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Global wärmstes Jahr
Die grosse Wärme in der ersten Januarhälfte kommt nicht von ungefähr. Das Wetterjahr 2014 war in der Schweiz und sogar über den ganzen Globus gemittelt das wärmste seit Messbeginn. Global lagen die Temperaturen rund 0,7 Grad über dem Mittel des 19. Jahrhunderts und somit so hoch wie nie seit Messbeginn 1880. Etwas weniger warm waren die Jahre 2010, 2005 und 1998, welche die Ränge zwei bis vier auf der globalen Rangliste besetzen.
Trotz der Rekordwärme war das Wetterjahr 2014 nicht überall auf der Erde überdurchschnittlich warm. Die regionale Variabilität ist ein charakterisierendes Kennzeichen des globalen Wetters. So erlebte der Mittlere Westen der USA, vor allem die Region um die grossen Seen, trotz globalen Rekordtemperaturen ein ungemein kaltes 2014.
Kaltes Chicago
Extrem war der Witterungsverlauf 2014 exemplarisch dafür in Chicago. Die Monate Januar bis März waren allesamt 3,5 bis 5 Grad kälter als in der Normperiode der Jahre 1981-2010. Auch die Frühlingsmonate wollten nicht wirklich auf Touren kommen und waren je um rund 1 Grad unterkühlt. Im Sommer verstärkte sich die Kältephase erneut: Der Juli war in der windigen Grossstadt um satte 4 Grad zu kalt. Das Sommerklima ist in Chicago zwar auch mit einem Wärmedefizit von ein paar Graden noch angenehm warm, jedoch sind sich die Einwohner dort grosse Hitze gewohnt. Liegt die Stadt doch weit im Landesinneren und auf der geografischen Breite von Italien und Spanien. In allen Herbstmonaten klaffte in Chicago, wie schon in den Vormonaten, ein deutliches Wärmedefizit auf. Der November war gar um mehr als 4 Grad zu kalt und schon sehr winterlich. Nachdem die ersten elf Monate des Jahres 2014 zu kalt ausfielen, brachte der Dezember die grosse Wende (zumindest vorübergehend) und war in Chicago mehr als 2 Grad übertemperiert.
Vorstellbar in Zürich?
Das Wetterjahr 2014 war in Chicago 2,2 Grad kälter als in der Normperiode 1981-2010. Dies zeigt eindrücklich, dass es lokal auch in einem global rekordwarmen Jahr deutlich zu kalt sein kann. Über Nordamerika hat sich im vergangenen Jahr ein besonderes Witterungsmuster, welches Kaltluftausbrüche aus dem hohen Norden in Richtung Mittlerer Westen begünstigt, ständig wiederholt. Es ist davon auszugehen, dass sich ein solch extremes Jahr in Chicago lange nicht wiederholen wird und die kommenden Jahre tendenzielle auch wieder zu warm ausfallen werden. Theoretisch wäre so ein Extremjahr aber auch in Zürich möglich. Jahre mit einem Wärmedefizit von 2,2 Grad gab es letztmals 1956 und 1940. Im Jahr 1978 waren in Zürich zudem letztmals elf Monate in Folge kälter als die Referenz 1981-2010. Wäre die Anomalie, also die Temperaturabweichung zum Normwert, welche Chicago im 2014 erlebte, in Zürich aufgetreten, hätte dies erstaunliche Folgen gehabt. Der Januar wäre in Zürich so kalt wie 1987 mit einer markanten Kältewelle zur Monatsmitte mit Tagesmittel von -18 Grad. Der Februar wäre so eisig, wie Zürich es im 2012 erlebte. Mit einer fast dreiwöchigen Kältewelle mit Tagesmitteltemperaturen unter -10 Grad. Der Zürichsee wäre zumindest mit einer dünnen Eisschicht überfroren. Bis auf wenige milde Tage würde der Frühling auch im März und April nicht richtig Einzug halten, wie beispielsweise in den Jahren 1955 und 1997 in Zürich. Der Mai wäre wechselhaft mit einigen Kälterückfällen, wie beispielsweise auch im 2014. Im Sommer gäbe es nur wenige Baditage mit einem Temperaturmittel von mehr als 20 Grad. Der Sommer wäre im Juni und Juli noch ein ganzes Stück kühler als im vergangenen Jahr. Eine Kältephase mit Tagesmitteltemperaturen unter 10 Grad anfangs Juli wie 1948 und einem sehr kühlen August wie 1984 oder auch in diesem Jahr stünden auf dem Jahresprogramm. Im Herbst wäre kaum noch Spätsommerwetter, sondern schon bald wieder erste Schneeflocken zu erwarten, wie im Oktober 2010. Im November herrschte bereits tiefster Winter mit Dauerfrost an mehreren Tagen. Der Dezember brächte die Kehrtwende und wäre so wie in den Jahren 2011 oder 2014: deutlich zu mild, windig und kaum winterlich. Anstatt Schnee fällt Regen. Kurzum: Ein Wetterjahr analog zu Chicago im Jahr 2014 wünscht sich in Zürich wohl niemand.