Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03531.jsonl.gz/847

Sedisvakanz meint die Dauer zwischen dem Tod oder dem Amtsverzicht des einen Papstes und der Wahl des neuen. Die Sedisvakanz im März 2013 nach dem Amtsverzicht Benedikts XVI. dauerte zum Beispiel 13 Tage und war mit der Wahl von Papst Franziskus beendet. Als jedoch heute vor 751 Jahren Papst Clemens IV. starb, setzte eine Sedisvakanz ein, die beinahe drei Jahre dauerte. Dies gilt als die längste Sedisvakanz. Schuld daran war Karl von Anjou, der die von ihm abhängigen Kardinäle beeinflusste, um einen ihm genehmen Papst zu wählen, was offensichtlich eine Entscheidung verhinderte.
Nach und nach liessen sich die Bewohner von Viterbo, wo die Wahl stattzufinden hatte, diverse Massnahmen einfallen, um die Wahl zu beschleunigen. Schliesslich mussten sie für den Unterhalt der Kardinäle und ihrer Entourage aufkommen. Zuerst liess der Präfekt der Stadt die Streithähne einschliessen und bewachen. Dann wurden die Essensrationen schrittweise gekürzt, bis die Würdenträger nur noch Wasser und Brot bekamen.
Aber es nützte alles nichts. Schliesslich stiegen die Bewohner der Stadt auf den Bischofspalast und deckten mitten in der ärgsten Sommerhitze das Dach ab, um dem Heiligen Geist besseren Zugang zum Wahlgremium zu verschaffen. Endlich einigten sich die Kardinäle auf den 61-jährigen Tebaldo Visconti, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Priester war. Und weil er gerade auf einer Pilgerreise ins Heilige Land war, dauerte es noch einmal rund vier Monate, bis Visconti zum Priester geweiht und als Papst Gregor X. inthronisiert werden konnte.
Gregor X. verfügte danach ein Wahlverfahren, das die Wahl beschleunigte und im Wesentlichen noch heute gültig ist. Naja, es macht schon Sinn, dafür zu sorgen, dass die Chefetage nicht allzu lange vakant ist.