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Eisenhut ist die giftigste Pflanze in Europa
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim
Da waren wir alle überrascht, als wir auf unserer Wanderung von Notschrei in Richtung Schauinsland am 20.08.2021 mehrere Exemplare des Blauen Eisenhuts (Aconitum napellus L.) entdeckten. Dieser wird häufig als „die giftigste Pflanze Europas“ bezeichnet. Dietrich Frohne und Hans Jürgen Pfänder erwähnen in ihrem Buch „Giftpflanzen“, dass innerhalb der Gattung der Eisenhut nur noch vom indischen Aconitum ferrox (Himalaya-Eisenhut; engl. Indian Aconite) übertroffen wird. Ein Extrakt wurde früher als Pfeilgift benutzt.
Die Giftigkeit des Eisenhuts war schon in der Antike bekannt und wurde für Giftmorde benutzt. Man nannte ihn auch „Zerberusgift“.
Auch der Gelbe Eisenhut (Aconitum vulparia R.) enthält giftige Alkaloide. Ein Extrakt wurde früher als Wolfsgift verwendet. Er wurde deshalb „Wolfseisenhut“ bezeichnet. Die Eisenhut-Pflanzen findet man immer öfter in Gärten als Zierpflanze.
Es wird immer wieder die Frage gestellt, woher der Name Eisenhut kommt. Der lateinische Gattungsname Aconitum war schon im Altertum bekannt. Die Blüten haben nämlich die Form einer Mönchskapuze (gr. Akonita = Kapuze).
Giftiges Aconitin
Die Pflanze enthält etliche Alkaloide. Drunter befindet sich die giftige Substanz Aconitin. Die ganze Pflanze ist giftig, besonders Wurzel und Samen. Vergiftungen kamen durch Verwechslungen vor, z.B. Eisenhutwurzeln mit Meerrettichwurzeln oder durch eine Verfälschung eines „Meisterwurz“-Tees mit Eisenhut.
Ein 57jähriger sammelte wegen seines Bluthochdruckes und Diabetes mellitus Kräuter aus seinem Garten, die er verzehrte. Bereits nach 45 Minuten zeigten sich die ersten Vergiftungserscheinungen (Brennen im Mund- und Rachenbereich), er suchte ein Krankenhaus auf. Er bekam dann Bauchkrämpfe und es folgten ein Erbrechen und Herzrhythmusstörungen. Eine Magenspülung rettete ihm das Leben. Unter den Pflanzenresten wurde Eisenhut nachgewiesen.
Wie die Autoren des oben erwähnten Buches berichten, können Vergiftungen über die Schleimhäute und die unverletzte Haut auftreten. „Kinder sind gefährdet, wenn sie z.B. mit den Blüten spielen.“ Schon beim Pflücken können Vergiftungserscheinungen auftreten.
Vergiftungserscheinungen
Vergiftungen sind diese: Brennen und Kribbeln in Mund, Fingern und Zehen, Kälteempfindlichkeit, Schweissausbrüche, Schwindel, Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen, Fehlempfindungen („Kribbeln“, „Ameisenlaufen“), Lähmung der Zunge, der Gesichts- und Extremitätsmuskeln, zuletzt Herzversagen.
Therapie
Frohne und Pfänder plädieren für eine sofortige Giftentfernung durch Erbrechenlassen, Magenspülung und Gabe von medizinischer Kohle. In der Klinik stehen Massnahmen zur Stützung von Herz-- und Atemwegsfunktion im Vordergrund. Bei Herzstörungen helfen auch Infusionen.
Eine Heilpflanze?
Apotheker Frank Hiepe von Zell im Wiesental weist in einer E-Mail darauf hin, dass der Eisenhut nur als Homöopathikum (D3-D6) genutzt wird. „Aconitum ist eines der beliebtesten homöopathischen Mittel mit vielen Indikationen, die durch das zentrale Nervensystem oder akute Entzündungen entstehen.“
Ein Bekannter, nimmt einige Tage nach einem Rheumaschub ein homöopathisches Kombinationspräparat (D6) mit Aconitum, Arnica, Birke und Mandrogora. Er schwört auf diese Arznei.
Vorbeugende Massnahmen
- Anstelle von giftigen Ziersträuchern ungiftige anpflanzen.
- Wenn Sie auf Giftpflanzen in Ihrem Garten nicht verzichten wollen, Kinder frühzeitig aufklären (nichts naschen, ohne vorher zu fragen!). Kinder darauf hinweisen, dass Giftpflanzen nicht nur im Garten, sondern nahezu überall wachsen, also auch an Spielplätzen, Hecken, Wegrändern usw.
- Blumenzwiebeln und Samen nicht offen herumliegen lassen.
- Nur Nahrungsmittel verzehren oder Heilpflanzen anwenden, die Sie kennen. Bei Selbstmedikation Dosierungen und Dauer der Anwendung beachten.
- Informieren Sie sich rechtzeitig über Giftpflanzen in Haus, Garten und Natur.
- Notieren Sie sich die Telefonnummer der Giftnotrufzentrale, des Kinderarztes und der Klinik.
Literatur
Denkow, Wesselin: „Gift der Natur“, Lizenzausgabe für Weltbild Verlag, Augsburg 2004.
Roth, Daunderer, Kormann: „Giftpflanzen, Pflanzengifte, Nikol Verlag, Hamburg 2008.
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