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England 1999
Kurzer Abriss über Englands Geschichte und Kultur (ab 1600 ca.)
Englands Geschichte ist eine Geschichte seiner Königinnen und Könige. Um 1600 ist die Tudor-Epoche zu Ende und 1603 die Regentschaft von Elisabeth I. Letztere ist bekannt wegen der Fehde zu Mary, der schottischen Königen, die von ihr schliesslich hingerichtet wurde. Durch Schiller ist unser Geschichtsblick etwas verklärt. Vielmehr ging es um die Vorherrschaft der katholischen Kirche und um die Unabhängigkeit Englands.
Als Tochter von Anne Boleyn und Henry VIII. sah sie als eine ihrer grossen Aufgaben, Kultur und Politik miteinander verbinden. So war ihr ein grösstes Anliegen die Eliminierung religiöser Unruhen und Fanatismus voranzutreiben. Dadurch gelang es ihr, eine verhältnismässig ruhige Zeit zu schaffen, die der Kunst und Kultur sehr förderlich war. Britannien wurde zur wichtigsten Seemacht der Welt, die Kolonialpolitik begann. Die Tuchindustrie wurde das Rückgrat der englischen Wirtschaft. England kam zu Reichtum.
Sichtbar geblieben sind aus der Regentschaft der Königin die grosse Zahl von Tudor-Schlössern, von denen Spötter behaupten, sie seinen die letzte architektonische Errungenschaft der Engländer.
Da sie unverheiratet und dadurch kinderlos blieb, ging ihre Nachfolge 1603 an den Schotten James I., wodurch Schottland englisch und gleichzeitig die Stuart-Dynastie eingeläutet wurde. Er galt als feinsinnig und belesen, glaubte an die göttlichen Rechte des Königs und verursachte unzählige Intrigen und Schwierigkeiten. Darüber vernachlässigte er das Wohl des Volkes, lag ständig im Streit mit dem Parlament. Um sich die Leute doch einigermassen bei Stange zu halten, verlieh er unzählige Landtitel.
Sein Sohn Charles I. (1625 -49) ging in seinen Fussstapfen weiter. Er hatte weiterhin Krach mit dem Parlament, dessen Befugnisse er zeitweise sogar ausschaltete. Seine Heirat mit einer Tochter des Franzosenkönigs Henri IV, Henrietta Maria, hielt in nicht von seiner Homosexualität ab. Zwischenzeitlich hatte er auch mit seinen Schotten ein Problem. die sich nicht unter die Fittiche der englischen Kirche stellen wollten. Die Mißwirtschaft hielt an, er etablierte den feudalen Fiskalismus (die Herrscher erhoben Steuern auf div. Objekten) die Unzufriedenheit im Lande wuchs, bis sie in einem Bürgerkrieg, angetrieben von den sog. Puristen unter Cromwell endete. Diese schlugen dem König 1649 den Kopf ab und setzten Oliver Cromwell (1649-1660) auf den Thron.
Dieser hat schon vor seiner Regierungszeit das Parlament umgekrempelt, ein kurzes und ein langes geschaffen, um es während seiner Regentschaft dann wieder abzuschaffen. Nach verschiedenen Wirren blieben schliesslich neben verschiedenen anderen das House of the Lords und das Rump- Parlament, das frühere lange Parlament. Es wurde von Cromwell 1653 abgeschafft, wie später die anderen auch. Dazu gesellte sich ein ausführender Staatsrat, dem die Regierungsgeschäfte oblagen. Von grosser Bedeutung waren die Verwaltungen in den Grafschaften.
Cromwell regierte diktatorisch. Er warf die aufständischen Schotten nieder und eroberte Irland. Zudem wurde Holland gewaltig in die Schranken gewiesen, was einen reichen Warenfluss aus den Kolonien nach England ermöglichte, gefördert durch einen aggressiven Imperialismus.
Das House of Peers wurde gegründet, gefüllt mit Anhänger Cromwells und ausgestattet mit verschiedenen Vollmachten. Das Rump-Parlament dümpelte vor sich hin, entmachtet. Es wurde versucht, die Monarchie wieder einzuführen, Cromwell konnte es nicht verhindern, da sein Sohn und designierter Nachfolger zur Macht nicht fähig war. General Monck marschierte mit seiner Armee nach London und reinstallierte das Rump-Parlament ein drittes Mal.
Die Stuarts kommen mit Charles II. (1660-85) zurück. Zuvor hat er als Führer der Schotten Schlachten gegen Cromwell verloren, lebte lange im Exil und zeugte aussereheliche Kinder. An seinem dreissigsten Geburtstag erstieg er den Thron. Er war ein kluger Herrscher, unterzog sich dem Parlament, stiftete Wohlfahrtsorganisationen. Parteien etablierten sich: die Torries und die Whigs. Seine erste Zeit war allerdings nicht sehr erfreulich. Probleme gab es mit den Holländern, die sich rächen wollten, London und andere Städte brannten mehrmals. Und doch war es eine erfolgreiche Zeit, die Gelder und Waren aus den Kolonien flossen reichlich, Charles förderte Wissenschaft und Kunst.
Die Herrschaft seines Sohnes, James II. (1685-89) ist nicht sehr dramatisch. Er überwarf sich mit dem Parlament, die Sache eskalierte 1688. Als strenger Katholik wollte er dieser Kirche wieder zu Macht verhelfen. Das Parlament rief William von Oranjen zu Hilfe, dieser kam und rettete England vor einem katholischen Takeover. Er bekam den Thron und James floh nach verlorener Schlacht ins Exil.
Es folgt die Doppelherrschaft von William III., und Mary II, Tochter James II. und Anne Hyde. Beide waren verheiratet worden, der Mann unterhielt eine Liaison mit einer Hofdame Marys, Elizabeth Villiers. Allerdings war Mary auch erst 12 und lebte meist in Holland.
Eigentlich wollte das Parlament nur sie als Königen, Mary, von den Engländern geliebt, setzte es aber durch, dass auch ihr Mann regieren durfte.
Das Parlament schuf 1689 the Bill of Right, welche die Rechte und Pflichten des Königs und des Parlamentes festlegte. So wurde z.B. das Einkommen des Königs auf £600000 festgelegt. Die Bank of England wurde gegründet und mit den Finanzgeschäften der Regierung beauftragt. Krieg zu führen war nach wie vor Aufgabe des Königs, die Grösse der Armee wurde aber vom Parlament festgelegt. Er legte sich mit Louis XIV. an (erfolgreich), sein General Marlborough hatte grosse Erfolge im spanischen Erbfolgekrieg. Alles wirkte sich wirtschaftlich sehr positiv aus.
Unter Anne (1702-14), der zweiten Tochter von James II. und Anne Hyde, lebte England munter weiter. Sie war die letzte Stuart und die letzte, die im Parlament ein Veto-Recht hatte. In ihre Regierungszeit fiel der endgültige Zusammenschluss mit Schottland. Ihre engste Freundin und Beraterin war Sarah Churchill, die Gattin des Herzogs von Marlborough, dem schon erwähnten glorreichen Feldherrn. Dem Parlament missfiel diese Liaison auf die Dauer und entzweite die beiden. Überhaupt etablierte es sich mehr und mehr als das entscheidende politische Instrumentarium, beherrscht abwechslungsweise von den Whigs oder den Tories.
England ging weiter seinen Weg als führende (See)-Macht Europas. Kunst und Kultur fanden zwar noch in Frankreich statt, aber das sollte sich bald ändern.
Die Brunswick-Hannoveraner übernehmen für die nächsten gut 150 Jahre das Zepter und führen zunächst mit George I.(1714-27) England in seine beste Zeit. Sein Verdienst war es allerdings nicht. Als 54 Jahre alter Mann, der nie englisch sprach, es gar nicht lernte, kam er 1714 zu seiner Krönung in Begleitung zweier Mätressen (einer langen Dünnen und einer kleiner Dicken) nach Greenwich (seine Frau sass wegen Ehebruchs im Gefängnis). Seine Devise war, sich zu nehmen, was man kriegen kann. Und so plünderten seine Geliebten, seine Köche und seine Sekretäre.
Der König hielt sich selten in England auf, was dazu führte, dass man den Posten des Prime Minister schuf, dem Mehrheitsführer im House of Commons (Unterhaus). Der erste war Robert Walpole, der seinen Aufstieg der Bewältigung der Finanzkrise verdankte, die aufgrund eines grossen Kollapses einer spekulativen Handelsgesellschaft entstand. Zwanzig Jahre herrschte er mit dem ausführenden Kabinett über England und etablierte die konstitutionelle Monarchie.
Die Architektur mit William Kent, James Wyatt und Christopher Wren übernimmt eine führende Rolle, ohne auf die barocken Formen des übrigen Europas einzugehen. Der Klassizismus wird vorbereitet.
Mit George II. (1727-60), dem einzigen Sohn George I. und Sophia, steigt ein weiterer Deutscher auf den Thron. Immerhin spricht er englisch und lebt sich in die englische Kultur ein. Er hat drei Vorlieben: die Armee, die Musik und seine Frau Caroline von Anspach. Letztere schenkt ihm drei Söhne und fünf Töchter, mischt sich kräftig in die Politik ein und stirbt 1737. Sein Ehrgeiz war es, als letzter König einem Heer vorzustehen und eine Schlacht zu gewinnen. Dies geschieht 1743 in Dettingen gegen die Franzosen.
Er war ein grosser Verehrer von Händel, den er stark förderte. Er hatte Zeit für Kunst und Kultur. Demgegenüber etablierte sich das Kabinett unter Robert Walpole mehr und mehr und war dem Parlament verantwortlich. Dieses wiederum wurde von den weltlichen Landbesitzern und den einflussreichen Kaufleuten aber nicht vom gemeinen Volk gewählt. Die Whig-Partei war am Ruder, während die Tories versuchten, eine jakobinische (katholische) Revolution mit Hilfe der Schotten anzuzetteln. Sie wurden in Culloden Moor vernichtend geschlagen.
George führte gegen den Willen des Parlamentes Kriege in Europa, zunächst 1740 gegen Spanien und in den 50er gegen Frankreich, die nicht grosse Auswirkungen hatten, aussert dass sich die Vorherrschaft der Engländer in den Kolonien und auf den Weltmeeren festigte. 1742 tritt Walpole zurück.
Die Englischen Gärten beginnen um sich zu greifen und werden bedeutendes Kulturgut.
Jetzt begann die glänzendste Periode der Geschichte Englands. Es war die vorherrschende Welt-, See- und Kolonialmacht, die auch - bedingt durch den Reichtum an Kohle und die aus den Kolonien strömenden Reichtümer - die Handels- und Wirtschaftsvormacht besass.
George III. (1760-1820 folgte seinem Grossvater Gerorge II.. Durch Zwang, Bestechung und Bevormundung gelang es ihm, die Whigs unter William Pitt dem Älteren gefügig zu machen. Dieser hatte nur mittelmässig Talent, regierte über ein Kabinett, das von Georges Gnaden bestellt war. Einzige Niederlagen bezog England gegen die Amerikaner, welche 1776 die Unabhängigkeit proklamierten. Pritt der Jüngere wird 1783 Premierminister. Er weist George in die Schranken, was diesem nicht sonderlich passt. Pritt wird zwischen 1801-04 gar aus dem Büro geschmissen, kommt aber mit Pauken und Trompeten wieder zurück. Krieg ist allerdings immer noch königliche Angelegenheit. Mit Wellington an der Spitze der Landstreitkräfte und Nelson als Chef der Marine weist er als einzige übriggebliebene europäische Nation Napoleon in die Schranken.
Mit dem Alter wird er immer böser, drangsaliert seines Sohn und Thronfolger, wird blind, taub und wahnsinnig.
Sein Sohn, George IV (1820-30) ist das Gegenteil, konservativ in seiner politischen Haltung und ausschweifend in Herzensangelegenheiten. Neben diversen amourösen Skandalen ist er ein grosser Kunstmäzen. Er stiftet die Bibliothek des Britischen Museums und weitere bedeutende Bauten. Widersprüchlich in seinem Charakter, sprunghaft und grosszügig, mit gutem Geschmack, talentiert und intelligent war er vielen ein Rätsel. Er stirbt 68 jährig am Herzschlag.
William IV. (1830-37) wird erst mit 65 König. Er ist seriös, dem höfischen Glamour abgeneigt, zurückhaltend. Allerdings lebte er viele Jahre unverheiratet mit einer Schauspielerin zusammen, die ihm 10 Kinder gebar. Die Engländer lieben ihn.
Parlamentsreformen sind angesagt. Der König unterstützt sie. Noch ist es nur die Aristokratie und einige Landeigentümer, welche das Wahlrecht haben. Erste Vorstösse unter Lord Grey scheitern am Widerstand der Lords. Erst 1832 gelingt eine Reform, welche breiteren aber lange noch nicht allen Bevölkerungskreisen das Wahlrecht gibt.
Wirtschaftlich ist das Land starken Umbrüchen unterworfen. Die landwirtschaftliche und vor allem die wirtschaftliche Revolution - die ersten grossen Fabriken entstehen, man verlässt das Land und zieht in die Stadt - hinterlassen gravierende Spuren. Im übrigen Europa verschwinden fast alle Monarchien, nur in England kann sie sich dank geschicktem Manövrierens Williams halten.
Mit Königin Victoria (1837-1901) endet die Dynastie der Brunswick - hannoveranischer Linie. Und wie es endet! Nach all den Deutschen kehrt wieder eine Engländerin auf den Thron zurück.
Mit ihrer Krönung lehnte sie alle Einmischungen insbesondere ihrer Mutter ab und begann sich intensiv um die Politik zu kümmern. Zusammen mit ihren Premierminister, Lord Melbourne, führte sie Grossbritanien zu wirtschaftlichem und sozialem Wohlstand. Mit dem Prinzen Albert von Saxen-Coburg-Gotha heiratet sie 1840 allerdings einen Deutschen. Er übernahm nun die Rolle des Beraters, war allerdings beim Volk unbeliebt. Er beschäftigte sich intensiv mit der Kunst und der Wissenschaft, stiftete etliche Museen für Kultur und Industrie. Nach seinem Tod 1861 zog sich die Königin für 25 Jahre lang vollkommen von der Öffentlichkeit zurück.
Nicht zuletzt Victoria ist es zu verdanken, dass die gesellschaftlichen und politischen Querelen Europas nicht nach England übergriffen. Aussert einigen kleinen Streitigkeiten konnte sie Grossbritannien kriegsfrei halten, anderseits dehnte sie den Herrschaftsbereich gewaltig aus. Indien, Kanada, Australien ua. kamen zur Krone. Familiär verband sie sich mit Russland, Deutschland, Griechenland, Schweden ua.
Die alten Parteien, die Whigs und die Tories veränderten sich in dieser Zeit. John Peel spaltete die Tories in zwei Teile. Der eine Bereich liierte sich mit den Whigs zur liberalen Partei. Mitglieder waren Händler und Fabrikanten. Aus dem anderen Teil entstanden die Konservativen mit dem niederen Adel. Bedeutender Premierminister war der Liberale William Gladstone, dessen Partei das Parlament von 1846 - 1874 beherrschte. In dieser Zeit wurden die Grundsteine des modernen Staates mit einem ausgebauten Sozial- und Erziehungswesen geschaffen. Grossbritannien hatte unter Victoria seine grösste Zeit.
Edward VII. (1901-10) erfüllte eigentlich die Vorgaben seiner Mutter. Unter ihm wurde der Sozialstaat mit Kinder- und Altenfürsorge ausgebaut, und mit George V. (1910-36), seinem zweiten Sohn, tritt England endgültig in die Moderne ein. Nach dem ersten Weltkrieg verlangten etliche Kolonien (Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika) Selbstbestimmung und eigene Regierungen.
Die Macht der Monarchie schwindet. Der König wird mehr und mehr in die Rolle eines bescheidenen Dieners des Volkes gedrängt. Er hat die Ideale zu verkörpern: Fleiss, Würde und Pflichtbewusstsein. Sie wandelt sich von einem Zentrum der institutionalisierten Gesetzlichkeit zu einem Bollwerk der traditionellen Werte und Bräuche.
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