Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03654.jsonl.gz/2595

Immer noch starke Bise
Wie schon gestern und vorgestern war die Bise in der Westschweiz sehr stark oder sogar stürmisch. Für den Monat Mai ist das selten, aber es gab auch schon heftige Bisenfälle im Mai. Darauf wird im Blog noch näher eingegangen. Im Weiteren führte die Nordostströmung in den östlichen Landesteilen zu ausgedehnter Bewölkung, und mit maximal 13 Grad war es nicht sehr frühlingshaft. In Glarus und Chur wurden sogar nicht einmal 10 Grad erreicht. Deutlich wärmer war es mit rund 20 Grad im Wallis und auf der Alpensüdseite, wo wie auch in der Westschweiz die Sonne schien.
Wiederum starke bis stürmische Bise
Die aktuelle Phase mit stürmischer Bise dauert nun schon seit Montag an. Heute wurden in der Westschweiz Böenspitzen von über 80 km/h gemessen, so zum Beispiel in St. Prex. Ein eigentlicher Sturm tobte heute auf der La Dôle, wo Böenspitzen von 127 km/h gemessen wurden. Dies ist für den Spätfrühling selten, kam aber auch schon vor. Erinnert sei an den 4. Mai 1975, als in Genf eine Spitze von über 100 km/h verzeichnet wurde, auf der La Dôle wurden damals 120 km/h gemessen. Während in Genf also die Bise im Mai 1975 deutlich stärker war, kam sie damals auf der La Dôle nicht an die Werte von 142 km/h von gestern am frühen Morgen heran. Es muss aber bemerkt werden, dass die Bise im Juni 1994 auf der La Dôle schon 136 km/h brachte. Generell ist dies mit den Monaten so eine Sache …
Der 25. April 1972 bleibt unerreicht
.. damals, also nur 5 Tage vor dem Maibeginn, war die Bise in der Westschweiz ganz aussergewöhnlich. In Genf wurden 107 km/h verzeichnet, in Lausanne 105 km/h, und auf der La Dôle 150 km/h. Viele Gebäude im Kanton Waadt wurden abgedeckt, wobei damals ein Gebäudeschaden von 2.9 Mio. Franken entstand und ca. 160'000 Kubikmeter Wald umgeworfen wurden.
Die Sache mit der Windmessungen
Es ist im übrigen schwierig, die früheren Messwerte mit den heutigen zu vergleichen. In Genf mass man seit der Einführung am Flughafen Cointrin in den 40er Jahren bis 1980 auf einem Tower in verschiedenen Höhen im Flughafen, wobei bei Bise 100 km/h hie und da übertroffen wurden. Im Februar 1956 wurden sogar 130 km/h erreicht. Eine Windmessung, welche zu Vergleichszwecken neben der offiziellen Messung am Flughafen gemacht wurde, soll am 25. April 1972 ebenfalls 130 km/h hervorgebracht haben. Um die 130 km/h wurde damals auch in Neuchâtel gemessen. Im Weiteren blieb am 15. und 16. Januar 1946, als die Bise vor allem im französischen Jura schwere Waldschäden von 800'000 Kubikmeter bewirkte, der Windmesser in Genf bei maximal 115 km/h stehen. Das höchste Stundenmittel lag dannzumal bei 80 km/h. Seit der Einführung von einheitlichen Messungen im Jahr 1981 wurden in Genf bei Bisenlagen keine Böenspitzen von 100 km/h mehr erreicht, das Maximum lag bei 95 km/h, gemessen am 14. November 2004. Auch in Neuchâtel wurden bei Bise 100 km/h seit 1981 nie mehr überschritten.
Ähnliche Problematik auch auf der La Dôle. Dort wird seit 1981 die Windmessung auf einem Mast auf einer scharfen Krete gemessen. Bis ins Jahr 2006 mass man dort mit einem sogenannten Gebirgswindmesser SIAP die Windgeschwindigkeiten. Es wurden im Zeitraum von 25 Jahren an 8 Tagen 150 km/h überschritten, so unter anderem 1984, 2004 und 2005. Vom 14. November 2004 bis zum 10. April 2005, also innert nur einem halben Jahr, gleich an 5 Tagen. Der Spitzenwert lag im übrigen bei 178 km/h, gemessen am 13. Februar 1984, gefolgt von 172 km/h, gemessen am 26. Januar 2005, 163 km/h am 14. November 2004 und 160 km/h am 11. April 2005. Seit der Einführung des Gebirgswindmessers Thies Ende 2006, also seit 13 Jahren, wurden 150 km/h nie mehr erreicht, das Maximum lag bei 142 km/h, gemessen am 17. Januar 2017 und eben gestern, am 14. Mai 2019. Es ist kaum zu beantworten, ob das neue Messgerät einen Einfluss hat oder nicht.
Ist die Bise schwächer geworden?
Wohl eher nicht. Es ist eher anzunehmen, dass die Windmessungen an Qualität zugenommen haben, und dass die Werte heute genauer und besser vergleichbar sind. Dies umso mehr, als seit 1981 überall in einem freien Feld in 10 Metern Höhe gemessen wird. Seit 1981, also seit langen 38 Jahren, gelten in der Westschweiz Höchstwerte von knapp 100 km/h, mit Ausnahme von Changins, wo am 11. April 2005, 108 km/h gemessen wurde. Dieser Standort entsprach damals allerdings nicht ganz den Konventionen. Der Wind wurde in 12, und nicht in 10 Metern gemessen. Ausserdem war der Standort dort leicht erhöht. Aus dem oben geschilderten kann also gesagt werden, dass in den Niederungen der Westschweiz in einem flachen Terrain 100 km/h kaum erreicht werden. Ausnahmen sind etwa der 15. und 16. Januar 1946, 3. Februar 1956 und der 25. April 1972, mit Böenspitzen von 100 bis 110 km/h, welche dann auch grössere Schäden an Gebäuden und Waldungen verursachten.
Im Osten bewölkt, im Westen und Süden meist sonnig
Die Bise führte heute recht viel Feuchtigkeit in die Deutschschweiz, so dass dort die Sonne vielerorts Mangelware war. Besonders am Alpennordhang, vom Berner Oberland über die Zentralschweiz bis zum Alpstein, sowie in Nordbünden verkroch sich die gelbe Scheibe heute an einigen Orten ganztags hinter den Wolken. Ganz anders auf der Alpensüdseite. Mit Nordwind strahlte sie dort heute uneingeschränkt vom blauen Himmel. Mit 20 Grad war die Temperatur auch dem Spätfrühling angepasst. In Glarus und in Chur wurden hingegen 10 Grad nicht überschritten. Über den Ausdruck, welcher für solche Temperaturen Mitte Mai angebracht wäre, schweigt des Sängers Höflichkeit, es sollen ja keine Tiere beleidigt werden.