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Wer von der Perolles-Strasse her kommend die Jacques-Gachoud-Strasse in Freiburg entlanggeht, kommt zunächst an dem Restaurant Le Commerce vorbei, dann an dem etwas zurückversetzten Cafag-Gebäude aus den 1930er-Jahren, schliesslich folgt ein Parkplatz mit einer kleinen Grünfläche. Geht es nach den Besitzern der Parzellen in diesem Sektor, soll die unbebaute Fläche bald verschwinden. Bis zu 110 Millionen Franken sollen in ein Bauprojekt investiert werden.
Gestern präsentieren die Besitzer zusammen mit Stadtarchitekt Thierry Bruttin und Adrian Kramp vom Freiburger Architekturbüro Boegli Kramp Architekten den Detailbebauungsplan Gachoud. Dieser betrifft das Gebiet zwischen Industrie- und Jacques-Gachoud-Strasse, das auf den anderen beiden Seiten durch die Wilhelm-Kaiser-Gasse und die Häuserzeile an der Perolles-Strasse begrenzt wird.
Qualität und Quantität
2011 hatten die Besitzer der Parzellen in diesem Sektor in einem Studienauftragsverfahren sechs Architekturbüros beauftragt, einen Detailbebauungsplan zu entwickeln. Der Gewinner: Ein s-förmiger Bau, der hinter dem Cafag-Gebäude beginnt, sich zunächst der Gachoud-Strasse und der Kaiser-Gasse entlang und dann über den ganzen Platz schlängelt und schliesslich an die bestehenden Gebäude an der Industriestrasse anschliesst. «Wir wollten, dass dieser Sektor weiterhin als Einheit wahrgenommen wird», erklärte der Architekt Adrian Kramp. Unter dem Gebäude soll ein Parkplatz entstehen, in den Schlaufen ein begrünter, öffentlicher Raum. «Momentan ist dies aber nur ein Detailplan und noch kein ausgereiftes Bauprojekt», betonte Kramp.
Gemäss Schätzungen benötige Freiburg in 30 Jahren 10 000 zusätzliche Wohnungen, sagte Thierry Bruttin. «Verdichtetes Bauen ist also wichtig. Ebenso wichtig wie die Quantität ist aber auch die Qualität», betonte Bruttin. Dies setze dieses Projekt gut um.
Rund 300 Wohnungen sollen bis Ende 2017 auf dem 40 000 Quadratmeter grossen Areal entstehen. Auch für einige Büros soll das Gebäude Platz bieten.
Finanziert werde der Bau durch die Grundstückbesitzer, sagte deren Vertreter Norbert Wicht. Momentan ist der Sektor unter fünf Besitzern aufgeteilt, zwei davon wollen ihr Grundstück verkaufen. «Wir suchen also noch jemanden, der mitmacht», so Norbert Wicht.
Arbeitsbeginn 2015
Bis der erste Bagger vorfährt, wird es aber noch einige Zeit dauern: Am 7. März wird das Dossier bei der Stadt eingereicht, danach folgt die öffentliche Auflage des Detailplans. Gibt es keine Einsprachen, soll in diesem September das Baugesuch folgen, so dass die Arbeiten Ende 2015 beginnen können.
Abbruch: Ein altes Haus sorgt für Diskussionen
N eben dem Bau eines neuen Gebäudes sieht der gestern präsentierte Detailbebauungsplan Gachoud im Freiburger Perolles-Quartier auch den Abriss mehrerer Gebäude vor. Anlass zu Diskussionen mit dem Kulturgüteramt hat das Gebäude an der Industriestrasse 8 gegeben, ein Haus vom Beginn des 20. Jahrhunderts.
«Würden wir das Gebäude stehen lassen, könnten wir mit dem neuen Bau nicht direkt an die Häuserzeile anschliessen», sagt Architekt Adrian Kramp. Durch die Lücke würde die Comptoir-Gasse verlängert, «was städtebaulich äusserst fragwürdig wäre».
Das Haus habe im Inneren interessante Elemente, sagte Stanislas Rück, Chef des kantonalen Kulturgüteramts den FN. Jedoch stehe es schon heute sehr isoliert da und habe – zum Beispiel im Gegensatz zum Cafag-Gebäude – eine weniger starke Wirkung. «Wir müssen Prioritäten setzen», so Rück. rb