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Knapp 280 Firmen haben ihr Domizil an der Haldenstrasse 5 in Baar. Eines dieser Unternehmen, respektive dessen Verwaltungsratspräsident, sorgt nun für weltweite Publizität. So sehr, dass sich selbst Hillary Clinton einschaltete und er in der Zwischenzeit als meistgehasster Mann der USA gilt.
Monster, Soziopath, Teufel: Was muss ein Mann tun, um im Internet solche und noch viel schlimmere Bezeichnungen über sich zu lesen? Und wie schafft man es, von der BBC und CNN als «meistgehasster Mann Amerikas» bezeichnet zu werden?
32-Jähriger Hedge-Funds-Manager auf Gewinnmaximierungs-Trip
Die Geschichte ist schnell erzählt. Der 32-Jährige Martin Shkreli, ein früherer Hedge-Funds-Manager, kaufte sich über sein Unternehmen die Rechte an einem Medikament namens Daraprim. 55 Millionen US-Dollar gab der Boss der in New York und Baar domizilierten Turing Pharmaceuticals dafür aus. Eingesetzt wird das in den 1950er-Jahren entwickelte Medikament gegen Toxoplasmose, eine Infektion, unter der beispielsweise HIV-Patienten leiden.
Nun war Martin Shkreli nicht umsonst Hedge-Funds-Manager. Profitmaximierung ist dem Sohn albanischer und kroatischer Emigranten also durchaus geläufig. Das Medikament, bis vor Kurzem noch für rund 13.50 Dollar je Tablette im Handel erhältlich, sollte nun mehr Ertrag abwerfen – und zwar 750 Dollar. Ein Preisaufschlag um 5’000 Prozent, und das für ein Produkt, dessen Herstellungskosten bei einem Dollar liegen. Die jährlichen Behandlungskosten stiegen damit auf 336’000 bis 634’000 US-Dollar je Patient, rechnet die amerikanische Infectious Disease Society of America in einem Protestschreiben vor.
Zeigt mit einem Finger zurück
Begründung von Shkreli: Der Preis müsse erhöht werden, damit das Unternehmen ausreichend Geld für Forschung und Entwicklung zur Verfügung habe.
Der Preis sei selbst jetzt noch zu tief. Kritische Tweets beantwortete er mit einem Stinkefinger-Zitat aus einem Lied des US-Rappers Eminem, einen Journalisten bezeichnete er nach kritsichen Fragen als Idioten. «Es scheint so, als ob die Medien mit dem Finger auf mich zeigen – also zeige ich mit einem Finger zurück. Aber es ist weder der Zeige- noch der kleine Finger», twitterte er noch am Sonntag. In der Zwischenzeit hat er sein Twitter-Profil eingeschränkt. Derweil twittert die Netzgemeinde unter #shkreli munter weiter.
— L.B. Batz (@Pacificant) 23. September 2015
So viel Aufmerksamkeit hat inzwischen auch die Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton auf den Plan gerufen. Im Falle des Wahlsieges wolle Clinton die Preise für Medikamente für chronisch Kranke auf monatlich 250 Dollar beschränken. Laut «Financial Times» verloren Biotech-Papiere tags darauf 38 Milliarden Dollar an Börsenwert.
Ein Schritt zurück
Shkreli, der sich im Internet gerne damit brüstet, eine Flasche Château Pétrus für 20’000 Dollar erstanden oder eben mal 5 Millionen Dollar ausgegeben zu haben, ist in der Zwischenzeit eingeknickt. Mehr als drei Millionen Mal taucht sein Name inzwischen bei Google auf, und dies nur selten in einem positiven Kontext. Er werde die Preiserhöhung zurücknehmen, schreiben verschiedene Medien. Ein neuer Preis wurde bisher aber nicht kommuniziert.
Und der Baarer Ableger des Unternehmens? Die Personalverantwortliche verweist auf telefonische Anfrage an die Medienstelle in den USA – die bisher nicht reagiert hat. Selbst die Frage, wie viele Mitarbeiter hier beschäftigt werden, will man in Baar nicht beantworten.
Ein Zuger neben drei Amerikanern in Baar
Neben Martin Shkreli sitzen drei Personen im Verwaltungsrat des Baarer Unternehmens, davon zwei in den USA wohnhafte Amerikaner. Und mit Walter C. Blum ein Zuger. Dieser hat neben seiner Tätigkeit für die Turing Pharmaceuticals AG noch 46 weitere Verwaltungsrats- und 14 Geschäftsleitungs-Mandate, darunter verschiedene Firmen an der Haldenstrasse 5 Baar. Und ist mit seiner Fiscom Consulting GmbH Domizilhalter von rund 70 der 280 Unternehmen in diesem Gebäude. Davon befinden sich nicht wenige in Liquidation. Ein Schicksal, das ein nicht kleiner Teil der Netzgemeinde in ihren Posts auch Martin Shkrelis Firma wünscht.
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