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die Zeiten ändern sich ...Wenn wir heute zurückblicken auf die Geschichte der Zahnmedizin, dürfen wir uns vor allem glücklich schätzen, im Hier und Jetzt zu leben. Denn noch bis vor 150 Jahren waren Instrumente, Materialien und Heilmethoden so wenig entwickelt, daß nicht nur der Zahnschmerz selber zur Qual wurde. Neben dem standhaften Ertragen des Schmerzes gab es – gerade für Menschen ohne Privilegien – kaum eine andere Alternative als zum „Zahnbrecher“ zu gehen und den Übeltäter entfernen zu lassen.
Bis weit in die Neuzeit galt der sog. „Zahnwurm“ als Verursacher des Zahnschmerzes. Zu seiner Vertreibung verräucherte man Bilsenkrautsamen – die halluzinogenen Dämpfe wirkten betäubend und damit schmerzlindernd.
In der arabischen Medizin praktizierte man bereits im 9. Jahrhundert das Abtöten des Zahnnervs – unter Verwendung von heißem Öl oder glühenden Nadeln. Doch erst in der Zeit der Kreuzzüge gelangten diese Kenntnisse auch nach Europa, gehörten damit aber noch lange nicht zur Standardbehandlung. Weil zudem geeignete Füllungsmaterialien fehlten, blieb das Loch im Zahn unversorgt. Erst im 14. Jahrhundert wurde mit Füllungsmaterialien für kariöse Zähne experimentiert. Nach dem Auskratzen der Karies mittels kleiner Meißel und Messerchen, verwendete man z.B. Gallapfelpulver oder Mastixharz zum Schließen der Löcher. Ein gutes Jahrhundert später kam auch Goldfolie zum Einsatz.
Die akademischen Bestrebungen des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelten zahlreiche neue Ansätze der Zahnmedizin – mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Zwar wurde die Theorie vom „Zahnwurm“ verworfen, die Theorie vom "Übeltäter" dafür auf den Zahn als solchen projeziert. Entsprechend wurde versuchsweise ein komplettes Gebiß gesunder Zähne herausgerissen. Als wichtige Alternativen zum kostspieligen Gold fanden Blei und Zinn Verwendung – eben jene Materialien, die zeitgleich zum Gießen von Munition verwendet wurden.
Um 1790 wurde nach dem Vorbild des Spinnrads in Amerika die erste riemenbetriebene Bohrmaschine gebaut. Doch musste 80 weitere Jahre gewartet werden, bevor die eigentliche Tretbohrmaschine patentiert wurde, die später einen elektrischen Antrieb erhielt. Erst 1957 kam die erste luftgetriebene Turbine zum Einsatz, die den Präparierschmerz gegenüber langsamer laufenden Instrumenten drastisch reduzierte. Mit der Herstellung des ersten Amalgams in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts gelang auch für den Bereich der Füllungsmaterialien ein wichtiger Durchbruch im Hinblick auf eine allen Menschen zugängliche zahnmedizinische Versorgung.
„Die Angst vor dem Zahnarzt“ aber hatte über Jahrhunderte Zeit, sich in den Köpfen der Menschen festzusetzen. Sie ist bis heute sprichwörtlich und bestimmt unser Verhalten. Obwohl sich gerade in den letzten zehn Jahren das Repertoire zahnmedizinischer Behandlungsmethoden explosionsartig erweitert und differenziert hat, wird auch heute noch ein Besuch beim Zahnarzt viel zu lange hinausgezögert. Dank neuer Werkstoffe sowie im zahntechnischen Labor gefertigter Einlagefüllungen werden ästhetisch weit bessere Ergebnisse erzielt und die Haltbarkeit gesteigert. Durch die Anfertigung einer Krone können heute selbst stark geschädigte Zähne erhalten werden.