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(Samstag/Sonntag, 1./2. November 2014)
Nach einer Woche Schulung in Amsterdam und einer kurzen Nacht zu Hause war ich bereits wieder am Flughafen auf dem Weg nach Indien. Ich schaffte es diesmal sogar, einige Stunden im Flugzeug zu schlafen.
Um eins in der Nacht erreichte ich Chennai, war schnell durch den Zoll am kleinen Flughafen und wurde von Navin, einem Arbeitskollegen, und seinem Mitbewohner abgeholt. Kaum im Auto schauten mich die beiden Jungs entgeistert an, als ich den Sicherheitsgurt auf dem Rücksitz anlegte. Auf dem Vordersitz ist es zwar Pflicht, gemacht wird es jedoch selten. Und angeblich wurde der Sicherheitsgurt das erste Mal auf dem Rücksitz verwendet.
Unser Weiterflug nach Jaipur war verschoben worden, so konnte ich einige Stunden in Navin’s Wohnung schlafen. Das Bett in der kleinen Wohnung war klein und hart, aber perfekt für meinen Rücken. Die Klimaanlage war jedoch viel zu kalt eingestellt, ich musste sie ausschalten. Die Dusche im 2-Quadratmeter grossen Badezimmer war zwischen dem Spülbecken und der Toilette, der Abfluss irgendwo am Rand des Zimmers. Sie erfüllte ihren Zweck für mich auch so.
Check-in und Frühstück am Flughafen waren schnell erledigt, dank einem Ortsansässigen der der Sprache mächtig ist. Da der Geldautomat meine Karte nicht akzeptierte, war ich sowieso auf Navin angewiesen. Anstelle wie geplant via Mumbai flogen wir nun via Delhi, die Hauptstadt Indiens mit 11.2 Millionen, nach Jaipur. Vom Flughafen her sah ich jedoch nicht viel von der Hauptstadt.
In Jaipur erwartete uns ein Fahrer für in den Norden, er sprach nur Hindi. Von der Pink City sah ich nicht mehr so viel in der untergehenden Sonne und sobald wir auf dem Highway waren, döste ich ein. Beim zweiten Tee/Rauchstopp des Fahrers wagte ich mich auf die Toilette, ein Loch im Boden und Platz für die Füsse daneben. Aber die Spülung funktionierte! 😉 Nach etwa fünf Stunden Fahrt erreichten wir Sardarsahr, eine Ortschaft mit 95‘000 Einwohnern, der Ort an dem die Hochzeit stattfinden wird. Die Familie Pravin’s, des Bräutigams (ein Arbeitskollege, Navin’s Vorgesetzter) erwartete uns und führte uns zu den anderen Gästen, die alle auf einem kleinen Platz zwischen zwei Häusern sassen. Wir kamen gerade richtig zur ersten Zeremonie, der Verlobung/Einladung zur Hochzeit, die normalerweise einige Monate früher stattfand. Ich stellte mich ganz nach hinten, erreichte aber trotzdem soviel Aufmerksamkeit dass sofort Stühle gebracht wurden. Wir erhielten heisse Milch mit Pistazien und Mandeln, während ich versuchte, all diese Farben und Eindrücke aufzunehmen. Rajastan wird als sehr farbenprächtig beschrieben, genau das sah ich nun als ich die Frauen vor mir ansah. Ganz vorne sass das Brautpaar (Pravin und Shilpi), daneben die Familienältesten, die die offiziellen Rituale durchführten. Dabei sang entweder einer der Männer oder alle Frauen.
Ich sass ganz hinten neben drei anderen EY Kollegen, nippte an meinem heissen Getränk und versuchte nicht einzuschlafen nach zwei intensiven Reisetagen. Die neugierigen Blicke beantwortete ich mit einem Lächeln und erntete ein ebensolches zurück. Nur die kleine Manu (ist anscheinend ein indischer Name) war heute ziemlich weinerlich, ihre Mutter dagegen strahlte und tröstete die Kleine. Nach kurzer Zeit war der offizielle Teil vorbei.
Auf der Terasse des Hauses eines Onkels bezogen wir unsere Zimmer, gleich neben den Festlichkeiten. Eine dünne Matratze auf einem Metallgestell (wieder sehr hart) und ein kleiner Schrank waren die ganze Einrichtung. Licht, ein Deckenventilator und sogar eine funktionierende Steckdose vervollständigten das Zimmer. Mehr brauchte ich nicht.
Der Koch brachte uns noch Abendessen, das wir auf dem Bett sitzend verzehrten. Ich versuchte mich an dem Curry das angeblich nicht scharf war und mein Körper reagierte sofort. Wenig Schlaf und Essen und viele Eindrücke setzten mir zu, ich fürchtete, in den nächsten Wochen kaum etwas zu essen. Daher hielt ich mich an die Süssigkeiten und liess dem wartenden Koch ausrichten, dass meine Essgewohnheiten doch etwas anders seien, aber die Leckereien “accha” (gut) seien. Er lächelte und schenkte mir frisches Wasser nach.
Dann fiel ich todmüde ins Bett. Erst dann realisierte ich die laute Musik draussen (gute Tanzmusik!). Sie war richtig laut, nach Tradition sollte angeblich niemand schlafen. Ich versuchte es trotzdem und schaffe es auch für wenige Stunden.
Als ich nachts um drei auf die Terasse an die frische Luft ging, sah ich jedich niemanden, erst als just in diesem Moment die Musik ausging, hörte ich die vielen Stimmen. Schade, ich hätte sehr gerne mitgetanzt, war aber viel zu müde.