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Herrliberger (18e siècle)
Vues aériennes de Habsbourg
Die Grathöhe des Wülpelsberges, der sich zwischen Waldegg und Brug längs der Aare erstreckt, wird von der Habsburg dominiert. Die Feste trägt den Namen jenes mächtigen Geschlechts, welches die Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft entschieden mitgeprägt hatte. Ursprünglich waren die Habsburger Grafen im Elsass, wo sie um das Jahr 1000 Ottmarsheim als sakrales Zentrum gegründet hatten und auf der Burg Butenheim wohnten. Vermutlich gehören die Etichonen, die alte, bedeutende Herzogsfamilie des Elsass, zu ihren Vorfahren. Um die Jahrtausendwende erscheint ein Vertreter des Geschlechts als Graf von Altenberg. Der Sitz dieses frühen Habsburgers dürfte sich im ehemaligen römischen Flusskastell bei Brugg befunden haben, welches einen mutmasslichen, aber nicht nachweisbaren mittelalterlichen Innenausbau aus Holz erhalten hatte. Bereits im 10. Jahrhundert scheint sich die Familie im Aargau festgesetzt zu haben. Um 1020 erbaute Radpot zusammen mit seinem Bruder Werner, dem Bischof von Strassburg, die Feste Habsburg. In dieser Zeit stiftete die Familie ausser dem habsburgischen Hauskloster Ottmarsheim im Elsass auch das Kloster Muri im Aargau.
Wie die Burg im 11. Jahrhundert ausgesehen haben mag, kann nicht mehr ganz rekonstruiert werden. Der mächtige Bergfried gilt als ältester Teil des heutigen Baubestands und wird zu Unrecht ins 11. Jahrhundert datiert. Die Burg bestand zu jenem Zeitpunkt sicherlich nur als hölzernen Häusern und Palisaden. Die Umwandlung in eine steinerne Wehranlage erfolgte wohl nicht vor dem ausgehenden 11. Jahrhundert. Der Bergfried wurde vermutlich erst um 1200 errichtet. Die ursprüngliche Burg hielt als Doppelburg das gesamte Gipfelplateau besetzt. Ein tiefer graben trennte sie in einen östlichen und westlichen Teil. Die Ostpartie war von einem eigenen Graben geschützt. Der östliche Teil der Burg war bereits im 17. Jahrhundert aufgelassen worden. Archäologische Untersuchungen im Jahr 1980, durchgeführt von der aargauischen Kantonsarchäologie, haben auf dem ausgeebneten östlichen teil des Hügels spektakuläre Funde erbracht: auf dem Plateau erhoben sich mehrere steinerne Gebäude aus dem späten 11. Jahrhundert. Ein quadratischer Turm wurde im Lauf des 12. Jahrhunderts, vielleicht auch erst um 1200, errichtet. In seinem Mauerwerk fanden sich römische Spolien. Im Lauf des 13. Jahrhunderts wurde die Ostpartie allmählich aufgegeben. Im nördlichen Teil der Anlage befand sich in einem Hof ein Sodbrunnen. An die Ostflanke des um 1200 entstandenen Wohnturms wurde im 13. Jahrhundert der rechteckige Palas angefügt. Diesem ist nordseits der ummauerte Hof mit dem kleinen Turm vorgelagert. Die Zone im Graben zwischen den beiden Teilen der Burg wurde durch spätere Planierungsarbeiten stark beeinträchtigt. Ein tiefer liegender, im Abhang errichteter Bering umfasste die ganze Burg. Ein Rest davon hat sich nordwestlich des Turms erhalten
Der Turm selbst bildet im Grundriss ein ungefähres Quadrat von etwa zehn Metern Seitenlänge. Das Mauerwerk besteht aus mächtigen, vorstehenden Bruchsteinen in lagerhaftem Verband. Die Ecksteine weisen einen senkrechten Kantenschlag auf. Die Mauerdicke beträgt etwa zwei Meter. Der ursprüngliche Hocheingang befindet sich 7.5 Meter über dem Boden. Der ebenerdige Zugang stammt erst aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. In der Nordwestecke des zweiten Geschosses ist ein Kamin ausgespart, welcher den Bergfried als Wohnbau ausweist. Der dreigeschossige Palas hat mehrere Umgestaltungen erfahren. Die Westwand mit dem Gusserker und die unteren Teile des Süd- und Ostwand stammen noch aus dem Mittelalter, während die Fassaden aus der bernischen Epoche herrühren. Der Treppengiebel wurde gar erst im 19. Jahrhundert aufgeführt. In den Räumen des Wohnbaus sind mehrere hölzerne Architekturteile wie gotische Decken, Täfer und Türen aus dem Umbau von 1559 erhalten.
Die Habsburg wird urkundlich zum ersten Mal im Jahr 1108 erwähnt. In der betreffenden Urkunde heisst sie noch „Havichsberch“ (Habichtsberg), während sich in späteren Urkunden der Name „Habsburg“ durchsetzt. Dass der Burgname zum Familiennamen des mächtigen Geschlechts wurde, ist der um 1100 beim Adel aufgekommenen Sitte zu verdanken, sich nach seinen Burggründungen zu nennen. Obwohl sich das Geschlecht zu einem der mächtigsten in Europa aufschwang, war die Bedeutung der Habsburg für die Familie bereits im 13. Jahrhundert äusserst gering geworden. Als Residenz war sie bald nicht mehr geeignet und wurde deshalb schon früh an habsburgische Dienstleute verliehen. Im 12. Jahrhundert war es dem Haus Habsburg gelungen, seinen Besitz zu erweitern. Bereits Otto II konnte 1108 nach dem Feldzug Kaiser Heinrichs V gegen die Ungarn verschieden Güter und Rechte im Aargau und im Elsass erwerben. Sein Enkel Albrecht III, der Reiche genannt, brachte grosse Teile der Lenzburger Erbschaft an sich. Als Anhänger der Hohenstaufer und Parteigänger von König Barbarossa liess er sich mit den Grafschaftsrechten im Zürichgau und im Aargau belehnen. Während des Interregnungs, der chaotischen Zeit nach dem Tod von Friedrich II, begann das Haus Habsburg, seine Machtposition unaufhaltsam zu stärken und selbständig auszubauen. Bei der Teilung des Familienbesitzes in den Jahren 1232 bis 1234 zwischen dem älteren und jüngeren Zweig der Familie fiel die Feste Habsburg mit den Städten Meienberg, Bremgarten und Brugg, dem Eigenamt und der Grafschaft im Aargau dem älteren Bruder Albrecht IV zu. Der Besitz in der Innerschweiz mit der Feste Neu-Habsburg am Vierwaldstättersee, Schloss und Stadt Laufenberg sowie andere Güter und Herrschaften gingen an Rudolf den Schweigsamen, Begründer der jüngeren Linie. Von 1282 an trugen die Habsburger den Titel „Herzöge von Österreich“ und sollten bis in die neueste Zeit hinein Mitglieder des österreichischen Kaiserhauses stellen. Albrecht IV war mit Heilwig, einer Schwester des Grafen Hartmann von Kyburg, vermählt. Er starb bereits 1239 oder 1240 im Heiligen Land. Graf Rudolf IV, der spätere König, hatte in den Kämpfen zwischen der kaiserlichen und päpstlichen Partei sowie während des Interregnums genügend Gelegenheit, seine Herrschaft skrupellos auszubauen. Mit geschickter Bündnispolitik und raffinierten Heiratsverbindungen vergrösserte er den Hausbesitz. Bald war er so mächtig und angesehen, dass er 1257/58 in der Urner Parteifehde zwischen den Izzeli und Gruoba als Schiedsrichter angerufen wurde. Graf Rudolf soll sich nur einmal auf der Habsburg aufgehalten und dort eine Urkunde ausgestellt haben. Am 5. Dezember 1256 übertrug er dem Kloster Wettingen die von Berchtold von Schnabelburg aufgegebene Kirchenvogtei über Thalwil. 1273 wurde Rudolf zum römisch-deutschen König gewählt. Auch als Monarch nahm er auf der Habsburg nie Aufenthalt, ebensowenig sein Sohn Albrecht. Nach dem Aussterben des Grafenhauses Kyburg legte Rudolf als Vormund der Erbtochter Anna Hand auf das westkyburgische Erbe. Auch die ostkyburgischen Güter brachte er an sich. Seine Gegner warf er mit Waffengewalt nieder. So besiegte er die Freiherren von Regensberg und die Grafen von Toggenburg, die als Verwandte der Kyburger Ansprüche auf das Erbe erhoben hatten. Erfolgreich verhinderte Rudolf auch einen Machtzuwachs des Hauses Savoyen und des Bistums Basel. Auf diese Weise war er der mächtigste Territorialherr geworden. Sein Reich unterteilte er in Verwaltungsbezirke und Ämter, um es besser unter Kontrolle zu halten. Bereits unter seiner Herrschaft begann man, die habsburgischen Güter und Rechte in einzelnen Gegenden in urbare und Register aufzunehmen. Bedeutender Lehnsherr war er auch im Gebiet der heutigen Schweiz. Vor allem in der Innerschweiz übte er die wichtigsten Hoheitsrechte aus. Die Geschichte der Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist eng mit seiner Person verbunden.
Die Habsburg war mit den dazugehörigen rechten an habsburgische Ministerialen verliehen. Das vordere Burglehen im 17. Jahrhundert zerfallen und kürzlich ausgegraben besassen die Herren von Wülpensberg, das hintere die Schenken und Truchsessen von Habsburg und Wildegg. 1371 verkauften die Truchsessen ihren Anteil an die Herren von Wohlen, die um 1400 als Besitzer des gesamten Burglehens auftreten. Die Herren von Wohlen blieben bis zur Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen die Eigentümer der Burg. Henmann von Wohlen musste 1415 den Bernern huldigen und ihnen seine Burg offenhalten. Bei Justinger, dem Berner Chronisten des 15. Jahrhunderts, ist die Übergabe wie folgt beschrieben: „und als man vor Brugg lag... da wart die vesti Habsburg ouch berant und erbag sich Heinrich von Wolon an die von Bern mit der vorgenannten vesti in den worten, als der Liebegger und Hans Rudolf von Rinach vor getan hatten, nach sag der breifen.“ Bern übernahm also die Landeshoheit anstelle der Habsburger. Die Burg wird bei der Belagerung Schaden genommen haben. Es ist anzunehmen, dass sie von Heinrich von Wohlen wieder instandgestellt wurde. Seit 1420 erscheint die Burg im Besitz der Herren von Greifensee. 1457 erwarb die Stadt Bern den Sitz und überliess ihn 1462 Hans Arnold Segesser. 1469 übernahm das Kloster Königsfelden die Habsburg mit den dazugehörigen Landgütern. Mehrmals musste Bern die Klosterfrauen zu Königsfelden ermahnen, den Burgturm in gutem Zustand zu halten. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahr 1528 fiel die Burg wieder an den Stand Bern. Dieser liess auf dem Sitz nur wenige Arbeiten ausführen. So wurde 1559 der Palas erneuert und mit gotischen Holzdecken, Täfern und Türen ausgestattet. Aus dieser Zeit stammt auch eine neue Bedachung der Gebäude und der Ausbau der Süd- und Ostfassaden. Seit 1562 führt der Burgweg durch den Graben. 1594 zog man ein Pultdach vom Bergfried bis zur Ostmauer. Erst 1628 erfolgten weitere Reparaturarbeiten. 1695 erhielt der mit einem Zeltdach abgeschlossene Bergfried ein gegen Osten geneigtes Pultdach. Im 18. Jahrhundert soll das Bauwerk nichts anderes als „eine schlechte Bauren-Wohnung“ dargestellt haben. 1804 ging die Burg in den Besitz des neuen Kantons Aargau über. 1866 bekam der Bergfried ein neues Obergeschoss mit Zinnenkranz. Der Kanton Aargau liess die Anlage in den Jahren 1866/67, 1897/98 und 1947 bis 1949 gründlich renovieren. Im ehemaligen Sitz ist ein Restaurant untergebracht, dessen gotische Wirtsstube und andere Räume zum Verweilen einladen. Die Burg ist öffentlich zugänglich. Die Ausgrabungen auf dem Ostteil der Anlage sind noch nicht beendet und dürfen wichtige Kenntnisse über die Frühzeit der Burg liefern.