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Einleitung
Das Gebiet der Stadt Bern war spätestens seit der La-Tène-Zeit besiedelt. Die älteste nachgewiesene Siedlung war eine wahrscheinlich seit der zweiten Hälfte des .2 Jahrhunderts v. Chr. befestigte große keltische Siedlung auf der Engehalbinsel. Sie dürfte eines der zwölf von Julius Cäsar erwähnten Oppida (befestigter Ort) der Helvetier gewesen sein.
In römischer Zeit bestand auf der Engehalbinsel ein gallo-römischer Vicus (Siedlung), der, nach den Münzfunden, zwischen 165 und 211 n. Chr. aufgegeben wurde. Daneben sind drei römische Gutshöfe nachgewiesen, der größte aus dem 2. und 3. Jahrhundert im heutigen Bümpliz. Für das Frühmittelalter gibt es diverse Hinweise für Besiedlungen.
Gründung der Stadt Bern
Der Herzog Berthold V. von Zähringen ernannte im Jahr 1191 an der Aare gelegene Siedlungen in der Nähe seiner Burg Nydegg unter Verleihung der dazu gehörenden Rechte zur Stadt Bern. Diese wurde von einer starken Befestigung umgeben.
Die durch eine starke Biegung der Aare zu drei Seiten umflossene Halbinsel war schon zu früheren Zeiten besiedelt. Der wenige Jahre vor der Stadtgründung gleichfalls durch die Zähringer vorgenommene Bau der Burg Nydegg, einer mächtigen Anlage mit einem wuchtigen Hauptturm, diente dem Schutz des Fährverkehrs über die Aare.
Von der Burg aus erfolgte die erste Stadtanlage. Parallel zu der Hauptstraße, die in einer Länge von knapp 400 Metern von der Nydegg bis zu einen Torturm und einer Befestigungsanlage reichte, befanden sich rechts und links zwei weitere Straßenzüge. Die kurz nach der Verleihung des Stadtrechts begonnen Erweiterungen vollzogen sich gleichfalls entlang der Hauptstraße Richtung Westen. Als neues Stadttor wurde der Zeitglockenturm errichtet.
Die Herkunft des Namens Bern liegt im Ungewissen. Er wird u. a. auf das lateinische Wort „taberna“ (Schuppen oder Scheune) zurückgeführt. Die Überlieferung besagt jedoch noch etwas anderes: Demnach wurde der Name von dem Zähringerherzog Berthold V. nach dem ersten von seinen Jägern erlegten Tier im Wald, einem Bären, benannt.
Die Verleihung der Stadtrechte und die Befestigung Berns durch den zähringischen Gefolgsmann Kuno von Bubenberg bildete den vorläufigen Abschluß eines längeren Feldzuges des Zähringerherzogs gegen den aufständischen Adel im Üechtland, der Waadt und im Berner Oberland, in dessen Verlauf es in Grindelwald und bei Payerne VD zu schweren Kämpfen kam.
Die Wahl des Standortes an der Aareschleife kam nicht von ungefähr: Bern lag damals auf gerader Linie zwischen den befestigten Plätzen Freiburg und Burgdorf, wo schon unter Herzog Konrad von Zähringen im frühen 12. Jahrhundert am Eingang zum Emmental eine Befestigungsanlage erbaut wurde, die durch Berthold V. noch erweitert wurde. Der Grund und Boden, auf dem die Stadt Bern entstand, gehörte früher zum Königsgut von Burgund, ist jedoch 1032 zum Reichsgut geworden.
Die Ausdehnung und der Herrschaftsbereich im Früh- und Mittelalter
Nach dem Aussterben der Zähringer wurde Bern laut der Goldenen Handfest 1218 Freie Reichsstadt. Aufgrund der Handfeste besaß Bern das Recht auf eigene Münzen, Maße und Gewichte und eine eigene Gerichtsbarkeit. König Rudolf I. von Habsburg bestätigte 1274 Berns Reichsfreiheit, legte der Stadt aber eine Reichssteuer auf. Als Schutz gegen die Grafen von Kyburg, die die Zähringer beerbt hatten, wählte Bern die Schirmherrschaft Savoyens.
Im frühen 14. Jahrhundert dehnte Bern seinen Herrschaftsbereich vornehmlich durch Kauf und Pfandschaften kleinerer Städte und Brückenköpfe weiter aus. Nachdem Bern das habsburgische Freiburg im Gümmenenkrieg 1332 besiegt hatte, erfolgte eine erste Ausdehnung ins Oberland. 1339 errangen die Berner im Laupenkrieg dank der Unterstützung der Eidgenossenschaft einen wichtigen Sieg gegen die umliegenden Adleshäuser und legten damit den Grundstein für den Aufstieg zum Stadtstaat. Das bereits seit 1323 bestehende und 1341 erneuerte Bündnis mit den Innerschweizer Waldstätten wurde 1353 mit dem unbefristeten Beitritt zur Eidgenossenschaft besiegelt.
Das Hoheitsgebiet Berns wuchs nach dem Beitritt zur Eidgenossenschaft, an deren Expansion die Stadt sich beteiligte, beträchtlich, nicht nur durch Eroberungen, sondern auch durch Burgrechte, Bündnisse, Käufe, Pfandschaften und Schaffung wirtschaftlicher Abhängigkeiten und machte die Stadt Bern zum wichtigsten Machtfaktor im westlichen Mittelland. Die Teilnahme an den Burgunderkriegen 1474 bis 1477 brachte Bern dann erste Landgewinne in der Waadt. Ab dem 15. Jahrhundert verstand die Stadt Bern sich als Staat.
Im 15. Jahrhundert wuchs das Herrschaftsgebiet Berns besonders auf Kosten der umliegenden Mächte (Habsburg, Neu-Kyburg, Savoyen) und deren Adelsfamilien und wurde bis zur Reformation zum Territorialstaat. Nur ein Teil des Herrschaftsgebietes wurde militärisch erobert, so der vormals habsburgische Aargau 1415. Die Schwächen benachbarter Herrschaften ermöglichten andere Erwerbungen durch Kauf: Aarberg 1377/1379, Thun und Burgdorf 1384. Diese Kleinstädte öffneten den Zugang zum Oberland und zum Emmental. Ebenso wichtig wurden Beziehungen zu Personen und Institutionen.
17. und 18. Jahrhundert
1648 erhielt Bern im Westfälischen Frieden die volle staatliche Souveränität und löste sich endgültig von Deutschen Reich. Mitte des 17. Jahrhunderts war die Neudefinition des Bürgerrechts in der Stadt abgeschlossen. Neuzuzügler konnten sich nur noch als Ewige Einwohner niederlassen. Damit war die Grundlage für das aristokratische Regierungssystem, in dem sich nur wenige Familien die einträglichen Ämter teilten, geschaffen. Trotz des Macht- und Gebietszuwachses blieb die mittelalterlich-oligarchische Regierungsform des Ancien Régimes bis Ende des 18. Jahrhunderts bestehen.
Einfall der Franzosen 1798
Am 27. Januar 1798 marschierten französische Truppen ins Berner Waadtland ein und drangen in der Folge immer weiter in die Schweiz vor. Bern musste sich, nachdem die Regierung bereits kapituliert hatte, trotz heftigen Widerstandes nach der Schlacht am Grauholz anfangs März geschlagen geben. Das Staatsvermögen von Bern (6 Millionen Francs in bar und 18 Millionen in Schuldverschreibung) wurde von den Franzosen beschlagnahmt. Auch die Berner Bären, die in der Stadt seit 1480 sporadisch und seit 1764 dauerhaft gehalten wurden (Bärengraben), kamen nach Paris. Außerdem verlor Bern die vorher abhängigen Gebiete Waadtland und Aargau, die mit der Mediationsakte 1803 unabhängige Kantone wurden, sowie zeitweise das Berner Oberland.
19. Jahrhundert – Restauration und Regeneration
1804 war das Vermögen zwischen Stadt und Kanton Bern, das bis dahin wie die Verwaltung nicht geschieden war, in der sogenannten Dotationsurkunde aufgeteilt worden.
1815 erhielt Bern im Zuge der Restauration, mit der das alte Herrschaftssystem wieder eingeführt wurde – so stellten die Patrizier der Stadt Bern 200 der 299 Großräte des Kantons –, neben Zürich und Luzern den Status eines Vorortes und diente im Zweijahresrhythmus wechselnd als Regierungssitz des Staatenbundes.
Am 14. Januar 1831, im Zuge der Regeneration, dankte die Patrizierregierung ab und machte den Weg zu Wahlen im Kanton frei, die von den Liberalen deutlich gewonnen wurde. Mit der Verfassung von 1831 wurde der Vorgang der Stadt Bern, die Kantonshauptort wurde, im Kanton aufgehoben. 1832 wurde neben der Burgergemeinde neu die Einwohnergemeinde, in der alle ansässigen Bürger mit einem Mindestvermögen stimmberechtigt waren, geschaffen. Am 5. September 1832 erklärte die Kantonsregierung die Verfassung der Stadt Bern für aufgehoben und den Stadtrat für abgesetzt. In den darauffolgenden Wahlen blieben das Patriziat und später die Konservativen in der Stadt in der Mehrheit.
Bern wird zur Bundesstadt
Die Gründung einer Hauptstadt der 1848 zum Bundesstaat vereinten Schweiz warf zahlreiche Fragen auf. Den Widerständen gegen eine zentrale Hauptstadt wurde dadurch Rechnung getragen, daß statt einer Hauptstadt lediglich eine Bundesstadt als Sitz von Bundesregierung, Bundesversammlung und Bundesverwaltung gewählt werden sollte. Die Wahl der Bundesversammlung fiel – trotz der als ungenügend erachteten Infrastruktur – auf Bern. National-, Stände- und Bundesrat tagten in drei verschiedenen Gebäuden in der Stadt, bevor das erste sogenannte Bundesratshaus 1857 eingeweiht und 1892 und 1902 ergänzt wurde, bis es seine heutige Form erhielt.
Quellen:
– Autorenkollektiv, Chronik der Schweiz, Ex Libris Verlag, Zürich 1987.
– Richard Feller, Geschichte Berns, Band I-IV, Verlag Herbert Lang, Bern 1960.