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Thema der Arbeit ist die Erklärung des Zerfalls von Ehen in Abhängigkeit von ihrer "sozialen Einbettung". Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass Ehen in verschiedener Form in eine soziale Umwelt eingebettet sind. Allerdings wurden die Veränderungen des sozialen und sozialnormativen Kontextes im Zuge gesellschaftlichen Wandels und die parallel dazu zu beobachtende zunehmende Instabilität von Ehen in (post-)modernen Gesellschaften nie systematisch miteinander in Verbindung gebracht. So wurde einerseits nur selten der Einfluss der sozialen Einbettung des Paares auf das Scheidungsverhalten untersucht, andererseits fand eine systematische Ausarbeitung der Mechanismen, über die die soziale Einbettung auf die Ehestabilität wirkt, bisher nicht statt.
Aufgrund dieses theoretischen Defizits wird im Rahmen der Arbeit zunächst ein Modell zur Erklärung der Ehestabilität entwickelt, welches den Einfluss der sozialen Einbettung des Paares berücksichtigt. Zudem wird als weiterer wichtiger Aspekt mit Einfluss auf die Ehestabilität die Bereitschaft zu Investitionen in ehespezifisches Kapital - speziell in Form gemeinsamer Kinder - betrachtet.
Die theoretischen Überlegungen werden mit den Daten der "Mannheimer Scheidungsstudie" getrennt für die alten Bundesländer und die DDR empirisch überprüft. Die Zusammenschau der Ergebnisse zeigt, dass im Hinblick auf die Geburt von gemeinsamen Kindern Bedingungen der sozialen Einbettung förderlich sind, die das Vertrauen in die Stabilität der Beziehung erhöhen und die eine geringe Wahrscheinlichkeit anzeigen, dass sich die die Kinder betreuende Person - in der Regel die Ehefrau - dadurch in eine "Fallensituation" begibt. Die tatsächliche Entwicklung im Zuge des sozialen Wandels lässt nun aber zunehmend weniger Vertrauen in die Stabilität einer Ehe erwarten. Dementsprechend ist ein weiterer Geburtenrückgang in Ehen und eine weitere Zunahme ehelicher Instabilität zu vermuten. Die Entwicklungen der anderen Aspekte sozialer Einbettung von Ehen gehen dagegen nicht in eine Richtung, die eine Zunahme des Scheidungsrisikos erwarten lassen: Die Bedingungen sind weiterhin so, dass Unterstützungsleistungen zwischen engen externen Bezugspersonen und dem Paar fliessen können. Dabei gehen sowohl die Unterstützung, die das Paar erhält, als auch Hilfeleistungen, die das Paar an sein Umfeld gibt, mit einer erhöhten Stabilität einher.
Davon unabhängig sprechen die Resultate dafür, dass im Hinblick auf die Stabilität von Ehen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Partner eine grosse Bedeutung zukommt. Dies verhindert die angesprochene "Fallensituation" und führt zu unabhängigen und selbstständigen Partnern, für die die Beziehung zum Ehepartner und zu Kindern die affektive Funktion erfüllen kann, ohne an überhöhten Ansprüchen zu zerbrechen. Und dies nicht, weil hohe Barrieren die Partner an die Ehe fesseln, beispielsweise in Form von mit der Scheidung verbundenen Kosten jeglicher Art, oder weil die Alternativen nicht attraktiv sind, beispielsweise aufgrund der verschlechterten Verdienstmöglichkeiten in Folge von Humankapitalverlusten, sondern weil die Beziehung für beide Partner attraktiv ist.