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Architektur
Werk und Wirkung Andrea Palladios
Andrea Palladio (1508 - 1580) war eine der prägenden Persönlichkeiten der italienischen Renaissance. Seine Bauwerke und seine quattro libri bilden die Grundlage für den Ruhm, den er bis in die heutigen Tage geniesst. Die "Theorie der Praxis" bildet das Fundament, auf welchem das Phänomen Palladianismus gedeihen konnte. Die verschiedenartigen Blüten, welche die Auseinandersetzungen mit seinem Werke zu Tage gebracht haben, werden in diesem monumentalen Band betrachtet, tiefgründig betrachtet und in einen übergreifenden Kontext gestellt, so dass sich ein präzises Bild abzuzeichnen beginnt - das Gesamtbild von Palladios Werk und dessen Wirkung. Oder wie es Andreas Tönnesmann im Geleitwort ausdrückt: "der Palladianismus wird als einzigartige Metamorphose eines individuellen OEuvres verständlich."
Die grossformatige Publikation unterstreicht in ihrem Auftreten den Ansatz der "Theorie der Praxis" indem sie die Theorie nicht von der Praxis trennt, sprich die theoretischen Überlegungen werden mit ganzseitigen Architekturfotografien ergänzt, welche nicht Bauten von Palladio zeigen, sondern der Spur der Wirkung von Palladios Bauten folgen. Zu den Fotografien hinzu kommen zahlreiche Darstellungen von Grundrissen, Fassaden, Details und Frontispize, die das theoretische architektonische Denken bebildern.
Der Band wird inhaltlich in zwei Teile gegliedert, der erste Teil mit architekturtheoretischen Überlegungen, der zweite Teil mit einer historischen, geografischen Entwicklung des Palladianismus, dessen vorläufiges Ende sich in unserer Gegenwart findet. Das Herzstück der Publikation sind die Texte von Werner Oechslin, die auf eine Vielzahl von Frage- und Problemstellungen zu Palladios Werk eingehen. Der Spannungsbogen der Themen reicht von der "Begründung der Autorität Palladios" über "Formalisierung und den Verlust der Körperlichkeit" bis zu "Fassaden- Denken und Säulenunfug". Aus dem Kapitel "Das Frontespicio nella facciata dinanti, Markenzeichen palladianischer Architektur, und die ihm zugeordnete Geschichtskonstruktion" ein ausgewählter Einblick: "Die Entscheidung, das Tempelmotiv des Dreieckgiebels für Haus und Palast einzusetzen, stellt Palladios grosse künstlerische Leistung dar." Warum dies eine solch grosse künsterlische Leistung sei, wird im Folgenden erklärt: "Canina argumentiert mit dem vitruvianischen Prinzip der Angemessenheit, um privat und öffentlich wieder zu trennen und um die Tempelfassade dort zu belassen, wo sie hingehöre, an den Tempel. Aber das Kriterium der Angemessenheit hatten auch Barbaro und Palladio in den Vordergrund gerückt, was nun unterstreicht, dass mit Palladios Frontespicio nella facciata dinanti eben ganz bewusst und in deutlich bekundeter Absicht die Architektur von Palast und Villa gehoben, nobilitiert sein wollte. Palladio regelte damit eben nicht nur eine formale Modalität, sondern gab einer umfassenden Bauaufgabe, dem Hausbau, eine neue Bestimmung und Grundlage und wies ihm zudem einen sehr viel gewichtigeren Status zu." Solche Überlegungen und Erläuterungen (diese hier nur exemplarisch) finden sich in dem Buch in hoher Dichte und geben der Publikation einen ausgezeichneten Rang.
Das Buch verlangt von seinem Leser eine aufmerksame Lektüre, in übertragenem Sinne mit den Worten Werner Oechslins "blindlings lässt sich aus den Resten der Antike eben nichts holen". Das Buch ist also keine Publikation des Gesamtwerkes von Andrea Palladio oder dergleichen, sondern ein kritisches Architekturbuch mit fundierten Erläuterungen zum Werk und Wirkung von Andrea Palladio und gerade dies ist es, was dieses Buch immens interessant macht.