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Schon im I. 1873 hatte der
Münchener
Arztliche
Verein den amerik. " (^oäs ol meäical etliicä» für deutsche Verhältnisse
bearbeitet und herausgegeben unter dem
Titel «Der ärztliche
Stand und das Publikum»; ihm folgte der Karlsruher
Arzteverein
mit einer ähnlichen Zusammenstellung von Bestim- mungen, welche das Verhalten der
Arzte unter- einander
fowie dem Publikum gegenüber zu regeln bezweckten. Sie ist unter dem
Namen «Karlsruher Standesordnung», mit oder ohne Modifikationen,
seitdem von einer großen Anzahl von
Vereinen (1890 waren es 105, jetzt sind es viel mehr) ein- geführt worden und wird von
den ärztlichen Stan- ^csvertretungen in
Deutschland
[* 3] im allgemeinen als Norm für standesgemäßes Verhalten
der
Arzte und als Grundlage zur Beurteilung von Verstößen «gegen dasselbe anerkannt.
Mit den Grundsätzen einer ärztlichen
Stand es ordn ung hat sich auch der 17. Deutsche
[* 4]
Arztetag 1889 beschäftigt und als
solche nachstehende
Sätze angenommen: 1) Jede Art öffentlicher An- preisung, sei es eine von dem
Arzt selbst
ausgehende, sei es eine durch fremde
Personen, sowie fortgesetztes An- kündigen in öffentlichen
Blättern ist zu verwerfen.
2) Der
Mißbrauch der Bezeichnung
"Specialist» zu Reklamezwecken ist zu verwerfen. Die Bezeich- nung «Klinik»
und «Poliklinik» kommt nur denjeni- gen Anstalten zu, welche dem Lehrzweck
der
Univer- sitäten dienen.
3) Es ist unstatthaft: das öffentliche Ankündigen unentgeltlicher Krankenbehandlung, das Unterbieten bei Abschluß von Verträgen mit Kranken- und ähn- lichen Kassen, das Anbieten von Vorteilen aller Art an dritte Personen, um sich hierdurch Praxis zu verschaffen.
4) Das Verordnen und Smpfehlen von Geheim- mitteln, auch in Gestalt eigener sog. Magistralfor- meln, ist unzulässig.
5) Jeder von einem
Arzt ausgehende Versuch, gleich- viel auf welchem Wege, in die Praris eines
Kollegen einzudringen, ist unehrenhaft.
Namentlich soll der, welcher als
Vertreter oder Konsiliarius thätig ge- wesen, nicht und keinenfalls ohne ausdrückliche
Zu- stimmung des bisherigen
Arzt die Behandlung über- nehmen. Der zu einer bestimmten Behandlung
zu- gezogene
Specialist darf nur diese zu Ende sühren, nicht aber je in die sonstige ärztliche Behandlung eingreifen.
6)
Kein
Arzt soll dem Publikum gegenüber
Äuße- rungen thun, die einen
Kollegen herabzusetzen ge- eignet sind.
7) Für die Geltendmachung der vorstehend kurz skizzierten Regeln sind überall Ehrengerichte
ein- zusetzen, welchen als wirtsame Maßregel gegen die- jenigen
Arzte, die sich den geringern
Strafen etwa nicht fügen, der
Abbruch der Standesverbindung übrigbleibt. Es ist klar, daß Bestimmungen über standesge- mäßes Verhalten der
Arzte nur
dann die beabsich- tigte allgemeine Wirkung haben können, wenn es mogUch ist, alle
Arzte eines
Bezirks
oder eines
Lan- des zur
Anerkennung und Befolgung derselben an- zuhalten. In dieser
Beziehung zeigen aber die landesgesetzlichen
Verordnungen, auf
Grund deren in den obengenanntcn Vundesstaaten eine ärztliche Standesvcrtretung eingeführt ist, ganz erhebliche
Lücken und Mängel. So hat in
Württemberg,
[* 5] Hessen
[* 6] und Oldenburg
[* 7] die ärztliche Standesvertretung überhaupt keine Disciplinargewalt.
- In
Baden
[* 8] kann der
Ausschuß der
Arzte (unter dem Vorsitze eines höhern Verwaltungsbeamten) als Discipli- narkammer der
Arzte
in
Füllen des §. 53 der Gewerbeordnung die Zurücknahme der ärztlichen
Approbation beschließen, sowie gegen
Arzte, welche
die Pflichten ibres Berufs verletzen oder durch ihr Verhalten der
Achtung, die ihr
Beruf erfordert, sich
unwürdig zeigen, auf
Erinnerung, Verweis,
Geld- strafe bis zu 200 M., Entziehung des
Wahlrechts bei den Ausschuhwahlen erkennen.
Der Rekurs geht an das Ministerium des Innern (landesherrliche Verordnung vom Außerdem wirkt der Ausschuh als
Nekursinstanz für den Ehrenrat fast aller bad.
Arztevereine auf deren freiwillige
Entschließung
bin. - Der Kammer der
Arzte und Apotheker in
Braun schweig unterstehen alle
Arzte und Apotheker des
Landes und
sie ist berech- tigt, auf Warnungen, Verweise, Geldstrafen bis zu 150 M. und
Verlust des
Stimmrechts und der Wählbarkeit auf
ein Jahr zu erkennen. - In
Bayern
[* 9] haben die Ärztekammern keinerlei
Dis- ciplinarbefugnisse, doch sind
die ärztlichen Vezirks- vereine, denen 81 Proz. aller
Arzte freiwillig an- gehören, durch Verordnung vom befugt,
«Standesgenossen, welche sich des ärztlichen
Standes unwürdig gezeigt haben und ein gedeihliches Zu- sammenwirken im
Verein
nicht erwarten lassen», die
Aufnahme zu verweigern, sowie Vereinsmitglieder aus denselben
Gründen auszuschließen.
Gegen solche Vereinsbeschlüsse kann Berufung bei der zuständigen Ärztekammer eingelegt werden. In Preußen [* 10] ist Ärzten, welche die Pflichten ihres Berufs in erheblicher Weise oder wiederholt verletzt, oder sich durch ihr Verhalten der Achtung, welche ihr Beruf erfordert, unwürdig gezeigt haben, durch Beschluß des Vorstandes der Ärztekammer das Wahlrecht und die Wählbarkeit dauernd oder auf Zeit zu entziehen. Gegen den Beschluß ist Be- schwerde an den Minister der Medizinalangelegen- hciten zulässig.
Keine Anwendung findet diese sehr beschränkte Disciplinarbefugnis auf Arzte, welche als solche ein mittelbares oder unmittelbares Staats- amt bekleiden oder dem Spruche der Militärehren- gerichte unterliegen (Verordnung vom über die Frage der Erweiterung dieser dem Vor- stände der Ärztekammern zustehenden Disciplinar- befugnisse im Sinne ähnlicher Institutionen, wie solche für Rechtsanwälte in den §ß. 62 fg. der Rechts- anwaltordnung vom bestehen, veran- laßte der Medizinalminister 1892 (durch Verfügung vom 13. Jan.) gutachtliche Äußerungen der Ärzte- kammern, übereinstimmend bejahten diese sowohl die Bedürfnisfrage wie die Notwendigkeit der gesetz- lichen Regelung, knüpften letztere aber an die Vor- aussetzung, daß die Ausnahmestellung der beamte- ten Arzte und der Militärärzte in irgend einer Weise geändert würde. Diese Abänderung erklärte der Älcdizinalministcr «überhaupt für unthunlich» (Schreiben vom und überließ es der Erwägung der Ärztekammern, ob dieselben unter diesen Umständen auf eine weitere Entwicklung ihrer bisherigen Disciplinarbefugnis glauben würden ver- zicbten zu müssen. Sechs Kammern verzichteten hier- auf, die andern sechs wünschten dagegen die Erwei- terung der Disciplinargewalt, auch wenn die Medi- zinalbeamten und Militärärzte derselben nicht unter- worfen würden. Der Kammerausschuft beschloß des- halb die Angelegenheit vorläufig ruhen zu lassen. Ende März 1896 ist ein ¶
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entwurf, betreffend «die ärztlichen Ehrengerichte, das Umlagerecht und die Kassen der Ärztekammern», er- schienen, welcher unter Aufhebung des §.5 der Verordnung vom die Bildung von Ehrengerichten für den Bezirk jeder Ärztekammer und eines Ehrengerichtshofs als Nekursinstanz für den Umfang der Monarchie in Aussicht nimmt. Die Zuständigkeit dieser Ehrengerichte foll sich auf die approbierten Arzte erstrecken mit Ausnahme der beamteten Arzte, der Sanitätsoffiziere und der Sanitätsoffiziere des Bcurlaubtenstandes während ihrer Einziehung zur Dienstleistung.
Zum Zwecke der Aufrechterhaltung der ärztlichen Standesehre und insbesondere der Überwachung der Erfüllung der ärztlichen Berufspflichten follen die Ehrengerichte die ehrengerichtliche Strafgewalt (Warnung, Ver- weis, Geldstrafe bis zu 3000 M., zeitweife oder dauernde Entziehung des aktiven und passivenWahl- rechts zur Ärztekammer) handhaben, sowie die Bei- legung von Streitigkeiten vermitteln, welche sich aus dem ärztlichen Verufsverhültnisse zwischen Ärzten oder zwischen einem und einer andern Person er- geben.
Kommen in Bezug auf einen der den Ehren- gerichten nicht unterstehenden Arzte Thatsachen zur Kenntnis des Ehrengerichts, welche, wenn sie in Be- zug auf einen andern Arzt vorlägen, ein ehrengericht- liches Verfahren nach sich ziehen würden, so hat das Ehrengericht hiervon der vorgesetzten Dienstbehörde des Arzt unter Übersendung der Verhandlungen zur weitern Veranlassung Mitteilung zu machen. In Hamburg [* 12] verpflichtet §. 2 der neuen Arzte- ordnung die Arzte unter anderm, ihre Berufsthätig- keit gewisseuhaft auszuüben und durch ihr Verhalten in Ausübung fowie außerhalb derfelben sich der Ach- tung würdig zu zeigen, welche ihr Beruf erfordert.
Der Vorstand der Ärztekammer ist befugt, einen der den in diesem Paragraphen enthaltenen Ver- pflichtungen zuwiderhandelt, auf das Unangemessene seines Verhaltens aufmerksam zu machen, oder ihm eine Warnung oder einen Verweis zu erteilen, oder auch ihm die Wahlberechtigung und die Wählbar- keit zur Ärztekammer auf Zeit oder dauernd abzu- erkennen. Gegen die auf die drei letztgenannten Strafen lautenden Entscheidungen steht dem Be- troffenen Berufung an die Ärztekammer zu, welche endgültig entscheidet.
Die Arzte sind den Entschei- dungen der Ärztekammer unterworfen und verpflich- tet, ihren Ladungen Folge zu leisten. Der Vorstand ist befugt, bei Streitigkeiten, die sich auf die Aus- übung des ärztlichen Berufs beziehen, vermittelnd einzutreten, und hat auf Erfuchcn beider Parteien einen die betreffende Streitigkeit endgültig erledi- genden Schiedsspruch abzugeben. Im Königreich Sachsen [* 13] trat vom ab ein neues Gesetz über die ärztlichen Bezirksver- eine in Kraft. [* 14]
Visher gehörten etwa 80 Proz. aller Arzte den Vereinen freiwillig an; künftighin ist der VeitrittzudcnBezirksvcreiuen obligatorisch, insofern als sämtliche ihre Praxis ausübenden approbierten Arzte, einschließlich der beamteten Arzte, welche in- nerhalb des betreffenden Medizinalbezirks wohnen, von felbst und ohne Anmeldung Mitglied des be- treffenden Vereins werden. Berechtigt, aber nicht verpflichtet zum Veitritt sind Arzte, welche ihre Praxis nicht oder nicht mehr ausüben, fowie Mili- tärärzte, gleichviel ob sie Civilpraxis ausüben oder nicht.
Samtliche approbierte Arzte des Landes, so- weit sie Mitglieder der Vereine sind, also auch die beamteten Arzte, sowie die Militärärzte, soweit sie Civilpraxis betreiben, haben die Bestimmungen der Standesordnung zu beobachten, welche einen Teil der Vcreinsstatnten bildet und für das ganze Land einheitliche Vorschriften enthalten wird bezüglich der Wichten, die den Mitgliedern der Vezirksvereine in Ausübung ihres Berufs und zur Wahrung der Ehre und des Ansehens ihres Standes in wie außer- halb ihrer Berufsthätigkeit obliegen.
Übertretungen der Standesordnung werden auf Grund einer Ehrengerichtsordnung von einemEhrenrate des Vereins untersucht und abgeurteilt, fofern der Beschuldigte nicht ein einer staatlich geordneten Dis- ciplinarbehörde unterstehender Arzt oder Militärarzt ist. In diesen Fällen ist die Beschwerde an jene Behörde oder an die Sanitätsdirektion ohne weite- res abzugeben. Die Entscheidung des Ehrenrates kann lauten: auf vorläufige Einstellung dos Ver- fahrens während der Dauer des gegen den Beschul- digten wegen einer strafbaren Handlung eingeleiteten gerichtlichen Strafverfahrens; auf Freisprechung; auf Verurteilung zu einer ehrengerichtlichen Strafe Warnung, Verweis, Geldstrafe von 20 bis 1500 M., Aberkennung des Wahlrechts und der Wahlfähigkeit zu den vom Vereine zu bewirkenden Wahlen bis zur Dauer von 5 Jahren).
Als Mitglieder etwa auf- genommene Zahnärzte können außerdem aus dem Vereine ausgefchlossen werden, mit oder ohne Ab- erkennung der Fähigkeit, später wieder einem Ve- zirksvcrein bcitreten zu können. Geldstrafen und Wahlrcchtsaberkennung können auch gleichzeitig, auch kann auf Veröffentlichung der verurteilenden Entscheidung in einer von der entscheidenden Be- hörde zu bestimmenden Zeitschrift erkannt werden. Dem Vefchuldigten steht Berufung an den Ehren- gerichts h of zu, welcher für jeden Regierungsbezirk (Kreishauptmannschaft) aus einem vom Ministerium des Innern zu ernennenden höhern Verwaltungs- beamten als Vorsitzendem und vier von den Mit- gliedern des ärztlichen Kreisvereinsausfchufses zu wählenden Beisitzern gebildet wird, von welchen mindestens zwei denjenigen Ärzten anzugehören haben, welche dem Verfahren vor dem Ehrenrate unterstehen (also weder beamtete noch Militärärzte sind).
Der Ehrengerichtshof entscheidet endgültig. In Österreich [* 15] sind durch Gesetz vom zum Zwecke der Vertretung des ärztlichen Standes in den im Neichsrate vertretenen König- reichen und Ländern Ärztekammern errichtet worden. Den Bestimmungen dieses Gesetzes untersteht jeder zur ärztlichen Praxis berechtigte Arzt, insofern er nicht ausdrücklich auf die Ausübung derfelben verzichtet, mit Ausnahme der aktiven Militärärzte fowie der bei den landesfürstlichen polit.
Behörden angestell- ten Arzte. Die aus mindestens 9, von den Ärzten des betreffenden Sprengels zu wählenden Mitglie- dern bestehenden Ärztekammern sind berufen, über alle Angelegenheiten, welche die gemeinsamen In- teressen des ärztlichen Standes, die Aufgaben und Ziele sowie die Würde und das Ansehen des ärzt- lichen Berufs, die Entwicklung der Gesundheits- pflege und sanitären Einrichtungen betreffen, inso- weit die ärztliche Mitwirkung in Betracht kommt, Veratungen zu pflegen und Beschlüsse zu fassen. Sie haben Delegierte zu dem Landessanitätsrat zu wählen, die als außerordentliche Mitglieder des- selben zu Verhandlungen über principielle Ange- legenheiten, welche den Wirkungskreis der Ärzte- kammern berühren, zugezogen werden. Der aus der Mitte der Kammer gewählte Kammervorstand (aus ¶
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dem Präsidenten, seinem Stellvertreter und aus 3 und höchstens 7 Vorstandsmitgliedern bestehend) fungiert zugleich als Ehrenrat in Fällen von per- sönlichen Streitigkeiten, Beschwerden und Anklagen der in der Kammer vertretenen Arzte unter oder gegeneinander in allen, der Kompetenz der zustün- digen Behörden nicht unterliegenden Angelegen- heiten. Demselben liegt als solchem auch das ver- mittelnde Einschreiten bei Irrungen und Streitig- keiten zwischen ^lrzten des Sprengels in Beziehung auf die Ausübung ihres Berufes ob. Die Ärzte sind verbunden, vor Vetretung des Beschwerdeweges die Vermittelung der Kammer anzurufen.
Der Ehrenrat ist befugt, gegen in der Kammer vertretene Ärzte, welche sich eines des ärztlichen Standes un- würdigen Verhaltens schuldig gemacht oder ihre Pflichten als Angehörige der Ärztekammer verletzt haben, mit Erinnerungen, Verwarnungen, in Wie- derholungsfällen mit Rügen, und bei erbeblichen Unzukömmlichkeiten mit Ordnungsstrafen in Form von Geldbußen bis zu 200 Fl., eudlich mit der Ent- ziehung des passiven oder aktiven Wahlrechts für die Kammer auf Zeit oder dauernd vorzugehen.
Gegen die drei letztgenannten Strafen steht dem Beschul- digten Nekurs an die polit. Landcsbehörde zur end- gültigen Entscheidung zu. Die Oberaufsicht über die Kammer und ihre Thätigkeit wird von der polit. Landesbehörde geübt. Dieselbe ist berechtigt, im Falle der Überschreitung des Wirkungskreises der- selben oder gesetz- und vorschriftwidrigen Gebarens auf die Abstellung der Unregelmäßigkeiten zu drin- gen und erforderlichen Falls die Auflösung der Kammer zu verfügen und Neuwahlen anzuordnen.
Gegen die Auflösung steht Rekurs an das Ministe- rium des Innern offen. In der Schweiz [* 17] giebt es keine staatliche Orga- nisation des ärztlichen Standes wie in Deutschland und Österreich. Die schweizerische Ärzte- kommission, welche von den drei großen ärztlichen Vereinigungen: dem Centralvercin, der 8oci6t6 lueäicÄlL äs lg. 3ui386 i'0manä6 und der Zociet^ meäica, deiia, 3vi^oi'H itllUanii, frei gewählt wird, steht in keiner organischen Verbindung mit den Be- hörden. 1894 gab es in der deutschen Schweiz 1099, in der französischen 383, in der italienischen 75 Ärzte.
Die Zahl der Ärzte Deutschlands [* 18] ist 1894 aus 22287 gegen 21021 im 1.1893 gestiegen. Die Zu- nahme beträgt 3,i Proz., etwas weniger als in den Vorjahren. Davon zählt Preußen 13 257 (12 851), Bayern 2546 (2431), Sachsen 1033 (1573), Würt- temberg 704 (759). Was den Andrang zum medi- zinischen Studium betrifft, so betrug die An- zahl der Medizin Studierenden auf den 20 deut- schen Universitäten im Wintersemester 1890/91: 9100 und die Zahl der ärztlichen Approbationen 1890/91: 1570. Seitdem war die Zahl der Studie- renden bis auf 7900 im Sommer 1894 und die An- zahl der Approbationen bis ans 1405 im Prüsungs- jahre 1893/94 zurückgegangen.
An den mediz. Fa- kultäten in Preußen promovierten 1894 im ganzen 108 Ärzte weniger als 1893, wovon allein auf Ber- lin 70 weniger fielen. 1895 gab es im Deutschen Neich 23 099 Ärzte. Auf 100 cikm wohnten 4,io; auf 10000 Einwohner kamen 4,65. Diese 23 099 Ärzte verteilten sich auf Preußen mit 13 778, Bayern 2559, wachsen 1711, Württemberg 784, Baden 802, Hessen 571, Mecklenburg-Schwerin 248, Sachsen- Weimar [* 19] 173, Mecklenburg-Strelitz 35, Oldenburg 144, Vraunschweig 218, Sachsen-Meiningen 89, ! Sachsen - Altenburg [* 20] 71, Sachsen - Coburg [* 21] 103, ^ Schwarzburg [* 22] - Nudolstadt 37, Schwarzburg - Son- ! dershausen 31, Waldeck [* 23] 28, Neuh ä. L. 17, Reuh j.L.49, Schaumburg-Lippe 18, Lippe [* 24] 49, Lübeck [* 25] 58, Bremen [* 26] 120, Hamburg 469, Elsaß-Lothringen [* 27] 601. -
Vgl. Baas, Die geschichtliche Entwicklung des ärztlichen Standes und der mediz.
Wissenschaften (Berl. 1890).
Berechtigung des Arzt zu körperlichen Eingriffen. Eine wichtige Frage ist: wie weit ist der Arzt zu kör- perlichen Eingriffen (mittels Messer, [* 28] Arznei u. s. w.j an Kranken und Gesunden berechtigt, ohne sich straf- rechtlich wegen Körperverletzung u. s. w. verantwort- lich zu machen? Die Grenzen [* 29] haben sich gewöhn- heitsrcchtlick ausgebildet. 1) Niemand braucht sich. wenn volljährig und geistesgesund, Eingriffe zwecks Heilung wider seinen Willen gefallen zu lassen.
Ausnahme: derjenige, der von einem schweren, wenn auch selbstverschuldeten Unglücksfall betroffen wird, wenn es zur Beseitigung einer momentanen Ge- fahr erforderlich ist (man giebt dem sich Vergiften- den Gegenmittel). Bei lebensgefährlichen Operationen ist neben der Einwilligung erforder- lich: arzt gegenüber lebensgefährlichen Leiden, [* 30] daß es keine bessere und ungefährlichere Heilmethode giebt, dem Patienten die volle Gefahr (dagegen nicht die Einzelheiten) des Eingriffs zum Bewußtsein gebracht ist und alle Vorsichtsmaßregeln zur Beseitigung der in der Operation liegenden Gefahren getroffen wer- den; d. bei in kurzer Zeit sicher zum Tod führender Krankheit, daß nach subjektiver wissenschaftlicher Überzeugung eine, wenn auch geringe Möglichkeit vorhanden ist, das Leben zu erhalten oder zu ver- längern und daß der Patient trotz Kenntnis dieser geringen Chancen einwilligt; c) bei zwar nicht lebens- gefährlichen, aber doch objektiv bedeutenden oder wenigstens subjektiv dem Leidenden sehr empfind- lichen Leiden ist erforderlich, daß die lebensgefähr- liche Operation eine solche ist, die nach statist.
Er- fahrung zumeist gut ausgeht. Arzneiliche Be- handln n g bedarf der speciellen Einwilligung für die einzelne Arznei nur arzt wenn die Arznei eine lebens- gefährliche ist; in diesem Falle müssen auch im übri- gen dieselben Voraussetzungen gegeben sein wie bei Operationen; d. bei neuen Arzneien, sofern sich bei dem Arzt nicht auf Grund wissenschaftlicher Über- legung und nötigenfalls nach Versuchen an Tieren und eventuell auch Menschen die Überzeugung ge- bildet hat, das Mittel sei ein gefahrloses Heilmittel, solange ihn nicht seine eigene oder fremde Erfah- rung vom Gegenteil überzeugt.
Außerdem ist jedes zweckentsprechende Mittel zulässig, das nicht unsitt- lich ist oder in körperlicher Züchtigung besteht. Zu Transfusion und Transplantation (Überleitung von Blut oder Verpflanzung von Hautstücken) ist der Arzt gegenüber den in Betracht kommenden Gesunden auch bci Einwilligung nur berechtigt, wenn dem Gesunden hieraus voraussichtlich kein dauernder Schaden entsteht und das dem Gesunden zugefügte Übel erbcblich geringer ist als das übel des zu Hei- lenden. Benutzt man Minderjährige oder Geistes- kranke zu solchen Akten, so ist, von Notfällen ab- geseben, auch die Einwilligung des gesetzlichen Ver- treters zu fordern. - 2) Für Linderung von Krankheiten gelten die gleichen Nechtssätze. Es sind also selbst lebensgefährliche Eingriffe zulässig, wenn die Größe des Leidens ihnen entspricht. Narkotische Mittel (Morphium u. s. w.), die immer als lebens- aesährlicbe Mittel gelten, darf der Arzt unter ¶