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Vor Beginn des Konzerts ist es vor allem der türkisblaue Klavierstuhl, der die Blicke auf sich zieht. Er lässt nichts Gutes vermuten. Ist die gross angekündigte Glen gesundheitlich noch im Stande, eine gute Show abzuliefern?
Doch zuerst betritt ihre Cousine die Bühne, welche die erste Biografie über Marla Glen verfasst hat und einige Worte zu ihrer berühmten Verwandten sagt. Bis sie schliesslich der Band und dem Star aus Chicago, der schon lange in Deutschland lebt, die Bühne überlässt.
Glen muss auf Bühne begleitet werden
Einige Sekunden später betritt dann schliesslich die ziemlich frauenlastige Band die Bühne. Neben drei Backgroundsängerinnen, von denen eine ein Saxophon spielbereit hält, gesellt sich eine Bassistin, ein Schlagzeuger, ein Gitarrist und ein Keyboarder dazu.
Dann wird Marla Glen auf die Bühne geholfen. Ein grosser Mann begleitet die Amerikanerin auf die Bühne, die bereits lächelnd mit einem Gehstock in der Hand ihren markanten Klavierstuhl anvisiert. Sie trägt einen roten Hut und ein rotes Hemd mit einem schwarzen Gilet darüber und bleibt somit der einzige Farbfleck auf der Bühne, was ihr als Frontfrau noch mehr Wirkung verleiht.
«Sie sei stoned, aber natürlich nur wegen den Schmerzmedikamenten für ihr Bein.»
Kleines Instrument, grosse Wirkung
Sofort wirkt die Sängerin zu Spässen aufgelegt, während sie zur Mundharmonika greift und mit voller Inbrunst die ersten Töne entlockt. Und als sie auch noch mit ihrer überraschend tiefen, unverkennbaren Stimme einsetzt, spürt man bereits, dass sie trotz den gesundheitlichen Umständen bereit ist, mit ihren mal bluesigen, mal souligen, mal funkigen Songs über die Bühne zu fegen.
Zwischen den Stücken hallt immer wieder ihr ansteckendes Lachen durch den Saal. Ein Lachen, dass sie damit erklärt, dass sie «stoned», also bekifft sei, aber natürlich nur wegen den Schmerzmedikamenten für ihr Bein.
Bei den grossen Songs, die sie spielt, hält es auch die Sängerin selbst nicht lange auf dem Hocker aus. Sie steht auf, geht immer wieder zum Publikum, tanzt und lacht mit den vordersten Reihen und singt mit voller Inbrunst ins Mikrofon. Zu den Highlights des Abends gehört dabei unter anderem ein Rolling Stones-Cover von «Ruby Tuesday», das Marla auf ganz eigene Weise über die Bühne bringt.
Doch bei jedem einzelnen Song merkt man ihr ihre übergrosse Lebensfreude an, sei es am Mikrofon, an der Mundharmonika oder während dem Headbangen (natürlich ohne Hut) an den Bongos.
«Doch bei jedem einzelnen Song merkt man ihr ihre übergrosse Lebensfreude an.»
Eher zurückhaltende Band
Obwohl die Truppe um und mit Marla Glen jeden Besucher verzaubert hat, bleibt doch irgendwie das Gefühl, das mehr drin gelegen hätte. Sicherlich nicht von der Sängerin selbst, denn sie hat alles und sogar noch ein wenig mehr gegeben. Doch leider erst bei einem der letzten Stücken vor der Zugabe, einem typischen Blues, kommt zum Vorschein, welche spielerische Klasse die Musiker haben, da jeder ein längeres Solo bekommt.
Dabei brilliert auch die Saxophonistin erneut mit einem Solo, die schon öfters zuvor ihr Können am Holzblasinstrument gezeigt hat. Doch auch die anderen Musiker und besonders der Pianist spielt, als spiele er zum letzten Mal und nach der langen Bluesnummer fragt man sich, wieso nicht mehr Solis der einzelnen Instrumentalisten eingebaut wurden.
Zugabe von James-Brown-Song
Doch lange Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, denn als Zugabe schmettert Marla Glen noch zwei weitere Hits über die Bühne. Vor ihrem eigenen Hit «Believer» wagt sie sich an «It’s a Man’s Man’s Man’s World» der verstorbenen Funklegende James Brown und verabschiedet mit zwei letzten tollen Darbietungen vom Zuger Publikum.
«Marla» zieht zum letzten Mal ihren roten Hut und lässt den türkisblauen Hocker auf der Bühne stehen.