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Eine Arachnoidalzyste oder auch leptomeningeale Zyste ist eine gutartige, meist angeborene Zyste im Gehirn oder Rückenmark, die mit Flüssigkeit gefüllt ist. In der Regel verursacht die Zyste keine Beschwerden und muss auch nicht behandelt werden. In seltenen Fällen können Arachnoidalzysten allerdings Druck auf benachbarte Strukturen ausüben und dann auch Symptome verursachen.
Eine Arachnoidalzyste entsteht während der Embryonalentwicklung durch eine Spaltung der Arachnoidea oder Spinnwebenhaut, der mittleren der drei Hirnhäute. Der so entstandene Hohlraum ist mit Flüssigkeit gefüllt. Eine Arachnoidalzyste kann ein- oder mehrkammerig sein und ist in der Regel weder mit den einzelnen Hirnkammern noch mit dem Raum zwischen Hirnhaut und Gehirn, dem sogenannten Subarachnoidalraum verbunden.
- Im Rahmen von Autopsieuntersuchungen hat man festgestellt, dass 5 von 1000 untersuchten Personen eine intrakranielle Arachnoidalzyste aufweisen. Sie macht etwa 1 % aller intrakraniellen Raumforderungen aus. Männer sind dabei deutlich häufiger betroffen als Frauen, im Verhältnis 4:1. Arachnoidalzysten befinden sich mehrheitlich in der linken Hirnhälfte, es gibt jedoch auch beidseitige Arachnoidalzysten wie etwa beim Hurler-Syndrom.
- Spinale Arachnoidalzysten liegen in der Wirbelsäule und machen ca. 1–3 % aller Läsionen im Spinalkanal aus.
Arachnoidalzysten treten an verschiedenen Stellen im Zentralnervensystem (ZNS) auf. Man unterscheidet dabei intrakranielle Zysten im Schädel von spinalen Zysten in der Wirbelsäule.
Fast die Hälfte aller Arachnoidalzysten im Gehirn befinden sich in der mittleren Schädelgrube, genauer gesagt im Bereich der Sylvischen Fissur, einer ausgedehnten seitlichen Furche, die den Scheitel- vom Schläfenlappen trennt.
Die spinalen Arachnoidalzysten der Wirbelsäule befinden sich meistens thorakal (im Brustraum) und dorsal (zum Rücken hin). Spinale Arachnoidalzysten, die ausserhalb der Hirnhaut liegen, können mit Verkrümmungen der Wirbelsäule (Kyphoskoliosen) oder anderen Fehlbildungen von Rückenmarksanlagen (Dysraphie-Syndromen) einhergehen. Arachnoidalzysten innerhalb der Hirnhäute sind entweder angeboren oder erworben – etwa durch eine Verletzung oder Infektion.
Die meisten Arachnoidalzysten sind asymptomatisch und werden als Zufallsbefund bei Untersuchungen des Schädels entdeckt. Wenn eine Arachnoidalzyste Beschwerden verursacht, können diese je nach Lokalisation der Zyste variieren. In seltenen Fällen können die Zysten auch reissen und einbluten.
Intrakranielle Arachnoidalzysten
Intrakranielle Arachnoidalzysten können folgende Symptome verursachen:
- Kopfschmerzen
- epileptische Anfälle
- erhöhter Hirndruck mit Übelkeit und Erbrechen
- Halbseitensymptomatik
- Sehstörungen
- hormonelle Störungen
- Grössenzunahme des Kopfumfangs bei Säuglingen
- Entwicklungsverzögerung beim Kind oder Teenager
Spinale Arachnoidalzysten
Arachnoidalzysten des Wirbelkanals können folgende Symptome verursachen:
- ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine
- Lähmungserscheinungen
- Sensibilitätsstörungen
- Gangunsicherheit
- Störungen von Blasen- und Mastdarmfunktion
Eine Magnetresonanztomografie (MRT oder MRI von engl. Magnetic Resonance Imaging) ist das diagnostische Verfahren der ersten Wahl. Hier zeigt sich die Zyste als flüssigkeitsgefüllter Raum. Der Zysteninhalt ist typischerweise isointens zur Hirnflüssigkeit, hat also auf dem MRI-Bild die gleiche Helligkeit. Die Zystenwand reichert kein Kontrastmittel an.
Die Galassi-Klassifikation teilt die Arachnoidalzysten in der mittleren Schädelgrube, der häufigsten intrakraniellen Lokalisation, in drei unterschiedliche Typen auf, je nach ihrer Grösse und raumfordernden Wirkung im MRI.
Arachnoidalzysten werden nur behandelt, wenn sie Symptome verursachen. Bei zufällig entdeckten Arachnoidalzysten sollte nach 6 Monaten eine MRI-Kontrolle erfolgen, um eine Grössenzunahme auszuschliessen. Dagegen sollten Kinder mit Arachnoidalzysten Verlaufskontrollen bis zum Erwachsenenalter erhalten.
Bei symptomatischen Arachnoidalzysten ist die chirurgische Resektion oder Fenestration (Eröffnung der Zystenwand) die Therapie der Wahl. Die Operation wird abhängig von der Position der Zyste mikrochirurgisch oder endoskopisch durchgeführt. Alternativ kann ein zystoperitonealer Shunt angelegt werden. Dabei wird ein Katheter in die Zyste eingebracht, der die Flüssigkeit über ein Druckventil unter der Haut bis in den Bauchraum ableitet, wo sie dann absorbiert wird.
Die Komplikationsrate der mikrochirurgischen und endoskopischen Operationstechniken ist niedrig. Allerdings kann es zu einer erneuten Zystenbildung bzw. -füllung kommen, falls die Zyste nicht komplett entfernt werden konnte oder sich die Fenestration durch Vernarbung wieder verschliesst. Eine mögliche Komplikation nach Anlage eines zystoperitonealen Shunts ist eine Shunt-Dysfunktion z. B. aufgrund eines verstopften Katheters, einer Ventilstörung oder einer Infektion.
Unser spezialisiertes neurochirurgisches Team verfügt über eine langjährige Erfahrung in den oben genannten Operationstechniken. Abhängig von Lokalisation und Beschaffenheit der Zyste bieten wir Ihnen immer die für Sie persönlich sicherste, effektivste und minimalinvasivste Operationstechnik an.
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