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Der Gegenteil-Check: Überflüssige Adjektive und Adverbien effizient in einem Schritt löschen.
Ein Text ist nur dann kraftvoll, wenn er knapp und prägnant ist. Dies schreiben Strunk und White im Klassiker der amerikanischen Stillehre „Elements of Style“ (1959).
„Ein Satz sollte keine unnötigen Wörter haben, ein Absatz keine unnötigen Sätze – aus dem selben Grund, warum eine Zeichnung keinen unnötigen Strich haben sollte und eine Maschine kein unnötiges Teil.“
Und jetzt aufgepasst: Das bedeutet nicht, dass du auf Teufel komm raus alle Sätze kurzhalten und auf Details verzichtest. Gemeint ist, dass jedes Wort die Pflicht hat, etwas zu sagen.
Vor allem Adjektive wecken bei mir Argwohn. Gehe aus diesem Grund kritisch mit ihnen um, ohne sie zu verteufeln. Mark Twain schrieb:
„Wenn du ein Adjektiv triffst, bringe es um. Nein, ich meine nicht alle Adjektive, aber töte die meisten – umso wertvoller werden die übrigen sein.“
So überprüfst du deine Texte kinderleicht.
Beim Schreiben vermeide ich Adjektive konsequent. Schleicht sich eins ein, überprüfe ich dies mit dem Gegenteil-Check. Ich ersetze es bewusst durch das Gegenteil und teste, ob die Aussage weiterhin Sinn macht.
Wie gewohnt gehe ich dabei strukturiert vor. Ist die Aussage sinnvoll, behalte ich das Adjektiv. Ist die Aussage sinnlos, ist das Adjektiv sinnlos. Ich lösche es.
Am besten demonstriere ich dir die Technik an zwei Positiv- und Negativbeispielen:
In beiden Fällen bestehen die Adjektive den Check. Sie unterscheiden die interessierte von desinteressierten Mitarbeitenden und den urbanen vom ländlichen Schulbusverkehr.
Und jetzt meine Fragen. Ist es möglich, desinteressierte Besucher von Heiztechnik zu beeindrucken? Inwiefern stellen ländliche Ballungsräume eine Herausforderung dar? Merkst du was? Die Adjektive „interessiert“ und „urban“ löschst du sofort. Aber zackig!
Wie der tägliche Sprachgebrauch deinen Schreibstil beeinflusst.
Oft erkennst du nicht, ob ein Adjektiv sinnvoll oder sinnlos ist. Der Grund hierfür ist der tägliche Sprachgebrauch. Viele Kombinationen haben sich etabliert und die Nutz- und Sinnlosigkeit fällt dir nicht mehr auf.
Fliegen liebe ich das Sitzen bis zur „endgültigen“ Parkposition. Keines dieser Adjektive fügt dem Substantiv etwas hinzu. Löschen!
Es ist kompliziert - Adverbien gekonnt löschen
Bei Adverbien ist es nicht anders. Oft lese ich, jemand habe eine Prüfung „erfolgreich“ bestanden (in meinem LinkedIn-Feed lese ich sowas fast täglich), Kollegen beteiligen sich „aktiv“ an Projekten und Manager treffen „gezielte“ Maßnahmen – vermutlich, weil ihre sonstigen Maßnahmen ungezielt sind.
Wie bei den Adjektiven gilt es, nicht jedes Adverb zu verteufeln. Hier hilft dir ebenfalls der Gegenteil-Check. Aber denk stets daran, dass du manche Kombinationen nutzen musst, da du sonst deine Leser verwirrst. Schau dir meine Beispiele an, dann verstehst du kinderleicht, was ich meine.
Beispiel 1
Folgst du dem Gegenteil-Check, dann ist es nicht erlaubt, eine „gute Besserung“ zu wünschen. Denn eine schlechte Besserung gibt es nicht. Verabschiedest du dich beim nächsten Krankenbesuch mit „Besserung“, wäre dies sprachlich korrekt. Ob der Patient ebendies schätzt, ist fraglich.
Beispiel 2
Die Standard Abschiedsformel „mit freundlichen Grüßen“ ist sprachlich ungelenk, hat sich im täglichen Sprachgebrauch aber etabliert. Kannst du dir vorstellen, unfreundlich zu grüßen? Schreibst du „mit Grüßen“, wäre das korrekt. Aber der Leser würde vermutlich andere Schlüsse ziehen.
Ich frage mich ohnehin, warum Grüße immer im Plural formuliert werden. Reicht nicht ein einzelner Gruß? Streiche ich das „mit“ am Ende, so erkennt der Lesende, dass ich ihn „mit“schicke. Streichen wir das „mit“, sind wir fertig.
Übrig bleibt „Gruß“. Das ist sprachlich korrekt, aber nicht freundlich. (Wobei ich mich in letzter Zeit oft dabei ertappe, „Gru(e)ss“ zu schreiben. Beschwert hat sich bisher niemand.)
Wie du deinen Texten mehr Pep und Schwung verleihst und besser schreibst, verrate ich dir gern in einem Textcoaching. Also, melde dich!