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Kennst du das? Der Blödel-Rapper deines Vertrauens releast urplötzlich einen ernsten Weltverbesserer-Song oder dein Lieblings-Battlerapper öffnet sein Herz auf einem Liebeslied. Solche Experimente – um nicht zu sagen Ausrutscher – gehören zu jeder Karriere dazu. Fühl dich also nicht angegriffen, bei der folgenden Aufzählung ist für jeden was dabei.
Der Drip-Master ist so iced out, dass er am Handgelenk eine Sehnenscheidenentzündung wegen der Gewichtsüberlastung hat. Unter seinem Bucket Hat trägt er den freshesten Bowl Cut und wegen seiner 20-Franken-Grillz kann er nicht mehr deutlich sprechen. Er hört nur Cloud Rap, Heavy Metal und Aborigine-Didgeridoo-Klänge. Seine Bauchtasche ähnelt einer Apotheke, den Corona-Husten zaubert er mit ein bisschen Kodein weg.
Er nimmt sich ein Beispiel am Boss und versucht, möglichst viele Silben in eine Sekunde zu packen. Dass darunter Flow, Inhalt und Verständlichkeit leiden, ist zweitrangig. Der Imitator sieht aus wie die Denner-Version von Kollegah und rupft jeden Tag eine Menge Koks, die bei jedem normalen Menschen Angstzustände auslösen würde.
Der ABC-Rapper ist bei der stundenlangen Suche nach einer kreativen Rap-Idee darauf gekommen, er könnte ja das Alphabet durchrappen. Die zwei Minuten für eine Youtube-Suche, die nötig wären, um rauszufinden, dass das Resultat bei praktisch jedem anderen Rapper absolut corny war, nimmt er sich nicht. Und so rappt er sich durchs Alphabet. Von A wie allerhöchstens schlecht bis Z wie zum Heulen.
Der hängengebliebene Realkeeper ist der SVPler des HipHop. Alles, was es noch nicht gab, als er sozialisiert wurde, ist abzulehnen. Allem voran Autotune, die verfluchte Zaubermaschine, die aus schlechten Sängern Radio-Stars macht. Wenn dein Künstlername mit «Lil» beginnt, bist du bei ihm schon untendurch und er weist dich bei jeder Gelegenheit darauf hin, dass echter HipHop mit Biggie und Pac gestorben ist.
Der Weltverbesserer hatte in seinem ganzen Leben genau einmal Spass, nämlich als er sich aus Protest an einen Baum binden liess. Jetzt rappt er über das Wal- und Waldsterben, Gleichberechtigung und die physiologischen Grundbedürfnisse des Menschen. Er hat einen Song mit dem Titel «offener Brief an Donald Trump», auf den er besonders stolz ist. Er spricht all die Dinge an, die dir zwar bewusst sind, gegen die du aber nichts unternimmst, denn der Weltverbesserer ist grundsätzlich ein besserer Mensch: Er hat schon mal an Greenpeace gespendet.
Der Wie-Vergleich-Besessene lässt die Line «Ich bin on fire wie ein Waldbrand» von Moneyboy wie ein Stück Literaturgeschichte aussehen. In seinen Song «Wi(e)nnetou» hat er ganze 42 Wie-Vergleiche verpackt, die zwar nicht besonders gut, dafür zahlreich sind. Seine Signature-Lines: «Handgelenk icy wie ein Gletscher», «Deine Bitch sieht aus wie Gollum» und «Hebe ab wie am Geldautomat».
Dieser Rapper ist ein naher Verwandter des verzweifelten Weltverbesserers. Allerdings sind seine Inhalte von weniger einschneidender Natur und meist eh schon Allgemeinwissen. Er sagt dir durch seine Musik, dass du zu viel Zeit am Handy verbringst, dass Soziale Medien dein Selbstwertgefühl zunichtemachen und dass du zuerst mit dir selbst klarkommen musst, bevor du wahre Liebe finden kannst. No shit, Sherlock. Danke für die Insights.
Der inoffizielle Markenbotschafter hat von seiner Schwiegermutter mal einen Pulli von Prada zum Geburtstag bekommen. Seither bestehen seine Rap-Texte zu neunzig Prozent aus Label-Flex und zu zehn Prozent aus «Chille in Miami Beach, neben mir ‘ne curvy Bitch». Am Feierabend siehst du ihn mit ok-Energy-Drink in der Hand im H&M-Polo am Bahnhof Stettbach auf die S-Bahn warten. Das Namenstäfelchen des Sportgeschäfts, bei dem er im Detailhandel arbeitet, ist noch an die Brust gepinnt.
Dieser Rapper ist – wer hätte es gedacht – eigentlich gar nicht so krass, wie er in seinen Texten immer tut. Deshalb ist die Hälfte seiner Tracks Gangbanger-Representer-Shit und in der anderen Hälfte schüttet er sein Herz aus und lässt dabei kein Tabuthema unberührt. Das Weed braucht er, um wieder runterzukommen und seine Mama hilft ihm, mit dem ganzen Rummel klarzukommen.