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Die Football-Kolumne von Coach Haas.
Nun, da der Superbowl vorbei und die NFL-Saison beendet ist, werden in Europa die Saisons bald angefangen. Die Hierachie der Ligen ist meines Erachtens seit Jahren mehr oder weniger dieselben. Die Austrian Football League (AFL) und die German Football League (GFL) sind vom Niveau her klar das Beste, was Football in Europa zu bieten hat. Teams wie die Swarco Raiders Tirol, Vienna Vikings, Kiel Baltic Hurricanes oder Braunschweig Lions sind seit Jahren konstant an der Spitze in Europa und ihren Ligen. Man könnte sagen, dass es eigentlich langweilig ist, dass immer dieselben Teams oben mitspielen und fast immer dieselben Meister werden. Was es jedoch bestimmt nicht ist. Dazu später mehr.
Gehen wir mal paar Jahre zurück, als ich General Manager bei den Calanda Broncos war und wir in der glücklichen Lage waren, Geld zur Verfügung zu haben. Wir haben gesagt, wir analysieren das ganze mal und schauen, was es braucht, um ganz oben in Europa mitzumischen. Der Plan war, zuerst im Efaf Cup mitzumachen, diesen zu gewinnen und dann im Eurobowl der Champions League mitzumischen. Jedoch ist das Ganze einfacher geplant, als es dann wirklich ist.
Den Efaf Cup gewannen wir erst im 2. Jahr, genauso wie dann 2012 den Eurobowl in Vaduz gegen die Vienna Vikings. 2012 hatten wir ein regelrechtes All-Star-Team zusammengestellt. Wir haben sehr viel Geld in hochkarätige Spieler investiert, die aus allen Ecken von Europa verpflichtet wurden. Viele Funktionäre anderer Teams waren nicht begeistert von unserer Strategie – jedoch war uns das ziemlich egal. Alle einheimischen Spieler und das ganze Jugendprogramm konnte von all diesen Import-Spielern lernen. Der Vorstand und die Spieler wussten, dass wir nur 2012 so viele Spieler einkaufen würden.
Lustig war ein Leserbrief eines Hockey-Funktionärs des EHC Chur in der Südostschweiz, der sich über die Broncos beschwerte, dass dies nur eine Retorten-Mannschaft sei. Ich werde meine Meinung zum EHC hier mal nicht äussern, jedoch: Ohne ihren einen grossen Geldgeber hätten sie nicht mal eine Halle, und dass Chur, das als Hockey-Stadt gilt, gerade mal in der ersten Liga spielt – ich weiss nicht, ob ich andere kritisieren würde. Dass American Football plötzlich auf der Front-Seite des Bündner Tagblatts und anderen Zeitungen auftauchte, gefiel nicht allen.
Ich bin mit den Coaches und General Managers der grossen Teams befreundet. Die Unterschiede zwischen der Schweizer NLA und der GFL oder AFL ist riesig. Ohne diese Einkäufe hätten wir den Eurobowl nicht gewonnen. Die Managers und Coaches von Wien und Innsbruck wissen das auch. Vielmehr waren es die nationalen Teams, die uns am meisten kritisierten und uns den Erfolg missgönnten.
Was würden diese Mannschaften machen, hätten sie einen grosszügigen Geldgeber? In Genf ist genau das eingetreten, und die Seahawks vom Genfersee haben bereits Nationalmannschaftsspieler aus Frankreich und Schweden eingekauft, obwohl Genf momentan noch in der NLB spielt!
Die Unterschiede der verschiedenen Länder liegt jedoch nicht nur bei den Spielern. Die Vienna Vikings haben eine eigene Football-Anlage, den Ravelin Football Complex. Das heisst: Zwei reine Football-Kunstrasenfelder für jede Jahreszeit, Fitness und Krafträume und über 300 aktive Spieler. Ein Stadion für die Heimspiele, in dem auch Profi-Fussball gespielt wird. Drei fest angestellte Football-Coaches mit vollamtlichem Front Office.
Daselbe in Innsbruck, wo im Ganzen 6-7 vollamtliche Leute vom Verein für Coaching, Marketing, Jugendarbeit usw. angestellt sind. Zudem wird die AFL auf ORF Sport ausführlich im TV gezeigt. Die Raiders tragen ihre Heimspiele im Tivoli Stadion aus, wo auch Wacker Innsbruck Profi-Fussball spielt.
In Deutschland sieht es nicht anders aus. Braunschweig und Kiel spielen in denselben Stadien wie die ProfiFussballer. Schwäbisch Hall hat von der Stadt soeben ein neues Stadion bekommen mit reinem Football-Feld und Tribünen in grün, den Vereinsfarben der Unicorns.
Wie sollte ein Schweizer Team, das Mühe hat, ein Kunstrasenfeld zu bekommen, den Eurobowl gewinnen, ohne solche internationalen Spieler zu verpflichten? Das ist schlicht nicht möglich, zumal die Schweizer Klubs von 300-400 aktiven Spielern wie in Wien und Innsbruck nur träumen können.
Die Realität hier bei uns in der Schweiz sieht ganz anders aus.Vor allem in den Wintertrainings. Die Broncos trainieren in einer Pferdereithalle auf Sägemehl. Andere Teams müssen in Turnhallen, was für Football gar nicht geeignet ist. In Basel, meinem jetzigen Verein, haben wir das grosse Glück, dass der Football langsam an Stellenwert gewinnt und wir auf dem St.Jakob-Kunstrasenfeld trainieren dürfen. In einer Fussball-Stadt wie Basel alles andere als selbstverständlich. Für unser Trainingscamp im März mussten wir zuerst warten, ob die U14 des lokalen Fussball-Teams kein Heimspiel auf der Wiese hat, erst dann wurde uns bestätigt, dass wir drauf dürfen.
Wenn wir schon beim Fussball sind: Wie gesagt wird Football kritisiert, dass immer dieselben Teams oben mitspielen, sei es national oder auch international. In jeder grossen Fussball-Liga ist es genau gleich, mit der Ausnahme England, diese Saison. Der FC Basel hat noch 14 Spiele vor sich und führt jetzt schon mit 16 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten! Wo ist da die Spannung?
Ich würde es jedem Team gönnen, einen grossen Geldgeber zu finden und in Imports und Jugendarbeit zu investieren. Die Schweiz spielt dieses Jahr zum zweiten Mal nacheinander nicht international mit. Letztes Jahr verzichteten wir mit Basel, dieses Jahr verzichten die Broncos. In der Europa Liga mitzumachen: Was für Spieler eigentlich ein Highlight wäre, wird bei den Vorständen unserer Vereine mangels Finanzen leider abgesagt.
(Bild: zVg., GRHeute)