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Das Leben am Rande der Gesellschaft: schmutzige Slums, Hunger, Krankheiten, Kinderarbeit. Hier kam 2003 Helen Nancy als Tochter eines Festivalkoches und einer Haushälterin auf die Welt. Tägliche Existenzängste quälten die Familie, weshalb Helens Vater der Alkoholsucht verfiel. Die Mutter schaffte es nicht, mit ihrem kleinen Gehalt die Familie zu ernähren und gleichzeitig für die Bildung ihrer beiden Kinder aufzukommen. Es kam zu ständigem Streit und Missverständnissen in der Familie und Helen hat sich nach und nach komplett verschlossen und geriet schon mit 12 Jahren in eine Depression. In diesem Zustand war die kleine Helen extrem gefährdet, ihre Ausbildung abzubrechen und dadurch den Teufelskreis der Armut weiterzuführen oder Menschenhändlern in die Hände zu geraten.
Schwester Ephrem, acht Mitschwestern und 14 Sozialarbeiterinnen engagieren sich für Kinder wie Helen. Bei regelmässigen Besichtigungen der Slums identifizieren sie Kinder, die gefährdet sind, am Rande der Gesellschaft aufzuwachsen. Mit der Einstimmung des Kindes und dessen Eltern nehmen sie die Kinder einmal pro Woche mit zum Treffen eines der sogenannten Kinderparlamente, oder bringen sie in ihr Kloster Anbu Illam, wo sie geschützt aufwachsen können.
Was sind Kinderparlamente?
Kinderparlamente basieren auf den Ideen eines demokratischen Parlaments wie wir es kennen. Die Mitglieder eines Kinderparlaments diskutieren über alltägliche Probleme aus ihrem Umfeld und suchen gemeinsam Lösungen. Sie werden dazu animiert, den Ursachen ihrer Armut auf den Grund zu gehen und eine langfristige Verbesserung zu finden.
Um die Aufgaben und Verantwortung zu verteilen, veranstalten die Kinder Wahlen, bei welchen entschieden wird, welches Kind Minister für welchen Bereich der Gesellschaft wird. So gibt es beispielsweise in jedem Kinderparlament einen Minister für Bildung, einen Minister für Gesundheit, einen Minister für Haushalt und Elektrizität, etc. Diese sind dann verantwortlich, Beobachtungen aus ihrem Spezialgebiet ins Parlament einzubringen.
Zum Beispiel haben die Kinder festgestellt, dass drei ihrer Kollegen nicht mehr zur Schule kommen und beobachtet, wie sie jeden Tag zum Silberschmid gehen, um dort zu arbeiten. Das Kinderparlament hat sich sorgen gemacht und konnte gemeinsam mit dem Minister für Bildung organisieren, mit den Eltern ihrer drei Kollegen zu sprechen. Heute besuchen alle drei Kinder wieder regelmässig die Schule!
Ein anderes Beispiel sind kaputte Strassenlampen in einem Dorf. Das Kinderparlament war beunruhigt, doch die Regierung hat nichts dagegen unternommen. Gemeinsam haben die Kinder eine Anfrage an den Dorfpräsidenten geschickt, der danach die Strassen wieder erleuchten lassen konnte.
Nebst den Aktivitäten und der Arbeit in ihrem Umfeld organisieren die Schwestern verschiedene Workshops, um die Kinder ideal auf allfällige Gefahren ihres Alltags vorzubereiten. Wegen der weit verbreiteten Armut sind viele Kinder von Kinderarbeit und Menschenhandel gefährdet. Mit guter Bildung und Aufklärung wollen die Schwestern die Kinder davor schützen.
Ein voller Erfolg
Unterdessen haben die Schwestern bereits 42 Kinderparlamente in 18 Dörfern erfolgreich aufbauen können. Insgesamt 918 Kinder sind heute Mitglied eines Parlaments und können davon optimal profitieren. Das Motto lautet: „Arbeite mit den Kindern bevor die Gesellschaft sie vergiftet. Du machst sie dagegen immun und bereitest sie vor, die Gesellschaft zu verbessern, denn die Kinder von heute sind die Gesellschaft von morgen.“
Auch Helen hat den Weg in ein Kinderparlament gefunden. Erst nach einigen Wochen im Kinderparlament und viel Kontakt mit den anderen Kindern konnte sich Helen nach und nach öffnen und ist heute eine komplett andere Person. Mit den zusätzlichen Trainings der Schwestern in Persönlichkeitsentwicklung, Führungsqualitäten und Kinderrechten ist sie ein selbst- und pflichtbewusstes Mädchen geworden und ausserdem stolze Ministerin für Kunst und Handwerk.
Wir wollen so vielen Mitgliedern eines Kinderparlaments wie möglich eine Patenschaft vermitteln, denn sie sind die Hoffnungsträger der Nation und sollen nicht plötzlich ihre Schulbildung wegen der Armut ihrer Eltern abbrechen müssen. Auch ausreichend zu Essen, Kleidung und medizinische Vorsorge soll ihnen gewährt sein. Bitte helfen Sie: übernehmen Sie eine Patenschaft für ein Kind aus Indien und verhelfen Sie der ganzen Nation in eine hoffnungsvolle Zukunft!