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© 1990 Markus Kappeler
Von Halbaffen, «ganzen» Affen und Menschenaffen
oder
Die Stellung der Menschenaffen im System der Tiere
Halbaffen, Neuweltaffen, Altweltaffen, Menschenaffen und nicht zuletzt der Mensch werden von den Zoologen aufgrund ihrer Abstammung von gemeinsamen Vorfahren zur Tiergruppe der «Primaten» zusammengefasst. Im zoologischen System bilden die Primaten eine sogenannte Ordnung innerhalb der «Klasse» der Säugetiere, wie etwa auch die Raubtiere oder die Nagetiere. Rund 180 Arten von Primaten leben auf der Erde - vom winzigen, nur etwa 60 Gramm schweren Mausmaki bis hin zum mächtigen Gorilla, der ein Gewicht von bis zu 180 Kilogramm erreichen kann.
Obschon die verschiedenen Primatenarten im Laufe ihrer Stammesgeschichte recht unterschiedliche Lebensräume besiedelt und dabei vielfältige Anpassungen an ihre Umgebung entwickelt haben, ist es ihnen - im Gegensatz etwa zu den Raubtieren oder Nagetieren - nicht gelungen, die ganze Welt zu «erobern»: Sie sind fast ausnahmslos an die tropischen und subtropischen Regionen unseres Planeten gebunden. Ja, die Menschenaffen sind in Ihrer Verbreitung sogar auf die Alte Welt beschränkt. Eine grosse Ausnahme von dieser Regel bildet natürlich der Mensch.
Gegen Ende der Kreidezeit, vor ungefähr 65 Millionen Jahren, als die grosse Ära der Reptilien zu Ende ging, nahmen die damals noch durchwegs kleinen, erdbewohnenden Säugetiere an Zahl und Grösse stark zu. Bald entstand ein harter Konkurrenzkampf unter ihnen, was einige von ihnen veranlasste, in die Hohe auszuweichen: Sie begannen, sich auf die unteren Äste von Büschen und Bäumen zurückzuziehen. Dort fanden sie nicht nur eine ungenutzte «Nahrungsnische», sondern waren auch vor den am Boden lebenden Raubsäugern einigermassen sicher. Dies war gleichsam der erste Schritt zur Entwicklung der heutigen Halbaffen, Affen, Menschenaffen und des Menschen selbst.
In der Höhe der Bäume bildeten sich im Laufe der Jahrmillionen bei den Ahnen der heutigen Primaten vielfältige körperliche Veränderungen heraus, von denen wir hier nur die aufälligsten nennen möchten: Die Augen wanderten allmählich zur Gesichtsmitte; sie schauten schliesslich nach vorn und ermöglichten dadurch räumliches, stereoskopisches Sehen. Nun konnten die Tiere die Entfernung zum nächsten Ast exakt abschätzen, und das war die unabdingbare Voraussetzung für eine schnelle Fortbewegung im Gezweig ohne Absturz. Auch dle Hände und Füsse passten sich den neuen Lebensbedingungen an: Sie wurden zu «Greif-Kletter-Lauf-Organen». Die «Opposition» von Daumen (bzw. grossem Zeh) gegenüber den übrigen Fingern ermöglichte einen festen, sicheren Griff im Geäst. Die Krallen wandelten sich zu Nägeln und machten damit Platz für sensible Tastpolster («Fingerbeeren») mit griffiger «Leistenhaut» an den Finger- und Zehenspitzen. Auch dies nützt dem sicheren Zugriff. Schliesslich entwickelte sich der Schwanz zu einem langen, kräftgen und wichtigen Körperteil: Beim Springen von Ast zu Ast sowie beim Balancieren über schmale Zweige dient er als «Steuerruder» und «Balancierstange» Bei einigen Neuweltaffen dient er sogar als «fünfte Hand» zum Greifen und Hangeln.
Nicht alle diese typischen Körpermerkmale blieben bei allen Primatengruppen bis heute erhalten. Vor allem wurde in vielen Fällen der Schwanz stark rückgebildet, weil er aufgrund spezieller Lebensweisen ohne Nutzen oder sogar hinderlich war, so beim bodenlebenden Drill (eine Pavianart) oder beim bedächtig kletternden Potto (ein Halbaffe). Auch sämtlichen Menschenaffen fehlt der Schwanz.
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