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Die Galerie von 1992 ist eine Arbeit, welche die zentralen Aspekte des Werkes von Franz West konzentriert. Sie ist eines der wenigen Beispiele, wo der Künstler eine räumliche Situation für seine „Skulpturen“ vorgibt, die jeweils wieder herzurichten ist, wo auch immer die Arbeit ausgestellt wird. Galerie besteht aus einem Raum, gebildet aus leichten papiernen „Stellwänden“, in dem sich ein „Paßstück“ befindet. Außerhalb dieses Raumes steht ein „Sofa“, auf dem sitzend der Besucher ein Video betrachten kann, mit dem der Gebrauch jenes „Paßstückes“ demonstriert wird.
Bei den „Paßstücken“ von Franz West handelt es sich um Gipsskulpturen, die der „Betrachter“ benutzen, mit denen er umgehen, die er an seinen Körper anlegen kann oder soll - Werke gewiß, die aus der Tradition der Performance und speziell des Wiener Aktionismus kommen. Die „Paßstücke“ stehen nicht nur zu „zur Verfügung“, sondern zwingen vor allem auch den Körper, sich ihnen anzupassen - eher Prokrustes-Bett als Instrument oder Werkzeug. Das körperliche Subjekt ist Akteur in dem Masse, in dem es sich den Vorgaben der Skulptur unterwirft, wenn es sie sich anlegt und mit ihr hantiert. In vergleichbarer Weise dienen auch die Westschen Möbel weniger dem Komfort des Benutzers, als daß sie sich ihm aufdrängen und ihm Haltungen, bestimmte Formen der räumlichen Präsenz des Körpers abverlangen. Franz West hat gelegentlich geäußert, wenn Neurosen sichtbar wären, würden sie aussehen wie seine Paßstücke.
Der „Raum“ in der Arbeit Galerie kann unter anderem als „Umkleidekabine“ verstanden werden, als Ort, wo jemand sich auf den Umgang mit dem Paßstück vorbereitet, während die Betrachtung außerhalb des „Raumes“ vom „Sofa“ aus gewissermaßen nachträglich stattfindet. Die Handhabung selbst also bleibt ausgespart (es kann auch offen bleiben, ob jemand das „Paßstück“ wirklich benutzt oder nicht - andererseits aber ist der Betrachter des Videos schon in den Handlungszusammenhang der Paßstücke einbezogen, wenn er sich nur auf das Sofa vor den Fernsehapparat setzt). Die Stelle der Gegenwart wird vom Werk selbst und dem in es einbezogenen „Betrachter“ eingenommen, der ins Werk gesetzten Kopräsenz von Noch-nicht und Nicht-mehr des Umganges mit der Skulptur. U.L.