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Ein Finanzmarkt gilt als effizient, wenn sämtliche verfügbaren Informationen und Einschätzungen im Aktienkurs enthalten sind. Im Fachjargon sagt man, alle Informationen seien im Kurs eingepreist (was für ein scheussliches Wort). Auch der amerikanische Wirtschaftswissenschafter Eugene Fama, der 2013 den Nobelpreis erhalten hat, vertritt die These der effizienten Finanzmärkte.
Wenn also ein Banker glaubhaft versichern will, man sollte auf Aktie X und nicht etwa auf Aktie Y setzen, so nimmt er für sich in Anspruch, gescheiter zu sein als die Millionen von Anlegerinnen
und Anlegern, die sich rund um den Globus mit Informationen versorgen. Selbstverständlich gibt es Leute, die über eine bestimmte Aktie mehr wissen als alle anderen, zum Beispiel Verwaltungsräte
und Geschäftsleitungsmitglieder. Sie sind Insider und dürften ihren Informationsvorsprung von Gesetzes wegen nicht missbrauchen. Manche tun es trotzdem. Das belegen die Kursbewegungen, die
jeweils vor der Publikation kursrelevanter Informationen zu beobachten sind.
Das Gesetz der effizienten Märkte gilt aber nur für grosse Unternehmen mit international gehandelten Aktien. Bei kleineren, lokalen Firmen ist man eher in der Lage, das Potenzial besser einzuschätzen als das Gros der Anleger. Aktien von kleineren Firmen werden auch nicht von einem Heer von Analysten begutachtet. Solche Märkte bezeichnet man als nicht effizient. Das gilt auch für Aktien, die bei der OTC-X, der Handelsplattform der Berner Kantonalbank, ausserbörslich gehandelt werden. Viele sind Liebhaberaktien. Man kauft sie, weil man den Geschäftsführer persönlich kennt, weil man lokale Unternehmen fördern will oder weil es an der Aktionärsversammlung ein reichhaltiges Essen gibt. Man könnte solche Aktien auch kaufen, um auf hohe (und steuerfreie) Kursgewinne zu spekulieren, denn sie haben zum Teil enorme Kursausschläge. Man könnte fast sagen, das Investieren in OTC-Aktien sei effizient, gerade weil der Markt der Nichtkotierten nicht effizient ist.
Erschienen in der BZ am 1. Juli 2014