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Bild
Titel:
Dessin für die Modewelt
Thema: Wirtschaft
Datum: 25.10.1889
Masse: 45 x 30 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, StAAR Pa.139
Urheber/-in: Konrad Hörler, Dessinateur bei Johann Bartholome Styger
Beschreibung:
Diese so genannte „Patrone“ dokumentiert den in Appenzell Ausserrhoden wichtigen Industriezweig der Plattstichweberei. Das Patronenpapier mit vorgedrucktem Linienraster 6x8 definiert das Verhältnis von Schuss- und Kettfädenzahl. Die links aufgetragene Zahlenreihe weist die Anzahl der Schussfäden aus. Der Rapport ist mit roter Tuschfarbe aufgezeichnet. Das Dessin Nr. 319 besteht aus einer Kombination von Rankenmustern (Ramages) und Blumenelementen (Fleurs). Die Rückseite des Patronenpapiers enthält den in Bleistift ausgeführten Dessin-Entwurf sowie die schwungvoll mit Tuschfeder geschriebenen Vermerke „K Hörler 25 October 89“ und „Dess. No 319“. Die Patrone diente als Basis für die mit dem Kartenschlagtisch erstellten Lochkarten, die den über dem Webstuhl angebrachten Jacquardapparat steuerten. Ein überliefertes Musterbuch enthält das nach diesem Dessin Nr. 319 produzierte Plattstichgewebe aus weissem Baumwollgarn. Im Vergleich zur Vorlage auf dem Patronenpapier ist das Motiv im fertigen Stoff rund viermal kleiner. Das hier vorgestellte Zeitzeugnis bildet Teil des 2007 dem Staatsarchiv übergebenen Firmenarchivs Styger/Kündig, das den langen Zeitraum 1860 bis 1970 abdeckt.
Geschichte:
Das Dokument entstand im Umfeld der Plattstichweberei, die während rund 100 Jahren als ausserrhodische Spezialität grosse volkswirtschaftliche Bedeutung genoss. Die auf den internationalen Markt ausgerichteten Produkte fanden weltweit grossen Anklang. Wichtigste Absatzgebiete waren die Vereinigten Staaten, Grossbritannien und Britisch-Indien. Die starken modischen Einflüssen und heftig schwankender Konjunktur unterworfenen Plattstichgewebe dienten vorwiegend zur Herstellung von Frauenbekleidung und Fenstervorhängen. 1880 wurden in Appenzell Ausserrhoden über 4000 Plattstichstühle gezählt, die die Erwerbsbasis für mehrere Tausend Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter bildeten. Noch 1913 waren im Hinterland und Mittelland rund 3100 Heimarbeiter in der Plattstichweberei tätig. Die Styger in Stein AR gehörten zu den bedeutendsten Fabrikantenfamilien. Begründer der bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts fortgeführten Weberei-Tätigkeit war Johann Bartholome Styger (1834-1896), der für sich kurz nach 1860 seinen ersten Plattstichwebstuhl angeschafft und 1873 im Hagtobel ein neues Geschäftshaus erbaut hatte. Zu den im Jahr 1889 für die Firma Styger tätigen Entwerfern zählte Dessinateur Konrad Hörler. Noch um 1930 beschäftigte die Firma Alfred Styger rund 450 Heimweber und Heimarbeiterinnen in der Plattstichweberei sowie in der unter der Marke „Appenzellisches Handgewebe“ laufenden Grobweberei. Da der bereits ab 1930 einbrechende Export nach dem Zweiten Weltkrieg keine Neubelebung mehr fand, ging die Zahl der Heimweber sukzessive zurück und 1970 löste sich dann auch der 1887 gegründete Fabrikantenverband der Plattstichweberei auf.
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
StAAR, Pa.139 Firmenarchiv Styger/Kündig 1860-1970.
Buff, Regula und Specker, Louis: Die Plattstichweberei, eine alte Appenzeller Heimindustrie. Sozialgeschichte der Plattstichweberei, Stoffe der Plattstichweberei, technische Beschreibung der Webstühle, Herstellung der Stoffe. Herisau 1992.
Holderegger, Peter: Unternehmer im Appenzellerland. Herisau 1992, S. 126-129.
Rohner, Willi u.a.: 250 Jahre Gemeinde Stein AR. 1749-1999. Stein 1999, S. 74-77.
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