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Gerold Meyer von Knonau (1843-1931)
Gerold Meyer von Knonau ( 1843-1931 ) In der Reihe der SAC-Förderer nimmt der Historiker GeroldMeyer von Knonau insofern eine Sonderstellung ein, als er als Bergsteiger eine ganz untergeordnete Rolle spielte, dafür aber als Uni-versalhistoriker den schweizerischen Alpenraum und hier speziell die Alpenpässe als geschichts-bildende Faktoren in ihrer vollen Bedeutung erfasst und die Ergebnisse seiner Forschung im « Jahrbuch » veröffentlicht hat.
Der am 5. August 1843 in Zürich als Sohn des Zürcher Staatsarchivars geborene letzte Spross eines uralten Adelsgeschlechts lehrte an der Zürcher Hochschule während 42 Jahren Universal-geschichte. Das Rektorat von 1896 bis 1898, Ehrendoktorate von Leipzig und Genfund Anerkennung weitester Kreise waren der Lohn für ein Forscherleben im Dienste der Wahrheit, das nach fast zehnjähriger zunehmender Hinfälligkeit am 16. März 1931 erlosch.
Als Historiker interessierten ihn vorab die Alpenpässe, die er auch alle persönlich beschritten hat. Daher rührt auch die wirklichkeitsnahe Schilderung seiner einschlägigen Abhandlungen.
Die Sektion Uto, der er sich schon frühe anschloss, war ihm in den 36 Vorträgen, die er dort hielt, meistbenütztes Sprachrohr, um seine Forschungen zu popularisieren. Ob ihm dies in seiner gelehrten Kathedersprache mit ihren oft verwickelten Satzperioden ganz gelungen ist? Im CC Zürich von 1885-87 amtete er als Beisitzer. Zum Dank für sein Wirken erkannte ihm die Sektion die Ehrenmitgliedschaft zu.
22 seiner Vorträge in überarbeiteter Form, dazu noch sechs neue, überliess der Gelehrte der Redaktion des « Jahrbuches ». Vom 6. bis zum 26. Jahrgang - mit nur zwei Unterbrüchen - erschien alljährlich eine meist sehr umfangreiche Abhandlung aus seiner Feder, die letzte des 83jährigen im 51. Jahrgang. Die Themen seiner insgesamt 28 Abhandlungen kristallisieren sich um zwei Hauptprobleme: die politische Geschichte der in den offiziellen Clubgebieten gelegenen Landschaften und die Alpen als Schauplatz von Kampfhandlungen.
Die erste Hauptgruppe befasst sich einmal mit den Alpentälern Eschen, Lötschen, Hasle und Unterwaiden. Ihre Geschichte erhärtet « die Bedeutsamkeit der geographischen Bedingungen für die Gestaltung der politischen Schicksale schweizerischer Landschaften ». « Niemals soll der Schweizer übersehen, dass seine Berge auch die grossen Wegweiser seiner Geschichte darstellen. » -Auch die Abhandlung « Schweizer-Berge und Schweizer-Grenzen » berührt das zentrale Problem schweizerischer Staatsbildung.
Die überall angetönten weltpolitischen Aspekte kommen in der zweiten Hauptgruppe, den 7 kriegsgeschichtlichen Abhandlungen, zu voller Entfaltung. Der Gesichtskreis des Historikers umspannt hier einen Zeitraum von Hannibals Alpenübergang bis zu Bonapartes Passübergängen. Und auch hier wieder die Nutzanwendung des Historikers: « Wir wollen nicht vergessen, dass nicht selten die Weltgeschichte an diese Bergpfade ihre Abschnitte angeheftet hat. » Unsere Alpenpässe als Verkehrs- und Handelsstrassen im Mittelalter und ein Exkurs über die Verdrängung des Ackerbaus durch die Alpwirtschaft am Beispiel Uri runden das weltpolitische Bild nach der volkswirtschaftlichen Seite.
Unter den Abhandlungen mit biographischem Einschlag seien erwähnt die Studien über den Chronisten Johannes Stumpf, den Alpenforscher Josias Simler, den englischen Reisenden William Coxe und den ersten Schweizer Landschaftsmaler Ludwig Hess.
Eine Sonderstudie nimmt das Thema SAC auf und verfolgt es nach rückwärts bis ins Jahr 1808, dem Erscheinungsjahr der « Alpina », die in ihren vier Jahrgängen bis auf die Rubrik « Fahrten » eine merkwürdige Übereinstimmung mit dem « Jahrbuch » aufweist.
Aus allen Abhandlungen Meyer von Knonaus spricht ein tiefes, geradezu modern anmutendes Verständnis für die engen Beziehungen zwischen Boden und Mensch, Bodengestaltung und geschichtlichen Ereignissen: Faktoren, denen in unserem Alpenraum schicksalhafte Bedeutung zu-kam.Paul Sieber