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Auswahl der Dörfer
In Togo (und vielen anderen Ländern) finden Fachleute wie die Ingenieure der MVCP in jedem Dorf verbesserungswürdige Abläufe und Prozesse. Da aber eine Verzettelung der Kräfte verhindert werden muss, ist eine sinnvolle Auswahl der Unterstützten Dörfer nötig. Der nachfolgende Text beschreibt, wie dieser Auswahlprozess bei der MVCP unter Einbezug der lokalen Bevölkerung und Entscheidungsträger funktioniert.
Die MVCP hat bisher die Partner-Dörfer in 3er-Gruppen ausgewählt. Wenn die Arbeit in einer Gruppe abgeschlossen ist und wenn die personellen und finanziellen Mittel ausreichen für den Start der Zusammenarbeit mit einer weiteren Gruppe, schlagen unsere Ingenieure dem Verwaltungsrat eine Region vor, in der die Arbeit weitergeführt werden kann.
Durch ihre regelmässigen Kontakte mit Kantons- und Dorfchefs und anderen Schlüsselpersonen 'spüren' sie in der Regel sehr gut, in welchen Regionen Hilfe am dringendsten benötigt wird und wo die Bauern für eine Veränderung bereit sind.
In den ausgewählten Regionen besuchen dann die Ingenieure einige Dörfer und klären in Gesprächen mit Bauern und Behörden deren Situation ab. Aus den Erkenntnissen dieser Vorabklärungen werden dann die Dörfer ausgewählt, in denen die grössten Bedürfnisse sichtbar werden und in denen eine Zusammenarbeit den besten Erfolg verspricht.
Mit der Bevölkerung der ausgewählten Dörfer wird anschliessend eine umfassende Analyse ihrer Situation, ihrer Probleme, aber auch ihrer Stärken erarbeitet. Das ist ein Prozess, der in jedem Dorf mehrere Tage dauert. Aus der oftmals langen Liste von Problemen wählen die Dorfbewohner und Behörden die aus ihrer Sicht 5 wichtigsten Elemente für eine Zusammenarbeit aus. Die Ziele und Bedingungen dieser Zusammenarbeit werden schliesslich in einem Vertrag zwischen der Dorfgemeinschaft und der MVCP festgehalten.
Bisher hat diese einfache Methode sehr gut funktioniert. Ein einziges Mal nur hat sich in einem Dorf nach einjähriger Zusammenarbeit abgezeichnet, dass die Bauern gar nicht an einer Veränderung ihrer Situation arbeiten wollen. In diesem Dorf wurde sofort die Zusammenarbeit abgebrochen und ein Nachbardorf an seiner Stelle ausgewählt.
Das beschriebene Auswahlverfahren funktioniert ohne Berücksichtigung der Religion oder der Stammeszugehörigkeit der Dorfbewohner. In mehreren der bisher ausgewählten Dörfer sind jeweils alle Bewohner Moslem, andere Dörfer sind religiös gemischt oder mehrheitlich christlich.
Wirtschaftliche Vernunft und Respekt sowohl vor den Anstrengungen unserer Geldgeber wie auch den Bedürfnissen der Bevölkerung verlangen von einer Organisation wie der MVCP, dass die zur Verfügung stehenden Mittel so effizient wie nur möglich eingesetzt werden. Aus den gleichen Gründen muss sichergestellt werden, dass die eingeleiteten Massnahmen ihre Wirkung nicht verlieren, wenn unsere Arbeit aus irgendwelchen Gründen eingestellt werden muss. Das heisst: die Arbeit der MVCP muss nachhaltig wirken und darf nicht zu einer Abhängigkeit führen.
Unter Rücksicht auf diese Anforderungen haben die Verantwortlichen der MVCP folgendes Arbeitskonzept aufgebaut:
Bevor in einem Dorf die Arbeit mit der Bevölkerung (Bauern und Bäuerinnen) aufgenommen wird, führen unsere Ingenieure zusammen mit der ganzen Dorfgemeinschaft eine Analyse ihrer Situation durch. Das ist eine Art Brainstorming, das 3-4 Tage dauern kann.
Die Bevölkerung muss sich dadurch bewusst werden, wie die einzelnen Problemkreise, die ihnen das Leben schwer machen, untereinander zusammen hängen. Sie müssen sich auch darüber klar werden, welches die Ursachen und welches die Folgen ihrer Armut sind, damit dann gemeinsam Lösungen für die Behebung der Ursachen erarbeiten können.
Ein solche typische Kette von Ursachen und Folgen ist:
- die Bauern sind nicht ausgebildet
- dadurch haben sie schlechte Erträge aus ihren Kulturen
- dadurch sind sie und ihre Familie schlecht ernährt
- deshalb sind sie oft krank oder sind sonst zu schwach oder unmotiviert für effizientes Arbeiten
- dadurch verschlechtern sich ihre Felderträge weiter
- dadurch sterben sie auch früher als nötig
- dadurch haben sie keine Geld, um ihre Kinder ausbilden zu lassen
- etc.
Aus dieser Kette erkennen wir: es bringt keine andauernde Verbesserung, wenn wir den Bauern zu essen geben. Sie hätten zwar kurzfristig keinen Hunger mehr, aber morgen wären sie wieder in der gleichen Situation wie gestern, weil die wahre Ursache ihrer Armut nicht behoben wären.
Wenn wir sie hingegen ausbilden, damit sie bessere Erträge auf ihren Feldern erarbeiten können und wenn wir mit flankierenden Massnahmen dazu beitragen, dass sich die Einkommen der Bauern wesentlich verbessern, können sie sich aus eigener Kraft aus diesem Teufelskreis herausarbeiten.