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Der Wiener Hollywood-Filmstar der 1940er ist wieder in aller Munde. Zuletzt machte die Dokumentation „Bombshell. The Hedy Lamarr Story“ der amerikanischen Regisseurin Alexandra Dean auf die Ikone und Erfinderin aufmerksam. Im Jüdischen Museum Wien hat diese Tage eine Ausstellung über „Lady Bluetooth“ eröffnet und das Filmarchiv Austria zeigt ab Dezember eine großangelegte Retrospektive von Filmen mit und über die Filmgöttin. Vorliegende Biographie widmet sich dem Vermächtnis der Legende.
Der Molden-Verlag zeigt Hedy Lamarr in seiner Biographie mit dem Untertitel „Filmgöttin, Antifaschistin, Erfinderin“ aus verschiedenen Perspektiven. Die Autorin hat vor allem Quellen der ÖNB, des Filmmuseums und Filmarchivs Wien sowie das multimediale Archiv des ORF benutzt. Sie zitiert Interviews aus dem oben bereits genannten Film oder aus „Calling Hedy Lamarr“ (2004) von Georg Misch sowie natürlich die unter skandalösen Umständen veröffentliche „Auto“biographie von Hedwig Eva Maria Kiesler (so ihr bürgerlicher Name) mit dem ominösen Titel „Ecstasy and me. My Life as a Woman.“, benannt nach ihrem ersten Film „Ekstase“ (1937) in dem sie sieben Sekunden lang nackt über den Bildschirm huschte und einen weiblichen Orgasmus durch Cunnilingus vortäuschte. Aber auch Hedy Lamarrs selbstständige Gehversuche nach ihrer Hollywood-Karriere werden von der Autorin kommentiert, aber auch karikiert. Denn der eigentliche Zweck dieser doch sehr reißerisch verfassten Biographie ist wohl die Demontage eines Mythos und der Legende. Eine weitere Frage die viele beschäftigt: War Hedy wirklich so eine schlechte Schauspielerin? Und war Hedys Orgasmus in "Ekstase" nun echt oder vorgetäuscht? Wenn letzteres zutrifft, dann war sie vielleicht doch eine sehr gute Schauspielerin?
Die Ladendiebin, die eigentlich die „reichste Frau der Welt“ und nicht die „schönste Frau der Welt“ (O-Ton Louis B. Mayer, MGM, der sie auch dem Stummfilmstar Barbara La Marr „The Girl who was too beautiful“ umbenannte) gewesen sei, verbrachte ihre letzten Lebensjahre hauptsächlich am Telefon und habe nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Karriere durch zahlreiche Schönheitsoperationen und Medikamentenmißbrauch zerstört. Das vermeintliche Sexobjekt habe trotz ihrer stattlichen Größe von 170cm leider zu wenig BH-Größe gehabt und das habe sie „Zeit ihres Lebens verfolgt“, so die Autorin. Auch der Anteil, der in letzter Zeit Hedy Lamarr zugeschriebenen Erfindung des WLAN und von Bluetooth, wird durch Lindinger geschmälert, wenn nicht ganz in Abrede gestellt. Immerhin wird aber der „Tag der Erfinder“ nach Hedy Lamarrs Geburtstag am 9. November gefeiert. Auch ein Preis der Kulturabteilung des Wiener Rathauses benennt sich nach Hedy Lamarr. Einzig Hedys Anteil an der amerikanischen Kriegspropaganda gegen Hitler wird von Lindinger Tribut gezollt. Immerhin habe sie 7 Millionen Dollar für Kriegsanleihen erwirtschaftet und damit doch auch einen (wesentlichen) Beitrag zur Befreiung Europas vom Nazijoch geleistet.
Die Lebensgeschichte von Hedy Lamarr ist derart aufregend und interessant und auch beflügelnd für das Selbstbild der Frauen im 21. Jahrhundert, dass sie vielleicht doch etwas mehr Respekt verdient hätte, als dies durch die vorliegende Biographie gezeigt wird. Denn kaum eine andere „Filmgöttin, Antifaschistin, Erfinderin“ (Untertitel!) könnte wohl besser als role model für die neue Frau dienen, als das Leben der Hedy Lamarr, die sich Zeit ihres Lebens immer von den Männern und dem Patriarchat emanzipiert hatte. Und das obwohl sie „die schönste Frau der Welt“ war und nicht weil. Diese Bedeutung von Hedy Lamarr verdient wohl am meisten Wertschätzung. Davon kann man sich etwa in der oben erwähnten Ausstellung im Jüdischen Museum Wien oder dem Filmarchiv Austria im Metro Kino derzeit überzeugen.