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Clo Duri Bezzola
Aus einer unveröffentlichten Erzählung
Piper Verlag, 1998
Aus: Clo Duri Bezzola. Das gestohlene Blau – Il blau engulà. Piper Verlag, 1998
Von Zeit zu Zeit wehte ein frischer Wind heran, und wenn sie nahe am Ufer entlang gingen, vermischte sich der herbe Duft ihres Körpers mit dem Geruch von Brackwasser und Seetang.
Nachdem der Wind ihre Bluse gebläht, oben etwas aufgeknöpft und sie dann über ihren Kopf gestreift hatte, trug er sie weit fort auf die andere Seite des Kanals, wo sie an einem Gebiüsch hängen blieb. Als er einen Kiesel ins Wasser warf, bildeten sich Ringe an der Oberfläche, die sich allmählich verloren und seinen Traum wieder glatt strichen.
Möchtest du so leben wie dieser Deckel? Allein im Kanal auf dem Grünzeug schwimmen?
Du meinst, so ohne Sehnsucht nach der Flasche?
Die liegt auf Grund.
Weil sie nicht zusammen passten.
Unterwegs winkte ihnen jemand auf einem Wohnboot zu. Sie halfen, das Schleusentor zu öffnen, um die Kammer zu füllen und das Schiff vom tiefer zum höher gelegenen Wasserspiegel zu heben. Zuerst mussten die Klappen der Stichkanäle in der Wand hochgekurbelt werden, um die Stemmtore zu entlasten, und dann galt es, sitzend auf dem Balken sich mit aller Kraft gegen den Wasserdruck zu stemmen und das Tor ruckweise zu öffnen.
So, 27.05.01, 11:30
Aus: unbekannt
Romanisch schreiben bedeutet, den Tod Romanisch zu überlisten. Dem Griechen Sisyphus ist das mehrmals gelungen, bis er zur Strafe einen Felsblock immer wieder einen steilen Hang hinaufrollen musste.
Der Stein ist unsere Sprache. Romanisch schreiben muss nicht eine Strafe sein, und doch muss ich manchmal Zauberer spielen und versuchen auf ehrliche Art zu schwindeln-
Auch die Sesshaften unter den Rätoromanen leben in einer Art sprachlichem Exil, nur wird das nicht so wahrgenommen, weil die Muttersprache sich barfuss aus dem Staub macht. Schreiben heisst aber auch, gegen die eigene Sprachlosigkeit ankämpfen, Wörter, die vielleicht schon im Koma sind, noch einmal zu beatmen.
Ein lateinamerikanischer Autor hat einmal, auf die Indianer der peruanischen Anden bezogen, gesagt, dass eine Sprache degeneriert, wenn ihre Leser nicht mehr schreiben können.
Rumantsch grischun, die gemeinsame Schriftsprache, ist eine notwendige Herausforderung.
Nur, die Indianer hat man in die Berge vertrieben, die Ratoromanen sind schon dort.
Aus: unbekannt
1987
Aus: Clo Duri Bezzola. La cha dal sulai. 1987
Sainza fuond
Minchatant
sun noss discuors
ün viadi sur ün spi
e suot noss peis
roudla la crappa
giò'l fuond da la val
Davopro esa stantus
a tscherchar
a l'ur dals pleds suogliat
tuot quai cha no'ns vain
taschantats
Bodenlos
Manchmal
wandern unsere Gespräche
über einen Grat
und unter unseren Füssen
rollen die Steine
ins Tal hinab
Mühsam
ist es hinterher
am Rand der Wörter
alles auszugraben
Was wir uns
verschwiegen haben