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"Türkisch Slang" ist ein Sprachführer der anderen Art. Auch dieses Buch ist nach den üblichen Kategorien gegliedert: Begrüßen und Verabschieden, Restaurant, Kneipe, Einkaufen, Busfahren, Telefonieren, notwendige und höfliche Floskeln für jede Lebenslage und vieles mehr ist zu finden. Allerdings entstammen der größte Teil des Wortschatzes und vor allem die Redewendungen, denen man hier begegnet, der Umgangssprache bis hin zu speziellen Szenejargons. Ein abgelegener Ort liegt "am Grund der Hölle" oder "auf dem Kopf des Berges". Man hat keinen Bären-, sondern einen Wolfshunger und isst nicht wie ein Scheunendrescher, sondern wie ein Büffel. SMS heißen msj (von mesaj) und das deutsche Handy oder Schweizer Natel ist nach der Hosentasche, in der man es mit sich führen kann, "cep" benannt. Das Kapitel über Sprichwörter hätte ruhig etwas ausführlicher ausfallen können, denn sie werden ständig gebraucht, und wer sie verwendet, glaubt oft, sie erschlössen sich dem Mitteleuropäer von selbst, was leider meist nicht der Fall ist.
Darüber hinaus finden sich die typischen Slang-Register bzw. -Situationen, wie jemanden auf weniger höfliche Art zum Schweigen zu bringen, Schimpfwörter oder unter Männern über Frauen reden.
Vielleicht etwas unerwartet für ein Buch, das auch vor deftigen Ausdrücken, vor dessen Gebrauch der Autor eindringlich warnt, nicht zurückschreckt, ist, dass der Leser auch Verhaltenstipps erhält. Da in der Türkei auf die korrekte Form mehr Wert gelegt wird als in Mitteleuropa, ist dies durchaus angebracht. Gut ist auch, dass der Autor vor der Verwendung von Ausdrücken warnt, die für europäische Ohren völlig harmlos klingen, wie "oha!" ("Übertreib mal nicht!") oder "lan" ("Mensch!"), und die man häufig hört.
Etwas seltsam wirkt, dass auf der CD ein professioneller Sprecher in deutlicher, professioneller Aussprache Wörter herunterliest, die man nur auf der Straße antrifft. Man hätte vielleicht realitätsnahe Dialoge erwartet, nicht reine Wörterlisten. Anwendungsbeispiele sind bedauerlicherweise nur selten beigegeben. Leider erfährt man auch nur wenig über gängige Abkürzungen in der Umgangssprache. Die Liste auf S. 21 hätte deutlich verlängert werden müssen, z. B. um Abkürzungen wie "bi" (statt "bir" für "eins") oder um solche des Präsens’ und Futurs, die man in türkischen SMS oder Internet-Beiträgen ständig vorgesetzt bekommt ("gidyom" und dergleichen für "gidiyorum", "ich gehe" oder "gelicez" für "geleceğiz", "wir werden kommen" und weitere, noch schwerer erschließbare).
Zur Aufnahme in die nächste Auflage des Büchleins seien weiterhin gängige SMS-Abkürzungen wie "saol" für "danke" oder "tskr" für "teşekkür" vorgeschlagen.
Slang ist natürlich regional sehr unterschiedlich. Einige Wörter in diesem Büchlein (z.B. "gayme" für "Kröten, Kohle") werden auf den Dörfern, weniger aber in den Städten gebraucht. Bisweilen finden sich auch Schreibfehler.
Das Kapitel über "Körpersprache" hätte man durch Fotos illustrieren müssen, dann eindeutig zu erklären, wie eine bestimmte Geste aussieht, ist schon schwierig und dem Autor nicht immer geglückt: Dass einem etwas "egal" ist, "wird dadurch gezeigt, indem man den Kopf leicht zur Seite nickt und gleichzeitig die Augenbrauen leicht nach unten drückt." (S. 96f) Wenn dagegen "die offene Hand einmal zur Seite oder zum Körper hin bewegt wird", dann ist etwas ebenfalls gleichgültig, aber in einem abwertenden Sinne. Alles klar?