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Deine Welt steht: Die Kontinente, Länder, Völker und Städte haben einen Namen, eine Hintergrundgeschichte und ein Aussehen. Du hast Figuren entworfen und ihnen verschiedene Eigenschaften, Berufe und Macken gegeben.
Los geht’s. Deiner Geschichte steht nichts mehr im Wege.
Oder etwa doch?
Etwas Wichtiges fehlt noch, damit du beginnen kannst. Ein tolles Setting und detailliert ausgearbeitete Charaktere machen noch keine Handlung aus. Denn es fehlt etwas, das deine Geschichte antreibt und spannend macht: Konflikte.
Was ist überhaupt ein Konflikt?
Konflikte im Allgemeinen sind gegensätzliche Ziele, Interessen oder Wertvorstellungen von Personen, Gruppierungen, Organisationen oder Staaten.
Das deutsche Schriftstellerforum definiert den Konflikt in einer Handlung als Lieferant für Motive und Ziele der Figuren, welcher den Verlauf der Geschichte massgeblich beeinflusst.
Ein Konflikt entsteht zwischen zwei oder mehreren Personen bzw. Konfliktparteien (wer?) und mindestens einer Konfliktursache (was?) und einem Konfliktverhalten (wie?). Wikipedia
Beispiel 1: Zwei beste Freundinnen wollen denselben Mann. Das Verlangen geht so weit, dass eine von beiden sogar bereit ist, einen Mord zu begehen.
- Konfliktparteien (wer): zwei Freundinnen
- Konfliktursache (was): beide wollen denselben Mann
- Konfliktverhalten (wie): ein Mord
Beispiel 2: Ein Sklave will aus der Gefangenschaft seines Meisters entfliehen.
- Konfliktparteien (wer): Gefangener, Meister
- Konfliktursache (was): Gefangenschaft des Sklaven
- Konfliktverhalten (wie): Mord / Flucht / Freikaufen / …
Konflikte müssen also nicht zwingend aus gegensätzlichen Zielen und Motiven zwischen Figuren entstehen (Sklave will Freiheit, Meister lässt den Sklaven nicht frei), sondern die Figuren können auch dasselbe Ziel verfolgen und so zu Konkurrenten werden (Freundinnen, die denselben Mann wollen).
Um die Konflikte in meinen Geschichten zu finden, habe ich mir folgende Formel zurechtgelegt:
Konflikt = Figur + Motivation/Ziel + Hindernis
Warum braucht die Geschichte Konflikte?
Eine Geschichte ohne Konflikte ist wie eine Kanone ohne Schiesspulver. Konflikte sind der Zündstoff, der die Handlung vorantreibt und der erst dafür sorgt, dass die Geschichte spannend und für den Leser interessant wird.
Fehlende Konflikte sind oft ein Anfängerproblem. Viele denken, dass die fantastische Welt und die bis ins Detail beschriebenen Figuren interessant genug sind, damit sich der Leser automatisch für die Geschichte interessiert.
Doch das, was wirklich spannend ist, sind die Motive und Ziele dieser Figuren. Und all das, was sie dafür tun würden, um diese Ziele zu erreichen.
Was ist ein guter Konflikt?
Für die Geschichte ist es deshalb wichtig, nicht nur Aussehen und Hobbys der Figuren zu definieren, sondern auch ihre Ziele und ihre Motivation:
- Was will die Figur erreichen?
- Was ist sie bereit zu tun, um diese Ziele zu erreichen?
- Warum tut die Figur das und macht es überhaupt Sinn?
Die Figur muss für ihr Ziel alles geben
Wichtig hierbei ist, dass die Figur bereit ist, alles zu dafür geben. Und dass sie triftige Gründe hat, ihr Ziel zu verfolgen und nicht mittendrin das Handtuch wirft.
Ein Beispiel: Der Konflikt mit Martin, der sich beim Bäcker mit einer Kundin um ein Croissant streitet (weil er Croissants so doll mag) und sich schliesslich ohne Murren dann doch für das Vollkornbrötchen entscheidet (weil das ja auch okay ist), ist langweilig.
Das Croissant ist für Martin nicht essentiell oder gar lebenswichtig, also ist der Konflikt auch nicht spannend.
Was aber, wenn dieses Croissant mit der Schokoladefüllung genau jenes Gebäck ist, welches sein todkranker Freund sich vor seinem Freitod wünscht? Wenn Martin ihm wirklich so ein guter Freund ist und ihn nicht enttäuschen will, wird er alles daran setzen, das Croissant zu kriegen.
Der Konkurrent muss dem Helden mindestens ebenbürtig sein
Der Konflikt ist nun ein wenig spannender geworden. Aber auch die Konkurrentin von Martin, die Kundin, sollte alles daran setzen, das Croissant zu kriegen. Denn wenn sie es ihm einfach überlässt, nachdem er ihr von seinem todkranken Freund erzählt hat, ist es kein richtiger Konflikt.
Die Motive des Konkurrenten sollten also denen der Figur ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen sein.
Denn je mehr sich die Figur anstrengen muss, umso mehr mögen wir ihr den Erfolg am Ende gönnen.
Verschiedene Arten des Konflikts im Roman
Der Hauptkonflikt
Bevor du mit dem Schreiben der Geschichte beginnst, solltest du zumindest den Hauptkonflikt definiert haben. Dieser zentrale Konflikt bestimmt den Verlauf und den Ausgang der Geschichte und wird immer vom Protagonisten ausgetragen.
Der Hauptkonflikt für eine Geschichte über einen Drachentöter könnte sein: Der Drachentöter muss den letzten Drachen erlegen, bevor dieser die nächste Stadt verwüstet; dieser hat sich aber in einer unwirtlichen Gegend verschanzt und dem Drachentöter eine Falle gestellt.
Soweit so gut. Damit die Geschichte aber spannend bleibt, muss sich der Held weiteren Konflikten stellen, die ihn auf dem Weg zu seine, Ziel erwarten. Denn er wird kaum einfach in die Wüste marschieren und den Drachen erschlagen können.
Vielmehr muss er erst herausfinden, wo dieser letzte Drache überhaupt haust. Er erfährt, dass ein Einsiedler den Drachen gesehen haben soll. Doch dieser Einsiedler ist vor kurzem verstorben. Aber der Einsiedler hat Hinweise hinterlassen, die den Unterschlupf des Drachen verraten. Doch der Held kann damit nichts anfangen und muss erst jemanden finden, der diese Hinweise versteht. Unterwegs werden ihm diese Hinweise gestohlen und der Tag, an dem der Drache die Stadt vernichten soll, rückt immer näher …
Was auch immer für Konflikte und Gegner (in welcher Form auch immer) auf den Helden warten: Es ist wichtig, dass er aktiv an deren Lösung arbeitet. Er muss sich anstrengen und Opfer bringen, um seine Ziele zu erreichen.
Die Nebenkonflikte
Viele Geschichten leben ausserdem von Nebenkonflikten. Diese sind für den Hauptkonflikt nicht zwingend notwendig, bereichern aber die Geschichte und stellen den Helden in einem anderen Licht dar.
Der Drachentöter hat vielleicht eine rabiate Frau zu Hause, die droht, ihn zu verlassen, wenn er noch einmal auszieht, um einen Drachen zu töten. Oder der Held will den letzten Drachen gar nicht töten, weil er nachher arbeitslos ist.
Wichtig ist, dass diese Nebenkonflikte im Laufe der Geschichte ebenfalls zu Ende geführt und nicht einfach «vergessen» werden.
Fazit:
Konflikte erzeugen Interesse und Spannung beim Leser. Die Konflikte zwingen die Figuren zur Handlung und sind darum notwendig, damit sich die Geschichte entwickelt.
Der Held muss sich aber anstrengen, um einen Konflikt überwinden zu können. Zu leichte Lösungen oder gar Zufälle wirken platt und unbefriedigend für den Leser.
Der Held muss seine Ziele – zumindest jene, die mit dem Hauptkonflikt zusammenhängen – aus eigener Kraft erreichen können.