Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03369.jsonl.gz/473

Das Urheberrecht kennt viele Absurditäten und Sünden. Eine lesenswerte Auswahl von zehn besonders bemerkenswerten urheberrechtlichen Absurditäten und Sünden aus dem Jahr 2012 hat das französische Magazin «Numerama» veröffentlicht.
Erwähnung findet unter anderem die grassierende «Copyfraud»-Plage. Gemeint sind damit die häufigen Versuche, urheberrechtliche Ansprüche für gemeinfreie Werke (aus der «Public Domain») anzumelden. So ging beispielsweise das französische Département Dordogne rechtlich gegen Faksimiles von Höhlenmalereien in Lascaux vor. Diese Höhlenmalereien enstanden vor 15’000 bis 17’000 (sic!) Jahren, so dass sie ohne jeden Zweifel keinen urheberrechtlichen Schutz geniessen.
Ein Beispiel aus der Schweiz ist die Plattform «e-rara.ch». Auf dieser Plattform veröffentlichen schweizerische Universitätsbibliotheken alte und inzwischen gemeinfreie Publikationen in digitalisierter Form. Im Widerspruch zur Gemeinfreiheit dieser Publikationen definiert «e-rara.ch» Nutzungsbedingungen wie beispielsweise eine Beschränkung auf nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie auf private Nutzung:
«Die auf der Plattform e-rara.ch veröffentlichten Dokumente stehen für nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie für die private Nutzung frei zur Verfügung. Einzelne Dateien oder Ausdrucke aus diesem Angebot können zusammen mit diesen Nutzungsbedingungen und den korrekten Herkunftsbezeichnungen weitergegeben werden. […]»
Auf Nachfrage der Digitalen Allmend hin erklärte die Bibliothek der ETH Zürich vor einiger Zeit, die Gemeinfreiheit der veröffentlichten Publikationen sei bekannt, aber man wolle eine «kleine moralische Schranke errichten» um kommerzielle Anbieter, die sich ungeniert bedienen könnten, abzuschrecken … «e-rara.ch» begeht damit Copyfraud, denn die Plattform erhebt rechtswidrige urheberrechtliche Ansprüche und versucht damit, den Anspruch der Öffentlichkeit auf die freie Nutzung der digitalisierten gemeinfreien Werken zu vereiteln – wobei die Digitalisierung und Veröffentlichung überhaupt erst durch öffentliche Gelder ermöglicht wurde.