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Im Dezember wird Mark Streit 40. Zeit für den ersten Stanley Cup. Nach dem Transfer zu Pittsburgh erst recht.
Erfahrene, spielstarke Verteidiger sind sehr oft das entscheidende Teilchen in einem Stanley-Cup-Puzzle. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Spielertypen wie Mark Streit kurz vor Transferschluss noch das Team wechseln. Zwei Beispiele zeigen uns, dass der Transfer von Philadelphia (via Tampa) nach Pittsburgh Mark Streit im hohen Hockey-Alter noch einen Titel bescheren könnte.
Am 21. Februar 2001 holte Colorado kurz vor Torschluss Rob Blake. Der Captain der Los Angeles Kings war damals 30. Ein paar Wochen später stemmte er seinen ersten Stanley Cup in die Höhe.
Ray Bourque war der beste NHL-Verteidiger seiner Epoche. Im Frühjahr 2000 bat er Boston, für das er 21 Jahre lang verteidigt hatte, um einen Transfer zu einem Team mit Stanley Cup-Chancen. Am 6. März wechselte Bostons Captain nach Colorado, im Frühjahr 2001 gewann er im Alter von 40 Jahren doch noch seinen Stanley Cup.
Ein Wechsel kurz vor Transferschluss kann für einen «Verteidiger-Saurier» also ein Wechsel ins Glück sein. Nun waren Rob Blake und Ray Bourque eine paar Nummern grösser als Mark Streit. Das ist keine polemische Behauptung. Wir können die Bedeutung eines Spielers an seinem Transferwert messen.
Für Rob Blake und Steven Reinprecht (er wechselte mit seinem Captain nach Denver) schickte Colorado Adam Deadmarsh, Aaron Miller, Jared Aubin plus ein Erstrunden-Draftrecht nach Los Angles. Auch der Wechsel von Ray Bourque war ein grosses Transfergeschäft. Er zügelte am 6. März 2000 zusammen mit Dave Andreychuk für Brian Rolston, Martin Grenier, Sami Pahlsson plus ein Erstrunden-Draftrecht nach Denver.
Mark Streit war vergleichsweise «billig». Für ihn musste Tampa «nur» den Stürmer Valtteri Filppula nach Philadelphia schicken und noch günstiger war der Wechsel nach Pittsburgh. Tampa verlangte bloss ein Viertrunden-Draftrecht.
Solche «Dreiecktransfers» gibt es immer wieder und die Überlegungen der General Managers sind nicht leicht zu interpretieren. Das «Kaffeesatzlesen» bei Trades ist bei Fans und Medien beliebt. Wer kann denn beispielsweise nachvollziehen, warum Ottawa als «Playoff-Verstärkung» im Emmental hinten Chris DiDomenico verpflichtet.
Teams, die vor dem Verpassen der Playoffs stehen transferieren ihre alten Spieler im Zuge eines Neuaufbaus oft kurz vor Torschluss zu Konkurrenten, die ihre Mannschaft im Hinblick auf die Playoffs gezielt ergänzen/verstärken. Für Pittsburgh ist Mark Streit ein hochkarätiger Ergänzungsspieler.
Jakob bekam einst von Esau für eine Linsensuppe und ein Stück Brot das Erstgeburtsrecht. Später sah er gar die Himmelsleiter. Die Chancen, dass der «Billig-Transfer» für Pittsburgh und Mark Streit ein ähnlich gutes Geschäft wird wie das Erstgeburtsrecht für Jakob und dass er die Leiter in den Stanley-Cup-Himmel sehen wird, sind erheblich.
Mark Streit ist zwar nicht eine so grosse Nummer wie Rob Blake und Ray Bourque. Aber auch er war früher Captain (bei den Islanders) und auch seine Erfahrung (mehr als 700 Spiele) ist immens. Der wichtigste Grund, warum Mark Streit viel weniger Transferwert hat, liegt in der Spielweise: Im Vergleich zu Ray Bourque (180 cm/98 kg) und vor allem Rob Blake (193 cm/100 kg) ist der Schweizer eine «halbe Portion» (181 cm/93 kg). Was nicht despektierlich gemeint ist. Sondern bildhaft erklärt, dass Mark Streit primär ein spielstarker Offensiv-Verteidiger und Powerplay-Spezialist ist. Aber mit einer beschränkten Wirkung als defensiver Einzelkämpfer und Abräumer und kein so dominanter Verteidiger wie etwa Roman Josi.
Mark Streit wird beim Stanley-Cup-Titelverteidiger keine dominierende Rolle spielen wie einst Bourque und Blake bei Colorado. Aber er macht Pittsburghs blaue Linie kreativer und offensiv feuerkräftiger und er veredelt das Powerplay.
Selbst wenn es Mark Streit nicht zum Stanley Cup reicht, so wird er doch einmal erzählen können, er habe das Powerplay mit Sidney Crosby, dem besten Spieler der Welt, dirigiert. Der Transfer ist so oder so die späte Krönung seiner Karriere.
Auch die Chancen auf einen neuen Vertrag haben sich durch diesen Transfer verbessert. Mark Streit wird nach dieser Saison «Free Agent» sein. Er kann also den neuen Klub frei wählen und sein neuer Arbeitgeber muss dem alten Klub keine Kompensation leisten. Mark Streits Agent Pat Brisson ist der einflussreichste der Branche. Auch Sidney Crosby ist sein Klient. Er wird Mark Streit noch einmal einen Einjahres-Kontrakt für gut zwei Millionen aushandeln – in Pittsburgh oder anderswo.