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Als Kind auf den Knieen des Vaters spielend, erbat sich von ihm ewige Jungfrauschaft, 60 neunjährige Okeanostöchter zu Gespielen
beim Tanz und 20 kretische Nymphen als Dienerinnen, ferner ruhmvollen Namen, Pfeil und Bogen
[* 8] und alle Berge,
um auf denselben zu jagen, dagegen nur eine einzige Stadt; denn auf den Bergen
[* 9] wolle sie wohnen, in den Städten nur den Frauen
in Geburtswehen helfen, wozu sie von den Schicksalsgöttinnen bestimmt sei, da ihre Mutter sie schmerzlos geboren habe.
Wie letztere, so wurde auch Artemis neben ihrem Bruder an allen wichtigern Stätten des Apollondienstes verehrt,
namentlich in Delos auf dem Berg Kynthos (daher Kynthia), in Delphi (Ursprung der delphischen Sibylle) und zu Didyma, dem Heiligtum
der Zwillinge, wo neben Apollon Hekaërgos Artemis als Hekaërge »Ferntreffende«) Verehrung
genoß. Denn wie jener führt sie Pfeil und Bogen und kämpft an seiner Seite gegen den DrachenPython und
gegen die Giganten. Wie Apollon, galt sie mit ihren Pfeilen auch als Ursache plötzlichen Todes, namentlich von Mädchen und Frauen,
zugleich aber auch als schützende, heilbringende Gottheit.
und beiden ist der Lorbeer geweiht, dessen Zweige bei Sühnungen gebraucht
wurden. Ihr eigentliches Gebiet ist die freie Natur mit ihren Bergen und Thälern, Wäldern, Wiesen, Quellen
und Flüssen; dort treibt sie mit den Nymphen, von allen die schönste und alle durch hohen Wuchs überragend, bald als rüstige
Jägerin ihr Wesen, bald tanzt, spielt oder badet sie mit den Genossinnen. Als ihr liebstes Revier galt das berg-
und waldreiche Arkadien, wo sie an vielen Stellen Heiligtümer, geweihte Jagdbezirke und heilige Tiere hatte.
Als Göttin der Jagd feierte man ihr alljährlich im Frühling das Fest der Elaphebolien (Hirschjagd), bei dem ihr Hirsche oder
Kuchen in Gestalt solcher geopfert wurden. Der Wirkungskreis der Quell- und Flußgöttin Artemis erstreckte sich
allmählich auch auf Seen und Meer; sie wurde zur Schutzgöttin der Seeleute, welche glückliche Fahrt verleiht, und daher in
Häfen und an Vorgebirgen vielfach verehrt. Als Göttin des Weidwerks hatte Artemis ferner auch eine kriegerische Bedeutung, daher
ihr von den Spartanern vor derSchlacht eine Ziege geopfert wurde.
Ein uraltes Heiligtum der Mondgöttin Artemis befand sich auch zu Brauron in Attika, das eine solche Verehrung genoß, daß das
ursprüngliche Lokalfest der Brauronien später als Staatsfest auch von Athen
[* 18] alle fünf Jahre beschickt und in der Hauptstadt
selbst aus der Burg ein Tempel
[* 19] der brauronischen Artemis errichtet wurde. Bei diesem Fest wurden die Mädchen
von 5 bis 10 Jahren in krokusfarbenen Gewändern von ihren Müttern in Prozession der Göttin zugeführt und ihrem Schutz empfohlen.
skythischen Gottheit, die man wegen der in ihrem Kultus üblichen Menschenopfer mit jener identifizierte. Ebensowenig wie diese
ist die von den IoniernAsiens verehrte von Ephesos
[* 25] eine griechische Gottheit, sondern, wie schon die ganz ungriechische Besorgung
ihres Dienstes durch Verschnittene zeigt, eine asiatische und als Mondgöttin und auf Bergen, in Wäldern
und im Feuchten wirkende, das Leben der Vegetation, der Tiere und Menschen nährende Naturkraft von den griechischen Ansiedlern
mit ihrer Artemis identifiziert, zum Unterschied von der sie nicht jungfräulich, sondern, wie es auch die vielen
Brüste ihres rohen Bildes ausdrückten, mütterlich und ammenartig gedacht war. Ihr nach asiatischer Art
stürmischer und fanatischer Dienst wurde auf die Amazonen zurückgeführt. Außerdem wurde in Asien
[* 26] noch eine Anzahl andrer
heimischer Gottheiten von den Griechen unter dem Namen Artemis verehrt. - Die Römer
[* 27] identifizierten mit der Artemis die altitalische
MondgöttinDiana (s. d.).
Die bildende Kunst stellte die Artemis, wie ihren BruderApollon, je nach den verschiedenen Bedeutungen verschieden
dar. Während die ältere Kunst in ihr mehr die licht- und segenspendende Göttin, die Beschützerin von Tier und Menschen wiedergibt,
faßt die spätere Zeit sie mehr als die jungfräuliche Jägerin auf Bogen und Fackel waren ihre gewöhnlichen Attribute; ihre
Kleidung war im ältern Stil lang herabwallend und faltenreich, später kurz geschürzt und derjenigen
der Amazonen verwandt.