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Seths Konzept des multidimensionalen Selbst gehört nicht gerade zu den Themen, die man so im Vorbeigehen versteht, geschweige denn umzusetzen weiß. Das multidimensionale Selbst - es besteht aus dem gegenwärtigen, vergangenen und zukünftigen und auch aus wahrscheinlichen und parallelen Selbst. Und als ob diese Ansammlung von Aspekten nicht schon genug wäre, so gesellen sich auch noch Counterpart- oder Gegenbild-Selbst hinzu. Wen wundert es also, dass Seth viele Sitzungen der Erklärung dieses komplexen Themas widmet, das so zentral für seine Weltsicht ist. Dr. Joseph Mancini, den wir bereits in Newsletter 20 kennengelernt haben (siehe den Text Der tiefgreifende Einfluss eines einfachen Tischchens), vergleicht Seths Modell des multidimensionalen Selbst mit den Sichtweisen von Freud, Jung und anderen und präsentiert dazu eine ausgezeichnete zusammenfassende Darstellung von Seths Modell, die wohl beim Einen oder der Anderen ein erfreutes und begreifendes "Aha!" hervorrufen wird. Lesen Sie dazu den Artikel Ein Blick auf Seths Modell des multidimensionalen Selbst.
In vielen Traditionen, sowohl der modernen Zeit als auch vergangener Zeiten, wird die Psyche als aus multiplen Aspekten bestehend betrachtet, so etwa die Fünf Skandhas des Buddhismus und die vier "Hüllen" oder "Körper" des Jiva (mit einem fünften Sein, der Glückseligkeit oder dem ewigen Atman) des Hinduismus. Freud beschrieb des Selbst als aufgebaut aus dem Id, dem Ego und dem Superego, während Jung das Selbst als das Ego, das persönliche Unbewusste und das kollektive Unbewusste umfassend sah (letzteres manchmal personifiziert als symbolische Gestalten wie Vater, Mutter, Weiser alter Mann/Weise alte Frau, Krieger, Liebhaber usw.). Jüngere psychologische Schemata sehen noch andere Komponentengruppen, aus denen sich das Selbst aufbaut, so etwa der "Top Dog" und der "Underdog" der Gestalttherapie und der "Antreiber", der "Kritiker", der "Schützer/Kontrolleur" und das "Innere Kind" von Hal und Sidra Stones Voice Dialogue. Andere Theoretiker, wie etwa Assagioli mit seiner Psychosynthese-Methode und Berne mit seiner Transaktionsanalyse, führen noch weitere Komponenten auf, mit denen sie arbeiten.
Bei allen Komponenten in den oben aufgeführten verschiedenen Konzepten das Selbst handelt es sich lediglich um Teil-Aspekte des Selbst. Kurz gesagt, handelt es sich bei diesen Komponenten nicht um relativ ganze und relativ unabhängige Selbst mit eigener Geschichte. Während Hinduismus und Buddhismus auch die Vorstellung von vergangenen und zukünftigen Selbst vertreten, die für sich selbst weitestgehend ganz sind und doch mit dem gegenwärtigen Individuum verbunden bleiben, so werden diese Selbst aber nicht als für das Individuum nützlich betrachtet, außer als Sprungbrett AUS dem karmischen Leidenszyklus hinaus, der die Reinkarnation in Gang hält.
Im Konzept des multidimensionalen Selbst, wie es von Jane Roberts' Trancechannel Seth beschrieben wird, sind jedoch zusätzlich zu den vergangenen und zukünftigen Persönlichkeiten viele relativ ganze und relativ unabhängige Selbst eng mit dem gegenwärtigen Individuum verbunden und stellen Dimensionen seiner oder ihrer umfassenden Identität dar. Außerdem sind diese Selbst nicht nur nützlich, sondern auch lebenswichtig für das Allgemeinwohl des gegenwärtigen Selbst und für die Entwicklung seiner Wesenheit oder Seele. In Seths Konzept bleibt die Seele, wie Alles-Was-Ist (anderweitig auch das Göttliche, die Quelle usw. genannt) nicht statisch, sondern entwickelt sich vielmehr. Der "Werterfüllung" folgend, jenem innewohnenden unausweichlichen Impuls zu sein und sich auf jede mögliche Weise und in jeder möglichen Dimension zu erfahren, erschafft Alles-Was-Ist endlose Bilder von sich selbst, Bilder - Wesenheiten oder Seelen genannt - die ebenfalls mit dem Implus für Werterfüllung ausgestattet sind. So bildet jede Seele unaufhörlich Bilder von sich in vielen Dimensionen, von denen eine die materielle Dimension ist und wo diese Bilder sich als Persönlichkeiten aus Fleisch und Blut zeigen. Diese dreidimensionalen Persönlichkeiten versuchen ihrerseits, sich selbst auf jede denkbare Weise zu erfahren, indem sie mit Hilfe der Seele viele Bilder, viele Alternativen ihrer Selbst in verschiedenen Dimensionen erschaffen.
Diese materielle Welt stellt also eine erweiterte Möglichkeit für das Wachstum von Persönlichkeit und Seele und letztlich zur Bereicherung von Allem-Was-Ist dar und keinesfalls einen Ort simplen karmischen Leidens. Weil Alles-Was-Ist alles was ist ist, wird jede Perspektive/Lernerfahrung, die von jeder seiner Schöpfungen und den Schöpfungen seiner Schöpfungen und den Schöpfungen der Schöpfungen seiner Schöpfungen... und so weiter, gemacht wird, zu einer Perspektive/ Lernerfahrung von Allem-Was-Ist. Weil aber jede Schöpfung Teil des Einen, von Allem-Was-Ist ist, hat umgekehrt jede Schöpfung Zugang zu und IST Teil aller Dimensionen von Allem-Was-Ist. Obwohl ich also ein unantastbares Bewusstsein, eine einzigartige Perspektive bleibe, bin ich aber auch alles, was meine Seele ist, zum Beispiel alle Selbst/Persönlichkeiten vergangener Leben, die sie erschaffen hat.
Für jede seiner Persönlichkeiten erschafft die Seele ein inneres Selbst, das zwischen der Persönlichkeit, die über einen freien Willen verfügt, und der Seele mit ihren übergreifenden Absichten, vermittelt. Das innere Selbst ermöglicht der Persönlichkeit auch Zugang zu allen Dimensionen oder Selbst/Persönlichkeiten der Seele, einen Zugang, welcher der Persönlichkeit hilfreiche Informationen und alternative Denkmodelle, Gefühle und Verhaltensweisen vermittelt, um wachsen oder sich aus festgefahrenen Situationen befreien zu können. Diese Modelle gruppieren sich in vier Kategorien: vergangene Selbst, zukünftige Selbst, parallele oder wahrscheinliche Selbst und Counterpart-/Gegenbild-Selbst. Es folgen jetzt kurze Definitionen dieser Arten von Selbst, Definitionen, deren viele Implikationen über den erklärenden Rahmen dieses Textes jedoch hinausgehen.
Vergangene Selbst sind jene Persönlichkeiten, die wir in vergangenen Lebenszeiten waren und auf die man für gewöhnlich durch den Prozess der Regression einfachen Zugang hat. Heute lebende Persönlichkeiten erkennen oftmals, dass ihre vergangenen Selbst ein anderes Geschlecht, eine andere Rasse, eine andere Religion haben oder in einem anderen Land leben usw. Oftmals verfügen jene Selbst über eine sehr unterschiedliche Lebensperspektive, die dem gegenwärtigen Selbst ermöglicht, aktuelle Probleme auf neue Weise zu betrachten. Zudem sind die verschiedenen Talente und anderen Fähigkeiten jedes dieser vergangenen Selbst zum einen oder anderen Grad für die gegenwärtige Persönlichkeit verfügbar, je nach den Zielen für die gegenwärtige Lebenszeit.
Eine sehr irrige Vorstellung über vergangene Selbst besteht in der Ansicht, dass deren Missetaten für das gegenwärtige Selbst Karma erschaffen, wobei das gegenwärtige Selbst dann die unentrinnbare Last trägt, jene Verfehlungen wieder gut zu machen. Hier ist nicht der Ort um zu erklären, warum Karma nicht real ist. Aber es reicht zu sagen, dass Karma auf Ursache und Wirkung basiert, was eine zeitliche Abfolge voraussetzt. Da aber Zeit, so wie wir sie verstehen, jenseits der dreidimensionalen Welt nicht existiert, werden wir von keinerlei Taten irgendeines vergangenen Selbst belastet... außer wir entscheiden uns dafür, uns so zu plagen, um unser Wachstum auf eine bestimmte Weise zu fördern.
Gerade so wie vergangene Selbst Informationen und Lebensmodelle bieten können, so können auch wir die gleichen Möglichkeiten für vergangene Selbst liefern, indem wir durch Regression auf ein bestimmtes vergangenes Leben zurückgehen und unsere Hilfe bei der Veränderung einer Wahl, einer Richtung oder eines Weges anbieten. Solche Veränderungen reflektieren natürlich auf das gegenwärtige Selbst zurück, das diesen Einfluss akzeptiert oder auch nicht.
Zukünftige Selbst sind unsere Persönlichkeiten, die, im Sinne von Zeit, von zukünftigen Leben aus zu uns rufen. Unsere Überzeugungen, Aktionen und Gefühle im gegenwärtigen Leben können das formen, was der Kern unserer nächsten Lebenszeit sein kann, aber nicht im Sinne von Ursache und Wirkung (Karma), sondern eher im Sinne von Vorlieben, von Entscheidungen, die sowohl vom gegenwärtigen als auch vom zukünftigen Selbst getroffen werden. So sieht zum Beispiel die gegenwärtige Persönlichkeit zusammen mit seiner oder ihrer Seele für das nächste Leben eines Individuums eine Vielzahl von möglichen Selbst, die entstehen können, wobei ausgehend von den Neigungen der gegenwärtigen Persönlichkeit einige wahrscheinlicher als andere sind. Und doch kann das zukünftige Selbst - das, wie alle hier besprochenen Selbst, über einen freien Willen verfügt - die Vorlieben, die aus dem gegenwärtigen Selbst hervorgehen, ablehnen, akzeptieren oder modifizieren.
Indem wir uns auf eines oder mehrere dieser wahrscheinlichen (und sogar unwahrscheinlichen) zukünftigen Selbst einstimmen, so wie es tatsächlich sein Leben lebt, können wir Einsichten über die Pros und Contras dessen erhalten, was wir jetzt, in unserem gegenwärtigen Leben, verwirklichen wollen. Ein zukünftiges Selbst, zu dem wir uns sehr hingezogen fühlen, kann uns tatsächlich in ein Talent "hineinziehen", das es bereits perfektioniert hat, während wir bislang in unserer Gegenwart zu scheu waren, es zu erforschen. Auf diese Weise beeinflussen uns zukünftige Selbst von ihrer Warte aus, falls wir ihren Input akzeptieren, genau so wie wir zukünftige Selbst - mit ihrer Erlaubnis - von unserem Aussichtspunkt aus beeinflussen können.
Parallele oder wahrscheinliche Selbst sind jene Selbst, die unserem gegenwärtigen Selbst sehr gleichen, aber all die Entscheidungen treffen, all die Wege gehen, die wir im aktuellen Leben nicht treffen und gehen. Die Viele-Welten-Theorie der Quantenphysik sagt - wie Seth - dass es vor jeder zu treffenden Entscheidung, die auch noch so klein sein kann, eine Quantenwelle all der Wahrscheinlichkeiten davon gibt, wie diese Entscheidung aussehen könnte. Wenn sich das Individuum schließlich für eine jener Möglichkeiten entscheidet, werden alle anderen Möglichkeiten ebenfalls verwirklicht, aber eine jede in einem anderen oder parallelen Universum. Sobald ein Individuum eine Wahl trifft, wird diese Information telepathisch zu allen um es herum übermittelt, und jedes dieser anderen Individuen entscheidet sich unterbewusst dafür oder dagegen, Teil des gleichen Universums zu sein oder nicht - wobei die meisten sich dafür entscheiden. Diese Vorgänge finden konstant mit "Warpgeschwindigkeit" unterhalb unseres Bewusstseins statt.
Der Nutzen einer Kontaktaufnahme mit einigen unserer parallelen Selbst steht außer Frage. Ein Individuum mag zum Beispiel an irgendeinem Punkt der Erschaffung seiner Realität aus welchen Gründen auch immer eine Krankheit entwickeln. Wenn dieser Moment eintrifft, dann gibt es mindestens ein paralleles Leben (und vielleicht mehr als nur ein einziges paralleles Leben, ein jedes mit leichten Variationen), in welchem das Individuum die betreffende Krankheit nicht hat. Indem dieses parallele Selbst kontaktiert wird, kann das Individuum möglicherweise erfahren, was es tun oder sein könnte, um ohne die Krankheit zu sein und sich daher entscheiden, die Krankheit im gegenwärtigen Leben zu heilen. Wenn das geschieht, dann wird das geheilte Individuum zum zentralen Selbst, und das Selbst mit der Krankheit wird zu einem parallelen Leben. Aber vom Standpunkt des parallelen Selbst aus wäre das von der Krankheit geheilte Selbst ein paralleles Selbst, das seinerseits für Informationen kontaktiert werden könnte.
Counterpart- oder Gegenbild-Selbst beleuchten, aufgrund der Absicht der Seele zu erforschen, ein Thema gleichzeitig von verschiedenen Standpunkten (für gewöhnlich 4 - 6), und zwar durch die Erschaffung mehrerer Persönlichkeiten die etwa zur gleichen Zeit auf der Erde leben. Jede Person hat daher eigene Gegenbilder beider Geschlechter und verschiedener Alter, die in der Nähe oder sonst irgendwo auf dem Planeten leben, und alle haben sie sich - geführt durch den Einfluss ihrer gemeinsamen Seele - dafür entschieden, die gleichen Grundthemen auszuarbeiten, aber jedes Gegenbild nutzt dafür andere Begabungen, Sichtweisen, Entscheidungen, Gefühle, Gedanken usw.
Wenn die Seele zum Beispiel das allgemeine Thema "Gewicht" bearbeiten möchte, kann sie ihre Inkarnationen einer bestimmten Zeitperiode "unterteilen" in ein fünfzehnjähriges Mädchen in Kansas, das unter Anorexie leidet, einen sechundzwanzigjährigen übergewichtigen Chinesen in Taiwan, einen sechundachtzigjährigen tibetischen Mönch, der zu spirituellen Zwecken freiwillig fastet und in eine vierzigjährige Forscherin aus Budapest, die an der Entwicklung einer absolut sicheren Diätpille arbeitet. Indem die Seele alle diese Counterparts inkarniert, erlebt sie relativ gleichzeitig das Thema von verschiedenen Standpunkten aus. Und es ist nicht schwierig zu sehen, wie alle Counterparts von den Informationen, die zwischen ihnen übermittelt werden können, gegenseitigen Nutzen ziehen können, wenn sie miteinander in Kontakt sind, was persönlich geschehen kann, wenn sie sich erkennen, oder auf anderen Wegen.
Diese anderen Wege können nicht nur für eine Kontaktaufnahme mit Counterpart-Selbst genutzt werden, sondern für Kontakte mit jeder der anderen drei Gruppen alternativer Selbst; bei diesen Wegen handelt es sich um willentliche bewusste hypnotische Prozesse wie Regression, Progression und andere geführte Bilderreisen. Aber es besteht auch eine konstante Interaktion auf einer unterbewussten Ebene zwischen diesen Selbst, und zwar in Träumen, möglicherweise sogar jede Nacht. Weitere Möglichkeiten für eine Kontaktaufnahme sind halb-bewusst: ein "Durchdrücken" von Botschaften alternativer Selbst im Wachleben mittels "Ahnungen", spontaner mentaler Bilder oder Gedanken oder andere "zufälliger" Erfahrungen.
Diese Kommunikationen sind in erster Linie möglich, weil alle Dimensionen, alle Selbst - wenn auch verschieden - untrennbar und aufs Engste miteinander verbunden sind, denn alle sind Teil von Allem-Was-Ist. Außerdem existieren alle diese alternativen Selbst gleichzeitig, außerhalb der Zeit, Seite an Seite, denn Zeit, so wie wir sie kennen, "existiert" nur in dieser dreidimensionalen Welt. Sie sind beständig und beeinflussen sich gegenseitig, aber jede solche Beeinflussung kann von einem bestimmten Selbst akzeptiert oder abgelehnt werden. Daher hat kein einziges Selbst, nicht einmal ein vergangenes Selbst, sein Wachstum beendet. Während die Rückführungstherapie, die mit der Todeserfahrung jenes Selbst endet, diesem Punkt zu widersprechen scheint, so handelt es sich bei jenem Ende doch nur um ein wahrscheinliches Ende, (um nur einen möglichen Lebensabschluss), welches das gegenwärtige Selbst während der Rückführung für das vergangene Selbst gesehen hat, um dem gegenwärtigen Selbst die Einflüsse begreiflich zu machen, die es für seine aktuelle Inkarnation akzeptiert hat. So ist es auch möglich, dem vergangenen Selbst zu helfen, eine andere Todeserfahrung zu wählen und so in ein Universum hinüberzuwechseln, das parallel zum vorherigen ist; dieser Wechsel wird auch das gegenwärtige Selbst beeinflussen, wenn es das möchte. Beständige Veränderung ist also für alle Selbst möglich, denn kein einziges Selbst ist jemals abgeschlossen.
Aber warum lassen unsere Seelen/Persönlichkeiten unser dreidimensionales Gehirn überhaupt einige unserer alternativen Selbst in einer Zeitsequenz anordnen? Seth sagt, wir erschaffen diese Art Realität nicht, weil wir aus irgendeinem Grund leiden müssen; wir erschaffen sie vielmehr, damit wir mit dem spielen können, was uns die Illusion von Ursache und Wirkung über das Beeinflussen von Energie sagen kann - durch Selbstdisziplin, Kontrolle, Mitgefühl, Kreativität und Liebe. Das sind die fundamentalen Absichten der Menschen. Wenn wir uns aber zu sehr in diese zeitdominierte Dimension der Realität verstricken und so alles andere, was wir sind, vergessen, dann finden unsere alternativen Selbst einen Weg, um uns durch den Schleier hindurch zu erreichen und mit uns zu sprechen, um so die Essenz unseres multidimensionalen Kerns zu erleuchten.
(c) Joe Mancini, 2015