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Koptische Textilien, Christentum und Rom in Chur
21 July 2018
Die Spätantike spielte sich innerhalb des römisches Reiches ab, das von Augustus (63 v. Chr.- 14 n. Chr.) bis an das Ende des 5. Jahrhunderts in allen seinen Einrichtungen eine einheitliche Politik über die von ihm beherrschten Gebiete ausübte.
Kulturell war dieses Gebiet nicht einheitlich, obwohl das römisch-lateinische Element tonangebend war. Im Osten war die griechisch-hellenistische Kultur entscheidend. Auch gewannen die vorderorientalischen Kulturen innerhalb und ausserhalb des Reiches an Bedeutung.
Die Constitutio Antoniniana von Kaiser Caracalla 212 (nach der alle Einwohner des römischen Reiches zu römischen Bürgern gemacht wurden) entsprach dem Austausch aller Nationalitäten und kultureller Kräfte.
In dieser Zeit schaffte auch das Christentum im römisches Reich den Durchbruch. Je mehr die antiken kulturellen Kräfte fremden Einflüssen wichen, desto mehr zerbrach die Einheitlichkeit.
Je mehr die Vielfalt kultureller Erscheinungen in den Kern des Staates eindrang, desto mehr entstand eine neue Einheitlichkeit.
Das Römische verfiel aber nach dem Fortfall der politischen Bindung. Zur Zeit des Schwächerwerdens der römischen Macht regten sich kulturelle Kräfte, die seit Jahrhunderten zurück gedrängt waren oder schienen. So war es nicht nur in England oder in der Schweiz, aber auch in Syrien und Ägypten.
Im Verlauf des 5. und 6. Jahrhunderts hat es eine Renaissance ägyptischen Nationalbewusstseins gegeben, die auch zur spätesten Form der ägyptischen Sprache und Kultur, dem Koptischen, geführt hat.
Wie überall im Bereich der Alten Welt, hat Rom Griechisches (resp. hellenistisches und Ptolemäerreiches) weitergetragen und weitergegeben. Die Griechen hatten vorher die Kultur der Pharaonen vertrieben.
Die Araber machten im Jahre 639 der römisch-byzantinischen Herrschaft für immer ein Ende. Das Griechische wurde allmählich durch das Arabische abgelöst.
Eine christenfeindliche Haltung wurde bemerkbar und bereits im 9. Jahrhundert war die Mehrzahl der Ägypter zum Islam übergetreten.
Die koptische Kunst ist geblieben und spiegelt vieles von diesen Vorgängen. Von der Architektur, der Plastik und der Malerei ist wenig erhalten.
Eine grosse Menge von Gewändern mit figuralen und ornamentalen Einsätzen hat aber überlebt und ist teilweise im Rätischen Museum in Chur zu besichtigen. Im Allgemeinen datiert man diese in einen Zeitraum vom 3. bis ins 12. Jahrhundert.
Der nach der arabischen Invasion verstärkt orientalisierenden Geometriseringstendenz, folgten Bilder aus dem Alten und Neuen Testament, Szenen und Einzelfiguren aus der griechischen Mythologie und byzantinische Motive. Vielschichtigkeit und Vermischung ist das grosse Vorzeichen der Kunst der Kopten.
(Quelle: I.R. Metzger, Koptische Textilien, Chur 1999).