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Tidjane Thiam hat nichts von der Überwachung seines einstigen Spitzenmanns bei der CS, Iqbal Khan, gewusst; so das Fazit der Zürcher Homburger Anwaltskanzlei vor Wochenfrist.
Nun zeigt sich, dass Thiams Sohn aus erster Ehe letztes Jahr ein paar Wochen lang bei Homburger gearbeitet hatte. Der Filius des Credit Suisse-Chefs war Praktikant und kümmerte sich um Nicht-Banken-Fälle.
Ein Interessenkonflikt bestehe nicht, sagt eine Auskunftsperson. Das Praktikum des Sohns des CS-CEOs sei kurz gewesen und inzwischen abgeschlossen.
Zudem seien solche Schnuppereinsätze normal bei den grossen Zürcher Wirtschaftskanzleien, hiess es. Jedes Jahr würden Dutzende junger Juristen und angehender Anwälte solche leisten.
Ein Sprecher der Homburger-Anwälte wollte nichts zum Einsatz des Thiam-Sohns sagen. Die CS reagierte nicht auf Anfragen.
Der Bericht der Homburger Anwälte fiel für den operativen Leiter der CS positiv aus. Dieser sei von seinem engsten Mitarbeiter im Dunkeln darüber gelassen worden, dass der Ex-Topbanker von seiner eigenen Firma ausspioniert würde.
„Die Untersuchung ergab keine Hinweise, dass der CEO die Überwachung von Iqbal Khan genehmigt oder vor dem 18. September 2019 Kenntnis von der Überwachung gehabt hätte“, halten die Homburger-Anwälte in ihrem Bericht vom 30. September fest.
Die Überwachung sei allein von Pierre-Olivier Bouée, dem Chief Operating Officer der CS, angeordnet worden.
„Als die UBS AG am 29. August 2019 die Anstellung von Iqbal Khan ankündigte, beauftragte der Chief Operating Officer (COO) der Credit Suisse einen Mitarbeiter der Credit Suisse damit, eine Überwachung von Iqbal Khan einzuleiten.“
Stimmt diese Version? Laut den Homburger-Anwälten waren nur genau diese beiden CS-Mitarbeiter im Bild. „Weitere Mitarbeitende waren nicht involviert“, halten sie in ihrem Bericht fest.
Letzten Samstag meldeten dann die NZZ und der Tages-Anzeiger, dass die Strafbehörden von Zürich ihre Ermittlungen rund um die Khan-Beschattungsaktion auf weitere CS-Mitarbeiter ausweiten könnten.
Laut Tages-Anzeiger sei es möglich, dass die Strafermittler nun „CS-Mitarbeiter befragen“ würde. Die Bank meinte gegenüber der Zeitung, sie würde die Anfragen der Ermittler „beantworten“.
Die Unabhängigkeit der Homburger-Anwälte war schon vor dem Schlussbericht der Kanzlei ein Thema in den Medien.
Der SonntagsBlick setzte ein Fragezeichen hinter die Glaubwürdigkeit der Kanzlei, weil deren oberster Partner mit einer UBS-Verwaltungsrätin liiert sei. Der beschattete Khan wechselte fliegend zur UBS.
Die Frau war zuvor Anwältin bei Niederer Kraft Frey (NKF), wie Homburger eine führende Wirtschaftskanzlei auf dem Platz Zürich. Nach der Wahl ins UBS-Spitzengremium vor 7 Jahren verliess sie die NKF.
Eine weitere Personalie interessiert rund um die Frage, wie unabhängig die Homburger-Anwälte bei CS-Aufträgen ist. CS-Chefjurist Romeo Cerutti war Anwalt bei Homburger, bevor er via Lombard Odier zur CS stiess. Cerutti gilt als engster Vertrauter von CS-Präsident Urs Rohner, der Homburger für die Khan-Untersuchung ausgewählt hat.