Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03212.jsonl.gz/2695

Die gesammelten Ausgaben des Schweizerischen Katholischen Sonntagsblattes aus dem Jahr 1892 sind eine kulturhistorisch hochinteressante Lektüre.
Besonders spannend sind die Inserate beziehungsweise die Annoncen. Oft ist da von Hausangestellten die Rede. „Rechtschaffene Eltern“ sind dabei sehr wichtig (uneheliche Kinder sind also nicht erwünscht), auch auf das Wort „katholisch“ wird grosser Wert gelegt (als ob damals ein Nicht-Katholik dieses Blatt gelesen hätte). Zukünftige Dienstmädchen sollten „treu„, „brav“ und „willig“ sein. Manche Inserate entbehren aus heutiger Sicht nicht einer gewissen Komik, etwa wenn ausdrücklich „Gute Behandlung wird zugesichert“ steht oder wenn die Stellensuchende betont, es werde „mehr auf gute Behandlung als auf grossen Lohn gesehen„. Am besten gefällt mir das „Mädchen mit schöner häusl. Einrichtung„, das eine „Stelle bei einem H. Geistlichen“ sucht. Erschütternd ist hingegen die Frage, wer einer „armen Wittwe eines ihrer 4 braven Kinder abnehmen“ würde. Das Ganze verläuft übrigens äusserst diskret; meistens wird für nähere Informationen auf die Expedition des Blattes (Firma L. Gegenbauer in Wil) verwiesen. Nur ganz selten werden Namen genannt.
Doch nicht nur die Stellenanzeigen sind lesenswert. Am 27. Februar wollte jemand eine „ca. 50 Kilo schwere, ältere Glocke zu Verwendung für eine überseeische Missionsstation“ erwerben. „Der ächte Eisencognac Golliez“ wird immer wieder als „das anerkannt beste Eisenpräparat“ angepriesen.