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Freimaurer-Schürze
Objekt des Monats September 2015
Freimaurer-Schürze, NM 5752
Die Freimaurer-Schürze aus der Sammlung des Nidwaldner Museums – aus Seide gefertigt und offensichtlich handbemalt – ist besonders schön ausgearbeitet. Die Freimaurer sind eine weit verbreitete Gemeinschaft, die sich in Brüderschaften, sogenannten Logen, auf der ganzen Welt organisiert. Ihre Ursprünge haben die Freimaurer in England und Schottland, erstmals schriftlich nachgewiesen wurde ihre Existenz im Mittelalter. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts sind die Freimaurer in ihrer heutigen Form in ganz Europa präsent. Innerhalb der Logen (der freimaurerischen Brüderschaft) gaben sich die Mitglieder eine selbst geschaffene Ordnung, in welcher gegenseitige Freundschaft jenseits einer ständisch aufgebauten Gesellschaft, der Religionen und Staaten erlebt werden konnte. Bereits vor der Aufklärung hatten Freimaurer in ihren geheimen Bünden gesellschaftliche Systeme wie demokratische Formen der Willensbildung erprobt und während der Aufklärung und der Französischen Revolution schliesslich massgeblich mitgeprägt. Die lange Tradition dieser Brüderschaften wird bis heute gepflegt. Als international verbreitete Vereinigung treten Freimaurer „unter Achtung der Würde des Menschen für Toleranz, freie Entwicklung der Persönlichkeit, Brüderlichkeit und allgemeine Menschenliebe“[i] ein. Ein wichtiges Ziel der Freimaurer sei, menschliche Konflikte ohne zerstörerische Folgen auszutragen, weshalb sie versuchen, ein Vertrauensverhältnis zwischen Menschen unterschiedlicher Überzeugung herzustellen. Neben diesen Leitsätzen, die auch die Umwelt miteinbeziehen, geht es in der Freimaurerei vor allem um den einzelnen Menschen, den Bruder, der in seiner persönlichen Entwicklung die sittliche Unterstützung der Gemeinschaft erhält. Freimaurerische Gemeinschaften sind traditionellerweise Brüderschaften, das heisst Frauen sind grundsätzlich ausgeschlossen. Die Logen sind jeweils in den offiziellen Vereinsverzeichnissen eingetragen sind, um sich weltweit in einem Netzwerk organisieren. Mittlerweile gibt es auch gemischte oder Frauen-Logen, diese machen aber einen Bruchteil der insgesamt etwa fünf Millionen Freimaurer auf der ganzen Welt aus.
Die Austragung dieser traditionsreichen rituellen Treffen der Freimaurer finden im Geheimen statt – Nicht-Mitglieder sind immer davon ausgeschlossen.
Geheimbünde sind nicht gern gesehen, ihnen haftet im Allgemeinen etwas Gefährliches an. Die Ungewissheit darüber, was in den Bünden verhandelt und welche Interessen verfolgt werden, lässt Uneingeweihte oftmals verschwörerische Tendenzen erkennen: Grosse, langgeplante Machtübernahmen, die Zerstörung einzelner Bevölkerungsgruppen oder gar der ganzen Welt, die Kontrolle über die globale Finanzwirtschaft oder versteckte Schätze. Die Freimaurer werden immer wieder Ziel dieser Verschwörungstheorien. Ihre versteckten Abläufe und Rituale, die Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, waren und sind heute noch Grund für den Verdacht einer Verschwörung. Wo man ihnen früher ein Bündnis mit dem Teufel nachsagte, wird den Freimaurern heute die Schuld am Klimawandel oder der Finanzkrise in die Schuhe geschoben – und auch der Verdacht, sich mit Satanismus zu beschäftigen, haftet ihnen nach wie vor an.
Tatsächlich können der Totenkopf, die Tränen und der schwarz-weiss gezackte Rand der Schürze teuflische Assoziationen auslösen. Doch die Freimaurer verstehen sich ganz im Gegensatz zu diesen Urteilen als tugendhafte Gruppierung, die sich für eine bessere Gesellschaft einsetzt. Mindestens einmal im Monat, oftmals sogar einmal die Woche treffen sich die Freimaurer in ihrer Loge und treten in ihren Geheimbund ein. Getragen werden weisse Handschuhe aus feinem Leder und der Maurerschurz. Der Schurz ist je nach Loge und Rang in der Maurer-Hierarchie verschieden eingefasst und mit anderen Symbolen und Buchstaben versehen. Der Schurz aus unserer Sammlung ist ein Meisterschurz, erkennbar daran, dass er reich verziert ist. Die hierarchische Aufteilung ist sehr wichtig in der freimaurerischen Gemeinschaft und spiegelt den Grad der Erkenntnis: Vom Lehrlingsgrad erreicht man über den Gesellen- schliesslich den Meistergrad.
Die Freimaurer tragen ihren Schurz während allen rituellen Arbeiten – so wie die Steinmetze ihn zur Arbeit tragen. Er soll den Maurer schützen und Zeichen seiner Arbeit sein. Viele Rituale sind den alten Handwerksbräuchen der Steinmetze nachempfunden und haben dort ihren Ursprung. So auch die meist weisse Grundfarbe der Schürzen, die als Zeichen der Unschuld verstanden wird. Die schwarz-weissen Dreiecke, die den Schurz säumen, symbolisieren die Dunkelheit und das Licht, das Gute und Böse. Auch der Schädel ist ein zentrales Thema in der Symbolik der Freimaurer. Er verweist nicht nur auf die Vanitas-Vorstellung, sondern auch auf den toten Baumeister Hiram und dessen Ermordung. Die Legende um König Hiram I. besagt, dass dieser den Tempel Salomons auf dem Tempelberg errichtet habe. Weil drei Gesellen das Geheimnis um die Errichtung des Tempels von Hiram erfahren wollten, überfielen und töteten sie ihn schliesslich. So wurde das Geheimnis nie enthüllt. An diesen Tod wird in verschiedenen freimaurerischen Ritualen erinnert. Die Tränen in Tropfenform symbolisieren die Trauer über den Verlust und weisen zusammen mit dem Schädel als Symbole des Todes auf die Vergänglichkeit des Lebens hin. Bei den Treffen und rituellen Arbeiten werden die Grundsätze der Freimaurerei nicht nur weitergegeben, sondern auch reflektiert und durch ebensolche Symbole und Bilder erlebbar gemacht. Sie sind sehr zahlreich, lassen sich aber auf drei Zentralthemen beschränken: Wer bin ich? Wie stehe ich als Individuum zu meiner Umwelt? Wie überwinde ich meinen eigenen Tod? Mittels dieser Fragen und den dazugehörigen Symbolen verbindet sich der Einzelne mit seinen Brüdern. Zwar unterscheidet sich jeder Mensch vom anderen und die Auswirkung und Auseinandersetzung mit einem Symbol ist verschieden. Aber weil die Deutung der Symbole nicht unbedingt festgelegt ist, hat jeder Freimaurer die Freiheit einer subjektiven Betrachtung, mit der er sich mit seinen Brüdern in der Gemeinschaft wiederfindet. Es zeigt sich also in der Verinnerlichung der Symbole die Verinnerlichung der freimaurerischen Grundfragen über das Sein. In diesem Sinne tragen die Symbole entscheidend zur zeitlosen Ethik der Freimaurer bei, die innerhalb freimaurerischer Kreise international und unabhängig von religiösen Überzeugungen schon seit dem frühen 18. Jahrhundert fast unverändert wirkt.
Als unverzichtbarer Teil der freimaurerischen Tradition ist der Schurz aus einem historischen Museum nicht wegzudenken. Viele Männer, die unsere Geschichte und Kultur in den letzten Jahrhunderten geprägt haben, waren Freimaurer und fasziniert von der Vielseitigkeit der Rituale, der Verschwiegenheit der Brüderschaften und dem geschlossenen Raum, der für sie eine Art Parallelwelt sein mochte. Einige weltbekannte Berühmtheiten haben sich einer Loge angeschlossen, so zum Beispiel der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart, der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten Franklin Roosevelt oder der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung. Aber es gab durchaus auch in Nidwalden Angehörige der Freimaurer wie den Intellektuellen Heinrich Zschokke, der als Volksaufklärer, Philosoph, Politiker und Wissenschaftler auch in Stans wirkte. Er setzte sich unter anderem für ein modernes Bildungswesen ein, für Pressefreiheit und eine liberale Staatsverfassung. Im Frühling 2016 wird ihm eine Ausstellung im Salzmagazin gewidmet.
Autorin: Magdalena Bucher, 2015
Quellen:
Boos, Heinrich: Geschichte der Freimaurer. Ein Beitrag zur Kultur- und Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Hamburg 2013 (Nachdruck Originalausgabe von 1906).
Graichen, Gisela und Hesse, Alexander: Geheimbünde. Freimaurer, Illuminaten, Opus Die und Schwarze Hand. Hamburg 2013.
Reinalter, Helmut: Die Freimaurer. München 2008.
Terner, Ursula: Freimaurerische Bildwelten. Die Ikonographie der freimaurerischen Symbolik anhand von englischen, schottischen und französischen Freimaurerdiplomen. Petersburg 2001.
URL:http://www.freimaurerei.ch/d/zweck/personen-d.php
[i] Reinalter, Helmut: Die Freimaurer. S.7.