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28 February 2007
David Reed and Katy Siegel, a painter and art historian, respectively, both of whom I treasure, have organized an exhibition at the National Academy Museum. Here is an excerpt from Roberta Smith's review of the show in the NY Times of 16 February 2007.
NY Times: Art Review of "High Times, Hard Times"
"Painting in the Heady Days, After It Was Proclaimed Dead"
Roberta Smith
"New York painting from the late 1960s and early ’70s — when the medium supposedly was dead — is one of the biggest elephants in the room of recent art history. The nonpainting trends of those years have been relentlessly celebrated and valorized by museums, art historians and biennials. The multiple strands of Post-Minimalism that ended painting’s dominance — Conceptual, Process, Performance, Earth and video art — have coalesced into a canon and master narrative of their own. The king is dead, long live the king.
But painting? What happened to painting after the final big bangs of Pop and Minimalism, as Modernism wound down, is both exceedingly complicated and relatively unexamined. Enter “High Times, Hard Times: New York Painting, 1967-1975,” a brave if deficient exhibition organized by Independent Curators International, which concludes its three-stop tour at the National Academy Museum.
(...) The show passes over the artists who dominated painting during this period, like Jasper Johns, Frank Stella, Brice Marden, Robert Mangold and Robert Ryman. Young Turks of that moment, like David Diao and Peter Young, are here, but the whole project feels a bit hollow at the center, like a time capsule from a time that didn’t quite exist.
Still, with 42 works by 37 artists, "High Times, Hard Times" is a start and should inspire further attempts. It was proposed by the painter David Reed and assembled by the art historian and critic Katy Siegel in consultation with Mr. Reed. Sketchy as the final outcome often is, they and Independent Curators International are to be commended for tackling a job that a flush New York museum should have taken on about 10 years ago. Whatever its problems, this exhibition demonstrates a central truth: far from being dead during the period in question, painting was in an uproar. (...)
(...)In the end, this exhibition would have been better titled “New York Painting, 1967-75: The Untold Story.” Its problem, simply, is that the larger, more familiar story of the painting of this period has yet to be told.
But this exhibition, pulled off by a small nonprofit art organization with no gallery space of its own, has taken the plunge, and it suggests all kinds of possible exhibitions: surveys of Ralph Humphrey’s or Ms. Fishman’s career, for example, or of New York painting in the late 1970s and even the ’80s. Perhaps it will remind New York’s big museums to think outside the box of the blue-chip retrospective or the sampling of current gallery trends and examine painting’s neglected recent past in ways that might benefit its present and future."
"High Times, Hard Times: New York Painting, 1967-1975" through April 22, the National Academy Museum, NYC, NY.
Read the whole review here.
National Academy Museum here.
Image: Dan Christensen Untitled, 1968, 90 X 70 inches, Acrylic on Canvas
08 February 2007
Vielleicht haben Sie den Artikel von mir, Mark Staff Brandl im St. Galler Tagblatt von Freitag, 9. Februar gelesen. Die Diskussion unter Künstlern hat bereits begonnen auf dieser Blog Site, dem "Swiss Art Sharkforum". Wir haben hier im Swiss Art Sharkforum DREI Blog-Posts zu dieser Ausstellung. Bitte lese alle drei und danach beteiligen Sie sich daran — unter diesem Post!
Jetzt sind auch alle drei im Tagblatt erschienen. (Volle Texten auch unten.)
Link zum Brandl Tagblatt-Artikel hier.
Link zum Kuhn Tagblatt-Artikel heir.
Link zum Meszmer Tagblatt-Artikel hier.
Brandl: Offener Brief im Tagblatt zu Heimspiel 06
Matthias Kuhn: Heimspiel 06 - Auswärtsspiel vor heimischem Publikum - Einige Abschweifungen
Alex "Max" Meszmer: Heimspiel 06 in St Gallen: 1:2 für das Kunstmuseum
Alex "Max" Meszmer: Warum die Schweiz nie Fussballweltmeister wird, oder Heimspiel 06 - eine Nachlese
Endlich ist das Heimspiel vorbei und langsam werden die Diskussionen abebben. Mit einem Donnerschlag hatte Mark Staff Brandl die Diskussion um die Ausstellung und das Gebaren rundherum angeheizt, provoziert und polarisiert. Die Aufmerksamkeit war da, alle waren wach – öffentlich dazu äussern, das trauen sich nach wie vor nur Wenige. Aufmerksamkeit zu erlangen für die eigene Arbeit ist das A und O eines jeden Business. Am einfachsten geht das immer noch mit Schlagworten und für einen Augenblick gucken dann alle hin. Von Fussball habe ich so gut wie gar keine Ahnung und nachdem ich mit meiner Überschrift ihre Aufmerksamkeit erlangt habe, schreibe ich über das Einzige von dem ich wirklich etwas verstehe – über Kunst.
Manchmal hätte ich mir mehr von dieser Aufmerksamkeit gewünscht für interessante Projekte mit Künstlern z. B. aus der Romandie, die wegen ihrer hiesigen Unbekanntheit schlichtweg ignoriert wurden. Das Prädikat „aus der Region“ mag ja für landwirtschaftliche Produkte angehen, sehr verwundert hat mich allerdings, dass dies auch für Kultur gilt. Auswärtige Positionen müssen immer mal mit hiesigen gemischt werden, sonst haben sie keine Chancen – insofern ist diese Diskussion auch eine wertkonservative, die das alltägliche Verhalten einer Ostschweizer Kulturszene widerspiegelt.
Die Ostschweiz ist ein geschichtlich befrachteter Raum, der kulturell seit langem Hinterland ist. Es gibt andere Landstriche, die sich mit weniger Geschichte zufrieden zurückgezogen haben, um von den Früchten einer vergangenen Kultur zu leben. Ausser dem Postboten gibt es Tag für Tag nicht viel Bewegendes. Die Welt verblüffende Neuerungen und wahnsinnige Impulse für die Weltkunst entstehen woanders. Noch dazu, weil die Ostschweiz völlig akademielos vor sich hindümpelt und einem Künstler nicht viel anderes übrig bleibt, als anderswo sein Glück und seine Ausbildung zu suchen. Es fehlt der hiesige Künstlernachwuchs und diesem auch der Anreiz zurückzukehren. Auch wenn dieses Anderswo nur nebenan in Zürich liegt.
Früher mag die Situation anders ausgesehen haben. Die Schweiz setzte lange Zeit auf eine stark kunstgewerbliche, handwerkliche Tradition in der Kunstausbildung und man trifft noch heute auf eine sehr heterogene Künstlerschaft, die sich ihre Ausbildung selber zusammenzimmern musste. Darunter sind auch viele Künstler, die in Deutschland eindeutig durch das Sieb fallen würden. So konnte man auch, wenn man sich die Mühe machte, im Projektraum exex die eingereichten Dokumentationen zu studieren, feststellen, wo dieser Bruch durch die Künstlerschaft geht.
Die Gründung und der Aufbau von Kunstschulen, wie der HGKZ oder der F&F veränderten die Situation – eine Veränderung, die auch am Selbstverständnis der Künstler der verschiedenen Generationen sehr eindeutig zu bemerken ist: Es vollzog sich ein Paradigmenwechsel in der Schweizer Kunst, der gerade bei solchen Präsentationen wie dem Heimspiel sichtbar wird – das sind eigentlich Generationenkonflikte par excellence.
Die visarteost hat es mit dem Projektraum exex vorgemacht, wie die heutige Generation, die noch aus diesem Mischverhältnis erwachsen ist, funktioniert; in der restlichen visarte bahnt sich der Paradigmenwechsel langsam an. Die neue Generation ist pragmatischer, der grosse politische Kampf um Anerkennung ist gefochten und es geht wieder um die Sache selber, um die Kunst als Tagesgeschäft und aus Leidenschaft.
Bereits aus dieser Konstellation entstehen verdeckte Konflikte, die eben auch Kunstdiskurse sind. Während es früher scheinbar nicht notwendig war über den Gartenzaun zu schauen, was draussen in der weiten Welt vor sich ging, kann ich mir es als Künstler heutzutage kaum noch leisten zu schaffen, ohne die Entwicklungen der Kunstszene auf nationaler, internationaler und multinationaler Ebene zu rezipieren. Die Avantgardebewegung hat ein Negativbewusstsein für epigonale Kunst geschaffen und während in früheren Jahrhunderten Dorf- und Lüftelmaler überleben konnten, indem sie ein Leben lang Variationen von einem einmal gesehenen Thema malten, sehen sich Künstler heute einem stetigen Diskurs und einer dauernden Wertung ausgesetzt, die durch ein mediales Bild bestimmt sind.
Mit Projekten wie der 100-Franken-Show oder den letztjährigen Ostdiamanten hat der Projektraum exex im Kleinen die eine oder andere mögliche Variante des Heimspiels bereits durchgespielt und damit kunstpolitische Themen angegangen. Das Heimspielarchiv war auch bei dieser Triennale für mich der überzeugendste und gewinnbringendste Beitrag zur Ausstellung. Als Zugewanderter muss ich mir die Übersicht über die hiesige gewachsene Kunstszene erst erarbeiten und das funktioniert mit Arbeitsdokumentationen viel besser als mit auf Hochglanz polierten künstlerischen Einzelstücken.
Kuratoren folgen wie Künstler in ihrer Arbeit eigenen Vorlieben – und so ist auch nicht verwunderlich, dass über die Auswahl der Künstler des Heimspiels gestritten wird. Eine Jury ist immer subjektiv und eine Auswahl ist es auch – eigentlich wird schon bei der Einladung einer Jury die Ausstellung mitbestimmt. Ein Mitsprache- oder Einspruchsrecht einiger Institutionen bei einer Jurierung ist mir allerdings unbegreiflich.
Bisher haben mich die Jurierungen in der Schweiz begeistert – es wird wesentlich mehr über die Sache Kunst diskutiert als in Deutschland; dort herrscht der Vitamin B Konsens und der Umgangston ist weniger fair und weniger kollegial.
Bei der Neuordnung der künstlerischen Ausbildungen hat sich aber auch eine neue Spezies herausgebildet. Wer früher einfach nur Kunsthistoriker war, und sich nur für die historisch verbürgten Tatsachen der Kunstgeschichte bis etwa zu Beginn des Impressionismus interessierte, wurde dem Zeitgeist angepasst. Herauskam ein Homunculus aus Kulturmanagern und Kuratoren, beflissen aus einer „Kunstwelt“, einen „Kulturbetrieb“ aufzubauen. Um mit ihrem Tun auch Geld zu verdienen, besetzen diese frisch deklarierten Experten ehemaliges Künstlerterrain. Jüngere Künstler nehmen dies mit grösserer Gelassenheit hin, sind sie doch nichts anderes gewohnt. Dieser neu geschaffene Betrieb folgt viel stärker den Moden des Zeitgeistes aus dem er erwachsen ist und vorgelegten Geschmacksvorgaben.
Hier liegt vielleicht eine Krux dieses Heimspiels: Der Jury ist eine Auswahl gelungen, die vor allem durch ihre Videolastigkeit zum kuratorischen Notfall wurde – ein Problem, mit dem bereits die letzte documenta vergeblich zu kämpfen versuchte. Ob die Unsinnigkeiten grosser Ausstellungen im Kleinen unbedingt wiederholt werden müssen und wie mit der kuratorischen Herausforderung umgegangen wurde, sind meines Erachtens die fragwürdigen Spielzüge dieses Heimspiels.
Und dann: Die Sicherheit – wie Matthias Kuhn bereits bemerkte. Mir scheint, dass sich alle Nachteile einer relativen Sicherheit einer institutionalisierten Ausstellung bei der Betrachtung des letzten Heimspiels offenbaren. Um noch einmal die Fussballmetaphern zu bemühen: Gespielt wird rein auf Sicherheit und Bewahrung, nicht auf Risiko und Torchancen. Es geht um den Klassenerhalt, auch wenn es nur die Bezirksliga ist. Das Fieber ist abhanden gekommen, ebenso der Glaube an den Aufstieg. Die Mannschaft ist zusammengewürfelt und die Trainer gar nicht wirklich vorhanden. Wer wollte da noch darum streiten, nicht dabei gewesen zu sein?
Nachdem ich die sogenannte "Heimspiel"-Ausstellung 2006 mehrmals und in Begleitung verschiedener Leute besucht habe, muss ich jetzt endlich klar und deutlich sagen, was alle hinter vorgehaltener Hand raunen, sich aber offensichtlich niemand öffentlich auszusprechen traut: Diese Ausstellung gehört zu den schlechtesten, die ich je gesehen habe. Sie besteht, um es auf den Punkt zu bringen, vorwiegend aus drittklassigen Unterliga-Variationen von konsens-korrektem, vor 10 Jahren trendigem Kunstwelt-Quatsch. Eine kleine Handvoll Ausnahmen bestätigt die Regel, wie z.B. Katja Schenker oder Marianne Rinderknecht. Interessanterweise handelt es sich bei diesen Ausnahmen um die seltenen echten Heimspieler (d.h., sie wohnen und arbeiten in unserer Region und sind auch wirklich in die hiesige Kunstszene involviert), welche diese Ausstellung darstellen zu wollen vorgibt. Aber ausgerechnet diese wenigen guten Künstlerinnen oder Künstler sind besonders dilettantisch präsentiert! Ich möchte die Ausstellung selber hier nicht weiter kommentieren – der Umfang einer Rezension kann ja auch ausdrücken, wieviel Worte eine Ausstellung wert ist. Hingegen werde ich mich ausführlich zu den Hintergründen äussern, welche dieses Desaster ermöglicht oder vielleicht sogar unausweichlich gemacht haben.
Als ich mich mit einer ehemaligen Kunsthalle-Kuratorin über die Ausstellung unterhielt, schlug sie in die sattsam bekannte Kerbe und meinte, ich hätte vergessen, dass es die Aufgabe der Kuratoren in der Provinz sei, die lokalen Künstler durch die Konfrontation mit Einflüssen von aussen zu erziehen. Ein völliger Schwachsinn. Diese Art von "Belehrung" ist in unserer global vernetzten Gemeinschaft völlig überflüssig. Die meisten von uns, die ausserhalb der städtischen Zentren leben und arbeiten, wissen sofort alles, was dort geschieht. Normalerweise habe ich unmittelbar in New York gesehen, was sich dort tut; und dann werde ich acht bis zehn Jahre später in St. Gallen darüber "belehrt". Wobei dieser Unterricht schlicht darin besteht, uns zu sagen, vor welchen kuratorisch korrekten und momentan anerkannten Tendenzen wir in die Knie fallen sollten – die unausgesprochene, aber deutliche Aussage lautet: "Schaut her, ihr Provinzler, auch ihr könntet in dieser Ausstellung sein, wenn ihr nur bereit wärt, die momentan akzeptablen, von den Kuratoren als massgeblich eingestuften Künstler zu imitieren!". Eine Art von "Bestseller auf dem Plattenteller" des Kunstbetriebs, oder noch banaler: "Die Kunstwelt sucht den Superstar".
Wie Alex Meszmer meint, steckt dahinter das Streben nach "ein bisschen Documenta – oder New York – endlich auch für alle Provinzen". Aber diese Ausstellung wirkt wie die New Yorker Ausstellungen in den späten 1980er Jahren! Ganz nach dem Trend der Kuratoren, aber einfach gut und gerne 20 Jahre zu spät. Das einzig Schlimmere als trendy zu sein ist verspätet trendy zu sein, und es beweist in diesem Fall, dass die Juroren und Kuratoren die Provinzler sind, nicht die Künstler. Übrigens ist das Wort "trendy" im Englischen ein Schimpfwort und bedeutet nicht "auf der Höhe der Zeit", sondern so etwas wie "kopflos dem letzten Schrei nachrennend". Ich teile völlig die Ansicht von Mezmer: "Man zeigt schlechte Kopien von Arbeiten international arrivierter Künstler, tut aber, als existierten diese nicht." Und das mit der erwähnten, ganz unverhüllt beleidigenden Absicht, die lokalen Künstler in ihre Schranken zu weisen.
Im Moment sieht es wirklich danach aus, als ob die Kunsthalle und ähnliche Institutionen in einer Art von elitärem Sozialprogramm zur Entwicklung von Kuratorenkarrieren dienten. Vielleicht könnten sie statt dessen manchmal auch für die Entwicklung von Kunst und Künstlern eingesetzt werden? Ist dies zu viel verlangt? Zumindest in Ausstellungen, welche angeblich der Darstellung des aktuellen Kunstschaffens der Region gewidmet sind?
Aber wie müsste eine brauchbare Ausstellung von Ostschweizer Kunstschaffenden aussehen? Zunächst sollte sie jährlich stattfinden und echt regional ausgerichtet sein. Wie H.R. Fricker richtig bemerkte, haben wir Künstler nur selten die Gelegenheit, gegenseitig unsere Arbeiten zu sehen, da wir nur selten in der Kunsthalle gezeigt werden, da es nur selten Retrospektiven regionaler Künstler gibt, usw. Es wäre für uns eine grossartige Gelegenheit, jährlich zu sehen, was die anderen produzieren, die eigene Arbeit damit zu vergleichen, ja sogar miteinander in einen Wettbewerb zu treten, aber mit fairen Regeln, wo nicht schon heimlich im Voraus festgelegt wurde, wer gewinnen wird und deshalb am meisten Raum kriegt. In anderen Kantonen ist das möglich, auch in anderen Städten und anderen Ländern. Weshalb nicht in St. Gallen?
Sicher trifft zu, was Matthias Kuhn geschrieben hat: "Man würde es vielen zu Hause gebliebenen Kunstschaffenden wünschen, es hätte ihnen irgendwann einer einen Tritt in den Arsch gegeben und sie aufgefordert, ihre Kunst draussen in der Welt zu erproben. Wir hätten weniger schlechte Bewerbungen im Heimspiel-Archiv." Allerdings kann das nur dann geschehen, wenn die Einheimischen zuerst einmal hier ausgestellt werden und sich im lokalen Rahmen behaupten müssen; wenn man sie ernstnimmt und auch ernsthaft kritisiert. Es trifft eben auch zu, was Kuhn weiter sagt: "Der Titel 'Ostschweizer Kunstschaffen 2006' für die Ausstellung im Kunstmuseum, der Kunsthalle und im Projektraum exex ist verfehlt. Oder er weckt falsche Erwartungen. Die meisten teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler leben nicht in der Ostschweiz." Es dürften also wirklich nur Kunstschaffende aus St. Gallen, den beiden Appenzell und Thurgau involviert sein, Leute, die hier leben und arbeiten. Die immense Ausdehnung des einbezogenen Gebiets, das Kriterium des Bürgerorts für Teilnehmende mit kaum einem lebendigen Kontakt zu unserer Region zielt offensichtlich darauf ab, die lokalen Kunstschaffenden zu beleidigen und aus dem Rennen zu werfen.
Ein fundamentales Problem stellt die Jurierung. Es wird immer wieder die Behauptung aufgestellt, dass es sich bei den Juroren um Aussenseiter, also um Unparteiische handle. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich für einen Moment überheblich bin: Die ganze Schweiz ist ungefähr so gross wie Los Angeles, also ist diese Unparteilichkeit schlicht unmöglich. Die Schweizer Kunstwelt, ja sogar die globale, ist eine überschaubare Gemeinschaft mit eng verquickten Interessen.
Was nötig ist, ist ein neues kuratorisches Konzept, z.B. echte Kuratorenarbeit, die heute kaum mehr geleistet wird. Das bedeutet, dass ein Kurator oder mehrere, die sich in der Region auskennen, ganz offen die Künstler besuchen, die Sachen auswählen, die ihnen gefallen, und damit eine Ausstellung machen – und mit ihrem Namen für das Gezeigte einstehen. Ganz sicher würden sie sich der Kritik aussetzen, aber auch Zustimmung und Beifall erhalten, und es gäbe keine verlogenen Vorspiegelungen von Unparteilichkeit und dergleichen. Jedermann wüsste: Das ist die Ostschweizer Ausstellung, wie Soundso sie sieht. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe mich mit verschiedenen Künstlern und Kunstliebhabern in der Ostschweiz zusammengesetzt, z.B. mit Jan Kaeser, Alex Mesmer und anderen, die nicht genannt sein möchten, sogar mit Kuratoren. Unabhängig voneinander schrieben wir eine Liste von Kunstschaffenden, ernstzunehmenden Kunstschaffenden, die uns spontan als Teilnehmer einer regionalen Ausstellung einfielen. Wir hatten schnell je eine Liste von ca. 30 Namen zusammen, und unsere Listen waren praktisch identisch! Es wäre also gar nicht so schwer, eine seriöse Auswahl zu treffen, sofern man über Mut und Unabhängigkeit verfügt.
Ganz im Gegensatz dazu war das "Heimspiel" weitgehend auf die Vermeidung von Verantwortlichkeit angelegt. Offene, nicht klandestine Verantwortlichkeit. Viele Schweizer Kollegen haben mich gewarnt und gesagt, dass dies in der hiesigen Kunstwelt sehr schwierig sei, dass man es vorziehe, im Verborgenen und hinter dem Rücken der Anderen die Fäden zu ziehen, dass man es nicht wage, seine wahre Meinung offen auszudrücken, und dass ich für meine öffentliche Kritik mit irgendwelchen Intrigen gegen mich zu rechnen haben werde. Ich glaube nicht, dass dieser Eindruck zwingend wahr ist. Ich meine, dass eine öffentliche Diskussion möglich ist, und ich möchte sie mit dieser Stellungnahme eröffnen. Und ich meine, dass es an mir liegt, an die Öffentlichkeit zu treten, weil ich als Künstler ohnehin vorwiegend ausserhalb der Ostschweiz tätig bin und weil ich an den meisten dieser "Heimspiele" vertreten war. Ich kann mich persönlich über die Behandlung durch die regionalen Kuratoren und Kunstgemeinschaft nicht beklagen. Wenn sich jemand anders wehrt, wird man es als "Saure Trauben-Syndrom" abtun, was in meinem Fall kaum möglich ist. Ich äussere meine Kritik hier und auf diese Weise aufgrund meiner Einsicht in die Gegebenheiten, aus moralischer Verantwortung und dem Bedürfnis nach Redlichkeit. Die Diskussion unter Künstlern hat übrigens bereits begonnen, zusammen mit Matthias Kuhn und Alex Meszmer, auf unserer Ostschweizer Kunst-Diskussions Blog Site, dem "Swiss Art Sharkforum". Besuchen Sie die Website und beteiligen Sie sich daran! Und auch für die lokale Presse könnte es von Interesse sein, sich aus erster Hand Informationen darüber zu beschaffen, was die Beiträge und Anliegen der regionalen Künstler sind.
Was wir unverkennbar dringend brauchen, ist ein offenes und klares Gespräch über diese Ausstellungsreihe und darüber, was nötig ist, um eine echte Ausstellung des Ostschweizer Kunstschaffens ins Leben zu rufen. Ausstellungen wie diese und ihre Vorgänger (bei denen auch meine Kunst oft dabei war, wie gesagt) sind nur wenig verhüllte Beleidigungen für die Künstler und Künstlerinnen, die hier wohnen und arbeiten. Ausstellungen wie das „Heimspiel" müssen im Dienst der Kunst existieren, die hier geschaffen wird; sie sind nicht dazu da, um als kuratorische Werkzeuge das regionale Schaffen zu demütigen. Diese Ausstellungsreihe hat nichts damit zu tun, was sich Josef Felix Müller und die übrigen von uns vorgestellt haben, als wir diese Ausstellung gemeinsam aus der Taufe gehoben haben. Die Künstlerinnen und Künstler von Visarte, die Künstlerinnen und Künstler von exex und alle anderen Ostschweizer Kunstschaffenden müssen sich zusammensetzen und Ideen für eine authentische, positive, das Potential der Ostschweiz stärkende Ausstellung ausdenken. Wie muss eine wirkliche Ausstellung des Ostschweizer Kunstschaffens aussehen?
Unter das Niveau des "Heimspiels 2006" kann sie jedenfalls nicht sinken.
07 February 2007
Noch einmal Heimspiel. Nachdem Meszmer bereits an der Wursttheke gespiesen und dann ziemlich verständnislos und schnöd über das Ostschweizer Kunstschaffen 2006 berichtet hat und nachdem man in der Lokalpresse die übliche endlose Aufzählung von Namen lesen konnte, ein who-is-where des St.Galler Heimspiels gewissermassen, ohne den geringsten Ansatz zu einer Kritik, und nachdem man in der überregionalen Presse dieses Spiel kaum zur Kenntnis genommen hat ... Also dann, noch einmal Heimspiel ...
Ein Heimspiel ist, wenn der heimische Klub im eigenen Stadion vor dem eigenen Publikum spielt. Man hofft dann auf den Heimvorteil und rechnet mit einem deutlichen Heimsieg. Alles andere wäre, grad in St.Gallen, eine Überraschung. Man kennt das: Das Publikum schreit und peitscht den eigenen Klub zum Sieg. Die andere Spiele sind Auswärtsspiele. Da sind dann von den eigenen Fans nur die eingefleischten dabei und das Spiel wird, eben vor dem Heimpublikum des Gegners, um so schwerer.
Zum Sport gibt es in der Ostschweizer Kunst diesen Dezember und Januar keine Parallelen. Also ist der Titel für die Ausstellung Ostschweizer Kunstschaffen 2006 im Kunstmuseum, der Kunsthalle und im Projektraum exex verfehlt. Oder weckt falsche Erwartungen. Die meisten teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler leben nicht in der Ostschweiz und kehren nur für die Heimspiele in den Osten zurück. Und um sich für Stipendien zu bewerben gern auch zwischendurch. Alles nicht weiter schlimm: Denn die meisten wurden gezwungen wegzugehen. Zum Beispiel um Kunstausbildungen zu machen. Und auch klar, dass diejenigen, die nach Abschluss ihrer Studien wieder zurückkehren, in der krassen Minderzahl sind. Macht auch nichts: Man würde es vielen zu Hause gebliebenen Kunstschaffenden wünschen, es hätte ihnen irgendwann einer einen Tritt in den Arsch gegeben und sie aufgefordert ihre Kunst draussen in der Welt zu erproben. Wir hätten weniger schlechte Bewerbungen im Heimspiel-Archiv. Schliesslich braucht die Kunst den Test und die Reibung. Kunst die sich der Konfrontation entzieht ist selbstgenügsam, selbstgefällig und in den meisten Fällen unbedeutend. Wohl verstanden, nicht für die Künstlerin, den Künstler persönlich, sondern für einen zeitgenössischen Kunstdiskurs.
So ein Heimspiel hat also zwei Seiten. Durch den Reimport von quasieinheimischen Künstlerinnen fehlen die Plätze für die guten einheimischen Künstler. Wer die Listen der Bewerberinnen durchgeht, findet schnell eine ganze Reihe von Namen, die unbedingt hätten vertreten sein müssen in der Schau. Kunstschaffende, die seit Jahren in der Ostschweiz leben und kontinuierliche, professionelle Arbeit leisten. Von ihnen hätte man gerne nach drei Jahren zu Hause wieder etwas gesehen, vielleicht zu wiederholtem, vielleicht zum ersten Mal. Ein echtes Heimspiel eben und ein Test dazu: Vor den Freunden hat man schliesslich nicht nur den Heimvorteil, sondern ist immer auch besonders kritischen Kennerblicken ausgesetzt.
Natürlich ist es eine dringende Notwendigkeit für Anlässe wie ein Heimspiel die Künstlerinnen von auswärts zurück in die Ostschweiz zu bringen und damit Verbindungen zu reaktivieren, die vielleicht verloren waren. Es geht dabei um jene Künstler, die in Zürich, Genf, Basel, Düsseldorf und so weiter studiert haben und dadurch längere Zeit abwesend waren. Ihre Erfahrungen, vor allem an Kunsthochschulen und im Austausch mit anderen Kunstszenen sind für die Ostschweizer Kunstprovinz von unschätzbarem Wert. Diese Idee rechtfertigt auch den Umstand, dass die Vorarlberger zum zweiten Mal Gast am Heimspiel sind. Die Ostschweiz gewinnt dadurch beträchtlich an Boden: und reicht im Osten jetzt mindestens bis Wien!
Beide Aspekte sind zum Beispiel für die Arbeit im Projektraum exex integraler Bestandteil der vermittelnden Arbeit: Die Konfrontation regionaler mit überregionalen Positionen. Im exex allerdings geht das Konzept von streng kuratierten Ausstellungen aus und erweckt nicht in öffentlichen Ausschreibungen die Hoffnung, dass der Raum für alle offen sei. Denn das ist er nicht! Ein Kuratorinnenteam steht letztlich auch für die Qualität des Programms ein. Das ist im Heimspiel anders. Die Ausschreibung suggeriert eine breite regionale Abstützung nicht nur auf organisatorischer Basis, sondern auch auf künstlerischer. Die einheimischen Künstler stellen dann regelmässig nach Veröffentlichung der auserwählten Namen fest, dass die Region wieder einmal zu kurz gekommen ist ... während Auswärtige das hohe Niveau der Dreijahresschau loben.
Ob es die Angst ist, dass das Niveau des Heimspiels unter ein erträgliches Mass sinken könnte, wenn man den Titel der Schau allzu wörtlich auslegen würde, oder ob es tatsächlich so ist, dass die einheimische Kunst nicht nur quantitativ, sondern eben auch qualitativ nicht ausreichen würde eine grosse triennale Schau zu bestücken, sei dahingestellt. Aber vielleicht würde es sich lohnen mit der Form, die wir jetzt drei Mal identisch durchexerziert haben, ein bisschen herumzuexperimentieren.
Dazu nur mal schnell ein paar Ideen. Vielleicht mit einem neuen Jurierungs-Prozedere? In der Ostschweiz ist es eine zu hundert Prozent auswärtige Jury, die die Teilnehmerinnen auswählt (wobei seit dem ersten Heimspiel nicht ganz klar ist, was unter dem Mitsprachrecht und der Beratungsfunktion der Institutionen zu verstehen ist). Im Kanton Graubünden ist die Jury beispielsweise zusammengesetzt aus einheimischen und externen Sachverständigen, während in Basel die teilnehmenden Häuser je eine Jury stellen, die für die eigenen Räume aus den Eingaben Teilnehmer auswählt. Glarus dagegen zeigt im Kunsthaus seit Jahren unjurierte Ausstellungen. Dieses Jahr sind die Künstler von R bis Z an der Reihe. Und ein wesentlicher Unterschied: alle erwähnten Institutionen richten ihre Übersichtsausstellungen jährlich aus. Und auch nur nebenbei: Die erwähnten Vorgehensweisen garantieren weder für eine gleichbleibend hohe Qualität der Jahresschauen (der Jahrgang 2006 zeigt dies überdeutlich), noch für eine grössere Zufriedenheit unter den einheimischen Künstlern.
Oder müsste man die Teilnahmebedingungen überdenken? Vielleicht wären Medien- (Malerei, Video und so weiter) oder Regionalschwerpunkte (Fürstenland, Rheintal und andere) eine Idee? Und dann auch Teilnahmen der Kunsthalle Wil, des Shed im Eisenwerk Frauenfeld, der in Gründung begriffenen Kunsthalle Toggenburg in Wattwil (und selbstverständlich anderer Institutionen zwischen Rapperswil und Kreuzlingen) ein Thema. Kann ja sein, dass eine Dezentralisierung des Heimspiels der Provinz eher entspricht als der Zusammenzug der Szene in der Kapitale.
Oder eben: man unterscheidet für einmal zwischen dem Heimspiel und dem Auswärtsspiel und macht das Thema explizit. Zuerst ein echtes Heimspiel: Was bedeutet es in der Ostschweiz zu arbeiten, hier zu bleiben? Wie kann das gehen? Hält man das überhaupt aus, und wenn ja, wie? Und im andern Jahr das Auswärtsspiel: Was zwingt einen wegzugehen? Und was hindert die meisten daran zurückzukommen? Und vielleicht kehren wir dann im dritten Jahr zum aktuellen Modell zurück: Weil man daran am besten zeigen kann, wie das mit der Kunst auf dem Lande funktioniert .... Und im vierten Jahr mieten wir selbstverständlich ein grosses Industrieareal und machen die seit längerem vermisste unjurierte Jahresausstellung und veranstalten einen bunten Zirkus des Ostschweizer Kunstschaffens!
Platte Wahrheit: Alle Künstlerinnen werden nie zufrieden sein mit den Heimspielen. Vor allem wenn sie von auswärtigen Jurys übergangen wurden. Auch die beteiligten Institutionen werden mit den Heimspielen immer Ausstellungen auszurichten haben, die sie kuratorisch nur zum Teil mitverantworten können. So viel ist klar. Aber vielleicht können wir in der Ostschweiz mit einem neuen Vorgehen, das von den Erfahrungen aus den drei Heimspielen profitiert ein neues Modell lancieren, das den Gegebenheiten besser gerecht wird und wieder für Überraschungen gut ist.
Denn genau das ist die grösste Kritik am HEIMSPIEL 06: Alles auf der sicheren Seite, viele sichere Werte, sehr hohes Niveau, klar, aber keine Überraschungen. Und das kann und will man einfach nicht glauben, dass der Osten für keine Überraschungen mehr gut ist ...
Heimspiel 06 - Ostschweizer Kunstschaffen - das ist der Titel, der alle Kunstschaffenden in den Ostschweizer Kantonen und Vorarlberg zum schwitzen bringen soll: Alles stehen und liegen lassen, sich endlich mal wieder mit der Konkurrenz messen und vielleicht ein kleines Stück vom Glück, ein bisschen Glanz vom Kranz abbekommen und das eigene Werk ins Museum stellen können - so würden es die Veranstalter gerne sehen. Doch was erwartet uns in den heiligen Hallen?
Die Liste der Künstler versprach Bekanntes ohne grosses Risiko. Beim Betreten des Kunstmuseums fielen mir als erstes die kulinarischen Freuden des üppigen Buffets in die Augen und beinahe war ich versucht mich daran zu laben, statt mich der Kunst hinzugeben. Trotzdem stieg ich die Treppe hinauf, die Gunst der Stunde nutzend und den Wortschwall im muffigen Keller meidend, nur Wenige taten es gleich um sich die Arbeiten in Ruhe anzusehen.
Jedoch, was geboten wurde war enttäuschend.
Und es ist nicht die Kunst, die enttäuscht. Der waltende kuratorische Overdrive hat alle Positionen, die im Museum vorgestellt werden glattgebügelt und auf Einheit getrimmt. Die einzelnen Arbeiten können sich nicht mehr behaupten und gehen unter im immer gleichen langweiligen Mittelmass, das als Präsentationsstandard vorherrscht. Alles ist sauberst gerahmt, hübschest arrangiert und artigst vermusealisiert. Die Kunst wird kuratorisch enthauptet, für die Ausstellung hygienisch verwurstet und wie beim Metzger um die Ecke fein häppchenweise arrangiert - grad so, dass sich eine schöne Museumsführung arrangieren lässt.
Das ist nicht nur gähnend langweilig, sondern tut auch den einzelnen Positionen nicht gut, die im allgemeinen Wurstsalat untergehen. Eine kleine zerstückelte Version des "kleinsten Gipfeltreffens der Welt" der Gebrüder Riklin ist unschön in eine Ecke gedrängt und im grossen Saal, der zu einem abgedunkelten Riesenkabinett umgewandelt ist, stehen ein paar Videoinstallationen herum wie gelangweilte Fische im Aquarium.
Alexandra Maurers Arbeit habe ich eine Weile gesucht und fand sie auf einem Fernsehbildschirm vertreten, neben anderen: Goldfischglas an Goldfischglas - ohne Sauerstoff zum Atmen.
Arno Oehris Arbeit wirkt wie ein Plakat für Alex Hanimanns Videokabine und die äusserst seltsam und unmotiviert platzierten Schildchen tragen das ihrige zur Verwirrung bei.
Schade eigentlich. Es bleibt nichts wirklich im Gedächtnis, denn alles perlt ab von der aseptischen Oberfläche des übereifrigen Arrangements.
Dass es auch anders geht zeigt die Kunsthalle. Dort ist alles nach dem Kuddelmuddelprinzip drüber und drunter arrangiert und vor allem der Sound der einzelnen Installationen vermischt sich zu einem schier unerträglichen Lärm, der es schwierig macht die Töne ihren Quellen zuzuordnen. Doch hat die etwas dilletantische kuratorische Vorgehensweise einen grossen Vorteil: Man beginnt genauer zu schauen, zu untersuchen und muss etwas Mühe aufwenden beim Betrachten. Die Werke beginnen miteinander zu kämpfen und müssen sich gegeneinander behaupten. So lassen sich Entdeckungen machen, die den Arbeiten ihren Eigenwert wieder geben: Hier darf der Betrachter selber entscheiden, wofür er sich interessieren möchte!
André Bless' Wassertropfen geht fast unter im Getöse und überrascht, wenn man ihn entdeckt.
"The Big One" von Com+Com streitet sich im offenen Farbabtausch mit Peter Stoffel und Walter Burgers kleine Scheunen stehen in der Ecke wie ein vorlauter Schüler aus der 2.Klasse.
Eva Kindlimanns bezaubernde kleine Arbeiten sind mit zwei Museumsbuchvitrinen so lausig im Raum platziert, dass sie den Betrachter ganz für sich einnehmen können, ebenso Aurelio Kopainigs Installation, die dadurch ihren Versuchscharakter nur noch verstärkt.
Kunst kann für sich selber stehen, das scheint mir das Fazit des Abends zu sein und Kunstwerken wirklich die Chance zu geben, sich frei entfalten zu können, sollte eigentlich die Vorgabe für jede Ausstellung sein.
Warum will ich denn sonst Kunst ausstellen, wenn ich ihrer Wirkung nicht vertraue?
Die Jury hat den Kuratoren eine schwierige Auswahl präsentiert, denn auch diese Schau ist sehr videohaltig. Dass dies nicht unbedingt besucherfreundlich ist, hat man im grossen Rahmen 2002 an der Documenta in Kassel erleben können. Ob diese Vorgabe inzwischen auch ausschlaggebend für die Zusammenstellung einer Ausstellung wie das Heimspiel war (ein bisschen Documenta endlich auch in allen Provinzen) oder ob die Kasseler Schau die Künstler überall in der Wahl ihrer Techniken beeinflusst, sei dahingestellt.
Ein wenig abseits im Projektraum exex präsentiert sich Alexander Hahn. Er passte wohl nicht ganz in das kuratorische Konzept der anderen beiden Institutionen. Ausserdem bietet das exex wieder einen Einblick in die Sammlung aller eingegebenen Portfolios: Dort kann man in Ruhe im Archiv des Ostschweizer Kunstschaffens kramen und Entdeckungen machen - vielleicht sogar die interessanteren.
Urs Küenzi bietet im Projektraum exex auch einen Crash-Kurs zur Erstellung einer perfekten Künstlerdokumentation an. Vielleicht wäre ein Crash-Kurs für Kuratoren auch noch eine gute Idee gewesen. (max)
Post Scriptum:
Was das Heimspiel zeigt, ist, dass es auch in der Provinz sehr gute künstlerische Positionen geben kann. Das Grundproblem einer Übersichtsschau ist und bleibt immer, dass es ein Gemischtwarenladen wird, der eigentlich eine kuratorische Herausforderung sein könnte.
Warum muss die Provinz immer so tun, als ob sie auch das Grosse kann? Können wir nicht endlich auch mal dazu stehen, dass wir Provinz sind und dort auch gut leben?
Warum müssen wir uns immer an den grossen Vorbildern anlehnen und deren unsaubere Ideen kopieren?
Zusätzlich schleicht sich durch die Hintertüre das Schollenproblem: Die eigene Scholle bewirtschaften, sehr eifersüchtig über die Erfolge der anderen wachen und schauen, dass man selber nicht zu kurz kommt und dabei so tun, als ob es die Welt da draussen nicht gebe (auweia - ich hab so Angst mal den eigenen Kanton zu verlassen)...
Herrgottnochmal - die Kunst wurde vor der Ostschweiz erfunden und es wird sie auch noch geben, wenn der Säntis längst platt ist und im Meer versunken sein wird. Und ich bin es leid dauernd schlechte Kopien von Künstlern zu sehen, die international bekannt sind, während man so tut, als würden diese nicht existieren.(So das musste auch mal sein).
Die ganzen politischen Probleme die bei dieser Diskussion mitschwingen, wie zum Beispiel, welcher Kanton mit wievielen Künstlern vertreten ist, welcher Kanton wieviel Geld zu diesem Spektakel zusteuert und wie die eigenen Künstler gefördert werden, das ist eine Diskussion, die ich aussen vor gelassen habe. Sie muss diskutiert werden, denn spätestens an diesem Punkt wird die ganze Organisation fragwürdig - allerdings besser während der Ausstellung oder sofort danach, denn dann werden die Weichen gestellt für die nächste Show in drei Jahren.
Die Institutionen Kunstmuseum und Kunsthalle können sich durch das Heimspiel einen schönen Batzen Vorteil herausholen: übertreffen doch die Besucherzahlen dieser Ausstellung alle anderen Projekte, die sie sonst präsentieren und sie bekommen eine kostengünstige Ausstellung geliefert. Für soviel Eigennutz wäre auf alle Fälle Sorgfalt gefragt.
Die Umsetzung des Heimspiels überzeugt nicht und hat es auch vor drei Jahren nicht wirklich getan. Was herausgekommen ist, ist eine gelungene desinfizierte Wursttheke, mehr auch nicht.
In jedem Fall stellt sich die Frage, wie es besser gemacht werden könnte. Auf diese Diskussion bin ich gespannt und möchte sie gerne eröffnen.
06 February 2007
In Greek mythology, the Muses are nine goddesses who personify fields of artistic endeavor. They are used in modern times to refer to inspiration, often with creators half-jokingly referring to their own personal artistic muse, as if they were a form of quirky guardian angel with endless numbers but unpredictable demands. In addition, the word amuse has its roots in their name.
The number of Muses began as three, quickly expanded to four and finally, still in ancient Greek times, to nine. The Muses were not assigned standardized divisions of poetry/song until late Hellenistic times. The assignments themselves were not completely hard and fast even then. Apparently, in the 19th century, that age of grand systemizing, various "duties" and forms of art were assigned to them, with which they are now identified, although there are several versions of the system.
Likewise, traditionally, there is a numbered list of the Arts. The number itself has varied widely, from five to nine, generally. Originally they were all versions of poetry and literature, with the addition of dance, comedy (theatre), tragedy, and usually history and astronomy. To the ancient Greek, all forms of literature were forms of poetry, and therefore of music, as poetry was sung. Ricciotto Canudo, an Italian film theoretician living in France, claimed in 1911 that film was the sixth art. Later, Canudo renumbered his list, in the article Reflections on the Seventh Art, making film the seventh. Then, in 1964 Claude Beylie, a leading French film academic, said that comics were the ninth art, as Beylie felt that television was the eighth.
As I said above, the Muses, usually nine, were often assigned art forms, especially in the 19th century. This activity began to cross with that of numbering the arts to produce various strange and enchanting lists. One common one was the following:
Calliope was the muse of epic poetry. Clio was the muse of history. Erato was the muse of love poetry. Euterpe was the muse of music. Melpomene was the muse of tragedy. Polymnia was the muse of sacred poetry. Terpsichore was the muse of dance. Thalia was the muse of comedy. Urania was the muse of astronomy.
However, nowadays it is usually different — we see history and astronomy as sciences, so Clio and Urania have to get other jobs. Additionally, we see all poetry as one art form, so Calliope, Erato and Polymnia have overlapping functions. We also think theatre is one thing, not comedy and tragedy as separate, so Thalia and Melpomene have to work together.
Taking into account current divisions, utilizing Clemens' vast knowledge (he is also a scholar of ancient Greek), thus considering the meanings of the Greek names of the Muses, here is Clemens' and my list, for our Postmodern times:
Shark Version
The Nine Arts and Nine Muses
1) painting (including drawing and photography) — Polymnia
2) sculpture (including installation) — Clio
3) theatre — Melpomene
4) architecture — Urania
5) music — Euterpe
6) dance — Terpsichore
7) literature — Calliope
8) cinema ("moving images" in whatever technological format,
so also TV, video, etc.) — Erato
9) comics (now universally called the ninth art, the only really fixed
"number term" nowadays, and the most recent) — Thalia
Some notes:
Polymnia, all painting is somehow sacred, celebrates vision; her name means "many hymns," but is not exclusively sacred, it also means "many songs of praise," "many paeans," "many expressions of joy." That's painting to me. Drawing as an aspect of painting is clear, but also photography is, I believe, indeed photo-graph-y, i.e. "drawing with light," thus a form of painting.
Clio, sculpture was originally born of works of commemoration, seeking "monumental presence." A solid remembrance, related to Mneme, the unnamed precursor of the Muses, the Muse/goddess of memory. Clio's name is from the root meaning "recount" or "make famous".
Melpomene, because tragedy is clearly now the queen of drama. There is an enduring tradition of paintings of famous actresses posed as Melpomene.
Urania, " heavenly measure," mathematics embodied, is now more architecture than astronomy.
Euterpe, she keeps her original job, which was one of the few rather fixed points, and her name means rejoicing/singing well, singing with delight, to please well.
Terpsichore, she too keeps her traditional assignment, and her name fits it well ("delight of dancing").
Calliope, because literature, whose queen is nowadays the novel, was all born of epic poetry; "beautiful-voiced," "beautiful speaking.".
Erato, well, you know --- love stories, eroticism, reigns in movies; even the fact that "eros" implies a more superficial form of love seems appropriate; one of her sites was a pilgrimage place for star-crossed lovers in ancient times; her name means something close to "lovely."
Thalia, (meaning “blooming,” "flourishing," the amused muse), because the term for comics in most languages (incl. comics, funnies, manga, etc.) is a form of "comic story" or "amusing art."
Image: The Dance of Apollo with the Muses, by Baldassare Tommaso Peruzzi, early 1500s