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«Dass Menschen ihre Fähigkeiten hin und wieder infrage stellen, ist normal. Ein gesundes Mass an Reflexion und Zweifel kann vor unüberlegten Handlungen schützen», sagt Kay Brauer vom Institut für Psychologie der MLU. Es gibt jedoch Menschen, die trotz Leistungserfolgen, etwa guten Noten oder positivem Feedback am Arbeitsplatz, dauerhaft von massiven Selbstzweifeln geplagt sind. «Eigene Erfolge schreiben sie externen Umständen zu, dass sie etwa Glück hatten oder ihre Leistung von anderen massiv überschätzt wird. Misserfolge hingegen werden stets internalisiert, also auf eigenes Versagen zurückgeführt», so Brauer weiter. Diese Menschen leiden am sogenannten Hochstapler- oder Impostor-Phänomen.
Bislang Vignettenstudien
Die Ausprägung dieses Persönlichkeitsmerkmals wurde bislang nur in sogenannten Vignettenstudien untersucht. «Dabei wird ermittelt, wie stark die Probanden verschiedenen theoretischen Aussagen zustimmen, dass es ihnen zum Beispiel schwerfällt, Lob entgegenzunehmen, oder dass sie Angst haben, Erreichtes nicht wiederholen zu können», erklärt Brauer.
Studie unter realen Bedingungen
Die halleschen Psychologen untersuchten das Thema nun erstmals in einer realen Situation: 76 Teilnehmer absolvierten verschiedene Intelligenzaufgaben und bekamen dafür unabhängig von ihrer wirklichen Leistung positive Rückmeldungen. Anschliessend wurden sie gefragt, worauf sie die vermeintlich oder tatsächlich guten Ergebnisse zurückführen.
Die Untersuchung führte zu zwei Ergebnissen:
- Erstens steht der selbstberichtete Grad des Impostor-Phänomens in keinem Zusammenhang mit der gemessenen Intelligenz.
- Zweitens bestätigte der Test die Annahme, dass Menschen mit Neigung zum Hochstapler-Phänomen ihre objektiv gemessene Leistung überdurchschnittlich stark abwerten und positive Resultate externen Ursachen wie Glück und Zufall, jedoch nicht der eigenen Fähigkeit zuschreiben.
«Diese Ergebnisse sind völlig unabhängig von Alter und Geschlecht», sagt Kay Brauer.
Eine permanente Unterbewertung der eigenen Fähigkeiten wird häufig von der Angst begleitet, dass dieser vermeintliche intellektuelle Betrug früher oder später auffliegen wird. Beschrieben wurde das Impostor-Phänomen erstmals 1978 von den US-amerikanischen Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes. Sie beobachteten, dass es besonders viele erfolgreiche Frauen gibt, die sich für nicht sehr intelligent halten. «Das Impostor-Phänomen wird nicht als psychische Krankheit definiert. Dennoch zeigen Menschen, die darunter leiden, eine höhere Anfälligkeit für Depressionen», sagt Brauer.
Massgeschneiderte Trainingsprogramme könnten dabei helfen, Selbstwertgefühl, Arbeitszufriedenheit und das allgemeine Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern.PS