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Wim Klein ist ein Hauptdarsteller im Buch:
Soren Brunak / Benny Lautrup: Neuronale Netze: Die nächste Computer Revolution, Carl Hanser Verlag, München 1993 ISBN 3-4446-17440-0, ca. DM 39.80
"Computer" heisst "Rechner", beide Wörter standen zeitlich zuerst für Menschen rechneten (vgl. Borst, 1990). Der Holländer Wim Klein etwa war so ein "lebender Rechner", ein genialer sogar. Am 27. August 1976 zog er in knapp drei Minuten die 73ste Wurzel einer 500-stelligen Zahl - im Kopf. Knapp zwanzig Jahre davor, 1958, wurde er im CERN in Genf angestellt, um komplexe Berechnungen auszuführen, weil noch keine maschinellen Mittel existierten, die seine Fähigkeiten aufwogen. Seine Stellung er allerdings nur noch wenige Jahre halten. Mitte der sechziger Jahre rechneten wöhnliche Menschen ohne die magische Begabung von Wim Klein mit mittlerweile konstruierten Maschinen schneller als Wim, der sich deshalb wieder auf seine Zirkusnummern konzentrierte, die ihm dann auch den oben erwähnten Guiness-Buch-Rekord eintrugen (Brunak/Lautrup, 1993).
Blasen Neurocomputer zum Sturm auf das Gehirn oder blasen sie nur Sturm im Gehirn? So richtig jedenfalls existieren die Neurocomputer erst im Gehirn, auch wenn man einige schüchterne Versuchsapparturen in sogenannten Forschungslaboratorien finden kann. Aber Simulationen von neuronalen Netzen, die auf ganz gewöhnlichen Computern laufen, drängen immer stärker auf den Markt. Und was ist im Munde der Marktschreier nicht revolutionär?
So künden auch Soren Brunak und Benny Lautrup, zwei Physiker aus Kopenhagen, von einer Computerrevolution 1, die sie auch gleich wortgewandt wie Verkäufer begründen. Zwar gestehen sie mehrfach ein, dass sie auch nicht recht glauben, dass unser Bewusstsein etwas mit Computerchips zu tun habe, eine gewisse Verwandtschaft zwischen uns und den Maschinen zeige sich aber darin, dass die Neurocomputer - vorab weil sie wie unser Gehirn parallel arbeiten - intelligente Aufgaben wie Bilder erkennen oder Sprache verstehen sehr viel effizienter als gewöhnliche Computer lösen.
Die revolutionäre Intelligenz dieser Maschinen zeigt sich den Autoren durch viele weitere Analogien, die die eigentliche Substanz des Buches ausmachen. So werden neuronale Netze nicht programmiert, sondern lernen schrittweise in eigens veranstalteten Trainings. Dabei machen die sie nicht nur schrittweise Fortschritte, sondern auch dieselben Fehler wie Kinder in der Schule. Die neuronalen Netzwerke agieren nicht nur wie lernende Kindern, sondern auch wie Spinnen im Netz, wie Priester bei Massentaufen, wie zu Supermärkten entwickelte russische Metzgereien. Sie erinnern sich assoziativ und vergessen - wie wir beim Träumen - was unwichtig ist.
Die technische Seite des Buches - etwa der Informationsbegriff - ist in allzu popularisierenden Metaphern verloren gegangen; darüber aber, wie wir uns natürliches Denken vorstellen, liest man viele originelle Aspekte. Deshalb dürfte das Buch vor allem für zwei Leserkreise ansprechen: die, die technisch bereits wissen, was eine neuronales Netz ist, lernen wie man durch diese technische Brille die beseelte Welt neu sehen kann. Und diejenigen, die gerne über kommende technologische Revolutionen phantasieren, kriegen hier Munition, die auch ohne tieferes technisches Verständnis zu verschiessen ist.