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Spätestens seit die Panama-Papers geleakt wurden, ist der Begriff «offshore» regelmässig in den Schlagzeilen erschienen. Offshore kann mehrere Bedeutungen haben und nicht immer sind die damit verbundenen Vorgänge illegal. Mit Offshore-Geldern meint man beispielsweise Vermögen, das sich auf Konten ausserhalb jenes Landes befindet, in dem es erwirtschaftet wurde. Gibt der Besitzer dieses Vermögen im Land seines Steuersitzes rechtmässig an, findet sich nichts Verwerfliches daran.
Die Schweiz verwaltet weltweit am meisten Offshore-Kapital. Gemäss eines Berichts der Firma Boston Consulting Group lagern hierzulande 2.3 Billionen US-Dollar an ausländischen Geldern. Hong Kong gilt mit 1.1 Billionen Dollar als zweitpopulärster Offshore-Finanzplatz, an dritter Stelle folgt Singapur. Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Zucman geht davon aus, dass sich 8% des Weltvermögens – oder knapp 8 Billionen Dollar – auf Offshore-Konten befindet.
Auf der anderen Seite steht Russland zuoberst auf dem Treppchen: Schätzungen zufolge sollen sich 60% des russischen Vermögens auf Konten ausserhalb Russlands befinden. Auch die USA beschäftigt die Thematik, zumal grosse US-Firmen Offshore-Konten führen. Apple parkiert beispielsweise 252 Milliarden US-Dollar im Ausland. Alleine von den fünf grössten amerikanischen Tech-Firmen, darunter auch Apple, sollen Ende 2017 knapp 600 Milliarden auf ausländischen Konten gelegen haben.
Das Tax Justice Network schätzt, dass den Regierungen aufgrund von Offshore-Unternehmenskonten jährlich 500 Milliarden US-Dollar und aufgrund von privaten Offshore-Konten 200 Milliarden US-Dollar an Steuergeldern entgehen. Die USA hat deshalb vor Kurzem ein neues Steuergesetz verabschiedet. Bisher musste Offshore-Vermögen erst versteuert werden, wenn es in die USA zurückgeführt wurde. Nun fallen auch Steuern an, wenn das Geld im Ausland bleibt. Über die nächsten zehn Jahre werden aufgrund des neuen Gesetzes knapp 340 Milliarden US-Dollar an Steuergeldern erwartet.
Um grenzüberschreitende Steuerhinterziehung zu vermeiden, haben sich bisher über 100 Staaten für einen automatischen Informationsaustausch (AIA) über Finanzkonten ausgesprochen. Darunter auch die Schweiz. Aufgrund dieses neuen Standards werden Finanzinformationen von Kundinnen und Kunden, die im Ausland ihren Steuersitz haben, gesammelt und von der Eidgenössischen Steuerverwaltung automatisch an das jeweilige Land übermittelt. Im September 2018 wurden im Rahmen des AIA erstmals Daten an ausländische Behörden weitergeleitet.
Ob die Aufweichung des Bankgeheimnisses die Schweiz als Offshore-Finanzplatz weniger attraktiv macht, ist abzuwarten. Schweizerinnen und Schweizer sind nicht von der Aufweichung betroffen. Das heisst, selbst bei Verdacht auf Steuerhinterziehung erhalten die nationalen Behörden keinen Zugang zu Konten von Schweizer Bürgern im Inland.