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Konrad Leonz (Gerold) Zurlauben wird am 2. August 1649 in Bremgarten als Sohn des Beat Jakob I Zurlauben und der Maria Barbara Reding von Biberegg geboren. Die Zurlauben von Thurn und Gestellenburg sind eine führende Zuger Aristokratenfamilie mit politischer und militärischer Dominanz in der katholischen Schweiz. Vater Beat Jakob I hat als Leutnant in französischen Diensten und als Oberstwachtmeister in der Toskana militärische Karriere gemacht, wird eidgenössischer Oberstfeldwachtmeister, Landeshauptmann und Landschreiber der Freien Ämter, bekleidet viele einträgliche Ämter und ist Ritter vom Goldenen Sporn. Die Mutter stammt aus einem der ältesten und mächtigsten Schwyzer Geschlechter. Fünf ihrer Geschwister wählen den geistlichen Stand, ihr ältester Bruder wird 1670 Fürstabt in Einsiedeln. Ist es Zufall, wenn auch drei ihrer sechs überlebenden Kinder ins Kloster eintreten und Abt oder Äbtissin[1] werden? Sie erlebt dies allerdings nicht mehr, denn sie stirbt bereits 1652.
1662, mit 13 Jahren, tritt Konrad Leonz in die Rheinauer Klosterschule ein und legt am 15. November 1665 Profess ab. Er nimmt den Klosternamen Gerold an, zu Ehren seines Vorfahren in Rheinau, des 1607 verstorbenen Abtes Gerold I. Zurlauben. Theologie studiert er in Konstanz, wo er 1673 die Priesterweihe empfängt. 1674 übernimmt er das Amt eines Philosophieprofessors in Rheinau. In diesem Jahr überträgt der Konvent an Tomaso Comacio, der in Obermarchtal tätig ist, den Bau des südlichen Konventflügels. Hier wird Pater Gerold auch praktische Bauerfahrungen gesammelt haben. Nachdem sein Bruder Plazidus in Muri zum Abt gewählt wird, übernimmt er 1685 dessen Platz als Sekretär der Schweizerischen Benediktinerkongregation. Am 6. Februar 1697 wird auch er als Abt Gerold II. gewählt.
Wie sein um drei Jahre älterer Bruder in Muri, der bereits baut, ist Abt Gerold II. sofort treibende Kraft für den Kirchen- und Klosterneubau in Rheinau. Abt Plazidus Zurlauben, der 1701 auch den Fürstentitel erhält, ist in verschiedenen Punkten Vorbild von Abt Gerold II. Erste Anregungen holen beide Äbte beim Vorarlberger Caspar Moosbrugger in Einsiedeln. Giorgioli wird auch in Rheinau als Freskant beschäftigt. Der Beizug von Franz Beer («Verding» 1704) ist ein Glücksfall. Der Vorarlberger hat soeben Irsee vollendet und kann dank Vermittlung des Abtes von Muri auch in Rheinau mit dem Wessobrunner Stuckateur Franz Schmuzer zusammenarbeiten. Abt Gerold II. zeigt sich bei den Vorbereitungen und Verhandlungen mit den beauftragten Meistern als scharf rechnenden und klar disponierenden Leiter, der gewillt ist, die grosse Bauaufgabe soweit wie möglich aus eigenen Kräften zu bewältigen. Der Kirchenbau kostet bis 1733 rund 84 000 Gulden. Die Konventneubauten sind 1726 mit 57 000 Gulden abgerechnet. Beide Bauvorhaben kann der Abt aus den laufenden Einnahmeüberschüssen begleichen. Der ökonomisch denkende Abt ist aber auch bewahrender Pfleger des historischen Erbes. So wird in einem Zusatzvertrag («Verding Recess» 1705) mit Franz Beer vereinbart, dass der zweite neue Turm dem schon stehenden Turm von 1578 in «allem gleich» sein soll, das heisst, er verpflichtet den Architekten zu einer Replik. Zudem gibt der Abt den Auftrag, vor dem Abbruch die romanische Kirche genau zu vermessen. Dank dieser präzisen Aufnahme von 1705 sind wir heute detailliert über die Vorgängerbauten informiert.
Abt Gerold II. wird von den Chronisten als Förderer der Wissenschaften und als der hervorragendste unter den Rheinauer Äbten bezeichnet. Er stirbt am 18. Juli 1735, nach 39-jähriger Regierung, im Alter von 86 Jahren. Sein Epitaph, geschaffen von Sebastian Zureich, ist auf der Südseite des Querschiffes im Chor zu finden, neben dem dominierenden Epitaph seines 1723 verstorbenen Bruders, des Fürstabtes von Muri, der in Rheinau begraben ist.
Sein geviertetes Wappen zeigt zweimal auf Gold einen schwarzen Turm und zweimal auf Blau einen aufgerichteten silbernen Löwen, in der Pranke drei grüne Lindenblätter, das Herzschild zeigt in Blau die goldene Bourbonen-Lilie. Wir finden das Wappen, in Allianz mit dem Rheinauer Wappen, das in Blau einen silbernen Salm (Lachs) zeigt, an der Orgel, auf dem Stuckepitaph im Chor, auch auf seinem Porträt. Dieses zeigt den Abt 1702, im Alter von 53 Jahren.
Pius Bieri 2008
Benutzte Literatur:
Anmerkung:
[1] Schwester Maria Ursula (1651−1727) ist Äbtissin in der Zisterzienserinnenabtei Wurmsbach, Bruder Franz Dominik wird als Plazidus Abt in Muri, zudem ist ein Cousine, Maria Euphemia (1657−1737), Äbtissin in der Zisterzienserinnenabtei Tänikon.
|Abt Gerold II. Zurlauben (1649–1735) in Rheinau|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|2. August 1649||Bremgarten Aargau CH||Freie Ämter (Eidgenossenschaft)|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Benediktinerabtei Rheinau||1697–1735|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|18. Juli 1735||Muri Aargau CH||Herrschaft Abtei Muri|
|Kurzbiografie|

Abt Gerold II. Zurlauben stammt aus einer der führenden Familie der Innerschweiz. Als er 1697 zum Abt von Rheinau gewählt wird, ist sein älterer Bruder schon Abt in Muri. Wie dieser wird auch Gerold II. zum grossen Bauabt der Barockzeit. Er kann dank seinem ökonomischen Talent die Bauvorhaben in Rheinau ohne Neuverschuldung zu Ende bringen. Er ist aber auch ein kluger Vorsteher des Konvents. «Er beförderte die Wissenschaften und setzte der Gelehrtheit das Gebet an die Seite» heisst es in der Chronik. Abt Gerold II. gilt als der hervorragendste unter den Rheinauer Äbten.
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