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Ein kleiner Teil des Hämoglobins [=roter Blutfarbstoff in den Blutkörperchen] liegt in einer spezifischen Form vor, gebunden an das Kohlenhydrat Glucose. Vor etwas mehr als 30 Jahren wurde entdeckt, dass dieses so genannte glycolysierte Hämoglobin sich nur langsam im Blut bildet und dass dessen Bildungsrate von der Blutglucosemenge [=Blutzuckermenge] der vorangehenden 120 Tage abhängt (1). Somit lag mit dem glycolysierten Hämoglobin ein Indikator vor, anhand dessen die durchschnittliche Belastung mit Kohlenhydraten während der letzten rund vier Monate geschätzt werden kann.
In der Juni Ausgabe von Diabetes Care hat Naomi Brewer mit ihren Kolleginnen und Kollegen die bislang grösste Studie über den Zusammenhang des glycolysierten Hämoglobins HbA1C und dem Sterblichkeitsrisiko veröffentlicht (2). Der Blutgehalt an HbA1C von fast 48’000 Neuseeländern wurde mit dem Risiko an einer von mehreren Krankheiten zu sterben in Verbindung gebracht: Je höher der Gehalt an HbA1C, umso grösser war dabei das Risiko. Die Autoren schliessen mit dem Satz: “… A1C Gehalte sind stark mit dem Sterblichkeitsrisiko in Männern und Frauen mit oder ohne Diabetes verbunden”. Diese Ergebnisse decken sich mit denen vieler anderer Studien, wo eine hohe Kohlenhydratzufuhr bzw. eine hohe glycämische Belastung des Stoffwechsels mit einem höheren Risiko für diverse Krankheiten in Verbindung gebracht wurden.
Die aktuellen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr sind aber immer noch sehr Kohlenhydratbetont. Für den deutschsprachigen Raum gelten nach wie vor “mehr als 50 % der Energiezufuhr” als Kohlenhydrate (3). Da aber bei den Fetten maximal 30 % erlaubt sind und bei den Proteinen 0.8 g pro Kilogramm Körpermasse gelten (was bei Standard Körpermassen etwa 10 % ergibt), muss die Empfehlung bei den Kohlenhydraten korrekterweise 60 % der Energiezufuhr lauten.
Wie ist eine solch hohe Empfehlung mit den wiederholt gezeigten höheren Krankheitsrisiken zu vereinbaren?
1. Bunn HF, Gabbay KH, Gallop PM. The glycosylation of hemoglobin: relevance to diabetes mellitus. Science 1978;200:21-7.
2. Brewer N, Wright CS, Travier N et al. A New Zealand Linkage Study examining the associations between A1C concentration and mortality. Diabetes Care 2008;31:1144-9.
3. DACH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Frankfurt: Umschau/Braus, 2000.