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Es laden ein: Die Carl und Margrit Roesch - Stiftung, Diessenhofen & die Genossenschaft WAK, Elgg
Carl Roesch (1884-1979) war ein weit über den Thurgau hinaus bekannter Künstler, der zeitlebens in Diessenhofen lebte und arbeitete. Er suchte in seiner Kunst bewusst nach kulturellen Wurzeln und dem Typischen seiner Heimat. Dabei setzte er Traditionelles in Verbindung zu mo­dernen Zeitströmungen und schuf auf diese Weise sehr individuelle und charakteristische Kunstwerke, die auch spätere Künstlergeneratio­nen nachhaltig beeinflussten. Die Ausstellung zeigt an drei Hauptthemen wichtige Stationen des Künstlers. Angefangen vom Frühwerk, das vom Jugendstil geprägt ist, über gegenständliche Darstellungen von Natur und Landschaft mündet seine Kunst schliesslich in eine abstrakte Bildauffassung. Zwischen modernen Kompositionen und ländlichen Sujets fokussiert die Ausstellung jenen Spannungsraum, in dem sich Carl Roesch mit seinem künstlerischen Werk bewegte. Das lokale Kolorit, die Lebensweise der Bauern, die Ostschweizer Landschaft waren Gegenstand seines Schaffens auch in seinen abstrakten Kompositionen.
Biografie: Carl Roesch (1884 bis 1979 )
Carl Roesch wurde am 9. Mai 1884 geboren und wuchs bei seiner Grossmutter in Diessenhofen auf. Nach dem Abschluss der Sekundarschule begann er eine Schreiner- und darauffolgend eine Schlosser­lehre, die er beide abbrach. In der Folge besuchte er am Technikum Winterthur zuerst die Maschinenabteilung, dann die Kunstgewerbeabteilung. Weitere Ausbildungsstationen folgten in Karlsruhe und München. Hier widmete sich Carl Roesch ab 1904 an der Heinrich-Wolff-Privatschule für grafische Künste der angewandten Kunst. In München lernte er Jahre später auch seine Frau, Margrit Tanner, kennen. Die beiden heirateten 1911 und zogen nach Diessenhofen, wo sie ihr Leben lang wohnhaft blieben.
Carl Roesch unternahm verschiedene Reisen nach Italien und Paris. In der französischen Hauptstadt kam es zu einer wegweisenden Begegnung mit Cézannes Werken. In seiner langen Schaffenszeit hinterliess Roesch ein umfangreiches Oeuvre von eindrücklicher Konsequenz. Er arbeitete in verschiedenen Techniken (Glasmalerei, Mosaik, Ölbild, Aquarell, Radierung, Zeichnung) und wurde neben seinen Ausstellungen nicht zuletzt auch durch seine Kunstwerke in und an öffentlichen Gebäuden bekannt. Er war Mitglied der Thurgauer Künstlergruppe und unterstützte in den letzten Jahrzehnten seines Lebens den Aufbau des Kunstmuseums des Kantons Thurgau nachhaltig durch Bilderschenkungen und das Vermächtnis seiner Bibliothek. Einen Grossteil seiner Sammlung schenkte er schliesslich der Stadt Diessenhofen. Am 27. November 1979 verstarb Carl Roesch im Alter von 95 Jahren. Der Thurgauer Künstler gehört zu den bedeutenden Persönlichkeiten der schweizerischen Kunstgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Am Puls der Moderne
Carl Roesch bewegte sich in seiner Kunst im Spannungsfeld von Mimesis und Abstraktion. Während seines langjährigen Schaffens blieb er immer dem Gegenständlichen treu, insbesondere seiner heimatlichen Umgebung, dem Thurgau. War er in seiner Motivwahl absichtsvoll beschränkt auf die Menschen bei ihrer täglichen Arbeit, auf die Landschaft des Thurgaus, so ging er in der Bearbeitung seiner Motive weit über die reine Wiedererkennung dieser hinaus. Zwischen singulären Erscheinungsformen und ihrer Typisierung suchte Carl Roesch eine Balance finden; er orientierte sich dabei gleichermassen an den Kunstströmungen seiner Zeit wie an vergangenen Epochen. Auch philosophische und naturmythologische Schriften regten ihn bei seiner Suche nach einer fundamentalen Ordnung der Welt, nach den Urformen des Lebens, nach Naturgesetzen und inneren Zusammenhängen an. Es wundert nicht, dass Carl Roesch das ihn Umgebende mit gleicher Wertschätzung und Aufmerksamkeit betrachtete, wie das Weitentfernte, denn überall sah er die gleichen bildenden Naturkräfte am Werk.
Durch die systematische Reduktion seiner Bildmotive auf flächige, geometrische Elemente in Verbindung mit dem weitgehenden Verzicht auf räumliche Wirkung und durch die formelhafte Vereinfachung der menschlichen Figur erlangte der Künstler eine Konzentration auf das Wesentliche, das Unveränderliche in der unmittelbaren Anschauung. In seiner Kunst kristallisierten sich Archetypen heraus. Die Wirklichkeit in ihren Funktionen und Gesetzlichkeiten, ihren Beziehungen und Spannungen, die Rhythmik des Lebendigen offenbaren ihre Eigengesetzlichkeit in einer von allem Zufälligen gereinigten Bildwirklichkeit.
Nicht das immer wiederkehrende Motiv an sich, steht in seinem Werk im Vordergrund, sondern die damit ausgedrückte Konstruktion kultureller Identität und bleibender Werte. Als bildimmanente Strukturen eröffnen seine Werke Handlungs- und Erkenntniszusammenhänge. Roesch schafft in seinen Bildern Reflexions- und Deutungsmodelle von Welt und Leben, die einerseits eine zeittypische und damit moderne Prägung zeigen, andererseits aber sehr individuelle Formulierungen existentieller Fragenstellungen darstellen.
Die Natur erzeugt in seiner Weltinterpretation Ähnlichkeiten. Dieses Arbeiten am Ähnlichen und das Gestalten elementarer Verwandtschaften sind grundlegende künstlerische Praktiken Roeschs. Sie haben - und das zeigt die Ausstellung - an Frische und Aktualität seit ihrer Entstehung nichts eingebüsst.
Carl Roesch erschuf in seinen Gemälden eine Poetologie des Einfachen und Sakralen, mit der er eine sehr individuelle und nicht immer unumstrittene Position innerhalb der Kunst seiner Zeit einnahm. Gleichzeitig zeigt sich in seinen Werken auch die typische Signatur seiner Zeit.
Bildunterschriften:
Bild1 oben nach Titel: Carl Roesch, Selbstinszenierung als Maler, um 1900
Bild 2: Carl Roesch, Kuh und Hirtebub, Öl auf Leinwand, um 1923, Carl u. Margrit Roesch-Stiftung
Bild 3: Carl Roesch: Till Eulenspiegel, 1909, Lithografie, Werbekarte der int. Mono-Gesellschaft, Carl u. Margrit Roesch-Stiftung
Bild 4: Carl Roesch: Lesende am Rhein (Margrit), Öl auf Leinwand, 1913, Carl u. Margrit Roesch-Stiftung