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Rennwagen, Sportwagen, Luxuslimousinen – Bugatti war in allen Segmenten aussergewöhnlich – Teil 1
Nur wenige Rennwagenhersteller kommen an die Erfolge der Marke Bugatti heran. In wenigen Jahrzehnten gewann Bugatti Tausende von Rennen, darunter fünfmal die legendäre Targa Florio, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans sowie zahlreiche Grand Prix. Gleichzeitig steht der Name für einige der schönsten und luxuriösesten Autos, die jemals gebaut wurden.
Der Gründer Ettore Bugatti (1881-1947) stammt aus einer alten Mailänder Künstlerfamilie. Sein Vater Carlo war Architekt und Designer, sein Grossvater Giovanni Luigi Architekt und Bildhauer, der Bruder Rembrandt ebenfalls Bildhauer, seine Tante Luigia Lebensgefährtin des Malers Giovanni Segantini. Ettores Vater wollte, dass er diese Tradition fortsetzte und ebenfalls eine künstlerische Laufbahn einschlug, doch der Sohn entschied sich schon frühzeitig für den Ingenieursberuf.
Dies ist ein Bericht über die Automarke Bugatti in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
1898, im Alter von 17 Jahren, begann Bugatti eine Lehre in einer Fahrradfabrik. Bereits im zweiten Lehrjahr konstruierte er dort sein erstes Dreirad mit zwei Motoren von De Dion-Bouton, mit dem er auch Rennen bestritt. Im Jahr 1900 gründete er sein erstes eigenes Unternehmen, Bugatti & Gulinelli, bei dem er von Freunden seines Vaters, darunter der Graf Gulinelli, finanziell unterstützt wurde. Das erste vierrädrige Auto, der Type 2, hatte eine so bemerkenswerte Konstruktion, dass Bugatti auf einer internationalen Ausstellung in Mailand einen Preis gewann. Ein Jahr später siegte er mit dem gleichen Modell beim Grand Prix von Mailand.
Mit dem Type 2 erregte Ettore die Aufmerksamkeit des elsässischen Herstellers Baron Eugène de Dietrich, der ihm die technische Leitung seiner Autoproduktion anbot. Bugatti sollte eine komplette Baureihe entwickeln. Zu dieser Zeit war er noch nicht einmal volljährig, so dass sein Vater den Arbeitsvertrag unterzeichnen musste. Im Elsass entstand u.a. der Type 5, den Bugatti bei mehreren Rennen fuhr, so etwa Paris-Madrid. Wegen Bugattis eigensinniger Persönlichkeit beendete der Baron das Arbeitsverhältnis allerdings bereits im Jahr 1904 wieder. Auch das nächste Engagement beim Strassburger Unternehmen Emil Mathis scheiterte aus ähnlichen Gründen nach kurzer Zeit.
1907 heiratete Bugatti Barbara Mascherpa, mit der er zwei Söhne und zwei Töchter hatte. Im gleichen Jahr fing er bei der Gasmotoren-Fabrik Deutz in Köln an, an die er zuvor einen Wagen mit 50 PS verkauft hatte. Nach der Entwicklung von zwei Motoren war aber auch hier schon wieder Schluss. Angeblich waren seine Konstruktionen zu kompliziert und nicht wirtschaftlich genug. Allerdings erhielt Bugatti eine hohe Abfindung.
Mit diesem Geld und der Unterstützung des Bankiers Augustin de Vizcaya erwarb Ettore ein Fabrikgelände im elsässischen Molsheim. Gemeinsam mit seinem Partner Ernest Friederich gründete er dort 1910 die „Automobiles Ettore Bugatti“. Ein lukrativer Auftrag von Peugeot für ein Volumenmodell spülte Geld in die Kasse. Der Peugeot Bébé mit nur 855 cm³ Hubraum wurde in Lizenz zwischen 1913 und 1916 gefertigt und kam auf mehrere Tausend Exemplare.
1912 war der Type 13 marktreif. Bugatti hatte mit der Entwicklung während seiner Kölner Zeit begonnen. Der Typ 13 und seine Derivate 15, 17, 22 und 23 wurden mit etwa 2’000 Exemplaren der erste grosse Erfolg von Bugatti. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 beschäftigte das Werk schon 200 Mitarbeiter, die jeden Monat 75 Fahrzeuge bauten. Bei Kriegsbeginn floh Ettore mit seiner Familie in seine Heimatstadt Mailand, nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 ging er nach Paris, wo er eine Reihe von Motoren für Flugzeuge konstruierte.
Nach dem Krieg kehrte er an seine alte Wirkungsstätte im Elsass zurück, das von Deutschland an Frankreich abgetreten worden war. Bugatti setzte die Fertigung des Type 13 fort und baute weitere leichte Sportwagen. 1920 siegte Bugatti in Le Mans, 1921 fuhr der Type 13 beim Grossen Preis von Italien in Brescia sogar auf die ersten vier Plätze. Zur Erinnerung daran erhielten alle späteren 16-Ventiler den Beinamen „Brescia“. In den nächsten Jahren feierte die Marke unzählige Rennerfolge, die den Namen Bugatti weltweit bekannt machten.
Bugatti hatte aber noch andere ehrgeizige Ziele. Schon als Jugendlicher hatte er davon geträumt, das perfekte Auto zu bauen, ohne Rücksicht auf äussere Zwänge nehmen zu müssen. 1926 startete die Entwicklung des Bugatti Type 41 Royale – die Luxuslimousine schlechthin. Das Gefährt kostete bei seiner Markteinführung im Jahr 1927 dreimal mehr als der teuerste Wagen von Rolls-Royce. Mit seinen sagenhaften 12,7 Litern Hubraum und 300 PS passte er allerdings nicht in die krisengeschüttelte Zeit der späten 1920er und frühen 1930er Jahre. Lediglich drei Exemplare fanden einen Käufer, und die Entwicklungskosten trieben Bugatti fast in den Ruin.
Oberstes Bild: Bugatti Royale Typ 41 „Le Petron Napoleon” im Auto- und Technikmuseum Sinsheim (© LSDSL, Wikimedia, CC)