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SCHWEIZERISCHE
BUNDESKANZLEI.
Hochverehrter Herr Professor!
Der Artikel in einer der letzten Nummern der N.Z.Z. betr. die Bundesrathswahl veranlaßt mich, Ihnen die nachfolgende Berichtigung der thatsächlichen Verhältnisse, von denen der fragliche Artikel ausgeht, zukommen zu lassen.
Nach dem Artikel sollte man glauben, es hätten alle Waadtländischen Abgeordneten gegen Berdez gestimmt. Es steht nun aber fest, daß Boiceau, Delarageaz, de Gingins & André nicht bloß für Berdez gestimmt, sondern auch alle Anstrengungen gemacht haben, damit seine Wahl erfolge. Hinwieder wird allerdings ziemlich allgemein angenommen, daß die übrigen Waadtländischen Deputirten unter Rüchonnet's Führung die Candidatur von Berdez bekämpft | & ihre Stimmen gegen ihn in die Wahlurne gelegt haben. Ist diese Annahme richtig, so haben diese Waadtländischen Abgeordneten den Ausschlag gegen die Wahl eines Waadtländers in den Bundesrath gegeben. Wenn nämlich 7 Stimmen von denen, die auf Hofmann fielen, statt für letztern für Berdez abgegeben worden wären, so würde Berdez aus der Wahlurne hervorgegangen sein. Die Zahl der Waadtländischen Deputirten, von denen man annimmt, daß sie gegen Berdez gestimmt haben, beträgt aber mehr als 7.
Noch interessirt es Sie vielleicht, zu vernehmen, daß in der Vorversammlung der liberalen Partei vor allem großes Gewicht darauf gelegt wurde, daß die Romanische Schweiz einen zweiten Vertreter im Bundesrathe erhalte, wie sie ihn früher immer hatte & nach ihrer Volkszahl & Stellung in der Schweiz auch beanspruchen darf. Die liberale Fraction | wäre, von dieser politischen Rücksicht geleitet, ganz geneigt gewesen, für Rüchonnet zu stimmen, obgleich manche Mitglieder dieser Fraction sich dabei eine gewisse Selbstverläugnung hätten auflegen müssen. Rüchonnet lehnte aber entschieden & definitiv die Candidatur ab. Unter diesen Umständen glaubte die liberale Fraction um so unbedenklicher die Candidatur Berdez aufstellen zu sollen. Sie glaubte, nach der Ablehnung Rüchonnets sei diese Candidatur geradezu angezeigt, da Berdez um seiner Kenntnisse, seiner geistigen Begabung & seines Characters willen die allgemeine Achtung des Waadtländischen Volkes genießt, zur Zeit, wie früher schon wiederholt, Präsident des Großen Rathes von Waadt ist, die deutsche Sprache eben so geläufig redet, wie die französische & sich in Folge dessen wie wenige zu einem Bindegliede mit der deutschen | Schweiz geeignet hätte. – In der Vorversammlung der liberalen Fraction wurde übrigens, namentlich auch von mir, geltend gemacht, daß, wenn es nicht geboten wäre, der romanischen Schweiz einen zweiten Vertreter im Bundesrathe zu geben, die Fraction die Candidatur Hofmann unbedenklich acceptiren könnte.
Hoffend, daß diese Notizen zu Ihrer Orientirung beitragen werden, verbleibe ich in freundschaftlicher Hochachtung
Ihr
Dr A Escher
Bern
24 Febrr 1881.