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Für den Schutz der Elefanten braucht es auch die Schweiz!
Die Fondation Franz Weber (FFW) setzt sich seit jeher auf internationaler Ebene für den Schutz der Elefanten ein und das mit dem Fokus auf Afrika und die Schweiz Derzeit halten in unserem Land drei Zoos Afrikanische und Asiatische Elefanten, nämlich Basel, Zürich und Knies Zoo in Rapperswil. Gemäss unserem Experten bietet keiner dieser Zoos angemessene Beding-ungen für die physischen, psychischen und sozialen Bedürfnisse von Elefanten. Deshalb soll die Haltung endlich ein Ende haben.
Seit den Achtzigerjahren ist die FFW eine bekannte Grösse im internationalen Elefantenschutz. Sie ist seit 1989 offizielle Beobachterin des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES). Damit hat sie entscheidenden Einfluss auf Staaten, die auf höchster Ebene über den Schutz der Arten entscheiden. Das Ziel der FFW ist es, den Handel, insbesondere den schrecklichen Elfenbeinhandel, wie den Export lebender Afrikanischer Elefanten in Zoos auf der ganzen Welt einzudämmen. Anfang November 2023 nimmt die FFW an der 77. Sitzung des Ständigen Ausschusses von CITES teil. Das Exekutivorgan des internationalen Vertrags wird sich erneut mit der Problematik des Handels mit lebenden Elefanten befassen (siehe Kasten auf der nächsten Seite).
Die FFW verwaltete über 25 Jahre lang den Fazao-Malfakassa-Nationalpark in Togo, einen Park, der Elefanten beherbergte und schützte. Das Engagement wurde per Dekret des afrikanischen Landes vor einigen Jahren beendet. Die FFW hat aber weiterhin enge Verbindungen zu Afrika. So hat sie sich systematisch mit den Ländern der African Elephant Coalition verbündet. Das Bündnis afrikanischer Länder setzt sich für einen besseren Schutz von Elefanten ein.
Elefanten in Gefangenschaft
Nebst dem Engagement für den Schutz wildlebender Elefanten sorgt sich die Stiftung um das Wohl von Elefanten, die auf der ganzen Welt in Gefangenschaft gehalten werden und dies mit zunehmender Besorgnis. Die sanften Riesen sind nicht dafür geschaffen, in engen Räumen, in kleinen «künstlichen» Gruppen von unbekannten Elefanten oder – schlimmer noch – allein zu leben. Dazu kommt, dass sich viele Zoos und Tierpärke in Stadtzentren oder in Regionen mit Klimabedingungen befinden, die den Elefanten nicht entsprechen. In Gefangenschaft lebende Elefanten entwickeln körperliche Gesundheitsprobleme, die in der Wildnis nicht (oder nur selten) vorkommen und dort weniger schwerwiegend sind. Dazu gehören Tuberkulose, Herpes, Fussinfektionen und andere Krankheiten.
Elefanten in freier Wildbahn legen im Durchschnitt täglich etwa zehn Kilometer zurück, es können aber auch bis zu 30 Kilometer sein. Sie brauchen also zwingend grosse Territorien. Zusätzlich verbringen sie bis zu 18 Stunden pro Tag mit der Nahrungssuche. Die Aktivität fördert sowohl ihre körperliche als auch ihre mentale Gesundheit, nicht zuletzt aufgrund der fortwährenden Stimulation ihrer Sinne. Das Elefantenhirn weist ähnliche Merkmale auf wie das der Menschenaffen. Es verleiht ihnen ein besonders gutes Gedächtnis, insbesondere für die Geografie ihres Lebensraums und höhere kognitive Fähigkeiten. Damit können Elefanten starke und komplexe soziale Bindungen zu ihren Artgenossen aufbauen, was für die Tiere überlebenswichtig ist.
In Zoos fehlen die sozialen, physischen und psychischen Anreize, die für die Entwicklung und das Wohlbefinden notwendig sind. Auch wenn Zooverbände (EAZA, WAZA, AZA und so weiter) oder andere Körperschaften wie die Koalition für das Wohlbefinden von Elefanten in Gefangenschaft (Coalition for Captive Elephant Well-Being, CCEWB) ihre Richtlinien ständig anpassen und erweitern. Die Aussengehege sind zu klein, die Innengehege sind im Vergleich zu den Bedürfnissen winzig. Dabei werden Elefanten ausserhalb der Öffnungszeiten in gesicherte Gebäude gesperrt und verbringen hier die meiste Zeit. Der Boden ist zu hart für ihre Füsse, die spärlichen Versuche, die Futtersuche interessanter zu gestalten, sind unzureichend, und der Mangel an Bewegung macht die Tiere fettleibig.
Transfers in Schutzgebiete
Wir haben bereits Erfahrung mit der Rettung von Elefanten aus ihrer Gefangenschaft. So ist es uns in Argentinien gelungen, drei Elefantenkühe – Mara, Pocha und Guillerma, jeweils 2020 und 2022 – aus dem Zoo von Mendoza in ein Elefantenschutzgebiet in Brasilien zu überführen. Derzeit arbeiten wir an der Überführung von zwei weiteren Elefanten: Kenia (Afrikanischer Elefant) und Tamy (Asiatischer Elefant) sollen im gleichen Schutzgebiet aufgenommen werden wie die drei Elefantenkühe. Wir hoffen, Ihnen dazu bald gute Nachrichten überbringen zu können.
Gefangene Elefanten können in der Regel nicht wieder in die Wildnis entlassen werden. Aus diesem Grund sind Sanctuaries die ideale Lösung für Zooelefanten. Sie bieten grosse Grünflächen und damit weiche Böden und die Möglichkeit, den ganzen Tag auf natürliche Weise nach Nahrung zu suchen. Die Elefanten haben ausserdem Gelegenheit, selbst über ihre sozialen Bindungen zu entscheiden.
Schweizer Zoos alle ungeeignet
In der Schweiz gibt es drei Zoos mit Elefanten. In Basel werden drei Afrikanische Savannenelefanten gehalten. Hier wurde im August der Elefantenbulle Tusker eingeschläfert. Im Zoo Zürich sind fünf Asiatische Elefanten in den Gehegen, und der Zoo Knie in Rapperswil hält sogar neun Asiatische Elefanten. Die drei Einrichtungen geniessen einen relativ guten Ruf.
Gemäss Dr. Keith Lindsay wird keiner der Zoos seinem Ruf gerecht. Im Juni 2023 besuchte der Biologe und Experte für Elefanten die drei Zoos persönlich. In seinem Bericht zieht der weltweit anerkannte Experte eindeutige Schlüsse: Die Zoos erfüllen in keiner Weise die Grundbedürfnisse der Elefanten, erbringen praktisch keine Leistungen im Bereich der Bildung und Sensibilisierung für die Öffentlichkeit und tragen nur sehr wenig zur Erhaltung der Art in freier Wildbahn bei. Die Sterblichkeitsrate ist ausserordentlich hoch, und es gibt nur wenige Geburten. In den meisten Fällen stirbt das Elefantenbaby kurz nach der Geburt. Die Tiere sterben an verschiedenen Erkrankungen oder werden eingeschläfert, zum Beispiel wegen Risiken von übertragbaren Krankheiten.
Zoo Rapperswil – weit unter dem Mindeststandard
Laut Dr. Lindsay ist der Knie-Zoo in Rapperswil besonders problematisch. Die Elefanten sind auf engem Raum eingesperrt. Sie können nicht weiter als 50 bis 75 Meter in jede Richtung laufen und verbringen den grössten Teil ihres Tages stehend auf harten Böden. Der Mangel an Bewegung und körperlicher Aktivität führt dazu, dass alle Elefanten in Rapperswil entweder übergewichtig oder fettleibig sind. Das führt zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen. Eine der Elefantenkühe weist stereotypische Verhaltensmuster auf, und eine andere, Ceylon, wird in Einzelhaft gehalten.
Zu allem Übel können die Besucher in Rapperswil auf den Elefanten reiten und sie füttern. Elefanten als «Attraktionen» zu nutzen, ist absolut unangemessen und widerspricht den 2020er Richtlinien der European Association of Zoos and Aquariums (EAZA). Die meisten europäischen und amerikanischen Zoos verzichten auf diese Art von Aktivität. Dr. Keith Lindsay ist der Ansicht, dass sich der Zoo Knie «weit unter jedem Mindeststandard für die Elefantenhaltung» befindet.
Elefanten in der Schweiz brauchen dringend unsere Hilfe
Die FFW ist fest davon überzeugt, dass Elefanten unter keinen Umständen in Gefangenschaft gehalten werden dürfen – und die Schweiz bildet hier keine Ausnahme. Der Bericht von Dr. Keith Lindsay hat diese Überzeugung bestätigt: Es ist höchste Zeit, dass Zoos ihre Zuchtprogramme einstellen und langfristig auf die Haltung von Elefanten verzichten. Wenn ein Elefant in Gefangenschaft stirbt, darf er nicht ersetzt werden. Es dürfen keine weiteren Geburten angestrebt oder zugelassen werden, denn sollte tatsächlich mal ein Elefantenbaby überleben, wäre es zu einem lebenslangen Dasein voller Leid verurteilt. Genau das sind die Ziele der FFW!
November 2023: 77. Sitzung des Ständigen Ausschusses von CITES (SC77)
Vom 6. bis 10. November 2023 wird die FFW als Beobachterin an der 77. Sitzung des Ständigen Ausschusses von CITES (SC77) teilnehmen. Wie immer ist es ihr Ziel, einen stärkeren Schutz von Elefanten, Korallenfischen und anderen Arten vor den schädlichen Auswirkungen des internationalen Handels zu erreichen.
Auf dieser Konferenz wird ein besonders wichtiges Thema behandelt: Der Ständige Ausschuss soll ein Dialogtreffen zwischen afrikanischen Ländern organisieren, damit sie über den Handel mit lebenden Afrikanischen Elefanten entscheiden. Die genauen Bedingungen sind entscheidend, denn sie könnten die Regeln für den Export von Afrikanischen Elefanten in Zoos auf der ganzen Welt beeinflussen. Deshalb muss verhindert werden, dass die Diskussion auf andere Themen abgelenkt oder zu stark von handelsfreundlichen Ländern und Kreisen beeinflusst wird.