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Schafwolle oder Torfmoos? Die Monatshygiene geschichtlich betrachtet
Wenn die Monatshygiene rückblickend betrachtet wird, wurden bereits viele Materialen dazu verwendet das Menstruationsblut aufzufangen oder in anderen Fällen gleich die Unterwäsche weggelassen um es frei fließen zu lassen. Materialien wie Leinen, Schafswolle, Baumwolle, Naturschwamm, Holzwolle, Torfmoos und Frottierstoff, wurden in verschiedenen Varianten an einem Gürtel befestigt, in Stoff eingenäht oder sogar eingeführt. Der erste Tampon kam bereits im Jahre 1929 auf den Markt, die Binde, wie man sie heute kennt, erst 40 Jahre später.
Was verwunderlich ist, dass die erste Menstruationstasse bereits 1867 patentiert wurde. Sie wurde jedoch nie hergestellt. Das ganze war auch viel komplizierter als unsere heutigen Menstruationstassen. Das Konstrukt verfügte neben eben diesem Auffangbehälter unterhalb des Muttermunds über einen Draht der zu einem um die Hüfte geschnallten Gürtel führte. Der Erfinder konnte sich nicht vorstellen, dass der Behälter ohne diesen Draht an Ort und Stelle blieb. 1937 wurde die erste aus Gummi hergestellte Menstruationstasse produziert. Bis Gummi im Zweiten-Weltkrieg so knapp wurde, dass es nicht mehr möglich war, weiterhin zu produzieren. 1987 wurde das Konzept der Menstruationstasse wieder aufgenommen und neben Gummi wurde nun auch in Silikon produziert — flexibler und leichter. Heute findet man unzählige Anbieter online.
Der Kauf einer Menstruationstasse
Beim Kauf einer Menstruationstasse sollte darauf geachtet werden, dass die Inhaltsstoffe antiallergen sind. Das heißt, das Produkt enthält weder PVC, künstlichen Latex noch Proteine.
Einige empfehlenswerte Anbieter findest du hier:
Die meisten Anbieter haben zwei Größen der Menstruationstassen im Sortiment. Größe 1 ist für Frauen die noch keine natürliche Geburt hatten, die starke Beckenbodenmuskel besitzen und nicht übermäßig starke Blutungen haben. Die Größe 2 ist für Frauen mit sehr starken Blutungen, die bereits eine natürliche Entbindung hatten oder über 30 Jahre jung sind.
Die Anwendung der Menstruationstasse
Vor der ersten Anwendung kann die Menstruationstasse mit Wasser oder einer milden (!) Seife gewaschen werden.
Bevor du irgendwie in Berührung mit der Menstruationstasse und deinem Unterleib kommen willst, empfiehlt es sich die Hände gründlich (gründlich!) zu waschen.
Die Einführung der Menstruationstasse gelingt einfacher, wenn sie nass ist. Es gibt verschiedene Falttechniken um sie einzuführen. Am besten probierst du alle aus um heraus zu finden welche für dich am besten passt.
Korrekt platziert, öffnet sich die Menstruationstasse in deinem Unterleib und erstellt somit eine Art Unterdruck. Es ermöglicht freies Bewegen ohne auslaufen der Menstruationstasse.
Die Zeitspanne zwischen dem Entleeren der Menstruationstasse ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Am Anfang hilft es öfters nachzuschauen, bis man sich kennen gelernt hat, wie viel Blut man tatsächlich verliert.
Für das Herausnehmen, greift man mit zwei Fingern nach dem unteren Teil der Menstruationstasse und nutzt die Unterleibsmuskulatur um die Tasse nach unten zu drücken. Am besten steht man dazu über die Toilette um ein Auslehren der Menstruationstasse möglichst problemlos gestalten zu können. Der Inhalt wird in die Toilette gekippt und die Menstruationstasse mit etwas Wasser (am Wasserhahn oder mit Wasser aus einer mitgebrachten Flasche) gereinigt. Nach dieser simplen Reinigung kann die Menstruationstasse wieder eingeführt werden. Bitte während diesem Verfahren auf gewaschene Hände achten.
Reinigung der Menstruationstasse
Die Reinigung der Menstruationstasse nach der Periode kann unterschiedlich vorgenommen werden. Oftmals empfohlen wird, die Menstruationstasse abzukochen. Dazu wird ein Topf mit heißem Wasser zum kochen gebracht und die Menstruationstasse für Maximum (!) fünf Minuten hinzugefügt. Dabei muss beachtet werden, dass sich genügend Wasser im Topf befindet, ansonsten kann sich die Menstruationstasse komplett auflösen. Eine andere Variante die ich sehr zu empfehlen weiss, ist die Menstruationstasse über Nacht oder sogar länger in mit Wasser angereichertem Apfelessig (1:1) einzulegen. Diese Variante hilft auch jeglichen unangenehmen Geruch zu beseitigen. Apfelessig hat sehr basische Eigenschaften, was der Menstruationstasse hilft sich vom sehr säurehaltigen Periodenblut zu erholen. Wer will, fügt dem Apfelessig-Wasser Gemisch ein Tropfen ätherisches Rosmarin- oder Teebaumöl hinzu. Antibakteriell-wunderbar. Nach dieser Pflege wird die Menstruationstasse sorgfältig getrocknet und in den meistens mitgekauften Stoffbeutel bis zur nächsten Periode versorgt. Auf keinen Fall sollte eine luftdichte Aufbewahrungsvariante verwendet werden.
Weshalb eine Menstruationstasse?
Gerne möchte ich Punkte aufzählen, die aufzeigen, dass es sich lohnt die Menstruationstasse in Erwägung zu ziehen.
- Der Preis einer Menstruationstasse liegt bei etwa 20-50 CHF
- Die Menstruationstasse kann 1- mehrere Jahre verwendet werden
(es gibt Frauen, die 20 Jahre dieselbe Menstruationstasse verwenden)
- Tampons oder Binden zu verwenden heißt, dass pro Jahr mindestens 180 Tampons/Binden im Müll landen
- Binden und Tampons zu verwenden heißt, dass Plastik produziert wird, der nicht abbaubar ist.
- Die Menstruationstasse ist einfach zum Reisen, da kein Lager an anderen Hygieneartikeln mitgeschleppt werden muss, sondern lediglich ein kleines Stoffsäckchen mit der Menstruationstasse drin
- Durch den Gebrauch von Tampons trocknet die natürliche Vaginalschleimhaut aus, was zu Schmerzen oder sogar Infektionen führen kann
- Das Problem, dass es keinen Mülleimer auf der Toilette hat, ist kein Problem mehr
- Schwimmen gehen bringt viel weniger Unsicherheiten mit sich. Es gibt keinen Faden der unten rausschauen könnte…
- Man lernt sich und seine Blutungen viel besser kennen. Was und wie viel «verliert» der Körper wirklich während der Periode Anti-Drama!
Alternativen zur Menstruationstasse
Wer seine Menstruation kriegt und Produkte wie Tampons, Binden und Co. verwendet, gibt nicht nur unglaublich viel Geld pro Monat aus (30 Stück kosten gerne 5 CHF), sondern befindet sich auch in einer Abhängigkeit von dessen Hersteller. Wer auf die konventionelle Variante zurückgreift, läuft außerdem auch noch Gefahr, schädliche, krebserregende Stoffe in sich einzuführen. Mehr Informationen dazu findest du hier: https://www.gesundleben.ch/entdecken/neuer-skandal-glyphosat-in-damenbinden-und-tampons/
Wer diese schädlichen Stoffe umgehen will aber nicht gleich auf eine Menstruationstasse umsteigen möchte, verwendet Hygieneartikel aus reiner Biobaumwolle (sprich, ohne krebserregenden Pestiziden). Eine weitere Variante sind Naturschwämme, die es online oder in Naturdrogerien zu finden gibt. Sie erinnern an einen Schwamm, den der Lehrer früher verwendet hat um die Wandtafel zu reinigen — einfach in mini. Diesen kann man sich wie einen Tampon einführen. Beim herausnehmen, fehlt das Schnürchen. Mithilfe der Unterleibsmuskulatur und etwas weiterem Hochlangen mit den Fingern kriegt man diesen Naturschwamm meistens ohne Weiteres wieder heraus. Danach wird er unter fließendem Wasser ausgewaschen und wieder eingeführt. Nach der Menstruation, kann er in heißem Wasser ausgekocht oder in Apfelessig über Nacht eingelegt werden.
Unter dem Motto: «Take back control», die Kontrolle zurückerhalten, wirbt die Firma Loon Lab für ihren Looncup. Anhand eines Elektrochips, eingebaut in den Menstruationstassen, wird auf der dafür angefertigten App angezeigt, wie viel Prozent des kleinen Bechers bereits gefüllt ist mit Blut.
Viel Freude beim Frei-Fühlen, darüber Sprechen und Ausprobieren!