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Der Tomülpass erwacht zu neuem Leben
Ein Weg ohne Geschichte?
Der Tomülpass bildet die einzige direkte Verbindung zwischen Vals und dem Safiental, und man möchte annehmen, dass zwischen den beiden Walsergemeinden enge Beziehungen bestanden hätten. Der Pass mit einer Meereshöhe von 2411 Metern bietet keine besonderen Geländeschwierigkeiten, und die Distanz von 13,2 Kilometern mit Höhendifferenzen zu den Talböden von 1195 Metern auf Valser und 750 Metern auf Safier Seite lässt sich in einem Tag bewältigen. Aber noch in seiner ethnografischen Darstellung des Valsertals von 1913 erwähnt J. J. Jörger den Tomülpass nur beiläufig: «Von Vals-Platz führt ein Pass über Alp Tomül nach Safien und ein anderer, der Patnaulpass [...] nach Vrin. Sie haben nur touristische Bedeutung und keine Geschichte.»
Tatsächlich orientierten sich die beiden Talgemeinden jahrhundertelang nach Süden, auf ihre hauptsächlichen Viehexportmärkte in Chiavenna und Locarno hin. Safierberg und Valserberg verbanden sie mit dem ebenfalls von Walsern besiedelten Rheinwald, von dem Splügen- und San Bernardinopass ausgehen. Erst nach dem Bau der fahrbaren Talstrassen (Ilanz–Uors–Vals 1872–1879, Safier Talstrasse 1883–1885) orientierten sich die Täler zum Vorderrhein um. Untereinander jedoch unterhielten die katholisch gebliebenen Valser und die reformierten Safier kaum Beziehungen.
Auf der Valser Seite wurde zweifellos mit der Erschliessung der Alp Tomül bereits im Mittelalter ein Fussweg angelegt, der offenbar bis auf die Passhöhe führte, wo früher die Gemeindegrenze verlief. Die Alp gelangte 1612 in den Besitz der Gemeinde Flims, der heutigen Eigentümerin. 1914 wurden die Alpgebäude erneuert; seither umschliessen die Sennhütte und die gegenüberliegenden Ställe einen eingefriedeten Hof. Gleichzeitig wurde der Alpweg bis zum Alpstafel zum Saumweg ausgebaut; aus dieser Zeit stammt wohl auch die kleine Steinbogenbrücke unterhalb der Alpgebäude.
Auf der Seite der Safier Alp Falätscha scheint dagegen bis zum 2. Weltkrieg kein regulärer Weg bestanden zu haben. Weder Dufourkarte (Erstausgabe 1859) noch Siegfriedkarte (Erstausgabe 1917) verzeichnen eine Wegverbindung; erst die Erstausgabe der Landeskarte 1:25'000 von 1964 zeigt die durchgehende Saumwegverbindung zwischen Vals Platz und Safien Turrahus.