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2011 wurden im Schweizer Wald 5.1 Millionen Kubikmeter [m3] Holz geschlagen, fast gleich viel wie im Vorjahr. Sortimentsverlagerungen, sinkende Holzerlöse und höhere Kosten führten jedoch zu einem grösseren Defizit in der Waldbewirtschaftung. Dies geht aus der eben veröffentlichten Forststatistik 2011 der Bundesämter für Umwelt BAFU und für Statistik BFS hervor. In 13 Kantonen (54% des Holzes) nahm die Nutzungsmenge ab; in den anderen 13 Kantonen zu. Das Ergebnis zeigt, dass sich die für die Holznutzung treibenden und bremsenden Kräfte in etwa die Waage hielten.
2011 hielt sich die Schweizer Konjunktur im europäischen Vergleich gut. Dass sich dahinter eine zweigeteilte Wirtschaft verbirgt, zeigt die Lage der verschiedenen Branchen der Wald- und Holzwirtschaft:
Die starke Bauwirtschaft und die zunehmende Beliebtheit von Holz als ökologischer Baustoff sorgten für eine stabile Holz-Nachfrage und regional teils gute Auslastungen von Holz verarbeitenden Betrieben. Der treibenden Inlandnachfrage stand jedoch die bremsende Wirkung des starken Frankens gegenüber. Während die Holzbauer von vergünstigten Importen von Holzhalbfabrikaten profitieren konnten, gerieten die Margen und Erlöse der inländischen Holzverkäufer und Exporteure wechselkursbedingt unter Druck.
Die Waldwirtschaft musste Preisabschläge in Kauf nehmen, um das Holz im Ausland, aber auch auf dem Binnenmarkt, absetzen zu können. Die Sägereien schnitten insgesamt 10 Prozent weniger Holz ein, was insbesondere auf die Stilllegung des grössten Sägewerkes der Schweiz in Domat-Ems zurückzuführen ist. Während die Preise für das gut nachgefragte Stammholz im Ausland zunahmen, sanken sie in der Schweiz im Jahresverlauf kontinuierlich.
Die Holzbereitstellung verlagerte sich zudem weiter weg von qualitativ höherwertigen Rundholz-Sortimenten hin zu qualitativ minderwertigen Sortimenten für die industrielle Verarbeitung und vor allem für die Energieproduktion.
Aufgrund der tieferen Preise nahm die Nadelstammholz-Ernte von allen Sortimenten am stärksten ab (-4%) und trägt nur noch mit 51% zur Gesamtnutzung bei. Dieser Anteil verringerte sich in den vergangenen Jahren stetig. Von Bedeutung ist dies, weil die Baubranche vor allem Nadel-Stammholz braucht und dieses den Holzverkäufern deshalb pro m3 im Schnitt die höchsten Erlöse einbringt.
Die gesamte Nadelholznutzung hat um 3% ab-, die Laubholznutzung hingegen um 3% zugenommen. Der Nadelholzanteil ist somit seit 2000 von 80% auf 67% gesunken, der Laubholzanteil hat von 20% auf 33% zugenommen. Dies entspricht der natürlichen Waldentwicklung.
Die höhere Gewichtung von tieferpreisigen Sortimenten und die im Vorjahresvergleich generell tieferen Holzerlöse führten zu weniger Einnahmen in der Holzernte. Ein Kubikmeter genutztes Holz brachte den Waldeigentümern im Durchschnitt noch einen Umsatz von gut 75 Franken ein. Die durchschnittlichen Kosten für die Ernte beliefen sich auf 74.6 Franken. Unter dem Strich verdienten die Waldbesitzer an einem Kubikmeter noch 50 Rappen. Die regionalen Unterschiede sind beträchtlich: Im Mittelland lag der Gewinn bei knapp 19 CHF/m3, in den Alpen resultierte aus der Holzernte ein Defizit von 43 CHF/m3.
Da in gebirgigen Regionen und in schwierigem Gelände bereits die Holzernte defizitär ist, müsste die Pflege der Gebirgs- und Schutzwälder ohne Beiträge der öffentlichen Hand komplett aufgegeben werden. In anderen Regionen wie im Mittelland entstehen wiederum Mehrkosten für den Unterhalt von Waldwegen oder für die Waldpflege.
Für die Bewirtschaftung der Schweizer Wälder bezahlt deshalb die öffentliche Hand Beiträge, die im schweizerischen Schnitt bei 182 Franken pro Hektare Wald liegen. 2011 haben die von der Forststatistik ausgewiesenen Beiträge für Schutzwaldpflege, Waldbiodiversitätsleistungen, Jungwaldpflege oder forstliche Planung gesamthaft um 9% zugenommen. Trotzdem hat sich das Resultat in der Waldbewirtschaftung aufgrund des grösseren Defizits in der Holzernte und dem allgemeinen Anstieg der Kosten um fast 15% verschlechtert. Unter dem Strich mussten Waldeigentümer für die Bewirtschaftung einer Hektare Wald 51 Franken bezahlen.
Bild: Malene Thyssen (Wikimedia Commons)