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Es rumort in München. Guardiola will den Schweizer Nationalspieler Xherdan Shaqiri im Winter gehen lassen, heisst es. Nachdem die Bayern den gesamten Sommer über Angebote für Shaqiri ausschlugen, darf er im Winter angeblich den Verein verlassen.
Vermutete Ursache für die Trennung: Guardiola soll am Ende seiner Geduld sein. Shaqiris Verständnis der hochkomplexen Taktik des Katalanen sei unzureichend, es mangele ihm an der Spielintelligenz, um sich innerhalb dieses Systems zu entwickeln. Doch welche Punkte bekrittelt Guardiola genau? Fünf Aspekte stechen ins Auge.
Das «Juego de Posición» ist Guardiolas Spielphilosophie und basiert auf Johan Cruijff, seinem Mentor. Beim «Juego de Posición» oder auch Positionsspiel werden je nach Ballposition bestimmte Positionen auf dem Feld besetzt; gleichzeitig können diese von einzelnen Spielern verändert werden, sorgen dann aber für komplexe Folgewirkungen in der Raumbesetzung der anderen Spieler.
So dürfen beispielsweise nie mehr als drei Spieler in einer horizontalen Linie und nie mehr als zwei Spieler in einer vertikalen Linie stehen. Das Spielfeld wird in mehrere Linien unterteilt, die als Orientierungspunkte für die Spieler und ihre Positionsfindung dienen. Klingt kompliziert? Ist es auch.
Davon könnten auch die Probleme in Shaqiris Konstanz im Verfolgen dieser zahlreichen Richtlinien stammen, mit denen Guardiola unzufrieden sein dürfte. Dies zeigt sich in diesem Beispiel aus der Partie gegen Hannover.
Im Positionsspiel hat das Passspiel eine besondere strategische Wirkung. Über die Veränderung der Ballposition und die dadurch folgenden Bewegungsmuster im Sinne des Positionsspiels sollen Räume beim Gegner geöffnet werden. Mit Seitenwechseln und Spielverlagerungen wird der Gegner zum Verschieben gezwungen. Dadurch öffnen sich Räume innerhalb der Schnittstellen, durch die dann Raumgewinn erzielt werden kann.
Shaqiri mangelt es hier manchmal am Timing, was er wann machen muss. Vereinzelt versucht er Pässe durch die Schnittstellen zu spielen, obwohl der Gegner zu eng und kompakt steht. Selbst wenn der Pass ankommt, hat der angespielte Mitspieler Probleme, den Ball zu behaupten. In anderen Situationen, wo dieser Pass kommen müsste, spielt Shaqiri ihn nicht. Stattdessen folgt eine Spielverzögerung, ein Pass ohne Raumgewinn oder ein Dribbling. Dies ist besonders im letzten Spielfelddrittel problematisch.
Bei der Zirkulation im ersten Drittel oder auch im Mittelfeldband ist die Entscheidungsfindung im Passspiel zwar ebenfalls problematisch, aber nicht enorm kontraproduktiv, solange keine Bälle verloren werden. Der Angriff kann über die zahlreichen Anspielstationen im Mittelfeld, in der Abwehr und natürlich mit Manuel Neuer im Tor jederzeit neu aufgebaut werden. Eine Fehlentscheidung, die den aktuellen Angriff in eine unpassende Situation manövriert, ist also keine Katastrophe. Im letzten Drittel – wo sich Shaqiri meistens aufhält – ist dies allerdings anders.
Die Räume sind enger, der Gegner ist in Überzahl, verschiebt ausserdem aggressiver und intensiver zum Ball. Schon kleinere Fehlpositionierungen, Missverständnisse oder schlechte Entscheidungen führen zu Ballverlusten, die wiederum gefährliche Konter gegen die hochstehende Abwehr der Bayern bedeuten.
Ausserdem gibt es in jedem Spiel nur einige wenige Situationen, um eine klare Grosschance herausspielen zu können. Verpasst man diese, kann das trotz Überlegenheit einen Punktverlust bedeuten. Beim 0:0 gegen den HSV war dies der Fall. Shaqiri war nicht ganz unschuldig daran.
Neben der Einschätzung der Laufwege seiner Mitspieler hat Shaqiri auch Schwächen bei seinen eigenen Laufwegen. Immer wieder übersieht er Lücken, in denen er sich freilaufen kann oder wie er durch seine Positionierungen die gegnerischen Bewegungen beeinflussen kann. Häufig hält er sich nach Pässen mit seinen Läufen in die Spitze zurück, wodurch er keine höhere Anspielstation darstellt und sein Mitspieler nicht mit einem simplen Pass Raumgewinn verbuchen kann. Manchmal startet er aber auch in unpassenden Momenten nach vorne, hält sich aber im Deckungsschatten der Gegenspieler auf und nimmt somit seinem Mitspieler eine Anspielstation.
Am problematischsten dürfte jedoch seine zu hohe Ballorientierung in engen Situationen sein. Er bewegt sich in diesen zu nahe an seinen Mitspieler, wodurch dieser ihn zwar anspielen kann, beide aber vom Gegner durch die geringe Distanz zueinander sehr einfach aus dem Spiel genommen werden können. Bedenkt man die Wichtigkeit eines intelligenten und strukturierten Kombinationsspiels für Guardiola, könnte dies womöglich sogar der grösste Kritikpunkt sein – neben Shaqiris hoher Anzahl an Ballverlusten.
Shaqiris grundlegendstes Problem ist seine Berechnung gegnerischer Bewegungen und wie sie sich auf seine eigenen Aktionen oder die seiner Mitspieler auswirken. Obwohl Shaqiri eigentlich alles für einen grossen Fussballer mitbringt – Robustheit, Schnelligkeit, herausragende Koordination, starke Technik, Beidfüssigkeit, guter Schuss –, kann er sein Potenzial nicht konstant und erfolgsstabil abrufen. Wenn er mit extrem schnellen, engen und komplexen Situationen konfrontiert wird, begeht er Fehler. Dies zeigt sich am besten in dieser Situation gegen den BVB im Supercup.
Alles in allem hat Shaqiri also zahlreiche Mängel; was an sich übrigens kein Problem ist, weil er eine ebenso grosse Anzahl von Stärken hat. Sein Problem ist aber, dass seine Stärken im System Guardiolas nicht so stark zum Tragen kommen wie seine Schwächen. Gepaart mit der Stagnation und der enormen Konkurrenz bei den Bayern ist ein Verkauf für 20 Millionen nur logisch. Es wäre wohl für beide Seiten die beste Lösung.