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Allseas mit Sitz im Kanton Freiburg ist bekannt dafür, eines der grössten Schiffe der Welt gechartert zu haben und Opfer eines Betrugs geworden zu sein, der eines Hollywood-Drehbuchs würdig ist. Die Schweizer Tochtergesellschaft einer liechtensteinischen Bank wird nun für diesen ausserordentlichen Fall mitverantwortlich gemacht.
Ähnlich einem Szenario aus dem Spielfilm "Ocean's Eleven" gelang es einer Gruppe gerissener Gauner 2011, 100 Millionen Euro von der Schweizer Ölgesellschaft Allseas Group SAexterner Link mit Sitz in Châtel-Saint-Denis zu erschwindeln.
Ein pharaonisches Projekt
Im Jahr 2011 hatte die Allseas Group SA ehrgeizige Pläne: den Bau eines gigantischen Katamaran-Schiffs, das Ölplattformen erreichen und aus dem Wasser heben kann, um sie auf offener See zu reparieren. Die Projektkosten wurden damals auf 1,3 Mrd. Euro geschätzt.
Das Unternehmen verfügte über 100 Millionen Euro und wollte zusätzliche Mittel für die Durchführung seines Projekts aufbringen. In der Folge wurde es von einer Gruppe von Gaunern kontaktiert. Diese Leute, die sich als internationale Finanzexperten ausgaben und Verbindungen zum Vatikan oder zur Krone von Aragon vorgaben, konnten das Unternehmen davon überzeugen, ihm die 100 Millionen Euro anzuvertrauen, und versprachen, die Summe zu investieren, um damit in drei Jahren eine Rendite von mehr als einer Milliarde zu erzielen.
Aber es kam anders: Als das Geld ausgezahlt wurde, verschwand es sogleich.
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Für Friseurkosten…
Der Mann, den die Behörden als Kopf des Betrugs betrachten, der Pole Marek Rejniak, ist immer noch auf freiem Fuss. Ein weiteres Mitglied des Netzwerks, Luis Nobre, ein extravaganter portugiesischer Geschäftsmann mit langen schwarzen Haaren, wurde 2012 in London verhaftet und zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.
Insbesondere wurde ihm vorgeworfen, seinen auf 2,4 Millionen Euro geschätzten Anteil an dem Geschäft zur Begleichung von Schulden, Luxushotel-Übernachtungen und Friseurkosten verwendet zu haben.
Der Clan wurde schliesslich entlarvt, aber fast 12 Millionen Euro blieben verschwunden. Seitdem versucht die Allseas Group, ihr Geld zurückzufordern, indem sie eine Reihe von Zivilverfahren gegen die Hauptorganisatoren des Betrugs einleitete.
Der Schweizer Tochtergesellschaft der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), der heutigen LLB Verwaltung (Switzerland) AG, wird vorgeworfen, beobachtet zu haben, wie die Summe die Barclays Bank in London durchlaufen habe. Die Allseas Group SA hat die LLB in Grossbritannien sowie einen ihrer ehemaligen Vermögensverwalter wegen mangelnder Wachsamkeit angeklagt.
In einem Berufungsurteil vom 11. April vor dem High Court of London wurde die LLB für die Handlungen ihres ehemaligen Managers mitverantwortlich gemacht. Die Richter kamen zum Schluss, dass es Luis Nobre gelungen sei, einen Teil der Gelder der Allseas durch die Dienste dieses ehemaligen Vermögensverwalters umzuleiten. Letzterer habe etwas mehr als 560'000 Euro als Belohnung erhalten.
Für einen Teil seiner zivilrechtlichen Ansprüche verklagte Allseas die Bank als Mitverantwortliche für das Handeln ihres ehemaligen Vermögensverwalters, der selbst der Täuschung und Beteiligung am Vertrauensmissbrauch beschuldigt wurde.
Die Summe, die Allseas von der Bank und deren ehemaligen Manager fordert, beträgt 9 Millionen Euro.
Projekt trotz allem realisiert
Dieses Malheur hinderte die Allseas Group SA nicht daran, ihr Projekt durchzuführen. Die "Pioneering Spirit", das mit 382 Metern Länge und 124 Metern Breite grösste Konstruktionsschiff der Welt, verliess im August 2016 eine koreanische Werft. Der Bau des Schiffes wird am Ende 2,6 Mrd. Dollar gekostet haben.
Allseas plant, bis 2022 ein noch grösseres Schiff mit dem Namen Amazing Grace zu bauen.
(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)