Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/1722

Abraham Dürninger & Co. 1747-1939. Ein Buch von Herrnhutischem Kaufmanns- und Unternehmertum. Herrnhut, herausgegeben von der Abraham Dürninger Stiftung um 1940 sowie eine Lithografie des Zinzendorfschlosses in Berthelsdorf um 1850
Die Industrialisierung
1764 entstanden die "Dürningerschen Bleichen" " Das frühere herrschaftliche Wohnhaus auf dem Niederhofe und die daran stoßende Bleiche nebst 8 Scheffeln Feld, wurde 1764 von der hiesigen Herrschaft der Abraham Dürningerschen Handlung in Hermhut gegen Erlegung eines jährlichen Erbzinses von 110 Talern mit der Bedingung, jährlich zwölf Schock Leinwand unentgeldlich zu bleichen, überlassen. Noch im selben Jahr wurden die Bleiche vergrößert."(Korschelt S.73)In jener Zeit wuchs die Anzahl der Einwohner recht beachtlich, Handwerk und Gewerbe hielten Einzug. Vermutlich hatten bis 1700 nie mehr als 500 Einwohner, in der Mehrzahl erbuntertänige Bauern, in Berhelsdorf gelebt. 1757 zählte Berthelsdorf 757 Einwohner, in weniger als 100 Jahren erhöhte sich die Zahl um mehr als ein Tausend auf 1921 im Jahre 1855. Auf das Jahr 1776 geht die Gründung Neuberthelsdorfs zurück. Es bestand 1783 aus vier, 1803 schon aus dreizehn Häusern. Sehr interessant ist die Tatsache, daß schon 1783 ein Spritzenhaus unweit der Kirche erbaut wurde, nachdem von Seiten der Gemeinde für 306 Taler eine Feuerspritze gekauft worden war. 1790 baute man neben der Brennerei zwei Häuser als Wohnungen für die Mitglieder der 1789 nach Berthelsdorf verlegten Unitätsdirektion. "Von diesen Unitätsgebäuden führt eine nach 1750 angelegte schöne Lindenallee nach Herrnhut; 1837 wurde diese Straße bis zur Herrnhuter Grenze von Seiten der Herrschaft chaussiert."(Korschelt S.42) Diese beiden Häuser, wie auch die Brennerei sind heute noch bewohnt.
Die Napoleonische Zeit
Auch in der Zeit der Napoleonischen Kriege mußte Berthelsdorf sehr leiden. Im Ganzen waren in diesen Kriegsjahren in Berthelsdorf zwölftausendneunhundertdreiundvierzig Mann einquartiert gewesen, welche einen Kostenaufwand von 4314 Taler 8 Groschen verursacht hatten. Bei den vielen Fuhren zu Militärtransporten ging auch der größte Teil des Zugviehs und viele Wagen verloren. Vorräte wurden sich von den Kosaken teilweise gewaltsam angeeignet. Eine Episode aus dieser Zeit ist vielleicht erwähnenswert: "Da der Verkehr mit den Russen gewöhnlich wegen Unkunde ihrer Sprache sehr erschwert wurde, so war Berthelsdorf in dieser Beziehung der Beistand des Predigers Hasse von Herrnhut - er war früher Prediger in Sarepta in Südrußland gewesen - von wesentlichem Nutzen. Ein Kosakenoffizier unter andern, der bei seinem Eintritt sich ziemlich rauh benahm, wurde in seinem Betragen plötzlich umgestimmt und umarmte den Prediger Hasse mit lebhafter Herzlichkeit, als derselbe sich mit ihm in seiner Sprache unterhielt; auch gemeine Kosaken kamen herbei und hatten große Freude, nicht nur zu hören, daß Hasse, von Sarepta aus, in der Gegend ihrer Heimat, am Don, bekannt und gewesen sein, sondern ihm auch erzählen zu können, wie einige von ihnen selbst mehrmals in Sarepta gewesenwären."(Korschelt S.112) Wie schon vorher erwähnt, schickten 1813 "Schwenkfelder" zur Linderung der Kriegsleiden 136 Taler zum Verteilen an Hilfsbedürftige nach Berthelsdorf. Nach 1813 entstand die Häusereihe in der Talvertiefung zwischen Neuberthelsdorf und dem Nie-derhofe, die "die Kränke" genannt wird. Um diesselbe Zeit entstand auch die Häuserreihe in Oberberthelsdorf, die man als "Fichtelrode" bezeichnet.