Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03385.jsonl.gz/1150

Abschied
Seine Entwürfe mit breiten Schultern und die dramatischen Shows regierten die Laufstege der achtziger Jahre. Zuletzt lebte Claude Montana zurückgezogen.
Der Modedesigner Claude Montana ist am Freitag, 23. Februar 2024, im Alter von 76 Jahren in einem Pariser Spital verstorben. Die Nachricht über seinen Tod hat die französische Nachrichtenagentur AFP vermeldet, und sie wurde von der Fédération de la Haute Couture et de la Mode bestätigt. Die Todesursache ist bisher nicht bekannt.
Montana war eine der schillerndsten Modefiguren der achtziger Jahre und für kurze Zeit Kreativdirektor der Couture-Linie von Lanvin, bevor seine Firma in den neunziger Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geriet und er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog. Im letzten Jahrzehnt hatte er mehrmals Schritte zurück in die Modewelt gewagt, doch während Zeitgenossen wie Thierry Mugler neu entdeckt wurden, erlangte Montana nie mehr die Berühmtheit seines Karrierehöhepunkts.
Herumstehen und imposant aussehen
Montana wurde 1947 als Claude Montamat in Paris geboren; seine Mutter war Deutsche, sein Vater Spanier. Nach seinem Schulabschluss zog er nach London und kreierte Schmuckstücke aus Papiermaché, bevor er nach Paris zurückkehrte und für ein auf Leder spezialisiertes Modehaus zu arbeiten begann. Als er 1979 sein eigenes Modelabel gründete, hauchten seine dramatischen Shows, die übertriebenen Silhouetten und scharfen Schnitte der sehr bourgeois gewordenen Pariser Modewelt neues Leben ein.
«Er entwarf Kleidung, mit der man herumstand und absolut imposant aussah», so erklärte der Modejournalist Tim Blanks einmal die Faszination. Noch mehr als sein Berufskollege Thierry Mugler war Montana für seine Entwürfe mit breiten Schultern bekannt, die der Trägerin Kraft und Selbstbewusstsein verliehen. «Niemand machte eine stärkere Schulter», sagte Marc Jacobs einmal über ihn.
Wie viele jüngere Designer betonte Jacobs den Einfluss Montanas auf seine eigene Arbeit. Die glitzernden Stoffe, das dicke, glänzende Leder und die satten Farben des Franzosen prägten eine ganze Generation. Er galt als Erfinder des französischen Power Dressing.
Ein Teil der Modegeschichte
Dabei konnte Claude Montana auch sanft. Bestes Beispiel ist das Hochzeitsensemble mit transparenter, leise abfallender Bluse, das er für das Model Wallis Franken entwarf. Montana war offen homosexuell, trotzdem heirateten die beiden 1993.
Entgegen der Ausstrahlungskraft seiner Mode war der Designer selbst als scheu bekannt, Interviews gab er nicht gerne. Einen Posten als Kreativdirektor bei Dior lehnte er Ende der achtziger Jahre ab. Sein Drogenkonsum und sein Perfektionismus vertrugen sich zeitweise schlecht, und als CEO seiner eigenen Firma konnte er finanzielle Schwierigkeiten nicht abwenden. Seine definierende Silhouette fiel zunehmend aus der Mode, Understatement war angesagt. Nach dem Suizid seiner Ehefrau 1996 zog er sich fast komplett zurück. 2002 veranstaltete er seine letzte Show.
Er würde die Mode und das Berühren von Stoffen vermissen, sagte Claude Montana 2013 in einem Interview. Es sei zu einem Teil von ihm geworden. Auch das Umgekehrte ist wahr.