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Im gutbürgerlichen Weissenbühl-Quartier in Bern, in dem ich wohne, begegne ich zwei spielenden, vielleicht fünfjährigen Mädchen, die am Strassenrand auf einem Tischchen Spielsachen zum Kauf anbieten. Über die Strasse ruft mir das eine Mädchen zu: «Weitr öppis choufe?» Ich sage: «I ha ke Gäut im Sack.» Das Mädchen antwortet: «Schaad» und wendet sich ab.
Mir geht durch den Kopf: Bereits hat es begriffen, dass es den Gebrauchswert seiner Spielsachen dem Tauschwert opfern muss, will es mit mir ins Geschäft kommen. Ins Geschäft kommen kann es andererseits nur, wenn ich ihm seine feilgebotene Ware abkaufe. Und es weiss: Wer kein Geld hat, ist nicht weiter beachtenswert.
Ich wüsste einen Namen für das Spiel: Die Seele dem Teufel verkaufen. Man soll es spielen, solange es ein Spiel ist. In einigen Jahren werden die beiden Kinder selber eine Ware sein und auf dem Markt der Arbeitsplätze stehen und vorbeigehenden Patrons nachrufen: «Wollen Sie mich kaufen?» Und weil sie Mädchen sind, werden die Patrons nicht nur auf die Fähigkeiten der Arbeitskraft, sondern auch auf die Beine der feilgebotenen Ware schauen.
Aber vorderhand ist zweifellos die frühreife Vernünftigkeit der beiden Kinder zu loben, denn der Westsieg im Kalten Krieg hat die Kunst, in die sie sich einüben, alternativlos gemacht.
(09./23.09.1990; 08.11.1997; 26.04.,01.+07.05.2018)