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Otodectes cynotis (Ohrräudemilben oder Ohrmilben) ist die häufigste Milbenart der Katze, wobei diese auch bei Hunden, anderen Haustieren und seltener bei Menschen auftreten kann. Ohrmilben kommen weltweit vor und befallen vorwiegend junge Katzen und Freigänger. Neben Juckreiz und Hautläsionen können sie auch zu schmerzhaften Ohrentzündungen und allergischen Reaktionen führen. Ein typisches Zeichen für die sogenannte Ohrräude bei Katzen ist ebenfalls die Bildung einer wachsartigen, kaffeesatzähnlichen Masse innerhalb des Gehörgangs.
Ohrmilben bei Katzen
© EdNurg / stock.adobe.com
Ohrmilben können bei Katzen gut behandelt werden.
Otodectes cynotis – Eigenschaften und Lebenszyklus
Allgemein besitzen Milben 8 Beine, weshalb sie taxonomisch zu den Spinnentieren (Arachnida) und Insekten (Arthropoda) gezählt werden. Wie der Name schon verrät, befinden sich die etwa 0,5 Millimeter grossen Ohrräudemilben im Gehörgang von Katzen. Mit Hilfe ihrer langen Beine befestigen sie sich in der Haut des Gehörgangs und ernähren sich dort von Hautzellen und Zellabsonderungen. Dazu setzen sie kauende Mundwerkzeuge ein, welche sich an ihrem Kopfende befinden.
Die Weibchen von Otodectes cynotis legen ihre kleinen Eier auf der Hautoberfläche des Gehörganges ab, aus denen nach wenigen Tagen Larven schlüpfen. Diese Larven entwickeln sich über 2 Nymphenstadien (Protonymphe und Tritonymphe) zu den adulten Stadien, welche ca. 2 Monate alt werden. Der gesamte Lebenszyklus von Ei zu Adulten ist nach etwa 3 Wochen vollständig abgeschlossen, demnach besitzt die Ohrräudemilbe eine sehr hohe Fortpflanzungsrate. Obwohl die Parasiten bevorzugt im Gehörgang der Katze leben, können adulte Stadien auch bei hoher Luftfeuchtigkeit ausserhalb des Wirtes monatelang überleben. Dies sollte für eine erfolgreiche Bekämpfung durch den Tierbesitzer bedacht werden.
Ohrmilben bei Katzen Symptome
Ohrmilben bei Katzen können je nach Ausmass des Befalls unterschiedliche Symptome hervorrufen:
- Ohrräude (Otitis externa parasitaria): Bildung einer dunklen, kaffeesatzähnlichen Masse (bestehend aus Blut, Ohrensekret, Zellexsudat und Ausscheidungen der Milben) in einem oder in beiden Ohren als Reaktion auf den Speichel der Milben
- Gegebenenfalls starker Juckreiz: vermehrtes Kratzen am Ohr, Kopfschütteln und abnorme Kopfbewegungen
- Schuppenbildung
- Allergische Reaktionen: Juckreiz, Rötungen, Haarausfall, Pusteln
- Krustenbildung und bakterielle Sekundärinfektionen durch starkes Kratzen an den betroffenen Hautstellen
- In selteneren Fällen kann auch eine schmerzhafte mittlere oder innere Ohrentzündung (Otitis media bzw. interna) oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) als Folge des Ohrmilbenbefalls auftreten
Diagnose
Da die Ohrräudemilben bei Katzen mit dem Auge schwer zu erkennen sind, muss die Diagnose durch einen Tierarzt bestätigt werden. Obwohl die Ohrräude bei Katzen relativ schnell und einfach nachgewiesen werden kann, sollte zu Beginn jeder Untersuchung eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) erfolgen. Diese kann mögliche Differentialdiagnosen (z.B. andere Ektoparasiten oder nicht-infektiöse Hauterkrankungen wie Allergien), welche eine andere Therapie und Prognose fordern, bereits ausschliessen. Wurde die erkrankte Katze in den vergangenen Wochen zum Beispiel nicht mit einer Parasitenprophylaxe (z.B. Halsband) ausgesetzt, so ist ein Ohrmilbenbefall sehr wahrscheinlich. Sollte die Katze jedoch einen wirksamen Parasitenschutz erhalten haben, so kommen etwa eine Ohrentzündung oder allergische Reaktionen für den Tierarzt eher in Frage.
Hat der Tierarzt während der Anamnese alle wichtigen Hinweise gesammelt, so erfolgt eine klinische Allgemeinuntersuchung. Diese verrät anhand folgender Vitalparameter den momentanen Gesundheitszustand der Katze:
- Das Allgemeinbefinden (z.B. aufmerksam oder abwesend)
- Die Untersuchung der Schleimhäute (z.B. im Maul)
- Die Untersuchung des Wasserhaushaltes (Hochziehen einer Nackenfalte)
- Die Herz- und Atemfrequenz
- Die rektale Körperinnentemperatur
Sind alle Vitalparameter in der Norm, kann die spezielle Untersuchung eingeleitet werden. Diese hat das Ziel, einen direkten Nachweis der Ohrmilben bei Katzen zu erhalten, um andere Grunderkrankungen ausschliessen zu können. Dazu ist die Untersuchung des Gehörganges mittels eines Otoskops notwendig. Dabei handelt es sich um ein trichterförmiges Werkzeug, welches mit Hilfe einer Lampe und Lupe die Adspektion (Betrachtung) des Gehörganges vereinfacht. Manchmal sind die Milben bereits als kleine, dunkle und bewegliche Pünktchen zu erkennen. Ist der Gehörgang durch eine dunkle, wachsartige Masse beschmutzt, kann diese zusätzlich durch einen Abstrich und mittels einer Aufreinigung durch die KOH-Methode (Kaliumhydroxid) (KOH) unter dem Mikroskop sichtbar gemacht werden. Diese beiden Methoden reichen für einen direkten Nachweis der Ohrräudemilbe bei Katzen aus. Um zusätzlich andere Milbenarten (zum Beispiel Pelzmilben oder Haarbalgmilben) oder Ohrmilben ausserhalb des Ohres nachweisen zu können, kann die sogenannte Klebestreifenmethode durchgeführt oder ein tiefes Hautgeschabsel entnommen werden. Auch diese Methoden erfordern nur einen kleinen zeitlichen Aufwand.
Therapie
Wie kann man Ohrmilben bei Katzen bekämpfen?
Die Therapie von Ohrmilben bei Katzen setzt sich aus einer medikamentösen Behandlung und Begleitmassnahmen zusammen. Um jedes Milbenstadium abtöten zu können, ist eine wirksame Therapie über mindestens 3 Wochen, also über den gesamten Lebenszyklus, notwendig. Des Weiteren müssen ebenfalls alle Katzen des Haushaltes mitbehandelt werden.
Medikamentöse Behandlung:
- Antiparasitika: Ivermectin, Selamectin oder Moxidectin
- Vorsichtige Reinigung der Ohrmuscheln mittels eines angefeuchteten Papiertuches oder Ohrspülung, bis alle Krusten und die kaffeesatzähnliche Masse gelöst sind
- Entzündungshemmende Salben
- Behandlung bakterieller Sekundärinfektionen: antibiotische Ohrentropfen
Begleitmassnahmen durch den Tierhalter:
- Reinigung und Desinfektion von kontaminierten Flächen und Gegenständen (z.B. Bürsten)
- Tägliche Ohrreinigung und Pflege
Prognose
Die Ohrräude der Katze kann in den meisten Fällen nach einer konsequenten und wirksamen Therapie innerhalb weniger Wochen (min. 3 Wochen) erfolgreich behandelt werden.