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Im Verlauf des 20. Jahrhunderts haben Intellektuelle, Philosophen und Sozialwissenschaftler zumindest viermal den Tod des Fortschritts verkündet. Historiker sind ihnen darin gefolgt, aber das angebliche Opfer von Beschleunigungsprozessen, ökologischem Grenzbewusstsein und politischem Utopieverlust zeigt sich noch immer quicklebendig. Der Aufsatz argumentiert, dass in den wiederholten Diagnosen, der Fortschritt beziehungsweise das Fortschrittsdenken seien um 1900, im Ersten oder Zweiten Weltkrieg oder aber in den 1970er-Jahren an ein Ende gekommen, geistes- und sozialwissenschaftliche Weltdeutungen unzulässig verallgemeinert, die Perspektive der naturwissenschaftlich-technischen Eliten aber unterbelichtet werden. Gegen die Vorstellung einer Abfolge distinkter Zeitregime, plädiert der Aufsatz dafür, von der spannungsreichen Koexistenz und Konkurrenz verschiedener Modelle zur Ordnung historischer Zeit im 20. Jahrhundert auszugehen und diese genauer zu untersuchen.
Erschienen in: traverse 2016/3, S. 91