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Einführung
Erectile Dysfunction (ED), auch bekannt als Impotenz, ist das Unvermögen, eine genügende Erektion für eine normale sexuelle Aktivität aufrecht erhalten zu können. Mehr als 50% der Männer zwischen 40-70 Jahren sollen eine ED in einem gewissen Grade haben. In den letzten Jahren wurde diesem Thema vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Diese ist evident angesichts der Tatsache, dass zwischen 1985 und 1999 die Anzahl der Konsultation, die auf dieses Problem zurückgehen, sich in den USA verdreifachte. Sicher hat es auch mit der Einführung von Sildenafil (Viagra) im März 98 in den USA zu tun. TCM-Therapeuten haben für dieses Problem schon seit langem TCM-Lösungen offeriert, doch sind diese seit der Einführung neuer Medikamente für ein altes Problem nun vermehrt gefordert, die Heirat von östlichen mit westlichen Traditionen genauer zu beobachten. Während TCM die ganze Gesundheit des Patienten ins Auge fassen, kann uns die westliche Schulmedizin die Augen für solches Tun noch weiter öffnen lassen, wenn wir die Sache korrekt betrachten. Das soll im Folgenden versucht werden.
Dieser Artikel will die physiologischen Prozesse der ED und ihre Dysfunktion im westlichen Sinn zusammenfassen und diese in Bezug auf die gesamte Gesundheit eines Individuum setzen. Schliesslich wird die TCM-Fachliteratur konsultiert und auf dem Boden aller Erkenntnisse werden einige Formeln für ED analysiert.
ED aus Sicht der westlichen Schulmedizin
Der Schlüssel zum Durchbruch für Medikamente gegen ED wie Viagra, Levitra und Cialis liegt im chemischen Prozess, der Stickstoffmonoxid-Zyklus heisst. So funktioniert eine normale Erektion: Zuerst sind im Penis die Strukturen Corpus cavernosus und Corpus spongiosus in relativer Anspannung, was verhindert, dass der Blutstrom diese saugfähigen Gewebe füllt. Dann kommen vom Gehirn, welches auf einen sexuellen Stimulus reagiert, über das Rückenmark Befehle, welche die glatten Muskelfasern in den genannten Corpora erschlaffen lassen. Damit füllen sich diese Kammern mit Blut und die Erektion kommt zustande. Und so funktioniert der Vorgang:
- Nerven stimulieren die Freisetzung von Nitritoxid, welches cGMP (zyklisches Guanosinmonophosphat) in Corpus cavernosus und Corpus spongiosus aktiviert.
- cGMP lässt die glatten Muskelfasern erschlaffen.
- Blut strömt ein.
- Durch die Erhöhung des Blutdrucks werden die rückführenden Venen abgeklemmt und das Blut bleibt im Penis gefangen. Die Erektion ist nun vorhanden.
- Die Erektion schlafft ab, wenn das Enzym PDE5 (Phosphodiesterase Typ 5) das cGMP abbaut.
- Ohne cGMP können die glatten Muskelzellen in den Corpora cav. et. spong. nicht erschlaffen. Sie ziehen sich zusammen und das Blut wird hinausgepresst und die Erektion fällt zusammen.
Medikamente gegen ED greifen in diesen Stickstoffmonoxid-Zyklus ein. Mittel wie Viagra hemmen PDE5, womit dieses cGMP nicht mehr abbauen kann, sodass dieses länger überlebt. Die glatten Muskelfasern bleiben so länger schlaff und das Blut wird damit am Abfluss gehindert. Die Erektion bleibt kräftiger und länger.
Aus diesem Prozess können wir einiges ableiten:
Erstens hat ED eher etwas mit einem normalen bzw. abnormalen Blutfluss zu tun und basiert selten auf einem tiefen Level an männlichen Hormonen. Zweitens basiert dieser Blutfluss auf dem Stickstoffmonoxid-Zyklus, der die glatte Muskulatur relaxiert und so die Blutgefässe dilatiert. Weiter unten finden sich einige TCM-Kräuter, die auf diesen Stickstoffmonoxid-Zyklus wirken.
Die westliche Physiologie kennt zwei Arten von Erektionen: reflektorische und psychogene. Die reflektorische passiert nach Stimulation der genitalen Gegend. Reflektorisch wird dies genannt, weil ein Reflexbogen zwischen der Genitalgegend und dem Rückenmark besteht. Psychogene Erektion passiert dann, wenn Mitteilungen vom Gehirn über das Rückenmark zur Genitalgegend gelangen. Deshalb sind an der Erektion zwei Mechanismen beteiligt: physische und psychologische. Auch die TCM kennt diese zwei Aspekte: den physiologischen (Qi, Xue, Yin, Yang) und den psychologischen (Herz-Shen und Leber-Gallenblasen-Syndrome).
ED Physiologie in TCM
TCM betrachtet die ED in einem ähnlichen Sinn wie die westliche Schulmedizin. Erektion beinhaltet die Mehrung von beidem: Yang-Qi (Energie, Funktion) und Yin-Xue (Substanz) im Penis. Im TCM-Sinn sind die Funktionskreise Niere, Leber, Milz und Herz am Prozess beteiligt.
In TCM sind die Nieren sind für die Reproduktionsfähigkeit und für die entsprechenden Organe zuständig. Die Hoden werden auch als ‚äussere Nieren’ bezeichnet. Die Harnröhre (Urethra) ist eines der beiden unteren Portale, welche durch die Niere kontrolliert wird. Die Nieren sind die Wurzel des wahren Yin und Yang und eine Leere des einen oder andern führt dazu, dass der Penis sich nicht mit Substanz (Blut) oder mit Bewegungskraft (Yang-Qi), die die Yin-Substanz in den Penis führt, füllen kann.
Die Leber ist auch für die ‚Sehnen’ verantwortlich und der Penis ist der Treffpunkt der hundert Sehnen. Zudem führt der Lebermeridian um die Genitalgegend und versorgt sie mit Qi und Blut. Die Leber hortet das Blut und wenn das Reservoir leer ist, kommt nicht genug Blut zu den Sehnen des Penis. Eingeengtes Leber-Qi kann den Blut- und Qi-Fluss behindern. Die Leber wird schnell von Stress, Ärger und unerfüllten Wünschen, welche ein psychologischer Faktor für ED ist, in ihrer Funktion gestört.
Die Magen-Milz-Achse ist die postnatale Quelle für Qi und Xue, welches aus der Nahrung gewonnen wird. Eine Insuffizienz in diesem Bereich kann ebenfalls zu einer ED führen. Wenn nicht genug Qi und Xue vorhanden sind, wird der Penis nicht erigiert. Die Milz ist auch die Quelle für pathologische Feuchtigkeit (pathologische Körpersäfte). Diese Feuchtigkeit kann absinken und die Leber- und Nieren-Funktion obstruieren.
Das Herz regiert das Blut und schickt es zum Penis. ED kann auch infolge von übermässigem Herz-Feuer entstehen. Eine Dysfunktion des Herzens hat mit den psychischen Faktoren zu tun. Vorzeitiger Samenerguss oder ED aufgrund von Angst und Ängstlichkeit können die Folge sein.
Gründe für ED aus westlich schulmedizinischer Sicht
Sowohl die westliche Schulmedizin, als auch TCM sind sich einig, dass ED nicht für sich allein vorkommt, sondern dass sie im Kontext anderer Störungen zu finden ist. Die folgende Analogie vermag dieses Konzept zu erläutern. ED ist wie das Bild einer Zypresse: Allein auf eine Leinwand gemalt bedeutet es einem wenig, aber im Bild Sternennacht von Vincent van Gogh hat sie aufgrund der Beziehungen zur Umgebung eine tiefe Bedeutung. Die Muster-, bzw. Syndromerkennung in TCM trägt dem ganzen Kontext, in dem eine Störung auftritt, Rechnung. Die westliche Schuldmedizin sieht ED auch in einem weiteren Kontext, nämlich:
- Hypertonie: Die Gefässwände werden rigide und verengt. Daraus resultiert ein verminderter Blutfluss zum Penis. Mehr als 65% der Männer mit hohem Blutdruck haben eine ED.
- Hypercholesterinämie: Der Blutfluss zum Penis ist durch die Plaquebildung in den Arterien vermindert. 80% beträgt das Risiko für Männer mit hohem Cholesterinwert.
- Herzkrankheiten: Koronare und andere Herzkrankheiten führen wie bei den obigen zwei Gründen zu ED.
- Diabetes: Hohe Blutzuckerwerte schädigen Nerven und Blutgefässe. 85% der diabetischen Männer haben bis zu einem gewissen Grade ED.
- Prostata: Einige Prostatabehandlungen führen wegen der Nähe der Prostata zu wichtigen Nervenbahnen zu ED.
- Depression: Einige Medikamente gegen Depressionen können ED verursachen. ED kann wiederum das Selbstwertgefühl schwächen, was wiederum zu einer Verstärkung einer Depression führen kann.
- Rückenmarksschäden: Die Nervenbahnen vom Gehirn zum Penis sind unterbrochen und die Erektion ist gestört.
- Medikamente: Diverse Medikamente beeinflussen die Erektion: Herzmedikamente, Antihypertensiva, Chemotherapie, Antidepressiva.
- Rauchen/Alkohol: Rauchen beschädigt die Blutgefässe und kann so die Blutzufuhr zum Penis behindern. Alkohol verhindert zeitweise die Erektion. Vor dem Sex grössere Mengen Alkohol zu trinken, ist nicht ratsam.
Die obigen Gründe oder Zusammenhänge, in denen ED einen Teil davon darstellt, haben alle mit der Durchblutung zu tun und deren eingeschränkte Funktion kann ED zur Folge haben. Jedem Punkt der obigen Liste können im TCM-Sinne multiple Syndrompathologien zugrunde liegen. Es gibt insgesamt 13 verschiedene Syndrome, die mit ED assoziiert sind. Die folgende Liste stammt aus ‚A Handbook of TCM Urology & Male Sexual Dysfunction’ (Lin, 1992):
- Nieren-Yang-Mangel (Shen Yang Xu)
- Nieren-Yin-Mangel (Shen Yin Xu)
- Nieren-Yin- & -Yang-Mangel (Shen Yin Yang Liang Xu)
- Feuchte Hitze, die in den Nieren-Meridian absteigt (Shi Re Xiazhu Shen Jing)
- Leber-Qi-Stagnation (Gan Yu Qi Zhi)
- Feuchte Hitze im Leber-Meridian (Gan Jing Shi Re)
- Kälte in der Leber (Gan Han)
- Yin- und Xue-Mangel in der Leber (Gan Xue Yin Xu)
- Qi-Mangel in Herz-Gallenblase (Xin Dan Qi Xu)
- Schwäche in Milz-Magen (Pi Wei Xu Rou)
- Schleim und Feuchtigkeit in der Milz (Pi Xu Tan Shi)
- Herz-Milz-Mangel (Xin Pi Xu)
- Äussere Attacke durch feuchte Hitze (Wai Gan Shi Re)
Diese Syndrome und ihre Kombinationen sind aufgelistet, um die grosse Zahl von möglichen Gründen für eine ED aufzuzeigen. Es soll festgehalten werden, dass beide, die westliche Schulmedizin und TCM ED als Manifestation verschiedenster Szenarien gelten kann und dass jedes Szenario im Rahmen einer Gesamttherapie behandelt werden muss.
Aktuelle Behandlungsoptionen für ED in der westlichen Schulmedizin:
Die erste Massnahme zur Behandlung einer ED ist der Einsatz von Viagra, Levitra oder Cialis. Es gibt andere Methoden, zum Beispiel die intraurethrale Applikation von Muse, das den Blutfluss zum Penis verbessert. Die Selbsttherapie mittels Injektionen in den Penis zur gewünschten Zeit ist eine weitere Möglichkeit. Auch die Anwendung eines Vakuums um den Penis zur Verbesserung der Blutzirkulation ist möglich. Es wird danach ein Gummiring an die Basis des Penisschafts angelegt. Radikaler noch ist die operative Einpflanzung von Penisimplantaten. Im Scrotum wird eine Pumpe platziert, welche die Implantate bei Bedarf füllt. Das wird dann gemacht, wenn andere Methoden versagen. Sextherapie, die aus Ratschlägen besteht, wie Paare miteinander kommunizieren sollten, kann ebenfalls ratsam sein. Es wird auch mit Substanzen experimentiert, die über die Nase aufgenommen werden und die über das Gehirn wirken und nicht direkt auf das Genitalsystem. Man hofft, dass dies auch für Frauen geeignet ist.
Die westliche Schulmedizin folgt einer allgemeinen Behandlungsstrategie. Schritt 1 besteht, die allgemeine Gesundheitssituation des Mannes zu verbessern, zum Beispiel indem man den Blutdruck zu normalisieren versucht. In Schritt 2 werden alle andern Zustände wie Diabetes, Hypercholesterinämie, Herzkrankheiten etc. angegangen. In Schritt 3 wird ED spezifisch therapiert, nämlich:
- Viagra oder Levitra oder Cialis
- Alprostadil urethral
- Alprostadil als Injektion
- Jedes Stadium: Vakuumpumpe
- Letzte Möglichkeit: Implantate
Behandlung der ED mit TCM
Unglücklicherweise ist in der westlichen Schulmedizin der Einbezug von alternativen Heilmethoden bei ED nicht vorgesehen. Es besteht aber eine wachsende Evidenz, dass Akupunktur und TCM-Arzneimitteltherapie bei ED wirksam sind. TCM hat zudem auch etwas zu bieten, wenn es um die Behandlung der der ED zugrunde liegenden Probleme wie Herzkrankheiten, Diabetes etc. geht. Die Diagnose stützt sich auf die Symptome des Patienten, die genügend Entscheidungskriterien zur Syndromdifferenzierung, zur TCM-Diagnose und somit unmittelbar zur Therapie geben. Die TCM-Arzneimitteltherapie beruht auf der Wahl einer Formel, welche das Syndrom verlangt. Dies muss beachtet werden, denn die urologischen Probleme des Mannes sind in China in der hier vorliegenden Art erst seit rund 30 Jahren als Nan Ke bekannt. Und man sollte sich strikt an die TCM-Diagnose halten und diese nicht mit westlichen Diagnosen mixen. Moderne klinische Forschung bringt einen faszinierenden Einblick in mögliche biochemische Abläufe, welche TCM-Arzneimittel haben und es gibt Studien, welche von klinischer Relevanz für unsere Praxis sind.
TCM-Arzneimittel und der Stickstoffmonoxid-Zyklus
Achike und Kwan (2003) publizierten einen Artikel, der von Kräutern handelt, welche den Stickstoffmonoxid-Zyklus beeinflussen. Viele dieser Mittel sind in der chinesischen Pharmakopöe enthalten.
Die Autoren erklären, dass der Stickstoffmonoxid-Zyklus bei vielen Krankheiten eine Rolle spielt: Hypertonie, Diabetes, Erholung nach Schlaganfall, Migräne, Parkinson, Alzheimer, pulmonale Hypertonie und akute respiratorische Erkrankungen. Medikamente, welche den Stickstoffmonoxid-Zyklus beeinflussen, sind bei vielen verschiedenen Krankheiten indiziert. Es gibt, wenn man die verschiedenen TCM-Kräuter anschaut, welche den Stickstoffmonoxid-Zyklus betreffen, kein einheitlich erkennbares Syndrom, welches alle diese Mittel zusammenführen würde. So haben sogar recht unterschiedliche Eigenschaften im TCM Sinn: einige sind von kalter Natur, andere von heisser, einige ergänzen das Qi, andere wiederum klären Hitze. Das erinnert an einen Grundsatz der TCM-Arzneimitteltherapie: ‚Gleiche Krankheit - verschiedene Behandlungsmöglichkeiten; verschiedene Krankheiten - gleiche Behandlung (tong bing yi zhi; yi bing tong zhi). Eine Krankheit kann also darum verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zugänglich sein, weil dieser verschiedene Syndrome zugrunde liegen können. Umgekehrt kann eine einzelne Kräutermischung bei verschiedenen Syndromen Anwendung finden, wiederum wegen der verschiedenen vorliegenden Syndrome. Der wichtige Punkt dabei ist, dass der Stickstoffmonoxid-Zyklus bei verschiedenen Krankheiten eine Rolle spielt und dass es viele Kräuter gibt, die diesen Zyklus und damit die Erschlaffung der glatten Muskulatur beeinflussen und es folglich auch Kräuter sind, die in ganz verschiedenen Kategorien zu finden sind mit ganz unterschiedlichen Wirkprinzipien im TCM-Sinn.
Um ED zu behandeln, wird daher ein TCM-Therapeut keinesfalls alle Kräuter der Liste von Achike & Kwan in eine einzige Rezeptur packen. Die Wirkungsweise eines Krautes ist im westlichen Sinn nicht bis ins Detail geklärt. Zum Beispiel wird angenommen, dass die Wirkung von Ginseng auf die Erschlaffung der glatten Muskulatur wahrscheinlich mild ist. Ginseng gilt auch als Aphrodisiakum. TCM-Therapeuten sind sich darüber einig, dass Ginseng in der Behandlung von Impotenz nur eine untergeordnete Rolle spielt. Anderseits gibt es viele TCM-Arzneimittel, die keine Rolle im Stickstoffmonoxid-Zyklus spielen, die aber dennoch bei ED zum Zuge kommen, nämlich aufgrund ihrer Affinität zu einem entsprechenden Syndrom, und dies mit gutem Erfolg. Während beide, TCM und die westliche Medizin ED als Begleitkrankheit im Rahmen anderer Grundmorbiditäten behandeln, ist es interessant zu sehen, dass der Stickstoffmonoxid-Zyklus vor allem eine Rolle bei Erkrankungen des Gefässsystems spielt, zum Beispiel bei Hypertonie, Diabetes etc..
Analyse von TCM-Arzneimittelformeln für ED und verwandte Zustände
Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle Behandlungsmöglichkeiten für alle Syndrome aufzuführen, welche bei ED im Spiel sind. Hier stellen wir einige Formeln vor, welche SunTen, der Lieferant von Complemedis AG, herstellt und für die Laboruntersuchungen und klinische Studien zeigten, dass sie wirksam sind.
In der TCM tritt bei ED der Fall einer Nieren-Schwäche und ihren Komplikationen häufig auf. Gegen eine Nieren-Yang-Schwäche setzen wir die folgende Kombination ein:
Men’s Formula MA-511 (Wen Yang)
Bei reduziertem Sexualtrieb, Impotenz, generelle Schwäche, Müdigkeit, Kreuzschmerzen.
Traditionelle Wirkung:
- Wärmt das Nieren-Yang
- Nährt Blut und Jing
Moderne Wirkung:
- Stärkt die Funktionen des endokrinen Systems und der Vitalität
- Verbessert den Energiemetabolismus
- Verbessert die Funktion der Sexualorgane
Analyse
Ginseng und Eucommia aktivieren den Stickstoffmonoxid-Zyklus, der die Blutzufuhr zum Penis fördert.
Gelatina Cornu Cervi ist ein traditionelles Mittel der Männlichkeit. Es enthält mehrere Aminosäuren, die den Energiemetabolismus stärken.
Epimedium verbessert die Funktion der Sexualorgane und beschleunigt die Spermiensekretion.
Wang (2004) machte eine klinische Studie mit 58 Männern mit ED. Man stärkte bei ihnen die Milz und die Nieren. Man verabreichte eine klassische Formel, welche 7 der oben genannten Mittel enthielt. 79% der Männer wurden geheilt, bei 17% verbesserte sich die Funktion und bei 3% wirkte sie nicht. Eine andere Studie an Ratten mit einer ähnlichen Formel funktionierte so: Die Ratten wurden während vier Monaten mit einer cholesterinreichen Diät gefüttert. Die eine Gruppe erhielt die Formel, die andere nicht. Die Gruppe, die keine Kräuter bekam, zeigte mikroskopische Veränderungen am Penis, die zu ED führte. Die andere wies keine Schäden auf. Blutdruck und Cholesterinwerte blieben bei beiden Gruppen gleich, was zeigt, dass die Kräuter die ED nicht deshalb verbesserten, weil sie den Blutdruck oder das Cholesterin senkten. Dagegen zeigten sie eine verstärkte Expression von zweier Proteine, nämlich Caveolin-1 und Basic Fibroblast Growth Factor im Gewebe des Penis. Die Autoren stellten die Hypothese, dass diese Proteine eine wichtige kompensatorische Rolle spielen, indem sie möglicherweise die Neubildung von Gefässen anregen, Nerven regenerieren helfen oder andere Mikrostrukturen beeinflussen, welche im Falle einer hohen Cholesterinbelastung Schaden litten.
Diese Studien zeigen zwei Tatsachen: Es gibt erstens wahrscheinlich verschiedene Mechanismen, durch welche TCM-Arzneimittel biochemisch wirken, sei es über den Stickstoffmonoxid-Zyklus oder über den Growth Factor-Weg, oder über andere, welche bis dato noch nicht genauer bekannt sind. Zweitens gilt es zu bemerken, dass TCM-Arzneimittel auch dann wirken, wenn die Therapeuten den genauen biochemischen Mechanismus nicht kennen.
Ginseng Nutritive Combination (Ren Shen Yang Rong Tang)
Eine anderes häufiges Syndrom für ED in TCM ist die Milz-Magen-Schwäche, die zu einem Qi- und Blut-Mangel führt und die ‚Sehnen’ des Penis nicht mehr füllen kann. Die Milz-Magen-Schwäche kann sekundär auch zu einer Nieren-Schwäche führen. So kann ein Syndrom in ein anderes übergehen. Die bekannteste Formel für diesen Zustand ist Ginseng Nutritive Combination.
Symptome
Magen-Milz-Schwäche, die zu Impotenz führt und allgemeiner Schwäche und Verdauungsbeschwerden wie schlechtem Appetit, Spannungsgefühl im Abdomen und lockerem Stuhlgang.
Traditionelle Wirkung:
- Ergänzt das Qi und das Blut
- Stärkt die inneren Organe
Analyse
Ginseng und Paeonia aktivieren den Stickstoffmonoxid-Zyklus, der zu einer vermehrten Blutzufuhr zum Penis führt.
Ginseng Nutritive Combination hat mit der Formel aus der Studie an den Ratten, die oben erwähnt wurde, acht Kräuter gemeinsam. Die Formel hat multiple Wirkungen, unter anderen auch die Senkung des Blutzuckerspiegels, Verbesserung der pulmonalen Funktion und immunstimulierende Eigenschaften. Obwohl die Formel ein leicht anderes Therapieprinzip verfolgt als die oben erwähnte Men’s Formel MA-511, aber trotzdem bei ED wirkt, erinnert dies an die früher gemachte Aussage: ‚gleiche Krankheit – unterschiedliche Behandlung; verschiedene Krankheiten – gleiche Behandlung’. Interessanterweise sind von den 12 Kräutern nur deren zwei als im Stickstoffmonoxid-Zyklus wirkend bekannt. Gleichwohl ist die Formel bei dieser Art von ED gebräuchlich. Nochmals darf darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Behandlung auf dem Boden der Syndromdifferenzierung erfolgen sollte. Kenntnisse der biochemischen Mechanismen sind nützlich und sie geben Vertrauen in das, was wir tun, aber diese Kenntnisse wirken nur unterstützend zur traditionellen TCM-Behandlung.
40% der Fälle von ED haben ihren Grund in vaskulärer Problematik, in 30% liegt ein Diabetes vor und weitere 25% sind die Folge von chirurgischen Eingriffen, Unfällen und neurologischen Leiden und nur 3% beruhen auf einer endokrinen Dysfunktion. Dies im Gegensatz zur landläufigen Meinung. Was mag TCM in diesen seltenen Fällen auszurichten? Xu(2003) behandelte 58 Fälle von Impotenz, deren Ursache eine Prolactinämie war, mit der Formel Jia Wei Shao Yao Gan Cao Tang. Prolactinämie kommt bei einem Prolactinom, also einem Hypophysentumor vor, kann aber auch eine (Neben-)Wirkung von Medikamenten sein oder ein Hypothyreoidismus.
2 x täglich für 4 Wochen sind ein Behandlungszyklus. 3 solche Zyklen sind nötig.
Modifikationen wurden gemacht, welche die individuelle Situation bei den einzelnen Patienten mit ihren Syndrommustern berücksichtigte, um so den klassischen Regeln der TCM gerecht zu werden. 68.97% erreichten eine volle Erektion und die Werte für Prolactin und Testosteron waren im Normbereich, 10.34% zeigten einen deutlichen Erfolg und nur bei 8.62% war dieser wenig und bei 12.07% überhaupt nicht befriedigend. Diese Formel könnte je nach Notwendigkeit modifiziert werden, aber da dieser Artikel die Produkte des Herstellers SunTen betrifft, könnte man ein ganz ähnliches Produkt auf der Basis einer Kombination von Peony & Licorice Formula und Men’s Formula MA-511 (Wen Yang) machen. Eine Behandlung auf diese Art würde eine evidenzbasierte Therapie aus Sicht der westlichen und chinesischen Medizin bedeuten.
Andere Therapiemöglichkeitenfür ED
Da ED ein Zustand ist, der im Rahmen diverser systemischer Krankheiten auftritt, und weil TCM wie die westliche Schulmedizin ED als Teil in einem andern Kontext auffasst (Hypertonie, Hypercholesterinämie, Diabetes, Prostatitis, psychische Probleme), können wir noch einige dieser Situationen betrachten:
Prostate Formula PR-681 (Tong Dao)
Indikation:
ED, die als Komplikation eine Prostatitis aufweist
Funktionen:
- Ergänzt das Nieren-Yang
- Fördert die Blutzirkulation
- Kräftig urogenitale Funktionen
Analyse:
Prostataerkrankungen sind einer der Gründe für ED. Dies wegen der anatomischen Nähe zu Nervenbahnen, welche in der ED eine Rolle spielen. Die Formel wird in Japan seit langem bei vergrösserter Prostata verabreicht. Dort wurde festgestellt, dass Symptome wie häufiger nächtlicher Harndrang und schwacher Harnstrahl beeinflusst werden. Das Mittel hat eine antientzündliche Wirkung und es fördert die Blutzirkulation.
In dieser Formel steckt kein Mittel, welches den Nitritoxidzyklus beeinflusst.
Der Gebrauch dieser Formel zeigt eine Parallele zur westlichen Medizin, bei der der Allgemeinzustand des Patienten verbessert wird und zuerst dieser behandelt wird.
Hypertonie HB-345 (Jiang Ya)
Behandelt hohen Blutdruck, Hyperthyreoidismus, cerebrale Insulte, Epilepsie und Schwindel.
Funktionen:
- Beruhigt die Leber und treibt Wind aus
- Klärt Hitze
- Ergänzt Leber- und Nieren-Yin
- Enthält Eucommia, das den Nitritoxidzyklus beeinflusst
Aus der Perspektive der TCM hat diese Formel automatisch auch einen gewissen Einfluss auf die ED.
Cholesterin-Reduktion CR-201 (Jiang Zhi)
Behandelt hohe Cholesterin- und Triglyzeridwerte
In dieser Formel steckt auch Shan Zha (Fructus Crataegi), das auch den Stickstoffmonoxid-Zyklus anregt.
Das Mittel ist eine allgemeine Formel zur Senkung hoher Cholesterinwerte, welche Gefässerkrankungen machen und die ihrerseits zu ED führen können. Auch in dieser Formel gibt es Kräuter, welche den Stickstoffmonoxid-Zyklus direkt beeinflussen. Damit demonstriert die Formel auch wieder, dass gemäss der Theorie der TCM spezifische Probleme behandelt werden können, die aus einem generellen Gesichtspunkt Sinn machen. Diese cholesterinsenkende Mischung ist nicht direkt gegen ED konzipiert, aber sie unterstützt andere Bemühungen zu diesem Thema effizient. (Anm. d.Übersetzers: Die genaue Zusammensetzung dieser Formel konnte nicht ausfindig gemacht werden.)
Auf dem Markt gibt es viele Formeln, die nicht direkt auf die ganz individuellen Bedürfnisse eines Problems beim individuellen Patienten gerichtet sind, die aber gleichwohl ihre Berechtigung haben, indem sie auf eine breite Schicht der Bevölkerung in jedem Fall passen. Vier von diesen seien im Folgenden vorgestellt, denn sie können in vielen Fällen von ED auch zusätzlich eingesetzt werden:
Three Ginseng Pill (San Shen Pian)
Energiespender, immunstimulierende, die Blutzirkulation fördernd, den Allgemeinzustand verbessernd.
Ginsengprodukte werden von einer breiten Bevölkerungsschicht konsumiert.
Diese Kombination bietet ein Gleichgewicht zwischen Kräutern von warmer und kühler Natur. Zwei der vier Kräuter greifen in den Stickstoffmonoxid-Zyklus ein, die bei ED wirken.
Ginkgo Cnidium Pill YSP
Fördert die cerebrale Blutzirkulation und verbessert Gedächtnisfunktionen.
Diese Formel wurde für Leute entwickelt, die Probleme mit dem Gedächtnis haben. Interessanterweise besteht Evidenz, dass Ginkgo bei Libidoproblemen hilft, welche auf dem Boden einer Therapie mit modernen Antidepressiva entstanden ist. Cohen und Bartlik (1998) fanden heraus, dass 120mg Ginkgo-Extrakt in 84% das Sexualverlangen und die Orgasmusfähigkeit verbesserten. Die Autoren berichten zudem, dass die Formel bei Frauen noch besser wirkt als bei Männern.
Yin Essentials
In den USA werden breit Vitamine zusätzlich zur Nahrung eingenommen. Die Formel Yin Essentials ergänzt solche Therapien mit einigen nützlichen Kräutern.
Unter diesen befinden sich mehrere, die auch eine ED positiv beeinflussen, nämlich:
- Fructus Schizandrae (Wu Wei Zi)
- Fructus Crataegi (Shan Zha)
- Rhizoma Curcumae longae (Jiang Huang)
Wirkung:
Unterstützt die Regenerationsfähigkeit des Körpers in der Ruhephase.
Enthält Shan Zha (Crataegi, Fructus), welches den Stickstoffmonoxid-Zyklus und damit ED günstig beeinflusst.
Wu Wei Zi (Schizandrae, Fructus) ist ein Basistonikum der Niere, welche im TCM-Sinn Sexualfunktionen und die Reproduktionsfähigkeit unterstützt.
Curcuma verbessert die Blutzirkulation, welche einen wichtigen Beitrag zur Behebung einer ED leistet.
Yang Essentials
Enthält die folgenden Kräuter der TCM:
- Radix Eleutherococci senticosi (Ci Wu Jia)
- Radix Ginseng (Ren Shen)
- Radix Panacis quinquefolii (Xi Yang Shen)
- Fructus Crataegi (Shan Zha)
- Radix Astragali (Huang Qi)
- Herba Epimedii (Yin Yang Huo)
- Foliae Ginkgo (Yin Guo Ye)
Ginseng, Shan Zha (Fructus Crataegi) und Ginkgo bewirken eine Verbesserung der Erektion.
Schlussbemerkungen
Sowohl die westliche Schulmedizin als auch die TCM sehen ED in einem grösseren Zusammenhang. Sowohl die physiologischen Grundlagen als auch die klinische Wirkung sprechen für den Gebrauch von Arzneimitteln der TCM zur Behandlung von ED. Es wurde der Nachweise erbracht, dass mehrere chinesische Arzneimittel den Stickstoffmonoxid-Zyklus, der bei ED eine grosse Rolle spielt, beeinflusst wird. Es existieren dazu einige klinische Studien. Wenn TCM gemäss der Syndromdifferenzierung betrieben wird, kommt eine Selektion von spezifischen Arzneimitteln in Frage, die die physiologische Umgebung beeinflussen, die für eine normale Erektion wichtig ist. Die Mechanismen sind teilweise bekannt.
Satch Purcell, L.Ac. 2008 – SunTen Newsletter Frühling 2008
Übersetzung: Severin Bühlmann