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Cantus Basel
Sonntag, 12. November 2017, 17.00 Uhr, Martinskirche Basel
Jean Sibelius: Snöfrid
Niels Wilhelm Gade: Frühlingsbotschaft
Niels Wilhelm Gade: Agnete und die Meermädchen
Edvard Grieg: Olav Trygvason
Projektbeschrieb
Die nordische Welt der Mythen und Sagen ist unzweifelhaft mit der Musik von Edvard Grieg und Jean Sibelius verbunden, deren Schöpfungen zum Teil Weltruhm erlangt haben. Die Werke der zahlreichen anderen Komponisten Skandinaviens sind hingegen weitgehend in den Hintergrund getreten, so auch das Oeuvre des Dänen Niels Wilhelm Gade (1817 – 1890). Dessen 200. Geburtstag am 22. Februar ist ein willkommener Grund für Cantus Basel, an den bedeutendsten dänischen Romantiker zu erinnern und für sein Konzert am 12. November 2017 zwei seiner zahlreichen Werke für Chor und Orchester einzustudieren. Gade begann als Violinist an der königlichen Kapelle in Kopenhagen, 1841 gewann er einen Preis mit seiner Ouvertüre “Nachklänge von Ossian“, die eines seiner erfolgreichsten Werke werden sollte und und ging 1843 zur weiteren Ausbildung nach Leipzig. Hier wurde Felix Mendelssohn sein Mentor. Als begnadeter Dirigent leitete Gade während einiger Jahre das Leipziger Gewandhausorchester, bis er 1848 nach Dänemark zurückkehrte und dort sein fruchtbares Schaffen bis zu seinem Tod 1890 fortsetzte. Gades Werke sind ebenfalls von einem national geprägten Stil geprägt, wobei er sich wie Grieg und Sibelius auch von der nordischen Literatur inspirieren liess. Nebst seinen Sinfonien schrieb Gade auch zahlreiche Kantaten und Balladen für Chor und Orchester, von denen Cantus Basel “Agnete und die Meermädchen“ sowie die “Frühlingsbotschaft“ aufführen wird.
1843 in Bergen geboren, erhielt Edvard Grieg (1843 – 1907) bereits im Alter von sechs Jahren Musikunterricht von seiner Mutter, einer vorzüglichen Pianistin, und ging wie dereinst Gade als fünfzehnjähriger nach Leipzig, um am dortigen Konservatorium zu studieren. Nach seiner Heirat in Kopenhagen kehrte er nach Kristiania (dem heutigen Oslo) zurück wo er schliesslich 1874 ein staatliches Künstlergehalt erhielt, das ihm erlaubte, sich ganz der Komposition zu widmen. 1869 wurde sein Klavierkonzert in a-moll erstmals aufgeführt, mit dem Grieg weltberühmt wurde. Griegs Vokal- und Bühnenwerke der 1870er- Jahre spiegeln den Einfluss der bedeutendsten norwegischen Dichter jener Zeit, Henrik Ibsen (Peer Gynt) und vor allem Bjørnstjerne Bjørnson, der 1873 Grieg mit einem Stoff über den norwegischen Königs Olav Tragvason begeisterte und für ihn ein Libretto für eine Oper schreiben wollte. Doch die beiden Künstler verloren sich aus den Augen, und das von Grieg begonnene Werk wurde nie vollendet. Erst 1888 griff der Komponist das Projekt wieder auf und schuf aus den drei bereits komponierten Szenen die Kantate “Olav Trygvason“, in dieser Gestalt wird das Werk von Cantus Basel in seinem Konzert aufgeführt.
Ist Jean Sibelius (1865 – 1959) für die Finnen der Nationalkomponist schlechthin und in den angelsächsischen Ländern gar berühmter als Anton Bruckner, so wird sein Werk in den deutschsprachigen Ländern bis heute mehrheitlich vernachlässigt. Dabei ist Sibelius zweifellos eine Gestalt europäischen Formats, neben Gustav Mahler gilt er als der bedeutendste Sinfoniker des 20. Jahrhunderts. Zu Recht wird er als Meisters des Orchesters gerühmt, seinen entscheidenden Durchbruch gelang ihm jedoch mit Kullervo, ein Werk, das nicht nur ein Orchester, sondern auch Vokalsolisten und einen Chor verlangt und 1892 komponiert wurde. Auch später schrieb er weitere Werke für Chor und Orchester, so auch die sinfonische Dichtung Snöfrid, eine Improvisation für Chor, Sprecherin und Orchester, nach einem Gedicht des schwedischen Dichters Viktor Rydberg. Sibelius selbst war der Dirigent der Uraufführung im Jahr 1900, und das Werk wurde damals in Helsinki mit Begeisterung aufgenommen, wohl auch wegen der provokanten politischen Assoziationen des Gedichtes im damals noch zum russischen Zarenreich gehörenden, zur Unab-hängigkeit drängenden Finnland: “Zieh dein Schwert gegen gemeine Riesen, opfere dein heldenhaftes Blut für die Schwachen“. Das nationalistische Element ist jedoch nur eine Episode in der fantasievollen und zuweilen stürmischen Musik, die sehr farbenreich, aufwühlend und ergreifend wirkt.
Die Interpreten
Susanne Puchegger, Mezzosopran, lernte die internationalen Konzertbühnen bereits als Jugendliche durch den damals von Balduin Sulzer geleiteten Linzer Mozartchor kennen, der vorwiegend als Oratorienchor und in Zusammenarbeit mit Franz Welser-Möst konzertierte.
Sie absolvierte zunächst ein Konzertfach- und Pädagogikstudium für Klavier, bevor sie sich intensiv dem Gesang zuwandte. Ihre Ausbildung bei Kurt Widmer und Margreet Honig schloss sie mit dem Konzertdiplom an der Basler Musikhochschule ab. Weitere Studien führten sie an die Internationale Liedklasse Amsterdam, zu Rudolf Jansen, Edith Wiens, Gérard Wyss, Norman Shetler und Hans-Joachim Beyer. Susanne Puchegger konzertiert als Solistin im deutschsprachigen Raum, in den Niederlanden, Frankreich und den USA, u. a. mit dem Bach Consort Wien, dem Barockorchester La Scintilla der Oper Zürich und Capriccio Basel. Seit 2010 bildet sie mit der Basler Lautenistin und Gitarristin Heike ter Stal ein Duo.
Bettina Weder, Mezzosopran hat ihr Lehr- und Konzertdiplom an der Zürcher Hochschule der Künste bei Prof. Lena Hauser erworben. Daraufhin folgten Meisterkurse in Deutschland, Frankreich und Belgien, sowie Weiterbildungen bei Margreet Honig, Amsterdam; Joshua Hecht, New York; Noëmi Nadelmann und Yvonne Naef, Zürich. Bettina Weder tritt als Solistin im In- und Ausland sowohl im Konzert- als auch im Opernfach auf. Bisherige Höhepunkte bilden Bachs Johannespassion und Weihnachtsoratorium, Brahms’ Alt-Rhapsodie, De Meijs 4. Symphonie, Mahlers Auferstehungssymphonie, Rossinis Stabat Mater, Wagners Wesendonck-Lieder, Gala-Abende mit Arien und Duetten aus Aida, Don Carlos und Un ballo in maschera, dazu Liveauftritte am Schweizer Fernsehen. Sie debütierte in bedeutenden Konzerthäusern, u.a. dem Concertgebouw Amsterdam (Rossinis Petite Messe Solennelle) und der Tonhalle Zürich, begleitet vom Tonhalle Orchester (Mendelssohns erste Walpurgisnacht). Die Sängerin wurde mit einem Rotary Stipendium und dem „Werner und Berti Alter“ Preis ausgezeichnet. Die Finalrunden des Wettbewerbs „Torneo Internazionale di Musica“ führten sie zudem nach Verona. Gleichfalls war sie Finalistin am Opernwettbewerb „Schlossoper Haldenstein“. Bettina Weder ist Gewinnerin des „Richard Wagner Stipendium Bayreuth 2014“.
Robert Koller, Bariton studierte Komposition an der Musikakademie Basel bei Detlef Müller-Siemens und Sologesang bei László Polgár an der Hochschule der Künste Zürich (Konzert- und Solistendiplom). Er gewann zweimal den Studienpreis Gesang des Migros Genossenschaftsbundes und der Ernst Göhner Stiftung und ausserdem den Förderpreis Orpheus Konzerte Zürich. Als Basssolist sang er u.a. den König in Händels „Siroe, Re di Persia“ in Hamburg und San Francisco (mit dem Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon) sowie Werke von Charpentier an der Styriarte Graz, am Festival von Ambronay und in der Kathedrale von Vézelay mit der Capella Real de Catalunya unter Jordi Savall.
Es folgten Hauptrollen, Orchesterliedzyklen und Rezitals im Teatro Principal am Cervantino Festival Mexico; beim Festival Società di Quartetto Milano, an den Sommerkonzerten des Audi-Forums In-golstadt, an der Ruhr-Triennale, am Davos-Festival, am Gaida Festival Vilnius, mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne, dem Kammerorchester Basel, dem Kollegium Musicum Winterthur sowie am Lucerne Festival mit den Festival Strings im KKL.
2010 bestritt er im Teatro Colon/Buenos Aires in „Extravagancia“ und 2011 in „Nacht“ von G.-F. Haas am Lucerne Festival im KKL die Hauptrollen. Die Semperoper Dresden engagierte ihn 2012 für die Titelrolle in „El Cimarron“ von H.-W. Henze. 2013 war er u.a. im Musikverein Wien als Solobass in der Missa Solemnis von Beethoven, 2014 an der Alten Oper Frankfurt den Baritonzyklus „Lunea“ und mit dem Baritonsolo in „Dunkle Spiegel“ in der Tonhalle Zürich zu hören. 2015 sang er den Baritonzyklus „del aram“ mit dem Brandenburgischen Staatsorchester unter Zsolt Hamar, eine Titelpartie am Acht Brücken Festival in Köln und den Basssolopart in Beethovens Neunter in der Berliner Philharmonie.
Ute Hammann, Sprecherin wurde in Essen, Deutschland, geboren. Nach dem Pädagogikstudium an der Gesamthochschule Essen (Staatsexamen als Lehrerin für die Grund- und Hauptschule / Musik, Deutsch, Englisch) folgte in Hamburg eine 3jährige Ausbildung zur Schauspielerin. In den nächsten Jahren zunächst Engagements an Theatern in Deutschland: Hamburg und Münster, dann in der Schweiz: Baden, Zürich und Winterthur. Heute lebt Ute Hammann in Zürich und arbeitet als Sprecherin beim Schweizer Fernsehen und in der SBS, Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte.
Das musikalische Programm von Cantus Zürich ist ausserordentlich vielseitig. Schwerpunkt des Repertoires sind Werke aus Klassik und Romantik, dazu treten als Ergänzung zum rund 80 Mitwirkende zählenden grossen Chor wechselnde Projektgruppen mit kleineren ausgesuchten Stücken aus den verschiedensten musikalischen Sparten (Choralschola, Frauenchor, Studio für Neue Musik und Vokalensemble) auf, wobei Cantus Zürich und seine Projektgruppen vornehmlich in Gottesdiensten und Konzerten in den Zürcher Kirchgemeinden Neumünster und St. Anton zu hören sind. Bekannt geworden ist Cantus Zürich zweifellos auch mit Aufführungen von Werken abseits des Mainstreams: So hat der Chor Edward Elgars „The Light of Life“, Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“, und Lorenzo Perosis „Transitus animae“ (alle Werke gemeinsam mit Cantus Basel), sowie die „Misa Tango“ von Luis Bacalov, Programm mit Werken von Otto Nicolai, Johann Nepomuk Hummels Oratorium „Der Durchzug durchs Rote Meer“ und Louis Spohrs „Der Fall Babylons“ (erstmals in der Schweiz) aufgeführt.
Die Wurzeln von Cantus Basel reichen bis ins Jahr 1826 zum Basler Männerchor. Daraus entwickelte sich vor gut 25 Jahren der Gemischte Chor Basel, der unter dem Namen Cantus Basel dann ins neue Jahrtausend trat. Zurzeit bilden rund 50 Mitwirkende den Konzertchor, der sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt auszeichnet.
Ein- bis zweimal jährlich konzertiert der Chor mit kleiner oder grosser Orchesterbesetzung, ausserdem pflegt er den a-cappella-Gesang. Das Repertoire reicht vom Frühbarock bis zur Gegenwart, von a capella bis zu Orchesterkonzerten, vom Vocalensemble bis zu Konzerten mit mehreren Chören. Darunter befinden sich auch grosse Werke der Chorliteratur. Einen Schwerpunkt setzen wir mit Musik bekannter Komponisten der Klassik und Romantik, etwa Verdi, Bach, Mozart, Händel, Fauré, Beethoven oder Schumann. Dabei setzt der Dirigent genügend Zeit ein, um das Bestmögliche an chorischer Qualität und Tiefe der Interpretation zu erreichen.
Das Berufsorchester Consortium Musicum wurde 1999 von Walter Riethmann und einigen Instrumentalisten gegründet. Seither hat das Orchester neben vielen anderen die folgenden Werke aufgeführt: Das Oratorium „Der Messias“ in beiden Fassungen von Händel und Mozart, Messen von Schubert, Haydn und Gounod, das Oratorium „Christus am Ölberge“ und die „Missa Solemnis“ von Beethoven, Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“, Rossinis „Stabat mater“, Mendelssohns Oratorium „Paulus“, Liszts „Christus“ sowie Werke von Rheinberger, Bach, Arne, Beethoven, Verdi, Bacalov Poulenc, Cherubini, Fröhlich, Debussy, Hindemith, Bruch, Stanford und der zeitgenössischen Schweizer Komponisten Bosshard und Hertig. Das Ensemble musiziert auch regelmässig auf alten Instrumenten, etwa bei den Aufführungen von Pergolesis „Stabat mater“, Purcells Oper „Dido und Aeneas“, Händels Oratorien „Athalia“ und „Theodora“ sowie Bach s„Weihnachtsoratorium“.
Walter Riethmann, Dirigent studierte zunächst Klavier und Gesang am Konservatorium Winterthur und Liedbegleitung bei Irwin Gage an der Musikhochschule Zürich. Anschliessend nahm er während mehrerer Jahre Dirigierunterricht bei Erich Schmid. Walter Riethmann führt mit seinen Chören Cantus Zürich, TonArt Zürich und Cantus Basel nicht nur die bekannten Werke der Konzertliteratur auf, sondern gräbt mit Leidenschaft in Bibliotheken und Archiven nach verborgenen Schätzen der Chorliteratur, die er gerne auch in thematischen Konzerten dem Publikum vorstellt, wobei er das Aufführungsmaterial öfters selber einrichtet.