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Frauen schneiden beim räumlichen Denken oft schlechter ab als Männer – aber nur, wenn sie dieses Vorurteil glauben.
Ob bei der Orientierung in einer fremden Stadt, beim Einparken oder beim Computerspielen: Das Vorurteil, dass Frauen ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen als Männer besitzen, hält sich hartnäckig. Dass es nicht zutrifft, zeigt eine kürzlich in «Psychological Science» publizierte Studie der Universität Kalifornien. Denn sobald sich Frauen gedanklich in einen Menschen hineinversetzen, finden sie den Weg genau gleich gut wie Männer.
Das Forscherteam testete das Orientierungsvermögen von insgesamt 135 Probanden. Diese mussten sich vorstellen, einer Route auf einer Strassenkarte zu folgen, und jeweils sagen, wann sie rechts und wann links abzweigten. In einem weiteren Test sollten sie angeben, in welcher Richtung sich bestimmte Häuser oder Bäume von jeweils anderen Objekten aus gesehen befanden. Bei beiden Versuchen wurde den Probanden gesagt, dass es sich um Tests zum räumlichen Vorstellungsvermögen handle, bei denen üblicherweise Männer bessere Leistungen als Frauen zeigen würden. Prompt schnitten die Frauen in beiden Tests schlechter ab. Das sei nicht erstaunlich, sagt Monika Keller Seitz von der Stelle für Chancengleichheit der ETH Zürich: «Viele Frauen fühlen sich durch solche Stereotype bedroht.»
Die Verpackung zählt
Waren die Tests hingegen als eine soziale Aufgabe verpackt, schnitten die Frauen genauso gut ab wie die Männer. Das zeigte sich bei einer zweiten Testgruppe, welche leicht abgeänderte Aufgaben erhielt: In der Karte war an jeder Strassenecke eine Person eingezeichnet. Im zweiten Versuch sollten sie sich diesmal an die Position eines Menschen auf der Strasse versetzen, um die Richtung von Objekten anzugeben. Dazu sagten die Forscher den Probanden, dass es eine besondere Stärke von Frauen sei, sich in jemand anderen hineinversetzen zu können. Tatsächlich schnitten in diesem Fall die Frauen gleich gut ab wie die Männer.
Gerechtere Tests
Schon frühere Experimente bestätigten, dass es eine grosse Rolle spielt, wie eine Aufgabe präsentiert wird. So schienen Mädchen in den weltweit durchgeführten Pisa-Studien beim Lesen die Nase vorn zu haben. Doch später zeigte sich: Ist ein Lesetest nicht als Prüfung deklariert, sondern als Spiel getarnt, sind Buben genauso gut wie Mädchen. «Deshalb müssen wir Tests entwickeln, die nicht eines der Geschlechter benachteiligen», sagt die Studienautorin Margaret Tarampi. Beispielsweise finden Frauen den Einstieg in die Informatik leichter, wenn es zuerst um konkrete Anwendungen geht und sie abstrakte Programmiersprachen erst danach lernen.