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Titel
Haut
[* 2]
(Integumentum, Integument), die Bekleidung der Oberfläche und der verschiedenen
Höhlen des tierischen
Körpers,
im übertragenen
Sinn auch s. v. w.
Membran (membrana), d. h. eine dünne, ausgedehnte
Schicht irgend eines
Gewebes (Sehnen
haut,
Faser
haut, Knochenhaut). Gewöhnlich unterscheidet man die äußere
Bedeckung des
Körpers schlechthin
als
Haut von derjenigen seiner
Höhlen
(Darmkanal,
Leibeshöhle), welche als Schleim
haut (s. d.) bezeichnet wird; beide gehen
meist ohne scharfe
Grenze ineinander über.
Jede
Haut besteht aus einer oder mehreren
Schichten
Zellen (Epithelzellen), die je nach
Lage und
Funktion des
Hautteils verschiedene
Beschaffenheit haben. Bei vielen niedern
Tieren sind die meisten derartigen
Zellen und zwar sowohl die der
äußern als auch der innern
(Schleim-)
Haut mit
Wimpern besetzt, welche zur Fortbewegung des
Körpers im
Wasser und auch zur Fortleitung
der in den
Darm
[* 3] aufgenommenen Nahrungsteilchen oder zur
Zirkulation des
Bluts in der
Leibeshöhle Verwendung finden. Dieses sogen.
Flimmerepithel (s.
Flimmer), bei
Wirbeltieren verhältnismäßig nur noch in
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geringem Maß entwickelt, fehlt bei den Gliederfüßlern (Arthropoden: Insekten, [* 5] Krebsen etc.) gänzlich; hier (und auch bei vielen andern Tiergruppen) sind die Epithelzellen der äußern (und ihrer Fortsetzung in den Darm, die Geschlechtsorgane, Drüsen etc. hinein) mit einer von ihr ausgeschiedenen glasartigen Schicht, dem Oberhäutchen (cuticula), bedeckt, welche bei bedeutender Dicke als Hautpanzer (z. B. bei den Krebsen) oder als Schale (Schnecken, [* 6] Muscheln) [* 7] bezeichnet wird. In diesem Fall bleiben gewöhnlich inmitten der dicken Schichten dünnere Stellen als sogen. Porenkanäle übrig. - Gewöhnlich werden ferner nicht alle Zellen der Haut gleichförmig zur Bedeckung der unter ihnen liegenden Körperteile verwendet, vielmehr haben viele von ihnen, die Drüsenzellen, die Aufgabe, Säfte abzusondern, und zeichnen sich meist durch Größe und andre Beschaffenheit ihres Inhalts vor den gewöhnlichen Hautzellen aus. Häufig treten mehrere gruppenweise zu den sogen. Hautdrüsen (s. d.) zusammen. - Die jeder Zelle [* 8] (s. d.) zukommenden Eigenschaften der Reizbarkeit (Empfindlichkeit) und der Zusammenziehbarkeit (Kontraktilität) infolge eines Reizes behalten bei niedern Tieren die Zellen der äußern Haut ganz allgemein, bei höhern nur an gewissen Stellen des Körpers bei; doch sind beide gewöhnlich in der Art auf die Zellen verteilt, daß die einen mehr empfindlich, die andern mehr kontraktil bleiben und so Sinnes-, resp. Muskelzellen repräsentieren.
Noch andre Zellen (Ganglienzellen) [* 9] nehmen durch besondere Ausläufer die Reize von den Sinneszellen auf und übermitteln sie den Muskelzellen. Man unterscheidet daher fünf Arten von Hautzellen: Hautdrüsen-, Hautsinnes-, Hautmuskel-, Hautganglien- und endlich Hautdeckzellen oder Hautzellen schlechtweg. Bei den höhern Tieren sind die Hautmuskel- und Hautganglienzellen gänzlich, die Hautsinneszellen zum größten Teil von der Haut weg in die tiefern Schichten des Körpers verlegt worden (vgl. Muskeln, [* 10] Nervensystem), lassen sich aber gewöhnlich noch während der Embryonalperiode als der Haut angehörig erkennen; in einzelnen Sinnesorganen (Nase, [* 11] Zunge) liegen auch bei den Erwachsenen die eigentlichen empfindenden Zellen noch direkt im Bereich der Haut (vgl. Sinnesorgane). - Als besondere, entweder nur von Hautzellen oder von ihnen in Verbindung mit den Zellen der zunächst liegenden Körperschicht hervorgebrachte Anhänge der Haut sind noch zu nennen: die Haare, [* 12] Nägel, [* 13] Federn, Schuppen, Hufe, Hörner (vgl. die betreffenden Artikel). Sie finden sich nur im Bereich der äußern Haut, nicht auf den Schleimhäuten.
Die äußere Haut [* 2] (Fig. 1) der Wirbeltiere besteht aus zwei Schichten, von denen nur die äußere (Oberhaut, epidermis. Ep) aus Epithel (epithelium) gebildet ist und somit der Haut der niedern Tiere gleichkommt, die innere (Lederhaut, cutis, corium, C) dagegen dem Bindegewebe zugehört und sich erst während des Embryonallebens mit jener zu einem Ganzen vereinigt. In der Lederhaut sind nur die Lagen dicht unter der Oberhaut fest und derb, die untern dagegen bleiben locker und weich (sogen. Unterhautzellgewebe); in ihr verbreiten sich die Nerven [* 14] und Gefäße, liegen allerlei Farbstoffe, finden sich glatte Muskelfasern vor, entstehen Verknöcherungen (Hautknochen, s. Hautskelett) und haben auch Drüsen ihren Sitz (s. unten).
Die Oberhaut ist stets mehrschichtig; bei den im Wasser lebenden Fischen und Amphibien ist sie sehr locker, zuweilen gallertig, bei den übrigen hingegen werden ihre äußern Lagen hart, hornig, platten sich ab und heißen darum Hornschicht (stratum corneum) im Gegensatz zu den tiefern, stets weich bleibenden Lagen, der Schleimschicht oder dem Malpighischen Netz (stratum mucosum s. rete Malpighii). Auch in der Oberhaut kommen Farbstoffzellen, und zwar mitunter bewegliche (sogen. Chromatophoren, s. d.) vor. Die der Oberhaut angehörigen Drüsen sind entweder einzellig (sogen. Schleimzellen, Becherzellen) oder vielzellig und erreichen dann oft bedeutende Größe. Als Talg-, Schweiß-, Öl-, Milchdrüsen etc. je nach ihrer Absonderung unterschieden, sind diese Hautdrüsen (s. d.) meist in der Lederhaut oder noch tiefer gelegen und stehen dann durch einen langen Ausführungsgang mit der Oberfläche der Haut in Verbindung (SD in der [* 2] Figur). - Die Papillen oder Wärzchen (papillae, [* 2] Fig. 2) der Haut sind warzenförmige, oft sehr lange Erhebungen der Lederhaut, die von der Oberhaut in derselben Weise wie die zwischen ihnen gelegenen flachen Stellen bekleidet sind u. gewöhnlich reichliche Blutgefäße mit oder ohne feine Nervenendigungen enthalten. Ragen sie hoch und spitz über das Niveau der Haut hervor, so geben sie die Grundlage für die Haare ab; wachsen sie in die Breite, [* 15] so bilden sie die Basis für die Schuppen etc.
Die Haut des Menschen speziell unterscheidet sich
[* 2] ^[Abb.: Fig. 1. Kopfhaut des Menschen. Ep Epidermis, [* 16] C Cutis (Lederhaut), Ul Längs-, Uq Querzüge des Bindegewebes in ihr, H Haar, [* 17] Hb Haarbalg, Hz Haarzwiebel, P Haarpapille, Ma Haarmuskel, SD Schweißdrüse, T Talgdrüse, F Fettkörper.
Fig. 2. Tastpapille auf der Handfläche. N Nerv, T Tastkörperchen.] ¶
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von der der übrigen Säugetiere (s. d.) vornehmlich durch die geringere Dicke, die meist sehr schwache Behaarung und die Beschränkung größerer Abscheidungen von Hornsubstanz auf die Nägel. Sie hat bei Erwachsenen im Mittel eine Oberfläche von 1,6 qm, wovon auf die behaarte Kopfhaut etwa 600 qcm kommen. Ihre Dicke wechselt ungemein: so beträgt diejenige der Lederhaut an den Augenlidern weichlicher Personen nur 0,5, von Vagabunden 0,8 mm, an der Fußsohle dagegen 2-3 mm (Neger haben im allgemeinen eine dickere Haut), bei dem Unterhautzellgewebe am Kopf 0,6-2, am übrigen Körper 4-9, bei dicken Personen am Bauch [* 19] sogar 30 mm; diejenige der Oberhaut im Mittel 0,07-0,17 (Schleimschicht 0,03-0,1), dagegen die ihrer Hornschicht an der Fußsohle sogar 2 mm.-
Die Epidermis ist gefäß- und nervenlos. Die äußerste Lage reibt sich an manchen Stellen (Hand) [* 20] sehr rasch und unmerklich ab, löst sich an andern (Kopfhaut) in Form von Schüppchen, die aus Zellgruppen bestehen, los (Abschuppung) und wird stets in der Art ersetzt, daß die nächstfolgende an ihre Stelle rückt. Die Erzeugung der neuen Zellen geschieht in der Schleimschicht. In den Zellen der letztern liegen auch die feinen Pigmentkörnchen, welche die dunkle Farbe einiger Rassen sowie die Farbflecke der hellen Rasse (Sommersprossen, Leberflecke, Farbe am After, an der Brustwarze etc.) hervorbringen.
Die rote Farbe der Wangen, Lippen etc. rührt von dem Durchschimmern des Bluts durch die an dieser Stelle dünne Haut her. Die Lederhaut ist nicht gefärbt. Auf ihrer Außenfläche erscheint sie (nach Entfernung der Oberhaut) mit einer sehr großen Menge kegelförmiger Papillen bedeckt, welche bis zu 0,2 mm hoch und in sehr verschiedener Weise angeordnet sind. An den Fingern z. B. sind sie zu den bogenförmigen Rissen gruppiert, welche man dank der eng anliegenden Epidermis an deren Oberfläche sieht.
Ihre Anzahl beträgt hier bis zu 80 auf 1 qmm, an den übrigen Körperteilen die Hälfte oder noch weniger. Man unterscheidet Gefäß- und Nervenpapillen (s. unten). Mehr in der Tiefe der Lederhaut liegen die Drüsen und die Haarwurzeln [* 18] (Fig. 1). Die unterste Schicht der Unterhautzellgewebe ermöglicht durch ihre lockere Beschaffenheit die Verschiebung der Haut auf ihrer Unterlage und heftet sie zugleich an die Knochenhäute, Sehnen, Binden etc. an. Vollkommen unbeweglich ist die Haut nur an den Nägeln, doch zeigen auch die Runzeln der an der Hohlhand etc. an, daß sie dort fester als an den benachbarten Stellen mit den darunterliegenden Teilen zusammenhängt.
Bei magern, muskulösen Individuen sieht man deutlich die Haut den Bewegungen der Muskeln an der Brust folgen, weil dort das Unterhautzellgewebe gänzlich frei von Fett ist; bei fetten Leuten hingegen lagert sich das Fett gerade in dieser Schicht der Haut ab, daher sie auch wohl Fetthaut (panniculus adiposus) heißt. Von den in der Lederhaut befindlichen Muskeln dienen diejenigen am Grunde der Haare zum Aufrichten derselben (s. Haare). Auch an Nerven ist die Haut reich und zwar am meisten die der Finger- und Zehenspitzen, am wenigsten die des Rückens und Oberschenkels.
Gewöhnlich durchsetzen die Nervenstämmchen die Lederhaut, bilden in den obern Schichten derselben ein dichtes Netz von Fasern und dringen von da entweder in die Papillen ein, oder enden auch frei dicht unter der Schleimschicht der Oberhaut und zwar stets mit einem besondern Apparat, dem Endkörperchen. Dieses besteht aus einem Kölbchen von Bindegewebe, in dessen Innerm die Nervenfaser gleichfalls angeschwollen endet. Nach der Form des äußern Kölbchens unterscheidet man kugelige oder längliche Kolben, Endkapseln, Tastkörperchen, Herbstsche Körperchen, Vatersche Körperchen etc. Letztere, auch Pacinische Körperchen genannt, finden sich beim Menschen hauptsächlich in der Handfläche und Fußsohle, aber auch in der Haut mancher Eingeweide [* 21] etc. Sie sind etwa 2 mm lang; ihr Außenkolben ist aus einer großen Menge von Häuten zusammengesetzt, die wie die Schalen einer Zwiebel angeordnet und durch Flüssigkeit voneinander getrennt sind.
Letztere übt bei Zerrung und Dehnung des Körperchens einen Druck auf das kolbenförmige Nervenende aus und ruft so eine Empfindung, z. B. an den Gliedern diejenige ihrer Stellung und Lage, hervor. Speziell zum Tasten dienen die Tastkörperchen (Meißnersche Körperchen), die nahezu ausschließlich in der Hohlhand und Fußsohle vorkommen und hier in den sogen. Nervenpapillen (s. oben) angebracht sind. An den Fingern und Zehen kommt auf je drei Gefäßpapillen eine Nervenpapille; von letztern sind am Endglied des Zeigefingers auf jedem Quadratmillimeter Haut etwa 20 vorhanden. - Blut- und Lymphgefäße finden sich in der Haut in großer Anzahl. Im Unterhautzellgewebe geben die eintretenden Arterienstämmchen zahlreiche Äste ab, welche sich zu einem Kapillarnetz um die Haarbälge, Drüsen etc. auflösen, noch dichter aber in der obersten Schicht der Lederhaut verbreitet sind, um von dort aus in jeder Papille eine Gefäßschlinge zu bilden und sich darauf zu den in umgekehrter Richtung verlaufenden feinen Venenstämmchen zu sammeln. Ähnlich verhalten sich die Lymphgefäße.
Die physiologische Bedeutung der Haut
ist eine vielseitige und überaus wichtige. Die äußere Haut schützt den Körper vermöge ihrer Dichtigkeit und Festigkeit [* 22] vor mechanischen Verletzungen und vor den schädlichen Einwirkungen der ihn umgebenden Medien, indem sie zugleich vermöge ihrer Geschmeidigkeit, Dehnbarkeit und Elastizität dem Körper selbst die freieste Bewegung gestattet. Ferner ist die äußere als ein den ganzen Körper umschließendes Sinnesorgan zu betrachten, dazu bestimmt, Eindrücke verschiedener Art von außen aufzunehmen und zum Bewußtsein zu bringen. Weiter ist die Haut vermöge ihres reichen, einer wechselnden Füllung fähigen Blutgefäßnetzes ein überaus wichtiger Regulator [* 23] der Körpertemperatur, und sodann spielt sie eine weitere Rolle als respiratorisches Organ.
In der Unterdrückung der Hautausdünstung hat man lange Zeit die Ursache für zahlreiche Krankheiten erblickt, namentlich der Erkältungskrankheiten. Wenn man aber die Natur und die Quantität der Stoffe erwägt, welche normalerweise durch die Haut abgegeben werden, so wird man von vornherein nicht geneigt sein, der Unterdrückung der Hautabsonderung erhebliche Folgen zuzuschreiben, zumal da der erkältete Hautbezirk in der Regel von geringer Ausdehnung [* 24] ist gegenüber der gesamten Körperoberfläche. Um die Wirkung der unterdrückten Hautthätigkeit auf den Körper festzustellen, hat man das Experiment zu Hilfe genommen.
Man hat die Hautausdünstung dadurch aufgehoben, daß man Tiere mit einem luftdichten Überzug von Firnis, Ölfarbe, Gummi u. dgl. versah. Solche lackierte Tiere gehen nach einiger Zeit regelmäßig zu Grunde, und hieraus hat man geschlossen, daß eine unterdrückte Hautthätigkeit durch Zurückhaltung eines schädlichen Auswurfstoffs (perspirabile retentum) zum Tod führe. Es hat sich indessen das völlig Unhaltbare dieser Vorstellung ergeben und vielmehr gezeigt, daß die Tiere deshalb ¶