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Was können wir tun, wenn ein Asteroid auf die Erde zurast?
Ein Planspiel lotet aus, was die Menschheit tun könnte, wenn ein Asteroid die Erde bedroht. Die ernüchternde Antwort ist leider unangenehm.
Am 19. April 2021 wurde ein bisher unbekannter Asteroid entdeckt. All zu viel über ihn ist zunächst nicht bekannt, er könnte einen Durchmesser von 35 bis 700 Metern haben. Und er hat eine fünfprozentige Wahrscheinlichkeit, in sechs Monaten die Erde zu treffen. Der Asteroid bekommt zunächst den Namen 2021 PDC.
Eine Woche später gibt es dann traurige Gewissheit. 2021 PDC wird mit einer hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit im Oktober 2021 mit der Erde kollidieren, mit potenziell katastrophalen Folgen. Doch wo genau wird 2021 PDC einschlagen und kann man ihn vielleicht noch stoppen? Diese Frage sollte ein Planspiel vergangene Woche bei der «Planetary Defense Conference» beantworten, die sich mit diesem fiktiven Asteroideneinschlag befasste.
Schweiz im Visier
Die Teilnehmer*innen der virtuellen Konferenz erfuhren allmählich weitere Details über 2021 PDC. Die fünf Tage der Konferenz entsprachen dabei sechs Monaten im Planspiel. So sollte die mit der Zeit zunehmende Menge an Informationen simuliert werden, wie sie auch bei einer echten Gefahr aus dem All nach und nach eintreffen würden.
Am zweiten Tag der Konferenz und im Planspiel eine Woche nach der Erstentdeckung ist immerhin schon bekannt, wo in etwa 2021 PDC einschlagen wird — irgendwo in einer breiten Schneise quer durch Mitteleuropa und Nordafrika, von Spitzbergen bis Ägypten. Stand jetzt käme auch die Schweiz als Einschlagsgebiet in Frage.
Immer noch unklar ist aber, wie gross der Asteroid ist. Zwischen 35 und 700 Meter Durchmessern ist alles möglich. Am unteren Rahmen würde der Asteroid vermutlich in der Atmosphäre auseinanderbrechen, nur kleinere Fragmente würden am Boden ankommen, der Schaden wäre begrenzt. Am oberen Rahmen würde allerdings ein gesamter Kontinent verwüstet.
Für Abwehrmassnahmen ist es zu spät
Am dritten Tag der Konferenz sind es zwei Monate nach der Erstentdeckung. Man weiss inzwischen genauer, wo 2021 PDC einschlagen wird. Irgendwo zwischen dem Südosten Deutschlands, dem Westen Tschechiens und Zentralösterreichs wird er wohl niederkommen. Zur Grösse gibt es weiterhin keine gesicherten Informationen, ein maximaler Durchmesser von 500 Meter erscheint weiterhin möglich.
Weitere schlechte Nachricht: Die Wissenschaftler*innen kommen zu dem Schluss, dass es für eine Abwehrmission zu spät ist. Ein Versuch, die Flugbahn des Asteroiden etwa mit Atomraketenbeschuss zu ändern, ist damit nicht mehr möglich.
Einschlagsregion wird geräumt
Am vierten Tag der Konferenz sind es noch sechs Tage bis zum Einschlag. Man weiss inzwischen, dass der Asteroid einen Durchmesser von 105 Metern hat – plus/minus 10 Metern. Man weiss auch auf 23 Kilometer genau, wo er einschlagen wird, nahe dem Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich.
Im direkten Umkreis des Einschlagortes wird nichts überleben können. Aber selbst in 300 Kilometern Entfernung sind noch ernsthafte Schäden an der Infrastruktur möglich. Immerhin bleibt durch die genaue Lokalisierung nun noch genug Zeit für eine Evakuierung der dort ansässigen Bevölkerung.
Früherkennung ist essentiell
Was hat dieses Planspiel nun gebracht? Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA schreibt im Fazit zu der Konferenz, dass man mit ziemlicher Sicherheit alle Asteroiden in Erdnähe kennt, die von ihrer Grösse her das Potenzial für ein globales Massensterben hätten, wie es beispielsweise den Dinosauriern widerfahren ist. Von diesen bekannten Asteroiden geht auf absehbare Zeit keine Gefahr aus.
Schwieriger ist es bei kleineren Asteroiden, die dennoch regionale Verwüstungen auslösen könnten. Deshalb müsse mehr in Früherkennungs-Systeme investiert werden. Mit besserer Ausstattung hätte ein Asteroid wie 2021 PDC schon sieben Jahre früher, bei einer vorherigen Umrundung der Sonne entdeckt werden können. Dann hätte es auch viel mehr Möglichkeiten für Gegenmassnahmen gegeben.