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Nachdem er sich in Vivre avec (1993) mit Aids-Kranken und in Skin or Die (1998) mit der Skinhead-Bewegung beschäftigt hat, wendet sich Schweizer in seinem Film Helldorado einer weiteren gesellschaftlichen Gruppe zu: Während mehrerer Monate beobachtete er einige junge Genfer Punks, die Ende der Neunzigerjahre eine Zeit lang gemeinsam in einem besetzten Haus lebten.
Bevor er Interviews und Alltagsszenen zu drehen begann, nahm sich der Filmemacher viel Zeit, um diesen Jugendlichen mit Irokesenschnitt und zerrissenen Kleidern näher zu kommen. Ganz unvoyeuristisch und ethnografisch nähert er sich ihnen an, und schnell wird spürbar, dass diese jungen Leute dieselben Probleme haben wie ganz «normale» Menschen: zu Geld kommen, um leben zu können, und vor allem geliebt werden. Der Unterschied besteht darin, dass diese Jugendlichen, die meist aus gut situierten Familien stammen, betteln, anstatt arbeiten zu gehen. Im Zusammenleben in der Gruppe entwickeln sie jedoch ein starkes Solidaritätsnetz, das ihnen über manches hinweghilft. Daher die «tribu», der «Stamm», der im Untertitel erscheint.
In ihrem Alltag gehen die Jugendlichen Leute auf der Strasse um Geld an, treten als Feuerspeier auf oder waschen Autoscheiben, um einige Münzen zu verdienen. Und natürlich kaufen sie ein, kochen, gehen schwimmen oder besuchen Konzerte. Sie erzählen von den schwierigen Familienverhältnissen, in denen sie aufgewachsen sind, von ihrer Arbeit und ihren Alltagsproblemen. Dabei konzentriert sich der Film immer mehr auf das Paar Jeff und Nath. Die Siebzehnjährigen machen beide eine Lehre. Jeff steht kurz vor einer Herzoperation, der x-ten, der er sich unterziehen muss; Nath kommt mit ihrem Vater überhaupt nicht aus. Nath und Jeff bieten einander den lebensnotwendigen Halt, und Nath bangt um den Ausgang des schwierigen chirurgischen Eingriffs. Während man gerne mehr über die beiden erfahren würde, bleibt man den anderen Protagonisten gegenüber eher distanziert. Besonders die unvermittelten Interviews mit Zürcher Punks bleiben reine Statements, weil man von deren Alltag nichts sieht und miterlebt.
Formale Spannung erreicht der Film dadurch, dass Schweizer geschickt die auf zwei verschiedenen Videoformaten gedrehten Bilder zusammenschneidet: Er selber führte eine leichte Digitalkamera, mit der er lebendige Grossaufnahmen drehte, während sein zweiköpfiges Filmteam mit einer schwerfälligeren Beta-Kamera etwas distanziertere Bilder aufnahm. Alles in allem ist es Daniel Schweizer gelungen, eine Gruppe, über die man kaum etwas weiss ausser Klischees, einem breiteren Publikum bekannt zu machen.