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In Winterthur wird der Campus der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften schrittweise ausgebaut. Den Wettbewerb der 1. Etappe für zwei Forschungs- und Laborgebäude und einen neuen Park gewinnen Graber und Pulver Architekten.
Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) konzentriert die School of Engineering (SoE) auf dem Areal Technikumstrasse, genannt Campus T, in Winterthur. Dazu soll das bestehende Raumangebot von heute 26'500 m2 Hauptnutzfläche auf 35'000 m2 erhöht werden. Längerfristig sollen sämtliche Bauten rund um das schützenswerte Hauptgebäude von Theodor Gohl (1877/78) und das Ostgebäude von Hermann Fietz (1907/08) durch Neubauten ersetzt werden. Ein Park hin zur Eulach wird zum neuen öffentlichen und alles verbindenden Grünraum. Der Masterplan 2012 von Dürig Architekten, basierend auf einer Testplanung, legte die räumliche Entwicklungsstrategie fest.
Der Ausbau und die anstehenden Erneuerungen erfolgen über mehrere Etappen. In der ersten werden die heutigen Erweiterungs- und Laborbauten TM, TV und TL durch zwei Neubauten ersetzt. Das Gebäude TB mit Bibliothek und Mensa wird zurückgebaut, damit der Grünraum zur Eulach realisiert werden kann. Für die zweite Etappe ist die Erneuerung und Verdichtung des Gevierts mit dem Ost- und Chemiegebäude TE/TC vorgesehen. In der dritten Etappe wird das Hauptgebäude TH erneuert und gegen Süden erweitert. Mit der abschliessenden vierten Etappe soll dann das Physikgebäude TP durch einen Neubau ersetzt werden, sofern der Altbau (1958–60) von Hans Suter aus dem Inventar schützenswerter Bauten entlassen wird.
Aus Mantellinien wird Architektur
Für die erste Etappe führten die Bildungsdirektion des Kantons Zürich und die Hochschule einen Projektwettbewerb im selektiven Verfahren durch. Aus 57 Bewerbungen wählte man 15 Teams aus, wobei Büros von ZHAW-Architekturdozierenden nicht zugelassen waren. Die grosse Herausforderung des Wettbewerbs lag in der Umsetzung des anspruchsvollen Raumprogramms der Forschungs- und Laborbauten. Innerhalb der im Masterplan festgelegten Setzungen und Mantellinien galt es, die Flächenvorgaben und Spezifikationen in Architektur umzusetzen.
Das Siegerprojekt «Belo Horizonte» von Graber Pulver Architekten überzeugte die Jury durch eine sehr sorgfältige Umsetzung des Programms. Das Hauptgebäude erschliesst sich über eine quer liegende, zentrale Halle mit grosszügigen Treppenanlagen. Oberlichter in der Halle erlauben es, die Mitte gut zu belichten, mit Nutzungen anzureichern und Begegnungsorte zu schaffen. Die in die Länge gezogenen Kerne unterstützen eine einfache Struktur mit einer klaren Trennung von Technik und Nutzerverkehr.
«29091904», das zweitrangierte Projekt von Baukunst und Bruther Architekten, schlägt im Gegensatz dazu eine offene Halle in Längsrichtung vor, mit einer langen einläufigen Treppe über alle Geschosse. Diese «Werkhalle» wird flankiert von zwei identischen fünfgeschossigen, nutzungsneutralen Raumregalen mit teilweise (zu) grossen Raumtiefen. Die idealisierte Erschliessung und weitere funktionale Mängel konnten die hohen technischen und betrieblichen Anforderungen jedoch nicht erfüllen.
Das Projekt «pas de deux» von Penzel Valier auf Rang 3 nimmt eine räumliche und programmatische Unterteilung der beiden Bauten vor. Werkhallen oder Mensa sind in den unteren, die Labor- und Büroarbeitsplätze in den darüberliegenden, auskragenden Gebäudeteilen untergebracht. Mit einem Lichthof zwischen den beiden Bauten können Laborplätze auch in den Untergeschossen angeordnet und belichtet und die Baukörper entsprechend kompakt gehalten werden.
Verführerische Erscheinung
Beim architektonischen Ausdruck schafft das Projekt von Baukunst und Bruther Architekten mit seiner Fassade eine ikonische Ästhetik. Mit grossformatigen Aluminiumschiebefenstern, sichtbaren Diagonalverstrebungen und Zugstangen aus Stahl sowie aufklappbaren Fassadenelementen im Erdgeschoss gelingt es, den technischen Geist der School of Engineering nach aussen zu tragen. Diesen impliziten Innovationscharakter der SoE, speziell in Bezug auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien, vermisst die Jury beim Ausdruck des erstrangierten Projekts. Die präzise und schlichte Fassade mit grossen Verglasungen, rundum laufenden Brüstungsbändern und vertikalen Profilen aus Beton muss dahingehend noch überarbeitet werden. Wenn alles rund läuft, sollte 2021 ein bewilligungsfähiges Projekt vorliegen und die erste Etappe 2026 abgeschlossen sein.
Beachtlicher Aufwand
Die anstehende Transformation des Campus T zeigt das Bekenntnis zum traditionsreichen städtischen Standort Winterthur. Für den zusätzlich benötigten Raumbedarf von 8'500 m2 Hauptnutzfläche (HNF) werden mehrere Hochschulbauten aus den 1930er- bis 1970er-Jahren rückgebaut und Neubauten mit insgesamt rund 27'000 m2 HNF erstellt. Mit dieser etappenweisen Umwandlung gelingt es, dem künftigen Infrastrukturbedarf nachzukommen und die unterschiedlichen Raumtypologien und das erforderliche Raumprogramm mit Laborflächen, Unterrichtsräumen und Büros unterzubringen. Gleichzeitig wird mit der neuen städtebaulichen Setzung ein attraktiver Grünraum an der Eulach geschaffen, der auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann. • Text: Andreas Kohne
Schweizerische Bauzeitung – TEC21, 2018, Heft Nr. 51-52, PDF
© Andreas Kohne