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Als die drei Geschwister in ihrem neuen Zuhause ankamen, hatten sie nichts dabei ausser den Kleidungsstücken, in denen sie an jenem Morgen aufgestanden waren.
Ein Sozialarbeiter, der mit der Regierung zusammenarbeitet, brachte sie zu SOS-Mutter Mats’epe Ts’epe, um dort ein neues Leben in einer neuen Familie zu beginnen. Nach dem Tod ihrer alleinerziehenden Mutter hatten die drei Geschwister monatelang allein in der dünn besiedelten Makhalaneng-Gemeinde am Rande der Hauptstadt Lesothos gelebt.
Von der Verwandtschaft alleingelassen
«Unsere verbleibende Verwandtschaft hat sich fast gar nicht für uns interessiert», erinnert sich Kabelo, die kurz darauf die Schule abbrach. Das patente, selbstbewusste Mädchen fühlte sich unter Druck gesetzt, in die Fussstapfen ihrer Mutter zu treten und sich um ihre Geschwister zu kümmern. Eine natürlich viel zu grosse Verantwortung. Die Kinder hatten nichts zu essen im Haus, ernährten sich von Erde, Blättern, Früchten und was Kabelo und Tabi sonst noch fanden. «Es war schwierig, wie eine Mutter zu sein», erzählt Kabelo. «Mein kleiner Bruder weinte die ganze Zeit. Ihm ging es besser, wenn ich ihn auf den Arm nahm und ihm etwas vorsang. Manchmal wusste ich aber nicht, wie ich ihn beruhigen sollte, wenn er zu sehr weinte.» Der Zustand ihrer Geschwister und ihre eigene Hilflosigkeit machten Kabelo traurig und verzweifelt.
SOS-Mutter Mats’epe Ts’epe fühlte sich emotional erschüttert, als sie die drei Kinder zum ersten Mal sah. «Es war ein trauriger Anblick, die jüngeren Geschwister so verängstigt zu sehen. Sie klammerten sich richtig an Kabelo und nannten sie «Mutter», obwohl sie doch selbst noch ein kleines Kind ist.» Die Eingewöhnung in der neuen SOS-Familie war für Kabelo, Tabi und Telo schwierig. Sie weigerten sich, mit den anderen Kindern zu spielen oder reden und zogen sich immer wieder in ihre Ecke zurück: ein klares Zeichen ihrer Traumatisierung. «Ich liess sie zusammen in einem Zimmer schlafen, bis sie sich entspannten und ausreichend wohl fühlten, mit mir zu reden und getrennte Zimmer zu haben.»
Wie die anderen fünf Kinder in ihrer Obhut gab Ts’epe Kabelo und ihren Geschwistern die Unterstützung, die sie brauchten, um sich sicher zu fühlen und sich auf gesunde Weise und ihrem eigenen Tempo entsprechend von ihrer Vergangenheit zu erholen. Die Wärme und Liebe hat ihnen geholfen, ihr neues Zuhause und ihre neue Familie anzunehmen. «Ich mag meine neue Familie, weil wir gemeinsam spielen, auch mit Mats’epe Ts’epe, und es macht Spass. Wenn wir Hausaufgaben erledigen, tun wir das auch zusammen. Es wird nie langweilig, weil meine SOS-Geschwister so lustig sind», erklärt Kabelo lächelnd. «Wir haben immer genug zu trinken, gutes Essen, und nachts habe ich keine Angst mehr. Wir haben ein glückliches Zuhause gefunden.»
Geschwister: Gesund und glücklich in die Zukunft
«Die Kinder sind jetzt gesund, sie haben zugenommen und ihre Haut hat sich erholt», berichtet SOS-Mutter Ts’epe erleichtert. Mit einem zuverlässigen Erwachsenen in der Nähe, der die Geschwister beschützt und versorgt, konnte Kabelo wieder das werden, was sie ist: ein Kind. Sie geniesst es, mit ihren beiden besten Freundinnen ein Haus zu bauen und zu tanzen. Auch Tabi hat mit dem Zeichnen ein Hobby gefunden, das sie liebt – sie bittet ihre älteren SOS-Geschwister immer wieder um deren Meinung zu ihren Arbeiten. Der dreijährige Telo liebt es, mit seinen Freunden Roller zu fahren. «Ich bin nun in der dritten Klasse und meine Geschwister sind im Kindergarten», sagt Kabelo. «Wenn ich gross bin, möchte ich Krankenschwester werden, damit ich mich gut um andere Menschen kümmern kann.»
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