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Der Beitrag analysiert am Beispiel des bekannten „Marburger Bausystems“ von Helmut Spieker (1933-2014), wie sich die bereits im 19. Jahrhundert modifizierten Proportionsregeln der Vitruv-Tradition durch die fortschreitende Industrialisierung der Architektur in den 1960er Jahren veränderten. Nach 1945 musste schnell und kostengünstig gebaut werden. Die Bauentwurfslehre von Ernst Neufert lieferte die Grundlage für die Produktion von standardisierten Bauteilen in großen Stückzahlen. Das System von Spieker ist eines der wichtigsten Beispiele für modularisierte Konstruktionen, von der Installation und Einrichtung bis hin zu den Wand- und Deckenelementen usw. Obwohl es auf den rationalen Kriterien der Norm und des Moduls beruht, ist Spiekers Methode mit der Tradition der Proportion verbunden. Wir gehen der Frage nach, wie die traditionelle architektonische Proportion normgerecht gemacht und dann in ein spezifisches Bausystem übersetzt werden kann.