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Viele Marktteilnehmer schliessen aus den aktuellen Entwicklungen bei den Ölbeständen, den Veränderungen bei der Nachfrage sowie den Reaktionen der OPEC+, dass sich die knappe Versorgungslage in der zweiten Jahreshälfte – insbesondere im letzten Quartal – zuspitzen könnte.
Bei den Vorräten werden vor allem die US-Ölbestände als regelmäßiger Gradmesser für die Versorgungslage herangezogen, und hier scheint sich die knappe Marktlage immer deutlicher niederzuschlagen. Hatten die Rohölvorräte im ersten Quartal noch kräftig zugelegt und sich im zweiten Quartal auf hohem Niveau stabilisiert, befinden sich die Bestände mit Beginn der zweiten Jahreshälfte in einem Abwärtstrend. Dieser dürfte sich weiter fortsetzen, solange der Markt in einem Defizit bleibt, was bis mindestens zum Jahresende erwartet wird. Die Kürzungen der OPEC+ scheinen am Rohölmarkt also ihre Wirkung zu zeigen.
Bei der Nachfrage scheint China eher zu enttäuschen und die hohen Erwartungen in das Wirtschafts- und damit auch in das Ölnachfragewachstum nicht zu erfüllen. Das entspannt die Situation zwar etwas, doch die OPEC+ scheint bei ihrer Produktionspolitik nicht locker zu lassen, bis man die gewünschten Preisniveaus erreicht hat. Einige Marktteilnehmer gehen davon aus, dass erst ab einem Bereich von 90 Dollar Brent die OPEC+ Gruppe über eine Rückführung der Kürzungen nachdenken wird.