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Als die ersten Frauen im Frühling dieses Jahres über Zyklusunregelmässigkeiten nach der Coronaimpfung berichteten, ernteten sie zuerst nur ungläubiges Kopfschütteln. Menstruationszyklen seien von zu vielen Faktoren abhängig, das könne man nicht auf die Impfung zurückführen, so die Fachleute.
Nein, Zyklusprobleme von Frauen waren bisher kein Symptom, das in Studien bei den Nebenwirkungen erfragt wurde. Bekannt ist eine einzige Studie aus Japan, welche die Auswirkung einer Impfung im Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus untersucht hat. Sie stammt aus dem Jahr 1987. Es wurden 272 Frauen auf Nebenwirkungen nach Rötelnimpfungen befragt. Der Befund: Gelenkschmerzen traten danach kurzzeitig vermehrt bei jenen Frauen auf, die in der zweiten Zyklushälfte geimpft wurden.
Nun suchte Jen Gunter, eine kanadisch-amerikanische Gynäkologin und wissenschaftliche Bloggerin, nach Gründen, warum Zyklusbeschwerden aufgetreten sein könnten. Sie schliesst Parallelen zwischen der japanischen Studie und der Coronaimpfung nicht aus: Frauen, die vom Timing her das Pech hatten, in der zweiten Zyklusphase geimpft worden zu sein, hatten möglicherweise eher Menstruationsprobleme.
Gunter schliesst einen Zusammenhang mit psychischen Stress der Frauen während und nach der Impfung nicht aus. Klar ist auch: Nach einer Impfung geschehen chemische Abläufe im Körper, die sich letztlich auch auf die Gebärmutterschleimhaut auswirken könnten. So kann der weibliche Zyklus aus dem Takt kommen. Diese Effekte könnten vom Impfstoff direkt kommen oder – was wahrscheinlicher ist – eine Reaktion des Immunsystems auf den Impfstoff sein.
Denn das geschieht auch nach natürlichen Infektionen – und da nicht einmal selten. Bereits im Januar 2021 ist eine Studie aus Schanghai mit Frauen erschienen, die an Covid-19 erkrankt waren: Man stellte fest, dass jede fünfte Patientin nach der Infektion mit Sars-Cov-2 entweder eine Abnahme des Menstruationsvolumens oder aber eine Zyklusverlängerung aufwies. In der Schweiz hat die Heilmittelbehörde Swissmedic bis zum Montag 424 Meldungen zu Menstruationsunregelmässigkeiten nach mRNA-Impfungen erhalten – bei rund fünf Millionen an Frauen verabreichten Impfdosen. Die Fälle wurden zum grössten Teil als «nicht schwerwiegend» eingestuft, in keinem Fall musste eine Frau ins Spital.
Berichtet wurde meist von verstärkten und häufigeren Blutungen, Zwischenblutungen oder Schmerzen. Seltener wurde das Ausbleiben der Blutung gemeldet. In 44 Prozent der Fälle waren bereits zum jeweiligen Zeitpunkt der Meldung die Symptome wieder verschwunden, bei 9 Prozent waren sie «in Besserung befindend», bei 29 Prozent noch bestehend und in 25 Prozent der Fälle «unbekannt».
Das Thema wird nun ernst genommen. In der neusten Ausgabe des Swissmedic-Newsletters «Vigilance-News» hat Michael von Wolff, Chefarzt und Gynäkologe am Inselspital Bern, die Meldungen zu Zyklusunregelmässigkeiten unter die Lupe genommen und kommt zum Schluss: «Wenngleich noch nicht wissenschaftlich bewiesen wurde, dass Covid-19-Impfungen als solche zu einer Blutungsstörung führen, lässt die Vielzahl der dokumentierten Meldungen einen solchen Effekt bei einigen Frauen vermuten.» Es sei aber davon auszugehen, dass solche Störungen nur vorübergehend seien.
Sollten tatsächlich Covid-19-Impfungen Blutungsstörungen auslösen können, dann sind seiner Ansicht nach zwei Ursachen am wahrscheinlichsten: kurzfristige Veränderungen der hormonellen Regulation der Ovarien durch Stress oder kurzfristige Effekte auf das Immunsystem der Gebärmutterschleimhaut.
Von Wolff verweist auf eine Studie aus der Türkei, bei der 952 Frauen untersucht wurden, die vor der Pandemie eine regelmässige Menstruation hatten. Während der Pandemie entwickelten knapp 30 Prozent unregelmässige Menstruationszyklen – und zwar je eher die Frauen Angst, Stress und depressive Symptome hatten. «Wenngleich die Studie keine Aussage zur Covid-19-Impfung zulässt, zeigt sie doch die hohe Stressanfälligkeit der Menstruationsrhythmik, konkret während der Pandemie», so von Wolff.
Ausserdem gehe wie auch eine Sars-Cov-2-Infektion die Impfung mit einer starken Stimulation des Immunsystems einher. «Somit ist es vorstellbar, dass das sensible Immunsystem der Gebärmutterschleimhaut durch eine Impfung kurzfristig verändert wird.» Sicher ist hingegen: Die Covid-19-Impfung hat keinen Effekt auf die Fertilität, diese Behauptung haben verschiedene Studien inzwischen widerlegt.
Lukas Jaggi von Swissmedic macht darauf aufmerksam, dass Zwischenblutungen oder neu auftretende Blutungen nach Einsetzen der Menopause auch Warnsymptome für abklärungsbedürftige Erkrankungen sein können, die nur zufällig nach einer Impfung auftraten.
Die amerikanischen Anthropologinnen Kate Clancy und Katharine Lee forschen inzwischen am Phänomen. Sie haben 140'000 Meldungen von geimpften Frauen zusammengetragen. Die Daten zeigen vermehrte Schmierblutungen, Zwischenblutungen oder Blutungen mit starken Krämpfen. Postmenopausale Frauen berichteten von nach Jahren erneut auftretender starker Periode. Die Menstruationsprobleme betreffen aber selten mehr als einen Zyklus. Und treten auch selten auf.
Es kommt noch mehr Bewegung in die Forschung über solche Fälle: Das Nationale Gesundheitsinstitut der USA (NIH) hat fünf Institutionen Zuschüsse in der Höhe von insgesamt 1.67 Millionen US-Dollar gewährt, um mögliche Zusammenhänge zwischen Menstruationsprobleme nach einer Covid-19-Impfung zu untersuchen.
An der Universität Maastricht in Holland ist ebenfalls eine Studie angelaufen: Ein Forscherteam unter der Leitung von Professorin Karlijn Massar in Kooperation mit der Gynäkologin Mandy Mangler an der Klinik Vivantes Berlin hat die App «Red Covid Study Cologne-Maastricht» lanciert. Die Teilnahme ist weltweit und in verschiedenen Sprachen möglich. Während sechs Monaten sollen Frauen ihren Zyklus so dokumentieren. Noch ist die App nicht zum Download bereit. «Aber wir arbeiten intensiv daran», verspricht Mangler gegenüber CH Media.
Rund drei Wochen nach dem Schuldspruch gegen die Ex-Partnerin des gestorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, haben ihre Anwälte offiziell eine Neuauflage des Prozesses beantragt. Das ging aus einem Schreiben der Juristen an die New Yorker Bundesrichterin Alison Nathan vom Mittwoch (Ortszeit) vor Ablauf einer entsprechenden Frist hervor.