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Heute möchte ich uns gerne an einen wichtigen Grundsatz erinnern, der ganz am Anfang stand: Was macht es aus, dass ein Kind sich gerne führen lässt? Erinnere dich an jene Leute, denen du gerne gefolgt bist. Was hat sie ausgezeichnet? Dass sie besonders klug, schön oder jung waren? Nein, es war wahrscheinlich ihre “natürliche Autorität”.
Sie beruht auf zwei grundsätzlichen Faktoren:
1. Du hast das Wohlwollen dieser Person gespürt. Du nahmst sie “auf deiner Seite” wahr.
2. Sie hat geführt. Will heissen, sie war sich ihrer Rolle als Leitungsperson bewusst und hat gesagt, wo es langgeht, ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Das ist es, was wir wohl als “natürlich” wahrnehmen. Die Leiterschaft war nicht aufgesetzt, sondern entsprach einer Berufung.
Nun, Eltern sind berufen zu führen. Du brauchst dich also nicht irgendwie komisch zu fühlen, wenn du führst. Deine Kinder sind designed, dir zu folgen.
Wie aber bleibst du auf der Seite des Kindes, wenn du spürst, dass es dem Kind schwerfällt zu folgen? Oder wenn es sich gar offen widersetzt? Wenn du dann in Gegnerschaft oder gar in Feindlichkeit gerätst, wenn du Druck machst, laut wirst, ist das zwar normal, weil es frustrierend ist, wenn Kinder nicht tun, was wir sagen. Gleichzeitig ist es aber genau das, was die Beziehung abbaut.
Überlege, ob dein Kind grundsätzlich im Join-up ist, sonst arbeite an der Beziehung. Wenn du das Gefühl hast, dass die Beziehung eigentlich stimmt, das Kind aber dennoch oft nicht kooperiert, dann wäre vielleicht der folgende Vorschlag für dich hilfreich.
Versuche deinem Kind bewusst zu machen, dass Führung und Gefolgschaft auch in seinem Interesse ist. Beispiel: “Ich lese aus dem Buch vor. In fünf Minuten fange ich an.” Versichere dich, dass deine Kinder das auch gehört haben und keinen Aufschub wünschen. Fange fünf Minuten später wirklich an, auch wenn noch niemand da ist. “So, ich bin bereits auf der letzten Seite des heutigen Abschnitts. Schade, dass du nicht dabei warst.” - “Aber jetzt komme ich ja nicht mehr nach!? Warum habt ihr nicht gewartet? Das ist gemein!” - “Ich fasse es für dich morgen kurz zusammen, wenn du ein bisschen vor der Zeit kommst.” Je liebevoller und fürsorglicher dieser Satz ist, desto mehr wird ein Kind fühlen, dass das unverdiente Gnade ist. Und desto mehr wird das Kind sich wohl vornehmen, nächstes Mal zur Zeit zu sein.
Ein Kind zu führen, dient dem Kind, nicht in erster Linie den Eltern. Je mehr das Kindern bewusst ist, desto besser wird sich für sie der Gehorsam anfühlen.