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Jedes zehnte Baby ist ein Frühchen. Der wissenschaftliche und medizinische Kenntnisstand über dieses Phänomen wächst mit jedem Tag.
Wann gilt ein Baby als frühzeitig geboren?
Im Normalfall dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen ab dem Datum der letzten Monatsblutung der Frau. Aber auch bei einer Dauer von 38 bis 42 Wochen spricht man von einer voll ausgetragenen Schwangerschaft.
Findet die Entbindung in oder vor der 37. Schwangerschaftswoche statt, spricht man von einer Frühgeburt bzw. einem frühzeitig geborenen Säugling.
Wie kann ich das Alter eines Frühgeborenen berechnen?
Das Gestationsalter eines frühgeborenen Säuglings wird aus der Anzahl der bis zum Zeitpunkt der Geburt in der Gebärmutter verbrachten Wochen ab dem ersten Tag der letzten Menstruation der Mutter sowie den Reifemerkmalen des Säuglings zur Zeit der Geburt berechnet. Das chronologische Alter ist das tatsächliche Lebensalter seit der Geburt. Das korrigierte Alter ist das um die Anzahl der Wochen, die das Kind zu früh geboren ist, korrigierte chronologische Alter. Das korrigierte Alter wird gemeinhin verwendet, wenn es sich um die Entwicklung des Babys handelt. Das chronologische Alter wird zur Planung von Arztterminen und Impfungen verwendet.
Was sind die Ursachen für eine Frühgeburt?
Bekannte Risikofaktoren sind für ungefähr die Hälfte aller Frühgeburten verantwortlich. Dazu zählen infektiöse Erkrankungen wie Harntraktinfektionen, Atemwegserkrankungen und Vaginalinfektionen. Aus diesem Grund kann es wichtig sein, anhand von Kulturen Tests durchzuführen. Eine Behandlung vor oder während der Wehen kann verhindern, dass eine Infektion auf das ungeborene Kind übergeht. Zahnfleischerkrankungen und unentdeckte Viruserkrankungen werden ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt in Verbindung gebracht.
Mehrlingsgeburten
Zwillinge, Drillinge und Mehrlinge werden nur selten bis zum errechneten Geburtstermin ausgetragen. Zwillinge haben ein um 25 bis 50 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt. Die Gefahr steigt mit zunehmender Anzahl ungeborener Säuglinge in der Gebärmutter.
Angeborene Unregelmäßigkeiten
Bei einer Ultraschalluntersuchung kann festgestellt werden, ob es Unregelmäßigkeiten bei der Entwicklung des ungeborenen Kindes gibt und ob womöglich eine frühzeitige Entbindung in die Wege geleitet werden muss. Benötigt das ungeborene Kind vor dem errechneten Geburtstermin einen medizinischen Eingriff, wird u. U. erwogen, einen Entbindungstermin zu planen.
Von der Mutter ausgehende Faktoren
Fehlbildungen der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses, chronische Krankheiten wie Nierenerkrankungen, Präeklampsie/Eklampsie (eine schwangerschaftsbedingte Krankheit mit hohem Blutdruck), Diabetes oder eine in ihrer Funktion beeinträchtigte, blutende oder beschädigte Plazenta machen eine frühzeitige Entbindung erforderlich. Die Entbindung kann per Kaiserschnitt erfolgen oder im Interesse des Wohlergehens der Mutter und/oder des Kindes eingeleitet werden.
Auch andere Faktoren werden mit einer erhöhten Frühgeburtsrate in Verbindung gebracht
Ein höheres Risiko besteht für:
- Frauen, die bereits in der Vergangenheit eine Frühgeburt hatten
- Frauen, die sechs Wochen oder weniger nach einer vorausgegangenen Geburt wieder schwanger werden.
- Frauen, die zum Zeitpunkt der Empfängnis untergewichtig sind oder die im Verlauf der Schwangerschaft weniger als 10 kg zunehmen.
- Sehr junge Mütter und Frauen über 40.
- Frauen, die bis gegen Ende der Schwangerschaft im Stehen arbeiten, schwere körperliche Arbeit verrichten oder starkem körperlichen oder seelischen Stress ausgesetzt sind.
Mythen über Frühgeburten
Die meisten frühzeitig zu Eltern gewordenen Frauen und Männer fragen sich, ob sie eine Mitschuld an der Frühgeburt haben, und werden oft von Schuldgefühlen geplagt. In der Mehrzahl der Fälle kann nichts unternommen werden, um eine Frühgeburt zu verhindern. Doch einige Mythen bestehen fort, unter anderem:
- Sex im dritten Trimester
- Sorgen
- Negative Gedanken
- Streit mit dem Partner
- Flugreisen
- Schlechtes Essen
- Schwimmen
Entbindung
Für ungefähr 20 Prozent der zu früh geborenen Säuglinge wird die Entbindung im Hinblick auf den gesundheitlichen Zustand der Mutter oder des Kindes im Voraus geplant, um bei der Geburt so wenig wie möglich zu belasten. Bei einigen Geburten wird die Entbindung künstlich eingeleitet. Weitere 30 Prozent kommen nach einem Blasensprung frühzeitig zur Welt, und etwa die Hälfte aller Frühgeburten erfolgen nach dem Einsetzen frühzeitiger Wehen.
Die Wehen werden eingeleitet oder eine operative Entbindung wird angeraten, wenn das Leben des ungeborenen Kindes bedroht ist (fetaler Distress oder fetaler Gefahrenzustand genannt).
Besteht bei der Mutter ein hohes Risiko für eine Frühgeburt oder steht eine sehr frühzeitige Entbindung unmittelbar bevor, wird die Schwangere in eine Geburtsklinik für Risikoschwangerschaften verlegt. Damit ist gewährleistet, dass ihre Bedürfnisse und die ihres Säuglings, der einer ganz besonderen Versorgung bedarf, garantiert sind.
Frühgeburten verhindern
Es ist nicht möglich, das Risiko einer Frühgeburt völlig auszuschließen, aber sich gezielt auf die Geburt vorzubereiten und eine gute gesundheitliche Versorgung zwischen den Schwangerschaften können das Risiko verringern.
Frauen, für die ein Risikofaktor zutrifft oder die an einer akuten oder chronischen Erkrankung leiden, sollten ihren Frauenarzt frühzeitig und häufig konsultieren. Gute Ernährung, eine angemessene Gewichtszunahme und der Verzicht auf Zigaretten- sowie Drogenkonsum reduzieren das Risiko einer Frühgeburt weiter, ebenso wie eine bessere Diagnose schwer feststellbarer Infektionen.