Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03374.jsonl.gz/63

Die These von der anthropogenen Erderwärmung wird auch von unseren Medien, staatlichen und nichtstaatlichen, weiterhin für erwiesen gehalten und deshalb nicht diskutiert. Die sogenannte Climategate-Affäre, der Skandal um die unerlaubt an die Öffentlichkeit gelangte E-Mail-Korrespondenz zwischen führenden Klimaforschern, die ein wenig schmeichelhaftes Licht auf die Entstehungsgeschichte der IPCC-Sachstandberichte wirft, scheint in der Schweiz ebenfalls kaum zu interessieren. Ganz anders in Grossbritannien, wo kein Tag vergeht, ohne dass die Zeitungen mit neuen Enthüllungen über fahrlässige Arbeit von IPCC-Autoren aufwarten.
Mehr zum Thema: Dossier «Klimakontroverse»
Die Sunday Times, welche schon die vom IPCC übernommene Fantasiethese vom Verschwinden der Himalajagletscher bis zum Jahr 2035 entlarvt hatte, machte am letzten Sonntag auf eine andere auf keinen Fakten beruhende Übertreibung im 4. IPCC-Sachstandbericht aufmerksam. In der «Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger» von 2007 können die politischen Entscheidungsträger Folgendes lesen: «Durch Klimaschwankungen und -änderungen werden für viele Länder und Regionen Afrikas schwerwiegende Beeinträchtigungen der landwirtschaftlichen Produktion – einschliesslich des Zugangs zu Nahrungsmitteln – projiziert . . . In einigen Ländern könnten sich die Erträge aus der vom Regen abhängigen Landwirtschaft bis 2020 um bis zu 50 Prozent reduzieren.» Die beängstigende Behauptung vom möglichen Rückgang der Ernteerträge um 50 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre «in vielen afrikanischen Ländern» wurde später sowohl vom IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri wie von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Reden wiederholt. Worauf stützt sich dieser schwerwiegende Befund? Auf «Agoumi 2003». «Agoumi 2003» ist ein von der kanadischen Unweltschutzorganisation International Institute for Sustainable Development herausgegebenes, nicht von Experten begutachtetes (peer-reviewed) und auf keinen eigenen Forschungen beruhendes Exposé des marokkanischen Beamten Ali Agoumi. Dieser stützt sich auf einen Bericht der marokkanischen Regierung, in dem bis 2020 von einem erwarteten «Rückgang der Getreideerträge um 50 Prozent in trockenen und 10 Prozent in normalen Jahren» die Rede ist. Ein gleichzeitig von der algerischen Regierung veröffentlichter Bericht rechnet für 2020 jedoch nicht mit einem Rückgang, sondern mit einer Verdoppelung der landwirtschaftlichen Produktion, räumt jedoch ein, dass wegen der erwarteten Klimaerwärmung der Getreideertrag pro Hektare zwischen 5,5 und 6,8 Prozent weniger betragen könnte. Ein dritter, von Agoumi konsultierter Regierungsbericht, ein tunesischer, gibt keine Zahlen für mögliche Ernteertragsverluste.
Aus den drei Berichten pflückt Agoumi eine einzige besonders alarmierende Voraussage heraus – «Rückgang der Getreideerträge um 50 Prozent in trockenen Jahren» in Marokko. Die Leitautoren der IPCC-Zusammenfassung übernehmen diese Voraussage ungeprüft und machen aus einem Land (Marokko) einige Länder. Pachauris Vorgänger als Vorsitzender des IPCC (von 1997 bis 2002) Robert Watson, heute Chefwissenschafter im britischen Umweltschutzministerium, meinte zum Befund über den Ernterückgang in afrikanischen Ländern: «Jede solche Prognose sollte auf peer-reviewed-Literatur gestützt sein, die sich auf Computermodelle bezieht, die zeigen, wie landwirtschaftliche Erträge auf Klimawandel reagieren. Ich sehe keine solchen Daten, die den IPCC-Bericht stützen.» Watson fordert das IPCC auf, sich mit solchen Fehlleistungen auseinanderzusetzen, wenn es nicht alle Glaubwürdigkeit verlieren wolle.
Behauptungen aus Pressecommuniqués
In den letzten Tagen sind eine Reihe weiterer Schnitzer im 4. IPCC-Sachstandbericht an den Tag gekommen. Am Freitag verlangte die holländische Regierung vom IPCC Auskunft darüber, woher der Bericht die Information habe, wonach 55 Prozent der Landfläche der Niederlande unter dem Meeresspiegel lägen. Gemäss offizieller holländischer Statistik sind es 26 Prozent. Ein Artikel des Sunday Telegraph zeigt, dass der IPCC-Bericht verschiedene Behauptungen über verhängnisvolle Auswirkungen der Klimaerwärmung enthält, die sich auf Dissertationen, Pressecommuniqués und Berichte von Umweltschutzorganisationen stützen. Die Behauptung, dass das Ansteigen des Meeresspiegels die Menschen im Nildelta und andern afrikanischen Küstengebieten gefährden könne, stammt aus der nicht publizierten Dissertation eines Studenten der Al-Azhar-Universität von Kairo. Laut Sunday Telegraph benutzte das IPCC einen Bericht der Umweltschutzorganisation Defenders of Wildlife, um die Behauptung zu untermauern, wonach Lachse in amerikanischen Flüssen durch steigende Temperaturen betroffen seien.
Ein weiteres von der Zeitung erwähntes Beispiel für eine IPCC-Schlamperei ist eine Grafik, die das Potenzial von Wellenkraft zur Energieerzeugung zeigen soll und die zahlreiche Fehler enthält. Als Quelle gibt der IPCC-Bericht die Website der britischen Firma Wavegen an, deren Grafik allerdings «dramatisch unterschiedliche Zahlen für das Energiepotenzial in den Meeren vor Britannien, Alaska und der Beringsee gibt».
Die neu aufgedeckten Mängel sind weniger schwerwiegend als die wilden Behauptungen über das baldige Schmelzen der Himalajagletscher und die Halbierung der Ernten in afrikanischen Ländern, aber sie lassen doch den Verdacht aufkommen, dass man es beim IPCC mit den Tatsachen nicht immer genau nimmt.
Unbequeme Fakten ignoriert
Informationen, die dem IPCC in den Kram passen, werden übernommen, ohne genau hinzuschauen. Unbequeme Fakten hingegen werden ignoriert und die Überbringer unliebsamer Nachrichten ausgegrenzt. Der schwedische Geologe und Physiker Nils-Axel Mörner kann davon ein Lied singen. Mörner, von 1999 bis 2003 Präsident der INQUA-internen Internationalen Kommission für Meeresspiegelveränderungen und Küstenentwicklung, erforscht seit vier Jahrzehnten die Küsten in allen Weltgegenden. Beim IPCC ist er persona non grata, weil er nicht an das Ansteigen des Meeresspiegels glaubt. Das IPCC hat zwar im 4. Sachstandbericht seine Prognose über den zu erwartenden Meeresspiegelanstieg von maximal 88 Zentimetern auf maximal 58 Zentimeter bis zum Jahr 2100 zurückgenommen. Allerdings sieht es immer noch gravierende Auswirkungen: «Aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels wird projiziert, dass bis zu den 2080er Jahren viele Millionen Menschen mehr pro Jahr von Überschwemmungen betroffen sein werden. Für dichtbesiedelte Standorte sowie tiefliegende Gebiete, in denen die Anpassungskapazität relativ gering ist und die bereits durch andere Gefahren wie etwa Tropenstürme und örtliche Absenkung der Küsten bedroht sind, ist das Risiko besonders hoch.»
Gemäss Mörner steigt nun aber der Meeresspiegel nicht oder nur ganz minim. Am Telefon fragte ich Mörner, woher er diese Überzeugung habe, während beispielsweise Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer neuen Studie von einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels bis zur Jahrhundertwende von 75 Zentimetern bis 1,9 Meter spreche? Mörner: «Rahmstorfs Prognose ist kompletter Unsinn. Als ich Präsident der INQUA-Kommission wurde, unternahmen wir ein Forschungsprojekt zu Meeresspiegelveränderungen und Küstenentwicklung und stellten dieses an fünf internationalen Treffen zur Diskussion. Alle wahren Meeresspiegelspezialisten waren sich einig, dass wir in hundert Jahren einen Anstieg von 10 Zentimetern mit einem Unsicherheitsfaktor von plus oder minus 10 Zentimetern haben könnten – dies ist nicht sehr viel. Es gibt absolut keinen Trend.»
Wie erklärt sich Mörner den Unterschied zwischen seinen Voraussagen und denjenigen der IPCC-Klimaforscher: «Ich stütze mich auf Forschungen im Feld, während die anderen in ihren Büros vor den Computern sitzen und in Modellen Gezeitenmessungen auswerten. Gezeitenmessungen sind eine komplizierte Angelegenheit, und man muss die Geologie in Betracht ziehen, wenn man sie auswertet. Die Leute vom IPCC haben sich für Hongkong entschieden, das sechs Gezeitenpegel hat, und sie haben die Messungen desjenigen Pegels ausgewählt, der einen jährlichen Anstieg des Meeresspiegels um 2,3 Millimeter anzeigt. Jeder Geologe weiss, dass Hongkong ein sinkendes Gebiet ist. Der Boden sinkt wegen der Kompression der Sedimente. Deshalb ist in diesem Fall die Gezeitenmessung genau das Mittel, das man nicht brauchen sollte.»
Politik statt Wissenschaft
Mörner wirkte für die beiden letzten IPCC-Berichte als sachverständiger Gutachter und fand zu seinem Erstaunen, dass «nicht einer der 22 mitwirkenden Autoren ein Meeresspiegelspezialist war nicht einer. Man gab ihnen diese Aufgabe, weil sie versprachen, die richtigen Antworten zu liefern.» Er hat auch erlebt, wie einer seiner wissenschaftlichen Artikel von einer wissenschaftlichen Zeitschrift zurückgewiesen wurde, weil ein IPCC-Mitglied von der Publikation abriet.
Wie politische Erwägungen stärker wiegen können als wissenschaftliche Erkenntnisse, erlebte Mörner auf den Malediven. Eine von ihm geleitete Expertengruppe unternahm ein Forschungsprojekt auf den Inseln und kam nach sorgfältigen Abklärungen zum Schluss, dass der Meeresspiegel dort nicht ansteigt. Er tat dies in privaten Briefen an den Präsidenten des Landes kund und anerbot sich, der Bevölkerung in einem Film zu zeigen, dass sie sich keine Sorgen um eine Überflutung ihrer Heimstätten machen müsse. Der Präsident beantwortete die Briefe nicht, und die Regierung untersagte die Vorführung des Films. Die Republik Malediven, bestehend aus 1200 Koralleninseln mit gegen 400 000 Einwohnern, ist stark von Entwicklungshilfe aus dem Ausland abhängig. Ihre Regierung hat ein Interesse daran, der Welt zu zeigen, dass der Fortbestand der Inseln und die Existenz der Bevölkerung durch die Klimaerwärmung gefährdet ist. Im letzten Oktober hielt Präsident Nasheed eine Kabinettssitzung sechs Meter unter Wasser ab. Die Minister trugen Taucherausrüstung und liessen sich filmen. Zweck der Übung in den Worten von Präsident Nasheed: «Wir wollen, dass die Leute realisieren, dass die Malediven ein Fronstaat sind. Dies ist nicht nur ein Thema für die Malediven, sondern für die ganze Welt.»
Und so wird wohl die Welt weiter in die Tasche greifen, auch wenn laut Professor Mörner keine Gefahr besteht, dass ein steigendes Meer die Inselrepublik überflutet.