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Die Schweizer Stiftung Jan & Oscar unterstützt in Thailand die Moken, eines der letzten Völker im südostasiatischen Raum, die noch nomadisch leben. Ziel der Zusammenarbeit: die Abfallberge an der thailändischen Küste zu recyceln und diesen Menschen, die offiziell gar nicht existieren, Arbeit zu geben.
Vor bald 15 Jahren rang das Meer dem Volk der Moken dem Meer einen hohen Preis ab: Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 fegte die Häuser und Boote der Seenomaden, die auf oder am Wasser leben, weg. Die Moken glauben, dass die Riesenwelle nicht durch ein Erdbeben verursacht wurde, sondern durch eine Riesenkrabbe, die in den Tiefen des Indischen Ozeans lebt.
Die Waadtländerin Laurence Pian verlor durch den Tsunami in Khao Lak zwei Söhne, der eine war achtjährig, der andere zwölf. Durch das Unglück wurde sie auf das Schicksal der Moken aufmerksam, die über keine Papiere verfügen und nirgendwo registriert sind. 2005 gründete sie die Stiftung Jan & Oscarexterner Link, um den Ärmsten Thailands zu helfen.
Ziel des Projekts ist es, das Meer zu säubern und den Seenomaden dadurch eine neue Einkommensquelle zu ermöglichen – zwei Fliegen auf einen Streich. "Abfall hat seinen Preis. Wenn wir PET-Flaschen, alte Nylon-Netze auf dem Meeresboden und Plastiksäcke sammeln und sie dann für einen neuen Zyklus verkaufen können, profitieren alle."
Leben in Symbiose mit den Elementen
"Die Moken erhalten keine Sozialhilfe aus den Ländern, in denen sie leben", sagt Philip Van Wyck. Er kommt aus einer reichen Bauernfamilie aus der Ära der Apartheid in Südafrika. Nach einem Studium der Mechanik arbeitete er für christliche Organisationen. Seit einem Jahrzehnt lebt der 44-jährige nun in einer Gemeinschaft von Moken an der Grenze zwischen Südthailand und Myanmar.
Ihr spartanisches Leben passt ihm. Die Aufschrift "Mr. Happy" auf seinem T-Shirt stimmt mit seinem strahlenden Lächeln überein. Leben tut er so einfach wie seine ärmsten Schützlinge: in einer Holzhütte, die von den Winden des Meeres gekühlt wird, mit Regenwasser vom Dach und Strom aus Sonnenkollektoren.
Wie die Moken lebt er in Symbiose mit den Elementen: "Die Männer gehen fischen, sammeln Schalentiere oder jagen Fische beim Schnorcheln mit einem Speer in der Hand. Ohne das Meer ist ihr Überleben bedroht."
Für die Behörden gibt es keine Moken
Die Männer stellen ihre traditionellen Holzboote, die Kabangs, von Hand her. Manchmal zwingt sie die Entstehung von Schutzgebieten dazu, ihr nomadisches Leben aufzugeben. Denn wenn sie keine grossen Bäume mehr fällen dürfen, können sie ihre Boote nicht mehr bauen. Auch die Umweltverschmutzung beeinträchtigt ihre Lebensweise: Ihre Fischernetze füllen sich mit Plastikflaschen, manchmal ist es leichter, Abfall statt Fische zu fangen.
Die Moken kamen vor 4000 Jahren aus Südchina. Ihre Zahl wird auf rund 2000 geschätzt, doch sind sie in keinem Register und in keiner Statistik festgehalten. Wenn Frauen gebären, wird ihr Kind nicht registriert. Eine Heirat findet ohne offizielle Zeremonie oder Standesbeamte statt. Keine Papiere bedeutet keine Arbeit und keine Sozialversicherung, die Bevölkerungsgruppe lebt unter der Armutsgrenze, für die Behörden existieren die Moken nicht.
Verbrennt statt recycelt
Nach mehr als 15 Jahren in der Finanzwelt arbeitet der 53-jährige Genfer Biologe Michel Pardos als Freiwilliger für die Jan & Oscar-Stiftung. Er verbringt gerade zwei Monate in Ranong, 600 km südlich von Bangkok, um die Aktion "Moken Guardians of the Seaexterner Link" (Moken, Wächter der Meere) zu leiten. Hierfür hat die Stiftung ein Grundstück entlang eines Kanals gemietet. Darauf steht ein Schuppen. Hier wird Plastikmüll gesammelt und gepresst. Lastwagen transportieren die Plastik-Ballen anschliessend in ein neues Leben.
Im Gegensatz zu Kupfer, Glas oder Altpapier ist die Kunststoffwiederverwertung noch nicht sehr etabliert. Oftmals verbrennen die Behörden den Plastik einfach, anstatt ihn zu recyclen. Bei der Verbrennung werden Dioxin, Furan, Quecksilber oder polychlorierte Biphenyle (PCB) in die Atmosphäre abgegeben, hochflüchtige toxische Produkte, die sich im menschlichen Körper ansammeln können, wo sie Krebs und hormonelle Störungen oder Störungen des Nervensystems verursachen.
Fundiertes Wissen als Voraussetzung
"Die vielen Kunststoffsorten erfordern ein fundiertes Wissen bei der Sortierung", sagt Pardos. Unter dem Begriff Kunststoff finden man alles: von Polyethylenterephthalat (das PET, aus dem unsere Wasser- oder Sodaflaschen hergestellt sind) über Polypropylen (PP) bis hin zu hochdichtem Polyethylen (das PE-HD unserer Milch-, Öl- oder Wäschemittelflaschen). Andere Kunststoffe können nicht recycelt werden.
Die Herausforderung besteht darin, richtig zu sortieren. "Für diese sehr spezifische Arbeit könnten weibliche Arbeitnehmer eingestellt werden", sagt Pardos, der mit der spanischen Gruppe ECOALFexterner Link in Kontakt steht. ECOLAF startete in Zusammenarbeit mit dem thailändischen Unternehmen PTT Global Chemical Public das Projekt "Upcycling the Oceans in Tahiland"externer Link. Die Jan & Oscar-Stiftung ist daran beteiligt.
Durch diese Initiative können Jugendliche der Moken sich in den Bereichen Kommunikation, Marketing und Ökologie bilden sowie den Umgang mit den sozialen Netzwerken lernen. Es bedeutet gute Arbeitsbedingungen für die Jugendlichen und somit eine Aufwertung ihrer Arbeit. Zwar sind neue Kunststoffe heute wettbewerbsfähiger als die aus dem Recycling – weil die Gewinnung von Schieferöl die Ölpreise sinken liess. Doch der Preis für schwarzes Gold steigt.
China verändert die Gegebenheiten
Westliche Touristen zeigen sich jeweils schockiert über die Allgegenwart der Kunststoffabfälle. Auf den Märkten sind die Verpackungen aus Bananenblätter längst verschwunden. Der Umgang mit Plastik wird immer schwieriger, es ist eine echte Plage.
Vielleicht steht das Schlimmste aber erst noch bevor. 2017 teilte China der Welthandelsorganisation (WTO) nämlich mit, dass das Land keine ausländische Kunststoffabfälle mehr verarbeiten werde. Die Aktion "Nationales Schwert" begann im letzten Jahr. Ihr Ziel ist es, China, seine Umwelt und die Gesundheit seiner Bürger und Bürgerinnen zu schützen. Ein vertretbares Argument.
"Im Süden Thailands geht es darum, die Moken davon zu überzeugen, neben der Fischerei Plastik zu recyceln", sagt die Mutter von Jan und Oscar. "Es ist eine richtige Arbeit und kein nicht rückzahlbarer Zuschuss. Sie müssen sich selbst in die Hand nehmen", sagt die Mutter von Jan und Oscar.
(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)