Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03341.jsonl.gz/1571

Wohlstandszunahme spiegelt sich in der Statistik der Steuerkraft
Die Statistik der Steuerkraft belegt eine Zunahme des Wohlstands in den letzten drei Jahrzehnten. Pro Einwohnerin und Einwohner ist die reale, das heisst um die Teuerung bereinigte Steuerkraft im Kanton um 36, im Bezirk um 41 Prozent gestiegen. Die geringste Zunahme im Amt verzeichneten Affoltern und Stallikon mit 16 Prozent, die höchste Wettswil mit 95 Prozent.
Von: Von Bernhard Schneider
Die Steuerkraft (siehe Kästchen) wird von vielen Faktoren beeinflusst: Vom Verhältnis zwischen selbstständig Erwerbenden und Angestellten, dem Verhältnis von Erwerbseinkommen und Vermögen, dem Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung und der durchschnittlichen Anzahl Kinder pro Haushaltung. Die Analyse der Steuerkraft gibt daher nur Anhaltspunkte über die Entwicklung der Gemeinden, für eine vertiefte Analyse müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden.
Im Kanton Zürich steigen die Unterschiede...
Im Kanton Zürich sind die Unterschiede zwischen den Gemeinden in den letzten dreissig Jahren gestiegen: In den Zürichsee-Gemeinden nahm die Steuerkraft am stärksten zu, in den Randregionen dagegen nur unterdurchschnittlich. Sternenberg wies 1990 als ärmste Gemeinde eine Steuerkraft von 559 Franken aus, ein Zwölftel von Küsnacht mit 6627 Franken. 2017 war Fischental mit 1537 Franken die finanzschwächste Gemeinde, Rüschlikon wies mit 15067 nahezu das Zehnfache aus. Die Unterschiede wurden aber nur scheinbar abgebaut: Sternenberg hat inzwischen mit Bauma fusioniert, die finanziell zweitschwächste Gemeinde von 1990, Hofstetten, gehört neu zu Elgg. Dadurch ist die Gemeinde Fischenthal, die 1990 einen Achtel der Steuerkraft von Küsnacht auswies, zur ärmsten Gemeinde geworden.
...im Bezirk sinken sie
Die Unterschiede im Bezirk Affoltern waren bereits 1990 mit einem Faktor 2,6 zwischen der ärmsten und der reichsten Gemeinde unterdurchschnittlich: Maschwanden verfügte damals über eine Steuerkraft von 979 Franken, Aeugst über 2530. Der Durchschnitt des Bezirks Affoltern lag mit 1640 Franken bei 70 Prozent des kantonalen Mittels. 2017 hat sich Maschwanden als noch immer finanzschwächste Gemeinde des Knonauer Amts (Steuerkraft 1987 Franken) der Hälfte des kantonalen Durchschnitts angenähert, während Aeugst (4217) deutlich von Wettswil (5105) überholt worden ist. Der Mittelwert des Bezirks beträgt nun mit 2999 Franken 73 Prozent des Kantonsdurchschnitts.
Einkommen und Vermögen
Die Gemeinden des Kantons mit der höchsten Steuerkraft, Rüschlikon, Küsnacht, Zumikon und Erlenbach, lösen sich an der Spitze von Jahr zu Jahr ab, je nach dem, wie sich der Wert der Aktienpakete entwickelt, die sich massgebend auf das Steuersubstrat einer Gemeinde auswirken. Das extremste Beispiel ist Rüschlikon, wo die Steuerkraft infolge der Glencore-Fusion 2011 auf den absoluten Höchstwert von 48366 Franken stieg: Ein einziger Steuerzahler sorgte nicht nur in der kantonalen, sondern auch in der eidgenössischen Steuer- statistik für die höchsten je erfolgten Ausgleichszahlungen. Das Beispiel zeigt, dass die grossen Unterschiede vor allem von den hohen Vermögen stammen, nicht von den Erwerbseinkommen, die weniger stark auseinanderklaffen.
Verschiebungen im Bezirk
Da landwirtschaftliche Vermögenswerte, insbesondere die bewirtschaftete Landfläche, in der Statistik kaum zu Buche schlagen, liegt die Steuerkraft bei stark landwirtschaftlich geprägten Gemeinden vergleichsweise tief. Dies trägt dazu bei, dass Maschwanden, das von allen Gemeinden des Bezirks sowohl 1990 als auch 2017 am wenigsten in die Agglomerationen Zürich und Zug integriert war, in den letzten dreissig Jahren jeweils die tiefste Finanzkraft der Bezirksgemeinden auswies. 1990 folgten auf Maschwanden Rifferswil, Obfelden und Kappel. Strukturell passt einzig Obfelden nicht in diese ländliche Gruppe von Gemeinden, denn Obfelden war bereits 1990 relativ stark in die Agglomeration Zürich integriert. Sehr nahe beieinander lagen 1990 die Werte von Knonau, Bonstetten, Hausen, Ottenbach, Affoltern, Hedingen und Mettmenstetten. Die stadtnahe Gemeinde Wettswil wies bereits deutlich mehr Finanzkraft aus, lag aber noch unter dem kantonalen Mittel und klar hinter dem ebenfalls stadtnahen Stallikon sowie Spitzenreiter Aeugst.
Agglomerationen Zug und Zürich wachsen
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lag die Zunahme der Steuerkraft im Bezirk deutlich hinter dem kantonalen Mittel zurück. In den Jahren 2001 und 2002 belief sich die durchschnittliche Steuerkraft des Bezirks auf lediglich 63 Prozent. Bis 2010 stieg sie auf 73 Prozent des kantonalen Durchschnitts, wo sie seither verharrt.
2017 (Abbildung 1) liegen die Gemeinden mit – im Bezirksvergleich – unterdurchschnittlicher Steuerkraft nahe beieinander. Stallikon befindet sich mittlerweile unter dem kantonalen Mittel, Aeugst knapp darüber, während Wettswil inzwischen deutlich an der Spitze liegt. Die Statistik spiegelt die Integration in die Agglomerationen: Kappel und Rifferswil haben aufgrund der Nähe zu Zug sichtbar an Finanzkraft zugelegt, Wettswil infolge der Nähe zu Zürich. Vor allem der Üetlibergtunnel, der zwischen den beiden Stichjahren eröffnet worden ist, dürfte sich hier – im Gegensatz zu Stallikon und Aeugst – auswirken, denn seit 2009 stieg die Steuerkraft von Wettswil signifikant stärker als diejenige von Stallikon.
Abbildung 2 zeigt den Wohlstandszuwachs. Affoltern zählt als Zentrum nicht zu den Agglomerationen und weist daher trotz Autobahnanschluss einen unterdurchschnittlichen Wohlstandszuwachs aus. Deutlich zeigt der Unterschied zwischen Stallikon und Wettswil, wie stark die Anbindung an die Autobahn sich strukturell auswirkt. Auch Knonau, Aeugst und Bonstetten sind durch die Autobahn nicht viel näher an die Agglomerationen gerückt. Die südlichen Gemeinden des Bezirks mit überdurchschnittlichem Wohlstandszuwachs, insbesondere Kappel und Rifferswil, weisen in den vergangenen Jahren eine verstärkte Zuwanderung aus Zug aus.
Finanzierung der Infrastruktur
Wichtigster Faktor für ein Wachstum der Steuerkraft ist eine herausragende Infrastruktur. Gemeinden nahe an den Zentren profitieren stark von deren Infrastruktur, Gemeinden in der Nähe eines Autobahnanschlusses von nationalen Investitionen. Die Ausgleichszahlungen aufgrund der Steuerkraft sorgen dafür, dass sich die Nutzniesser dieser Einrichtungen in einem gewissen Mass auch an deren Kosten beteiligen. Weitere Faktoren befinden sich zumindest teilweise in der Kompetenz der Gemeinde, die einerseits mit der Planung, anderseits mit eigenen Investitionen die Grundlage dafür schafft, dass die Bevölkerung in Wohnortnähe alles Erforderliche und Erwünschte findet.