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Bleibt der autarke Staat eine Utopie?
Sind autarke Systeme möglich, beziehungsweise können sie Bestand haben? Der Versuch, einen unabhängigen Staat zu gründen, wagte in den 60ern der italienische Ingenieur Giorgio Rosa mit seiner Roseninsel.
Corona hat ein Keil zwischen die Schweizer Bevölkerung getrieben und den Wunsch nach parallelen Strukturen hervorgerufen. Manche liebäugeln gar mit einer Segregation, um friedlich und in Freiheit leben zu können. Doch der Wunsch nach Unabhängigkeit ist nichts Neues, wie der kühne Plan von Giorgio Rosa zeigt.
Der aus Bologna stammende Ingenieur baute und finanzierte ab 1965 seine eigene künstliche Insel mit einer Fläche von 400 m2, gebaut auf neun Pylonen. Nur elf Kilometer östlich von Rimini und der italienischen Küste in der Adria.
Die Plattform, die einer Bohrinsel glich, wurde ausserhalb des italienischen Staatsgebiets und Einflussbereichs errichtet und als eigenständiger Staat gegründet. Die offizielle Sprache war Esperanto und die Insel trug den Namen «Esperanta Respubliko de la Insulo de la Rozoj» – die Roseninsel.
Die Insel befand sich in internationalen Gewässern, besass ein kleine Infrastruktur mit Restaurant, Bar, Wohnräume und ein Postamt mit eigener Briefmarke; eine Insel-Währung war ebenfalls in Planung.
Die italienische Regierung hiess den neuen Inselstaat nicht willkommen und handelte rasch. Als Hauptargument diente der Kalte Krieg und die Vermutung, linke italienische Gruppierungen könnten sich die Meeresplattform zunutze machen. Nur 55 Tage nach der Unabhängigkeitserklärung landete eine Gruppe von Offizieren der Carabinieri und Guardia di Finanza - das Zollamt - auf der Insel und übernahm die Kontrolle. Um die Utopie des freien und unabhängigen Staates endgültig auf dem Meeresboden zu begraben, sprengte die italienische Marine schliesslich die Roseninsel.
Ein Versuch war es trotzdem wert, denn die Geschichte der Roseninsel hat es bis zur Verfilmung geschafft und zeigt, dass sich Innovation zwar nicht immer auszahlt, aber als Inspirationsquelle anderer dient.
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