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In den letzten 25 Jahren fand in der Entwicklung der Einkommensverteilung eine Trendwende statt. Die Einkommensungleichheit hat in verschiedenen Industrie- und gewissen Entwicklungsländern wieder zugenommen, während sie zuvor während Jahrzehnten teilweise stark gesunken war. Insgesamt werden als Gründe für den Anstieg der Lohnungleichheit die zunehmende Nachfrage nach qualifizierter Arbeit, der technologische Wandel, der mit der Globalisierung zunehmende Aussenhandel, der Strukturwandel von einer Industrie- in eine Dienstleistungsgesellschaft, die abnehmende Macht der Gewerkschaften (insbesondere in den USA und Grossbritannien), Veränderungen von sozialen Normen sowie Privatisierungs- und Deregulierungsmassnahmen genannt. Schliesslich haben Politikmassnahmen wie Landreformen, Bildungsanstrengungen, Regional-, Steuer- und Sozialpolitik einen Einfluss darauf, wie stark die Auswirkungen des technologischen Wandels in den einzelnen Ländern sind.
Neben der Bereitstellung von öffentlichen Gütern und Dienstleistungen sind die Regierungen aller Staaten weltweit mit der Umverteilung von Einkommen durch Transfers, Steuern und gesetzgeberische Massnahmen beschäftigt. Die normative Umverteilungstheorie und die Grundprinzipien des modernen Wohlfahrtsstaats propagieren eine Umverteilung von reich zu arm: Politische Umverteilungsmassnahmen sollten zu einer ausgeglicheneren Einkommensverteilung führen. In der Realität macht hingegen die Umverteilung von reich zu arm nur einen kleinen Teil der existierenden Umverteilung aus. Gemäss polit-ökonomischen Modellen geht der grösste Teil der Transfers an politisch einflussreiche und gut organisierte Gruppen – auf Kosten derjenigen, die am wenigsten in der Lage sind, die Transfers zu bekämpfen. Empirische Studien zeigen, dass der grösste Teil von Regierungsprogrammen an gesellschaftliche Gruppen gelangt, die gut organisiert und politisch einflussreich sind. Gemäss diesen Modellen spielen also vor allem die Machtverteilung in einer Gesellschaft, die politischen Rahmenbedingungen sowie die Partizipation der Bevölkerung in Form von Wahlbeteiligung und Organisation von Interessengruppen eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der Einkommensverteilung. (Nach Dr. Martin Baur: „Welche Faktoren bestimmen die internationale Einkommensverteilung“ in „Die Volkswirtschaft 12-2007“, Seite 6-7).