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Inhaltsverzeichnis
Ausgangslage
Gestützt auf § 2 Lehrmittelverordnung für die Volksschule (412.14) beschliesst der Bildungsrat die Schaffung neuer Lehrmittel oder die Beteiligung an interkantonalen Projekten. Gemäss § 22 Volksschulgesetz (412.100) entscheidet der Bildungsrat, welche Lehrmittel in der Volksschule obligatorisch verwendet werden.
Das interkantonale Französischlehrmittel Envol wurde im Kanton Zürich ab dem Jahr 2000 als obligatorisches Lehrmittel eingeführt. Es wird heute von den Kantonen AG, AI, AR, GL, LU, NW, OW, SG, SH, SZ, TG, ZG, ZH und VS eingesetzt (Stand Mai 2010), was in einer annähernd flächendeckenden Koordination des Französischunterrichts in der Deutschschweiz resultierte. Das Lehrmittel wurde unter Federführung des Kantons Zürich in Zusammenarbeit mit dem Kanton St. Gallen entwickelt. Anregungen aus dem Schulfeld und einzelner Kantone wurden im Laufe der Zeit aufgenommen. Seine Akzeptanz ist nach wie vor hoch. Der didaktische Ansatz ist noch immer zeitgemäss und die Rückmeldungen aus der
Praxis sind mehrheitlich positiv.
Der Bildungsrat genehmigte am 23. Juni 2008 eine mehrjährige Lehrmittelplanung. Darin
wurde für das Fach Französisch festgelegt, dass innerhalb von 3 bis 4 Jahren die Planung
zur Ablösung des eingeführten Lehrmittels Envol aufzunehmen ist (BRB 24/2008).
Ausgehend von den Rückmeldungen der Zürcher Lehrerschaft (Synodalgutachten 2006;
Round Table 2009) beschloss der Bildungsrat am 22. März 2010 die Schaffung weiterer Ergänzungsmaterialien
für die Primar- und Sekundarstufe I. Diese sollen gewährleisten, dass
das Lehrmittel Envol bis zu seiner Ablösung den Bedürfnissen der gestiegenen (Leistungs-)
Heterogenität in den Regelklassen besser gerecht wird (BRB 10/2010).
Schulpolitische Entwicklungen
Seit der Einführung des Französischlehrmittels Envol im Jahre 2000 sind folgende schulpolitischen
Entwicklungen zu beobachten:
- Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hat am 25. März 2004 ein Sprachenkonzept verabschiedet, das sich auf die Ziele des Europarates stützt und neben der lokalen Standardsprache den Unterricht in zwei Fremdsprachen fordert. In Übereinstimmung mit diesen Forderungen werden heute im Kanton Zürich zwei Fremdsprachen an der Volksschule unterrichtet, Englisch ab der 2. Klasse, Französisch ab der 5. Klasse. Französisch ist dadurch zweite Fremdsprache.
- Seit Schuljahr 2007/08 gilt für die Zeugnisse aller Stufen eine einheitliche Darstellungsform für die Bewertung der Schulleistungen in Deutsch und in den Fremdsprachen Englisch und Französisch. Es wird eine Gesamtnote erteilt, aber zusätzlich werden die vier Teilfertigkeiten Hörverstehen, Leseverstehen, Sprechen und Schreiben beurteilt.
- Die Integration von Schülerinnen und Schülern mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen in der Regelklasse stellt hohe Anforderungen an den Unterricht und die Klassenführung. Für den integrativen und individualisierenden Unterricht braucht es auch im Fremdsprachenunterricht geeignete Lehrmittel.
- Gegenwärtig laufen die Arbeiten am Lehrplan 21 und an den HarmoS-Grundkompetenzen (Bildungsstandards) für Fremdsprachen. Es ist zu erwarten, dass die definitive Version des Lehrplans 21 ab Schuljahr 2014/15 verfügbar ist und ab 2015/16 im Kanton Zürich eingeführt werden kann. Diese Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf den Fremdsprachenunterricht.
Sprachdidaktische Anforderungen an das künftige Französischlehrmittel
Eine Arbeitsgruppe unter der Federführung der Interkantonalen Lehrmittelzentrale ilz, in der Volksschulamt und Lehrmittelverlag Zürich sowie Erziehungsdirektion und Lehrmittelverlag St. Gallen vertreten waren, hat erste Vorüberlegungen zu einem künftigen Französischlehrmittel angestellt und in einer Projektskizze festgehalten. Das neue Lehrmittel soll folgende Anforderungen erfüllen:
- Kommunikativer Ansatz: Der moderne Fremdsprachenunterricht, der das Ziel des Europarats einer funktionalen Mehrsprachigkeit erfüllt, unterstützt den Aufbau kommunikativer Sprachkompetenzen. Die Lernenden sollen befähigt werden, die Zielsprachen in alltagsnahen Situationen im mündlichen und schriftlichen Austausch natürlich einzusetzen.
- Inhaltsorientierung: Sprachunterricht wird mit bildungsrelevanten Themen verknüpft. Die Inhalte sind altersgerecht und motivierend. Sie entsprechen den Interessen sowie sprachlichen Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler.
- Handlungsorientierung: Die Schülerinnen und Schüler lernen die Sprache mittels konkreter Aufgaben oder Arbeitsaufträgen (z.B. Experimente, Projekte, Umfragen). Damit sie die Aufgabe erfüllen können, wenden sie die gelernten sprachlich-kommunikativen Kompetenzen an. Sprachliche Mittel (Vokabeln und grammatische Strukturen) sind notwendiges Werkzeug, damit diese Aufgaben erfolgreich ausgeführt werden können.
- Grammatik: Die formalen Gegebenheiten der Fremdsprache entdecken die Lernenden, indem sie das Funktionieren der Sprache in den Aufgaben/Sprachhandlungen reflektieren und entsprechende Regeln ableiten. Grammatische Strukturen und Vokabeln werden in verschiedenen Situationen systematisch wieder aufgegriffen, gefestigt und erweitert.
- Mehrsprachigkeitsdidaktik: Beim Einstieg in die zweite Fremdsprache sollen die bisherigen Sprachlernerfahrungen der Schülerinnen und Schüler mit einbezogen und als Brücke zur zweiten Fremdsprache genutzt werden. Synergien im Bereich Lernstrategien und Strategien zur Förderung von sprachlichen Kompetenzen (Lese-, Hör-, Schreib- und Sprechstrategien) sollen gefördert, sprachliche Ähnlichkeiten und Unterschiede sollen bewusst gemacht werden. Mittels Sprechvergleichen und Reflexion über verschiedene Sprachen sollen zudem das Bewusstsein für sprachliche Eigenarten und kulturelle Vielfalt gefördert werden.
- Individualisierung: Ein aktuelles Lehrmittel muss geeignete binnendifferenzierte Lernangebote für verschiedene Lerngruppen bzw. die individuelle Förderung anbieten. Dabei soll die Förderung sowohl lernschwacher als auch lernstarker Schülerinnen und Schüler und verschiedener Lerntypen berücksichtigt werden. In den Lehr- und Lernarrangements müssen deshalb Komplexitätsgrad, Lernautonomie, Menge an vermittelten Inhalten und Übungsformen hinreichend variieren.
- Lernautonomie: Das neue Lehrmittel bietet geeignete Materialien für das selbstgesteuertes Lernen und unterstützt die Schülerinnen und Schüler, ihren individuellen Lernprozess bewusst und eigenständig zu steuern und durch die Anwendung geeigneter Strategien zu optimieren. Hierzu sind Anregungen zur Entwicklung geeigneter Sprachlernstrategien und -techniken angeboten.
- Lernzielorientierung und Beurteilung: Das neue Lehrmittel ist lernzielorientiert aufgebaut und bietet überprüfbare Kompetenzbeschreibungen an. Der Selbstbeurteilung als Ergänzung zur Fremdbeurteilung wird eine wichtige Bedeutung beigemessen. Es werden dabei konkrete Bezüge zum Europäischen Sprachenportfolio aufgezeigt. Das selbstständige Lernen wird mit Lernzielkontrollen und eventuell mit entsprechenden Checklisten unterstützt.
- Lehrplan: Das zukünftige Französischlehrmittel basiert auf dem Lehrplan 21 und den HarmoS-Grundkompetenzen (Bildungsstandards) für Fremdsprachen. Damit soll sichergestellt werden, dass die vorgeschriebenen Niveaus des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) erreicht werden.
- Aufbau und Struktur: Das Lehrmittel hat einen klaren und übersichtlichen Aufbau und basiert auf einem stufenübergreifenden Konzept. Es unterstützt die Lehrpersonen, ihre Unterrichtsvorbereitung effizient zu gestalten. Es werden Unterrichtsmaterialien angeboten, die eine hinreichende Wahlmöglichkeit und eine zeitliche Flexibilität gewährleisten.
- Unterrichtstauglichkeit: Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt auf der Praxistauglichkeit und der Sicherung der stufenübergreifenden, methodischen Kontinuität in der Volksschule.
Erwägungen
- Soll ab dem Schuljahr 2016/17 ein neues Französischlehrmittel für das 5. bis 9. Schuljahr zur Verfügung stehen, sind die Planungsarbeiten rechtzeitig aufzunehmen. Aus diesem Grund hat bereits vor rund einem halben Jahr eine Arbeitsgruppe unter der Federführung der Interkantonalen Lehrmittelzentrale ilz ihre Arbeit aufgenommen und ihre Vorüberlegungen in einer Projektskizze festgehalten.
- Die Arbeitsgruppe befürwortet die Neuschaffung eines Französischlehrmittels. Dabei sollen bewährte Elemente von Envol übernommen und den aktuellen Anforderungen entsprechend weiterentwickelt werden.
- Der Erziehungsrat des Kantons St. Gallen wird am 19. Januar 2011 von den Vorüberlegungen der Arbeitsgruppe in Kenntnis gesetzt.
- Das zukünftige Lehrwerk soll die oben vorgestellten didaktischen Anforderungen erfüllen, dem kommunikativen sowie handlungs- und inhaltsorientierten Ansatz verpflichtet sein und sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen GER sowie den Erkenntnissen der modernen Fremdsprachendidaktik orientieren.
- Aufgrund der grossen Bandbreite an unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und der Zuweisung zu Leistungszügen auf der Sekundarstufe I sind für diese Schulstufe verschiedene Ausgabevarianten zu prüfen, z.B. zwei niveauspezifische Ausgaben (Grundversion und erweiterte Version) oder ein Basiskurs kombiniert mit speziellen Niveauerweiterungen.
- Es ist zu erwarten, dass der Lehrplan 21 ab Schuljahr 2014/15 den Kantonen zur Verfügung steht und ab 2015/16 eingeführt werden kann. Da der Lehrplan 21 und das neue Französischlehrmittel weitgehend parallel entwickelt werden, muss sichergestellt sein, dass bereits die Zwischenergebnisse der Lehrplanentwicklung bei der Lehrmittelentwicklung berücksichtigt werden können.
- Lehrmittelkonzept und Projektorganisation haben zu gewährleisten, dass die Materialien für die Primar- und die Sekundarstufe I optimal aufeinander abgestimmt sind, und der Stufenübergang für die Schülerinnen und Schüler reibungslos verläuft.
- Die Entwicklung des Nachfolgelehrmittels zu Envol erfolgt im Rahmen der Interkantonalen Lehrmittelzentrale ilz. An der Entwicklung sind optimalerweise wieder die beiden kantonalen Lehrmittelverlage Zürich (Lead) und St. Gallen beteiligt. Weitere Kantone werden im Rahmen der interkantonalen Zusammenarbeit in die Projektorganisation einbezogen, sofern diese ein ausgewiesenes Interesse am neuen Lehrmittel zeigen.
- Die Interkantonale Lehrmittelzentrale ilz leitet das Vorprojekt bis zur Beschlussfassung durch den Bildungsrat des Kantons Zürich und den Erziehungsrat des Kantons St. Gallen. Danach übernimmt das Lehrmittelsekretariat des Volksschulamtes des Kantons Zürich die organisatorische Projektleitung. Der Konzeptauftrag erfolgt durch das Volksschulamt.
- Das Volksschulamt schlägt vor, mit den Konzeptarbeiten zu einem neuen Französischlehrmittel für die Volksschule im Jahr 2011 zu beginnen, damit die gestaffelte Einführung beginnend im 5. Schuljahr ab Schuljahr 2016/17, also praktisch gleichzeitig mit der Einführung des Lehrplans 21, sichergestellt werden kann.
|Schuljahr 2016/17||Schuljahr 2017/18||Schuljahr 2018/19||Schuljahr 2019/20||Schuljahr 2020/21|
|Primarstufe||Primarstufe||Sekundarstufe I||Sekundarstufe I||Sekundarstufe I|
|5. Klasse||6. Klasse||7. Klasse||8. Klasse||9. Klasse|