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Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2, S. 22–36.
Bruno Fischer, unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung
11819: Geburtsjahr Alfred Eschers und Gründungsjahr des
Schweizerischen Zofingervereins. Studierende der Akademie Bern besuchten an Neujahr 1819 in
Zürich die offiziellen
Reformationsfeiern zum 300-Jahr-Jubiläum des Beginns der Zürcher Predigertätigkeit Huldrych Zwinglis und trafen sich mit ihren
Zürcher Studienkollegen. Hier entstand
die Idee, einen solchen Gedankenaustausch zwischen Studenten aus verschiedenen
Akademien zu vertiefen. Man einigte sich darauf, ein Treffen im zentral
gelegenen Aargauer Städtchen Zofingen abzuhalten. Dieses erste
Centralfest, das vom 21. bis 24.
Juli 1819 stattfand, wurde von etwa 60 Studenten der Berner und der Zürcher Akademie besucht. Bereits am zweiten Centralfest 1820 nahmen
neben Berner und Zürcher Studenten auch Lausanner und Luzerner teil,
120 insgesamt. Damit hatte der Verein sprachliche und konfessionelle Grenzen
überwunden und hatte gesamtschweizerische Ausstrahlung gewonnen. Nachdem bereits
am ersten Fest 1819 der studentische Charakter des Vereins festgelegt worden
war, wurden nun weitere grundlegende Beschlüsse gefasst. Mitglied werden konnte
jeder Schweizer, der das 17. Altersjahr zurückgelegt hatte und eine höhere
Lehranstalt besuchte. Der Verein gliederte sich in Sektionen, eine an jedem Ort,
die regelmässige Sitzungen abhielten. Die Verbindung zwischen den Sektionen
hielt ein Centralausschuss aufrecht, den die Sektionen abwechselnd stellten.
Höchstes Gremium war die Festversammlung am alljährlich in Zofingen gehaltenen Centralfest.1
2Der Verein hatte kein unmittelbares parteipolitisches
Handeln zum Ziel. Sein Zweck bestand im wesentlichen darin, «durch Einigung der
gleichgesinnten Studirenden zur Einigung des ganzen Volkes beizutragen und diese
für das Vaterland zu bilden».2 Eine
Vereinigung von Mitgliedern verschiedener höherer Lehranstalten und die damit
verknüpfte Betonung des Vaterländischen war damals auf akademischem Gebiet für
die Schweiz etwas Neues. Darin zeigte sich der Geist anderer nationaler Vereine
und der Geist des Aufbruchs, der in liberalen, fortschrittlichen Kreisen als
Reaktion auf die Jahre der Restauration (1814–1830) in der Schweiz festzustellen
war. In einer Zeit, die politisch durch eine konservative Grundtendenz und
kantonalen Egoismus geprägt war, verhiess der Zofingerverein mit seinen Idealen
der Vaterlandsliebe, der Freiheit und der Freundschaft seinen Mitgliedern neuen
Glauben an die Zukunft. Ähnlich dem Zofingerverein als Zusammenschluss
schweizerischer Studierender wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
auch andere Vereine mit gesamtschweizerischer Ausrichtung gegründet.3 Diese überkantonal ausgerichteten Zusammenschlüsse
spielten als Hort des nationalen Gedankengutes eine wichtige Rolle bei der
Entstehung des schweizerischen Bundesstaates von 1848.
3Von einer Fixierung des Vereinszwecks wurde im
Zofingerverein ursprünglich abgesehen. Als Devise des Vereins setzte sich ab
1827 «Vaterland, Freundschaft, Wissenschaft» durch. 1834 schliesslich wurde in
den Statuten der Zweck wie folgt festgehalten: «§ 1. Der Zofinger-Verein hat zum
Zweck das Wohl des Vaterlandes. § 2. Er knüpft zwischen den Studirenden der
verschiedenen Theile der Schweiz Bande der Freundschaft und Verbrüderung zur
Begründung eines nationalen Sinnes und zur Erwerbung der Tugenden und
Kenntnisse, deren sie wegen ihres Zweckes bedürfen.»
4 Der gesellige Aspekt, der einen wichtigen Bestandteil der
Centralfeste bildete, spielte stets eine grosse Rolle. Bedeutende
Elemente des Vereins waren im 19. Jahrhundert zudem die Pflege von Gesang und
Turnen, wie denn den Zofingern ein grosses Verdienst um die Ausbreitung und
Popularisierung des Turnens in der Schweiz zukommt.
4Im Herbst 1835 wurde in Eschers Gymnasialklasse die Frage
des Eintritts in den Zofingerverein diskutiert. Manche Klassenkameraden Eschers
entschlossen sich zu diesem Schritt. Escher selbst hatte das für den Eintritt
notwendige Mindestalter noch nicht erreicht. Zudem war er wohl noch gar nicht an
einem Beitritt interessiert, hatte er doch, wie ihm 1837 bei seiner Aufnahme
angekreidet wurde, «früher falsche Vorstellungen»5 über den Verein. Skepsis herrschte auch bei
Eschers Kameraden aus den konservativen Stadtzürcher Familien, galt doch der Zofingerverein mit seinem
nationalen Anspruch als politisch liberal, und auch der studentische Umgang
wurde mit Argwohn betrachtet. Der Einfluss deutscher Burschenschaften stellte einen potentiellen Unruheherd dar.
So verboten etwa die
Eltern
von
Friedrich von Wyss ihrem Sohn
vorerst den Beitritt. Gründe boten ihnen zwei Vorfälle, die ein schiefes Licht
auf den Verein und die Studenten warfen: Die Ermordung des deutschen Studenten Ludwig Lessing Anfang November 1835 bewegte die
Öffentlichkeit weit über Zürich
hinaus, und im Zofingerverein selbst war Eschers Mitschüler Caspar Honegger durch Messerstiche verwundet
worden.6 Auf Initiative Eschers
gründeten die Gymnasiasten nun einen «literarischen Verein» (Gymnasialverein),
der bis zu den Maturitätsprüfungen fortgeführt wurde.7 Im
Frühjahr 1837, gleich nach dem Übertritt an die Universität, bewarb sich Escher
dann um die Mitgliedschaft im Zofingerverein. Gemeinsam mit Friedrich von Wyss, der nun die väterliche Zustimmung erhalten
hatte, und Zwingli Wirth war er am
28. April 1837 das erste Mal, als Aufnahmekandidat,
an einer Sitzung anwesend.8 Am 19. Mai 1837 wurde die
Aufnahme der drei Kandidaten besprochen. Escher wurde von den drei bisherigen
Mitgliedern Julius
Conrad Escher, Anton
Theodor Wegelin und Albert
Kölliker empfohlen. Als er gewählt werden sollte, entspann sich
zunächst eine Diskussion wegen Zweifeln an seiner charakterlichen Eignung, da
neben lobenden Worten einer der ihn Empfehlenden bemerkt hatte, Escher habe eine
etwas zu hohe Meinung von sich selbst. Nach den Worten von
Carl Rudolf Sinz, Mitglied der
Zofingersektion Zürich, soll zu dieser
Zeit «viel schlimmes über [Escher] im Umlauf» gewesen sein. Da aber niemand die
Vorwürfe zu konkretisieren vermochte und sich die Mehrheit zudem auf den
Standpunkt stellte, dass der Umgang im Verein einen positiven Einfluss haben
werde, wurde Escher in den Verein aufgenommen.9
5Im September 1837 nahm Escher erstmals am Centralfest in
Zofingen teil. Dieses
Zusammentreffen national gesinnter Studenten aus verschiedensten Teilen der
Eidgenossenschaft scheint auf Escher, wie der Basler Zofinger
Daniel Ecklin feststellte, «einen
tiefen Eindruck gemacht» zu haben. Zu demselben Schluss kam Eschers Schulfreund
Johann Jakob Tschudi,
nachdem ihm Escher vom Fest berichtet hatte: «Glaube mir das Zoffingerfest hat
eine weit größere Veränderung in dir hervorgebracht, als du selber glaubst; o
halte jene Gesinnungen fest, die dir mit feurigen Buchstaben in die Seele
gegraben zu sein scheinen, gewiß wirst du mit ihnen glüklich, vielleicht
glüklicher als ich mit den Meinigen; meine frühere Abneigung gegen jenen Verein
als gesellschaftliches Ganzes nicht als Vereinigung der Individuen, hat meine volle Achtung gewonnen, seit ich deine Urtheile
über denselben kenne; durch deine Aufnahme ist er, ich meine es in ernstem
u. hohem Sinne, nur geadelt worden.»10 Auch Sinz
zeigte sich vom Besuch dieses Festes tief beeindruckt: «Ich fand in
Zofingen, was ich im Zofingervereine
nach seiner Idee suchte, aber in unserer Sektion nie finden konnte
u. immer mit Wehmuth vermissen mußte. – Ich begann, geleitet
durch die Vorfälle im Vaterlande, nach u. nach an unsrer
Nationalität zu verzweifeln; aber Zofingens Tage haben in mir den heiligen Glauben an sie wieder
aufgerichtet.»11
6Im November 1837 wurde Escher zum Korrespondenten der Zürcher Sektion mit der Sektion Lausanne gewählt.12 Er nahm sich dieser Aufgabe mit
Begeisterung an und sandte zwei Wochen nach seiner Wahl ein ausführliches
Schreiben an die Waadtländer. Darin griff
er staatspolitische Themen auf und äusserte sich über die Problematik einer
schweizerischen Nationalität. Er legte der französischsprachigen Sektion dar, dass verschiedene Sprachen kein
Hindernis für eine gemeinsame Nationalität seien. Vielmehr gelte es solche
bestehenden Individualitäten zu bewahren, denn bei aller äusseren
Verschiedenheit in Sprache, Sitte, Bildung, Verfassung oder Regierung sei ihnen
allen der innere Wille gemeinsam, Schweizer zu sein.13 Eschers Hoffnungen auf einen regen
Austausch wurden allerdings nicht erfüllt: Der einzige überlieferte Brief an die
Lausanner nach jenem von November
1837 stammt vom 21. März 1838 und ist zugleich sein
Abschiedsbrief an die Waadtländer Sektion.
Darin bedauerte er, dass die Verbindung nicht enger geworden sei, tröstete sich
aber damit, dass die Schuld dafür weder bei seiner Sektion noch bei ihm selbst
liege.14
7Im Herbst 1837 beschäftigte sich in der Sektion Zürich eine Kommission mit der Frage, wie
wissenschaftliches Arbeiten im Rahmen des Zofingervereins gefördert werden
könne, so dass «der wissenschaftliche Geist die vaterländischen Studien
durchdringen u. die nationalen Elemente hinwieder ins
wissenschaftliche Streben des Zofingers sollen aufgenommen werden».15 Als die Kommission keine
positiven Resultate präsentieren konnte, griff Escher gemeinsam mit
Johann Jakob Blumer ihre
Arbeit scharf an. Sie präsentierten einen Vorschlag, wissenschaftliche Arbeiten
zu fördern, indem besonders gelungene gedruckt und dadurch einem breiten
Publikum zugänglich gemacht werden sollten. Dieser Gedanke wurde von der Sektion
abgelehnt, weil er Geltungsdrang fördere und es nicht Zweck des Zofingervereins
sei, nach aussen zu wirken. Man einigte sich darauf, gelungene Arbeiten in
gedruckter Form allen Zofingersektionen zur Verfügung zu stellen, um so die
wissenschaftliche Diskussion innerhalb des Vereins zu fördern. Escher und Blumer griffen zudem eine
bereits einige Jahre zuvor durch den Verein umgesetzte, damals aber nur
kurzlebige Idee auf: die Bildung von Fakultätsgesellschaften zur Förderung des
wissenschaftlichen Strebens. Der Furcht vor einer Zersplitterung des
Gesamtvereins durch Aufteilung der Mitglieder in solche Gesellschaften hielt
Escher entgegen, dass gerade durch den Austausch zwischen den
Fakultätsgesellschaften verschiedener Hochschulen der Zusammenhalt gestärkt
würde und diese engen fachlich-wissenschaftlichen Verbindungen den grossen Bund
des Zofingervereins eher förderten als konkurrenzierten. Escher erläuterte die
Idee der Fakultätsgesellschaften in einem Brief an die Sektion Bern von Anfang Februar 1838, wo sie «einigen Anklang»16 fand. Nachdem aber mit
Escher und Blumer «die Seele
der ganzen Bestrebung»17 im Frühjahr
aus der Sektion ausgetreten war, wurde die Idee nicht weiter verfolgt.18
8Auf das Sommersemester 1838 hin verliess Escher die
Universität Zürich, um sein
Studium in Bonn und später in Berlin fortzusetzen. Damit ging
automatisch der Austritt aus der Zürcher
Sektion des Zofingervereins einher. Wie Escher, der im Jahresbericht als
«jugendlich begeistert u. kräftig im Auftreten»19 charakterisiert wurde, gingen
weitere 18 Vereinsmitglieder von Universität und Zofingersektion
fort, darunter verschiedene den Verein prägende Figuren.20 Am 17. März blieben die
Zofinger bis lange nach Mitternacht zusammen, um sich von diesen eifrigen und
tätigen Mitgliedern zu verabschieden.21 In seinem Abschiedsbrief an die Lausanner Sektion schrieb Escher am 21. März wehmütig: «Aus der Mitte einer Verbindung
soll ich scheiden, die mich dahin gehoben, wohin ich mich ohne sie nimmer
erhoben hätte!»22
9Über die Situation im Zofingerverein nach seiner Abreise
wurde Escher durch Sinz, der
das Sommersemester noch in Zürich
zubrachte, auf dem laufenden gehalten. Die wöchentlichen Sitzungen seien von
kaum der Hälfte der Mitglieder besucht worden; das Vereinsleben war von
Spannungen geprägt. Diese Spannungen und ihre Hintergründe sowie die jeweiligen
tragenden Personen waren Escher wohl bekannt, denn sie hatten schon im Vorjahr
bestanden, waren aber zumindest im Wintersemester nicht offen ausgebrochen. Man
unterschied vereinfachend zwischen Tätigen und Untätigen, zwischen
Wissenschaftlichen und Gemütlichen, zwischen Leuten des ersten und Leuten des
zweiten Aktes. Der damalige Theologiestudent und Zofinger
Kaspar Lebrecht Zwicky
schrieb in seinen Jugenderinnerungen: «Unter den Zofingern machte sich übrigens
eine ernstere und eine heitere Fraktion geltend. Die Repräsentanten der ersteren
waren natürlich die Theologen, [...] die Repräsentanten der andern mehr die
Mediziner.»23 Im Sommer 1838 wurde
die Uneinigkeit bei Wahlen, etwa für die Sektionsleitung oder den Redner am
Centralfest, offensichtlich. Gestritten wurde aber auch über das
Aufnahmeverfahren. Die eine Gruppe wollte das Verfahren möglichst einfach
gestalten und so viele Mitglieder wie möglich aufnehmen. Denn zum einen sollte
der Zofingerverein als schweizerischer Verein allen Studenten offenstehen, zum
andern könnten die neuen Mitglieder im Verein gebildet und gefördert werden. Die
andere Gruppe wollte sicherstellen, dass bereits durch die an neue Mitglieder
gestellten Anforderungen sittlich, geistig und moralisch ein hohes Niveau
gewährleistet sei. Nach teilweise hitzigen Diskussionen einigte man sich auf ein
Aufnahmeverfahren, bei dem ein Kandidat sich mit einem Aufsatz über den Zweck
des Vereins und seine Motivation für den Eintritt bewerben sollte. Auf einen
förmlichen Wahlakt wurde verzichtet, doch konnte ein Mitglied bei unpassendem
Verhalten wieder aus dem Verein gewiesen werden. Andere Sektionen kritisierten
dieses Aufnahmeverfahren vehement, da sie erwarteten, dass nun jedermann dem
Verein beitreten könnte. Sinz
hingegen sah gerade durch diesen freieren und selbständigeren, zugleich aber
strengeren Akt die Gefahr der Aufnahme der gesamten Studentenschaft abgewendet
und erwartete, dass nun zwar weniger, aber «kräftigere» Mitglieder in den Verein
kommen würden. Tatsächlich ging – aus verschiedenen Gründen – die Anzahl
Neueintritte in den kommenden zwei Jahren derart stark zurück, dass im Juni 1840
das Verfahren wieder geändert und auf Einreichung eines Bewerbungsaufsatzes
verzichtet wurde.24
10Der von der Sektion Bern gestellte Centralausschuss unter Präsident Friedrich Isenschmid
25 hatte im Sommer 1838 die Frage angeregt, ob
der Zofingerverein einen Männerverein bilden solle, das heisst einen Verein für
die ins praktische Leben übergetretenen Mitglieder, die damit den Zofingerverein
als Studentenverbindung verlassen mussten. Denkbar war auch der Anschluss der
ehemaligen Mitglieder an einen bereits bestehenden Verein mit vergleichbarem
Gedankengut. Anders als Escher erachtete Sinz die Helvetische Gesellschaft aufgrund
ihrer allgemeinen nationalen Ausrichtung als geeignetes Vorbild.26 Im Zofingerverein
beschäftigte man sich schon seit den 1820er Jahren mit der Frage, wie ehemalige
Mitglieder am Vereinsleben beteiligt werden sollten. Ins bürgerliche Leben
übergetretene Zofinger waren als sogenannte Ehrenmitglieder
weiterhin mit dem Verein verbunden und wurden regelmässig an die Centralfeste
eingeladen. Verschiedene Sektionen bildeten kantonale Männervereine; als
Gründungsjahr eines Bundes ehemaliger Zofinger auf eidgenössischer Ebene gilt
das Jahr 1861, und erst ab 1872 ersetzte die Bezeichnung «Altzofinger» jene als
Ehrenmitglied.27
11Die ins Ausland ziehenden Studenten hofften, auch fern
der Heimat das zu finden, was sie am Zofingerverein schätzten. Vor der
gemeinsamen Abreise nach Deutschland,
im Frühjahr 1838, freute sich Blumer in einem Brief an Escher, in Bonn mit Johannes Wolf
einen Freund anzutreffen, dessen Umgang dazu beitragen würde, «das Vaterland [...]
in lebensfrischer Erinnerung u. unsre zofingerischen Ideale [...] in
regem Bewußtseyn zu erhalten».28 Escher unternahm während seiner Studiensemester im
Ausland den Versuch, eine Zofingersektion zu bilden, war damit aber weder in
Bonn noch in Berlin erfolgreich. Als Gründe nannte er Altersfrost
und praktischen Verstand, welche die Zofingeridee als jugendliche Träumerei
betrachteten, die beim Eintreten ins Mannesalter zwangsläufig verschwinde.29 Doch auch ohne formelle Vereinssektion pflegten die
Schweizer Studenten im Ausland – unter ihnen viele Zofinger – die Freundschaft
zwischen Studenten aus allen Gegenden der Schweiz und wurden somit einem
zentralen Gedanken des Zofingervereins gerecht. Die Studenten hielten fröhliche
Zusammenkünfte in Kneipen oder ihren Wohnungen, unternahmen gemeinsame Ausflüge,
und auch das Turnen wurde von den Schweizern in ihren Auslandsemestern gemeinsam
betrieben
. Nicht immer löste jedoch gemeinsames Turnen und Kneipenabende bei den
Schweizern Begeisterung und Zufriedenheit aus. So beklagte Jakob Escher im Sommer 1838 den Mangel
an geselligem Beisammensein der Schweizer, vor allem weil manche «eine wahre
Gemüthlichkeit stören würden», man sie aber nicht von einem schweizerischen
Beisammensein ausschliessen könne.30 Auf dem Turnplatz, in ihren
Stammkneipen oder ihren privaten Logis trafen sich jene Schweizer, die sich
treffen wollten, ohne dabei fest organisierte Gruppen zu bilden, während auf die
Anwesenheit mancher Schweizer gerne verzichtet wurde. Blumer meinte dazu: «Der Patriotismus
verlangt doch wohl nicht, daß man sich in grosser Zahl zusammen langweile.»31 Der Aufenthalt an den
deutschen Universitäten bot aber
auch Gelegenheit, Auswüchse des dort verbreiteten Corpswesens zu beobachten, das
als abschreckend empfundene Eigenart deutschen Studentenlebens erlebt wurde, dem sich aber auch Schweizer
anschlossen. Dabei wurde viel gefeiert und Alkohol konsumiert; man duellierte
sich und vernachlässigte gleichzeitig seine Studien. Im Zofingerverein –
geselligem und auch trinkfreudigem Beisammensein nicht abgeneigt – hatte man
sich gegen gelegentlich auftretende Einflüsse deutscher Studentensitten gewehrt. Der Aufenthalt
an deutschen Universitäten war
geeignet, die Schweizer in dieser Haltung zu bestärken
, wie verschiedene
Schilderungen in den Studentenbriefen belegen.32 So beteuerte denn Escher nach
seiner Rückkehr in einem Brief an die Berner
Sektion Ende Juli 1839, dass ihm der Zofingerverein «nach genauer Vergleichung
seines Wesens und s. Tendenzen mit denen anderer
Studentenverbindungen außer dem Vaterlande nur theurer geworden ist».33
12Die Zeit um die Mitte der 1830er Jahre gilt als
eigentliche Blütezeit des Vereins; in Vereinsgeschichten wird dieser Zeitraum
als die «goldenen Jahre» des Zofingervereins bezeichnet.34 Getragen von einigen herausragenden
Mitgliedern, wurde voller Enthusiasmus und Begeisterung der Vaterlandsliebe als
ewigem Ideal des Vereins gelebt, Sittlichkeit und Individualität
seiner Mitglieder hochgehalten und der Verein geradezu mystifiziert. Nach dem
Austritt der Mehrzahl dieser Mitglieder und unter dem Eindruck der politischen
Zeitereignisse trat Ende der 1830er Jahre Ernüchterung ein, und die prosaischere
Richtung im Verein erstarkte. Verglichen mit den in den Jahren davor
herrschenden Verhältnissen, als viele Mitglieder ihre Beiträge zu einem regen
Vereinsleben leisteten, vielfältige wissenschaftliche und literarische
Leistungen erbracht wurden und sich die Mitglieder durch Gefühle starker
Freundschaft verbunden fühlten, mochte das Jahr 1839 als regelrechtes Krisenjahr
erscheinen. Schon im Vorjahr waren aufgrund unterschiedlicher Ansichten über den
Zweck des Zofingervereins und über die Ausrichtung des Vereinslebens Spannungen
aufgetreten. Der Verein befand sich in einer Identitätskrise, und etliche der
weniger werdenden Vereinsmitglieder zeigten geringes Interesse, aktiv zur
Besserung dieser Situation beizutragen.35 «Von allen Vereinsabtheilungen hatte diejenige in Zürich den höchsten Flug genommen; sie that
nun auch den tiefsten Fall. Es hatte sich hier in Opposition gegen die
ernst-ideale Richtung eine Partei der Fröhlichen gebildet»36, die sich unverstanden fühlte und die
Sitzungen schliesslich ganz mied. Die Sektion schien im Sommer 1839 gar der
Auflösung nahe.37
13Escher selbst kehrte nach dem in Berlin verbrachten Wintersemester im Frühjahr 1839
nach Zürich zurück, um hier sein
Studium fortzuführen, und trat im Mai wieder der Zürcher Zofingersektion bei.38 Der
Jahresberichterstatter von 1838/39 drückte die Freude aus über die Rückkehr des
«eifrigen, wißenschaftlich gediegenen, für das Vaterland begeisterten Alfred
Escher [...], der die Kraft hatte, einen hohen Zofingersinn wieder zu begründen
u. vereint mit uns in‘s Leben zu rufen».39 Nachdem er in Zürich eingetroffen war, hatte Escher «nicht die
erbaulichsten Nachrichten» über den Zustand des Zofingervereins erhalten. Er
konnte sich in den ersten Wochen nach seiner Rückkehr kein eigenes Bild von den
Verhältnissen im Verein machen
, da er als Folge der in Berlin überstandenen Augenkrankheit seine Gesundheit
schonen musste.40 Erst
gegen Ende Juni konnte Escher wieder den Sitzungen des Vereins beiwohnen.41 In seinem Brief an die Berner Sektion von Ende Juli 1839 konstatierte er, dass
sich die Verhältnisse des Vereins im Jahr seiner Abwesenheit stark verändert
hätten, verzichtete aber auf eine Beurteilung.42
14Nachdem Escher wieder am Vereinsleben teilnehmen konnte,
bemühte er sich, den Verein in einen besseren Zustand zu bringen. Sein Freund
Blumer wusste aus
Eschers Berichten von der «Trägheit und Gleichgültigkeit» eines grossen Teils
der Mitglieder. Er erwartete aber, dass bis zu seiner eigenen Rückkehr im Herbst
1839 dank Escher schon eine wesentliche Besserung und allenfalls eine
Verringerung der Mitgliederzahl zugunsten einer aktiveren Teilnahme eingetreten
sein werde. In dieser Hinsicht hielt denn Sinz den von den Schulbehörden verfügten
Ausschluss der Gymnasiasten aus dem Zofingerverein für eher heilsam.43 Tatsächlich wirkte sich die Beschränkung auf die
Studenten positiv aus: «Die academische Freiheit gestattete ungezwungenere
Geselligkeit, die sich allerdings erst von dem Zeitpunkte an formenreicher
gestaltete, als den Gymnasiasten der Eintritt verboten war.»44 Und so konnte Escher schon Anfang August
konstatieren, dass sich im Verein mehr Leben entwickelte, und das von Blumer kritisierte
«Heldentum», das vor allem von den älteren Medizinstudenten ausging, war im
Abnehmen begriffen.
15Im Frühjahr 1839 besprachen sich die Studierenden der
Zürcher Universität in der
Form einer allgemeinen Studentenversammlung über die Reaktion der Studenten auf
Bestrebungen gewisser politischer Kreise, vermehrt Einfluss auf
Professorenwahlen auszuüben, und auf Forderungen nach Aufhebung der
Universität.45
Dieses gemeinsame Auftreten eines grossen Teiles der
Studentenschaft weckte nun offensichtlich den Wunsch, einen möglichst die
gesamte Studentenschaft umfassenden «Allgemeinen Studentenverein» ins Leben zu
rufen. Im Zofingerverein war das Verhältnis zu diesem in Entstehung begriffenen
Studentenverein schon bald «die Quelle heißer Erwartungen zugleich
u. banger Besorgniße».46 Manche Mitglieder wollten den
Zofingerverein gar mit dem Allgemeinen Studentenverein vereinigen. So hielt Blumer aufgrund der
Informationen, die er in Berlin
erhielt, den Zustand des Zofingervereins nicht zuletzt deshalb für wenig
glänzend, weil der geplante Studentenverein in einer gewissen Opposition zu
diesem zu stehen schien. Allerdings erhofften sich viele Studenten in dieser
neuen Vereinigung «eigentlich weiter nichts als ein fideleres Kneipen» als im
Zofingerverein – was mit ein Grund gewesen sein dürfte, weshalb eine Kommission,
die eingesetzt worden war, um den Zweck der Vereinigung festzuhalten, sich mit
dieser Aufgabe schwertat.47
Das Interesse am Allgemeinen Studentenverein liess denn im Laufe des Sommers
1839 wieder nach; eine formelle Gründung scheint nicht zustande gekommen zu
sein.48 Auf
das mitunter schwierige Verhältnis des Zofingervereins zur übrigen
Studentenschaft ging Escher an seiner Abschiedsrede als Zürcher Sektionspräsident ein; er begrüsste, dass
grundsätzliche Widersprüche zwischen Zofingerverein und Studentenschaft behoben
worden seien, stellte aber zugleich klar, dass sich der Zofingerverein immer
seiner Selbständigkeit bewusst sein und immer eine unerlässliche Differenz zu
einem Allgemeinen Studentenverein bestehen müsse.49
16Anfang November 1839, in der ersten Sitzung des
Wintersemesters 1839/40, wurde Escher «seiner Umsicht, Gewandtheit
u. Energie wegen»50 zum Präsidenten der Sektion Zürich gewählt. Mit ihm in die Sektionsleitung gewählt wurden David Fries (Vizepräsident) – der,
wie sich der Jahresbericht ausdrückt, «mit seiner ruhigen Festigkeit
u. Tiefe» Escher «gleichsam als Modulator» zur Seite gestellt
wurde –, Blumer (Aktuar),
Friedrich Schweizer
(Vizeaktuar) und Heinrich Hirzel
(Quästor).51 In der
Antrittsrede legte Escher seine Vorstellungen von der Zukunft des Vereins dar.
Nicht Taten und Schöpfungen, sondern die Entwicklung und Bildung der
Individualität seiner Mitglieder sollte der eigentliche Zweck des Vereins sein,
und so sollten diese ihre ganze Persönlichkeit in den Verein einbringen. Da
Escher die Schranken, die den Zofingern durch ihre äusseren Verhältnisse – die
sie zum praktischen Wirken nicht befähigten – gesetzt wurden, als ausreichend
erachtete, legte er Wert darauf, jegliche geistigen Bestrebungen zuzulassen. Als
besonders würdige Beschäftigung hob er die Behandlung vaterländischer und
politischer Fragen von allgemeinem Interesse hervor. Auch sollte jugendlicher
Frohsinn geweckt und genährt werden.52 In letzterer Hinsicht durfte Escher im
Januar 1840 feststellen, dass die Idee immer mehr Anklang finde, dass eine dem
jugendlichen Alter und dem Studentenleben angemessene Fröhlichkeit nicht nur dem
Vereinszweck nicht widerspreche, sondern gar einen grossen Gewinn für den Verein
darstelle.53
17Zusammen mit Blumer prägte Escher in diesem Jahr das
Leben im Zürcher Zofingerverein.54 Unter dem
Präsidium Eschers nahm die Frage nach der Bedeutung der Politik und politischer
Diskussion im Zofingerverein einen zunehmend hohen Stellenwert ein. Dies war zum
einen eine Reaktion auf die Identitätskrise des Vereins, zum andern waren die
Auslöser dieser Diskussion mit den Vorfällen in Zürich
im Jahr 1839 nicht zuletzt von aussen an
den Verein gelangt. In dieser politischen Richtung trat die vaterländische
Tendenz des Vereins klar hervor. Doch ging es nun nicht darum, mit starken
Gefühlen hohe Ideale zu beschwören, sondern es sollte eine streng
wissenschaftliche Bearbeitung dieser Fragen angeregt werden.55 Bereits Ende Juli 1839 erläuterte Escher in einem
Brief an die Berner Sektion, dass
Verantwortung gegenüber dem Staat es erfordere, politische Diskussionen zu
führen, dass diese aber nicht in einem Meinungszwang resultieren dürften.
Vielmehr plädierte er dafür, abweichende Ansichten willkommen zu heissen und zu
prüfen.56 Escher stellte sich auf den
Standpunkt, dass zwar der Verein nicht politisch aktiv auftreten dürfe und sich
von der Tagespolitik fernhalte sollte, dass es aber unumgänglich sei, im
Zofingerverein, zu dessen Aufgaben die Ausbildung der Persönlichkeit der
Vereinsmitglieder gehört, mittels politischer Diskussionen die Entwicklung der
individuellen politischen Richtung zu fördern. Im Januar 1840 schrieb er dem
Centralausschuss, es sei «eine Frage der Zeit [...] geworden, in wiefern Politik
Gegenstand der Thätigkeit des Z.V. werden könne». Politische
Diskussion war für Escher, wie er weiter ausführte, eng mit den im
Zofingerverein zentralen Aspekten Freundschaft und Vaterland verknüpft: «Ohne
offenen Ideenaustausch über polit. Dinge konnte ich mir keine wahre
Freundschaft unter den Zofingern denken, Gleichgültigk.[eit] für den
polit. Zustand des Vaterlandes u eine gegenseitig
zu beobachtende aufgedrungene Indifferenz für denselben schien mir die Negation
der so oft erwähnten Vaterlandsliebe zu sein.» Im Juni 1840 las Escher der
Sektion einen Aufsatz vor: «Unser Freistaat in seiner Möglichkeit in der
Zukunft». In diesem Vortrag wies er darauf hin, dass in einem wahren Freistaate
das Staatsbewusstsein fortwährend Gemeingut aller Bürger sein müsse und die
republikanische Verfassung die höchsten Anforderungen an die geistige Kultur des
Volkes stelle.57
18Manche Mitglieder vermochten sich nicht damit
anzufreunden, dass politische Fragen unter Escher im Verein eine zentrale Rolle
spielten. Sie sahen dies als Ausdruck eines zu grossen Einflusses der Juristen.
Gerade von seiten der jüngeren Mitglieder wurde gewünscht, dass man sich im
Verein weniger auf das Mannesalter vorbereiten als vielmehr im Jünglingsalter
leben solle. Andere kritisierten, dass die Behandlung politischer Fragen zu sehr
am aktuellen Tagesgeschehen orientiert sei.58 Bei aller grundsätzlich geäusserten
Meinungstoleranz musste dies nicht zuletzt jene abschrecken, welche die
politischen Ansichten Eschers, Blumers und der Mehrzahl der Zofinger nicht teilten. So kehrte etwa
der konservative Stadtzürcher
Friedrich von Wyss Anfang
1840 dem Verein den Rücken.59
Damals radikal-liberal gesinnte
Studenten wie Blumer
hingegen setzten, gerade nach dem konservativen Putsch in Zürich 1839, für die Zukunft der Schweiz grosse
Hoffnungen auf den Zofingerverein bzw. auf jene Persönlichkeiten,
die in seinem Schoss ihre politischen Ansichten entwickeln konnten.
19Die theoretische Auseinandersetzung mit politischen
Fragen und wissenschaftliche Anregungen sollten der Hebung des Vereinslebens
dienen. Eine zur Diskussion geeignete Frage war jene der Bildung einer
eidgenössischen Hochschule. Ausgehend von einer Anregung der Lausanner Sektion, hatten sich die Zofinger bereits im
Sommer 1839 mit dieser Idee beschäftigt. Besonders in Zürich gewann die Diskussion unter dem Eindruck
der Geschehnisse um den Straussenhandel und David Bürgis Motion zur Abschaffung der Zürcher Universität an Bedeutung.
Escher stand dem Gedanken einer eidgenössischen Hochschule sowohl in der Idee
wie auch der Ausführbarkeit eher skeptisch gegenüber: er befürchtete eine
Schädigung der bestehenden kantonalen Hochschulen, Benachteiligung der deutschen oder der französischen Sprache und Neid zwischen den als
Standort in Frage kommenden Städten. Am Centralfest in Zofingen im September 1839 forderte David Fries, der Redner der Sektion Zürich, den Verein dazu auf, sich mit allen
Kräften für die Bildung einer eidgenössischen Universität einzusetzen – einer
Neugründung, die alle Schweizer Studenten vereinigen würde, statt sie auf
mehrere Hochschulen aufzuteilen.60 Als Entgegnung auf die Rede
von Fries verfasste Escher im Laufe
des Wintersemesters einen Aufsatz, in dem er seine Position darlegte. Da seiner
Ansicht nach die bestehenden Universitäten von Bern oder Zürich den nationalen Keim bereits in sich trugen, gelte es diesen zu
fördern, damit die kantonalen Hochschulen zu nationalen Hochschulen würden.61 Die Haltung mancher Zürcher, die Zürcher
Universität ins Zentrum der Diskussion zu rücken, stiess bei den
nichtzürcherischen Zofingern auf Ablehnung. Sinz, der im Grunde den Wunsch teilte, dass
sich die Universität in Zürich zu
einer eidgenössischen wandeln würde, sah gerade durch diese aus seiner Sicht
überhebliche und egoistische Haltung der Zürcher die Idee gefährdet und hielt die Schaffung einer
eidgenössischen Universität «an einem Viert-Orte, der zur Eifersucht nicht
besondre Nahrung bietet», wie etwa dem zentral gelegenen Luzern, für realistischer.62
Blumer war mit Escher darin
einig, dass der Zofingerverein nicht aktiv werden dürfe. Er wollte aber für die
Zukunft unbedingt an der Idee einer schweizerischen Gesamthochschule festhalten
und sah die Konzentration aller studierenden Schweizer an einer einzigen
Hochschule als «Mittel zur Belebung schweizerischen Nationalgefühls
u. Ausrottung des erbärmlichen Kantönligeistes», womit der
Zweck des Zofingervereins in höherem Masse erreicht wäre, als dieser selbst es
vermochte. Bestärkt fand sich Blumer durch Äusserungen des Berliner Historikers Leopold
Ranke. Dieser hatte ihm erklärt, sich über das Fehlen einer
schweizerischen Gesamthochschule zu freuen, «weil dadurch die Schweiz immer in
einer gewissen Abhängigkeit von Deutschland erhalten werde».63
20Es war nicht nur der Zustand der Sektion Zürich, sondern jener des Gesamtvereins,
der Ende der 1830er Jahre Anlass zu Sorge gab. Es herrschte Uneinigkeit über die
Bestimmung des Vereins, und die Beteiligung an den Sitzungen liess vielerorts zu
wünschen übrig. «In solcher Zeit der Erschlaffung und Entmuthigung bedurfte es
nicht geringer Energie, um das Vereinsschifflein durch die Klippen zu steuern.
Unglücklicherweise fehlte diese dem Centralausschuss des Jahres 1839/40.»64 Escher als Präsident der Zürcher Sektion begnügte sich daher nicht damit, seiner
eigenen Sektion zu mehr Leben zu verhelfen. Er wollte den Centralausschuss,
bestehend aus den Genfern
Elysée Chenaud, Henri-Frédéric Amiel und
Auguste Rieu, dazu anregen, den
Zustand des Gesamtvereins zu verbessern, und war unzufrieden, dass sie dazu
nicht aktiver wurden. Wiederholt trug er seine Unzufriedenheit im Namen der
Sektion in den Centralausschuss. Er führte den Mitgliedern des Ausschusses ihre
Versäumnisse unverblümt und fundiert vor Augen, unterschied dabei aber sehr wohl
zwischen den von ihm als Zofingerfreunde geschätzten Personen und ihren
Leistungen als «Bundesräthe»
.65
21Für die Sektion Zürich konnte Escher gegen Ende seines Präsidialjahres im Herbst 1840
feststellen, dass sich trotz (oder gerade wegen) des Rückgangs der
Mitgliederzahl der Zustand der Sektion wesentlich erfreulicher darstellte als
bei seinem Amtsantritt ein Jahr zuvor und dass zwischen den Mitgliedern grosse
Harmonie herrschte. Eine zu Eschers Ideen in Opposition stehende Partei bestand
nach wie vor, doch sie war klein geworden. Der Jahresbericht bezeichnete als
typische Erscheinung das Aufkommen der kritischen Richtung, was vor allem dem
Umstand zu verdanken war, dass die Sektion hauptsächlich aus älteren Mitgliedern
bestand. Eine Minderheit teilte sich in solche, die an ihrer alten Vereinsidee
festhielten und daher dem Verein seine Zeitgemässheit absprachen, und solchen,
welche den Verein nur durch eine komplette Umgestaltung retten zu können
glaubten. Die meisten aber gelangten durch das Streben nach veränderter
Auffassung der Vereinsidee und des daraus hervorgehenden Vereinslebens zu einer
sie zufriedenstellenden, ihre Tätigkeit anregenden Ansicht, nachdem in vielen
«ein Zustand der Sättigung oder Uebersättigung vorangegangen
[war], welcher den Indifferentismus oder gar den Widerwillen des vorigen Jahres
erzeugt hatte».66
22Das leitende Gremium des Vereins, der Centralausschuss,
wurde alljährlich am Centralfest in Zofingen gewählt. Die grösseren Sektionen wechselten sich dabei ab,
die Mitglieder für den Ausschuss zu stellen. Für das Vereinsjahr 1840/41 war die
Reihe an der Sektion Zürich. Die am 14. August 1840 beschlossene Kandidatenliste der
Sektion führte an ihrer Spitze Alfred Escher.67 Am 24. September 1840
wählte ihn die Jahresversammlung in Zofingen zum Centralpräsidenten für 1840/41. Mit ihm wurden Ludwig Meyer als Aktuar und Johann Caspar Zollinger
als Quästor in den Centralausschuss, Karl Gottlieb Wegmann und Huldreich Weber als Suppleanten
gewählt. Letztere zwei – Wegmann als Aktuar für Meyer, der die Universität Zürich verliess, und Weber als Quästor für Zollinger, der das Präsidium der
Sektion Zürich übernahm – rückten im
Frühjahr 1841 nach.68
23Der neue Centralausschuss stellte den Sektionen
verschiedene Fragen zur Diskussion, mit denen er die Aktivitäten des Vereins
ausserhalb der Jahresversammlung fördern und unter den Sektionen «das so nöthige
Bewußtsein der Einheit in den zofingerischen Bestrebungen» lebendig halten
wollte. Damit wurde erstmals die in der Folge gebräuchliche «Centraldiskussion»
angeregt.69 Die Anregungen dazu
kamen von verschiedenen Sektionen oder aus dem Ausschuss selbst. Den meisten
Diskussionsstoff bot dabei die auf Anregung der Sektion Lausanne aufgeworfene Frage der Wünschbarkeit und
Zweckmässigkeit eines Freikorps des Zofingervereins im Kriegsfall. Dieser
Gedanke war im Verein schon früher kontrovers besprochen worden. So wurde im
Herbst 1838 die Diskussion durch die Forderungen Frankreichs auf Auslieferung Louis
Napoléons, Neffe Napoleons I., ausgelöst.
Dieser war des Putschversuchs gegen den französischen König Louis-Philippe angeklagt, besass
aber neben dem französischen auch das
Bürgerrecht der Thurgauer Gemeinde Salenstein, weshalb sich die Schweiz
weigerte, ihn auszuliefern. Am Centralfest der Zofinger 1838 war die Errichtung
eines Freikorps umstritten, wurde aber grundsätzlich gutgeheissen: der
Centralausschuss sollte im Kriegsfall alle nicht militärpflichtigen Zofinger in
einem Freikorps sammeln. Nach der freiwilligen Ausreise Louis
Napoléons entspannte sich die Lage wieder; ein Freikorps war nicht
mehr erforderlich.70 1840 war der
Anlass für die Diskussion ein drohender französisch-deutscher
Krieg, der Auswirkungen auf die Eidgenossenschaft gehabt hätte. Escher selbst
lehnte den Gedanken eines Zofinger-Freikorps nicht grundsätzlich ab und war wie
die anderen Mitglieder des Centralausschusses überzeugt, dass der national
gesinnte Zofinger bereit sein müsse, sein Vaterland zu verteidigen, legte aber
Wert auf eine kritische Prüfung. Vor Bildung eines Freikorps wollte er zuerst
die praktische Verwendbarkeit und militärische Zweckmässigkeit erwiesen wissen;
auch war ihm wichtig, ein Freikorps, wenn sich der Verein auf Bildung eines
solchen verständigte, erst bei tatsächlicher Bedrohung zu bilden.71 Da der
befürchtete Krieg nicht ausbrach, bildeten die Zofinger kein Freikorps.
24Eine weitere zu diskutierende Frage, die der
Centralausschuss unter Escher den Sektionen weiterleitete, war jene nach dem
Zweck des Zofingervereins. Blumer sah darin einen Widerspruch zur Sektionsleitung des Vorjahres,
als sie in Zürich bemüht war,
solche Diskussionen durch gehaltvollere, interessantere, wissenschaftlichere zu
ersetzen. Nun ging es wesentlich darum, ob der Verein «in seiner gegenwärtigen
Form seinen ursprünglichen Zwecken entspreche». Jene, die die Frage
aufgeworfen hatten, verneinten sie vor allem, weil sie den Zweck des
Zofingervereins einzig in der Beförderung der «Nationalität» sahen und anderen
Aktivitäten der Studenten jeweils eigene Vereine widmen wollten. Escher hingegen
stellte sich auf den Standpunkt, dass sich die verschiedenen Tätigkeitsbereiche
der Studierenden gar nicht klar trennen liessen und Nationalitätswahrung nur
gemeinsam mit Wissenschaftlichkeit, Freundschaft und Sittlichkeit gefördert
werden könne. Er folgerte, dass zur Erreichung des Vereinszwecks – des Wohls des
Vaterlandes – die Wissenschaft mehr, als dies bisher der Fall war, zum
Gegenstand der Vereinstätigkeit werden müsse. Dies wurde, wie Escher bemängelte,
in den Sektionen äusserst unterschiedlich gehandhabt.72 Mit dem Gedanken, dass die Wissenschaft ein
wesentliches Mittel zur Erreichung des Vereinszwecks sei, betonte er erneut
einen Aspekt, den er bereits im Zusammenhang mit den Fakultätsgesellschaften
vertreten hatte.
25Auf weniger Diskussionsbereitschaft stiess in den meisten
Sektionen das Verhältnis des Zofingervereins zum Eidgenössischen Turnverein. Der
Centralausschuss hatte aber nichts anderes erwartet, hatte er das Thema doch nur
auf ausdrücklichen Wunsch der letztjährigen Festversammlung aufgegriffen.
Zwischen Zofinger- und Turnverein bestanden seit jeher enge Verbindungen. An der
1832 erfolgten Gründung des Eidgenössischen Turnvereins waren Zofinger führend
beteiligt, und manchenorts wurden Sektionen des Turnvereins von
Zofingersektionen gegründet und am Leben erhalten. So sahen sich manche
Mitglieder des Zofingervereins nicht zuletzt angesichts des verschiedentlich
festgestellten oder empfundenen Niedergangs des Zofingervereins dazu veranlasst,
eine Fusion der beiden Vereine anzuregen. Escher selbst war überzeugt, dass die
beiden Vereine zwar in ihrer äusseren Form, etwa dem Termin des Jahresfestes,
kollidieren mochten, nicht aber in bezug auf ihren jeweiligen Zweck, sondern
vielmehr voneinander profitieren konnten.73
26Auch für das unter seiner Leitung durchgeführte
Centralfest im September 1841 bemühte sich Centralpräsident Escher, eine
ergiebige Diskussion anzuregen. In seinem Rundschreiben erläuterte er den Sinn
der Diskussion am Fest als bestes Mittel, nicht bloss Freundschaften
anzuknüpfen, sondern die Zofinger anhand ihrer Äusserungen und
Diskussionsbeiträge gründlich kennenzulernen. Um überhaupt eine Diskussion zu
ermöglichen, sollten die Redner ihre Themen im voraus bekanntgeben, damit sich
die Festteilnehmer vorbereiten könnten. Der Centralausschuss selbst regte an,
die einzelnen Sektionen sollten ihre jeweiligen Hochschulen sowie deren
rechtlichen, ökonomischen und besonders wissenschaftlichen Zustand vorstellen.
Escher glaubte nämlich erkannt zu haben, dass viele Schweizer Studierende vor
allem deshalb ausländische Hochschulen den einheimischen vorzogen, weil sie über
die schweizerischen Kantonalanstalten schlicht zu wenig wussten.74
27Zum Auftakt des Centralfestes in Zofingen blickte der abtretende Centralpräsident
Escher am 22. September 1841 in seiner Begrüssungsrede
auf das Vereinsjahr 1840/41 zurück.75 Er betonte die Bedeutung
des Centralfestes für die Entstehung von Freundschaften und hob hervor, dass
nicht äusserlich darstellbare Resultate, sondern die Befähigung seiner
Mitglieder zu solchen Aufgabe des Vereins sei. Als zentrale Aktivität des
Centralausschusses nannte er die Anregung sektionsübergreifender Diskussionen,
wobei er zuvorderst das Thema der Freikorps erwähnte. Der Rückblick auf das
Leben der einzelnen Sektionen fiel zwiespältig aus; gerade in den grossen
Sektionen wie Zürich, Bern oder Genf stellte
Escher mangelnde geistige Aktivitäten und Diskussionsbereitschaft fest.
Schliesslich betonte er die Eigenheit des Zofingervereins als Verein
studierender Schweizer, woraus sich drei Eckpfeiler des Zwecks des Vereins und
entsprechende Aufmunterung an die Mitglieder ableiteten: Als
Schweizer sollten sie das Vaterland und mit ihm die Unabhängigkeit und
Selbständigkeit ihres Volkes wahren und verteidigen, gegen aussen wie nicht
zuletzt gegen innen, indem sie das Gesetz als höchste Majestät in der Republik
achteten. Als Studenten sollten sie die Wissenschaft schützen und ehren und zu
ihrem Gedeihen beitragen. Und als Verein sollten sie Freunde sein, ungeachtet
unterschiedlicher Ansichten und politischer Differenzen. Und all dies forderte
Escher nicht nur für die Gegenwart, sondern dass sich die Zofinger im Sinne
eines unsichtbaren Männerzofingervereins auch zukünftig daran halten
mochten.76
28Eschers Tätigkeit in den beiden Jahren als Präsident der
Sektion Zürich
bzw. als Centralpräsident war wesentlich darauf ausgerichtet, die
verschiedenen Richtungen und Strömungen im Verein dem Gesamtideal unterzuordnen
und den drohenden inneren Verfall der Sektion und des Gesamtvereins aufzuhalten.
Ein allfälliger über seine Aktivzeit hinausreichender Einfluss lässt sich nur
schwer ausmachen. Generell unterlagen Mitgliedschaft wie Leitung des Vereins
hoher Fluktuation. Der Verein definierte sich im Rahmen der traditionellen Werte
im Laufe der Zeit und im Wechsel der Mitglieder ständig wieder neu, so dass die
Vereinsmitglieder kaum nachhaltigen Einfluss ausübten. Escher war ein aktives,
interessiertes und begeistertes Mitglied und prägte mit seiner Arbeitskraft,
seinem Organisationstalent und der Führungsrolle, die er mit grosser
Selbstverständlichkeit übernahm, das Wesen des Vereins und die im Verein
gehaltenen Diskussionen. Manche der von ihm vertretenen Ansichten – gerade etwa
die geistige, auf aktives politisches Einwirken verzichtende Prägung – spielten
im Zofingerverein in späteren Jahren eine grosse Rolle. Insgesamt aber gilt:
«Nicht grosse, glänzende Thaten sind es, die Escher im Zofingerverein vollbracht
hat. Und das entspricht ja auch ganz seiner eignen Ansicht, die nicht Thaten,
sondern Entwicklung im Zofingerverein sucht. [...] Eschers Wesen fand vor Allem in
ernster Arbeit seine Befriedigung. Allein auch der gesunden Fröhlichkeit opferte
er gerne, insofern sie im Wesen des Vereins begründet war.»77
29Eschers Austritt aus dem Zofingerverein erfolgte gemäss
Mitgliederverzeichnis 1842; ein genauer Zeitpunkt lässt sich nicht festmachen.
In den Protokollen der Sektion Zürich für
das Vereinsjahr 1841/42 sind keine Wortmeldungen Eschers verzeichnet, und in
seiner Korrespondenz findet der Zofingerverein nach dem Centralfest vom
September 1841 keine Erwähnung mehr.78
30Für Eschers Entwicklung waren der Zofingerverein, die mit
der Mitgliedschaft verbundenen Ideen und Vorstellungen und die im Verein
ausgeübten Tätigkeiten von grosser Bedeutung. Er fand dort einen Ort für
Diskussion, Meinungsbildung, Auseinandersetzung über Ansichten, eine Möglichkeit
zur Profilierung und zum «Training» durch Stellungnahmen in Diskussionen und
aktiver Beteiligung, aber vor allem durch die Wahrnehmung einer Führungsposition
in Sektion und Gesamtverein. Der Zofingerverein war für Escher ein Ort
parlamentarischer und politischer Schulung. Teilnahme an den Debatten zu
wissenschaftlichen und staatspolitischen Themen sowie am
gesellschaftlich-fröhlichen Leben, namentlich aber die Führungsfunktionen, die
er ausübte, halfen ihm, seine ursprüngliche Unbeholfenheit im öffentlichen
Auftritt zu überwinden. Wichtiger Faktor waren auch die hier geschlossenen
Bekanntschaften und Freundschaften. Einige dieser Freundschaften wurden nicht
vertieft oder versandeten spätestens mit Studiumsende, andere aber bildeten über
lange Jahre eine Bereicherung auf der persönlichen, menschlichen Ebene und waren
daneben wichtige Elemente in Eschers späterem politischen und wirtschaftlichen
Beziehungsnetz. Diese Netzwerke bildeten einen entscheidenden
Faktor für seinen rasanten Aufstieg in der eidgenössischen Politik. Eschers
grösste politische Erfolge und die Zeit seines bedeutendsten Einflusses auf
Regierung und Parlament fielen in die ersten Jahre des Bundesstaates, die 1850er
Jahre, als auch der Zofingerverein eine dominante Stellung einnahm.79
1Als Quellen zur Geschichte des Zofingervereins stehen
zur Verfügung: Materialien der Sektion Zürich im StAZH, wie Protokolle [Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH],
Jahresberichte [Jahresbericht Zof.-Ver.
Sekt. ZH], Korrespondenzen und einzelne Schriften.
Unterlagen des Centralvereins bzw. Centralausschusses finden
sich im StABS, beispielsweise Berichte über das Centralfest [Prot. allgemeine Versammlung
Zof.-Ver.], Sitzungsprotokolle des Centralausschusses [Prot. CA Zof.-Ver. 1840/41]
und Korrespondenzen. – Zur Geschichte des Zofingervereins wurden von
Vereinsmitgliedern verschiedene Jubiläumsbroschüren und sonstige Schriften
verfasst. Zu nennen sind das zweibändige Werk von Beringer [Beringer, Zofingerverein],
die Arbeit von Barth, Burckhardt und Gigon [Barth/Burckhardt/Gigon, Zofingerverein], Werke
zum 50-Jahr- [Hunziker,
Zofingerverein] sowie zum 150-Jahr-Jubiläum [Schweizerischer Zofingerverein, 1819–1969] und die Geschichte der Sektion Zürich von Ganz [Ganz, Section Zürich]. – Mit dem Verhältnis Eschers zum
Zofingerverein beschäftigt sich grundlegend die Escher-Biographie von Jung
[Jung, Aufbruch];
vgl. auch Jung, Berühmte Zofinger;
Schneider, Activzofinger.
2
Beringer, Zofingerverein I, S. 151.
3Ein Vorläufer dieser Vereine war die in die Zeit der
Aufklärung zurückreichende, 1761/62 gegründete Helvetische Gesellschaft.
Meist entstanden die nationalen Vereine aus dem Zusammenschluss lokal und
regional bestehender Vereine. Im wissenschaftlichen und kulturpolitischen
Bereich wurden verschiedene Vereine gegründet, so 1806 der Schweizerische
Kunstverein, 1811 die Schweizerische Geschichtforschende Gesellschaft und
1815 die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft. 1832 entstand mit der
Helvetia, die sich vom Zofingerverein abspaltete, ein weiterer
Studentenverein. Im selben Jahr wurde der Eidgenössische Turnverein
gegründet. Ausschliesslich politische Ziele verfolgte der 1835 als
Nachfolger des Schweizerischen Schutzvereins gegründete Schweizerische
Nationalverein. 1838 entstand der Grütliverein als Vereinigung von
Handwerksgesellen. Vgl.
Jost/Tanner, Geselligkeit; Im Hof,
Vereinswesen; Bernard/Reichen, Gesellschaft.
4Statuten des Zof.-Ver. 1834/35, zit.
Beringer, Zofingerverein II, S.
114.
5
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 19. Mai 1837.
6
Vgl.
Wyss, Jugenderinnerungen, S. 247. – Zur Ermordung Ludwig Lessings
vgl.
Gschwend, Studentenmord; Jung, Escher, S. 88–90.
7
Vgl.
Wyss, Jugenderinnerungen, S. 247–250;
Hug/Finsler/Hunziker, Kantonsschule,
S. 23–24. – Aufgrund der Quellenlage ist nicht schlüssig zu
klären, in welcher Verbindung literarischer Verein, Gymnasialverein und
naturwissenschaftlicher Zirkel («Okenia») zueinander standen.
8
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 28.
April 1837.
9
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 19. Mai
1837; Jung, Aufbruch, S.
104.
10
Johann Jakob Tschudi an Alfred Escher, 22. Oktober 1837.
11
Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 14. Oktober 1837.
12
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 10.
November 1837; Schneider, Activzofinger,
S. 526–528.
13
Vgl.
Alfred Escher an Sektion Lausanne des Zofingervereins, 24. November 1837.
14
Vgl.
Alfred Escher an Sektion Lausanne des Zofingervereins, 21. März 1838.
15
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH
1837/38, S. 23.
16
Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 2. April 1838.
17
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1837/38, S. 25.
18
Vgl.
Alfred Escher an Sektion Bern des Zofingervereins, [Februar 1838?]; Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 21. Dezember 1837, 3. Februar
1838, 10. Februar 1838, 17. Februar 1838, 23. Februar
1838, 3. März 1838; Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1837/38, S. 22–26;
Beringer, Zofingerverein II, S.
385–386, 389–390.
19
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1837/38, S. 45.
20Dazu gehörten etwa Alois Schneebeli, Johannes Wolf, Heinrich Schweizer(-Sidler),
Johann Jakob Blumer,
Friedrich von Wyss
und Jakob Escher.
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 3. Mai
1838.
21
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 17.
März 1838.
22
Alfred Escher an Sektion Lausanne des Zofingervereins, 21. März 1838.
23
Zwicky,
Jugenderinnerungen, S. 19.
24
Vgl.
Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 14. Juli 1838; Jakob Escher an Alfred Escher, 26. / 27. Juli 1838; Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 8. August 1838; Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 26. August 1838; Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1837/38,
S. 59–94; Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH,
29. Juni 1838, 6. Juli
1838, 26. Juni 1840; Ganz, Section Zürich, S. 18–19; Hunziker,
Zofingerverein, S. 61–62.
25
Vgl.
Barth/Burckhardt/Gigon, Zofingerverein,
S. 179.
26
Vgl.
Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 14. Juli 1838; Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH
1837/38, S. 54–57.
27
Vgl.
Ehinger, Philisterium, S. 16–54. – Einen
Ersatz für den fehlenden Männerzofingerverein als Treffpunkt ehemaliger
Studenten bildete in Zürich ab
1842 die von Escher gegründete «Akademische Mittwochsgesellschaft».
Vgl.
Jung, Escher, S. 130–131.
28
Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 27. März 1838.
29
Vgl.
Daniel Ecklin an Alfred Escher, 27. Januar 1839.
30
Jakob Escher an Alfred Escher, 26. / 27. Juli 1838. Vgl.
Daniel Ecklin an Alfred Escher, 30. Juni 1839; Jakob Escher an Alfred Escher, 2. Juli 1839.
31
Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 26. Mai 1839.
32
Vgl.
Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 3. Juni 1841; Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 10. August 1841.
33
Alfred Escher an Sektion Bern des Zofingervereins, [30. Juli 1839?]. Vgl.
Beringer, Zofingerverein II, S.
181–187.
34
Vgl.
Schweizerischer Zofingerverein, 1819–1969,
S. 44–45.
35
Vgl.
Hunziker, Zofingerverein, S. 53–54,
67–70.
36
Beringer, Zofingerverein II,
S. 195.
37
Vgl.
Beringer, Zofingerverein II, S.
391.
38
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, Mai 1839.
39
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH
1838/39, S. 36.
40
Vgl.
Jung, Aufbruch, S. 275–279.
41Seine erste Wortmeldung im Protokoll nach seiner
Rückkehr findet sich in der Sitzung vom 28. Juni
1838. Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 28.
Juni 1838.
42
Alfred Escher an Sektion Bern des Zofingervereins, [30. Juli 1839?].
43
Vgl.
Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 22. Juli 1839.
44
Ganz, Section Zürich,
S. 14–15.
45
Vgl.
Erb, Studentenschaft, S. 24–28,
37–42.
46
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1838/39,
S. 37–38.
47
Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 17. Juni 1839.
48Gemäss Erb machte die allgemeine
Studentenversammlung, die anfänglich kaum statutarisch geregelt war und bis
1888 nie von einer Behörde sanktioniert wurde, verschiedene Wandlungen
durch, auch bezüglich der Namensgebung. Der Allgemeine Studentenverein ist
Erb zufolge gleichbedeutend mit der allgemeinen Studentenversammlung.
Vgl.
Erb, Studentenschaft, S. 25–26.
49
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 6.
November 1840.
50
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1839/40, S.
1.
51
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1839/40, S. 2. Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, November 1839.
52
Vgl.
Escher, Antrittsrede 1839; Prot.
Zof.-Ver. Sekt. ZH, 15. November 1839;
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1839/40,
S. 2–3; Schneider, Activzofinger,
S. 532–533.
53
Vgl.
Beringer, Zofingerverein II, S.
392.
54«Wir beide, schon der Zahl unsrer Semester nach den
meisten Mitgliedern überlegen, übten natürlich einen großen Einfluß; doch
darf wohl ohne Unbescheidenheit gesagt werden, daß wir zur Förderung des
Vereinslebens auch Vieles beitrugen, indem wir nicht selten schriftliche
Aufsätze über Fragen von allgemeinem Interesse vorlegten u.
ebenso zu munterer Geselligkeit den Ton angaben. Es herrschte [...] ein
wissenschaftlich angeregter, aber frei u. heiter in die Welt
hinausblickender Geist im Zofingervereine. Die meisten meiner Mitstudirenden
verurtheilten den 6. September [1839], auf welchem
die neue Regierung des Kant.
Zürich beruhte; mit besonderer Schärfe
u. Feinheit geschah dieß durch den Philologen Honegger.» Blumer, Erinnerungen, S. 8(a)–8(b).
55
Vgl.
Beringer, Zofingerverein II, S.
200.
56
Vgl.
Alfred Escher an Sektion Bern des Zofingervereins, [30. Juli 1839?]; Beringer, Zofingerverein II,
S. 198–199, 391.
57
Vgl.
Escher, Freistaat; Prot. Zof.-Ver.
Sekt. ZH, 12. Juni 1840, 3. Juli 1840; Jahresbericht
Zof.-Ver. Sekt. ZH 1839/40, S. 23–26; Jung, Aufbruch, S. 107, 124; Jung, Escher, S. 79.
58
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 28.
Juni 1840.
59
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 4.
Februar 1840; Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH
1839/40, S. 30–31; Wyss, Erinnerungen, S. 96–97; Jung, Escher, S. 75.
60
Vgl.
Fries, Hochschule.
61
Vgl.
Jahresbericht Zof.-Ver. Sekt. ZH 1839/40,
S. 8–14; Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 3. Dezember 1839, 28. Januar
1840; Gagliardi, Escher, S.
43–45.
62
Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, 22. Juli 1839.
63
Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 9. Oktober 1839.
64
Beringer, Zofingerverein II,
S. 196.
65
Vgl.
Alfred Escher an Centralausschuss des Zofingervereins, 17. Juli 1840; Brief Elysée Chenaud an Zof.-Ver. Sekt.
ZH, 10. August 1840 (StAZH W I 35 R 40); Elysée Chenaud an Alfred Escher, 31. August 1840;
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 28.
Januar 1840, 17. Juli 1840; Jung, Aufbruch, S. 107–108.
66
Jahresbericht
Zof.-Ver. Sekt. ZH 1839/40, S. 30.
67
Vgl.
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 14.
August 1840.
68
Vgl.
Alfred Escher an alle Sektionen des Zofingervereins, 18. Mai 1841; Prot. allgemeine
Versammlung Zof.-Ver., 23./24. September 1840, 22./23. September 1841; Prot. CA Zof.-Ver. 1840/41, 8. Mai 1841.
69
Prot. Zof.-Ver. Sekt.
ZH, 6. November 1840. Vgl.
Prot. CA Zof.-Ver. 1840/41, 30.
Oktober 1840; Barth/Burckhardt/Gigon,
Zofingerverein, S. 36–37.
70
Vgl.
Prot. allgemeine Versammlung Zof.-Ver., 25. September 1838; Beringer,
Zofingerverein II, S. 163–166.
71
Vgl.
Alfred Escher an alle Sektionen des Zofingervereins, 18. Mai 1841; Brief Johann Caspar
Zollinger an alle Sektionen des Zof.-Ver., 3. Februar 1841 (StAZH W I 35
R 41); Escher, Begrüssungsrede 1841; Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 4.
Dezember 1840, 18. Dezember 1840; Jung, Aufbruch, S. 117–118.
72
Alfred Escher an alle Sektionen des Zofingervereins, 18. Mai 1841. Vgl.
Prot. CA Zof.-Ver. 1840/41, 18.
Mai 1841.
73
Vgl.
Alfred Escher an alle Sektionen des Zofingervereins, 18. Mai 1841; Beringer, Zofingerverein II, S. 338–339.
74
Vgl.
Alfred Escher an alle Sektionen des Zofingervereins, 7. August 1841; Prot. CA Zof.-Ver. 1840/41, 7. August 1841; Prot. allgemeine Versammlung Zof.-Ver., 22.
September 1841.
75
Vgl.
Prot. allgemeine Versammlung Zof.-Ver., 22. September 1841.
76
Vgl.
Escher, Begrüssungsrede 1841. – Die Rede Eschers wird
bei Jung ausführlich behandelt und interpretiert. Vgl.
Jung, Escher, S. 76–80; Jung, Aufbruch, S. 112–128.
77
Schneider, Activzofinger,
S. 539.
78
Vgl.
Verzeichnis Zof.-Ver. Sekt. ZH, S. 15;
Prot. Zof.-Ver. Sekt. ZH, 1841/42.
79
Vgl.
Jung, Aufbruch, S. 101, 103–104.
© Alfred Escher-Stiftung
Alfred Escher-Stiftung, c/o Zentralbibliothek Zürich, Zähringerplatz 6, 8001 Zürich, Schweiz
Zitiervorschlag: Jung Joseph (Hrsg.), Digitale Briefedition Alfred Escher, Launch Juli 2015 (laufend aktualisiert), Zürich: Alfred Escher-Stiftung.
https://briefedition.alfred-escher.ch/kontexte/uberblickskommentare/Zofingerverein/