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Lieber Herr Ramspeck: Wir beide korrespondieren seit Jahren zwar fast einwandfrei digital, und trotzdem bringen Sie mich immer mal wieder zum Schmunzeln, wenn Sie mich anrufen, um mir zu erklären, dass «was mit dem Server nicht stimmt». Ich habe den Eindruck, dass Sie – besonders in Anbetracht Ihres Alters – recht flott mit dem Computer unterwegs sind. Obwohl ich hin und wieder eine gewisse Anspannung feststelle. Fühlen Sie sich hinter dem Desktop sicher?
Liebe Joëlle
Als in den frühen Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts die Kybernetiker uns die «Daten-Autobahn» voraussagten, war auch ich von ihrer Vision fasziniert. Die Vorstellung, dass dereinst alles Wissen dieser Welt für jedermann zu Hause greifbar sein wird, fand ich berauschend. Worauf ich nicht gefasst war: die Tücke des Objekts. Meine Kinder spielten mit dem «Super-Mario», ich schaute ihnen gelangweilt zu und verschlief den Einstieg in die Handhabung einer Technologie, die heute Beruf und Alltag beherrscht. Jedes Mal, wenn ich ein Mail verschickte, rufe ich den Empfänger an, ob er es bekommen hat, weil ich damit rechne, mit der Maus ein falsches Feld geklickt zu haben. Plötzlich reagiert mein Drucker auf meine Befehle nicht mehr, und einer meiner Söhne hat die beglückende Aufgabe, herbeizueilen und mit zwei, drei Tastengriffen meine Inkompetenz blosszustellen. Ich sage nicht, dass ich den Computer hasse. Eigentlich liebe ich ihn, aber meine Liebe wird von ihm nicht erwidert. Ohnehin spricht er in einer Geheimsprache zu mir, und ich verstehe immer nur Bahnhof. Auch im Auto bin ich unfähig, den Radiosender zu wechseln. Es ist die Strafe für meine Versäumnisse aus Faulheit und Hochmut.