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Der entscheidende Schritt in eine moderne Verwaltungs-Zeit
1851 wurde in Grenchen mit Gemeindeversammlungsbeschluss die Uhrenindustrie eingeführt. Im gleichen Jahr aber wurde auch die Gemeindeverwaltung von Grund auf umgekrempelt und modernisiert. Das trug den Grenchnern Anerkennung ein.
Grosses Lob für die Grenchner und vor allem für das in der Gemeinde 1851 neu angewandte Rechnungssystem äusserte die Solothurner Regierung in ihrem 19. Rechenschaftsbericht für die Zeit vom 1. April 1851 bis 31. Dezember 1852. In diesem Langjahr missriet zum zweiten Mal hintereinander die Kartoffelernte, und viele Solothurnerinnen und Solothurner wanderten aus, um überleben zu können. Die Regierung berichtete von 111 ausgewanderten Familien und 661 Personen, die in der erwähnten Zeitspanne ihr Heil in den USA suchten. Nicht wenige liessen sich von skrupellosen Agenten (heute würde man von Schleppern reden!) bewegen, neues Glück in Amerika zu suchen, wo sie dann auf die örtlichen Sozialhilfen angewiesen waren. Die Gemeinden halfen den Auswanderern mit finanziellen Beihilfen. So musste allein die Gemeinde Kleinlützel für 27 Auswanderer-Familien und 139 Einzelpersonen total 27'000 Franken ausrichten und geriet dadurch selber in grosse Not. In der Liste der Ortschaften, welche Hilfe leisten mussten, sucht man Grenchen vergebens. In Grenchen half man sich selber und führte die Uhrenmacherei ein. Die Regierung mutmasste in ihrem Bericht, dass die Einführung der Uhrenfabrikation positive Folgen haben dürfte. Dies vor allem weil die Entlöhnung in dieser Branche wesentlich höher sei, als anderswo. In der Strohflechterei finde gar, so der Regierungsrat, eine Preisdrückerei statt. Wohlweislich verzichtete man zum entscheidenden Zeitpunkt in Grenchen auf die Ansiedlung der Strohflechterei.
Grenchen – reichste Landgemeinde
Als der Regierungsbericht verfasst wurde, war Grenchen die volksreichste Landgemeinde des Kantons und verfügte über ein Vermögen von 572'118 Franken. In den früheren Jahren konnte die Verwaltung „nichts weniger als geregelt bezeichnet werden.“ Die Regierung bemängelte, dass „sehr beträchtliche Einnahmenquellen“ nicht beachtet und entsprechend genutzt wurden. Bei seiner Ausgabenpolitik habe Grenchen „nicht die nothwendige Oekonomie beobachtet“ hält der Bericht fest. Das will heissen, dass der Gemeinderat Grenchens Geld ausgegeben hatte, ohne sich Rechenschaft über die Nutzen dieser Investitionen zu geben. Doch nun fährt die Regierung fort und lobt: “In jüngster Zeit scheint ein besserer Geist aufgetaucht zu sein.“ Mit einem finanzpolitischen Kunststück gelang es dem Verwalter, den Gemeindehaushalt wieder ins Lot zu bringen. Die Rechnung 1850 schloss noch mit einer Vermögensverminderung um 6'850 Franken. Im Berichtsjahr 1851 konnte eine Vermögensvermehrung um satte 1'330 Franken ausgewiesen werden. Dieses Ergebnis ist um so bemerkenswerter, als dass die Gemeinde für die Einführung der Uhrmacherei 2'280 Franken aufwendete. Ohne finanzielle Unterstützung durch den Kanton notabene, der seinerseits in höchst angespannten Finanzverhältnissen leben musste. Wie wurde dieses bewundernswerte Kunststück möglich? Der Finanzverwalter nahm ein Darlehen von 50'000 Franken , verzinsbar zu drei Prozent auf. Mit dieser Summe bezahlte er eine Menge kleiner Schuldentitel, die weit höher verzinst werden mussten, zurück. Dank dieser Umschuldungs-Taktik resultierte unter dem Strich eine beträchtliche Vermögensvermehrung. Im gleichen Jahr führte man in der Verwaltung das Departementalsystem ein, was ein effektiveres Arbeiten zuliess. – Die Regierung würdigte die Arbeit des Verwalters und hielt im Bericht fest :“Dem Verwalter des Gemeindefonds gebührt für seinen Eifer und Täthigkeit Anerkennung.“ Wenig Freude dagegen zeigte der regierungsrätliche Bericht für die Verwaltung des Kirchenfonds. – Die Regierung schliesst den offiziellen Bericht über Grenchen mit der folgenden, fast schon prophetischen Feststellung ab: „Wenn mit der sich kund gebenden Rührigkeit und dem Eifer für Verdienst und Industrie auch die gehörige Sparsamkeit verbunden wird, so dürfte Grenchen bald auf eine bedeutende Stufe von Wohlstand sich erschwingen.“
Quellen
- Text von Rainer W. Walter
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