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P. Alois Kurmann zum Vierten Fastensonntag „Laetare“ 2023
Mein Vater hat erzählt, dass sein Vater eines Sonntags in der Kirche, als der Pfarrer predigte und predigte, aufgestanden sei und „Amen“ gerufen habe. Aber der Pfarrer habe unerschütterlich weitergepredigt – Wenn heute das ganze für diesen Sonntag vorgesehen Evangelium gelesen worden wäre, nämlich Johannes, Kapitel 9, Verse 1-41 wäre vielleicht in einigen der Wunsch aufgekommen, abzusitzen, weil sie vom Stehen müde geworden sind. Aber die liturgische Kommission hat eine Kurzfassung der Texte bereitgestellt, und so haben wir jetzt auch einen gekürzten Text gehört. Aber auch der gekürzte Text hat noch seine Schwierigkeiten; wir wollen auf zwei kurz eingehen.
Eher seltsam, fast abstossend empfinden wir wohl, dass zweimal gesagt wird, Jesus habe aus Speichel und Erde einen Teig gemacht und ihn dem Blinden auf die Augen gelegt, und als dieser dann die Augen gewaschen habe, seien seine Augen geöffnet worden. Der Evangelist nimmt etwas auf, was wir kennen: eine kleine Verletzung suchen wir auch mit etwas Speichel zu heilen. Und dass er einen Teig macht, bedeutet wohl, dass Jesus mit beiden Beinen auf der Erde steht, nicht fromme Sprüche macht, sondern tatkräftig hilft.
Ebenso mühsam sind die Pharisäer. Sie werfen Jesus vor, dass er am Sabbat geheilt hat, sie lassen den Geheilten nochmals die Sache mit dem Teig aus Erde erzählen, sie fragen den Geheilten, was er von Jesu halte, und als er sagt, Jesus sei ein Prophet, stossen sie ihn weg.
Erst am Schluss kommt die erlösende Befreiung. Der Geheilte weiss nicht, wer der ist, der ihn geheilt hat; Jesus gibt sich ihm dann als Menschensohn, als der erwartete Retter Gottes zu erkennen, und der Geheilte wirft sich auf den Boden und bekennt seinen Glauben an ihn.
Was sagt uns dieser Text? Wir können ihn als ein Bild für unseren Glaubensweg verstehen. Wir sind getauft, wir sind Glieder einer glaubenden Gemeinschaft, wir feiern Gottesdienst. Aber wird unser Glaube nicht immer wieder angefochten? Wir beten und bitten um vieles, und haben doch oft Gefühle der Müdigkeit, der Enttäuschung, da wir keine Erhörung feststellen können. Wir glauben, beten das Glaubensbekenntnis und haben doch Mühe, die Sprache unseres Glaubens zu verstehen: Menschensohn, Messias, Dreifaltigkeit, Sakramente. Und dann die häufigen Erfahrungen von Schmerz, Leid, Tod, Krieg, Terror, Verfolgung, aber auch von Enttäuschungen über politische Entscheidungen, über Zerstörung der Umwelt, der Angst vor der Energiekrise. Alles das versuchen wir in der Kraft unseres Glaubens zu verstehen, zu tragen, an Änderungen mitzuwirken. Aber unser Glaube hat doch auch eine lange Anlaufzeit, so wie das Evangelium lang ist und mehrmals gleiche Aussagen wiederholt.
Nehmen wir darum das lange Evangelium und den langen Weg des Geheilten als ein Bild für unseren Glaubensweg! Der Blinde hat, auch nachdem er sehen konnte, noch lange gebraucht, bis er wirklich bekennen konnte: „Ich glaube, Herr!“ Aber Jesus hat ihn auf dem Weg nicht stehen lassen, ist ihm wieder begegnet, als ihm die Augen schon geöffnet waren, hat ihm geholfen, seinen Glauben als die grosse Entdeckung seines Lebens zu formulieren. – Er hilft auch uns, ist auch dann bei uns, wenn wir ihn nicht spüren, wenn wir uns verlassen fühlen, den Glauben scheinbar nicht als Kraft unseres Lebens erleben. Der Ruf: „Ich glaube, Herr!“ ist eher selten ein Ruf des Triumphes, viel häufiger ein vertrauender Ruf um Hilfe, so wie es das Markusevangelium ausdrückt: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“