Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03314.jsonl.gz/3656

Wer ist der Schatten hinter der Wand? Der im Westen wohl bekannteste Künstler Chinas, Ai Weiwei, gibt in dem Kurzfilm «The Sand Storm» sein Schauspieldebüt. Der Dreh ist schon abgeschlossen – trotz Hausarrest und Dauerbeschattung. Nun wird nach Investoren gesucht.
Er bloggt, er singt, er ist der im Westen bekannteste Künstler und Dissident Chinas. Nun versucht sich Ai Weiwei auch als Schauspieler: In dem dystopischen Kurzfilm «The Sand Storm» spielt er einen Wasserschmuggler. Der zehnminütige Film, der bereits abgedreht ist, soll demnächst auf Festivals und online zu sehen sein.
Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hatte Regisseur Jason Wishnow versucht, die Kosten für den Dreh wieder reinzukriegen. Mit Erfolg: Das Ziel von 33.000 US-Dollar hatte er innerhalb weniger Tage zusammen. Bislang sind 1588 Unterstützer an dem Projekt beteiligt, 66.000 US-Dollar stellen sie dafür zur Verfügung. Das Crowdfunding-Projekt läuft bis zum 3. Mai.
Dabei ist der Kurzfilm eher ein Zufallsprodukt. Wishnow, der in der Vergangenheit für die filmische Umsetzung der «TED Talks» verantwortlich war, hatte sich für ein Sabbatical nach Peking zurückgezogen. Er habe konzentriert an Filmdrehbüchern arbeiten wollen und deswegen einen Ort gesucht, an dem viele Internetseiten blockiert sind, schreibt Wishnow auf Kickstarter.
In Peking traf er dann auf Ai Weiwei. Der habe ihn schon bei der ersten Unterhaltung gefragt, was die beiden gemeinsam realisieren könnten, schreibt Wishnow. «Alles, was er tut, ist monumental. Man fühlt diese Präsenz, wenn man in seiner Nähe ist», erklärte Wishnow der Online-Ausgabe des Technologie-Magazins "Fast Company". Die Story von «The Sand Storm» erklärt Ai so: «Es ist ein schauriger Film, in dem es eigentlich um Information geht», sagt der Künstler im Trailer des Kurzfilms.
Als Kammermann engagierte Wishnow den in Hongkong lebenden Australier Christoper Doyle, der für seine Arbeiten mit dem Regisseur Wong Kar-wai («In the Mood for Love») bekannt ist. Der Film wurde innerhalb von zwei Wochen und unter strenger Geheimhaltung abgedreht.
Das hat mit Ais Dissidentenstatus zu tun. Eines der ersten Treffen zwischen ihm und dem Regisseur hätten Zivilpolizisten unterbrochen, die auf Ai einschlugen, schreibt Wishnow auf Kickstarter. Während des Drehs habe die Crew deswegen mit geheimen und ständig wechselnden Codes kommuniziert. Die Crowdfunding-Kampagne habe er ebenfalls aus Gründen der Geheimhaltung erst im Anschluss an den Dreh gestartet.
Tatsächlich sind Wishnows Geheimhaltungspläne eher als Koketterie zu werten. Ai steht in China unter Hausarrest und ständiger Beobachtung. Dass er einen Film dreht und die chinesischen Sicherheitsbehörden davon nichts mitbekommen, ist nur schwer vorstellbar. Ai selbst verbreitete anschliessend noch ein Bild vom Dreh via Instagram.
Ai Weiwei ist der im Westen bekannteste Konzeptkünstler Chinas. 2011 nahmen ihn die chinesischen Behörden für 81 Tage an unbekanntem Ort in Haft. Noch bis zum 7. Juli ist eine Werkschau von ihm im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Zur Eröffnung der Ausstellung durfte Ai, dem die Behörden den Pass weggenommen haben, nicht anreisen.
(mka)