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Bolschunow und die Kunst des «Social Distancing»
Im zweitletzten Rennen des Langlauf-Weltcups ist der Russe Alexander Bolschunow über 15 km klassisch in Silvaplana eine Klasse für sich. Dario Cologna verliert als 14. genau 43 Sekunden.
Am Freitag hatte Alexander Bolschunow an einer Video-Medienkonferenz scherzend gemeint, sein Ziel für die Zukunft sei das «Social Distancing». «Ich muss einfach 1,5 Meter Abstand zu meinen Gegner halten.» Der Russe sprach damit das Rencontre am vergangenen Sonntag auf der Zielgeraden des 50-km-Rennens an der WM in Oberstdorf an. Der Norweger Johannes Hösflot Klaebo hatte sich regelwidrig an Bolschunow vorbeigedrängt und dabei dessen Stock zerbrochen. Klaebo wurde disqualifiziert, Bolschunow blieb dennoch nur der 2. Platz.
Im Oberengadin liess der 24-jährige Russe seinen Worten Taten folgen. Auf der als nicht sehr selektiv eingeschätzten Loipe in Silvaplana, auf der die meisten einen Sprint erwartet hatten, distanzierte er die Konkurrenz um 18 und mehr Sekunden. Klaebo gewann den Sprint des sechsköpfigen Verfolgerfeldes souverän.
Dario Cologna verfügte zwar über gute Beine, stürzte aber zu Beginn der zweiten von vier Runden nach einem Rencontre mit einem Russen und fiel weit zurück. Bis Kilometer 12 schaffte er zwar wieder den Anschluss an die Spitzengruppe, nach dem Angriff Bolschunows musste er aber abreissen lassen und fiel noch auf den 14. Platz zurück.
«Nach dem Sturz musste ich viel investieren, um wieder nach vorne zu kommen», bedauert der vierfache Olympiasieger. «Danach hat hinten hinaus ein bisschen etwas gefehlt. Aber die Form fühlt sich gut an.» Das Verfolgungsrennen am Sonntag über 50 km auf der leicht modifizierten Strecke des Engadin Skimarathons, der an diesem Wochenende geplant war und dem Coronavirus zum Opfer fiel, nimmt Bolschunow nun 18 Sekunden vor Klaebo in Angriff, Cologna folgt mit 43 Sekunden Rückstand.
«Das Feld wurde mehr auseinander gezogen, als ich gedacht hätte», gibt der seit Donnerstag 35-jährige Bündner zu. «Bolschunow war schon sehr stark, vor allem im Wind draussen.» Es wird spannend sein, ob der Russe es wagt, die ganzen 50 km vorne wegzulaufen oder ob er sich lieber von der ersten Gruppe einholen lässt. Cologna hofft, möglichst schnell zu dieser aufschliessen zu können. «Es wird sicher darauf ankommen, wie stark der Gegenwind und der Schneefall sein werden.»
Cologna ist der einzige Schweizer in den Punkterängen. Die übrigen Läufer von Swiss-Ski verloren ohne optimales Material an den Füssen beträchtlich Zeit.
Auch bei den Frauen russischer Sieg
Auch bei den Frauen über 10 km setzte sich vor vielen Zaungästen am Rand der Strecke eine Russin durch. Die 26-jährige Julia Stupak, seit 14 Monaten Mutter eines Sohnes, düpierte die favorisierten Skandinavierinnen und gewann 7,1 Sekunden vor der Norwegerin Heidi Weng und 8,5 vor der Schwedin Ebba Andersson. Nadine Fähndrich zeigte eine solide Leistung und verlor als 19. gut 1:10 Minuten. Sie wird die 30 km vom Sonntag versuchen, in einer guten Gruppe zu laufen.
Die Ausgangslage ist nach dem kurzfristigen Forfait der hohen Favoritin Therese Johaug offener als erwartet. Als Sieger im Gesamt-Weltcup standen Bolschunow und die Amerikanerin Jessie Diggins schon vor dem Schluss-Wochenende im Engadin fest.
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