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Ausgelöst durch lange andauernde Phasen von Stress oder durch besonders einschneidende Ereignisse wird die seelische und körperliche Adaptionsfähigkeit des Menschen überfordert, wenn
nicht genügend Ressourcen und Resilienzfaktoren aktiviert werden können. Es resultieren Störungen der Selbstregulation, die eine professionelle Unterstützung erforderlich machen. Beeinträchtigungen des Wohlbefindens und Beschwerden werden in der KomplementärTherapie als Symptome bzw. Warnsignale verstanden, welche auf starke oder anhaltende Ungleichgewichte und Störungen der Selbstregulation hinweisen. Werden sie nicht beachtet und wird nicht rechtzeitig gehandelt, können Krankheiten entstehen.
Ausgelöst durch lange andauernde Phasen von Stress oder durch besonders einschneidende Ereignisse wird die seelische und körperliche Adaptionsfähigkeit des Menschen überfordert, wenn
Gesundheit und Krankheit sind ein dynamisches Geschehen. Gesundheit ist die Fähigkeit, pathogene Faktoren ausreichend wirksam über die Selbstregulation zu kontrollieren; Krankheit stellt sich
dann ein, wenn der Organismus die selbstregulierende Kompetenz zur Bewältigung von Störungen
nicht ausreichend zur Verfügung stellen kann. So gesehen, muss Gesundheit in jedem Moment
des Lebens neu „geschaffen“ werden.
Gesundheit und Krankheit sind nicht polare Zustände, sondern gehen fliessend ineinander über.
Sie können als Endpunkte auf einem so genannten Gesundheits-Krankheits-Kontinuum gesehen
werden. Der Mensch ist somit nicht entweder gesund oder krank, sondern erlebt verschiedene
Grade von Wohlbefinden und auch „subklinische Gesundheitsbeeinträchtigungen“ wie Schmerzen,
Beschwerden, körperliche Einschränkungen und seelisches Leid.
Es ist keine Frage was etwa Fachkompetenz, Führungskompetenz oder soziale Kompetenz bedeuten. Wer Fachkompetenz besitzt, versteht mehr als nur etwas von seinem Fach. Eine Person mit Führungskompetenz weiss, wie ein Team oder gar ein Unternehmen zu führen ist. Menschen mit sozialer Kompetenz haben einen guten Umgang mit anderen Menschen, kennen Empathie, Mitgefühl und können mit Ärger und Konflikten konstruktiv umgehen.
Anders verhält es sich mit der Selbstkompetenz. Denn das Selbst entzieht sich dem logisch rationalen Verstand, kann weder trainiert noch entwickelt werden. Das Selbst gehört einer anderen Dimension des Menschseins an. Es betrifft den Menschen in seinem Sein, seinem Wesen, ist deshalb nicht handhabbar noch verfügbar. Das Selbst kann nur erfahren werden.
Warum dann aber diese Wortschöpfung „Selbstkompetenz“?
Es spricht von einer Fähigkeit, die im Selbst angelegt ist, nämlich von der Kompetenz, mit dem Selbst, dem Wesenskern verbunden zu sein.
Menschen, die diese Fähigkeit besitzen, haben eine besondere Ausstrahlung:
- Sie sind gelassen in stürmischen Zeiten
- sie gehen voran im Leben in der Haltung, die geprägt ist von einem inneren Wissen, dass Unmögliches möglich ist
- sie werden geleitet vom inneren Kompass, der heisst, sei Gehorsam dem eigenen Wesen
- und sie lieben das Leben, indem sie ihm dienen
Quelle: Dr. Anna Gamma, Zen-Meisterin
Es ist eine herausragende Fähigkeit des menschlichen Organismus, sich an die unterschiedlichsten Lebensbedingungen anzupassen. Doch oftmals stehen diesem Prozess die unterschiedlichsten Hindernisse und Schwierigkeiten im Weg. Die Anpassung misslingt, der Organismus gerät in ein Ungleichgewicht und wird krank.
Viele Menschen leiden an einer Form von Überwältigung und Überflutung. Ein permanentes Empfinden von “zu schnell, zu viel, zu intensiv” führt bei vielen Menschen irgendwann zu einem Verlust des gesunden Selbstkontaktes und verhindert die natürliche Regulation.
Aus meiner Sicht ist Vitalität ein dynamischer Prozess, in welchem sich der Mensch zu jedem Zeitpunkt des Lebens zwischen den Polen Gesundheit und Krankheit bewegt. Die Heterostase, also das Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Polen, ist für uns Menschen der Normalzustand.
Das Interessante dabei ist aber, dass zwei Personen mit gleichem Zustand diesen ganz unterschiedlich erleben können. Der eine fühlt sich „sehr krank“ und dem anderen geht es „wunderbar“. Gesundheit ist also immer auch eine subjektiv erlebte Befindlichkeit.
Was also heisst die Differenzierung zwischen Pathogenese und Salutogenese für uns? Was bedeutet das im Alltag und was genau hat dies mit der komplementärtherapeutischen Haltung zu tun?
Kein Schwarzweiss- bzw. Entweder-Oder-Denken
Verständnis vom Leben als ein fliessender Prozess in seiner inhärenten Bewegung mit den dazugehörenden Höhen und Tiefen
Das bewusste sich Einlassen auf eine salutogenetische Grundhaltung bringt eine offenere Haltung sich selbst und gegenüber anderen mit sich
Diesen Ansatz versuche ich in meiner therapeutischen Tätigkeit zu vermitteln.
Was ist eigentlich Körpertherapie? Wie das Wort schon vermuten lässt, handelt es sich hier um Therapieformen welche sich mit unserem Körper beschäftigen.
Theoretisch gehören die Physiotherapie und Massagepraktiken ebenfalls dazu, praktisch wird an dieser Stelle aber eine Unterscheidung zu jenen Formen gemacht, welche sich nebst den rein körperlichen Symptomen auch um jene der Psyche kümmern, also ganzheitlich sind. Wenn Sie an dieser Stelle meines Artikels die Nase rümpfen und glauben, dass es gleich mit „esoterischen“ Weltanschauungen weitergeht, kann ich Sie beruhigen. Dank den vielschichtigen Forschungen Seitens der Neurowissenschaft, wissen wir heute, dass alle psychischen Vorgänge unmittelbaren Einfluss auf unsere körperlichen ausüben und umgekehrt.
Konkret heisst das, dass eine Massage sehr wohl einen Bezug zu unserem seelischen Wohlbefinden hat, wenn auch die Absicht des Massierten eine andere sein mag.
Nichts desto trotz ist der Rahmen, in welchem eine Körpertherapie stattfindet in der Regel ein anderer als während einer Massage. Das begleitende Gespräch spielt hier eine tragende Rolle und Prozesse werden in einer konstruktiven Form unterstützt.
Vor allem chronische Leiden, diffuse Krankheitsbilder oder aber auch lebenseinschneidende Erlebnisse und Diagnosen, können Mittels solcher Formen von Therapie gut behandelt werden. Dabei geht es nicht um eine „Wunderheilung“, sondern um Linderung der Beschwerden und das Finden eines neuen, lebens- und gesundheitsbejahenden Aspektes. Ein verbessertes Körpererleben ermöglicht eine rasche Steigerung der Lebensqualität auf psychischer und psychosomatischer Ebene. Um das zu erreichen ist es notwendig, den Körper als Teil von uns wahrzunehmen, auf ihn zu hören und ihm Beachtung zu schenken.
Die eigentliche Behandlung ist ausserordentlich sanft und angenehm. Klienten nehmen diese Therapieform als entspannend und auch beruhigend wahr. Nach einem Erstgespräch zwischen Klient und Therapeut, das in der Regel mehr Zeit in Anspruch nimmt als die darauf folgenden Behandlungen, legt sich die zu behandelnde Person bekleidet auf eine Massageliege. Der Beginn der Behandlung variiert nach Situation und Beschwerdebild. Ein Abtasten entlang der Wirbelsäule mit leicht dosiertem Druck reicht, um Stauungen, Blockaden und Verspannungen zu lokalisieren. Mithilfe feiner Grifftechniken werden diese gelöst. Durch subtile Berührung im Dialog mit Ihrem System können sich Störungen, die oft auch auf alte Körpermuster und Traumatisierungen zurückzuführen sind, in den feinen Bewegungen von Knochen, Membranen und Flüssigkeiten zeigen und mit der innewohnenden Ordnung wieder in Einklang kommen. Nach dem Erstgespräch sollte pro Sitzung eine Stunde eingerechnet werden. Wie oft eine Behandlung wiederholt wird, ist vom jeweiligen Beschwerdebild abhängig und muss daher individuell definiert werden. Die besten Erfahrungen werden gemacht, wenn nach der Stabilisierungsphase eine so genannte Erhaltungsphase folgte. Die in relativ kurzen Intervallen (alle zwei bis sieben Tage) erfolgte erste Behandlungsphase wird langsam reduziert und findet im Sinne der Prävention danach noch etwa alle zwei bis vier Wochen statt.
Guten Gedanken stärken unser Immunsystem, schlechte schwächen es. Jede Bewegung, rein in unserer Vorstellung, verursacht einen entsprechenden Muskelaufbau.
Die moderne Gehirnforschung belegt: Sobald wir beginnen unsere Gefühle aktiv zu gestalten, wir uns beispielsweise entscheiden glücklich zu sein, wird sich unsere Wahrnehmung verändern und unser Denken wird uns Tausende Gründe für unser Glücklichsein liefern. – Die Veränderung des Beobachters verändert das Beobachten. Wir sehen die Welt nicht so wie sie ist, sondern so wie wir sind.
Der Schlaf macht derzeit einen Imagewandel durch: Wer schläft, ist nicht faul, sondern smart. Dumm nur: Schlaf wird immer mehr zur Mangelware.
Schlafen ist heute weit mehr als ein simples Grundbedürfnis. Schlafen ist Lifestyle. Matratzen zum Beispiel sind längst eine Wellness-Wissenschaft – von der Luftkern- bis zur Viskoschaummatratze versprechen alle den optimalen Schlaf. Kissen sind nicht bloss Kissen, sondern auf Seiten-, Bauch- und Rückenschläfer individuell abgestimmte Kopfstützenlösungen. Luxushotels locken mit exklusiven «Schlaferlebnissen». Und natürlich gibt es superatmungsaktive Bettwäsche und Biopyjamas.
Ja, die Schlafindustrie boomt. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In einer gestressten Leistungsgesellschaft plagt so gut wie jeden das ungute Gefühl, schlecht und vor allem zu wenig zu schlafen. Fragt sich bloss: Kann man je genug Schlaf bekommen?
Schlafimage im Wandel
Karin Frick schmunzelt. Die 55-Jährige ist leitende Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) in Rüschlikon, das Thema Schlaf gehört zu ihren Fachgebieten. «Tatsächlich schlafen wir in westlichen Ländern heute rund eine Stunde weniger als noch vor zwanzig Jahren. Doch damit allein lässt sich das gefühlte Schlafmanko nicht erklären.» Wahrscheinlich hätten die Menschen früher ähnlich schlecht geschlafen. «Heute aber schenken wir unserer Befindlichkeit viel mehr Aufmerksamkeit als früher», sagt Frick. Fühlen wir uns schlapp, stellen wir die Ernährung um oder gehen joggen. Die neueste Entwicklung in unserem Selbstoptimierungswahn: Wir befassen uns immer mehr mit unserem Schlafverhalten. «Genauso, wie wir heute bewusster essen als noch vor dreissig Jahren, um länger fit zu bleiben, versuchen wir auch gesünder und besser zu schlafen.»
In einer Always-on-Gesellschaft eigentlich nichts als logisch. Schlaf ist die neue Mangelware – und dementsprechend kostbar.
Bereits 2014 hat Frick gemeinsam mit Daniela Tenger eine GDI-Studie zur «Zukunft des Schlafens» verfasst. Heute, zwei Jahre später, zeichnen sich einige der beschriebenen Zukunftstrends bereits im Alltag ab. Zum Beispiel die These «Viel Schlaf wird zum Statussymbol». Laut Frick durchläuft der Schlaf gerade einen Imagewandel. «Wer viel und lange schlief, galt als faul und unnütz, weil man während des Schlafs unproduktiv ist.» Gerade bei Managern war wenig Schlaf ein Leistungsausweis, nach dem Motto: Schlafen ist etwas für Verlierer – die wirklich harten Kerle brauchen keine Erholung. So soll Christoph Blocher bloss drei bis vier Stunden Schlaf brauchen, Ex-Credit-Suisse-CEO Brady Dougan soll sich mit weniger als fünf Stunden topfit gefühlt haben.
Müde sind risikofreudiger
Doch dann kam Topmanagerin Arianna Huffington – und machte den Herren einen Strich durch die Rechnung. Die einflussreiche Gründerin der Onlinezeitung «Huffington Post», 2007 selbst ein Burn-out-Opfer, stempelte die Kurzschlafmentalität danach als «Macho-Idee» ab, mit der sich die Wirtschaftselite selbst etwas vormache. Huffingtons Botschaft: Wer mehr schläft, ist leistungsfähiger.
Das beweisen auch zahlreiche Studien. Weitere Studien haben ergeben, dass übermüdete Menschen zu Optimismus neigen. Sprich: Sie sind in ihren Entscheidungen risikofreudiger, weil sie sich überschätzen, was gerade bei Topmanagern oder Investmentbankern verheerende Folgen für Unternehmen haben kann. «In diesem Sinn ist Schlaf auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, allerdings setzt sich diese Erkenntnis erst langsam durch», sagt Frick.
Immerhin: Einige Kaderleute bekennen sich neuerdings öffentlich zu mehr Schlaf. Kürzlich sagte Le-Shop-Chef Dominique Locher in der «Bilanz», dass er durchschnittlich sechs bis sieben Stunden Schlaf brauche, um konzentriert durch den Arbeitstag zu kommen. «Würde ich um halb vier aufstehen, würde ich meine Produktivität über den Tag verlieren.» Er gehe weder in aller Herrgottsfrühe joggen – wie wohl manch anderer Kollege –, noch checke er direkt nach dem Aufstehen seine E-Mails. «Mir ist mein Schlaf einfach wichtiger.» Panalpina-Präsident Peter Ulber, der sich während seiner Zeit als Panalpina-CEO in ständig wechselnden Zeitzonen aufhielt, plante seinen Schlaf sogar im Terminkalender ein. Weil er auf ausreichend Schlaf bestehe, richte er seine Businesstermine um seine Schlafslots ein, erzählte Ulber der «Handelszeitung».
Wer schläft, ist ein Gewinner
Schlaf als Schlüsselfaktor für mehr Leistungsfähigkeit gilt aber nicht nur für die Führungsetage. Die Firma VW sperrt schon seit 2012 am Abend und am Wochenende die E-Mail-Server, damit sich Mitarbeitende nicht von zu Hause aus einloggen können. Andere Firmen bieten an, Mails während Abwesenheiten automatisch löschen zu lassen. Mit solchen Massnahmen will man die ständige Erreichbarkeit drosseln, weil sich diese negativ auf den Schlaf auswirkt. Andere Unternehmen haben das Thema Schlaf für ihre Gesundheitsförderungsprogramme entdeckt: So stelle etwa der Versicherer Axa-Winterthur Ruheräume für einen Powernap zur Verfügung, schrieb neulich «20 Minuten».
Viele Alternativen zum Schlaf
Aber lässt sich die drohende Schlaflosigkeit einer 24-Stunden-Gesellschaft mit solchen Mitteln verhindern? «Schlaf wird immer mehr zum raren Gut», ist Frick überzeugt. «Schon deshalb, weil es immer mehr Alternativen zum Schlaf gibt.» Vor der Einführung des elektrischen Lichts gingen alle schlafen, sobald es dunkel wurde. Noch im letzten Jahrhundert war in der Nacht ausser für Discogänger nicht allzu viel los, also gingen auch alle schlafen. Heute hingegen kann man in der Nacht à gogo online shoppen, mit Freunden chatten oder das Internet nach was auch immer durchforsten und sich dabei stundenlang um den Schlaf bringen.
Frick geht davon aus, dass wir lernen werden, effizienter zu schlafen.
Die Zeichen stehen ganz offensichtlich schlecht, dass wir je wieder länger schlafen werden. Die Übermüdung lässt sich aber auch anders bekämpfen.
Frick geht davon aus, dass wir lernen werden, effizienter zu schlafen. Einerseits mit neuen technologischen Hilfsmitteln, andererseits setze sich wahrscheinlich wieder der Trend durch, zweimal oder gar mehrmals innerhalb von 24 Stunden zu schlafen, dafür aber kürzer. Wieder? Ein Mittagsschlaf sei vor der Industrialisierung, also vor der Erfindung der Glühbirne und der Einführung der Taktarbeit, durchaus üblich gewesen, erzählt Frick. Ausserdem sei ein öffentlicher Powernap in asiatischen Ländern während des Tages schon heute üblich.
Aber ist ein solcher Schlafrhythmus wirklich effizienter?
Oder anders gefragt: Was ist eigentlich guter Schlaf? Antworten auf diese Fragen kennt Johannes Mathis, leitender Neurologe im Schlaflabor des Berner Inselspitals. Der 62-Jährige stellt allerdings sofort klar: «Guter Schlaf ist sehr individuell.» Ausserdem würden auch Faktoren wie die Wachhaltefähigkeit mitentscheiden, ob und wie gut ausgeruht sich Menschen fühlen. «Wer zum Beispiel eine gute Wachhaltefähigkeit hat, fühlt sich nicht unbedingt müde, auch wenn er weniger geschlafen hat», sagt Mathis. Es gäbe aber durchaus Richtwerte, wann Schlaf erholsam respektive effizient ist.
Zweimal pro Tag schlafen
Mathis ist überzeugt, dass unsere innere Uhr einem 2-Phasen-Schlafrhythmus folgt – nicht nur in der Kindheit, sondern auch im Erwachsenenalter. «Bevor die Glühbirne erfunden wurde, gingen die Menschen früh am Abend zu Bett und standen oft um Mitternacht auf, um sich zur Geisterstunde zu treffen.» Bauern mit sehr langen Arbeitszeiten würden heute noch häufig den Mittagsschlaf einhalten. «Mittlerweile ist die positive Wirkung eines kurzen Schlafs am Mittag auch wissenschaftlich nachgewiesen.» Mathis empfiehlt deshalb gewissen Patienten mit hohem Schlafbedarf, sich über Mittag bis zu einer halben Stunde hinzulegen. «Zehn Minuten Mittagsschlaf können bei diesen Patienten eine Stunde Nachtschlaf ersetzen», erklärt der Facharzt.
Nach rund einer halben Stunde sinken wir in den erholsamen Tiefschlaf.
Der Trend hin zum kürzeren Vielphasenschlaf wäre also effizienter als der nächtliche Monoschlaf, zumal wir gegen Morgen immer oberflächlicher schlafen, wie ein Blick auf das menschliche Schlafprofil zeigt. Mathis erklärt das Diagramm: Nach rund einer halben Stunde sinken wir in den erholsamen Tiefschlaf. Diese erste Phase ist am tiefsten und dauert rund eine Stunde. Danach tritt mehr oberflächlicher Schlaf oder Traumschlaf (REM) auf. Die Phasen wechseln sich stetig ab. «Während der Nacht wird der Tiefschlaf aber immer schwächer, der Traumschlaf und auch der oberflächliche Schlaf immer häufiger», fasst Johannes Mathis zusammen.
Wann ist Schlaf erholsam?
Allerdings, gibt der Neurologe zu bedenken, sei der Mensch in seinem Schlafverhalten nicht grenzenlos flexibel. Zeitgeber wie Licht, Aktivitäten oder Mahlzeiten beeinflussten den Schlaf-Wach-Rhythmus. Unsere innere Uhr, die die optimalen Zeiten für den Schlaf- und den Wachzustand steuert, richte sich nach den äusseren Zeitgebern. Sie könne aber nur sehr träge über längere Zeit durch die äusseren Einflüsse verschoben werden. «Der erholsame Schlaf ist deswegen auf eine genaue Regelmässigkeit angewiesen», so Mathis. Kommt hinzu: Wer zum Beispiel vor einem wichtigen Meeting nervös ist, kann sich schlecht eine halbe Stunde entspannt hinlegen.
Schlafmanko als Kostenfaktor
Dass wir heute schlechter schlafen als früher, kann Mathis nur vermuten. Moderne Schlafmedizin mit Schlaflabors für Patienten gibt es in der Schweiz erst seit dreissig Jahren, Mathis gehört zu den Pionieren. «Es gibt sicher einen Zusammenhang zwischen Forschungsergebnissen über Schlafkrankheiten und der Sensibilisierung der Gesellschaft auf Schlafstörungen.» Denn oft nimmt man ein Problem erst wahr, wenn es auch einen Namen hat. Heute unterscheidet die Medizin rund achtzig Schlafkrankheiten. Man weiss, dass Schlafmangel zu höherem Risiko für Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, zu vermehrtem Auftreten einiger Krebsarten führen und sogar Übergewicht verursachen kann.
Ironischerweise lautet eine der Thesen, die Frick und Tenger in ihrer Zukunftsstudie aufgestellt haben, «Übermüdung wird das neue Übergewicht». Gemeint ist, so Frick, dass sich Schlafmangel – wie heute Übergewicht – bald zum grössten Gesundheitsproblem der westlichen Welt entwickeln könnte. Heute ist rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung von Schlafproblemen betroffen. «Wenn das so weitergeht, wird die schlaflose Gesellschaft zu einem kollektiven Gesundheitsproblem – und damit auch eine Herausforderung für die Politik und ein Kostenfaktor», erläutert Frick. Die Forscherin geht davon aus, dass «Schlaf zu einem zentralen Pfeiler der Gesundheitsvorsorge» wird. «Eigentlich müsste es künftig staatlich koordinierte Pro-Schlaf-Kampagnen geben, analog zu den Anti-Raucher-Kampagnen.»
Klingt nach einem Schlaf-Eldorado – insbesondere für die schon heute boomende Schlafindustrie.
Karin Frick denkt, dass das Bedürfnis nach schlafoptimierenden Tools und entsprechender Beratung den Markt noch weiter wachsen lassen wird. Heute bereits erhältlich sind verschiedene Schlaf-Tracking-Apps, mit denen sich der eigene Schlaf messen und so auch besser kontrollieren lässt. Eine US-Firma hat sogar schon eine Schlafmaske entwickelt, die ihre Benutzer direkt in den Tiefschlaf katapultiert.
Die Trendforscherin kann sich gut vorstellen, dass es künftig auch smarte Bettsysteme geben wird. Matratzen, Kissen, Bett wäsche und Pyjamas werden mit Sensoren ausgestattet sein, die den Schlaf permanent optimieren, indem sie untereinander Daten austauschen. Im Lifestylebereich wären für Frick «Concept Stores» denkbar, die ihr Angebot ganz auf das Thema Schlafen ausrichten und in denen «Masters of Sleep» die Kunden beraten, wie sie sich zum smarten Schlafen am besten einrichten. Nicht zu vergessen die ganze Hotelbranche, die zum Beispiel individuell durchgestylte Wellness-Schlafpakete anbieten könnte.
Schlafen wird öffentlich
«Schlafen könnte auch eine öffentliche Angelegenheit werden», doppelt Frick nach. Sie denkt nicht an Parks oder Zugabteile, sondern an neue Schlafstätten für Powernaps, sollte sich in unseren Breitengraden die Idee des gesunden Zwischendurchschlafs durchsetzen. «Wir wür den nicht nur zu Hause schlafen, sondern wie zum Beispiel in Japan auch in Schlafkapseln oder in Stundenhotels, in denen man für eine bestimmte Zeit eine Schlafgelegenheit mieten könnte.» Klingt abgefahren? Abwegig ist dieser Gedanke jedenfalls nicht. Schon heute gibt es in der Schweiz mehrere Tageshotels, in denen man sich für einige Stunden Erholung gönnen kann.
Das Nonplusultra punkto Schlaf wäre allerdings etwas viel Praktischeres, findet Frick.
«Eine kleine Pille, die uns zu jeder beliebigen Tageszeit und für genau die gewünschte Dauer gleich nach dem Einwerfen in einen erholsamen Tiefschlaf versetzt.» Leider sehen sowohl Schlafmediziner wie auch Zukunftsforscher ausgerechnet in dieser Sache schwarz.
Quelle: Berner Zeitung
Der Wissenschaftsjournalist Werner Bartens schreibt: “Wer sich jeden Tag missmutig ein paar Löffel kaltgepresstes Olivenöl einflösst, der wird davon keinen gesundheitlichen Nutzen haben.” Viel besser sei ein Schweinsbraten in geselliger Runde. Das trifft es sehr gut. Zahlreiche Studien aus den letzten Jahren belegen: Ein intaktes Sozialleben hält gesund. Oder umgekehrt: Einsamkeit macht krank.
Die meisten glauben das wir entweder das Eine oder das Andere sind: Gesund oder halt eben krank. Aber das wäre zu einfach. Der Mensch bewegt sich zu jedem Zeitpunkt seines Lebens zwischen den beiden Polen. Der Mensch ist ein offenes System welches immer im Austausch mit sich und seiner Umwelt steht.
Gesundheit ist also nebst den eigentlich messbaren Fakten auch immer ein subjektiv erlebtes Empfinden. Sind wir von Freunden umgeben, von unseren Liebsten umsorgt und in ein soziales Netz eingebettet, geht es uns wahrscheinlich besser als wenn wir in Isolation leben. – Obschon wir, gemessen an Werten, vielleicht die gleiche Ausgangslage haben.
Aaron Antonovsky (1923 – 1994) war einer der ersten der sich mit der Frage nach “Was macht unsere Gesundheit aus” beschäftigt hatte. Zu seiner Zeit war diese Fragestellung für die Medizin, die bis dahin eine Wissenschaft von der Krankheit und deren Entstehung war, ziemlich neu. – In seiner Betrachtungsweise (genannt “Salutogenese”) stehen dann nicht die Schwächen, die Störungen und das Misslingen, sondern die Stärken und Potentiale sowie der Blick auf die gelingende Entwicklung im Mittelpunkt.
Wir alle sollten uns diese Betrachtungsweise zu Herzen nehmen und grösseren Fokus auf unsere Gesundheit anstelle unserer Krankheit legen und vorallem darauf vertrauen dass das Eine das Andere nicht ausschliesst.