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Der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) ist ein kleiner, eher unscheinbarer, braungrauer Vogel mit gelblichweisser Unterseite, weisser Kehle und spitzem Schnabel. Die Bestimmung im Feld ist nicht einfach, vor allem vom sehr ähnlichen Teichrohrsänger ist er nur sehr schwer zu unterscheiden. Eine sichere Artbestimmung ist oft nur anhand des Gesangs möglich. Und dieser kann sich hören lassen! Sobald die Zugvögel bei uns ankommen, beginnen die Männchen mit ihrem Gesang – vor allem in der Dämmerung und nachts wird dabei ein fast ununterbrochener Schwall vorgetragen. Das ungewöhnliche ist dabei sein einzigartiger Imitationsreichtum. Der Sumpfrohrsänger baut den Gesang anderer Vogelarten in seinen eigenen Gesang ein. Diese lernt er in seinen ersten Lebensonaten bei uns, auf dem Zug und in seinem Winterquartier, was zu einem einzigartigen Imitationsreichtum in der europäischen Vogelwelt führt. Wer den Sumpfrohrsänger hören will, muss sich allerdings beeilen: zum Schlupf der Jungvögel singen die Altvögel bereits nicht mehr.
Der Sumpfrohrsänger ist ein Zugvogel, der bei uns ungefähr Mitte Mai, also recht spät, eintrifft. Er baut sein napfförmiges Nest gut abgeschirmt in Hochstauden. Das Weibchen legt 3-6 Eier, die von beiden Partnern ausgebrütet werden. Die Jungen verlassen nach 10-15 Tagen das Nest. Nach ungefähr drei Monaten fliegen die Vögel bereits zurück in ihr Winterquartier im südöstlichen Afrika. Gelegentlich brüten die Sumpfrohrsänger auch ein fremdes Ei aus. Sie gehören zu den Wirtsvögeln vom Kuckuck, sind aber weniger oft betroffen als z.B. Teichrohrsänger.
Entgegen seinem Namen lebt der Sumpfrohrsänger nicht in Sümpfen. Er lebt in offenen oder leicht bebuschten Landschaften und bevorzugt feuchte Lebensräume mit dichter Vegetation aus Hochstauden, Schilf und Weidengebüschen und brütet häufig in Grabenböschungen oder Verlandungszonen von Seen. Er bewegt sich geschickt in dichter Vegetation, wo er auch seine Nahrung bestehend aus Insekten, Spinnen und kleinen Schnecken, erbeutet. Er bleibt oft gut versteckt und klettert meist nur zum Singen Pflanzenstängel hoch.
Als Feuchtgebietsart hat der Sumpfrohrsänger es mittlerweile nicht mehr leicht. In den letzten 150 Jahren wurden über 90% der Feuchtflächen in der Schweiz entwässert und zerstört. Vor allem die eher trockeneren Bereiche von Feuchtgebieten, in den er sich gerne aufhält, wurden in Ackerland umgewandelt. Zudem wurden auch immer mehr Gräben und Bäche trockengelegt oder eingedolt und Vegetation, auf die er angewiesen ist, entfernt. Nester werden oftmals zerstört weil Grabenböschungen zu früh und intensiv geschnitten werden. Dies alles führt dazu, dass die Bestandsentwicklung eher rückläufig ist und der Sumpfrohrsänger ausserhalb von Schutzgebieten kaum noch geeignete Brutgebiete findet.
Gut versteckt im Gebüsch © Mathias Schäf zVg von BirdLife Schweiz
Durch den Rückgang der Feuchtgebiete sind Sumpfrohrsänger auf Schutzgebiete wie Flachmoore oder Auengebiete von nationaler Bedeutung angewiesen, in denen man sie auch überwiegend anfindet. Um sein Fortbestehen und das anderer auf diese Lebensräume angewiesenen Arten sichern zu können, müssen diese Gebiete vergrössert, zerstörte Feuchtgebiete revitalisiert und weitere Flächen im Rahmen der Ökologischen Infrastruktur als Schutzgebiete ausgeschieden werden. Sumpfrohrsänger besiedeln zudem rasch ökologische Ausgleichsflächen entlang von Fliessgewässern, Feldern und Hecken, weshalb diese sich gut als Fördermassnahmen und Vernetzungsmöglichkeiten eignen. Bei der Pflege von Bächen und Gräben ist es wichtig, dass sie erst spät und die Ufer nicht gleichzeitig oder nur abschnittsweise gemäht werden. Dies schützt die Bruten und die Vögel finden im nächsten Jahr bereits eine gut strukturierte Vegetation vor.
Links: Abschnittsweise gemähter Graben © Angela Kaufmann zVg von BirdLife Schweiz, rechts: singender Sumpfrohrsänger © Ralph Martin zVg von BirdLife Schweiz
Quellen und Informationen: BirdLife Schweiz / Schweizerische Vogelwarte
Haben Sie gewusst?
Der Sumpfrohrsänger kann die Stimmen von über 200 verschiedenen Vogelarten in seinen Gesang einbauen. Dieser Imitationsreichtum ist unter unseren einheimischen Vögeln einzigartig. Sein Repertoire lernt er während der ersten Monate seines Lebens sowohl im Nest als auch später im Vogelzug und in seinem Winterquartier in Afrika. Da die elterlichen Vögel nach der Eiablage den Gesang einstellen, lernen die Jungvögel den Gesang nicht von den Eltern.
Getreidesänger?
Früher galt der Sumpfrohrsänger als Charakterart der Feldfluren und wurde auch Getreidesänger genannt. Heute brütet er durch die Intensivierung der Landwirtschaft und fehlende Vegetation kaum noch in Getreide- oder Rapsfeldern. Allerdings kann man ihn immer noch auf älteren Buntbrachen finden.
Hier finden Sie den vollständigen Pressetext, Materialien und Fotos zum Download von BirdLife Schweiz:
Die Gewässer-Initiative setzt sich für den Schutz, die Sicherung und den Erhalt von Feuchtbiotopen im Kanton Aargau ein, wovon auch der Sumpfrohrsänger profitieren würde.