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Von Prof. Reinhold Ortner
Zu einem Rabbi kam eines Tages ein reicher Mann, voll Genusssucht und Verschwendung in seinem Verhalten. Der Rabbi nahm ihn bei der Hand und führte ihn zu einem Fenster. “Schau hinaus!” sagte er. Der Reiche blickte auf die Strasse. “Was siehst du?” – “Menschen”, antwortete der Reiche. Da holte der Rabbi einen Spiegel und hielt diesen vor das Gesicht des Reichen. “Was siehst du jetzt?” – “Jetzt sehe ich nur mich selbst.” “Siehst du”, sagte da der Rabbi, “das Fenster ist aus Glas, und der Spiegel ist auch aus Glas. Das Glas des Spiegels ist aber mit ein wenig Silber belegt. Nur ein bisschen Silber also – und schon siehst du deine Mitmenschen nicht mehr, sondern nur noch dich selbst.”
Besitz, Geld und Reichtum üben auf das Herz des Menschen eine anstachelnde und zugleich narkotisierende Wirkung aus. Sie motivieren mit wachsender Intensität zu immer vermehrtem Anhäufen. Und ist der Mensch erst einmal von diesem Besitztrieb erfasst, sieht er keine Grenze mehr. Besitz und Reichtum betäuben aber auch nur allzu schnell die Sensibilität für die Not des Mitmenschen und das Gespür für Grossherzigkeit und Barmherzigkeit. Der Philosoph Arthur Schopenhauer verglich Reichtum mit dem Salzwasser: “Je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man.” Die Geschichte der Menschheit bietet viele Beispiele, wie die Verlockungen von Besitz, Geld und Reichtum Menschen versklaven können und sie mit Hartherzigkeit schlagen.
“Ich glaube, je weniger wir besitzen, um so mehr werden wir geben. Und je mehr wir besitzen, um so weniger werden wir geben.” (Don Bosco)