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trocken liegenden
Wildbach. Sie steigt von
La Forclaz bis
La Croix auf eine Länge von 5 km nach NO. ab. Einst Stammthal des
eiszeitlichen Trientgletschers und später des Trientflusses, wurde sie von diesem letztern nach seinem Durchbruch gegen
NW. durch die Felsenbarre der Byrla verlassen und bildet seither einen in der Erosion zurückgebliebenen
Thaltorso (ähnlich dem benachbarten
Vallon de
Champex). Gräber aus der Eisenzeit.
Zahlreiche Gasthöfe, wovon zwei ersten Ranges. Knabenpensionnat mit Sekundarschule, von Marianerbrüdern
geleitet. Mädchenpensionnat.
Bäder. Bedeutende Jahrmärkte. Pfarrkirche
Sainte Marie. Die Kirchgemeinde
Martigny umfasst neben
Martigny Ville die seit 1839 und 1841 selbständigen politischen Gemeinden
Martigny Bourg,
Martigny Combe,
La Bâtiaz und
Charrat.
Propstei des
Klosters auf dem Grossen
St. Bernhard, Sitz der Zentralverwaltung dieses berühmten Ordenshauses. 191
Häuser, 1827 zur
grossen Mehrzahl kathol. Ew. Die am Ausgang der Dransethäler und der
Combe deMartigny und nahe der Mündung
des Trientthales gelegene Stadt treibt bedeutenden Handel, namentlich mit Getreide, Obst, Wein,
Holz und anderen Landesprodukten.
Zahlreiche Handelsfirmen, mehrere Geldinstitute. Musik-, Gesang-,
Turn-, Schiess- und gemeinnützige Vereine, wovon mehrere
gemeinsam mit
Martigny Bourg. Verkehrsverein. Küferei. Je eine Kalk- und Zementfabrik, Wachskerzenfabrik,
Likörfabrik. Elektrizitätswerk.
Sägen und
Mühlen. Eine Buchdruckerei und Zeitung. Die Stadt ist seit 1878 durch eine mit
Kirschbäumen bepflanzte
Allee mit dem neuen Bahnhof verbunden; eine andere
Allee führt seit 1899 nach
Martigny Bourg und wird
in naher Zukunft eine Strassenbahn erhalten.
Auf dem von Platanen beschatteten und früher
Place d'Armes geheissenen schönen
Platz, der nach der Ueberschwemmung von 1818 erstellt
worden ist, steht ein Denkmal der «Liberté», Geschenk und Werk von Gustav
Courbet. Hübsches, 1866 erbautes Rathaus. In der
Rue des
Alpes steht ein von dem berühmten
Walliser Parteiführer Georg Supersaxo
erbautes
Haus. Die
Tour dela Bâtiaz, das berühmteste und bemerkenswerteste Baudenkmal von
Martigny, befindet sich auf Boden
der seit 1841 selbständigen Gemeinde
La Bâtiaz. Ebenso liegt das Amphitheater von
Le Vivier auf Boden der ebenfalls 184 abgetrennten
Gemeinde
Martigny Bourg. Die 1680 geweihte und 1862 restaurierte Kirche ist eines der grössten und schönsten
Gotteshäuser des Kantons. Seit einigen Jahren zeigt eine an der
Mauer des Hôtel de
la Tour (Pensionnat
Sainte Marie) angebrachte
Marke den höchsten Wasserstand der
Dranse während der Ueberschwemmung von 1818.
Die Stadt
Martigny ist von Aeckern und
Wiesen mit einem ganzen
Wald von Obstbäumen (Aepfel, Birnen, Pflaumen,
Zwetschgen, Pfirsiche, Aprikosen, Walnüsse, Kirschen, Kastanien) umgeben. Zwischen verschiedenen Häusergruppen liegen schöne
Gärten mit ertragreichen Weinlauben und Spalieren. Die ganze Alluvionsebene der
Kranse wird mit grosser Sorgfalt angebaut
und durch ein vortrefflich angelegtes System von Kanälen bewässert, die das sinkstoffreiche und daher fruchtbare
Wasser
der
Dranse nach allen
Seiten hin leiten.
Die seit etwa 40 Jahren beständig an Wert zunehmenden Grundstücke gegen die
Rhone hin dienen meist dem Anbau von Gemüsen,
von denen namentlich die Spargeln vorzüglich gedeihen und im grossen gezogen werden (durchschnittliche jährliche Ernte 20000 kg).
Die Weinberge von
Martigny liegen (meist auf Boden der Gemeinde
Martigny Combe) am untern Hang des Mont
Ravoire oder
Mont de l'Arpille, sollen schon zur Römerzeit angelegt worden sein und sind sowohl Eigentum von Bewohnern der
Villewie desBourg.
Die hier wachsenden Weine (bekannte
Marken sind Coquimpey und La Marque) haben einen hohen Alkoholgehalt und erfreuen sich
schon seit langer Zeit eines verdienten guten
Rufes. Von den Wallisern selbst wird besonders die
Marke
«Arvine» geschätzt, die aber wegen des verhältnismässig geringen Ertrages
der Arvinerebe mehr und mehr vom Fendant verdrängt wird. Seit 1830 haben
Ville und
Bourg eine gute Trinkwasserversorgung vom
Mont Tiercelin her, von dem eine Quelle durch einen alten Aquädukt, der römischen
Ursprunges sein soll,
nach den beiden Orten geführt wird.
Die Vorzüge der geographischen Lage von
Martigny haben diesen
Ort schon seit den ältesten Zeiten zu einem Sammelpunkt und
Tauschhandelszentrum der benachbarten keltischen Stämme gemacht. Es standen hier zu beiden
Seiten der heutigen
Dranse einige
einfache
Hütten, in denen die von Alpwirtschaft lebenden Veragrer jeweilen mit ihren
HerdenSchutz vor
den Unbilden des Winters suchten. So entstand der allmählig zu grosser Bedeutung sich entwickelnde
Ort Octodurum, der Hauptort
der Veragrer, den Sergius Galba, ein Unterfeldherr von Julius Caesar, im Jahr 54 v. Chr. erstürmte und in Flammen
aufgehen liess. Caesar erzählt uns in seinem Bellum Gallicum selbst von diesem Kampf und der Unterwerfung der Veragrer,
Seduner und ihrer Verbündeten. «Von dieser Zeit an musste sich
Martinach und ganz Wallis
unter das Joch der
Römer beugen; Künste
und Gewerbe blühten, und die Wohltat einer höhern Zivilisation ward dem Lande
zu Teil. Noch manche Denkmale
sind aus dieser Zeit erhalten und geben Zeugnis
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mehr
von der grossen Bedeutung Octodurums, das im Kreuzungspunkte von vier der wichtigsten römischen Heerstrassen lag." (F. O.
Wolf.) Dem römischen Ansiedler lag namentlich auch der Landbau am Herzen: er verpflanzte eine Reihe von Produkten seiner
südlichen Heimat hierher und liess auch den bisherigen Pflanzungen eine erneute sorgfältige Pflege angedeihen.
Dieser römischen Kultur folgte das Christentum. Der h. Theodor gründete die Abtei Agaunum (Saint Maurice) und verlegte,
nachdem er 349 Bischof geworden, seinen Wohnsitz nach Octodurum (oder, wie der Ort auch hiess, Forum Claudii), das bald nachher
zur Hauptstadt des Wallis
erhoben wurde.
Damals bildete das Wallis
oder das Gebiet der Penninischen Alpen zusammen mit der Tarentaise die siebente oder
Viennerprovinz Galliens, woraus sich der Umstand erklärt, dass das Walliser Bistum, auch nachdem sein Sitz 580 von Octodurum
nach Sitten verlegt worden war, noch eine Zeitlang dem Erzbistum Vienne unterstand. Von dieser Aera antiker Zivilisation zeugen
noch manche Denkmäler, von denen die bedeutendsten erst seit etwa 20 Jahren aufgedeckt worden sind.
Leider sind die Nachgrabungen, die man auf der einstigen Stelle der römisch-gallischen Stadt unternommen hat, nicht vollständig
durchgeführt worden.
Nachdem schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Zufall da und dort einige Altertümer (namentlich Reste von Bauwerken)
blossgelegt worden waren, begannen 1883 zwischen dem S.-Ende der jetzigen Stadt und dem Amphitheater
von Le Vivier die ersten systematischen Ausgrabungen mit Unterstützung des Staates Wallis.
Man stiess zunächst auf die Mauern eines
grossen rechteckigen Gebäudes von 65 m und 33,7 m Seitenlänge, das wahrscheinlich einst ein Tempel oder eine Basilika
gewesen sein muss.
Unter einer Treppe kam dann ein Hypokaust (oder römischer Heizraum) zum Vorschein, der 10,82 m lang und 7,37 m breit war.
Die nördl. Mauer des einen der drei grossen Rechtecke, in welche das ganze Bauwerk abgeteilt war, zeigte acht gemauerte Vorsprünge
oder Pfeiler mit nischenartigen Zwischenräumen, in deren jedem ein menschliches Skelet lag. Bemerkenswert
sind auch eine 3 m breite monumentale Treppe und zwei halbkreisförmige Absiden in der Aussenmauer. Das Ganze zeigte deutliche
Spuren von wiederholten Feuersbrünsten und Ueberschwemmungen und enthielt neben Schutt, Asche und geschmolzenen Materialien
eine
grosse Menge Bruchstücke von roten Tongefässen, Vasen, Mosaiken, Kapitälen und anderen Steinhauerarbeiten,
ferner Münzen, Inschriften, Spuren von Wandmalereien und Anderes mehr. In der nördl. Abteilung des Gebäudes kamen unter
einer Art von Betonbelag, der Fundationen aus früherer Zeit bedeckte, im November 1883 die bemerkenswerten Fragmente grosser
Bronzestatuen zum Vorschein, die das kantonale Museum auf Valeria (in Sitten) 1896 in Genf
ausgestellt hat.
Diese 1884 eingestellten Nachforschungen nahm man erst 1895 von neuem auf, als die schweizerische Gesellschaft zur Erhaltung
historischer Kunstdenkmäler dem Staat Wallis
ihre Mitwirkung anbot und zugleich einen rationelleren Arbeitsplan aufstellte. Gleich
zu Beginn dieser zweiten Campagne entdeckte man einen langen und schmalen Gebäudeflügel, der in zahlreiche,
an die Hauptfassade des Bauwerkes sich anlehnende, kleine Gelasse eingeteilt war; dann stiess man auf einen der Schutzgottheit
der Strassen geweihten Altar, auf ein luxuriös eingerichtetes Wohnhaus und auf ein kompaktes Mauerwerk, das sich als Fundament
eines besonderen Gebäudes (vielleicht eines Tempels) erwies.
Weitere unter der Leitung von Albert Naef unternommene Nachforschungen legten einen dem bereits entdeckten
Flügel parallel ziehenden, aber an der gegenüberliegenden Seite befindlichen zweiten frei, der ebenfalls in Gelasse eingeteilt
war und sich bis zu einem Platz fortsetzte, der von einer dicken, von einem monumentalen Tor durchbrochenen Mauer umrahmt wurde.
Diese Gelasse (Schuppen, Magazine oder Ställe) ruhten auf älteren Einrichtungen von gleicher Form,
Anordnung und Grösse, die man dann der Reihe nach ebenfalls aufdeckte.
Sie enthielten zahlreiche durch Feuer etc. zum Teil verdorbene Trümmer von Krügen, Vasen, Münzstempeln, mächtigen Dolien
(Weingefässen), bemalten Trinkschalen, Fibeln, Votivstatuen, ferner das Beschläge eines Füllhornes, ein Tintinabulum (Glocke)
und sogar ein chirurgisches Instrument. An verschiedenen Stellen zerstreut lagen einzelne Münzen und
an einem Ort sogar ein ganzer Schatz von 19 Goldstücken mit den Bildnissen von Nero, Galba, Otho, Vespasian, Titus und Domitian.
1901-1902 sind die Nachgrabungen auf Beschluss des Walliser Staatsrates neuerdings fortgesetzt worden und haben bis jetzt
ö. vom Forum folgendes blossgelegt: das
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