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Umbanda
Der Begriff Umbanda stammt aus der angolischen Sprache Kimbundu und bezeichnet die traditionelle Medizin dieser Region.
Die Umbanda hat ihren Ursprung in den späten 1920er Jahren in Rio de Janeiro. Die Forschung ist sich nicht einig in der genauen Entstehungsgeschichte, ist aber einer Meinung, dass sie als Resultat einer gegenseitigen Beeinflussung von Kardecismus (Spiritismus nach Allan Kardec) und afrobrasilianischen Religionen angolischer Tradition entstanden ist.
Am weitesten verbreitet, vor allem in Umbanda-internen Kreisen, ist die Entstehungsgeschichte um Zélio de Moraes. Gemäss dieser begegnete der 17-jährige Zélio de Moraes am 15. November 1908 in einem kardecistischen Ritual in Rio de Janeiro einem mächtigen indigenen Geistwesen. Unter dessen Anleitung integrierte de Moraes Elemente der afroamerikanischen Macumba in das kardecistische Ritual, sodass die synkretistische Umbanda-Tradition entstanden ist. Das Datum wird in einigen Umbanda-Gemeinden noch heute gefeiert.
Die Umbanda ist eine synkretistische Religion, bestehend aus afrikanischen und indigenen Elementen, sowie Glaubensinhalten des Katholizismus, wie die Heiligenverehrung und die Moralvorstellung, und einigen Ideen der jüdischen Kabbala und der Esoterik.
Zu den zentralen Charakteristiken der Umbanda gehört deren Heterogenität und Fluidität. Ihr Glauben ist daher schwierig zu definieren. Sie verfügt über keine Dogmen oder Schriften, die einen Universalcharakter vorweisen. Je nach Gruppe oder terreiro unterscheiden sich somit Glaubensvorstellungen und Praktiken, wobei folgende Elemente oftmals vorzufinden sind.
Caboclas/Caboclos: Die Caboclas (weiblich) und Caboclos (männlich) sind Geistwesen, die wohlgesinnt und willensstark sind und eine heilende Kraft besitzen. Sie werden mit verschiedenen Bereichen der Natur identifiziert und in den Ritualen der Umbanda am ehesten inkorporiert.
Pretas Velhas/Pretos Velhos: Die Pretas Velhas (weiblich) und Pretos Velhos (männlich) sind Geistwesen christianisierter afrikanischer Sklaven aus Brasiliens Kolonialzeit. Durch die harte Arbeit auf den Plantagen laufen sie gekrümmt. Sie sprechen einen unverständlichen Dialekt, da sie nie eine Ausbildung genossen haben und sind katholisch. Sie sind gutherzig und können durch ihre Lebenserfahrung Besuchenden gute Ratschläge geben.
Exus: Die Exus werden mit dem Teufel assoziiert und sind Geistwesen, die das Potential haben, entweder gefährlich und böse oder weise und hilfsbereit zu sein. Nur ein Exu kann die bösartige Arbeit eines anderen Exus rückgängig machen.
Orixás: Die Orixás sind die Gottheiten der Umbanda-Tradition. Sie werden nicht inkorporiert, sondern sind aufgrund ihrer Göttlichkeit transzendent und distanziert. Die Orixás besitzen jeweils ein katholisches Äquivalent (bspw. Oxalá entspricht Jesus).
In einem typischen Umbanda-Ritual, zum Teil gira genannt, tanzen sich bereits eingeweihte Medien in Trance. Das Ritual wird durch Trommeln und spezifische Gesänge, welche bestimmte Geister ehren, begleitet. Durch die Trance werden die Geistwesen, meist caboclas oder caboclos, verkörpert, sodass das Medium die Alltagsidentität verliert und die Charakterzüge des Geistwesens übernimmt. Durch die Manifestation des Geistwesens auf der irdischen Welt können sich Besuchende des Rituals mit diesem unterhalten. So können sie sich Rat holen und ihre spirituelle heilende Kraft in Anspruch nehmen.
Einzelne Gemeinden der Umbanda sind in terreiros, tendas oder centros organisiert. Diese sind autonom in ihrer Religionsausführung, sodass eine nicht zentralistische Struktur herrscht, wobei einzelne terreiros teilweise Dachverbänden angehören.
Die terreiros oder centros werden von der mãe-de-santos oder dem pai-de-santos geleitet.