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24 von 54 der europäischen Fussballunion UEFA angehörenden Nationen brachten es an die EM-Endrunde. Das sind 44,4 Prozent, also fast die Hälfte. Was für ein Unterschied noch zur EM 1992, deren Endrunde in Schweden mit 8 von 33 an der Qualifikation teilnehmenden Nationen durchgeführt wurde. Nur rund jedes vierte Land war dabei. Die Schweiz liess damals unter anderen Rumänien und Bulgarien hinter sich – und scheiterte trotzdem.
Es war die Zeit, bevor sich die Sowjetunion und Jugoslawien politisch aufteilten, und die UEFA einen Schwall neuer Mitglieder bekam. Heute ist Fussball-Europa ein Grossreich, viel grösser als das politische Europa. Zur UEFA gehört seit langem die Türkei, seit der ersten Hälfte der Neunzigerjahre auch Israel sowie die Kaukasus-Republiken Armenien, Aserbaidschan und Georgien. 2002 kam Kasachstan dazu. Das Riesenland in Zentralasien lässt die UEFA nunmehr an China angrenzen. Rechnet man bei Russland Sibirien dazu, war das UEFA-Territorium schon immer riesig.
Wenn der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino seinen Wählern eine Weltmeisterschaft mit 40 Nationen verspricht, sind auch die Gedanken an eine EM mit 32 Mannschaften – viermal mehr als 1992 – nicht abwegig.
Die Niederlande wurde diesmal Vierter der Qualifikationsgruppe A hinter Sieger Tschechien, Island und der Türkei. Danny Blind löste im Sommer 2015 für die Schlussphase der Qualifikation Trainer Guus Hiddink ab, er konnte das Ruder aber nicht mehr herumreissen. Das unerwartete Scheitern erinnerte an die Qualifikation für die WM 2002, als die von Bondscoach Louis van Gaal befehligte Mannschaft hinter Portugal und völlig überraschend hinter Irland den 3. Platz belegte und damit ebenfalls ausschied.
Trotz der Erweiterung der Endrunde auf 24 Mannschaften hatten es ein paar grosse Nationen in der Qualifikation nicht einfach. So fiel auf, dass etwa Deutschland und Italien ihren Platz am EM-Turnier erst in den letzten Spielen sicherstellten.
Sieht man vom Scheitern der Niederländer ab, waren praktisch alle Überraschungen der EM-Qualifikation positive. Für eine davon sorgte Island, die Nation, die aus rund 80’000 Einwohnern weniger besteht als die Stadt Zürich. Im Handball ist der kleine Staat mit der grossen Fläche schon seit längerem zu allem fähig. Die Nordländer erreichten an den Olympischen Spielen 2008 in Peking den Final und liessen sich erst von Frankreich stoppen. Zwei Jahre später gewannen sie an der EM, die im Niveau einer WM gleichkommt, Bronze.
Auch im Fussball ist nun der Erfolg gekommen. In der WM-Qualifikation 2014 scheiterte Island erst in der Barrage an Kroatien. Zwei Jahre später nun hat es Island erstmals an ein grosses Turnier gebracht. Die Mannschaft kam aber nicht etwa über die Hintertür in der Barrage der Gruppendritten weiter, sondern als stolzer Zweiter einer starken Gruppe vor den Türken und den versagenden Niederländern.
Die meisten Spieler im Kader des schwedischen Trainers Lars Lagerbäck, der nach der EM aufhören wird, verdienen ihr Geld in europäischen Ligen, auch in England, Deutschland, Italien und Spanien.
Isländische Spieler waren auch in früheren Jahren schon begehrt. Den klangvollsten Namen im Schweizer Fussball hat sich Sigurdur Gretarsson erarbeitet, Meisterspieler des FC Luzern 1989. Der technisch begabte Gretar Steinson gab bei YB vor zehn Jahren ein kurzes Gastspiel, und derzeit verstärkt Birkir Bjarnason den FC Basel.
Spieler mit albanischen oder kosovarischen Wurzeln sind seit Jahren eine ergiebige Quelle für die Schweizer Nati. Die Qualitäten von Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Valon Behrami sind unbestritten. Während der Kosovo nach der Anerkennung durch die FIFA und die UEFA erst in Zukunft an den Qualifikationen für WM und EM wird teilnehmen können, hat es Albanien nun erstmals an eine Endrunde gebracht. Die Albaner wurden in der Gruppe I Zweite vor den Dänen und den Serben.
(SDA)