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- Der Gründer des Software- und Antiviren-Herstellers McAfee ist in einem Gefängnis im spanischen Barcelona tot aufgefunden worden.
- Die Todesursache von John McAfee ist noch nicht zweifelsfrei ermittelt worden. Medienberichten zufolge gehen die Behörden von Suizid aus.
- Zuvor hatte das oberste Gericht Spaniens die Auslieferung McAfees an die USA bewilligt. Dort ist der britisch-amerikanische Doppelbürger wegen mutmasslicher Steuerflucht angeklagt.
Die Leiche des 75 Jahre alten Multimillionärs aus den USA sei am Mittwochnachmittag in einer Zelle einer Haftanstalt etwa 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona entdeckt worden. Dies haben spanische Medien wie «El País», «El Mundo» und «La Vanguardia» unter Berufung auf die Justizbehörden und die Polizei von Katalonien berichtet.
Sicherheitspersonal versuchte noch, McAfee wiederzubeleben. Mediziner vor Ort konnten nur noch seinen Tod feststellen. Eine Autopsie soll nun Klarheit über die Todesursache schaffen.
Er sah sich als politisch Verfolgter
John McAfee war in seiner Heimat unter anderem wegen Steuerhinterziehung, Betrugs mit Kryptowährungen und Verschwörung zur Geldwäsche angeklagt. Auf Geheiss der US-Behörden war er deswegen im vergangenen Oktober auf dem Flughafen El Prat in Barcelona festgenommen worden. Er sass seitdem hinter Gittern.
In einer Auslieferungsanhörung hatte McAfee behauptet, die Vorwürfe gegen ihn seien politisch motiviert. Er betonte: Würde man ihn in die USA zurückschicken, müsste er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.
Ein Leben mit vielen Auf und Abs
John McAfee kam 1945 in Gloucestershire in England zur Welt. Er hatte keine einfache Kindheit: Sein Vater schlug ihn und erschoss sich, als McAfee 15 war.
McAfee hatte in den 1980er Jahren die nach ihm benannte, auf Antiviren-Software spezialisierte Firma McAfee gegründet. In den 90er-Jahren zog er sich aus dem Unternehmen zurück.
2012 sorgte McAfee im zentralamerikanischen Belize für Schlagzeilen, als nach einem mutmasslichen Mord an seinem Nachbarn nach ihm gefahndet wurde und er durch den Dschungel vor der Polizei floh. Zuletzt hatte er erfolglos versucht, Kandidat der Libertarian Party bei den US-Präsidentschaftswahlen 2020 zu werden.
Mit Antivirus-Software machte McAfee Millionen
John McAfee wuchs in zerrütteten Verhältnissen auf, studierte später Mathematik und machte im Silicon Valley Karriere. Er entwickelte eine Virenschutz-Software, die in den 1990er-Jahren bei privaten PC-Besitzerinnen und -Besitzern reissenden Absatz fand und ihn reich machte. McAfee verkaufte die Anteile an seinem Software-Unternehmen bereits 1994.
«Sein Programm hatte aber einen grossen Einfluss auf den Virenschutz allgemein», sagt Guido Berger von der SRF-Digitalredaktion. Anfang der 1990er-Jahre sei Computersicherheit erst für einige wenige Spezialisten ein Thema gewesen. «Aber für die breite Masse war das wirklich noch überhaupt nicht im Bewusstsein.» John McAfee und die Software McAfee hätten die Gefahr ins Bewusstsein gerückt. Die Leute hätten gemerkt: «Aha, es gibt Viren und ich sollte wohl meinen Computer oder meine Firma davor schützen.»
McAfee sei auch ein sehr guter Verkäufer gewesen. «Er hat in den frühen 1990ern zum Beispiel über die Bedrohung durch das Michaelangelo-Virus gesprochen», erinnert sich Berger. Dabei habe er massiv übertrieben. «Er hat jedem Fernsehsender und jeder Zeitung erzählt, dieses Virus werde Millionen von Computern infizieren. Dem war nicht so. Aber der Umsatz von McAfee wurde in einem halben Jahr um den Faktor 50 grösser.» So habe McAfee ein Vermögen angehäuft. «Zum Höhepunkt waren es etwa 100 Millionen Dollar. Vieles davon hat er dann während der Finanzkrise 2008 wieder verloren.»