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Ein gutes Dutzend Bauern sitzen mitten in einem Feld im Halbkreis, ausserhalb der Kleinstadt Quai rund 150 Kilometer südlich von Kairo. Die Novembersonne ist warm, aber nicht mehr heiss. Ein Instruktor erklärt den Männern, wie sie ihre Knoblauch-Kulturen besser an den Klimawandel anpassen können.
Wasser sparen und im Boden halten, ist die eine Devise. Den Knoblauch vor Stürmen schützen, die andere. Wie beides funktioniert, erklärt der Instruktor den Bauern auf einem Demonstrationsfeld der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ.
Ich ernte weniger und schlechteren Knoblauch.
Die Bauern können dieses Feld direkt mit ihren eigenen vergleichen und entsprechend ihre Lehren daraus ziehen. Anstatt in Reihen wird der Knoblauch hier zusammen mit Geranien angepflanzt. Das helfe, das Wasser und den Dünger länger im Boden zu halten, erklärt der Instruktor.
Ägypten gehört zu den zehn wichtigsten Exportländern von Knoblauch. Dessen Anbau hat hier eine jahrtausendelange Tradition. Doch die überlieferten Anbau-Methoden funktionieren nicht mehr. «Die plötzlichen heftigen Regenfälle in den letzten Sommern und dann die höheren Temperaturen machen mir zu schaffen», sagt einer der Bauern. «Ich ernte weniger und schlechteren Knoblauch.»
Wasserstand des Nils sinkt
Ägypten leidet seit Jahren unter Wassermangel. Pro Kopf steht der Bevölkerung nur gut halb so viel Wasser zur Verfügung, wie die UNO eigentlich als Minimum definiert hat.
Wir sagen ihnen, bewässert nicht am Tag, sonst verdampft das ganze Wasser und die Pflanzen leiden unter Hitzestress.
Derweil wächst die Bevölkerung rasant und der Wasserstand des Nils – von dem der Grossteil des Wassers kommt – sinkt aufgrund des Klimawandels. Dazu kommt, dass das südliche Nachbarland Äthiopien am Oberlauf des Flusses einen neuen Stausee am Füllen ist.
Knoblauch sei grundsätzlich widerstandsfähig und die Bauern könnten sich mit einfachen Mitteln an die Folgen des Klimawandels anpassen, meint GIZ-Projektleiter Waleed Ramadan. «Wir sagen ihnen, bewässert nicht am Tag, sonst verdampft das ganze Wasser und die Pflanzen leiden unter Hitzestress.»
Wenn die Bauern am frühen Morgen und in der Dämmerung ihre Felder bewässern, kommen sie mit bis zu einem Viertel weniger Wasser aus. Noch mehr Ersparnisse wären möglich, wenn die Bauern ihre Felder mit Bewässerungsanlagen ausrüsten könnten, die das Wasser nur tropfenweise abgeben. Doch dazu fehlt hier in der Kooperative das Geld.
Assem Mohammed ist Ökonom und forscht am Zentralen Labor für Klima in der Landwirtschaft in Gizeh bei Kairo. Projekte wie das der GIZ in Quai müssten den Bauern auch wirtschaftliche Perspektiven bieten, betont er.
Die meisten Knoblauch-Bauern in Ägypten verkauften ausschliesslich an die grossen Gemüsehändler. Während diese eine beträchtliche Marge auf das Gemüse schlagen, erhalten die Bauern kaum etwas. Ein Knoblauch-Bauer verdiene heute etwa viermal weniger als ein Taxifahrer, betont der Umweltökonom.
Anpassung an den Klimawandel müsse deshalb unbedingt kombiniert werden mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Sonst droht den Bauern ihren Beruf zu verlieren.
Auch das habe man erkannt, erläutert Waleed Ramadan von der GIZ. Den Verantwortlichen der Knoblauch-Kooperative würde gezeigt, wie sie direkt exportieren oder auch an ägyptische Endkunden verkaufen können, ohne über die Händler gehen zu müssen, um so ihre Marge zu erhöhen.
Schlechte Infrastruktur sorgt für Wassermangel
Rund 750 Kilometer weiter südlich liegt die Stadt Assuan, die auch dem berühmten Staudamm den Namen gab. Hier hat die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA den Bau einer Trinkwasserpumpstation finanziert.
Seit Juli pumpen drei Pumpen abwechselnd bis zu 800 Kilometer Wasser, das aus einer Kläranlage am Nilufer hierher geleitet wird, in ein höher gelegenes Quartier der Stadt. Assuan hat rund 600'000 Einwohner.
Trotz unmittelbarer Nähe zum Nil, mangelt es in den ärmeren Quartieren an Trinkwasser. Schuld ist einerseits die schlechte Infrastruktur. Wasserleitungen sind verschmutzt oder in schlechtem Zustand, sodass grosse Mengen Wasser verloren gehen. Andererseits fehlt das Bewusstsein für den Wert des Wassers und einer funktionierenden Wasserinfrastruktur.
Erschwerend hinzu kommt in den letzten Jahren der Klimawandel. Lange Hitzeperioden, in denen mehr Wasser verdampft und gleichzeitig mehr verbraucht wird, setzen die Wasserversorgung unter Druck. Plötzliche Extremregenfälle überfordern zudem die Wasserwiederaufbereitung.
Tagelang auf Wasser gewartet
Das Projekt der DEZA setzt deshalb auf mehreren Ebenen an. In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und dem öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen wird die Infrastruktur verbessert. Die rund vier Millionen Franken teure Pumpstation ist das Herz dieses Projektteils.
Vom Reservoir am oberen Ende der Einrichtung werden 4000 Haushalte und 40'000 Einwohnerinnen und Einwohner über natürlichen Druck zuverlässig mit Trinkwasser versorgt.
Für die zwei Dutzend Frauen und Männer im Gemeinschaftszentrum von El-Khattariya ist damit «ein Traum in Erfüllung gegangen». Zuvor hätten sie jeweils tagelang gewartet, um in dem Moment, in dem Wasser durch die Leitungen geflossen sei, ihre Behälter zu füllen. Oder sie hätten Wasser kilometerweit hergetragen.
Neu hat auch jeder Haushalt einen Wasserzähler. Dieser erlaubt es den Menschen – in den meisten Haushalten kümmern sich die Frauen darum – den Verbrauch zu überwachen und die Rechnungen des Wasserversorgers zu überprüfen.
Bewusstseinsbildung ist also ein weiterer wichtiger Pfeiler des Projekts. Auch in den Schulen wird Wasser und der Grund, warum es durch den Klimawandel auch in der Stadt am Nil rarer wird, zum Thema gemacht. Im «Umweltclub» gestalten die Schülerinnen und Schüler Poster zum Thema, pflanzen – und bewässern – Bäume und besuchen eine Kläranlage.
Tropfen auf einen heissen Stein
Ob neue Methoden beim Knoblauchanbau, bei der Bewusstseinsbildung oder bei der Infrastrukturerneuerung für die Trinkwasserversorgung: Die Anpassung an den Klimawandel hat in Ägypten – wie in den allermeisten Ländern des globalen Südens – unterschiedliche Gesichter und geht meist Hand in Hand mit bestehender Entwicklungszusammenarbeit.
Klar ist: Die beiden Projekte sind nur Tropfen auf einen heissen Stein. Während hier über mehrere Jahre ein paar Millionen Franken investiert werden, rechnen Expertinnen und Experten mit jährlich hunderten Milliarden Franken, die nötig wären – Tendenz stark steigend.