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Ich glaube es ist angebracht an dieser Stelle zu erklären warum Überbuchungen überhaupt zustande kommen (ja, klar, weil ’jemand’ mehr Kapazität verkauft als er wirklich hat, aber ganz so einfach ist das nicht).
Ich werde hier versuchen das allgemeine Funktionieren des gesamten Prozesses zu erläutern, davon gibt es natürlich Varianten und - unwesentliche – Abweichungen (Stadthotels funktionieren anders, auf Mallorca kann/muss es nicht so sein wie auf dem Festland, z.Bs.).
Das ganze funktioniert so:
Der Ursprung der Überbuchungen liegt grundsätzlich beim Hotel, NICHT beim Veranstalter, und das aus ’guten’ Gründen.
Ein Hotel schliesst ein Jahr im vorhinein sogenannte Kontingentsverträge mit den Reiseveranstaltern ab. Diese Verträge sind absolut einseitig, d.h. das Hotel verpfichtet sich zu ’allem’ (Bereitstellung der Zimmer) der Reiseverantalter zu ’nichts’ (zahlt in der Regel nicht für Zimmer die nicht verkauft werden, gibt keine Garantie dass er überhaupt welche verkauft).
Diese Kontingentverträge laufen über eine ganze Saison (z.Bs. von Ostern bis Ende Oktober). Die Reiseveranstalter haben aber in der Vor/Nach-und Nebensaison nicht die selbe Flugkapazität wie in der Hauptsaison (logischerweise). Im Klartext heisst das, dass ein Veranstalter der in der Hochsaison Flug- und Zimmerkapazität für, zum Beispiel, 20.000 Gäste hat, hat in der Vor/Nach- und Nebensaison vielleicht Flugkapazität für 10.000 Gäste. ABER DIE ZIMMERKAPAZITÄT DIE DER VERANSTALTER VERTRAGLICH ABGESICHERT HAT IST DIE GESAMTE SAISON ÜBER DIE SELBE. Das Ergebnis: in Vor/Nach-und Nebensaison sind die Flüge vielleicht voll, aber die Zimmer GEZWUNGENERMASSEN LEER.
Bei den niedrigen Preisen im bestehenden Konkurrenzkampf braucht ein Hotel aber eine ’akzeptable Belegung’ um finanziell über die Runden zu kommen, AUCH IN DER VOR/NACH- UND NEBENSAISON. Also was macht das Hotel? Es schliesst – mit verschiedenen Reiseveranstaltern – Kontingentverträge für insgesamt mehr Zimmer ab als das Hotel hat (Hotel hat 200 Zimmer, der Hotelier schliesst aber Verträge für 300 Zimmer ab). Das nennt man ’OVERCONTRACTING’. Wenn jetzt alle betroffenen Reiseveranstalter in der Vor/Nach- und Nebensaison ’mässig’ verkaufen erziehlt das Hotel in diesen Saisonzeiten eine ’akzeptable’ Belegung (durch die gleiche Regel: ist die Belegung des Hotels in diesen Saisonzeiten trotzdem noch ’miserabel’, wird der Hotelier das Jahr darauf das ’Overcontracting’ auf 400 Zimmer erhöhen).
Und jetzt kommen wir zur Hochsaison, wo ALLE Veranstalter – normalerwesie – ihre Kontingentskapazität erschöpfen (theoretisch bräuchte ein Hotelier keine Veranstalter für eine gute Belegung NUR in der Hochsaison). Und, rein theoretisch, steht das Hotel ’auf dem Schlauch’ weil jetzt möglicherwesie mehr Gäste vor der Tür stehen als das Hotel Zimmer hat (alle haben ja ihren Kontingent gut verkauft), und sich das ’Overcontracting’ in tatsächliches ’Overbooking’ verwandelt hat.
Diese ’Spielchen’ wiederholt sich Jahr für Jahr, und beide Parteien, Veranstalter und Hoteliers, kennen die Spielregeln seit Jahrzehnten sehr gut. Beide ’brauchen sich’ gegenseitig, keiner will sich mit dem anderen anlegen. Der Veranstalter ist dem Hotelier nicht böse, weil er genau weiss dass er z.Bs. eine Belegungsgarantie bezahlen könnte (sprich, ich schliesse vertraglich 100 Zimmer ab, bezahle sie tagtäglich ob sie belegt sind oder nicht, so ähnlich wie das mit den Sitzplätzen in den Flugzeugen der Fall ist) und damit die Garantie hat KEINE Überbuchungen in Kauf nehmen zu müssen. Aber in der Regel macht das kein Veranstalter weil er das finanzielle Risiko nicht eingehen will.
Das genannte ’Spielchen’ hat noch ein paar zusätzliche ’Spielregeln’. Der Verlauf der Sommerferien fängt im November/Dezember des Vorjahres an. Die Verastalter haben relativ genaue und verlässliche statistische Daten über den Verkaufrythmus von Zielgebieten und Hotels (und den Vergleich zu den Vorjahren, obwohl die steigende Nutzung von Direktbuchungen über Internet in den letzten 10 Jahren diese Werte/Kontrolle etwas ’durcheinanderbringt’). Es entstehen somit Buchungwerte die (sodenn der Veranstalter das will und macht) an die Hotels weitergeleitet werden (sogenannte ’Booking positions’). So wissen beide Parteien wie der Verkauf läuft und wann das Hotel ’voll- bzw. überläuft’, d.h. Überbuchungen entstehen können. Spätestens dann ’schreit der Hotelier’ und schickt dem Veranstalter eine E-mail und ’bittet’ um ’Buchungsstop’ für den betroffenen Zeitraum, BEVOR es WIRKLICH zu Überbuchungen kommt. Das findet der Veranstallter zwar nicht lustig, will aber Problemen aus dem Weg gehen und ’einigt’ sich mit dem Hotelier. So wird versucht tatsächliche Überbuchungen zu vermeiden. Aber dieses ’Spiel’ geht nicht immer auf und es kommt zu Überbuchungen’. Es ist wesentlich ’billiger’ – für BEIDE Parteien – die möglichen, durch Überbuchungen zustande kommende Entschädigungen zu zahlen als entweder eine schlechte Belegung zu haben (das Hotel) oder das finanzielle Risiko einer Belegungsgarantie auf sich zu nehmen (der Veranstalter).
Jetzt könnten wir viele verschieden Abwandlungen dieses ’Spiels’ ansprechen, wie folgt: wenn Reiseveranstalter an einem Hotel finanziell beteiligt sind oder es sogar ganz ihnen gehört, werden sie Vorsorge treffen dass mögliche Überbuchungen nicht IHRE Gäste treffen (die Kunden anderer ’beissen dann die Hunde’). Oder ein Hotel gehört zu einer Hotelkette das im selben Zielgebiet verschiedene, gleichwertige – oder bessere – Hotels hat und diese dann für die Unterkunft der überbuchten Kunden nutzt..... und noch einige Varianten des ’Spiels’. Prinzipiell zieht es ein Hotelier vor die Kunden die direkt gebucht haben NICHT auszuquartieren (hier ist es zu deutlich dass die Schuld bei ihm liegen muss, abgesehen der Tatsache dass er an einem Direktkunden mehr verdient als an einem Kunden der über einen Veranstalter gebucht hat).
Obwohl es hier zu einem Roman geworden ist, ist das ’Spiel’ mit den Überbuchungen bzw. sind die ’Spielregeln’ etwas komplizierter als hier ’kurz’ angesprochen. Die Zeiten ändern sich, die Technologie ändert sich, das Buchungsverhalten der Kunden ändert sich (immer mehr ’Last Minute’, mehr Sonderangebote, die Gäste reisen mehr aber dafür für weniger Tage, etc., etc.). Der Direktverkauf über Internet nimmt ständig zu. Hotels auf Inseln - Mallorca, zum Beispiel - die keinen ’Durchgangsverkehr’ haben wie an der Costa Brava, können nicht einfach ein Schild hinhängen ’ZIMMER FREI’. Und dann gibt es natürlich Hoteliers die absolute ’Weltmeister’ im ’Overcontracting’ sind, und andere mit etwas mehr ’Gefühl’.
Zur Fragestellung dieses Threads: ÜBERBUCHUNGEN LASSEN SICH NICHT VERMEIDEN, allenfalls besser – oder schlechter – kontrollieren.