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Wenn das Handy zum Radar wird
Wenn das Handy zum Radar wird
Staumeldungen, Schmugglerfahndung oder GPS-Alternative: Celldar und verwandte Systeme versprechen fast unbegrenzte Überwachungsmöglichkeiten zu PC-Preisen. Statt auf Dutzende von Millionen würde zum Beispiel ein Radarsystem für einen Kleinflughafen auf knappe 30'000 Franken zu stehen kommen. Die Heimanwender-Version soll für unter 3000 Franken zu machen sein. Celldar ist eine Wortchimäre aus Cellular und Radar und meint die Zweitnutzung der bestehenden Mobilfunk-Netzinfrastruktur als Radarsystem.
Entwickelt wird Celldar seit Ende der 90er Jahre von der englischen Roke Manor Research, und wie immer, wenn Überwachung das Thema ist, hat das Militär seine Finger als Geldgeber im Spiel. In diesen Tagen führt Roke Manor den Handyradar dem britischen Verteidigungsministerium vor. Das System soll Fahrzeugbewegungen während eines Manövers verfolgen.
Das grosse Interesse der Militärs liegt in der Passivität von Celldar begründet. Während herkömmliche Radarsysteme Signale aussenden und messen, wie diese durch Gegenstände zurückgeworfen werden, misst Celldar nur, wie die normalen Signale der Mobilfunkbasisstationen beeinflusst werden. Solche passive Systeme können Antiradarwaffen nicht orten.
Ein Celldar-Prototyp besteht im wesentlichen aus einem PC, an den zwei Handys in genügender Distanz angeschlossen sind. Das eigentliche Herzstück ist die Software. Sie muss die Unterschiede zwischen den Funksignalen, die die zwei Mobiltelefone empfangen, in ein Bild der Umgebung umrechnen. Ziel ist ein Gerät, das dies auch fertig bringt, während es sich selber bewegt. Dann könnte beispielsweise ein unbemanntes Flugobjekt ein ganzes Land abscannen.
Celldar ist aber nicht das einzige passive Radarsystem, das derzeit in Entwicklung ist. Der US-Rüstungskonzern Lockheed-Martin arbeitet an einer vergleichbaren Technik, die Radio- und Fernsehsignale nutzt. Der Vorteil dieser wie Mobilfunk auch flächendeckenden Funkinfrastrukturen liegt in ihrer Sendestärke. Mit ihnen können so auch Flugzeuge bis zu einer Entfernung von rund 200 Kilometern erfasst werden.
Celldar könnte aber auch zur Positionsbestimmung von Fahrzeugen mit GPS-Genauigkeit (Global Positioning System) verwendet werden. Damit wäre es eine kostengünstige Alternative zur derzeit mit technischen Schwierigkeiten kämpfenden deutschen Schwerverkehrsabgabe, der sogenannten Maut. Der klare Vorteil: Es wären keine speziellen Sensoren nötig, um die Lastwagenbewegungen zu erfassen.