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Der Malzhandel begann 1801 mit der von Caspar Eckenstein-(Laederich) mit Falkeisen in Basel gegründeten Firma Falkeisen & Eckenstein, welche mit Hopfen, Gerste und Malz handelte. Zwei seiner 4 Kinder waren Zwillinge welch die Firma weiterentwickelten: Eduard Eckenstein-Schermar übernahm 1832 die Führung des Handelsgeschäfts , welches er während 30 Jahren auch international stark ausbaute, bis er sich entschloss auch in die Malzfabrikation einzusteigen. Sein Zwillingsbruder Wilhelm Eckenstein-Maring gründete im gleichen Jahr nach dem Kauf der alten Liegenschaft "Zum Cardinal" die Brauerei (im Keller) und die Bierhalle (im Parterre) die Brauerei "Zum Cardinal" in Basel, welche von seiner Frau weitergeführt wurde (Quelle aller rot-ovalen siehe Broschüre von 1890 weiter unten; der S/W Bilder: Buch "Geschichte der Bierbrauerei Basels von Eduard Eckenstein-Schröter Birkhäuser Verlag Basel 1902)
Von 1832 bis 1872 blieb die Brauerei und Bierhalle "zum Cardinal" mit der angebauten Bierschenke "Fuchsloch" unter Führung und besitz der Familie von Wilhelm. Nach seinem tödlichen Sturz in den Lagerkeller im Jahr 1855 führte seine Witwe Henriette Eckenstein-Maring vor allem die Wirtschaft weiter, während sie ab 1864 den Brauereibetrieb weitervermietete. Bild aus oben genanntem Buch aus Fasnacht 1882, sowohl der Name "Bierbrauerei zum Cardinal" wie auch W. Eckenstein sind an der Gebäudefront lesbar. Der Mieter kaufte schliesslich den Brauereibetrieb und baute 1887/88 beim SBB Viadukt eine neue Brauerei "zum Cardinal" (nicht zu verwechseln mit der in Fribourg entstandenen Brauerei mit den Namen der wechselnden Besitzer, zuletzt Blancpain, welche erst 1890 auf Cardinal umbenannt wurde). Die Basler Cardinal Brauerei wurde dann 1922 von der Basler Brauerei Warteck übernommen, welche 1991 an Feldschlösschen verkauft wurde.
Die neuen Besitzer der ursprünglichen Cardinal Liegenschaft bauten anstelle der Brauerei einen Saal ein und eröffneten am 1.10.1900 das erste Grossvarietétheater mit Restaurations- betrieb. (Quelle: http://tls.theaterwissenschaft.ch/wiki/Cardinal-Theater,_Basel_BS. Die Brasserie wurde 1904 total umgebaut und umbenannt nach dem Schutzpatron des Bieres "Gambrinus" resp "Gambrinushalle" und diente weiterhin auch als Varietétheater. 2008 wurde das Gebäude abgerissen nachdem schon nach dem Krieg das schöne Oberlicht zerstört worden war. (Bild: Gambrinus 1905, Quelle. Wirteverband Basel)
Eines der Söhne von Eduard Eckenstein-Schermar, nämlich August Eckenstein kaufte als gelernter Bierbrauer ca. 1882 die bestehende Bierbrauerei St Clara in Basel. Es existieren seltene Kupfermünzen "August Eckenstein, Bierbrauer, Basel" welche sehr wahrscheinlich auf die Periode 1882-1890 dieses Betriebs zugeordnet werde können, 1890 wurde diese Brauerei an die Basler Brauerei Cardinal verkauft. August Eckenstein war anschliessend in den Malzfabriken der Gesellschaft für Malzfabrikation in Dijon und Issoudun tätig.(siehe unten)
Unter Eduard Eckenstein-Schermar entstand 1862 and der St. Margarethenstrasse 15 in Basel die erste Malzfabrik der Firma auf dem Gelände des heutigen Bahnhofs.1870 trat dann sein Sohn Eduard Eckenstein-Schröter in die Firma ein nach seiner Ausbildung in Münchner und Wiener Brauereien. Bereits 1897 wurde dieser Standort mit einem Bauverbot gegen an sich nötige Erweiterungen auferlegt, da der Bedarf für die Bahn absehbar wurde. Damit war das Schicksal des Standortes besiegelt, 1901 wurde die Produktion stillgelegt und das Expropriationsverfahren zog sich bis Ende 1902 dahin.
Die 1890 als AG konstituierte "Gesellschaft für Malzfabrikation" (Malterie Franco-Suisse) ging hervor aus der ursprünglich von Caspar Eckenstein-(Laederich) mit Falkeisen in Basel gegründeten Firma Ihre Blütezeit erlebte die Firma bis 1920 mit internationaler Expansion in Europa. Schlüsselfigur war in dieser Zeit Eduard Eckenstein-Schröter (1847-1915). Er profilierte sich auch fachlich als Buchautor u. a. zum Thema Malzqualität bei tiefen Kosten dank modernsten Produktionsmethoden und setzte diese in der Zeit seiner Führung von 1878 bis 1914 konsequent um. Die Firma überstand auch die schwierige Zeit während des ersten Weltkriegs dank anhaltendem Bedarf an Malz. (Links: Titelblatt einer Broschüre für die Weltausstellung in Mailand 1906, aus der auch sämtliche rot-ovalen Bilder stammen)
1881 wurde die erste Filiale im Ausland erbaut mit dem Namen "Malterie Franco-Suisse" in Le-Puy-en-Velay (Haute Loire), F. Der Standort liegt nur etwa 100 m vom Bahnhof, aber mit Höhenunterschied tiefer gelegen, welcher ein Gleisanschluss verunmöglichte. Mitten in der Stadt wurde der Platz knapp, die Verkehrsanbindung und die Emissionen zunehmend problematisch. Der Standort wurde daher zwischen 1963 und 1970 zugunsten von Issoudun aufgegeben. Die Fabrik wurde abgerissen, aber das Direktorenhaus (links im Bild) steht heute noch.
2019 Das ehemalige Direktorenhaus von Le Puy an der Rue de la Gazelle 15 steht immer noch weitgehend in Originalform - nur rechts hinten ein kleiner moderner Anbau - und wird heute als einfache Herberge "Gite de la Gazelle" genutzt.
1887 folgte die Fabrik in Nitra (damals Ungarn, heute Slovakei) unter dem Namen "Malátát Gyártó Társaság", nach 1929 "Malzfabrik Eckenstein & Co. A.G. Nitra CSR (bis 1944?). Die Gebäude stehen weiterhin, wurden bis 1997 von der Brauerei Corgon genutzt und dann von Heineken Slovensko übernommen, 2004 jedoch als Betrieb aufgegeben. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz und werden sukzessive umgenutzt.
1890 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das rasche Wachstum verlangte nach geeigneter Organisation und Finanzierung. Das anfängliche Aktienkapital betrug 1.6 Mio CHF (3'200 Aktien zu 500.-)..Links im Bild eine Gründeraktie mit anfänglich 250.- CHF. Später wurden weitere 150.- und 100.- einbezahlt zum endgültigen Nennwert von 500.-. 1912 wurden weitere 800 Aktien zu 500.- ausgegeben mit denen das Kapital auf 2 Mio CHF erhöht wurde. Gleichzeitig wurden zusätzlich Obligationen (Tranche D: 500 Obligationen zu 1'000 CHF) ausgegeben. Damit wurde die starke Expansion ins Ausland in CHF finanziert. Das war kein Problem in der Zeit vom Goldstandard und fixen Währungskursen. Mit dessen schrittweisen Aufhebung kamen die Kurse aber unerwartet stark ins Rutschen.So verlor die wichtigste Beteiligung in Frankreich zwischen 1914 und 1924 ca. 80% an Wert und die Erträge aus Frankreich schrupften in CHF ausgewiesen drastisch und konnten die Zinsen für die finanziellen Verpflichtungen in CHF nicht mehr decken. Die Abwertung der Deutschen Mark eskalierte 1923 ins unermessliche und auch die Slovakei bot nur noch Probleme. Diese starke Entwertung der Auslands- Beteiligungen und die Rezession von 1929 sowie auch die zunehmende Konzentration der Malzherstellung in den Grossbrauereien haben die Reserven mit grossen Verlusten rasch aufgebraucht. Eine zusätzliche Anleihe von 1 Mio CHF zu 6% Zins im Jahre 1925 hat zwar vorerst das Finanzloch gestopft, war aber weil in CHF eher kontraproduktiv und hat 1929 zur Nachlassstundung und zur schrittweisen Liquidation der "Gesellschaft für Malzfabrikation" geführt. Durch Verkauf an lokale Investoren konnte das gravierende Finanzierungsproblem 1929-1934 gelöst werden und die Betriebe und Arbeitsplätze an allen Standorten gerettet werden unter weitgehendem Verlust für die Aktionäre und Obligationäre in CHF.
1891 -1917 wurde in Dijon, F in einem Mietobjekt eine Filiale mit Lager und Verkauf betrieben. Während dem ersten Jahr wurde auch Cafemalz gebraut durch August Eckenstein, der anschliessend nach Issoudun in die neue Malzfabrik Fabrik zog.(siehe unten)
1893 wurde die Malzfabrik in Dinglingen-Lahr, D gekauft, welche 1891 erbaut worden war. Diese Fabrik steht heute noch in wenig veränderter Form und produziert weiterhin Malz unter dem Namen "Malzfabrik Eckenstein & Co. GmbH". Die Malzfabrik Eckenstein & Co wurde 1929 als Kommanditgesellschaft gegründet für die Weiterführung und 1934 in GmbH umgewandelt mit Minderheits- Beteiligung des langjährigen deutschen Mitglieds der Geschäftsführung. Seit 1981 unter deutscher Mehrheit. Rudolf Eckenstein-Aemmer war als letzter Vertreter der Familie Eckenstein noch von 1934 bis 1949 Mitglied der Gesschäftsführung des Dinglinger Standorts und seither ist die Familie Eckenstein ganz aus dem Malzgeschäft ausgestiegen.
Dinglingen Lahr, 2004 Der urprüngliche Dreieckige Dachaufbau an der Front war im zweiten Weltkrieg während der Bombardierung des nahen Bahnhofs beschädigt worden und wurde in den fünfzigerjahren abgetragen.
1893 wurde die neu erstellte Fabrik "Malterie Franco Suisse" in Issoudun (indre) F in Betrieb genommen. Die beiden Fabrikgebäude in der Mitte und rechts im Bild stehen weiterhin am ursprünglichen Ort in leicht veränderter Form und mit vielen Anbauten. Das Direktorenhaus links wurde jedoch entfernt zugunsten Manövrierfläche für die Sattelschlepper. Auch diese Malzfabrik ist unter gleichem Namen noch voll in Betrieb mit dem ursprünglichen Namen plus dem Namen Axereal sowie dem der jetzigen Besitzer: der belgischen Boortmalt Gruppe (siehe www.boortmalt.com)
2019 Issoudun - Strassenseite 47, rue des Allouettes. Das ehemalige Fabrikgebäude im Bild oben in der Mitte ist hier links im Bild erkennbar and den 2 oberen Stockwerken mit total vier 2-teiligen Fenstern und den 4 einteiligen in den beiden unteren Stockwerken. Das urprüngliche Gebaude im obigen Bild rechts ist nun hinter einer Wellbelechfront verkleidet immer noch erkennbar: Das neue blaue Bortmalt Logo ist etwa auf Höhe des alten Giebels mitten in der Aufstockung. Darunter ist das alte 3-fach Fenster und dann die Reihe mit 3 Doppelfenstern eindeutig erkennbar links und rechts der neuen Wellblechfront sind Anbauten aus verschiedenen Epochen sichtbar. Es existieren diverse Bilder von Zwischenstadien die diese Übereinstimmung eindeutig bestätigen.
2019 Issoudun - Gegenüber den beiden oberen Bildern ist auf der rechten Seite das Bahngeleise kurz vor dem Bahnhof. Auf dieser Seite sind im unteren Bereich relativ frühe Anbauten sichtbar mit gleichem klassischem Fenstermuster. Oben neuere Aufstockungen. Die Fimenbezeichnung "Malteries Franco Suisses" ist gerade noch lesbar. Bei der Übernahme durch die französische Mehrheit 1929 wurde die Firmenbezeichnung mit dem Detail "Malteries" mit dem Mehrzahl "s" am Schluss ergänzt (Le Puy und Issoudun), während die ursprüngliche Schweizer Bezeichnung bei der Gründung von Le Puy mit Malterie festgelegt worden war. Die Schweizer Minderheitsbeteiligung blieb noch bis 1934 bestehen in den Büchern der Liquidationsmasse.
2019 Rund um Issoudun - Gerstenfelder, soweit das Auge reicht
1929 - An der a.o. GV vom 16.12.1929 wurde die Liquidation und Auflösung der "Gesellschaft für Malzfabrikation AG" beschlossen. Damit konnte ein Konkurs abgewendet werden und der Fortbestand der Standorte und Arbeitsplätze gesichert werden.
1929-1934 Aus der Liquidation der "Gesellschaft für Malzfabrikation" und deren Zersplitterung und Verkauf entstanden neue Firmen. Die nun in französchichenn Mehrheit operierende "Malteries Franco-Suisses in Issoudun und Le-Puy, die "Malzfabrik Eckenstein & Co AG Nitra" und die "Malzfabrik Eckenstein & Co GmbH" in Dinglingen. Zusätzlich entstand die Hopfen & Malz- Handelsfirma "Eckenstein & Co" in Basel(ab 2019 in Grandson VD) und die Maltek Holding Co. AG in St. Gallen. Mit Rudolf Eckenstein-Aemmer (1893-1965) kommt die Geschichte der Familie Eckenstein im Malzgeschäft zu Ihrem Ende, als er zwischen 1944 und 1949 seine Tätigkeit beendete und die letzten Anteile der Familie veräusserte.
Stand 2020: Soweit bekannt sind noch 4 Firman operativ tätig: 1) Die "Malteries Franco Suisses" in Issoudun, F (auch unter dem Namen - Bortmalt - Axereal Gruppe) ist eines der grössten europäischen Malzproduzenten und hat stark expandiert. 2) Die Malzfabrik Eckenstein & Co in Dinglingen-Lahr, D ist gut regional verankert und 3) Die Handelsfirma Eckenstein & Co,CH operiert seit 2019 in Grandson VD an neuem Standort.https//malt-houblon.ch
--> Weitere Informationen zu diesen Fabriken und oder Firmen nimmt der Autor über das Kontaktformular gerne entgegen,