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Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht: Dieser epochale Musiktitel des inzwischen etwas gealterten Tonkünstlers Drafi Deutscher ist der Lieblingssong von Amalie F. aus Grosshöchstetten. Sie schreibt uns: «Alle wissen, dass es grammatikalisch korrekt eigentlich ‹brechen› statt ‹bricht› heissen müsste. Aber warum eigentlich?» Weiter schreibt Amalie F. dezidiert: «Vielleicht können Sie dies für einmal ohne schnoddrige Publikumsbeschimpfungen beantworten.» Sie fragt sich allerdings auch, wie sich korrekte Grammatik auf den Liedtext ausgewirkt hätte.
Zur Anfrage von Frau F. nimmt die Askforce wie folgt Stellung:
1.) Besteht ein Satzgegenstand aus mehreren in der Einzahl stehenden Teilen (Marmor, Stein, Eisen), die durch «und» verbunden sind, dann steht das Verb in aller Regel in der Mehrzahl. Also: Marmor, Stein und Eisen brechen.
2.) Es gibt Ausnahmen. Wenn die durch «und» verbundenen Teile eines Satzgegenstandes Infinitive sind, dann steht das Verb gewöhnlich in der Einzahl. Es heisst darum zum Beispiel: «Aufräumen, Putzen und Kochen ist Amalie aus Grosshöchstetten ein Vergnügen.»
3.) Bei formelhaften Fügungen, wie beispielsweise «Hab und Gut», kann das Verb sowohl in der Einzahl als auch in der Mehrzahl stehen: «Hab und Gut gingen verloren» ist somit ebenso korrekt wie «Hab und Gut ging verloren».
Möglicherweise arbeitet also die Zeit im Dienste von Deutscher: Sollte die Wendung «Marmor, Stein und Eisen» inzwischen als formelhafte Fügung gelten, dann ist das von Deutscher gesungene «bricht» grammatikalisch korrekt.
4.) Davon ausgehend, dass die Liedzeile zumindest zum Zeitpunkt ihrer Dichtung falsch war, liefert die Askforce zur Zusatzfrage von Frau F. folgende korrekte Alternativen:
Marmor, Stein und Eisen brechen,
a) Wir müssens halt zusammenrechen
b) Aber unsere Lieben blechen
c) Lasst uns ruhig weiterzechen
Im Wissen, völlig unschnoddrig unsere Autorität belegt zu haben, grüssen wir Sie, werte Amalie F., hochachtungsvoll, Ihre Askforce.
Askforce Nr. 164, 15. März 2004