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Tagsüber fallen ihr die Augen zu, denn Nacht für Nacht liegt sie stundenlang wach - bis zur totalen Erschöpfung. Lesen Sie im vierten und letzten Beitrag die Geschichte einer Betroffenen.
Leonie ist 24 Jahre alt und leidet an schweren Schlafstörungen, seit sie denken kann. Jede Nacht liegt sie stundenlang wach, kämpft gegen ihre Gedanken an und versucht verzweifelt, in den Schlaf zu finden. Oft wird sie von Albträumen heimgesucht, die sie an traumatische Erlebnisse aus ihrer Kindheit erinnern. Ihre Schlaflosigkeit hat einen grossen Einfluss auf Leonies Leben. Tagsüber fühlt sie sich müde, gereizt und kraftlos. Sogar um sich mit Freunden zu treffen, reicht ihre Energie nicht mehr. Leonie studiert BWL an der Universität St. Gallen, ein Studium, das viel von ihr abverlangt. Doch es gelingt ihr je länge je weniger, sich zu konzentrieren. Während der Vorlesungen kann sie kaum ihre Augen offenhalten, in Gruppenarbeiten keine substanziellen Beiträge mehr liefern. Leonie verliert zunehmend den Anschluss. Nachts fühlt sie sich isoliert und einsam. Während sie, zwar todmüde, aber trotzdem hellwach im Bett liegt, nicht einschlafen kann und sich ihre Gedanken kreisen, schläft die ganze Welt um sie herum. Als sie anfängt, vor dem Zubettgehen ein paar Gläser Wein zu trinken und hin und wieder Cannabis zu rauchen, gelingt es ihr vorübergehend besser, einzuschlafen. Doch der Schlaf ist nur oberflächlich und nach kurzer Zeit ist sie wacher denn je. Ihr Körper ist erschöpft, der Kreislauf spielt verrückt. Leonie fühlt sich schlechter und schlechter, sie ist verzweifelt und hat zunehmend Suizdgedanken. Schliesslich ist ihre Leistungsfähigkeit so tief, dass sie ihr Studium unterbrechen muss, sich krankschreiben und in die Clienia Littenheid einweisen lässt.
Hier kommt sie aufgrund ihrer zunehmenden Suizidalität auf eine akutpsychiatrische Station. Sie ist in einer mittelgradigen Episode depressiv und hat eine komplexe Traumafolgestörung. Sie zeigt sich sehr nervös und reagiert stark auf alle möglichen Reize. Zunächst wird sie medikamentös mit einem nicht abhängig machenden Schlafmittel behandelt, das leicht sedierend ist und zusätzlich antidepressiv wirkt. Dieses wird kurzfristig eingesetzt, um den gesunden Schlaf zu imitieren und den Teufelskreis des Nichtschlafenkönnens zu durchbrechen. Bevor Leonie therapiefähig ist, muss sie zur Ruhe kommen. Ihre Schlafhygiene ist auch tagsüber ein Thema. So macht Leonie jeden Tag und bei jedem Wetter einen langen Spaziergang an der frischen Luft, schaltet alle elektronischen Geräte mit einem hohen Anteil an blauem Licht um 19 Uhr aus, liest vielleicht noch ein paar Seiten und knipst punkt 21.30 Uhr das Licht aus. Nach vier Wochen ist sie so weit stabilisiert, dass sie auf eine Psychotherapiestation verlegt werden kann. Dort setzt sie sich mit ihrem Kindheitstrauma auseinander, lernt, was ihr guttut und was nicht, ist achtsam mit sich selbst. Die Therapie ist intensiv und fordert viel von ihr, aber bereits nach wenigen Wochen verspürt sie erste Fortschritte. Sie lernt Techniken zur Stressbewältigung und was sie im Hier und Jetzt verändern kann, damit es ihr besser geht. Allmählich macht es ihr auch keine Angst mehr, abends zu Bett zu gehen.