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Der eine Leib und die Gaben des Geistes (1. Kor 12)
Der Apostel macht in diesem Kapitel die Korinther, die früher Götzendiener waren, zuerst auf die untrüglichen Merkmale der Wirkung des Heiligen Geistes aufmerksam: «Niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Verflucht sei Jesus!, und niemand sagen kann: Herr Jesus!, als nur im Heiligen Geist» (Vers 3). Daran konnten sie Lügengeister erkennen, die, was oft geschieht, die Wirksamkeit des Heiligen Geistes nachzuahmen versuchen.
In den Versen 4-6 hebt er sodann dreimal die Verschiedenheiten «der Gnadengaben, der Dienste, der Wirkungen» im Dienst für den Herrn hervor, die in besonderer Beziehung zu dem Heiligen Geist oder zu unserem Herrn oder auch zu unserem Gott stehen. Sahen wir zuvor in Markus 13,34, Matthäus 25 (Gleichnis der Talente) und in Epheser 4 die Oberhoheit des Herrn bezüglich der Zuteilung der Arbeit und der Gaben, finden wir hier in den Versen 7-13 die Souveränität der Person des Heiligen Geistes. Wir alle sind in einem Geist zu einem Leib getauft worden, und nun wird einem jeden die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. Nach Aufzählung aller Gaben, die die Versammlung im Anfang zu ihrem Zeugnis nach aussen hin und zu ihrer eigenen Belehrung und Auferbauung nötig hatte, fährt der Apostel fort: «Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere austeilend, wie er will» (Vers 11).
In den Versen 14-31 folgen ausführliche Darlegungen über die unauflösliche Verbundenheit aller Glieder, (nicht nur jener, die besondere Gaben des Geistes empfangen haben). Wer aber bestimmt den Platz, den jeder der Erlösten des Herrn innerhalb des einen Leibes einnehmen soll? Dreimal wird betont, dass Gott sich dies für sich allein vorbehalten hat: «Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, jedes einzelne von ihnen an dem Leib, wie es ihm gefallen hat» (Vers 18). «Aber Gott hat den Leib zusammengefügt, indem er dem Mangelhafteren reichlichere Ehre gegeben hat, damit keine Spaltung in dem Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten» (Verse 24-25). «Und Gott hat einige in der Versammlung gesetzt, usw.» (Vers 28).
Glücklich das Kind Gottes, das bezüglich des Platzes, den sein Gott und Vater ihm innerhalb des einen Leibes angewiesen hat, auf Dessen Liebe und Weisheit vertraut und die mit seinem Platz verbundenen Aufgaben oder Verrichtungen treu erfüllt! Er wird dadurch für sich und andere reichen Segen empfangen. Überdies ist auch hier, entsprechend den vom Geist gewirkten Wünschen des Kindes Gottes selbst, Fortschritt im Besitz von Gaben durchaus möglich, ja erstrebenswert. So werden wir belehrt: «Eifert aber um die grösseren Gnadengaben» (1. Kor 12,31); «strebt nach der Liebe; eifert aber nach den geistlichen Gaben, viel mehr aber, dass ihr weissagt» (1. Kor 14,1); und ferner: «Denn die, die wohl gedient haben, erwerben sich eine schöne Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben, der in Christus Jesus ist» (1. Tim 3,13).
In seinen Abschiedsreden im Obersaal hat der Herr u.a. vom Sachwalter und von den Jüngern gesagt: «Er wird von mir zeugen. Aber auch ihr zeugt, weil ihr von Anfang an bei mir seid» (Joh 15,26-27). Dieses doppelte Zeugnis gegenüber der Welt begann in den Tagen der Apostelgeschichte. Vom Augenblick seiner Ausgiessung an ist der Heilige Geist, diese göttliche Person, der Handelnde, Bestimmende. Das ganze Werk des Herrn in jener Zeit geschah unter seiner unmittelbaren, persönlichen Leitung. Hat Er heute irgendwelche seiner diesbezüglichen Rechte an Menschen oder an kirchliche Behörden abgetreten?
Die Verwirklichung der direkten Abhängigkeit von Gott, vom Herrn oder vom Heiligen Geist erfordert naturgemäss praktischen Glauben. Sie bewirkt in der Seele jedes einzelnen Kindes Gottes notwendige, heilsame innere Nöte. Lasst uns ihnen nicht aus dem Weg gehen! In der Christenheit hat man die göttliche Ordnung fast durchwegs durch eine menschliche Ordnung ersetzt, die diese Nöte ausschaltet. Da, wo der praktische Glaube fehlt, erachtet man die göttliche Ordnung über den Dienst in der Versammlung, im Haus Gottes, als schwach und unzureichend. Man hat vergessen, dass das Törichte Gottes weiser ist als die Menschen, und das Schwache Gottes stärker als die Menschen (1. Kor 1,25). Die menschliche Ordnung unterbindet die Leitung des Geistes und die Ausübung der von oben verliehenen Gaben. Statt dass die Seelen hingelangen «zu der Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Mann, zu dem Mass des vollen Wuchses der Fülle des Christus», was ja nach Epheser 4,13 durch die vom Herrn verliehenen Gaben geschieht, bleiben sie «Unmündige», und werden «hin und her geworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre» (Vers 14). Der Mensch verlässt nie unbeschadet und ungestraft den Weg der von Gott selbst festgesetzten Anordnungen.
Die Gaben, wie sie in den drei bezüglichen Schriftstellen: Römer 12,1. Korinther 12 und Epheser 4, erwähnt werden, sind dem Leib, also nicht etwa nur einer einzelnen örtlichen Versammlung, gegeben. Der eine Leib des Christus umfasst alle Erlösten des Herrn und alle Versammlungen Gottes auf der ganzen Erde. Wie könnte da ein Bruder, dem eine geistliche Gabe gegeben ist, wissen, wie weit der Bereich seiner Tätigkeit reichen mag, es sei denn, durch beständige Abhängigkeit vom Herrn, dem Haupt des Leibes, und durch das Achten auf die Leitung des Heiligen Geistes. Der Apostel Paulus hat dies in vorbildlicher Weise verwirklicht. Die Betrachtung seines Weges anhand der Apostelgeschichte kann für uns alle nur von grösstem Nutzen sein. In seinem zweiten Brief an die Korinther schreibt er diesen Gläubigen: «Wir aber wollen uns nicht ins Masslose rühmen, sondern nach dem Mass des Wirkungskreises, den der Gott des Masses uns zugeteilt hat, um auch bis zu euch zu gelangen» (Kap. 10,13). Wenn Gott einen Bruder beruft und begabt, wird Er ihm auch Verständnis geben über den ihm zugeteilten Wirkungskreis.
Der Herr redet, in Verbindung mit der Fusswaschung, von solchen, die Er senden werde, um sich um die Aufrechterhaltung der Gemeinschaft der Erlösten mit Ihm zu bemühen. Dort sagt Er, ähnlich wie in Matthäus 10,40-42: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat» (Joh 13,20). Nach Matthäus fügt Er hinzu: «Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer irgend einem dieser Kleinen nur einen Becher kaltes Wasser zu trinken gibt in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch: Er wird seinen Lohn nicht verlieren.» Stehen diese Worte hier auch in besonderer Verbindung mit dem Zeugnis des Überrestes in der Drangsalszeit, so sind sie nichtsdestoweniger auch auf das Zeugnis unseres Herrn in der Jetztzeit anwendbar. Sie zeigen uns, dass nicht nur die am Werk direkt Beteiligten, sondern auch alle, die das Werk unterstützen, in gleichem Mass ihre Belohnung empfangen werden.
Vom Apostel Petrus wissen wir, «dass er überall hindurchzog» und auch zu den Heiligen kam, die in Lydda wohnten (Apg 9,32). Der Apostel Paulus machte den Vorschlag: «Lass uns nun zurückkehren und in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündigt haben, die Brüder besuchen und sehen, wie es ihnen geht» (Apg 15,36).
Im Titusbrief werden Zenas, der Gesetzgelehrte und Apollos erwähnt, deren Durchreise auf der Insel Kreta erwartet wurde. Der Apostel Johannes schreibt ebenfalls von solchen, die «für den Namen ausgegangen sind und die nichts nehmen von denen aus den Nationen.» Dann ermahnt er: «Wir nun sind schuldig, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden» (3. Johannes 7-8).
Das Wort erwähnt noch als nützlichen Dienst: «das Geleit» der Brüder, die der Herr sendet (Apg 17,15; Röm 15,24; Tit 3,13-14; 3. Joh 6). Dieser Dienst war unter den damaligen Reiseverhältnissen besonders wichtig. Das Werk des Herrn lässt sich aber auch heute in ähnlicher Weise fördern; mancher Dienst wird dadurch möglich, dass ein Bruder zu Besuchen oder zur Verkündigung des Wortes in eine Nachbarversammlung begleitet wird. Daran können sich auch jüngere Brüder beteiligen, wie Paulus in diesem Zusammenhang an Titus schreibt: «Lass aber auch die Unseren lernen, für die notwendigen Bedürfnisse gute Werke zu betreiben, damit sie nicht fruchtleer seien.» (3,14).