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Die Stadthausstrasse wurde nach der Öffnung der Stadt und der Schleifung der Stadtbefestigungen als repräsentative Flaniermeile angelegt. Das 1876
entstandene Aquarell von Jakob Ziegler (Bild rechts) gibt einen Eindruck von der gediegenen Eleganz der Boulevards. Heute präsentiert sich die Fussgängerpassage nüchterner,
die einstige Bedeutung lässt sich aber immer noch erahnen.
Nach dem Abbruch der Stadtbefestigungen im 19. Jahrhundert, sorgten die Stadtverantwortlichen dafür, dass das Gebiet rund um die Altstadt von Winterthur nicht einfach überbaut wurde. Stattdessen wurden grosszügige, von Bäumen gesäumte Boulevards angelegt. Als Symbole des neuen Selbstbewusstseins der blühenden Handels- und Industriestadt entstanden in dieser Ringzone ausserdem eine Reihe repräsentativer öffentlicher und privater Gebäude. Auch heute noch ist der grosse Auftritt spürbar, mit dem sich die Stadt damals in Szene setzte, beeinträchtigt allerdings durch den wachsenden Verkehr auf den Ringstrassen Technikumstrasse, Stadthausstrasse, General-Guisan-Strasse.
Zu den repräsentativen Gebäuden an der Stadthausstrasse gehört auch das schlossartige Schulhaus Altstadt.
Das Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten beherbergt jenen Teil von Oskar Reinharts Kunstsammlung die der Mäzen der Stadt Winterthur vermachte.
Als erster öffentlicher Bau ausserhalb der Stadtbefestigungen wurde das palastartige Knabengymnasium mit dem grosszügigen gepflästerten Vorplatz gebaut. Nebst dem Gymnasium waren darin auch die Stadtbibliothek und die Gewerbeschule untergebracht. Architekt des eindrücklichen spätklassizistischen Gebäudes (1838-1842) war der Zürcher Leonhard Zeugheer. Über dem Eingangs-Portal thronen die Figuren von Ulrich Zwingli, Heinrich Pestalozzi, Konrad Gessner und Johann Georg Sulzer, welche die Disziplinen Religion, Erziehung, Wissenschaft und Kunst verkörpern. In die Fassade sind links und rechts je ein Nischenbrunnen und eine lebensgrosse Frauenfigur eingelassen. Geschaffen hat die Figuren der Münchner Künstler Johann Leeb (1790-1863). Zwischen 1941 und 1950 wurde das Gebäude umgebaut, um darin die rund 600 Werke unterzubringen, die der Kunstsammler Oskar Reinhart der Stadt Winterthur geschenkt hatte. Zu seiner grosszügigen Schenkung merkte er an: «Mögen solche Werke rechtlich auch einem Einzelnen zu eigen sein, in einem höheren Sinne gehören sie doch der Allgemeinheit». Das Museum wurde 1951 eröffnet. und 2016 ergänzt mit der Sammlung Briner und Kern. Jakob Briner sammelte niederländische Meister, Emil S. Kern Porträtminiaturen. Stadthausstrasse 6.
(vgl. dazu Einträge unter «Kultur in Winterthur» → «Bildende Kunst»)
2 Schulhaus Altstadt
Nur wenige Meter neben dem Knabengymnasium entstand 1862-1864 das Schulhaus Altstadt, ein Gebäude von schlossartiger Monumentalität im Stil der Neurenaissance (Architekt Ferdinand Stadler, Zürich). Drei hohe Rundbögen in der Mitte des Bauwerks führen in eine offene Vorhalle mit einer sechsteiligen Wandmalerei von Heinrich Müller (1903-1978) mit dem Titel «Spiel und Arbeit». Der Pausenplatz des Primarschulhauses grenzt an den Stadtgarten an.
Der Stadtgarten wurde Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt.
Der Stadtgarten im Winter mit Blick zu Museum O. Reinhart.
Lange vor dem Stadtgarten, nämlich bereits 1745 entstand das Sommerhaus «Zum Balustergarten». Historische Aufnahme um 1900.
3 Stadtgarten
Der zentral gelegene Stadtgarten ist der meistgenutzte Park Winterthurs und die grüne Lunge der Altstadt. Mit den schönen alten Bäumen, den gepflegten Rabatten, grossen Rasenflächen und dem Seerosenteich strahlt die rund 20 000 m2 grosse Grünanlage jene selbstbewusste Grandezza aus, die zum Aufbruch passte, den Winterthur damals erlebte. Die erste Gestaltung des Gartens Anfang des 20. Jahrhunderts stammte vom zu seiner Zeit führenden Zürcher Gartenarchitekten Evariste Mertens, der auch die privaten Parkanlagen der Familien Sulzer und Reinhart beigezogen wurde. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Park ebenso wie die Grünanlage vor dem Stadthaus der Anbauschlacht und wurde zu einem Acker umfunktioniert. Nach dem Krieg beauftragte man den Zürcher Landschaftsarchitekten Walter Leder mit der Erweiterung und Umgestaltung der Anlage. Diese Gestaltung ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Der Nutzungsmix im Park ist äusserst vielfältig: Die Jugend nimmt die grosse Wiese hinter dem Teich in Beschlag, rund um den Spielplatz sind vorwiegend Mütter und Väter mit ihren Kindern anzutreffen, auf den Sitzbänken erfreuen sich die Seniorinnen und Senioren an den farbigen Blumenrabatten und um die Mittagszeit dominieren Berufstätige, Schülerinnen und Schüler die Anlage. Die drei Bronzeskulpturen im Park stammen von Herrmann Haller (Frauenakte auf der Seite des Theaters Winterthur, 1930) und Gerhard Marcks (Frauenakt neben Museum Oskar Reinhart, 1942). Haller (1880-1950) gehörte nach dem Ersten Weltkrieg zu den bedeutendsten Plastikern der Schweiz und wurde vom Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen Theodor Reinhart, dem Vater von Oskar Reinhart, entscheidend gefördert. Der gebürtige Berliner Gerhard Marcks (1889-1981) unterrichtete am Bauhaus in Weimar, an der Kunstgewerbeschule in Halle und war schiesslich Professor an der Landeskunstschule in Hamburg.
4 Barockhäuschen
Das gelbe schmale «Haus zum Balustergarten» (1745) am westlichen Rand des Stadtgartens war eines der ersten Sommerhäuser, das vor den Toren der befestigten Altstadt entstand. Es war damals zwar verboten, ausserhalb der Stadtmauern zu wohnen; die wohlhabenden Bürger liessen sich aber dennoch ihre Landhäuser bauen, um insbesondere im Sommer der stickigen Enge der Altstadt zu entfliehen. Das schmucke kleine Häuschen, das im Volksmund «Barockhäuschen» heisst, kann für kleinere Anlässe und Sitzungen gemietet werden.
Gottfried Semper schuf das triumphale Stadthaus in den 1860er-Jahren als «Tempel der Demokratie». Über die grossartige Freitreppe schritten die Bürger zu
den Gemeindeversammlungen, die im zentral gelegenen Saal (heute Konzertsaal) stattfanden.
Der klassizistische Springbrunnen (1871) vor dem Stadthaus hat der damalige Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss entworfen - als Sinnbild für die 1869 eingeführte zentrale Wasserversorgung der Stadt Winterthur. Dass Bareiss im gleichen Jahr als der Brunnen eingeweiht wurde, demissionierte, war sein persönlicher Protest gegen den Abbruch der Stadttore und -türme, gegen den er vergeblich angekämpft hatte.
5 Stadthaus
Das Stadthaus ist ein Baudenkmal von internationalem Rang. Die Demokratische Bewegung, deren Zentrum Winterthur war, strebte ihrem Höhepunkt zu, als die Stadtregierung den Bau plante und realisierte. Der Architekt Gottfried Semper (1803-1879) war schon damals ein berühmter Architekt. Zu seinen wichtigen Werken gehören - nebst dem Winterthurer Stadthaus - die «Semper Oper» in Dresden, das Hauptgebäude der ETH Zürich oder das Burgtheater in Wien. Entstanden ist das selbstbewusste Bauwerk, das der Architekt als «Tempel der Demokratie» verstand, zwischen 1865-1869. Ein Jahr später fand darin die erste Gemeindeversammlung statt, wobei die Bürger über die der monumentalen Tempelfront vorgelagerte Freitreppe zum Saal schritten, wo sie ihre demokratischen Rechte ausübten. Gottfried Semper, selbst ein glühender Demokrat, machte damit klar, wer in einer Demokratie die oberste Instanz ist. Der Saal (heute Konzertsaal) steht im Zentrum des Baus, die Büros von Stadtrat und Verwaltung sind ihm seitlich untergeordnet. Eigentlich hätte zum prunkvollen Bau auch eine entsprechende Innenausstattung gehört, für die der Stadt aber das Geld fehlte. Ohnehin schon hatten die vermögenden Bürger der Stadt mit freiwilligen Spenden dazu beigetragen, dass der Bau überhaupt realisiert werden konnte. Die Giebelfiguren, welche die Säulen des Portikus optisch «zum All weisend» verlängern, sind dank privater Initiative vor einigen Jahren vom Winterthurer Bildhauer Gregor Frehner neu geschaffen worden, nachdem die ursprünglichen Figuren wegen Verwitterung bereits 1914 hatten entfernt werden müssen. Seit 2015 ist das Stadthaus nicht mehr Regierungssitz. Stattdessen werden die Büros u.a. vom Musikkollegium Winterthur (inkl. Ticketverkauf), dem Friedensrichteramt sowie der Finanzkontrolle genutzt.
Stadthausstrasse 4a
6 Stadthausbrunnen
Der klassizistische Springbrunnen (1871) vor dem Stadthaus hat der damalige Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss entworfen - als Sinnbild für die 1869 eingeführte zentrale Wasserversorgung der Stadt Winterthur. Dass Bareiss im gleichen Jahr als der Brunnen eingeweiht wurde, demissionierte, war sein persönlicher Protest gegen den Abbruch der Stadttore und -türme, gegen den er vergeblich angekämpft hatte.
7 Stadthausanlage
Zwischen dem Stadthaus und dem Restaurant «Bloom» liegt eine kleine idyllische Parkanlage mit alten Bäumen und Ruhebänken. Im Sommer nutzt das «Bloom» einen Teil der Wiese als Gartenrestaurant. Die Gäste sitzen dann, als wären sie Teil eines romantischen Gemäldes, an weiss gedeckten Tischen unter den Bäumen.
Das Museumsgebäude mit seinen auf vier Säulen abgestützten Tempelportikus beherbergt die Kunstsammlung des Kunstvereins und das Naturmuseum.
Leuchröhrenstab des Künstlers Cabrito Reis («Down Here, Up There», 2007) an der Fassade Lindstrasse.
Der elegante Annexbau des Kunstmuseums wurde von den Zürcher Architekten Gigon und Guyer 1995 als Provisorium gebaut.
Das kleine Museumscafé.
Die Skulptur von Thomas Schütte steht auf der Wiese hinter dem Annexbau.
Footfall, 2012 von Richard Deacon Seite Lindstrasse.
Das barockklassische Kirchgemeindehaus Liebestrasse.
8 Museumsgebäude
Zum Ensemble der repräsentativen öffentlichen Gebäude im Ring um die Altstadt gehört auch das Museumsgebäude (Museumstrasse 52). Sein hohes, auf vier Säulen abgestütztes Tempelportikus erinnert an das Stadthaus. Der neoklassizistische Bau entstand allerdings 40 Jahre später (1912-1916) nach den Plänen von Robert Rittmeyer & Walter Furrer, die in Winterthur ein sehr erfolgreiches Architekturbüro führten. Der Neubau war das Resultat eines Wettbewerbs bei dem stilistische Rücksichtnahme auf die beiden Nachbargebäude Stadthaus und Altstadt-Schulhaus gefragt war. 2010 wurde das Gebäude umfassend saniert und den neuen Bedürfnissen angepasst. Es beherbergt das Kunstmuseum und das Naturmuseum. Foyer und Treppenhaus sind mit rötlichem Veroneser Marmor verkleidet und die Wände des Treppenaufgangs zieren grosse Wandgemälde des französischen Nabis-Malers Ker Xavier Roussel.
9 Annexbau Museum
Ein architektonisches Bijou, wenn auch nur ein Provisorium geplant, ist der 1995 erstellte Annexbau des Museums. Er wurde privat finanziert und vom Zürcher Architektenpaar Annette Gigon & Mike Guyer realisiert. Der graue Kubus mit dem Sheddach steht auf «Stelzen» damit darunter weiterhin parkiert werden kann und gewinnt dadurch eine schwebende Leichtigkeit. Raumhohe Fenster stellen die Verbindung zwischen Innen- und Aussenwelt her. Die Ausstellungsfläche ist mit rund 1000 m2 annähernd so gross, wie jene im Altbau. Hier finden einerseits Wechselausstellungen statt, ausserdem werden Teile der Sammlung präsentiert. Kunst gibt es auch im Aussenraum: An den Kubus auf der Seite Lindstrasse lässig angelehnt ist ein Leuchtstoffröhrenstab des Künstlers Pedro Cabrito Reis («Down Here, up There», 2007) und zwischen dem Alt- und Neubau die Stahlplastik «Footfall», 2012 von Richard Deacon. Auf gegenüberliegenden Seite verbiegt sich Thomas Schütte´s «Bronzefrau Nr. 3».
(Siehe auch → Kunstführer).
10 Heimatstil-Brunnen
Gegenüber dem Museumsgebäude an der Museumstrasse 52 steht einer der schönsten Winterthurer Brunnen im romantischen Heimatstil. Geschaffen haben ihn 1916 die Architekten Rittmeyer & Furrer, die auch für den Bau des Museums verantwortlich waren. Der Brunnen ist ein kantonales Schutzobjekt.
11 Kirchgemeindehaus Liebestrasse
Eingebettet ins Park- und Museumsviertel ist das Kirchgemeindehaus (Liebestrasse 3), ein imposanter barockklassizistischer Bau (Architekten Otto Bridler und Lebrecht Völki,1911-1913), der nicht gerade reformierte Bescheidenheit ausdrückt. Die Räume können für Veranstaltungen und Tagungen aller Art gemietet werden und das Haus verfügt auch über einen eigenen leistungsfähigen Partyservice. Herzstück ist der prächtige zwei Stockwerke hohe Festsaal mit Bühne und Orgel.
Der bezaubernde kleine Seerosenteich Ecke Museums- / Lindstrasse.
Die Neurenaissance-Turnhalle an der Museumstrasse mit einer Skulptur von Werner Ignaz Jans.
12 Neurenaissance-Turnhalle
Der selbstbewusste Baustil der Gründerjahre fand auch in ganz profanen Turnhallenbauten seinen Niederschlag. An der Museumstrasse 46 entstand 1889-1890 (Architekt Albert Pfister) in Anlehnung an den Stil des benachbarten Stadthauses die eingeschossige Neurenaissance-Turnhalle aus Sandstein. Noch älter als die Turnhalle Lind Süd ist ihr architektonisches Gegenüber, die Turnhalle Lind Nord. Man geht davon aus, dass sie 1845 als erste Turnhalle der Schweiz überhaupt gebaut wurde. 1867 musste sie von ihrem ursprünglichen Standort an der Stadthausstrasse wegen eines Neubaus an die St. Georgenstrasse versetzt werden.
13 Seerosenteich
Es ist der bezauberndste kleine Park der Stadt: Inmitten eines kreisrunden Seerosenteichs sitzt von zarten Schilfgräsern umschmeichelt ein Bronzemädchen. Dahinter verschlingen sich kunstvoll ein Spitzahorn und eine Schwarzföhre. (Ecke Museumstrasse/Lindstrasse). Schöpfer der Mädchenskulptur (1964) ist Hermann Hubacher (1885-1967), der mit dem Winterthurer Kunstsammler und Mäzen Oskar Reinhart befreundet war.
Als Privatvilla gebaut, ist das schlossartige Wohnhaus des Textilfabrikanten Eduard Bühler heute Sitz des Münzkabinetts und des Statthalteramts.
Die prächtige, säulenbestückte Eingangshalle des Bezirksgerichts.
14 Villa Bühler-Egg
Nebst Bauten der öffentlichen Hand entstanden im Gürtel um die Altstadt auch immer mehr Privatvillen. Einen ganz grossen Auftritt leistete sich der Textilfabrikant Eduard Bühler. Er liess sich ein Landhaus im französischen Neubarock-Stil bauen (1867-1869, Architekt Friedrich von Rütti). Dass er sein schlossartiges Wohnhaus (Lindstrasse 8) so weit zurückversetzt von der Lindstrasse erstellen konnte, war nur dank einer Sonderbewilligung der Stadt möglich. Damit verstärkte der Bauherr den Landhaus-Effekt, an dem ihm gelegen war und den er mit einer Aufschüttung des gesamten Terrains zusätzlich unterstrich. Den Park gestaltete der bekannte Landschaftsarchitekt Conrad Löwe. Zur Villa, in der heute das Münzkabinett und die Antikensammlung sowie das Statthalteramt untergebracht sind, gehörten auch ein neubaraockes Gewächshaus (1873 von Architekt Ernst Jung erbaut), Stallungen und eine Remise. Bühler besass Pferde und Kutschen.
15 Bezirksgericht
Auch das Bezirksgericht, Lindstrasse 10, erzählt ein Stück Winterthurer Geschichte aus der Gründerzeit. Der im Stil eines Neurenaissance-Palazzo von Ernst Georg Jung geschaffene Bau (1876-1879) diente einst der Lloyd Versicherungsgesellschaft als Verwaltungsgebäude.
Das Restaurant des Casinotheaters.
Fassade des Hauses zum Warteck, das als Wohn- und Geschäftshaus des Textilkaufmanns Jakob Theodor Ziegler-Bühler gebaut wurde.
Bild rechts: Blick in den Innenhof.
Das Casinotheater ist das bekannteste Comedyhaus der Schweiz.
Die neugotische Fassade des Hauses zur Gloria.
Die 1862 gegründete «Bank in Winterthur» hatte ihren Sitz an der repräsentativen Stadthausstrasse. Sie war die Vorvorgängerin der heutigen UBS. Historische Aufnahme um 1910.
16 Haus «Zum Warteck»
Vis-à-vis des Stadthauses setzt sich ein mächtiges Haus mit einer auffälligen altrosa Fassade in Szene (Stadthausstrasse 39). Das Haus «Zum Warteck» (Architekt Leonhard Zeugheer, 1857-1861) wurde als Wohn- und Geschäftshaus des Textilkaufmann Jakob Theodor Ziegler-Bühler gebaut. Der stolze Stadtpalast im Neurenaissancestil machte selbstbewusst klar, dass die Geschäfte des Kaufmanns Ziegler sehr gut liefen. Das grosse Eingangstor führte in einen kleinen Innenhof mit Brunnen und erschloss die Pferdestallungen.
17 Casino
Das Casino (Stadthausstrasse 119) wurde 1862 von der Casinogesellschaft als Gesellschaftshaus gebaut (Architekt Heinrich Kleffner, Genf), in dem sich die gehobeneren Bürgerschichten zerstreuten. Sie trafen sich zum Billardspiel, zur Lektüre im Lesesaal oder zu Konzert- und Theateraufführungen. Das Haus rentierte allerdings nicht und so wurde es 1878 an die Stadt verkauft. Die Nutzung änderte sich allerdings nicht: Das Casino blieb ein Haus zur Förderung des gesellschaftlichen Lebens - allerdings stand es unterdessen allen Kreisen der Bevölkerung offen. Es fanden Unterhaltungsabende und Maskenbälle statt und von 1936 bis 1969 gastierte auf der Bühne des Casinos regelmässig das Schauspielhaus Zürich. Dann waren die «Winterthurer Nudelbretter» wie der damalige Direktor Harry Buckwitz das Casinotheater despektierlich bezeichnete, den Zürchern nicht mehr gut genug und sie verzichteten fortan auf die Gastspiele. Das Casino blieb aber bis zur Eröffnung des neuen Theaters im Jahr 1979. Winterthurs Theaterbühne mit Gastspielen schweizerischer und ausländischer Schauspieltruppen.
Seit 2002 ist das Casino ein Comedyhaus - unterdessen das bekannteste der Schweiz. Eine Gruppe von Comedy- und Kleinkünstlerinnen und -künstlern kauften das Haus von der Stadt - unterstützt von vielen weiteren Aficionados, die grosszügig Aktien zeichneten und damit den Kauf ermöglichten. Das Haus wird ohne städtische Subventionen betrieben, worauf es zu Recht stolz ist.
18 Haus zur Gloria
Das Haus zur Gloria (Stadthausstrasse 135) wurde als prunkvolles Geschäftshaus nach den Plänen des Winterthurer Stadtbaumeisters Wilhelm Bareiss gebaut (1867). Erhalten geblieben ist die neugotische Fassade, die ursprünglich eine Sichtbacksteinfassade war, heute aber verputzt ist. Der Eingang wird flankiert von den beiden Statuen Hermes (Gott des Handels) und Hephaistos (Gott des Feuers und der Künste).
19 «Bank in Winterthur»
Der blühende Handel und die florierende Industrie führten in Winterthur 1862 zur Gründung einer eigenen Bank. Zu den Gründern der «Bank in Winterthur» gehörten einflussreiche Industrielle wie Salomon Volkart, Heinrich Rieter, Heinrich Sulzer-Steiner und Johann Jakob Sulzer. Die Bank startete mit einem Kapital von fünf Millionen Franken, verdoppelte dieses innert drei Jahren und bezog 1869 ihren Hauptsitz an der Stadthausstrasse (Höhe Bankstrasse). 1912 fusionierte die «Bank in Winterthur» mit der Toggenburger Bank zur Schweizerischen Bankgesellschaft, die schliesslich 1945 ihren Hauptsitz an den Paradeplatz nach Zürich verlegte. 1998 entstand durch weitere Fusionen die Grossbank UBS, die wiederum an der Stadthausstrasse ihren Winterthurer Sitz hat.
20 Technikum
Das Technikum wurde als höhere Schule für technische Berufe gegründet und war die erste solche Bildungseinrichtung in der Schweiz, die auch Berufsleuten ohne Matura offenstand. Ursprünglich war im Rahmen einer Schulreform ein kantonales Technikum geplant gewesen. Die Reform scheiterte aber 1872 in einer Volksabstimmung. Der Stadtrat von Winterthur ergriff deshalb selbst die Initiative und eröffnete 1874 ein Technikum. Der Hauptbau im Renaissancestil entstand nach den Plänen des damaligen Stadtbaumeisters Theodor Gohl, wurde aber in der Folge immer wieder erweitert und ist heute ein ganzes Komglomerat von Gebäuden. Das Technikum ist heute Teil der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).
21 Türmlihaus
Der halbrunde, in die Fassade des Hauses Technikumstrasse 36 integrierte Turm ist der einzige noch erhaltene Wehrturm der Stadtbefestigung. Er wurde um 1820 aufgestockt und mit einer Galerie versehen. Das Haus war ab 1783 im Besitz des Pfarrers, Arztes und Kleinrats, Johann Heinrich Ziegler, der zusammen mit Hans Jakob Sulzer und Johann Sebastian Clais die erste chemische Fabrik der Schweiz und die Spinnerei Hard mitbegründet hatte. Heute ist das Haus ein Wohnheim für Studierende.
Das erste Technikum der Schweiz ist heute Teil der ZHAW.
Der einzige noch erhaltene Wehrturm der Stadtbefestigung. Das Türmlihaus ist heute ein Wohnheim für Studierende.
Das Aus- und Weiterbildungszentrum für Gesundheitsberufe.
Das evangelische Vereinshaus an der Technikumstrasse wurde 1871/72 gebaut und wird bis heute als solches betrieben.
Das um 1900 entstandene Schulhaus Geiselweid gemahnt an eine Trutzburg.
Das Lindengut gehört zu den bedeutendsten Herrensitzen in der Stadt. Es ist heute historisches Museum und Zivilstandsamt.
Der Haupteingang von Axa Winterthur. Rechts im Bild die rosarote Skulptur «Öl» von Franz West (siehe Kunstführer).
Das pavillonartig in die Gartenanlage gestellte Personalrestaurant der Axa Winterthur.
Die farbige Eisenplastik des Winterthurer Künstlers Silvio Mattioli steht neben dem Personalrestaurant der Axa (siehe Kunstführer).
22 Evangelisches Vereinshaus
Das spätklassizistische Gebäude mit den hohen Rundbogenfenstern an der Ecke Neumarkt/Technikumstrasse wurde 1871-1872 als evangelisches Vereinshaus zur Förderung evangelischen Glaubens und Lebens gebaut. Bis heute wird es in diesem Sinn betrieben und bietet verschiedenen fremdsprachigen Gemeinden eine Heimat: Die Iglesia Evangélica Hispana, die English Church und die Chiesa evangelica di lingua italiana halten hier am Sonntag regelmässig ihre Gottesdienste ab.
23 Zentrum für Gesundheitsberufe
Der Neubau ist Sitz eines der grössten und renommiertesten Aus- und Weiterbildungszentren für Gesundheitsberufe und ist Teil der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Es umfasst die Berufsgebiete Ergotherapie, Hebamme, Pflege und Physiotherapie sowie die Forschung auf diesen Gebieten. Technikumstrasse 71.
24 Lindengut
Im vor dem Obertor gelegenen Lindengut (Römerstrasse 8) wohnte einst die Industriellenfamilie Clais. Die 1787 erbaute Villa ist einer der bedeutendsten Herrensitze in der Stadt, entsprechend dem Status von Johann Sebastian Clais. Dieser gehörte zu den führenden Unternehmern der Stadt. So war er Mitbegründer von Pionierunternehmen wie dem «Laboratorium», das die erste chemische Fabrik im Land war und der Spinnerei Hard, der ersten mechanischen Spinnerei in der Schweiz. Er versah sein Haus mit einem der ersten Blitzableiter der Schweiz - eine Folge seiner Bekanntschaft mit Benjamin Franklin. Seine 24 Jahre jüngere Frau stammte aus einer der einflussreichen Sulzer-Familien. Zum Anwesen, das in den 1940er-Jahren von der Stadt gekauft wurde, gehört ein idyllischer Park mit einem eindrücklichen alten Baumbestand und einer Volière. Der Park bildet regelmässig die Kulisse für romantische Hochzeitfotos und stimmungsvolle Apéros, ist doch in der alten Villa nebst dem historischen Museum das Zivilstandsamt untergebracht. Am Rande des Parks, an der General-Guisan-Strasse steht ein hübscher gusseiserner Pavillon. Er stand einst im Garten des Bierbrauers Georg Schoellhorn, der ihn an der Landesausstellung in Zürich 1883 erworben hatte. Schoellhorn vermachte dann den Pavillon der Stadt Winterthur, nachdem er ihn durch die Gebr. Sulzer hatte renovieren lassen.
25 Schulhaus Geiselweid
Zu den eindrücklichen alten Schulhäusern rund um den Stadtkern gehört auch das Schulhaus Geiselweid (St. Gallerstrasse 1). Der mächtige Kubus in neugotischem Stil besteht aus ganz verschiedenem Gestein, was offensichtlich dem Wunsch der damaligen Baukommission entsprach. Am Bau treffen sich Regensberger Lägernkalk, Wasserner Granit, Tessiner Gneis, St. Margarethenstein. Erbaut wurde das Schulhaus 1899-1901 vom Winterthurer Architekten Walter Furrer, der später zusammen mit Joachim Rittmeyer ein renommiertes Architekturteam bildete, das in Winterthur mit einer Reihe wichtiger Bauten in Erscheinung tritt.
26 Axa Winterthur
An der Römerstrasse 1, vis-à-vis des Lindenguts, stand einst eine eindrückliche Gründervilla, die Villa Wehnthal. Hier wohnte Salomon Volkart, der Mitbegründer des Handelsunternehmens umgeben von einer romantisch-verspielten Parkanlage. 1930 wurde die Villa abgebrochen. An ihrer Stelle entstand das Verwaltungsgebäude der «Winterthur» Versicherungen – ein monumentaler Gebäudekomplex des Architekten Lebrecht Völki, der 1947 durch einen Ostflügel (Franz Scheibler) erweitert wurde. In den nächsten Jahrzehnten entstanden dann noch das Bürogebäude an der Römerstrasse 17 (Edwin Bosshardt, 1959), das pavillonartige Personalrestaurant an der Römerstrasse 15 (Hans Weishaupt, 1969), und in den 1970er- und 1980-erJahren schliesslich die Erweiterungsbauten an der General-Guisan-Strasse (Stutz & Bolt). Die heutige Axa Winterthur ist mit rund 3000 Arbeitsplätzen die grösste private Arbeitgeberin der Stadt Winterthur. Das auffällige rosarote Gebilde aus bemaltem Aluminiumblech rechts neben dem Haupteingang ist ein Werk des Wiener Künstlers Franz West (*1947). Die beiden Kunstwerke beim Personalrestaurant haben die Schweizer Künstler Silvio Mattioli (1929-2011; mehrfarbige Eisenplastik, 1967) und Werner Paul Witschi (1906-1999; «Windspiel») geschaffen.
Übersichtsplan Ringzone
14 Villa Bühler-Egg
15 Bezirksgericht
16 Haus «zum Warteck»
17 Casino
18 Haus «zur Gloria»
19 «Bank in Winterthur»
20 Technikum
21 Türmlihaus
22 Evangelisches Vereinshaus
23 Zentrum für Gesundheitsberufe
24 Lindengut
25 Schulhaus Geiselweid
26 Axa Winterthur