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1990 nahmen drei St. Anna-Schwestern – zwei aus Indien und eine aus der Schweiz – in Tabora/Tansania die Arbeit auf. Inzwischen sind rund 60 St. Anna-Schwestern aus Indien und Afrika in der Ostafrika-Mission tätig. Aufgeteilt in acht Gemeinschaften, führen sie in Tansania zwei Spitäler, drei Primar- und zwei Sekundarschulen sowie zwei Zentren für Aids-Waisenkinder.
Bereits 1991 eröffneten Schwestern mit grosser Bereitschaft zum Dienst an kranken Menschen eine kleine Dispensary (grössere Arztpraxis) in Ipuli, einem Vorort von Tabora. Die Kapazitäten waren bald ausgeschöpft. Die Patientinnen und Patienten standen Schlange und mussten sich oft Betten teilen. Ende der 1990er-Jahre wurde ein kleines Spital gebaut, das schliesslich durch einen noch grösseren Bau im Jahr 2016 abgelöst wurde.
Das grosse Problem, mit dem das Spital Tabora heute zu kämpfen hat, ist die Stromversorgung. Den Strom bezieht das Spital vom nationalen Stromnetz. Dieses fällt wöchentlich drei bis vier Mal für mehrere Stunden aus. Während den Stromausfällen greifen die Schwestern auf den Dieselgenerator zurück. Dieser verbraucht über 15 Liter Diesel in der Stunde – bei einem Dieselpreis von rund einem US-Dollar – und ist extrem laut, was den Spitalbetrieb vor zusätzliche Herausforderungen stellt.
STABILITÄT UND SICHERHEIT
Um eine stabile Stromversorgung des Spitals zu gewährleisten, ist der Bau einer Solaranlage geplant. Anstelle der anfälligen öffentlichen Stromversorgung wird künftig der Solarstrom als Hauptstromquelle dienen. Tagsüber wird Solarstrom produziert. Der überflüssige Strom wird in Batterien gespeichert. Während der Nacht wird Strom aus den Batterien verwendet. Sollte die Solaranlage weniger Strom als benötigt produzieren und die Batterien leer sein, wird als erstes auf das öffentliche Netz zurückgegriffen. Falls dieses ausfällt, hätte man mit dem Dieselgenerator eine zweite Sicherung. So kann die Möglichkeit eines Stromausfalls auf ein Minimum reduziert werden. Die Stromausfallrate soll in Tabora dereinst unter einem Prozent liegen.
Durch den Bau der Solaranlage kann das Spital in erster Linie auf eine stabile Stromversorgung zurückgreifen. Gefährliche Stromunterbrüche während Operationen, des Röntgens und des allgemeinen Tagesbetriebs können vermieden werden. Ausserdem ist auch in der Nacht eine zuverlässige Stromversorgung gewährleistet. Die Sicherheit der Patienten und Patientinnen sowie des Personals wird mit einer stabil funktionierenden Stromversorgung erhöht. Ein Nebeneffekt der Solaranlage, der nicht unterschätzt werden darf, ist die günstigere und umweltfreundlichere Stromversorgung.
PREKÄRE SITUATION AUF DEM LAND
Das Gesundheitssystem in Tansania wurde in den 1970er-Jahren komplett verstaatlicht. Private und kirchliche Träger waren im Gesundheitsbereich nicht erlaubt. Die schwierige Wirtschaftssituation in den 1980er-Jahren führte zu einem Engpass bei Medikamenten und beim Gesundheitspersonal. Der Staat hatte folgedessen immer mehr Schwierigkeiten, die kostenlose Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten.
In den 1990-Jahren begann die Regierung, kirchliche und private Einrichtungen im Gesundheitsbereich wieder zu fördern. Heute werden rund 40 Prozent der Gesundheitsversorgung von privaten und kirchlichen Trägern gewährleistet. Trotzdem ist der Mangel an Pflegepersonal sowie Ärztinnen und Ärzten gross. Auf 1000 Tansanier kommen 0,03 Ärzte. Die Situation auf dem Land ist noch viel prekärer. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der Durchschnitt bei vier Ärzten pro 1000 Einwohner.