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Frankreich hat ausgezählt. Frankreichs liberaler Präsident Emmanuel Macron hat die Wahlen mit 58,54 Prozent klar gewonnen. Er büsste allerdings im Vergleich zur Wahl von 2017 deutlich an Stimmen ein. Damals kam er auf 66,1 Prozent der Stimmen. Seine rechte Herausforderin Marine Le Pen bekam 41,46 Prozent der Stimmen.
Macron schnitt besonders in Grossstädten und ihren Ballungsräumen gut ab. Laut einer Umfrage für den Sender «France Info» konnte Macron jeweils bei den jüngsten und den ältesten Wählern eine Mehrheit gewinnen. Zudem ergab die Umfrage, dass Macron insbesondere von Menschen mit Hochschulbildung, Beamten sowie Selbstständigen gewählt wurde – dafür bekam er nur wenige Stimmen von Arbeitern und Arbeitslosen. Sowohl Männer als Frauen bevorzugten Macron, wobei Frauen häufiger für den Amtsinhaber gestimmt haben.
Le Pen hingegen konnte in Teilen der Nordhälfte und in einigen Landesteilen weit im Süden Erfolge verbuchen, ebenso in den Überseegebieten und auf Korsika. Le Pen überzeugte laut der Umfrage von «France Info» vor allem Arbeiter und Angestellte sowie vorrangig Menschen mit niedrigerem Einkommen. Bei Franzosen, die angaben, mit ihrem Leben unzufrieden zu sein, konnte sie ebenfalls verstärkt punkten.
Fast ein Drittel aller Wählenden hatten weder Lust auf Emmanuel Macron noch auf Marine Le Pen: Die Enthaltung lag im zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahl laut den endgültigen Zahlen des Innenministeriums bei 28,01 Prozent. Ein solch hoher Wert wurde seit 1969 nicht mehr erreicht. Damals gewann der Gaullist Georges Pompidou gegen den Christdemokraten Alain Poher, linke Wählerinnen und Wähler stimmten damals mehrheitlich leer.
Gegenüber dem ersten Durchgang konnten Macron und Le Pen trotzdem noch einige Wählende mobilisieren. Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen lag der Anteil der Stimmenthaltung bei 26,31 Prozent.
Mehr als 3 Millionen registrierte Wählerinnen und Wähler enthielten sich – oder ihre Stimme wurde als ungültig erklärt.
Le Pen sieht sich nicht als Verliererin – im Gegenteil: Sie hält ihr Ergebnis für einen Erfolg: «Das Ergebnis selbst stellt einen strahlenden Sieg dar», sagte Le Pen am Sonntagabend in Paris.
Tatsache ist: Trotz ihrer Niederlage erzielt Le Pen in einer zweiten Runde einer Präsidentschaftswahl das beste Ergebnis in der Geschichte der rechtsextremen Partei Rassemblement National. Le Pen konnte in deutlich mehr Departments die Mehrheit der Stimmen holen als noch 2017.
Die 53-Jährige kam auf 41,46 Prozent aller Stimmen. Damit verbesserte Le Pen ihr Wahlergebnis vom letzten Duell gegen Macron im Jahr 2017 um fast 8 Prozentpunkte. Vor fünf Jahren erhielt sie knapp 33,9 Prozent der Stimmen.
Das Ergebnis sei ein Zeugnis für das grosse Misstrauen des französischen Volkes, sagt Pen mit Blick auf die Regierung in Frankreich und der Europäischen Union. «Wir sind entschiedener denn je, die Franzosen zu verteidigen», betonte Le Pen. Sie kündigte an, weiter politisch aktiv zu bleiben.
«Marcon ist der am schlechtesten gewählte Präsident der fünften Republik», sagte der linke Politiker Jean-Luc Mélenchon in seiner Rede. Der französische Linksaussen-Kandidat Jean-Luc Mélenchon hatte seine Anhänger dazu aufgerufen, in der zweiten Runden nicht für die rechtsextreme Marine Le Pen zu stimmen, nachdem er von den französischen Stimmbürgern und Stimmbürgerinnen auf den 3. Platz verwiesen wurde.
Ist Macron tatsächlich der am schlechtesten gewählte Präsident?
Nun, gemessen an den abgegebenen Stimmen ist Emmanuel Macron einer der bestgewählten Präsidenten seit 60 Jahren. Mit 58,5 Prozent erreicht Macron das drittbeste Ergebnis in der Geschichte der Präsidentschaftswahlen. Nur Jacques Chirac im Jahr 2002 sowie Macron selbst im Jahr 2017 sackten mehr Stimmen ein.
Absolut gesehen machen auch die 18,8 Millionen Stimmen Macron nicht zum «schlechtesten Präsidenten», da bei früheren Präsidenten weniger Menschen registriert waren. 1974 erhielt Giscard 13 Millionen Stimmen, 1981 holte sich Mitterrand 15 Millionen Stimmen. Was aber nicht vergessen werden darf: Die Wählerschaft ist von 29,5 Millionen im Jahr 1969 auf aktuell 48,8 Millionen gestiegen.
Klar ist: Die Wahl war durch die stärkste Enthaltung seit 1969 gekennzeichnet. Nichtsdestotrotz ist Emmanuel Macron der klare Sieger der Präsidentschaftswahlen 2022. Der 44-Jährige setzte sich laut Innenministerium nach Auszählung aller Stimmen mit 58,54 Prozent gegen seine Herausforderin Le Pen durch, die auf Stimmanteil von 41,36 Prozent kam.
Klar ist aber auch, dass Macron Stimmen im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2017 verloren hat. Dies zeigen auch die Umfragedaten von Ipsos. Laut Umfragen konnte Macron vor fünf Jahren 52 Prozent der Mélenchon-Wähler begeistern, diesmal seien es nur noch 42 Prozent gewesen. Wie die französische Presse mitteilte, habe Macron viele Stimmen von Menschen erhalten, die seine Politik eigentlich nicht unterstützen, aber den rechten Wahlsieg verhindern wollten.
(cst, mit Material der sda)
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