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Die Zöliakie, die bei Erwachsenen auch Sprue genannt wird, ist eine Dünndarmerkrankung. In Europa ist etwa 1 % der Bevölkerung davon betroffen. Sie beruht auf einer teilweise erblich bedingten Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiss (Gluten) verschiedener Getreidesorten. Auslöser ist nicht das gesamte Getreide, sondern nur bestimmte Stoffe, die bei der Verdauung freigesetzt werden. Im Weizen und Roggen ist dies z.B. der Stoff "Gliadin".
Die Krankheit tritt gehäuft mit anderen Erkrankungen auf, wie z.B. Typ-1-Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Lebererkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Down-Syndrom, Turner-Syndrom, Williams-Beuren-Syndrom, IgA-Mangel. Oft ist die Glutenunverträglichkeit mit einer Laktoseintoleranz kombiniert, diese verschwindet jedoch bei glutenfreier Kost wieder völlig. Das Risiko ist auch erhöht, wenn Verwandte 1. Grades mit Zöliakie diagnostiziert wurden.
Wie äussert sich eine Gluten-Unverträglichkeit?
Die Beschwerden sind vielfältig, je nach Alter und Fortschritt der Erkrankung. Im Vordergrund stehen Magen-Darm-Symptome (Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen, fettiger Stuhlgang, Koliken), dadurch Gewichtsabnahme und letztlich durch die mangelhafte Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen chronische Infekte, Blutarmut, Ödeme (Wassereinlagerungen), Nachtblindheit und vieles andere.
Bei Kindern fällt meist erst gegen Ende des ersten Lebensjahres, ca. 3-6 Monate nach der ersten Getreidemahlzeit auf, dass etwas nicht in Ordnung ist. Denn das Gluten zerstört zwar die Zotten des Darms, welche für die Nahrungsaufnahme wichtig sind, aber dies geschieht langsam im Laufe von Wochen. Typisch ist ein unzufriedener, ängstlich-missmutiger Gesichtsausdruck, Reizbarkeit, Verdauungsstörungen (übelriechender Stuhl und aufgeblähter Bauch), Gedeihstörung mit sehr niedrigem Körpergewicht, schlaffe Muskulatur, Müdigkeit und Blässe. Im Mund finden sich häufig Aphthen und Zahnschmelzdefekte. Durch die verminderte Knochendichte kommt es häufiger zu Knochenbrüchen. Bei älteren Kindern verzögert sich der Eintritt der Pubertät.
Wie stellt man die Diagnose "Zöliakie"?
Wenn der Verdacht auf Zöliakie/Sprue besteht, wird das Blut auf Antikörper (Gesamt-IgA und Transglutaminase-IgAAntikörper = TGA-IgA ) untersucht. Ist dieser Wert um mehr als das 10fache erhöht und wird zusätzlich in einer zweiten Probe ein positiver Endomysium-IgA-Titer (EMA-IgA) nachgewiesen, kann mit ausreichender Sicherheit von einer Zöliakie ausgegangen werden.
Bei Kindern mit erhöhten, aber unterhalb des 10-fachen des oberen Normwertes liegenden TGA-IgA-Spiegeln, sollte die endgültige Diagnosestellung nur per Dünndarm-Biopsie erfolgen. Sie wird vor dem Beginn einer glutenfreien Diät durchgeführt. Dabei werden mit einer Sonde winzige Gewebsstücke aus dem Dünndarm entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Für die Diagnosestellung massgeblich ist die charakteristische Rückbildung der Darmzotten (Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut), wodurch die gesamte Nahrung schlechter verdaut und wichtige Nährstoffe unzureichend aufgenommen werden.
Wie kann man die Symptome vermeiden?
Durch eine lebenslange konsequente glutenfreie Diät können sich die Dünndarmzotten wieder regenerieren. Für die Betroffenen ist dann ein Leben ohne Beschwerden möglich. Bereits geringste Mengen an Gluten können allerdings wieder zu Symptomen und zu einer Zerstörung der Zotten führen.
Interessanterweise laufen Kinder, die nach der Geburt von ihren Müttern gestillt werden, nur halb so häufig Gefahr, später eine Gluten-Unverträglichkeit zu entwickeln. Und: Je länger die Kinder gestillt werden, desto geringer ist das Risiko.
Weitere Informationen und Beratung für Eltern: www.zoeliakie.ch