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Übersicht
Noch weniger Eis als 2007
Eisfläche in der Arktis auf neuem Minimum
Schon am 24. August erreichte die arktische Eisbedeckung ein Minimum. Seither ist das Eis noch einmal um rund 500'000 Quadratkilometer geschmolzen, was ungefähr 12 Mal der Fläche der Schweiz entspricht. Die Auswirkungen der starken Schmelze sind vielfältig, möglicherweise beeinflusst sie sogar das Winterwetter in Mitteleuropa.
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Jedes Jahr schmilzt das arktische Meereis im Sommer stark ab. Während im Winter die Fläche rund 14 Mio. Quadratkilometer beträgt, ist sie Ende Sommer in der Regel nur noch etwa ein Drittel so gross, nämlich knapp 5 Mio. Quadratkilometer. Das bisherige Minimum wurde im September 2007 mit 4,1 Mio. Quadratkilometer erreicht, danach schien sich die Eisfläche wieder zu erholen. Im September 2011 war das Eis wieder ähnlich stark abgeschmolzen wie 2007. Dies stellte aber nur ein vorläufiges Minimum dar. Im Sommer 2012 war die Eisschmelze noch bedeutend grösser als je zuvor. Bereits am 24. August wurde das Minimum aus dem Jahre 2007 erreicht, seither ging die Schmelze aber weiter. Am Freitag (14. September) betrug die Eisfläche (gemäss japanischer Raumfahrtagentur JAXA) nur noch 3'541'719 Quadratkilometer. Seit dem 24. August waren also nochmals mehr als 500'000 Quadratkilometer abgeschmolzen.
Keine absoluten Werte, Trend aber unbestritten
Die genaue Vermessung der Eisfläche erfolgt heute von Satelliten aus. Tagesaktuelle Daten können teilweise im Internet abgerufen werden. Die absoluten Ergebnisse der verschiedenen Satelliten sind allerdings nicht identisch, da sie vom entsprechenden Messverfahren abhängen. Davon unabhängig sehen aber alle Forschungsorganisa-tionen ein absolutes Minimum im September 2012.
Nicht nur Temperatur entscheidend
Für das Abschmelzen des Eises ist nicht nur die Temperatur in der Arktis verantwortlich. Ein wichtiger Faktor ist auch der Wind. Bei starken Stürmen wird die brüchige Eisfläche auseinander gerissen und einzelne Eisplatten treiben in wärmere Meeresgegenden, wo sie abschmelzen. Dies passierte auch anfangs August 2012, als ein starker Sturm über die Arktis zog. Das starke Abschmelzen des Eises hat zudem einen verstärkenden positiven Rückkoppelungseffekt auf die Temperatur.
Albedo heisst der entscheidende Faktor
Die sogenannte Albedo drückt das Rückstrahlvermögen einer Oberfläche aus und wird bestimmt durch den Quotienten aus reflektierter und absorbierter Strahlung. Der minimale Wert 0 bedeutet eine vollständige Absorption der Strahlung, während 1 einer kompletten Rückstreuung entspricht. Liegt Schnee auf dem Meereis beträgt die Albedo mehr als 0,8, ist das Eis blank beträgt der Wert immer noch 0,6 bis 0,7. Demgegenüber hat das Meerwasser einen Wert von unter 0,1. Schmilzt nun Eis wird mehr als 90 Prozent der Energie absorbiert, und es erwärmt sich nicht nur das Meerwasser, sondern auch die darüber fliessende Luft. Damit erwärmt sich die Luft in der Arktis nicht nur durch den Transport warmer Luft aus den gemässigten Breiten, sondern auch Vorort findet eine Erwärmung statt.
Auswirkungen sogar auf das Schweizer Wetter?
Forscher des Albert-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung gehen sogar davon aus, dass die sommerliche Meereisbedeckung in der Arktis Auswirkungen auf das Winterwetter in Mitteleuropa hat: Schmilzt im Sommer das Eis in der Arktis sehr stark, ist im kommenden Winter die offene Wasserfläche grösser. So geht aus dem Meer mehr Energie verloren, als dies unter einer geschlossenen Eisschicht der Fall wäre, und die arktische Atmosphäre kühlt sich im Winter entsprechend weniger stark ab. Sind nun im Winter die Temperaturgegensätze zwischen Arktis und gemässigten Breiten gering, prägt sich der sogenannte Polarwirbel weniger stark aus. Dadurch können einerseits warme Luftmassen von Süden in die Arktis vorstossen, anderseits findet aber die arktische Kaltluft einfacher den Weg in gemässigte Breiten, also auch nach Mitteleuropa. Dennoch muss nicht automatisch von einem strengen Winter 2012/2013 bei uns ausgegangen werden, denn für das europäische Winterwetter sind auch noch andere Faktoren massgebend, wie die Schneebedeckung in Russland und die Strömungsverhältnisse in niederen Breiten.
Weitergehende Auwirkungen
Das Abschmelzen des arktischen Meereises hat aber auch für die Polarregion grosse Bedeutung. Momentan sind sowohl die sogenannte Nordwest- wie auch die Nordostpassage für den Schiffsverkehr offen. Vor allem die russische Flotte kann davon profitieren, verkürzt sich doch der Seeweg von Murmansk nach Wladiwostok um mehrere tausend Kilometer. Mit dem Abschmelzen des Meereises wird aber auch die Diskussion um die Bodenrechte aktuell, lagern doch erhebliche Erdöl- und Erdgasvorkommen unter dem arktischen Meeresgrund. Auswirkungen hat das Abschmelzen des Eises aber auch für die Fauna, insbesondere den Eisbären, für den die Nahrungssuche immer schwieriger wird.
Nicht überall warm
Während im Norden von einer Rekordschmelze die Rede ist, sind die Temperaturen in der Nähe des Südpols extrem tief. In Wostok, in der Antarktis, sanken die Temperaturen am Donnerstag auf unter -80 Grad. Die tiefste gemessene Temperatur liegt bei -89,2 Grad. Temperaturen in diesem Bereich kommen selbst in Wostok nur alle paar Jahre vor. Grund für die extremen Werte sind einerseits die Höhenlage von rund 3500 Metern und die in diesen Tagen zu Ende gehende fast halbjährige Polarnacht. Selbst im Sommer steigen die Temperaturen dort kaum über -25 Grad. Damit unterscheidet sich die Antarktis ganz wesentlich von der Arktis. Während im Norden das Eis auf dem Meer aufliegt, ist die Antarktis ein Kontinent mit Erhebungen die örtlich bis auf rund 4800 Meter ansteigen. Im Inneren der Antarktis sprechen wir von Gletschern, die über keinen Jahresgang verfügen.