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Die reichsten Länder der Welt - darunter Finnland, Island, Norwegen oder die Schweiz - sorgen innerhalb ihrer Grenzen für ein gesünderes Umfeld für Kinder, tragen jedoch unverhältnismässig stark zur Zerstörung der globalen Umwelt bei und gefährden damit die Gegenwart und Zukunft aller Kinder weltweit.
Die Mehrheit der wohlhabenden Länder schafft ungesunde, gefährliche und gesundheitsschädliche Bedingungen für Kinder in der ganzen Welt, so die jüngste Report Card, die heute vom UNICEF-Forschungsbüro Innocenti veröffentlicht wurde.
Die «Innocenti Report Card 17: Places and Spaces» vergleicht, wie 39 Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Europäischen Union (EU) bei der Schaffung einer gesunden Umwelt für Kinder abschneiden. Der Bericht enthält Indikatoren wie die Belastung durch schädliche Schadstoffe wie giftige Luft, Pestizide, Feuchtigkeit und Blei, den Zugang zu Licht, Grünflächen und sicheren Strassen sowie den Beitrag der Länder zur Klimakrise, zum Ressourcenverbrauch und zur Entsorgung von Elektroschrott.
Im Bericht heisst es, dass, wenn alle Menschen auf der Welt so viele Ressourcen verbrauchen würden wie die Menschen in den OECD- und EU-Ländern, das Äquivalent von 3,3 Erden benötigt würde, um mit dem Verbrauchsniveau Schritt zu halten. Würde jeder Mensch die Ressourcen in dem Masse verbrauchen, wie es die Menschen in Kanada, Luxemburg und den Vereinigten Staaten tun, wären mindestens fünf Erden erforderlich. Es bräuchte 2,8 Erden, wenn alle so leben würden wie die Menschen in der Schweiz.
Während Spanien, Irland und Portugal insgesamt an der Spitze der Rangliste stehen, gelingt es nicht allen OECD- und EU-Ländern, allen Kindern bei allen Indikatoren ein gesundes Umfeld zu bieten. Einige der wohlhabendsten Länder, darunter Australien, Belgien, Kanada, die Schweiz und die Vereinigten Staaten, haben schwerwiegende und weit verbreitete Auswirkungen auf die globale Umwelt – gemessen an den CO2-Emissionen, dem Elektroschrott und dem Gesamtressourcenverbrauch pro Kopf. Im Gegensatz dazu haben die am wenigsten wohlhabenden OECD- und EU-Länder in Lateinamerika und Europa einen viel geringeren Einfluss auf die Welt.
«Die Mehrheit der reichen Länder schafft es nicht nur nicht, innerhalb ihrer Grenzen eine gesunde Umwelt für Kinder zu schaffen, sondern trägt auch zur Zerstörung der Umwelt von Kindern in anderen Teilen der Welt bei», sagte Gunilla Olsson, Direktorin des UNICEF-Forschungsbüros Innocenti. «In einigen Fällen stellen wir fest, dass Länder, die im eigenen Land eine relativ gesunde Umwelt für Kinder bieten, gleichzeitig zu den grössten Verursachern von Schadstoffen gehören, die die Umwelt von Kindern im Ausland zerstören.»
Dies trifft auch auf die Schweiz zu: Wegen ihres nicht nachhaltigen Konsums findet sich die Schweiz an 33. Stelle und liegt damit auf den hinteren Plätzen. Zum einen produziert der Durchschnittsschweizer pro Kopf viel Abfall: Mit 708 Kilogramm Abfall pro Person und Jahr ist die Schweiz damit weltweit 6. grösster Abfallproduzent. Ausserdem hat die Schweiz noch immer einer der höchsten CO2-Emissionswerte und ist der 7. grösste CO2-Verbraucher weltweit – eine Durchschnittsperson in der Schweiz ist für 13,5 Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Immerhin: die Schweiz hat Fortschritte bei der Luftverschmutzung gemacht - sie hat die PM2,5-Werte seit 1990 um fast die Hälfte reduziert (von 18,3 auf 10). Und schliesslich gehört die Schweiz zu den Ländern, die am meisten Elektronik verbrauchen und entsorgen. Die Schweiz ist der drittgrösste Erzeuger von Elektroschrott - der Durchschnittsbürger erzeugt 23,4 kg Elektroschrott pro Jahr.
Demgegenüber belegt die Schweiz betreffend den Parameter «Welt rund um das Kind» den 3. Rang. Dieser gute Wert ergibt sich aufgrund der vielen Grünflächen in den Schweizer Städten, der geringen Zahl von Verkehrsunfällen sowie der geringen Überbevölkerung.
Ausserdem sind in der Schweiz mehr als 1 von 12 Kindern einer hohen Pestizidbelastung ausgesetzt.
Weitere Ergebnisse für die Schweiz
Überblick
- Die Schweiz liegt im Mittelfeld für die «Welt des Kindes» (21 von 39).
- Die Schweiz liegt ganz vorn in der «Welt rund um das Kind (3 von 39)».
- Die Schweiz liegt ganz hinten bei der «Welt als Ganzes (33 von 39)»
(Erklärungen zu den Begrifflichkeiten finden sich im Report)
Physische Gesundheit
- Eines von 31 Kindern (3,2 %) in der Schweiz ist durch Blei vergiftet.
- Eines von 12 Kindern (8,4%) lebt in Gebieten mit hoher Pestizidbelastung.
Wohnverhältnisse
- 24% der benachteiligten Haushalte mit Kindern (und 18% aller Haushalte mit Kindern) sind von Lärm betroffen.
- 6,4 % der benachteiligten Kinder (und 5,6 % aller Kinder) leben in einer Wohnung, die zu dunkel ist.
- In Bezug auf das Risiko von schwerwiegenden Wohnungsmängel, d. h. Überbelegung in Kombination mit Feuchtigkeit, Dunkelheit und unzureichenden sanitären Einrichtungen, haben die Schweizer Kinder das kleinste Risiko und schneiden damit weltweit am besten ab.
- Es gibt auch kein anderes Land, in dem Kinder zuhause weniger frieren als in der Schweiz: Hier belegt die Schweiz mit 0.5% der Kinder auf der Rangliste Platz 1.
Kinderbeteiligung
- Die Kinder in der Schweiz nehmen die Dinge selbst in die Hand: Fast die Hälfte (42%) wählt Produkte aus ethischen oder ökologischen Gründen
- Jedes 5. Kind (22%) unterschreibt online eine Umwelt- oder Sozialpetition
- Jedes 3. Kind (31%) beteiligt sich an Aktivitäten zugunsten des Umweltschutzes
Weitere globale Ergebnisse
- Mehr als 20 Millionen Kinder in dieser Ländergruppe haben erhöhte Bleikonzentrationen in ihrem Blut. Blei ist eines der gefährlichsten Umweltgifte.
- Finnland, Island und Norwegen liegen im oberen Drittel, wenn es darum geht, ihren Kindern eine gesunde Umwelt zu bieten, aber im unteren Drittel, wenn es um die Welt insgesamt geht, mit hohen Emissions-, Elektroschrott- und Konsumraten.
- In Island, Lettland, Portugal und dem Vereinigten Königreich ist jedes fünfte Kind zu Hause Feuchtigkeit und Schimmel ausgesetzt; in Zypern, Ungarn und der Türkei ist es mehr als jedes vierte Kind.
- Viele Kinder atmen sowohl ausserhalb als auch innerhalb ihrer Wohnungen giftige Luft ein. In Mexiko ist die Zahl der durch Luftverschmutzung verlorenen gesunden Lebensjahre mit 3,7 Jahren pro tausend Kinder am höchsten, während sie in Finnland und Japan mit 0,2 Jahren am niedrigsten ist.
- Nebst der Schweiz ist auch in Belgien, der Tschechischen Republik, Israel, den Niederlanden, Polen mehr als 1 von 12 Kindern einer hohen Pestizidbelastung ausgesetzt. Pestizidbelastungen werden mit Krebs, einschliesslich Leukämie bei Kindern, in Verbindung gebracht und können das Nerven-, Herz-Kreislauf-, Verdauungs-, Fortpflanzungs-, Hormon-, Blut- und Immunsystem von Kindern schädigen.
Forderungen von UNICEF zum Schutz und zur Verbesserung der Umwelt von Kindern
- Die Regierungen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene müssen schon heute eine Vorreiterrolle bei der Verbesserung der Umweltbedingungen für Kinder übernehmen, indem sie Abfall, Luft- und Wasserverschmutzung reduzieren und für qualitativ hochwertige Wohnungen und Wohnviertel sorgen.
- Verbesserung des Umfelds für die am meisten gefährdeten Kinder. Kinder aus armen Familien sind in der Regel grösseren Umweltbelastungen ausgesetzt als Kinder aus reicheren Familien. Dadurch werden bestehende Nachteile und Ungleichheiten verfestigt und verstärkt.
- Sicherstellen, dass die Umweltpolitik kinderfreundlich ist. Regierungen und politische Entscheidungsträger sollten dafür sorgen, dass die Bedürfnisse von Kindern in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Erwachsene Entscheidungsträger auf allen Ebenen, von den Eltern bis zu den Politikern, müssen die Sichtweise der Kinder anhören und sie bei der Gestaltung von Massnahmen, die sich unverhältnismässig stark auf künftige Generationen auswirken werden, berücksichtigen.
- Kinder, die wichtigsten Akteure der Zukunft, einbeziehen: Kinder werden am längsten mit den heutigen Umweltproblemen konfrontiert sein; sie sind aber auch am wenigsten in der Lage, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Die erwachsenen Entscheidungsträger auf allen Ebenen, von den Eltern bis zu den Politikern, müssen sich ihre Sichtweise anhören und sie bei der Gestaltung von Massnahmen, die sich unverhältnismässig stark auf künftige Generationen auswirken werden, berücksichtigen.
- Regierungen und Unternehmen sollten jetzt wirksame Massnahmen ergreifen, um die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 einzuhalten. Auch die Anpassung an den Klimawandel sollte sowohl für die Regierungen als auch für die Weltgemeinschaft und in verschiedenen Bereichen von der Bildung bis zur Infrastruktur im Vordergrund stehen.
«Wir sind es uns selbst und den künftigen Generationen schuldig, bessere Orte und Räume zu schaffen, in denen Kinder sich entfalten können», sagte Olsson. «Zunehmende Abfälle, schädliche Schadstoffe und erschöpfte natürliche Ressourcen belasten die körperliche und geistige Gesundheit unserer Kinder und bedrohen die Nachhaltigkeit unseres Planeten. Wir müssen eine Politik und Praxis verfolgen, die die natürliche Umwelt schützt, auf die Kinder und junge Menschen am meisten angewiesen sind.»