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Über zwei Dutzend Zeitungen und Zeitschriften besitzt der Zürcher Verlag Tamedia — darunter grosse Zeitungen wie Tages-Anzeiger, Sonntags-Zeitung, Basler Zeitung BaZ und Berner Zeitung BZ. Da kann es schon mal passieren, dass man die Übersicht verliert. Zum Beispiel beim Prozess gegen einen Vater und seine vier Söhne, der gegenwärtig vor dem Regionalgericht in Moutier BE stattfindet.
Zuerst Dienstmädchen…
Am 3. November brachte die Berner Zeitung eine Vorschau auf den Prozess und titelte: «Frauen als Dienstmädchen gehalten.» Und weiter: «Vier Frauen aus dem Balkan sollen von einem Clan wie Sklavinnen gehalten worden sein. Erst nach 16 Jahren gelang ihnen die Flucht.» Über eine halbe Seite erfuhren die Leser, die Frauen seien noch als Minderjährige in die Schweiz gekommen, geschlagen, vergewaltigt und zwangsverheiratet worden. Den Artikel hatte die Berner Zeitung vom Bieler Tagblatt übernommen.
…dann Sklavinnen
Vier Tage später stand in der Berner Zeitung: «Wie Sklavinnen.» Und: «Ein Familienclan aus dem Balkan soll Mädchen in die Schweiz geschmuggelt, sie während Jahren misshandelt und missbraucht haben.» Es war wieder eine Vorschau auf den Prozess gegen den Vater und seine vier Söhne in Moutier. Den ganzseitigen Artikel hatte die Berner Zeitung diesmal vom Tages-Anzeiger übernommen.
Offenbar hatten die Verantwortlichen bei der Berner Zeitung schon wieder vergessen, dass sie längst über den bevorstehenden Prozess berichtet hatten. Oder fanden sie den Fall so toll, dass sie ihn gleich zwei Mal brachten — ein Mal aus der Optik einer Bieler Journalistin, ein Mal aus der Optik zweier Zürcher Journalistinnen? Für die Leser war es kein Gewinn. In beiden Artikeln stand nicht mehr, als die Anklageschrift hergab.
Schade um die 555 Franken, welche die Abonnenten der Berner Zeitung zahlen müssen. Statt zwei Mal das Gleiche zu lesen, würden sie wohl gerne Neues erfahren.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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