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Aber leider ist die Aussage "genetische Ursache" genauso zu einen totschlagargument geworden, wie die Aussage "psychsomatisch".
Unter dem Begriff Disposition (lat.: disponere = verteilen, aufteilen) wird allgemein eine psychische, genetische oder erworbene Anfälligkeit für die Ausbildung von Krankheiten verstanden. Eine Disposition zur Erkrankung bestimmter Organe oder Organsysteme nennt man Diathese.
Eine genetische Disposition meint die aus der Struktur oder Zusammensetzung von Erbgut bestimmte außergewöhnliche Veranlagung eines Individuums oder der Mitglieder einer Familie (= familiäre Disposition), bestimmte Besonderheiten und Erkrankungen zu vererben bzw. die anlagebedingte Anfälligkeit, bestimmte Erkrankungen zu entwickeln. Disposition (Medizin - Wikipedia)
Beispiel:
Wenn ich wollte , könnte man bei mir mittels Gentest eine Mutation für Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) feststellen.
Wäre das Ergebnis homozygot (2 mutierte Gene), hätte ich eine Erbkrankheit, welche unbehandelt schwerwiegende Folgen hat.
Wäre das Ergebnis heterozygot (1 mutiertes Gen), würde ich dies "genetische Disposition" nennen.
Diese Mutation, die zur Zeit der Kelten entstanden ist, hat sich bis heute erfolgreich gehalten.
Damals war sie ein Vorteil: Sie schützte vor Blutarmut durch Verletzungen, Parasiten, Geburten, Menstruation, wenig eisenreiche Nahrung.
Mein momentanes Fazit:
Das Wissen um eine bestimmte "Veranlagung" kann hilfreich sein, wenn man damit verantwortungsbewusst umgeht.
Komisch finde ich was du in Klammern als "möglichkeiten für die Ausreden erforderlich scheinen" verwendet hast, für die "Bluterkrankheit" braucht man also keine? Für körperliche Missbildungen durch genstörungen auch nicht?
Aber für das was bisher als "bist du ja selber Schuld dran" benutzt wurde - dafür braucht man "Ausreden"?
-Nur als Denkanstoß gedacht.
Diabetes halte ich für eine gute Theorie die man mal überprüfen kann:
Diabetes kommt bei familiärer Vorbelastung gehäuft vor, es werden jedoch auch andere Faktoren derzeitig nachgeprüft (infektionen) die eine Diabetes auslösen können (gerade auch Typ II Diabetes!, bei Typ I ist es schon lange bekannt).
Wer weiß (und nachweißt!) das eine hohe "erbliche Belastung vorliegt" hat Anspruch darauf das Regelmäßig entsprechende Blutwerte kontrolliert werden - was wiederum dazu führt das Diabetes früher erkannt wird, es zu weniger Folgeschäden kommt und bei "optimaler individueller Behandlung" auch keine Folgeschäden auftreten.
Dies halte ich für das aktuelle "Paradebeispiel" dafür wo und wie das Wissen um "genetische Dispositionen" wirklich Gut und Sinnvoll genutzt werden.
Bei dem Wissen um die genetische Disposition in Bezug auf psychische und sucht Erkrankungen - wäre z.B. ein frühförderungsprogramm für Betroffene, in dem z.B. der Umgang mit Streß, Enttäuschungen, usw. eingeübt werden sicherlich besser, wie das Abwarten bis Betroffene erste (oder auch extreme) Symptome aufweisen.
Was Adipositas betrifft, wird es schwieriger.
Geht es nur um eine Körperbauentsprechendes "Grundübergewicht"
- als Beispiel zum Vergleich: glaubst du das ein Bernhadiner das gleiche Idealgewicht haben kann, wie ein Windhund? -
dann sollte dies einfach "Akzeptiert werden" - ansonsten würd ich persönlich den Betreffenden nur ein striktes "Diätverbot" mitgeben, da "Diäten" der Hauptfaktor sind um Übergewicht in Adipositas zu verwandeln.
Geht es um Erkrankungen - z.B. Schilddrüsenstörungen, Hypercortisolismus, usw. - sollten eben bei bekannter Disposition die entsprechenden Werte regelmäßig überprüft werden. Damit eine notwendige Behandlung frühzeitig beginnen kann.
Das sind meine Gedanken und Überlegungen zu diesem Thema.
Meine Kinder werden von mir zumindest die genetische Disposition zur Hämochromatose geerbt haben. http://www.symptome.ch/vbboard/haemochromatose/
Theoretisch besteht auch die Möglichkeit, dass sie die genetische Disposition ihres Vaters zur Schizophrenie geerbt haben. ( http://www.symptome.ch/vbboard/gene-...sposition.html )
Solche Informationen sind Fluch und Segen gleichzeitig.
Wer solche Aussagen eines Arztes vorliegen hat tut gut daran, sich selber eingehend zu informieren, nicht in Panik oder Resignation zu verfallen und die geeigneten Schritte zu überlegen.
Das Ganze steht und fällt mit der Art und Weise, wie der Arzt die Botschaft an den Patienten weitergibt - und mit dem, was der Patient anschliessend damit anfängt.
( In dem Zusammenhang sollte man auch erwähnen, dass frühzeitige Gentests bei Kindern dazu führen können, dass später Probleme mit Krankenkassen auftreten können.
Falls im Rahmen des Vertretbaren, sollte man die Kinder beobachten und keine voreiligen Tests veranlassen.)
Sine
Komisch finde ich was du in Klammern als "möglichkeiten für die Ausreden erforderlich scheinen" verwendet hast, für die "Bluterkrankheit" braucht man also keine
Meine Fragezeichen weisen darauf hin, dass ich da keine eindeutige Meinung habe und einfach verschiedene, mögliche Aspekte aufzeigen wollte - und klar, wollte ich damit ein bisschen polarisieren .
Die Bluterkrankheit ist gut erforscht, nachweisbar und mit "Ausrede" für mich nicht vereinbar.
Aber, wie Du richtig sagst,
für das was bisher als "bist du ja selber Schuld dran" benutzt wurde
da bleiben für mich bisher so einige Fragen offen .
Für mich ist klar, dass es familiäre Veranlagungen gibt, auch wenn man sie bisher nicht klar diagnostizieren kann.
Und genau da komme ich zu meinem nächsten :
- Wo ist es wirklich hilfreich, die medizinische Diagnostik immer weiter ins Detail zu treiben?
- Verliert man damit nicht auch unter Umständen den Blick fürs Ganze, für Zusammenhänge?
- Einige Menschen werden damit in die Haltung "ich kann ja eh nix tun" getrieben, was zum einen Hoffnungslosigkeit/Starre bedeuten kann, zum anderen eben möglicherweise als "Ausrede" benutzt wird.
genau das ist das Vertrackte an genetischen Dispositionen. Es kann leicht zum Zurücklehnen führen, weil man "ja ohnehin nichts machen kann". Es kommt aber auf das Umgehen mit der Situation entscheidend an. Es gibt ja auch genetische Voraussetzungen, ob ein Mann zum Beispiel 1.95 groß wird oder nur 1.65. Im zweiten Fall wird eine Karriere als Basketballspieler wenig Erfolg haben.
Weil man auch Gegensteuern kann, kann es gelingen, aus genetischen Nachteilen durch Überkompensation Vorteile zu erlangen.
Viele Grüße, Horaz
PS: Pita, ich habe den Link bei deinem Eingangsposting überlesen, deshalb hatte ich ihn (noch einmal) hineingestellt.
ich möchte dann gern mal auf das ja recht aktuelle Problem "genetische Disposition bezüglich Übergewicht" eingehen.
Gerade hier wäre ein "gar nichts tun" mit Sicherheit sehr viel Hilfreicher, wie das was aktuell immer noch selbst von Ärzten Empfohlen wird:
Gewichtsreduktion egal um welchen Preis... welcher wie sich aus den Ergebnissen der letzten 50 Jahren gezeigt hat nur aus immer höherem Übergewicht zusammensetzt.
Gar nichts tun - sprich einfach normal Essen - führt hingegen bei den wenigen Menschen die es durchziehen zu dem was völlig normal ist, ein ganz langsames ansteigen des Gewichts das sich innerhalb normaler Parameter bewegt.
Was ist nun der gravierendste Unterschied?
Ganz einfach:
Menschen der ersteren Gruppe erkranken sehr viel häufiger an den Erkrankungen die auf Übergewicht zurückgeführt werden (Vorurteile), während die aus der zweiten Gruppe nur in sehr geringem Maße (deutlich weniger wie "normalgewichtige"!) an diesen Erkrankungen leiden.
Logisches Fazit wäre:
Diätverbot, akzeptieren von genetisch dispositioniertem Übergewicht ohne entsprechende "Gegenmaßnahmen".
Allerdings wäre eine langfristige Folge davon das es zwar immer noch sehr viele Übergewichtige gäbe, jedoch die Zahl der Adipösen immer geringer würde - was ja der "Fettepedemie" wiedersprechen würde. Da dies nicht sein darf, wird sogar von "oben" (Politik) immer noch zum "Abnehmen & Diäten" selbst bei geringem Übergewicht und das schon bei Kindern geraten - auf das die Situation auch ja gehalten wird.
Ist nur ein Beispiel, jedoch ein wirklich "krasses". Aber eins wo erkennbar ist das man manches einfach "akzeptieren" sollte, während man bei anderem durchaus schauen sollte "was kann ich selbst tun um Folgen zu vermeiden?"