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175 Jahre Freiwillige Akademische Gesellschaft Basel
Caspar Zellweger
Die Freiwillige Akademische Gesellschaft (FAG) fördert die wissenschaftliche Bildung und Forschung an der Universität Basel – und das seit 175 Jahren.
Die Gründung der FAG 1835 war das Werk von Andreas Heusler- Ryhiner, Ratsherr und Rechtsprofessor, und der äussere Anlass die zwei Jahre zuvor vollzogene Kantonstrennung der beiden Basel, in die auch das Universitätsvermögen einbezogen wurde. Die Stadt wurde verpflichtet, den Landkanton mit der damals enormen Summe von 331’451.55 Franken auszukaufen. Trotz angespannter Finanzen entschied der Grosse Rat, die Universität als öffentliche Einrichtung beizubehalten. Diese war damals alles andere als populär: So lag dem Parlament ein Vorstoss vor, die Universität als nutzlose, veraltete Institution zu schliessen und dafür eine allgemeine Gewerbeschule zu eröffnen. Wer studieren wollte, sollte dies an den eben eröffneten Universitäten in Zürich und Bern tun. Die Universität war zwar gerettet, doch stufte der Grosse Rat die Juristische und die Medizinische Fakultät auf eine nur noch propädeutische Funktion hinab. Heusler verstand es, umfangreiche private Mittel für die akademische Lehre und Forschung zu mobilisieren. Am 20. April 1835 veröffentlichte er mit andern einen flammenden Gründungsaufruf, der die wichtigsten Tätigkeiten der Organisation umriss: Sammeln von privaten Spenden für Gehaltszulagen zur Gewinnung und Erhaltung qualifizierter Dozenten, Ausbau der wissenschaftlichen Sammlungen und Popularisierung der wissenschaftlichen Forschung. Die Idee war schlagend, schnell flossen der Gesellschaft beträchtliche Mittel aus Schenkungen, Legaten und Stiftungen zu. Der Gesellschaft war eine doppelte Aufgabe zugedacht: Durch private Mittel wollte man die Finanzierungsbasis der Universität erweitern und zudem unabhängig von politischen Behörden ihre Entwicklung beeinflussen. Diese Beeinflussung war von Anfang an darauf ausgerichtet, zu ergänzen, zu vermehren und zu vervollkommnen, was der Staat für die Universität leistete. Ein solcher Ansatz entspringt der Einsicht, dass «ein freiwilliger Verein gar manches anregen, anbahnen und versuchen kann, was eine Behörde aus Besorgnis des Misslingens unterlassen muss, was aber doch in der Erfahrung als zweckmässig sich bewähren kann», wie es im Aufruf von 1835 heisst. Das feine Gewebe zwischen Unabhängigkeit und Freundschaft, Sorge und Zuwendung ist gelebte Tatsache. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Verein bis heute mehr Idee als Institution geblieben ist. Einen «Vereinsbetrieb» gibt es kaum: Entscheide und Verantwortung liegen bei einer ehrenamtlichen Kommission von derzeit elf Mitgliedern. Erst nachdem die Zunahme der Gesuche nicht mehr anders zu bewältigen war, erhielt die FAG 2004 eine 50%-Geschäftsstelle. Von der Kommission werden jährlich rund 200 Gesuche, in den Subkommissionen etwa weitere 100 bearbeitet. Mit ihren Zuwendungen hat die FAG Vielfältiges unterstützt, so etwa – neben vielem andern – die Rückberufung von Jacob Burckhardt, die Pensionierung von Friedrich Nietzsche oder den Bau des Bernoullianums (1874), des Botanischen Gartens (1896) und der Universitätsbibliothek (1901). In Basel unterhielt die Gesellschaft lange wohl nicht den einzigen, aber sicher den grössten Fonds, welcher der Universität verpflichtet war. Vermutlich gibt es an der Universität keine Institution und keine Fakultät, die von der FAG nicht schon bedacht worden ist. Es geht dabei nicht nur um die Suche nach Exzellenz, sondern auch um die Ermöglichung eines breit abgestützten, individuellen Wissenschaftsbetriebs, der die Marke «Universität Basel» ins In- und Ausland trägt. Die FAG hat heute rund 1’500 Mitglieder; ihr Vermögen beläuft sich auf rund 60 Mio. Franken, wobei auch die jüngsten Börsenkrisen nicht spurlos an ihr vorbeigegangen sind. Bis heute hat sie immer wieder zum Teil bedeutende Zuwendungen erhalten – ein Zeichen dafür, dass zahlreichen Menschen das Gedeihen der Universität und der Museen, die zum Universitätsvermögen gezählt haben, ein Anliegen ist. Die FAG geniesst bei vielen das Vertrauen, ihren Aufgaben nachzukommen.