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Ich arbeitete im Oasis, einem Heim für Mädchen, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Im Heim wohnen 50 Mädchen im Alter von 4 bis 17 Jahren und zwölf junge Teenagermütter mit ihren Babys.
In der Heim-internen Schule unterstützte ich eine Lehrerin in einer Klasse mit zehn Mädchen, die entweder noch nie die Schule besucht haben oder Lernschwierigkeiten haben. Am Nachmittag half ich mit Hausaufgaben und abends leitete ich eine Stille-Zeit-Gruppe mit fünf jungen Müttern, die zwischen 13 und 16 Jahre alt sind. Zudem hatte ich das Privileg, ab und zu eine Sozialarbeiterin ins Gericht oder auf Familienbesuche begleiten zu dürfen.
Eines Abends sah ich ein Mädchen alleine draussen sitzen. Obwohl ich noch nicht viel mit ihr zu tun gehabt habe, fragte ich sie, ob ich mich zu ihr hin setzen dürfe. Sie willigte ein und begann zu erzählen. Sie erzählte von ihren Geschwistern, ihren drogenabhängigen Eltern, die gestorben sind, ihren Ängsten ebenfalls auf die schiefe Bahn zu geraten, aber auch ihren Wünschen und Hoffnungen. Sie ist 15 Jahre alt und seit neun Jahren im Oasis. Mit 5 Jahren wurde sie zum ersten Mal sexuell missbraucht. Eine schreckliche Geschichte. Doch was sie mir anschliessend sagte, werde ich nie vergessen. Sie habe den Tätern vergeben und jedes Mal wenn sie den einen Mann auf dem Weg zur Schule sieht, segnet sie ihn. Wow! Ich war sprachlos. Ihre Geschichte rührte mich zu Tränen. Gott kann aus Zerbrochenem eine wunderbare Geschichte entstehen lassen.
Am Ende meines Einsatzes schrieb das Mädchen mir eine Karte: Sie werde nie vergessen, wie ich ihr gezeigt habe, wie Gott auf eine wunderbare Weise in ihrem Leben wirke. Mir kamen die Tränen, als ich diese Worte las. Es war mein Herzensanliegen für sie. Und ich war überwältigt davon, wie mich Gott trotz meinem lückenhaften Spanisch und meinen nicht vorhandenen Psychologie-Kenntnissen brauchte, um für dieses Mädchen einen Segen zu sein.
Jenny, Guatemala