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Als um 1800 das Kloster St. Gallen aufgehoben wurde, wurde der sogenannte Obere Weier zwischen Wil und Rossrüti zur Geschichte. Niemand fühlte sich mehr für ihn verantwortlich und pflegte ihn. So dürfte er zunehmend verlandet und zu einem sumpfigen Gebiet geworden sein.
Mittlerweile wird die Grünfläche immer mehr von Wohnquartieren eingerahmt, sie liegt nicht mehr am einstigen Stadtrand. Sie wird für den Pferdesport, für die Bundesfeier sowie von der Landwirtschaft genutzt. Regelmässig sind auch Hundehalter auf ihr unterwegs.
Nutzbarmachung durch Entwässerung
Ruedi Schär vom Infocenter der Stadt Wil vermutet, dass das Gebiet in der Phase zwischen den beiden Weltkriegen drainiert wurde. Möglicherweise in der Zeit um den Bau der Badi Weierwise. Diese nahm am 8.August 1931 ihren Betrieb auf.
Der ehemalige Obere Weier wurde 1470 von Meister Hans Segmüller aus Frauenfeld im Auftrag von Abt Ulrich Rösch angelegt. Dies aufgrund des enormen Verbrauchs von Fischen und Fröschen an den vielen Fastentagen. Der Weierdamm sollte 100 Schuh Breite und 20 Schuh Höhe vom Wasser aus aufweisen. Als Lohn erhielt Segmüller 600 rheinische Gulden, drei Saum Wein, vier Malter Hafer und sechs Karren Heu.
Ein Dutzend Fischteiche
Dieses Gewässer soll gemäss einer historischen Chronik eines von elf weiteren gewesen sein, die auf Geheiss des Klostervorstehers in der Region angelegt wurden. Dazu zählen unter anderem der Hasenlohweiher sowie der Bettenauer Weier. Sie dienten im Wesentlichen der Nahrungsbeschaffung. Oft standen sie auch mit der Nutzung der Wasserkraft in Zusammenhang. Gemäss Ruedi Schär hatte der Krebsbach in früheren Jahrhunderten zum Teil einen anderen Verlauf als heute. Er floss durch den Stadtgraben unterhalb der Altstadt.
Sein Wasser betrieb einst drei Mühlräder: in der Breitenloo in Rossrüti, die obere Mühle (heute ein Jugendzentrum) sowie die untere Mühle. Diese steht am oberen Ende der heutigen Oberen Bahnhofstrasse und ist mittlerweile ein Wohn- und Geschäftshaus.
Veräusserung ans Kloster
Der heutige Stadtweier steht wahrscheinlich mit dieser Mühle in einem Zusammenhang. Um 1370 wird er erstmals urkundlich erwähnt, indem Anna von Landenberg die Mühle in der niederen Vorstadt bei dem kleinen Weier samt Garten dem Kloster St. Gallen verkaufte.
Später gelangte er möglicherweise in den Besitz der Wiler Bürger und danach ins Eigentum der Stadt. Andernfalls wäre er womöglich mit der Klosteraufhebung um 1800 ebenfalls verwaist und verlandet.