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Die Siedlung im Haslerain ist eine genossenschaftliche Überbauung, die von Hans Schmidt geplant und deren Realisierung vom Staat subventioniert wurde. Schmidt entwarf 21 standardisierte Doppelhäuser und ordnete sie in unterschiedlich langen Zeilen an. Er orientierte sich bei seinen Entwürfen an der ländlichen Architektur.
Die Siedlung Haslerain ist der erste private Auftrag, den Hans Schmidt nach seiner Rückkehr aus der UdSSR ausführte. Dank seines politischen Engagements für die Arbeiterbewegung und als Grossrat der Partei der Arbeit kannte er die Personen, welche die gemeinnützige Wohngenossenschaft Arba gründeten. Durch die Beschaffung des Baulands konnte er sich den Auftrag sichern. Die Siedlung war Teil des sozialen Wohnungsbaus. Der Staat subventionierte den Bau zu 46 Prozent. Die Einfamilienhaus-Siedlung war für Arbeiterfamilien gedacht.
Schmidt setzte 42 Einfamilienhäuser paarweise zu 21 Doppelhäusern zusammen. Er ordnete sie in Zeilenbauweise an und erschloss sie mit einer Stichstrasse für den Verkehr. Vier am Rand der Siedlung gelegene Doppelhäuser drehte er um 90 Grad und richtete ihre Fassade so auf die Strasse aus. Die Doppelhäuser verfügen über eine achsensymmetrische Grundriss- und Fassadengestaltung und sind entlang der Firstlinie durch eine Brandmauer getrennt.
Bei den Doppelhäusern der Siedlung gibt es zwei Varianten: Die eine umfasst drei, die andere vier Zimmer. Bei der Vier-Zimmer-Variante wurden die Wohnräume, die Wohnküche und das Badezimmer gemauert. Eine quergestellte Treppe führt ins Dachgeschoss. Beim Häusertyp mit drei Zimmern wurde die Treppe hingegen an die trennende Brandmauer verlegt und nur die Wohnräume und die Wohnküche wurden gemauert. Das aus Holz gefertigte Badezimmer ist als seitlicher Anbau ausgeführt und über die Küche erschlossen. Anstelle des Badezimmers verfügt die Vier-Zimmer- Variante über einen Schopf. Bei beiden Häusertypen ist das Dachgeschoss in Holzriegelbauweise gefertigt.
Die Häuser verfügen über Keller, Erdgeschoss und Dachgeschoss. Im Erdgeschoss befinden sich Badezimmer und Küche, ein grosses Wohnzimmer und ein überdachter Sitzplatz, über den das Haus betreten wird. Im Dachgeschoss sind die Schlafzimmer untergebracht. Die seitlichen Anbauten und das Giebeldreieck waren ursprünglich mit Holzschindeln verkleidet, die später durch gelbliche Eternitschindeln ersetzt wurden.
Schmidt griff bei den Doppelhäusern auf ältere Konstruktionslösungen zurück. Seine Einfamilienhaus-Typen von 1938 entwickelte er zwischen 1944 und 1945 in den Projektentwürfen für die Siedlung Erlisacker in Bottmingen zu Doppelhäusern weiter und konnte sie redimensioniert erstmals in der Siedlung Haslerain realisieren. Schmidt spürte mit diesen Entwürfen dem ländlichen Wohnen nach und kombinierte Elemente aus verschiedenen Kulturkreisen. So wurde die europäische Massivbauweise, die das Erdgeschoss bestimmt, im Dachgeschoss mit einer holzverschalten Riegelkonstruktion ergänzt, die in der Tradition der schwedischen und amerikanischen Bauweise steht. Die quergestellten Treppen im Zentrum der Häuser mit vier Zimmern lassen sich bereits in Schmidts Plänen zur Siedlung Neuenbühl (1928) bei Zürich nachweisen. Die Bauten der Siedlung sind im Rahmen einer handwerklichen Standardisierung zu sehen und weisen aufgrund ihrer Gleichförmigkeit und des Anknüpfens an ländliche Traditionen Ähnlichkeiten zu Entwürfen Hinrich Tessenows auf.
Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 10.6.2022
Maurizio, Julius: Der Siedlungsbau in der Schweiz. Erlenbach-Zürich 1952.
Nasr, Seyyed Hossein: Die Prinzipien der islamischen Architektur und Probleme der heutigen Stadt. In: Das Abenteuer der Ideen. Architektur und Philosophie seit der industriellen Revolution. Berlin 1987. S. 213.
Suter, Ursula: Kritischer Werkkatalog. In: Hans Schmidt. 1893–1972. Architekt in Basel, Moskau, Berlin-Ost. Zürich 1993. S. 109–374.