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In den 1920’s war Charleston der Tanz der Stunde. Dieser wurde im Laufe der Jahre mit anderen Tänzen wie Break Away und Texas Tommy vermischt, bis 1927 dieser neue Tanz das erste Mal Lindy Hop genannt wurde.
Es gibt verschiedene Geschichten, woher der Name Lindy Hop kommen soll. Frankie Manning, Lindy Hop Tänzer und Choreograph der ersten Stunde, erzählt folgende Story:
Shorty Snowden tanzte an einem Tanzanlass 1927 mit einer Partnerin eben diese neuen Figuren und Schritte. Auf die Frage eines begeisterten Reporters, was er denn da tanze, war er nicht vorbereitet. Da fiel ihm die Schlagzeile einer Zeitung ein, die anlässlich des Atlantikflugs von Charles Lindbergh lautete: Lucky Lindy Hopped The Atlantik! So gab er zur Antwort, ‘I am doing the Lindy Hop!'. Von da an nannte man diesen Tanz Lindy Hop, bis 1936 der Bandleader und Showman Cab Calloway ihn auch Jitterbug nannte.
Tatsache ist aber auch, dass ’Hop’ in den frühen 1900’s auch ein Ausdruck für ein Zusammenkommen mit Tanz war. Diese waren bei den College Kids sehr beliebt (in den 1950’s gingen sie dann an die ’Sock Hops’). Viele Tänze führten zu dieser Zeit den Zusatz ’Hop’ im Namen, nicht zuletzt darum, um sie bei den Kids populär zu machen.
Der Savoy Ballroom eröffnete 1926 und war das Hauptziel der Tänzer Harlems. Das regelmässige Tanzen, Austauschen und später auch Messen der Tänzer untereinander trug sehr viel zur Entwicklung des Lindy Hops bei. Sah dieser zuerst eher wie Partnercharleston aus, wandelte sich der Tanz über die Jahre, auch dank der Veränderung des Jazz. Der klassische Swing wurde geboren. Der Savoy Ballroom rühmte sich denn auch, die Geburtsstätte des Swing als Tanzes zu sein, the home of happy feet! Der Tanz begeisterte die Massen, der schnell populär werdende Swing beflügelte auch den Lindy Hop. Immer attraktiver wurden zu dieser Zeit schon Turniere. Der Veranstalter hatte eine Publikumsattraktion und die Tänzer mussten sich immer wieder neue Schritte, Figuren und Abläufe einfallen lassen. Frankie Manning war der erste, der eine Akrobatikfigur mit seiner Partnerin tanzte, damals noch Air Step (Luft Schritt) genannt. Diese Air Steps lösten eine weitere Welle der Begeisterung für den Lindy Hop aus. Der Tanz wurde nun auch als Show Tanz attraktiv, erste professionelle Gruppen formierten sich.
Die besten Tänzer schafften es dann, in einer Profitanzgruppe aufgenommen zu werden und so durch die Staaten, teilweise sogar ausserhalb der USA zu touren. Das war in den späten 30er und den 40er Jahren sicher ein Privileg für die schwarzen Tänzerinnen und Tänzer. Es war aber trotzdem nicht immer einfach, sich in fremden Städten zu bewegen und zu verpflegen.
Die bekannteste dieser Showgruppen war sicher Whitey’s Lindy Hoppers. Whitey hatte im Savoy eine grosse Auswahl an Tänzerinnen und Tänzer und konnte sich so die Besten aussuchen.
Ausgehend von New York dehnte sich der Tanz dank den umherreisenden Bands auch auf den Rest der USA aus. Teilweise wurden aber da bereits erste abgeänderte Formen getanzt.
Der ‘extrovertierte‘, wilde Lindy Hop wurde am Anfang von den Weissen eher argwöhnisch betrachtet, ja an einigen Tanzanlässen gar nicht erlaubt (Swingbands durften teilweise gar keine Swing Musik spielen …!).
In dem sie den Tanz ihrem Umfeld anpassten, entstanden bereits in der damaligen Zeit je nach Region verschiedene Swing Tanzstile, oder Lindy Hop wurde wieder vermischt und es entstanden weitere Swing-Tänze.
Hollywood entging dies alles natürlich nicht. So ist es heute noch möglich, in alten Filmen die besten Tänzer dieser Zeit in einigen Szenen zu bewundern. (zB. Hellzapoppin’, A day at the race, u.a.).
Nach dem Krieg, mit dem Ende der Big Bands, verlor man auch langsam das Interesse am Lindy Hop. Der Jazz entwickelte sich in Richtung nicht tanzbarem Bebop. Aus dem Rhythm’n’Blues entstand langsam eine neue Tanzwelle, die später Jive, Jitterbug, Boogie-Woogie oder sonst wie genannt wurde und Mitte der 50er Jahre einen neuen Boom auslöste. Man tanzte damit zu der neuen Musik, die ein DJ Rock’n’Roll nannte. Bis Mitte 1950’s tourten einzelne Lindy Hop Showformationen noch durch die USA, um auf Bühnen und im TV ihr Können zu präsentieren, aber dann verschwand der Lindy Hop für ein paar Jahrzehnte. Der Lindy Hop war der Wegbereiter, der Vater oder Urgrossvater der späteren Tänze wie Jive, Boogie-Woogie, Rock’n’Roll usw. In Musicals und Tanzproduktionen der 50’s und 60’s wurden immer wieder Tanzbewegungen aus dem Lindy Hop resp. traditionellen Jazz übernommen, der Lindy Hop verschwand aber von der Tanzfläche. Die professionellen Tänzerinnen und Tänzer der grossen Lindy Hop Zeit mussten sich andere Quellen für ihre Einkünfte erschliessen. Einige blieben in verschiedenen Formen im Showbiz, andere suchten sich ’normale’ Jobs. Frankie Manning zum Beispiel arbeitete bei der Post.
Quelle: Stephan Joller