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In seiner Forschungstätigkeit entwickelte Richard Ernst die kernmagnetische Resonanzspektroskopie (NMR), mit der in Molekülen die Wechselwirkung von Atomen und ihren Nachbaratomen untersucht werden kann. Mit der Methode können Wissenschaftler die dreidimensionale Struktur von Molekülen aufklären. 1991 wurde ihm für diese Entwicklung der Chemie-Nobelpreis verliehen. Ausserdem legte Ernst als Weiterentwicklung der NMR die Grundlagen für die Magnetresonanztomografie (MRI), einem bildgebenden Verfahren zur Darstellung von Gewebe und Organen im Körper. Diese Methode ist aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken.
Richard Ernst studierte in den 1950er-Jahren an der ETH Zürich Chemieingenieurwesen und promovierte ebenda 1962 in physikalischer Chemie. Später wechselte er in die USA in die Privatwirtschaft. 1970 kehrte er als Professor an die ETH zurück. Ernst wurde mit 17 Ehrendoktortiteln ausgezeichnet und neben dem Nobelpreis mit zahlreichen weiteren renommierten Wissenschaftspreisen wie etwa dem Benoist-Preis.
Zeitlebens war der Winterthurer äusserst breit interessiert und engagiert. Seit seiner Jugend hielten sich bei ihm die Begeisterung für Chemie und jene für die Kunst die Waage. Bei einer Asienreise fing er Feuer für die Kunst Tibets, die er seither leidenschaftlich sammelte, studierte und auch restaurierte. Ernst war auch dem tibetischen Buddhismus zugetan, aber selbst nicht Buddhist. 2005 war auf Einladung des Chemieprofessors der Dalai Lama an der ETH zu Gast.
Eine weitere grosse Leidenschaft Ernsts war die klassische Musik. Gesellschaftliche Fragen und Zusammenhänge waren dem Naturwissenschaftler und Ingenieur stets wichtig. Seine Forschung sei nie ausschliesslich für den wissenschaftlichen Elfenbeinturm bestimmt, sondern solle in sinnvolle und nützliche Anwendungen münden, sagte er einst.
Immer mit vollem Engagement
Um Naturwissenschaft und Gesellschaft miteinander in einen Dialog treten zu lassen, organisierte das Laboratorium für Physikalische Chemie an der ETH Zürich seit 2009 ihm zu Ehren alle zwei Jahre die Richard-Ernst-Vorlesungen, an denen er bis in die vergangenen Jahre engagiert teilnahm. Ernst galt als Perfektionist. Als eines seiner Erfolgsrezepte nannte er: Wenn er etwas mache, dann nicht mit halbem Engagement, sondern richtig – alles andere sei Zeitverschwendung.
Am vergangenen Freitag ist Richard Ernst im Alter von 87 Jahren verstorben. Die ETH Zürich trauert um eine Persönlichkeit, die ausserordentlich grosse Verdienste für diese Hochschule, die Wissenschaft und die Gesellschaft erworben hat. Dazu ETH-Präsident Joël Mesot: «Mit Richard Ernst verlieren wir einen grossartigen Kollegen, der wie kaum jemand die Werte der ETH verkörperte. Mit grösster Leidenschaft forschte er in den Grundlagen der Chemie und dachte dabei immer auch an deren Anwendung in unserem Alltag. Wir alle kommen dank der MRI-Technologie immer wieder mit den Errungenschaften von Richard Ernst in Berührung.»