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Spaniens Alt-König Juan Carlos (84) hat während und nach seiner Amtszeit häufig mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Immer wieder wurden Korruptionsvorwürfe, Grosswildjägerei in Afrika und aussereheliche Affären laut.
2020 wurde ihm gar vorgeworfen, in einen Finanzskandal verwickelt zu sein. In Spanien und der Schweiz nahm die Justiz die Ermittlungen wegen Schmiergeldzahlungen auf, die der Ex-König im Zusammenhang mit dem Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien erhalten haben soll. Die Ermittlungen wurden mittlerweile eingestellt. Der ehemalige Monarch lebte zwei Jahre, bis 2022, im Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Derzeit soll er sich wieder in Spanien aufhalten.
Ein extrem tragisches und traumatisches Ereignis passierte aber in seiner Jugend. Als 18-Jähriger erschoss Juan Carlos versehentlich seinen 14-jährigen Bruder Alfonso.
Am Gründonnerstag, dem 29. März 1956, geschah das Unglück. Juan Carlos lebte damals mit seinen Eltern Juan de Borbón y Battenberg (†79) (Don Juan genannt) und María de las Mercedes de Borbón y Orleans (†89) und seinen Geschwistern im Exil im portugiesischen Estoril, weil in Spanien der Diktator Franco an der Macht war.
Der damals 18-jährige Juan Carlos besuchte zu dem Zeitpunkt die Militärakademie im spanischen Saragossa und fuhr über Ostern zu seiner Familie. Die königliche Familie nahm dann am Morgen an einer Messe teil, machte im Laufe des Tages einige Besorgungen und kehrte gegen 19 Uhr in ihr Heim zurück.
Zirka eine Stunde später drang der ohrenbetäubende Lärm eines Schusses durch die Villa Giralda, der Residenz der Königsfamilie. Der König Don Juan sei demnach in das Zimmer geeilt, in dem Juan Carlos mit seinem 14-jährigen Bruder Alfonso spielte, und habe Letzteren mit einer Schusswunde im Kopf vorgefunden. Die Waffe soll Juan Carlos aus der Akademie mitgebracht haben.
In der darauf folgenden Pressemitteilung der Königsfamilie hiess es: «Während der Infant Don Alfonso de Borbón mit seinem Bruder einen Revolver reinigte, ging die Pistole los und traf ihn in die Stirnregion, woraufhin er wenige Minuten später starb. Der Unfall ereignete sich um 20.30 Uhr nach der Rückkehr vom Gründonnerstags-Gottesdienst, wo er die Heilige Kommunion empfangen hatte».
Jahrzehntelang belastete der schreckliche Vorfall die Königsfamilie. Ein Jugendfreund von Juan Carlos, Antonio Eraso, der sich während des Unfalls auch in der Villa Giralda aufhielt, prägte der Tod von Alfonso. In der letzten Episode der dreiteiligen HBO-Dokumentation «Salvar al Rey» (dt. «Den König retten») – die in erster Linie davon handelt, wie der spanische Staat jahrelang versucht hat, die Skandale des Ex-Regenten zu verschleiern – spricht Eraso über den Albtraum am Osterfest vor 66 Jahren: «Ich war dabei, als es passierte, aber in einem anderen Zimmer. Wir rannten alle los, als wir den Schuss hörten».
Der damalige König Don Juan soll geschockt und ausser sich gewesen sein, als er seinen 14-jährigen Sohn, der wohl auf der Stelle tot gewesen sein soll, am Boden sah. «Der Vater des Jungen, Don Juan, verlangte von Juan Carlos zu schwören, dass er es nicht mit Absicht getan hatte. Das war nicht leicht für einen [...] 18-jährigen Jungen», berichtet Eraso weiter.
Nach dem Ereignis sei auf Anordnung vom damaligen König Don Juan weder eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet, noch eine Autopsie durchgeführt worden. Auch in den Zeitungen wurde das Wichtigste über den Vorfall verschwiegen: Dass es nämlich Juan Carlos war, der den Tod seines Bruders verursachte. Zwar gab es Gerüchte, aber erst Jahre später, nachdem Juan Carlos 1975 König von Spanien geworden war, wurde das wichtige Detail der Öffentlichkeit bestätigt.