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Die Menschheit lebt in einer Umgebung, in der Energieüberfluss herrscht. Wir schaffen es bloss nicht, diese Energie umweltverträglich zu nutzen.
Auszug aus: YUVAL NOAH HARIRI 'Eine kurze Geschichte der Menschheit'
Die in den fossilen Brennstoffvorkommen der Erde gespeicherte Energiemenge ist winzig im Vergleich zu der Energie, die die Sonne jeden Tag kostenlos ins All schleudert. Davon kommt zwar nur ein Bruchteil auf der Erde an, doch unser Planet erhält immer noch Jahr für Jahr Zuwendungen in Höhe von 3.766.800 Exajoule Sonnenenergie (ein Exajoule ist eine Energieeinheit. Ein Joule entspricht der Energie, die Sie aufwenden müssen, um einen Apfel einen Meter hoch zu heben. Ein Exajoule sind Milliarden Milliarden Joule – das sind eine Menge Äpfel.
Von dieser gewaltigen Energiemenge fangen sämtliche Pflanzen unseres Planeten mit ihrem Prozess der Photosynthese lediglich 3000 Exajoule ein. Wir Menschen verbrauchen zur Zeit pro Jahr sogar nur 500 Exajoule – so viel, wie die Sonne in anderthalb Stunden auf die Erde schickt. Und das ist nur die Sonnenenergie. Dazu kommen weitere riesige Energiequellen, zum Beispiel die Kernenergie oder die Gravitation, die sich in den Gezeiten bemerkbar macht.
Vor der Industriellen Revolution war der menschliche Energiemarkt fast ausschließlich von Pflanzen abhängig. Die Menschen lebten an einem grünen Energiefluss, der pro Jahr 3000 Exajoule mit sich führte, und versuchten, so viel Energie aus dem Fluss zu pumpen, wie sie nur konnten. Doch sie konnten nur eine bestimmte Menge entnehmen, ohne dass der Fluss austrocknete. Im Verlauf der Industriellen Revolution stellten wir jedoch fest, dass wir in Wirklichkeit neben einem nahezu grenzenlosen Ozean der Energie mit Abermillionen von Exajoule leben. Jetzt müssen wir nur noch bessere Pumpen erfinden.
(Matthias Brügger)