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Den Gartenbaumläufer sehen wir kaum, obwohl er ganz in unserer Nähe lebt. Der kleine Kletterkünstler hat eine exzellente Tarnung, die ihn praktisch mit dem Hintergrund der Baumrinde verschmelzen lässt. Auffällig ist sein langer, gebogener Schnabel, der lange Stützschwanz, die Oberseite ist braun gemustert, seine Unterseite weiss, die Flanken sind oft bräunlich getönt. Der deutliche weisse Überaugenstreif ist ein weiteres Merkmal.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht. Mit seinen 10 g, die er auf die Waage bringt, ist er im wahrsten Sinn des Wortes ein Fliegengewicht.
Das Verbreitungsgebiet des Gartenbaumläufers beschränkt sich auf Süd- und Mitteleuropa und den Maghreb. Er fehlt vollständig in Grossbritannien und Irland sowie im Norden Dänemarks und in ganz Skandinavien. In der Schweiz bewohnt er Laubwälder, Parks, Baumhecken, Hochstamm-obstgärten und private Gärten mit vielen Obstbäumen. Er dringt sogar in Stadtzentren vor. Wichtig für ihn sind Bäume mit grobborkiger Rinde. Man findet ihn in der Schweiz aber nur bis auf eine Höhe von rund 900 m. Mit ungefähr 50‘000 Brutpaaren gilt der Gartenbaumläufer in der Schweiz als nicht gefährdete Vogelart.
Der Verwandte des Gartenbaumläufers, der Waldbaumläufer, sieht optisch fast gleich aus und lässt sich praktisch nur anhand des Gesangs unterscheiden. Er lebt bevorzugt in dichten Nadelwäldern und oft in Höhen über 900 m.
Bei der Nahrungssuche lässt sich der Gartenbaumläufer gut beobachten. Wie ein kleiner Specht klettert er meist vom Fuss eines Baumstammes oder an Ästen spiralförmig und ruckartig nach oben. Seine drei langen und spitzen Krallen an den Vorderzehen wirken wie Haken, die acht Millimeter lange Kralle der Hinterzehe sichert ihn zusätzlich ab.
Wie die Spechte benutzen Baumläufer ihren Schwanz wie ein „drittes Bein“ als Stütze und zum Halten des Gleichgewichts beim Klettern. Die mittleren Schwanzfedern sind daher besonders steif und widerstandsfähig. So können sie auch problemlos senkrechte Felsen, Mauern und Gebäude erklimmen. Das Free-Climbing beherrschen sie schneller und besser als wir Menschen!
Dabei stochert er mit seinem idealen „Pinzettenschnabel“ in der Baumrinde nach allem Essbaren.
Er ernährt sich auch von Samen, die insbesondere im Winter einen grösseren Teil seiner Nahrung ausmachen können.
Charakteristisch für den Gartenbaumläufer ist, dass er nicht kopfvoran am Baumstamm hinabklettern kann – anders als der Kleiber, der dies vorzüglich beherrscht. Ist der Gartenbaumläufer zuoberst in der Baumkrone angelangt, fliegt er zum nächsten Baum und das Spiel beginnt wieder auf tieferem Niveau.
Ab Mitte März interessieren sich die Kletterkünstler für einen Brutplatz. Das Männchen zeigt dem Weibchen durch häufiges Anfliegen mögliche Neststandorte. Diese befinden sich hinter lockerer Rinde, in Baumspalten, aber auch in Mauerspalten. Das Nest wird meist in drei oder vier Meter Höhe über dem Boden gebaut, dafür ist hauptsächlich das Weibchen verantwortlich. Es trägt dünne Ästchen für den Unterbau ein, darüber folgt eine Schicht aus weichen Rindenstückchen, oben gepolstert mit Moos, trockenen Halmen, Tierhaaren und Pflanzenfasern. Die Paarungszeit und die Brutsaison dauern bis in den Juli, während dieser Zeit kommt es zu einer, manchmal auch zwei Jahresbruten.
Der eigentliche Legebeginn ist ab Mitte April. Das Weibchen legt fünf bis sechs Eier ins Nest und wärmt etwa 15 Tage lang allein die Eier. Das Männchen bewacht in dieser Zeit zwar das Revier, versorgt das Weibchen aber nicht mit Nahrung. Deshalb muss es jeden Tag mehrmals das Nest kurz verlassen, um Nahrung zu suchen. Nach dem Schlupf werden die Jungvögel von beiden Elterntieren mit reichlich Nahrung in Form von Insekten und kleinen Spinnentieren fünfzehn bis siebzehn Tage lang im Nest gefüttert. Grössere Beutetiere transportieren sie einzeln zum Nest, kleinere werden zu einem Bündel im Schnabel zusammengepackt. Wenn die Jungen älter sind, recken sie bettelnd ihren Kopf mit aufgesperrtem Schnabel nach draussen. Im Alter von rund 17 Tagen sind die Jungvögel flügge und kurz danach eigenständig. Die Lebenserwartung des Gartenbaumläufers beträgt unter günstigen Umständen in der Natur zwei bis drei Jahre.
Der Gartenbaumläufer nimmt gerne besonders konstruierte, künstliche Nistkästen mit einem schlitzförmigen seitlichen Einflugloch an. Es gibt im Handel auch spezielle Nester, die der Form einer Baumrinde nachgebildet sind.
Der Gartenbaumläufer bleibt im Winter bei uns. Um Frostnächte zu überleben, haben die zierlichen Vögel eine besondere Strategie entwickelt. Sie verbringen die Nächte in Schlafgemeinschaften hinter der rissigen Borke von Bäumen, unter einem Dachvorsprung oder in Nistkästen, wo sie sich dicht aneinander kuscheln. Dabei wechseln sie im Verlauf der Nacht häufig ihren Platz, sodass jeder Vogel einige Zeit zuinnerst in der Schlafgemeinschaft verbringen und sich aufwärmen kann.
Noch mehr Informationen und Bilder finden Sie in der ausführlichen Dokumentation zum heutigen Vogel des Monats für den Unterricht: der Gartenbaumläuferr .
Ich danke Edith und Beni Herzog herzlich für die interessanten Informationen und die wunderbaren Fotos. Auf ihrer Webseite benifotos.ch sind die Bilder grösser und noch prächtiger zu sehen.
Zielgruppe: 3. - 6. Klasse
Bezug Lehrplan 21: NMG 2.1 NMG 2.3 NMG 2.4 NMG.2.6