Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03132.jsonl.gz/760

Mensch-Tier-Beziehung
Informationen
IEMT-Schweiz orientiert sich am interdisziplinären «One Health» Ansatz. Bei ebendiesem Ansatz ist die enge Zusammenarbeit zwischen der Human- und Veterinärmedizin zentral für die Förderung und den den Erhalt der Gesundheit von Mensch und Tier. Es gibt verschiedene Einflüsse, welche die Gesundheit von Mensch und Tier gleichermassen gefährden. Einige Beispiele dafür sind Krankheiten, welche zwischen Mensch und Tier übertragen werden können, durch Insekten übertragene Infektionskrankheiten, oder multiresistente Erreger. Treibende Kräfte, wie der Klimawandel oder die Globalisierung, verstärken die Bedeutung dieser Gefahren und entwickeln sich zunehmend zu einer globalen Herausforderung. Deshalb ist es notwendig, nachhaltige Strategien für die Gesundheit von sowohl Mensch als auch Tier zu erarbeiten, wofür sich IEMT-Schweiz einsetzt.
Ein weiterer wichtiger Fokus von IEMT-Schweiz ist das Konzept von «Public Health». Der «Public Health»-Ansatz verfolgt die Ziele vom Erhalt und von der Förderung der Gesundheit der gesamten Bevölkerung oder von Teilen der Bevölkerung, von der Vermeidung von Krankheit und Invalidität sowie von der adäquaten Behandlung und Rehabilitation. Bei diesem Ansatz steht vor allem die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese) im Mittelpunkt. IEMT-Schweiz erforscht, ob die Mensch-Tier-Beziehung zum Erhalt und Förderung der Gesundheit der Bevölkerung beitragen kann. Studien zeigten, dass Tiere regulierend auf unser Stress-System sowie auf unseren Cortisol- und Oxytocinspiegel wirken (Charnetsky, Riggers, & Brennan, 2004; Beetz et al., 2011; Odendaal, 2000, Barker, Pandurangi, & Best, 2003; Barker, Rasmussen, & Best, 2003) und unsere Stimmung sowie den Verlauf von psychischen Beschwerden (Schizophrenie, Depressionen, Angsterkrankungen, ADHS) positiv beeinflussen (Turner, Rieger, & Gygax, 2003; Martin & Farnum, 2002; Barker & Dawson, 1998; Beck, 2005). Auch wirken Tiere als soziale Katalysatoren, machen soziale Interaktionen zwischen Personen häufiger und beeinflussen die Wahrnehmung des Patienten vom Psychotherapeuten positiv (Eddy, Hart, & Boltz, 1988; Hart, Hart, & Bergin, 1987; Wells, 2004; Schneider & Harley, 2006.
Tiergestützte Interventionen
Bei den tiergestützten Aktivitäten (Animal-assisted Activities, AAA) handelt es sich um Kontakte von Patienten mit Therapiebegleittieren, welche von Fachleuten oder Freiwilligen koordiniert werden, ohne dass hierfür ein spezifisches Behandlungsprogramm besteht. Beispiele für tiergestüzte Aktivitäten sind Spaziergänge mit Tieren, Spielnachmittage oder Besuche auf einer Station.
Die Tiergestützte Therapie (Animal-assisted Therapy, AAT) wird von der International Association of Human-Animal Interaction Organizations (IAHAIO) definiert als «eine zielgerichtete, geplante und strukturierte therapeutische Intervention» (Beetz & Olbrich, 2015, S.41). Eine ausgebildete Fachperson bezieht zum Erreichen eines therapeutischen Ziels ein Therapiebegleittier in die reguläre Behandlung ein. Die spezifischen Fachpersonen wie beispielsweise Psychotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden sollten eine Zusatzzertifizierung als Fachkraft für tiergestützte Interventionen (CAS in tiergestützter Therapie) aufweisen. Ebendier CAS sollte vom internationalen Dachverband (International Society for Animal Assisted Therapy, ISAAT) oder dem europäischen Dachverband (European Society for Animal Assisted Therapy, ESAAT) anerkannt sein. Zudem sollte das Therapiebegleittier im Kontakt mit Menschen trainiert worden sein und den Kontakt zu Menschen schätzen. Es dürfen nur domestizierte Tiere eingesetzt werden und die jeweiligen Individuen sollen keinen Stress im Umgang mit Menschen aufweisen. Der Einbezug eines Therapiebegleittieres muss unter Einhaltung tierethischer Richtlinien stattfinden. In der tiergestützten Psychotherapie wird ein Therapiebegleittier in die reguläre psychotherapeutische Behandlung miteinbezogen. Je nachdem, mit welchen Tieren der Psychotherapeut arbeitet und je nach Vorlieben des Patienten, können unterschiedliche Therapiebegleittiere in den Prozess miteinbezogen werden. Das Therapiebegleittier kann zur Beziehungsarbeit oder in Verbindung mit konkreten therapeutischen Techniken einbezogen werden. In der tiergestützten Ergotherapie wird ein Therapiebegleittier als Unterstützung für das Erreichen von Alltags-Zielen eingesetzt. So möchte beispielsweise eine Person nach einem Schlaganfall wieder lernen, Gegenstände im Alltag zu ergreifen. Hier kann beispielsweise ein Therapiebegleithund helfen, die Motivation im Therapiealltag aufrecht zu erhalten. So könnte zusammen in der Ergotherapie ein Apportiertraining mit dem Therapiebegleithund durchgeführt werden, in welchem die betroffene Person das Alltagsziel, Gegenstände im Alltag zu ergreifen, beübt. In der tiergestützten Physiotherapie wird ein Therapiebegleittier für das motorische Training eingesetzt. So kann beispielsweise zusätzlich zum klassischen Gehtraining ein Spaziergang über unebenes Gelände zusammen mit einem Therapiebegleittier absolviert werden, oder ein Parcours geübt werden.
IEMT Projekte
Effekte auf Tiere im tiergestützten Einsatz
IEMT Schweiz untersucht die Auswirkungen von tiergestützter Therapie das Stresserleben sowie das Wohlbefinden der eingesetzten Tiere. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der Untersuchung von Meerschweinchen.
Die Studie wird in Zusammenarbeit mit dem REHAB Basel, der Universität BAsel und dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) durchgeführt.
Erste Ergebnisse konnten bereits publiziert werden und sind einsehbar unter: https://doi.org/10.1016/j.jveb.2018.02.004
Für weitere Informationen zur Studie melden Sie sich bei der Projektleiterin Dr. Karin Hediger (<email-pii>).
Effekte von tiergestützter Therapie bei Menschen mit einer Hirnverletzung
Das IEMT Schweiz untersucht in Studien die Auswirkungen von tiergestützter Therapie auf den Rehabilitationsprozess von Patienten mit einer Hirnverletzung des REHAB Basel.
Die Studie wird in Zusammenarbeit mit dem REHAB Basel, der Universität Basel und dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) durchgeführt.
Erste Studien konnten bereits abgeschlossen und die Resultate publiziert werden. Zurzeit laufen weitere Studien.
Für weitere Informationen zur Studie melden Sie sich bei der Projektleiterin Dr. Karin Hediger (<email-pii>).
Einfluss von Hunden auf die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung von Kindern
In Zusammenarbeit mit dem IEMT Schweiz untersuchte Karin Hediger in einer Studie den Einfluss von Hunden auf die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung von Schulkindern.
Die Fragestellung, ob der Kontakt mit einem Hund die Leistung von gesunden Kindern im Alter zwischen 10 und 14 Jahren die Leistung in Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests fördert, wurde anhand eines randomisierten, kontrollierten und blinden Cross-over Designs untersucht.
Dazu absolvierten 24 Kinder im Abstand von einer Woche zweimal einen Gedächtnistest sowie drei computergestützte Aufmerksamkeitstests. Vor der Testung stand den Kindern eine viertelstündige Interaktionsphase zur Verfügung, ind er die Kinder entweder mit einem Hund oder einem Roboterhund (AIBO, Sony) spielen konnten.
Nebst der Gedächtnis- und der Konzentrationsleistung wurde die momentane Befindlichkeit der Kinder, die subjektiv empfundene Unterstützung sowie ein indirektes Mass der Gehirnaktivität via pIR-HEG (passive Infrarot-Hämoencephalographie) erhoben.
Die Resultate deuten darauf hin, dass ein Hund den Lerneffekt in Bezug auf die Qualität der Leistung in Konzentrations- und Gedächtnistests steigern kann. Die Studie zeigt somit, dass die Interaktion mit einem Hund vor und seine Anwesenheit während dem Absolvieren von Leistungstests im Bereich der Konzentration und Aufmerksamkeit, aber auch des Gedächtnisses, zu einer Leistungssteigerung führen kann. Zudem kann ausgeschlossen werden, dass die Anwesenheit eines Hundes einen Ablenkungsfaktor darstellt.
Der Artikel zu den neuen Forschungsergebnissen kann gratis heruntergeladen werden. Dazu muss man sich lediglich unter folgendem Link registrieren:
Karin Hediger & Dennis Turner (2014). Can Dogs increase children’s Attention and concentration performance? A randomised controlled Trial. Human-Animal Interaction Bulletin, 2(2), 21-39.
Studie: Tiere in Alters- und Pflegeheimen der deutschsprachigen Schweiz
Ein Umzug ins Altersheim muss nicht bedeuten, sich von seinem geliebten Heimtier zu trennen. Eine aktuelle Studie zeigt: Eine Mehrzahl von Heimen steht der Tierhaltung grundsätzlich positiv gegenüber. Denn Hund, Katz und Co. steigern nicht nur die Lebensqualität der HeimbewohnerInnen, die Tiere können auch zur Entlastung des Pflegepersonals beitragen. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung wichtiger Regeln. Denn nicht nur die Bedürfnisse der Tierbesitzer müssen erfüllt werden, sondern auch diejenigen der Mitarbeiter, Mitbewohner und nicht zuletzt der Tiere selber. bestellen
Ein Vergleich der sozialen Interaktionen von Kindern mit einem Roboterhund und einem echten Hund
Dennis C. Turner, Präsident des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, Filomena Ribi (damals Diplomandin in Verhaltensbiologie, Universität Zürich) und Aki Yokoyama, Psychiater und Professor in Japan, untersuchten 2002 bis 2003 in einer Studie die Entwicklung einer Beziehung zwischen Kindern und «Tieren».
In Japan, wo Therapeuten mit Heimtieren (v.a. Hunden) Schwierigkeiten haben, den Zugang zu Spitälern und Kliniken zu erlangen, testet man den Einsatz von Robottieren als Alternative zu lebenden Hunden. Roboter-gestützte Therapie (RGT) geht – bewusst oder unbewusst – von zwei Annahmen aus:
- dass die Patienten/Klienten mindestens so viel Interesse an elektronisch-mechanischen, lernfähigen «Tieren» zeigen wie an echten Kameraden;
- dass dieses Interesse im Verlauf der (Behandlungs-)Zeit nicht verschwindet.
Vorgehen
Die Forscher haben diese Annahmen in Zürcher Kindergärten/Spielgruppen mit 14 gesunden Kindern während insgesamt 22 Wochen überprüft. Die nötigen Einwilligungen der Ethik- und Tierversuchskommissionen, der Schulleitungen, der Lehrerinnen und aller Eltern wurden eingeholt. Die Kinder (8 Knaben und 6 Mädchen, alle zwischen 3 und 6 Jahre alt) wurden eingeladen (nicht gezwungen!), während 5 Minuten pro Woche in einem Nebenzimmer des Kindergartens entweder mit dem lebenden, kinderfreundlichen ‹Snappy› (erste 11 Wochen) oder mit dem etwa gleich grossen Roboter ‹AIBO› (Sonys® Model ERS-210) (während der 11 folgenden Wochen) zu interagieren.
Die Interaktionen wurden auf Videoband aufgenommen und danach für den Bericht statistisch ausgewertet.
Resultat
Die Kinder haben bedeutend häufiger (81,8%) an den Sitzungen mit Snappy teilgenommen, während «nur» 69,5% der Kinder bereit waren, an Begegnungen mit AIBO teilzunehmen. Allerdings näherten sie sich AIBO etwas häufiger als Snappy, obwohl Snappy sich den Kindern häufiger annäherte als AIBO, was in beiden Fällen wahrscheinlich mit Neugierde zu tun hat. Der Roboter wurde signifikant häufiger (kurz) berührt, währenddem Snappy bedeutend häufiger gestreichelt wurde. Interviews mit den Kinder ergaben, dass 10 der 14 Kinder am Ende der Beobachtungen den lebenden Hund als sozialen Partner bevorzugten; 3 Kinder hatten beide «Tiere» gern, und nur 1 Kind zog den Roboter vor.
Ländervergleich
In einer zweiten, vergleichenden Studie wurde nun untersucht, ob Kinder zweier verschiedener Kulturkreise (Ostasien und Westeuropa) unterschiedlich auf solche Heimtier-Roboter reagieren. Die Beobachtungen wurden gleichzeitig in Japan und in der Schweiz unter praktisch identischen Bedingungen durchgeführt. Kinder, die eigene Initiative zeigten und AIBO zuerst aktiv berührten, zeigten auch sonst selten negative Reaktionen auf den Roboterhund. Allerdings interagierten die japanischen Kinder häufiger positiv mit AIBO als die Schweizer Kinder. Aus den Resultaten lässt sich folgern, dass Schweizer Kinder mehr Zeit brauchen, um sich an einen Roboter zu gewöhnen, dass aber japanische Kinder schneller das Interesse an ihm verlieren.
Interpretation
Die unterschiedliche Reaktion der Kinder mag darin begründet sein, dass japanische Kinder aus städtischer Umgebung in einem stark technologisierten Umfeld aufwachsen, zum Beispiel mit Videogame-Salons, in denen sie von ähnlichen Geräuschen und blinkenden Lichtern berieselt werden wie von AIBO. Diese Erfahrungen machen Schweizer Kinder eher selten, und einige hatten vor AIBO’s Geräuschen und Lichtern sogar Angst.
Weitere Untersuchungen werden die «Bindung» von Kindern an ein solches Roboter-Heimtier genauer untersuchen müssen, indem sie Effekte wie Neuheit, Angst und Gewöhnung resp. Langeweile separat analysieren.
Beeinflusst die momentane Stimmung eines Menschen die Interaktionen mit seiner Katze?
Gerulf Rieger, Diplomand am Anthropologischen Institut der Universität Zürich, fasst in diesem Bericht die Ergebnisse einer unter der Leitung von PD Dr. Dennis C. Turner und Prof. Robert D. Martin entstandenen Studie* zusammen. Diese brachte sehr interessante Ergebnisse und einige Überraschungen ans Licht, und ausserdem Hinweise für weiterführende Forschung.