Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03540.jsonl.gz/407

Von Mark van Huisseling
Wenn man Felix Weber einschätzt, kommt man zum Schluss, er sei ein Zahlenmensch. Immerhin hat der in Dielsdorf im Kanton Zürich Aufgewachsene 1976 das Mathematik-Studium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH erfolgreich abgeschlossen.
Und seit Jahren ist er als sogenannter Optionentrader tätig, handelt mit Wertpapieren, die fixe Laufzeiten von bis zu fünf Wochen haben. Selbst beschreibt sich der 70-Jährige nicht als Anleger, sondern als «Spekulant».
Am Anfang seiner Laufbahn arbeitete er als Programmierer von Maschinen-Code. Eine naheliegende Berufswahl für einen Mathematiker, aber keine, die Felix Weber befriedigte. Darum ergriff er die Gelegenheit, im australischen Adelaide ein Nachdiplomjahr in physikalischer Ozeanografie zu absolvieren – «the first and only officer of the Swiss Navy», wie die dortigen Kollegen sagten. Weitermachen wäre möglich gewesen, doch Australien als neue Heimat kam für ihn nicht infrage, die Mentalität war ihm zu fremd.
Was ihn bereits damals interessierte, war die Börse. Retour in der Schweiz begann er, hobbymässig anzulegen. Er investierte in Aktien einzelner Firmen, denen er einen ausserordentlichen Geschäftsgang zutraute. «Erfolg hatte ich mit dieser Strategie allerdings kaum», sagt er.
Der Misserfolg führte nicht dazu, dass ihn die Börse weniger interessierte. Im Gegenteil. Er setzte sich vertieft damit auseinander. Und lernte so viel darüber, dass er als freier Autor gelegentlich über Geldanlagen schreiben konnte, etwa für «Borsalino», «Cash» oder den «Tages-Anzeiger».
Bereits zuvor war er Informationstechnologie-Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften gewesen. Die 1980er- und 1990er-Jahre seien goldene Zeiten für Publizisten gewesen, die über IT-Themen schrieben, sagt er.
Beim Wohneigentum an der Goldküste ist Weber zu hoch eingestiegen.
Damals investierte Weber in eine Eigentumswohnung in Herrliberg. Diese ist das Zuhause geblieben, in dem sich der allein lebende Geschiedene wohlfühlt.
Als Investment hat sie aber nicht ganz so stark performt, wie man es von einer Liegenschaft an der Zürcher Goldküste in den vergangenen 30 Jahren erwartet hätte. «Ich bin zu einem zu hohen Preis eingestiegen», sagt er. Nachdem das Bau-Konsortium Konkurs gemacht hatte, wurde die Siedlung von der ZKB übernommen, die die verbliebenen Einheiten deutlich günstiger anbot.
Zahlen sind aber nicht alles in Felix Webers Leben: 2002 gründete er mit seiner damaligen Frau eine thailändische Kochschule, Thai Cooking, seit 2006 führt er diese mit einer Geschäftspartnerin. «Die Kochschule macht allen Spass: den Besucherinnen und Besuchern und natürlich auch uns Betreibern – sonst hätten wir längst aufgehört.»
Vor circa zehn Jahren stiess Weber auf ein Anlageinstrument, das er noch nicht kannte: Indexoptionen. Dabei handelt es sich um eine Art von Option, ein Finanzderivat, das auf Aktienindizes basiert. Es gibt dem Händler das Recht, den zugrunde liegenden Index für einen bestimmten Zeitraum zu kaufen oder zu verkaufen.
Solche Trades haben es ihm angetan, er verkauft mehrheitlich Optionen auf den Deutschen Aktienindex DAX oder Euro Stoxx 50, in dem die 50 grössten Unternehmen Europas zusammengefasst sind.
Die Arbeit eines Optionenhändlers gleicht einer Fahrt auf der Achterbahn.
Optionen schaffen eine Hebelwirkung; entsprechend stark ändern sich die Kurse, und zwar nach oben wie unten. Mit anderen Worten: Sie bieten dem Anleger, pardon «Spekulant» grosse Chancen, er nimmt aber auch hohe Risiken in Kauf. Je nach Geschäft kann der gesamte Einsatz verloren gehen oder man wird sogar noch nachschusspflichtig.
Hat man es zudem mit aussergewöhnlichen Volatilitäten zu tun wie während der heftigen Börsenbewegungen der vergangenen Monate, stellt man sich den Arbeitstag eines Optionenhändlers am besten wie eine Achterbahnfahrt vor.
An einem Vormittag Mitte Mai hatte Weber dennoch Zeit für ein Interview. Er verliess bloss ab und zu die Besprechungsecke in seinem Büro in Meilen, um auf den zwei Computer-Bildschirmen seine offenen Positionen zu prüfen.
Am Nachmittag war es aber vorbei mit der Ruhe: «Es ging los mit DAX-Tauchern bis minus 3,6 Prozent», schrieb er mir. Er musste handeln, obwohl die meisten Positionen schon tags darauf verfielen. Insgesamt habe er bis 17 Uhr 30 Trades getätigt. «Und im Nachhinein waren diese nicht nur für die Katz, sondern haben mir erst noch eine Lücke von etwa 500 Euro beschert.»
Was so viel heisst wie: Die vorsichtshalber teuer zurückgekauften Options-Strikes waren am folgenden Tag wertlos. «Aber wehe, wenn ich das nächste Mal in einer solchen Situation einfach zusehe und auf Besserung hoffe, dann geht es bestimmt schief», sagt er. Und es wäre nicht bloss ein vorübergehender Buchverlust von 500 Euro entstanden, sondern ein Mehrfaches davon tatsächlich weg.
«Wer sich auf News verlässt, ist sowieso schon zu spät.»
Weshalb tut er sich das an? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. In den vergangenen Jahren konnte er seine Performance meist steigern – bis auf 34 Prozent im abgelaufenen Jahr, wie er sagt. Und vielleicht ein noch besserer Grund: Von der AHV allein könne er nicht leben. Doch das Aufbauen einer ausreichenden Beruflichen Vorsorge BVG habe er in den Jahren, als er Autor im Hauptberuf war, eher vernachlässigt.
Über alles gesehen könne er prima umgehen mit seinem Trader-Job. «Ich schlafe gut», sagt er. Worauf er seine Optionen-Wetten abstützt, kann er nicht genau erklären. «Jedenfalls nicht auf politische oder wirtschaftliche News, damit ist man sowieso zu spät», sagt er. Er folge eher seinen eigenen Gefühlen, die auf Erfahrung fussen.
Bisher sei es ihm erst einmal zu viel geworden: im Frühjahr 2018, als an den Märkten eine turbulente Phase herrschte und er sich gerade auf einer Velotour durch Laos befand. Während der asiatischen Nacht, wenn in Europa Tag ist, habe er dann in Hotels mit mehr oder weniger zuverlässiger WLAN-Verbindung versucht, sein Depot vor Einbrüchen zu bewahren. Trotzdem sei ein Verlust in fünfstelliger Höhe entstanden.
Zwar konnte er diesen in den folgenden Monaten mehr als wettmachen, sagt Weber. Dennoch: «Das möchte ich nicht noch einmal erleben.»
Genève Invest hat sich in der Aktienselektion auf das «Value-Investing» spezialisiert. Dieses Anlagekonzept geht auf Investmentlegende Benjamin Graham zurück. Die Grundidee ist einfach: Unternehmen haben einen inneren Wert, den man anhand einer Reihe von Unternehmensdaten relativ genau bestimmen kann.
Der Börsenwert des Unternehmens kann jedoch durch Überreaktionen, die sich zyklisch wiederholen, erheblich vom inneren Wert abweichen. Langfristig gleichen sich Börsenwert und innerer Wert jedoch immer wieder an.
Dies machen wir uns als klassische Value-Investoren zunutze und investieren gezielt in unterbewertete Aktien mit Aufholpotenzial. Zusätzlich zu ihrer günstigen Bewertung verfügen die Unternehmen, die uns besonders interessieren, über weitere Eigenschaften, die den Aktienkurs zwar nicht resistent gegen Rückschläge machen, zumindest aber eine Absicherung bieten.