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Das Hotel Beau Rivage darf für sich in Anspruch nehmen, d a s klassiche Grandhotel mit grosser Vergangenheit und hochkarätiger Gegenwart in Genf zu sein. Klassisch heisst, das Haus hat trotz Renovationen seinen Charme behalten; Aus historischer Sicht wohnte der Duc de Brunswick im Hotel, die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich starb hier und die Tschechoslowakische Republik wurde 1918 in diesem Haus ausgerufen; Hochkarätig präsentiert sich die Gegenwart mit den Auktionen von Sotheby's. Und das Hotel Beau Rivage darf für sich in Anspruch nehmen, noch das einzige Grandhotel der Westschweiz in Familienhand zu sein.
In der Bar L’Atrium des Hotel Beau Rivage in Genf habe ich schon unzählige Stunden verbracht. Es ist meine absolute Lieblingsbar in der Stadt. Ich freue mich an der gediegenen und charmanten Atmosphäre, am freundlichen und kompetenten Service und am perfekten Martini-Cocktail, den ich hier früher zu jeder Tageszeit erhalten habe. Die Bar kann sowohl vom Haupteingang wie auch über eine Treppe vom Eingang zu den Restaurants am Quai erreicht werden. Sie steht vis-à-vis von der Reception auf der anderen Seite des Atrium und wurde 1986 eingerichtet.
Die Bar teilt sich auf einen hellen Raum mit Seesicht und einen intimeren Raum mit der Bartheke auf. Neben Cocktails offeriert die Bar auch den Fünfuhrtee oder Sandwiches, die wahlweise mit Frites oder Chips gereicht werden. Dazu wird der Tisch weiss eingedeckt und der Gast erhält eine Stoffserviette. Die Hintergrundmusik spielt in angenehmer Lautstärke, in der ersten Tageshälfte wird auch Klassik programmiert.
Das Hotel Beau Rivage wurde in den Jahren 1863-65 von dem aus Vevey stammenden Architekten Antoine (Antony) Krafft (1831-1910) erbaut. Krafft, der österreichischer Abstammung war, gehörte damals zu den wenigen Westschweizer Architekten, die in Deutschland studierten (Polytechnische Schule in Stuttgart und Berliner Bauakademie). Er konzipiert ein zeitgenössisches Hotel, das über den neusten technischen Stand verfügte.
Das Gebäude steht ziemlich genau in der Mitte des Quai du Mont-Blanc auf einem Eckgrundstück zur Rue Adhémar Fabri mit Blick auf den See, die Altstadt und das Monument Brunswick. Bereits nach vier Jahren erhält das Hotel als Erweiterung gegen die Rue Dr.-Alfred-.Vincent einen neuen Speisesaal. 1872 wird dieser erhöht und weitere Bauetappen folgen, bis das Haus sein heutiges Aussehen erhält.
Jean-Jacques Mayer und Charles-Gustave Kunz heissen die ursprünglichen Besitzer des Hotel Beau Rivage. Beide stammen aus der Gegend von Baden-Württemberg, angrenzend an den Schwarzwald. Mayer gehört zu einer Familie aus Gastwirten, während sein Kompagnon sich als dienender Gastgeber bezeichnet. Die Beiden eröffnen als erstes 1860 am Place Cornavin beim neu erstellten Bahnhof ein Hotel d’Angleterre. Doch schon bald wird den ambitionierten Hoteliers klar, dass ihre Zukunft am neu erstellten Quai liegt. Mayer nimmt Kontakt mit dem englischen Bankier William Curie auf, der ihm beim Bau des Hotels Beau Rivage finanziell hilft. Schon bald entschliessen sie sich, auch das Angleterre an den Quai in ein neu zu erstellendes Gebäude zu zügeln. Während sich Mayer auf das Beau Rivage konzentriert, wird Kunz Besitzer des neuen Hotel d’Angleterre.
Der einzige Sohn von Jean-Jacques und Albertine, Charles-Albert Mayer, übernimmt 1886 die Leitung des Hauses. Er ist eine markante Persönlichkeit und spielt eine wichtige Rolle sowohl in der Genfer wie in der internationalen Hotelindustrie. So wird er als „Seigneur des hôtels du quai“ bezeichnet. Er heiratet die Tochter von Frédéric Weber, dem Besitzer des benachbarten Hotel de la Paix. Als Weber 1912 wegen einem Hotelbau in Beatenberg in finanzielle Nöte gerät, hilft ihm Mayer mit einem Kredit aus und wird sein Partner. Ab 1921 gehört das Hotel de la Paix für zwanzig Jahre sogar ganz ihm. Mayer ist einer der Gründer der renommierten Hotelfachschule in Lausanne. Seine Frau Fanny Mayer ging in die Annalen der Geschichte ein, da in ihren Armen Sissi, die Kaiserin von Oesterreich, ihr Leben aushauchte.
Mit Fred Mayer und seiner Frau Janine folgte 1965 die dritte Generation. Fred Mayer war ein grosser Weinkenner, was sich durchaus bis heute auf der Weinkarte auswirkt. Sie kann mit einem der grössten Weinangebote in der Schweiz auftrumpfen. 1968 eröffnet er im Hotel das Gourmetrestaurant „Le Chat Botté“, das schnell einen exzellenten Ruf erhält und ihn bis heute erfolgreich verteidigen kann.
Als einziges Luxushotel der Westschweiz befindet sich das Hotel Beau Rivage immer noch in Familienbesitz und wird seit 1978 in der vierten Generation durch Jacques Mayer geführt. 1986 gründet er eine Familien-AG. Heute fingiert er als Präsident des Verwaltungsrates. Seine Schwester Catherine Nickbarte-Mayer ist Mitbesitzerin. Ihr Sohn sitzt auch bereits im Verwaltungsrat, womit sich die fünfte Generation angemeldet hat. Der ehemalige Hotel- und Gastronomiedirektor der Hotelfachschule Lausanne, Ivan Rivier, fungiert seit 2004 als Generaldirektor des Hotel Beau-Rivage.
Zu den ersten Stammgästen des Hotel Beau Rivage gehört der Herzog Karl II. von Braunschweig (Duc de Brunswick). Nachdem er aus Braunschweig vertrieben worden war, verbrachte er sein exzentrisches Leben in Spanien, England und Frankreich, bevor er Genf als seinen endgültigen Wohnort wählte. Sein Vermögen legte er vorwiegend in Diamanten an. 1873 stirbt der kinderlose Herzog im Hotel Beau Rivage. Die Stadt Genf erhält sein Vermögen und errichtet wie mit ihm abgemacht 1879 das Monument Brunswick im Park zwischen dem Hotel de la Paix und dem Hotel Beau Rivage. Es ist eine exakte Reproduktion des Familiengrabmals der Scaligeri im italienischen Verona aus dem 14. Jahrhundert.
Kaiserin Elisabeth von Oesterreich (Sissi) reist 1898 unter dem Pseudonym Gräfin von Hohenems nach Genf, um Baronin Julie Rothschild zu besuchen. Sie hat eine Suite im Hotel Beau Rivage reserviert, wo sie bereits vor einem Jahr eine Woche verbracht hat. Nach dem Abendessen übernachtet sie in ihrem Zimmer. Am 10.September 1898 macht sie sich mit ihrer Hofdame Gräfin Irma Sztaray auf eine Einkaufstour durch Genf. Inzwischen hat eine Genfer Zeitung die Identität des hohen Gastes herausgefunden und veröffentlicht.
Auf der Rückkehr ins Hotel kommt ihnen vor dem Brunswick-Denkmal der italienische Anarchist Luigi Luccheni entgegen, der der Kaiserin mit einer Feile eine Stichwunde zufügt. Die Kaiserin besteigt noch ein Schiff am Quai, wird ohnmächtig, kommt wieder zu sich. Sie wird auf einer Tragbahre in ihre Suite im Hotel Beau Rivage gebracht, wo sie nach zwanzig Minuten in den Armen von Fanny Mayer, der Frau des Hotelbesitzers, an ihrer Verletzung stirbt. In der südwestlichen Ecksuite im ersten Stock, in dem die Kaiserin Elisabeth wohnt und stirbt, steht heute eine Vitrine mit Original-Gegenständen der Kaiserin.
Luigi Luccheni wird noch am Tatort verhaftet. Eigentlich plante er, den Herzog von Orléans niederzustechen. Doch dieser sagte seine Reise nach Genf ab, womit Luccheni seinen Plan änderte und die Kaiserin attackierte. Er wird von der Justiz zu lebenslanger Haft verurteilt. Auf seinen Wunsch nach der Todesstrafe muss Lucchini verzichten, da Genf diese bereits abgeschafft hatte. So begeht er 1910 im Gefängnis Selbstmord.
Am Sonntag des 11.Oktober 1987 wird von einem Zeitungsreporter im Zimmer 317 des Hotel Beau Rivage in der mit Wasser gefüllten Badewanne die Leiche des deutschen CDU-Politikers Uwe Barschel gefunden und fotografiert. Die Untersuchungsbehörden kommen zum Schluss, dass es Selbstmord war. Barschel war ab 1982 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und galt als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Helmut Kohl. 1987 muss er nach einer Verleumdungskampagne zurücktreten.
Im Jahr 1873 wird im Hotel Beau Rivage der erste hydraulische Lift der Schweiz installiert. Geliefert wird er vom Pariser Ingenieur Léon Edoux, der auch für die Aufzüge im Eiffelturm verantwortlich sein wird. Das Journal de Genève schreibt, der Lift besteht aus einem charmanten kleinen Raum mit Teppich, Sofa und Glasfenstern.
Auch heute verfügt das Haus über modernste Technik. Renovationen werden zwar laufend durchgeführt, aber zum Glück beinhalten sie vor allem die Restauration des Gebäudes und der Einrichtung. So verführt uns das Hotel Beau Rivage in Genf auch zu Beginn des 21.Jahrhunderts auf eine Zeitreise in die stilvolle Vergangenheit und in die luxuriöse Gegenwart eines Grandhotels allerersten Ranges.
Restaurants: Patara Fine Thaï Cuisine - thailändisch, Le Chat-Botté - 18 Gault-Millau-Punkte; Zimmer: 90 Zimmer & Suiten; Adresse: Hotel Beau Rivage, 13, Quai du Mont-Blanc, CH-1201 Genève / http://www.beau-rivage.ch/de/index.php
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