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Yahoo wird künftig Microsofts Suchtechnologie einsetzen und dafür als Verkäufer für die Redmonder auftreten. Ballmer: "Real customer choice".
Nach jahrelangen Verhandlungen und einem gescheiterten Übernahmeversuch
haben sich Microsoft und der Internet-Dienstleister Yahoo doch noch gefunden und heute den Abschluss eines über 10 Jahre laufenden Kooperationsvertrags verkündet.
Im Kern sieht das komplexe Abkommen vor, dass Yahoo künftig auf allen seinen Webseiten Microsofts Suchmaschine ("Bing"
) sowie deren Mechanismen für die Einblendung von bezahlten Suchresultaten einsetzt. Im Gegenzug erhält Yahoo das Recht, weltweit die Bewerbung von Suchresultaten von Bing zu verkaufen. Microsoft bezahlt in den ersten fünf Jahren des Vertrags volle 88 Prozent der auf Yahoo generierten Erträge aus Suchwerbung als "Traffic Acquisition Costs". Microsoft erwirbt zudem zu einem nicht genannten Preis eine 10 Jahre gültige Lizenz für Yahoos Suchtechnologie.
Yahoo scheint ziemlich misstrauisch gegenüber Microsofts Suchtechnologie, müssen die Redmonder dem Portalbetreiber doch in den ersten 18 Monaten nach der Implementierung von "Bing" die Erträge pro Suchanfrage garantieren. Normale Werbung ("display ads"), von der auch ein Verlag wie der unsere lebt, werden die beiden Google-Konkurrenten weiterhin in eigener Regie verkaufen.
Die Allianz muss von den Antitrust-Behörden genehmigt werden, bevor der Vertrag in Kraft treten kann.
Nur gerade 8,4 Prozent Marktanteil für Bing in den USA
Mit Yahoo und Microsoft schliessen sich die Verlierer im Kampf gegen den weitaus grössten Suchmaschinenbetreiber, Google, zusammen. Gemäss dem Internet-Messdienst comScore hatte Google im Juni 2009 in den USA einen Marktanteil an Suchanfragen von 65 Prozent, alle Yahoo-Seiten kamen zusammen auf 19,6 Prozent und Microsoft trotz der neuen Suchmaschine auf läppische 8,4 Prozent.
Yahoo geht zudem das Risiko ein, dass seine Seitenbesucher die Suchresultate künftig nicht befriedigend finden und zu Google abwandern.
Ausgerechnet Ballmer als Vorkämpfer gegen Monopole
Ausgerechnet der unzimperliche Chef des de-fakto-Monopolisten im Markt für Bürosoftware und PC-Betriebssysteme, Microsoft, profilierte sich bei der Verkündung des Bündnisses mit Yahoo als Vorkämpfer des freien Marktes. Ballmer gemäss einer Pressemitteilung von heute: "Mit diesem Übereinkommen mit Yahoo werden wir mehr Innovation bei der Suche, besseren Gegenwert für Werbekunden und echte Wahlmöglichkeiten für Konsumenten in einem Markt bieten, der aktuell von einer einzigen Firma dominiert wird." (Christoph Hugenschmidt)