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Das karolingische Haito-Münster (9. Jh.)
Das Haito-Münster war mit seinen 52 Metern Länge bereits eine ansehnlich grosse Bischofskirche, von der heute allerdings kein aufgehendes Mauerwerk, sondern nur noch Mauerreste im Boden erhalten sind. Dank archäologischen Grabungen in den 1970er Jahren kann die Bauform als Saalbau mit länglichen Nebenräumen, zwei Rundtürmen an der Westfassade, Krypta und erhöhtem Chor mit Mittelapsis definiert werden. Der Raum dürfte mittig durch eine Schrankenanlage unterteilt gewesen sein, die den Laien- vom Chorbereich trennte. Etwas später folgte ausserhalb des Chors – auf der Pfalz - ein kleiner Kultbau mit drei Apsiden, den man heute „Aussenkrypta“ nennt: vielleicht war es die Kapelle der Bischofsresidenz. Denn Pfalz heisst ja lateinisch „palatium“, der Palast, bzw. der Bischofspalast. Dem karolingischen Münster ging schon eine Kirche voraus, wie eine Schriftquelle und ein Mauerzug im Boden andeuten. Denn Mitte des 7. Jahrhunderts dürfte sich Basel als Bischofssitz etabliert haben.
Das Haito-Münster muss zwischen 805 und 823 erbaut worden sein. Seinen Namen hat es von Haito, einem bedeutenden Kirchengelehrten des Franken- und Karolingerreiches. Als engster Berater Kaiser Karls des Grossen durchreiste er für diesen auf diplomatischer Mission das karolingische Reich und durfte das kaiserlicheTestament signieren. Im Alter von fünf Jahren war Haito auf die Reichenau am Bodensee ins Benediktinerkloster Mittelzell eingetreten und dort erzogen worden. Als Abt dieses Klosters veranlasste er einen Neubau, eine karolingische Basilika, die 816 geweiht wurde. Auch gab er wohl den berühmten St. Galler Klosterplan für seinen Abtsbruder in St. Gallen in Auftrag. 805-823 war Haito auch Bischof von Basel und liess dort eine neue Bischofskirche, das Haito-Münster, erbauen. 823 trat er vom Bischofsamt zurück und zog sich in sein Reichenauer Kloster zurück, wo er 836 starb.
Als das Haito-Münster etwa 100 Jahre alt war, wurde es 917 beim Einfall der Ungarn beschädigt. Denn bei diesem kriegerischen Akt, bei dem laut Schriftquellen die Stadt Basel zerstört wurde, soll auch ein Basler Bischof Rudolf erschlagen worden sein, wie die Inschrift eines Sarkophags in der Basler Münsterkrypta besagt. Das Haito-Münster dürfte dann weitere 100 Jahre bestanden haben, bis der frühromanische, 1019 geweihte Neubau Kaiser Heinrichs II. begonnen wurde.
|Grundriss des Haito-Münsters (rot) im heutigen Grundriss. Foto: Archäologische Bodenforschung Basel|
|Rekonstruktion des Haito-Münsters gemäss den Münster-Grabungen der 1970er Jahre, Büro Sennhauser, Zurzach. Foto: Büro Sennhauser, Zurzach|
|Virtuelle Rekonstruktion des nördlichen Rundturms des Haito-Münsters. Lebensbild, Digitale Archäologie Freiburg i. Br. Foto: Archäologische Bodenforschung Basel|

Sarkophag des 917 erschlagenen Bischofs Rudolf in der Ostkrypta des Basler Münsters. Foto: Erik Schmid