Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03173.jsonl.gz/494

DER JAZZBASSIST KARL THEODOR "K.T." GEIER IST GESTORBEN
23.03.2020 Der am 31. Januar 1932 in Köln geborene deutsche Jazzbassist und Cellist Karl Theodor "K.T." Geier (Bild) ist gestorben. Er arbeitete seit den 1960er-Jahren in der Schweiz.
Bild: K.T. Geier mit Buddha's Gamblers, 2001 (Ausschnitt), © http://www.jazzindex.ch/de/musiker_bilddetails.php?Bild=4&Musiker=25030&Begriff=K.T.+Geier
Ab 1953 war er in Freiburg im Breisgau als Cellist tätig mit Spezialisierung auf Basso continuo. Ab 1955 studierte er zehn Semester in der Meisterklasse bei Atis Teichmanis an der staatlichen Hochschule für Musik Freiburg.
Bereits ab 1948 spielte er als Jazz-Bassist (Autodidakt) und verdiente damit seinen Lebensunterhalt. Mehrfach wurde er als Bassist auf den jährlichen Wettbewerben der Deutschen Jazz Föderation ausgezeichnet. Später war er Mitglied der Modern-Jazz-Freiburg Rhythm-Section, die ausschließlich Solisten aus der Schweiz begleitete (Umberto Arlati, Bruno Spoerri, Raymond Court, Hans Kennel, Franco Ambrosetti, Flavio Ambrosetti). Es folgte die Tätigkeit im George Gruntz Trio (mit Daniel Humair oder Kenny Clarke am Schlagzeug) als Backup vieler amerikanischer Musiker (Chet Baker, Donald Byrd, Johnny Griffin, Dexter Gordon, Sal Nistico, Bobby Jaspar, Lee Konitz) an Festivals in ganz Europa.
1958 und die folgenden Jahre tourte Geier mit dem Barney Wilen Quartet (mit Peter Baumeister am Schlagzeug) durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. Dazu kamen zahllose Auftritte an Festivals und am Fernsehen (unter anderem mit: Albert Heath, Max Roach, Billy Brooks, Kenny Drew, Joe Zawinul, Horace Parlan). Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre spielte er mit dem Mal Waldron Trio (mit Pierre Favre) und dem Benny Bailey Quartet. Während all der Jahre war Vince Benedetti ein enger musikalischer Weggefährte und Mentor.
Ab 1964 arbeitete er zehn Jahre bei der DRS-Bigband als Bassist sowie zum Schluss auch als Tonmeister. 1975 begann er Jazz-Workshops zu leiten, zuerst in Zürich später in Uster.
Der Jazzmusiker "K.T." war eine Ein-Mann-Institution. Von theoretischen Erwägungen hielt er nicht viel: Spiel, oder lass es bleiben, war seine Losung.
Die halbe heutige Deutschschweizer Jazzszene war seit den 1970ern bei K.T. Geier in Workshops, wöchentlich stiegen seine Eleven mittwochs oder donnerstags die Treppen hinunter in den "Bazillus"-Club an der Ausstellungsstrasse beim Zürcher Hauptbahnhof. Unten umfing einen die Dunkelheit eines Jazzkellers. Und auch der swingende Kontrabass von K.T. Geier, der von seinem Instrument aus jahrzehntelang seine Workshops dirigierte.
Christoph Marki
Mehr:
#KarlTheodorGeier #KTGeier #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+