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Jill
Regie: Steven Michael Hayes
Darst.: Tom Pelphrey, Garrett Wareing, Juliet Rylance, Zackary Arthur, Dree Hemingway, Greg Orvis, Anne Bennent, Tre Ryder, Rooter Wareing, Garrett Forster, Alison Skye u.a.
Joann und Ted leben als Aussteiger:innen in den Wäldern Montanas und ziehen ihre Kinder – vier Jungen und ein Mädchen – fernab von äusseren Einflüssen gross. Die Kinder wachsen wie im Paradies auf. Der Umgang in der Familie ist liebevoll, die Atmosphäre kreativ, die Kinder schreiben, zeichnen und basteln, die Natur dient ihnen als unerschöpfliche Lehrmeisterin. Mutter Joann war früher Bibliothekarin, sie liebt Bücher über alles und hat schriftstellerische Ambitionen. Heimlich reicht eine Freundin, die ihr paketweise Romane in die Waldeinsamkeit schickt, Joanns Manuskript bei einem Verlag ein. Auch der kluge John, der jüngste der Brüder, schreibt an einem Science-Fiction-Roman, der sich zu einer Trilogie ausweiten soll, während sich die sechsjährige Jill über ihre Begabungen noch im Unklaren ist. Als der älteste Sohn Colt das College besuchen will, kommt es zum Konflikt mit dem Vater, der sich Colts Wunsch trotz der Fürsprache der Mutter kategorisch verweigert. Zusehends kippt die vermeintliche Freiheit des autarken Lebensentwurfs in ein paranoides System, das von der zwanghaften Abwehr einer feindlich wahrgenommenen Aussenwelt geprägt ist, und die Risse im Familiengefüge werden immer grösser. Das Familiendrama wird aus der Sicht von Jill erzählt; mehrere Rückblenden legen dramaturgisch geschickt erst nach und nach die Geschehnisse offen. «Jill» kommt wie ein amerikanischer Independent-Film daher, ist jedoch das Spielfilmdebüt des 1973 in Zürich geborenen Regisseurs Steven Michael Hayes. Der überraschende Erstling erstaunt wegen der Authentizität, mit der er das amerikanische Aussteigermilieu schildert, und besticht durch ein eigenwilliges Drehbuch, pointierte Dialoge sowie exzellente Darsteller:innen. Hayes arbeitete als Regieassistent in verschiedenen Filmen von Michael Steiner mit und machte sich als Regisseur zahlreicher Werbefilme einen Namen. In seinem fulminanten Kinodebüt zeigt er beklemmend auf, wie schnell Paranoia und staatsfeindliche Ideologien in Gewalt umschlagen können, und ruft Erinnerungen an politische Ereignisse in jüngster Vergangenheit wach. Ein Name, den man sich merken sollte!