Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03097.jsonl.gz/739

Naturforschende Gesellschaft
Inhaltsverzeichnis
Sie versuchten die Natur als Ganzes zu verstehen[Bearbeiten]
Der Solothurner Naturschutz feierte im Jahr 2006 seinen hundertsten Geburtstag. Seine Gründung war eine logische Folge der Arbeit innerhalb der Naturforschenden Gesellschaft, die im Kanton Solothurn 1823 auf die Initiative von Abbé Franz Josef Hugi gegründet wurde.
Franz Josef Hugi war fünf Jahre alt als sein Vater beim Einfall der Franzosen in Grenchen 1798 im Kampfe starb. Nach den Schulen in seiner Heimatgemeinde besuchte Hugi das Kollegium in Solothurn, beteiligte sich aktiv am Putsch der Liberalen von 1814 und wurde nach seinen theologischen Studien an den Universitäten von Landshut und Wien 1819 in Solothurn zum Priester geweiht. In den Nebenfächern, die bald zu seinen Hauptfächern wurden, befasste sich der Student mit den Naturwissenschaften. Hugi wurde in der Folge als Lehrer zuerst an der Schule des Waisenhauses, dann an den höheren Schulen in Solothurn gewählt. Hier konnte er seine umfassenden Kenntnisse in praktisch allen Bereichen der Naturwissenschaft einsetzen und an seine Schüler weitergeben. 1820 entdeckte er auf einem seiner Streifzügen in der Umgebung Solothurns in den Steingruben grosse fossile Schildkröten, die heute noch eine Besonderheit sind und den Namen ihres Entdeckers tragen. 1819 wurde Hugi Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft und gründete 1823 die Solothurner Sektion, deren Vorsteher (Präsident) er wurde.
Recht viel Arbeit für die Mitglieder[Bearbeiten]
Im Mai 1824 fand die erste Jahresversammlung der Naturforschenden Gesellschaft statt, und der Vorstand musste Rechenschaft über die Tätigkeiten seit dem 16. August 1823, dem Tag der ersten Versammlung, ablegen.. Im Verlaufe dieser Tagung wurde die „Verfassung der naturhistorischen Kantonal-Gesellschaft in Solothurn“ von den 34 Mitgliedern gut geheissen. Bereits der zweite Abschnitt des Zweck-Artikels führt aus, dass die Gesellschaft ihre Forschungsergebnisse und ihre Kenntnisse nicht allein der Wissenschaft wegen dokumentiert, sondern nutzbringend für Landwirtschaft und Gewerbe eingesetzt werden sollten. Er lautete: „Anwendung dieser erweiterten Kenntnisse auf die mögliche Vermehrung und Vervollkommnung der einheimischen Naturerzeugnisse, Landwirtschaft und Gewerbekunde.“ Die ordentlichen Mitglieder der Gesellschaft waren verpflichtet, „sich jeden Montag in den Abendstunden“ zu versammeln. Hier wurden eingegangene Meldungen, eigene Natur-Beobachtungen und Fachartikel besprochen. Die Mitglieder waren gehalten, Vorträge über ihre Spezialgebiete oder über neue Berichte in Fachzeitschriften zu halten. Die korrespondierenden Mitglieder befassten sich eingehend mit der Beobachtung des Wetters, der Erscheinungen in der Landwirtschaft und weiterem mehr Sie hatten mindestens zweimal jährlich über ihre Erkenntnisse zu berichten. Ferner wurde erwartet, dass jedes Mitglied ein Fachblatt abonnierte und über dessen Inhalt an den Versammlungen kurz berichtete. Zudem war gewünscht, dass jedes Mitglied einen Beitrag zur Erweiterung der Fachbibliothek leistete. Ein grosser Teil der Mitglieder wohnte in Solothurn. Aber auch aus Dornach, Kriegstetten, Holderbank, Beinwil und Seewen stammten einzelne Mitglieder der Naturforschenden. Selbst ausserhalb des Kantonsgebietes waren einige aktive Mitglieder der Vereinigung daheim.
In den Sagen nach Befunden forschen[Bearbeiten]
Die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft interessierten sich ausnahmslos für sämtliche Naturerscheinungen. Erforscht wurde beispielsweise, welche Früchte und Getreidesorten auf welchen Höhen am besten gedeihen konnten. Höchst interessant ist es, dass der erste Vorsteher der Naturwissenschaftlichen untersuchen liess, wo im Kanton welche Krankheiten häufig auftraten. Er verfasste so wahrscheinlich einen ersten Gesundheitskataster. Franz Josef Hugi hielt die Mitglieder der Gesellschaft an, Sagen zu sammeln, Ruinen zu bestimmen, unterirdische Gewölbe auszumachen, und selbst mit überliefertem Aberglauben befasste er sich eingehend. In Sagen und geschichtlichen Ueberlieferungen fand er wichtige Hinweise auf die Entwicklung der Menschen in den Tälern und auf den Höhe des Kantons. Sagen spielten eine Rolle, als der Naturforscher in Grenchen im Auftrage der Gemeindebehörden Schatzsucher betreute und ihre Funde wertete. Besonders intensiv interessierte sich Franz Josef Hugi mit den verschiedenen Formen und Strukturen des Jura. Bereits im ersten Gesellschaftsjahr orientierte er die Mitglieder der Gesellschaft in zahlreichen Vorträgen über seine Wanderungen und die Ergebnisse seiner Forschungen im Jura. Dabei befasste er sich auch eingehend mit den Folgen des berühmten Erdbebens von Basel (1356). Unter anderem stellte er fest, dass die vom Beben angerichteten Schäden auf der West-Ost-Achse südlich des Jura von unterschiedlicher Grösse waren und schloss daraus auf die Qualität des Juragesteins. Er nannte die Gründe, weshalb zahlreiche Burgen im solothurnischen Jura des Erdbebens (und vor allem der zahlreichen Nachbeben) wegen zerstört wurden. Hugi wurde gesamtschweizerisch bekannt durch seine Alpenbesteigungen, die er publizistisch auswertete. Hier begleitete ihn sein Freund, der Oltner Künstler und Politiker Martin Disteli.
Ein reiches Spektrum[Bearbeiten]
Ganz genau wurden im ersten Jahresbericht (der nur gerade etwa sieben Monate umfasste) über die Gegenstände orientiert, die im Verlaufe der Wochensitzungen zur Diskussion gelangten. Anlässlich der ersten Sitzung beispielsweise berichtete Apotheker Pfluger, Sekretär der Naturforschenden, über die Resultate einer Wasseruntersuchung der Quelle auf Schloss Wartenfels bei Lostorf. An einer späteren Versammlung befasste man sich eingehend mit der Botanik, postulierte, dass der Arzt in jedem Fall Naturwissenschafter sein müsse, Hugi befasste sich in einem Vortrag mit den „Scheidungslinien“ der Jahreszeiten und ihrer Auswirkung auf ihren organischen und astronomischen Uebergang. Lehrer Roth erfasste die Rosen im Jura, später waren Blitzröhren (Osteocolla) ein Thema und immer wieder interessierte man sich in den Versammlungen über die Entwicklung des Viehs. Seine und der Gesellschaft Forschung stellte Hugi in Beziehung zu Gott. „Nur im Verhältnis zu Gott und dem Schöpfungsganzen hat die Erforschung der Organisation einzelner Wesen wahren Wert.“ Franz Josef Hugi verliebte sich und heiratete die Setzerin seiner Werke, Anna Gassmann. Er trat zum evangelischen Glauben über und wurde deshalb in Solothurn aus seinen Aemtern entlassen. In dieser für den grossen Naturforscher schweren Zeit hielt Grenchen zu ihm.
Urinblasen der Ratten sind sehr empfindlich[Bearbeiten]
Bereits im ersten Geschäftsjahr der Naturforschenden Gesellschaft gelang es Franz Josef Hugi, an den 16 seiner Meinung nach wichtigsten geographischen Punkten des Kantons bleibende Wetter-Beobachtungsstationen einzurichten. Hergestellt wurden die Instrumente vom Zuchwiler Mechaniker Kaufmann. „Er liefert die Barometer nebst einem Termomometer ins Frye den Mitgliedern für etwa 27 Fr. Für Andere jedoch etwas höher.“ Hugi berichtet weiter, dass Kaufmann die Hygrometer aus Urinblasen von Ratten anfertigt. Diese Blasen zeichnen sich durch besondere Empfindlichkeit aus . Diese speziellen Ratten-Hygrometer kosteten bei drei Franken.
Quelle[Bearbeiten]
- Text von Rainer W. Walter, 2006