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Eigentlich ist es schon über 20 Jahre her, seit der Ceausescu-Clan bei Steaua Bukarest nicht mehr die Fäden zieht. Nun scheinen beim rumänischen Rekordmeister aber wieder alte Machenschaften ans Tageslicht zu rücken.
Mitte der 80er-Jahre gehörte der rumänische Klub Steaua Bukarest zu den ganz grossen Mannschaften Europas. 1986 gewann man in Sevilla gegen das favorisierte Barcelona sogar den Europacup der Landesmeister, den Vorgänger der Champions League. Steaua, rumänisch für Stern, war die erste osteuropäische Mannschaft, welche sich diesen Titel sichern konnte.
1989 stand man nochmals im Final, kassierte aber eine 0:4-Niederlage gegen die AC Milan. Noch im selben Jahr setzte in Rumänien die Wende ein und die goldenen Zeiten von Steaua waren auf einmal passé. Denn bis dahin gehörte der Verein zur rumänischen Armee und wurde von der Diktatoren-Familie Ceausescu unterstützt.
Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es in Rumänien zwei Fussball-Mannschaften, die um den Titel mitspielen konnten und eng mit der Politikerkaste verbandelt waren. Zum einen war das Dinamo Bukarest, das mit der Geheimpolizei «Securitate» verknüpft war und zum anderen Steaua Bukarest, das unter der Gunst des Ceausescu-Clans stand.
Da das Gleichgewicht Anfang der 80er Jahre zugunsten von Dinamo zu kippen drohte, stieg Valentin Ceausescu, Sohn von Despot Nicolae Ceausescu, ins Fussball-Business ein und sorgte – mit welchen Mitteln auch immer – für einen Umschwung. Es folgten sechs Meistertitel in Serie für Steaua, unglaubliche 119 Heimspiele ohne Niederlage und wie bereits erwähnt: der Sieg im Meistercup.
Nach der Entmachtung der Ceausescu-Familie übernahm im Jahr 2003 der Wendegewinner George «Gigi» Becali das Ruder bei Steaua. Doch Becali ist mittlerweile ebenso wie Klub-Manager Mihai Stoica in Haft. Der oberste Gerichtshof Rumäniens entschied vergangenen Mittwoch, dass Steaua Bukarest seit dem Jahr 2004 den Vereinsnamen und das Vereinswappen «Steaua» unrechtmässig verwendet habe. Der Markeninhaber sei das rumänische Verteidigungsministerium und dieses habe den Gebrauch der Marke «Steaua» nicht genehmigt.
Die Konsequenz: Vergangenes Wochenende verzichtete der Klub auf das Klub-Emblem und trat nicht im traditionellen rot-blauen Dress an, sondern in gelb. Dabei wurde das Steaua-Logo vom Materialwart abgeklebt. Für das Abdecken der Trainingsjacke reichte die Zeit hingegen nicht mehr. Die Spieler mussten die Jacke deshalb mit der Innenseite nach aussen tragen.
Aber nicht nur das Spieler-Outfit musste den neuen Gegebenheiten angepasst werden, auch die Anzeigetafel wurde umgestaltet. Dort, wo normalerweise das Logo prangt, war lediglich eine schwarze Lücke zu sehen. Obschon die identitätslose Mannschaft keinen Namen und kein Emblem mehr hat, führt sie die Tabelle mit neun Punkten vor Cluj an.
Gestern wurde nun auch eine temporäre Einigung zwischen der Klubführung und dem rumänischen Verteidigungsministerium getroffen: Bis zum 15. Dezember darf «Steaua» provisorisch noch einmal «Steaua» heissen und in der Europa League gegen Kiew auch mit dem Vereinswappen auflaufen. Wie es im neuen Jahr weitergeht, dass steht noch in den Sternen, oder eben: in den «Steaua».