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Corina* ist 16 Jahre alt und würde jetzt eigentlich die dritte Oberstufe besuchen. Tatsächlich ist sie aber seit letztem Winter nicht mehr zur Schule gegangen. Doch wie kam es dazu?
Corina ist wegen einer Depression im Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Clienia Littenheid in stationärer Behandlung. «Rückblickend», sagt sie, «bin ich schon immer ein unglückliches Kind gewesen, schwermütig und melancholisch.» Erstmals gezeigt hatten sich ihre Probleme vor etwa vier Jahren, noch im Primarschulalter. Ihre Noten wurden zusehends schlechter, weil sie sich auf nichts konzentrieren konnte und dauernd müde war. Ihre Eltern dachten, sie sei einfach nur faul. Damals hat Corina angefangen, hin und wieder die Schule zu schwänzen. Manchmal, weil sie einfach keine Lust hatte, hinzugehen, und manchmal, weil ihr die Energie dazu fehlte. Sie erinnert sich, dass zu dieser Zeit ihre Schwindelanfälle erstmalig auftraten. Zwischendurch ging es ihr wieder etwas besser, wenigstens machte es den Anschein, aber innerlich kämpfte Corina mit dunkeln Gedanken. Besonders schlecht ging es ihr mit 13 Jahren, als die Schwindelanfälle und starke Kopfschmerzen täglich auftraten und so heftig waren, dass sie oft erbrechen musste. Corina fühlte sich komplett ausgelaugt. Mit ihren Eltern sprach sie nie über ihren Gefühlszustand, weil sie sich ihnen nicht nah genug fühlte und sie die Beziehung zu ihnen als schlecht empfand. Seit da besuchte sie die Schule nur noch unregelmässig, war oft krank. Manchmal schrieb sie Prüfungen über Themen, von denen sie bis dahin noch nie etwas gehört hatte. Entsprechend tief fielen ihre Noten aus, was sie noch mehr deprimierte. Die Hürde, nach langem Schulabsentismus wieder hinzugehen, wurde mit jedem Tag der Abwesenheit grösser. «Es ist wie ein Teufelskreis», erzählt sie, «die Motivation sinkt bei sowieso schon riesiger Unlust. Vielleicht hätte es geholfen, etwas Druck rauszunehmen».
Nachdem die somatischen Untersuchungen keine Diagnose brachten, versuchte man, den Schwindel und die Kopfschmerzen mit einer Brille und später mit einer Zahnspange zu beheben. Doch die Symptome verschlimmerten sich sogar. Auch die verordneten Vitaminpräparate brachten keine Besserung. Neben ihren Eltern dachten nun auch viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler, Corina würde nur simulieren. «Du bildest dir alles nur ein» oder «Denke halt positiver», waren Aussagen, die sie oft hörte, ihr aber nicht weiterhalfen. Im vergangenen Winter folgten starke Schlafstörungen, so dass sie morgens nicht mehr aus dem Bett kam. Ganz ohne Schule fehlte ihr auch eine Tagesstruktur. Zum ersten Mal suchte sie eine Psychologin auf. Die Diagnose einer Depression erstaunte Corina nicht, sie wusste es vorher schon. Ihr Umfeld glaubte aber immer noch, sie täusche all die Symptome nur vor. Schliesslich fädelten ihre Eltern zusammen mit der Psychologin den stationären Klinikaufenthalt in Littenheid ein. Damit war Corina einverstanden, auch wenn sie sagt: «Ich mache hier nur, was ich unbedingt muss». Als sehr unangenehm empfindet sie die Familiengespräche. Sie würde lieber nicht mit ihren Eltern reden. Die Wochenenden, die sie zu Hause verbringt, geht sie ihren Eltern aus dem Weg, spricht und isst nicht mit ihnen. Obwohl Corina inzwischen wieder etwas Lebensfreude fassen konnte, möchte sie ab und zu immer noch am liebsten einfach einschlafen und nicht mehr aufwachen. Doch es geht ihr heute, nach einem Monat in der Klinik, bedeutend besser als bei ihrem Eintritt. Aromatherapie und Meditation helfen ihr, ihre bedrohlichen Gedanken im Zaum zu halten. Und sie hat auch wieder eine Perspektive: Nach den Sommerferien will sie ihre kaufmännische Lehrstelle bei einer Versicherung antreten und in eine WG ziehen. Sie hofft, dass sie mit dem Druck umgehen kann und den schulischen Anschluss schafft.
*Name geändert