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Jungkätzchen können von der alten Katze viel lernen und halten diese auch auf Trab.
Wenn Katzen älter werden
Eine alte Katze ändert plötzlich ihr Verhalten: Von ihren früheren Gewohnheiten will sie nichts mehr wissen. Dafür entwickelt sie neue, die ihrem Besitzer den Schlaf rauben.
«Meine Katze hat sich verändert.» Ich beobachtete das Tier auf meinem Praxistisch. Die stolze, alte Katze drehte eine Runde und hüpfte anschliessend wieder in ihren Korb. Ein schwieriger Ansatz. Es gibt Hunderte Gründe, weshalb sich eine ältere Katze verändert, doch welcher traf hier zu?
Ich fragte den Besitzer aus, was sich genau verändert habe. Er erklärte mir, dass sie eigensinniger geworden war. Sie zog sich zurück, um dann zu Unzeiten alle Aufmerksamkeiten auf sich zu ziehen. Wollte er fernsehen, etwas, das sie immer zu zweit gemacht hatten, musste er jetzt alleine auf dem Sofa sitzen. Kam er von der Arbeit nach Hause, wurde er nicht mehr begrüsst. Dafür weckte sie ihn mitten in der Nacht mit einem kätzischen «Hallo, bist du nach Hause gekommen?». Hatte sie früher viele kleine Laute von sich gegeben, um mit ihrem Besitzer zu kommunizieren, so miaute sie heute nur noch sehr laut und kehlig. Da sie mit Vorliebe nachts rief, stand er immer auf und wusste nicht, was ihr fehlte. Entsprechend übernächtigt sah er aus.
Ein erster Untersuch brachte nichts an den Tag. Ihr Herz arbeitete gut, ebenso ihre Lunge und die anderen Organe. Ich besprach mit dem Besitzer die weiteren Schritte. Wir einigten uns darauf, dass ich Veras Blut untersuchen würde. Gerade die Nieren und die Schilddrüse machten im Katzenalter gerne Probleme.
Doch Veras Blut war in Ordnung. Ich hegte den Verdacht, dass es sich um eine Art «Katzheimer» handelte. Altershalber wurde sie taub, hörte nicht mehr, wie ihr Besitzer nach Hause kam. Das konnte auch der Grund sein, dass ihr Rufen so laut geworden war. Zusätzlich aber hatte sich ihr Tag-Nacht-Rhythmus verschoben. Vera schlief den ganzen Tag und tigerte die halbe Nacht in der Wohnung umher. Ich diskutierte mit dem müden Besitzer die Therapie-
möglichkeiten. Vera und er lehnten aber meine Ratschläge ab. Die Katze wollte weder ein anderes Futter noch irgendwelche Tabletten, der Besitzer ihre Lebensgewohnheiten nicht verändern.
Einen Monat später kam der strahlende Besitzer mit zwei kleinen, verspielten Kätzchen an. «Das ist Therapie! Vera muss den ganzen Tag zu den Kleinen schauen. Nachts ist sie hundemüde und schläft zusammen mit ihnen durch. Auch läuft sie ihnen immer nach und frisst, wenn die Kleinen fressen. Will sie herummiauen, so kommen die zwei Teufelchen angerannt und lenken sie ab!»
Ich staunte über Veras Flexibilität. Nicht bei allen alten Katzen funktioniert das. Ihr Besitzer kannte sie offenbar so gut, dass er richtig gehandelt hatte.
(Coopzeitung Nr. 07/2014)
Sprechstunde: Fragen Sie Chantal Ritter
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