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An der Spitze einer Atlas-V-Rakete startete sie am Donnerstagabend (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ohne Passagiere in Richtung der Internationalen Raumstation (ISS), wie auf einer Live-Übertragung der US-Raumfahrtbehörde Nasa zu sehen war. Geht alles nach Plan, wird sie nach gut 24 Stunden an der ISS andocken.
Keine Passagiere, dafür eine Schaufensterpuppe mit Sensoren
Statt eines echten Menschen sass eine Schaufensterpuppe namens Rosie im Kommandantensitz. Sie ist mit Sensoren ausgestattet, die Daten über die Bewegungen während des Flugs sammeln sollen. Die Kapsel führt auch rund 230 Kilogramm Nachschub wie Lebensmittel, Kleidung und Schlafsäcke für die ISS-Besatzung mit sich, die in einer Höhe von etwa 400 Kilometern um die Erde kreisen.
Nach Nasa-Angaben funktionierten beim Start zwei der insgesamt zwölf Triebwerke zur Steuerung der Flugbahn nicht. Dennoch sei die Kapsel mithilfe eines Ersatztriebwerks auf den richtigen Kurs gebracht worden. Ausserdem sprang ein Kühlgerät zu langsam an.
Dem Raumfahrt-Verantwortlichen bei Boeing, Mark Nappi, zufolge arbeiten die Techniker bereits daran, herauszufinden, «warum wir diese Anomalien hatten». Er betonte jedoch: «Wir haben ein sicheres Fahrzeug und sind auf dem Weg zur Internationalen Raumstation.» Der Nasa-Verantwortliche Steve Sitch bestätigte, dass das Raumschiff «insgesamt sehr gut läuft».
Schon Probleme bei früheren Testflügen
Der Testflug soll zeigen, ob die Kapsel für den Transport von Astronauten sicher ist. Ein erster Versuch war 2019 gescheitert. Damals war es nach Software-Problemen beinahe zu einer Katastrophe gekommen, und das Raumschiff musste vorzeitig zur Erde zurückkehren, ohne die ISS zu erreichen. Ein weiterer Test wurde 2021 im letzten Moment wegen technischer Probleme abgesagt.
Boeing wurde so von dem Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk überholt, dessen Dragon-Kapsel seit 2020 bereits 18 Astronauten und vier Weltraumtouristen im Auftrag der Nasa ins Weltall befördert hat.
Die Nasa will jedoch ihre Transportmittel diversifizieren, um nicht wieder Gefahr zu laufen, von russischen Sojus-Kapseln abhängig zu sein. Der Start am Donnerstag sei deshalb «ein entscheidender Schritt», zwei Anbieter zu haben, «die regelmässig Besatzungen transportieren», hatte die stellvertretende Direktorin des ISS-Programms der Nasa, Dana Weigel, erklärt.
Für Boeing steht viel auf dem Spiel. Der Luftfahrtkonzern hofft, bis Ende des Jahres einen ersten bemannten Flug durchführen zu können. Diese zweite Demonstrationsmission ist unerlässlich, um endlich die Zulassung durch die Nasa zu erhalten.