Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03400.jsonl.gz/2054

Überschwänglich lobend bespricht Thomas Mann hier den 1920 erschienenen Roman Knut Hamsuns, der im selben Jahr den Literaturnobelpreis erhielt: »Im ganzen: die 400 Seiten sind gedrängt voll von allen Reizen, technischen Verschlagenheiten, dichterischen Intensitäten und intimen Erschütterungen«. Mit dem Sujet des stigmatisierten, weil von Impotenz betroffenen männlichen Helden stellte sich Hamsun in eine Reihe mit Namen wie Latouche und Stendhal auch Chamissos Schlemihl oder Wagners Der fliegende Holländer kommen als Referenz in Betracht. Die Besprechung wurde zunächst am 29. Januar 1921 in der Prager Presse veröffentlicht, später nahm Mann sie auch in Werkausgaben auf. Von den Betrachtungen eines Unpolitischen kommend liegt es nahe, dass für sein Interesse an Hamsun auch dessen teils antidemokratische Tendenzen förderlich waren, in erster Linie verehrte Mann jedoch das schriftstellerische Können des Norwegers: »Ich habe ihn immer geliebt, von jung auf.«
Autorentext
Thomas Mann, 1875 1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb.