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Kyll, Lieser und Alf mit Üß fließen südwärts zur Mosel, ferner Nette und Brohl ostwärts, Erft nordwärts zum Rhein, Roer zur
Maas. Das schönste unter den Thälern dieses Gebiets, überhaupt das malerischte aller Nebenthäler des Niederrheins ist das
der Ahr. Die Eifel zerfällt naturgemäß in mehrere größere Bezirke, deren scharfe Abgrenzung freilich
schwierig, teilweise unmöglich ist; es sind dies das Maifeld, der Ahrgau, die Hohe Eifel, die Vordereifel und die öden westlichen
Höhenzüge, zu denen die Schneeeifel (Schneifel) und das Hohe Venn gehören.
Das Maifeld, der alte Maiengau, von der Nette und Elz durchschnitten, bildet eine Ebene von durchschnittlich 400 m
Meereshöhe und verdankt seinen Namen wohl den Volksversammlungen der Franken, die daselbst stattfanden. Nordwestlich von demselben
erheben sich die Vulkangipfel des Hochsimmer (559 m) und des Forstbergs (574 m), während nördlich inmitten einer großartigen
vulkanischen Landschaft der Laacher See (s. d.) liegt, umringt von einem zusammenhängenden
Kranz waldiger Höhen, darunter im NW. der Veitskopf, aus
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Nördlich folgt der Ahrgau mit dem Ahrthal, in dem sich die basaltische Landskrone erhebt, und das von Ahrweiler bis Altenahr
ein tiefes, wildromantisches Felsthal ist. Der Hohen Eifel gehört ein bedeutender Zug
basaltischer Kuppen, der
die höchsten Gipfel des Landes enthält, an: die Hohe Acht (760 m), die Nürburg (688 m), der Kellberg (674 m) u. a. Die Vordereifel
ist nicht allein geologisch, sondern auch malerisch reicher als die Hohe Eifel. Zu ihr gehören die schönen Thäler der Üß bei
Bad
[* 11] Bertrich, das Lieserthal mit dem SchloßGerolstein an der Kyll und der Eifelbahn, wo der dolomitische Übergangskalkstein
mit vulkanischen Gesteinen und mit Burgruinen wetteifert, die landschaftliche Schönheit des Kyllthals zu erhöhen.
Zahlreich sind die Punkte vulkanischer Thätigkeit, die sich zwischen Bertrich und Ormont von SO. nach NW. verbreiten, am
meisten aber in dem Dreieck
[* 12] zwischen Daun, Gerolstein und Hillesheim zusammengedrängt sind; hier finden sich ausgedehnte Strecken,
an denen noch die scharfe, unverwitterte dunkle Lava das Land deckt. Unter den zahlreichen Maaren (s. unten) sind besonders
hervorzuheben: das große Meerfelder Maar, westlich von Manderscheid, das Pulvermaar, unfern Gillenfeld, vor allen
aber die drei Maare am Mäuseberg bei Gemünd und Mehren, unfern Daun: das Schalkenmehrener, Weinfelder und GemündenerMaar, alle
von Tuff umringt, die beiden letzten ohne Ausfluß,
[* 13] obgleich das letzte nur durch einen 230 m breiten Steilrücken vom tiefen
Lieserthal getrennt ist.
Ein zweiter, höchst ausgezeichneter Vulkan ist der im S. des Meerfelder Maars, im W. von Manderscheid
liegende, aus Schlacken aufgehäufte Mosenberg (524 m ü. M., 185 m über jenem Maar), nicht weniger als vier Krater enthaltend.
Westlich von der Kyll hören basaltische und vulkanische Bildungen auf, ebenso nördlich von Ormont. Dem nördlichsten Teil
der Eifel gehört das industriereiche SchleidenerThal
[* 14] an, ein Seitenthal der Roer, in dem die alte, einst
reiche Abtei Steinfeld liegt. In trostloser Öde zieht im W. von Prüm der schmale Quarzitrücken der Schneeeifel oder Schneifel
in nordöstlicher Richtung hin, 696 m erreichend. Weiter westlich folgen dann die breiten, auf ihren Höhen mit tiefen Torfmooren
und Heide bedeckten Rücken, deren äußerster auf deutschem Gebiet das Hohe Venn (s. d.) ist, schon zusammengesetzt
aus den Schiefern der Ardennen, als deren unmittelbare Fortsetzung es zu betrachten ist.
Alle diese Sedimentbildungen führen Erze. Von besonderer Wichtigkeit sind aber nur der Bleiberg von Kommern durch seinen im
Buntsandstein eingesprengten Bleiglanz und der AlteBerg im neutralen Distrikt bei Aachen durch seine reiche
Führung von Zinkerzen im devonischen und untern Kohlengebirge. Die Braunkohlenformation, das Tertiärgebirge, ist nur durch
trachytische Tuffe ohne Kohlen angedeutet; das eigentliche Braunkohlengebirge gehört dem nördlichen Rand an, insbesondere
bei Bonn.
Von größtem geognostischen Interesse sind die neuvulkanischen Bildungen, die sehr verschiedenen Alters
sind, wenn auch die jüngsten Ausbrüche nicht wohl noch in die historische Zeit hineinreichen. Die neuvulkanischen Bildungen
gehören zwei Hauptbezirken an: 1) der Vordereifel, wo in einer Zone, die von BadBertrich bis zum Goldberg am Nordende der Schneeeifel
bei Ormont von SO. nach NW. zieht, basaltische Laven hervorgebrochen und ausgeworfen worden sind, und wo
die Gegend von Daun und Gerolstein den Hauptmittelpunkt dieser Thätigkeit bildet, und 2) dem Bezirk des Maifeldes mit dem Laacher See,
wo außer eigentümlichen basaltischen Laven sich in großartiger Weise Bimssteintuffe abgelagert finden. Isoliert als äußerster
nördlicher Vorposten erscheint der kleine Roderberg bei Godesberg unweit Bonn mit ausgezeichnetem Krater
auf der Höhe seines abgestumpften Schlackenkegels. Eigentümlich sind dem vulkanischen Gebiet der Eifel die Maare, kleine Seen,
welche vielfach die erloschenen Krater ausfüllen, teilweise aber sich schon in Wiesen verwandelt haben. Ebenda gibt es auch
Säuerlinge in großer Menge, in der Umgegend von Daun gegen 500.
Ringsum an den Süd- und Osträndern des Eifelplateaus und selbst in Thälern desselben reift die Traube und herrscht reicher
Obstbau. Berühmt sind die Moselweine und die roten Weine des Ahrthals (Ahrbleicharte). Auf seinen Höhen dagegen wird nur bis 520 m,
selten bis 550 m Ackerbau getrieben,
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Jedoch nimmt diese Wirtschaftsweise immer mehr ab. An der Grenze der höhern Heide reift übrigens nicht in jedem Jahr das
Getreide.
[* 24] Noch liegt hier ein weites Gebiet für landwirtschaftliche, überhaupt volkswirtschaftliche Verbesserungen fast brach.
Die öden Heiden auf dem trocknen Quarzfels der Schneeeifel, die mächtigen Torfmoore des HohenVenn werden
freilich wohl noch lange den Bemühungen, sie derKultur zu gewinnen, widerstehen. Seit 1871 durchschneidet die Eifel eine Eisenbahn
von Köln
[* 25] nach Trier.
Vgl. Schannat, Eiflia illustrata (a. d. Lat. von G. Bärsch, Köln 1825-26);
v. Dechen, Geognostischer Führer
zu der Vulkanreihe der Vordereifel (2. Aufl., Bonn 1885);