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Die vier Himmelsrichtungen Norden, Süden, Westen und Osten beziehen sich auf die Erdachse. Aber sie haben auch eine symbolische Bedeutung: So wie die Sonne ihren Lauf hat, so vergeht auch alles Leben.
«Im Osten geht die Sonne auf, im Süden hält sie Mittagslauf, im Westen will sie untergehn, im Norden ist sie nie zu sehn….» Mit diesem Spruch haben wir in unserer Kindheit gelernt, dass wir die Himmelsrichtungen nach dem Sonnenstand ableiten können. Die Himmelsrichtungen sind Grundrichtungen, die sich auf die Erdachse beziehen.
Am oberen Ende der schrägen Erdachse finden wir definitionsgemäss den Norden mit dem geografischen Nordpol in der Eiswüste der Arktis. Die Bezeichnung «Norden» stammt vermutlich vom althochdeutschen Wort «nord», mit einer indogermanischen Endung «-ner». Das heisst «links der aufgehenden Sonne». Die Römer gaben dem Norden auch die Bezeichnung «Septentrio», was auf die sieben Sterne im Sternbild des Kleinen Bären hinweist.
Wo die Sonne aufgeht
Einer dieser Sterne ist der Polarstern, und die Erdachse mit dem Norden ist auf diesen Polarstern ausgerichtet. Der Norden als Himmelsrichtung ist also links vom Sonnenaufgang und der ist immer im «Osten». Somit wird der Osten zur zweiten Himmelsrichtung. Die Bezeichnung «Osten» stammt ebenfalls vom althochdeutschen Wort «ostan», was «östlich» heisst. Aus dieser Richtung geht die Sonne auf.
Es ist auch die Richtung der Erdrotation, die sich im Gegenuhrzeigersinn von Westen nach Osten um die Erdachse dreht. Weil mit dem Sonnenaufgang am Morgen der Tag beginnt, spricht man auch vom Morgenland oder Orient.
Eis im Süden
Die nächste Himmelsrichtung ist der «Süden», als Gegenrichtung zum Norden und am unteren Ende der Erdachse (siehe nochmals Abb. 1). Da trifft man auf den geografischen Südpol in der riesigen Eislandschaft der Antarktis. Die Antarktis ist ein Kontinent, denn unter der grossen Eismasse versteckt sich eine gebirgige Landschaft, im Gegensatz zur Arktis, die aus einem Eismeer besteht. Unter der Eisschicht der Arktis ist Meerwasser in flüssiger Form anzutreffen.
Man gab dem Süden als Himmelsrichtung früher auch den Namen «Merides», was die Mitte vom Tag mit dem höchsten Sonnenstand bedeutete. Von diesem Wort leiten sich die «Meridiane» oder Längengrade der Erdkugel ab. Die vierte Haupthimmelsrichtung wird mit «Westen» bezeichnet. Der Westen ist die Richtung vom Sonnenuntergang am Abend. Man spricht daher auch vom Abendland oder Okzident.
Der Lauf des Lebens
In vielen früheren Kulturen wurden die Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden und Westen symbolisiert. Ausschlaggebend war aber immer der Lauf der Sonne. Die Menschheit machte schon in frühesten Zeiten die Erfahrungen und Erkenntnisse, dass alles Werden und Vergehen, Leben und Sterben, Helligkeit und Dunkelheit auf harmonischen Rhythmen beruhen.
Zu diesen Rhythmen gehört zum Beispiel, dass ein neuer Tag immer mit dem Sonnenaufgang im Osten beginnt und mit dem Sonnenuntergang im Westen endet. Das Ereignis mit der Morgendämmerung bei aufgehender Sonne wurde mit dem Leben, das gerade erwacht, oder mit der Kindheit und Jugend assoziiert, das heisst in Verbindung gebracht.
Der Osten symbolisiert also Hoffnung, die man als eine paulinische oder theologische Tugend kennt. Ein Beispiel dafür wäre das Gelingen des neuen Tages, das wir immer wieder erhoffen. Auch die Jahreszeiten beginnen mit dem Frühling, in dem das Leben der Natur erwacht. Also steht der Osten symbolisch für den Frühling, und das Symboltier ist das Lämmchen.
Sommer des Lebens
Der Süden als Haupthimmelsrichtung bedeutet «Erwachsenwerden». Man steht im «Sommer des Lebens» und zum Süden gehört doch für uns immer noch Sonne, Wärme und Urlaub. Am Mittag steht die Sonne an höchsten Punkt ihrer Umlaufbahn, dem Zenit.
Das Lebenselement, das mit dem Süden verbunden wird, heisst «Wasser». Im Sommer zieht es immer noch viele Menschen in den Süden ans Meer, ans Wasser und in die Wärme. Das Symboltier für den Süden ist der Löwe, ein Ausdruck für Kraft.
Wenn der Abend dämmert
Bei der nächsten Haupthimmelsrichtung sprechen wir vom Westen und seiner Symbolik. Der Mensch ist noch nicht alt, aber er kommt in eine reife Lebensphase, die wir oft als «den Herbst des Lebens» bezeichnen, und daher wird der Westen mit dem Herbst symbolisiert. Die Sonne geht, wie schon erwähnt, im Westen unter. Es bildet sich eine Stimmung, die wir Abenddämmerung nennen. Die Abende werden kälter, und die Natur macht sich im Herbst zur Winterruhe parat. Um sich zu erwärmen und nicht zu frieren, braucht es ein Feuer. Dem Westen wird also das Lebenselement «Feuer» zugeteilt, und das Symboltier ist der Hase.
Die letzte Haupthimmelsrichtung ist der Norden. Er bekommt am wenigsten Sonnenstrahlen und damit Licht und Wärme. An vielen Tagen des Jahres ist es im Norden dunkel und kalt. Bezüglich der Symbolik für uns Menschen drückt der Norden das Greisenalter aus. Am Ende dieses Lebensabschnitts steht der Tod, die Vergänglichkeit. Alle Lebewesen kehren dann in die Erde zurück. Zum Norden gehört daher das Lebenselement «Erde», und sein Symboltier ist der Salamander.
In der Meteorologie würde die Einteilung in die vier Haupthimmelsrichtungen nicht genügen. Die Wetterkunde braucht eine feinere Skala, um die Windrichtungen und damit den zu erwartenden Wetterablauf zu beschreiben. Dazu dann im nächsten Beitrag mehr.