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Bauwerk gegen Ein- und Ausdringlinge
Mehr als 28 Jahre lang war die Berliner Mauer das Symbol der deutschen Teilung und markierte für die ganze Welt sichtbar das Zusammentreffen zweier grundlegend verschiedener politischer Systeme, des Westens und des Ostens.
Quelle: Wikimedia
Herbst 1961: Eine Frau winkt über die Mauer vom Westen in den Osten.
Quelle: Deutsches Bundesarchiv/Wikimedia
Bau der Mauer im August 1961.
Quelle: Alexander Buschorn/Wikimedia
Die Mauer im Jahr 1980.
Quelle: Deutsches Bundesarchiv/Wikimedia
Nacht des Mauerfalls am Checkpoint Charlie in Berlin.
Obwohl Walter Ulbricht, der Staatschef der Deutschen Demokratischen Republik, noch im August des Jahres 1961 verkündet hatte, dass niemand eine Mauer errichten wolle, wurde kurz darauf mit ihrem Bau begonnen. Nach 28 Jahren, am 9. November 1989 fiel sie unter dem Druck der DDR-Bevölkerung und wohl auch, weil sich die Abschottung in einer sich immer mehr globalisierenden Welt nicht mehr aufrecht erhalten liess. Wie die geschichtliche Aufarbeitung der letzten Jahre der DDR zeigt, stand die im internationalen Vergleich immer rückständiger werdende Wirtschaft des hochverschuldeten Landes am Rand eines Kollapses.
Zwischen 1949 und 1961, bevor die Berliner Mauer errichtet worden war, flohen alleine 1,6 Millionen Menschen über das "Nadelöhr" Berlin in den Westen vor den Lebensbedingungen der totalitären DDR. Dieser Auswanderung und damit dem wirtschaftlichen Ausbluten sollte mit dem Bau einer Mauer Einhalt geboten werden, oder vielmehr mit dem Errichten eines laut Propaganda "antifaschistischen Schutzwalls".
Todesstreifen mitten durch Berlin
Bereits Jahre zuvor, ab Anfang der 50er Jahre, wurde die fast 1400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze von der Lübecker Bucht bis zur damaligen deutsch-tschechoslowakischen Grenze gebaut. Und zwar als umfangreiche Sperranlagen, die während Jahrzehnten immer weiter ausgebaut und perfektioniert wurden. Dazu gehörten Stacheldrahtverhaue, elektrisch gesicherte Zäune, Wachtürme, Bunkeranlagen, Alarmanlagen Panzersperren, Fahrzeug-Sperrgräben, Selbstschussanlagen sowie ausgedehnte Tretminenfelder. Besonders aufwändig gesichert war die vier Meter hohe Mauer und der 100 Meter breite Todesstreifen, der Berlin teilte. Neben Stein und Beton sorgten dort rund11'500 Soldaten mit Hunderten von Wachhunden die "Republikflucht" verhindern.
Der Bau, sowie der kontinuierliche Ausbau und in der Folge die "Bewirtschaftung" dieser Mauern und Grenzbefestigungs-Anlagen verursachten jährlich hohe Kosten, die im Staatshaushalt unter verschiedensten Positionen versteckt wurden. Direkt und indirekt war auch der Einsatz menschlicher Ressourcen eine grosse Belastung für den Staat.
Den grossen Gefahren einer Grenzüberquerung zum Trotz versuchten DDR-Bürger immer wieder, über die Mauer nach West-Berlin zu gelangen. Mehr als 5’000 Menschen soll dies gelungen sein. Uneinigkeit herrscht über die Anzahl der Todesopfern, die die Fluchtversuche forderten. Dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam zufolge starben zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen an der Mauer. Die Arbeitsgemeinschaft 13. August geht von 245 Toten an der Berliner Grenze nach 1961 aus. - An der gesamten Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR starben rund Tausend Menschen.
Ein Paradox der neueren Geschichte
Seit Jahrtausenden haben die Menschen immer wieder Mauern und Wälle gebaut, um Eindringlinge von Aussen abzuhalten. Die Chinesische Mauer ist die grösste und bekannteste Schutz-Mauer die als Bollwerk gegen eindringende Heere und Völker errichtet wurde. An ihr wurde von ca. 500 v. Chr. bis etwa 1500 n. Chr. immer wieder gebaut. Bekannt ist auch der Limes der Römer gegen die Eindringlinge aus dem Norden. Seit Tausenden von Jahren bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden wichtige Siedlungen und Städte mit Mauern, Wällen oder Palisaden umgeben. All diese Bauwerke dienten mehr oder weniger wirkungsvoll der Abhaltung von Eindringlingen. - Der DDR kam der zweifelhafte Verdienst zu, das grösste Bauwerk nicht gegen Eindringlinge sondern gegen "Ausdringlinge" geschaffen zu haben. (mai)