Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03541.jsonl.gz/1758

Das Wichtigste in Kürze
- Der Schweizer Spitzensport finanziert sich wesentlich über Lotteriegelder, deren Summe sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat.
- Die Auswertung von SRF Data zeigt: Bis zur Jahrtausendwende ging die Rechnung auf, die Erfolge an den Olympischen Sommerspielen nahmen zu.
- Danach begannen Investitionen und Erfolge auseinanderzuklaffen. 2012 erreichte das Missverhältnis einen vorläufigen Höhepunkt. Während nie zuvor mehr Geld aus der Lotterie floss, holte die Schweiz rekordträchtig wenig Ränge.
Momentan kämpfen in Rio Athletinnen und Athleten verschiedenster Disziplinen um Gold, Silber und Bronze. Neben hartem Training und Talent braucht es dazu vor allem eines: Geld.
Die Schweiz lässt sich den Spitzensport jährlich Millionen kosten
In der Schweiz werden die Spitzensportler zu einem beträchtlichen Teil über Lotteriegelder finanziert. Verantwortlich für die Verteilung dieser Gelder, die im Jahr 2014 einen Rekordstand von 27,6 Millionen Franken erreichten, ist Swiss Olympic. Von dort fliesst das Geld weiter an die einzelnen Sportverbände.
Trotz der steigenden Beiträge aus dem Lotteriefonds fällt die Bilanz der letzten Jahre ernüchternd aus. Zunächst schien die Zunahme der an Swiss Olympic ausbezahlten Lotteriegelder gewirkt zu haben: Wie die Auswertung von SRF Data zeigt, erhöhten sich die Beiträge zwischen 1992 und 2000 um mehr als einen Drittel oder rund fünf Millionen Franken. Im selben Zeitraum stieg die Anzahl der Top-8-Plätze, welche die Schweizer Athletinnen und Athleten an den Sommerspielen erreichten, gleichenfalls um 36 Prozent an. Doch dann kam die Trendwende.
Top-8-Plätze
Verglichen wird der Anteil der Schweizer Top-8-Plätze an der maximalen Anzahl möglicher Top-8-Plätze statt eines absoluten Wertes wie etwa die Anzahl Medaillen. Dies ermöglicht einen Vergleich über die Zeit, da die Anzahl der olympischen Disziplinen und teilnehmenden Athleten über die Jahre stetig zunahm.
Ab den Nullerjahren begannen Investitionen und Erfolge auseinanderzuklaffen. Während die finanziellen Beiträge an Swiss Olympic weiterhin zunahmen, bleiben die Erfolge an den Sommerspielen je länger, desto mehr aus. Bezeichnenderweise ist dies auch der Zeitpunkt, an dem das finanzielle Wettrüsten der teilnehmenden Länder so richtig in Gang kam. Dies ergaben Untersuchungen von Veerle de Bosscher, belgische Professorin für Sportpolitik und Sportmanagement. Seither investierten alle untersuchten Nationen immer mehr in den Spitzensport, wodurch der Preis für eine Medaille entsprechend zunahm. Denn es gelte in der Tat: «Nationen, die mehr investieren, gewinnen mehr Medaillen».
Mehr Nationen, mehr Athleten, mehr Geld
Hinzu kommt die steigende Zahl an Athleten aufgrund der Teilung ehemaliger Grossstaaten: «Die alte Tschechoslowakei, der Balkan, die alte UdSSR – das hat sich vervielfacht. Jedes dieser Länder kann heute vier Athleten stellen und das spürt man natürlich auch», argumentiert Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild. Sein Rezept gegen die verstärkte Konkurrenz: Eine deutliche Ausweitung der öffentlichen Spitzensportfinanzierung.
Allerdings dürften es Forderungen nach mehr Geld bei den Politikern schwer haben. Im Juni hat der Bundesrat entschieden, mehr Geld in den Breitensport statt in den Spitzensport zu stecken. Doch Geld alleine ist nicht alles: De Bosscher und ihr Team fanden auch heraus, dass nicht bloss die Höhe der Investitionen über Erfolg oder Niederlage entscheidet. Genauso wichtig sei es, das Geld auf kluge Weise am richtigen Ort einzusetzen.
Sommer- erhalten fast doppelt so viel wie Winterspiele
Die an Swiss Olympic ausbezahlten Lotteriegelder kommen nicht alleine den Athleten der Olympischen Sommerspiele zu Gute – ein Teil des Betrages erhalten die deutlich erfolgreicheren Wintersportverbände, allen voran der Schweizer Skiverband Swiss-Ski.
Swiss Olympic gibt erst seit dem Jahr 2005 bekannt, wie viel genau den Sommer- und wie viel den Wintersportverbänden zufliesst. Demnach gilt seit dann eine fixe Aufteilung des Geldes, wovon erstere 65 Prozent und letztere 35 Prozent erhalten. 2005 flossen an die Verbände, die an den Sommerspielen teilnehmen, 9,6 Millionen Franken. Bis zu den letzten Spielen 2012 in London stieg der Beitrag auf knapp 12,7 Millionen. Auf die Erfolgsbilanz vermochte sich dies aber nicht positiv auszuwirken: Die Schweiz holte in London zehn von gesamthaft 2416 Top-8-Rängen, was einem Anteil von 0,41 Prozent entspricht und damit das schlechteste Resultat seit dem Referenzjahr 1992 ist.
Aber vielleicht überraschen die Schweizer Athletinnen und Athleten dieses Jahr in Rio mit Medaillengewinnen im Umfang dessen, was die heutigen Investitionen erwarten lassen.
Mitarbeit: Denise Schmutz
Datenquelle Visualisierung: Landeslotterie, Bundesamt für Sport (BASPO)