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Biodiversitäts-Fussabdruck
Die Herstellung, Nutzung und Entsorgung der in der Schweiz konsumierten Güter ist mit Landnutzungen verbunden, welche die Biodiversität beinträchtigen können. Der Biodiversitäts-Fussabdruck zeigt das Ausmass dieser Beeinträchtigungen. Er basiert auf dem Artenverlustpotenzial (also der Wahrscheinlichkeit, mit der Arten global aussterben) durch bestimmte Formen der Landnutzung – wie Ackerbau oder Siedlungen – gegenüber dem natürlichen Zustand. Er wird je nach Weltregion anders berechnet: Wenn in Europa Wald in Ackerland umgewandelt wird, sind die potenziellen Biodiversitätsverluste geringer, als wenn man dies in einem Regenwaldgebiet tut.
Der Indikator schliesst die im Ausland anfallenden Landnutzungen ein, welche durch importierte Produkte verursacht werden (Fussabdruck-Perspektive).
Pro Person hat der Druck des schweizerischen Konsums auf die Biodiversität von 2000 bis 2018 um rund 8 % zugenommen. Er betrug im Jahr 2018 7.2 Arten-Jahre pro Billion Arten (Piko-PDF∙a, siehe Methode). Dabei erhöhte sich der Druck im Ausland stark und kontinuierlich, während der inländische Anteil am Biodiversitäts-Fussabdruck von 42 auf 30 % abnahm. Nahrungs- und Futtermittel haben den grössten Anteil am importierten Biodiversitäts-Fussabdruck.
Der absolute Biodiversitäts-Fussabdruck ist wegen der Zunahme der schweizerischen Wohnbevölkerung noch stärker gestiegen als der Biodiversitäts-Fussabdruck pro Kopf, und zwar von 48 auf 61 Mikro-PDF∙a.
Durch diesen Anstieg zwischen 2000 und 2018 wird also langfristig ein zusätzlicher Verlust von rund 13 Arten pro Million Arten verursacht, was einer jährlichen Aussterberate von 0.7 Arten pro Million Arten entspricht. Damit erreicht der allein durch den Schweizer Konsum verursachte Artenverlust einen ähnlichen Wert wie der beobachtete globale, natürlicherweise auftretende Artenverlust von 1 Art pro Million Arten pro Jahr (Steffen et al. 2015). Der Vergleich mit der natürlichen Aussterberate zeigt, dass der Biodiversitäts-Fussbadruck weit über dem Schwellenwert liegt, der – hochgerechnet auf die Weltbevölkerung – mit den Belastbarkeitsgrenzen des Planeten vereinbar ist. Deshalb und aufgrund der Zunahme werden sowohl Zustand als auch Entwicklung negativ bewertet.
Der Druck auf die Biodiversität ist in gleichem Masse angestiegen wie die Schweizer Endnachfrage. Es hat also keine Entkoppelung zwischen Wohlstand und Belastung stattgefunden. Anders ausgedrückt: Die so genannte Biodiversitäts-Effizienz hat sich nicht verbessert.
Ein internationaler Vergleich ist aus methodischen Gründen derzeit nicht möglich.
Die Methode entspricht der "interim recommendation" der UNEP-Life Cycle Initiative. Sie basiert auf Chaudhary et al. (2016) und quantifiziert das langfristig zu erwartende Verlustpotenzial durch eine bestimmte Landnutzung (wie beispielsweise Ackerbau oder Siedlungen) gegenüber einem unberührten, natürlichen Referenzzustand und berücksichtigt dabei, dass verschiedene Landnutzungen unterschiedlich starke Auswirkungen auf die Biodiversität haben. Ebenfalls berücksichtigt er die Verletzlichkeit der Arten und rechnet den regionalen Rückgang von verbreitet vorkommenden Arten und das globale Aussterben endemischer Arten in «komplett global ausgestorbene Arten» um. Er fasst also – ähnlich wie bei den Treibhausgasen das Treibhauspotenzial mit der Einheit «kg CO2-Äquivalente» – unterschiedliche Wirkungsintensitäten in einem Indikator zusammen. Die Äquivalente potenziell global verschwundener Arten werden über die Jahre (a) integriert und pro Million Arten (Mikro-PDF∙a) bzw. pro Billion Arten (Piko-PDF∙a) [1] quantifiziert.
Beziehung zu den Roten Listen der Schweiz: Der Biodiversitäts-Fussabdruck weist den langfristigen potenziellen Artenverlust auf globaler Ebene aus. Diese Betrachtungsweise unterscheidet sich wesentlich von derjenigen, die den Roten Listen und den entsprechenden Daten zur Biodiversität in der Schweiz. Der Biodiversitäts-Fussabdruck ist mit letzteren somit nicht vergleichbar. Zudem deckt der Biodiversitäts-Fussabdruck nur die Hauptursache für den Artenverlust – die Landnutzung – ab. Weitere Treiber für Biodiversitätsverluste wie z. B. Klimawandel, Stickstoff- und Pestizideintrag sind nicht berücksichtigt.
[1] 1 Piko-PDF·a = 10-12 PDF·a (also ein Billionstel PDF·a); PDF = potentially disappeared fraction of species; der Begriff «Arten-Jahre» steht für diese Integrierung über die Zeit.
|Angestrebte Entwicklung||Anfangswert||Endwert||Veränderung in %||Beobachtete Entwicklung||Beurteilung|
|Abnahme||Mittel 2000-2002||Mittel 2016-2018||9.36%||Zunahme||negativ|
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