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Fall 2: Ein Hund mit Nasenbluten
Im Dezember erhielt Vetscope Pathologie Biopsien der Nasenschleimhaut eines älteren Mischlingshundes, welcher seit 2 Tagen anhaltend Nasenbluten zeigte. In den Wochen davor hatte der Besitzer rezidivierend einige Tropfen Blut am rechten Nasenloch gesehen. In der Endoskopie war im rechten medialen Nasengang eine polypoide Masse von etwa 5 mm Grösse feststellbar, welche biopsiert und eingeschickt wurde.
Bild 1: Ausschnitt aus dem Histopathologie-Präparat von Dezember '21, HE-Färbung, 100x. Die Proben bestehen aus Nasenschleimhaut mit erhaltener Architektur und intaktem oberflächlichem respiratorischem Epithel (1). Die Drüsen (2) erscheinen leicht hyperplastisch. Die Gefässe (3) haben ein aktiviertes Endothel, zeigen ansonsten keine Schädigung, die die Ursache des Nasenblutens erklären würde. Da die Veränderungen klinisch als polypoid beschrieben wurde, wurde die Verdachtsdiagnose eines nasalen Polypen gestellt, welcher aus hyperplastischer Nasenschleimhaut besteht.
Da sich das Nasenbluten nicht besserte und eine zugrunde liegende Neoplasie vermutet wurde, wurde im weiteren Verlauf ein CT des Kopfes durchgeführt.
Bild 2: CT-Befunde der Nasenhöhle. In der rechten ventralen Nasenhöhle befindet sich eine mehrere Zentimeter grosse, gut abgrenzbare, jedoch die Nasenmuscheln und das Septum infiltrierende Masse. Verdachtsdiagnose: maligne Neoplasie; DD: granulomatöser Entzündungsprozess wenig wahrscheinlich.
Da der Hund weiterhin anhaltendes Nasenbluten zeigte, ansonsten aber altersentsprechend in einem sehr guten Allgemeinzustand war, entschied man sich für die möglichst vollständige Entfernung der Masse. Als Operationszugang wurde ein Zugang durch die Maulhöhle durch den harten Gaumen gewählt (Bild 3), wodurch die Masse in mehreren Teilen entfernt werden konnte.
Teile der entfernten Masse wurden wiederum zur histopathologischen Beurteilung zu Vetscope Pathologie geschickt.
Bild 4. Ausschnitt aus dem Histopathologie-Präparat vom März '22, HE-Färbung, 100x. Die Lamina propria der Nasenschleimhaut ist hochgradig infiltriert von einem schlecht abgrenzbaren, dichten, neoplastischen Proliferat (4). Respiratorisches Epithel (1), Nasendrüsen (2) und knöchernes Stützgewebe (3) sind in diesem Ausschnitt noch erhalten, war insgesamt aber mehrheitlich durch das Infiltrat zerstört.
Bild 5. Ausschnitt aus dem Histopathologie-Präparat vom März '22, HE-Färbung, 200x. Das neoplastische Proliferat besteht aus mehrheitlich sehr dicht liegenden, an den Probenrändern auch einzeln liegenden, mittelgrossen bis grossen runden Zellen, welche mässig bis viel blass amphophiles Zytoplasma und einen grossen, rundlichen Kern mit lockerem, feinem Chromatin und einem prominenten Nukleolus besitzen. Anisiozytose und Anisokaryose sind deutlich ausgeprägt, und immer wieder waren Mitosen (oberhalb M) sichtbar. Zwischen den neoplastischen Zellen sind zahlreiche Eosinophile (E) aufgefallen.
Aufgrund der Zellmorphologie am Rand der Proben und der zahlreichen Eosinophilen bestand der Verdacht auf einen nasalen Mastzelltumor. Zur Diagnosesicherung wurde eine immunhistochemische Färbung durchgeführt.
Bild 6. Ausschnitt aus dem immunhistochemisch gefärbten Histopathologie-Präparat, CD117/KIT, 200x. Die neoplastischen Zellen zeigen mehrheitlich ein membranständiges Signal. Bei einigen Zellen ist auch ein perinukleär granuläres Signal im Zytoplasma (*) vorhanden. Auch in diesem Präparat sind Mitosefiguren (oberhalb M) sichtbar.
Diagnose: Nasaler Mastzelltumor, schlecht differenziert (high grade)
Kommentar: Nasale Tumoren sind beim Hund insgesamt selten (1-2% aller Tumoren) und häufig maligne. Rund 2/3 der kaninen nasalen Neoplasien sind Karzinome, gefolgt von mesenchymalen Tumoren wie Chondrosarkom, Osteosarkom und Fibrosarkom. Hingegen sind Mastzelltumoren als Primärtumoren in der Nasenhöhle äusserst selten, ganz im Gegensatz zu ihrem Auftreten in der Haut, wo sowohl benigne wie auch maligne Formen vorkommen. Bei diesem Patienten ist vorgeschichtlich kein kutaner Mastzelltumor und auch keine Erkrankung der inneren Organe bekannt, weshalb hier ein primärer nasaler Mastzelltumor vermutet wird. Die Prognose ist vorsichtig, da sich die meisten Mastzelltumoren im Bereich der Schleimhäute maligne verhalten. In der einzigen publizierten Fallstudie mit 4 betroffenen Hunden wird eine Überlebenszeit von 27 bis 134 Tagen beschrieben. Diese Hunde wurden lediglich mit Chemotherapie behandelt, da die Massen jeweils nicht operabel war. In der Studie waren klinische Symptome vor der Diagnosestellung Erbrechen, Stridor/Stertor, Niessen und ausschliessliche Maulatmung.
Beim hier vorgestellten Fall wurde zuerst nur hyperplastische Nasenschleimhaut biopsiert, welche im Hinblick auf die anamnestische Beschreibung als nasaler Polyp interpretiert wurde. Eine kürzlich erschienene Studie konnte zeigen, dass bei Hunden mit nasalen Tumoren in 16% der Fälle auch Polypen vorhanden sind, und bei 1/3 der Fälle mit der histopathologischen Diagnose eines nasalen Polypen in der Nachbiopsie eine Neoplasie gefunden werden kann.
Wichtig zu wissen: Aufgrund der kleinen Probengrösse kann es vorkommen, dass nasale Biopsien nicht repräsentativ sind für den pathologischen Prozess. Ausserdem können neben Neoplasien auch reaktv-hyperplastische Veränderungen in der Nasenhöhle vorhanden sein. Dieser Fall zeigt, dass die histopathologische Untersuchung von Biopsien immer nur einen Ausschnitt eines Prozesses zeigt, und dass das gesamte klinische Bild inkl. Bildgebung in die finale Diagnosestellung miteinbezogen werden müssen.
Literatur:
- Meuten DJ (ed.). Tumors in Domestic Animals, 5th ed, 2017.
- Khoo A. et al. Intranasal mast cell tumor in the dog: A case series. Can Vet J 2017;58:851–854.
- Tarrant J. et al. Co-occurrence of Nasal Polyps and
Neoplasms of the Canine Nasal Cavity. Vet Pathol 2019;56(6):885-888.
Bilder:
CT-Bild und OP-Bild wurden verdankenswerterweise von der behandelnden Tierärztin, die anonym bleiben möchte, zur Verfügung gestellt.
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