Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03569.jsonl.gz/2065

Am 18. Oktober 2016 konnte er seinen neunzigsten Geburtstag nicht bloss bei anständiger Gesundheit feiern, er hatte sogar, zum ersten Mal nach fast vierzig Jahren, ein neues Album angekündigt, das 2017 erscheinen sollte. «Chuck» sollte es heissen und er hat es seiner Frau Themetta gewidmet, mit der er seit 1948 verheiratet gewesen war. Wir haben Chuck Berry zu dessen 90. Geburtstag in diesem Artikel gewürdigt, den wir nun leider um seinen Tod am 18. März 2017 ergänzen müssen.
James Henry Cotton gehörte noch zu der Generation der schwarzen Musiker, die in den Baumwollfeldern aufgewachsen ist. Am 1. Juli 1935 kam er als jüngster von acht Brüdern in Tunica (Mississippi) zur Welt. Als Kind erhielt er zu Weihnachten eine Harmonika, die er bald beherrschte. Etwas später hörte er in der King Biscuit Show den damaligen Star Sonny Boy Williamson II (Rice Miller) und eignete sich dessen Repertoire an. Als Neunjähriger verliess er mit einem Onkel Tunica und zog nach West Helena (Arkansas) und traf dort Williamson. Er erzählte ihm, er sei Waise und Williamson zog ihn auf. In späteren Jahren gab er zu, diese Geschichte erfunden zu haben. Williamson war aber tatsächlich sein Mentor und überliess ihm seine Band, als er von West Helena nach Milwaukee umzog. Cotton war allerdings zu jung, um die Band, die aus erfahrenen Musikern bestand, zusammen zu halten.
«Die sensationellste und schillerndste Musikerbiographie des Jahrzehnts. Bewegend, ergreifend, kontroversiell und streckenweise sarkastisch provokant. Kompromisslos und polarisierend wie er selbst. Die gesellschaftskritische Abrechnung eines unbequemen Individualisten mit dem Zeitgeist.»
So beginnt der Werbetext für die kürzlich erschienene Biographie des Doyens der österreichischen Bluesszene, Al Cook. Es ist mit fast 800 Seiten ein grosses Werk geworden, etwa vom gleichen Kaliber, wie die Biographie von Keith Richards. Wo diese sich aber zu einem viel zu grossen Teil in Eigenlob und Prahlereien über exzessiven Drogenkonsum und Sex, pubertären Schwanzvergleichen und Beschimpfungen erschöpft und spätestens nach einem Drittel langweilt, zeichnet Cook ein abwechslungsreiches Bild seines Lebens, mit all seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, Siegen und Niederlagen und schildert darüber hinaus sehr farbig die gesellschaftliche Entwicklung im Allgemeinen und der österreichischen im Besonderen. Damit bleibt die Biographie bis zur letzten Seite interessant und spannend.
Man kennt die Zahl der Elvis Imitatoren nicht mal annähernd, es dürften aber mehrere Zehntausend sein. Sie sind in TV-Sendungen zu sehen, treten in Filmen auf, es gibt sogar eigene Radiosender. Manche sehen dem King äusserlich verblüffend ähnlich, andere haben seine Bewegungen perfekt drauf, einige können sogar ähnlich singen wie ihr Vorbild, kaum einer vereint alle drei Fähigkeiten. Eine besonders schräge Ausgabe in diesem Klon-Pool kommt aus Schweden. Er heisst Eilert Dahlberg und nennt sich Eilert Pilarm. So stimmt wenigstens eines mit dem Original überein: die Initialen.
Am 28. Dezember jährte sich der Todestag von Freddie King zum vierzigsten Mal. Der am 3. September 1934 in Gilmer, Texas geborene Bluesgitarrist und Sänger wurde also gerade mal 42 Jahre alt. Als er in Dallas an den Folgen eines Herzanfalls starb, war der Blues keine angesagte Musikrichtung mehr, Disco, Funk und Hard Rock waren die erfolgreichen Musikstile der Zeit, während die grosse Zeit des Blues vorbei schienen. Heute wird das Erbe von Freddie King hochgehalten von Joe Bonamassa, der auf seinem Album Live at the Greek Theater neben B.B. und Albert King mit Freddie auch dem dritten der «Kings» huldigt, und natürlich von Eric Clapton der immer wieder das Vorbild erwähnt, das Freddie King war, der in frühen 1970er Jahren mehrere Titel gemeinsam mit Clapton aufgenommen hat. Sonst kennt man Freddie King wohl noch als Komponist von Hideaway, dem bekanntesten aller Blues-Instrumentals. Es lohnt sich aber ein genauer Blick.
Als Charles Goering kam er am 10. July 1958 in Columbus, OH zur Welt. Als sechsjähriger Knirps begann er Schlagzeug zu spielen, später absolvierte er eine Ausbildung am Klavier. Nachdem seine Familie nach Florida übersiedelt war, kam er durch eine Aufnahme Muddy Waters mit dem Pianisten Otis Spann zum Blues und brachte sich das Blues-Pianospiel durch Anhören von Aufnahmen bei. Vor vier Jahren erkrankte er an Krebs. Noch im Oktober 2016 sammelten Freunde weltweit fast 30'000 $ in einem Fundraising Programm, um ihn in seinem Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen und ihm zu ermöglichen, eine entsprechende Behandlung zu bezahlen, leider ohne Erfolg. Am 12. Dezember 2016 ist er an den Folgen seiner Krankheit gestorben.