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Wozu sind all diese Schläuche und Sonden da?
Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden, müssen unter Umständen mit vielen Schläuchen und Messsonden versehen werden. Es ist eine ganz normale und menschliche Reaktion, wenn alle diese Sonden und Messgeräte dem medizinischen Laien Angst machen. In dieser Rubrik möchten wir Ihnen helfen zu verstehen, wie die Schläuche und Sonden heissen, und weshalb sie verwendet werden müssen.
Jede einzelne dieser Sonden wird grundsätzlich nur dann eingelegt, wenn sie für den Patienten, bzw. für dessen Therapie auch wirklich notwendig ist. So werden denn auch die meisten dieser Messsonden nur vorübergehend eingesetzt und wieder entfernt, sobald der Patient diese nicht mehr benötigt. Einige dieser Sonden und Schläuche können völlig schmerzlos eingeführt werden. Andere werden entweder unter lokaler Betäubung, oder aber beispielsweise während der Operation in Narkose eingelegt.
Wache und kooperative Patienten verstehen in aller Regel die Notwendigkeit dieser Massnahmen gut und tolerieren die verschiedenen Schläuche und Sonden problemlos. Wenn ein Patient hingegen nicht genügend wach oder aber unkooperativ ist, so kann es für den Patienten natürlich schwierig sein, die Wichtigkeit und Notwendigkeit all dieser Massnahmen einzusehen. Deshalb kommt es gelegentlich vor, dass unkooperative Patienten an den Händen fixiert werden müssen, damit sie die eingelegten Katheter und Sonden nicht herausreissen und sich dadurch nicht selber zusätzlich gefährden.
Das Elektrokardiogramm (EKG)
Das Elektrokardiogramm wird mit Elektroden verbunden, die direkt auf die Brust des Patienten geklebt werden. Das EKG zeigt im Grunde genommen die elektrische Aktivität des Herzens an. Damit kann beispielsweise der Herzrhythmus kontinuierlich kontrolliert werden. Auf dem auf dem Bild gezeigten Monitor wird das EKG als grüne Kurve gezeigt.
Das Pulsoximeter
Es handelt sich um eine kleine, rot leuchtende Messsonde, die an den Finger, an das Ohrläppchen oder an die Nase geklemmt wird. Das Pulsoximeter misst die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes, sowie gleichzeitig den Puls. Auf dem gezeigten Monitor ist die Pulsoximetrie als gelbe Kurve bzw. gelbe Zahl erkennbar.
Die Blutdruckmessung
Die Blutdruckmessung erfolgt über eine Manschette, die meistens am Oberarm, seltener einmal am Unterschenkel angebracht wird. Sie wird entweder vollautomatisch, oder manuell aufgeblasen. Das angezeigte Resultat auf dem Überwachungsmonitor zeigt den so genannten „unblutig“ (= indirekt) gemessenen arteriellen Blutdruck. Oft wird der Blutdruck auch direkt über eine Kanüle in einer Arterie oder Vene gemessen.
Der Arterienkatheter
Unter lokaler Betäubung wird ein Plastikschläuchlein direkt in eine Pulsader (Arterie) eingelegt. In den meisten Fällen wird für diesen Zweck eine Arterie am Handgelenk gewählt. In bestimmten Situationen muss dieser Katheter aber in eine alternative Arterie (z.B. in die Leistenarterie) eingelegt werden. So kann der arterielle Blutdruck direkt im Gefäss („blutig“) gemessen werden. Da der arterielle Blutdruck auf diese Weise viel genauer gemessen werden kann als mit der indirekten Methode, kommt diese Technik v.a. bei Patienten mit einem kritischen Kreislauf, oder aber bei Patienten, bei denen der Blutdruck aus anderen Gründen sehr engmaschig kontrolliert werden muss, zur Anwendung. Auf dem hier abgebildeten Monitor wird der direkt gemessene arterielle Blutdruck als rote Kurve und rote Zahl gezeigt.
Der periphere und zentrale Venenzugang
Der periphere intravenöse Venenzugang
Ein dünner Plastikkatheter wird in eine periphere Vene eingelegt. So können Flüssigkeiten (z.B. Infusionen) und Medikamente verabreicht werden
Der zentrale Venenkatheter
Es handelt sich dabei um einen Gefässkatheter, der – ebenfalls unter lokaler Betäubung – in ein grosses, herznahes (zentrales) Venengefäss eingelegt wird. Typische Orte, an denen solche Katheter platziert werden, sind der Hals, im Bereiche des Schlüsselbeins oder aber die Leiste. Ausserhalb des Körpers hat ein solcher Katheter häufig mehrere Anschlüsse, über die verschiedene Medikamente parallel verabreicht werden können. Solche Venenkatheter sind notwendig, um bestimmte Medikamente oder Infusionslösungen, die nicht über einen peripheren Venenkatheter gegeben werden dürfen, zu verabreichen. Nebenbei können mit solchen Kathetern die Druckverhältnisse im Bereiche der rechtsseitigen Herzhöhlen gemessen werden. Mit hoch spezialisierten Kathetern können sogar die Druckverhältnisse im Bereiche des Lungenkreislaufs, sowie die Herzleistung genau ermittelt werden.
Der Katheter zur Blutwäsche (Dialysekatheter)
Dies sind spezielle Katheter, die – ähnlich wie die zentralen Venenkatheter (s. oben) – in ein grosses venöses Gefäss eingelegt werden. Diese Katheter findet man meistens im Bereiche des Halses, des Schlüsselbeins, oder in der Leiste. Über diese Katheter wird Blut aus dem Gefässsystem des Patienten kontrolliert abgeleitet, in einem durch Pumpen gesteuerten Filtersystem „gereinigt“ und anschliessend dem Patienten wieder zugeführt. Dieses Blutreinigungsverfahren nennt man auch Dialyse oder Hämofiltration. Die grosskalibrigen Katheter müssen also immer dann eingesetzt werden, wenn die Nieren des Patienten ihre Funktion nicht oder nur ungenügend wahrnehmen können.
Der Blasenkatheter
Dieser Schlauch wird entweder durch die Harnröhre, oder aber direkt oberhalb des Schambeines durch die Haut in die Blase eingeführt. Der Blasenkatheter erlaubt u.a. die Messung der stündlich produzierten Urinmenge. Die genaue Messung des Urinvolumens ist in der Intensivmedizin eine sehr wichtige Messgrösse.
Der Beatmungsschlauch (Beatmungstubus) und die Trachealkanüle
Beim Beatmungsschlauch handelt es sich um einen weichen Plastikschlauch, der in der Regel durch den Mund, selten einmal über die Nase in die Luftröhre eingelegt wird. Da dieser Schlauch die Stimmbänder passiert, kann der Patient nicht sprechen. Über den Beatmungstubus wird der Patient mit dem Beatmungsgerät verbunden. Dieses unterstützt den Patienten bei seiner Atmung.
Die Trachealkanüle hingegen wird über eine Öffnung am Hals direkt in die obere Luftröhre eingelegt. Für diesen operativen Eingriff benötigt man in der Regel eine kurze Narkose. Der Eingriff kann entweder im Operationssaal, oder auf der Intensivstation durchgeführt werden. Über diese Beatmungskanüle wird der Patient ebenfalls in seiner Atmung unterstützt. Der Unterschied zum oben erwähnten Beatmungstubus besteht aber darin, dass die Trachealkanüle dann eingelegt wird, wenn der Patient voraussichtlich eine längere Zeit am Beatmungsgerät behandelt werden muss.
Am Ende der Trachealkanüle, bzw. des Beatmungstubus befindet sich eine weitere Messsonde, die den Kohlensäuregehalt der ausgeatmeten Luft aufzeichnet (Kapnografie). Diese völlig harmlose Sonde ist ein wichtiger Kontrollmonitor für die künstliche Beatmung (siehe auch weisse Kurve am abgebildeten Monitor).
Die Ernährungssonde (Magen – und Dünndarmsonden)
Diese Sonden werden über die Nase in den Magen oder in den Dünndarm eingelegt. Auf der einen Seite können damit angestaute Magen – oder Darmsäfte abgeleitet werden, auf der anderen Seite erlauben sie es, den Patienten zu ernähren. Wenn der Patient voraussichtlich über eine längere Zeit nicht selber essen kann oder darf, so können diese Sonden unter lokaler Betäubung durch die Bauchwand hindurch direkt in den Magen bzw. den Dünndarm eingelegt werden (PEG - Sonden).
Die Thoraxdrainage (Absaugschlauch in der Brusthöhle)
Diese Schläuche haben einen etwas grösseren Durchmesser. Sie werden entweder während einer Operation in Narkose, oder aber unter lokaler Betäubung eingelegt. Sie müssen dann eingeführt werden, wenn sich viel Flüssigkeit, Blut oder freie Luft zwischen dem Rippen – und Lungenfell ansammelt und den Patienten in seiner Atmung massiv behindert.
Die Hirndrucksonde (ICP - Sonde)
Diese Sonde wird meistens während einer Hirnoperation in Narkose eingelegt. Sie kann aber auch schmerzlos in Lokalanästhesie eingeführt werden. Sie dient zur Ermittlung der Druckverhältnisse im Innern des Schädels bei einer Hirnschwellung. Bei einigen dieser Sonden besteht zudem die Möglichkeit, das Hirnwasser kontrolliert abzulassen um den Druck, welcher auf das Hirn einwirkt, zu senken.
Die maschinelle Kreislaufhilfe (z. B. Intraaortale Ballonpumpe oder IABP)
Hierbei handelt es sich um einen über die Leistenarterie eingelegten grosskalibrigen Ballonkatheter, welcher einerseits die Durchblutung des Herzens verbessern und andererseits die Herzarbeit des Patienten entlasten kann. Das Aufblasen und Entleeren des Ballons erfolgt sehr schnell und wird auf die Herzaktion des Patienten genauestens abgestimmt. Dadurch wird der Kreislauf des Patienten verbessert.
Weitere, den Kreislauf und die Herzfunktion stützende apparative Möglichkeiten (z.B. Kunstherz) existieren zwar, sollen hier aber nicht weiter beschrieben werden, da sie nur an wenigen spezialisierten Zentren verwendet werden.
Äussere Fixationen und Extensionen
Gelegentlich können gebrochene Arme oder Beine nicht mit inneren Platten und Schrauben versorgt, sondern müssen mittels äusseren Fixierhilfen ruhig gestellt werden. Zur Anwendung gelangt zum einen die so genannte äussere Fixation, die die gebrochene Extremität durch Metallstäbe, welche durch die Haut hindurch im Knochen fixiert und äusserlich miteinander verbunden werden, ruhig stellt. Zum anderen müssen in gewissen Fällen gebrochene Knochen so behandelt werden, indem durch Zug die Frakturteile stabilisiert werden (Extension).