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15.07.2015 – In der Schweiz herrscht zurzeit grosse Hitze. Das Bundesamt für Umwelt BAFU beantwortet die häufigsten Fragen zur Waldbrandgefahr sowie zum aktuellen Zustand der Gewässer und der Luft.
Der Vergleich der aktuellen Situation mit dem Hitzesommer 2003 zeigt einige Unterschiede: Damals war es bereits in der ersten Jahreshälfte ausserordentlich warm und trocken. Es war während Monaten sehr heiss (von Mitte April bis Ende August lagen die Lufttemperaturen fast durchwegs deutlich über dem langfristigen Mittel), und es gab kaum Niederschläge. Die Trockenheit hielt auf der Alpennordseite von Februar bis September an, auf der Alpensüdseite von Januar bis Ende Oktober. Während diesen Perioden fiel verbreitet nur etwa die Hälfte der normalen Niederschläge.
Die gegenwärtige Situation ist anders: Zu Beginn des Sommers war es recht regnerisch. Die Schweiz erlebte einen insgesamt warmen und niederschlagsreichen Juni. Die Hitzewelle hat Anfang Juli begonnen. Sehr heiss und sonnig ist es - mit Unterbrüchen - seit zwei bis drei Wochen. Seit Mitte Juni wurden keine verbreiteten Niederschläge mehr registriert. Aufgrund der Niederschläge im Frühjahr ist die Ausgangslage dennoch besser als 2003.
Die Abflüsse vieler Fliessgewässer im Mittelland, im Jura und im Tessin sind für die Jahreszeit unterdurchschnittlich. Insbesondere im Mittelland führen mehrere kleinere und mittlere Fliessgewässer Niedrigwasser. Jene Gewässer, die durch Gletscherwasser gespiesen werden, haben mehrheitlich normale Pegel. Die Grundwasserstände bewegen sich im normalen Rahmen mit sinkender Tendenz. Ob sich die Trockenheit weiter verschärft, hängt vom Wetter der nächsten Wochen ab.
Die Trockenheit führt vor allem zu sehr grosser Waldbrandgefahr in weiten Teilen der Schweiz. Verschiedene Kantone haben Massnahmen erlassen wie etwa Feuerverbote. Den Anweisungen der lokalen Behörden ist unbedingt Folge zu leisten. Das Bundesamt für Umwelt BAFU und die Kantone beobachten die Situation genau. Zudem kann es aufgrund der Trockenheit lokal Einschränkungen bei der Wassernutzung geben.
Beim Ozon ist die Situation wie in anderen Jahren auch: Auf der Alpennordseite sind die Werte nicht extrem hoch, im Tessin hingegen schon. Der Wind trägt jedoch dazu bei, dass die Schadstoffe verteilt werden und verhindert, dass die Ozonwerte extrem steigen. 2003 herrschte kaum Wind und es gab wenig Gewitter.
Das hängt von der Wetterentwicklung ab. Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um ein Wasserdefizit in den Böden und im Grundwasser wieder auszugleichen. Die Waldbrandgefahr wird ebenfalls erst durch länger anhaltende Niederschläge eingedämmt.
Die Waldbrandgefahr ist gegenwärtig in vielen Kantonen sehr gross. Verschiedene Kantone haben bereits Massnahmen wie etwa Feuerungsverbote erlassen. Den Anweisungen der lokalen Behörden muss unbedingt Folge geleistet werden.
Mehr Informationen zur aktuellen Waldbrand-Gefahrenlage in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein, sowie Verhaltensempfehlungen sind unter www.waldbrandgefahr.ch zu finden. Beim Umgang mit Feuer im Freien ist immer Vorsicht geboten.
Die momentane Periode mit starker Sonneneinstrahlung führte zu steigenden Wassertemperaturen in den Gewässern. Diese liegen für die Fliessgewässer im Mittelland momentan klar über dem jahreszeitlichen Durchschnitt. An einigen Messstationen wurden auch neue Juli-Monatsmaxima oder gar neue absolute Maxima registriert (30-40 jährige Messreihen). Flüsse, die durch Schneeschmelze und Gletscher gespiesen werden, bleiben generell kühler. Sehr hohe Temperaturen können bei Fischen zu Stresssymptomen führen und sie anfälliger machen für Krankheiten. In Gewässern mit wenig Wasser kann die Temperatur rascher ansteigen, insbesondere wenn Beschattung fehlt, wie sie vor allem Ufergehölze ermöglicht. Steigen in Gewässern die Temperaturen stark an, können die Fische von den kantonalen Behörden beispielsweise ausgefischt und in Flüsse mit mehr Wasser gebracht werden. Die Grundwassertemperaturen werden - wenn überhaupt - durch die hohen Lufttemperaturen nur sehr geringfügig beeinflusst.
Die Wasserstände und Abflüsse der Schweizer Gewässer liegen gegenwärtig unter den jahreszeitlichen Normen. Insbesondere im Mittelland führen mehrere kleinere und mittlere Fliessgewässer Niedrigwasser, einzelne kleine Fliessgewässer können sogar abschnittsweise trocken fallen. Aber auch grosse Fliessgewässer, wie beispielsweise die Aare, die Limmat und die Reuss weisen zurzeit einen sehr tiefen Abfluss auf. Die Pegelstände dürften in den nächsten Tagen weiter sinken, wobei infolge Gewitter mit kurzzeitigen Anstiegen an kleinen und mittelgrossen Fliessgewässern der betroffenen Gebiete zu rechnen ist. Die Niedrigwassersituation wird sich deshalb aber kaum entschärfen. In den Alpen weisen die von Gletschern gespiesenen Flüsse mehrheitlich jahreszeitübliche Abflusswerte auf. An der Massa (VS) sowie im Oberlauf der Rhone sind die Abflüsse aufgrund der intensiven Gletscherschmelze sogar erhöht. Allgemein reagieren kleine und mittlere Fliessgewässer (ohne Gletscherspeisung) schneller auf ausbleibende Niederschläge und Temperaturschwankungen.
Die Schweizer Gletscher sind aufgrund der sehr heissen Temperaturen seit Ende Juni bereits bis in Höhenlagen von 2800 bis 3000 m ausgeapert. Der Grosse Aletschgletscher, als grösster Eisstrom der Alpen, ist bis oberhalb des Konkordiaplatzes schneefrei. Die grosse Hitze brachte die Eisriesen in den Alpen in den letzten Wochen stark zum Schwitzen. Entsprechend gross waren die Eisverluste: Wie Messungen zeigen, büssten der Grosse Aletschgletscher und der Rhonegletscher in den letzten Tagen zwischen 8 und 12 cm pro Tag an Eisdicke ein. Diese intensive Gletscherschmelze wird sich in der nächsten Woche fortsetzen. Bereits jetzt lässt sich sagen, dass der Sommer 2015 wiederum ein starkes Schwundjahr für die Gletscher sein wird. Im Hitzesommer 2003 verloren die Schweizer Gletscher 3 bis 5 Prozent ihrer Massen. Ob die Schmelzraten von 2003 erreicht werden, hängt von der Witterung im August und September ab.
Als Wasserschloss Europas verfügt die Schweiz über grosse Wasserreserven. 80% des schweizerischen Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gewonnen, das erst mit einer Verzögerung von Wochen bis Monaten auf Trockenheit reagiert. Mit einer flächendeckenden Wasserknappheit ist daher nicht zu rechnen. Allerdings werden diese Wasserreserven intensiv genutzt, sei es zur Deckung des Trink- und Brauchwasserbedarfs, für die landwirtschaftliche Bewässerung oder die Energieproduktion, für Freizeit und Erholung oder für die Abwasserbeseitigung. Bei anhaltender Trockenheit kann es an kleineren und mittleren Fliessgewässern zu Nutzungseinschränkungen kommen oder die Kantone und Gemeinden können Verbote und Wassersparaufrufe aussprechen.
Durch eine vorausschauende Planung der Wassernutzung durch die Kantone können Konflikte rund um Wasserentnahmen aus den Gewässern vermieden und die natürlichen Funktionen der Gewässer, beispielsweise als Lebensraum für Fische und andere Wasserlebewesen, gewährleistet werden.
Wie die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, ist in Zukunft vermehrt mit sommerlicher Trockenheit und regionaler Wasserknappheit zu rechnen (Nationales Forschungsprogramm 61). Der Bund erarbeitet zurzeit zusammen mit Kantonen und Fachverbänden Empfehlungen zum Umgang mit Wasserknappheit. Im Rahmen des Aktionsplans zur Anpassung an den Klimawandel werden derzeit in mehreren Pilotprojekten Lösungen zum Umgang mit Wasserknappheit und Trockenheit entwickelt. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung von Wasserknappheitskarten für die Einzugsgebiete von Seen, die Information von Landwirtinnen und Landwirten über geeignete Kulturen und sparsamere Bewässerungsmethoden und die Errichtung eines Messnetzes und Informationssystems über die Bodenfeuchte.
Sonnige Perioden ohne Wind führen zu einer hohen Ozonbelastung. Vielerorts werden dann die in der Luftreinhalteverordnung festgelegten Grenzwerte überschritten. Diese Grenzwerte legen die Schwelle fest, bis zu der die Belastung nicht schädlich ist für Gesundheit und Umwelt.
Die Karte zeigt die aktuellen Werte des Nationalen Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL) sowie von städtischen und kantonalen Luftreinhaltefachstellen.
Eine zu hohe Ozon-Konzentration kann Schleimhaut-Reizungen auslösen (Augenbrennen oder Halsreizungen), Symptome im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen verstärken und die Lungenfunktion vermindern. Diese Auswirkungen verschwinden in der Regel wieder, wenn die Ozonbelastung zurückgeht. Um diese negativen Auswirkungen auf die Gesundheit zu verkleinern, empfiehlt das BAFU, intensive körperliche oder sportliche Betätigung in jenen Stunden zu vermeiden, während denen die Belastung am höchsten ist, also vom Mittag bis am Abend. Besser sind solche Aktivitäten am Vormittag, wenn die Ozonwerte tiefer sind. Eine allgemeine Empfehlung, bei erhöhten Ozonwerten nicht hinaus zu gehen, ist nicht angebracht.
Ozon wird von Bäumen, und Pflanzen generell, durch die Spaltöffnungen der Blattorgane aufgenommen. Dadurch können bei Pflanzen Schäden an Blattorganen auftreten. Länger anhaltende Belastungen stellen ein Risiko für das Pflanzenwachstum, Ernteerträge und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte dar. Der Wasserhaushalt der Pflanzen wird gestört. Dies schwächt die Pflanzen bei hohen Temperaturen zusätzlich.
Auf der Internetplattform www.naturgefahren.ch bieten die Naturgefahrenfachstellen des Bundes eine aktuelle Übersicht über die Gefahrenlage, zum Beispiel über Waldbrandgefahr und die Hitzesituation, aber auch über Gewitter oder Hochwasser. Ergänzt werden diese Informationen mit Verhaltensempfehlungen je nach Lage.
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