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So der Titel der im Jahr 2000 in der Manesse-Bibliothek der Weltliteratur erschienenen Sammlung mit frühen Texten von Jane Austen. Die Sammlung enthält neben Lady Susan noch: Liebe und Freundschaft, Drei Schwestern und Catharine – alles Texte, die zwischen 1790 und 1794 entstanden sind. Juvenilia also, und auch wenn die Verfasserin des Nachworts, Katharina Hagena, sich gegen diese Bezeichnung verwahrt, weil sie zu viel pejorative Konnotationen mit sich bringe: Es handelt sich bei den vorliegenden Texten um Juvenilia in jedem Sinn des Wortes. Sprache und Stil des Teenie Jane Austen sind halt nicht so sehr verschieden von Sprache und Stil jeden anderen Teenies; und wenn das Thema der Texte eines ist, das Jane Austen ein Leben lang beschäftigen wird, so ist hier dessen Durchführung halt immer noch pubertär – nur wenig Spuren der späteren Meisterschaft Jane Austens. Wir wollen Austen zu Gute halten, dass die vier Texte Entwürfe sind, die sie später hat liegen lassen, oft sogar nur Fragmente.
Einen Vorteil bietet die krude Bearbeitung ihres Lebensthemas durch die junge Austen allerdings: Nirgends steht es so klar im Vordergrund. In ihren späteren grossen Romanen zeichnet Jane Austen meisterliche Charaktere der gehobeneren englischen Gesellschaft, aber durch diese Meisterschaft wird ihr Grund-Thema verschleiert. Jane Austen wird bis heute als simple Autorin von Liebesromanen gehandelt. Das stimmt nur zum Teil. Sie hat ihr Leben lang die Situation der jungen Frau aus besseren Kreisen beschrieben, deren sentimentale Erziehung, aber durchaus auch immer ironisch, ja satirisch. Nur in den vorliegenden Juvenilia kommt die Bitterkeit von deren Situation ganz zum Vorschein. Denn:
Was konnte eine junge Frau aus besseren Kreisen (nicht aus dem Adel!) am Ende des 18., zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus ihrem Leben machen? Es gab im Grunde genommen nur die Heirat als erstrebenswertes Lebensziel. Jahr um Jahr wurden deshalb auf Debütantinnen-Bällen und bei ähnlichen Gelegenheiten die jungen Mädchen auf den Heiratsmarkt geworfen, jedes Jahr eine neue Auflage. Den Mädchen blieben 2 oder 3 Jahre, um die Chancen wahr zu nehmen, um sich einen Mann zu angeln. Danach galten sie nicht mehr als Frischfleisch und verschwanden, wie Katharina Hegena in ihrem Nachwort sehr schön sagt, in den oberen, unattraktiven Regalen des Fleischmarktes. (Ein Schicksal, das Jane Austen aus eigener Erfahrung kennen lernen sollte.) Die Jahre zwischen 18 und vielleicht 21 aber waren von harter und bitterer Konkurrenz geprägt. Eine Konkurrenz, die sich auch schon auf die nachwachsenden Rivalinnen erstreckte, die 14- bis 17-Jährigen. Eine Konkurrenz, die auch vor den eigenen Schwestern nicht Halt machte.
All dies beschreibt der Teenager Austen rotzfrech, mit einer satirischen Verve, die eines Swift würdig wäre. (Der denn auch zu ihren Vorbildern gehört haben muss!) Formal ist sie noch unsicher; sie versucht sich gern am Format des Briefromans, der sie aber durch die Einseitigkeit des Standpunktes zu sehr einschränkt. Die gelassene Ironie ihrer Meister-Romane ist allein in der Form der auktoriellen Erzählung möglich, eine Form, die sie hier nur in Catharine verwendet. Weshalb denn auch wohl die Nachwort-Schreiberin sich fragt, warum dieses Fragment nie eines Sequels durch eine andere Autorin gewürdigt worden ist, wenn doch jeder andere Roman deren in Mengen vorweisen kann – übrigens meist von wenig überzeugender Qualität.
Summa summarum: Diese Sammlung kann den grossen Romanen Jane Austens ergänzend hinzu gestellt werden; sie ersetzt diese nicht, und ohne Austens Meisterwerke bleiben ihre Juvenilia uninteressant. Und: Jane Austens echte Briefe halte ich für bedeutend interessanter als ihre jugendlichen Briefromane – auch wenn ihre Familie da mit der Schere äusserst ärgerliche Zensur-Schnitte vorgenommen hat.