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Gondar
(Guendar), Hauptort der abessin. Provinz Dembea, in Amhara, auf einem basaltischen Hügel, 37 km nördlich vom Tanasee, die gegenwärtig verfallene und verödete Residenz der frühern Kaiser oder Atse, von deren Prachtliebe das berühmte Kaiserschloß, der Gemp, auf dem höchsten Punkte, der Palast des Ras und großartige Lustschlösser in der Umgegend, sämtlich in Ruinen, noch heute zeugen, ist Sitz des Abuna, mit einer Bevölkerung, [* 2] die Bruce ¶
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auf 40,000 Seelen schätzte, die jetzt aber kaum 4000 beträgt. Viele derselben zeigen in ihren schlichten Haaren die Abstammung von den hier ehemals vorzugsweise lebenden Portugiesen. Die mohammedanische Stadt (Islambed) am Fuß des Hügels, ausgezeichnet durch ihre hübschen Gebäude und ihre Sauberkeit, ist ganz verlassen, seitdem die gewaltsame Taufe aller Mohammedaner angeordnet wurde; dagegen wohnen die Juden, Falascha (s. d.), noch immer in ihrem alten Quartier (Falaschabed).
Die Einwohner von
Gondar zeichnen sich durch ihre prächtigen Gold- und Silberarbeiten, musikalischen Instrumente, Kirchengefäße
und kunstvollen Sättel aus; die Geistlichen der 40 Kirchen sind Meister in der Kalligraphie, malen Kirchenbilder und verfertigen
Andachtskrücken, originelle Lesepulte u. a.
Gondar ist auch Sitz
für Wissenschaft und Gelehrsamkeit, wo die meisten Geistlichen ihre Ausbildung erhalten. Derart wurde um die Mitte des 17. Jahrh.
unter Kaiser Fasilides (Alem Saged) gegründet und in den Bürgerkriegen wiederholt verwüstet, so noch 1867 unter Theodoros
II.
Vgl. Rohlfs, Meine Mission nach Abessinien (Leipz. 1883).