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Als der Computer «Deep Blue» von IBM im Jahr 1996 Schachweltmeister Garri Kasparow besiegte, waren technikgläubige Menschen überzeugt, dass Computer schon bald in der Lage wären, die Arbeit des menschlichen Denkapparats ganz zu übernehmen. Davon sind wir aber auch heute, mehr als 17 Jahre später, noch weit entfernt. Das zeigte ein aktuelles Experiment, bei dem japanische und deutsche Forscher die Gehirnaktivität mit einem Supercomputer simulierten. Der verwendete «K-Computer» ist mit über 705 024 Prozessorkernen und 1,4 Millionen Gygabite Arbeitsspeicher ein Gigant, neben dem «Deep Blue» ein Winzling war.
Trotz seiner extremen Leistungsfähigkeit benötigte der «K-Computer» ganze 40 Minuten, um nur 1 Prozent der Gehirnaktivität für eine einzige Sekunde zu simulieren. Das lässt erahnen, wie weit die Computertechnik noch davon entfernt ist, das ganze menschliche Denkorgan in Echtzeit zu simulieren. «In vielleicht 100 Jahren könnte ein Rechner zur Verfügung stehen, der in der Lage ist, Datenverarbeitung vergleichbar mit jener in unserem Gehirn zu machen», sagt Tobi Delbruck (53) vom Institut für Neuroinformatik der Universität und der ETH Zürich, «aber nur, wenn sich die Computerarchitektur fundamental ändert.» Zum einen, weil Grosscomputer noch viel zu viel Energie verbrauchen. Zum anderen, weil heutige Hirnsimulationen kaum sinnvolle Resultate hervorbringen.
Delbruck: «Man kann es mit einem Konzert eines nicht ausgebildeten Kinderorchesters vergleichen. Die Finger der Kinder wären nach dem Zufallsprinzip mit Schnüren verbunden und würden zufällig drauflosspielen.» Kurz: Das Resultat ist eine Kakofonie ohne viel Sinn.
Autor: Daniel Schifferle