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Du sitzt im Bus und hörst auf deinen Kopfhörern deine Lieblingsmusik. Da spricht dich plötzlich eine alte Frau an… Erfinde eine Kurzgeschichte zu dieser Situation.
Julian schreibt:
An einem Donnerstagmorgen sitze ich wie immer im Bus, auf dem Weg in die Schule. Ich habe meine Kopfhörer eingesteckt, es läuft gerade mein Lieblingslied. Bei einer Bushaltestelle hält der Bus und eine ältere Dame steigt ein. Neben mir ist ein Platz frei und die ältere Dame setzt sich neben mich. Nach einem Weilchen merke ich, dass sie mich etwas fragt und ich ziehe einen Ohrstöpsel aus einem Ohr. Ich sage zu ihr: «Wie bitte?» – und sie wiederholt das, was sie bereits gesagt hat: «Finden Sie auch, dass heute unglaublich schönes Wetter ist?» Zuerst bin ich recht erstaunt und beantworte dann freundlich ihre Frage mit «ja!» Sie fragt mich, wie es mir denn gehe und ich sage: «Gut, und Ihnen?» Langsam kommen wir ins Gespräch und als wir am Bahnhof aussteigen, fragt Rosmarie, so hat sie sich mir vorgestellt, ob ich nach der Schule Zeit habe. Ich wusste zuerst nicht, was sagen. Doch dann machten wir aus, uns um 17 Uhr im Park zu treffen. Als ich um 17 Uhr den Park betrat, sass sie bereits auf einer Bank und wartete auf mich. Ich begrüsste sie und sie grüsste zurück. Ich konnte mit ihr über viele spannende Sachen berichten und sie erzählte mir sogar von ihrem verstorbenen Mann.
Nun traf ich sie jeden Donnerstag, bis ich einmal erfuhr, dass sie verstorben war. Natürlich besuchte ich ihre Beerdigung.
Einmal passierte es mir, dass ich am Donnerstag im Park auf sie wartete und plötzlich merkte, dass sie ja gar nicht mehr kommen würde. Noch heute denke ich oft an sie und erinnere mich gerne an die interessanten Gespräche mit ihr.
Charlottes Antwort:
Lieber Julian
Die Geschichte, die du dir ausgedacht hast, finde ich sehr spannend. Am Anfang will Rosmarie ja nur wissen, wie es dir so geht und ihr sprecht ein wenig über das Wetter. Eigentlich könntest du jetzt aufstehen und an der nächsten Station aussteigen. Aber irgendetwas an der Beharrlichkeit, mit der Rosmarie dich in das Gespräch verwickelt hat, macht dich neugierig. Und dann trefft ihr euch immer wieder und du bist ganz verwundert, dass sie dir sogar von ihrem verstorbenen Mann erzählt. Bevor du Rosmarie kanntest, hast du noch nie näher über den Tod nachgedacht. Und nun erzählt dir jemand davon, wie das ist, wenn ein Mensch nicht mehr da ist und auch nie mehr zurückkommt. Du versuchst, dir das vorzustellen, aber das ist für dich fast nicht möglich. In den Gesprächen, die ihr im Park zusammen geführt habt, wird Rosmarie oft von ihrem Leben erzählt haben, von den Kindern, die sie zusammen mit ihrem Mann gross gezogen hat. Und vielleicht hat sie auch ein wenig geklagt darüber, dass sie so unendlich müde sei und nur noch ausruhen möchte. Sie versicherte dir, wie gerne sie immer mit dir zusammen sass, und dass sie sich beim Erzählen wieder in ihre Jugend versetzt gefühlt hat, an den Anfang ihres Lebens. Und dann, an einem Donnerstag ist sie nicht mehr gekommen. Sie war am Ende ihres Weges angekommen. – Sie war tot. Das wusstest du ganz genau, denn du hast an ihrer Beerdigung teilgenommen. Aber warum hast du danach noch im Park auf sie gewartet? Sie war doch gestorben! Alles war zu Ende.
Genau das finde ich so spannend an deiner Geschichte. Du hast erkannt, dass ein Mensch nach seinem Tod nicht einfach beerdigt wird und damit im wörtlichsten Sinn «vom Erdboden verschwindet». Eure Gespräche hast du nicht vergessen, bis heute nicht. Die Gedanken von Rosmarie sind bei dir gut aufgehoben und sie leben in dir weiter. Auch wenn dich dein Weg einmal weit weg von dem Park führt, in dem du Rosmarie jeweils getroffen hast, wirst du dich an sie erinnern, und sie wird für dich lebendig bleiben. Vielleicht wirst du deinen Kindern oder Enkeln einmal von ihr erzählen, und die werden sie durch dich auch kennen lernen. Rosmarie hat Spuren hinterlassen in deiner Welt. Wohin ihr Tod sie geführt hat werden wir nie wissen, aber du kannst sie in deiner Erinnerung wieder lebendig werden lassen.
Charlotte
Wie stellen sich SchülerInnen ihr Leben mit 70 Jahren vor? Lesen Sie hier alle Dialoge zwischen SchülerInnen und SeniorInnen. Zwei Klassen aus der Oberstufenschule Progymatte haben Texte geschrieben, die ältere «und» AutorInnen beantworten.