Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/2970

Gestern erhielten Jay-Z und Justin Timberlake einen Grammy-Award für das Album «Magna Carta Holy Grail». Ein Sample auf der Platte haben sie vom Basler Jazzmusiker Bruno Spoerri abgekupfert. Der will jetzt Geld sehen.
Vor drei Monaten erhielt Bruno Spoerri einen Anruf seines englischen Produzenten Andy Votel. Der bekannte DJ des Labels «Finders Keepers Records» informierte Spoerri darüber, dass der amerikanische Superstar Jay-Z ein 36 Jahre altes Sample Spoerris auf seinem Album «Magna Carta Holy Grail» verwendet und dass er gedenke, mit Jay-Z und seinem Produzenten Timbaland über eine Tantiemen-Abgeltung zu verhandeln.
«Die Sache läuft sehr harzig und es sind noch keine konkreten Ergebnisse da», sagt Spoerri. Zwar habe Votel mittlerweile einen teuren amerikanischen Anwalt eingeschaltet, aber Jay-Z und Timbaland versuchten, das Prozedere in die Länge zu ziehen. Mittlerweile habe er genug von dem Hin und Her, er wolle für seine Leistung die Anerkennung, die er verdient habe. «Es geht mir nicht ums Geld, aber ich ärgere mich, dass man andere Musiker einfach als Selbstbedienungsladen betrachtet. Dass Jay-Z nun noch einen Grammy für das Album kriegt, «das lupft mir den Hut», sagt der 78-jährige Spoerri.
Das Sample aus dem Stück «On the Way», das Jay-Z und sein Produzent Timbaland frech und ohne Erlaubnis für den Track «Versus» verwendeten, hatte Spoerri ursprünglich für den Film «Lilith» komponiert, der 1978 Uraufführung hatte. «Die beiden haben nichts verändert, einfach die Tonabfolge um einen halben Ton verschoben und ganz wenig perkussiver gemacht», sagt Spoerri. Das reiche nie im Leben, um zu behaupten, dass es eine Eigenleistung sei. Zur Demonstration zeigt Spoerri watson die beiden Youtube-Videos seines Originals und von Jay-Z's Stück «Versus».
Spoerri, der sich bisher aus Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen zurückgehalten hat, will nun den Druck auf die amerikanischen Superstars erhöhen. «Auf rein rechtlichem Weg ist den grossen amerikanischen Labels vermutlich nicht beizukommen», sagt Spoerri. Er ist guten Mutes, dass er letztendlich zu seinem Recht kommt: «Soviel ich weiss, hat Timbaland gegenüber meinem Produzenten Votel eingeräumt, dass er das Sample von mir übernommen hat.»
Das verantwortliche Produktionslabel Timbaland Productions war wegen des Zeitunterschiedes noch nicht für eine Stellungnahme erreichbar. watson liefert diese nach, sobald sie vorliegt. Es gilt die Unschuldsvermutung.