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Die Bedeutung des Fremden für eine funktionierende Demokratie wird heute von verschiedener Seite negativ beurteilt. Statt das Fremde als Bedingung für eine freiheitliche Gesellschaft zu begreifen, wird die Begegnung mit diesem als Zumutung oder sogar Bedrohung wahrgenommen. Das Forschungsprojekt fokussiert ausgehend von den Überlegungen des Aufklärers Denis Diderot eine andere Perspektive. Diderot entwirft das Bild einer pluralen Gesellschaft, welche genuin darauf angewiesen ist, dass es das Fremde gibt. Dieses ist entsprechend in allen Facetten nicht nur zu tolerieren, sondern von der Gesellschaft als unverzichtbar für die Verwirklichung individueller Freiheit und sozialen Fortschritts zu begrüssen.
Das anspruchsvolle Verständnis von Demokratie, welches Diderot in Bezug auf das Fremde entwickelt, hat auch Auswirkungen auf seine Einschätzung der öffentlichen Rolle von Kunst. Wenn Kunstschaffende sich darum bemühen, Fremdes und Unvertrautes möglichst loyal darzustellen, betreiben sie, so das Verständnis, aktiv eine Form von „ästhetischer Fremd- und Vieltuerei“ zugunsten der Verwirklichung demokratischer Freiheit. Dabei suchen solche Kunstschaffende nach geeigneten Formen, mit denen das Fremde möglichst exakt Ausdruck finden kann. Sie nehmen so Partei für eine bestimmte, in der politischen Theorie weitgehend vernachlässigte Vorstellung von Demokratie. Das Forschungsprojekt fasst das ästhetische Bemühen um geeignete Ausdrucksmittel für das Fremde als einen eigenständigen Beitrag auf und zwar sowohl einerseits zugunsten der Verwirklichung von Freiheit innerhalb der Gesellschaft als auch andererseits zur demokratie-theoretischen Frage, wie Freiheit als Selbstgesetzgebung zu bestimmen ist. Ziel ist es, zu begründen, inwiefern bestimmte Kunstformen als Beitrag zu Fragen der politischen Theorie begriffen werden können und zu diskutieren, welche Konsequenzen sich daraus für die Beantwortung aktueller politischer Fragen ergeben.
Leitung: Christine Abbt
Mitarbeitende: Nahyan Niazi, Susanne Schmieden und Daniela Herzog