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Das Innere
Der Kirchenraum ist bewusst sehr einfach gestaltet. Nachdem es um 1900 als Vorzug gegolten hatte, den Kirchengrundriss mit Kreuzarmen anzulegen und Nebenräume wie Konfirmandensaal gelegenheitsweise in den Raum zu integrieren, galt in den 1920er Jahren wieder der möglichst übersichtliche, ruhig symmetrisch gestaltete Einheitsraum als das Richtige. Der Predigtsaal wurde allerdings durch eine dominante dreiseitige Empore geprägt, welche die hohen Fenster auf halber Höhe durchteilte. Wände und Decke waren in lichtem Blau gehalten. Ansonsten wurde das Raumklima einerseits von der reichen Verwendung von naturbelassenem Lärchenholz (Sitzbänke, Täfer, Emporentreppen) bestimmt, andererseits von den Emporen mit ihren linear gestalteten Nussbaum-Brüstungen und der sparsamen Ornamentierung am Emporengeländer, der Kanzelbrüstung, dem Deckenfries und der Mittelleuchte. Deren stilistische Behandlung mit stern- und zackenförmigen Motiven weist unverkennbar in die Zwanzigerjahre, wo Expressionismus und Art déco generell nach spitzen, grafisch wirkenden Formen trachteten.
Wie häufig in dieser Zeit war das liturgische Zentrum mit Kanzel und Taufstein etwas erhöht und so weit in den Saal hineingerückt, dass die vordersten Sitzbänke rechtwinklig geknickt wurden und somit wie die Sitzreihen auf den seitlichen Emporen längs zur der Kirchenachse verliefen. Diese Platzierung des liturgischen Zentrums nahezu inmitten der Gemeinde war zwar für die reformierte Liturgie nicht völlig neu, in dieser Form aber von der jungen katholischen Bewegung der «christozentrischen Kirche» beeinflusst, die eine moderne Verbindung von Chor und Laienraum anstrebte. Auch in Deutschland sind in dieser Zeit zahlreiche Kirchenbauten zu finden, wo primär die Idee der gemeinschaftlichen Feier des Gottesdienstes durch die Anordnung der Sitzbänke und des liturgischen Zentrums spürbar wird. In Wohlen war das liturgische Zentrum von einer dreiseitig abschirmenden Brüstung umgeben, während der eingezogene Chorbereich unterhalb des Turmes für die Orgel reserviert war. Die strenge Erscheinung des Inneren wurde etwas aufgelockert durch den Taufstein mit seiner konischen Gestalt, ausserdem setzten die von Gottlieb Ferdinand Bretscher paarweise an den beiden Vorderwänden seitens des Chors gemalten Engelsfiguren einen blickfangenden, sakralen Akzent. Die Beleuchtung war sparsam und bestand aus einer Leuchte an einem Deckenkreuz sowie seitlichen Lampen, die vermutlich indirektes Licht spendeten.
Seit dem Umbau von 1974/75 präsentiert sich der Innenraum grundlegend verändert. Die Umfassungswände, Raumhöhe und Empore blieben im Grunde zwar erhalten, doch die hölzerne Ausstattung wurde gänzlich entfernt. Der Architekt Vincenz Erni verstärkte die ursprüngliche Betonung der Mitte durch einen quadratischen Abendmahlstisch anstelle des Taufsteins. Die Orgel wurde entfernt und ein neues Instrument auf der Eingangsempore aufgestellt. Den dadurch frei gewordenen Platz am Ende der Raummitte nimmt seither ein hochrechteckiger, bläulicher Chorteppich mit quadratischen Feldern ein, entworfen von Robert Hausmann aus Zürich. Kanzel und Bestuhlung wurden durch mobiles Mobiliar ersetzt, und besonders auffällig präsentiert sich heute die grossflächig in orthogonalem Muster an der Decke aufgehängte Beleuchtung mit 96 stiftförmigen Pendelleuchten.
Taufstein
Der ehemalige Taufstein von Bildhauer Luigi Zanini, Zürich, trug ein Relief mit dem segnenden Christuskind. Mit seiner scharfkantigen Gesamtgestaltung und Ornamentierung (vor allem das stilisierte Rautenrelief im Bereich des Sockels) zeichnete er sich als typisch expressionistisches Werk der Zwanzigerjahre aus.
Fenster
Die während langer Zeit farblose Befensterung wurde erst 1991, ausgelöst durch eine Hinterlassenschaft, durch Glasmalereien von René Fröhlich, Mellikon, ersetzt. Einem Stifteraufruf im Jahr 1990 für zehn neue Kirchenfenster à ca. 6000 Franken leisteten zunächst eine Wohlener Einwohnerin und die katholische Kirchgemeinde Folge. Trotz weiterer Zuwendungen von Firmen verlief die Sammlung aber insgesamt nicht sonderlich glücklich. Nachdem sich die private Spenderin nach der Situation erkundigt hatte und das Geld noch für ganze sechs Fenster fehlte, übernahm die Dame kurzentschlossen auch deren Bezahlung.
Dem Glasmalereizyklus liegt das Thema «Vom Dunkel ins Licht» zugrunde. Dargestellt sind Geburt Christi, Palmsonntag, Ostern, Pfingsten und Taufe sowie deren Symbole Krippe und Schiff, Palme, Lamm, Feuer und Taube. Der Künstler schrieb im Vorfeld zu seiner Idee: «Keinen Augenblick zögernd versuchte ich, in Gedanken den Raum mit Farben und Linien durchfluten zu lassen: angefangen vom dunklen Blau und Violett, gradlinig und quadratisch, nach oben sich auflösend in helles Gelb, Blau und Grün – sich öffnend. Dann von der Dunkelheit zur Helligkeit, vom Tod zum Sieg, von Karfreitag zu Ostern und hin zu Pfingsten – Rot. Das sich von unten nach oben auflösende Band zieht sich durch alle Fenster in einer Gleichsamkeit, die wie der Teppich hinter dem Altartisch Ruhe ausstrahlt, zum Nachdenken und Besinnen anregt, aber zugleich auch Wärme und Lebendigkeit in den Raum bringt. Die Harmonie der Farben und die Bewegtheit der Linien stehen im Einklang mit der Architektur der Kirche».
Orgel
Die ursprüngliche Orgel mit ihrem flächig wirkenden Freipfeifenprospekt von Goll AG in Luzern war im Chorbereich aufgestellt. Mit der Renovation von 1974/75 wurde bei der Firma Goll AG eine neue Orgel angeschafft und auf der Eingangsempore der Kirche aufgestellt. Sie verfügt über zwei Manuale und 20 Register. Die Pfeifen sind, wie für die Nachkriegszeit typisch, in hochrechteckigen Holzkastenrahmen verteilt.