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Frühe Christen schätzten Fischsauce
Der weltweit älteste handschriftliche Brief eines Christen liegt in Basel
«Schick mir auch die Fischsauce, von der Du glaubst, dass sie gut ist.» Die weltweit älteste Handschrift eines Christen ist im Besitz der Universität Basel und zeigt die frühen Christen in einem neuen Licht.
Die ersten Christen im römischen Reich waren wohl weitaus weniger weltabgewandt als lange angenommen. Das legt eine Handschrift aus Ägypten im Besitz der Universität Basel nahe, die Sabine Huebner, Professorin für Alte Geschichte, entziffert, analysiert und datiert hat.
Der Brief, den ein gewisser Arrianus an seinen Bruder Paulus schrieb, stammt demnach aus den 230er-Jahren nach Christus und ist damit mindestens 40 bis 50 Jahre älter als alle anderen weltweit bekannten christlich-dokumentarischen Briefe, wie die Uni Basel am 11. Juli mitteilte. Als Fundort wurde das antike Dorf Theadelphia in Mittelägypten ermittelt.
Besser integriert als gedacht
Im Unterschied zum oft gezeichneten Bild des im römischen Reich von Verfolgung bedrohten, nur auf den Glauben fokussierten Christen, geht es im Brief um sehr Alltägliches: Reisen, politische Ämter, die Bitte um Fischsauce als Mitbringsel und Grüsse von der Familie.
Die Zeilen, die Arrianus seinem Bruder schrieb, zeigen, dass es im ägyptischen Hinterland abseits der Städte bereits im frühen 3. Jahrhundert Christen gab, dass sie politische Ämter innehatten und sich von der übrigen Bevölkerung im Alltag nicht gross unterschieden. Der Autor und sein Bruder waren demnach junge, gebildete Söhne der Lokalelite, Landbesitzer und Träger öffentlicher Ämter.
Christliche Grussformel
Die Handschrift sticht aus der Masse der erhaltenen Briefe des griechisch-römischen Ägyptens durch die abschliessende Grussformel hervor, wie die Uni Basel schrieb. Es handelt sich um die abgekürzte Schreibweise der christlichen Formel «Ich bete, dass es Dir gut geht ‹im Herrn›».
«Die Verwendung dieser Abkürzung – wir sprechen hier von einem sogenannten nomen sacrum – lässt keinen Zweifel an der christlichen Gesinnung des Briefschreibers», liess sich Huebner in der Mitteilung zitieren. Auch der Name des Bruders, Paulus, sei aufschlussreich, da dieser Name zu dieser Zeit äusserst selten war. «Wir dürfen daraus ableiten, dass die im Brief genannten Eltern bereits Christen waren und ihren Sohn schon um 200 n.Chr. nach dem Apostel benannt hatten.»
Die Analyse des Briefes ist ein zentraler Teil von Huebners neuer Monographie «Papyri and the Social World of the New Testament», wie die Uni Basel schrieb. Zudem macht die Hochschule ihr Papyrusarchiv neu online auf der internationalen Plattform Papyri.info zugänglich.
Die Basler Papyrussammlung
Die Papyrussammlung der Universität Basel umfasst 65 Schriftstücke in fünf Sprachen aus ptolemäischer, römischer sowie spätantiker Zeit. Die meisten sind vor allem in sozial-, kultur- und religionsgeschichtlicher Hinsicht interessant, da sie den Alltag der «einfachen» Leute vor 2000 Jahren dokumentieren. Der Grossteil der Basler Papyri wurde noch nicht veröffentlicht. Die Sammlung wurde von der Universität im Jahr 1900 angekauft.
sda/kath.ch