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Die Rabattschlacht hat sich hierzulande erst seit ein paar Jahren etabliert. Doch die Tradition hat in den USA schon im Jahr 1939 Präsident Franklin D. Roosevelt beschäftigt.
Wem haben wir es eigentlich zu verdanken, dass uns der Detailhandel in dieser Jahreszeit auf allen Kanälen Rabatte offeriert? In der Schweiz hat das Phänomen erst seit ein paar Jahren an Bedeutung gewonnen. Doch für die Amerikaner ist das Shopping am Tag nach Thanksgiving eine Tradition, die schon seit Generationen gepflegt wird. Weil das Erntedankfest am Donnerstag ein offizieller Feiertag ist, nutzen viele die Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende - zumal der Tag auch schulfrei ist.
Warum «schwarz»?
Über die Jahre etablierte sich das Datum im Anschluss an den Feiertag im Detailhandel als eine Art Startschuss für die Weihnachtseinkäufe. Zur Herkunft des Namens kursieren verschiedene Theorien. So wird der «schwarze Freitag» mit dem Gedränge und den Menschenmassen an dem Tag in Verbindung gebracht. Anderswo heisst es, ab diesem Tag sollen die Händler mit ihrem Geschäft erstmals im Jahr in die schwarzen Zahlen gekommen sein, also einen Profit erzielt haben – im Gegensatz zu den roten Zahlen, mit denen früher in der Buchhaltung Verluste festgehalten wurden.
Dass der Tag schon früh eine wirtschaftliche Bedeutung hatte, zeigt die Kontroverse um das offizielle Thanksgiving-Datum, das ursprünglich für den letzten Donnerstag im November festgesetzt war. Als das Erntedankfest jedoch im Jahr 1939 auf den letzten Tag des Novembers fiel, sorgte sich US-Präsident Franklin D. Roosevelt um die ökonomischen Auswirkungen einer dadurch verkürzten Periode für Weihnachtseinkäufe. Um dem entgegenzuwirken, versuchte er, Thanksgiving auf den zweitletzten Donnerstag im November zu legen. Der Plan funktionierte aber nicht wirklich. Denn während 32 Gliedstaaten diese Regelung übernahmen, weigerten sich 16 Staaten und hielten an der bisherigen Regelung fest - mit dem Resultat, dass nicht alle Amerikaner am gleichen Tag feierten.
Nach zwei Jahren wollte der Kongress die Verwirrung beenden. Das Repräsentantenhaus verabschiedete deshalb eine Resolution, die Thanksgiving wieder wie ursprünglich auf den letzten Donnerstag legte. Doch damit war die Sache nicht vorbei.
Denn der Senat änderte den Beschluss des Repräsentantenhauses – allerdings nur gerade ein einziges Wort davon: «last» wurde durch «fourth» ersetzt. Statt dem letzten Donnerstag im November ist darum seither der vierte Donnerstag im November der offizielle Thanksgiving-Feiertag.
Dank der bis heute gültigen Regelung profitiert der Handel somit zumindest in Jahren, in denen der November vier Donnerstage enthält, von einem etwas früheren Start in die Weihnachtssaison. In den letzten Jahren hat die Branche zudem damit begonnen, das lange Wochenende mit dem Anhängen eines Cyber-Monday für Online-Einkäufe noch auszudehnen.
Was bringt der Black Friday wirklich?
Bei allem Aufwand, der betrieben wird, ist dennoch fraglich, wie viel die Black-Friday-Aktionen dem Handel unter dem Strich bringen. So sind etwa die Margeneinbussen durch die Rabatte nicht zu unterschätzen. Um gleich viel zu verdienen, müssen Detailhändler deutlich grössere Mengen verkaufen. Ebenso dürfte die Gewöhnung der Kunden an die Rabattschlachten dazu führen, dass grössere Investitionen - etwa für Elektronikartikel - bis zum November aufgeschoben und/oder Weihnachtseinkäufe einfach vorgezogen werden, die dann in der Rechnung vom Dezember fehlen. Mit dem Aufkommen des aus China stammenden «Singles Day» am 11. November wird die Kannibalisierung noch weitergehen.
Quelle : NZZ online / 23.11.2018 / Dieter Bachmann