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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XVIII. (Nr. 31.) An Paulinus und Therasia
6.
Obwohl ich unmöglich es mit Worten aussprechen kann, was ich im Herzen trage und gern aussprechen möchte, so versteht ihr doch bei eurer Klugheit und Frömmigkeit, daß dies nicht euer Ruhm, also kein Menschenlob ist, sondern daß durch diese Worte der Herr in euch gepriesen wird. Denn ihr seid sehr sorgfältig vor dem Feinde auf der Wacht und bemüht euch mit allem Eifer als Jünger Christi, demütig von Herzen und sanftmütig zu sein. Ist es doch nützlicher, mit Demut irdischen Reichtum zu behalten, als ihn mit Stolz preiszugeben. Weil ihr also wohl erkennet, es sei dies nicht euer Ruhm, sondern der Ruhm des Herrn, so sehet ihr auch, wie armselig und geringfügig ist, was ich gesprochen habe. Denn vom Lobe Christi habe ich gesprochen, das nicht einmal Engelszungen gebührend verkündigen können. Diesen Ruhm Christi möchten wir auch unser Volk schauen lassen und in einem Ehepaar beiden Geschlechtern ein Beispiel vorstellen, wie man den Stolz mit Füßen treten müsse und an der Vollkommenheit nicht verzweifeln dürfe. Vielleicht könnt ihr ein größeres Werk der Barmherzigkeit üben, wenn ihr eure Tugenden mit demselben Eifer der Verborgenheit entreißt, mit dem ihr euch bemüht habt, sie zu erwerben.