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Siegrist Hermann, Architekt, 1894-1975
Mit der Siedlung Leimenegg gelingt dem Winterthurer Architekten Hermann Julius Siegrist (1894-1978) 1932 ein Wurf, der die Provinz aufschreckte und die Zürcher Avantgarde auf ihn aufmerksam machte. Siegrist lehnt sich mit dieser neuen Architektur des Neuen Bauens gegen das Establishment der damaligen Architekten auf.
Hermann Siegrist kam 1894 als Sohn des Architekten Hermann Siegrist-Allweyer (1868-1937) in Winterthur zur Welt. 1914 bis 1918 besuchte er das Technikum und war Schüler von Robert Rittmeyer. Anschliessend besuchte er die ETH und war dort Schüler von Karl Moser. Bis 1923 hielt er sich im Ausland auf. Er bereiste Italien, Frankreich und vor allem den östlichen Norden. Dabei arbeitete er mit am litauischen Wiederaufbau. Hier trifft er auch den Winterthurer Adolf Kellermüller und seine spätere Gattin Tamara Solnzeva. 1923 kehrte er nach Winterthur zurück. Er trat bis 1933 in die Bürogemeinschaft von Hannibal Naef (1902-1979) ein und beteiligte sich an verschiedenen Wettbewerben und kleinere Umbauarbeiten. Zusammen mit Franz Scheibler baute er die „Blöcke“ für die Baugenossenschaft an der Langgasse. Mit dem Bau der Siedlung Leimenegg (1932) gelang ihm sein Hauptwerk. Es entstand ein wichtiges Werk des Neuen Bauens in der Schweiz. Dieser Wurf schreckte die Provinz auf und die Avantgarde in Zürich wurde auf ihn aufmerksam. Siegrist lehnte sich mit den Leimengghäusern gegen das Establishment auf und verbaute sich damit gleichzeitig den Weg dahin. Die Spitze ist in erster Linie gegen den Architekturpapst und Professor am Technikum Winterthur, Robert Rittmeyer (1868-1960) gerichtet. Trotz der beachtlichen Publizität zu Beginn, ist sie später aber nur wenigen in Erinnerung geblieben. Seine Bauten sind bestimmt von einem mutigen und kompromisslosen Einstehen für das Neue Bauen. 1939 baute er die Siedlung Schooren (hinterer Teil genannt Hegmatten). Dabei setzte sich Siegrist mit dem Bauen für das Existenzminimum auseinander. Nach einem Unterbruch während dem zweiten Weltkrieg begann 1946 der Wiedereinstieg. Die Tätigkeit der Nachkriegsjahre beschränkte sich weitgehend auf mittelständige Einfamilienhäuser. Am 17. September 1975 verstarb Hermann Siegrist. Er stürzte auf einer seiner vielen Bergtouren tödlich ab.
Projekte
1935 ereichte Siegrist mit einem kühnen Projekt den 3. Wettbewerbsrang für den Bau der Gewerbeschule an der Tösstalstrasse. Die winkelförmige Anlage mit einem Hochhaus war klar und bestechend, wurde aber wegen Programmverletzungen zurückgesetzt. Auch mit seinem Entwurf von 1938 für eine Kaserne konnte Siegrist nicht reüssieren. Sein Vorschlag sah eine streng rechtwinklige Anlage mit zweistöckigen Kompaniepavillons, eingerahmt von einer Krankenabteilung und einem Mannschaftsgebäude, vor. Sein Ärger für die Nichtberücksichtigung seines Entwurfs hielt sich in Grenzen, wurde doch gar kein Projekt verwirklicht.
Zwei Überbauungen halten seinen Namen aber noch heute in Erinnerung:
Siedlung Leimenegg
Die Leimenegg befand sich im Baujahr 1932 am damaligen Stadtrand, genannt Stadtrain, direkt an der Bahnlinie Zürich – St. Gallen. Auf diesem schmalen, billigen Landstreifen baute Siegrist sein Manifest für das Neue Bauen. Aussen zelebriert er mit weissem Sichtbeton, Bandfenstern und Dachgarten die Ästhetik der Maschine, zum Beispiel des Eisenbahnwagens. Innen baute er für die mittelständige Kleinfamilie, die vom Neuen Bauen zur absoluten Norm erhoben wird, mit einem Minimum an Raum ein Maximum an Wohnbehagen. Ein offenes Treppenhaus im Zentrum des Hauses verbindet das Wohnzimmer mit dem Dachgarten. Eingang, Küche und Waschküche bilden auf der Strassenseite, Wohn- und Esszimmer auf der Gartenseite eine Raumeinheit. Eine Glastür sorgt für einen direkten Ausgang in den Garten. In nur 4 ½ Monaten Bauzeit sind die Häuser entstanden und für Fr. 40'000 das Eckhaus und für Fr. 35'000 das Mittelhaus verkauft worden.
Arbeitersiedlung Hegmatten (hinterer Teil der Schoorenstrasse in Oberwinterthur)
Im Auftrag der „Stiftung für Kleinsiedlungen“ baute Hermann Siegrist 1939-40 die Arbeitersiedlung Hegmatten. Inmitten von offenem Wiesland am Riedbach und am Waldrand nördlich der Frauenfelderstrasse entstanden 18 Häuser, die vor allem wegen ihren Pultdächern auffallen. Siegrist verzichtete damit auf die damalige „bürgerliche Wohlanständigkeit“ und ging damit an die Grenze des Zumutbaren. Es dauerte auch nicht lange, bis die Siedlung im Volksmund mit dem Namen „Dschibuti“ diskreditiert wurde. Der Architekt verzichtete auf ein Obergeschoss, „um den Haushalt wegen der intensiven Gartenarbeiten rationeller gestalten zu können“.
In den Krisen- und Kriegsjahren unterstütze der Stadtrat auf Betreiben des Parlamentes den Bau von günstigen Wohnungen durch zur Verfügungsstellung von Land und Geld vor allem an Baugenossenschaften. Ein Sonderfall war die Siedlung Hegmatten, die nicht im Rahmen städtischer Wohnbauförderung entstanden ist, sondern unter Mitwirkung des städtischen Arbeitsamtes im Rahmen des Arbeitsbeschasffungsprogrammes 1938.
Ohne Treppe erreichte er einen kleinen Grundriss mit Gang, Küche und Stube in der einen und drei Schlafzimmer in der anderen Haushälfte. Die Waschküche befand sich im Schopf, wo später, 1968 noch ein Bad eingebaut worden ist. Neu waren bei der Siedlung die kleinen Dimensionen der Häuser und das streng geometrische Baubauungsmuster. Beim Bau der darauf folgenden benachbarten Siedlung Schooren zwei Jahre später, griff Architekt Hans Ninck wieder auf den alten Bautyp des Kleinwohnhauses mit Ökonomieteil zurück, der bereist 1922 in einer ähnlichen Form in der Siedlung Weihertal im Rumstal gebaut worden war.
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