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Als Bo Henriksen den FCZ übernahm, stand der Klub auf dem letzten Tabellenplatz. Fünf Punkte hatte der Club damals auf dem Konto, es gab keinen einzigen Sieg. Heute steht man immerhin auf Platz acht in der Tabelle, doch was macht Bo Henriksen anders als sein Vorgänger Franco Foda und vor allem: Was macht er besser?
Foda durfte in seiner Amtszeit als Trainer des FCZ lediglich acht Super-League-Spiele von der Seitenlinie aus begleiten. Sechs der acht Spiele gingen verloren. Lediglich gegen Winterthur und Luzern gelang der Mannschaft ein Unentschieden. Foda und der FCZ, es war keine Erfolgsstory.
Foda scheiterte auch daran, die Spielidee von Meister-Trainer André Breitenreiter weiterzuentwickeln. Foda liess den FCZ in acht Super League Spielen in fünf verschiedenen Formationen auflaufen. Dem Deutschen gelang es nicht, Schlüsselspieler wie Ousmane Doumbia und Topscorer Assan Ceesay zu ersetzen.
Anders als Breitenreiter schaffte Foda es nicht, das Potenzial seiner Spieler auszuschöpfen. Hinzu kam, dass sein Wunschspieler Donis Avdijaj keine Bereicherung für das Team war und den Klub mittlerweile schon wieder verlassen hat.
Bo Henriksen war von Beginn an das komplette Gegenteil seines Vorgängers, ein charismatischer, aufgestellter Typ, im Gegensatz zum eher zurückhaltenden Franco Foda. Bereits bei seiner Vorstellung versprühte er trotz der schwierigen Ausgangslage positive Energie. Doch er war sich auch von Beginn an seiner Aufgabe bewusst. «Meine grösste Aufgabe ist es, das Vertrauen und den Glauben wiederherzustellen.»
Das Auftaktprogramm für Henriksen machte diese Aufgabe nicht einfacher. Seine ersten drei Ligaspiele hätten wohl schwerer nicht sein können. Zuerst wartete YB, dann der FC Basel und schliesslich kam es zum Derby gegen die Grasshoppers.
Dennoch erarbeitete sich der Stadtklub in den ersten beiden Spielen der Ära Henriksen gegen YB und den FC Basel jeweils ein 0:0. Das darauffolgende Derby gegen den Stadtrivalen GC ging allerdings sang- und klanglos mit 1:4 verloren.
FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagte bereits bei der Präsentation, dass Henriksen ein Trainer sei, der vermehrt die positiven Aspekte sieht. Mit seiner Aussage sollte Canepa recht behalten. Henriksen holte aus den folgenden acht Spielen mit dem FCZ fünf Siege und legte damit den Grundstein dafür, dass die Zürcher wieder Hoffnung im Abstiegsrennen schöpfen konnten.
Doch was hat sich unter dem charismatischen Dänen beim FCZ geändert? Zumal ihm nahezu die gleichen Spieler wie Foda zur Verfügung standen.
Henriksen brachte wieder mehr Kontinuität in die Mannschaft. Er kehrte wieder vollständig zu einem System mit einer Dreierkette zurück. Zudem setzte er auf Cheick Konde als Abräumer vor der Abwehr, welcher den Abgang von Doumbia zum FC Lugano mittlerweile vergessen macht.
Nikola Katic war bei seiner Ankunft in Zürich im vergangenen Sommer noch nicht hundertprozentig fit und verpasste daher einige Spiele. Henriksen setzte von Beginn an auf den Kroaten, welcher sich zum neuen Abwehrchef beim Schweizer Meister entwickelte. In 5 der bisherigen 15 Spiele unter der Leitung des Dänen blieb der FCZ in der Liga ohne Gegentor. Unter Franco Foda gelang dies in acht Partien lediglich einmal beim 0:0 gegen den FC Luzern und in der Meistersaison von Breitenreiter blieb der FCZ ganze zehnmal ohne Gegentreffer.
Im Meisterjahr war der FCZ nach dem FC St. Gallen das Team, welches sich am schnellsten mit direkten Pässen vor das gegnerische Tor kombinierte.
Mit der Übernahme von Franco Foda entwickelte sich die Mannschaft mehr zu einem Team, welches sich vermehrt über einen geduldigen Spielaufbau in die gegnerische Hälfte kombiniert.
Dieser Spielstil lag den Zürchern gar nicht. Henriksen setzt daher wieder vermehrt auf ein schnelles Umschaltspiel. Seine Mannschaft soll nach Ballgewinn den schnellsten Weg in Richtung des gegnerischen Tores suchen. Wie gut dies funktionieren kann, zeigte sich beim 4:1-Heimsieg gegen den Tabellenzweiten Servette.
Dass diese Art und Weise, Fussball zu spielen, auch besser zum Kader des Stadtklubs passt, zeigt sich insbesondere an der Personalie von Aiyegun Tosin. Der Beniner blüht unter Henriksen komplett auf.
Tosin erzielte in den ersten zehn Ligaspielen lediglich einen Treffer. Zwar wurde er auch von Henriksen in den ersten beiden Spielen gegen YB und Basel nur eingewechselt. Doch der Stürmer ist mittlerweile zum absoluten Zielspieler im System des Dänen geworden. Seit seinem Hattrick im Spiel gegen Servette läuft er so richtig heiss und steht aktuell bei zehn Saisontoren. Der 24-Jährige übernimmt immer mehr die Torjägerrolle von Assan Ceesay aus der Vorsaison.
Die Offensive des FCZ scheint gerade dann besonders gut zu funktionieren, wenn Tosin gemeinsam mit Okita im Sturm agiert. Okita der von Franco Foda noch vermehrt auf dem Flügel eingesetzt wurde, glänzt gerade als Vorbereiter für Tosin. Die Schnelligkeit der beiden ist zudem ein Schlüsselfaktor für das rasche Umschaltspiel des FC Zürichs.
Ein gutes Beispiel für die Entwicklung des amtierenden Schweizer Meisters unter Bo Henriksen ist das Spiel gegen den FC Luzern. Der FCZ beherrscht die für sein Spiel wichtigen Zonen im Zentrum des Spielfelds. Die Zürcher kommen zumeist gefährlich über die Aussenbahnen vor das gegnerische Tor, was sich im späteren Siegtreffer von Tosin auszahlte.
Zudem erlaubt die Defensive um Katic und Co. dem Gegner wenige progressive Pässe in die Gefahrenzone. Kein Wunder also, dass der einzige Treffer des FC Luzern an diesem Tag ein Penalty von Max Meyer war.
Henriksen hat es geschafft, beim FCZ wieder ein «Wir-Gefühl» zu entfachen. Der Däne hat Spieler wie Okita, Katic und Torjäger-Tosin aufgebaut und ihnen neues Selbstvertrauen eingehaucht. Canepa sagte bereits beim Amtsantritt: «Bo glaubt daran, dass er Spieler weiterentwickeln kann.»
Auch sein ehemaliger Co-Trainer bei Midtjylland Henik Jensen bezeichnete den Dänen als einen Trainer, der sich mit seinem Charakter und seinem Willen zu gewinnen den Respekt der Mannschaft verdient. Dies scheint ihm offensichtlich beim Meister gelungen zu sein.
Denn seit der 47-Jährige das Ruder bei den Zürchern übernommen hat, holte lediglich Super League Leader YB (31) mehr Punkte als der FCZ (24). Wer weiss, was möglich gewesen wäre, wenn Canepa sich bereits im Sommer für Henriksen und gegen Foda entschieden hätte?
Eins ist allerdings sicher: Henriksen setzt auf das, was die Mannschaft im Meisterjahr stark machte, und versucht nicht wie Foda, ihr einen Spielstil aufzudrängen, der nicht passt.