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Während die Vergütung für den VR noch durchkam, fällt die Vergütung für die Geschäftsleitung durch. Nur 48 Prozent sagen Ja. 48 Prozent stimmen Nein, der Rest enthält sich. Das sorgt im Publikum für Applaus. Lehmann sagt dazu: «Wir werden uns überlegen, wie wir nun vorgehen.» De facto heisst das Votum der Generalversammlung, dass CEO Ulrich Körner und die übrigen GL-Mitglieder für das laufende Jahr keinen Lohn mehr erhalten sollen.
Für die Mitglieder der Konzernleitung hatte der Verwaltungsrat einen maximalen Betrag von 34 Millionen Franken für den fixen Teil der Vergütung für den Zeitraum von der Generalversammlung am Dienstag bis zur ordentlichen Generalversammlung 2024 beantragt. Bereits heute ist klar, dass diese im kommenden Jahr nicht mehr stattfinden wird.
CS-Präsident Axel Lehmann hatte vor der Abstimmung betont, dass es dabei ja lediglich um die Vergütung in den nächsten Wochen gehe, bis die Bank von der UBS übernommen werde. Die letztendlich ausbezahlte Summe wäre also viel kleiner als die beantragten 34 Millionen Franken gewesen. Jetzt müsse das Aufsichtsgremium die nächsten Schritte prüfen, sagte er nach der Niederlage.
Derweil genehmigten die CS-Aktionäre die Vergütung für den Verwaltungsrat, allerdings war auch diese Entscheidung sehr knapp. Lediglich 50,42 Prozent nahmen den Antrag über einen Höchstbetrag von 13 Millionen Franken für die Mitglieder des Aufsichtsgremiums für den Zeitraum bis zur Generalversammlung 2024.
Nein zur Sonderprüfung
46,8 Prozent der Anwesenden stimmten beim Antrag eines Aktionärs auf eine Sonderprüfung mit Nein, die Ja-Stimmen beliefen sich lediglich auf 3,6 Prozent. Die Mehrheit der Aktionäre enthielten sich der Stimmen: 50,3 Prozent der Aktionäre legten leer ein.
Der Aktionär hatte in einer Wortmeldung am Dienstag zahlreiche Fragen zu den verschiedenen Beschlüssen im Zusammenhang mit der Übernahme der CS durch die UBS gestellt. Er wollte insbesondere wissen, wer auf wen zuerst zugekommen sei, und wie sich die Abflüsse von Kundengeldern genau am 1. Dezember und in den letzten Tagen vor der Fusionsankündigung mit der UBS entwickelt hätten.
Auch wollte der Aktionär Antworten darauf, wie der Kaufpreis genau zustande gekommen sei. Die UBS zahlt den CS-Aktionären eine UBS-Aktie für 22,48 CS-Aktien, was zum Zeitpunkt der Fusionsvereinbarung einem Kaufpreis von 3 Milliarden Franken entsprach. Für die Klärung solcher Fragen brauche es einen Sonderprüfer, forderte er.
CS-Präsident Axel Lehmann sagte daraufhin, er könne das erste Quartal nicht kommentieren. Er verwies auf die noch anstehende Ergebnispräsentation am 27. April. Auch könne er die Massnahmen der Behörden und der Politik nicht weiter im Einzelnen kommentieren, sagte er am Dienstag an der Generalversammlung.
Den Fragenkatalog des Aktionärs werde die CS schriftlich beantworten. Dazu bedürfe es weiterer Abklärungen. Deshalb könne die Beantwortung nicht an der heutigen GV erfolgen, sagte Lehmann.
Jahresrechnung und Vergütungsbericht gutgeheissen
Die Aktionäre der Grossbank Credit Suisse genehmigten an der Generalversammlung aber immerhin die Jahresrechnung 2022 und hiessen den Vergütungsbericht 2022 gut.
Die stark defizitäre Jahresrechnung 2022 sowie der Lagebericht wurden immerhin von 61,4 Prozent der Aktionärinnen und Aktionäre genehmigt. Sehr knapp wurde es beim Vergütungsbericht für das vergangene Jahr - gerade mal 50,06 Prozent der vertretenen Aktionärsstimmen drückten bei der elektronischen Abstimmung auf den Ja-Knopf. Allerdings handelte es sich dabei lediglich um eine konsultative Abstimmung.
Zuvor hatten zahlreiche Aktionäre in ihren Voten ihrer Wut und Enttäuschung über das Ende der traditionsreichen Grossbank Luft verschafft. Immer wieder wurde auch die Millionen-Vergütungen für das Top-Management in den vergangenen Jahren thematisiert. Noch ausstehend waren am Mittag unter anderem die Abstimmungen zur Wiederwahl der Verwaltungsrätinnen und Verwaltungsräte sowie zu den Entschädigungen für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung für das kommende Jahr.
Milliardenverlust im Jahr 2022
Die Credit Suisse hatte für das Geschäftsjahr 2022 aufgrund stark schrumpfender Erträge und tiefgreifenden Restrukturierungen einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken verbucht. Im Gesamtjahr waren zudem Kundenvermögen im Umfang von 123 Milliarden Franken abgeflossen. Bereits 2021 hatte die zweitgrösste Schweizer Bank nach den Debakeln um den Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos und die Liquidierung der Greensill-Fonds einen Jahresverlust von 1,6 Milliarden Franken geschrieben.
Die traditionsreiche Grossbank muss sich aufgrund ihrer massiven Probleme von der Schweizer Konkurrentin UBS übernehmen lassen. Die Transaktion war am 19. März vom Bundesrat sowie der Schweizerischen Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht Finma verfügt worden, nachdem sich die Situation der CS zuvor noch einmal massiv verschlechtert hatte.
Die Aktionäre beider Grossbanken haben keine Mitsprache. Zum Kaufpreis, der in UBS-Aktien ausbezahlt wird, erleiden die CS-Aktionäre auf ihren Anteilen alleine im laufenden Jahr einen Verlust von rund 70 Prozent.
(AWP)
1 Kommentar
Typisch Schweiz, Boni genegmigt, busines as usual. Die grossen Aktionäre sind auch schuldig am Desaster der CS. Wieder einmal, viele Worthülsen und es geht weiter wie üblich. Wen wundert's. Die Politik ist nun gefodert. Denn ich bin nicht bereit mit meinen Steuern die Unfähigkeit vom Management noch zu finanzieren! Pfui!