Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03166.jsonl.gz/214

Fasnachts-Chronik (1802 – 1973)
von Maja Reichenbach
ca. 1802
Laut dem Pfarrer Markus Lutz begann kurz nach der Jahrhundertwende ein Wandel in den hiesigen „Faschings-Freuden“. Mischten sich doch vermehrt Erwachsene unter die Stadtjugend, welche wie üblich in Bauern- und Schweizertracht gekleidet mit den Ehrenzeichen der Quartiere in den Strassen umherzogen. Die Erwachsenen neuerdings auch versteckt unter Larven und in einem Kostüm, verhielten sich je nach dem Charakter ihrer Maskierung jubelnd, ausufernd oder eher sittlich. In grossen und kleineren Gruppen belebten sie die Strassen und feierten bis spät in die Nacht bei Tanz und Wein.
1808
Obwohl das frühmorgendliche Trommeln schon im 18. Jahrhundert eine Tradition war und die Obrigkeit diesen wahlweise auf 7 Uhr oder 6 Uhr morgens ansetzte (1804 ausnahmsweise sogar bereits um 5 Uhr), taucht erst 1808 in einer amtlichen Bekanntmachung zum ersten Mal das Wort „Morgenstreich“ als Bezeichnung für diesen liebreizenden Weckruf der Tambouren auf.
1830er Jahre
Angeblich fanden in diesen Jahren die ersten Schnitzelbänke ihren Weg nach Basel an die Fastnacht.
1833
Das Jahr der Kantonstrennung. Wegen der politischen nicht ganz unproblematischen Situation sollten beinahe alle Fastnachtsfreuden unterbunden wenn nicht sogar ganz untersagt werden. Die Bell’sche Gesellschaft (auch Spiessgesellen genannt) organisierte einen vermummten Tambourenzug von ca. 125 Mann, welche am Nachmittag durch die Stadt zogen. Auch finden am Abend einige Maskenbälle statt. Die Polizei wagte sich nicht dem entschlossenen Widerstand der Fastnächtler entgegen zu treten.
1834
Obwohl der offizielle Morgenstreich erst auf 6 Uhr angesetzt worden ist, versammelt Metzgermeister und Weinmann Samuel Bell seine Spiessgesellen viel früher. Man munkelt bereits um 3 Uhr habe man sich getroffen, um pünktlich um 4 Uhr loslegen zu können Da die Polizei zu schwach war, die Fastnachts-Verordnung durchzusetzen, konnten lediglich 118 Fastnächtler wegen des Larven-Verbots verzeigt und nur wenige Verhaftungen vorgenommen werden. Stimmen wurden laut, dass man für das darauffolgende Jahr das Militär zur Hilfestellung aufbieten solle. Doch man fand eine Baslerische Lösung.
1835
Die Fastnachts-Verordnung wurde freiheitlich umgeändert, so dass sie im Allgemeinen mit der heutigen noch gültigen übereinstimmt. Darin wird unter anderem der Morgenstreich auf 4 Uhr angesetzt. Einen weiteren Grund für dieses Umdenken dürfte auch die Tatsache gewesen sein, dass der junge Stadt-Kanton ein neues Selbstbewusstsein mit einem glänzenden Aufzug von Possenreisser an der Fastnacht zur Schau stellen mochte.
1845
Das Tragen von offenen Feuern (Fackeln) vor allem am Morgenstreich wurde wegen der Brandgefahr verboten. Not macht bekanntlich erfinderisch. So ist es wenig erstaunlich, dass bereits 1848 in einem Bericht über die Basler Fastnacht von einer grossen Laterne zu lesen ist. Das Verbot des offenen Feuers, hat zur Entwicklung der „Stägge-, Rugge- und Kopfladärnli“ und selbstredend zu den prächtigen Laternen geführt, indem man das Feuer mittels Papier und später Leinwand einsperrte.
1858
Zwecks Organisation der Strassenfastnacht und der Formierung eines grossen Umzugs aus einzelnen kleineren Gruppierungen konstituierte sich im Grossbasel die „Quodlibet-Gesellschaft“ und im Kleinbasel das „Wurzengraber-Kämmerli“
1859
In einem Inserat tauchte zum ersten Mal die Bezeichnung „Clique“ auf.
1876
Obschon bereits 1820 in einem Zug eine Gruppierung mit verschiedenen Instrumenten eine „Zukunftsmusik“ darbrachten, liest man erst in diesem Jahr: „Etwas Neues war auch das Auftreten einer Blechmusik.“
1880
Wird erwähnt, dass die Laternen bei den Malerateliers abgeholt und unter Piccoloklängen zum Sammelpunkt für den Morgenstreich gebracht wurden. Der Startpunkt des Laternen-Einpfeifens dürfte also noch weiter zurück liegen.
1883
Durch einen Mailänder Seidenzüchter wird das Papierkonfetti in Basel eingeführt. Es waren damals kleine Kartonscheibchen, ein Abfallprodukt der Seidenbandindustrie. Im gleichen Jahr ist die Geburtsstunde eines der bekanntesten Fastnachtsmärsche. Um die satirische Darstellung der Gefangennahme des ägyptischen Rebellen Arabi Pasche musikalisch zu untermalen, wurde der Arabi aus englischen Grenadiermärschen arrangiert.
1884
Der Basler Gewerbeverein veranstaltet eine Prämierung der besten Fastnachtsgruppen. Das Preisgeld betrug 450.- Franken. „was dazumal der Kaufkraft von 900 Kg Pferdefleisch oder 300 Flaschen Kölnisch Wasser entsprach.“ (Buch: Die Basler Fasnacht, Die Strassenfasnacht, Dr.jur. Pierre Farine). Die Vereinigten Kleinbasler machten sich dieses Preisgeld zum Gründungsgeschenk.
1889
Fand zum ersten Mal die noch heute bekannte Vorfastnachtsveranstaltung „Zofingerconzärtli“ statt.
1904
Das „Quodlibet“ bekam die ausschliessliche Bewilligung zur Sammlung von Beiträgen zwecks Prämierung der Züge. Damit sollte das Betteln der einzelnen Fastnachts-Gruppierungen weiter unterbunden werden.
1906
Das „Wurzengraben-Kämmerli“ und das „Quodlibet“ schlossen sich zu einem vereinigten Fastnachtscomité zusammen. So fanden das Monstre Trommelkonzert (in der Burgtvogtei am 26.02.1909) und die Laternenausstellung zum ersten Mal statt. Die Laternenausstellung befand sich bis zum zweiten Weltkrieg im Hof der Steinenschule. Danach wurde sie bis 1986 in der Messe abgehalten und kam 1987 auf den Münsterplatz, wo sie noch heute ist.
1908
Das vereinigte Fastnachtscomité gründete eine Trommelschule um die trommlerische Qualität zu retten. Seither ist die „Trommelschule“ ein fester Programmpunkt am Monstre-Trommelkonzert. Da jedoch die offizielle Trommelschule nicht lange bestand, übernahmen die Trommelschulen der Cliquen ab 1912 diesen Teil des Drummeli-Programms.
1909
Löste sich das vereinigte Fastnachtscomité auf. Zum letzten Mal hatte Prinz Karneval seinen festen Platz an der Fastnacht.
1910
Fastnachtsmusikalische Weiterentwicklung. Am Monstre-Trommelkonzert tritt ein Pfeifer-Trio (Carl Roth, Albert Fehr, Max Oser) auf und intonieren dreistimmig die Alten Schweizermärsche.
1911
Sieben Wochen vor der Fastnacht hält das neu gegründete Fastnachtscomité seine erste Sitzung ab. Es wird zur alleinigen Institution, welche befugt ist Stecknadeln und Plaketten zu verkaufen um die Subventionen für die einzelnen Fastnachtseinheiten zu generieren. Erste Ausgabe des Verzeichnisses der einzelnen gemeldeten Gruppierungen. Der Fastnachtsführer, welcher 1949 „Rädäbäng“ getauft wurde. Es findet kein Mittwochsmorgenstreich statt. Auf dem Marktplatz findet ein kleines Konzert des Feldmusiksvereins statt,
1914 – 1918
wurde die Fasnacht wegen des Weltkrieges verboten
1915
Gründung der „Vereinigten Schnitzelbankgesellschaft Basel“
1921
Am 29.März beschloss der Regierungsrat, dass die Verfügung des Polizeidepartementes, die Hälfte der Fastnachtseinnahmen für wohltätige Zwecke zu verwenden, rechtswidrig und willkürlich sei. Von diesem Jahr an erscheinen drei Fastnachtsplaketten. Kupfer, Silber und Gold
1922
Die ersten kaschierten Larven erschienen und lösten die Stoff und Wachslarven langsam ab.
1923
Fuhr der erste Extrazug von Zürich nach Basel an den Morgenstreich.
1925
Seit diesem Jahr verschwand das „t“ in Fas(t)nacht.
1930
Ein einziges grosses Preistrommeln und –Pfeifen entstand aus den unzähligen kleinen Veranstaltungen und wurde ab dem darauf folgenden Jahr unter das Patronat des Comités gestellt. In diesem Jahr sah sich das Comité genötigt ein „Fasnachts-Regulativ für Wagen-Cliquen“ zu verfassen, da die Anzahl an Wägen und Chaisen von Jahr zu Jahr mehr zunahm.
1939
Gründung der ersten Frauenclique „die Abverheyte“
1940 – 1945
Während des 2. Weltkrieges fand keine Strassenfasnacht statt
1948
Am grossen Umzug in Luzern marschierte eine Basler Guggenmusik mit. Daraufhin gründete sich zwei Jahre später die erste Luzerner Guggenmusik.
1950
In Basel wurde verboten, dass die Konfettis ungeordnet abgepackt verkauft werden können. Räppli dürfen seither nur nach gleicher Farbe und sauber abgepackt in den Verkauf.
1961
Verbot des Werfens von Spreu
1962
Die Guggenmusiken erklärten sich bereit, den Morgenstreich den Trommlern und Pfeifern zu überlassen. Zum Ausgleich erhielten sie die Möglichkeit auf dem Barfüsser- Marktplatz ihre Guggenkonzerte durchzuführen.
1973
Die Teilnehmer wurden zum ersten Mal auf eine innere Route im Uhrzeigersinn und auf einer gegenläufigen äusseren Route verteilt.