Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/2234

Früh am Morgen habe ich einen bekannten Namen gelesen. Den Namen einer Klientin, bei welcher ich ein paar Mal im Einsatz war. Die Dame kommt ursprünglich aus dem Kosovo und hat mit der Alzheimer Demenz zu kämpfen. Die Alzheimer Demenz ist eine Erkrankung, bei welcher es zu Eiweissablagerungen im Gehirn kommt. Die Folge davon ist, dass das Gedächtnis immer mehr und mehr nachlässt. Dabei durchlaufen die Erkrankten mehrere Stadien.
Im Frühstadium ist das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt. Sie verlegen Gegenstände, vergessen Termine und weitere Kleinigkeiten. Dies ist meistens harmlos, manchmal können aber auch wichtige Dinge vergessen gehen, wie zum Beispiel das Abschalten des Herdes.
Im mittleren Stadium ist das Orientierungs- und Denkvermögen betroffen. Auch das Langzeitgedächtnis ist immer mehr und mehr eingeschränkt. Wichtige Ereignisse gehen vergessen. Es kann sogar dazu kommen, dass Betroffene vergessen, dass sie mal verheiratet waren oder Kinder haben. Das selbstständige Leben wird immer schwieriger, oft ist es sogar gar nicht mehr möglich.
Im letzten Stadium lässt das Sprachvermögen ziemlich nach. Die Erkrankten sind oft nicht mehr im Stande ganze Sätze zu formulieren und verlernen überlebenswichtige Tätigkeiten wie Essen und Trinken.
Die Dame war bereits im zweiten Stadium, als ich sie in der Spitex betreut habe. Die Kommunikation mit ihr beschränkte sich oft nur noch auf Gestik mit Händen und Füssen, da sie die deutsche Sprache nicht mehr beherrschte. Wenn man an Demenz erkrankt, verlernt man nämlich ziemlich früh die Fremdsprachen, welche man erst spät erlernt hat. Sie verweigerte auch oft die Spitex, manchmal war sie aber trotz allem kooperativ und bedankte sich herzlich.
Im Spital erfuhr ich, dass sie verbal wie auch physisch aggressiv gegenüber einer Kollegin wurde und sehr schwer zu pflegen sei. Auch ich war an einem Tag für sie zuständig. Sie zu pflegen war sehr umständlich und erforderte sehr viel Geduld. In einen Moment verweigerte sie jegliche Tätigkeiten und im anderen Moment war sie kooperativ und freute sich über Zuneigung.
Man solle sich das mal vorstellen, man vergisst, dass man gestürzt ist, liegt mit Schmerzen im Krankenhaus, hat lauter fremde Menschen um sich und versteht zudem die Sprache nicht, welche diese Menschen sprechen. Da wäre jeder von uns überfordert und am Ende mit den Nerven. Der Kampf gegen diese Krankheit ist einfach nur unendlich.
Umso mehr ich solche Patienten sehe, bin ich immer wieder dankbar für meine Gesundheit. Gesundheit ist so viel mehr wert als wir alle denken.