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Die Krise in der Ukraine hat die Anfälligkeit unseres globalisierten Ernährungssystems aufgezeigt. Was bedeutet das konkret?
Die Krise in der Ukraine hat gezeigt, wie anfällig unser Energie- und unser Nahrungsmittelversorgungssystem sind. Die Getreidepreise sind explodiert. Die Preise für Lebensmittel steigen massiv.
Cosmas betrachtete schockiert das kleine Mädchen vor ihm. Ihre Mutter Anantalia sagte, Emiliana sei sechs Monate alt. Aber mit ihren riesigen Augen und den winzigen Gliedmassen wirkte sie auf ihn wie ein zwei Monate altes Kind.
Eine Dürre hatte die Lebensmittelvorräte des Dorfes in Tansania zerstört, und als Folge davon war Emiliana schwer unterernährt. In früheren Zeiten hatte sich ihr Dorf jedes Jahr über reiche Ernten gefreut. Dies war jedoch nun schon lange nicht mehr der Fall.
Da ihr Vater keine Arbeit auf den verdorrten Feldern mehr fand, konnte er seine Familie nicht mehr versorgen. Emiliana hat einen Zwillingsbruder. „Ich war erschüttert, wie wenig sie zum Leben hatten“, erzählt Cosmas, ein Mitarbeiter des Kinderzentrums von Compassion.
Immer extremere Wetterbedingungen und Dürren folgen den Auswirkungen der Pandemie. Dazu kommen der Konflikt in der Ukraine und die steigende Inflation. All dies führt dazu, dass die Ernährungssicherheit von Millionen von Familien bedroht ist.
Ernährungsunsicherheit entsteht, wenn eine Person keinen regelmässigen Zugang zu ausreichenden Nahrungsmitteln hat. Sie wird verursacht, wenn Nahrungsmittel nicht erschwinglich oder nicht verfügbar sind. Schwerwiegende Ernährungsunsicherheit bedeutet, dass eine Person einen Tag oder länger nichts gegessen hat. Dies kann zu extremem Hunger und zu ernsthaften Mangelerscheinungen führen.
Kinder, die in Armut leben, sind am meisten gefährdet und am stärksten betroffen. Emiliana erlitt als direkte Folge der Unterernährung einen starken Gewichtsverlust. Ohne eine Veränderung wird die Unterernährung das Wachstum und die Entwicklung des Kindes dauerhaft beeinträchtigen.
Wenn Ernährungsunsicherheit weit verbreitet ist und keine dringenden Massnahmen ergriffen werden, führt sie zu einer Hungersnot. Eine Hungersnot ist die extremste Form der Ernährungsunsicherheit. Sie bedeutet, dass überhaupt kein Zugang zu Nahrungsmitteln besteht. Bei einer Hungersnot sind mehr als 30 % der Bevölkerung unterernährt und die Menschen beginnen vor Hunger zu sterben, berichtet das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP).
Bewaffnete Konflikte sind der grösste Auslöser von Hunger in der Welt. Sie sind für 65% der Ernährungsunsicherheit verantwortlich, unter der Menschen derzeit leiden. „Konflikte zerreissen Familien, Gemeinschaften, Infrastrukturen, Nahrungsmittelsysteme und zerstören ganze Regionen“, sagt Jimmy Mellado, Präsident von Compassion International. Laut WFP gehen jeden Abend bis zu 811 Millionen Menschen hungrig zu Bett.
Für die globale Lebensmittelversorgungskette ist der Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, das Schlimmste, was passieren kann. Zusammen haben diese beiden Länder vorher fast 30 % des weltweit benötigten Weizens geliefert, dazu Gerste, Sonnenblumenöl und Mais. Durch ihre Exporte haben sie mehrere Milliarden Menschen ernährt. Dieser Krieg lässt unsere zerbrechliche Welt in eine Massen-Hungerkatastrophe kippen, meldet The Economist.
Russland und Weissrussland sind zudem zwei der weltweit grössten Produzenten von Kalisalz, einem Bestandteil von Düngemitteln. Landwirte auf der ganzen Welt sind von dieser Krise betroffen. Da Russlands Exporte von vielen Ländern blockiert werden und die Pflanzsaison in der Ukraine durch die Kämpfe beeinträchtigt wird, ist eine riesige Quelle der weltweiten Nahrungsmittelversorgung blockiert. Nach Angaben der Weltbank trifft diese Krise die Länder des globalen Südens am härtesten, denn sie sind stärker auf Lebensmittelimporte angewiesen.
Der Einkauf im Supermarkt oder an der Tankstelle ist weltweit viel teurer geworden. Die Krise in der Ukraine verschärft diese Inflation und macht es noch schwieriger, Lebensmittel zu einem angemessenen Preis zu bekommen. Familien in aufstrebenden Volkswirtschaften geben durchschnittlich 25 % ihres Budgets für Lebensmittel aus. In Subsahara-Afrika sind es bis zu 40 % und in Haiti 60 %. Die steigenden Lebenshaltungskosten können Familien mit Kindern in ernsthafte Lebensgefahr bringen. „Die steigenden Lebensmittelpreise haben verheerende Auswirkungen auf die Ärmsten und Schwächsten“, sagte David Malpass, Präsident der Weltbank.
Extreme Wetterbedingungen wie Hurrikane und Dürren verstärken den Hunger in der Welt, indem sie die Ernten reduzieren und als Folge die Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen lassen. Viele der Länder mit den grössten Hungerproblemen sind von der Landwirtschaft als Hauptindustrie abhängig. Die Menschen essen vielerorts saisonal, also in Abhängigkeit von ihrer Ernte. Das Horn von Afrika leidet nach drei regenlosen Regenzeiten unter einer schweren Dürre. Stell dir vor, dass dein gesamtes Einkommen nicht von deiner Arbeit oder deiner Erfahrung, sondern vom Wetter abhängt. Stell dir vor, dass drei Jahre deines Einkommens vernichtet werden – einfach, weil es nicht geregnet hat.
Die Auswirkungen von COVID-19 haben zusätzlich Menschen in die Armut getrieben. Die restriktiven Massnahmen haben Lebensgrundlagen von Familien, die Wirtschaft und Lieferketten zerstört, mit dem Ergebnis, dass einer von acht Menschen weltweit von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen war. Zwei Jahre später kämpfen diese Familien immer noch darum, Essen auf den Tisch zu bringen.
„Wenn meine Mutter kein Essen für uns fand, schliefen wir mit leerem Magen“, erzählt der 11-jährige Emmanuel in Togo. „Am nächsten Tag etwas zu essen zu finden war unsere einzige Hoffnung.“
Die Zahl der Menschen, die von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen sind, hat sich innerhalb von zwei Jahren von 135 Millionen auf 276 Millionen mehr als verdoppelt.
Dank der aussergewöhnlichen Mobilisierung haben während der Covid-19 Pandemie die 8‘000 lokalen Partnerkirchen von Compassion mit der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern Lebensmittelvorräte im Gegenwert von über 300 Millionen Mahlzeiten verteilt.
In Tansania hat die Familie von Emiliana bereits Lebensmittelpakete und Milchpulver erhalten. Die Auswirkungen für diese Familie waren unmittelbar und positiv. „Innerhalb kurzer Zeit war Emiliana in der Lage, selbstständig zu stehen. Ich hätte nie gedacht, dass dies möglich sein würde“, erzählt ihr Vater Amos.
Die Partnerkirchen von Compassion unterstützen Kinder in vielen der Länder, die von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Wir tun dies auf zweifache Weise: Zuerst gilt es, auf die dringlichsten Ernährungsbedürfnisse zu reagieren. Dann arbeiten wir an einer nachhaltigen Lösung, um den Hunger zu stoppen.
Unsere Partnerkirchen vor Ort sind aktiv:
> Sie stellen Nahrungsmittelpakete und/oder bedingungslose Geldtransfers für Haushalte bereit, die von Ernährungsunsicherheit bedroht sind.
> Sie gewährleisten langfristige Ernährungssicherheit durch die Verteilung von Saatgut, Düngemitteln und Vieh und führen Schulungen zur Anlage und Pflege von Kleingärten und Kleinbauernhöfen durch.
Unsere Partnerkirchen und ihre Kinderzentren sind am besten geeignet, um in dieser Krise zu helfen, denn sie haben über Jahre in ihrer Region Vertrauen aufgebaut. Sie waren schon früher da, sie sind während der Krise da und sie werden auch nach der Krise da sein.
Die Kinderzentren von Compassion sind logistisch vorbereitet. Ihre grösste Herausforderung ist es, Lebensmittelvorräte zu möglichst günstigen Preisen zu beschaffen.
Kämpfe mit uns gegen die drohende Nahrungsmittelkrise in den Ländern des globalen Südens. Du kannst einmalig spenden oder einen Dauerauftrag für sechs Monate einrichten.
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