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Das
Geschoß
[* 8] dieser Ballisten waren eisenbeschlagene
Pfeile, die auf einer durch eine Richtschraube vertikal beweglichen Rinne
ruhten und so einen sehr verschiedenen Elevationswinkel erhalten konnten. Die Ballisten waren natürlich von verschiedener
Größe; kleinere konnten von einem einzelnen
Soldaten bedient werden und wurden deshalb nach Art der spätern
Wallbüchsen
oft im offenen
Feld verwandt.
Größere verlangten zur
Spannung ihrer
Sehnen eine zahlreichere
Mannschaft und die Zuhilfenahme
von
Maschinen.
Über die
Wirkung eines solchen
Geschützes wird berichtet, daß es bis über dieDonau reichte; leider
ist jedoch nicht gesagt, an welcher
Stelle.
Marquardt hat auch diese Art der Ballisten als ein Torsionsgeschütz auffassen
wollen, doch streiten damit die
Berichte der Alten (s.
Köchly und
Rüstow,
Griechische Kriegsschriftsteller, Bd. 1, S. 408 ff.)
wie auch der Umstand, daß in einigen Gegenden
Bayerns bis heute sich der
Name Ballester für
Armbrust erhalten
hat.
[* 1] (lat. ballista, vom grch. bállein, d.h. werfen),
Bezeichnung von Wurfgeschützen, die zum Werfen von Steinen oder steinernen Kugeln bestimmt waren. Bis ungefähr 200 v. Chr.
waren die Balliste (von den Griechen Palintonen oder Lithobolen genannt) aus starken Holzgerüsten gebildet,
bei denen zur Führung des zu schleudernden Geschosses, ähnlich wie bei der Armbrust, eine Rinne angebracht war, die oft unter
einem Winkel bis zu 45° stand. Als bewegende Kraft für das Geschoß dienten Zwei voneinander unabhängige Arme, die in senkrecht
angebrachten, aus starken, zusammengedrehten Sehnen gebildeten Cylindern steckten, und deren freie Enden
durch eine starke Sehne verbunden waren. Spannte man letztere, unmittelbar auf das Geschoß wirkende Sehne an, bog man also
die Arme zurück, so drehten diese die senkrechten Sehnencylinder
¶
mehr
zusammen, so daß, wenn man zum Fortschleudern des Geschosses die Verbindungssehne losließ, deren natürliche Schnellkraft
sich mit der Gewalt der beim Vorschnellender Arme sich zurückdrehenden senkrechten Sehnencylinder vereinigte.
Eine den Römern eigentümliche Art von Balliste war der Onager (s. nachstehende
[* 9]
Figur).
Er hatte nur einen Arm, der mit dem einen Ende zwischen starken, zusammengedrehten, horizontal im Gerüst
liegenden Sehnen steckte, während das andere freie Ende in Form eines kolossalen Löffels, zur Aufnahme desGeschosses, gestaltet
war. Zum Laden des Geschützes zog man das freie Ende des in einer vertikalen Ebene sich bewegenden Arms mittels eines Windewerks
nieder, hielt den Arm mit einem Haken fest und belastete den Löffel. Der horizontale Sehnenstrang war
durch das Niederziehen des Arms gespannt, also zur Kraftentwicklung bereit. Wollte man schleudern, so schlug man den Haken
heraus; der Arm wurde nun von der sich aufdrehenden Sehne in die Höhe gerissen und schleuderte dabei den Inhalt des
Löffels im hohen Bogen
[* 10] fort.
Die Balliste wurden den Römern durch die Griechen bekannt. Sie bedienten sich ihrer bereits in den PunischenKriegen, und diese Maschinen
bildeten wahrscheinlich bis in den Anfang des 3. Jahrh. n. Ehr.
die einzigen Wurfgeschütze der Römer. Von da ab ward der Önager als Wurfgeschütz und neben ihm ein
Bogengeschütz mit einem eisernen Bogen, welches nun den NamenBalliste erhielt, als Horizontalgeschütz im Sinne der Katapulten (s. d.)
verwendet. Erst in der spätesten Kaiserzeit kommen vierräderige auch Carroballisten genannt, als Horizontalgeschütze im
Feldkrieg vor. Die schwersten Balliste warfen Körper von 2 bis 6 Ctr. Gewicht auf Entfernungen
von etwa 1000 Schritt.
Vgl. Rüstow und Köchly, Geschichte des griech. Kriegswesens (Aarau
[* 11] 1852);
Jähns, Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens
(Berl. 1880);