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Wir haben bereits in der Juli-Ausgabe in einem Interview mit Carlo Balmelli darüber berichtet: Im November wird die erste für ein Blasorchester geschriebene Oper aufgeführt. «Unisono» hat sich erneut mit dem Tessiner Dirigenten über diesen Anlass unterhalten, diesmal mit dabei ist auch Thomas Trachsel, der Autor der Musik.
Freitag, 3., Samstag, 4. und Sonntag, 5. November: An diesen Terminen wird im Palazzo dei Congressi in Lugano «Maddalena» zu sehen und hören sein. Diese Oper bringt die von Carlo Silini in den Büchern «Il ladro di ragazze» (Der Mädchendieb) und «Latte e sangue» (Milch und Blut) erzählten Ereignisse in der Vertonung von Thomas Trachsel auf die Bühne. Und auch wenn die Bühne im engeren Sinne den Sängerinnen und Sängern vorbehalten ist, werden die Filarmonica Mendrisio und Carlo Balmelli, der bereits mitten in den Vorbereitungen für den Event steckt, die Hauptdarsteller der Veranstaltung sein. Der Dirigent hat bereits in der Juli-Ausgabe von «unisono» über die Entstehung dieser Oper berichtet; jetzt gehen wir mit ihm und Thomas Trachsel, dem Komponisten von «Maddalena», etwas mehr ins Detail.
Thomas Trachsel, «Maddalena» ist die erste Oper für Blasorchester. Haben Sie sie nach der klassischen Art einer lyrischen Oper konzipiert oder etwas Neues eingeführt?
TT Ich habe keine Neuerungen eingeführt. Natürlich gibt es Arien und Rezitative, aber auch
einige Passagen, die ohne Musik auskommen und nur auf Theater basieren. Grundsätzlich ist die Oper mit Leitmotiven konzipiert, allerdings sind diese nicht personenbezogen, sondern vielmehr auf den Emotionen aufgebaut, die im Zusammenspiel der handelnden Figuren und Charakteren entstehen.
Haben Sie Vorgaben erhalten, als Sie mit der Musik der Oper beauftragt worden sind? Wie sind Sie an die Arbeit herangegangen?
TT Nein, es gab keine Vorgaben, ich war frei. Ich hatte die Thematik des Librettos studiert, das auf den Romanen von Carlo Silini basiert, und mit dem Autor darüber gesprochen. Das war wichtig für die Dramaturgie in der Musik. Bevor ich mit der Komposition der Musik begann, besuchte ich die historisch verbürgten Handlungsorte. Und natürlich arbeitete ich mit dem Regisseur zusammen, der mir für meinen Teil der Arbeit jedoch völlig freie Hand liess.
Nach der Fertigstellung der Komposition ist der Ball nun bei Carlo Balmelli, der die Arbeit an der Oper mit der Filarmonica Mendrisio bereits aufgenommen hat. Carlo Balmelli, wie bereiten Sie sich auf die Aufführung vor?
CB Wie gewöhnlich haben wir die Proben nach der Sommerpause im wieder aufgenommen. Zwei Monate lang werden wir uns nur «Maddalena» widmen und zweimal die Woche proben. Der Chor des Opernhauses Lugano wird sich mit seinem Leiter Andrea Cupia separat vorbereiten. In den letzten zwei Wochen vor der Aufführung werden wir alle, auch die Solisten, zusammenkommen, um das Gesamtwerk vorzubereiten. Die Erwartungen der Musiker sind sehr hoch. Es ist nicht alltäglich, dass ein Blasorchester mit Stimmen arbeitet, obwohl wir das schon bei Rossinis «Wilhelm Tell» erlebt haben. Dies erneut tun zu können empfinden wir als Privileg und sind begeistert.
Und Ihre persönliche Vorbereitung, war sie anders als sonst?
CB Nein, es ist vielmehr der Moment der Aufführung, der viele Unterschiede zu einem gewöhnlichen Konzert aufweisen wird. Die grösste Herausforderung wird sein, die etwa zweihundert beteiligten Personen – Orchester, Solisten, Chor und Statisten – zu leiten!
Die Handlung der Oper
Die Oper «Maddalena» geht auf eine Legende aus dem 17. Jahrhundert zurück: Die Bevölkerung des Mendrisiotto, im südlichsten Teil der Schweiz, fürchtet sich vor einer geheimnisvollen Gestalt namens «il Mago di Cantone» (der Hexer von Cantone), der die schönsten Mädchen der Gegend entführen lässt. Es handelt sich dabei um eine reale Person, Francesco Secco Borella, der in einem Palast an den Hängen des Monte San Giorgio wohnt und mit Hilfe seiner angeheuerten Schurken die entführten Mädchen in eine Höhle sperrt, um sie nach der Durchführung geheimnisvoller magischer Rituale zu töten. Das Werk erzählt die Geschichte von Magdalena, die als einzige den bösen Hexenmeister besiegen kann, und der Personen, die sie begleiten: ihre Mutter, ihr Vater, ihr Geliebter und die anderen Opfer des Hexers. In einer Geschichte, die an Hexerei, Verfolgung und Erlösung erinnert, zeigt sich die Macht der Weiblichkeit und der Liebe über das Böse.
Lassen Sie uns über die Mitwirkenden sprechen. Was kann das Publikum erwarten? Und worauf müssen sich die Musizierenden einstellen?
TT Die Besetzung ist sehr gross. Nebst den handelnden Solistinnen und Solisten, dem gemischten Chor, Frauenchor und Männerchor, kommt das Blasorchester zum Einsatz, ergänzt mit Celli, Kontrabässen, Harfe, Klavier usw.
CB Die Filarmonica Mendrisio, eine Höchstklass-Formation, zählt rund 70 Mitglieder. Für diesen Anlass werden wir die Besetzung erweitern, wie von Thomas erklärt. Ausserdem wird es notwendig sein, die Stimmen zu verdoppeln, vor allem bei den Blechbläsern: Die üblichen Konzerte eines Blasorchesters dauern in der Regel etwas mehr als eine Stunde. Die Mitglieder der Civica bereiten sich jetzt auf die mehr als zwei Stunden dauernde Musik von «Maddalena» vor. Wir wissen, dass es eine anspruchsvolle Aufführung sein wird, sowohl auf instrumentaler Ebene als auch in Bezug auf die Konzentration und die körperliche Verfassung. Sicherlich wird es auch viel emotionale Komponenten geben, denn Thomas greift in seiner Musik typische Szenen der historischen Prozessionen von Mendrisio auf, die in der Karwoche stattfinden. Als immaterielles Kulturerbe der Unesco stellen sie ein sehr emotionales Ereignis dar, und alle Mitglieder werden zum Beispiel das Signal der Trompeter zu Pferd erkennen.
Thomas Trachsel, werden Sie bei der musikalischen Vorbereitung der Oper anwesend sein?
TT Oh ja, ich kann es kaum erwarten, bis es endlich so weit ist. Ich werde aber nicht anwesend sein, um in den Proben ständig «meinen Senf» dazuzugeben, sondern um der ganzen Organisation und allen involvierten Persönlichkeiten meinen Respekt zur erweisen. Ein so gewaltiges Projekt ist bewundernswert und ich bin sehr dankbar, dass es noch Menschen gibt, die so viel Energie in ein solches Vorhaben
investieren.
Carlo Balmelli, eine so grosse Verpflichtung hat zwangsläufig Auswirkungen auf Ihre gesamte Tätigkeit.
CB Es stimmt, wir haben nach «Maddalena» nur noch einen Monat Zeit, um unser Galakonzert vorzubereiten, das wir wie immer am ersten Sonntag im Dezember geben werden. Wir werden keine Auszüge aus «Maddalena» verwenden können, denn es gibt nichts, was sich für eine rein instrumentale Aufführung eignet. Aber ich bin sicher, dass der erste Advent für alle eine Kerze wert sein wird!
Die Aufführungsdaten von «Maddalena»
Thomas Trachsel, sind Sie ein Opernfan?
TT Natürlich bin ich ein Opernfan, trotzdem schlägt mein Herz immer noch hauptsächlich für die grosse Sinfonik. Meine Passion für sinfonische Musik war für die Komposition der Musik für dieses Libretto sehr dienlich. Mir war es wichtig, eine musikalische Linie durch die gesamte Oper zu ziehen.
Haben Sie vorher schon mal Stimmen für Sängerinnen und Sänger komponiert?
TT Ja, es gibt in meiner 2. Sinfonie einen Solopart für Mezzosopran und in der 3. Sinfonie einen Frauenchor. Auch habe ich in meiner Karriere weitere Chorwerke geschrieben. Im September steht in diesem Zusammenhang eine Uraufführung meines «Ave Maria» für gemischten Chor vor der Tür. Zurzeit arbeite ich an einem Requiem für meinen Freund Henrie Adams, mit Soloquartett, gemischtem Chor und grossem Blasorchester.
Wie lange hat die Kompositionsarbeit gedauert?
TT Alles in allem etwas mehr als zwei Jahre bei durchschnittlich vier Stunden Arbeit pro Tag. Ich war danach nur noch müde, aber glücklich.