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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IV. Rede
6.
Wenn Julian unsere Bildung zu verhindern suchte, so war es ein Beweis, daß er auf seine Religion und seine Bildung nicht vertraute. Er glich einem Wettkämpfer, der sich selbst den Vorzug gibt und öffentlich als der Beste ausgerufen werden will, nachdem er zuerst verboten hat, daß irgendein Kraftmensch mitkämpfe und den Kampfplatz betrete, was doch vielmehr auf Feigheit als auf Kraft schließen läßt. Der Kampfpreis wird doch über Kämpfer und nicht über Müßiggänger, über solche, welche im Vollbesitz ihrer Kraft sind, und nicht über solche, welche großenteils ihrer Kraft beraubt sind, gewonnen. Wenn du dich von vornherein vor Krieg und Kampf fürchtest, so hast du schon damit deine Niederlage bewiesen; du hast mir kampflosen Sieg gewährt, da du darnach strebtest, einem Kampf mit mir aus dem Wege zu gehen. So handelte unser weiser Kaiser und Gesetzgeber. Nichts sollte sich seiner Herrschaft entziehen. Er wollte schon zu Beginn seiner Regierung besonders durch Monopolisierung des Wissens die Torheit proklamieren lassen. Uns aber gebührt es, Gott [S. 76] auch für die Freiheit der Wissenschaft zu danken. Wir müssen ihm zunächst durch die üblichen Opfergaben höchste Ehre erweisen; nicht dürfen wir da Geld und Gut sparen, welches uns trotz der politischen Zeitverhältnisse durch Gottes Güte erhalten worden ist. Vor allem aber müssen wir ihn ehren durch das Wort, dieses Opfer der Gerechtigkeit, das allen Begnadeten gemeinsam ist. Doch, was ich da über Wissen und Reden gesprochen, genügt. Wir wollen nicht durch Weitschweifigkeit Zeit verlieren und den Schein erwecken, als würden wir den Zweck unserer Zusammenkunft vergessen.