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In abgeholzten Waldgebieten südlich der Sahara hat das Wurzelwerk der Bäume überlebt. Dank der FMNR-Methode helfen diese «unterirdischen Wälder» bei der Wiederaufforstung.
Alexander Jacobi
iStock / World Vision
Im 19. Jahrhundert wurde in der Schweiz Raubbau am Wald getrieben, denn die beginnende Industrialisierung heizte die Nachfrage nach Brennholz an. Zudem war Schweizer Holz ein begehrtes Exportgut, zum Beispiel für Schiffe und Häfen in Frankreich oder Holland. Doch wiederholte katastrophale Überschwemmungen waren eine Folge der Abholzung. 1876 wurde deshalb das eidgenössische Forstpolizeigesetz geschaffen. Es verankerte erstmals in der Schweiz die nachhaltige Nutzung einer Ressource: nicht mehr Holz zu schlagen, als nachwächst. Zudem wurde nach 1900 mit der Aufforstung abgeholzter Bergflanken begonnen.
Neue Bäume für Afrika Das Wiederaufforsten abgeholzter Wälder ist auch in anderen Weltgegenden ein Thema. Der australische Agronom Tony Rinaudo (* 1957) war seit seiner Kindheit beseelt vom Gedanken, hungernden Menschen in Afrika zu helfen, indem er sie beim Wiederaufforsten kahl geschlagener Wälder unterstützte. Doch das Pflanzen neuer Bäume schlug fehl, fast alle Bäume gingen ein. Rinaudo entdeckte aber, dass das Wurzelwerk der früher abgeholzten Bäume im Boden noch vorhanden und lebensfähig war. Plakativ nannte er es einen «unterirdischen Wald». Durch Schutz und Pflege der aus dem Wurzelwerk wachsenden Triebe kann der ursprüngliche Baumbestand ohne grossen finanziellen Aufwand und in kurzer Zeit wiederhergestellt werden.
Rinaudo nannte seine Methode FMNR – Farmer Managed Natural Regeneration. Er packte die Bauern bei ihrem Eigeninteresse und leitete sie an, die natürlichen Triebe der Bäume vor dem Abfressen durch Tiere, dem Niederbrennen und dem Abschneiden zu bewahren. Gleichzeitig lehrte er sie, nur die stärksten und kräftigsten Triebe stehen zu lassen, damit sich das verfügbare Wasser nicht auf zu viele Triebe verteilt.
Durch die Wiederbegrünung binden die Böden das Regenwasser. Der Grundwasserpegel steigt. Während trockener Perioden steht deshalb mehr Wasser zur Verfügung als zuvor. Zudem führen Regenfälle seltener zu Überschwemmungen. Herabfallende Blätter düngen den Boden und schützen ihn vor der Sonne. Das Mikroklima wird dank der Bäume kühler. Dies alles trägt zur Erhöhung des landwirtschaftlichen Ertrags bei. In einem konkreten Fall waren Bauern, die zuvor auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen waren, sechs Jahre nach Beginn der Wiederbegrünung in der Lage, nicht nur sich selbst mit Getreide zu versorgen, sondern sogar welches an das Welternährungsprogramm zu liefern.
Dank der FMNR-Methode wurden Teile der Sahelzone erfolgreich wiederbegrünt. Tony Rinaudo erhielt dafür 2018 den Right Livelihood Award – auch als Alternativer Nobelpreis bekannt.
Landstrich in der Region Humbo in Äthiopien: links vor der Wiederaufforstung mit FMNR, rechts sechs Jahre später.
Wald und Klima
Wälder sind meistens gut fürs Klima: Ihr Wachstum entzieht der Atmosphäre CO2 und reduziert so die Klimaerwärmung. Doch Aufforstungen in Gegenden, die bislang meistens schneebedeckt waren, schaden dem Klima. Schnee reflektiert nämlich 80 bis 90 Prozent der Sonneneinstrahlung, während Wald – je nach Baumart – nur 5 bis 20 Prozent zurückstrahlt. Verdrängen neue Wälder ursprüngliche Schneeflächen, wird deshalb mehr Sonnenlicht absorbiert – es wird wärmer auf der Erde.