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Früher war das Leben schwieriger, aber auch einfacher.
Die Arbeitstage waren lang, Hilfsmittel wie Waschmachinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Staubsauger oder Auto gab es nicht. Andererseits waren die Wäscheberge kleiner, denn man badete ein Mal pro Woche und wechselte die Kleider nicht so oft wie wir das heute tun.
Es gab noch keine Pinterestbildchen, die zeigten was man alles erreichen kann, wenn man nur dafür arbeitet oder daran glaubt. Es gab noch keine 19 Einrichtungshäuser, in denen man sich aus 150 verschiedenen Sofas (mit 37 unterschiedlichen Bezügen und 15 kaum voneinander abweichenden Sofafüssen) eines aussuchen sollte.
Es gab noch keine 9 Sorten Butter im Quartierladen und niemand hatte 50 Kleidungsstücke und 12 Paare Schuhe im Schrank.
Wenn ich jeden Morgen entscheiden muss, welches Shampoo ich heute verwenden soll, aus welcher Tasse ich beim Frühstück welchen Tee (Earl Grey, Irish Breakfast, Lady Grey, Grüntee mit oder ohne Jasmin, Rooibos, Früchtetee oder gar White Tea?) trinken soll, wenn ich entscheiden muss ob ich heute den grünblauen, türkisen, kornblumenblauen oder blaugrauen Pullover anziehen soll und welche Handtasche dazu passt, wenn ich im Supermarkt aus 17 verschiedenen Essigflaschen eine wählen soll und entscheiden soll welches der 421 TV-Programme ich anschauen mag, welchen Nagellack ich auftragen will und wenn ich wegen eines einzigen Bilderrahmens durch einen Laden in der Grösse von 3 Fussballfeldern spazieren muss, wenn ich 17 Schuhläden zur Auswahl habe um die modernsten, tollsten, bequemsten Schuhe zu finden, macht mich das unruhig.
Je mehr Entscheidungen ich jeden Tag treffen muss, desto unruhiger werde ich. Und damit meine ich nicht die "grossen" Entscheidungen wie Stellenwechsel, Umzug oder Familienplanung sondern die vielen kleinen Entscheidungen des Alltags.
Deshalb versuche ich diese täglichen Entscheidungen auf ein Minimum zu beschränken.
Deshalb sehen die Einkaufslisten unseres Wochen- und Monatseinkaufs fast immer identisch aus. Deshalb trage ich fast immer Kleider in denselben Farben, die auch alle kombinierbar sind und zu denen auch meine einzige (schwarze) Handtasche hervorragend passt. Deshalb verwende ich immer dieselbe Zahnpaste, dasselbe Shampoo, dieselbe Seife, dasselbe Waschpulver, dieselben Kugelschreiber.
Für nichtalltägliche Entscheidungen nehme ich mir gerne die Zeit. Wenn es um die Urlaubsplanung, den Wohnungswechsel oder um ein neues Fahrrad geht, lohnt es sich in meinen Augen, gut überlegte Entscheidungen zu treffen und sich genügend Zeit zu nehmen.
Aber nicht andauernd, nicht jeden Tag!
Nennt mich langweilig - diese Art von Langeweile sorgt für viel Ruhe in meinem Alltag. Geniessen kann ich trotzdem; Die erste Tasse Himbeer-Mango-Tee am frühen Morgen, ein warmes Lavendel-Bad nach einem Spaziergang in der Kälte, das schwarze Wolljäckchen wenn der Grillabend kühler ausfällt als erhofft, die bewährten Hongler-Kerzen auf dem Tisch - und abends geniesse ich es, unter die geliebte Pip-Bettdecke zu schlüpfen, zusammen mit meinem Lieblingsmann, der auch schon seit 17 Jahren derselbe ist. Langweilig? Nie!