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Anfang März fand das Sportforum 2021 statt. Namhafte Persönlichkeiten der Pferdeszene tauschten ihre Standpunkte und Erfahrungen rund um die «Zukunft der Pferdesportveranstaltungen» aus. Auch das online zugeschaltete Publikum hatte die Möglichkeit, aktiv an der Diskussion teilzunehmen. Das Leitungsteam Springen hat dazu nun Stellung bezogen.
An drei verschiedenen Podiumsgesprächen wurden Aspekte wie die äusseren Einflüsse auf den Pferdesport, die unterschiedlichen Turnierformate und die grosse Nachfrage nach Auslandstarts beleuchtet. Während der Gespräche gingen insbesondere viele schriftliche Kommentare, Fragen und Bemerkungen ein. Diese Inputs wurden nun analysiert und in den Leitungsteams der Disziplinen besprochen.
In einem ersten grossen Antwortteil im «Bulletin» hat nun das Leitungsteam Springen zu offenen Publikumsfragen und Kommentaren Antworten und Reaktionen abgegeben.
Thema: Kategorienfrage und Trennung R/N
Publikum:
Was halten Sie von folgendem Vorschlag:
- Trennen der Springprüfungen von R- und N-Lizenzierten.
- Die N-Prüfungen besser dotieren, damit die Profis kommen und ihren Lebensunterhalt verdienen können.
- Geringere Dotation der R-Prüfungen mit tieferem Nenngeld.
Antwort des Leitungsteams Springen:
Das Reglement lässt es dem Veranstalter frei, Prüfungen ausschliesslich für Reiterinnen und Reiter mit der R-Lizenz oder der N-Lizenz oder eben R/N gemischt auszuschreiben. Das Trennen von R und N ergibt unter der Prämisse des «Reitens unter Seinesgleichen» durchaus Sinn. Folgende Punkte gilt es jeweils bei der Erstellung der Ausschreibung abzuwägen:
Bei der Trennung von R/N besteht das Risiko, dass die Teilnehmergrenze nicht erreicht wird. Veranstalter wollen «volle Felder».
Profireiter sollen die Möglichkeit erhalten, auch an einem ländlichen Turnier junge Pferde einzusetzen und sie so an den Turniersport heranzuführen. Sie wären gezwungen, bereits junge Pferde an internationale Turniere mitzunehmen, weil an ländlichen Turnieren keine Startmöglichkeiten für N-Lizenzierte bestehen würden.
Profireiter haben in der Regel kein Interesse, Prüfungen bis 125 cm zu gewinnen.
Eine Trennung ab Kat. 130 cm könnte Sinn ergeben, sofern Veranstalter bereit sind, dies entsprechend umzusetzen.
Den Lebensunterhalt mit Gewinngeldern aus nationalen Prüfungen zu finanzieren, ist utopisch. Dies gelingt selbst auf internationalem Topniveau nur ganz wenigen. Zudem wären deutlich höhere Preisgelder in nationalen Prüfungen für Veranstalter kaum finanzierbar.
Der Basissport generiert einen Teil der Erträge, die zu einem kleinen Teil zur Deckung der Administrationskosten verwendet werden und nur zu einem kleinen Teil die Kosten des Spitzensports mittragen. Ein wesentlicher Teil dieser Verbandsabgaben fliesst an die Regionalverbände für die Basisausbildung zurück. Trotzdem wäre die Variante «tiefes Nenngeld, tiefes Preisgeld» wohl für einen Grossteil der Amateurreiterinnen und -reiter eine gute Lösung, allerdings für die Veranstalter erneut weniger attraktiv.
Anreize mit Ehrenpreisen, Preisgeld usw. zu schaffen, ist grundsätzlich eine gute Idee. Doch stellt sich die Frage der Finanzierung in Zeiten, in denen Sponsoren nicht leicht zu gewinnen sind. Wenn sich ein Turnier allein über die Nenngelder finanzieren muss, liegen solche Anreize kaum drin. Daher sehen wir es als positiven Punkt, dass das Reglement den Veranstaltern einen grossen Handlungsspielraum gibt und verschiedene Möglichkeiten offenlässt.
Thema: Gewinnpunkte
Publikum:
Das Punktesystem ist ein Problem. Ein junger Reiter, der ein gutes Pferd kauft, kann in der Schweiz wegen der Gewinnpunktebeschränkungen in einigen Fällen nicht starten, während er im Ausland starten kann. Wäre es nicht sinnvoll, die Gewinnpunktebeschränkung im Reglement auf das Paar anstatt auf das Pferd zu beziehen? Junge Leute könnten so auch in der Schweiz mit erfahrenen Pferden reiten, bis das Paar die Gewinnpunktegrenze gemeinsam erreicht. Das Familienpferd, das beispielsweise von Mutter und Tochter geritten wird, könnte unabhängig von den Pferdegewinnpunkten von beiden offiziell an Turnieren geritten werden.
Antwort des Leitungsteams Springen:
Es wurden bereits entsprechende Anpassungen und Verbesserungen im Springreglement veranlasst. So ist in Artikel 11.22 beispielsweise vorgesehen, dass in Prüfungen für Pferde mit Reiterinnen und Reitern mit R-Lizenz bis 14 Jahre in allen Stufen ab Höhe 110 cm sowie für Ponys mit Reiterinnen und Reitern bis 16 Jahre keine Gewinnpunktebeschränkung nach oben besteht. Im Weiteren besagt Artikel 7.3 Absatz 6, dass nach bestandener Lizenzprüfung während eines Jahrs ab Datum der bestandenen Lizenz ungeachtet der Gewinnpunkte nach oben in Prüfungen ab Stufe B/R90 und höher gestartet werden kann. Das Reglement erlaubt es zudem, Prüfungen innerhalb der Gewinnpunktelimiten auf das Paar zu beschränken.
In den genannten Beispielen mit dem erfahrenen Lehrpferd oder dem Familienpferd und auch in einigen anderen Fällen würde es durchaus Sinn ergeben, die Gewinnpunktebeschränkung pro Paar über die im Reglement gesetzte maximale Gewinnpunktezahl pro Kategorie hinaus zu erlauben. Jedoch wären so auch Konstellationen von Paaren möglich, die dem Wunsch des «Reitens unter Seinesgleichen» in keiner Weise mehr Rechnung tragen würden. Erfolgreiche Reiterinnen und Reiter könnten so mit Pferden mit hohen Gewinnpunkten in den tiefsten Kategorien starten. Leider haben wir hier noch keine faire und sinnvolle Lösung gefunden.
Publikum:
In Bezug auf die Auslandstarts fehlt meiner Meinung nach ein wirkliches Infragestellen unseres Gewinnpunkte- und Veranstaltungssystems, besonders für den Amateursport. Heutzutage erzwingen zu viele Organisatoren Nennungen in «Prüfungspaaren» (z. B. 110 cm und 115 cm) und verhindern echte Fortschritte für diejenigen, die beispielsweise 115-120 cm nennen möchten. Auch dafür ist das Punktesystem viel zu starr. Ein anderer Punkt, der Turniere im Ausland sehr attraktiv macht, ist die Möglichkeit für einen Amateur, seine Kategorie freier zu wählen. Das heutige Punktesystem in der Schweiz zwingt Amateure, schnell durch die Kategorien aufzusteigen. Und wenn sich die Fortschritte nicht reibungslos einstellen, besteht die einzige Möglichkeit darin, «hors concours» zu reiten ... Ein Profi kann mit einem Pferd, das Probleme hat, von einer Prüfung über 155 cm zu einer Prüfung über 130 cm heruntergehen, nicht aber der Amateur.
Antwort des Leitungsteams Springen:
Die Einschränkung erfolgt nicht durch das Reglement, sondern durch die Beschränkung der Veranstalter in ihren Ausschreibungen. Das System will genau diesen «sanften Fortschritt» fördern und die Möglichkeit geben, sich in 5-Zentimeter-Schritten an die nächsthöhere Kategorie zu gewöhnen. Mit der Beschränkung auf die maximale Gewinnpunktezahl der jeweils unteren Kategorie können problemlos auch Prüfungen über beispielsweise 105 cm und 110 cm (Beschränkung der Gewinnpunkte auf 300 für beide Prüfungen) oder über 115 cm und 120 cm (Beschränkung der Gewinnpunkte auf 900 für beide Prüfungen) usw. ausgeschrieben werden. Das ist ideal für Reiterinnen und Reiter, die sich an die nächsthöhere Stufe heranwagen möchten. Leider nutzen nur wenige Veranstalter diese Möglichkeit. Wir empfehlen den Veranstaltern, die Jurypräsidenten vermehrt in die Planung der Prüfungen miteinzubeziehen. Diese werden geschult und kennen die Möglichkeiten, eine attraktive Ausschreibung zu gestalten.
Thema: Kommerzielle Turniere über das ganze Jahr
Publikum:
In der Schweiz fehlt ein zentraler Anbieter kommerzieller Turniere (analog zu Opglabbeek, Gorla Minore, Peelbergen usw.), der mit einer grossen Anzahl Startmöglichkeiten über das ganze Jahr hinweg einen optimalen Aufbau der Pferde für den Spitzensport (Nachwuchs bis Elite) zulässt. Anlagen wären vorhanden oder geplant gewesen (Avenches, NPZ, neu Roggwil, das geplante Ostschweizer Pferdesportzentrum), aber es finden zu wenig Veranstaltungen dort statt. Sollte nicht verbandsseitig ein solch zentraler Veranstaltungsort gefördert werden?
Antwort des Leitungsteams Springen:
In der Schweiz stehen nur wenige Anlagen zur Verfügung, die über eine Infrastruktur verfügen, wie sie zum Teil im Ausland vorhanden ist. Die Betreiber solcher Anlagen haben zudem nicht alle die Möglichkeit oder sind nicht unbedingt gewillt, ihre Infrastruktur ganzjährig für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen oder selbst mehrere Turniere pro Jahr zu organisieren. Die Preise für die Miete solcher Anlagen liegen zudem meist ausserhalb des Budgets eines gewöhnlichen Reitvereins. Im Weiteren gehört es nicht zu den Aufgaben des Verbandes, als Veranstalter aufzutreten oder internationale Turniere zu fördern. Nachwuchsturniere, Qualifikationsturniere für die Schweizermeisterschaft sowie die Schweizermeisterschaften der Elite und aller Nachwuchskategorien werden aber schon heute finanziell unterstützt.
Thema: Auslandstarts versus Inlandstarts
Publikum:
Ist es das Fehlen einer solchen Infrastruktur, welche die Reiterinnen und Reiter veranlasst, im Ausland zu starten?
Antwort des Leitungsteams Springen:
Anlagen mit mehreren grossen Allwetterplätzen, Hallen, fixen Stallungen usw. sind bei vielen Reiterinnen und Reitern beliebt und veranlasst sie unter Umständen, im Ausland zu starten. Jedoch ist der zeitliche und auch der finanzielle Aufwand jeweils abzuwägen.
Damit einher geht auch die im Ausland bestehende Möglichkeit, Pferde in beliebigen Kategorien flexibel einzusetzen. So können am gleichen Tag sämtliche Kategorien angeboten und vom Youngster bis zum GP-Pferd alle Pferde eingesetzt werden. Das FEI-Reglement ist hier tatsächlich flexibler. Auch beispielsweise das Coaching von Schülern, die dank entsprechendem Prüfungsangebot ebenfalls am gleichen Turnier starten können, kann so besser koordiniert werden.
Vielleicht ist es aber auch einfach die Aussicht auf ein paar Ferientage mit dem Pferd an der Sonne, die den Auslandstart attraktiv macht.
Was genau Reiterinnen und Reiter veranlasst, im Ausland statt in der Schweiz an den Start zu gehen, ist derzeit reine Spekulation. Eine gezielte Umfrage bei betroffenen Reiterinnen und Reitern würde hier klarere Antworten liefern. Eine solche Umfrage ist derzeit im Gespräch, jedoch aufwendig und zeitintensiv in der Umsetzung und Auswertung.
Thema: Nachwuchsförderung Springen
Publikum:
Es gibt in der Schweiz nur etwa zwei bis drei Children-Concours. Wie kann man die Organisatoren ermutigen, mehr Prüfungen durchzuführen? Eventuell zusammen mit den Turnieren von Pony Sport Romand (PSR)?
Antwort des Leitungsteams Springen:
Children haben im Rahmen der Nachwuchsturniere der Swiss Team Trophy verschiedene Startmöglichkeiten. Reine Children-Prüfungen haben in der Regel nur wenige Starter und sind daher für Veranstalter nicht sehr attraktiv. Eine Eingliederung in PSR-Ponyturniere müsste geprüft bzw. mit PSR diskutiert werden.
Publikum:
Was macht der SVPS in Bezug auf die Nachwuchsförderung zum Beispiel konkret im Ponysport, wo die jungen Reiter auf unglaublichen «Maschinen» unterwegs sind und von ihren Trainern dazu gedrängt werden, immer härtere Hilfsmittel in Training (Schlaufzügel) und im Concours (Pelham) einzusetzen? Welche Wege sehen Sie, um den Ponysport national und international in Richtung korrekteres Reiten zu bringen?
Antwort des Leitungsteams Springen:
In diesem Bereich wurde schon einiges verbessert und reglementarisch verankert. Dazu gehören das schon seit mehreren Jahren gültige Schlaufzügelverbot an Turnieren, die Einschränkungen bei der Wahl der Zäumung durch die seit dem 1. Januar 2021 gültige «Weisung Trensen und Zäumungen», mit unter anderem den Beschränkungen in Prüfungen ohne Zeitmessung bis P55 und in Ausbildungsprüfungen P40-P80. Die Förderung von Stilprüfungen und die Einführung von Prüfungen nach Idealzeit im Ponysport per 1. Januar 2022 sind vorgesehen. Bei allen Massnahmen und Handlungen, die - auch ausserhalb des Turnierplatzes - im Widerspruch zum Pferdewohl stehen, sind wir alle aufgefordert und mit verantwortlich einzuschreiten.
Nicole Basieux