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Madame
Regie: Stéphane Riethauser
Mitw.: Caroline Della Beffa, Stéphane Riethauser, Luc Riethauser, Heike Riethauser, Olivier Riethauser u.a.
«Du warst eine Matriarchin, eine toughe Geschäftsfrau und – so sagt man – eine schlechte Mutter. Und du warst mein Ein und Alles.» Das sagt Regisseur Stéphane Riethauser zu Beginn von «Madame» über seine verstorbene Grossmutter Caroline. Diese hatte eine äussert bewegte Lebensgeschichte, wurde mit 16 zwangsverheiratet, flüchtete noch in der Hochzeitsnacht – und musste auf Geheiss der Eltern wieder zu ihrem Mann zurückkehren. Es dauerte viele Jahre, bis sie sich aus dieser Zwangssituation lösen und ein selbständiges Leben führen konnte. Stéphane Riethauser stellt der Befreiungsgeschichte seiner Grossmutter seine eigene gegenüber, die vom Kampf um sexuelle Selbstbestimmung geprägt ist. Der 1972 in Genf geborene Regisseur brauchte lange, bis er zu seiner Homosexualität stehen konnte, später wurde er Aktivist der LGBT-Bewegung in der Romandie. Bevor er «Madame» realisierte, der mit Ausschnitten aus unzähligen Familien-Super-8-Filmen fasziniert, arbeitete er als Lehrer, Journalist und Übersetzer. «Madame» ist sein erster Kinodokumentarfilm; er hatte seine Premiere im April am Filmfestival Visions du Réel in Nyon. Muriel Del Don schrieb auf Cineuropa: «Stéphane Riethauser zeichnet nicht nur ein Bild der starken Verbundenheit mit seiner Grossmutter, sondern untersucht auch die patriarchale und bürgerliche Gesellschaft, in der Geschlechter wie auf einer Theaterbühne interpretiert und aufgeführt werden. Der junge Stéphane schuf schliesslich sein eigenes Alter Ego namens ‹Riton›, eine Fassade aus purer Arroganz und Machismo, hinter der er sich verstecken konnte. (…) Klischees rund um die Geschlechter werden so in all ihrer grotesken Pracht enthüllt. Im Gespräch mit seiner wohlhabenden, grandiosen und komplizierten Grossmutter äussert er aber auch seinen eigenen inneren Dialog, sucht nach Spuren seines Selbst. Dieses verbirgt sich unter einer Maske, Ergebnis einer von bürgerlichem Respekt regierten Vergangenheit. Dabei ist Riethausers Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit entwaffnend, verbunden mit einer kathartischen Dosis guter Laune. (…) Die Macht dieses Dokumentarfilms liegt in der prekären Balance zwischen Intimität und Sorgfalt, Humor und Tragik einer Realität, die ganz auf dem Schein basiert.»
«Madame» ist am Tag des Kinos als Vorpremiere zu sehen und startet am 1. November im Kinok.