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Das fragte uns stolz ein Handwerker, nachdem er seine Arbeit gemacht hat. Ich nehme an, es ist die wörtliche Übersetzung aus dem Singhalesischen. Allenfalls gehört noch ein „Du“ davor, was dann „You happy work mine“ ergäbe, denn „Du bist“ gibt es in Sinhala nicht. Sie sagen bloss „Du“, also Obe, was dann wahlweise auch „Du bist“ heissen kann. Übrigens heisst die singhalesische Sprache auf Singhalesisch Sinhala.
Subä udääsena
Frage ich einen Singhalesen, was in Sinhala „Du bist“ heisse, dann antwortet er mir: Sir, there are five different forms for this. Darauf winke ich meist sofort ab. Ich habe schon Mühe, mir ein paar Wörter zu merken. Wenn es jetzt für die Konjugation pro Person je fünf Formen gibt, dann sind das ja pro Verb 30 verschiedene Formen, die ich lernen müsste. Als Sprachenmuffel graust mir davor.
Eigentlich bin ich ja nicht direkt ein Sprachenmuffel. Ich liebe die deutsche Sprache und ihre Feinheiten. Ich liebe Sprachwitz und Wortspiele. Aber mit Fremdsprachen hatte ich immer meine liebe Mühe, weil ich da zuerst paar Tausend Wörter auswendig lernen muss und nicht weiss, wie ich sie mir merken kann. Ich muss mir für jedes Wort eine Eselsbrücke basteln. „Affe“ heisst z.B. auf Sinhala wandura. Da so eine Affenbande während des Tages >wandert<, kann ich es mir so merken.
Kann ich mir mal den Stamm des Wortes merken, dann geht die Endung schon irgendwie. Also: „Affe“ — ääh, die Affen wandern — „wand…“, ääh, „wandern“, „wandera“ … „wandura!“. Wenn der Gesprächstpartner dann mit dem Kopf wackelt – hier, wie in Indien, ist Nicken nicht die affirmative Geste – und z.B: mit ou, ou bestätigt, dann weiss ich, dass ich es richtig ausgesprochen habe. Ou heisst übrigens „ja“. Wenn ich also in einem Tuktuk sitze und zusehe, wie es beinahe zu einem Zusammenstoss kommt, sage ich als Schweizer „Ou-ou-ou-ou!“, was der Singhalese dann als „ja, ja, ja, ja“ versteht und sich wundert, warum ich jetzt einer Beinahe-Kollision so freudig zustimme.
Aber mittlerweile kann ich schon ein paar Brocken Sinhala. Heute früh begegnete ich an der Beach einem Mann. Das ist aussergewöhnlich, denn oft sind hier die Strände so leer, wie ein Wasserreservoir in der Wüste nach einem besonders trockenen Sommer.
– Ich sprach ihn höflich mit Subä Udääsena an, also „Guten Morgen“.
– Er erwiderte den Gruss und fragte mich Gohede jannää?, was ich mit „wohin gehst Du?“ übersetze. Das ist hier so üblich. Begegnet man einer einheimischen Person, fragte sie what is your name?, which is your country? und where are you going?. Kinder fügen dem noch hinzu: do you have money for me?.
– Da ich den Mann am Strand auf Singhalesisch begrüsste und erst noch einen Sarong trug, dachte er, ich sei des Sinhalas mächtig und er könne mit mir in seiner Muttersprache parlieren. Ich antwortete ihm mit einer unsicheren Geste in eine Richtung und sagte mama tannää, was bedeutet „ich weiss es nicht“. Das führt dann stets zu langen Gesichtern. Hier spaziert niemand freiwillig herum. Warum, zum Teufel, läuft dieser Fremde wirr in der Gegend herum ohne ein Ziel zu haben? Der muss bedeppert sein.
– Gerne würde ich erwidern, dass der Weg das Ziel sei, denn oft geht es mir ja in erster Linie um Bewegung und nicht so sehr darum, einen Ort zu erreichen. Zumindest muss ich mir einmal das Wort gamatti („walking“) merken. Aber ich habe noch keine Eselsbrücke dafür gefunden.
Schriften und Denken
Der Leser sollte jetzt nicht denken, dass meine Schreibweise singhalesischer Wörter in irgendeiner Weise offiziell oder auch nur üblich sei. Singhalesen haben ihre eigene Schrift, so eine strubbelig-gelockte Schrift, ähnlich, wie die Tamilen oder die Thailänder. Zwar sehen diese Schriften für das europäische Auge alle gleich aus, sie sind es aber nicht. Ein Singhalese kann im Allgemeinen die tamilische Schrift nicht lesen und umgekehrt. Hierzulande müssen alle Schilder in drei Schriften und Sprachen angeschrieben werden. Klar, auch in der Schweiz sind Schilder dreisprachig, aber wenigstens in derselben Schrift. Hier gibt es drei verschiedene Schriften: Singhalesisch, Tamilisch und Lateinisch (für Englisch).
Item, wenn ich also schreibe „tannää“, dann ist das rein phonetisch notiert (aber nicht einmal in phonetischer Schrift). Ein anderer würde es sich vielleicht als „danä“ notieren. Egal! Hauptsache, ich kann mir die Wörter merken und so wiedergeben, dass ich ein ou, ou als Bestätigung erhalte. Nicht auszudenken, wenn ich „wandura“ als „vandura“ notierte (s. oben): dann würde meine Eselsbrücke nicht mehr funktionieren!
Die gekräuselte Schrift lässt vielleicht auf eine für Europäer ebenso gekräuselte Wortzusammenstellung schliessen. Aus der Broschüre „Kauderwelsch Singhalesisch – Wort für Wort“ entnehme ich das Beispiel, wie die Singhalesen „Er ist Sighalese“ sagen: „Er singhalesisch Mann ein“. Beachten Sie, dass in dieser Satzzusammenstellung kein Verb vorkommt! Für uns klingt das eher wie das Gestammel eines Kleinkindes. Vielleicht klingen unsere Satzstellungen in ihren Ohren genauso primitiv.
Aber ihre Satzstellung hat auch praktische Seiten. Für „Es ist warm“ sagen sie „Wärme sein“ und „Ich habe ein Buch“ heisst im Singhalesischen „Buch ein sein“. Man braucht so zwischen „sein“ und „haben“ nicht zu unterscheiden. Ich glaube, ich würde es besser mit „herrschen“ übersetzen, im Sinne von Bundesrat Ogis „Freude herrscht“. Also „Wärme herrscht“ und „Buch herrscht“. Oder statt „herrschen“ könnte man vielleicht „beschäftigt mich gerade“ übersetzen: „Diese Wärme beschäftigt mich gerade“ oder „macht mir zu schaffen“ und „ein Buch beschäftigt mich gerade“, was ja viel persönlicher ist, als unser primitives und besitzzentriertes „Ich habe ein Buch“.
Wohl das Erste, das ich gelernt habe, ist harry hondai, also „sehr gut“ oder wörtlich „einverstanden gut“. Um z.B. eine Abmachung zu bestätigen, sagt man harry, harry (die Singhalesen sagen immer alles zweimal), also „einverstanden!“. Und auf die Frage, wie es einem geht – kohomadää? – antwortet man mit hondai, hondai. Für mich klingt Harry hondai ein bisschen wie „Der Harry fährt einen Honda(i)“. Wenn ihn Derrick nur nicht immer beauftragt hätte, den Wagen vorzufahren.
Nun denn! In einem Monat geht’s wieder nach Italien zurück und ich muss mich mit Italienisch herumschlagen. Das ist natürlich viel schwieriger, als Singhalesisch. Hier werde ich bereits geachtet, wenn ich paar Wörtchen kann; wer in Italien aber die geläufigen Verben, die natürlich höchst irregulär sind, nicht fehlerfrei und im Schlaf in presente, passato, futuro und condizionale aufsagen kann, ist ein Niemand. My Name is Nobody! Na dann also: Gihyn ennam! (Ciao)