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Milous Abenteuer in Amerika -
Teil II

Von Vicki Northway
Wer den ersten Teil von Milous Abenteuer in Amerika gelesen hat, wird sich erinnern, dass ich meinen Bericht mit der Bemerkung abschloss: "Ich bin der Meinung, dass Milou fast perfekt ist. Genügend robust und sehr schlau. Wenn Milou in einer Umgebung lebte, wo sie weiter trainieren könnte, könnte ich mir vorstellen, wie sie sich durch die verschiedenen AKC Hüte-Klassen hocharbeitet und dass sie sich auch vorzüglich für Obedience eignen würde. Sie wäre auch ein grossartiger kleiner Farmhund."
Wie es sich herausstellte, kehrte Milou nicht nach Paris zurück. Sie gesellte sich auch nicht wieder zu den Caamora Corgis von Pat und Dennis Seifert in Tehachapi. Milou ist immer noch bei mir in Nordkalifornien.
Milou lebt nach ihrem eigenen Zeitplan und so erwies es sich, dass die Eile mit dem Training im Januar um den Titel für Milou zu holen, nicht notwendig war. Im Mai erreichte mich eine Anfrage von Béatrice Quinio, Milous Züchterin und Mitbesitzerin. Könnte ich Milou zur Hüteprüfung anlässlich der 2014 Klubschau des PWCCA in Novo, Ohio mitbringen, damit sie Milou beim Hüten zuschauen könne. Für Bea war es der erste Besuch einer PWCCA Klubschau, also sagte ich "Ja". Kein Problem.
"Natürlich kann ich Bea diesen Gefallen tun", teilte ich Milous amerikanischer Mitbesitzerin und meiner gute Freundin Pat Seifert mit, "aber in der PT, der Testklasse". Da Milou bereits den PT-Titel gewonnen hatte, meinte die stets optimistische Pat, dass Milou in der Started Trial Klasse teilnehmen sollte.
Mir lief es kalt über den Rücken. Du kannst einen Hund für eine Test-Klasse trainieren, wo du entweder bestehst oder nicht bestehst. Ein talentierter Hund und ein erfahrener Handler können bestehen. Pat und ich hatten das bereits mehrere Male gemacht.
Milou gewann ihren PT-Titel im Laufe von 6 Wochen. Die Test-Klasse verlangt Hütepotential und gewisse Basisfähigkeiten, aber die AKC Hüteprüfungen sind anspruchsvoll und werden benotet. Es gibt kein "bestanden/nicht bestanden". Du beginnst mit 100 Punkten und arbeitest intensiv, um keine Punkte zu verlieren, während du die Schafe durch den Parcours treibst. Jedes Mal, wenn die Schafe anhalten oder davon laufen, gibt es Abzüge. Pat und Bea erwarteten, dass ich Milou in 4½ Monaten auf eine Prüfung an einer Klubschau vorbereite. Wenn du dir sagst, "ach, es macht nichts, wenn ich mich nicht qualifiziere, so lange der Hund sein Bestes tut", mag ich es nicht, wenn ich nicht bestehe (NQ = not qualified). Ich werde grantig. Ich sagte Pat, dass ich mein Bestes tun werde, wusste aber nicht, ob wir uns qualifizieren würden. Der Gedanke, dass ich die Leute enttäuschen könnte, behagte mir nicht.
Diese Geschichte hat alle Komponenten eines Thrillers. Milou wollte fast den ganzen Mai und Juni überhaupt nicht hüten - sie versuchte alles Mögliche, um sich aus dem Schafpferch zu graben, zu zwängen oder raus zu klettern. Ich musste für fünf Tage ins Krankenhaus und konnte zwei Wochen lang nicht trainieren. Das Training beschränkte sich auf ein 12 m x 18 m Gehege oder ein rund 20 m² grosses Feld. Die Gegend von Chico litt unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle und wir konnten nur am frühen Morgen oder späten Abend trainieren. Und Milou war noch nie auf einem AKC Prüfungs-Parcours bis vier Tage vor der Klubschau. Habe ich erwähnt, dass Milou und ich während vier Tagen 3'700 Km zurücklegten, um auf der Klubschau zu konkurrieren? Das entspricht der Distanz zwischen Oslo und Athen.
Wie in einem Thriller begannen sich die Puzzle-Teile nach und nach einzufügen und offenbarten ein interessantes und unerwartetes Muster. Bea meinte, dass Milou vielleicht Angst vor dem Paddel habe, das ich beim Training verwende, weil Bea jeweils Milou mit einem Besen drohte, um sie am Bellen zu hindern. Milou sah mein Paddel und dachte, dass sie bestraft wurde und versuchte deshalb, sich so weit wie möglich von den Schafen und meinem Paddel zu entfernen. Sie weigerte sich zu hüten. Also legte ich das Paddel zur Seite und meine begabte kleine Freundin beschloss, wieder zu arbeiten.
Meine Freundinnen mit Border Collies, Colleen, Catlyn und Debra versicherten mir, dass die Erfahrung, die Border Collies auf einem grossen Feld machen, auch einem kleinen Hund helfen kann: pass auf oder du verlierst die Schafe! Du musst den Schafen zeigen, dass du der Chef bist. Du brauchst den Menschen, denn der Mensch weiss um was es geht. Milou musste aufpassen, sonst würde sie ihre Schafe verlieren, weil die Arena nicht eingezäunt war. Sie musste den Hund, der ihre Schafe brachte, ignorieren aber nicht mich, ihren Mensch. Sie musste ruhig sein, aber Autorität gegenüber den Schafen zeigen. Milou lernte, für ihre Schafe verantwortlich zu sein.
Nach monatelangem Training in meinem Garten, musste ich Milou unbedingt auf einen Parcours in einer Arena bringen. Zum Zeitpunkt, als ich Chico verliess, hatte Milou Erfahrung aber nicht bei einem Wettkampf. Auf dem Weg nach Ohio stoppte ich in Colorado, um mit Milou etwas praktische Erfahrung zu sammeln. Sie machte arbeitete richtig gut in einer regelkonformen Arena. Zwei Tage später arbeitete ich wieder mit ihr, diesmal in Ohio mit etwas kapriziösen Schafen und einer Trainerin Tonya Haney. Milou hatte immer noch die Angewohnheit, loszustürmen (beim outrun und lift), was die Schafe veranlasste, in Panik davonzurennen. Sie arbeitete auf Distanz und mit erstaunlichem Gehorsam, aber Tonya warnte mich, dass die kleinste unüberlegte Bewegung oder ein Moment der Unaufmerksamkeit die Schafe in Hado Bar, dem Austragungsort, in die Flucht jagen würden.
Am Freitag und Samstag vor der Klubschau nahm ich mit Speed, dem Corgi, den ich zusammen mit Pat besitze, und Milou an der Buckeye Hüteprüfung teil. Ich wollte mit einer Herde üben. Beide Hunde hatten Schwierigkeiten mit den Schafen und wurden disqualifiziert. Sobald die Prüfung am Samstagnachmittag zu Ende war, fuhr ich zurück zu Tonya, die meinte, dass Milou bei den Schafen zu wenig selbstbewusst war. Das war merkwürdig aber wahr. Als an jenem Abend die Sonne unterging, ging ich mit Milou an der Leine um die Schafe herum und gab ihr das Kommando "langsam" und danach "Platz". Immer wieder führte ich Milou um die Schafe herum und versicherte ihr, dass ich da war, um ihr zu helfen. Ich hatte gehört, dass die Schafe in Hado Bar sehr schlau waren. Milous ganzer Lauf hing davon ab, dass sie die Schafe beim outrun ruhig zu mir brachte. Den Rest würde Milou schaffen. Tonya sagte: "Wenn dir das gelingt, dann schaffst du den Parcours". Den Parcours zu beenden, würde mir nicht unbedingt eine qualifizierende Anzahl Punkt bringen, aber ich müsste mich wenigstens nicht schämen. Die Frage war nur wie?
Vicki und Milou warten auf ihren Lauf
Man kann sagen, dass ich unter Druck am besten arbeite und ich möchte gerne glauben, dass Hunde wissen, wann man sie am meisten braucht. Am 21. September 2014 wurde das letzte Puzzleteil gelegt und Shamquin Emei Shan, alias Milou, gewann an der Hüteprüfung der PWCCA Klubschau "High In Trial" mit 93 von 100 Punkten. Als ich Milou auf den outrun schickte (um die Schafe zu holen), stoppte ich ihren Lauf über das Feld mit einem "Milou, PLATZ!" Milou verlangsamte augenblicklich ihren Lauf und wollte Platz machen, als ich ihr zurief "bring die Schafe". Sie schaute mich an mit einem verwirrten Ausdruck und hängender Rute und schien zu fragen: "Was soll dieses Platz machen, das machen wir doch nicht beim outrun?"
https://www.youtube.com/watch?v=sk6-DVSkbiI
Video von Milous Prüfung auf der PWCCA Klubschau 2014
Und mit einem "Braves Mädchen!" bewegte sie sich vorwärts, ruhig und auf Distanz. Die Schafe kamen ruhig zu mir und zusammen gingen wir um den Posten des Handlers und beendeten unseren Lauf. Ich glaube, Milou war ruhig, aber ehrlich gesagt war ich so gebannt, dass ich nicht weiss, ob sie bellte oder nicht. Es ging ein starker Wind - Äste fielen von den Bäumen - aber die Hurra-Rufe und der Applaus erreichten mich, als wir das Gatter des Pferchs schlossen. Milou bellte ohne Unterbruch bis zum Auto - daran erinnere ich mich.
Die Richterin Dana Hasemeier, Pat Seifert, Béatrice Quinio und Donna Gilbert, Präsidentin des PWCCA (von links).
Sitzend: Vicki Northway mit Milou nach ihrem Triumph
Die Hütegruppe des PWCCA ist recht seriös, wenn es ums Hüten geht. Die Tatsache, dass diese Gruppe Milou zujubelte war mehr als guter Sportgeist. Sie erkannten Milous Talent. Cindy Traylor, PWCCA Vorstandsmitglied und Vorsitzende der Hüteprüfung sagte: "Du hattest Recht, Vicki, diese kleine Hündin gefällt mir wirklich. Sie ist mein Typ von Hund und ich würde sie jederzeit mit nach Hause nehmen". Viele auf der Klubschau wussten, dass Bea Quinio von Paris und Pat von Kalifornien geflogen waren. Sie freuten sich aufrichtig mit Milous Besitzerinnen. Ein französischer Hund der auf der PWCCA Klubschau siegt (und dazu noch mit langer Rute!) gab Anlass zu Gesprächsstoff.
Nach unserer Rückkehr von Ohio wurde Milous Training fortgesetzt. An einem Wochenende Mitte Oktober 2014 nahm sie an zwei Prüfungen in Los Angeles teil (am Samstag mit 90.5 und am Sonntag mit 93.0 von 100 Punkten), und gewann ihren AKC "Herding Started A Course" Titel (mit Schafen) unter Richterin Linda Rorem. Ihre ersten Qualifikationspunkte auf der Klubschau motivierten Pat und mich, den Titel für Milou so bald wie möglich zu gewinnen. Wir wollten nicht riskieren, dass Milou ohne den Titel nach Frankreich zurückkehren sollte.
Ich will keinen rührenden Abschluss zum Abschied schreiben. Es war spannend, mit Milou zu hüten. Sie ist klug und mutig und wir arbeiten gut zusammen, aber ich hatte meine Zweifel: Was versteht sie wirklich? Hat sie die notwendigen Fähigkeiten? Ist sie bereit?
Auf jener Reise nach Los Angeles, vor der Klubschau, war ich entmutigt. Als ich mit Milou arbeitete, zählte ich mental alle meine Unzulänglichkeiten als Trainer auf. Milou las meine Körpersprache, nahm meine Gemütslage wahr, und versuchte es besser zu machen. Sie konzentrierte sich stark auf meine Worte und wie ich meinen Stab benutzte. Sie arbeitete weiter weg von der Herde und ehrlich gesagt bedeutend besser als ich gedacht hatte. An jenem Tag war unsere Zusammenarbeit wie ein merkwürdiger Tanz. Als ich aus der Arena kam, strahlte Pat Seifert. Es war erstaunlich zu sehen, wie hart Milou versuchte herauszufinden, was ich wollte, und ihre Fortschritte zu sehen. Aber als Pat sagte: "Ich glaube, Milou kann auf der Klubschau High In Trial werden", winkte ich ab. Ich dachte, Pat wolle mir einfach Mut zusprechen.
Also lege ich mein Puzzle zur Seite und ziehe meinen Hut nicht nur vor einem talentierten kleinen Hund, sondern auch vor meinen Freunden: Pat Seifert, die fast immer Recht hat, Bonnie Smith, die alles möglich machte und Bea Quinio, die grosszügig diesen lustigen und begabten Hund mit mir teilte. Ich will keine Voraussagungen über die Zukunft machen, aber Milou und ich werden weiterhin trainieren und unsere gegenseitige Gesellschaft geniessen.
Das AKC System für Hüteprüfungen ist speziell. Wenn du bei einem beliebigen Hindernis mehr als die Hälfte der Punkte verlierst, bist du disqualifiziert. Ein AKC Parcours A ist unterteilt in Sektionen/Hindernisse: outrun, lift und fetch (OLF), Y Chute, Z Chute, Hold for Exam Pen, Cross Drive and Re-pen. Jeder Abschnitt hat einen Punktwert: 20 Punkte für outrun/lift/fetch und cross drive und 15 Punkte je für die anderen Hindernisse. Wenn ein Hund beim OLF mehr als 10 Punkt verliert, ist er disqualifiziert, ungeachtet der Arbeit, die er auf den anderen Abschnitten des Parcours leistet.
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Vicki Northway züchtet Pembrokes unter dem Namen DRIFAN und ist Mitglied des Pembroke Welsh Corgi Club of America (PWCCA) und des Golden Gate Pembroke Welsh Corgi Club. Während sechs Jahren redigierte sie die Sparte Leistung der PWCCA Newsletter und hat Hüte-Titel für über 22 Pembrokes geholt und an den Hüteprüfungen der jährlichen PWCCA Klubschau sechs Mal, mit vier verschiedenen Hunden, High in Trial gewonnen (höchste Punktezahl aller Klassen).
Dieser Bericht wurde für das Bulletin des Corgis Club de France (No. 70 - Automne 2014) geschrieben.
Deutsche Übersetzung: ANo mit freundlicher Genehmigung.
Fotos: Pat Seifert, Béatrice Quinio, Bonnie Hansen, Carol Donnelly.