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Obwohl die Samba-Schule aufgestellt war wie irgend ein anderer “karnevalistischer Block“, wurde die “Deixa Falar“ (lass mich sprechen) – gegründet 1928 (vom Komponisten Ismael Silva angegebenes Datum) – von ihren Gründern als Samba-Schule bezeichnet, weil sie von den cariocanischen Maestros des Samba kreiert worden ist.
“Endlich im Jahr 1927, zusammen mit Nascimento, Saturnino, Ismael Silva und vielen anderen, gründeten wir die Samba-Schule “Deixa eu Falar“, die erste Brasiliens. Die Bezeichnung Samba-Schule ist assoziiert mit einer normalen Schule, welche sich im Stadtteil Estácio befand, und die berühmten “Sambistas“ nannte man damals Maestros oder Professoren. Danach entstanden die Samba-Schulen der Portela, Mangueira und Unidos da Tijuca“, erzählte Heitor dos Prazeres in einem Interview mit Muniz Sodré von der Zeitschrift “Manchete“ im Jahr 1966.
Das Buch “Escolas de Samba do Rio de Janeiro”, geschrieben vom Journalisten Sérgio Cabral, in dem der oben angeführte Absatz enthalten ist, führt weiter aus, dass die Musiker jener Zeit mit der “Offizialisierung“ der Blocks – mit Amtssitz und Papieren – einen Weg gefunden hatten, ihren Karneval zu feiern, ohne von der Polizei belästigt zu werden, und sie konnten ihre Zirkel in aller Öffentlichkeit organisieren, zum Beispiel auf dem Platz “Praça Onze“ der Innenstadt.
Wie in dem Buch beschrieben, wurde der erste dokumentierte Samba der “Deixa Falar“ publiziert in der Zeitung “A Crítica“, Ausgabe vom 9. Februar 1929:
Lá no Estácio tem/Tem sim, meu bem/Uma mulata faceira/Trigueira e brejeira/Que não ama ninguém/A guapa melindrosa/Eu há tempos namorei/Porque vendo está mulata/Lá no Estácio de Sá/ Que encanta e me maltrata/Do Bloco Deixa Falar/Mas perdi toda a esperança/Porque a vi conversar/Com Francelino/Que é o bamba do lugar.
(Dort beim Estácio gibt es – jawohl mein Schatz – eine dunkle, aufgemotzte, arrogante Mulattin, die niemanden liebt. Vor langer Zeit war die Fesche, Zarte mal meine Geliebte – die mich bezauberte und schlecht behandelte im Block Deixa Falar. Hab’ alle Hoffnung verloren, weil ich sie sah, wie sie mit Francelino flirtete, dem Grosskotz der Truppe).
Ausser Ismael Silva e Heitor dos Prazeres, befand sich unter den Mitgliedern der “Schule” auch der Komponist Alcebíades Barcelos, bekannt unter dem Spitznamen “Bide“ und als Erfinder des “Surdo“ (grosse Trommel) beschrieben. Die “Deixa Falar“ war die erste karnevalistische Gruppe, die sich des rhythmischen Trommelschlags dieses grossen Instruments bei ihren Auftritten bediente – ausserdem schuf sie viele andere Details des Karnevals, wie wir ihn heute kennen.
Im Jahr 1932, nachdem auch viele andere Gruppen als “Samba-Schulen“ in der Öffentlichkeit erschienen waren und die Sportzeitung “Mundo Esportivo“ eine Parade nur für sie organisiert hatte, zog die Deixa Falar es vor, sich dem Status “Rancho“ anzuschliessen – und 1933 schloss sie ihre Tore wegen administrativer Probleme.
Trotz dieses wenig ruhmreichen Abgangs hat die Deixe Falar ungewöhnlich viel zum Carioca-Karneval und auch zur brasilianischen Volksmusik beigetragen. Der Titel “Escola de Samba“, den sie sich damals selbst verliehen hatte, wurde von den folgenden Karnevals-Blöcken übernommen – breitete sich aus in der Stadt und wurde zum Beginn einer neuen Ära des Karnevals. Die “Surdo-Trommel“ und die “Cuica“, eingeführt von der Deixa Falar, wurden als Samba-Instrumente unentbehrlich.
Die Deixa Falar gab dem Karnevals-Samba seine definitive Prägung und beeinflusste damit nicht nur die so genannten “Sambistas do Morro“ (Samba-Musiker der Favelas), sondern auch die professionellen Komponisten – sogar die berühmtesten unter ihnen. Ari Barroso, zum Beispiel, begann seine Karriere mit dem komponieren von Sambas – im Stil, wie sie Sinhô zu schreiben pflegte, der aus der Schule der Sambistas von Estácio stammte. Auch die ersten Sambas von Noel Rosa waren geprägt von der Musik der Leute von der Deixa Falar, deren treuestes Mitglied übrigens Ismael Silva gewesen ist.