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Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung stellt die Schweiz dem WFP auch Expertinnen und Experten zur Verfügung. Marjolaine Greentree ist eine unter ihnen. Sie ist Mitglied des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe und ist gegenwärtig als Regionalberaterin der UNO-Organisation im Einsatz. Sie ist in Johannesburg (Südafrika) stationiert und vertritt das WFP in einem Ausschuss, der ausschliesslich für die Bekämpfung der Auswirkungen von El Niño ins Leben gerufen wurde. Das RIASCO – Regional Inter-Agency Standing Committee – setzt sich aus UNO-Organisationen, NGO und Geberländern zusammen. Es definiert die Prioritäten und humanitären Massnahmen, die in den acht am stärksten betroffenen Ländern im südlichen Afrika, darunter auch Lesotho, ergriffen werden sollen. Die Aktionspläne werden danach von den Mitgliedern umgesetzt.
Marjolaine Greentree, Sie reisen regelmässig in die Länder im südlichen Afrika. Wie würden Sie die Lage vor Ort beschreiben?
Die Region erlebt die grösste Trockenheit in den letzten dreissig Jahren. Gemäss Prognosen werden vierzig Millionen Menschen in der Nebensaison unter Ernährungsunsicherheit leiden. Das südliche Afrika steht nicht einfach vor einer Hungerkrise, sondern vor einer humanitären Krise, die schwerwiegende Folgen für die Ernährungssicherheit, die Landwirtschaft, die Gesundheit und die Bildung haben wird. Die Existenzgrundlage der verwundbaren Bevölkerung ist gefährdet.
Viele Organisationen wollen helfen. Wie wird die Hilfe koordiniert?
Die Koordination erfolgt auf zwei Ebenen. Nehmen wir als Beispiel das WFP, das über elf Büros im südlichen Afrika mit mehreren Zweigbüros in jedem Land verfügt. Mein Team und ich sind dafür zuständig, dass die Aktionspläne, die im RIASCO diskutiert und von den WFP-Einheiten in ihren Regionen umgesetzt werden, mit unseren Partnern koordiniert sind. Gemäss WFP-Beurteilungsskala hat diese Krise oberste Dringlichkeit. Im Feld bedeutet dies, dass enorme menschliche, materielle und finanzielle Ressourcen mobilisiert werden. Da die Dringlichkeit immer noch hoch ist, sind die Fristen für die Sicherstellung eines vollständigen Monitorings aller Aktivitäten extrem kurz. Vor diesem Hintergrund ist eine gute Koordination unabdingbar.
Ausserdem erfordert eine solche Krise eine verstärkte Partnerschaft unter den verschiedenen Organisationen. Daran arbeite ich mit dem WFP und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Wir haben zum Beispiel gemeinsam und unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Hauptsaison für jedes Land Aktionspläne ausgearbeitet, die die Bevölkerung auf die Ankunft von La Niña, Gegenstück zu El Niño (sintflutartige Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche), vorbereiten und zu einer Verbesserung der Instrumente zur Analyse der Ernährungssicherheit beitragen sollen.
El Niño ist ein häufig wiederkehrendes Wetterphänomen. Was können wir tun, damit diese Länder in den nächsten Jahren nicht immer wieder vor der gleichen Situation stehen?
Die Länder im südlichen Afrika waren in den letzten Jahren von verschiedenen klimatischen, wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Katastrophen betroffen, die die Fortschritte in der Region untergraben haben. Die gemeinsame Arbeit der humanitären Akteure und des Gaststaates muss zu einer Stärkung der Kapazitäten der Gemeinden und Systeme beitragen, damit sie besser auf diese Katastrophen vorbereitet sind und sie besser bewältigen können.