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Kino | El otro
Publiziert am 03. April 2008
Synopsis: Für den erfolgreichen Anwalt Juan Desouza (Chàvez) scheint alles darauf hinzudeuten, dass er ein Leben in Sicherheit und Wohlstand verbringen wird. Als ihm seine Frau (Molina) mitteilt, vielleicht schwanger zu sein und zugleich sein Vater schwer erkrankt, beginnt Juan über sein Dasein nachzudenken. Eine geschäftliche Reise und ein Toter verleiten ihn dazu, die Identität zu wechseln und das Leben dadurch aus anderer Perspektive neu zu sehen …
Kritik: Michelangelo Antonioni zeigte es in “Professione: Reporter”: Damals wechselte der Protagonist, gespielt von Jack Nicholson, seine Identität. Der Auslöser dafür war ein Toter. Dieselbe Ausgangslage finden wir bei “El otro”. Die Identität eines Menschen wechselt, sein Körper bleibt aber derselbe.
Das an der Berliniale 2007 mit dem Grossen Jury- und dem Darstellerpreis (für Julio Chàvez) ausgezeichnete Drama von Ariel Rotter (“Solo por hoy”) ist eine zum Nachdenken anregende Studie des menschlichen Lebens aus männlicher Sicht. Der argentinische Regisseur, einer der begabtesten in seinem Heimatland, geht in “El otro” sowohl mit der Hintergrundmusik wie auch mit den Dialogen sehr sparsam um, was den Film um so eindrücklicher macht. Die Geschichte fesselt vor allem dank des bestechenden Hauptdarstellers Chàvez, der Gedanken und Emotionen perfekt und mit wenig Aufwand vermittelt. Seine Interpretation des vorübergehenden Ausstiegs eines Mannes aus seinem Alltag, der versucht in die Identität eines anderen zu schlüpfen, ist einfach grandios. “El otro” ist eine leise, faszinierende Studie über Wirklichkeit und Vergänglichkeit.
Benny Furth