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Peter Volkart knüpft mit seinem Film bei den Surrealisten der 20er Jahre an, stellt seine Bilder aber in Bezug zum Leben in einer spezifischen 80er- Jahre-Stadtkultur. Der Film, gleichsam als Parabel aufgestellt, zu vergleichen, wenn man so will, mit Zwei Männer und ein Schrank von Polanski, stellt das Leben auf der Erde in einen kosmischen Zusammenhang. Die Erde wird zum winzigen, verschwindenden Bestandteil eines Ganzen und von diesem Standpunkt aus gesehen werden die Menschen Teil einer übernatürlichen Logik. Sie sind zwar gefangen in ihrem für sie absoluten, alles ausfüllenden Empfinden. Dennoch erscheint das individuelle Schicksal eines Einzelnen, in Relation gesetzt zu den höheren, globalen Gesetzen, verschwindend klein und unbedeutend.
Der Film beginnt mit metaphysischen Bildern von Wachstum, Andeutungen auf übernatürliche Vorgänge, auf deren Messbarkeit in Raum und Zeit. Dieser Ouvertüre folgt ein skizzenhafter Abriss unserer abendländischen Kultur, gegliedert nach den durch das existenzielle Dasein des Menschen bestimmten Trieben und die hierauf wirkenden Einflüsse der Zivilisation. Tod und Verderben, Leidenschaft und Ekstase, Technologie und Strategie, Erforschung des Unbekannten, sind die Überschriften der einzelnen Abschnitte. Anhand von altem Archivmaterial liefert Peter Volkart einen kurzen, aber prägnanten Querschnitt durch unsere abendländische Kultur.
In diesen Kontext stellt er denn auch den Hauptteil seines Films, ein surreales, mit dem individuellen Dasein zweier Menschen verbundenes Filmgedicht. Eine Frau am Meer mit einer Postkarte, einem Abbild des Meeres, in der Hand, scheinbar ohne Beziehung zu einem in sich gekrümmten Mann, von dem man den Eindruck hat, dass er eben angespült wurde; das sind die Anfangsbilder des zweiten Teils, der sogleich in das Grossstadtleben New Yorks überleitet. Der in der Folge aufgezeigte schicksalhafte Weg der Menschen scheint vorwiegend von deren Leiden, vom Streben nach dem Unerreichbaren gezeichnet zu sein.
Der Mann geht durch einen Hinterhof. Unendliche Fassaden öffnen sich dem Auge und aus den Fenstern quillt undefinierbarer Dampf oder Rauch. Bilder, wie man sie aus einer visionären Zukunftsperspektive von Fritz Langs Metropolis kennt. Es entsteht unweigerlich eine Atmosphäre der Unsicherheit, des Ausgesetztseins. In diese Grundstimmung setzt Peter Volkart assoziativ einzelne Szenen, die oberflächlich betrachtet ohne Zusammenhang zueinander stehen. Der innere Zusammenhang ergibt sich nicht auf einer linearen, vernunftmässigen Ebene, sondern rein emotional durch ein irrationales, assoziatives Zusammenfügen seitens der Zuschauer. Die Frau, die sich mit den Fingern krampfhaft das eine Auge offenhält, ist dieselbe, die am Meer die Postkarte eingehend betrachtet hat, und wenn der Mann sein Rasiermesser schärft, denken wir unweigerlich an die berüchtigte Szene aus Buñuels Chien Andalón. Doch es kommt nicht zum durchschnittenen Auge. Der Mann rasiert sich schlicht und einfach, während die Frau Schlagrahm isst, den man automatisch mit dem zum Rasieren benötigten Rasierschaum in Verbindung bringt. Die Bedeutung des geöffnetes Auges entpuppt sich erst später, als man sieht, wie sich die Frau, wohl um den optischen Effekt eines rattenangetriebenen, Duchamps-ähnlichen Rades besser wahrzunehmen, ihr Auge offenhält. Den Film anders als eine rein assoziative Kette von surrealen, absurden, einzelnen Sequenzen zu deuten, wäre wohl verfehlt. Eines scheint den beiden Protagonisten gemeinsam zu sein, dass sie sich als kümmerliche Kreaturen der Menschheit eher gequält, denn als freudig und unbekümmert durchs Leben bewegen.
Man könnte sagen, dass Peter Volkart mit seinem surrealen Film nur reproduziert, was die bekannten Grössen der 20er Jahre schon hervorgebracht haben. Der Film schafft es aber, auf eindringliche Art ein Lebensgefühl einzubringen, das ganz spezifisch mit dem heutigen Grosstadtleben, nicht mit dem wahllosen Sichtreibenlassen, aber mit einem tiefen Einlassen auf heutige philosophische Strömungen, zusammen hängt. Mit schlichten, klaren Bildern, denen er eine mystische Ausstrahlung beizufügen versteht, gestaltet er seinen Film überzeugend. Bemerkenswert ist auch die Arbeit mit dem Ton, der völlig durch komponiert ist. Der junge Eskimo ist einer der wenigen Filme, die sorgfältig durchgestaltet sind, ohne dabei zu kunsthandwerklich, formalistisch glatt zu wirken.