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Château Cos d’Estournel ist eines der berühmtesten Weingüter von Bordeaux. Seit der Klassifikation von 1855 ist das Weingut als „Deuxième Grand Cru Classé“ eingestuft, in der zweithöchsten der Klassifikation von 1855. Das Gut liegt in Saint-Estèphe im Süden, unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Pauillac.
Gegründet wurde das Gut im 19. Jahrhundert von dem Weinkaufmann Louis-Gaspard Estournel. Estournel setzte sich zum Ziel, in Nachbarschaft des hochangesehenen Gutes Château Lafite-Rothschild in Pauillac, auf der anderen Seite des kleinen Grabens Jalle de Breuil, den besten Wein der Erde herzustellen. Hierzu kaufte er die Kieshöhen nördlich oberhalb von Lafite und begann eine ausgedehnte Bauaktivität. Der große Fasslagerkeller wurde von Estournel in der Art einer chinesischen Pagode mit mehreren geschwungenen Dächern gebaut. Die Giebelseite schmückt eine beeindruckend mit Schnitzarbeiten verzierte dunkle Doppelflügeltür, die angeblich aus dem Harembereich des Sultanspalastes von Sansibar stammt und im Handel gegen Wein erstanden wurde.
1852 musste er das Weingut aus finanziellen Gründen an seinen fast ebenso wein verrückten Londoner Bankier Martyns verkaufen. Estournel blieb ledig und kinderlos. Er starb ein Jahr später mit 91 Jahren als armer Mann, kurz bevor sein Lebenswerk 1855 durch die Einstufung als „Deuxieme Grand Cru“ internationale Anerkennung erlangte. Die Bankiers Martyns verkauften das Gut 1869 an die baskische Familie Errazu, die 1889 wiederum an die Brüder Jean-Justin und Jean-Jules Hostein weiterverkaufte. Nach mehreren weiteren Besitzerwechseln wurde 2008 bekannt, dass Michel Reybier das kalifornische Chateau Montelena Winery von Jim und Bo Barret übernahm. Die Leitung des Tagesgeschäfts obliegt seit dem Weinjahrgang 2008 Bo Barrett, Greg Ralston, dem Kellermeister von Cos d’Estournel Dominique Arangoits, sowie Jean-Guillaume Prats, Geschäftsführer von Cos d’Estournel.
Durch den sandigen, kieselfesten Boden wird auch im Sommer genügend Feuchtigkeit gespeichert. Im Winter dagegen sorgt die Hanglage und die tiefgründige Beschaffenheit des Unterbodens (entstanden im Eozän) dafür, dass sich kein Wasser anstaut. Die Rebfläche beträgt 64 ha; sie ist zu 60 % mit Cabernet Sauvignon bestockt, zu 38 % mit Merlot und zu 2 % mit Cabernet Franc.
Ungewöhnlich für einen Saint-Estèphe ist der hohe Anteil von Merlot im Weinberg und die großzügige Verwendung von neuer Eiche (bis zu 100%). Der hohe Merlotanteil macht die Weine besonders vollmundig und hedonistisch, das Barrique gibt ihnen Kraft für mehrere Jahrzehnte. Cos d’Estournel ist neben Las Cases qualitativ zu Recht das einzige Château im Médoc, das eine berechtigte Chance hat, irgendwann in den 1er Cru-Status aufzusteigen.
Das Weingut produziert in normalen Jahren etwa 370.000 Flaschen Wein.