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Der Übergang hier vom Fischer-/Gerberquartier zum Industriequartier symbolisiert auch den Übergang in die Moderne, die durch die beiden Weltkriege eingeleitet worden war. Der Rhein war nicht nur Landesgrenze, sondern auch die Trennlinie zwischen kriegführender Nation und der erklärterweise neutralen Schweiz. Die sichtbare Idylle und Ruhe war trügerisch: Der Schiffsverkehr wurde zeitweise eingestellt oder reduziert, die Fischer brauchten ausserordentliche Genehmigungen. Man kannte und half sich. Dennoch wurde die Situation vor allem im Zweiten Weltkrieg bedrückend und immer wieder bedrohlich: Leichen in schlimmem Zustand wurden angeschwemmt und von den Fischern – damit sie nicht hier beerdigt werden mussten – in die Flussmitte geschleppt und dort der Strömung übergeben. Stillschweigend tolerierten die Einwohner die Ankömmlinge, die im Schutze der Nacht in immer grösserer Zahl den Rhein schwimmend überquerten, um sich im Landesinnern in Sicherheit zu bringen. Es kam auch vor, dass sie Schwimmern, die unter Beschuss der deutschen Patrouillenboote gerieten, mit ihren Booten zur Hilfe eilten und von deren Besatzung mit Verwünschungen und Drohungen eingedeckt wurden. 1940 wurden am gegenüberliegenden Ufer Pfähle eingeschlagen und mit Stacheldrahtzaun verbunden, um den Flüchtlingsstrom zu unterbinden.
In der Zwischenkriegszeit, genauer 1930, wurde am gegenüberliegenden Ufer das 465 ha umfassende Ufergebiet als Vogelschutzreservat deklariert: Das Wollmatinger Ried, ein mittlerweile auf 767 ha erweitertes Schutzgebiet von europäischer Bedeutung war gegründet. Es bietet im Herbst Rastplatz für 20'000 - 40’000 Wasservögel. Nachgewiesen sind 290 Vogelarten, 330 Arten Grossschmetterlinge, 50 Arten Libellen, 26 Arten Heuschrecken, ausserdem 600 verschieden Arten von Farn- und Blütenpflanzen. (Information aus Wikipedia: Wollmatinger Ried)
Im Gebäude rechts (der vorher erwähnten zweiten Gerbe), in den Räumen hinter den beiden Parterrefenstern befand sich die ursprüngliche Hüppenbackerei. Sie verdankt ihre Entstehung der Tatsache, dass die Thurgauer Behörden in Zeiten der Wirtschaftskrise für kantonale Beamte den Doppelverdienst verboten. Bis anhin hatte die Frau des im Dorf wohnhaften Geometers ihr Haushaltsgeld mit selbst hergestellten Waffeln aufgebessert. Nun, da es ihr verboten war, verkaufte sie ihr Waffeleisen ihrer verwitweten Nachbarin, Elisabeth Wegeli. Diese baute die Hüppenfabrikation Schritt für Schritt zusammen mit ihren Töchtern auf und konnte bald das Haus zur Gerbe kaufen, das Parterregeschoss ausbauen und die Fabrikation dort professionalisieren. Ihr Neffe, Walter Brauchli, und später sein Sohn Urs Brauchli führten die Fabrikation bis 2008 weiter. Heute ist sie im Besitz von Dieter Bachmann.
Das zur Hüppenbäckerei gehörende Seecafé ist ein Ausdruck der aktuellen Dorfentwicklung: 2005 nutzte Familie Grimm einen Teil des Werftareals um und errrichtete anstelle der alten Lagerhalle und des Verwaltungstrakts 14 Wohnungen, 500 m2 Büroräume und das Café, die dann verkauft bzw. vermietet wurden.
Die Werft Brunnert & Grimm war aus der Schiffsbauhütte von August Bögle entwickelt worden. Er und seine Frau Maria Olivia Grimm nahmen – in Ermangelung eigener Kinder – ihren Neffen Hermann Grimm an Kindes statt in ihren Haushalt auf.
Hermann Grimm übernimmt 1923 das Geschäft. Sein ältester Sohn wird ebenfalls Hermann getauft. Nach dem Tod von Hermann Grimm senior 1932 erbt seine junge Witwe das Unternehmen. Zwei Männer warben um ihre Gunst: Erich Brunnert aus Berlin und der Vorarbeiter Wilhelm Krüger. Nachdem sich die Witwe für Erich Brunnert entschieden hatte, kündigte Wilhelm Krüger und baute in Sichtweite – die Gebäude sind seeabwärts zu sehen -ein Konkurrenzunternehmen auf. Diese Situation beflügelte die Entwicklung beider Unternehmen: Baugesuche für adäquate Erweiterungen in beiden Unternehmen werden in kurzen Abständen bei der Gemeinde eingereicht...
Beide Werften sind heute in der dritten Generation im Besitz der Gründerfamilien.
Links auf dem ehemaligen Hallauerschen Areal wurde 1966 die Hüppenfabrik – und integriert die Ausstellungshalle für die Grimm-Werft – gebaut, nachdem Walter Brauchli die alte Hallauersche Fabrik hatte abreissen lassen. Die ursprüngliche Möbelfabrik Dreher & Cie – sie beschäftigte in den besten Zeiten 125 Arbeiter – war an Diener & Ith verkauft worden, die dort moderne Schlafzimmer herstellten, bis sie von Hallauer übernommen wurden. In diesen Fabrikhallen war während des Zweiten Weltkriegs Militär untergebracht.
In der Verlängerung der Strasse befand sich der westliche, von Tägerwilen kommende Dorfbach, der auf dem heutigen Areal der Werft in den Rhein floss und auf dem in früheren Zeiten Holz geflösst worden war.