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Klopapier und die Menschheit
Sicherlich haben sich einige gefragt, was es denn mit dem Klopapier-Panikkauf während der COVID-19 Pandemie auf sich hat(te). Ein Forscherteam hat sich dieser Frage tatsächlich wissenschaftlich angenommen (Garbe et al PlosOne Juni 2020)
In wenigen Wochen berichteten manche Geschäfte einen 700%-igen Zuwachs an Toilettenpapier-Verkauf. Es kam zum Teil zu Engpässen und Verstopfung von Abflussrohrern, weil die Menschen begannen andere Produkte als die rar gewordenen Klopapiere zu nutzen und die Toilette runter zu spülen.
In dieser Studie wollten die Studienautoren mehr über die Persönlichkeitseigenschaften der „Klopapier-Horter“ herausfinden. Zu diesem Zweck haben sie im März 2020, einer Periode, in welcher viele Regierungen den (partiellen) Lockdown ausgerufen haben, 1029 Teilnehmer aus 35 Ländern rekrutiert, die einen Fragebogen, basierend auf dem HEXACO Modell ausgefüllt haben. Dieses Modell basiert auf sechs breitere Persönlichkeitsmodelle (näheres siehe Studie)- Zugleich mussten die Teilnehmer über ihren Klopapiereinkauf und -Konsum detaillierter berichten.
Die Analysen zeigten, dass vor allem ältere Teilnehmer (Durchschnittsalter der Teilnehmer war 32 Jahre) häufiger Klopapier einkauften, mehr auf einmal und grössere Anzahl auf Lager hielten. Europäer kauften signifikant häufiger dieses rare Gut als Nordamerikaner, hatten aber weniger auf Lager. Dies erklärten die Studienautoren damit, dass die Nordamerikanischen Toilettenpapierpackungen deutlich mehr Rollen enthielten als die europäischen Päckchen. (Dazu noch ein interessanter Artikel von 2015: https://www.independent.co.uk/news/business/analysis-and-features/toilet-paper-rolls-in-the-us-are-steadily-shrinking-this-is-why-10005455.html)
Faktoren, die obige Verhaltensweisen signifikant positiv beeinflussten waren:
- Wahrnehmung von Bedrohung durch COVID-19
- Gewissenhaftigkeit (d.h. Organisation, Sorgfalt, Perfektionismus, Vorsicht)
Die Bedrohungswahrnehmung erhöhte sich signifikant mit dem Alter der Teilnehmer und den Tagen, welche sie in Quarantäne verbracht hatten. Frauen fühlten sich signifikant mehr von COVID-19 bedroht als Männer, Europäer hingegen signifikant weniger als Nordamerikaner. Den Unterschied der Bedrohungswahrnehmung zwischen Frau und Mann machte wohl der signifikante Link zwischen Emotionalität und Bedrohungsgefühl. (wohl ein erneuter indirekter Link, dass Frauen mehr Emotionen haben)
Einen Zusammenhang von obigen Erkenntnissen mit Sozio-demographischen Charakteristika und Regulationen durch lokale Autoritäten (wie z.B. Restriktion der Mobilität) wurden ausgeschlossen.
Letztlich folgerten die Studienautoren, dass das Toilettenpapier wohl ein subjektives Symbol der Sicherheit darstellt.
Nun mag manche/r psychologisch versierte/r LeserIn sich vielleicht fragen, ob das Horten von Toilettenpapier nicht eine Bestätigung von Sigmund Freud’s Regressionshypothese darstellt- Ein durch (Pandemie-) Stress verursachtes Bedürfnis eine Verbindung zu früheren Entwicklungsphasen zu finden und somit das Urvertrauen wieder zu gewinnen….
Was ist aber mit Kulturkreisen, in welchen das Klopapier weniger weit verbreitet ist (Orient/indischer Subkontinent)? Wie finden diese Menschen das Urvertrauen in dieser stressvollen Zeit? Ein interessantes Forschungsthema…
Auf jeden Fall hat die COVID-19 Pandemie nicht nur der Wissenschaft viel Forschungsmaterial/Spiel beschert. Somit freuen wir uns auf weitere Erkenntnisse aus den Tiefen der Menschheit