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Fortuna, eine 14-jährige Jugendliche aus Äthiopien, wird gemeinsam mit anderen Flüchtlingen von katholischen Ordensbrüdern in einem Kloster unterhalb des Simplons aufgenommen. Seit ihrer Ankunft an der italienischen Küste ist sie ohne Nachricht von ihren Eltern. Im Hospiz begegnet sie dem 26-jährigen Kabir, in den sie sich unsterblich verliebt. Ihre Beziehung entwickelt sich im Verborgenen, bis Kabir eines Tages verschwindet und Fortuna dadurch vor eine grosse Entscheidung stellt. Der Ordensvorsteher Bruder Jean (Bruno Ganz) ist der Einzige, der dem Mädchen so etwas wie ein Selbstbestimmungsrecht zugesteht.
Für seinen zweiten Langspielfilm wollte der Schweizer Filmpoet Germinal Roaux «Left Foot Right Foot», (2013) ohne Hysterie und Demagogie mit den Mitteln des Künstlers und des Kinos, Raum zum Nachdenken schaffen. Er sammelte Erlebnisberichte von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, von Ordensleuten und Pädagogen, um deren Leid und die Herausforderungen zu verstehen, vor denen unsere heutige Gesellschaft angesichts der Migrationsprobleme steht. Die «Poesie» geht auf das altgriechische Wort für «handeln» zurück. Paul Valéry wurde einmal gefragt: «Was will uns Ihr Gedicht sagen?» Paul Valéry antwortete: «Es will nichts sagen, es will handeln!» Mit seinem Film wollte Roaux einen Film schaffen, der eher «handeln» will als sprechen.
Auszug aus einem Interview mit dem Regisseur zur Zusammenarbeit mit Bruno Ganz und der Äthiopierin Kidist Siyum Bezaeine:
«Schon während des Drehbuchschreibens dachte ich an Bruno Ganz, denn für die Rolle des obersten Chorherrn brauchte ich einen Schauspieler von seinem Format. Seit ich ‹Der Himmel über Berlin› gesehen habe, der in mir die Lust zum Filmemachen geweckt hat, bewundere ich Bruno Ganz für seine Mischung aus Robustheit und Sanftmut. (…) Es machte grossen Eindruck auf mich, mit ihm zu arbeiten, und ich wusste nicht recht, wie das Zusammenspiel zwischen dem Schauspieler von Grossformat und einer Debütantin klappen würde. Ich wollte auf keinen Fall riskieren, alles was die junge Kidist von sich selbst in die Figur der ‹Fortuna› einbringen konnte, zu verderben, weshalb ich ihr das Drehbuch nie zu lesen gab. Zum Teil improvisierten wir, genauer gesagt, passten wir die Dialoge mit der wertvollen Hilfe einer Amharisch-Dolmetscherin der Muttersprache der beiden äthiopischen Darsteller an. Bruno Ganz wiederum bestand auf der strengen Interpretation seines Textes, an dem er unter Garantie kein Komma ändern würde. Zwei völlig verschiedene Arbeitsweisen, um die Figuren des Films zum Leben zu erwecken.» (Germinal Rouax)