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Das Öl des Iraks 04.07.2009 20:33

In unserem Artikel »Irak - Die Kontrolle über das Öl« wurde bereits dargelegt, unter welchen Umständen sich die Förderung dieser Ressource im Irak vollzieht und was das im einzelnen für die Belange des irakischen Volks bedeutet [1].
Wie Karin Leukefeld nun ergänzend ausführt 2, »wurden jetzt am 2. 7. 09 mit einer bizarren Liveschaltung aus Bagdad per Fernauktion Serviceverträge über 6 irakische Ölfelder und 2 Gasfelder eröffnet, an der sich Medienberichten zufolge 35 Ölfirmen aus aller Welt beteiligen, darunter Ölgiganten wie ExxonMobil, Shell und Total. Unter anderem soll ein von der britischen BP und der staatlichen chinesischen Ölgesellschaft CNPC geleitetes Konsortium im Südirak Öl fördern. Das Konsortium erhielt die Lizenz für das große Ölfeld von Rumeila, das zurzeit eine Förderkapazität von 940 000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag hat. Nicht alle Firmen schienen mit dem reglementierten Prozedere zufrieden sein, so daß die Auktion dementsprechend zögernd verlief.« Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang der Fakt, daß auch Mitglieder des Parlaments Protest äußerten, da die Abgeordneten bei der Vertragsvergabe kein Mitspracherecht haben.
Die angebotenen Ölfelder liegen im Süden und Norden des Iraks, die Gasfelder befinden sich im Westen und Nordosten der Hauptstadt. Bislang nicht erschlossene Ölfelder werden bis auf weiteres versiegelt. Die angebotenen Verträge haben eine Laufzeit von 20 Jahren, wobei ausländische Firmen verpflichtet sind, im Irak mit einer staatlichen Partnerorganisation zu kooperieren. Laut einer an die Iraker gerichteten Ansprache von Ölminister Hussein al-Shahristani hat die Regierung das Ziel, »die Ölproduktion von 2,4 Millionen Barrel pro Tag auf mehr als 4 Millionen Barrel zu erhöhen«. »37 Jahre nach der Verstaatlichung des irakischen Öls 1972 durch die Baath-Partei«, schreibt Leukefeld ferner, »wurde damit das Ende der nationalen Kontrolle über Iraks Öl eingeleitet. 30 Milliarden US-$ des erwarteten Gewinns (im Verlauf von 20 Jahren) sollen bei den Firmen verbleiben, die mit einem festgelegten Betrag pro Barrel abgegolten werden. Das gilt indessen erst, wenn eine bestimmte, von der Regierung festgelegte Fördermenge erreicht ist. Mit dem Rest der Einnahmen will die Regierung den Wiederaufbau der Infrastruktur, Schulen, Straßen, Flughäfen, Häuser und Krankenhäuser finanzieren. Die Zukunft der nordirakischen Ölfelder, die vor allem in der Umgebung der Stadt Kirkuk liegen, ist noch unklar, da die Zentralregierung in Bagdad über die Zukunft der Ölfelder eine andere Vorstellung hat als die kurdische Autonomieregierung in Erbil, die Kirkuk und damit auch die Ölfelder dem autonomen Kurdengebiet in Nordirak einverleiben will und auf einem entsprechenden Referendum besteht, das nach Artikel 140 der irakischen Verfassung auch vorgesehen ist. Weil Ministerpräsident Nuri al-Maliki das Referendum und eine Eingliederung Kirkuks in die kurdischen Gebiete bisher erfolgreich hinauszögern konnte, hatte die kurdische Regierung kürzlich 20 eigene Verträge mit ausländischen Ölkonzernen abgeschlossen, die von der verärgerten Zentralregierung in Bagdad umgehend als ungültig erklärt wurden. …… Die kurdische Regierung will, anders als Bagdad, auch ausländischen Unternehmen die Erforschung neuer Ölfelder genehmigen. Artikel 109 der irakischen Verfassung sieht vor, daß Öl- und Gasreserven im Sinne der Marktwirtschaft und für den höchsten Nutzen der Iraker entwickelt werden müssen. Die Kurden werfen Shahristani vor, mögliche Investoren abzuschrecken.«
Anmerkung politonline d.a.: Was das Ende der nationalen Kontrolle über das irakische Öl bedeutet, sollte jedem klar sein. Schließlich führt man einen mörderischen Angriff auf ein Land wie den Irak nicht umsonst. Jedenfalls werden sich alle Globalisten dieser Erde zufrieden zurücklehnen können. Und sollte, was fast zu erwarten ist, unter den gegebenen Umständen auf die Dauer gesehen doch zu wenig von den Ölerträgen in die staatlichen Kassen fließen, kann man ja immer noch auf die Internationale Gemeinschaft zurückgreifen, die unter den Fittichen der UNO und im Verbund mit unseren im Verteilen unserer Steuergelder so großzügig agierenden Regierungen die Lücken zu füllen werden wissen.
An bizarren Titeln ist man immerhin einiges gewöhnt; dennoch hatte sich der »Taipan Börsenbrief« im Zusammenhang mit der Erschließung der irakischen Ölfelder die in meinen Augen wohl perverseste, das irakische Volk zutiefst erniedrigende Überschrift geleistet: In der Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung vom 20. 4. 09 erschien eine Werbung besagten Börsenbriefs, die folgende Überschrift trug: »Jetzt wird die größte Beute aller Zeiten verteilt! 6.325 Milliarden US$« 3 Man sollte nicht annehmen, daß sich die Managermentalität nach all den Finanzpleiten, Spekulationsabgründen und den Bürgern aufgebürdeten Verlusten noch auf diese Weise manifestieren könnte. Abgesehen davon, daß von der Möglichkeit gesprochen wird, den Anleger über Nacht zum Millionär zu machen, heißt es auch: »Erzielen Sie zwischen 758 % und 1.912 % mit diesem [im der Anzeige selbst namentlich nicht genannten] Unternehmen, das als erstes vom irakischen Öl profitiert.«
Nun trug Robert Zoellick, der Leiter der Weltbank, Ende Mai am diesjährigen evangelischen Kirchentag in Bremen einen hellbauen Schal, in den das Motto dieser Tagung eingestickt war, nämlich »Wo bist Du, Mensch?« Er warb dort bei den Gläubigen und im persönlichen Gespräch mit ranghohen Politikern um Unterstützung für die von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen Entwicklungsländer. Nun düften es die Iraker und die Träger der Internationalen Gemeinschaft zweifelsohne als geradezu unabdingbar erachten, daß Zoellick mit seinem Schal einmal bei besagter Managerkaste in Erscheinung träte, um sie an ihre menschlichen Verpflichtungen zu erinnern. Desgleichen wäre es zu begrüßen, wenn er es auf sich nehmen wollte, bei afrikanischen und anderen Potentaten mit eben diesem Schal vorstellig zu werden, um ihnen ins Gewissen zu reden, weil sie es über Jahre hinweg verstanden haben, Milliarden unserer Steuergelder im Sumpf der Korruption versickern oder zugunsten ihrer eigenen Konten ins Ausland abfließen zu lassen. Aber nein, nichts liegt wiederum näher, als den in der Regel durchaus spendenbereiten Bürger mit Mahnungen zu konfrontieren, damit dieser, obwohl er selbst sozusagen untilgbar verschuldet und von wachsender Armut bedroht ist, nicht von der üblichen Linie abzuweichen wagt oder sich gar erdreisten könnte, die zu konstatierende Effektlosigkeit unserer Entwicklungshilfe zum Thema zu machen. Leute des Schlags Robert Zoellick pflegen bei unseren Volksvertretern leider unabänderlich auf immer gleichbleibend offene Ohren zu stoßen. Insofern ist es auch für diesen ungleich viel einfacher, bei dem seit langem eingeschliffenen Modus zu bleiben.
Wie sagte doch Mahatma Ghandi: »Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.«
1 Irak - Die Kontrolle über das Öl
http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=1204
2 http://www.neues-deutschland.de/artikel/151435.irak-verhoekert-seine-oelfelder.html#
1. 7. 2009
3 http://www.taipan-online.de/pages/tp500956irakneu30tt/?gclid=CJnrucCKgJoCFc6T3wodKGjDGA