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1812 beginnt man im Süden der Hauptstadt mit dem Bau einer grossen Kaserne (auf Karte anzeigen). Das Gelände hat vormals vor allem als Rinderweide gedient – was der Militäranlage den Namen Caserne des Boeufs einträgt. Offenbar ist es Oscar d'Ocieszyek-Bruno, der die Konstruktion veranlasst und ihr Aussehen wesentlich mitbestimmt (der spätere König spielt schon damals eine wichtige Rolle in der Armee). Gleichzeitig wird die Zitadelle aus dem späten 17. Jahrhundert renoviert und den neuen Kriegstechnologien angepasst. Die Kaserne wird 1816 fertig gestellt und bezogen. Sie verfügt über ein Verwaltungsgebäude, Kantonnement, Stallungen, einen Exerzierplatz, ein Zeughaus etc. – kurz alles, was es im frühen 19. Jahrhundert für Training und Verwaltung einer modernen Armee braucht.
Die Lage im Süden der Hauptstadt ist günstig gewählt und zeigt, dass sich Oscar I. vor äusseren Feinden ebenso fürchtet wie vor inneren Unruhen – kann die Armee doch von hier aus innert kürzester Zeit sowohl in den leicht angreifbaren Süden der Insel ausrücken wie auch in die Hauptstadt einmarschieren. Diese militärische Vorsicht steht in einem gewissen Widerspruch zu der liberalen Politik, die der König betreibt. Auch ist es sicher kein Zufall, dass die Kaserne in unmittelbarer Nähe zu dem kleinen Schloss (Château Kannèl) entsteht, das Oscar I. im nahen Parc des Brumes bauen lässt.
Auch unter Oscars Nachfolgerin Adrienne I. und bis in die Zweite Republik hinein bleibt die Caserne des Boeufs die grösste Kaserne der Insel. 1872 unternehmen ein paar Kinder aus der Stadt zum Scherz mit Feuerwerkskörpern einen Angriff auf die Kaserne – dabei fliegt eine Rakete durch ein zufällig offenstehendes Fenster direkt ins Munitionsdepot. Die Anlage wird bei dem Brand fast vollständig zerstört Auch der Nordteil der Zitadelle wird so arg beschädigt, dass er in der Folge abgerissen werden muss. Einzig die Stallungen bleiben unbeschadet.
Zwischen 1873-1876 entsteht eine neue und grössere Kaserne nach Plänen von Jean-Jacques Meneur. Die neue Anlage wird bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts militärisch genutzt, wobei Teile des Baus als Polizeiwache dienen. Nach der Abschaffung der Armee im Jahr 1989 (siehe Geschichte im 20. Jahrhundert) wird die leere Kaserne von Studenten besetzt und in der Folge allmählich als Kulturzentrum umgenutzt. Im Kantonnement ist heute ein Hotel eigerichtet.
First Publication: 21-10-2012
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