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Die neuen pastellfarbenen Gemälde und Collagen von Clare Goodwin (*1973, Birmingham) fügen sich dem blendend weiss gestrichenen Galerieraum chamäleonartig ein. Sie sind auf Streifen, geometrische Formen, Linien und Muster reduziert und nehmen noch Elemente ihrer alten Serie <Curtain Paintings> auf.
Mit den freien geometrischen Abstraktionen referieren die neuen Werke auf suprematistische Kompositionen, deren stringentes Farbkonzept Goodwin jedoch mit der fast süsslich wirkenden Farbigkeit bricht. So evoziert etwa das ausgewaschene Lila eine Altweiberfarbe. Da und dort gebieten schwarze oder dunkelbraune Formen dem luftigen Treiben Einhalt. Alle Malereien sind mit <Whispering Widows> samt einem oder meist je zwei englischen Vornamen betitelt, sodass hinter der geometrischen Abstraktion eine authentische oder erfundene Figur oder das Verhältnis zweier Personen hineinzusoielen scheint. Zwischen ihnen mag ein Bezug bestehen und sich ein Dialog entspannen, worauf neben dem Titel die vielfach erkennbare obere und untere Ebene der Gemälde hinweist. Trotz formalen Anklängen an die Sprache der Zürcher Konkreten ist Clare Goodwin von deren mathematischem und logischem Konzept weit entfernt. Zuweilen funken nämlich räumlich wirkende Formen dazwischen und das abstrahierende Bildgeschehen ist dank der narrativen Titelsetzung und der eigenwilligen Farbenpalette emotional und atmosphärisch aufgeladen.
Scheinbar zufällig sind an verschiedenen Orten im Galerieraum Stuhlteile aus sandgestrahlenem Holz positioniert. Die als <Silent Witness> bezeichneten Objekte
referieren einerseits auf geometrische Elemente in ihrer Malerei, erinnern aber auch an Knochen oder an <Tokyo!>, einen aus drei Episoden bestehenden, surrealen Film von 2008, eine vielfach
gebrochene Hommage an Tokyo. In <Interior Design> unter der Regie von Michel Gondry wird das Schicksal eines erfolglosen jungen Paares erzählt, das sich auf der Suche nach einer Zukunft
nach Tokyo aufmacht. Zunächst wohnen die Beiden in sehr engen Verhältnissen. Während ehrgeizige Pläne den jungen Mann antreiben, fühlt sich die Frau zunehmend einsamer und verloren.
Ihre depressive Verstimmung manifestiert sich in
ihrer sukzessiven Transformation in einen Stuhl, auf dem es sich zu guter Letzt ihr Partner bequem macht, während sie zu der Rolle einer stummen Zeugin
verdammt ist. Zu hoffen bleibt nur, dass die Stuhlteile von Clare Goodwin nicht Resultat einer magischen Verwandlung sind.
Lullin + Ferrari, bis 7.10. 2017 www.lullinferrari.com