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Dr. K. Blodig : Zur Erinnerung an Walther Flender
Streng genommen gehörten auch diese zwei Bücher nicht in die Revue der 1903 erschienenen alpinen Werke des Buchhandels; das erstere nicht, weil es schon 1902 erschienen ist, das letztere nicht, weil es als Manuskript gedruckt ist und einem danach suchenden Leser dieser Besprechung also nicht zugänglich ist. Ich will aber für beide eine Ausnahme von dieser meiner Kritikregel machen, für das erstere, weil sein Verfasser mir erklärt hat, daß sein Buch nur aus Versehen mir nicht rechtzeitig zur Rezension zugestellt worden sei und er eine Besprechung im Jahrbuch wünsche, für das zweite, weil andere Rezensenten darin kein Bedenken gesehen haben und mein Stillschweigen falsch gedeutet werden könnte.
Das im Selbstverlag des Verfassers, in Kommission für den Buchhandel bei O. R. Reisland in Leipzig erschienene Buch von Professor Wolterstorf ist ein Prachtwerk, in Großoktav, 224 Seiten mit 47 Text-, 12 Vollbildern und 2 Karten. Für das hier Gebotene ist der Preis, broschiert 7 Mk., gebunden 8 Mk., als mäßig zu bezeichnen, namentlich weil die durch die Firma Bruckmann erstellte Bildausstattung von erster Güte ist. Der Text ist gut geschrieben, und der Verfasser hätte nicht nötig gehabt, sich zu entschuldigen, daß er nicht führerlos gegangen sei und keine Erstbesteigungen gemacht habe. Nach meiner Meinung und Literaturkenntnis ist dies gar nicht nötig, um ein gutes alpines Buch zu schreiben, und beeinflußt die Wertschätzung alpiner Leistungen nur in den Augen eingebildeter Berggecken, deren schlechtem Geschmack man keine Konzessionen machen sollte. Mit den übrigen Bemerkungen des Verfassers in seiner Vorrede bin ich dagegen völlig einverstanden und empfehle sie der Beherzigung durch den bergsteigenden Leser. Daß Prof. W. selber keinen Vergleich mit andern alpinen „ Schriftstellern aus Erfahrung " zu scheuen braucht, zeigt die Reihe seiner Fahrten, die je ein Kapitel seines Buches bilden: Erster Besuch von Chamonix ( 18801, erster Besuch von Zermatt ( 1880 ), die Dent du Midi, der Große St. Bernhard, ein Unfall in der Nähe des Col de Fenêtre, das Balmhorn und die Gemmi, ein Ausflug in die Tarentaise ( mit der Sektion Genf S.A.C. ), der Monte Moro-Paß, der Altweißtorpaß, das Riffelhorn, das Untergabelhorn, der Monte Rosa, die Jungfrau, das Matterhoru, das Zinalrothorn. ein Ausflug in die Dauphiné-Alpen. Beigegeben sind eine Karte von Zermatt und Umgebung ( Überdruck aus der Dufourkarte ) und die oben pag. 395 charakterisierte Karte Dauphiné-Savoyen, die Herrn W. unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. Er durfte also dem Gaul nicht ins Maul sehen. Wir sind zu dieser Diskretion nicht verpflichtet, wollen aber dem oben ausgesprochenen Urteil hier noch erklärend beifügen, daß, wenn die Kartographie, die von der Firma Orell Füßli in Zürich stammt, geringwertig ist, dies offenbar dem ungenügenden Original zuzuschreiben ist, aus welchem der beste Lithograph nicht mehr herausschlägt, als es bietet. Aber von französischen Behörden bekommen eben Ausländer nichts Besseres, wie man an unserer Clubkarte Salvan-Grand St-Bernard, französischer Teil, sehen kann. Oder haben sie vielleicht selber nichts Besseres?
Die Erinnerungsschrift an W Flender würde ich, der Gesinnung wegen, ein monumentimi sere perennius nennen, wenn sie nicht auf Papier gedruckt wäre, das, wenn auch an sich gut, doch eben nicht Bronze ist. Im Auftrag der Familie hat Dr. Blodig aus hinterlassenen Papieren und den von Flender bedienten alpinen Zeitschriften sein literarisches Lebenswerk, das zugleich eine, leider kurze, glänzende alpine Karriere war, zusammengestellt und eine warmgeschriebene Lebensskizze, zu welcher Verwandte und Freunde des Verstorbenen beitrugen, vorangeschickt. Die wieder abgedruckten Aufsätze Flenders sind diesem Jahrbuch XXXV, XXXVI und XXXVII, der „ Österreichischen Alpenzeitung " von 1900, 1901 und 1902, der „ Revue Alpine Lyonnaise " von 1902 und der „ Alpina " von 1900 entnommen. Dort mag sie nachlesen, wer das Buch Dr. Blodigs nicht zur Verfügung hat, und sich ihrer erfreuen. Aber wer Walter Flender nie ins Auge gesehen und ihn hat sprechen hören, kann doch das nicht voll ermessen, was wir, denen dies vergönnt war, verloren haben. Und darum ist Schweigen der beste Rest. Der Bildschmuck des Buches steht, dank den Beiträgen von Sella, Macco und Compton und der technischen Leistungsfähigkeit der Kunstanstalt Bruckmann, auch künstlerisch auf einer ungewöhnlichen Höhe.
Eedaktion.