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Jedes Stück Mauer in dieser Stadt trägt, wie eine Haut, die Spuren meiner Geschichte.
Mit Lumbre (spanisch für: Glühen) ist dem argentinischen Schriftsteller Hernán Ronsino ein überragender Roman gelungen, der von der Kritik zurecht in eine Reihe mit den grossen Romanen Südamerikas der letzten fünfzig Jahre gestellt wird.
»Geboren bin ich – neunzig Jahre nachdem Urquizas Truppen auf den Ländereien von Gorostiaga gerastet hatten – am Morgen des 28. Januar 1942. Am Ufer der Laguna del Tigre. An diesem Tag – zur selben Stunde – notierte Pavese in sein Turiner Tagebuch – kann es sein, dass er um die Lagune wusste, um den Todeskampf meiner Mutter, die unter den Sternen verblutete, um mich zerbrechliches Wesen auf den Brettern des Milchwagens? –: Sich an etwas zu erinnern bedeutet, es – jetzt erst – zum ersten Mal zu sehen. Die Erinnerung ist ein lichtes Gebären.«
Geschildert werden drei Tage im März 2002: Der Erzähler Federico Souza kehrt nach etlichen Jahren der Abwesenheit in seine Heimatstadt zurück, weil ein alter Freund der Familie, Pajarito Lernú, unter ungeklärten Umständen gestorben ist – und ihm eine Kuh hinterlassen hat.
Eine Maschine zum Erzählen von GeschichtenEingebettet in den Hauptstrang des Romans, der Rückkehr Federico Souzas und das Verstreichen der drei Tage, gefüllt mit Fragmenten aus der Geschichte des Quartiers und ihrer Bewohner, finden sich zahlreiche – fiktive wie historische – Nebenstränge, etwa zum politisch motivierten Mord an dem modernistischen Dichter Carlos Ortiz in Chivilcoy. Und zur Verfilmung dieses Ereignisses mit einem Drehbuch aus der Feder von Julio Denis (Cortázar), in jungen Jahren als Lehrer in dem Städtchen.
Wie erzählt man einen Baum? ...... vor dem Hintergrund des offenen Landes, das niemals endet?Die Wurzeln des Baumes reichen tief in die Geschichte des Landes, –die Äste reichen weit in das Geschehen auf der Welt, in den Krieg auf dem Balkan, nach Vanscoy in Kanada, dem Heimatort seiner Freundin, der Fotografin Hélène, in die Träume des Hugo Luna von einem Start an der Tour de France, – die Blätter sind Namen, Splitter, Licht und Töne, – vieles erzählt wie eine Einstellung in einem Film der Coen-Brothers. Aus der Vielheit des Erzählten setzt sich ein detailreiches Panorama des argentinischen Provinzlebens zusammen, erzählt Ronsino die Biographie eines Baumes. Der Brutalität der provinziellen Wirklichkeit stellt er eine frappierende Leichtigkeit des Erzählens entgegen gegenüber, die nichts Oberflächliches hat und den Leser tief beglückt zurücklässt.
Aus dem argentinische Spanisch übersetzt von Luis Ruby.
340 Seiten, gebunden mit Lesebändchen, 12 SW-Fotos von Silva Pocha.Das Buch erscheint in der SUR-Reihe des argentinischen Aussenministeriums zur Förderung der Literatur Argentiniens im Ausland.