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Port Arthur wimmelte von Schiffen für den Transport von Öl und aus dem Bundesstaat Texas und in Louisiana strömten Raffinieriearbeiter, darunter französischsprachige Akadier oder "Cajuns", aber auch Afroamerikaner und Latinos, in die von der Texas Company (später: Texaco) verwalteten Werften und den Hafen. War es dieses multikulturelle Klima, das aus Janis Lyn Joplin die wohl beste weiße Bluessängerin machte?
Holly George-Warren beschreibt in ihrer akribisch genau recherchierten Biographie "Janis Joplin. Nothing Left to Lose", wie aus einer jungen Folksängerin, dem "Wildfang", die wohl beste Interpretin schwarzer Musik wurde, die es ohne ihre Drogensucht und ihren viel zu frühen Tod ("Club 27") wohl noch bis an die Spitze hätte schaffen können. Die reich bebilderte und mit Originalzitaten aus Briefen von Janis an ihre Mutter angereicherte Biographie schildert ausführlich das Heranwachsen und die ersten Erfolge von Janis, die es aber erst durch ihren Umzug an die Westküste, San Francisco und L.A., zu etwas bringen konnte, zu eng und provinziell war damals das texanische Milieu, aus dem sie entstammte und immer schon ausbrechen wollte. Willie Mae "Big Mama" Thornton, Odetta Holmes, Bessie Smith, aber auch Lead Belly oder andere gehörten zu den Einflüssen der in Texas als "Beatnik-Schlampe" verschrienen Janis, die sich aber erst in Kalifornien das nahm, was ihr zustand ("Get it While You Can"). Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert...
Schon mit 22 Jahren hatte Janis eine Metamphetamin-Sucht auf dem Buckel, der sie nur durch eine vorläufige Rückkehr nach Texas entkommen konnte. Damals hieß es noch nicht Crystal Meth und wurde sogar in die Venen injiziert. Ihre Liaison mit Heroin zwei Jahre später sollte allerdings zu einer lebenslangen Ehe werden, "bis dass der Tod uns scheidet". Tragisch, dass Janis fünf Monate lang vor ihrer Überdosis clean war und ihr Rückfall gerade dann kam, als sie künstlerisch in ihrem Zenit stand. Endlich hatte sie sich von "Big Brother & The Holding Company" (das Blei an ihrem Fuß) getrennt und war mit einer professionellen Begleitband ("The Full Tilt Boogie Band") unterwegs. Im Januar 1971 – drei Monate nach ihrem Tod – kam ihr drittes offizielles Album "Pearl" in die Charts und die drei Singleauskoppelungen erreichten Toppositionen in den Hot 100. "Bobby McGee" - ihr schlechtestes aber bekanntestes Lied - hielt sich zwei Wochen lang auf Platz eins. "Pearl" wurde auf Anhieb 8 Millionen mal verkauft. Laut einem ungeprüften Zitat von Ray Charles würde ein Sänger erst mit 50 sein volles Stimmpotential entfalten können. Janis Joplin war mit 27 Jahren schon der unangefochtene Star.