Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03488.jsonl.gz/2254

Seit fünfzehn Jahren arbeitete Karin Halbherr als Sekretärin bei Herrn Preisel, aber nie war ihm eingefallen, sich in sie zu verlieben. Wenig sprach dafür, etliches dagegen, beispielsweise der eher einfache Geist der Halbherr, ihre Liebe zu Katzen, ihre ins Füllige gehende Gestalt und ihre Angewohnheit, sich beim Nachdenken im Haar zu kratzen. Eines Sommers jedoch geschah es dennoch, dass Herr Preisel sich in Fräulein Halbherr verliebte. Später sprach er es den in jenem Jahr überdurchschnittlich hohen Temperaturen zu und der damaligen Frauenmode, die sehr kurze Röcke vorschrieb und Herrn Preisel so in einen für Geschlechtliches empfänglichen Zustand versetzte.
So sehr Herr Preisel in Liebesdingen unerfahren war, so sehr war er erfahren im Sich-Verlieben, einen Zustand, den er insbesondere in seinen jungen Jahren nur allzuoft an sich hatte feststellen müssen. So erkannte er diesen denn auch sofort, als er einmal eingetreten war und konnte sogar, da er einen plötzlichen Anfang genommen hatte, diesen zeitlich genau bezeichnen. An einem äusserst heissen Nachmittag nämlich, an dem Herr Preisel gegen seine Gewohnheit das Jackett ausgezogen hatte, ging er ins Büro von Fräulein Halbherr um den Ordner «H bis K» zu holen, der sich in einem Gestell im Rücken der Sekretärin befand. Dabei bemerkte er, dass Fräulein Halbherr ihre Schuhe ausgezogen hatte, und sich mit der Sohle des linken Fusses an der Fessel des rechten kratzte. Durch die Reibung der zwei Nylonstrümpfe entstand eine Art statischer Ladung, die, noch verstärkt durch die von einem aufziehenden Gewitter elektrisierte Luft, Herrn Preisels kurzgeschnittene Nackenhaare sich sträuben liess, was er als alarmierend aber äusserst angenehm empfand. Obwohl er sich unverzüglich zurück in sein Büro begab, hielt das verwirrende Gefühl an und führte dazu, dass Preisels Produktivität für den Rest des Nachmittages stark beeinträchtigt war.
Unglücklicherweise fand am nächsten Tag der jährliche Betriebsausflug von Rothoff & Cie. statt, der die Belegschaft in diesem Jahr an den Rheinfall führen sollte. Nachdem sich das Gewitter am Vorabend mit Macht entladen hatte, war der Morgen des Ausflugstages von einer herzerhebenden Frische. Herr Preisel hatte sich in einem Anflug von Leichtfertigkeit in eine hellgraue Hose und ein dezent kariertes, kurzärmliges Hemd gekleidet, während Fräulein Halbherr einen ärmellosen Sommerrock aus Viscose und darüber ein leichtes, weisses Strickjäckchen trug. Durch das gestrige Vorkommnis vorsichtig geworden, vermied es Herr Preisel, sich allzu oft in der Nähe seiner Sekretärin aufzuhalten. Dennoch entging ihm nicht, dass durch die locker gestrickten Ärmel ihres Jäckchens die helle Bräune ihrer vollen Arme zu sehen war. Als hätte Fräulein Halbherr die Blicke ihres Chefs gespürt, setzte sie sich beim Mittagessen neben ihn, sprach gegen ihre Gewohnheit nur wenig und schien sich zu bemühen, einen guten Eindruck zu hinterlassen, indem sie Herrn Preisel meistens zustimmte und gegen Einwürfe jüngerer Kollegen in Schutz nahm.
Durch den Wein und das üppige Essen war Herr Preisel etwas betäubt, und als Fräulein Halbherr mit einem Hinweis auf die inzwischen wieder gestiegene Hitze ihr Jäckchen auszog, konnte er nicht umhin, ihre schönen Arme mit Wohlwollen zu betrachten. Der Direktor von Rothoff & Cie. hielt eine kurze Rede und forderte danach seine Angestellten auf, ihm nun zum Rheinfall, dem grössten Wasserfall Europas, zu folgen. Dieser sei zu Fuss in einer guten Viertelstunde zu erreichen. Man erhob sich, und nach einigem Hin und Her hatten sich Pärchen und kleine Gruppen gebildet, die gemeinsam marschieren wollten. Herr Preisel und Fräulein Halbherr gesellten sich wie selbstverständlich zueinander und machten sich auf den Weg. Nach ungefähr zehn Minuten kam der Zug auf einen schmalen Weg, auf dem gelegentlich unregelmässige Stufen zu überwinden waren. Fräulein Halbherr hatte einige Mühe, da sie nur leichte Schuhe trug, und Herr Preisel bot ihr unter dem Vorwand der Hilfsbereitschaft seinen Arm an.
Herr Preisel hatte nicht bedacht, dass er ein kurzärmliges Hemd trug und so kam es, dass beider nackte Arme sich berührten, ja an schwierigen Stellen des Weges fest aneinandergedrückt wurden. Herr Preisels Puls beschläunigte sich, und er spürte, wie er trotz eines am Morgen aufgetragenen, ansonsten sehr wirkungsvollen Antitranspirants stark zu schwitzen begann. Dies, wie die körperliche Nähe zu einer im beinahe vollkommen unbekannten Person regte ihn so sehr auf, dass er, am Rheinfall angekommen, sich für einige Momente hinsetzen musste. Immerhin hatte er die Geistesgegenwart, dies an einem Ort zu tun, wo niemand sich neben ihn setzen konnte, sodass Fräulein Halbherr frontal vor ihm stehen blieb, was seine Sinne allerdings nur noch mehr erregte.
Vor dem gemeinsamen Nachtessen entschuldigte sich Herr Preisel mit einem nur ihm plausibel erscheinenden Vorwand. Zu Hause angekommen, setzte er sich mit einem Glas Früchtetee, den er selbst zubereitet hatte, auf den Balkon und dachte bis zum völligen Einbruch der Dunkelheit an Fräulein Halbherrs weichen Körper.
Im Bett mit Helvetia
Der Krieg ist noch nicht zu Ende!
«Und es gibt doch eine Zukunft»
Lyrisches Suchbild
Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen
Seelig sind, die reich sind im Geist, denn Ihnen ist die Bibliothek
Warum nicht?
Zusammen sein ist was zählt
Eigentlich will Frau Blum nur einen Tisch kaufen
heiliger bimbam. der «Eidgenoss» ist tot.
Kleiner Mensch, einen grossen Berg betrachtend
Apocalypse — not now!
Weh unser guter Fussball ist tot
Boys, boys, boys...
Lustvollen, kultivierten Mann
Landstamm
Es ist genug!
«S'Mami lueget scho»
Hansmax Preisel verliebt sich in seine Sekretärin
Hansmax Preisel macht Inventur zur Halbzeit
Hansmax Preisel stellt seine Uhren
Hansmax Preisel wehrt seinem Durst
Platz für unsere kleinen Lieblinge
Herbert – Sie liebten sich nur einen Sommer
Liebe zwischen Tal und Gipfel
Diana, ein schöner Name, Mercedes, ein hässlicher Tod