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Aitcho Island - South Shetland Archipel
In der Nacht gehen die Wellen so hoch, dass die Sea Spirit zeitweilig ihre Motoren drosseln musste. Bis zu sechs Meter hoch sollen die Wellen gewesen sein, erklärt uns heute mor-gen Michaela. Doch für ein Schiff wie die Sea Spirit seien solche Wellen weder ausserge-wöhnlich noch besorgniserregend. Moderne Expeditions- und Kreuzfahrtschiffe seien ge-baut um Wellen von zehn bis fünfzehn Metern problemlos auszuhalten, lasse ich mir heute von Crewmitgliedern erklären. Die einzigen wirklich gefährlichen Wellen seien die Monsterwellen, welche sich im Meer spontan bilden, sich über zwanzig Meter hoch auftürmen, überschlagen und so schnell verschwinden, wie sie aufge-taucht sind. Heute nachmittag haben wir es schliesslich geschafft. Wir kommen in ruhigere Ge-wässer. Der bereits zur Antarktis gehörende Archipel der South Shetland Inseln taucht vor uns auf. Um halb elf Uhr hält uns Shally einen Vortrag über die Pinguine dieser Gegend. Sie erklärt uns, die Pinguine seien gerade am Brüten. Mit etwas Glück würden wir Eier, jedoch vermutlich noch kein Junges zu sehen bekommen.
Im kleinen Teil der Antarktis, den wir während rund 12 Tagen bereisen, seien drei Arten von Pinguinen beheimatet, erklärt uns Shally. Der Eselspinguin mit seinem roten Schnabel und dem schwarzweissen Kopf (s. Foto), der Zügelpinguin, der am schwarzen Streifen am Kopf zu erkennen ist, der wie ein Zügel aussieht und ihm den Namen gegeben hat und der Adeliepinguin mit dem ganz schwarzen Kopf und dem weissen Ring um dessen Augen.
Wir haben die Antarctic Convergence, welche auch Polar Front genannt wird, erreicht. Dies ist die Zone, wo die warmen Gewässer des Nordens auf die kalten, salzarmeren der Antarktis treffen. Die kalten Gewässer der Antarktis tauchen unter die warmen des Nordens ab. Dies sei biologisch gesehen der Ort, wo die Antarktis beginne. Und weil sich diese Wassergrenze mit einem Tempe-raturunterschied von 3 Grad laufend verschiebe, verändere sich damit auch die Grösse und Lage der "biologischen" Antarktis, sagt man uns. Spannend! Bis heute glaubte ich, zur Antarktis gehöre nur der eigentliche Kontinent. Dass man dies aus wissenschaftlicher Sicht auch noch anders sehen kann, wusste ich nicht.
Am Morgen war der Himmel noch stärker bedeckt. Je mehr wir uns jedoch unserem Etappenziel Barrientos auf Aitcho Island nähern, desto schöner wird das Wetter. Um 14.00 Uhr heisst es dann zum ersten Mal unsere warmen, roten Parkas, welche alle Gäste beim Einschiffen von der Firma Poseidon geschenkt bekommen haben anziehen; unsere schwarzen wasserabweisenden Hosen, sowie die Schwimmwesten überstreifen und festziehen; in die Zodiac’s, die kleinen Schlauchboo-te, wo etwa 10 bis 12 Passagiere Platz finden, einsteigen und sich an Land fahren lassen.
Es ist fast windstill; in der Ferne tiefverschneite und vergletscherte Berge; das Wetter ist traum-haft schön und die Landschaft grandios. Die Temperaturen sollen etwa bei +4 Grad Celsius liegen. Doch bei dieser intensiven Sonneneinstrahlung fühlt sich das Ganze weit wärmer an. Auf Aitcho treffen wir dann auf grosse Pinguinenkolonien. Es sind dies die Esels- und Zügelpinguine, die hier brüten. Diesen lustigen, an Land etwas unbeholfenen "Watschlern" könnten wir stundenlang zusehen. Diese Pinguine sind wie kleine Clowns. Jeder für sich ist ein oder mehrere Fotos wert. Dementsprechend kommen bei mir bereits heute Nachmittag mehrere hundert Fotos nur von Pinguinen zusammen. Während die einen Eselspinguine am Brüten sind, klauen andere Steine von Nachbars Nest oder streiten mal kurz aber heftig mit dem Nachbarn, um die Grundstücks-grenzen neu abzustecken; putzen sich; schauen uns Besuchern zu oder neugierig in die Linse einer verlassenen, einsamen Kamera (s. Foto).
Am Strand liegen ein paar halbwüchsige See-Elefantenbullen faul herum. Und wenn sie sich be-wegen, dann bloss, um sich kurz mit dem Nachbarn um einen besseren Platz zu streiten. Doch wie bereits auf der Peninsula Valdés bewegen sich die See-Elefanten auch hier in der Regel kaum. Nach rund zwei Stunden staunen, geht es mit den Zodiac’s wieder zurück auf die Sea Spirit zum Abendessen. Die ganze Nacht hindurch bleibt es hell. Wer zum Schlafen Dunkelheit benötigt - so z.B. Marion -, der kommt in der Antarktis in den Sommermonaten nicht darum herum, entweder Storen herunterzulassen oder dunkle Vorhänge zu ziehen.