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Tina Turner wurde 1939 als Anna Mae Bullock im US-Bundesstaat Tennessee geboren. In den 60er und 70er-Jahren wurde die Sängerin im Duo mit ihrem damaligen Ehemann Ike Turner bekannt.
Hits wie «River Deep – Mountain High» und «Nutbush City Limits» stürmten die Charts in vielen Ländern.
Frühe Anzeichen einer Solokarriere
Zeichen, dass auch eine Solokarriere möglich wäre, gibt es bei Tina Turner genug. Auf der Bühne ist sie offensichtlich die bessere Performerin als ihr Ehemann. Sie vermag ihr Publikum zu elektrisieren mit ihrer Präsenz und gibt jederzeit alles. Sie ist eine unglaubliche Tänzerin, kann jeden Song mit eigenem Leben füllen – und dennoch auch auf Ideen von Produzenten eingehen.
1966 zum Beispiel möchte der berühmte Produzent Phil Spector ausdrücklich nur sie haben für den Song «River Deep, Mountain High». Spector bezahlt 20'000 Dollar an Ike, damit er dem Studio fernbleibt. Die Single kommt dennoch unter dem Namen «Ike & Tina Turner» heraus.
Wie Turner erst viel später enthüllte, war die Ehe eine Tortur für sie. Ike schlug und drangsalierte sie. Mit 37 Jahren flüchtete sie aus der toxischen Beziehung. Turner gab alle finanziellen Ansprüche aus dem gemeinsamen Musikschaffen auf, um schnell durch die Scheidung zu kommen und startete mit einer Solokarriere durch.
Später Erfolg als Solokünstlerin
Mit 45 Jahren strahlte Tina Turner wieder im Scheinwerferlicht: Das Album «Private Dancer» wurde 1984 ihr Solo-Durchbruch. Fortan füllte sie in aller Welt Stadien und Musikbühnen. Sie landete zahlreiche Hits: «What's Love Got To Do With It?», «Proud Mary», «We Don't Need Another Hero» oder «Be Tender with Me Baby» sind nur einige davon.
Turner gewann zahlreiche Musikauszeichnungen. 2021 wurde sie in die «Rock and Roll Hall of Fame» in Cleveland in den USA aufgenommen. «Wenn sie mir mit 81 Jahren immer noch Auszeichnungen geben, muss ich irgendetwas richtig gemacht haben», scherzte sie bei der Zeremonie per Videoschaltung aus der Schweiz.
Turner fand ihr Glück in der Schweiz
2009 zog sie sich aus dem Showgeschäft zurück. Ohne es je zu bereuen, wie sie stets versicherte. «Ich war so viel unterwegs, eine Frau vermisst es, wenn sie zuhause nicht rumwuseln kann», meinte sie 2017 in einer britischen Talkshow zur Premiere eines Musicals über ihre Lebensgeschichte, «Tina – Das Tina Turner Musical». 78 Jahre alt war sie da und liess sich vom Moderator noch einmal zu einem ihrer heissen Hüftschwünge hinreissen. Und die Löwenmähne? Alles fake, wie sie freimütig einräumte. Sie ziehe Perücken an wie andere Menschen Kleider.
In den 1980er-Jahren lernte Turner den 16 Jahre jüngeren deutschen Musikpromoter Erwin Bach kennen und die beiden wurden ein Paar. Zehn Jahre später zogen sie nach Küsnacht am Zürichsee in der Schweiz. Ihr mehr als 5000 Quadratmeter grosses Anwesen am See benannte sie nach ihren indianischen Vorfahren «Algonquin». Turner nahm 2013 auch die Schweizer Staatsbürgerschaft an.
Vorbildlich ging Tina Turner bei Abstimmungen an die Urne. Sie lernte Deutsch und lobte ihre neue Heimat, hier sei sie angekommen. Auch das Essen passe ihr, sie möge Käse und liebe «Bürli», sagte sie in einem Interview.
«Tina Turners Werdegang als Mensch war einzigartig»
Dechen Shak-Dagsay hat für das Musikprojekt Beyond von 2008 bis 2014 mit Tina Turner zusammengearbeitet und drei Alben mit ihr herausgegeben. SRF konnte kurz nach dem Bekanntwerden des Todes von Tina Turner mit Shak-Dagsay sprechen.
SRF News: Tina Turner ist heute verstorben. Wie ging es Ihnen, als sie davon erfuhren?
Dechen Shak-Dagsay: Ich bin persönlich sehr betroffen. Es ist wahnsinnig traurig. Ich denke auch, dass es für die ganze Welt ein emotionaler und sehr trauriger Moment ist. Die Musikwelt verliert eine Ikone.
Sie haben mit ihr zusammengearbeitet, wie war das für sie?
Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Einmal mit dem Weltstar Tina Turner zusammen im Studio aufzunehmen, sie zu erleben, wie sie singt, ihre Professionalität mitzuerleben, so hautnah. Das ist ein unglaubliches Privileg.
Gab es einen Moment, der Ihnen besonders geblieben ist?
Ja, das war vor einem Auftritt im TV. Es ging darum, was wir anziehen sollen. Wir waren zu Dritt, Tina Turner, Regula Courti, die Initiantin des Beyond Projektes, und ich. Wir waren zu Hause in Küsnacht bei Tina. Tina hat mir ihre Garderobe gezeigt. Da war ich zuerst einmal richtig geflasht. Das war eine riesige Garderobe. Ich erinnere mich, eine Wand war komplett voll mit wunderschönen Schuhen. Dann hat sie uns ihre Kleider ausgesucht und wir konnten sie anziehen. Ich bekam ein typisches Tina-Kleid mit viel Glitzer.
Was haben Sie von ihr gelernt?
Sie hat mich inspiriert, um aus meiner eigenen, inneren, kraftvollen Stimme zu schöpfen.
Was bedeutet der heutige Tag für die Musikwelt?
In der Musikwelt entsteht heute ein riesiges Loch. Tina war aber nicht nur eine Ikone für die Musikwelt, sondern ein Vorbild für die ganze Welt, insbesondere ein Idol für alle Frauen.
Was macht Tina Turner so einzigartig?
Sie hatte eine unverkennbare Stimme. Diese Stimme gibt es nur einmal. Sie musste nur einen Ton von sich geben und man wusste, es ist Tina. Ihr ganzer Werdegang als Mensch ist einzigartig. Ihre Lebensgeschichte beinhaltet alles – Trauer, Freude, Ausdauer, Kraft und Liebe.
Bachs Heiratsanträge wies sie jahrelang zurück, bis sie 2013 endlich Ja sagte – da war Turner 73, er 57. Er nannte sie «Schatzi», wie er der «New York Times» 2019 verriet. In einem Dokumentarfilm erzählte er liebevoll von einer auch nach mehr als 30 gemeinsamen Jahren noch knisternden Beziehung.
Beide Söhne vorher gestorben
Turner hatte zwei leibliche Söhne, die mit 59 und 62 Jahren gestorben sind. Sie selbst hatte Darmkrebs und Nierenversagen. Ihr Mann spendete ihr 2017 eine seiner Nieren. In der Autobiografie «My Love Story» berichtete sie 2019 über viele schmerzhafte Erfahrungen im Leben, würdigte Bach aber als ihren Retter und die grösste Liebe ihres Lebens.
Zur Ikone geworden ist Tina Turner dank ihrer Stimme. Es ist eine Stimme, die tatsächlich fast auf der ganzen Welt wiedererkannt wird. Eine zeitlose Stimme über fünf Oktaven, in der eine so unglaubliche Power liegt, dass sie auch Menschen elektrisiert, die sonst mit Rock oder Soul nicht so viel anfangen können. Eine Stimme, die um ihre eigene Kraft weiss – und andere so an ihre eigene Kraft erinnern kann.
G&G Spezial zum Tod von Tina Turner
Die «Queen of Rock 'n' Roll» hat die Bühne der Welt verlassen. Wegbegleiterinnen und Expertinnen erinnern in einer SRF-Sondersendung an Tina Turner, ihr Leben und ihre Musik, ab 20:05 Uhr auf SRF 1.