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Autobiographisches Schreiben vom Krieg bei Goethe, Heine, Fontane, Benn, Jünger, Handke
Autobiographische Texte vom Krieg sind bislang oft als "Memoiren" abgestempelt oder lediglich von Historikern als "Quellen" herangezogen worden. Jan R÷hnerts umfangreiche Studie zeigt an kanonischen Autoren und Texten von Johann Wolfgang Goethe ³ber Heinrich Heine, Theodor Fontane, Gottfried Benn und Ernst J³nger bis zu Peter Handke, dass die moderne Gattung der Autobiographie aufs engste mit der Darstellung des Krieges verbunden ist. Unter dem von Hans Blumenberg entlehnten Begriff der Selbstbehauptung werden literarische Strategien der Objektivierung, -sthetisierung und Anekdotisierung zusammengefasst, die seit der 1822 ver÷ffentlichten "Campagne in Frankreich 1792" Goethes unter wechselnden historischen und biographischen Vorzeichen in unterschiedlichen poetologischen Konstellationen wiederkehren - in Heines "Buch Le Grand" ebenso wie in Fontanes "Kriegsgefangen", Benns "Doppelleben", J³ngers "Strahlungen" und nicht zuletzt Handkes "Winterliche Reise". Auf diese Weise entsteht das fesselnde Panorama einer in dichten Lekt³ren nachgewiesenen Verwandtschaft von Autobiographen, die sich am Krieg abarbeiten und dabei letztlich ein Ziel verfolgen: die Rettung des Ich.
9783465-38504LangtextDie Studie beantwortet die Frage, wie und warum die aus der Antike stammende Idee des Dichter- beziehungsweise Heldenruhms in der û vornehmlich deutschsprachigen û Literatur und in den û vornehmlich deutschsprachigen û Geisteswissenschaften der Moderne aufgegriffen und thematisiert wird. Dabei wird ein weiter Modernebegriff zugrunde gelegt: Die Moderne stellt einen Prozess dar, der durch unterschiedliche éZ³ndstufenæ von der Mitte des 18. bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vorangetrieben wird. Innerhalb jeder dieser éZ³ndstufenæ der Moderne bildet die Idee des Ruhms ein zentrales Thema. Die Arbeit verfolgt den Transfer der Ruhmidee aus der Lyrik des 18. ³ber die Erzõhlliteratur, die Essayistik und die Philosophie des 19. bis in die Geisteswissenschaften des fr³hen 20. Jahrhunderts. Gezeigt wird, dass die Thematisierung des Ruhms in der Moderne vornehmlich eine Reaktion auf zwei Problembereiche darstellt: erstens das tradierte Problem der Endlichkeit des Lebens und zweitens das neue oder zumindest mit neuer Dringlichkeit wahrgenommene Problem schwindender Orientierung und Ordnung in Kultur und Gesellschaft. Der Ruhm wird in der Moderne in spezifisch gebrochener Form thematisiert. Gleichwohl bleibt er als sinnstiftende Kategorie erhalten und wird in Verbindung mit einer Reihe wiederkehrender Topoi fortlaufend aktualisiert. Das stetige Reden ³ber den Ruhm in der Literatur- und in der Wissenschaftsgeschichte ist zu erklõren als eine besondere Form des Traditionsverhaltens. Die Ideengeschichte des Ruhms zwischen 1750 und 1930 gewinnt ihre Dynamik durch das Ineinander von problemgeschichtlichen Bez³gen, von gattungs- und disziplinenhistorischen Entwicklungen und von Spezifika der Moderne.