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Zeugnis von Mirjam
Mirjam schildert ihre Ausbildung
Ausbildung
Mirjam
Lange Zeit wusste ich nicht genau, was für einen Beruf ich lernen möchte. Im Sommer 1999 ging ich für zehn Monate in die USA. Im Winter 2000 musste ich eine Entscheidung für eine Ausbildung. Ich entschied mich für das Lehrerseminar und meldete mich an. Dann reiste ich zurück in die Schweiz um mit dem Lehrerseminar anzufangen. Ich merkte, dass ich unsicher wurde: Wollte ich wirklich das Lehrerseminar machen? Etwas in mir sagte, dass ich nicht mit dem Seminar anfangen werde. Plötzlich bekam ich einen Brief, der mir mitteilte, dass ich am Schluss von der Lehrerausbildung kein Diplom, sondern nur eine Bestätigung, dass ich die Ausbildung absolviert und die Prüfungen gemacht habe, erhalten werde. Ich wurde sehr wütend: Ich mache die gleiche Ausbildung, die gleichen Prüfungen wie die anderen hörenden Studenten, und bekomme trotzdem kein Diplom. Die Schule erklärte mir, dass sie das beschlossen haben, weil ich nur mit Gehörlosen arbeiten und mit einer hörenden Klasse nicht kommunizieren könne. Trotzdem war ich nicht einverstanden, dass ich deswegen kein Diplom erhalte. Daher beschloss ich, nicht mit der Lehrerausbildung zu beginnen. Dann wusste ich nicht, was ich machen soll: Ich hatte keine Ausbildung und keine Arbeit. Meine Zukunft war wie in einem Nebel gehüllt.
Am Abend telefonierte ich mit meiner Schwester und erzählte ihr von meiner Situation. Sie teilte mir mit, dass die Stiftung Uetendorfberg eine Praktikantin suche. Am anderen Tag rief ich den Heimleiter vom Uetendorfberg an und sagte, dass ich Interesse an der Stelle habe. Sofort sagte er mir zu. Mitte September durfte ich dort mit einem Sozialpraktikum anfangen. Ich war sehr froh und dankbar, dass Gott eingegriffen hatte.
Auf die Kommission vom Lehrerseminar hatte ich noch lange eine Wut, weil sie mir kein Diplom erlauben wollten. Ich musste immer wieder mit Gott über die Wut sprechen und der Kommission vergeben. Heute bin ich mit ihrem Entscheid nicht einverstanden, aber ich bin nicht mehr böse mit der Kommission. Wenn es mir das trotzdem wieder passiert, spreche ich mit Gott darüber.
Während ich arbeitete, sah ich mich nach einer Ausbildungsinstitution um, wo ich eine Berufsausbildung machen möchte. Ich nahm Kontakt auf mit zwei Sozialarbeiterausbildungen (Zürich und Bern).
Die Ausbildung in Zürich liess mich wissen, dass sie mich nicht als einzelne Gehörlose aufnehmen will. Ich muss mich zusammen mit zwei oder drei Gehörlosen bewerben. Ich habe gesucht und niemanden gefunden. Ich war immer noch die Einzige, die diese Ausbildung machen wollte. Nochmals schrieb ich Zürich einen Brief, in welchem ich sie bat, mich trotzdem zur Ausbildung zuzulassen. Eine Weile später bekam ich die Antwort von Zürich: Nein! Ich war enttäuscht und wollte diese Antwort nicht akzeptieren. Aber schon bald passierte etwas:
Ich wurde zu einem Gespräch in die Sozialarbeiterausbildung in Bern eingeladen, dann gab man mir grünes Licht: Ich durfte die Aufnahmeprüfung machen. Ich war sehr erleichtert darüber. Die Prüfungen waren im Januar und Februar. Mitte März war in meinem Briefkasten ein grosser Brief von der Sozialarbeiterschule Bern. Diesen öffnete ich und fand darin die Mitteilung, dass ich zugelassen wurde und Ende August 2001 mit der Ausbildung beginnen darf. Ich konnte nichts anderes, als Gott zu danken und mich zu freuen.
m Leben gehen wir einen Weg. Auf dem Weg gibt es Türen. Einige sind geschlossen und andere offen. Manchmal sieht man die offene Türen noch nicht, sondern nur geschlossene Türen. Da hilft es nicht, wenn man versucht eine geschlossene Türe aufzubrechen. Nachdem ich an geschlossenen Türen vorbeigegangen bin, habe ich eine offene Türe gefunden.