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Charakteristisch für den niederländischen Unterricht ist ein vergleichsweise grosser Anteil an Unterrichtszeit, der für selbständige Schülerarbeit (meist Einzelarbeit) eingesetzt wird. Sowohl die Einführung wie auch das Üben des neuen Stoffs geschieht vorzugsweise in selbständiger Schülerarbeit, mit der Bearbeitung von Aufgabensets mit Fokus auf dem Einüben von Prozeduren. Die Hausaufgaben spielen eine wichtige Rolle.
Didaktische Grobziele
Meistens beginnen niederländische Lektionen mit einer Wiederholung von früherem Stoff (69%). Insgesamt nimmt die Wiederholung von früherem Stoff 37% der gesamten Unterrichtszeit in niederländischen Lektionen ein; knapp ein Viertel der Lektionen (25%) sind ausschliesslich der Repetition von früherem Stoff gewidmet. Die Einführung von neuem Stoff kann während der ganzen Lektionsdauer erfolgen; tendenziell erfolgt sie allerdings eher in der ersten Hälfte der Lektion, während in der zweiten Hälfte die neu eingeführten Inhalte in Einzelarbeit anhand von Aufgabensets geübt werden. Dabei wird häufig auch an Aufgaben gearbeitet, die als Hausaufgaben für die nächste Lektion in Auftrag gegeben worden sind. Letzteres macht durchschnittlich 10 Minuten einer niederländischen Lektion aus. top
Sozialformen
In niederländischen Lektionen nimmt die selbständige Schülerarbeit einen grösseren Anteil an Lektionszeit als in allen anderen Ländern ein (durchschnittlich 55% einer Lektion). Am Beginn der Lektion steht jedoch typischerweise Klassenunterricht. Häufig werden relativ ausführlich die Hausaufgaben besprochen: Mit durchschnittlich 16 Minuten ist die Besprechung der Hausaufgaben in niederländischen Lektionen deutlich länger als in allen anderen Ländern. Nach Ablauf von etwa 40% der Lektionszeit wird zunehmend die selbständige Schülerarbeit zur dominierenden Sozialform; gleichzeitig geht die didaktische Zielsetzung von der Beschäftigung mit früherem Stoff auf die Einführung und Vertiefung von neuem Stoff über, wobei sich die Lernenden zum Teil neue Inhalte auch selbständig anhand von Lehrtexten und Übungsaufgaben im Mathematikbuch aneignen.
Inhaltsbezogene Aktivitäten
In Übereinstimmung mit dem grossen Gewicht, das in niederländischen Lektionen die selbständige Schülerarbeit einnimmt, beschäftigen sich die Schüler und Schülerinnen in niederländischen Mathematiklektionen auch länger als in den Lektionen der meisten anderen Länder mit Aufgabensets (61% der Lektion) als mit Einzelaufgaben. Die Arbeit an Aufgabensets konzentriert sich vor allem auf die zweite Hälfte der Lektion, nachdem im ersten Teil vor allem Einzelprobleme besprochen worden sind.
Insgesamt nimmt das Lösen von Aufgaben (Einzelaufgaben und Aufgabensets) in den Niederlanden einen grösseren Teil der verfügbaren Unterrichtszeit ein (91%) als in allen anderen Ländern mit Ausnahme der USA; Sequenzen, in denen keine Aufgaben gelöst werden, sind somit ausgesprochen selten.
Die Aufgabenanalysen zeigen, dass der Anteil von Aufgaben, die einen Alltagsbezug aufweisen, in den niederländischen Lektionen grösser ist als in den meisten anderen Ländern (42%). Das Anspruchsniveau der Aufgaben hinsichtlich prozeduraler Komplexität ist mehrheitlich tief (69%); 25% der Aufgaben sind von mittlerer und 6% von hoher Komplexität. Weiter gehende Analysen zeigen, dass bei der Aufgabenbearbeitung mehrheitlich das Einüben von Prozeduren im Vordergrund steht. So wird denn auch 74% der selbständigen Schülerarbeitszeit für repetitives Üben aufgewendet.
Die Hausaufgaben scheinen im niederländischen Unterricht eine wichtige Rolle zu spielen, werden doch 16 Minuten für die Besprechung früherer und 10 Minuten für die Arbeit an künftigen Hausaufgaben verwendet (von insgesamt 45 Minuten Lektionszeit). Nach Angabe lokaler Experten kann dies im Zusammenhang mit der generellen Zielsetzung gesehen werden, das selbstverantwortliche Lernen zu fördern. Hausaufgaben werden in diesem Sinne als eigenständige Beschäftigung mit gegebenenfalls auch neuen Inhalten aufgefasst und in der folgenden Lektion entsprechend ausführlich besprochen.