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Das war der Versuch: Für die Studie luden die Forscher der Universität Bern 108 Testpersonen zur Teilnahme an einem «Experience-Sampling» ein. Sie erhielten mehrfach täglich eine Nachricht auf ihr Smartphone, um Fragen zur aktuellen Befindlichkeit zu beantworten. Das eigentliche Ziel war es aber, herauszufinden, wie lange eine Person benötigt, um auf die Nachricht zu reagieren. Innert dreier Tage erhielt jede Testperson 15 Signale.
Das ist das Ergebnis: Von den insgesamt 1620 versendeten Nachrichten wurden deren 335 innerhalb der ersten Minute beantwortet. Die Antwortzeiten wurden mit der Fähigkeit zur Selbstkontrolle der Testpersonen verlinkt. Zu diesem Zweck hatten die Probanden sieben Wochen zuvor standardisierte Tests ausgefüllt. Mit Selbstkontrolle ist die individuelle Fähigkeit gemeint, mit einen Impuls kontrolliert umzugehen, ihn zu regulieren.
Das ist das Fazit: Jenen Personen, die gemäss dem standardisierten Test über eine geringere Selbstkontrolle verfügen, fiel es deutlich schwerer, nicht unmittelbar auf das Smartphone-Signal zu reagieren. Dieser Effekt blieb stabil, selbst als die Forscher eine Reihe von weiteren Persönlichkeitsmerkmalen in das statistische Modell einfliessen liessen.
Das ist an niedriger Selbstkontrolle problematisch: «Häufig ist dies ein Problem in Situationen, in denen es im Prinzip besser wäre, auf den kurzfristigen Nutzen zu verzichten, um stattdessen einen langfristigen Nutzen zu realisieren», sagt der Berner Verhaltensforscher Sebastian Berger. Beispiel: Wer an einem Stück Kuchen nicht vorbeigehen kann, ohne es zu essen und das, obschon er abnehmen will, wählt den kurzfristigen Nutzen.
Das ist das eigentliche Ziel der Forscher: Die Forschung will herausfinden, welche psychologischen Faktoren dazu führen, dass Smartphones so oft in risikoreichen Situationen verwendet werden – etwa während dem Autofahren. Dank der Berner Studie weiss man nun, dass einer der Faktoren, welche die individuelle Reaktion bestimmen, die Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist.
Das ist der Sinn des Ganzen: Die Grundlagenforschung aus der Neurowissenschaft könne etwa für Unternehmen wertvoll sein, heisst es von den Berner Forschern. Die Studienergebnisse könnten zum Beispiel herangezogen werden, wenn man darüber diskutiere, allen Mitarbeitenden ein Smartphone abzugeben oder nach Feierabend keine Emails mehr auf die Handys der Mitarbeitenden zu pushen.
Das kann man bei geringer Selbstkontrolle tun: Ein Ansatz ist es, die Situation, in welcher die Selbstkontrolle auf die Probe gestellt wird, zu entschärfen: Statt Schokolade oder Chips stellt man Äpfel auf den Fernsehtisch und isst diesen; vom Lohn wird Anfang des Monats automatisch ein gewisser Betrag auf ein Spar- oder Pensionskonto übertragen. Und für das Handy heisst das: Das Smartphone wird auch mal ausgeschaltet oder in eine Tasche gelegt – anstatt es immer griffbereit zu haben und damit immer wieder in Versuchung zu geraten, unmittelbar auf Signale zu antworten.