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ein unmittelbar unter der Centralregierung in Kalkutta
[* 4] stehendes Hauptkommissariat des Indobritischen
Reichs. Die Centralprovinzen liegen fast in der Mitte der Vorderindischen Halbinsel zwischen 17° 50' und 24°
27' nördl.
Br. sowie 76° und 85° 15' östl. L., werden nordwestlich von der polit.
Agentschaft Centralindien, nordöstlich von der
Lieutenant-GouverneurschaftBengalen, östlich und südöstlich von der Präsidentschaft
Madras,
[* 5] südlich und südwestlich von Haidarabad und westlich von
Berar begrenzt. Sie enthalten ein Gesamtareal von 315 864 qkm,
von denen 218 704 den Engländern unmittelbar unterworfen sind, 97 160 aber einer Anzahl kleinerer Vasallenstaaten
angehören.
Oberflächengestaltung und Erzeugnisse. Den größten
Teil nimmt wellenförmiges, nicht selten plateauförmiges Hügelland
ein. Aus wirklichem Gebirgslande bestehen die Centralprovinzen sowohl in ihrem nördlichsten, sich weit in das Gebiet
Centralindien (s. d.) einschiebenden
Teile durch die östl. Fortsetzung der Windhjakette, die sog.
Kaimur-Range, als auch in ihren südlichsten und westlichsten
Teilen, wo sich die westl.
Stufen der östl.
Ghat in sie hineinerstrecken.
Auch werden die Centralprovinzen durch die halbbogenförmig von W. nach O. streichende
Kette des Satpuragebirges in eine kleinere nördliche
und größere südl. Hälfte geteilt. Das Satpuragebirge bildet mit der östl.
Hälfte der Windhjakette ein breites, von dem die Grenze zwischen den Centralprovinzen und Centralindien
bildenden mittlern
Teile der Narbada durchströmtes
Thal.
[* 6] Die größte zusammenhängende Ausbreitung von Flachland in den Centralprovinzen ist
die Ebene von Tschatißgarh. Diese wird nördlich von dem mittlern und obern Laufe der Mahanadi, dem Hauptstrome der Centralprovinzen, umfaßt.
Außerdem werden die Centralprovinzen im S. von der Sabari, Indrawati und Wain-Ganga, linken Nebenflüssen der Godawari,
bewässert, deren unterer Lauf einen
Teil der Grenze gegen Haidarabad bildet und deren östl.
Arm, die Wardha, die Centralprovinzen von
Berar
trennt. Die Narbada gehört nur mit ihrem obern
Stromgebiete den Centralprovinzen an. Der in
Kulturzustand befindliche
Boden verhält sich zu dem Gesamtareal wie 1:4,67, der noch kulturfähige wie 1:3,411, der vorläufig nicht kulturfähige
wie 1:2,140. Diesen letztern
Teil nehmen hauptsächlich undurchdringliche
Wälder und von
Tigern und Schlangen
[* 7] bevölkerte
Dschangal
ein.
Die fruchtbarsten, bestbebauten und dichtest bevölkerten Gegenden sind die
Flußgebiete, die Ebene von
Tschatißgarh und das Land zwischen dem Satpuragebirge und der Wardha. Bodenerzeugnisse sind
Baumwolle,
[* 8]
Reis,
Mais, Weizen,
Zuckerrohr, Ölsamen, Farbstoffe (namentlich Saflor),
Opium, verschiedene Baumharze sowie
Bau- und Nutzholz. Ungemein zahlreiche
Bienenschwärme liefern
Wachs.
In den nördl. Abhängen des Satpuragebirges finden sich Eisenerze und
Steinkohlen.
Das Klima
ist heiß und, bis auf die höher gelegenen
Teile, wenig gesund.
Die Bevölkerung
belief sich 1891 auf 12 994 805 Seelen,
d. i. 40 auf 1 qkm, von denen 10 784 291 auf den unmittelbar unter
der engl. Regierung stehenden
Teil, 2 160 511 aber auf die zu den Centralprovinzen gehörenden Vasallenstaaten (mit 97 160 qkm)
entfielen. Der wichtigste der Vasallenstaaten ist Bastar mit 33 699 qkm und 310 884 E.
Die Bevölkerung besteht hauptsächlich
aus Gond, welche
vor derStiftung des
Reichs von Dehli in diesen Gegenden unter einheimischen Fürsten 4
Staaten bildeten, sich
später aber mit Radschputen vermischten; einzelnen Mahrattenstämmen, wie die Kunbi;
Hindu, wie die Kurmi,
Katschi, Pomwar und Bagri, sowie auch aus hindustan.
Verwaltung und Verkehr. Die Centralprovinzen wurden gebildet und erweitert. Sie bestehen
aus den 4 Unterabteilungen (engl. Divisions) Tschatißgarh mit 3, Dschabalpur,
Nagpur und Narbada mit je 5 Distrikten; bis 1878/79 gehörte dazu ferner der selbständige Distrikt Ober-Godawari, der jetzt
zu
Madras gehört. Verwaltungschef der
Provinz ist der zu Nagpur residierende Oberkommissar (engl. Chief Commissioner), während
an der
Spitze jeder Division
Kommissare (engl. Commissioners) stehen und an der von Ober-Godawari
ein deputierter
Kommissar (engl. Deputy Commissioner) gestellt ist.
Die zu den Centralprovinzen gehörenden 15 Vasallenstaaten sind: Kawarda, Sakti,
Kanker, Kairagarh, Kondka oder Tschuikadan, Nandgaon, Bamra,
Karond oder Kalahandi, Patna, Raigarh, Rairakol, Sarangarh, Sonpur, sämtlich zu der Division Tschatißgarh, sowie Makrai
zu der Division Narbada gehörend, und Baßtar. Hauptorte sind Nagpur, Sitz der höchsten Verwaltungsbehörden,
mit (1891) 117 014, Dschabalpur mit 84 481 E., Kampti mit 43 159, Sagar mit 44 674,
Burhanpur mit 32 252 und Raipur mit 23 759 E.
Den inländischen Verkehr sowie den mit den benachbarten
Provinzen und der Seeküste vermitteln teils
Landwege in der Länge von 3345 km, teils die genannten, innerhalb der Centralprovinzen in der Gesamtlänge von 1693 km
schiffbaren
Flüsse,
[* 11] teils aber auch mit 378 km die
Great-India-Peninsula-Eisenbahn, die sich mit ihrem Hauptzweige von
Bombay
[* 12] durch das Narbadathal nach
NO., mit einem Nebenzweige aber direkt nach Nagpur erstreckt. Die Ausfuhr der
Bodenerzeugnisse geschieht aus dem westl.
Teile hauptsächlich nach
Bombay, aus dem östl.
Teile aber auf der Mahanadi und Godawari
nach den Hafenorten an ihren Mündungen.
^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]
¶
mehr
festhalten, sondern ebenfalls Bewegungen zeigen (s. Eigenbewegungen), tauchte auch bald die Vermutung auf, daß, ähnlich wie
die Körper unsers Sonnensystems sich um die Sonne
[* 15] bewegen, sich auch das ganze uns sichtbare Fixsternsystem um einen gemeinsamen
Centralkörper, die Centralsonne, bewege. Die Centralsonne glaubte man im Sirius oder im Nebelfleck des Orion suchen zu müssen.
Wissenschaftlich näher getreten ist dieser Frage zuerst J. H. Mädler. Auf Grund seiner Untersuchungen über die Eigenbewegungen
der Fixsterne verwirft er die Idee einer eigentlichen, alle andern Sterne an Masse weit überragenden Centralsonne und sucht den Schwerpunkt
[* 16] unsers Fixsternsystems nahe dem Centrum der Plejadengruppe im Sternbild des Stiers.
Die Plejaden bezeichnet er als Centralgruppe und Alkyone als den Stern, der unter allen übrigen die größte Wahrscheinlichkeit
für sich habe, die Centralsonne zu sein. Die Umlaufszeit unsers Sonnensystems um den Centralpunkt berechnet er zu 20 Mill. Jahren.
Diese Schlüsse zieht Mädler, da er nachgewiesen zu haben glaubte, daß mit zunehmender Entfernung von
Alkyone die Eigenbewegungen der Fixsterne immer häufiger und größer würden. Indessen hat namentlich Centralsonne A. F.Peters das Haltlose
von MädlersAnnahmen vollkommen überzeugend nachgewiesen, sodaß der Gedanke einer Centralsonne heutigentages als beseitigt gelten dürfte.
Maßgebend ist namentlich der Umstand, daß sich nach unserer heutigen Kenntnis in den Eigenbewegungen
der Fixsterne keinerlei Regelmäßigkeiten zeigen, was jedenfalls der Fall sein müßte, wenn die Fixsterne sich in kreisähnlichen
Bahnen um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegten. Als sicher kann nur angenommen werden, daß unser Sonnensystem eine fortschreitende
Bewegung im Weltraum hat. Ferner ist es wahrscheinlich, wenn man die Anziehung der übrigen Massensysteme
im Weltraum in Betracht zieht, daß die Richtung dieser Bewegung nicht immer die gleiche bleibt, sondern sich im Laufe der
Zeit ändern wird; allein die Dimensionen der Sonnenbahn dürften so gewaltige sein, daß für eine Zeitdauer selbst von Jahrhunderten
die Sonne für uns andauernd nach demselben Punkt des Himmels sich hinzubewegen scheint. (S. Apex.) Bezüglich
der Mädlerschen Schriften s. Mädler.