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Fast schon hatte ich Thomas Bernhard vergessen und damit auch seinen Hass, provoziert von einem alltäglichen Detail, das ihn ersticken lässt, wobei in der Welt von Thomas Bernhard, in dieser zutiefst österreichischen Welt, die immer noch durchweht ist vom Geist der kaiserlich-königlichen Monarchie oder dem Nazitum, viele solcher Details vorkommen, diesen Hass also hatte ich vergessen, weil er gerade aus der Sicht eines links fühlenden Menschen unproduktiv ist, wie dieser Bernhard in seinen komischen Jagdkostümen unmöglich ein Linker gewesen sein kann, bis mir das Buch «Der Untergeher» (1983) in die Hände fiel.
Ich begann, darin zu lesen, und verfiel in ein anhaltendes Gelächter, was mich daran erinnerte, dass Bernhards Kunst nicht nur darin bestand, Sätze über ganze Seiten hinweg zu schreiben, was ich hier bloss stümperhaft nachzuahmen versuche, um diese seine Sätze glänzender erscheinen zu lassen, sondern dass seine Kunst vielmehr darin lag, die Welt ins Absurde kippen zu lassen, sodass aus dem Hass letztlich Humor wird, Thomas Bernhard erscheint uns als hassender wie als komischer Autor, so auch im «Untergeher», in dem ein Ich-Erzähler von Wertheimer und Glenn Gould erzählt, denen er in einem Meisterkurs in Salzburg begegnet, wobei der Erzähler und Wertheimer erkennen müssen, dass Glenn Gould der Klaviervirtuose ist und nicht sie, weshalb sie das Klavierspiel sofort aufgeben.
Jahre später wird sich Wertheimer vor dem Haus seiner Schwester in Zizers das Leben nehmen, worauf der Erzähler zum Begräbnis nach Chur reist und sich für Bernhard die Möglichkeit bietet, das böseste und komischste, vermutlich also wahrste literarische Urteil über diese Stadt zu fällen, das zu zitieren der heimliche Zweck dieser Ausführungen ist, auch wenn die Sätze für einmal kürzer sind: «Chur ist tatsächlich der trübsinnigste Ort, den ich jemals gesehen habe, nicht einmal Salzburg ist so trübsinnig und letztenendes krankmachend wie Chur. Und die Churer sind dementsprechend. In Chur kann ein Mensch, auch wenn er nur eine einzige Nacht bleibt, für sein Leben ruiniert werden.»
Glenn Gould studierte übrigens nicht in Salzburg.