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Warum schreibt jemand Gedichte? Zu verschiedenen Zeiten habe ich diese Frage unterschiedlich beantwortet. Adoleszent: Weil ich muss. Weltanschaulich bemüht: aus Erkenntnisinteresse. Berufsgeschädigt: als Mittel journalistischer Sprachhygiene. Eingestandermassen nie damit, ich würde Gedichte machen, um als Lyriker zu gelten. Tatsache ist, dass ich Gedichte grundsätzlich nebenbei schreibe.
Aber warum veröffentlicht einer Gedichte, der nicht als Lyriker gelten will? Weil Gedichte zu schreiben kein Hobby, sondern eine politische Arbeit ist, die noch dann öffentlich interveniert, wenn sie das, was als «Öffentlichkeit» gilt, unterläuft oder verweigert.
Als Lyriker, der keiner sein will, bin ich ein marktfeindlicher Planwirtschafter mit einem Fünfzehnjahresprogramm: 1989 habe ich die vier bis dahin entstandenen Gedichtzyklen im sogenannten «Konvolut» zusammengefasst – einem Buch, das das Mögliche tat, keines zu sein.
2005 unterstützte mich der Rotpunktverlag in Zürich darin, eine zweite Sammlung unter dem Titel «Echsenland» als Buch erscheinen zu lassen. Dieses Buch war als «Buch» nötig, weil man jeden Fehler einmal getan haben muss, um zu wissen, warum er ein Fehler ist.
Die dritte Sammlung meines Fünfzehnjahresplans heisst vorderhand «Gedichte 3» und hat sich als work in progress in Dienst zu stellen für die Rubrik der Monatsgedichte auf dieser Homepage. Allesamt Texte ohne Kassenhäuschen demnach, wenn nicht in jedem Fall «wertlos», so doch in jedem «wertfrei». Allerdings gilt auch hier der Copyright-Vermerk, der schon dem «Konvolut» als Mahnung beigegeben war: «Wer das Konvolut oder einzelne Teile daraus krass missbräuchlich verwendet, den treffe der Bannspruch der Poesie.» Obacht, Trottel, damit ist nicht zu spassen.