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Die Anlagen und Leitungen der Wasserversorgung blieben während der hundert Jahre ihres Bestehens nicht vor Naturgewalten verschont. Das Quellgebiet mit dem Reichenbach und der Suld wurde immer wieder von Unwettern heimgesucht. Beide Gräben sind unverbaut, und die Gebirgsbäche können bei Gewittern zu reissenden Strömen anschwellen. So wurden im Engelgebiet mehrere Male die Anlagen beschädigt und zum Teil zerstört. Die Quelleitung durch den Suldgraben in den steilen vernässten Flanken war verschiedene Male von den Wassermassen bedroht, und die Verbauungen des Leitungssteges mussten mehrmals wieder hergestellt und ergänzt werden. Im Versorgungsgebiet Aeschi und Spiez werden Schäden durch Blitzschlag verzeichnet und im Winter Leitungsbrüche, verursacht durch länger andauernde Kälte. Uns allen ist natürlich die Überflutung des Grundwasserpumpwerkes Kandergrien durch das Jahrhunderthochwasser vom Juni 1999 in Erinnerung. Der jeweils von Betriebsleiter, Vorstand und Pikettmannschaft zur schnellen Wiederherstellung der Versorgung und zur Behebung der Schäden geleistete Einsatz ist in den Protokollen nachzulesen.
1917
Erste Unwetterschäden sind vom 12./13. Juni 1917 verzeichnet. Nach Bericht des Aufsehers sind durch das Gewitter die Quellfortleitungen in Faltschen arg demoliert worden und erfordern grosse Reparaturarbeiten, die sofort an die Hand genommen werden müssen.
1931
Am Abend des 27.6.1931 entleeren sich über dem Reichenbachgraben schwere Gewitterwolken. Die Quellfassungen werden zum Teil verschüttet oder zerstört. Das Baugeschäft Trachsel beginnt sofort mit der Sicherung und Wiederherstellung. «Der Vorstand will sich von den Konsumenten durch schlechte und verschlammte Zuleitungen in keiner Weise den Vorwurf der Nachlässigkeit zu Schulden kommen lassen.» Die Hauptversammlung beschliesst, von den Genossenschaftern einen Beitrag an die Verbauungsarbeiten von
Fr. 10.- pro Minutenliter zu erheben, zahlbar in zwei Jahresraten und von den Gemeinden werden freiwillige Beiträge erwartet.
1936
Das Unwetter vom 17.6. 1936 beschädigt die Quellen 4 und 5 im Engel. Die Massnahmen sehen den Einbau von zwei Schildkröten auf dem rechten Ufer oberhalb von Quelle 5 und eine Sicherung durch Schienenpfähle vor.
Die Wasserfluten vom 16.8.1936 nach 16 Uhr mit Wiederholung am 17.8.1936 um 18 Uhr verursachen die Überschwemmungskatastrophe von Mülenen und gefährden die Quellleitung im Suldgraben. Es müssen Notsicherungen vorgenommen werden. Der Aufseher sorgt mit Hilfe der Mannschaft von Aeschi und Spiez für die Räumung des Bachbettes und sprengt die Felsblöcke im Bachlauf. Da das linke Widerlager des Leitungssteges gefährdet ist, werden Verstärkungen ausgeführt. In den Jahren 1936/1937 sind weitere Verbauungen nötig.
1954
Grössere Gewitterschäden vom Juli 1954 erfordern im Quellgebiet Reparaturen.
1958
Am 31.8. und am 10.9. 1958 sind über dem Engelgebiet schwere Unwetter hereingebrochen und verursachen Schäden durch Überlauf beim Schacht im Rosserli. Im Wald zum Quellgebiet besteht die Gefahr, dass die Leitung weggespült wird. Beim Leitungssteg im Suld werden die Schwelle und die Senkwalze weggerissen, eine neue Verbauung ist erforderlich. Die Wiederherstellungsarbeiten sind aufwendig. Beim Rosserli muss ein neuer Schacht mit einer Überlaufleitung von zirka 200 m in den Reichenbachgraben erstellt werden.
1977
In der Nacht vom 4./5.7.1977 schlägt der Blitz in die Zementrohrleitung im Gebiet Seenegg zwischen dem Reservoir Wachthubel und Butzen und zerstört sie auf einer Länge von 10 Metern. Auch aus dem Reichenbachgraben werden Schäden gemeldet. Da durch den Uferanriss die Brunnstube 4 gefährdet ist, entschliesst sich der Vorstand, zur Sicherung eine massive Talsperre zu errichten. Der Beton wird mit dem Helikopter eingeflogen. Eine neue Längsverbauung aus Steinblöcken sichert vor weiteren Anrissen.
Das Unwetter desselben Datums verursacht die schweren Schäden im Diemtigtal. Der Hilfsaktion «Unwetter im Diemtigtal» wird eine Solidaritätsspende überwiesen.
1987
Im Suldtal verändern die enormen Wassermassen des Gewitters vom 14./15.6.1987 den Graben streckenweise zur Unkenntlichkeit und es grenzt an ein Wunder, dass der Leitungssteg nicht weggerissen wird, obschon das Wasser bis knapp unter die Stahlträger reicht. Die Sofortmassnahmen sind erschwert, da die Zufahrt durch die ebenfalls zerstörte Brücke unmöglich ist. Es drängen sich umfangreiche Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten auf. Die Quellfassungen bleiben glücklicherweise verschont.
1991
Nach ergiebigen Niederschlägen ereignet sich am Butzenbort, oben an der rechten Flanke, ein Hangrutsch, der am 23.12.1991 die vorweihnachtliche Stimmung des Präsidenten und des Betriebsleiters trübt. Die Suldgrabenleitung scheint gefährdet. Entwässerungsarbeiten unter der Leitung des Försters von Aeschi werden sofort ausgeführt, so dass eine Beschädigung verhindert werden kann. Beim Pumpwerk Butzen wird Reservematerial deponiert, um einen Leitungsbruch rasch beheben zu können.
1999
Das Jahrhunderthochwasser vom 14.5.1999 und den folgenden Tagen überflutet den Rohrkeller des Grundwasserpumpwerkes Kandergrien. Das Wasser liegt höher als der Fassungsschacht und dringt in das Gebäude ein. Da gleichzeitig auch verschiedene Kanalisationsanlagen überflutet sind und nicht mehr funktionieren, werden Infiltrationen befürchtet. Erstmals seit dem Bau des Pumpwerkes muss es aus Sicherheitsgründen abgestellt werden. Auch die Quellen im Engel müssen infolge Trübung über 3 Wochen abgeleitet werden. Das Pikettteam steht während 14 Tagen rund um die Uhr und unter misslichen Verhältnissen im Einsatz. Insgesamt werden 165 Stunden für die nötigen Massnahmen und zirka 1050 Autokilometer aufgewendet. Verbindungsmittel wie Natel, Funk und moderne Fernwirkeinrichtungen helfen der Mannschaft bei der Bewältigung des Einsatzes. Die Untersuchung von Wasserproben vor der Wiederinbetriebnahme des Pumpwerkes ergeben einwandfreie Wasserqualität.
Bevor die Verbundanlagen mit den Nachbargemeinden realisiert waren, hätte ein ähnliches Ereignis unweigerlich zu empfindlichen und einschneidenden Versorgungsengpässen geführt, leisten doch das Grundwasserpumpwerk und die Engelquellen den überwiegenden Anteil an der Versorgung von Aeschi und Spiez. Beim Jahrhunderthochwasser erwiesen sich die Verbindungen zu den Nachbargemeinden als nützlich und unentbehrlich.
Wie immer bei solchen Ereignissen werden Erkenntnisse gewonnen und Lehren für den weiteren Betrieb gezogen.