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Daniil Trifonov © Dario Acosta/DG
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Sinfoniekonzert 22
Mariinsky Orchestra | Valery Gergiev | Daniil Trifonov u.a.
Prokofjew
Sa, 02.09. | 18.30 Uhr | No. 17348
Vergangenes Konzert
Daniil Trifonov © Dario Acosta/DG
Mariinsky Orchestra, Valery Gergiev/© V. Baranovsky
02.
Sep
Samstag
18.30
Sinfoniekonzert 22
Mariinsky Orchestra | Valery Gergiev | Daniil Trifonov u.a.
(Daniil Trifonov)
Ein Migrantenschicksal. 1918 hatte Sergej Prokofjew, angewidert von der Gewalt und dem wirtschaftlichen Niedergang nach der Oktoberrevolution, seine russische Heimat verlassen. Über Japan und Hawaii gelangte er nach San Francisco, in den «Goldenen Westen». Doch weder die USA noch Frankreich, wo er ab den 1920er Jahren lebte, lösten für ihn ein, was sie verheissen hatten. Prokofjew fühlte sich missverstanden und wusste: «Ich muss zurück. Ich muss mit den Leuten reden, die von meinem eigenen Fleisch und Blut sind, damit sie mir etwas geben, was mir hier fehlt: ihre Lieder, meine Lieder.» 1936 liess sich Prokofjew deshalb endgültig in Moskau nieder, in Stalins Sowjetunion. Seinen Frieden fand er allerdings auch da nicht, er wurde vielmehr an den Pranger des Systems gestellt: als verwestlichter, dekadenter, formalistischer Komponist. Valery Gergiev, Behzod Abduraimov (opp. 10 und 26), Sergej Redkin (opp. 53 und 55) und Daniil Trifonov (op. 16) begleiten Prokofjew einmal rund um den Erdball und spielen alle seine fünf Klavierkonzerte an einem einzigen Abend: ein echtes Festspielereignis!
Mariinsky Orchestra © Natasha Razina
Mariinsky Orchestra
Das Mariinsky Orchestra zählt zu den ältesten Klangkörpern Russlands: Es wurde 1783 in St. Petersburg, während der Regentschaft Katharinas der Grossen, als Hofkapelle gegründet. Im der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Orchester wesentlich von Eduard Nápravník geprägt, der von 1863 bis 1914 regelmässig am Pult stand und viele Jahre auch die Sinfoniekonzerte der Kaiserlich-Russischen Musikgesellschaft leitete. Die ausserordentliche Qualität des Ensembles zog Musiker aus aller Welt an und namentlich Komponisten wie Hector Berlioz, Richard Wagner, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Gustav Mahler und Sergej Rachmaninow oder Pultstars wie Hans von Bülow und Arthur Nikisch. Viele Meilensteine des Repertoires wurden vom Mariinsky Orchestra uraufgeführt, darunter Opern und Ballette von Glinka, Tschaikowsky, Mussorgsky, Rimsky-Korsakow, Schostakowitsch und Chatschaturjan. 1935, zu Sowjetzeiten, wurde der Klangkörper (und mit ihm sein Stammhaus, das Mariinsky-Theater) in Kirow-Orchester bzw. Kirow-Theater umbenannt, nach einem ermordeten Leningrader Sekretär der KPdSU. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die ursprünglichen Namen reaktiviert. Vladimir Dranishnikov, Ariy Pazovsky, Evgeny Mravinsky, Konstantin Simeonov und Yuri Temirkanov zählten zu den Dirigenten, die das Mariinsky Orchestra im 20. Jahrhundert entscheidend prägten. Seit 1988 wird das Orchester von Valery Gergiev geleitet, der das Repertoire wesentlich erweiterte und auch zuvor ignorierte Komponisten wie Strawinsky, Messiaen, Dutilleux, Henze, Schtschedrin, Gubaidulina oder Kancheli zu Gehör brachte; vor allem aber führt Gergiev seine Musikerinnen und Musiker regelmässig zu Auftritten in aller Welt: bei den wichtigsten Festival und in die grossen Musikmetropolen. Seit 2009 veröffentlicht das Orchester seine CDs auf dem eigenen Plattenlabel «Mariinsky».
Debut bei LUCERNE FESTIVAL am 20. August 2000 unter der Leitung von Valery Gergiev, mit Werken von Bartók, Skrjabin und Mussorgsky/Ravel.
Mai 2017Weitere Termine
Valery Gergiev © Marco Borggreve
Valery Gergiev
Valery Gergiev, der 1953 in Moskau geboren wurde und im Kaukasus aufwuchs, studierte am Leningrader Konservatorium bei Ilja Musin und eröffnete seine Karriere 1977 als Preisträger des Karajan-Wettbewerbs in Berlin. Im Jahr darauf begann seine Zusammenarbeit mit der Kirow-Oper, dem heutigen Mariinsky-Theater, wo er mit Prokofjews Krieg und Frieden debutierte. 1988 wurde Gergiev dort zum Künstlerischen Leiter, 1996 zum Generaldirektor berufen; verbunden mit diesem Amt ist auch die Intendanz der Festivals «Stars of the White Nights» und «New Horizons». Mit dem Mariinsky-Ensemble gastierte er u. a. in Japan, China, Israel, den USA und allen bedeutenden europäischen Musikzentren. 2006 konnte er in St. Petersburg einen neuen Konzertsaal einweihen, der eigens für das Mariinsky Orchestra errichtet wurde, 2013 folgte die Eröffnung eines zweiten, neuen Opernhauses. Schon 1994 hatte Valery Gergiev seinen Einstand an der New Yorker Metropolitan Opera gefeiert, die ihn von 1997 bis 2008 mit dem Amt des Ersten Gastdirigenten betraute. Parallel dazu, von 1995 bis 2007, stand er an der Spitze des Rotterdam Philharmonic Orchestra, und von 2007 bis 2015 bekleidete er die Chefposition beim London Symphony Orchestra. Seit Herbst 2015 amtiert Valery Gergiev als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Ausserdem leitete er die Sinfonieorchester von Boston, Chicago und San Francisco, das Cleveland und das Philadelphia Orchestra, die Berliner und die Wiener Philharmoniker sowie das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam. Er ist Vorsitzender des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs und des Moskauer Osterfestivals sowie Leiter des World Orchestra for Peace. Valery Gergiev ist Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter der Schostakowitsch-Preis und die Ehrung «Russischer Volkskünstler»; 2006 wurde er mit dem «Polar Music Prize» und dem Karajan-Musikpreis geehrt.
Debut bei LUCERNE FESTIVAL am 20. August 1999 mit Rotterdams Philharmonisch Orkest und Werken von Kancheli und Beethoven.
Mai 2017Weitere Termine
Behzod Abduraimov © Christian Fatu
Behzod Abduraimov
Der 1990 im usbekischen Taschkent geborene Behzod Abduraimov begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel und wurde zunächst von Tamara Popovich an der Staatlichen Uspensky-Musikakademie in seiner Heimatstadt ausgebildet. 2007 wechselte er an die Park University in Kansas City, wo er sein Studium am International Center for Music bei Stanislav Ioudenitch abschloss. 2009 gewann Abduraimov mit seinem Vortrag von Prokofjews Drittem Klavierkonzert die «London International Piano Competition», 2010 ging er als Sieger aus dem Kissinger Klavierolymp hervor. Seither konzertierte er bereits mit vielen international renommierten Orchestern, darunter das Los Angeles Philharmonic, das Boston Symphony Orchestra, das Leipziger Gewandhausorchester sowie die Münchner Philharmoniker, und arbeitete mit Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy, Valery Gergiev, Manfred Honeck, Vladimir Jurowski und Vasily Petrenko zusammen. In der Saison 2016/17 führten ihn Auftritte zum Houston und zum Pittsburgh Symphony Orchestra, zum NDR Elbphilharmonie Orchester, zum Orchestre Symphonique de Montréal und zum City of Birmingham Symphony Orchestra. Bis zum Sommer 2018 nimmt Behzod Abduraimov am Konzerthaus Dortmund als «Junger Wilder» eine herausgehobene Position ein. Mit Rezitalen war er u. a. in der New Yorker Carnegie Hall, am Pariser Théâtre des Champs-Elysées sowie bei den Festivals von Aspen, Verbier und La Roque d’Anthéron zu Gast. Für seine Debut-CD mit Werken von Saint-Saëns, Prokofjew und Liszt, die im Herbst 2012 erschien, wurde er mit dem «Choc de Classica» ausgezeichnet und als «Diapason Découverte» geehrt. Zuletzt veröffentlichte er Klavierkonzerte von Prokofjew und Tschaikowsky mit dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI unter der Leitung von Juraj Valčuha.
Mai 2017
Daniil Trifonov © Dario Acosta/DG
Daniil Trifonov
Der russische Pianist Daniil Trifonov, geboren 1991 in Nischni Nowgorod, begann seine Klavierausbildung im Alter von fünf Jahren. Im Jahr 2000 nahm er sein Studium bei Tatiana Zelikman an der Moskauer Gnessin-Musikschule auf, 2009 wechselte er zu Sergei Babayan an das Cleveland Institute of Music. 2011 gewann Trifonov zunächst die «Rubinstein International Piano Master Competition» in Tel Aviv und ging anschliessend als Sieger aus dem Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb hervor, bedacht mit dem Ersten Preis und dem «Grand Prix». Valery Gergiev, Jury-Vorsitzender des Tschaikowsky-Wettbewerbs, lud ihn danach gleich zu Konzerten mit den Wiener Philharmonikern, dem Mariinsky Orchestra und dem London Symphony Orchestra ein. Seither ist Trifonov regelmässiger Gast bei den renommiertesten Orchestern der Welt. In der Saison 2017/18 präsentiert er sein Projekt Chopin Evocations, das er gerade auch auf CD vorgelegt hat, mit 20 Rezitalen in den USA, Europa und Asien. In der New Yorker Carnegie Hall kuratiert er eine siebenteilige «Perspec-tives»-Reihe, und auch am Wiener Konzerthaus ist er mit fünf Konzerten zu erleben. Ausserdem konzertiert er mit dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, den Berliner und den Münchner Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Cleveland und dem Philadelphia Orchestra, dem San Francisco Symphony, dem Mariinsky Orchestra, der Filarmonica della Scala und der Kremerata Baltica. Daniil Trifonov komponiert auch: 2014 brachte er in Cleveland sein Erstes Klavierkonzert zur Uraufführung, das er in der laufenden Spielzeit in New York und Detroit interpretiert. 2016 wurde Trifonov mit dem «Royal Philharmonic Society Award» und, als «Artist of the Year», mit dem «Gramophone Award» ausgezeichnet, 2017 erhielt er den Karajan-Musikpreis.
Debut bei LUCERNE FESTIVAL am 21. November 2012 mit Skrjabins Zweiter Klaviersonate, Liszts h-Moll-Sonate und den Préludes von Chopin.
November 2017Weitere Termine
Sergej Redkin
Sergej Redkin
Sergej Redkin, Jahrgang 1991, stammt aus dem sibirischen Krasnojarsk. Dort begann er seine Klavierausbildung im Alter von sechs Jahren an der Staatlichen Musikakademie und erhielt auch schon früh Unterricht in den Fächern Improvisation und Komposition. 2004 zog er nach St. Petersburg, wo er das Studium am Rimsky-Korsakow-Konservatorium aufnahm, zunächst in der Spezialschule für Hochbegabte, ab 2009 dann als regulärer Student in der Klasse von Alexander Sandler. Bei Alexander Mnatsakanyan, einem der letzten Schostakowitsch-Schüler, setzte er seine Kompositionsstudien fort. Als Stipendiat des Hauses der Musik in St. Petersburg nahm Redkin ab 2011 mehrfach an der «International Piano Academy Lake Como» teil, wo er u. a. mit Dmitri Bashkirov, Peter Frankl und Fou Ts’ong zusammenarbeitete. 2012 gewann er die «International Maj Lind Piano Competition» in Helsinki, 2013 die Internationale Prokofjew-Konkurrenz in St. Petersburg, und 2015 errang er beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau die Bronzemedaille. Valery Gergiev verpflichtete ihn daraufhin für Auftritte mit dem Mariinsky Orchestra in Paris, New York und Mexiko und lud ihn ein zu einem Prokofjew-Marathon im Rahmen seines Festivals «MPHIL 360°» in München, wo Redkin im November 2016 die letzten beiden Klaviersonaten des Komponisten zu Gehör brachte. Mit Rezitalen und als Kammermusiker trat er nicht nur in Moskau, St. Petersburg und diversen anderen russischen Städten, sondern auch in Deutschland, Österreich, Frankreich, Polen, Finnland, Schweden und in der Schweiz auf. 2016/17 war er u. a. in der Wiener Hofburg, im Nationalauditorium Madrid und im Théâtre des Variétés in Monaco zu hören. Sergej Redkin hat bereits mehrere Kompositionen vor allem in den Bereichen Klavier- und Kammermusik vorgelegt, darunter auch ein Streichquartett und ein Bläsertrio.
Mai 2017Weitere Termine