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Literaturnobelpreis geht an Chinesen Mo Yan
Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan ist ein chinesischer Erfolgsautor. (Archiv Keystone)
Mo Yan heisst der diesjähriger Träger des Literaturnobelpreises. Das teilte die Schwedische Akademie heute in Stockholm mit. Der wichtigste Literaturpreis der Welt ist mit umgerechnet gut 1,1 Millionen Franken dotiert.
Zur Begründung hiess es, Mo Yan habe «mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint». Der Sprecher der Jury, Peter Englund, sagte: «Wir haben es mit einer einzigartigen Autorenschaft zu tun. Sie hat uns einen einzigartigen Einblick in ein einzigartiges Milieu verschafft.»
Mo Yan sei eine «Mischung aus Faulkner, Charles Dickens und Rabelais». Er schildere eine dörfliche Welt in einem Teil Chinas, der den meisten anderen fremd sei. «Mo Yan ist nicht als Intellektueller dort hinabgestiegen, sondern er ist selbst ein Teil davon», sagte Englund.
Erste Reaktionen aus China
Der geehrte selbst hat «überglücklich und erschrocken» auf die Auszeichnung reagiert. Das meldeten chinesische Staatsmedien am Donnerstag. In den Berichten über die Vergabe wurde Mo Yan als der «erste chinesische Bürger» beschrieben, der einen Nobelpreis
erhalten habe.
Tatsächlich haben allerdings der inhaftierte Bürgerrechtler Liu Xiaobo 2010 den Friedensnobelpreis und der in Frankreich lebende chinesische Schriftsteller Gao Xingjian 2000 bereits den Literaturnobelpreis bekommen.
1989 wurde auch der im Exil in Indien lebende Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Mo Yan, der in seinem alten Heimatdorf Gaomi in der ostchinesischen Provinz Shandong von der Auszeichnung erfahren hatte, schaltete offenbar anschliessend sein Mobiltelefon ab und war deswegen nicht zu erreichen. Normalerweise lebt er in Peking, wollte aber ein
paar Wochen in Gaomi bei seinem Vater verbringen.
Geteiltes Echo bei Kulturschaffenden
Bei chinesischen Intellektuellen sind die Reaktionen sehr gemischt ausgefallen. Der Autor und kritische Blogger Han Han sagte in Peking, die Auszeichnung sei «eine Ehre für chinesische Schriftsteller».
Der chinesische Autor und Bürgerrechtler Yu Jie übte hingegen scharfe Kritik. «Ich denke, der Nobelpreis sollte an niemanden verliehen werden, der Mao Zedong lobt, egal wie populär sein Werk ist», schrieb Yu Jie, der in diesem Jahr in die USA emigriert war, auf der Webseite des internationalen Pen-Clubs.
Berühmtester zeitgenössischer Autor Chinas
Der 57-jährige Chinese ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Schriftsteller in seinem Land. Im Westen wurde Mo Yan mit seinem Buch «Rotes Kornfeld» (1987) bekannt, das der berühmte Regisseur Zhang Yimou verfilmte.
Er ist ein Geschichtenerzähler - inspiriert von den Erzählungen der Bauern in seinem Heimatdorf Gaomi (Provinz Shandong) in Ostchina. Das arme Dorf ist bis heute seine literarische Heimat, auch wenn Mo Yan schon lange in Peking lebt.
Nur geringe Schulbildung
Am 17. Februar 1955 als Guan Moye geboren, ist der Schriftsteller in Armut und Klassenkampf aufgewachsen. Er konnte nur fünf Jahre zur Schule gehen. Während der Kulturrevolution (1966-76) arbeitete er in Fabriken.
Mit 20 Jahren trat er der Volksbefreiungsarmee bei, wo er als Bibliothekar arbeitete und sein schriftstellerisches Werk begann. 1984 begann er, an der Literaturabteilung der Kulturakademie der Armee zu unterrichten. 1986 schloss er das Studium an der Kunsthochschule der Volksbefreiungsarmee ab.
Viele seiner Bücher sind in andere Sprachen übersetzt worden, was die internationale Aufmerksamkeit für Mo Yan erklärt. Bekannte Werke sind auch «Die Knoblauchrevolte» (1989), «Die Schnapsstadt» (1993) oder «Grosse Brüste und breite Hüften» (1996). Sein Buch «Wa» (übersetzt: Frosch) von 2009 beschäftigt sich mit der kontroversen chinesischen Ein-Kind-Politik.
Kritik wegen Nähe zum Regime
Anders als der erste aus China stammende und Frankreich zugeordnete Literatur-Nobelpreisträger Gao Xingjian (2000), der in Paris lebt, oder der häufig als Kandidat genannte Bei Dao, der sich aus dem Exil heraus kritisch mit dem chinesischen Regime auseinandersetzte, ist Mo Yan ein in China etablierter Schriftsteller.
Als Mitglied der offiziellen Delegation Chinas bei dem umstrittenen Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2009 musste sich Mo Yan gegen Vorwürfe wehren, nicht genug Distanz zum System zu wahren.
Die Nobelpreise werden traditionsgemäss am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Im vergangenen Jahr hatte der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer die Auszeichnung erhalten. (wedj;pet, dpa)
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