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Transkribat:
Besuch bei Hans Kunz-Heinzelmann, Hohle Gasse 5 in Füllinsdorf am 3.2.2003
Hans Kunz kannte Hans Häring von der Berufsschule als Schriftsetzer her. Sie waren allerdings nicht im selben Jahrgang, aber man kannte sich vom Sehen. Während und nach der Lehre arbeitete Hans Kunz in der Druckerei Heinzelmann in Liestal. Nach Abschluss seiner Meisterprüfung heiratete er die Tochter des Geschäftsinhabers und stieg als Teilhaber ein.
Irgendwann wurde Hans Häring als Typograph angestellt, aber nach wenigen Wochen wieder entlassen, da er den beruflichen Anforderungen nicht genügte (Zitat: er war halt ein Künstler). Während der kurzen Zusammenarbeit bat Hans Häring darum, dass man sein erstes Heft drucken würde. Die Firma Heinzelmann & Kunz übernahm gratis den Druckauftrag zu "Aus dem Merkbuch eines Eremiten" und die textfremden Illustrationen wurden von Hanns Studer als Holzschnitte angefertigt. Die 500 Hefte gingen zu gleichen Teilen an Häring, Studer und die Firma Heinzelmann & Kunz, welche die Hefte als Kundengeschenke verteilte. Häring verschenkte alle seine Hefte und "bettelte" dann immer wieder, dass man ihm noch ein paar Hefte zusätzlich überlasse.
Der Kontakt der Familie Kunz zu Hans Häring war sehr eng. So erlebte Kunz das ganze Elend des Trinkers und schwulen Dichters mit, der bei jedem Partnerwechsel in tiefe Depressionen verfiel und seelisch wieder aufgerichtet werden musste. Auch Berta Walter, die Frau, die ihn auf den "rechten Weg" hätte bringen sollen, war ihm ein Leben lang verbunden. Ihr widmete er seine "blauen Aphorismen".
Es gab insgesamt vier Hefte die von der Firma Heinzelmann & Kunz gedruckt wurden. Dabei wurden die "blauen Aphorismen" noch einmal als Kundengeschenk an die Druckerei-Kunden weitergegeben. Kurz vor dem Druck des Heftes hielt Häring eine Vernissageansprache, bei der er vom Künstler ein Bild geschenkt bekam. Da ihm das Bild nicht gefiel, schenkte er es an Hans Kunz weiter. Dann geschah wieder das Gleiche wie schon beim 1. Band, Häring bettelte um zusätzliche Exemplare. Diesmal hielt er Kunz jeweils das geschenkte Bild vor, das er jetzt mit zusätzlichen Autorenexemplaren quasi abzahlen sollte.
Irgendwann kam es zum Bruch mit dem Illustrator Hanns Studer, dessen textunabhängige Holzschnitte Häring bisher gefallen hatten. Er wendete sich dann Megge zu, der alle weiteren Hefte illustrierte. Hans Kunz, der zusammen mit Hanns Studer bereits ein Jahr Arbeit in das fünfte Heft gesteckt hatte, wollte den Bruch mit dem Illustrator nicht akzeptieren, so dass sich Hans Häring dann ganz zurückzog und das neue Heft in der Druckerei Lüdin, Liestal drucken liess. Von da an erhielt Hans Kunz noch ab und zu einen Brief voller Anschuldigungen, aber die persönlichen Kontakte waren ganz abgebrochen. Als Häring in der psychiatrischen Klinik gelandet war, hat Kunz ihn noch dreimal besucht, aber es habe immer in einer Schimpftirade über die böse Umwelt und die Schlechtigkeit der Menschen geendet.
H. Studer hat seine ganze Korrespondenz mit Hans Häring nach Liestal gegeben. Herr Kunz wusste aber nicht genau wohin, wohl Stadt oder Dichtermuseum, sicher nicht Staatsarchiv.
Adresse:
Hanns Studer
2, rue du vignoble
F-68360 Soultz
4. Februar 2003 / Barbara Rebmann