Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/2328

29. November 2007
NZZ Podium beendet das Jahresprogramm mit einem «Gipfeltreffen» zweier Grosser der Gegenwartsliteratur: Péter Esterházy und Christoph Ransmayr. Hier der Pathetiker, dort der Ironiker – die Temperamente beider Autoren könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein.
Der Ungar Péter Esterházy, 1950 geboren, ist als literarischer Tausendsassa berühmt geworden. Mit einer quirligen Mischung aus Avantgarde und Ironie leistete er mit seiner Prosa poetischen Widerstand gegen den Gulaschkommunismus. Esterházys Schaffen gipfelte 2000 im Roman «Harmonia Caelestis», in dem er das Schicksal seiner adeligen Familie im Zeitalter politischer Vulgarität zur Darstellung brachte.
Von historischen Stoffen geprägt sind auch die endzeitlichen Romane des 1954 geborenen Österreichers Christoph Ransmayr, die ihre Helden an den Punkt letzter Entscheidung führen. Ob es um die Erforschung der Nordostpassage durch eine k. u. k. Expedition («Die Schrecken des Eises und der Finsternis»), um die Verbannung Ovids («Die letzte Welt») oder um den Gipfelsturm zweier irischer Brüder in Tibet («Der fliegende Berg») geht – stets nähert Ransmayr sich der Geschichte über Montage und Verfremdung.
Beide Autoren eröffnen dem Leser in schwindelerregender Weise die Freiheit der Phantasie.
29. November 2007