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Turnen im Sommer und Gesang im Winter gemeinschaftlich in zwei Abtheilungen am Mittwoch und Sonnabend Nachmittag.
Die Glaffen VII bis V inclusive find für das Lebensalter vom 9. bis 13. oder 10. bis 14. Jahre und die Glaffen IV bis inclusive für die Zeit vom 13. bis 17. oder 14. bis 18. Jahre berechnet. Der Cursus sämmtlicher Claffen ist ein: jährig angenommen, aber dabei berücfichtigt, daß im Durchschnitte fast jeder Schüler in irgend einer der fieben Classen möglicher Weise zwei Jahre verbleibt. Bei einem Eintritte mit dem 9. Jahre und nur einjährigem Besuche jeder Classe erfolgt der Abgang aus I. mit dem 16. Jahre. Die der ganzen Anstalt vorangehende elementare Vorschule für das Lebensalter vom 6. bis 9. Jahre inclusive ist zu 3 Classen mit je einjährigem Cursus angenommen.
Die Einreihung von Schülern, welche aus anderen Anftalten in die so eingerichtete Gewerbeschule eintreten, fann nach folgenden Gesichtspunkten geschehen:
Conftrmirte Schüler der I. Classe . der Volksschule stnd in die IV. Claffe, Bewerber mit der Reife für Tertia eines Gymnasiums oder einer Realschule in die III. Classe und in höheren Klassen dieser Anstalten gebildete Schüler in die II. Classe der Gewerbeschule einzureihen.
Eine zweite Art der Verbindung beider in Rede stehens den Anstalten ist ihre vollständige Incorporation zu einer fedisclassigen Sewerbeschule. Eine solche würde nicht allein Zweck und Aufgabe der in sie einverleibten Bürgerschule vollständig erfüllen, sondern höhere Unterrichtsziele anstreben, welche den Bürgerschulen in ihrer gegenwärtigen Einrichtung mangeln. Es hat diese Einrichtung vor der zuerst besprochenen den Vorzug, daß fie, außer ihrer Eigenschaft als Vorbereitungss anstalt für das Polytechnicum, im Stande ist, den Bedürfnissen eines großen Theiles der Jugend Rechnung zu tragen, welcher sich den mittleren Gewerben widmet und sogleich nach erfolgter Confirmation die praktische Lehrzeit antritt, was bei der zuerst besprochenen Einrichtung um 1 bis 2 Jahre hinauss gerüdt wird, weil dort durchschnittlich der Uebergang in die Gewerbeschule erst mit dem 13. oder 14. Lebensjahre stattfindet. Dahingegen läßt diese zweite Einrichtung keine fo leichte, zweckmäßige Einreihung aus anderen Anstalten in fie übergehender Schüler zu, insofern diese, wenn sie schon älter als 14 Jahre find und nicht sofort in die II. Classe der Anstalt eintreten können, neben nicht confirmirten Knaben Plaks nehmen müssen, was namentlich für ältere Schüler, die schon praktisch gearbeitet haben, empfindlich ist.
Eine für eine derartige Einrichtung mustergültige Anstalt,
Die leitenden Gesichtspunkte bei Aufstellung dieses Unterrichtsplantes waren folgende:
Die Naturwissenschaften, die Mathematik, die deutsche Sprache und graphischen Fächer müssen in erster Linie BerückFichtigung finden, demnächst die französische und englische Sprache, Geschichte, Geographie, Schreiben und Religion. Von den unteren nach den höheren Abtheilungen hin muß die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden für die neueren Sprachen, für Geschichte und Geographie aumälig abnehmen, für die deutsche Sprache constant bleiben, für die Mathematik, die Naturwissenschaften und die dem Zeichnen gewidmeten Disciplinen stetig wachsen. Es wird genügen, wenn ein Schüler, welcher die Anstalt von seinem 10. Lebensjahre ab besucht, bis zu seinem Uebergange nach der ersten Classe, in der französischen und englischen Sprache so viele Lectionen erhält, wie ein Zögling einer preußischen Realschule I. Ordnung von Seyta bis zu seinem Eintritte in die Prima unter der Vorausseßung eines einjährigen Aufenthaltes in den Claffen bis Tertia und eines zweijährigen in der Secunda. Der Unterricht in der Geographie wird in Anbetracht, daß die Schüler der unteren Classen außerhalb der Lehrstunden viele geographische Karten zu zeichnen haben, im Algemeinen ein schnelleres Tempo annehmen fönnen, und die Behandlung der Geschichte nicht allein durch häusliche Lectüre geeigneter Bücher der Schülerbibliothet, sondern insbesondere auch durch eine geschickte Handhabung des deutschen Unterrichtes eine reiche Nahrung finden.*)
Der praktische Berth dieser Anstalt befundet sich am sichersten in der großen, rasch steigenden Frequenz, in dem lebhaften Interesse der Bürgerschaft für diefelbe und in der Zufriedenheit der hödysten Behörden mit den Einrichtungen
und Leistungen der Anstalt, bevor ste noch die Ausdehnung hatte, welche der Stundenplan nachweist.
Die Schülerzahl, welche im ersten Halbjahre nach Eröffs nung der Schule (23. April 1863) 127 betrug, stieg bis zum Sdlusfe des Schuljahres 1865 bis 1866 auf 166. Die Unzulänglichkeit der in Folge starker Frequenz fich sehr bald als zu eng erweifenden Schulräume und das inzwischen bers vorgetretene Bedürfniß einer wesentlichen Erweiterung der Anftalt in unterrichtlicher Beziehung veranlaßte den Beschluß des Stadtverordneten- Collegiums zu einem Neubaue des Schuls hauses. Die Zufriedenheit der höchsten Behörden sprach sich nicht allein in der schon im Eröffnungsjahre erfolgten Vers leihung des Rechtes zur Abhaltung von Entlassungsprüfungen, sondern auch in der Bewilligung eines jährlichen Zuschusses von 1500 Thlrn. aus Staatsmitteln zu den Unterhaltungsfoften der Schule auf 10 Jahre aus.
Die Combination der Gewerbeschule mit der Bürgerschule hat namentlich für größere, volfreiche Städte, in welchen umfangreiche Bürgerschulen ein unabweisbares Bedürfniß sind, große Wichtigkeit, und zwar nicht allein für die männliche Jugend der eigenen Bevölkerung, sondern auch für die Söhne der im weiten Umfreise wohnenden Familien und für erwachsene junge Leute, welche in den zahlreichen technischen Stablissements der großen Städte zur Erlernung des Betriebes chemisch- und mechanisch - technischer Fabricationszweige fich aufhalten, ohne vorher eine geeignete Vorbildung genossen zu haben.
Alle diese Umstände müssen in Rechnung gezogen werden, wenn es sich darum handelt, die Lebensfähigkeit solcher Anstalten im Voraus zu beurtheilen, deren Tendenz durch klar vorliegende Bedürfnisse des Publicums scharf vorgezeichnet ift.
Die Reorganisation der Gewerbeschulen wird nicht lange mehr beanstandet werden können; ste kann und wird sich vollziehen, selbst wenn die Vereinigung der verschiedenen höheren technischen Schulen in Preußen zu einem eigentlichen, vollständigen Polys
*) Jahresbericht der höheren und niederen Gewerbeschule zu Barmen pro 1865 bis 1866 von Dr. Walter Zeme, Director.
technicum, wie voraussichtlich, vorerst faum zu gewärtigen ist. Störung, wie für jedes andere Studium; außerdem muß die
; Sie werden lebensfähig sein auch ohne Verleihung schüßender Befugniß zum einjährigen freiwilligen Militairdienste als ein Privilegien, unter welchen die Qualification für die technischen volksthümliches Privilegium erachtet werden, das jedem Ges Berufsfächer des Staatsdienstes nach Absolvirung des zur bildeten zugänglich sein muß. Hochschule erhobenen Polytechnicums für den angehenden Tech
In Wirklichkeit tragen auch die Anforderungen der Denifer das gewichtigste sein würde. Sie sind unter den jegt partements-Prüfungscommissionen dieser Auffassung Rechnung, bestehenden Mittelschulen diejenigen, welche von ihren Zöga und es ist deshalb in den oben entwidelten Principien einer lingen durch eigene freie Selbstbestimmung zur Vorbereitung Reorganisation der Gewerbeschulen Bedacht darauf genommen, für eine Lebensstellung gewählt werden, deren Erlangung durdy die Schüler derselben mit denjenigen Kenntnissen auszurüsten, Nichts als unausgesepte Thatfraft garantirt wird. Darin aber welche, einer Versagung jenes Privilegiums an die Anstalten eben liegt das Wesen jener bürgerlichen Selbstständigkeit, ungeachtet, zur Erlangung dieser Befugniß befähigen. welche durch Industrie und Gewerbe geschaffen, neben eben
Der im Vorstehenden gemachte Versuch, die Vorbildung mäßiger Entwickelung der Landwirthschaft und des Handels für polytechnische Schulen auf Grund vorliegender Thatsachen den fichersten Maßstab für den Nationalwohlstand abgiebt. und Erfahrungen als Bedürfnißfrage zu erörtern, macht Es liegt im Interesse des Staates, diese selbstständige Ent- nicht den Anspruch einer maßgebenden Vorlage, wohl aber widelung zu unterstüßen und in ähnlicher Weise zu fördern, liegt ihm die Absicht zu Grunde, dem bereits Bestehenden wie er es bereits in so ausgedehntem Maße hinsichtlich der- die Anerkennung zu wahren, welche ihm gebührt, und ein jenigen Schulen gethan hat, deren Besuch zum Eintritte in Scherflein zur Klärung einer Idee beizutragen, welche sowohl die verschiedenen Branchen des Staatsdienstes berechtigt. Zum für den Mann der Praxis, wie auch für den Pädagogen von Wenigsten wäre es billig und recht, die nach obigen Principien Wichtigkeit ist. organisirte Gewerbeschule als eine dritte Kategorie von Mittel
Halberstadt, im September 1866. schulen mit den Gymnasten und der Realschule durdy Ver
Dr. Breidenstein, leihung des Privilegiums zum einjährigen freiwilligen Militair
Lehrer der Naturwissenschaften an der Röniglichen dienste gleich zu berechtigen. Eine mehrjährige Unterbrechung
Provinzial-Gewerbeschule zu Palberstadt und Mitglied seiner Ausbildung ist für den Techniker eine ebenso tiefgreifende
des Vereines deutscher Ingenieure.
Die Kettenschifffahrt auf der Elbe.
(Hierzu Tafel V, VI und Figur 1 bis 3, Tafel VII.)
(Schluß von Seite 205.)
Beschreibung des Kettendampfschiffes. Der Kettendampfer ist mit Benußung der in Paris mit ähnlichen Fahrzeugen gemachten Erfahrungen construirt und den hiesigen Verhältnissen angepaßt.
Zeichnungen und Beschreibung eines der Compagnie du touage de la baute Seine gehörigen Kettendampfers befinden fich in der „Publication industr.“ von Armengaud. Für die Elbe schien es nothwendig, das Schiff mit möglichst geringem Tiefgange herzustellen, damit auch bei ganz schlechtem Wasserstande zum Mindesten leere Fahrzeuge geschleppt werden fönnten. Es war demnach geboten, dem Schiffe große Dimenfionen zu geben, Maschine und Reffel dagegen sehr leicht her: zustellen. Die in ,,Publication industr.“ beschriebene Maschine sowohl, als die von Cail & Co. für die Basse Seine erbauten Maschinen sind in jeder Beziehung complicirt und schwer, auch nicht hinreichend solide, da die einzelnen Theile fast ohne Verbindung in den verhältnißmäßig leichten Schiffsförpern stehen. Die Anordnung der Trommelachfen macht außerdem eine dritte Unterstüßung dieser Achsen außerhalb der Trommel nothwendig, welche durch die größere Länge der Trommelachsen des Elbe-Kettendampfers entbehrlich wurde, und ist die Maschine namentlich mit Rücficht auf Vermeidung eines dritten Lagers construirt.
Die Schiffe der Seine find sämmtlich mit doppelten Vorgelegen der Trommelwellen versehen, welche je nach Bes
dürfniß bei den Thal- und Bergfahrten aus- und eingerückt werden können, dem Schiffe bei der Thalfahrt also den seiner Kraft entsprechenden rascheren Gang, ohne Vergrößerung der Geschwindigfeit der Maschine, sichern.
Bei dem vorliegenden Schiffe, dessen Trommelwellen wie 49 : 89 vorgelegt und der Bergfahrt angepaßt sind, glaubte man das zweite, die Trommelwellen rascher bewegende, Vors gelege einstweilen entbehren zu können, da das Schiff vor der Þand nur die deutsche Meilen (5,6 Kilomtr.) lange Strede zwischen Neustadt - Magdeburg und Buđau befährt, und die Operation des Ausrüdens der Vorgelege für eine so furze Fahrt nicht lohnend genug erschien.
Die Maschine muß daher bei der Thalfahrt um so viel schneller gehen, als es die durch größere Geschwindigkeit des Schiffes im Vergleiche zur Stromgesdhwindigkeit zu erzielende Steuerkraft desselben verlangt.
Als ein Durchschnitt der Umdrehungszahlen der Maschine bei der Bergfahrt stellten sich 50 Umdrehungen, bei der Thalfahrt 70 Umdrehungen heraus, wobei also die wirksame Pes ripherie der Rettentrommel 124 Fuß engl. (3",68) beträgt. Die Geschwindigkeit des Schiffes ist sonach pro Minute bei der Bergfahrt
50. s. 124 = circa 340 Fuß (104") und bei der Thalfahrt
70.9. 13} = circa 475 Fuß engl. (145")
oder pro Stunde
deutsche Meilen (6,25 Kilomtr.) bei der Bergund
i deutsche Meilen (8,75 Kilomtr.) bei der Thalfahrt
Die im Stronie versenkte Kette ist eine englische Ankerfette gewöhnlicher Construction, bester Qualität von 3 Zoll engl. (22mm) Eisenstärke, und besteht dieselbe, der Bequemlichkeit wegen für die eintretende Nothwendigkeit einer Verfürzung oder Verlängerung derselben, aus einzelnen Längen, welde mit Schloßgliedern verbunden sind.
1
Erläuterungen zu den Zeichnungen des Ketten
dampfers Tafel V, VI und Fig. 1 bis 3, Taf. VII. Tafel V stelt in Fig. 1 einen Längendurchschnitt, in Fig. 2 einen Grundriß und in Fig. 3 und 4 zwei Querschnitte des Schiffes dar, Legtere in vergrößertem Maßstabe. Das Schiff hat eine Länge von 170 Fuß (51",3) bei einer größten Breite von 22 Fuß engl. (6",7) und geht vollständig ausgerüstet 17 Zoll engl. (177"") tief. Es ist mit Ausnahme des Dedes ganz aus Eisen erbaut und hat vor und hinter der Maschine je eine wasserdichte Wand. Die Disposition des Ressels und der Maschine sind aus den Zeidnungen ersichtlich.
Das Schiff ist mit zwei Steuerrudern versehen, welche von der Mitte aus gemeinschaftlich gesteuert werden. An jedem Ende des Sdiffes ist ein beweglicher Arm, in Fig. 5 und 6 in größerem Maßstabe dargestellt, angebracht, welcher, init verschiedenen Rollen versehen, die aus dem Flusse empor: steigende und am anderen Ende berabsinkende Kette unter: stüßt. Dieser Arm fann fich, je nach der Lage der Kette, in einer horizontalen Ebene um circa 90° drehen, und wird hier: durch die Steuerfähigkeit des Schiffes in gewiffen Grenzen, unabhängig von der Lage der Kette, gesichert; d. by
. man kann durch diese Einrichtung die Lage der Kette im Flusse mittelst der Steuerfraft des Schiffes verändern.
Der bewegliche Arm dreht fich um den Punkt a; er ist durch 2 Rollen b, b auf einer freisförmigen Bahn unterstüßt. Die Rolle c (Fig. 5 und 6) nimmt die Rette auf; die aufrechten Rollen d, d sind der größeren Sicherheit wegen angebracht. Die Rollen e, e werden, je nachdem ich der Arm (Rollenträger) dreht, abwechselnd in Anspruch genommen und vermitteln den Lauf der Kette, welche, durch Rollen unters stüßt, die hölzerne Rinne ff (Fig. 1 und 2) passirt, mehrmals die Treibrollen gg umschlingt und in umgekehrter Rich tung wieder nach dem Flusse gelangt.
Taf. Vi stellt in drei Ansichten die Maschine dar, und zwar Fig. 1 einen Längenschnitt, Fig. 2 einen Querschnitt und Fig. 3 einen Theil des Grundriffes derselben. Sie hat 2 im rechten Winkel schrägliegende Cylinder von 13 Zoll (355mm) Durchmesser und 27 Zoll (656) Şub, welche mittelft ihrer Pleuelstangen die gemeinschaftliche Kurbelachse treiben. un dem Querkopf eines Cylinders ist ein Hebel angeschlossen, welcher die geineinsdhaftliche spufrechtstehende Luftpumpe und eine Speisepumpe betreibt. Die Steuerking geschieht mittelst zweier Coulissen, welche durch zwei Egcentrits bewegt werden. Expansion erfolgt, ohne besondere Schieber, durch diese Cous lissen, wie bei Locomotiven üblich.
Zwei durdo gemeinschaftliches Excentrif betriebene ledpumpen sind an der Maschine angebracht. Als Reserve dient eine Dampfspeisepumpe, welche an der Schiffswand befestigt ift. Die Anordnung der Vorgelege nebst Kettentrommeln ist aus der Zeichnung ersichtlich.
Die Construction der Rettentrommeln ersieht man aus Fig. 4 und 5; fie bestehen aus gußeisernen Scheiben, welche mit Stahlreifen armirt und zwischen jedem Kettenlauf mit idmiedeeisernen Ränderit versehen find. Fig. 1, 2 und 3, Taf. VI, stellen den Kessel dar, welcher bei circa 900 Quas dratfuß (84 Qdrtmtr.). Heizfläche zu 4 Atmosphären Ueberdrud concessionirt und so eingerichtet ist, daß er möglichst wenig über Deck ragt. Die Construction desselben ist aus der Zeichnung hinlänglich ersichtlich.
Untersuchungen über Draht- und Blechlehren. . Ein fernerer Beitrag zur Erörterung der Zweckmäßigkeitsfrage über die obligatorische Einführung einer allgemein gültigen Normallehre für Draht, Blech und andere verwandte Artikel.
Von Richard Peters.
(Hierzu Blatt 2 bis 4.)
II. Feststellung der Stärken in Millimeter für die Nummern der verschiedenen Lehren.
(Fortsegung von Seite 135.)
3. Die Dillinger Biedlebre. Auch für die Dillinger *) Blechlehre existirt eine feste Norm, durch welche die Stärfen der einzelnen Nummern in
Zahlen bestimmt werden, und zwar war für dieselbe ursprüngs lich das Gewicht des altfranzösischen Quadratfußes in altpreus Bischen Pfunden und die Dicke in französischen Linien ausges drückt, wie dies aus nachstehender Tab. III bervorgeht.
Der Anfangspunkt der Scala, 5mm,64, ist für Messungen von Bled passend gewählt, während für den Gebrauch in Drahtziehereien noch stärfere Nummern nicht fehlen dürften. Die dünnfte Nummer ist 24 mit.Omm, 282 Stärke; doch wird dieser Grad der Feinheit bei Knopfblechen (fers noirs) überschritten, und wären daher für diese Zwede stellenweise noch feinere Nummern hinzuzufügen.
*) Der Name dieser zuweilen irrthitmlich als „Dillenburger“ aufs geführten Lehre stammt von dem größten und ältesten deutschen Blechwalzwerke Dillingen bei Saarbrücken, von wo aus sie über den größten Theil von Süds und Westdeutschland fich verbreitete.
Omm,188,
1 16
Die Abstufung ist im Allgemeinen, dem Karmaridh'ichen Geseße entsprechend, in den dicken Nummern weniger stark, als in den dünnen; ste ist im Wesentlichen rationell, wenn auch die Verdünnungsfactoren meist etwas zu groß, also die Abnahme zu langsam ift. Dagegen ist dieselbe in den legten Nummern, von Nr. 20 an, zu rasch, indem dort Verdünnungsfactoren von 0,800, 0,750, sogar 0,667 vorkommen, welche die Lehre für die Zwecke der Drahtziehereien völlig untauglich machen würden. Auch in der Praxis des Blechhandels hat es fich herausgestellt, daß die betreffenden Abstufungen zu ras pide find, und half man sich deshalb durch Einschaltung von halben und viertel Nummern, und namentlich zwischen Nr. 22, 23 und 24.
Der durchschnittliche Verdünnungsfactor aler Nummern beträgt 0,8804; das Maximum desselben ist 0,987, das Minimum 0,667.
Charakteristisch für die Dillinger Lehre ist, daß die Stärken der Nummern innerhalb gewisser Zwischenräume ftets um eine conftante röße differiren, nämlich zwischen Nr. 1 und 3 um je i Linie franz. 3
=
zwischen Nr. 11 und 14 um je i Linie franz.
14
= 0mm, 141, so daß die Projection der Lehre Blatt 2 (zu Seite 143), Blatt 3 (zu Seite 143) und Blatt 4 (zu Seite 241) — aus 2 kürzeren und 2 längeren geraden Linien fich zusammensept; aus dieser Projection ist, im Vergleiche zu den Curven anderer Lehren, der für die dünneren Sorten der Dillinger Lehre gerügte Fehler zu erkennen in der zu wenig geneigten Richtung des legten Stüdes der betreffenden Linie.
Die Dillinger Lehre ist mit ihren Originalzahlen faum noch im Gebrauche, weil die betreffenden Maße und Gewichte nicht mehr üblich find. Bei den in neuerer Zeit vorgenommenen Reductionen hat man einerseits den rheinländischen Quadratfuß an Stelle des französischen, sowie das Zolpfund an Stelle des altpreußischen gesegt; jedoch sind dabei so viel Irrthümer und Rechenfehler entstanden, daß ein Vergleich der Dillinger Lehre, welche die reducirten Zahlen fast richtig enthält, mit denen der Siegener und Nassauer, rheinischen und westphälischen Sturzblechwalzwerfe sehr viel Abweichungen ergiebt. Namentlich walzt man im Siegen'schen die dünneren Sorten viel stärker, als es der Originallehre entspricht, indem
Omm, 564, Onam, 282,
= 11