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Rapperswil-Jona verliert seinen bekanntesten Einwohner
Der russische Ex-Oligarch Michail Chodorkowski wohnt nicht mehr in Rapperswil-Jona. Der Kreml-Kritiker hat seinen Wohnsitz nach London verlegt. Seine Frau meldete sich beim Stadtpräsidenten persönlich ab.
von Pascal Büsser
Michail Chodorkowski, seit Frühling 2014 in einer Villa am Lenggisrain in Rapperswil-Jona domiziliert, hat seinen Wohnsitz nach London verlegt.
Erich Zoller, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, bestätigt auf Anfrage der «Südostschweiz», dass Chodorkowski die Stadt Anfang Oktober verlassen hat. Dessen Frau Inna habe sich persönlich bei ihm abgemeldet. «Sie hat sich schriftlich und mündlich für die gute Aufnahme bedankt», sagt Zoller. Auch die Anmeldung vor anderthalb Jahren erfolgte persönlich. Damals traf sich Zoller mit Michail Chodorkowski zum Abendessen. Der Ex-Oligarch war einige Male in der Altstadt oder in der
S-Bahn nach Zürich gesichtet worden. Letztes Jahr besuchte er mit seinen Söhnen die Olma in St. Gallen.
Für den Wegzug habe Chodorkowskis Frau «persönliche Gründe» angegeben, so Zoller. Dass sich die Familie in Rapperswil-Jona niederliess und gar die bewohnte Villa kaufte, hatte damit zu tun, dass die beiden Söhne in St. Gallen zur Schule gingen. Sie dürften ihre Ausbildung in London fortsetzen.
Zoller: «Keine extremen Spuren»
In der englischen Hauptstadt rief der Kreml-Kritiker am Mittwoch vor Journalisten zu einer friedlichen Revolution gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf. Und machte bekannt, dass die russischen Behörden ein drittes Verfahren gegen ihn eröffnet haben.
Der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war 2003 festgenommen worden und wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zweimal verurteilt und jahrelang inhaftiert worden. Die Prozesse wurden international als politisch motiviert bewertet. Kurz vor den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi Anfang 2014 begnadigte Präsident Putin den Kritiker überraschend.
Chodorkowskis Vermögen wird heute auf einige Hundert Mio. Franken geschätzt. In der Schweiz wurde er pauschal besteuert. Laut Zoller hinterlässt der Abgang im Steuerhaushalt der Stadt «keine extremen Spuren, da sich die Einnahmen dank vieler vermögender Steuerzahler breit verteilen.»