Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/996

Jemand, der sich weigert, „gift“ von seinem englischen Freund anzunehmen, tut ihm Unrecht, schließlich will er doch nur ein „Geschenk“ überreichen, denn nichts anderes heißt „gift“ im Deutschen. Dem deutschen „Gift“ entspricht das englische „poison“.
Sorge um sein Leben sollte man jedoch tragen, wenn man während eines Aufenthalts in den USA der Kellnerin in der Landessprache mitteilt „I would like to become a steak, please!“. Die vermeintliche Bitte nach einem ordentlichen Stück Fleisch ist nicht weniger als der Ausdruck des Wunsches, sich selbst in ein solches Gericht zu verwandeln. Korrekt ist „I would like to have a steak, please!“.
In verschiedenen Sprachen gibt es des Öfteren Wörter, die auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, tatsächlich aber ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Man nennt diese Wortpaare „falsche Freunde“, denn diese Begriffe sind nicht das, was sie auf den ersten Blick vorgeben zu sein, stattdessen entpuppen sie sich beim genauen Hinsehen sogar als überhaupt nicht hilfreich.
Obwohl diese falschen Freunde im heutigen Sprachgebrauch keine inhaltlichen Gemeinsamkeiten haben, können Sprachwissenschaftler sie häufig auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen: Das englische „gift“ (also „Geschenk“) und das deutsche „Gift“ (also „poison“) beispielsweise sind miteinander verwandt; beide entstammen dem englischen „to give“ und dem deutschen „geben“. In manchen deutschen Dialekten wird diese Verwandtschaft besonders deutlich: Aus dem Hochdeutschen „er gibt“ wird zum Beispiel „he givt“.
„Gift/Geschenk“ und „bekommen/werden“ sind zwei sehr bekannte falsche Freunde. Übersetzer können eine Unmenge solcher tückischen Pärchen aufzählen. Das ist übrigens einer von vielen Gründen, warum man sich auch bei guten eigenen Fremdsprachkenntnissen überlegen sollte, ob man eine Übersetzung selber anfertigt. Man kann leicht auf falsche Freunde reinfallen.