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Vom Pächter zum Grossgrundbesitzer
Die Familie von Joseph Stadelmann ist seit 100 Jahren in Etiwil ansässig
Auf den Tag genau vor 100 Jahren hat ein gewisser Joseph Stadelmann in Etiwil bei St. Ursen ein Heimwesen erworben. Seine Nachfahren haben versucht, das wechselvolle Leben ihres Urahns, der zum Grossgrundbesitzer wurde, nachzuzeichnen.
Von IMELDA RUFFIEUX
Einige Eckdaten konnte Otto Riedo, Urenkel von Joseph Stadelmann, durch Familienunterlagen, Stammbaumforschung und aus amtlichen Einträgen zusammentragen – andere kann er nur vermuten. Fest steht, dass die Eltern von Joseph Stadelmann von Marbach im Kanton Luzern Mitte des 19. Jahrhunderts in den Kanton Freiburg gekommen sind.
Joseph wurde am 23. März 1856 im Weiler Felliwil bei Düdingen als ältester Sohn des Paares geboren. 1893 heiratete er Barbara-Rosalia Schwaller – eine Cousine des bekannten Domherrn Viktor Schwaller aus Burgbühl. Fünf ihrer neun Kinder starben bereits im Kindesalter. Die Familie lebte erst in Selgiswil bei Heitenried und trat dann 1898 die Pacht auf dem Betrieb der Familie de Diesbach in Engertswil bei St. Ursen an.
Erste Liegenschaft in «Entenwyl»
Heute, am 12. September, vor genau 100 Jahren kaufte Joseph Stadelmann von einer Familie Blaser ein Heimwesen im damaligen «Entenwyl» (heute: Etiwil) bei St. Ursen. Es war ein grosser Hof mit 23 Hektaren, einem alten, behäbigen Bauernhaus nach Freiburger Stil, das aus dem Jahre 1631 datierte.
Der neue Besitzer bewirtschaftete das Gut aber nicht selber, sondern gab es in Pacht. Und es sollte nicht das einzige Heimwesen sein, das er im Laufe der nächsten Jahre erwarb. Vier weitere Höfe in St. Ursen und die Sömmerungsbetriebe in der Gemeinde Plaffeien kamen dazu. Bald war Joseph Stadelmann Eigentümer des Nielenbodens, des Stosses, des Augustinerlis sowie der Schmiede in Obermonten.
Insgesamt umfasste sein Besitztum etwa 165 Hektaren Land, sieben Hektaren Wald, fünf Bauernhöfe und drei Alphütten. Als letztes schloss er mit der Familie de Diesbach den Vertrag zur Übernahme des Pachtbetriebs in Engertswil ab.
Nur knapp zweieinhalb Jahre später, am 13. März 1922, starb Joseph Stadelmann an einer Lungenentzündung. In seinem Nachruf wird er als arbeitsamer Mann beschrieben, der trotz seines Wohlstandes kein «Herrenbauer» war. Er habe Armen und Bedrängten geholfen, spendete Geld für eine Glocke («Josephsglocke») und ein Kirchenfenster und war auch als Pfarreipräsident engagiert.
Nach dem Tod des charakterstarken Joseph Stadelmann ging es bergab mit dem Besitztum. Der Sohn war mit 20 Jahren zu jung und unerfahren, um des Vaters eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Das Engertswiler Heimwesen ging acht Jahre später in Konkurs. Die anderen Besitztümer wurden von den Erben (die Gattin von Joseph starb im gleichen Jahr wie ihr Mann) weiterverkauft.
Geblieben ist der Familie nur noch das Heimwesen in Etiwil, das Euphrosine, die älteste Tochter von Joseph Stadelmann, 1922 kurz vor dem Tod ihres Vaters zusammen mit ihrem Mann Joseph Riedo von Tentlingen übernommen hatte. Auch der «Nielenboden» als Sömmerungsbetrieb gehört zum Betrieb. Heute bewirtschaften die beiden Urenkel Otto und Yvo Riedo mit ihren Familien den Betrieb. Sie werden zu Ehren des Jahrestages ein kleines Fest veranstalten. Otto Riedo möchte die vorhandenen Lücken im Lebenslauf seines Urgrossvaters gerne füllen. Er hofft deshalb, dass durch weitere Forschung sowie durch Hinweise von entfernteren Verwandten und Bekannten der Familie neue interessante Details vom Leben des Joseph Stadelmann ans Tageslicht kommen.