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"EIN MUSEUM OHNE WÄNDE" - ALLAN PORTER UND DIE FOTOZEITSCHRIFT "CAMERA" 1966-1981
23.02.2023 Um den wichtigen Beitrag von Allan Porter (Chefredaktor von "CAMERA" von 1966 bis 1981) zur Emanzipation der Fotografie zu würdigen, präsentiert die Fotobibliothek in der Passage in Winterthur einige der von ihm konzipierten Ausgaben des Magazins. Vom 25. Februar bis am 13. August 2023.
Bild: © CAMERA-Maquette, 46. Jahrgang, Oktober 1967, Nr. 10, aus dem Archiv der Fotostiftung Schweiz
Die Schweizer Fotozeitschrift "CAMERA" wurde 1922 in Luzern gegründet, zu einer Zeit, als sich die Fotografie gerade als künstlerische Ausdrucksform zu etablieren begann. Unter ihrem ersten Chefredaktor Adolf Herz wurde "CAMERA" schnell zu einer wichtigen Plattform für die Förderung und Diskussion der Fotografie und prägte die Entwicklung des Mediums entscheidend mit. Die Zeitschrift setzte ihren Schwerpunkt während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens auf eine künstlerische Fotografie im Sinne des Piktorialismus. Während Zeitschriften wie die "Zürcher Illustrierte" und "Du" bereits das Neue Sehen und die Neue Sachlichkeit sowie die frühe Reportagefotografie präsentierten, blieb die Ausrichtung von "CAMERA" lange unverändert. Unter der Leitung von Herz‘ Nachfolger Walter Läubli öffnete sich die Zeitschrift ab 1948 den aktuellen Diskursen in der Fotografie und beschränkte sich nicht mehr länger auf die Präsentation von künstlerisch intendierter Fotografie.
Allan Porter (1934-2022) war der letzte Chefredakteur von "CAMERA". Von 1966 bis 1981 führte er die Zeitschrift und verhalf ihr zu einem letzten Höhenflug. Porter war ein vielseitig interessierter Mensch. Schon in seiner Jugend von Kunst und Literatur fasziniert, studierte er an der Philadelphia Museum School of Art Grafik und Malerei. In Berührung mit der Fotografie kam er 1953 durch die Arbeit in einem Fotolabor. Nach Abschluss seiner Studien 1957 war er zunächst als Art Editor bei der Reisezeitschrift "Holiday" tätig, half bei der Konzeption von Ausstellungen in den USA und Europa mit, war als Künstler aktiv und schrieb für verschiedene Magazine. Ende 1964 wanderte er nach Europa aus und fand eine Stelle bei der Werbeagentur von Jean Reiwald in Basel. Dort wurde Alice Bucher, die nach dem Tod ihres Mannes Josef Charles Bucher "CAMERA" verlegte, auf ihn aufmerksam und bat ihn, die Zeitschrift neu auszurichten. Porter begann bereits 1965 an "CAMERA" zu arbeiten und wurde 1966 zum Chefredaktor. Er hatte eine klare Vision für die Zeitschrift, wollte mit ihr ein "Museum ohne Wände" aufbauen. Während es in den 1960er-Jahren noch wenige Galerien und Museen gab, die sich auf Fotografie spezialisiert hatten, etablierte Porter in "CAMERA" einen Kanon zeitgenössischer Fotografie. Er bot darin aber auch Raum für die Untersuchung historischer, technischer und philosophischer Aspekte. "CAMERA" wurde unverzichtbar für Berufs- und AmateurfotografInnen, die auf dem Laufenden bleiben wollten.
Im Dezember 1981 erschien die letzte Ausgabe von "CAMERA". Porter versuchte, das Ende der Zeitschrift gelassen zu nehmen. Die Situation hatte sich in den letzten 16 Jahren deutlich verbessert, Fotografie hatte Einzug in die Kunsthäuser Europas genommen. Porter selbst wurde Stiftungsrat in der Fotostiftung Schweiz und blieb weiter aktiv, schrieb Artikel und konzipierte Ausstellungen.
Um Allan Porters wichtigen Beitrag zur Emanzipation der Fotografie zu würdigen, präsentiert die Fotobibliothek in der Passage einige der von ihm zwischen 1966 und 1981 konzipierten Ausgaben von "CAMERA". Unter den in der Ausstellung gezeigten Exponaten befinden sich nicht nur gedruckte Ausgaben der Zeitschrift, sondern auch Heftentwürfe, sogenannte Maquetten. Diese Maquetten machen die kreativen Prozesse sichtbar, die hinter jeder Ausgabe von "CAMERA" standen.
fmw
Kontakt:
https://www.fotomuseum.ch/de/fotobibliothek/
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