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Eine "blutige" AngelegenheitIn einer alten Ausgabe (Herbst 1993) der amerikanischen Zeitschrift Corgi Quarterly stiess ich auf einen interessanten Bericht von Patsy Wallace-Jones, Kalifornien.
Eine ihrer Hündinnen wurde fünfmal gedeckt:
Das erste Mal mit Rüde A brachte 9 gesunde Welpen.
Das zweite Mal mit Rüde B brachte keine Welpen.
Eine wiederholte Paarung mit Rüde B resultierte in drei totgeborenen Welpen.
Das vierte Mal mit Rüde C brachte zwei lebend- und zwei totgeborene Welpen und
beim fünften Mal mit Rüde D fielen zwei lebend- und drei totgeborene Welpen, wobei ein Ultraschall drei Tage vor der Geburt noch fünf lebende Welpen gezeigt hatte. Die beiden überlebenden Welpen kränkelten und starben 8 Tage nach der Geburt.
Im Verlauf der Trächtigkeiten wurden viele Tierärzte konsultiert und unzählige Tests durchgeführt, um die Ursache für dieses Welpensterben zu finden. Waren es Zusatzstoffe im Hundefutter? Unkrautvertilger? Verseuchtes Wasser? Ein Schilddrüsenproblem oder ein anderes autoimmunes Problem? Eine bakteriologische Infektion, die nicht in Bluttests nachweisbar war? Da vier verschiedene Rüden involviert waren, musste die Ursache bei der Hündin liegen - aber warum?
Im Hinblick auf eine genaue Abklärung der Immunsystemfunktion der Hündin kam Patsy Wallace-Jones durch Zufall in Verbindung mit der Veterinärhämatologin Dr. W. Jean Dodds von Hemopet - http://www.hemopet.org/ - in Kalifornien. Nachdem Dr. Dodds über den Verlauf der Trächtigkeiten informiert worden war, meinte sie, es könnte sich um eine Unverträglichkeit der Blutgruppen handeln, analog zum Rhesus-Faktor beim Menschen.
Hunde haben mehr als 10 verschiedene Blutgruppen. Diese werden mit DEA (Dog Erythrocyte Antigen*) und einer nachfolgenden Nummer bezeichnet.
Von allen Blutgruppen des Hundes wirkt die Gruppe DEA 1.1 am stärksten antigen und hat deshalb die grösste klinische Bedeutung. Daher wird zurzeit auch nur diese Blutgruppe routinemässig bestimmt. Wichtig ist zu erwähnen, dass im Unterschied zu den Katzen die natürliche Antikörper gegen die jeweils andere Blutgruppe besitzen (Katze mit Blutgruppe A besitzt immer Antikörper gegen Blutgruppe B und vice versa), ist dies bei den Hunden nicht der Fall.
Dr Jean Dodds und ihr Kollege Dr. Robert Bull, ein angesehener, inzwischen verstorbener, Veterinärhämatologe, hatten die klinische Erfahrung gemacht, über die sie in den siebzieger Jahren berichteten, dass DEA 1.1.-negative Hündinnen, die mit einem DEA 1.1-positiven Rüden gedeckt wurden, Antikörper im Blut bildeten, die beim nächsten Wurf mit einem positiven Rüden bei den Föten eine Hämolyse, d.h. eine Zerstörung der roten Blukörperchen bewirken.
Und in der Tat genau hier schien das Problem zu liegen. Die Hündin wies keinerlei metabolische oder andere Abnormitäten auf, die für die Welpensterblichkeit verantwortlich sein könnten, aber sie war DEA 1.1-negativ getestet worden. Drei Wochen nach ihrem letzten Wurf hatte sie immer noch Antikörper gegen DEA 1.1 im Blut, vermutlich von ihrer Trächtigkeit mit einem positiven Partner. Die hohe Zahl der Antikörper (Titer) deutete darauf hin, dass sie bei der ersten Paarung mit einem positiven Partner sensibilisiert worden war und dass diese Sensibilisierung bei jedem nachfolgenden Wurf von einem positiven Partner eine Hämolyse, bei den Föten bewirkte. Ebenso können DEA 1.1. positive Welpen durch das Kolostrum DEA-Antikörper der Mutter aufnehmen und unter Umständen eine letale hämolytische Anämie entwickeln.
Diese Ansicht ist allerdings umstritten. Kollegen von Dr Jean Dodds vertreten den Standpunkt, dass eine hämolytische Anämie von neugeborenen Welpen nur vorkommt, wenn ihre Mutter durch eine frühere DEA 1 inkompatible Bluttransfusion sensibilisiert wurde und nicht durch eine Paarung mit einem DEA 1-inkompatiblen Rüden.
Blais M-C, Rozanski EA, Hale AS, Shaw SP, Cotter SM. Lack of evidence of pregnancy-induced alloantibodies in dogs. J Vet Int Med 23:462-465, 2009.
Bluttransfusionen
Wie schon erwähnt, besitzen Hunde im Gegensatz zur Katze keine vererbten Antikörper gegen andere Blutgruppen und zeigen bei einer ersten Bluttransfusion in der Regel kaum Unverträglichkeitsreaktionen. Wird dabei allerdings das Blut eines inkompatiblen Spenders verabreicht, kommt es innerhalb weniger Tage zur Bildung von Antikörpern und damit zu einer Sensibilisierung. Dies kann zu allergischen Reaktionen bei nachfolgenden Bluttransfusionen führen.
Experimente haben auch gezeigt, dass wenn eine DEA 1.1. negative Hündin eine Transfusion von DEA 1.1. positivem Blut erhält und nachher mit einem DEA 1.1. positiven Rüden gedeckt wird, die roten Blutkörperchen der positiven Welpen durch die vom Immunsystem der Mutter produzierten Antikörper zerstört werden.
Andrews GA. Red Blood Cell Antigens and Blood Groups in the Dog and Cat. In: Schalm's Veterinary Hematology, 5th Ed., p. 769.
Es gibt folgende Kombinationen:
Um im Notfall schnell auf einen universellen Spender** zurückgreifen zu können, ist es also wichtig zu wissen, dass dieser DEA 1.1-negativ ist, denn nur das Blut eines negativen Spenders kann für jeden Empfänger verwendet werden.
Ein Tierarzt kann mit einem einfachen Bluttest herausfinden, ob der Hund DEA 1.1. positiv oder negativ ist.
*) Erythrozyten = rote Blutkörperchen
Antigen = Substanz, die bei Eindringen in den Körper eine Immunreaktion auslöst und zur Bildung von Antikörpern führt.
Blutgruppe mit Antigen = positiv
Blutgruppe ohne Antigen = negativ
Hämolytische Anämie = immunvermittelter Abbau (Zerstörung) der roten Blutkörperchen
**) Als Blutspender kommen Hunde in Frage, die mindestens 23-25 kg wiegen, um eine volle Blutportion von 450 ml abzugeben. Sie sollten zwischen 1-7 Jahre alt und absolut gesund sein. Sie müssen ein ruhiges Wesen und keine Angst vor dem Tierarzt haben. Bevor sie zur Blutspende zugelassen werden, wird ihnen für die Laboruntersuchungen und Blutgruppenbestimmung eine Blutprobe entnommen. Die Blutspende ist unentgeltlich.
Mit bestem Dank an Dr. Jean Dodds, Hemopet, USA. und Dr. med.vet. Kamil Tomsa, Tierärztliche Spezialistenklinik, CH-Hünenberg, für wertvollen fachlichen Beistand.
ANo