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Die Fraktion unreifer Thrombozyten (IPF) ist ein gut etablierter hämatologischer Parameter und definiert als prozentualer Anteil der frisch aus dem Knochenmark freigesetzten unreifen (oder auch retikulierten) Thrombozyten an der Gesamtzahl der Thrombozyten. Bekannt ist, dass erhöhte Werte von IPF auf erbliche, verbrauchende oder rückläufige thrombozytopenische Störungen hindeuten, während aplastische Veränderungen normale oder erniedrigte Werte von IPF aufweisen. IPF hilft daher Ärzten, Thrombozytopenien, die durch Verbrauch von Thrombozyten verursacht werden, von solchen zu unterscheiden, bei denen die Neubildung von Thrombozyten unterdrückt ist.
Weist ein Patient eine abnorm niedrige Konzentration der Thrombozyten auf – z. B. unterhalb des Referenzbereiches für Erwachsene von 150 x 109/L bis 450 x 109/L – spricht man von einer Thrombozytopenie. Bei besonders schwerer Thrombozytopenie mit Konzentrationen unterhalb 20 x 109/L besteht das Risiko spontaner (d. h. nicht verletzungsbedingter) Blutungen. Eine schwere Thrombozytopenie zu übersehen kann schwerwiegende Konsequenzen für den Patienten haben. Die zuverlässige Bestimmung der Thrombozytenkonzentration ist daher von essentieller Bedeutung, die klinisch wichtigen Entscheidungen mit Zuversicht zu treffen.
Thrombozyten sind Zellen mit einer wichtigen Rolle bei der Reparatur endothelialer Läsionen, der Bildung eines Thrombus nach Gefäßschäden und der Modulation der Wundheilung. Sie sind auch bei der Bildung von Blutgerinnseln bedeutend und tragen so dazu bei, die Fließgeschwindigkeit des Blutkreislaufs herabzusetzen. Die frühzeitige Analyse der Reaktivität der Thrombozyten im Körper ist daher wichtig, um die Entwicklung thrombotischer Ereignisse erkennen zu können. Bei den meisten dieser Patienten helfen diese Analysen auch, zukünftige mögliche Komplikationen vorherzusagen und die Wirksamkeit von gegebenen Thrombozytenaggregationshemmern zu beurteilen.
Ein 56-jähriger männlicher Patient wurde aufgrund schwerer klinischer Symptome (unter anderem Fieber, Dyspnoe, Husten) im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert. In diesem Fall wird der Krankheitsverlauf beschrieben und wie sich die hämatologischen Parameter (CBC/DIFF) des Patienten im Lauf der Zeit veränderten. Der Patient entwickelte rasch ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS) – also eine schwere klinische Komplikation und ein lebensbedrohlicher Zustand bei kritisch Erkrankten mit Atemwegsinfektionen.
In diesem Fallbeispiel wird gezeigt, welche einfachen Möglichkeiten das erweiterte Blutbild bietet, einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung bereits in den ersten Tagen nach Aufnahme ins Krankenhaus vorherzusagen. Ein 55-jähriger Mann ohne bekannte Vorerkrankungen hatte bereits einige Tage an milden Symptomen einer SARS-CoV-2 Erkrankung gelitten, bis sich seine Symptomatik nach etwa zehn Tagen verschlechterte und er ins Krankenhaus überwiesen werden musste. Mit dem neuen COVID-19 Prognostic Score, der 2020 von Linssen J et al. publiziert wurde, war die initiale Messung bereits hinweisgebend auf den weiteren schweren Krankheitsverlauf des Patienten.