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Im Zuge der Corona-Krise haben alle arktischen Staaten, wie auch alle anderen, ihre Grenzen geschlossen, um ihre Bürger vor dem SARS-CoV-2-Virus zu schützen. Denn fehlende medizinische Infrastruktur und Transportwege- plus eine höhere Wahrscheinlichkeit, auch immuntechnisch nichts dem Virus entgegensetzen zu können, würde zu höheren Opferzahlen führen können. Da auch niemand weiss, wie lange die Pandemie dauern wird und wie lange das Virus zirkulieren wird, hat nun die kanadische Regierung einen nächsten Schritt unternommen und seine gesamten arktischen Regionen den ganzen Sommer lang für Kreuzfahrtschiffe aller Grössen geschlossen.
Die Massnahmen in Bezug auf den Kreuzfahrt-Tourismus wurden am 13. März vom Ministerium für Transport, Transport Canada, in einer offiziellen Nachricht veröffentlicht. Darin steht, dass die Kreuzfahrtsaison in Kanada erst am 1. Juli 2020 frühestens beginnen wird. Davon betroffen sind gemäss Transport Canada aber nur Schiffe ab einer Grösse von 500 Passagieren, die in den atlantischen und pazifischen Bereichen, also unterhalb der Arktis, operieren. Für die nördlichen Regionen gelte ein komplettes Verbot für alle Kreuzfahrtschiffe, unabhängig von der Grösse, bis zum Ende des Sommers. Fähren und kleine Schiffe und Boote sind von dem Verbot ausgenommen. Für diese werden, gemäss der Verlautbarung, andere Massanahmen zum Schutz der Arktis-Bevölkerung entwickelt. Der Transportminister erklärte: «Die Sicherheit und Gesundheit der Kanadier hat oberste Priorität. Es gibt keine andere Lösung, um es Kreuzfahrtschiffen zu ermöglichen, in Kanada zu operieren und gleichzeitig den Schutz der Bevölkerung vor COVID-19 zu gewährleisten, als den Beginn der Kreuzfahrtsaison nach hinten zu legen. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und wir werden die Situation kontinuierlich neu beurteilen, so wie sie sich darstellt.»
Kanada ist bei Kreuzfahrtschiffen sehr beliebt geworden. Im vergangenen Jahr brachten 140 Schiffe mehr als 2 Millionen Passagier an die Küsten des nordamerikanischen Landes. Neben den klassischen Zielen wie Vancouver oder Nova Scotia wurden auch die Zahlen in den arktischen Regionen gesteigert. Lediglich die variablen Eisbedingungen in der Nordwestpassage verhindern einen ähnlichen Run wie an den Pazifik- und Atlantikküsten. Genaue Zahlen hatte Statistics Canada zwar für den Januar 2020 versprochen, doch gegenwärtig sind keine Zahlen veröffentlicht worden. Nach Angaben der Tourismusverantwortlichen betrug die Besucherzahl in 2018 rund 3’400 Passagiere, trotz schwieriger Eisbedingungen. Im letzten Jahr dürften also an den Küsten Nunavuts und der Nordwestterritorien wieder einige tausend Passagiere von Expeditionsschiffen gelandet sein. Unter den Top 3 Besucherorten liegen Pond Inlet, Cambridge Bay und Gjoa Haven, die jeweils nur einige hundert Einwohner aufweisen. Doch gerade für diese Orte sind die Einnahmen, die zumindest die kleinen Expeditionsschiffe direkt vor Ort abliefern, eine nicht unwesentliche Einnahmequelle, die nun durch die Entscheidung Ottawas wegfällt. Die Regierung hat zwar bekanntgegeben, mit den lokalen und regionalen Partnern zusammenzuarbeiten, um die Auswirkungen der Pandemie abzufedern und hat CAN$ 27 Milliarden als ein erstes Paket in Aussicht gestellt. Doch wie weit diese Massnahmen reichen werden, um die verschiedenen Interessenvertreter, Organisationen und Geschäfte, die vom Tourismus in Kanadas Norden leben, zu retten, ist im Moment zumindest nicht absehbar. Eines ist auf jeden Fall sicher: Auch nach der Krise werden die Nachwehen in dieser Branche noch lange nachwirken.
Quelle: Government of Canada / High North News