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von Dr. Michaela Knecht
In den vergangenen Jahrzehnten hat der Anteil an erwerbstätigen Frauen stark zugenommen. Trotzdem sind Frauen in Führungspositionen noch deutlich untervertreten. Woran liegt das? Sind Frauen nicht geeignet als Führungspersonen? Werden Frauen als weniger fähig wahrgenommen? Nehmen sich Frauen selbst als weniger fähig war?
Diesen Fragen sind die Amerikanischen Forschenden Paustian-Underdahl, Walker und Woehr in einer grossen Meta-Analyse nachgegangen. Sie haben dazu 95 Studien der vergangenen 50 Jahre zusammengefasst. In allen diesen Studien wurden Führungseigenschaften von männlichen und weiblichen Vorgesetzten beurteilt. In ihre Analysen liefen Fremd- und Selbsturteile von über 100'000 Personen ein. Die Autoren haben dabei herausgefunden, dass es alles in allem keine Unterschiede in der wahrgenommenen Effektivität der Führung durch Frauen oder Männer gibt. Wenn man die Resultate aber detaillierter anschaut und z.B. nach Zeitpunkt der Studie oder nach Selbst- und Fremdbeurteilung unterscheidet, zeigen sich sehr interessante Unterschiede.
Als erstes haben die Autoren einen Trend über die Zeit gefunden. Vor allem in älteren Studien (durchgeführt vor 1982) haben sich Männer als signifikant besser eingeschätzt als Frauen. Schaut man sich hingegen die Werte in der Beurteilung durch andere Mitarbeitende und/oder Vorgesetzte an, so schneiden, besonders in den jüngeren Studien Frauen besser ab. Dies könnte darauf hinweisen, dass sich der Stereotyp vom Mann als besserer Führungskraft zu Gunsten der Frau wandelt.
Auch betreffend Hierarchiestufen gab es Unterschiede zwischen Fremd- und Selbstbeurteilung: Die Selbsteinschätzung der Männer war höher als jede der Frauen auf unteren Hierarchiestufen. Hingegen wurden auf mittleren und oberen Hierarchiestufen Frauen von anderen als besser eingeschätzt. Es könnte also sein, dass nur Frauen, welche über besondere Führungsfähigkeiten verfügen oder denen diese zugeschrieben werden, Positionen auf der mittleren oder höheren Hierarchieebene erreichen.
Interessanterweise unterscheiden sich insgesamt Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung zwischen den Geschlechtern signifikant. Bei Selbsteinschätzung der eigenen Führungseignung schätzen sich Männer im Vergleich zu Frauen als effektiver ein. Frauen werden hingegen von anderen als effektiver einschätzt als Männer.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass sich Männer in vielen Kontexten als fähigere Führungspersonen sehen, wohingegen Frauen oft von anderen als fähiger beurteilt werden. Zudem scheinen sich diese Beurteilungen über die Jahre verändert zu haben und entsprechen nicht mehr dem einst vorherrschenden Stereotyp eines männlichen Chefs. Frauen werden dabei vermehrt als effektive Führungspersonen wahrgenommen. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Einschätzungen in Zukunft weiter verändern und ob und wann sich diese Entwicklung auch in der Anzahl weiblicher Führungskräfte niederschlagen wird.
Literaturangaben:
Paustian-Underdahl, S. C., Walker, L. S., & Woehr, D. J. (2014). Gender and perceptions of leadership effectiveness: A meta-analysis of contextual moderators. Journal of Applied Psychology, 99, 1129-1145.
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