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Visions du Réel feiert die grosse argentinische Filmemacherin und Drehbuchautorin Lucrecia Martel
Martel erhält den Ehrenpreis der 54. Ausgabe des Festivals, das vom 21. bis 30 April 2023 stattfindet.
Lucrecia Martel ist eine der bedeutendsten Figuren des zeitgenössischen Kinos und ein Name, der das Neue Argentinische Kino entscheidend geprägt hat. Während des Festivals wird sie in einer Masterclass durch ihr Werk führen und ihre Beziehung zur Realität ansprechen. Dazu wird eine Retrospektive ihrer Filme gezeigt. Gemäss der Tradition wird diese Hommage in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque Suisse und der ECAL – École Cantonale d'Art de Lausanne gestaltet.Mehr lesen
«Ich bin besonders stolz und fühle mich geehrt, eine so bedeutende, hervorragende und einzigartige Figur des zeitgenössischen Kinos wie Lucrecia Martel bei Visions du Réel begrüssen zu dürfen, eine Filmemacherin, der es mit jedem ihrer Filme gelingt, Universen gewagt zu erfassen und zu erschaffen und ein abenteuerliches, verstörendes und einzigartiges Werk zu komponieren, das das Weltkino immer wieder herausfordert.» – Emilie Bujès, künstlerische Leiterin von Visions du Réel
Lucrecia Martel | Biografie
Geburtsort von Lucrecia Martel ist Salta im Nordwesten Argentiniens geboren. Nach ihrem Studium an der Avellaneda Experimental (AVEX) und der Escuela Nacional de Experimentación y Realisación Cinematográfica (ENERC) in Buenos Aires drehte sie zwischen 1988 und 1994 eine Reihe von Fiktion- und Dokumentarkurzfilme. Der erste, vielversprechende Kurzfilm Rey Muerto bildet ein Segment des Langfilms Historias breves (1995). 2001 erhielt ihr erster Langfilm «La ciénaga», eine sommerliche Erzählung über eine problembehaftete Familie, zahlreiche internationale Preise, darunter einen Silbernen Bären auf der Berlinale. Es folgte «La niña santa» (2004), der von der Unentschlossenheit einer Jugendlichen zwischen Verlangen und Glauben handelt und in die Auswahl des Wettbewerbs des Festival de Cannes kam, sowie der verstörende «La mujer sin cabeza» (2008) über die Verwirrung einer an ihrem Geheimnis und dem Gewicht der Gesellschaft erstickenden Frau. Ihr vierter Langfilm «Zama» (2017), eine
Studie des Kolonialismus und des Rassismus in Lateinamerika, feierte Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, bei denen sie 2019 als Jury-Präsidentin amtierte. Nach einigen kurzen und mittellangen Dokumentarfilmen machte Lucrecia Martel 2021 mit «Terminal Norte», der während der Pandemie gedreht wurde, einen weiteren bemerkenswerten Ausflug ins Kino des Realen. Der Film folgt einer Gruppe von Musiker:innen, die während des Lockdowns in den kraftvollen Wäldern und Landschaften der konservativ geprägten argentinischen Region Salta Zuflucht finden, aus der auch die Filmemacherin stammt. Sie liefert ein intimes, sensoriell und engagiertes Immersiv-Projekt, das die Symbiose zwischen diesen Künstler:innen, ihren Gesängen und Erzählungen und der umgebenden üppigen Natur eindrucksvoll veranschaulicht. Dieses Projekt ist ein Vorgeschmack auf ihren nächsten Langfilm, ebenfalls ein Dokumentarfilm, der für das Jahr 2023 geplant ist.
Neben ihrer filmischen Arbeit beschäftigt sich Lucrecia Martel auch mit anderen künstlerischen Disziplinen und Ausdrucksformen. Sie hat unter anderem mit Björk zusammengearbeitet, für die sie Regie für das Konzert «Cornucopia» (2019) im The Shed (New York) führte, die bislang als anspruchsvollste Aufführung der isländischen Künstlerin beschrieben wird. Während des Lockdowns produzierte Martel das immersive Werk «The Passage» (2021), das im EYE Filmmuseum (Amsterdam) gezeigt wurde. Ihre Arbeiten wurden in den renommiertesten Kunst- und Kulturinstitutionen wie Harvard, MoMA, Lincoln Center, Cambridge und Tate London gezeigt. Ausserdem bot sie eine Reihe von Masterclasses zu den Themen Ton und Erzählen an.