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Raumfahrtagenturen wie die Esa prüfen Pläne für eine ständige Basis auf dem Mond. Studierende aus ganz Europa haben für ein Pilotprojekt Elemente für ein Mondhabitat erdacht und nun in einer Eishöhle in Zermatt aufgebaut.
Der Mond ist wieder im Fokus der Raumfahrt. In den nächsten Jahrzehnten dürfte insbesondere auch die Besiedlung des Mondes vorangetrieben werden: Eine ständige Mondbasis hätte als Forschungsstation und Zwischenstopp für künftige Mars-Missionen viele Vorteile. Zum Beispiel bräuchte es weniger Schub, um mit einer Rakete dem schwächeren Gravitationsfeld des Mondes zu entkommen.
Aber was braucht eine solche Station, damit Menschen auf dem Erdtrabanten mit seinen extremen Bedingungen nicht nur überleben, sondern auch wohnen können? Dieser Frage sind 20 Studierendenteams aus ganz Europa im Rahmen des Projekts «Igluna» nachgegangen. Sie haben während eines Jahres Elemente für ein Habitat im Eis unter der Mondoberfläche entworfen und gebaut.
Während der vergangenen Woche brachten sie diese Bausteine per Gondel und Lift in eine Eishöhle des Gletscherpalasts des Matterhorn Glacier Paradise auf 3883 Meter ü.M. und setzten sie dort zusammen, wie das «Swiss Space Center» der ETH Lausanne (EPFL) mitteilte. Am Montag präsentierten sie ihr fertiges Mondhabitat den Medien.
Bauroboter und Bioreaktoren
Einige der Igluna-Projektteams befassten sich beispielsweise mit der Struktur des Habitats, andere mit Kommunikation, Energiezufuhr, Lebenserhaltung oder Gesundheit und Sozialverhalten künftiger Mondbewohner. So steuerte ein Team der ETH Zürich einen autonomen Roboter namens «Chiron» bei, der Eisblöcke aussägen und daraus Wände bauen kann. Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) entwickelten ein hydroponisches Anbausystem auf Basis menschlicher Abfallstoffe als Dünger. Ein Team der Hochschule Luzern baute einen Algen-Bioreaktor, der Sauerstoff produziert.
Teams der EPFL beteiligten sich mit mehreren Projekten, zum Beispiel mit einem System, um den Zusammenhang zwischen der Gestaltung des Habitats und dem sozialen Verhalten der Bewohner zu analysieren. Ebenfalls von EPFL-Studierenden stammen eine erweiterte Bogenstruktur aus Holz und XPS-Sandwichplatten für die Architektur des Habitats und eine Spezial-Eissäge.
Auch aus Estland, Italien, Deutschland, Rumänien, Polen, Griechenland, Grossbritannien und den Niederlanden bauten Studierende an dem Mondhabitat mit. Das Mondhabitat und die Projektergebnisse zeigen die Studierenden noch bis zum 30. Juni in zwei Ausstellungen in Zermatt und im Gletscherpalast. Dann müssen sie ihre Elemente wieder abbauen.
Schutz vor kosmischer Strahlung
Parallel finden jedoch auch wissenschaftliche Experimente statt: Beispielsweise messen Forschende des CERN die kosmische Strahlung ausserhalb und innerhalb des Gletscherpalsts, um das Abschirmpotenzial von Eis zu ermitteln. Bei längeren Mondaufenthalten wären Raumfahrerinnen und Raumfahrer ohne zusätzlichen Schutz einer höheren Dosis kosmischer Strahlung ausgesetzt als dies beispielsweise bei den Apollo-Missionen der Fall war. Neben möglichen gesundheitlichen Schäden könnte der Teilchenschauer auch technische Probleme auf einer Mondbasis auslösen.
Ebenfalls parallel zu Igluna erproben Forschende des Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein System namens Hydra, um Wasser aus unterirdischen Quellen mit möglichst hoher Ausbeute zu extrahieren und zu filtern.
Das Projekt Igluna wird vom Swiss Space Center koordiniert und durch die europäische Weltraumagentur ESA, sowie das Swiss Space Office des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SPFI) unterstützt. Die Elemente aus dem Mondhabitat dürften zwar nicht unbedingt eins zu eins von der Esa für die Planung eines «Moon Village» eingesetzt werden, könnten aber mindestens Inspirationen liefern.