Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03163.jsonl.gz/2597

Der Theatermann, Schauspieler und Fernsehpionier Ettore Cella wird 90. Er hat Schweizer Kleinkunst gross gemacht und viele gewichtige Theater-Aufführungen aufgezeichnet und für den Bildschirm inszeniert.
Als Südländer vom Dienst verkörperte er stets die pure Lebensfreude.
Zur Welt kam der Sohn italienischer Immigranten 1913 in Zürich Aussersihl. Mit 17 wurde er Schweizer, mit 81 Doppelbürger, weil er seinen italienischen Pass zurück verlangte. Begründung: "Ich bin nicht nur in meinem Herzen Italiener geblieben."
Kultur kam für den jungen Cella offenbar gleich nach der Pasta. Denn schon als Sechsjähriger stand er zum ersten Mal auf der Bühne und wollte nie etwas anderes als Schauspieler werden. Dennoch machte er zuerst eine Glasbläserlehre.
Als Jüngling – neben Lehre und Kunstgewerbeschule – trat er als Statist am Schauspielhaus auf und spielte Marionettentheater. Mit 23 führte Cella erstmals Bühnenregie: er inszenierte avantgardistische Stücke, bis ihm das Geld ausging. Schliesslich versuchte er sich auch als Schauspieler in Rom, München und Paris.
Zurück in der Schweiz gründete Ettore Cella in Basel das Cabaret "Resslirytti". Er lernte das Regiehandwerk und inszenierte danach unter anderem Opern, am liebsten von Donizetti. Daneben übersetzte er zeitgenössische Dramen und Prosa aus dem Italienischen, Französischen und Spanischen.
Gebrochenes Deutsch als Markenzeichen
Bekannt wurde Cella am Radio: Während des Zweiten Weltkriegs spielte er in einer Serie den Gemüseladen-Besitzer Nostrano. Da sprach er erstmals vor Publikum in der Sprache seines Vaters, dem gebrochenen Deutsch des eingewanderten Italieners. Es wurde zu seinem Markenzeichen, mit dem er die Herzen des Schweizer Publikums gewann.
Als 1953 das Schweizer Fernsehen startete, war Cella dabei. Zur Not sprang er auch sogar als Live-Fernsehkoch ein, wenn der zuständige Mann nicht rechtzeitig eintraf. Lieber führte er jedoch Regie, bis 1962 in der Abteilung Dramatik, danach bis 1978 in der Abteilung Kinder und Jugend.
Bis heute gehört das Monokel bei der Regiearbeit zu seinem Zubehör, und er wurde deshalb gelegentlich "Lord von Aussersihl" genannt.
Gegen 200 Rollen verkörperte Ettore Cella über die Jahre auf der Bühne und im Film, weit über 300 Theaterstücke, Hörspiele und Fernsehfilme wurden von ihm inszeniert.
Er war der unvergessene Marronibrater in Kurt Frühs "Bäckerei Zürrer" und der Postangestellte Lehmann in Kurt Gloors preisgekröntem Fernsehspiel "Em Lehme si letscht". Noch im vergangenen Jahr brillierte Cella in einer massgeschneiderten Altersrolle im Spielfilm "Big Deal" von Markus Fischer.
Vielfach ausgezeichnet
Vor zwei Jahren ehrte der Zürcher Stadtrat den "Grand Old Man" des Schweizer Fernseh- und Kinofilms für sein langjähriges Schaffen mit dem Filmpreis. Zuvor hatte er viele andere Auszeichnungen erhalten: 1976 den ersten Fernsehpreis, 1980 die Bronzene Klappe, und 1994 einen Ehren-Walo.
Der vielseitige Cella ist auch literarisch tätig: er verfasste mehrere Bücher, etwa über seine Grossmutter – "Nonna Adele" – oder seinen Vater Enrico Dezza. Dieser gründete vor bald 100 Jahren in Zürich die "Cooperativa", ein Treffpunkt für eingewanderte Italiener. Sogar Bertolt Brecht soll dort gerne verkehrt sein.
Auch heute arbeitet der Jubilar noch regelmässig an "Fiabe Campane", einer Märchen- und Fabelsammlung. Daraus übersetzt er jeden Tag eine Geschichte vom Neapolitanischen ins Deutsche.
Dann habe er noch ein Familienepos in Arbeit. Wenn er sich besonders gut fühle, so Cella, setze er sich an den Schreibtisch und schreibe an der Geschichte seiner Vorfahren, "die bis zu meinem Ururgrossvater zurückgeht."
Vielleicht – chissà – werde er auch sich selber ein Kapitel widmen.
swissinfo, Monika Lüthi
In Kürze
Kinofilme:
"Bäckerei Zürrer" (1957)
"Es geschah am hellichten Tag" (1958)
"Café Odeon" (1959)
"Bill Diamond" (1999, Frankreich)
"Utopia Blues" (2001)
Fernsehserien:
"Salto Mortale" (1968)
"Lüthi und Blanc" (2000-2001)
"Big Deal" (2002)