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Mirra Alfassa (Die Mutter)
1878 – 1973
Sri Aurobindos spirituelle Mitarbeiterin, Die Mutter, wurde am 21. Februar 1878 in Paris geboren. Das Kind Mirra war sich von klein auf seiner göttlichen Herkunft bewusst und dass es über dem Menschlichen stand. Schon in ihrer Jugend wurde sich Mirra einer mehr als menschlichen Kraft gewahr, die hinter ihr stand und oft in ihr wirkte – sie wusste, dass diese Kraft ihr geheimes Wesen war. Über ihre Kindheit und ihr frühes spirituelles Leben schrieb die Mutter:
„Zwischen elf und dreizehn enthüllte mir eine Reihe von psychischen und spirituellen Erfahrungen nicht nur die :Existenz Gottes sondern des Menschen Möglichkeit, sich mit Ihm zu vereinen und Ihn integral in einem göttlichen Leben zu verwirklichen”.
Die junge Mirra war nicht nur eine talentierte Musikerin, sondern entwickelte sich auch zu einer vollendeten Malerin, die zunächst am stimulierenden künstlerischen Ambiente und literarischen Leben im Paris der Jahrhundertwende teilnahm. Gleichzeitig entwickelte sie ihre inneren Erfahrungen weiter, die sie zunächst zur Exploration der okkulten Wissenschaften führten, welche damals auch zentraler Ausdruck der zeitgeistlichen Strömung waren.
1906 reiste sie nach Tlemcen in Algerien, wo sie für 2 Jahre Okkultismus unter Alma und Max Théon studierte. Nach ihrer Rückkehr hatte sie eine Gruppe von spirituellen Schülern und hielt zwischen 1911 und 1913 viele Vorträge in Paris. Ein Jahr später unternahm sie eine Seereise nach Indien und Pondicherry, wo sie im Alter von 36 Jahren zum ersten Mal Sri Aurobindo begegnete. Sie erkannte in ihm sofort jenes Wesen und inneren Führer, der sie durch viele Jahre ihrer spirituellen Entwicklung begleitet hatte und verstand, dass sie zu einer gemeinsamen Arbeit mit ihm bestimmt war. Sie blieb für 11 Monate in Pondicherry und half Sri Aurobindo bei der Publikation des ‘Arya’, bevor sie nach Frankreich zurückkehrte. Ein Jahr später reiste sie nach Japan, wo sie fast 4 Jahre lebte, bevor sie ihre Mitarbeit an Sri Aurobindos spirituellen Werk wiederaufnehmen konnte. Am 24. April 1920 kehrte die Mutter nach Pondicherry zurück.
Nach ihrer Ankunft nahm die Zahl der Schüler um Sri Aurobindo zu und aus der Gruppe formte sich allmählich der Sri Aurobindo Ashram. Als sich Sri Aurobindo 1926 vom öffentlichen Leben in die endgültige Klausur zurückzog, übergab er die volle materielle und spirituelle Verantwortung des Ashrams der Mutter.
Der Ashram:
Unter ihrer Leitung, die sich über eine Zeitspanne von fast fünfzig Jahren erstreckte, wuchs der Ashram zu einer vielseitigen spirituellen Gemeinschaft. Die stetige Zunahme von Schülern und Besuchern erforderte weitere Infrastruktur, so entstanden die ersten Einrichtungen und Departemente, die sich mit der Zeit zu einer eigentlichen Miniaturwelt ausdehnten. Aus der von der Mutter angefangenen Schule entwickelte sich das heutige Internationale Zentrum für Erziehung mit 450 Studenten und 200 Lehrkräften. Die Fächer umfassen humanistische Erziehung, Sprachen, bildende Kunst, Wissenschaften, Ingenieurswissenschaft- und Technologie sowie diverse Berufsausbildungen. Dazu gehören Einrichtungen wie Bibliotheken, Labors, Ateliers, ein Theater sowie Studios für Drama, Tanz, Musik und Malerei. Die Mutter legte grossen Wert darauf, dass die Schule anders war, als die übrigen Institute der Welt. Sie basierte ihre Erziehung auf das Prinzip Kindern eine Chance zu geben, zwischen dem gewöhnlichen Leben und dem göttlichen, einem Leben der Wahrheit unterscheiden zu können, um die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Sie führte früh auch Körperkultur- und Erziehung ein. Der Unterricht fand in einer von Tradition abweichenden sportlichen Bekleidung für beide Geschlechter statt, was in den 40er- und 50erJahren, im gegebenen gesellschaftlichen Umfeld südindischer Konventionen eine fast revolutionäre Massnahme darstellte.
Die Mutter wusste um die Bedeutung physischer Kultur als Mittel um Bewusstsein in die Zellen des Körpers zu bringen. Sri Aurobindo hatte betont, dass Perfektion an sich das wahre Ziel aller Kulturen ist – spirituell und psychisch, mental und vital, und dass für eine Perfektion des ganzen Wesens der physische Teil als materielle Basis und Instrument nicht ausgelassen werden kann.
So unternahm die Mutter grosse Anstrengungen um der Ashram-Jugend die Möglichkeit zu geben, den Körper zu trainieren und ihn sportlich zu entwickeln. Mit der Zeit erwarb das Departement für Physische Erziehung ein Sportgymnasium, den Sportplatz (wo auch Filme gezeigt werden) und einen Tennisplatz. Der Ashram spielte so eine primäre Rolle im Schaffen der Bedingungen für eine materielle Transformation und im damit verbundenen Bestreben diese im Körper der Menschheit zu entfachen.
Auroville -,Stadt der Morgenröte’– die zukünftige internationale Stadtgemeinde zur ersten Verwirklichung von Sri Aurobindos Vision menschlicher Einheit, wo Menschen aller Nationen zuhause sein würden – wurde von der Mutter 1968 gegründet. Sie handelte dabei nicht aus einem Impuls, oder einer spirituellen Idee heraus – gemäss ihren Worten, erlaubte sie so die Realisierung einer Vorstellung auf Erden, die bereits in einer anderen Dimension existierte – „die Konzeption von Auroville ist rein göttlich und ist ihrer Ausführung seit vielen Jahren vorausgegangen”. Die Mutter sagte voraus, dass Auroville ein Platz sein würde, wo Kinder sich integral entwickeln würden, ohne den Kontakt mit ihrer Seele zu verlieren – wo Erziehung nicht im Hinblick auf Examen, Zertifikate und Stellungen stattfindet. Es würde ein Platz sein wo die menschlichen Beziehungen, die normalerweise fast ausschliesslich auf Konkurrenz und Zwietracht gegründet sind, durch Beziehungen des Bestrebens für Verbesserung, Zusammenarbeit und echter Brüderlichkeit ersetzt sein würden. Sie nannte es einen Traum für dessen Ideal die Erde noch nicht bereit sei – aber einen Traum, der auf dem Weg ist Wirklichkeit zu werden. 1965 schrieb die Mutter:
„Auroville will eine universale Stadt sein, in der Männer und Frauen aus allen Ländern fähig sind, in Frieden und progressiver Harmonie zu leben, über aller Religion, Politik und Nationalität stehend”.
Sie formulierte auch die Charta von Auroville in der festgehalten ist, dass Auroville der Menschheit im ganzen gehört – darin wird imperativ erklärt, dass es ein Ort für Progress und nicht endende Innovation sein wird, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft.
„Auroville ist ein Platz für alle inneren und äusseren Entdeckungen und der Ort für spirituelle und materielle Forschung, im Hinblick auf eine lebendige Verkörperung von aktueller menschlicher Einheit.”
Auroville entsteht daher in der Seele seiner Bewohner und seine äussere Materialisierung reflektiert seine innere Realisation.
Seither ist Auroville ständig gewachsen, trotz aller Schwierigkeiten in der Konsensfindung bei Entscheidungen. Durch sein enormes kreatives Potential, durch die Kraft der Überzeugung und Innovationsfähigkeit seiner Bewohner, wird es immer mehr zu einem Brennpunkt internationalen Bestrebungen für menschliche Einheit und grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Wie vorher Sri Aurobindo, zog sich die Mutter später von der aktiven Leitung des Ashrams zurück und widmete ihre letzten Lebensjahre ausschliesslich der inneren yogischen Arbeit. Das zentrale Bemühen der beiden Meister hatte im Herabbringen des Supramentalen in die Erdatmosphäre gelegen. Beide hatten das Supramentale in den Bereichen des Verstandes und des Vitalen realisiert. Sri Aurobindo hatte auch im Körper bereits einen Grad des Supramentalen verwirklicht, den er den Geist des Lichts nannte und der bei seinem Tod in die Mutter eingegangen war. Es bleib der Mutter überlassen, nun den Yoga der eigentlichen Transformation der Zellen weiterzuführen, mit dem Ziel einer Mutation des genetischen Programmes. Durch yogische Kraft der inneren Realisation destillierte sie im Labor ihres Bewusstseins die Essenz ihrer Entdeckung: das Potential einer bewussten Veränderung im genetischen Code des Menschen, der bis jetzt zu Alter und Tod führt.
Die Mutter verliess ihren Körper im Verlauf dieser erstmaligen menschlichen Pionierarbeit am 17. November 1973.
Ausser dem Tagebuch ihrer Selbstfindung Gebete und Meditationen, und weitere kleinere Schriften sind sämtliche Bände von Mutter’s Gesprächen und ihre Briefe in den The Collected Works veröffentlicht. Sie beleuchten die verschiedenen Aspekte von Sri Aurobindos Integralem Yoga sowie ihre eigenen weiterführenden Erfahrungen und bieten wertvolle Hilfe auf dem Weg der Selbstvervollkommnung.
Quelle: SABDA-Buchkatalog (2005)
Das Symbol von Mirra Alfassa (Die Mutter):
Der Kreis in der Mitte repräsentiert das Göttliche Bewusstsein.
Die vier Blütenblätter repräsentieren die vier Kräfte der Göttlichen Mutter. ¹)
Die zwölf Blütenblätter repräsentieren
die 12 Eigenschaften der Göttlichen Mutter,
welche sich durch IHRE Arbeit zum Ausdruck bringen. ²)
- Vier Kräfte der Göttlichen Mutter (Mahāśakti):
Maheśvarī, Mahākālī, Mahālakṣmī, Mahāsarasvatī
- Zwölf Eigenschaften der Göttlichen Mutter (Mahāśakti):
Aufrichtigkeit, Demut, Dankbarkeit, Beharrlichkeit, Aspiration, Empfänglichkeit, Fortschritt, Mut, Güte, Grosszügigkeit, Gleichmut, Friede