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Der Sohn des legendären Illustrators Tomi Ungerer zeigt zum ersten Mal seine Werke in Zürich.
Goleen liegt ganz im Westen Irlands, hier hat sich Tomi Ungerer mit seiner Frau und seinen drei Kindern in den Siebzigern niedergelassen. Die Landschaft zeigt sich hier, so wie man sich Irland vorstellt: Wild und grün, mit schroffen Felsen, die sich gegen das Meer stemmen und Landschaften, die nur selten Menschen sehen. Pascal Ungerer ist hier aufgewachsen.
Nachdem er als Fotojournalist für Zeitungen gearbeitet hatte, beschloss er, zurück an die Universität zu gehen, um einen Abschluss in bildender Kunst zu machen. Er hatte schon als Teenager viel gemalt, entdeckte jedoch seine Liebe zur Malerei erst nach dem Master in Fine Art und begann Vollzeit zu malen. Heute zeigt Pascal Ungerer in seinen Werken die schmale Linie zwischen unberührter und mystischer Landstriche und den zivilisatorischen Hinterlassenschaften seiner Bewohner.
Welchen Einfluss hat die Fotografie heute auf Ihre Malerei?
Ich beginne meine Malerei immer mit der Betrachtung verschiedener Fotos, die ich aufgenommen habe. Manchmal schaue ich mir Hunderte oder sogar Tausende von Fotos an, bevor ich mich für ein oder zwei Bilder entscheide, die ich für ein Gemälde verwenden möchte, und diese werden dann zur Inspiration für meine Arbeit. Auch in Bezug auf die Komposition und die Art und Weise, wie ich ein Bild plane und aufbaue, ist mein fotografischer Hintergrund sehr hilfreich.
Was ist für Sie das Besondere an den Zwischenräumen und Rändern, die zwischen Stadt und Land liegen?
Das Buch „Edgelands: Journeys into England’s True Wilderness“ von Michael Symmons Roberts und Paul Farley hat mich sehr inspiriert. In diesem Buch geht es um vergessene und verborgene Landschaften am Rande von Städten und Gemeinden. Ich begann, mich für diese Orte und Räume zu interessieren, weil sie oft übersehen werden, nicht verwaltet werden und eine alternative Landschaft bieten, die eine wirklich interessante Umgebung für Malerei und Fotografie sein kann. Ein weiteres Buch, das mein Interesse an dieser Art von Topografie geweckt hat, war Richard Mabbeys «The Inofficial Countryside».
Ist Ihre Kunst eine Kritik an der Gesellschaft oder an der Art und Weise, wie wir leben?
Nicht zwangsläufig. Aber vielleicht befasst sie sich mit unserem Erbe und unserem Einfluss auf die Natur und die gebaute Umwelt. Ich interessiere mich oft für die Verbindung der Menschen zu Ort und Land und für die breitere Wahrnehmung der natürlichen und der gebauten Umwelt sowie für die Wechselbeziehung zwischen diesen beiden kontrastierenden Räumen.
Dies ist Ihre erste Ausstellung außerhalb von Irland/England. Hat Zürich eine besondere Bedeutung für Sie?
Als Kind habe ich viel Zeit in Zürich verbracht. Wir sind als Familie mindestens ein- oder zweimal im Jahr hierher gefahren, weil der Verlag meines Vaters – Diogenes – hier ansässig ist. Ich habe viele Freunde in der Familie, die in Zürich leben. Deshalb ist es eine wirklich aufregende Gelegenheit, hier einige meiner Gemälde auszustellen.
Wurden Sie von Ihrem Vater inspiriert, Kunst zu machen?
Ich denke, jeder wird von seinen Eltern auf unterschiedliche Weise beeinflusst oder inspiriert. Für mich schien es wegen meines Vaters ganz normal zu sein, Künstler zu werden. Tomi hat mich von klein auf dazu ermutigt, Kunst zu machen, aber erst in den letzten zehn Jahren habe ich das hauptberuflich getan, obwohl ich schon von klein auf gezeichnet und gemalt habe. Ich glaube, das liegt mir im Blut.
Es erfordert Mut, etwas Ähnliches zu tun wie Ihr berühmter Vater – war das jemals ein Problem für Sie? Hat Sie das eher ermutigt oder gebremst?
Das ist möglicherweise der Grund, warum ich meine künstlerische Karriere nicht in jüngeren Jahren begonnen habe. Wenn man etwas älter wird und seine eigene Lebenserfahrung als Bezugspunkt hat, gibt einem das viel mehr Selbstvertrauen. Die Berühmtheit meines Vaters ist etwas, an das ich mich gewöhnt habe und mit dem ich mich unterdessen wohl fühle.
Ich bin sehr stolz auf meinen Vater und sein Erbe. Ich vergleiche mich nie mit ihm oder seiner Arbeit, weil er eine so große Karriere hatte. Er ist auch jetzt noch eine große Inspiration für mich, nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch und Vater.
Die Galerie Burgerstockersenger zeigt die Arbeiten von Pascal Ungerer ab dem 5. Mai 2022 an der Bertastrasse 6 in Zürich.