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Unter der Erdoberfläche soll der Atommüll für mindestens Zehntausende von Jahren lagern. Drei Regionen gelten als mögliche Standorte für das Endlager: Jura Ost (Bözberg, AG), Nördlich Lägern (AG/ZH) oder Zürich Nordost (Weinland, ZH/TG).
Am Montag wird die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) bekannt geben, in welcher Region sie das Endlager für atomare Abfälle erstellen will: Jura Ost (Bözberg, AG), Nördlich Lägern (AG/ZH) oder Zürich Nordost (Weinland, ZH/TG). Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Weshalb braucht es ein Tiefenlager?
Atommüll entsteht bei der Stromproduktion in Atomkraftwerken (AKW), aber auch in Medizin, Forschung und Industrie. An der Erdoberfläche sollten hochradioaktive Abfälle nicht gelagert werden, weil niemand weiss, wie sich Gesellschaft und Erdoberfläche in den kommenden Jahrtausenden verändern werden, vor allem was Kriege oder die Klimaerwärmung betrifft. Als sicherste Lösung gilt das Einlagern in mehreren hundert Metern Tiefe. In der Schweiz eignen sich dabei vor allem die Gesteinsschichten aus dem sogenannten Opalinuston – ein grauschwarzer Schieferton.
Was genau soll im Bode gelagert werden?
Eingelagert werden sollen vor allem hochradioaktive Brennelemente aus AKW. Dazu kommen schwach- und mittelradioaktive Abfälle wie kontaminierte Schutzkleidung, Rohre und Isolationsmaterialien der AKW, sowie Abfälle aus Forschung, Medizin und Industrie. Der Bund rechnet damit, dass bis zum Jahr 2075 ein Abfall-Volumen von rund 90’000 Kubikmetern anfällt.
Wie gefährlich sind die Abfälle?
Von diesen Abfällen geht eine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt aus, und dies auch noch für Zehntausende von Jahren. Atomarer Abfall ist schon in kleinsten Mengen krebserregend und schädigt das Erbgut.
Wie lange soll dieses Lager in Betrieb sein?
Ein Tiefenlager muss die Abfälle für Zehntausende bis Hunderttausende von Jahren sicher einschliessen, bis sie zur Unschädlichkeit zerfallen sind. Plutonium-239 beispielsweise, das unter anderem für den Bau von Atomwaffen genutzt wird, braucht mehr als 24’000 Jahre, bis die Hälfte der radioaktive Atomkerne zerfallen ist (Halbwertszeit).
Wo lagert der Schweizer Atommüll denn heute?
Der bisher angefallene Atommüll liegt derzeit noch in Hallen an der Erdoberfläche – bei den Kernkraftwerken selber und in zwei Zwischenlagern im Kanton Aargau.
Weshalb wartet die Schweiz nicht auf neue Technologien?
Mit sogenannter Transmutation, auch Kernumwandlung genannt, könnten sich langlebige Radionuklide theoretisch in kurzlebige verwandeln lassen. Statt mehrere zehntausend Jahre würden einige Abfälle also «nur» noch mehrere hundert Jahre strahlen. Gemäss dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) ist dies jedoch (noch) kein realistisches Szenario. Und selbst wenn Transmutation dereinst im grossen Stil betrieben würde: Es blieben immer noch langlebige Abfälle übrig, die in ein Tiefenlager gebracht werden müssten.
Was machen andere Länder mit ihrem Atommüll?
In Europa werden derzeit rund 60’000 Tonnen hochradioaktiver Abfall aus Atomkraftwerken gelagert, in der Regel – wie in der Schweiz – in überirdischen Anlagen. Bis heute ist weltweit kein einziges Endlager für stark strahlende Abfälle in Betrieb. Am weitesten ist Finnland: Auf der Insel Olkiluoto wird in bis zu 500 Metern Tiefe an einem Endlager gebaut. 2024 oder 2025 soll die Einlagerung beginnen. Schweden und Frankreich haben definitive Standorte bestimmt.
Ist nach dem Standortentscheid alles klar?
Selbst wenn der Standort für das Schweizer Tiefenlager irgendwann definitiv bestimmt ist, werden die Diskussionen weitergehen. Umstritten ist etwa, wo die «Heisse Zelle» gebaut werden soll. Dabei handelt es sich um die roboterbetriebene Verpackungsanlage für die Brennelemente. Der Zürcher Regierungsrat hielt bereits fest, dass er sich entschieden gegen die «Heisse Zelle» wehren werde. «Im Sinne einer angemessenen Lastenverteilung» solle dieser Bau woanders hinkommen, selbst wenn das Tiefenlager im Kanton Zürich gebaut werden sollte.