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27. Dezember 2000: Mario Lemieux ist mit 35 Jahren ganz offiziell Besitzer, Präsident, General Manager (Chief Executive Officer) und auch wieder Mittelstürmer seines Teams. Das hat es vorher und nachher in der NHL nie mehr gegeben.
Mario Lemieux war an einem guten Abend besser als Wayne Gretzy. Wenn er gesund geblieben wäre, hätte er einige von Gretzkys Rekorden gefährden können. Er gewinnt 1991 und 1992 mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup und 2002 wird er Olympiasieger und zwischen 1988 und 1997 sechsmal NHL-Topskorer.
Bereits in seinem ersten NHL-Spiel am 12. Oktober 1984 gegen die Boston Bruins kommt er nach 18 Sekunden zum ersten Assist. Den Treffer erzielt Doug Shedden. 60 Sekunden darauf erzielt Mario Lemieux mit seinem ersten Torschuss auch gleich sein erstes Tor. Eine Karriere, die mit Paukenschlägen beginnt, nimmt später einen dramatischen Verlauf.
Mario Lemieux wird nicht nur zweimal Stanley-Cup-Sieger mit den Pittsburgh Penguins, er muss seine Karriere auch dreimal wegen Verletzungen und wegen einer Krebstherapie unterbrechen. Am 4. September 1997 tritt er nach einem 3:1-Sieg gegen Boston offiziell zurück. Im Tor steht damals Patrick Lalime. Er hat schon am 18. Oktober 1984 beim ersten Spiel von Mario Lemieux das Tor gehütet. Aber der offizielle Rücktritt ist noch nicht sein Karriereende.
Spieler kommen und gehen und Klubs bleiben bestehen. Das gilt für die Pittsburgh Penguins nicht. Mit dem Karriereende von Mario Lemieux rutschen die Pinguine in eine dramatische Krise. Die Zuschauerzahlen gehen um 30 Prozent zurück. Weil die Spielerlöhne dramatisch steigen (von neun Millionen US-Dollar 1991 auf 34 Millionen US-Dollar 1999), haben die Penguins bald einmal 100 Millionen US-Dollar Schulden.
Mario Lemieux, der in seiner ganzen Karriere nie für ein anderes NHL-Team gespielt hat, ist mit 26 Millionen Dollar ausstehenden Lohnzahlungen der grösste Einzelgläubiger. Die beiden Besitzer Roger Marino und Howard Baldwin verkrachen sich so sehr, dass die NHL den beiden untersagt, sich weiterhin in der Öffentlichkeit zu beschimpfen.
Am 13. Oktober 1998 deponieren die Penguins ihre Bilanz. Nun tritt Mario Lemieux auf den Plan. Sein Beraterstab entwickelt ein Konzept, um sämtliche Schulden zu bezahlen und das Team wieder konkurrenzfähig und profitabel zu machen.
Grossen Anteil an der erfolgreichen Sanierung hat der Milliardär Ronald Burkle. Im März 1999 ist eine Investorengruppe gefunden. Mario Lemieux lässt 20 Millionen Dollar von seinen Lohnforderungen in Aktien umwandeln und wird so Mitbesitzer der Pittsburgh Penguins. Am 1. September 1999 bewilligt die NHL den Deal.
Im Dezember 2000 – etwas mehr als ein Jahr nach der Rettung – verkünden die Pittsburgh Penguins die Rückkehr von Mario Lemieux ... als Spieler. Die Hockeywelt hält den Atem an. Der 35-Jährige muss zur Vermeidung von Interessenskonflikten sein Stimmrecht bei den NHL-Besitzerversammlungen an einen Stellvertreter abgeben.
Mario Lemieux kehrt am 27. Dezember 2000 nach 44-monatiger Pause aufs Eis zurück. Beim 5:0-Erfolg der Penguins gegen Toronto gelingen ihm auf Anhieb ein Tor und zwei Assists. Der erste NHL-Teambesitzer, der skort. Er ist ganz offiziell Mittelstürmer und Besitzer und Präsident (Chief Executive Officer) und General Manager seines Teams. Das hat es vorher und nachher in der NHL nie mehr gegeben. Und wird es wohl nie mehr geben.
Fünf Wochen nach seinem Comeback bestreitet er das All-Star-Game. Insgesamt spielt er in der Saison 2000/01 noch 43 Partien und bucht 76 Punkte, und er wird mit 1,77 Punkten pro Spiel der produktivste NHL-Spieler der Saison. Er setzt seine Karriere um weitere sechs Jahre fort. In der Saison 2005/06 bestreitet Mario Lemieux schliesslich die letzten 26 Partien in seiner Laufbahn.
Am 7. Dezember 2005 diagnostizieren die Ärzte eine Herzerkrankung und neun Tage später bestreitet er gegen Buffalo sein 915. und letztes NHL-Spiel. Am 24. Januar 2007 verkündet er offiziell den zweiten Rücktritt und wechselt im Alter von 40 Jahren endgültig von der Kabine ins Managerbüro.
Mario Lemieux ist heute nach wie vor Mitbesitzer und Präsident bei den Pittsburgh Penguins und als Manager so erfolgreich wie als Spieler. Unter seiner Führung ist aus dem einstigen Lotterklub ein blühendes Unternehmen geworden. Pittsburgh gehört zu den zehn wirtschaftlich erfolgreichsten NHL-Klubs.
Der Wert wird auf 650 Millionen Dollar geschätzt und bei einem Umsatz von 141 Millionen haben die Penguins zuletzt 20 Millionen Gewinn gemacht. Längst spielen sie auch in einer neuen Arena. 2009, 2016 und 2017 haben sie den Stanley Cup geholt.
Wayne Gretzky war auf dem Eis erfolgreicher, aber als Geschäftsmann ist Mario Lemieux ungleich besser. Als Mitbesitzer und Coach führte Wayne Gretzky die Phoenix Coyotes ab 2005 zusammen mit seinem Freund Michael Barnett (als General Manager) in den sportlichen und wirtschaftlichen Ruin. Danach war die NHL Besitzerin des Teams, das inzwischen Arizona Coyotes heisst. Im Dezember 2014 kaufte eine Investorengruppe den Klub, seither geht es langsam wieder aufwärts.