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Restaurant Ziegelhüsi
Das merkwürdige am "Ziegelhüsi" ist eigentlich sein Name. Er begegnet uns zum ersten Mal zu einer Zeit, als Mauerwerk und Ziegeldächer in der Regel nur für Repräsentationsbauten verwendet wurden. Ein "Hüsi" aus diesen kostbaren Materialien schien sich selbst zu widersprechen.
Alles begann 1706 mit dem Erwerb des oberen Deisswilgutes durch Johann Rudolf Scheurer. Erstmals erwähnt wird "Scheurers Ziegelhäusli" am 16. November 1719 im Chorgerichtsmanual von Stettlen. Das Chorgericht bestrafte vier Männer wegen Kartenspielens im Ziegelhäusli und hat ihnen die Sünd vorgestellt und jedem auferlegt zur Strafe fünf Batzen".
Das Ziegelhüsi war damals eine "steinerne und mit Ziegeln gedeckte Behausung von 48 Schuh im Geviert". Scheurer, Besitzer eines grossen Weingutes bei Neuenburg, brauchte das "Ziegelhäusli" vorerst als Umschlagplatz für seine Weinfuhren aus dem Neuenburgischen. Bald entwickelte sich das Weinhaus mit dem zunehmenden Verkauf über die Gasse zur "Pintenschenke", wo der Gast sämtliche Getränke an Ort und Stelle konsumieren konnte. Mit verschiedenen Besitzerwechseln, einem Konkurs (28. Mai 1903) und einer Brandkatastrophe (23. Februar 1904) hat das Ziegelhüsi eine wechselvolle Geschichte hinter sich gebracht.
Am 12. Dezember 1919 schloss Ulrich Joerg mit dem damaligen Besitzer einen Kaufvertrag ab "über die Wirtschaftsbeziehung zum Ziegelhüsi in Deisswil". Der Kaufpreis betrug 60`000 Franken. Damit investierte die Kartonfabrik in eine ihr scheinbar völlig fremde Branche. Nur scheinbar, denn nachdem die Kartonmaschine 2 ihre ersten 7`000 Tonnen produziert hatte, wuchs die Belegschaft sprunghaft an, und der Übergang zum Dreischichtbetrieb stand unmittelbar bevor. Damit wurde die Einrichtung einer Betriebskantine unentbehrlich. Seit 1919 ist die Geschichte des Ziegelhüsi eng mit dem Schicksal der Kartonfabrik verbunden. Von 1919 bis 1990 gab es nur vier Pächterwechsel.
Ab 1995 ist das Ziegelhüsi nur noch indirekt mit der Kartonfabrik verbunden. Eine Miteigentümergemeinschaft aus den nachkommen der Gründerfamilie kaufte es der österreichischen Mayr-Melnhof-Gruppe ab. Da das Ziegelhüsi mitten im Areal des ehemaligen Fabrikareals liegt, kaufte der Bernapark 2014 den Gastbetrieb zurück und integrierte ihn in die Planung und in die weiteren Infrastrukturprojekte des Betriebes. Damit schloss sich der Kreis, der 1919 mit dem Erwerb des "Ziegelhüsi" durch Ulrich Joerg begonnen hatte, um damals eine Kantine für seine Arbeiter zu eröffnen.
Das Ziegelhüsi mit seinen 12 Gault Millau Punkten ist heute ein Geheimtipp für hervorragende Küche und wurde unter der Führung von Franz Derungs und dem Nachfolger Fabian Mauerhofer (Geschäftsführer) zu einem Spitzenrestaurant in der Region Bern. Als besondere Attraktion wurde im Juli 2019 die Kegelbahn aus dem Dornröschenschlaf erweckt, sodass im Worblental diese "Präzisionssportart" nach langen Jahren wieder betrieben werden kann.