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Die Universität rückt nach vorn
Die Universität Zürich zählt nach dem heute veröffentlichten internationalen Ranking der Zeitung Times Higher Education Supplement (THES) zu den weltweit führenden Universitäten – dank sehr guter Forschungsleistungen und trotz vergleichsweise schlechter Betreuungsrelationen.
Hans-Dieter Daniel
Gegenüber 2008 hat sich die Universität Zürich vom 106. auf den 92. Rang verbessert. (Bild: Frank Brüderli)
Seit 2004 veröffentlicht die britische Zeitung Times Higher Education Supplement (THES) gemeinsam mit dem auf Auslandsstudien spezialisierten Beratungsunternehmen Quacquarelli Symonds (QS) jährlich ein Ranking der vermeintlich weltweit besten 200 Universitäten. Das Ranking verfolgt primär das Ziel, international mobile Studierende bei der Wahl einer Universität zu unterstützen.
Das THES-QS-Ranking bewertet Universitäten zu einem grossen Teil nach ihrer internationalen Reputation. Vierzig Prozent der Bewertung basieren auf einer Online-Umfrage, bei der Wissenschaftler aus aller Welt gebeten werden, die besten Universitäten ihres Fachgebietes zu nennen. Weitere 10 Prozent beruhen auf einer Befragung von Arbeitgebern. Daneben wird die zahlenmässige Relation von Studierenden zu Wissenschaftlern (Betreuungsrelation) als Indikator für die Qualität der Lehre verwendet. Dies macht 20 Prozent des Rankingergebnisses aus.
Forschung höher eingestuft als die Lehre
Weitere 20 Prozent entfallen auf die Anzahl der Zitierungen pro Wissenschaftler in der Literaturdatenbank SCOPUS. Ferner berücksichtigt THES-QS den Grad der Internationalisierung. Dieser wird anhand des Anteils ausländischer Studierender und Lehrender an der jeweiligen Gesamtpopulation gemessen und geht mit jeweils 5 Prozent in die Bewertung ein. Die unterschiedliche Gewichtung der sechs Kriterien, spiegelt die Einschätzung von THES-QS wider, dass für eine Universität die Forschung dreimal wichtiger sei als die Lehre.
Die Schweiz ist mit sieben Universitäten im THES-QS-Ranking 2009 vertreten. Am besten platziert ist die ETH Zürich, gefolgt von der ETH Lausanne und den Universitäten Genf, Zürich, Basel, Lausanne und Bern. Gegenüber 2008 hat sich die Universität Zürich vom 106. auf den 92. Rang verbessert, die ETH Zürich vom 24. auf den 20. Rang, die ETH Lausanne vom 50. auf den 42. Rang und die Universität Basel vom 131. auf den 108. Rang. Die Universitäten Genf (2009: Rang 72, 2008: Rang 68), Lausanne (2009: Rang 168, 2008: Rang 68) und Bern (2009: Rang 193, 2008: Rang 192) sind 2009 geringfügig schlechter platziert als 2008.
Sehr hohe wissenschaftliche Reputation
Im internationalen Vergleich verfügen die Universität Zürich und die ETH Zürich mit einem «Peer Review Score» von 79 respektive 97 über eine sehr hohe wissenschaftliche Reputation (der maximal erreichbare Wert beträgt 100). In der Schweiz weisen die beiden Hochschulen des ETH-Bereichs bei den befragten Arbeitgebern den höchsten Bekanntheitsgrad auf. Von allen im Ranking platzierten Schweizer Universitäten weist die Universität Zürich die mit Abstand schlechteste Betreuungsrelation auf (der «Student/Staff Score« beträgt lediglich 22). Bei der Anzahl der Zitierungen pro Wissenschaftler erzielen die Universität Zürich, die ETH Zürich und die Universität Genf im internationalen Vergleich Spitzenwerte (mit «Citations/Staff Scores» von 98, 99 und 96). Der Anteil von Ausländern unter den Studierenden und Lehrenden ist an der ETH Lausanne, der Universität Genf und der ETH Zürich schweizweit am höchsten.
Eine detaillierte Analyse der Ergebnisse für die beiden Zürcher Universitäten zeigt, dass die Universität Zürich beim Leistungsindikator Zitierungen pro Wissenschaftlerstelle genauso gut abschneidet wie die ETH Zürich und ihr Ruf unter Fachkollegen ähnlich gut ist wie der ihrer Schwesterhochschule. Sie weist nach den Ergebnissen des THES-QS-Ranking 2009 jedoch ein viel schlechteres Betreuungsverhältnis (Studierende pro Wissenschaftlerstelle) auf und ist bei den Arbeitgebern offenbar weniger bekannt als die ETH Zürich. Darüber hinaus ist der Anteil ausländischer Wissenschaftler und Studierender an der ETH Zürich höher als an der Universität Zürich.
Fragwürdige Methoden
Bei der Interpretation der oben zitierten Ergebnisse sollte beachtet werden, dass die Ergebnisse zu 50 Prozent auf den Meinungen von Wissenschaftlern und Arbeitgebern basieren, über deren Repräsentativität THES-QS keine Angaben macht. Darüber hinaus liefern Reputationsbefragungen keine adäquaten Indikatoren für die Qualität von Forschung und Lehre, weil der Ruf einer Universität noch lange nach der tatsächlichen Leistung anhält und traditionsreiche Universitäten dadurch begünstigt werden.
Aus diesen und anderen Gründen ist das THES-QS-Ranking seit seiner Einführung starker Kritik ausgesetzt. Einige Wissenschaftler wie der australische Hochschulforscher Marginson erheben gar den Vorwurf, dass die genannten Kriterien für das THES-QS-Ranking ausgewählt wurden, um britischen Universitäten einen Vorteil im internationalen Wettbewerb um mobile Studierende und Nachwuchswissenschaftler zu verschaffen, und sprechen deshalb von einem abgekarteten Spiel.
Links
Informationen
Weiterführende Informationen zu internationalen Universitätsrankings:
Kroth, Anna und Daniel, Hans-Dieter (2008). Internationale Hochschulrankings – Ein methodenkritischer Vergleich. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 11, 542-558.