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Aargauer Kunstturner Oliver Hegi tritt per sofort zurück
Der 28-jährige Oliver Hegi gibt verschiedene Gründe für seinen Rücktritt an, wie der Schweizerische Turnverband STV in einer Mitteilung schreibt: «Die noch anhaltende Pandemie sowie die Unsicherheit und das Risiko, welches sie bezüglich meines Physikstudiums birgt, ist ein Grund. Das zweite Semester erfordert einen grösseren Zeitaufwand, Trainingsmöglichkeiten habe ich somit nur noch sehr spät abends. Für zwei Geräte wäre eine Vorbereitung unter grossen Belastungen noch möglich gewesen, aber für einen Sechskampf reicht die Trainingszeit nicht. Der ausschlaggebende Punkt war aber ein Wertewandel in den letzten Monaten. Die globale Pandemie aber auch die erschwerten Bedingungen seitens meines Studiums haben mich dazu veranlasst, mich genauer mit meinen Zukunftsplänen auseinanderzusetzen und die Entscheidung zu treffen, vom Spitzensport zurückzutreten», erklärt der Turner des TV Lenzburg.
Der Schafisheimer, der sowohl im Mehrkampf als auch als Gerätespezialist grosse Erfolge feiern konnte, war seit 2012 Mitglied des Schweizer Kunstturn-Nationalkaders. Während dieser Zeit vertrat Hegi die Schweiz an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro sowie an je sechs Welt- und Europameisterschaften. Insgesamt gewann er vier EM-Medaillen und war eine der Aargauer Olympia-Hoffnungen für Tokio.
Schönste Momente waren jene im Team
Seine Kunstturn-Karriere krönte Oliver Hegi im Jahr 2018 am Reck mit dem Gewinn des Europameisterstitels im schottischen Glasgow, wo er auch die Silbermedaille am Barren errang. «Die schönsten Momente erlebte ich mit dem Team, wie zum Beispiel an den Europameisterschaften 2016 in Basel, als wir die Bronzemedaille gewinnen konnten oder im gleichen Jahr an den Olympischen Spiele in Rio, als wir nur knapp den Teamfinal verpassten», sagt Hegi. Auf nationaler Eben gewann er vierzehn Schweizer Meistertitel, vier im Mehrkampf und zehn an den Geräten Pauschenpferd, Barren und Reck. 2019 durfte sich Hegi den Turnfestsieger-Kranz am Eidgenössischen Turnfest in Aarau aufsetzen. Mit dem Team Aargau holte er sich zudem viermal den Schweizer Mannschaftstitel.
Oliver Hegi weiss, dass seine erfolgreiche und entbehrungsreiche Karriere ohne sein unterstützendes Umfeld nicht möglich gewesen wäre. Darum sagt Hegi zu seinem Rücktritt: «Ich möchte mich vor allem bei meinem Umfeld, meinen Eltern und meiner Partnerin bedanken, die mich immer extrem unterstützt haben.» Darüber hinaus bedankt sich Hegi beim ganzen Staff, dem Trainerteam, Physiotherapeuten, Ärzten, Mentaltrainern und beim STV. Zudem betont Oliver Hegi, dass er seinem Turnerherz treu bleiben wird: «Ich werde dem Turnsport und dem STV auch nach meinem Rücktritt eng verbunden bleiben. Ganz dem Motto: Einmal Turner, immer Turner. In welcher Form wird sich aber noch zeigen.»
Bedauern beim Verband
Der STV bedauert den Rücktritt von Oliver Hegi sehr. Dazu sagt die neue STV-Direktorin Béatrice Wertli: «Oliver Hegi hat grossartige Erfolge feiern können und hat sehr viel zum sportlichen Aufschwung des Schweizer Männerkunstturnens in den letzten zehn Jahren beigetragen. Er wird dem Team sowohl in sportlicher Hinsicht als auch als Persönlichkeit fehlen. Wir können aber gut verstehen, dass er sich in der aktuell sehr schwierigen Situation dazu entschieden hat, sich voll auf sein Studium zu konzentrieren. Wir wünschen Oliver für seine private und berufliche Zukunft alles Gute und viel Erfolg.» Der STV wird Oliver Hegi zu gegebener Zeit in würdiger Form verabschieden.