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Schultheiss Niklaus Thut war ein begüterter Zofinger Bürger. Als energischer, kluger Mann erhielt er das höchste Amt der Stadt in verhältnismässig jungen Jahren schon. Mit Umsicht leitete er Zofingens Geschicke und erwarb sich hohes Ansehen bei seinen Mitbürgern. Bald erfreute er sich auch des besonderen Vertrauens und der Gunst seiner Herren, der Herzöge von Österreich. Sie kamen gerne nach Zofingen zu Besuch und gewährten der Bürgerschaft allerlei Vergünstigungen und Vorrechte. Diese wiederum hielt ihrer Herrschaft Treue in guten und bösen Tagen.
Am 22. Juni 1386 entschloss sich Herzog Leopold III. zum Kriege gegen die Eidgenossen. Ende Juni ritt er an der Spitze eines grossen Heeres in Zofingen ein und erwartete die Hilfstruppen, die von Basel her zu ihm stiessen. In den Strassen und um die Stadt wimmelte es von Rittern, Knappen und Knechten. Hufschlag ertönte, Schilde und Schwerter klirrten, Fahnen flatterten, stolz wehten Pfauenfedern von blitzenden Helmen. Als sich der Heereszug auf staubiger Strasse gegen Adelboden in Bewegung setzte, trat Schultheiss Niklaus Thut, das Zofinger Fähnlein in starker Hand, mit seinen Getreuen in die Reihen.
Am 9. Juli 1386 stiess das herzogliche Heer oberhalb Sempach auf die Eidgenossen. Die Schlacht entbrannte und endete mit einer vollständigen Niederlage des österreichischen Heeres. Die Blüte des Adels sank dahin unter den wütenden Streichen der Eidgenossen. Im wilden Schlachtgewühl scharten sich die Zofinger um ihr Fähnlein. Der Schultheiss fiel mit 11 Mann seiner Getreuen. Tödlich verwundet, sah er Niederlage und Flucht des Adel, sah Banner um Banner sinken und in die Hand der Feinde fallen. Vor dieser Schmach wollte er das Zofinger Banner retten. Sterbend riss er das seidene Tuch vom Stocke und schob es in den Mund, den Stock hielt er mit den Zähnen fest.
Noch am gleichen Abend brachten fliehende Ritter die Schreckenskunde nach Zofingen. Traurig machten sich die Angehörigen auf, die Leichen der Gefallenen heimzuholen und zu bestatten. Aber drei Tage mussten sie warten, bis die Eidgenossen die reichen Beute auf dem Schlachtfeld eingebracht und ihre Toten heimgeführt hatten.
Endlich fanden die Zofinger die Ihren. Da ward ihnen die Tat des Schultheissen offenbar. Sein Name ging von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht, und seine Tat lebt weiter als leuchtendes Beispiel der Treue zur Fahne.
Niklaus Thut-Platz und -Brunnen