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Mangelerscheinungen machen sich häufig kurz vor oder nach der Geburt bemerkbar, verletzungsbedingtes Festliegen kann jederzeit vorkommen. Manchmal ist beides kombiniert oder ein Mangel macht sich zu Unzeiten bemerkbar. Es braucht also häufig weitere Abklärungen für die Ursache und die Therapie der festliegenden Kuh.
An erster Stelle der Mangelerscheinungen steht der Kalziummangel, der rund um den Geburtstermin entsteht. Zu dieser Zeit müssen die Kühe für die erneute Milchbildung sehr viel Kalzium mobilisieren. Diese Kühe sind schläfrig bis komatös, setzen dicken, glänzenden Kot ab und haben oft Untertemperatur. Sie reagieren sehr schnell auf eine Infusion und stehen kurz danach wieder auf.
In den letzten Jahren sehen wir aber vermehrt Kühe, welche wach sind und fressen, aber nicht aufstehen können. Typischerweise machen diese Aufstehversuche, kommen aber nicht ganz auf die Beine. Bei diesen Symptomen muss man an einen Phosphormangel denken. Phosphormangel kann man weniger schnell beheben, weshalb die Kühe oft mehrere Einläufe brauchen. Es kommt auch vor, dass sie nach der Infusion aufstehen und nach zwölf Stunden wieder festliegen.
Phosphor und Kalzium sind Mineralstoffe, welche über Hormone reguliert werden. 95 Prozent der beiden Mineralstoffe sind im Knochen gelagert, der Rest im Blut. Um den Geburtszeitpunkt werden die Mineralien aus dem Knochen mobilisiert, ebenfalls aus dem Darm. Eine falsche Versorgung während der Galtzeit, Reaktionen mit anderen Mineralstoffen und Spurenelementen, das Körpergewicht, die Futterqualität und das Licht haben einen Einfluss auf die problemlose Umstellung von der Galtzeit auf die Laktation.
Ein grosser Anteil der festliegenden Kühe, die wir behandeln, hat einen Mangel an Phosphor im Blut. Phosphor hat es sehr viel in unseren Böden; in den Pflanzen aber nicht. Die Pflanzen können Phosphor schlecht herauslösen, weil der pH sinkt und weniger Harnstoff vorhanden ist. Die Düngung mit Hofdünger aus der Schweine- und Geflügelhaltung bringt aufgrund der reduzierten Phosphorgehalte weniger Phosphor als früher.
Kühe mit akutem Magnesiummangel liegen oft mit Krämpfen flach auf dem Boden, typischerweise im Frühling auf der Weide. Schnell gewachsenes Gras mit wenig Struktur und wenig Magnesium ist die Ursache dafür. Diese Kühe reagieren auch sehr schnell auf eine Infusion.
Eine weitere Ursache für das Festliegen kann eine Unterversorgung mit Vitamin E und Selen sein. Dieser Mangel ist wahrscheinlich häufiger als gedacht. Unsere Böden sind arm an Selen, andererseits verbrauchen Entzündungen und Verunreinigungen des Futters, zum Beispiel mit Mykotoxinen, sehr viel Vitamin E und Selen.
Ein grosser Anteil der festliegenden Kühe hat einen Mangel an Phosphor im Blut.
Kühe können auch aufgrund von Verletzungen festliegen. Unsere Milchkühe haben immer weniger Muskeln, sind aber trotzdem noch recht schwer. Das hat zur Folge, dass schon kleinere Krafteinwirkungen zu Verletzungen im Becken und im Hüftbereich führen. Wir sehen häufig Tiere mit ausgerissenen Hüftgelenken oder Brüchen der Be-cken- und der Oberschenkelknochen. Oft geschieht der Unfall im Zusammenhang mit einer Brunst. Muskelrisse kommen manchmal auch vor («Vergritten»), dies vor allem nach der Geburt, wenn die Bänder durch die Geburtshormone locker sind.
Mineralstoffmangel kann man im Blut nachweisen. Bei Muskelrissen und Knochenbrüchen ist ein Enzym erhöht im Blut. Da verschiedene Ursachen für das Festliegen infrage kommen und die Therapie unterschiedlich ist, lohnt sich eine Blutanalyse.