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Das Wochenende vom 19./20. Juli liess erhebliche Zweifel an der Klimaerwärmung aufkommen, denn als die Teilnehmenden der Jahresausfahrt auf der Habsburg eintrafen, war es unangenehm kalt und nass. So rauschten einige nicht in ihren angemeldeten Cabriolets an, sondern bevorzugten verständlicherweise dichte und ordentlich heizbare Limousinen
Die Habsburg wurde um das Jahr 1020 zuoberst auf dem Wülpelsberg, etwas südlich der späteren Stadt Brugg und unweit der Vereinigung der Flüsse Aare, Reuss und Limmat, auf einem Plateau von ca. 30 Meter Breite und 100 Meter Länge errichtet. Nach und nach wurde die Burg ausgebaut. An den starken Turm schloss sich bald ein Palas – Wohnstätte für die Burgherrschaft – an. Es folgte der Burghof mit Kapelle und dem heute wieder ausgegrabenen tiefsten Sodbrunnen der Schweiz. Die mittelalterliche Habsburg war folglich bedeutend grösser als das, was heute noch an Gebäuden vorhanden ist.
Für die Zürcher, die ja bekanntlich immer etwas hämisch auf den Aargau blicken, sind die folgenden Zeilen natürlich etwas hart, aber es muss ganz einfach erwähnt werden, dass die einflussreichste Adelsfamilie Europas ihr Stammhaus im Aargau hatte. Die Habsburger stellten erstmals 1273 und ab 1438 fast ununterbrochen die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser; sie herrschten ab 1282 über die Herzogtümer Österreich und Steiermark sowie ab 1438/1527 über Böhmen und Ungarn. Im 16. Jahrhundert teilte sich die Dynastie in eine spanische und eine österreichische Linie; erstere herrschte über Spanien und Portugal sowie deren überseeische Besitzungen in Amerika, Afrika und Asien. Zeitweise besassen die Habsburger auch andere europäische Gebiete, unter anderem Burgund, Flandern, Mailand sowie Teile der Lombardei. Der letzte römisch-deutsche Kaiser, Franz II. begründete 1804 das Kaisertum Österreich, das 1867/68 zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn umgewandelt wurde und 1918 – am Ende des Ersten Weltkriegs – unterging.
Obschon die Habsburger 1415 den alten Familiensitz verloren [nämlich als Bern den Aargau eroberte; leicht chauvinistisch gefärbte Ergänzung der Redaktion!], blieb die Beziehung zum Aargau bestehen. Das Kloster Muri beherbergt die Herzen des letzten Österreichischen Kaiserpaares Karl I. und Zita. In der Gruft ruhen auch die sterblichen Überreste eines Sohnes, eines Enkels und zweier Schwiegertöchter. Auch der erst kürzlich verstorbene Erzherzog Rudolph, ein Sohn Kaiser Karls I., fand seine letzte Ruhestätte im Kloster Muri [vgl. Beitrag von Marlène Kropfli].
Das miese Wetter kann der guten Laune keinen Abbruch tun: Fröhliche Tischrunden
am morgendlichen Treffpunkt auf Schloss Habsburg im Aargau
Vor dem Start will das Rally-Schild montiert sein: Claire Wunderle und Ernst Hess
suchen nach einer passablen Befestigungsstelle
Nun zurück zur Gegenwart: Nach dem Eintreffen auf der Habsburg wurden als erstes, wie es sich gehört, Kaffee und Gipfeli serviert, bevor Sonja im Innenhof der Burg die Teilnehmer begrüsste und Hinweise für die erste Etappe gab. Anschliessend starteten wir zur Fahrt nach Todtmoos im Schwarzwald. Nach dem Bözberg schien es, als hätten sich die Wetterpropheten geirrt. Der Himmel wurde heller und wir fuhren auf abgetrockneten Strassen. Aber schon bald nach Überquerung des Rheins setzte der Regen erneut und nun intensiv ein, so dass der in Todtmoos vorgesehene Geschicklichkeits-Parcours ausfallen musste. Beim «Speckpapst» im Mattenhof trafen wir uns zum «Speckseminar». Von Speck war allerdings nur am Rand die Rede, vielmehr unterhielt uns der Mattenwirt eine Stunde lang mit Witzen und Sprüchen – leichten und tiefsinnigen, vorwärtsblickenden und rückwärtsgewandten, eben sogenannten «Berückspiegelungen». Darüber hinaus wurde er seinem Ruf als singender Wirt gerecht, der auch einen Jodelkurs im Programm hatte, so dass wir aus voller Kehle beim Kufsteinerlied mitsingen konnten. Für jene, die nicht dabei gewesen sind, der Jodel geht so: «Hol di Rührei, hol de Radio, …». Jedenfalls war es eine höchst vergnügliche Stunde.
Und Regen prägt die Ausfahrt... Karl Stähelin und Gust Furrer, Organisator Kurt Schweizer beim Einsammeln der
Fahrzeugausweise; was führt er wohl im Schild? Esther Hunziker und Peter Badertscher
Der Speckpapst bei seinen beliebten «Berückspiegelungen» und Tischrunde in Erwartung der häuslichen
Schinken- und Speckerzeugnisse
Fröhliche Unterhaltung... Mattenhofwirt mit der Handharmonika. Stellvertretend für alle Zuhörer: Sjef und Lis van
der Wee amüsieren sich köstlich. Es regnet auch beim Verlassen des Hofs: Kavalier Peter Moser beschirmt Mona
Als Folge der miserablen Witterung fuhren wir anschliessend auf direktem Weg statt über die bei schönem Wetter landschaftlich reizvollen Nebenstrassen nach Schluchsee ins Hotel «Vier Jahreszeiten». In der riesigen Tiefgarage konnten wir unsere Autos für einmal ohne «Geknorze» parkieren. Möglicherweise kommt der Name des Hotels daher, weil es mindestens zwölf Monate braucht, bis man sich in diesem verwinkelten und vor allem unwahrscheinlich weitläufigen Gebäudekomplex auskennt. Jedenfalls lautete die meistgehörte Frage: «Weisst du, wo ich die .......... (gefragte Örtlichkeit nach Belieben einsetzbar)...... finde?»
Während die einen sich in der Wellness-Oase abmühten, zogen andere es vor, in der Hotelbar ihre Fitness zu pflegen und so die Zeit bis zum Apéro nutzbringend zu vertreiben. Den Speisesaal erreichten wir anschliessend nach einem ausgedehnten Fussmarsch durch endlos scheinende Korridore. Immerhin lohnte sich die Wanderung, denn das Essen war ausgezeichnet und der Service klappte vorzüglich. An unserem Tisch wurde der Aufenthalt allerdings zuerst durch eine unangenehm blendende Spotlampe beeinträchtigt; es brauchte eine ganze Weile und fünf verschiedene Ansprechstationen, bis sich jemand fand, der den richtigen Lichtschalter bedienen konnte.
Nach dem Essen stand der «individuelle Ausklang an der Hausbar» auf dem Programm. Während die seriöseren Teilnehmerinnen und Teilnehmer kurz nach Mitternacht ihre Zimmer aufsuchten, soll es andere gegeben haben, die etwas sehr lang und intensiv bei diesem Programmpunkt verweilten. Jedenfalls sah man anderntags ein paar übermüdete Gesichter.
Am Sonntagmorgen um zehn Uhr starteten wir zur Fahrt in den Naturpark Tannenmühle. Bei der ersten grossen Abzweigung nach Schluchsee prallten ein Audi und ein C-Klasse-Mercedes ineinander. Christophorus hatte alle Hände voll zu tun, um die beiden schleudernden Fahrzeuge berührungslos an unserer auf der Einspurstrecke stehenden Oldtimer-Kolonne vorbei schlittern zu lassen. Nein, Christophorus ist kein Clubmitglied, sondern war zu jener Zeit, als viele unserer Autos noch Alltagswagen waren, als Schutzheiliger für die Sicherheit der Autofahrer zuständig. An gar manchem Armaturenbrett klebte damals eine Christophorus-Plakette. Als der Glaube an die Wirksamkeit von Heiligen abnahm, sah sich die Autoindustrie genötigt, ABS und Airbag zu erfinden.
Christophorus-Plakette am Auto: Vorgänger des ABS... oder doch mehr?
Im Naturpark Tannenmühle war es mit etwa sieben Grad Celsius empfindlich kalt, aber glücklicherweise trocken. Weitaus begehrter als das Mühlengebäude mit seinen technischen Einrichtungen war der Museumsladen. Werner Koch animierte durch den Kauf eines Blechvogels diverse weitere Teilnehmende, sich ebenfalls ein solches Vieh zu erstehen. Jedenfalls steht in unserem Garten nun auch ein Rabe mit Brille und Hut.
Naturpark Tannenmühle: Unser Fuhrpark vor dem Mühlengebäude. Der Museumsladen interessierte weit stärker als die technische Einrichtung!
Vögel unter sich: Eule im Tiergehege, Rabe aus dem Museumsladen
Werner Koch mit der Neuerwerbung aus dem Museumsladen: glücklicher Kauf! Auch Irma Fässler wählt aus.
Bei Sonnenschein starteten wir zur letzten Etappe, die nun auf der von Sonja und Kurt trefflich ausgesuchten Originalstrecke zurückgelegt werden konnte. Es war eine wunderschöne Fahrt über die Schwarzwälder Panoramastrasse und anschliessend durch die Weinberge von Hallau, wo ein Winzerhütten-Fest stattfand. Die arg kühle Witterung dürfte dort den Ansturm gebremst haben. Noch einmal überquerten wir die Grenze, um im gerade noch deutschen Nack bei Lottstetten das Restaurant «Kreuz» anzusteuern. Der Wirt kochte nicht nur wunderbar, er hatte auch an den Parkdienst gedacht, so dass die über vierzig Autos mühelos Platz fanden.
Mit dem leckeren und gemütlichen Mittagsmahl fand eine weitere Jahresausfahrt ihr Ende. Sonja und Kurt Schweizer boten damit den Teilnehmern schon zum dritten Mal eine perfekt organisierte Jahresausfahrt. Dafür sei ihnen ganz herzlich gedankt. Für das nächste Jahr ist den beiden eine noch grössere Aufgabe aufgebürdet: Unser Club wird nämlich 35 Jahr alt, und um dieses Ereignis gebührend zu feiern, findet eine einwöchige Jubiläumsausfahrt statt.
Veröffentlicht am:
13:20:30 06.11.2010
Autor:
Eduard Schaub
Letzte Aktualisierung
08:40:57 07.11.2010