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Er fand ein Fragment einer grossen Steinstele, auf der Hieroglyphen, demotische und altgriechische Texte übereinander angeordnet sind. Es handelt sich um ein Priesterdekret. Die dreisprachige Inschrift aus dem Jahre 196 v. Chr. ehrt den ägyptischen König Ptloemaios V. und rühmt ihn als Wohltäter. Die drei Schriften beschreiben in drei Sprachen die gleiche Aussage.
Aufgrund dieses Fundes konnten die Geheimnisse der ägyptischen Schrift um ein gutes Stück gelüftet werden. Weil er in Rosette gefunden wurde, trägt der Stein die Bezeichnung «Stein von Rosette» und liegt heute im Britischen Museum in London.
Stein von Rosette. (Bild British Museum)
Um das Lüften eines weiteren Geheimnisses geht es bei der Raumsonde «Rosetta» der ESA. Sie soll detaillierten Aufschluss über das Funktionieren eines Kometen geben. Der anvisierte Komet namens 67P/T Tschujumow-Gerasimenko befindet sich momentan im Anflug in Richtung Sonne, sodass der Schweif langsam zu wachsen beginnt.
Raumsonde «Rosetta» mit Lander «Philae». Die Spannweite der Sonnenpanels beträgt 28 Meter. (Bild: ESA)
Das Ziel: Der Komet67P/T Tschujumow-Gerasimenko. (Bild ESA).
Das ist der Zeitpunkt, auf den die Wissenschaftler gewartet haben, denn dann kann genau festgestellt werden, was auf der Oberfläche tatsächlich vor sich geht. Sie bauten einen Roboter, der sich nach langer, über zehnjähriger Reise dem Kometen nun annähert und am 6. August 2014 am Ziel eintreffen wird. Ursprünglich hatten die Forscher der ESA mit der Sonde ganz anderes vor. Sie wollten den Kometen 46P/Wirtanen besuchen.
Wegen Schwierigkeiten mit dem Ariane-5 -Raketenprogramm wurde der Start um ein Jahr verschoben. Am 26. Februar 2004 musste auf dem Weltraumzentrum Kourou in Französisch-Guayana der Start wegen starken Höhenwinden und am darauf folgenden Tag wegen eines Defektes am Hitzeschutz abgesagt und schliesslich das Abheben auf den 2. März 2004 um 8.17 Uhr MEZ angesetzt werden. Die rund 50 Meter hohe und 740 Tonnen schwere Trägerrakete Ariane 5G katapultierte die drei Tonnen schwere Sonde auf ihre voraus berechnete Bahn zum Kometen.
Start der Trägerrakete Ariane 5. (Bild ESA)
Das war nicht im Direktschuss möglich, denn die Beschleunigung durch die Rakete reichte bei Weitem nicht aus. Also bediente man sich der sogenannten Swing-by-Methode. Dabei lenkt man die Sonde an den Planeten vorbei, und durch die Gravitation, welche diese Himmelskörper auf Rosetta ausüben, wird die Sonde beschleunigt und ihre Bahn nach Bedarf abgelenkt. Das Manöver kann mehrmals wiederholt werden.
Flugbahn von Rosetta. (Bild DLR)
Auf der langen Reise hat man verschiedene Experimente gemacht. Jedes Mal, wenn Rosetta an einen Planeten vorbeiraste, wurden die Kameras kalibriert und getestet. Hier einige Aufnahmen.
Der Planet Mars (links) und unsere Erde. (Bilder ESA)
Hochdruckgebiet im Südpazifik (Falschfarbenaufnahme). (Bild ESA)
Am 4. Juli 2005 nutzte man die Gelegenheit, Messungen einer Materienwolke zu machen, die durch den gewollten Einschlag eines Geschosses (Impaktor), das von der Raumsonde «Deep Impakt» auf dem Kometen «Tempel 1» in 80 Millionen Kilometer Entfernung geschossen wurde, entstand. Man wollte unter anderem damit die Bestandteile des Kometenmaterials mittels eines Spektrometers untersuchen.
Auswurf von Material und Gasen aufgrund des Projektileinschlages auf dem Kometen Tempel 1. (Bild ESA)
Da die Flugbahn an zwei Asteroiden vorbeiführte, haben sich die Wissenschaftler das zunutze gemacht und die Instrumente an Bord erneut in Betrieb genommen.
Am 5. September 2008 passierte die Sonde den Asteroiden «(2867) Steins» und am 10. Juli 2010 den Asterioden « (21) Lutetia». Bei beiden Ereignissen wurden die Instrumente auf ihre Leistungen hin überprüft und man erlangte hervorragende Resultate.
«(2867) Steins» umkreist die Sonne am inneren Rand des Asteroidengürtels mit einer mittleren Orbitalgeschwindigkeit von 19,37 km/s, umkreist die Sonne in 2,36 AE. (1 AE = 150 Mio. km)
«(21) Lutetia» ist etwa 1 km/s langsamer, die Distanz zur Sonne misst 2.434 AE. Diese Passage wurde live übertragen, denn «Rosetta» passierte den Asterioden in nur 3162 Kilometer mit einer relativen Geschwindigkeit von 15 km/s. Die Sonde war zu diesem Zeitpunkt 455 Millionen Kilometer von der Erde und 407 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.
Aufnahmen vom Asteroiden «Steins» (links) und drei Aufnahmen des Asteroiden «Lutetia»: während des Vorbeifluges aufgezeichnet! (Bild: ESA)
Dann aber war es Zeit, die Sonde schlafen zu legen. Alle nicht relevanten Geräte wurden abgeschaltet und die Sonde für 31 Monate in eine Art «Winterschlaf» versetzt.
Nach gespanntem Warten erreichte das Signal in Darmstadt die versammelten Wissenschaftler, die das Ereignis und den Erfolg ausgelassen beklatschten. Sie erinnern sich, der Weckruf an die Sonde wurde uns am 28. März 2014 im Fernsehen in unsere Stuben live übertragen. Unten links die beiden Wissenschafter der Uni Bern, die Professoren Katrin Altweg und Hans Balsiger. Die Uni Bern arbeitet hier an vordersten Front mit, denn sie hat schon bei anderen grossen Projekten Tolles geleistet. Hans Balsiger war schon bei der ersten Mondlandung 1969 mit einem Sonnensegel dabei, Katrin Altweg wird uns in den kommenden Wochen noch öfters in den Medien begegnen. Die Sonde «Rosetta», mit allem was dazugehört, ist so etwas wie ihr Kind. An Ihren Vorträgen zeigt sie Begeisterung und lernt einem das Staunen. Rechts das entscheidende Signal im Bildzentrum, auf das die Versammelten warteten.
Dann begann die Arbeit, alle Systeme zu überprüfen, die Bahnkorrekturen, die jetzt noch notwendig wurden, vorzunehmen und sich auf die bevorstehende Begegnung mit dem Zielkometen zu konzentrieren. Was ab dem 6. August 2014 abläuft, ist in der Geschichte der Menschheit einmalig.
Die Raumsonde «Rosetta» wird in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken, um diesen zu kartografieren und die bevorstehenden Gas- und Staubausbrüche zu beobachten und messen zu können.
Geplantes Flugmanöver zum Kometentreffen. (Bild ESA)
Künstlerische Darstellung: Rosetta mit dem Zielkometen. (Bild ESA)
Dann, im November 2014, soll sich ein Landemodul namens «Philae» ( benannt nach einer versunkenen Insel im Nil) von der Raumsonde lösen und sich auf dem Kometen sanft absetzen. Da der Komet nur rund fünf Kilometer Durchmesser aufweist, ist dessen Gravitationskraft sehr gering. Schon eine Umlaufbahn zu erreichen, ist eine schwierige Angelegenheit, den Lander aber sicher auf dem Kometen aufzusetzen, ist um ein Vielfaches schwieriger.
So soll «Philae» sanft zum Kometen absteigen. (Bild ESA)
Sobald er die Kometenoberfläche berührt, muss er sich am Boden festklammern, um die Bodenhaftung zu gewährleisten. Er hat einen Greifarm, der es ihm erlaubt ,Bodenproben zu nehmen und zur Untersuchung an Bord zu nehmen.
Die ESA schreibt dazu: «Nach der Landung auf der Kometenoberfläche wird ‚Philae’ verschiedene physikalisch-chemische Messungen vornehmen, unter anderem wird versucht werden, organische Verbindungen wie etwa Aminosäuren im Kometeneis zu detektieren. Chirale Verbindungen werden dabei in ihre Enantiomere getrennt und quantifiziert, um die Entstehung des Lebens und dessen Homochiralität auf der Erde verstehen zu helfen. Die minimale Lebenserwartung der Sonde Philae wird von der ESA mit 64 Stunden angegeben, die Sonde könnte unter Umständen jedoch länger arbeiten.»
Mit einer speziellen Vorrichtung an seinen drei Beinen soll der Lander am Kometen festgemacht werden. (Bild ESA)
Was genau das Raumschiff erwartet, kann man heute, trotz guter Vorbereitung nicht sagen. Treten im ungünstigsten Fall gerade jetzt starke Fontänen von Gas und Staub auf? Kann der Lander die sanfte Landung schaffen? Die kommenden Wochen und Monate werden uns atemberaubende Momente und Aufnahmen bescheren.
Den Kometen können wir ihnen nicht zeigen – auch mit unserem grossen Teleskop in der Sternwarte Mirasteilas ist er dafür zu klein. Wir zeigen Ihnen aber andere wunderschöne Objekte am Sommerabendhimmel. Saturn zum Beispiel, man muss ihn gesehen haben!
Ergreifen Sie die Gelegenheit und benützen Sie das grösste privat zugängliche Teleskop der Schweiz. Werfen Sie einen Blick zurück in die Vergangenheit, dorthin, wo wir herkommen.
Die Demonstratoren der Astronomischen Gesellschaft Graubünden (AGG) freuen sich darauf, Sie begrüssen zu dürfen.