Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03434.jsonl.gz/1334

Das Knie ist das wohl komplexeste Gelenk des Menschen. Die Hauptfunktion ist das Biegen und Strecken des Beines. Das Knie ist dabei sehr grossen Belastungen ausgesetzt. Diese Kräfte werden aufgefangen durch zusätzliche Rotations- und Verschiebebewegungen des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel. Die auf das Knie einwirkenden Kräfte können so auf die Bänder übertragen werden, die das Kniegelenk beziehungsweise den Oberund Unterschenkel zusammenhalten.
Die Kontaktflächen von Ober- und Unterschenkelknochen sind mit Knorpel überzogen, dem Gleitlager, das dem Gelenk eine geschmeidige, reibungsare Bewegung ermöglicht. Da die Oberflächen nicht genau aufeinander passen, liegen zur gleichmässigeren Kraftübertragung die Menisken zwischen Ober- und Unterschenkel. Wenn die Menisken beschädigt sind, kann der Gelenkknorpel vermehrt belastet und dadurch auch eher beschädigt werden.
Auch bei Verletzungen der Seiten oder Kreuzbänder kann der Gelenkknorpel stärkeren Belastungen und dadurch einer vermehrten Abnutzung ausgesetzt sein. Neben Meniskus und Bandverletzungen stellt die chronische Überlastung des Knies die Hauptursache für die Degeneration des Knorpels dar. Sie kann bei erhöhter Beanspruchung durch Beruf, Sport oder Übergewicht auftreten.
Unser Bewegungsapparat ist nicht für eine Beanspruchung über etliche Jahrzehnte ausgelegt. Der Zahn der Zeit nagt am Gelenkknorpel, weshalb die Arthrose mit zunehmendem Alter zur eigentlichen Volkskrankheit wird.
Entstehung von Gonarthrose
Der Knorpel im Knie wird ausgedünnt, es entsteht die sogenannte Gonarthrose. Bei der fortgeschrittenen Arthrose ist der Knorpel vollständig verschwunden und im Gelenk läuft Knochen auf Knochen. Am Gelenkrand kann sich der Abrieb wie das Mehl um einen Mühlstein sammeln und verknöchern. Dadurch entstandene Knochensporne schränken die Gelenksbeweglichkeit ein. Neben Schmerzen stellt sich ein zunehmender Bewegungsverlust ein. Zur Schonung werden Bewegungen vermieden und einzelne Muskeln verkürzen sich oder verkümmern.
Im Röntgenbild ist der Gelenkknorpel nicht sichtbar. Dadurch ist zwischen Ober- und Unterschenkel ein deutlicher Abstand, der Gelenkspalt, zu erkennen. Bei der Arthrose ist der Gelenkspalt verschmälert oder fehlt ganz. Für die Diagnose der Arthrose stellt somit das Röntgenbild noch immer die beste Untersuchung dar.
Konservative Therapie
Solange die Beschwerden erträglich sind, drängen sich keine zwingenden Massnahmen auf. Eine abwartende Haltung ist oft vernünftig. Eine Reduktion der Belastung durch Gewichtsabnahme und die Anpassung sportlicher oder beruflicher Aktivitäten können zu einer raschen Linderung führen. Physiotherapie kann helfen, verkürzte Muskeln wieder geschmeidiger zu machen. Eine nachhaltige Besserung bleibt leider meist aus.
Knorpelaufbaupräparate halten kaum, was ihr Name verspricht. Eine relevante Wirkung kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, was leider auch für alternativmedizinische Therapien zutrifft. Die gelegentliche Einnahme von Schmerzmitteln hat ihre Berechtigung. Wenn Paracetamol und sogenannte Entzündungshemmer («Voltaren-Verwandte ») nur ungenügend helfen oder tagtäglich zur Meisterung des Alltags eingesetzt werden müssen, muss das mechanische Problem der Kniearthrose auch mechanisch gelöst werden. Bei entsprechendem Leidensdruck darf die Indikation zum Gelenkersatz, der Knie-Totalprothese, gestellt werden.
Die Gonarthrose ist keine schwere Erkrankung, welche die Lebenserwartung beeinträchtigt. Wenn der Patient aber nachts nicht mehr schlafen kann, die ersten Schritte am Morgen bereits qualvoll sind, Spaziergänge kaum mehr möglich sind oder wegen Bewegungseinbusse auf bedeutende Aktivitäten verzichtet werden muss, wird der Leidensdruck sehr hoch und eine Therapie unumgänglich. Bezüglich des Alters gibt es für einen Kniegelenksersatz weder nach oben noch nach unten eine klare Grenze. Entscheidend ist, dass die konservativen (nicht-operativen) Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind.