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Hüftbrüche gehören weltweit zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei älteren Menschen. Genau genommen handelt es sich dabei um einen Bruch des Oberschenkelknochens nahe des Hüftgelenks, umgangssprachlich ist aber vom Hüftbruch die Rede. Wie Hüftbrüche behandelt werden, ist regional sehr unterschiedlich. Das zeigt ein Ländervergleich zwischen den Niederlanden, England, Israel, Taiwan, Kanada und den USA für die Jahre 2011 und 2018, veröffentlicht im «Journal of the American Geriatrics Society». Die Schweiz wurde in der Studie nicht untersucht, das Bundesamt für Statistik (BFS) wertete die Schweizer Daten für Infosperber jedoch so aus, wie dies in der Studie gemacht wurde (siehe Tabelle unten). Somit ist ein Vergleich möglich.
Im Folgenden die Ergebnisse für das Jahr 2018.
Das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten mit Hüftbruch war mit 81,9 Jahren in Taiwan am niedrigsten und mit 84,4 Jahren in England am höchsten. In der Schweiz betrug es 83,6 Jahre. Die Studie und auch das BFS haben bei allen Auswertungen die Alters- und Geschlechtsunterschiede berücksichtigt (alters- und geschlechtsstandardisiert).*
Hüftbrüche werden meist mit einer von drei Behandlungsmethoden behandelt: Einsetzen einer Vollprothese an der Hüfte, Ersetzen des gebrochenen Oberschenkelknochens durch eine Teilprothese oder chirurgisches Fixieren des gebrochenen Knochens. Welche Methode zum Einsatz kommt, hänge unter anderem von der Art des Knochenbruchs ab, aber auch von der Gebrechlichkeit des Patienten, von der Vorliebe des Operateurs, von den vorhandenen Kapazitäten an einem Spital und auch von finanziellen Anreizen, erläutern die Studienautoren.
Todesrisiko in der Schweiz grösser als in Vergleichsländern
Im Ländervergleich gab es grosse Unterschiede bei der Sterblichkeit: Nach einem Hüftbruch mit Hospitalisierung starben in den Niederlanden circa zehn Prozent der Betroffenen über 66 Jahre innerhalb von 30 Tagen – in Taiwan waren es nur drei Prozent. In der Schweiz waren es zwischen 4,6 Prozent (durchschnittlich jüngere Senioren mit Vollprothese) und 13,6 Prozent (eher ältere Senioren mit Teilprothese). Im Gesamtdurchschnitt stand die Schweiz im Jahr 2018 mit 8,5 Prozent schlechter da als Taiwan, Israel, England, die USA und Kanada.
Die Sterblichkeit nach einer Hüftoperation wurde auch im Zeitraum eines Jahres nach Spitaleintritt verglichen. Taiwan schnitt mit rund 16 Prozent ebenfalls am besten ab, während in den Niederlanden fast 28 Prozent dieser Patientinnen und Patienten verstarben – kein Gütesiegel. In der Schweiz starben im Jahr nach dem Hüftbruch im Durchschnitt 22,6 Prozent der älteren Patienten in den folgenden zwölf Monaten, wobei es grosse Unterschiede gab: 11,9 Prozent waren es bei jenen, die eine Vollprothese erhielten, und 33,2 Prozent bei denjenigen mit Teilprothese.
In der Schweiz schwankte die Ein-Jahres-Sterberate zwischen 21 und 24 Prozent
Auffallend war zudem, dass diese Ein-Jahres-Sterblichkeit in England von 2011 bis 2018 um ein Prozent anstieg, in allen anderen in der Studie untersuchten Ländern dagegen leicht sank. In der Schweiz lag sie zwischen 21 und 24,3 Prozent. Im Jahr 2021, dem letzten Jahr, für welches das BFS die Zahlen ermittelte, lag sie bei 22 Prozent (Patienten mit Vollprothesen 13,8 Prozent, Patienten mit Teilprothesen 34,2 Prozent).
Die Zahlen für die Schweiz von 2011 bis 2021:
|Kriterium||2021||2020||2019||2018||2017||2016||2015||2014||2013||2012||2011|
|Anzahl der ausgewerteten Hüftbrüche||13’815||13’628||13’486||13’146||12’619||12’560||12’618||12’151||12’089||12’075||12’067|
|Durchschnittsalter (Jahre)||83,6||83,8||83,6||83,6||83,5||83,6||83,6||83,6||83,6||83,4||83,4|
|Zeit vom Spitaleintritt bis zum operativen Eingriff* (Tage)||1,1 bis 2,0||1,0 bis 1,8||1,0 bis 1,9||1,1 bis 1,9||1,1 bis 2,0||1,1 bis 2,0||1,1 bis 2,0||1,0 bis 2,3||1,0 bis 1,8||1,0 bis 2,5||1,0 bis 1,8|
|Aufenthaltsdauer im Spital (Tage)||11,5||11,3||11,7||12,5||13,1||13,4||15,0||15,7||15,9||15,0||16,1|
|Anteil der Personen, die nach Hause entlassen wurden (%)||19,7||20,8||20,7||18,8||19,3||19,7||21,1||21,7||21,2||23,5||25,6|
|Wiedereintrittsrate innerhalb von 30 Tagen (%)||17,5||17,9||16,4||18,8||17,8||16,9||16,5||16,7||18,0||17,2||18,8|
|Todesfälle innerhalb von 30 Tagen ab Spitaleintritt (%)||8,5||9,3||8,1||8,5||8,6||9,5||8,4||9,0||9,4||9,5||8,5|
|Todesfälle innerhalb von einem Jahr ab Spitaleintritt (%)||22,0||23,5||21,3||22,6||22,7||23,1||21,0||23,5||24,3||22,8||21,8|
«Beträchtliche Möglichkeiten», um die Behandlung zu verbessern
Die Studie soll Informationen liefern, um das Preis-Leistungs-Verhältnis verschiedener Gesundheitssysteme zu beurteilen. Ein Qualitätsmerkmal von Gesundheitssystemen ist zum Beispiel, wie rasch Personen mit einem Hüftbruch im Spital versorgt werden: In Kanada dauerte es 2018 durchschnittlich 1,6 Tage ab Spitaleintritt, bis die Seniorinnen und Senioren operiert wurden – in Israel hingegen lagen sie schon nach einem halben Tag auf dem Operationstisch. Die Autorinnen und Autoren der Studie finden: Angesichts solcher Unterschiede gebe es noch «beträchtliche Möglichkeiten», um die Versorgung älterer Menschen mit Hüftbrüchen in den verschiedenen Ländern zu verbessern. In der Schweiz vergingen laut dem BFS zwischen 1,1 und 1,9 Tage bis zur operativen Versorgung. Verglichen wurden jeweils drei Behandlungsarten: Einsetzen einer Hüftvollprothese, einer Teilprothese oder chirurgisches Fixieren des Knochenbruchs.
Andere Länder, andere Behandlungsmethoden
Auch die Behandlungsgepflogenheiten waren sehr unterschiedlich: In der Schweiz, in England und in Israel wurden 2018 je etwa 9 Prozent der Betroffenen ab 66 Jahren eine Vollprothese eingesetzt, in den Niederlanden rund 4 Prozent – und in Taiwan nur 0,7 Prozent. Eine Teilprothese erhielten in der Schweiz von 100 Betroffenen etwa 20, in England und in Taiwan waren es je circa 39. Dabei spielte auch das Alter eine Rolle: Das Durchschnittsalter derer, die hierzulande eine Vollprothese erhielten, betrug 79 Jahre. Bei Versorgung mit einer Teilprothese lag es bei 85,5 Jahren. Die grossen Länderunterschiede lassen sich aber nicht mit dem Alter der Behandelten erklären.
In Israel und den USA wurden die Knochen bei etwa über 60 Prozent der Betroffenen chirurgisch verbunden – in England hingegen nur bei 42 Prozent. Solche grossen Unterschiede seien medizinisch nicht zu erklären und würden nach Studien rufen, um herauszufinden, welche Behandlungsmethode denn für ältere Erwachsenen die beste sei, finden die Autoren des Ländervergleichs. Zum Vergleich: In der Schweiz wurden 2018 laut dem Bundesamt für Statistik circa 37 Prozent der älteren Menschen mit Hüftbruch so behandelt.
Patienten in der Schweiz doppelt so lang im Spital wie in den USA
In den USA verliessen die in die Studie eingeschlossenen Patientinnen und Patienten nach durchschnittlich 6,4 Tagen das Spital wieder – in England dagegen erst nach fast 19 Tagen. In der Schweiz dauerte der Spitalaufenthalt im Durchschnitt 12,5 Tage. In Israel wurden fast 60 Prozent nach Hause entlassen – in den USA nur etwa zehn Prozent und in der Schweiz durchschnittlich 18,8 Prozent (je nach Behandlungsart zwischen 15 und 31 Prozent).
Die Qualität der Behandlungen zeigt sich auch an der Zahl der Komplikationen. Erfasst wurde der Anteil derjenigen, die innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung ungeplant wieder ins Spital eintreten mussten: In Israel und England betraf dies etwa jeden Sechsten. In der Schweiz musste sogar fast jeder fünfte ältere Mensch im Monat nach der Behandlung wieder ins Spital. Im Ländervergleich lag die Schweiz damit am Schluss. Anders in den Niederlanden: Dort musste etwa jeder Dreizehnte innerhalb eines Monats erneut ins Spital.
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*In der Studie wurden die Patienten in allen sechs Ländern auf die Alters- und Geschlechtsverteilung der US-Bevölkerung ab 66 Jahre im Jahr 2018 standardisiert. Weitere Erkrankungen und Risikofaktoren wie etwa starkes Übergewicht flossen nicht in die Berechnungen ein. Berücksichtigt wurden nur die «typischen» Hüftbrüche, nicht solche, die beispielsweise bei Verkehrsunfällen passierten. Das BFS wandte die gleiche Methode für die Schweiz an.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.