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Die Familie Moser gehört in Herzogenbuchsee zu den einflussreichsten Geschlechtern. Der Kaufmann und Landwirt Samuel Friedrich Moser ersteht für seine Familie einen stattlichen Bauernhof am Rande des Dorfes. Hier wachsen seine 12 Kinder auf und lernen, trotz des Reichtums der Familie, von früher Kindheit an zu arbeiten. So übernimmt die Drittälteste, Amélie Moser, bereits früh Verantwortung. In Herzogenbuchsee lernt Amélie den verwundeten Albert Moser kennen und lieben. Sein Vater führt im Dorf die Bank. Albert bereitet sich in London und Konstantinopel für deren Leitung vor, als das Geldinstitut pleitegeht.
Aufbruch nach Java
Nun muss sich Albert umorientieren und bricht nach Indien auf, wo er sich eine neue Existenz aufbaut. Nach einem Jahr regen Briefverkehrs zwischen Java und der Angebeteten in Herzogenbuchsee, heiratet das Paar 1868 und reist zu ihrer Plantage ins ferne Java. Am 22. Dezember 1868 kommt Tochter Amy zur Welt. Kurz danach stirbt Albert an tropischem Fieber. Amélie kehrt im Mai 1869 mit ihrer kleinen Tochter zurück nach Herzogenbuchsee.
Wieder in der Schweiz
Zurück in der Heimat, spürt die 32jährige Amélie sofort, wo sie einen neuen Wirkungskreis finden kann. Zusammen mit dem Dorfarzt Dr. Walter Krebs schaut sie, wo die Not am grössten ist und Hilfe dringend benötigt wird. Von Anfang an ist ihr wichtig, nicht nur zu helfen und Almosen zu verteilen, sondern weniger gut Gestellten Wege zur Selbsthilfe aufzuzeigen.
Neue Aufgaben
Ein grosses, lebenslanges Anliegen ist ihr der Kampf gegen Schnaps und Alkoholsucht. Eine Suppenküche und Hauswirtschaftsausbildung scheint ihr dabei der beste Weg gegen Armut und Verwahrlosung. Amélie Moser lässt sich zudem zur Operationsschwester und Hebamme ausbilden und hilft bei Bedarf im örtlichen Krankenhaus aus. Sie initiiert immer mehr Hilfs- und Unterstützungsprojekte sowie Ausbildungen, unterstützt von ihrer Tochter Amy und dem von ihr gegründeten und präsidierten Frauenverein Herzogenbuchsee. 1890 wagt sie ihr grösstes und nachhaltigstes Projekt: Sie kauft die heruntergekommene Wirtschaft «Kreuz» und eröffnet am 3. April 1891 das schweizweit erste alkoholfreie Gasthaus. Amélie Moser regt in ihrem Umkreis viele Frauen an, sich sozial zu engagieren und bringt die Gemeinde dazu, gewisse soziale Aufgaben finanziell zu unterstützen.
Die sozialen Aktivitäten von Amélie Moser-Moser in Herzogenbuchsee
- 1870 Gründung des Frauenvereins Herzogenbuchsee
- 1871 Organisation der Armen- und Krankenpflege der 513 in Herzogenbuchsee internierten Bourbaki-Soldaten
- 1872 Gründung einer «Lesemappe» für gute Zeitschriften und Literatur
- 1972 Beginn der Musikabende für Kinder
- 1874 Lotterie zur Sammlung für das Krankenhaus Herzogenbuchsee
- 1878 Gründung der Suppenküche
- 1879 Patronat über verwahrloste Kinder durch Wohlhabende aus Herzogenbuchsee
- 1879 Einführung von freiwilligen Armenpflegerinnen
- 1880 Einführung der Naturalverpflegung für Bedürftige
- 1881 Organisation der Schülerspeisung in Privathäusern in Herzogenbuchsee
- 1882 Öffentliche Schülerspeisung
- 1882 Informationen zur hygienischen Verbesserung an Schulen
- 1882 Informationen zur Kranken-, Wöchnerinnen- und Säuglingspflege
- 1882 Austeilen von Saatkartoffeln zur Selbsthilfe
- 1885 Berufsberatung für Schülerinnen und Schüler
- 1886 Gründung des Musikvereins Herzogenbuchsee
Jana Fehrensen, Stadträtin Langenthal (FDP)