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Vom 15. bis 16. April trafen sich die Dachverbände des Pferdesports aus aller Welt in Lausanne zum FEI Sports Forum, einer Konferenz, bei der verschiedene Themen rund um den internationalen Turniersport besprochen wurden. Nebst den Olympischen Spielen von Tokio 2020 mit ihren herausfordernden Klimabedingungen sowie geplanten Änderungen im Rechtssystem der FEI lag ein besonderer Fokus der Veranstaltung auf den Disziplinen Reining und Endurance. Beide standen in letzter Zeit immer wieder in der Kritik im Zusammenhang mit Tierschutzfragen. Auch eine Delegation des SVPS war vor Ort, hat genau hingehört und sich aktiv am Geschehen beteiligt. Über die Hintergründe und Aussichten berichten Sven Friesecke für die Disziplin Reining und Claude Nordmann für die Disziplin Endurance.
Reining Session
Vorgeschichte
Im unmittelbaren Nachgang zur FEI-Generalversammlung 2019 hat der Vorstand der FEI die laufende Absichtserklärung zwischen der FEI und der NRHA sowie der AQHA gekündigt. Als Begründung führt der FEI-Vorstand unter anderem an, dass diese beiden amerikanischen Verbände die vereinbarten Anpassungen in den Bereichen Tierschutz und Antidoping ungenügend umgesetzt hätten. Zudem habe sich die Disziplin Reining zahlenmässig nicht im gewünschten Mass entwickelt.
Der FEI-Vorstand beabsichtigt, an der Generalversammlung im Herbst 2019 über den Fortbestand der Disziplin Reining innerhalb der FEI zu entscheiden.
Das Reining Committe als Fachgremium dieser Disziplin wurde erst später über die Absichten des FEI-Vorstands orientiert.
FEI Reining Committee agiert zukunftsorientiert
Unabhängig von den Aktivitäten des FEI-Vorstands haben das neu konstituierte FEI Reining Committee sowie eine erweiterte Arbeitsgruppe einen Mehrjahresplan entworfen. Dieser Plan beinhaltet mehrere Massnahmen, die zum Wachstum der Disziplin Reining beitragen sollen.
Anlässlich der Reining Session am Sports Forums gab der Legal Director der FEI als Einleitung einen Überblick über die Historie der Disziplin Reining innerhalb der FEI und erläuterte insbesondere die Unterlassungssünden der amerikanischen Verbände. Anschliessend wurde anhand einer Statistik aufgezeigt, dass sich die Disziplin zahlenmässig nur in bescheidenem Rahmen entwickelt hat.
Reining nach den Regeln der Kunst: Schweizer Kaderreiter Philipp Küng. Foto: D. Henzi
Sven Friesecke spricht am FEI Sports Forum 2019.
FEI-Anlässe wenig beliebt
Aus der Sicht des Reining Committee besteht der Hauptanreiz des FEI-Reinings für die Reiter darin, an internationalen Championaten der FEI teilzunehmen. Im Gegensatz dazu bieten die amerikanischen Verbände ein gut strukturiertes, breites Klassenangebot, das gut genutzt wird. Aufgrund mangelnder Anreize bei den FEI-Anlässen besteht insbesondere für die Reiter in den tieferen Klassen kein grosses Interesse zur Teilnahme an internationalen Reining-Turnieren der FEI, den CRI. Die FEI-Events wurden somit seit Anbeginn hauptsächlich zu Qualifikationszwecken für FEI-Championate genutzt. Zudem ist klar ersichtlich, dass das FEI-Angebot in Europa deutlich besser genutzt wird als in Amerika. Gemessen am hohen Potenzial an guten Pferden und Reitern, das in den USA herrscht, sind die dortigen Werte mehr als bescheiden. Kurzum: Viele Reiter stufen die Zugehörigkeit von Reining zur FEI, u. a. wegen des Tierschutzes sowie der Publicity, als enorm wichtig ein. Im Gegenzug bestehen aber noch zu wenige Anreize, die die Teilnahme an FEI-Events erstrebenswert machen.
Klarer Zeitplan definieren
Das Reining Committee strebt nun ganz klar die Förderung der tieferen Levels an. Durch die Schaffung eines Reining-Nationen-Cups soll die Teilnahme bei den 1*- und 2*-CRI deutlich angekurbelt werden. Zudem sollen Rankingsysteme für die tieferen Kategorien aufgebaut werden. Weiter soll eine besser praktizierbare und stufengerechte Einteilung der Klassen entwickelt werden.
Durch die erst spät kommunizierte Absicht des FEI-Vorstands, im Herbst 2019 über die Zukunft des FEI-Reinings zu entscheiden, fühlt sich das Reining Committee ziemlich überrumpelt und stellte am Sports Forum deshalb den Antrag an den FEI-Vorstand, eine Agenda mit klar definierten Etappen festzulegen, bis zu denen bestimmte Wachstumsziele erreicht werden müssen, damit Reining weiter als Disziplin bestehen kann.
Innerhalb dieser Probezeit sollen auch Wege gefunden werden, die reglementarischen Differenzen im Tierschutz und beim Antidoping zu beheben. Bei diesem Schritt sind vor allem die Amerikaner gefordert, den Forderungen der FEI entgegenzukommen.
An der FEI-Vorstandssitzung, die unmittelbar nach dem Sports Forum abgehalten wurde, signalisierte der Vorstand Bereitschaft für die mögliche Gewährung einer solchen finalen Probephase.
In den nächsten Wochen wird sich nun zeigen, ob die internationale Reining-Gemeinschaft den Ernst der Lage erkannt hat. Um FEI-Reining langfristig sichern zu können, müssen Reining-Reiter und die Organisatoren primär bereit sein, sich aktiv am FEI-Geschehen beteiligen zu wollen. Oder anders ausgedrückt: Das Reining Committee muss nun den Rahmen für mehr Attraktivität für eine breite Reiterschaft aufbauen. Aber dies allein nützt nichts, wenn die Reiter diese Plattform anschliessend nicht nützen.
Sven Friesecke
Chairman des FEI Reining Committee
Leiter der Disziplin Reining SVPS
Session «Future of Endurance»
Andere Länder, andere Sitten
Seit rund acht Jahren zeichnet sich im Endurance-Sport eine problematische Entwicklung ab. Mit dem plötzlichen Boom, den die Disziplin damals im Nahen Osten erlebte und der seither ungebrochen anhält, begann der moralische Zerfall dieser traditionsreichen Reitsportart. Insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) fand man schnell Gefallen an diesen Rennen. Doch während sich in Europa der Tierschutzgedanke immer stärker durchsetzt, sind die Moralvorstellungen in jenen Teilen der Welt ganz andere.
Viel zu spät merkte die FEI, dass ihre Reglemente in diesen neuen Hochburgen des Endurance-Sports mit Füssen getreten werden. Wo man internationale Rennen nahezu ohne reiterliche Vorbildung mit teuer eingekauften Spitzenpferden gewinnen kann, sind Unfälle, Bestechung und Doping nicht weit.
Schweiz macht auf Missstände aufmerksam
Schon vor acht Jahren sprach der SVPS zusammen mit Delegationen anderer Länder, namentlich Holland, bei der FEI vor und forderte einen Richtungswechsel - leider mit wenig Erfolg. Immer wieder versuchte man zu erwirken, dass die an sich weitgehend guten FEI-Reglemente auch im Nahen Osten durchgesetzt werden. Doch in einer Kultur, in der Betrug und Doping zum Sport gehören und riesige Geldsummen auf dem Spiel stehen, kämpfte man oft auf verlorenem Posten.
Start des Endurance-Rennens an den WEG in Tryon (USA), das schliesslich abgebrochen werden musste. Foto: FEI
Uneinigkeit in Europa
Erstmals in der Geschichte des Sports Forum wurde am 16. April 2019 ein ganzer Tag einem einzigen Thema gewidmet: der Zukunft des Endurance-Sports. In drei Sessionen berichtete das Endurance Temporary Committee (ETC) über den Stand seiner Arbeiten seit seiner Einsetzung im Oktober 2018.
Besonders positiv zu werten ist, dass erstmals überhaupt die Missstände im Endurance-Sport auch vonseiten der FEI in aller Deutlichkeit benannt wurden. Interessanterweise wurden die Erkenntnisse des ETC aber von gewissen europäischen Ländern beschönigt und die Wogen geglättet. Es drängte sich einmal mehr die Frage auf, ob Länder wie Spanien, Frankreich und in gewissem Masse auch Belgien mit ihren erfolgreichen Distanzpferdezuchten, die im Nahen Osten reissenden Absatz bei äusserst zahlungskräftigen Kunden finden, nicht vielleicht befangen sind.
FEI-Präsident steht hinter der Endurance
FEI-Präsident Ingmar de Vos gab am FEI Sports Forum ein klares Votum für den Verbleib der Endurance in der FEI ab. Dies obwohl er 2015 bewiesen hatte, dass er die Problematik der Endurance-Rennen im Nahen Osten ernst nimmt und den nationalen Verband der UAE vorübergehend aus der FEI ausschloss. Man darf nicht vergessen, dass die Endurance bezüglich der Anzahl Reiter nach dem Springen die zweitgrösste FEI-Disziplin ist!
Nächste Schritte
Bis Ende Mai wird das ETC nun seinen Schlussbericht schreiben und darin konkrete Massnahmen zur Verbesserung der Situation formulieren. Diese werden dann als Basis für die Anpassung der FEI-Endurance-Reglemente dienen, die den nationalen Pferdesport-Dachverbänden noch diesen Sommer zur Stellungnahme vorgelegt werden.
Die Optimierungsmassnahmen orientieren sich an mehreren Handlungsachsen: Die Rennen sollen wieder technischer werden und nicht als Flachrennen allein auf Geschwindigkeit geritten werden, es soll vermehrt Kontrollen geben und Verstösse gegen das FEI-Reglement korrekt geahndet werden, und nicht zuletzt muss der Schulung der Offiziellen, aber auch der Ausbildung der Reiter selbst, mehr Beachtung geschenkt werden. Zudem werden strengere Qualifikationsverfahren erarbeitet, bei denen vermehrt auch das Pferd-Reiter-Paar zählt, wofür der SVPS schon seit Jahren plädiert.
Ich persönlich bin skeptisch, ob diese Neuausrichtung der Endurance gelingen wird. Mehr Doping- und Gesundheitskontrollen und mehr Schulung der Reiter und Offiziellen bedeutet immer auch höhere Kosten. Und woher soll dieses Geld kommen, wenn nicht aus dem Nahen Osten…? Denn in Europa sind die Sponsoren für diese Sportart sehr dünn gesät. Man darf gespannt sein, was im November an der FEI-Generalversammlung in Moskau entschieden wird.
Claude Nordmann
Verantwortlicher Internationales SVPS 2011–2019