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Die Strassen
Die Berichte über die Verkehrswege in früheren Zeiten, beschrieben von J. H. Dietrich, muten fast grotesk an. Es seien hier einige Beispiele angeführt, die unser Dörfchen und die nähere Umgebung betreffen.
Vor rund 1000 Jahren konnte von Strassen in unserer Gegend nicht die Rede sein. Die Bewohner legten damals die sogenannten Kirchwege an. So führte derjenige von Dietschwil über das "Alpachtobel" ins Lerchenfeld, derjenige von Gähwil und Tannen über Wittwil-Nördli-Hof-Bruggbach nach Kirchberg. Aber auch noch vor etwa 300 Jahren war es mit den Verbindungen zwischen den verschiedenen Orten schlimm bestellt. Dietrich schreibt: Die Fahrwege waren armselige Karrenwege. Die Dietschwil fuhren mit Gütern von Kirchberg aus zum Hof, von dort über die Säge, vom Einschnitt weg über die Felder ihrem Dorfe zu. Zu "artilleristischen Übungen" sehr geeignet war die "Fahrstrasse" von Schalkausen über den Schallenberg; die Ablösung dieses "Strassenzuges" durch den Karrenweg das "Löli" war ein Fortschritt. Der Pass über den Strick war bei Regenwetter nicht passierbar; der an dessen Stelle angelegte Karrenweg Tiefrüti-Setzi-Hof war nicht viel besser."
Bis spät in letzte Jahrhundert hinein war die Strasse, die unser Dorf mit Kirchberg verband, in bedenklichem Zustand. Von Bruggbach her führte sie zum nördlich gelegenen Buechweäldli, dann dem Wald entlang und weiter durch Wiesland gegen Westen, am Weiher vorbei und kreuzte nachher die Strasse Talbach-Hof-Tiefrüti. Von dort stieg sie nan und führte nördlich der Liegenschaft Huber vorbei bis zur Dorfmitte. Hier bog sie ab, führte durch den Engpass zwischen den beiden Häusern Rutz und Geissmann weiter bis oberhalb der Liegenschaft Scherrer. Anschliessend verlief sie oberhalb der heutigen Gemeindestrasse etwa 150 m Richtung Albikon und bog dann nach links ab, führte quer durch die Wiesen, über den Bach gegen das Haus des Mühlemachers Isaak Häni und von dort weiter nach Sackgrütli-Oetwil.
Zur Zeit dieser alten Landstrasse befand sich im Hause, das heute von der Familie Josef Schönenberger-Sutter bewohnt wird, die Dorfwirtschaft zum Schäfli. Auf dem Platz davor, nahe der alten Scheune Scherrer befand sich ein Brunnen. So hatten Fuhrmann und Gespann Gelegenheit, dort einen Marschalt einzuschieben und – beide artgerecht den Durst zu löschen. Später dann zügelte das Schäfle ins Nachbarhaus und nahm den Namen Frohsinn an. Unsere (Ur-) Grossväter haben den Bau der heutigen Gemeindestrasse noch erlebt. In der Geschichte der Gemeinde Kirchberg ist zu lesen: "Die Strasse Kirchberg-Schalkhausen-Oetwil war schon im Jahre 1864 gewünscht worden, und als gekannt wurde, dass der Gemeinderat die Strasse – mit Spargründen – im Talbach in die Dietschwilerstrasse einzuführen gedenke, da legten die Bewohner vom Bruggbach Fr. 424.— und die Oetwiler Fr. 296.— zusammen und verlangten die direkte Strassenführung. Die Bürgerversammlung vom 13. Januar 1867 stellte sich auf die Seite der Petenten."
Anno 1874 wurde dann die Strasse mit einem Kostenaufwand von Fr. 15`796.15 gebaut. Dabei stiess man bei Oetwil auf ein Massengrab, das aus dem Kriegsgeschehen des Jahres 1445 stammte. Ein Dauerthema in der Genossenschaft bildeten der Zustand und Unterhalt der Strasse innerhalb des Dorfes. Bei starken Gewittern oder lange anhaltendem Regen wurde sie durch die zusätzliche Wassermenge vom Schallenberg her jeweils arg ausgeschwemmt, die offenen Gräben mit Geschiebe gefüllt und stellenweise auch unterspült. Wohl hatte die Genossenschaft die Kieslieferung zugesichert; jedoch kam die Anstösser ihrer Pflicht zum Strassenunterhalt in sehr unterschiedlicher Weise nach. Als dann 1961 die Meteorkanalisation erstellt wurde, resultierte daraus eine wesentliche Verbesserung. Aber durch den zunehmenden Verkehr wurde auch die Zahl der Schlaglöcher immer grösser, und jede Neubekiesung hielt der Beanspruchung nur kurze Zeit stand. Die gleichen Zustände betrafen auch die Güterstrassen, so dass 1947 der Aktuar im Protokoll vermerkte: ".. dass die Strassen von Schalkhausen "In- und Ausserrhoden" der Ausbesserung bedürfen."
Probleme bereitete auch die Schneeräumung. Von altersher hatte jeder Anstösser "sein Stück Strasse" freizuschaufeln. Der Pferdefuss dieser Regelung bestand darin, dass jeder Hausbesitzer nach eigenem Ermessen den Schnee wegräumte oder eben nicht. Um in diese Sache Ordnung zu bringen, beschloss die Versammlung von 7. Februar 1929: "Es sei in der Ortschaft Schalkhausen, wenn nötig, zu pfaden, und die Wasserversorgungskasse habe für die Kosten, die daraus erwachsen, aufzukommen." Im Rückblick darf festgehalten werde, dass Schneeräumung – zwei Mann, zwei Pferde, ein Schneepflug aus Holz recht gut funktioniert, indem nicht nur die Strassen von normaler Breite, sondern auch Wege kleineren Formats geräumt wurde. Mit den Jahren aber genügt dieses System den Anforderungen der Zeit nicht mehr. Es musste dringend modernisiert werden, da aufgrund der sehr schlechten Strassenbeschaffenheit weitere Schäden entstanden, wobei auch die Räumungsgeräte in Mitleidenschaft gezogen wurden. Seit der Strassensanierung 1996 sind nun diese Missstände behoben.
Strassenbeleuchtung
An der Hauptversammlung vom 15. Februar 1917 äusserte Fridolin Scherrer, den Wunsch, die Kommission möge sich mit der Anschaffung von Dorflampen befassen und die Kostenfrage abklären. Der Vorstand brachte den Bericht aber erst am 12. Februar 1920 vor die Versammlung; Kostenpunkt Fr. 900.—. Jacob Huber begründet die zögernde Haltung des Vorstandes so: Zwar sei diese Angelegenheit schon früher besprochen worden, "… aber wegen der hohen Kosten auf bessere Zeiten verschoben worden. Die besseren Zeiten konnten die Mitglieder der Com. nicht konstatieren, wohl aber ein ungeahntes Anwachsen der Arbeits- und Materialkosten." es setzten sich jedoch zwei Mitglieder, Johann Holenstein und Anton Kreienbühler, entschieden für die Installation der Strassenlampen ein. In der Abstimmung wurde beschlossen, vier Strassenlampen anzuschaffen. Das Mitglied Jos. Ant. Schildknecht stellte der Genossenschaft leihweise Fr. 900.— zur Verfügung. Somit musste kein Bankkredit beansprucht werden.
Über die Beleuchtungszeit ist im Protokoll zu lesen:
1. Es sei das Ein- und Ausschalten der Lampen an Herrn Joh. Schönenberger zum Frohsinn, in dessen Haus auch die Schaltung sowie die Zähler installiert sind, zu übergeben.
2. Die Lampen sollen an Sonntagen längstens bis 11 Uhr brennen, und an Werktagen sei das Ein- und Ausschalten dem eigenen Gutfinden des Besorgers zu überlassen. In speziellen Fällen, wie z.B. Unglücksfällen im Freien, sofortge Benötigung des Arztes bei Nachtzeit per Fuhrwerk, Feueralarm, sei man berechtigt, den Besorger zu wecken und Licht zu erheischen."
Erst in den Siebzigerjahren wurde die Anzahl der Strassenlampen von vier auf acht erhöht und seit 1997 sind es deren sechzehn.
Interesse an Bahnlinie In den Jahren nach 1900 war das Thema einer Autoverbindung Wil-Kirchberg aktuell. Bis diese jedoch Wirklichkeit wurde, gab es manche Anläufe, die wieder abgebrochen werden musste. Gleichzeitig aber, so ums Jahr 1910, tauchten eine ganze Anzahl von Vorschlägen zum Bau von verschiedenen Ortsbahnen auf. Unter anderen auch einer für eine elektrische Schmalspurbahn Bazenheid – Kirchberg – Schalkhausen – Oetwil – Fischingen. Ernsthaft geplant und diskutiert aber wurde der Bau einer Bahn, die entweder von Wil über Kirchberg – Gähwil – Mühlrüti nach Steg oder aber von Wil über Fischingen nach Steg führen sollte. Am 12. März 1912 fand in Winterthur eine Orientierungsversammlung für die interessieren Ortschaften statt. Unsere Genossenschaft bewilligte einen Beitrag von Fr. 50.— an die Projektstudien und delegierte einen Vertreter an dieser Tagung.
Im Protokoll sind keine Einzelheiten über Verlauf und Ergebnis aufgezeichnet. Der Aktuar, M. Stadler 8der vermutlich der genannte Delegierte war), schreibt nur: "Über deren Verhandlungen gehen ich kurz darüber hinweg, ich hebe nur einen Akt hervor, wenns lt. Abstimmung geht, so müsste das Projekt derjenigen Linie, welche erstellt würde, den anderen die Vorstudienkosten rückvergüten. Über diese Angelegenheit kürze ich ab indem ich glaub, die Sache liege noch im weiten Feld." Wie sich mit der Zeit herausstelle, hatte Aktuar Stadler recht, den alle diese Pläne wurden fallengelassen. Es kam der Erste Weltkrieg und erst 1920 tauchte nochmals der Gedanke auf, die Frauenfeld – Wil – Bahn bis Kirchberg fortzusetzten. Aber auch dies erwies sich als ein kleines Strohfeuer.
Was aber für lange Jahre noch blieb, waren die gelegentlich recht fantasievollen Erinnerungen an die nie zustande gekommene Hörnlibahn und diejenige von Bazenheid nach Fischingen (mit Bahnstation im Hof!).
Trottoir und Gehweg
Im Januar 1990 luden Marianne Martig und Yvonne Karrer die Bewohner von Schalkhausen und Albikon zu einem Diskussionsabend ins Restaurant Frohsinn ein. Thema: Die gegenwärtig gefährliche Verkehrssituation für Fussgänger, Velofahrer und vor allem für Schulkinder auf der Strasse Schalkhausen – Kirchberg. Im Verlauf der Diskussion kamen dann verschiedene Lösungen zu Sprache. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die zuständigen Behörden etwas unternehmen müssten, um die Sicherheit der Fussgänger zu gewährleisten. Daraufhin erstellte 1995 die Gemeinde ein Trottoir vom Bruggbach bis zu Setzistrasse und von dort einen Gehweg bis Schakhausen auf dem Trassee der alten Strasse als Anschluss an die Güterstrasse von Schalkhausen nach Albikon.
Auf einem Kalenderblatt stand einmal zu lesen:
Je schlechter die Strasse, desto schöner die Gegend.
Diese Aussage mag ja zutreffen, wo es sich um unberührte Landschaften handelt. Auf jeden Fall hatte die Attraktivität unseres Dörfchens eher gelitten unter den schlechten Strassen, die uns seit Jahrzehnten Sorge bereitet hatten. Die Dorfbewohner nahmen deshalb mit Genugtuung zu Kenntnis, dass der Gemeinderat sich mit der Dorferschliessung befasst und das Ingenieurbüro Loser + Eugster, Bazenheid, mit der Erarbeitung entsprechender Vorschläge beauftragt hatte. Im Januar 1990 wurden die Grundeigentümer zu einer Orientierungsversammlung ins Restaurant Frohsinn, Schalkhausen, eingeladen. Bei diesem Anlass erörterten Beda Lengwiler, Gemeindammann; Walter Keller, Grundbuchverwalter, Markus Brändli, Gemeinderatsschreiber und Max Specht, Ingenieur, die verschiedenen Aspekte im Bezug auf die Strassenerschliessung im Dorf Schalkhausen. In der anschliessenden Diskussion kamen Ansichten, Wünsche und Einwände der Einwohner zu Sprache.
Am 26. Mai 1994 wurde a der Versammlung im Frohsinn Schalkhausen durch Gemeindammann Christoph Häne, Walter Keller vom Grundbuchamt und die beiden Ingenieure Markus Lutz und Max Specht vom Vermessungsbüro Loser + Eugster ein konkretes Projekt über den Ausbau der Mitteldorf- und der Tüelenstrasse vorgelegt.
Der Kostenvornaschlag lautet auf Fr. 620.000.—, wovon 50% durch die betroffenen Grundeigentümer aufzubringen seien. Auf die Darlegung des geplanten Ausbaues folgte eine lebhafte Aussprache, und abschliessende gab die Mehrzahl der Anwesenden dem vorgestellten Projekt ihre Zustimmung.
Im Januar 1995 erfolgte die Planauflage, und am 12. April 1996 konnte die Firma Schellenbaum AG mit dem Bau an der Tüelenstrasse beginnen. Die Leitung des gesamten Projektes hatte Markus Lutz, Ing. HTL. Bis September / Oktober waren die die Arbeiten an der Tüelen- und Mitteldorfstrasse so weit fortgeschritten, dass durch die Firma Krämer AG die Tragschicht eingebaut werden konnte.
Im August 1997 erfolgte dann als Abschluss der Einbau des Deckbelages.
Aus der Sicht des Laien war die ganze Angelegenheit wohl ziemlich aufwendig: Nachdem das Gewirr der im Laufe von vielen Jahrzehnten verlegten Kabel und Leitungen zum Vorschein gekommen war, war es beeindruckend, wie nun Wasserleitungen, Schächte, Meteor- und Schmutzwasserkanäle und Lampensockel planmässig geordnet, zum Teil neu verlegt und Hausplätze, Böschungen und Mauern den neuen Gegebenheiten angepasst wurden.
Als eindrucksvoller Schlusspunkt wurden an den neugestalteten Strassen noch sechs neu Kandelaber angebracht, die sich ausserordentlich gut ins Gesamtbild des Dorfes einfügen und von den Bewohnern als gediegene Komplettierung des gesamtes Werkes anerkannt werden.
Wir wollen den Exkurs über die Strasse unseres Dorfes und des näheren Gebiets nicht abschliessen ohne die Feststellung, dass die Verantwortlichen bei den notwendigen Änderungen und Anpassungen darauf bedacht waren, neben den technischen Belangen auch Ästhetik ihren Platz im Ganzen zukommen zu lassen.