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Was bedeutet Kreativität? Kreativität beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, Neues zu erfinden und originelle, fantasievolle Lösungen zu entwickeln. Kreativität entsteht meist aus einem schöpferischen Prozess heraus.
Damit eine kreative Lösung in Gang gesetzt werden kann, ist eine intensive Beschäftigung mit dem «Problem» notwendig. Man könnte also sagen, Kreativität stellt eine Art Zauberformel für individuelle Problemlösungen dar. Aber was hat das mit Psychologie zu tun?
Die wissenschaftliche Psychologie ist verhältnismässig jung und der Themenbereich der «Kreativität» wurde erst spät erforscht. Die Erkenntnisse aus der Forschung sind noch entsprechend limitiert. Heute wissen wir aber, dass Serotonin, Dopamin und Acetylcholin wichtige Hormone und Botenstoffe sind, die unser Hirn braucht, um kreativ tätig zu sein. Ausserdem muss die Fähigkeit des «Erinnerns», also das Gedächtnis im limbischen System, bestehen, um gedanklich in die Vergangenheit zu reisen und Erlerntes abzurufen oder Verinnerlichtes umzustrukturieren. Das Grosshirn verarbeitet, speichert und ist verantwortlich für das Treffen von Entscheidungen. Dieser Vorgang geschieht im kreativen Denkprozess kontinuierlich.
In der Psychologie geht man davon aus, dass es zwei Denkformen gibt, welche in der Praxis fliessend ineinander übergehen: das divergente oder auch schöpferische Denken und das konvergente oder auch schlussfolgernde Denken.
Das divergente Denken verläuft nicht geradlinig und ist zur selben Zeit auf verschiedene Ziele ausgerichtet. Es umfasst einen Kreislauf von Sammeln, Finden und Loslassen. Diese Phasen laufen teilweise gleichzeitig ab und wiederholen sich manchmal mehrmals. In der psychologischen Kreativitätsforschung wird von der Annahme ausgegangen, dass Kreativität hauptsächlich dem divergenten Denken zuzuordnen ist.
Das konvergente Denken wendet bestimmte Regeln an; es ist ein Denken, welches sich auf «richtig» und «falsch» ausrichtet. Oft ist das Ziel eine einzige richtige Lösung zu finden (analog der Mathematik). Innerhalb des konvergenten Denkens gibt es zwei Methoden, die das zielgerichtete Vorgehen gut darzustellen vermögen: zum einen das deduktive Denken (vom Allgemeinen zum Speziellen/Einzelfall) und zum anderen das induktive Denken (vom Speziellen/Einzelfall zum Allgemeinen).
Das divergente Denken durchläuft mehrere Phasen, teilweise gleichzeitig und wiederholend. Man unterscheidet dabei sechs Phasen: die Präparation, die Inkubation, die Illumination, die Zeit der Arbeit, die Verifikation und die Erholung.
Präparation
Wachsam, offen durch die Welt gehen und Erlebnisse sammeln, Stimulation suchen, prozessorientierte Haltung, neue Wege gehen.
Inkubation
Gesammeltes wird verinnerlicht, verarbeitet, gewandelt und in eine Form gebracht. Dieser emotionale Zustand wird oft als unangenehm wahrgenommen, weil noch keine konkreten Lösungen vorhanden sind.
Illumination
Der Moment der Erkenntnis, der Kuss der Muse, Aha-Erlebnis – neue Energie wird freigesetzt. Eine kleine Idee löst die Initialzündung mit grosser Wirkung aus.
Zeit der Arbeit
Es entsteht ein Flow-Zustand mit deutlichen Zielen. Handeln und Bewusstsein verschmelzen. Das Gefühl der Befähigung ist vorwiegend zu spüren. Das Zeitgefühl ist nicht vorhanden und Körpersignale wie Hunger werden ignoriert.
Verifikation
Nach dem Auftauchen aus dem Flow-Zustand wirkt das entstandene Endprodukt fremd und passt oft noch nicht zur ursprünglichen Vorstellung. Ungereimtes muss noch korrigiert werden. Das Hinterfragen ist willkommen und hilft, die Essenz zu entwickeln.
Erholung
Die geistig-psychische Dauerbelastung, die der Kreativprozess fordert, führt zu einer erhöhten Körperspannung. Es muss eine innerliche Entleerung stattfinden, um wieder offen für Neues sein zu können. Körper und Geist brauchen Entspannung.
Und? Haben Sie gewisse Phasen in Ihrem kreativen Alltag wiedererkennen können?
Kreativität wird im psychologischen Kontext als Merkmal der Intelligenz angesehen, insbesondere wenn sie dazu dient, Probleme erfolgreich zu bewältigen. Jedoch kann in unserer Gesellschaft Neues und Andersartiges als störend, unangenehm oder sogar beängstigend empfunden werden. Um so wichtiger ist es, eine zielgruppengerechte Strategie und Kommunikation anzuwenden, um Verständnis zu schaffen und so der Kreativität freien Lauf lassen zu können.