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Auf Schnapsmatrizen umgedruckt wurden die ersten Verzeichnisse, die ich ab einer Postfachadresse verschickt habe. Ich arbeitete in jener Zeit im Bestellbüro meiner vorherigen Lehr-Buchhandlung und hatte angefangen, in Deutschland „einschlägige“ Magazine zu bestellen. Es gab du&ich, DON und him. Diese bestellte ich an meine Privatadresse und versendete sie an interessierte Kunden. Selbstverständlich diskret in Zeitschriftenumschlägen. Das muss so im Juli 1974 begonnen haben. Später kam noch das Schweizer Heft „hey“ dazu.
Abends kam ich nach hause und leerte erstmal das Postfach, um dann einige Treppen in einem Altbau hochzusteigen, wo ich meine erste Wohnung gemietet hatte. Im Schlafraum stand ein weisser Schaft und ein weisser kleiner Tisch, den ich mir später gekauft habe. Das war mein Büro.
In diesen deutschen Schwulenmagazinen standen auch Hinweise auf Bücher zum Thema, die ich mir bestellte und weiterverkaufte. So viele gab es damals noch nicht – und die wenigen anderen kannte ich einfach noch nicht!
Meine Kundenadressen suchte ich anfangs mittels kleinen Rubrikinseraten in der TAT, dem Brückenbauer und der Zürcher Studentenzeitung zusammen. Dann in linken Magazinen. Die Coopzeitung verweigerte die Publikation.
„Informationen über homosexuelle Thematik: Bücher, Beratungsstellen, Elternkontakte, Schriften, Infos, Freundschaftsanzeigen. Arcados-Verlag, Postfach, Basel. (gegen 40 Rp in Briefmarken)“
Laud Humphreys „Klappen-Sexualität“, das ursprünglich 1970 in Chicago erschienen war, bildete das einzige wissenschaftliche Fenster in homosexuelles Verhalten in öffentlich zugänglichen Räumen, es erschien 1974 bei F. Enke. Der Autor bewegte sich über längere Zeit auf öffentlichen Toiletten und beobachtete das Verhalten von Männern. Schon hier war klar, dass es mehr Sex zwischen Männern gibt auf der Welt, als solchen mit, oder unter Schwulen! Ein Klassiker, ebenso wie Guy Hocquenghems „Das homosexuelle Verlangen“, das 1972 in Paris erschienen ist. Es erläutert die Begriffe der Homo- und Heterosexualität, die Ideologie, die sie geschaffen hat und warum die Gesellschaft das aufrecht erhalten will.
Das „Kritische Lexikon Homosexualität“ war ein von Laien zusammengestelltes und billig gedrucktes Büchlein aus Deutschland. Siebzig Stichwörter über alles, was das Schwulsein betrifft.
„Ergebnisse zur Sexualmedizin“ war 1973 erschienen, als Publikation junger Mediziner in Köln, die sich über fehlende Studien auf diesem Gebiet beklagten. Entweder wurde damals den Frauen jegliche Orgasmusfähigkeit abgesprochen, oder sie wurden „ersatzweise“ auf die Kinderaufzucht verwiesen. Lust hatte der Mann „zu erbringen“, Frauen durften „empfangen“. Auch über sexuelle „Abweichungen“ gab es wenig Informationen. (Angebot Juli 1974)
Im Herbst des gleichen Jahres erschien „Der gewöhnliche Homosexuelle“, eine soziologische Studie von Martin Dannecker und Reimut Reiche im Fischer Verlag. Für viele Jahre war das der Klassiker der Sozialforschung zum Thema Homosexualität im deutschsprachigen Raum. Vergleichbar mit Kinsey’s Befragungen aus den 40ern.
Hans Giese hatte Ende der 50er Jahre aus Daten, die er anonym unter homosexuellen Kreisen, sowie in seiner Sprechstunde erhoben hatte, „Der homosexuelle Mann in der Welt“ 1957 bei Kindler publiziert. Aus der Schweiz war Theodor Bovets „Probleme der Homophilie“ bereits 1965 bei Haupt, Bern erschienen. Darin enthalten ist die erste neuzeitliche theologische Interpretation antihomosexueller Bibelstellen durch Else Kähler (1917-2011), eine strafrechtliche Würdigung von Günther Stratenwerth, sowie die Betrachtungen der Zürcher Sittenpolizei, von Hans Witschi.
Sehr vieles in der damaligen Zeit wurde entweder theologisch, philosophisch, oder medizinisch umrahmt. Eine „Sexual“-Wissenschaft war erst am Entstehen! (für Interessenten gibt es hier einen Katalog erster Sachbücher (1978) in deutscher Sprache zur Homosexualität)
(wird fortgesetzt!)
Der älteste schwule Buchladen der Welt hat 2009 geschlossen
Der zweitälteste schwule Buchladen der Welt schloss 2014