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Julia Hermle
Julia betreut unsere Firmen- und Gastrokunden. Vor Coffee Circle trank Julia eher selten Kaffee. Inzwischen begeistern sie fruchtige Filterkaffees aus der Chemex.
Kaffee, auf amharisch Buna, hat in Äthiopien einen besonderen Stellenwert. Egal ob in der Hauptstadt Addis Abeba oder auf dem Land, überall sieht man Menschen Kaffee zubereiten und trinken. Die traditionelle Kaffeezeremonie ist fester Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens in Äthiopien und wird bis zu dreimal am Tag durchgeführt. Wir hatten die Ehre, dabei zu sein.
Für die Zeremonie fahren wir zum Palast von König Abba Jiffar. Abba Jiffar wurde 1877 mit bereits 17 Jahren zum König von Jimma (Stadt in Äthiopien in der Region Oromiyaa) ernannt. Auf einem Berg oberhalb der Stadt ließ er sich einen Palast bauen. Auch wenn das Gebäude nicht mehr dem heutigen Verständnis eines Palasts entspricht, ist es ein wunderschöner, ruhiger Ort. Der Palast besteht zu einem großen Teil aus Holz und ist umgeben von einer großen Wiese und hohen Bäumen. Vom Palast aus hat man einen tollen Ausblick über Jimma.
Wir lernen Kameru kennen, die für uns den Kaffee zubereitet. Sie sitzt auf einem kleinen Schemel. Vor ihr steht eine Art Tablett aus Holz mit allem, was für die Zubereitung des Kaffees benötigt wird. Die Zeremonie beginnt mit dem Waschen des grünen Rohkaffees. Anschließend kommen die gewaschenen Bohnen in eine leicht gewölbte Metallschale. Diese dient als Pfanne zum Rösten des Kaffees. Auf dem Boden steht ein kleiner Ofen mit Kohle.
Die Zubereitung von Kaffee wird meist von Frauen übernommen.
Über der glühenden Kohle wird der Kaffee nun mehrere Minuten lang geröstet. Kameru wendet die Bohnen immer wieder mit Hilfe eines kleinen Stocks. Am Ende verfügen die Bohnen über eine dunkelbraune, fast schwarze Farbe. Einige Stücke der glühenden Holzkohle sowie etwas Weihrauch werden in eine Tonschale gegeben. Der Weihrauchduft soll die Feierlichkeit der Zeremonie unterstützen.
Die gerösteten Bohnen werden jetzt in einer Art Mörser aus Stein mit einem Stößel zu feinem Kaffeemehl zerstoßen. Währenddessen wird auf der Feuerstelle in einem Kessel Wasser erhitzt. Das feine Kaffeemehl wird als erstes in die Jabana gegeben. Anschließend wird der Kaffee mit dem heißen Wasser in der Jabana aufgegossen – ähnlich wie bei einem türkischen Mokka. Die Jabana ist das traditionelle Gefäß zum Kochen von Kaffee, ein bauchiges Tongefäß mit einem langen oben offenem Hals und einem langen, dünnen Ausguss.
Serviert wird der frisch gebrühte Kaffee in kleinen bunten Tassen ohne Henkel. Als erstes gibt Kameru einen Löffel Zucker in alle Tassen. Anschließend gießt sie den Kaffee aus der Jabana aus einer Höhe von 10 bis 15 cm ohne Abzusetzen in alle Tassen ein. Der Kaffee wird dann mit ein paar Blättern Tenadam verziert, einem äthiopischen Kraut zum Süßen des Kaffees. Geschmacklich ist der Kaffee kräftig und erinnert an einen türkischen Mokka. Oft wird zum Kaffee noch geröstetes Getreide, ‘Kollo’ auf amharisch (Amtssprache in Äthiopien), serviert. Damit beim nächsten Ausschenken des Kaffees weniger Sedimente in der Tasse landen, stellt Kameru die Jabana schief, etwas nach vorne geneigt auf die Halterung, den mit bunten Stickereien verzierten Ring. Somit trennen sich Kaffeemehl und Kaffee in der Jabana leichter, da sich das Kaffeemehl auf der einen Seite des Gefäß absetzt.
Während wir den Kaffee trinken, kocht Kameru bereits nochmal Wasser für die nächste Runde auf. In der Jabana wird der Kaffee bis zu dreimal aufgebrüht. Die erste Tasse Kaffee, ‘Arbol’ genannt, ist die kräftigste und vollste im Geschmack. ‘Tona’, die zweite Tasse sowie ‘Bereka’, die dritte Tasse werden aus dem bereits in der Jabana vorhandenen Kaffeemehl gebrüht und sind daher schwächer im Geschmack.