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Radikal erzählt. Ein beeindruckendes literarisches Debüt.
Da ist ein Paar im Goldenen Eck im Jahr 1970, das eigentlich lieber allein wäre; da ist eine junge Frau in einer Stadt am Rhein in der heutigen Zeit, die eine leere Wohnung bezieht und alles hinter sich gelassen hat; da ist ein Mann, der im Jahr 1964 schon sechzehn verschiedene Füllfederhalter in die Hand genommen hat, um aufzuschreiben, wie alles begann. Alle sind sie Teil einer Geschichte und alle ringen darum, die Geschichte zu erzählen. Sie nimmt ihren Anfang 1955, in der armen Schweiz, wo eine Familie sich ein einziges Bett teilt, eine Familie, die bald keine mehr ist, weil die Kinder fortgeschickt werden.
Ein Haus brennt ab und wird an anderer Stelle wieder aufgebaut. Eine Frau verliert bei einem Treppensturz einen Finger, gewinnt aber die Liebe eines Mannes. Im Nacken eines Säuglings zeigt sich nach der Geburt ein Storchenbiss, und der Vater erkennt etwas Wahres in diesem rötlichen Fleck.
Yael Pieren entwirft in ihrem erste, höchst beeindruckenden Roman ein sich verdichtendes Gefüge von Figuren, die im Gestern verstrickt sind, aber im Heute leben wollen. In einer berauschenden Sprache erzählt sie vom Zuwenig und vom Zuviel des Lebens, von Liebe und Abhängigkeit, von der Suche nach Worten, der Suche nach Wahrheit.
Yael Inokai (vormals Pieren) wurde 1989 als Tochter einer Deutschen und eines Ungarn in Basel geboren. Philosophiestudium in Basel und Wien; seit 2014 Studiengang Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie, Berlin. Tätigkeit als Fremdenführerin. Publikationen in verschiedenen Literaturzeitschriften sowie auf Zeit online. Aufenthaltsstipendium Literarisches Colloquium Berlin; Hildesheimer Stadtschreiberin für Bella Triste. Für ihren Roman Mahlstrom wurde sie 2018 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.
»Yael Pieren springt zwischen Zeiten und Figuren hin und her. Mit ihrem verschachtelten Debütroman verlangt sie den Lesern einiges ab. Belohnt werden sie mit einer feinen, poetischen Sprache, die sich an den melancholischen Grundton des Romans anschmiegt.«
»Yael Pieren scheut die großen Wörter und lauten Gesten. Allem, was voreilig festlegt, geht sie aus dem Weg. Sie lässt ihren Figuren ihre Geheimnisse, gibt ihnen Raum, aber sie macht sie zugleich kenntlich als Figuren, die vom Erzählen nicht lassen können und wollen.«
»Pierens Prosa ist eigensinnig und stimmungsstark. Für jede Figur findet sie eine eigene, sichere Tonart.«