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Der Schwyzer Aristokrat Alois von Reding war militärischer Führer, Politiker und erster Landammann der Helvetik. Wie war er aber sonst noch?
Am 2. Mai 1798 sind Napoleons Truppen gegen Schwyz gezogen. Im Raum Rothenthurm wurden sie aufgehalten, eine ganze Brigade wurde in die Flucht geschlagen. Kommandant der Schwyzer war der damals erst 33jährige Alois von Reding. Dieses Gefecht trug ihm den Ruf als «Held von Rothenthurm» ein. Eine Grabtafel an der Südseite der Pfarrkirche Schwyz belegt dies bis heute. Vor 200 Jahren, am 5. Februar 1818, ist Alois von Reding gestorben. Dieser Gedenktag war Anlass für ein Referat im Bundesbriefmuseum. Staatsarchivar Valentin Kessler zeichnete ein subtiles Bild dieses Staatsmannes und Militärs, dessen Leben von den riesigen politischen Umwälzungen in Europa und der Schweiz geprägt war und der in Pflichterfüllung und vom Schicksal mit Aufgaben betreut wurde, denen er auf dem glitschigen Parkett der damaligen Politik nicht gewachsen gewesen sei.
In Paris sogar mit Napoleon verhandelt
Wie seine Brüder absolvierte Alois von Reding eine militärische Karriere, die ihn bis zum Oberstleutnant in Spanien führte. 1794 kehrte er definitiv nach Schwyz zurück und wurde aufgrund seiner Kenntnisse im Kriegshandwerk 1796 Landeshauptmann, also Kommandant der Schwyzer Truppen, die mehrmals gegen die anrückenden Franzosen aufgeboten worden sind. Als die alte Ordnung zerbröckelte und die Helvetik Tatsache geworden war, zog es von Reding immer mehr in die Politik, als erster Landammann der Helvetik, als Abgeordneter und Vorsitzender an den Tagsatzungen, als Diplomat auf dem europäischen Parkett. Unter anderem verhandelte von Reding mit Napoleon in einer «Aussprache unter zwei Soldaten», wie er es selber sah, oder traf an Audienzen den österreichischen Kaiser und den russischen Zaren. Umgekehrt wusste sich von Reding zu distanzieren: Er verzichtete auf eine Teilnahme an Napoleons Kaiserkrönung, lehnte Kommandos in der französischen Armee ab und wurde von den Franzosen auch zweimal auf der Aarburg gefangen gehalten. Von Reding geriet immer mehr zwischen die Interessen der damaligen politischen Bewegungen der Bewahrer der alten Ordnung und der Erneuerung durch Helvetik und Mediation. In der Heimat nahm er eine eher moderate, besonnene Haltung ein und wurde deshalb immer mehr angefeindet von jenen, welche die alte Ordnung wieder herstellen wollten. Staatsarchivar Kessler bezeichnete es als eine eigentliche «Hassund Verleumdungskampagne», der von Reding ausgesetzt gewesen sei und die darin gipfelte, dass man sein Haus in Flammen setzen wollte.
Von Frankreich als Graf geadelt
Von Reding war edelmütig und ritterlich, aber auch selbstherrlich, hatte ein aristokratischherrisches Auftreten und konnte sehr beleidigt sein. In dieses Bild passt, dass er von Frankreich mit dem Titel eines Grafen geadelt worden ist. In Redings Biografie überrascht aber auch, dass er sich in Schwyz um das Schulwesen und Hilfsaktionen gekümmert hat oder sich für die Loslösung von Konstanz und die Bildung eines Bistums Urschweiz eingesetzt hat, was aus heutiger Sicht geradezu prophetisch anmutet.
Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Dies & Das
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/VhEj3F