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15. Aug. 1929 - 27. Feb. 2017
Leben
Doerig wuchs in einer grossen Familie mit sieben weiteren Geschwistern in Appenzell auf. Sie besuchte Schulen in Appenzell und im katholischen Internat Ste-Agnès in Fribourg. Schon als Kind hatte sie Kontakt mit der Familie des Malers und Architekten Johannes Hugentobler. Es folgte ein erster Auslandaufenthalt in England, zuerst in einer Klosterschule in Mittelengland und dann an der Kunstschule Heatherley Art School in London, wo vor ihr auch Franz Kline tätig gewesen war. Wieder in die Schweiz zurückgekehrt, besuchte sie die Kunstgewerbeschule in St. Gallen nur kurz. Der in der kirchlichen Malerei Bedeutung erlangende Maler Ferdinand Gehr war ein Onkel mütterlicherseits von Doerig.[1] Er beeinflusste sie früh durch die Farbwahl und Reinflächigkeit seiner Bilder.
Doerig glaubte, dass eine Ausbildung als Kinderbetreuerin den Broterwerb sichern und ihr das Malen erlauben werde. Sie machte deshalb eine entsprechende Schulung in Fribourg und arbeitete anschliessend in einer Kinderkrippe in Genf. Als zweiter Auslandaufenthalt folgte ab 1955 eine kurze Tätigkeit im Haushalt der Familie der Brauereidynastie Busch in Saint Louis, USA. Später besuchte sie an der Columbia University in New York City Kurse für Theaterdekoration und Bühnenbilder. Dort lernte sie auch den abstrakten Expressionismus von Franz Kline kennen. Es folgte das Studium an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris ab 1957 während sieben Jahren. In Paris nahm sie dauerhaft Wohnsitz und heiratete 1965 Serge Lemeslif, einen bretonischen Architekten. Zusammen haben sie die Tochter Maidonneli Bantle-Lemeslif, welche in der Nähe von Appenzell lebt.
Wirken
Viele Techniken lernte Doerig als Autodidaktin. Das handwerkliche Können wird Basis ihrer Malerei, sei es für Aquarelle, Ölmalerei, Kalligraphie mit Tuschmalerei oder Collagen. Dazu lernte sie auf formalere Art Lithographie, Freskotechnik und Glasmalerei an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts. An dieser Kunstschule lehrte Raymond Legueult, welcher seiner Studentin Doerig Anerkennung zuteil kommen liess.
Doerigs frühes Schaffen bis etwa 1967 war noch vorwiegend gegenständlich geprägt. Ihre Arbeiten an Glasfenstern für die Kirche Saint-Paul in Nanterre (Frankreich) führten sie zur Bevorzugung des Ungegenständlichen. Sie sucht seither Ausdruck in Form, Farbe und Kombination in abstrakter Gestaltung als gestische Farbmalerin. Man kann ihr späteres Schaffen der Informellen Kunst zuordnen. Die Verhüllungsaktion von Christo und Jeanne-Claude Wrapped Pont Neuf in Paris beeindruckte Doerig, welche durch dieses Projekt dieses Künstlerpaar gut kennenlernte.[2] Das Ehepaar Christo war zu dieser Zeit Gast von Lemeslef-Doerig auf deren, zum Wohn- und Partyschiff umgebauten, Lastkahn auf der Seine.[3]
Sie wagte danach auch grossflächig zu malen (Werkserie Bogota ab 1990). Die grössten Werke als Planen messen bis zu 180 Quadratmeter.[4] Seit 1992 arbeitet sie im ehemaligen Atelier des Fotografen Man Ray im Quartier Saint-Germain-des-Prés.[5] Doerig scheut sich nicht, grosszügig die Farbe Schwarz einzusetzen. Sie erkennt darin keine Trauerfarbe. Kunst am Bau mit grossflächigen Wandmalereien und Teppichen wurde zu einem bevorzugten Tätigkeitsfeld von Roswitha Doerig. Auch temporäre künstlerische Verhüllung von Baufassaden mit Planen gehört dazu (in Paris und in Vincennes).[6]