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GESCHICHTE DER VOLLBLUTZUCHT
Nimmt man das erste Allgemeine Gestütbuch (General Stud Book) zur Grundlage, so lassen sich die heutigen Vollblüter auf nur 43 Stammstuten und drei Urhengste zurückführen. Diese Zahlen spiegeln allerdings nur die letzte, wenn auch entscheidende Phase in der Entstehungsgeschichte des Vollblutpferdes wider. Die Weichen für die neue Rasse wurden schon viel früher gestellt, bereits vor 2000 Jahren. Im dritten Jahrhundert n. Chr. brachten die Legionäre von Cäsar den Rennsport nach England. Mit ihren Streitrössern brachten die Römer auch einige orientalische Vollblutpferde nach England. In der Folgezeit kamen immer wieder edle arabische und türkische Pferde auf die Insel. Die Zucht war anfangs willkürlich und nicht auf den Galopprennsport bezogen. Erst als Pferderennen ab 1751 in England zunehmend an Bedeutung gewannen, wurden sie zur züchterischen Auslese und es sollten nur noch die schnellsten Pferde mit dem grössten Durchhaltevermögen ihre Gene weitergeben.
1683 - 1729
Die Geschichte der Urhengste nahezu aller heute lebenden Englischen Vollblütern beginnt im Jahr 1683, als der britische Captain Robert Byerley bei der Schlacht gegen die Türken einen braunen Hengst erbeutete. Er taufte den Araber "The Byerley Turk" und zog mit ihm viele Jahre in den Kampf. Im Jahre 1704 kam "The Darley Arabian" per Kriegsschiff nach England. Der britische Konsul Thomas Darley hatte den vierjährigen Araber während seiner Dienstzeit in Syrien erworben. Der dunkelbraune Hengst wies zu der damaligen Zeit ein überdurchschnittliches Stockmass von 1.57m aus und schien dem Konsul besonders geeignet für die Zucht.
Und zu guter Letzt kam 1729 "The Godolphin Arabian" auf die britische Insel. Der Araber-Hengst wurde vom Sultan von Marokko an Ludwig XV verschenkt (wobei es diesbezüglich verschiedene Geschichten gibt). Interessanterweise bestritt keiner der drei Hengste Galopprennen. Es waren erst ihre Nachkommen, die auf der Rennbahn für Furore sorgten.
RENNSPORT PINNWAND
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The Byerley Turk
painted by John Wootton
The Darley Arabian
painted by John Wootton
The Godolphin Arabian
painted by John Wootton
1793
Auf Verlangen des damals neu gegründeten britischen Jockey-Clubs wurden die verstreuten Daten über Zuchtergebnisse einzelner Gestüte in einem einzigen, verbindlichen Register zusammengefasst.
Das erste Allgemeine Gestütbuch (General Stud Book) wurde im Jahre 1793 veröffentlicht. Von da an war die neue Rasse definiert und bis heute gelten nur Pferde als Englisches Vollblut, deren Ahnenreihe lückenlos auf dieses erste Gestütbuch zurückführt.
1800 - 1899
Im 19. Jahrhundert begann die Vollblutzucht in Europa und den USA zu expandieren. Angaben zu den Anfängen des Rennsports in der Schweiz sind leider schwer zu finden und Informationen zu den eingesetzten Pferden sind erst recht kümmerlich. Es ist dabei anzunehmen, dass er mit der Gründung des späteren Rennvereins Zürich begann.
Dessen Geschichte begann am 24. Mai 1872 im "Zunfthaus zur Saffran" mit der Gründung des "Kantonal zürcherischen Rennvereins". Alteingesessene Bürger gründeten ihn zur "Pflege der Reitkunst und Förderung des Interessens für Pferde und der Leistung durch Unterstützung zweckdienlicher Bestrebungen". Am 29. September 1872 fanden dann auf der Wollishofener Allmend die ersten sieben Rennen statt, und beim abendlichen Bankett wurde gelobt, dass man mit diesen zur Hebung der heimischen Pferdezucht für Friedens- und Kriegsgebrauch beitrage.
Der Stich zeigt das allererste Zürcher Pferderennen, das der Artillerie-Lieutenant Frossard de Saugy 1872 im Sattel seines Pferdes Puce gewinnt.
Fotoquelle: Stiftung GP der Stadt Zürich
1950
Als einer der Marksteine in der schweizerischen Vollblutzucht darf der 4. Juni 1950 bezeichnet werden, als die in der Schweiz gezogene Senta das österreichische Derby gewann und so für den ersten internationalen Erfolg unserer Vollblutzucht sorgte. Aufgrund weiterer Erfolge (u.a. der Sieg im österreichischen St. Leger) sorgte sie dafür, dass ihr in der Schweiz stationierte Vater in unserem Nachbarland in diesem Jahr als erfolgreichster Vererber gekrönt wurde. Senta wurde von Frau Renée Schwarzenbach gezüchtet, welche damals oberhalb von Horgen eine kleine Vollblutzucht (Gestüt Arniberg) betrieb.
Der Vollblutzucht widmete sich zu jener Zeit auch Dr. Eugen Dubs im Rohrzelg bei Kloten, wo er seinen guten Franzosen Mullingar aufgestellt hatte. In Horgen wie in Kloten war man sich während und nach dem Zweiten Weltkrieg einig, dass auch die Schweiz über eine Vollblutzucht verfügen müsse. Nicht nur des Rennsports wegen, sondern auch um auf eine Basis für eine leistungsstarke Reitpferdezucht zurückgreifen zu können. Diese Bemühungen sollten aber nicht von Erfolg gekrönt sein, denn die Vollblutzucht war, nicht zuletzt aufgrund schlecht dotierter Rennen, zu wenig lukrativ.
1969
Wieder war es eine Stute, durch deren ausländische Rennerfolge es zu einer Wende in unserer Vollblutzucht kam. 1969 gelangen Bella (geb. 1967) Siege in Paris, wobei sie in Longchamp im Prix de Nexon einen Bahnrekord von 1’41“ für Zweijährige über 1600 m aufstellte. Bella reiste dafür mit einem Abstammungsschein des Eidgenössischen Gestüts nach Frankreich. Es waren dies zu jener Zeit die einzigen Papiere, welche für ein in der Schweiz geborenes Pferd ausgestellt wurden. Dieses Dokument wurde von den französischen Rennbehörden stark bemängelt. Im Rennsport ist ja von allererster Bedeutung, dass die Identität eines startenden Pferdes über alle Zweifel erhaben ist. Einerseits wird auf ein bestimmtes Pferd gewettet, und anderseits wird der Zuchtwert eines Pferdes an dessen ureigensten Leistungen gemessen. An die damalige Abteilung Rennen wurde deshalb die Forderung gestellt, für die in der Schweiz geborenen Rennpferde Abstammungspapiere zu schaffen, welche internationalen Anforderungen genügen. Auch sei ein schweizerisches Gestütsbuch herauszugeben; andernfalls würden unsere Pferde im Ausland nicht mehr zum Start zugelassen.
1971
Der Hengst Mako (geb. 1968) wurde in Hamburg im Otto-Schmidt-Rennen, der traditionellen Hamburger Derby-Vorbereitungsprüfung, Dritter und konnte zusätzlich inländische Erfolge verbuchen, was ausreichte um ihn später als ersten Inländer als Deckhengst aufzustellen.
Hengst Mako
Fotoquelle: «Die Schweizerische Vollblutzucht» der Vereinigung der Schweizer Vollblutzüchter
1973 / 1974
Die zur Erstellung eines Gestütsbuchs gegründete Zuchtkommission beendete diesen Auftrag. Die gleichzeitig erfolgte Bestandesaufnahme verzeichnete 1973 31 Mutterstuten, 14 Fohlen und etwa 20 weitere Pferde (Jährlinge, Zweijährige und Ältere). Als Deckhengste wurden vier Pferde deutscher Abstammung (Alpenjäger, Fiesco, Mariner und Seelöwe) und der Ire Vale of Cliona (v. Valerullah) angekört.
Dies bildete die Grundlage unserer Vollblutzucht, auf welcher es aufzubauen galt. Die Entwicklung aus den bescheidenen Anfängen der 70er-Jahre nahm schon unmittelbar nach der Gründung der Zuchtkommission ihren Lauf. Gleich zu Beginn wurde klargestellt, dass einzig auf eine qualitativ hochstehende Zucht Wert gelegt wird. 1974 wurden bereits mehr als 50 Stuten belegt, von welchen im folgenden Jahr 38 Fohlen auf die Welt kamen. Weitere Mutterstuten wurden eingetragen und mit Prince Ned ein weiterer Hengst angekört. Doch nicht nur zahlenmässig konnte ein Wachstum vermerkt werden, auch qualitativ verbesserte sich verschiedenes.
Nahezu über die ganze Schweiz verstreut wurden Vollblut-Fohlen aufgezogen, wobei der Geographie unseres Landes entsprechend auch Besonderheiten anzutreffen waren. Einzelne Fohlen verlebten ihre Jugendzeit auf richtigen Alpweiden, wie zum Beispiel in der Gegend von Churwalden und Lenk, in Graubünden und im Berner Oberland. Es ist anzunehmen, dass diese Pferde den höchstgelegenen Vollblutzuchten Europas entstammen. Einige dieser Pferde vergalten die Anstrengungen ihrer Züchter nach Aufnahme ihrer Rennlaufbahn bald mit erfreulichen Erfolgen.
1981
Die Einführung einer Prämie für die Züchter der erfolgreichsten Inländer durch den Zürcher Jockey Club brachte weiteren erfreulichen Auftrieb in der Vollblutzucht.
1982
Mittlerweile waren bereits mehr als 300 Pferde eingetragen und unseren Züchtern standen zu dieser Zeit im eigenen Land 9 Hengste deutscher, italienischer, französischer und englisch/irischer Abstammung zur Verfügung.