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Praktisch alle Waren, die in Basel verkauft oder durch die Stadt am Rheinknie geschleust wurden, wanderten ab dem Spätmittelalter durch ein so genanntes Kaufhaus. Dort wurden sie taxiert, verzollt, umgeschlagen und manchmal auch für einige Zeit gelagert. Lange Zeit war dieses Haus mit seinem regen Betrieb ebendort beheimatet, wo heute die Hauptpost steht. Also an der Rüdengasse.
Kapazität stiess an Grenzen
Im frühen 19. Jahrhundert stiess die Kapazität des Gebäudes allerdings endgültig an ihre Grenzen. 1846 war es dann soweit, das Kaufhaus konnte umziehen – und bald begann der Umbau des Gebäudes an der Freien Strasse zur Hauptpost. Gleichzeitig wurde das alte Spital, das ursprünglich Teil des Klosters auf dem Barfi war, an die Hebelstrasse gezügelt. Das gab Platz im Zentrum.
Hineingezwängt
So sind der Barfi und der Steinenberg zu den Standorten des «neuen Kaufhauses» geworden, wie es die Baslerinnen und Basler nannten. Das Gebäude wurde quasi zwischen die Kirche und das Stadtcasino (das 1824 und 1825 nach Plänen des bekannten Basler Architekten Melchior Berri entstanden war) hineingezwängt.
Kirche wird Lager
Das Verwaltungsgebäude kam dort zu stehen, wo sich heute der Musiksaal des Stadtcasinos befindet, die Anlieferungszone direkt neben der Kirche. Und Letztere musste als Lagerhaus für die Waren dienen. Zuerst mussten allerdings die Reste des alten Klosters, nämlich die Spitalpredigerwohnung, der Kreuzgang und die Almosenschaffnei abgerissen werden.
Gräber zerstört oder verlegt
Die Gräber berühmter Basler, die im Kreuzgang der Kirche lagen – unter anderem jenes des legendären Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein –, wurden in den Münsterkreuzgang verlegt. Andere Gräber wurden einfach zerstört. Beim Umbau der Kirche zum Lagerhaus wurden auch Wandmalereien vernichtet. Unwiederbringliche Zeugnisse aus dem Mittelalter sind so verloren gegangen. Aber das hat Mitte des 19. Jahrhunderts, zu einer Zeit, als Modernisierung das grosse Leitmotiv der Gesellschaft war, niemanden gestört. Genauso wenig wie der Fakt, dass die gelagerten Waren, vor allem die Salze, der Kirche schwere Schäden zufügten.
Drei mächtige Tore
Die Bauarbeiten für das Kaufhaus begannen im Jahr 1844, im Juni 1846 konnte es dann eröffnet werden. Geplant hatte es der Basler Architekt Christoph Riggenbach. Er baute einige Jahre später die Elisabethenkirche. Drei mächtige Tore – ein Symbol für das Dreiländereck – bildeten den Eingang zur Anlieferungszone des Kaufhauses, die direkt neben der Kirche stand. Hier wurden die Waren meistens auf Pferdefuhrwerken angeliefert.
Hauptquartier
Hier hatte auch die mächtige Zollbehörde ihr Hauptquartier, die alle angelieferten Waren amtlich begutachtete und taxierte. Jeden Tag holten die Händler aus der Stadt hier Waren ab, die sie danach in ihren Läden feilboten, andere Artikel gingen von hier aus auch auf die Reise in die Schweiz hinein oder in weitere Zielländer.
Bund übernahm Zoll-Hoheit
Doch bald erweis sich, dass der teure Bau des Kaufhauses – das Budget wurde massiv überschritten – kein weitsichtiges Projekt gewesen war. Denn bereits vier Jahre nach der Eröffnung übernahm der Bund die Hoheit über die Kontrolle und die Verzollung aller Güter, die in die Schweiz kamen oder durch das Land transportiert wurden.
Alsbald tote Hose
Vor diesem Hintergrund herrschte zwischen Barfi und Steinenberg alsbald tote Hose. Die Zollverwaltung zog aus, die Mieteinnahmen schwanden. Es wurde dann ein Versuch unternommen, die ausgedehnten Räume an eine Menge kleinerer Unternehmen zu vermieten, was das Gebäude über ein weiteres Jahrzehnt trug. Allerdings warf es in dieser Zeit kaum mehr Profite ab.
Mit Pomp und Gloria
Anfangs der 1870er-Jahre begann Johann Jakob Stehlin der Jüngere dann mit der Planung für den Musiksaal des Stadtcasinos. Deshalb wurde das «neue Kaufhaus» 1874 abgebrochen, nach gerade mal drei Jahrzehnten. 1876 konnte der Musiksaal mit Pomp und Gloria eingeweiht werden. Und niemand weinte dem Kaufhaus auch nur eine Träne nach.
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