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Der Dorfgaden Altendorf wurde seinem Namen so gar nicht gerecht, als er sich am Freitagabend in eine literarische Stube verwandelte. Die Schauspielerin Martina Hirzel las Geschichten der Schriftstellerin Christine Brückner.
Gebannt sass ein Jeder da und lauschte den Worten von Martina Hirzel. Diese präsentierte in literarischer Atmosphäre im Dorfgaden Altendorf Geschichten der Schriftstellerin Christine Brückner (1921 – 1996). «Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen»,so der Titel der Lesung. Dabei ging es jedoch nicht um reale Ansprachen von Frauen, wie die Überschrift vermuten lässt. Vielmehr wurde eine Vorstellung davon geschaffen, was Frauen vergangener Zeit gesagt hätten, wäre es ihnen damals möglich gewesen.
Von den Männern übertönt
Berühmte Frauen, für die es sich nicht ziemte,ihre Meinung kundzutun.Sie erhalten in den Werken der Schriftstellerin Christine Brückner das Wort. So schrieb Brückner fiktive Monologe von niemand geringerem als Christiane von Goethe. Eine Frau, die im Schatten ihres Ehemannes Johann Wolfgang von Goethe stand, die oft «Goethes dickere Hälfte » genannt wurde, die fünf Kinder gebar, wobei nur eines davon überlebte. Was hätte sie zu ihrer damaligen Lage zu sagen gehabt? Etwa dass sie eben als Kind stets Hunger gehabt habe und auch später noch häufig schlucken musste, auch wenn sie gar nicht wollte. Oder sie hätte kleine Details von den privaten Schäferstündchen mit dem lyrischen Dichter zu erzählen gewusst und ihren Schmerz über den Verlust der vier Kinder kundgetan. Neben Monologen realer Personen dachte sich Brückner auch Ansprachen literarischer Figuren aus. In ihrer Geschichte «Wenn du geredet hättest, Desdemona» stehen die Sätze, welche Desdemona aus William Shakespeares Tragödie Othello hätte sagen können, in den letzten 15 Minuten bevor sie von ihrem eifersüchtigen Ehemann erdrosselt wurde. «Denk nach Othello, frag deinen Kopf, und frag dein Herz», flehte die Todgeweihte.
Packende Lesung
Die tragische Figur Effi Briest aus dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane sagt in «Triffst du nur das Zauberwort » von Brückner,was sie hätte sagen wollen, oder sollen, oder vielleicht tatsächlich sagte, dies aber bloss zu ihrem alten tauben Hund. Die anschauliche Lesung von Hirzel liess beinahe vergessen, dass es sich bei den drei Geschichten um fiktive Monologe von teils fiktiven Personen handelte. Sie fesselte das Publikum nicht nur mit dem, was sie las, sondern auch, wie sie es las. Besucher und die Kulturkommission Altendorf, welche die Lesung organisierte, zeigten sich begeistert.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Caroline Dettling)
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/GrtKNq