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Ziele
und Visionen von Technik und Wissenschaft
am Ende des 20. Jahrhunderts
in Stichworten
Die folgenden beiden Beiträge wurden zuerst im Forum von Spektrum der Wissenschaft zum Thema „Physik im 3. Jahrtausend – Quantensprung in die Zukunft“ veröffentlicht. Ein dritter Beitrag zu den Grundlagen der Physik war geplant, wurde aber nicht geschrieben, weil das Forum auf Kindergartenniveau abrutschte.
Die Lufthülle, unser Lebensraum:
Problem:
Sie wird gefährdet durch die Industrie (vor allem Energie- und Wärmeproduktion, letztere ist sehr stark auch durch Individualbedürfnisse geprägt) und den Verkehr zu Lande und in der Luft; vor allem die Vorgänge in den hohen Atmosphärenschichten sind schlecht verstanden.
Politische Lösungsansätze:
Energiesparen, Alternativenergien (Wind, Sonne, Erdwärme, Kraft-Wärmekopplung) fördern, Globalisierung stoppen, lokale Autarkie bzw. lokale Optimierung fördern. Lokale Optimierung führt in aller Regel auch zu einer globalen Optimierung und setzt starke Barrieren gegen unbekannte und/oder unverstandene Gefahren, wie z.B. BSE (bei vollständiger Globalisierung kann bei sehr langen Inkubationszeiten praktisch die ganze Menschheit schon tödlich infiziert sein, bevor man auch nur etwas davon weiss!).
Technische Lösungsansätze:
Energieerzeugung ohne Schadstoffausstoss in die Atmosphäre, einerseits durch bekannte, lokale Methoden, wie oben genannt, andererseits durch Entwicklung der Fusionstechnik zur Einsatzreife. Verlegung der nicht „lokalisierbaren“, problematischen Energie-/Industrieproduktion in den äusseren Erdraum (Mond oder Lagrangepunkte).
Zum Verkehrsproblem: Erstes Ziel müsste sein den Luftverkehr schrittweise durch eine Weltmetro (über eine Euro-, Afro-, Asien- und Amerikametro) zu ersetzen mit Geschwindigkeiten bis zu einigen 1000 km/h. Erste Referenz- bzw. Testmetro könnte z.B. die Swissmetro mit leicht evakuierten Tunnelröhren sein.
Solche Vakuumröhrenbahnen - als Startrampen genutzt - müssten dann auch den Verkehr in den erdnahen Raum übernehmen, indem sie ganze "Güter- und Personenzüge" fahrplanmässig in Umlaufbahnen oder in die Lagrangepunkte schiessen würden. Die Raketentechnik ist für einen fahrplanmässigen, betriebssicheren Grosseinsatz in die nähere Erdumgebung ungeeignet.
Weltraumfahrt: Wenn es unser Ziel ist, der Menschheit ein längerfristiges Überleben zu sichern, brauchen wir echte Weltraumfahrzeuge, d.h. vor allem einen brauchbaren Antrieb. Das kann aber aus grundsätzlichen Gründen nur ein Photonenantrieb sein, allgemeinverständlicher(?) ein reiner Energieantrieb. Weil ein solcher Antrieb dem Fahrzeug eine konstante Beschleunigung von rund einem g sichern muss, bleibt sehr, sehr viel zu forschen, zu probieren, ganz einfach zu tun. Das Ziel muss so etwas wie ein Feuerkristall sein, sozusagen ein Superlaser, der eine derartige Lichtintensität ausstrahlt, dass der Rückstossimpuls chemischen Raketenöfen entspricht ohne dabei selbst zerstört zu werden.
Homo Lykos, Itaslen, 26. November 2000
Leben, Geist und Evolution:
Probleme:
Mit dem menschlichen Leben verbindet man den menschlichen Geist, den man sich seit jeher auch körperlos vorgestellt hat; man denke nur an die vielen, uralten Geistergeschichten, die heute als „beamende“ Energiegeister über die Bildschirme flimmern. Unser Selbstgefühl verbindet unser eigentliches Ich weit mehr mit diesem Geist als mit dem Körper, den er behaust. Wir können uns ohne weiteres vorstellen, plötzlich in einem andern Körper zu hausen. Kurz: der Geist möchte sich vom Körper lösen, er möchte sich von ihm befreien, allermindestens möchte er ihn wie einen Anzug wechseln können.
Der fehlende Evolutionsdruck wird notgedrungen zur Verblödung des Menschen führen; die Gehirngrösse soll seit der Steinzeit ja schon messbar abgenommen haben. Der menschliche Geist, will er nicht gänzlich vergehen, ist darum gezwungen sich von seinem Körper zu lösen.
Lösungswege:
Zuerst muss man den Istzustand erfassen und verstehen: Wir verstehen heute den bewussten, analysierenden Geist, das Bewusstsein, vielleicht sogar das Selbstbewusstsein, soweit es Wissen über sich selbst meint, grundsätzlich sehr gut. Es ist der Teil des Geistes, der mit Rechnern nachgebildet werden kann. Diesen Teil des Geistes kann man auch seit Jahrtausenden mit technischen Hilfsmitteln unterstützen, mit Hilfsmitteln, die sein Gedächtnis erweitern und mit Hilfsmitteln, die ihm gewisse Denkoperationen abnehmen und gewisse ihrer Komplexität wegen überhaupt erst ermöglichen (Schriftstücke, Bibliotheken, Abakus, maschinelle Rechner und Denker).
Der nächste Schritt ist schon absehbar: Direkte Verbindungen, ohne Umweg über Augen und Ohren, zwischen einem Rechner und dem Gehirn sind heute vorstellbar, die es erlauben werden neuronale Gedächtnisinhalte z.B. auf Festplatten abzulegen und bei Bedarf wieder abzuholen und ins Gehirn zurückzuschicken; die Inhalte müssen einfach etwas „umformatiert“ bzw. übersetzt werden. Dies könnte zu einer Revolution des Lernens führen. Die ungeheure Gefahr dabei: man könnte lauter Einsteindenker erziehen, die dann aber auch nur Probleme lösen können, die seinen Denkstrukturen angemessen sind. Eine solche Revolution, dumm durchgeführt, würde die notwendige Evolution verhindern. Positiv gesehen: Je nach Problem kann man jederzeit auf „vergessene“, früher mal gelernte Gedächtnisinhalte zurückgreifen, prinzipiell sogar auf Gedächtnisinhalte anderer Menschen, was allerdings die Gefahr in sich birgt die eigenen Grundstrukturen des Denkens, das eigene Systemprogramm, zum Absturz zu bringen, d.h. verrückt zu werden. Eine Evolution des körpergebundenen Geistes ist dank technischer Fortschritte trotz Gehirnschwund - wenigstens eine Zeitlang - aber durchaus denkbar. Genau so ist eine körperliche Evolution durch gedankengesteuerte Maschinen denkbar. Ein anderer oder ergänzender Weg könnten gentechnisch verbesserte ganze Körper oder Körperteile sein. Mindestens kann man sich heute denken, aus eigenen Stammzellen Ersatzorgane zu züchten. Eine Lösung des Geistes vom Körper ist aber - nach allem, was wir heute zu wissen meinen - so nicht zu schaffen:
Der Mensch bzw. sein Geist besteht ja nicht nur aus Denken. Denken bzw. Rechnen und logische Schlüsse ziehen, ja sogar Analogieschlüsse ziehen, das können auch Maschinen. Das Fundament des geistigen Lebens scheint aber das Selbstgefühl, das Selbst, zu sein, das manchmal ungenau auch Selbstbewusstsein genannt wird. Dieses Selbstgefühl ist biologisch, evolutionär viel, viel älter als das Bewusstsein, das bewusste Denken. Trotzdem habe ich bis heute noch nie auch nur von einem naturwissenschaftlichen Ansatz gehört oder gelesen, der erlauben würde dieses Selbstgefühl zu verstehen oder gar künstlich zu erzeugen. Man darf dies nicht mit dem Gefühl verwechseln, wenn man z.B. sagt: „Ich habe das Gefühl, dass es heute noch regnen wird.“ Das ist eine „vorexakte“ Art des Denkens, wie sie typisch ist für natürliche und künstliche neuronale Netzwerke, die für Probleme, die sich nicht oder nur schwer exakt abhandeln lassen, sehr erfolgreich sein kann. Mit dem Selbst hat dies aber, so weit ich erkennen kann, noch gar nichts zu tun. Ohne Selbstgefühl gibt es aber keinen Geist. Darum ist die Frage nach dem Selbst - auch im naturwissenschaftlichen Sinne - die wichtigste Frage im Zusammenhang mit dem Leben, dem Geist und dem Menschen. Der Naturwissenschafter in mir ist überzeugt, dass es möglich sein müsste, Strukturen zu schaffen bzw. eine „Musik“ feuernder Neuronen irgendwie nachzubilden und zu verstehen, die dann spontan zu einem Selbstgefühl, einem Selbst, führen würde. Das wäre dann der Augenblick, wo man ernsthaft daran denken könnte den Geist von seinem Körper zu befreien, und das „müssen“ wir schaffen, bevor die Menschheit entweder ihren Lebensraum zerstört hat oder wieder völlig verblödet ist.
Homo Lykos, Itaslen, 26. November 2000