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Dieses Jahr habe ich drei Mal Muttertag gefeiert. Einmal am 14. Mai, per Skype mit meiner eigenen Mutter und mit guten digitalen Wünschen an einige Mütter in meinem Freundeskreis; einmal vorgestern und einmal heute. In Bolivien wird der Muttertag am 27. Mai gefeiert – und zwar gross. Da der 27. dieses Jahr auf einen Samstag fiel, wurden bereits am Freitag in den Schulen Feiern und Messen zu Ehren der Mütter durchgeführt. Am Samstag fanden dann grosse Festessen zu Hause statt – bei denen in vielen Fällen die Mütter trotzdem hinter dem Herd standen. Ich war per Zufall just an diesem Tag bei einer Familie zum Essen eingeladen, die den Muttertag wie ich bereits hinter sich hatte (er Deutscher, sie Kolumbianerin) – trotzdem wollte ich ein Blümchen mitbringen. Da leider der Blumenmarkt die Preise anlässlich des Tages, an dem sicher ein zigfaches verkauft wird, auf das Vierfache (!!) angehoben hatte, fiel dieses allerdings ziemlich mickrig aus 😀 Ganz und gar nicht mickrig waren dafür der Kuchen und die Salteñas (bolivianische Teigtaschen), die mein Chef heute spendiert hat. Ob das überall so gehandhabt wird, weiss ich nicht, aber bei uns im Büro wird eigentlich jede Gelegenheit zum Feiern mit Feuereifer ergriffen. Ja, ich fühle mich hier seeehr gut aufgehoben 🙂
Während dieses vormittäglichen kulinarischen Höhenflugs erfuhr ich aber auch die interessante Geschichte des 27. Mais und warum die Mütter hier an diesem Datum gefeiert werden: Damit wird der «Heldinnen von Coronilla» gedacht, die sich 1812 im bolivianischen Unabhängigkeitskrieg in Cochabamba der spanischen Besetzung entgegenstellten. Als der Gouverneur seine Niederlage eingestand und er und die anderen Männer begannen, mit den Spaniern zu verhandeln, machten sich die Soldaten daran, in die Häuser der Stadt einzudringen und zu plündern, was sie konnten. Geschockt von der Feigheit ihrer Männer protestierten die Frauen mit dem Schrei «Unser Heim ist heilig!» und beschlossen, Widerstand zu leisten. Mit einer blinden Alten als Anführerin und einigen Macheten, Gewehren und drei Kannonen bewaffnet verschanzten sie sich auf dem Hügel Coronilla. Nach zwei Stunden erbitterten Kampfs wurden sie besiegt, doch von ihrem ausserordentlichen Mut wird bis heute mit Bewunderung berichtet, und 1927 ernannte der damalige bolivianische Präsident Hernando Siles Reyes den 27. Mai in ihrem Gedenken zum Muttertag. Also: Hoch leben die Mütter und die Frauen, damals wie heute! Viel öfters als nur drei Mal pro Jahr sollte man diese und andere Heroinnen feiern!