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Abstract

Einleitung: Eine besondere Herausforderung für Elternschaft sind psychische Erkrankungen. Im Umgang mit einem Kinderwunsch stellen sich vielfältige Fragen in medizinischer, psychosozialer, pharmakologischer und ethischrechtlicher Hinsicht. Diese Fragen waren Gegenstand einer dreijährigen Forschungsstudie und wurden bei jungen Frauen im gebärfähigen Alter untersucht, die an Depression, einer bipolaren Störung oder Schizophrenie litten und einen Kinderwunsch hatten. Methoden: Von Februar 2019 bis Juni 2020 wurden semistrukturierte Interviews mit n = 24 psychisch kranken Frauen mit einem Kinderwunsch durchgeführt, welche an einer psychischen Erkrankung litten und psychiatrisch oder psychotherapeutisch behandelt wurden. Die interviewten Frauen wurden nach ihren Erfahrungen, Erlebnissen und dem Umgang mit dem Kinderwunsch vor dem Hintergrund ihrer Erkrankung befragt. Insgesamt konnten n = 20 Interviews ausgewertet werden. Ergebnisse: Im Rahmen der Auswertung konnten über Codierungen fünf Haupt und 13 Unterthemen eruiert werden. Die fünf Hauptthemen waren (1) Erleben und Bedeutung der Erkrankung, (2) professionelle Beratung und Behandlung, (3) Ängste und Befürchtungen, (4) Identifikation als Mutter sowie (5) Funktionalität im Alltag und die Gestaltung sozialer Beziehungen. Alle Frauen äusserten sich selbstkritisch über ihren Kinderwunsch und beurteilen das persönliche Kranksein als belastend und einschneidend, teilweise als existentiell. Die Frauen waren zwischen den eigenen persönlichen und krankheitsspezifischen Bedürfnissen und dem Wunsch nach einem eigenen Kind oft hin und hergerissen. Gleichwohl war es für die Betroffenen keine Option, deswegen auf Kinder zu verzichten. Aus den Erzählungen der Frauen ging hervor, dass ärztliche Beratung oft weniger auf die Analyse ihrer Lebensgeschichte und die Bedeutung einer Schwangerschaft ausgerichtet sei als sie es sich gewünscht hätten. Fazit und Ausblick: In den Interviews wurden immer wieder Themen wie Vulnerabilität infolge der Erkrankung, die Sorge darum, nicht als «gute Mutter» betrachtet zu werden, und auch die Sorge, dass die eigenen Kinder erkranken könnten, genannt. Es zeigte sich die Bedeutung einer fachärztlich engen Begleitung und adäquaten Beratung der Frauen, um deren eigene Ressourcen zu weiterzuentwickeln und Unterstützungsbedarf aufzuzeigen. Die Ergebnisse der Studie fliessen ein in die Entwicklung von Empfehlungen für Fachpersonen und Informationsmaterial für betroffene Frauen.