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Neu: Seit dem 10.4.2005 können Sie mit dem Direktionsrechner auch Direktionen nach Kühr, Goldmayer und der topozentrischen Methode errechnen. Meines Wissens ist dies das erste Internet-Angebot dieser Art!
Dirigere non est aliud quam movere speram donec locus secundus traducitur ad situm primi.Dies ist eine kurze und präzise Definition, die vielleicht aber doch einiger Erläuterungen bedarf. Mit der Sphäre ist natürlich die Himmelskugel gemeint, mit der Drehung ihre tägliche Bewegung um die eigene Achse, die Polachse. Der locus secundus, der in die Lage des ersten gebracht wird, wird üblicherweise als Promissor bezeichnet, der "Versprecher" also; er ist ein Planet oder eine Aspektstelle, eine Halbsumme, ein Spiegelpunkt oder auch ein Fixstern. Der Ort, in dessen Lage (situs) er überführt wird, ist dagegen der Signifikator oder "Bedeuter", ein Planet oder eine Achse im Horoskop, jedoch niemals eine Aspektstelle. Signifikator und Promissor sind weder funktional noch inhaltlich gleichwertig; den funktionalen Unterschied betont Regiomontanus durch die Wahl der Begriffe locus (Ort) für den Promissor, der einfach einen Punkt der Himmelssphäre bedeutet, und situs (Lage) für den Signifikator – gemeint ist dessen Lage im lokalen Horizont-System des Beobachters. Wir würden heute von mundaner Position sprechen. Der Winkel, um den die Sphäre gedreht wird, bis der Promissor die Lage des Signifikators erreicht, heisst Direktionsbogen. Er wird nach einem Direktionsschlüssel, traditionell steht 1° für 1 Jahr (Ptolemäusschlüssel), in Zeit umgerechnet.
Dirigieren ist nichts anderes als die Sphäre zu drehen, bis der zweite Ort in die Lage des ersten überführt wird.
Die grösste Schwierigkeit bei dieser Definition liegt in dem Begriff der "Lage" (der mundanen Position) des Signifikators, in die der Promissor also durch die Erddrehung überführt werden soll. Denn jeder Planet oder Aspektpunkt bewegt sich auf seinem eigenen Deklinations-Parallelkreis, daher werden sich zwei Punkte verschiedener Deklination niemals treffen. Was heisst aber dann "der Promissor erreicht die Lage des Signifikators"?
Wenn wir in der Tetrabiblos des Ptolemäus nachschauen, finden wir folgende Antwort auf diese Frage: [2]
Um dies besser zu verstehen, betrachten wir einige Beispiele: Wenn der Signifikator die Himmelsmitte ist, wird der Promissor die Lage der Himmelsmitte sicher erreichen, wenn er selbst den Meridian passiert – das ist unmittelbar einleuchtend. In diesem Fall wird also der Drehwinkel, bis der Promissor den Signifikator erreicht, nichts anderes sein als die Differenz der Rektaszension des MC von seiner eigenen Rektaszension. Wenn der Signifikator der Aszendent ist, wird man die Sphäre so drehen müssen, dass der Promissor den Geburtshorizont erreicht, also aufgeht. Den entsprechenden Drehwinkel erhält man durch Subtraktion der schrägen Aufsteigungen (OA) des Promissors vom Aszendenten.
Ähnlich nämlich und von gleicher Lage ist [ein Punkt einem anderen],
wenn er ähnlich und in derselben Richtung gelegen ist in Bezug auf Horizont und Meridian.
Wenn nun ein Signifikator in irgendeiner Zwischenstellung zwischen Aufgang und Kulmination ist?
Nehmen wir einmal an, ein Signifikator habe auf seinem Tagesweg gerade die Hälfte der Zeit zurückgelegt, die er vom Aufgang bis zur Kulmination braucht. Dann wird der Promissor die "ähnliche Lage" des Signifikators erreichen, wenn auch er die Hälfte der Zeit zwischen Aufgang und Kulmination zurückgelegt hat. Die Punkte, die dasselbe Verhältnis Meridiandistanz (MD) zu Halbbogen (HB) realisieren, sind nach Ptolemäus in gleicher Lage zueinander (an seinen Beispielen, die er im zitierten Kapitel rechnet, kann man klar sehen, dass er den Begriff der Lage des Signifikators genau auf diese Weise auffasst). Da die so definierten mundanen Positionskurven transversal zu allen Deklinations-Parallelkreisen von Punkten verlaufen, die überhaupt auf- und untergehen, sind Direktionen auf diese Weise für alle möglichen Promissoren und Signifikatoren definiert (die Gestirne der zirkumpolaren Region sind nicht mit Primärdirektionen führbar, da sie ja auch nicht auf- und untergehen und somit die tägliche Bewegung durch den Häuserkreis nicht mitmachen).
Genauere Ausführungen zu den Direktionen enthält mein Buch zum Thema.[3]
Lange Listen von Transiten oder Direktionen erschweren diesen Blick auf das Wesentliche: sie behandeln alle Direktionen gleich – ganz egal, ob sie aus Sicht des Radixhoroskops von Bedeutung sind oder nicht. Sie überfluten den Betrachter mit unwesentlicher Information. Die Fokussierung auf das Wesentliche - und es mag in dem Zeitraum von zwanzig Jahren vielleicht nur eine Direktion geben, die von essentieller Bedeutung ist - wird durch solche Listen eher verhindert. Vielleicht können Listen aber doch gelegentlich hilfreich sein, um einen schnellen Überblick über eine Lebensphase zu gewinnen - wenn man weiss, welche Schwerpunkte man in der Liste zu setzen hat.
Die Erstellung von Transit- oder Direktionslisten mag in den Zeiten einen Sinn gehabt haben, als der Astrologe noch jede einzelne Direktion von Hand errechnete. Wenn man dieses Geschäft einen ganzen Abend treibt, vielleicht bis tief in die Nacht hinein, Jahr für Jahr des Nativen vorausschauend, Direktion für Direktion mit Hilfe von Tabellenwerken und immer den gleichen elementaren mathematischen Operationen zu berechnen, dabei immer das Radixhoroskop vor Augen, so mag das als eine Art Katalysator für Intuitionen funktioniert haben: Indem der gewöhnliche Verstand über Stunden mit den Zahlenkolonnen einer Tabelle, mit Interpolieren, Addieren und Subtrahieren besetzt wird, kann sich irgendwann der "Blitz der Intuition" einstellen und schlagartig tiefe Einblicke in das Radixhoroskop, in Charakter und Schicksal des Geborenen, gewähren.
Was sind nun die richtigen Übersetzungen im grossen Räderwerk der Zeit? Wie gestaltet sich das Entfaltungsgesetz konkret? In der Astrologie wird seit langer Zeit mit dem Zeitschlüssel "1 Tag = 1 Jahr" gerechnet. Soviel Tage nach der Geburt sich eine bestimmte Konstellation ereignet, so viele Jahre nach der Geburt erwartet man eine entsprechende Auslösung im Leben des Geborenen. Dies ist der Zeitschlüssel der sogenannten Sekundärdirektionen. Aber: Ist dies der einzige Schlüssel? Ist es überhaupt ein gültiger Schlüssel? Wie lässt er sich begründen?
"Ich gebe dir einen Tag für ein Jahr" - so steht es in der Bibel [4], und diese Bibelstellen werden von einigen Astrologen als Rechtfertigung für den Zeitschlüssel der sogenannten Sekundärdirektionen herangezogen.- Aber in der Bibel steht auch viel wirres Zeug, was sie als Quelle für Wahrheiten ziemlich unzuverlässig macht.[5] Wenn also etwas an diesem Zeitschlüssel sein soll, können wir uns nicht auf die Bibel stützen, sondern müssen eine mit Anschauung, Logik und Analogiedenken nachvollziehbare Begründung für ihn geben.
Wir finden eine solche Begründung bei Kepler. Im Tertium Interveniens, einer seiner apologetischen Schriften für die Astrologie, heisst es:
Dieses Argument ist einleuchtend. Die zwei Bewegungen der Erde, ihre tägliche und ihre jährliche, sind wirklich leicht in Analogie zu bringen. So kann der verheissungsvolle, frische Morgen in Beziehung zur jugendlich-frischen Frühlingszeit gebracht werden; die Mittagszeit ist die Zeit der grössten Wärme, so wie dies im Jahreslauf der Sommer ist. Am Abend neigt sich der lichte Tag dem Ende zu, so wie im Herbst die dunkle Zeit die helle Zeit übersteigt. Und die finstere Nacht, die alle Lebensregungen hemmt, ist deutlich analog zum froststarrenden Winter, der mit seiner unwirtlichen Kälte alle Vegetation in Schlaf versetzt. Daraus ergibt sich, dass die Proportion 1 Tag : 1 Jahr (genauer: ein wahrer Tag entspricht einem tropischen Sonnenjahr) oder 1:365.2424 für uns Menschen von fundamentaler Bedeutung sein muss. Dies ist das Übersetzungsverhältnis von grossem und kleinem Zeiger unserer Lebensuhr.
Ist das schon alles? Wenn das alles wäre, hiessen die Sekundärdirektionen nicht sekundär! Zwar haben wir eine aus Sicht des Analogiegesetzes stimmige Begründung für die Technik der Sekundärdirektionen und verstehen, warum die Konstellationen am n. Tage nach der Geburt mit den Ereignissen im n. Jahre nach der Geburt in Beziehung stehen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass von Zeiten des Ptolemäus bis ins 16. Jahrhundert stets Primärdirektionen gemeint waren, wenn man von Direktionen sprach. Erst durch Kepler und später durch Placidus wurden die Sekundärdirektionen eingeführt - die Namengebung ("primär" und "sekundär") stammt von Placidus.
Was aber ist das Zeitmass von Primärdirektionen? Haben wir nicht gesagt, dass es bei den Direktionen darum geht, einen Drehwinkel (den Direktionsbogen) in Lebenszeit umzurechnen, nicht eine kürzere Zeitspanne in eine längere zu übersetzen? Sind wir daher nicht auf der Suche nach einem Verhältnis Winkel:Zeit, und nicht nach Zeit:Zeit?
Die Antwort, wie ein Winkel auf natürliche Weise in Zeit umzurechnen ist, gibt uns der Äquator.
Dieser Grosskreis, der in alten
astronomischen Werken noch unter seinem deutschen Namen als Gleicher (gemeint ist: Gleichmacher)
fungiert, wird als natürliches, gleichsam vom Himmel gegebenes Instrument zur Messung der Zeit
verwendet. In der Tat hat der Himmelsäquator im Vergleich zu allen anderen Grosskreisen einige
Besonderheiten: Er geht immer im Osten auf, hat seinen höchsten Punkt im Süden (bzw. auf der
Südhalbkugel im Norden), wo sein Abstand vom Zenit genau gleich der geographischen
Breite ist, und alle seine Grade gehen stets gleich schnell auf. Auch die Zeit, in der ein
Äquatorgrad im Süden steht, also kulminiert, oder in irgendeiner anderen mundanen Position
steht, ist für alle Äquatorgrade stets die gleiche. Sie beträgt
3m59.3s Weltzeit.
Diese Besonderheiten des Äquators, die natürlich darauf zurückzuführen sind, dass er die Bezugsebene
der Erdrotation ist, rechtfertigt seinen Namen "Gleicher". Er wird dadurch zum idealen
Ziffernblatt der grossen kosmischen Uhr, um mit der täglichen Bewegung der Sphäre zusammenhängende
Zeiten zu messen.
Die Primärdirektionen richten ihre Aufmerksamkeit auf diesen täglichen Umschwung der Sphäre: Wie ändern sich die Häuserstellungen der Planeten in den Stunden vor und nach der Geburt? Wenn ein Planet im ersten Haus steht: Wann wird er aufgehen? Wann wird die Quadratstelle des Mars die Hausposition des im zehnten Hause stehenden Saturn erreichen, usf. Die allgemeine Frage bei Primärdirektionen lautet: Wann wird ein sensitiver Ekliptikpunkt (ein Planet oder eine Aspektstelle, eine Halbsumme, ein Spiegelpunkt oder auch ein Fixstern) des Horoskops die mundane Position erreichen, die ein Planet oder eine Achse im Radixhoroskop innehatte. Der Bogen, um den der Himmel gedreht werden muss, damit der sensitive Punkt (der Promissor) die Häuserstellung erreicht, die der Planet (der Signifikator) bei der Geburt innnehatte, wird auf dem Äquator gemessen. Dieser sogenannte Direktionsbogen wird dann nach dem Schlüssel "1 Grad = 1 Jahr" in ein Lebensalter umgerechnet.
Wenn daran etwas ist, muss es auch hier einen fundierten Zeitschlüssel geben. Aber wie
lässt sich dieser Zeitschlüssel begründen? Inwiefern ist das Grad, das bei Primärdirektionen
dem Jahr gleichgesetzt wird, in natürlichen Verhältnissen verankert? Es ist ja eine reine
Konvention, der
360.
Teil des Vollkreises wird als ein Grad gesetzt. Man hat dies ab dem
16. Jahrhundert als Mangel des sogenannten "Ptolemäusschlüssels" (also des Schlüssels 1 Grad = 1 Jahr)
angesehen und versucht, diesen Schlüssel aus verschiedenen anderen Überlegungen heraus zu
verbessern.
Indem man die Nähe der
360
zu den
365
Tagen des Jahres erkannte, hat z.B. Valentin Naibod
vorgeschlagen, nicht ein Grad = den
360
. Teil des Kreises einem Jahr gleichzusetzen, sondern
den
365.2424
-ten Teil des Kreises, also nur
0°59'8". Dies ist der Bogen, um den sich die
Sonne im Durchschnitt pro Tag weiterbewegt. Daran mag etwas sein, aber es wird nicht ganz klar,
warum ausgerechnet dieser Bogen einem Jahr entsprechen soll. Wo steckt hier der Analogieschluss?
Einen anderen Weg ging Cardano, indem er das Zurückbleiben des tropischen im Vergleich
zum siderischen Zodiak in die Schlüsselberechnung mit einbezog: An den ptolemäischen Schlüssel
von einem Grad für ein Jahr müsse demnach eine Korrektur angebracht werden, die sich in 72 Jahren
auf ein Grad hochsummiert hätte. Ein Grad steht bei ihm nicht für ein Jahr, sondern für ein Jahr
und fünf Tage. Das führt auf
0°59'11" für ein Jahr. Aber auch mit dieser Begründung entfernen
wir uns noch weiter von der Himmelsmechanik in einen rein symbolisch-spekulativen Bereich.
Einleuchtend wird es dagegen, wenn man die Proportion
1:365.2424
oder 1 Tag = 1 Jahr, die Kepler
als "unserem Schiff und deren Bewohnern natürlich eingepflanzt" erachtet, ein zweites Mal anwendet.
Man kommt dann auf den
365.2424
-ten Teil eines Jahres oder
3m56.55s. Rechnet man
dies in Äquatorgrade um, so ist nicht ein Grad, sondern
0°59'18" der
mit einem Lebensjahr gleichzusetzende Bogen, ein Schlüssel, den ich den Proportionalschlüssel
nennen möchte. Das Grad ist nur als ein praktischer Näherungswert
dieses Bogens anzusehen. Der Wert ist praktisch brauchbar, denn erst nach rund 85 Jahren hat sich
der Fehler auf
1° ( = 1 Jahr) hochgeschaukelt. Eine Unschärfe von einem halben
bis ganzen Jahr hat man bei den Direktionen jedoch sowieso in Kauf zu nehmen. Die eigentliche
zeitlich genaue Fixierung eines Ereignisses kann innerhalb dieses Umkreises nur durch Hinzunahme
von Ingressen, Solarhoroskopen, Transiten und wiederkehrenden Konstellationen erfolgen.
Wenn wir in der Uhrenanalogie bleiben, so hat die Schicksalsuhr nicht nur zwei, sondern
drei Zeiger, deren Geschwindigkeiten beide in der Relation 1:365.2424 zueinander stehen.
Der erste Zeiger ist der wichtigste, da er die grösste Nähe zur Geburt aufweist und damit
die direkten Entfaltungen der Horoskopkonstellationen angibt. Der zweite Zeiger, in der Zeitproportion
1:365.24224
zum ersten, basiert auf dem Lauf der Planeten, und der dritte Zeiger,
auch in Proportion
1:365.2424
zum zweiten, ist die Lebenszeit des Geborenen.
Theoretisch wäre es möglich, auch noch einen vierten Zeiger herzuleiten, mit dem Zeitschlüssel
0.6477s
gleich ein Jahr, aber mit diesen Zeitdimensionen verlässt man wohl den für die Astrologie
relevanten Bereich. In diesen Zeitbereich muss man vielmehr das Geburtshoroskop selbst setzen,
das himmlische Abbild des Geburtsmomentes, das als dichteste Prägung den Menschen das ganze Leben
hindurch begleitet.
0°59'18") ist wählbar, so dass Sie ihn selbst prüfen können.
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