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Haus Obertor 32
2016 erfuhr das Haus am Obertor 32 eine grosse Umnutzung. Anstelle der Post und der städtischen Verwaltung ist nach umfassendem, aber schonendem Umbau, im Parterre die Migros eingezogen. In den Stockwerken darüber sind auf der Obertorseite Studentenzimmer entstanden und im Nordteil an der Stadthausstrasse provisorisch Schulzimmer für die Kantonsschule eingerichtet worden.
Das Gebäude Obertorgasse 32 ersetzte mehrere Einzelhäuser zwischen Obertor und Stadthausstrasse und rahmt einen von beiden Seiten erschlossenen Innenhof ein. Den oberen Abschluss bildet ein Satteldach mit Schleppgauben. Das Gebäude stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Altstadt mit verschiedenen Infrastrukturbauten zum Geschäftszentrum aufgewertet wurde. Historische Häuser wurden grossflächig abgerissen und ersetzt, wobei die 1943 erlassene Verordnung zum Schutz des Stadt- und Landschaftsbildes eine sorgfältige Einordnung der Neubauten ins Stadtbild vorschrieb. Das Gebäude, in dem 1950 die Post Obertor eröffnet wurde, gehört zu den frühesten Umsetzungen dieser Vorgaben. Der Bau weist ungefähr die vierfache Breite eines durchschnittlichen Altstadthauses auf, was der Architekt Franz Scheibler durch eine differenzierte Fassadengestaltung thematisiert hat.
Die obertorseitige Steinplattenverkleidung im Erdgeschoss, die gekoppelten Sprossenfenster, die eingeprägten Mauerfelder unter den Fenstern oder die schmiedeeisernen Blumentopfhalter im ersten Obergeschoss zerlegen die Wand in kleine Einheiten und gleichen sie dem Fassadenraster der Nachbarhäuser an. Als Blickfang wirkt in der westlichen Fensterachse ein kleiner Balkon, unter dem sich der Hauseingang befindet. Mit grossen vergitterten Öffnungen präsentierte sich das Postgebäude gegen die Stadthausstrasse. Der Baustil entspricht der Architektur der frühen Nachkriegszeit mit ihrer Vorliebe für belebte Oberflächen und sorgfältiges Handwerk. Franz Scheibler (1898-1960), der zu den führenden Winterthurer Architekten des 20. Jahrhunderts zählt, hat mit dem Posthaus Obertor einen für seine Zeit wichtigen Beitrag zum Thema Bauen in der Altstadt geleistet.
Nachdem 2015 der ganze Hauskomplex geräumt war, die städtischen Büros sind in den Superblock umgezogen, wurde das Haus inklusiv das Hinterhaus an der Stadthausstrasse umgebaut. Das Architektenkollektiv mit Markus Jedele an seiner Spitze nahm sich der Aufgabe subtil an. Das Gebäude war inzwischen als schutzwürdige Baute eingestuft worden. Das Raumprogramm sah vor die ganze Parterreetage bis zur Stadthausstrasse als grossen Raum zu gestalten. Die Migros hat darin ein Grossraumladengeschäft eingerichtet. Der alte Innenhof wurde somit zugedeckt und eine Etage höher neu und schöner eingerichtet.
Die drei Stockwerke über dem Ladengeschäft wurden zu Studentenzimmer umgestaltet. Die Raumeinteilung wurde dabei mehr oder weniger belassen. Zu den pro Stockwerk acht Zimmern gesellt sich ein Aufenthaltsraum mit Küchenkombination und die nötigen Nasszellen. Die geräumigen Zimmer werden an Einzelpersonen vermietet. Wie sie eingerichtet werden und wie viele Personen darin wohnen werden, ist dem Hauptmieter überlassen. Ein interessantes und spannendes neues Konzept. Im Hinterhaus an der Stadthausstrasse hat ein vom Kanton bestimmter Architekt Schulzimmer eingerichtet. Sie dienen als Ersatz-Unterrichtsräume für die Kantonsschule. In den ersten Jahren sind es Schüler der Kantonsschule Büelrain. Sie müssen ihre Provisorien verlassen. Auf deren Grundstück wird ein neues Schulhaus gebaut. Anschliessend ziehen Schüler der Kantonsschule Im Lee ein. Ihr Schulgebäude soll umgebaut werden.