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Die Basler Degenfechterin Laura Stähli holt an den Fecht-Weltmeisterschaften in China Bronze.
Die 26-jährige Laura Stähli von der Fechtgesellschaft Basel feiert den grössten Erfolg ihrer Karriere. Damit holt die Biologie- und Französischstudentin die erste WM-Einzelmedaille einer Schweizerin seit 17 Jahren. Damals gewann Gianna Hablützel-Bürki ebenfalls Bronze. Der Jetlag sei bereits überwunden, sagt die neue Nummer 18 der Weltrangliste. Was es für diesen Exploit brauchte, erzählt Stähli nach der Rückkehr aus Wuxi im Gespräch mit dem Vogel Gryff.
VG: Frau Stähli, hat die Bronzemedaille bereits einen speziellen Platz erhalten?
Laura Stähli: Nein, die liegt zurzeit irgendwo zu Hause. Ich werde sie aber ganz bestimmt an einem spezielleren Ort aufhängen als meine bisherigen Auszeichnungen.
Mit Blick auf Ihre Resultate in dieser Saison haben Ihnen die Wenigsten eine solche Leistung zugetraut. Mit welchen Erwartungen gingen Sie selbst in den Wettkampf?
Wenn mir am Morgen jemand gesagt hätte, dass ich eine WM-Medaille hole, hätte ich das nicht wirklich geglaubt. Allerdings fand ich es auch nicht sehr nett, dass meine Leistung in den Medien als Mega-Überraschung bezeichnet wurde. Ich bin nicht an die WM gereist, um ein bisschen mit zu fechten. Wenn ich nicht wüsste, dass ich an einem guten Tag jede Gegnerin schlagen kann, wäre ich garantiert nicht angetreten.
Auf dem Weg zu Edelmetall hatten Sie keinen leichten Parcours zu bewältigen. Im Viertelfinal haben Sie mit der Ungarin Emese Szasz-Kovacs keine Geringere als die Olympiasiegerin von Rio ausgeschaltet. Erst im Halbfinal war die Weltrangistenerste Mara Navarria (ITA) zu stark.
Mir ist die Medaille nicht geschenkt worden. Auch die Olympiadritte Yiwen Sun aus China, die ich in der 2. Runde bezwingen konnte, ist eine sehr starke Fechterin. An einem guten Tag, wenn alles zusammenpasst, dann ist im Fechtsport alles möglich und auch die Besten sind in einem Gefecht schlagbar. Ich fühlte mich von Beginn an gut und traute mir einiges zu. Für mich kommt die Medaille deshalb nicht aus heiterem Himmel, zumal ich Sun und selbst Navarria schon einmal besiegte.
Wie präsent war die Medaille während dem Viertelfinal?
Weder vor, noch während dem Gefecht habe ich daran gedacht, dass mir noch ein Sieg zur Medaille fehlt. Ich kann solche Gedanken gut ausblenden und schaue immer von Treffer zu Treffer. Selbst als meine Gegnerin kurz vor Schluss zum 13:13 ausglich und es darum in die Verlängerung ging, wurde ich nicht nervös. Erst als ich den letzten Treffer gesetzt habe, realisierte ich, was ich erreicht habe.
Sie reisen für Ihre Turniere jährlich mehrere tausend Kilometer, trainieren fast täglich und studieren nebenbei. Was treibt Sie an?
Das Fechten macht mir einfach grossen Spass. Zudem bin ich ein Wettkampftyp und mag die Herausforderung auf der Planche. Und da ich weiss, dass mit meinen Fähigkeiten Erfolge wie jetzt an der WM möglich sind, nehme ich den grossen Aufwand gerne in Kauf.
Im Fechtsport gilt Olympia als Mass aller Dinge. Ist Tokio 2020 ein Ziel von Ihnen?
Konkrete Ziele setze ich mir eigentlich nicht. Im Fechtsport kommt hinzu, dass die Qualifikation für die Olympischen Spiele sehr komplex ist. Man kann sich über den Teamwettbewerb oder über das Einzelranking qualifizieren. Die Anforderungen sind jedoch sehr hoch. Für mich ist wichtig, weiterhin Spass zu haben, Fortschritte zu machen und das Maximum aus meinen Möglichkeiten herauszuholen. Wenn sich die Chance ergibt, in Tokio dabei zu sein, versuche ich diese natürlich zu packen.
Team-Gold für Benjamin Steffen
Wuxi (CHN). Endlich hat es geklappt: Nach dreimal WM-Bronze und einmal WM-Silber im letzten Jahr in Leipzig (DE) krönte sich die Schweizer Degen-Equipe im chinesischen Wuxi zum Weltmeister. Benjamin Steffen, Max Heinzer (Steffens Teamkollege bei der Fechtgesellschaft Basel), Michele Niggeler und Lucas Malcotti zeigten einen starken Team-Wettbewerb, bezwangen im Viertelfinal Mitfavorit Italien und im Halbfinal Titelverteidiger Frankreich. In einem packenden Final gegen Südkorea lag in der entscheidenden Phase der ganze Druck auf den Schultern des 36-jährigen Baslers Steffen. Im letzten Gefecht gegen Park Sangyoung, dem Olympiasieger von Rio, liess der Routinier jedoch nichts mehr anbrennen und baute die knappe Führung (25:24) sogar noch aus (36:31). Im Einzelwettkampf war für Steffen im Viertelfinal Endstation, was für den Gymnasiallehrer den starken 7. Rang bedeutete. ilo