Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03350.jsonl.gz/2595

In der Türkei
[* 6] ist Polygamie erlaubt, doch weit seltener, als man inEuropa
[* 7] meist annimmt; nur Wohlbemittelte
können dort mehrere Frauen unterhalten, denn ein zahlreich bevölkerter Harem verursacht einen großen Kostenaufwand. Der
Perser darf gesetzlich nicht mehr als vier rechtmäßige Frauen zu gleicher Zeit haben, mit denen er Ehe auf die Dauer verbindlich
geschlossen hat; allein er darf daneben Weiber in unbeschränkter Zahl nehmen, die er aber nur auf eine
vertragsmäßige Zeit ehelicht.
Schon bei den alten Hebräern kam nach Zeugnis einiger Bibelstellen Polygamie vor, wie jedenfalls auch bei manchen andern semitischen
Völkern des Altertums; den Mohammedanern erlaubt der Koran (Sure 4) ausdrücklich die Ehe mit mehreren Weibern. Unter allen
christlichen Völkern wird aber die Polygamie durch Kirche und Staat verpönt (vgl. Bigamie); nur die Mormonen (s. d.)
lassen die Vielweiberei gesetzlich zu und halten sie sogar mit Hinweis auf die Vielweiberei der Erzväter für eine Gott wohlgefällige
Einrichtung.
Als Gründe für die Herrschaft der Polygamie bei vielen Völkern werden angeführt: die schnelle Entwickelung und frühe Heiratsfähigkeit
im Zusammenhang mit dem schnellen Verblühen des weiblichen Geschlechts und die ausdauernde Kräftigkeit
der Männer. Allein die religiösen und ethischen Anschauungen von der Ehe und von der Stellung der Frau in der Familie verurteilen
bei allen gebildeten Nationen die Polygamie, deren Erneuerung vielfach nur als eine moderne Form der Sklaverei zu betrachten ist.