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Die mündliche Überlieferung in der Familie Galli besagt, dass die „Galli’s“ aus Italien stammen. Während das heutige Italien Anfangs des 19. Jahrhunderts noch in vier Königreiche aufgeteilt war, soll Fernando Galli als Soldat aus dem Königreich Italien für den Russlandfeldzug Napoleons von 1812 rekrutiert worden sein. Beim Rückzug an der Beresina war jener Fernando, einer der wenigen, die lebend zurückkehrten und sich in Deutschland niederliessen. Er wurde in Königsberg in der Neumark sesshaft (nach 1945 Chojna, Polen).
Fernando Galli als Soldat aus dem Königreich Italien für den Russlandfeldzug Napoleons von 1812 rekrutiert worden sein.
Am 2. Dezember 1859 kommt Paul Galli in Königsberg auf die Welt. Im Hause nebenan, vermutlich im Uhrengeschäft Louis Futter, erlernte Paul Galli das Uhrmacherhandwerk. Die Lehrzeit, während derer er sämtliche öffentlichen Uhren, darunter auch die Turmuhr der Maienkirche, aufziehen musste, dauerte von 1874 bis 1877.
Nach der Schulzeit begannen die Wanderjahre des jungen Uhrmachers. Wie in dieser Zeit noch üblich, wurden die Reisen zu Fuss gemacht. Wenn das Geld ausging, wurde eine Stelle als Uhrmacher an irgendeinem Ort an der Reisestrecke angenommen. War wieder etwas Geld vorhanden, zog man, meist in Gesellschaft von anderen Handwerksburschen, weiter. Bei jeder Arbeitsstelle wurde das Zeugnis vom jeweiligen Bürgermeister persönlich unterschrieben.
Familienfoto von den Gallis mit Gründer Paul Galli ganz rechts. Aufgenommen in Berlin um 1870.
Die Reise ging kreuz und quer durch Deutschland, vorerst ans Meer und hinüber nach Nordamerika. Die Überfahrt verdiente sich Paul Galli als Kohleschipper. Nach einem Aufenthalt in Pittsburg kehrte er auf gleiche Weise wieder nach Europa zurück. Über Köln und Heidelberg ging es Rheinaufwärts bis nach Basel. Nach Genf, Norditalien nach Chur und einigen Orten in Graubünden.
Zurück in Deutschland arbeitete Paul in München und Altomünster. In derselben Zeit wurde er für den Militärdienst wegen schlechten Augen als untauglich befunden. Die Reise ging weiter zurück in die Schweiz und nach Wetzikon nach Zürich, wo er als Uhrmachergehilfe bei J. Siegfried und später bei der Firma Lansel arbeitete. Gewohnt hat er zu dieser Zeit am Rindermarkt.
Seine Reise ging quer durch Deutschland, ans Meer und hinüber nach Nordamerika.
Nach den Gehilfejahren muss sich Paul Galli mit dem Gedanken einer Geschäftsgründung befassen. Im Jahre 1882 übernimmt er von einem Uhrmacher ein kleines Geschäft an der Oberdorfstrasse.
Es bestand aus einem kleinen ziemlich dunklen Raum und einem Schaufenster und war so unspektakulär, dass leider genaue Unterlagen fehlen. Nach mündlicher Überlieferung muss das Geschäft in der Mitte zwischen Rämistrasse und der Kirchgasse gelegen haben. Die Oberdorfstrasse war um 1900 eine sehr belebte Geschäftsstrasse und verlor erst mit dem Ausbau der Bahnhofstrasse an Bedeutung. Mit dem Anfangskapital von CHF 500.- wurden einige gebrauchte Taschenuhren gekauft, hergerichtet und im Schaufenster ausgestellt. Das war damals das gesamte Warenlager. Die Hauptarbeit bestand nicht im Verkauf dieser Uhren, sondern in der Reparatur. Da Zürich bis zum ersten Weltkrieg eine stark überfremdete Stadt war und etwa 1/3 der Bewohner deutsche Staatsbürger waren, konnte Paul Galli sich schnell ein treue Kundschaft aufbauen.
Durch den Erfolg bestätigt, sah sich Paul Galli gezwungen, ein neues Ladenlokal zu suchen. Er wurde am Tonhallenplatz an der Tonhallenstrasse 20 – der heutigen Theaterstrasse 20 – fündig und richtete sich neben einem Schuhmacher und Konditor als Horlogeire P. Galli ein. Die Ladenfläche war nun grösser als noch an der Oberdorfstrasse und somit konnten erstmals direkt ab Fabrik Uhren eingekauft werden. Das Gebiet gehörte zu jener Zeit noch nicht zu Stadtkern und die Geschäftslage war damals nicht besonders gut, dafür war die Aussicht von hier aus sehr schön und aus diesem Grund wurde der Platz umgangssprachlich auch Bellevueplatz genannt. Mit dem Umzug begann ein neuer Abschnitt in der Entwicklung und Vergrösserung des Geschäfts. Vorerst galt es, den Kundenstamm zu behalten und auszuweiten. Der Bellevueplatz in der damaligen Gestaltung war noch komplett leer. Einige Droschken waren da „parkiert“ und wenn man irgendwohin wollte, musste man den Rosselenker zuerst im hinteren oder vorderen Sternen suchen. Anstatt dem elektrischen Tram von heute verkehrte noch das Rösslitram, vom Hauptbahnhof über das Limmatquai zum Bellevue und an den Tiefenbrunnen, welches übrigens auch 1882 gegründet wurde. Die elektrische Strassenbahn, oder Tram, kam erst um die Jahrhundertwende. Sie verkehrte den Zürichberg hinauf vom Bellevue in die alte Kirche Fluntern. Infolge ihres gelben Anstrichs wurde sie im Volksmund auch „Flunterner Eierkiste“ genannt. Das um 1890 abgerissene ländliche Patrizierhaus, genannt „zum langen Stadelhof“, wurde neu gebaut und 1899 von Paul Galli neu bezogen. Noch heute ist die Galli Uhren Bijouterie AG an diesem prominenten Standort vertreten.
Bellevueplatz im Jahre 1890.
Vor Paul Galli war der Coiffeurmeister Rösler Mieter an der Theaterstrasse 16. Dem wurde der Jahresmietzins von 1‘800.- aber zur Last und blieb die Miete schuldig. Nach dem Einzug an der Theaterstrasse 16 galt es erst einmal Mobiliar zu beschaffen. Neues Mobiliar war zu teuer und glücklicherweise liquidierte ein Souvenir-Geschäft im Hotel Bellevue seinen Betrieb. So konnte von Herrn Österreicher-Schüssel, so hiess der Besitzer des Souvenirgeschäfts, Paul Gallis erstes Ladenmobiliar erworben werden. Als 1905 die Mittel vorhanden waren, konnte bei der damaligen Schreinerei Hess, eine eigene neue Ladeneinrichtung hergestellt werden.
Aus dem Katalog der Firma Galli sind auch die Preise ersichtlich, die damals für Uhren bezahlt wurden. Silberne Damentaschenuhren gingen damals für 18.- bis 30.- Schweizer Franken über den Ladentisch, während goldene schon 30.- bis 60.- CHF kosteten. Sehr ähnlich verhielten sich die Preise von Herrenuhren. Natürlich sind auch die Preise für Reparatur und Service ersichtlich. Eine Revision und Reinigung kostete zwischen 4.- und 5.- Franken und wurde von der Kundschaft als hoch befunden. Die Gehälter von Uhrenmachern betrugen 25.- bis 30.- Franken pro Woche, ohne Kost und Logis. Im Vergleich dazu die Preisliste von Otto Seemann aus Zürich, der Wurstwaren und Fisch verkaufte. Ein Pfund Mailänder Salami war für 1.70, Seefische gar ab 0.30 CHF zu kaufen.
Paul Galli war ein unermüdlicher Schaffer. Als erster Uhrmacher auf dem Platz Zürich der die Schaufenster elektrisch beleuchtete sorgte er bei der Konkurrenz für Unbehagen. Durch den engen Kontakt mit den Concierges aller guten Hotels konnten auch Touristen direkt ans Bellevue zum Galli verwiesen werden. Trotz des Erfolges kam ein gewaltiger Rückschlag. Alles was in 15 Jahren harter Arbeit erarbeitet wurde, ging in einer Nacht verloren. Eine Diebesbande plünderte das ganze Warenlager!
Es war im April 1897 als eines Abends Paul Galli mit seiner Frau nach dem Feierabend noch das Schaufenster putzte. Das dauerte bis gegen 11 Uhr nachts, da man damals die Geschäfte nicht vor 9 Uhr abends schloss. So müde wie beide waren schlossen sie nicht wie üblich die Uhren in den Kassaschrank ein und gerade in dieser Nacht wurde eingebrochen. Das gesamte Warenlager mit Ausnahme der Reparaturen wurde geraubt. Eine Einbruchsversicherung war nicht vorhanden und so konnte Paul Galli mit seinem Geschäft wieder von vorne anfangen. Zeitdokumente schildern die damals schwierige Zeit nach dem Einbruch. Es ist ersichtlich, dass eine 10 köpfige italienische Diebesbande (es waren auch Frauen und Kinder dabei) am Einbruch und an der Verteilung der Beute beteiligt war. Einige Uhren tauchten in Leihhäusern in Trient und Verona wieder auf. Paul Galli reiste dahin und löste die Uhren wieder aus. 4 Diebe konnten gefasst werden und weitere Uhren tauchten in Trient unter dem Fussboden eines Hehlers wieder auf. Durch die Verpfändung des Warenlagers bei der Pfandleihanstalt konnte wieder Liquidität beschafft werden. Sobald das notwendige Geld zur Einlösung verfügbar war, wurde die Ware wieder ausgelöst. Dies führte zu enorm hohen Kosten, kleinem Verdienst und einigen Jahren mit vielen Sorgen und Mühen.
Durch die Weltausstellung und Paris im Jahre 1900 hatte das Geschäft wieder einen Aufschwung erlebt. Vorerst einmal durch den Umzug von der Theaterstrasse 20 in die Nummer 16. Und durch den Besucherstrom, der nach dem Besuch der Pariser Weltausstellung einsetzte. Das Geschäft generierte wieder regelmässige Einnahmen und zeichnete eine sehr positive Zeit zwischen 1900 und 1914 aus.
Schaufenster nach dem Umzug im Jahre 1900 an die Theaterstrasse 16.
In diese Zeit fallen auch Versuche mit dem Ausland ins Geschäft zu kommen. Ganz bekannte Persönlichkeiten dieser Epoche wurden Kunden der Firma P. Galli. So der damalige Schah von Persien (der im Baur au Lac hauste) der später eine goldene mit Brillanten besetzte Herrentaschenuhr für CHF 20‘000.- kaufte. So soll auch die Grossherzogin von Baden, Frau Klinger, und viele andere bekannte Persönlichkeiten Kunde von P. Galli gewesen sein.
Theaterstrasse im Jahre 1907. Heute steht dort der Globus.
Mit Beginn des ersten Weltkrieges im Jahre 1914 trat eine Wende im nun schon 32 jährigen Unternehmen ein. Alle militärpflichtigen Schweizer wurden zu den Waffen gerufen und sämtliche Ausländer verliessen fluchtartig die Schweiz. Somit erlahmte der Geschäftsverkehr in den ersten 6 Monaten des Krieges vollständig. In Ermangelung von Gesellen musste die Uhrmacherwerkstatt an der Stadelhofenstrasse geschlossen werden und wurde nicht wieder eröffnet. Auf der Strasse rissen sich Passanten und Geschäftsleute fast jeden Tag die Zeitungen und Sonderbeilagen aus den Händen, sprachen nur vom Krieg und hatten grosse Angst, dass auch die Schweiz in den unheilvollen Konflikt hineingezogen werden könnte. Die Monate verstrichen und das Geschäft war zur Nebensache geworden. Aus Furcht vor dem Krieg verkauften zahlreiche Hausbesitzer in der ganzen Stadt ihre Liegenschaften und mitten in der gespannten Lage wurde Paul Galli vor seine nächste Herausforderung gestellt. Der Eigentümer der Liegenschaft Theaterstrasse 16, Herr A. Jucker-Huber, bot ihm nämlich die Liegenschaft zum Kauf an. Herr Jucker-Huber war ein gefürchteter Mann und unter den Seinen als Grobian bekannt. Das Angebot lautete wie folgt. Kaufen oder nicht Kaufen, 8 Tage Bedenkzeit. Mit Unterstützung des schweizerischen Bankvereins konnte Paul Galli am 9. Oktober 1915 die Liegenschaft erwerben. Die Furcht vor dem Krieg und dessen Folgen war derart gross, dass zur Zeit des Kaufes nicht ein einziger anderer Interessent zugegen war. Paul Galli zeigt trotz der unsicheren Wirtschaftslage im Kriegsjahr 1915 Mut – und greift zu.
Der Schah von Persien und weitere bekannte Persönlichkeiten waren Kunden der Firma P. Galli.
Max Galli machte seine erste Erfahrung mit den Uhrmachern als kleiner Bub, denn in der Wohnung seines Vaters war auch die Uhrmacherwerkstatt untergebracht. In der Galli Familienchronik hat er seine erste „Uhrmachererfahrung“ wie folgt beschrieben: „Um mir einen tiefen Einblick in die Berufsgeheimnisse zu geben, liess mich eines Tages ein Gehilfe an der Salmiakflasche riechen. Ich kam fast nicht mehr zu Atem und auf mein Geschrei, eilte unsere Hausangestellte Dora herbei. Sie sagte den Uhrmachern richtig Bescheid und ich hatte für einige Zeit genug von der Uhrmacherei.“
Nach der Institut Zeit in Fribourg begann Max Galli die Lehre als Uhrmacher im väterlichen Betrieb. Obwohl ihm nie ganz klar war, warum er diesen Beruf erlernen musste war dies für seinen Vater Paul Galli selbstverständlich, dass Max eine Lehre als Uhrmacher zu absolvieren hatte. Im Vergleich zur heutigen Zeit waren für die Verkauften Uhren kaum Ersatzteile erhältlich und so mussten für Reparaturen defekte Teile von Hand vor Ort angefertigt werden. Max Galli war begabt und lernte schnell, er konnte nicht nur Taschenuhren sondern auch Grossuhren reparieren, was zu einer seiner grossen Leidenschaften bekam. Bis zum ersten Weltkrieg 1914 brachten die Grossuhren einen hohen Teil des Geschäftsumsatzes. Galli war stark im Export tätig und so wurden Uhren in Holzkisten verpackt nach Amerika oder Australien versandt.
Den zweiten Teil der Lehrzeit verbachte Max Galli in Ponts-de Martel und er erlernte dort das Handwerk der hochwertigen Uhren. Wie damals üblich, gab es keinen Lohn, sondern die Eltern mussten für die Ausbildung bezahlen. CHF 20.00 pro Woche ohne Kost und Logis war damals für den Vater ein sehr hoher Betrag. Der Lehrmeister war sehr streng und eine 5-Tage Woche kannte man natürlich noch nicht. Trotzdem konnte Max Galli viel Gutes über diese Zeit berichten, denn während der Lehre verbrachte er auch die Feiertage mit der Familie seinen Chefs. Es gab Ausflüge nach Frankreich mit 15-gängigen Menus für damalige CHF 2.50! Als Abschlussarbeit fertigte Max Galli aus einem Rohwerk eine Herrentaschenuhr mit Minutenrepetition und kehrte am 15. März 1909 in den elterlichen Betrieb zurück um die Gehilfenzeit in England anzutreten.
Max Galli arbeitete seit 1911 wieder im väterlichen Betrieb und erlebte die Kriegsjahre in einer schwierigen Situation, denn über die Schweiz ergoss sich ein Zustrom von Spionen, Schiebern und Spekulanten. Nur eine Schweizer Firma konnte Waren ins Ausland exportieren. In Bern gab es die ausländische Kontrollstelle SSS (Société suisse de surveillance économique) die den Export überwachte. Als die deutsche Währung zerfiel wurde der legale Export immer kleiner und nur noch Schieber konnten die Ware nach Deutschland schmuggeln. Einmal wurde ein Posten Uhren gekauft bei dem eine grosse Waschzeine mit Mark nicht ausreichte um einen Gegenwert von CHF 10‘000 zu lösen. Mit dem Kriegsende kamen auch neue Sorgen, denn der Absatz von Uhren hörte mit einem Schlag auf. Jede Import-Export Firma hatte überhöhte Lager und musste diese wie die Firma Galli mit einem Verlust verkaufen.
Nach dem ersten Weltkrieg verdoppelten sich die Reparaturpreise. Eine Revision einer Armbanduhr kostete nicht mehr CHF 10, sondern CHF 18. Ein Uhrmacher verdiente damals pro Woche CHF 60, die Arbeitszeit betrug pro Woche 54 Stunden.
Am 29. April 1926 verstarb der Gründer Paul Galli in seiner Wohnung an einer Brustfell- und einer Hirnhautentzündung. Jetzt konnte Max Galli in zweiter Generation die Firma übernehmen. Dabei musste er sich auch um die Liegenschaft kümmern. Anfang 30-er Jahre wurde eine Zentralheizung eingebaut und auch an die Erstellung eines Liftes musste gedacht werden. Denn nur so konnten die oberen Stockwerke als Büro vermietet werden.
Am 20. Mai 1926 wurde die Firma Galli auf Max Galli übertragen und er musste sich in Zukunft auch um den Einkauf, das Uhrenatelier und um den kaufmännischen Teil kümmern. Er war froh, dass ihn sein Vater nach der Lehre auch noch in die Fortbildungsschule SKV schickte. Er führte bei der Firma Galli die kaufmännische Buchhaltung ein und konnte dank seinen Kenntnissen die Firma mit regelmässigen Raten an seine Mutter abzahlen. Auch in der Firma suchte er nach neuen Ideen. Jetzt wurden auch Automobiluhren repariert. Damals waren natürlich alle Uhren noch mechanisch und mussten regelmässig aufgezogen, bzw. revidiert werden.
Nur wenige Jahre betrieb Max Galli eine Filiale an der Bahnhofstrasse 78 in Zürich (Foto oben). Dieses Lokal konnte er von einem Uhrmacher übernehmen. Doch der erwartete Geschäftserfolg stellte sich nicht ein.
Die Krisenjahre 1930 bis 1936 waren sehr schwierig. Der Umsatz sank jährlich und erreichte 1936 das Niveau eines Monatsumsatzes von 1930. So musste diese Filiale beim Ausbruch des zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 wieder geschlossen werden.
Dank der Abwertung des Schweizer Frankens im Jahre 1936 konnte sich das Geschäft langsam erholen. Von April bis Mai 1939 fand die Landesausstellung in Zürich statt.
Das Galli Geschäft wurde auf diesen Termin umgebaut. Die Schaufensterarbeiten wurden durch die Schreinerei Wieland ausgeführt. Ebenfalls ein Familienbetrieb aus dem Züricher Seefeld mit welchem die Firma Galli auch heute noch zusammenarbeitet. Max erkrankte während des Umbaus und war froh, dass seine Frau und auch seine älteste Tochter schon im Geschäft arbeiteten und den Umbau leiten konnten. Als Präsident des ZVSU (Zentral Verband Schweizer Uhrmacher) war Max Galli beauftragt das Uhrenpavillon der Schweizer Landessausstellung einzurichten. Er hatte bereits kurz zuvor das eigene Atelier im ersten Stock umgebaut und daher genügend Erfahrung eine moderne Werkstatt einzurichten.
Bereits neun Jahre später wurde das Geschäft nochmals renoviert und auch äusserlich wurde die Fassade verändert. Foto von der Eröffnung des neu umgebauten Geschäfts vom 15. Juni 1948. Im Jahre 1948 wurde gleichzeitig das erste Automobil angeschafft. Ein Studebaker Sedan Regal Delux.
Die Krisenjahre 1930 bis 1936 waren sehr schwierig.
Am 3. Januar 1953 trat Bruno Galli in die Firma ein und wurde 1960 als Kollektiv-Gesellschafter aufgenommen. Die dritte Generation absolvierte ebenfalls eine fundierte Uhrmacher Ausbildung in Le Locle, schloss als erster seiner Klasse ab, sein Vater als Präsident des ZVSU war natürlich sehr stolz auf seinen Sohn Bruno. Er blieb danach noch weiterhin am Technikum in Le Locle um seinen Tourbillon Marinechronometer fertig zu stellen mit dem er viele Preise gewann. Wie bereits sein Vater litt er als Uhrmacher an einem „Augenleiden“ und wurde nicht ins Militär eingezogen. Drüber waren beide nicht unglücklich.
Bevor Bruno Galli ins Geschäft eintrat ging er im Jahr 1951 für zwei Jahre nach Quebec, Kanada um die englische Sprache zu lernen. Danach besuchte er wie sein Vater einen Kurs an der Handelschule Juventus in Zürich. Als Bruno 1953 ins Geschäft eintrat florierte das Geschäft und erstes Personal konnte eingestellt werden. Bis anhin waren ausser den Uhrmachern nur Familienmitglieder im Geschäft tätig.
Uhrmacheratelier im 1. Stock mit Seesicht.
Jetzt beschäftigte die Firma Galli drei Uhrmacher und drei Verkäuferinnen. Jedes Jahr konnte der Umsatz gesteigert werden und somit musste das Ladenlokal der boomenden Zeit angepasst werden. Der Bellevueplatz galt nicht mehr als Randgebiet der Stadt und der Kundenstamm nahm fortwährend zu. Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen wurde an der Aussenfassade ein Vordach angebracht und der Laden wurde 1958 nochmals umgebaut.
Aussenansicht in der Nacht mit grossen Markenreklamen.
Schon nach kurzer Zeit war der Verkaufsraum erneut zu klein. Im Jahre 1967 musste auch das hinter Galli eingemietete Geschäft Forster weichen und das ganze untere Stockwerk komplett zu Verkaufsfläche und Büroräumlichkeiten ausgebaut. So entstand auch noch die heute bestehende Fläche von über 150m2.
Bruno Galli brachte viele neue Ideen in die Firma und er setzte stark auf den aufkommenden Tourismus aus Südamerika. Alle Reisegruppen hielten mit den Cars direkt vor dem Galli Geschäft, Umsätze explodierten und erreichten noch nie dagewesene Höhen. Dies geschah auf dem Höhepunkt der Schweizer Uhrenindustrie. Zurselben Zeit landeten die Amerikaner zum ersten Mal auf dem Mond. Eine Schweizer Uhr war mit dabei. Die Omega Speedmaster: The first watch worn on the moon. Noch heute ist dieses Modell unverändert bei Galli zu kaufen wenn auch damals noch für CHF 595.00.
Bis anhin waren ausser den Uhrmachern nur Familienmitglieder im Geschäft tätig.
Leider verstarb Max Galli am 17. Mai 1972 und schon 2 Monate später sein Sohn und Geschäftsführer Bruno Galli im Alter von 42 Jahren. Ein weiteres Mal in der Geschichte der Galli Uhren und Bijouterie stand es schlecht um die Zukunft des Geschäfts. Die gesamte Expertise aus jahrzehntelanger Traditionsarbeit ging auf einen Schlag verloren und Nelly Galli stand mit sechs Kindern zu Hause ganz alleine vor der tiefgreifenden Entscheidung über die Zukunft von Galli. Ein sofortiger Verkauf hätte sicherlich für einige Jahre die Familie über Wasser halten können, vor allem in einer Zeit wo es schlecht um die Schweizer Uhrenindustrie stand. Die bis anhin willkommenen Ausländergruppen blieben aus und einzelne Reisende konnten sich keine teuren Uhren mehr leisten. Doch Nelly Galli bewies Mut und trat in die Fussstapfen von Paul, Max und Bruno und übernahm per sofort sämtlichen leitenden Aufgaben in der Firma. Mit sehr grosszügiger Hilfe der umliegenden Geschäfte, den Mitarbeitenden und Kunden konnte Nelly Galli die Firma durch die grosse Uhrenkrise führen. Auch die Werke, namentlich Omega und IWC, haben Nelly fortwährend unterstützt und ermuntert und in zahlreichen Sitzungen geholfen, den bekannten Galli Service aufrecht zu erhalten.
Besuch mit dem Galli Team bei der Blancpain Manufaktur im Vallée de Joux.
Die Rechnungen konnten zwar pünktlich und mit Skonto bezahlt werden, dennoch musste an allen Ecken und Kanten gespart werden. Die Umsätze brachen in dieser Zeit bis zu 50% ein, doch die Firma wollte von Nelly Galli gehalten werden um an die kommende Generation übergeben werden zu können. Im Jahre 1974 kam neben der hohen Inflation auch noch die Ölkrise dazu, was zu den „autofreien Sonntagen“ führe. An diesen Sonntagen durfte nur noch mit dem Fahrrad auf den Strassen gefahren werden. Die Uhrenkrise zog weiterhin ihre Kreise und die Anzahl Angestellten der Uhrenindustrie von Anfang 70ern, schrumpfte von 90‘000 auf 36‘000. Durch das Team um Nicolas Hayek, welches die Uhrenkonzerne ASUAG und SSIH fusionierte, konnte die Schweizer Uhrenindustrie gerettet werden.
Mit sehr grosszügiger Hilfe der umliegenden Geschäfte, den Mitarbeitenden und Kunden konnte Nelly Galli die Firma durch die grosse Uhrenkrise führen.
Am 1. Juli 1983 trat der älteste Sohn von Nelly und Bruno Galli, Mario Galli, im Alter von 24 Jahren ins Geschäft ein und unterstützte seine Mutter tatkräftig im Tagesgeschäft. Für Mario Galli war schon immer klar, dass er einmal das Geschäft übernehmen möchte. Sein Vater empfahl ihm schon in jungen Jahren, keine Uhrmacherlehre sondern eine kaufmännische Ausbildung zu machen, denn er selber sei den ganzen Tag nur im Büro und hätte kaum Zeit seine Uhrmacher-Kenntnisse im Tagesgeschäft anzuwenden. So die Worte seines Vaters.
Nach der kaufmännischen Ausbildung verbrachte Mario Galli einige Zeit in der Bankbranche und im Treuhand bis seine Mutter Nelly Galli ihn um sein Interesse um die Fortführung der Galli Uhren Bijouterie anfragte. Für ihn war es etwas überraschend, doch für Nelly Galli war klar, dass sie sich gelegentlich aus der Firma zurückziehen wollte.
Der Entscheid fiel rasch. Nach einem Praktikum in der Uhrenbranche bei „Les Ambassadeurs“, der Umschulung am CFH in Lausanne folgte der Direkteinstieg in die Firma Galli.
Mario Galli zu seiner Anfangszeit diskutiert mit vertretern von RADO.
Nach der Uhrenkrise konnte mit der Innovationskraft der nunmehr 4. Generation einiges modernisiert und verändert werden. Das Geschäft wurde umgebaut und die Werkstatt mit den Uhrmachern im 1. Stock wurde ins Erdgeschoss verlegt. Nach 3 ½ jähriger Zusammenarbeit zwischen Mutter und Sohn konnte die Firma stolz an die neue Generation übergeben werden.
In den folgenden Jahren konnte Mario stets das Fachwissen seiner Mutter zählen und war besonders in der Weihnachtszeit auf ihre Hilfe angewiesen. Die Konjunktur kam wieder voll auf Touren, die Umsätze stiegen und so konnte nicht nur die Firma sondern auch noch an anstehenden Umbau im Jahre 1989 finanziert werden. 1987 wagte die Firma Galli den Schritt in die EDV. Diese verwendete Software war revolutionär und wurde ursprünglich für den Eisenwarenhandel geschrieben, doch war es die einzige Möglichkeit direkt an der Verkaufskasse Buchungen durchzuführen. Alles funktionierte einwandfrei, nur der Aufwand für die Umschulung des Personals ins Digitalzeitalter hat Mario Galli unterschätzt.
Die Uhr wurde zum Modeaccessoire. Swatch, Tissot und viele andere Marken belebten die Uhrenindustrie nachhaltig mit revolutionärer Technik und Design. Durch die Eröffnung des Bahnhof Stadelhofen stieg die Anzahl der vorbeigehenden Passanten signifikant an.
Die neue S-Bahnstation brachte 30% mehr Frequenz ins Geschäft und verhalf dem Gebiet Bellevue-Stadelhofen zu einer neuen Blütezeit. Durch den Zuzug von Globus, Orell Füssli und vielen weiteren grossen Firmen wurde das ganze Gebiet attraktiver was auch die Mieten in die Höhe schnellen liess. Zum Glück ist Galli seit Generationen in der eigenen Liegenschaft welche vom Firmengründer von Generation zu Generation weitergeben wurde. Auch Mario Galli konnte am 1. Juli 2012 die Chance wahrnehmen den Galli Teil der Liegenschaft zu übernehmen um das Fortbestehen für die kommenden Generationen zu sichern.
Die Geschichte von Galli lebt weiter und durch die drei Söhne von Mario Galli ist die fünfte Generation bereit um die nunmehr über 125 Jahre alte Familienunternehmung weiterzuführen.
Die Uhr wurde zum Modeaccessoire. Swatch, Tissot und viele andere Marken belebten die Uhrenindustrie nachhaltig.
Am 1. Juli 2016 trat der mittlere Sohn von Mario und Ruth Galli, Marco Galli, in die Fussstapfen seines Vaters. Wie auch Mario Galli wechselte er nach seiner kaufmännischen Ausbildung in die Uhrenindustrie. Nach einigen Lehrjahren an der Zürcher Bahhofstrasse bei „Les Ambassadeurs“, in Genf sowie in St. Moritz schloss er 2015 die Ausbildung an der Swiss Watch Sales Academy mit Eidgenössischem Fachausweis in Le Locle ab. Daraufhin folgte ein weiteres Lehrjahr an der Old Bond Street in London bei „OMEGA“.
Der Zukunft von Galli schaut Marco mit viel Zuversicht entgegen: „In meiner Ausbildung habe ich tiefe Einblicke in bekannte Traditionsunternehmen gehabt. Doch kaum eines ist seiner Stammkundschaft so stark verbunden wie Galli. Ich freue mich riesig, als Nachfolger in der fünften Generation unseren Kunden den bekannten Service von Galli zu bieten, denn Galli hat Zeit, seit über 134 Jahren.“
Ich freue mich riesig, als Nachfolger in der fünften Generation unseren Kunden den bekannten Service von Galli zu bieten, denn Galli hat Zeit, seit über 134 Jahren.