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Meiner Meinung nach ist die reine Handlung nicht das wichtigste Element einer Geschichte, aber es stellt einen guten Punkt dar, um das Planen deines Fantasy Romans zu beginnen. Letzte Woche haben wir die Grundlagen definiert und den Kurz-Plot mit Anfang-Mitte-Ende entwickelt, den wir diese Woche verdichten und ausarbeiten können.
Dieser Blogpost über den Plot deiner Fantasy Geschichte ist Teil der Artikel-Reihe „Plane deinen eigenen Fantasy Roman“. Finde hier alle Informationen und eine Übersicht zum Planen deines fantastischen Romans. Auch heute erhältst du wieder eine Wochenaufgabe, damit du am 1. November mit deinem Schreibentwurf starten kannst. Und jetzt fangen wir mit den Vorbereitungen für deine Fantasy Geschichte an!
Was ist der Plot?
Der Plot (oder auf Deutsch: die Handlung) beschreibt, was in deinem Roman geschieht. Ich möchte die Definition von Duden online aus dem Artikel „Plane deinen eigenen Fantasy Roman“ an dieser Stelle wiederholen:
Die Handlung ist eine „Abfolge von zusammenhängenden, miteinander verketteten Ereignissen, Vorgängen, die das dramatische Gerüst einer Dichtung, eines Films oder dergleichen bildet“.
(Quelle: Handlung, Duden online, abgerufen am 05.09.2020 von https://www.duden.de/rechtschreibung/Handlung)
Plotstrukturen und -methoden
Für das „Plotten“ von Geschichten gibt es zahlreiche Hilfsmittel, Handbücher, Vorlagen und Checklisten. Plotstrukturen sind Vorlagen oder Schablonen für die Abfolge verschiedener Handlungselemente. Grundsätzlich sind die meisten Plotstrukturen ähnlich aufgebaut.
Jeder Schriftsteller hat wohl seine eigene Vorlieben. Du kannst verschiedene Hilfsmittel kombinieren, dich auf eines beschränken oder du verzichtest ganz darauf. Mit der Zeit wirst du merken, welche deine bevorzugte Methode ist.
Im Folgenden stelle ich kurz einige bekannte Beispiele vor, bevor ich weiter auf meine Favoriten eingehe: die 3-Akt-Struktur (die wir letzte Woche schon kennengelernt haben) und das 7-Punkte-System. Wenn dich eines der anderen Modelle besonders interessiert, kannst du im Internet oder in Büchern recherchieren. Es gibt viel Material zu Plotstrukturen.
4-Akt-Struktur
Die 4-Akt-Struktur entspricht der 3-Akt-Struktur, in der die Mitte in zwei Teile geteilt wird: Anfang – Mittelteil vor Mittelpunkt – Mittelteil nach Mittelpunkt – Ende. Der 2. Akt ist etwa doppelt so lang wie die beiden anderen Akte und der Mittelpunkt stellt für den Protagonisten einen entscheidenden Wandel dar. Deshalb macht es Sinn, das 3-Akt-Modell als ein 4-Akt-Modell anzusehen.
5-Akt-Struktur
Die 5-Akt-Struktur teilt das 3-Akt- und 4-Akt-Modell weiter auf. Die Geschichte besteht hier aus folgenden etwa gleich langen Teilen: Aufhänger – 1. Wendepunkt – Mittelpunkt – 2. Wendepunkt – Höhepunkt.
Heldenreise
Die Heldenreise beschreibt die Entwicklung und Erlebnisse des Protagonisten in vielen „Heldengeschichten“: ein Held muss seine gewohnte Umgebung verlassen, unterschiedliche Abenteuer bestehen, um am Ende siegreich und/oder verändert zurück nach Hause zu kehren. Die Heldenreise besteht aus 12 Teilen.
Save the Cat-Methode
In Blake Snyders Schreibratgeber „Save the Cat“ stellt der Autor das Beat Sheet vor: ein Schema aus 15 „Beats“ bzw. Teilen, das als Formel für deine Geschichte dienen kann.
Schneeflockenmethode
Die „Schneeflockenmethode“ von Randy Ingermanson ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man von einer 1-Satz-Idee zum fertigen Roman kommt. Ich finde die Methode sehr hilfreich, um einen roten Faden im ganzen Chaos „Roman-Schreibprojekt“ zu haben.
Story Circle
Dan Harmons „Story Circle“ verbindet die Handlung ideal mit der Charakterentwicklung: ein Kreis aus 8 Teilen beschreibt den Protagonist im Wechsel von Reaktion zu Aktion und von der bekannten zur unbekannten Welt.
20 Masterplots
Ronald B. Tobias hat in seinem Buch „20 Masterplots – Die Basis des Story-Building in Roman und Film“ unterschiedliche Masterplots entwickelt, in die man existierende Werke einteilen kann. Es sind Prototypen, die dazu dienen, den eigenen Plot zu entwickeln.
Die 3-Akt-Struktur
Die 3-Akt-Struktur ist das Schema, das allen Plotstrukturen zugrunde liegt. Wir haben letzte Woche diese Struktur verwendet, um unseren Kurz-Plot zu entwickeln. Hier noch einmal die Beschreibung der 3 Akte:
Anfang (Exposition)
Der Anfang (Exposition) stellt die Hauptfiguren dar und was ihre Wünsche sind. Es zeigt die Protagonisten in ihren jeweiligen Alltagssituationen bis ein Ereignis geschieht, das sie aus ihrem Alltagsleben herauszerrt.
Mitte (Konflikt)
Die Mitte stellt den Konflikt dar. Die Protagonisten wollen etwas und versuchen alles, damit sie ihre Wünsche erreichen. Sie treffen aber immer wieder auf Hindernisse, die das verhindern. In der Hälfte der „Mitte“ tritt der Protagonist von der Reaktion zur Aktion über.
Ende (Auflösung)
Am Ende steht die Auflösung des Konflikts. Die Protagonisten erreichen das, was sie wollen oder müssen sich damit abfinden, dass sich ihre Wünsche nicht erfüllen. Die Handlung gipfelt in einem Höhepunkt. Danach ist der Protagonist im Vergleich zum Anfang völlig verändert.
Das 7-Punkte-System von Dan Wells
Ich arbeite mit dem 7-Punkte-System nach Dan Wells, da es für mich eine intuitive, detaillierte Version der 3-Akt-Struktur darstellt. Ich empfehle auf jeden Fall dir Dan Wells Erläuterungen zum 7-Punkte-System auf Youtube anzuschauen. Klicke dazu einfach hier rauf.
Oder höre dir das diesjährige Sommercamp der Schreibdilettanten zum 7-Punkte-System an. Hier gelangst du zu der entsprechenden Seite.
Geht man nach Dan Wells, dann beginnt man seine Planung am Ende des Romans. Das finde ich sinnvoll. Da wir aber schon einen Kurz-Plot erarbeitet haben mit Anfang-Mitte-Ende können wir hier ansetzen und den Plot weiterentwickeln.
1: Aufhänger (Hook)
Die Geschichte startet mit dem Protagonisten oder der Protagonistin in ihrer Alltagssituation. Der Protagonist wird vorgestellt.
2: Erster Wendepunkt (Plot Turn 1)
Der Hauptkonflikt (den wir letzte Woche angesehen haben) wird vorgestellt: was ist das, was der Protagonist am meisten will und was hindert ihn daran, das zu bekommen?
3: Erster Kniff (Pinch 1)
Der Druck auf die Handlung wird aufgebaut. Der Protagonist muss erste Hindernisse überwinden, scheitert aber. Er rappelt sich immer wieder auf, nur um danach weiter zu scheitern.
4: Mittelpunkt (Midpoint)
Der Mittelpunkt ist das Ereignis, das den Protagonisten aus der Reaktions-Phase reisst und in die Aktions-Phase katapultiert. Es stellt metaphorisch Tod und Wiedergeburt des Protagonisten dar.
5: Zweiter Kniff (Pinch 2)
Der Protagonist wird weiter auf die Probe gestellt. Der Druck wird erhöht, bis die Situation für den Protagonisten hoffnungslos scheint. Er ist verzweifelt, denkt vielleicht ans Aufgeben.
6: Zweiter Wendepunkt (Plot Turn 2)
Der Protagonist erhält das letzte Puzzle-Stück/den letzten Hinweis, um den Konflikt zu lösen. Das ändert wieder alles für ihn.
7: Auflösung (Resolution)
Alle Fänden kommen in der Auflösung zusammen: es ist der grosse Höhepunkt, wo der Hauptkonflikt gelöst wird. Der Protagonist erhält das, was er sich von Anfang an gewünscht hat/von Anfang an gebraucht hat.
Subplots
Subplots sind Nebenhandlungen, die sich parallel zur Haupthandlung entwickeln. Auch wenn Subplots dem Hauptplot untergeordnet werden, können sie mit der gleichen 7-Punkte-Struktur entwickelt werden wie der Hauptplot. Eine Liebesgeschichte oder ein Familienstreit können z.B. einen Subplot darstellen.
Plot-Vorlage
Als Beispiel für die Entwicklung vom Kurz-Plot zum Haupt- und Subplot siehst du hier ein Plot-Schema für die Beispiel-Geschichte „Heilhexe“. Wenn du auf das Bild klickst, gelangst du zu einer vergrösserten Variante der Plot-Vorlage.
Ich persönlich betrachte beim Plotten meistens auch die Vorgeschichte meines Romans. Was ist vor den Ereignissen der Geschichte geschehen? Wer sind die Drahtzieher? Was ist die Ausgangslage? Ansonsten arbeite ich mit Dan Wells 7 Punkten.
Und merke dir beim Plotten: Der Plot ist NICHT dein Roman! Wenn die einzelnen Elemente des Haupt- oder Subplots noch steif oder zu allgemein oder klischeehaft klingen, dann denke daran: deine Geschichte wird erst rund, wenn du sie schreibst. Erst dann erhalten die Charaktere ihre Stimmen, das Setting seine Farben und die Geschichte ihre Atmosphäre.
Wochenaufgabe #2
Nun hast du einen kleinen Eindruck von den vielen Plotmethoden und Plotstrukturen erhalten, die es heute gibt. Ich hoffe, dass dir der Artikel weitergeholfen hat und du einen Überblick bekommen konntest.
Diese Woche geht es in der Wochenaufgabe natürlich ums Plotten: Entwickle deinen eigenen Plot mit Hilfe des 7-Punkte-Systems. Du kannst hier meine Plot-Vorlage dafür herunterladen oder dir auf einer anderen Seite ein Schema dafür suchen.
Ich bin gespannt auf deine Geschichte. Wie immer freue ich mich über jeden Input oder Tipp, den ich auf Instagram, per Mail oder direkt in den Kommentaren erhalte.
Wenn du möchtest kannst du gleich hier im Artikel über das Setting deiner Geschichte weiterlesen.
Ansonsten wünsche ich dir jetzt noch eine fantastische Woche!