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Finanziert durch das Karriereförderungsinstrument Ambizione, kann Nenad Stojanovic ein Forschungsprojekt zu rassistischen Motiven bei Wahlen durchführen. Als Gastinstitution hat der Politikwissenschaftler die Universität Luzern gewählt.
"Was nützt es, wenn man einem kleinen Fisch sagt: Du bist frei und hast das Recht, in einem Pool mit Haifischen zu schwimmen?" Mit diesem metaphorischen Bild veranschaulicht Dr. Nenad Stojanovic, worum es bei "Racist Voters and Minority Candidates. A Conceptual Puzzle and an Empirical Challenge with a Focus on the Swiss Case" geht.
Für die Durchführung dieses auf drei Jahre angelegten und in der Politikwissenschaft angesiedelten Forschungsprojekts hat der 38-Jährige vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) einen Ambizione-Beitrag zugesprochen erhalten. In einem zweistufigen Verfahren war es Stojanovic, der zurzeit unter anderem als Senior Research Fellow und Lecturer am Zentrum für Demokratie Aarau arbeitet, gelungen, sich in einem hochkompetitiven Umfeld durchzusetzen. (Bei der entsprechenden Ausschreibung waren im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften von den total 74 eingegangenen Gesuchen 16 erfolgreich.)
Ablehnung aus rassistischen Motiven
Nenad Stojanovic, der in Sarajevo geboren wurde und Schweizer Bürger ist, führt zu seinem im Frühjahr 2015 startenden Projekt aus: "In einer Demokratie dürfen die Bürgerinnen und Bürger wählen und abstimmen. Gleichzeitig haben sie auch das Recht, als Kandidatinnen und Kandidaten an den Wahlen teilzunehmen." Was aber passiere, wenn Wähler systematisch gewisse Kandidaten ablehnen – und zwar nicht aus politischen, sondern aus rassistischen, xenophoben oder sexistischen Gründen, die moralisch unzulässig sind? Stojanovic, seit 2012 Mitglied der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, fragt weiter: "Wird ein wichtiges demokratisches Recht de facto vernichtet, wenn die Kandidaten von Wählern systematisch gestrichen werden, nur weil sie z.B. schwarz oder weiblich sind oder einen Migrationshintergrund haben?"
Platz in der Theorie der Demokratie?
Wie Nenad Stojanovic erörtert, verfolgt er mit dem Forschungsprojekt "Racist Voters and Minority Candidates" zwei Hauptziele: "Erstens geht es um die Frage, ob das Konzept Diskriminierung überhaupt einen Platz in der Wahlarena und in der Theorie der Demokratie zu suchen hat." Zweitens gelte es zu untersuchen, ob es in der Schweiz solche Wahl-Diskriminierungen gibt und, wenn ja, wie man sie empirisch analysieren könnte. "Das Schweizer Wahlsystem bietet sich für eine solche Analyse besonders an, da es den Wählerinnen und Wählern wie gesagt erlaubt, unbeliebte Kandidatinnen und Kandidaten schlicht und einfach zu streichen", so Stojanovic, der zurzeit im Rahmen eines grösseren EU-Forschungsprojekts über Mehrsprachigkeit auch als Visiting Researcher an der Katholischen Universität Leuven in Belgien tätig ist.
Passende wissenschaftliche Ausrichtung
Weshalb hat sich der in Lugano und Bern lebende, frühere Tessiner SP-Kantonsrat und zweifache Vater für die Universität Luzern als Gastinstitution entschieden? "Erstens situiert sich mein Projekt zwischen politischer Theorie und der empirisch-vergleichenden Politikwissenschaft – also gerade an einer Schnittstelle, worauf sich das Politikwissenschaftliche Seminar der Universität Luzern unter der Leitung von Professor Joachim Blatter bewusst spezialisiert hat." Zweitens habe er im Frühling 2013 in Luzern unterrichtet und sei vom Niveau der Studierenden und der angenehmen Atmosphäre an der Fakultät sehr positiv beeindruckt gewesen. "Und drittens liegt die Universität in einer wunderschönen Alpenstadt und ist mit dem Zug leicht erreichbar."
Nach Michael Jucker (2010–2012, Geschichte) und Leon Wansleben (2014–2015, Soziologie) ist Nenad Stojanovic der dritte Wissenschaftler, der im Rahmen des SNF-Förderprogramms Ambizione ein Forschungsprojekt an der Universität Luzern durchführt. Juckers Projekt trug den Titel "Beute, Plünderung, Kulturgüterraub. Kriegsökonomie und symbolische Konfliktformen vom Mittelalter bis zur Renaissance", Wansleben beschäftigt sich mit der "Verwandlung von Zentralbanken in Expertenorganisationen" (siehe Artikel zum Thema).
Quelle: uniluAKTUELL, das Magazin der Universität Luzern, Ausgabe 49, Dezember 2014.
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