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Zytomegalie
Eine Zytomegalie (auch Cytomegalie oder CMV-Infektion) im Erwachsenenalter ist relativ häufig und hat einen harmlosen Verlauf. Erreger aus der Familie der Herpesviren werden über Schmier-, Speichel- und Tröpfcheninfektion sowie Geschlechtsverkehr übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 12 Wochen. Häufig verläuft eine Infektion unauffällig. Die meisten Menschen, die die Viren in sich tragen, bemerken nichts davon. Die einzigen Symptome sind eine leicht erhöhte Temperatur und, seltener, geschwollene Lymphknoten.
Problematisch wird CMV, wenn sich Frauen erstmals in der Schwangerschaft infizieren. Die Zytomegalie ist die am häufigsten übertragene vorgeburtliche Erkrankung - häufiger als Röteln oder Toxoplasmose! Oft bemerken die werdenden Mütter nicht, dass sie sich angesteckt haben. Sie fühlen sich vielleicht ein wenig matt und erschöpft – in der Schwangerschaft nichts Ungewöhnliches.
Die beste Prävention sind gute Hygienemassnahmen, insbesondere eine konsequente Händedesinfektion.
Grundsätzlich muss gesagt werden, dass bei einer Ansteckung mit dem CM-Virus nur ein geringes Risiko für das Kind besteht. Etwa 1% aller Neugeborenen sind damit infiziert, davon zeigen die weitaus meisten aber keine Krankheitssymptome. Nur eins von 4.000 Babys (das sind in der Schweiz ca. 20 pro Jahr) kommt mit einer schweren Zytomegalie-Infektion zur Welt. Sie ist charakterisiert durch verringertes Geburtsgewicht, Trinkschwäche, Vergrösserung von Leber und Milz, Gelbsucht, Anämie (Blutarmut), Blindheit, Taubheit, verminderten Kopfumfang (Mikrozephalie), Verkalkungen im Gehirn, Krampfanfällen und nachfolgender Entwicklungsverzögerung. Ernste Folgen sind bei einer Ansteckung des Ungeborenen im ersten oder zweiten Schwangerschaftsdrittel wahrscheinlicher als am Ende der Schwangerschaft. Und: So schwer erkrankt ein Ungeborenes nur dann, wenn seine Mutter in der Schwangerschaft zum ersten Mal eine CMV-Infektion durchmacht. Zweitinfektionen (s.u.), die auch selten einmal vorkommen können, scheinen dem Kind nicht zu schaden.
Das Tückische an der CMV-Infektion ist, dass Kinder, die sich im Mutterleib angesteckt haben und zunächst gesund zur Welt kommen, im Laufe der ersten Lebensjahre Krankheitszeichen wie zum Beispiel eine Hörminderung entwickeln können. Eine gute Nachsorge bei diesen Kindern ist unerlässlich, um mögliche Folgen der Infektion frühzeitig festzustellen und zu behandeln.
Die Übertragung erfolgt normalerweise im dritten oder vierten Schwangerschaftsmonat über die Plazenta, aber auch noch nach der Geburt über Muttermilch und Speichel. Dann sind besonders sehr kleine Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1000 g gefährdet.
Eine CMV-Infektion kann in manchen Fällen bereits vor der Geburt durch Auffälligkeiten im Ultraschallbild erkennbar werden, zum Beispiel wenn das Baby zu klein ist, es Wasseransammlungen im Körper hat oder einen zu kleinen Kopf mit evtl. Verkalkungen im Gehirn. Auch zuviel Fruchtwasser (Polyhydramnie) kann ein Hinweiszeichen sein. Wenn der Verdacht besteht, dass Ihr Kind sich angesteckt haben könnte, werden als zuverlässigster Hinweis die CMV-Antikörper im mütterlichen und dann sogar ggf. im fetalen Blut nachgewiesen. Oder der Arzt weist die Virus-DNA (d.h. das Erbgut des Virus) im Fruchtwasser, in den Chorionzotten oder im Nabelschnurblut nach.
Fachleute finden es sinnvoll, schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft zu kontrollieren, ob bei der Schwangeren CMV-Antikörper vorliegen, d.h. eine Erkrankung schon stattgefunden hat. Falls die Antikörper-Untersuchung ergibt, dass die Schwangere (oder die Frau mit Kinderwunsch) noch nie eine CMV-Erkrankung durchgemacht hat, wird sicherheitshalber eine Kontrolluntersuchung später in der Schwangerschaft (20.-24. Woche) durchgeführt.
Ungefähr die Hälfte aller Schwangeren hat - meist ohne es zu merken - schon einmal eine Zytomegalie durchgemacht und hat CMV-Antikörper. Daraus resultiert jedoch keine Immunität. Das Virus bleibt aber nach der Erstinfektion lebenslang in den Körperzellen und wird noch längere Zeit mit allen Körpersekreten ausgeschieden. ES kann selten reaktiviert werden. Auch kann es zu einer erneuten Infektion mit einem anderen, genotypisch unterschiedlichen CMV kommen. Hierbei wird aber das Risiko für eine Infektion des werdenden Kindes und vor allem für eine Schädigung als sehr gering angenommen. Denn in nur 1% aller Fälle überträgt sich der Erreger bei einer Zweitinfektion auf das noch ungeborene Kind und nimmt in einem winzigen Bruchteil negativen Einfluss auf seine geistige und körperliche Entwicklung. Im Fall dieser Re-Infektion lässt sich bei der Antikörper-Untersuchung eine "Serokonversion" feststellen, d.h. es wird eine akute Infektion (IgM-Antikörper) und nicht die länger zurückliegende Infektion (IgG-Antikörper) angezeigt.
Da es nicht möglich ist, Schwangere mit den herkömmlichen Medikamenten, sogenannten Virustatika, zu behandeln, wird werdenden Müttern mit Erstinfektion eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen empfohlen. Dabei fangen Antikörper die Cytomegalie-Viren ab und machen sie unschädlich. Da Immunglobuline durch die Plazenta wandern, kann auch das ungeborene Kind therapiert werden. Die Präparate sind derzeit nur für die Therapie von Patienten nach einer Transplantation zugelassen, aber nach bisherigen Ergebnissen wird die Behandlung gut vertragen und ist erfolgreich.
Newsticker
Zytomegalievirus-Infektion | 25.07.2016
Wichtigster Risikofaktor für das mütterliche Entwickeln spezifischer Antikörpern ist der enge Kontakt mit Kleinkindern. Das Risiko einer intrauterinen Transmission ist relativ hoch und abhängig vom Gestationsalter. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt kein generelles Screening. Wichtig ist eine gute Aufklärung der Schwangeren und Prävention durch gute Hygienemassnahmen (z.B. konsequente Händedesinfektion). Schwangere in Risikoberufen wie Betreuende von Kleinkindern haben kein generelles Beschäftigungsverbot. Bei einer (vermuteten) CMV- Infektion in der Schwangerschaft müssen weitere Abklärungen durch einen Spezialisten für feto-maternale Medizin erfolgen. Weiterbetreuung und Abklärung des Neugeborenen sollte zeitnah nach einem positiven Virusnachweis in den ersten drei Lebenswochen einsetzen. Stillen eines gesunden Neugeborenen ist erlaubt und regelmässige Hörtest-Kontrollen auch noch nach Jahren sinnvoll.
Letzte Aktualisierung : 30-11-17, BH