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Sperber
Der Sperber, eine verkleinerte Ausgabe des Habichts, ist ebenso ein Waldbewohner und zurückhaltend wie dieser, zeigt sich aber öfters als sein Vetter, weil er zwei- bis dreimal häufiger vorkommt. Gebaut für die Beweglichkeit im Unterholz, sieht man ihn im offenen Gelände während des Winters, wenn er in der Nähe der Dörfer jagt, im Herbst in den von Drosseln und Staren besetzten Reben, gegen Ende des Sommers auf Heidelbeerplätzen, wo er auf Ringamseln losgeht, oder im April anlässlich der Balz. Wie beim Habicht scheint die Aufgabe, den Nistplatz zu verteidigen, dem Weibchen übertragen zu sein. Es ist es, das am häufigsten in ruhiger Bewegung über dem Brutplatz kreist: die Federn der Unterschwanzdecken zu einem weissen Büschel erhoben, beginnt es plötzlich kräftig mit den Flügeln zu schlagen, bevor es einmal, zweimal, selten mehr, abtaucht. Doch seine kleine Gestalt vermittelt nicht den Eindruck von Kraft wie bei Vetter Habicht, selbst wenn es im Sturzflug zwischen den Fichten verschwindet. Die Seltenheit dieses Benehmens, die schmächtige Gestalt und die Unauffälligkeit erschweren eine Zählung und lassen jede Schätzung unzuverlässig erscheinen. Die bescheidenen Ansprüche sowohl hinsichtlich Raum als auch Qualität ermöglichen eine grössere Dichte als beim Habicht: die Nester sind kaum mehr als einen Kilometer voneinander entfernt. Es kommt vor, dass ein Sperber in einem Gehölz von weniger als einer Hektare in einer erweiterten Hecke nistet, was ihm Gebiete eröffnet, die dem Habicht nicht zugänglich sind. Der Bestand dürfte im Wallis mindestens 300 Paare betragen.
Mäusebussard und Adler pflegen den klassischen wellenförmigen Segelflug. Der Wespenbussard hat einen persönlichen Stil entwickelt, indem er Steigflüge einlegt und auf dem höchsten Punkt die Flügel über dem Rücken zusammenschlägt, als wolle er applaudieren. Habicht und Sperber fliegen weniger gewellt; ihnen ist der Sturzflug wichtiger.
Im Juni verraten im Unterholz die gleichen Anzeichen wie beim Habicht die Lage der Nester: Kot auf dem Weg, Federn eines Sperlingsvogels auf einem Baumstrunk oder Felsblock, Federn der Mauser des Weibchens, Rufe der vor kurzem ausgeflogenen Jungen. Aber der gewählte Baumbestand ist niedriger, dichter, und das kleine Nest, das sich selten höher als 10 m über dem Boden befindet, ist zwischen den Ästen nur schwer zu entdecken. Das Menü gleicht stark demjenigen des Habichts und umfasst vorwiegend Vögel, jedoch kleinere, wie die Beutereste zeigen: der Rauhfusskauz ersetzt den Waldkauz oder die Waldohreule; Meisen sind häufiger als Drosseln, und Mäusebussarde, Krähen und Hasen fehlen. Der Sperber ist halt klein und kaum über 280 g schwer. Da werden Sie verstehen: der Hühnerdieb ist ein Habicht !
Die Brutzeit beginnt etwa einen Monat nach derjenigen des Habichts, also in der ersten Hälfte Mai. Wegen der kürzeren Brutzeit und dem rascheren Wachstum fällt die Aufzucht zeitlich mit dem Ausfliegen der Meisen und Drosseln zusammen, was die Aufgabe der Sperbereltern erleichtert.
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