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Der Chef der Armee, Korpskommandant Philippe Rebord, sprach anfangs April auf Lilienberg über die aktuellen Herausforderungen der Armee. Dazu gehört unter anderem der Aufbau einer eigenen Cyberdefence-Organisation, dies im Rahmen der nationalen Cyber-Strategie. Positiv beurteilt Rebord den kürzlichen Entscheid des Bundesrates, dem Parlament einen Planungsbeschluss zur Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges vorzulegen.
Seit 15 Monaten ist Korpskommandant Philippe Rebord (61) Chef der Armee. Die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge, der Ersatz der Hauptsysteme des Heeres oder die Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) sind einige der aktuellen Herausforderungen der Armee. Am 5. April 2018 stand der Chef der Armee am Lilienberg Unternehmerforum dem zahlreich erschienenen Publikum Red und Antwort. Das Gespräch führte Lilienberg-Programmleiter Christoph Vollenweider.
Den Soldaten auf Augenhöhe begegnen
«Eigentlich wollte mein Vater, dass ich Arzt werde», sagte Korpskommandant Rebord, angesprochen auf seinen Werdegang. Der 1957 in Neuenburg geborene Chef der Armee besuchte ein Internat in Pully, ehe er an der Universität Lausanne Geschichte und Geographie studierte.
Parallel zum Studium habe er seinen Militärdienst geleistet und den Vorschlag zum Kompaniekommandanten erhalten, erzählte er. Fasziniert von den Begegnungen mit Menschen und der Lust, draussen zu arbeiten, entschied er sich, Berufsoffizier zu werden.
Als wichtigste Eigenschaften eines militärischen Ausbildners nannte Rebord Zuhören können, die Fähigkeiten, von Vorne zu führen und Menschen zu mögen. Es gehe darum, den Soldaten und Mitbürgern auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen eine Sinngebung zu vermitteln, sagte er.
Friedensfördernde Auslandeinsätze müssen durchdacht sein
Im Zusammenhang mit den laufenden Friedensförderungseinsätzen der Armee wies Korpskommandant Rebord darauf hin, dass die eingesetzten Kontingente jeweils einer einsatzführenden Grossmacht unterstellt sind. Dies führe dazu, dass die unterstellen Kontingente teilweise indirekt den Interessen der einsatzführenden Grossmächte dienen. Rebord gab zu bedenken, dass es deshalb sehr wichtig sei, dass die friedensfördernden Auslandeinsätze der Armee gut überlegt sein sollten. Der aktuelle Kosovo-Einsatz stehe durchaus im strategischen Interesse der Schweiz, so Rebord weiter. «Die Grossmächte, welche solche Einsätze führen, verfolge immer eigene, nationale strategische Interessen», sagte er.
Genügend Kaderanwärter
Auf die Frage, ob die Armee aktuell noch genügend Anwärter für die höhere Kaderausbildung finde, sagte der Chef der Armee: «Unsere Kaderschulen und Kurse sind voll besetzt!» Derzeit habe die Armee mehr Milizkaderanwärter als in der Armee 95. Rebord stellt einen grossen Willen der jungen Generation fest, in der Armee weiterzumachen.
Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass bei den Spezialisten gewisse Schwierigkeiten vorhanden sind. «Bei den Kompaniekommandanten, die Armee verfügt aktuell über 497 Kompanien, benötigen wir für die Sicherstellung des Nachwuchses jährlich 110 Anwärter», so Rebord.
Fehlende Berufsoffiziere
Davon müssten jährlich rund 30 Anwärter aus den Reihen der Berufsmilitärs besetzt werden. Dies sei derzeit aber illusorisch, meine er. Einerseits hänge dies mit dem System der Zeitmilitärs zusammen. «Oft verfügen diese jungen Offiziere noch über wenig Lebenserfahrung», meinte er. Andererseits befinde sich die Armee mit den Berufsmilitärs in einer komplexen Phase, auch im Zusammenhang mit der laufenden Diskussion um die Erhöhung des Pensionsalters auf 65 Jahre beim Berufspersonal, erklärte er. Er wies darauf hin, dass die Armee noch nie genügend Berufsoffiziere gehabt habe, nicht einmal während der beiden Weltkriege. Auch bei der Weiterausbildung zum Generalstabsoffizier ist der Nachwuchs sichergestellt.
Die Reihen schliessen
Seit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 wurde bei der Armee soviel gespart, dass jetzt wieder einiges aufgebaut werden müsse, stellte Rebord fest und erwähnte dabei die Wiedereinführung der Mobilmachung. Der Bundesrat habe mit der Weiterentwicklung der Armee (WEA) den Weg vorgezeichnet. «Wir können mit der WEA jedoch nur Erfolg haben, wenn wir unsere Reihen schliessen», sagte er.
In den vergangenen Monaten hat der Armeechef schwergewichtig viel Zeit und Energie darauf verwendet, die Milizorganisationen vom eingeschlagenen Weg der Umsetzung der WEA zu überzeugen. Die Umsetzung der WEA müsse nun gelingen, diese ist für Rebord ein «Passage obligée». Wenn die Armee vollständig ausgerüstet und die Mobilmachung umgesetzt ist, habe die heutige Generation ihren Auftrag erfüllt. Die Umsetzung der WEA funktioniere gut, weil die Miliz den Sinn und Zweck der WEA verstanden habe, so Rebord weiter.
Sparpaket trifft die Armee
Als weitere geplante grosse Vorhaben der Armee nannte Rebord das Projekt BODLUV 2020 und den Schutz des Luftraumes sowie die die Erneuerungen der Hauptsysteme des Heeres.
Er wies jedoch darauf hin, dass in den nächsten vier Jahren bei der Armee wiederum 700 Millionen Franken gespart werden, da der Bundesrat Ende 2016 ein weiteres Sparpaket beschlossen habe, so Rebord. Die personelle Alimentierung der Armee ist für den Chef der Armee eine der Hauptsorgen. Er befürchtet, dass am Ende der Einführungszeit der WEA die Armee nicht mehr in der Lage sein könnte, den Bestand von 100'000 Armeeangehörigen sicherzustellen.
Terrorismusbekämpfung ist primär Sache der Kantone
Angesprochen auf die Aufgaben der Armee bei der Terrorismusbekämpfung, meinte Rebord, dass dies klar Sache der kantonalen Polizeikorps sei. Die Armee könne dabei die Kantone subsidiär unterstützen. «Jedoch haben wir in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern pro 1000 Einwohner am wenigsten Polizisten», sagte Rebord weiter. Er wies darauf hin, dass die Armee die einzige strategische Reserve unseres Landes ist. Die Polizei definiert gegenüber der Armee ihre Bedürfnisse. Die Armee sei zur Unterstützung schnell da und kann beispielsweise be- und überwachen. Für Soforteinsätze ist aber die Polizei zuständig.
Die Kantone, er meinte insbesondere die Sicherheitsdirektoren, erwarten von der Armee auch Leistungen. Täglich stünden zwischen 600 und 1'000 Armeeangehörige zu Gunsten der Kantone im Einsatz. Im vergangenen Jahr wurden rund 32'000 Diensttage zu Gunsten der Kantone geleistet. Dies entspreche rund 0,5 Prozent der geleisteten Diensttage der Armee.
Mit Blick in die Vergangenheit meinte Rebord, dass es der Schweiz im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern zwar gelungen ist, die Armee als Gesamtsystem zu erhalten. Jedoch sei die Armee in wichtigen Bereichen wesentlich schwächer geworden. So wurden beispielsweise die Anzahl der Kampfpanzer und der Artilleriesysteme massiv reduziert. Somit habe sich die Armee den modernen Bedrohungen angepasst.
Investition in die Ausbildung von Cyber-Spezialisten
Demgegenüber sind die nationale Cyberstrategie und die Cyberabwehr für die Armee zur grossen Herausforderung geworden, sagte Rebord. Die Armee werde bis ins Jahr 2023 rund 3,4 Milliarden Franken in neue und moderne Rechenzentren und sowie Führungsnetze investieren. Damit entflechte sich die Armee auch von der Swisscom.
Im Sommer 2018 werde der erste Cyber-Lehrgang gestartet, so Rebord weiter. Dabei handle es sich um ein Pilot-Projekt mit 15 Armeeangehörigen. Ziel ist, bis Ende 2023 etwa 250 Cyberspezialisten auszubilden.
Die angehenden Cyber-Spezialisten werden in einem 40-wöchigen Lehrgang ausgebildet. Der Rekrutenschule folgen 800 Stunden Fachausbildung. Zum Schluss erhalten die Absolventen ein eidgenössisches Diplom als Cyberspezialisten. In den Wiederholungskursen werden sie als Cyberspezialisten eingesetzt. Ziel ist, die Cyberabwehr mit rund 200 Profis und 400 Milizangehörigen sicherzustellen.
Rebord zeigte sich überzeugt, dass der Lehrgang nicht nur für die Armee, sondern auch für die Wirtschaft sehr attraktiv ist. «Auch hier gilt es, die Besten zu gewinnen», so Rebord.
159. Lilienberg Gespräch vom 5. April 2018 mit Korpskommandant Philippe Rebord, Chef der Armee; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.
Neues Kampfflugzeug: sinnvoller Planungsbeschluss
Rebord ist überzeugt, dass der durch den Bundesrat gefällte Entscheid, dem Parlament einen Planungsbeschluss zur Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges vorzulegen, sinnvoll ist. «Wenn wir erst am Schluss des ganzen Planungs- und Beschaffungsprozesses eine allfällige Volksabstimmung verlieren würden, hätten wir rund fünf Jahre vergebens gearbeitet», so Rebord. Zudem werde mit der Abstimmung über den Planungsbeschluss nicht über einen einzelnen Flugzeugtyp, sondern über das ganze Beschaffungsvorhaben abgestimmt, führte Rebord weiter aus.
Das letzte Wort über den Planungsbeschluss hat das Parlament. Die Gefahr für eine zweite Volksabstimmung zum gleichen Thema bestehe zwar, wird aber als eher gering eingeschätzt. Geplant sei, bis Ende 2019 die Evaluationsphase abzuschliessen und bis Ende 2020 die Typenwahl gefällt zu haben. Rebord ist zuversichtlich, dass das geplante Vorgehen die Schweizer Bevölkerung überzeugen werde.