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Bjørn Lomborg, PhD, Autor des Buches «Klimapanik», Gastdozent an der Hoover Institution der Stanford University sowie Gründer des Thinktanks Copenhagen Consensus Center
Standpunkt
Es ist leicht, Klimakatastrophen zu konstruieren: Man nimmt einen beunruhigenden Trend und projiziert ihn in die Zukunft. Dabei ignoriert man alles, was die Menschheit tun könnte, um sich anzupassen. So behauptet beispielsweise eine unlängst im Wissenschaftsmagazin «Science Advances» veröffentlichte Studie, dass Hitzewellen bis zum Ende des Jahrhunderts in 15 US-Grossstädten Tausende von Menschen töten könnten, wenn die globale Erwärmung anhält. Allerdings: Die Studie ignoriert, dass die Menschen mehr Klimaanlagen installieren werden.
Kurz: Ja, das Klima verändert sich, aber ebenso das menschliche Verhalten. Kommt es beispielsweise aufgrund höherer Temperaturen zu Ernteausfällen, werden Bauern vermutlich andere Sorten oder Pflanzen anbauen. Wenn der Meeresspiegel steigt, bauen Regierungen Dämme, Flutmauern und Entwässerungssysteme.
Eine Studie aus dem Jahr 2021 belegt dies: Der grösste Fehler bei Prognosen über den Anstieg des Meeresspiegels bestehe darin, dass sie die Anpassungsfähigkeit des Menschen ignorierten und so die Überschwemmungsrisiken im Jahr 2100 um das 1300-Fache überzeichneten. Ginge man davon aus, dass sich die Gesellschaft bis zum Jahr 2100 nicht an den Anstieg des Meeresspiegels anpasste, würden weite Teile der Welt regelmässig überflutet. Im Jahr 2100 würde das jährlich Schäden von insgesamt 55 Billionen Dollar[1] verursachen. Das sind etwa 5 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts. Doch die Studie betont, dass sich die Gesellschaften wahrscheinlich eben doch anpassen werden.
Man muss nicht den Untergang prophezeien, um den Klimawandel ernst zu nehmen.
Durch Anpassung lassen sich die Folgekosten der globalen Erderwärmung zwar nicht gänzlich vermeiden, aber doch zumindest drastisch reduzieren. Ausserdem sind Anpassungen viel wirksamer als CO2-Einsparungen, wenn es darum geht, Überschwemmungsrisiken zu senken. Dieselbe Studie zeigt, dass wir durch den Bau höherer Dämme bis zum Jahr 2100 fast den gesamten prognostizierten Schaden verhindern können: Anstelle der in vielen Medien verbreiteten Zahl von potenziell 187 Millionen Flutopfern (ohne jegliche Anpassung) wären mit Anpassungen bis zum Ende des Jahrhunderts nur 15’000 Menschen global von Flutkatastrophen betroffen. Somit wären mehr als 99,99 Prozent potenzieller Flutopfer sicher. Ohne Anpassung würden selbst strenge Klimavorschriften, die den globalen Temperaturanstieg unter 2 Grad Celsius halten, die Zahl der Überschwemmungsopfer bis zum Ende des Jahrhunderts von 187 nur auf 85 Millionen pro Jahr reduzieren.
Zudem überrascht, dass der Bau von Dämmen plus eine strenge Klimapolitik nur eine geringe Verbesserung der Situation bringen: Statt der 15’000 Flutopfer, die man rein durch Anpassung erreichen würde, wären es mit zusätzlicher strenger Klimapolitik immer noch 10’000 – also nur rund ein Drittel weniger. Der Weg über strengere Klimavorschriften würde aber Hunderte von Billionen Dollar kosten, wohingegen die damit einhergehenden geringeren Kosten für Überschwemmungsschäden und Deichbau mit lediglich 40 Milliarden Dollar zu Buche schlügen.
Man muss nicht den Untergang prophezeien, damit der Klimawandel ernst genommen wird. Wenn in der Klimadiskussion aber Anpassungsmassnahmen ausser Acht gelassen werden, ist dies eine bewusste Irreführung.
- Ausgedrückt im Dollarwert des Jahres 2005.
Zitiervorschlag: Bjørn Lomborg (2023). Standpunkt: Der Mensch kann sich anpassen. Die Volkswirtschaft, 10. Oktober.