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Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung: Das sind die typischen Symptome des Reizdarmsyndroms (RDS).
Über neue Erkenntnisse zur Pathologie und Behandlung des Reizdarmsyndroms diskutierten Gastroenterologen beim Kongress für Viszeralmedizin Mitte September in Leipzig.
Beim Reizdarmsyndrom leiden die Patientinnen und Patienten unter chronischen Darmbeschwerden, obwohl sich definitionsgemäss keine körperliche Ursache finden lässt und die Auslöser immer noch ungeklärt sind. Organische Darmerkrankungen müssen daher durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird. Eine Standardtherapie im eigentlichen Sinne gibt es beim Reizdarmsyndrom nicht. Die Behandlung orientiert sich an Leitsymptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung.
Die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet vom Kongress in Leipzig und schreibt zum Thema „Komplementärmedizin bei Reizdarmsyndrom“:
„Für die Wirksamkeit komplementärmedizinischer Verfahren gibt es bisher keine ausreichende Evidenz. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pfefferminzöl, dessen Wirksamkeit in Studien gezeigt werden konnte. Akupunktur ist dagegen nicht wirksam; ein Cochrane-Review konnte auch keinen Nutzen von homöopathischen Behandlungsansätzen nachweisen. Langfristige Effekte lassen sich aber mit psychologischen Verfahren erzielen. Psychische Einflussfaktoren wie Stress im Beruf oder in der Familie, Angst und Depressivität sowie die Tendenz zu Somatisierung sollten berücksichtigt werden.“
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54548
Kommentar & Ergänzung:
Zum Thema Akupunktur und Reizdarmsyndrom wurden zwar ein paar kleinere Studien gemacht, zum Beispiel am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Probanden bekamen entweder eine echte (Verum-)Akupunktur oder eine Schein-Anwendung, bei der die Akupunktur nur simuliert wird (Placebo-Akupunktur), ohne dass Muskelzellen und Nerven von der Nadelspitze in der Tiefe berührt werden. Die Lebensqualität der Probanden verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen, ohne dass zwischen ihnen ein wesentlicher Unterschied feststellbar war.
Durch Messungen im Speichel der Probanden fanden die Forscher allerdings heraus, dass unter Akupunktur der Parasympathikus gestärkt wird und der Spiegel des Stresshormons Kortisol absinkt. An der Studie nahmen allerdings nur 43 Patienten teil. Interessant wäre zudem noch gewesen, wenn eine weitere Gruppe mit Sham-Akupunktur behandelt worden wäre (dabei wird „gestochen“, aber an Punkten, die von den klassischen chinesischen Akupunkturpunkten entfernt liegen).
Quellen zur Studie in Heidelberg:
http://gut.bmj.com/content/55/5/649.abstract
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/29368/Akupunktur-wirkt-bei-Reizdarmsyndrom
Eine Cochrane-Metaanalyse, bei der sechs Studien zum Thema Akupunktur bei Reizdarmsyndrom ausgewertet wurden, kommt zum selben Schluss wie der Beitrag in der Pharmazeutischen Zeitung:
„Most of the trials included in this review were of poor quality and were heterogeneous in terms of interventions, controls, and outcomes measured. With the exception of one outcome in common between two trials, data were not combined. Therefore, it is still inconclusive whether acupuncture is more effective than sham acupuncture or other interventions for treating IBS.“
Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17054239
Und hier Schlussfolgerungen der Cochrane-Metastudie zum Thema Homöopathie & Reizdarmsyndrom:
„A pooled analysis of two small studies suggests a possible benefit for clinical homeopathy, using the remedy asafoetida, over placebo for people with constipation-predominant IBS. These results should be interpreted with caution due to the low quality of reporting in these trials, high or unknown risk of bias, short-term follow-up, and sparse data. One small study found no statistically difference between individualised homeopathy and usual care (defined as high doses of dicyclomine hydrochloride, faecal bulking agents and diet sheets advising a high fibre diet). No conclusions can be drawn from this study due to the low number of participants and the high risk of bias in this trial. In addition, it is likely that usual care has changed since this trial was conducted. Further high quality, adequately powered RCTs are required to assess the efficacy and safety of clinical and individualised homeopathy compared to placebo or usual care.“
Quelle:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24222383
Die Autoren bemängeln vor allem die schlechte Qualität der vorliegenden Studien.
Zur Wirksamkeit von Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom
Für die Anwendung von Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom liegen positive Studien vor. Pfefferminzöl lindert bei Reizdarmsyndrom krampfartige Bauchschmerzen.
Festgehalten werden muss aber, dass Pfefferminzöl für diesen Anwendungsbereich nur in Form von magensaftresistenten Kapseln eingesetzt werden soll.
Siehe:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch