Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03456.jsonl.gz/1314

Solidarität der guten Nachbarschaft
1819 ging die Herrschaft Rhäzüns gemeinsam mit dem Gericht Tenna an Graubünden über. Die Gemeinden “Im Boden” haben sich prächtig entwickelt. Im Dorf “Ob den Tannen” entsteht eine innovative Senioren-WG für den letzten Lebensabschnitt.
Mit diesen Worten lädt der Verein Tenna Hospiz die Bewohner*innen der Region Imboden in einem Streuversand ein, sich an der Spendenfinanzierung des Projektes “Alte Sennerei” in Tenna zu beteiligen. Wer heute von Tenna nach Chur oder Thusis fährt kommt automatisch durch die Gemeinden ‘im Boden’. Das war lange nicht so.
Die erste Strassenverbindung Richtung Safiental, die von Bonaduz aus südlich vom Vorderrhein durch die Felsen der Ruinaulta führt, entstand in der 1880-er Jahren. 1885 wurde dann ein Fahrweg von Versam ins Safiental erstellt. Nach Tenna führte von der Acla aus ein Saumpfad, der nicht nur den Kirchgängern diente, sondern später auch der Postzustellung mit dem Pferd.
Vorher war die Reise der Tenner*innen nach Tamins, Reichenau, Bonaduz oder Rhäzüns mit grossen Strapazen verbunden. Erst kam das wilde Wasser der Rabiusa, dann die steilen Flanken des Heinzenberges. Die Passübergänge der Bischola oder von Glas führten einfacher nach Thusis, wo auch die Menschen aus Tenna und Safien auf dem Markt das meiste besorgten, was sie nicht zu Hause anbauten oder selber herstellten.
Und doch gibt es einen gewichtigen Bezug zwischen dem Dorf ob den Tannen, das seit dem Mittelalter einen eigenen Gerichtskreis bildete, und der ehemaligen Herrschaft Rhäzüns. Politisch gehörten beide bis nach dem Wiener Kongress, an dem die Machtverhältnisse in Europa neu aufgeteilt wurden, zum Einflussgebiet Österreichs. Erst 1819 kam die Abtretung an Graubünden, und somit die Zugehörigkeit zur schweizerischen Eidgenossenschaft. Ob sich die Tenner*innen vor 1819 bewusst waren, dass sie auf dem Weg zum Markt in Thusis eine Herrschaftsgrenze überschritten?
Heute noch besteht eine kirchliche Verbundenheit mit der Pfarrei in Bonaduz. Die katholische Diaspora im Tal wird heute von Bonaduz aus betreut. Schon zwischen 1523 und 1526 haben die Tenner*innen sich dem neuen Glauben zugewandt. Damit haben sie sich in erster Linie gewehrt gegen die Zinsen und Zehnten, die bis dahin mit der Kirchenzugehörigkeit verbunden waren. Sie sind nicht vom Glauben abgefallen. Der heilige Valentin bedeutet ihnen bis heute etwas.
Die Ordensleute in Cazis oder Reichenau, respektive ihre Verwalter, haben ja nicht die kirchlichen Abgaben vor Ort eingezogen. Die Bauern von Tenna mussten einen Zehntel des Getreides, das sie auf 1’650 müM mühsam den steilen Äckern abgerungen hatten und den besten Käse selber über den Heinzenberg schultern für ein freudiges “Vergelts Gott” – um damit zu den vielzähligen, hungrigen Mündern am Küchentisch ‘ob den Tannen’ zurückzukehren.
Für viele Menschen in den aufstrebenden Gemeinden im Boden ist das Safiental ein Naherholungsgebiet, eine gute Gelegenheit für einen Ausflug, einen Besuch der Biennale ArtSafiental, oder eine Bergtour zum Schlüechtli oder den Piz Fess, um von dort aus in die Ferne zu blicken. So besteht weiterhin eine Verbundenheit über die Flanken des Heinzenbergs hinweg. Etwas, das auch gepflegt werden darf, meinerseits zum Beispiel durch eine bewusste Kaffeepause mit Rundgang in einem der Dörfer auf dem Weg in die urbane Welt.
Als Nachbarn einer aufstrebenden Region schafft der Verein Tenna Hospiz eine sorgende Gemeinschaft für Menschen, welche die Ruhe und die Nähe zur Natur schätzen. Die Wohngemeinschaft für den letzten Lebensabschnitt in der “Alten Sennerei” steht allen Menschen offen, auch jenen aus der Region Imboden, die ihren Lebensabend ‘ob den Tannen’ erleben möchten.
Bis am 4. Dezember 2020 gilt das Angebot: Für eine Spende ab CHF 250 mit Vermerk “ImBoden”erhalten Sie einen Gutschein für eine Dorfführung in Tenna.