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Berner Zeitung, Daniel Gerber
In Luxemburg errangen die Vereinigten Arabischen Emirate als erstes arabisches Land einen Sieg an einem WM-Turnier. Jetzt spricht man davon, die Titelkämpfe der untersten Division III 2015 auszurichten.
Zweimal holten die Vereinigten Arabischen Emirate in den letzten Jahren am Asien-Cup Gold und dazu dreimal Silber. Gegen den Rest der Welt vermochte das Team bis vor kurzem jedoch nicht mitzuhalten. Erst zum dritten Mal strebten die Wüstencracks in Luxemburg an einer Eishockey-WM nach Zählern. Bei den ersten beiden Teilnahmen gab es noch keine Punkte. In Luxemburg trumpften die Araber am Turnier der untersten Division III jedoch auf. Bereits im Eröffnungsduell gegen Hongkong rang die Equipe dem Gegner einen Zähler ab. Erst im Penaltyschiessen musste sich die Mannschaft von der Arabischen Halbinsel geschlagen geben.
«Das war Eishockeygeschichte», ordnet Verteidiger Faisal al-Suwaidi den Punktgewinn ein. Am letzten Samstag, dem letzten Spieltag des WM-Turniers der Division III, triumphierte sein Team sogar über Georgien. Es war der erste WM-Sieg eines arabischen Teams. Bulgarien stieg in die DivisionIIB auf, ausserdem nahmen Nordkorea und Gastgeber Luxemburg am Turnier teil.
Tricks bei Youtube gesehen
Al-Suwaidi ist einer der Pioniere des Eishockeys im Wüstenstaat. «Schon als Kind war ich auf der Eisbahn», erinnert sich der Verteidiger, der wie alle anderen Nationalspieler gebürtiger Emirati ist. Die Spieler sind nicht eingebürgerte Kanadier, sondern hören auf Vornamen wie Ahmed, Khalifa, Nasser, Omar oder Saleh.
In den USA sah al-Suwaidi Eishockeyspiele und war begeistert. «2001 gründeten wir dann in Abu Dhabi ein Team.» Das sei schwierig gewesen wegen der teuren Ausrüstung und weil Fussball viel populärer ist. Doch 2006 bestanden bereits Klubs und ein Nachwuchsprogramm. «Die Kids schauen die Tricks bei Youtube ab und setzen sie um.» Das zeige, dass jeder Eishockey spielen könne. «Ich bin ein Spieler aus der Wüste und kann es!»
Der Weissrusse Yuri Faikov, einst Spieler bei Dynamo Minsk, coacht die Wüstensöhne. «Wir sind nicht in der besten Besetzung da», sagt er in Luxemburg. Weil jeder Spieler noch einem Beruf nachgehe, hätten nicht alle mitkommen können. Er habe auf zwei starke Blöcke verzichten müssen, sagt Faikov, der in der heimischen Liga auch den aktuellen Meister Abu Dhabi Storms coacht. Die Liga besteht aus fünf Mannschaften, die anderen vier Teams heissen Dubai Mighty Camels, Abu Dhabi Scorpions, Al Ain Vipers und Al Ain Theeps.
Überall Nationalteams
Die Scheichs sprechen nun davon, Gastgeber der WM-Division III zu werden. «Wir hoffen, dass wir die Weltmeisterschaft 2015 bei uns austragen können, um unseren Leuten diesen Sport zu zeigen. Wir bringen den World Cup nach Hause», blickt Faisal al-Suwaidi nach vorn. «Wir spielen mit Herz und wollen unsere Flagge zeigen.» Auch Bahrain, Katar, Kuwait, Oman und Saudiarabien werden von der Freude am Eis angesteckt. «Unser Management versucht sie zu pushen. Alle haben nun eine Nationalmannschaft. Es ist wie ein Schlüssel, den man noch drehen muss.» Im Juni, so al-Suwaidi, solle in Kuwait der Arab Cup durchgeführt werden.
Drei Eishallen stehen in den Emiraten, ein viertes Feld ist einem Einkaufszentrum angesiedelt. «Die Ligaspiele werden auf dem Eisfeld in einem Shopping-Center ausgetragen. So lernen die Leute den Sport kennen. Sie mögen ihn, weil er so schnell und komplex ist», sagt Faisal al-Suwaidi. Eine Jugendliga namens Dubai Sandstorms existiert ebenfalls. Auch scheint das Land höflich gegenüber Frauen zu sein, das einzige Damenklubteam wird nicht – wie bei den Männern – Camels, Scorpions, Vipers oder Storms genannt, sondern ungleich galanter: Dubai Gazelles.
Barry Beck coacht Hongkong
In Luxemburg anzutreffen war auch Barry Beck. Der Ex-Captain der New York Rangers leitet in Hongkong eine Eishockeyakademie, und er coacht das Nationalteam, das erstmals eine WM bestritt. «Unsere Spieler zeigen viel Herzblut», sagt Beck. «Sie sind keine Profis, sondern zahlen dafür, diesen Sport auszuüben. Ich freue mich, Trainer des ersten WM-Teams der Nation zu sein.»