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der Natur nicht zur gemeinsamen Sorge nötigt. Die Stellung der Frau ist ungleich; unter den arbeitenden ärmern Klassen fällt auf sie durchgehends der Hauptteil der landwirtschaftlichen Arbeit. Auswanderung kommt massenhaft unter den Chinesen nach den verschiedensten emporstrebenden Plänen Südasiens vor, seit 1850 auch nach Nordamerika, [* 2] Australien, [* 3] Polynesien und Südamerika. [* 4] Aus Indien werden Kulis mehr exportiert, als daß innerer Trieb sie zur Auswanderung veranlaßte; am größten war ihre Auswanderung 1862.
Mannigfach sind die Verhältnisse der Stände zu einander. Wir finden Gleichheit aller Personen bei den halbwilden Stämmen in Dekhan, Hinterindien [* 5] und auch auf den Inseln;
Eröffnung der Staatsstellen für alle Gebildeten und Mangel eines Geburtsadels im eigentlichen China; [* 6]
einen Feudaladel, dessen Rechte und Privilegien erst in den letzten Jahren geschmälert und eingezogen wurden, in Japan;
Scheidung des Volks in herrschenden Adel und Volk bei den Kaukasiern;
die strengste Abgeschlossenheit und Verbot für die Kinder, aus dem Stande des Vaters herauszutreten (eine Anordnung, die auf göttliches Gebot zurückgeführt wird), in den Kasten Vorderindiens;
sklavische Unterthänigkeit aller gegen den Herrscher und Höhere in Hinterindien.
Ähnliche Kontraste bildet die staatliche Verfassung. In China ist die Regierungsform eine streng patriarchalische. Der Kaiser ist gleichzeitig Oberpriester des Reichs und vollzieht in dieser Eigenschaft die großen religiösen Zeremonien mit seinen Ministern; keinerlei kirchliche Hierarchie wird auf Staatskosten unterhalten. Die Verwaltung ist bis ins einzelne geregelt, im Prinzip gerecht, in der Anwendung aber willkürlich. In ganz Hinterindien ist die Verwaltung despotisch; die Beamten sind dabei viel selbständiger als in China und üben große Gewalt. In Japan wurde die bis dahin gültige Feudalverfassung seit 1869 durch eine büreaukratische Verwaltung mit einem Erbkaiser an der Spitze ersetzt. In Persien [* 7] und Turan herrschte zu allen Zeiten die Form der mohammedanischen Despotie, im Kaukasus bis auf die Herrschaft der Russen die der aristokratischen Republik ohne große staatliche Einigung.
Auch unter den Malaien herrscht staatliche Zersplitterung, wie dort durch die Abgeschlossenheit der Alpengaue, so hier durch die insulare Natur bedingt oder begünstigt. Theokratisch ist die Regierung in Tibet; der Dalai-Lama, der inkarnierte Gott, ist Herr des Landes; sein erster Minister, im Volksmund mit der Anrede »König« geehrt, leitet die Verwaltung unter starker Einmischung der chinesischen Obermandarinen, ohne vom Dalai-Lama Befehle einzuholen. Ebenso ist es in den buddhistischen Staaten von Bhutan und Sikkim.
Die Engländer hatten bisher in Indien, wie in Ceylon [* 8] etc., eine streng büreaukratische Verwaltung eingerichtet, beriefen aber 1863 Eingeborne als Geschworene, später (1881) auch in die neugeschaffenen Verwaltungsräte. Der Schwerpunkt [* 9] der Verwaltung liegt indessen immer noch in den Regierungsbüreaus, die Bevölkerung [* 10] hat sich für Selbstverwaltung noch nicht reif bewiesen. Rußland schafft in seinen neuen innerasiatischen Besitzungen zunächst Ruhe und steuert dem Raubwesen; in den Städten entwickelt sich dann von selbst reger Handel, und das Interesse am gesicherten Erwerb kettet die anfangs widerstrebenden Eingebornen überall bald an die neue, dem bisherigen despotischen Regiment in jeder Beziehung vorzuziehende Verwaltung. Unter der Sicherheit der Person und des Erwerbs, die überall herbeigeführt wird, wo europäischer Einfluß direkt eine Folge von Annexion ist oder indirekt als der eines Schutzherrn sich geltend macht, wird Asien [* 11] einer schönern Entwickelung entgegengeführt werden, als sie seine bisherige Geschichte kennt. - Statistische Angaben über die staatlichen Verhältnisse Asiens liefert nachstehende Übersicht; in Bezug auf Bevölkerungsdichtigkeit, Religionen und die Regierungsformen vgl. die Tabellen zum Art. »Bevölkerung« (mit Karte).
|QKilom.||Bewohner||Auf 1 QKil.|
|1) Einheimische Staaten:|
|Chinesisches Reich||11574356||371180000||32|
|Unabhängiges Arabien||2507390||3700000||1.5|
|Persien||1648195||7653600||5|
|Siam||762850||5750000||8|
|Afghanistan||721664||4000000||5.5|
|Birma||500000||4000000||9|
|Japan (1881)||382447||36357368||95|
|Belutschistan||276515||350000||1.8|
|Bochara||239000||2130000||9|
|Himalajastaaten||234000||3300000||14|
|Korea||218192||8500000||36|
|Unabhängiges Malakka||81500||300000||4|
|Stämme östlich von Assam||65500||200000||3|
|Chiwa||57800||700000||12|
|Kafiristan||51687||500000||9.6|
|Zusammen:||19321096||448636968||236|
|2) Besitzungen europäischer Staaten:|
|Russisch-Asien (1880-82)||17007832||16186450||0.95|
|Britische Besitzungen (1881)||3927859||257581973||65.5|
|Asiatische Türkei||1890468||16173000||8.0|
|Niederländ. Besitzungen (1883)||1462400||26777471||18.3|
|Französische Besitzungen (1882)||584329||24369785||41.7|
|Spanische Besitzungen (1881)||297322||5644897||18.9|
|Portugies. Besitzungen (1881)||19667||849553||43.1|
|Zusammen:||25189877||347583129||12.7|
Entdeckungsgeschichte.
Die Kenntnis von Asien war im frühsten Altertum sehr beschränkt. Homer kennt bloß die westlichen Küsten Kleinasiens genauer; von der Nordküste Kleinasiens und den südlichern Küsten am Mittelmeer existierten nur unsichere Schiffernachrichten. Die Phöniker und Juden hatten schon um 1000 v. Chr. Verbindungen mit dem Land Ophir, das an der Malabarküste Indiens (nicht in Afrika) [* 12] gesucht werden darf. Hekatäos, Herodot und Ktesias (540 bis 400) schildern, einiges Fabelhafte abgerechnet, schon ziemlich genau die 20 Satrapien des persischen Reichs; auch wissen sie manches von Kolchis, Arabien und Indien.
Sehr viel trugen zur weitern Bekanntwerdung Asiens die Feldzüge Alexanders d. Gr. bei sowie die auf seinen Befehl ausdrücklich zur Erforschung unbekannter Küsten unternommenen Seeexpeditionen. Besonders gehört hierher die Fahrt des Nearchos von der Mündung des Indus zur Mündung des Euphrat, deren Beschreibung uns Arrian in seinem Werk »Indica« aufbewahrt hat. Noch näher wurden die Griechen mit Indien durch die Feldzüge des Seleukos Nikator und durch die Gesandtschaftsreisen des Megasthenes, Deimachos und Dionysos [* 13] nach Paliputra, in der Nähe des heutigen Patna am Ganges, um 312 bekannt. Durch Onesikritos und Megasthenes erhielt man genauere Nachrichten über Taprobane (Ceylon). Vorzüglich gerühmt werden auch die Schriften des Patrokles, der unter Seleukos Nikator und seinem ¶
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Sohn Antiochos den Indischen Ozean befuhr, auch über das Kaspische Meer Aufklärungen gab, welche in Verbindung mit denen des Demodamas oder Demonax, eines gleichzeitigen Heerführers, die durch Alexanders Geschichtschreiber über jenes Meer verbreiteten Fabeln berichtigten. Neue Quellen eröffneten einerseits die von den Ptolemäern veranstalteten Fahrten von Ägypten [* 15] nach Indien, anderseits die Entstehung griechischer Königreiche in Baktrien und Indien, die sich der sinkenden Macht der Seleukiden zu entziehen wußten. Die Herrschaft der Römer [* 16] in Vorderasien und die Kriegszüge derselben gegen die Parther blieben gleichfalls nicht ohne Nutzen für die geographische Kenntnis Asiens, ebenso öftere Handelsreisen nach Mittelasien und nach Indien.
Das gesamte den alten Kulturvölkern bekannte Asien zerfiel zur Zeit der Antonine, in der blühendsten Periode des römischen Kaiserreichs, in folgende Teile.
1) Den Römern unterworfen waren: Pontus, Paphlagonia, Bithynia, Asia propria (Mysia mit Hellespontus und Troas, Äolis, Ionia, Doris nebst Rhodus, Lydia, Phrygia major, Caria), Lycia, Galatia, Pamphylia, Pisidia, Isauria und Lycaonia, Cappadocia mit Melitene und Cataonia, Armenia minor, Cilicia, Cyprus, Syria mit Commagene, Phönice, Cölesyria, Trachonitis und Palmyrene, Palästina, [* 17] Arabia peträa mit Idumäa.
2) Zu dem parthischen Reiche gehörten: Mesopotamia, Babylonia, Assyria, Media, Parthia, Hyrcania, Margiana, Aria, Drangiana, Arachosia.
3) Mehr oder weniger selbständig waren: Sarmatia, das asiatische Kolchis, Iberia, Albania, Armenia major, Arabia (deserta und felix), Susiana, Persis, Carmania, Gedrosia, Paropamisadä, Bactriana, Sogdiana, Sacä, Scythia (intra Imaum und extra Imaum), Serica und Sinä, India (extra Gangem und intra Gangem), Taprobane. Nachdem das Christentum dort festen Fuß gefaßt hatte, teilte man seit Diokletian oder Konstantin d. Gr. Westasien in zwei Diözesen: Asiana (Asia propria und die übrigen südwestlichen Provinzen: Lykien, Pamphylien, Lykaonien etc.) und Pontica (Pontus, Bithynien, Galatien und Kappadokien).
Über Ostasien berichtete der Armenier Moses von Chorene (Mitte des 5. Jahrh. n. Chr.) einiges; erst durch die Araber wurde aber der über Asiens Ostteil verbreitete Schleier einigermaßen gelüftet. Wahad und Abu Seid (in der Mitte des 8. Jahrh.) durchwanderten einen großen Teil Asiens und beschrieben ihre Reise. Hauptsächlich sind die Araber Massudi Kothbeddin und Ibn Haukal (zu Anfang des 10. Jahrh.) zu nennen; auf sie folgte (1232) ihr Landsmann Ibn al Wardi.
Andre trieben Seehandel nach China und Hinterindien. Vorderasien durchzogen die Araber erobernd bis an den Kaukasus. Europäer wurden seit dem 10. Jahrh. durch religiöses Interesse nach Asien geführt; man wallfahrtete nach dem Heiligen Grab, schickte (um 1000) Missionen nach Palästina und endlich sogar seit 1096 in den Kreuzzügen bewaffnete Heerhaufen. Obgleich die Eroberungen der Europäer in Asien nicht von Dauer waren, so blieben doch von nun an die Verbindung und der Verkehr mit Asien ununterbrochen und zwar nicht bloß im Interesse des Handels, sondern auch in politischer Beziehung; man bezweckte dabei hauptsächlich die Verbreitung des Christentums im O. Die christliche Sekte der Nestorianer hatte seit dem 11. Jahrh. zahlreiche Gemeinden in allen Oasen der Wüste Gobi und in Turkistan gegründet; der Herrscher Korchan, der 1125 ein mächtiges Reich zwischen dem Kaspisee und der Chinesischen Mauer gründete, ist der als Presbyter Johannes im Mittelalter so viel genannte und gesuchte König (vgl. Oppert, Der Presbyter Johannes in Sage und Geschichte, 1864). Unter den Missionen, die Ludwig IX. an die Mongolen sandte (1253), hat der Reisebericht des Franziskaners Wilhelm Rubruquis (Ruysbroek) bleibende Bedeutung erlangt.
Auch sind Joh. v. Montecorvino und Oderico v. Pordenone zu erwähnen, welche nach Peking [* 18] reisten, jener 1291 über Persien und Madras, [* 19] der letztere 1316. Rubruquis' Bericht kommt an Wert nur der des Venezianers Marco Polo gleich, welcher im Handelsinteresse und im Auftrag des Papstes zu Ende des 13. Jahrh. in einem Zeitraum von 25 Jahren die Mongolei, China und Bengalen und in Begleitung des Großchans der Mongolen die entlegensten Teile Ostasiens besuchte. Erst die Neuzeit hat ihn durch Bestätigung des von ihm aus eigner Anschauung Mitgeteilten vom Makel eines Aufschneiders befreit, mit dem sein Name von der Mitwelt verunglimpft ward.
Mehr Anerkennung fand bei den Zeitgenossen schon Abulfeda (13. und 14. Jahrh.) mit seinem »Takwim al Boldam« (»Beschreibung des Bewohnten«). Die meisten Aufschlüsse verdankt man in der nächstfolgenden Zeit den wichtigen Reisen des Arabers Ibn Batuta, der 1324-53 bis Indien und China vordrang. Weniger Bedeutung haben die Berichte Schildbergers, Ruy Gonzalez Clavigos (zu Anfang des 15. Jahrh. von Heinrich III. von Portugal [* 20] an Tamerlan geschickt), Barbaros, Abd ul Rizaks, Covilhãos.
Gefördert wurde die Land- und Völkerkunde Asiens auch durch die Gesandtschaftsreise, welche Schah Rokh (1420) nach China unternehmen ließ, und durch die Reisen des Venezianers Niccolò Conti, des einzigen Europäers, welcher im 15. Jahrh. das Plateau von Dekhan durchschnitt und nach Hinterindien vordrang. Die eigentliche Entdeckungsstraße nach Asien wurde aber gebahnt durch den von Emanuel d. Gr. von Portugal mit einer Anzahl von Schiffen ausgesandten Portugiesen Vasco de Gama, der 1498 das Vorgebirge der Guten Hoffnung umschiffte, bei Kalikat an der Küste von Malabar landete und so den neuen Weg zur See nach Ostindien [* 21] auffand.
Wenn man früher teils durch das Arabische Meer über Alexandria, teils vom Schwarzen Meer aus über Persien (wie namentlich die Genuesen) mit Ostindien Handel getrieben hatte, so kam man jetzt unmittelbar dahin. Der große Albuquerque faßte bald den Gedanken, Portugals Herrschaft über alle Länder und Meere Indiens zu verbreiten; seit 1510 eroberte er Goa, Malabar, Ceylon, die Sundainseln und Malakka. Franz de Almeida entdeckte 1508 die Lakadiven, Anton d'Abreux 1511 Amboina, die Bandainseln und die Molukken 1512, Simon d'Andrada die Malediven und João de Silveira Bengalen. An den meisten Orten wurden Faktoreien und Niederlassungen angelegt. Fernando Perez fand 1516, bis Tama vordringend, die Liukiuinseln.
Bedeutenden Einfluß auf die neuern Entdeckungen in Asien hatte auch die Entdeckung Amerikas; man fuhr nun teils auf westlichem Weg nach Ostasien (schon Magelhaens entdeckte 1521, von Amerika [* 22] ausfahrend, die Ladronen und Philippinen), teils aber unternahm man besondere Reisen zur Untersuchung des nordöstlichen um die Frage, ob Amerika mit Asien zusammenhänge oder nicht, zu lösen, wobei der Hauptzweck die gewünschte Teilnahme an den ungeheuern Handelsgewinsten der Portugiesen in Ostindien war, die sich dort immer mehr ausbreiteten. ¶