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Was ist Philosophie?
Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, eine Definition für Philosophie zu finden, der alle Philosophen zustimmen.
Die Philosophie gibt es so wenig wie die Religion. Die Philosophen haben in den vergan-genen ca. 2500 Jahren die unterschiedlichsten und widersprechensten Behauptungen aufgestellt, zu denen sie oft auf unterschiedlichsten Wegen gelangten, und sie haben sich untereinander häufig gegenseitig zu Scharlatanen erklärt.
Am ehesten wird folgende Definition die meiste Zustimmung finden:
Zitat
Philosophie ist der Versuch des Menschen das Rätsel seines Daseins, die ihn umgebene äußere Welt und sein eigenes Inneres, mit dem Mittel des Denkens zu lösen.
Dieser Definition werden aber vielleicht die nicht zustimmen, die keine Rätsel lösen wollen, weil sie dies für unmöglich halten und jene, die nicht mit Denken, sondern auf anderen Wegen, zum Beispiel durch Intuition oder Meditation, die Wahrheit zu finden glauben.
Chronologisch kann man, jedenfalls für die abendländische Philosophie, folgendes sagen: Im antiken Griechenland, der Geburtsstätte unserer abendländischen Kultur, war ein Philosoph einfach ein Mensch, der sich um die Erkenntnis der Welt bemühte, in etwa vergleichbar mit dem, was wir heute einen Wissenschaftler nennen. Das Wort Philoso-phie kommt von den griechischen Wörter "philia" und "sophia". Ein Philosoph war ein "Weisheitsfreund". Er beschäftigten sich mit allem, mit den Sternen wie mit den Pflanzen, mit der Frage was gut und böse ist, was der Sinn des Lebens sei etc.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich dann erst die Einzelwissenschaften. Es gab Menschen, die beschäftigten sich speziell mit Mathematik oder mit Medizin, mit dem Recht oder der Kunst der richtigen Rede etc. Daneben blieb die Philosophie bestehen als das Bestreben, nicht nur einzelne Teile des Seins, sondern das Sein in seiner Gänze zu erklären.
Wenn die Philosophie einzelne Teile des Seins untersucht, was sie auch macht, z. B. die Natur (Naturphilosophie) oder den Staat (Staatsphilosophie), dann macht sie dies, um Grundsätzliches über diesen Teilbereich auszusagen oder um die Beziehung des Teils zum Ganzen zu erläutern. Mit den Details des jeweiligen Teils des Seins beschäftigt sich dann die jeweilige Wissenschaft von diesem Teil, z. B. die Naturwissenschaft oder die politische Wissenschaft.
Welche Teilbereiche der Philosophie es gibt, wird in der Literatur unterschiedlich bewertet. In fast allen mir bekannten Einführungen werden folgende Teilgebiete der Philosophie genannt:
Die Ontologie beschäftigt sich mit der Gesamtheit des Seins, mit den grundsätzlichsten Existenz- und Entwicklungsbedingungen.
Die Metaphysik beschäftigt sich ebenfalls mit der Gesamtheit des Seins, aber besonders mit dem sinnlich nicht mehr Erfahrbaren. Es ist der Bereich der Spekulationen. (Metaphysik und Ontologie überschneiden sich, wie auch die anderen Teilgebiete.)
Die Erkenntnistheorie ist die Lehre vom Erkennen, von den Möglichkeiten, Quellen und Grenzen menschlichen Erkenntnisvermögens. (Daraus abgelei-tet und zum Teil mit ihr identisch ist die Wissenschaftstheorie.)
Die Logik ist die Lehre vom richtigen Denken.
Die Ethik ist die Lehre vom richtigen Handeln.
Die Ästhetik ist die Lehre vom Schönen.
Zusätzlich werden oft als Teilgebiete bezeichnet:
Die Anthropologie.
Die Sprachphilosophie
Die Dialektik wird oft als ein Teilgebiet der Philosophie betrachtet, das die Logik und die Ontologie und mitunter auch die Metaphysik umfaßt.
Gelegentlich werden noch als Teilgebiete genannt: Kosmologie, philosophische Psychologie und philosophische Theologie.
Es wird auch unterschieden zwischen praktischer und theoretischer Philosophie.
Die theoretische Philosophie umfaßt u. a.: Metaphysik, Ontologie, Logik, Dialektik, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Hier wird (bzw. wird versucht) grundsätzliche Aussagen über das Sein zu machen. Es werden die Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Erkenntnisvermögens und die allgemeinen Strukturen des menschlichen Bewußtseins untersucht.
Die praktische Philosophie umfaßt u. a.: Ethik, Sozialphilosophie und Anthropologie. Hier geht es um die Bereiche der Philosophie, die eine unmittelbare Wirkung auf das praktische Leben haben.
Grundsätzliches zur Philosophie
Es geht nicht nur darum, quantitativ Wissensstoff anzueignen und in seinem Kopf aufzuspeichern. Das wirklich Wichtige an der Philosophie ist, daß sie zu einer quali-tativen Weiterentwicklung des Menschen führen kann. Viele philosophische Aussagen sind ohne eine qualitative Steigerung des Einsichtsvermögens überhaupt nicht verstehbar. Sie sind nur als eine faktisch nicht nachvollziehbare Information aufspeicherbar. (Zum Umschlag quantitativer in qualitativer Veränderungen sehen Sie bitte Hegel.) Die quantitative Menge ist allerdings nicht unwichtig, da sie häufig Voraussetzung für die qualitative Steigerung ist. (Sehen Sie hierzu auch Intuition.)
Es wäre aber auch ein Fehler zu glauben, daß die Menschen, die nicht der eigenen Meinung sind, einfach nur nicht das nötige Niveau haben um Einen zu verstehen. Daß stimmt zwar oft, aber nicht immer. Auch auf einem im Vergleich zum Durchschnitt hohen intellektuellen Niveau bleibt Raum für Meinungs-Verschiedenheiten.
Man kann nicht alles einfach erklären. Zwar werden oft simple Erkenntnisse in unnötig verklausulierter Sprache wiedergegeben, aber manchmal ist eine komplizierte Ausdrucks-weise nicht vermeidbar um einen komplizierten Gedanken, Sachverhalt etc. zu beschrei-ben. "Die 9. Symphonie kann man nicht auf dem Kamm blasen." ( Bloch. - Gemeint ist die 9. von Beethoven.)
Warum sollte man sich mit Philosophie beschäftigen?
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[*]Philosophie als Wahrheitssuche.
[Da stellt sich dann für mich die Frage, ob es überhaupt möglich ist, hinter den hunderten von subjektiven Weltbildern der berühmten Philosophen soetwas wie objektive Wahrheit zu finden.]
[*]Die Erweiterung des individuellen Horizonts. (Was nicht mit der Erringung objektiver Wahrheit identisch sein muß.)
[*]Im praktischen Leben besser zurecht kommen.
[*]Philosophie als Selbstzweck, als kulturelle Betätigung, so wie z. B. Malerei oder Musik.
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Abgrenzung zu anderen Wissensbereichen und Aktivitäten
Es kommt vor, daß Philosophie mit anderen Wissensbereichen und Aktivitäten bis zur Unkenntlichkeit vermischt wird. Viele Künstler haben den Anspruch mit ihren Produkten etwas über das Sein auszusagen. Aber ihre Annäherung an das Sein und Ihre Produkte unterscheiden sich von der Philosophie und können deshalb nicht mit Philosophie gleichgesetzt werden. Das bedeutet ja nicht, daß Kunst deshalb schlecht sei. Vanilleeis ist ja auch nicht schlecht, nur weil es kein Schokoladeneis ist. Aber Vanilleeis ist nun mal Vanilleeis und Schokoladeneis ist Schokoladeneis. Und so ist Philosophie eben Philosophie, und Kunst ist Kunst, und Religion ist Religion etc. Das es Berührungspunk-te gibt, daß z. B. ein Philosoph gleichzeitig auch ein Literat sein kann, ist zugegeben. Aber wenn man Philosophie in Linguistik auflösen will, ist das nicht mehr okay.
Copyright © by Peter Möller, Berlin.
Quelle
www.philolex.de