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Laut BAG steigt die Anzahl der durch Zecken hervorgerufenen Krankheitsfälle ständig an und die Risikozonen dehnen sich weiter aus. Gibt es heute mehr Zecken? Wie erklärt sich das? Was kann man zur Vorbeuge tun und wie kann man die Stiche dieser Parasiten, die zwar klein aber dennoch gefährlich sind, heilen? Wir haben Frau Dr. Lise Gern, Forschungsdirektorin an der Universität von Neuenburg und Spezialistin für Zecken befragt:
Welche Krankheiten werden durch Zecken übertragen? Wie findet die Übertragung statt?
„Die hauptsächlichen Infektionskrankheiten, die durch Zecken übertragen werden - erklärt uns Frau Dr. Gern - sind die Borreliose (Lyme-Krankheit) und die Zeckenenzephalitis. Diese beiden Krankheiten werden durch Erreger hervorgerufen, die durch befallene Zecken bei einem Biss übertragen werden und schwerwiegende Folgen haben können, wenn sie nicht richtig behandelt werden. Die Borreliose ist bei Weitem die häufigste Krankheit, und in der Schweiz verzeichnet man jährlich mehrere tausend Fälle. Borreliose betrifft hauptsächlich die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Es gibt keine Impfung, aber sie kann mit Antibiotika behandelt werden. Der Virus, der für die Zeckenenzephalitis verantwortlich ist, ruft im Allgemeinen keine Symptome hervor, doch kann man manchmal grippeähnliche Erscheinungen beobachten. In 5 – 15% der Fälle führt die Infektion jedoch zu einer Hirnhautentzündung, die sich im schlimmsten Fall zu einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) entwickeln kann. Eine von 100 Personen überlebt diese Komplikation nicht.“
Wo liegen die Risikogebiete in der Schweiz?
„In der Schweiz ist das Risiko, sich mit der Lyme-Krankheit anzustecken überall dort gegeben, wo Zecken zu finden sind. Der Virus, auf den die Hirnentzündung zurückzuführen ist, war noch vor einigen Jahren ausschliesslich im Nordosten der Schweiz, mit einer maximalen Ausdehnung bis zum Westen des Drei-Seen-Landes, anzufinden. Heute hat sich diese Zone bis auf die Region im Süden des Neuenburger Sees und der weiten Orbe-Ebene ausgedehnt.“
Gibt es eine Verbindung zwischen der Ausdehnung der Risikogebiete und der Klimaänderung?
„Die Gründe dafür, warum sich die Gebiete ausdehnen, in denen das Risiko besteht, sich mit Zeckenenzephalitis zu infizieren, sind bislang nicht bekannt.“, so Frau Dr. Gern.
Wird der Klimawandel die Vermehrung der Zecken beeinflussen?
Die Spezialistin in Parasitologie erklärt uns, dass die Klimaänderung in der Tat Einfluss auf die Vermehrung der Zecken haben kann: In der Schweiz ist in den letzten 10 Jahren die Höhenlage, in denen Sie vorkommen, von 1000 auf 1500 Meter angestiegen. Das mildere Klima fördert die Ausdehnung der Zecken in die oberen Höhenlagen. Jedoch führt das Forschungszentrum seit 1996 regelmässige Studien zur Beobachtung der Zeckenbevölkerung aus und eine eigentliche Vermehrung konnte nicht festgestellt werden.
Wie kann man sich vor Zeckenstichen und Infektionen schützen?
Zur Vorbeugung einer Infektion gibt es laut Frau Dr. Gern einige Massnahmen: „Man kann damit anfangen, sich gegen Zeckenstiche zu schützen. Die Zecken sitzen auf niedrig wachsenden Pflanzen und warten dort auf Ihren Wirt. Um das Risiko eines Zeckenstichs zu verringern, sollte man den Kontakt mit Pflanzen vermeiden oder helle Kleidung wählen, die den gesamten Körper gut schützt. Auch ein Anti-Zeckenmittel, wie man es in der Apotheke findet, kann sehr nützlich sein. Wenn man beispielsweise von einem Waldspaziergang zurückkommt, sollte man seinen Körper gut untersuchen. Sollte trotz aller Vorkehrungen eine Zecke an Ihrer Haut haften, ziehen Sie diese schnellstmöglich heraus und desinfizieren die Stelle. Achten Sie in den folgenden Tagen und Wochen auf Ihren Gesundheitszustand. Wenn Sie in einer Region wohnen, in der das Risiko der Ansteckung mit dem Zeckenvirus besteht, können Sie sich gegen Zeckenenzephalitis impfen lassen, die Grundversicherung erstattet die Kosten.“
Für Zusatzinformationen über Zecken und die durch sie übertragenen Infektionen, können Sie beim Departement für Biologie per E-Mail eine Broschüre beantragen: <email-pii>
Quelle: bonus.ch, April 2010