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Derzeit weilt eine chinesische Auswahl in Magglingen. Die Schweiz hilft, sie für die Winterspiele 2022 aufzubauen. Keine einfache Aufgabe, wie das Testspiel gegen den Zweitligisten EHC Meinisberg zeigte.
Wer am Montagabend in der Tissot Arena war, der konnte nicht anders, als ständig auf die Anzeigetafel zu blicken. Auf der stand: EHC Meinisberg – China. Da spielte das Eishockeyteam aus Meinisberg, einem seeländischen Dorf mit etwa 1300 Einwohnern gegen eine Auswahl der Volksrepublik China, eine Nation mit über 1,3 Milliarden Einwohnern. Ein Bild für die Ewigkeit.
Auf dem Eis waren die Stärkeverhältnisse jedoch umgekehrt. Meinisberg liess gegen die chinesische Auswahl wenig zu. Während sich die Asiaten auf dem Eis abmühten, dürfte sich der eine oder andere Zuschauer an den Filmklassiker «Cool Runnings» erinnert haben. Der Film basiert lose auf den tatsächlichen Begebenheiten um die jamaikanische Bobmannschaft in Calgary 1988.
Kanada statt Australien
Der Vergleich der chinesischen Eishockeyspieler mit den jamaikanischen Bobfahrern ist zugegebenermassen etwas unfair. Von den Chinesen, die am Montagabend auf dem Eis standen, stehen die meisten noch am Anfang ihrer Karrieren. Entsprechend unterlegen waren sie gegen die erfahrenen Meinisberger. Fest steht: Der chinesischen Auswahl steht viel Arbeit bevor. Denn das Ziel – hier wieder eine Parallele zum Film – sind die Winterspiele 2022.
China möchte an den Olympischen Spielen im eigenen Land eine Eishockeymannschaft aufbauen, die mehr als nur Kanonenfutter für Nationen wie Kanada, USA oder Schweden darstellt. Eishockey steckt in China jedoch schlicht noch in den Kinderschuhen. Das Nationalteam spielte in den letzten Jahren abwechslungsweise in der vierten und fünften Division (von insgesamt sechs) und traf dort auf Teams wie Australien, Mexiko oder Belgien.
Allerdings hat sich einiges getan, seit das Internationale Olympische Komitee die Winterspiele 2022 vor fünf Jahren an Peking vergab. Das Land hat viel in die Entwicklung des Eishockeys investiert und die Zusammenarbeit mit anderen Nationen angestrebt. Vor zwei Jahren erreichte die Regierung, dass erstmals ein chinesisches Team in die KHL aufgenommen wurde. Dies diente jedoch weniger zur Weiterentwicklung der nationalen Talente; nur etwa ein Viertel der Spieler von Kunlun Red Star hat einen chinesischen Pass. Vielmehr sollte die Vereinbarung die Begeisterung für Eishockey in China fördern.
Nun hat die Schweiz ein «Projekt China», wie es oft genannt wird. Eine rund 50-köpfige Delegation weilt für sechs Monate in einer vom Bundesamt für Sport (Baspo) vermittelten Unterkunft in Magglingen und trainiert täglich in Zuchwil. Die Spieler sind meist zwischen 18 und 22 Jahre alt; einige aspirieren auf einen Platz im Olympia-Team.
Köbi Kölliker ist Trainer
Die Partie gegen Meinisberg verdeutliche Chinas Eishockey-Rückstand. Viele der chinesischen Spieler mieden den Körperkontakt. Andere suchten ihn derart übermotiviert, dass sie sich im Anschluss auf der Strafbank wiederfanden. Nicht zuletzt fehlte es auch an elementaren Fähigkeiten wie Passannahme und -weitergabe.
Das Projekt kam gemäss verschiedenen Medienberichten dank der seit Jahren bestehenden Zusammenarbeit des Baspo mit der Sportuniversität in Peking zustande. Beim Projekt stehe nicht zuletzt der interkulturelle Austauschs im Zentrum, sagte Christoph Lauener, Leiter Kommunikation beim Bundesamt für Sport gegenüber dem Onlineportal «Watson». Der ausländische und olympiaerfahrene Trainer – um nochmals die Parallele zu «Cool Runnings» zu ziehen – ist in diesem Fall Jakob «Köbi» Kölliker. Der 65-jährige Bieler ist Technischer Direktor des Projekts. Zusammen mit Alex Reinhard sowie einer Dolmetscherin leitet er die Trainings. In der «Solothurner Zeitung» sagte Kölliker, dass er den Spielern im technischen Bereich wenig beibringen müsse. Das grösste Manko seien die fehlenden taktischen Kenntnisse. Kölliker wäre zufrieden, wenn es ihm gelingen würde, dass die Spieler in einem halben Jahr ein taktisches System verstehen und darin spielen können.
Auch Quereinsteiger dabei
Offensive Aktionen gelangen im Spiel gegen Meinisberg selten. Die Ausnahme: In der 34. Minute beendeten die Chinesen eine schöne Passstafette mit einem Torerfolg. Das zwischenzeitliche 1:3 war aus chinesischer Sicht der Höhepunkt. Im letzten Drittel brachen die jungen Spieler ein, China ging letztlich mit 1:11 unter. Trotzdem erhielt die junge Auswahl Applaus von den Rängen, auf denen sich unter anderem auch das zweite Team der Delegation befand.
Ja, China hat zwei Equipen in die Schweiz gesandt. Die einen sind Eishockeyspieler, die anderen – und das ist «Cool Runnings» pur – sind Quereinsteiger aus Sportarten wie Feld- und Rollhockey sowie Speedskater, die zu Eishockeyspielern umfunktioniert werden sollen. Für sie ist eine Olympia-Teilnahme kein Thema. Doch das ist aus chinesischer Sicht nicht zentral. Wichtiger ist, dass sie eine Leidenschaft für den Sport entwickeln und diesen in der Heimat weitergeben. «Wenn wir die Olympischen Spiele bekommen, wird das mehr als 300 Millionen Chinesen für den Wintersport inspirieren», sagte Staatschef Xi Jinping zur Bewerbung auf die Winterspiele.
Der Staat hilft in dieser Hinsicht etwas nach. Die Schweiz bietet Unterstützung.