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Beispiele von Zoonosen
Die erste schriftlich festgehaltene Referenz einer von einem Tier stammenden Erkrankung findet sich in einem babylonischen Codex aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. In diesem werden «wilde Hunde» beschrieben, wobei es sich vermutlich um Tiere handelt, die an Tollwut leiden. Über die Jahrhunderte zeichneten Mediziner Dutzende von Epidemien auf, die grösstenteils in Europa ausgebrochen sind. Dies ist weniger auf die europäische Kultur und Lebensweise zurückzuführen, sondern vielmehr auf die damals noch fehlenden Aufzeichnungen solcher Vorkommnisse in anderen Regionen der Welt.
Zwischen 1346 und 1352 wütete die Pest zum zweiten Mal – das erste Mal war zwischen 541 und 546 – in Asien und Europa. Ein Viertel der gesamten europäischen Bevölkerung kam um. Eine Ansteckung erfolgte vorwiegend durch Flöhe, die das Pestbakterium von infizierten Ratten auf den Menschen übertrugen. Allerdings wurde der Erreger auch bei zwischenmenschlichem Kontakt zum Beispiel durch Tröpfcheninfektion weitergegeben.
Kurz nach dem ersten Weltkrieg brach in Europa die sogenannte Spanische Grippe aus, an der zwischen 1918 und 1920 weltweit mehr Menschen als an direkten Kriegsfolgen starben. Der Ursprung des Erregers ist nicht genau bekannt, aber es wird vermutet, dass es sich um ein vogelstämmiges Influenzavirus handelte. Der Name Spanische Grippe ist irreführend, denn als Herkunft des Virus werden die USA vermutet. Spanien berichtete aber als erster Staat über das wirkliche Ausmass der Seuche, während viele andere Länder zu Kriegszeiten nicht transparent kommunizierten, um der Moral der Bevölkerung und Soldaten nicht weiter zuzusetzen.
Influenzaviren wie jenes, das die echte Grippe auslöst, sorgen immer wieder für mehr oder weniger ausgedehnte Krankheitsausbrüche bei Tieren und Menschen. Die Vogelgrippe (H5N1), die 2005–2006 in Europa kursierte, verbreitet sich vorwiegend von Vogel zu Vogel, was zu umfänglichen Massnahmen wie vorbeugenden Tötungen oder Handelsbeschränkungen führte. Das Risiko, als Mensch von einem Vogel angesteckt zu werden, wird als gering eingestuft, eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht abschliessend erwiesen worden. In den Jahren 2009 und 2010 trat die umgangssprachlich als Schweinegrippe benannte Erkrankung (H1N1v) global auf. Der Erreger entstand vermutlich in Schweinen in Mexiko. Obwohl die Ansteckung von Mensch zu Mensch stattfand, wurden deutlich weniger Todesfälle verzeichnet als bei anderen, saisonalen Influenza-Varianten.
Gelbfieber wird durch ein Virus verursacht und hatte über die Jahrhunderte mehrere Ausbrüche zu verzeichnen. Es wird durch den Stich von Mücken übertragen, als Wirte gelten Primaten und Stechmücken. Gelbfieber kommt nur in bestimmten Gebieten Afrikas und Südamerikas vor. Seit den 1930er Jahren existiert eine sehr wirksame Impfung gegen den Erreger.
Ebola gehört zu den gefährlichsten Zoonosen mit einer Mortalität von 20–90% je nach Erregervariante. 2014 gab es einen erneuten Ausbruch im westafrikanischen Raum, der bis heute nicht vollständig eingedämmt ist. Weitere Informationen zu Ebola findest du im Artikel "Das Ebolavirus".
Auch bei AIDS, das vom HI-Virus ausgelöst wird, handelt es sich um eine Zoonose. Es wird vermutet, dass ein in Affen vorkommendes Virus auf Schimpansen und dann auf den Menschen übersprang, wo es in die AIDS verursachende Variante mutierte. Obwohl es heutzutage gute Medikamente zur Bekämpfung des Virus gibt, ist noch immer keine vollständige Heilung möglich, unter anderem aufgrund der hohen Mutationsrate des Virus. Weitere Informationen zu AIDS findest du im Artikel "Was ist AIDS?"
SARS-CoV-2, der Erreger von COVID-19, stammt höchstwahrscheinlich auch von einem oder mehreren Virenstämmen ab, die sich in Tieren entwickelt haben. Mehr dazu kannst du im Artikel "SARS-CoV-2: Ein Coronavirus versetzt die Welt in den Ausnahmezustand" nachlesen.