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<h2>SubmittedText<h2><p>Auf dem schweizerischen Lehrstellenmarkt zeigen sich regional, branchen- und berufsspezifisch verstärkt Engpässe. Auf der Nachfrageseite steigen die Bestände an Schulabgängern und Schulabgängerinnen, während auf der Angebotsseite die Zahl der zur Verfügung stehenden Lehrstellen abnimmt, und zwar infolge von Strukturveränderungen, Kostensenkungsmassnahmen und Rezessionserscheinungen. Auch die laufende Verschiebung der Bildungsinteressierten von der Berufsbildung zur Allgemeinbildung vermag die sich öffnende Lücke im Lehrstellenangebot nicht zu kompensieren.</p><p>1. Wie sehen die aktuelle und die in den nächsten Jahren zu erwartende Lage auf dem schweizerischen Lehrstellenmarkt genau aus? Regionen, Branchen und Berufe? Wie werden sie vom Bundesrat bewertet?</p><p>2. Verfügt das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Biga) über genügend statistische Instrumente, um permanent eine genaue Übersicht über den Lehrstellenmarkt zu haben? Wenn nicht: Wie und bis wann gedenkt das Biga dieses Manko zu beheben?</p><p>3. Welche Massnahmen kann das Biga unter Ausschöpfung der bestehenden Möglichkeiten im geltenden Berufsbildungsgesetz kurz- und mittelfristig zur Entspannung des Lehrstellenmarktes ergreifen? Sind diese Massnahmen vorbereitet? Welche finanziellen Mittel sind dazu notwendig? Warum sind Bundesrat und Biga bis jetzt nur appellierend tätig geworden?</p><p>4. Sieht das Biga weitere sinnvolle Massnahmen, die aber eine Revision des Berufsbildungsgesetzes erfordern?</p><p>5. Welche Auswirkungen hatten die in den letzten Jahren im Parlament beschlossenen Budgetkürzungen im Berufsbildungsbereich?</p><p>6. Welche Folgen hat nach Meinung des Biga das Schrumpfen des Lehrstellenmarktes auf die vom Bund stark geförderten Berufsmaturitäten und Fachhochschulen?</p><p>7. Das duale/triale schweizerische Berufsbildungssystem basiert darauf, dass der Staat theoretische und die Privatwirtschaft bzw. die Verwaltung praktische Ausbildungsplätze im Gleichschritt zur Verfügung stellen. Wie stark ist nach Ansicht des Bundesrates dieses System gefährdet, wenn immer mehr Betriebe ihre Ausbildungsangebote reduzieren?</p><p>8. Welche besonderen Massnahmen drängen sich auf, um fremdsprachige, leistungsschwächere oder beeinträchtigte Schulabgänger und Schulabgängerinnen bei der Lehrstellensuche zu unterstützen bzw. ihnen überbrückende Zusatzausbildungen zu ermöglichen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Lehrstellenmarkt ist ein freier Markt, der eng mit dem Arbeitsmarkt verknüpft ist und der ebenso wie dieser von der technologischen und konjunkturellen Entwicklung abhängt. Gemäss einer vorliegenden Untersuchung der Schweizerischen Dokumentationsstelle für Schul- und Bildungsfragen (Cesdoc) wird bis ins Jahr 2000 die Zahl der potentiellen Lehrlinge leicht ansteigen und sich sodann stabilisieren. Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt hängt stark davon ab, wie sich die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen und die Konjunktur entwickeln werden.</p><p>Der Bundesrat beurteilt die Lage 1996 auf dem Lehrstellenmarkt als angespannt, aber nicht als dramatisch. Die Anzahl der Lehrstellen ist wie im vergangenen Jahr ausreichend. Engpässe bestehen in bestimmten Branchen (z. B. Informatik, kaufmännischer Bereich) und in Wunschberufen, wobei neben den sprachregionalen Unterschieden auch solche zwischen Stadt und Land feststellbar sind. Erfahrungsgemäss treten im Längsvergleich keine sprunghaften Änderungen von Jahr zu Jahr auf. Wir rechnen deshalb für 1997 mit einer im wesentlichen unveränderten Situation.</p><p>2. Die Instrumente zur Beobachtung des Lehrstellenmarktes sind sowohl prognostisch wie empirisch. Langzeitbeurteilungen und zukunftsorientierte Aussagen sind somit möglich. Wichtigste Instrumente sind eine Cesdoc-Studie zur Demographie und die Erhebung des Bundesamtes für Statistik über die abgeschlossenen Lehrverträge.</p><p>Für kurzfristige Analysen über die Lage auf dem Lehrstellenmarkt wird zurzeit ein System von Trendabfragen entwickelt, das ab 1997 eingesetzt werden soll.</p><p>Der Bundesrat erinnert im übrigen daran, dass das Biga seit einigen Jahren den Arbeitsmarkt- und Berufsbildungsbehörden der Kantone ein leistungsfähiges elektronisches Informationssystem zur Verfügung stellt, mit dem offene Lehrstellen erfasst werden können. Die Anwendung des Systems für diesen Bereich steckt allerdings noch in den Anfängen. Die Integration dieses Informationssystems in die ausserordentlich unterschiedlichen Computersysteme der einzelnen Kantone wird zurzeit verstärkt vorangetrieben.</p><p>3. Dem Biga steht keine Weisungsbefugnis bei der Schaffung von Lehrstellen zu. Es hat hingegen gemeinsam mit den Berufsverbänden an die Unternehmen appelliert, die Ausbildungsbereitschaft zu erhalten und auszubauen. Die Kantone wurden aufgerufen, bei der Bewilligung von Lehrverträgen den gesetzlichen Spielraum auszuschöpfen, ohne aber Zugeständnisse bei der Aufsichtspflicht einzugehen. Das Biga hat mit den vorhandenen Mitteln eine Hotline eingerichtet, um weitere Betriebe zur Ausbildung zu motivieren.</p><p>Das Biga wird im Herbst 1996 mit den Sozialpartnern und den Kantonen eine nationale Konferenz über den Lehrstellenmarkt durchführen. Dabei werden die Berufe der Land- und Forstwirtschaft, der Regiebetriebe und des Gesundheitswesens einbezogen.</p><p>4. Die Revision des Berufsbildungsgesetzes ist Bestandteil der Legislaturplanung 1995-1999. Grundlage dazu bildet der bundesrätliche Bericht über die Berufsbildung, der im September 1996 dem Parlament übermittelt wird. Nach der parlamentarischen Beratung des Berichtes wird die Revision des Berufsbildungsgesetzes eingeleitet.</p><p>5. Die Budgetkürzungen seitens des Bundes haben in erster Linie eine Kostenverlagerung auf die Kantone zu Folge. Auswirkungen zeigen sich in der Erhöhung der Klassenbestände, in der Schliessung von einzelnen Berufsschulen, bei Einschränkungen im Freifachangebot der Berufsschulen, in der Entlassung von nebenamtlichen Lehrkräften, in der Verlängerung der Schulwege und in entsprechend längerer Abwesenheit der Lehrlinge vom Betrieb. Ein Attraktivitätsverlust für die Berufsbildung ist damit nicht auszuschliessen.</p><p>Die Sondermassnahmen zugunsten der beruflichen Weiterbildung mussten im Sommer 1994 um 61 Millionen Franken (37 Prozent des ursprünglichen Rahmenkredits) gekürzt werden. Viele Projekte mussten deshalb abgebrochen werden, andere wurden erst gar nicht begonnen.</p><p>6. Ein Rückgang des Lehrstellenangebotes trifft vor allem Jugendliche mit schulischen Defiziten. Nach bisherigen Feststellungen nahm hingegen die Zahl der Lehrverhältnisse jener Berufe eher zu, deren Lehrtöchter und Lehrlinge sich in grösserer Zahl für die Berufsmaturität entscheiden.</p><p>7. Ein massiv reduziertes Ausbildungsangebot würde tatsächlich nicht nur das Berufsbildungssystem, sondern mittel- und längerfristig auch die Qualifikationsstruktur der erwerbstätigen Bevölkerung gefährden.</p><p>8. Der Bund wird weiterhin Integrationskurse, Werkklassen, Stützkurse an Berufsschulen und Vorlehren subventionieren. Bei der Lehrstellensuche ist die Berufswahlvorbereitung/Berufsberatung für Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen vermehrt auf die Zielgruppen fremdsprachige, leistungsschwächere und beeinträchtigte Schulabgängerinnen und Schulabgänger auszurichten; diese Massnahmen liegen im Kompetenzbereich der Kantone.</p>