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Basel, um 1615
Maler: Matthäus Merian d. Ä. (1593-1650) zugeschrieben
Leinwand, wachs-harz-doubliert und auf neuem Keilrahmen gespannt
H. 59,7 cm, B. 116,5 cm (ohne Rahmen)
Inv. 2007.338.
Eines der wenigen Gemälde, das dem berühmten Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian d.Ä. zugeschrieben wird, gibt präzise die Ansicht der Stadt Basel von Süden wieder. Der bauliche Zustand der Stadtbefestigung entspricht dem Erscheinungsbild auf dem grossen Basler Stadtplan Merians von 1615.
Daher ist das Gemälde vermutlich in dieser Zeit, also unmittelbar vor Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges entstanden. Das im Vordergrund stehende, in Basler Tracht und mit Kegelhüten bekleidete Paar geniesst vom Bruderholz aus den Fernblick auf die in der Rheinebene liegende Stadt. Rechts im Vordergrund sieht man das heute nicht mehr existierende Vordere Gundeldinger Schlösschen.
Der Standort des Malers ist etwa dort zu lokalisieren, wo sich heute die Kunsteisbahn befindet. Als Repoussoirfiguren führen die Personen den Blick des Betrachters auf die klar von der Stadtmauer abgegrenzte Stadt, in deren vertikaler Mittelachse der Chor der Barfüsserkirche und das Münster zu sehen sind. Links neben dem Paar hat sich der etwa 22-jährige Merian offensichtlich selbst als Zeichner ins Bild gesetzt. Mit diesem integrierten Selbstbildnis bürgt er für die wahrheitsgetreue Wiedergabe der Stadtansicht. Die korrekte Darstellung der Stadt mit ihren Kirchen und der Stadtmauer als den repräsentativsten Bauten ist ein Kennzeichen des Künstlers, der mit der späteren Herausgabe von Veduten und Stadtplänen sowie seines topographischen Hauptwerks "Topographia Germaniae" (1642-55) berühmt wurde. Es ist davon auszugehen, dass Merian das Gemälde vor Ort mit Skizzen vorbereitet hat.
Die Stadtmauer, die sich links vom Spalentor bis nach rechts aussen zum St. Albantor verfolgen lässt, ist mit allen Türmen und Bollwerken getreu wiedergegeben. Die Fassadenfront von Kleinbasel am Rheinufer ist ebenfalls detailliert ausgeführt, während sich die Grossbasler Stadtsilhouette klar vor dem hellen Rhein abhebt. Im Hintergrund erhebt sich der Schwarzwald, man erkennt den Isteiner Klotz (links) und den Tüllingerhügel mit den badischen Ortschaften Ötlingen und Tüllingen sowie die Burg Rötteln. Das aufziehende Gewitter erzeugt eine dramatische Atmosphäre und taucht Basel mit dem teilweise durch die dunklen Wolken brechenden Licht der Abendsonne in eine reizvolle Stimmung.
Dieses Gemälde ergänzt nicht nur die bedeutende Reihe von Merians graphischen Stadtansichten, sondern zeichnet gleichzeitig ein stimmungsvolles Bild der topographischen Einbettung der damals rund 10'000 Einwohner zählenden Stadt in die ländliche Umgebung. Das Bild befand sich imvormals im Ehegerichtssaal des Basler Rathauses und ist nun in der neuen Dauerausstellung im Südschiff der Barfüsserkirche zu bewundern.