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Charlie Munger, Vertrauter von Starinvestor Warren Buffett und Vizepräsident von Berkshire Hathaway, ist der Meinung, dass die Märkte aktuell zumindest teilweise stark überbewertet sind. Dies sagte der 97-jährige Milliardär am letzten Freitag auf einer Konferenz im australischen Sidney. Die aktuellen Geschehnisse seien noch verrückter als das Ende des Dotcom-Booms der 1990er-Jahre, das zu einer Pleitewelle führte.
"Für gute Unternehmen muss man viel bezahlen und das schmälert ihre zukünftigen Renditen," beklagte Munger.
Während des Dotcom-Booms hatte sich eine Blase durch hohe Gewinnerwartungen und Spekulationen auf steigende Aktienkurse bei Technologietiteln gebildet. Der Technologiesektor befand sich wegen der neuen Möglichkeiten durch das Internet in einem ekstatischen Zustand. Im Jahr 2000 platzte die Blase dann - innerhalb einer Woche verlor der Technologieindex Nasdaq 25 Prozent.
Mit seiner Warnung ist Munger nicht allein. Viele Investoren haben den aktuellen Aktienmarkt mit der Dotcom-Blase verglichen und dabei auf Unternehmen wie Rivian verwiesen. Das Elektrofahrzeug-Startup hat noch keine nennenswerten Einnahmen erzielt, ging aber letzten Monat an die Börse. Es hat einen Wert von 91 Milliarden Dollar und ist damit gleich viel Wert wie General Motors.
Munger will keine Krypto-Anhänger in seiner Familie
Auch gegenüber dem Thema Kryptowährungen äusserte sich Munger – wie auch schon in der Vergangenheit – kritisch: "Ich wünschte, sie wären nie erfunden worden." Zudem lobte er die Massnahmen der chinesischen Behörden, die den Handel mit Kryptowährungen verbieten. "In meinem Land wurde die falsche Entscheidung getroffen. Ich kann es einfach nicht ausstehen, an solchen bekloppten Booms auf irgendeine Weise teilzunehmen."
Munger liess es aber nicht bei diesem Angriff auf die Krypto-Gemeinde bleiben und legte nach: "Glauben sie mir, die Leute, die in Kryptowährungen einsteigen, denken nicht an den Kunden, sie denken nur an sich selbst. Ich möchte nicht, dass einer von ihnen in meine Familie einheiratet." Für Munger seien gerade US-Millennials "sehr egozentrisch und sehr links".
Auch Munger bleibt an der Börse investiert
Munger gab sich in Sidney nicht durchgehend als Warner. Bezüglich erneuerbarer Energien gab sich der 97-Jährige optimistisch: "Ich liebe die Tatsache, dass wir die Verbrennung von Kohle, Benzin und Diesel reduzieren." Es sei eine kluge Sache für die Welt und es wäre auch intelligent, wenn es keine globale Erwärmung gäbe.
Und selbst wenn Munger vor einer Übertreibung an den Märkten warnt, investiert bleibt er trotzdem. Da das investierte Vermögen einen Wert von 100 Millionen Dollar überschreitet, muss auch Munger alle drei Monate das 13F-Formular bei der US-Börsenaufsicht SEC vor- und seine Investitionen offenlegen.
Gegenüber dem Vorquartal hat sich Ende September nicht gross etwas getan: Die grössten Positionen sind in absteigender Reihenfolge die beiden US-Grossbanken Bank of America und Wells Fargo, der chinesiche Technologiekonzern Alibaba, die US-Bank U.S. Bancorp und der koreanische Stahlriese Posco. Nur bei Alibaba hat Munger im dritten Quartal gross zugekauft - notabene bei einem stark zurückgekommenen Technologietitel.