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Artikel 141 der Bundesverfassung bestimmt, dass völkerrechtliche Verträge, die "wichtige rechtsetzende Bestimmungen enthalten oder deren Umsetzung den Erlass von Bundesgesetzen erfordert", dem fakultativen Referendum unterliegen. Seit Inkrafttreten dieser Bestimmung im Jahr 2003 hat sich bei internationalen Standardabkommen, zu denen die Doppelbesteuerungs-, Freihandels- und Investitionsschutzabkommen sowie die Abkommen über die soziale Sicherheit zählen, dennoch die Praxis entwickelt, diese nicht dem fakultativen Referendum zu unterstellen. Bundesrat und Bundesversammlung führten zur Begründung auf, rechtsetzende Bestimmungen seien nur dann als wichtig zu betrachten, wenn sie zusätzliche Verpflichtungen für die Schweiz schaffen. Verpflichtungen wurden also nur dann als wichtig betrachtet, wenn sie nicht bereits in anderen Verträgen der Schweiz mit anderen Staaten vereinbart worden waren. Die Praxis bezüglich der Standardabkommen wurde wiederholt als inkonsistent kritisiert und infrage gestellt. 2009 rückte der Bundesrat im Zuge der Neuausrichtung der internationalen Steuerpolitik vorerst im Bereich der Doppelbesteuerungsabkommen davon ab.
Geltende Praxis aufgeben
Der Bundesrat hat das BJ beauftragt, die geltende Praxis bei den Standardabkommen vertieft zu analysieren. In seiner Analyse, die der Bundesrat heute zur Kenntnis genommen hat, gelangt das BJ zum Schluss, dass die Praxis aufgegeben werden soll. Wortlaut und Entstehungsgeschichte von Artikel 141 der Bundesverfassung machten deutlich, dass für innerstaatliche Gesetze und für internationale Verträge dieselben Regeln gelten sollen. Bei der Beurteilung, ob eine rechtsetzende Bestimmung wichtig ist oder nicht, ist deshalb einzig die Frage entscheidend, ob ein bestimmter Regelungsinhalt eines völkerrechtlichen Vertrages auf Gesetzesstufe angesiedelt werden müsste, wenn er landesrechtlich erlassen würde. Das Kriterium der Neuheit eines bestimmten Regelungsinhaltes eines völkerrechtlichen Vertrages, das der Bundesrat bisher benutzt hat, darf hingegen nicht zur Beurteilung der Wichtigkeit einer Bestimmung herangezogen werden.
Vertragsabschlusskompetenz delegieren
Der Bundesrat schlägt vor, für die Sachgebiete, in denen viele inhaltlich ähnliche Abkommen abgeschlossen werden, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, die entweder den Bundesrat oder die Bundesversammlung zum selbständigen Abschluss von internationalen Standardabkommen ermächtigen. Durch eine Delegation der Vertragsabschlusskompetenz kann die bisherige Praxis gesetzgeberisch kodifiziert werden, was zur Rechtssicherheit und zur Verwesentlichung der politischen Auseinandersetzung beiträgt.
Letzte Änderung 22.06.2016