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Die kurzen Sommernächte lassen nur selten die Sterne sehen, aber ein paar mal hatte ich doch zeitweise klaren Himmel und konnte dieses Bild von Messier 101 mit der Zwerggalaxie NGC 5474 aufnehmen. Die beiden Galaxien befinden sich im Sternbild Grosser Bär, welcher zurzeit sehr hoch am Nordhimmel zu finden ist.
Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass NGC 5474 rechts herum rotiert während M101 links herum rotiert (wie von den Spiralarmen angedeutet). Bei einem nahen Vorübergang der Galaxien, sind diese verformt worden. Die gegenseitige Rotation verringert den Gezeiteneffekt jedoch. Wäre die Rotation gleichsinnig, hätten sich längere Spiralarme gebildet. Auffällig ist, dass in beiden Galaxien der Kern nicht im Zentrum der Scheibe sitzt (in NGC 5474 sitzt er nahe am Rand). In den Spiralarmen (und im Zentrum) gibt es intensive H-Alpha Emission, d.h. es entstehen gerade neu Sterne. Das ist in M101 und NGC 5474 als auch in der Zwerggalaxie NGC 5477, oben rechts im Bild, zu beobachten.
Die Aufnahme entstand in 7 Nächten, wobei aber viele Probleme zu nur 13.5h Luminanz und 3.25h H-Alpha Daten geführt haben.
Im Sternbild Jungfrau (Virgo) gibt es sehr viele Galaxien. Charles Messier hat 16 davon in seinen Katalog aufgenommen. Die zweitgrösste Galaxie im Virgo Haufen ist M86, eine E3 (Elliptische Galaxie) oder S0 Galaxie.
Die kleinen unscharfen Flecken um M86 sind Zwerggalaxien!
Ganz in der Nähe befindet sich das wechselwirkende Galaxienpaar NGC 4438 / NGC 4435, auch Arp 220 oder „The Eyes“ genannt. Die gravitative Wechselwirkung zwischen den zwei Galaxien zeigt sich an den „Gezeitenschwänzen“ und der Balkenstruktur im Zentrum. Balken müssen zwar nicht zwingend aus einer Interaktion stammen, sie werden aber besonders leicht, d.h. bereits über grössere Entfernungen angeregt.
Aufgenommen wurden die Galaxien in Zürich mit einem 6 Zoll Refraktor und mit einer Belichtungszeit von 1.5 Stunden. Das vollständige Bild zeigt noch mehr interessante Galaxien aber bei weitem noch nicht den ganzen Galaxienhaufen. Der Virgo Haufen ist 54 Millionen Lichtjahre entfernt und soll mehr als 2000 Galaxien enthalten!
Am 14. September trafen sich Mond und Venus mit dem Sternhaufen M44 im Sternbild Krebs. In Stellarium sah die Situation so aus:
Mit der Kamera aufgenommen, sind neben dem Mond die hellsten Sterne im Sternhaufen M44 gleichzeitig mit der „dunklen“ Mondoberfläche zu sehen, während die schmale Mondsichel und die Venus überbelichtet sind.
Zurzeit ist Merkur am Abendhimmel zu sehen. Gestern hat ihn Piero Tami in Zürich Nord fotografiert. Er steht unterhalb der Venus und ist dadurch besonders leicht aufzufinden:
Die kommenden Tage wird Merkur immer höher steigen. Das Video zeigt die Position am Abendhimmel um 21:40 bis Ende Monat. Heute Abend steht Merkur noch näher bei der Venus und am Sonntag gesellt sich die schmale Mondsichel ebenfalls dazu.
Vor einer Woche erreichte mich ein Hinweis auf einen „nahen“ Vorbeiflug eines Erdbahnkreuzers mit dem Namen „1998 OR2“. In Radarbildern des Arecibo Observatoriums sieht der nur 2.1 km grosse Brocken so aus, als ob er eine Maske trägt, wie die Astrophysikerin Anne Virkki humorvoll bemerkt. Auf ihrer Homepage erklärt sie wie die Radarbilder entstehen.
Am 29. April sollte der Asteroid in 6.3 Millionen km an der Erde vorbeifliegen, also etwa dem 16-fachen Entfernung vom Mond. Etwa alle 5 Jahre fliegt ein so grosser Asteroid an der Erde vorbei.
Als dann Stefan Meister von der Sternwarte Bülach anfragte, ob ich mich spontan an einer Beobachtung beteiligen wolle, begann auch bei mir die fieberhafte Planung.
Die Wettervorhersagen von ClearOutside und Meteoswiss lagen nahe beieinander und versprachen ein Wolkenloch um 22 Uhr:
Ich verwende diesen Wetterdienst gerne, da er sich auf die für die Astronomie wichtigen Parameter beschränkt und einen schnellen Überblick gibt.
In Zürich war der Vorbeiflug am Abendhimmel nahe dem Horizont im Süden zu beobachten. Jedoch würde der Asteroid in der Dämmerung im Wald verschwinden:
Damit ich den Asteroiden in Stellarium anzeigen konnte, musste ich seine Bahndaten vorher von der Website des Minor Planetary Centers im MPC 1-line Format herunterladen. Dieses Format ist ein einfaches Textfile und kann direkt in Stellarium importiert werden. Ausserdem kann ich es in meine 10Micron Montierung laden und dann den Asteroiden direkt in der Handsteuerung auswählen.
Ein erstes kurzes Foto – viele Sterne, aber wo ist der Asteroid? Noch ein paar weitere Bilder… und ich bin genauso schlau wie vorher. Der direkte Vergleich von zwei Bildern (z.B. in PixInsight übereinandergelegt) zeigt dann jedoch schnell welcher Punkt seine Lage ändert – oder besser nicht ändert, da das Teleskop der Bahn des Asteroiden folgt. Der Asteroid war ganz am Bildrand, die Bahndaten also nicht mehr ganz richtig. In diesem Fall ist es wichtig, die Position genau zu bestimmen, damit die IAU daraus neue Bahnen berechnen kann!
Danach den Asteroiden in die Mitte des Bild steuern und eine Belichtungsserie starten: Luminanz Filter, Binning 2×2, 10 Sekunden pro Bild. Die Aufnahmen habe ich hier zu einem kleinen Film zusammengebastelt:
Nun ja, die Maske sehe ich nicht, aber das war sicher nur Hysterie. Asteroiden werden von der Erde nicht angesteckt.
In der Balkengalaxie M100 ist zur Zeit eine Supernova Typ 1c zu beobachten. Sie wurde am 7. Januar von der Zwicky Transient Facility entdeckt. Als ich gestern Abend davon zufällig erfuhr, habe ich gleich das Teleskop ausgerichtet und ein Bild gemacht um zu sehen ob die Supernova noch nachweisbar ist.
Eine Supernova Typ Ic entsteht in einem engen Doppelsternsystem mit zwei massereichen Sternen. Typischerweise werden sie in Starburstgalaxien beobachtet. Supernovae von diesem Typ werden auch als Stripped-Envelope Supernovae bezeichnet. Der spannende Wikipedia Artikel liest sich ein bisschen wie ein Krimi bei dem nicht klar wer Opfer und wer Täter ist. Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Typ Ic und bestimmten Gamma Ray Bursts.