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Mike Bloomberg kam bei seiner ersten Teilnahme an einer Fernsehdebatte der Demokraten ziemlich unter die Räder. Als Sieger fühlen durften sich Elizabeth Warren und Bernie Sanders, für den es gerade bestens läuft.
In einem Punkt sind sich die US-Medien einig: Die Präsidentschafts-Debatte der Demokraten am Mittwoch in Las Vegas war die bislang heftigste. Das erstaunt nicht. Nach den beiden ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire ist noch immer kein klarer Favorit oder eine Favoritin in Sicht, der oder die Donald Trump im Herbst herausfordern könnte. Das Rennen ist völlig offen.
Das ursprünglich sehr grosse Bewerberfeld ist auf acht Namen geschrumpft. Sechs von ihnen traten im Bundesstaat Nevada, wo am Samstag die nächste Vorwahl stattfinden wird, vor die Kameras des Fernsehsenders NBC. Die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii und der Milliardär Tom Steyer sind wohl nur noch pro forma im Rennen. Chancen auf die Nomination haben sie nicht.
Dafür war in Las Vegas ein neues Gesicht zu sehen: Mike Bloomberg, der schwerreiche Medienunternehmer und ehemalige Bürgermeister von New York. Er nahm an der Debatte teil, obwohl er am Samstag in Nevada gar nicht antreten wird. Bloomberg will am Super Tuesday durchstarten, er hat schon 400 Millionen Dollar in Fernseh- und Onlinewerbung gesteckt.
Dank dieser beinahe unerschöpflichen Feuerkraft ist er in den nationalen Umfragen bereits auf den dritten Platz vorgerückt, was ihm die Teilnahme am TV-Schlagabtausch ermöglichte. Für Politico hat es sich gelohnt: Bloomberg habe «die Debatte gerettet», indem er seine Rivalen «zu ihrem bislang besten Auftritt angespornt hat», so das Online-Magazin. Wie aber lautet die Bilanz?
Elizabeth Warren brauchte dringend einen starken Auftritt. Sie hat in Iowa und New Hampshire schlecht abgeschnitten. Der Senatorin aus Massachusetts, die im letzten Jahr einen Höhenflug erlebte und kurzzeitig an die Spitze der Umfragen vorgerückt war, drohte das schnelle Aus. In Las Vegas hat sie nach Ansicht der meisten US-Kommentatoren geliefert und sich zurückgemeldet.
Sie nahm sich vor allem Bloomberg zur Brust und prügelte heftig auf ihn ein. Dabei half ihr die Kontroverse um Fälle von Sexismus in seinem Unternehmen. Mehrere Frauen sollen mit Schweigegeld abgefunden worden sein. Auch ihre eigenen Positionen verteidigte Warren kraftvoll. Fragt sich nur, ob der furiose Auftritt nicht zu spät gekommen ist, um ihre Kampagne zu retten.
Für die Linken war es aber generell ein guter Abend im Spielerparadies, denn auch Bernie Sanders wird zu den Gewinnern gezählt. Für den Senator aus Vermont läuft es ohnehin rund, er ist auf Platz eins in den nationalen Umfragen vorgerückt. Auch in Nevada am Samstag ist er Favorit. Für die «New York Times» deutet wenig darauf hin, dass Sanders «aus dem Tritt gebracht wurde».
Der 78-Jährige profitierte vom Fokus auf Bloomberg und der Tatsache, dass seine Schwachpunkte nur ansatzweise thematisiert wurden. Dazu gehört Sanders Weigerung, umfassende Auskunft über seinen Gesundheitszustand zu geben – er hat im letzten Herbst einen Herzinfarkt erlitten. Oder die Frage, ob er sein ambitioniertes «sozialistisches» Programm durch den Kongress bringen könnte.
Pete Buttigieg gehört zu den Gewinnern der ersten Vorwahlen. Der Bürgermeister von South Bend gilt als bester Debattierer im Feld. Am Mittwoch aber war seine Performance nach Ansicht der US-Medien durchzogen. So warnte er davor, dass nach dem Super Tuesday nur noch Bloomberg und Sanders im Rennen sein könnten, «die beiden polarisierendsten Figuren auf dieser Bühne».
Für Joe Biden geht es langsam ans Eingemachte. Lange lag der frühere Vizepräsident in den Umfragen klar vorne, doch in Iowa und New Hampshire ist er abgestürzt. In Las Vegas äusserte sich dies auf brutale Weise: Noch vor kurzem war er die Hauptzielscheibe in den Debatten. Nun sei er «von allen anderen auf der Bühne ignoriert worden», bilanziert CNN.
Nun setzt Pokerspieler Biden alles auf die Karte South Carolina, wo am übernächsten Samstag die letzte Vorwahl vor dem Super Tuesday stattfinden wird. Dort stellen die Schwarzen die Mehrheit der demokratischen Wählerschaft, bei ihnen geniesst Biden viel Rückhalt. Allerdings holt Sanders auf. Gewinnt Joe Biden in South Carolina nicht, ist es für den einstigen Favoriten wohl vorbei.
Für Mike Bloomberg sei die erste Stunde «ein absolutes und vollkommenes Desaster» gewesen, schreibt CNN. Er habe wie ein einzelner Wrestler gewirkt, der von einer ganzen Bande angegriffen wird, «und dieser Wrestler war erst noch völlig unvorbereitet». Bloomberg war praktisch nur damit beschäftigt, sich zu verteidigen, etwa für die «Stop and frisk»-Methode der New Yorker Polizei.
Allerdings gilt Bloomberg ohnehin nicht als begnadeter Debattierer, und abschreiben darf man ihn keineswegs, wegen seiner monetären Potenz. Der frühere demokratische Parteivorsitzende Terry McAuliffe verwies darauf, dass wesentlich mehr Menschen Werbung von Bloomberg gesehen hätten als die Debatte vom Mittwoch oder auch nur die Berichterstattung darüber.
Schwierig dürfte es hingegen für Amy Klobuchar werden. Die Senatorin aus Minnesota war die Gewinnerin der letzten TV-Debatte und erreichte in New Hampshire prompt den dritten Platz. Am Mittwoch aber kam sie flach heraus. Zu schaffen macht ihr, dass sie in einem Interview den Namen des mexikanischen Präsidenten Andres Manuel Lopez Obrador nicht nennen konnte. Und bei Minderheiten hat Klobuchar ohnehin Mühe.
Die nächste Fernsehdebatte findet bereits am kommenden Dienstag in Charleston (South Carolina) statt. Es ist die letzte vor dem Super Tuesday am 3. März und deshalb wohl auch die letzte Chance für den einen oder die andere im Bewerberfeld.
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