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Geschichte
Matzendorf gehört mit 1291 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Solothurn. Das Dorf erstreckt sich beidseits des Dorfbaches auf der Sonnseite am nördlichen Talrand des Dünnerntals, am Fusse der Brunnersbergkette im Solothurner Jura.
Wichtigste Sehenswürdigkeit ist die katholische Sankt Pankratius-Kirche, die auf freiem Feld auf einem Hügel westlich des Dorfes steht. Die Kirche wurde 1520 im Stil der Spätgotik neu erbaut und 1781 vergrössert.
Die Allerheiligenkapelle wurde 1949 errichtet. Im Horngraben steht die Sankt Antoniuskapelle an der Stelle einer 1450 gegründeten Einsiedelei.
Der berühmteste Musiker des Dorfes war Casimir Meister, dessen Melodien schweizweit bekannt sind.
Casimir Meister (1869-1941)
Der Solothurner Musiklehrer, Komponist, Dirigent, Organist und Volksliedersammler Casimir Meister wurde am 22. November 1869 in Matzendorf geboren. Nach dem Verlust seiner Eltern kam der zweijährige Knabe zu einem Onkel nach Murten. Die musikalische Begabung von C. Meister zeigte sich bereits in jungen Jahren: Um 1880 trat er als Pianist in einem Konzert auf, und als Gymnasiast der Klosterschule Einsiedeln spielte er in den Werktagsgottesdiensten die Orgel.
Die musikalische Ausbildung von C. Meister erfolgte zuerst am Institut de Musique in Lausanne bei Carl Eschmann-Dumur (Klavier) und bei Charles Blanchet (Orgel).
Vom 16. September 1889 bis zum 15. Juli 1891 studierte C. Meister an der Königlichen Musikschule in München Klavier, Kontrapunkt, Formenlehre, Instrumentation, Chorensemble, Sologesang, Dirigieren und Musikgeschichte. Im Absolutorial-Zeugnis werden folgende Dozenten erwähnt: Joseph Rheinberger, Heinrich Schwartz und Ludwig Abel.
Am Conservatoire National de Musique in Paris besuchte C. Meister vom Dezember 1891 bis zum August 1892 die Kurse von Francois-Clement-Theodore Dubais (Komposition), Charles-Wilfrid de Bériot (Klavier) und Charles Marie Widor (Orgel).
Von 1892 bis 1893 wirkte C. Meister in Bulle als Musikdirektor (Organist, Chor- und Orchesterleiter). Hier lernte er die zahlreichen Greyerzer Volkslieder kennen. Von 1894 bis 1898 leitete er in Glarus den Männerchor «Frohsinn» sowie den Gemischten Chor und das Orchester; daneben war er als Organist an der evangelischen Stadtkirche angestellt.
1898 wurde C. Meister als Gesangslehrer der städtischen Schulen von Solothurn gewählt. Diese Funktion übte er bis 1934 aus. Zugleich übernahm C. Meister die Leitung des Männerchors und des Cäcilienvereins. Zusammen führten die beiden Vereine Werke auf wie von J. S. Bach (Weihnachtsoratorium), Bruch (Lied von der Glocke), G. F. Händel (Cäcilienode; Messias), J. Haydn (Schöpfung; Jahreszeiten), F. Mendelssohn (Antigone; Walpurgisnacht), G. Verdi (Requiem) und die Oper «Zar und Zimmermann» von A. Lortzing.
Aus gesundheitlichen Gründen musste C. Meister 1921 die Direktion der beiden grossen Chöre abgeben. Nach seiner Genesung berief ihn der Domchor 1922 als Kapellmeister an die St. Ursenkathedrale in Solothurn; unter seiner Leitung wurden unter anderem Messen von A. Bruckner, H. Huber, F. Liszt, G. P. da Palestrina und F. Schubert aufgeführt.
C. Meister schuf zahlreiche geistliche Werke (vier Messen, Offertorien, Hymnen, Chöre), daneben weltliche Chorwerke für diverse Besetzungen sowie Instrumentalmusik (Werke für Orchester, Klavier, Orgel, Blas- und Kammermusik). Die Vertonung der Gedichte von Josef Reinhart in den «Liedli ab em Land» wurden in der ganzen Schweiz bekannt. Der Beginn der Liedmelodie von «<D’Zyt isch do, d’Zyt isch do!> singt’s uf em Nussbaum scho, Gugguh» erklang vom Dezember 1926 bis Ende 1966 jeweils als Pausenzeichen von Radio Bern.
C. Meister war seit 1894 verheiratet mit Marie, geb. Dinichert aus Murten und Vater von fünf Kindern: Georges Casimir, Margrith Cecile, Helene Marie, Maria Therese und Paul Robert. Am 22. Dezember 1941 starb Casimir Meister nach kurzer Krankheit.