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Das Verwelken und der Lohn der Bewährung (Jak 1:9-12)
Von Daniel Muhl
- 9 Es rühme sich aber der Bruder niedrigen [Standes] seiner Höhe,
10 der reiche dagegen seiner Niedrigkeit; denn wie des Grases Blume wird er vergehen.
11 Denn die Sonne ging auf mit [ihrer] Glut und versengte das Gras und seine Blume fiel ab und die Schönheit seines Aussehens war dahin; so wird auch der Reiche mit seinen Unternehmungen dahinschwinden. –
12 Glückselig der Mann, der die Versuchung geduldig erträgt; hat er sich nämlich in der Prüfung bewährt, so wird er den Siegeskranz des Lebens empfangen, den [Gott] denen verheißen hat, die ihn lieben.
Diese vier Verse kann man mit ganz unterschiedlichen "Brillen" anschauen. Je nachdem, welche Brille man aufsetzt, freut man sich außerordentlich oder man ist ziemlich deprimiert. Diese Verse haben einen tief seelsorgerlichen Aspekt. Es lohnt sich auf jeden Fall, intensiv über diese Verse betend nachzudenken. Wer sie wirklich verstehen durfte, wird glückselig sein; ganz egal ob arm oder reich. Wenn alle Gläubigen diese Aussagen verstanden hätten, gäbe es unter ihnen keine Minderwertigkeitsgefühle mehr und sie würden aufhören, sich neidisch zu vergleichen!
Wenn alle Menschen diese vier Verse wirklich verstanden hätten, würden sie ihre Nächsten nicht mehr verachten, sondern im Gegenteil; sie würden sich gegenseitig maximal wertschätzen. Reiche Menschen wären nicht mehr stolz auf ihre Errungenschaften und sie würden aufhören, ihr Vertrauen auf den vergänglichen Reichtum zu setzen. Auch den "Schönen und Erfolgreichen" wäre bewusst, dass diese Dinge genauso vergehen, wie die Blumen des Feldes. "Reiche und schöne Menschen" würden beginnen, ihren Wert und den Wert ihrer Mitmenschen über etwas ganz anderes zu definieren.
Der arme, niedrige, unscheinbare und benachteiligte Bruder bekommt hier eine ganz neue Perspektive. Aus göttlicher Sicht hat er eine ganz andere Stellung, als dies von außen wahrgenommen wird. Egal wie arm und bedürftig er ist; durch den Heiligen Geist, der in seinem Herzen Wohnung gemacht hat, darf er die höchstmögliche Identität haben! Er darf Kind, bzw. Sohn Gottes sein, weil er durch den Glauben an Jesus Christus zum Leib Christi gehören darf. Kein Geschöpf im ganzen Universum kann eine höhere Identität bekommen als diese! Selbst die ranghöchsten Engelfürsten – die uns in Bezug auf Kraft und Intelligenz weit überlegen sind – haben nicht so eine hohe Identität. Den armen und benachteiligten Menschen fällt es wesentlich leichter, diese frohe Botschaft anzunehmen, weil sie kaum eine irdische Identität haben, auf die sie nicht verzichten könnten. In vielen Fällen freuen sie sich einfach über die geschenkte neue göttliche Identität!
Das ist mitunter auch ein Grund, warum Jesus die "Armen im Geist" glückselig preist. Das Wort Gottes verheißt den Niedrigen an so vielen Stellen eine große Erstattung. Gerade auch zwei Frauen, die in der Gesellschaft eine niedrige Stellung innehatten, machen auf diesen Umstand aufmerksam. Sowohl Hanna als auch Maria durften dies erkennen und in ihren Lobgesängen zum Ausdruck bringen:
- "Er hebt den Geringen aus dem Staub empor, aus dem Schmutz erhöht er den Armen, um ihn sitzen zu lassen bei Edlen; und den Thron der Ehre lässt er sie erben." (1Sam 2:8)
- "Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht." (Lk 1:52)
Paulus verheißt den Christen, die mitleiden, bzw. um Jesu Willen leiden, Folgendes:
- Röm 8:16-17 - Der Geist selbst bezeugt ⟨zusammen⟩ mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. 17 Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.
Im Gegensatz dazu, hat es ein Reicher viel schwerer, nicht mehr auf seine "erarbeitete Stellung" und sein "erworbenes Vermögen" zu vertrauen. Diese Dinge haben seiner Seele über lange Zeit ein gutes Selbstwertgefühl vermittelt. Sein Vermögen bot ihm auch das trügerische Gefühl von Sicherheit!
Mit zwei seelsorgerlichen Sätzen führt Jakobus die Reichen zum richtigen Bewusstsein! Ich sage es jetzt einmal mit meinen Worten:
- "Rühme dich deiner Niedrigkeit, weil deine irdische Schönheit, deine menschliche Kraft, dein weltliches Vermögen und alle deine irdischen Geschäfte wie eine Blume verwelken und dahinschwinden werden!"
Jakobus vermittelt das gleiche Bewusstsein wie das Predigerbuch:
- "Aller weltliche Reichtum, alle kosmische Weisheit und jeglicher irdische Genuss ist nur ein eitler Dunst!"
Alle reichen Geschwister, die das vor Augen haben und aus diesem Bewusstsein leben, werden ...
- ... die Geringen nicht mehr verachten
- ... nicht mehr stolz auf das Erreichte sein, weil sie wissen, dass alles nur ein Geschenk Gottes ist
- ... wissen, dass ihr weltliches Vermögen, wie bei Hiob, von einem Tag auf den anderen verloren gehen kann
- ... ihr Vertrauen nicht mehr auf ihr Vermögen setzen und sie werden mit einer großen Freigiebigkeit und Fröhlichkeit ihr Vermögen für die "Sache des HERRN" einsetzen, indem sie mit den Hungrigen ihr Brot teilen und den Bedürftigen zu Hilfe kommen!
Erst wenn die Wohlhabenden in dieses Bewusstsein gekommen sind, sehen sie ihre eigene Niedrigkeit und können sich auch – in tiefster Demut – über ihre hohe Stellung in Christus freuen! Für mich sind diese Verse Seelsorge pur!
In Vers 12 macht Jakobus wieder einen Sprung zum Thema Versuchung!
Die Versuchungen, bzw. Erprobungen, mit denen die Briefempfänger konfrontiert wurden, hatte Gott genehmigt, damit den Gläubigen bewusst wurde, inwiefern ihr Herz noch am irdischen Reichtum hing und wie groß ihr Gottvertrauen war. Durch die Prüfungen geriet das angenehm eingerichtete Leben plötzlich ins Wanken.
Die Corona-Pandemie hat unsere Existenz auch erschüttert. Wir hatten uns an viele Annehmlichkeiten und Freiheiten gewöhnt, durch deren Wegfall innerhalb weniger Wochen plötzlich Existenzängste auftauchen und mit einem Mal wird es fraglich, ob die alten Freiheiten wieder zurückkehren werden.
Glauben wir nach wie vor, dass Gott einen guten Plan für unser Leben hat; auch wenn vieles ins Wanken geraten ist? Möchten wir gerade jetzt umso mehr dem HERRN dienen und uns Ihm ganz hingeben, damit wir für unsere bedrängten Mitmenschen ein Segen sein können? Möchten wir weiter am Vertrauen auf Gott festhalten, auch wenn Gott uns Dinge wegnimmt, an die wir uns gewöhnt haben?
Wenn Gott uns dazu Seine Gnade schenkt und wir die Versuchung geduldig ertragen, dann dürfen wir den unvergänglichen Siegeskranz des Lebens empfangen (1Kor 9:25)! Dieser unvergängliche Siegeskranz löst eine unvorstellbare Glückseligkeit aus, für die es sich absolut lohnt, die von Gott verordneten Versuchungen geduldig zu ertragen.
Die Verse 13-15 habe ich bereits näher beleuchtet { siehe "Empfänger und Versuchungen (Jak 1:1-4)" }.
Weiter zu: Gaben und Erstlingsfrüchte (Jak 1:16-18)