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Von Dominique Rychter
Kennst du deine persönlichen Grenzen? Stehst du hinter diesen Grenzen oder schlägt dein inneres «Nein» schnell einmal in ein ausgesprochenes «Ja» um? Hast du Angst, wegen einem «Nein» abgelehnt zu werden oder möchtest mit einem «Ja» gefallen und ein netter, braver Junge oder ein nettes, braves Mädchen sein?
«Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will. Sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht tun will.» Dieses Zitat stammt von Jean-Jacques Rousseau. Damit du nicht tun musst, was du nicht tun willst, musst du «Nein» sagen können. Versuche es doch gleich einmal: «Nein! No! Non! Nej! Ne! Net!» Na also, geht doch!
Wir brauchen die Fähigkeit, «Nein» sagen und gesunde Grenzen setzen zu können, damit wir als eigene Persönlichkeit mit eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Ideen wahrgenommen werden. «Nein» sagen ist wichtig, damit du dich sicher fühlst. Wenn du nicht nein sagen kannst, ist ein gesunder Kontakt zu anderen Menschen nicht möglich. Denn in Wahrheit kannst du nur dann ehrlich «Ja» sagen, wenn du auch in der Lage bist, ein klares «Nein» zu formulieren.
Sorge für dich
Viele Menschen haben das Gefühl für gesunde Grenzen schon in ihrer Kindheit verloren. Das macht es enorm schwierig, ein autarkes, selbstbestimmtes Leben zu führen. Aber: Du kannst dieses authentische, autonome «Ich» entwickeln und lernen, gut für dich zu sorgen. Nicht im egoistischen Sinne «me first». Sondern selbstfürsorgend. Keine Frage: Die Fähigkeit zur Abgrenzung erfordert Ausdauer, Konfliktbereitschaft, Kraft und Mut. Aber genau diese Fähigkeiten brauchst du für ein selbstbestimmtes, stabiles «Ich». Ein «Ich», das Angriffe und Übergriffe wirksam abwehrt. Ein «Ich», das sich behauptet und dennoch offen ist für Gemeinsamkeit und Nähe.
Es sind deine Grenzen, die es dir ermöglichen, deine Werte zu leben, zu dir selbst zu stehen und erfüllende Beziehungen einzugehen. Du kannst lernen, dein persönliches Hoheitsgebiet durch Grenzen zu markieren, damit es dir gutgeht. Innerhalb dieses Hoheitsgebietes bestimmst einzig und allein du, was erlaubt ist und was nicht. Überschreitet jemand körperlich oder verbal deine Grenzen, spürst du das sehr direkt und deutlich. Weil du dann unangenehm berührt bist und in Stress gerätst.
Finde deine Stärke
Der Weg zu deinem inneren Frieden und zu deiner wahren Stärke führt über die Herausforderung, dass du gut für dich sorgst. Das bedeutet, dass du dir über deine Absichten, Bedürfnisse und Interessen im Klaren sein solltest. Wenn du deine Bedürfnisse klar definiert hast, kannst du sie auch kommunizieren, danach leben und dich für sie einsetzen. Du stellst klar, was für dich wichtig ist und erschaffst deinen Raum für Freiheit und Fülle.
Einige Menschen denken, dass andere doch merken müssen, wenn sie zu weit gegangen sind. Doch jeder von uns hat individuelle Grenzen. Diese Grenzen können andere Menschen nicht immer nachvollziehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du dich zeigst. Und klar machst, was für dich tolerierbar ist. Und was nicht. Dass du lernst, für dich einzustehen, Verantwortung zu übernehmen und für dich zu sorgen.
Liebe dich selbst
Selbstfürsorge bedeutet, dass du dich von allem verabschiedest, was dir nicht guttut. Und das funktioniert nur, wenn du konsequent «Nein» sagst zu allem, was nicht zu dir passt! Indem du dich traust, Grenzen zu setzen, zeigst du, dass du den Mut hast, dich selbst zu lieben, selbst wenn du dabei das Risiko eingehst, andere zu enttäuschen.
Du allein entscheidest, welches Verhalten von anderen Menschen du zu tolerieren bereit bist. Das fällt dir vielleicht nicht ganz so einfach. Doch du bist du nicht allein. Und wenn du dich selbst nicht genug akzeptierst und wertschätzt – wie sollen dann andere für dich einstehen? Wenn du andere wichtiger nimmst, als dich selbst, stufst du ihre Freiheit unbewusst wichtiger ein, als dein eigenes Recht auf dein Wohl und auf die Wahrung deiner Grenzen.
Selbstwert verbessern
Einfacher gesagt als getan. Sicher. Aber um genau das zu üben und deinen Selbstwert zu steigern, lade ich dich ein, eine kleine Übung zu machen: Forscher der Universität Michigan haben nämlich herausgefunden, dass Selbstgespräche unser Selbstwertgefühl stärken. Probier’s am besten gleich aus und führe hörbar Selbstgespräche. If you can’t make it – fake it! Tu einfach so, also ob!
Achte darauf, dass du von dir selbst nur namentlich und in der dritten Person Einzahl sprichst. Beispiel: «Das ist eine grosse Herausforderung für Dominique. Aber Dominique wird es sicher schaffen!» Klingt zugegebenermassen etwas schräg und fühlt sich am Anfang auch so an. Doch es hat viele positive Effekte: Du gewinnst mehr Klarheit für eine Situation und kannst sie besser einschätzen.
Selbstvertrauen steigern
Wenn du häufig Selbstgespräche führst, kannst du dich besser fokussieren und dich besser motivieren. Zudem betrachtest du Vorfälle objektiver und emotionsloser. Denn du handelst weniger im Gefühlsmodus. Zudem kommst du besser und schneller ins Tun. All dies trägt letztlich zur Stärkung deines Selbstvertrauens bei und hilft dir, wertschätzend zu dir selbst zu sprechen – genau so, wie es ein guter Freund oder eine gute Freundin tun würden. Mit dem eigenen Sein zu kommunizieren, hat etwas Entlastendes, Vitales und emotional Aufbauendes.
Im systemischen Coaching wirst du Schritt für Schritt zu deiner inneren Wahrheit begleitet. Du lernst deine Glaubensmuster kennen und entdeckst, woher sie kommen und wie sie entstanden sind. Du verstehst, woher dein Widerstand, klare Grenzen zu setzen und deine Harmoniesucht kommt. Erst dann bist du wirklich frei, um wirklich ganz bei dir anzukommen. Und vergiss nie: Manchmal ist ein Nein die liebevollste Antwort, die du einem Menschen geben kannst.