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Von der «traumatischen Rehabilitation des terrestrischen Horizonts»
Ja, so oder ähnlich lautete ein Nebensatz aus der Rede, die Marc Schwegler als Teil der gemeinsamen Performance hielt. An einem Stehpult sprach Schwegler vor versammeltem Publikum über das «Scheitern der Stimme». Und zitierte, ganz Medienwissenschafter, reichlich – unter anderem Michel Chion, Jacques Lacan oder Robin Mackay, die Inspirationsquelle des obigen Nebensatzes. Das Setting der Performance erinnerte übrigens ein wenig an das frühe Kino (oder an die heutige Oper): Der sehr gelehrten Ein- folgte die praktische Vorführung. So hörte das Publikum – keineswegs traumatisiert, trotz des zitierten Nebensatzes –, wohlinformiert der klanglichen Intervention von Martina Lussi entgegen.
Gecodeter Kehlkopfgesang
Diese hob nach der Hälfte der Performancezeit an – und ab: Fast fragte man sich, ob die Klänge nicht doch auf eine extra-terrestrische Sphäre hinzielten. Dabei war das Ausgangsmaterial überaus menschlich, das Lussi verwendete, nämlich Tonstücke von Schweglers Stimme. Deren Klang verfremdete und überlagerte, verdoppelte und verzögerte sie aber so, dass das Hörbare zuweilen der Emission eines polyfonen Maschinenchors glich. Im Raster des Rechners verlor die Stimme somit das, was Schwegler zu Beginn der Performance als ihr «Authentizitätsversprechen» erwähnte – das Versprechen, dass die Stimme als einmalige Spur stets an nur einen Körper, an einen fixen Punkt im Raumzeitgefüge, gebunden ist.
Wir, die Resonanzkörper
Es ging der Performance wie der Ausstellung also auch um den Impuls, jede Erscheinung sofort einordnen zu wollen. Eine Dachlatte aus Henri Spaetis «Conceptual Orange», die während der Performance hinter Schwegler zu sehen war, ist zum Beispiel grün bemalt und mit «Pflanze» beschriftet; die Quadrate in seinen «Tafeln» sind mit Zahlen versehen, die wie Farbcodes wirken. Spaeti macht hier darauf aufmerksam, dass unsere Begriffe für Farbtöne (oder Klangfarben), zuweilen den gewohnten – terrestrischen – Horizont allzu schnell rehabilitieren. Ab und zu, scheint «Can You Play This Colour Again?» zu suggerieren, wäre es auch gut, nicht zu denken. Und sich als reine Resonanzkörper mit Lichtgeschwindigkeit an das Meggener Ufer zu bewegen, denn:
Die Ausstellung läuft noch bis diesen Sonntag, 19. Dezember, im Benzeholz.