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Der einst vom FIFA-Vizepräsidenten versteckte und von den Nazis gesuchte Jules Rimet-Pokal erhielt nach 1954 – nach dem WM-Sieg der Deutschen – eine weitere mysteriöse Ebene: Als der Pokal vier Jahre später in Schweden plötzlich einen neuen Sockel hatte und einige Zentimeter grösser war, vermutete die Öffentlichkeit, dass es sich um ein Imitat handelt und das Original gestohlen wurde oder verloren gegangen war.
1966 wurde der Pokal – ob bereits Imitat oder noch Original – offenbar schon wieder, diesmal in England, gestohlen und eine Woche später vom Spürhund «Pickles» wiedergefunden. Im Geheimen habe der englische Fussballverband einem Juwelier den Auftrag gegeben, eine Kopie herzustellen. Dieser erschuf daraufhin eine gold-bronzene Trophäe, die genauso aussah, wie die gestohlene.
Nun gab es also zwei, wenn nicht sogar drei Jules Rimet-Pokale, wenn man das Original aus den 50ern für verschwunden erklärte. Nachdem der englische Juwelier gestorben war, wurde sein Exemplar versteigert. Die “anonyme” Käuferin mit einem Höchstgebot von heute umgerechnet 636’250 Franken: Die FIFA – selbst sie wusste nicht mehr, welches das Original war.
Egal, ob Original oder nicht, die Brasilianer durfte den Jules Rimet-Pokal 1970, nach drei WM-Titeln, für immer behalten – und das taten sie... Ganze 13 Jahre lang. 1983 wurde nämlich der Nachtwächter des Gebäudes, wo der Pokal aufbewahrt war, übermannt und die Trophäe ein weiteres Mal gestohlen und sollte nie wieder auftauchen. Man nimmt heute an, dass sie eingeschmolzen wurde.
Ironischerweise verhöhnte ein brasilianischer Fussball-Abgeordneter die Engländer nach dem Diebstahl 1966: Nicht einmal brasilianische Diebe würden diesen Pokal stehlen, dies käme einer Gotteslästerung gleich – er lag offensichtlich falsch. 1984 stellten die Brasilianer noch ein weiteres Imitat her, um den Nationalstolz wieder herzustellen. Bilanz: Vier Jules Rimet-Pokale und original ist keines.