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17.06.2019, 15:10 Uhr
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Hinter dem Handelsdisput zwischen den USA und China verbirgt sich laut Igor de Maack von der Natixis-Tochter DNCA auch ein technologischer Krieg und ein Wettlauf um die weltweite Wirtschaftsführerschaft. Das führe zu einem grossen Zaudern an den Märkten.
Auf Chinesisch bedeuten die Ideogramme, aus denen sich der Name Huawei zusammensetzt, "schönes Werk" (Hua steht für "schön", Wei für "fertiges Werk"). "Für Donald Trump jedoch scheint der chinesische Telekomausrüster alles andere als gute Arbeit zu leisten. Hinter diesem Handelskrieg verbirgt sich auch ein technologischer Krieg und ein Wettlauf um die weltweite Wirtschaftsführerschaft", sagt Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher bei der Natixis-Tochter DNCA. Er zieht einen Vergleich der Situation mit der griechischen Antike, als sich Sparta und Athen im Kampf um die Herrschaft über die griechische Welt aufrieben, um schliesslich beide unterzugehen, könnte die Falle des Thukydides auch über den beiden heutigen Grossmächten zuschnappen.
In diesem Kontext grassiere das grosse Zaudern an den Märkten, und in den Volatilitätsspitzen spiegle sich die Risikoaversion deutlich wider. Fed-Chef Jérôme Powell hat denn auch damit begonnen, die Anleger auf die Rekordhöhe der Schulden amerikanischer Unternehmen hinzuweisen, die sich auf 35% ihres Nettovermögens belaufen. "In Europa erinnert das Verfahren zur Rettung der Holding-Galaxie um den französischen Lebensmittel-Einzelhändler Casino daran, dass ein hoher Verschuldungsgrad in einem deflationären und mitten im Umbruch steckenden Sektor leicht in der Insolvenz mündet", mahnt de Maack.
Auf politischer Ebene haben die jüngsten Urnengänge (Vereinigte Staaten, England, Europa, Indien, Australien) gezeigt, dass konservative sowie extreme oder Ein-Thema-Parteien (wie die Grünen) auf dem Vormarsch sind. Das Ergebnis der Europawahl ist keine populistische Welle, sondern eine Zersplitterung des Parlaments, die zu bunt gemischten nationalen Koalitionen zwingt oder gar zur politischen Lähmung führen könnte. "Es triumphiert sozusagen die Idee der schützenden Abschottung der Völker vor jeder externen Gefahr: der Amerikaner vor den Chinesen, der Europäer vor den Migrationsströmen, der Briten vor den Kontinentaleuropäern, der Hindu-Mehrheit vor der muslimischen Minderheit und der Australier vor den Anhängern einer sozialeren Politik", beschreibt de Maack die Situation.
Vor diesem Hintergrund sei ein höheres Tempo beim weltweiten Wachstum nur schwer vorstellbar. Die neue Weltordnung biete vielleicht einen besseren Schutz des Selbstverständnisses und des Schicksals, das die einzelnen Völker für sich anstreben, sowie des Raums für ein erhofftes Leben in Frieden und Harmonie. Doch diese neue Weltordnung werde womöglich auch weniger Reichtum produzieren. "Für ihre Entscheidung einstehen müssen jedenfalls nun alle jene, die den Populisten Glauben geschenkt haben, ihren materialistischen Ansprüchen jedoch kaum entsagt haben dürften", kommentiert de Maack.