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Przemyśl, im Südosten Polens gelegen, ist eine der ältesten Städte des Landes. Ihre turbulente Geschichte wurde ab 1910 durch die „Gesellschaft der Freunde des Lernens“ von Przemyśl und nach 1920 unter der Schirmherrschaft des Nationalmuseums der Region Przemyśl archiviert. Der Hauptsitz der Institution wurde immer wieder verlegt, und nach fast 100-jähriger Existenz hatte man sich zum Jahrhundertwechsel endgültig dazu entschlossen, ein neues Zentrum zu bauen. 2002 wurde ein nationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben und von über 100 Teilnehmern erhielt das Studio KKM Kozień Architects aus Krakau den Auftrag für den Neubau. Das von KKM entworfene Gebäude ist das erste Nationalmuseum, das im Nachkriegspolen gebaut wurde. Der Standort des Museums stellte mit seiner Lage zwischen dem geschäftigen Plac Rybi-Marktplatz und einem kleinen, bewaldeten Park, der sich direkt an eine lebendige Fußgänger-Durchgangsstraße schmiegt, eine Herausforderung dar. In unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums gelegen, vereint der Museumsbau Regelmäßigkeit und geometrische Unregelmäßigkeit, Monumentalismus und Intimität, zweifellos inspiriert von den Gebäuden in der Nachbarschaft. Im Wesentlichen ist der Bau in zwei Hauptteile gegliedert: Eine orthogonale Box, die als Ausstellungs- und Vortragsraum dient, sowie einen poetisch gestalteten Eingangs- und Verwaltungsbereich, der an die „Box“ angrenzt. Die Box ist dreigeschossig und gipsverputzt. Der übrige Teil der Struktur ist viergeschossig und vollständig mit Sandsteinplatten verkleidet, perforiert von horizontalen Fensterbändern.
FUNKTIONALE GLIEDERUNG
Das neue Gebäude hat alles, was ein kleines Museum typischerweise auszeichnet: 1200 m2 Ausstellungsfläche, einen Konferenzsaal für 200 Teilnehmer, Erfrischungsbars, einen Lagerraum mit einer Fläche von 1000 m2, eine Werkstatt, Büroräume und Gästezimmer. Die funktionale Gliederung ist einfach: Das Erdgeschoss dient Wechselausstellungen und Konferenzen, der zweite Stock wird für Ausstellungen zur Geschichte der Region genutzt. Der dritte Stock, mit Dachfenstern ausgestattet, beherbergt eine Kunstgalerie. So sehr das Museum an drei Seiten denEindruck der Nichtzugänglichkeit erweckt – abgeschottet durch enorme Wände mit kleinen Fensteröffnungen –, so repräsentiert die vierte Fassade geradezu das Gegenteil: Hier öffnet sich das Gebäude über eine 218 m2 breite Glasfront zum angrenzenden grünen Platz. Und hier befinden sich die Ausstellungsräume. Einerseits wollten die Architekten das Innere maximal nach außen hin öffnen, weshalb sie sich für das Pfosten-Riegel-System CW 50 mit nur 50 mm starken und Graphit gefärbten Profilen entschieden. Andererseits entwarfen sie, zum Schutz gegen übermäßige Sonnenseinstrahlung aus Südosten, eine Art Gitter aus vertikal gespannten und bewachsenen Stahlseilen.
EINGANGSHALLE
Der attraktivste Raum im Przemyśl-Museum ist zweifellos die Eingangshalle mit ihrer Aneinanderreihung von Treppen und Fußgängerbrücken, die zu einzelnen Galerien führen. Zwischen den beiden Hauptelementen des Museums gelegen, mit Türen im Erdgeschoss, die sowohl vom Plac Rybi-Marktplatz als auch von dem bewaldeten Park aus Zugang ins Gebäude gewähren, ist der Eingangsbereich ganz sicher ein bemerkenswertes Element in der Architekturlandschaft Polens. Lichtbrechende Wände, Treppen in verschiedenen Ecken und das poetische Spiel des natürlichen, von oben einströmenden Lichtes, all diese Elemente schaffen eine überraschende und dramatische Raumsituation, wenn nicht sogar eine Art Kathedrale, die den Museumsbesucher schon bevor er den orthogonalen Ausstellungsraum betritt, auf den Besuch einstimmt. Der Lichteinfall wird geschickt gesteuert. Beide Wände, in welche die Eingangstüren eingesetzt sind, sind vollständig aus Glas gefertigt: Schmal und hoch, basierend auf dem Reynaers CW 50-System und teilweise mit Stahlträgern verstärkt, lassen sie reichlich Tageslicht in die Halle einströmen. Die Türen selbst basieren auf dem Reynaers System CS 68. Zu zwei Seiten hingeöffnet, entwickelt sich die Eingangshalle in ein eschlossenes, introvertiertes Treppenhaus, in das von oben Licht einfällt, bevor es sich in eine Serie aus Brücken und Halbgeschossen wandelt, die in den oberen Teil der Halle eingehängt sind und zu den Ausstellungsräumen führen. Die Dachfenster, ebenfalls aus dem System CW 50, scheinen das Sonnenlicht so zu dosieren, als ob der Museumsbesucher dazu verführt warden soll, in das höchste, hellste Geschoss aufzusteigen.
HERAUSRAGENDES ERGEBNIS
Der Einsatz solcher großdimensionierter Systeme wird durch eine Vielzahl an kleinmaßstäblichen Elementen wie Innenverglasung, Vitrinen, Trennwände und andere Glaselemente vervollständigt, ebenfalls gefertigt aus Reynaers-Komponenten. Die bereits erwähnte Perforation der massiven, mit Sandstein verkleideten Wand ist mit Fenstern im Graphit gefärbten, energieeffizienten Rahmen des Eco-Systems ausgeführt. Für alle Innenfenster und -türen wurde indessen das unisolierte System CS 59Pa verwendet. Die langlebige Sandsteinfassade, die hervorragende Verarbeitung und die augenfällig solide Architektur des Designs von KKM Kozień Architects hat zu einem herausragenden Ergebnis für das Panorama des östlichen Polens geführt – zu einem Gebäude von immensem Wert, nicht nur als Objekt der Hochkultur, sondern auch als ein weiterer herausragender Teil der urbanen Struktur der reizenden Stadt Przemyśl.