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Ziele des Forschungsprojekts
Der lateinische Autor Vergil (70–19 v. Chr.) hat nach eigener Aussage die „Eklogen“, die „Georgica“ und das berühmte Gründungsepos Roms, die „Aeneis“, verfasst. Doch nach seinem Tod wuchs die Publikationsliste ständig weiter, immer mehr Werke wurden unter seinem Namen überliefert. In diesem Forschungsprojekt werden zum ersten Mal all diese „Vergiliana“ umfassend untersucht. Zunächst wird jedes Werk einzeln betrachtet: Was sagt der jeweilige Text über sich selbst aus? Gibt er eine Anweisung zum Verständnis seiner Wirkungsabsicht? Anschliessend wird nicht nur der literarische Dialog mit den drei echten Werken von Vergil beschrieben, sondern auch danach gefragt, welches Bild von Vergil in den einzelnen Werken gezeichnet wird. Zuletzt ist eine Einordnung in das generelle Phänomen geplant, dass einigen antiken Klassikern immer mehr Werke zugeschrieben wurden: Es gibt nicht nur eine Appendix zu Tibull oder Ovid, sondern auch Homer, dem ersten Klassiker des Abendlandes und Verfasser der Epen „Ilias“ und „Odyssee“, wurden Werke wie die „Batrachomyomachie“ zugeschrieben, ein parodistisches Kleinepos über einen Krieg zwischen Fröschen und Mäusen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts
Die Erweiterung von Vergils Oeuvre im Laufe der Überlieferung kann als Teil des Prozesses verstanden werden, der ihn zum Klassiker werden liess. Indem dieses wesentliche Charakteristikum eines antiken Klassikers erstmals umfassend analysiert wird, kann auch ein Beitrag zur in verschiedenen Disziplinen vieldiskutierten Frage geleistet werden, was einen Klassiker überhaupt zu einem Klassiker macht. Vergil eignet sich dafür ausgezeichnet: Denn immerhin hat ihn kein geringerer als T.S. Eliot für den einzigen „universal classic“ überhaupt gehalten.