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von Mina Rabenalt • 01.11.2023
Retrospektive ist alles. Stellt sich nun heraus, dass die Art, im Schlafe zu verweilen, ein roter Faden des Seins ist, der sich durch die Biografie zieht? Mina deckt auf.
Ich habe vor einiger Zeit ein Familienvideo von 1993 gesehen, wo ich mit meinen wenigen Monaten auf dem Buckel selig im Gitterbettchen liege, eingearbeitet in rund 1000 Plüschtiere.
Ich habe ein Gefühl der Sehnsucht empfunden.
Ich habe an mein erstes eigenes Zimmer gedacht. Meine Festung, die es zu besteigen galt mit kleiner Leiter. Wie ich es ab und zu schaffte, aus meinem Kinderhochbett zu fallen.
Ich habe an mein Jugendzimmer gedacht. An meine Träume von einem Metallgestell, filigran und voller Schnörkel, Baldachin darüber und so elegant. Es hieß allerdings, dass diese Konstruktion unbequem sei und unpraktisch, da kein Stauraum. Also ein hässliches Bett, mit weichem Stoff bezogen in Dunkelgrau. In einem bunten Zimmer. Aber man konnte es hochklappen und klasse Dinge darin verschwinden lassen.
Einige Jahre später dann die Neuerung. Das Metallgestell längst aufgegeben, träumte ich von einem weißen Bett mit Landhauselementen. Mit Stauraum darunter, 3 Fächer an der Zahl! Im Möbelhaus ausgetestet, dachte ich, ich hätte alle Kategorien zur Bewertung eines guten Bettes internalisiert.
Ich habe meine Pubertät nicht bedacht.
Es sollte eines mit einem ausfahrbaren Zweitbett darunter sein. Damit ich öfter Übernachtungsveranstaltungen in meinem Zuhause machen konnte.
Es ist ungefähr dreimal dafür verwendet worden, denn es war eine hervorragende Unterlage für den Game Boy, Bücher, Malsachen, DVDs, Bücher, Hausaufgaben oder Bastelprojekte.
Ich habe an meine erste Wohnung gedacht.
Ich hatte die untere Matratze aus dem Jugendzimmer mitgenommen. So solle man jedoch als Studentin nicht mehr wohnen. Es wurde vollmundig angekündigt, die Kosten zu übernehmen, und ich fand mich wieder im Möbelhaus.
Eine neue Gattung an Schlafmobiliar trat in mein Leben: Das Schlafsofa. Es muss ja praktisch sein in der 1-Zimmer-Wohnung. So ist der Filmeabend mit Freundys gerettet, aber auch eine große Liegefläche zum Schlafen aufklappbar. Ganz wichtig, diese große Liegefläche. Vielleicht hat Mina dann endlich einen Freund. Stattdessen kamen zwei Kater in mein Leben.
Und ich konnte meinen Traum vom Baldachin erfüllen. Weinrot und mein rotes Sofa wunderbar umrahmend. Einer der Fellherren stieg gerne vom Schrank aus in den Baldachin. Oftmals lag er stundenlang schlafend darin und übte sich im Süßsein. Nachts während meiner Regenerationszeit sprang er jedoch gerne ohne Vorwarnung aus der Höh hinunter vom Baldachin. Mit Krallen voran direkt ins Fleisch, am liebsten in die Waden.
Ich habe an den Besuch bei einer Hautärztin in dieser Zeit gedacht.
Ich hatte kurz unterm Gesäß beidseitig nässende, gerötete und juckende Stellen.
Die Ärztin sagte, es sei eine Kontaktallergie. Ich solle mal ein anderes Waschmittel ausprobieren. Oder so.
ES WAR DIE VERFLUCHTE COUCH!
Ich denke an meine letzte Beziehung, die ich meinte, heiraten zu müssen. Wo zuerst mein Fernseher umgezogen ist, ich wenige Monate später hinterher.
Da lag ich nun in einem Doppelbett, welches so seit den Neunzigern herummoderte und worin zwei Kinder gezeugt wurden.
Naja.
Ich bestand auf ein neues Bett, einen Neustart. Ich wartete lange auf die Einwilligung und noch länger auf die Lieferung vom Möbelhaus. Ein halbes Jahr später zog ich aus.
Ich denke an meine Luftmatratze, die ich schnell in der Zeit kaufte. An die Löcher, die meine Kater erfolgreich hineinstachen.
Ich denke an mein letztes Bett, welches ich von einer Freundin geliehen bekommen hatte. Ein Einzelbett, Metallgestell, Türkis und wundervoll verziert mit Schnörkeln. Es hat mir gute Dienste erwiesen und für sehr lustige Momente gesorgt, wenn es mal wieder jemand geschafft hat, durch das kaputte Lattenrost zu sausen.
Es war Teil meines Befreiungsschlags. Meiner Eroberung meines Lebens.
Jetzt schlafe ich ab und zu in einem sehr bequemen Doppelbett, wo ich mich sicher und geborgen fühle.
Mein Einzelbett wurde zur Herausforderung.
Ich denke an meine erste Vision des Schlafgemachs, die ich nach Bezug der Wohnung hatte und wie hoffnungslos ich war, das jemals zusammensparen zu können.
Jobwechsel, Perspektivwechsel, Beziehungswechsel.
Jetzt stehe ich in meinem Schlafzimmer unter meinem Hochbett mit Treppenregal (würdevolles Hinaufsteigen war mein Plan) und dekoriere eine Leseecke. Drapiere Girlanden, beklebe mit Stickern und hänge Wandteppiche. So wie ich es möchte. So wie es mich zu 100 Prozent glücklich macht. In meinem Stil und nach meinen Wünschen ausschließlich.
Wenn ihr Wunschthemen, Anregungen und Pöbeleien habt oder in den Genuss der Superpower des Weltbeste-Mixtapes-Machens kommen wollt, dann sendet eine Nachricht an:
Über Mina Rabenalt
Mina Rabenalt wurde geboren in Berlin Friedrichshain im Jahre 1993. Aufgewachsen an der Warschauer Brücke und an der Rummelsburger Bucht, war sie schon immer da, bevor es cool wurde und man es sich nicht mehr leisten konnte. Sie arbeitet derzeit als Therapeutin.