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Amalie Späni-Gyr
NEKROLOGE
22. November 1925 bis 26. Mai 2022
Amalie wurde am 22. November 1925 im Hinter Rössli in Egg den Eltern Adolf und Amalie Gyr-Grätzer in die Wiege gelegt. Im Jahre 1927 konnte die junge Familie das Heimet Frühboden käuflich erwerben. Bald wurde die Familie mit den Kindern Agnes 1927, Adolf 1929, Frowin 1932 und Emmy 1937 immer grösser.
Wie Amalie einst erzählte, hatte die Familie Gyr alles, was es zum Leben brauchte. Sie hatten genügend zu essen und ein paar Kleidungsstücke, und sie hatten sich gegenseitig als Familie.
Sieben Jahre besuchte Amalie die Schule in Egg, ausschliesslich in einer Mädchenklasse. Vor der Schule mussten sie und ihre Geschwister im Stall helfen, hirten oder melken und sich danach meistens in die Schule beeilen. Im Frühling war das Auffahren auf die Alp ein besonderes Ereignis, da es etwas Abwechslung in den Alltag brachte.
Die Winter waren meistens sehr kalt und schneereich. Manchmal habe der Vater vorauslaufen müssen, damit die Kinder nicht im Schnee versanken. Sie erlebte auf dem Frühboden eine karge, aber glückliche Zeit. Der Schule entlassen war sie Magd auf dem St. Meinrad beim Cousin ihres Vaters, bei Gerold Ruhstaller. Von dieser Stelle holte Walter Späni von Studen sie als 15-jährige am 2. Juni 1941 mit einem zweiten Velo in Egg ab. Sie erzählte immer, weiter als bis ins Willerzell sei sie vorher nie gewesen.
Amalie war nach Studen gekommen als Mithilfe der Mutter Clementina Berta, die aber im Herbst erkrankte und ab dem Vorwinter das Bett hüten musste. Amalie pflegte die kranke Frau bis sie, erst 59-jährig, starb.
Die nächste Herausforderung für die junge Amalie war der Landwirtschaftsbetrieb, da Walter und sein Bruder Alois damals im 2. Weltkrieg die meiste Zeit im Militär waren. Sie gehörte zu der Generation Frauen, die während der Kriegszeit Unglaubliches leisteten. Sie musste mit Knechten den Betrieb führen, was nicht immer einfach war. Am 3. April 1945 heirateten sie und Walter in Sachseln. Damals war der Krieg noch nicht zu Ende und ohne Mahlzeiten Coupons hatte es in dieser Zeit nichts zu Essen gegeben, so musste auch das Essen am Hochzeitstag damit bezahlt werden.
Im Jahr 1946 kam Walter, 1947 Alois und 1948 Ferdinand zur Welt. An Arbeit fehlte es damals nicht, da alles von Hand gemacht werden musste. Sei es im Stall, auf dem Feld sowie drinnen bei den Hausarbeiten, wo zum Beispiel ohne Waschmaschine oder Boiler gewerkt werden musste.
Am 24. November 1950, Amalie war schwanger, als sie mit einer Nierenvergiftung ins Spital muss-te und gegen den Tod ankämpfte. Zehn Tage danach öffnete sie erstmals die Augen und am elften Tag erkannte sie ihren Mann wieder. Er und sein Bruder Alois mussten ihr mehrmals Blut spenden, sodass sie nach sieben Wochen stark geschwächt das Spital verlassen konnte. Das kleine Mädchen überlebte diesen schweren Vorfall lei-der nicht.
Bis ins Jahr 1955 bewirtschafteten Walter und Amalie mit der Familie von Walters Bruder Alois die Adelmatt gemeinsam, bis Alois die Liegenschaft seines Onkels im Ort kaufen konnte. Zu dieser Zeit bewirtschafteten sie die Alpen Aueli und Steihüttli, auch in der Heurick am Fluebrig wurde jeden Sommer g’wildiheut.
Mit der Alpwirtschaft war sie ihr Leben lang verbunden. So war die Familie Späni 18 Sommer, von 1961 bis 1978, z’Alp im Duli und ab 1978 auf der Alp Ober-Schrot. Sie erfreute sich sehr im Kirchenchor von Studen mitzusingen. Für die Kirchgemeinde Studen hatte sie das Amt der Kassierin einige Jahre inne und für die Pro Senectute war sie eine der ersten Ortsvertreterinnen von Studen. Den Trichlerverein hatte sie auch nach der Aktivzeit von Walter weiterhin treu unterstützt.
Von 1972 bis 1985 erblickten neun Grosskinder und von 1996 bis 2016 20 Urgrosskinder das Licht der Welt. Sie freuten sich immer wieder, beim Grösi die Ferien verbringen zu dürfen. Auch mancher Wanderer wurde mit Kaffee verwöhnt, sowie im Herbst die Jäger oft mit Älplermagronen, was ihr viele gesellige Stunden bescherte. Im April 2005 durften Amalie und Walter die diamantene Hochzeit feiern und etwa ab dieser Zeit ging es Walter langsam immer schlechter und zum Schluss war er etwa ein Jahr lang bettlägerig, sie kümmerte sich in dieser Zeit Tag und Nacht liebevoll um ihn. Sie pflegte ihn mit grosser Liebe und Geduld bis er am 17. Januar 2007 im Alter von 93 Jahren daheim einschlafen durfte. Sie musste viele Todesfälle in der Verwandtschaft hinnehmen, was sie immer ohne Klagen, mit viel Gottvertrauen und ihrer immerwährenden Ruhe in sich selbst zur Kenntnis nahm und für die Verstorbenen betete. So gingen ihr auch alle ihre Geschwister und zwei ihrer Söhne, Alois im Jahr 2015 und Ferdinand im Jahr 2017, voraus.
Sie erlebte auch einige Spitalaufenthalte und Operationen wovon sie sich immer wieder gut erholen konnte.
Ihre Grosskinder, Urgrosskinder und Theo ihr erstes Ururgrosskind, welcher im Jahr 2021 zur Welt kam, gingen immer wieder gerne zum Grösi auf Besuch, da sie grosse Freude hatte, wenn jemand vorbeikam und etwas Zeit mit ihr verbrachte.
Sie stöberte gerne in Fotos, Büchern, alten Schriften, Zeitungen und interessierte sich sehr für die jeweiligen Geschichten. Das Heft «Braunvieh Schweiz» oder das Buch von Markus Lienert mit Geburten von 100 Jahren im Bezirk Einsiedeln waren ihre Lieblingslektüren, an denen sie sich tagelang verweilen konnte. Ihr Interesse galt aber auch allem, was um sie herum geschah und sie war of-fen für Neues, so sagte sie immer «vo dä Jungä chammer immer öpis lejhrä». Im Juni 2017 meinte sie beim Treppe steigen in ihre Wohnung: «mr isch halt nümmä 19äni, sondern eben 91i».
Ihre guten Augen sowie auch ihre schöne Handschrift sind ihr bis zuletzt geblieben, was man von ihrem Gehör leider nicht sagen kann. Schon viele Jahre hörte sie immer schlechter, was sie oft vom Geschehen rundherum etwas beeinträchtigt hat. Schon einige Zeit konnte man nur noch schriftlich mit ihr kommunizieren, obwohl es auch immer wieder Zeiten gab, an denen sie das eine oder andere hören konnte.
Anfang 2022 bekam sie immer mehr Schmerzen in den Beinen und auch im Bauch, sodass wieder einige Spitalaufenthalte nötig wurden, von denen sie aber immer wieder in ihr Zuhause zurückkehren konnte.
Ihr grosser Wunsch solange wie möglich zu Hause bleiben zu dürfen, konnte dank ihren Angehörigen, vor allem der ganzen Familie von René und Astrid, die nebenan wohnen, der Spitex und vor allem ihrem Sohn Walter, der sich viel Zeit für sie genommen hat, erfüllt werden.
Zuletzt ging es ihr immer schlechter und so durfte sie nach einigen Tagen im Spital Einsiedeln in ihrem 97. Lebensjahr, an Christi Himmelfahrt, zur grossen Reise aufbrechen.