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Kaum ein anderes Werk der metaphysischen Literatur des 20. Jahrhunderts hat einen so großen Einfluss ausgeübt wie das durch die Schriftstellerin Jane Roberts in Trance übermittelte Seth-Material.
Waren es in den Achtziger- und Neunzigerjahren vor allem Titel wie GESPRÄCHE MIT SETH, DIE NATUR DER PERSÖNLICHEN REALITÄT oder INDIVIDUUM UND MASSENSCHICKSAL, die im Zentrum des Interesses der Seth-Leser und -Leserinnen standen, so hat sich in den letzten Jahren der Fokus immer stärker auf das Material verschoben, das außerhalb der offiziellen Buchsitzungen, in welchen Seth durch Jane ihrem Ehemann Robert F. Butts die Bücher diktierte, entstand.
Oft wurden hierbei, wie in den späteren Büchern, Themen behandelt, die für die Menschheit allgemein gelten. Häufig sprach Seth an diesen Kursabenden oder Klassensitzungen aber auch ganz gezielt über die Fragen und Probleme einzelner Teilnehmer und Teilnehmerinnen, wobei Seths Antworten in vielen Fällen auf die Allgemeinheit übertragen werden können, da es sich in der Regel um Themen handelt, welche die meisten Menschen beschäftigen.
Die insgesamt vier Bände der FRÜHEN KLASSENSITZUNGEN stellen ein weiteres wichtiges Bindeglied für ein umfassendes Bild des Seth-Phänomens und der Person von Jane Roberts dar.
LESEPROBE
ASW-KLASSE, 25. MAI 1971, DIENSTAG
"IHR KÖNNT KEINE BÖSEN MÄCHTE FÜR DIE WILDE UND ZÜGELLOSE ZERSTÖRUNG DER ERDE VERANTWORTLICH MACHEN."
(Die Gruppe ging in Alpha I und erzählte danach ihre Eindrücke. Theodore machte eine Bemerkung über einen Freund. Es gab eine Diskussion über Bradys Eindrücke von Theodore. Darauf folgte eine Diskussion über die Ursprünge von Himmel und Hölle.)
Nun, ich möchte, dass ihr alle etwas wisst, das euch unendlich gefallen wird, nämlich, dass eine Autorität hier anwesend ist, denn im Jahre 300 war ich ein Papst. Ich war kein sehr guter Papst.
([Theodore:] „Sollen wir deinen Ring küssen?“)
Es tut mir leid, ich habe ihn nicht hier und ich gebe auch keine Kommentare darüber ab, was Ruburt über deine Aussage sagen würde. Es gibt jedoch etwas, das ihr wissen solltet. Weil ihr physisch orientiert seid, war es euch schon sehr früh klar, dass das Gute einen Platz im physischen Universum haben musste, ebenso wie auch das Böse dort einen Platz haben musste. Und deshalb habt ihr für euch selbst die Aufteilung von Himmel und Hölle gemacht. In der einen oder anderen Geschichte gab es das schon weit früher in den Annalen eurer Zeit. Gebt uns nun einen Moment.
Wie ich euch zu erklären versucht habe, sind die rigorosen Konzepte von Gut und Böse selbst höchst verzerrt. Wenn ihr nun in einem Dilemma mit dem Guten auf der einen und mit dem Bösen auf der anderen Seite seid und beides Gegensätze und voneinander abgetrennt sind, dann trennt ihr sie automatisch auch in eurem Kopf und in euren Gefühlen und in euren Fantasien ab. An diesem Punkt scheint ihr nicht fähig zu sein zu realisieren, dass das, was ihr das Böse nennt, für das tätig ist, was ihr das Gute nennt, oder dass beide aus Energie bestehen und dass ihr Energie braucht, um eure Realität zu formen, sowohl jetzt wie auch nach diesem Leben. Der Grund liegt darin, dass ihr euch mit den Auswirkungen physisch auseinandersetzt. Und solange ihr dieses psychologische Verhalten nicht ablegt, werdet ihr immer glauben, dass Gut und Böse Gegensätze sind, und ihr werdet in euren Gefühlen und in euren Konzepten und in euren Mythen entsprechend damit umgehen.
([Ron:] „Ist es je gerechtfertigt, etwas Böses um des Guten willen zu tun?“)
In dem Sinne, wie du die Frage stellst, lautet die Antwort: nein.
([Ron:] „In anderen Worten: Wenn wir in dieser Realität entsprechende Entscheidungen treffen müssen, ist es dann richtig, dass unsere Entscheidungen nur entweder konstruktiv und gut oder destruktiv und schlecht sein können?“)
Nur in dem Sinne, wie du die Frage stellst. Von einer größeren Perspektive aus betrachtet gibt es so etwas wie Vernichtung nicht; und deine zweite Frage folgt nicht logischerweise auf die erste. Nun, wenn du die Abschrift erhältst und anschaust, wirst du sehen, was ich meine. Du stellst Fragen, ohne die Antworten, die gegeben wurden, in Betracht zu ziehen. Denk über die Antworten nach, bevor du deine nächste Frage stellst.
([Ron:] „Ja, aber ich bin mit der Logik deiner Antworten nicht unbedingt einverstanden.“)
Ich habe es nicht nötig, dass du mit meiner Logik einverstanden bist. Es ist nötig, dass du die Mängel in deiner eigenen Logik verstehst, und das muss von dir selbst kommen und nicht von mir. Nun, warte. Es hat teilweise damit zu tun, dass du Fragen formulierst, bevor du die Natur der Antworten, die du erhalten hast, verstehst. Lies die Abschrift. Finde die Antworten heraus, die ich dir gegeben habe, und formuliere dann deine Fragen.
([Ron:] „Nun, ich habe eine Frage, von der ich jetzt schon weiß, dass ich sie stellen werde, wenn ich die Abschrift gelesen habe. Du hast geantwortet, dass meine Frage nur in meinem Sinne bedeutungsvoll war; was ich dich nun frage, ist: Was verstehst du unter Gut und Böse in deiner Realität?“)
Es gibt keine Vernichtung, und es gibt kein Böses. Aber wenn du glaubst, dass beides existiert, dann musst du entsprechend handeln. Wenn du glaubst, dass du bei der Ermordung eines Menschen sein Bewusstsein für immer vernichtest, dann darfst du nicht morden, und es ist von dir aus gesehen etwas Böses.
([Ron:] „Nun, dann stimme ich nicht mit dir überein. Ich glaube, dass es sogar so, wie wir es heute betrachten, Vernichtung als solche gibt, und das ist etwas Böses.“)
Ich weiß, dass du das denkst. Du lebst in dieser Realität, und während du in ihr lebst, musst du mit ihr umgehen, und das tust du auch.
([Ron:] „Gibt es so etwas wie eine moralische Entscheidung für jemanden, der auf der nächsten Existenzebene existiert?“)
Es gibt immer moralische Entscheidungen. Sie umfassen den Gebrauch von Kreativität und Entwicklung. Sie umfassen den Gebrauch von Spontaneität.
([Ron:] „Welches Wertesystem wendest du bei deinen moralischen Entscheidungen an?“)
Ich habe es dir gesagt. Meine letzte Antwort deutet diese Antwort an.
([Ron:] „In deinen Worten wäre es also dasjenige System, das am kreativsten für das wäre, was du tun möchtest?“)
Wir ignorieren den letzten Teil deines Satzes und stimmen dem ersten Teil zu. Und wenn ich das irgendwie kann, werde ich bestimmt dafür sorgen, dass du in deinem nächsten Leben in eine Position gelangst, wo du jemandem Rede und Antwort stehen musst, dessen Verstand genau gleich funktioniert wie deiner.
(Zu Brady:) Nun, hier haben wir kreative Liebe und Intelligenz, die heute Abend spontan und kreativ zusammenarbeiten, um miteinander in Kontakt zu treten. Das ist das, was du (Ron) lernen solltest zu erreichen.
([Ron:] „Ich habe das Gefühl, dass ich sehr gut mit dir in Kontakt getreten bin.“)
Das bist du in der Tat. Aber die intuitive Wechselbeziehung, die du brauchst, um mit anderen in deinem Umfeld Kontakt aufzunehmen, ist größtenteils nicht vorhanden. Gehe mit Gefühl auf sie zu, statt unter dem Deckmantel von bohrenden Fragen.
([Ron:] „Ich verkehre mit physischen Wesenheiten nicht unbedingt auf die gleiche Art, wie ich nun gerade mit dir verkehre.“)
Du solltest es lernen. Jetzt machen wir eine Pause.
(Zu Theodore:) Ich wünsche dir dort drüben aktiven Frieden, und sei froh, dass du die Art Reaktion in unserem Freund (Brady) hier bewirkt hast. Es war gut für euch beide.
(Nach der Pause.)
(Zu Ron:) Ich stachle dich an – hör mir nun zu –, ich stachle dich an. Es ist gut für dich und gut für die Klasse und sehr gut für diejenige dort drüben (Florence), weil du Fragen stellst, die sie sich bereits ausgedacht hat, und die sie nun aus lauter Schüchternheit ni cht zu stellen wagt. Nun, fahre fort.
([Ron:] „Nun, ich wollte gerade sagen, dass Böses niemals aufgrund eines größeren Guten legitimiert werden kann.“)
Das ist so, wie es in eurer Realität funktioniert, und ich habe es dir gesagt, aber du hast mir nicht zugehört. Wenn du die Abschrift lesen wirst, wird es klar und deutlich sein. In eurer Realität ist die Einstellung, die du einnimmst, notwendig, und du musst daran festhalten. Die Tatsache, dass sie nur auf euer System zutrifft, sollte dich zurzeit nicht beschäftigen.
([Ron:] „Gibt es Fälle, in denen ein Geist aus einer anderen Realität in dieser Realität intervenieren würde, und wir würden das dann als einen destruktiven Akt bezeichnen, aber der Geist würde sagen, er sei kreativ?“)
Nein. (Pause) Ich mag deinen Ausdruck nicht. Nun, eine solche Intervention würde nur von einer Persönlichkeit ausgeführt, die zum bestimmten Zeitpunkt physisch wäre. Wie wir dies letzte Woche bereits erwähnt haben, wäre das so, wie wenn ein Bösewicht in einem religiösen Drama eine kreative Figur wäre. Aber er würde historisch in eurer Zeit existieren und wäre nicht etwa ein flüsternder Geist in der Nacht. Es gibt keine Wesen, die dir Böses ins Ohr flüstern.
([Ron:] „Dann gibt es keine intervenierenden Wesenheiten?“)
Nicht in diesem Sinne.
([Ron:] „Aber hat der Ausdruck Geist eine Bedeutung in dem Sinne, dass wir alle Geister sind, die ihr eigenes inneres Drama durchspielen?“)
Manchmal, aber wirklich nur hie und da, glaube ich, dass du es kapiert hast.
(In der Pause begann Ron eine Diskussion mit Brady über Gut und Böse und die dabei involvierten Kräfte.)
Nein! Es gibt keine Kräfte außerhalb von dir, die dich dazu bringen könnten, etwas Böses zu tun. Leider wohnt das, was ihr als Gut und Böse betrachtet, in euch selbst, und ihr könnt keine bösen Mächte für die wilde und zügellose Zerstörung der Erde verantwortlich machen. Nochmals, in eurem Sinne sind das eure Probleme und weder ein Gott noch ein Teufel haben sie euch beschert, und ihr könnt nur euch selbst die Schuld dafür geben. Andererseits müsst ihr euch bei euch selbst auch für die Jahreszeiten und die Blumen (Blick zu Joel) bedanken. Ihr lernt, die kreative Energie, von der ihr ein Teil seid, anzuwenden; ihr seid aber in der Tat ziemlich isoliert und könnt daher in eurem Sinne nicht allzu viel Unheil anrichten. Deshalb ist das Böse, das ihr zu tun glaubt, eine Illusion. Und deshalb habt ihr von den Millionen, die ihr zu ermorden glaubtet, keinen ermordet. Deshalb triumphiert trotz euch und eurer Wertekonzepte die Kreativität immer wieder aufs Neue, und diejenigen, die in einem Krieg getötet wurden, kommen zurück, um beim nächsten Mal gegen den Krieg zu kämpfen, und hoffentlich erteilt ihr euch selbst ein paar Lektionen. Und wenn ihr euren Planeten zerstört, werdet ihr andere Planeten haben, um mit ihnen zu arbeiten, und diejenigen Planeten, die zerstört wurden, sind nicht zerstört. Ihr seid in einem Trainingssystem. Die Fehler werden, langfristig und in eurem Sinne gesehen, nicht zählen, aber sie sind in diesem Moment sehr real für euch.
(In der Pause gab es eine Diskussion über Seths Leben als Papst.)
Ich hatte zwei illegitime Kinder (Lachen), eine Mätresse, die in meine Privatgemächer schlich, einen Magier, den ich mir hielt, falls ich es alleine nicht allzu gut würde machen können, eine Haushälterin, die in jedem Jahr, in dem sie bei mir war, schwanger wurde, und drei Töchter, die in ein Kloster eintraten, weil ich sie nicht haben wollte, und ich werde bloß in drei armseligen Zeilen erwähnt, denn meine Herrschaft dauerte nicht sehr lange. Nun, ich hatte eine große Familie, das heißt, ich kam aus einer großen Familie. Und ich war ehrgeizig, wie es alle jungen Männer jener Zeit waren. Ich wollte nicht zum Militär, und so gab es für mich nichts anderes als die Kirche...