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Der liturgische Dienst des Kantors
Im 7. Jahrhundert wurde innerhalb der römisch-fränkischen Liturgie der Dienst des Psalmisten von Diakonen, später von Subdiakonen ausgeführt. Der Standort dieser Sänger war nicht auf derselben Höhe wie der Ort an dem der Diakon das Evangelium vortrug, sondern auf einer Zwischenstufe darunter, dem ‹‹gradus››. Von dieser ursprünglichen Ortsbezeichnung leitet sich die Bezeichnung ‹‹Graduale›› ab.
In den kunstvollen gregorianischen Choralvertonungen des Graduale, das einer ‹‹Schola›› vorbehalten ist, bleibt die Gemeinde unbeteiligt und der Dialog beschränkt sich auf Solist und Schola. Es war ein grosses Anliegen der liturgischen Erneuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils, den Antwortpsalm wieder in seiner ursprünglichen Form mit antwortgebender Gemeinde in den Gottesdienst zu integrieren. Seitdem ist er ein elementarer Bestandteil des Wortgottesdienstes jeder Heiligen Messe und sollte nicht durch Instrumentalmusik oder ein Lied ersetzt werden.
Mit den Reformen des zweiten Vatikanums hat man neben dem Dienst des Lektors auch den Kantorendienst wieder in die Liturgie integriert, so dass ihn die ‹‹Allgemeine Einführung in das Messbuch›› sogar zur Grundausstattung des Gottesdienstes zählt (vgl. AEM 90). Der Antwortpsalm ist als unverzichtbares Element des Wortgottesdienstes zugleich Meditation und Verkündigung von Schriftwort. Der Ort des Vortrags ist daher der Ambo.
Kantorinnen und Kantoren übernehmen auch andere Wechselgesänge in der Messfeier. Das sind Gesänge des Ordinariums (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei), Litaneien oder Lieder mit Vorsängerteilen und Akklamationen wie der Ruf vor dem Evangelium. Mit Ausnahme der österlichen Busszeit wird das Evangelium mit dem jüdischen Jubelruf des bis heute nicht übersetzten Halleluja (hebräisch hallelu-jah = lobet Jahwe) in allen christlichen Konfessionen begrüsst. Der Kantor singt das Halleluja alleine vor und die sich für Christus erhebende Gemeinde wiederholt den Ruf. Anschliessend trägt der Kantor einen zum Evangelium passenden Vers vor, ehe die Gemeinde erneut in das Halleluja einstimmt. Währenddessen setzt sich die Evangelienprozession zum Ambo in Bewegung.