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Die Partei der Arbeit (PdA) ist nach vier Jahren wieder im eidgenössischen Parlament vertreten. Denis de la Reussille, der Stadtpräsident von Le Locle und neu gewählte Nationalrat, verkörpert die Ultralinke, die in der Schweiz in den vergangenen 20 Jahren massiv an Gewicht verloren hat. Sein Hauptanliegen: die Steuergerechtigkeit.
In einer Ecke seines Büros hängt ein Porträt von Che Guevera und erinnert daran, dass wir uns in einer der letzten "roten" Bastionen des Landes befinden. Genauer in Le Locleexterner Link, einer kleinen Arbeiterstadt im Neuenburger Jura.
Denis de la Reussille, Mitglied der kommunistischen PdAexterner Link, ist hier seit 15 Jahren Stadtpräsident. Die PdA ist die wählerstärkste Partei von Le Locle. Am 18. Oktober schaffte Denis de la Reussille die Wahl in den Nationalrat. Damit hat die PdA wieder einen Sitz im nationalen Parlament, nachdem der Waadtländer PdA-Nationalrat Josef Zisyadis vor vier Jahren abgewählt worden war.
Denis de la Reussille
1960 in La Chaux-de-Fonds geboren. Seine Vorfahren waren französische Hugenotten.
Nach einer Lehre als kaufmännischer Angestellter lässt er sich in Le Locle nieder. Dort spielt er unter Trainer Bernard Challandes Fussball beim FC Le Locle, der bis in die zweithöchste Schweizer Spielklasse aufsteigt. Wird 1986 als Mitglied der PdA in den Gemeinderat (Exekutive) gewählt.
2000 Wahl zum Gemeindepräsidenten. Gleichzeitig ist Denis de la Reussille Mitglied des Neuenburger Kantonsparlaments.
18. Oktober 2015: Wahl in den Nationalrat, wo er der Grünen Fraktion angehören wird. Gleichzeitig bleibt er Stadtpräsident von Le Locle (50% Anstellung).Infobox Ende
Doch es ist nicht zu erwarten, dass der Neugewählte im Nationalrat die Internationale singen und die Revolution verkünden wird. De la Reussille kommt trotz seinem adligen Namen aus einfachen Verhältnisse. Er ist kein Ideologe und bezeichnet sich selbst als Pragmatiker. "Auch wenn es mir in meiner Kindheit an nichts fehlte, komme ich aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern mussten ihre Ausgaben genau im Griff behalten. Nach meiner Lehre als kaufmännischer Angestellter arbeitete ich einige Jahre in der Buchhaltung eines Familienbetriebes in La Chaux-de-Fonds. All das hat mich geprägt", sagt Denis de la Reussille.
Gesunde Finanzen
Vor 15 Jahren gab es rechtsstehende Lokalpolitiker, die einen baldigen Konkurs der Stadt Le Locle prognostizierten. Heute anerkennen selbst die härtesten politischen Gegner von damals, dass de la Reussille die Finanzen im Griff hat. "Le Locle ist eine gut verwaltete Stadt und kann sich auf gesunde Finanzen stützen. Die PdA-Politiker haben gute Arbeit geleistet", anerkennt der freisinnig-liberale Neuenburger Nationalrat Philippe Bauerexterner Link.
Auch wenn er es nicht gerne offen zugibt, hat Denis de la Reussille seine Wahl in den Nationalrat vor allem auch Wählerinnen und Wählern aus andern Parteien zu verdanken. Laut der Lokalzeitung hat er 60% der Stimmen von Wählern anderer Parteien erhalten, auch von Wählern der politischen Rechten.
Denis de la Reussille geniesst in den beiden Uhrenstädten Le Locle und La Chaux-de-Fonds im oberen Kantonsteil eine grosse Popularität, aber auch im unteren, bürgerlicheren Kantonsteil hat er ein ehrenhaftes Ergebnis erreicht. "Er ist sympathisch und kontaktfreudig. Es ist ihm im Wahlkampf gelungen, sich und seine Stadt zu verkaufen", sagt Philippe Bauer, der mit ihm zusammen im Kantonsparlament sass. "Er repräsentiert eine Linke, die gleichzeitig populär und ideentreu ist, und er kümmert sich auch um die Schwächsten der Gesellschaft", sagt Josef Zysiadis.
Steuern sanieren
Entspannt im Auftreten, nahe bei den Leuten, ein Ohrring als Markenzeichen, in schwarzem Veston und BlueJeans, ist Denis de la Reussille auch der Beweis dafür, dass man eine Wahl auch ohne Präsenz im Internet und in den sozialen Medien für sich entscheiden kann.
Neu im Parlament
Die Tochter von Christoph Blocher, ein kommunistischer Gemeindepräsident, der Chef der Weltwoche, eine junge Grüne: swissinfo.ch publiziert eine Auswahl von Porträts neuer Abgeordneter, die bei den Wahlen vom 18. Oktober 2015 ins Parlament gewählt wurden.
Entdecken Sie diese neuen Gesichter unter der Bundeshauskuppel, seien es Vertreterinnen oder Vertreter von Regierungsparteien oder kleiner Gruppierungen.Infobox Ende
Weniger polarisierend und konzilianter als Josef Zisyadis wird Denis de la Reussille in Bern wahrscheinlich weniger Aufmerksamkeit als sein Parteikollege Vorgänger erregen. Im Jahr 2006 verlegte Zisyadis seinen Wohnsitz in den Kanton Obwalden, um damit auf die tiefen Steuern für Reiche in diesem Kanton hinzuweisen. Damit erreichte er ein grosses Echo in den Medien.
"Ich habe einen anderen Charakter und eine andere Persönlichkeit als Josef Zisyadis, aber seine Aktion war politisch richtig", sagt Denis de la Reussille, dessen Hauptanliegen ebenfalls die Steuergerechtigkeit ist. "Der aggressive Steuerwettbewerb zwischen Kantonen und Gemeinden beinhaltet das Risiko, dass das Land längerfristig verarmen wird. In den Steuerparadiesen in den Kantonen Zug, Schwyz und Obwalden sind Ghettos am Entstehen. Die Bevölkerung ist nicht mehr durchmischt. Für Arbeiter und Angestellte ist es in gewissen Gemeinden zu teuer. Ist das wirklich die Gesellschaft, die wir wollen?"
Die Linke habe "in den vergangenen 20 Jahren den Kampf um die Steuergerechtigkeit verloren", sagt er. "Eine Mehrheit der Bevölkerung bringt die Steuern, die sie bezahlen, und die Leistungen, die sie erhalten, nicht mehr in einen Zusammenhang", so Denis de la Reussille. Kommt dazu, dass das Parlament bei den Wahlen stärker als bisher nach rechts gerückt sei. "Die kommenden vier Jahre werden schwierig sein für all jene, die für eine Gesellschaft mit weniger Unterschieden kämpfen."
Kampf gegen Lohndumping
Der neu gewählte Nationalrat ist "sehr stolz", dass er sich in Bern für wichtige Dossiers seines Kantons wird einsetzen können. Besonders am Herzen liegen ihm die Verkehrs-Infrastrukturen, die Berufsbildung und die Verteidigung des Werkplatzes. Ein besonderes Auge will er auch auf die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative werfen.
In der Grenzregion Le Locle konnte sich vor allem die boomende Uhrenindustrie in den vergangen Jahren auf zahlreiche Grenzgänger aus dem nahen Frankreich abstützen. Doch aufgrund einer Arbeitslosenrate von 7% - das schweizerische Mittel beträgt 3,3% - und einer Sozialhilfequote von knapp 10% sind die Gegner der Grenzgänger in Le Locle zahlreich.
"Die verhängnisvollen Auswirkungen der Konkurrenz zwischen einheimischen Arbeitnehmern und Grenzgängern sind in Le Locle und La Chaux-de-Fonds viel augenfälliger als etwa in Luzern oder Aarau. Ich werde mich weiterhin für die Personenfreizügigkeit einsetzen, aber nur unter der Bedingung, dass wirkungsvollere Massnahmen gegen das Lohndumping ergriffen werden. Das ist ein wichtiger Kampf, den die politische Linke und die Gewerkschaften in den kommenden Jahren werden führen müssen."
(Übersetzt aus dem Französischen: Andreas Keiser)