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Luzern hat ein neues Kulturangebot: Kunsthändlerin Angela Rosengart eröffnet ihr Museum mit Bildern von modernen Meistern wie Cézanne, Miró, Picasso und Klee.
Nach dem Ersten Weltkrieg war Luzern kurz ein Kunsthandels-Zentrum. Händler kamen und gingen - einer blieb: Siegfried Rosengart. Ihm und seiner Tochter verdankt Luzern die neuste Attraktion, eine Sammlung von Weltruf.
Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg isoliert. Von einem neutralen Ort aus wollte man wenigstens in der Kunst den Kontakt zur Welt wieder knüpfen. Der deutsche Kunsthandel wählte Luzern, um ein Kunsthandels-Zentrum aufzubauen.
In den zwanziger Jahren liessen sich bedeutende Galerien in Luzern nieder. Der Handel mit der Kunst blühte. Vor allem kamen amerikanische Sammler auf der Suche nach Kunstwerken. Die Weltwirtschaftskrise machte dem Handel ein jähes Ende.
1919 war der damals 25-jährige Siegfried Rosengart nach Luzern gekommen, um die Filiale der renommierten Münchner Galerie Tannhauser zu führen. Sie war auf Altmeister und Impressionisten spezialisiert, hatte aber auch Picasso und Matisse im Angebot.
Lieber in Luzern weniger verdienen
Als der Exodus der Galeristen einsetzte, blieb Rosengart. Er hatte die Stadt ins Herz geschlossen, ihm gefiel die Lage, die Aussicht. "Lieber hier weniger verdienen als andernorts mehr!" sagte er.
Manchmal verdiente er nicht nur wenig, sondern machte gar Verluste. Hart war es vor allem zwischen 1928 und 1937. Rosengart musste etwa ein Bild von van Gogh mit Verlust verkaufen. Und war noch glücklich, weil er wenigstens wieder Geld hatte, um neue Bilder zu kaufen.
Ab 1937 führte er die Galerie unter eigenem Namen. Als Händler knüpfte er nicht nur Kontakte, sondern auch Freundschaften; u.a. mit Picasso, Braque, Matisse, Miró, Chagall, Moore. Picasso etwa malte mehrmals Rosengarts Tochter Angela.
Für Rosengart war der Kunsthandel Berufung. "Der Kunsthändler muss helfen - den Museen, den Ausstellungen, den Sammlern." Er habe eine grosse Verantwortung und müsse das Vertrauen der Künstler und der Käufer haben. Schade sei es, "wenn man diesen wirklich schönen Beruf nur zum Geldverdienen missbraucht".
Bilder: Rosengarts "Kinder"
Diese Philosophie teilt auch Angela Rosengart, seit 1957 Teilhaberin der Galerie. Vater und Tochter handelten im Grund nur mit Werken, zu denen sie einen Bezug hatten. Nicht selten sprachen sie von Bildern als ihren "Kindern".
Als die Stadt Luzern 1978 das 800-Jahr-Jubiläum feierte, zeigten sich die Rosengarts bei ihrer Wahlheimat erkenntlich. Sie schenkten ihr acht Werke Picassos. Später wurde die im Picasso-Museum ausgesellte Schenkung immer wieder erweitert.
1985 starb Siegfried Rosengart 91-jährig. 1988 ehrte das Kunstmuseum Luzern ihn mit der Ausstellung "Von Matisse bis Picasso". Sie zeigte 70 - von Rosengart vermittelte - Meisterwerke des 20. Jahrhundert. 52'000 Eintritte verschafften dem Kunstmuseum einen Besucher-Rekord.
Jetzt geht Angela Rosengart einen Schritt weiter. Sie trennt sich von ihren "Kindern", macht die "Sammlung von Weltgeltung" (David Streiff, Direktor des Bundesamtes für Kultur) in ihrem Rosengart-Museum öffentlich zugänglich. Luzern kommt zu einer neuen Attraktion, die Schweizer Museums-Landschaft zu einem weiteren Höhepunkt - einem Haus der klassischen Moderne.
swissinfo und Meinrad Buholzer (sda)