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Der Modulor
Die Ausstellung «Der Modulor» illustriert seine leidenschaftliche Recherche, zeigt Vorbilder aus der Natur wie Schneckengehäuse oder Mineralien aber auch Anknüpfungspunkte aus der Kunstgeschichte von der Gotik bis heute. Höhepunkt dieser Suche ist die Entwicklung und Anwendung des legendären Modulor, der den menschlichen Massstab mit dem Goldenen Schnitt verbindet. Le Corbusier perfektionierte die programmatische Modulor-Figur und deren geometrische Herleitung in unzähligen Versionen. Mithilfe seiner Massreihen realisierte er spektakuläre Entwürfe in der Gebrauchsgrafik, im Möbeldesign, im Städtebau und in der Architektur – darunter den Zürcher Pavillon, der integral mit dem Modulor proportioniert ist.
Natur als Inspiration
Noch in seiner Schulzeit beginnt der junge Le Corbusier die Wachstumsgesetze der Natur zu studieren: Sein Lehrmeister Charles L’Éplattenier sagte: «Seule la nature est inspiratrice». Die Begeisterung für die Formen und Strukturgesetze der Natur wird das gesamte Werk Le Corbusiers durchziehen. 1939 etwa liefert die Spirale eines Schneckenhauses den Ausgangspunkt für sein Projekt für ein «unbegrenzt wachsendes Museum». Auch als Architekt und Künstler beginnt Le Corbusier, seine Bilderund Bauten mithilfe einfacher geometrischer oder arithmetischer Mittel zu harmonisieren. Die Flächendiagonalen und deren rechte Winkel werden zu einem unsichtbaren Gerüst, an dem er seine Kompositionen ausrichtet – der «tracé régulateur» erlaube «eine sehr grosse Präzision in der Proportionierung» und diene als Werkzeug zur Klärung der Gestaltungsabsichten.
Vom Sitzmöbel bis zum Städtebau
Im Hinblick auf das erhoffte Ende des Zweiten Weltkriegs und dem damit verbundenen Wiederaufbau entwickelt Le Corbusier zwischen 1943 und 1945 ein eigenes Proportionssystem. Es gelingt ihm, die Proportionen des Menschen und den Goldenen Schnitt in eine geometrische Beziehung zu setzen und davon zwei Progressionen mit Massen abzuleiten, die sich ergänzen und die alle für den Entwurf wichtigen Abmessungen des menschlichen Körpers enthalten. Indem er die Höhe der Modulorfigur auf sechs Fuss festlegt, überwindet er die Unvereinbarkeit des metrischen Masses und des angloamerikanischen Fussmasses und macht seine Proportionslehre damit zu einem universell einsetzbaren Werkzeug. In all seinen Bauten ab 1946 setzt Le Corbusier den Modulor nun konsequent ein: Beispielsweise für die Fassaden der Fabrik Duval in Saint-Dié oder beim Kloster La Tourette, selbst der Grundriss der indischen Kapitale Chandigarh entwickelt er in Modulormassen. Vor allem in kleinerem Massstab entfaltet der Modulor sein ganzes Potential, so bei Corbusiers legendärem Ferienhäuschen «Cabanon» am Mittelmeer oder dessen Inneneinrichtung.
(Text: Pavillon Le Corbusier)