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In seinem Werk "Über die Reitkunst", das der Athener Xenophon zu Ende seines Lebens geschrieben hat, fasst er all sein Wissen und seine Erfahrungen von reiterlicher Ausbildung und höherer Dressur zusammen. Xenophons Leben (geboren um 430 v. Chr., gestorben ca. 355 v.Chr.), verlief abenteuerlich ? und immer war es eng verbunden mit Pferden: Er diente in seiner Jugend bei der athenischen Kavallerie, machte später intensive Bekanntschaft mit der Reiterei der persischen Weltmacht, stellte eigene griechische Reitertruppen auf und bildete sie so aus, dass sie zu einem kampfentscheidenden Instrument wurden. Xenophons "Reitkunst" hat Dr. Klaus Widdra schon als Schüler in ihren Bann gezogen. Xenophon ließ ihn nicht los und war mitbestimmend für seine Entscheidung, Klassische Philologie in Kiel und Marburg zu studieren. 1959 promovierte er mit "Xenophon ? Reitkunst" zum Dr. phil. und veröffentlichte seine Doktorarbeit 1964 bei Teubner, Leipzig, als wissenschaftliche Textausgabe und 1965 zweisprachig und mit Einführung und Erläuterungen versehen im Akademie-Verlag Berlin. Dr. Klaus Widdra hat seine eigenen Pferde nach Xenophon ausgebildet und persönlich als Dressurausbilder immer nach Xenophons Lehren gehandelt. Klassisch-philologische Wissenschaft und lebenslange Erfahrung im Sattel kommen bei ihm in idealer Weise zusammen. Er hat mit Verständnis und Einfühlungsvermögen Xenophons Werk neu übersetzt und interpretiert und durch breite Kommentierung und zahlreiche Abbildungen für den interessierten Laien erschlossen. Widdra legt dem Leser weitere antike Quellen (überwiegend zweisprachig) vor, gibt veterinärmedizinische Informationen und bringt ihm moderne philologische, historische, archäologische und vor allem hippologische Fachliteratur nahe. Das Buch widmet sich allen Kapiteln der Pferdehaltung und ?ausbildung: von Stall und Wartung, Pferdekauf und Frühausbildung eines Fohlens bis zum Reiten im Gelände, Ratschlägen zur Korrektur und der Dressurausbildung bis zu den Lektionen der Höheren Schule (Piaffe, Passage, Pesade). Xenophons Ausbildungsgrundsätze sind von hoher Verantwortung gegenüber dem Partner Pferd geprägt, sie zeigen umfassende Sachkenntnis, scharfe Beobachtungsgabe, und ein hohes Maß an methodisch-didaktischer Einsicht. Dr. Klaus Widdra fasst seine Darstellung von Xenophons Ausbildungsgrundsätzen und Dressurmethoden abschließend in zehn Leitsätze zusammen, die noch heute von überraschender Aktualität und Bedeutung sind und wichtige Impulse für die Diskussion um die "Klassische Reitkunst" geben werden.
192 Seiten
S/w Abbildungen
26,0 x 19,4 x 1,9 cm
Fester Einband
Autor
Dr. phil. Klaus Widdra wurde am 5. Juli 1934 in Berlin geboren. Als neunjähriger nach Ostpreußen "evakuierter" Bombenflüchtling kam er intensiv mit Pferden in Berührung und ließ sich vom "Pferde-Virus" gründlich infizieren. In Itzehoe, Holstein, legte er nach vielen kriegs- und nachkriegsbedingten Wirren 1954 sein Abitur ab. In Kiel und Marburg studierte er Klassische Philologie und promovierte 1959 mit "Xenophon - Reitkunst" zum Dr. phil. Er wurde 1961 Lektor für Klassische Philologie in Marburg, 1969 Akademischer Rat an der Universität des Saarlandes und trat 1972 in den Hessischen Schuldienst als Lehrer für Griechisch und Latein ein. Als Studiendirektor leitete er bis zu seiner Pensionierung (1996) die gymnasiale Oberstufe eines humanistischen Gymnasiums in Amöneburg. Während seiner Schultätigkeit gehörte er der hessischen Rahmenrichtlinien-Kommission Latein für die gymnasiale Oberstufe an. Nach seiner Pensionierung nahm und nimmt er an der Marburger Universität unterschiedliche Lehraufträge (Griechisch für Theologen, Latein für Klassische Philologen, Ethisch-philosophische Themen für Physiotherapeuten und Logopäden) wahr, arbeitet als Ehrenamtlicher im Marburger Stationären Hospiz und leitet mit seiner Frau zusammen eine Trauergruppe. Xenophons "Reitkunst" hatte ihn schon als sechzehnjährigen reit- und pferdebegeisterten Schüler in ihren Bann gezogen. Zusammen mit einem Klassenkameraden (dem später bedeutenden Hippologen Jasper Nissen) unternahm er "den kläglich gescheiterten Versuch", den griechischen Text zu verstehen. Xenophon ließ ihn nicht los und war mitbestimmend für die Entscheidung, Klassische Philologie zu studieren. Während seines gesamten Studiums beschäftigte Widdra sich mit der "Reitkunst". Einen ersten Abschluss bildeten seine Dissertation und die anschließende Veröffentlichung seiner Untersuchungen. Im Beruf wandte er sich anderen Texten und anderen Aufgaben zu. Doch für ihn als Privatmann blieb die "Reitkunst" dominant und bestimmte sein weiteres Leben und das seiner Familie: "Nach Xenophons Prinzipien der Pferdehaltung und -ausbildung lernten und lernen wir alle, ich selbst, Ehefrau, Kinder und Enkel, den Umgang mit Pferden. Was mir am Schreibtisch zu Xenophon einfiel, konnte ich in der Reitbahn und im Gelände erproben, was mir im Umgang mit den Pferden auffiel, konnte ich mit Xenophon "diskutieren". Gemeinsam bilden wir noch heute eigene Dressurpferde aus - von den allerersten Anfängen bis zur Klasse S - "von der Koppel bis zur" Passage. Noch heute begleite ich meine Tochter und meine Enkelin zu ihren Dressurprüfungen." Widdra war etwa 25 Jahre im Vorstand seines heimischen "Reit- und Fahrvereins Ebsdorfer Grund" tätig, davon 8 Jahre als 1. Vorsitzender. Dr. phil. Klaus Widdra veröffentlicht im Wu Wei Verlag eine völlig überarbeitete Neuauflage seines 1965 im Akademie-Verlag Berlin erschienenen Buches. Das Buch enthält die von Dr. Widdra erarbeitete textkritische Ausgabe von Xenophons Schrift, eine historische Einordnung und Wertung der "Reitkunst", eine umfangreiche Bibliographie und einen breiten durchlaufenden Kommentar.
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