Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03568.jsonl.gz/820

Navigation auf uzh.ch
Dieses interdisziplinäre Projekt untersucht die erstaunlichen Kontinuitäten der Verwandtschafts- und Abstammungsdiagramme in ihren vielfältigen Gebrauchsweisen zwischen Spätmittelalter und der neuesten Zeit. Beteiligt sind vier Forschungsgruppen der Universitäten Luzern (Marianne Sommer, Lead), Basel (Caroline Arni), Cambridge (Staffan Müller-Wille) und Zürich (Simon Teuscher). Die Teilprojekte unter der Leitung von Simon Teuscher betreffen einen Zeitraum, in dem Verwandtschaftsdiagramme noch nicht im Dienst von Naturbeschreibungen standen, sondern bei der Implementierung von religiösen und politischen Regeln zum Einsatz gelangten.
In seinem Projekt «Diagrams and Law in the Service of Social Purity» untersucht Prof. Dr. Simon Teuscher, wie katholische Theologen und Juristen am Übergang zur Frühen Neuzeit neue sozialpolitische Anwendungen für Baumdiagramme diskutierten. Diese waren zuvor und seit dem 12. Jahrhundert vor allem im Zusammenhang mit der Definition von Inzestverboten verwendet worden. Welche neuen Gebrauchsweisen von Diagrammen zeigen sich, bei der rechtlichen Definition und administrativen Umsetzung von sozialen Kategorisierungen im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit? Unter anderem dieser Frage gehen zwei Dissertationsvorhaben nach, die Teuscher im Rahmen des Sinergia-Projektes betreut.
Stéphanie Prietos Projekt «Incest Prohibitions and the Protestant Reformation: Systematizing Kinship without Diagrams» untersucht das Vorhaben protestantischer Gelehrter, die reformierte Ehe auch auf diagrammatischer Ebene von der altkirchlichen Tradition zu lösen. Im katholischen Kirchenrecht hatte sich eine Tradition der Visualisierung der Inzestverbote in Baumdiagrammen herausgebildet. In Abgrenzung davon suchten die Reformatoren des 16. und 17. Jahrhunderts nach neuen Formen der Vermittlung, die direkt bei der sola scriptura, d.h. dem Text der alttestamentarischen Inzestverbote anknüpfte. Die Rekonstruktion der konzeptionellen und praktischen Schwierigkeiten dieser Unterfangen zeigt, wie stark westliche Konzeptualisierungen von Verwandtschaft auf diagrammatische Abbildungsverfahren angewiesen waren.
Julian Miguez erforscht in seinem Projekt «A Global Expansion of Procedures to Determine Descent?» Verfahren zur Feststellung von Abstammung und "Rassen" in den iberischen Kolonien. Diese Proben, die sich aus der Logik der Messungsmethoden von Verwandtschaftsgraden im Hochmittelalter entwickelten, wurden auf der iberischen Halbinsel und später in den iberischen Kolonien auf ganze Menschengruppen ausgeweitet mit teils fatalen Konsequenzen.
Link zur Projekt-Website der Universität Luzern
Projektleitung:
Doktorierende:
Hilfsassistenz: