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Ein letztes Mal stellt sich Josh Rock ans Oche, die Abwurflinie, 70 Punkte braucht er noch, um das Spiel zu gewinnen. Und das lässt sich der 21-jährige Nordire nicht mehr nehmen. Zwei sichere Pfeile, und Rock bricht in grossen Jubel aus. Gerade hat er mit seinem Sieg gegen die Weltnummer 10 Nathan Aspinall den Achtelfinal der Darts-Weltmeisterschaft erreicht. Dort trifft er am Donnerstagabend auf den Waliser Jonny Clayton.
Dabei ist es Rocks erste Saison auf der Profitour. Erst im Januar erspielte er sich über die Qualifying School die Tourkarte für dieses und das nächste Jahr. Zu dem Zeitpunkt arbeitete er noch in einer Hühnerfarm in seiner Heimatstadt Antrim. «Meine Aufgabe war es, den Hühnern beim Schlüpfen zu helfen, bevor sie auf die Bauernhöfe gehen – und dann auf euren Tellern landen. Ich habe den einfachen Teil gemacht, nicht den schlimmen», sagte Rock gemäss Belfast Live.
Den Job begann er im Frühling 2021 und er führte ihn auch noch aus, als die ersten Erfolge kamen. Denn bereits kurz nach dem Erspielen der Tourkarte gewann er seinen ersten Titel auf der Development Tour für die Spieler im Alter von bis zu 23 Jahren. Diesem liess er weitere folgen und er etablierte sich parallel bei den Profis, indem er mehrere Viertelfinals und einen Halbfinal erreichte. Im September beschloss er dann, sich vollständig auf den Sport zu konzentrieren.
Das wollte er eigentlich schon lange tun, wie er zu Sky sagte: «Darts war schon immer ein Teil meines Lebens. Seit ich mit zwei Jahren mit meinem Vater angefangen habe, Darts zu spielen.» Als er dann mit 16 Jahren die Schule beendet hatte, «wollte ich nur Darts spielen». Dies konnte er nun tun und so kündigte er seinen Job in der Hühnerfabrik.
Wenig später war klar: Das hat sich gelohnt. Rock spielte weiterhin überraschend stark, holte sich seinen fünften Titel auf der Development Tour und gewann dann auch seinen ersten Titel auf der Pro Tour. Beim Grand Slam – einem der grossen Turniere im Darts-Kalender – erregte er erneut Aufsehen. Im Achtelfinal gegen den dreifachen Weltmeister Michael van Gerwen gelang Rock ein 9-Darter – also ein perfektes Leg.
Obwohl er dem Niederländer am Ende unterlag, bekam Rock ein Sonderlob von Legende Phil Taylor. «Er hat mich wirklich beeindruckt. Man macht nicht einfach einen 9-Darter gegen van Gerwen, wenn man kein seriöser Spieler ist», sagte er gegenüber Belfast Live. Ausserdem traue er ihm auch an der Weltmeisterschaft zu, «ein Zeichen zu setzen», wie Taylor kurz vor dem Turnier sagte. Van Gerwen war da vorsichtiger. Nach dem Spiel gegen Rock sagte er in einem Interview: «Es ist ein grosser Hype um ihn, aber das kann auch gefährlich sein.»
Rock selbst strotzte hingegen bereits vor seiner Debüt-WM vor Selbstvertrauen. «Ich will die Weltnummer 1 werden. Ich will Weltmeister werden», sagte er Sky. Obwohl er damit nicht meinte, dass es unbedingt schon in diesem Jahr der Fall sein müsse, zählt er bereits jetzt zu den Favoriten. Dank guter Leistungen setzte er sich in den ersten drei Runden gegen Jose Justicia, Callan Rydz und Nathan Aspinall durch. Gegen Jonny Clayton ist er im Achtelfinal bei den Buchmachern erneut favorisiert – obwohl er in der Weltrangliste 40 Plätze hinter Clayton (Weltnummer 7) liegt.
Einfach wird es für Rock am Donnerstag (frühestens 22.25 Uhr) aber nicht. Clayton überzeugte in seinen ersten beiden Partien an der WM ebenfalls mit starken Leistungen und zeigte sich besonders auf die Doppelfelder sicher. Nur mit einem Treffer auf ein solches kann ein Leg gewonnen werden. Doch auch gegen den erfahrenen Gegner, der besonders im Jahr 2021 grosse Erfolge feierte, wird Josh Rock mit seiner gewohnten Gelassenheit antreten. Als er nach seinem 9-Darter am Grand Slam gefragt wurde, was ihm vor dem letzten Wurf auf die Doppel-12 durch den Kopf ging, sagte er: «Nichts. Einfach treffen.»
Simon Bodenmann würde wohl am liebsten nur noch gegen Kloten spielen. Nicht, weil der ZSC-Stürmer seine Juniorenzeit am Schluefweg verbracht und mehrere Jahre für den Kantonsrivalen der Lions gespielt hat. Sondern weil sich der 34-Jährige im Kantonsderby zuletzt besonders treffsicher zeigte. Beim 3:1-Erfolg am Mittwoch traf Bodenmann doppelt, und bei der Reprise am Freitag netzte der Flügel wiederum doppelt ein. Seine beiden Powerplaytreffer innert anderthalb Minuten gegen Ende des zweiten Spielabschnitts zum zwischenzeitlichen 4:1 sollten beim 4:3-Sieg entscheidend sein. Bodenmann steht nun bei 14 Saisontoren.