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Der Rosenhof
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1975 von Trudi Rota
In der Parlamentssitzung vom 30. Juni 1975 wurde der Kaufvertrag mit den Erben der Frau Lina Engelschall-Gessner über den «Rosenhof» vorbehaltlos genehmigt. Zur Liegenschaft gehören das vor 1850 erstellte Wohn- und Geschäftshaus, ein Waschhaus mit Remise
und Garagen, ein Gewächshaus sowie ein grosser Garten.
Mit dem Rosenhof ist ein Stück Wädenswiler Wirtschaftsleben aus dem 19. Jahrhundert verbunden. Der initiative Seidenfabrikant August Gessner
beschäftigte im alten Schulhaus, dem Rosenhof, etwa zwanzig Arbeiter und dazu aus der Umgebung mindestens drei bis vier Dutzend Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen. Im Jahre 1851 kaufte er eine Nachbarliegenschaft und vergrösserte seine Seidenweberei. Er tat damit den Schritt von der Heimarbeit zur Industrialisierung der Seidenstoffweberei. Es wechselten nun gute und schlechte Zeiten. Bis zum Jahre 1870 beschäftigte Gessner hauptsächlich Heimarbeiter. Die Mechanisierung aber machte inzwischen grosse Fortschritte, und im Jahre 1877 kaufte Gessner eine grössere Parzelle Land und errichtete darauf die heutige mechanische Seidenstoffweberei
. Der Rosenhof hatte seine Aufgabe als Seidenweberei verloren, und das Schicksal der Heimarbeiter war mit der Inbetriebnahme der neuen Fabrik vollends besiegelt.
Bis zum Jahre 1936 blieb der Rosenhof im Besitz der Familie Gessner. Dann wurde er durch die letztwillige Verfügung von Fräulein Emilie Gessner der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde vermacht, in der Meinung, ihn in ein Kirchgemeindehaus umzugestalten. Es zeigte sich aber bald, dass die Rosenmatt sich wesentlich besser als Kirchgemeindehaus eigne. Die Erben des Ernst Gessner schenkten deshalb 1938 den Rosenmattpark
der Gemeinde, unter der Bedingung, dass das Haus zur Rosenmatt
von der Gemeinde erworben werde und der Rosenhof von der Familie Gessner zurückgekauft werden könne. Die Gemeindeversammlungen der Politischen Gemeinde und der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde stimmten diesen Vorlagen zu. So kam der Rosenhof 1938 wiederum in den Besitz der Familie Gessner. Die langjährigen guten Beziehungen zu Wädenswil - eine Ferienwohnung im obersten Stock des Rosenhofes war stets für die Familien Gessner reserviert - bewog die älter werdenden Erben, der Stadt den Rosenhof zum Kauf anzubieten.
Das Parlament hat mit seiner Zustimmung die Wichtigkeit einer weitsichtigen Planung im Interesse der Oeffentlichkeit erkannt. Mit dem Kauf der Liegenschaft konnte die Stadt den Grundbesitz der öffentlichen Hand im Zentrum von Wädenswil sinnvoll arrondieren, und es stehen ihr zu gegebener Zeit die verschiedensten Möglichkeiten zur Nutzung offen.