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Im Herzen und in der Seele war Cla Nett Musiker: Die Kraft des Blues eines Muddy Waters oder Freddie King berührte ihn schon seit seinen Teenager-Tagen. Als Gitarrist trat Cla erst der Marrow Blues Band bei, gründete dann aber schon 1975 seine Lazy Poker Blues Band. Dabei ging es Cla stets darum, auf der Basis der afro-amerikanischen Wurzeln einen eigenen Ausdruck zu finden. Auch betrachtete er Musik immer als Gemeinschaftswerk, als Team-Effort, bei welchem es sich auf die Stärken der einzelnen Bandmitglieder zu konzentrieren galt. Gefühl, Groove und Dynamik stellte er über blosse Technik.
Mit der Lazy Poker Blues Band erlebte Cla trotz wechselndem Line-up eine für die Schweizer Szene bemerkenswerte Karriere. 1979 glänzte die Formation am Finale des Nationalen Jazz- & Rockfestivals im Römischen Theater Augst mit einer 9-köpfigen Horn Section – was zur Folge hatte, dass die Band für die nächsten Jahre permanent mit einem auf drei Musiker zurückgestutzten Bläsersatz unterwegs war. Plattenaufnahmen und Fernsehauftritte folgten. Anno 1984 tourten Lazy Poker für einen Monat durch Deutschland als Opener für Joe Cocker, waren Teil des Concert for Europe im Berliner Olympiastadion vor rund 50'000 Zuschauern, wurden gar für eine Konzertreise in die DDR eingeladen.
Einen seiner grössten Wünsche erfüllte sich Cla Mitte der 90er Jahre, als er, wie einst seine Vorbilder – die Rolling Stones oder Fleetwood Mac – mit seiner Band Plattenaufnahmen in Chicago machen und dazu lokale Bluesmusiker einladen konnte. Aber auch als gewöhnlicher Fan liebte es Cla, weit zu reisen: Tradition war für ihn jedes Jahr ein Besuch am New Orleans Jazz & Heritage Festival, mit anschliessendem Field Trip durch Louisiana oder Mississippi – auf den Spuren des Blues.
Cla Felice Nett wurde am Heiligabend 1956 im Unterengadin geboren, wo er auch seine ersten Lebensjahre verbrachte. Mitte der 1960er Jahre zog die Familie nach Basel, wo sein Vater eine Stelle als Lehrer antrat. Cla wechselte nach der Primarschule ans Humanistische Gymnasium, wo er mit der Matura Typus A abschloss. Mit einem «Cum Laude» krönte er sein anschliessendes Jus-Studium an der Universität Basel. Seine juristische Ausbildung stellte Cla schliesslich in den Dienst der Schweizer Musikszene. Im Vorstandsausschuss und als Präsident der Fachgruppe Phonoausübende bei der Swissperform, sowie als Managing Director bei der Schweizerischen Interpretengenossenschaft SIG konnte er sein Wissen und seine Erfahrung einbringen. Für seine Verdienste erhielt Cla anno 2004 den Swiss Blues Award verliehen.
Aus gesundheitlichen Gründen musste Cla in seinen letzten Lebensjahren musikalisch und beruflich kürzertreten. Noch im Juli 2021 kämpfte er sich praktisch aus dem Spitalbett auf die Bühne des Magic Blues Festivals im Valle Maggia, um ein letztes Mal mit seiner Lazy Poker Blues Band aufzutreten.
Marco Piazzalonga
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