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LBJ
Viele von uns dürften mit dem Namen Lyndon B. Johnson - geschweige denn mit dem Kürzel LBJ - etwas anzufangen wissen. Selbst viele (junge) Amerikaner haben kaum Kenntnisse über ihren Ex-Präsidenten. Er war John F. Kennedys Vizepräsident, der, nach dem Attentat auf Kennedy, an dessen Stelle als mächtigster Mann der Welt rückte. Mit dem Amtsantritt erfüllte sich ein langersehnter Wunsch Johnsons. Doch wie ging er mit dem schweren Erbe um, in die Fussstapfens eines Kennedys zu treten? Der Film fokussiert sich auf die Zeit zwischen dem Wahlkampf, bei dem er zuerst gegen JFK antrat, und seiner Antrittsrede als neuer US-Präsident. Doch warum sollte man ausgerechnet jetzt einen Film über diesen eher unscheinbaren Präsidenten machen, auf den später der berüchtigte Nixon ins Weisse Haus folgte? Die Beantwortung dieser Frage führt uns direkt zu den aktuellen Ereignissen in den USA, rund um die "Black Lives Matter" Bewegung. John F. Kennedy setzte sich stark für die Rechte von Schwarzen und anderen Minderheiten ein. Doch nach seinem Tod war es Johnson, der dessen Civil Rights Act von 1964, der die Rassentrennung in den USA abschaffen sollte, im Kongress durchsetzte. War er bloss ein Opportunist, der die Gunst der Stunde bei den Wählern für sich gewinnen wollte? LBJ zeichnet von Johnson das Bild eines knallharten und berechnenden Politikers, der von den Menschen geliebt werden will. Doch er ist auch ein echter Südstaatler, der nie darum verlegen ist, dass Wort Nigger in den Mund zu nehmen und der Liberale (wie JFK) zunächst verabscheut. Was genau letztlich zu diesem Sinneswandel bei Johnson geführt hat, erklärt der Film nicht, doch Woody Harrelsons grossartige Verkörperung lässt tief blicken. Das Widerspiegeln seiner Seele gelingt ihm einiges glaubwürdiger als beispielsweise Leonardo DiCaprio in J. Edgar. Und das will was heissen!
Die klassische Erzählweise von Regisseur Rob Reiner, dem wir grossartige Filme wie Stand by Me, Harry und Sally, Misery, Die Braut des Prinzen oder This is Spinal Tap zu verdanken haben, wirkt etwas verstaubt und gänzlich unspektakulär, doch das reisst Harrelsons unprätentiöse Darbietung locker wieder wettgemacht. Was unter dem Strich in Erinnerung bleibt, ist jedoch kaum mehr als eine lehrreiche Geschichtsstunde mit starken schauspielerischen Leistungen des gesamten Casts. Doch letztlich wird dieses Biopic, genau wie sein porträtierter Präsident Johnson, schon bald wieder in Vergessenheit geraten.
LBJ (Kurzinhalt)
Als Lyndon Baines Johnson 1908 in eine arme Bauernfamilie in Texas geboren wird, scheint es alles andere als wahrscheinlich, dass er eines Tages der mächtigste Mann der Vereinigten Staaten werden wird. Mit seinem aussergewöhnlichen Engagement klettert der passionierte Politiker in der Demokratischen Partei die Erfolgsleiter hoch, bis er 1961 zum Vizepräsidenten ernannt wird. Als Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 erschossen wird, steht das ganze Land unter Schock – ebenso Johnson, der noch am selben Tag als sein Nachfolger vereidigt wird. Als Verfechter der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und als Bekämpfer landesweiter Armut setzt sich Johnson hohe Ziele. Doch der Vietnamkrieg, der unter seiner Führung eskaliert, wirft dunkle Schatten auf sein Amt. LBJ ist das bewegende Biopic des genauso legendären wie umstrittenen 36. US-Präsidenten, der brillant vom vielseitigen Woody Harrelson verkörpert wird. (Text: Zurich Film Festival)
(Quelle: Blogbusters, Voltage Pictures)