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Latent Space ist ein Raum, der durch maschinelle Lernprozesse geschaffen wird. Objekte in diesem Raum werden in Abhängigkeit von verschiedenen, durch Variablen definierte Ähnlichkeiten positioniert, was zur Entstehung eines Raumes mit vielen Dimensionen, Verbindungen und Netzwerken führt.
Wir haben beschlossen, unsere Zeit in der Residency zu nutzen, um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise Maschinelles Lernen zu erforschen – und damit unsere ersten Schritte in (oder eher Richtung) Latent Space zu gehen. Aber fangen wir von vorne an.
Letztes Jahr hörten wir davon, dass KI in der Lage ist, Bilder auf der Grundlage von natürlicher Sprache zu erstellen, und das war eine faszinierende Vorstellung für uns. Dass wir einfach einen Satz eintippen können, der uns in den Sinn kommt, und kurz darauf ein Bild (oder sogar eine Reihe von Bildern, aus denen man auswählen kann) präsentiert bekommt, erschien uns fast schon magisch. Als wir in Faucogney-et-la-Mer ankamen, hatten wir dann das Gefühl, dass wir endlich die Zeit hatten, diesen Bereich des Maschinellen Lernens zu erkunden.
Als Duo streben wir danach, Illustration mit Keramik, Farbe mit Material, Linien mit Volumen und Visuelles mit Kontextuellem zu verbinden. Da wir normalerweise im Bereich der Gefäße arbeiten, beschlossen wir, in diesem Bereich auch für die anstehende Erkundung zu bleiben. Zum Aufwärmen beschlossen wir, selbst Zeichnungen anzufertigen und anschliessend die Text-Bild-KI mit den selben Vorgaben zu füttern, die wir uns auch selbst gegeben haben. Auf diese Weise konnten wir unsere Kreationen mit denen der KI vergleichen. Wir beobachteten und bekamen durch das praktische Arbeiten immer mehr ein Gefühl für den Algorithmus und wie er funktionieren könnte.
Wir blieben bei einigen Bildern (von uns oder vom Algorithmus erstellt) und gingen dann einen Schritt weiter. Wir entwickelten immer detailliertere Eingabeaufforderungen, die wir in verschiedene KI-Systeme einspeisten, um die von uns gewünschten Objekte, Ästhetiken und Formen zu erzeugen – und arbeiteten intensiv daran unsere Fähigkeiten im Bereich the craft of prompting zu verbessern. Während des Prozesses entdeckten wir viele Tools, die wir nutzen konnten ebenso wie Künstlerinnen und Designerinnen, die mit KI arbeiten, und Gemeinschaften, die sich dafür einsetzen, dass KI gleichberechtigter und fairer wird.
Noch ein Schritt: Wir geben dem Algorithmus ein Bild, mit dem er arbeiten kann. Zum Ändern, Verändern und Modifizieren. Wenn wir eines der generierten Objekte auswählen und es erneut verändern, entsteht eine Schleife aus Kreation und Reaktion zwischen dem Algorithmus und uns als menschlichen Designerinnen.
Während wir beobachtet haben auf welchem Stand diese Art des Maschinellen Lernens momentan ist und welche Qualität erzielt werden kann, wurden wir vor allem von Glitches und scheinbar unvollkommenen oder auch fehlerhaften Ergebnissen inspiriert. Wir empfanden dabei die KI fast schon als sympathische und humorvolle Arbeitspartnerin.
Eine Zeichnung durch Worte in ein KI-generiertes Bild zu verwandeln. Dies dann analog in Ton zu übersetzen, formen und anfassen zu können, um es schliesslich wieder als Bild in den digitalen Raum zurückzuführen, wo es die Ki abermals bearbeitet und verändert… Es entsteht eine nicht enden wollende Schleife aus Kreation und Entscheidungsfindung – wir entscheiden, mit welchem Ergebnis wir weitermachen und was wir der KI zurückgeben wollen. Wir verlieren uns in der Übersetzung zwischen dem Analogen und dem Digitalen. Dabei fragen wir uns kontinuierlich:
Ist es möglich, mit einer KI auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten?
Wir denken über unsere Rolle als Entscheidungsträger*innen in diesem Prozess nach. Wir filtern, klassifizieren, ordnen neu und wählen aus, mit welchem Output wir weiterarbeiten und unseren nächsten Input machen.
Die Schritte, die wir unternommen haben, und die Übungen, die wir im Rahmen dieser Erkundung durchgeführt haben, sind nur die ersten, und es werden noch viele weitere folgen. Während des Prozesses sind wir auf viele weitere Fragen gestoßen, die nicht alle beantwortet werden konnten. Aber zum Abschluss dieses Blogbeitrags möchten wir einige von ihnen mit euch teilen – ein Versuch, euch tief in den Latent Space in unseren Köpfen zu ziehen.
Wie kann Maschinelles Lernen ethisch und gerecht sein, wenn der Datensatz, auf dem es aufbaut, eine weiße, männliche, eurozentrische Weltsicht widerspiegelt?
Welche Rolle spielen die Menschen, die KI-Systeme trainieren, und welchen Einfluss und welche Verantwortung haben wir als Nutzende?
Welche Auswirkungen entstehen betreffend Urheberrecht und die Eigentumsrechte, wenn ein Werkzeug in der Lage ist, Stile und Pinselstriche einesr bestimmten Künstlersin/Designers*in/Stils zu kopieren?
Kann diese Art des Maschinellen Lernens Teil unserer Gestaltungsprozesse sein?
Welche Regeln und künstlich gesetzten Grenzen sind erforderlich, um zu verhindern, dass Menschen diese Technologie auf schädliche und/oder gewaltvolle Weise nutzen?
UND AUSSERDEM
Danke an Villa Villekulla, die uns eingeladen haben an diesen wunderschönen Ort und es geschafft haben uns mit diesen inspirierenden Menschen zusammenzubringen. Merci Ali, Anita und Cheyenne fürs gemeinsame Verweilen und Gedanken spinnen.
Nikos Probst für die Einladung zum Midjourney Discord Server.
Amelie Goldfuß für den Zugang zu DALLE 2.
Die Plattform DreamingBeyondAI für den schönen und inspirierenden Launch-Event und die wundervolle Plattform.Danke an all die Menschen, die ihre Zeit in das Entwickeln von Tools stecken und Informationen aufarbeiten und teilen, um diese anderen zugänglich zu machen.
Danke an Menschen, die sich mit ethischen, sozialen, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen von Technologien beschäftigen, diese kritisch hinterfragen und nach neuen Wegen suchen.