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»Die Erinnerungen springen wie Heuschrecken«
Dacia Maraini träumt von Pasolini, noch immer, fast fünfzig Jahre nach seinem Tod. Ihre Träume rufen Erinnerungen wach, Erinnerungen, die Maraini mit ihrem unsterblichen Freund teilen möchte. Darum schreibt sie ihrem »caro Pier Paolo« Briefe, sehr persönliche Briefe, in denen sie ihn fragt: »Erinnerst du dich?« Einfühlsam, aber nie sentimental erzählt Maraini von der Unruhe, die Pasolini beherrscht hat, von seiner Zerbrechlichkeit als Privatperson und seinem Furor als Künstler. Aus zeitlicher Distanz liest sie noch einmal seine Gedichte, begibt sich auf eine Gedankenreise, die manchmal ins Ungewisse führt. Daneben stehen sehr konkrete, sinnliche Erzählungen von gemeinsamen, zum Teil abenteuerlichen Erlebnissen. Es sind vor allem Erinnerungen an Filmrecherchen in Afrika, beschwerliche Reisen, auf denen sie Maria Callas einmal begleitet hat. Unauslöschlich sind für Maraini auch die Erinnerungen an den gewaltsamen Tod ihres Freundes und an den Gefängnisbesuch bei Pino Pelosi, dem angeblichen Mörder Pasolinis.
Caro Pier Paolo ist das stille, faszinierende Porträt zweier großer Persönlichkeiten und ein Hohelied auf die Freundschaft.
Dacia Maraini, 1936 in Fiesole geboren, lebte als Kind in Japan, als Jugendliche auf Sizilien und ab den fünfziger Jahren in Rom. Hier entwickelte sie sich zu einer wichtigen Protagonistin der italienischen Literatur und seit den siebziger Jahren zu einer führenden Figur der Frauenbewegung. Marainis Romane, Erzählungen, Gedichte, Drehbücher und Essays wurden in 25 Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet.