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Die Problematik des Klimawandels führt uns sehr eindrücklich vor Augen, dass an unserer Energiepolitik einiges nicht stimmt. Durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen (Kohle, Oel, Gas) stossen wir seit Jahren viel zu viel CO2 in die Atmosphäre aus. Alle gut gemeinten Aufrufe zur Mässigung des Verbrauches sind bisher gescheitert.
Erdöl kann aber nicht nur zum Heizen oder Auto fahren eingesetzt werden, sondern dient auch als wertvoller Rohstoff für viele alltägliche Produkte, wie z.B. Plastik, Farben und Lacke, Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmittel. Es ist verantwortungslos gegenüber zukünftigen Generationen, wenn diese nur beschränkt verfügbaren Rohstoffe durch uns innerhalb ein bis zwei Generationen verbraucht werden.
Wie aber lassen sich die fossilen Brennstoffe durch andere Energieträger ersetzen? Da wir weltweit zur Zeit mehr als 80% unserer Energie aus Kohle, Oel oder Gas beziehen, sind gar keine Alternativen verfügbar, welche innerhalb von zehn bis zwanzig Jahren so viel Energie bereitstellen könnten.
Wir sollten uns deshalb vorerst einmal die Frage stellen, wie viel Energie für ein angenehmes Leben überhaupt notwendig ist, anstatt unseren heutigen Energieverbrauch als „normal" oder gar notwendig zu akzeptieren. In einem zweiten Schritt können wir danach die Frage nach den möglichen Energieressourcen stellen. Aus der Vergangenheit sollten wir unbedingt lernen, dass ein möglichst hoher Anteil aus erneuerbaren Energiequellen (Wind, Wasserkraft, Sonnenenergie, Holz, Biomasse, usw.) stammen sollte. Der Anteil aus nicht-erneuerbaren Energiequellen, wie z.B. Oel, Gas, Kohle oder Atomkraft, sollte hingegen mit der Zeit immer kleiner werden.
Wie viel Energie benötigen wir für ein angenehmes Leben?
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu einem Energieverbrauch von ca. 9'000 kWh pro Kopf pro Jahr die Lebensqualität vom Energieverbrauch abhängt. Diese 9'000 kWh entsprechen dem Energieinhalt von ca. 1'000 Litern Erdöl. Unterschreitet der jährliche Energieverbrauch pro Person diesen Grenzwert wird das Leben mühsamer, oberhalb diesem Grenzwert besteht praktisch kein Zusammenhang mehr zwischen Lebensqualität und Energieverbrauch. Man kann deshalb davon ausgehen, dass heute ein Energieverbrauch von ca. 10'000 kWh pro Jahr pro Kopf die Untergrenze für eine nach heutigen Massstäben gute Lebensqualität darstellt.
Die folgende Tabelle zeigt den durchschnittlichen Energieverbrauch pro Person im Jahre 2003. Für das Jahr 2006 sind die Werte ca. 12 bis 15% höher.
|Gebiet||

Energieverbrauch
|Nordamerika
||91'000 kWh|
|Europa
||43'000 kWh|
|China
||13'000 kWh|
|Indien
||6'000 kWh|
Die Schweiz zählt weltweit zu den Ländern mit der höchsten Lebensqualität. Untersuchungen der ETH Zürich haben gezeigt, dass es mit bereits heute verfügbaren Technologien möglich wäre, den Energieverbrauch von aktuell ca. 43'000 kWh auf 17'500 kWh pro Jahr pro Kopf zu reduzieren, ohne die Lebensqualität negativ zu beeinflussen.
Man kann deshalb davon ausgehen, dass eine Reduktion auf 17'500 bis 20'000 kWh ohne Einbusse an Lebensqualität für die meisten Länder der Erde möglich wäre. Die folgende Graphik zeigt den Energieverbrauch pro Kopf pro Jahr für die Industrieländer im Jahre 2003. Für 2006 dürften die Werte im Durchschnitt ca. 5% höher sein.
Graphik 1: Durchschnittlicher Energieverbrauch pro Kopf für einige Länder im Vergleich mit dem ohne Einbussen an Lebensqualität möglichen Energieverbrauch von 18'000 kWh (als Zielwert bezeichnet). Datenquelle: World Resource Institute wri.org
Die Nachfrage muss sich nach dem Angebot richten
Bis heute wurde jede Nachfrage nach Energie automatisch befriedigt. Wer bereit war, entsprechend zu bezahlen, bekam jede beliebige Menge Energie geliefert. Diese Politik führte zu einem ständig steigenden Energiekonsum und zu den Werten wie in Tabelle 1 dargestellt. Niemand hat in diesem System ein Interesse an einem gemässigten Energiekonsum. Im Gegenteil: Alle kommerziellen Interessen sprechen klar für eine Zunahme des Energieverbrauchs. Dies führte denn auch dazu, dass das seit mehr als 20 Jahren bekannte Problem des Klimawandels bis vor kurzem ignoriert oder geleugnet wurde.
Nun ist eine Umkehr in der Energiepolitik notwendig: Wir müssen die natürlichen Ressourcen auf der Erde nach den Kriterien der Nachhaltigkeit bewirtschaften. Die Nachfrage an Energie muss sich nach dem Angebot an erneuerbarer Energie richten. Nur auf diese Art und Weise ist ein nachhaltiger Lebensstil - und damit ein langfristiges Überleben der Menschheit - überhaupt möglich.
Reduktion der Nachfrage nach Energie
Der Übergang auf einen Jahres-Energieverbrauch pro Kopf auf Werte unterhalb von 20'000 kWh bedeutet für alle industrialisierten Länder eine massive Reduktion (siehe Tabelle oben). Zur Realisierung gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
- Freiwillige Reduktion des Energieverbrauchs aufgrund eines gestiegenen Bewusstseins der Bevölkerung.
- Schaffung von entsprechenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen innerhalb eines Landes und zwischen den Ländern (z.B. Bonus- Malus System)

Lösung zum Klimawandel:
Deshalb bleibt wohl kurz- und mittelfristig nur die Einführung von geeigneten Lenkungsmechanismen zur Schaffung von entsprechenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Grundsätzliche Vorschläge dazu sind schon lange auf dem Tisch.