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Friedrich
II., König von
Preußen
[* 2] (1740 - 86), genannt
Friedrich der
Große oder der Einzige, geb. als
Sohn
Friedrich Wilhelms I. und der Prinzessin
Sophie Dorothea von Hannover.
[* 3] Seine Erziehung leiteten zuerst Frau von Rocoulle,
später
General
Graf Finckenstein und Oberst von Kalkstein.
Friedrich Wilhelm stellte selbst die Grundsätze fest, nach denen
der Prinz erzogen werden sollte; in allem Wesentlichen sollte er zu einem Ebenbild des
Vaters geschaffen
werden; die klassische
Bildung sollte ihm gänzlich fern gehalten werden.
Da aber der König seine eigenen
Tugenden, Selbstbeherrschung
und Selbständigkeit, bei dem weichen, zur Verschwendung und zu Ausschweifungen neigenden
Knaben nicht vorfand, da
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337 er sah, wie der Prinz nur allzu sehr seiner Umgebung nachgab, so griff er mit Härte und Gewalt ein, um den Sohn auf den richtigen Weg zu führen. Dadurch wurde der Prinz dem Könige immer mehr entfremdet. Reicher und vielseitiger beanlagt als der Vater, widerstrebte er dem ihm auferlegten Zwang und der pedantischen, einseitig praktischen und militär. Erziehung. Die litterar. und die heimlich gepflegten künstlerischen Neigungen des Prinzen, seine Vorliebe für die Musik, für die Dichtkunst und franz. Litteratur wurden genährt und gestärkt durch den Einfluß, den die Mutter, die ältere Schwester Wilhelmine und sein Lehrer Duhan gewannen.
Allem hingegen, was von dem Könige ausging, brachte der Prinz eine unverhohlene Abneigung entgegen. So
wuchs die Spannung von Jahr zu Jahr. Sie erreichte ihren Höhepunkt, als das Projekt,
Friedrich mit einer engl.
Prinzessin zu vermählen, scheiterte und der Kronprinz nun seine letzte Hoffnung, aus dem Druck des väterlichen Hauses befreit
zu werden, geschwunden sah. Er und seine Freunde unterhielten eine höchst bedenkliche Verbindung mit den engl. und franz.
Gesandten, mit den Gegnern der Politik des Vaters.
Als neue Mißhandlungen von seiten des Vaters erfolgten, entschloß sich der Kronprinz zur Flucht. Seine Jugendfreunde, die
Lieutenants von Katte und von Keith, wußten um das Geheimnis und betrieben die Vorbereitungen. Die Flucht
sollte auf einer Reise ins Werk gesetzt werden, die der König mit dem Kronprinzen im Sommer 1730 nach Süddeutschland und
nach dem Rhein unternahm. In einem Dorfe bei Mannheim
[* 5] wurde der Versuch durch die Wachsamkeit des Oberstlieutenants von Rochow
vereitelt; der ins Vertrauen gezogene Page Keith, ein Bruder des genannten, legte dem Könige ein Geständnis
ab.
Friedrich wurde als Deserteur verhaftet, erst in Wesel,
[* 6] dann in Cüstrin
[* 7] strengem Verhör unterworfen.
Katte wurde in Berlin [* 8] festgenommen und dann auf besondern Befehl des Königs unter den Fenstern des Kronprinzen in Cüstrin hingerichtet.
Auch
Friedrich fürchtete für sein Leben. Indessen ist es eine Fabel, daß der
König anfänglich die Absicht gehabt haben soll, den Sohn mit dem Tode zu bestrafen; vielmehr dachte er nur daran, ihn von
der Thronfolge auszuschließen. Auch ist unrichtig, daß erst auf Fürsprache des kaiserl.
Hofs
Friedrich Wilhelm für Begnadigung des Prinzen sich entschieden habe. Aber immerhin hatten die Vorgänge
dazu geführt, daß die österr. Partei, die Partei des Gesandten Grafen Seckendorff und des Generals Grumbkow, am Berliner
[* 9] Hofe
vollständig die Oberhand gewann.
Nach einigem Sträuben entschloß sich
Friedrich die Vermittelung seines Feindes Grumbkow anzurufen. Seine anfänglich sehr strenge
Haft wurde gemildert; im Dezember trat er als jüngster Kriegsrat bei der neumark. Kammer ein und wurde
von dem Kammerdirektor Hille in Finanz- und Handelssachen unterrichtet. Bei der Hochzeit der Prinzessin Wilhelmine im Nov. 1731 erschien
der Kronprinz zum erstenmal wieder am Hofe in Berlin, im nächsten Jahre erhielt er als Chef das Infanterieregiment
in Ruppin.
Nach dem rücksichtslosen Willen des Vaters mußte er sich ganz wider seine Neigung 1733 mit der Prinzessin Elisabeth Christine
(s. d.) von Braunschweig-Bevern vermählen. Unter dem Prinzen Eugen von Savoyen wohnte er 1734 dem Rheinfeldzug im Polnischen
Thronfolgekrieg bei. Im Herbst 1736 bezog
Friedrich mit seiner Gemahlin das neue, von Knobelsdorff ausgebaute
Schloß zu Rheinsberg. Ungestört
konnte er jetzt seinen Lieblingsneigungen, der Musik, dem Studium der Philosophie und der
franz. Klassiker sich widmen, von gleichgesinnten Freunden umgeben ein heiteres und geselliges
Leben führen und sich auch in ernster Weise auf seinen Herrscherberuf vorbereiten.
Ein reger Briefwechsel ward mit Voltaire angeknüpft, unter dessen Einfluß sich
Friedrich allmählich von der
Philosophie Christian Wolffs ab- und derjenigen Lockes zuwandte. Wie regen Anteil der Kronprinz an der Politik nahm und wie
hohe Anforderungen er an den Fürsten stellte, beweisen seine ersten größern Schriften, die «Considérations sur l'état
présent de l'Europe», eine gegen Frankreich gerichtete Flugschrift, sowie der Antimachiavel, gleichsam
das Regierungsprogramm F.s. Auch für das Wirken
Friedrich Wilhelms I., für seine Militär, und ökonomischen Bestrebungen
gewann
Friedrich jetzt Verständnis. Vater und Sohn waren vollständig ausgesöhnt, als jener aus dem Leben schied.
Am bestieg
Friedrich den Thron
[* 10] Preußens.
[* 11] Mit Feuereifer übernahm er die Regierungsgeschäfte, auf
allen Gebieten gleich rastlos thätig. Die Akademie der Wissenschaften wurde neu hergestellt, der vertriebene Philosoph Wolfs
zurückberufen, Maupertuis und andere führende Geister nach Berlin gezogen, Knobelsdorff mit dem Bau eines Opernhauses beauftragt,
eine neue Zeitung in Berlin ins Leben gerufen;
auch der König selbst scheute sich nicht, seine gewandte Feder in den Dienst der öffentlichen Meinung zu stellen;
Preßfreiheit ward, wenigstens für litterar. und wissenschaftliche Fragen, verkündet;
auf kirchlichem Gebiete wurde für die christl. Konfessionen [* 12] Religionsfreiheit proklamiert.
Sein Interesse
für die Handelspolitik bethätigte
Friedrich, indem er jetzt ein eigenes Handelsdepartement im Generaldirektorium errichtete.
Die Justizverbesserung wurde sogleich in die Hand
[* 13] genommen, das grausame Strafrecht gemildert, die Tortur aufgehoben. Wenn in der
Verwaltung allenthalben ein freierer Geist sich geltend machte, so blieb doch im Grunde und dem Wesen nach die Verwaltung des
Vaters bestehen. Auch in der Besetzung der Beamten- und Offiziersstellen trat fast keinerlei Änderung ein.
Eine der ersten Regierungshandlungen war, daß 17 neue Bataillone, ein Husarenregiment und das Regiment Garde-du-Corps errichtet
wurden. Persönliche Ruhmbegierde sowie der Wunsch, dem preuß. Staate auch im Ausland Ansehen und Achtung zu verschaffen, lenkten
Friedrich auf das Gebiet der großen Politik und auf das der kriegerischen Aktion. Vorerst schloß er sich keiner
der großen Mächte an. In den ersten Monaten richtete sich F.s Politik auf die Erwerbung von Berg, um die
Friedrich Wilhelm
I. sich seit 15 Jahren vergeblich bemüht hatte. Dem Fürstbischof von Lüttich,
[* 14] der sich schon seit längerer Zeit Hoheitsrechte
über die in Belgien
[* 15] gelegene preuß. Herrschaft Herstall angemaßt und dem Einspruch
Friedrich Wilhelms I. Trotz geboten hatte, wurde jetzt in brüskem Ton eine Bedenkzeit von 2 Tagen gestellt; darauf rückten
drei Bataillone und eine Dragonerschwadron in das Lütticher Gebiet und zwangen ihn schnell, dem Willen des Königs nachzugeben.
Bald sollte sich ein weit größerer Schauplatz eröffnen , auf dem
Friedrich die Kraft
[* 16] seines
Genius voll entfalten konnte. 1740 starb der letzte Habsburger, Kaiser Karl VI. Sogleich erhob sich der Streit um das österr.
Erbe; dem preuß. Könige bot sich die
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Aussicht, für seinen Staat die große, reiche und trefflich gelegene Provinz Schlesien [* 18] zu gewinnen. Friedrich begann im Dez. 1740 den Ersten Schlesischen Krieg, besetzte ganz Schlesien und schloß nach mehrfachen Siegen [* 19] unter engl. Vermittelung den Frieden von Breslau, [* 20] durch den er Schlesien bis zur Oppa sowie die Grafschaft Glatz [* 21] erhielt (s. Schlesische Kriege). Dem Präliminarfrieden von Breslau folgte 28. Juli der definitive Friede von Berlin. Ein Gebiet von 600 Quadratmeilen und 1 200000 E. war erworben, der preuß. Staat um die Hälfte seines bisherigen Bestandes vergrößert.
Die Verwaltung Schlesiens richtete Friedrich sogleich auf preuß. Fuße ein;
er schuf zwei Oberamtsregierungen (Justizkollegien) sowie zwei Kriegs- und Domänenkammern in Breslau und Glogau; [* 22]
Schlesien erhielt einen eigenen, in Breslau residierenden Minister gleichsam als Statthalter;
auf dem Lande wurde die Kontribution auf Grund eines neuen Katasters eingeführt, in den Städten die Accise nach dem Muster der alten Provinzen geordnet.
Bald kam zu dem neuen Besitz eine Erwerbung im äußersten Nordwesten Deutschlands. [* 23] 1744 starb das Fürstenhaus in Ostfriesland aus, und Friedrich nahm auf Grund einer Anwartschaft, die sein Großvater von Leopold I. erlangt hatte, sofort Besitz von dem Lande, trotz der Einsprüche, die seitens der Hannoveraner erhoben wurden.
Inzwischen hatte Maria Theresia, von ihrem thatkräftigsten Gegner befreit, in Verbindung mit England glänzende
Erfolge errungen (s. Österreichischer Erbfolgekrieg). Mit Besorgnis sah Friedrich die Fortschritte der österr. Waffen
[* 24] und die völlige
Niederwerfung des Deutschen Kaisers Karl V
II., dem er zum Kaiserthron verholfen hatte. Um dem Reiche Frieden zu schaffen und
die fremden Heere aus Deutschland
[* 25] zu verjagen, schlug Friedrich eine Verbindung aller Reichsstände unter militär.
Führung Preußens vor und forderte für sich den Titel eines immerwährenden Generallieutenants der Reichstruppen.
Allein auch diese Pläne zerschlugen sich damals bei der Furchtsamkeit und bei dem Eigennutz der kleinen deutschen Fürstenhöfe, sodaß Friedrich nun suchen mußte, im Bunde mit dem Auslande, mit Frankreich, die Übergriffe Österreichs und Englands im Reiche zu hindern. Der Wormser Vertrag, den Österreich, [* 26] England, Sachsen [* 27] und Sardinien [* 28] zur Garantie der Pragmatischen Sanktion abgeschlossen hatten (Sept. 1743), erschien dem Könige als eine direkte Bedrohung Preußens, er argwöhnte einen Anschlag auf Schlesien.
Deswegen ward ein neues Bündnis mit Frankreich unterzeichnet und zugleich mit Bayern,
[* 29] Pfalz
und Hessen-Cassel 22. Mai die Frankfurter Union (s. d.) geschlossen. Im Aug. 1744 drang Friedrich als Bundesgenosse
des Kaisers in Böhmen
[* 30] ein, gewann anfänglich schnelle Erfolge, ward dann aber nach Schlesien zurückgeworfen und in eine höchst
gefährdete Lage versetzt, aus der erst der Sieg von Hohenfriedberg ihn wieder befreite. Der 25. Dez. geschlossene
Friede von Dresden
[* 31] brachte keine territoriale Veränderung; doch hatte der Zweite Schlesische Krieg das wichtige Ergebnis, daß
Bayern, welches Maria Theresia im Frieden von Füssen an den Sohn Karls V
II. zurückgegeben hatte, vor der
Einverleibung in die österr. Monarchie bewahrt wurde. Der Besitz von Schlesien, den Maria Theresia in Dresden dem Könige von
neuem zuerkannte, ward 1746 von England, im Aachener Frieden 1748 von den übrigen Mächten gewährleistet.
Die folgenden Friedensjahre benutzte Friedrich, um den Wohlstand seines Landes zu heben und die Verwaltung des Staates zu verbessern. Zwar mußte das Heer, angesichts der feindseligen Haltung der Nachbarn, noch weiter verstärkt werden, bis aus 150000 Mann; die Mittel zur Erhaltung dieser unverhältnismäßig großen Militärmacht suchte der König nicht durch Erhöhung der Steuern zu gewinnen, sondern dadurch, daß das Aufblühen des Landes in jeder Weise gefördert und so indirekt auch die Einkünfte des Staates vermehrt wurden.
Neue Industrien wurden eingeführt, der innere Verkehr durch Anlegen von Kanälen erleichtert, in Pommern [* 32] und im Oderbruch zahlreiche Dörfer begründet und Kolonisten angesetzt. Im einzelnen wurde die Staatsverwaltung verbessert; doch blieb sie auch jetzt wesentlich in den Bahnen, die Friedrich Wilhelm I. gewiesen; hingegen wurde in der Justiz mit umfassenden Reformen begonnen, hier entfaltete in diesen Jahren der Großkanzler von Cocceji eine rege Thätigkeit. Friedrich selbst, der 1747 das neue Schloß Sanssouci bei Potsdam [* 33] bezog, widmete sich neben den Regierungsgeschäften den wissenschaftlichen Studien, der Pflege der Künste und dem Verkehr mit den hervorragendsten Geistern der Zeit; auch Voltaire weilte mehrere Jahre (1750-53) an dem Hofe des «Philosophen von Sanssouci». Friedrich verfaßte in diefem Jahrzehnt die Memoiren zur Geschichte des Hauses Brandenburg [* 34] und die «Histoire de mon temps», d. h. die Geschichte der zwei schles. Kriege, zahlreiche Oden, Episteln und Satiren sowie mehrere militärwissenschaftliche und philos.
Schriften, 1752 auch ein «Polit. Testament». Nach außen hin war die Politik des Königs 1746-56 eine durchaus friedliche. Dagegen wurde das Kriegsfeuer eifrig in Petersburg [* 35] geschürt. Österreich und Rußland schlossen 1746 ein Defensivbündnis, bei welchem in einem geheimen Artikel ein Revanchekrieg wider Preußen ins Auge [* 36] gefaßt wurde. Indes wußte Friedrich durch geschickte diplomat. Unterhandlungen die Krisis im Norden [* 37] abzuwenden. Erst als bei dem amerik. Konflikt zwischen Frankreich und England Friedrich mit König Georg II. den Neutralitätsvertrag von Westminster abschloß und nun der Lieblingswunsch Maria Theresias und des Grafen Kaunitz, die franz.-österr.
Allianz, verwirklicht wurde, entwickelte sich eine Kriegsgefahr, die bald derart anwuchs, daß Friedrich, um seinen Staat zu retten, sich dazu entschließen mußte, dem drohenden Angriff der Österreicher und Russen zuvorzukommen. Nur von England und einigen kleinern norddeutschen Fürsten unterstützt, führte er sieben Jahre hindurch den ungleichen Kampf gegen eine Koalition fast des gesamten festländischen Europas. (S. Siebenjähriger Krieg.) Vor allem ihm persönlich, seiner Ausdauer und seinem Pflichteifer ist die Rettung und Erhaltung des preuß. Staates in dieser schwersten Krisis zu verdanken. Preußen ward nunmehr allerseits als eine führende europ. Macht, als eine zweite deutsche Großmacht anerkannt.
Die vielen schweren Wunden zu heilen, die der Krieg dem Lande geschlagen, war von 1763 an die nächste Aufgabe des Königs. Da Friedrich am Schluß des Krieges noch über 30 Mill. Thlr. verfügte, so konnte er diese Summen sogleich für die Herstellung des Landes verwenden. Die eingeäscherten Dörfer wurden auf Staatskosten wieder aufgebaut (in Schlesien sind binnen 3 Jahren 8000 Häuser, in der Neumark 6500 durch den König neu errichtet ¶