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Alfred Adler, Menschenkenntnis 1927
Eine überragende Bedeutung im Leben eines Menschen hat die Angst.
Ängstlichkeit ist eine ausserordentlich weitverbreitete Erscheinung, die den Menschen von den frühesten Kindheitstagen oft bis ins hohe Alter begleitet und ihm in einem unerhörten Maß das Leben verbittert. Das Kind wächst auf, als wenn es sich in Feindesland befände. Ihm wird das Leben nicht in günstigem Licht erscheinen, weil es immer wieder und von überall her schlimme Eindrücke erwartet. Schliesslich nistet sich die Angst in alle Beziehungen des täglichen Lebens ein. Wir betrachten das, was wir an ihm sehen, als die Abdrücke seiner ersten Kindheitserlebnisse.
Aufgehoben kann die Menschenangst nur durch das Band werden, welches den Einzelnen mit der Gemeinschaft verknüpft.
Nur der wird ohne Angst durchs Leben gehen können, der sich seiner Zugehörigkeit zu den anderen bewusst ist.
Friedrich Liebling lehrte in Zürich von 1952 bis Februar 1982. Seine Seminare besuchten schließlich mehrere tausend Menschen aus dem In- und Ausland; die Adressenkartei soll bis zu 3'000 Personen umfasst haben. Um die Lehre großflächiger zu verbreiten erschien ab 1964 die Zeitschrift „Psychologische Menschenkenntnis“. Ihr war regelmäßig folgender Text vorangestellt, der in aller Kürze wesentliche Grundlagen der Arbeitsweise der Zürcher Schule allgemeinverständlich zusammenfasste. Friedrich Liebling starb im Februar 1982. Die Zeitschrift wurde von einigen seiner Schüler bis zum Ende der 1980-er Jahre weiter herausgegeben. Ab Januar 1986 wurde der genannte einleitende Text in den Heften nicht mehr abgedruckt.
Friedrich Liebling ist ein Experiment auf dem Gebiete der Psychologie gelungen, das erstmals auf naturwissenschaftlichem Boden steht. In seiner induktiv-deduktiven Arbeitsweise ging er weit über die Anfänge (Freud, Adler, Jung u.a.) hinaus. Zur Frage über den grossen Erfolg der ‘Zürcher Schule’ sagte einer seiner engen Mitarbeiter einmal (Auszug aus einem Votum an einem Seminar):
«Der Mensch, der zu uns kommt, der Mensch, der Schwierigkeiten hat in seinem Leben, mit seiner Frau, mit seinem Mann, seinem Kind, seinem Nachbarn, seinem Chef oder seinem Untergebenen, der Mensch, der beim Lernen Probleme hat, oder sonst in seinem Leben nicht zurecht kommt, der ist bei uns kein Fall, kein Patient und kein Klient. Er ist auch nicht krank. Nein, er ist in seiner Kindheit falsch informiert worden.
Und was wir machen? Wir informieren ihn richtig. Das heisst, wir erklären ihm die Grundlagen der modernen Psychologie. Er erforscht seine Lebensgeschichte, erkennt, wie er geworden ist, welche Meinungen er über das Leben, den Mitmenschen und sich hat. Indem wir ihm die Natur des Menschen erklären, beginnt er selbst zu experimentieren.»
Um unsere Leser mit dem wissenschaftlichen Niveau der Arbeit der Zürcher Schule vertraut zu machen veröffentlichen wir hier die ursprüngliche Einleitung der psychologisch herausragenden Publikation und stellen in Zukunft weitere Texte daraus an dieser Stelle zur Verfügung!
Das nachstehende Vorwort, das jedem Heft vorangestellt war, ist heute aktueller denn je:
"Im unaufhaltsamen Siegeszug der Naturwissenschaften hat sich der Mensch immer wirksamere Werkzeuge geschaffen, mit denen er sich sein Leben zu erleichtern und besser zu gestalten vermag. Aber der heute noch überall vorwiegende Mangel an sachlich fundierter Menschenkenntnis stellt den gewaltigen Fortschritt immer wieder in Frage. Neben bewundernswerter technischer Perfektion finden wir das Zusammenleben der Menschen nach wie vor beherrscht vom Dunkel mystifizierender Spekulation und von sozialem Schwachsinn. Trotz aller oberflächlichen Publizität, welche heute auch der Psychologie zukommt, hat die moderne psychologische Aufklärung die allermeisten Menschen noch nicht erreicht.
Grundlagen zur Arbeitsweise der Zürcher Schule für Psychotherapie
Friedrich Liebling, Zürich
Die traditionellen Theorien der Menschenkenntnis stimmen im wesentlichen darin überein, daß sie den Menschen von außen her, gleichsam schematisch, zu beurteilen versuchen: Ein mehr oder minder genaues Einteilungsprinzip wird an den Menschen herangetragen, mit der Hoffnung, die Fremdpersönlichkeit innerhalb einer Kategorie einfangen zu können. Aus dem Teil wird ziemlich phantasiereich auf das Ganze geschlossen; bevorzugte Reaktionsweisen, Äußerlichkeiten wie Gestalt oder Gesichtsform, Ergebnis eines Tests usw. - aus all dem soll ein Einblick in die Seele des Mitmenschen gewonnen werden, und man gibt sich der Illusion hin, daß ein statistisch unterbautes Schema ermöglichen könnte, mit meßbaren Größen zu arbeiten.
Der Einfluss der verwöhnenden und verzärtelnden Erziehung auf die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit
Eine Untersuchung zur Individualpsychologie
Von Barbara Oehler – Dissertation bei Prof. Dr. Detlev v. Uslar, 1977
Unter Verwöhnung ist ein Erziehungsstil zu verstehen, eine umfassende Einstellung, eine Haltung der Eltern, besonders der Mutter, die sich ständig auf das Kind auswirken. Verwöhnung und Verzärtelung können in diesem Sinne zu einem Erziehungsklima werden, das man vergleichen könnte mit der tropischen Temperatur eines Treibhauses.
Was Hänschen nicht lernt…
Von Fiorenza Piraccini*
Wenn es um Erziehung geht, schleppen wir jahrhundertealte, historisch verankerte und kulturell angewandte Vorstellungen mit uns herum. Die Autorin setzt sich mit diesen Überlieferungen auseinander, indem sie sie seziert. Und sie formuliert einen adlerianischen Gegenentwurf, der es ermöglicht, mit diesen Traditionen zu brechen.
Geschätzte Seniora-Leserin, geschätzter Seniora-Leser,
sorgenvoll nehmen wir eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft zur Kenntnis. Viele Menschen haben aufgrund der Berichterstattung über das Corona -Virus Angst um ihre Gesundheit ; andere fürchten aufgrund der damit verbundenen Maßnahmen um ihre Existenz und wieder andere sorgen sich um die Demokratie, weil viele Grundrechte im Zusammenhang mit den Maßnahmen gegen Gesundheitsgefahren eingeschränkt werden. Mit propagandistischen Methoden ist es im Laufe des vergangenen Jahres Politik und offiziellen Medien gelungen, Menschen mit verschiedenen Sichtweisen zum Thema Corona gegeneinander aufzuhetzen, u.a. indem gewisse Ängste als gut, berechtigt, vernünftig verantwortungsvoll hingestellt werden, andere dagegen als schlecht, unberechtigt, unvernünftig und verantwortungslos.
Wir hingegen möchten in Erinnerung rufen, dass es seit langem die durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegte Erkenntnis gibt, dass die soziale Natur des Menschen die Grundlage seines Menschseins ausmacht. Fortschritt ist in der Menschheitsgeschichte immer nur durch Zusammenarbeit entstanden. Spaltung und Feindschaft zwischen den Menschen haben gleichwohl immer zu Niedergang, Krieg und Chaos geführt!
Deshalb möchten wir Ihnen ans Herz legen, sich der Propaganda in den Weg zu stellen und sich auf unsere Grundlage, die soziale Natur, zu besinnen. Nur wenn wir uns gegenseitig in unseren jeweiligen Ängsten, Gedanken und Visionen ernst nehmen und respektieren (was heißt: ohne Bewertung anerkennen), wird es uns gelingen, miteinander im Gespräch zu bleiben und ohne die Bevormundung durch Eliten Lösungen für die anstehenden regionalen und globalen Probleme zu entwickeln.
Um diesen Gedanken zu verstärken empfehlen wir Ihnen erneut die Lektüre des nachfolgenden Textes, der uns die zukunftsweisenden Gedanken des grossen Psychiaters und Klinikdirektors Harry Stack Sullivan wie folgt näher bringt:
“Wie alle großen Pioniere der Tiefenpsychologie hat auch Sullivan die kulturelle Tragweite seiner Befunde hervorgehoben. Er machte bedeutsame Ansätze zu einer »Psychiatrie der Völker» und zeigte darin auf, wie die Menschheit in ihren Kindheitstagen unter dem Eindruck der unbewältigten Daseinsangst jene Verschrobenheiten ihres Gesichtsfeldes erwarb, welche innerhalb der wachsenden Kultur als nationalistische und rassische Verblendung, religiöse und soziale Unduldsamkeit, mangelhaftes gemeinschaftliches Verantwortungsgefühl in Wirtschaft und Politik, sinnloser Machtwahn usw. auftreten: Auch er hatte, wie vor ihm Sigmund Freud und Alfred Adler, die tiefe Überzeugung, dass die Tiefenpsychologie dazu berufen ist, einer kommenden Menschheit die sinnvolle Realitätsanpassung zu lehren und ihr neue und bessere Formen des Gemeinschaftslebens zu weisen.”
In diesem Sinne widmen wir diesen beeindruckenden tiefenpsychologischen Grundlagentext unseren Lesern, verbunden mit unseren besten Wünschen.
Margot und Willy Wahl - Februar 2021
Das Werk von H. S. Sullivan und die interpersonelle Psychiatrie
Dr. Georg Frank, Berlin
(Aus der psychologischen Monatszeitschrift “Psychologische Menschenkenntnis” 1965, S. 390 - 397)
Wenn man die Frage aufwirft, in welchem Lande der Welt heute die psychiatrische Forschung die größten Fortschritte zu verzeichnen hat, so denkt man in erster Linie an die Vereinigten Staaten von Amerika: Von dort her kommen heute die wichtigsten und entscheidendsten Forschungsergebnisse, und es kann kein Zweifel mehr daran bestehen, daß die eigentliche Pionierarbeit der Psychiatrie gegenwärtig in den USA geleistet wird.
von Friedrich Liebling
Josef Rattner: Grosse Pädagogen. Geleitwort von Friedrich Liebling (Zürich 1956). München: Ernst Reinhardt
Friedrich Liebling, einer der grossen Psychologen und Pädagogen des 20. Jahrhunderts, legt dieses Buch mit folgendem Schlusswort in unser aller Hände:
« Der große Vorzug dieses Buches besteht darin, daß es in konzentrierter Form die Gedankenwelt der hervorragendsten pädagogischen Schriftsteller zur Darstellung bringt: Ein lobens- und dankenswertes Unternehmen, das vor allem diejenigen zu schätzen wissen werden, denen es nicht möglich ist, die umfangreichen Werke dieser Autoren selbst zu lesen; viele aber werden durch die vorliegenden Essays zu einem vertieften Studium der Klassiker der Pädagogik angeregt werden. Das Buch gehört in die Hände aller, die an den Problemen der Erziehung Anteil nehmen»
Eröffnungsvortrag zum 6. ADHS-Symposium im Kinderzentrum Schwerin am 18.Oktober 2008
von Matthias Wenke
1. Zwei Perspektiven: Unruhige Kinder oder beunruhigte Kinder
Guten Morgen.
Ich möchte in meinen heutigen Beitrag nicht die populären Aussagen über das Phänomen "ADHS" vervielfältigen, sondern bewusst einen anderen Horizont öffnen. Lassen Sie mich dazu mit einer kurzen Geschichte beginnen, die zeigt, wie unsere Vorannahmen Konzepte und Begriffe, die wir für wahr halten bestimmen, was und wie wir wahrnehmen:
«Eine gut funktionierende und angeleitete Klassengemeinschaft ist von immenser Bedeutung»
von Dr. phil. Alfred Burger, Schulleiter
An unserer Schule werden immer wieder sehr interessante Kinder angemeldet, die trotz hoher Intelligenz in der Schule Schiffbruch erlitten haben. Zumeist bringen sie ein dickes Dossier von Abklärungen und Diagnosen mit, die aber nicht weitergeholfen haben.
Beispiele aus der Praxis eines Kinderarztes
von Dr. Andreas Bau, Kinderarzt
Um allen Missverständnissen vorzubeugen, muss man deutlich unterscheiden zwischen den Bedürfnissen eines Kindes, die unbedingt erfüllt werden sollten, und solchen, die keiner oder erst nach reiflicher Überlegung einer Erfüllung bedürfen. Die Frage sollte immer unter dem Gesichtspunkt beleuchtet werden, was der gesunden seelischen Entwicklung eines Kindes förderlich ist.
- Die Kosten für das Einzelgespräch (60 Minuten) betragen pro Person und Paare: Fr. 150.00/wohnhaft in EU Euro 120.00
- Die Kosten für das Gruppengespräch (ab 3 Teilnehmern) betragen pro Person: Fr. 50.00
- Für Studenten und Menschen mit engem Budget findet sich immer eine Lösung. Am Geld darf es nicht scheitern!
- Das Erstgespräch ist unentgeltlich
- Barzahlung oder Twint
- Keine Krankenkasse
Fragt mich jemand, «Wo kommen Sie her»?, sage ich jeweils nach kurzer Denkpause: «Wenn Sie etwas Zeit haben, erzähle ich es Ihnen gerne»
Also, wo komme ich her?
1930 in Münster/Westfalen geboren. Meine Eltern waren 1925 aus Amerika nach Deutschland zurückgekommen, weil mein Vater am Rundfunk – der neuen Technik – eine Stelle als Sprecher angenommen hatte.
1933 übersiedelte die Familie – Vater, Mutter, Grossmutter und Bruder – nach Köln, wo ich meine Kinder- und ersten Schuljahre verbrachte, auf der Strasse Kölsch sprach. Zuhause wurde auf gutes Hochdeutsch Wert gelegt, Mutter und Grossmutter sprachen miteinander Englisch. Kein Wunder, dass ich bald als «sprachbegabt» galt.
1939 wurden mein Vater und mein fünf Jahre älterer Bruder zum Militärdienst eingezogen.
1940 begannen in Köln die ersten Bombardierungen deutscher Städte. Das Leben nachts im Luftschutzkeller wurde besonders für Kinder unerträglich. So kam ich mit der «Kinderlandverschickung» nach Sachsen auf einen Bauernhof. Meine Mutter hatte sich als Betreuerin gemeldet. So sorgte sie dafür, dass ihr Sohn gut untergebracht wurde.
Auf dem Hof gab es Kühe, Zuchtbullen, Pferde, Schweine, Hühner und Tauben. Mir gefiel das Landleben. Ich besuchte das Gymnasium, arbeitete mit im Stall und auf dem Feld, lernte melken, richtig zupacken – und Sächsisch.
1943 holte mich meine Mutter nach München, wohin sie inzwischen zu ihrer Cousine umgezogen war. Ich besuchte das Gisela Gymnasium in Schwabing. Bald wurde auch München bombardiert und Schüler und Lehrer wurden nach Urfeld am Walchensee in die Hotels „Fischer“ und „Jäger am See“ umgesiedelt, wo auch der Unterricht stattfand. Ich lernte Skifahren, war stolz auf meine neuen Ski, die mein Vater aus Norwegen mitgebracht hatte. Hier lernte ich nun auch meine dritte «Fremdsprache»: Bayrisch.
1945, nach Ende des 2. Weltkrieges zurück in München, arbeitete ich eine Weile als Küchenbursche ("Dishwasher") im Hotel Vierjahreszeiten, das amerikanische Offiziere besetzt hatten.
Als nach längerem Unterbruch der Schulbetrieb wieder in Gang kam, fuhren meine Mutter und ich nach Köln, wo ich das Humanistische Gymnasium in Nippes bis zum «Einjährigen» (mittlere Reife) besuchte. Man fand, ich sei nicht «begabt» genug für das Abitur.
Ich wollte Schauspieler werden, wie mein Bruder Wolfgang. Aber der Familienrat befand, die Schauspielerei sei eine brotlose Kunst, als Koch habe man immer etwas zu essen. So machte ich eine Koch- und Kellner-Lehre und begann meine Hotel- und Gastronomie-Karriere, die mich 1953 in die Schweiz führte.
Rasch arbeitete ich mich hoch in führende Positionen in der Luxushotellerie (Palace St. Moritz, Baur au Lac, Zürich). Ich heiratete 1963, bekam zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn, nach sieben Jahren wurde die Ehe geschieden. Meine Ex-Frau wanderte mit den beiden Kindern aus nach Brasilien, was mir schwer zu schaffen machte.
Inzwischen hatte ich die Luxushotellerie verlassen und eröffnete zusammen mit Hazy Osterwald als Partner das «Hazyland» im Kongresshaus in Zürich. Das Geschäft florierte nicht wie gewünscht, so verkaufte ich Herrn Osterwald meine Gesellschaftsanteile und ging als Operationsmanager zu Mobil Oil, die in Europa eine Autobahnrestaurant-Kette aufbauen wollten. Die Chefs in USA hatten nicht mit der Komplexität Europas gerechnet, die Kette wuchs nicht so rasch wie geplant. So wurde die Mobil Oil Tochter «Eurorest» nach wenigen Jahren verkauft.
1970 ging ich als Gastronomieleiter zum Jelmoli-Konzern, wo ich verantwortlich war für die Gastrobereiche in Zürich, in der welschen Schweiz, in Österreich und in Frankreich.
Von 1977 bis 1992 arbeitete ich beim Migros-Genossenschafts-Bund als Direktionsmitglied und Koordinator der M-Gastronomie. Es war eine grosse und lehrreiche Herausforderung für mich, die «Imbissecken», wie man die Esslokale in der Migros damals nannte, in anspruchsvolle Restaurants mit einem zeitgemässem Ernährungs-Konzept umzugestalten**.
Meine Scheidung und der «Verlust» meiner beiden Kinder hatten zur Folge, dass ich begann, mich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens zu beschäftigen, eine Frage, die ich mir vorher nie gestellt hatte. Ich heiratete wieder und bekam 1973 eine Tochter. So wurden die Fragen der Kindererziehung für uns wichtig, die ich mit meiner neuen Partnerin intensiv besprechen konnte. Wir waren uns einig und gingen zur Erziehungsberatung der Stadt Zürich, zum damals bekannten Psychologen Herrn Hintermann im «Karl der Grosse». Es war die Zeit der 68er und viele Menschen waren auf der Sinnsuche. «Gibt es einen Aggressionstrieb»? Ist das Modell «Summerhill» das Richtige? Fragen über Fragen, aber keine befriedigenden Antworten.
So stiessen wir dank der Empfehlung von Werner Kieser, in dessen Kraftraum an der Grüngasse ich meine physische Fitness trimmte, auf die Psychologische Lehr- und Beratungsstelle (Zürcher Schule für Psychotherapie) des Psychologen Friedrich Liebling, eine Forscher- und Lehrerpersönlichkeit aus der Wiener Schule Alfred Adlers. Da wir an seiner Schule Antworten auf unsere Erziehungsfragen erhielten, die sich im täglichen Leben bewährten, besuchten meine Frau und ich regelmässig samstags den Erziehungskurs an der Stampfenbachstrasse.
Wir nahmen unter psychologischer Supervision Pflegekinder in unsere Familie auf, was mir ein zusätzliches Lernfeld eröffnete: Ich merkte, dass mein Charakter, der auf Leistung und Disziplin ausgerichtet war, was mir im Berufsleben zu Erfolg verholfen hatte, für die Kindererziehung nicht hilfreich war. Ich war zu streng. Friedrich Liebling vermittelte uns in seinen Seminarien, dass der Mensch WIRD und nicht IST, dass also der Charakter nicht vererbt, sondern in den frühen Kindertagen erworben wird und daher auch mit einer seriösen Psychoanalyse und -therapie veränderbar ist. Dies war für uns ein grosses Aha-Erlebnis, sodass wir begannen, Bücher zu studieren, die dieses Thema behandelten: Adler, Spitz, Portmann, Ainsworth, Bowlby, Benedict, Kropotkin, Rocker, Leakey, Sullivan, Fromm-Reichmann, um nur einige zu nennen. Wir wurden aktive Schüler und Teilnehmer in vielen therapeutischen Praxis- und Gruppengesprächen. Uns wurde klar, dass das in Fachkreisen vorhandene psychologische Wissen über die Sozialnatur des Menschen, das Wissen über das menschliche Seelenleben, für uns selber und unsere Familie von allergrösstem Wert war, aber auch an die Allgemeinheit weitergegeben werden muss, ein Anliegen, das sowohl Alfred Adler wie auch Friedrich Liebling zutiefst bewegte.
So besuchte ich berufsbegleitend den anspruchsvollen Lehrgang für Psychagogik und Psychotherapie, machte eine Charakteranalyse und war bis zum Tode von Friedrich Liebling einer seiner aufmerksamen Schüler*. Wir wurden zu einer gesuchten Pflegefamilie und haben bis heute noch zu einigen unserer Pflegekinder gute Beziehungen.
Weil privates Glück eng mit der Gestaltung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse verknüpft ist, widme ich mich zusammen mit meiner Frau Margot seit langem dem Aufbau des Internetportals Seniora.org, das wesentliche Informationen zu den Themen Erziehung, Ethik und Politik der Allgemeinheit zur Verfügung stellt.
Immer wieder wurden wir gefragt, ob wir nicht eine Praxis hätten, wo man die so wichtigen Fragen der erfolgreichen Kindererziehung und Lebensgestaltung mit uns besprechen könne.
Diese Möglichkeit stellen meine Frau und ich mit der «Beratungsstelle für Lebensfragen» zur Verfügung und freuen uns auf die Menschen, denen wir mit unserem reichen Schatz an Wissen und Lebenserfahrung zur Seite stehen können.
Seit vielen Jahren geben wir das Wissensportal seniora.org heraus mit den Themen Erziehung / Ethik / Politik
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*Mein Psychologiestudium an der Psychologischen Lehr- und Beratungsstelle PLB, Leitung Friedrich Liebling
Ich absolvierte von 1977 bis 1980 berufsbegleitend den Lehrgang für Psychagogik* und Psychotherapie (Charakter- und Lehranalyse) mit folgenden Fächern:
- Teilnahme an Einzelsitzungen, Kontrollanalyse
- Umgang mit Kindern
- Erziehungsberatung
Zusätzliche Fächer:
- Anthropologie
- Ethnologie
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*Die Qualifikation meiner Persönlichkeit in meinem Abgangszeugnis als Vizedirektor im Migros-Genossenschafts-Bund 1992 ist nicht zuletzt auch meiner psychologischen Schulung zu verdanken:
«Hohe Fachkentnisse, (...) analytisches Denken und eine starke charakterliche Persönlichkeit. (...) Sein Flair, die Bedürfnisse der Menschen, den Wandel in der Gesellschaft sowie das Machbare zu erkennen, ist stark ausgebildet. Sein Führungsstil ist partizipativ, feinfühlig, voller Respekt für die Mitarbeiter, konsequent, hartnäckig in der Erreichung der gesetzten Ziele (...) Seine Fähigkeit zu motivieren ist sehr ausgeprägt.»
Kürzlich hat ein deutscher Kinderpsychiater ein Buch geschrieben, das von der Überforderung des Menschen in unserer immer hektischer werdenden Zeit handelt. Er kommt auf Grund seiner Beobachtungen in seiner Praxis zu der Analyse: „Unsere Gesellschaft ist im Dauerstress. Millionen leiden unter bedrückenden Symptomen und fühlen sich erschöpft, ausgebrannt und leer. Mangelnde Lebensqualität und eine diffuse Angst bestimmen den Tag.“ (Michael Winterhoff in seinem Buch «Mythos Überforderung», Gütersloher Verlagshaus 2015). Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu. Besonders auffallend ist die grosse Zahl von psychologisch 'auffallenden' Kindern und Jugendlichen in Kindergärten und Schulen.
«Guter Rat» ist also gefragt – und wird gebraucht – zum Wohle des Einzelnen und der Gesellschaft.
Die von Willy Wahl und seiner Frau Margot gegründete Beratungsstelle hilft Menschen, die vor einer der vielfältigen Fragen des täglichen Lebens stehen, eine sinnvolle Antwort dafür zu finden. Dank unseres langjährigen umfassenden Tiefenpsychologie- und Pädagogikstudiums an der Zürcher Schule für Psychotherapie* und der Betreuung von Pflegekindern in unserer eigenen Familie sowie unserer grossen Lebenserfahrung (s. «Mein Werdegang») verfügen wir sowohl über theoretisches als auch praktisches Wissen und sind somit in der Lage, sowohl ratsuchenden Eltern wie auch Paaren und Personen im Berufsleben auf ihre Fragen kompetente Antworten geben zu können.
Meine Schwerpunktthemen sind:
- Tiefenpsychologische Kindererziehung/Elternbildung (Verwöhnung, Strenge, ADHS)
- Ehe/Partnerschaft/Beziehungsprobleme, Lebenskrise, Lebenssinn, Burnout, Depressive Verstimmung
- Coaching für Führungskräfte
- Tiefenpsychologie-Grundkurs nach Alfred Adler
Kooperation
Wir arbeiten mit erfahrenen Psychotherapeuten und Psychiatern zusammen und leiten Ratsuchende je nach Komplexität der Fragestellung gegebenenfalls an diese weiter. Das erste Abklärungsgespräch ist kostenlos.
Alfred Adler in seinem Hauptwerk 1927 (Zitat):
«Leider können wir aber nicht leugnen, dass die Eltern weder gute Psychologen, noch auch gute Pädagogen sind. Ferner muss man in Betracht ziehen, dass Erziehungsfehler überaus schwer ins Gewicht fallen können. Dass sowohl eine strenge, harte Erziehung imstande ist, die Lebensfreude und das Mitspielen der Kinder zu unterbinden, wie auch eine Erziehung, die dem Kind jede Kleinigkeit aus dem Weg räumt und es mit einer tropischen Wärme umgibt, die bewirken kann, dass es sich später dem rauhen Klima des Lebens, das ausserhalb der Familie herrscht, nicht gewachsen zeigt. Alle Erscheinungen dieser Art haben gemeinsam, dass das Kind mehr oder weniger isoliert wird».
* siehe "über mich"