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Anleihen von Firmen aus Schwellenmärkten seien eine attraktive Anlage, die zur Diversifizierung und zur Einkommens-Generierung beitragen könne, sagt Colm McDonagh von Insight (BNY Mellon).
Im aktuellen Niedrigzinsumfeld mit seinen niedrigen Erträgen bieten Obligationen (Corporate Bonds) aus Schwellenländern im Vergleich zu Anleihen aus Industrieländern ein wesentliches Renditepotenzial, insbesondere im Fall von Hochzins-Anleihen.
Das Segment der Unternehmensanleihen aus Schwellenmärkten ist im Laufe der Zeit deutlich gewachsen. Mit einem Anlagevolumen von mittlerweile mehr als 1,7 Billionen Dollar diversifiziert sich dieser Sektor immer weiter und wartet mit strukturellen Chancen auf, wie Colm McDonagh im Gespräch weiter ausführt. Er ist verantwortlich für Schwellenländer-Anleihen bei Insight (BNY Mellon).
«Indonesien und Brasilien setzen wichtige Strukturreformen durch»
In vielen Fällen besitzen die Unternehmen eine sehr gute Bonität. Gegenüber ähnlichen Emittenten in den Industrieländern sind ihr Verschuldungsgrad und ihre Ausfallquoten oft sogar vergleichsweise niedrig.
Herr McDonagh, welche Schwellenmärkte sind dieses Jahr am vielversprechendsten, welche am wenigsten attraktiv, und warum?
Besonders optimistisch sind wir hinsichtlich der sich verbessernden Fundamentaldaten von Indonesien, Brasilien und Peru, weshalb wir Unternehmensanleihen aus diesen Ländern gegenüber dem Index übergewichten.
«Wir haben die Regionen Asien, Naher Osten und Afrika untergewichtet»
Indonesien und Brasilien setzen wichtige Strukturreformen durch. Gleichzeitig verlieren hier externe Risikofaktoren an Bedeutung und die Notenbanken verfolgen eine glaubhafte und vorhersehbare Geldpolitik. In Peru gehen wir davon aus, dass die neu gewählte Regierung ein marktfreundliches Umfeld und bessere Chancen für die Unternehmen schafft.
Was weniger verheissungsvolle Fundamentaldaten angeht, so haben wir in unserem Portfolio die Regionen Asien, Naher Osten und Afrika untergewichtet.
Die Gründe dafür liegen in den nicht so attraktiven Bewertungen der asiatischen Länder und den technisch eher schwachen Daten für den Nahen Osten und Afrika.
Können Sie spezifische Beispiele für Schwellenländer-Unternehmen nennen, die Sie selbst hoch bewerten? Gibt es dafür besondere Gründe?
Angesichts der guten Bonitätskennzahlen (tiefer Verschuldungsgrad, hohe Zinsdeckung und starke Margen) und der attraktiven Bewertung gegenüber anderen Telekommunikationsunternehmen weltweit setzen wir zum Beispiel auf den Telekomanbieter Millicom aus Paraguay.
«Eine Zinserhöhung muss sich nicht negativ auf Schwellenmärkte auswirken»
Auf Grund lokaler Nachrichten, die unserer Meinung nach eine übermässige Preisvolatilität hervorgerufen haben, ist die Bewertung etwas gesunken. Obwohl Millicom also vielleicht nicht das beste Credit-Rating im Portfolio hat, stuft es unser Investment-Team sehr hoch im Vergleich zu seiner Marktbewertung ein.
Wie könnte sich eine Leitzins-Erhöhung der US-Notenbank (Federal Reserve) auf die Schwellenmärkte auswirken?
Obwohl wir nicht mit Sicherheit sagen können, ob und wann die US-Zentralbank den Leitzins wieder anhebt, gibt es keine Garantie dafür, dass sich eine Zinserhöhung negativ auf die Schwellenmärkte auswirken würde.
Nach einigen früheren Zinsstraffungen der Zentralbank kam es sogar zu einer deutlichen Erholung bei den Emerging-Markets-Anlagen. Häufig sind die vorherrschenden Makrobedingungen ausschlaggebend.
Ängste, dass ein stärkerer Dollar den Schwellenmärkten schaden könnte, sind für uns jedoch eher fehl am Platz.
Wie sieht Ihr Ausblick für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern insgesamt aus?
Gegenüber den Schwellenmärkten im Allgemeinen und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern im Besonderen sind wir weiterhin positiv eingestellt, da sich die Fundamentaldaten in letzter Zeit stabilisiert haben, was auch ein Wachstumsgefälle zugunsten der Schwellenmärkte sowie ein abnehmendes aussenwirtschaftliches Ungleichgewicht und förderliche technische Faktoren umfasst.
«Unserer Meinung nach sollten auch die örtlichen Zinssätze gestützt werden»
Angesichts der Tatsache, dass ein beträchtlicher Anteil der weltweiten Anleihen mittlerweile negative Erträge einfährt, halten wir die Bewertungen zudem für attraktiv.
Nach Anlageklassen betrachtet dürften Unternehmensanleihen mit höheren Bonitätsbewertungen vom jetzigen Umfeld am meisten profitieren, da US-Staatsanleihen tiefere Erträge als je zuvor erzielen und sich Anleger auf der Suche nach Renditen wahrscheinlich weiter für Emerging-Markets-Anlagen entscheiden werden.
«Der Ausblick wird unsicherer»
Unserer Meinung nach sollten auch die örtlichen Zinssätze gestützt werden, da die Notenbanken in den Schwellenmärkten angesichts der zurückhaltenden Inflation in diesen Ländern die Möglichkeit haben, dem Beispiel der grossen weltweiten Notenbanken zu folgen und die Leitzinsen zu senken.
Insgesamt gehen wir davon aus, dass der Ausblick für die Schwellenländer-Währungen unsicherer wird, da man bei einem wesentlichen Einbruch des weltweiten Wirtschaftswachstums wohl zuerst auf Währungsabwertungen setzen würde.