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Der Zen-Meister Lin-chi I-hsuan (jap. Rinzai Gigen, gest. 866 od. 867) ist der Begründer einer der Meditationsschulen (Chan), die sich in China, während der Tang-Dynastie (618-907) entwickelt hat.
Als Schüler von Huang-po Hsi-yün; (jap. Ōbaku Kiun; gest. 850) war er ein direkter Dharma-Nachfolger des Sechsten Patriarchen Hui-neng (link). Die nach ihm benannte Rinzai-Zen-Schule verbreitete sich zuerst in Korea, Vietnam und Japan.
Von dort aus fasste sie schliesslich auch Fuss in Amerika und Europa. Zusammen mit der Soto-Schule ist sie noch heute ein lebendiges Zeugnis für die „Direkte Übertragung des Dharma jenseits von Schriften und Symbolen“, die von Bodhidharma in China eingeführt wurde.
Lin-chis Lehrweise
Lin-chis Lehrweise unterschied sich von den anderen Schulen durch ihre radikale Abkehr von den rigorosen weltanschaulichen und religiösen Bindungen seiner Zeit. Sie propagierte eine neue Sichtweise des Buddhismus basierend auf der Wirklichkeitserfahrung mitten in einem geistig freien und offenen Alltag.
Die chinesische Mentalität jener Zeit war geprägt von zahlreichen Kriegen und einer zeitweiligen Unterdrückung des Buddhismus. Dementsprechend war auch der Ausdruck des Zen unsentimental und kämpferisch. Bei Lin-chi zeigte sich dies in seinem berühmten energischen Schrei, mit dem er auf viele Fragen oder Geschehnisse antwortete. Dieser energische und direkte Ausdruck ist das unsterbliche Wesen und „Markenzeichen“ des Rinzai-Zen. Es ist völlig ohne persönliche Emotionen. Ers ist schlicht und einfach Ausdruck der Totalität und Vitalität des absoluten Seins.
Lin-chi Yulu
Viele Lehrreden und Dialoge von Lin-chi wurden von seinen Schülern gesammelt und vermutlich erst ca. 250 Jahre nach seinem Tod im Lin-chi Yulu (jap. Rinzai Roku) publiziert.
In den 1940-er Jahren unternahem es Meister Sokei-an, dieses Standardwerk der Zen-Literatur für seine Schülerschaft aus dem Chinesischen ins Englische zu übersetzen und zu kommentieren Record of Lin-chi. Seither wurde es von zahlreichen Autoren in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Diese Flut von Übersetzungen und Abhandlungen könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Kern von Rinzais Erbe im Laufe der Jahrhunderte viel seiner Vitalität eingebüsst hat, und dass es für die heutigen Menschen immer schwieriger wird, den direkten Bezug zur Wirklichkeit hinter Rinzais Worten zu verstehen und nachzuvollziehen.
Die Aufzeichnungen von Lin-chi oder Das Buch von Lin-chi, wie es auf deutsch auch betitelt wird, umfasst drei Teile:
– Ansprachen und Abhandlungen von Lin-chi
– Prüfungsgespräch zwischen Lin-chi und seinen Schülern
– Bericht von Lin-chis Pilgerreise.