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Modell-Konferenz der UNO
27. April 2019
Text von Nico Zobrist (Nationalratskandidat JUSO)
Im Rahmen meines Austauschjahres in Vancouver, Kanada hatte ich die Gelegenheit, an einer Modell-Konferenz der UNO, kurz CAHSMUN (steht für Canadian High Schools Model United Nations) teilzunehmen. Mit mir haben etwa 900 Schüler*innen aus ganz Nordamerika teilgenommen.
Worum geht es? Es geht darum, die Vereinten Nationen zu simulieren. Die Vereinten Nationen (UNO) ist eine 1945 gegründete Organisation mit 193 Mitgliedsstaaten. Die UNO Mitgliedsstaaten debattieren an verschiedenen Konferenzen z.B. über den Weltfrieden, Klimawandel, Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Abrüstung, Terrorismus, humanitäres Recht, Gesundheit, Gleichstellung der Geschlechter, Regierungsgewalt, Lebensmittelherstellung und mehr. (Quelle: UN Overview) Seit ihrer Gründung konnte die UNO schon etliche Erfolge erzielen, z.B die Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Sicherung von Frieden in mehreren Staaten und Entschärfung von Krisen. Die UNO betreibt auch viele Unterorganisationen wie z.B. die Welt Gesundheitsorganisation WHO und Nebenorgane wie den Menschenrechtsrat. Der Hauptsitz der UNO liegt in New York, der weltweit zweitwichtigste Sitz in Genf.
Anders als in einem Jugendparlament in der Schweiz werden die Resolutionen an der CAHSMUN nicht an die „richtige“ Diplomatie oder Politik weitergereicht. Es geht lediglich darum, zu üben, wie man ein Land als dessen Diplomat optimal vertritt. Vom Freitag Abend bis am Sonntag Abend vertrat ich die Schweiz im ersten Komitee der Generalversammlung der UN, dem DISEC (Acronym für ‚The Disarmament and International Security Committee‘, Anmerkung der Gegenleserin). Dieses Komitee verfasst Resolutionen zum Thema Abrüstung und Sicherheit. Als Diplomat vertritt man immer nur die Aussenpolitik des Landes, nicht die eigene Meinung. Sprachlich äussert sich das so, dass man keine persönlichen Pronomen verwendet.
Wir behandelten zwei Themen: zuerst diskutierten wir über private Militärunternehmen. Ich habe nach intensiver Recherche herausgefunden, dass die Schweiz schon 2008 zusammen mit dem Roten Kreuz das sogenannte Montreux Dokument zu diesem Thema geschrieben hat. Das Montreux Dokument zeigt Staaten auf, wie sie private Militärunternehmen (in der Folge als PMSC abgekürzt) verpflichten können, unter den Menschenrechten und dem humanitären Recht zu handeln. Daraus hat die Schweiz den „Code of Conduct for PMSCs“ entwickelt: Hier geht es um die Rechte und Pflichten von privaten Militärunternehmen. Ich habe nun in den Reden, die ich vor meinen Kollgen halten musste, versucht, sie für den Code of Conduct for PMSCs zu begeistern. Ich schlug vor, dass hierfür eine UN Organisation entstehen sollte, die die entsprechenden Firmen dafür lizenziert, im den Code damit effizienter zu machen. Ich habe Kanada, Schweden, Finnland und dem Irak davon überzeugen können und einen sogenannten ‚Block‘ gebildet. Gemeinsam haben wir eine Resolution vorbereitet. Da unser gesamtes Komitee um die 76 Mitglieder hatte, mussten wir für eine Annahme der Resolution die Unterschriften von 51 anderen Staaten erhalten (zwei Drittel). Am Samstag Abend wurde dann unsere Resolution verabschiedet und unser zweites Thema: eine fiktive Terrorkrise, wurde behandelt. Im Krisenmodus musste jeweils relativ unvorbereitet Position bezogen werden. In Reden versuchte man, die Krise zu lösen. Wir wohnten alle in dem Hotel, in welchem auch die Konferenz stattfand, sodass die Arbeit bis tief in die Nacht weiterging: Um Schwachstellen anderer Positionen zu finden, arbeiteten wir in unseren Zimmern jeweils bis nach Mitternacht. Durch die Teilnahme an dieser UN-Modell-Konferenz konnte ich eine Menge darüber lernen, was internationale Politik auszuüben bedeutet. Ich lernte viel über Diplomatie, die Welt und die Schweiz. Wie überall war es auch hier wichtig, effiziente Lösungen zu finden, statt Hindernisse aufzuzeigen. Meine Haltung bezüglich der Schweizer Aussenpolitik wurde gestärkt: Die Schweiz sollte sich international für mehr Menschenrechte und gegen Krieg einsetzen. Die Schweiz muss dringend darauf achten, die moralische Glaubwürdigkeit zu behalten. Deshalb darf weder Geld noch Kriegsmaterial in Konfliktzonen exportiert werden. In Europa sollten wir uns für eine humanitäre Flüchtlingspolitik einsetzen. Die Position des internationalen Genfs sollte gestärkt werden und die Schweiz sollte sich weiterhin als Vermittlerin anbieten. Bei einer allfälligen Wahl in den Nationalrat möchte ich mich deshalb auch für die humanitäre Tradition der Schweiz einsetzen.
Anmerkung der SP Unterentfelden: Nico erhielt für seine Arbeit an diesem MUN die Auszeichnung ‚Best Delegate‘ in seinem Komitee.