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Endovaskuläre Eingriffe
Perkutane Eingriffe
Unter Sklerotherapie versteht man die Verödung von verschiedenen Malformationen ( auch Angiodysplasien genannt) im Kopf-Hals- und Gesichtsbereich mittels einer direkten bildgesteuerten Punktion von aussen durch die Haut. Angiodysplasien sind in der Regel angeboren und bestehen aus fehlangelegten Venen (venöses Angiom), Lymphgefässen (Lymphangiom), Kapillaren (kapilläre Malformation) oder einer Mischung derselben. Angiodysplasien können Schmerzen, funktionelle Einschränkungen, insbesondere im Augen-, Mund- und Rachenbereich, oder ästhetische Beeinträchtigungen verursachen. Die Punktion erfolgt entweder Ultraschall- oder Durchleuchtungs-gesteuert, um gezielt ein Medikament in die Malformation zu applizieren. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion mit anschliessender Verklebung der Wandstrukturen der Hohlräume und dadurch zu einer Verkleinerung der Angiodysplasie. Eine Sklerotherapie kann in der Regel ambulant und unter lokaler oberflächlicher Betäubung der Haut durchgeführt werden, bei komplexeren und ausgedehnteren Angiodysplasien ist in seltenen Fällen eine Vollnarkose nötig. Das Ziel der Therapie ist, die Angiodysplasie soweit wie möglich zu verkleinern. Hierfür sind je nach Grösse und Ausdehnung häufig mehrere Therapiesitzungen im Abstand von mehreren Wochen nötig. Unmittelbar nach der Sklerotherapie kommt es als Ausdruck der Entzündungsreaktion häufig zur Schwellung und lokalen Schmerzen, welche nach ein paar Tagen deutlich abklingen und in der Regel gut auf oberflächliche Kühlung und Schmerzmittel ansprechen.
Bei Rückenschmerzen (Lumbago) oder in die Beine ausstrahlenden Rückenschmerzen (Lumboischialgie) auf Grund von degenerativen Veränderungen der Fazettengelenke oder einer Kompression der Nervenwurzeln durch Diskushernien oder spinaler Engen besteht die Möglichkeit einer interventionellen Schmerztherapie, einer sogenannten Infiltration. Hierbei wird bildgesteuert mittels Computertomographie oder Durchleuchtung eine Nadel präzise an den entsprechenden Zielpunkt gesteuert und ein Lokalanästhetikum und/oder entzündungshemmendes Medikament (Kortison) entlang der Nervenwurzel oder innerhalb der Fazettengelenke appliziert. Eine spinale Infiltration kann therapeutisch durchgeführt werden mit dem Ziel, eine unmittelbare Schmerzlinderung zu erreichen. Zum anderen kann eine Infiltration auch zusätzliche diagnostische Erkenntnisse liefern bei unklarer Schmerzursache oder um die genaue anatomische Höhe einer Nervenwurzelkompression zu eruieren, insbesondere im Hinblick auf eine allfällige Operation. Die Schmerztherapie wird in enger Zusammenarbeit mit den klinischen Kollegen des Neurozentrums, insbesondere der Universitätsklinik für Neurochirurgie, interdisziplinär durchgeführt.
Bei unklaren Befunden im Kopf-, Hals- und Gesichtsbereich, sowie im Bereich der Wirbelsäule kann es notwendig sein, eine Gewebeprobe, eine sogenannte Biopsie, zu entnehmen, um die genaue Diagnose stellen zu können und um die entsprechende Therapie einzuleiten. Bei einer Biopsie wird bildgesteuert mit Hilfe der Computertomographie oder der Durchleuchtung eine Biopsienadel oder Biopsiestanze von aussen durch die Haut in die verdächtige Läsion navigiert und darüber eine oder mehrere Gewebeproben entnommen. In der Regel kann die Biopsie in Lokalanästhesie durchgeführt werden, je nach Lagebeziehung zu wichtigen benachbarten anatomischer Strukturen kann jedoch auch eine Vollnarkose notwendig sein, um eine präzise und komplikationslose Probeentnahme zu ermöglichen. Dieselben Techniken der bildgesteuerten Navigation können ebenfalls angewendet werden, um therapeutische Eingriffe an der Wirbelsäule vorzunehmen. Hierbei wird ebenfalls eine Nadel in die entsprechenden Anteile der Wirbelsäule oder der benachbarten paravertebralen Strukturen vorgebracht, wie z. B. zur Sklerotherapie (Verödung) von klinisch symptomatischen Wirbelkörperhämangiomen oder Zementeinlage in die Wirbelkörper, der sogenannten Vertebroplastie.
Endovaskuläre Eingriffe
Durale arteriovenöse Fisteln (DAVF) sind erworbene Kurzschlussverbindungen zwischen Arterien, welche die harte Hirnhaut im Bereiche des Gehirns oder des Spinalkanales versorgen, und deren drainierenden Venen. Hierdurch stehen die venösen Blutleiter unter einem erhöhten Druck und es entstehen Umgehungskreisläufe, welche je nach anatomischer Lage und Ausprägung zu verschiedenen neurologischen Symptomen führen oder auch asymptomatisch sein können. Eine Behandlungsindikation ergibt sich aus dem Ausmass der Symptome oder dem Risiko, eine Blutung durch das Platzen der Kurzschlussverbindung zur erleiden. Das Risiko einer Blutung ist vor allem durch das Vorliegen eines Blutrückstaus in Hirnvenen oder rückenmarksversorgende Venen gegeben. Daher ist es wichtig, die genaue Gefässanatomie und das Abflussverhalten einer duralen arteriovenösen Fistel zu kennen, um die Behandlungsindikation zu stellen und einen Behandlungsplan zu definieren. Hierfür wird immer zuerst eine diagnostische zerebrale oder spinale Angiographie durchgeführt. Die Behandlung duraler arteriovenöser Fisteln besteht im Verschluss der Kurzschlussverbindungen am Übergang zur drainierenden Vene, dem sogenannten Fistelpunkt. Dies kann entweder mittels mikrochirurgischer Techniken oder über das Gefässsystem mittels Kathetertechniken erreicht werden. Die Kathetertechniken erlauben eine minimalinvasive Therapie über das Gefässsystem mit hoher Erfolgsrate. Hierbei wird in Vollnarkose über eine transarteriellen und/oder gleichzeitigen transvenösen Zugang ein Mikrokatheter möglichst nahe an den Fistelpunkt vorgebracht und dieser mittels sogenannter Flüssigembolisate oder Metallspiralen verschlossen.
Tumore im Kopf-Hals- und Gesichtsbereich, wie z. B. Meningeome, Glomustumore oder juvenile Angiofibrome, können sehr gut vaskularisiert sein und eine ausgeprägte Blutversorgung aufweisen. Dies kann die operative Entfernung durch eine vermehrte Blutungsneigung intraoperativ erschweren, die Operationsdauer und die Komplikationsraten erhöhen. Mit Hilfe minimalinvasiver Kathetertechniken kann präoperativ die Blutversorgung solcher Tumore über eine Embolisation, d. h. Verschluss von Tumorblutgefässen, reduziert werden, um optimale Voraussetzungen für eine anschliessende Operation zu erreichen. Hierbei wird je nach Tumorart und anatomischer Lage in Lokalanästhesie oder Vollnarkose ein Mikrokatheter in die den Tumor hauptsächlich versorgenden Gefässe navigiert. Anschliessend werden die Tumorgefässe mittels sogenannter Flüssigembolisate, Partikel oder Metallspiralen verschlossen. Hierdurch kann im Optimalfall eine deutliche Reduktion der Tumordurchblutung erreicht werden.
Das Ziel einer Stenteinlage (Stenting) ist es, eine Einengung (Stenose) eines hirnzuführenden Gefässes mit Hilfe einer Gefässstütze (Stent) wieder zu erweitern und damit präventiv das Risiko eines akuten Hirnschlages zu senken. Hierdurch wird einerseits der Blutfluss zum Hirn durch die Beseitigung der Engstelle wieder normalisiert, anderseits die für die Stenose verantwortliche Gefässwandveränderung (sogenanntes Plaque, Gefässwandverkalkung), welche eine mögliche zerebrale Emboliequelle darstellt, mit den Stentmaschen überdeckt. Eine Stenteinlage wird sowohl bei intrakraniellen Stenosen als auch bei Stenosen der extrakraniellen supraaortalen hirnzuführenden Gefässe (Arteria carotis, Arteria vertebralis, Arteria subclavia und Truncus brachiocephalicus) durchgeführt. Hierbei wird über einen minimal invasiven Zugang in der Leiste mit einem Katheter über das Gefässsystem der Stent zur Stenose vorgebracht und bildgesteuert präzise platziert. Bei hochgradigen symptomatischen und asymptomatischen Stenosen der Arteria carotis interna nimmt die minimalinvasive endovaskuläre Stenteinlage bei ausgewählten Patienten eine zunehmende Rolle als Alternative zur chirurgischen Therapie (Karotisendarterektomie) ein. Bei hochgradigen Stenosen des Truncus brachiocephalicus und der proximalen Arteria carotis führen wir eine Stenteinlage in der Regel als sogenanten Hybrideingriff in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Gefässchirurgie durch. Hierbei wird das Gefäss am Hals chirurgisch im Operationssaal freigelegt und unter Sicht punktiert. Anschliessend wird rückwärts (retrograd) der Stent Durchleuchtungs-gesteuert genau über der Stenose am Abgang vom Aortenbogen platziert. Diese Methode ermöglicht einen minimal invasiven Zugang zu einer über den üblichen Gefässzugang schwierig zu behandelnden anatomischen Lokalisation und bietet gleichzeitig einen zuverlässigen Schutz vor zerebralen Embolien, da hierbei während der Stenteinlage die Arteria carotis kurzzeitig chirurgisch abgeklemmt wird und so das Abschwimmen von Plaquematerial in Richtung Hirn vermieden werden kann.