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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
25.
So lassen sich die Pythagoreer über die Einrichtung der Welt ungefähr folgendermaßen vernehmen:
[S. 161] „Denn in der Tat sie bestand und wird besteh'n und ich meine,
Niemals wird die unendliche Welt dieser beiden entraten“1.
Was sind nun diese beiden? Zwietracht und Liebe. Die Liebe macht die Welt unzerstörbar und ewig; Substanz und Welt sind nämlich eines, wie sie meinen; die Zwietracht aber zerstreut und trennt und versucht, die Welt vielfach zu teilen und dadurch zu bilden. Gleichwie wenn einer rechnerisch die Myriade (Zehntausend) in Tausender und Hunderter und Zehner, und die Drachmen zu Obolen und zu kleinen Quadranten in Stücke schneidet, so teilt die Zwietracht die Weltsubstanz in Tiere, Pflanzen, Metalle und so fort; die Zwietracht ist die Ursache des Entstehens aller Dinge, die Liebe Verwalterin und Hüterin des Alls, auf daß es bestehe; sie führt das Zerteilte und vom Ganzen Losgerissene zur Einheit und indem sie es aus dem Leben hinwegnimmt, verknüpft und verbindet sie dasselbe mit dem Ganzen, auf daß es bestehe, und es wird Eins. Die Zwietracht zerteilt also in einem fort das All, und die Liebe teilt die losgetrennten Dinge immerwährend dem All zu. Dies ist anscheinend das pythagoreische Weltgesetz. Pythagoras behauptet, die Sterne seien Sonnensplitter, und die Seelen der Lebewesen kämen von den Sternen; die Seelen seien sterblich, solange sie im Leibe wie in einem Grabe begraben seien, sie stünden aber auf und würden unsterblich, wenn wir von den Leibern befreit würden. Daher antwortete Plato auf die Frage: Was ist die Philosophie?: Die Trennung der Seele vom Körper2.
1: Empedokles Fr. 16 D.
2: Phaidon 64 C. 65 A ff.