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Charles Richard Meade, Portrait von Louis Jacques Mandé Daguerre, 1848, handkolorierte Daguerreotype, 15,7 × 11,5 cm, 84.XT.953, The J. Paul Getty Museum, Los Angeles. Digital image courtesy of the Getty’s Open Content Program
Daguerreotypien sind einfarbige, graustufige Direktpositive, die nur einmal hergestellt werden können. Zwar besteht eine Daguerreotypie aus einem Positiv und Negativ zugleich, aber Letzteres kann nicht für die Vervielfältigung der Aufnahme verwendet werden. Nach ihrem Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre (1787–1851) benannt, wurde die Daguerreotypie am 7. Januar 1839 der Académie des sciences in Paris vorgestellt und Ende desselben Jahres weltweit als erstes fotografisches Verfahren auf den Markt gebracht.
Für die Herstellung einer Daguerreotypie wurden versilberte Kupfer-, selten auch reine, viel teurere Silberplatten verwendet, die glatt poliert wurden. In einem Kasten mit Jod- und Bromdämpfen behandelt, entstanden auf der Oberfläche Silbersalze, sogenannte Silberhalogenide, wodurch die Platte lichtempfindlich wurde. Sobald die Behandlung der Platten abgeschlossen war, mussten sie im Dunkeln aufbewahrt und innerhalb von kurzer Zeit in eine eingesetzt werden. Durch die Belichtung verwandelte sich das Silbersalz zu metallischem Silber und bildete ein verstecktes, nicht sichtbares Bild. Für dessen Entwicklung erwärmte man in einem Holzkasten Quecksilber und hielt die belichtete Platte in die giftigen Dämpfe. Auf diese Weise wurde das verborgene Bild sichtbar. Zum Fixieren des Bildes setzte man das Salz Natriumthiosulfat ein, das die restlichen lichtempfindlichen Silbersalze ausspülte. Nach dem Wässern wurden Daguerreotypien oft kurz in eine offene Flamme gehalten, damit diese schnell trockneten.
Southworth and Hawes, Harriet Beecher Stowe, 1850er-Jahre, Daguerreotypie, 10,8 x 8,3 cm, Gift of I. N. Phelps Stokes, Edward S. Hawes, Alice Mary Hawes, and Marion Augusta Hawes, 1937, The Metropolitan Museum of Art, New York
Speziell an diesem Verfahren sind die Wiedergabe von scharfen Details und die Oberflächenspiegelung des Bildes. So gelingt die Betrachtung der spiegelnden Daguerreotypie als Positiv nur, wenn man die Platte in einem bestimmten Winkel hält, ansonsten spiegelt sich das Negativ. Daguerreotypien zeigen das Bild meistens seitenverkehrt. Um die Aufnahme seitenrichtig darzustellen, mussten Fotograf_innen Spiegel oder Prismen einsetzen. Aufgrund der langen Belichtungszeit, die zu Beginn bei Sonnenlicht bis zu 15 Minuten dauern konnte, mussten Personen für ein Porträt vor der Kamera stillhalten. Andernfalls entstanden verschwommene Stellen im Bild – wie dies oft auch bei Kinderporträts der Fall war, da diese sich oft bewegen. Um den grauen Bildern mehr Lebendigkeit zu verleihen, fügte ein_e Assistent_in auf Wunsch stellenweise Farbe in die Porträts ein.
Jeremiah Gurney, [Portrait eines Kindes], 1844–1852, handkolorierte Daguerreotypie, 10,8 x 8,3 cm, Minneapolis Institute of Art
Geoffrey Batchen, Burning with Desire. The Conception of Photography (Cambridge, MA: The MIT Press, 1997).
Louis Jacques Mandé Daguerre, Historique et description des procédés du daguerréotype et du Diorama, par Daguerre (Paris: Alphonse Giroux et Cie., 1839).
Sarah Kate Gillespie, The Early American Daguerreotype. Cross-Currents in Art and Technology (Cambridge, MA: The MIT Press, 2016).
Oliver Wendell Holmes, «The Stereoscope and the Stereograph», in Atlantic Monthly 6 (1859), 738–748.
René Perret, Kunst und Magie der Daguerreotypie. Collection W. + T. Bosshard (Brugg: BEA + Poly-Verags AG, 2006).
Hans Roseboom, «What’s Wrong with Daguerre», in Tanya Sheehan und Andrés Mario Zervigón (Hg.), Photography and Its Origins (London: Routledge, 2015), 29–40.