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Integration…
Das Minarettverbot, die Ausschaffungsinitiative, Debatten über ein mögliches Burkaverbot, von Gläubigen angedrohte Aussiedelung für säkulare Schweizer Bürger und nicht zuletzt auch die in Deutschland geführte Debatte über eine sogenannte „Leitkultur“ haben dem Begriff Integration eine fahlen Beigeschmack verpasst.
Der Begriff Integration ist vom lateinischen integratio abgeleitet und bedeutet in der Soziologie die Ausbildung
- einer Wertgemeinsamkeit mit einem Einbezug von Gruppierungen, die zunächst oder neuerdings andere Werthaltungen vertreten, oder
- einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit einem Einbezug von Menschen, die aus den verschiedensten Gründen von dieser ausgeschlossen (exkludiert) und teilweise in Sondergemeinschaften zusammengefasst waren.
Klingt also gar nicht so simpel, so eine Integration. Sie spricht von einem gemeinsamen Nenner. Und tatsächlich: jede grosse Kultur hat den Weltethos hervorgebracht. Einige über den religiösen, andere über den philsophischen Pfad. Ein gemeinsamer Nenner, der Kulturen aller Weltteile vereint, ist die „Goldene Regel“. Es gibt sie in mehreren Formen:
- Hinduismus: Man sollte sich gegenüber anderen nicht in einer Weise benehmen, die für einen selbst unangenehm ist; das ist das Wesen der Moral. – Mahabharata (Geschichte Großindiens) XIII, 114.8
- Buddhismus: Ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, soll es auch nicht für ihn sein; und ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, wie kann ich ihn einem anderen zumuten? – Samyutta-Nikaya (Reden Buddhas) V, 353.35-354.2
- Judentum: Tue nicht anderen, was Du nicht willst, dass sie Dir tun. – Rabbi Hillel, Sabbat 3a
- Christentum: Alles was Ihr wollt, dass Euch die Menschen tun, das tut auch Ihr Ihnen ebenso. – Neues Testament, Matthäus 7,12; Lukas 6,31 bzw. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst., Levitikus 19,18 AT, Lukas 10,27, Matthäus 19,19, Matthäus 22, 39, Römer 13,9, Galater 5,14.
- Islam: Keiner von Euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder wünscht, was er sich selber wünscht. – An-Nawawi, Kitab Al-Arba’in (Vierzig Hadithe), 13
- Humanismus: Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.
Der Weltethos hat allerdings eine Schwachstelle: er appelliert an eine höchst komplexe Fähigkeit: die Empathie.
Der Begriff Empathie bezeichnet zum einen die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten und Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen oder eines Tieres nachempfindend zu erkennen und zum anderen die eigene Reaktion auf die Gefühle Anderer wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls.
Einfühlungsvermögen ist eine grosse Herausforderung an den Geist. Der Perspektivenwechsel verlangt die Neubewertung eines Szenarios von grundauf, sogar die Art der Bewertung muss hinterfragt werden. Aufgrund unserer Individualität ist es uns bis zu einem gewissen Grad gar nicht möglich, uns vollkommen in alle Facetten des Empfindens eines Mitmenschen hineinzufühlen. Die goldene Regel beruft sich auf eine Fähigkeit, die wir nicht perfekt beherrschen können. Das ist zweifelsohne unbequem. Aber es hat ja auch niemand behauptet dass es das sein würde :)
… oder Assimilation?
Als (ab jetzt wohl nicht mehr) heimlicher Trekkie geistert bei mir in Anbetracht der Aussagen in diesen Integrationsdebatten aber ständig das Wort Assimilation im Hinterkopf herum, darum:
Assimilation (auch Assimilierung) bezeichnet in der Soziologie die Verschmelzung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen miteinander, wobei eine Unterscheidung von individueller Assimilation und der Assimilation von Gruppen für das Verständnis der Prozesse auf gesellschaftlicher Ebene grundlegend ist.[1] Empirisch steht die Verschmelzung einer Minderheit an die Mehrheit im Vordergrund. Assimilation kann auf kultureller (Übernahme von Sprache, Bräuchen und Sitten), struktureller (Platzierung auf dem Arbeitsmarkt, im Schulsystem u. ä.), sozialer (Kontakt zu Mitgliedern anderer Gruppen) und emotionaler Ebene (Identifikation mit den anderen Gruppen) erfolgen.
Umstritten ist, ob es sich beim Konzept der Assimilation um ein gezieltes „Aufzwingen“ der Eigenschaften und Einstellungen der dominanten Gesellschaft („Dominanzkultur“) handelt oder ob Assimilation lediglich empirische Voraussetzung zur Erreichung gleicher Lebenschancen darstellt, ohne dass damit eine Wertung der Eigenschaften von Minderheiten verbunden wäre.
Üblicherweise wird mit der Assimilation von Einwanderern die Annahme der Sprache (bei gleichzeitiger Aufgabe ihrer eigenen) und der Gebräuche ihres Aufnahmelandes verbunden. So wird, z. B. in Bezug auf das 19. Jahrhundert, auch von einer Assimilation eines Teiles der Juden in die Mehrheitsgesellschaften ihrer Heimatländer gesprochen.
Fazit:
Viele Schweizer redeten in diesem Jahr von Assimilation wenn sie das Wort „Integration“ benutzten. Für 2011 hoffe ich ehrlich, dass wir uns alle wieder stärker mit unserem Einfühlungsvermögen auseinandersetzen, weil hier der Kern der Sache liegt.