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Augustinerchorherrenstift mit angegliedertem Frauenkonvent. 1528-1798 bern. Landvogtei, ab 1803 Oberamt, seit 1831 Amtsbezirk.
Die erste schriftl. Nachricht über die Propstei stammt von 1133, als Ks. Lothar das vom Frh. Seliger von Oberhofen gestiftete Kloster unter seinen Schutz nahm. Es lag im Bistum Lausanne zwischen Brienzer- und Thunersee. Seine Pröpste erhielten schon im 12. Jh. von den Bischöfen wie auch von versch. Päpsten Besitzbestätigungen. Der 1247 erstmals erwähnte Frauenkonvent könnte auch älter sein. Schon in der Urkunde von 1133 wird den Chorherren freie Propst- und Kastvogtwahl gewährt. Die Kastvogtei lag nach dem Aussterben der Klostergründer gegen Ende des 12. Jh. bei deren Erben, den Freien von Eschenbach. Nach deren Beteiligung am Habsburger Königsmord 1308 wurde Hzg. Leopold von Österreich 1318 zum Kastvogt gewählt. Als er 1325 starb, übertrugen Propst und Kapitel das Amt auf seinen Bruder Albrecht. Auch in den folgenden Jahrzehnten konnte die Propstei an der freien Propst- und Kastvogtwahl festhalten und wählte je nach Belieben einen Adligen oder einen Berner Bürger. Ab Beginn des 15. Jh. versuchte Bern, die Schirmherrschaft über das Kloster an sich zu ziehen. Faktisch hatte es diese, gestützt auf das Privileg Ks. Sigismunds, ab 1415 inne. Endgültig übertragen wurde sie der Stadt allerdings erst 1472.
Insbesondere im 13. Jh. konnte die Propstei ihre Macht sowohl im Oberland als auch im Aare- und Gürbetal stark entfalten. Es gelang ihr nicht nur, zwei Dutzend Kirchensätze in ihren Besitz zu bringen, sondern sich durch den Erwerb vieler weltl. Güter auch zur grössten geistl. Grundherrschaft der Region zu entwickeln. Die grösste Dichte an Besitztümern eignete sie sich am östl. Ende des Thunersees, um den Brienzersee sowie in den Tälern von Lauterbrunnen und Grindelwald an. Im Gegensatz zu den Chorherren, die v.a. aus der Region stammten, hatte der Frauenkonvent eine weiter reichende Anziehungskraft. Spätestens ab dem 14. Jh. verfügte die Propstei über eine eigene Schule. Während das 13. und der Beginn des 14. Jh. von Wachstum und Prosperität geprägt waren, begann für die Propstei ab 1350 eine Zeit der Krisen und Konflikte. Die Streitigkeiten mit den Nachbarn (v.a. mit der Stadt Unterseen) nahmen zu, die Verschuldung wuchs, und die Zahl der Chorherren und -frauen sank drastisch. Wie aus einer Urkunde von 1310 hervorgeht, sollen in Interlaken zu dieser Zeit 30 Priester, 20 Laienbrüder und 350 Frauen gewohnt haben. Hingegen umfasste der Männerkonvent 1472 neben Propst und Prior nur noch neun weitere ordentl. Chorherren und sieben Novizen, der Frauenkonvent neben der Meisterin noch 27 Nonnen. Auch mit seinen Untertanen geriet das Kloster vermehrt in Konflikt. 1348 schlossen die Landleute von Grindelwald und Wilderswil mit den Landleuten von Unterwalden einen Schirm- und Beistandspakt. Bern reagierte mit einem Kriegszug ins Oberland, der mit einer Niederlage Unterwaldens und seiner Bundesgenossen endete. 1445 kam es zu weiteren Unruhen. Diese konnten schliesslich mit einem Schiedsverfahren geschlichtet werden (Böser Bund im Berner Oberland). Die im Verlauf des 14. Jh. einsetzende Verweltlichung der Propstei I. zog allmählich auch den Verfall der klösterl. Disziplin nach sich. Als 1472 aufgrund eines heftigen Streits zwischen dem Männer- und dem Frauenkonvent zwei Visitatoren des Bf. von Lausanne nach I. kamen, stellten diese gravierende Mängel fest. Der Propst wurde gefangen genommen und ein Teil der Chorherren durch solche aus anderen Konventen ersetzt. Trotz der angeordneten Reformmassnahmen wurde der Frauenkonvent 1484 aufgelöst, um mit seinen Gütern das neu gegründete Stift St. Vinzenz in Bern zu dotieren.
Der Männerkonvent wurde wie die übrigen bern. Klöster 1528 aufgehoben. Die Chorherren erhielten eine finanzielle Abfindung und die Güter wurden fortan durch einen Berner Vogt verwaltet. Die Gotteshausleute, die mit der Abschaffung aller Zinsen gerechnet hatten, reagierten mit einem Aufruhr, der jedoch von Bern niedergeschlagen wurde.
Autorin/Autor: Barbara Studer
Nach der Reformation schuf Bern aus den ehem. Klosterbesitzungen die gleichnamige Landvogtei. Ein Teil der Propsteigebäude wurde fortan als Amtssitz der Vogteiverwaltung benutzt, ein anderer Teil 1532 als Spital eingerichtet, das unverschuldet in Armut geratene Personen versorgte. 1562-63 wandelte Bern den Chor der Kirche in ein Kornhaus und in einen Weinkeller um. 1746-50 wurde der Westflügel abgerissen und unter Landvogt Samuel Tillier das sog. neue Schloss gebaut. Darin befinden sich heute neben dem Regierungsstatthalteramt auch das Gericht sowie das Grundbuchamt für den Kreis I.-Oberhasli. Nach der Auflösung der Landvogtei 1798 wurde I. 1803 Sitz des Oberamts und ab 1831 Hauptort des gleichnamigen Amtsbezirks im Umfang der ehem. Landvogtei I. und des ehem. Schultheissenamts Unterseen. Der Bezirk umfasst 23 Gemeinden.
Autorin/Autor: Barbara Studer