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Diamantgruben auszubeuten; Förderung der geistigen Bildung des Volkes und gute Bewirtschaftung des Landes wurden ganz außer acht gelassen. Man suchte vielmehr den Geist des Volkes niederzuhalten, ordnete hohe Zölle und Abgaben an, beschränkte den Handelsverkehr auf einige Küstenplätze, wies Fremde zurück oder überwachte sie mit Argwohn (so A. v. Humboldt). Öl- und Weinbau waren verpönt, weil deren Produkte das Mutterland lieferte; das im Land vorhandene Salz [* 2] durfte nicht gewonnen, Fabriken nicht angelegt werden, denn die Portugiesen führten von Fremden erkaufte Fabrik- und Manufakturwaren um hohe Preise ein.
Seit 1640 hatte die Regierung den jüngern Söhnen des Adels und den Jesuiten weit ausgedehnte Besitzungen mit großen Rechten und Freiheiten erteilt (Donatarios) oder an Abenteurer zur weitern Eroberung verhandelt (Conquistadores); überhaupt wurden die Portugiesen vor den eigentlichen Brasiliern auf jede Weise bevorzugt. Gleichwohl war namentlich unter der Verwaltung Pombals, der die Jesuiten auch aus Brasilien [* 3] vertrieb, dieses für das Mutterland eine reiche Geldquelle, für den Staat sowohl als für die zwei Handelsgesellschaften, die den Verkehr vermittelten.
Als nun König Johann VI. mit dem portugiesischen Hofe vor Napoleon 1808 nach Brasilien flüchtete, kam zwar mehr Leben in die Kolonie, Handel, Gewerbe, Fabriken nahmen einen freiern Aufschwung, der Verkehr nach außen wurde reger und umfassender, Europäer besuchten das Land und siedelten sich zum Teil daselbst an; aber der innere Zwiespalt infolge der Begünstigung der Portugiesen vor den Brasiliern dauerte fort und ward noch gesteigert durch Erhöhung der Abgaben, Erschwerung der Sklaveneinfuhr, Ausdehnung [* 4] des Regals auf Gold [* 5] und Edelsteine, [* 6] welche auf Privatgrundstücken vorkamen, parteiische Rechtspflege etc. Die revolutionären Bewegungen, die seit 1808 Südamerika [* 7] zu erschüttern begannen, erweckten daher auch in Brasilien die Sehnsucht nach voller Selbständigkeit und Freiheit. Ein in Pernambuco [* 8] im April 1817 ausgebrochener republikanischer Aufstand war der Vorläufer weiterer Ereignisse. Infolge eines Aufstandes zu Rio de Janeiro [* 9] mußte König Johann den Brasiliern eine Verfassung, wie diese sie wünschten, versprechen (28. Febr.) und ihnen bei seiner Abreise nach Portugal [* 10] (26. April) den Kronprinzen Pedro als Prinz-Regenten zurücklassen. Als nun die portugiesischen Cortes den brasilischen Deputierten den Zutritt versagten und verlangten, daß Brasilien nach wie vor als abhängige Kolonie sich von Portugal aus regieren lassen solle, obwohl die nationale Partei mächtig genug war, um eine Unabhängigkeitserklärung wagen zu können, weigerte sich der Prinz-Regent, dem Befehl, nach Lissabon [* 11] zurückzukehren, Folge zu leisten Er berief ein neues, selbständiges Ministerium, an dessen Spitze José Bonifacio d'Andrada trat, und wurde von einer Versammlung von Abgeordneten zum immerwährenden Verteidiger Brasiliens (Defensor perpetuo do Brázil) ernannt.
Auf einer Reise durch die Provinz São Paulo verkündete Dom Pedro die Unabhängigkeit Brasiliens. Eine Konstituierende Versammlung entwarf ein auf dem Grundsatz der Volksvertretung beruhendes Staatsgrundgesetz und erklärte 12. Okt. den Regenten als Pedro I. zum konstitutionellen Kaiser von am 1. Dez. wurde derselbe gekrönt. Als die noch im Land befindlichen portugiesischen Truppen sich dagegen auflehnten, wurden sie vorzüglich mit Hilfe des englischen Admirals Cochrane, der in brasilische Dienste [* 12] getreten war, geschlagen und aus dem Land gebracht.
Am eröffnete der Kaiser die ersten konstituierenden Cortes Brasiliens mit einer begeisternden Thronrede. In den mit großer Leidenschaft geführten Verhandlungen über die Antwort aus die Thronrede stießen die beiden feindlichen Parteien, die Monarchisten oder Unitarier und die Republikaner, hart aneinander. Als die republikanischen Blätter die Absetzung aller in brasilischen Diensten stehenden Portugiesen verlangten und die Regierung Anstand nahm, Folge zu leisten, vielmehr die ihr vorgelegte neue ultraliberale Konstitution zurückwies, kam es 10. Nov. zu einem Aufstand in Rio de Janeiro, worauf der Kaiser die Cortes, die sich 12. Nov. für permanent erklärt hatten, auflöste.
Der vom Kaiser vorgelegte Verfassungsentwurf wurde von einer aufs neue berufenen Nationalversammlung angenommen und als »brasilische Konstitution« beschworen. Obgleich derselbe sehr demokratisch war und den Deputierten eine ungewöhnliche Macht einräumte, die des Kaisers dagegen zu einem Schatten [* 13] herabdrückte, brach doch in der Provinz Pernambuco ein republikanischer Aufstand aus, der erst gedämpft wurde, als der englische Admiral Cochrane und General Lima [* 14] die Stadt Pernambuco 17. Sept. mit Sturm eroberten.
Nach langen Unterhandlungen in London [* 15] und Lissabon ward vom König von Portugal die Unabhängigkeit Brasiliens vom Mutterland und Dom Pedros Souveränität anerkannt und damit das freundliche Verhältnis zu Portugal hergestellt. Dagegen brach in demselben Jahr ein Krieg aus gegen die Argentinische Republik, [* 16] welche die Banda Oriental für sich in Anspruch nahm; dieser Krieg brachte Brasilien wenig Ruhm und endigte damit, daß die Banda Oriental mit Montevideo [* 17] aufgegeben und als selbständige Republik (Uruguay) [* 18] anerkannt werden mußte.
Neue Schwierigkeiten erhoben sich, als nach dem Tod Johanns VI. der Kaiser Dom Pedro auf die ihm zugefallene portugiesische Krone zu gunsten seiner Tochter Maria da Gloria verzichtete und die Rechte derselben gegen ihren abtrünnigen Gemahl Dom Miguel von Portugal mit den Waffen [* 19] behaupten zu wollen erklärte, wozu er die Beihilfe der Cortes verlangte. Die Brasilier, welche ohnedies sich stets den Portugiesen gegenüber zurückgesetzt glaubten, sahen hierin eine mißbräuchliche Verwendung der Mittel des Landes für dynastische Interessen, wozu noch kam, daß die Truppen wegen mangelnden Soldes Meutereien erregten.
Die Vorschläge des Kaisers wurden daher wiederholt von den Cortes zurückgewiesen. Nachdem mehrmalige Ministerwechsel zu nichts geführt und auch das Militär unter dem Kommandanten Francisco de Lima abgefallen war, blieb dem Kaiser nichts übrig, als zu gunsten seines sechsjährigen Sohns Dom Pedro de Alcantara abzudanken. Durch einen Erlaß vom 6. April ernannte er José Bonifacio d'Andrada zum Erzieher des Prinzen und schiffte sich am 13. nach Europa [* 20] ein.
Der neue Kaiser, Pedro II., stand unter einer von den Kammern ernannten Regentschaft in Rio de Janeiro. Indessen dauerte der Kampf der Parteien der Monarchisten oder Unitarier (Caramuros), der Republikaner (Faroupilhas) und der Föderalisten fort. Mit Mühe gelang es der Regentschaft, die Aufstände zu Bahia, [* 21] Pernambuco, Rio de ¶
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Janeiro und in andern Städten des Reichs zu unterdrücken. Um diesen Zuständen ein Ende zu machen, erwählten die Kammern eine permanente Regierung; aber auch sie hatte fortwährend mit Aufständen zu thun, die mit Hilfe der Nationalgarden gestillt wurden, da das Militär sich den Insurgenten angeschlossen hatte. Die Finanzlage war eine klägliche, die Armee unzuverlässig und meuterisch. Um diesen Zuständen abzuhelfen, genehmigte die Kammer ein Gesetz, wodurch in eine föderalistische Monarchie verwandelt wurde, in welcher die Gewalt des Monarchen, die übrigens erblich blieb, und die Stellung der einzelnen Provinzen nach dem Muster der Vereinigten Staaten [* 23] Nordamerikas bestimmt waren.
Die bisherige Regentschaft ward im Oktober 1835 entlassen und durch eine Generalversammlung Diego Antonio Feijo zum alleinigen Regenten des föderativen Kaisertums ernannt. Allein die feindlichen Faktionen wühlten rastlos weiter, Sklaven- und Pöbelaufstände wechselten mit republikanischen Schilderhebungen ab; namentlich kam es in Pará (Januar 1835) zu einer Reihe blutiger Szenen, und die Stadt mußte (Januar 1836) durch förmliche Belagerung mit Hilfe einer englischen Flotte eingenommen werden; Ähnliches wiederholte sich in Bahia (Juli 1835) und Rio Grande do Sul (Mitte 1837).
Infolge davon dankte Feijo schon im September 1837 ab. An seine Stelle trat durch Wahl der Deputierten der bisherige Kriegsminister Pedro Araujo de Lima, mit dem auch ein neues Ministerium eintrat. Die für 1838-41 gewählten Cortes wurden von Lima eröffnet, aber schon im Juli 1840 aufgelöst. Statt auseinander zu gehen, rächten sie sich durch einen revolutionären Akt; sie erklärten 23. Juli den noch nicht 15jährigen Kaiser Pedro II. für volljährig, und dieser berief die Bruder Andrada, die Veranstalter jener Revolution, wieder ins Ministerium.
Pedro II. wurde feierlich gekrönt. Aber die Streitigkeiten der Parteien dauerten fort, um so mehr, als die Brüder Andrada, welche schon hatten zurücktreten müssen, sich an die Spitze der republikanischen national-brasilischen Partei stellten und gegen die die Regierung beherrschende portugiesisch-aristokratische Partei in den Provinzen São Paulo, Minas Geraës und Rio Grande do Sul republikanische Aufstände erregten, welche 1842-45 von dem General Caxias mit Mühe unterdrückt wurden.
Zugleich gab es Differenzen mit England wegen des Durchsuchungsrechts, welches die Engländer gegen die brasilischen Schiffe [* 24] zur Unterdrückung des Sklavenhandels bisher kraft eines 1830 auf 15 Jahre geschlossenen Vertrags ausgeübt hatten, sowie wegen eines Beschlusses der brasilischen Cortes, wonach englische Waren ein Drittel mehr Eingangszoll zahlen sollten als andre. Endlich hatte die Regierung auch noch wiederholte Sklavenaufstände in Pernambuco (Ende 1846) und Rio Grande do Sul (Anfang 1848) zu bekämpfen.
Zwar wurden die Zwistigkeiten mit England 1850 durch Verträge beigelegt, der Sklavenhandel von den Cortes für Seeraub erklärt; dagegen wurde das Verhältnis zu den La Plata-Staaten schwierig. Da der Diktator der Argentinischen Republik, Rosas, sich wiederholt gegen Brasilien feindlich bewiesen und Genugthuung verweigert hatte, so wurde 1850 der Krieg gegen ihn beschlossen, und die brasilische Regierung verband sich mit dem General Urquiza, Gouverneur der argentinischen Provinz Entre Rios, zu gemeinschaftlicher Operation gegen Rosas.
Ein aus den Trümmern der eben sich auflösenden schleswig-holsteinischen Armee gebildetes Korps von 2000 Mann ward aus Deutschland [* 25] als »deutsch-brasilische Legion« nach Brasilien übergeführt. Der Krieg wurde damit eröffnet, daß Urquiza den Uruguay überschritt, und, nachdem Brasilien durch ein Schutz- und Trutzbündnis mit Paraguay, Corrientes, Entre Rios und Uruguay seine Streitkräfte verstärkt hatte, durch die Schlacht von Monte Caceros welche Rosas' Sturz zur Folge hatte, zu gunsten Brasiliens entschieden. Brasilien unterstützte Uruguay mit Subsidien und trat zu der Republik in das Verhältnis einer Art Schutzoberherrlichkeit; in die wichtigsten Orte wurden brasilische Truppen gelegt. Doch hörte dies Recht Brasiliens schon 1855 auf, da das Ausland Einspruch erhob.
Von jetzt an gestalteten sich die Verhältnisse zusehends besser. Der Handel Brasiliens nahm während des Kriegs und nach demselben einen großen Aufschwung, und das Budget erwies eine bedeutende Mehreinnahme. Im J. 1853 wurde die Brasilische Bank mit einem Kapital von 30 Mill. Milreis (120 Mill. Mk.) gegründet. Ferner wurden leichte Verbindungsstraßen und Eisenbahnen erbaut, auch eine Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Maranon gebildet. Ende 1854 wurden reiche Goldminen im nördlichsten Teil Brasiliens entdeckt, welche viele Spekulanten und Kolonisten anzogen.
In dem Streit zwischen Spanien und Peru [* 26] wegen der Chinchasinseln hielt sich Brasilien streng neutral, ward aber 1864 selbst in einen Krieg mit Uruguay verwickelt, dessen Regierung sich Brasilien mehrfach feindselig gezeigt und namentlich den in der Banda Oriental angesiedelten Brasiliern Anlaß zu Beschwerden gegeben hatte. Die brasilische Flotte blockierte und nahm einige Häfen von Uruguay, und das Landheer setzte sich gegen Montevideo in Bewegung, weshalb der dort neugewählte, schon vorher Brasilien zugeneigte Präsident Flores die Forderungen Brasiliens bewilligte und so den Frieden wiederherstellte.
Zwar waren die Parteien in Brasilien mit der Haltung der Regierung nicht zufrieden, welche nach ihrer Ansicht härtere Bedingungen hätte stellen sollen; indessen drohte bald eine neue und bedenklichere Verwickelung. Lopez, der Präsident von Paraguay, welcher gleich beim Beginn des Kriegs mit Uruguay erklärt hatte, jede Intervention Brasiliens als Kriegsfall ansehen zu wollen, schritt sogleich zur Ausführung seiner Drohung, begann damit, das brasilische Schiff [* 27] Marquès de Olinda in den Gewässern von Asuncion zu kapern, und rückte darauf in die brasilische Provinz Matogrosso ein.
Rasch bemächtigte er sich der Stadt Nova Coimbra und bedrohte die Hauptstadt Cuyaba. Die Brasilier geboten infolge der innern Umwälzung in Uruguay völlig über die Streitkräfte dieses Landes, und in Rio de Janeiro sowie überhaupt in Brasilien war der Krieg gegen Lopez sehr populär; alles beeilte sich deshalb, der Regierung beizustehen, um rasch die erforderlichen Streitkräfte zusammenzubringen. Zur See war Brasilien des Übergewichts sicher, an Landtruppen erschien Paraguay besser gerüstet und namentlich infolge einer vollkommenern Organisation zu einer weit nachhaltigern Kriegführung befähigt. Um so wichtiger für Brasilien war es, daß infolge eines Angriffs des Präsidenten Lopez auf die argentinische Stadt Corrientes zwischen der Argentinischen Konföderation, Uruguay und Brasilien eine Tripelallianz abgeschlossen wurde. Der Krieg, dessen Oberleitung der argentinische Präsident Mitre ¶