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Jane Goodall – eine Persönlichkeit und eine Lebensgeschichte wie aus dem Drehbuch
«Jane's Journey – die Lebensreise der Jane Goodall»
Mit einem Stofftier im Arm betritt sie die Bühne im Abaton-Kino Zürich, um ihren Film «Jane’s Journey» in der Schweiz vorzustellen. Das Stofftier ist ein kleiner Affe, ein Geburtstagsgeschenk des amerikanischen Zauberers Gary Haun, der so gut zaubern kann, dass niemand merkt, dass er blind ist. Niemand glaubte ihm, dass er das ohne sein Sehvermögen je lernen würde. Gary Haun ist der Meinung, man kann alles schaffen, was man wirklich will. Jane Goodall hat das Stofftier nach ihm Mr. H genannt.
Laut Jane war Mr. H schon in über 59 Ländern und es hätten schon mehr als 3 Millionen Hände das Maskottchen gestreichelt, weil es heisst, dass darüber der Kampfgeist von Gary Haun abfärbt – und das, obwohl Mr. H kein Schimpanse ist. Humorvoll kommentiert Jane diese Tatsache in ihrem Film: «Ich liess Gary den Stummelschwanz des Maskottchens ertasten. Es gibt keine Ausrede: Schimpansen haben keinen Stummelschwanz.»
Schon seit frühster Kindheit träumte Jane Goodall davon, im Dschungel Tiere zu beobachten. Ihre Lieblingsbücher waren Dr. Doolittle und Tarzan, auch wenn sie verschmitzt lächelnd zugibt, dass es sie immer geärgert hat, dass Tarzan die «andere» Jane zur Frau nahm. Dem Rat ihrer Mutter folgend macht sie eine Ausbildung zur Sekretärin, bevor sie dem Ruf des Dschungels folgt und sich in das Abenteuer ihres Lebens stürzt, das bis heute Tag für Tag aufs Neue beginnt.
Vor Jane Goodall hatte noch niemand zuvor über einen längeren Zeitraum hinweg Menschenaffen in Freizeit beobachtet. Am Anfang der Forschungen lies nur ein einziger, neugieriger Schimpanse mit einem grauen Bart ihre Nähe zu: sie taufte ihn David Greybeard. Mr. Greybeard wurde der Schimpanse, der ihr am nächsten stand und er weihte die Forscherin in ein grosses Geheimnis ein: er benutze Stocke und lange Blätter als Werkzeuge, um Termiten zu angeln. Bis dato war man der Annahme, dass nur Menschen in der Lage wären, Werkzeuge herzustellen und zu benutzen. Diese bahnbrechende Entdeckung führte dazu, dass sowohl die Spezies Mensch als auch die Gattung der Affen neu definiert werden mussten. Dank dieser Verhaltensbeobachtungen durfte Sie an der Universität in Cambridge studieren und promovieren.
Jane war auch die erste Forscherin, die Affen Namen statt Nummern gab und Tieren Empathische Fähigkeiten zuschrieb. Laut Jane Goodall können wir vielen von Affen lernen, z.B. eine gute Mutter zu sein. Affenmütter sind äusserst geduldig und verbringen sehr viel zeit damit, mit ihrem Kind zu Spielen und Spass zu haben. Eine fürsorgliche Affenmutter lehrte Die Forscherin ebenfalls, dass Konsequenz und Disziplin bei der Erziehung eine wichtige Rolle spielen. Dieses Wissen kam ihr zu Gutes, als ihr Sohn Hugo Eric Louis, genannt Grub, zur Welt kam, der aus einer Beziehung mit Tierfilmer Hugo van Lawick stammte. Grub wuch so auf, wie Jane Goodall es für sich selbst immer gewünscht hatte: im Dschungel. Doch Grub konnte Jane's Liebe für die Affen nie nachempfinden. Als Erwachsener wurde er industrieller Fischer und Hummerfänger. Wie sehr Jane der Umstand traf, dass Ihr Sohn mit der Ausbeutung von Lebewesen sein Geld verdiente, war in dem Film deutlich spürbar. Durch diese grossen Differenzen entfremdeten sich Mutter und Sohn für lange Zeit und Jane durchlitt ihre schwierisgsten Jahre. Durch ein gemeinsames Projekt für naturfreundlichen Tourismus in Afrika haben die beiden wieder zusammengefunden.
Auch bei der Lösung von Konflikten können wir uns bei unseren nahen Verwandten, den Schimpansen noch etwas anschauen: Auseinandersetzungen beenden Affen immer mit einer zärtlichen Geste als Zeichen, dass alles wieder in Ordnung ist. Die Schimpansen lehren uns auch, dass wir Teil der Tierwelt sind. Sie regen uns an, über unser Verhältnis zu Tieren nachzudenken, denn wir sind nicht so anders, wie wir denken. Auch wenn sie bei der Filmpremiere nicht explizit darauf hingewiesen hat, dass man aus diesem Grund auch keine Tiere essen sollte, so sagt sie an anderer Stelle: «Tausende Menschen, die sagen, dass sie Tiere lieben, setzen sich ein- oder zweimal pro Tag hin und geniessen das Fleisch von Geschöpfen, denen alles geraubt wurde, was ihr Leben lebenswert gemacht hätte und die das furchtbare Leiden und den Terror der Schlachthöfe ertragen mussten.»
Fast 30 Jahre, nachdem sie aufgebrochen war, um die Schimpansen in ihrem natürlichen Lebensraum zu erforschen, nahm ihr Leben erneut eine Wende: Erschüttert durch das Leid von Käfig- und Versuchstieren entschloss sie sich spontan, nicht mehr nur als Forscherin zu arbeiten, sondern sich auch aktiv für den Schutz der Affen einzusetzen. So reist sie seit 1986 als Aktivistin fast permanent um die Welt. Auch heute, mit 77 Jahren, ist sie unermüdlich 300 Tage im Jahr unterwegs und nie länger als 3 Wochen am selben Fleck. An ihre Pensionierung denkt sie noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: Sie möchte sich so lange aktiv für den Artenschutz einsetzen, bis die Welt gerettet ist. Heute erreicht sie dank ihrer Popularität und als UN-Friedensbotschafterin auch Menschen mit hohem Rang in Politik und Wirtschaft, was sie wiederum anspornt, sich weiterhin einzusetzen.
«Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir das Herz der Menschen berühren», sagt Jane Goodall. Damit Menschen, die aktiv werden wollen, Ansprechpartner haben, gründete sie das Jane Goodall Institut. Zusammen mit ihrem Programm «Roots & Shoots», das Jugendliche für den Tier- und den Naturschutz mobilisiert, gibt es mittlerweile Anlaufstellen in mehr als 50 Ländern weltweit.
Jane mag zerbrechlich wirken, aber sie ist zäh und hat ein enormes Durchsetzungsvermögen. Ihre Botschaft an uns alle ist klar: Man muss das Bewusstsein wecken, solange die Menschen jung sind. Wir müssen die Empathie schon bei Kindern und Jugendlichen wecken, da sie in jungen Jahren dafür viel empfänglicher sind als Erwachsene. Kinder und Jugendliche müssen verstehen, dass Geld nicht glücklich macht und dass es Sinnvolleres gibt. Kinder retten die Welt – es ist einfach ihre Natur, dies zu tun. Aber auch wir Erwachsenen können jeden Tag dazu beitragen, dass die Welt ein friedlicherer Ort wird. Jeder Einzelne von uns zählt. Jeder Einzelne kann durch seine täglichen Entscheidungen die Welt ein kleines Stück verwandeln. Es geht nicht nur um Affen, denn es geht um Gleichheit und um Frieden.
Jane macht einen sehr bodenständigen Eindruck. Und doch berührt es sie besonders, wenn gerade junge Menschen, die sonst eher für Popstars schwärmen, sich von ihr inspirieren lassen.
Auf die Frage, ob sie sich ihr jetziges Leben jemals erträumt habe, antwortet sie mit einem Lächeln im Gesicht: «Wie hätte irgendjemand auch nur ansatzweise dieses verrückte Leben voraussehen können, das ich lebe?»
Das Schwierigste an dem autobiografischen Film Jane's Journey sei gewesen, dass der Regisseur mit seinen Fragen Jane dazu gezwungen habe, über sich selbst nachzudenken. Im Film besticht Jane durch ihren Stolz und ihre Ehrlichkeit und sagt frei heraus, dass sie es nicht mehr hören könne, dass Leute ihren Film Gorillas im Nebel toll fänden. Sie pflegt dann zu fragen: «Haben Sie den Film gesehen? Erinnern Sie sich daran, dass die Dame gestorben ist? Nun, ich bin noch da!»
Der blinde Zauberer Gary Haun, der ihr Mr. H geschenkt hatte, sagte in dem Film über Jane: «Sie ist eine dieser Kerzen, die andere Kerzen anzünden. Und Jane zündet tausend andere auf einmal an.»
Das kann man nur bestätigen.
Stefanie Klees
Die DVD kann bestellt werden unter: www.janegoodall.ch