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„Es ist naiv, anzunehmen, daß an einem Muskel nur gezogen zu werden braucht, damit dieser länger wird. Der Schwanz einer Katze wird auch nicht länger, wenn man daran zieht. Wenn ein Muskel zu kurz ist, dann muß dieser umtrainiert werden. Beim Dehnen passiert entweder gar nichts oder es entstehen zusätzliche Schädigungen. Deswegen ist bei unserer Behandlungsweise jede Art von Dehntechnik prinzipiell untersagt“ (Dr.W. Packi).
„Historically, stretching has been considered one of those “does no wrong” activities, one that’s been largely overlooked by virtually everyone outside of a yoga studio. But over the last two decades or so, people have started to figure out that stretching isn’t quite the holy grail of healthy training“ (Henselmans, 2014)
Auf dieser Seite (am Ende) findest du Links zu externen Artikeln, welche sich kritisch mit dem Thema Dehnen/Stretching auseinandersetzen. Meine persönliche Überzeugungen betreffend Stretching kannst du hier, hier und hier nachlesen, auf dieser Seite möchte ich andere Personen zu Wort kommen lassen.
Folgendes möchte ich zuvor aber trotzdem noch anmerken:
Ich verstehe unter dem Begriff Dehnen/Stretching eine Ansammlung an Trainingsformen die der Überzeugung folgen, dass man Bindegewebe, aber vor allem Muskeln im passiven Zustand (keine Muskelaktivität) auseinander ziehen muss um sie entweder länger oder dehnbarer zu machen, oder aber ein Versuch die eigene Schmerzgrenze (Schmerztoleranz) zu verschieben. Bei dieser Tätigkeit sollte die Muskulatur zum Zeitpunkt der Dehnung möglichst nicht aktiviert sein. Zusätzlich ist man bei dieser Tätigkeit dazu bereit Schmerzen zu ertragen, denn nur dann ‚mache Stretching Sinn‘, wie auch führende Autoren schreiben:
„Schonung ergibt keine Wirkung! Eine Dehnung ist nur dann sinnvoll, wenn ein Reiz auf das Nervensystem und die bindegewebigen Strukturen ausgeübt wird. Das Empfinden eines intensiven Dehnungsgefühls bis hin zu einem angenehmen Dehnungsschmerz ist wichtig, um eine Wirkung zu provozieren“ (Albrecht, Meyer, Zahner, Stretching- Das Expertenhandbuch, 2001, S.59).
Auch im folgenden Zitat eines führenden Forschers auf diesem Gebiet kommt meines Erachtens sehr verständlich zum Ausdruck, dass in Verbindung mit Dehnen von Schmerzen gesprochen werden sollte:
„Dehnungen können in endgradigen Dehnstellungen zu einem Gefühl führen, dass in der Literatur meist als ‚Dehnspannung‘ beschrieben wird. Wenn man jedoch die Sportler bzw. Patienten näher befragt, beschreiben Sie eher einen Dehnungsschmerz. Endgradige Dehnungen der Muskulatur und anderer Gewebe führen zu hohen mechanischen Spannungen; sie können sogar über die mechanischen Spannungen hinausgehen, die bei maximalen isometrischen Kontraktionen auf die serienelastischen Elemente wirken (vgl. Abb. (…)). Unter Berücksichtigung dieser Tatsache macht es Sinn, in Verbindung mit Dehnung von Schmerzen zu sprechen, da die Gewebe einerseits durch hohe mechanische Spannung zur Anpassung gezwungen werden sollen, andererseits durch diese hohen mechanischen Spannungen auch in Gefahr sind, was typischerweise das Schmerzsystem aktiviert“ (Freiwald, Optimales Dehnen, 2009, S.115-116).
Und so klingt das dann in der Praxis:
„Meine Freundin hat mit Ballett angefangen und ist mit Begeisterung dabei. Mich stört, dass sie berichtet, dass ihr Trainer meint, dass ein Dehnschmerz ein gesunder Schmerz ist. Am Anfang des Trainings dehnen sich die Frauen und sollen die Dehnung rund eine Minute halten. Der Schmerz soll weggeatmet werden und sei völlig gesund. Stimmt das so?“ (Quelle).
„Ist es schmerzhaft? Ja, aber ich finde es lohnt sich„(Quelle YouTube bei 0:33).“
„Tja, ist nunmal so!
Habe mein Knie 2 Monate nur max. 90° anwinkeln dürfen. Wenn mein Physiotherapeut in der Reha jetzt das Knie etwas weiter runterdrückt, kommen mir auch manchmal (fast) die Tränen. Das ist alles Übungssache, sprich: das wird schon!“ (Quelle )
„Jetzt können wir wirklich schon bis in die Schmerzgrenze hinein dehnen (Zeit 2.45). Versucht auch den Dehnschmerz leicht mit der Atmung zu regulieren (Zeit 2:54). Zieht dann langsam euer Bein bis in die Schmerzgrenze hinein und versucht auch hier wieder zu halten (Zeit 4:30). Und zieht ganz tief, jetzt muss es, ja, schon fast nicht mehr auszuhalten sein, natürlich nicht übermässig in die Dehnung hinein sondern so dass wir wirklich sagen, ok jetzt ist die Schmerzgrenze und hier halten wir es gerade noch so aus. (Zeit 9.40). “ (Quelle YouTube Video).
Solchen Überzeugungen gegenüber bin ich sehr skeptisch.
Keine Mühe habe ich hingegen damit, wenn Muskeln oder Bindegewebe während aktiven, artgerechten Bewegungsmustern im schmerzfreien Bereich unter Spannung (Dehnung) geraten, dies ist absolut natürlich und sinnvoll. Wenn du also unter dem Begriff Stretching/Dehnen eine Tätigkeit verstehst, welche nicht versucht Körpergewebe auseinander zu ziehen um es länger oder dehnbarer zu machen, oder sein Nervensystem zu überlisten und du dabei keine Schmerzen in Kauf nimmst, dann musst du dich von dieser Seite hier nicht angesprochen fühlen, interessant könnte es trotzdem sein.
Zusätzlich soll gesagt sein, dass ich nicht sicher bin (und auch etwas bezweifle), ob mit meiner Theorie ein Seit-Spagat möglich ist. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass diese Körperstellung nur unter Schmerzen zu erreichen ist, in dem man den Körper mit Gewalt in diese Stellung zwingt, was dann so aussehen kann: Video 1 oder so Video 2 oder vielleicht so Video 3!
Und bevor du dich nun vielleicht mit den kritischen Artikeln befassen, hier noch ein paar Eindrücke wie Beweglichkeit in der Praxis aussieht, wenn meiner Meinung nach der Geist über den Körper gesiegt hat (passive Beweglichkeit):
und wie Beweglichkeit in der Praxis aussehen kann, wenn Körper und Geist in Harmonie zu sein scheinen (aktive Beweglichkeit):
Jetzt aber zu den Links:
englisch:
deutsch: