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Grillierte Riesencrevetten an Knoblauch-Chili-Öl, Thai-Curry, Nasi Goreng oder gebratene Nudeln mit Crevetten – mit den kleinen Krustentieren lässt sich so manch ein kulinarischer Höhepunkt zaubern. Mit wild lebenden Tieren ist die weltweite Lust auf Crevetten aber schon lange nicht mehr zu bedienen.
Ab 1930 begann sich in Japan die industrielle Zucht von Crevetten zu etablieren. Problematisch wurde das Ganze ab den 1960er- und 1970er-Jahren, als die Zucht in vielen Ländern intensiviert wurde. Um die steigende Nachfrage zu decken, sattelten immer mehr Landwirte in tropischen und subtropischen Ländern auf die Crevettenzucht um. Die Kehrseite: Wertvolle Mangrovenwälder wurden geopfert, um Platz zu schaffen für die Zuchtbecken.
Dabei hätten die Mangroven eigentlich eine wichtige Funktion. Sie bilden einen natürlichen Schutz vor Erosion und schützen die Küstengebiete bei Stürmen und Tsunamis. Zudem sind die Mangrovenwälder Heimat von Reptilien, Vögeln und Jungfischen. Im Zuge der konventionellen Crevettenzucht entstanden an Stelle der Mangrovenwälder an Küsten und Flussdeltas riesige Zuchtbecken. Hier leben die Crevetten in so dichten Populationen, dass dem Futter präventiv Antibiotika beigemischt wird, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden. Doch bei der intensiven Zucht versalzen die Böden der Teiche durch die Ausscheidungen der Tiere oft schon nach wenigen Jahren. Nach fünf bis zehn Jahren können die Becken nicht mehr genutzt werden. Die Böden sind durch Chemikalien und Antibiotika so stark belastet, dass eine Wiederaufforstung der Mangrovenwälder nicht möglich ist.
Anders sieht es in den Crevettenfarmen aus, die nach Bio-Richtlinien geführt werden. Zum Beispiel in Ca Mau, einer Provinz im Süden Vietnams. Wenige Kanäle ziehen sich hier durch die Mangrovenwälder. Um den Bio-Richtlinien zu entsprechen, müssen mindestens auf der Hälfte der bewirtschafteten Fläche Mangrovenbäume stehen bleiben oder wieder aufgeforstet werden. Die Bio-Crevetten, die in Ca Mau aufwachsen, sind echte Kinder der Liebe. Schon ihre Eltern leben hier in einem Aufzuchtbecken, wo sie mit rein biologischem Essen gefüttert werden. Im Rahmen des natürlichen Zyklus beginnen die Muttertiere Eier zu tragen.
Anders als in konventionellen Zuchtanlagen, wo die weiblichen Tiere künstlich dazu gebracht werden, ihre Eier möglichst schnell abzulegen, sorgt hier gedämpftes Licht für die richtige Stimmung. Wenn die Mütter ihre Eier gelegt haben, sind die männlichen Tiere im Becken für die Befruchtung zuständig. Nun sind die Crevettenfarmer an der Reihe. Die Bauern sammeln die befruchteten Eier ein und geben sie in einen Brutbehälter mit Nährlösung. Hier bleiben sie unter den warmen Lampen, bis die Larven schlüpfen. Wenn die Babycrevetten eine Länge von elf bis zwölf Millimeter erreicht haben, wird es Zeit, die Kleinen sich selbst zu überlassen. Ihr Essen müssen sie sich nun selbst suchen. Durch die herabfallenden Mangrovenblätter, die sich in den Becken zersetzen, herrschen in den Zuchtbecken ideale Bedingungen für Kleinstlebewesen. Diese wiederum dienen als Nahrung für die Bio-Crevetten – die irgendwann auf unseren Tellern landen.