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Sprache
Zweifel ausräumen
Die verschiedenen Bände von Wahrig und Duden sind als die Standardwerke zur deutschen Sprache anzusehen. Neben Fragen der Rechtschreibung und Zeichensetzung legt der Wahrig "Fehlerfreies und gutes Deutsch" auf rund 400 Seiten die wesentlichen Aspekte der deutschen Grammatik dar; besondere Aufmerksamkeit wurde dabei Fällen gewidmet, die auch für Menschen, deren Muttersprache Deutsch ist, häufig unklar sind.
Heißt es korrekt: "... weil du deine Brille liegen gelassen hast" oder "... hast liegen lassen"? Weshalb darf man "das orange Kleid" schreiben, sollte aber "ein oranges Kleid" vermeiden? Kann man "gestaubsaugt" sagen oder heißt es eher "staubgesaugt"? Die Rechtschreibprüfungen der gängigen Computerprogramme sind übrigens nicht immer eine Hilfe. WORD beispielsweise bemängelt "gestaubsaugt", obwohl dies nach Auffassung der Wahrig-Redaktion die standardsprachliche Hauptform ist. Die beispielhaft als falsch angeführten Wendungen geben bisweilen Anlass zum Schmunzeln, sind mitunter jedoch recht häufig: "Diese Unart gehört bestraft (statt: muss bestraft werden)."; "Die Prüfungen finden zwischen 8 Uhr bis (statt: und) 18 Uhr statt."; "Nachdem die Sonne unterging (statt: untergegangen war), wurde es empfindlich kalt." Oder: "Er ist einer der aufregendsten Menschen, den (statt: die) ich je kennen gelernt habe." Und: "Hier geht es zum Rathaus und der (statt: zur) Markthalle."
Ausführlich werden auch Grundfragen der Stilistik behandelt, so z.B. die Mittel, mit denen die sprachliche Gleichstellung von Mann und Frau zu verwirklichen ist. Angenehm sind die Abschnitte zur wirkungsvollen Anordnung von Informationen und Argumenten; hier findet man Hinweise, wie sich bestimmten Stilfiguren effektiv einsetzen lassen, so Gradatio, Antithese, Chiasmus und Ellipse. Den Abschluss des Bandes bildet ein Teil mit verschiedenen Textsorten: von Briefen, Bewerbungsschreiben, Todes- und Heiratsanzeigen oder Protokollen bis hin zur Pressemitteilung.
Besonders aktuelle oder häufig auftretende Fragen sind in blau unterlegten Kästen dargestellt und springen so stärker ins Auge. Außerdem erleichtert ein sehr ausführliches Register das Finden des gesuchten Problems.
Insgesamt lässt das Nachschlagewerk kaum Wünsche offen. Im Vergleich zum Duden ("Richtiges und gutes Deutsch") wirkt der Wahrig durch seine tolerantere und weniger dogmatische Art sympathischer.
Nach Durchsicht des Bandes bleibt der erschütternde Eindruck, dass ein so nützliches Werk - sei es nun der Wahrig oder der Duden - wohl in vielen Bücherregalen fehlen muss, auch in solchen von Menschen, die beruflich schreiben. Wie sonst ließe sich die Vielzahl an Fehlern auch in der anspruchsvolleren Presse erklären?