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Basel, um 1832
Scherenschnitt, schwarzes Glanzpapier auf
weissem Hintergrundpapier
H. 38 cm, B. 51 cm (mit Rahmen)
Inv. 1996.14.
Biedermeierliches Familienleben
Eucharius Kündig (1795–1875) war Pfarrhelfer zu St. Peter und später Pfarrer zu St. Leonhard, seine Gattin Maria Magdalena (1795–1886) war die Tochter des stadtbekannten Medizinprofessors Johann Jakob Stückelberger. Das gleichaltrige Paar heiratete mit 27 Jahren und hatte im Zeitraum von nur zwölf Jahren zusammen neun Kinder, von denen zwei nicht mit dargestellt sind – der 1829 im Kindesalter verstorbene Rudolf und der erst 1833 geborene August.
Die Darstellung der ganzen Familie als Silhouette – so die gängige Bezeichnung der Scherenschnitttechnik nach dem französischen Finanzminister Etienne de Silhouette in Anspielung auf dessen Sparsamkeit – war eine preiswerte Alternative zum gemalten Bild. Die Mode verbreitete sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde erst durch die Porträtfotografie abgelöst. Unser Beispiel gibt ein häusliches Interieur wieder, das durch einen parkettierten Boden und einen mit Quastenband verzierten Vorhang räumliche Tiefe erhält und mit Tischen und Stühlen ausgestattet ist. Ein Mädchen beschäftigt sich mit Stricken, eines hält eine Puppe und präsentiert der Mutter einen Blumenstrauss, während der jüngere Bub seiner Schwester ein Spielzeugpferd zeigt und der ältere stehend liest.
Die Figuren und Gegenstände sind nicht nur aus dem schwarzen Papier ausgeschnitten, sondern durch Binnenlinien von der Rückseite reliefartig durchgeprägt, so dass Details wie Falten, Knöpfe, Kragen oder Schleifen in der Nahsicht erkennbar sind.