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Eine Gruppe mit dem Namen Sentience Politics lancierte die nationale Volksinitiative zur Abschaffung der Massentierhaltung in der Schweiz. Sie beauftragt den Bund «die Würde des Tieres in der landwirtschaftlichen Tierhaltung» zu schützen.
Als Massentierhaltung bezeichnen die Initianten alle Formen der landwirtschaftlichen Tierhaltung, bei denen das Tierwohl aus Wirtschaftlichkeitsgründen systematisch verletzt wird. Für die Initianten ist dies «die Haltung von Tieren in grossen Gruppen auf engem Raum». In den vorgeschlagenen Übergangsbestimmungen geben sie als Richtwert den Standard von Bio Suisse an. Damit würden sich die Tierbestände massiv reduzieren.
Aus Sicht von Proviande ist die Initiative unnötig: Die Schweizer Tierhaltung hat im Vergleich mit jener in anderen Teilen der Welt kleine Dimensionen. Die Bauern arbeiten in Familienbetrieben und sind täglich im Stall. Die Tierschutzbestimmungen gehören zu den strengsten überhaupt. Regelungen zu den Höchstbeständen verhindern eine industrielle Massentierhaltung. Bei den Legehennen sind zum Beispiel maximal 18‘000 ausgewachsene Tiere erlaubt, bei den Mastschweinen – mit wenigen bewilligungspflichtigen Ausnahmen – max. 1500 Mastschweine. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es Betriebe mit 600‘000 Hühnern und in der Schweiz werden rund bei der Hälfte der 6000 Schweinehaltungsbetriebe weniger als 51 Tiere gehalten. 42% der Betriebe beherbergen 51-500 Schweine und nur in acht Betrieben werden mehr als 1500 Tiere gehalten.
Dürften weniger Tiere pro Betrieb gehalten werden, würde das die einheimische Produktion von Geflügel- und Schweinefleisch markant verteuern. Nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten sind jedoch bereit, mehr zu bezahlen, auch wenn sie dies in Strassenumfragen immer wieder erklären. Schon heute steht Fleisch aus Bio-Betrieben zur Verfügung, der Verkaufsanteil beim Bio-Schweinefleisch liegt im Detailhandel aber nur bei rund 3%. Gäbe es eine grössere Nachfrage, würden sicher auch mehr Bauern auf Bio umstellen.
Mit der Abnahme der inländischen Produktion würde dem Einkaufstourismus Vorschub geleistet und die Importe aus Staaten mit einem tieferen Produktionsstandard würden zunehmen. Zwar sieht die Initiative vor, dass der Bund auch Vorschriften für den Import erlässt, die der Initiative Rechnung tragen. Es ist aber davon auszugehen, dass sich solche Vorgaben beim Import von Lebensmitteln nicht mit unseren Verpflichtungen bei der WTO und mit anderen Handelsverträgen vereinbaren lassen. Die Schweiz müsste alle Verträge künden.
Bei der Umsetzung der Initiative bei verarbeiteten Produkten wollen die Initianten selber ein «pragmatisches» Vorgehen. Konkret heisst das wohl, dass bei tierischen Inhaltsstoffen in importierten Lebensmitteln «weggeschaut» würde. So könnten weiterhin Lebensmittel in die Schweiz gelangen, die zum Beispiel Eier aus Batteriehaltung enthalten – eine Produktionsform, die in der Schweiz seit langem verboten ist.