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Sechs Frauen im Dorf Jaggayyapet im Bundesstaat Andhra Pradesh in Indien sollen mit der Produktion von Fladenbrot zu Unternehmerinnen werden. Das Ziel ist, die Frauen ein eigenständiges Geschäft aufzubauen lassen, indem sie Papadam herstellen und anschliessend verkaufen. In Indien wird der aus Reis- oder Linsenmehl hergestellte Fladen, der vor dem Verzehr kurz frittiert wird, zu fast jeder Mahlzeit gegessen. Die Nachfrage nach diesem Fladenbrot ist gross, das Angebot im Gegensatz noch sehr bescheiden. Die Schwestern sehen grosses Potenzial darin, dass die Hausfrauen mit der Papadamproduktion ein nachhaltiges Geschäft aufbauen können, weshalb sie das Projekt unterstützen.
Schwestern fördern Selbständigkeit
Die Lage ist verzwickt. Wegen der grossen Armut in den ländlichen Regionen Indiens wandern immer mehr, vor allem junge Menschen, auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Aufgrund der fehlenden Bildung finden sie allerdings meist keine oder nur schlecht bezahlte Jobs. Personen, die als Taglöhner arbeiten, müssen meist viele Stunden warten, um nur schon Arbeit für einen Tag zu finden.
Viele Frauen finden Arbeit als Hausangestellte, wo sie allerdings sozusagen dem Willen des Hausherrn ausgesetzt sind. Sie geniessen keinen Schutz, und die Bedingungen sind schlecht. Der grösste Teil des kleinen Einkommens von finanziell schwachen Familien wird für die Miete und die Ausbildung der Kinder ausgegeben. Arbeit ist meist nur saisonal vorhanden. Viele Leute haben deswegen über längere Zeit keine Arbeit, was sie in die Hände von Geldverleihern treibt. Schulden sind die Folge.
Ein weiteres grosses Problem ist, dass die Slumbewohner und –bewohnerinnen von der Politik nicht beachtet werden, da sie zugezogen sind und darum kein Stimmrecht haben. Für Familien und vor allem für alleinstehende oder verwitwete Frauen, die zu den wirtschaftlich schwächsten Gruppen zählen, ist es schier unmöglich, ein ausreichendes Einkommen zur Selbstversorgung zu generieren.
Um dieser misslichen Situation entgegenzuwirken, unterstützen die St. Anna-Schwestern Projekte, in denen Frauen eigene Ideen entwickeln und Initiativen umsetzen können. Das Projekt zur Herstellung von Papadam ist ein gutes Beispiel dafür.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Sicherheit
Damit eine Produktionsstäte zur Verfügung steht, wurde in Jaggayyapet ein Raum in einem Gebäude der St. Anna-Schwestern in eine kleine Fabrik umfunktioniert. Im Papadam-Projekt arbeiten sechs Frauen. Sie werden in der Herstellung von Papadam und im Verkauf geschult. Die Frauen sollen mit der Produktion und dem Verkauf ein stabiles Unternehmen auf die Beine stellen, das ihnen und ihren Familien wirtschaftliche und gesellschaftliche Sicherheit bietet. Da die Fertigung des Teigs einfach ist, können alle Mitarbeiterinnen jeden Schritt im Herstellungsprozess erlernen und schliesslich ausführen. Da sich das Projekt in der Anfangsphase befindet, wird das Brot bis jetzt nur an Frauengruppen mit Verbindung zu den St. Anna-Schwestern und in einem eigens für das Projekt errichteten Shop verkauft. Kann die Produktion jedoch wie geplant gesteigert werden, müssen neue Käuferinnen und Käufer gefunden werden. Das Ziel wäre, das Fladenbrot an Restaurants und Grossverteilern verkaufen zu können.
Zusätzlich zur Ausbildung an der Maschine besteht für die Frauen die Möglichkeit, Kurse zum Thema Marketing zu besuchen, die vom Departement für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung angeboten werden. Die Zielgruppen, die mit dem Papadam-Projekt unterstützt werden, sind Witwen sowie Frauen, die aus Gesundheitsgründen nicht als Taglöhnerinnen arbeiten können.
Monitoring ist gewährleistet
Um einen Überblick über die Fortschritte oder Schwierigkeiten des Projektes zu haben, werden wöchentliche Sitzungen abgehalten, an denen die Arbeiterinnen und die Schwestern teilnehmen.
Wachstumsmöglichkeiten können analysiert und die Entwicklung des Betriebs besprochen werden. Die St. Anna-Schwestern begleiten das Projekt und streben mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mittel den Erfolg an.