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Am 22./23./24. August 2008 feierte der Wittnauer Männerchor «Sängerbund» sein 150-jähriges Vereinsjubiläum.
Da das erste Protokollbuch verschwunden ist, kann das genaue Gründungsdatum des Vereins leider nicht mehr festgestellt werden. Aus den Akten des Kreisverbandes geht jedoch hervor, dass der Verein bereits 1858 existierte.Aus unbekannten Gründen wurde der Verein aufgelöst, 1884 aber wieder neugegründet. Das Protokoll berichtet, dass 40 Mann einer Einladung zur Gründung eines Männerchores ins Schulhaus Folge geleistet hätten. Die Jüngsten waren 16 Jahre alt.
An der nächsten Versammlung wurden Statuten entworfen und der Monatsbeitrag auf 40 Rappen festgesetzt.1885 wurde die Anschaffung einer Fahne beschlossen. Sie wurde bei der Firma Rosenthaler, einem Malergeschäft in Rheinfelden, in Auftrag gegeben und kostete 130 Franken. Bei einer freiwilligen Sammlung im Dorf kamen 110 Franken zusammen. Am 12. April 1885 fand die Fahnenweihe und ein Konzert in der Dorfkirche von Wittnau statt. Der Eintritt betrug für auswärtige Besucher 50 Rappen. Einheimische hatten freien Eintritt.
Mit «Wie schön ist doch die Frühlingszeit» nahm der Männerchor bereits 1886 am Fricktalischen Gesangsfest in Zeiningen teil.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand ein Orchesterverein unter der Leitung von Männerchor-Dirigent Julius Brogle. Über die Besetzung und die Tätigkeit dieses Orchestervereins und wie lange der Verein existierte, ist aus den noch bestehenden Unterlagen nichts mehr zu erfahren.Als Mitglied des Fricktaler Sängervereins war der Männerchor Wittnau seinen verpflichtungen immer getreu nachgekommen. Der Verein nahm bis 1983 an 35 verschiedenen Anlässen wie an den Fricktalischen, Kantonalen und Eidgenössischen Gesangsfesten teil. Der Männerchor Wittnau war nicht nur für die gesanglichen Konzerte bekannt, sondern auch für seine grossen Theateraufführungen. Von 1882 bis 1963 wurden über 30 bekannte Theaterstücke von einheimischen Laienspielern aufgeführt. Diese ernsten, aber auch lustigen Aufführungen wurden stets von vielen Auswärtigen mit grosser Begeisterung besucht.
Bis 1963 wurden über 28 Wanderungen und Reisen in der engeren Heimat und in der Fremde unternommen. Diese gemeinsamen Ausflüge trugen viel zur Freundschaft unterden Sängerkollegen bei, welche nachhaltig tief in deren Erinnerung haften bleibt. Im Mai 1983 durfte der Sängerbund seinen 125. Geburtstag, verbunden mit dem Fricktalischen Gesangsfest, feiern. Dies war ein weiterer Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Mit neuem Elan konnte danach der Erfolg des Vereins weitergeführt werden. Nebst den alljährlichen Liederkonzerten, den Auftritten in der Kirche, Geburtstagsständchen und diversen anderen Darbietungen im Dorf gehörten auch immer wieder verschiedene auswärtige Auftritte ins Vereinsprogramm. Dies waren vor allem Sängerfeste bei anderen Chören im Fricktal, anlässlich einer Fahnenweihe oder eines Vereinsjubiläums. Regelmässig stellte man sich den gestrengen Experten, um anhand deren Berichte den momentanen Formstand des Chors beurteilenzu können. So wurden unter anderem 1991 das Eidg. Gesangsfest in Entlebuch, die Kantonalen Feste 1988 in Widen, 1994 in Windisch, 1999 in Rheinfelden und 2004 in Buchs besucht. Die Ansprüche, die der Chor an sich selbst stellte, waren hoch. Das Prädikat «Sehr gut» wurde jedesmal als Minimalziel angestrebt.
Reichte es gar zu einem «Vorzüglich», war natürlich die Freude über das Erreichte umso grösser. Selbstverständlich gehörte auch in denletzten 25 Jahren nebst dem Gesang das Gesellige zum Vereinsleben. Um dies zu pflegen, eigneten sich kleinere Ausflüge und grössere Reisen ausgezeichnet. Mehrere Tagesausflüge führten in alle Gegenden der Schweiz und ins benachbarte Ausland. Besonders in Erinnerung bleiben aber die mehrtägigen Reisen nach Paris, ins Südtirol, nach Amsterdam und in die Toscana.Wichtig war und ist für den Sängerbund auch die Kameradschaft mit den anderen Chören des Fricktals. Diese pflegt man durch gegenseitige Konzertbesuche sowie gemeinsame Gesangsfeste. Es ergaben sich im Verlauf der letzten Jahre aber auch Freundschaften über das Fricktal hinaus. So werden bis heute regelmässige Kontaktemit dem Männerchor «Liederkranz» Kienberg SO, dem Gemischten Chor «à tout coeur» aus Ependes FR, dem Männerchor Kaufdorf BE und dem Trachtenverein Wittnau im Breisgau gepflegt und durch gegenseitige Auftritte immer wieder neu belebt. Immer war der Männerchor Wittnau auch bereit, etwas Neues zu wagen. Durch die professionellen musikalischen Leiter der letzten zwanzig Jahre begaben sich die Sänger oft auf musikalisches Neuland. So wurden immer wieder von unseren Dirigenten arrangierte Lieder bei den Konzerten aufgeführt. Diese stellten sowohl rhythmisch wie auch sprachlich neue Anforderungen. Dabei war man aber immer bemüht, den traditionellen Männerchorgesang nicht zu vernachlässigen.
Nachdem bereits in den 70er- und Anfang der 80er-Jahre der Chor in Basel Radioaufnahmen machen durfte, schaffte es der «Sängerbund» 1996 anlässlich der Sendung «Wähled Si!» gar ins Schweizer Fernsehen. Für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis. Dies gilt auch für die beiden Konzerte, die der Männerchor 2003 und 2006 zusammen mit der Musikgesellschaft Wittnau in der Kircheaufführte.
2005 luden die Wittnauer Sänger zumersten Open-Air-Konzert der Fricktaler Chöre ein. Dieser Anlass soll die Kameradschaft zwischen den Chören fördern und wird inzwischen jährlich von einem Verein des Fricktalischen Sängerbundes organisiert und wird hoffentlich die nächsten Jahre zu einem traditionellen Anlass werden.