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Kathpedia
Der Gedenktag »Fest der unschuldigen Kinder«
Tradition und Bedeutung
Erfahren Sie hier mehr über die Herkunft und die Bedeutung des kirchlichen Gedenktages »Fest der unschuldigen Kinder«, der in Verbindung zur Weihnachtsgeschichte steht:
Bedeutung
Jedes Jahr am 28. Dezember begeht die Kirche seit dem 6. Jahrhundert das »Fest der unschuldigen Kinder«. Es erinnert an jenen Tag, an dem laut der Bibel König Herodes die Kinder von Betlehem töten ließ – in der Hoffnung, dabei auch Jesus zu erwischen, den er als Konkurrenten ansah (siehe Matthäus 2,13-23). An diesem Tag werden in vielen Gemeinden Kinder sowie deren Eltern gesegnet.
Herkunft
In früherer Zeit war dieses Fest für die Schulkinder ein großer Feiertag, der vor allem in Waisenhäusern und anderen kirchlichen Einrichtungen begangen wurde. So bekamen die Kinder an diesem Tag die Erlaubnis, alles auf den Kopf zu stellen und die Erwachsenen mussten sich nach ihnen richten.
Schüler in Klosterschulen wählten an diesem Tag einen Kinderbischof, der den Tag bestimmte und den Lehrern Verbesserungsvorschläge für die Schule machte. In den Familien schließlich wurde am »Tag der unschuldigen Kinder« zumeist eine spezielles Kinderprogramm veranstaltet.
An diesem Tag steht das Gedenken an die in Betlehem nach dem Bericht des Matthäusevangeliums (2, 16) auf Geheiß von König Herodes ermordeten Kinder im Mittelpunkt. Die Tradition nimmt an, dass es sich um Tausende Kinder gehandelt habe, bis hin zur symbolischen Zahl 144.000 (nach Offenbarung 7, 4 und 14, 1); die armenische Kirche verehrt 462 unschuldige Kinder. In der katholischen Kirche wird das Kind Sicharius namentlich genannt und in der Abtei Saint-Pierre in Brantôme bei Périgeux verehrt.
Erstmals bei Irenäus von Lyon wurden die Kinder als Märtyrer verehrt. Auch Cäsarius von Arles und Augustinus haben die kindlichen Märtyrer gerühmt. In einem Kalender aus Verona Ende des 5. Jahrhunderts, dann 505 in einem Kalender aus Karthago – dem heutigen Vorort von Tunis – wird der Gedenktag im Anschluss an Weihnachten genannt. Reliquien sind in Gallien bereits im 5. Jahrhundert bezeugt. Im Mittelalter wurde der Tag mit Mysterienspielen und in Schulen und Klöstern mit Kinderfesten begangen. Waisenhäuser wurden oft unter den Schutz der Unschuldigen Kinder gestellt.
Auf dem 6. Konzil von Konstantinopel, wurde das festum puerorum, das Fest der Kinder verboten. Ursprünglich wurde dieses Spiel als ein Narrenfest gefeiert, das möglicherweise in der Tradition orientalischer Narrenkönige, römischer Saturnalien und eventuell auch keltischer Tiervermummung stand. Weder das Verbot des Konzils von Konstantinopel, noch die Verbote der Konzilien von Basel oder Trient haben die Tradition abschaffen können. Im 11. Jahrhundert wurde das Fest erstmals im Abendland – in Rouen – gefeiert, es hielt sich in das 18. Jahrhundert. Seit dem 13. Jahrhundert, mit der wachsenden Popularität des Nikolaus als Schülerpatron, bürgerte sich der 6. Dezember als Festauftakt ein, wobei die gesamte Feier entweder bis zum 28. Dezember dauerte oder aber am 28. Dezember abschließende Feierlichkeiten stattfanden.
Bauernregeln:
Sitzen die unschuldigen Kindlein in der Kälte, / vergeht Väterchen Frost nicht in Bälde.
Habens die unschuldigen Kindlein kalt, / so weicht der Frost noch nicht so bald.
Schneit’s am Unschuldigen Kindel, / fährt der Januar in die Schindel.
Der Kindermord in Betlehem
– Faktum oder Fiktion?
Bekannt ist der Kindermord von Betlehem durch die Bibel. Von ihr ausgehend entstand die christliche Überlieferung, der zufolge hinter dem Mordanschlag die egoistische Furcht des Königs Herodes I. stand, durch den geweissagten neuen König der Juden, der in Betlehem zur Welt gekommen sein sollte, die eigene Herrschaft zu verlieren. Da Herodes nicht wusste, bei welchem der Neugeborenen es sich um den Messias handelte, habe er, um sein Ziel ganz sicher zu erreichen, in Betlehem alle Kinder im Alter bis zu zwei Jahren umbringen lassen.
Traditionen
Schon früh kam die Geschichte vom betlehemischen Kindermord auf die Bühne. In mittelalterlichen Magier-, Weihnachts- und Mysterienspielen wurde Herodes zum Prototyp des Bösewichts. Diese Tradition wurde im Zeitalter des Barocks fortgesetzt. Der Stoff vom Kindermord in Betlehem hat immer wieder neue Bearbeiter gefunden. Die bedeutendsten Dramatiker und Erzähler griffen ihn auf.
Als greifbaren Beweis gibt es angebliche Reliquien. Etwa fünf Kilometer westlich von Altötting in Oberbayern liegt in der Gemeinde Tüßling die Wallfahrtskirche Heiligenstatt. In dieser Kirche befindet sich ein Reliquienschatz, dessen auffälligstes Stück eine fast 70 cm hohe, aus Silber gefertigte und vergoldete Reliquienmonstranz aus dem Jahr 1721 ist, die die Fußreliquie eines unschuldigen Kindes birgt.
Die Quelle
Nur im Matthäusevangelium (2, 1 bis 18) wird die Geschichte erzählt von der Huldigung der Magier über die Flucht Josefs mit Maria und Jesus nach Ägypten bis zum Kindermord.
Unklar ist, warum sich in Verbindung mit dem Mord an unschuldigen Kindern das Wort des Propheten Jeremia erfüllt haben soll, der im Zusammenhang mit dem babylonischen Exil das Bild der Erzmutter Rahel beschwört, die im übertragenen Sinn den Verlust ihrer Kinder beweinte, nämlich der 10 Stämme des Nordreiches, die aus der assyrischen Gefangenschaft (722/21 v. Chr.) nicht mehr heimkehrten.
Bekannt ist der Kindermord in Betlehem durch die Bibel, und zwar einzig und allein durch das Matthäusevangelium. Der dort dargestellte Kindermord erscheint fragwürdig, da die Bibel in ihrer Gesamtheit nur mit Vorbehalt als historische Quelle zu benutzen ist und sie keinesfalls als Geschichtsdarstellung geschrieben worden ist. Sie ist also – wissenschaftlich gesehen – weniger als eine Geschichtsquelle; andererseits aber ist sie – jedenfalls für Christen – sehr viel mehr, nämlich Offenbarung und Wort Gottes. Daraus folgte der Unbedingtheitsanspruch der Bibel, wie er jahrhundertelang feststand, und der einen Irrtum von vornherein ausschloss. Doch seit mehreren Jahrzehnten sieht man das anders. Aufgrund sorgfältiger Forschung über die Entstehungsgeschichte werden die einzelnen Bücher und Schriften der Bibel derzeit unterschiedlich beurteilt. So gilt etwa die alte Überlieferung, nach der das Matthäus-Evangelium von Matthäus, einem der zwölf Apostel Jesu, geschrieben wurde, als unmöglich. Es spricht vielmehr alles dafür, dass der Verfasser des Matthäus-Evangeliums später als Jesus gelebt hat, denn er blickt auf die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. zurück und hat offenbar das Markus-Evangelium als Quelle benutzt.
Quellen: Vivat, Heiligenlexikon