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Frage2789
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Download dieses Frame mit rechter Maustaste:===>2789 Joh 20.22

Obwohl es ein wenig den Rahmen von "Bibelgriechisch" sprengt, erlaube ich mir eine gute Auslegung zu Joh 20,22 weiterzugeben, weil sie doch einiges Licht bringt und zum Verständnis der Stelle beiträgt. Sie stammt von Prof. Herbert Jantzen.
Vers 22: Er hauchte sie an: „Empfangt Heiligen Geist!“
Der Artikel kann im Griechischen weggelassen werden. (Die Theorie, dass der Gebrauch ohne den Artikel sich auf die Gaben oder Wirkungen des Geistes bezieht, und der Gebrauch mit den Artikel auf die Person des Geistes, ist nicht genügend belegt und kann wahrscheinlich überhaupt nicht belegt werden.)
Es handelt sich hier wirklich um die Person des Heiligen Geistes. Man kann auch übersetzen: „Empfangt den Heiligen Geist!“
Aber, ob die Jünger den Heiligen Geist zu diesem Zeitpunkt empfangen haben, steht nicht geschrieben. Wir können es nicht wissen. Wir wollen nicht über die Heilige Schrift hinausgehen. Wir wollen lernen zu schweigen, wo die Schrift schweigt und zu sprechen wo die Schrift spricht. Und wir wollen lernen, so zu sprechen wie die Schrift spricht. Wir sollen es nicht besser wissen wollen.
Möglichkeit 1: Jesus hatte ihnen vom Heiligen Geist erzählt und gesagt, er werde ihn senden. Jetzt wo er gestorben und auferstanden ist, könnte er sie daran erinnert haben: „Wartet darauf, erwartet und empfangt ihn, nehmt ihn in Empfang. So wie der Vater mich sandte, sende ich euch. Empfangt den Heiligen Geist.“ Dies könnte eine Parallelstelle zu Apg 1,8 sein: „Ihr werdet Kraft empfangen, wann der Heilige Geist auf euch kommt und ihr werdet meine Zeugen sein.“
Die Sendung gehört zusammen mit dem Heiligen Geist. Wenn die Sendung erst mit dem Pfingsttag geschieht, geschieht der Empfang des Heiligen Geistes ebenfalls erst mit Pfingsten.
Möglichkeit 2: Sie haben den Heiligen Geist mit dem Anhauchen empfangen. Das erinnert an die Erschaffung des ersten Menschen (1.Mos 2). Als Gott den Menschen anhauchte, wurde er „eine lebendige Seele“. Der Heilige Geist ist notwendig für das Leben des inneren Menschen.
Es ergibt sich die Frage: Heißt dies, dass sie dann auch neues Leben erhalten haben? Und hat dann die Wiedergeburt an jenem Auferstehungstag stattgefunden. WHenn ja, so war Thomas nicht wiedergeboren worden (denn er war damals nicht dabei), auch Matthias (Apg 1) nicht, und die 500 Brüder (1.Kor 15) bzw. die 120 (Apg 1) waren dann noch nicht wiedergeboren – im Gegensatz zu den Zehn. Gab es folglich eine gewisse Zeit lang einerseits Gläubige, die bereits wiedergeboren waren, und andererseits solche, die es noch nicht waren?
Vom Text her und vom weiteren Kontext her kann man nicht behaupten, dass die Jünger in Joh 20 wiedergeboren wurden und danach am Pfingsttage ihre so genannte „zweite Geist-Erfahrung“ machten. Wenn sie den Geist bekommen haben (was möglich ist), dann nicht so (und nicht in dem Sinne) wie am Pfingsttage; denn an Pfingsten kam der Heilige Geist so, wie er von den alttestamentlichen Propheten und Johannes dem Täufer und Jesus verheißen worden war. (Vgl. Hes 36,26f). Mit dem Kommen des Geistes ins Innere des Menschen sollte ein Neuwerden stattfinden und der Mensch ein neuen Herz kommen. Jesus hatte den Jüngern gesagt, dass dies stattfinden werde, sobald der Heilige Geist kommen würde. Das kann aber nicht vor der Erhöhung (Himmelfahrt und Inthronisation) Christi geschehen (Jh 7,39; Ag 2,33). Das entscheidende Kommen des Geistes auf die Erde fand am Pfingsttag statt, nicht vorher. In Apg 1 sagt der Herr Jesus, dass der Heilige Geist noch nicht gekommen ist: Die „Verheißung, die ihr von mir gehört habt“ (Ag 1,4), ist noch nicht eingetroffen. Alles Kommen des Geistes vor Pfingsten kann daher nicht von der Art und Qualität des Kommens des Geistes an Pfingsten sein und nicht dieselbe Bedeutung haben wie dieses. Der Heilige Geist kam auch im Alten Testament. Dennoch bleibt auch im Alten Testament die Wiedergeburt eine Verheißung. Sie war im AT noch nicht erfüllte Wirklichkeit.
Was fand dann statt, wann immer der Heilige Geist im Alten Testament oder zu einem Zeitpunkt vor Pfingsten kam? : Vgl. Mt 10: Jesus sandte die Zwölf vor sich her. Sie vertraten ihn. Als sie so, ohne seine Gegenwart, wirkten, gab er ihnen seine Vollmacht mit - wahrscheinlich mittels des Heiligen Geistes. Ebenso war es auch bei den Propheten im Alten Testament der Fall. Lk 10: Die Siebzig empfingen ebenfalls Vollmacht von Jesus, sodass sie im Namen des Messias gewissen Taten vollbringen können. Aber dieses alles war ein vorübergehendes (= nicht bleibendes) Geisteskommen, nicht das eigentliche (heilsgeschichtliche) Kommen des Geistes an Pfingsten.
Wir dürfen also Joh 20 nicht gegen Apg 1 und 2 ausspielen bzw. für die Lehre von einer zweiten Erfahrung mit dem Geist nach der Wiedergeburt (= die „charismatische Erfahrung“) missbrauchen.
Mit lieben Grüßen
Thomas