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Bis zum späten Mittelalter gab es keine öffentliche Post. Kaiser, Klerus und Reichsfürsten benutzten Boten und Reiter, die mit schriftlichen Nachrichten direkt zu den Zielorten geschickt wurden. Kaufmannschaft und Zünfte in den Städten beförderten ihre Briefe durch ortseigene Botenanstalten.
Maximilian I. führte 1490 im Heiligen Römischen Reich Poststationen ein, an denen die Reiter ihre Pferde und Nachrichten austauschten, ein neues System der Nachrichtenübermittlung ein.
Rudolf II. erklärte das Postwesen 1597 zum kaiserlichen Hoheitsrecht. Das so genannte «Postregal» gab allein dem das Staat das Recht, Posteinrichtungen zu gründen und zu betreiben. Über die Jahre entwickelte sich auf regionaler und nationaler Ebene Posteinrichtungen. Der Weg eines Briefes über die Grenzen einer solchen regionalen oder nationalen Post hinaus war jedoch sehr mühselig und wurde über zahlreiche bilaterale Verträge oder über Postagenten geregelt.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es im Zuge der zunehmenden Industrialisierung der Gesellschaften zu zwei entscheidenden Neuerungen: 1840 wurde in Grossbritannien die erste Briefmarke verausgabt und 1874 wurde in Bern der Allgemeine Postverein gegründet, der schon sehr bald in Weltpostverein umbenannt wurde.
Mit Ende des 19. Jahrhunderts kam es dann zu einer zunehmenden Automatisierung in der Posthandhabung, was u.a. durch Maschinenstempel belegt ist. Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist das Postwesen von einer zunehmenden Privatisierung geprägt.
All diese historischen Entwicklungen des Postwesens sind Gegenstand der «Postgeschichte». Die «Postgeschichte» an sich ist nach der «Traditionellen Philatelie» und der «Thematischen Philatelie» eine relativ junge Fachrichtung und ist in sich diversifiziert. Allen «Richtungen» der Postgeschichte ist gemeinsam, dass es nicht um die Briefmarke an sich geht sondern um «postalische Belege». Dabei wird die Freimachung – mit oder ohne Briefmarken, die Portostufen, die Stempel und andere Form von Entwertungen, besondere Markierungen und Kennzeichnungen und vieles Mehr besonders betrachtet. Daneben ist die Kenntnis von postalischen Regeln und Postverträgen ein wichtiger Aspekt, um einen Beleg genau und vollständig erklären zu können. Damit ist die «Postgeschichte» eine ganzheitliche Disziplin.
In der organisierten Philatelie unterscheidet man heute verschiedene Richtungen:
- Postgeschichtliche Sammlungen aus der Vormarkenzeit («Vorphilatelie»)
- Postgeschichtliche Sammlungen vor der Gründung des Weltpostvereins (UPU), d.h. aus der Zeit bilateraler Postabkommen.
- Postgeschichtliche Sammlungen nach der Gründung des Weltpostvereins (1875 bis heute)
- Stempelstudien bzw. Markophilie
- Regionale und Heimat-Sammlungen
- Historische Sammlungen und Spezialsammlungen, die die Geschichte der Post in den sozialen und zeitgeschichtlichen Kontext stellen (z.B. Zensurpost, Seuchenpost, u.a.)
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