Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03173.jsonl.gz/1500

Namen von Nachkommen werden plötzlich verwechselt oder Haushaltsarbeiten bleiben liegen: Es ist mit Angst verbunden, wenn man bei alternden Angehörigen mentale Veränderungen feststellt – wie zum Beispiel erhöhte Vergesslichkeit oder leichte Verwirrung.
Jedoch bedeutet nicht jede Veränderung automatisch eine Demenz respektive Alzheimer-Erkrankung. Denn ein gewisser Gedächtnisschwund im Alter ist normal.
In diesem Artikel erklären wir kurz, was der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer ist, und welche Typen von Demenz häufig vorkommen.
Wir zeigen ausserdem auf, wie man anhand von 6 Faktoren einschätzen kann, ob weitere Abklärungen dringend nötig sind.
Direkt zu einem Thema springen:
Alzheimer vs. Demenz: Was ist der Unterschied?
Manchmal werden die Begriffe als Synonyme verwendet, dabei stehen sie in einem hierarchischen Verhältnis: "Demenz" ist der Überbegriff für alle Hirnerkrankungen mit beeinträchtigenden Folgen für die kognitiven Funktionen, also die Denkfähigkeit oder das Gedächtnis.
(Klammerbemerkung: Kognitive Funktionen sind alle geistigen Fähigkeiten, die wir benötigen, um Hirn-Aufgaben wie z.B. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernen, Denken, Entscheidungsfindung, Sprechen, usw. auszuführen. Alle Fähigkeiten sind damit gemeint, von den relativ einfachen Denkleistungen bis hin zu den Komplexesten.)
Alzheimer ist die bekannteste und häufigste Erkrankung, welche zu Demenz, also eben kognitiven Einschränkungen, führt. Neben Alzheimer gibt es viele weitere Demenz-Erkrankungen.
Eine kurze Übersicht über Demenz-Arten
Alzheimer
Alzheimer trifft in rund 70% der Fälle zu. Typische Symptome sind Gedächtnisverlust und eingeschränktes Denken, welches sich über die Jahre langsam verschlechtert.
Demenz bei Parkinson
Knapp 40% der an Parkinson erkannten Personen leidet zusätzlich an einer Demenz. Diese kann mit der Parkinson-Krankheit voranschreiten.
Vaskuläre Demenz
Eine vaskuläre Demenz entsteht durch eine Durchblutungsstörung im Hirn. Risikofaktoren sind hoher Blutdruck, Diabetes mellitus und hohes Cholesterin.
Weitere Demenzformen
Seltenere Formen sind z.B. die fronto-temporale Demenz oder die Lewy-Body Demenz. Alkoholmissbrauch, Infektionen des Hirns oder Depressionen können ebenfalls demenzartige Symptome auslösen.
Besteht eine normale Gedächtnisveränderung – oder eine Demenz-Erkrankung?
Jede und jeder kennt die Situation, wenn das “Hirn aussetzt”. Man lässt etwas im Zug liegen, vergisst den Herd abzustellen – oder ein Wort oder Name fällt einem nicht mehr ein. Mit dem Alter nimmt das zu, bei vielen Menschen. Dann läuten die Alarmglocken.
Aber: Ein gewisser Gedächtnisschwund im Alter ist normal.
Denn mit dem Alter nehmen die grauen Zellen ab, auch im Hippocampus. Der Hippocampus ist dafür verantwortlich, Wissen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis zu transportieren.
Wenn das nicht mehr so gut funktioniert, vergisst man schneller neu Gelerntes (oder eben: Nicht-Gelerntes). Mit anderen Worten: Die geistigen Funktionen verlangsamen sich im Alter, bei fast jedem Menschen. Jedoch werden sie, sofern das Hirn gesund ist, nicht signifikant eingeschränkt.
(Klammerbemerkung: Es ist allgemein bekannt, dass auch der moderne Lebensstil dem Hirn schadet: Stress, zu wenig Schlaf und falsche Ernährung wirken sich über die Jahre hinweg als negative Faktoren aus. Diese “normalen” Gedächtnisveränderungen kann man zum Glück verlangsamen, stoppen oder gar umkehren, indem man seine Gewohnheiten verbessert.)
Nehmen Sie eine erste Einschätzung anhand von sechs Faktoren vor.
Demenz vermindert in der Regel die Fähigkeit, Alltagsaufgaben auszuführen.
Eine eher simple Faustregel lautet: Menschen, denen es bewusst ist, dass ihr Gedächtnis schwindet, leiden eher nicht an Demenz, als solche, denen es nicht bewusst ist.
Wie weiter bei einem Verdacht? Anhand von sechs Faktoren kann man eine grobe, erste Einschätzung vornehmen. Wenn Sie eins oder mehrere dieser Beispiele bei potentiell betroffenen Angehörigen wieder erkennen, sind weitere Abklärungen ratsam.
1. Faktor: Vergesslichkeit
Beispiele:
Man vergisst den Arzttermin.
Man vergisst, wo man das Portemonnaie abgelegt hat.
2. Faktor: Sprachprobleme
Beispiele:
Man findet das richtige Wort nicht.
Man benennt Dinge falsch (z.B. sagt man "Zeitung" anstatt "Bleistift").
3. Faktor: Desorientierung
Beispiele:
Zeitlich: Man kann sich nicht ans Datum erinnern (Tag, Monat oder Jahr).
Örtlich: Man weiss nicht, wo man ist.
4. Faktor: Beeinträchtigungen im Alltag
Beispiele: Man hat Schwierigkeiten, Alltagsaufgaben zu erledigen, wie z.B.:
Anziehen.
Einkaufen.
5. Faktor: Ausführungsfunktionen
Beispiele:
Man hat Mühe, seinen Tagesablauf zu organisieren/planen.
Man hat eine verminderte Urteilsfähigkeit.
6. Faktor: Verhaltensveränderungen resp. emotionale Veränderungen
Man verhält sich ungewöhnlich (anders als früher / sonst), zum Beispiel:
ist man übermässig nervös.
apathisch (lustlos, teilnahmslos).
verhält man sich unangebracht.
Impulse für pflegende Angehörige
Wie weiter? Wenn Sie vermuten, dass eine Demenz-Erkrankung vorliegt, ist die Hausärztin oder der Hausarzt der betroffenen Person die erste Anlaufstelle. Nur durch geeignete, professionelle Testverfahren kann eine Diagnose gestellt werden und eine allfällige Therapie gestartet werden.
Fragen Sie sich jedoch zuerst, ob diese Punkte sich wirklich verschlimmert haben – oder ob sich vielleicht auch einfach Ihre Wahrnehmung mit dem zunehmenden Alter der Angehörigen verschärft hat. Zum Beispiel, weil Sie in Ihrem Kollegenkreis von Demenz-Fällen bei alternden Eltern gehört haben.
Geben sich sich einen Moment Zeit, um das Ganze zu beobachten, bevor Sie andere Familienmitglieder oder gar die betroffene Person in Alarmstimmung versetzen. Und bitten Sie auch andere Personen, welche die Betroffene oder den Betroffenen ebenso gut kennen, um deren Einschätzung.
Wenn Sie jedoch ihr Gefühl nicht loswerden, zögern Sie nicht. Eine frühe Diagnose ist wichtig, damit man rechtzeitig mit Medikamenten und anderen Therapien den Verlauf bremsen kann. Gehen Sie darum in die Praxis, wo eine Reihe an Tests durchgeführt wird, die ermöglichen, für mehr Klarheit zu sorgen.
Unsicherheit bei der Diagnose ist dabei etwas normales, gerade in den frühen Phasen. Das heisst: Ein Test gibt vielleicht eine Indikation, aber (noch) keine Sicherheit. Ausserdem müssen Sie wissen, dass jede Erkrankung sehr individuell verläuft.
Einer Demenz-Diagnose richtig begegnen:
Auch wenn sich ein Demenz-Verdacht bestätigt, sollten Sie nicht in Panik geraten. Man kann weiterhin und lange mit einer guten Lebensqualität in den eigenen Wänden bleiben, auch wenn man an einer Form von Demenz leidet. (Lesen Sie hierzu unseren Artikel: Selbständig Wohnen im Alter: 6 Tipps für Angehörige.)
Jedoch empfehlen sich je nach Stadium der Krankheit Hilfsmittel, welche den Alltag sicherer machen und die Lebensqualität erhöhen. Mit physischen und mentalen Übungen, Ernährungsumstellung und den richtigen Therapien kann man ausserdem das Fortschreiten verlangsamen.
Ressourcen & Bücher
Alzheimer Schweiz
Alzheimer Schweiz ist eine gemeinnützige Organisation, die vielseitige Hilfe für Personen und Angehörige mit Demenz-Erkrankungen anbietet.
Auf der Website von Alzheimer Schweiz finden Sie umfassende Informationen, aber auch konkrete Angebote aus Bereichen wie z.B. Freizeit oder Weiterbildung.
Buch-Tipp: Alzheimer und Demenz verstehen: Diagnose, Behandlung, Alltag, Betreuung
Wenn ein Familienmitglied an Alzheimer oder einer anderen Demenzform erkrankt, ist der Schock bei den Angehörigen gross. Denn kaum eine andere Erkrankung wirft so viele Fragen über das weitere Leben auf wie der allmähliche Verlust des Gedächtnisses und der Persönlichkeit.
Dieses Buch gibt Menschen in der schwierigen ersten Zeit Rat, Hilfe und Orientierung (Buch-Information).
Link zum Buch bei Orell Füssli.
Buch-Tipp: Das Demenz-Buch für pflegende Angehörige
Die Pflege eines demenzkranken Angehörigen ist eine Herausforderung – Tag für Tag, Moment für Moment. Immer mehr Menschen kommen in die Situation, ein erkranktes Familienmitglied oder den Lebenspartner pflegen zu müssen oder es selber zu wollen.
Die Autorin hat sich entschieden, ihren erkrankten Ehemann selbst zu pflegen. Frei von Betroffenheitspathos hat sie in den 12 Jahren der Pflege ein zupackendes, höchst praktisches Buch geschrieben (Buch-Information).
Link zum Buch bei Orell Füssli.