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JÄHRUNG IM VERHÄLTNIS
Das Verhältnis ist die Beziehung, welche Sache und Vertrauen zwischen dem Paar gegenseitig verschiebt. Sie umfasst versprecherisch den Vertrag, verbrecherisch die erlaubte Handlung sowie vertreuerisch die gerechtfertigte Bereicherung und vesrpreuerisch die doppelte gerechtfertigte Bereicherung. Im Vertrag und in der erlaubten Handlung verhalten sich beide, welche als Paar der Beziehung angehören, in deren Anfang und Ende zweckgerichtet. In der gerechtfertigten Bereicherung, sie sie einfach als Vertreuen oder zweifach als Verspreuen, fällt die Sache ohne ihr Zutun sowie ohne Wissen und Wollen des Paars auf beiden Seiten vom einen auf den andern. Erlaubte Handlung und gerechtfertigte Bereicherung verschiebt eine einzige Sache, während im Vertrag in der soppelten gerechtfertigte Bereicehrung zwei Sachen gegenseitig vom einen zum andern verrücken. Das Verhältnis ist in Anfang und Ende der Beziehung rechtmässig. Derjenige von den beiden, welcher die Sache erhält, darf sie behalten, wenn sie einen Nutzen verkörpert, und dieser, wenn es sich um Lasten handelt, muss sie behalten. Geschehen Grund als Anfang und Folge als Ende der Beziehung gleichzeitig, so unterliegt sie keiner Jährung. Fallen diese zeitlich auseinander, so geht das Vertrauen, sei es versprecherisch oder verbrecherisch, sei es vertreuerisch oder verspreuerisch, ohne Übergang der Sache mit der Jährung als Recht und Pflicht gegenseitig zurück zwischen den beiden, welche der Beziehung angehören, sofern sie nicht vorher anderweitig geendet hat.
Im Verhältnis beträgt die Jährung abgesehen von Ausnahmen zehn Jahre.
Wann sie zu laufen beginnt, hängt ab von der Art der Jährung, nämlich ob Erjährung oder Verjährung.
Beide Male bewirken besondere Umstände den Aufschub dieses Zeitpunkts und, wenn die Jährung angefangen, dass sie in der Zeit stillsteht oder neu zu laufen beginnt. Die Jährung aufschieben oder stillstehen lassen gewisse besonders enge Bezüge zwischen dem Paar der Beziehung wie unter Eltern und von ihnen versorgten Kindern, unter Arbeitgeber und mit ihm in einer Hausgemeinschaft lebendem Arbeitnehmer oder unter Eheleuten. Jährungen, welche für gerichtliche Begehren zu Beziehungen gelten, sind gehemmt und stehen still, solange Richter üblicherweise in den Ferien sind oder Betreibungsbeamte in der Vollstreckung der Verschiebung von Geld zulasten desjenigen, der im Militärdienst ist. Neu zu laufen beginnen Jährungen, wenn ein Verpflichteter seine Pflicht anerkennt oder Zinsen bezahlt oder Abschlagszahlungen leistet, oder wenn er Sicherheit stellt durch Pfand oder Bürgschaft. Aber auch wenn der Berechtigte gegen ihn eine Klage oder die Betreibung anhebt oder eine Eingabe im Konkurs macht. Jährungen zu gewissen Klagen sind davon insofern ausgeschlossen, als eingeleitete Prozesse zur Klärung der Wahrheit bis zum Ende durchgezogen werden müssen, ansonsten die Jährung als abgelaufen gilt. Wer etwa als Mieter von Räumen eine vom Vermieter ausgesprochene Kündigung anfechten will, muss dies nicht nur während der Dauer der dafür vorgeschriebenen Jährung tun, sondern das Verfahren auch prosequieren, und er kann nicht ein bei der Mietschlichtungsbehörde gestelltes Begehren zurück ziehen, um es, wenn die ursprüngliche Jährung abgelaufen, nach Ablauf von dreissig Tagen zu erneuern.
Als bester Kenner der Werke van Goghs galt der französische Kunsthistoriker Dr. de la Faille. Als er im Januar 1952 in Zürich einen Vortrag über diesen Künstler hielt, nutzte er die Gelegenheit, um in der Sammlung von Bührle besonders die Bilder des van Gogh anzusehen. Als de la Faille vor dem Selbstporträt des van Gogh stand, das Bührle rund dreieinhalb Jahre vorher gekauft hatte, erklärte er, dieses Bild sei ohne jeden Zweifel falsch, d.h. nicht von van Gogh gemalt.
Emil Bührle, geboren 1890 im badischen Pforzheim, hatte Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Der Besuch von modernen Galerien in München und Berlin weckte in ihm die Leidenschaft für Künstler wie Gauguin und van Gogh. Doch 1914 wandte sein Leben. Nicht Kunstsachverständiger sollte er mehr werden, sondern, bald zum Offizier befördert und an der Front in Frankreich und Russland, Spezialist für Maschinengewehre.
Der Krieg ging verloren. Auf Verderben und Zerstörung gerichtet, trägt Krieg schwer an innerm Widerspruch. Krieg ist gültig. Krieg macht schuldig wie ein Vertrag. Die einer solchen Beziehung angehören, werden denn juristisch korrekt ebenfalls Parteien genannt. Nach dem Urteil der Sieger hatte das Deutsche Reich eine unerlaubte Handlung begangen. Es wurde verpflichtet, den Schaden zu ersetzen und dafür Land abzutreten und Geld zu zahlen. Mittlerweile ist, soweit nicht erfüllt, alles längst verjährt. Geschichtswissenschafter aber beraten noch heute, ob mit dem im Friedensvertrag von Versailles gefällten Urteil die wirkliche und richtige Wahrheit erkannt worden war.
Deutschland war die alleinige Schuld zugeschoben worden. Von den damals Mächtigen wurde ihm verboten, weiter schwere Waffen zu haben oder herzustellen. Um das Diktat zu umgehen, wich man in die Schweiz aus. Bührle, 1919 in die Industrie gegangen, wurde abgeordnet, eine in Oerlikon bei Zürich übernommene marode Maschinenfabrik mit 80 Arbeitern zu leiten. Als sich die Gelegenheit bot, das Patent für eine kleinkaliberige Kanone zu erwerben, griff er zu. 1936 war er Alleininhaber des Unternehmens mit mittlerweile 2200 Arbeitnehmern. Die Waffe sollte das von allen Kriegsparteien am meisten eingesetzte Fliegerabwehrgeschütz des zweiten Weltkriegs werden. Bührle war ein geschickter Unternehmer. Doch an jener Auktion von 1939 hatte er das Selbstbildnis van Goghs sich entgehen lassen. Es war ihm schon zugeschlagen, als ein amerikanischer Agent sich lautstark meldete, er habe noch geboten und sei übersehen worden. Darauf wurde die Versteigerung nochmals aufgenommen. Bührle, der Usanzen von Kunstauktionen noch ungewohnt, war so wütend, dass er nicht mehr weiter bot.
Das Verhältnis unterliegt der Jährung. Die Jährung lässt sich durch Vereinbarung zwischen dem Paar, welches der Beziehung angehört, weder verlängern noch verkürzen. Ein Rechtsmittel bleibt, wenn es nach Ablauf der dafür geltenden Jährung angehoben wird, selbst dann wirkungslos, wenn ein Gericht oder sonst eine Behörde darin einwilligt, es sei denn, so das Gesetz, es handle sich nicht um eine ohne weiteres wahrzunehmende Frist, sondern von der Behörde anzusetzende, wo sie, wenn ein begründetes Gesuch vor Ablauf der Frist gestellt wird, deren Verlängerung gewähren kann.
Die Jährung ist entweder Erjährung oder Verjährung.