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Auf der Suche nach Wichtel- oder Weihnachtsgeschenken?
Unter dem Titel «Erwartung» veröffentlichten Sibylla Rubens und Carl-Martin Buttgereit diesen Herbst Lieder von Anton Urspruch, einem Schützling Joachim Raffs, auf dem Label Kaleidos – je zwei Lieder Raffs und Liszts ergänzen diese.
Raff und Urspruch teilten sich offensichtlich die Vorliebe für Blumen, insbesondere die Rose. So beginnt diese überaus empfehlenswerte CD mit der Ersteinspielung von Urspruchs schlichten lyrischen «Rosenliedern» op. 5. Mit dem ersten der beiden Raff-Liedern aus dem «Sanges-Frühling» op. 98 geht ein Stimmungsbruch einher: «Das verlassene Mädchen» ist ein eindringliches, sich harmonisch oft unberechenbar dahinwindendes Stück, das kapriziöse «Keine Sorg’ um den Weg» führt jedoch schnell wieder in leichtfüssigere Gefilde.
Obwohl in anderen Liederheften Urspruchs ebenfalls blumige Stücke zu finden sind, zeugen sie auch von einer anderen Seite des Komponisten: In Stücken wie «Deine weissen Lilienfinger» oder «Nachtgesicht» herrschen nachdenkliche, melancholische Töne vor. Diese Stücke erweisen sich als passender Übergang zu Franz Liszts Lied «Freudvoll und leidvoll», das die dialektischen Gegensätze zwischen Freud und Leid mit verschlungenen Dur- und Moll-Wendungen reizvoll auskostet, sowie seine dramatische Umsetzung von Heines berühmtem Gedicht «Die Loreley».
In Urspruchs «Acht Liedern» Op. 23 (1888), die über zehn Jahre nach den anderen hier versammelten Liedern entstanden sind und diese Blütenschau abschliessen, greift er auf ältere Gedichte, vor allem aus dem 18. Jahrhundert, zurück. Es handelt sich um faszinierende Miniaturen, die sich im Dialog zwischen dem gegenüber seinen früheren Liedern aufgewerteten Klaviersatz und der Singstimme entwickeln.
Der Liederspezialist und Booklet-Autor Thomas Seedorf schreibt zu den Liedern Urspruchs: »Diese Musik ist im Wortsinne ,unvergleichlich‘, denn man kann sie weder auf offenkundige Vorbilder zurückführen noch Lieder anderer Komponisten benennen, denen sie vielleicht als Vorbild diente. Musik aus einem fruchtbaren Niemandsland.«
Auch die Interpretation verdient höchstes Lob, und so darf man hoffen, dass sich dieses Duo auch den Liedern Raffs in etwas mehr Breite widmet.
Ein «väterlicher Freund» – Raffs Beziehung zu Anton Urspruch
Raff förderte Anton Urspruch von Beginn seiner Karriere ab, wie elf Briefe des jungen Komponisten an seinen Lehrer und Mentor belegen, die in der Bayerischen Staatsbibliothek liegen (Raffiana I). So empfahl Raff seinem Verleger Kistner, Urspruchs Sonate op. 1 für Klavier zu veröffentlichten. Auch in den kommenden Jahren setzte er sich immer wieder durch Vermittlung bei musikalischen Autoritäten für den jungen Komponisten ein. Im Gegenzug widmete Urspruch die Deutschen Tänze op. 7 Doris Raff-Genast, sein Klavierkonzert op. 9 wiederum Raff selbst. In einem Brief berichtet er ausführlich über die Wiener Premiere dieses Werks, die von keinem Geringeren als Johannes Brahms hintertrieben worden sei.
Ein Brief von Raff an Urspruch, dessen Original im JRA liegt, belegt, dass sich Raff im Sommer 1877 mit Urspruch traf, wohl um dessen Anstellung am Hoch’schen Konservatorium zu besprechen. Als sich Urspruch mit der Verlegerstochter Emmy Cranz verlobt, erfährt Raff direkt nach Urspruchs Eltern als einer ersten brieflich davon. Nach dem Tode Raffs wirkte Urspruch bis zu seinem eigenen – ebenfalls frühzeitigen – Ableben im Jahr 1907 am Raff-Konservatorium. Seit den 1990er Jahren nimmt die Wiederentdeckung des Komponisten Fahrt an – mittlerweile ist doch eine Handvoll Werke Urspruchs auf CD erhältlich.
Ein Besuch auf der Seite der unterstützenswerten Anton Urspruch-Gesellschaft e. V. lohnt sich:
Urspruch ist nicht der einzige Komponist, den Raff mit Vermittlung und Empfehlung förderte. Wie Oliver Korte in seinem Referat an der Eröffnungstagung des Joachim-Raff-Archivs ausführte, verhielt es sich ähnlich mit Gotthold Kunkel, der nach dem Tode seines Mentors ebenfalls am Raff-Konservatorium wirkte (im voraussichtlich im nächsten Jahr erscheinenden Tagungsband nachzulesen).