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Nach 2 Monaten als Liveaboard und 11 Monaten als Cruiser werde ich hier die Unterschiede dieser beiden Lebensstile auf unserem Segelboot zusammenfassen.
Liveaboard oder Cruiser ? Während unserer 11-monatigen Segelreise sind wir zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten gesegelt, haben den Atlantik überquert und haben mehr als 7500 Meilen gemacht. Die letzten zwei Monate habe ich an Bord unseres Segelbootes vela dare als Liveaboard im Hafen von Golden Isles, einem Yachthafen der Morningstar Marinas Gruppe, verbracht. Der Hafen befindet sich in St. Simons Island, Georgia, an der Ostküste der USA. Ich hatte bereits zwei Artikel über mein tägliches Leben als Liveaboard und auf der Insel St. Simons geschrieben.
Hier ist also meine Liste der Unterschiede zwischen dem Leben an Bord eines Segelbootes, das in einem Hafen bleibt, also als Liveaboard, und dem Leben auf einem Segelboot, mit dem wir regelmäßig reisen, also als Cruiser.
Als Liveaboard ist es einfacher, Vorräte zu beschaffen.
Als Liveaboard auf St. Simons Island kenne ich die umliegenden Geschäfte und weiss genau wo ich welche Artikel finden kann. Ich kann mit dem Fahrrad einkaufen gehen oder mir das Auto vom Hafen ausleihen. Darüber hinaus ist die Auswahl in den USA groß und vielfältig. Als Cruiser muss man jedes Mal nach den Geschäften suchen und sie sind meist weit weg von den Liegeplätzen. Wenn man auf kleinen Inseln oder Ankerplätzen fernab der Zivilisation ankommt, haben die Geschäfte oft nur Dosen und Reis und kein frisches Fleisch oder Milchprodukte. Bei frischem Obst und Gemüse hingegen sind schöne und gut gereifte Früchte und Gemüse meist auf den Märkten der Inseln zu finden. Und Eier von kleinen Inselmärkten wurden nicht wie in den USA behandelt oder kalt gehalten. So kann man solche Eier ungekühlt aufbewahren.
Als Liveaboard kann ich an Kursen teilnehmen.
Ich konnte auf St. Simons Island wieder mit dem Yoga beginnen. Ich habe ein Abonnement, das es mir erlaubt, mehrmals pro Woche zu verschiedenen Yogaklassen zu gehen. Indem ich regelmäßig dorthin gehe, habe ich meine Flexibilität wirklich verbessert. Es gibt alles von Yin-Yoga bis hin zu Yoga am Strand, und das alles mit hochqualifizierten Lehrern.
Da ich viel Zeit habe, habe ich auch mehrere Apps für Spanischkurse auf mein Natel installiert. Ich mag Duolingo. Diese Anwendung erfordert ein gutes Internet-Netzwerk, das wir am Hafen haben und das wir als Cruiser nicht hatten.
Als Liveaboard weiß ich, wo ich eine günstige Tasse Kaffee, Klimaanlage und ein gutes Internet-Netzwerk bekommen kann
Wenn es sehr heiß ist und ich eine Radtour unternommen habe, ist es ein Vergnügen, in einem klimatisierten Raum einen (Eis-)Kaffee zu trinken und kostenlos im Internet surfen zu können. Ich kenne die meisten guten Adressen dafür auf St. Simons Island. Als Cruiser hat man entweder vorher im Internet recherchiert oder man hat das Glück gerade vor kurzen einen anderen Cruiser getroffen zu haben, der uns den richtigen Tipp gegeben hat…. Aber andererseits ist der Bewegungsradius mit dem Fahrrad nicht sehr groß, so dass wir die Orte sehr schnell (zu) gut kennen. Man hat seine kleinen Gewohnheiten, geht immer an die gleichen Orte und tut immer das Gleiche.
Als Liveaboard kennt man (fast) alle Bewohner des Yachthafens
Und so rede ich mit vielen Leuten. Es ist unmöglich, „schnell“ auf die Toilette zu gehen, ich treffe anderen Leuten und wir reden… andererseits haben die meisten Menschen in der Marina entweder einen festen Job oder sind im Ruhestand, so dass ihr Alltag geregelt ist und ohne viele Überraschungen. So nach einer Weile wiederholen sich die Geschichten und dann ist da noch der Klatsch…..
Als Cruiser lerne gerne neue Leute kennen und unsere jeweiligen Erfahrungen auszutauschen, wenn wir in unbekannten Ankerplätzen und Häfen ankommen. Oder, noch besser, ich finde toll wenn wir wieder Segler sehen, die wir an einem anderen Ort getroffen hatten und dann über ihre Reise und Abenteuer reden kann.
Als Liveaboard haben wir einen guten Zugang zum Internet
Und ich verbringe Stunden vor meinem Computer und mit meinem Telefon…. Ich habe den Blog aktualisiert und einige Schritte unternommen, um die Sichtbarkeit des Blogs zu verbessern (ein Artikel über Pinterest ist bereits vorhanden und ein weiterer wird folgen). Ich lese viele Blogs von anderen Seglern und folge verschiedene Foren (z.B.women who sail), um eine Vorstellung davon zu bekommen, was auf unserer Reise als nächstes kommt. Ich vergleiche auch die Preise und Qualität von verschiedenen Artikeln, die wir benötigen, um vela dare für den Pazifik auszustatten. Ich habe auch verschiedene Apps auf meinem Telefon installiert (Wetter, Pinterest, Instagram, Spanischkurs, Yogakurs usw.). Besonders jetzt wo die Hurricane Season da ist, habe ich viele Internetseiten mit aktuellen Infos über die Situation gespeichert. Es wird schwer sein, nicht mehr über alle diese Informationen zu verfügen, wenn wir unser Leben als Cruiser wieder aufnehmen.
Als Liveaboard haben wir die Möglichkeit, Pakete zu erhalten
Die Möglichkeit, die Hafen-Adresse zu verwenden, um sich Pakete zusenden zu lassen, ist sehr praktisch. Endlich können wir Ersatzteilen für das Segelboot bestellen oder uns Artikel liefern lassen, die wir sonst nicht finden können (unter anderem meine Rohstoffe für selbstgemachte Kosmetikas). Es ist aber auch schwierig, der Versuchung zu widerstehen. Es gibt so viele verlockende Angebote im Internet, dass ich zu viele Dinge bestellen möchte.
Als Liveaboard hat man ein Boot, das sich kaum bewegt, mit ständigem Zugang zu Wasser und Strom
Die Herstellung von DIY-Kosmetik auf einem Segelboot ist viel einfacher, wenn ich die Mikrowelle benutzen kann, wenn die Waage funktioniert (es funktioniert nicht, wenn sich das Boot zu sehr bewegt) und wenn ich meine gesamte Ausrüstung waschen kann, ohne Wasser sparen zu müssen. So bin ich dabei, unseren Bestand an Waschmitteln, Cremes und selbstgemachten Deodorants wieder aufzufüllen. Die Rezepte der Produkten, finden Sie in meinem Blog Miss Kosmetik.
Als Liveaboard haben wir Zugang zu den Sanitäranlagen des Hafens
Endlich kann ich wieder lange heiße Duschen nehmen und ich brauche das Badezimmer vom Boot nach der Dusche nicht zu reinigen. Unser Badezimmer ist klein und wenn man duscht muss man danach die Wände und Boden abtrocknen (und bis ich fertig bin, bin ich wieder verschwitzt…)
Bei den Sanitäranlagen gibt es in der Regel auch eine Waschmaschine. Ich brauche keine Wäsche meilenweit zu transportieren und muss die Wäsche nicht von Hand waschen.
Als Liveaboard muss ich das Schwarzwassertank leeren lassen
Wenn wir regelmäßig auf hoher See sind, könnten wir unseren Toilettentank mit der Pumpe auf hoher See leeren. Nur wenn die Pumpe nicht funktioniert (wie auf den Bahamas), ist es grausam die WC-Pumpe reparieren zu müssen (stinkt extreeeem)….. In den USA ist es verboten, sein Schwarzwasser in Flüsse oder in der Küstennähe zu leeren. Man muss den Hafenbeamten beauftragen, um seinen Tank zu leeren. Hier in St Simons Island gibt es eine neue Pumpenanlage und es ist relativ schnell und geruchlos und kostet 5 Dollar pro Pumpout…. Um es nicht zu oft machen zu müssen, versuche ich, so viel wie möglich, zu den Sanitäranlagen im Hafen zu gehen.
Als Liveaboard auf St. Simons Island muss man den Bootsrumpf jeden Monat reinigen lassen.
In der Marina von St. Simons Island gibt es viele Strömungen und das Wasser ist sehr braun da wir neben den Sümpfen sind. In wenigen Tagen bilden sich die Algen an den Rumpf unseres Segelbootes. Das Wasser im Hafen ist mir wirklich zu schmutzig und ich weiß nicht, welche Tiere darin kriechen (ausser Schildkröten), also setze ich keinen Fuß hinein. Dementsprechend muss ich einen spezialisierten Taucher hinzuziehen, um den Rumpf unseres Bootes zu kratzen und zu reinigen. Und als ich ihn am Rumpf kratzen höre, weiß ich, dass es nicht nur Algen, aber auch Muscheln gibt. Und ich will nicht, dass die Muscheln den Rumpf beschädigen. Aber es kostet etwa 120 Dollar im Monat.
Als Liveaboard auf St. Simons Island mussen die Anode sehr oft gewechselt werden
Die Anode, die wir auf unserem Motorpropeller angebracht hatten, hatte ein Jahr gehalten, als wir im Reisemodus waren. Wir haben hier im Hafen eine neue Anode installiert, aber in weniger als einem Monat war sie beschädigt. Es scheint, dass eines (oder mehrere) der umliegenden Boote Probleme mit seinen elektrischen System hat und dass Strom unsere Anode angreift.
Als Liveaboard auf St. Simons Island, gehe ich im Schwimmbad wenn es zu heiß wird
Im Hafen weht weniger Wind als vor Anker. In Georgia ist es heiß und feucht und ich habe keine Klimaanlage auf unserem Segelboot. Bei mehr als 35°C ist ein Bad verlockend. Ich bin eigentlich auf einer Insel aber das Wasser im Fluss ist brackig und braun und auch das Wasser des Atlantiks ist nicht sehr schön. Wir sind weit weg vom türkisfarbenen Wasser der Bahamas…. also muss ich im Pool schwimmen.
Als Liveaboard musste ich feststellen, dass auch im Hafen:
- die Basilikumpflanzen nicht länger als eine Woche überleben (es sind immer mehr als 30°C im Boot).
- Ich muss immer mehrere Wetterprognose ansehen (sie sagen nicht alle dasselbe und es ist besser, die Fenster geschlossen zu haben und nicht auf dem Fahrrad zu sein, wenn Stürme kommen).
- Das Boot bewegt sich viel und aus verschiedenen Gründen: bei Stürmen, mit Windböen und wegen der Strömung und Flut.
- Putzen muss ich viel: Die Sümpfe ringsherum bringen viel schwarzen Staub, die Vögel hinterlassen ihre Abfälle und ich finde mein Haar überall (da möchte ich wieder sehr kurze Haare haben)…..
- es gibt viel Lärm: Autos, die über die Brücke fahren, lose Seile von anderen Booten, der Lärm der Klimaanlage der Nachbarn, Besucher der Restaurants usw.
Liveaboard hat viele Vorteilen. Aber nach 2 Monaten Liveaboard, vermisse ich das Leben eines Cruisers. Ein Segelboot ohne Segel, das sich nicht bewegen kann, ist eine traurige Sache. Ich freue mich, dass Willi zurückkommt, dass die Hurrikansaison vorbei ist und dass wir das Boot für den Süden vorbereiten können.
Und was für ein Leben sagst Dir zu? Lieber Liveaboard oder Cruiser?