und können ganze Sätze übersetzen. Automatische Übersetzungs-Tools dienen heute denn auch gleich der Kulturvermittlung, z.B. bei Stadt- oder Kirchenführungen. Wer hat heute nicht auf seinem iPhone® und Android™ Handy ein solches App, mit welchem er die Audiodateien direkt auf seine airpods® Kopfhörer streamen kann.
Hörgeräte sind neu auch Dolmetscher
Modernste Hörgeräte übersetzen Sprache simultan und schriftlich auf die Lautsprecher und das Smartphone. Sie übertragen und übersetzen Unterhaltungen 1:1 in die gewünschte vorhandene Sprache. Dank dieser Funktion können Menschen mit Hörbeeinträchtigung nicht nur besser verstehen, sondern auch gleich mit verschiedensten Kulturen kommunizieren.
Der Schweizer Hörgerätehersteller Sonova hat eine App entwickelt, mit welcher Sie in Echtzeit lesen, was Ihr Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung sagt. Mit der Phonak myCall-to-Text App sind Anrufe mit Live-Mitschrift in über 80 Sprachen möglich und helfen, Menschen mit Hörverlust besser zu verstehen.
FAQ Dolmetscher
Wie lange brauchts den Dolmetscher noch?
Der Dolmetscher ist unersetzlich. Auch wenn digitale Übersetzer immer besser werden und schneller sind als der menschliche Übersetzer, so bleibt es eine Maschine mit Software. Gerade im Geschäftsleben ist Vertrauen das A & O, hier wird auch in Zukunft auf menschliche Dolmetscher gesetzt.
Wer darf dolmetschen?
Jeder. Der Dolmetscher ist in der Schweiz keine geschützte Berufsbezeichnung. Somit darf jede/r seine Dienste als Übersetzer anbieten und dolmetschen.
Wieviel verdient ein Dolmetscher?
Der Jahresverdienst als Dolmetscher in der Schweiz liegt bei rund 120'000 Franken. Dieser Lohn entspricht dem nationalen Durchschnitt mit 13 Monatslöhnen, bezahlt durch Übersetzungsbüros. Volontäre verdienen sehr unterschiedlich und in der Regel weniger als professionelle Dolmetscher.