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Von der KJ Jacobs AG ist in den Medien praktisch nichts zu lesen. Wieso?
Andreas Jacobs: Wir konzentrieren unsere Kräfte ganz darauf, die Mittel zu erarbeiten, die wir für die Tätigkeit der Jacobs Foundation benötigen. Derzeit verfügt diese Stiftung immerhin über mehr als 2 Mrd Fr. Assets, deren Erträge ausschliesslich für philanthropische Projekte auf der ganzen Welt ausgegeben werden.
Markus Fiechter: Diese Mittel stammen aus drei Quellen: Aus unserer Minderheitsbeteiligung an Adecco, aus unserer Mehrheitsbeteiligung an Barry Callebaut und aus der Minderheitsbeteiligung an der Sports & Media AG. Diese ist - wie der Name sagt - im Sportmarketing und Mediengeschäft und dort speziell für Fernseh-Übertragungen von grossen Sportveranstaltungen tätig.
Nennen Sie ein Beispiel.
Fiechter: Infront Sports & Media hat die weltweiten alleinigen Vermarktungsrechte der Fernseh-Übertragungsrechte der Fussball-Weltmeisterschaft 2006. Sie ist zuständig für die Herstellung der Aufnahmen, die von diesem Gross-Event gemacht werden. Rund 2000 unserer Leute werden unterwegs sein, um Bilder in High-Definition, HDTV, im 16/9-Format aufzunehmen, die rund um den Erdball verbreitet werden.
Da werden Sie bestimmt eine grosse «Gage» dafür bekommen.
Jacobs: Davon geht auch vieles wieder weg, vor allem an den Weltfussballverband Fifa.
Wie viel bleibt unter dem Strich?
Jacobs: Darüber geben wir als nicht kotierte Gesellschaft keine Auskunft.
Dann halt zu Adecco: Ist jetzt das Schlimmste und der Wirbel um dieses Unternehmen ausgestanden? Immerhin sollen die Überprüfungen der Rechnungslegung ergeben haben, dass letztlich nicht Unregelmässiges vorlag.
Jacobs: Das trifft zu.
Aber der psychologische Schaden, der dem Unternehmen zugefügt worden ist, dürfte erheblich sein.
Jacobs: Ich kann nicht verhehlen, dass es vorübergehend einen Imageschaden gegeben hat. Dieser hat sich auch im Kurs niedergeschlagen; er hat sich seither aber wieder sehr gut erholt. Zwischen September 2002 und September 2004 lag er 9% über dem SMI.
Wo bestanden denn die Reibungsflächen zwischen Adecco und Aktionären, die sich beklagten?
Fiechter: Einmal abgesehen davon, dass diese Untersuchungen sehr viel Geld gekostet haben, ist dabei herausgekommen, dass materiell seitens der Adecco keine Fehler gemacht worden sind. Zudem ging es bei diesen Prüfungen um die immer wieder strittigen Punkte der Abgrenzungen von geschäftlichen Transaktionen. Auch hier wurde die Politik der Adecco durch die Revision bestätigt.
Wie beurteilen Sie die mittelfristigen Chancen auf dem Temporärmarkt, wo Adecco die Nummer eins oder zwei in 11 der wichtigsten 13 Temporärmärkte ist? Immerhin gehen die Meinungen darüber auseinander, ob wirtschaftlich schlechte oder wirtschaftlich gute Zeiten Ihre Branche beflügeln.
Fiechter: Es besteht ein klar beweisbarer Zusammenhang zwischen florierenden Volkswirtschaften und dem Bedarf nach temporärem Personal. Das Temporärgeschäft wächst immer stärker als das Bruttosozialprodukt. Konkret: Wir gehen von einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 2% bis 3% aus. Für unsere Branche bedeutet dies, dass wir um 8% bis 10% zulegen werden. Natürlich ist das nicht in allen Ländern gleich; in den USA boomt dieses Geschäft, in Frankreich verläuft es zurzeit eher verhalten.
Wo sehen Sie den Trend im Adecco-Business?
Jacobs: Es werden zum einen ganz klar vermehrt hoch qualifizierte Arbeitsplätze vermittelt. Und zum anderen nimmt die Zahl der vermittelten fixen Stellen kontinuierlich zu. Ein weiterer Trend ist die Wiedereingliederung von älteren Arbeitskräften, die es ja schwer haben. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sie wertvolle Know-how-Träger sind.
Wo sehen Sie - ausser der erwähnten Korrelation zwischen Bruttosozialprodukt und dem Temporärmarkt - weitere Wachstumschancen?
Jacobs: Die sind vor allem dort besonders gross, wo Arbeitsmärkte dereguliert werden. Das gilt speziell für Deutschland und Japan.
Sie sind beide nicht in der operativen Verantwortung bei Adecco. Wie können Sie trotzdem Einfluss auf das Geschäftsgebaren nehmen?
Jacobs: Wir nehmen unsere Rechte als bedeutender Aktionär wahr.
Bei Barry Callebaut sind Sie beide im Verwaltungsrat. Sie, Herr Jacobs, als Vizepräsident. Macht Ihnen dieses Unternehmen, das vielfach immer noch mit dem Begriff «Industrieschokolade» gleichgesetzt wird, Freude?
Jacobs: Sicher, obwohl mich der Begriff «Industrieschokolade» ärgert, weil er nicht korrekt ist. Wir haben 30 Fabriken in 22 Ländern, beschäftigen 9000 Leute und liefern täglich 2700 t Schokolade- Produkte auch in Tanklastwagen an praktisch alle bekannten Hersteller und Verarbeiter von Schokolade-Produkten, wobei der Trend ganz eindeutig ist: Er geht in Richtung höhere Wertschöpfung, und dort ist das Wachstum speziell im Gourmet-Bereich gross.
Fiechter: Zwei wichtige Akquisitionen unterstreichen dies: Wir haben 2002 die deutsche Stollwerck und ein Jahr später die amerikanische Brach's Confections übernommen. Beide sind bekannt für hochwertige Schokolade und Süssigkeiten-Spezialitäten. Wir sind heute in der Lage, den Abnehmern unserer Produkte alle Stufen der Wertschöpfungskette anzubieten. Und wir sind ständig daran, durch neue Rezepturen unser Angebots-Repertoire noch auszuweiten.
Die Jacobs-Stiftung besitzt mehr als die Hälfte der Aktien an Barry Callebaut. Deren Preis ist zwischen Mai und September 2004 ziemlich stark gefallen. Weshalb?
Fiechter: Wir äussern uns grundsätzlich nicht zur Kursentwicklung von kotierten Firmen.
Wie gestaltet sich der Kontakt zwischen den CEO von Adecco und Barry Callebaut und Ihnen?
Jacobs: Das Verhältnis zwischen uns und Patrick de Maeseneire, aber auch zu Jérôme Caille von Adecco ist sehr gut, getragen vom gemeinsamen Bemühen, die Unternehmen weiter zu stärken.
Bei der Jacobs Foundation fällt auf, dass ein Schwerpunkt der Projekte bei der Jugend aus Entwicklungsländern liegt. Gäbe es nicht vor der Haustüre genügend Möglichkeiten, zu helfen? Denken wir nur an die Jugendarbeitslosigkeit.
Jacobs: Ihr Eindruck täuscht. Die Jacobs Foundation realisiert viele Projekte in der Schweiz, die zum Ziel haben, die Entwicklungs-, Natur-, Kultur- und Computer-Kompetenz zu fördern. Mein Vater als Stiftungsgründer nennt dies Life Skills. So wird beispielsweise erstmals in der Schweiz eine Studie gemacht, welche Kinder über mehrere Jahre beobachtet, ihr familiäres und schulisches Umfeld erforscht und ihre emotionalen, kognitiven und sozialen Kompetenzen untersucht. Aber über all die vielen Bemühungen der Stiftung, die auch Erwachsenen und Alpenregionen zugute kommen, müssten Sie besser mit meinem Vater oder meinem Bruder, der die Stiftung präsidiert, sprechen.
Lässt Ihr Vater viel Spielraum?
Fiechter: Der Spielraum, den uns die Familie Jacobs gibt, ist sehr gross. Das macht unsere Arbeit auch so spannend.
Interview: Mélanie Rietmann
Adecco
Letzter Kurs: Fr. 67.10
(in Mio Euro) 2004 2003 %
Umsatz 17239 16226 6.2
Ebit 530 509 4.1
Ebitmarge (in %) 3.1 3.1
Reingewinn 332 305 8.9
Beschäftigte 30000 28000 7.1
FAZIT: Trotz Turbulenzen und 83 Mio Euro Kosten für das Buchhaltungsdisaster steigerte Adecco 2004 den Gewinn und hielt die Margen. Da der Aufschwung am Jobmarkt nicht sicher ist und noch Sammelklagen drohen, lohnt sich vorerst abzuwarten.
Der Vater, zwei Söhne
Johann Christian gegen Andreas: Die Wirren um angeblich mangelhafte Berichterstattung bei Adecco, die 2004 zum vollständigen Wechsel im Adecco-Verwaltungsrat führten, hat auch bei der in Zürich domizilierten Klaus J. Jacobs Holding zu Änderungen geführt. Johann Christian Jacobs (44), der älteste Sohn von Klaus J. Jacobs (69), musste das Präsidium der KJ Jacobs AG an seinen jüngeren Bruder, Andreas Jacobs (42), abgeben. Als Verwaltungsrat von Adecco musste Johann Christian Jacobs zurücktreten, weil Vater Klaus J. Jacobs höchstpersönlich wieder zum Rechten schauen wollte er ist heute Ko-VR-Präsident. Dem älteren der Jacobs-Söhne, der sich zuvor als Anwalt in Deutschland einen Namen gemacht hatte, blieb so nur noch das Präsidium der wohltätigen Jacobs Stiftung. Diese wird von Geldern gespeist, die aus den Beteiligungen der Familienholding (haupt-sächlich Adecco und Barry Callebaut) fliessen. Die Jacobs Foundation unterstützt das das Life-long Learning und in die Förderung von jungen Menschen auf der ganzen Welt.
Eigentlich hatte sich Patriarch Klaus J. Jacobs 2002 vom Tagesgeschäft zurückgezogen und ein Pferdegestüt in England aufgebaut, wo er heute Rennpferde züchtet. Bei der Neuordnung in der Familienholding wollte er zuerst den jüngeren Sohn, Andreas, zum Chef machen, doch verlangte Johann Christian das Recht ein, diese leiten zu dürfen. Der Vater willigte ein, dies die nächsten fünf Jahre zu versuchen es sind dann nur zwei Jahre daraus geworden. Auch bei Barry Callebaut hat Andreas Jacobs seinen Bruder Johann Christian als Verwaltungsrats-Vizepräsident abgelöst.
Johann Christian und AndreasJacobs entstammen der ersten Ehe von Klaus J. Jacobs. Sie wuchsen in Deutschland auf. Aus zweiter Ehe stammen vier weitere Kinder; sie stehen zum Teil noch in der Ausbildung.
Zwei Führer, vier Studien: Steckbrief
Name: Andreas Jacobs
Funktion: Chairman KJ Jacobs AG
Alter: 42
Wohnort: Hamburg
Familie: Verheiratet
Ausbildung: Dr. iur., Freiburg i. Br., MBA Insead Fontainebleau
Steckbrief
Name: Markus Fiechter
Funktion: CEO KJ Jacobs AG
Alter: 49
Wohnort: Weggis
Familie: Verheiratet
Ausbildung: Dipl. Chem. ETH Zürich, lic. oec. HSG St. GallenFirma
Die KJ Jacobs AG hat zur Aufgabe, die Beteiligungen an Barry Callebaut (50,5%), Adecco (11,7%) und Infront Sports & Media (37,6%) so zu betreuen, dass die Jacobs Foundation durch deren Dividenden «gut» gespeist wird. Die drei Beteiligungen haben einen Wert von 2,25 Mrd Fr. (Adecco 1,43 Mrd Fr., Barry Callebaut 732 Mio Fr., Infront 83 Mio Fr.). Sie sind breit abgestützt: Im Schokoladebereich, im Geschäft von temporär Beschäftigten und in den Sparten Sport und Medien. Die Familiengesellschaft KJ Jacobs AG ist damit ein klassischer Fall von Risikoverteilung.