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Viel mehr als einfach eine Bahn
Wie war das eigentlich als die Bahn nach Gais kam? Wesentliche Treiberin war die blühende Textilindustrie der Region, die auf zuverlässige Verkehrsverbindungen nach St.Gallen angewiesen war. Ab 1875 wurde bereits die Strecke Gossau-Herisau-Appenzell schrittweise ausgebaut. So verwundert es nicht, dass zur selben Zeit der Wunsch nach einer Bahnverbindung für das Rotbachtal aufkam. Die erste Hürde im wahrsten Sinne des Wortes war der Aufstieg aus der Stadt St.Gallen auf die Höhen des Appenzellerlandes. Man hat verschiedene Möglichkeiten untersucht und dank Fortschritten in der Technik war es dann möglich, den steilen Anstieg über die Ruckhalde in St. Gallen zu bewältigen. Ausserdem hatte man schon früher einen Tunnel ins Riethüsli geplant, der schließlich 2018 eröffnet wurde.
Von Ideen beflügelt
Mit der Gründung der Appenzeller-Strassenbahn-Gesellschaft (ASt) im September 1887 konnte mit dem Bau begonnen werden und etwas mehr als 2 Jahre später wurde die Bahn von St.Gallen nach Gais feierlich eröffnet. Eine ganze Reihe von Ideen beflügelten die Menschen damals. Deine Weiterführung der Bahn auf den Gäbris, warum nicht. Oder gar die Verlängerung nach Appenzell, Wasserauen und dann tollkühn auf den Säntis hinauf? Beide Ideen wurden nie realisiert. Hingegen wurde bereits im August 1902 mit der Verlängerung der Bahn nach Appenzell begonnen. Die Inbetriebnahme folgte nach nur 11 Monaten Bauzeit im Juli 1904.
Über den Stoss nach Altstätten
Und schon im nächsten Jahrzehnt wurde Gais vollends zum mittelländischen Verkehrsknotenpunkt, als im November 1918 die Bahnverbindung nach Altstätten ihren Betriebaufnimmt. In Altstätten sorgte die Altstätten-Berneck-Bahn für einen reibungslosen Anschluss bis zum SBB-Bahnhof. Seit 1940 muss auf den Bus umgestiegen werden, um von Altstätten-Stadt den Bahnhof zu erreichen.
Heute kurz AB
Aus der ursprünglichen Appenzeller Strassenbahn als Bauherrin und Betreiberin wurde über die Jahre die St-Gallen-Gais-Bahn (1931), die St.Gallen-Gais-Appenzell-Altstätten-Bahn (1947) und schliesslich 99 Jahre nach der Gründung die Appenzeller Bahnen AB im Jahr 1988. Heute gehören zu den AB auch die ehemalige Trogenerbahn, die Rorschach-Heiden-Bergbahn, die Bergbahn Rheineck-Walzenhausen und als jüngstes Kind die Frauenfeld-Wil-Bahn.
Alle Bahnen befördern heute keine Güter mehr. Sie sind aber beliebt als Pendlerbahnen für Berufstätige sowie Schülerinnen und Schüler, werden geschätzt als Ausflugsbahnen und sind nicht zuletzt Sehnsuchtslinien für Eisenbahnfreundinnen und -freunde aus aller Welt.