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Ein Bericht von Esther Bergen aus Winnipeg, Manitoba über die Ansiedlung in Chiva in „Der Bote“
19 Januar 1994, Nr. 3, S. 11 – 12
Amerika
von Esther Bergen Winnipeg, Manitoba
Während sich die 23 Familien reisefertig machten nach Amerika auszuwandern, hatten andere das Angebot des Khan angenommen in einen großen Garten bei Khiva anzusiedeln. Hier sollten sie als Handwerker seines Palastes arbeiten. Jedoch viele von diesen, bitterlich enttäuscht von den wahnsinnigen Prophezeiungen und Bibelauslegungen des Klaas Epp, entschlossen sich später, auch nach Amerika auszuwandern.
Die erste Gruppe verließ Lausan im April 1884. Sie reisten einen anderen Weg zurück, als den, auf dem sie 1880 gekommen waren, nämlich wieder mit Wagen und Pferden und allem Gepäck. (In dieser Gruppe waren auch meine Großmutter Maria Klaassen, und mein Onkel Jakob Klaassen, und andere Verwandte - E.C. Bergen).
Elisabeth U. Schultz schreibt: „Wir mußten die erste, lange Strecke durch Gebirge fahren – aufs Höchste etwa 15000 Fuß über den Meeresspiegel. Wir hatten auf den Bergen und in den Tälern herrliche Aussichten. Meistens gingen wir jungen Leute zu Fuß. Auf einer Stelle sahen wir vor uns einen hohen Berg. Da wir energisch und erfinderisch waren, entschlossen wir uns, ihn zu besteigen. Doch wir verirrten uns und mußten auf der anderen, sehr steilen Seite hinabklettern, meistens rückwärts auf Händen und Knien. Als wir die Karawane einholten, wurden wir unseren Torheit wegen scharf getadelt...“
Das erste Ziel unsrer Reise war Orenburg. Hier hatten wir einen langen Aufenthalt. Der General – Gouverneur des Kaisers war krank, und so konnten wir unsere Reisepäße nicht erhalten. Uns wurde gesagt, wir müßten warten bis er gesund wäre. Er starb aber bald darauf. Der neue General Gouverneur wollte von unsrer Angelegenheiten nichts hören. Wir mußten uns direkt an den Kaiser wenden. Nach einer neun wöchigen Wartezeit erhielten wir schließlich die nötigen Ausreiseerlaubnis.“
„In Orenburg mußten wir Pferde und Wagen verkaufen, denn die weitere Reise sollte per Eisenbahn gemacht werden. In Berlin machten wir Halt, denn bis Bremen würde es ohne Aufenthalt eine neunstündige Fahrt sein. Im Bremerhaven gab es viel zu sehen: Boote, Schiffe und Dampfer, groß und klein... Dort stand auch schon das sehr große Dampfschiff, Ems, welches uns über den Ozean zur anderen Seite der Welt bringen sollte! Dieser Ozean würde uns von allem, das uns heimisch war, trennen... Als das Schiff abfuhr, und wir so zwischen Wasser und Himmel glitten, mußte ich unwillkürlich zurückdenken an das, was hinter uns lag.... In meinen 18 Jahren hatte ich schon so viel erlebt, war ich so viel gereist – von Südrußland zur Molotschna; 18 Wochen auf Wagen (nicht Federwagen) nach Asien, Turkestan, Taschkent; über Berge, durch Ströme, über Brücken, durch die Wüste auf Kamelen; mehrere Wochen auf Boote, in Angst vor Räubern, beim Aral See vorbei; auf der Eisenbahn durch Rußland und Deutschland ... Und jetzt, zwischen Himmel und Wasser, auf dem Schiff nach Amerika! Die 18 Jahre erschienen wie ein Traum. Und doch, ich wollte, noch mehr sehen, mehr erfahren. Die Zukunft schien mir froh entgegenzuwinken. Könnte sie mir noch mehr Abenteuer bringen?...“
Die neuen Tage auf dem Ozean waren nur zu kurz. Im New Yorker Hafen kam ein Heinrich Zimmermann an Bord, der sich mit den „Nebraska“ Ansiedlern bekannt machte. Ehe wir uns versahen, befanden wir uns auf dem Zuge nach Nebraska. Nach drei Tagen und Nächten erreichten wir das Ziel unserer Reise, Beatrice, Nebraska. Wir wurden vorläufig von Familie Cornelius Janzen freundlich in Empfang genommen. Wir waren in Amerika! Unsere neue Heimat!“