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Die älteste Gebirgsdarstellung
ca. 2500 v. Chr.
Mit 1 Bild.Von Carl Täuber.
Die Berge, die Alpen sind mit dem Leben von Tier und Mensch seit ihrem Bestehen verwachsen. Dass in der Tat das früheste erkennbare menschliche Wesen, der sogenannte « Neandertaler », bereits in den Bergen Appenzells und des st. gallischen Oberlandes und, wie sich hernach zeigte, auch im Jura der Westschweiz existierte, das dargetan zu haben, ist das unauslöschliche Verdienst von Emil Bächler 1 ). Natürlich können wir bis in verhältnismässig junge Zeit keine Aufzeichnungen erwarten, und es ist ein ganz besonderer Glücksfall, wenn eine ausgezeichnete Gebirgskriegsdarstellung schon ca. 2500 v. Chr. auf uns gekommen ist.
Auf die frühesten zeichnerischen Darstellungen in Höhlen und an Felswänden ( Südfrankreich, Spanien, Afrika, Australien usw. ), die vielleicht der Erfindung der Sprache etwas vorhergehen und die Gedanken des werdenden Menschen leichter auszudrücken vermochten, kann ich hier nicht eintreten. Nur so viel mag zum Verständnis des folgenden gesagt sein, dass die mit den Uraustraliern kulturell, sprachlich, körperlich und geographisch aufs nächste verwandten Urmelanesier jene merkwürdigen Schriftzeichen erfunden haben, die man auf der Osterinsel, der Amerika nächstliegenden Insel im Pazifischen Ozean, mit den zahlreichen riesigen und bisher rätselhaften « Ahnenstatuen » usw. entdeckt hat und deren Entzifferung vielleicht nahesteht. Sprunghaft, aber durch Schiffahrt erklärlich, ist später diese Schrift in stilisierter Gestalt als Vorläufer der bekannten Keilschrift ins Herz von Südasien, ins vorarische Industal getragen worden.
Die Sumerer, die mit den vorarischen Indern gemäss den Ausgrabungen in Mohenjo Darò usw. ich besichtigte diese an Ort und Stelle — kulturell eng verwandt sind und zu gleicher Zeit lebten, müssen, nach den von mir bei L. Woolley besuchten Ausgrabungen in Ur und anderen Städten im südlichen Mesopotamien zu urteilen, 4000 und 3000 v. Chr. eine unerhörte Kultur und Pracht entfaltet haben, die damals einzig in der Welt stand. Davon zeugen die gefundenen Schätze der Museen von Baghdad, London und Philadelphia sowie die Ziggurate ( « Turm zu Babel » des späteren Alten Testaments ) usw.1 ).
Allmählich entstanden diesen Hochkulturen in Mesopotamien und am Indus aus der Arabischen Wüste und aus den Steppen Zentralasiens kriegerische Bedränger, aus denen nach und nach einerseits Semiten, anderseits Arier wurden.
Sumerische Künstler schilderten — und nun können wir unsere älteste Gebirgsdarstellung nach ihrem vollen literarischen Werte verstehen — solche Kämpfe in Skulpturen auf sogenannten Stelen ( Säulen ), ähnlich unseren Helden- und Soldatendenkmälern zur Erinnerung an Sieg und Tod. Ein Bruchstück einer solchen Stele im Louvre, genannt die Geier-Stele, zeigt uns den Herrscher Eannatum: oben zu Fuss an der Spitze seines Heeres in der Schlacht, unten auf seinem Streitwagen stehend vor seinem Heer. Eannatum II. regierte etwa 2750 v. Chr., als das Land infolge zunehmender Semitisierung und Spaltung in Parteien schon stark in Bürgerkriegen stak. Während der Bürgerkriege nahmen die unterworfenen Nachbarvölker die Gelegenheit wahr, das sumerische Joch abzuschütteln; so auch die Stämme des Berglandes Elam und die zahlreichen « wilden » Stämme des Nordens ( vergleichbar den heutigen Kurden gegen das Kaspische Meer hin ). Noch einmal vermochten die Sumerer, sich ihrer Feinde zu erwehren, und dieser Sieg ist dargestellt auf der Stele des Naram-Sin. Diese in Woolleys Buch abgebildete Stele ist für uns nun ganz besonders interessant, weil sie uns eben die früheste Darstellung eines Berges zeigt. Der Berg ist sehr schematisch dargestellt. Und es hat 4000 Jahre gedauert, bis in unseren bekannten schweizerischen Landkarten-bildern aus dem Mittelalter Besseres, wenn auch noch keineswegs Mustergültiges nachfolgte. Naram-Sin war ein Nachkomme des grossen Sargon und regierte ca. 2500 v. Chr. Wir sehen den König am Berg an der Spitze seiner den Berg hinanstürmenden Krieger, zu Füssen eine Anzahl erschlagener oder um Gnade flehender Feinde. Des Königs Symbole schweben über dem Berg, denn « Sin » ist identisch mit Nannar, dem Mond- und Schutzgott von Ur. Die Könige waren damals nicht bloss wie bei uns bis vor kurzem « dei gratia » ( von Gottes Gnaden ) an der Spitze ihrer Völker, sondern geradezu selbst Götter. Darum ist in unserem Bilde der König grosser als alle anderen Figuren. Später wird in Ägypten ein Ramses in den Statuen mehrmals so gross dargestellt als seine Gemahlin und Umgebung. Darum werden später die alttestamentlichen Könige sogar zehnmal so alt als gewöhnliche Menschenkinder; so erhaben sind sie über die anderen Sterblichen. Darum mussten die Leichname der Pharaonen durch ungeheure Grabhügel vor menschlichen oder tierischen Zugriffen bis zur Wiederauferstehung geschützt werden.
Die Kunst der Stele des Naram Sin geht noch auf sumerische Vorbilder zurück, zeigt aber etwas Neues, das weder die alten Sumerer noch die ihnen kulturell nahe verwandten alten Ägypter gekannt haben: Perspektive und künstlerische Freiheit. Es hat lange gedauert, bis nachher wieder solche Vollkommenheit erreicht wurde. Es ist, wie wenn die Industal- und sumerische Kultur sich erschöpft hätten und dann erst später nach einem Zusammenbruch im Griechentum eine Wiederauferstehung feierten. Wir werden darum bis dahin in der Literatur kaum wieder Anhaltspunkte finden.
Auch unser Verhältnis zu Bergen und Alpen läuterte sich erst nach langem Mittelalter zu neuzeitlichem Älplertum und Alpinismus.
Neue Bergfahrten in den Tessiner Alpen.
Südliche Voralpen.
Ghiridone, 2190 m. Über die Nordwand. Von Bruno Raineri mit Führer Robert Walder. 15. August 1934. « Die Alpen » 1936, S. 183, 184.
San Salvatore, 915 m. Über die Südwand. Tita Salvi und Augusto Giugni. 1935. Von der Strasse bei Melide « per direttissima » auf den Gipfel. « Die Alpen » 1935, S. 301-305 ( mit Routenskizze ).
Verzascagruppe.
Punta del Rosso, 2510 m. Über die westliche Nordwand. Ernst Attinger mit Führer Niklaus Kohler jun. 12. Juli 1936. « Die Alpen » 1937, S. 381.
Basodinogruppe.
Pizzo di San Giacomo, 2923 m.
1. Über den Südwestgrat. Max Baer mit Mario Lafranca. 3. September 1934.
Die Partie stieg über die Südostwand in 20 Minuten auf den Gipfel und fand die Kletterei leicht ( im Gegensatz zum Clubführer durch die Tessiner Alpen 2. Aufl. 1931, wo diese Kletterei als « sehr exponiert » bezeichnet wird und einen Zeitaufwand von 1 Std. vom Gletscher zum Gipfel nennt ). Der Abstieg erfolgte erstmals über den Südwestgrat zum Gletscher in 20 Minuten. « Die Alpen » 1936, S. 371.
2. Über die Nordseite. Tullio Forni mit Führer Alfredo Fanchini. 13. August 1936. Keine nähern Angaben. Mitteilung von Scipione Ramelli, Airolo.
Pizzo di Castello, 2808 m. Über den Südgrat. Ernst Attinger und Führer Niklaus Kohler jun. 22. Juli 1937. « Die Alpen » 1937, S. 381. ( Die Partie Max Baer-Mario Lafranca gelangte am 6. September 1934 nur bis an die Schlusswand. « Die Alpen » 1936, S. 371—373. ) Pizzo di Fojoi, 2629 m ( auf dem T. A. unbenannt ). Aufstieg von Norden. Max Baer mit Führer Mario Lafranca. 6. September 1934.
Von der Basodinohütte eine Viertelstunde auf dem Weg zur Cristallina, dann steile Hänge empor bis auf ca. 2000 m, wo Pfadspuren nach rechts zu den Alpen Levinera und Zotto führen. Von da über eine Felsbarriere ( über die links ein Geisspfad geht ) auf eine Blockterrasse, die auf ein Trümmerband hinüberleitet, das längs der Castellowand bis zur tiefsten Scharte zwischen Castello und Fojoi zieht. Von hier auf der gewöhnlichen Route zum Gipfel. 29. Jahresbericht des A.A.C.B.ern, S. 24.
Poneione di Valleggia, 2876 m. Über den Ostgrat. Ernst Attinger und Hermann Ambühl. Juli 1935. « Die Alpen » 1936, S. 62-64 ( mit 3 Skizzen ).
Poneione Cavagnolo, 2821 m. Über die Nordwand. Ernst Attinger mit Führer Niklaus Kohler jun. Juli 1935. « Die Alpen » 1936, S. 65, 66.
Campanile Galarescio, 2736 m ( Nordgipfel des Pizzo Galarescio ). Über den Nordwestgrat. Ernst Attinger und Hermann Ambühl. Juli 1935. « Die Alpen » 1936, S. 61, 62 ( mit Skizze ).
Die Partie überkletterte in 5 Stunden die ganze Gratlinie Campanile Nordwestgrat-Südgrat, Bocchetta Galarescio und Pizzo Galarescio, Pizzo della Pecora, 2417 m ( im T. A. unbenannt ). Über die Südostwand. Hans Ritter, Hüttenwart der Basodinohütte. 18. September 1936. « Die Alpen » 1937, S. 344, 345 ( mit Bild ).
Campo Tencia-Gruppe.
Pizzo del Prevat ( Pizzo del Prete ), 2562 m. Über die Nordwand. Tita Calvi, Augusto Giugno und « Aldo ». September 1932. « Die Alpen » 1936, S. 335 bis 340 ( mit Routenskizze ).
Pizzo del Prevat, 2562 in — Pizzo Campolungo, 2699 m. Über den Verbindungsgrat. Ernst Attinger mit Führer Niklaus Kohler jun. 19. Juli 1937. « Die Alpen » 1937, S. 379/380.
Cima di Cognone, 2529 m. Über den Südgrat. Die Nämlichen. 20. Juli 1937. « Die Alpen » 1937, S. 380.