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Warren Buffett ist bei den grossen US-Fluggesellschaften eingestiegen. Analysten vermuten, dass er nun eine davon komplett kauft. Bei welcher Buffett zuschlägt ist offen - aber es gibt einen Verdacht.
Der Entscheid von Warren Buffett, Beteiligungen an den vier grössten Fluggesellschaften der USA aufzubauen, könnte letztlich ein erster Schritt für eine Komplettübernahme einer der Konzerne sein. Das zumindest glauben einige Analysten mit Blick auf Buffetts Vorgehen im Eisenbahngeschäft.
«Wir sehen eine vollumfängliche Übernahme einer Airline durch Berkshire als eine Möglichkeit, die man nicht von der Hand weisen sollte – besonders dann nicht, wenn die Kurse sinken», schrieben Analysten der Grossbank Morgan Stanley in einer Kundennotiz in dieser Woche.
Grossaktionär bei Delta und Co.
Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway stieg im zweiten Halbjahr 2016 gross bei Fluggesellschaften ein. Sie wurde zu einem der beiden grössten Aktionäre bei Delta, United Continental, American Airlines und Southwest.
Beobachter waren von diesem Schritt überrascht worden, weil Buffett in der Vergangenheit auf Investitionen in den Sektor verzichtet hatte. Berkshires Vizepräsident Charles Munger begründete den Sinneswandel von Buffetts Gesellschaft mit einem Vergleich: Auch der Eisenbahnsektor «..war rund 80 Jahre lang ein schlechtes Geschäft», sagte der 93-jährige Munger vergangene Woche bei einer Veranstaltung. «Doch schliesslich reduzierten sie es auf vier grosse Eisenbahngesellschaften und es war ein besseres Geschäft. Und etwas Ähnliches passiert bei den Fluggesellschaften.»
Ein cleveres Vorgehen
Berkshire hatte beim Kauf der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) im Jahr 2010 mehr als 26 Milliarden Dollar gezahlt. Zuvor war Buffett mit Minderheitsbeteiligungen bei BNSF, Union Pacific und Norfolk Southern eingestiegen. Nach der BNSF-Transaktionen verkaufte er die Aktien der zwei anderen Unternehmen wieder.
Die sechs grössten US-Airlines verzeichneten 2016 das fünfte Jahr in Folge Gewinne. Jahrelange Fusionen und Übernahmen in der Branche hatten wenige grosse Wettbewerber übriggelassen, hinzu kamen geringere Treibstoffkosten. Daten der Agentur Bloomberg zufolge verdienten die sechs Fluggesellschaften auf bereinigter Basis rund 14 Milliarden Dollar, nach über 50 Milliarden Dollar an Verlusten im vorherigen Jahrzehnt.
Southwest könnte Buffett locken
Der Morgan-Stanley-Analyst schrieb, dass Southwest ein «plausibler Kandidat» für eine Komplettübernahme sei. Er verwies auf den freien Cashflow, die Kostenstruktur und das Management der Fluggesellschaft aus Dallas. Buffett hatte in der Vergangenheit öffentlich seine Bewunderung für Southwest und deren Mitgründer Herb Kelleher ausgedrückt.
Southwest reagiere nicht auf «Gerüchte und Spekulationen», erklärte der Konzern auf Anfrage von Bloomberg. Vertreter der anderen Airlines wollten sich nicht äussern. Die Analysten von Cowen & Co. halten es ebenfalls für möglich, dass Buffett eine Fluggesellschaft kauft. «Jedes Jahr gibt es Überraschungen in der Branche», schrieb eine Cowen-Analystin diese Woche in einer Notiz. «In diesem Jahr glauben wir, dass eine Überraschung darin bestehen könnte, dass eine grosse Airline übernommen wird, möglicherweise von Berkshire.»
Berkshire verfügt über eine volle Kasse
Genügend Kleingeld für eine Übernahme hat Berkshire jedenfalls: Buffetts Investmentgesellschaft besitzt mit Stand vom 30. September Barmittel im Volumen von mehr als 80 Milliarden Dollar.
(bloomberg/mbü/cfr)