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die
Malerei mit
Wasserfarben, welche den
Malgrund nicht
decken, sondern durchscheinen lassen. Sie unterscheidet sich dadurch vornehmlich von der sonst mit ihr ziemlich verwandten
Gouache- (d. h.
Deckfarben-)
Malerei. Zur Verwendung kommen bei der Aquarellmalerei meist die sogen.
Saftfarben aus vegetabilischen
Stoffen,
welche im
Wasser leicht löslich sind; doch werden jetzt auch die
Erdfarben durch Reiben und
Schlämmen für
die Aquarellmalerei präpariert, so daß diese gegenwärtig in Bezug auf
Reichtum der
Palette kaum hinter der
Ölmalerei zurücksteht.
Geschichte. Die Ägypter bedienten sich der Aquarellfarben, d. h. mit Gummiwasser versetzter
Farben, bei ihren Wandgemälden. Sie überzogen die Wandfläche mit
Stuck, zeichneten darauf die
Umrisse in roten vertieften
Linien, grundierten mit weißer
Farbe und kolorierten die einzelnen Teile. Eine ähnliche
Technik weisen die ältern etruskischen
Wandmalereien auf. Es ist wohl nicht zweifelhaft, daß auch Griechen und
Römer die Aquarellmalerei gekannt, obwohl ihre Schriftsteller
nichts Bestimmtes darüber mitteilen und Werke in dieser
Technik nicht auf uns gekommen sind.
Die
Technik der Wandgemälde in den
Katakomben ist bestimmt Aquarellmalerei. Die
Konturen sind mit dicken schwarzen
Strichen gezogen,
die Fleischpartien rötlich angelegt, die Gewänder meist blau, rot und gelb, die
Schatten
[* 9] mit einigen weitern
Lagen desselben
Farbentons angedeutet.
Später werden die
Schatten grünlich. Nicht selten begegnen wir der Aquarellmalerei unter den in altchristlicher
Zeit vertretenen
Miniaturen oder Buchillustrationen. Während bei den Gouacheminiaturen die
Zeichnung mit einer
Nadel in
den
Grund vertieft wurde, entwarf man sie beim Aquarell mit
einem
Stift mit silberner
Spitze, zog die
Linien mit der Kielfeder,
die
man inTinte, eine Mischung von Lampenruß und
Gummi, getaucht hatte, nach, kolorierte darauf in lichten, ungebrochenen
Farbentönen und verstärkte dann noch mitunter das
Detail, wie z. B. Gewandfalten, mit der
Feder. Es finden
sich auch bläulich getuschte
Schatten und Deckweiß für die
Lichter angewendet.
Wir ersehen aus ihnen, daß die Giottesken bereits das Abstufen des Aquarells in den
Schatten kannten, wenn sie
auch nur mittels Zusatzes von
Schwarz schattierten, und daß sich die
Farbenskala nicht mehr auf die bloßen vegetabilischen
Farben, wie bei Heraclius und Theophilus, beschränkte, sondern dieselbe Auswahl bot wie die Tafelmalerei.
In den Buchillustrationen
des 15. Jahrh. überwiegt bei weitem die
Gouachemalerei.
Reiche Anwendung fanden hingegen die Aquarellfarben beim
Kolorieren von
Holzschnitten.
in Aquarell gearbeitet; es wurde Modesache, welcher sich viele Dilettanten bemächtigten. Die der ganzen damaligen Kunstproduktion
anhaftende Vorliebe für feine, zierliche Detailausführung, wie sich dieselbe am deutlichsten in den Miniaturporträten
in Gouache auf Elfenbein, Seide etc. zeigt, charakterisiert auch die Aquarellmalereien. Sepia und chinesische Tusche spielen
eine große Rolle. Goethe erwähnt in seiner »ItalienischenReise« an mehreren StellenKopien nach Ölgemälden
alter italienischer Meister, welche von seinen Landsleuten Tischbein, Hackert etc. in Aquarell ausgeführt waren.
Diese Kopien suchen die Farbentiefe, die Beleuchtungseffekte der Originale wiederzugeben. Es scheint dies dadurch erreicht
worden zu sein, daß die Gemälde vorerst grau in grau untermalt, hierauf mit Aquarellfarben koloriert
und in den Schatten besonders der Fleischteile lasiert wurden. Am entwickelungsfähigsten zeigte sich die Aquarellmalerei auf
dem Gebiet landschaftlicher und architektonischer Darstellungen, welche als selbständige Kunstwerke auftraten.
Während so Smith die für das Aquarell verderbliche chinesische Tusche verbannte, blieb er im übrigen der altererbten Manier
treu. Erst Turner begann ohne vorhergehende Untermalung die Zeichnung mit Aquarellfarben anzulegen und hierauf
die Schatten auszuarbeiten. Er erreichte eine bisher bei Aquarellen noch nie gesehene Tiefe und Farbenglut. Mit ihm rivalisierte
Girtin. Die beiden Genannten sind die eigentlichen Begründer der modernen Aquarellmalereitechnik, welche in England vorzugsweise
in den beiden Gesellschaften für Aquarellmalerei (Society of painters in water-colours und Institute of painters in
water-colours) gepflegt wird.
Das Aquarell ist da am Platz, wo es sich um Wiedergabe rein
koloristischer Effekte handelt; das Körperliche, das Detail liegen nicht in seiner Natur. Die Aquarellfarben
eignen sich in hohem Grad für die Wiedergabe der verschiedensten Stimmungen der Atmosphäre für zarte, fliegende Farbentöne.
Das Transparente der Luft läßt sich in der Ölmalerei bei weitem nicht so glücklich wiedergeben wie in der Aquarellmalerei, wo durch die
leichten Farbentöne der weiße
Papiergrund durchschimmert, während der pastose Farbenauftrag in der
Ölmalerei namentlich den Wolken oft einen sehr unangenehmen Schein von Körperlichkeit gibt.
Luft und Perspektive sind die besten Seiten einer Aquarelllandschaft, während die Behandlung des Vordergrunds hinter der Öltechnik
zurückbleiben muß. Doch wissen die modernen englischen, italienischen und spanischen Aquarellisten auch in der Wiedergabe
plastischer Details Erstaunliches zu leisten. Sehr viel tragen zur heutigen Blüte
[* 20] der Aquarellmalerei die Verbesserungen
in der chemischen Zusammensetzung der Farben, deren Ton sich nicht mehr verändert, und die Bereitung des Papiers bei.
Wolken werden entweder ausgespart (unter anderm mit Hilfe von Papierausschnitten, welche man auf die betreffenden Stellen legt),
oder mit reinem Wasser ausgewaschen. Die Anwendung von Deckweiß soll vermieden werden. Mittel- und Vordergrund werden im Lokalton
angelegt mit Aussparung der Lichter, welche aber gleichfalls, wie beim Hintergrund, ausgewaschen werden
können. Um besonders feine Details auszuführen, z. B. Grashalme, Glanzlichter auf Fleischteilen, Stoffen etc., befeuchtet
man entweder die betreffenden Stellen mit Wasser und hebt die Farbe nach einiger Zeit mittels eines Fließpapiers oder Wollenlappens
ab, oder man entfernt die Farbe mittels eines Radiermessers. So haben englische Aquarellisten bis in die
neueste Zeit die feinsten Details hervorgezaubert ohne alle Anwendung von Deckfarben. Gegenwärtig ist man jedoch in letzterm
Punkt nicht mehr so skrupulös, und namentlich bei figuralen Szenen wird an den neuesten englischen Aquarellisten ein übertriebener
Verbrauch von Deckweiß und ein zu starker Gummizusatz zu den Farben gerügt, wodurch der Vordergrund ihrer
Bilder wie in Gouache gemalt erscheint.
Während die in England zur eigentlich nationalen Kunstweise geworden ist, ist sie auf dem Kontinent nicht überall zu gleicher
Höhe gediehen. Am nächsten kommen der englischen die französische, italienische und spanische Aquarellmalerei. In
Paris
[* 21] wie in Brüssel
[* 22] haben sich Gesellschaften für Aquarellmalerei nach dem Muster der englischen konstituiert, welche
jährlich eigne Ausstellungen veranstalten. Die ersten französischen Aquarellisten (voran der in Paris thätige EngländerBonington) lehnten sich an Turner, Girtin etc. an, und bald wurde die Aquarellmalerei Modesache, der auch große
Maler, wie Delacroix, huldigten.