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Fernmeldeamt.
So heisst eine Busstation im kleinen Städtchen Waldkirch in Baden-Württemberg.
Aber halt, als Schweizerin muss ich mich da grad schon korrigieren, Bushaltestelle sagt man hier.
Fernmeldeamt.. Das Wort gefällt mir. Bilder, Geschichten tauchten auf: Ein Spion sitzt in einem schummrigen Raum, eine nackte Glühbirne hängt von der kahlen Decke und beleuchtet gerade mal sein Gesicht. Konzentriert probiert er eine Nachricht mithilfe einer mechanischen Schlüsselmaschine auf dem Tisch vor ihm zu entziffern.
Aber dieses Fernmeldeamt in Waldkirch hat nicht wirklich viel mit den Fernmeldeverkehr des früheren KGBs zu tun. (Oder, wer weiss?)
Fernmeldeamt ist ein typisch verdeutschtes Wort, d.h., wenn ein fremdsprachiger Ausdruck ins Deutsche übertragen wird.
Heinrich von Stephan war vieles, unter anderem hatte er es 1870 zum Generalpostdirektor geschafft und war ein vehementer Vertreter des deutschen Sprachpurismus gewesen, also des Verdeutschen. Wikipedia beschreibt dies ganz nett als "er bemühte sich um verständliche deutsche Ausdrücke im behördlichen Sprachverkehr ".
Dank ihm sagen die Deutschen heute nicht mehr Couvert (wie wir Schweizer das noch tun), sondern Briefumschlag.
Und auch die Beschreibung Fernmeldeamt geht auf ihn zurück.
Und wie ich auf den Gesichtserker im Titel komme?
Weil Gesichtserker, eigentlich "Nase", eine so schön misslungene Verdeutschung ist.
Und einfach toll klingt, weil so schräg.
Ich stelle mir da immer einen verzierten Vorbau vor, so mittem im Gesicht. Vielleicht noch ein paar schöne, farbige Vorhänge dazu?
Aber Waldkirch hat nicht nur tolle Verdeutschungen zu liefern sondern auch Strassen, die nach den beiden wohl bekanntesten deutschen Dichtern benannt wurden - was wohl Goethe und Schiller zum Wort Gesichtserker gesagt hätten?