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Schon von aussen sind die einstimmigen Gesänge eines gregorianischen Chorals hörbar, wenn der Chor für Alte Musik am Samstag in der Kapelle an der Römerstrasse in Baden probt. Seit dreissig Jahren singen die Mitglieder des kleinen Chors Werke aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert: Gregorianik und Renaissance, ein- und mehrstimmig. Am 5. April findet nach der Passionsandacht in der reformierten Kirche Baden ein kleines Konzert des Chores statt.
Gegründet wurde der Chor 1993 nach einem Workshop – er feiert somit dieses Jahr sein 30-Jahr-Jubiläum. Geprobt wird einmal im Monat, dafür umso intensiver; das gesellige Beisammensein ist dabei genauso wichtig wie die Erarbeitung des Repertoires. Dabei konzentriert sich der Chor hauptsächlich auf die Zeit zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert. «Wir würden sehr gerne auch mehr Werke der Renaissance singen», sagt Anne Kavcic, welche für die organisatorischen Belange des Chores zuständig ist. «Aber leider haben wir derzeit nicht so viele Männerstimmen, weshalb dies etwas schwierig ist.» Daher ist auch das Programm des Konzerts vom 5. April von gregorianischen Chorälen geprägt, mit einem Hymnus von Thomas von Aquin sowie Werken der Hildegard von Bingen.
Schwieriges Notensystem
Wie die gregorianischen Gesänge entstanden sind, darüber streitet sich noch heute die Musikwissenschaft. Sicherheit besteht lediglich darin, dass die gesungene Form der Liturgie, der Cantus, aus Rom stammt und dort zwischen dem 4. und dem 8. Jahrhundert nach und nach geschaffen wurde. Die Bezeichnung «gregorianischer Choral» geht wohl zurück auf Papst Gregor I., «den Grossen», welcher 604 starb. Ungefähr zu seiner Zeit wurde in Rom die Schola cantorum gegründet, welche die Gottesdienste mit Gesang begleitete und zudem Gesänge für das Stundengebet und für das «Ordinarium» schuf, d.h. für die gleich bleibenden Texte der Kirchenfeier wie Kyrie, Gloria, Agnus Dei. Die Choräle wurden zunächst lediglich mündlich, als Teil der Liturgie, überliefert. Nach und nach wurden sie mit Zeichen versehen, den so genannten Neumen, welche es den gelernten Sängern ermöglichten, die einmal gelernte Melodie wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ein Notensystem, wie wir es heute kennen, gab es nicht. Erst im 11. Jahrhundert erfand der Benediktinermönch Guido von Arezzo ein Notationssystem, welches auf vier Linien basierte (im Gegensatz zu den bei uns gebräuchlichen 5 Linien), und sogenannte Quadratnoten verwendete. Auch der Chor für Alte Musik in Baden arbeitet bei den Proben mit diesem System. Mit der Zeit bekomme man Übung, meinen die Chormitglieder. Man müsse einfach wissen, auf welcher Linie die Note «C» gesetzt wurde – dann gehe der Rest ganz gut.
Begeisterte Laien
Die rund fünfzehn Mitglieder des kleinen Chors sind keine professionellen Sänger und Sängerinnen, umso beeindruckender ist ihre Leistung. Ihre Begeisterung für die alten Stücke ist spürbar, und seit nunmehr zwanzig Jahren werden sie von Michal Gondko geleitet. Der gebürtige Pole ist ein Kenner der Alten Musik und von Beruf Lautenist. Als ehemaliger Student der Basler «Schola Cantorum Basiliensis» und seit 2000 als Gründer und künstlerischer Co-Leiter des Ensembles «La Morra» verfügt Gondko über ein umfangreiches Repertoire, welches er in die Proben einbringen kann. «Sogar in Amerika gibt es so etwas wie ‹Alte Musik›», erklärt er, «auch wenn es natürlich nicht ‹alt› im Sinne von mittelalterlich ist». Das Stück «When Jesus Wept» ist ein Beispiel hierfür: Der Kanon stammt aus einer Sammlung des Amerikaners William Billings aus dem Jahr 1770.
Die mehrheitlich einstimmigen Choräle lassen den Zuhörer in eine längst vergangene Zeit eintauchen. «Manchmal, wenn mein Mann und ich in Basel sind, gehen wir gerne in die Krypta des Münsters», erzählt Anne Kavcic. «Und dann singen wir dort – das ist ein unglaubliches Gefühl, jenseits von Zeit und Raum», ergänzt sie. Für eine Andacht im Rahmen der Passionszeit ist die Musik daher bestens geeignet.
Mittwoch, 5. April, 18.30 Uhr
Reformierte Kirche, Baden
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