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Im Vorfeld dieses Heftes haben wir viele Leute gefragt, ob sie an Gott glaubten. Die Antwort lautete manchmal Ja und manchmal Nein, meistens aber, «es kommt ganz darauf an, was mit Gott gemeint ist und was mit Glauben». Es folgten meist Beschreibungen, die mit der Länge nicht an Klarheit gewannen.
Den persönlichen Glauben zu erklären ist schwierig, und den persönlichen Unglauben nicht einfacher, weil er sich meistens durch eine Aufzählung dessen definiert, woran man nicht glaubt. Wenn es um das Innerste geht, kommt die Sprache an ihre Grenzen.
Auch der Begriff Atheismus wird ganz unterschiedlich verstanden. Umgangssprachlich versteht man darunter die Überzeugung, dass es keinen Gott gibt. Aber historisch hat das Wort so viele Bedeutungen durchlebt, dass die Frage, was man unter einem Atheisten zu verstehen habe, heute umstritten ist. So gibt es Gläubige, die sich als Atheisten bezeichnen, weil sie den Theismus, die Vorstellung eines eingreifenden Weltenschöpfers, ablehnen. Andererseits gibt es Leute, die behaupten, an keine höhere Macht zu glauben, aber partout nicht Atheisten genannt werden wollen.
Wer sich mit Glauben und Unglauben auseinandersetzt, kommt nicht um Widersprüche herum. Das gilt auch für das vorliegende NZZ-Folio. Der erste steckt schon im Untertitel «Aus Mangel an Beweisen». Er stimmt zwar insofern, als sich viele Leute von Gott abwenden, weil ihnen die Beweise für seine Existenz fehlen. Aber er ist absurd, wenn man sich vor Augen hält, dass es Unfug ist, solche Beweise überhaupt zu erwarten. Wenn es sie gäbe, hiesse es schliesslich nicht Glaube, sondern Wissen.
Die Bilder in diesem Heft stammen von Andrea di Martino, Mailand. Er hat während mehrerer Jahre umgenutzte Kirchen in Italien fotografiert.