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Granada Grischun – erschienen im März 2017
Erzählungen, 200 Seiten, gebunden
Edition Blau – Belletristik im Rotpunktverlag
ISBN 978-3-85869-739-4
CHF 28.–
Beben und Nachbeben
Ein Mädchen verliert mit sieben seinen einzigen Freund – und versinkt fortan in viel zu großen Gummistiefeln. Ein anderes wartet sehnsüchtig auf Schnee, denn seine Eltern haben das Skigeschäft: Kein Schnee und sie sind verloren. Sommer heißt Freibad, und das gehört dem Mädchenclub. Hier bemerken sie zum ersten Mal die Schönheit der Jungen. Wenn es hingegen darum geht, in der Turnstunde die stinkende Seraina zu quälen, entdecken sie ihre Lust an Gewalt.
Romana Ganzoni erzählt einmal poetisch, dann explosiv und immer überraschend von den Beben in der Kindheit und den Nachbeben im Heute. Mit einer bildreichen, kraftvollen Sprache sticht sie in eine Zeit, in der die Welt am Bahnhof endet, Bäche und Kinder zusammengehören und die Menschheit sich in Katholiken und Protestanten aufteilt. Manchmal entpuppen sich die Erzählungen auch als Hommage –an Herrn Baumann, mit dem man im Speisewagen der SBB eine Baumhütte baut. Oder an den Vater, der tanzen konnte wie ein Gott, wenn er ‚Öl am Hut‘ hatte, und der, seitdem ihn die schöne, dunkle Olala einmal stehen ließ, noch etwas zu erledigen hat. In Granada.
Auszug
Unsere Attraktion war das Freibad, es hieß Trü. Trü, der Klang zieht blauwärts, ein bisschen dunkler als die Farbe auf dem Grund des 25-Meter-Beckens. Das Freibad gehörte Madlaina, Ladina und mir. Wem das Freibad gehört, dem gehört der Sommer. Es gab ein Einmeterbrett und ein Dreimeterbrett; die Knaben lagen dort. Einer trat auf das Dreimeterbrett und machte die Bombe, die anderen beiden wurden nass gespritzt und fluchten, sie lachten, sie hechteten ins Becken, drückten ihn unter Wasser, er schnappte nach Luft, brüllte, zuerst tief, dann hoch, er griff nach den Köpfen der anderen, einer blond, einer braun, drückte sie unter Wasser, trinkt! Der eine stieg an der Leiter aus dem Wasser, griff in sein Haar, blickte in den Himmel, den Mund leicht geöffnet, die anderen schwangen sich aus dem Becken, legten ihre glänzenden Körper auf den rauen, warmen Stein und atmeten in ihren Bauch. Sie dachten bestimmt an die nächste Raketenglace, noch ein bisschen warten, die orange Schicht der letzten klebte noch auf der Zungenmitte, das Orange hielt am längsten, weil es die schönste Farbe ist, die schönste Farbe des ewigen Sommers. Wir saßen auf den Holzpritschen, das eine Bein angezogen, die Sonnenbrille vorne auf der Nase. Nie würden wir diese Gemeinschaft mit den Knaben erfahren. Nie würden wir auf diese Weise zusammen einatmen, zusammen auf der Straße gehen. Nie würden wir so schön sein.
Pressestimmen
TV-Beitrag zur Vernissage: «Jau stoss simplamain scriver!» RTR Telesguard