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Schloss, Altstadt und Ringmauer: Das zauberhafte Murten am Murtensee
Im Kanton Freiburg in der Schweiz, genau an der deutsch-französischen Sprachgrenze, zieht das Städtchen Murten als Ausflugsmagnet Besucher an. Nicht nur die schöne Lage am Murtensee, eine herrliche Seepromenade, viel Kultur und die hohe Lebensqualität machen den Reiz des „Städtli“ aus. Auch die noch lebendige mittelalterliche Geschichte sowie gut erhaltene historische Gebäude aus nachfolgenden Zeiten laden zu Entdeckungstouren und einem romantischen Stadtrundgang ein.
Die komplette Stadt wurde 1948 unter Schutz gestellt und kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Murten wurde 1170 von den Herzögen von Zähringen gegründet und 1218, nachdem die Zähringer ausgestorben waren, reichsfrei. Daraufhin wurde Murten von einer Ringmauer umgeben, die übrigens heute bereits seit 1908 unter Schutz steht. Ab 1255 unterstand die Stadt schliesslich dem Schutz der Savoyens. Murten schloss Bündnisse mit Nachbarstädten und vergrösserte sich zusehends, auch seine Vorrangstellung gegenüber den benachbarten Dörfern baute die alte Zähringerstadt immer weiter aus.
Als es 1416 zu einem grossen Brand kam, wurden die meisten Häuser der Stadt vernichtet, da sie aus Holz gebaut waren. Beim Neuaufbau setzten die Bauherren dann auf Stein. 1476 besiegte Murten Karl den Kühnen in der Schlacht der Eidgenossen vor den Stadttoren. Die Reformation wurde schliesslich 1530 von Bern auch an den Murtensee gebracht. Die Folgezeit war gekennzeichnet durch immer wiederkehrende Auseinandersetzungen zwischen Bern und Freiburg.
Eine Rolle spielte Murten schliesslich auch während der Französischen Revolution: 1798 belagerten die Franzosen Freiburg, Bern sollte von Murten aus Widerstand leisten. Aber die Berner überliessen Murten den Franzosen und viele der Einwohner Murtens hatten mit dem Schrecken einer Kriegsgefangenschaft zu kämpfen. Schliesslich wurde Murten von Napoleon, nachdem es seine alten Rechte verloren hatte, Freiburg zugesprochen.
Nach der Gründung des Bundesstaates hinkte die Stadt der Industrialisierung hinterher. Es gab zwar bis Ausbruch des Zweiten Weltkriegs insbesondere eine bedeutende kleine Uhrenfabrik, aber erst in der Nachkriegszeit erlebte Murten einen Wirtschaftsaufschwung.
Schön ist, dass die Altstadt den Krieg überstand und Touristen und Einheimische heute von der fast vollständig erhaltenen Ringmauer einen unvergesslichen Blick über die Dächer der Altstadt bis hin zum See geniessen können. Die Murtener Ringmauer ist auch deshalb so besonders, weil sie als einzige begehbare Stadtmauer in der Schweiz heute noch erhalten ist.
Einen Stadtrundgang sollten Besucher an der spätgotischen Französischen Kirche aus dem Jahre 1481 beginnen. Sie wurde auf den Fundamenten der 1476 in der Schlacht der Eidgenossen zerstörten Katharinenkapelle gebaut. Gegenüber liegt das Französische Pfarrhaus. Es ist allerdings, anders als man vermuten könnte, ein typisches Berner Bauwerk.
Folgt man beim Rundgang der Mauer im Norden, erreicht man das Berntor. Erste Erwähnungen fand das Berntor 1239. Nachdem es in der Schlacht bei Murten zerstört wurde, liess es Murten vom Berner Baumeister Niklaus Hebler, der auch den Zeitglockenturm in Bern renovierte, im 18. Jahrhundert wieder aufbauen. Dabei ist insbesondere das Uhrwerk zuoberst im Berntor eine Rarität: Als die Gebrüder Ducommun 1712 in La Chaux-de-Fonds die Uhr fertigten, benutzten sie Kanonenkugeln der Murtenschlacht als Gewichtssteine. Sie müssen auch heute noch einmal täglich von Hand hochgezogen werden. Auf dem Stundenzeiger des Zifferblattes können Betrachter der Uhr zudem eine Schwurhand erkennen. Sie soll zeigen, dass Murten einmal freie Reichsstadt war.
Weiter geht es mit dem Rundgang am Primarschulhaus und der Weltzeitsonnenuhr mit ihren fünf Ziffernblättern vorbei zur römisch-katholischen Kirche. Sie wurde 1885 im neugotischen Stil errichtet. 1925 ergänzte man den Kirchturm.
Empfehlenswert ist es dann, neben der Kirche die Treppe zur Ringmauer hinauf zu nehmen. Läuft man auf dem Wehrgang, lassen sich alle zwölf Tore erblicken, die ihre Namen aufgrund ihrer Funktion oder wegen ihres Standorts erhielten. Da gibt es unter anderem den Hexenturm, den Pulverturm, den Käfigturm, den Schlossgassturm und den Zerschossenen Turm. Auch der Chorturm der Deutschen Kirche findet sich in der Stadtmauer.
Im Hof der Kirche befindet sich eine Bronzestatue. Sie erinnert an den 1797 im Deutschen Pfarrhaus geborenen Murtener Jeremias Gotthelf. Besonders in der Hauptgasse der Alststadt bestimmen barocke, ockergelbe aus Neuenburger Stein erstellte Fassaden das Bild. Die herrlichen Laubengänge der geschlossenen Gasse schliessen schliesslich das sogenannte „Rübenloch“ ab. Es ist zweifelsohne das wohl am meisten abgelichtete Motiv der Stadt. Dabei sollte das spätgotische Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts einer Verbindungsstrasse zum Bahnhof weichen. Da das Geld aber nicht reichte, liess man von dem Vorhaben ab und stellte das so gerettete Bauwerk später sogar unter Denkmalschutz.
Weitere Highlights des Rundgangs sind das klassizistische Rathaus und das Amtsgericht, beides in einem Gebäude beherbergt, und natürlich das Murtener Schloss. Es wurde 1255 errichtet unter der Herrschaft Graf Peter II. von Savoyen und in den kommenden Jahrhunderten immer wieder umgebaut und erweitert. Der heutige Zustand des Schlosses entspricht dem des Jahres 1755. Es beherbergte einmal eine Kaserne, ein Spital und ein Gefängnis und heute das Oberamt des freiburgischen Seebezirksr.
Wer klassische Musik mag, findet alljährlich im August und September einen besonderen Ohrenschmaus im Schlosshof. Dann finden dort die „Murten Classics“ statt.
Wen die Geschichte von Murten noch weiter interessiert, der kann schliesslich unterhalb des Schlosses in der Stadtmühle das Historische Museum besuchen.
Oberstes Bild: Stockenten auf einem Brunnen in der Altstadt von Murten (© Badener, Wikimedia, CC)