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Die Untersuchung zeigt auf, dass sich die regionalen Fernsehsender mit Leistungsauftrag zum einen in einem (stetigen) Wandel befinden, die Programme sich aber zum anderen auch langsam stabilisieren: Die stärkere Gebührenunterstützung führt in Einzelfällen zu einer Ausweitung und zu einer inhaltlichen Weiterentwicklung oder zumindest einer Aufrechterhaltung des Sendebetriebes. Auch inhaltlich scheinen sich die Sender stärker nach dem Leistungsauftrag zu richten und stärker die geforderten Inhalte zu fokussieren. Die Programme weisen z. B. nicht weniger Aktuelles auf.
Die Fernsehprogramme der privaten Stationen mit Leistungsauftrag
Die 13 analysierten privaten Veranstalter mit Leistungsauftrag sind: Léman bleu, la télé, Canal 9/Kanal 9, Canal Alpha, TeleBärn, TeleBielingue, TeleBasel, Tele M1, Tele 1, Tele Top, Tele Ostschweiz (TVO), TeleSüdostschweiz (TSO) und TeleTicino. Vergleichend wird seit 2010 auch TeleZüri als nicht konzessioniertes Regionalprogramm erfasst.
Ergebnisse der Sendungsanalyse
Während der untersuchten Wochen im Frühling und Herbst 2011 sendeten die Sender pro Woche zwischen 1,75 (Kanal 9) und knapp neun Stunden (TeleTicino) potenziell tagesaktuelles Programm. Auffallend bleibt hierbei, dass die Westschweizer Sender (la télé, Canal 9) sowie TeleTicino und TeleBasel ein zeitlich weit grösseres Angebot vorhalten als die restlichen Sender. Diese hohen Zeitanteile an potenziell tagesaktuellem Programm erreichen die Sender hauptsächlich durch ihre täglichen Talksendungen. Der Umfang der analysierten Programme steigt über die Zeit betrachtet kontinuierlich an. Daran zeigt sich zum einen methodisch, dass das Procedere der Identifikation der tagesaktuellen Programmierung auf der Grundlage der qualitativen Analyse zu validen Ergebnissen führt, und zum anderen gegenstandsseitig, dass die Programme ihr tagesaktuelles Programm erkennbar ausweiten. Das gilt im aktuellen Stichprobenjahr 2013 vor allem für den Sender TeleOstschweiz, der sein tagesaktuelles Programm deutlich ausgebaut hat. Insgesamt gesehen halten die anderen Programme zumindest ihr Niveau.
Ergebnisse der Nachrichtenanalyse
Der Zeitumfang von regionalen Kernnachrichtensendungen, also von regionalen Nachrichtensendungen ohne separate Wetter-, Sport- und Wirtschafts-/ Börsennachrichtensendungen, beträgt pro Woche zwischen einer (Canal 9, Kanal 9) und über drei Stunden (TeleTicino, la télé). Der Umfang der Nachrichtensendungen bleibt damit im Zeitverlauf weitgehend unverändert, wobei TeleOstschweiz und TeleSüdostschweiz den Nachrichtenumfang 2013 merklich gesteigert haben. Die Fensterprogramme von TSO und la télé erfüllen die zeitlichen Vorgaben der Konzessionen für die Kantone Glarus resp. Freiburg. La télé sendet 2013 drei Nachrichtensendungen täglich. Davon ist eine mit knapp 90 Minuten in der Woche dem Regionalbezug zum Kanton Freiburg gewidmet, während bei TSO gut zehn Minuten werktäglich zum Kanton Glarus ausgestrahlt werden.
Themenvielfalt
In diesen Kernnachrichten ist eine breite Themenabdeckung erkennbar. Vergleichsweise hohe Anteile der Berichterstattung über Prominente, Menschen und Emotionen sowie Unfälle, Katastrophen und Verbrechen finden sich in der Deutschschweiz und hier am stärksten bei Tele M1, TeleBärn und TeleZüri sowie bei TVO. Da erstere drei zu ein und demselben Medienhaus gehören, wären entsprechende detailliertere Analysen interessant und sinnvoll, ob – und wenn ja in welchem Ausmass – auch redaktionelle Berichterstattung wechselseitig von den Schwesterprogrammen übernommen wird. In einzelnen Sendungen zeigen sich solche Mehrfachverwertungen bereits jetzt. 2013 werden mit Unglücken, Kriminalität, Prominenten und Emotionen zum ersten Mal seit Beginn der Untersuchungen thematische Bereiche stärker, die nicht explizit von der Konzession gefordert werden.
Regionalbezug
In den Kernnachrichten fast aller Programme ist ein konstant starker Regionalbezug erkennbar: In weit über 90 Prozent der Sendezeit ist ein explizit genannter Regionalbezug vorhanden. Ausnahmen stellen TeleBärn und Tele M1 dar, die mit etwa 70 Prozent der Nachrichtendauer die geringsten Zeitanteile regionaler Berichterstattung an der Nachrichtensendung aufweisen. In der restlichen Zeit, also knapp einem Drittel der Sendezeit der Kernnachrichten, wird über andere Regionen, die Schweiz oder das Ausland berichtet. Beide Sender widmen 2013 deutlich weniger Zeit ihren Verbreitungs- oder Konzessionsgebieten. Es wäre genauer zu untersuchen, ob diese Ergebnisse mit der soeben angesprochenen Zusammenarbeit der Programme zusammenhängen könnte.
Aktualität
Die Zeitanteile der Beiträge, in denen explizit ein tagesaktueller Bezug hergestellt wird, umfassen knapp 50 Prozent (Canal Alpha, TeleSüdostschweiz) bis zu knapp drei Viertel der Sendezeit der Kernnachrichten. Die höchsten Zeitanteile an expliziter Tagesaktualität weisen TVO und Léman Bleu auf. Beiträge ohne Tages- oder Wochenaktualität liegen im Schnitt bei rund 13,5 Prozent. Bei einzelnen Sendern steigen die Werte auf bis über ein Fünftel der gesamten Nachrichtenberichterstattung (TeleBielingue, Canal Alpha). Die Aktualität der Programme verbessert sich im Vergleich zu den letzten Stichproben nicht.
Akteurs- und Meinungsvielfalt
Meinungsvielfalt wird darüber gemessen, ob in einem Beitrag zwei oder mehr unterschiedliche Meinungsäusserungen zu einem politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Thema vorkommen. Dies ist über alle Sender hinweg jedoch in weniger als jedem zwanzigsten relevanten Beitrag der Fall. In knapp jedem sechsten Beitrag wird nur eine Meinung(-srichtung) wiedergegeben, ohne dieser eine andere Meinung gegenüber zu stellen. Der Beitrag der Nachrichtensendungen zur Meinungsbildung durch Meinungsnennung bleibt also begrenzt bzw. geht sogar zurück. Aus journalistischer Perspektive stellen Nachrichten aber auch nicht das Kernformat des Meinungsaustausches dar. Die Ergebnisse der quantitativen Analyse über aller Sendungen stellt für die Frage nach der Meinungsrepräsentanz sicherlich die bessere Datenbasis dar (siehe nächser Abschnitt).
Bezüglich des Aspektes des gesellschaftlichen Kontextes der Akteure zeigt sich bei allen Sendern eine breite Abdeckung aller Gesellschaftsbereiche. Am meisten kommen 2013 wie auch schon in den Vorjahren die Akteure aus den Bereichen Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft und Privatpersonen vor.
Ergebnisse der quantitativen Analyse über alle Sendungen
Die zentralen Ergebnisse der bisherigen Analyse der Nachrichtensendungen finden sich auch wieder, wenn alle als tagesaktuell identifizierten Sendungen in die Auswertung einbezogen werden. Die Themenverteilung wird durch die Hinzunahme dieser Sendungen noch ausgewogener als in den Nachrichtensendungen für sich allein genommen, insbesondere steigt der Anteil an Sport- und Servicethemen durch entsprechend spezifische Sendungen. Der Regionalbezug aller tagesaktuellen Sendungen ist tendenziell etwas geringer als nur in den Nachrichtensendungen, die niedrigsten Werte haben erneut TeleBärn und Tele M1. Die Aktualität der gesamten Stichprobe 2013 ist recht gross, was erneut zeigt, dass das Identifikationsverfahren der Studie zu validen Daten führt. Darüber hinaus fällt – wie bereits angedeutet – auf, dass die regionalen Fernsehprogramme ihrem in der Konzession formulierten Auftrag zur Meinungsrepräsentation besonders in den längeren Formaten nachkommen: Über alle Sendungen hinweg betrachtet gibt es in den Berichten über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weniger Anteile ohne Meinungsäusserungen.
Ergebnisse der qualitativen Analyse
Insgesamt wurden von 93 Sendungen je eine Ausgabe untersucht. Das sind um die Hälfte weniger als noch vor zwei Jahren. Die Programme scheinen sich – mit Ausnahme der frankophonen Programme – langsam zu verstetigen; die Anzahl an neuen Sendungen nimmt stark ab.
Pro Sender wurden zwischen ein bis zwei Sendungen (TVO: eine Sendung im Frühjahr; Kanal 9: zwei Sendungen im Herbst) bis 15 Sendungen (Canal Alpha: neun Sendungen im Herbst und sechs Sendungen im Frühjahr) mit einem Steckbrief beschrieben. Nachdem in den ersten Wellen der Erhebung hauptsächlich Talksendungen in die qualitative Analyse eingingen, zeigt sich inzwischen ein ausgewogenes Bild bezüglich der Sendungsformate: Es kommen vermehrt Berichte, Reportagen, Dokumentationen sowie Magazinsendungen vor, die strukturelle Vielfalt der Programme scheint sich also zu verbessern.
Gesamthaft betrachtet zeigen die Sendungen eine breite Themenabdeckung und verfügen häufig über einen Regionalbezug. Es kommen alle Aktualitätsstufen vor, die messbar sind. Allerdings konnten lediglich im weiteren Sinne tagesaktuelle Sendungen identifiziert werden. Daneben gab es wochenaktuelle und nicht aktuelle Sendungen.
Methodische Eckdaten
Untersuchte Programme
- Aktualität: Es muss ein tagesaktuelles Programm gesendet werden.
- Themen: Es müssen Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport angeboten werden.
- Vielfalt: Es muss eine Vielfalt an Themen, Meinungen und Interessen wiedergegeben werden sowie ein breites Spektrum an Personen(-gruppen) zu Wort kommen.
- Regionalbezug: Die Informationen, Akteure und Meinungen müssen sich auf das Sendegebiet beziehen und das gesamte Sendegebiet widerspiegeln.
Untersuchungszeitraum
Untersuchungskonzept
Zunächst werden in einer Sendungsanalyse die Formate bzw. Genres der Sendungen bestimmt, die in die Untersuchung eingehen. Bei diesen werden auch die Produktionscharakteristik und der Ausstrahlungsrhythmus zur genaueren Beschreibung der Formate erhoben. Die Kategorisierung der Sendungen geschieht nach demselben Raster, das auch in der SRG-Analyse angewandt wird. Dadurch wird eine Vergleichbarkeit der Daten auf struktureller Ebene mit den Programmen der SRG erreicht.
In der Beitragsanalyse werden die Sendungen nach ihren thematischen Beiträgen aufgeteilt und die behandelten Themen detailliert erfasst. Die Themenkategorisierung nach gesellschaftlicher Relevanz der Themenbereiche ist dabei kompatibel zur SRG-Studie gehalten, um die direkte Vergleichbarkeit der Ergebnisse auch auf dieser Ebene zu gewährleisten. Neben den Themen werden in diesem Schritt u. a. die Regionalbezüge (auf Gemeindeebene), die zu Wort kommenden Akteure und die Aktualität gemessen.
Die Beiträge über gesellschaftlich relevante Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden anschliessend nochmals einer Meinungsanalyse unterzogen, um die Vielfalt der geäusserten Interessen und Meinungen der Akteure zu messen.
Methodologisch gesprochen handelt es sich um ein quantitatives, weitestgehend standardisiertes Inhaltsanalyseinstrumentarium auf der Basis eines mehrdimensionalen, hierarchischen Codebuchs
für Sendungs-, Beitrags- und Akteurs-/Meinungsanalysen.
Das Untersuchungsinstrument der Steckbriefanalyse besteht aus einem Leitfaden, anhand dessen die Sendungen beschrieben werden. Neben produktions- und ausstrahlungsbezogenen Aspekten werden hier die Themen, die Aktualität, die zu Wort kommenden Akteure und die Regionalbezüge erhoben. Beide Instrumente sind im Schlussbericht dokumentiert.
Die quantitative Inhaltsanalyse und die Steckbriefanalyse wurden von fünf bilingualen Studierenden der Universität Freiburg und der Universität Basel durchgeführt. Die Codiererinnen und Codierer wurden intensiv geschult und absolvierten zahlreiche Testcodierungen. Die Codierung wurde erst gestartet, als die Reliabilitätswerte zufriedenstellend ausgefallen waren. Die Steckbriefanalyse wurde vom gleichen Team im Anschluss an die quantitative Analyse durchgeführt.
Weitere Informationen
Untersuchte Regionalfernsehprogramme mit Konzession:
Léman Bleu, la Télé, Canal 9 / Kanal 9, Canal Alpha, TeleBärn, TeleBielingue, TeleBasel, Tele M1, Tele 1, Tele Top, TVO, Tele Südostschweiz, TeleTicino
Zu Vergleichszwecken einbezogen:
TeleZüri (ohne Konzession)
Die wichtigsten Befunde:
1. Anhaltend hoher Regionalbezug der Programme
2. Breite Themenpalette in den Nachrichtensendungen
3. Hohe Anteile an Boulevardthemen bei Tele M 1, TeleBärn und TeleZüri
Forschungsinstitut
Departement für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Fribourg, 1700 Freiburg
Letzte Änderung 30.10.2014