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Mit dem Tod von Queen Elizabeth II rückt automatisch ihr ältester Sohn, der 73-jährige Prinz Charles, auf den britischen Thron nach. Wer ist der neue Souverän des Vereinigten Königreichs und Oberhaupt des Commonwealth, der nun vom St. James Palace in den Buckingham Palace umzieht, um das Erbe seiner Mutter anzutreten?
Mit dabei bei der Krönung der Queen
Mit Krönungen ist Charles von Kindesbeinen an vertraut. Als seine Mutter am 2. Juni 1952 feierlich gesalbt und gekrönt wurde, sass der vierjährige Charles auf der Galerie der Westminster Abbey und gähnte.
Charles wurde in eine einzigartige Welt hineingeboren. In ein Haus mit 779 Zimmern, 800 Angestellten und voller Privilegien. Im Buckingham Palast wurde er nicht – wie für royalen Nachwuchs üblich – von Hauslehrern unterrichtet, sondern besuchte eine Schule und später eine Universität. Der royalen Tradition folgend, machte er danach Karriere im Militär. Er wurde Pilot, Seemann und am Ende Kapitän eines Minensuchbootes. Doch seine eigentliche Bestimmung war, die Nachfolge der Mutter anzutreten.
1969 wurde er von der Queen im Alter von 21 Jahren zum Prince of Wales ernannt. Damit begann seine Lehrzeit als künftiger König. Diese sollte über 50 Jahre dauern. Um diese Wartezeit zu überbrücken, suchte der Prinz sinnvolle Beschäftigungen. «Mein ganzes Leben lang wollte ich Dinge heilen, sei es die Erde, die Landschaft oder die Seele,» erklärte Charles einst. Sein Heil hat der Prinz in der Natur gefunden.
Am meisten liebe ich abendliche Spaziergänge durch meinen Garten und werkle herum, jäte Unkraut oder schneide Zweige. Es tut mir gut, hält mich gesund und macht mir viel Freude.
Neben Naturgärten interessiert sich Charles auch für die Homöopathie. Er ist ein respektabler Aquarellmaler, ein gefürchteter Architektur-Kritiker, aber ebenso eine öffentliche Figur – und damit Teil der Unterhaltungsbranche. Seine Eheprobleme, seine Untreue – alles spielte sich in der Öffentlichkeit ab. «Niemand ausser mir kann verstehen, wie schrecklich es ist, der Prince of Wales zu sein», hat Charles einst dem britischen Historiker Max Hastings geklagt.
Diana – eine unglückliche Ehe mit tragischem Ende
Thema für Schlagzeilen lieferten seine Ehen: Seine erste Wahl fiel auf die damals 19-jährige Kindergärtnerin Diana Spencer. 850 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit verfolgten 1981 am Bildschirm dieses königliche Märchen.
Das Ende des Märchens ist Geschichte. Die Beziehung wurde 1996 durch ein Scheidungsurteil und ein Jahr später durch den Tod der Prinzessin endgültig beendet. Der tragische Unfalltod Dianas in Paris stürzte das Königreich in tiefe Trauer. Zwei Milliarden Menschen sollen weltweit die Abdankung in der Westminster Abbey verfolgt haben.
Das Scheidungsdrama und der Tod der Prinzessin haben damals das Ansehen des Königshauses arg ramponiert. Selbst der ansonsten hoch angesehenen Königin wurde Herzlosigkeit vorgeworfen, als sie sich lange Zeit nicht zum Tod Dianas äusserte.
Die Tragödie setzte aber ebenso neue, bedenkliche Massstäbe im Journalismus. Sie füllte bunte Blätter und wurde zwanzig Jahre später sogar Stoff für die teuerste und erfolgreichste Netflix-Serie: «The Crown» ist deshalb erwähnenswert, weil sich der fiktionale Blick hinter die Palastfassade wie eine historische Dokumentation präsentiert. Die Mitglieder des Königshauses werden darin als kaltherziges, abgehobenes Wachsfigurenkabinett dargestellt. Der künftige König, der die Prinzessin der Herzen mit seiner Jugendliebe und heutigen Gemahlin Camilla betrügt, kommt dabei besonders schlecht weg.
Einsatz für benachteiligte Jugendliche und die Umwelt
Der Prinz soll «not amused» gewesen sein, liess sein Umfeld verlauten. Charles selber schwieg und ging seinem Tagwerk nach, die Welt zu heilen. Mit seiner «Prince Fondation», einer Stiftung, die Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen zu einer Ausbildung verhilft, aber ebenso als Umweltschützer.
Beispielsweise als Redner am Klimagipfel in Glasgow 2021:
Das Ausmass und die Tragweite der Bedrohung, mit der wir konfrontiert sind, erfordern eine globale Systemlösung, die auf einer radikalen Umstellung der derzeitigen, auf fossilen Brennstoffen basierenden Wirtschaft auf eine wirklich erneuerbare und nachhaltige Wirtschaft beruht.
Ein Monarch hat in Grossbritannien keine Macht, aber Einfluss. Er hat gegenüber der Regierung das Recht, konsultiert zu werden und zu warnen. Das letzte dieser Rechte beanspruchte der Thronfolger während seiner Lehrzeit eifrig.
Seine Briefe waren bei den Behörden gefürchtet, doch Charles sei mehr als ein kruder Eiferer, sagt die Historikerin Penny Junor, die verschiedene Bücher über das Königshaus geschrieben hat.
Ich denke, König Charles ist der am besten vorbereitete Monarch, den dieses Land je hatte.
Eine Übergangslösung
Trotz dieser Vorschuss-Lorbeeren: Charles tritt nach Queen Elizabeth II ein schwieriges Erbe an. Sein grösstes Problem? Er ist nicht so wie sie.
Umfragen zeigen, dass er zwischen seiner unvergesslichen Mutter und der jüngeren, glamouröseren Generation einen schweren Stand hat. Er wird nicht gehasst, aber auch nicht geliebt. Er ist eher eine wohlgelittene Übergangslösung, bis dereinst sein ältester Sohn, Prinz William, das Zepter übernehmen wird.