Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03163.jsonl.gz/2383

Name: martin Permalink: http://tierrechtsforen.de/1/7406/9541

Datum: 14.07.11 20:59
Dieser Beitrag wurde 2087 mal gelesen
> Nach meiner Meinung, überschätzst du die Objektivität der
> Wissenschaft, die letzendlich nur von der Entwicklung und
> Sensibilität der Messgeräte abhängig ist
Den Zusammenhang verstehe ich nicht. Warum überschätze ich die Objektivität der Wissenschaft mit dem Hinweis, dass man keine offensichtlich unwissenschaftlichen Quellen benutzen sollte?
Dazu ist es auch gut zu wissen, dass der Zeitraum von drei Monaten kein wissenschaftliche, sondern in erster Linie eine praktische/pragmatische Grenzziehung ist. Daher sollte man hiermit nicht gegen "die Wissenschaft" argumentieren.
> Nun, diese acht Zellen braucht man erst gar nicht
> abzutreiben, in diesem Stadium ist die Schwangerschaft noch
> gar nicht sicher.
Sicher, aber Theisten und andere unreflektierte Abtreibungsgegner wettern zz. z.B. gegen PID und die wird an einem vier- bis achtzelligen Embryo durchgeführt, der dann ggf. "abgetrieben" (richtiger: verworfen) wird. Genauso wie es für mich notwendig ist, mich von feministischen Parolen wie "Mein Bauch gehört mir" zu distanzieren, ist eine Distanzierung von solchen Positionen.
> Mit 7 Wochen- also im
> Abtreibungstoleranten Zeitraum sind alle Organe vorhanden. Es
> entwickelt sich nichts Neues mehr. Das Kind ist 21 mm groß.
> Es braucht nur noch Nahrung und Zeit, um zu wachsen und zu
> reifen. Und es reagirt auf Angriff mit offensichtilcher Angst.
Woraus schließt du "offensichtliche Angst"? Von Bewegungen, die z.B. auf solchen Ultraschallbildern zu sehen sind, kann man nicht auf die tatsächlichen Ursachen dieser Bewegungen schließen. Daher denkt dieser Arzt durchaus theistisch, da er monokausal argumentiert und seine Annahme nicht hinterfragt.
Wenn man Empfindungsfähigkeit als Grundlage nimmt, wäre die Drei-Monats-Regel vielleicht gar nicht so daneben.
Zitat:
Der Bericht der britischen RCOG kam nun zu dem Ergebnis, dass Föten bis zur 24. Schwangerschaftswoche keine Schmerzen empfinden können. Damit kam er zu einem vom ersten Bericht 1997 abweichenden Ergebnis, der den Gebrauch von Analgetika bis zu diesem Zeitpunkt befürwortet hatte. Festgestellt wurde, dass die notwendigen Nervenbahnen bis zur 24. Wochen noch nicht im Gehirn verschaltet seien, eine Wahrnehmung von Schmerzen deshalb ausgeschlossen. Allan Templeton, Vorsitzender der Arbeitsgruppe, nahm zu den Reflexbewegungen von Föten ebenfalls Stellung: „Tatsächlich gibt es reflexive Reaktionen, aber da die Nerven noch nicht mit dem Cortex verbunden sind, sind es Reflexreaktionen ohne Gefühl von Schmerzen.“ Der Bericht hält fest, dass die gleichen Reflexbewegungen ebenfalls bei fehlentwickelten Föten beobachtet wurden, die teilweise überhaupt kein Gehirn hatten und demzufolge auch nicht zu einer sensorischen Empfindung in der Lage gewesen sein konnten.
(http://www.wissenrockt.de/2010/06/27/ab-wann-fuhlen-menschen-schmerzen-7549/)
> Die Frage ist: wann fängt der Mensch zu leben an?
Das ist keine gute Frage. Pflanzen leben auch, trotzdem benötigen sie keine ethische Berücksichtigung. Ich denke, Empfindungsfähigkeit ist ein sinnvolleres Kriterium.
> Heute, mit
> der Entwicklung und vortschreitende Sensibilierung der
> Geräte, verschiebt sich der Zeitpunkt mehr und mehr zurück
> zum Anfang.
Nicht unbedingt, s.o.
> Also,kann man auch keine ethisch sichere Antwort
> auf diese Frage geben- das wollte ich nur betonen.
Ich würde eher sagen, man kann keine abschließende Antwort geben, weil die wissenschaftliche Erforschung dieser Zusammenhäng nie eindeutig abgeschlossen sein wird. Aber man kann von dem heutigen Wissen ausgehend die bestmögliche Entscheidung treffen. Und aus sozialen Gründen (Stichwort illegale Abtreibungen bei Verbot) muss man eine Entscheidung treffen.