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DMZ - KULTUR ¦
Walter Fürst ¦
#mittellaendische ¦
Vor über 100 Jahren, am 20. März 2007, wurde Peter Hartmann zu 30 Jahren Zuchthaus wegen Mord am Einsiedler der Magdalena-Einsiedelei verurteilt.
Er wurde des vorsätzlichen Mordes an Johann Joseph Neuhaus, Einsiedler in der Magdalena-Einsiedelei in Räsch, für schuldig befunden. Gemäss der Anklageschrift, die F. Seydoux, Stellvertreter des Staatsanwaltes, ausgearbeitet hatte, lebte der 73-jährige Johann Joseph Neuhaus seit einigen Jahren (seit 1899) in der Einsiedelei. Er lebte zurückgezogen und verliess seine Klause höchstens einmal pro Tag, um bei der Familie Werro in Räsch seine Nahrung zu holen. Dies war auch am Donnerstag, dem 27. Dezember, der Fall. Er nahm die Milch und das Brot und wollte um 16 Uhr wieder zuhause sein, um das Glöcklein zu läuten. Am Freitag erschien der Einsiedler nicht bei der Familie Werro. Als er auch am Samstag nicht kam, schöpfte Peter Werro Verdacht und beschloss, am Abend in der Einsiedelei nachzuschauen. Er fand die Türe geschlossen. Der Einsiedler gab auf mehrmaliges Rufen keine Antwort und erschien auch nicht an der Pforte. Da kehrte Peter Werro nach Hause zurück, um Hilfe zu holen. Bewaffnet ging er mit seinen Knechten zur Einsiedelei zurück. Durch eine kleine Öffnung im Felsen drangen sie ins Innere und begaben sich zu den Wohnräumen des Einsiedlers. Da die Türe verschlossen war, entschlossen sie sich, diese aufzusprengen. Am Eingang zur Küche lag der Einsiedler in einer Blutlache.
Eine tragische Geschichte. Doch über die Einsiedelei gibt es vor allem Schönes zu berichten.
Die Steilufer an Flüssen wie der Saane sind gleichzeitig Hindernis und Zufluchtsort. Sie eignen sich nicht nur für Burgen, sondern auch für Felswohnungen, deren es an der Saane mehrere gibt. Richtig platziert bieten sie optimale Besonnung, Windschutz und Sicherheit vor Mensch und Tier. Bewohnt wurden sie seit jeher auch von Menschen, die in der Einsamkeit mit Beten und Schweigen und kargem Leben nach Vollkommenheit strebten. Diese Eremiten wurden vom Volk bestaunt, verehrt und auch als Ratgeber geschätzt.
Bereits 1448 wird eine Einsiedlerwohnung im Weiler Räsch erwähnt, ab 1609 ist der "Waldbruder zu Sant Marien Magdalenen" aktenkundig. Zur Gestaltung der Raumflucht von 120 m Länge in der Einsiedelei haben jedoch vor allem die Einsiedler Jean Dupré (Johannes Baptiste de Prato von Gumfens) und Jean Liecht (Johannes Liecht aus Friedberg/Schwaben) in den Jahren zwischen 1680 und 1708 beigetragen. Die Kapelle wurde 1691 geweiht.
Nachdem im 19. Jahrhundert zeitweise eine Familie die Einsiedelei bewohnt hatte, zogen 1884 wieder Eremiten ein, wobei im Dezember 1906 sogar ein greiser Eremit von einem Raubmörder erschlagen wurde. Seit ca. 1967 ist die Einsiedelei unbewohnt, wurde jedoch während Jahrzehnten vom "letzten" Einsiedler liebevoll gepflegt. Die Einsiedelei als religiöser Ort der Begegnung.
Die Magdalena Einsiedelei war während Jahrhunderten auch als Pilgerort bekannt und beliebt. Noch um 1920 sollen an schönen Sonntagen jeweils 300-400 Personen zur Magdalenenklause gepilgert sein, wo ihnen der Klausner eine Erfrischung anbot.
Seit es Dynamit gibt, hat man sich an Tunnels und andere Bauten im Fels gewöhnt. Dass die Magdalena-Einsiedelei das Ergebnis von 28 Jahren Handarbeit zweier Männer ist, kann man heute kaum ermessen. Gleichgültig, was man vom Eremitenwesen allgemein oder von den Beweggründen der beiden Erbauer hält: die Einsiedelei ist ein monumentales, der Natur abgetrotztes Kunstwerk, gleichermassen Raumschöpfung und Skulptur. Es gibt keine vergleichbare, vollständig künstliche Höhlenwohnung dieses Ausmasses in der Schweiz aus vorindustrieller Zeit.
Als in den Fels gegrabenes Bauwerk unterscheidet sich die Magdalena-Einsiedelei von Grottenburgen, die unter natürlichen Felsdächern (Balmen) entstanden sind. Sie unterscheidet sich auch von Orten wie der Beatushöhle über dem Thunersee, der Verenenklause bei Solothurn, dem Wildkirchli am Säntis: dort lehnen sich Bauten an natürliche Höhlen.
Eine Ausnahme
Schon bald nach ihrer Entstehung hat die Einsiedelei die Bewunderung der Reisenden geweckt. Ein ab 1779 in Leipzig erschienenes Werk des bedeutenden Gartenbautheoretikers C.C.L. Hirschfeld nennt drei bemerkenswerte Einsiedeleien in Europa: die Magdalena-Einsiedelei, die Klause auf dem Rigi mit dem eindrücklichen Panorama sowie eine Grotte bei Lissabon. Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Tourismus aufkam, war Freiburg für drei Sehenswürdigkeiten bekannt: die Hängebrücke, die Orgel von Aloys Mooser in der Kathedrale und die Magdalena-Einsiedelei.
Geologische Bedeutung
Die Einsiedelei ist in den Felswänden über dem Schiffenensee (Räsch, in der Nähe von Düdingen, Kanton Freiburg) eingegraben. Sie besteht aus einer Serie Grotten von einer Gesamtlänge von 120 m und wurde zwischen 1680 und 1708 von einem Einsiedler und seinem Gehilfen von Hand in der bereits teilweise erodierten Sandsteinmolasse angelegt. In einer der Grotten befindet sich zudem eine Wasserquelle.
Das Grottensystem beherbergt ein erst in jüngerer Zeit erkanntes geologisches Phänomen: Der wellenartig geformte Sandsteinboden zeugt von fossilen Sanddünen, die in einem tertiären Meer (Miozän) entstanden sind. Nach den Ausgrabungen zur Errichtung der Einsiedelei im 17. Jahrhundert hat die natürliche Erosion die ursprünglichen Sandstrukturen wieder zum Vorschein gebracht. Der Besucher bewegt sich somit auf Sandsteindünen, die vom Vorhandensein eines Meeres in Freiburg vor ungefähr 20 Millionen Jahren zeugen. Die Lokalität wurde zu einem Geotop erklärt und ist erdgeschichtlich schützenswert. Die Sandsteinfelsen bei Schiffenen beschreiben zudem einen der eindrücklichsten Kontakte der Unteren Süsswassermolasse (USM; Aquitan) und der Oberen Meeresmolasse (OMM; Burdigal), der in der Schweiz beobachtet werden kann.
Tourismus
Nicht nur Kinder, auch Erwachsene sind immer wieder fasziniert von Höhlenwohnungen, die Zeugnis geben von einem Leben, das wir nurmehr aus Büchern kennen. So besichtigen alljährlich Vereine und Schulen aus der ganzen Schweiz die Einsiedelei, um sich eine konkrete Vorstellung machen zu können, wie einfach, aber hart das Leben in der damaligen Zeit war. Die Einsiedelei steht auch auf den Ausflugslisten vieler Familien. Firmen statten mit ihren Mitarbeitern der Einsiedelei einen Besuch ab.
Die Klause diente in den vergangenen Jahren ebenso als Filmkulisse wie als Theaterort, Ausstellungsraum für Gemälde oder als Konzerthalle. Die Einfachheit und Ursprünglichkeit der Ausstattung wird geschätzt und erlaubt es den Ausstellern oder Künstlern, sich mit ihren Produktionen von dieser Einfachheit abzuheben.
Öffnungszeiten (Eintritt frei)
April und Oktober 09.00-18.00 Uhr
Mai bis September 09.00-20.00 Uhr
Ausserhalb dieser Öffnungszeiten kann die Einsiedelei nach Voranmeldung beim Pfarreisekretariat (026 492 96 20) besichtigt werden.
Ab der Pfarrkirche Düdingen ist die Magdalena-Einsiedelei leicht über signalisierte Strassen erreichbar (ca.3,5 km). Standort ist unterhalb der Autobahnbrücke A12 (vor Granges-Paccot).
Quellen: Pfarrei Düdingen ¦ FN ¦ Freiburg Tourismus