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Nur zwanzig Minuten vom Hyde Park in London liegt der Richmond Park. Doch wer dieser Tage dort spaziert, traut seinen Augen nicht: Hunderte von freilebenden Hirschen und Rehen grasen gemütlich auf dem Grün. Die rund 1000 Tiere sind eine Attraktion für Besucher, doch für die Parkverwaltung sind sie ein Problem. Ron Crompton von der Organisation «Freunde des Richmond Parks» sagt: «Wir müssen die Herde reduzieren. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass der Park höchstens 630 Stück Rotwild erträgt.»
Das gleiche Problem herrscht in fast ganz Grossbritannien. Vor ein paar Tagen lieferte die University of East Anglia dramatische Forschungsergebnisse: Um den Bestand von Reh und Hirsch auch nur zu stabilisieren, müssten Jäger jedes Jahr die Hälfte der Tiere abschiessen; das wären rund 750‘000 Exemplare pro Jahr. Derzeit schiessen Jäger jährlich aber nur rund 350‘000 Tiere ab; etwa 70‘000 sterben auf der Strasse.
Wildtiere als Gefahr auf den Strassen
Im Jahr 2012 verursachten Rehe und Hirsche in Grossbritannien schätzungsweise zwischen 42‘000 und 74'000 Verkehrsunfälle. Dass die Schätzung so grob ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass viele Unfälle nicht gemeldet werden. Sicher ist: Zwanzig Autofahrerinnen und Autofahrer starben; 450 wurden verletzt. Im vergangenen Juli kam in Yorkshire gar ein 15jähriger Radfahrer zu Tode, als er auf einer Landstrasse von einem Reh gerammt wurde.
Dazu kommt, dass die vielen Rehe und Hirsche den Wald an manchen Stellen fast kahl fressen. Jungbäume haben keine Chance, und die Artenvielfalt leidet schwer. Oberförster Trevor Banham, Mitglied der nationalen Forstkommission, sagt deshalb: «Wir müssen die Anzahl Hirsche und Rehe reduzieren um den Wald zu schützen. Der einzig vernünftige Weg dazu ist, Tiere abzuschiessen.»
Proteste von Tierfreunden verebbt
Anfänglich gab es noch Proteste von Tierschützern gegen den Abschuss von Rehen und Hirschen. Doch dieser hat sich weitgehend gelegt. An die Adresse jener, die sich mit dem Gedanken an den Abschuss von 750‘000 Hirschen und Rehen pro Jahr schwertun, schrieb die Schriftstellerin Sara Maitland kürzlich in der Zeitung «Guardian»: «Wenn uns unser Wald wirklich am Herzen liegt, dann dürfen wir nicht weinen über den Massenabschuss von Rotwild. Wir müssen Bambi töten; das versteht sich von selbst.»