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<h2>SubmittedText<h2><p>2003 wurde schweizweit die neue kaufmännische Grundausbildung (NKG) eingeführt. Bereits vor der Einführung wurden Befürchtungen laut, die NKG sei mit zu hohen administrativen Auflagen verbunden. Leider wurde das Projekt nie auf seine administrativen Auswirkungen und auf die damit verbundenen Kosten überprüft. Seit der Einführung bewahrheitet sich nun, dass die Wirtschaft die Auflagen für die NKG nur mit hohem Initialaufwand zu erfüllen vermag. Diese Ausgangslage ist dazu angetan, immer mehr Unternehmen von der Ausbildung von Lernenden abzuhalten. Bereits vor Einführung der NKG hat die Anzahl der kaufmännischen Lehrstellen massiv abgenommen: im Kanton Zürich seit 2000 um 24 Prozent, in den Kantonen Aargau und St.Gallen um rund 25 Prozent. Die NKG birgt die Gefahr, diesen Rückgang an Lehrstellen noch zu beschleunigen. Aufgrund der alarmierenden Berichte aus Wirtschaft, Schule und Kantonen hat das BBT nun eine Task Force eingesetzt, die auf Lehrbeginn 2006 wirksame Entlastungsmassnahmen ausarbeiten soll. Eine in diesem Zusammenhang vom BBT bei der Universität Koblenz-Landau in Auftrag gegebene Evaluation hat u. a. folgende Resultate ergeben:</p><p>- 81 Prozent der Betriebe geben an, dass die Ausbildung im Betrieb kostenaufwendiger geworden ist.</p><p>- Zwei Drittel der Lernenden fühlen sich bereits im ersten Lehrjahr mit den vielen Ausbildungselementen überfordert.</p><p>- 88 Prozent der Betriebe beurteilen den Arbeitsaufwand für eine Prozesseinheit als hoch bis sehr hoch und 57 Prozent finden den Nutzen gering bis sehr gering.</p><p>- 97 Prozent der Lehrer beurteilen den Arbeitsaufwand für eine Ausbildungseinheit als hoch bis sehr hoch und 51 Prozent finden den Nutzen gering bis sehr gering.</p><p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Teilt er die Auffassung, dass aufgrund der beschriebenen Ausgangslage Sofortmassnahmen getroffen werden müssen, um die überforderten Lernenden und Lehrbetriebe zu entlasten?</p><p>2. Ist er bereit, das aktuelle Reglement teilweise ausser Kraft zu setzen, um die krassesten Überlastungen innerhalb der NKG-Lehre zu beheben?</p><p>3. Was gedenkt er zu tun, damit neue Branchen wie z. B. die IT-Branche, in denen es praktisch keine Lehrstellen gibt, das Know-how für die Ausbildung von Lernenden erwerben und Lehrstellenplätze aufbauen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Parallel zur Einführung der neuen kaufmännischen Grundbildung (NKG) hat das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) eine Evaluation in Auftrag gegeben, um die Schwachstellen und die Stärken der NKG aufzuzeigen, damit allfällige Anpassungen noch während der Implementierungsphase erfolgen können. Erste Evaluationsergebnisse zeigen, dass die neuen Lehr- und Lernformen teilweise mit anfänglichen Unsicherheiten und Initialaufwand verbunden sind. Die eingesetzten Instrumente und Aktivitäten zeigten aber Wirkung: Die Lernenden erreichen im ersten Drittel ihrer Ausbildung durchwegs hohe Ergebnisse in den Fach-, Sozial- und Methodenkompetenzen. Dem anfänglichen Mehraufwand steht daher mittelfristig ein grösserer Nutzen gegenüber. Der Ausbildungsaufwand ist degressiv gestaltet, d. h., der Schulanteil nimmt im Verlauf der Ausbildung ab. Damit sind die Lernenden in dem Moment häufiger in den Lehrbetrieben, wenn sie am besten qualifiziert sind.</p><p>1. Als Sofortmassnahme hat das BBT eine Task Force eingesetzt, in der alle Verbundpartner vertreten sind. Erstes Ziel dieser Task Force ist es, die Probleme zu analysieren und anschliessend wirkungsvolle Entlastungsmassnahmen vorzuschlagen, die auf das Schuljahr 2006/07 greifen. Von der gesamtschweizerischen Einführung der NKG sind rund 150 000 Betriebe, Lernende, Ausbildende und Lehrkräfte direkt betroffen. Probleme zeigen sich vor allem in den Bereichen, in denen keine Pilotveranstaltungen durchgeführt worden sind, sowie bei der zeitlichen Koordination der Prüfungselemente. Ausserdem wurden bei der Umsetzung verschiedentlich Dinge eingeführt, die mit der Reform nichts zu tun haben (z. B. Zusatzzertifikate, Sprachaufenthalte und Projektwochen).</p><p>2. Die Arbeiten der Task Force werden zeigen, ob eine Änderung des aktuellen Ausbildungs- und Prüfungsreglementes notwendig ist. Eine Revision der NKG ist aufgrund des neuen Berufsbildungsgesetzes ohnehin auf 2009 vorgesehen. Wie die Erfahrung zeigt, sind Änderungen von Bildungsverordnungen (Reglemente) stets mit Unsicherheiten verbunden. Zudem brauchen Änderungen mit so vielen Beteiligten eine Vorlaufzeit von über zwei Jahren. Im vorliegenden Fall wären durch kurzfristige Änderungen vor allem diejenigen betroffen, die die Reform bereits erfolgreich umgesetzt haben.</p><p>3. Auf Lehrbeginn 2003 hat das BBT zwanzig Ausbildungs- und Prüfungsbranchen anerkannt. Vier weitere, darunter die Branche Informations- und Multimediatechnologie, konnten die notwendigen Arbeiten nicht leisten und wurden deshalb erst auf Lehrbeginn 2004 zugelassen. Als Überbrückung haben sich viele Lehrbetriebe für die branchenneutrale Ausbildung "Dienstleistung und Administration" entschieden. Aufgrund der hohen Zufriedenheit mit dieser Branche verzichteten Lehrbetriebe darauf, wieder zu ihrer angestammten Branche zu wechseln. Es ist deshalb falsch anzunehmen, dass in den neuen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen kaum Lehrstellen angeboten werden. Was den Know-how-Erwerb betrifft, so veranstalten die kantonalen Berufsbildungsämter regelmässig Lehrmeistertagungen und bieten Lehrmeisterkurse an, um die nötigen Kenntnisse über die neue Ausbildung zu vermitteln.</p>  Antwort des Bundesrates.