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Von der Feuerstelle zum Smart Home
Wohnen ist ein Grundbedürfnis der Menschheit, seit es sie gibt. Die ersten Menschen zogen als Nomaden umher und lebten in zeltartigen Gebilden und Höhlen. In der Jungsteinzeit (11‘500 bis 5‘500 v. Chr.) fing der Mensch an, Ackerbau zu betreiben und feste, unverrückbare Bauten aufzustellen, um darin zu leben und zu wohnen.
Erst zur Römerzeit wurde das Wohnen luxuriös – mit Abwasserkanälen, Fussbodenheizung und prunkvollen Räumen. Da hatten es die Menschen im Mittelalter weniger komfortabel: Es gab kein fliessendes Wasser im Haus und die Hygienebedingungen waren teilweise bedenklich. Erst ab dem 15. Jahrhundert wurde das Wohnen wieder bequemer. Es gab einen Kachelofen, Kissen und Decken verbreiteten Gemütlichkeit und Holztäfelungen mit Schnitzereien und bunte Glasscheiben zeugten vom Wohlstand.
Mit dem Aufkommen des Bürgertums im 19. Jahrhundert wurden die Wohnungen zum Rückzugsraum. In der Industrialisierung wurde die Wohnung zum trauten Heim, in der Biedermeierzeit kam der Prunk hinzu. Nicht nur die Wohnformen und der Wohnungsbau änderten sich im Laufe der Zeit. Wichtige Ereignisse und Erfindungen beeinflussten das Wohnen massgeblich, wie unser Blick zurück zeigt.
Vor 32'000 Jahren
Steinzeitmenschen erfinden das Feuerzeug, indem sie mit einem Feuerstein auf einen Schwefelkiesstein klopfen.
Frühes 18. Jahrhundert
Im vorindustriellen Zeitalter definiert sich der Haushalt als Gruppe von Menschen, die zusammen im gleichen Gebäude arbeiten und wohnen.
Spätes 18. Jahrhundert
Mit der beginnenden Industrialisierung entsteht die Lohnarbeit ausser Haus. Arbeiten und Wohnen werden räumlich getrennt. Gleichzeitig entsteht das Bedürfnis nach Rückzug und Privatsphäre im eigenen Haus. Schlafzimmer werden zu Privaträumen. Ende des 18. Jahrhunderts tauchen erste Zentralheizungen mit Thermostaten auf.
Frühes 19. Jahrhundert
Die Arbeit ausser Haus führt dazu, dass Familien in der Nähe des Arbeitplatzes wohnen müssen. Der Wohnungsmarkt entsteht, das Wohnen wird rechtlich und bürokratisch reguliert. Ein Meilenstein ist die Erfindung des elektrischen Stroms.
1861
Der deutsche Physiker Johann Philipp Reis stellt den ersten Prototypen eines Telefons vor.
1870
Die Waschkommode wird an fliessendes Wasser angeschlossen und entwickelt sich zu einem Möbel mit Armaturen. Die Wasserversorgung wird in immer mehr Städten flächendeckend.
1876
Melville Bissell erhält am 19. September das erste US-Patent für einen funktionierenden Staubsauger für Teppiche.
1877
Thomas Edison erfindet die Glühlampe, welche den Haushalt revolutioniert.
1882
Erste Kraftwerke entstehen. Sie produzieren Strom für die Beleuchtung der Stadt und der Privathaushalte.
1885
Der deutsche Ingenieur Carl Benz erfindet das erste praxistaugliche Automobil.
1893
An der Weltausstellung in Chicago sorgt der erste Elektroherd für Furore.
1930er-Jahre
Radio und Fernsehen finden Einzug in den Privathaushalt und verändern das Familienleben.
1950er-Jahre
Elektrische Haushaltgeräte wie Waschmaschine, Kühlschrank und Kochherd setzen sich auf breiter Front durch und entlasten die Hausfrauen.
1960er- und 1970er-Jahre
Die Frauenbewegungen stellen das klassische Familienmodell in Frage und bewirken eine Arbeitsteilung im Haushalt. Frauen sind vermehrt erwerbstätig, der Wohlstand steigt. Damit einher geht die Emotionalisierung des Wohnens als Statussymbol und Rückzugsort. Die Familien wünschen sich mehr Wohnfläche und investieren in Mobiliar.
1989
Der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee entwickelt am CERN in Genf die Grundlagen des World Wide Web. Im Jahr 1990 wird das Internet für kommerzielle Zwecke nutzbar gemacht.
2001
Erste Pilothausprojekte von intelligenten Häusern tauchen in den Medien auf. Das Bundesamt für Energie untersucht die Auswirkungen des intelligenten Wohnens auf den Energieverbrauch.
2007
Steve Jobs stellt am 9. Januar in San Francisco das erste iPhone vor. Der Zugriff auf das Internet via Smartphone wird massentauglich.
2008
Das iHomeLab der Hochschule Luzern demonstriert, wie sich das vernetzte Wohnen anfühlt.
2008
In San Francisco wird Airbnb gegründet. Plötzlich stellen Privathaushalte ihre Wohnungen zahlenden Gästen zur Verfügung und schaffen somit eine Konkurrenz zur Hotellerie.
Heute
Durch neue Arbeits- und Lebensmodelle wie Home-Office verschmelzen Wohnen und Arbeiten wieder. Unternehmen lösen klassische Arbeitsstrukturen auf und verzichten auf Arbeitsplätze und Büros. Viele Arbeitnehmer arbeiten ortsunabhängig und teilweise nomadisch. Tausende von Remote-Arbeitern bevölkern Bali, Medellin, Split oder Lissabon, wo Coworking-Spaces aus dem Boden schiessen.
|Autorin|
|Anina Torrado Lara|