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1895-1952
Emil Oprecht
Verleger
1938 wurde Emil Oprecht Verwaltungsratspräsident der "Neuen Schauspiel AG" und holte Oskar Wälterlin als Direktor und künstlerischen Leiter an die Pfauenbühne. Die beiden wurden rasch gute Freunde. Oprecht war es auch,
"der die Bühne, als deren Kaufmännischer Direktor, der er auch noch war, sicher durch den Krieg gesteuert hat."1
Er war der Bruder des bekannten Nationalrats Hans Oprecht (SP, ZH). Schon früh wurde Emil Mitglied der sozialdemokratischen Jugendorganisation und in den 20er Jahren Mitbegründer der gewerkschaftlich-kommunistischen Unionsbuchhandlung. Seine eigentlich politische Stunde schlug aber 1933: Im Schaufenster der 1925 gemeinsam mit Conrad Helbling gegründeten Buchhandlung Oprecht an der Rämistrasse 5, beim Zürcher Bellevue, errichtete er mit etlichen der am 10. Mai in Berlin öffentlich verbrannten Bücher einen "Scheiterhaufen" und setzte damit ein klares Protestzeichen.
Jetzt weitete er seine Buchproduktion aus.
"Zum 1925 gegründeten Verlag Oprecht und Helbling, dem späteren (literarisch orientierten) Oprecht-Verlag, kommt 1933 der (politisch ausgerichtete) Europa-Verlag hinzu, der sich 1939 mit einem weiteren Haus nach New York verzweigt."2
Oprechts Frau, Emmie Oprecht-Fehlmann, war die "Innenministerin" des ganzen Unternehmens. Ein Drittel des Verlagsprogramms war Emigranten aus Deutschland gewidmet. Zu diesen über hundert Autoren zählten unter anderen Else Lasker-Schüler, Arthur Koestler, Willy Brandt, Ernst Bloch, Walter Mehring, Alfred Polgar, Max Horkheimer, Ignazio Silone, Heinrich Mann.
Die Buchhandlung und die Verlagsräume an der Rämistrasse wie auch die herrschaftliche Wohnung von Emmie und Emil Oprecht am Hirschengraben 20 wurden zum wohl wichtigsten Exilantentreffpunkt Zürichs. Pikanterweise lag die Wohnung in unmittelbarer Nähe des Deutschen Generalkonsulats mit seiner stets gehissten Hakenkreuzfahne. Klar, dass Oprecht zum Ziel des Hasses und der Polemik sowohl der Frontisten (Nationale Front, NA) in der Schweiz als auch der Leute im Generalkonsulat und über dieses der Regierung in Berlin wurde, die sich durch verschiedene Massnahmen, auch Eingaben in Bern, um seine Isolierung und das Ausschalten seiner Tätigkeiten bemühte.
"Damals hat man ihm mit dem Tod gedroht. Adolf Hitler hatte ein Kopfgeld von 100'000 Mark auf Emil Oprecht ausgesetzt. Er war ein 'Partisan' der ersten Stund."3
Oprecht setzte sich unbeirrt und hartnäckig durch. Und dies trotz Widerstand von Kreisen der Schweizer Politik gegen linke und jüdische Exil-Literaten und deren Kultur. Speziell der Schweizerische Schriftstellerverein argumentierte mit ähnlichen Argumenten und pflegte ein kleinliches Konkurrenzdenken.
1937 gab es eine Verwarnung durch den Bundesrat - auf Beschwerden Deutschlands - wegen
"ausländischer Tendenz- und politischer Kampfliteratur"
gegen Reich und Hitler. In Deutschland selber erfolgte im gleichen Jahr der Ausschluss aus dem "Börsenverein deutscher Buchhändler" und ab 1938 war Oprechts gesamtes Verlagsprogramm auf dem Nazi-Index. Damit waren die Auslieferungslager im Reichsgebiet verloren und jeder Verkauf gestoppt. Dasselbe geschah wenig später in Österreich und schliesslich in allen nazi-besetzten Gebieten Europas.
Die Aktivitäten des Ehepaares Oprecht galten von nun an vermehrt der Fluchthilfe bei uns und im nichtbesetzten Teil Frankreichs, wo viele auf die lebensrettenden Visa für die USA warteten. Dankesbriefe von Präsident Roosevelt und Premier Winston Churchill zeugen von diesem selbstlosen Einsatz.4
Eine Freundschaft besonderer Art verband Emil und Emmie Oprecht mit Thomas und Katia Mann. Ab 1937 trafen sie sich regelmässig.
"Oprechts Engagement und seine Verbindungen legen es nahe, die antinazistischen Kräfte auch in einer Zeitschrift zu bündeln. [...] Dass die Zeitschrift bei Oprecht erscheinen soll, steht ausser Frage, und Thomas Mann lässt sich als Herausgeber nicht lange bitten."5
Diese Zeitschrift, sie hiess Mass und Wert, hielt sich über drei Jahrgänge, 1937/38, 1938/39 und 1939/40. Seit dem Sommer 1938 lebte das Ehepaar Mann jedoch in den USA. So kam es, dass der Sohn Golo Mann den letzten Jahrgang betreute und herausgab.
1952 kehrten die Manns endgültig nach Europa zurück und liessen sich in Kilchberg bei Zürich nieder. Emil Oprecht empfing sie am Flughafen. Schon damals war er krank und hatte eine Operation hinter sich. Seine Krankheit, Leberkrebs, war unheilbar. Er starb am 9. Oktober 1952.
Aus der Rede, die Thomas Mann am 12. Oktober zur Abdankung Oprechts hielt:
"Er war mein Freund, war mir gerecht und treu, und hier will ich sagen, dass ich die Freundschaft dieses schweizerischen Europäers als Zierde meines Lebens empfunden habe."
Ernst Ostertag, Oktober 2004
Quellenverweise
- 1
Claudia Kühner: Tages-Anzeiger, 19. 9. 2002.
- 2
Claudia Porchet: NZZ, 21./22. 9. 2002, Seite 44.
- 3
Gottfried Honegger: WoZ, Zürich, 11. April 2002.
- 4
Publikationen zur Gedenkausstellung Emil Oprecht, Zentralbibliothek Zürich, 18. 9. bis 26. 10. 2002.
- 5
Manfred Papst: NZZ, 25./26. August 2001, Seite 88.