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Das portugiesische Stutbuch erwähnt fünf Hengste und eine Stute als Gründungspferde der Zucht. Diese Tiere haben die heute exisiterenden Lusitano-Lininen in wichtigem Masse beeinflusst. Diese alten Linien werden im Pedigree jedes Pferdes in Prozenten angegeben, welche anzeigen, wie viel Blutanteil das Pferd von jeder Linie besitzt – wie z. Bsp. 11,8 % Marialva II.
Diese Pferde gelten als die Gründungspferde der Zucht:
Agareno
Veiga-Hengst, geboren 1931, von Lidador (Veiga) und Bagocha (Veiga)
Destinado
Dominiquez Hermanos, Hengst, geboren 1930, von Alegre II (DH) und Destinada (DH)
Hucharia
Coudelaria Nacional (Staatsgestüt), Stute, geboren 1943, von Cartujano (APT) und Vizcaina (MRB)
Marialva II
Antonio Fontes Pereira de Melo, Hengst, geboren 1930, von Marialva (APM) und Campina (APM)
Primoroso
Dominiquez Hermanos, Hengst, geboren 1927, von Presumido (DH) und Primorosa II (DH)
Regedor
Alter Real, Hengst, geboren 1923, von Gaivoto (AR) und Gavina (AR)
Zu den Zuchtlinien im Einzelnen
Zuchtlinie – Veiga
Setzt man sich mit der Lusitanozucht zum ersten Mal auseinander, kommt man nicht umhin, sich mit der Zucht der Veiga-Pferde zu beschäftigen. Das Gestüt “Quinta da Broa” in Golegã, gegründet von Rafael José da Cunha, heute geführt von Manuel Veiga, hat es verstanden, eine in sich selber sehr homogene Pferderasse über Jahrzehnte rein zu bewahren, so dass man das Veiga-Pferd inneralb der Lusitano-Zucht eigentlich als selbständige Rasse bezeichnen könnte. Veiga-Pferde sind Begründer vieler erfolgreicher Zuchtstätten in Portugal. Sie sind Väter und Mütter vieler berühmter Vertreter und Vererber der Rasse von gestern und heute. Herauszustreichen ist auch, dass die Familie Veiga nie versucht hat, gewissen Modetrends zu folgen. Ihre Bestrebungen waren und sind, die Tiere rein zu erhalten, so dass Züchter von heute immer noch Zugang zu den ganz alten Genen dieser Pferdezucht mit all ihren Qualitäten erhalten können. Arsénio Raposo Cordeiro, Autor des bekannten Buches “Lusitano – Sons of the wind”, sagt in einem Interview deutlich, den Lusitano von heute würde es ohne die Familie Veiga in dieser Form nicht geben! Veigas sind enorm funktionell und kleiner als die anderen Blutlinien und sie sind hervorragende Stierkampfpferde. Charakteristisch für sie ist das konvexe Profil, der „Veiga-Kopf“, die flachen, trockenen Beine mit ausgeprägten Sprunggelenken, ihr unglaublich dynamisches Abfussen und der stolze, flexible Hals. Manuel Veiga beschreibt seine Pferde so: „Nervös, voller Tapferkeit, so gehorsam, dass sie den Willen ihres Reiters im voraus erahnen zu scheinen. Ein hoher, schlanker Kopf, lange flatternde Mähne, erhabene Bewegungen und eine bemerkenswerte Beweglichkeit. Unbezwingbarer Mut angesichts jeder Bedrohung…“
Die Auswahl der Tiere beruht ausschliesslich auf ihren funktionellen Qualitäten, wie Alfredo Baptista Coelho sagt: „weder das Stockmass, noch die theoretische Morphologie, noch die Farbe, noch die Kopfform. Alles brachte die Rasse von selbst mit: „Wunderbar schöne, leicht konvexe Profile, heute als „Veiga-Köpfe“ bezeichnet, alte und seltene Farben, schlanke flache Beine mit starken Sprunggelenken, flexible Rücken, ungewöhnliche Dynamik, schöne flexible Hälse, kurz, die Rasse bescherte Manuel Veiga ein Pferd, das Pferdeliebhabern den Atem verschlägt.“
Zuchtlinien – Andrade
Die Vertreter der Andrade-Linie sind grosse, starke Reitpferde mit runder Kruppe, einem fast geraden Kopfprofil. Sie haben ausgezeichnete Gänge, sind sehr funktionell und eignen sich bestens für Stierkampf, Dressur und Arbeitsreitweise. Die vermutlich beste Definition der Andrade-Blutlinie stammt vom Züchter Ruy d‘Andrade selbst: „Es sind kurze, kräftige Pferde, tapfer vor dem Stier, sie wechseln auf Geheiss des Reiters blitzschnell zwischen Gelassenheit und eifrigem Temperament, sie sind überaus schnell und extrem wendig, haben einen guten Schritt, sie reagieren sensibel auf den Sporn, sind gehorsam mit einem guten Maul und haben generell unendliche Kraft.“
Andrade-Zuchttiere wurden nach anderen Kriterien ausgewählt als die der Veiga-Linie, erklärt Alfredo Baptista Coelho: „Im Gegensatz zu Manuel Veiga konnte Ruy Sommer d‘Andrade bereits mit einer soliden morphologischen Basis beginnen. Dann versuchte er, die feinsten Qualitäten zu bewahren.“ Ruy Sommer d‘Andrade suchte zur Begründung seiner Zucht beste Zuchstuten als den Karthäuser-Linien in Spanien aus.”
Die heutige Andrade-Zucht basiert auf dem Hengst Principe VII aus der Zucht Francisco Chica Navarro (FCN). Principe war ein Enkel und Urenkel des Stempelhengstes Primoroso.
Zuchtlinien – Alter Real
Im Jahre 1748 wurde vom portugiesischen Herrscherhaus Braganza (König D. João V von Portugal) in Ville de Portel das erste Alter-Réal-Gestüt mit andalusischen Stuten, die aus dem spanischen Jerez kamen, gegründet. Doch schon innerhalb der ersten acht Jahre wurde der Sitz des Gestüts nach Alter verlegt, wo es jetzt noch immer besteht und woher das Pferd auch seinen Namen hat. Die Alter- Réal -Zucht musste, wie viele andere Rassen auch, einige Krisen überwinden, zum Beispiel den Raub der besten Herden durch Napoleons Truppen oder das Jahr 1834, als ein grosser Teil des Gestütsgebietes aufgrund der Abdankung von König Miguel konfisziert wurde. Der Pferdebestand wurde dadurch stark reduziert und das Königliche Gestüt aufgelöst. Der verbleibende Restbestand wurde regelrecht indiskriminiert, da man ihm schlechte Blutlinien zuführte, unter anderem auch äusserst ungenügendes arabisches Blut. Doch übernahm im Jahre 1932 glücklicherweise das portugiesische Wirtschaftsministerium die Verantwortung für die Zucht, führte gutes andalusisches Blut aus der Zapata-Linie zu, sonderte die unbrauchbaren Tiere aus und begann eine neue Zucht mit den noch vorhandenen besten Hengsten und Stuten. Die portugiesische Hofreitschule zu Queluz greift seit ihrer Gründung im Jahr 1979 ausschliesslichauf Alter Réal -Pferde zurück und machte somit diese Pferderasse einem beiten Publikum im In- und Ausland bekannt.
Portugiesisches Nationalgestüt (Coudelaria Nacional CN)
Die Pferde des 1887 in Fonte Boa no Vale de Santarém gegründeten Nationalgestüts stehen im selben morphologischen Typ wie die spanischen Pferde des 18. Jahrhunderts. Aus diesem Grund gehen die meisten heutigen ebenso wie der alten CN-Linien auf spanische Vorfahren zurück, mehrheitlich auf die Stempelhengste (bzw. Stute) Hucharia, Primoroso und Destinado, die eigene Linien begründeten. Das Nationalgestüt bringt kräftige Pferde mit längeren Rücken und hohen Kruppen hervor, die sich sehr gut für Dressur und für die Kutsche eignen.
Die moderne Lusitano-Zucht
Die traditionellen drei Blutlinien Andrade, Veiga und Coudelaria Nacional allein reichen nicht aus, um das Erscheinungsbild des modernen Lusitano zu erklären. Es gibt zahlreiche traditionelle und wichtige Züchter, die hervorragende Tiere hervorbringen, indem sie entweder die drei Grundlinien durchzüchten oder diese mit grossem Erfolg kreuzen. In jüngster Zeit hat die Anpaarung von Veiga- und Andrade-Vertretern – beides überaus funktionelle Blutlinien – einige der berühmtesten Hengste aus der Zeit zwischen 1975 und 2000 hervorgebracht: Neptuno, Opus, Novilheiro und Trinco, alles Söhne des Andrade-Hengstes Firme aus Veiga-Müttern.