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Was bedeutet denn eigentlich Medienkompetenz?
Alle Schuldirektoren müssen sie integrieren, jeder Politiker will sie fördern, und alle Eltern haben das Schlagwort mindestens schon mal auf einer Powerpoint-Folie während eines Elternabends gesehen: Medienkompetenz. Vielleicht ist einfacher zu sagen, was Medienkompetenz nicht ist. Die Fähigkeit, programmieren zu können, ist nicht Medienkompetenz. Programmieren hat viel mehr mit Mathematik, Logik und exaktem Denken zu tun. Auch die Fähigkeit, eine Excel-Tabelle zu erstellen oder ein Tablet zu bedienen, hat nichts mit Medienkompetenz zu tun. Hier handelt es sich um eine Anwenderkompetenz.
Medienkompetenz ist die Fähigkeit, Hintergründe zu verstehen, zwischen den Zeilen lesen zu können, vernetzt denken zu können und vor allem kritisch unserem eigenen Medienkonsum gegenüberzustehen.
Warum Sie auf die Warum-Frage setzen sollten
Am besten gelingt dies, wenn wir während des Surfens, Spielens oder Chattens einmal innehalten und uns von aussen beobachten. Und wenn wir uns dann so von aussen betrachten, stellen wir uns einige einfache Fragen: Was mache ich da gerade? Wie lange bin ich schon dran? Was ist das Interessante daran? Wie wirkt es auf mich? Warum interessiert es mich? Warum mache ich das eigentlich?
Die Warum-Frage ist dabei die Mutter aller Fragen und kann auch spielerisch mit Kindern eingesetzt werden. Statt mit erhobenem Zeigefinger um elf Uhr abends das Kinderzimmer zu stürmen, empfehle ich Ihnen ganz einfach, die Warum-Frage zu repetieren, bis beide Gesprächspartner schlauer sind. Dies als einfacher «Lifehack» für uns Eltern und als Ausgleich zu meinem Verhandlungs-Lifehack für «Fortnite» spielende Kinder.
Das könnte beispielsweise so aussehen:
- Warum bist du immer noch auf Instagram? Weil es Spass macht.
- Warum macht es Spass? Weil ich sehe, was meine Kolleginnen und Kollegen so machen.
- Warum erlaubt Instagram dir, fast in Echtzeit zu sehen, was die anderen machen? Damit ich nichts verpasse.
- Warum willst du immer dranbleiben und nichts verpassen? Damit ich sehe, wie viele Likes ich für meine Posts erhalten habe.
- Warum willst du das sehen? Weil ich so viele «Likes» wie möglich will.
- Warum willst du so viele «Likes»? Weil ich mich gut fühle.
- Warum fühlt es sich gut an? Weil wir alle gerne «gelikt» werden und bei jedem erhaltenen «Like» das Glückshormon Dopamin aktiviert wird.
- Warum versorgt dich Instagram mit regelmässigen Glücksmomenten? Um mir das Abschalten so schwer wie möglich zu machen.
- Warum macht das Instagram? Weil die Werbeeinnahmen direkt abhängig sind von der Zeit, die ich auf Instagram verbringe. Jeder Like, den ich mache oder erhalte, erlaubt es Instagram, mein Profil zu schärfen und mich teurer an die Werbetreibenden zu verkaufen.
Und wie sieht das mit deinem Linkedin-Account aus, Papa?
Die Anzahl Warum-Fragen spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist, dass ein konstruktives und interessantes Gespräch entsteht. Die sich wiederholenden Fragen sind nicht nur ein spielerisches Element, das den Kindern Spass macht, sondern zugleich eine sehr effiziente Methode, sich gegenseitig Medienkompetenz anzueignen und Ursachenforschung zu betreiben.
Was den schreibenden Vater bei dieser Methode zusätzlich reizt: Der interessante Austausch vermeidet meistens auch die knifflige «Du machst ja genau das Gleiche mit deinem Handy»-Bemerkung. Wie recht meine Kinder haben und wie schwierig es ist, unserer Vorbildrolle gerecht zu werden! Weil die Plattformen so verdammt clever konzipiert sind und weil ich genau wie meine Kids auch wissen will, wie viele «shares» mein Linkedin-Kommentar generiert hat, fällt es mir genau gleich schwer, meine Augen vom Bildschirm zu nehmen. Warum?
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