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Das Opfer wurde vom Kaiser am 15. Tag des ersten Mondmonats dargebracht, mit der Bitte für eine gute Ernte. Für das Opferitual wurden die Tafeln der Himmelsgeister und die Ahnentafel der kaiserlichen Vorfahren in den Ritualraum gestellt. Opergaben waren Weihrauch, Jade, Tiere und Seide.
Der Kaiser führte den Kotau aus, den normalerweise nur seine Untertanen in seiner Präsenz ausführten, die drei tiefen Verbeugungen und das neunmalige Niederwerfen. Am Ende des Rituals wurden die Opfergaben verbrannt, damit der Rauch den Himmel erreichte. Der Kaiser bekam sein Mandat, die Legitimation zu Herrschen vom Himmel und musste deshalb mehrmals im Jahr mit diesem Zwiesprache halten in Form von Opferritualen.
Harmonie im Himmel und auf Erden
Der Himmel in der chinesischen Philosophie ist nicht unbedingt ein spezieller Ort sondern mehr ein abstraktes Konzept. Konfuzius sagte für einen einfachen Menschen sei das Essen der Himmel. Man ging allerdings davon aus, dass nur Harmonie auf der Erde herrschen konnte, wenn auch im Makrokosmos Harmonie herrschte, ansonsten würde es zu Überschwemmungen, Dürre oder Missernten kommen. Das auch uns im Westen bekannte hermeneutische Prinzip, das im Makrokosmos wie im Mikrokosmos die gleichen Gesetze herrschen, oder besser bekannt als ‚wie oben so unten’ spiegelt sich auch in der chinesischen Philosophie wieder.
Streng genommen handelt es sich nicht nur um einen Tempel, sondern um eine ganze Anlage umgeben von einer doppelten Mauer, im Süden der Hauptstadt. Im nördlichen Teil der Anlage haben die Mauern einen runden Grundriss, während im Süden sie einen viereckigen Grundriss haben. Betrachtet man die gesamte Anlage von oben so ergibt sich der Eindruck einer lang gestreckten Kuppel. Dieses Konzept entspricht der chinesischen Vorstellung, dass der Himmel rund ist und die Erde eckig.
Kaiser Yongele errichte den Tempel 1420. Nach dem Brand 1889 wurde er neu errichtet und bildet heute das Wahrzeichen von Peking. Im nördlichen Bereich befindet sich das wichtigste Gebäude, die Halle der Ernteopfer, ein Gebäude mit kreisförmigem Grundriss auf einer Mamorterrasse – der Ort an dem der Kaiser das Ernteopfer darbrachte. Die Halle des Ernteopfers beeindruckt durch perfekte Proportionen. Eine Höhe von 38 m und 30 m Durchmesser. Die drei Dächer sind mit 50.000 blau glasierten Ziegeln dekoriert, gekrönt von der goldenen Perle.
Die Marmorterasse, die nördliche und südliche Halle stehen auf der zentralen Nord-Süd-Achse. Die Hallen sind durch 360 m lange Brücken verbunden. Die gesamte Tempelachse ist 1200 m lang und demnach die längste Anlage zur Himmelsanbetung.
UNESCO Welterbe
Im Jahr 1998 erhielt der Himmelstempel den Status des Welterbes. Er erfüllt die Kriterien I (ausserordentliche menschliche Schöpferkraft), II (bedeutender Schnittpunkt menschlicher Werte bezüglich Architektur, Technologie, Städtebau oder Landwirtschaft) und III (aussergewöhnliches Zeugnis der kulturellen Tradition einer bestehenden Kultur).