Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03349.jsonl.gz/1559

Zwei Arten von Eigentum
Der Begriff des Privateigentums, den wir vom römischen Recht übernommen haben, besagt, dass ich mit meinem Eigentum machen kann, was ich will. Heute reden wir von der Sozialbindung oder Sozialpflichtigkeit des Eigentums, haben aber Mühe, uns darunter etwas Genaues vorzustellen, weil wir zu wenig deutlich unterscheiden, ob wir von den Dingen des privaten Gebrauchs, z.B. vom Bett, von den Kleidern und dergleichen sprechen, oder ob es sich um das Eigentum an wirtschaftlichen Produktionsmitteln (Boden, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge) handelt. Dinge des privaten Gebrauchs können wir nicht nur nutzen, sondern auch verkaufen und vererben. Beide Verfügungsrechte sind durch das Eigentumsrecht geschützt. Bei den wirtschaftlichen Produktionsmitteln dagegen sind die beiden Verfügungsrechte klar zu unterscheiden und zu trennen: Im Sinne der sozialen Dreigliederung muss es ein zeitlich befristetes Nutzungseigentum geben, über das man nur so lange verfügt, als man es produktiv nutzt. Hingegen kann man es niemals wie einen Privatbesitz verkaufen oder vererben und damit seinen Gegenwert dem privaten Verbrauch zuführen.
Heute umfasst das Eigentum an Wirtschaftsunternehmen zwei Gruppen von Rechten:
1. Die Verfügung über die Tätigkeit des Unternehmens: Die Eigentümer, z.B. die Aktionäre in der Aktiengesellschaft, bestimmen die Ziele und die Organisation des Unternehmens, setzen die Unternehmensleitung ein und können sie auch wieder absetzen.
2. Die Verfügung über die Verteilung des Gewinns, über Erhöhungen oder Verminderungen des Kapitals und über die Verwendung eines Liquidationsergebnisses.
Im Sinne der sozialen Dreigliederung sind die Unternehmensführung und der Einsatz der Produktionsmittel die Sache der jeweiligen Unternehmer. Die Unternehmensleitung setzt Fähigkeiten voraus und ist angewandtes Geistesleben. Diese besonders wichtige neue Idee gibt dem Kapitalismus, der nicht etwa beseitigt wird, eine Form, durch die seine schädlichen Seiten überwunden werden. Die neue Auffassung des Eigentums hat Konsequenzen für die Bedeutung des Eigenkapitals. Dieses zeigt heute an, dass das Unternehmen insoweit, als es nicht durch Fremdkapital belastet ist, seinen Eigentümern gehört. Wenn es in einem Unternehmen niemanden gibt, der es als seinen privaten Besitz bezeichnen kann, verliert das Eigenkapital diese Bedeutung. Es dient dann im Wesentlichen als Reserve für geplante und auch unvorhergesehene Aufwendungen und zeigt an, ob ein Unternehmen kreditwürdig ist, weil es nicht bis zur Grenze seines Anlagevermögens verschuldet ist. Diese Änderungen des Eigentumsrechtes müssen nicht durch Gesetz befohlen werden, sondern wir können sie anwenden, indem wir die Unternehmen durch Verträge und Statuten entsprechend organisieren.