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| Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)

Erster Brief
18.
Oder es sollen sich diese Leute, die über alles so leichtfertig reden, dazu entschließen, die Frage zu beantworten, wie und aus welchem Stoff der Himmel gebildet wurde, wie er zusammengesetzt ist, oder wie die Sonne und alle Sterne entstanden? Was soll es indes Staunenswertes sein, durch den Hinweis auf die Dinge am Himmel1 ihren Unverstand darzutun, da man nicht einmal weiß, wie die Natur der irdischen Dinge, z. B. des Holzes, beschaffen sei, welches die Bestandteile des Wassers seien, und wie die Lebewesen gebildet und zusammengesetzt seien. Doch, das können sie nicht erklären, da selbst Salomon, der mehr Weisheit als alle besaß, einsah, es sei den Menschen unmöglich, das zu ergründen, weshalb er bemerkte: „Und die ganze Welt [S. 428] sogar legte er in ihr Herz, so daß der Mensch das Werk nicht ergründe, das Gott geschaffen hat, vom Anfang bis zum Ende"2. Behaupten sie aber etwa, daß diese Dinge, weil sie dieselben nicht ergründen können, auch nicht existieren? In der Tat, sie werden es behaupten, weil ihr Verstand zerrüttet ist. Daher kann man ihnen mit Recht sagen: O ihr Toren, die sich zu allem erdreisten, warum hört ihr nicht lieber auf, über die heilige Trinität vorwitzig zu grübeln, und glaubt wenigstens, daß sie existiert? Dafür habt ihr als Lehrer den Apostel, der spricht: „Man muß zuerst Gott glauben, daß er ist, und daß er denen, die ihn suchen, Vergelter sein werde"3. Denn er hat nicht gesagt, „wie er ist", sondern „daß er ist". Wenn sie sich aber nicht beschämt damit bescheiden, so sollen sie sagen, wie der Vater beschaffen sei, damit sie auf diesem Wege auch erkennen, wie der Logos desselben beschaffen sei. Allein sie werden sagen, es sei töricht, über den Vater eine solche Frage zu stellen. Dann müssen sie sich aber sagen lassen, daß es auch töricht ist, über seinen Logos in dieser Weise zu fragen.
1: ἐκ τῶν ὑπερκειμένων
2: Pred. 3,11.
3: Hebr. 11,6.