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Seit Jahrzehnten gibt es unzählige Fälle, wie Unternehmen Menschenrechte verletzen und die Umwelt zerstören. Schweizer Firmen sind hier keine Ausnahme.
Glencore im Kongo: Umweltzerstörung und Polizeigewalt
Hauptsitz: Zug / Gewinn im 2014: $ 2,3 Milliarden
Im April 2012 erklärte die in Zug ansässige Glencore, das Problem der Gewässerverschmutzung durch ihre Fabrik Luilu in der Demokratischen Republik Kongo sei gelöst. Doch neue wissenschaftliche Analysen belegen das Gegenteil: Proben aus dem Canal Albert und dem Fluss Pingiri zeigen, dass diese Wasserläufe Kupfer- und Kobaltkonzentrationen aufweisen, die ein Vielfaches über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation liegen: bei Kupfer bis zu 6 Mal, bei Kobalt sogar bis zu 53 Mal. Im Fluss Luilu schwimmen denn auch keine Fische mehr und die einstigen Weideflächen entlang des Flusses gleichen «verbrannter Erde». Die Bevölkerung flussabwärts kann das Wasser weder für ihre täglichen Bedürfnisse noch für das Bewässern der Felder nutzen.
Andernorts in der DRC treibt Glencore zudem ein Minenprojekt in einem Jagdschutzgebiet voran. Überdies kommt es immer wieder zu Gewalt von Sicherheitskräften. Im Februar 2014 starb Mutombo Kasuyi nach Polizeigewalt auf dem Konzessionsgelände der Glencore gehörenden Kamoto Copper Company (KCC) in Kolwezi. Der Familienvater hatte dieses auf der Suche nach Arbeit durchquert.
Quelle: Fastenopfer/ Brot für alle, Medienmitteilung vom 17.6.2014
Bata: Arbeitsrechtsverletzung bei Zulieferer
Hauptsitz: Lausanne / bedient 1 Million Kunden pro Tag
Die sri-lankische Schuhfabrik Palla & Co. produzierte bis Ende 2013 Schuhe für Bata, mit Hauptsitz in der Schweiz. Im August 2012 war Bata gemäss der lokalen Gewerkschaft Hauptabnehmer der Fabrik. Zu diesem Zeitpunkt weigerte sich das Fabrikmanagement erstmals, ihren Angestellten die vereinbarte, ihnen halbjährlich zustehende Lohnerhöhung zu zahlen, angeblich wegen finanzieller Schwierigkeiten. Dies wiederholte sich Ende 2012 und im August 2013. Da Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und dem Fabrikmanagement erfolglos geblieben waren, traten die Angestellten in einen Streik.
Statt den Dialog mit den Streikenden aufzunehmen, reagierte Palla mit Entlassungen. Im November 2013 wurden zuerst 15 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter suspendiert und im Dezember dann 179 gewerkschaftlich organisierte Angestellte entlassen. Einige wurden in den darauffolgenden Wochen wieder eingestellt, jedoch unter der Bedingung, sich nicht mehr gewerkschaftlich zu engagieren. 92 Angestellte und 12 GewerkschaftsvertreterInnen kämpfen immer noch um ihre Stelle. Eine andere Anstellung zu finden, ist schwierig, denn das Fabrikmanagement soll Listen mit Namen der Entlassenen verbreitet und andere Fabriken dazu aufgefordert haben, diese nicht einzustellen.
Mit diesen Arbeitsrechtsverletzungen konfrontiert, stellte sich Bata zuerst auf den Standpunkt, nichts mit diesem Fall zu tun zu haben. Später räumte der Schuhkonzern ein, dass Palla den Bata-Verhaltenskodex verletzt habe, weigerte sich jedoch, sich für eine Lösung des Konflikts einzusetzen. Ende 2013, also eineinhalb Jahre nach Ausbruch des Konflikts, beendete Bata seine Geschäftsbeziehungen zu Palla, ohne sich um eine Wiedergutmachung für die Betroffenen bemüht zu haben. Dieses «cut and run»-Verhalten stellt eine grobe Verletzung der unternehmerischen Verantwortung dar, die Menschen- und Arbeitsrechte zu respektieren.
Syngenta: Tödliches Pflanzenschutzmittel
Hauptsitz: Basel / Gewinn im 2014: $ 1,49 Milliarden
Im Wissen, dass Paraquat in vielen Entwicklungsländern nicht sachgerecht verwendet werden kann, forciert Syngenta den Verkauf seines umstrittenen Pestizids auch in diesen Ländern. Der Basler Konzern macht sich damit mitschuldig an Tausenden von Vergiftungs- und Todesfällen pro Jahr. Wegen seiner hohen Toxizität ist Paraquat in der Schweiz seit 1989 verboten und gilt als das tödlichste Herbizid weltweit. Die Zahl der Vergiftungen mit Pestiziden wird global auf über 1 Million pro Jahr geschätzt. Zehntausende davon enden tödlich. Ein wesentlicher Teil dieser Vergiftungen ist auf die Anwendung von Paraquat zurückzuführen.
Hauptursachen für die unzähligen Opfer sind fehlende Schutzkleidung und schadhafte Sprühgeräte. In vielen Fällen haben die Bauern und Bäuerinnen nicht die nötigen Mittel, um die notwendige Ausrüstung zu kaufen, oder das Tragen der Schutzkleidung wird durch das tropische Klima erschwert.
Auf Kritik reagiert der Konzern seit Jahren mit den immer gleichen Antworten: Bei korrekter Anwendung sei das Produkt ungefährlich und mit Schulungsprogrammen seien bereits Millionen von AnwenderInnen geschult worden. Dabei blendet Syngenta aus, dass eine korrekte Anwendung von Paraquat und die Einhaltung der notwendigen Sicherheitsstandards in den meisten Ländern eine Illusion sind – und dies auch durch die Schulungsprogramme nicht verändert werden kann.
Quelle: Erklärung von Bern (EvB), www.evb.ch
Weitere Fälle
Weitere Fakten, Interviews und Berichte zum Verhalten Schweizer Unternehmen finden Sie auch im Amnesty-Magazin Nr. 82, «Globale Geschäfte, Globale Verantwortung», vom Juni 2015