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uraltes Adelsgeschlecht, dessen Stammschloß S. ob Küblis in Graubünden
jetzt Ruine ist, und das
sich später in Schwaben an der Donau niederließ; von Walter von S. (Stategun) an, der als habsburgischer Landvogt von Glarus
1352 im
Kampf gegen die Glarner fiel, läßt sich die Geschichte des Geschlechts genau verfolgen. Die bemerkenswertesten Sprößlinge
desselben sind: Christoph von S.,
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Bischof von Augsburg, geb. 1478, ein Freund Kaiser Maximilians I. und Ferdinands I., aber auch Melanchthons, mit dem er in Verkehr
wegen der Reformation der Kirche und Wiedervereinigung der beiden christlichen Kirchen stand; starb 1543. Johann Kaspar von S.,
Hochmeister des Deutschen Ordens, österreichischer Kriegspräsident und Feldzeugmeister, zeichnete sich besonders 1634 in der
Schlacht bei Nördlingen aus. Johann Philipp von S., Staatsminister von Kurmainz, geb. 1652, war die Seele aller Reichsgeschäfte, 1711 Botschafter
bei der Wahl Karls VI. und Gesandter des rheinischen Kreises beim Utrechter und Badener Friedenskongreß.
Mit ihm ward das Geschlecht 1705 in den Reichsgrafenstand erhoben. Er starb 1741 und ward durch seine
beiden Söhne der Stifter der jetzt noch blühenden Fridericianischen und Philippinischen Linie. Ersterer gehörte an Johann
Philipp Karl Joseph, Graf von S., geb. 18. Juni 1763. Derselbe hatte auf deutschen Hochschulen eine tüchtige Bildung erhalten, war 1788 österreichischer
Gesandter zu Stockholm, 1790 bis 1792 zu London, trug 1797 nicht wenig dazu bei, die durch die polnischen
Teilungen zwischen Österreich und Preußen entstandene Spannung zu heben, betrieb, seit 1804 Botschafter in Petersburg, eifrig
die Bildung der dritten Koalition und folgte 1805 dem Kaiser Alexander I. zur Armee.
Von reichsritterlichem Stolz und echt deutschem Patriotismus erfüllt, haßte er Napoleon aus ganzer Seele.
Nach dem Preßburger Frieden mit dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten betraut, hatte er die Absicht, Österreich
im Innern zu reorganisieren, seine äußere Macht wiederherzustellen und es an die Spitze des wieder befreiten Deutschland
zu bringen. Er löste die drückenden Geistesfesseln, förderte den Gemeinsinn und betrieb vor allem die
Reform des Heerwesens und die Bildung einer Landwehr.
Das plötzliche Erscheinen eines deutschen Patriotismus in Österreich beim Beginn des auf seinen Antrieb unternommenen Kriegs
von 1809 war Stadions Werk. Der unglückliche Ausgang des Kriegs nötigte ihn, dem Grafen Metternich im Ministerium Platz zu machen;
doch ward er schon 1812 wieder nach Wien berufen und erhielt nach der Schlacht bei Lützen eine Sendung
zu Alexander I. und Friedrich Wilhelm III. Nach dem Frieden mußte er sich abermals dem schwierigen Auftrag der Herstellung der
Finanzen unterziehen.
Die Ausgaben des Staats wurden beschränkt und genau bestimmt und die Steuerverfassung nach vernünftigen
Grundsätzen geregelt. Er starb 18. Mai 1824 in Baden bei Wien. Franz Seraph, Graf von S., zweiter Sohn des vorigen, geb. 27. Juli 1806,
trat früh in den Staatsdienst ein und zeichnete sich namentlich als Administrativbeamter aus. In Triest und Galizien, wo er 1846 an
die Spitze der Verwaltung trat, sicherte er sich ein dankbares Andenken. Nach Niederwerfung der Wiener Revolution
trat er mit Schwarzenberg und Bach ins Ministerium vom 21. Nov. 1848 und vertrat hier die freisinnigere Richtung. Schon im Mai 1849 aber
mußte er wegen eines Körperleidens zurücktreten; er starb in Geisteszerrüttung 8. Juni 1853.
Vgl. Hirsch,
Franz Graf S. (Wien 1861).
Sein Neffe Philipp, Graf von S., geb. 29. Mai 1854, ist jetzt das Haupt der Fridericianischen Linie; die Philippinische wird repräsentiert
durch Friedrich, Grafen von S., geb. 13. Dez. 1817, erblichen Reichsrat der Krone Bayern.
(Kt. Graubünden,
Bez. Ober Landquart, Kreis und Gem. Luzein).
975
m. Ehemalige Burg auf einer Anhöhe beim
Dorf Luzein, deren letzte Reste erst seit wenigen Jahren verschwunden sind.
Wiege des Geschlechtes derer von Stadion, dem
der in der Schlacht bei Näfels 1352 getötete Walter von Stadion, österreichischer Vogt in Glarus,
angehörte und von welchem die
Freiherren von Stadion abstammen, die in Augsburg verbürgert waren und in der deutschen Ritterschaft
einen angesehenen Rang einnahmen.
uraltes Geschlecht, aus Graubünden
stammend, wo sich noch die Trümmer der Stammburg Stadion ob Küblis finden. In Schwaben
baute es das neue Schloß Stategun (ursprünglicher Name des Geschlechts) bei Munderkingen an der Donau. Walther und
Ludwig von Stategun werden zur Zeit des letzten Hohenstaufen erwähnt. - Durch Walther von S. dachten die Habsburger das Glarnerland
zu unterwerfen; doch Walther fiel 1388 in dem Kampfe bei Näfels und mit ihm blieben fast alle seine Ritter.
Walthers Sohn oder Enkel, Eitel, hatte zwei Söhne, Konrad und Ludwig, von denen Ludwig die schwäb. (jüngere, 1693 erloschene)
Linie des Hauses S. begründete, während Konrad der Stifter der ältern Linie wurde. Christoph von S., Bischof zu Augsburg (geb.
1478), ein edler Eiferer für die Reformation der Kirche, unermüdet im Bestreben der Versöhnung und Wiedervereinigung, war
der Vertraute Karls V. und Ferdinands I., stand auch mit Erasmus und Melanchthon in Verkehr und starb 15. April 1543 auf dem
Reichstag zu Nürnberg. Er wendete seinem Bruder Johann das Erbtruchsessenamt des Stifts Augsburg zu.
Des letztern Sohn war Johann Kaspar von S. (geb. 1567, gest. 1641), Hochmeister des
Deutschen Ordens (seit 1627), österr. Hofkriegsratspräsident und Feldzeugmeister, der sich 1634 in der
Schlacht bei Nördlingen auszeichnete. - Sein Enkel, der Kurmainzer Geheimrat und Kanzler Johann Philipp von S. (geb. 1652,
gest. 1741), die Seele aller Reichsgeschäfte und noch im hohen Alter Botschafter bei der Wahl Karls VI. und Gesandter des Rheinischen
Kreises beim Utrechter und Badener Friedenskongreß, wurde 1686 zum Freiherrn, 1705 zum Reichsgrafen erhoben
und 1708 wegen der von den Grafen von Sinzendorf erkauften Herrschaft Thannhausen in das schwäb. Grafenkollegium eingeführt.
- Seine beiden Söhne gründeten zwei Linien; Friedrich (geb. 1691, gest. 1768 als Geheimrat und Mainzer Konferenzminister)
die Fridericianische, aus welcher die Grafen Johann Philipp und Friedrich Lothar (s. den folgenden Artikel)
hervorgingen, und in der seit 1890 Graf Georg von S., geb. 1. Nov. 1844, das Haupt des Hauses ist; Graf Philipp von S. (geb. 1720,
gest. 1785) die Philippinische Linie, deren jetziges Haupt, Graf Friedrich von S., geb. 13. Dez. 1817, erblicher
Reichsrat der Krone Bayern ist.
Johann Philipp Karl Joseph, Graf von, österr. Staatsmann, geb. 18. Juni 1763, wurde, nachdem er in Göttingen studiert
hatte, 1787 kaiserl. Gesandter
in Stockholm, 1790 in London. Durch eine Maßregel des Ministers Thugut verletzt, nahm er seine
Entlassung und lebte 1794-1801 als Privatmann. Nach Thuguts Rücktritt wurde er zum Gesandten in Berlin
ernannt, wo er viel dazu beitrug, die Spannung zwischen Österreich und Preußen zu heben. Als Botschafter in Petersburg seit 1804 schloß
er die dritte Koalition gegen Frankreich und folgte dann dem Kaiser Alexander zur Armee. Nach dem Preßburger Frieden (26. Dez. 1805)
erhielt er an Cobenzls Stelle das Ministerium des Auswärtigen. In dieser Stellung suchte er das Volksbewußtsein zu
heben und eine freiere Richtung zur Geltung zu bringen.
Der unglückliche Ausgang des Kampfes 1809, der auf sein Anraten unternommen worden war, nötigte ihn, seine Stellung dem
Grafen Metternich zu überlassen. S. lebte nun einige Zeit in Prag und dann auf seinen böhm. Gütern, bis
er 1813 wieder in den Staatsdienst berufen und nach dem Frieden als Finanzminister mit der Aufgabe der Herstellung der Finanzen
betraut wurde. Er war bemüht, durch angemessene Institutionen dem Handelsverkehr eine belebtere Geldcirkulation zuzuwenden
und den Staatskredit zu stärken, indem die Nationalbank und ein Tilgungsfonds errichtet, die Ausgaben beschränkt
und die Steuerverfassung nach bessern Grundsätzen geregelt wurde. S. starb in der Nacht zum 15. Mai 1824 zu Baden bei Wien.
Sein älterer Bruder Friedrich Lothar, Graf von S., geb. 6. April 1761, wandte sich dem geistlichen Stande zu
und wurde Domkapitular in Mainz und Würzburg, war auch einige Zeit Verweser der Erfurter Statthalterei, Kurator der würzburgischen
Hochschule und 1798 würzburgischer Gesandter bei dem Kongreß zu Rastatt. Nach der Säkularisation trat er in österr. Staatsdienst
und wurde zunächst kurböhm. Reichstagsgesandter zu Regensburg. Nach dem Preßburger Frieden (1805) erhielt
er den Auftrag, die diplomat.
Verhältnisse zwischen Osterreich und Bayern wiederherzustellen. Beim Ausbruch des Krieges 1809 wurde er als Generalintendant
zum Hauptheer des Erzherzogs Karl berufen. Er zog sich nach dem Friedensschluß auf seine Güter in Böhmen zurück und starb 9. Dez. 1811 zu
Chodenschloß. Seine «Berichte über die Beziehungen zwischen Österreich und Bayern 1807-9» gab Wertheimer
(Wien 1881) heraus. Seinen Charakter veranschaulichen treffend die von Joh. von Müller herausgegebenen «Briefe zweier Domherren»
(Franks. 1787).