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Nash, Crosley, AMC – die vergessenen amerikanischen Kleinwagen
Denkt man an Autos aus den USA, dann fallen einem stets die gleichen Stichworte ein: riesige V8-Motoren mit entsprechendem Durst, butterweiche Fahrwerke und für europäische Verhältnisse geradezu absurd gigantische Aussenmasse. Selbst amerikanische „Mittelklasse“-Fahrzeuge der 50er- bis 70er-Jahre sind für europäische Strassen zu gross und zu mächtig. Betrachtet man die heutigen SUV aus den Häusern Ford und GM, dann wird die Tradition der grossen und starken Autos bis heute fortgesetzt.
Doch es gab auch in den USA immer wieder Versuche, kleine und kleinste Fahrzeuge zu produzieren. Die Tatsache, dass die meisten dieser Marken und Typen heute verschwunden und vergessen sind, zeigt jedoch, dass Kleinwagen und US-amerikanische Automentalität nicht zusammenpassen wollen. Dennoch sind die mutigen und ungewöhnlichen Versuche, auch in amerikanischer Produktion Kleinwagen herstellen zu wollen, ein Teil der Automobilgeschichte.
Nash war eine Marke, welche zu den Pionieren des amerikanischen Automobilbaus gehörte. Bereits 1916 gegründet, konnte das dynamische Unternehmen lange mit den anderen Automobilherstellern des Landes mithalten. Zahlreiche Innovationen gingen aus diesem Unternehmen hervor. So ist beispielsweise die Autoheizung, wie sie heute in den Fahrzeugen verbaut wird, ein von Nash entwickeltes Patent.
Mit dem „Metropolitan“ präsentierte Nash 1954 ein geradezu winziges Fahrzeug, welches sich auch mit einigem Erfolg verkaufen liess. Als Coupé oder Cabriolet angeboten, sollte es vor allem eine preiswerte Konkurrenz zum damals ungeheuer erfolgreichen VW-Käfer sein. Der Metropolitan wurde insgesamt acht Jahre lang gebaut und ist heute ein gesuchter Klassiker.
Völlig vergessen ist hingegen eine andere Marke, die sich mit ihren skurrilen Fahrzeugen nie so recht auf dem amerikanischen Markt durchsetzen konnte. Crosley gilt als „einziger Kleinwagenhersteller der USA“ und war von 1939 bis 1952 tätig. Als Fahrzeuge wurden Kombis, Limousinen, Sportcoupés und Cabrios angeboten. Zwar konnte auch Crosley mit etlichen Innovationen von sich reden machen. Beispielsweise gehen sowohl der OHC-Motor als auch der Einbau von vier Scheibenbremsen auf dieses Unternehmen zurück. Das Design der Fahrzeuge war aber stets sehr eigenwillig und unterschied sich zu jeder Epoche vom jeweiligen Massengeschmack.
Die Achillesferse von Crosley war jedoch der eingesetzte Motor. Der verwendete CoBra-Motor war ursprünglich für das Militär zum Antrieb von Torpedos, Kompressoren und Stromgeneratoren entwickelt worden. Die verwendeten Materialien machten ihn jedoch sehr rostanfällig, was den Ruf von Crosley schnell zerstörte. Der nachgereichte Motor aus eigener Entwicklung konnte das Unternehmen nicht mehr retten. Crosleys sind heute aus dem amerikanischen Bewusstsein auch unter Autoenthusiasten weitestgehend verdrängt. Tauchen Crosleys auf Oldtimerschauen auf, müssen die Besitzer zumeist lange Überzeugungsarbeit leisten, bis ihnen geglaubt wird, dass es sich bei den ulkigen Fahrzeugen tatsächlich um amerikanische Autos handelt.
Was passiert, wenn man einem Elefanten das Schnitzen beibringen möchte, kann man gut bei AMC beobachten. AMC war ein Unternehmen, welches als Konsortium aus vielen kleineren amerikanischen Autoherstellern – unter anderem auch Nash – hervorgegangen ist. AMC – American Motor Company – hatte einige interessante und durchaus taugliche Fahrzeuge im Programm und konnte sich einigermassen gut gegen die Konkurrenz der „Big Three“ Chrysler, Ford und GM behaupten. Mitten in der Ölkrise wuchs bei AMC dann die Idee, mit Kleinwagen Marktanteile zu erobern, welche von den benannten Big Playern bis dahin ignoriert wurden. Was aber dabei herausgekommen ist, verwundert bis heute.
Der AMC „Gremlin“ wurde im Schnellverfahren aus dem erfolgreichen „Hornet“ entwickelt, indem man ihm einfach das Heck abtrennte. Das Ergebnis war ein kurzes, breites, durch die weitere Verwendung hubraumstarker Motoren aber sehr durstiges Auto. Der „Gremlin“ war so hastig entwickelt worden, dass er quasi keinerlei Nutzwert für den Käufer mehr hatte. In der medialen Verarbeitung findet sich der Gremlin heute häufig als „Verlierer“-Auto wieder.
Erfolgreicher, aber nicht weniger skurril war der „Pacer“ aus demselben Hause. Die kugelige Form des Pacer war augenscheinlich vom VW-Käfer inspiriert, der Rest des Wagens war jedoch weit von dem automobilen Urahn entfernt. Mit einer grosszügigen Verglasung geriet der Wagen schnell zum Treibhaus, sobald die Sonne schien. Ursprünglich war im Pacer der Einbau von Wankelmotoren vorgesehen. Man entschied sich jedoch, das Desaster um den NSU Ro 80 vor Augen, lieber für die etablierten V8-Maschinen. Die nach wie vor verbauten riesigen Motoren liessen jeden Gedanken an Sparsamkeit schnell vergessen.
Dennoch traf der Pacer einen Nerv in den 1970er-Jahren. Er wurde zum Liebling von Schülern und Studenten, welche sich von den damals ebenfalls sehr populären „Muscle Cars“ abgrenzen wollten. Neben einer Kompakt-Version wurde der Pacer auch als Kombi angeboten. Der AMC Pacer ist heute ein sehr gesuchter Klassiker, welcher ständig im Wert steigt.
Die Versuche, in den USA eine eigene Kleinwagenproduktion aufzubauen, waren noch bis in die 1980er-Jahre hinein konsequent erfolglos. Erst Chrysler gelang es mit den K-Cars und dem Horizon wirklich erfolgreich, der japanischen und deutschen Konkurrenz Paroli zu bieten. Heute sind, nach einigen Downsizing-Wellen, US-amerikanische Autos zwar immer noch etwas grösser als ihre europäischen und asiatischen Konkurrenzmodelle. Doch man nähert sich an, so dass man schon sehr genau aufs Emblem schauen muss, um die Fahrzeuge voneinander unterscheiden zu können.
Oberstes Bild: AMC Pacer (© Triskel99, Wikimedia, CC)