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Die Zufriedenheit in der Partnerschaft hat gemäss umfassender Studien einen grösseren Einfluss auf die Lebensqualität als andere wichtige Bereiche wie Arbeit, Einkommen, soziales Umfeld oder Gesundheit. Es konnte gezeigt werden, dass eine gute Partnerschaft von Erwachsenen als primäres Lebensziel genannt wird. Dass die Partnerschaftsqualität einen Einfluss hat auf das psychische Wohlbefinden ist bereits gut untersucht und intuitiv nachvollziehbar, da dieser Zusammenhang unmittelbar wahrgenommen werden kann. Studien zeigen, dass chronischer Beziehungsstress die Entwicklung und Aufrechterhaltung von psychischen Erkrankungen fördert: Personen, die in einer chronisch konflikthaften Partnerschaft leben, haben ein höheres Risiko an psychischen Störungen zu erkranken (v.a. depressive Symptome, Angststörungen, Substanzabhängigkeiten). Weniger bekannt ist jedoch der direkte Zusammenhang zwischen Partnerschaftsqualität und körperlicher Gesundheit: Personen mit chronischen Beziehungsproblemen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, langfristig körperliche Beschwerden zu entwickeln. Chronischer Beziehungsstress ist ein äusserst potenter Stressfaktor, der langfristig insbesondere zu Bluthochdruck, immunologischen, hormonellen und stoffwechselbedingten Störungen führen kann. Es konnte gezeigt werden, dass Personen in unbefriedigenden Partnerschaften nicht nur einem höheren Risiko ausgesetzt sind, psychische und körperliche Probleme zu entwickeln, sondern dass sie sich auch weniger schnell davon erholen. Eine schlechte Partnerschaftsqualität ist also ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung von psychischen und körperlichen Störungen. Umgekehrt gilt eine gute Partnerschaftsqualität als eine der wichtigsten Ressourcen für ein gesundes, zufriedenes und langes Leben.
Der direkte Zusammenhang zwischen Partnerschaftsqualität und Gesundheit wirkt sich nicht nur auf das individuelle Wohlbefinden der erwachsenen Partnern, sondern auf das gesamte familiäre Umfeld aus: Chronische Beziehungskonflikte zwischen den Eltern bzw. Erziehungsbeteiligten stellen für betroffene Kinder eine massive Stress-Quelle dar. Sind Kinder chronisch den Konflikten ihrer Eltern ausgesetzt, sind sie wiederum einem deutlich erhöhten Risiko ausgesetzt, langfristig psychische und körperliche Erkrankungen, sowie Störungen in der neuropsychologischen Entwicklung zu entwickeln. Chronische Beziehungskonflikte erhöhen auch das Risiko von körperlicher Gewaltanwendung zwischen den Eltern, und gegenüber der Kinder (Kindesmissbrauch). Entscheidend für das Wohlbefinden der Kinder ist entgegen vieler Annahmen also nicht, dass die Eltern (trotz chronischer Konflikte) zusammenbleiben, sondern dass das familiäre Umfeld die Grundbedürfnisse der Kinder nach tragfähigen Beziehungen und Orientierungsmöglichkeiten befriedigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies in einem klassischen Familienmodell, oder in einer „Patchwork-Familie“ geschieht. Eine schlechte Partnerschaftsqualität zwischen den Eltern wirkt sich also auch auf die Gesundheit der Kinder aus. Umgekehrt stellt eine gute Beziehungsqualität zwischen den Eltern für die Gesundheit der Kinder und der gesamten Familie eine hochrelevante Ressource dar.
Die Partnerschaftsqualität hat also eine riesige Hebelwirkung bei der Prävention und Behandlung von gesundheitlichen Problemen der ganzen Familie. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Einbezug der Partnerschaft bei präventiven Programmen sehr effektiv ist und nachhaltig wirkt. Dies konnte vor allem bei Stressbewältigungs-, Kommunikationstrainings und präventiven Kindererziehungstrainings deutlich gezeigt werden. Bei der Behandlung von gesundheitlichen Störungen konnte ebenfalls deutlich nachgewiesen werden, dass (zusätzliche) paarbezogene Interventionen den Behandlungseffekt massiv steigern und beschleunigen können (u.a. Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, kardiologische Probleme, Krebserkrankungen). Neuere Befunde zeigen auch einen direkten Zusammenhang zwischen Beziehungsqualität und Arbeitsleistung, was bedeuten würde, dass die Hebelwirkung der Partnerschaftsqualität nicht nur auf der familiären Ebene, sondern auch gesundheitspolitisch und sozioökonomisch von Bedeutung ist.
Das Klaus-Grawe-Institut für Psychologische Therapie ist mit seinem partnerschaftlichen, familiären und präventiven Schwerpunkt darauf spezialisiert, diese Hebelwirkung optimal zu nutzen und bietet verschiedene Trainings und Interventionen für Paare und Familien an.
Lic.phil. Misa Yamanaka
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, MASPT
Klaus-Grawe-Institut für Psychologische Therapie Zürich