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Georgien
Ich flog das erste Mal mit der Billigairline Wizzair. Alles funktionierte reibungslos, ausser, dass ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass nur ein Handgepäck erlaubt war. Ich hatte meinen Rucksack und einen Beutel mit Essen dabei (für Notfälle). Eine freundliche Georgierin hat mir angeboten, dass, falls ich Probleme haben sollte mit meinem Gepäck, sie meine Tasche nehmen könne. Ich konnte die Tasche aber unter meiner Jacke verstecken und es gab kein Problem. Bevor wir uns in den Flieger setzten, bekam ich noch einige Tipps und war bereit für ein neues Land.
Ich hatte oft gehört, dass die Georgier die freundlichsten Menschen seien und war sehr gespannt was mich erwartete. Die freundlichen Menschen in Serbien und Bosnien setzten neue Massstäbe.
Über Georgien
Georgien liegt am schwarzen Meer, zwischen Europa und Asien im Kaukasusgebiet. Das Land erstreckt sich über eine Fläche von rund 70’000 km2 und ist fast doppelt so gross wie die Schweiz. Die Hauptstadt ist Tbilisi/Tiflis und die Amtssprache der 5 Millionen Einwohner ist georgisch. Das Land eignet sich zum wandern, reiten, skifahren, raften oder gleitschirmfliegen und Nachbarländer sind Russland, die Türkei, Armenien und Aserbaidschan.
Die Georgier lebten über ein Jahrhundert unter dem russischen Reich. 1918 wurde Georgien, mit Hilfe der deutschen und britischen Armee, gegründet. Später wurden sie von den Russen wieder eingenommen und in die Sowjetunion gezwungen. In dieser Zeit wurde Georgien unterdrückt und viele Menschen wurden hingerichtet. Diese Ära brachte aber auch grosse Veränderungen. Georgien entwickelte sich zu einem der wohlhabendsten Ländern in der Sowjetunion. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, 1991, hatte Georgien seine Unabhängigkeit wieder zurückgewonnen. Nur die beiden Regionen Abchasien und Südossetien blieben bis heute autonom.
Nach der Rosenrevolution 2003 begann eine turbulente Zeit für Georgien. Demokratische und wirtschaftliche Reformen zur Integration in die Nato und verschiedener europäischer Institutionen wurden vom damaligen Präsidenten, Mikheil Saakaschwili, geführt. Seit 2010 ist die stärkste Partei die von Bidzina Ivanishwili, der “Georgian Dream”. Sie hatte die Wahlen gegen Saakaschwili gewonnen und mache einen guten Job, aber Georgien habe noch einen langen Weg vor sich.
Was bietet Georgien?
Die Region Kazbegi ist ein Drehkreuz für das Hochgebirge. Es gibt verschiedene Wanderrouten zu Wasserfällen, über Pässen, zu Gletschern und abgelegenen Dörfern. In Dawit Garedscha gibt es ein Kloster, das aus dem Berg geschlagen wurde, mit 1000 Jahre alten Wandbildern und unwirklichen Landschaften. Swanetien ist eine abgeschiedene historische Region, die nie beherrscht wurde. Es gibt einen 4000 Meter hohen Gipfel und Wanderwege. Wardsia ist eine Stadt, die ebenfalls aus den Felsen geschlagen wurde. Tuschetien ist eine eher einsame, ursprüngliche und spektakuläre Hochgebirgsregion, die sich ebenfalls zum wandern eignet. Es führt nur eine Strasse von Kachetien nach Tuschetien. Diese ist von Juni bis Oktober nur mit Allradantrieb befahrbar. Kachetien habe eine 7000 jährige Weingeschichte.
Ankunft in Kutaisi
Mein Flug landete mitten in der Nacht in Kutaisi. Um 4 Uhr war ich im Hostel und traf auf einen älteren Mann, der kein Wort englisch verstand. Er sprach russisch und georgisch, mehr als Natascha konnte ich aber nicht. Er gab mir dann aber ein Bett und ich konnte schlafen. Um 14 Uhr wollte einchecken. Zwar waren nun mehr Leute da, aber mit englisch ging es trotzdem nicht. Einchecken war dann irgendwie möglich und eine Frau hatte ihre englisch sprechende Tochter angerufen, damit sie mir erklären konnte, wie ich in die Stadt kam und wo die Busse fuhren.
Dann kam ein ungefähr 45-jähriger Mann in den Raum. Er sprach etwas englisch und nach verschiedenen Buserklärungen und Strassenbeschreibungen hatte er entschieden, dass er mich in die Stadt fährt. Unterhalten konnten wir uns nicht. Er sagte mir dann, dass ich hübsch bin und er kaufte mir eine rote Rose. Ich musste schmunzeln und stieg aus dem Auto.
Kutaisi
Danach schaute mir die nicht sehr sehenswerte Stadt Kutaisi an, kaufte mir eine SIM Karte für 13 Lari (rund CHF 5.00) für 4 GB und 1 Monat. Durch Zufall fand ich die Rafaelo Bäckerei, die auch Menüs zur Auswahl hatte und mir die georgische Spezialität Lobiani (Bohnen im Teig) auftischte. Lobiani war eine Art mit Bohnen gefüllte Pizza. Würzige, salzige Bohnen mit Zwiebeln. Es schmeckte mir sehr gut!
Kutaisi selber war meines Erachtens wirklich nicht sehenswert. Die Stadt war sehr heruntergekommen. Viele Gebäude und die Verzierungen waren bestimmt einmal sehr schön, müssten aber schon lange renoviert werden. Auf der Strasse waren sehr viele ältere Männer anzutreffen. Sie tranken oft Alkohol und starrten mich an. Vielen fehlten Zähne und sie sahen richtig “verlebt” aus.
Autos
Irgendetwas störte mich an den Autos, aber ich wusste nicht was, bis ich bemerkte, dass es Autos gab, die das Lenkrad links hatten. Das wäre nicht weiter komisch, wenn es nicht auch noch Autos gäbe, die das Lenkrad rechts hatten. Gefahren wurde auf der rechten Seite, die Lenkräder waren aber, je nachdem woher das Auto importiert wurde, links oder rechts.
Bekanntschaften
Um einen Tee zu trinken wurde mir das Restaurant “Baraqa” empfohlen, was sehr gut besucht war. Ich bestellte einen Tee und einen Gurken-Tomaten-Salat. Am Tisch nebenan sassen Georgier, die recht betrunken waren. Einer kam rüber und wollte, dass ich zu ihnen an den Tisch sass. Ich sah keinen Sinn darin, denn erstens waren sie mir nicht sympathisch und zweitens konnten wir uns nicht unterhalten, da sie kein englisch sprachen. Dann wollte der eine, dass ich etwas alkoholisches trinke. Ich lehnte ab und er bestellte trotzdem ein Bier für mich.
Zum Glück kam bald meine Couchsurfing-Verabredung. Ein junger Iraker, der in Kutaisi studierte. Wir hatten interessante Gespräche und er meinte, dass ich sehr gut in den Norden und Süden im Irak reisen könnte, da sei es sicher und sie hatten noch nie Krieg in diesen Regionen. Die Landschaft sei wunderschön. Das eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät natürlich davon ab, da es keine Schweizer Botschaft gibt im Irak.
Er gab mir einige Tipps für Georgien und sagte mir, dass ich mich von den Männern in Acht nehmen sollte. Die denken Europäerinnen wären leicht zu haben, viele seien Alkoholiker und faul. Er gab mir seine Nummer und ich könne ihn jederzeit anrufen, falls ich irgendwelche Probleme hätte oder seine Hilfe benötigte. Danach brachte er mich mit dem Taxi nach Hause und verabschiedete sich sehr höflich mit der Hand.
Im Restaurant Palaty war ich Stammgast. Die Auswahl an Speisen war gross und mir schmeckte alles sehr gut. Die Bohnen im Topf mit Maisbrot und frischem Gemüse waren mein Lieblingsmenü. Im Restaurant arbeitete ein Georgier, der sich mit Youtube selber Deutsch beigebracht hatte. Wir konnten uns also in deutsch unterhalten.
Tagesausflug
Vor einem Tagesausflug wollte ich in einem Restaurant auf georgisch diese mit Bohnen gefüllte Pizza bestellen. Also teilte ich mit, dass ich gerne Lobio hätte. Sie fragten mich wie viel und ich zeigte 2 Stück und etwa die Grösse, wobei ich erstaunt war, dass sie unterschiedliche Grössen hatten. Das Resultat waren dann zwei Plastikgefässe voller Bohnen. Ich schaute die Bedienung fragend an und sie erklärten mir dann, dass ich Lobiani bestellen wollte. Wir haben alle gelacht und sie machten mir freundlicherweise noch Lobiani zum mitnehmen.
Die Tour führte uns dann an folgende Orte:
Okatse Canyon
Ein ungefähr zwei Kilometer langer Weg führte durch die 100 Meter tiefe Schlucht. Am Rand der Felsen war ein Weg befestigt, der zu einer Aussichtsplattform mit einem tollen Ausblick auf den grünen Okatse Canyon führte.
Martvili Canyon
Beim Martvili Canyon bestand zusätzlich die Möglichkeit mit einem Boot in die Schlucht zu fahren. Ich dachte aber, dass ich mit laufen auch das meiste sehen konnte und so war es dann auch. Die Bootsfahrt kann man machen, muss man aber nicht.
Kinchkha Wasserfall
Jedes Land und jede Wasserfallregion ist jeweils stolz auf ihre Wasserfälle. Der Kinchkah Wasserfall war schön, aber nichts Spezielles.
Martvili Monastery
Dieses Kloster hatte eine schöne Kirche und stand auf einem Hügel, von welchem wir eine schöne Aussicht geniessen konnten. Die Haare und der Po mussten bedeckt werden, um die Kirche zu betreten.
Den Prometheus Cave hätte ich mir noch ansehen können. Da es sich dabei um eine Höhle handelte, bei der ich mir sicher war, dass sie ähnlich aussah wie die letzten, die ich gesehen hatte, verzichtete ich.
Während der Tour fiel mir auf, dass der Strassenzustand eher schlecht war und es viele Löcher gab. Kühe, Hunde und Schweine auf der Strasse sorgten für einen gemütlichen Verkehr. Die Häuser, an welchen wir vorbei fuhren, sahen oft sehr verlassen aus. Es schienen jedoch Menschen darin zu wohnen, denn es standen Autos vor den Häusern, Kleider hingen zum trocknen an der Luft und Kinder spielten auf dem Asphalt.
Eines Morgens, beim Frühstück im Hostel Vagabundo, unterhielt ich mich mit einem Engländer und wir kamen irgendwie auf das Thema Techno. Er schaute mich an, grinste und meinte, ich müsse unbedingt in Tbilisi in die Clubs Bassiani und Khidi. Da werde es mir gefallen.
Reise nach Tbilisi
Da die Marshrutka-Fahrer (Marshrutkas sind die Busse in Georgien) manchmal sehr unpünktlich seien und anscheinend auch betrunken fuhren, entschied ich mich, mit dem Zug nach Tbilisi zu fahren. Am geplanten Abreisetag war der 12 Uhr Zug am Morgen nicht mehr auf der Bahn-Website ersichtlich. Ich hatte bei der Bahn angerufen um nachzufragen. Die Frau sprach fast kein englisch und sagte mir, dass um 12 Uhr kein Zug fahre, erst um 15 Uhr. Also lief ich nach 14 Uhr mit meinem Gepäck zum Bahnhof. Als ich verschwitzt ankam und das Ticket kaufen wollte, erklärte mir die nette Frau am Schalter, dass der Zug um 12 Uhr gefahren sei und der nächste erst am nächsten Morgen um 5 Uhr fahre.
Da nervte ich mich mal ganz kurz, merkte jedoch schnell, dass das nichts brachte, weil mich sowieso keiner verstand und deshalb auch kein Zug fahren würde. Also beschloss ich mich nicht zu nerven, sondern einen neuen Plan zu machen ;-).
Vom Bahnhof Rigoni (etwas ausserhalb) fuhr ein Zug um 20 Uhr nach Tbilisi. Ein Ticket für die zweite Klasse koste 13 Lari. Danach lief ich wieder zurück ins Hostel, genoss die Sonne und ein paar Bier mit ein paar anderen Reisenden und fuhr um 19 Uhr mit dem Taxi zum Bahnhof. Wieder einmal stellte ich fest, wie wichtig und wertvoll doch Flexibilität ist.
Tbilisi
In Tbilisi angekommen war ich recht müde und suchte die Metro, um zum Hostel zu fahren. Ein Sicherheitsbeamte brachte mich zum Taxi und der Fahrer wollte mich für 20 Lari fahren. Ich hatte ihn ausgelacht und zum Glück die Metro nebenan entdeckt. Das Taxi hätte höchstens 4 Lari kosten dürfen, bestätigte mir eine junge englischsprechende Frau.
Bei der Station des Hostels realisierte ich, dass ich die nächsten 10-15 Minuten den Berg hinauf laufen musste. Und das mit 25 kg Gepäck. Auf einmal machte auch der Hostelname “Mountain 13” Sinn.
Iran Visum
Beim Frühstück im Hostel hatte mir ein Neuseeländer empfohlen, das Visum für den Iran in Tbilisi zu beantragen, damit ich auf jeden Fall 30 Tage im Iran bleiben könne. Verlängern im Land hätte bei ihm noch nie funktioniert. Ich machte mich also auf den Weg zur Botschaft, denn wenn das so einfach war, warum nicht?
Die iranische Botschaft war spontan ein paar Tage geschlossen. Die Mitteilung war in georgisch und persisch geschrieben und klebte an der Tür. Ein netter Iraner klärte für mich ab, wie ich zu meinem Visum kam. Ich sollte in zwei Tagen, pünktlich um 9 Uhr, wieder kommen, dann machten sie ein “schnelles Verfahren” für mein Visum.
Den zweiten Gang zur Botschaft hätte ich mir jedoch sparen können. Der Beamte hatte Diskussionen mit einer anderen Reisenden vor mir und die Antwort auf meine Anfrage war, dass ich, wenn ich einen Flug nach Teheran habe, auf jeden Fall ein 30 Tagevisum am Flughafen bekommen würde. Er wollte mir kein Visum ausstellen.
Free Walking Tour
Die Free Walking Tour machte Severin, ein junger Ukrainer, der seit einigen Jahren in Tbilisi lebte. Er war sehr motiviert, sympathisch und ein lebendiger Mensch. Er führte uns während 3,5 kurzweiligen Stunden durch die Stadt. Wir probierten Churchella, farbige Dinger die Würsten oder selber gezogenen Kerzen ähnlich sahen, jedoch Nüsse, umgeben von getrocknetem Fruchtsaft, waren. Sie sahen speziell aus, waren aber genau so lecker wie das Fruchtleder. Beides war auch sehr praktisch als kleiner Snack für unterwegs.
Natürlich gehörte auch ein Wine-Tasting dazu. In Georgien gibt es 500 verschiedene Rebsorten und die Georgier lieben Wein. Bei einer Party würden pro Person 2,5 Liter Weisswein berechnet! Der georgische Schnaps wurde Tschatscha genannt. Hergestellt aus dem Rest der Trauben, der sich während der Weinherstellung setzte. Ich bevorzugte den Wein, denn zu starke Getränke mag ich nicht.
Die Ordnung auf den Strassen war sehr chaotisch und ich musste mich daran gewöhnen. Augenkontakt zum Fahrer suchen half, um die Strasse zu überqueren. Es gab sehr viele Strassenhunde. Die waren jedoch alle gechipt. Das hiess, sie waren registriert, untersucht und gesund. Mit allen Hunden konnte also gespielt werden. Einer begleitete uns sogar fast während der ganzen Tour.
Es gab verschiedene türkische Bäder, die auch für private Anlässe gemietet werden konnten. In den Öffentlichen waren Frauen und Männer getrennt und für Frauen gab es anscheinend nur Duschen und keine Bäder.
Geld konnte praktisch überall gewechselt werden ohne Kommission und zu fairen Kursen. Sehr günstig war die Metro. Eine Fahrt kostete 0.50 Lari, also ungefähr 20 Rappen. Erinnerst du dich noch an den Taxipreis von 20 Lari? Das war definitiv eine Frechheit!
Georgien hat eine eigene Schrift. Sie sah schön aus, es war aber unmöglich etwas zu lesen. Zudem gab es drei verschiedene Alphabete. Eines für die Handschrift, eines für die Druckschrift und eines für religiöse Texte. Die Georgier mögen es wohl kompliziert.
Georgien heute
Nach der Sowjetunion hatten viele Häuser in Tbilisi bis anfangs 2000 keine stabile Strom- und Wasserversorgung und es ging dem Land allgemein nicht gut. 2004 löste Mikheil Saakashvili den damaligen Präsidenten, Aslan Abaschidse, ab. Er hatte sofort 70’000 Polizisten entlassen um der Korruption ein Ende zu setzten. Neue Polizisten wurden, auch durch die Amerikaner, ausgebildet. Vieles wurde modernisiert. Heute gibt es zum Beispiel für sämtliche Regierungsangelegenheiten ein Gebäude. Jeder könne in weniger als einer Stunde sein Unternehmen anmelden und starten. Georgien wurde in den letzten Jahren sicher und businessfreundlich, auch für Ausländer.
Vegan Essen
Ich konnte selten in einem fremden Land so viel Verschiedenes essen. Georgien war wirklich ein kleines (veganes) Paradies. Abgesehen von frischem Gemüse und Früchten gab es in den Restaurants zum Beispiel Khinkalis, georgische Dumplings. Teigtaschen gefüllt mit Pilzen und/oder Kartoffeln.
Die bereits erwähnten Bohnen im Topf schmeckten mir genau so gut wie Lobiani, die mit Bohnen gefüllte Pizza.
Zur Vorspeise oder für den kleinen Hunger gab es Badridschani nigvzit. Das sind Auberginenröllchen mit einer Walnuss-Knoblauch-Paste und für unterwegs die Churchellas und das Früchtepapier. Nebst diesen georgischen Spezialitäten hatte ich verschiedene vegane Menüs gegessen, wie zum Beispiel einen Cheesburger oder ein Auberginen-Sandwich.
Etwas gewöhnungsbedürftig war der Service. Bei den Georgiern zählte nur das Essen. Und das war wirklich gut.
Über Couchsurfing hatte ich mich mit zwei Deutschen im veganen Restaurant Kiwi Café getroffen. Später gingen wir für ein Bier ins Café Gallery, weil aber nichts los war, zogen wir zu zweit weiter in den Club Bassiani. Über die Taxi-App Yandex bestellten wir einfach ein günstiges Taxi. Eher teuer hingegen war der Club-Eintritt mit 30 Lari. Aber es hatte sich mehr als gelohnt. Der Sound und die Stimmung waren sehr gut. Da am nächsten Tag um 10 Uhr eine Tagestour startete, mussten wir den Club zu einer vernünftigen Zeit leider wieder verlassen.
Tagesausflug
Auf der Tour hatte ich die erste Iranerin getroffen. Sie lebte in Teheran, machte Urlaub in Georgien, trug kein Kopftuch, war ebenfalls im Bassiani und hatte sich am Mittag ein Glas Rotwein gegönnt. Während meinen Iran-Vorbereitungen hatte ich erfahren, dass Frauen ein Kopftuch tragen und Alkohol genauso verboten war, wie Parties und Tanzen. Ich war also leicht irritiert. Auf meine Fragen antwortete sie lachend “the rules exist only in Iran. If we are abroad everything is normal”. Interessant. Und ich dachte immer, das sind alles Muslime, die die Regeln freiwillig befolgten.
Jvari Kloster
Der erste Stop war das Jvari Kloster im Osten Georgiens. Es wurde im 6. Jahrhundert gebaut und die Kirche war eine der ersten mit einer Kuppel. Auf dem Weg erklärte uns der Guide, dass die Russen immer wieder Land von Georgien eingenommen hatten, das letzte Mal vor nicht einmal 10 Jahren, im Jahr 2008. Wer in diese Region reise, riskiere entführt zu werden.
Uplistsikhe
Uplistsikhe lag rund 10 Kilometer entfernt von Gori und wurde im 6. Jahrhundert v.Chr. aus dem Felsen geschlagen. Die Festungsstadt war einmal das Handelszentrum an der Seidenstrasse. Heute hat man eine schöne Aussicht auf die Region.
Gori
Gori ist die Geburtsstadt von Josef Wissarionowitsch Stalin. Er wurde als Sohn eines Schusters geboren. Noch heute hat er viele Bewunderer. Zwar hatte Stalin Millionen Menschen auf dem Gewissen, Fakt sei aber auch, ohne die Sowjets hätte Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg vielleicht gewonnen. Stalin verwandelte innerhalb eines Jahrzehnts die Sowjetunion von einer Agrarwirtschaft in eine industrielle Grossmacht. Sowohl die Stadt Gori, wie auch das Museum waren jedoch nicht sehenswert.
Mzcheta
Mzheta war vor Tbilisi die erste Hauptstadt Georgiens. Heute ist der Ort ein religiöses Zentrum und sehr touristisch. Die meisten Touristen schauen sich die schöne Kirche an und schlendern durch die Gassen. Churchellas warten überall darauf, probiert und gekauft zu werden.
Den zweiten Club Khidi musste ich mir auch ansehen und einer auf Couchsurfing wollte mich begleiten. Ich dachte, er sei aus Tbilisi, der sich auskannte, denn so stand es in seinem Profil. Es stellte sich dann heraus, dass er ein Ägypter war, seit 5 Jahren in Tbilisi lebte und nicht wusste, dass es sich um einen Technoclub handelte. Er wollte nur Alkohol trinken und reden. Da hatten wir völlig andere Vorstellungen. Ich war im Club wegen der Musik und zum tanzen. Er versuchte mich betrunken zu machen und war erstaunt, als ich weder seine Drinks getrunken hatte, noch mit ihm sitzen oder essen gehen wollte.
Ich war froh, als um 4 Uhr einer kam, den ich im Bassiani kennengelernt hatte und der Ägypter mich dann irgendwann verliess. Der Club war dunkler als Bassiani, aber noch etwas besser. Es wurde richtig geile Musik gespielt!
Kazbegi (Stepanzminda)
Geplant war ursprünglich, einige Tage in die Bergen und in die Natur zu fahren. Weil es aber kalt war und ich in dieser Zeit keine Lust auf kaltes Wetter hatte, fuhr ich mit einem Belgier nur für zwei Tage nach Kazbegi. Die Busfahrt dauerte drei Stunden und kostete 10 Lari (CHF 4.00). In Kazbegi wohnten wir in einem Guesthouse, 15 Minuten den Hügel hoch. Niemand sprach englisch, es klappte aber natürlich alles.
Wir setzten uns in eines der wenigen Restaurants und wollten herausfinden, wie lange es dauerte, zur Kirche auf dem Hügel hoch zu laufen. Verschiedene Angaben und Informationen meinten, es dauerte zwei Stunden. Da es schon spät war und wir nicht wussten, ob wir es hoch schafften bis zum Sonnenuntergang, fragten wir einen Taxifahrer, wie viel die Fahrt hoch kostete. Er meinte 6 Lari und wir dachten, dass wir den Preis falsch verstanden hatten. Wir fragten nochmals nach und er bestätigte den Preis.
Die Fahrt dauerte etwa eine halbe Stunde, weil die Strassen schlecht und holprig waren. Oben angekommen, wollten wir die 6 Lari bezahlen. Der Fahrer wurde richtig wütend und meinte “60 Lari!!”. Am Ende blieb uns nichts anderes übrig als die 60 Lari zu bezahlen.
Die Aussicht und die Kirche waren sehr schön. Wir genossen die Sonnenuntergangsstimmung und die Ruhe und entschieden, dass wir runterlaufen. Dabei hatten wir festgestellt, dass wir in höchstens einer Stunde oben gewesen wären.
Zurück im Dorf war es sehr kalt und ich war froh um meine Winterjacke und eine warme Suppe im Restaurant.
Für den nächsten Tag hatten wir noch keinen Plan ausser, dass ich um 18 Uhr den letzten Bus nach Tbilisi nehmen musste, weil ich zur iranischen Botschaft wollte. Die Mädels im Restaurant empfohlen uns, zu einem Wasserfall zu fahren und da zu wandern. Das hörte sich gut an und sie organisierten ein Taxi, das uns am nächsten Tag um 9.30 Uhr abholen sollte. Uns wurde versichert, dass das Restaurant um diese Zeit offen und die Mädels anwesend sein würden. Somit konnten sie uns bei Fragen helfen, weil der Taxifahrer kein Englisch sprach.
Zurück im Hostel duschte ich heiss und legte mich mit Thermounterwäsche, Leggins, Fleece und warmen Socken ins Bett. Am nächsten Morgen war es natürlich nicht wärmer und ich ging mit derselben Kleidung aus dem Haus. Ein Kleiderwechsel hätte massiven Wärmeverlust bedeutet.
Das Restaurant war geschlossen und öffnete erst um 9.25 Uhr. Keine der Mädels vom Vorabend war da. Wir warteten und als um 10 Uhr noch kein Taxi da war, machte ich den tollen Vorschlag, dass wir Fahrräder mieten könnten. Gesagt getan. Die sechs kilometerlange Fahrt hinunter war toll. Zum Wasserfall musste wir mehrheitlich laufen, weil die Strasse sehr holprig, steinig und uneben war. Und, wie hätte es anders sein können, ich hatte schon das erste Mal Hunger.
Dann, downhill-mässig hinunter, zurück zur Strasse. Das brauchte recht Energie. Aiaiai. Dann der Schock: die sechs Kilometer-Strasse wieder hoch. Die ersten 1-2 km konnte ich fahren, danach musste ich abwechselnd laufen und fahren. Meine Begleitung fuhr den ganzen Weg hoch und ich hatte wieder einmal festgestellt, dass biken nichts für mich war.
Kurz bevor der Bus nach Tbilisi fuhr, trafen wir eine Deutsche. Sie war hungrig und fand nichts zu Essen für die Fahrt. Ich holte mir einen Kaffee to go in einem Restaurant und wir fragten, ob sie etwas zu Essen hätten. Netterweise gaben sie ihr nichts, nicht einmal eine Karotte oder Brot.
Ich entdeckte Resten auf einem Tisch. Sie fragte den Gast, ob er das noch ass oder ob sie die Lobianistücke mitnehmen durfte. Der Mann meinte, er würde das nicht mehr essen und sie darf es gerne mitnehmen. Andernfalls würde das Essen sowieso weggeworfen. Sie war glücklich und rettete sogar noch leckeres Essen vor dem Müll.
Sightseeing in Tbilisi
Bei einem Spaziergang auf der anderen Seite des Flusses, entdeckte ich den moderneren und luxuriöseren Teil Tbilisis. Im Restaurant Barbarestan wurde ich bedient wie eine Königin. Das Essen wurde auf den Teller geschöpft und Wasser immer wieder nachgeschenkt. Ich ass Brot mit Auberginenpaste und Gemüse, was sehr frisch und gut schmeckte.
Das Funiculare fuhr zum Freizeitpark auf dem Berg hoch. In der Zwischenstation gab es eine orthodoxe Kirche. Ich hatte nun genügend dieser Kirchen gesehen und beschloss, dass das meine letzte Orthodoxe war. Der Park war riesig und eher neu. Im Restaurant gab es nebst lokalen Spezialitäten auch eine tolle Aussicht auf Tbilisi und die Umgebung.
Einen Tag vor meiner Abreise hatten wir die tolle Idee, Piña Coladas zu trinken. Im Carrefour kauften wir Kokosmilch und Ananassaft. Der Rum war zu teuer und wir beschlossen, auf dem Weg zum Hostel einen günstigeren Rum zu suchen. Was wir gefunden hatten war ein Brandy und wir dachten, das passt schon.
Im Hostel hatten wir unsere Drinks gemixt und einen super lustigen Abend auf der Terrasse. Später gingen wir ins Bassiani und ich merkte, dass es zu viele Piña Coladas waren. Um 3 Uhr ging ich bereits wieder nach Hause. Natürlich ärgerte ich mich über mich. Ein paar Stunden später musste ich bereits wieder aufstehen und ich fühlte mich so elend, dass ich mir Sorgen machte, den Flug nach Baku zu verpassen. Ein Taxi brachte mich zum Flughafen und ich schaffte es gerade noch rechtzeitig zum Check-in und in den Flieger.
WiFi Cafés
Das O, Moda, Moda Café war ein gemütlicher Ort um zu arbeiten oder einfach nur zu sein. Es war etwas versteckt, ein Besuch lohnte sich aber. Ich hatte leckeres Humus gegessen und Gurken-Limetten Wasser getrunken. Das WiFi war gut und stabil.
Das Amo Rame befand sich in der Nähe des Liberty Square. Das WiFi war stabil, die Atmosphäre angenehm und ebenfalls ein guter Ort um zu arbeiten oder sich zu unterhalten.
Im Double B gab es guten Kaffee. Das Problem war jedoch, dass sie zwar Öffnungszeiten hatten, diese aber sehr flexibel waren und ich ein paar Mal vor verschlossenen Türen stand.
Das Café Laila war ein sehr liebevoll eingerichtetes Café. Gut besucht und definitiv ein Besuch wert. Auch hier gab es WiFi und sogar roh veganen Cheescake!
Interessante Begegnung
Eines Abends hatte ich wieder eine spannende Person getroffen. Eine junge Power-Frau aus Saudi Arabien. Sie leitete mit 27 Jahren eine Firma und wollte das Land verlassen. Das war als Frau jedoch unmöglich, ohne die Erlaubnis des Vaters oder Ehemannes. Also musste sie heimlich alles organisieren und sich, für den elektronischen Freigabeprozess der Ausreisebewilligung, etwas einfallen lassen. Drei von ihren vier Schwestern sprachen nicht mehr mit ihr, weil sie dachten, sie hätte falsch gehandelt, als sie die Zustimmung fälschte und in einer Nacht und Nebel Aktion abgehauen war. Sie genoss jedoch ihre Freiheit und das Leben.
Sehr unverständlich war, dass sie mit ihrer Familie die ersten 13 Jahre in den USA, in Freiheit, gelebt hatte. Danach kehrten sie zurück nach Saudi Arabien und dann galten andere Regeln. Es sei nicht so, dass alle in Saudi Arabien so konservativ lebten, es gäbe auch liberalere und modernere Menschen.
Ihr Vater machte sich Sorgen um sie, da er der Meinung war, dass es nur in sehr wenigen Ländern sicher sei. Das waren natürlich nur die Länder, in welchen er bereits gelebt oder Urlaub gemacht hatte. In allen anderen dachte er, werden Frauen in Frauenhandel involviert.
Sie war übrigens gekleidet wie Frauen im Westen. Jeans, Shirt, geschminkt und ohne Kopftuch. Sie meinte auch, dass die Frauen keinen Schleier tragen müssen in Saudi Arabien. Nur der Tschador (Umhang über den ganzen Körper) sei Pflicht. Meine Vorstellung war ehrlich gesagt, dass Frauen in Saudi Arabien einen Niqab (offener Schlitz über die Augen) tragen müssen.
Der Niqab ist nicht zu verwechseln mit der Burka, welche die Vollverschleierung ist und die Frauen nur noch durch ein Gitter sehen können. Sie zeigte mir auf Snapchat verschiedene Bilder, auf welchen Mädels in der Öffentlichkeit ohne Kopftuch zu sehen waren. Es schien, als ob auch hier unsere Medien, wieder einmal mehr, nur die halbe Wahrheit zeigten.
Transportmöglichkeiten
Für längere Ausflüge in Georgien kann es praktisch sein, einen Fahrer zu buchen. Kleinbusse bedienen fast jedes Dorf und es gibt mehrere Verbindungen in grössere Städte. Der Zug ist eine langsamere, weniger häufiger fahrende und günstigere Möglichkeit von A nach B zu reisen.
“Natascha”
Noch nie kam es vor, dass so viele Menschen mit mir russisch gesprochen hatten, als sie meinen Namen hörten oder gelesen haben. Viele konnten nicht verstehen, wie jemand Natascha heissen, aber kein Russisch sprechen konnte. Eine Frau fragte mich, ob ich wirklich aus der Schweiz komme und warum ich dann Natascha heisse, das sei ein russischer Name. Sie konnte es nicht verstehen, dass in der Schweiz Russische Namen verwendet wurden.
Die zwei Wochen Georgien waren gemütlich und interessant. Ich werde bestimmt bald wieder nach Georgien reisen und mir etwas mehr die Natur ansehen. Georgien ist auf jeden Fall ein Land, das problemlos bereist werden kann und vieles zu bieten hat! Die Menschen sind freundlich, in meinen Augen aber nicht freundlicher als in vielen anderen Ländern. Tbilisi ist modern und zu recht die Hauptstadt. Das Land wird sich in Zukunft sicher noch stark entwickeln und verändern.