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Gut 100‘000 Pferde gibt es in der Schweiz und etwa 60 Prozent von ihnen werden irgendwann geschlachtet. 2014 waren das 2'818 Pferde, die als Steak, Mostbröckli oder Pferdesalami in Metzgereien oder im Supermarkt landeten.
Auch wenn unsere kleine Umfrage in Zürich (siehe Video) gezeigt hat, dass viele Schweizer durchaus Pferdefleisch essen, gibt es eine gewisse Zurückhaltung beim Konsum. Nicht einmal 1 Prozent des gesamten Fleischkonsums in der Schweiz entfällt aufs Ross. Kein Wunder, denn die Beziehung zwischen Mensch und Ross ist eine besondere.
Rinder und Schafe sind effizienter
Rinder, Schweine oder Geflügel haben wir immer gehalten, um sie irgendwann zu schlachten und zu essen. Das Pferd hingegen brauchten wir als Reittier, Ackergaul oder im militärischen Einsatz. Und die Tiere nur ihres Fleisches wegen zu züchten, lohnt sich nicht. Sie brauchen viel mehr Nährstoffe als Rinder oder Schafe und verwerten das Futter bedeutend schlechter, weil sie keine Wiederkäuer sind. Doch dass der Verzehr von Pferdefleisch gar zum Tabu wurde – daran ist ein päpstlicher Erlass Schuld.
Mit der Kavallerie zum Sieg
Im Jahr 732 verbot Papst Gregor III. den Verzehr von Pferdefleisch. Wahrscheinlich wollte er so gegen den heidnischen Brauch vieler nördlicher Völker vorgehen, die Pferde in rituellen Handlungen opferten und verspeisten.
Papst Gregor III. könnte jedoch noch einen gewichtigen Grund für das Verbot gegeben haben: Zum Essen waren Pferde auf einmal viel zu wertvoll. In der Schlacht von Tours 732 hatte der Frankenherrscher Karl Martell den Vormarsch der muslimischen Araber stoppen können – verschiedene Quellen schreiben das seiner starken Kavallerie zu. Von nun an kam dem Pferd bei der Verteidigung christlicher Gebiete eine entscheidende Rolle zu.
Auch wenn die Menschen trotz des christlichen Verbots immer wieder Ross verzehrten – besonders in Krisenzeiten – haftet dem Pferdefleisch in vielen Ländern bis heute ein Image des Minderwertigen an. Ausnahmen sind Spanien, Belgien, Italien und Frankreich (siehe Box).
Die Nähe zu den rossfleischliebenden Nachbarn hat auch in der Schweiz Auswirkungen. Der Detailhändler Coop zum Beispiel verkauft in der Westschweiz gleich viel Pferdefleisch wie in der restlichen Schweiz zusammen.
Geschlachtet, eingeschläfert – oder ins Krematorium
Schweizweit blieb der Konsum des Fleischs lange Zeit konstant und hat erst 2013 einen gewaltigen Knick bekommen. Ob der Pferdefleischskandal Schuld war, ist nicht klar. Doch der Hunger der Schweizer auf Rossfleisch ist immer noch grösser als Pferde hierzulande geschlachtet werden. Über 90 Prozent des Fleisches wird deshalb importiert, vor allem aus Kanada, Mexiko und Frankreich.
Geschlachtet werden nur so genannte Nutztiere. 60 Prozent der Pferde sind so deklariert – darunter auch viele Freizeitpferde. Die anderen 40 Prozent halten die Besitzer als Heimtiere. Diese Pferde dürfen nicht in die Lebensmittelkette. Sie werden oft eingeschläfert und enden als Tiermehl oder Biodiesel. Sogar Pferde-Kremationen gibt es für die Besitzer, die sich ihr Pferd weder beim Metzger noch als Tiermehl vorstellen können.
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Pferdeblut macht stark
In Frankreich soll der Tabu-Bruch mit einer Schlacht Napoleons gegen die russische Armee zu tun haben. Der Heeresarzt beobachtete, dass Soldaten, die das Blut ihrer toten Pferde tranken, kräftiger waren als ihre Kameraden. Während Napoleons Feldzug gegen Moskau 1812 soll er den halb verhungerten Soldaten gar befohlen haben, ihre Pferde zu essen.