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Bauernwelt in den „Jugederinnerige“ des Dr. h.c. Walter Höhn-Ochsner (1885-1981).
Walter Höhn-Ochsner wurde im Jahre 1885 nahe des idyllischen Hüttnersees, hoch über dem Zürichsee in der Gemeinde Samstagern, geboren und wuchs dort im durchaus stattlichen elterlichen Bauernhof auf. Der hochintelligente Knabe besuchte das Lehrerseminar in Küsnacht, um dann jahrezehntelang als Sekundarlehrer in der Stadt Zürich zu wirken. Walter Höhns vielfältige wissenschaftliche Interessen galten in erster Linie der Pflanzen- und Tierwelt seiner engeren Heimat. Dazu publizierte er sowohl Bücher als auch wissenschaftliche Artikel. Auch die Universität erkannte den Gehalt dieser Forschungen an und verlieh Höhn-Ochsner im Jahre 1942 verdientermassen das Ehrendoktorat (Dr. h.c.).
Gegen Ende seines ungewöhnlich langen Lebens, zu Beginn der 1980er Jahre, veröffentlichte Walter Höhn-Ochsner seine Jugenderinnerungen im Zürcher Dialekt. Darin beschreibt er ungekünstelt die Lebenswelt der damaligen Bauern und ihrer Kinder hoch über dem Zürichsee.
Der Autor beginnt seine Aufzeichnungen mit der Beschreibung des elterlichen Bauernhauses. Die Familie war zwar nicht reich, gehörte aber auch nicht zu den Dorfarmen. Der Vater war nicht nur ein fleissiger, sparsamer und kundiger Bauer, sondern auch ein begabter Heimwerker, der viel mit eigenen Händen anfertigte und reparierte. Er besass eine Hobelbank sowie einen sorgfältig geordneten Werkzeugkasten, den die Kinder indessen niemals berühren, sondern nur aus der Ferne bestaunen durften.
Walter Höhn hatte als Bauernknabe viel mitzuhelfen zuhause in Haus und Hof. Das war damals normal für Bauernkinder. Seine spärlich bemessene Freizeit verbrachte er am liebsten draussen in der freien Natur, Tiere und Pflanzen beobachtend.
Waren die Bauern bis ca. 1860 noch weitgehend Selbstversorger gewesen und hatten sie folglich auch Getreide auf rauem Boden in relativ grosser Höhe selbst angebaut, so spezialisierten sie sich allmählich auf Viehaufzucht und Milchwirtschaft, also auf den Markt und auf den «Export» vor allem in die wachsende Grossstadt Zürich. Zu den wichtigsten Veränderungen innerhalb der Landwirtschaft gehörte auch die Einführung einer obligatorischen Viehversicherung. Jedes Tier musste nun einen Namen tragen und wurde in ein Register eingetragen. Die Bauern hatten ihren Kühen und Stieren jedoch schon vorher teilweise liebevolle Namen gegeben. Auch die Pferde wurden in der Regel gut behandelt, so der treue Hengst «Vögi», der Liebling der Familie Höhn, der nicht nur Arbeitstier am «Göpel» war, sondern auch zu Ausfahrten mit der Chaise eingespannt wurde. In späteren Jahrzehnten politisierten sich die Viehnamen: So schrieb Walter Höhn-Ochsner, dass in den 1930er Jahren so manche Zürcher Oberländer Familie ihren Muni nach «Duce» Benito Mussolini oder nach dem deutschen «Führer» Adolf Hitler benannt habe.
Walter Höhn-Ochsner weilte als Bube gerne am Hüttnersee, wo er badete und im Winter Schlittschuh lief. Der Vater schenkte dem Sekundarschüler eine Angel, damit er fischen konnte. Und die Buben machten auch Jagd auf Edelkrebse («chräbsne»), die sie als Delikatesse an vermögende «Züriherren» verkauften. Im Winter wurden zudem Eisbrücken aus dem Seeli herausgeschlagen und nach Wädenswil an die Brauerei verkauft, die sie zur Kühlung der Bierfässer gebrauchte.
Es gäbe noch so manches zu erzählen aus der Welt der Bauern um 1890, so die Lektüren (Bibel, fromme Schriften, Kalender usw.) der Familie Höhn oder die «Kurpfuscherei» in Abwesenheit bezahlbarer Schulmediziner. Dr. Walter Höhn-Ochsner war ein Spezialist auch für Heilessenzen aus Pflanzen und Tieren. Darüber verfasste er sein Alterswerk, das wie die «Juged-
erinnerige» dem geneigten Leser und der Leserin sehr zu empfehlen ist.
Fabian Brändle
Höhn-Ochsner, Walter, S Puurebüebli vom Hüttnerseeli. Jugederinnerige. Richterswil, ohne Jahr (ca. 1982).