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Es gibt sie noch immer, die Klimaskeptiker. Leute, die nicht wahrhaben oder akzeptieren wollen, dass es der Mensch ist, der die globale Erwärmung verursacht. In diesem Artikel wird die Kette vom Menschen zur Erwärmung lückenlos aufgereiht.
Das Klima auf der Erde ist variabel: die Erde ist in ihrer Geschichte schon einige Male zwischen einem Eishaus (wobei möglicherweise die Ozeane von Pol zu Pol zufroren, die sogenannte „Schneeballerde“) und einem planetenumspannenden Treibhaus (mit eisfreien Polen, tropischen Pflanzen an einem 20 Grad warmen, tropischen Ozean) hin und her geschwankt. Diese Klimaschwankungen finden auf allen möglichen Zeitskalen statt: Eiszeitalter (wie das gegenwärtige, das seit rund 2.8 Millionen Jahren andauert) wechseln sich mit Warmzeitaltern (wie während grossen Teilen der Saurierzeit, oder in der Frühzeit der Zeit der Säugetiere) ab, doch dazwischen gibt es globale und lokale Klimaschwankungen mit kürzeren Zeitperioden. So hat die Zwischeneiszeit, in der wir heute leben, erst vor etwa 11000 Jahren begonnen, am wärmsten war es vor rund 8000 Jahren, und in ein paar 10000 Jahren wird die Nordhemisphäre der Erde wieder von grossen kontinentalen Gletschern bedeckt sein.
Keiner dieser Fakten wird von Klimawissenschaftlern bestritten – niemand behauptet, das Klima sei schon immer gleichbleibend und stabil gewesen, bis der Mensch kam.
Der Gehalt von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist ebenfalls Schwankungen unterworfen. Die frühe Erde hatte hohe Gehalte von CO2 in der Atmosphäre, was verhinderte, dass sie unter einer sehr viel kühleren, jüngeren Sonne in Eis erstarrte. Im Verlauf der Erdgeschichte wurde immer mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre gefiltert und in der Biosphäre und den Gesteinen gebunden (und das bei ständiger Nachlieferung durch Vulkane). Die verschiedenen Prozesse, die CO2 binden oder auch wieder freisetzen arbeiten mit unterschiedlicher Effizienz, und werden von verschiedenen Faktoren wie Temperatur, Eis- und Vegetationsbedeckung der Kontinente, Salzgehalt des Ozeans und so weiter beeinflusst.
So führt etwa der Rückzug von kontinentalen Eisschilden am Ende einer Eiszeit (dem Beginn einer Zwischeneiszeit) sowie die Erwärmung des Ozeans dazu, dass weniger CO2 gebunden wird – der CO2-Pegel in der Atmosphäre steigt an. Dieses CO2 sorgt dann für eine stärkere Erwärmung, womit der CO2-Pegel noch weiter ansteigt, und so weiter, so lange, bis der CO2-Pegel wieder auf dem Wert der letzten Zwischeneiszeit angekommen ist (ca 280 „ppm“ = CO2-Teilchen pro Million Atmosphärenteilchen in Zwischeneiszeiten, etwa 200 ppm in Eiszeiten). In Klimaarchiven, wie sie etwa aus Eisbohrkernen erstellt werden, sieht das dann so aus, dass das CO2 der Erwärmung zu folgen scheint, das heisst, die Freisetzung von CO2 scheint die FOLGE der Erwärmung zu sein, nicht deren URSACHE. Die Ursache für die Anfängliche kleine Erwärmung ist tatsächlich nicht im CO2 zu suchen, sondern in periodischen Änderungen der Orbitalparameter der Erde. Die Exzentrizität der Umlaufbahn, die Neigung der Erdachse und die Richtung, in die die Erdachse zeigt, schwanken mit Perioden von rund 100000, 40000 und 24000 Jahren – ihre Überlagerung zeichnet exakt die Temperaturkurve der Erde für die letzten paar Millionen Jahre nach. Doch rechnet man die tatsächliche Erwärmung aus, die die Änderung dieser Orbitalparameter auf die Erde bewirken, ist sie sehr viel kleiner als die tatsächlich beobachtete Erwärmung – diese Diskrepanz lässt sich nur durch die Wirkung des Treibhausgases CO2 erklären. Durch die Orbitalparameteränderungen erwärmt sich also die Erde etwas, worauf CO2 freigestzt wird – dieses verstärkt die kleine Erwärmung, womit noch mehr CO2 frei wird, und so weiter – so lange, bis wir wieder eine Zwischeneiszeit haben. Diese Erwärmung kann sehr schnell von statten gehen. Ändern sich die Orbitalparameter wieder, fällt etwas Erwärmung weg, der Ozean kühlt etwas aus und kann mehr CO2 binden, die Temperaturen fallen, die Eisschilde wachsen und die Erde findet sich in der Eiszeit wieder. Änderungen wie diese spielen sich allerdings in Zeiträumen ab, die sehr viel grösser sind als ein Menschenleben, in tausenden von Jahren.
Doch nun kommt der Mensch ins Spiel. Der Mensch hat tatsächlich schon sehr früh damit begonnen, das Klima zu beeinflussen: Europa war einst von Wald bedeckt, Nordafrika, gerade die Sahara, waren einst grün. Grossräumige Waldrodungen, die damit verbundenen Freisetzung von CO2, die Ausbreitung von Wüsten – das alles gab es schon in der Antike, wobei aber nicht klar ist, inwieweit der Mensch hier eine Rolle spielte und inwiefern natürliche Schwankungen verantwortlich zu machen sind. Seit etwa 150 Jahren jedoch ist das eine ganz andere Sache. Der Mensch hat begonnen, kohlenstoffreiche fossile Rohstoffe zu verbrennen.
Das ist, vordergründig, eine sehr gute Idee: mit Ausnahme von nuklearen Brennstoffen haben die kohlenstoffreichen fossilen Rohstoffe die höchste Energiedichte aller möglichen Energieträger auf der Erde überhaupt, und, noch besser, sie sind in „geologischen Ausmassen“ (das irdische äquivalent von „astronomischen Ausmassen“) vorhanden, das heisst, es gibt so enorm-unglaublich-erdrückend-viel davon, dass man Menschen in der frühen Industrialisierung die Idee nicht verübeln kann, fossile Rohstoffe seien nahezu unbegrenzt. Auch der Sauerstoff, der zur Verbrennung notwendig ist, ist allgegenwärtig und in „geologischen“ Ausmassen vorhanden. Wie gesagt – auf den ersten Blick ist es eine ausgezeichnete Idee, und diese Idee hat unsere moderne Gesellschaft mit all ihrer Technik hervorgebracht.
Auf den zweiten Blick gibt es, wie wir heute wissen, einen Haken: CO2 ist ein Treibhausgas und spielt in der Temperaturregulation der Erde eine wichtige Rolle. Am Anfang war das kein Problem: die Mengen an CO2, die der Mensch produzierte, waren im Vergleich zum atmosphärischen CO2 absolut vernachlässigbar. Doch genau diese Nutzung dieser ausgezeichneten „Energiequelle“ hat die Menschheit zu einer globalen Kraft von geologischen Ausmassen und Reichweite anschwellen lassen. Energie wurde so billig, und wir konsumieren so viel davon, dass wir heute tatsächlich daran sind, Vorräte von geologischen Ausmassen zu erschöpfen (heute ist etwa die Hälfte der fossilen Rohstoffe verbrannt) – und Treibhausgase in geologisch relevanten Mengen freizusetzen. In den letzten 150 Jahren sind rund 120 ppm CO2 hinzugegkommen (nun haben wir also rund 400 ppm CO2 in der Atmosphäre, so viel wie schon seit einigen Millionen Jahren nicht mehr) – diese Menge passt ziemlich gut zur Summe aller kohlenstoffreichen fossilen Rohstoffe, die verbrannt wurden. Auch das Verhältnis der Kohlenstoffisotope hat sich verändert: fossile Rohstoffe haben etwas mehr Kohlenstoff-12 als Kohlenstoff-13 – und in den letzten 150 Jahren ist das Verhältnis von Kohlenstoff-12 zu Kohlenstoff-13 stetig gestiegen. Es besteht also kein Zweifel: das zusätzliche CO2 in der Atmosphäre stammt aus der Verbrennung der fossilen Rohstoffe.
CO2 ist ein Treibhausgas – wir wissen das nicht nur aus Laborexperimenten, sondern auch aus der Erdgeschichte. Es gab Zeiten, in denen die CO2-Konzentration deutlich höher war, höher noch als heute – und da war es auch deutlich wärmer (eisfreie Pole zum Beispiel). Wir sehen auch unseren Nachbarplaneten, die Venus: deren Atmosphäre besteht zu 95% aus CO2: an der Oberfläche herrschen 480 Grad Celsius, obwohl es (bei einem wolkenfreien Planeten) ohne CO2 nur etwa 50 Grad wären (wobei man hier noch anfügen muss, dass die höhere Temperatur nicht nur mit dem CO2, sondern auch mit der dichteren Atmosphäre zu tun hat).
Es kann also keinen Zweifel über folgende zwei Dinge geben: CO2 IST ein klimaaktives Treibhausgas, und der Mensch SETZT es in geologisch relevanten Mengen frei. Früher oder später MUSS dies zu einer Erwämung führen – und genau diese Erwärmung wird auch beobachtet. Die Strahlungsleistung der Sonne hat sich kaum verändert – selbst bei grosszügigster Auslegung kann die Sonne aufgrund der vorhandenen Daten nicht mehr als einen Drittel der gegenwärtigen Erwärmung ausmachen.
Warum sollte einem also die menschgemachte Klimaerwärmung Sorgen machen? Wenn das alles schon mal da war, wenn es also in der Saurierzeit etwa eisfreie Pole gab, warum macht man denn ein so grosses Aufhebens darum? Die Erde wird es doch überleben. Richtig – die Erde schon. Ein Planet ist ohnehin einigermassen unverwüstlich. Wäre der Mensch nicht, würde ich mir auch keine grossen Sorgen um die Biosphäre machen – die passt sich schon an (in Anwesenheit des Menschen ist das nicht so einfach: werden Lebensräume zerstört, so haben Tiere und Pflanzen heute keine grossen Ausweichmöglichkeiten, denn überall dort, wo sie hinwandern könnten, treffen sie auf Menschen). Die einzigen, die wirklich ein grosses Problem mit der Klimaerwärmung bekommen könnten, wenn sie ungehindert fortschreitet, sind wir – wir Menschen, unsere Zivilisation. Wir haben uns in dieser engen Welt eingerichtet: Milliarden Menschen verlassen sich darauf, dass die Kornkammern der Welt weiterhin Nahrungsmitteln in grossen Mengen produzieren und sie damit versorgen. Doch wenn Klimazonen zu wandern beginnen, ändert sich alles. Wer von Hungersnöten geplagt wird, wandert in Zonen ab, in denen die Nahrungsmittelversorgung noch gewährleistet ist. Wenn der Meeresspiegel steigt, stehen billionenteure Infrastrukturanlagen plötzlich im Wasser. Die Klimaerwärmung bringt eine Zeit der Anpassung an neue Umstände mit sich, und das wird nicht ohne Spannungen gehen – als ob die Menschheit noch mehr Spannungen brauchen könnte, in einer Welt, in der die einstmals in „geologischen Ausmassen“ vorhandenen Rohstoffe zur Neige gehen. Klimamodelle zeigen, dass es mittlerweile sogar nahezu aussichtslos geworden ist, das weltweite Klima um nur gerade 2 Grad zu erwärmen – vermutlich werden es deutlich mehr sein, 3, vielleicht 4, möglicherweise 6 Grad. Das würde tatsächlich bedeuten, dass wir die Erde permanent aus ihrem Eiszeitzyklus reissen und sie in eine Warmzeit befördern, wie es sie seit rund 55 Millionen Jahren (im Eozän) nicht mehr gegeben hat. Damals waren allerdings die Meeresspiegel um rund 100 m höher (wobei eine derart grosse Meeresspiegelanpassung tausende von Jahren braucht – schliesslich müssen der antarktische und grönländische Eisschild abtauen, und das geht nicht von heute auf morgen. Allerdings könnte ein kollaps des Westantarktischen Eisschildes sehr viel schneller geschehen, im Umfang von Jahrzehnten – und dies alleine würde einen Meeresspiegelanstieg von 5-6 m bedeuten).
Die Welt der Zukunft wird einfacher und vorhersehbarer, wenn wir versuchen, das Klima möglichst schnell zu stabilisieren – mit welchen Mitteln auch immer (ich glaube nicht, dass „Verzicht“ das einzige Mittel ist – wir müssten aktiver vorgehen und direkt ins Klima eingreiffen – doch dazu ein ander Mal mehr). Die Menschheit ist eine geologische Kraft geworden – deshalb muss sie in der Klimafrage auch auf globaler Ebene agieren und die Stabilisierung des Klimas aktiv vorantreiben, statt auf Probleme zu reagieren.