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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

76. Vortrag
4.
Damit sodann niemand meine, daß nur der Vater und der Sohn, also ohne den Heiligen Geist, bei ihren Liebhabern Wohnung nehmen, so vergegenwärtige er sich, was vorher vom Heiligen Geiste gesagt wurde: „Den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und ihn nicht kennt; ihr aber werdet ihn erkennen, weil er bei euch bleiben wird, und er in euch“1. Siehe, es nimmt in den Heiligen mit dem Vater und dem Sohne auch der Heilige Geist Wohnung, selbstverständlich innerlich, als Gott in seinem Tempel: Gott der Dreieinige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, kommen zu uns, indem wir zu ihnen kommen; sie kommen durch Hilfeleistung, wir kommen durch Gehorchen; sie kommen durch Erleuchtung, wir kommen durch Anschauen; sie kommen durch Erfüllen, wir durch Erfassen, damit uns zuteil werde ihre nicht äußere, sondern innere Anschauung, und damit sie in uns nicht vorübergehend, sondern ewig wohnen. So offenbart sich der Sohn der Welt nicht; denn unter „Welt“ sind an unserer Stelle [S. 891] diejenigen gemeint, von welchen er sogleich beifügte: „Wer mich nicht liebt, hält meine Gebote nicht“. Diese sind es, welche den Vater und den Heiligen Geist niemals sehen; den Sohn aber sehen sie auf kurze Zeit, nicht damit sie beseligt, sondern damit sie gerichtet werden; und auch ihn sehen sie nicht in der Gestalt Gottes, worin er mit dem Vater und dem Heiligen Geiste in gleicher Weise unsichtbar ist, sondern in der Gestalt des Menschen, worin er der Welt durch sein Leiden verächtlich, durch sein Gericht schrecklich sein wollte.
1: Joh. 14, 17.