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Vielfältige Spuren der Moderne
Das Projekt «MISR: Mission Siptah – Ramses X.» ist einem Paradigmenwechsel innerhalb der archäologischen Forschung verpflichtet. Nach Schätzen zu graben oder nur das königliche Begräbnis im Blick zu haben, genügt heute nicht mehr. Es sind sozusagen die Zwischenräume, die mitbedacht werden müssen. Damit sind die vom König abhängige Gesellschaft von Handwerkern und Künstlern und deren Spuren gemeint, ebenso wie das Gelände in der Umgebung eines Königsgrabes, das Erkenntnisse bereithält. Die Untersuchung von grossen Massen unspektakulären Schutts lässt die Köngsgräber des Neuen Reiches in einem neuen Licht erscheinen, ihr Kontext wird greifbar. Es sind nicht mehr Einzelobjekte, sondern Teile eines komplexen Gebildes: das Tal der Könige mit einer topologischen, chronologischen und sozialhistorischen Dimension.Zur modernen Geschichte des Tals der Könige, 10
Zu den Spuren der neuzeitlichen Vergangenheit gehören einerseits Fundgegenstände (s. unten), andererseits Veränderungen wie Abnutzung und Beschädigungen, Übertünchung und Ablagerungen, Kritzeleien und Einbauten. Ein markantes Beispiel für die letztgenannte Kategorie ist Howard Carters Kraftwerk im Grab Ramses' X.
Jede archäologische Tätigkeit erzeugt Veränderungen, auch wenn sie zum Schutz der Objekte erfolgen. Material kann abgetragen werden, Befunde können zugeschüttet werden, und Objekte können mit baulichen Massnahmen geschützt werden (Abb. 2–3):
«The existing modern wooden roof in KV 18 above the Corridor A, which has been built by H. Carter in 1902 to protect the first electricity installations for the Valley of the Kings, was covered by us by a metal roof of corrugated iron. The old wooden roof of Carter had suffered from the occurring rains and sun and wind over the time span of more than 100 years. The roof was not anymore safe and dust could enter into the tomb between the wooden boards. The new roof was build over the old wooden one, which is visible now only inside the tomb of Ramesses X. Between the old and new is a space of circa 20 centimetres to allow the air to circulate and this space also builds an isolation layer for the old roof and the tomb. The new construction with a few wooden beams and the corrugated iron sheets is light and dense. The wooden beams are fixed on the both sides with the modern stonewalls outside the tomb. No rainwater or dust will penetrate into the tomb through the ceiling. In the front an iron pipe was installed in order to lead the rainwater outside the tomb of Ramesses X. The silver coloured metal was painted on the outside with a mixture of sand, hiba and glue. Three thin layers of this mixture were added on the iron surface. The colour of the roof on the outside is corresponding to the surface colours of the mountain in the Valley of the Kings and the metal surface is not shining when seen from above. In the coming season 2009 a long-term check for this pigment mixture will be made to be sure of the resistance against the wind and the heat of the summer.» (Bericht über die 10. Kampagne 2007/08)
Die Reinigung von Schmutz (Abb. 4–5) bringt Neues zutage, wie z.B. Besucherinschriften aus alter und neuer Zeit (Abb. 6).
Und auch Touristen hinterlassen Spuren, gerade auch durch achtlos Weggeworfenes oder Verlorenes, seien das Zigarettenschachteln (Abb. 7) oder Picnic-Reste wie z.B. Hühnerknochen.
Die Objekte stammen hauptsächlich aus der Belle Époque (1871–1914), der Zeit des Aufkommens des Tourismus. Die Besucher kamen vor allem aus französisch- englisch- und deutschsprachigen Ländern.
Von besonderem Interesse für heutige Archäologen sind Zeugnisse ihrer früheren Kollegen. Dazu gehört neben den auf Papier erhaltenen Namen Garstang und Weigall sicher auch die Skizze des Grundrisses eines Grabungshauses, vermutlich von Theodore M. Davis.