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Autor: Pascal Jäggi
FreiburgEinstündige Plädoyers seitens der Anwälte des früheren Direktors und des Präsidenten des Verwaltungsrats der Krankenkasse Accorda haben nichts genützt. Das Kantonsgericht wies gestern die Rekurse der beiden gegen ihre Strafen von zehn und sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung, ab. «Sie hatten verantwortungsvolle Positionen in der Accorda inne, deshalb verhandeln wir hier über ungetreue Geschäftsführung», sagte Gerichtspräsident Alexandre Papaux zu den zwei Rekurrenten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Direktor unnötigerweise monatlich Spesen im Wert von 2500 Franken bezog. Es gab der Staatsanwaltschaft recht. «Sie haben die Gelder bezogen, als sie arbeitsunfähig waren», sagte Papaux. Die Spesen habe er trotz eines Monatslohnes von 16 000 Franken bezogen, dabei habe er in seiner Position doch gewusst, dass die Kasse seit Beginn defizitär war, so das Gericht. «Damit haben sie mitgeholfen, die Verschuldung voranzutreiben», hielt Papaux dem Angeschuldigten vor.
Firma geschadet
Im zweiten Vorwurf gegen den Direktor, bei dem es um die Gründung einer Firma ging, die Kunden von der Accorda übernahm, sah das Gericht ebenfalls eine Straftat. «Nicht die Gründung war falsch, aber sie haben eine zu teure Lösung gefunden», erklärte der Gerichtspräsident. Davon habe der Angeschuldigte profitiert, da er die Gewinne einstrich. Er habe die Accorda-Leitung nicht über seine Firma informiert. Zusammen mit dem Schaden, den er ihr zugefügt habe, sei das strafrechtlich relevant, so Papaux.
Aktien zu teuer gekauft
Auch der zweite Angeschuldigte habe falsch gehandelt, befand der Gerichtspräsident. Er hat Darlehen aufgenommen, um die Aktien der Accorda persönlich zu zeichnen. Durch Vermittlung der Accorda konnte er einen Teil der Aktien weiterverkaufen und seine Darlehen zurückbezahlen. Die 173 Aktien, die er nicht verkaufen konnte, hat die Accorda übernommen (der Präsident hat die Darlehen nicht etwa der Accorda gewährt, wie gestern in den FN stand).
Das Kantonsgericht hielt dem Präsidenten vor, dass die Accorda für die Aktien den Nominalwert hatte zahlen müssen, obwohl sie auf dem Markt tiefer bewertet waren. Zudem seien die Revisoren nicht konsultiert worden. Als Präsident des Verwaltungsrates hätte er verantwortungsvoller handeln müssen, schloss Papaux.