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Das 2. Buddhistische Konzil, 383 v. Chr. in Vesãli (Indien)
Hundert Jahre nach dem Ersten Konzil, also 383 v. Chr., unterzog ein Zweites Konzil den Urkanon einer Revision. Anlaß dieses Konzils waren Unstimmigkeiten über die Ordenszucht. Nach längerem Hin und Her entschied ein Komitee gegen die Zulässigkeit von zehn vorgeschlagenen Neuerungen, und diese Entscheidung zu bekräftigen rezitierte eine Synode von siebenhundert Theras unter dem Vorsitz des Bhikkhu Revata in Vesãli acht Monate lang den Kanon erneut (Cv 12,12,8-9). Zur Verdeutlichung ihres Festhaltens an der Tradition nannten sich die Konzilteilnehmer selbst Theravãdins, “Anhänger der Lehre der Alten”. Die Neuerer, die behaupteten in der Mehrheit zu sein, gaben sich den Namen Mahãsãnghikas, "Angehörige der großen Gemeinde". Aus dem Mahãs?nghika entwickelte sich etwa um die Zeitwende das Mahãyãna, das “Große Fahrzeug".
Hatte das Erste Konzil seine Aufgabe darin gesehen, die Aussagen des Buddha getreu festzuhalten und für die Gemeinde der Zukunft zu kodifizieren, so sichtete oder besser: audierte das Zweite Konzil die Textmasse unter gewissen Redaktionsgesichtspunkten. Ungeachtet des Buddhawortes "keiner weiß alles" (M 90 II Seite 127) war es der Synode wichtig, Gotamas Allwissenheit zu belegen, die ihm ihrer Überzeugung nach mit seiner Erleuchtung (bodhi) zum Buddha aufgegangen war. Sie glaubten deshalb, Hinweise des Urkanons auf Erkenntnisfortschritte des Meisters tilgen und divergierende Äußerungen aus der frühen und der späten Phase seines Lebens harmonisieren zu müssen. Zum Glück verfuhren sie dabei nicht allzu sorgfältig, so daß die Indologie noch Anhaltspunkte hat, Gotamas geistige Entwicklung zu erschließen. Um die Allwissenheit des Buddha im Kanon deutlicher zu machen, nahmen sie z.T. skurrile Textredaktionen vor, derart, daß dem Meister das, was ihm erst mitgeteilt werden sollte, bereits bekannt gewesen sei. Als z.B. der Arzt Jîvaka ihm eine Medizin verordnete, wußte Gotama schon, was ihm verschrieben werden würde; gleichwohl wartete er die Verordnung ab.
Des weiteren ist dem Vesãli-Konzil unter Revata die Aufblähung der kanonischen Textmasse zuzuschreiben. Durch das hundertjährige Memorieren und mündliche Weiterreichen des Urkanons waren viele Passagen zu Wortblöcken erstarrt. Beim Audieren des Kanons wurden diese Wortblöcke überall dort, wo sie dem Thema relevant schienen, in den Text eingeschoben, ohne Rücksicht darauf, daß dies zuweilen den gedanklichen Faden verhedderte. Letztlich reicherte das Zweite Konzil den Kanon um Material an, das außerhalb der urkanonischen Textmasse tradiert worden war. (Schumann, Hans Wolfgang: Der historische Buddha. München 1982, Vlg Diederichs Gelbe Reihe Nr. 73, Seite 297-298)