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Würden alle abgehenden Kühe vor der Schlachtung um 100 Kilo aufgemästet, könnte der Import von Schlachthälften um fünfzig Prozent reduziert werden.
Nach wie vor hat die Schweiz einen Mangel an Rindvieh-Verarbeitungsfleisch. Rund ein Viertel aller Schlachthälften muss importiert werden. Bei einer Menge von jährlich 155‘000 geschlachteten Kühen werden also pro Jahr zusätzlich Schlachthälften von 44‘000 Kühen in die Schweiz importiert, was rund 13'000 Tonnen Fleisch entspricht.
Mit Kuhmast könnte diese Menge um die Hälfte reduziert werden, wie ein Gedankenexperiment zeigt: Wenn jede der 155'000 Schweizer Schlachtkühe um rund 100 Kilo Lebendgewicht beziehungsweise 50 Kilo Schlachtgewicht aufgemästet würde, ergäbe das 7‘750 Tonnen Verarbeitungsfleisch mehr pro Jahr. Dies würde über die Hälfte der Importe überflüssig machen. Natürlich ist nicht jede Schlachtkuh so mager, dass man sie aufmästen kann oder muss. Aber jede Kuh, die gemästet wird, reduziert die Importe.
Am Schluechthof untersuchten im Jahr 2014 zwei Agrotechniker drei Betriebe mit Kuhmast. Die Daten von 140 Kühen zeigen, dass die Kühe zwischen 80 und 120 Kilo Lebendgewicht zunahmen, pro Tag im Durchschnitt 1 Kilo. Der Erlös zwischen dem Einkauf der mageren Kuh und dem Schlachterlös der gemästeten Kuh schwankte zwischen 550 und 800 Franken, bzw. pro Tag zwischen 4 und 8 Franken.
Ernst Rutz von der NSG (Nutz- und Schlachtvieh- Genossenschaft Wattwil) hat 1143 Kühe ausgewertet, die zuerst mager, dann ausgemästet über den Markt in Wattwil gelaufen sind. Die durchschnittlichen Werte zeigen einen Zuwachs von 81 Kilo pro Tier (pro Tag 799 Gramm bei einer Haltedauer von 102 Tagen). Dies ergab einen Gewinn von 608 Franken (pro Tag 5.99 Franken; pro Kilo Zuwachs 7.49 Franken). Kühe mästen kann also für Betriebe, welche die Milchproduktion aufgeben, eine echte Alternative sein. Dies gilt auch für Biobetriebe, obwohl vermutlich keine Schlachthälften von Biokühen importiert werden mussten - es sollte gar nie so weit kommen.
Eric Meili, FiBL
Schlachtkühe von guter Qualität, also T und besser, sind sehr gefragt. Die Preise für abgehende Milch- und Mutterkühe sind trotz der vielen Schlachtungen aufgrund des Futtermangels des vergangenen trockenen Sommers anhaltend gut. Das Potential, das in diesen Tieren steckt, wird oft sehr unterschätzt.
Viele Kühe sind nicht akut krank, sondern einfach nicht mehr fruchtbar oder können wegen chronischer Mastitis nicht mehr gemolken werden. Insbesondere abgemolkene Kühe haben von Natur aus ein grosses Wachstumspotential. Die Kühe bauen während der Trächtigkeit Reserven auf, um diese während der Laktation wieder abzubauen. Ohne Trächtigkeit geht der Körperaufbau noch viel schneller, weil kein Kalb wachsen muss. Versuche in Österreich haben gezeigt, dass Kühe locker einen Tageszuwachs von 1500 Gramm pro Tag erreichen können.
Nehmen wir eine abgemolkene Kuh mit 580 Kilo Lebendgewicht und mästen diese während 100 Tagen auf 730 Kilo, dies bei einem Fütterungsregime analog einer 15 Kilo Tagesmilchleistung. Mit der besseren Ausbeute von 44 Prozent auf 48 Prozent ergibt das eine Erhöhung des Schlachtgewichtes von 255 auf 350, also 95 Kilo. Die Taxierung erhöht sich in unserem Beispiel von A2 auf T3. Der Preis (Bio) für T3 liegt bei 7.80 Franken und für A2 bei 6.80 Franken. Das nichtausgemästete Tier bringt also einen Erlös von 1‘734 Franken, das ausgemästete Tier einen Erlös von 2‘730 Franken. Die Differenz macht also innerhalb von 100 Tagen 996 Franken aus.
Wird eine abgemolkene Kuh ausgemästet, kann gutes Geld verdient werden. Pro Tag resultieren rund 10 Franken. Zum Vergleich: Bei Aufzuchtrindern oder Bio Weide-Beef rechnen wir mit 3 bis 4 Franken pro Tag. Wichtig ist, dass die Kühe sehr gutes Grundfutter erhalten, entsprechend einer Fütterung für eine Milchleistung von 15 bis 20 Kilo.
Franz Josef Steiner, Stefan Schürmann, FiBL