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Das craniosacrale System
umfasst das gesamte System zwischen Schädel (cranium) und Kreuzbein (sacrum). Gehirn und Rückenmark sind hier in einer Flüssigkeit eingebettet, dem sogenannten Liquor. Craniosacral Therapie geht davon aus, dass sich diese Flüssigkeit rhythmisch bewegt und für das homöostatische Gleichgewicht eine wichtige Rolle spielt.
Diese rhythmischen Bewegungen sind an allen Strukturen des Körpers spürbar. Durch feinste manuelle Impulse ist es möglich, bei Unregelmässigkeiten und Blockaden regulierend Einfluss zu nehmen.
Osteopathie
– Körper, Seele und Geist bilden eine Einheit.
– Alle Strukturen wie Knochen, Nerven, Häute, Organe
und ihre Funktionen beeinflussen sich wechselseitig.
– Der Körper verfügt über Potentiale um sich selbst zu heilen.
Die Osteopathie wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Alternative zu den damals gängigen invasiven medizinischen Techniken gegründet. Der Gründer, Dr. Still, benutzte die Hebelwirkung der Knochen (daher der Begriff Osteopathie) um den Druck auf Nerven, Arterien und Venen zu entlasten und damit wieder die Voraussetzung für ein gesundes Funktionieren des Körpers zu schaffen. Er arbeitete dabei mit sehr feinen manuellen Impulsen mit einem Druck unterhalb des Hautwiderstandes
Von der Osteopathie zur Craniosacral Therapie
Später wurde entdeckt, dass die einzelnen Schädelknochen entgegen der schulmedizinischen Auffassung in ihren Verbindungsnähten minimal beweglich bleiben und deren Blockierung krank macht.
Nach der Beobachtung eines feinen, von der Lungenatmung und dem Herzschlag unabhängigen, gezeitenartigen Bewegungsrhythmus vom Kopf bis zum Kreuzbein, der sich bis in die Extremitäten fortsetzt, entstand die Craniosacrale Osteopathie. Die Osteopathen stellten die Hypothese auf, dass dieser Rhythmus von der Fluktuation der Hirn- und Rückenmarkflüssigkeit herrühre. Die freie Beweglichkeit aller Strukturen, so die Theorie, ist Voraussetzung dafür, dass diese Flüssigkeit ungehindert zirkulieren kann und somit Körperfunktionen auf natürliche Weise reguliert werden. Spannungen, Blockaden und Verletzungen können dies aber verhindern.
Jahre später begann sich vorab in den USA Craniosacral Therapie als eigenständige Therapieform zu etablieren. Die Ausbildung dazu erforderte im Gegensatz zur Osteopathie kein Studium, sondern war allen Interessierten offen. Im laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Craniosacral Therapie zu einer auch von vielen Schulmedizinern geschätzten Behandlungsmethode entwickelt, bei welcher sowohl strukturelle wie biodynamische Aspekte einfliessen, und bei welcher auch die verbale Prozessbegleitung eine wichtige Rolle spielt. Es gibt verschiedene Ausbildungsstätten mit unterschiedlichen Lehrinhalten. In der Schweiz legt der Dachverband Cranio Suisse Ausbildungsrichtlinien auf der Stufe der höheren Fachausbildung fest.
Das biodynamische Behandlungskonzept
Dem inneren Rhythmus des Körpers folgen
Auf der Basis der Erkenntnisse und Erfahrungen von der Fluktuation der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit entwickelten – und entwickeln – verschiedene Osteopathen den biodynamischen Behandlungsansatz.
Von zentraler Bedeutung für sie ist die heilende Potenz, die „der Hirn- und Rückenmarkflüssigkeit innewohnt“. Sie erreicht jede Zelle unseres Organismus und drückt sich in der Kraft, in der Vitalität aus, die wir in den rhythmischen Bewegungen aller Strukturen wahrnehmen. Sie wird auch der „Atem des Lebens“ genannt. Heilende Veränderungen werden im biodynamischen Behandlungsansatz nicht in erster Linie mit manipulativen Techniken initiiert, sondern durch eine Art Dialog zwischen dieser gesunden Kraft des Organismus und jenen Strukturen, die durch Belastungen, Krankheiten oder Traumata ihre Bewegungsfreiheit verloren haben. Dies kann mit oder ohne begleitende Worte erfolgen.