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»Verschiedene Kritiker haben mir die Ehre angetan, das Gedicht als Kritik an der Gegenwart zu interpretieren, und haben sogar eine gehörige Portion Gesellschaftskritik hineingelesen. Für mich war es nur das Ventil für einen privaten und ganz belanglosen Grant gegen das Leben; es ist lediglich ein Stück rhythmischer Quengelei.« So wehrt ein Autor, ebenso verständlich wie unangemessen und vergebens, den Ruhm ab, mit dem er für eben dieses Gedicht, The Waste Land, überhäuft worden ist. The Waste Land (erschienen 1922) ist das Langgedicht des 20. Jahrhunderts, jedenfalls das mit der grössten Wirkung in der westlichen Welt. Ein Blick in Norbert Hummelts schwungvoll rhythmische, „direkte“ Neuübertragung und das Original macht ohne weiteres verständlich, warum. Der puritanischen Traditionslinie der amerikanischen Literatur – über Emerson, Thoreau, Dickinson und Whitman – folgend, bezieht Eliots bewusst fragmentarisch gehaltenes Krisengedicht den Leser geradezu szenisch mit ein. Es lässt ihn mitarbeiten, innehalten, überlegen: Selbsterforschung - des Lesers mehr als des Sprechenden - ist gefragt. Auch dies hat Das öde Land über all die Jahre hinweg lebendig gehalten.
Portrait
Thomas Stearns Eliot, Amerikaner englischer Abstammung, geb. am 26. September 1888 in Saint Louis, Missouri/USA, verbrachte dort, calvinistisch erzogen, seine Kindheit und Jugend. Nach Studienjahren in Harvard, Paris, München und Oxford lebte er ab 1914 in London. 1917 veröffentlichte er seine frühen Gedichte. Von 1925 an war er Mitarbeiter im Verlag 'Faber und Faber'. Mit dem Erwerb der britischen Staatsbürgerschaft trat er 1927 zur anglikanischen Hochkirche über. 1948 erhielt Eliot den Nobelpreis für Literatur. Ausgehend von den literarischen Klassikern wie Vergil, Dante oder Shakespeare schuf er eine im Versmass freie, abstrakte Lyrik und gab der englischen Sprache neue Impulse. Der Erneuerer der amerikanischen Lyrik und des religiösen Dramas starb am 4. Januar 1965 in London. Norbert Hummelt, Jahrgang 1962, lebt bei Köln. Derzeit lehrt er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.