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Das Jahr 2020 im Überblick
Der Fleischmarkt
Aussergewöhnliche Situationen verlangen aussergewöhnliche Massnahmen. Dank der gemeinsamen Bemühungen von Produzenten, Viehhandel, Verarbeitern und Detailhandel, aber auch der guten Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden ist es gelungen, den Fleischmarkt auch während des Lockdowns im Frühjahr und der rigorosen Einschränkungen am Jahresende weitgehend stabil zu gestalten. Im Frühjahr konnte dank zusätzlicher finanzieller Unterstützung des Bundes, aber auch durch den Beschluss des Verwaltungsrates, die Importperioden zu verlängern und auf Importe zu verzichten, der Markt gestützt werden. Auch das besonnene Verhalten der Produzenten ohne Panikverkäufe von Schlachttieren trug zur Marktberuhigung bei. Der Verbrauch verlagerte sich in die Privathaushalte, die stabile Nachfrage nach Fleisch führte nach dem kurzfristigen Schock und der Verunsicherung durch den Lockdown rasch zu stabilen Produzentenpreisen auf hohem Niveau.
Neben der Herausforderung der Pandemie blieb der Fleischmarkt konfrontiert mit den Diskussionen um Tierwohl und Klimaschutz und kämpft auf allen Stufen um Wertschätzung und Anerkennung. Es gilt, die Anstrengungen der Nutztierhalter, des Viehhandels und der Schlachtbetriebe zu kommunizieren und am Verkaufspunkt die verdiente Wertschätzung zu erzielen.
Verbrauch
Trotz Schliessungen der Gastronomie im Frühjahr und im Herbst sank der statistisch erfasste Fleischverbrauch insgesamt nicht. Der Totalverbrauch (Fleisch aller Arten) erhöhte sich um 1,3% gegenüber dem Vorjahr. Da die Zahl der mittleren ortsanwesenden Bevölkerung um 1,7% höher war als 2019, blieb der Pro-Kopf-Verbrauch praktisch auf dem Vorjahresniveau (–0,5%). Die Gastronomiebetriebe konnten über weite Strecken des Jahres nur eingeschränkt öffnen oder mussten ganz schliessen, viele Leute verbrachten ihren Urlaub in der Schweiz und konnten nicht im grenznahen Ausland einkaufen, dadurch stieg der Lebensmittelabsatz im Detailhandel. Der Fleischabsatz stieg um 11,6%, der von Fisch sogar um 18,3%.
Im vergangenen Jahr wurde mehr Geflügel- und Schweinefleisch produziert als im Vorjahr. Beim Rindvieh war die Produktion von Kuh- und Kalbfleisch rückläufig. Hingegen wurden mehr Rinder, Muni und Ochsen geschlachtet. Der Total-Inlandanteil blieb konstant auf 81,7%. Beim Geflügel beträgt der Inlandanteil mittlerweile 66,2%.
Schweinemarkt
Die über weite Strecken stabile Situation im Schweinemarkt hat in der Produktion für stabile Produzentenpreise gesorgt. Angebot und Nachfrage waren bis weit in den Herbst ausgeglichen. Auffällig ist der Exportanstieg beim Schweinefleisch. Mit 2580 Tonnen ist er rund 1000 Tonnen höher als 2019.
Rinder und Kühe
Die Kuhschlachtungen gingen wiederum zurück und weil das Verarbeitungsfleisch nach wie vor gesucht war, stiegen die Importe von Verarbeitungstieren in Hälften gegenüber dem Vorjahr um 9,4%. Die Importe von Verarbeitungsfleisch sogar um 97,2%.
Hingegen stieg die Inlandproduktion von Rindfleisch um 0,3% und die insgesamt verfügbare Menge inklusive Importen um 2,5%. Die Produzentenpreise blieben mit Ausnahme des Frühjahres durchwegs über dem Vorjahresniveau.
Kälbermarkt
Der Kälbermarkt kam durch die grossen Einschränkungen im Absatzkanal Gastronomie stark unter Druck. Dank zusätzlicher Bundesmittel für Marktentlastungsmassnahmen konnte der Produzentenpreis gestützt werden. Die Aktivitäten im Detailhandel sorgten dafür, dass das Kalbfleisch in diesem schwierigen Jahr vermehrt über diesen Kanal abgesetzt werden konnte. Die Produktion sank um 4,6% gegenüber dem letzten Jahr.
Aus den Projekten
Vision und Mission
«Schweizer Fleisch geniesst eine hohe Wertschätzung und Anerkennung.» (Vision)
«Proviande ist Impulsgeberin, Botschafterin, Vermittlerin und Dienstleisterin.» (Mission)
Proviande konnte ihre Rolle als Impulsgeberin und Vermittlerin in verschiedensten Arbeitsgruppen und Projekten zur Verbesserung des Tierwohls oder zur Rolle der Fleischproduktion in der Klimadiskussion wahrnehmen. Sowohl vonseiten der Behörden als auch vonseiten der Branche werden dieses Engagement und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung auch mit für die Branche kritischen Themen begrüsst. Als Botschafterin war Proviande auch im «Coronajahr» 2020 gefordert. Fleisch in der Ernährung wird zunehmend aus Klimagründen infrage gestellt und den in den Medien meist unkritisch angeführten Argumenten musste mit Zahlen und Fakten entgegengehalten werden. Im Gegenzug konnten für die Branche wertvolle Dienstleistungen wie das elektronische Marktprogramm für Schafe realisiert und der DNA-Herkunfts-Check weiterentwickelt werden.
Marketingkommunikation «Schweizer Fleisch»
Mit der Kampagne «Der feine Unterschied» wird die Marketingstrategie weiterhin konsequent umgesetzt. Die ausserordentlichen Umstände des Lockdowns bescherten der neuen Website www.schweizerfleisch.ch einen grossen Zulauf.
Leistungsauftrag des BLW
Mit dem Totalausfall der öffentlichen Märkte im Frühjahr infolge der Pandemierestriktionen konnten im Jahr 2020 die definierten Aufgaben in diesem Bereich nicht vollumfänglich wahrgenommen werden. Für die ausserordentlichen Marktentlastungsmassnahmen mussten hingegen Mehrleistungen erbracht werden. Insgesamt resultierte eine Kürzung der Abgeltung vonseiten des Bundes. Auch die Aus- und Weiterbildungskurse für die Klassifizierer und Experten konnten nur in eingeschränktem Rahmen durchgeführt werden. Sie werden im Jahr 2021 nachgeholt.
Aus der Politik
Initiativen und Vorstösse
Proviande konnte im Geschäftsjahr 2020 Stellungnahmen abgeben zu Änderungen in der Tierseuchenverordnung, zum Agrarpaket 2020 und zur Revision der Verordnung Tierschutz beim Schlachten. Auch zum Gegenentwurf des Bundes zur Massentierhaltungsinitiative nahm die Fleischbranche dezidiert Stellung. Sie lehnt sowohl die Initiative wie auch den Gegenvorschlag des Bundes ab.
Auch wenn die Parlamentsgeschäfte von der Coronapandemie geprägt waren, wurden viele parlamentarische Vorstösse, Interpellationen und Motionen eingereicht, von welchen auch die Fleischbranche betroffen ist. Um hier besser Einfluss nehmen zu können, wurden an der Geschäftsstelle das Issuemanagement verstärkt und die Politarbeit als Massnahme der Unternehmensentwicklung aufgenommen.