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Sind Sie heute bei der Google-Suche nach «Porno» oder «Wetter» auch schon über die bunten Frauen von Niki de Saint Phalle gestolpert? Das hat seinen Grund!
Wenn Google in seinen Doodles, also in dieses hübschen Illustrationen über dem Suchfenster, historisiert, dann ist das Ergebnis zu 83 Prozent männlich. Jedenfalls war das in den Jahren 2010 bis 2013 so, weshalb Google Anfang 2014 eine Rüge in Form einer stocknüchternen Statistik erhielt und sofortige Besserung gelobte.
Das Resultat bis jetzt: der Frauenanteil stieg 2014 von 17 auf 48 Prozent. Und eine eingeschweizerte Dame ist seit heute auch noch dabei. Schweizer sind ja auch sonst in dieser Ahnengalerie des Weltwissens rar, bekannt sind etwa die Vignetten zu Hermann Rorschach (der Mann mit dem Fleckentest) und der Mathematiker Leonhard Euler.
Aber die Dame, deren bunte Tänzerinnen Sie heute alle auf Google sehen, übertrifft die genannten Herren sowieso an Prominenz: Niki de Saint Phalle, die am 29. Oktober 1930 in Frankreich zur Welt kam und 2002 in Kalifornien starb und dazwischen durch ihre Heirat mit Jean Tinguley zur Schweizerin wurde, ist auch heute noch international präsent mit ihren beleibten Engeln (im Zürcher Hauptbahnhof), ihren Brunnen (vor dem Centre Pompidou in Paris) und ihren bunten Frauen, den Nanas. Doch schauen wir zurück auf ein paar Höhepunkte im ersten Jahr der Frauen bei Google:
Zora Neale Hurston arbeitete als Anthropolgin, Journalistin, Lehrerin und Dienstmädchen, sprach Spanisch und Griechisch, log sich zehn Jahre jünger, recherchierte am liebsten dort, wo die härtesten Männer waren, hatte skandalöse Liebesgeschichten, reiste nach Jamaica und Haiti und schrieb hinreissende, leidenschaftliche Romane (etwa «Their Eyes Were Watching God») und Erzählungen über das schwarze Amerika ihrer Zeit. Sehr zu empfehlen!
Sie kam aus Kalifornien und starb in Ruanda, das Gesicht von einer Machete gespalten. Zwei Jahre nach ihrem Tod machte Sigourney Weaver sie in «Gorillas in the Mist» unsterblich. Ihre Forschung über das Gruppen- und Einzelverhalten von Gorillas war schon zu ihren Lebzeiten weltweit anerkannt.
Mit Harriet Tubman eröffnete Google im Februar seinen «Black History Month». Die Tochter eines Sklavenpaars wurde als Kind selbst als Arbeitskraft vermietet und misshandelt und starb beinah an einer Kopfverletzung, die ihr einer ihrer Arbeitgeber zufügte. 1849 gelang ihr die Flucht. Bis zum Ende des Sezessionskriegs arbeitete sie als Fluchthelferin für Dutzende von Sklaven.
Auf dieser Illustration sehen sie Jane Eyre, die aus dem düsteren Landsitz des zerrütteten, aber heissgeliebten Mr. Rochester flieht, weil dieser noch immer mit einer Wahnsinnigen, die im Dachstock haust, verheiratet ist. Charlotte Brontës unheimlicher viktorianischer Bestseller gehört zu den Klassikern der Weltliteratur und wurde als letztes von «True Detective»-Regisseur Cary Fukunaga verfilmt.
Was sich Google dabei dachte, als es Audrey Hepburn vor einem Hintergrund, der einem Kinderhort gleicht, zeichnete, ist ein Rätsel. Audrey Hepburn spielte alles: eine Bohemienne («Breakfast at Tiffany's»), eine Intellektuelle, die zum Supermodel wird («Funny Face»), «My Fair Lady», «Sabrina», eine gejagte Witwe («Charade»), diverse Prinzessinnen («Roman Holiday», «Krieg und Frieden»). Aber Mütter? Gemeint ist natürlich ihr Unicef-Einsatz für Kinder in Afrika und Südamerika.
Das Haupt der Olympe de Gouges fiel am 3. November 1793 auf der Place de la Concorde. Das Verhängnis der frechen Feministin war nicht, dass sie eine «Déclarations des droits de la femme et de la citoyenne» verfasste und politische Theaterstücke verfasste, sondern dass sie eine Royalistin war und blieb.
Ihren ersten Saurier, einen Ichthyosaurus, entdeckte die unternehmungslustige Britin mit zwölf Jahren in Dorset. Später betrieb sie wie ihr Vater einen Fossilien-Laden und verkaufte Versteinerungen an Touristen. Daneben forschte sie oft unter Lebensgefahr weiter und galt bald auch in Amerika als grosse Saurierexpertin. Da sie eine Frau war, durfte sie jedoch nicht an den wissenschaftlichen Zirkeln teilnehmen. Ihr grösster Fan war Charles Dickens.
Rachel Louise Carsons galt mit ihren Studien über die Schädlichkeit von Pestiziden in den 50er-Jahren als Vorreiterin der Umweltschutzbewegung. Nach einer Ausbildung, die vorwiegend mit Fliegen, Vipern und Eichhörnchen zu tun hatte, erhielt die Unterwasserbegeisterte mit 29 tatsächlich als zweite Frau in Amerika einen Job als Meeresbiologin. Aus ihrem Besteller «The Sea Around Us» wurde ein Film, der 1953 den Oscar als bester Dokumentarfilm gewann.
Sie kam in einem Iglu auf Baffin Island zur Welt und wurde mit 19 mit einem Inuit-Jäger verheiratet, den sie nicht wollte und nach dem sie mit Steinen schmiss, wenn er sich ihr näherte. Die Ehelage besserte sich jedoch zunehmend, vor allem, weil ihr Mann, wie sie selbst, gerne malte, zeichnete und Skulpuren aus Speckstein schnitzte. Ihre grafischen Darstellungen von Menschen und Tieren wurden ein Hit, sie selbst zur Heldin eines Dokfilms. Neben ihrer Kunst gebar sie elf Kinder und adoptierte weitere fünf.
1933 emigrierte die jüdische Publizistin und Theoretikerin von Deutschland nach Frankreich. Zuvor hatte sie die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten dokumentiert und war selbst kurzzeitig von der Gestapo verhaftet worden. 1951 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. In «Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft» untersucht sie die Gemeinsamkeiten von Nationalsozialismus und Stalinismus. In «Vita activa oder vom tätigen Leben» entwickelt die Anhängerin der direkten Demokratie eine Theorie des politischen Handelns.
(sme)