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von Dr. Veronika Job
Frauen wählen seltener sogenannte STEM-Berufe (Abkürzung für Science, Technology, Engineering, Mathematics) als Männer. Selbst bei gleichen Fähigkeiten und gleicher Erfahrung entscheiden sich Männer weit häufiger für diese technischen Berufsfelder als Frauen. Warum ist das so? Ein Faktor, der eine entscheidende Rolle bei Berufswahlentscheidungen spielt, ist die Einschätzung der eigenen Erfolgswahrscheinlichkeit, also die Antwort auf die Frage: „Wie hoch sind meine Chancen auf Erfolg in diesem Beruf?“ Frühere Forschung hat gezeigt, dass Frauen dazu neigen, sich zu unterschätzen, gerade wenn es um STEM-Berufe geht.
Ein Grund dafür liegt darin, dass es nur wenige Frauen in STEM-Berufen gibt. Weil kaum Frauen in diesen Branchen sichtbar sind, schlussfolgern junge Mädchen, dass Frauen, und damit auch sie selber, offensichtlich nicht geeignet sind für diese Berufe – ein Teufelskreis also. Gibt es Wege ihn zu durchbrechen und junge Frauen dazu zu bringen, sich eine Karriere in einem technischen Beruf zuzutrauen?
Eine häufig eingesetzte Strategie, jungen Frauen STEM-Berufe nahezulegen, ist, sie mit sogenannten Rollenmodellen bekannt zu machen. Rollenmodelle sind hier Frauen, die bereits in diesen Berufen erfolgreich sind. Um die Effekte von solchen Rollenmodellen auf die Selbsteinschätzungen junger Frauen zu untersuchen, haben Sapna Cheryan und ihre Kolleginnen und Kollegen an der University of Washington Studien durchgeführt, bei denen die Studienteilnehmerinnen mit einer vermeintlichen Informatikstudentin oder einem vermeintlichen Informatikstudenten (den Rollenmodellen) bekannt gemacht wurden. Die Rollenmodelle waren entweder durchschnittlich gekleidet und berichteten über durchschnittliche Interessen oder sie verkleideten sich als dem Stereotyp entsprechende Computer-Freaks (Brille, T-Shirt mit Überschrift „Ich programmiere also bin ich“) mit entsprechenden Hobbies und Interessen (z.B. Star Wars und Computerspiele). Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass ein Treffen mit einem stereotypen Computerfreak (egal ob weiblich oder männlich) bei den Teilnehmerinnen dazu geführt hat, dass sie ihre eigenen Erfolgschancen im Bereich Informatik als tiefer einschätzten. Deutlich höher waren dahingegen die Einschätzungen der Erfolgschancen bei Teilnehmerinnen, die mit einem nicht stereotypen, durchschnittlich wirkenden Rollenmodell gesprochen hatten.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Geschlecht von Rollenmodellen gar nicht so wichtig ist. Entscheidend ist viel mehr, ob ein Rollenmodell den gängigen Stereotypen über Technik-Freaks entspricht oder ob es sich um ein Rollenmodell handelt, das ähnliche Eigenschaften aufweist, wie die Person, die angesprochen werden soll.
Es reicht also nicht, Mädchen und jungen Frauen Beispiele von Frauen zu präsentieren die in STEM-Berufen erfolgreich sind oder dies waren (wie z.B. Marie Curie). Werden weibliche Rollenmodelle als zu wenig weiblich wahrgenommen und gleichen sie zu sehr dem Bild eines stereotypen Technik-Freaks, hat dies sogar einen nachteiligen Effekt auf die Einschätzung der Erfolgschancen von Frauen in einem technischen Beruf.
Quelle:
Cheryan, S., Siy, J. O., Vichayapai, M., Drury, B. J., & Kim, S. (2011). Do Female and Male Role Models Who Embody STEM Stereotypes Hinder Women’s Anticipated Success in STEM? Social Psychological and Personality Science, 2(6), 656–664. doi:10.1177/1948550611405218
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