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Der Fleischatlas 2014, der von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Le Monde diplomatique herausgegeben wird, zeigt einmal mehr die unfassbare Realität: Der Fleischkonsum nimmt weltweit zu. Prognosen zufolge soll die globale Fleischproduktion bis Mitte des Jahrhunderts von jetzt 300 Mio. Tonnen auf 500 Mio. Tonnen ansteigen. Vor allem bei Schweinen und Geflügel ist das Wachstum rasant. Diese Tierarten brauchen wenig Platz und können Futter gut verwerten.
Ein durchschnittlicher Deutscher isst gemäss Fleischatlas in seinem Leben mehr als 1000 Tiere. In vielen europäischen Ländern ist zwar der Fleischkonsum pro Kopf zurückgegangen, in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften findet jedoch ein Boom der Fleischproduktion statt. Kleinbäuerliche Produzenten werden vom Markt verdrängt und durch riesige Mastanlagen ersetzt.
Die Schlachtanlagen werden weltweit immer grösser, die Fleischerzeugung immer industrialisierter. In den EU und den USA wird dies sogar noch vom Staat gefördert. Billiges Fleisch bedeutet grosses Leid für die Tiere, zu tausenden werden sie auf engstem Raum zusammengepfercht, ohne Tageslicht und Beschäftigung. Die Zucht auf Hochleistung bringt Krankheiten und körperliche Probleme. Das amerikanische Unternehmen Tyson Foods zum Beispiel schlachtet mehr als 42 Mio. Tiere in einer Woche! Die Schlachthöfe der globalen Konzerne liegen fern der Städte - die Konsumenten sollen die Grausamkeit des Tötens nicht sehen. Die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen sind katastrophal, unter harten Bedingungen arbeiten die Menschen für einen Hungerlohn.
Die Flächen, die gebraucht werden, um die Nutztiere zu ernähren, sind immens: laut UN werden dreiviertel aller agrarischen Nutzflächen in irgendeiner Weise für die Tierfütterung beansprucht, 40 % der Ernten von Roggen, Weizen, Hafer und Mais landen direkt in den Futtertrögen. Reiche Länder kaufen Anbauflächen im Ausland ein, weil sie nicht genügend Futter produzieren können. Für die europäische Fleischproduktion werden 13 Mio. Hektaren Anbauflächen für Futtermittel in Südamerika gebraucht. Die Folgen: die einheimischen Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage, Regenwälder werden zerstört, die Böden werden durch Pestizide verseucht und erodieren. Die Nährstoffe, die aus diesen Regionen so abtransportiert werden, führen in den Industriestaaten zu einer Überdüngung der Böden.
„Eine Änderung der Nahrungsmittelsysteme ist unerlässlich. Es sind dabei nicht allein die Großunternehmen, die die Regeln für den Lebensmittelmarkt festlegen. Unabhängige Erzeuger und informierte Verbraucher sind dazu ebenfalls in der Lage.“ Fleischatlas 2014
Von den ursprünglich 8000 Nutztierrassen werden nur noch einige wenige zur Hochleistungsmast eingesetzt, viele sind vom Aussterben bedroht. Heute kontrollieren zum Beispiel drei Konzerne 95 % des Marktes für Poulets; zwei Unternehmen beherrschen 94 % des Zuchtbestandes an Legehennen. Diese genetisch einheitlichen Hochleistungsrassen können ohne spezielle eiweissreiche Ernährung, teure Medikamente und klimatisierte Umgebung nicht überleben. Antibiotika werden in grossen Mengen eingesetzt, was die Gefahr von Resistenzbildungen mit sich bringt. Im Gegensatz zu sogenannten Wachstumshormonen, wie sie in Amerika eingesetzt werden, ist die Behandlung mit Sexualhormonen in der EU erlaubt. Sie gelangen nicht nur über das Fleisch auf die Teller, sondern werden auch über die Gülle in die Böden und Gewässer gebracht. Sie können zu Krebs, Unfruchtbarkeit und Wachstumsstörungen bei Tieren wie bei Kindern führen.
Doch immer mehr regt sich auch Widerstand gegen die Agrarindustrie, Fleischskandale rütteln die Menschen auf. Als Gegenbewegung wächst nicht nur in den Industrieländern, sondern auch in weiten Teilen Asiens der Markt für Bio-Produkte.