Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/163

Chemie zwischen Basel und Bombay. Eine transnationale Geschichte der Schweizer Chemieindustrie, 1907–1987Anja Suter
Die Stadt Basel ist heute ein Zentrum der globalen Chemieindustrie. Als kapitalintensiver Industriezweig errichtete die Chemieindustrie bereits im frühen 20. Jahrhundert Produktionsstätten im Ausland, um neue Absatzmärkte zu erschliessen und Zollauflagen zu umgehen. Das Forschungsprojekt untersucht den Prozess dieser internationalen Ausrichtung anhand der beiden Schauplätze Schweiz und Indien.
Im Fokus des Forschungsprojekts stehen zwei grosse Vorläuferfirmen der heutigen Novartis (CIBA und Geigy bzw. Ciba-Geigy), die im Verlauf des 20. Jahrhunderts im damaligen Bombay zunächst Verkaufsgesellschaften für Farben gründeten, dann Produktionsstätten für Farben und Pharmazeutika und schliesslich ein Forschungszentrum einrichteten. Primäres Ziel ist es, den an diesem Expansionsprozess beteiligten Akteuren nachzugehen: Wer waren sie? Wie setzten sie die Schauplätze «Schweiz» und «Indien» miteinander in Beziehung? In welchen Abhängigkeits- und Machtverhältnissen standen sie zueinander? Wer verrichtete welche Arbeit wo unter welchen Bedingungen? Welche Rolle spielten hierbei Geschlecht, Klasse oder Kaste? Prozesse der «Globalisierung» sollen so als ein an konkreten Orten situiertes und von konkreten Menschen realisiertes Geschehen kenntlich gemacht werden. Das Projekt knüpft an jüngere Forschungen zur transnationalen Geschichte von Schweizer Unternehmen an. Da es die Verflechtung eines europäischen mit einem zunächst kolonialen, später dekolonisierten Schauplatz in den Blick nimmt, erweitert es zudem den bislang dominant kulturwissenschaftlich ausgerichteten postkolonialen Blick auf die Schweizer Geschichte um eine kapitalismushistorische und arbeitsgeschichtliche Dimension, in der zurzeit klassische Fragen der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte mit Blick auf globale Zusammenhänge neu formuliert werden.
Projektleitung: Prof. Dr. Caroline Arni, Universität Basel