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Text: David Schnapp | Fotos: Adrian Bretscher
Edouard Cossy, Sie sind Brand Director für Grand Siècle bei Laurent-Perrier. Worin besteht Ihre Arbeit?
Ich sage gerne im Scherz, dass mein Job ziemlich einfach ist: Ich reise, trinke Champagner und treffe nette Leute. Die ernsthafte Antwort lautet: Ich bin verantwortlich für die weltweite Strategie, die Distribution und das Marketing unseres Top-Champagners Grand Siècle. (Grosses Bild oben: Edouard Cossy mit Starchef Silvio Germann.)
Was macht den Grand Siècle «grand»?
Dafür muss ich etwas ausholen, wenn Sie gestatten…
Noch so gerne.
Grand Siècle heisst das 17. Jahrhundert, in dem Sonnenkönig Louis XIV. regiert hat. Er mochte Paris nicht besonders und liebte stattdessen das Jagen auf dem Land, deshalb wurde letztlich Schloss Versailles gebaut. Das Spektakuläre daran ist aber letztlich nicht das Gebäude, sondern vielmehr der Garten. Er erlaubt uns einen unvergleichlichen Blick auf die Natur und zeigt, was es bedeutet, der Natur eine Form zu geben. Und das ist letztlich, was wir mit Grand Siècle tun. Denn die Natur an sich ist ein Chaos, das man ordnen muss. Ich selbst bin übrigens im Städtchen Versailles aufgewachsen und habe heute noch eine Narbe am Kinn, weil ich als Kind mit dem Velo in den Gärten von Versailles umgefallen bin.
Wie entstand dieser Bezug zwischen Laurent-Perrier und Versailles?
1959 wurde unter der Führung von Unternehmens-Gründer Bernard de Nonancourt der erste Grand Siècle lanciert. Bernard schrieb General de Gaulle einen Brief mit Namensvorschlägen für den Prestige-Champagner, weil er sich nicht entscheiden konnte. Für den General war klar, dass es «Grand Siècle» sein muss.
Und heute, wie bringen Sie Ordnung ins Chaos der Natur?
Wir machen letztlich alles immer noch gleich wie damals. Bernard wusste, dass er anders sein musste, um mit einem relativ kleinen Haus aufzufallen. Er hat zum einen die Natur beobachtet und dann geschaut, wie die andern Häuser ihre Prestige Cuvées herstellen. So entstand die einmalige Methode des Grand Siècle, für den Grand Crus aus verschiedenen Dörfern der Champagne und der Jahre 1952, 1953 und 1955 verwendet wurden. Seither wurden lediglich 26 Itérationen von Grand Siècle hergestellt. Sie bestehen immer aus drei Jahrgängen von höchstens elf verschiedenen Grand Crus – hauptsächlich Chardonnay und etwas Pinot Noir –, die mindestens zehn Jahre auf der Hefe reifen. Das Ziel ist möglichst hohe Komplexität bei gleichzeitig maximaler Frische.
Der Grand Siècle ist seit der Einführung der Itérations-Nummern ein Grosserfolg. Können Sie mit der Nachfrage überhaupt Schritt halten?
Es hat etwas Zeit gebraucht, den Leuten zu erklären, was diesen Champagner ausmacht. Seit die Kunden aber genau wissen, welche Jahrgänge in einer Flasche vereint werden, ist der Wein so erfolgreich, dass wir ein Limit erreicht haben und mit Allokationen beginnen müssen. Denn die Produktion ist so anspruchsvoll, dass wir sie nicht ausdehnen können.
Schmeckt der Grand Siècle aus der Magnum eigentlich besser als in der normalen Flasche?
Es gibt nur zwei Flaschengrössen für Grand Siècle, und in der Magnum entsteht eine spezielle Umgebung für den Wein. Er entwickelt sich langsamer und deshalb bringen die beiden Flaschenformate verschiedene Champagner hervor. Und wir bringen sie auch nie gleichzeitig auf den Markt. In der Magnum bleibt der Wein bis zu fünf Jahren länger auf der Hefe. Das gibt natürlich mehr Tiefe und eine leicht andere Textur, die runder und seidiger ist.
Die Festtage stehen bevor, ist dies immer noch die Champagner-Hochsaison?
Das ist immer noch wichtig, aber Covid hat viel verändert. Plötzlich sassen die Leute zu Hause mit Zeit und Geld, das sie nicht für Reisen oder andere Vergnügen ausgegeben hatten. Vor 2020 hatte der Champagner-Konsum sogar leicht abgenommen, seither steigt er stark an. Wir sehen auch eine explodierende Nachfrage nach Informationen über Champagner. Das ist neu, und es gleicht der Art, wie man Burgunder oder Bordeaux trinkt. Champagner hat sich vom Apero- und Party-Getränk zum Speise-Begleiter entwickelt. In der Champagne macht man das zwar schon immer, aber im Rest der Welt ist es ein neues Phänomen.
Wie kombiniert man Grand Siècle am besten zum Essen?
Das ist immer abhängig von der Saison. Jetzt ist Trüffel-Zeit – Grand Siècle und Trüffel ist eine Liebesgeschichte. Alles, was zart ist und nicht von zu schweren Saucen begleitet wird, eignet sich gut, um dazu Grand Siècle zu trinken: Kalbsbries zum Beispiel an einer Beurre blanc. Bloss zu viel Säure sollte es im Essen nicht haben.
Was von Laurent-Perrier trinken Sie, wenn es mal nicht Grand Siècle sein kann?
Dann trinke ich Alexandra Rosé Vintage (lacht). Das ist ein sehr spezieller Wein, von dem jetzt der Jahrgang 2012 auf dem Markt ist.
Prestige Cuvées wie Grand Siècle sind teuer. Lassen sich die hohen Preise noch rechtfertigen oder kommen sie irgendwann unter Druck?
Im Moment scheinen sich die Preise zu stabilisieren. Aber der Ertrag der Region Champagne ist begrenzt, und der Aufwand für die Produktion ist hoch. Deshalb werden die Preise langfristig wohl eher noch steigen.
In der Schweiz stellen immer mehr Winzer eigene Schaumweine her – zum Teil in ausgezeichneter Qualität. Hatten Sie damit schon Kontakt?
Ich weiss, dass es diese Weine in guter Qualität gibt, aber ich habe sie ehrlicherweise noch nie probieren können.
GaultMillaus Koch des Jahres Silvio Germann ist neuer Botschafter für Grand Siècle. Wie kam es dazu?
Wir haben uns vor einigen Minuten zum ersten Mal getroffen, und ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Silvio. Grundsätzlich pflegen wir in verschiedenen Ländern die Beziehungen zu GaultMillau, und wir möchten auch die Verbindungen zu grossen Chefs verstärken. Damit wollen wir der steigenden Nachfrage und dem wachsenden Informationsbedürfnis begegnen. In einem guten Restaurant mit einem erfahrenen Sommelier kann man einen Wein wie Grand Siècle auf ganz andere Art erleben als in einem Shop beispielsweise.
Ist die Schweiz ein Grand Siècle-Land?
Absolut, ja. Das Land gehört zu den Märkten, auf die es wirklich ankommt. Wir pflegen deshalb auch eine Partnerschaft mit der Hotelfachschule EHL in Lausanne, auch das ist sehr wichtig für uns.
>> Eduard Cossy (40) ist bei Laurent-Perrier seit 2020 zuständig für die Prestige Cuvée Grand Siècle. Der Ökonom mit einem Master in «International Business» hat unter anderem drei Jahre für eine Weinhandelsfirma in Vietnam und als Dozent in einer dortigen Hotelfachschule gearbeitet. Seit 2012 ist Cossy für das Familienunternehmen Laurent-Perrier tätig.