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Nach dem Gewinn von EM-Silber letzten November wollen die Schweizer Curlerinnen um Skip Silvana Tirinzoni jetzt auch an der am Samstag beginnenden Frauen-WM im dänischen Silkeborg zuschlagen.
Silvana Tirinzoni gehört seit langem zu den besten Schweizer Curlerinnen, und dennoch fehlt der 39-jährigen Zürcherin nach wie vor eine WM-Medaille in der Sammlung - wenn man den Junioren-WM-Titel ausklammert, den sie vor mittlerweile 20 Jahren errang.
Für Tirinzoni standen die Chancen, das Versäumte nachzuholen, nie so gut wie gerade jetzt. Auf die laufende Saison akquirierte sie für die vierte Position Alina Pätz, die als Skip 2015 in Sapporo Weltmeisterin geworden war. Die mit Pätz dazugewonnene Power erlaubte es Tirinzoni, auf die dritte Position zurückzuweichen. Wozu sie in der neuen Formation fähig sind, demonstrierten die für den CC Aarau spielenden Curlerinnen an den jüngsten Europameisterschaften in Tallinn, wo sie in der elften und letzten Partie, dem Final gegen Olympiasieger Schweden (Anna Hasselborg), ihre einzige Niederlage bezogen. Auch an den Turnieren der World Curling Tour erbrachten sie sehr gute Ergebnisse. In der Team-Weltrangliste belegen sie hinter zwei kanadischen Crews und Hasselborgs Schwedinnen den 4. Platz.
Die Schweizerinnen, bei denen die ebenfalls letzten Sommer dazugestossene Bielerin Melanie Barbezat und die Dübendorferin Esther Neuenschwander als Nummern 1 und 2 spielen, werden sich an der WM vor keinen Gegnerinnen verstecken müssen. Dass sie an grossen Meisterschaften gegen die Schwedinnen gewinnen können, bewiesen sie ebenfalls an der EM mit dem klaren Sieg (7:4) in der Round Robin. Kanada wird in Silkeborg nicht durch eines der Topteams der Weltrangliste vertreten, sondern vom Quartett um Skip Chelsea Carey, die 2016 bei ihrer bislang einzigen WM-Teilnahme als Vierte die Medaillenränge verpasste - was in der grossen Curlingnation Kanada ungern gesehen wird. In der Weltrangliste liegt die Crew aus Calgary an 6. Stelle.
Schottland nicht mit Topteam
Mit Kanada, Schweden und der Schweiz sind die ersten Titelanwärter bereits genannt. Das Team von Eve Muirhead würde auch dazugehören. Aber an der für die WM-Qualifikation entscheidenden schottischen Meisterschaft musste sich Muirhead erstmals der jungen Sophie Jackson geschlagen geben. Auch Russland tritt nicht mit dem auf dem Papier stärksten Team an. In der internen Ausscheidung setzte sich Alina Kowalewa erstmals gegen die zweifache Europameisterin Anna Sidorowa durch. Die frühere Junioren-Weltmeisterin Kowalewa war bei verschiedenen Medaillengewinnen von Sidorowas Teams als Ersatzspielerin dabei.
Die Schweizerinnen spielen zum Auftakt am Samstagnachmittag gegen die Russinnen. Das erste Spitzenduell tragen sie am Sonntagnachmittag gegen die Schwedinnen aus.
Die goldenen Jahre
Silvana Tirinzoni und ihre Mitstreiterinnen bringen alle Fähigkeiten mit, die Glanzzeiten des Schweizer Frauencurlings wieder aufleben zu lassen. Ab 2012 sammelten die Teams von Mirjam Ott (2012), Binia Feltscher (2014 und 2016) und Alina Pätz (2015) in fünf Jahren vier WM-Titel - nachdem von den vorangegangenen 33 WM-Turnieren nur zwei Titel in die Schweiz gegangen waren.
Alina Pätz ist möglicherweise die kompletteste und nervenstärkste Schweizer Curlerin. Mit ihren Erfahrungen, die sie bei ihrem WM-Triumph holte, könnte die 29-jährige Urdorferin auch an der anstehenden WM aus Tirinzonis starkem Team ein sehr starkes Team machen.
Zum zweiten Mal wird das WM-Turnier mit 13 Nationen durchgeführt und nach einem System, in dem die besten sechs Teams der Vorrunde (Round Robin) weiterkommen. Die besten zwei der Round Robin gelangen direkt in die Halbfinal, die Teams auf den Plätzen 3 bis 6 ermitteln in zwei Viertelfinals die restlichen Halbfinalisten.