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Der Auftrag der L. (Flugwaffe bis 1995) besteht in der Wahrung der schweiz. Lufthoheit. Im Rahmen des Reformunterfangens Armee XXI wurden die 1936 gegr. L. sowie die Flieger- und Flabtruppen (Fliegerabwehr) als Teilstreitkraft organisiert.
Nachdem der Bundesrat 1910 eine Unterstützung für die Flugausbildung zu militär. Zwecken verweigert hatte, organisierte die Schweiz. Offiziersgesellschaft 1912 eine private Nationalspende, die 1914 ein Sammelresultat von 1,7 Mio. Fr. zugunsten der Militäraviatik erbrachte. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs vereitelte jedoch den vorgesehenen Kauf von sechs Doppeldeckern. Somit standen am Tag der Mobilisation nur neun Piloten mit acht Privatflugzeugen der militär. Abwehr zur Verfügung. Ihr anfängl. Stützpunkt war das Beundenfeld auf der Berner Allmend, 1914 erfolgte die Verlegung nach Dübendorf. Die Kriegsjahre waren geprägt von einem Aufbau der Flugwaffe und einem regen Schulbetrieb in Dübendorf und Thun, die der Schulung und Aufklärung dienten. Bei Kriegsende 1918 zählte die L. 62 brevetierte Militärpiloten und 68 Flugzeuge, die alle in der Schweiz gebaut worden waren.
Das Sparregime bei Militärausgaben nach 1919 sowie Fehlschläge bei der Entwicklung von Flugzeugen liessen in den 1920er Jahren nur einen beschränkten Ausbau der Flugwaffe zu (Rüstung). Indes entstanden neue Flugplätze in Thun (1920), Lausanne (1925) und Payerne (1935) sowie, über das Land verteilt, Fliegerstützpunkte. Mit dem von den eidg. Räten 1930 gebilligten Kredit über 20 Mio. Fr. für die Flugzeugbeschaffung verlagerte sich das Schwergewicht der L. von Beobachtungs- hin zu Kampfflugzeugen. Ab 1930 wurden in den Konstruktionswerkstätten in Thun und in den Flugzeugwerken Altenrhein (Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein) Jagdflugzeuge Dewoitine D-27 und Fernaufklärer Fokker CV-E produziert (Rüstungsbetriebe). Unter dem Druck der dt. Aufrüstung intensivierte die Schweiz ihre Rüstungsanstrengungen. Sie führte den Beobachter- und Kampfdoppeldecker C-35 ein, erwarb die Baulizenz für das franz. Jagdflugzeug Morane-Saulnier und kaufte die ersten dt. Messerschmitt-Jäger. 1934 wurde der Fliegerbeobachtungs- und Meldedienst neu organisiert und zentralisiert. Erst 1936 erhielt die Flugwaffe den Status einer selbstständigen Waffengattung mit eigenem Waffenchef, dem man auch die gleichzeitig geschaffenen Fliegerabwehrtruppen unterstellte.
Bei Ausbruch des 2. Weltkriegs 1939 stand die schweiz. L. vor dem Ausbau. An kriegstaugl. Flugzeugen waren nur 40 Jagdeinsitzer (10 ME 109D; 28 ME 109E; 2 Morane) sowie 80 Mehrzweckzweisitzer C-35 vorhanden. 40 Zweisitzer CV-E und und 58 Jäger D-27 konnten bestenfalls Erdeinsätze fliegen. Von 21 eingerückten Fliegerkompanien mussten fünf, weil ohne Flugmaterial, wieder entlassen werden. Flabkanonen waren für die ca. 2'000 Ausgebildeten erst in minimaler Zahl vorhanden. Ab Juli 1940 wurden 15 Kriegsflugplätze mit Hartbelagspisten, Splitterwehren und Betonunterständen gebaut, u.a. 1940 in Emmen, Buochs, Meiringen und Interlaken, 1941 in Lodrino und Locarno und 1943 in Sitten. Entwicklung und Bau von Militärflugzeugen wurden 1941 von Thun nach Emmen verlegt.
Während des dt. Frankreichfeldzugs (Mai-Juni 1940) kam es zu rund 200 Grenzverletzungen durch fremde, v.a. dt. Kampfflugzeuge. Flieger und Flab traten als einzige Waffengattungen der Armee in Aktion. Einige Luftgefechte liessen auf den festen Abwehrwillen der ganzen Armee schliessen. Auf Druck von Deutschland verbot General Guisan am 20.6.1940 der Flugwaffe den Luftkampf über der Schweiz (bis Anfang Nov. 1943) und überliess die Wahrung der schweiz. Lufthoheit der Flab. Da diese gegen hoch fliegende Flugzeuge nur ihre 7,5-cm-Kanonen einsetzen konnte, stand dem Überflug des schweiz. Luftraums durch dt. und engl. Flugzeuge, ab Aug. 1943 auch durch amerikan. Bombengeschwader, nur wenig im Weg. Insgesamt wurden Flieger und Flab während des Kriegs quantitativ verstärkt, aber kaum technisch verbessert. Ende Aug. 1945 zählte die Flugwaffe 530 Flugzeuge, nämlich 328 Jagd- und 202 Mehrzweckzweisitzer, ausser den dt. Messerschmidt alle aus schweiz. Produktion. Die Flab bestand aus 2'000 Kanonen (274 7,5-cm; 278 34-mm; 1'448 20-mm), ohne jene der Infanterie und der Festungen. Sie zählte 67 leichte und 43 schwere Batterien sowie 14 Scheinwerferkompanien, ferner zwölfToni Bernhard, Henry Wydler leichte und 33 34-mm Batterien der sog. Ortsflab.
Autorin/Autor: Toni Bernhard, Henry Wydler
Nach Kriegsende 1945 suchte die Schweiz den Anschluss an die neuen Techniken wie Strahl- oder Düsentriebwerke, Lenkwaffen, Radar und Elektronik zu gewinnen. Zur Überbrückung kaufte sie 1948 130 amerikan. Mustang P-51 D, einen der besten Kolbenmotorjäger. In der Folge wurden 425 Düsenkampfflugzeuge beschafft (175 Vampires und 250 Venoms), wovon 350 im Lizenzbau in der Schweiz produziert worden waren. Damit waren 1956 die Kampfstaffeln der schweiz. Flugwaffe als erste in der Welt auschliesslich mit Düsenflugzeugen ausgerüstet. Für diese Maschinen musste ab den 1950er Jahren die Infrastruktur der bestehenden Flugplätze angepasst werden. Neu entstanden Flugzeugkavernen und ab den 1960er Jahren Notlandepisten auf Autobahnen. 1958 verzichteten die Eidg. Flugzeugwerke in Emmen (N-20) sowie die Flugzeugwerke Altenrhein (P-16) auf Eigenentwicklungen, an deren Stelle traten die 130 in England beschafften Jagdbomber des Typs Hunter. 1954 erhielt die Kleinkaliberflab die leistungsfähigen 22-mm Kanonen mit einer Wirkungshöhe von 1'500 m. Weitere Modernisierungen der Flugwaffe in den 1960er Jahren bedeuteten die Einführung des zentralen Flugüberwachungssystems Florida und der Boden-Luft-Lenkwaffen Bloodhound, die bis 1999 in Betrieb waren. Die Anschaffung des franz. Abfangjägers Mirage eskalierte in massiven Kostenüberschreitungen. Die Mirage-Affäre führte zu einer Redimensionierung des Beschaffungsprogramms, so dass nach einem Parlamentsentscheid statt der geplanten 100 Maschinen in Lizenz nur deren 59 gebaut wurden. Zudem kam es zu einer konzeptionellen Anpassung der militär. Landesverteidigung (Konzeption vom 6.6.1966).
Der Entscheid des Bundesrats von 1972, 30 Jagdbomber (Kosten: 1,5 Mrd. Fr.) nicht anzuschaffen, entfachte eine Grundsatzdebatte über das Luftkriegskonzept. Priorität erhielt der Raumschutz: Ab 1976 wurden 110 amerikan. Leichtjäger des Typs F-5 E Tiger beschafft und 1985 die Flab durch ein mobiles Flablenkwaffensystem Rapier mit einer Wirkungshöhe von 3'000 m zum Schutz vor mechanisierten Verbänden verstärkt. In den 1990er Jahren ersetzte die mobile Flablenkwaffe Stinger, die von einer Person bedient werden kann, die alten Flabkanonen. Den mit Helikoptern (ab 1958 Alouette II SE-3130, ab 1964 Alouette III SE-3160, ab 1987 SA-332 Super Puma) und Flächenflugzeugen (Pilatus-Porter) ausgerüsteten Leichtfliegerstaffeln obliegen neben Aufklärung und Verbindung hauptsächlich Transporte.
Kennzeichnend für die Entwicklung der Flugwaffe ab 1945 ist die Einführung stets wirkungsvollerer Kampfflugzeuge, deren Stückzahl ab Mitte der 1990er Jahre ständig reduziert wurde. Nach dem Armeeleitbild von 1995 konnten bisher elf Kriegsflugplätze aufgehoben werden, ein weiterer wurde dem Kt. Graubünden übergeben. Im jüngsten und grössten Rüstungsvorhaben der schweiz. Flugwaffe - dem Kauf von 34 amerikan. Kampfbombern F/A-18 Hornet für 3,5 Mrd. Fr. - wurde aufgrund einer Volksinitiative erstmals das Volk befragt, das sich in der Abstimmung von 1993 für die Beschaffung aussprach.
1977 nahmen schweiz. Kampfflugzeuge zum ersten Mal an Schiessversuchen in Vidsel (Schweden) teil. Den Grundstein für den Ausbildungsaustausch mit befreundeten Ländern legte in den 1980er Jahren das Protocole d'accord mit Frankreich für die Pilotenausbildung. Es folgten weitere Abkommen mit zahlreichen ausländ. Streitkräften. Ab 1985 konnten Schweizer Militärpiloten ein Luftkampftraining in tieferen Flughöhen von Sardinien aus durchführen; seit 1991 geschieht dies über der Nordsee.
1946 wurden erstmals Verunfallte im Hochgebirge von den Fliegertruppen gerettet. Den ersten Hilfseinsatz im Ausland leisteten diese 1974 in der Sahelzone. 1999 transportierten sie Hilfsgüter für das Uno-Flüchtlingshilfswerk in Albanien, 2005 leistete sie Hilfe nach der Tsunami-Katastrophe auf Sumatra. Seit 2003 werden anlässlich des World Economic Forum Davos Kampfflugzeuge zum Luftpolizeidienst eingesetzt.
Autorin/Autor: Toni Bernhard, Henry Wydler
In der 1. Hälfte des 20. Jh. entwickelte sich in der Schweiz, die in beiden Weltkriegen vom Nachschub an Flugmaterial abgeschnitten war, eine auf militär. Zwecke ausgerichtete Flugzeugindustrie. Bis heute besitzt sie das Know-how für Lizenz- und Kompensationsgeschäfte. Als Pioniere des Flugzeugbaus gelten u.a. Franz Schneider, August Haefeli, Alfred Comte, Henry Fierz und Jakob Ackeret.
|Gründungsjahr||Konstruktionsstätten|
|1915||Eidg. Konstruktionswerkstätte Thun|
|1925||Flugzeugfabrik Alfred Comte, Oberrieden|
|1927||Dornier-Werke AG, Altenrhein|
|1934||Farner Flugzeugbau AG, Grenchen|
|1939||Pilatus Flugzeugwerke AG, Stans|
|1943||Eidg. Flugzeugwerk Emmen|
In den 1950er Jahren lief die Produktion an Trainern und Kleintransportern bei den Pilatus Flugzeugwerken, ab den 1970er Jahren auch in den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein an, mit denen sich die Schweiz auf dem Weltmarkt behauptete.
|Typ||Hersteller||Gebaut||im Armeeeinsatz|
|Wild, WT und WTS||Robert Wild||44||1915-26|
|KHaefeli DH-3||Eidg. Konstruktionswerkstätte Thun||109||1917-25|
|Haefeli DH-5||80||1922-40|
|K + W C-35||90||1937-50|
|K + W C-3603||160||1942-73|
|Comte AC-4||Flugzeugfabrik Alfred Comte, Oberrieden||10||1928-|
|Pilatus P-2||Pilatus Flugzeugwerke AG, Stans||55||1948-81|
|Pilatus P-3||73||1956-|
|Pilatus-Porter PC-6||510||1959-|
|Pilatus PC-7 mit MK-2||480||1976- (1994-)|
|Pilatus PC-9||200||1984-|
|Pilat us PC-12||35||1993-|
|BRAVO AS 202||Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein||170||1976-|
Autorin/Autor: Toni Bernhard, Henry Wydler
Autorin/Autor: Toni Bernhard, Henry Wydler