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Seien wir ehrlich. Jeder von uns hat doch schon einmal gedacht, den Job hinzuschmeissen und früh in die Rente zu gehen. Strand, Sonne ein paar Cocktails schlürfen. Tönt doch fantastisch. Ihr habt sicher auch schon Video gesehen zum Thema «FIRE». Fire steht für Financial Independence Retirement Early”. Also möglichst früh finanziell unabhängig zu sein und das zu tun, auf was man Lust hat. Aber wie realistisch ist das? Ich zeige Dir anhand wissenschaftlicher Studien und Rechenbeispielen, wieviel Kapital du brauchst, um finanziell unabhängig zu sein.
Die Fire-Bewegung geht oft mit dem Frugalismus zusammen. Frugalisten versuchen in jungen Jahren möglichst viel Geld zu sparen, um dieses Geld dann zu investieren. Zahlreiche Videos oder Bücher existieren mit den Titeln «Mit 40 in Rente» oder «Finanziell unabhängig mit 30».
Traditionell spricht man allerdings von Frührente ab einem Alter von ca. 58 Jahren.
Um zu ermitteln, wie hoch das Vermögen für die Rente sein sollte, ziehen wir die berühmte 4% Regel basierend auf der Trinity Studie heran. Diese besagt folgendes: Aus einem gemischten Portfolio aus Aktien und Anleihen kann man jedes Jahr 4 % des Vermögens entnehmen, ohne dass innerhalb von 30 Jahren das Geld ausgeht. Wenn ihr zu 75% in Aktien und zu 25% in Anleihen investiert seid und jährlich 3% bezieht, sollte Euch das Geld gar nie ausgehen – auch nicht nach 40, 50 oder 60 Jahren. Wieso ist das so? Der Aktienmarkt erzielt eine Rendite zwischen 7% und 9%, davon ist die Inflation von 2% abzuziehen. Wenn ihr dann 3% pro Jahr bezieht habt ihr immer noch einen Cash Puffer von 2% bis 4%.
Die Studie beruht auf historischen Daten bezüglich Aktien, Anleihen und Inflation, die bis 1926 zurück reichen. Die Details zur Trinity Studie werde ich ein einem anderen Artikel behandeln.
Anbei soviel: Die Aktienmärkte schwanken natürlich ziemlich stark. Über ein 1 Jahr hinweg wurden positive Renditen von bis zu 53% aber auch negative Renditen von bis zu 37% erzielt. Schaut man sich das ganze rollend über 20 Jahre an, so gibt es keine Zeitperiode in der - inklusive Inflation - eine negative Rendite erwirtschaftet wurde. Daher ist der lange Anlagehorizont so zentral. Im Schnitt wurde nach Abzug der Inflation auf dem amerikanischen Aktienmarkt eine Rendite von 6.7% erwirtschaftet.
Wenn die 4% Regel gilt, geht es jetzt darum, dasjenige Vermögen zu ermitteln, welches Ihr braucht, um in Rente zu gehen. Man spricht vom sogenannten «Nest Egg». Ihr müsst zuerst ein jährliches Budget festlegen, was ihr pro Jahr in Zukunft für Euer Leben benötigt. Dann legt ihr Euer gewünschtes Rentenalter fest und trefft eine Annahme zur Lebenserwartung.
Also wenn ihr Euch mit 65 zur Ruhe setzen wollt, eine Lebenserwartung von 95 Jahren habt und jährlich CHF 70'000 zum Leben braucht, dann wäre das benötigte Kapital CHF 1.75 Mio. Natürlich ist diese Zahl abhängig, von der Rendite, die ihr effektiv erzielt und wie hoch die Inflation ausfällt. Es gibt aber auf jeden Fall einen groben Anhaltspunkt wieviel Ihr auf der Seite haben solltet.
Na gut, mit 65 wirst du ja sowieso in Rente gehen. Also wie sieht es aus, falls du Dich früher zur Ruhe setzen möchtest, beispielsweise mit 40 oder 50 Jahren. Viele Frugalisten rechnen sodann mit einer Auszahlungsrate von 3%, da sich die Anzahl Jahre in Rente erhöht. Dies führt dazu, dass du jetzt CHF 2.3 Mio. gespart haben solltest. Wie ihr das schnell berechnet könnt seht ihr hier. Ihr nehmt Eure Auszahlungsrate bspw. 3% und nehmt den Kehrwert davon. Also 1 dividiert durch 3% und ihr erhaltet den Faktor 33. Jetzt nehmt ihr Euer jährliches Budget bspw. CHF 70'000 und multipliziert dies mit dem Faktor 33. So erhaltet ihr CHF 2.3 Mio.
So und genau dies ist die Schwierigkeit. Wie könnt ihr ein solch hohes Vermögen ansparen. Entweder baut ihr bspw. in jungen Jahren eine eigene Firma auf, die ihr sodann verkaufen könnt oder aber ihr geht den Weg des Frugalisten. In der Video Sektion habe ich ein Video hochgeladen, welches aufgezeigt, wie ihr mit einer Sparrate von CHF 2000 in 20 Jahren eine Million erzielen könntet. Die Annahme von 6% Rendite ist natürlich über einen längeren Zeitraum angedacht. Kurzfristig können die Renditen sehr schwanken.
Möchtet ihr diese CHF 2.3 Mio. Euro erreichen, erfordert dies eine Sparrate von CHF 3’500 pro Monat und dies über 20 Jahre oder aber eine Sparrate von CHF 2’200 über 30 Jahre. Dies ist auch der grösste Kritikpunkt am FIRE Konzept. Ihr braucht schon ein ordentliches Einkommen, um überhaupt so viel pro Monat ansparen zu können. Wie gesagt, eine Möglichkeit ist es, enorm sparsam zu leben und die Sparquote auf 50% oder höher zu setzen. Dies ist einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren, aber eben sehr schwer und nur mit unglaublicher Disziplin zu erzielen.
Oder aber, man setzt sich nicht völlig zur Ruhe, sondern sucht sich einen Nebenjob oder den Weg über die Selbstständigkeit, damit ein Teil des Einkommens über diesen Verdienst erzielt wird. Dieser Nebenjob kann dann genau dort sein, wo man vielleicht immer sein wollte. Also das Hobby kann mit dem Beruf verbunden werden.
Nehmen wir an, hier kennt Euer gegenwärtig Erspartes oder welchen Sparbetrag ihr in einigen Jahren erreichen wollt, wann ihr vorhabt in die Rente zu gehen und wisst, wie Euer jährliches Budget aussieht. Jetzt wollt ihr wissen, ob Euch bei diesen Inputvariablen jemals das Geld ausgehen könnte. Um das zu berechnen, könnt ihr den Vanguard Nest Egg Calculator heranziehen.
Es zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, innerhalb eines bestimmten Zeitraums das gesamte Geld verbraucht zu haben. Dahinter stehen Aktienrenditen, Bondrenditen sowie Inflationsdaten, die bis 1926 zurückgehen. Es werden sodann 100'000 Simulationen gefahren, man nennt dies auch Monte Carlo Simulation. Obwohl sich der Kalkulator auf die USA bezieht, kann er auch für Europa approximativ angewandt werden.
Wenn ihr 50 seid, Eure Lebenserwartung auf 90 Jahre festlegt und ihr ein Vermögen von CHF 2 Mio. aufgebaut habt und in Zukunft CHF 70'000 pro Jahr ausgeben möchtet, dann werdet ihr mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% immer noch Geld in einem Alter von 90 Jahren haben. Die X-Achse zeigt Euch die Jahre auf in der im Ruhestand seid, also hier 40 Jahre. Die Y-Achse zeigt Euch die Wahrscheinlichkeit auf noch Geld übrig zu haben. Also wenn ihr 70 seid, habt ihr mit 100% Wahrscheinlichkeit noch Geld übrig. Mit 90 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass dass ihr noch Geld habt bei 90%. Oder anders ausgedrückt, die Wahrscheinlichkeit beträgt 10%, dass ihr mit 90 bankrott seid.
Spannend ist übrigens auch, dass ihr die Asset Allokation Aktien vs Bonds und Cash anpassen könnt, um zu schauen wie sich die Kurve entwickelt. Obwohl ihr langfristig mit den Aktien die höchste Rendite erzielt, erhöht ein gewisser Anteil an verzinslichen Anleihen (Bonds) die Wahrscheinlichkeit nicht alles Geld aufgebraucht zu haben. Dies hängt natürlich damit zusammen, dass wenn es auf den Aktienmärkten über eine gewisse Anzahl Jahre richtig runter geht, ihr durch die Anleihen eine gewisse Schutzfunktion aufgebaut habt.
Um die Wahrscheinlichkeit eines Bankrotts zu reduzieren, würde ich das Budget mit einer Auszahlungsrate von ca. 2.7% festlegen. Bei 2.7% beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Nicht-Bankrotts 97%.
Zuerst geht es allerdings um den Vermögensaufbau und dies kosteneffizient. Falls ihr das Ziel mit einem Anlagefonds erreichen wollt, zahlt ihr schnell mal zwischen 1.5% und 3% pro Jahr. Über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren, kann dies locker einen sechsstelligen Betrag ausmachen. Kostengünstiger geht dies über ETFs. Ein möglicher Anbieter ist Selma Finance, welcher einen ETF anbietet. Bis jetzt habe ich persönlich mit Selma sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit dem unten stehen Code erhältst du CHF 60 (CHF 30 auf das 3a Konto und CHF 30 auf das Investmentkonto).