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Aller Anfang ist schwer. Und die Vorbereitungsarbeiten zur Eröffnung der Zürcher Kantonalbank im Jahr 1869 gestalteten sich besonders herausfordernd: Unter dem Vorsitz von Johann Jakob Keller fand am 18. November die erste provisorische Sitzung mit den ersten provisorischen Bankräten im Rathaus in Zürich statt. Das Bankratsprotokoll vermerkt: «Herr Kantonsrat Keller, als erstgewähltes Mitglied, will sich eine provisorische Leitung der Präsidialgeschäfte für einmal gefallen lassen, um überhaupt vorwärtszukommen.»
Das harte Gründungsjahr
Im ersten Jahr des Bestehens der Bank lief vieles nicht so glatt. Die Organisation des Bankrats war schwierig und keiner riss sich um den Posten des Direktors. Ausserdem machte die Bank ihren ersten Jahresverlust.
Keiner will Bankpräsident
werden ...
Bei der folgenden Bankratssitzung am 23. November wurde mit acht von neun Stimmen Heinrich Hochstrasser zum Präsidenten des Bankrats gewählt. Doch dieser lehnte die Wahl ab. Seine Bankratskollegen baten ihn, den Entscheid zu überdenken. Aber Hochstrasser bekräftigte an der nächsten Sitzung seine Ablehnung mit der Erklärung, dass das anspruchsvolle Amt weiter in Kellers Händen liegen solle. Eine Woche später wurde erneut abgestimmt, diesmal wählte der Bankrat Heinrich Studer, geboren in Wipkingen. Er hatte zunächst die väterliche Baumwolldruckerei in Glarus geleitet und kehrte 1861 in den Kanton Zürich zurück, wo er als Kantonsrat wirkte. Als Bankpräsident gewählt wurde er 1870 mit fünf gegen vier Stimmen (die vier Gegenstimmen waren für Keller). Doch der frisch gewählte Bankpräsident fühlte sich zu wenig unterstützt und wünschte in der folgenden Sitzung eine Wahlwiederholung. Prompt wurde er überzeugend gewählt. Die personellen Turbulenzen gingen trotzdem weiter, denn nun wollte Dr. Friedrich Anton Lange überraschend aus dem Bankrat austreten. «Das könnte ein schlechtes Licht auf die Bank werfen», waren die anderen Bankräte überzeugt und fürchteten einen Reputationsschaden. Dennoch schieden Dr. Lange sowie die Herren Spyri und Hochstrasser noch 1870 aus dem Bankrat aus.
… und keiner will Direktor werden
Nicht nur die Aufgabenverteilung im Bankrat, sondern auch die Suche nach dem Direktor der als «lukrativ» bezeichneten Handelsabteilung war schwierig. Der erste Kandidat lehnte den Direktorposten entschieden ab, ohne auch nur in vorbereitende Unterhandlungen einzutreten. Die Stelle trat schliesslich einer an, den der Bankrat zunächst abgelehnt hatte, da er «übelhörig» sei (schlecht hörte). Er blieb nur kurze Zeit. Erneut musste ein Kandidat gesucht werden. Man sah ein, dass die Stelle nicht attraktiv war: Die zu zahlende Kaution sei zu hoch und die Kandidaten würden befürchten, vom Bankrat, vom Kantonsrat und von der Politik abhängig zu sein, hiess es. Erst im Juni 1871 konnte ein Direktor gefunden werden, der die Handelsabteilung über mehrere Jahre – bis 1885 – erfolgreich leitete. Die Bank bestand damals aus zwei Abteilungen, nämlich der Hypothekar- und der Handelsabteilung. Die Leitung der Hypothekarabteilung wurde von 1869 bis 1890 von derselben Person ausgeübt.
Auch bei den ersten Mitarbeiterstellen gab es unerfreuliche Ereignisse: Der angestellte Abwart musste noch vor Dienstantritt entlassen werden, weil Zweifel an seiner Integrität aufkamen. Der erste Kassier wurde schon im November 1870 abgeworben; nur der ebenfalls angesprochene Buchhalter blieb standhaft bei der Zürcher Kantonalbank.
Sitzung des Bankrathes der Zürcher Kantonalbank
Donnerstag den 18ten November 1869: auf dem Rathause in Zürich, unter dem provisorischen Präsidium von Herrn Kantonsrath Keller von Fischenthal. Anwesend sämtliche Mitglieder: nämlich die Herren
- Kantonsrath Johann Jakob Keller von Fischenthal
(*1823, †1903)
- Kaufmann Heinr. Hochstrasser-Brunner von Zürich
(*1821, †1879)
- Bezirksrath Heinrich Wettstein von Pfäffikon
(*1832, †1893)
- Dr. Friedrich Anton Lange von Winterthur
(*1828, †1875)
- Bezirksrichter Salomon Angst von Basserstorf
(*1834, †1907)
- Fürsprech Hasler Jakob von Meilen
(*1825, †1880)
- Alt.Regierungsrath Karl Adolf Huber von Wädensweil
(*1811, †1889)
- Alt.Regierungsrath Heinrich Studer von Bendlikon
(*1815, †1890)
- Diakon Johann Ludwig Spyri von Neumünster
(*1822, †1895)
«Herr Eduard Graf, welcher gegenwärtig die Buchhaltung bei unserer Anstalt besorgt & dessen Leistungen die Bankkommission als ganz vorzüglich bezeichnet, hat ein Engagement für die Kantonalbank von Graubünden, bei welcher seine Stellung wesentlich verbessert worden wäre, abgelehnt in der Hoffnung, dass er sich nach und nach auch bei uns in der Besoldung besser stellen werde.»
Die Eröffnung verzögerte
Im Gefolge all dieser Turbulenzen erstaunt es nicht, dass sich auch die auf Anfang Januar 1870 geplante Eröffnung der neuen Bank verzögerte. Sie fand schliesslich am 15. Februar statt. Wegen des im Juli ausgebrochenen Deutsch-Französischen Kriegs war die Bank sogleich gefordert, zusätzliche sichere Räumlichkeiten zur Verwahrung von Wertgegenständen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig konnte sie den Bargeldmangel nicht rasch genug beheben und nicht alle Darlehensanfragen befriedigen. Die Investitionen in den Bankbetrieb verursachten ausserdem den ersten von insgesamt drei Jahresverlusten der Bank (sofern man die an den Kanton ausgerichtete Verzinsung des Eigenkapitals mitberücksichtigt). Die Verantwortlichen wollten jedoch keine Unterstützung beim Kanton beantragen. Sie rechneten damit, im folgenden Jahr den Verlust durch die erwirtschafteten Erträge ausgleichen zu können, was auch gelang. Die grössten Anfangsschwierigkeiten waren damit überwunden.
Erster Geschäftsbrief zur Eröffnung der Bank vom 15. Februar 1870.
Titelbild: Erstes Bankratsprotokollbuch, ab 1869.