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Studien zeigen: Vegetarier und Veganer leben länger und gesünder. Und sie leisten einen wichtigen Beitrag für Tiere und Umwelt sowie gegen den Hunger auf der Welt.
Vegetarismus und Veganismus taugen als Stundenglas für die Lebenserwartung. Das beweist eindrücklich die «Sieben-Tage-Adventisten-Gesundheitsstudie 2» (Adventist Health Study 2, AHS-2). Deren Ergebnisse wurden Anfang Juli dieses Jahres veröffentlicht. Mit über 96 000 teilnehmenden Adventisten aus Amerika und Kanada (Auswertung: 73 308) war die Studie eine der bisher weltweit grössten Untersuchungen zu Fragen der Ernährung und der Gesundheit.
Der Lebensstil der amerikanischen Adventisten erregt immer wieder wissenschaftliches Interesse. Die meisten Mitglieder der amerikanisch-protestantischen Freikirche rauchen nicht und trinken entweder gar keinen oder nur sehr wenig Alkohol; über die Hälfte der Adventisten lebt vegetarisch. Letztere treiben ausserdem überdurchschnittlich viel Sport. AHS-2 basiert auf Befragungen (umfangreiche Fragebögen) von verschiedenen Adventisten-Gruppen und genauen Untersuchungen (Blutwerte, Gewicht, Fettanteilmessung usw.). Unterschieden wurden die Gruppen der Nicht-Vegetarier (35 359), Menschen, die selten Fleisch essen (4031), Pescetarier (7194), Lacto-Ovo- Vegetarier (21177) und Veganer (5548).
Die wesentlichen Ergebnisse der AHS-2:
• Vegetarier haben insgesamt einen gesünderen Lebensstil: Sie essen mehr Früchte, Gemüse, bevorzugen allgemein Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischem Index (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse) und nehmen weniger gesättigte Fettsäuren zu sich. Ausserdem sehen sie weniger fern und schlafen mehr Stunden pro Nacht.
• Das Diabetes-Risiko von Veganern und Lacto-Ovo-Vegetariern ist halb so hoch wie das von Fleischessern.
• Vegetarier sind seltener übergewichtig – sie haben einen deutlich niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) als Fleischesser.
• Veganer hatten im Vergleich zu Fleischessern ein 50 Prozent niedrigeres, Lacto-Ovo-Vegetarier ein etwa 15 Prozent niedrigeres Bluthochdruck-Risiko. Auch das Erkrankungsrisiko bei anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 oder metabolischem Syndrom ist deutlich geringer.
• Bei Lacto-Ovo-Vegetariern zeigte sich ein verringertes Gesamt-Krebsrisiko (minus sieben Prozent) gegenüber Nicht-Vegetariern. Bei Tumoren des Verdauungstrakts lag das Risiko sogar um 24 Prozent niedriger.
• Veganer wiesen ein um 16 Prozent niedrigeres Risiko für alle Krebsarten auf und ein 34 Prozent niedrigeres Risiko für frauenspezifische Krebsarten.
• Bei vegetarisch lebenden Frauen wurde eine mittlere Lebensverlängerung von 9,1 Jahren, bei vegetarischen Männern von 6,5 Jahren erfasst. Die Daten der Studie zeigen also, dass Vegetarier im Durchschnitt schlanker und weniger von Zivilisationserkrankungen betroffen sind. Zwar schützt Vegetarismus nicht grundsätzlich vor Krebs. Vegetariern wird jedoch durch ihre Lebensweise ein deutlich niedrigeres Krebsrisiko bescheinigt – vor allem Vegetarierinnen das geringere Auftreten von frauenspezifischen Krebsarten. Besonders beeindruckend ist die deutliche Lebensverlängerung bei vegetarischer Lebensweise.
Vegetarier sind nicht gleich Vegetarier
Als Vegetarier werden Menschen bezeichnet, die den Verzehr von Fleisch von Warmblütlern komplett ablehnen. Stattdessen essen sie vorwiegend pflanzliche Nahrung. Zum Teil werden auch Produkte von Tieren akzeptiert. Gängige Unterscheidungen:
• Ovo-Lacto-Vegetarier essen Eier und Milchprodukte
• Ovo-Vegetarier essen Eier
• Lacto-Vegetarier essen Milchprodukte
• Pesco-Vegetarier essen keine Warmblüter aber Fisch
• Veganer verzichten komplett auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs.
Die Ergebnisse dieser grossen epidemiologischen Untersuchung stützen die Resultate kleiner Interventionsstudien. Diese konnten in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach zeigen, dass vegetarische Ernährung eine Vielzahl von Gesundheitsrisiken positiv beeinflusst. Ein schlussendlicher Beweis, dass Vegetarismus die Ursache für eine bessere Gesundheit und ein längeres Leben ist, kann eine Studie dieser Art methodenbedingt nicht erbringen.
Naturheilkundlich arbeitende Ärzte oder Therapeuten sehen einen ursächlichen Zusammenhang jedoch als gegeben an. Sie vermuten tief greifende, gesundheitsfördernde Veränderungen im gesamten Stoffwechsel durch den weitgehenden Verzicht auf tierische Lebensmittel. Schon Lebensreformer wie beispielsweise Alfred Vogel oder Maximilian Oskar Bircher-Benner hatten vielfältige gesundheitliche Vorteile durch Rohkost oder natürlich aufbereitete Nahrungsmittel beobachtet und solche Ernährungsweisen propagiert, insbesondere den Verzicht auf Industriezucker, Weissmehl und Fleisch.
Massentierhaltung lehnen Vegetarier als nicht artgerecht und tierquälerisch ab. Sie verweisen zudem auf die mittlerweile weltweit auftretenden ökologischen Probleme, welche die Massentierhaltung verursacht, etwa den extrem hohen Energieaufwand, mit der sie betrieben werden muss.
Mit ihrem Ausstoss von Treibhausgasen wie Methan und CO2 gilt die Fleischindustrie als Hauptverursacher der globalen Erwärmung und damit der Klimakatastrophe. Die für das Weltklima wichtigen tropischen Regenwälder – die «grüne Lunge» von Mutter Erde – werden für Weideflächen der «Nutztiere» und zum Anbau der Futterpflanzen in einem nie da gewesenen Tempo vernichtet.
Angesichts einer Milliarde Menschen, die Hunger leiden (jede Sekunde stirbt ein Mensch an Hunger!), ist die massenweise Verfütterung von pflanzlicher Nahrung zur Erzeugung gesundheitlich bedenklicher tierischer Nahrung ein Skandal. Und eine Verschwendung der Superlative: Für die Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch sind je nach Tierart bis zu 16 Kilogramm pflanzliche Nahrung und 10 000 bis 20 000 Liter (!) Wasser notwendig. Oder: Aus einem Kilogramm Sojabohnen kann man gut 1,5 Kilogramm Tofu herstellen – aber nur 100 Gramm Pouletfleisch.
Viele Gerichte sind traditionell fleischlos, andere schmecken auch mit Pilzen oder Tofu anstelle von Fleisch. Die Zubereitung kann in vegetarischen Kochkursen erlernt werden; es gibt zahlreiche vegetarische und vegane Kochbücher; und im Internet Tausende Rezepte. Hängen Sie die Messlatte zu Beginn nicht zu hoch, aber probieren Sie es. Der teilweise oder vollständige Verzicht auf tierische Produkte lohnt sich.
Literatur
• Dr. med. Ernst Walter Henrich: «Vegan – die gesündeste Ernährung», kostenlos erhältlich unter www.provegan.info
• John Robbins: «Food Revolution», Hans-Nietsch-Verlag, 2003, Fr. 32.90
• Leo Tolstoi, Clara Wichmann u.a.: «Das Schlachten beenden!», Graswurzelrevolution e.V. 2010, Fr. 25.50
DVD
• Ruediger Dahlke: «Peace Food», Nymphenburger, 2013, Fr. 16.90
Fotos: fotolia.com