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Beachten Sie die zusätzlichen Worterklärungen* rechts vom Text.
Die Heidelbeere ist die Beerenfrucht der Heidelbeerstaude (Vaccinium myrtillus). Sie wird sowohl frisch verzehrt als auch zu Brei (dialektal als Bappe, Mues, Zunne, Brei, Choch, gchocheti Beeri, Brägel oder Sturm bezeichnet) oder Konfitüre gekocht, verschiedenen Backwaren beigegeben oder zur Weinzubereitung (Heidelbeerwein) verwendet. Die getrockneten Beeren dienen ausserdem als Färbemittel für Wein und Spirituosen und werden als Heilmittel gegen Durchfall verwendet. Für die Beerenernte wurde ein eigens gefertigtes, kammartiges Gerät verwendet. Diese Art des Pflückens wird denn auch als sträälen 'kämmen' bezeichnet.
Das in den meisten Bezeichnungen vorkommende Grundwort -beeri, -pe(e)ri (auf der Karte z. T. durch den Trennstrich markiert) geht auf mhd. ber, ahd. beri 'Beere, Traube' zurück. In Teilen des Kantons Uri und des Wallis ist der Ausdruck Ber(r)i kein Oberbegriff für alle Arten von Beeren, sondern die Bezeichnung für die Heidelbeere.
Bei den Bestimmungswörtern können hauptsächlich die drei Typen Heidel-, Blau- und Hasel- unterschieden werden: Der Typ -Heid(el)-Beeri- (aus ahd. heid(i) beri und mhd. heitber) meint die auf der Heide, also auf nicht landwirtschaftlich genutztem Land, heimische Beere. Dieser Typ hat insgesamt die grösste Verbreitung und kommt in unterschiedlichen lautlichen Formen vor, die einen Zusammenhang mit dem Ausgangswort Heide nicht immer erkennen lassen. Beim Ausdruck Heidel- handelt es sich um eine -el- Bildung, die eine Zugehörigkeit ausdrückt (vgl. Eichel zu Eiche, Ärmel zu Arm) und den Zusatz -beeri eigentlich entbehrlich machen würde. Als lautliche Varianten zu Heidel- sind die im Kanton Thurgau vorkommenden Bezeichnungen Ha(a)de- und Ha(a)del-Beeri zu sehen, mit dort typischer Monophthongierung von ei zu aa (Gaass, s. Karte 89 Geiss). Die Kurzformen auf -i (Heiti, Heeti, Hööti) scheinen nach dem Muster von Chriesi 'Kirsche' oder Hinti 'Himbeere' gebildet und als Verkleinerungsformen verstanden worden zu sein. Die lautlichen Unterschiede kommen durch Monophthongierungen (Heeti) und Rundungen (Hööti) zustande, die in den betreffenden Gegenden üblich sind. Für den t-Laut, der statt d in den Kurzformen erscheint, sind verschiedene Erklärungen denkbar: t- als Angleichung an Hinti, Hinte 'Himbeere', als Lautintensivierung oder als dialektale Sonderlautung, wie sie bei Konsonanten manchmal zu beobachten ist. Die Formen Heitu/Heita lassen sich ebenfalls an Heid- anschliessen.
Die im Piemont vorkommenden Bezeichnungen Chepter und Hepter müssen ungeklärt bleiben; man kann allenfalls eine Vertauschung der Konsonanten p und t (Metathese) in Erwägung ziehen, die ausgehend von einer Form wie he(i)tper zu den fraglichen Bezeichnungen geführt hat. Die Bezeichnungen mit dem Bestimmungswort Höi- /Häi- gehen ebenfalls auf heid(i)beri zurück und sind wohl in einem ersten Schritt über eine gegenseitige Anpassung (Assimilation) der Konsonanten d und b (Heip-per(i) wie Erd-Beer(i) zu Ep-per(i)) entstanden. Die verdunkelte Bildung, die einen Zusammenhang mit 'Heide' nicht mehr erkennen liess, wurde in der Folge volksetymologisch umgedeutet und mit 'Heu' in Zusammenhang gebracht, was von der Reifezeit der Beere her nicht ganz abwegig ist. Der Wechsel vom Konsonanten p zu b (Höibeeri) mag durch eine neuerliche Angleichung an die Lautung von Beere zustande gekommen sein.
In südöstlichen Gegenden der Deutschschweiz ist der Typ Blaubeeri oder die Fügung blau Beeri belegt. Die Bezeichnung Blaubeere, die auch hochdeutsch ist, verdankt sich der Farbe der Beere, die hier und in nördlichen Ländern offenbar als blau wahrgenommen wird (vgl. engl. blueberry, schwed. blåbär), während in einigen süddeutschen Dialekten die Bezeichnung Schwarzbeere vorherrschend ist, die auf eine andere Farbwahrnehmung schliessen lässt. In der Deutschschweiz ist nur sehr vereinzelt die Fügung schwarz Beer(i) anzutreffen.
Beim Typ Häsel-, Hasel-, Häsli-Beeri, der in der Ostschweiz belegt ist, liegen Bezeichnungen vor, die auf das Verb heislen 'geifern, wie kleine Kindern tun' zurückgehen. Ein vergleichbares Bezeichnungsmotiv ist bei Schnuderbeeri auszumachen, einer ausgestorbenen Bezeichnung für die Heidelbeere, die auch für die klebrige Beere der Eibe verwendet wurde. Der Lautstand der Bildungen ergibt sich regelhaft aus den Monophthongierungen von ei zu aa oder ää (s. Karte 89 Geiss). Bei Häsli-Beeri mag eine verdeutlichende Anlehnung an die Verkleinerungsform von Hase vorliegen. ◆ HC