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Ital. Tal in der Provinz Sondrio zwischen Splügenpass und Chiavenna, bestehend aus den Gem. San Filippo, Campodolcino und Isolato (heute Gem. Madesimo). Im "Itinerarium Antonini" und in der "Tabula Peutingeriana" finden sich erste Hinweise auf Orte im Tal, durch die der Fernverkehr zog. Das Val S. wurde früh in die Interessensphäre Churrätiens einbezogen. Das Alpgebiet von Rasdeglia am rechten Talhang wurde im 12. Jh. von Mesocco aus über den Balniscio-Pass (2351 m) genutzt. Chiavenna kam 1204 in den Pachtbesitz von Weidearealen auf der Alp Emet. 1226 wurde ein fahrbarer Weg zwischen Campodolcino und Madesimo erbaut. Damit wurde es möglich, über den Emet- (Niemet-) statt den Splügenpass nach Schams zu gelangen. Am strateg. Punkt Castelasc (1932 m) nordöstlich von Stuetta unter dem heutigen Stausee von Montespluga, befand sich um 1260 die Residenz des Ritters Heinrich von Grüneck, eines Vasallen von Walter V. von Vaz. Im Val S. gab es wegen strittiger Alpgrenzen und -nutzungen viele Fehden. 1428 kam es in Campodolcino zwischen den Freien von Schams und den Leuten des Val S. zu einem Friedensschluss.
Im SpätMA war das Tal Durchgangsgebiet für Bündner Feldzüge nach Süden. Bei der Besetzung des Veltlins durch die Bündner 1512 wurden dem Val S. nach Mailänder Vorbild Privilegien mit weitgehender Selbstverwaltung gewährt. Das Tal bildete im Transportsystem der Splügenroute die sog. sechste Port; es hatte die Strassenunterhaltspflicht und das Recht auf Einzug von Weggeldern für besondere baul. Leistungen. Die Sust befand sich in Soste bei Isola. 1643 wurde die Strasse durch die Schlucht Cardinello neu angelegt und um 1709 durch Thomas Massner aus Chur ausgebaut. Es folgte eine Periode relativen Wohlstands, die bis etwa 1800 dauerte. 1797 weigerte sich das Val S., sich vom Freistaat der Drei Bünde zu trennen. Erst die zögerl. Haltung der Bündner führte zum Anschluss an die Cisalpin. Republik. 1818-22 wurde eine Kommerzialstrasse für Wagen- und Postkutschenverkehr gebaut. Nach der Eröffnung der Gotthardbahn 1882 ging der Transitverkehr zurück, das Tal verarmte. Im 20. Jh. boten der Wasserkraftwerkbau und ab den 1980er Jahren ein bescheidener Tourismus neue Verdienstmöglichkeiten.
Literatur
– L. della Briotta, Comunità alpine fra Lombardia e Svizzera: La Val S., 1979
– Il comune unico di val S., hg. von G. Scaramellini, 2007
Autorin/Autor: Martin Bundi