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Unter den Jenischen wird häufig die jenische Sprache verwendet, die vorwiegend mündlich überliefert wird. Die Sprache ist ein wichtiges Element der jenischen Identität und steht für die Zusammengehörigkeit. Sie diente bisweilen auch als Schutz gegenüber der sesshaften Bevölkerung.
Der besondere Charakter des «Jenischen» ergibt sich aus einem semantisch abweichenden Teilwortbestand des Deutschen unter Einschluss zahlreicher Entlehnungen aus anderen Sprachen: dem Jiddischen und Hebräischen, dem Rotwelschen und den lateinischen Sprachen sowie der Sprache der Sinti. Teilweise besteht der Wortschatz aus bildhaften Verfremdungen wie zum Beispiel «Flossling» oder «Flotscher» für Fisch oder «Hitzling» für Ofen.
Wörter aus dem Jenischen sind auch in die Schweizer Mundart eingeflossen. So sollen die Wörter «Beiz» für Wirtschaft oder «chifle» für streiten aus dem Jenischen stammen.
An Zusammenkünften wie Wallfahrten und Festen wie der Feckerchilbi, die von der Radgenossenschaft der Landstrasse an verschiedenen Orten in der Schweiz organisiert wird, treffen sich sesshafte und fahrende Jenische und pflegen dort die jenische Sprache über Familien- und Landesgrenzen hinweg. Vermehrt wird unter Jenischen auch in Form von Sprachnachrichten oder in Web-Foren auf jenisch kommuniziert.
Die Radgenossenschaft bietet jenische Sprachnachmittage für Kinder an und hat ein kleines Wörterbuch für den Gebrauch innerhalb der Gemeinschaft entwickelt. Ausserdem wurde ein bekanntes Kinderbuch von Janosch «Der Josa mit der Zauberfidel» auf Jenisch übersetzt und ist für jenische Eltern unter dem Titel «De Lieneli und d’Tschueperklinge» verfügbar. Damit erhofft man sich eine bewusste Pflege und Weitergabe der jenischen Sprache von Eltern an ihre Kinder. Die Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende unterstützt diese Bemühungen.
Die jenische Sprache ist in der Schweiz seit 1997 im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen als territorial nicht gebundene Minderheitensprache anerkannt.
Die Sinti bezeichnen ihre Sprache als Sintitikes oder «manische Sprache» Es handelt sich um eine indoarische Sprache auf der Grundlage von Sanskrit. Die Sinti haben mit den Roma ein gemeinsames sprachliches Erbe: Die Sprache der Sinti gehört zur Sprachgruppe des Romanès.
Für die Sinti ist Sintitikes ihre Erstsprache, die sie im Familienkreise und unter Freunden verwenden. Sie ist ein wichtiger Teil ihrer Identität und spielt im Alltag eine grosse Rolle. Verschriftlicht ist die Sprache kaum, sie unterliegt (wie auch die jenische Sprache) einem Geheimnisgebot. Dieses Geheimnis dient als Schutz gegenüber der Mehrheitsgesellschaft, etwa während früheren Verfolgungen, nicht zuletzt in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, weil sie von den Wärtern nicht verstanden wurden.
Das Sintitikes hat sich durch den jahrhundertelangen Kontakt mit anderen Bevölkerungen mit der Zeit diversifiziert. Dank dem regen Austausch mit anderen wandelt sich auch der traditionelle Wortschatz. Wie in jeder Sprache treten neue Wörter anstelle von alten. So laden Sinti heute zum «Kaffea» ein und nicht mehr zu einer Tasse «Melni». «Melni», so hiesse der Kaffee in Alt-Sintitikes.
Trotz regionaler Dialekte verstehen sich aber Sinti aus Deutschland, der Schweiz und Italien mühelos. Die Sprache der Manouches in Frankreich unterscheidet sich jedoch stärker vom Sintitikes, weil es stärker von französischen Einflüssen geprägt und durchsetzt ist.
Die Sprache der Sinti ist sehr lebendig in der Musik. Viele Sinti-Musikerinnen und -Musiker singen ihre Lieder in ihrer Muttersprache.
Die Sinti bemühen sich – wie die Jenischen –
zunehmend, ihren Sprachreichtum bewusster zu pflegen und weiterzugeben. 2018
entstand eine Wanderausstellung über verschiedene Aspekte der Kultur der Sinti
in der Schweiz mit dem Titel «Latscho diwes», was in der Sprache
der Sinti «guten Tag» bedeutet.
Die Sinti versuchten, ihre Kultur zu schützen, indem sie sich verschlossen. Aber das hat sich gründlich geändert. Wir kommen aus dem Versteck heraus.
- Dazzi, G. / Galle, S. / Kaufmann, A. / Meier, Th.: Puur und Kessler. Sesshafte und Fahrende in Graubünden. Baden 2008.
- Rieder, Katrin: Sintitikes, die Sprache der Sinti. Unveröffentlichte Recherche im Auftrag des Bundesamts für Kultur BAK. Bern 2018.
- Radgenossenschaft der Landstrasse (Hg.): Jenische Kultur. Ein unbekannter Reichtum. Was sie ist, wie sie war, wie sie weiterlebt. Zürich 2017.