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- Die Anwälte des in einem Straflager inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny haben nach einem Besuch bei ihm seinen Zustand als «nicht gut» bezeichnet.
- Der 44-Jährige habe starke Rückenschmerzen, sagte die Anwältin Olga Michailowa vor dem Straflager in dem Ort Pokrow.
- Die russischen Behörden hingegen sehen keinen Grund zur Besorgnis.
«Sein rechtes Bein ist in einem entsetzlichen Zustand», sagte die Anwältin Michailowa in einem Video des Nachrichtenkanals Medusa-Live bei Telegram. Nawalny könne nichts mehr anfangen mit dem Bein. Sie forderte im Beisein ihres Kollegen Wadim Kobsew eine ordentliche Behandlung Nawalnys, damit er am Ende nicht als «Invalide» entlassen werde.
Neue Massenproteste angekündigt
Auf einer eigens eingerichteten interaktiven Karte haben sich bereits mehr als 250'000 Menschen zur Teilnahme an neuen Demonstrationen für die Freilassung Nawalnys registriert. Das Team des Oppositionellen hatte vor zwei Tagen erklärt, ein Datum für weitere Massenproteste bekannt zu geben, sobald 500'000 Menschen bereit seien, sich ihnen anzuschliessen.
Anfang des Jahres hatten sich russlandweit Zehntausende Menschen an solchen nicht genehmigten Aktionen beteiligt.
Michailowa kritisierte, dass sie trotz eines Termins Nawalny am Mittwoch nicht habe sehen können. Erst am Donnerstag habe das nach langer Wartezeit geklappt. Nawalny habe dabei berichtet, dass er am Vortag abgeholt worden sei, um sich mit den Anwälten zu treffen. Dann sei er allerdings in ein Krankenhaus zur Untersuchung gebracht worden.
«Da wurde auch irgendein MRT gemacht», sagte Michailowa. Dann sei ihm lediglich das Schmerzmittel Ibuprofen als Tablette und Salbe verschrieben worden, aber eben keine Behandlung. «Was für ein fürchterlicher Horror», hiess es in einem Kommentar von Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch bei Twitter.
Nawalny fordert «Ende der Folter»
Zuvor hatte auch der russische Strafvollzug bestätigt, dass Nawalny untersucht worden sei. «Im Ergebnis der Untersuchung wurde sein Zustand als stabil, befriedigend eingeschätzt.» Nawalnys Vertrauter Leonid Wolkow sprach von einem «Folterlager», in dem Nawalny die «persönliche Geisel» von Präsident Wladimir Putin sei.
Nawalny selbst liess über seine Anwälte zwei Mitteilungen veröffentlichen, in denen er neben einem Arztbesuch auch das Ende der «Folter durch Schlafentzug» fordert. Er hatte sich bereits vor einigen Tagen darüber beklagt, dass er nachts jede Stunde von einem Wärter geweckt werde. Auch seine Frau Julia vermutete, dass der Schlafentzug die Beschwerden ihres Mannes noch verschlimmere.
Russlands bekanntester Oppositionspolitiker war nach einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im vergangenen August in Deutschland behandelt worden. Bei seiner Rückkehr am 17. Januar wurde Nawalny am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen.
Kurz darauf verurteilte ihn ein Gericht in Moskau zu Haft im Straflager. Der Grund: Er soll während seines Aufenthalts in Deutschland gegen Meldeauflagen bei russischen Behörden in einem früheren Strafverfahren verstossen haben. Das Urteil wurde international teils heftig kritisiert und als politisch motiviert eingestuft.