Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03293.jsonl.gz/1244

Seit 1974 setzt sich die Schweizer Menschenrechtsorganisation Incomindios für die Rechte der Indigenen Völker weltweit ein. Wobei ein besonderer Fokus auf Nord-, Mittel- und Südamerika gelegt wird. Seit 2003 hat Incomindios den Beraterstatus an der UNO (ECOSOC).
Die Frage, welche ethnische Gruppen als indigen bezeichnet werden können beziehungsweise sich selbst dieser Kategorie zuordnen, gibt weiterhin Anlass für Kontroversen. Letztlich enden alle Debatten immer wieder bei einer Arbeitsdefinition, die der ecuadorianische Anwalt und Diplomat José Martínez Cobo in seiner von den Vereinten Nationen in den 1970er Jahren in Auftrag gegebenen Studie zur Diskriminierung indigener Bevölkerungen formulierte.
Sie basiert auf verschiedene objektive Kriterien und einer subjektiven Selbstidentifikation. Zu den Gemeinsamkeiten indigener Gruppen zählt er die historischen Erfahrungen von Kolonialismus und Eroberung, die kulturelle Differenz von der nationalen Mehrheitsgesellschaft sowie die gegenwärtige Marginalisierung und Benachteiligung. Indigenität geht also nicht zwingendermassen mit einer bestimmten Lebensweise einher.
Weiterlesen
© Incomindios
Zum vierten Mal fand letzte Woche das jährliche „Forum on Business and Human Rights“ in Genf statt. Das Forum ist die grösste und vielfältigste Konferenz zum Thema Wirtschaft und Menschenrechte weltweit mit über 2000 Teilnehmenden dieses Jahr, darunter Interessensgruppen jeglicher betroffener Bereiche.
Ziel des Forums ist es, den Dialog wie auch die Kooperation aller Beteiligter zu fördern. Dieses Jahr ging es zudem insbesondere darum, Fortschritte zu verfolgen, die Kohärenz der Richtlinien-Umsetzung zu fördern und schnellere Verbesserungen vor Ort zu erreichen.
Im Zentrum der Diskussion standen häufig die UN Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten, welche 2011 vom UNO-Menschenrechtsrat verabschiedet wurden[i]. Diese basieren auf drei Säulen: der Verantwortung von Staaten zum Schutz vor Menschenrechtsverletzungen, der Verantwortung von Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechten, sowie der Ermöglichung von Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln und Entschädigungsmechanismen[ii].
Der Grundtenor der Präsentationen war durchaus optimistisch. Dennoch wurde stets betont, dass viele Menschenrechtsverletzungen gar nicht erst an die Öffentlichkeit gelangen und nachverfolgt werden können, weshalb die Verbesserung der Praktiken vor Ort essentiell ist. Als die grössten zukünftigen Herausforderungen wurden die folgenden Themen identifiziert: der verbesserte Schutz von Menschenrechtsaktivisten vor Bedrohungen und Schikanen, die Förderung von Verträgen, welche auch die Arbeitnehmenden und lokalen Gemeinschaften schützen, sowie die verstärkte Akzeptanz und tatsächliche Umsetzung der UN Leitprinzipien. Des Weiteren hervorgehoben wurden die Korruptionsproblematik wie auch die Wichtigkeit von Transparenz, Rechenschaftspflicht, Sorgfaltspflicht und sozialer Verantwortung vonseiten der Unternehmen. Hierzu wurden konkrete Schritte gefordert, um eine realistische Umsetzung zu ermöglichen.
Es waren jedoch nicht nur die Unternehmen, welche im Fokus der Diskussionen standen. Auch die Banken, die Regierungen, die Rohstoffhändler und ihre jeweiligen Rollen und Verpflichtungen wurden angesprochen. Zudem müssen die Arbeitnehmer ermächtigt und die Gewerkschaften gestärkt werden. Aber auch wir als Konsumentinnen und Konsumenten stehen in der Pflicht, mit einer kollektiven Verantwortung, unseren Einfluss auf die Unternehmen und im Zuge dessen auch die Zulieferfirmen auszuüben.
© Incomindios
Zusammen mit anderen Organisationen aus verschiedenen Teilen der Welt organisierte Incomindios am Montag Mittag eine äusserst gut besuchte Parallel Session zum Thema „Recognizing indigenous peoples’ rights to land territories and resources, and challenges in their access to mechanisms for redress“.
more
MACHT MIT – Treffpunkt: DI 1.12.15, 11 und 17 Uhr, Central, Zürich
1200 Paar Frauenschuhe am Central – Aktion zur internationalen Kampagne „16 Tage Gegen Gewalt an Frauen“ 25.11.-10.12.2015:
Liebe Frauen (und Männer)
© cfd
Eure Mithilfe ist gefragt:
Wir brauchen 10-15 Freiwillige, die am Dienstag, den 1. Dezember 2015 um 11 Uhr zum Central kommen, gegenüber dem Hotel Central, und anpacken – es gilt, in einer Stunde eine coole (bewilligte) Installation aufzubauen, mit 1200 Paar Frauenschuhen – als Symbol der Solidarität und im Gedenken an über 1200 indianischen Frauen, die in Kanada in den letzten 35 Jahren ermordet worden sind.
Kommt, hilft, macht Selfies und postet sie; unterschreibt eine Soli-Karte an die kanadische Regierung, die wir am Mittwoch in der Botschaft in Bern übergeben werden. Informiert Euch über die Frauenschicksale, zeigt Solidarität: Kanada muss endlich etwas unternehmen!
Und noch einmal ist Eure tatkräftige Mithilfe gefragt: um 17 Uhr bauen wir die Installation wieder ab.
Danach seid Ihr herzlich zum Vortrag von Monika Seiller um 19 Uhr über das Schicksal der Indianerinnen in Kanada eingeladen: Centrum 66, Hirschengraben 66, zwischen Neumarkt und Central.
Wir freuen uns, Euch zu treffen, bis zum 1. Dezember, 11 Uhr am Central!
Solidarische Grüsse, Incomindios + WILPF
more
Grösste internationale Veranstaltung zum Thema „Wirtschaft und Menschenrechte“ in Genf
In der kommenden Woche findet eines der weltweit wichtigsten Treffen im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte statt: Das vierte jährliche Forum für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen. Rund 2’000 Teilnehmende von Regierungen, internationalen und nicht-staatlichen Organisationen und den Wissenschaften werden sich vom 16. – 18. November in Genf versammeln. Incomindios ist mit dabei!
Diese Veranstaltung bringt führende Unternehmen, Expertinnen und Praktikerinnen zusammen, um gemeinsam Wege zur Vermeidung und Beseitigung von Menschenrechtsverletzungen im Wirtschaftsbereich zu finden. Das Forum wurde im Jahr 2011 vom Menschenrechtsrat gegründet, um den Dialog zwischen der Wirtschaft und multinationalen Unternehmen und den Verfechterinnen von Menschenrechten zu fördern. Aufgrund der global steigenden Nachfrage nach Mineralien und sonstigen Gütern wachsen auch die Auslandsinvestitionen und somit die Präsenz von multinationalen Unternehmen in vielen Ländern dieser Welt. Am Forum soll vor allem diskutiert werden, wie die UN-Leitprinzipien effektiv umgesetzt werden können, um Menschenrechtsverletzungen und negative Auswirkungen durch Geschäftstätigkeiten zu vermeiden.
Anlässlich dieses Forums veranstaltet Incomindios gemeinsam mit verschiedenen Partnerorganisationen eine Parallelveranstaltung zum Thema „Recognizing Indigenous Peoples’ Rights to Land, Territories and Resources and the Challenges in their Access to Mechanisms for Redress“. (dt.: Anerkennung der Rechte indigener Völker auf Land, Gebiete und Rohstoffe, sowie der Herausforderungen bezüglich ihres Zuganges zu Mechanismen der Wiedergutmachung). Ziel ist es, über die freie, frühzeitige und informierte Zustimmung aufmerksam zu diskutieren und insbesondere auch positive Erfahrungen bei der Verhandlung mit multinationalen Unternehmen zur Sprache zu bringen.
Text: Karen Pfefferli
Fokus Windkraft: Oaxacas stürmischer Kampf rund um seine Windräder
© 2007 Encyclopaedia Britannica, Inc.
Mexiko weist weltweit eine der höchsten Wachstumsraten im Bereich der Windenergie auf und seine potentielle Kapazität ist mit 71 Gigawatt enorm[i]. Erneuerbare Energien, ohne Einbezug der riesigen Staudämme, machen sieben Prozent von Mexikos Stromproduktion aus und die Regierung plant, die Produktion durch Windenergie bis 2020 um das Sechsfache zu erhöhen[ii]. Der grösste Teil dieser Windkraftwerke konzentriert sich auf Mexikos schmalsten Streifen Land, den sogenannten Isthmus von Tehuantepec. Der Isthmus umfasst Teile der Südstaaten Oaxaca, Tabasco, Veracruz und Chiapas und bildet mit seiner bergigen Landschaft einen mächtigen Windkanal zwischen dem Pazifik und dem Atlantik[iii].
© http://a54.idata.over-blog.com
Die erste Windanlage der Region um den Isthmus wurde 1994 in Oaxaca, im Dorf La Venta nördlich der Laguna Superior, errichtet und markierte den Beginn einer langen Reihe von Bauprojekten[iv]. Heute ist das Dorf von unzähligen Windrädern umgeben. Die isolierte Region ist einer der konstant windigsten Plätze dieser Erde. Auf der Suche nach alternativen Energiequellen wurde Wind in den letzten Jahren zu einer äusserst wertvollen Ware und der Isthmus erlebte in der Folge einen sogenannten „wind rush“[v], ähnlich dem Gold- oder Ölrausch anderer Gegenden. Zahlreiche Windpark-Unternehmen, grösstenteils spanischen oder amerikanischen Ursprungs, strömten in die Region mit grossen Plänen, naheliegende Fabriken wie Coca-Cola oder Wal-Mart oder die urbanisierten Regionen Mexikos mit Energie zu versorgen. Zu Beginn dieses Jahres befanden sich 15 private Windkraftanlagen mit einer totalen Kapazität von 2077 Megawatt in der Region des Isthmus[vi].
Der Ansturm auf das Land, welches schon seit ewigen Zeiten von der lokalen Bevölkerung bewirtschaftet wird, hat die indigenen Gemeinschaften stark entzweit. Es kam zu Diskussionen und derweil sogar Kämpfen um Geld, Landrechte, ökologische Bedenken und sich wandelnde Werte. Die Unruhen haben sich in den letzten Jahren gemehrt[vii]. In Oaxaca wurde eine direkte Verbindung hergestellt zwischen der Errichtung der Windparks und einem signifikant gesteigerten Auftreten von Menschenrechtsverletzungen mit Drohungen, Überwachung, Schiessereien und Tötungsdelikten[viii].
more
Erzbergbau-Projekt in Peru: Proteste indigener Bewohner wegen fehlender Konsultation
©teleSUR
Bei Protesten gegen das Bergbau-Projekt „Las Bambas“ sind am 29. Oktober mindestens 3 Menschen ums Leben gekommen. 15’000 Demonstranten waren in der Nacht vom 28. Oktober in das Bergarbeiterlager eingedrungen[i]. Nach Zusammenstössen mit der Polizei wurden ausserdem 17 Demonstranten und 8 Polizisten verletzt, 22 Personen wurden verhaftet. Der Präsident Ollanta Humala rief sogleich den Notstand für die Region aus und entsandte eine Kommission in die Krisenregion, welche mit den Demonstranten verhandeln soll. Das Innenministerium liess verlauten, dass 1’500 Soldaten unterwegs seien. Die Proteste richteten sich gegen den Ausbau der Erz-Mine in der Region Apurímac im Südosten Perus. [ii]
Die grösste Mine des Landes liegt auf einer Höhe von 4’000 Metern und wurde im April 2014 von Glencore für 6 Milliarden US-Dollar an das chinesische Konsortium MMG Limited (Minerals and Metals Group) verkauft, um damit den Auflagen der Wettbewerbsbehörden nachzukommen, die Glencore die Fusion mit Xstrata erst ermöglicht hat. [iii] Das ehemalige Unternehmen „Xstrata Copper“ hatte im August 2004 von der peruanischen Regierung die Schürfrechte für die Kupfervorkommen vertraglich zugesichert bekommen. Die Erweiterung wurde dann 2010 genehmigt und die Mine soll Anfang 2016 in Betrieb genommen werden. [iv]
Zum Eklat führte die Entscheidung der MMG Limited, eine Kläranlage und einen Abfallspeicher zu bauen, um das Erz direkt vor Ort zu verarbeiten, anstatt es via Pipelines zur Küste zu transportieren, wie dies Glencore vorgesehen hatte. Damit steigen die Risiken von Umweltschäden für die umliegenden Bewohner. MMG Limited wird insbesondere kritisiert, erneut die indigene Bevölkerung nicht konsultiert zu haben. Seit der Ratifizierung der ILO Konvention 169 ist die Konsultation rechtlich verankert. [v]
Obwohl dieser Protest der erste dieser Art in Apurímac war, so haben seit Humala das Amt in 2011 übernommen hat vermehrt Widerstände in Peru stattgefunden. Humala fiel es bisher schwer, die ruralen Widerstände gegen Bergbauprojekte zu schlichten. Obwohl der Schutz der Bevölkerung damals im Zentrum seiner Wahlkampagne stand, setzt er sich heute vor allem für den Schutz öffentlicher Güter und des Privateigentums ein. Humala hat deutlich zu verstehen gegeben, dass Gemeinden wie Apurímac und Cusco die Erweiterung von Bergbauprojekten nicht aufhalten können und setzt somit Auslandsinvestitionen über das Wohl der peruanischen Bevölkerung. [vi]
Text: Karen Pfefferli
_________________________________
[i] http://www.multiwatch.ch/de/p97002113.html
[ii] http://latina-press.com/news/208008-peru-zwei-tote-bei-protesten-gegen-bergbau-projekt/
[iii] http://www.multiwatch.ch/de/p97002113.html
[iv] http://latina-press.com/news/208008-peru-zwei-tote-bei-protesten-gegen-bergbau-projekt/
[v] http://www.coha.org/las-bambas-project-a-restriction-on-indigenous-vocal-input-in-perus-mining-operations/
[vi] http://www.coha.org/las-bambas-project-a-restriction-on-indigenous-vocal-input-in-perus-mining-operations/
Martta Alajärvi ist 22, kommt aus Finnland und gehört zum indigenen Volk der Sami, welches in Skandinavien beheimatet ist. Seit zwei Jahren engagiert sie sich aktiv als Mitglied des Jugendrates des Sami Parlaments.
2013 ereigneten sich in Finnland Diskriminierungsvorfälle gegenüber der Bevölkerungsgruppe der Sami, welche vor allem unter den Jugendlichen zu grossen Diskussionen bezüglich ihrer Identität und Erfahrungen geführt haben. Viele junge Sami haben den Bezug zu ihrer indigenen Identität und ihren Traditionen verloren oder von den älteren Generationen überhaupt nie mitbekommen. Auch Martta beschäftigten diese Themen und es regte sich in ihr der Wunsch, mehr mit ihren Wurzeln verbunden zu sein und generell die Sami-Jugend zu stärken.
Das Sami Parlament wird an zahlreichen Konferenzen und Events einbezogen, da Finnlands Regierung sich je nach Thema mit ihm und auch dem Jugendrat beraten muss. Der Jugendrat, in welchem Martta tätig ist, setzt sich aktiv dafür ein, dass junge Sami wieder vermehrt in Kontakt mit ihrer Kultur kommen und besser mit Identitätsproblemen umgehen können. Er versucht zudem, die Jungen durch Artikel, Blogs und Kampagnen zu mehr politischer Aktivität zu bewegen – ein Unterfangen, welches sich laut Martta eher schwierig gestaltet. Ihrer Meinung nach wäre dies jedoch extrem wichtig, da das Sami Parlament überaltert ist und viel von den Inputs der Jungen profitieren könnte.
Marttas Hauptanliegen ist jedoch die Revitalisierung der Sami-Sprachen. Von denen gibt es mehrere, jedoch werden sie nur noch von sehr wenigen Sami tatsächlich gesprochen. Dies liegt unter anderem daran, dass es eine Zeit lang verboten war, diese zu sprechen oder in den Schulen zu unterrichten. Die Generation ihrer Grosseltern betrachtete es daher als viel wichtiger, dass ihre Kinder Finnisch lernten. Marttas Generation ist die erste, welche die Sami-Sprachen langsam wieder aufnimmt.
more
Neuer Präsident für Guatemala: von Witzen über Indigene zu Verbindungen zum Genozid
Am vergangenen Sonntag, dem 25. Oktober, wurde Jimmy Morales mit knapp 70% der Stimmen als neuer Präsident von Guatemala gewählt. Sein Slogan: „Weder korrupt, noch ein Dieb“ führte Morales dank der vielen Proteststimmen direkt zum Sieg[i]. Die Wähler und Wählerinnen waren enttäuscht von der politischen Elite, insbesondere seit dem Korruptionsskandal um Guatemalas Ex-Präsident, der wegen Bestechlichkeit und Rechtsbeugung für Zolleinfuhren festgenommen wurde[ii].
© Johan Ordoneza
Bereits werden jedoch erste Stimmen laut, dass dem neuen Präsidenten ein klares politisches Programm fehlt. Ausser seinem Kampf gegen die Korruption und die Befürwortung eines Abtreibungsverbotes sind keine weiteren Absichten bekannt. Dies erstaunt nicht, denn Morales ist ein politischer Aussenseiter. Bis anhin war er vor allem als Komiker bekannt. Genau aus diesem Grund ist seine Wahl für viele Indigene auch keine gute Nachricht[iii]. „Er ist ein Rassist“, so der Menschenrechtsaktivist Andrea Ixachíu. In seinen Sendungen machte er sich regelmässig über indigene Völker, ihre Bräuche und ihre Art zu sprechen lustig[iv].
Weiter werden dem neuen Präsidenten Verbindungen zum Militär nachgesagt. Gemäss einigen Quellen wurde sein Wahlkampf von einer Partei unterstützt, die von rechten Militäroffizieren gegründet wurde, welche wiederum mit dem 36-jährigen Bürgerkrieg Guatemalas in Verbindung gebracht werden. Während des Bürgerkrieges wurden von 1960 bis 1996 über 1’700 Angehörige der Mayas massakriert[v]. Ganze Dörfer wurden in dieser Zeit ausgelöscht. Noch heute gilt Guatemala als eines der gewalttätigsten Länder der Welt[vi].
Nach diesen Anschuldigungen hat Morales am Montag verkündet, keine ehemaligen Armeeoffiziere für wichtige Ämter der Regierung einzusetzen, mit Ausnahme des Verteidigungsministeriums[vii]. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Morales seinen Worten Taten folgen lässt. Und der mehrheitlich indigenen Bevölkerung bleibt zu hoffen, dass Morales neben der Korruption auch die Armut und den stark verankerten Rassismus gegen indigene Völker in Angriff nehmen wird. Wie Sandra Torres, Konkurrentin von Morales und ehemalige First Lady, sagte: „Guatemala ist keine Komödie.“[viii]
Text: Karen Pfefferli
____________________
[i] http://www.reuters.com/article/2015/10/26/us-guatemala-election-idUSKCN0SJ04G20151026
[ii] http://www.zuonline.ch/ausland/Neue-Festnahmen-im-Korruptionsskandal-um-Guatemalas-ExPraesident/story/24250790
[iii] http://peoplesworld.org/guatemala-comedian-jimmy-morales-is-elected-president/
[iv] http://www.pri.org/stories/2015-09-09/guatemalas-indigenous-people-dont-find-jimmy-morales-funny
[v] http://peoplesworld.org/guatemala-comedian-jimmy-morales-is-elected-president/
[vi] http://peoplesworld.org/guatemala-comedian-jimmy-morales-is-elected-president/
[vii] http://www.wsj.com/articles/guatemalan-president-elect-jimmy-morales-vows-to-curb-militarys-influence-1445982725
[viii] http://www.reuters.com/article/2015/10/26/us-guatemala-election-idUSKCN0SJ04G20151026
Kanadas blinder Fleck: 1200+ ermordete indigene Frauen – und kein Ende?
©WILPF Schweiz
Zwischen 1980 und 2014 wurden über 1200 indigene Frauen geschändet, verschwunden und umgebracht – so ein Polizeibericht. Gewalt gegen Frauen und Diskriminierung gehen weiter.
Die Zahl der vermissten und ermordeten Frauen verdeutlicht die bestürzenden Umstände, unter denen die Ureinwohner Kanadas noch heute leiden müssen. Besonders betroffen sind hiervon die Indigenen Frauen, denn sie werden einer doppelter Diskriminierung ausgesetzt: als Frauen und als Indigene. Sind Lösungen in Sicht?
Im Rahmen der internationale Kampagne „16 Tage Stopp Gewalt an Frauen“, welche vom 25. November – 10. Dezember 2015 durchgeführt wird, veranstaltet Incomindios, zusammen mit WILPF Schweiz, am
1. Dezember 2015 zwei Aktivitäten in Zürich:
– Dienstag, 1. Dez. 2015, 12:00 – 18:00 Uhr: Standaktion an der Bahnhofbrücke/Neumühlquai beim Central Zürich: Standaktion mit Infos, Flyers, Petition und der Installation von 1200 Paar Frauenschuhen als Erinnerung an die Opfer von Gewalt, Diskriminierung und Kolonialismus – kommt, staunt und macht mit!
– Dienstag, 1. Dez. 2015, 19:00 Uhr: Hintergrundbericht mit Bildern durch Monika Seiller (Aktionsgruppe Indianer und Menschrechte, München). Der Vortrag erläutert die aktuelle Situation und gibt einen umfassenden Einblick in die komplexe Situation der Indigenen in Kanada. Anschliessend Diskussion: Centrum 66, Hirschengraben 66, 8001 Zürich.
Veranstalterinnen: www.incomindios.ch, www.wilpfschweiz.ch
Text: Helena Nyberg und Monika Seiller
Brasilien und die indigenen olympischen Spiele
„Em 2015 – somos todos indígenas“ (2015 sind wir alle Indigene) – so lautet das Motto der olympischen Spiele der indigenen Völker, die heute am 23. Oktober 2015 in Palmas im Bundesstaat Tocantíns (Brasilien) begonnen haben[1]. Obwohl in Brasilien diese Spiele bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1991 durchgeführt werden, ist die Veranstaltung im Jahr 2015 etwas ganz besonderes. Zum ersten Mal sind nun auch Sportler und Sportlerinnen aus aller Welt eingeladen, um an den Spielen teilzunehmen. Es sind rund 2’000 Indigene aus 30 verschiedenen Ländern und 46 Ethnien mit dabei[2].
© Christina Doninelli
Die Mehrheit der Teilnehmenden stammt weiterhin aus Nord- und Südamerika, jedoch nehmen dieses Jahr auch Delegationen aus Australien, Japan, Norwegen, Russland, China und den Philippinen an den Spielen teil. Ein vielfältiges Angebot an sportlichen Disziplinen ermöglicht den Teilnehmenden, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Beispiele dieser Disziplinen sind: Bogenschiessen, Kanufahren, Seilziehen oder Ringkampf. Sie müssen sich jedoch auch in Kategorien beweisen, welche für uns etwas ungewöhnlicher klingen, so zum Beispiel das „Tora-Rennen“ (Baumstamm-Rennen) oder Xikunhati (eine Art Fussball, bei dem der Ball nur mit dem Kopf berührt werden darf)[3]. Der Anlass ist aber auch Mittel, um die verschiedenen Völker zusammen zu bringen und ihre Identität zu stärken. Ziel ist, auf internationaler Ebene auf die kulturelle Vielfalt aufmerksam zu machen. Die olympischen Spiele sind daher gleichzeitig auch ein Fest der Musik und des Tanzes[4].
Brasilien ist jedoch nicht nur der Hauptorganisator der Spiele, sondern auch bereits auf dem Weg, Olympiasieger in der Disziplin „Gewalt und Verletzung indigener Rechte“ zu werden, so Egon Heck vom Indigenen-Missionsrat (CIMI). Steigende physische Gewalt gegen Indigene und die Lockerung verfassungsrechtlich garantierter Rechte bezüglich der Sicherung und Durchsetzung ihrer territorialen Ansprüche sind dabei besonders problematisch. Bereits zugesicherte Rechte sollen rückwirkend erneut gelockert werden, damit diese Gebiete für die Bergbau- und Agrarindustrie zugänglich werden. Der brasilianische Kongress versucht zudem immer wieder mit neuen Initiativen, die verfassungsrechtliche Autarkie der indigenen Bevölkerung über ihr Land und den darin vorhandenen Ressourcen zu schwächen. Dilma Rousseff ist seit Ende der Militärdiktatur auch die Präsidentin, welche den Indigenen bislang am wenigsten Territorien zugesprochen hat[5]. Einige indigene Gemeinschaften verweigerten aufgrund der finanziellen Unterstützung der brasilianischen Regierung denn auch ihre Teilnahme an den Spielen. Wie der Organisator Carlos Terena sagt: „Wir verstehen und akzeptieren diese Entscheidung. Trotzdem wollen wir das Geld der Regierung aber nicht dafür nutzen, für Mitleid für unser Schicksal zu werben, sondern um unsere Lebensfreude zu zelebrieren. Wir vereinen uns um zu kämpfen, nicht um die „Griesgrame“ zu spielen.“ (Übersetzung aus dem Fanzösischen)[6]
Ein Filmbeitrag auf Französisch zu den Spielen: hier
Text: Karen Pfefferli
__________________
[1] http://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/wm-2014-olympiade-2016/olympische-spiele-der-indigenen-voelker-demokratiebeweis-oder-folklore
[2] http://blog.only-apartments.fr/jeux-mondiaux-des-peuples-indigenes-bresil-2015/
[3] La Liberté. 2015. „Le Sport pour sauver leur culture“, p. 10
[4] http://blog.only-apartments.fr/jeux-mondiaux-des-peuples-indigenes-bresil-2015/
[5] http://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/wm-2014-olympiade-2016/olympische-spiele-der-indigenen-voelker-demokratiebeweis-oder-folklore
[6] La Liberté. 2015. „Le Sport pour sauver leur culture“, p. 10
Am 20. Oktober 2015 fand in Bern die 30. Vorstandssitzung der „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI, dt. Initiative für Transparenz im rohstoffgewinnenden Sektor) statt. Im Rahmen dieses Ereignisses wurde ein Symposium zum Thema „Rohstoffhandel und Transparenz“ organisiert. Incomindios war dabei, als Vertreter und Vorstandsmitglieder des EITI, Trafigura, SWISSAID und des Schweizer Bundes gemeinsam über die Herausforderungen für mehr Transparenz im Rohstoffhandel diskutierten.
Der Rohstoffhandel ist ein wichtiger Teil der Schweizer Wirtschaft. Gemäss der Schweizer Zahlungsbilanz beläuft sich die Wertschöpfung des Rohstoffhandels auf 815 Milliarden Franken im Jahr 2014. Ein Grossteil aller Metalle und des gesamten Rohöls werden über die Schweiz gehandelt, die damit zum globalen Marktführer avanciert. Die Geschäfte der hier ansässigen Rohstoffhändler sind deshalb für viele rohstoffreiche Entwicklungsländer von existenzieller Bedeutung. Oftmals zeichnen sich diese durch schwache staatliche Institutionen und fehlende Transparenz aus. In den letzten Jahren wurden Stimmen laut, die sich über Korruption, kaum ausgewiesene Zahlungen und unfaire Bestimmungen beschwerten und deshalb forderten, dass der Rohstoffhandel gesamthaft transparenter werden soll.
Die Schweiz steht zum Beispiel mit der Glencore-Xstrata Kohlenmine in Kolumbien in den Negativschlagzeilen. In La Guajira leisten indigener Völker seit Jahren aktiven Widerstand gegen das Unternehmen, dass sich immer wieder gegen Korruptionsvorwürfe behaupten muss. Die EITI hat nun mit Hilfe der 48 Mitgliedstaaten zum Ziel, jährlich Rapporte zu veröffentlichen, in denen die Zahlungen zwischen Rohstoffunternehmen und nationale Regierungen offengelegt werden und die Vergabe von Lizenzen und die Besteuerung der Konzerne aufgezeigt wird. Viele Teilnehmer sind sich einig: Damit die Korruptionsrisiken eingedämmt werden, die sich aus den Geldflüssen ergeben, braucht es mehr Informationen über die dahinter stehenden Transaktionen.
more