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Die Geschichte der Johanniter seit ihrer Gründung um 1100, bis zum heutigen Tag ist keineswegs geradlinig und naheliegender weise eng mit dem politischen und wirtschaftlichen Geschehen in Europa und der Region des Mittelmeers verbunden.
Der Johanniterorden (milites hospitales Sancti Johannis Hierosolmytani) bilden zusammen mit den Templern die ältesten geistlichen Ritterorden. Die Ordensmitglieder wurden in drei Klassen eingeteilt: Ritter, Geistliche (Priester) und dienende Brüder.
Das Erkennungszeichen der Johanniter-Ordensmitglieder war das weisse, gegabelte Kreuz auf schwarzem Grund, das als Johanniter- und später als Malteserkreuz bezeichnet wurde. Für die Kriegszüge wurde anfänglich ein roter Waffenrock mit weissem, gut erkennbarem Balkenkreuz getragen.
Im Zusammenhang mit den Kreuzzügen erweiterten die Johanniter ihren Einflussbereich im Mittelmeerraum enorm. Zeitweise teilten sie sich mit dem aufstrebenden Stadtstaat Venedig das Transport- und Handelsmonopol im Mittelmeerraum.
Verschiedene Produkte wie Rohzucker, das sie z.B. in Syrien selbst raffinierten, auch vermutlich den Import von Baumwolle nach und in Europa, ja selbst die Salzproduktion in den Meeressalinen der Provence unterstand den Johannitern und warf sicherlich beträchtlichen Gewinne ab.
Geldhandel wurde von beiden Orden (Johanniter und Templern) betrieben. Da aus christlicher Sicht keine Zinsen verlangt werden durften, umging man dieser Punkt und verlangte einfach Bearbeitungsspesen. Um den Bargeld- und Werttransport möglichst gering zu halten, übernahmen die Orden das altägyptische System des Wechsels (einlösbares Guthabenpapier). Was später von den venezianischen Handelshäusern übernommen wurde.
Die beiden Orden erhielten im 12. und 13. Jahrhundert immense Schenkungen an Ländereien und Grundrechten. Generell resultieren aus diesen Schenkungen die über ganz Europa verstreut waren, zu deren Bewirtschaftung Verwaltungssitze(Komtureien). Deren landwirtschaftliche Erträge in erheblichem Masse zur finanziellen Basis der Orden beitrugen.
Im östlichen Mittelmeerraum war der Orden beinahe dauernd in Auseinandersetzungen mit den türkischen Sultanen verwickelt. Für diese Kämpfe benötigten die Johanniter eine starke Ritterschaft, aber auch grosse Mengen an Geld und Material. Das dichte Netz von Komtureien lieferte den wirtschaftlichen Rückhalt und personellen/finanziellen Nachschub. Das riesige Unternehmen konnte nur dank weitsichtiger und straffer Organisation erfolgreich sein. Die Anerkennung als geistlicher Ritterorden ermöglichte es den Johannitern, quer durch Europa, über alle Grenzen und Zollstellen hinweg, ohne wesentliche Gebühren Güter und Nachrichten zu transportieren.
Als 1310 der Templerorden vom französischen König zwangsweise aufgelöst wurde, gewann der Johanniterorden im deutschsprachigen Raum zusätzlichen Besitz und Einfluss. Sie übernahmen sozusagen „handstreichartig“ mehrere hundert Komtureien und Besitzungen von den Templern.
Die Johanniter hatten durch ihre Beziehungen von den Türken, Arabern und Griechen Kenntnis des überragenden medizinischen Wissens. Im Bereich der Krankenpflege galten sie lange als führend. Dies, obwohl sie dieses Wissen nicht selbst in ihren Spitälern anwendeten, sondern durch gemietete Ärzte ausüben liessen.
Kehren wir zur Chronologie zurück
Seit der Gründung um 1100 waren die Johanniter mit der Verteidigung des in sich zerstrittenen Königreichs Jerusalem beschäftigt.
Mit dem endgültigen Verlust an Festland um 1291 begann ein neuer Zeitabschnitt. Die Johanniter verwandeln sich zur wichtigsten christlichen Seestreitmacht im Mittelmeer, für beinahe 500 Jahre.
Nach einer kurzen Zwischenphase an der italienischen Küste besiedelten sie mehrere Insel mit dem Zentrum Rodos 1308 und bauten dort eine gewaltige Inselfestung.
1522 verlor Grossmeister Philippe de Villiers nach langem Kampf den strategisch wichtigsten Mittelmeerstützpunkt Rhodos an den Sultan Suleiman II.
Kaiser Karl V. stellte im Jahr 1530 dem Orden die Insel Malta zur Verfügung und übertrug dem Johanniterorden die Aufgabe, stets gegen die «Ungläubigen» zu kämpfen. Mit dem Wechsel von Rodos nach Malta wandelt sich auch der Ordensname von Johannitern, zwischenzeitlich Rodeser-Ritter zu den sogenannten Malteser-Ritter.
Im Verlaufe der Zeit verkam der eigentliche Schutzgedanke und der Orden wurde mehr und mehr ein Hort von Aristokraten.
Die französische Revolution und ihr überbordendes, freiheitliches Gedankengut konnte der fernen Insel Malta nichts anhaben. Als aber Napoleon zu seinem Ägyptenfeldzug rüstete, machten die Malteserritter einen folgenschweren Fehler. Sie suchten politischen Beistand beim russischen Zaren. Dies konnte Napoleon aus strategischen Erwägungen keinesfalls zulassen. Er hätte damit rechnen müssen, dass plötzlich russische Truppen in seinem Rücken die schwerbefestigte Insel Malta „hilfreich“ besetzen würden.
So kam es, dass die gewaltige französische Flotte auf ihrem Weg nach Ägypten vor Malta Halt machte. Und ihr Imponiergehabe hatte Erfolg, der Grossmeister der Malteserritter übergab die bislang uneinnehmbare Festungsinsel kampflos.
Mit diesem Schritt wurde der Orden 1798 heimatlos. Verschiedene Versuche den Orden grundsätzlich zu reformieren blieben letztlich erfolglos. Die verbliebenen Ordensmitglieder blieben in ihrer adligen Herkunft und Gedankengut verhaftet.
Erst in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg (1914/1918) gelangte die Ordensführung zur Einsicht des lange verschütteten, karitativen Handelns. Daraus entwickelte sich mit einigen zeitbedingten Rückschlägen, das grosse Malteser-Hilfswerk.
Heute kennen wir z.B. den Malteserorden in Deutschland als aktive karitative Organisation, die sich zum Beispiel um den Spital- und Notfalldienst kümmert.
Der Ordenszweig der Johanniter repräsentiert heute die reformatorische Glaubensrichtung, der Zweig der Malteser den der römisch-katholischen.