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Die deutsche Punktschrift kennt drei Kürzungsgrade:
Die Unterschiede sind nur in den Schreibweisen für Wörter
zu finden. Zahlen, Satzzeichen usw. werden in allen drei Varianten
gleich geschrieben. Als Beispiel die Zahl 150, die mit einem
Zahlzeichen zusammen mit den Buchstaben a, e und j für die
drei Ziffern 1, 5 und 0 geschrieben wird:
Diese drei Schriftformen sind alle sogenannte "literarische Punktschriften". Andere Punktschriften sind beispielsweise Computerschrift, Mathematikschrift, Musiknotenschrift, Chemieschrift, Schachschrift.
Normalerweise wird die Grossschreibung ausser Acht gelassen.
In der literarischen Punktschrift gibt es nicht separate Zeichen
für gross und klein geschriebene Buchstaben. Wo Grossschreibung
gekennzeichnet werden soll, erfolgt dies mittels eines der
sogenannten Hilfszeichen. Das Zeichen steht dann unmittelbar
vor dem betroffenen Buchstaben. Als Beispiel dient hier das Wort
"Tag" mit und ohne Grossschreibungszeichen:
In der Basisschrift werden alle Wörter Buchstabe für Buchstabe geschrieben - genau wie in der Schrift der Sehenden.
Die Basisschrift ist die älteste der drei Schriftformen, wurde aber jahrzehntelang nicht verwendet. Seit Januar 1998 gibt es sie offiziell wieder.
Beispielsatz: Die Punktschrift gibt es seit mehr als 150 Jahren.
In der Vollschrift gibt es eigene Zeichen für die Lautgruppen
au, äu, ch, ei, eu, ie, sch und st.
Sie werden verwendet, wo die Buchstabenkombinationen zusammen ausgesprochen werden. So darf man in "Stuhl" das s und das t zusammen mit einem Zeichen schreiben, dagegen müssen sie in "Glasteller" als zwei Zeichen geschrieben werden.
Beispielsatz: Die Punktschrift gibt es seit mehr als 150 Jahren.
Die Kurzschrift ist die gewöhnliche Punktschriftform. Es gibt noch viel mehr Zeichen für Lautgruppen als in der Vollschrift. Nicht wenige Zeichen bekommen unterschiedliche Bedeutungen je nach Position im Wort. Es gibt auch fast 200 Abkürzungen, die aus zwei Zeichen bestehen. Ein paar Beispiele der Kürzungsformen:
Beispielsatz: Die Punktschrift gibt es seit mehr als 150 Jahren.
Die Kurzschrift ermöglicht ein viel schnelleres Lesen, als dies in Basis- oder Vollschrift der Fall ist. Zum einen wird bis zu einem knappen Drittel des erforderlichen Platzes gespart - und somit müssen insgesamt viel weniger Zeichen abgetastet werden. Zum anderen sind die einzelnen Wörter kürzer, so dass ein Wortbild eher als Ganzes erfasst werden kann. Man darf nicht vergessen, dass eine Fingerkuppe nur ein bis zwei Schriftzeichen gleichzeitig berühren kann. Auf diese Weise kann die langsamkeit der Finger durch etwas mehr Gehirnarbeit mindestens teilweise kompensiert werden.
Wenn man heute die Kurzschrift neu erfinden wollte, würde der Kürzungsbestand sicher nicht gleich sein wie jetzt. Man muss aber bedenken, dass grosse Änderungen in der Kurzschrift die schon gedruckten Bücher aufs Mal für neue Leser unzugänglich machen würden. Dies ist mit ein Grund, dass sehr radikale Reformen eher unwahrscheinlich sind. In der Reform von 1998, die hauptsächlich der Anpassung an der neuen Rechtschreibung diente, wurde der Kürzungsbestand nur unwesentlich geändert, dafür ein paar Regeln vereinfacht.
Immer wieder hört man Stimmen, die behaupten, die Kurzschrift (oder gar die Punktschrift überhaupt) sei überholt und nur ein Integrationshindernis für blinde Menschen. Zum allergrössten Teil sind diese die Stimmen von Personen, die die Punktschrift nicht kennen oder sich zum ersten Mal mit ihr befassen. Seiten, die die Notwendigkeit der weiteren Pflege der Punktschrift belegen, sind in der Linksliste zu finden. Von dort gelangt man auch an eine der ganz seltenen fundierten Kritiken an der aktuellen Kurzschrift (nicht an der Punktschrift im Allgemeinen).
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©Vivian Aldridge, 2001 (letzte Änderung: 2002.01.02)