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Brunos Tramnotizen – N°31
Die zwei Freunde sassen nebeneinander im 2er Richtung Bellevue. Am Fenster Rolf, ein sportlicher Zweimeter-Athlet, neben ihm der übergewichtige Franz, zwei Köpfe kleiner, beide trugen teure Designerklamotten, das sah ulkig aus. Franz wiederholte schon zum vierten Mal, er werde in den nächsten sechs Monaten mindestens 15 Kilo abnehmen. Die Diät, die er mache, koste zwar mehrere Tausend Franken, aber die Ärztin, die ihm diese verschrieben habe, hätte mit dieser Methode megamässigen Erfolg. Rolf lächelte süffisant vor sich hin. Er kenne das. Und ihn auch, den Franz. Er wolle ihm seine Vorsätze nicht schlechtreden. Aber er habe bereits vor Jahren damit angefangen, jedes Mal nach zwei Wochen seine Versuche abgebrochen und seither kein Gramm abgespeckt. Und eigentlich ginge es ihm ja gut, er habe keine Beschwerden, sei fit, gewinne jedes Jahr die Tennis-Clubmeisterschaft in seiner Kategorie, er sei glücklich und eine Frohnatur. Und immer, wenn er aus purer Eitelkeit gedenke, eine Verschönerung an seiner Figur anzukündigen, würde er schmallippig, unerträglich und verliere beinahe seine besten Freunde. Er solle doch endlich aufhören mit dem Cabaret. Er sei eben so, wie er sei, so würden ihn auch alle mögen. Franz schwieg eine Weile, seufzte nur. Rolf liess nicht locker, erinnerte Franz daran, dass er ohnehin spätestens nach zehn Tagen wieder Lust auf ein gutes Essen habe und als Gourmet die Diät ohnehin schon jetzt verteufle. Das bringe nichts. Franz schaute bittend rüber zu Rolf, meinte, ein bisschen könne er ihm doch helfen, nur ein bisschen, schon allein fürs Ego. Rolf grinste, liess Franz wissen, dass er ihm versprechen müsse, den Diät-Furz gar nicht anzufangen und niemandem mit seinem Vorhaben auf den Geist zu gehen, Ziel seien maximal fünf Kilo. Franz atmete erleichtert auf, versprach es artig, fragte schliesslich, wann sie beginnen könnten. Rolf überlegte kurz, meinte dann, ab kommender Woche, jeden Tag über Mittag, 45 Minuten, bei ihm im Fitnessstudio. In zwei Wochen würde er sich zehn Jahre jünger fühlen. Rolf räusperte sich, fügte hinzu, anfangen könnten sie schon heute Abend, Franz solle ihn zum Nachtessen einladen.
21. September 2015