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Äthiopische
Rasse, s. Menschenrassen. [* 2] ¶
Elemente
Menschen
rassen,
[* 2] die verschiedenen durch besondere typische Eigenschaften (
Rassencharaktere)
¶
forlaufend
gekennzeichneten Gruppen, in welche das Menschengeschlecht zerfällt. Diese Charaktere sind vorwiegend auf den anatomischen
Bau begründet, wenn auch andre, die in der Sprache,
[* 5] den Sitten, Religionsgebräuchen etc. begründet sind, nicht außer acht
gelassen werden dürfen. Streitig ist es noch, ob man die so gebildeten Gruppen in zoologischem Sinn als ebensoviel
verschiedene Arten (Spezies) oder als Rassen, d. h. als durch Fortpflanzung typisch gewordene Varietäten einer einzigen Spezies,
anzusehen hat, eine Frage, die in engem Zusammenhang mit der Abstammung der ganzen Menschheit von einem oder mehreren Elternpaaren
steht (Monogenesis, Polygenesis; Mono-, Polygenisten die Anhänger dieser Theorien). Es läßt sich nicht leugnen, daß
innerhalb der einzelnen Pflanzen- und Tierspezies sich Varietäten von viel größerer Verschiedenheit entwickeln können (z. B.
Kohl-, Hundearten), als dies bei den einzelnen Menschen
rassen der Fall ist, während gleichzeitig die Möglichkeit einer scheinbar unbegrenzten
fruchtbaren geschlechtlichen Vermischung zwischen letztern gegen die Annahme verschiedener Menschenspezies spricht.
Anderseits kennen wir aber bis jetzt keinen einzigen Fall einer Umwandlung der einen Menschen
rasse in
die andre, da die nachweisbaren Veränderungen, welche man bei gewissen Rassen unter dem Einfluß eines fremden Klimas und
veränderter Lebensbedingungen beobachtet haben will, doch nie zur Bildung wirklich neuer Rassen geführt haben und daher nicht
die Bedeutung erlangen, welche man ihnen im Interesse der Transmutationstheorie beizumessen geneigt ist.
Der Mangel genau gebuchter wissenschaftlicher Beobachtungen spricht sich in dieser Beziehung auch darin aus, daß in neuester
Zeit selbst die Frage wieder lebhaft erörtert wird, ob die aus der geschlechtlichen Vermischung scharf gesonderter Rassen
(Neger, Weiße) entstandenen Misch
rassen ohne weiteres fortwährendes Hinzufließen reinen Bluts im stande
sind, sich in den spätern Generationen fruchtbar fortzupflanzen, während die Thatsache, daß sich in vielen Ländern, z. B.
Südamerikas, eine zahlreiche Mischbevölkerung aus Indianern und Europäern entwickelt hat und sich unausgesetzt unter sich
fruchtbar weiter mischt, eine Bejahung obiger Frage wenigstens für gewisse Rassen nahelegt.
Von mancher Seite neigt man, zur Beseitigung der Schwierigkeiten, welche die Annahme einer gemeinsamen
Abstammung von einem Elternpaar bei der scheinbaren Wandellosigkeit der jetzt vorhandenen Rassen darzubieten scheint, der
Hypothese zu, daß die Menschen
rassen jetzt zu sogen. Dauertypen geworden sind, d. h.
daß sie sich in übersehbarer Zeit in ihren wesentlichen Charakteren nicht mehr geändert haben noch
ändern, während eine größere Plastizität und Wandelbarkeit in weit zurückgelegenen Zeitläufen dadurch nicht ausgeschlossen
wird.
Anderseits sprechen auch die allmählichen Übergänge, welche von einer Rasse zur andern stattfinden, und die großen, nicht
bloß körperlichen, sondern auch geistigen Ähnlichkeiten der scheinbar verschiedensten Rassen gegen die Annahme von verschiedenen
Menschenspezies. Die Evolutionslehre, welche zur Zeit die naturwissenschaftliche Anschauung beherrscht, gibt zudem eine genügende
Erklärung, wie sich die verschiedenen Menschen
rassen von einem einzigen Stamm abgezweigt haben können, zunächst wenig voneinander verschieden,
allmählich aber mit der räumlichen Ausbreitung und Absonderung immer weiter divergierend und ihre charakteristischen Merkmale
ausbildend.
Trotzdem lassen sich diese Merkmale nicht alle durch die Besonderheit der Lebensbedingungen und
klimatischen
Einflüsse, ebensowenig durch die besondere Ausbildung bestimmter Körperteile und Organsysteme infolge fortgesetzten Gebrauchs
im Sinn des Darwinismus erklären, eher vielleicht, nach Darwin, durch die geschlechtliche Zuchtwahl. Die
Rassenmerkmale beruhen
teils in der Verschiedenheit des Knochen-, insonderheit des Schädelbaues, teils in der Färbung der Haut
[* 6] und der Augen, in der Form und Farbe der Behaarung und in der verschiedenen Ausbildung gewisser Organe, wie z. B. des Gehirns,
wobei zu bemerken ist, daß der letztgenannte Punkt noch am meisten eingehender vergleichender Untersuchungen bedarf.
Die verschiedene Hautfarbe ist das augenfälligste Moment des Rassencharakters und wurde daher von jeher dem Einteilungsprinzip zu Grunde gelegt. Dies spricht sich in den noch jetzt geläufigen Bezeichnungen: Weißer, Schwarzer, Rothaut etc. aus. In enger Beziehung zu derselben stehen die besondern Eigentümlichkeiten der Augen- und Haarfarbe. Die Hautfarbe setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: insonderheit der Farbe des in der Haut kreisenden Bluts und eines in den Zellen der tiefen Schichten der Oberhaut (dem sogen. rete Malpighii) in Form feinster brauner Körner abgelagerten Farbstoffs (Pigments);
vielleicht kommt bei der Färbung auch noch der Gallenfarbstoff in Betracht. Je nach der Mannhaftigkeit dieser Ablagerungen erscheint die Haut entweder schwarz, braun, rot oder gelb und endlich weißrot, indem in letzterm Fall die natürliche Farbe des Bluts, welche bei dunklerer Färbung durch das Hautpigment verdeckt wird, durch die fast völlig pigmentfreie Haut hindurchschimmert.
Allein auch bei den weißen Rassen besteht eine geringe Menge desselben Pigments und macht sich namentlich an gewissen Körperteilen (Brustwarze, Geschlechtsteilen, Aftergegend etc.) durch deren dunklere Färbung geltend. Auf diese Weise entsteht eine Reihe von Hautfarben, welche sich vom dunkelsten Schwarz durch Dunkelrot, bez. Dunkelgelbbraun, Rot, Gelb bis zum Weiß (Gelb-, Braun-, Rosigweiß) abstufen. Zur Feststellung dieser verschiedenen Rassenfarben bedient man sich sogen. Farbentafeln (zuerst von Broca angegeben), welche eine große Anzahl von mit Nummern versehenen Farbentönen zum Vergleich mit der zu untersuchenden Hautfarbe enthalten. Nicht nur die Farbe, sondern auch der Drüsen- und Fettreichtum der Haut ist für die Rassenkunde von Bedeutung. So besitzen die Weiber gewisser Völker (Hottentoten u. a.) höchst merkwürdige örtliche Anhäufungen in der Gegend der Hinterbacken (Steatopygie). Auch die Gestalt der weiblichen Brüste und Brustwarzen gibt wichtige Rassenmerkmale.
Sehr wichtig für die Bestimmung der Rassen sind ferner die Haare. [* 7] Hier kommen Farbe, Wuchs und Gestaltung, Verbreitung über den Körper in Frage. Es ergeben sich daraus mannigfache Eigenheiten: in erster Linie die Färbung vom Blond, Hellbraun zum Dunkelbraun und Schwarz (Nebenfarbe Rot), die Krümmungsverhältnisse: straff, schlicht, wellig, lockig, kraus, spiralig gerollt (worunter man enge Spiralringe um eine Längsachse versteht). Eigentlich wolliges Haar [* 8] (wie beim Schaf) [* 9] mit Stapelbildung scheint beim Menschen nicht vorzukommen. Je nach dem »Haarstand« ergibt sich spärliches, dichtes, nicht gruppiertes, gruppiertes Haar. Im letztern Fall stehen immer mehrere Haare in einer Gruppe dicht bei einander, während die Gruppen selbst durch mehr oder weniger große Zwischenräume getrennt sind. Die Verbreitung betrifft die Ausdehnung [* 10] des Haarkleides über den Körper, die Bartbildung etc. Die ¶
forlaufend
mikroskopische Prüfung berücksichtigt namentlich die Dicke und die Querschnittform des Einzelhaars. Letztere ist kreisförmig, oval oder abgeplattet.
In enger Beziehung zu der Farbe der Haut und Haare steht die der Augen (blau, grau, braun, gelb, grünlichgelb), wobei zu bemerken ist, daß die blaue Färbung derselben nicht von einem blauen Pigment herrührt, sondern auf dem Mangel an (braunem) Pigment in der Grundsubstanz der Regenbogenhaut beruht. Infolge ihrer Zusammensetzung aus sehr feinen parallelen Fasern erzeugt sie das Blau als Interferenzfarbe. Schwarze Augen gibt es nicht.
Die Verschiedenheit des Knochenbaues drückt sich in erster Linie in der Größe der Gestalt aus. Dieselbe schwankt innerhalb bedeutender Grenzen: [* 12] den riesigen Patagoniern von einer Durchschnittsgröße von 1,803-1,85 m und einer Maximalgröße von 1,93-1,95 m stehen die zwerghaften Buschmänner mit einer mittlern Körpergröße von nur 1,37-1,44 m und andre afrikanische Zwergvölker (Akka etc.) gegenüber. Die höchste mittlere Größe der Menschen scheint ungefähr 1,883, die geringste 1,44 m zu sein (Topinard).
Weitere Rassenunterschiede liegen in der Länge und Form der Extremitäten, in der Gestaltung des Fußes, insbesondere der Ferse, in der Ausbildung des Beckens, welches bei gewissen niedern Völkern die Geschlechtsverschiedenheiten weniger typisch entwickelt zeigt, etc. Namentlich aber zeigen sich wesentliche Verschiedenheiten in der Schädel- und Gesichtsbildung. Das Augenmerk der Anthropologen richtet sich daher in erster Linie auf die Feststellung der Größen- und Gestaltverhältnisse des Kopfskeletts, bez. des knöchernen Schädels. (Kraniologie, Schädellehre, [* 13] s. d.). Als Hilfsmittel dient neben der Beschreibung und bildlichen Darstellung die Messung der Hauptdimensionen.
Eine strenge Durchführung bestimmter Meßprinzipien und darauf begründete Einteilung der Menschenrassen verdankt man erst dem schwedischen Anatomen Andreas Retzius, als dessen Vorläufer Camper, Blumenbach, Prichard, Geoffroy Saint-Hilaire, Spix, Morton u. a. anzusehen sind. Retzius legte nämlich dieser Einteilung das gegenseitige Verhältnis der beiden wichtigsten Schädeldurchmesser, des größten Längen- und des größten Breitendurchmessers, zu Grunde.
Beim Überwiegen des erstern entsteht eine mehr länglich-ovale, bei dem des letztern eine mehr rundlich-kurze Schädelform. Die Völker der ersten Gruppe bezeichnete er als Dolichokephalen (Langschädel), die der zweiten als Brachykephalen (Kurzschädel). Zu erstern rechnet er Schädel, bei denen der Längsdurchmesser den Querdurchmesser bedeutend überwiegt (Länge:Breite = 100:65 im Extrem), zu den Brachykephalen dagegen die, deren Längs- und Querdurchmesser sich mehr nähern (Länge:Breite = 100:85). Jede dieser Hauptklassen schied er wieder je nach dem stärkern oder geringern Vorspringen der Kiefer und Zähne [* 14] über das Gesichtsprofil in schiefzähnige (prognathe) und geradzähnige (orthognathe) Völker. In die so entstehenden vier Hauptgruppen brachte Retzius die verschiedensten Völker unter, aber es zeigte sich dabei, daß diese kraniologischen Merkmale allein nicht ausreichten, eine Rasseneinteilung zu begründen, weil auf diese Weise Völker zusammengeworfen werden, die im übrigen so verschiedenartig wie möglich sind. Trotzdem bleibt das Verdienst Retzius', zuerst diese Einteilung aufgestellt zu haben, bestehen, und die Kraniologie hat auf diesen Fundamenten weitergebaut. Der »Schädelindex«, d. h. das Verhältnis zweier Hauptmaße desselben zu einander, das größere Maß = 100 gesetzt, ist eins der wichtigsten Kennzeichen bei der Schädelmessung geworden (vgl. Schädellehre).
Bedeutungsvoll erscheint nächstdem die Gesichtsbildung und der derselben zu Grunde liegende Knochenbau. Hier steht das gegenseitige Verhältnis der Gesichtsbreite und Gesichtslänge obenan: niedere (chamäoprosope), hohe (leptoprosope) Gesichter (Breitgesichter, Schmalgesichter). Das Hervorspringen der Jochbogen, die Abmachung des ganzen Gesichts, die Bildung der Stirn (breit, schmal, hoch, niedrig, fliehend, gerade), das Hervortreten der Augenbrauenbogen und des Nasenwulstes stehen ferner in engstem Zusammenhang mit der Physiognomie der Rassenmenschen.
Dazu kommt die Form, Stellung, Weite und Entfernung der Augenhöhlung, der Nasenöffnung, die Gestalt des Gaumens, der sogen. Gesichtswinkel, alles Verhältnisse, deren genaue Feststellung, durch Maße in der Rassenkunde eine bedeutende Rolle spielt. Ein einheitliches Meßverfahren ist zwar noch nicht vereinbart, doch ist in jüngster Zeit auch in dieser Hinsicht ein großer Fortschritt zu verzeichnen, indem für Deutschland [* 15] wenigstens eine Verständigung über ein gemeinsames kraniometrisches Verfahren (»Frankfurter Verständigung«) erzielt wurde. Daran schließt sich eine internationale Vereinigung über Gruppeneinteilung und Bezeichnung der Schädelindexe, welche, vom anthropologischen Institut von Großbritannien [* 16] und Irland ausgegangen, jetzt bereits von zahlreichen Anthropologen angenommen ist. (Vgl. »Korrespondenzblatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie etc.«, März 1886.)
An dem von den Weichteilen bekleideten Gesicht [* 17] und Schädel kommen weitere Merkmale in Betracht: die Art des Haaransatzes, die Gestalt der Nase [* 18] (gerade, Adler-, Stumpf- etc., breite, flache, platte Nase, verschiedene Typen der Nasenöffnungen), die Stellung und Form der Augenspalte (weit offen, enggeschlitzt, horizontal, nach außen ansteigend), die Entwickelung des sogen. dritten Augenlides (plica semilunaris), die Form des Ohrs (Ohrläppchen), die Mund- und Lippenbildung (ob gewulstet und breit, ob schmal).
Von den innern Organen ist bisher am eingehendsten, wenn auch nicht durch direkte Beobachtung, so doch durch die Messung der Größe des Schädelraums, in dem es liegt, das Gehirn [* 19] untersucht worden. Die »Schädelkapazität«, d. h. der in Kubikzentimetern ausgedrückte Rauminhalt des Schädels, wird durch Einschütten von mehr oder weniger feinkörnigen Massen (Sand, Schrot, Hirse) [* 20] gemessen und kann in sehr bedeutenden Grenzen schwanken (nach Topinard bei verschiedenen Rassen um 300 ccm und mehr).
Sie schwankt ferner je nach dem Geschlecht, der Individualität und der Intelligenz des Gemessenen. Nach J. ^[Johannes] Ranke scheint das Maximum des Schädelinnenraums bei einem normalen Europäer unter 2000 ccm zu liegen und nach Topinard im Mittel etwa 1410 ccm zu betragen, 1000 ccm dürften das zulässige Mindestmaß für den weiblichen normalen Schädel sein. Der Rauminhalt der Weiberschädel ist bei allen Rassen im Mittel kleiner als der der Männerschädel, und wahrscheinlich beträgt der Unterschied bei wilden Rassen nicht weniger als bei zivilisierten.
In betreff der übrigen innern Organe sind noch wenig rassenanatomische Untersuchungen angestellt worden, am meisten noch über die Form der Geschlechtsteile (»Hottentotenschürze«, s. d.). Auch gewisse physiologische Rassencharaktere sind von Bedeutung, wie das zeitliche Auftreten der Pubertät, die Dauer des Säugens der Kinder, ferner die mittlere Lebensdauer. Endlich können selbst Krankheiten Bedeutung haben, ¶