Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/1001

Erfindung und Verbreitung des Schachspiels
Schach und Computer
Mensch und Maschine! Schon immer träumten die Menschen von gewissen Maschinen. Ikarus wollte fliegen. Sein Traum hat sich bewahrheitet. Leonardo da Vinci entwarf mechanische Neuerungen und Maschinen, die in der Neuzeit verwirklicht werden konnten. So kamen auch gewisse Menschen dazu, eine Maschine zu konstruieren, die in der Lage war, Schach zu spielen.
Wolfgang von Kempelen (1734 - 1804), Sekretär der ungarischen Hofkammer war wohl der erste Erfinder eines Schachautomaten. 1770 präsentierte er den "schachspielenden Türken" am Hofe Maria Theresias in Wien. Die lebensgrosse Figur mit dem Aussehen eines Türken war an einem Kastentisch befestigt. Auf der Platte des Tisches war ein massives Schachbrett befestigt, auf dem grosse und ziemlich schwere Figuren aufgestellt waren. Vor Beginn der Partie öffnete Kempelen den Kasten - in welchem eine Fülle von Schrauben, Triebrädern und Walzen untergebracht waren - um die Zuschauer davon zu überzeugen, dass keine Tricks angewandt würden. Durch einen gut durchdachten Mechanismus verfolgte er die Partie und setzte den linken Arm des Türken jeweils in Bewegung, um dessen Züge auszuführen. Natürlich war alles ein Schwindel, denn im Innern verbarg sich ein Schachmeister von kleinem Wuchs. Einer der erfolgreichsten war der Franzose Jacques-Francois Mouret (etwa 1787 - 1837). Von den mehr als 300 gespielten Partien soll er nur deren 6 verloren haben.
Der Engländer C. A. Hopper baute einen Schachautomaten, den er "Ajeeb" nannte. 1868 stellte er ihn im Königlich Polytechnischen Institut in London aus. Von 1898 bis 1904 verbarg sich hinter der Maske des Automaten kein geringerer als der berühmte amerikanische Meister Harry Nelson Pillsbury.
Den dritten Automaten, "Mephisto", baute ein Engländer namens C. C. Gumpel. Dieser wurde 1876 in London ausgestellt (Westminster Aquarium) und soll in einem Turnier gar den ersten Preis gewonnen haben. In seinem Innern verbarg sich jeweils der bekannte britische Meister Isidor Gunsberg.
Erst mit der rapiden Entwicklung der Elektronik nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Traum einer Schach spielenden Maschine in Erfüllung. Die mit Hilfe von Schachmeistern programmierten Schachcomputer wurden sozusagen von Jahr zu Jahr stärker.
Auszüge aus "1889-1989 100 Jahre Schweizerischer Schachverband", geschrieben von Alex Crisovan, erschienen 1989, Zürcher AG (Zug)