Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03536.jsonl.gz/2468

In den letzten 25 Jahren fand ich mich öfters in Diskussionen wieder, mit einer Nachbarin, einem Bekannten, einem Vermieter z.B. in deren Verlauf ich staunen musste darüber, wie weisse Leute in Europa dunkelhäutige Menschen und die Länder des afrikanischen Kontinents bewerten ohne etwas über die (koloniale Ausbeutungs-) Geschichte zu wissen.
Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich das Glück habe viele eigenständig denkende, zu Mitgefühl fähige Lehrer gehabt zu haben. Lehrer, die mich und manche meiner MitschülerInnen gwundrig machten und den Wunsch weckten genauer hinzuschauen.
Im Erwachsenenleben gehörte dazu auch Paul Jenkins, der sich u.a. in einem Semester bemühte, uns Studierenden die vorkoloniale Geschichte Schwarzafrikas näher zu bringen.
Bei ihm hörte ich das erstemal den Ausdruck "meine kolonialen Vorfahren".
Ich verstand, dass er sich damit als Nachfahre eben gerade nicht distanzieren wollte von seinen ausbeuterischen Vorfahren, sondern nach seinen Möglichkeiten zur "Wieder-gutmachung"
beitragen wollte. Natürlich konnte er als Nachfahre auch nicht die volle Verantwortung übernehmen.
Doch darum geht es nicht. Es geht darum anzuerkennen, dass der Anteil des weissen Europa, unser Anteil am Elend der Flüchtenden gar nicht so klein ist, wie wir das gerne hätten. Wie eine solche Anerkennung die Einstellung gegenüber dunkelhäutigen Flüchtenden verändern kann, wäre vermutlich bald sichtbar.
Gegenüber den Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen hat sich, wie wir sehen konnten, jedenfalls die Einstellung vieler nicht Betroffener in den letzten Jahren radikal und positiv
verändert.
Don't you know You better run, run, run... Oh I said you better run, run, run... Finally the tables are starting to turn ... Talkin' bout a revolution..." Tracy Chapman,
Wembley1988