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Schön locker bleiben: dank dem Tag ohne Erwartungen
Um ein friedliches Zusammenleben und ein mental gesunder Zustand zu fördern, habe ich die Idee, einen Tag lang ohne Erwartungen durch die Welt zu spazieren. Das heisst, bei mir zu Hause, im Umgang mit der Familie, ums Haus herum und bis zum nächsten Supermarkt. Das ist die Welt, in der ich mich heute bewege. Ja, es ist nicht gerade die Globetrotter-Reisefieber-Zeit, aber ist ja egal, heute dafür ein Abenteuer ohne jegliche Erwartung.
Schon früh am Morgen, noch schlaftrunken verwirrt und vor meinem ersten Kaffee, fragt mich meine Tocher: "Welcher Tag ist heute?"
Ich: "Dienstag."
Tochter: "Was ist morgen für ein Tag?"
Ich: "Mittwoch."
Tochter: "Und was ist übermorgen für ein Tag?"
Ich: "Donnerstag."
Tochter: "Und was ist überübermorgen für ein Tag?"
Ich: "Freitag."
Tochter: "Und was ist überüberübermorgen für ein Tag?"
Mein Hirn beginnt jetzt schon Purzelbäume zu schlagen, um die Antwort herauszufinden, und da ich keine Erwartungen habe, erwarte ich auch nicht, dass meine Tochter versteht, dass ich jetzt aufgrund Frühstücksvorbereitung keine Zeit habe. Ich erwarte auch nicht, dass sie nun beginnt, sich anzuziehen, um nachher pünktlich zur Schule zu kommen. Ich höre ihr einfach zu und denke mir ferner: was verliere ich, wenn ich mir nun diese Zeit nehme und was gewinnt mein Mädchen dabei? Ich verliere ein paar Minuten und muss nachher schneller Brötchen streichen, aber chill out, Mama. Meine Tochter gewinnt dagegen Zeit mit Mama und ein Stückchen Glück auf ihren Lebensweg.
Also bleibe ich ziemlich entspannt und beantworte seelenruhig die Fragen.
"Samstag", sage ich also.
Tochter: "Und was ist überüberüberübermorgen für ein Tag?"
Ich: "Sonntag."
Tochter: "Und was ist überüberüberüberüberüberübermorgen für ein Tag?" Ich: "Mittwoch." Jawohl, das stimmt, ich zähle die Anzahl ÜBER nämlich schon mit den Fingern mit!
Meine Tochter strahlt vor Freude und stellt die Frage nochmals mit neun ÜBER. "Freitag", sage ich. Darauf geht mein Schatzilein ins Zimmer und zieht sich an.
Den ganzen Morgen lang ist ab da harmonische Stimmung, meine Töchter geraten sich mal gar nicht so doll in die Haare. Nur ein klein wenig. Aber auch da habe ich keine Erwartungen. Ein blöder Spruch unter Geschwistern und ich erwarte gar nicht, dass sie freundlicher sein sollten. Sage drum auch nichts. Und siehe da, sie hören von selbst auf und meine Nerven bleiben schön verschont.
Den Tag ohne Erwartungen, ein herrlicher Tag, ziehe ich durch bis am Abend. Meine Schlussfolgerung: Es hat sich gelohnt, da es weniger unnötige Konflikte gab und viele Dinge automatisch gut gelaufen sind.
Der Tag ohne Erwartungen ist zu empfehlen, denn das ist ganz schön chill out, Mama. Mindestens zwei mal pro Woche solch einen Tag einzulegen öffnet das Tor zur Tiefenentspannung in normalerweise aufreibenden Situationen.
Wie es wohl wäre, jeden Tag ohne Erwartungen zu leben?