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Nach mehr als 36 Dienstjahren trat Pierre-Alain im Frühjahr 2012 seinen Ruhestand an. Nachdem er bei der Kantonspolizei im Bereich von Ausschaffungen viel umhergereist war, beschloss er, weiterhin die Welt zu entdecken. Dies an Bord eines Segelbootes …
Pierre-Alain, erzähl uns doch ein wenig von den Schönheiten, die du seit deiner Pensionierung an Bord deines Segelbootes entdecken durftest.
Der Segelsport begleitet mich schon lange. Meine ersten Erfahrungen sammelte ich auf dem Genfersee. 1995 habe ich den Ausweis zur Schifffahrt auf dem Meer erlangt. Einige Jahre später wurde ich Skipper 1 des CCS (Swiss Cruising Club). Dies ist ein Verein, welcher Kreuzfahrten organisiert und ist zugleich die offizielle Schweizer Behörde für die Erteilung von Schifffahrtsbewilligungen auf dem Meer.
Seither haben meine Frau und ich viele schöne Orte an Bord unseres Segelschiffes entdeckt. Das Schiff wurde 1989 restauriert und fährt nun unter Schweizer Flagge.
Als ich meine berufliche Tätigkeit beendete, unternahmen wir einige kürze Ausflüge im Mittelmeer zwischen Sète und Cassis. Unser erster Trip führte uns nach Port St-Louis, in den Bouches du Rhône. Anschliessend segelten wir der französischen und italienischen Küste entlang in Richtung Griechenland. Über die Messina-Enge erreichten wir Korfu, die ionische Insel Griechenlands. Durch den berühmten Kanal von Korinth ging unsere Reise weiter in Richtung Ägäis. In diesen Gewässern besuchten wir die Kykladen-Inseln. Mehrheitlich erkundeten wir diese Inseln mit einem gemieteten Motorroller. Im September, nachdem wir sechs Monate auf Land und zur See verbracht hatten, segelten wir an der Türkei vorbei in einen Yachthafen auf der Insel Leros.
Im Frühjahr 2013 begaben wir uns mit unserem Segelschiff „StarshipAnnie“ wieder auf See und erforschten die Heimat des griechischen Volkes intensiver, indem wir um den Dodekanes, die Inselgruppe der Sporaden sowie den Peloponnes segelten.
Im Sommer 2014 nahmen wir Kurs auf die Kanarischen Inseln. Um dorthin zu gelangen, durchreisten wir Messina, Sardinien, die Balearen und die ostspanische Küste. Wir überquerten anschliessend die Strasse von Gibraltar und setzten die Segel bei Rabat in Marokko, bevor wir uns auf den Weg nach Lanzarote machten.
Im November 2014 überquerte ich mit drei Kollegen den Atlantischen Ozean in Richtung Port du Marin bei Martinique. Für diese 2’800 Seemeilen (5’185,60 km) lange Transatlantik-Regatta segelten wir rund zwanzig Tage im Passatwind und wechselten uns rund um die Uhr am Steuer ab. Ein paar kleinere technische Probleme haben diese Schiffsreise noch etwas aufregender gestaltet. Die Anstrengungen haben sich schlussendlich jedoch gelohnt.
Gemeinsam mit unseren Frauen erholten wir uns einige Tage lang von dieser Überquerung. Anschliessend segelten wir weiter, mit den «Kleinen Antillen» als Zielkoordinaten. Meine Frau begleite uns auf diesem Turn. Wir entdeckten Guadeloupe, Domenica, Marie-Galante, Les Saintes, Saint Lucia, die Grenadinen, Cariacou sowie Grenada.
In den drei folgenden Wintersaisons segelten wir unter der karibischen Sonne, bevor wir im Winter 2016/2017 Kurs nach Florida setzten. Den Anker legten wir vor insgesamt 32 Inseln, darunter St-Martin, St-Barthélémy, die Jungferninseln, Puerto Rico und die Bahamas. Während diesen drei Jahren haben wir somit keinen Winter an sich erlebt. Den Sommer verbrachten wir in der Schweiz und im Winter zogen wir in die wärmeren Breitengrade.
Diese Schifffahrt war wohl eine unserer schönsten Reisen, da diese Landschaften wunderschön und einzigartig sind. In Begleitung eines Paares aus Quebec, welche ein identisches Segelboot steuerten, führte unsere Route weiter in Richtung Norden. Als wir in Fort Pierce in Florida einliefen, segelten wir auf dem berühmten Binnenwasserweg, dem ICW (Intra Coastal Waterway), bis nach Jacksonville.
Im Mai 2018 überquerten wir erneut den Nordatlantik, um das Boot zurück nach Europa zu führen. Es war eine lange und schwierige Transatlantiküberquerung, da die Wetterbedingungen derart schlecht waren. Wir legten unsere Yacht in La Coruña an, nachdem wir in den Bermudas und auf den Azoren Halt gemacht hatten. Hier haben wir unsere „StarshipAnnie“ schliesslich verkauft.
Insgesamt habe ich 28’978 Meilen auf See zurückgelegt. Dies entspricht 53’0667 Kilometern. Durchaus eine schöne Weltreise.
Was sind deine schönsten Erinnerungen von all diesen Reisen?
Vor Fort-de-France/Guadeloupe konnte ich einen riesigen Wal sichten. Er befand sich sehr nahe am Segelboot. Wir waren vor allem von seiner Masse beeindruckt. Wir waren es gewohnt, Delfine, «fliegende Fische» und Schildkröten zu sehen, aber dieser Wal aus nächster Nähe hat uns wirklich beeindruckt.
Es gibt auch weniger schöne Erinnerungen. Ich denke dabei an die starken Stürme, mit denen wir zurechtkommen mussten. Die plötzlich auftauchenden Wind-Böen und die Katabatikwinde, bescherten uns einige schlaflose Nächte.
Ein besonderer Moment war, als wir in einer Novembernacht ein gesunkenes Boot entdeckten. Glücklicherweise befand sich der Eigentümer, der normalerweise an Bord wohnte, zum Zeitpunkt dieses Ereignisses an Land. Wir waren sehr erleichtert, ihn im Morgengrauen in einem Kanu wohlauf zu sehen.
Und heute?
Inzwischen reisen wir auf dem Festland an Bord eines Campers. Wir haben bereits einen grossen Teil Nordeuropas entdeckt, bevor wir im vergangenen Winter kurz vor der Covid-19 Pandemie einige Wochen in Spanien und Portugal verbracht hatten. Dort mieteten wir für zwei Wochen ein Segelboot.
Wie verbringst du deine Tage, wenn du nicht auf Reisen bist?
Ich war schon immer sportbegeistert. Ich halte mich mit Fitness und Radfahren in Form. Ich bin Mitglied des Velovereins „Les Copains de la Petite Reine“ in Sitten. Über das ganze Jahr hindurch lege ich einige tausend Kilometer auf dem Sattel zurück.
Ansonsten spiele ich regelmässig Bridge und löse Sudokus, um mein Gedächtnis fit zu halten. Gerne verbringe ich auch Zeit mit meiner Familie und Freunden.
Vielen Dank, Pierre-Alain, für dieses Interview, welches uns in alle vier Himmelsrichtungen der Welt geführt hat. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Gute für die Zukunft.