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Gelehrsamkeit
(Gelahrtheit), im objektiven
Sinn der Inbegriff wissenschaftlicher Kenntnisse, im subjektiven der
Besitz
von solchen, also die notwendige
Eigenschaft des
Gelehrten. Im engern
Sinn versteht man unter
Gelehrsamkeit noch besonders
einen vornehmlich im
Gedächtnis aufbewahrten bedeutenden Vorrat historischen
Wissens im
Gegensatz zur eigentlich wissenschaftlichen
und philosophischen Einsicht, die in dem
Erkennen des
Wesens und des
Grundes der
Dinge beruht.
Deutlichkeit, Gründlichkeit, Genauigkeit, Ordnung und systematischer Zusammenhang sind für das gelehrte Wissen unerläßliche Bedingungen, und es unterscheidet sich dasselbe eben hierdurch von dem gewöhnlichen oder populären Wissen. Im engsten Sinn bedarf es dazu auch noch einer zureichenden Kenntnis der altklassischen Sprachen und Litteraturen, da die wissenschaftlichen Leistungen der Griechen und Römer [* 2] die Grundlage bilden, auf welcher sich die moderne Wissenschaft auferbaut hat.
Der mit der Wiedererweckung der klassischen Litteratur und dem Aufblühen der Naturwissenschaften im Zeitalter der Renaissance und Reformation (15. und 16. Jahrh.) entwickelte unabhängige Gelehrtenstand muß an erfolgreicher Wirksamkeit immer mehr gewinnen, je mehr das dem Autoritätsglauben entgegengesetzte Prinzip des Selbstdenkens und Selbstforschens zur Geltung kommt. Dessen Bestrebungen aber, so achtungswert sie an sich als Äußerungen rein ¶
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wissenschaftlichen Bedürfnisses sind, müssen so lange rat- und führerlos bleiben, als nicht die Wissenschaft vom Wissen,
seinen Bedingungen, Zielen, Methoden und Grenzen,
[* 4] die Philosophie, das »Auge
[* 5] der
Gelehrsamkeit«, deren Grundlage ausmacht. Bei den seit Erfindung
der Buchdruckerkunst so vielfach vorhandenen Hilfsmitteln der
Gelehrsamkeit ist es zwar heutzutage nicht unmöglich,
auch ohne gelehrten Unterricht, durch das bloße Lesen und Studieren von Schriften sich
Gelehrsamkeit anzueignen (Autodidakt).
Dennoch wird der mündliche Unterricht, wie er auf Gelehrtenschulen und Universitäten erteilt zu werden pflegt, das vorzüglichste
Mittel zur Erwerbung einer gelehrten Bildung bleiben.
Vgl. Fichte, [* 6] Vorlesungen über das Wesen des Gelehrten und seine Erscheinung im Gebiet der Freiheit (Berl. 1806).