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Mit dem Beginn des Monsuns haben sich die Lebensbedingungen der Rohingya-Flüchtlinge in den Flüchtlingscamps in Bangladesch drastisch verschlechtert. Umfassende Nothilfe ist unabdingbar, um Leben retten zu können. Dringlich wäre auch eine politische Lösung für die Situation der Flüchtlinge, doch ein solche ist zurzeit nicht absehbar.
Durch die Flucht von 700 000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch explodierte die Bevölkerung des Flüchtlingscamps Kutupalong. Heute leben hier nach offiziellen Angaben 623 000 Menschen. Auf dem Gelände von Kutupalong, das einst ein Naturschutzgebiet war, steht kein einziger Baum mehr.
Im Distrikt Cox' Bazar im äussersten Südosten von Bangladesch gibt es noch weitere Camps. Dort sind schätzungsweise weitere 277 000 Menschen untergebracht. Zudem leben rund 15 000 Flüchtlinge in den umliegenden Dörfern gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung.
Die Behörden Bangladeschs waren bemüht, dem unablässigen Flüchtlingsstrom gerecht zu werden. Doch welche Zukunft haben die fast eine Million Rohingya, die auf dem schmalen Landstreifen zwischen Fluss, Meer und der Grenze zu Myanmar leben müssen? Seit dem 11. Juni fällt wiederholt heftiger Regen. Stündlich droht den Menschen eine Katastrophe, je nach Ausmass der Monsunregenfälle und der Stärke der befürchteten Zyklone. Und wie geht es danach weiter? Um die Bedingungen im Flüchtlingslager zu verbessern, richtet die Regierung von Bangladesch Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge auf der Insel Bhasan Char ein, gegenüber von Chittagong im Golf von Bengalen. Einige 100 000 Flüchtlinge könnten bald auf diese Insel gesondert von der heimischen Bevölkerung umgesiedelt werden. Eine Integration der Rohingya schliesst Bangladesch, das weltweit zu den ärmsten Ländern zählt und bezüglich der Bevölkerungsdichte den Spitzenplatz einnimmt, aus. Doch in absehbarer Zukunft ist auch eine Rückkehr nach Myanmar kaum denkbar. Viele Rohingya möchten erst dann zurückkehren, wenn ihre Sicherheit garantiert ist.
Schon seit Wochen befinden sich das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR), die Internationalen Migrationsbehörde (IOM), Dutzende von lokalen und internationalen NGOs und die Lagerbevölkerung angesichts der Gefahren durch den Monsun in einem Rennen gegen die Zeit. Caritas Schweiz beteiligt sich gemeinsam mit Caritas Internationalis und Caritas Bangladesch. Die Hilfsleistungen des Caritas-Netzes kommen mehr als 250 000 Menschen zugute. Doch die Bedürfnisse sind und bleiben immens. Bei der Flucht haben die Rohingya all ihr Hab und Gut zurückgelassen. Ohne Unterstützung können sie kaum die dringlichsten Bedürfnisse decken. Es fehlt es ihnen an Lebensmitteln, Wasser, Wohnraum, medizinischer Versorgung, den wichtigsten Alltags- und Koch-Utensilien, Hygieneartikeln und Latrinen. Viele Kinder können keine Schule besuchen.
Eine grosse Stadt ohne Infrastruktur
Man stelle sich eine innerhalb von wenigen Monaten aus dem Boden gestampfte Stadt ohne jegliche Infrastruktur vor! Die wenigen Sandpisten sind immer wieder überflutet und drohen bei jedem schwer beladenen Lastwagen einzubrechen. Der Monsun wird über die hoffnungslos überfüllten Camps in der hügeligen Landschaft hinwegfegen. Besiedelte Abhänge geraten ins Rutschen, Schlammlawinen reissen auf ihrem Weg alles mit und die Notunterkünfte aus Bambus und Plastikplanen werden zum Spielball der Sturmböen. Das Regenwasser mischt sich mit dem Abwasser aus den schlecht positionierten Latrinen und kontaminiert das Trinkwasser der Flüchtlinge, mit einem hohen Risko für tödliche Epidemien. Gemäss Schätzungen befinden sich gegen 200 000 Menschen in Hochrisikozonen. Für sie gibt es kaum Aussicht auf eine Umsiedlung in sichere Lagen.
Die Bevölkerung ist jung, aber ohne Zukunft
Die Resilienz der Flüchtlinge ist bewundernswert. Obwohl sie in vollständiger Abhängigkeit leben, arbeiten sie unablässig, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Sie verstärken ihre Unterkünfte, reparieren Strassen und Abwassersysteme, befestigen Böschungen, die durch den Monsun einzubrechen drohen. Die Freude, mit der die Kinder in den ihnen zugewiesenen Bereichen spielen, ist ergreifend. Sie werden von jungen Frauen betreut, die mit ihnen spielen und pädagogische Angebote durchführen. Aber viel zu Wenige haben Zugang zu Schulbildung. Sie brauchen so schnell als möglich Perspektiven. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sind unter 18 Jahre alt.