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5150, Rue des Ormes (2009)
5150, Rue des Ormes (2009)
Oder: "I wanna play a game..."
Yannick (Marc-André Grondin) ist ein junger Mann, der die Gelegenheit erhält, eine höhere Filmschule zu besuchen. Deshalb muss er sich nun eine neue Bleibe suchen. Als er etwas Passendes gefunden hat, macht er sich auf, um die Nachbarschafft auszukundschaften. Dabei biegt er mit seinem Velo auch in die Rue des Ormes ein. Als eine schwarze Katze ihm vor die Räder läuft, bremst er dermassen, dass er vom Fahrrad fällt. Leicht verletzt und mit einem kaputten Fahrrad ersucht er beim nächsten Haus Hilfe. Der Taxifahrer und Familienvater Jacques Beaulieu (Normand D'Amour) verspricht ihm ein Taxi zu rufen.
Als Yannick in das Haus tritt und Hilfeschreie aus dem oberen Stock des Hauses vernimmt, gerät er in einen Albtraum. Denn als er einen blutenden Mann in einem abgedunkelten Raum erblickt, wird er von Jacques gepackt und ebenfalls eingesperrt. Jacques erklärt, dass er es auf die unrechten Menschen abgesehen habe. Doch leider passt der nette Yannick überhaupt nicht in sein Beuteschema. Deshalb bietet er ihm einen Ausweg an: Wenn Yannick es schafft, ihn in einer Partie Schach zu schlagen, ist er frei. Doch leichter gesagt als getan: Jacques ist mehrfacher Schachchampion.
Film-Rating
Was Horror betrifft, sind die Franzosen momentan schon das Mass aller Dinge. Mit À l'intérieur und Martyrs haben sie zwei der besten Horrorfilme der Neuzeit geschaffen. Dass man in Teilen von Kanada ebenfalls französisch spricht, ist kein Geheimnis. Dass in der Region Québec auch Horrorfilme gedreht werden, ist jedoch den Wenigsten bekannt. Das NIFFF versuchte im Jahre 2010 den Zuschauern diese neue Horrorwelt vorzustellen. Leider beweist 5150, Rue des Ormes, dass die Kanadier noch einen Schritt zu weit weg sind vom Land ihrer Muttersprache.
Die Ausgangslage des Filmes, welcher auf einem Buch von Patrick Senécal basiert, erinnert auch ein wenig an Martyrs: Person wird von Verrückten aus dubiosen Gründen eingesperrt. Danach streift der Film weitere populäre Filme der jüngeren Zeit, wie beispielsweise die Saw-Filme. Dies macht den Film zu einem munteren Rätselraten, wo sich die Macher überall bedient haben könnten. Natürlich ist dies Quatsch, da das Buch 2001 erschien. Es lässt einen aber am Film dranbleiben - von alleine schafft der dies nämlich nicht.
Schwach ist, dass die Hoffnungslosigkeit der Situation, in der Yannick sich befindet, für den Zuschauer nie wirklich greifbar wird. Durch ein selbst gedrehtes Tape und die Hilfsbereitschaft der Ehefrau des Entführers sind ständig zwei Auswege aktiv, die dem Film viel von seiner Spannung nehmen.
Auf der Spannungsebene hat der Film wirklich nicht seine Stärken, sondern eher bei den Charakteren. Egal, wie man den Bösewicht ansieht: Er ist sicherlich kein 08/15-Schurke, sondern intelligent und unberechenbar. Obwohl versucht wird, seine Beweggründe zu erläutern, büsst er während des ganzen Filmes nie an Bedrohung ein. Bei einer solchen Fokussierung auf den Antagonisten wird oftmals das Opfer vergessen. Yannick hätte auch einiges an Ergründungspotential gehabt, jedoch werden seine Sorgen sekundär bis gar nicht behandelt. Man fragt sich die ganze Zeit, wie denn nun Beziehung zwischen ihm und seinen Eltern ist. So stehen die Traumsequenzen mit dem Vater etwas leer im Raum. Dafür erhält die Tochter des Entführers eine gewichtigere Rolle, obwohl es diese Szenen mit der "Ausbildung" gar nicht gebraucht hätte.
Interessant ist sicherlich die Idee mit dem Schachspiel. Jedoch wird es geradezu lächerlich, als sie das Spiel an einen neuen Ort verlegen. An diesem neuen Ort geht die ganze Glaubwürdigkeit flöten, und der bedrohliche und unheimliche Bösewicht wird zu einem totalen Spinner degradiert. Hier wäre weniger spektakulär definitiv mehr gewesen.
Fazit: Mit 5150, Rue des Ormes ist Regisseur Éric Tessier ein mässiger Horror-Thriller gelungen. Hätte er sich auf das Duell zwischen Jacques und Yannick konzentriert und die Nebenhandlungen wie die "Ausbildung" der Tochter weggelassen, hätte man ein intensives Kammerspiel erhalten. So jedoch wird der Film immer länger und länger und schiesst sich zum Schluss mit dem entscheidenden Schachspiel selbst ab. Der Film hat sich dadurch treffenderweise gerade selbst schachmatt gesetzt.
OutNow.CH:
06.07.2010 / crs
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