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Die Uraufführung des «Freischütz» 1821 in Berlin war ein derartiger Triumph für Carl Maria von Weber, dass der nächste Schritt nur folgerichtig erschien: die Komposition einer heroisch-dramatischen Oper. Der Auftrag hierzu kam aus Wien, als Librettistin wählte Weber die Romantikerin Helmina von Chézy. Dramaturgische Schwächen des Textbuchs gelten als Hauptgrund, warum sich «Euryanthe» trotz erfolgreicher Premiere nie so recht durchsetzen konnte. Was umso bedauerlicher ist, als Webers Oper entwicklungsgeschichtlich für Wagners Musikdramen den Boden bereitet.
An den «Lohengrin» etwa erinnert nicht nur vom Inhalt her vieles: Ritterromantik, das Thema der Gattentreue, Verklärungsszenen und eine spezielle Figurenkonstellation. Auch stilistisch setzte Weber Massstäbe für die Zukunft: durch dramatische Deklamation, die Weitung geschlossener Formen, instrumentale Effekte und Ansätze zu einer Leitmotivtechnik.
In der Ouvertüre zu «Euryanthe» verfolgte Weber einen ähnlichen Ansatz wie in der zum «Freischütz»: Zentrale Themen der Oper werden nicht bloss vorgestellt, sondern zu einem konflikthaften Ablauf verdichtet. So mündet der anfängliche Jubelton unerwartet in eine mystische Geigenpassage, die auf die Geisterszene des ersten Akts vorausweist. Aus ihr entwickelt sich ein immer dichteres, turbulenteres Fugato, das zuletzt von der Wiederkehr der Anfangsthematik in die Schranken gewiesen wird. Am guten Ende der Oper lässt diese Ouvertüre keinen Zweifel – dass es bis dorthin ein weiter Weg ist, aber auch nicht.