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Berufsmusiker zu werden, war nie sein Ziel. «Ich wollte Psychologe werden, mit einem Hobby», erklärt Bruno Spoerri. 1958 schloss er tatsächlich ein Psychologiestudium ab – doch daraus wurde nichts.
Stattdessen wurde Spoerri zu einem Pionier der Schweizer Musikszene, und das auf drei Schienen: im Jazz, in der Filmmusik und in der elektronischen Musik.
Sein Instrument finden
Angefangen hat alles mit einem Saxofon. Sein erstes Instrument war zwar das Klavier, aber das spielt er «bis heute noch sehr schlecht», sagt er. Auch an der Gitarre hat er sich versucht, denn in der Band seiner Freunde war nur noch dieser Platz frei.
Doch erst mit dem Saxofon hat er sein Instrument gefunden: «Mein Gitarrenlehrer hatte noch ein altes Sax in seinem Schrank. Das war’s dann, das war mein Instrument.»
Der Mehrfach-Pionier
In den frühen 1950er-Jahren gewann Spoerri erste Jazzpreise, gründete die Band «Jazz Rock Experience» und war mit seinen Zeitgenossen George Gruntz und Tony Oxley im Trio. Er spielte Jazz in allen möglichen Stilrichtungen und tourte rund um die Welt.
Spoerri wurde zu einer Zeit Berufsmusiker, als es das noch nicht wirklich gab. Die professionelle Schweizer Jazzszene beschränkte sich in den 1950er-Jahren auf einige grosse Namen wie Hazy Osterwald.
Ein Schreiner der Musik
Um seine Familie zu versorgen, nahm Bruno Spoerri jeden Auftrag an – und fand sich in den 1960er-Jahren in der aufkommende Film- und Werbemusik-Branche wieder. «Da herrschte Aufbruchsstimmung. Niemand hat gewusst, wohin es geht», sagt er. Er schuf unter anderem Werbemusik für Kodak, Skoda und Sinalco.
Neuland hiess auch: wenig Regeln. Er hinterlegte die Filme mit experimentellen Klängen: «Wenn ich das heute wieder höre, denke ich: Unmöglich, dass das jeden Tag zehnmal im Fernsehen lief.»
Und doch war Spoerri erfolgreich: Sein Werbespot für die Firma «Bic» erhielt den ersten Preis am Werbefilmfest in Cannes, sein Soundtrack für den Krimi «Der Würger vom Tower» gilt mittlerweile als Kult. Ein Sample aus den 70er-Jahren schliesslich machte 2015 Schlagzeilen, als Spoerri einen Urheberrechtsstreit gegen den US-Rapper Jay-Z gewann.
Ob Werbespot oder Spielfilm: Spoerri nahm die Aufträge wie ein Handwerker entgegen. «Ich fühlte mich wie ein Schreiner, der einen Stuhl machen muss, auf dem man sitzen kann. Wenn er schön wird, ist das umso besser.»
Vom Saxofon zur Software
Angetan war Spoerri auch von der elektronischen Musik. Sein Studio in Zürich ist voller verkabelter Geräte und Computer. Anfangs spielte er auf selbstgebastelten elektronischen Tasteninstrumenten. Dann stiess er auf das Lyricon – eine Kreuzung aus Synthesizer und Saxofon. «Das war für mich die grosse Befreiung», sagt er.
Später kamen die ersten Computer ins Spiel. Anfangs hasste Spoerri die Technologie: «Das war mir zu starr, zu mechanisch.» Mittlerweile bastelt er selbst mit Softwares herum – etwa mit einer, die Handbewegungen vor der Kamera in Perkussion umwandelt.
Plötzlich Neuland
66 Jahre lang hat Bruno Spoerri die Musik bis in die hintersten Ecken erforscht – kaum eine Klangkunst blieb von seiner Experimentierlust unberührt. Das macht seine neue CD-Box deutlich.
Neue CD-Box
Von Bruno Spoerri ist neu die 5-CD-Box «A Portrait» erschienen. Sie versammelt unveröffentlichte Werke aus über sechs Jahrzehnten.
Drei CDs widmen sich den grossen Steckenpferden Spoerris: Jazz, Filmmusik und Elektronik. Zwei weitere sind gefüllt mit Festivalmitschnitten und sonstiger Musik, die in keine Kategorie passt.
Aus der Bezeichnung als Pionier macht sich Spoerri aber wenig: «Das wird man erst nachträglich. Eigentlich gerät man einfach in etwas rein, versucht das möglichst gut zu machen. Und plötzlich merkt man, dass man im Neuland sitzt und etwas macht, das noch nie gemacht wurde.»