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Juci musste vor gut einer Woche den Notfalldienst des Praxisverbundes in Anspruch nehmen, weil ihr Kopf linksseitig plötzlich stark geschwollen war und ihr das Öffnen des Maules starke Schmerzen bereitete. Der Notfalltierarzt vermutete eine Entzündung der Kaumuskulatur und verschrieb ein Antibiotikum und Cortison, worauf sich die Schwellung in den folgenden Tagen zurückzubilden begann. Nach einigen Tagen schwoll der Kopf aber wieder rapide an, und Juci wurde uns vorgestellt.
JUCI, Magyar Vizsla, weiblich, 4 Jahre alt
Untersuch und Verdachtsdiagnosen
In der Praxis erscheint der sonst sehr vitale Hund eher ruhig und deprimiert. Der Kopf ist linksseitig insbesondere in der Region der Kaumuskulatur und um das Auge stark geschwollen, das Auge ist zugeschwollen und scheint etwas aus der Augenhöhle hervorzutreten. Der Versuch, das Maul zur Begutachtung der Maulhöhle zu öffnen, wird wegen der massiven Schmerzhaftigkeit abgebrochen.
Wenn auch eine Kaumuskel-Myositis (eine Entzündung der Kaumuskulatur aufgrund einer Attacke des Immunsystems auf die Muskelfasern im Sinne einer Autoimmunerkrankung) nicht ganz ausgeschlossen ist, lässt doch der Umstand, dass das Problem nur linksseitig vorhanden ist, diese Diagnose als unwahrscheinlich erscheinen. Alternativ kommen deshalb andere entzündliche oder infektiöse Probleme der Kopfregion (zB Infekte oder Abszesse infolge eines Fremdkörpers) in Frage. Demzufolge empfehlen wir der Besitzerin einen notfallmässigen Besuch in einem Spezialistenzentrum, um eine weitergehende Untersuchung des Kopfes mittels Magnetresonanz- oder Computer-Tomografie sowie, falls diese unauffällig ausfallen würde, eine Gewebeuntersuchung der regionalen Muskeln vorzunehmen.
Diagnose, Therapie und weiterer Verlauf
Unter Narkose wird am gleichen Nachmittag von Juci ein Computertomogramm (CT) des Kopfes angefertigt. Das dreidimensionale Röntgenbild zeigt, dass sich im Schädel des Hundes linksseitig ein Abszess gebildet hat, welcher aus mehreren Kammern besteht, die Augenhöhle hinter dem Augapfel durchquert und vom Gaumen bis in die Kaumuskulatur der Kopfoberseite reicht.
Der Abszess wird daraufhin von der Maulhöhle her aufgeschnitten und der Eiter ausgespült. Juci erhält hochdosierte Antibiotika und ein Schmerzmittel; tags darauf geht es der Hündin schon besser und sie zeigt wieder Appetit. In den kommenden Tagen schwillt der Kopf und das Auge immer weiter ab, bis nach einem Monat unter Antibiotika der Abszess komplett verheilt ist.
Wissenschaftliches
Obwohl bei Juci sowohl im Computertomogramm als auch in der Abszessflüssigkeit kein Fremdmaterial gefunden wurde, scheint es doch sehr wahrscheinlich, dass der grosse Abszess durch einen sogenannten "migrierenden Fremdkörper" verursacht worden ist. Hierbei handelt es sich meist um Pflanzenpartikel, welche aufgrund ihres Aufbaus (Widerhaken) die Tendenz haben, sich ins Gewebe (hier zB den Rachenraum) einzuarbeiten um sich dann langsam durch die Weichteile zu bewegen und damit einen Infekt respektive Abszess zu verursachen. Beispiele sind zB Abszesse der Halsregion (Fall 53) oder der Pfoten (Fall 17). In der Literatur sind die abstrusesten Fälle beschrieben, bei welchen ein migrierender Fremdkörper als Ursache des Problems eruiert werden konnte - beispielsweise Grasrispen, welche ausgehend von der Speiseröhre quer durch Brustfell, Lunge und Körperwand wanderten.
In Jucis Fall wuchs der Verdacht auf ein infektiöses Problem insbesondere aufgrund der starken Seitenbetonung der Schwellung (eine Kaumuskelmyositis, welche sich zu Beginn ähnlich präsentieren könnte, involviert typischerweise beide Seiten der Kopfregion) und dem Rezidiv des Problems nach initialer Verbesserung.
Die Diagnose konnte mittels Computertomografie (CT) gestellt werden. Hierbei wird quasi eine Serie von Röntgenbildern angefertigt, welche den zu untersuchenden Körper von verschiedenen Seiten darstellen und so ein dreidimensionales Bild errechnen. Eine ähnliche Untersuchungsmethode ist das MRT (Magnetresonanz-Tomografie), bei welchem mithilfe einer anderen Methode ebenfalls ein dreidimensionales Bild erstellt werden kann. Beide Untersuchungsmethoden müssen beim Tier in Narkose durchgeführt werden, weil absolutes Stillliegen vonnöten ist; je nach untersuchter Region belaufen sich die Kosten auf mehrere hundert bis über tausend Franken. Die grossen Anschaffungskosten bedingen, dass die Geräte sowohl in der Human- als auch Veterinärmedizin nur von grossen Kliniken oder Spezialistenpraxen betrieben werden.