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Offb. 3,10.11: Bewahrung vor der Stunde der Versuchung
Halte fest Jahrgang 1990 - Seite: 217 - Verfasser: R. Liebi
Im Sendschreiben an die Versammlung von Philadelphia hat der Herr Jesus eine wunderbare Zusage im Blick auf die Entrückung gegeben: «Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen. Ich komme bald» (Offb. 3,10.11).
Zunächst einige klärende Bemerkungen:
Was bedeutet der Ausdruck «Stunde»? Das hier im Grundtext stehende Wort meint nicht zwingend unsere Stunde von 60 Minuten. Nein, «hora» kann auch irgendeine längere oder kürzere Zeitperiode bezeichnen.
Was umfasst die Stunde der Versuchung? Man beachte, dass nicht von einer; sondern von der Stunde der Versuchung gesprochen wird. In der Geschichte der Menschen hat es schon viele Perioden der Versuchung gegeben. Hier jedoch denkt der Herr an eine ganz bestimmte Zeit in der Zukunft, sozusagen an die Versuchungszeit, die in ihrer Intensität, Gefährlichkeit und Schrecklichkeit alle früheren Versuchungszeiten übertreffen wird. Diese Zeit wird in Offenbarung 6 - 19 beschrieben. Sie zerfällt in zwei Teile: a) In Matthäus 24,8 nennt der Herr Jesus die erste Hälfte den «Anfang der Wehen». Diese Zeitperiode wird u.a. in Matthäus 24,4-14 und in Offenbarung 6 in Verbindung mit dem Öffnen der sechs ersten Siegel beschrieben. Man beachte die Übereinstimmungen in diesen zwei Schriftabschnitten! b) Die zweite Hälfte bezeichnet der Herr Jesus als die «grosse Drangsal» (Matth. 24,21). Diese Periode wird u.a. in Matthäus 24,15ff. und in Offenbarung 7 - 19 beschrieben (es die Zeit der Öffnung des siebten Siegels, das aus sieben Posaunengerichten besteht, wobei mit der siebten Posaune sieben Schalengerichte ausgelöst werden).
Somit dürfen die Erlösten heute wissen, dass der Herr es nicht zulassen wird, dass sie in diese fürchterliche Verführungs- und Gerichtszeit hineinkommen. Ist das nicht eine tröstliche und ermutigende Zusage, besonders für uns, die wir in den «letzten Tagen» leben, die in 2.Timotheus 3 geschildert werden, und bereits deutlich wilde Wehen der kommenden Schreckenszeit verspüren? Wir stellen fest, dass unsere Zeit «gefahrvoll» ist, wie der Apostel Paulus das angekündigt hat (vgl. die Fussnote zu 2.Tim. 3,1).
Allerdings bekommt man immer wieder zu hören, dass die Übersetzung «ich werde dich bewahren vor der Stunde der Versuchung» falsch sei und korrekt mit «ich werde dich bewahren aus der Stunde der Versuchung» wiedergegeben werden sollte. Schliesslich bedeute doch das griechische Wort «ek» soviel wie «aus» oder «heraus». Was soll man dazu sagen? Folgende Überlegungen mögen den Sachverhalt klären:
- Das griechische Wort «ek» bedeutet sehr oft «aus» oder «heraus», aber längst nicht immer. Es hat noch diverse andere Bedeutungen, so z.B. eben auch «vor».
- In Offenbarung 3,10 ist «ek» mit dem Verb «tereo» (= bewahren) verbunden. Durch dieses Wort wird die Bedeutung von «ek» in unserer Stelle festgelegt. Man bewahrt jemanden nicht aus, sondern vor einer Gefahr. Man kann jemanden aus einer Gefahr retten. Der Heilige Geist gebraucht aber in Offenbarung 3 nicht das Verb «sozo» (= retten), sondern «tereo». Die Wortverbindung «tereo ek» muss somit zwingend mit «bewahren vor» übersetzt werden. Übrigens kommt die Wortverbindung «tereo ek» ausser in Offenbarung 3 noch einmal im Neuen Testament vor, nämlich in Johannes 17,15. Hier hört man den Sohn Gottes für die Seinen beten: «Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.» Interessanterweise will hier wohl kaum einer übersetzen «dass du sie bewahrst aus dem Bösen» Dies widerspräche völlig der Bedeutung von «bewahren»
Somit sehen wir, dass wir uns voll Vertrauen auf das bewahrende Eingreifen des Herrn Jesus ausrichten dürfen. Aber achten wir darauf, dass dieses Wissen keine einschläfernde Wirkung auf uns hat. Wir müssen uns vielmehr immer wieder neu an die Ermahnung in Epheser 5,15.16 erinnern: «Sehet nun zu, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, die gelegene Zeit auskaufend, denn die Tage sind böse.»