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Studie assoziiert Hormonersatztherapie mit vermehrter Demenz
Eine grosse dänische Studie (1) bringt Behandlungen mit Östrogenen und Gestagenen während der Wechseljahre mit einer Demenz- und Alzheimer-Rate in Verbindung. Das betraf sowohl die längerfristige, aber auch die kurzfristige Hormonersatztherapie. Die Ergebnisse sind ein weiteres Signal für einen Zusammenhang zwischen HRT und Demenz.
Die Hormonersatztherapie (HRT) wird in der Peri- und Postmenopause zur Linderung häufiger Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt. Besonders effektiv sind sie etwa bei vasomotorischen Symptome wie Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen (siehe Kasten).
Rund die Hälfte der Frauen leidet in der Peri- und Postmenopause unter Wechselbeschwerden. Dazu gehören unter anderem Hitzewallungen und nächtliche Schweissausbrüche, aber auch Symptome wie Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen und psychische Probleme. Sie können mehrere Jahre anhalten, und fallen von Frau zu Frau stark unterschiedlich aus.
Die Präparate sind in Form von Tabletten, Hautpflaster, Gele und Cremes verfügbar. Enthalten sind entweder nur Östrogene, oder eine Kombination aus Östrogenen und Gestagenen. Sie lindern vasomotorische Beschwerden sehr effektiv, und haben einen protektiven Effekt gegen Osteoporose. Zu den Risiken gehört, dass es bei einer langfristigen Einnahme von Hormonen (über 5 Jahren) das Brustkrebsrisiko leicht erhöht ist. Die HRT wird heute daher nach Möglichkeiten meist nur mit geringen Dosen und eher kurzfristig angewendet (2).
Studie schliesst die Lücke bei kurzfristiger HRT und jüngeren Frauen
Demenz ist bei Frauen wesentlich deutlicher vertreten als bei Männern. Das deutet auf Risikofaktoren hin, die spezifisch für das weibliche Geschlecht sind. Schon länger wird zumindest die mehrere Jahre dauernde HRT mit der Entwicklung von Demenz bei Frauen über 65 in Verbindung gebracht (3-6). Der Effekt einer kurzzeitigen HRT auf das Gedächtnis ist dagegen – vor allem bei jüngeren Frauen - vergleichsweise umstritten.
Die jetzt durchgeführte Fall-Kontroll-Studie verglich 5.589 Frauen mit Demenz sowie 55.890 altersgleiche demenzfreie Kontrollen aus einer Population aller dänischen Frauen, die im Jahr 2.000 zwischen 50 und 60 Jahre alt waren. Bei den eingeschlossenen Probandinnen lag weder eine Demenz in der Vorgeschichte vor, noch Kontraindikationen, die eine HRT während der Wechseljahre ausschlossen.
Auch andere relevante Faktoren wie Bildung, Einkommen, Bluthochdruck, Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen berücksichtigten die Forscher.
Östrogen-Gestagen-Therapie erhöhte das Risiko in der Studie um 24 Prozent
Frauen, die eine Östrogen-Gestagen-Therapie erhielten, hatten ein um 24 Prozent erhöhtes Risiko, an einer Demenz jeglicher Ursache oder an der Alzheimer-Krankheit zu erkranken, verglichen mit Personen, die die Behandlung nie in Anspruch genommen hatten (HR 1,24, 95%-KI: 1,17-1,33). Das galt auch bei Frauen, die im Alter von 45 bis 55 Jahren mit einer HRT behandelt wurden.
Die Raten wurden dabei umso höher, je länger die Behandlung andauerte, und reichten von 21 Prozent Unterschied bei einem Jahr oder weniger (HR 1,21; 1,09-1,35) bis zu 74 Prozent bei mehr als 12 Jahren Anwendung (HR 1,74; 1.45-2.10).
Die erhöhte Demenzrate in der Studie war dabei bei kontinuierlicher (tägliche Einnahme) und zyklischer (tägliche Einnahme an 10-14 Tagen im Monat) ähnlich. Nicht mit Demenz in Verbindung assoziiert war die ausschliessliche Einnahme von Gestagenen und vaginal angewendetem Östrogen.
HRT und Demenz: «Ergebnisse nicht für das shared decision making geeignet»
Ob die Ergebnisse eine tatsächliche Auswirkung der Hormontherapie in den Wechseljahren auf das Demenzrisiko darstellen oder ob sie eine zugrundeliegende Veranlagung bei Frauen wiederspiegeln, die die HRT benötigen, muss man in weiteren Studien klären, schreiben die Autoren.
In einem begleitenden Editorial weisen zwei US-amerikanische Experten, der Radiologe Kejal Kantarci und die Gynäkologin JoAnn E Mansion, darauf hin, dass die Ergebnisse der Studie nicht für das Sheared decision Making über die Anwendung einer HRT bei vasomotorischen Beschwerden dienen sollten. Lediglich randomisierte klinische Studien, erinnern sie, liefern eindeutige Beweise für die Auswirkungen der Hormontherapie auf das Demenzrisiko.
Sie konstatieren, dass es möglicherweise bei jüngeren Frauen, die unter einer HRT ein erhöhtes errechnetes Demenzrisiko hatten, zusätzliche Einflussfaktoren gegeben haben müsse. Denn ein erhöhtes Demenzrisiko aufgrund einer Hormonbehandlung, die unter ein Jahr lang dauert, ist für sie biologisch wenig plausibel. Denkbar wäre etwa, dass die Wechsel-bedingten Beschwerden selbst die kognitive Leistung verschlechtert haben könnten.
Neue Option könnte HRT teilweise ersetzen
Für Frauen, die Kontraindikationen für die HRT aufweisen oder keine hormonelle Behandlung wünschen, könnte es mit dem NK3R-Inhibitor Fezolinetant bald eine weitere effektive Option geben. Fezolinetant ist in den USA bereits zugelassen. In der Schweiz wird die Zulassung gegen Ende des Jahres 2023 erwartet.