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Fragen
- Anwendung Schnellkomposter aus Kunststoff
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22.07.2011 | Kompostieranleitungen
Sehr geehrter Herr Balmer
Wir besitzen einen Kunststoff-Schnell-Kompost und haben relativ viel Grünkompost (ausschliesslich Kaffeesatz, Salat, Gemüse und Früchte-Abfälle), welchen wir immer stark zerkleinern. Da wir eigentlich kein Häckselgut oder Stroh reinstreuen, ist es ratsam, manchmal (alle 2 Tage) die ersten 10 cm zu bewegen (umrühren) oder hat dies keinen positiven Effekt? Ist es empfehlenswert, den Kompost an heissen Tagen offen zu lassen, damit er nicht zu feucht ist? Kann man Steinmehl zugeben (Kalkstein, Marmorsand)?
Besten Dank
Freundliche Grüsse
Stephan Kuhn
Sehr geehrter Herr Kuhn
Die zu kompostierenden Reststoffe, die Sie erwähnen - "ausschliesslich Kaffeesatz, Salat, Gemüse und Früchte-Abfälle" - gehen unweigerlich in Fäulnis über, wenn nicht genügend Sauerstoff an die Komponenten gelangt und das ist sehr rasch der Fall, wenn sie nicht mit genügend Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch, notfalls Rindeneinstreu, wie sie für die Kleintierhaltung im Handel erhältlich ist) intensiv vermischt werden. Alles was Sie aufzählen ist weich, wasserhaltig, nährstoffreich und, im Gegensatz zu mehr oder weniger verholztem Material, verderblich. Wenn dafür gesorgt wird, dass aerobe (sauerstoffzehrende) Mikroben das Material abbauen und zu Humus umwandeln, besteht hingegen keine Gefahr von Fäulnis, üblen Gerüchen und anderen unangenehmen Begleiterscheinungen. Im Gegensatz zur Verrottung unter Luftzutritt ist Fäulnis im Prinzip ein krankhafter Zustand, den es beim Kompostieren unbedingt zu vermeiden gilt. Sie können zwar versuchen, Ihren Kompost nicht nur alle zwei Tage, sondern täglich in der obersten Zone (20-30 cm) nicht umzurühren sondern zu durchmischen, wozu sich am besten eine Gabel (Mist- oder Kompostgabel; 4 dünne Zinken, langer Stiel) eignet. Bei dieser Arbeit dürfen aus dem Kompost aber keine üblen, stechenden Gerüche entweichen, denn diese sind sehr umweltschädigend: Ammoniak, Lachgas, Methan. Wenn Sie auf diese Weise nicht zum Ziel kommen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als doch Strukturmaterial zu verwenden. Trockenes Stroh ist auch eine Möglichkeit, das aber auf 4-5 cm kleingehackt wedern müsste, damit es mit allen übrigen Komponenten gut vermischt werden kann. Das Strukturmaterial geben Sie regelmässig immer dann dazu, wenn Sie den Komposter mit den Reststoffen des Haushalts beschicken. Machen Sie sich bitte keine Illusionen mit der Bezeichnung "Schnellkomposter"; nicht der Behälter irgendwelcher Bauart macht den Kompost, sondern der sich um seinen Kompost kümmernde Mensch.
Der Kompost muss immer zugedeckt sein, weil die Rotteorganismen lichtscheu und lichtempfindlich sind. Wenn der Rottekörper zu feucht ist, hilft nur das Beimischen von trockenen Komponenten, die bereits erwähnt wurden.
Steinmehl ist wichtig im Verrottungsprozess, damit alle am Prozess beteiligten Lebewesen mit den nötigen Mineralien und Spurenelementen versorgt werden. Verwenden Sie aber keinen Kalk (auch Marmor ist Kalk), sondern Urgesteinsmehl. Es braucht pro Woche ca. eine Handvoll.
Sollten Sie weitere Fragen zum Kompostieren haben, richten Sie diese bitte direkt an mich (micropower at vtxmail.ch).
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- nasser und stinkender Kompost
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04.07.2011 | Kompostieranleitungen
Sehr geehrter Herr Balmer
Wir haben ein Kompostgitter (mit einer schwarzen Kompostfolie ausgekleidet), welches mit einem Palettendeckel gegen Regen geschützt ist. Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass der Kompost extrem nass ist und vor allem faulig stinkt. Von Zeit zu Zeit gebe ich Steinmehl dazu, was aber nichts hilft. Was kann ich machen? Ist der "stinkige" Kompost noch zu retten? Danke für Ihren Tipp.
Freundliche Grüsse
Brigitte Hospenthal
Sehr geehrte Frau Hospenthal
Für das Problem gibt es mehrere Ursachen:
1) Ist der Deckel wirklich 100%ig wasserdicht?
2) Verwenden Sie Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch) in ausreichender Menge?
3) Durchmischen Sie die oberste Zone des Komposts laufend beim Beschicken mit frischem Material?
Abhilfe:
Punkt 1: Überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.
Punkt 2: Wenn ein Kompost übel riecht, stinkt, dann ist buchstäblich etwas faul. Fäulnis im Kompost (und im Boden) müssen wir aber um jeden Preis vermeiden, weil beim Fäulnisprozess nicht nur üble Gerüche sondern auch schädliche, z.T. giftige und unter Umständen langlebige Nebenprodukte entstehen, die im Boden und in den Pflanzen zu Gesundheitsproblemen führen können (Schneckenfrass). Fäulnis kann nur zuverlässig vermieden werden, wenn in der obersten, der Abbauzone immer ausreichend Sauerstoff vorhanden ist, d.h. wenn die Mischung aus gut zerkleinerten harten, langsam verrottenden, verholzten Teilen (Häckselgut) mit gut zerkleinertem frischem Material (organische Reststoffe aus Garten, Küche und Haushalt) genügend luftgefüllte Hohlräume (Poren) aufweist. Die aeroben (sauerstoffzehrenden), humusbildenden Mikroorganismen erzeugen keine üblen Gerüche oder problematische Nebenprodukte.
Steinmehl ist kein "Desodorant" und keine Lösung zur Rettung verfaulender Rottemassen, sondern liefert wertvolle Mineralien und Spurenelemente während der Kompostierung und später für den Wurzelraum der Pflanze.
Punkt 3: Vermischen Sie die oberste Zone des Komposts (30-40 cm) möglichst bald mit viel trockenem Häckselgut, indem Sie dieses mit dem verdorbenen Material tüchtig durch die Gabel schütteln. Sorgen Sie in Zukunft mit ausreichend Strukturmaterial und regelmässigem Durchmischen (mindestens wöchentlich) für aerobe Verhältnisse in der Abbauzone. Ein gutes Mass für "ausreichend" ist "halb-halb", also gleichviel Häckselgut wie weiche, wasserhaltige, verderbliche Bestandteile.
Ich schicke Ihnen mit der Post das Merkblatt "Kompostieren", das Ihnen alles kurz und bündig und reich illustriert erläutern wird.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Hochwertiger Kompost bei Fäulnis?
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04.07.2011 | Sonstiges
Sehr geehrter Herr Balmer
Ist der Kompost, welcher duch mangelden Sauestoff (Fäulnis) entstanden ist, gleich hochwertig in seiner Struktur sowie chemischen Eigenschaften wie der Kompost, welcher mit aussreichend Sauerstoff (Verrottung) entstand?
Freundliche Grüsse
Agnes Mrozek
Sehr geehrte Frau Mrozek
Leider nein. Bei der Fäulnis entstehen etliche Nebenprodukte, die z.T. giftig sind (Nitrit, Sulfid), auf jeden Fall aber keim- und wachstumshemmend wirken. Bei der Fäulnis entsteht eine Art "Grabenschlamm", der keine stabilen Krümel enthält, in denen Nährstoffe an stabile Humusbstanzen und Ton-Humuskomplexe gebunden sind. Die Humusqualität insgesamt ist minderwertig. Ausserdem fehlen andere wertgebende Kompostbestandteile wie Vitamine, Wuchsstoffe und Antibiotika, die nur von aeroben (sauerstoffzehrenden) Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) gebildet werden können. Weil die problematischen Nebenprodukte z.T. langlebig sind, muss ein durch Fäulnis entstandener "Kompost" vor der Verwendung 1-2 Jahre aerob, unter Licht- und Regenschutz, gelagert werden und sollte auch dann nicht für die Anzucht von Jungpflanzen eingesetzt werden.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Formel für Kompostmengen?
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27.06.2011 | Sonstiges
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren
Meine Frage wäre, aus wieviel m3 Mist/Grüngut wieviel m3 Kompost werden. Gibt es hierfür gewissen Faktoren, z.B.: aus 3 m3 Mist werdern 1 m3 Kompost, oder kann man sagen, aus xy kg organischer masse werden xy kg Kompost? Oder bleiben die kg gleich?
Der Hintergrund ist die Planung für die Flächen, die mit Kompost gedüngt werden sollen.
Mit freundichen Grüßen
Andreas Wenninger
Sehr geehrter Herr Wenniger
Sie können bei sorgfältiger Kompostierung (aerob, stets ausreichend feucht) mit einem Rotteschwund von 50-60% rechnen, d.h. aus einem m3 Mist/Grüngut resultieren 0,4-0,5 m3 Kompost. Die Volumenangabe (m3 bzw. Liter) ist etwas zuverlässiger als das Gewicht, weil dieses vom Wassergehalt abhängt.
1 m3 Kompost wiegt je nach Wassergehalt zwischen 600-750 kg.
Ich hoffe, dass Sie nun mit diesen Angaben planen können.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Kompost wird nicht warm
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27.06.2011 | Kompostieranleitungen
Sehr geehrter Herr Balmer
Mein Kompost wird nicht warm. Warum?
Sehr geehrte Frau Herzog
Die Wärmeentwicklung in einem Kompost (einem Rottekörper) ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
1) Die Erwärmung geht auf die Lebenstätigkeit von sauerstoffzehrenden (aeroben) Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) in der Abbauphase der Kompostrohstoffe zurück. Dementsprechend hängt die Temperatur im Kompost direkt mit der Anzahl abbauender Mikroben und ihrer optimalen Versorgung mit Nahrung und Sauerstoff zusammen.
2) Je grösser die Angriffsfläche für die abbauenden Mikroben, desto höher die Temperatur; daher die Regel Nr. 1 für erfolgreiches Kompostieren: zerkleinern, zerkleinern, zerkleinern. Mikroben können nur auf ungeschützten, dem biologischen Abbau zugänglichen Oberflächen ("offenen Wunden") durch Ausscheiden von abbauenden Enzymen agieren.
3) Diese Oberflächen müssen feucht, d.h. mit einem dünnen Wasserfilm überzogen sein. Daher ist es wichtig, die Feuchtigkeit im Kompost regelmässig und häufig. z.B. wöchentlich zu kontrollieren und wenn nötig zu korrigieren (kleine Giesskanne mit Brause). Die Rottemasse ist stets so feucht zu halten wie ein ausgedrückter Schwamm (Faustprobe).
4) Die Abbauzone, in der Regel die obersten 25-30 Zentimeter des Komposts, muss ausreichend luftgefüllte Hohlräume (Poren) enthalten, damit die Mikroben den nötigen Sauerstoff für ihre Tätigkeit vorfinden. Ein ausreichendes Porenvolumen erzielt man am besten mit langsam verrottenden Bestandteilen (Häckselgut von Baum und Strauch), die mit den gut zerkleinerten, weichen, wasserhaltigen, verderblichen organischen Reststoffen aus Garten, Küche und Haushalt intensiv vermischt werden.
5) Zu guter Letzt: wenn den Mikroben nur wenig Nahrung zur Verfügung steht, wird sich kaum eine Temperatursteigerung feststellen lassen. Wenn Sie beispielsweise pro Woche nur 2-3 Liter Reststoffe zu kompostieren haben, ist eine spürbare Erwärmung des Rottekörpers ausgeschlossen. Bei 10-20 Litern (oder mehr) gut zerkleinerten Reststoffen aus Garten, Küche und Haushalt, vermischt mit etwa gleichviel Häckselgut, sieht das schon wesentlich besser aus.
Sorgen Sie bitte dafür, dass Ihr Kompost immer mit einem zuverlässigen Licht- und Regenschutz zugedeckt ist. Kompostorganismen sind lichtscheu und lichtempfindlich und für die Feuchtigkeit im Kompost ist nicht das Wetter, sondern der kompostierende Mensch zuständig.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Mäuse im Kompost?
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10.06.2011 | Lebewesen beim Kompost
Sehr geehrter Herr Balmer
Mit viel Interesse habe ich die hier beantworteten Fragen und sehr aufschlussreichen Antworten konsultiert und dabei richtig die Zeit vergessen.
Mein Garten-(Pünten-)Nachbar hat mir heute einen erst vor einem Jahr gepflanzten und nun unten angefressenen Apfelbaum (den er jetzt ausgegraben hat) gezeigt und behauptet, ich hätte in meinem nebenan gelegenen Kompostgitter Mäuse-Nester, die nun seinen Boden durchlöchert und seinen Baum angeknabbert hätten... - Meine Frage: Knabbern Mäuse Baumwurzeln/Baumstämme unten an, oder sind das andere Schädlinge, die so etwas tun? - Kann es in einem Kompost ohne Essensreste (also nur Garten und Küchenabfälle, die in einen Kompost gehören) überhaupt Mäuse haben? - Ich habe wenige Male zwischendurch etwas Kaninchen-/Hühnermist von einem Nachbar-Püntiker und Kleintierhalter gemischt...
Vielen Dank im Voraus für Ihre Informationen.
E.Lehmann
Sehr geehrte Frau Lehmann
Zwar kommt es immer wieder vor (auch in meinem Hausgartenkompost), dass sich im Kompost vorübergehend Mäuse aufhalten. Nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen handelt es sich aber immer um langschwänzige Tiere, die an Bäumen (Obstbäumen) keinen Schaden anrichten und auch keine unterirdischen Gänge graben. Das tun aber Wühlmäuse, die sich von Langschwanzmäusen durch eine gedrungenere Körperform, einen rundlichen Kopf, kurze Ohren und kurzen Schwanz unterscheiden. Sie weisen eine hohe Vermehrungsrate auf, bei günstigen Lebensbedingungen kann es zu Massenvermehrungen und grossen Schäden kommen. Sie machen keinen Winterschlaf.
Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass von Ihrem Kompost, selbst wenn das eine oder andere Mäuslein darin hausen oder sogar Junge aufziehen sollte, eine Gefahr für die Obstbäume des Gartennachbarn ausgeht, weil Ihr Kompost mit fast 100%iger Sicherheit keine Wühlmäuse beherbergt.
Die Anwesenheit von (langschwänzigen) Mäusen im Kompost hat im Übrigen nichts damit zu tun ob gelegentlich Speisereste (Gekochtes) mit kompostiert werden oder nicht. Sie können sich ja sicher vorstellen, dass ich als Kompostberater nicht davor zurückschrecke auch diese wertvollen Reststoffe sachgerecht zu kompostieren - und dies seit Jahrzehnten. Dabei habe ich nie einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Stoffen und der An- oder Abwesenheit von Mäusen festgestellt.
Bei den Kompostsanierungen der zahlreichen Basler-Familiengärten, die ich betreue, kommt es immer wieder vor, dass Mäuse aufgeschreckt werden, die dann das Weite suchen. In keinem einzigen Fall konnte dabei auch nur der geringste Schaden an Bäumen festgestellt werden, obwohl ja die Mäuse ganz offensichtlich da waren.
Mit dem folgenden Link erfahren Sie mehr zu den Wühlmäusen.
http://www.waldwissen.net/wald/tiere/saeuger/bfw_wuehlmaeuse/index_DE
Ich hoffe, dass Sie mit meinen Erläuterungen und den Informationen auf waldwissen.de Ihren Nachbarn überzeugen können, dass seine Behauptungen haltlos sind.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Rasenschnitt - wie verfault er nicht?
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10.06.2011 | Kompostieranleitungen
Sehr geehrter Herr Balmer
Mein Problem ist nicht das Kompostieren, sondern das Gegenteil.
Ich möchte, dass mein Rasenschnitt in der Rotte nicht ueberhitzt, dass kein Fäulnisgeruch ensteht und sich keine Klumpen bilden, da mein Rasenschnitt in der Saison nur zweimal durch ein Gartenbaugeschäft abgeholt wird.
Mit freundlichen Grüssen und besten Dank für Ihre Bemühungen.
Lötscher Anton
Sehr geehrter Herr Lötscher
Sobald Sie Rasenschnitt auf einen Haufen schütten, beginnt sehr rasch der bakterielle Abbauprozess dieses nährstoffreichen, weichen, wasserhaltigen, verderblichen Materials. Dabei wird sehr viel Wärme frei, das Gras kocht sozusagen, fällt wegen mangelnder Struktur in sich zusammen und beginnt schon einige Stunden später infolge Sauerstoffmangels zu verfaulen. Diese unheilvolle Entwicklung kann verhindert werden, indem man:
1) den Rasenschnitt nicht aufhäuft, sondern flächig ausbreitet (höchstens 15-20 cm hoch) trocknen lässt und erst dann auf einen Haufen zusammenführt; trockenes Gras (Heu) verdirbt bekanntlich nicht. Achtung: vor Vernässung schützen.
2) Häckselgut von Baum und Strauch darunter mischt, nicht mit der Absicht zu kompostieren sondern das Verklumpen und damit Verfaulen zu verhindern.
Eine weitere Möglichkeit wäre, den Rasenschnitt mit Hilfe von Effektiven Mikroorganismen (EM) zu fermentieren. Dazu braucht es aber ein paar spezielle Kenntnisse, die ich Ihnen hier leider nicht vermitteln kann.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Zweierkompostsilo aus Holz
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27.05.2011 | Kompostbehälter
Meine Frage:
Ich möchte ein Zweierkompostsilo aus Holz. Das Modell von Longlife ist
mir zu teuer und auch behandelt. Wenn ich es selber baue, worauf soll ich
achten, und braucht es Deckel? Sein Standort liegt im Halbschatten.
Ich danke Ihnen für Ihre Beratung und überhaupt dafür, dass es diese
Möglichkeit gibt, wunderbar!
Mit freundlichen Grüssen
Cécile Loch
Sehr geehrte Frau Koch
Ich schicke Ihnen mit separatem Mail eine PDF-Datei als Anregung, Anleitung zum Selberbauen eines oder mehrerer Kompostsilos.
Der Standort im Halbschatten ist ideal.
Ja, Sie müssen unbedingt auch einen Deckel anfertigen, um den Rottekörper (Inhalt des Komposters) vor jeglicher Vernässung zu schützen. Für die Feuchtigkeit des Rottekörpers ist der kompostierende Mensch, nicht die Witterung verantwortlich. Ausserdem dient der Deckel auch als Lichtschutz für die lichtempfindlichen Kompostorganismen.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Giesswasser aus aufgelösten Bio-Chips?
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27.05.2011 | Kompost-Anwendung
Grüezi Herr Balmer
Sie haben bereits eine Antwort gegeben bezüglich biologisch abbaubarem Füllmaterial. Danke. Ich habe mir überlegt, ob man die Bio-Chips aus Pflanzenstärke, wenn sie im Wasser aufgelöst wurden, einfach als Giesswasser verwenden könnte. Wie sieht das aus? Welche Auswirkung kann das auf die Pflanzen haben (Stärke ist ja eine Zuckerart, wenn ich mich nicht täusche)?
Besten Dank und freundliche Grüsse
Marion Schwengeler
Sehr geehrte Frau Schwengeler
Leider habe ich keine Erfahrung mit der Anwendung von im Wasser aufgelösten Bio-Chips aus Pflanzenstärke (Füllmaterial). Was ich allerdings beobachte, ist, dass sich die Bio-Chips im Wasser eigentlich nicht auflösen, sondern einen Brei bilden. Das erklärt sich daraus, dass Pflanzen-Stärke aus einer grossen Anzahl von Glucose-Einheiten (Zuckermolekülen) besteht. Unverzweigte Ketten von mehreren hundert Glucose-Einheiten bilden die Amylose, welche schwach wasserlöslich ist. Verzweigte Ketten von mehreren tausend Glucose-Einheiten bilden das wasserunlösliche Amylopektin. Die Pflanzenstärke besteht aus einem Gemisch von Amylose und Amylopektin. Lebende Zellen, Mikroorganismen und Pflanzenzellen sind selbstverständlich in der Lage, mit Hilfe von Enzymen die Stärke wieder in einzelne Zuckermoleküle (Glukose) zurück zu verwandeln. Darum sind ja die Bio-Chips im feuchten Zustand auch gut kompostierbar. Man könnte versuchen, ob sich der oben erwähnte Brei, unter Umgehung der Kompostierung, auch im Boden als "Zuckerspender" (Energieträger) auswirkt, d.h. enzymatisch abgebaut wird, oder ob sich solche Chips in feuchtem Boden vollständig auflösen. Ich möchte Sie ermutigen, solche Versuche in Töpfen oder Balkonkistchen, zunächst ohne Pflanzen, zu machen, um Erfahrungen zu sammeln.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- zwei alte Kompost
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02.05.2011 | Kompostieranleitungen
Meine Frage:
Guten Tag Herr Balmer
Wir haben im Dez.'10 ein Haus gekauft mit Garten. Darin befinden sich
2 Kompost-Gitter, Eines für alte Rotte, eines für frische Küchen-/Gartenreste. Da ich ein Laie der Kompostbewirtschaftung bin und bislang die Reste nur auf den Haufen geworfen habe (wofür ich mich natürlich schäme), habe ich mich nun durch das Internet gewühlt und mich reichlich informiert.
In einer Sache bin ich mir jedoch nicht ganz schlüssig:
Das eine Gitter mit der alten Rotte (noch von den Vorgängern, daran
wurde nichts verändert) ist völlig ausgetrocknet, sieht grau aus (wie Asche) und staubt extrem (ich konnte den Haufen fast nicht umstechen ohne zu ersticken). Ich habe nun Wasser dazugegeben. Kann diese "Erde" noch verwendet werden im Gemüsegarten? Zur Info: die Gitter waren scheinbar nie zugedeckt und ich habe keine Ahnung, wie alt dieser Inhalt ist.
Im Gitter für frische Zugaben, in das ich bislang nur alles obendrauf
geworfen habe, befindet sich die oberste Schicht natürlich in einem
nassen, stinkenden Zustand. (Küchenreste von 4Monaten).Reicht es, den Kompost
von nun an richtig zu pflegen, oder sollte ich diese Schicht gänzlich
entfernen?
Besten Dank für Ihre Hilfe und vielen Dank für die vielen bereits
beantworteten Fragen auf dieser Seite die ich lesen durfte. Mir
gefällt Ihre Art mit dem "Lebenden" umzugehen. Seit ich mich vor 2Wochen angefangen habe zu informieren, schätze ich das Wunder Kompost sehr.
Sonnige Grüsse aus dem schönen Domleschg
Olivia Fessler
Sehr geehrte Frau Fessler
Zur ersten Frage, "Alter Kompost". Als Kompost kann dieses uralte, eigentlich tote Material nicht bezeichnet werden. Wenn Sie es gut anfeuchten kann es noch als Füllmaterial zum Auffüllen von Unebenheiten oder als Bodenbedeckung einer Hecke verwendet werden. Im Gemüsegarten, wo Sie lebendiges, fruchtbares, gesundes Erdreich haben oder erzeugen müssen, ist das Material aber völlig ungeeignet.
Zur zweiten Frage, "Verdorbene Küchenreste". Prinzipiell kann diese missratene, oberste Schicht mit einiger (schweisstreibenden) Arbeit und viel Häckesgut von Baum und Strauch gerettet werden - weil sich viele Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente darin befinden, eigentlich empfehlenswert. Lagern Sie das verdorbene Material portionenweise auf eine Schicht Häckselgut von etwa 10 cm Höhe aus, zerschlagen Sie die Klumpen mit flachen Schlägen des Gabelrückens und mischen Sie dann Alles intensiv, indem Sie es durch die Gabel schütteln. Legen Sie die Mischung etwas beiseite und wiederholen Sie den Vorgang bis die missratene Schicht vollständig abgetragen ist. Am Schluss vereinigen Sie die einzelnen Häufchen zu einem Ganzen und füllen es locker in den Kompostbehälter. Wenn Sie auch noch die nötige Feuchtigkeit einstellen (je nach Feuchtigkeitsgrad des Häckselguts), wird die sanierte Masse in kurzer Zeit heiss und der Gesundungsprozess kann beginnen.
Kompostieren Sie von nun an sachgerecht nach den Regeln "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken".
Ich hoffe, Sie finden die Zeit und unterziehen sich der Mühe, diese wichtige Arbeit guten Muts erledigen zu können. Sie haben dann eine wertvolle Erfahrung genacht: die Natur produziert wirklich keinen Abfall
- man muss nur sorgfältig mit den organischen Reststoffen umgehen.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Temperatur in Heissrotteführung
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18.04.2011 | Kompostieranleitungen
Guten Tag Herr Balmer
Fragen zur Temperatur in der Heissrotteführung
Habe vor 2 Tagen, in einer eher geschlossenen 1000 Liter Boxe, rund 800 Liter Rasen gemischt mit Holzhäcksel, ca. 60 Liter Kaffeesatz und ca. 8 kg
Vulkamin angesetzt. Boden durchlüftet mit Lage Rasenziegel umgedreht und
Tannenäste 3 lagig.
Habe heute mit dem Einstich Thermometer 80° gemessen.
Habe nicht gerechnet, dass mit den kühlen Nächten die Temperatur so hoch geht.
Kann ich das so sein lassen oder soll ich die Temperatur herunter holen mit beimischung von Erde?
Oder kann ich das sein lassen?
Was ich bisher gelesen habe, auch Thema am letztjährigen Kopmostkurs auf
dem Ballenberg war und ich als Richtwert übernommen habe war so ca. 70°
Celsius.
Konnte das letztes Jahr recht gut einhalten.
Nun ist das doch einiges darüber mit 80°
Ich befürchte Ammoniakverlust oder evtl. auch anderes. Wasserverlust durch
Verdunstung kann ausgelichen werden. Ich rechne ab heute damit dass es
trocken wird in 3-4Tagen. Doch das ist die kleinere Sorge bzw das kann
reguliert werden.
Der Kompost bzw die Komposterde die daraus entsteht, wird auf drei
Grundstücken verwendet zur Revtialisierung vom Boden nach einer
Neuüberbauung 2008/09. Die verschiedenen Produkte die letztes Jahr
entstanden sind sind von guter Qualität. Es wurde keine Pobe eingeschickt,
doch die Ergebnisse über Bambus, Sträucher, Blumen und Gemüse sind gut wie
die Nachbarinnen rückmelden. Es ist auch sichtbar an Wachstum und
Krankheitsresistenz in meinem Garten.
Ich möchte nur nicht mit einer zu hohen Temp. schlechte Startbedingungen
im Rotteprozess haben, die negative Auswirkungen auf das Endprodukt haben
könnten.
Zur Vielfalt wie Abwechslung wurde letztes Jahr Urgesteinsmehl Hauert von
der Landi verwendet diese Jahr Vulkamin. Kann dies auch relevanten Einfluss > haben in der Temperatutentwicklung?
Ich gehe davon aus kaum, weiss es aber nicht.
Was meinen sie als Fachmann dazu?
Mit freundlichen Grüssen
Daniel Post
Sehr geehrter Herr Post
Mit den Komponenten, die Sie erwähnen, haben Sie eine veritable "Energiebombe" geschaffen und es besteht tatsächlich die Gefahr, dass Sie bei der hohen Temperatur von 80 °C Stickstoff in Form von Ammoniak und vermutlich auch von Lachgas verlieren. Abgesehen vom Verlust des Stickstoffs, sind auch die "Abgase" ja auch umwelt- und klimarelevant.
Der Richtwert von 70°C als Obergrenze einer Heissrotte ist prinzipiell richtig, wobei das Temperaturmaximum für die meisten thermophilen Rotteebakterien und Pilze bei 68°C liegt.
Als Sofortmassnahme sehe ich nach meinem Dafürhalten nur eines:
Umsetzen. Räumen Sie die ganze Box aus, schütteln Sie die die Rottemasse mit der Gabel tüchtig durch (intensives Durchmischen), ergänzen Sie wenn nötig durch überbrausen die Feuchtigkeit, lassen Sie die Masse für einige Stunden ausserhalb der Box und beladen Sie dann Ihre Box wieder mit der ausgekühlten Rottemasse (so locker wie möglich einfüllen).
Ich gebe Ihnen noch folgendes zu bedenken:
1) Rasenschnitt erhitzt sich bekanntlich sehr schnell und verbraucht dabei sehr viel Sauerstoff, so dass schon nach kurzer Zeit anaerobe Verhältnisse vorherrschen, die wir ja prinzipiell nicht fördern wollen (Gefahr von Fäulnis mit all ihren negativen Begleiterscheinungen). Bei der grossen Menge, die Sie kompostieren (800 Liter), müsste deshalb eigentlich schon nach 2-3 Tagen umgesetzt werden, was natürlich mit viel Arbeit verbunden ist.
2) Rasenschnitt hat ein C/N-Verhältnis von ca. 12/1 ist also sehr stickstoffreich und muss deshalb, um ein günstiges Rotte-Verhältnis von
20-30/1 zu erzielen, mit kohlenstoffreichem Material (Häckselgut von Baum und Strauch) gemischt werden. Meine, in der Praxis bewährte Empfehlung lautet: 2 Teile Rasenschnitt (R), 1 Teil Häckselgut(H), also 30-35% H. Sie mischen nur etwa 20% H bei. Das Häckselgut hat zwei Aufgaben zu erfüllen a) Korrektur des C/N-Verhältnisses und b) Strukturierung des Rottekörpers, um den Gasaustausch zu ermöglichen.
3) Das Fundament Ihres Kompostkastens hält wahrscheinlich nicht was es verspricht, nämlich Belüftung von Unten. Die Rasenziegel lassen kaum Luft durchströmen und die Tannenäste werden durch das Gewicht der Rottemasse vermutlich so zusammengepresst, dass sie die Aufgabe des Belüftungsrosts nicht mehr erfüllen können.
4) Um künftig Fehlentwicklungen zu vermeiden oder doch stark einzuschränken, können Sie Folgendes vorkehren:
- Schlagen Sie vor dem Einfüllen der Rottemasse 5 Pfähle von ca. 10 cm Durchmesser so ein, dass diese später ohne Mühe entfernt werden können; einen in der Mitte und die anderen etwa auf halber Strecke vom Zentrum in die Ecken. Wenn die Rottemasse eingefüllt ist, ziehen Sie die Pfähle vorsichtig heraus, so dass Belüftungskanäle entstehen. So kann auch einem Hitzestau entgegengewirkt werden.
- Anstatt eine Mischung der Komponenten ausserhalb des Kastens vorzunehmen, könne Sie einen "Sandwichaufbau" machen. Eine Lage Rasenschnitt von 10-15 cm Höhe, diese mit wenig Erde oder Siebresten der vorherigen Kompostierung überdecken, dann ca. 5 cm hoch Häckselgut plus Kaffeesatz etc. dann das Ganze wiederholen bis der Kasten voll ist.
Selbstverständlich muss jede Lage, dem Zweck entsprechend mit mehr oder weniger Wasser überbraust werden. Die Wassermenge richtet sich nach dem Feuchtigkeitsgehalt der Komponenten. Zusätzlich überpudern Sie jede Lage mit Vulkamin-Steinmehl. Ich habe diese Methode noch nicht selber ausprobieren können, es wird aber über sehr befriedigende Ergebnisse berichtet.
Schliesslich: Vulkamin-Steinmehl als rein mineralische Substanz hat keinen Einfluss auf die Temperaturentwicklung einer Rotte. Der Gehalt an Mineralien, Spurenelementen und Zeolithen, sowie das Fehlen von Quarz (das wichtige Silizium ist in Form von Alumosilikaten = Tonminerale und Zeolithen enthalten), macht Vulkamin zu einem Produkt erster Wahl.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen ein wenig weiter geholfen zu haben.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Papiertaschentücher im Kompost?
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21.01.2011 | kompostierbar - oder nicht
Sehr geehrte Damen und Herren
PAPIER
Dürfen gebrauchte Papiernastücher und Papier aus Küchenrollen (Bounty etc.)
also Fliesspapier in die Grüngutabfuhr gegeben werden ?
Besten Dank
Mit freundlichen Grüssen
Ernst Moser
Sehr geehrter Herr Moser
Aus hygienischen Gründen gehören gebrauchte Papiertaschentücher prinzipiell in den Hauskehricht.
Gebrauchtes Haushaltpapier ab Rollen hingegen können Sie der Grünabfuhr mitgeben, sofern es nicht mit Chemikalien, Putzmitteln und dergleichen verschmutzt ist. Es gilt aber die Vorschriften zu beachten, die Ihre Gemeinde oder das Abfuhrunternehmen hinsichtlich der Reststoffe erlassen hat, die der Grünabfuhr mitgegeben werden dürfen.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Warm- und Kaltkompostierung
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21.01.2011 | Kompostieranleitungen
Meine Frage:
Warm und Kaltkompostierung was sind die unterschiede ?
Sehr geehrter Herr Rüegsegger
Bei der Kaltkompostierung verrotten die kompostierbaren Reststoffe ohne nennenswerte Erwärmung des Rottekörpers, praktisch bei Umgebungstemperatur. Da die Erwärmung massgeblich von 1) der Menge verrottbarer Stoffe und 2) von der sorgfältigen Pflege des Komposts (zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken) abhängt, kann eine Heissrotte nicht im vornherein zuverlässig in Gang gebracht werden was aber nicht prinzipiell ein Grund ist, auf das Kompostieren zu verzichten. Man nimmt bei der Kaltrotte in Kauf, dass der entstandene Kompost noch keimfähige (Un-)krautsamen und je nach dem auch Krankheitskeime enthalten kann, die bei der Anwendung des Komposts Probleme verursachen können (nicht zwangsläufig müssen). Um solchen Problemen auszuweichen, ist man oft gezwungen, samentragende Kräuter
("Un"kräuter) und von Krankheiten und Parasiten befallene Komponenten von der Kompostierung fernzuhalten und über die Kehrichtabfuhr zu entsorgen. Es ist aber schade um jedes Gramm organische Substanz, die nicht über die Kompostierung in den Kreislauf der lebendigen Substanz eingegliedert werden kann. Die Natur kennt ja prinzipiell keinen Abfall.
Die Heissrotte, bei der Temperaturen von 45°C aufwärts erreicht werden, mindert solche Probleme entscheidend. Samen aller Art werden bei diesen Bedingungen zum Keimen gebracht (wobei die Keimlinge sich nicht weiterentwickeln können und ebenfalls zu Humus werden) und/oder durch Hitze geschädigt und so eliminiert werden. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass auch die meisten Krankheitskeime unter den Bedingungen einer Heissrotte keine oder nur sehr geringe Überlebenschancen haben. Es findet also eine Selbstreinigung (Hygienisierung) statt - das Endprodukt ist gesünder als die Ausgangsmaterialien. Die Heissrotte beschleunigt ausserdem die Umwandlungsprozesse, so dass oft schon nach ca. 6 Monaten ein Nährkompost bedenkenlos verwendet werden kann. Bei kleinen Mengen kompostierbarer Reststoffe aus Küche, Haushalt und Garten (weniger als 10 Liter pro Woche) und nicht sachgerechtem Vorgehen kommt, wie erwähnt, eine Heissrotte aber nicht zustande. Das gilt auch für die sogenannten "Thermokomposter" , die mit der Produktbezeichnung vorgaukeln, es finde automatisch eine Verrottung unter Wärme-(Hitze)entwicklung statt. Es ist aber nicht der Behälter, der den Kompost macht, sondern der mit Sachkenntnissen ausgerüstet Mensch, der natürliche Prozesse für seine Zwecke optimiert.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Entsorgung von Grünabfällen
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10.01.2011 | Sonstiges
Guten Tag!
Ich habe gerade 3 Fragen auf einmal:
1. Warum soll man eigentlich Grünabfälle entsorgen?
2. Wie (was & wo) muss man Grünabfälle entsorgen?
3. Was geschieht mit den Grünabfällen, die von zu Hause mitgenommen werden?
Mit einem freundlichen Gruss
Jeannine Marty
Sehr geehrte Frau Marty
Zu 1.) Grün“abfälle“ soll man eben nicht entsorgen, sondern wiederverwerten. Ich vermeide das Wort Abfall im Zusammenhang mit den Stoffen, die aus dem Lebendigen stammen und verwende anstelle die Wörter Reststoffe oder Rückstände. Es zeigt sich nämlich, dass die Stoffe aus dem Lebendigen – organische Substanz genannt - nirgends zu Abfall werden, der entsorgt werden müsste, sondern einer unübersichtlich grossen Zahl von Lebewesen als Nahrung (oft als einzige Nahrung!) dient. Am Ende dieses weltweiten, gigantischen Verdauungsprozesses (Stoffwechsel) bleibt ein Stoff zurück, der für den Fortbestand des Lebens auf dem Planeten Erde von zentraler Bedeutung ist: HUMUS. Humus ist kein Abfallprodukt der Biosphäre, sondern ein Produkt des Lebens für das Leben. Die chemischen Verbindungen der organischen Substanz Biomoleküle) sind die komplexesten und gewissermassen wertvollsten Stoffe im bekannten Universum. Die organische Substanz enthält viel Kohlenstoff, der aus der Atmosphäre stammt (CO2) und via Photosynthese der grünen Pflanzen ins Lebendige integriert wird. Durch den Bau- und Energiestoffwechsel der Zellen wird der Kohlenstoff oxidiert und kehrt als CO2 wieder in die Atmosphäre zurück = globaler Kohlenstoffkreislauf. Durch Industrie, industrielle Landwirtschaft und Verkehr zu Land, zu Wasser und in der Luft ist der CO2 –Gehalt in der Atmosphäre in den letzten 100 Jahren stetig angestiegen und weil CO2 ein klimawirksames Gas ist (Treibhauseffekt) sehen wir uns heute mit einem (menschengemachten) Klimawandel mit völlig ungewissem Ausgang konfrontiert. Kluges, umsichtiges Handeln muss also unter anderem darauf abzielen, möglichst viel von dem in der Biomasse gespeicherten Kohlenstoff vor der Oxidation zu bewahren, z.B. durch Erzeugen von Humus mittels sorgfältiger Kompostierung und mit biologischem (organischem, ökologischem) Land- und Gartenbau. Eine Entsorgung via Kehrichtverbrennung läuft dem allem zuwider. Organische Reststoffe gehören definitiv nicht in den Abfallsack.
Zu 2.) In allen Gemeinden unseres Landes (so hoffe ich wenigstens) gibt es heute, basierend auf den Umweltschutzgesetzen Strategien zur Bewältigung der Abfälle, wobei die Wiederverwertung (Recycling) an erster Stelle stehen muss. Wir können es uns heute schlicht nicht mehr leisten, Wertstoffe, die im Abfall landen (dazu gehören, wie oben dargelegt, auch die „Grünabfälle“) einfach zu vernichten. Welche Strategien hinsichtlich „Grünabfällen“ in Städten und Gemeinden verfolgt werden, hängt letztlich von politischen Entscheidungen ab. Man muss sich bei den entsprechenden Amtsstellen erkundigen. Hierzulande ist die dezentrale Eigenkompostierung in Gärten, Hinterhöfen und städtischen Quartieren weit verbreitet und wird vielenorts auch amtlich gefördert (Kompostberatung, zur Verfügung stellen von Material etc.). Diese Eigeninitiativen sind in sozialer und ökologischer Hinsicht sehr wichtig und wertvoll. Im Prinzip kann jeder/jede tätig werden, um die Faszination der Umwandlung vermeintlichen Abfalls zu wohltuendem Humus zu erleben. Etliche Gemeinden, Städte und ganze Regionen betreiben sogenannte Grünabfuhren, entweder nur für organische Reststoffe aus dem Garten oder auch für solche aus Küche und Haushalt. Das ist zwar bequem, weil wir uns nach dem Sammeln und Abgeben nicht weiter darum kümmern müssen – aus den Augen, aus dem Sinn – aber immerhin eine Möglichkeit, sich richtig zu verhalten. Zur Kategorie „Grünabfall“ gehören alle organischen Reststoffe (Stoffe die aus dem Lebendigen stammen) aus dem Garten, der Küche und dem Haushalt.
Zu 3.) Separat gesammelte „Grünabfälle“, die von zu Hause (gratis oder gebührenpflichtig) mitgenommen werden, werden je nach Strategie der Städte, Gemeinden oder Regionen (Zweckverbände) einer industriellen Kompostierung oder einer industriellen Biogas-Anlage und in jüngster Zeit einer Verkohlungsanlage (Biokohle) zugeführt. Die Verkohlung steht noch ganz am Anfang ist aber eine zukunftsweisende Methode, um dauerhaft CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen und als ausgezeichneten Hilfsstoff zur Bodenverbesserung in landwirtschaftlich und gartenbaulich genutzten Böden zu integrieren, wo die Biokohle für die nächsten tausend Jahre jedem mikrobiellem Abbau und jeder Oxidation entzogen ist und, grossräumig eingesetzt, dem Klimawandel entgegen wirken könnte (Klimafarming). Wohlgemerkt: Biokohle ist KEIN Abfall, den man irgendwie entsorgen müsste.
Ich hoffe, Ihnen Ihre Fragen einigermassen beantwortet zu haben.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- John Innes Saaterden
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05.01.2011 | Sonstiges
Sehr geehrter Herr Balmer,
bei meinem Versuch zu recherchieren, ob es die John Innes Saaterden
auch auf dem Kontinent zu kaufen gibt, bin ich auf Ihre Kommunikation
mit Herrn Fröhlich aus dem Jahr 2007 gestoßen.
Haben Sie eine Bezugsquelle herausfinden können?
Vielen Dank im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
F.-J. Krumenacker
Sehr geehrter Herr Krumenacker
Aufgrund meiner neuerlichen Recherchen ist es leider immer noch so, dass auf dem Kontinent sich niemand darum kümmert, die John Innes Aussaterde zu vermarkten. In Grossbritannien gibt es mehrere Anbieter. Wenn das für Sie überhaupt in Frage kommt, googeln Sie <aussaterde john innes>, was etliche Treffer ergibt. Die auf Deutsch übersetzten Links sind allerdings recht holprig. Man kann aber auch den Originaltext ansehen.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Langlebige Komposterde?
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30.12.2010 | Lebewesen beim Kompost
Sehr geehrter Herr Balmer
Alwin Seifert beschreibt Wurmerde und schreibt, dass sie sehr viel mehr
Phosphor, Kalk und Magnesia als normale Gartenerde enthält. Er sagt, dass sich der Humus in ihr über Jahre nicht verändert, weil sie mit Tausenden von Atmosphären die Nährstoffe festhält, sodass sie nicht ausgewaschen werden können.
Wird das heute auch noch als richtig angesehen? Und gilt das auch für den Kompost, der ja eigentlich ein riesiger Regenwurm ist? Wie lange behält reife Komposterde ihren Gehalt an Leben, wenn sie auf einem Haufen und abgedeckt liegt?
Herzlichen Dank schon im Voraus
Gisela Schnalzger
Sehr geehrte Frau Schnalzger
Eine französische Bauernweisheit behauptet zu Recht: "Der liebe Gott weiss, wie man fruchtbare Erde macht, und er hat sein Geheimnis den Regenwürmern anvertraut."
Regenwurmkot sieht aus wie Erde (Wurmerde) und ist deutlich nährstoffreicher, feuchter und weniger sauer als normaler Gartenboden bzw. Ackererde. Ausserdem enthält er viele Ton-Humus-Komplexe (die wertvollsten Bodenbestandteile) und ist mit anderem tierischem Kot nicht vergleichbar. Als gängige Angabe findet man, dass Regenwurmkot im Vergleich mit der Umgebungserde durchschnittlich fünfmal mehr pflanzenverfügbaren Stickstoff, siebenmal mehr Phosphor und elfmal mehr Kalium enthält; auch Kalzium (Kalk) und Magnesium sind gegenüber der umgebenden Erde angereichert. Pro Jahr können etwa 40-80 Tonnen Regenwurmausscheidungen pro Hektar an der Bodenoberfläche und in den Gängen abgesetzt werden, in tropischen Gebieten sogar bis zu 200 t/ha.
„Wären diese Krümel als gleichmässige Schicht auf dem Erdboden ausgebreitet, so ergäbe sich in Europa jährlich ein Bodenauftrag von
1-5 mm, in tropischen Bereichen bis zu 14 mm. Ton-Humus-Komplexe sind, wie Seiffert erwähnt, tatsächlich Nährstoffspeicher, aus denen durch Auswaschung nichts verloren geht. Die Nährstoffe können nur mittels Ionenaustauschprozessen mobilisiert werden und dazu braucht es lebendige Pflanzenwurzeln und die mit ihnen vergesellschafteten Mikroorganismen.
Die Bindungskräfte sind chemischer Natur und haben mit Druck (Atmosphären bzw. Bar) nichts zu tun.
Die im Kompost tätigen Würmer sind zwar enge Verwandte der eigentlichen, im Erdreich tätigen Regenwürmer, sollten aber zur richtigen Unterscheidung nicht als solche bezeichnet werden. Man sollte sie als
Kompost- oder Mistwürmer (Eisenia foetida) bezeichnen. Ob während der Kompostierung durch die Tätigkeit von Eisenia bereits Ton-Humus-Komplexe entstehen, hängt davon ab ob genügend Tonmineralien vorhanden sind, die z.B. mit entsprechend siliziumreichem Urgesteinsmehl eingebracht werden können. Die traditionelle Empfehlung, beim Kompostieren immer auch ein wenig Erde beizufügen mag hier ebenfalls ein Ergebnis zeigen aber nur wenn diese Erde tatsächlich Ton enthält. Es gibt auch spezielle Tonmehle, z.B. Montmorillonit, die darüber hinaus noch weitere nützliche Eigenschaften haben.
Es gibt einen wichtigen Grundsatz, nach dem ein Kompost der als reif eingestuft wird, bald möglichst angewendet werden soll. Wir wollen ja mit der Kompostierung nicht Dauerhumus sondern Nährhumus als Futter für die Bodenlebewesen herstellen, die dann ihrerseits die Bausteine für den Aufbau der Huminstoffe des Dauerhumus herstellen. Die Bildung von Dauerhumus soll also nicht oder nur geringfügig im Komposthaufen sondern im Erdreich stattfinden.Es sind mir keine Untersuchungen bekannt, die zeigen, wie stark die Zusammensetzung bzw. Veränderung der Lebewesen im Kompost bei zu langer Lagerung beeinträchtigt wird. Wir können aber davon ausgehen, dass der Kompost beim Lagern nicht besser wird. Es finden laufend Abbauprozesse statt, denn die Endphase der organischen Substanz ist anorganische, mineralische Substanz. Nun ist die belebte Natur bekannterweise keine Einbahnstrasse; die organische Substanz befindet sich in einem dauernden Kreislauf dank dem wichtigsten Partner in diesem System: der grünen, Photosynthese betreibenden Pflanze, mit allen ihren oberirdischen und unterirdischen Teilen. Einige Vorgänge und Zusammenhänge in diesem höchst erstaunlichen Phänomen Leben sind erforscht aber es gibt noch zahlreiche Geheimnisse, die wir höchstwahrscheinlich nie aufdecken werden - weil wir selber ein Teil dieses Phänomens sind.
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei Ihrer Beschäftigung mit der lebendigen Natur und ein erfolgreiches Gartenjahr 2011.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Kompostierung mit Mikroorganismen
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20.12.2010 | Kompostieranleitungen
Sehr geehrter Herr Balmer,
mich würde es interessieren, was Sie von der Kompostierung mit effektiven
Mikroorganismen halten. Kann die Qualität des Komposts wirklich
verbessert werden, wenn man den Kompost mit diesen Mikroorganismen impft?
Mit freundlichen Grüssen
Lea Reisinger
Sehr geehrte Frau Reisinger
Wenn wir unter Kompostierung weiterhin "die vom Menschen gelenkten Ab- und Umbauvorgänge (Verrottung) der organischen Substanz unter dauerndem Zutritt von Luft (Sauerstoff) bei ausreichender Feuchtigkeit der Rottemasse" verstehen wollen, ist nach meiner Auffassung der Zusatz von Effektiven Mikroorganismen (EM) wenig sinnvoll. EM entfalten ihre Wirkung, wenn ich das alles richtig verstanden habe, in erster Linie bei Aufbauvorgängen, wo auch ihre antioxidative Wirkung zur Geltung kommen kann. Beim Kompostieren spielen sich ja in einer ersten, mehr oder weniger lange dauernden Phase, hauptsächlich Abbauvorgänge ab, die recht viel Sauerstoff benötigen und auch erhebliche Wärme entwickeln. Ob die EM diese Phase unbeschadet überstehen scheint mir höchst ungewiss.
Das heisst nun ganz und gar nicht, dass EM keine Wirkung haben - aber erst in Verbindung mit einem sachgerecht hergestellten Kompost als Endprodukt der Verrottung. EM entfalten ihre Wirkung erst im Boden, besser gesagt:
im Wurzelraum, wo in erster Linie Aufbauvorgänge stattfinden sollen; Im Boden herrschen ganz andere Bedingungen als in einem Kompost. Sie können also z.B. beim Anwenden des Komposts, diesen vorgängig mit mit EM (oder
EM-A) in der empfohlenen Verdünnung übersprühen, bzw. EM mit dem Giesswasser ins Erdreich einbringen.
Etwas ganz anderes ist die Vergärung (Fermentierung) organischer Reststoffe mit Hilfe von EM, die sogenannte Bokashisierung. Hier wird unter völligem Luftabschluss eine Milchsäurevergärung (oder
-fermentierung) der organischen Substanz vollzogen (EM enthalten u.a.
mehrere Stämme von nützlichen Milchsäurebakterien), es findet kein Abbau sondern eine Konservierung statt. Ohne Anwesenheit von EM würde die organische Substanz bei Abwesenheit von Sauerstoff verfaulen, wäre dann also verdorben. Die Bokashisierung ist mit der Herstellung von Sauerkraut oder anderen Lebensmitteln vergleichbar, wo ebenfalls eine Milchsäurekonservierung stattfindet. In unserem Zusammenhang wird die sachgerecht vergorene organische Substanz, das sogenannte Bokashi in die obersten 10-15 cm in Furchen des Kulturbodens in dünner Schicht vergraben, wo es im warmen Boden in 10 bis 14 Tagen in fruchtbare Erde umgewandelt wird; in kühlem Boden dauert es ca. 30 Tage. Bokashi kann übrigens auch in Pflanzkästen und Balkonkistchen angewendet werden. Zum Herstellen von Bokashi aus organischen Reststoffen aus Küche und Haushalt gibt es einen speziellen Eimer (ungenau auch Komposter genannt), mit dem, bei vorschriftsgemässer Anwendung, der Erfolg garantiert wird.
Die sogenannte EM-Technologie ist etwas sehr Faszinierendes, die Anwendungsmöglichkeiten kennen fast keine Grenzen. Hier ist leider nicht der Platz, um auf Alles einzugehen. Besuchen Sie zur Orientierung die Website von em-schweiz.ch, hier erhalten Sie erschöpfend Auskunft.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Komposthaufen von Nachbar vor der Türe
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08.12.2010 | Sonstiges
Unser neuer Gartennachbar hat den alten Komposthaufen vor unseren Hauseingang gestellt(Entfernung etwa 2,5 m). In einem Kompost nisten sich ja bekanntlich auch Mäuse ein. Müssen wir uns das gefallen lassen? Die Antwort auf unser Ansprechen war, einer hat immer etwas zu meckern. Das Küchenfenster ist auch gleich daneben, so daß es zu Fliegen u.ä. kommt.
G.Hassler
Sehr geehrter Herr Hassler
Dass Ihr Nachbar seinen alten Kompost"haufen" vor Ihren Hauseingang stellt, finde ich selbstverständlich nicht in Ordnung, ja, eine Rücksichtslosigkeit und Zumutung. Ich weiss nicht wie die Rechtslage in der BRD ist, aber in der Schweiz gibt es einschlägige Gesetze, die so etwas verbieten. Abgesehen davon, dass ein sachgerecht gepflegter Kompost wenig bis gar keine Probleme hinsichtlich unerwünschter Begleiterscheinungen verursacht: der Kompost gehört meines Erachtens nicht an die von Ihnen erwähte Stelle, sondern in den Garten. Ob Ihr Nachbar etwas von sachgerechter Kompostierung versteht, müssen Sie selber beurteilen. Sie schreiben: "seinen alten Komposthaufen", was muss ich mir darunter vorstellen? Wenn Sie wollen, können Sie mir einen Schnappschuss schicken, damit ich mir die Situation vorstellen kann.
Vorläufiger Rat: Sie müssen sich die Massnahme Ihres Nachbarn nicht gefallen lassen. Ich schicke Ihnen per Post das Merkblatt "Kompostieren", das Sie bei Gelegenheit Ihrem Nachbarn vorlegen können.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege
und Kompostierung
- Abbaubarkeit von biologisch abbaubarem Füllmaterial
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08.12.2010 | Kompost-Anwendung
Guten Tag Herr Balmer
Vermehrt haben wir schon Anfragen bezüglich der Kompostierbarkeit von
biologisch abbaubarem Füllmaterial erhalten. Der Hersteller des
Füllmaterials schreibt, dass es aus Pflanzenstärke und Altpapierschaum
produziert ist und beschreibt folgende Entsorgungsmöglichkeiten:
Kompostieren, der Grünabfuhr mitgeben, in Wasser auflösen oder verbrennen.
Was Ist Ihre diesbezügliche Meinung?
Besten Dank für Ihren Tipp und freundliche Grüsse.
R. Neuenschwander
Sehr geehrte Frau Neuenschwander
Das in Rede stehende Füllmaterial lässt sich nach meinen Erfahrungen sehr gut kompostieren. Wichtig ist, dass es mit genügend anderem, feuchtem Rotte-Material innig vermischt wird. Bringt man das Material in Wasser, zerfällt es relativ rasch zu Brei, der dann nicht mehr ordentlich im Rottekörper verteilt werden kann, was die Gefahr der Klumpenbildung und Anaerobie (Fäulnis) mit sich bringt.
Selbstverständlich muss z.B. bei der Eigenkompostierung im Garten auf die Menge geachtet werden. Wenn man kistenweise solches Füllmaterial hat, muss es über längere Zeit, nach und nach der laufenden Kompostierung beigemischt werden. Es darf auf keinen Fall einfach auf dem Kompost entsorgt werden.
Meines Erachtens kann das Füllmaterial ohne weiteres der Grünabfuhr mitgegeben werden, wenn es sich eindeutig um das biologisch abbaubare Produkt und nicht etwa ähnliche Produkte aus Styropor etc. handelt, denn diese verrotten definitiv nicht.
In Wasser auflösen und in die Kanalisation spülen oder Verbrennen sind meines Erachtens keine Optionen.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung
- Zitrusfrüchte
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08.12.2010 | kompostierbar - oder nicht
Meine Frage:
Sind Zitrusfrüchteschalen auf den Kompost im Garten zu werfen oder nicht?
Besten Dank zum voraus
Sehr geehrter Herr von Salis
Wie muss ich mir das vorstellen? Machen Sie Zielübungen beim Werfen von Zitrusfrüchteschalen auf den Kompost? Aber Spass beiseite; die Schalen von Zitrusfrüchten dürfen Sie nicht auf den Kompost werfen - aber kompostieren dürfen Sie sie. Das heisst: zerkleinern, mischen, feucht halten und immer zudecken. Also: Zitrusschalen in kleine Stücke schneiden, reissen und dann auf dem Kompost mit dem vorhandenen Material und Häckselgut von Baum und Strauch mithilfe der Kompostgabel intensiv vermischen, so dass die Schalenstücke ins Innere des Rottekörpers gelangen. Dort, in der feuchten Dunkelheit werden die Schalenstücke sofort von Bakterien und Pilzen besiedelt, angegriffen und in sehr kurzer Zeit (ein paar Tage) abgebaut und umgewandelt. Dies gilt allerdings nur für die warme Jahreszeit. Im Winter, wo ja bekanntlich am meisten Zitrusschalen anfallen, ist die Tätigkeit der Mikroorganismen stark reduziert und man kann fast keine Veränderung der auf den Kompost gebrachten Resstoffe mehr feststellen. Trotzdem ist es wichtig, die Arbeit genau so sorgfältig zu tun wie in der warmen Jahreszeit.
Achtloses Deponieren von "Abfällen", seien sie aus dem Haushalt oder dem Garten, führt unweigerlich zu Problemen (Fäulnis, Gestank, lästige Insekten, schädliche Abbauprodukte und eine miserable Humusqualität) und hat mit sachgerechtem Kompostieren nichts zu tun.
Der Kompost ist eben keine Deponie oder bequeme Entsorgungsstelle für organisch "Abfälle". Der Kompost ist ein Lebensraum für unzählige Mikrorganismen (Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen und klein Kleintiere), die unsere organischen (aus dem Lebendigen stammenden) Reststoffe aus Garten und Haushalt) unter optimalen Bedingungen- die zu schaffen wir verantwortlich sind- in qualitativ hochwertigen Humus umwandeln. Achtloses Aufhäufen dieser Reststoffe hat die erwähnten Probleme zur Folge und führt zu keinen brauchbaren Ergebnissen.
Übrigens: die Herkunft der Zitrusschalen hat keinen Einfluss auf deren Abbau und Umwandlung im Kompost. Wenn immer möglich sollten aber, schon aus Rücksicht auf die Produktionsbedingungen und die Gesundheit aller, nur Früchte aus biologischem (organischem, ökologischem) Anbau verzehrt werden.
Für weitere Ratschläge steh ich gerne zur Verfügung. Wenden Sie sich dann bitte direkt an mich.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung