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Zusammenfassung:
(Übersetzung der Einleitung und Hervorhebung: Peter Klein)
In Jahr 1996 schlugen Susser und Susser vor, den Zwang des Risiko-Faktor-Paradigmas zu brechen. Sie sahen für die Zukunft eine Oeko-Epidemiologie voraus, welche ausdrücklich die Verursachung auf vielfältigen Ebenen anerkennen und die Verbindungen betonen würde, welche zwischen der Epidemiologie und der öffentlichen Gesundheit bestehen. Auch andere setzten sich für einen Wandel in der Epidemiologie ein, und beschrieben verschiedene Perspektiven, was darunter zu verstehen wäre. Seither haben diese Perspektiven angefangen, in einer allgemeinen Vision einer breiten und integrativen Epidemiologie aufzugehen. Darin würden den Studien, welche für das Identifizieren von Risikofaktoren ausgestaltet sind, andere Studientypen gegenübergestellt, welche andere, für die öffentliche Gesundheit ebenso dringliche Fragen klären würden. Diese würden Studien einschliessen, welche die Entwicklungsbahnen von Gesundheit und von Krankheit im Verlaufe eines ganzen Lebens, die Wirkungen des engeren und weiteren sozialen Umfeldes, die Ausbreitungsformen von ansteckenden Krankheiten und von Verhaltensweisen in und durch Populationen, sowie genetische Ursachen wie auch historische Tendenzen untersuchen. Indem alle diese Elemente umfassend einbezogen würden, wäre die Epidemiologie in der Ergründung der Wege verwurzelt, auf welchen biologische und soziale Erfahrungen Gesundheit und Krankheit ausbilden - und sie wäre gerüstet, den Einfluss von biologischen und sozialen Veränderungen auf die Gesundheit von Bevölkerungen zu bestimmen.
Entwicklungen in der Epidemiologie innerhalb der laufenden Dekade bezeugen die Bewegung in diese Richtung. Im International Journal of Epidemiology werden diese Elemente als integrale Bestandteile der Disziplin dargestellt. Der Trend ist auch in anderen Zeitschriften, in Fachkonferenzen und in laufenden Forschungsprojekten augenfällig. Es wird unübersehbar, dass die Identifikation von Risikofaktoren für die Epidemiologen nicht genügen wird, den dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit an die öffentliche Gesundheit zu begegnen, solchen wie diejenigen, welche durch die AIDS-Pandemie, die sozialen Ungleichheiten und die Bevölkerungsbewegungen hervorgebracht werden. Andere Strategien werden angewendet und verfeinert werden, ähnlich wie in der vergangenen Dekade, in welcher die Gestalt der Risikofaktoren-Forschung zugeschliffen worden war.
Mit der Absicht, diesen Wandel zu fördern, präsentieren wir hier einen historischen Ueberblick über das Aufkommmen der Oeko-Epidemiologie und das wieder belebte Interesse an den darin enthaltenen Elementen. Wir schlagen vor, mit dieser Rubrik eine Denklinie, welche tiefe Wurzeln in vorangehenden Zeitepochen aufweist, voranzubringen, denn sie ist den Herausforderungen der Epidemiologie unserer Zeit wohl angemessen. Unsere Hoffnung besteht darin, dass dereinst das Oeko- in Oeko-Epidemiologie, welches immer noch im Embryonalstadium verharrt, nicht mehr weiter benötigt werden wird, um das dannzumal dominante Paradigma zu umschreiben und abzugrenzen.

Anmerkung:
Wir dachten schon vor zwanzig Jahren, es wäre zumindest langfristig das Gescheiteste, zur Schadensminimierung eine intelligente und
nachhaltige Koexistenz mit den potentiellen Schädlingen unserer Umwelt, darin eingeschlossen die sogenannten Infektionserreger zu suchen (vgl. Massenimpfungen sind epidemiologische Experimente)
Oekologisch betrachtet gibt es den Schädling an sich gar nicht - aber es gibt Bedingungen, unter welchen ein Ding zum Schädling werden kann. Diese Bedingungen sind in der Regel von komplexer Natur.
Leider dominiert in der Infektiologie und in der Vaccinologie weiterhin die simplifizierende Vorstellung von der alles überragenden
Bedeutung des Faktors Erreger und abgeleitet davon das Ideal der Erregerausrottung. Vor rund 40 Jahren glaubte man das Kapitel Infektionskrankheiten
schliesssen zu können, weil die Mittel Antibiotika und Impfungen (Pocken) radikal erfolgreich erschienen. Obschon die anschliessende Entwicklung uns
eines anderen belehren müsste, bleiben die gegen die Erreger gerichteten Mittel und deren Anwendungskonzepte im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Die Bedingungen aber und ihre komplexen Verknüpfungen - also der Kern der ökologischen Betrachtungsweise - sind nur episodisch aber nicht
systematisch Gegenstand der Forschung und der einschlägigen Massnahmen.
Peter Klein, März 2007
www.impfo.ch