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Klimaveränderung und die Asiatische Tigermücke
Durch die regelmässigen Regenfälle der letzten Wochen sind viele Wasserstellen mit stehendem Wasser entstanden, die den Mücken und damit auch den Tigermücken als Brutstätten dienen. Zudem haben wir aktuell hochsommerliche Temperaturen. Dies beiden Faktoren können zu einem rasanten Anwachsen der Mückenpopulationen führen.
In der Schweiz sind momentan drei verschiedene gebietsfremde, invasive Mückenarten nachgewiesen: die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die Japanische Buschmücke (Aedes japonicus) und die Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus). Aus medizinischer Sicht hat die Asiatische Tigermücke die grösste Bedeutung, da sie, abgesehen von ihrer enormen Lästigkeit, Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya oder Zika-Viren übertragen kann.
Die Asiatische Tigermücke stammt ursprünglich aus Südostasien, wo sie als Waldbewohner vor allem in Baumhöhlen brütet. Mit zunehmender Verbreitung durch die Erschliessung von Waldgebieten als Siedlungsraum, drang sie in urbane Gebiete vor und hat sich an die dortigen Bedingungen angepasst. Kleine stehende Gewässer sind in städtischen Gebieten in hoher Zahl und Vielfalt vorhanden und bieten der Asiatischen Tigermücke ideale Bedingungen, um zu brüten und sich zu vermehren. Zudem sind die Menschen ideale Wirte für die Weibchen, welche für die Eiproduktion auf Blut angewiesen sind. Von dort hat sich die Asiatische Tigermücke durch den globalen Handel und internationalen Reiseverkehr weltweit ausgebreitet. Die Eier der Asiatischen Tigermücke sind sehr trockenresistent und können so z.B. durch Altreifen zwischen Kontinenten verschleppt werden. Regional verbreitet sich die Asiatische Tigermücke vorwiegend entlang der Hauptverkehrsachsen durch Mücken, die den Menschen in die Fahrzeuge folgen.
1979 wurde die Asiatische Tigermücke erstmals in Europa (Albanien) entdeckt. Höchstwahrscheinlich wurde sie mit Altreifenlieferungen eingeschleppt, in denen sich Eier befanden. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Tigermücken in Europa hauptsächlich von Populationen aus Italien abstammen. Dort wurden anfangs der 90er Jahre Asiatische Tigermücken aus den USA eingeschleppt, die bereits gut an ein eher gemässigtes Klima angepasst waren und sich von dort aus entlang der Verkehrsachsen im ganzen Mittelmeerraum und auch in die Schweiz verbreiteten.
In der Schweiz wurde die Asiatische Tigermücke erstmals 2003 im Kanton Tessin nachgewiesen. Nach weiteren Einzelfunden wurde schliesslich 2007 im Raum Chiasso erstmals eine stabile, sich lokal vermehrende Population entdeckt. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Tigermücke innerhalb des Kantons immer weiter ausgebreitet und grossflächig etabliert. Auch nördlich der Alpen werden immer wieder einzelne Exemplare durch Fahrzeuge entlang der Hauptverkehrsachsen, insbesondere der Autobahn A2, aus dem Süden eingeschleppt und kleinere Tigermückenpopulationen wurden wiederholt in den Städten Basel und Zürich nachgewiesen. Da die Asiatische Tigermücke nur bis zu einem gewissen Ausmass an kühleres Klima angepasst ist – und somit deren Verbreitung entsprechend begrenzt ist – wird davon ausgegangen, dass das Verbreitungsgebiet mit dem Klimawandel zunehmen wird.
Die Asiatische Tigermücke kann nachweislich zahlreiche tropische Infektionskrankheiten übertragen, insbesondere das Chikungunya- und Dengue-Fieber sowie Zika Viruserkrankungen. Theoretisch wäre es auch in der Schweiz möglich, dass diese Krankheiten dort übertragen werden könnten, wo die Asiatische Tigermücke vorkommt. So wäre es denkbar, dass eine Person aus einem Gebiet zurückkehrt, wo diese Viren zirkulieren und sie sich dort damit angesteckt hatte, hier von einer Asiatischen Tigermücke gestochen wird und diese so das Virus lokal weiterverbreitet. Dass eine solche lokale Übertragung auch bei uns nicht ausgeschlossen werden kann, belegen zahlreiche Krankheitsübertragungen in Europa, die auf infizierte Reiserückkehrer und lokal angesiedelte Asiatische Tigermücken zurückzuführen sind. Jedoch wurde in der der Schweiz bisher keine solche Übertragung dokumentiert.
Was tun?
Im Gegensatz zu den meisten einheimischen Mücken ist die Asiatische Tigermücke vorwiegend tagaktiv und wird als sehr aggressiv wahrgenommen. Wir empfehlen das Tragen von heller, langer, nicht enganliegender Kleidung. Zusätzlich können Mückenschutzmittel helfen, die Plagegeister fernzuhalten. Es gilt zu unterscheiden zwischen Produkten, welche auf die Haut aufgetragen werden und solchen für die Kleidung. Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserem Infoblatt “Mückenschutzmittel”.
Die Asiatische Tigermücke legt ihre Eier gerne in kleine stehende Wasseransammlungen wie Regentonnen, Topfuntersetzer, Blumenvasen, Tiertränken, verstopfte Abflüsse, Regenrinnen, ungebrauchten Giesskannen und ähnlichen Gefässen ab. Es lohnt sich deshalb, den eigenen Garten oder Balkon immer wieder auf solche Brutstätten zu überprüfen und diese, wenn möglich, zu entfernen, damit sich die Mücke nicht vermehren kann. Achten Sie dabei besonders auf folgende Punkte:
- Stehendes Wasser in Blumentopfuntersetzer vermeiden oder mindestens einmal die Woche ersetzen
- Abgestandenes Wasser nicht in den Gully giessen, sondern direkt auf den Boden kippen
- Giesskannen, Eimer etc. nach dem Benutzen entleeren und umgedreht lagern
- Regenrinnen vom Laub befreien
- Alle Wasserbehälter wie Tränken regelmässig reinigen
- Wasser in Planschbecken und Spielsachen regelmässig erneuern
- Regenfässer mit Mückennetzen verschliessen
- Wasseransammlungen auf Abdeckplanen etc. verhindern
- Zur Erforschung der Tigermücken, deren Ausbreitung und Verhalten gibt es mehrere Tigermücken-Projekte unter dem Patronat der Swiss TPH (Swiss Tropical and Public Health Institute, Tropeninstitut Basel )