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von Odette Gerber
Mit viel Überredungskunst brachte mich Lea soweit, dass ich mich mit Kailash an die Arabersporttage anmeldete. Lea selber wollte mit Zaphira gleich an drei Prüfungen starten - Caprilli, Bodenarbeit und Reiterspiele. Ich selber begnügte mich fürs erste mit Bodenarbeit und den Reiterspielen.
So packten wir unsere beiden Pferde am Morgen des 28. August in den Anhänger. Obwohl die beiden noch nie zusammen im Anhänger gefahren sind, freuten sie sich sichtlich über die Begleitung. Die Fahrt nach Frauenfeld meisterten die beiden sehr gut, obwohl es bereits am Morgen sehr warm war. In Frauenfeld angekommen, befreiten wir unsere Pferde deshalb rasch aus dem stickigen Anhänger.
Wir Sattelten unsere Pferde und ich begleitete Lea auf den Abreitplatz, wo sie und Zaphira sich auf den Caprilli-Test vorbereiteten. Ich nutzte die Gelegenheit für ein paar Aufmerksamkeitsübungen und liess das Geschehen rund um den Platz auf Kailash wirken. Da der Caprilli-Test und die Reiterspiele zur gleichen Zeit auf zwei verschiedenen Plätzen stattfanden, musste Lea auf zwei Hochzeiten tanzen. Mit etwas Organisation gelang aber auch das. Nach dem Warmreiten für den Caprilli-Test wechselten wir gemeinsam in die Halle um den Parcour der Reiterspiele zu besichtigen. Lea startete schliesslich als eine der ersten an den Reiterspielen und wechselte nach ihrem Auftritt sofort den Platz um den Caprilli-Test nicht zu verpassen.
Bei den Reiterspielen gab es sechs verschiedene Hindernisse zu bewältigen. Allerdings entscheidete ein Würfel darüber, welches Hindernis geritten werden musste. So kam es, dass Lea mit Zaphira vier Mal den Slalom reiten musste. Für die beiden war das kein Problem und sie holten sich jedes Mal zwei anstatt nur einen Punkt, weil Zaphira das Kunststück auch lediglich am Halsring beherrschte. Überhaupt waren auch die anderen Hindernisse keine grosse Herausforderung für die beiden. Den Flattervorhang meisterte Zaphira genau so souverän wie die Blache oder das Badschlangen-Tunnel. Entsprechend bedeutete das den verdienten 2. Platz für Lea mit Zaphira an den Reiterspielen. Kailash überraschte mich sehr. Trotz der ungewohnten Umgebung machte er die Spiele alle konzentriert mit und bekam sichtlich Freude daran. Wir verpassten das Podest nur knapp und landeten auf dem 4. Rang. Hätte ich mich beim Wäscheaufhängen etwas geschickter angestellt, wäre vielleicht noch mehr drin gelegen - aber dafür kann ja Kailash nichts.
Der Caprilli-Test war für Lea und Zaphira eher als Standortbestimmung gedacht oder einfach, um mal etwas Neues auszuprobieren. So ritten die beiden den Test zwar in korrekter Reihenfolge und Zaphira war voll bei der Sache, trotzdem schlichen sich einige Fehler ein, da Lea Zaphira nicht stur nach den Regeln der herkömmlichen Dressur ausbildet. So waren die Zügel halt manchmal etwas länger oder die Hände zu weit voneinander entfernt. Was aber zählt ist, dass Zaphi einmal mehr ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt hat.
Nach einer längeren Mittagspause ging es dann mit Bodenarbeit weiter. Bei der Parcourbesichtigung staunten wir nicht schlecht, als wir sahen, was verlangt war. Zum Beispiel mussten die Pferde über ein Podest gehen, auf engem Raum eine Wendung machen, alleine in einem Stangenviereck warten bis wir Pfeile geworfen haben, durch Stofftiere waten und auch hier gab es natürlich einen Flattervorhang und ein Badschlangen-Tunnel. Für Kailash, der seine Füsse an jeder Stange anschlägt (selbst wenn man sie eingraben würde), gab es natürlich auch noch einen Sprung über ein Cavaletti. Entsprechend sah ich mein Pferd schon über sämtliche Hindernisse torkeln und Posten abräumen. Aber Kailash belehrte mich eines Besseren: Er absolvierte jede Aufgabe fehlerfrei! Er sprang über das Cavaletti ohne zu touchieren und ging brav über das Podest. Ich selber stellte mich beim Pfeile und Bälle werfen etwas geschickter an als zuvor beim Wäsche aufhängen. Ich war ja so stolz auf Kailash und seine Motivation wurde sogar mit dem 2. Platz belohnt.
Leider wurde Zaphiras Leistung, welche der von Kailash in keiner Weise unterlegen war, nicht mit einem Podestplatz gewürdigt. Es hat sich scheinbar ein Fehler beim zusammenzählen der Punkte eingeschlichen. Was aber zählt ist, dass Zaphira und Lea auch bei der Bodenarbeit ein super Team waren und die Hindernisse ohne Fehler meisterten. Dabei strahlten sie eine Ruhe und Souveränität aus, um die man sie beneiden kann.
Es war ein toller Tag und ich bin froh, dass mich Lea zu diesem "Abenteuer" überredet hat. Ich war sicher nicht zum letzten Mal an einer Bodenarbeitsprüfung dabei...
Fotos: Joelle Müller