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Die Erkenntnisse der Neurowissenschaft scheinen zunehmend unsere alltäglichen Begriffe wie Geist, Denken und Bewusstsein in Frage zu stellen. In vielen Fällen aber handelt es sich hier dabei lediglich um begriffliche Verstrickungen, die durch verschiedene Verwendungsweisen der beteiligten Ausdrücke zustande kommen. Um solche Verwirrungen ausfindig zu machen, ist zunächst Gebrauch dieser Begriffe in der normalen Sprache zu untersuchen. Als normal gilt einerseits diejenige Verwendungsweise, die den Normen des jeweiligen Diskurses entspricht und auf getroffenen Konventionen beruht. Andererseits bezieht sich der normale Gebrauch auf die Alltagssprache. Wo der Geist mit alltagsprachlichen Begriffen beschrieben wird, müssen diese entweder normgemäss verwendet oder aber ihre Abweichung dargelegt werden.
Ziel dieser Arbeit ist eine Begriffsklärung für die Begriffe des Geistes. Deren normale Verwendung wird mit derjenigen der neueren philosophischen und populärwissenschaftlichen Publikationen verglichen, um die entstandenen Differenzen zu erörtern. Die daraus gewonnen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die begrifflichen Inkongruenzen aufzudecken.
Trotz ihrer Popularität ist diese Methode aber auch mit Einwänden konfrontiert worden. So wurde etwa die übereinzelsprachliche Relevanz der bislang aufs Englische beschränkten Begriffsklärungen bezweifelt. Ausserdem wird immer wieder auf die mangelhafte Verzahnung mit der Sprachwissenschaft hingewiesen. Diese methodologische Kritik soll im ersten Teil der Arbeit ausführlich besprochen werden, da bisherige Begriffsklärungen ihr kaum Rechnung getragen haben. Die beiden genannten Einwände kann die Arbeit selbst widerlegen: Einerseits werden die Ergebnisse für das Deutsche neben diejenigen der englischsprachigen Begriffsklärungen gestellt und mit ihnen verglichen, um übereinzelsprachliche Schlüsse ziehen zu können. Andererseits soll die bislang ausschliesslich synchrone Methode um eine sprachhistorische Perspektive erweitert werden, die den wissenschaftlichen Ansprüchen der modernen diachronen Linguistik genügen kann. Gerade diese Perspektive nämlich hilft uns, in einer so verworrenen Begrifflichkeit wie der des Geistes die Gebrauchsregeln überblicken zu können.
Am Ende soll die Arbeit eine Übersicht der mentalen Begriffe liefern, wie sie für das Deutsche bislang noch fehlt. Der hitzigen Diskussion um die Natur des Geistes wird damit ihr Wortschatz geklärt, den sie ja zu einem beträchtlichen Teil aus der normalen Sprache entnommen hat. Und es ist dieser Ansatz der Philosophie, der überhaupt erst die transdisziplinäre Nutzung der Resultate ermöglicht.