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Die verschiedenen Abhängigkeitstypen
Gewisse Spezialisten unterschieden zwischen physischen,psychologischen und Verhaltensabhängigkeiten. Die Idee dahinter ist, dass die physische Abhängigkeit durch den Effekt der aktiven Substanz auf das Gehirn entsteht (im Fall des Tabaks das Nikotin). Die psychische und die Verhaltensabhängigkeit hingegen würden von andern Faktoren abhängen: Man raucht lieber in gewissen Gemütszuständen oder Situationen. Für gewisse Personen taucht das Rauchverlangen auf, wenn sie von andern Rauchern umgeben sind. Für andere geschieht dies eher vor einem Buch, dem Computer, einem Kaffee oder einem Glas Alkohol.
| Die Abhängigkeitsphänomene besser verstehen (PDF) (auf französisch)

Die Einteilung nach Abhängigkeitstypen ist kein neues Modell. Heute denken viele Wissenschaftler, dass man trotz der Komplexität nicht versuchen sollte, die Abhängigkeit zu unterteilen, weil es keine klaren wissenschaftlichen Regeln dazu gibt. Wie dem auch sei, kann man die verschiedenen Abhängigkeitstypen vorstellen, indem man sich bewusst ist, dass es sich wahrscheinlich um verschiedene Arten der Wahrnehmung der gleichen Realität handelt.
Die physische oder pharmakologische Abhängigkeit erklärt sich wahrscheinlich durch die bei regelmässigen Rauchern erhöhte Anzahl an "Nikotinrezeptoren" auf der Oberfläche von Nervenzellen. Diese Rezeptoren heissen so, weil Nikotin sich unter Laborbedingungen sehr stark daran bindet (und wenn man raucht!).
Aber unter natürlichen Bedingungen gibt es kein Nikotin im menschlichen Körper: Die Nikotinrezeptoren sind tatsächlich bekannt dafür, einen Neurotransmitter namens Acetylcholin zu binden. Acetylcholin ist einer der geläufigsten Neurotransmitter im menschlichen Körper, vor allem im Gehorn, aber auch bei der Muskelaktivierung.
Die Nikotinaufnahme ist also imstande, Wirkungen auf allen bewussten und unbewussten Ebenen des Menschen zu haben. Bei abhängigen Personen zeigen Studien, dass die Anzahl an Nikotinrezeptoren langsam nach dem Rauchstopp abnimmt. Ein normales Level ist frühestens erst nach 6 bis 12 Monaten erreicht.
Die aktuten Wirkungen im Zusammenhang mit der physischen Nikotinabhängigkeit (Entzugserscheinungen) vergehen jedoch nach 1 bis 2 Monaten nach dem Tabakstopp, je nach Abhängigkeitsgrad. Aus diesem Grund ist es wichtig, Behandlungen (ärztliche Beratungen, Nikotinersatzprodukte, Bupropion) während mindestens 2 Monaten durchzuführen.
Die psychologische oder psychische Abhängigkeit dauert länger als die physische Abhängigkeit, und ist schwieriger zu fassen. Personen mit dieser Form der Abhängigkeit brauchen Zigaretten, um zu denken, um sich zu entspannen oder ganz einfach um sich gut zu fühlen. Gewisse Raucher gehen sogar so weit, zu denken, dass sie ohne Tabak nicht mehr Leben können, und dass das Produkt ein fester Bestandteil ihres Erwachsenenlebens ist. Man muss mit 6 bis 12 Monaten oder noch mehr rechnen, um die psychologische Abhängigkeit loszuwerden.
Die Verhaltens- oder Umfeldsabhängigkeit hängt von der psychologischen Abhängigkeit (und der physischen Abhängigkeit) ab, aber betrifft spezifisch die Gesten, die man täglich vollführt. Sie ist weit davon entfernt, harmlos zu sein, weil die regelmässigen Raucher ihre Hand mehrere hundert Male pro Tag zum Mund führen. Um der Verhaltensabhängigkeit entgegenzuwirken, rät man gewissen Personen, in den Wochen nach dem Rauchstopp Kaugummis oder Bonbons zu kauen, die Hände zu beschäftigen, oder mit einem Objekt in der Tasche zu spazieren, um die Zigarettenpackung zu ersetzen.
Das Konzept der oralen Phase gibt vor, dass die Beziehung zur Zigarette ähnlich ist wie die ersten Glücks- oder Zufriedenheitsgefühle an der mütterlichen Brust. Die immer griffbereite Zigarette wird zum Mund geführt, um gegen alle Aengste vorzugehen. Die Raucher mit einem Problem der oralen Phase riskieren eher als andere, ihren Entzug durch eine erhöhte Nahrungsaufnahme oder stärkeren Alkoholkonsum zu kompensieren.
Im Allgemeinen ist es wichtig, zu verstehen, dass die Zigarettenabhängigkeit eine Kombination all dieser Faktoren ist. Nur weil eine Person empfänglich ist für die psychologischen Aspekte, heisst das nicht, dass sie nicht physisch auf den "Nikotinshot" jeder Zigarette reagiert.
Gemäss neuen Forschungsresultaten des italienischen Wissenschaftlers Christian Chiamulera könnte das Nikotin im Gehirn so wirken, dass die verschiedenen Abhängigkeitstypen verbunden werden. So soll es die Raucher aufmerksamer machen für die Tabakanzeichen in ihrem Umfeld (Gerüche, visuelle Merkmale, Ambiente). Und es soll die unbewusste Verbindung zwischen diesen Anzeichen und dem Rauchen an sich verstärken. Weil das Nikotin im Allgemeinen die Nervenbahnen im Gehirn stimuliert, ist eine solche Erklärung durchaus plausibel.
Die Abhängigkeit der Frauen in Bezug auf die Zigarette besitzt zweifelsohne eine stärkere psychologische Komponente als die Abhängigkeit der Männer, die sich mehr auf die Wirkung der "Shots" konzentriert. Gemäss Studien des amerikanischen Wissenschaftlers Kenneth Perkins sind Frauen empfänglicher für die Geruchs- und Geschmacksaspekte der Zigarette: Wenn man ihnen den Geruch oder den Geschmack ihrer Lieblingsmarke wegnimmt, verlieren Sie viel mehr Zufriedenheit als Männer.
Test
Bibliographie
- . C Chiamulera. Brain Research Reviews, In Press (2004).
- . KA Perkins, E Donny, AR Caggiula. Nicotine & Tobacco Research 1(4), S. 301-315 (1999).
- . KA Perkins. Pharmacology Biochemistry and Behavior 64(2), S. 295-299 (1999).