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Im Schlussbericht über den Absturz eines Crossair-Jumbolino in Bassersdorf im Jahr 2001 erhebt das Büro für Flugunfall-Untersuchungen (BFU) schwere Vorwürfe gegen die Swiss.
Die Airline bestätigt den Pilotenfehler als Ursache, geht aber nicht auf weitere Kritikpunkte ein.
Der Absturz des Crossair-Jumbolinos am 24. November 2001 bei Bassersdorf im Kanton Zürich mit 24 Toten ist hauptächlich durch Fehler des übermüdeten Piloten verursacht worden. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Schlussbericht des Büros für Flugunfall-Untersuchungen (BFU) hervor.
Der Flugkapitän sei im Endanflug auf die Piste 28 des Flughafens Zürich-Kloten bewusst vom vorgegebenen Anflugprozedere abgewichen. Er unterschritt dabei die Mindesthöhe, ohne über Sichtkontakt zur Anflugbefeuerung beziehungsweise zur Piste zur verfügen.
Zur Entstehung des Unfalls habe unter anderem beigetragen, dass das Konzentrations- und Entscheidungsvermögen des 57-jährigen Flugkapitäns sowie seine Fähigkeit zur Analyse komplexer Vorgänge aufgrund von Übermüdung beeinträchtigt gewesen seien.
BFU: "Fliegerische Defizite" beim Piloten
Laut Daniel Knecht, der die organisatorischen Aspekte des Unfalls durchleutete, gab es beim Kommandanten während seiner über 20-jährigen Zeit bei Crossair verschiedene "Vorfälle", die seine Vorgesetzten hätten hellhörig machen müssen.
So sei er wiederholt bei Prüfungen durchgefallen. "Wie ein roter Faden zieht sich eine gewisse Abneigung gegenüber komplexeren technischen Systemen durch die Laufbahn des Kommandanten", hiess es im Bericht. Die Crossair-Verantwortlichen hätten die "fliegerischen Defizite" jedoch nicht erkannt und keine Massnahmen eingeleitet.
Swiss: Pilot hatte "alle Qualifikationen"
In einer ersten Stellungnahme räumte die Swiss am Dienstag einen Pilotenfehler als Ursache für den Absturz ein. Im Gegensatz zum BFU wies die Swiss aber darauf hin, dass der Pilot sehr erfahren gewesen sei. Er habe über alle Qualifikationen verfügt, um den Flug von Berlin-Tempelhof nach Zürich durchzuführen.
Der Bericht übt gar Fundamentalkritik an der Fluggesellschaft. Der Unglücksflug sei kein Einzelfall gewesen, bei dem Verfahrensvorgaben nicht befolgt wurden. Mindestens 40 entsprechende Fälle seien bekannt.
"Bescheidene" Flugsicherheitsabteilung
"Im Bestreben, kostenbewusst zu operieren, (..) wurden Vorgaben grosszügig ausgelegt", heisst es. Nicht bei allen Flugbesatzungen sei das "erforderliche Sicherheitsbewusstsein" erzeugt worden. Für ein Unternehmen mit 80 Flugzeugen sei die Flugsicherheitsabteilung "bescheiden" ausgerüstet gewesen.
Im Anflug auf die Piste 28 sei auch die Aufgabenverteilung der Flugbesatzung nicht zweckmässig gewesen und habe ebenfalls nicht den Verfahrens-Vorgaben der Crossair entsprochen. Der BFU-Bericht stellt weiter fest, dass der Höhenzug bei Bassersdorf, den das Flugzeug berührt hatte, auf der von der Flugbesatzung verwendeten Anflugkarte nicht eingetragen war.
Swiss: Keine weiteren Massnahmen nötig
Zu diesen Vorwürfen schreibt die Fluggesellschaft, dass sowohl Crossair wie Swiss die internationalen und nationalen Anforderungen bezüglich Flugsicherheit jederzeit erfüllt hätten. Die Sicherheitsempfehlungen des BFU seien bereits kurze Zeit nach dem Absturz umgesetzt worden.
Als weiterführende Massnahme habe Swiss namentlich ein komplett neu überarbeitetes Flight-Safety Programm eingeführt, das sowohl die Rekrutierungs-, Ausbildungs- und Überprüfungsprogramme der Besatzungen wie auch die Abläufe der gesamten Operation betreffe. Als zusätzliche Sicherheitsmassnahme sei ein sonst in der Branche nicht übliches Flight Safety Advisory Board eingesetzt worden.
Die endgültigen Erkenntnisse über den exakten Ablauf und die Ursachen des Absturzes verlangten gemäss BFU-Bericht keine weiteren Massnahmen.
Auch Kritik gegen Skyguide und BAZL
Schliesslich ortete das BFU auch bei der Flugsicherung Skyguide Mängel. In der Anflugstelle seien zum Unfallzeitpunkt weniger Personen, nämlich nur eine statt vier, anwesend gewesen. Ob diese markante Reduktion den Unfall mitbeeinflusst habe "muss offen bleiben", hiess es.
Kritisiert wird im Bericht auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). Die Wirksamkeit der Pilotenausbildung bei Crossair sei nicht überwacht worden. Und der Flugbetrieb sei nie integral überprüft worden. Auch der Crossair-Absturz von Nassenwil im Jahr 2000 habe daran nichts geändert.
Strafuntersuchung eingeleitet
Ebenfalls am Dienstag wurde klar, dass der Crossair-Absturz ein juristisches Nachspiel hat. Die Bundesanwaltschaft gab bekannt, dass sie ein Strafverfahren eröffnet hat. Es stehe vor dem Hintergrund neuer Fakten, die der BFU-Untersuchungsbericht liefere, hiess es.
Das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren wegen "fahrlässiger Tötung" oder "schwerer fahrlässiger Körperverletzung" laufe vorderhand gegen Unbekannt, sagte Sprecher Hansjürg Mark Wiedmer am Dienstag.
Die beiden Piloten als direkte Verursacher des Absturzes könnten zwar strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden, da sie dabei ums Leben kamen, räumte Wiedmer ein. Es stelle sich jedoch die Frage, ob auch ausserhalb des Flugzeuges fahrlässige Handlungen begangen worden seien.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Im November 2001 stürzte ein Crossair-Jumbolino in Bassersdorf ab.
24 Menschen, darunter die beiden Piloten, kamen um. 9 Passagiere überlebten.
Ursache ist ein Piloten-Fehler: Der Kapitän flog zu tief.
In Kürze
Zur Zeit des Absturzes von Bassersdorf war Swiss-Chef André Dosé Crossair-CEO.
Die Bundesanwaltschaft hat wegen des Unfalls ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet.
Möglicherweise nimmt die Justiz dabei auch die Rolle André Dosés unter die Lupe.
Daneben hat Dosé viele weitere Sorgen: Einen Überbrückungskredit von bis zu 500 Mio. Fr. wollten die Banken bisher nicht garantieren.
Falls sich die Vogelgrippe ausbreitet, wird nach Sars das Fluggeschäft noch einmal einbrechen.
Die Liquidität der Swiss schmilzt rasch dahin, wegen geringer Auslastung und hohen Leasing-Gebühren.
Im kommenden März muss Dosé erneut Verluste präsentieren. Das Vertrauen ins Swiss-Management könnte weiter sinken.