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Der «Universitäts-Damentee» zur Einweihungsfeier des neuen Kollegiengebäudes 1939
Spätestens mit der Eröffnungsfeier des neuen Kollegienhauses von 1939 war die Tradition etabliert, dass die Ehefrauen der Universitätsangehörigen an Universitätsfeiern zu einem «Damentee» eingeladen wurden. Bis heute findet ein solcher Anlass jeweils am Dies Academicus statt, allerdings unter der angepassten Bezeichnung «Tee am Dies». Die Frau des Rektors, Meieli Staehelin-Kutter, erinnerte die anwesenden Gäste am Damentee 1939 daran, dass die Frauen ihren Männern die «nächsten Kameraden im Schützengraben» seien. Im Weiteren bedankte sich Frau Dr. Hildegard Bürgin-Kreis, Präsidentin der Akademikerinnen-Vereinigung, am Festbankett dafür, dass das Frauenstudium in Basel eine «ungehemmte Entwicklung» hatte nehmen können.
Das Festbankett im Casino war noch in vollem Gang, als die «Damen der Dozenten» am Nachmittag zum eigens für sie veranstalteten Programmpunkt, dem «Universitäts-Damentee», im Kollegiengebäude zusammentrafen. Rund 400 Frauen – Ehefrauen, Schwestern, Witwen und Töchter der Universitätsdozenten und der Gäste – nahmen an einem «ungezwungenen» Rundgang durch das neue Kollegienhaus teil und bestaunten insbesondere den von den Professorengattinnen gestickten und gestifteten Wandteppich für das Regenzzimmer, obgleich die Stickarbeiten noch nicht ganz abgeschlossen waren. Schliesslich nahmen die Frauen in der Aula Platz und wurden mit Kaffee und Kuchen verköstigt. Die Sitzordnung war durch das Los festgelegt worden, so dass lauter «bunte Tafelrunden» zustande kamen, wie die Ehefrau des Rektors, Frau Meieli Staehelin-Kutter, in ihrer Ansprache sagte.
Als alle Frauen in der Aula versammelt waren, stieg Frau Staehelin-Kutter in der Basler Sonntagstracht zum Stehpult hinauf und hiess die Gäste mit einer Ansprache in berndeutscher Mundart willkommen. Ihre Rede nahm die Motive auf, die ihr Mann morgens in der Münsterfeier ausgeführt hatte. Sie lobte die äussere Gestalt des neuen Kollegienhauses, unterstrich aber, «d' Houptsach muess si dr Geist, wo vo hüt a da inne wohne sötti». Wie aber sollten die Frauen dazu beitragen, das neue Haus zu «beseelen», wo die Universität doch vor allem ein Ort war, an dem der «männleche Geist» walte, «zum forsche, zum bore und nid nah lah»? Staehelin-Kutter bekräftigte, es sei gerade «die tiefsti Ufgab» und zugleich «vor mänger andere Frou so nes grosses Vorrächt» der Akademikerfrauen, ihre Männer unermüdlich dabei zu unterstützen, die Universität mit dem rechten «Geist» zu erfüllen: «Mir si üsne Manne die nächste Kamerade im Schützegrabe, i dr Verteidigung vom ne rächte Geist gege unerhörti, anderi Machtahsprüch, wo-n-is cho drirede wei.» Das bedeute, dass man als Akademikerfrau darum bemüht sein müsse, «dass mer e wite Blick dörfe ha über die persönliche Frage-n-use»; dass man weiter die rechten Werte «üse Chind möchte witergäh» und «d'Arbet vo üse Mann begleite».
Die Basler Nachrichten zitierten Staehlin-Kutter in ihrem Bericht zur Einweihungsfeier des neuen Kollegiengebäudes am 12. Juni 1939. Die Zeitung ging mit der Ehefrau des Universitätsrektors überein, dass das geflügelt Wort des Dichters Friedrich Rückert, Männer könnten wohl Häuser bauen, aber nur Frauen sie mit Geist beseelen, im Fall der Universität nicht ganz zuträfe. Wohl aber stimme folgendes: Die Dozentengattin werde «ihren Gemahl unterstützen in seiner verantwortungsvollen Aufgabe, die er dem Volk und Gott gegenüber hat, und dazu beitragen, dass ein guter Geist in dem Haus herrsche».
Etwa zur gleichen Zeit wie die Frau des Rektors zu den Damen im Kollegienhaus sprach, äusserte sich Frau Dr. Hildegard Bürgin-Kreis, die Präsidentin der Akademikerinnen-Vereinigung Basel, am Festbankett im Casino in ganz anderer Weise. Im Namen der Frauen, die an der Universität Basel studierten und studiert hatten, lag ihr daran zu betonen, dass «auch uns» das alte Kollegiengebäude am Rheinsprung «lieb und vertraut» war, und fuhr fort: «Aber auch wir freuen uns über das neue Heim.» Bürgin-Kreis gab einen Abriss über die Entwicklung des Frauenstudiums an der Universität Basel und sprach ihren herzlichen Dank dafür aus, dass dieses hier eine «ungehemmte Entwicklung nehmen konnte». Sie scheute sich aber nicht, in einem Nebensatz anzumerken, dass es vorab in erster Linie der Regierungsrat und der Grosse Rat gewesen waren, die «der neuen Zeit und ihren Bedürfnissen folgend, dem Frauenstudium wohlwollend gegenüber standen». Die Angehörigen der Universität hatten sich zuerst kritisch dazu verhalten, hatte eine bedeutende Zahl der Basler Dozenten doch befürchtet, mit der Anwesenheit von Studentinnen an der Universität würden sich «Unziemlichkeiten ergeben».