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«Wir hatten es noch nie so gut»
1957 hielt der britische Premierminister Harold Macmillan eine Rede über den Zustand der Nation. Der Befund lautete: «Wir hatten es noch nie so gut.» («We never had it so good.»)
Der Satz war zunächst einmal als politische Werbung gedacht. Die Konservativen waren seit einigen Jahren an der Macht und mussten immer wieder in Erinnerung rufen, warum sie die Besten waren. Und da nichts so erfolgreich ist wie der Erfolg, war der Verweis auf die wirtschaftliche Prosperität die beste Propaganda.
Der Slogan war allerdings mehr als nur manipulative politische Werbung. Er war im Kern durchaus korrekt: Materiell ging es Grossbritannien damals besser als je zuvor, und zum Zeitpunkt der Rede schien der Aufwärtstrend besonders stark zu sein.
Wie schnell sich die materielle Lage in den 1950er und 1960er Jahren verbesserte, dokumentiert nun eine neue Publikation der OECD. Sie listet das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen, die Reallöhne und viele andere Indikatoren auf, die im Rahmen des Human Development Index Berücksichtigung gefunden haben: Anzahl Schuljahre pro Person, Lebenserwartung bei der Geburt, Körpergrösse, Qualität der politischen Institutionen, Mordrate, Kohlendioxid- und Schwefeldioxidausstoss, Biodiversität und Einkommensungleichheit.
Auf der Webseite (hier) kann man bei jedem Land sozusagen live nachvollziehen, wie sich diese Indikatoren in den letzten 200 Jahren entwickelt haben. Die Entwicklung ist atemberaubend. In der Schweiz hat sich das reale Pro-Kopf-Einkommen über die letzten 200 Jahre verzwanzigfacht. Die Lebenserwartung bei der Geburt ist von 25 auf fast 80 Jahre gestiegen. Und so weiter und so fort.
Natürlich gibt es enorme regionale Disparitäten. Doch gemäss der OECD gilt sogar für die relativ armen Länder südlich der Sahara, dass es die Menschen im Durchschnitt noch nie so gut gehabt haben wie heute. Die Grafik zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend seit den 1950er Jahren.
Der Befund ist demnach eindeutig: Die Menschen sind heute im Durchschnitt gesünder, besser ernährt und leben länger – trotz all der Kriege, Krisen und Katastrophen, über die wir täglich in der Zeitung lesen.