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Länder mit geringen Nettoreserven wie Argentinien erhalten durch Zuteilungen für ihre Devisenreserven ebenfalls einen kräftigen Schub. (Bild: Shutterstock.com/BonnieBC)
Wohlhabende Industrienationen waren während der Corona-Krise in der Lage, umfangreiche fiskal- und geldpolitische Hilfspakete zu historisch niedrigen Zinsen zu schnüren, um die eigenen Volkswirtschaften zu stützten. "Viele arme Länder hingegen haben in der ersten Jahreshälfte den Zugang zu den Märkten verloren und waren zu prozyklischen Sparmassnahmen oder, im besten Fall, stark eingeschränkten Konjunkturmassnahmen gezwungen. Die Schlussfolgerung dieser Entwicklung, dass einkommensschwache Länder in einer Welt nach der Pandemie schlecht abschneiden werden, wäre allerdings vorschnell und oberflächlich", sagt Carlos de Sousa, Investmentstratege bei Vontobel.
Unterstützung durch IWF
Der internationalen Währungsfonds (IWF) hat als Reaktion auf die Entwicklungen infolge der Covid-19-Pandemie 78 Schwellen- und Entwicklungsländern eine bedingungslose Finanzierung zur Verfügung gestellt. Per Ende Mai beliefen sich diese pandemiebezogenen Kredite des IWF auf 109,6 Mrd. USD, wovon 77% bedingungslose Schnellfinanzierungsinstrumente (Rapid Financing Instruments, RFIs) und Schnellkreditfazilitäten (Rapid Credit Facilities, RCFs) waren. Länder mit niedrigen Einkommen erhielten lediglich ein Drittel dieses Betrags, profitierten jedoch gemessen an ihrem BIP am stärksten.
Der Gouverneursrat des IWF wird zudem eine neue Sonderziehungsrechte (SZR)-Zuteilung in Höhe von 650 Mrd. USD für alle IWF-Mitglieder genehmigen. Die Genehmigung der Massnahme ist für August vorgesehen und die Zentralbanken der Mitgliedsstaaten werden die Mittel kurze Zeit später erhalten. Absolut betrachtet erhalten wohlhabende Nationen den Löwenanteil, doch gemessen am BIP werden Länder mit niedrigen und niedrigen mittleren Einkommen auch hier am stärksten profitieren.
Sgnifikant, aber kein Game Changer
Wie de Sousa weiter erklärt, bedeuten in der Summe die SZR für einkommensschwache Länder eine Unterstützung in Höhe von 1,9% ihres BIP in Form frei verwendbarer Reserven, die mit einem Zuschuss vergleichbar sind; einkommensstarke Länder erhalten 0,8% ihres BIP. Der exakte Betrag hängt von der IWF-Quote des jeweiligen Landes ab. "Das ist aus makroökonomischer Sicht signifikant, aber kein wirklicher Game Changer. Aus diesem Grund haben die Staatsoberhäupter der G7 den IWF unlängst gebeten, einen Vorschlag zur Weiterleitung von 100 Mrd. USD von insgesamt 437 Mrd. USD, die einkommensstarke Länder erhalten werden, an die bedürftigsten Länder auszuarbeiten. Noch ist unklar, wie diese Reallokation von 100 Mrd. USD vonstattengehen soll", sagt de Sousa. Der IWF werde sich in den kommenden Monaten mit der Erarbeitung eines Massnahmenplans befassen, sodass die eigentliche Reallokation im vierten Quartal 2021 erfolgen dürfte.
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