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Ernährungssicherheit, landwirtschaftiche Produktion und Klimawandel
Verschiedene Vorträge zeigten auf, dass die Erträge häufig noch zu häufig niedrig sind, insbesondere infolge begrenzter Nährstoffverfügbarkeit im Boden. Entscheidend ist, dass diese Nährstoffe effizienter genutzt werden können. Zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit müssen zudem die Rhizosphäre (Wurzeln und Boden), die Anpassungsfähigkeit der Wurzeln und die Mikroorganismen im Boden berücksichtigt werden. Das Wurzelsystem spielt für die Pflanzen eine zentrale Rolle, um mit abiotischem (Wetter und Klima) und biotischem (Belastungen aus dem Ökosystem wie z.B. Parasiten, Krankheiten, Schädlinge) Stress umgehen zu können.
Flexible Produktionssysteme, die sich an verschiedene Stresssituationen anpassen, sind zentral für die Gewährleistung der Ernährungssicherheit. Vorgeschlagen wurde unter anderem ein agroökologisches Management der Pflanzengesundheit basierend auf der Vielfalt der Kulturen. Verschiedene Beispiele zeigen, dass genetisch einheitliche Kulturen nicht widerstandsfähig sind gegen Pathogene, dies sich laufend weiterentwickeln. Ein möglicher Lösungsansatz besteht darin, die besten Sorten zu kreuzen, damit sich aus diesen Kreuzungen auf natürliche Weise sehr heterogene Populationen entwickeln können.
In diversen Vorträgen wurde die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Ernährungssicherheit und Klimawandel thematisiert. In verschiedenen Regionen der Schweiz sind die Sommermonate zunehmend heiss und trocken, was zu stark variierenden Produktionserträgen führt. Der in der Vergangenheit sehr stabile Nahrungsmittel-Preisindex der FAO unterliegt in den letzten zehn Jahren stärkeren Schwankungen. So stieg er vor kurzem um fast 50 % an. In den USA bietet eine Risikomanagementagentur eine Versicherung für das Einkommen der Produzenten an. Die Schweizer Regierung hat eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob ein solches System auch in der Schweiz sinnvoll wäre.
Positive Mechanismen der Ökosysteme aktiv unterstützen
Verschiedene Studien zu den natürlichen Lebensräumen haben die positiven Zusammenhänge zwischen Biodiversität und natürlichen Regulationsmechanismen der Ökosysteme aufgezeigt, die für die Landwirtschaft positiv nutzbar gemacht werden können. Anhand von Beispielen von verschiedenen Interaktionsformen zwischen den Arten konnte aufgezeigt werden, dass Artenmischungen oftmals Vorteile im Bereich der Multifunktionalität der Produktionssysteme aufweisen. Um die landwirtschaftlichen Systeme zu verändern und zu verbessern, muss den klimatischen Bedingungen und den knapper werdenden Ressourcen Rechnung getragen und darauf geachtet werden, dass die Ökosystemleistungen von der Natur und vom Menschen gemeinsam erbracht werden. Der Einsatz von Bodenbedeckungen durch Pflanzen, hauptsächlich Saatmischungen, und Leguminosen als Zwischenfrüchte können gleichzeitig mehrere Ökosystemdienstleistungen erbracht werden bei partiellem Verzicht auf Stickstoffdüngung und Pestizide. Die Resilienz und Rentabilität von neuen multifunktionalen Anbausystemen müssen langfristig beurteilt werden. Dazu braucht es neue Bewertungskriterien.
Feldbesichtigungen
Die Diskussionen und der fachliche Austausch wurde extra muros fortgesetzt im Rahmen von fünf Feldbesichtigungen, wo die Teilnehmenden Gelegenheit hatten, verschiedene Regionen der Westschweiz und deren Landwirtschaft in ihren verschiedenen Facetten kennenzulernen. Die erste Besichtigung führte in den Kanton Genf mit dem Besuch von zwei Landwirtschaftsbetrieben und Versuchen zum Thema Bodenschutz in städtischen und stadtnahen Gebieten. Der zweite Ausflug fand an der La Côte im Kanton Waadt statt und erlaubte es den Kongressteilnehmenden, sich über die Forschungsarbeiten im Forschungszentrum von Agroscope in Changins zu informieren und einen Landwirten zu besuchen, über seine Erfahrungen mit biologischem Anbau und Direktsaat berichtete. Eine weitere Besichtigung führte in den Waadtländer Jura, wo Informationen zum Weidemanagement, zur Produktion von Alpkäse und zur Uhrenindustrie im Vallée de Joux vermittelt wurden. Die vierte Gruppe reiste in die Region östlich von Lausanne, wo die Forschungsarbeiten im Bereich Weinbau in der Forschungsstation von Agroscope in Pully im Vordergrund standen und die Teilnehmenden die Terrassen der Weinregion Lavaux besichtigen konnten, die zum UNESCO Welterbe gehören. Die fünfte Besichtigung war der Konservierung und Vermehrung von Saat- und Pflanzgut von verschiedenen Ackerkulturen gewidmet und führte auf einen Landwirtschaftsbetrieb in der Region La Broye.