Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03287.jsonl.gz/1375

Im Kanton Aargau (seit 1803)
Das 19. Jahrhundert brach die Enge des beschaulichen Landstädtchens ein Stück weit auf. Grosse Teile der Stadtmauern fielen. Schon 1817 musste das mittelalterliche Rathaus einem repräsentativen Neubau weichen. Die Strassen über den Mutschellen und in Richtung Lenzburg wurden modernisiert. Das bedingte den Abbruch des städtischen Spitals neben dem Spittelturm und einschneidende Veränderungen in der Marktgasse und am Bogen in den Jahren 1843-45. Aussenquartiere entstanden in der oberen und unteren Vorstadt. Das 1892 erbaute Stadtschulhaus vor dem Obertor ausserhalb der Altstadt war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins. Der Bau der reformierten Kirche an der Wende zum 20. Jahrhundert spiegelte eine Bevölkerungsstruktur, die sich durch Zuwanderung gewandelt hatte.
Wirtschaftlich blieb Bremgarten ein Städtchen des Handwerks und des Gewerbes mit einer nach wie vor starken landwirtschaftlichen Basis. Die Industrialisierung zog mit einzelnen Betrieben ein, konnte aber nicht in grossem Stile Fuss fassen. Damit hing wohl auch zusammen, dass die Stadt den Anschluss an das neu entstehende schweizerische Eisenbahnnetz verpasste. Lediglich mit einem Nebengeleise nach Wohlen bekam es 1876 einen Anschluss an die Südbahnlinie. Erst 1902 brachte die elektrische Strassenbahn eine Verbindung Richtung Zürich.
1803 wohnten 756 Personen in Bremgarten. Bis 1900 stieg die Zahl auf 2209, bis 1950 auf 3469, also 4.6 Mal mehr als 1803.
Bild: Ansicht Reussfront, kolorierte Postkarte vor 1900.