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Bargeld-Unterstützung im Irak: Familien entscheiden selbst
Viele Familien, die seit über zwei Jahren Binnenflüchtlinge sind, leben am Rand der Armut und können nicht mehr für die Grundbedürfnisse ihrer Kinder aufkommen. Um die Wirksamkeit der humanitären Hilfe zu erhöhen, organisieren Tdh-Teams Programme zur finanziellen Unterstützung besonders bedürftiger Familien, die ausserhalb von Lagern leben. In der Kleinstadt Al-Sherqat, über 100 Kilometer südlich von Mossul, wurde ihnen unlängst Bargeld ausgezahlt.
Al-Sherqat ist zum Zufluchtsort für Tausende von Familien geworden, die aus vom sogenannten Islamischen Staat kontrollierten Gebieten geflohen sind wie zum Beispiel vom Ostteil der Stadt, sowie aus Mossul und Hawija. Diese Familien leben ausserhalb von Lagern im Westteil von Al-Sherqat und können die Grundbedürfnisse ihrer Kinder wie Nahrung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Unterkunft nur beschränkt erfüllen.
Um für menschenwürdigere Lebensbedingungen zu sorgen, hat das Tdh-Team 1500 besonders armen Familien in Al-Sherqat Bargeld-Unterstützung gewährt. «Mit dem erhaltenen Bargeld können diese Familien auf den Markt gehen und die Artikel kaufen, die sie am dringendsten benötigen. Dies hilft, der Kinderarbeit und den wachsenden Schulden von Binnenflüchtlingen vorzubeugen», erklärt Bastien Morard, Leiter des Bargeld-Programms.
Die Verteilung von Hilfsgütern, die in Lagern, wo es nichts zu kaufen gibt, lebenswichtig ist, hat sich ausserhalb davon oft als wenig wirksam erwiesen. «Die Hilfsgüter entsprachen nicht immer den Bedürfnissen der Vertriebenen. Um zu Bargeld zu kommen, verkauften einige Familien die erhaltenen Güter unter dem Einstandspreis», erklärt Bastien. In Orten mit einem bestehenden Markt hilft die Bargeld-Unterstützung sowohl den Vertriebenen als auch dem lokalen Gewerbe.
Zainab, eine 35-jährige Mutter von drei Kindern, floh aus dem vom IS besetzten Mossul und fand in einem leerstehenden Haus im Westteil von Al-Sherqat Zuflucht. Zainab ist eine Begünstigte des Bargeld-Programms von Tdh. «Jetzt kann ich selbst entscheiden, was ich für meine Kinder kaufe. Ich werde hauptsächlich Lebensmittel und Medikamente, Matratzen und Decken für sie kaufen», sagt sie dazu.
Bargeld-Unterstützung wird aufgrund einer sehr sorgfältigen Bedarfsabklärung gewährt, die uns erlaubt, die Lebensumstände der vertriebenen Familien zu verstehen und die bedürftigsten unter ihnen zu identifizieren. «Im Raum Al-Sherqat führten wir eine solche Abklärung in fast 4000 Familien durch. Die Auszahlung von Bargeld hängt von vielen Faktoren ab wie der Zusammensetzung des Haushalts, Behinderungen und chronischen Krankheiten in der Familie, der Gefährdung der Kinder, der Unterkunftssituation oder dem Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen», erläutert Marc Séré de Rivières, Leiter der Tdh-Delegation im Irak.
Die Teams von Tdh haben im Irak seit 2015 Bargeld in der Höhe von über zwei Millionen Dollar ausgezahlt und damit fast 60’000 Begünstigte erreicht. «Es besteht kein Zweifel, dass sich die finanzielle Hilfe positiv auf die bedürftigsten Gemeinschaften auswirkt, und wir werden versuchen, diese Form der Hilfeleistung auch in den kommenden Monaten fortzuführen», hält Marc fest.
Bildernachweis ©Tdh/Peter Käser