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Carson McCullers Buchtitel sprechen Bände, etwa «Das Herz ist ein einsamer Jäger», der Roman von 1940, oder die Novelle «Die Ballade vom traurigen Café» von 1951. Einsamkeit war ihr Thema. Einsamkeit in verschiedenen Ausprägungen.
Lula Carson Smith McCullers kommt 1917 in Georgia zur Welt. Ein frühreifes Kind, das bald künstlerische Ambitionen zeigt. Mit 5 spielt sie Klavier, mit 13 beschliesst sie Konzertpianistin zu werden. Gelenkrheuma wird ihr diesen Weg verstellen. Mit 18 zieht sie nach New York und beschliesst, Schriftstellerin zu werden. Der Durchbruch gelingt schnell: sie ist 23 als ihr erster Roman ein Erfolg wird.
Schwierige, hoffnungslose Kommunikation
Carson McCullers Welt ist die der Südstaaten, der kleinen Städte weitab von den Metropolen. Kleine Ansiedlungen, an deren Rändern endlose Baumwollfelder liegen, wo Staub und Hitze das Leben erschweren. Vor dem Hintergrund einer Rassen getrennten Gesellschaft lässt sie Aussenseiterfiguren auftreten. Etwa den Taubstummen John Singer in «Das Herz ist ein einsamer Jäger» oder den buckligen Cousin Lymon in der Novelle des traurigen Cafés.
Es sind körperlich versehrte Menschen, die die anderen herausfordern, die stumme Gesellschaft, die oft nicht weiss, wie sie reagieren muss. Die Kommunikation zwischen Menschen ist schwierig, beinahe hoffnungslos. Im einsamen Café wird wenig geredet, draussen auf der Strasse wird viel getuschelt – Kleinstadtambiente. Die Schriftstellerin selbst war von frühester Jugend an krank – immer wieder und immer schwerer bis zu ihrem frühen Tod mit 50 Jahren.
Die Ambivalenz der Geschlechter
Die Welt von Carson McCullers ist eine, die auch andere SchriftstellerInnen beschrieben haben, etwa Harper Lee, mit der sie stets verglichen wurde, Truman Capote oder William Faulkner. McCullers lässt aber auch immer noch einen weiteren Aspekt einfliessen, die Ambivalenz der Geschlechter.
Etwa Miss Amelia, die Hauptfigur aus der «Ballade des traurigen Cafés», eine «dunkle, hochgewachsene Frau (mit) Muskeln und Knochen wie ein Mann», mit kurzgeschnittenen Haaren und einem «wilden, verkrampften Ausdruck».
McCullers war zweimal verheiratet, mit demselben Mann: Reeves Mc Cullers. Zwischen beiden Ehen verliebte sie sich unsterblich und unerwidert in die Schweizer Schriftststellerin Annemarie Schwarzenbach, die sich anfangs der 40er Jahre in New York aufhält.
Die laute Stimme der verstorbenen Autorin
Es ist diese «sexuelle Fluidität», die die New Yorker Singer-Songwriterin Suzanne Vega interessierte – nebst den literarischen Qualitäten, die sie durch eine der Kurzgeschichten entdeckte. Vor fünf Jahren führte Vega ihr One Woman-Theaterstück «Carson McCullers Talks about Love» auf.
Auf ihrem neusten Album «Lover, Beloved» hat sie nun Songs geschrieben, in denen sie der verstorbenen Autorin eine Stimme gibt, in der sie das Werk aus einem unerwarteten Blickwinkel anschaut.
Eine Begegnung, die erstaunen mag und dennoch alltäglich ist. Seit langem lassen sich Songwriter wie etwa Bob Dylan oder Bruce Springsteen von Romanen und vor allem Kurzgeschichten aus der amerikanischen Traditionen inspirieren – von Jack Kerouac über John Steinbeck bis Flannery O’Connor. Nun folgt Suzanne Vega den Spuren und der Stimme von Carson McCullers – ein lobenswertes Unterfangen.
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, 19. Oktober 2016, 16.05 Uhr
Albumhinweis
Suzanne Vega: «Lover, Beloved: Songs from an Evening with Carson McCullers», Cooking Vinyl, 2016.