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Bild
Titel:
Fasnachtsumzug in Appenzell
Thema: Leute
Datum: --.02.1904
Masse: 15,9 x 22,6 cm
Standort: Sepp Koller, Stockstrasse, Appenzell
Urheber/-in: J. Müller & Sohn, Appenzell
Beschreibung:
Fasnachtsumzug 1904 in Appenzell. Der Bildausschnitt zeigt die Umzugsstrecke im Gebiet Gaiserstrasse-Brauereiplatz-Metzibrücke-Adlerplatz. Im Hintergrund rechts die Brauerei Locher. Zahlreiche Zuschauer bewundern drei Themenwagen. Auf dem Gefährt im Vordergrund ist ein Häuschen aufgebaut, das seitlich den Schriftzug "Hôtel Bollenwies" zeigt. Auf dem Wagen, der soeben auf die Metzibrücke fährt, ist eine Art Standseilbahn zu erkennen, welche mit "Seealp-Meglisalp" bezeichnet ist. Auf der Gaiserstrasse am linken Bildrand befindet sich ein dritter Wagen, ebenfalls mit einem Haus, dessen Dach unverkennbar eine Verteilervorrichtung für Telefonkabel trägt. Erkennbar ist der Schriftzug "Appenzell", die restlichen Tafeln sind unleserlich.
Geschichte:
Aufgrund der gezeigten Sujets ist das Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit als Fasnacht 1904 zu identifizieren, zeigen alle drei Wagen doch Ereignisse, welche die politische Öffentlichkeit im Jahr 1903 bewegten. Zum ersten Wagen: Die Entdeckung der Kreuzberge als Klettergebiet weckte ab 1890 das Bedürfnis nach einem Gasthaus am Eingang des Fälensees. Zunächst hatten die Kletterer jedoch mit der sehr einfachen Alphütte auf der Bollenwies, spöttisch "Hôtel Bollenwies" genannt, Vorlieb zu nehmen. Als die Alpgenossenschaft Brülisau-Eugst die Bollenwies am 10. Juni 1903 im Rahmen einer freiwilligen Versteigerung kaufte, weckte dies Hoffnungen auf eine Verbesserung der Situation. Diese zerschlugen sich jedoch bald. Erst 1916 entstand eine primitive Alpwirtschaft, die 1938 durch das heutige, komfortablere Gasthaus abgelöst wurde.
2. Wagen: Die Appenzeller Verkehrsgeschichte ist durch zahlreiche Projekte geprägt, welche alle zum Ziel hatten, den Hausberg und Touristenmagneten Säntis bahntechnisch zu erobern. Schon 1886/87 wurden erste Vorhaben lanciert, die jedoch ausnahmlos im Ansatz scheiterten. Am 22. Dezember 1903 erhielt dann ein Konsortium unter der Führung von Rechtanwalt Dr. Carl Meyer, Herisau, und dem Innerrhoder Landammann Carl Justin Sonderegger die Konzession für eine schmalspurige Bahn von Appenzell auf den Säntis. Gemäss dem 1905 präsentierten Projekt sollte die Säntisbahn die Steigung hinauf zum Seealpsee mit Hilfe eines Zahnrades überwinden. Danach hätten die Fahrgäste in eine Drahtseilbahn hinauf zur Meglisalp umsteigen müssen. Eine zweite Drahtseil-Sektion hätte zur Rossmad und eine dritte zur Station Säntis-Kulm oberhalb des Gross-Schnee geführt. Das Fasnachtssujet bringt die verbreitete Skepsis zum Ausdruck gegenüber einem gigantischen Vorhaben, das so nie verwirklicht wurde. Einzig die Strecke Appenzell-Wasserrauen konnte 1912 den Betrieb aufnehmen.
Der dritte Fasnachtswagen bezieht sich auf die prekäre Situation der Poststelle Appenzell, welche sich damals im "Neuhaus" am Postplatz befand. Die Post Appenzell verfügte seit 1894 über eine Telefonzentrale und war 1896 in den vornehmen Rang eines Postamtes befördert worden. 1899 schlug allerdings der Blitz in den Telefon-Dachständer ein und zerstörte die Zentrale. Darauf wurde das Telefon- und Telegrafenbüro provisorisch ins Haus zur Platte verlegt, in ein viel zu enges, versteckt liegendes und ausserdem schlecht beheizbares Lokal. Landammann und Standeskommission forderten 1901 vom Eidgenössischen Post- und Eisendepartement unverzüglich die Planung eines neuen Postgebäudes an die Hand zu nehmen. Die Bundesbehörden fanden es jedoch nicht der Mühe wert, darauf einzugehen. Erst auf Druck des Bundesrates nahm die Direktion der eidgenössischen Bauten am 5. November 1902 einen Augenschein in Appenzell vor. Die Auflagen, welche die Direktion den Bezirksbehörden darauf machte, waren jedoch so hoch, dass die Innerhoder Behörden zunächst auf die Weiterverfolgung des Projektes verzichteten. Erst 1909 erhielt Appenzell ein repräsentatives Postgebäude, das dem Stellenwert eines Kantonshauptortes entsprach.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Büchler, Hans (Hrsg.): Der Alpstein. Natur und Kultur im Säntisgebiet. Herisau 2000, S. 134 und 138
Signer, Jakob: Chronik der Appenzell-Innerrhodischen Liegenschaften, in: Appenzellische Geschichtsblätter, Nr. 9, Sept. 1953
Hürlemann, Hans: Säntis - Ziel vieler Träume. Die Geschichte der Bahnprojekte auf den Säntis. Herisau 2000, S. 25-39
Säntisbahn-Komite (Hrsg.): Die Säntis-Bahn. St. Gallen 1905
Buschauer, Yvo: Die Entwicklung des Postwesens im Kanton Appenzell Innerrhoden. Appenzell 1996, S. 22-25
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