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Nachgewiesen ist, dass der im 9. Jh. errichtete Bau dem Plan teilweise folgte: Abt Gozbert bricht im Jahr 830 den Kirchenbau von Otmar ab und errichtet ein neues Gallusmünster. Später im 9. Jh. wurde auch eine St. Otmarskirche (geweiht 867) und eine Michaelskapelle errichtet, die beide hinter dem damaligen Gallusmünster standen und später in der jetzigen Kathedrale aufgingen: Von diesen karolingischen Bauten sind heute nurmehr die ergrabenen Fundamente, prächtige Kapitelle und die Krypten erhalten. Verschiedene Brände und Zerstörungen machten über die Jahrhunderte immer wieder Bauarbeiten nötig. Zur Zeit der Gotik wurde der karolingische Bau nur örtlich mit dem Bau eines neuen Chors (1483 vollendet) berührt; 1623 wurde die Otmarskirche neu gebaut und dazu die Michaelskapelle niedergelegt, so konnte auch das Schiff des alten Münsters nach Westen verlängert werden.
Die Kathedrale präsentiert sich heute mit einer zentralen Rotunde, die von aussen als eigentlicher Querbau wahrgenommen wird und die gleich langen Teile Langhaus und Chor verbindet. Die östliche und westliche Fassade sind nüchtern gehalten, einziger Schmuck sind wenige Figuren. Die Ausbuchtungen der Rotunde sind reicher geschmückt. Der architektonische Höhepunkt ist die östliche, aus Sandstein gebaute Doppelturmfassade. Zwischen den beiden 68 m hohen Türmen drängt sich der dreigeschossige Mittelteil geradezu hervor, zahlreiche Schmuckelemente unterstützen die prachtvoll dynamische Wirkung dieser Fassade. Im Innern konzentriert sich der Bau jedoch auf den zentralen Raum der Rotunde, während architektonisch der Langraum zum Chor weitergeführt scheint; der Innenraum wirkt nicht dramatisiert in Bewegung, sondern in ruhigem, sicherem Gleichgewicht. Die Kathedrale von St. Gallen kann deshalb auch als «Angelpunkt zwischen Rokoko und Klassizismus, eines der letzten grossen Sakralbauwerke barocken Charakters» gelten. Die innere Ausmalung beschränkt sich im Wesentlichen auf Deckengemälde (von Christian Wenzinger in Kuppel und Schiff und von Josef Wannemacher im Chor): religiöse Szenen und Gestalten in mit bräunlich dunklen Wolken staffierter himmlischer Umgebung. Das Chorgestühl, 1763–1770 von Joseph Anton Feuchtwanger geschnitzt, beeindruckt durch seine reichen Verzierungen und architektonische Unterstützung des Raumeindrucks.
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