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Reis – Eine Nischenkultur mit Potential?
Reisanbau in der Schweiz - Eine Nischenkultur mit Potential?
Unter dem Titel «Ökologischer Nassreisanbau in der Schweiz: Möglichkeiten und Grenzen» präsentierte Katja Jacot, <email-pii>, von der Forschungsgruppe Agrarlandschaft und Biodiversität ihre Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem Anbau von Nassreis (Reis in teilzeitlich gefluteten Feldern) in der Schweiz. Die Hauptüberlegungen hinter dem Anbau von Reis in der Schweiz sind dabei:
- Vorhandensein des Marktes, Reis wird in grossen Mengen in die Schweiz importiert und nur zu einem Bruchteil hier angebaut.
- Viele der Drainagen von drainierten Fruchtfolgeflächen sind in einem schlechten Zustand. Möglicherweise könnte der Nassreisanbau eine Alternative zur Erneuerung sein.
- Nässeliebende Tier- und Pflanzenarten, welche durch die Drainierung verdrängt wurden und zum Teil nun vom Aussterben bedroht sind, könnten sich durch den Anbau von Nassreis wieder erholen.
Erste Anbauversuche mit Nassreis begannen im Jahre 2017 im solothurnischen Grenchen auf einer Parzelle von 0,3 Ha. Nachdem als Versuch Nassreis angebaut und erfolgreich geerntet wurde, begannen sich immer mehr Landwirte für die Kultur zu interessieren. Aktuell wird so auf einer Fläche von 11,7 ha total Nassreis angebaut. Die beteiligten Landwirte sind in der IG Nassreis organisiert. https://www.nassreis.ch/
Das Team von Katja Jacot und Yvonne Fabian betreut dabei den Anbau von der wissenschaftlichen Seite. Es werden verschiedene Daten zur Kulturführung gesammelt und ausgewertet. Im Bezug auf den Standort wird der Nassreis idealerweise auf einer Parzelle angebaut, die:
- möglichst eben ist, nahe am Grundwasserspiegel liegt und zum Vernässen neigt.
- in der Nähe eines Gewässers liegt (Fluss, Drainagekanal), aus welchem genügend Wasser für die Bewässerung entnommen werden kann.
Weiterhin muss beim Anbau von Nassreiss beachtet werden:
- Zum Ausebnen und Planieren der Felder werden grosse und schwere Maschinen eingesetzt. Die Parzelle wird dabei planiert und entlang des Feldes werden 30–40 cm hohe Dämme gebildet.
- Dem Feld entlang braucht es Wassergräben, die das Wasser aufwärmen, damit dieses genügend warm ins Feld fliessen kann.
- Die Saat erfolgt mittels Direktsaat gegen Ende April. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Setzlinge im Gewächshaus vorzuziehen, welche Mitte Mai ins trockene oder geflutete Feld gesetzt werden.
- Die Roh-Erträge bewegen sich zwischen 40–70dt/Ha, die Kerne werden ähnlich wie bei der Gerste nach der Ernte entspelzt.
Weiterhin geplant ist, die Auswirkungen des Nassreisanbaus auf den Boden und die im Feld entstehenden Methangase zu messen. Geflutete Reisfelder sind eine Hauptquelle von Methangas, welches als Treibhausgas mitverantwortlich an der Klimaerwärmung ist.
Auch die Auswirkungen auf die Biodiversität erforscht das Team von Katja Jacot und Yvonne Fabian. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass verschiedene nässeliebende Pflanzen und Tierarten vom Nassreisanbau profitieren.
Bedrohte Tierarten wie zum Beispiel die Gelbbauchunke, der Laubfrosch, der Fadenmolch und die Bekassine sowie fast 50 Prozent der in der Schweiz vorkommenden Libellenarten wurden in den Nassreisfeldern nachgewiesen. Die Ergebnisse aus der Artenüberwachung deuten stark darauf hin, dass der vermehrte Anbau von Nassreis wertvolle und für diese Tierarten dringend benötigte Habitate schafft. Diese und weitere Erkenntnisse fliessen aktuell in die Erstellung eines Merkblattes ein, welches in Zusammenarbeit mit der Agridea erstellt wird.
Für die Zukunft sollen weitere Landwirte mit häufig vernässenden Ackerflächen (Feuchtackerflächen) für den Nassreisanbau begeistert und somit die Anbaufläche in der Schweiz vergrössert werden.
Viktor Dubsky, Strickhof