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Stadt und Hauptort eines Distrikts (1159 qkm, 68886 E.)im Großherzogtum Luxemburg,
[* 2] 28 km von Luxemburg,
in reizender Gegend links von der zur Mosel gehenden
Sauer
(Sure) und am Fuße des Herren- und Schützenbergs, an den Linien
Ettelbrück-Diekirch (4,1 km) der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen, Diekirch-Wasserbillig-Grevenmacher (Prinz Heinrichbahn, 55 km)
und der
NebenlinieDiekirch-Vianden (13,8 km) der Luxemb. Kantonaleisenbahn, hat (1890) 3500 kath.
E., Post,
Telegraph,
[* 3] Fernsprecheinrichtung,
Bezirksgericht;
ein großherzogl. Gymnasium (seit 1891, Direktor Dr. Müllendorfs, 9
Lehrer, 7
Klassen, 230
Schüler),
verbunden mit Knabenpensionat, Privaterziehungsinstitut für junge Mädchen und Pensionat, geleitet von Schwestern der christl.
Lehre;
[* 4]
große Aktienbrauerei, bedeutende Dampfsägen, Ziegeleien und lebhaften
Handel mit
Tuch und Leder. - Die Herrschaft Diekirch gehörte
früher der mächtigen Familie von
Esch an der
Sauer;
Robert von Elch trat 1221 einenTeil davon an Wallram,
den
Grafen von Luxemburg, ab;
Aug.Friedr.Adrian,
Obstbaumzüchter, geb. zu
Gladenbach in Oberhessen, widmete sich zu Gießen
[* 5] und
Straßburg
[* 6] mediz.
Studien und ward 1782 Amtsphysikus zu
Gladenbach, 1790
Physikus zu Dietz und Brunnenarzt zu Ems;
[* 7] 1830 legte
er sein
Amt nieder. Diel starb Von seinen noch jetzt wertvollen pomolog. Werken sind zu nennen: «Anleitung zu einer
Obstorangerie in Scherben» (2 Bde., Frankf. 1798; 3. Aufl.
1804),
Wenn man zwei voneinander isolierte, parallele Metallplatten aufstellt, kann man dieselben
als Frantlinsche
Tafel benutzen und wie eine
Leidener
[* 10] Flasche
[* 11] laden. Benutzt man nun diese
Tafel als
Maßflasche, um eine andere
Leidener Flasche zu einem bestimmten elektrischen Potential zu laden, so zeigt es sich, daß die
Tafel eine viel kleinere elektrische
Kapacität hat, wenn die Platten nur durch Luft getrennt sind, als wenn der ganze Zwischenraum derselben z. B.
durch eine Schwefelplatte ausgefüllt ist. Im erstern Falle ist nämlich ungefähr die dreifache Anzahl
der Maßtafelentladungen nötig, um die
Leidener Flasche zur gleichen Schlagweite zu laden wie im zweiten Falle.
Die Kapacität des Schwefelkondensators ist also ungefähr dreimal so groß als
die Kapacität eines Luftkondensators von
gleicher
Größe und Gestalt. Man drückt dies so aus, daß man sagt, die Dielektrizitätskonstante des Schwefels sei 3. Entsprechend
ist sie für Harz 1,77,
Glas
[* 12] 1,90, Hartgummi 3,15,
Glimmer 5. Die Dielektrizitätskonstante für verschiedene
Gase
[* 13] sind, unter sonst gleichen Verhältnissen,
so wenig verschieden, daß man sie nahezu alle gleich der der Luft, mithin = 1 setzen darf. Die Bestimmung der Dielektrizitätskonstante ist
sehr schwierig; es haben sich damit Faraday, Werner
Siemens,
Gibson, Barllay, Boltzmann u. a. beschäftigt.
Die verschiedene Kapacität gleicher
Kondensatoren aus verschiedenem
Stoff wurde von Faraday entdeckt, aber lange nicht beachtet.
Erst als man bei Legung der transatlantischen
Kabel auf die große, vom
Stoff abhängige Kapacität derselben aufmerksam wurde,
als man sah, daß sich einKabel wie eine
Leidener Flasche lade, daß durch die große Kapacität die
Geschwindigkeit
der telegr. Zeichengebung vermindert werde, ging man auf das genauere
Studium der Dielektrizitätskonstante ein. (S.
Dielektrische Polarisation.)
Nach Maxwells elektromagnetischer Lichttheorie (s.
Elektro-Optik) ist der
Brechungsexponent gleich der Quadratwurzel aus der
Dielektrizitätskonstante.
Polarisation.
[* 14]Wenn ein
Nichtleiter der elettrischen
Influenz ausgesetzt ist, so tritt auch in diesem eine
Verteilung der elektrischen Ladung ein. Während aber die Ladung in den Leitern frei beweglich ist, bleiben in
Nichtleitern
die Ladungen an die kleinsten
Teile,
Moleküle, gebunden. Man kann sich z. B. vorstellen, daß die
Moleküle
eines
Nichtleiters auf der dein positiv elektrischen Korper zugewendeten Seite negativ, auf der abgewendeten Seite positiv
geladen seien. Im Innern heben sich die entgegengesetzten, sich berührenden Ladungen in beiden Fällen in ihrer Wirkung
auf, und es bleiben scheinbar nur entgegengesetzte Ladungen an den
Enden des
Stabes oder an den Grenzflächen
der Platte übrig. Den Verteilungszustand, in den ein
Nichtleiter durch Iufluenz gerät, nennt man Dielektrische Polarisation Nach
FaradaysAnschauung
findet jede elektrische
Fernwirkung durch Dielektrische Polarisation der zwischenliegenden
Nichtleiter statt, wobei auch der leere Raum als ein
polarisierbarer
Nichtleiter angesehen wird.
Landdrostei Aurich
[* 29] (um Emden
[* 30] u. s. w.) von 400 preuß.
Quadratruten oder (die Längenrute zu 12 Fuß) 57600 preuß. Quadratfuß = 56,73833 a oder
ziemlich genau 2 1/6 ehemaliger hannov.
Morgen. Außer diesem gewohnlichen Feld-Diemat kam ein größeres Moor-Diemat vor,
= 450 größere Quadratruten (die Längenrute zu 15 preuß. Fuß) oder 101250
preuß. Quadratfu0 = 99,73535 a = etwas reichlich 3 4/5 ehemalige hannov.
Morgen. Es waren 512 Moor-Diemat = 900 gewöhnliche
Diemat (S. Demat.)
linker Nebenfluß der Weser, entspringt hart an der westfäl.
Grenze am (Kahlen) Pön in Waldeck,
[* 32] durchfließt
in einem ziemlich tiefen Thale dieses Fürstentum, begleitet ungefähr von Warburg an in nordostwärts
gerichtetem Laufe die Grenze zwischen deu preuß. Provinzen Hessen-Nassau
[* 33] und Westfalen
[* 34] und mündet nach 80 km Lauf bei Carlshafen.
perdidi (lat.), ich habe einen Tag verloren, nach Sueton («Leben des Titus», Kap. 8) ein Ausspruch des röm. KaisersTitus, als er eines Abends daran dachte, daß er an jenem Tage noch keinem Menschen etwas Gutes erwiesen hatte.
Jos., Mathematiker, geb. zu Hausen in Baden,
[* 38] bildete sich für das Lehrfach
aus, wurde Lehrer, 1849 Vorstand der höhern Bürgerschule in Ettenheim und 1850 Professor der Mathematik am Polytechnikum
zu Karlsruhe.
[* 39] Infolge einer Krankheit sah er sich genötigt, Ende 1868 seine Stelle niederzulegen; von 1879 bis 1888 war er
Direktor der «Allgemeinen Versorgungsanstalt» in Karlsruhe (Lebens- und Rentenversicherung). Er
schrieb:
«Ausgleichung der Beobachtungsfehler nach der Methode der kleinsten Quadratsummen»
(Braunschw. 1857),
«Abbildung krummer Oberflächen aufeinander und Anwendung derselben auf höhere
Geodäsie» (ebd. 1858),
«Studien zur analytischen Mechanik» (Stuttg. 1863),
«Theorie der elliptischen Integrale und Funktionen»
(ebd. 1865),
der dritte Tag der Woche; die Bezeichnung Dienstag entstand durch Einschaltung eines n aus der in Mitteldeutschland
noch gegenwärtig üblichen Form Diestag (angelfächs. Tivesdäg, altfries. Tysdei, altnord. Tysdagr, engl.
Tuesday) und bedeutet: der dem Kriegs- oder Siegesgott, dem Zio (altnord. Tyr, s. d.) geweihte Tag. Er ist altdeutsche Übertragung
des lat. Dies Martis (franz. Mardi). Unmittelbar an die althochdeutsche Namensform Zio (im Genitiv Ziwes)
lehnt sich die noch in oberdeutschen (alamann.) Mundarten gebräuchliche Form Zistag, Zistig. In Bayern
[* 42] hieß der Kriegsgott
Er, weshalb der Dienstag dort noch jetzt auch Erchtag oder Ertag heißt.
die im Soldatenstande zugebrachte Zeit, die meist nach vollen Jahren berechnet wird,
wobei Kriegsjahre doppelt, in Festungshaft oder nicht unverschuldeter Kriegsgefangenschaft zugebrachte Jahre gar nicht veranschlagt
werden.
diejenigen Ansprüche, welche ein Beamter infolge seiner Anstellung an den Staat, die Gemeinde u. s. w.,
eine Militärperson infolge geleisteter Dienste
[* 43] erhebt oder zu erheben berechtigt ist. Sie sind verschiedenartiger, teils
ehrenrechtlicher, teils vermögensrechtlicher Natur. Unter den letztern sind die wichtigsten die Rechte auf Gehalt, beim Soldaten
Löhnung, und das Recht auf die Pension. Die diese betreffenden Verhältnisse sind in den Pensionsgesetzen
der verschiedenen Staaten geregelt worden. (S. auch Anstellungsberechtigung, Invalidenversorgung, Militäranwärter.) In manchen
Heeren gewährt eine bestimmte in einer Charge geleistete Dienstzeit Anspruch auf eine Dienstzulage, ebenso in den meisten die
Zurücklegung bestimmter Dienstzeit den Anspruch auf Dienstauszeichnungen.
Letztere bestehen in verschiedener Form, in Frankreich z. B. für die Unterchargen in Chevrons (s. d.),
in Deutschland in auf der Brust zu tragenden Zeichen. Preußen
[* 44] hat ein Dienstkreuz für 25jährige Dienstzeit von Offizieren,
Dienstauszeichnungen in Schnallenform für 9-, 15- und 21jährige Dienstzeit von Mannschaften des aktiven Dienststandes und
die Landwehr-Dienstauszeichnung in zwei Klassen, ein Kreuz
[* 45] für 20jährige Dienstzeit von Offizieren und
eine Schnalle für Offiziere und Mannschaften der Landwehr nach erfüllter Dienstpflicht, wenn sie einen Feldzug mitgemacht
haben oder wenigstens drei Monate zum aktiven Dienste bei außerordentlicher Veranlassung
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berufen waren. Bayern verleiht den Ludwigsorden (s.d.) für 50jährige Dienste, Dienstkreuze für 40- und 24jährige Dienstzeit
in zwei Klassen, Dienstaus- zeichnnngen und Landwebr-Dienstauszeichnungen analog den preußischen. Sachsen
[* 47] hat sich seit 1874 hierin
den preuft. Einrichtnngen angeschlossen. Die Dienste können infolge Verbrechen oder Vergehen verlorengehen. Der Verlust der durch
den Militär- dienst erworbenen Ansprüche, soweit dieselben durck Nichterspruch aberkannt werden können,
tritt ein als Folge der Bestrafung mit Entfernung aus dem Heer oder der Marine, mit Dienstentlassung, mit Ver- setzung in
die Weite Klasse des Soldatcnstandes und mit Degradation; letzteres jedoch nur in der Art, daß zwar die Versorgungsansprüche
eines Unteroffiziers, nickt aber diejenigen eines Gemeinen verlustig gehen.
Selbst dnrch Nichterspruch dürfen nicht aberkannt werden: die den Offizieren und Sanitätsoffizieren gebührenden sog.
Pensionserhöhungcn sowie die Pensionen, Pensions- und Verstümmclungszulagen der zur Klasse der Unteroffiziere und Gemeinen
ge- hörenden Personen des Soldatenstandes. Dienstanszeichnnngcn, s. Dienstansprüche. Dienstbarkeit, Servitut, ein dingliches
Necht an fremder Sache, sie sei ein Grnndstück oder be- weglich. Die Sache selbst dient dem Dienstbarkeit-
berechtigten, der Eigentümer der dienenden Sache hat das zu dulden, oder er hat etwas zu unter- lassen (z. B.
einen Nenbau, durch welchen die Aus- sicht genommen wird).
Aber die Dienste verpflichtet den Eigentümer der dienenden Sache nicht zu Posi- tiven Leistnngen.
Das ist der wichtige Unterschied der Servitutcn von den Neallasten (s. d.); wichtig,
weil die Grnnddienstbarkeit ohne Eintrag in das Grundbuch bestellt werden kann, z. V. in Preusieu, die Neallast aber nicht;
ferner weil Neallasten durcbweg ablösbar sind, aber nicht Dienste. Doch haftet der Eigentümer
des belasteten Grnndstücks zu ge- wissen Nebcnleistuugen. Daß der Waldeigentümer den Holznngsberechtigten die Stellen anweist,
wo das Recht auszuüben ist, schließt nicht aus, daß es sich um eine Dienste und nicht nm eine Neallast han- delt.
Die Dienste ist eine persönliche, wenn sie einem bestimmten Menschen oder einer bestimmten jurist. Person (Innung,
Stadt, dem Staat) zusteht. Sie darf von denselben nicht dem Nechtsbestande nach (nur bezüglich der Ausübung) veräußert
werden, und endigt mit dem Tode der Person, bei jurist. Personen nach 100 Jahren. Doch kann nach Preuft. Allg. Landr. 1,21,
§. 178 der Nießbrauch auch für die Erben des zuerst Berechtigten bestellt werden, und einer jurist.
Person steht er so lange zu, wie diese be- steht (§.179). Solche persönlichen Dienste sind der Nieß- brauch
(s. d.), das Gebrauchsrecht (s. II3U8), das Wohnungsrecht
(s. d.), im geltenden Preuft.
Allg. Landrecht das vererbliche Necht des Mieters nnd Pächters, welchem die vermietete Sache oder das
verpachtete Grnndstück übergeben sind. Deshalb gilt dort der Satz«Kauf bricht Miete» nicht. Die Ser- vitut ist eine Grunddienstbarkeit
(s. d.), wenn dem jeweiligen Eigentümer eines Grundstücks die Dienste an
einem andern Grundstück znsteht. Der Berechtigte darf vermöge der Dienste entweder selbst in Bezug auf den Gegenstand etwas thnn,
z. V. Früchte davon ziehen, einen Weg gebrauchen (affirmative ^er- vi tuten) oder dem Eigentümer einen
gewissen Gebrauch, z. V. das Höherbauen seines Hauses, das Verbauen eines Fensters u. s. w.
untersagen (negative Servituten). Die Klage aus
der Dienste wird OoQfsääoi'iH genannt.
Sie geht gegen den Eigentümer wie gegen jeden Dritten, welcher dazu Anlaß giebt, auf Anerkennung, Unterlassung
wei- terer Störung, Herstellung eines dem Inhalt des Nechts entsprechenden Znstandes. Dienstboten, s. Gesinde. Dienstbotensteuer,
s. Lurussteuern. Dienste, persönliche, menschliche Arbeits- leistungen, welche als solche die direkte Befriedi- gung persönlicher
Bedürfnisse anderer gewähren und auf Grund dieses ihres Gebranchswerts auch einen Tansckwert und dadnrch neben den
Sach- gütern und der auf die Erzeugung und Bewegung von Sackgütern gerichteten menschlichen Arbeits- kraft die Bedeutung
von tauschwirtschaftlichen Gü- tern erlangen.
Manche persönlichen Dienste sind auch mit sachlichen Arbeiten verbunden, so namentlich in der Hauswirtschaft. Andere dagegen dienen
ausschließlich der immateriellen Produttion und ein Teil, wie namentlich die Dienste der Staatsbeamten, der
Geistlichen, Arzte u. s. w., bildet eine unentbehr- liche Grundlage der Knltur. Eine in der Volts- wirtschastslebre viel verhandelte
Frage ist die, ob die Dienstleistungen als produktiv zu gelten hätten (s. Produktivität). Der
Betrieb der persönlichen Dienste, der höhcrn wie der niedern, ist, auch abgesehen von den Beamten, im ganzen
noch weit mehr der staatlichen Negclung unterworfen als die materielle Güterproduktion. Es hängt dies damit zusammen, daß
bei den erstcrn Person und Person sich unmit- telbar gegenüberstehen, daher eher die Gefahr einer persönlichen Schädigung
durch den Unbernfenen vorliegt, und auch leicht persönliche Reibungen ent- stehen.
Daher wird auch in Staaten mit hock ent- wickelter Gewerbefreiheit von denjenigen, welche als Lehrer, Advokaten,
Arzte, Hebammen u. s. w. wir- ken wollen, ein Besähignngsnachweis verlangt; die Befugnis zu
künstlerischen Schaustellungen wird meistens im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit von einer besondern Konzession abhängig
gemacht, und nock weiter gehenden Beschränkungen unter- liegen solche Aufführungen, die ein höheres
künst- lerisches Interesse gar nicht besitzen.
Personen, die auf der öffentlichen Strafte ihre Dienste anbieten, wie Droschkenkutscher und Dienstmänner (s.
Dienstmann- institute), stehen ebendeswegen unter der oft weit- gehenden Ordnungsgewalt der Polizei, und es kön- nen namentlich
auch Taxen für sie vorgeschrieben werden. Anch die Verhältnisse der häuslichen Dienst- boten, des sog.
Gesindes (s. d.), stehen vielfach noch unter besondern gesetzlichen Vorschriften.
Diese Gesindeordnungen enthalten in Deutschland hier und da noch Anklänge an die Leibeigenschaft, aus der das Gesindcwesen
teilweise hervorgegangen ist.
Doch hat man auch in durchaus modernen Dienst- botcngesetzcn auf die besonders engen häuslichen Beziebungen, die zwischen
der Dienstherrschaft und den Dienstboten bestehen, einige Nücksicht nehmen ! müssen. Für die einem
andern geleisteten Dienste kann ^ beim Mangel eines dahin gehenden Vertrags nicht ! in jedem Falle ein Entgelt gefordert werden.
Zahl- ! reiche Dienste werden aus Freundschaft oder Gefälligkeit ! geleistet. Daranf beruht namentlich der Auftrag '
(s. d.) und die nützliche Geschäftsführung (s. d.).
^ Deshalb können auch Kinder, welche an dem Haus- ' halte der Eltern teilnehmen und unter deren Er- ^ ziehungsgewalt stehen,
beim Mangel einer Ver- , abredung selbst für wirtschaftliche Dienste keine Ver- i gütung fordern (Preuh. Allg. Landr. II, 2, z§. 121
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-123; Deutscher Entwurf §.1499). Ergiebt sich aber aus den Umständen, daß jemand, welcher sich von einem Tritten Diensteinkommen leisten
ließ, nur erwarten konnte, dieselben seien ihm gegen Entgelt geleistet - und das wird gewöhnlich der Fall sein, wenn der
Tritte solche Diensteinkommen gewerbsmäßig gegen Entgelt leistet - so gilt eine angemessene,
zunächst von dem Dritten zu berechnende Vergütung als stillschweigend verabredet (Sächs. Vürgerl. Gesetzb. §§. 820,1231;
Deutscher Entwurf §. 559). Ein Kaufmann, der in Ausübung des Handelsgewerbes einem Kaufmann oder Nichtkaufmann Diensteinkommen leistet,
kann nach Art. 290 des Deutschen Handelsgesetzbuches dafür auch ohne vorherige Verabredung Provision fordern.
Dienste, in der Architektur die schlanken, säulenartigen Verstärkungen der Pfeiler und Wände an got.
Kirchen, auf welchen die Nippen der Ge- wölbe aufsitzen. Jene stärkern Diensteinkommen, welche die Gurt- bogen tragen, nennt man alte Diensteinkommen, die
schwächern, für die Diagonalen, junge Diensteinkommen Gewöhnlich haben die Diensteinkommen Sockel und einen Knauf.
[* 49] Doch verschwinden
die letztern im 15. Jahrh., sodaß der Dienst unmittel- bar in die Nippe übergeht. Diensteid, s. Amtseid. Diensteinkommen,
alles Einkommen, welches als Folge eines bestimmten dauernden Dienstes, sei es öffentlichen oder privaten, bezogen wird.
Im engern Sinne nennt man Diensteinkommen das Einkommen der Beamten, so auch in der Geschgebungssprache.
Für dieses Diensteinkommen gelten bestimmte gesetzliche Vorschriften. Solche finden sich, im
wesentlichen übereinstimmend, im einzelnen jedoch mannigfach verschieden, in den Beamtengesetzen aller Einzelstaaten; gewissermaßen
einen zusammenfassenden Abschluß der deutschen Ent- wicklung geben die Vorschriften des Reichsbeamten- gesetzes vom Das
Diensteinkommen kann nicht nnter die privatrechtlichen Gesichtspunkte einer Be- lohnung für geleistete Dienste gestellt
werden, son- dern bildet eine Art Alimentation, welche der Staat oder die Gemeinde in Form einer nach Art und Be- deutung des
Dienstes abgestuften Ncnte denjenigen Personen gewähren, welche ihnen dauernd, meist auf Lebenszeit, ihre Arbeitskrast widmen.
Demgemäß wird auch bei Krankheit und meist auch bei Urlaub - doch bestehen hier Modifikationen - das
Diensteinkommen weiter entrichtet. Das Diensteinkommen wird teils nach, teils vor der Dienstzeit, teils monatlich,
teils vierteljährlich entrichtet, nach der neuern Gesetzgebung meist vor- her und vierteljährlich. Das Diensteinkommen wurde
früher in weitem Umfange in Naturalien gegeben; heute ist dies die Ausnahme, nur Dienstwohnungen sind
auch jetzt noch sehr häusig, im übrigen kommt Na- turalleistung in erheblicherm Umfange nur mehr bei Kirchendienern vor.
Disciplinarbcstrafung kann eine Minderung oder völlige Entziehung des Diensteinkommen zur Folge haben. Das Diensteinkommen ist
nach der Deutschen Civilprozeßordnung nur in beschränkter Weise ge- richtliches Exekutionsobjekt (§z. 715, 749). Als
Wartegeld erscheint das Diensteinkommen bei zeitweilig in Nuhc- stand versetzten Beamten; als Pension dei dauern- der Dienstunfähigkeit.
Hierüber sind überall genaue Eondervorschriften (vgl. Reichsgesetze vom und
dazu die besondern Gesetzc für Militürpersonen) erlassen worden. Auch dic ^Witwen- und Waisengeldcr stellen eine besondcrc
Art des Diensteinkommen dar (vgl/Neichsgesetz vom und kaiserl.
Verordnung vom und serner Reichs gcsetz vom und taiserl. Verordnung vom Der sog.
Wohnungsgeldzuschuß
(Neichsgesetz vom gehört rechtlich zum Diensteinkommen, nicht dagegen Ersatz für Varauslagen und vorübergehende
Nemunera- tionen, nur nach einzelnen Gesetzen die sog. Ne- präsentationsgelder.
Das Diensteinkommen kann nach den meisten Gesetzen vor den Civilgerichten eingeklagt werden, nach dem Reichsbeamtengesetz
jedoch nur 6 Monate lang nach Erledigung des verwaltungsrechtlichen Instanzenzuges; oberste gerichtliche Instanz ist das Reichsgericht.
Die Pension, nach einzelnen Gesetzen auch das Witwengeld werden nach dem Diensteinkommen berechnet.
Vielfach hat das Diensteinkommen steuerrechtliche Privilegien, so in Preußen nur Heranziehung mit der Hälfte zu Kommunalsteuern; vollkommene
Freiheit von solchen besteht für das Diensteinkommen der Militärpersonen im Gebiet des ehemaligen Norddeutschen
Bundes, bei Unter- offizieren und Gemeinen auch von direkten Staats- steucrn im ganzen Reichsgebiet; für die Berechnung
der Mietssteuer von Dienstwohnungen der Rcichs- beamtcn darf kein höherer Betrag als 15 Proz.
des baren Diensteinkommen angesetzt werden (Gesetz vom Das Diensteinkommen im deutschen Heere und in der deutschen Marine setzt sich zusammen
aus dem Chargengehalt (bei den Mannschaften Löhnung) mit den etatsmttßigcn Stellenzulagen (nur für gewisse
Stellen) und aus dem Scrvis und Wohnungsgeld- zuschuß; ferner gehören hierher in gewissem Sinne die Tischgelder, die Kommandozulagen
(beim Ver- lassen der Garnison), die Tagegelder (bei dienstlichen Reisen); endlich auch die den Inhabern verschiedener Dienstauszeichnungen
gezahlten Ehrenzulagen. An Chargen geh alt erhalten monatlich, von kleinen Unterschieden einzelner Truppenteile abge-
sehen : Generalfeldmarfchall, General, Generallieute- nant 1000 M.;
Sckondelieutenant
der Infanterie (fowie außeretatmäßige Sekondelieutenants der Artillerie und der Ingenicure) 75 M. - In der Marine erhält
an Chargcngehalt: der kommandie- rende Admiral 1000 M. (dazu 1500 M. monat- liche Stellenzulage);
Seekadctt, Vicefeckadctt, Maat 45 M.; Obermatrose, Oberheizer u. s. w. 24 M.;
Ma- trose, Heizer, Handwerker, Kadett, Scbiffsjungen- unterosfizier 19,50 M.;
Schiffsjunge 12 M.^Nur für die Marine-Infanterie
gelten dieselben ^ätze wie für das Heer, nur daß der Gefreite 15 M. erhält. Die etatsmähige Stellenzulage
beträgt u. a. monatlich für einen kommandierenden Gene- ral sowie für den Chef des Generalstabes der Ar- mee 1500 M.;
für einen
Divisionscommandeur sowie für einen Departe- mentsdirektor im Kriegsministerium 375 M.;
für einen Brigadecommandeur
und entsprechende an- dere Dienststellen 75 M.;
für den Commandeur der Haupt-Kadettenanstalt 75 M.;
für den Compagnie-
chef im Kadettenkorps 25 M.;
für den Militärlehrer im Kadettenkorps 60 M.;
für einen Adjutanten, Afsistenten, Compagnieofsizicr
oder Reitlehrer im Kadettenkorps 40 M.;
für Lehrer, Inspektionsoffi- ziere und Vureauchefs der Kriegsfchulen
37,59 Vt.; für einen (inaktiven) Vezirkscommandeur, je nach- dem 90,120,150 M.;
für einen (inaktiven) Vezirks- offizier 60 M.
- Ebenso sind Stellenzulagen für die Stationschefs (monatlich 625 M.), Adjutanten (monatlich 18 M.), den Direktor, Direktionooffizier,
die Lehrer und Infpektionsofsiziere der Vtarine- Akademie und -Schule ausgefetzt.
Auf den in Dienst gestellten
Schiffen erhalten die Kapitulanten des Maschinenpcrsonals besondere Stellen- und Fachzulagen (bis zu 1 M. täglich). Dienstalterzulagen,
beginnend mit monat- lich 3 M., steigend bis monatlich 30 M., erhalten alle Unteroffiziere und Deckoffizierc der Marine.
Beurlaubte Offiziere erleiden, wenn feitens der den Urlaub erteilenden Vorgesetzten nickt aus- nahmsweise
andere Bestimmung getroffen ist, wäh- rend der ersten 1^ Monate des Urlaubs keine Ge- haltsverkürzung.
Für weitere 4^ Monat tritt ein Abzug vom Gehalt ein, welcher je nach der Größe des Gchalts täglich 1 M. bis 16,50 M. beträgt.
Nach Ablauf
[* 51] von 6 Monaten wird der Gehalt tageweise mit dem vollen Betrage in Abzug gebracht. Ist der Urlaub
zur Wiederherstellung der Gesundheit erteilt, so findet bis zur Dauer von 6 Monaten kein Gehalts- abzug statt; zur weitern
Zahlung des Gehalts bedars es der allerhöchsten Genehmigung. Nur mit Ver- büßung von Festungshaft oder Gefängnis
ist ein Gc- daltsabzug von täglich 1 M. bis 16,50 M. verbunden.
ÜberTischgelder, Messcgelder, Tafelgclder, Tage- gelder, Servis und Wohnungsgeldzuschuß, See- fahrtszulage und
Ehrenzulagen
s. die betr. Artikel. Dienstenthebung, s. Amtsenthebung und Dis- ciplinargcwalt. Dienstentlassung, die Entlassung eines Be- amten
aus dem Dienst (s. Amtsenthebung). Dienstleute als militärische Ehrenstrafe (nur gegen Offiziere, Sanitätsoffiziere
und im Offizierrange stehende Mitglieder des Maschineningenieurkorps zulässig) bat den Verlust der Dienststelle und aller
durch den Dienst erworbenen Ansprüche, soweit die- selben durch den Richterspruch aberkannt werden können, ingleichen die
Verwirkung des Rechts, die Offtziersuniform zu tragen, zur Folge.
Der des Dienstes entlassene Offizier behält aber den Offizier- titel, Orden und Ehrenzeichen und kann
wieder ein- treten (aber nicht als Offizier). Auf Dienstleute wird z. B. erkannt:
bei Bruch des Stubenarrestes, bei Thät- lichkeiten gegen Vorgesetzte, bei Herausforderung eines Vorgefetzten zum Zweikampfe
aus dienstlicher Veranlassung und Annahme eines solchen Zwei- kampfes seitens des Vorgesetzten, bei Mißhandlung Untergebener
im wiederholten Rückfalle ueben Ge- fängnis- oder Festungshaft.
Dienstgeheimnis, s. Amtsgeheimnis. Dienstgratial, in Österreich
[* 52] eine Abfindungs- summe, die frühern Militärpcrsonen, vom
Feldwebel und Wachtmeister abwärts, welche auf Invaliden- verforgung Verzicht leisten, bei ihrem Austritt aus dem Militär
gewährt wird; ihre Hohe richtet sich nach der Waffengattung und nach dem bekleideten Grade. Dienstgut,
s. Dienstleute und Pomjestje. Dienstkreuz, s. Dienstansprüche. Dienstleute (russ. ^u^ii^js huäi), Bezeichnung für die verschiedenen
Klassen der den russ. Fürsten zum Dienst verpflichteten Leute.
In der ältesten Zeit bilden sie seine Gefolgschaft (Oi-uxina, f. Dru- shina), später
seinen Hof
[* 53] (1)vor) und werden daher Dworjane (Hofleute) genannt. Die Glieder
[* 54] der Gefolgschaft (äru^iniMi)
haben sich in Unter- thanen verwandelt und zerfallen in Klassen, welche ihre Ausbildung im moskauischen Groftfürstentum crbalten.
Hier entwickelt sich auch das Dienst- gütersystem. Wer auf feinem Erb- und Eigentum (otcina. oder votcina, von ot6c, «Vater»)
faß, war dem Großfürsten zum Dienst verpflichtet.
Leuten, die ihm dienen wollten, verlieh der Großfürst Land (Dienst gut, pom^t^), von dem sie mit einer
entsprechenden Anzahl ihrer Leute den Dienst zu leisten batten. Die Zugehörigkeit zur Klasse der Dienstleute verlieh dein Einzelnen
ein Recht auf Land. Die Zahl der Dienstgüter überstieg bald die der Erb- güter (s. Pomjestje). Nach Feldzügen oder einer
Reihe von Dienstjahren erhielten die Dienstleute ein gewisses Landmaß zu ihren Gütern zugeteilt. Wer nicht selbst
den Dienst leisten konnte, hatte einen Stell- vertreter zu stellen (ä^to^nv^je hnäi), ebenso die Geistlichkeit von ihren
Gütern.
In der ältern Zeit hatten sämtlicke Bischöfe ihre Dienstleute, unter deren An- führung ihre Leute den Fürsten
und Großfürsten Heeresfolge leisteten, und welche ihre Güter verwal- teten. Besonders groß und bedeutend war der Hof des
Bischofs, später Erzbifchofs, von Nowgorod. In späterer Zeit hatte nur der Patriarch noch seine eigenen Dienstleute, soqar
seine Bojaren. Im moskauischen Zarcntum (16. Jahrh.) finden sich neun Klassen der Dienstleute. Die obersten drei
bildeten den Rat des Zaren und seine unmittelbare Um- gebung. Aus ihnen wurden die wichtigsten Hos- und Staatsämter besetzt,
ihre Mitglieder wurden zu Chefs der moskauischen Behörden (pi-ik^), zu
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Statthaltern, später Woiwoden in den großen Pro- vinzen ernannt, endlich zu Heerführern. Die vierte Klasse bildeten die eigentlichen
Hof- und Vureau- beamten. Die fünfte und sechste Klasse gehören zn den mittlern Klassen; aus ihnen wurden Verwal- tungsbeamte,
Statthalter resp. Woiwodcn und An- führer von Regimentern spoiiy gewählt. Die siebente,
! achte und neunte Klasse gehören zu den niedern Dienstmiete ! Da die Dienstmiete sich selbst unterhalten mußten, so! konnten
die FeldZüge meist nur kurz sein, dauerten sie länger, so wurde das Heer vom Zaren unter- halten.
In der ältern Zeit bildeten die Dienstmiete mit ihren Bauern das Heer. Seit dem 16. Jahrh, kamen stehende Truppen,
Strelitzen (s. d.), Artilleristen (M8kHli) und angeworbene fremde Söldner auf. Peter d. Gr. organisierte das Heer nach europ.
Muster. Den Unterhalt übernahm der Staat. Die auf dem Lande (den Dienst- und Erbgütern) liegende Dienstpflicht wurde zu einer
persönlichen und alle Diensttlassen zu einem Stande, dem Adel (s. Rus- sischer Adel) vereinigt. Gericht.
Dienstliste, im österr. Strafprozeß, s. Schwur- Dienstmögde Christi, eine 1848 zu Dernbach in Nassau entstandene, 1870 von
Pius IX. bestä- tigte, in Westdeutschland ziemlich verbreitete Ge- nossenschaft zur Pflege armer Kranken. Dienstmann, f. Dienstmanninstitute.
Dienstmannen, s. Ministerialen. Dienstmanninstitute, Einrichtungen, welche den Zweck verfolgen,
dem Publikum Dienst- und Arbcitsleute zur Besorgung von Votengängen, Transport kleinerer Lasten u. s. w.
gegen eine nach einem bestimmten, von der Ortspolizeibehörde ge- nehmigten Tarif festgesetzte Gcldentschädigung zur Verfügung
zu stellen.
Die Berechtigung der polizei- lichen Taren beruht in Deutschland auf §. 76 der Gewerbeordnung. In den größern Städten fand
man auch früher schon Leute, die auf den Straßen bereit standen, um dergleichen Dienste zu verrichten,
so unter andern die sog. Eckensteher zu Berlin. Die Aufgabe der Dienstmiete ist, daß sie diesen Dienst organi- sieren, daß sie zuverlässige
Leute dazu heranziehen, Bürgschaft für ihre Zuverlässigkeit leisten, durch eine gleichmäßige Kleidung die Dienstmänner
kennt- lich machen.
Neben den Dienstmiete haben sich auch einzelne selbständige Dienstmänner diesem Geschäfte gewid- met. Am besten
sind wenige große Institute mit Gcsamtbürgschaft, die sich das Vertrauen durch gute Haltung erwerben, derart, daß man auf
ihre Kleidung und Abzeichen hin unbedenklich die Dienste jedem einzelnen anvertraut. DieseInstitute brauchen nicht
notwendig die Unternehmung eines Kapi- talisten zu sein; sie können ebensogut Genossen- schaften durch die Verewigung einer
größeren Anzahl tüchtiger Dienstmänner bilden.
Für jede übernom- mene Bestellung übergiebt der Dienstmann dem Besteller eine Marke des Instituts, die auf den Betrag des
für die Bestellung empfangenen Lohns und auf die Höhe der Garantie lautet und so zugleich als Kontrolle
für die Dienstmiete und als Garantieschein für den Austraggeber dient. Dienstmiete, der Vertrag, durch welchen sich der eine verpflichtet,
dem andern Dienste gegen Entgelt Zu leisten. Das Gebiet dieses Vertragsver- dältnisses ist außerordentlich weit; der Dienstmiet-
vertrag und der Kaufvertrag sind die wichtigsten Verträge des Privatreckts, ohne welche die bürger- liche
Gesellschaft nicht bestehen könnte.
Der Ver- trag umfaßt von dem einfachsten Verhältnisse des Arbeitgebers, welcher einen Dienstmann für
einen Weg mietet, die
Verhältnisse der Herrschaft zu dem Gesinde, zu den Hausoffizianten und Stützen der Hausfrau, des Arbeitgebers zu den gewerblichen,
landwirtschaftlichen und Fabrikarbeitern, des Mei- sters zu seinen Gesellen, des Kaufmanns und In- dustriellen
zu seinem gesamten Geschäftspersonal bis hinauf zum Fabrikdirektor und Prokuristen, des Theateruntornehmers zu den von ihm
engagierten Künstlern, das Vertragsverhältnis zum Privat- lehrer, zum Erzieher und zur Erzieherin der Kinder.
Das Verhältnis erstreckt sich auf die einfachsten körperlichen Arbeiten und auf lebenslängliche künst-
lerische, wissenschaftliche und gewerbliche Berufe. Der Vertrag wird begrenzt durch die Verhältnisse des öffentlichen Dienstes.
Der Staatsbeamte, der Kirchenbcamte und der Gemeindebeamte stehen nicht in einem privatrechtlichen Abhängigkeitsver- hältnis,
sie erhalten auch keinen Lohn für geleistete Dienste, sondern ein Gehalt, was im Verhältnis zur Erfüllung
der dienstlichen Pflichten keine Gegen- leistung für die Leistung ist.
Der Vertrag wird andererseits begrenzt durch die Werkverdingung (s. d.), bei welcher es sich nicht bloß um Leistung von Diensten,
sondern um deren Resultat, die Her- stellung eines Werkes handelt. Minderjährige be- dürfen zur Vermietung ihrer Dienste
der Ermäch- tigung des Vaters oder Vormundes, welche auch generell erteilt wird, aber auch, wenn sie
erteilt war, unbeschadet der erworbenen Rechte dritter Per- sonen wieder zurückgezogen und eingeschränkt wer- den kann.
Ehefrauen bedürfen nach den Landes- gesetzgebungen, insonderheit wenn sie in ein Ge- sindeverhältnis eintreten, der Genehmigung
des Ehemanns. Über die von beiden Seiten zu erfüllen- den Verpflichtungen pflegen bei den umfassendem
und wichtigern Verhältnissen schriftliche eingehende Verträge abgeschlossen zu werden. Wo solche Ver- träge nicht geschlossen
sind, oder soweit sie keine Be- stimmungen treffen, normiert das Gesetz. Der Dienstleistende (Vermieter) hat die versprochenen
Dienste und zwar, wenn nichts anderes bestimmt oder nach den Umständen anzunehmen ist, in Person zu leisten.
Der Lohn kann nach der Zeit der Arbeit, nach dem Stück oder nach der Qualität und der Menge der Arbeit bezahlt werden. Er
ist post- nnmLranäo oder in bestimmten Zeitabschnitten zu zahlen. Bezüglich der Ausführung der Arbeiten ist der Vermieter,
soweit sich nicht etwas anderes aus der Natur der zu leistenden Dienste ergiebt, an" die Weisungen des
Arbeitgebers gebunden. Beide Teile haften für ihre Verschuldung, der Ver- mieter insonderheit dafür, daß er die Fähigkeiten
zu dem Dienste, welche er vermietet hat, habe.
Doch pflegt der Maßstab
[* 56] der Sorgfalt bei dem Gesinde herabgesetzt zu sein. Wird der Vermieter durch einen
Zufall unfähig oder behindert, die Dienste zu leisten, so fällt die Verpflichtung des Mieters zur Gegenleistung ohne Entschädigungspflicht
des Ver- mieters hinweg. Eine vorübergehende Behinderung ist bei dauernden Dienstverhältnissen ohne Einfluß. Kann der Mieter
aus einem ihn treffenden Zufall von den Diensten keinen Gebrauch machen, so hat er nach Gemeinem Recht
und nach Sächs. Vürgerl. Gesetzb. §. 870 gleichwohl die Gegenleistung zu gewähren, nach Osterr. Bürgerl. Gesetzb. §. 1155 den
Dienstleistenden zu entschädigen. Nach Preuh. Allg. Landr. 1,11, S. 917 wird auch in diesem Fall der Arbeitgeber von seiner
Verbindlichkeit der
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