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Ist der 60 Jahre alte Antarktisvertrag robust genug, um China aufzuhalten? Im Vertrag vereinbarten mehr als 50 Staaten 1959, die Antarktis nicht wirtschaftlich auszubeuten und weder militärische noch politische Konflikte auf dem siebten Kontinent auszutragen. Es ist bis heute ein ziemlich einzigartiger Vertrag zwischen oftmals verfeindeten Nationen und war wohl auch nur möglich, weil dazumal niemand der Antarktis große Bedeutung beimaß. Die Interessen haben sich in Anbetracht der vermuteten Bodenschätze auf dem Kontinent und der Krill- und Fischbestände entlang der Küsten geändert.
Nun entwickelt sich die Antarktis möglicherweise zum neuesten Schlachtfeld in der geopolitischen Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China. Die beiden Länder verschieben die Grenzen des Vertrages, der eine militärische Präsenz verhindern soll, vermehrt zu ihren Gunsten.
Journalistin Lucy Craymer schreibt in einem Artikel für die neuseeländische News-Webseite „Stuff, dass neue Basen und Stationen entstehen und neue polarfähige Schiffe gebaut werden, um die Oberhand auf dem Kontinent zu gewinnen. China baut derzeit seine fünfte Basis in der Region, während die USA sechs neue Eisbrecher in Auftrag gab, um die Fähigkeiten in Polarregionen zu verbessern.
Sie schreibt weiter, dass ein Sprecher der US-Küstenwache sagte, dass ihre neuen Eisbrecher der Schlüssel dafür seien, dass die USA Verträge und andere Gesetze durchsetzen und sie dabei logistische Unterstützung leisten könne.
Auch Australien, ein wichtiger Player in der Region, plant bei der Davis-Station einen neuen Flugplatz und Neuseeland investiert 344 Millionen US-Dollar in den Bau einer neuen Basis auf Ross Island unweit der amerikanischen McMurdo-Station, heisst es in ihrem Artikel. Wobei die Höhe der Investition in Neuseeland für eine ‘Luxusvariante’ sehr umstritten ist.
Da die Region zunehmend politisiert wird, wird mehr darüber diskutiert, ob bestimmte Länder – insbesondere China – „sanft über die roten Linien des Antarktis-Vertragssystems gehen, um eine politische oder sicherheitspolitische Agenda voranzutreiben“, sagte Marc Lanteigne, außerordentlicher Professor der Politikwissenschaft an der Universität Tromsø gegenüber „Stuff“.
China auf Expansionskurs
Bei seinem Besuch im australischen Hobart im Jahr 2014 skizzierte der chinesische Präsident Xi Jinping erstmals eine Strategie, um die Antarktis „zu verstehen, zu schützen und zu nutzen“. „Verstehen, schützen und nutzen“ haben sich seitdem als Leitprinzipien für chinesische Polaraktivitäten herauskristallisiert.
China ist im Besitz von vier Antarktisstationen, die Fünfte in der Terra Nova Bay soll im Jahr 2022 eröffnet werden. Chinas Forschungsstation «Kunlun» ist mit 4.087 Meter auf dem höchsten Punkt des antarktischen Eisschildes als Zentrum eines von China verwalteten Antarktis-Sondergebiets errichtet worden und ist noch nie inspiziert worden.
Chinesische Staatsmedien sagen, «Kunlun» sei einer der besten Orte der Erde, um astronomische Forschungen durchzuführen. Auf der Basis wurde im April 2012 ein erstes großes Teleskop installiert, in der Zwischenzeit kamen noch zwei weitere dazu. Experten befürchten jedoch, dass das Gelände militärisch genutzt wird.
Chinesische Stationen in der Antarktis
Eröffnung Betriebsart
Great Wall 15. Februar 1985 Sommer/Winter
Zhongshan-Station 26. Februar 1989 Sommer/Winter
Kunlun-Station 27. Januar 2009 Sommer
Taishan-Station 08. Februar 2014 Sommer
Terra Nova Bay ab 2022 Sommer/Winter
Soeben ist der neu gebaute Eisbrecher «Xuelong 2» von seiner angebliche Forschungsmissionen vom südlichen Kontinent zurück. Der Eisbrecher beendete die 37. Antarktisexpedition und führte Berichten zufolge im Rahmen der 36.000 Seemeilen langen Reise Meeresökosystem- und Umweltuntersuchungen durch.
Inspektionen von Antarktis-Stationen stellen neue Herausforderungen dar. Nur wenigen Ländern mit der nötigen Infrastruktur wie Eisbrecher, Flugzeuge und Zugang zu Satelliten ist es möglich, Stützpunkte anderer Länder zu erreichen.
Heiner Kubny, PolarJournal