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Manchmal ist es gar nicht so schlecht, dass wir Schweizer eher zurückhaltende Menschen sind. Das kann es einfacher machen, mit Chinesen in Kontakt zu treten, die bisweilen eher schüchtern sind.
So hat es zumindest Professor Bernhard Schmid erlebt, als er vor einigen Jahren an einer internationalen Konferenz von Umweltwissenschaftlern teilnahm. Er lernte dabei einen chinesischen Forscher kennen, der sich eher am Rande der Menschenmenge bewegte. Ihn anzusprechen war ein Glücksfall, denn der chinesische Professor entpuppte sich als Kapazität auf dem Gebiet der Biodiversität.
Klimawandel abfedern?
Schmid blieb mit ihm in Kontakt und lernte bei einem USA-Aufenthalt einen weiteren chinesischen Umweltwissenschaftler kennen. 2004 reiste Bernhard Schmid ein erstes Mal nach China und besuchte Professor Keping Ma, Direktor des Botanischen Institutes der Chinesen Akademie der Wissenschaften, und Prof. Jin-Sheng He von der School of Environmental Sciences der Universität Peking.
Sie kamen überein, gemeinsam einer Frage nachzugehen, die angesichts von Klimaerwärmung, sich ausdehnenden Wüsten und zunehmenden Naturkatastrophen von hoher Relevanz ist: Ist es möglich, die negativen Auswirkungen von Klimawandel und veränderter Landnutzung abzufedern, indem die Biodiversität in Ökosystemen erhöht wird?
Konkret untersuchen sie, ob Wälder, die eine höhere Artenvielfalt aufweisen, mehr CO2 zu speichern und die Erosion der Böden besser aufzuhalten vermögen. Aus der ersten Projektidee entstand ein Netzwerk von mehr als 20 Forschungsgruppen aus der Schweiz, China und Deutschland.
Idealer Partner
«Die Zusammenarbeit mit China bietet sich bei dieser Fragestellung geradezu an, denn die Artenvielfalt ist in den Wäldern Chinas ungleich grösser», sagt Schmid. Während in Europa auf einer Fläche von einer Hektare Wald höchstens zehn Baumarten zu finden sind, sind es in China bis zu 50. So werden im Rahmen der gemeinsamen Forschung zahlreiche Waldstücke untersucht und bepflanzt, die einen mit grosser, die anderen mit geringer Vielfalt an Baumarten.
China verfügt bezüglich seiner Wälder über ein enormes Potenzial, denn die Waldfläche ist in den letzten Jahrzehnten massiv erhöht worden – von rund acht auf 18 Prozent der Landesfläche. Dabei entstanden allerdings oftmals Monokulturen. Die chinesischen Umweltwissenschaftler sind deshalb sehr interessiert, herauszufinden, inwiefern eine grössere Artenvielfalt in ihren Wäldern negative Folgen des Klimawandels zu bremsen vermag.
Schmid ist zuversichtlich, was das Umweltbewusstsein in China anbelangt: «Mit dem raschen Wirtschaftswachstum ist auch das Umweltbewusstsein gewachsen.» Zudem profitiert auch die Umweltwissenschaft von den enormen finanziellen Mitteln, welche die chinesische Regierung derzeit in ihre Wissenschaft pumpt.
Zusätzliche Gelder für die Forschung von Bernhard Schmid, Keping Ma und Jin-Sheng He sprach auch die «Sino-Swiss Science and Technology Cooperation», mit welcher die Schweiz gemeinsame Forschungsprojekte und den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zwischen der Schweiz und China fördern will.
Seit einem halben Jahr können die Wissenschaftler mit diesen Geldern vertieft der Frage nachgehen, wie sich die CO2-Speicherung oder die Schutzwirkung gegen Erosion verändert, wenn die Wälder extremen klimatischen Bedingungen wie Trockenheit oder starken Niederschlägen ausgesetzt werden.
Engagement gefragt
Die Zusammenarbeit mit seinen chinesischen Kolleginnen und Kollegen schätzt Schmid sehr positiv ein: «Die Internationalisierung der Wissenschaft hat in China später begonnen als in der westlichen Welt», so Schmid. Entsprechend bestehe bei den chinesischen Kolleginnen und Kollegen ein Nachholbedarf und sie seien interessiert an Kollaborationen.
Wer allerdings glaube, alleine mit einem Abkommen zwischen zwei Universitätsleitungen sei es gemacht, liege falsch. «Wichtig ist eine tragfähige, langsam aufgebaute persönliche Beziehung», weiss Schmid. Um das Vertrauen aufzubauen, ist Engagement gefragt.
So war Schmid beispielsweise zweimal als Gastdozent in Peking und stellte sich als Mitherausgeber eines wissenschaftlichen Journals seinen chinesischen Kollegen zur Verfügung. Diese Bemühungen waren gegenseitiger Natur, auch Professor He weilte drei Monate an der Universität Zürich und momentan sind drei chinesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen von Masterstudium, Doktorat und Postdoktorat bei Bernhard Schmid tätig.
Gemeinsame PhD-Kurse geplant
Dass die Zusammenarbeit langfristig sein soll, zeigt die Projektdauer der Forschung im Netzwerk von China, Deutschland und der Schweiz, die auf 70 Jahre angelegt ist. Schon in naher Zukunft soll der Kontakt zwischen der Universität Zürich und den beiden Hochschulen in Peking intensiviert werden.
Geplant sind gemeinsame PhD-Kurse, welche ab 2010 je acht Doktorierende aus der Schweiz und China aufnehmen sollen. Der Schwerpunkt wird dabei auf der Ökologie und Biodiversität von alpinen Wiesen und Weiden liegen. Davon sind sowohl in China wie der Schweiz genügend vorhanden.
«Sino-Swiss Science and Technology Cooperation» Der Bund fördert die Forschungszusammenarbeit zwischen der Schweiz und China seit 2003, als ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen wurde. Derzeit amten die ETH Zürich als «Leading House» und die Universität Zürich als «Associated Leading House» der «Sino-Swiss Science and Technology Cooperation» (SSSTC) für alle Schweizer Hochschulen. In diesem Rahmen wurden bisher 25 gemeinsame Forschungsprojekte, 6 institutionelle Zusammenarbeiten und 22 Austauschprojekte (Forschende/Studierende) bewilligt. An der Universität Zürich sind drei Forschungsprojekte (Umweltwissenschaften, Psychologie, Chemie), drei institutionelle Partnerschaften und ein Austauschprojekt angesiedelt. Bis 15. September 2009 läuft die nächste Eingabefrist für neue institutionelle Zusammenarbeiten und Austauschprojekte. Weitere Ausschreibungen folgen 2010.
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