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Am Dienstag hatte Real Madrid den Basken Lopetegui via Mitteilung als neuen Trainer vorgestellt. Keine 24 Stunden nach der überraschenden Ankündigung des Champions-League-Siegers reagierte der spanische Verband heftig. Der erst kürzlich gewählte Verbandschef Luis Rubiales erklärte im Trainingscamp der Spanier in Krasnodar, man habe sich entschieden, die Zusammenarbeit mit Lopetegui per sofort zu beenden: "Es ist ein Entscheid, den wir aufgrund gewisser Werte, denen wir verpflichtet sind, fällen mussten."
Rubiales versicherte, er fühle sich durch das Verhalten von Lopetegui, der erst vor wenigen Wochen seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hatte, nicht verraten. Der Verband könne aber nicht akzeptieren, erst fünf Minuten vor einer offiziellen Mitteilung von einem Vertragsabschluss mit einem seiner Angestellten zu erfahren. Real Madrid profitierte von einer Ausstiegsklausel im Vertrag von Lopetegui, um den Basken ohne Zustimmung des Verbandes an sich zu binden und zum Nachfolger des zurückgetretenen Zinédine Zidane zu machen.
Die Spieler hätten den Entscheid der sofortigen Trennung "akzeptiert", versicherte Rubiales. "Es ist ein harter Schlag, aber wir stehen zusammen, um nach vorne zu schauen." Rund zwei Stunden nach der Entlassung von Lopetegui war der Nachfolger gefunden. Fernando Hierro, seit November 2017 Sportdirektor des Nationalteams, wird "La Roja" durch die WM führen. Die Erfahrung des 89-fachen früheren Internationalen als Cheftrainer ist bescheiden: Er betreute in der Saison 2016/17 den spanischen Zweitligisten Real Oviedo.
Hierro hat eine schwierige Aufgabe vor sich. Innerhalb von wenigen Stunden ist bei einem der meistgenannten Turnierfavoriten viel Wirbel entstanden. Aus sportlicher Sicht hätte es dafür keinen Grund gegeben. Unter Lopetegui gewann Spanien in den letzten knapp zwei Jahren 14 seiner 20 Partien und spielte es sechsmal unentschieden. Die WM-Qualifikation schaffte der frühere Welt- und Europameister in einer Gruppe mit Italien ohne Probleme.
"Der beste Nationaltrainer für Spanien war Julen Lopetegui, und für mich ist er ein tadelloser Profi", sagte Rubiales und ergänzte, dass der entlassene Coach sich gewünscht hätte, dass die Dinge anders gehandhabt worden wären. Gemäss spanischen Zeitungen hatte der Verband noch versucht, Real Madrid davon zu überzeugen, mit der Bekanntgabe bis nach der WM zu warten - vergeblich. Ob die ganze Affäre so zerstörerisch ist wie viele spanischen Medien vermuten, wird sich schon am Freitagabend zeigen. Dann spielt Spanien in Sotschi gegen Portugal.
An seiner ersten Medienkonferenz als Interimscoach bemühte sich Hierro darum, das unrühmliche Kapitel schnellstmöglich zu schliessen und positiv zu bleiben. "Das Ziel ist, um den Titel zu kämpfen. Wir haben keine Zeit, an etwas anderes zu denken. Alles, was passiert ist in den vergangenen Tagen, taugt nicht als Rechtfertigung für irgendwas", sagte der 50-Jährige. Dass Trainer kommen und gehen, seien sich die Spieler gewohnt. "Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Der Tag war nicht einfach, aber die Jungs sind professionell und Sportler."
(sda)