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Mehr zu den Werken
Wien, 1797. Der junge Ludwig van Beethoven, beim Wiener Publikum bereits bekannt für seine pianistische Bravour im Konzert und beim «Phantasieren», komponiert Klavier- und Kammermusik für verschiedene Formationen. Unter den Projekten jenes Jahres, das Trio für Klarinette, Cello und Klavier. Bestimmt ist Beethoven, der Mozarts und Haydns Kammermusikwerke studiert, dabei auch Mozarts zehn Jahre früher entstandenes Trio für Klarinette, Viola und Klavier gegenwärtig. Am Hoftheater wird derweil «L’amor marinaro» gegeben, ein Dramma giocoso aus der Feder von Joseph Weigl. Es ist vom Genre her Mozarts Opern «Don Giovanni» und «Così fan tutte» verwandt, bei deren Inszenierung wenige Jahre zuvor Weigl Mozart assistiert hatte. Das Dramma wird Dutzende Male aufgeführt und gefällt den Wienern ausserordentlich, besonders die Arie «Pria ch’io l’impegno», die zum Schlager wird. Beethoven greift die Melodie auf und verarbeitet sie im dritten Satz des Klarinettentrios in neun Variationen, was dem Werk bald die Bezeichnung «Gassenhauertrio» beschert.
Von Mozart, Weigl und dem jungen Beethoven trennt den späten Brahms ein Jahrhundert. Gegen Ende seiner Komponistenlaufbahn lässt sich Brahms vom Klarinettisten Richard Mühlfeld, dessen Spiel ihn begeistert, zu vier Werken für das Holzblasinstrument inspirieren. Eines davon ist das Trio in a-Moll, op. 114, das Brahms 1891 schreibt. Das hochromantische Stück wird von zwei leidenschaftlichen Allegro-Ecksätzen umrahmt; dazwischen ein wehmütiger langsamer Satz und ein ländlich-beschwingtes Andantino im Walzertakt.
Ein kurzer Blick auf Leonardo da Vincis umfangreiche Notizbücher zeigt, dass er oft in Spiegelschrift und um 180º gedreht schrieb. Dadurch sind die Manuskripte schwer zu entziffern, doch im Spiegel reflektiert wird ihre Schrift einfach lesbar. A Kiss, A Spell, A Dream von Arthur Clay basieren auf Palindromen, d.h. Ausdrücken, die vorwärts und rückwärts gelesen werden können. Man kann sie an der Klangoberfläche oder in tieferen Schichten des musikalischen Textes hören und die Stücke ziehen damit eine bescheidene Parallele zum überwältigenden Erfindungsreichtum der Leonardoschen Aufzeichnungen. A Kiss verwendet stimmhafte Geräusche, die ganz unterschiedlich klingen, je nachdem ob sie als «Ein-» oder «Ausatmen» gedacht wurden: ein Kuss wird in seiner klanglichen und sinnlichen Tiefe ausgelotet. Beim «Zauberspruch» A Spell liefert ein Palindrom – eine Struktur, die sich eben auch oft in Zauberformeln findet – das Material für die Melodie. Begleitet wird die Melodie von diversen abergläubischen Schutzzauberklängen. A Dream inszeniert ein surrealistisches, traumweltliches Ereignis, woran alle Instrumente in der Orchestrierung teilnehmen.
Das Lied von Basel und Der Totentanz sind eine musikalische Umsetzung von Kurt Schwitters' (1887–1948) Gedicht Basel, das der deutsche Künstler und Dichter während eines Besuchs in Basel vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs schrieb. Das melodische Material des ersten Teils, Das Lied von Basel, stellt das Fliessen des Rheins dar, und zwar mit absteigenden Klangfolgen, die nach und nach moduliert werden: so wird der Höreindruck der Bewegung eines Wanderers vermittelt, den die Suche von Schutz vor Verfolgung vorwärts treibt. Der zweite Teil, Der Totentanz, steht in der Tradition von bestehenden Basler Danse Macabre-Kompositionen. Die polytonale Überlagerung verschiedener Tonarten in den knöchernen Klängen des Vibraphons verleihen dem Tanz eine Note beklommenener Instabilität; eine Reihe von Kadenzen mit Vogelrufmotiven spielen auf die Natur, die Psyche und den herannahenden Tod an.
Vorschau Herbst (Saison 2017/2018)
Samstag, 28. Oktober 2017
Programm: Franz Schubert, Streichquintett C-Dur op. 163, D 956