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Verfahren
- Nr. 101/18 (Keine unlautere Gewaltdarstellung – Werbespot für Raucherentwöhnungsprogramm)
Verfahren
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Die Beschwerde gegen einen TV-Spot mit maliziöser Handlung hat die Erste Kammer der Lauterkeitskommission abgewiesen. Die slapstickartige Szene sei als Parodie zu erkennen und verherrliche nicht die Gewalt.
Man zuckt unweigerlich zusammen beim Betrachten des Werbespots für den Schokoriegel Twix: Um zwei dieser süssen Stängel allein zu geniessen ohne teilen zu müssen, steuert ein junger Mann sein Fahrrad so auf einen Baum zu, dass seine auf dem hinteren Sitz platzierte Begleiterin von einem Ast an der Stirn hart getroffen und unsanft vom Rad gerissen wird. Der Schock ist nachfühlbar, und fast kann man den Schmerz, den der Aufprall verursacht, nachempfinden. Bösartig grinsend radelt der junge Mann weiter, derweil sich im Hintergrund die schwer getroffene Frau leicht torkelnd wieder erhebt. Man atmet auf: Es ist ihr nichts geschehen.
Dennoch fühlte sich eine Konsumentin von dem Reklamefilm unangenehm berührt. Ihrer Meinung nach sollte solche Werbung nicht gezeigt werden dürfen, da sie die Gewalt verherrliche und das Verhalten junger, ungefestigter Menschen negativ beeinflusse. Die Beschwerdeführerin zog gar einen Vergleich zu gewissen brutalen Ereignissen in der Realität.
Die Erste Kammer der Lauterkeitskommission indes beurteilte den Fall anders. Der Werbespot sei für den durchschnittlich informierten und verständigen Konsumenten durchaus als Überzeichnung und Parodie erkennbar. Die schon fast comicartige Szenerie und Aufmachung des Werbefilmes seien in einer Form überzeichnet, welche das Ganze als schwarzen Humor erkennen lasse. Aus diesem Grund liege auch keine Gewaltverherrlichung im Sinne der Artikel 4 Abs. 3 sowie Art. 13 der Internationalen Richtlinien für die Werbepraxis der Internationalen Handelskammer vor. Die Lauterkeitskommission geht davon aus, dass man als Zuschauer diese Überzeichnung sehr wohl erkenne und hat die Beschwerde deshalb abgewiesen.
Eine Werbekampagne für die Boutique Lataa Style in Zürich war zwei Konsumentinnen aus Bremgarten unangenehm aufgefallen: Das Inserat zeigte in diversen ganzseitigen Sujets nackte Frauenkörper, die mit Seilen umspannt waren. Die beiden Beschwerdeführerinnen sahen darin eine entwürdigende und diskriminierende Darstellung und eine frauenverachtende Haltung. Sie ersuchten die Lauterkeitskommission um eine Verwarnung der Firma.
Die Dritte Kammer der Lauterkeitskommission hat sich eingehend mit der Anzeige befasst und die Klage aus folgenden Gründen abgewiesen:
Geschlechterdiskriminierend ist die Werbung laut Kommission nicht, da die Darstellung eine Grundaussage enthält, wonach Lataa Style die Frauen von den Fesseln des Modediktates befreien will. Bei dieser Aussage kann sich die Boutique auf die Meinungsäusserungsfreiheit berufen. Die Seile symbolisieren zu enge Kleider und stellen eine bildhafte Metapher dar, die ausserdem ästhetisch gelungen umgesetzt wurde.
Laut Kommission ist die Anzeige auch nicht sexistisch, denn zwischen dem Produkt und der das Geschlecht verkörpernden Person besteht ein natürlicher Zusammenhang.
Den Tatbestand der Unterwerfung insbesondere der Gewaltdarstellung konnte die Kommission ebenfalls nicht entdecken. Die Umsetzung nimmt Bezug zu einer offenbar in Japan verbreiteten Kunstform und die Kammer hat den künstlerischen Wert der Abbildung anerkannt.
Betreffend Gewalttätigkeit kommt die Kammer zum Schluss, dass die Anzeige den Tatbestand nach Art. 135 StGB nicht erfüllt, da in diesem Artikel eine Darstellung erheblicher physischer und psychischer Leiden vorausgesetzt wird. Das ist bei der Lataa Style-Werbung aber nicht der Fall.
Aufgrund dieser Argumentation hält die Lauterkeitskommission fest, dass sich die Boutique Lataa Style im Rahmen einer zulässigen Werbebotschaft bewegt, da weder eine Diskriminierung noch eine Gewaltanwendung vorliegt. Damit ist die Werbung auch nicht unlauter und die Beschwerde vollumfänglich abgewiesen worden.