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Wörterbuch
der Sozialpolitik
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Sozialer Zusammenhalt

Der soziale Zusammenhalt einer Gesellschaft drückt sich in der Bereitschaft ihrer Mitglieder aus, solidarisch zu handeln. Dabei ist zu unterscheiden zwischen konkreten und abstrakten Formen von Solidarität. Als konkrete Form von Solidarität gilt die gegenseitige Unterstützung innerhalb einer Gemeinschaft wie der Familie, der Nachbarschaft oder einer Gruppe. Als abstrakt hingegen wird diejenige Form bezeichnet, welche die Sozialversicherungen kennzeichnet. Bei der AHV z.B. handeln junge solidarisch gegenüber älteren Menschen. Auch diese Solidarität beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Den sozialen Zusammenhalt zu fördern, ist das Ziel jeglicher Art von Sozialpolitik.
Wie viel Ungerechtigkeit eine Gesellschaft verträgt, bis sie auseinander fällt, ist seit Émile Durkheims Studie zur sozialen Arbeitsteilung in der industriellen Gesellschaft (Durkheim 1977) eine zentrale Frage soziologischen Denkens. Gründe, weshalb der soziale Zusammenhalt heute besonders in Frage gestellt sei, werden je nach theoretischem Ansatz unterschiedliche genannt: der allgemeine Modernisierungsprozess (Individualisierungstheorie), die allmähliche Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Bereiche und das daraus hervorgehende Konfliktpotenzial (Kommunitarismus), die Vervielfältigung von Identitäten (Postmoderne Theorie) sowie die Durchsetzung der Logik des Marktes in sämtlichen Lebensbereichen (Globalisierungskritik). Doch meist ist unklar, worauf die Bereitschaft zu solidarischem Handeln konkret beruht. Um das Ausmaß des sozialen Zusammenhalts in einer Nation zu messen, verwendet die OECD die folgenden Indikatoren: Anzahl Streiks, Drogenkonsum und -tote, Selbstmord, Verbrechen, Mitgliedschaft in Organisationen, Anzahl Gefängnisinsassinnen und
-insassen sowie die Wahlbeteiligung.
Literatur: