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Was soll ein Rechtsmittel leisten? Soll es den erstinstanzlichen Prozess auf oberer Instanz wiederholen, oder soll es – im Sinne eines Verfahrenstrichters – auf die punktuelle Korrektur von konkreten Fehlern ausgerichtet sein, die sich im angefochtenen Entscheid verwirklicht haben?
Historisch und vergleichend finden sich auf diese Frage unterschiedliche Antworten. So konnte man etwa im Archiv für die civilistische Praxis aus dem Jahre 1848 Folgendes lesen:
«Durch die Appellation wird der Prozess nicht etwa auf der alten Grundlage lediglich wiederholt oder fortgesetzt, sondern es entsteht ein neuer und anderer Prozess [dadurch], dass jetzt zunächst die angebliche Ungerechtigkeit der ersten Entscheidung (ob übel oder wohl gesprochen) Gegenstand des Streites ist.»2
Aus der ZeitschriftZBJV 2/2020 | S. 71–81 Es folgt Seite № 72Nach dieser Vorstellung war die Appellation also keine Fortsetzung des…