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Leila: Enttäuscht von ihrem jugendlichen Liebhaber, aus dem patriarchalisch-repressiven Elternhaus geflohen, verdient sie ihr Studium mit Prostitution. Als ein Komilitone, der sie zu lieben vorgibt, ihr Nacht-Leben entdeckt und seine Frustration mit einem Vergewaltigungsversuch abreagiert, ersticht sie ihn und landet im Gefängnis. Naima: Ihrer Studentenliebe in Rußland konnte sie nicht Dauer verleihen; den ihr zugewiesenen Gatten hat sie verlassen. Alleinstehend und als Ärztin wird sie vielfältig gefordert. Die Erfahrungen versucht sie ihrer Tochter, die sie aufs Gymnasium schickt, zu vermitteln. Amina: Als Studentin heiratete sie ihren Philosophieprofessor, der sie damals für die Freiheit begeisterte, heute jedoch tyrannisiert und schlägt. Ihrer Tochter zuliebe harrt sie vorerst aus, bis es ihr dann doch zuviel wird.
Anhand dieser drei Frauenschicksale aus dem Maghreb, genauer: aus Tunesien, will Nadia Fares in ihrem ersten langen Spielfilm Geschichten erzählen aus dem arabischen Kulturraum: Geschichten von Mut und der Befreiung der Frauen, aber auch über Beziehungen, Liebe und Gewalt. Es geht ihr also nicht - zumindest nicht primär - um ein Lehrstück über praktizierten Feminismus, sondern um die Erzählung von differenzierten, durchaus auch widersprüchlichen Konstellationen zwischen Menschen und vor allem zwischen den Geschlechtern. Eine Erzählung, die ihre Substanz gewinnt aus Erfahrungen, die die Autorin selbst tätigte während ihrer Aufenthalte in Ägypten und Marokko oder die ihr andere Frauen mitteilten, sowie aus Überlegungen zur eigenen Person und Biographie (Nadia Fares’ Mutter ist Schweizerin, ihr Vater Ägypter).
Aufgrund der im Verhältnis zu anderen Maghreb-Ländern günstigen Produktionsbedingungen wurde der Film in Tunesien gedreht, mit knappem Budget und in relativ kurzer Zeit (sechs Wochen). Erzählt wird direkt und in schnellem Rhythmus, oft mit dem Einsatz der dynamisierenden und dramatisierenden Handkamera. Die Figuren werden, soweit es für das Verständnis der Handlung notwendig ist, mit kurzen fragmentarischen Hinweisen und Einblicken in ihr Dasein vorgestellt. Sie bewegen sich vorwiegend in einem Intellektuellenmilieu, wobei auch hier Andeutungen genügen müssen. Die Verknüpfung der einzelnen Schicksale geschieht, indem sie sich auf zufällige Weise kreuzen. Auch bezüglich der Ereignisse und ihrer Abfolgen spielt der Zufall oft mit; einiges bleibt im dunkeln, anderes wird pathetisch aufgeblasen. Kurzum, Nadia Fares wirft den Ballast des Psychologisierens und des Soziologismus über Bord und erzählt mit einer offensiven Unangestrengtheit. Das gibt dem Ganzen Auftrieb und läßt den Film locker und spannend erscheinen. Die Kehrseite ist allerdings nicht zu übersehen: Die Personen und Handlungen bleiben im Vordergründigen und kommen über weite Strecken nicht über das bekannte »Menschliche« hinaus. Das Plakative (in den Dialogen!) und das Holzschnittartige triumphieren denn auch in der Dramaturgie.