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Celluloid
oder Zellhorn, ein 1869 von Hyatt in Newark im Staate Neujersey zuerst dargestellter Stoff, der, nach mannigfacher Vervollkommnung, gegenwärtig zur Herstellung zahlreicher Artikel dient, die sonst aus Horn, Hartgummi, Elfenbein, Korallen [* 2] u. s. w. angefertigt wurden. Es besteht aus einem Gemenge von Nitrocellulose und Kampfer. Von den verschiedenen Nitrocellulosen (s. Schießbaumwolle) ist nur die in Äther-Alkohol lösliche und hiernach als Kollodiumwolle bezeichnete Form brauchbar.
Als Rohmaterial für die Bereitung derselben läßt sich jede möglichst reine Cellulose verwenden, doch wählen die Fabrikanten dazu mit Vorliebe möglichst feines Seidenpapier. Dasselbe wird in besondern Maschinen zu kleinen Fetzen zerrissen, diese kommen in ein Gemisch von 5 Teilen konzentrierter Salpetersäure und 2 Teilen Schwefelsäure [* 3] und werden, nachdem die Nitrierung erfolgt ist, mit Wasser bis zur Beseitigung jeder Spur von Säure gewaschen, worauf die Masse einem starken Druck ausgesetzt wird, um die Feuchtigkeit möglichst zu entfernen.
Die Verbindung mit dem Kampfer wird auf verschiedene Weise bewirkt. Nach dem amerik. Verfahren wird die Nitrocellulose (2 Teile) noch naß mit dem Kampfer (1 Teil) durch Mahlen und Walzen innig vermischt, wobei zugleich die nötigen Farbstoffe, Zinkweiß, Zinnober [* 4] u. dgl. zugesetzt werden, die gemischte Masse kommt nach dem Trocknen in Formen unter den Druck einer hydraulischen Presse [* 5] und wird hierbei zugleich einer Temperatur von 130° C. ausgesetzt. Abweichend hiervon wird in europ. Fabriken gearbeitet.
In der Fabrik von Magnus in
Berlin
[* 6] wird die trockne
Nitrocellulose mit ihrem doppelten Gewicht
Äther übergossen und dann mit
Kampfer in dem obigen Verhältnis vermischt. Unter häufigem Umrühren entsteht allmählich eine durchscheinende, gallertartige,
klebrige
Masse. Diese wird zwischen
Walzen so lange bearbeitet, bis sie plastische Eigenschaften zeigt,
und dann zu Platten ausgerollt, die der Luft ausgesetzt werden, bis sie einen gewissen
Grad von Härte zeigen; dies geschieht
um so rascher, je dünner sie gewalzt sind, bei einer
Stärke
[* 7] von 10
mm sind 10
Tage dazu erforderlich.
Die gehärteten Platten werden noch zwischen Zinkblechen, die mit erwärmten Eisenplatten abwechselnd geschichtet werden,
in einer hydraulischen
Presse starkem Druck ausgesetzt. Auch in der Fabrik zu Stains bei
Paris
[* 8] befolgt man ein ähnliches
Verfahren
wie in
Berlin, nur verwendet man dort statt des
Äthers Holzgeist. - Das ungefärbte
Celluloid hat das Aussehen
von blankem
Horn, ist schwach durchscheinend und sehr elastisch, hart, fest, fast unzerbrechlich und läßt sich auf gleiche
Weise wie
Horn
bearbeiten. Es riecht sehr schwach nach
Kampfer.
Beim Erwärmen in kochendem Wasser kann es in jede beliebige Form gebracht werden, die erwärmten
Stücke lassen sich
durch Zusammendrücken vereinigen oder mit Metallen verbinden.
Beim Entzünden an einer offenen Flamme
[* 9] brennt
Celluloid mit rußender
Flamme unter
Verbreitung eines
Geruchs nach
Kampfer; bei Berührung mit einem glühenden Körper verglimmt es völlig ruhig.
Obwohl es die
Bestandteile der Schießbaumwolle enthält, so ist doch die Explosionsgefahr durch die Bereitung fast
gänzlich beseitigt; indes ist immerhin Vorsicht zu empfehlen. Man stellt aus
Celluloid her: Billardkugeln, Spielsachen,
Messergriffe, Bürstenrücken, Kämme, künstliche Gebisse und unzählige Galanteriewaren, jetzt auch Clichés von Holzschnitten
und Schriftsatz, ferner Wäscheartikel, Kragen und
Manschetten. -
Vgl.
Böckmann, Das
Celluloid
(Wien
[* 10] 1880).