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Der Sulzer-Konzern hat sich von einem weiteren ehemaligen Kernbereich getrennt. Die Division Sulzer-Textil ist für 200 Mio. Franken an die italienische Promatech verkauft worden. Die 1'850 Arbeitsverträge werden weitergeführt. Sulzer-Textil war einst das Flaggschiff des Unternehmens.Dieser Inhalt wurde am 27. Juli 2001 - 15:59 publiziert
Sulzer-Textil wird nach eigenen Angaben ihre Geschäfte als unabhängiges Unternehmen weiterführen, allerdings unter einem andern Firmennamen, teilte Sulzer am Freitagmorgen (27.07.) weiter mit. Die Marke "Sulzer Textil" dürfe dabei aber weiter benutzt werden. Die Transaktion muss von den Wettbewerbs-Behörden noch genehmigt werden.
"Damit geht eines der stolzesten Kapiteln der schweizerischen Maschinenindustrie in aller Stille zu Ende", schreibt die Weltwoche. Dabei sei die Abteilung "Webmaschinen" bis 1982 die Rendite-Perle des Winterthurer-Unternehmens gewesen. Das hochrentable Ersatzteilgeschäft "Projektilmaschine" sei stets eine Cashcow im Hause Sulzer gewesen.
"Doch dann stürzten namhafte Manager den Weltmarkt-Leader in eine endlose Krise" präzisiert die Weltwoche. "Sie bildeten sich lange ein, der Konkurrenz überlegen zu sein, investierten zum falschen Zeitpunkt in überdimensionierte Produktions-Anlagen und konstruierten scheinbar geniale Maschinen, die aber keinen Erfolg hatten, weil sie zu teuer waren."
Devestitions-Programm bald abgeschlossen
Sulzer-Konzernchef Fred Kindle wird im Communiqué mit den Worten zitiert, dass für Sulzer diese Devestition ein wichtiger Schritt in Richtung Abschluss des Devestitions-Programms sei. Dieses werde für Sulzer Nettoeinkünfte von 400 Mio. Franken generieren.
Die Turbo-Kompressoren-Firma Sulzer Turbo und die in der Gebäude-Technik tätige Sulzer Infra sind bereits verkauft worden. Im Dezember 2000 hat der Konzern seine Turbo-Sparte an die deutsche MAN-Tochter MAN GHH Borsig veräussert. Über den Preis war Stillschweigen vereinbart worden.
Die grösste Industriesparte Sulzer Infra wurde für 420 Mio. Franken an die belgische Fabricom verkauft. Damit verbleibt noch Sulzer Burckhardt beim Konzern. Burckhardt stellt Kolben-Kompressoren her. Eine Ausgliederung ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Die 74- Prozent-Beteiligung von Sulzer am Medzinaltech-Unternehmen Sulzer Medica wurde am 10. Juli an die Aktionäre abgegeben.
Der Sulzer-Konzern will sich nach eigenen Angaben künftig auf die vier Kernbereiche Pumpen, Oberflächen-Technologie, Turbomaschinen für Kraftwerke sowie Reaktions-Technologien für die chemische Industrie sowie den Öl- und Gas-Sektor konzentrieren.
Marktführerschaft erreicht
Laut Miro Radici, Präsident der Itema-Gruppe, zu der die Promatech gehört, hat der Konzern mit der Aquisition von Sulzer Textil die Marktführerschaft im weltweiten Textil-Webmaschinen-Geschäft erreicht.
Promatech übernimmt die rund 1'850 Mitarbeiter von Sulzer Textil, von denen 1'400 in der Schweiz, 300 in Italien und 150 im weltweiten Verkaufs- und Servicenetz beschäftigt sind. Die Itema-Gruppe ist in mehr als 90 Ländern vertreten.
Der Bereich Textil von Sulzer erzielte 2000 einen Umsatz von 440 Mio. Euro (665 Mio. Fr.). Promatech setzte im vergangenen Jahr mit 750 Angestellten 300 Mio. Euro um.
VSAM: Forderung der Sozialpartner grösstenteils erfüllt
Für die Gewerkschaft VSAM sind bei der Transaktion die Forderungen der Sozialpartner «grösstenteils» erfüllt worden. So bestehe ein Jahr nach Genehmigung des Kauf-Vertrages durch die Wettbewerbs-Behörde eine Garantie für 85 Prozent der Belegschaft.
Im weiteren verbleiben die Mitarbeitenden des Bereichs Sulzer Textil in der Sulzer-Pensionskasse. Ebenso soll der Gesamtarbeits-Vertrag der Maschinen-Industrie bis zum Ende seiner Gültigkeitsdauer Mitte 2003 angewandt werden.
Die Arbeitnehmer-Organisationen werden den Verbleib der umgetauften Firma im Arbeitgeber-Verband swissmem fordern, heisst es weiter in einem Communiqué. Die Angestellten Schweiz VSAM werden zusammen mit der Arbeitnehmer-Vertretung von Sulzer die weitere Entwicklung der Übernahme «sehr aufmerksam verfolgen».
SMUV fordert Bekenntnis zum Standort Schweiz
Die Gewerkschaft SMUV ihrerseits fordert Promatech «mit Nachdruck» auf, dem Arbeitgeber-Verband der Schweizerischen Maschinen-Industrie (ASM) beizutreten und sich damit auch in Zukunft dem Gesamtarbeits-Vertrag zu unterstellen.
Ferner erwartet der SMUV vom neuen Arbeitgeber ein öffentliches Bekenntnis zum Standort Schweiz und zur bisherigen Politik der Weiterbildung und der Lehrlings-Förderung. Sulzer Textil bildet gegenwärtig 133 Lehrlinge aus.
swissinfo und Agenturen
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