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Spätestens seit 1989, als sich Nestle von Swissôtel lossagte, sind die Gerüchte über ein Abstossen der Stouffer Hotel Co. nicht abgerissen. Dass bis zum Verkauf noch vier Jahre verstreichen sollten, dürfte mit dem schwachen US-Immobilienmarkt zusammenhängen. Nun aber wird die Familie des Hongkong-Chinesen Cheng Yu-Tung die 34 Stouffer- und 6 Presidente-Hotels übernehmen. Vor vier Jahren hat sie bereits die Ramada International Hotels erworben. Nichts wäre logischer, als die Luxusmarken "Renaissance" und "Stouffer" zu verschmelzen.
Wer die Strategie von Nestle in den letzten Jahren verfolgt hat, dürfte über den jüngsten Verkauf nicht erstaunt sein, hat sich doch der Nahrungsmittelkonzern aus einer Reihe von Aktivitäten im Restaurant- und Hotelbereich verabschiedet. 1989 überliess er Swissôtel dem Schicksal von Swissair und im letzten Jahr trennte er sich von der amerikanischen Stouffer Restaurant Co. Dass die Hotelschwester gleichen Namens als nächste veräussert wird, ist keine überraschung. Nestle-Sprecher Francois Perroux zur "Handelszeitung": "Wir haben immer gesagt, dass wir uns auf das konzentrieren wollen, wovon wir etwas verstehen. Hotels und Restaurants sind nicht zentraler Bestandteil unserer Aktivitäten."
Nestle erwarb die Hotelkette 1973 als Teil der Stouffer Corp. Bei jener Akquisition zielte das Unternehmen vorab auf die Tiefkühlprodukte der Stouffer Foods Corp. und kaufte die Stouffer
Restaurant Co., in welcher der Hotelbereich integriert war, gleich mit. Es vergingen weitere acht Jahre, bis die Hotelgesellschaft nach einer tiefgreifenden Restrukturierung auf eigene Beine
gestellt wurde und einen Expansionskurs einschlug. Man kündigte die bestehenden Franchise-Verträge, denn sämtliche Stouffer-Hotels sollten auch von Stouffer betrieben werden. Chairman William N.
Hulett: "Nur so kann man eine wirkliche Qualität garantieren." Mehr noch: Von den 34 Stouffer-Hotels in den USA und den sechs Presidente-Hotels in Mexiko befinden sich 31 im Besitz oder
Teilbesitz der Firma.
Mit diesem hohen Anteil eigener Häuser praktiziert Stouffer einen Anachronismus, denn die Konkurrenten Hyatt, Marriott, Hilton oder Ritz-Carlton trachten alle nach Management- Verträgen und möglichst geringen finanziellen Beteiligungen. Man sei eine Hotel- und keine Immobiliengesellschaft, so lautet die gängige Argumentation. Aber auch in anderen Bereichen ging Stouffer eigene Wege: Während die Konkurrenz auf Teufel komm raus segmentierte und für die verschiedensten Preisklassen eigene Produkte entwickelte, blieb Stouffer bei seinen Leisten und konzentrierte sich auf Luxusherbergen.
Chengs Ansatz - ebenso neu wie erfolgreich
Durch den jüngsten Besitzerwechsel dürfte Stouffer keinen Imageverlust erleiden. Die wohlhabende Familie von Cheng Yu-Tung aus Hongkong hat der Hotelindustrie ihren Stempel bereits aufgedrückt. Sie besitzt das "Hong Kong Regent" und das "Hong Kong Hyatt". Ausserdem hat sie 1989 über die Immobiliengesellschaft New World Development die Ramada International aufgekauft - zu einer Zeit notabene, da die Immobilienpreise den Gipfel erreichten. Obschon das "Real Estate Business" kurz nach dieser Akquisition in den Keller stürzte, vermochten die Chinesen der Hotelkette 20 weitere Betriebe anzuhängen. Sie zählt heute 129 Betriebe, darunter 50 "Firstclass"-Hotels der Marke "Renaissance" und 78 Mittelklasse-Häuser der Marke "Ramada".
Die Chinesen mit ihrem grossen Portemonnaie haben in den letzten Jahren einen völlig neün Ansatz verfolgt. Im Regelfall sind die Hotelgesellschaften nur dann zu einer finanziellen Beteiligung an der Liegenschaft bereit, wenn es nicht anders geht; die Höhe dieser Beteiligung gibt oft den Ausschlag. Demgegenüber hält die New World Development das Geld nicht nur für den Notfall bereit, sondern sucht aktiv nach einer Beteiligung. Dieses Vorgehen hat den Chinesen im Kampf um die besten Standorte ausserordentliche Wettbewerbsvorteile beschert.
Was nun die Cheng-Familie mit den zwei Hotelmarken zu tun gedenkt, bleibt Gegenstand von Spekulationen. Nach einem Bericht des amerikanischen Fachblatts "Travel Weekly" soll Stouffer nicht in die an der Börse von Hongkong kotierte und von der Cheng- Familie kontrollierte New World Development integriert werden. Vielmehr will man die Hotelgesellschaft aus Ohio als unabhängige Kette unter der Aufsicht der von den Chengs gegründeten privaten CTF Investment (USA) Inc. betreiben.
Hotelexperten sind sich jedoch darin einig, dass ein Schulterschluss der Marken "Renaissance" und "Stouffer" Synergien schaffen würde. In einem solchen Fall zählte man in den USA gegen 60 Renaissance-Betriebe, womit die kritische Grösse erreicht wäre. Hinzu kommt, dass in New York immer noch kein Stouffer-Hotel zu finden ist, was in Solon im US-Staat Ohio stets als grosser Nachteil gewertet wurde. Renaissance hingegen markiert seit einem Jahr am "Times Square" in Manhattan Präsenz, wenn auch eine sehr teure. Doch an Geld gebricht es den Chengs nicht - und dieses will noch vor 1998 im Ausland angelegt sein.
Erschienen in der Handelszeitung am 8. April 1993