Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/96375

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird damit beauftragt, geeignete Massnahmen zu ergreifen, um die von Raben- und Saatkrähen verursachten Schäden zu verringern. Dies soll vorzugsweise durch eine Regulierung ihrer Bestände geschehen. Aus diesem Grund muss angesichts der deutlichen Zunahme der Saatkrähenpopulationen auch der Schutzstatus dieser Krähe infrage gestellt werden. Um dieses Problem wirkungsvoll angehen zu können, muss zudem die Verwendung von Narkotika (z. B. Chloralose) erlaubt werden, namentlich von den kantonalen Stellen und den Wildhüterinnen und Hilfswildhütern.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Motion verfolgt drei wesentliche Anliegen: 1. eine wirksame Regulation der Rabenkrähenpopulation in der Schweiz, 2. die Zulassung von Chloralose (Giftköder) zur Regulierung von Krähen und 3. die Aufhebung des Schutzstatus der Saatkrähe.</p><p>1. Die Rabenkrähe ist in Europa ein sehr häufiger Brutvogel, ihr Bestand hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Rabenkrähen sind Opportunisten und nutzen geschickt jede sich bietende Nahrungsquelle aus, insbesondere auf Kulturland und bei Siedlungen. </p><p>Schäden verursachen Rabenkrähen, wenn sie in Schwärmen - meist Jungkrähen - auftreten. Ökonomisch am relevantesten sind dabei Schäden am frisch gesäten bzw. aufkeimenden Mais. Gemäss einer Untersuchung des Kantons Bern aus dem Jahre 2006 machen solche Schäden pro Jahr zwischen 0,6 und 1 Prozent des gesamten Erntewerts der Maiskulturen aus. Solche Krähenschäden treten räumlich sehr ungleichmässig verteilt auf. </p><p>Die Rabenkrähe ist in der Schweiz gemäss Bundesrecht eine jagdbare Art, welche keine gesetzliche Schonzeit kennt (Art. 5 Abs. 3 Bst. b des Jagdgesetzes, JSG; SR 922.0). Somit sind auch Krähenschäden ganzjährig mit jagdlichen Mitteln abwendbar. Diesem Aspekt kommt in Verbindung mit der Lernfähigkeit dieser Vögel grosse Bedeutung zu: Bereits der Abschuss einer einzigen Rabenkrähe aus einem Schwarm heraus hat nämlich das mehrtägige Fernbleiben dieses Schwarmes vom entsprechenden Feld zur Folge. Durch jagdliche Massnahmen können somit Maisfelder während der kurzen Phase, wo diese sensibel gegenüber Krähenschäden sind, wirksam geschützt werden.</p><p>Die Aufgabe der Bejagung und Regulation der Rabenkrähe fällt - gestützt auf Artikel 5 Absatz 2 JSG - in den Kompetenzbereich der Kantone. Kantonale Lösungen ergeben sich aber auch aus der Regionalität der Krähenschäden. Der Bundesrat ist insgesamt der Ansicht, dass die momentane nationale Gesetzeslage den Kantonen genügend Spielraum zur wirksamen Abwehr von Krähenschäden und zur Regulation der Krähenpopulation gibt.</p><p>2. Die Jagdverordnung (Art. 2 Abs. 1 Bst. c JSV; SR 922.01) verbietet den Einsatz von Gift, Betäubungsmitteln und vergifteten Ködern in der Jagd. Dieses Verbot gilt auch für Chloralose (Glucochloral) als betäubenden Stoff (BGE 85 IV 91, E. 2.). Die Jagdverordnung ermöglicht allerdings auch diesbezügliche Ausnahmen (Art. 3 Abs. 1 Bst. b JSV), wobei das Recht, von solchen Ausnahmen Gebrauch zu machen, an die Kantone delegiert wird. Diese können speziell ausgebildeten Personen (Jagdpolizisten, Jägern) die Verwendung der verbotenen Hilfsmittel (und somit auch den Einsatz von Chloralose) bewilligen, unter der Voraussetzung, dass dies nötig und begründet ist (so z. B. zur Abwehr von Wildschäden). Die Verwendung solcher Mittel ist jedoch eine äusserst umstrittene Sache, was sich in der öffentlichen Diskussion um deren Einsatz gegen Rabenkrähen im Kanton Bern im Jahre 2005 klar zeigte. Es ist deshalb Sache der Kantone zu prüfen, wie verhältnismässig der Einsatz solcher Mittel ist, umso mehr, als zahlreiche weniger umstrittene Möglichkeiten zur Abwehr von Krähenschäden zur Verfügung stehen.</p><p>Nach Ansicht des Bundesrates ist der Einsatz von betäubenden Stoffen, Gift oder vergifteten Ködern genügend geregelt und bedarf keiner weiter gehenden Regelung auf nationaler Ebene.</p><p>3. Die Rabenkrähe besitzt eine ebenfalls schwarze Schwesterart, die Saatkrähe. Sie ist in der Schweiz im Gegensatz zur Rabenkrähe vom Bundesrecht her geschützt (Art. 7 Abs. 1 JSG), weil sie viel seltener ist und erst seit jüngerer Zeit bei uns brütet (1960: noch keine Bruten; 1990: 450 Bruten; 2008: 3200 Bruten). In Europa hingegen ist die Saatkrähe noch häufiger als die Rabenkrähe.</p><p>Aufgrund des stark zunehmenden Bestandes kann durchaus über eine Entlassung aus dem Schutzstatus nachgedacht werden. Zwar figuriert die Saatkrähe momentan noch auf der nationalen Roten Liste der Brutvögel der Schweiz. Allerdings häufen sich Konflikte und Probleme mit dieser Vogelart speziell im Siedlungsraum, denn Saatkrähen brüten, lärmen und koten in Kolonien, im Gegensatz zur einzeln brütenden Rabenkrähe. Eine Entlassung aus dem Status eines geschützten Vogels würde deshalb den Kantonen bei der Lösung von Konflikten mit der Saatkrähe mehr Spielraum geben. Eine solche Aufhebung des Schutzstatus kann im Rahmen der laufenden Teilrevision der JSV diskutiert werden. Es besteht diesbezüglich kein Bedarf zur Anpassung des JSG.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.