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Viele Menschen missverstehen Angstzustände und Depressionen. Wenn du morgens nicht aufstehen möchtest oder das Leben nicht lebenswert ist, denkst du, dass etwas mit dir nicht stimmt. Wenn du in Panik gerätst, nicht klar denkst und dich überfordert fühlst, meinst du, du verlierst den Verstand.
Wenn du diese Reaktionen als Anzeichen von Angstzuständen oder Depressionen erkennen kannst, bist du dem Spiel bereits einen Schritt voraus. Viele Menschen erkennen die Symptome jedoch nicht und haben einfach das Gefühl, dass etwas wirklich falsch mit ihnen ist. Sie glauben, dass das Problem in ihren Emotionen liegt und daher bei ihnen. Sie erkennen sich selbst als das Problem, weil sie sich anders verhalten als "normal" wäre und weil sie ihre Emotionen nicht kontrollieren können.
Ich bin nicht überrascht, dass viele Menschen ihre eigenen emotionalen Welten sehr missverstehen. Das hat viel damit zu tun, das Fachleute die Öffentlichkeit schlecht über menschliche Emotionen aufgeklärt haben. Viele psychiatrische und psychologische Fachkräfte sind der Ärzteschaft gefolgt, um emotionalen Stress wie eine körperliche Krankheit zu behandeln. Sie glauben, dass Depressionen und Angstzustände Formen von psychischen Erkrankungen sind und verordnen starke Medikamente, in der Hoffnung, damit die Symptome unter Kontrolle zu bringen.
Selbst in der alternativen Medizin, begegnen mir viele fragwürdige Behandlungstechniken, die lediglich die Symptome mildern aber das Problem nicht bei der Wurzel packen. Nicht dass diese Methoden in sich selbst schlecht sind, jedoch bin ich der Meinung, dass sie in Bezug auf Angst und Depression als das verstanden werden sollten, was sie sind, ein Begleitmittel, zur Unterstützung bei der eigentlichen Ursachenbehandlung.
Wenn du also aus demselben Grund tiefe Atemmethoden übst oder gewisse Verhaltenstechniken anwendest, wenn du lieber irgendwelche Wässerchen, Mittelchen und Tinkturen schluckst oder wenn du dich nur mit Heilsteinen, Schutzamuletten und magischen Symbolen eindeckst, ohne dich dabei deinem wirklichen Problem zu stellen, dann machst du genau denselben Fehler. Du behandelst das Symptom, ohne die Grundursache zu verstehen. Du näherst dich deiner Angst oder Depression immer noch als Symptom einer Krankheit, die beseitigt werden muss und verpasst die Chance, die wirkliche Ursache zu erkennen, welche deine Psyche und dein Körper dir die ganze Zeit über versuchen zu zeigen.
Angst und Depression sind beide Signale dafür, dass es Probleme in deinen Beziehungen gibt, entweder in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, sie spiegeln die Auswirkungen dieser Beziehungen wider. Sowohl Angstzustände als auch Depressionen entstehen in Beziehungen, werden jedoch allein erlebt, sodass der Zusammenhang mit Beziehungen oft nicht offensichtlich ist.
Die moderne Psychoanalyse hat Depression sehr gut erklärt, als Wut, die sich gegen das Selbst richtet. Die Wut wird nach innen gerichtet, weil sie nicht zu einer Person oder einem Problem in einer Beziehung nach aussen gebracht werden kann. In der Vergangenheit wurdest du möglicherweise erzogen, dich anderen nicht zu widersetzen und deine Stimme wurde dir verweigert. Als Erwachsener wurdest du möglicherweise ausgegrenzt oder abgelehnt, als du versuchtest, deinem Problem eine Stimme zu geben. Und als du dir das Recht, deine Stimme verlauten zulassen selbst untersagtest, öffnetest du die Tür, dir selbst die Schuld dafür zu geben, nicht gesprochen zu haben. Das Endergebnis davon ist eine überwältigende Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit, das perfekte Rezept für eine Depression.
Die Verinnerlichung von Wut ist ein Beziehungsproblem aus der Vergangenheit. Es ist ein Überbleibsel eines Entwicklungsproblems, das aus deiner Eltern-Kind-Beziehung stammt. Wie die meisten Kinder, wolltest auch du deinen Eltern gefallen, deshalb lerntest du sehr früh, deinen Ärger zu unterdrücken, um Akzeptanz zu erlangen. Wenn du als Erwachsener deinen Ärger weiterhin verbirgst, kannst du deinen Ärger nicht mobilisieren. Du wirst wütend auf dich selbst, weil du das Problem nicht aussprechen oder lösen kannst.
Die Verinnerlichung deiner Wut als Erwachsener, setzt die Auswirkungen deiner Erfahrungen mit deinen Eltern fort. Während deine Eltern scheinbar dein Leben nicht mehr kontrollieren, wirst du weiterhin von den Erfahrungen mit ihnen beeinflusst. Du unterdrückst deinen Ärger, weil du von deinen Eltern nicht dazu ermutigt wurdest, deinen Ärger konstruktiv zu nutzen. Du hast diese Rolle mit anderen "Elternersatzpersonen" in deinem Leben weiter gespielt, wie anderen Autoritätspersonen oder in Liebesbeziehungen. Die Depression, die sich aus unterdrückter Wut als Erwachsener ergibt, ist die Narbe dessen, was du von deinen Eltern gelernt hast.
Gleiches gilt für Angstzustände. Die meiste Angst ist ein Signal dafür, dass unter der Oberfläche tiefere Emotionen zu spüren sind. Es ist das Zittern eines Erdbebens, bevor sich die Erde aufspaltet. Ungelöste Beziehungsprobleme führen zu negativem abweisenden Verhalten und unterdrückter Wut. Das unbewusste Ausleben des Zorns führt nur zu noch mehr Schuld und Scham. Kurzfristig hilft es, mit Genussmitteln wie Sex, Alkohol oder Drogen vor dem Problem davonzulaufen, aber das Problem wird nicht gelöst und taucht irgendwo später wieder auf. Angst ist das Signal dafür, dass ein Problem darauf wartet, von dir gelöst zu werden.
Viele Menschen lösen ihre Ängste, indem sie das tun, was ihnen gesagt oder von ihnen verlangt wird. Sie akzeptieren ihre zugewiesene Familien- oder Gruppenrolle, um Angstzustände abzubauen und den Komfort wiederherzustellen. Sie vermeiden die Schuld und Scham, anders zu sein, als ihnen beigebracht wurde. Sie leugnen ihre natürlichen Reaktionen und vermeiden Verhaltensweisen, die negative Emotionen hervorrufen würden, welche über Jahre der Kindererziehung in sie eingearbeitet wurden.
Die emotionale Unterdrückung, die zu Angstzuständen und Depressionen führt, führt auch zu einem Problem der Selbstidentität. Du wirst verwirrt darüber, wer du bist. Du opferst deine wirklichen Reaktionen, um anderen zu gefallen. Du wirst abhängig von den Reaktionen anderer, anstatt das zu tun, was du für richtig hältst. Du überzeugst dich sogar davon, dass du deinem wahren Selbst treu bist und verwechselst, wer du wirklich bist, mit der Art und Weise, wie du erzogen wurdest. Diese Identitätsverwirrung resultiert aus dem Verschmelzen von dem wer und wie du bist, mit dem, was dir gesagt wurde, wer und wie du zu sein hast. Gleichzeitig denkst du, dass du dir selbst treu bist. In diesem Fall leidest du unter Identitätsverwirrung. Die Symptome davon sind Angstzustände und Depressionen.
Ein verwirrtes Selbst ist ein Rezept für emotionalen Stress. Obwohl es Leiden verursacht, ist es sehr weit verbreitet. Du musst aus dem Versuch heraus wachsen, anderen zu gefallen, und es durch das Lernen ersetzen, für dich selbst einzustehen. Du hast in dir zwei Selbst, das Selbst für andere und das authentische Selbst. Als Kind ist dein Selbst für andere stark und dein authentisches Selbst schwach. Das Erwachsen werden erfordert eine Veränderung und Entwicklung dieses Selbstsystems. Das authentische Selbst braucht Übung, um stärker zu werden als das Selbst für andere. Angst und Depression sind Signale dafür, dass in deinen Beziehungen emotionale Arbeit geleistet werden muss, um dein authentisches Selbst zu entwickeln.
Die Antwort lautet nein, da einige Menschen biologische Probleme haben, die ihre Angstzustände oder Depressionen verursachen. Es gibt Studien dazu, die davon ausgehen, das ca. 20% der Bevölkerung unter biologischen Einflüssen an Angst oder Depression leiden. Alle Menschen werden jedoch abhängig geboren und müssen mit ihren Emotionen umgehen, um zu lernen und zu wachsen. Das bedeutet, dass 100% der Fälle von Angstzuständen oder Depressionen eine Identitätsverwirrung als Teil des Problems enthalten. Ca. 20% haben die Komplikation der Biologie als zusätzliche Schicht, und die restlichen 80% sind ausschliesslich Fälle einer verzögerten Entwicklung des Selbst.
Nach meiner Erfahrung, werden einfache Ängste und leichte Depression oft in einer Sitzung aufgelöst, weil sie als Ursache oft nicht mehr als zwei bis drei Gründe aufweisen. Wenn nötig, wird nach ein bis zwei Wochen ein "Follow-up" durchgeführt, um zu überprüfen, ob das Problem wirklich restlos behoben ist.
Wenn ein Fall komplexer ist, werden die Ursachen von Angst oder Depression normalerweise immer noch in einer Sitzung gelöst, zumindest aber stark entschärft. Oft gibt es neben dem Auflösen der zugrundeliegenden Ursache zusätzliche Arbeit die gemacht werden muss. Zum Beispiel all die Dinge nachholen, welche durch die Angst oder Depression verpasst wurden. Dazu gehört der Aufbau von Selbstvertrauen, das Entdecken der neu gewonnenen Selbstidentität, das sinnvolle Kanalisieren der freigewordenen Lebenskraft, oder die Wiederherstellung, der durch das Leiden in Mitleidenschaft gezogenen Beziehungen zu Familie und Freunden. Trotzdem ist es mein Ziel, die Therapie so kurz wie möglich zu halten und auch immer nur das zu behandeln, was der Klient explizit von mir wünscht.