Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03207.jsonl.gz/392

Trümmerteile wurden am Sonntagmorgen im Meer vor Sotschi in Südrussland gefunden. Die 92 Menschen an Bord hätten "praktisch keine Chance gehabt", sagten Behördenquellen der russischen Agentur Interfax. Offizielle Angaben zu Toten oder Verletzten gab es zunächst aber nicht.
Das Flugzeug war nach Angaben des Verteidigungsministerium um 05.40 Uhr (Ortszeit, 03.40 Uhr MEZ) in der südlich von Sotschi gelegenen Stadt Adler gestartet. Der Kontakt zu dem Flugzeug sei etwa zehn Kilometer nach dem Start über dem Meer abgerissen. Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge setzte die Maschine des Typs TU-154 keinen Notruf ab.
Wenige Stunden später bargen die Einsatzkräfte ein erstes Absturzopfer. Die Leiche sei sechs Kilometer vor Sotschis Küste entdeckt worden, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Kurz zuvor waren in der Nähe Wrackteile der Unglücksmaschine im Wasser gefunden worden.
Es sei noch zu früh, um etwas zur Absturzursache zu sagen, sagte der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow. Präsident Wladimir Putin sei über den Absturz informiert und werde auf dem laufenden gehalten.
Mit an Bord waren Sänger und Tänzer des Alexandrow-Ensembles. Sie sollten am permanenten Luftwaffenstützpunkt der russischen Luftwaffe in Hmeimim in der syrischen Provinz Latakia auftreten. Den Agenturen zufolge sollen auch neun russische Journalisten in dem Flugzeug gewesen sein.
Das russische Verteidigungsministerium fliegt regelmässig Musiker nach Syrien, um die dort stationierten Soldaten zu unterhalten. Von Hmeimim fliegt die russische Luftwaffe seit Ende 2015 Angriffe auf syrische Rebellen zur Unterstützung der Regierungstruppen.
Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg aufseiten des Präsidenten Baschar al-Assad. Zur Versorgung der Basis Hamaimim betreibt das Verteidigungsministerium einen regen Luftverkehr.
Dabei werden auch alternde Zivilflugzeuge wie die Tupolew eingesetzt. Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen.
Das Alexandrow-Ensemble ist ein mehrfach ausgezeichneter Soldatenchor, der bereits 1928 gegründet wurde. Gründer war Alexander Alexandrow, der 1943 die Nationalhymne der Sowjetunion komponierte. Alexandrow starb 1946 in Berlin bei einer Auslandstournee mit seinem Chor.
Das ursprünglich aus einem Dutzend Soldaten bestehende Ensemble ist mit den Jahren grösser geworden. Zu dem Chor gesellten sich ein Orchester und eine Tanzgruppe. Es ist inzwischen das grösste Militär-Künstlerensemble Russlands.
Zum Repertoire gehören überwiegend Kirchenlieder sowie traditionelle russische Volkslieder und -tänze. Es handelt sich um Lieder russischer Komponisten, klassische Werke russischer und ausländischer Komponisten, aber auch um Stücke aus der Popmusik.
(SDA)