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Bach ganz leise - Bach Moscheles Reinecke
Stefan Müller, Tasteninstrumente
Martin Pirktl, Gitarren
Bach ganz leise - Musikalisches Opfer
Empfindsame Claviermusik
Empfindsame Claviermusik
J. S. Bach, Friedemann Bach und Carl Philip Emanuel Bach
Instrumente der Werkstätte für historische Tasteninstrumente Scheer-Vogel, Jestetten
Dietikon 2004
- Wilhelm Friedemann Bach
Fantasie in g, BWV 920, früher J. S. Bach zugeschrieben; Clavizyterium
- – 8. Johann Sebastian Bach
Choralvariationen “Sei gegrüsset, Jesu gütig”, BWV 768; Clavicord
- Johann Sebastian Bach
Allegro aus der Sonate für Violine und obligates Cembalo Nr. 6, BWV 1016
- Johann Sebastian Bach
Ricercare a 3, BWV 1079; Cembalo
- Carl Philip Emanuel Bach
Rondo in e, “Abschied vom Silbermannschen Clavier”; Clavichord
- Carl Philip Emanuel Bach
Rondo in C, “Freude über den Empfang”; Clavichord
- C. Ph. E. Bach
Freie Fantasie in fis, “C. P. E. Bachs Empfindungen”; Clavichord
Bei Friedemann Bachs Fantasie in g BWV 920, Allegro moderato, Misurato, Adagio, Allegro con brio, Allegro ritenuto, wird der subjektive Ausdruck oftmals zum Programm: Die Musik verliert das Gleichgewicht, wirkt durch Affekt und Empfindung. Virtuose Läufe, schnell wechselnde Stimmungen, gewagte harmonische Sprünge, fragmentarisch anmutende Formen sind für seinen Stil charakteristisch. Ich halte Friedemann Bach für den wahrscheinlichsten Komponisten, insbesondere wegen der typischen Arpeggio-Figuren, die stark an ähnliche Stellen der Clavierfantasien erinnern. Auch aus dem rhythmisch kompromisslosen Schluss könnte der Charakter des Sohnes sprechen.
Die Choralpartita zur Passionszeit “Sei gegrüsset, Jesu gütig” von Johann Sebastian. Bach wirkt durch die gleich bleibende Choral-Vorlage ungleich konservativer. Bei der ersten Fassung handelt es sich um ein Duett mit Anklängen an den alten Bicinium-Stil, den Bach in seiner frühen Schaffensperiode verwendet hat. Über einem ruhig fortschreitenden Bass erhebt sich eine in Tongirlanden ausufernde Melodie. Typisch für diese Form ist der Schluss, den die Basslinie allein gestaltet. Bei der zweiten Variation handelt es sich um ein fugierendes Stück im Pachelbel-Stil, in dem die kleingliedrigen Motive imitierend durch die Stimmen wandern.
Das Stück “Abschied vom Silbermannschen Clavier in einem Rondeaux, dem ieztigen Besizzer D: E: Gr: zugeeignet und componirt von C. P. E. Bach 1781”, bildet ein Paar mit dem Antwortstück “Freude über den Empfang des Silbermannschen Claviers in einem Rondeaux dem H. Capellmeister Bach zugeeignet und componirt von Dr: Ew: Grotthuss im Septhr. 1781” des Instrumentenkäufers . Gemeint ist das Clavichord, wie an den Bebungzeichen deutlich erkennbar ist: In jeder Hinsicht sind beide Stücke komplementär zueinander: weich klagend das Rondo, heiter auffahrend das Allegro; zögernd im Rhythmus bei Ph. E., spielerisch synkopisierend bei Grotthuss. Voll schwermütiger Verzierungen Überladen der Abschied, von fast schon klassischer Schlankheit getragen der Empfang u.s.w.
Die Goldbergvariationen
Bis jetzt fast unbemerkt, lieferte das Gedenkjahr 2000 für Bachfreunde noch eine Überraschung: Die bekannten Goldberg-Variationen auf der Orgel gespielt.
Was man in den vielen Cembalodarbietungen oft vermisst, klingt bei Müller sogar wie ein Hauptanliegen: Eine wohltuende und verantwortungsvolle Berücksichtigung der von Bach verwendeten Taktarten und den ihnen inherenten Zeitmassen. Man wird auf natürliche Art davon überzeugt, dass sie alle ihr eigenes “tempo giusto” haben.
Da zusätzliche Angaben wie Allegro oder Presto (die Bach sehr wohl kannte!) fehlen in diesem Variationswerk, lässt Stefan Müller sich auch nicht zu solchen Geschwindigkeiten verleiten. Hingegen wird ein vereinzelt vorgeschriebenes Adagio (Nr.25 in g-moll) sehr schön hervorgehoben.
Naturgemäss hat eine Orgel eine reichere Registrierungsmöglichkeit als ein Cembalo. Stefan Müller macht davon einen passenden und abwechslungsreichen Gebrauch. So klingt in dieser Einspielung die Wiederholung der Aria nicht genau so wie am Anfang, sondern wie ein sanft tönender Widerhall nach den inzwischen erlebten Motiven und Gedanken.
Clemens-Christoph von Gleich Februar 2001
Die Kunst der Fuge
Das Duo Johann Sonnleitner/ Stefan Müller hat die Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach auf zwei Clavichorden aufgenommen. Dieses leise Instrument ermöglicht ein dynamisches, ausdrucksvolles Spiel; auch Bebungen sind möglich.
Die Verteilung der vier Stimmen auf zwei Instrumente erlaubt ein transparentes, polyphones Spiel, bei dem auch dialogische Momente zur Geltung kommen. Bei der Aufnahme wurde versucht, einen gesanglichen, emotionalen Zugang zur komplexen Polyphonie zu finden. Als Besonderheit sind auf der CD zwei Fassungen des unvollendet gebliebenen Contrapunctus 14 zu finden: einmal die Originalfassung (Torso), das zweite Mal mit der Ergänzung von Erich Bergel.
Als Instrumente wurden Nachbauten eines Clavichordes von Johann Heinrich Silbermann aus dem Jahr 1775 verwendet. Betreuung / Instrumente: Mischa Scheer:
www.vogel-scheer.de
Melancholische Clavichordmusik
Instrumente: Scheer und Vogel, Jestetten
1 Ricercare a 3
2 kleines Praeludium in d, BWV 926
3 kleines Praeludium in d,BWV 940
4 Praeludium in f, WK II
5 Fuge in f, WK II
6 Praeludium in fis, WK II
7 Fuge in fis, WK II
8 Praeludium in g, WK II
9 Fuge in g, WK II
10 Invention in e
11 Sinfonie in g
12 Invention in f
13 Sinfonie in f
aus den Goldbergvariationen:
14 Variation 13
15 Variation 15, Quintkanon
16 Variation 21, Septkanon
17 Variation 25
18 Aria
Die ursprünglich aus der griechischen Antike stammende Lehre von den vier Elementen entwickelte sich im Mittelalter und Barock zu einem umfassenden spekulativem System, welches die Wissenschaften und Künste miteinander verband, etwa die Astrologie mit der Metaphysik oder die Musik mit der Affektenlehre. Auf den Menschen angewandt ergaben sich die vier Temperamente Sanguiniker (Luft), Choleriker (Feuer), Phlegmatiker (Wasser), Melancholiker (Erde).
Die Eigenschaften der Temperamente wurden in moralischer Hinsicht gewertet, abhängig von Philosophie, Zeitgeist, Religion. So erführt die Melancholie beim grüblerischen Alchemisten des 17. Jahrhunderts eine andere Wertung als beim leistungsorientierten Calvinisten des 18. Jahrhunderts.
Nach Agrippa von Nettesheim sind die schlechten Seiten der Melancholie Traurigkeit, Ekel, Ängstlichkeit, Verstocktheit, Kälte, Lästerung, Verzweiflung, Lüge, Gespensterfurcht; die guten sind hohe Betrachtung, tiefe Einsicht, ernstes Urteil, strenges Nachdenken, Standhaftigkeit und unbeweglicher Vorsatz.
In J. S. Bachs Wohltemperierten Klavier geht es meiner Meinung nach nicht nur um die Temperierung des Tonsystems, sondern auch um die Temperierung der menschlichen Temperamente durch die Musik. Melancholische Figuren werden ausgeglichen durch Cholerische, Sanguinische durch Phlegmatische etc. So wirkt in der fis-Moll Fuge WK II das dritte Fugenthema belebend, sanguinisch und bringt Fluss in die Musik des statischen ersten Fugenthemas. Ziel ist der ausgeglichene Mensch, der die vier Temperamente in ihrer Eigenheit wohl erleben, sich aber nicht in ihrer Einseitigkeit verlieren soll.
Stefan Müller
Agrippa von Nettesheim: „Da Saturn überdies der Urheber der Betrachtung im Stillen, allen öffentlichen Angelegenheiten abgewandt und der höchste unter den Planeten ist: so ruft er die Seele nicht nur von äusseren Geschäften ins Innere zurück, sondern erhebt sie von den irdischen Dingen, indem er sie zu dem Höchsten emporzieht und ihr Wissenschaft und Voraussicht der Zukunft verleiht”
(Agrippa, die magischen Werke, 1510)
Marsilio Ficino „Ich weiss in diesen Zeiten sozusagen gar nicht, was ich will, vielleicht auch gar nicht, was ich weiss, und will, was ich nicht weiss. Die Sicherheit, die Dir die Güte Deines in den Fischen stehenden Jupiter gewährt, wird mir durch die Bösartigkeit meines im Löwen rückwärtsschreitenden Saturn verweigert”
(Briefwechsel Ficinos-Cavalcanti, 1495)
Marsilio Ficino „Notwendig ist es dem gelehrten, das das gemutte sich entziehe von den usserlichen dingen zu den innerlichen dingen: glicherweis als von dem zyrckel sich versammeln zu dem centrum und dar in verhafft werden, ist aller meyst eygenschafft des ertrichs, dem die schwartzgalle reytzt das gemuot des menschen, das es sich in eyn versammel und dar in beharre und all wegen contemplier. Und die selb schwartz gall, die da glich ist dem cenrto der welt, die neygt bezwinglich zu erforschen das centrum aller dinge und furet uns uber sich, umb zu begryffen die aller hochsten dinge, nemlich so sie gemeynschafft hat mit Saturno, dem aller hochsten planeten.”
(Ficino, Libri de vita tres, I, 4, Florenz 1489)
CD-Kritik Frank Agsteribbe
Playing Bach on a clavichord is not as unusual as one might think at first sight. Although the intimacy of the clavichord is not always appropriate to suit J. S. Bach’s adventurous keyboard works, there are enough intimate and melancholic pieces amongst his vast oeuvre for keyboard to produce an interesting and coherent solo recital or recording. In many aspects, Stefan Müller’s CD proofs to be a fine example of such a program which one would like to enjoy in an appropriate, intimate surrounding.
When performing rather complicated and delicate keyboard music of Bach on the clavichord, it is of an utmost importance that the instrument is of the best quality. On Stefan Müller’s recording, we are spoiled by hearing 3 different clavichords from the Scheer-Vogel workshop in Jestetten. The 3 instruments sound rich and delicate at the same time, and have clearly inspired the performer. One could state that it is a real advantage that Stefan Müller has been trained both as pianist and organist: he combines the ability of adapting to different instruments (a typical and important skill for organists) and performing many colors and nuances on the keyboard (which one expects pianists to do). Therefore, he reveals the instruments’ full expressive capacities. The clavichords are also nicely presented in the booklet: with photos and detailed description. It is only a pity that there is no mentioning of which composition has been played on which instrument.
Stefan Müller’s concept of the recording is been touched on by the title of the CD: “Melancholische Clavichordmusik”. It is certainly worthwhile to read his short introduction in the booklet where he states that melancholy historically has many more meanings than we seem to think nowadays: “Nach Agrippa von Nettesheim sind die schlechten Seiten der Melancholie ‘Traurigkeit, Ekel, Ängstlichkeit, Verstocktheit, Kälte, Lästerung, Verzweiflung, Lüge und Gespensterfurcht’. Die guten sind ‘hohe Betrachtung, tiefe Einsicht, ernstes Urteil, strenges Nachdenken, Standhaftigkeit und unbeweglicher Vorsatz’.” Stefan Müller has put together a collection of pieces in which one can hear different aspects of melancholy: sadness in the 25th variation of the Goldberg Variations, or severity in the Ricercare a 3 from Das Musikalisches Opfer, and many more than that. Indeed, even within the scope of this one temperament, there is quite some variety in the repertoire which saves the CD from annoyance, a problem one could expect when a less original performer would put such a ‘conceptual’ program together. To conclude, I quote Stefan Müller once more: “Bei dieser Aufnahme habe ich nun versucht, [?] eines dieser Temperamente in den Vordergrund zu stellen, damit sich der Hörer ganz in den Ausdruck und die verschiedenen Wirkungen dieses Temperamentes, der Melancholie, vertiefen kann.”
(Frank Agsteribbe is composer, harpsichordist, music theorist, teacher at the Royal Flemish Conservatory of Antwerp and artistic staff member of the Orpheus Institute in Ghent, Belgium)
Melancholische Clavichordmusik (Rezension von Rémi Laroche)
I must tell you that the Cd Melancholische Clavichormusik is one of the best clavichord recording I know: beautifull music, excellent performer and, last but not least, magnificent instruments.Overall, I am very fond of the Silbermann which seems to me the ideal instrument for polyphonic music in general, and for J.S. Bach in particular.I am very impatient to play it.Thank you very much for the great musical delight this record gives me.
Orgelmusik Ref. Kirche Dietikon
Mastering: Charles Widmer, Dietikon
Umschlagbilder: Mikalojus Konstantinas, Ciurlionis, 1908
Typografie: Michael H?rdi, Schaffhausen edition tertium
1-3 J. S Bach Italienisches Konzert
Concerto, Andante, Presto
J. S. Bach Orgelchoräle manualiter
4 Jesu meine Freude
5 Nun komm der Heiden Heiland
6 Vater unser im Himmelreich
7 D. Buxtehude Ciacona in c, BuxWV 159
J. S. Bach Orgelbüchlein
8 Jesu meine Freude
9 Nun komm der Heiden Heiland
10 Vater unser im Himmelreich
11-14 A. Weckmann Vier Choralvariationen über
Gelobet seist du, Jesu Christ (I)
15 D. Buxtehude Praeludium in C, BuxWV 138
16-18 J. S. Bach Italienisches Konzert
Zwei Fassungen des „Italienischen Konzertes”, auf der Orgel gespielt?
Die Orgel ermöglicht es, die beiden Manuale farblich deutlich voneinander abzuheben; so erklingt im dritten Satz auf dem Piano-Manual eine Quint, im zweiten Satz in der Oberstimme ein Tremulant. In der für Kammermusik geeigneten Akustik der reformierten Kirche Dietikon bei Zürich sind auch schnelle Passagen deutlich durchhörbar. Das harmonische Hören ist ein anderes als auf dem Cembalo: Dissonanzen treten stärker zutage, Bindungen und Vorhaltsbildungen geewinnen an Gewicht.
Zu den beiden Fassungen:
Die erste geht eher vom Rhythmisch-Motorischen aus, auf feingliedrige Agogik wurde zugunsten eines grösseren Bogens verzichtet. In der zweiten Fassung, deren Tempi sich bei den Ecksätzen nach den Forschungen von Jhann Sonnleitner und Clemens von Gleich richten, steht die melodische und harmonische Durchhörbarkeit im Vordergrund. Der Hörer hat also die Möglichkeit, das Werk von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu hören. Vielleicht ergeben sich so neue Zugänge zu dem bekannten italienischen Konzert.
Metzler Orgel der ref. Kirche Dietikon
I: Quintaden 16′, Prinzipal 8′, Hohlflöte 8′, Oktave 4′, Spitzflöte 4′, Nazard 3′, Terz 1 3/5′, Superoktave 2′, Mixtur IV 1 1/3′, Trompete 8′ II: Holzgedackt 8′, Prinzipal 4′, Rohrflöte 4′, Gemshorn 2′, Oktave 2′, Quinte 1 1/3′, Sesquialtera II, Cimbel III 2/3′, Vox-Humana 8′, Tremulant Ped.: Subbass 16′, Oktave 8′, oktave 4′, Mixtur III 2′, Posaune 16′, Trompete 8′, Trompete 4′ 26 Register, zwei Manuale, Schwellwerk, II/I, I/Ped., II/Ped.
Metzler 1973
Tastologie
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Tänze Toccaten Fantasien
Aufgenommen in Waldenburg, 2002
Illustrationen Marcel Forrer
Gespielt auf drei Cembali aus der Werkstatt Scheer / Vogel, Jestetten
1. Fantasie in C (Falck 14)
Couperin Suite I in a, Froberger gewidmet:
2. Prélude à l’imitation de M. Froberger
3. Allemande l’Aimable
4. Courante dite la Mignonne
5. Sarabande
6. La Piémontaise
J. K. Kerll:
7. Toccata 3 in a
8. Toccata 4 in e
J. S. Bach aus der französischen Ouverture in h, BWV 831:
9. Ouverture
10. Courante
11. Gavotte I
12. Gavotte II
13. Sarabande
14. Bourrée I
15. Bourrée II
16. Gigue
J. Froberger:
17 Toccata II in d
G. Frescobaldi:
18. Toccata in C (XXII)
W. F. Bach:
19. Fantasien in c (Falck 16)
Bei Tänzen herrscht, da die Musik den Schritt des Tänzers nicht stören darf, ein regelmässiger Puls vor. Anders bei den Toccaten und Fantasien: hier wird auch mit dem Puls und Metrum frei umgegangen. Dieser rhythmisch verschiedene Umgang hat naturgemäss einen grossen Einfluss auf die Melodiebildung und Harmonie. Mit diesem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Strenge beschäftigt sich das vorliegendem Programm. Bei der Fantasie in C von W. F. Bach handelt es sich um ein Spielstück, welches etüdenhaften Charakter hat. Arpeggio-Figuren laufen, von wenigen Zäsuren abgesehen, ununterbrochen durch das Stück, teils in der rechten, teils in der linken Hand, manchmal zusammen. Reichhaltig ist die Harmonik, welche, Wilhelm Friedemann Bach gemäss, die Tendenz zur Abschweifung hat, bei diesem Stück aber schliesslich ins Heitere, Brilliante des Anfangs zurückfindet.
Die Toccata in A von J. K. Kerll geht melodisch, rhythmisch und formal sehr frei mit dem musikalischen Material um. In mehrerer Hinsicht bildet die Toccata einen Vorläufer der Fantasie, wobei das virtuose Element (toccare = Schlag) immer wieder spürbar wird. Die Fantasie wird vor allem im Hoch- und Spätbarock gern als Form zur Darstellung der „Nachtseite” des Lebens verwendet, wo der Phantasie keine hemmenden Fesseln der Vernunft angelegt werden und man allerlei Absonderliches, Verträumtes aber auch Gefährdetes antreffen kann.
Die Toccata in A also fängt mit melodisch freien, suchenden und in Dialog tretenden Stimmen an, wird tänzerisch, schwärmerisch und wieder frei suchend. Am Schluss des Stückes schaukeln sich die Stimmen zu einem durchgehenden, ungestümen accelerando auf. Die Toccata in C von G. Frescobaldi, dem Meister Frobergers, lässt den Cembaloklang auf den langsam schreitenden Akkorden aufblühen und entführt den Hörer in entlegene Gebiete; sie verzichtet ganz auf äusseren Prunk. Hier steht das Subjekt uneingeschränkt im Vordergrund und kann in frei schweifender Fantasie groteske, verzückte und verzweifelte Seelenstimmungen malen. Weit stösst hier Wilhelm Friedemann durch den radikalen Subjektivismus in die Moderne vor, mit allen formalen Schwierigkeiten, welche die Folge der Vernachlässigung des Gesetzmässigen mit sich bring
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Preise: Fr. 15.- pro CD / Fr. 25.- Doppel-CD (Kunst der Fuge)