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Textilstadt St.Gallen
Die Herstellung von Leinentüchern war im Bodenseegebiet schon früh verbreitet. Noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts war das Wort "Costances" der Inbegriff für Qualitätstuch. Fünfzig Jahre später stieg St.Gallen anstelle von Konstanz zur führenden Textilstadt im Bodenseegebiet auf. Die mit dem St.Galler Gütesiegel versehenen Leinentücher bildeten für die Zeit um 1600 den wichtigsten Ausfuhrartikel der Eidgenossenschaft.
Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts verlor das Leinwandgewerbe allmählich an Bedeutung, und an seine Stelle trat die ab 1721 betriebene Produktion von Baumwollgeweben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts spannen und woben in der ganzen Ostschweiz und im benachbarten Ausland Zehntausende für die St.Galler Baumwollunternehmer.
Die industrielle Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die damit verbundene Mechanisierung der Stickerei bildete die technische Voraussetzung für die "Stickereiblüte", die Hochkonjunktur der Stickereiindustrie. St.Galler Stickereien eroberten den Weltmarkt und wurden zu den wichtigsten Exportartikeln der Schweiz.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde das Ende der Stickereiindustrie eingeläutet. Wegen der wirtschaftlichen Lage in den ehemaligen Abnehmerländern, mehr allerdings noch wegen eines tief greifenden Modewandels, geriet die St.Galler Hauptindustrie in den 1920er- und 1930er-Jahren in eine langdauernde und mit hoher Arbeitslosigkeit verbundene Krise. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich die Stadt wirtschaftlich erholen. Danach überwog erstmals seit dem Mittelalter nicht mehr das Textilgewerbe, sondern in zunehmendem Masse der Dienstleistungssektor.
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