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Aus Rüschegg
Franz Gertsch - «Schwarzwasser II»
Franz Gertsch über die Entstehung seines Holzschnittes «Schwarzwasser II» in der Kirche Rüschegg
Das Werk:
Schwarzwasser II (Triptychon) 1993/94
Holzschnitt 3 Druckstöcke je 202x183 cm.
Handabzug auf handgeschöpftes Japanpapier (3 Bogen)
Gesamtgrösse 244x594 cm (ohne Rahmen)
Druck mit einer Farbe.
Die Entstehung:
Im Herbst 1991 machte ich an einem Morgen mit meiner Hasselblad-Kamera 12 Aufnahmen vom Schwarzwasser zwischen Rüschegg-Graben und Wislisau. Die Steine waren vom nächtlichen Regen nass und dunkel, das fliessende Wasser glitzerte im Gegenlicht.
Die entwickelten Dias (in der Grösse 6x6 cm) projizierte ich immer wieder an die weisse, grosse Atelierwand, und schlussendlich wählte ich eines davon als Vorlage für ein grosses Triptychon.
Die Idee war, dass der Betrachter in einer Länge von sechs Metern dem Schwarzwasser entlang schreiten kann, wenn nicht wirklich, so doch mit dem Auge. Dafür eignete sich das quadratische Format der Diaprojektion nicht; darum wählte ich ein langes Rechteck aus der Mitte der projizierten Vorlage.
Ueli Langenegger ist der Mann, der mir die Lindenholzstöcke anfertigte: eine meisterhafte Ausführung.
Nun wurden die Platten senkrecht so an die linke Stellwand im Atelier montiert, dass sie zu einem einzigen Rechteck zusammengefügt wurden. Mit einem flachen, breiten Pinsel färbte ich die Platten blau-grau ein, und dann folgte die lange Arbeit mit dem Schneiden.
Mit einem U-förmigen Hohleisen hebe ich kleine Holzstücke aus der Platte, so dass nach und nach eine Lichtzeichnung entsteht und das Abbild des Schwarzwassers wie von Zauberhand erscheint.
Da die Platten dunkel eingefärbt sind, ergeben die Einkerbungen im rohfarbenen Holz auf dem fertigen Bild helle Lichtpunkte, und je dichter sie sich zusammenfügen, je heller erscheint diese Partie.
Was noch zu sagen ist: Die Projektion wird im verdunkelten Raum nur ab und zu eingeschaltet.
Ich mache mit einem weissen Farbstift eine lineare Skizze, um danach in langen Frequenzen im Hellen weiter zu schneiden.
Die Einstiche erfolgen in etwa einem Herzschlagrhytmus von 70-80 Schlägen pro Minute.
Diese Arbeit dauerte fast ein Jahr.
Der Druck des Kirchentriptychons wurde in unserem Druckatelier inBern ausgeführt.
Die Crew bestand aus: Franz Gertsch, Nick Hausmann, Maria Gertsch, Benz Gertsch, Peter Iseli und Evgueni Dachko.
Vereinfacht gesagt wurden die drei Japanpapierbögen nacheinander flach auf die mit einer Walze eingefärbten Platten gelegt und auf der Rückseite mittels konvexen Glaslinsen, die gut in der Hand liegen, abgerieben.
Der Vorgang des Einfärbens von einem der drei Druckstöcke durch Nick Hausmann erfolgt in mehreren Schichten und dauert über eine Stunde, das Abreiben ebenfalls.
Jedesmal verspüren alle ein Zittern beim Abheben des Bogens: ist jetzt der Druck gelungen? Ja, dies war der Fall!
Der Druck mit den drei Platten dauerte zwei Tage.
Und dann die Hängung in der Kirche, sie brauchte einen ganzen Tag. Die Spannung wuchs von Stunde zu Stunde, ob sich unsere Vision eines Kirchenbildes namens Schwarzwasser erfüllen würde, ob die Farbe gut gewählt war.
Ich darf sagen, dass uns, als wir am späten Nachmittag etwas erschöpft auf die Kirchenbänke setzten, um unsere Arbeit zu begutachten, ein beglückendes Gefühl erreichte.
Möge vielen Kirchgängern das Gleiche geschehen.
Franz Gertsch