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Mineralfutter: eine echte Notwendigkeit? Nun, ich werde Ihnen keine eindeutige Antwort geben, denn es kommt darauf an!
Aber gehen wir doch einmal die Geschichte unserer Pferde von Anfang an, durch.
Das Pferd in freier Wildbahn ist klein, stämmig und braucht kein Skelett und keine Bänder, die dafür gemacht sind, einen Reiter zu tragen. Es ernährt sich von einer sehr grossen Vielfalt an Pflanzen, Sträuchern und Bäumen. Die Pflanzen in der freien Natur wurden vom Menschen kaum verändert, sodass ihr Gehalt an Kalorien (Energie), Proteinen (Eiweisse), Mineralien und Spurenelementen nach wie vor meistens sehr hoch ist.
ABER: Pferde in freier Wildbahn funktionieren nicht in ihrem Optimum (das ist auch der Grund, warum sie klein geblieben sind). Sie arbeiten mit dem, was sie vorfinden. Ihre Lebenserwartung, die kürzer ist als die der Haustiere, führt auch dazu, dass Alterskrankheiten keine Zeit haben, sich auszubreiten. Und in der Natur verzeiht man es nicht, krank zu sein!
Unsere modernen, durch Zucht entstandenen, Rassen sind grösser geworden, haben sich weiterentwickelt und weisen ein starkes Wachstum auf, sowohl in den Knochen als auch in den Muskeln. Ein Hannoveraner im Wachstum ist wie ein jugendlicher Hochleistungssportler, der nicht von Nudeln und Schinken leben kann.
Unsere Pferde werden ständig von Umwelteinflüssen, Schwermetallen und verschiedenen Produkten angegriffen, die das Immunsystem, die Haut und die Atmung dazu zwingen, sehr effizient zu arbeiten. Ihre Darmflora wird natürlich durch die Domestizierung und der (modernen) Haltung beeinträchtigt und verbraucht viel Material.
Domestizierung bedeutet, dass unsere Pferde (unerwünschten) Kontakt mit Menschen haben; sie haben dazu keine Wahl. Sehr oft ist auch dessen Haltung weit weg von artgerecht. Das macht sie emotional empfindlich und gestresst (im physiologischen Sinn). Der Körper reagiert entsprechend auf diese Belastungen.
Unsere Pferde sind sportlich aktiv und müssen daher über eine reaktionsfähige Muskelmasse, intakte Bänder und starke Hufe verfügen. Dies bedeutet einen erhöhten Bedarf an gewissen Substanzen wie Antioxidantien (Selen und Vitamin E für die Muskeln), Kupfer und Zink für Bänder und Sehnen sowie Aminosäuren für Hufe und Haare & Muskeln, um nur einige Beispiele zu nennen.
Was ist mit unseren Pflanzen in all dem?
Unsere Wiesen haben alle eine unterschiedliche Vergangenheit, und ein ausgewogenes Wiesenökosystem zu erreichen, ist eine echte Herausforderung.
In jedem Fall haben wir einen riesigen Teil der Vielfalt verloren, die für die Darmflora unserer Equiden so notwendig ist.
Darüber hinaus leiden auch die Pflanzen unter dem Klimawandel. Temperaturstress, Wasser- oder Nahrungsmangel (zB. Düngung) führen auch bei ihnen zu einem erhöhten Bedarf an Mineralien und Spurenelementen, die von unseren verarmten Böden nicht geliefert werden können.
Die Analysen von Raufutter (Heu & Heulage) oder grünem Gras zeigen, dass zumindest den (Erhaltungs)bedarf an Zink, Kupfer und Selen von unseren Pferden nicht durch Gras und/oder Heu gedeckt werden kann.
Einige Beispiele zum Nachdenken
Das Ökosystem des Darms besteht aus drei Akteuren:
– Die Darmbarriere (Darmwand)
– Die Darmflora
– Das darmassoziierte Immunsystem: 70-80% der Immunzellen sind um den Darm herum angesiedelt.
Die Schädigung des einen hat Auswirkungen auf das andere. Die Wiederherstellung des einen erfordert eine Optimierung der beiden anderen. Sie wirken also synergistisch.
Ein weiteres Beispiel
Die Halbwertzeit eines Enterozyten (Zellen des Darmepithels) beträgt 36 Stunden. Dies bedeutet, dass alle drei Tage das Pferd die Auskleidung seines Verdauungssystems vollständig erneuert! Dies erfordert umso mehr Energie und Mikronährstoffe.
Eine schlechte Darmbarriere (wie es zB beim Leaky Gut Syndrom geben kann) wird es erforderlich machen, die Enterozyten viel stärker zu erneuern. Dafür wird Zink benötigt (ein wichtiger Cofaktor für die Zellvermehrung), Glutamin (welches den Enterozyten als Treibstoff dient), Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren, um die Undurchlässigkeit der Schleimhaut aufrechtzuerhalten.
Und da beisst sich der Hund in den Schwanz: Wenn der Darm durchlässig ist => schlechte Nährstoffaufnahme => erhöhter Bedarf an Mikronährstoffen.
Und nun, ein konkretes Beispiel: das Distanzpferd
Die meisten Ausdauerpferde haben Probleme mit der Darmdurchlässigkeit, da während der Anstrengung das Verdauungssystem devaskularisiert wird. Nach Beendigung der Belastung wird der Darm wieder durchblutet, aber das Blut ist mit freien Radikalen angereichert (Abfallprodukte, die durch die starke Belastung entstehen). Dies führt zu oxidativem Stress und Schädigungen der Darmbarriere. Diese Pferde benötigen daher noch mehr Unterstützung bei der Deckung ihres Bedarfs an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Dies ist natürlich ein Extremfall.
Kommen wir nun zurück zur Ursprungsfrage: die Notwendigkeit eines Mineralfutters
JA, es gibt eine Fülle von Mineralfuttersorten auf dem Markt und es ist schwierig, eine Auswahl zu treffen und gute Produkte zu finden, die für SEIN Pferd geeignet sind. In der Humanmedizin steht die Vielfalt der Produkte im Zusammenhang mit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung. In der Praxis ist das Angebot bei Pferden etwas eingeschränkter.
JA, Mineralfutter sind alle auf einer chemischen Basis hergestellt: Mineralien und Spurenelemente sind vom Prinzip her Chemie. Es ist unmöglich, den grossen Bedarf des Pferdes an Spurenelemente / Mineralien nur mit Pflanzen zu decken. Die Form des verwendeten Spurenelements kann sich jedoch auf den Grad der Assimilation (Aufnahme durch den Körper) auswirken. Kupfer und Zink in Form von Aminosäurechelaten wird beispielsweise besser verwertet, da es an der richtigen Stelle im Körper zugeführt wird.
Pflanzen können helfen, eine Funktion zu optimieren, aber wenn das für die Funktion notwendige Spurenelement nicht vorhanden ist, wird es nichts nützen.
JA Mineralfutter sind unverzichtbar :
– Sobald eine Krankheit vorliegt: Stress, EMS, Cushing, PSSM, Borreliose, …
– Sobald das Pferd eine körperliche Aktivität ausübt
– Sobald sich das Pferd im Wachstum befindet
– Sobald die Stute trächtig oder laktierend ist
– Sobald das Pferd älter ist …
NEIN Mineralfutter sind nicht unbedingt notwendig :
– Wenn Ihr Pferd Ergänzungsfuttermittel bekommt, die bereits das Nötige liefern. Bitte dazu die Deklaration lesen und eine Rationsberechnung machen (lassen)
– Wenn Ihr Pferd Zugang zu sehr unterschiedlichen Lebensbereichen haben (200 km²), was in der Praxis bei unseren domestizierten Pferden eigentlich kein Thema ist 😉
– Wenn ein Blutbild sehr hohe Blutüberschüsse in gewissen Parameter zeigt, wobei auch hier gilt, dass das Blut nicht die Bedarfsdeckung widerspiegelt, im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung. Besonders bei Selen ist grosse Vorsicht geboten!
Hiermit gebe ich Ihnen natürlich keine eindeutige Antwort auf Ihre Fragen, denn das berühmte “Es kommt darauf an” verdunkelt immer unsere Vorstellungen, wenn es darum geht, eine Wahl zu treffen.
Hier geht es zum Ratgeber, wie die diversen Mineralfutter, die im Shop angeboten wurden, ausgewählt wurden und was zu beachten ist bei der Wahl eines Produktes.
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