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CaitSith Du beschreibst gut, weshalb ich den Film überladen finde. Sinnlos finde ich diese Nebenfiguren und Szenen durchaus nicht, aber der eigentliche narrative Sinn – bzw. wie man die Nebenfiguren und Szenen interpretieren kann – ist unter dermassen vielen Schichten vergraben, dass der Film erzählerisch teils zwangsweise Pausen einlegen muss, um die Zuschauer nicht zu verwirren. Daher gibt es im Film so klar abgrenzbare Setpieces wie die Konfrontation mit Sen und Yubaba in ihrem Büro, Sen im Bett mit dem Riesenbaby, Sen im Haus der Zwillingsschwester, Sen bei Kamaji, u.s.w. Miyazakis älteren Filme hatten das auch, aber es fiel weniger stark auf, weil die einzelnen Szenen auf natürlichere Art und Weise ineinander flossen; zumindest empfinde ich das so.
Ein Beispiel hierfür wäre Porco Rosso: Er isst alleine mit Gina in ihrem Restaurant, kurze Zeit später sehen wir die Piratenbande zusammen mit Curtis sich einen siegreichen Luftkampf mit zwei Privatpiloten liefern, was dann zu einer Kampfansage an Porco per Radio führt, den es wiederum nicht im geringsten juckt (weil er sich auf dem Weg in die Ferien macht), was schliesslich zum ersten Luftkampf mit Curtis führt, u.s.w. Alles wirkt einfacher, in sich schlüssiger. Es gibt keinen kontrastrierenden Zwillingsbruder von Curtis, der am Schluss plötzlich in einer losgelösten Szene auftaucht und weniger arrogant als dieser wäre; es gibt neben ihn, Gina und Fio keine nennenswerte Nebenfiguren, die ihre eigenen Setpieces bekommen und wenn ja, dann nur ganz kurz und erzählerisch insofern eingebunden, um Porco als Anomalie in der Erzählung und im historischen Setting zu erklären (der alte Waffenschmied im Keller mit seinem Lehrling, Marcos ehemaliger Kampfgefährte im Kino...).
TLDR: Porco Rosso gefällt mir besser als Chihiros Reise ins Zauberland 😉
Ich werde seit Miyazakis enormer Erfolg mit Mononohe Hime das Gefühl nicht los, dass er immense Freiheiten geniesst und seine Konzepte/Drehbücher so gestaltet, wie sie ihm so gerade in den Kram passen. Produzent Suzuki mag in einem gewissen Sinne noch Gegensteuer bringen, indem er seine eigenen Meinungen und Ideen einfliessen lässt, aber all zu oft lässt er Miyazaki freie Hand gewähren. Früher unter der Fuchtel von Yasuyoshi Tokuma, Chef von Tokuma Shoten und Hauptsponsor aller alten Ghibli-Filme, war das noch nicht so. Aber hey, ich jammere auf hohem Niveau. 😆
P.S.: Zu Susan Napier kommt mir ihr Buch "Anime – from Akira to Princess Mononoke" in den Sinn. Das ist eines der besten akademischen Bücher über Anime, das ich je gelesen habe.