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John McEnroe sieht Nick Kyrgios als grösstes Tennistalent der letzten zehn Jahre. Warum sich der Australier davon (noch) nichts kaufen kann, beweist Roger Federer seit Jahren.
Als Captain führte der ehemalige Tennisprofi John McEnroe das «Team World» in den letzten beiden Jahren an den Laver Cup, wo er als Coach von Nick Kyrgios (ATP 35) auf Punktejagd gegen Federer, Nadal oder Djokovic ging. McEnroe beschreibt Kyrgios als guten Teamplayer und «Person, die ich mag». In einem Interview mit «The Telegraph» macht McEnroe ausserdem klar, wie gross er das Talent des 23-jährigen Australiers auf dem Court einschätzt.
«Nick ist ein extrem talentierter Spieler. Von allen Spielern der letzten zehn Jahre ist er, nur auf das Tennis-Talent bezogen, wohl der Beste.» Das Problem sieht McEnroe beim Australier mehr in der Ausschöpfung des riesigen Talents. «Wenn du einen Typen siehst, der nicht macht, was er eigentlich könnte, würdest du natürlich gerne helfen.»
Sein Potential hat Kyrgios in Vergangenheit bereits mehrmals angedeutet. Auf einen Titelgewinn an einem ganz grossen Turnier wartet der Australier allerdings noch, womit ihm beispielsweise der 21-jährige Alexander Zverev als Sieger der inoffiziellen Tennisweltmeisterschaften 2018 einen Schritt voraus ist. Für McEnroe hat das einen einfachen Grund: «Wie willst du einen grossen Titel gewinnen, wenn du zur Hälfte der Turniere gar nicht antrittst?» Kyrgios ist bekannt für seine regelmässigen Pausen, die er sich gönnt, weil er nicht immer gleich viel Lust auf den Tennissport hat. Da er dies auch schon öffentlich so kommunizierte, stand der Australier deswegen mehrfach in der Kritik.
In der Vergangenheit gab es aber durchaus Spieler, die trotz langen Verletzungspausen mit ähnlich wenig Spielzeit auf dem Court die grossen Titel absahnten. Das beste Beispiel dafür ist Rafael Nadal, der in seiner Karriere teilweise praktisch nur die Sandsaison spielen konnte. Hätte Kyrgios auf einem Belag ähnliches Talent wie Nadal auf der roten Asche, hätte der Australier dann nicht schon mehr Titel gewinnen müssen? Eine sehr hypothetische Frage…
Talent alleine reicht nicht
Was sicher ist: Talent alleine reicht nicht. Weder für Nick Kyrgios, noch für Nadal oder Federer. Letzterer beweist dies seit Jahren und beeindruckt nicht nur seine Fans mit seiner akribischen Trainings-und Turnierplanung, sondern auch seinen langjährigen Weggefährten Tommy Haas. «Was kann man über den Kerl sagen? Roger ist einfach unglaublich.» Dabei ist Haas von Federers ungebrochenem Ehrgeiz fasziniert. «Wir hätten gedacht, dass er es in dieser Karriere-Phase etwas ruhiger angehen lässt, aber er legt so viel Wert darauf, seinen Turnierplan zu organisieren und auch auf seinen Körper aufzupassen.»
Haas, der selber viele Jahre auf der ATP-Tour aktiv war und nun Turnierdirektor von Indian Wells ist, weiss also, wovon er spricht. Er glaubt denn auch, dass Federer seine Fans noch länger begeistern wird: «Man kann sich gut vorstellen, dass er noch ein paar weitere Jahre stark spielt.»