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(Augentäuschungen, Okularspektra), durch das Auge
[* 3] und den Sehnerv vermittelte Empfindungen, welche
nicht der Wirklichkeit entsprechen. Man unterscheidet subjektive und objektive Gesichtstäuschungen. Erstere werden
ausschließlich durch subjektive Reize angeregt und gewinnen scheinbar objektive Gestalt, während die
objektiven durch einen äußern Sinnesreiz eingeleitet werden, der aber zu Empfindungen und Vorstellungen führt, die dem Reiz
nicht entsprechen.
Bei den subjektiven Gesichtstäuschungen kann entweder das Auge oder ein bestimmter Teil des Gehirns den Reiz empfangen. Es entsteht eine Lichtempfindung
in vollkommener Finsternis, wenn auf den Sehapparat mechanische, elektrische, chemische oder thermische
Reize einwirken. Am bekanntesten ist das blitzähnliche Leuchten, welches bei einem Schlag oder Stoß auf das Auge wahrgenommen
wird. Bei schneller Bewegung des Auges im Finstern glaubt man bisweilen eine Lichterscheinung wahrzunehmen, die so genau der
Wirklichkeit entspricht, daß der geübteste Beobachter über ihre wahre Natur im Zweifel bleibt.
Einen Übergang zu den objektiven Gesichtstäuschungen bilden die sogen.
entoptischen Erscheinungen, bei denen im optischen Apparat des Auges vorhandene Gegenstände oder Veränderungen zu falschen
Wahrnehmungen führen. Dahin gehören die »fliegenden Mücken« (mouches volantes), die Verzerrungen von Gegenständen durch
abnorme Gestaltung der Krümmungsflächen der brechenden Medien (Metamorphopsie), die falsche Beurteilung der Größe gesehener
Gegenstände infolge plötzlich eintretender Veränderungen in der Akkommodationskraft des Auges oder
in der Leistungsfähigkeit der Muskeln,
[* 7] welche die Konvergenzstellung der Augen bewirken (Makropie, Mikropie), ferner die scheinbare
Bewegung von Objekten infolge einer außerhalb des Bewußtseins sich vollziehenden Augenbewegung.
Neben diesen Gesichtstäuschungen, welche alle mehr oder weniger auf Erkrankungen oder ungewöhnliche Reizungen des
Gesichtssinns zurückzuführen sind, gibt es andre, welche aus der normalen Beschaffenheit des Organs entspringen. So täuscht
uns der Augenschein andre Verhältnisse vor, als in Wirklichkeit vorhanden sind; entfernte Gegenstände erscheinen kleiner,
und über die räumlichen Verhältnisse des Gesehenen belehrt uns nur die Erfahrung, wie das Kind beweist, welches nach dem
Mond
[* 8] greift, und das Verhalten des Blindgebornen
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nach glücklicher Operation im spätern Alter. Derartigen Täuschungen unterliegt jeder, sobald die Verhältnisse einigermaßen
ungewöhnlich werden. Entfernte Gegenstände erscheinen näher oder ferner je nach dem Zustand der Atmosphäre. Hierher gehört
auch die Thatsache, daß der Mond am Horizont
[* 10] größer erscheint, als wenn er hoch am Himmel
[* 11] steht. Sehr schwer entreißt
man sich den Täuschungen über Ruhe und Bewegung äußerer Gegenstände, welche jedesmal eintreten, sobald man über die eigne
Ruhe oder Bewegung einen nicht hinreichend starken Eindruck erhält.