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Im April 1987 lancierte IBM eine neue PC-Serie zusammen mit dem brandneuen und revolutionären Betriebssystem OS/2. Mitentwickler Microsoft war später auch der Killer.
Das Foto, das 'Time Techland' diesen Montag veröffentlichte
, ist süss. Ein herziger junger Mann mit riesiger Brille namens Bill Gates lächelt in die Kamera, am Jacket ein auffälliger Button, auf dem "Microsoft OS/2" steht.
OS/2 hiess das PC-Betriebssystem, das die Welt verändern sollte. Am 2. April 1987 lancierte IBM eine neue PC-Serie namens PS/2 samt einem neuen Betriebssystem namens OS/2. Es versprach sensationelle Verbesserungen im Leben der PC-BenützerInnen, zum Beispiel echtes Multitasking, viel bessere Grafik, die Verwendung von 32-Bit-Prozessoren und der kleinen, robusteren 3,5-Zoll Disketten.
Windows killt den PC-Star
OS/2 blieb zuerst "vaporware" - angekündigt aber nicht wirklich erhältlich. Im Dezember 1987 konnte man das Betriebssystem dann wirklich kaufen, doch war es
von Beginn weg ein Flop. Es war zwar wegen der grafischen Oberfläche bequemer zu bedienen als das damals noch übliche DOS, doch frass es viel zu viel Speicher und war viel zu langsam. OS/2 verlangte nach vollen 4 MB Hauptspeicher - wer konnte sich das schon leisten?
Im Mai 1990 brachte Microsoft Windows 3.0 und erzielte einen raschen Erfolg. Die wichtigen "alternativen" PC-Hersteller wie Compaq, Micron, Dell und Packard Bell verkauften ihre PCs mit vorinstalliertem Windows 3.0 und später mit Windows 3.1 - dem ersten wirklich brauchbaren PC-Betriebssystem von Microsoft mit grafischer Oberfläche.
Abtrünniger Evangelist
1994 versuchte IBM einen Neuanfang mit OS/2 Warp, doch da war Windows 95 und damit ein Grosserfolg von Microsoft schon unterwegs. Ausserdem war OS/2 schwierig zu installieren und für viele Peripheriegeräte gab es keine Treiber.
Das Ende des Betriebssystems kündigte sich an, als selbst der IBM-Angestellte und OS/2-"Evangelist" Dave Barnes einem 'Times'-Reporter gestand, dass er seinen Heim-PC mit Windows betreibe.
IBM brachte dann 1996 noch OS/2 Warp 4, glaubte aber nicht mehr an einen Erfolg im Consumer-Markt.
Nicht umzubringen
Doch wie alle Technologien in der Informatik, überlebt(e) auch OS/2 die Totsagung durch Medien und Experten. So laufen angeblich noch heute hunderte von Computern der New Yorker U-Bahn unter OS/2 und es soll auch noch viele Bankautomaten geben, die mit OS/2 funktionieren. Und der Schreibende würde sich nicht wundern, wenn auch in der Schweiz noch da und dort Kassen unter OS/2 zu finden wären. Denn obwohl das Betriebssystem notorisch für Ressourcen-Verschleiss war, so hatte es doch einen Vorteil gegenüber allen Windows-Generationen vor XP: Es stürzt nicht (oder selten) ab.
Übrigens: Noch im Januar 2005 produzierte einer oder mehrere OS/2-Computer 71 Seitenzugriffe auf inside-it.ch (siehe Screenshot oben). (Christoph Hugenschmidt)
Quellen für diese Story:
Wikipedia
25 Years of IBM's OS/2: The Strange Days and Surprising Afterlife of a Legendary Operating System
in 'Time Techland'
IBM's OS/2 celebrates its 25th birthday
in 'TechEYE.net
Remembering OS/2 While Waiting for Windows 8
in 'PCMAG.com'.
Foto auf der Frontseite: Ausschnitt eines Boxshots. Autor: Velo Steve
unter Creative Commons