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Birnen
Über die Herkunft der Birne ist man sich uneins. Man nimmt an, dass ihr Ursprung in Eurasien liegt, genauer in Anatolien sowie im Kaukasus, wo die äusserst süsse Frucht seit bereits mehr als 3'000 Jahren bekannt ist. Von dort wurde sie nach Italien gebracht und bald schon verbreitete sie sich über alle Kontinente. Auch die Birne gehört zum Kernobst sowie zur Familie der Rosengewächse.
Von der Wildbirne «pyrus pyraster», auch Holzbirne genannt, stammen die meisten heutigen Kulturbirnen ab – und möglicherweise von zwei weiteren wilden Arten. Das lateinische Wort «pyrus» oder «pirum» ebenso wie die verwandte griechische Bezeichnung «àpion» für Birne bzw. birnenförmig leiten sich von sehr alten Lehnwörtern vorindoeuropäischer Mittelmeersprachen ab. Aus ihnen wiederum entstanden im Althochdeutschen «bira» und im Mittelhochdeutschen «bir» oder «bire». Es gibt rund 5'000 verschiedene Arten, die sich ab dem Mittelalter in Europa ausgebreitet haben, wobei die meisten jedoch erst im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert entdeckt wurden.
Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. pflanzte Mitte des siebzehnten Jahrhunderts viele Birnbäume an und verhalf der Pflanze und ihren überaus süssen Früchten damit zu Bekanntheit. Noch immer stehen Birnbäume im Schlossgarten von Versailles.
Leider beschränkt sich das heute erhältliche Birnensortiment auf einige wenige Sorten. Interessant ist, dass die Bekanntesten wie Alexander Lucas und Abate Fetel ursprünglich Zufallszüchtungen ihrer gleichnamigen Züchter Alexandre Lucas und Abbé Fétel sind. Auch die Williams-Christ- und Conférence-Birne gehören zu den Populärsten.
Birnen sollen nicht mit Äpfeln verglichen werden, wie eine alte Redewendung besagt. Dennoch kann man Äpfel und Birnen als Geschwister betrachten und folgende Parallelen ziehen: Die Birne ist eine sogenannte «Apfelfrucht», also einem Apfel sehr ähnlich. Sie enthält jedoch kaum Fruchtsäure, weshalb sie süsser, milder im Geschmack und viel weicher im Biss ist – ja, man spricht sogar von «butterig schmelzendem» Birnenfruchtfleisch (der eingedickte Saft der Birnen bzw. Birnendicksaft wird folglich gerne als Zuckeralternative verwendet). Im Gegensatz zum Apfelbaum blühen die Blüten des Birnbaumes zudem zirka zwei Wochen früher und ausschliesslich in Schneeweiss, ohne rosa Tönung. Genussreife Birnen sind überdies um einiges sensibler als Äpfel und halten daher nur ein paar Tage. Weil sie so schnell reifen und äusserst druckempfindlich sind, erweist sich auch ihre Lagerung eher als schwierig, und so müssen sie schnell verzehrt oder verarbeitet werden. Die Birne wird deshalb auch die «mimosenhafte Schwester» des Apfels genannt, was ihre Popularität jedoch nicht schmälert. Neben Zitrusfrüchten, Äpfeln und Bananen zählen Birnen zu den beliebtesten Früchten der Schweizer.
In Mitteleuropa war der Anbau von Birnen vor allem Aufgabe der Klöster, die allgemein mit Obst und Getreide eine Mischwirtschaft betrieben. Nonnen und Mönche trugen dadurch am meisten dazu bei, dass Birnen an Bekanntheit und Bedeutung gewannen. Gerade Mönche galten als experimentierfreudig und innovativ, denn sie waren ausgesprochen offen für den Anbau und die Kultivierung exotischer Kulturen.
Was ihren Nährwert betrifft, sind Birnen protein- und kohlenhydrat-reicher sowie zuckerhaltiger als Äpfel und damit leichter verdaulich. Da sie viele wichtige Vitamine (vor allem B-Vitamine), Mineralstoffe (sogar Bor!) und Antioxidantien, ausserdem Folsäure sowie Kalium und Kalzium enthalten, sind Birnen wahre Booster für die Gesundheit. Sie kurbeln den Stoffwechsel an, entschlacken und entwässern, fördern eine bessere Verdauung und schonen den Magen. Obwohl Birnen sehr viel süsser und kalorienhaltiger sind als Äpfel, stellen sie während einer Diät gesamthaft betrachtet die idealere Frucht dar.
Birnbäume erreichen in der Regel ein hohes Alter. Im Durchschnitt 70 Jahre, wobei gewisse Sorten bis zu 200 und Wildformen gar bis zu 300 Jahre alt werden können. Besonders erwähnenswert ist das im Möbelbau äusserst gefragte und rare Holz des Birnbaumes. Es ist hart, zäh, schwer, kaum elastisch, folglich formstabil und hervorragend zu bearbeiten. Diese besonders robuste Stabilität verdankt die Pflanze ihren sogenannten Steinzellen, die nicht nur das Holz aufweist, sondern auch die Frucht selbst. Deshalb ist es gerade bei Schnitzkünstlern sehr beliebt, die detailliert und filigran arbeiten.
Gattung: Birne, Birnbaum
Lateinischer Name: Pyrus, Pirus communis
Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae)
Tribus: Kernobstgewächse (Pyrinae)
Anzahl bekannter Arten: etwa 25
Habitus: sommergrüne Bäume oder Sträucher I teils mit Dornen bewehrt I hellgrau bis anthrazitfarbene Rinde, die scharfe, gitterartige Risse aufweist I Laubblätter wechselständig angeordnet I Stiele an der Basis nicht miteinander verwachsen (im Gegensatz zum Apfelbaum) I Rinde anfangs glänzend braun, später graubraun I einfache, ungeteilte, ledrige Blattspreiten I elliptisch mit spitzem Ende I fein gezähnte oder gekerbte Blattränder, selten auch gelappt I streng riechende, fünfblättrige, radiärsymmetrische, becherförmige und zwittrige Blüten, die ausschliesslich schneeweiss sind I Früchte mit unten bauchiger und nach oben spitz zulaufender oder rundlichen Form I weiches bis festeres, saftig-süsses und griessartiges Fruchtfleisch I zwei bis zehn hauptsächlich schwarze Samen pro Frucht
Alter: durchschnittlich 70 Jahre, gewisse Arten bis zu 200 Jahre
Hauptblütezeit: Anfang April bis Ende Mai
Erntezeit: August bis Oktober
Standort: wächst bevorzugt in warmen, mässig feuchten und tiefgründigen Ton-Lehmböden I mag keine Staunässe I fühlt sich an warmen, vollsonnigen und geschützten Orten am wohlsten I neben einer Hauswand und gegen Osten oder Süden gerichtet gedeiht er prächtig
Besonderheit: Tiefwurzler I Fremdbefruchter I zur Befruchtung seiner Früchte eignet sich am besten ein zweiter Birnbaum einer anderen Sorte (auch in der näheren Umgebung) oder Artverwandte, die zur selben Zeit blühen