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Ist Trump ein zweiter Reagan?
Wiederholt sich die Geschichte? In gewisser Weise schon. Als Ronald Reagan 1980 zum Präsidenten gewählt wurde, war das Entsetzen unter den Verlierern gross. Reagan war ein ehemaliger Schauspieler, der durch Filme wie «Bedtime with Bonzo» berühmt geworden war. Bonzo war ein Schimpanse, und so war es naheliegend, auch Reagan als Affen zu bezeichnen. Trump hat man auch wiederholt mit einem Orang-Utan verglichen.
Zudem war Reagan aussenpolitisch völlig unerfahren. Alarmisten befürchteten, dass es bald zur offenen Konfrontation mit der Sowjetunion kommen würde. Der neu gewählte Präsident galt als ignorant, überfordert und unberechenbar. Bei Trump bestehen ebenfalls hinsichtlich der Aussenpolitik die grössten Befürchtungen.
Schliesslich gibt es auch wirtschaftspolitische Parallelen. Reagan senkte die Steuern und erhöhte die Ausgaben. Trump will ebenfalls die Steuern senken und Ausgaben erhöhen.
Auf der anderen Seite ist doch vieles anders. Reagan war seit langem in der Politik tätig gewesen. Er hatte als ehemaliger Gouverneur von Kalifornien exekutive Erfahrung gesammelt. Trump hat zwar als Immobilienunternehmer immer mit Politikern und Behörden zu tun gehabt, aber er hat nie ein politisches Amt ausgeübt.
Auch wirtschaftspolitisch war die Lage vor 36 Jahren eine andere. Anfang der 1980er-Jahre war die Bekämpfung der hohen Inflation das grosse Thema. Die Zinsen erreichten rekordhohe Werte. Man hoffte auf eine baldige Zinssenkung.
Heute sind Inflation und Zinsen auf historisch niedrigem Niveau. Wir wären froh, die Zinsen würden endlich wieder steigen.
Auch der Schuldenstand war damals ein ganz anderer als heute. Als Reagan ins Weisse Haus einzog, lag der Anteil der Bundesschulden am BIP bei etwa 30 Prozent. Heute sind es mehr als 100 Prozent. Es ist schwierig, in diesem Umfeld ähnlich hohe Defizite in Kauf zu nehmen wie in den 1980er-Jahren.
Trotz der unterschiedlichen Ausgangslage gehen die Obligationenmärkte davon aus, dass sich die Geschichte wiederholen wird. Die Zinsen am langen Ende sind seit Mittwoch deutlich gestiegen. Man erwartet, dass die Trump-Administration ein grosses Infrastrukturprogramm lancieren wird. Das würde die Wirtschaft voll auslasten und damit die Löhne und die Preise in die Höhe treiben, was das Fed mit Zinserhöhungen bekämpfen müsste.
Das kann durchaus sein. Denkbar ist aber auch, dass das Infrastrukturprogramm bewusst moderat gehalten wird, um keinen Zinsschock auszulösen. Dafür hätte es eine längere Laufzeit, was die Konjunktur mittelfristig stabilisieren und die Chance einer Wiederwahl erhöhen würde.
Alles hängt von der Priorisierung der Reformen ab. Für Obama war die Reform des Gesundheitssystems das Wichtigste. Deshalb hat er die ersten Monate seiner Präsidentschaft diesem Ziel untergeordnet. Bei Trump ist es zurzeit völlig unmöglich, eine Priorisierung zu prognostizieren.
Bei Reagan war eine zuverlässige Prognose ebenfalls unmöglich. Viele befürchteten eine Eskalation des Kalten Krieges mit der Sowjetunion. Genau das Gegenteil trat ein. Reagan verstand sich gut mit Gorbatschow und startete das grösste Abrüstungsprogramm der Geschichte. Ein paar Monate nach Reagans Amtsende ging der Kalte Krieg friedlich zu Ende.