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Erstmals in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde die Partnerin von Toni Brunner, als sie 2008 ziemlich aus heiterem Himmel als Generalsekretärin des St. Galler Bildungsdepartements angestellt wurde.
Die 31-jährige Esther Friedli - damals noch CVP- Mitglied - war auf diesem Posten so neu wie der frischgewählte Bildungschef Stefan Kölliker. Es war eine Ernennung mit Nebengeräuschen: Der erste St. Galler Regierungsrat mit Parteizugehörigkeit SVP ist befreundet mit dem Paar Friedli/Brunner.
Nach sechs Jahren an der Spitze des Departements gab sie die Stelle wieder auf. Die Politologin gründete eine Beratungsfirma und arbeitete in ihrem Landgasthof in Ebnat-Kappel. Unter anderem leitete sie SVP-Wahlkämpfe wie denjenigen 2015 von Roger Köppel.
Den nächsten grossen Auftritt hatte sie 2016, als sie für den St. Galler Regierungsrat kandidierte. Erst kurz zuvor war sie in die SVP eingetreten. Friedli wurde zwar vom Favoriten Marc Mächler, dem langjährigen FDP-Fraktionschef im Kantonsrat, geschlagen, erreichte aber aus dem Stand ein sehr gutes Resultat.
Konziliant im Ton
Bereits damals zeigte es sich, dass sie weit über das Parteispektrum der SVP hinaus Stimmen holen konnte. Sie bleibt konziliant im Ton und vermeidet polemische Aussagen. Inhaltlich vertritt sie allerdings den SVP-Kurs. Dieses Rezept funktioniert im konservativen Kanton St. Gallen bestens.
Danach wurde Friedli bei jeder Gelegenheit als mögliche Kandidatin genannt. Doch erst 2019 trat sie wieder an - für den Nationalrat - und wurde prompt gewählt. Erneut holte sie zahlreiche Stimmen im erweiterten bürgerlichen Lager und überrundete als Newcomerin zwei langjährige Mitglieder der SVP-Fraktion.
Die SVP setzte in Bern auf die Partnerin des früheren Parteipräsidenten: Sie erhielt gleich einen Sitz in der einflussreichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK). Im letzten Oktober wurde Friedli als Bundesratskandidatin gehandelt. Lange liess sie sich Zeit für die Absage. Im Festzelt der Viehschau in Mels verkündete sie dann vor den Medien, dass sie sich stattdessen für einen Ständeratssitz bewerben wolle.
Eine Richtungswahl
Im Wahlkampf gelang es der Linken nicht, mit Verweis auf Friedlis Positionen in der Ausländer- oder Klimapolitik im bürgerlichen Lager eine Anti-SVP-Bewegung aufzubauen. Die Argumente, es handle sich für den Kanton St. Gallen um eine Richtungswahl, verfingen kaum.
Mit dem gleichen Rezept wie in den Wahlkämpfen zuvor verbreitete Friedli in gemässigtem Tonfall die Argumente ihrer Partei. Auf ihren Wahlplakaten liess sich die Programmchefin der SVP in ihrem Landgasthof beim Servieren eines Café Crème abbilden. Sie wurde vom Gewerbeverband und vom einflussreichen Bauernverband unterstützt. Trotz ihrer Europapolitik empfahl sie auch die Industrie- und Handelskammer IHK).
In Porträts der Medien wurde sie als "gmögig" und ihre Konkurrentin Barbara Gysi als "ernst" charakterisiert. Friedli erwies sich erneut als exzellente Wahlkämpferin. An politischem Profil gewann sie damit aber noch nicht. Erst die nächsten Jahren im Ständerat werden zeigen, wie sehr sie zu eigenständigen Positionen findet.
(AWP)