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In Kambodscha ist der Schulbesuch kostenlos, doch die schlecht bezahlten Lehrer erwarten von den Schülern einen Zustupf an ihren Lohn. Wenn ein Kind nicht jede Woche Geld mitbringt, wird es im Unterricht nicht berücksichtigt. Arme Familien können sich solche "Schulgelder" nicht leisten. So kommt es, dass viele Kinder nicht zur Schule gehen und sich stattdessen auf der Strasse herumtreiben.
Vor acht Jahren erhielt HOPE FOR ALL eine grössere Spende und konnte damit in einem Elendsviertel von Phnom Penh einen Kindergarten bauen. Das Gebäude bietet Raum für zwei geräumige Klassenzimmer, eine Küche und eine Dienstwohnung. 80 Kinder aus armen Familien lernen dort mit Begeisterung die Grundbegriffe des Lesens, Schreibens und Rechnens sowie soziales Verhalten, Zähneputzen und andere nützliche Dinge. Die Schüler bleiben den ganzen Tag in der Schule und werden grosszügig verpflegt.
Die Lehrer der Schule sind sehr motiviert und bei den Kindern beliebt, doch fehlt ihnen ein strukturiertes Stoffprogramm. Sie haben kaum Weiterbildungsmöglichkeiten und wenig Austausch mit Berufskollegen. Diese unbefriedigende Situation fand im vergangenen Jahr ein Ende, als wir die Leitung der Schule an das befreundete schweizerisch-kambodschanische Hilfswerk HAGAR übertragen konnten. HAGAR betreibt in Kambodscha bereits verschiedene Schulen und Waisenhäuser und kümmert sich jetzt fachgerecht auch um den HOPE FOR ALL Kindergarten.
Vor einem Jahr habe ich über den geplanten Schauprozess berichtet, in dem die ehemaligen Führer der Roten Khmer abgeurteilt werden sollen. Das Verfahren wurde inzwischen eröffnet, doch die Kambodschaner zeigen dafür weniger Interesse als Empörung über das kostspielige Theater, das jetzt auf internationales Verlangen inszeniert wird. „Das Gericht lässt die Scheusale ungeschoren, die meine Eltern, meine fünf Schwestern und zwei meiner Brüder umgebracht haben“ – schreibt ein erbitterter Kambodschaner an die Zeitung The Cambodia Daily und ist auch entrüstet, dass über 30 Jahre vergehen mussten, bis überhaupt ein Prozess zustande kam. Seit vielen Wochen beschäftigt sich das Gericht nur mit Verfahrensfragen und man schätzt, dass der eigentliche Prozess mindestens drei Jahre lang dauern wird.
Angeklagt sind nur fünf Männer aus der Führungsriege der Roten Khmer. Nach dem Ende ihres Regimes waren sie untergetaucht. Vor einigen Jahren wurden sie enttarnt, doch sie durften weiterhin zuhause wohnen, bis man sie im vergangenen Herbst in ein Untersuchungsgefängnis steckte, das für viel Geld nur für diesen Prozess gebaut worden ist. Die Angeklagten sind sich keiner Schuld bewusst. Einer von ihnen mit dem Spitznamen „Duch“ war oberster Chef des berüchtigten Gefängnisses Tuol Sleng in Phnom Penh. In diesem ehemaligen Schulgebäude wurden zwischen 1975 und 1979 ungefähr 20‘000 unschuldige Menschen gefangen gehalten. Duch liess sie wahllos foltern und anschliessend auf ein „Killing Field“ treiben und umbringen. Als Duch jetzt selber ins Gefängnis kam, verlangte er seine sofortige Entlassung und argumentierte, die Inhaftierung verstosse gegen die Menschenrechte.
Wie in vielen anderen tropischen Ländern ist auch in Kambodscha das Kauen der Betelnuss sehr beliebt. Dabei werden die zerkleinerten Nüsse der Betelpalme in Blätter des Betelpfeffers eingerollt, mit Kalk vermischt und stundenlang gekaut. Der Saft hat eine drogenähnliche stimulierende Wirkung und unterdrückt das Hungergefühl. Doch die rote Brühe greift das Zahnfleisch an und macht die Zähne kaputt. So kommt es, dass viele Kambodschaner schon in jungen Jahren bedenklich schlechte Zähne haben. Sie suchen den Zahnarzt erst auf, wenn sie an unerträglichen Zahnschmerzen leiden. Dann sind die Zähne meistens schon derart zerstört, dass nur noch eine Extraktion übrig bleibt.
Eine nachhaltige Verbesserung bringt nur eine gute Vorbeugung. Die Angestellten der HOPE FOR ALL Clinic verteilen Zahnbürsten und instruieren die Leute, wie man seine Zähne reinigt. Doch damit das Zähneputzen überhaupt nützt, müssen zuerst die dicken Zahnsteinbeläge entfernt werden. Diese Arbeit dauert pro Patient ungefähr eine Stunde und blockiert einen Zahnarztstuhl. Damit die Wartezeiten für andere Patienten nicht unerträglich lange werden, möchten die Zahnärzte der Clinic einen vierten Behandlungsplatz einrichten.
Es fanden sich grosszügige Gönner, die eine solche Anlage finanzieren, doch damit ist nur ein Teil des Problems gelöst. Der Betrieb der zusätzlichen Einrichtung wird den jährlichen Aufwand für Löhne und andere laufende Kosten um mehr als 10‘000 Franken erhöhen. Aus diesem Grund sind wir besonders dankbar für Spenden, die nicht einer bestimmten Anschaffung dienen müssen.
Als die Clinic vor 10 Jahren den Betrieb aufnahm, war aus einer Hütte gegenüber jeden Morgen ein fröhliches Singen und Kinderlachen zu hören. Eine ausländische Kirche betrieb dort einen Kindergarten. Ein Jahr später stand das Gebäude leer; die Kirche hatte ihre Aktivitäten aufgegeben. Wir durften die Hütte weiter benutzen, stellten die Lehrerin wieder an und schon am nächsten Tag kamen auch die Kinder zurück. Sie sangen fortan nicht nur Lieder, sondern lernten auch das Alphabet.
Doch als im vergangenen Sommer die Angestellten der Clinic eines Morgens zur Arbeit kamen, war kein Kindergarten mehr da. Der neue Eigentümer des Grundstücks hatte das Haus kurzerhand abreissen lassen. Wir sehen keine Möglichkeit für einen raschen Ersatz und erweitern stattdessen unser Schul-Sponsoring-Programm.
Wenn in Kambodscha das westliche Neujahr vorbei ist, feiert man im Februar den chinesischen und im April den kambodschanischen Jahresanfang. Das ganze Jahr durch folgen zahlreiche weitere Gedenktage und religiöse Feste, die einen oder mehrere Tage lang gefeiert werden. Seitdem vor drei Jahren der junge Prinz Sihamoni zum König gekrönt wurde, gibt es in Kambodscha vier Festtage mehr: Drei davon sind Sihamonis Geburtstag und ein vierter seiner Krönung gewidmet. Selbstverständlich feiert man weiterhin auch den Geburtstag des abgetretenen Königs Norodom Sihanouk. Jetzt gibt es in Kambodscha jährlich 27 Tage, an denen das öffentliche Leben ruht. Sie sind ein Ausgleich dafür, dass Ferien in Kambodscha fast unbekannt sind.
In Kambodscha gibt es viele alte Menschen, die nicht mehr arbeiten können und die zu wenig Geld haben, um ihren Hunger zu stillen. Nachdem in den letzten Monaten die Preise für die wichtigsten Nahrungsmittel in die Höhe geschnellt sind, ist die Not dieser Menschen noch grösser geworden.
HOPE FOR ALL unterstützte schon immer bedürftige alte Menschen mit Reis und hat in diesem Jahr das Budget für diese Hilfe erhöht.
Mit den Sprachkenntnissen der Kambodschaner ist es nicht weit her. Ein Zahnarzt unserer Clinic spricht fliessend Englisch, drei weitere Angestellte verstehen einige Brocken und die übrigen kaum ein Wort einer Fremdsprache. Dies hat zu einer köstlichen Begebenheit geführt. Bei unserem letzten Kambodscha-Aufenthalt besuchten meine Frau und ich die Familien der Kinder, die wir mit Schulgeldern unterstützen. Die Behausungen dieser Leute sind oft nur auf schmalen Wegen zugänglich, die mit Schlaglöchern übersät und teilweise überschwemmt sind. Wir machten die holprige Fahrt als Beifahrer auf Mopeds von Clinic-Angestellten. Nach der Rückkehr erzählte ein Wächter (er hatte meine Frau auf dem Rücksitz) voller Stolz, dass er jetzt Englisch gelernt habe. Ein Schlagloch sei ein „Oh la la“.