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Appenzell Ausserrhoden verliert physisch seine Zeitungsredaktion. Die Schreibtische werden nach St. Gallen gezügelt. In Herisau bleibt ein kleines Büro mit zwei Arbeitsplätzen für Spontaneinsätze.
Geschichte der Appenzeller Zeitung
1825 ermöglichte Landammann Johann Konrad Oertli (1816–1861) die Pressefreiheit in Appenzell Ausserrhoden.
1828 publizierte der Arzt Johannes Meyer die erste Wochenzeitung und gründete die «Appenzeller Zeitung».
Die Appenzeller Zeitung bezog zu kantonalen politischen und landeskundlichen Themen Stellung. Sie wurde angesichts der in fast allen Kantonen ausgeübten Pressezensur bald zum Sprachrohr der radikalen Liberalen aus der ganzen Schweiz.
Ab 1852 beschränkte sich die Berichterstattung vermehrt auf die Region Appenzeller Hinterland und Toggenburg.
Es entstand eine Vielfalt an Zeitungen, welche 100 Jahre lang Bestand hatte.
1969 drängte das St. Galler Tagblatt in den Kanton Appenzell Ausserrhoden. Fortan gabe es zwei unabhängige, grosse Tageszeitungen im Kanton.
1998 schluckte das St. Galler Tagblatt die Appenzeller Zeitung. Es gab weiterhin mehrere Redaktionsbüros im Kanton.
Im Verlauf der Jahre schlossen immer mehr Redaktionsbüros. Herisau wurde zur Hauptredaktion für die Ausserrhoder Redaktion.
2020 wird das Redaktionsbüro im Kantonshauptort aufgehoben. Die Redaktion zügelt an den Hauptstandort St. Gallen.
Umzug oder Kündigung
«Wenn ich zwischen Personalabbau und Umzug entscheiden muss, dann wähle ich den Umzug», sagt der Leiter der Ausserrhoder Redaktion beim Tagblatt, David Scarano. Er misst dem Umzug nicht allzu grosse Bedeutung zu: «Wir zügeln ja nur 7 Kilometer weit weg».
Es macht einen Unterschied, ob man physisch einen Fuss in die Redaktion setzen kann oder nicht.
Heidi Eisenhut, Historikerin und Leiterin der Ausserrhoder Kantonsbibliothek, ist dezidiert anderer Meinung. Es gehe um die Wahrnehmung in der Bevölkerung. «Es macht einen Unterschied, ob man physisch einen Fuss in die Redaktion setzen kann oder nicht», sagt die Historikerin.
Uri und Appenzell Ausserrhoden betroffen
Dass ein Kanton keine eigene Berichterstatter mehr vor Ort hat, ist in der Zeitungslandschaft Schweiz bis jetzt aussergewöhnlich. Lediglich im Kanton Uri hat die Redaktion ihre Redaktionsräume im Kanton ebenfalls aufgegeben.
Einschätzung von Spörri Hanspeter
... zu seiner Zeit bei der «Appenzeller Zeitung»:
Verleger, Peter Schläpfer, hatte in den 90er Jahren bei der «Appenzeller Zeitung» eine klare Position – aber uns Journalisten wurden viele Freiheiten zugestanden. Es war eine gute Zeit.
... zur Schliessung des Büros in Herisau:
Es ist ein symbolischer Schlusspunkt für die Präsenz im Kanton. Aber Symbole sind auch wichtig.
... zum heutigen Journalismus:
Ich vermute, dass sich die Journalisten der Ausserrhoder Redaktion in nächster Zeit sehr anstrengen werden um vor Ort zu sein. Das ist eigentlich auch richtig so: Journalisten müssten draussen sein bei den Menschen um diese und ihre Geschichten zu erfahren.
... zur Wirtschaftlichkeit von Zeitungen:
Ich habe gemerkt, dass Quersubventionierung heute als Schimpfwort bezeichnet wird. Früher schon haben Verleger ihre Zeitungen mit Quersubventionierung am Leben gehalten. Rentieren tun und taten Lokalzeitungen nie. Die ökonomische Basis der Tagespresse ist kleiner geworden. Fusionen haben begonnen.
... zur «Krise» des Lokaljournalismus:
Appenzell Ausserrhoden hat eigene Gesetze, aber der Lokaljournalismus ist durch nichts zu ersetzen. Ob Gemeindeblätter in die Bresche springen und kritisch genug berichten werden, wird sich zeigen.
… zur Medienlandschaft in der Schweiz:
Es ist eine Zeit des Umbruchs. Wie vor 150 Jahren. Die Gefahr ist, dass sich die Menschen nicht mehr lokal informieren. Welche Rolle die elektronischen Medien übernehmen ist offen. Die künftige Medienlandschaft Schweiz ist am Entstehen.