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Die Fruchtwasserpunktion (Amniozentese) ist eine pränatale Untersuchung, welche wie die Chorionbiopsie angewendet wird, um unter anderem Chromosomenstörungen bei ungeborenen Kindern festzustellen. Zwischen der 14. und der 18. Schwangerschaftswoche wird der Mutter Fruchtwasser entnommen. Die darin enthaltenen kindlichen Zellen werden anschliessend während zwei Wochen untersucht. Die Fruchtwasserpunktion ist an sich ungefährlich, das Abortrisiko beträgt hier im Vergleich zur Chorionbiopsie ebenfalls lediglich ca. 1 %.
Obwohl die Fruchtwasseruntersuchung wertvolle Informationen über die Gesundheit des ungeborenen Babys liefern kann, ist es wichtig, die Risiken dieser pränatalen Untersuchung zu kennen und auf die Ergebnisse vorbereitet zu sein.
Warum wird sie durchgeführt?
Eine Amniozentese kann aus verschiedenen Gründen durchgeführt werden:
Bei gegebener Indikation wird eine genetische Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt: Eine Probe des Fruchtwassers wird auf bestimmte Krankheiten wie das Down-Syndrom (Trisomie 21) oder das Apert-Syndrom untersucht.
Bei der Untersuchung der fetalen Lungenreife wird eine Fruchtwasserprobe entnommen und daraufhin untersucht, ob die Lungen des Babys für die Geburt reif genug sind.
Gelegentlich wird eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt, um das Baby auf eine Infektion oder eine andere Krankheit zu untersuchen. Das Verfahren kann auch durchgeführt werden, um den Schweregrad der Anämie bei Babys mit Rhesus-Sensibilisierung zu bestimmen - eine seltene Erkrankung, bei der das Immunsystem der Mutter Antikörper gegen ein bestimmtes Protein auf der Oberfläche der Blutzellen des Babys produziert.
Wenn sich während der Schwangerschaft zu viel Fruchtwasser ansammelt (Polyhydramnion), kann eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt werden, um überschüssiges Fruchtwasser aus der Gebärmutter abzuleiten.
Durch eine Fruchtwasserpunktion kann eine DNA-Analyse durchgeführt werden. Die DNA vom Fötus wird gewonnen und mit der DNA des potenziellen Vaters verglichen.
Mögliche Komplikationen während oder nach der Untersuchung
In seltenen Fällen tritt nach einer Fruchtwasserpunktion Fruchtwasser durch die Vagina aus. In den meisten Fällen ist der Flüssigkeitsverlust jedoch gering und hört innerhalb einer Woche auf, sodass die Schwangerschaft wahrscheinlich normal fortgesetzt wird.
Die Fruchtwasseruntersuchung im zweiten Trimester birgt ein geringes Risiko einer Fehlgeburt - etwa 0,1 bis 0,3 Prozent. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Risiko eines Schwangerschaftsabbruchs bei Fruchtwasseruntersuchungen, die vor der 15. Schwangerschaftswochen durchgeführt werden, höher ist.
Während der Fruchtwasseruntersuchung kann das Baby einen Arm oder ein Bein in den Weg der Nadel bewegen. Schwere Nadelverletzungen sind jedoch selten.
In seltenen Fällen können bei der Fruchtwasseruntersuchung Blutzellen des Babys in den Blutkreislauf der Mutter gelangen. Wenn Sie Rhesus-negatives Blut haben und keine Antikörper gegen Rhesus-positives Blut entwickelt haben, erhalten Sie nach der Untersuchung eine Injektion eines Blutprodukts namens Rhesus-Immunglobulin. Dadurch wird verhindert, dass Ihr Körper Rh-Antikörper produziert, welche die Plazenta passieren und die roten Blutkörperchen Ihres Babys schädigen können. Ein Bluttest kann feststellen, ob Sie begonnen haben, Antikörper zu produzieren.
Sehr selten kann eine Fruchtwasseruntersuchung eine Gebärmutterinfektion auslösen.
Wenn Sie eine Infektion haben - wie Hepatitis C, Toxoplasmose oder HIV/AIDS - kann diese Infektion während der Fruchtwasseruntersuchung auf Ihr Baby übertragen werden.
Denken Sie daran, dass eine genetische Fruchtwasseruntersuchung in der Regel dann angeboten wird, wenn die Testergebnisse einen erheblichen Einfluss auf die Behandlung der Schwangerschaft haben könnten. Letztendlich liegt die Entscheidung für eine genetische Fruchtwasseruntersuchung bei der Mutter. Der medizinische Betreuer oder genetische Berater kann dabei helfen, alle Faktoren abzuwägen.
Was ist während der Untersuchung zu erwarten?
Die Fruchtwasseruntersuchung wird normalerweise in einer ambulanten, geburtshilflichen Einrichtung durchgeführt.
Während des Eingriffs
Zunächst wird der Arzt mithilfe von Ultraschall die genaue Lage des Babys in der Gebärmutter bestimmen. Die Patientin legt sich auf den Rücken eines Untersuchungstisch und legt ihren Bauch frei. Der Arzt wird ein Gel auf den Bauch auftragen und dann mit einem kleinen Gerät, dem sogenannten Ultraschallkopf, die Position des Babys auf einem Monitor darstellen.
Anschliessend reinigt der Arzt den Bauch mit einem Antiseptikum. Im Allgemeinen wird keine örtliche Betäubung verwendet. Die meisten Frauen berichten, dass sie sich während des Eingriffs nur leicht unwohl fühlen.
Unter Ultraschallkontrolle führt der Arzt eine dünne Hohlnadel durch die Bauchdecke in die Gebärmutter ein. Eine kleine Menge Fruchtwasser wird in eine Spritze aufgezogen, und die Nadel wird wieder entfernt. Die Menge des entnommenen Fruchtwassers hängt davon ab, wie viele Wochen die Schwangerschaft bereits fortgeschritten ist.
Die Mutter soll möglichst ruhig bleiben, während die Nadel eingeführt und das Fruchtwasser entnommen wird. Wenn die Nadel in die Haut eindringt, spürt die Patientin möglicherweise ein Stechen, und wenn die Nadel in die Gebärmutter eindringt, können Krämpfe verspürt werden.
Nach dem Eingriff
Nach der Fruchtwasseruntersuchung wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin die Herzfrequenz des Babys weiterhin mit dem Ultraschallgerät überwachen. Die Patientin kann nach der Fruchtwasseruntersuchung Krämpfe oder leichte Beschwerden im Beckenbereich wahrnehmen.
Ein normales Aktivitätsniveau kann nach der Untersuchung wieder aufgenommen werden. Allerdings sollte für ein oder zwei Tage auf anstrengende körperliche und sexuelle Aktivitäten verzichtet werden.
In der Zwischenzeit wird die Fruchtwasserprobe in einem Labor untersucht. Einige Ergebnisse liegen bereits nach wenigen Tagen vor. Bei anderen Ergebnissen kann es bis zu vier Wochen dauern.
Die Ergebnisse
Bei der genetischen Fruchtwasseruntersuchung können die Testergebnisse verschiedene genetische Erkrankungen, wie das Down-Syndrom (Trisomie 21), zuverlässig ausschliessen oder diagnostizieren. Mit der Amniozentese lassen sich jedoch nicht alle genetischen Erkrankungen und Geburtsfehler feststellen.
Zudem können die Testergebnisse zuverlässig die Lungenreife des Babys anzeigen. Wenn die Mutter das Baby frühzeitig entbinden muss, kann diese Information die Gewissheit geben, dass das Baby bereit für die Geburt ist.
Wenn die Fruchtwasseruntersuchung ergibt, dass das Baby eine chromosomale oder genetische Störung hat, die nicht behandelt werden kann, stehen Eltern möglicherweise vor schwerwiegenden Entscheidungen - zum Beispiel, ob die Schwangerschaft fortgesetzt werden soll. In dieser Zeit ist die Unterstützung vom medizinischen Team und den Angehörigen umso wichtiger.