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In der Präfektur Fukushima ist es an zwei Orten zu einer nicht vernachlässigbaren Strahlenexposition der Bevölkerung gekommen. Zu diesem Schluss kommt die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem Bericht. Allgemein sei die Bevölkerung der Präfektur Fukushima am stärksten betroffen gewesen. Dennoch liege die Dosis für die dortige Bevölkerung unterhalb der Grenzwerte.
Die Strahlenexposition der Bevölkerung liegt in der Präfektur Fukushima und generell in Japan unter dem Grenzwert von 10 Millisievert (mSv) . Ausserhalb Japans ist der durch radioaktive Stoffe aus Fukushima verursachte Einfluss auf die Gesamtbelastung praktisch vernachlässigbar. In der Schweiz ist er gemäss WHO-Bericht kleiner als 0,01 mSv. Im Vergleich dazu liegt die durchschnittliche Dosis für die Schweizer Bevölkerung pro Jahr bei rund 5,5 mSv.
Professor Jean-François Valley, ehemaliger Direktor des Instituts für Radiophysik an der Universität Lausanne, hat zuhanden des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI die Auswertung der WHO kommentiert. „Angeordnete Schutzmassnahmen, wie der Schutzraumbezug, die Einnahme von Jodtabletten und spätere Einschränkungen beim Verzehr von Nahrungsmitteln, sind nicht in die Berechnung der Strahlendosen der WHO eingeflossen“, bemängelt er. „Dies führt deshalb zu einer zu hohen Einschätzung der Dosis.“ Der Bericht bestätige aber, dass die Strahlenexposition der Bevölkerung in unmittelbarer Folge des Unfalls in Fukushima nicht zu vernachlässigen sei. Im Gegensatz dazu seien die Dosen ausserhalb Japans sehr klein.
„Unsicherheiten bestehen bezüglich der Menge der aus dem Kernkraftwerk von Fukushima-Daiichi abgegebenen radioaktiven Stoffe“, betont Jean-François Valley weiter. „Ebenso gibt es auch Diskussionen über das Ausbreitungsmodell. Dies betrifft allerdings nur die Dosisberechnungen für Gebiete ausserhalb Japans. Die direkten Messungen gestatten indessen, die vorläufigen Dosisabschätzungen für Japan zu bestätigen.“
Zwei Orte in Fukushima mit zu hoher Strahlung
Um die erhaltene Strahlendosis der einzelnen Personen zu berechnen, müssen die Dosen für die unterschiedliche Organe und Gewebe bestimmt werden. Deren Summe nennt man „effektive Dosis“. Gemäss WHO variieren die Werte der effektiven Dosis in der Präfektur Fukushima zwischen 1 und 10 mSv. Die Organisation nennt in Fukushima zwei Orte, wo die effektive Dosis Werte von 10 bis 50 mSv erreicht habe. In den benachbarten Präfekturen lag die Strahlendosis zwischen 0,1 und 10 mSv. In den übrigen Gebieten Japans werden Werte von 0,1 bis 1 mSv in Betracht gezogen. Die WHO stellt fest, dass der Rest der Welt in sehr geringem Masse betroffen war und für die Bevölkerung mit einer zusätzlichen Dosis unter 0,01 mSv gerechnet werden müsse.
Falls jemand über die Luft oder über die Nahrung radioaktive Stoffe aufgenommen hat, könnte die Schilddrüse betroffen sein. In den am meisten betroffenen Regionen der Präfektur Fukushima variiert die Dosis für die Schilddrüse zwischen 10 und 100 mSv. Kinder könnten dort gemäss WHO stärker betroffen sein (Schilddrüsendosis von 100 bis 200 mSv). Im übrigen Teil der Präfektur kann für erwachsene Personen mit einer Schilddrüsendosis von 1 bis 10 mSv und für Kinder mit einer solchen von 10 bis 100 mSv gerechnet werden. In anderen Teilen Japans rechnet die WHO für die Bevölkerung mit einer Organdosis zwischen 1 und 10 mSv. Und, im Rest der Welt waren die Schilddrüsendosen minim (höchstens 0,001 mSv).
„Während in den nahen Regionen die Strahlenexposition aufgrund der Kontamination der Böden überwiegt, ist sie in den entfernteren Regionen durch der Nahrungsaufnahme bedingt“, erklärt Jean-François Valley die Unterschiede. „Die damals für Personen vor Ort wie auch für Personen, die nun im Ausland weilen, ergriffenen Massnahmen gegen Ganzkörper- oder Schilddrüsenexpositionen stehen nicht im Widerspruch zu den vorliegenden Daten.“
Weitere Auswertungen der radiologischen Einflüsse
Der Bericht der WHO mit dem Titel “Preliminary dose estimation from the nuclear accident after the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami“ gibt eine erste Einschätzung zu den Strahlendosen im ersten Jahr nach dem Unfall von Fukushima und ist ein erster Schritt zur Evaluation der Strahlenexposition der Bevölkerung als Folge des Unfalls. Jean-François Valley weist jedoch auf einen wichtigen Aspekt hin: „Der Bericht macht keine Angaben zur Anzahl Personen, die in den unterschiedlichen Regionen betroffen sind. Eine solche Angabe wäre nützlich, um das Ausmass der kollektiven Belastung zu ermitteln. Das Hauptproblem des Strahlenschutzes in Fukushima, nämlich die Instandstellung des kontaminierten Geländes, wird im Bericht nicht angesprochen.“
Die Experten der WHO heben hervor, dass sich ein umfassender Bericht des Wissenschaftskomitees der Vereinten Nationen zum Studium der Auswirkungen ionisierender Strahlung (UNSCEAR) auf die Strahlenexposition in den zwei ersten Jahren nach dem Unfall beziehen wird. Zurzeit läuft eine Untersuchung der Universität Fukushima bei rund zwei Millionen Bewohnern der Region Fukushima. Dabei soll das Verhalten dieser Bewohner in der Zeitperiode vom 11. März bis 11. Juli 2011 abgeklärt werden. Die Untersuchung soll eine präzisere Abschätzung der Dosis durch externe Strahlung speziell für diese Bevölkerungsgruppe erlauben.