Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03481.jsonl.gz/2279

So was von 2019, diese Probleme!
Vielleicht kennen Sie die Redensart von den «First World Problems», meine Damen und Herren. Was mit diesem Etikett angedeutet werden soll, ist die grundsätzliche Relativität von Problemen, die natürlich nicht nur eine örtliche, sondern auch eine zeitliche ist: Können Sie sich noch an Probleme erinnern, die zum Beispiel durch die Zeichenbeschränkung für SMS-Nachrichten entstanden?
Es folgen nun einige Probleme, bei denen man schon in naher Zukunft möglicherweise sagen wird: «Ach, das war so 2019.» Vielleicht aber auch nicht. Entscheiden Sie selbst:
- «Sharenting»
Oder auch «Oversharenting». Bezeichnet das Phänomen, dass hyperaktive Eltern zu viele Informationen über ihre Sprösslinge über soziale Medien teilen. Kinderpsychologen beschäftigen sich bereits mit der Frage, wo die Privatsphäre des Kindes beginnt und wie diese im Rahmen einer Rechteabwägung mit den Veröffentlichungsinteressen der Eltern geschützt werden könne.
- «Eco Anxiety»
Eine neuere Form der Angststörung. Die Sorge über den möglichen Kollaps des ökologischen Gleichgewichts nimmt panische Züge an, genährt auch vom Gefühl individueller Hilflosigkeit.
- «Youporn Anxiety»
Analog zu (2.); bloss mit Bezug auf den möglichen Kollaps des unentgeltlichen Online-Pornografie-Angebots infolge der EU-Urheberrechtsreform.
- «Dresscode Burnout»
Die eskalierende Verwirrung über das, was man wo wann noch tragen kann. Befeuert durch die kürzliche pauschale Lockerung des Dresscode bei Goldman Sachs.
- «Garfield-Aversion»
Das Gefühl akuter ungerichteter Gereiztheit, wenn der malerische Strand vor der Tür mit massenhaft angeschwemmten Garfield-Plastiktelefonen aus den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts verschandelt wird. Fragen Sie mal die Bewohner der Atlantikküste an der Iroise. Seit ungefähr 35 Jahren.