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Sie ist 87 Jahre alt, als sie vom britischen Geheimdienst verhaftet wird. Die Engländerin heisst Red Joan und hat für Russland spioniert.
Der Film «Red Joan» beginnt im Jahr 2000 in einem Vorort von London. Die betagte Joan wird wegen Hochverrats festgenommen. Gespielt wird die dienstälteste Spionin von Oscarpreisträgerin Judi Dench.
In Flashbacks erfahren wir, dass Red Joan als Wissenschaftlerin über vier Jahrzehnte lang der Sowjetunion Geheimnisse der britischen Atombomben-Forschung zugespielt hat.
Das biografische Drama «Red Joan» ist nach seiner Heldin benannt. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von 1994. Dieser wiederum ist inspiriert von einer wahren Geschichte.
Das stärkste Zitat
«I loved my country!», schreit Judi Dench alias Red Joan ihrem Sohn entgegen. Dieser nennt sie eine Verräterin, weil sie ab 1938 geheime Informationen an den sowjetischen Geheimdienst weitergegeben hatte.
Die Britin begründet ihre Vaterlandsliebe so: Sie wollte durch die Weitergabe der streng geheimen Informationen bloss ein Atombomben-Drama à la Hiroshima und Nagasaki verhindern. Das gelang gemäss ihrer Einschätzung nur dank Spionage, die weltweit für ein nukleares Gleichgewicht sorgte.
Die Schauspielerin
Sieben Mal war Judi Dench bereits für einen Oscar nominiert. Gewonnen hat sie ihn aber nur ein einziges Mal. Ihr achtminütiger Auftritt als Queen Elizabeth in «Shakespeare in Love» brachte der Engländerin das goldene Männchen.
Die 85-Jährige dürfte aber den meisten als M aus den James-Bond-Filmen bekannt sein. 1995 spielte sie in «Golden Eye» zum ersten Mal die Chefin des britischen Geheimdienstes MI6.
Diese Rolle machte sie zur Kultfigur der 007-Filme. Insgesamt sieben Mal spielte Dench die direkte Vorgesetzte von James Bond. Zuletzt 2012 in «Skyfall» neben Daniel Craig.
Fakten, die man wissen sollte
Das Drama, das Regisseur Trevor Nunn in «Red Joan» erzählt, basiert im Kern auf Fakten. In Wirklichkeit hiess die Spionin Melita Norwood. Im echten Leben war Norwood keine Physikerin, sondern Sekretärin bei einer Forschergruppe: der sogenannten British Non-Ferrous Metals Research Association.
Ab 1938 belieferte Norwood den sowjetischen Geheimdienst mit wichtigen Akten rund um die britische Nuklearforschung. Damit konnte die Sowjetunion den technologischen Rückstand aufholen und die britische Atombombe in einem Jahr nachbauen.
Die Britin hat über 30 Jahre als sowjetische Spionin gedient. Sie galt als wichtigste Agentin des Geheimdienstes KGB. Doch anders als der Titel «Red Joan» suggeriert, war ihr Verhalten nicht ideologisch motiviert. Sie glaubte nicht an die Überlegenheit des Kommunismus.
Sie kämpfte vielmehr für ein nukleares Gleichgewicht der Kräfte, das schliesslich auch erzielt wurde, bevor sie 1972 in Rente ging: Ost und West hielten sich mit ihren Atombomben-Arsenal gegenseitig in Schach, ohne sie je einzusetzen.
Das Urteil
«Red Joan» hätte ein spannender Spionagefilm werden können. Leider war Regisseur Trevor Nunn zu brav bei der Umsetzung dieser einzigartigen Geschichte. «Red Joan» ist ungefähr so fade wie die beige-braune Oma-Kleidung der Hauptdarstellerin.
Das Drehbuch ist sehr konventionell geschrieben und es finden sich keine gewagten oder überraschenden Ideen darin. Die Erzählung plätschert vor sich hin. Die Spannung bleibt dabei völlig auf der Strecke.
Die grossartige Schauspielerin Judi Dench ist mit ihrer Rolle als 80-jährige Super-Spionin unterfordert. Auch, weil ihr schlicht zu wenig Leinwandzeit zur Verfügung steht, um den Film nachhaltig zu prägen. Der Grund: Die Handlung spielt sich vor allem in den Rückblenden ab.
Das Verhör der britischen Verräterin im Ruhestand bildet bloss die Rahmenhandlung. In dieser besteht Judi Denchs Hauptaufgabe darin, traurig und besorgt dreinzuschauen. Damit haben die Filmemacher das Talent der britischen Schauspielerin verschwendet.
Kinostart: 20.06.2019