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Überschwemmungen in den Niederlanden
In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 wütete über der Nordsee ein ungewöhnlich starker Orkan. Als er schliesslich die belgische, die englische und die niederländische Küste erreichte, wirkte er sich in Kombination mit der gerade herrschenden Flut vor allem im Südwesten der Niederlande verheerend aus. Eine gigantische Flutwelle zerstörte die Deiche über Hunderte von Kilometern. Die Provinz Zeeland, die aus mehreren Inseln besteht und durch die Flussdeltas des Rheins, der Maas und der Schelde gebildet wird, wurde überflutet. Die Überschwemmungen, die als grösste Naturkatastrophe in der neueren Geschichte der Niederlande gelten, lösten ein tiefes Trauma aus. Insgesamt forderte die Sturmflut über 1800 Tote, zerstörte 4500 Wohnhäuser und beschädigte 50'000 Gebäude. 70'000 Menschen mussten evakuiert werden. Die bis zu 4,5 Meter hohen Flutwellen setzten eine Fläche von insgesamt 200'000 Hektaren unter Wasser.
Erster Auslandeinsatz der Rettungsflugwacht
Am 2. Februar riefen die Niederlande den Notstand aus. Unverzüglich wurden internationale Hilfsanstrengungen in die Wege geleitet: Schiffe, Flugzeuge und Helikopter wurden ins Krisengebiet entsandt, um die Überlebenden zu evakuieren, die auf den Hausdächern auf Rettung warteten. Am darauffolgenden Tag lancierte das SRK einen Spendenaufruf und sandte eine erste Hilfslieferung mit 500 Decken nach Amsterdam. Auf Ersuchen des Niederländischen Roten Kreuzes organisierte das SRK in der Folge eine Sammelaktion: Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Kleider, Unterwäsche, Schuhe, Decken und Bettwäsche zu spenden.
Fünf Tage nach der Flutkatastrophe warteten nach wie vor viele Opfer auf ihre Evakuierung. Das SRK wandte sich deshalb an die Schweizerische Rettungsflugwacht, die spätere Rega. Diese entsandte drei Piloten und vier Rettungsfallschirmspringer, die erst kurz davor ihre Ausbildung absolviert hatten. Nicht einmal ein Jahr nach ihrer Gründung leistete die Rettungsflugwacht hier ihren ersten Auslandeinsatz. Drei Nächte und drei Tage lang arbeiteten die Schweizer Besatzungen unermüdlich. Sie retteten Hunderte von Flutopfern, die von der Umwelt abgeschnitten in der eisigen Winterkälte ausharrten.
Errichtung von Baracken
Wie überall in Europa übertraf die Welle der Solidarität auch in der Schweiz alle Erwartungen. Innerhalb von wenigen Tagen gingen beim SRK Spenden in Höhe von 2,7 Millionen Franken ein. Bis Mitte März hatte es bereits knapp 90 Tonnen Hilfsgüter, Kleider, Schuhe und Decken in die Niederlande gesandt. Nach Abschluss der Rettungsmassnahmen war der Wiederaufbau der Deiche die dringendste Aufgabe. Um diese langwierigen Arbeiten zu erleichtern, wurde beschlossen, gleich neben den Baustellen Unterkünfte für die Bauarbeiter zu errichten. Die Niederlande fragten deshalb bei der Schweiz an, ob sie solide Holzbaracken liefern könnte. Darin sollten in einer ersten Phase die Bauarbeiter untergebracht werden. Anschliessend sollten die Baracken Bauernfamilien oder den betroffenen Gemeinden zur Verfügung gestellt werden.
Mit Unterstützung der Glückskette beschloss das SRK, eine Million Franken für die Beschaffung von Baracken einzusetzen. Mit deren Anfertigung beauftragte es fünf Schweizer Unternehmen. Ab Anfang April wurden die Einzelteile auf dem Wasserweg in die Niederlande transportiert. Dort baute man die 45 Baracken mit Hilfe des Schweizer Zweigs des Service Civil International zusammen. Sie wurden zunächst auf fünf Baustellen bei den Ortschaften Hansweert, Noordgouwe und Brouwershaven sowie auf der Insel Schouwen-Duiveland aufgestellt, wo sie als Schlafräume für die Bauarbeiter dienten. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres brachte man die Baracken in die Dörfer Elkerzee und Oosterland, in denen die Überschwemmungen schwere Schäden verursacht hatten.