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Etrit Hasler erklärt, wie ein Bibelzitat zur Wrestlingmarke wurde
Wieder einmal beschert uns die wunderbar zweidimensionale Welt des Wrestlings eine einzigartige Kuriosität: Wie letzte Woche bekannt wurde, hat die grösste Wrestlingliga WWE den Begriff «3:16» als Marke eintragen lassen zur exklusiven Verwendung als Aufdruck auf T-Shirts und anderen Kleidungsstücken.
«3:16» ist natürlich eine Referenz auf Johannes 3, 16, einen der meistzitierten Bibelverse überhaupt: «Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.» Doch jeder Wrestlingfan erkennt in der Zahlenkombination eine Referenz auf den populärsten Wrestler der Jahrhundertwende: Stone Cold Steve Austin.
Austin, geboren als Steven James Anderson in Austin, Texas, kam 1995 zur WWE (damals noch WWF), wo er sich in kürzester Zeit sowohl als präziser technischer Wrestler, aber eben auch als Showman einen Namen machte. Bereits ein Jahr später gewann er überraschend das «King of the Ring»-Turnierfinale gegen die Wrestlinglegende Jake «The Snake» Roberts – einen Mann, der seine besten Zeiten Ende der achtziger Jahre hatte und vor allem dafür bekannt war, zusammen mit seiner zahmen Pythonschlange Damien in den Ring zu steigen.
1996 kehrte Roberts zur WWE zurück, wo er als frisch bekehrter Christ auftrat – in einem für Wrestling eher überraschenden Moment biografischer Authentizität, da er kurz zuvor in einem christlichen Entzugsprogramm seinen Glauben gefunden hatte. Austin, ein geborener Provokateur und Antiautoritärer, liess es sich nicht nehmen, Roberts nach dessen Niederlage dafür zu verhöhnen in einem (komplett improvisierten, wie Austin später bemerkte) Interview, das in die Wrestlinggeschichte eingehen sollte: «Du sitzt da und klopfst auf deine Bibel und plapperst deine Gebete, und es hat dich nirgends hingebracht. Laber über deine Psalmen, laber über Johannes 3, 16 … Austin 3:16 sagt: Ich habe dir gerade den Arsch versohlt.»
Das ansonsten eher rechtskonservative (und christliche) Wrestlingpublikum war aus dem Häuschen. So viel Kaltschnäuzigkeit hatte man im Wrestling noch nicht gesehen. Über Nacht wurde aus Austin der meistgehypte Wrestler der Liga und über die Jahre einer der erfolgreichsten Athleten des Sports. Der scheinbar unkontrollierbare Antiheld, der sich in seinen Storylines immer wieder mit der Liga und ihrem echten Besitzer Vince McMahon anlegte, wurde zur Symbolfigur der «Attitude Era», der letzten Glanzphase des modernen Wrestlings, einer Zeit, in der die Ligen verzweifelt versuchten, ein erwachsenes Publikum anzuziehen, indem sie ihre Figuren rauer und kantiger machten. Austin musste sich zwar schon 2003 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäft zurückziehen. Allerdings arbeitet er bis heute als Kommentator und Schiedsrichter weiter und konnte sogar ein paar Kinorollen landen (darunter in der Action-Supergroup «The Expendables» mit Sylvester Stallone).
Dass eine Phrase zwanzig Jahre danach als Marke eingetragen wurde, wird mit ziemlicher Sicherheit auch ein paar christliche JuristInnen auf den Plan rufen – was Stone Cold wohl ein Lächeln auf die Lippen zaubern würde. Obwohl er sich selber offiziell als Christ bezeichnet, hat er sich immer wieder mit US-Christen angelegt, sei das im Ring oder ausserhalb. 2014 liess er in seinem Podcast verlauten, dass er ein überzeugter Vertreter der Ehe für alle sei. Und fügte sogleich hinzu, dass er von Kirchen genervt sei, die predigten, dass dies gegen den christlichen Glauben verstosse: «Welcher dieser Motherfuckers hat mit Gott gesprochen, und Gott hat ihm erzählt, dass gleichgeschlechtliche Ehen ein No-Go seien?» Das mag vielleicht etwas krude formuliert sein. Aber um es mit Austin 3:16 zu sagen: Auch wenn er nicht mehr im Ring steht – Stone Cold versohlt immer noch Ärsche, wo er sie findet.
Etrit Hasler ist Wrestlingfan. «Because Stone Cold said so.»