Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03323.jsonl.gz/2366

Seit gestern Nacht ist Nino Niederreiter der beste Schweizer Torschütze in der NHL. Das Toreschiessen ist aber nur eine seiner Qualitäten. Der Churer ist nämlich einer der führenden Defensivstürmer der Liga.
Nino Niederreiter ist nicht ganz hundert. Noch nicht. Aktuell hat der Schweizer in seiner NHL-Karriere 98 Tore und 97 Assists auf dem Konto. Damit hat er Mark Streit als besten Schweizer Torschützen in der NHL abgelöst.
Die 100 dürfte er in beiden Kategorien bald knacken. Trotz zweimaliger Verletzungspause gehört Niederreiter auch in dieser Saison zu den produktivsten Spielern der Minnesota Wild. Der Churer ist mit 13 Toren aktuell der drittbeste Torschütze seiner Mannschaft, obwohl er elf Partien verpasst hat.
Der Schweizer NHL- und Statistik-Blogger Micha Hofer beschreibt GameScore wie folgt: «GameScore ist eine Statistik, die versucht, die Produktivität eines Spielers aufzuzeigen. Dabei werden verschiedenste Statistiken, wie Tore, Strafen, Schüsse, Bullys oder Blocks gewichtet, um einen benennbaren Wert zu kreieren. Die Skala ist so angepasst, dass sie ungefähr der Anzahl Punkte entspricht.»
Auch bei anderen Statistiken ist «El Nino» weit vorne anzutreffen. Beim «GameScore» einer Statistik, die versucht die Produktivität eines Spielers aufzuzeigen, liegt er teamintern auf Rang vier. Und bei den Individual Expected Goals For/60 (siehe Infobox unten) knackt er sogar die Top 3.
Doch Niederreiters grösster Wert nicht liegt in der Offensive. Das mag für einen Stürmer komisch klingen, ist aber so. Denn der 25-Jährige ist einer der besten Defensiv-Flügel der Welt. Und damit hilft er seinem Team wie kein zweiter Spiele zu gewinnen.
P/60 – Punkte pro 60 Minuten Eiszeit. Dieser Wert lässt die Punkteproduktion eines Spielers unabhängig von dessen Einsatzzeit mit anderen Spielern vergleichen.
Corsi (CF%) – Hier werden die Schussversuche (Schüsse aufs Tor, Schüsse neben das Tor, geblockte Schüsse) des eigenen Teams ins Verhältnis gesetzt mit den Schussversuchen des gegnerischen Teams, wenn der betreffende Spieler auf dem Eis steht. Die entstehende Prozentzahl gibt eine Einschätzung über den Spielanteil eines Teams. Ein Corsi-Wert von über 50 gilt als gut.
PDO – PDO ist die Addition von Schusseffizienz eines Spielers oder einer Mannschaft und der Fangquote des jeweiligen Torhüters. Da diese zwei Faktoren stark vom Glück beeinflusst werden, kann mit dem PDO beurteilt werden, ob ein Team/Spieler gerade eher glücklich oder eher mit Pech agiert. Ein PDO-Wert unter 100 gilt als Pech.
ixGF – Individual Expected Goals For. Diese Statistik bewertet das Schussvolumen und die Qualität der Schüsse (anhand der Abschlussposition) eines Spielers. So wird die Anzahl der zu erwartenden Tore berechnet.
iSF/60 – Diese Statistik zeigt, wie oft ein Spieler aufs Tor schiesst pro 60 Minuten Einsatzzeit.
Anmerkung: Diese Statistiken werden nur bei Spielsituationen von fünf gegen fünf Spielern erhoben, da Powerplay und Boxplay die Werte verfälschen würden.
Das zeigen – wie könnte es auch anders sein – diverse Statistiken. Beginnen wir mit Corsi, der Wert, der mittlerweile auch in der Schweizer Hockeyszene so bekannt ist wie unser Eismeister Klaus Zaugg. Mit einem Corsi-Prozentsatz von 53,89 ist Niederreiter der klare Leader seines Teams – und nur einer von drei Akteuren mit einem positiven Wert.
Noch viel deutlicher wird der Wert des Churers ersichtlich, wenn man die Corsi-Statistik in die entsprechenden Verhältnisse setzt. So haben die Minnesota Wild mit Niederreiter auf dem Eis auf 60 Minuten gerechnet rund 13 Schussversuche mehr, als wenn er auf der Bank sitzt. Kein anderer Stürmer in der NHL hilft seinem Team mehr.
Dabei profitiert der Schweizer aber nicht von vielen Starts in der offensiven Zone. Tatsächlich halten sich bei ihm Bullys im eigenen und im gegnerischen Drittel gerade die Waage.
Niederreiter hilft aber nicht nur, mehr Schüsse auf den gegnerischen Kasten abzugeben. Gleichzeitig reduziert er auch die gegnerischen Angriffe auf den eigenen Torhüter um ein gutes Stück. Pro 60 Minuten Eiszeit reduziert «El Nino» die Schüsse des Gegners um rund sieben. Das bringt ihn von allen NHL-Stürmern auf den 27. Platz.
Damit gelingt es Minnesotas Nummer 22 das Spiel der gegnerischen Mannschaft deutlich stärker zu unterbinden, als dies bei einem typischen Flügel aus der ersten Linie der Fall ist. Und dies obwohl der Churer, gemessen an seinem Potenzial, immer noch sehr wenig Eiszeit erhält.
Das heisst, Niederreiter hilft seinem Team schon jetzt wie kein anderer. Sollte er irgendwann noch mehr «Auslauf» erhalten, könnte er diese Werte allenfalls gar noch mehr dominieren.
Dank einem 3:1-Sieg in Grenoble steht der SC Bern in der K.o.-Phase der Champions Hockey League. Grenoble liegt nur zwei Stunden von der Schweizer Grenze entfernt – und doch gibt es Franzosen, die das Nachbarland nicht zu kennen scheinen. Denn empfangen wird der SCB mit der schwedischen Nationalhymne und statt der Schweizer Flagge wird auf dem Videowürfel die blau-gelbe Schwedens eingeblendet. Das kommt selbst dem finnischen SCB-Coach Kari Jalonen spanisch vor. (ram)