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Das Institut für Soziologie trauert um Urs Jaeggi
Urs Jaeggi, emeritierter Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin, ist am 13.2.2021 im Alter von 89 Jahren verstorben.
Bern zählte zu den Stationen eines (in seiner Selbstbeschreibung) „krummen“ doch äusserst eindrucksvollen, ja einmaligen Lebenswegs—hier promovierte und assistierte Urs Jaeggi; 1961 war er interimistischer Leiter des damaligen Seminars für Soziologie. Eine in Bern verfasste Studie über die (klägliche) Berichterstattung Schweizer Medien über den Vietnamkrieg hat ihm am Ort wenig Freunde gemacht. Jaeggi zog weiter, über eine Gastprofessur in New York, nach Berlin. Dort schrieb er, am Ende der bewegten 60er Jahre, die er mitgestaltet hat, ein giftiges und griffiges Buch über „Macht und Herrschaft in der Bundesrepublik“. Jaeggi war aber nicht nur Soziologe—er war vieles mehr: Maler, Bildhauer, mehrmalig preisgekrönter Romanautor (unter anderem erhielt er den Ingeborg-Bachmann Preis der Stadt Klagenfurt). Zum 50. Geburtstag des Berner Soziologieinstituts, im April 2010, bei dem wir ihn empfangen durften, präsentierte sich Jaeggi als „Früher-einmal Soziologe“. Abstrakte Theorie mochte er nicht—„zuerst das Konkrete, wirkliche Handelnde, wirkliche Materialien, dann die Erklärungen“, das war Urs Jaeggi, der Soziologe. Es war das einzige Mal, dass ich ihn traf. Ich hatte eine raumgreifende Persönlichkeit erwartet—doch er schien bescheiden, ja schüchtern. 1978, als ich in Berlin mit der Soziologie anfing, erzählten sich die damals Langhaarigen, in der Stadt Lou Reeds und David Bowies, dass Jaeggi am liebsten mit seinen Freunden zu Hause Jazz hörte. Gern hätte ich mitgehört.
Christian Joppke
Geschäftsführender Direktor, Institut für Soziologie, Universität Bern