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Anhand besonders auffälliger Symptome lassen sich Sonderformen der Depression unterscheiden. Hiervon ist die sogenannte larvierte Depression (= maskierte Depression) eine der wichtigsten. Körperliche Symptome, vegetative Störungen und Organbeschwerden stehen dabei im Vordergrund, vgl. Abbildung. Bei einer weiteren Unterform, der melancholischen Depression, sind ein ausgeprägtes Morgentief, Gewichtsverlust, Freudlosigkeit, Libido- und Interesseverlust charakteristisch.
Früher gebräuchliche Begriffe wie «endogene Depression», «neurotische Depression» und «reaktive Depression» sind veraltet und werden kaum mehr verwendet, da die früheren Entstehungskonzepte durch die heutige Forschung widerlegt sind.
Körperliche Symptome einer Depression
Mögliche körperliche Symptome der Depression. Die körperlichen Beschwerden können derart im Vordergrund stehen, dass die dahinter liegenden seelischen Beschwerden nur schwer erkannt werden. Dann wird von einer maskierten (= larvierten) Depression gesprochen.
Bei manchen Menschen kann sich die Depression auch ganz anders zeigen. Statt mit Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit reagieren sie mit Gereiztheit, Aggressivität, Ärger oder erhöhtem Alkoholkonsum. Unter Umständen wird übertrieben viel Sport getrieben. Die Betroffenen fühlen sich gestresst und ausgebrannt. Von dieser Art von Symptomen sind häufiger Männer betroffen.
Burn-out-Syndrom
Das sogenannte Burn-out-Syndrom bezeichnet eine Erschöpfungsdepression, die aus beruflicher Dauerbelastung entsteht. Frauen sind hier häufig zusätzlich den Belastungen aus Haushalt und Familie ausgesetzt, wobei auch die alleinige Haushaltsführung einer beruflichen Belastung entspricht. Das Burn-out-Syndrom ist gekennzeichnet durch Energieverlust, reduzierte Leistungsfähigkeit, Gleichgültigkeit, Zynismus und Unlust bei vorhergehendem, oft langjährigem, sehr hohem Engagement und überdurchschnittlichen Leistungen. Häufig genügt bei der langjährigen Anhäufung von Stress ein nur noch relativ geringer Auslöser (zum Beispiel Stellenwechsel), um die Erkrankung zum Ausbruch zu bringen.
Oft sind unklare körperliche Beschwerden, wie verstärktes Schwitzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme und Muskelschmerzen, vorhanden. Sehr häufig sind auch hier Schlafprobleme. Das Burn-out- Syndrom kann sich bis zu einer schweren Depression entwickeln. Steigende Erwartungen an die Arbeitnehmer, stark zunehmender Druck am Arbeitsplatz und mangelnde Anerkennung haben zu einer Zunahme dieses Erschöpfungszustandes geführt. Die im Zeitalter der Globalisierung veränderten Arbeitsbedingungen, wie beispielsweise eine ständige Verfügbarkeit über E-Mail, Natel oder BlackBerry, stellen neue Anforderungen an die Gesundheit und den richtigen Umgang mit beruflichem Stress.
Depression im höheren Lebensalter
Bei einem Erkrankungsalter über 65 Jahre spricht man von einer «Altersdepression ». Insgesamt treten depressive Erkrankungen im höheren Lebensalter nicht häufiger auf. Es gibt sogar zunehmend Hinweise, dass sie bei den «jungen Alten» zwischen 65 und 75 Jahren etwas seltener auftreten. Bei Patienten im höheren Lebensalter wird eine Depression jedoch häufig übersehen und somit jahrelang nicht behandelt. Darüber hinaus besteht für sie ein hohes Risiko für Chronifizierung und Pflegebedürftigkeit. Ältere Patienten verschweigen depressive Symptome eher und klagen vermehrt über andere körperliche Erkrankungen. Häufiger als bei jüngeren Patienten stehen bei älteren Menschen daher verschiedene körperliche Symptome im Vordergrund (vgl. Abbildung). Unklare Schmerzen können beispielsweise bei älteren Menschen oftmals Ausdruck einer zugrunde liegenden Depression sein. Eine Altersdepression kann auch im Rahmen einer Mangel- und Fehlernährung oder durch unzureichende Flüssigkeitsaufnahme entstehen oder begünstigt werden. Auch im Alter ist ein aktiver Lebensstil mit regelmässiger körperlicher Aktivität ein nachgewiesener Schutzfaktor.
Wochenbettdepression
Die Wochen nach der Entbindung (= Postpartalzeit) stellen für eine Frau den Zeitraum mit dem höchsten Risiko dar, eine psychische Erkrankung zu entwickeln (= postpartale Depression). Depressive Episoden nach der Entbindung treten bei rund 10-15% der Frauen auf und beginnen meist in der ersten oder zweiten Woche. Oftmals ist der Verlauf schleichend über Wochen bis Monate. Das Krankheitsbild ist von einer typischen depressiven Episode in anderen Lebensabschnitten nicht zu unterscheiden. Die Postpartalphase ist jedoch durch ausgeprägte und rasche hormonelle Veränderungen charakterisiert: Während der ersten 48 Stunden nach der Entbindung kommt es zu einem deutlichen Abfall der Hormone Progesteron, Östrogen, Kortisol und Thyroxin. Weshalb diese hormonellen Veränderungen jedoch bei einigen Frauen zur Erkrankung führen, ist noch immer unklar. Von der postpartalen Depression sind die viel häufigeren so genannten «Heultage» (auch «Baby blues» genannt) abzugrenzen. Sie beginnen in der ersten Woche nach der Entbindung, in der Regel jedoch nicht vor dem dritten Tag und dauern nur wenige Stunden bis Tage. Sie treten bei ca. 50% der Wöchnerinnen auf und besitzen keinen Krankheitswert.
Saisonale Depression (Winterdepression)
Dunkle und neblige Wintertage können die Stimmung verschlechtern. Dies kann im Fall der sogenannten Saisonalen Depression oder Winterdepression in Einzelfällen zu einer schweren und sogar lebensbedrohlichen Erkrankung führen. Ursache ist der jahreszeitlich verminderte Lichteinfall durch das Auge. Die dadurch fehlende elektrische Erregung führt bei hierfür anfälligen Menschen zu einer Störung des Gehirnstoffwechsels und somit zur Entstehung einer Depression.
Manchmal wird die Depression erst nach langer Leidensgeschichte erkannt. Jeder reagiert anders darauf, doch es ist gut, wenn das Leiden erkannt ist. Nur so kann die richtige Behandlung eingeleitet werden. Die richtige Diagnose ist somit der erste Schritt zur erfolgreichen Behandlung.