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«In der Schweiz war SAP relativ konkurrenzlos»
Werdegang bei SAP Schweiz
CW: Wie war Ihr Werdegang bei SAP International respektive SAP Schweiz?
Kaufmann: Ich habe am 31. Oktober 1985 mein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt auf Wirtschaftsinformatik abgeschlossen. Mein erklärtes Ziel war es, niemals in Zürich und niemals bei einer Bank zu arbeiten. So begann am 1. November 1985 meine Karriere bei der SAP International in Biel. Gemeinsam mit weiteren Studienabsolventen wurde ich an den SAP-Hauptsitz in Walldorf verfrachtet, einige wenige Wochen ausgebildet und anschliessend gleich auf die potenziellen und bestehenden Kunden losgelassen.
Da die Schweizer Firmen bereits betreut wurden, sollten wir die Unternehmen ausserhalb der Schweiz hinsichtlich des Einsatzes von SAP-Software beraten. Meine ersten Stationen waren Belgien, Frankreich und Dänemark. Dort habe ich Produktpräsentationen geliefert, Kundenprojekte beraten und dabei geholfen, die lokalen Niederlassungen zu etablieren. Dafür wurde meistens zunächst ein Landes-Geschäftsführer rekrutiert, der vorübergehend mit dem Personal von SAP International arbeitete. Ich und meine Kollegen wurden dann aber schnellstmöglich durch lokale Mitarbeiter ersetzt, sodass wir ins nächste Land weiterziehen konnten.
Im Jahr 1989 habe ich gewechselt zu SAP in Philadelphia, um dort mitzuhelfen, eine Firmenstruktur aufzubauen. 1993 kehrte ich zurück nach Europa und war von dort an bei der SAP Schweiz tätig. Als Mitglied der Geschäftsleitung war ich ein Jahr lang für einen Teil der Beratung zuständig, gefolgt von ca. zwölf Jahren, in denen ich das Partner-Management in der Schweiz und später auch in Osteuropa verantwortet habe. In den vergangenen nochmals zwölf Jahren bekleidete ich dann die Position des Quality Directors von SAP Schweiz, sprich des obersten «Mülleimers». [lacht]
CW: Das müssen Sie erklären: Wie passen der Quality Director und der «Mülleimer» zusammen?
Kaufmann: Die hauptsächliche Funktion des Quality Directors ist es, sich am Markt für reibungslose Kundenimplementierungen stark zu machen, auch in Zusammenarbeit mit den SAP-Beratungspartnern. Dazu gehören dann eben auch die Fälle, in denen die Einführung der Software nicht wie gewünscht verläuft oder wo vom Support nicht mehr abgedeckte Spezialprobleme entstehen. Solche Fälle landen dann beim lokalen Quality Team.
Es gibt selbstverständlich viele Ursachen, warum ein SAP-Projekt nicht wie gewünscht läuft oder ein Kunde unzufrieden ist. Es gab selten eine Eskalation, bei der ausschliesslich die SAP die Schuld hatte. In Einzelfällen ist vielleicht ein Produkt aus der Wartung genommen und nicht ersetzt worden, sodass der Kunde keine Wahl hatte. In vielen Fällen hat der Kunde allerdings auch selbst dazu beigetragen, dass sein Projekt nicht erfolgreich war. Das Spannende an meinem früheren Posten war, dann jeweils die Ursache zu finden und gemeinsam mit den Kunden und Partnern an der Problemlösung zu arbeiten.
Allerdings will ich auch betonen, dass längst nicht jedes SAP-Projekt problematisch war und ist. Ein gutes Beispiel sind die «Quality Awards», die SAP jährlich verleiht und die ich mitinitiiert habe. Hier werden Projekte prämiert, in denen mit SAP-Software besonders gut geführte und nutzenschaffende, speziell innovative oder im Fall von Mittelstandskunden günstige und schnelle Lösungen implementiert werden.