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Anlass zu Wehmut, zu Traurigkeit gar? Ich meine Nein! Die aufzulösenden Einheiten hatten einen militärischen Auftrag zu erfüllen. Die Basis dieses militärischen Auftrages wurde in einem anderen geopolitischen Umfeld gelegt, in der Zeit des kalten Krieges, in der Bedrohung unseres Landes durch den damaligen Ostblock.
Blättern wir in der Geschichte der Einheiten noch weiter zurück, dann wurden diese als Antwort auf die Bedrohung des Zweiten Weltkrieges aufgestellt, hatten sich seither immer wieder zu wandeln. Neue Flugzeugtypen wurden eingeführt, neues Material erleichterte die Arbeit, Wehrmänner, wie die AdA (Angehörigen der Armee) damals noch hiessen, kamen in die Verbände, leisteten den Dienst und wurden entlassen. Immer aber blieb als „Raison d’être“ der militärische Auftrag, das Bereitstellen der Flugzeuge zu Gunsten des Fliegergeschwaders, die Sicherung und ursprünglich gar die Verteidigung des Flugplatzes gegen einen angreifenden Gegner.
Der militärische Auftrag der Abteilung und jeder Kompanie ist Teil des Auftrages der Luftwaffe und damit der Armee. Als solcher wird er von den politisch Verantwortlichen erteilt und nimmt die Bedrohung unserer Heimat auf. Wenn unsere Verbände aufgelöst werden, weil sich das Umfeld in Europa gewaltig verändert hat, dann spiegelt sich darin die Tatsache, dass wir heute weniger von militärischem Potenzial bedroht sind, dass wohl eher anderen Gefahren und Risiken zu begegnen ist. In der Tatsache, dass die Luftwaffe kleiner wird, spiegelt sich aber auch der technologische Fortschritt - mit weniger Flugzeugen kann heute mehr geleistet werden als noch vor wenigen Jahren. Folgerichtig werden auch weniger Flugplätze und damit auch weniger Einheiten benötigt, werden unsere Einheiten auf Ende des Jahres 2003 aufgelöst und kann die Fahne der Flugplatzabteilung 3 für immer dem Zeughaus zurückgegeben werden.
Wird damit die Arbeit der letzten Jahre in der Retrospektiv unnütz? Haben wir umsonst Dienst geleistet? Auch hier ein ganz klares Nein! Jeder Militärdienst bereitet auf den Ernsteinsatz vor, der im jeweiligen Moment anfallen könnte und zwar ohne jede Konzession, ohne Abstriche. Ich bin überzeugt, dass wir unseren Auftrag erfüllt hätten, wohlwissend, dass solche Aussagen nachträglich und in Vorworten oft gemacht werden. Wichtiger scheint mir die Feststellung, dass nach meinen Beobachtungen überall mit hohem Engagement gearbeitet wurde, dass Teams entstanden, die zuverlässig am Flugzeug, in der Logistik, für die Flugplatzinfrastruktur, für die Sicherung und in weiteren Bereichen wirkten.
Und damit bin ich bei dem Element angekommen, das eine Einheit, eine Abteilung ausmacht, bei der „Ressource Mensch“. Vorwiegend Männer aber auch einige Frauen waren es, die für zwei oder drei Wochen einrückten, ihr Zivilleben unterbrechen mussten und ihre Fähigkeiten als Soldaten oder Kader einzubringen hatten, der eine mehr, der andere weniger begeistert. Ich war jedes Mal hoch beeindruckt zu sehen, wie nach ein oder zwei Tagen Militärdienst Berufsleute aus unterschiedlichsten Bereichen in der Lage waren, das System Flugplatz zu betreiben. Welche Armee der Welt wagt es, ausgerechnet die teuren Kampfflugzeuge Leuten anzuvertrauen, die andernorts als Reservisten bezeichnet werden? Wir sprechen von Miliz, und meinen damit das bewährte System, in dem die Armee von Fachwissen, vom Erfahrungsschatz und von der Persönlichkeit der dienstleistenden AdA profitiert. Im hoch technologischen Umfeld der Luftwaffe braucht es als Ergänzung dazu noch kompetente Berufsleute wie Chefmechaniker, Kontrolleure und Betriebspersonal, braucht es das Zusammenspiel zwischen Berufsorganisation und Miliz. Die Arbeit beider Teile muss professionell sein, darf keine Halbheiten dulden.
Aussenstehende Besucher, vor allem Offiziere von anderen Armeeteilen, stellten wohl ab und zu fest, dass wir wenig ‚militärisch‘ wirkten, runzelten gar die Stirne, wenn sie in Flugpausen AdA sahen, die im Tenue Blau vor dem Stollen die Sonne genossen. Waren dann aber die Flugzeuge gelandet, dann wechselte dieses Stirnrunzeln schnell in Respekt, spätestens wenn in der Kaverne die Arbeit am Jetflugzeug beobachtet werden konnte.
Mir als letztem Kommandaten der Flugplatzabteilung 3 war es wichtig, das System Flugplatz so zu führen und zu gestalten, dass eine Gesprächs- und Fehlerkultur möglich wurde. Auf den Fusswinkel habe ich weniger geachtet (der meine wäre wohl auch nicht immer korrekt 60°). Für ein technisch anspruchsvolles System ist nach meiner Ueberzeugung gerade das Lernen aus Fehler von zentraler Bedeutung. In vielen Begegnungen konnte ich feststellen, dass diese Kultur entstanden ist, ein signifanktes Element „meines“ Verbandes wurde.
Die meisten AdA werden ab 2004 auf anderen Flugplätzen Dienst leisten, viele auf der Basis Sion. Sie werden mit ihrem Dienst mitwirken, dass unsere Luftwaffe auch künftig ihren Auftrag erfüllen kann, als Beitrag zur Sicherheit unseres Landes. Ich bin überzeugt, dass jeder Erfahrungen mitnimmt und ein Teil der Kultur der Flugplatzabteilung 3 an seinem neuen Wirkungsfeld einbringen kann. In diesem Sinne ist die Auflösung „meines“ Truppenkörpers keine abschliessende, endgültige Sache sondern viel Start für Neues!
Oberstlt Beeler David