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Die EM 2016 schrieb viele Geschichten. Erstmals waren 24 Teams am Start, der neue Modus sorgte dafür, dass Mannschaften zum Abschluss der Vorrunde erst nach mehreren Tagen erfuhren, dass sie ausgeschieden sind. Terroranschläge hatten Europa erreicht und den Kontinent erschüttert, dennoch liessen es sich Millionen von Fans nicht nehmen, nach Frankreich zu reisen und aus dem Turnier ein völkerverbindendes Fest zu machen.
Europameister Portugal sorgte für die sportlichen Schlagzeilen. Ohne Sieg qualifizierten sich die Portugiesen für die Achtelfinals (drei Remis), und auch in der K.o.-Phase feierten sie nur einen Sieg nach 90 Minuten, beim 2:0 im Halbfinal gegen Wales. Und doch streckte am 10. Juli 2016 kurz vor Mitternacht Cristiano Ronaldo den Coupe Henri Delaunay in den Pariser Nachthimmel.
CR7 krönte seine Karriere, obwohl er zu Beginn des Abends bittere Tränen vergossen hatte. Bereits nach 25 Minuten und einem harten Tackling von Dimitri Payet wurde der Superstar vom Feld getragen. Doch seine Teamkollegen wehrten sich für ihren verletzten Captain und retteten sich mit etwas Glück in die Verlängerung. In dieser offenbarte der oft als Egozentriker verschrieene Ronaldo seine Fähigkeit als Teamplayer. Quasi als Assistenztrainer trieb er humpelnd und wild gestikulierend seine Mannschaft an der Seitenlinie nach vorne.
Zum Turnier und zum Final passte, dass einer zum Helden aufstieg, dem zuvor im Leben nicht oft Glück beschieden war: Ederzito Antonio Macedo Lopes, kurz Eder. In Guinea-Bissau geboren, kam er früh in die ehemalige Kolonialmacht Portugal, wo er eine schwierige Kindheit und diese mehrheitlich in Heimen verbrachte. Die Beziehung zu seinen Eltern war schwierig, sein Vater verbrachte in England eine jahrelange Haftstrafe, weil er angeblich Eders Stiefmutter tötete.
Auch sportlich lief für Eder nicht immer alles rund. Die Stationen seiner wenig illustren Karriere hiessen Academica Coimbra, Boavista Porto, Swansea City, Lille und Lokomotive Moskau. 2014 war er einer der Hauptschuldigen am frühen Ausscheiden Portugals an der WM in Brasilien, zwei Jahre später war für ihn keine Hauptrolle vorgesehen. Im Stade de France aber stach er als Joker. Erst kurz vor Ende der regulären Spielzeit eingewechselt, fasste sich Eder in der 109. Minute ein Herz und bezwang mit seinem Flachschuss aus 25 Metern Frankreichs Goalie Hugo Lloris.
Am Ende weinte Ronaldo erneut, diesmal aber aus Freude. Bei Eders Einwechslung soll er diesen noch ermuntert und ihm das Tor prophezeit haben. So zumindest berichtete es Eder. Fernando Santos, der knorrige Trainer und smarte Baumeister des portugiesischen Sommermärchens, sagte: «Das hässliche Entlein ist reingekommen und hat getroffen. Jetzt ist er ein wunderschöner Schwan.»