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EMDR ist eine Psychotherapie, die 1987 von Dr. Francine SHAPIRO zufällig in den USA entdeckt wurde und seitdem weltweit bei Tausenden von Menschen jeden Alters und in jeder Lebenslage praktiziert wurde, die unter traumatischen oder anderen psychischen Störungen litten. Der Verband EMDR Europe hat mehr als 30.000 aktive Mitglieder und jedes europäische Land hat seinen nationalen EMDR-Verband. Seit 2013 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausschliesslich die EMDR-Therapie und die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als Therapie zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.
EMDR richtet sich an alle Menschen (vom Kleinkind bis zum Erwachsenen und bis ins hohe Alter), die unter emotionalen Störungen leiden, die in der Regel mit psychologischen Traumata oder anderen belastenden und schwierigen Situationen verbunden sind, welche Spuren in der psychologischen Integrität hinterlassen haben.
Es kann sich dabei um "offensichtliche" Traumata handeln, wie z. B. körperliche, seelische oder sonstige Gewalt, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung in der frühen Kindheit, schwere Unfälle, Todesfälle, schwere Krankheiten, Brände oder andere Naturkatastrophen, Kriegssituationen, Folter, Terroranschläge etc.
Es kann sich jedoch auch um "kleine" Traumata oder schwierige Lebensereignisse handeln, die möglicherweise unbemerkt bleiben, aber im Alltag zu schwierigen, manchmal unangepassten oder übermässigen Gefühlen oder Verhaltensweisen führen können. Eine grosse Anzahl von Situationen wird möglicherweise nicht als traumatisches Ereignis erkannt, wie z. B. eine gestörte Kindheit, Vernachlässigung, Trennungen, Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüche, Trauerfälle, berufliche Schwierigkeiten, Burnout usw.
Diese emotionalen Störungen können sich in verschiedenen Formen äussern: Reizbarkeit, Ängste, Panik, Schlafstörungen und/oder Albträume, Isolationstendenzen, depressive Verstimmungen, unruhiges oder sogar gewalttätiges Verhalten, körperliche Schmerzen, Somatisierungen, Zwangsstörungen oder Rückfall in einen früheren Entwicklungszustand, ... Andere psychische Störungen sind in manchen Fällen ebenfalls auf kürzliche oder frühere, manchmal unbewusste Traumata zurückzuführen: Depressionen, Süchte, Essstörungen, Panikattacken, Phobien, ...
Diese Störungen treten auf, wenn unser Gehirn durch einen traumatischen Schock überfordert ist und die Informationen nicht so verarbeiten (oder verdauen) kann, wie es das normalerweise tut. Es bleibt an dem Ereignis hängen, manchmal ohne dass wir uns dessen bewusst sind, und es sind die unverarbeiteten traumatischen Erlebnisse, die diese Störungen verursachen.
Die EMDR-Therapie ermöglicht es, die natürlichen Mechanismen der Informationsverarbeitung zu deblockieren, und so kann das Trauma auch viele Jahre später endlich wieder verarbeitet (oder verdaut) werden.
Eine Vorbereitung ist unerlässlich: In Vorgesprächen kann der Patient/die Patientin eine Vertrauensbeziehung zu seine/r PsychotherapeutIn aufbauen und mit seiner/ihrer Hilfe die traumatische(n) Erinnerung(en) identifizieren, welche die Ursache für seine/ihre Schwierigkeiten sind. Diese Erinnerungen werden dann mit abwechselnden bilateralen Stimulationen (Augenbewegungen oder andere) in den Sitzungen einzeln nachbearbeitet. Manchmal sind mehrere Sitzungen erforderlich, um eine einzelne Erinnerung zu bearbeiten. Die EMDR-Therapie kann dann bestenfalls einige Sitzungen für Situationen mit einzelnen Gewalterfahrungen dauern, bis hin zu jahrelanger Therapie für die Aufarbeitung multipler Situationen für multiple Problematiken. Die Dauer der Behandlung kann vor der Behandlung nur schwer abgeschätzt werden.
Kinder werden in der Regel im Beisein ihrer Angehörigen behandelt.
Bei dem durch die Methode aktivierten Verarbeitungsprozess handelt es sich um einen bewussten Prozess. Zu keinem Zeitpunkt verliert der Klient/die Klientin die Kontrolle über den Prozess und das Bewusstsein für das, was geschieht. Der EMDR-Prozess entspricht dem, was unser Gehirn auf natürliche Weise tut, wenn es nicht blockiert oder von zu emotionalen Situationen überflutet wird.
Zu Beginn einer EMDR-Sitzung bittet der/die PsychotherapeutIn den Patienten/die Patientin, sich auf das störende Ereignis zu konzentrieren und dabei die Sinneseindrücke des Ereignisses (Bilder, Geräusche, Gerüche, körperliche Empfindungen) sowie die damit verbundenen aktuellen Gedanken und Gefühle im Bewusstsein zu behalten. Der/Die PsychotherapeutIn beginnt dann mit Serien abwechselnder bilateraler Stimulation, d. h. er/sie stimuliert das Gehirn abwechselnd auf der linken und auf der rechten Seite, in der Regel durch Augenbewegungen oder Klopfen. Zwischen den einzelnen Serien reicht es aus, wenn der Patient/die Patientin bemerkt, was ihm/ihr gerade in den Sinn gekommen ist. Es bedarf keiner besonderen Anstrengung während der Stimulation, um ein Ergebnis zu erzielen; das Erlebte zieht sich spontan zurück. Die bilateralen Stimulationsserien werden so lange fortgesetzt, bis die Erinnerung an das Ereignis nicht mehr störend und mit ruhigen Gefühlen und positiven, konstruktiven Gedanken verbunden ist.
Eine EMDR-Sitzung dauert 45 bis 90 Minuten (bei Kindern kürzer). Während dieser Zeit kann der Patient/die Patientin intensive Gefühle durchleben, aber am Ende der Sitzung spürt er/sie normalerweise eine deutliche Verbesserung der Belastung, die mit der behandelten Erinnerung verbunden ist, und eine spürbare Erleichterung. Der/Die TherapeutIn wird auf jeden Fall darauf achten, dass sich der Patient/die Patientin wohl und stabil genug fühlt, um die Sitzung und die Praxis zu verlassen.