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Fleischkonsum ist keine Privatsache mehr
Die eigene Ernährung wird als eine sehr private Angelegenheit angesehen. Oft müssen Vegetarier hören: Es sei ja schon in Ordnung, dass sie kein Fleisch essen, aber nur so lange, wie sie nicht versuchten, andere auch davon zu überzeugen.
Viele Vegetarier sind mittlerweile sogar selbst dieser Meinung.
Das renommierte World-Watch-Institut (bekannt durch den jährlichen Bericht «Zur Lage der Welt») ist allerdings ganz anderer Ansicht.
In seinem Magazin(1) veröffentlichte das World-Watch-Institut aus Washington einen Artikel unter folgendem Titel:
FLEISCH – Nun ist es nicht [mehr] persönlich!
Ob du es willst oder nicht, der Fleischkonsum wird zu einem Problem für alle Menschen auf diesem Planeten.(2)
Wie in all seinen anderen Publikationen geht das Institut hierbei nicht auf ethische oder moralische Argumente ein, sondern zeigt die ökologischen Folgen für die Umwelt durch den Fleischkonsum auf. Und diese sind erschütternd …
Hier eine kurze Zusammenfassung der in diesem Artikel angesprochenen Themen:
Waldrodungen
In Zentralamerika wurden innerhalb der vergangenen 40 Jahre 40 Prozent des gesamten Regenwaldes gerodet bzw. abgebrannt, hauptsächlich um Weideland zu erhalten oder Futtermittel anzubauen. Dennoch konnte damit der zunehmenden weltweiten Nachfrage nach Fleisch nicht entsprochen werden. Deshalb wurde zusätzlich die Fischerei in den Weltmeeren so stark forciert, dass nun auch hier die Grenzen erreicht sind und sich die Fischbestände nicht mehr erholen können.
Vernichtung von Grasland
Bisons, Antilopen und andere Tiere, welche auf Weidegebiete angewiesen sind, werden durch Rinderherden immer mehr verdrängt. Für die Rinderherden werden einheitliche Weiden geschaffen (Gras-Monokulturen), denen die natürliche Vielfalt der Pflanzenwelt fehlt. Die Rinder selbst haben eine zerstörerische Auswirkung auf den Boden. Im Gegensatz zu Antilopen müssen sie täglich zu den Wasserstellen gehen und komprimieren so den Boden durch ihr schwereres Gewicht zusätzlich.
Der Kot von Antilopen ist kompakt und kugelförmig. Der Stickstoff wird darin festgehalten und düngt so nachhaltig den Boden. Rinder hingegen haben einen sehr feuchten Kot, der sich flach auf dem Boden ausbreitet und durch die Hitze einen Grossteil des Stickstoffes verdunsten lässt. Dabei entsteht Ammoniak, welches zusätzlich die Atmosphäre belastet.
Damit wird dem Boden ein wertvoller Nährstoff entzogen und die Atmosphäre mit Ammoniak angereichert, das später als saurer Regen woanders wieder auf die Erde fällt.

Mit dem Wasserverbrauch für 1 kg Fleisch könnte man ein ganzes Jahr lang täglich duschen.
Wasserverschwendung
Die Versorgung mit genügend Wasser wird in vielen Weltregionen zu einem immer grösseren Problem. Am meisten des kostbaren Wassers wird für die Produktion von Fleisch benötigt. Diese Aussage wird im Artikel des World-Watch-Institutes mit eindrücklichen Zahlen aus verschiedenen Quellen unterstrichen:
Bei einer typischen US-amerikanischen Ernährungsweise werden für die Herstellung der Nahrungsmittel für eine Person pro Tag 15'900 Liter Wasser benötigt. Bei einer veganen Ernährung macht dies nur 1140 Liter pro Tag aus, also rund 14-mal weniger! Für Entwicklungsländer, die sich oft in eher trockenen Gebieten befinden, ist dieser Unterschied besonders gravierend: Um das Mehl für einen Laib Brot herzustellen, werden rund 550 Liter Wasser benötigt. Im Gegensatz dazu werden bereits für 100 Gramm Rindfleisch 7000 Liter Wasser verbraucht.
In Kalifornien wurde berechnet, dass das Wasser zur Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch ausreichen würde, um ein ganzes Jahr lang täglich sieben Minuten zu duschen. Gerade ökologisch denkende Menschen kann man schnell davon überzeugen, Duschwasser zu sparen, doch ist ihnen selten bewusst, dass durch den Verzicht auf Fleisch viel mehr Wasser gespart werden könnte.
Umweltverschmutzung
Solange nur einzelne Tiere in ihrer natürlichen Umgebung leben, sind deren Exkremente ein wertvoller Dünger für den Boden. Durch die hohe Nachfrage nach Fleisch werden jedoch immer mehr Tiere auf immer kleineren Flächen gehalten. Die Böden können die dabei entstehenden enormen Mengen an tierischen Exkrementen nicht mehr aufnehmen. Dadurch gelangt ein Teil durch Verdunstung in die Luft (Ammoniak) und ein Teil ins Grundwasser (Nitrat). Die Fische in Flüssen und Seen sterben durch diese Überdüngung. Die Überdüngung verursacht eine Explosion des Algenwachstums, welches wiederum den gesamten Sauerstoffvorrat des Gewässers aufbraucht und so alles restliche Leben ersticken lässt. In einem grossen Teil des Golfes von Mexiko ist das Leben dadurch abgetötet worden.
In den USA ist diese Umweltverschmutzung durch die Fleischwirtschaft 130-mal so hoch wie die Verunreinigungen durch die Menschen.
Energieverbrauch
Allein zur Produktion des Rindfleisches, das von einer durchschnittlichen US-amerikanischen Familie in einem Jahr konsumiert wird, benötigt man fast 1000 Liter Treibstoff.
Um Fleisch mit einem Nährwert von einer Kalorie zu erzeugen, benötigt man rund 28 Kalorien aus Brennstoff. Um dieselbe Kalorie aus Getreide zu gewinnen, werden hingegen nur 3,3 Kalorien Brennstoff benötigt.
70% des in den USA produzierten Getreides werden an Tiere (meist Rinder) verfüttert.
Diese wird durch die Verbrennung von fossilen Treibstoffen gefördert. Wie oben beschrieben, wird sehr viel dieser Treibstoffe benötigt, um Fleisch zu produzieren. Allerdings erzeugen Wiederkäuer auch direkt das Treibhausgas Methan. Methan wirkt sich 23-mal stärker auf die Erwärmung der Atmosphäre aus als Kohlendioxid, das üblicherweise bei einer Verbrennung entsteht.
Eine einzige Milchkuh produziert rund 75 Kilogramm Methangas pro Jahr. Rund 1,3 Milliarden Rinder werden heute weltweit zur Milch- und Fleischproduktion gehalten.
Effizienz der Nahrungsmittelerzeugung
Der grösste Teil der Landfläche, die heute zur Fleischproduktion genutzt wird, könnte viel effizienter zur direkten Herstellung pflanzlicher Lebensmittel genutzt werden (statt Futtermittel zu produzieren oder Tiere darauf weiden zu lassen).
Durch die Verkürzung der Nahrungskette kann man die Nahrungsmittelproduktion viel mehr steigern als durch jeden Dünger. Wenn man Getreide an Tiere verfüttert, anstatt es direkt selbst zu essen, erhält man nur einen Bruchteil der Nahrungsenergie. Man braucht also ein Vielfaches an Land, um Fleisch zu erzeugen, gegenüber der Erzeugung von Brotgetreide oder anderer pflanzlicher Nahrung.
In den USA werden 230000 km2 Land zur Produktion von Heu für Nutztiere beansprucht, aber nur 16000 km2 zur Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel.
Übertragbare Krankheiten
Nur durch hohen Medikamenteneinsatz können die Tiere in den grossen Massentierhaltungen bis zu ihrer Schlachtung überleben. Dadurch werden einerseits die Antibiotika immer weniger wirksam (auch beim Menschen) und andererseits Krankheiten unterdrückt (aber nicht vermieden).
Zum Beispiel enthalten 89% der Hackfleischpasteten in den USA Spuren des gefährlichen E.-coli-Bakterienstammes.
Tierische Fäkalien aus der Fleischproduktion enthalten Krankheitskeime, die über 40 verschiedene Krankheiten übertragen können.
Durch den globalen Fleischmarkt wird Fleisch über die Kontinente hinweg transportiert. Damit erhöht sich auch die Gefahr einer schnellen Ausbreitung von Krankheiten, die irgendwo auf der Welt aufgetreten sind.
Es wird angenommen, dass eine Unterart der Schimpansen in Zentralafrika die Quelle des HIV-Virus sein könnte und dass dieses über das Blut auf Jäger übergegangen sei.
Zivilisationskrankheiten
Es wird immer klarer, dass die meisten der heutigen gesundheitlichen Probleme in den Industriestaaten nicht genetisch bedingt sind, sondern von Umweltfaktoren abhängen. Ein Faktor ist dabei die Ernährung, welche jede Person selbst ändern kann bzw. könnte.
Wissenschaftliche Daten zeigen, dass das Risiko, an einer der folgenden Krankheiten zu erkranken, durch die vegetarische Ernährung stark gesenkt werden kann: Übergewicht, arterielle Erkrankungen, koronare Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, einige Arten von Krebs.
Verlust der Artenvielfalt
Durch immer grössere Monokulturen zur Futtermittelproduktion und die Verdrängung von wild lebenden Tieren durch die wenigen Nutztierrassen verkleinert sich automatisch die Artenvielfalt. Natürlich wird dies durch das Abholzen der Regenwälder für die Fleischproduktion noch verstärkt. Hinzu kommt in den letzten Jahren die Jagd auf so genanntes «Bushmeat»: Fleisch aus den Urwäldern. Damit ist vor allem Affenfleisch gemeint, das nicht etwa zur Ernährung armer Bevölkerungsteile, sondern zum Verkauf an reiche Fleischesser gewonnen wird. Dies führt zur Dezimierung der sowieso schon stark bedrohten Gorillas, Bonobos und anderer Arten.
Die Gier nach Fleisch drängt bereits in die entlegensten Gebiete der Welt.
Im letzten Abschnitt des 20-seitigen Artikels des World-Watch-Institutes wird Albert Einstein zitiert:
«Nichts wird die Gesundheit der Menschen und die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.»
Ob Einstein schon damals die enormen Auswirkungen der heutigen Fleischproduktion vorausgesehen hat?
Renato Pichler
Fussnoten:
- World-Watch-Magazin Juli/August 2004, seit Juli 2005 kann der besprochene Artikel als PDF-Datei vom Internet heruntergeladen werden: www.worldwatch.org
- Originaltitel: «MEAT – Now, It’s Not Personal! But like it or not, meat-eating is becoming a problem for everyone on the planet».
Weitere Informationen:
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