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«Ich habe meinen Weg gefunden»
Seine Jugend hat Franz S. zum Teil in Heimen verbracht. Nach einem schweren Unfall ist er alkoholabhängig geworden. Heute wohnt der 66-jährige Mann in einem Alters- und Pflegeheim und lebt seine Leidenschaft aus: Das Schreiben.
Irgendwann in seiner frühen Kindheit muss sein Leben eine unerfreuliche Wendung genommen haben. Wann das war, kann Franz S. nicht mehr sagen. Als er sechs Jahre alt war, zog der Vater aus. Er kam in die Schule. Später flog er raus, nachdem er einen Lehrer verprügelt hatte.
Danach sei er auf einem Bauernhof "versorgt" worden. Mit 16 kam er in ein Heim für Schwererziehbare – es sollte nicht der letzte Aufenthalt in einer Institution sein. Nach einem Autodiebstahl wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er brach aus, wie zuvor schon aus dem Heim.
Franz S. hatte mehrere Freundinnen. Eine von ihnen bedeutete eine Wende in seinem Leben: "Sie brachte mich zum Reiten." Er lernte, mit Pferden umzugehen, wurde Reitlehrer und Kutschenfahrer. Während dieser Zeit habe er im Auto gelebt, er sei in keiner Gemeinde gemeldet gewesen. Später arbeitete er bei einer "reichen Frau", die ein Gestüt hatte und ihn unterstützte.
Im Alter von etwa 30 Jahren schloss er sich mit einem Freund zusammen und betrieb mit ihm einen eigenen Stall, vermietete Pferde und führte Kunden in einem Planwagen durch die Landschaft. Zu jener Zeit habe er gut verdient, erzählt Franz S. Keine gute Idee sei es gewesen zu heiraten, sagt der heute 66-jährige Mann. "Ich wollte eigentlich gar nicht."
Seine Frau habe eine "dominante" Art gehabt. "Ich machte viel nur dem Frieden zuliebe." Bald habe das "Gelauere" wieder angefangen, seine Disziplin nachgelassen. Nach einem Jahr wurde Franz Vater. Sein Geld verdiente er als "Kundenhandwerker". Er hatte nur wenige, aber gut situierte Auftraggeber. Für sie schaute er zu Haus und Garten.
Einen grossen Einschnitt in sein Leben brachte das Jahr 2003: Franz S. war gerade an einer Ausbildung zum Pflegeassistenten, da wurde er unverschuldet Opfer eines Autounfalls. Mit einer Gehirnverletzung lag er mehrere Tage auf der Intensivstation. Arbeiten konnte er danach nur noch reduziert, dafür wurde er depressiv.
Hilfe erhoffte er sich im Alkohol, er begann zu trinken. Zuerst in seiner Stammkneipe, dann immer mehr auch zuhause. "An einem einzigen Morgen trank ich eine Flasche Vodka; ich gab sicher 50 Franken pro Tag nur für Alkohol aus." Es gelang Franz S. zwischenzeitlich, den Alkoholkonsum zu drosseln, aber es gab auch wieder Rückfälle. "Ich wusste, dass ich zuviel trank und schämte mich."
Erst die stationäre und später tagesklinische Therapie in der Psychiatrie Baselland 2018 brachte Besserung. Er begann zu verstehen, was mit ihm passierte, und "dieses Verstehen hat mir geholfen". Heute sei er vollständig trocken, sagt er. Er nimmt Antidepressiva und von Zeit zu Zeit besucht ihn eine Psychiaterin der Psychiatrie Baselland.
Seine grosse Leidenschaft hat Franz S. im Schreiben gefunden. Er verfasst fiktive Geschichten, in denen er vieles verarbeitet, was er selbst erlebt hat. Sein neustes Werk ist über 300 Seiten stark. Es handelt von einem Mädchen in der Pubertät, das an Krebs erkrankt ist. Regelmässig besucht er das Aikido-Training, das im Altersheim angeboten wird. Das ist eine japanische Selbstverteidigungs-Technik. Und ab und zu ist er mit seiner Ex-Frau und dem Sohn zusammen. Franz S. ist zufrieden mit sich und sagt: "Ich habe meinen Weg gefunden."