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À LA CARTE MENU
Was das Quartett in der Streicher-Kammermusik, das ist das Quintett – die Kombination von Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott – bei den Bläsern: die Standardbesetzung schlechthin. Als Begründer der Gattung gilt der gebürtige Böhme Anton Reicha, der in Paris vier Serien von je sechs Bläserquintetten, aber auch einige Einzelsätze für die ungewöhnliche Besetzung mit solistischem Englischhorn und vier Bläsern veröffentlichte. In dem um 1819 entstandenen Andante F-Dur ist das Englischhorn wie die Singstimme in einer Arie geführt, während die übrigen Spieler das imaginäre Orchester bilden.
«La oración del torero»– in seiner Komposition von 1925 behandelte Joaquín Turina einen traditionell spanischen Gegenstand, allerdings ganz anders als etwa Bizet in seiner Carmen. Nicht Kampf und Tumult in der Arena führt die Musik vor, sondern einen demütigen Stierkämpfer, der für sein Leben betet, ehe er sich seinem Schicksal stellt. Die Einflüsse andalusischer Volksmusik sind zu hören, ebenso jene des französischen Impressionismus. Turina schrieb das Stück für ein Lautenquartett, arrangierte es aber auch für Streichquartett. Eigens für das Azahar Ensemble schuf José Luis Turina, ein Enkel des Komponisten, eine Bläserquintett-Version.
«Wenn ich komponiere, denke ich nie daran, bestimmte Ausdrucksmittel einzusetzen. Ich erarbeite Grundthemen, einen dramaturgischen Entwurf des Ganzen, und daraus entsteht allmählich, Ton für Ton, ein musikalischer Verlauf. Eine Bewegung, die bis in die Wahrnehmung des Zuhörers hinaufreichen sollte. Sie sollte den Eindruck von Schönheit und Ewigkeit vermitteln, ein unaufhörliches Fliessen ins Helle.»
Einige Aspekte seines Schaffens beschrieb der georgische Komponist Gija Kantscheli hier sehr prägnant: die eher intuitive Arbeitsweise, die vorherrschende kontemplative Atmosphäre und den spirituellen Hintergrund. Sie prägen auch das Bläserquintett, das als Auftragskomposition des ARD-Wettbewerbs 2014 entstand.
Im 18. Jahrhundert nahmen französische Komponisten die Pavane, einen alten Schreittanz aus Italien, gern in ihre Gedenk- oder Trauermusiken auf. Auch Maurice Ravels viel später entstandene Pavane könnte man als ein solches Stück verstehen. Schliesslich bedeutet der Zusatz «pour une infante défunte» wörtlich «für eine verstorbene Infantin». Der Komponist selbst erklärte den Titel jedoch so: «Es ist kein Trauergesang für ein totes Kind, sondern eher die Vorstellung einer Pavane, wie sie von solch einer kleinen Prinzessin wie Velásquez sie am spanischen Hof gemalt hatte, wohl hätte getanzt werden können.»
Ludwig van Beethovens Streichquintett Es-Dur op. 4 erschien 1796 in Wien, geht aber zurück auf ein Bläseroktett, das der junge Komponist vier Jahre zuvor in Bonn für die typische «Harmoniemusik»-Besetzung von je zwei Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten geschrieben hatte. Mordechai Rechtmans Bläserquintett-Version ist insofern eine Art Rückübertragung. Beethovens Komposition lässt den starken Einfluss Mozarts erkennen: So erinnert das Seitenthema des ersten Satzes an eine Arie der Konstanze aus der Entführung aus dem Serail, und im Finale finden sich Spuren aus der Ouvertüre zu Don Giovanni – wie überhaupt opernhafte Gestik das ganze Werk prägt.
Jürgen Ostmann
Konzertprogramm
Anton Reicha 1770 – 1836
Andante F-Dur für Englischhorn und vier Bläser (1819) (06’)
Joaquín Turina 1882 – 1949
«La oración del torero» op. 34 (1925) (09’)
Bearbeitet für das Azahar Ensemble von José Luis Turina
Gija Kantscheli 1935 – 2019
Bläserquintett (2013) (16’)
Maurice Ravel 1875 – 1937
«Pavane pour une infante défunte» (1899) (07’)
Bearbeitung für Bläserquintett von Andreas N. Tarkmann
Ludwig van Beethoven 1770 – 1827
Streichquintett Es-Dur op. 4 (1795) (30’)
Bearbeitung für Bläserquintett von Mordechai Rechtman
AZAHAR ENSEMBLE
Frederic Sánchez Muñoz Flöte
María Alba Carmona Tobella Oboe
Miquel Ramos Salvadó Klarinette
Antonio Lagares Abeal Horn
María José García Zamora Fagott
Nach Preisen beim renommierten ARD-Wettbewerb in München begann das Azahar Ensemble 2014 eine internationale Karriere, die es in viele renommierte Konzertsäle geführt hat, wie z. B. den Musikverein in Wien, die Philharmonie in Berlin, das Prinzregententheater in München, die Philharmonie in Essen, das Mozarteum in Salzburg und das Festspielhaus in Baden-Baden. Das Bläserquintett wurde 2010 gegründet und studierte mit einem Stipendium der Stiftung BBVA und des Spanischen Nationalen Jugendorchesters beim Fagottisten Sergio Azzolini an der Hochschule für Musik in Basel. 2011 erhielt das Ensemble eine Auszeichnung beim Schweizerischen Kammermusikwettbewerb ORPHEUS und ein Jahr später gewann es den 2. Preis beim Musikwettbewerb El Primer Palau (Barcelona). Alle fünf Instrumentalisten werden regelmässig eingeladen, in renommierten Orchestern zu spielen, darunter das London Philharmonic Orchestra, das Dallas Symphony Orchestra, das Orchester der Oper Barcelona, das Philharmonische Orchester Lübeck, das Münchener Kammerorchester, das Sinfonieorchester Basel, die Camerata Bern und das Kammerorchester Basel. Das Azahar Ensemble hat Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk, den SWR, Deutschlandfunk Kultur, Radio Clásica España, SRF2, France Musique und Catalunya música eingespielt. Die 2018 erschienene Debut-CD des Quintetts mit Werken von Joaquín Turina begeisterte die internationale Presse. Benannt hat sich das Azahar Ensemble nach den weissen, aromatischen Orangenblüten, die typisch für Südspanien sind.