Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03148.jsonl.gz/1865

Paris
(Canal Saint Martin, Bassin de la Villette, Canal Saint Denis; 11 km, 16 Schleusen, 1 Hebebrücke, drei Drehbrücken)
Die Seine windet sich in riesigen Schlaufen durch Paris. In der Mitte einer solchen Schlaufe liegt ein seinerzeit unter Napoleon Bonaparte erbauter Binnenhafen, das Bassin de la Villette. Von Süden her erreicht man das Bassin über den Canal Saint Martin, der wegen seiner filigranen Brücken und Passerellen mehreren Filmen als Kulisse gedient hat. Der Canal Saint Martin zweigt beim Quai Henri IV von der Seine ab und verläuft fast die Hälfte seiner Länge unterirdisch, bis er dann dank vier Doppelschleusen (Schleusenmasse 40.7 x 7.7 Meter) die Höhe des Bassin de la Villette im 19. Arrondissement erreicht.
Vom Norden her führt der Canal Saint Denis zum Bassin de la Villette hinauf. Dieser Kanal wird noch sehr stark von der Berufsschifffahrt benutzt und weist sieben Schleusen auf, jeweils nebeneinander eine grosse (62.5 x 8.2 Meter) und eine kleine Schleusenkammer (38.9 x 5.2 Meter).
Fährt man von Norden den Canal Saint Denis bergwärts, sieht man rechterhand das riesige Stade de France und, als Kontrastprogramm, unmittelbar davor eine Slumsiedlung von Fahrenden.
Für die Einfahrt in das Bassin de la Villette muss eine über hundert Jahre alte Strassenbrücke, der «pont de la Crimée» (Krimbrücke), gehoben werden – ein durchaus sehenswertes Schauspiel.
Die Schleusen und Brücken beider Kanäle werden zentral von einem modernen Kontrollzentrum aus überwacht und bedient, das bei der obersten Schleuse des Canal Saint Denis, der Écluse 1 Pont de Flandres, gebaut wurde. Schleusenwärter sieht man deshalb auf beiden Kanälen keine mehr.
***
Unser Ziel ist das Bassin de la Villette, und da wir von Süden herkommen, wenden wir oberhalb der Kathedrale Notre-Dame in der Seine im Verkehr der Frachtschiffe und Bateaux Mouches, um gegen die Strömung in die quer zur Seine liegende Schleuse einfahren zu können. Die Strömung ist nach den Regenfällen der letzten Tage zu stark, als dass man dies mit der Strömung versuchen sollte. Wir durchqueren den proppenvollen Port de plaisance Paris Arsenal, fahren durch den Tunnel unter der Place de la Bastille hindurch und schleusen dann ins Bassin de la Villette hinauf.
Dies alles haben wir schon einmal ausführlich beschrieben (Bericht Nr. 53), weshalb wir uns hier für einmal kurz fassen.
***
Uns führt das 20-Jahre-Jubiläum der Barge Organisation (DBA) ins Bassin de la Villette. Das ist nicht nur ein gesellschaftlicher Anlass, sondern auch die Gelegenheit für ausgedehnten Erfahrungsaustausch, Besichtigung anderer Schiffe, einen ausgedehnten open-air Lunch am Quai, einen Foto- sowie einen Manövrierwettbewerb.
***
Beim Manövrierwettbewerb geht es darum, sein Schiff vor- und rückwärts über einen mit Bojen markierten Parcours zu steuern, dabei eine in einem Dinghy montierte Schiffsglocke zum Läuten zu bringen, ohne mit dem Schiff das Dinghy zu berühren sowie an einem weiteren Schiff so nahe vorbeizufahren, dass man eine Flasche Bier in Empfang nehmen kann, wiederum ohne das Schiff zu berühren.
Christian fungiert bei diesem Wettbewerb als Experte. Das muss aber als reine Alterserscheinung verstanden werden (Anmerkung des Ersten Offiziers).
***
Zu einem DBA-Rally gehört auch der gegenseitige Schiffsbesuch. Ein Schiff von aussen zu bewundern ist das Eine, aber das Schiff von innen besichtigen zu können, ist etwas anderes. Wir nehmen Sie deshalb zum Schluss dieses Berichtes mit auf eine Besichtigungstour und Sie werden sofort feststellen, dass jedes Schiff seinen eigenen Charakter hat.
***
Aus dem Logbuch
- Paris, Bassin de la Villette. Auf der Seite Quai de la Seine, vor dem pont de Crimée, Jachthafen für Schiffe bis 15 m. Nur mit Badge zugänglich (Sicherheit!). Gleiches Management wie Port de plaisance Paris Arsenal. Strom und Wasser, kostenpflichtig. Südlich davon Anlegemöglichkeiten für grössere Schiff entlang dem Quai de la Seine, aber ohne Einrichtungen, dafür gratis. Alle Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Hafenbeckens. An beiden Seiten des 700 m langen Bassins zwei grosse Kinokomplexe. In einigermassen lauen Nächten auf den Quais Rambazamba bis in den frühen Morgen hinein. Für das oben erwähnte Treffen der DBA wurde die Sicherheit nachts mit einem eigens engagierten Hundeführer sichergestellt.