Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03257.jsonl.gz/717

Nur gerade 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fühlen sich mit ihrem Arbeitgeber emotional verbunden. Die Mehrheit verfügt über eine geringe (71 Prozent) oder gar keine Bindung (14 Prozent) zu ihrem Unternehmen. Dies geht aus dem aktuellen Gallup Engagement Index 2018 hervor. Die Untersuchung zeigt auch, dass neben der Mitarbeiterbindung die Unternehmenskultur den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens erheblich beeinflusst. Dabei sollen Mitarbeitende, die ihr Unternehmen für sehr agil halten, eine höhere emotionale Mitarbeiterbindung aufweisen.
Wie die emotionale Bindung gemessen wird
Seit dem Jahr 2001 ermittelt das Beratungsunternehmen Gallup jährlich den sogenannten Engagement Index für Deutschland. Dabei werden Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nach einem mehrstufigen Zufallsprinzip zu ihrem Arbeitsplatz und -umfeld befragt. Die zwölf Fragen sind vier Kategorien zugeordnet: Grundbedürfnisse (z.B.: „Habe ich die Materialen und Arbeitsmittel, um meine Arbeit richtig zu machen?“), Unterstützung (z.B.: „Habe ich bei der Arbeit jeden Tag die Gelegenheit, das zu tun, was ich am besten kann?“), Teamarbeit (z.B.: "Scheint meine Meinung bei der Arbeit zu zählen?“) und Wachstum (z.B.: “Hat in den letzten sechs Monaten jemand in der Firma mit mir über meine Fortschritte gesprochen?“). Das Resultat zeigt nicht nur, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitenden ist, sondern stellt auch einen Indikator für das Engagement und die Motivation, sprich Leistungsbereitschaft, bei der Arbeit dar.
Je geringer die emotionale Bindung desto wahrscheinlicher der Absprung
Von den Mitarbeitenden, die sich nur gering mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen, beabsichtigen laut der aktuellen Befragung nur rund ein Drittel, Karriere bei der derzeitigen Firma zu machen. Von den Mitarbeitenden, die keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen verspüren, hegen lediglich 8 Prozent interne Karriereabsichten. Gallup stellt dies einer inneren Kündigung gleich und schätzt, dass dadurch in Deutschland im Jahr 2018 volkswirtschaftliche Kosten zwischen 77 und 103 Milliarden Euro entstanden sind.
Motivierende Führung scheint nicht weit verbreitet zu sein
Nur knapp die Hälfte der emotional hoch gebundenen Mitarbeitenden sagen, dass sie die Führung, die sie bei der Arbeit erleben, dazu motiviert, hervorragende Arbeit zu leisten. Von den wenig gebundenen Mitarbeitenden können das gar nur ein Fünftel behaupten. Dass von den Mitarbeitenden ohne emotionale Bindung dem nur gerade drei Prozent zustimmen, erstaunt dagegen nicht.
Wer sein Unternehmen für agil hält, fühlt sich stärker gebunden und hat Vertrauen in den Unternehmenserfolg
In der aktuellen Befragung legt Gallup einen besonderen Fokus auf den Zusammenhang zwischen emotionaler Bindung und dem Agilitätsgrad von Unternehmen. Als agil werden Unternehmen eingestuft, wenn die Befragten der Meinung sind, dass ihr Unternehmen nicht nur über die richtigen Arbeitsmittel und Prozesse sondern auch über die Einstellung verfügt, welche eine schnelle Reaktion auf geschäftliche Anforderungen erlauben.
Zwar nehmen nicht einmal die Hälfte der Befragten ihr Unternehmen als agil wahr, doch wer sein Unternehmen für agil hält, vertraut mehr in dessen finanzielle Zukunft und fühlt sich mit ihm stärker verbunden. Ebenso herrscht unter den Mitarbeitenden mit einer hohen Bindung an ihr Unternehmen die Meinung, dass dort der Qualität die gleiche Priorität wie der Lieferzeit oder den Kosten zugeschrieben wird. Darüber hinaus berichten 80 Prozent der Mitarbeitenden, die ihr Unternehmen für agil halten, dass sie täglich oder mehrmals pro Woche von der Führung Feedback kriegen.
Agilitätscheck: Offenheit für Innovationen und langsame Entscheidungsfindung
In der aktuellen Befragung hat Gallup acht Kriterien integriert, welche die Agilität in Unternehmen fördern sollen: Wissensaustausch, Kooperationswille, Fehlerkultur, Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung, Innovationsfähigkeit, Empowerment, Simplizität und die Förderung neuer Technologien. Bedenklich ist, dass gut ein Fünftel der Befragten kein einziges Kriterium in ihrem Unternehmen als erfüllt erachten. Nur gerade vier Prozent geben an, dass mindestens sieben der Kriterien in ihrem Unternehmen gelebt werden. Während Innovationsfähigkeit und Wissensaustausch am ehesten praktiziert werden, schneidet die Fehlerkultur und die Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung am schlechtesten ab.
Empfehlung: Effizienz, Experimentierfreudigkeit und Zusammenarbeit fördern
Wollen Unternehmen agiler werden, empfiehlt die Studie an drei Punkten anzusetzen:
- Geschwindigkeit und Effizienz: Jede Tätigkeit und jeder Prozess ist so einfach wie möglich zu gestalten. Technologien, welche die Arbeit effizienter und produktiver machen, sollen vermehrt genutzt und jede Art der Bürokratie bei der Entscheidungsfindung beseitigt werden.
- Möglichkeiten zum Experimentieren: Teams sollen gemeinsam definieren, welche Risiken eingegangen werden können und welche Fehler tolerierbar sind. Zudem soll jeder im Unternehmen Innovationen einbringen dürfen.
- Kommunikation und Zusammenarbeit: Silos zwischen Teams und Abteilungen sind zu beseitigen. Ebenso gilt es, Gefässe für den regelmässigen Informations-, Ideen- und Wissensaustausch zu implementieren.
Wie die Untersuchung zeigt, zahlt sich Agilität doppelt aus: Unternehmen, die agil unterwegs sind, fördern nicht nur die zukünftige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die emotionale Bindung der Mitarbeitenden, was in Zeiten des Fachkräftemangels nicht zu unterschätzen ist.
###
Quellen und weiterführende Informationen