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|Weine aus der La Côte
Violaine und Raymond Paccot, Domaine La Colombe, Féchy

zusammen mit Martin Riedi und Vinoteca Martino,
Samstag, 13. Dezember 2008
Degustierte Weine
Féchy am Südhang der Waadtländer Côte
Féchy liegt auf 495 m ü. M., 10 km westsüdwestlich der Bezirkshauptstadt Morges (Luftlinie). Das
Weinbauerndorf erstreckt sich auf einem kleinen Vorsprung inmitten der Rebhänge am Südhang der Waadtländer Côte, in aussichtsreicher Lage rund 120 m über dem Seespiegel des Genfersees. Die
Fläche des 2.7 km2 grossen Gemeindegebietes umfasst einen Abschnitt der Waadtländer Côte. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Uferrandstreifen des Genfersees nordwärts über das Plateau am Hangfuss der Côte und die Rebhänge bis auf die Höhe östlich des Signal de Bougy, auf der mit 675 m ü.M. der höchste Punkt von Féchy erreicht wird. Das Gebiet wird vom Bach Eau Noire zum Genfersee entwässert. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 21 % auf Siedlungen, 7 % auf Wald und Gehölze, 71 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
Mit 719 Einwohnern (Ende 2007) gehört Féchy zu den kleineren Gemeindes des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 79.1 % französischsprachig, 7.0 deutschsprachig und 5.7 % portugiesischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Féchy belief sich 1859 auf 319 Einwohner, 1900 auf 330 Einwohner. Nachdem die Bevölkerung bis 1970 auf 288 Einwohner abgenommen hatte, setzte seither mit dem Bau neuer Quartiere eine rasche Bevölkerungszunahme mit einer Verdoppelung der Einwohnerzahl innerhalb von 30 Jahren ein. Féchy war bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Noch heute spielt die Landwirtschaft als Erwerbszweig der Bevölkerung eine wichtige Rolle. Am gesamten Hang der Côte unterhalb einer Höhe von 550 bis 600 m ü.M. wid Weinbau betrieben, wobei Féchy vor allem für seinen Weisswein bekannt ist. Auf den landwirtschaftlichen Flächen am Hangfuss herscht Ackerbau vor. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Gewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf dank seiner attraktiven Lage zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler.
Historisches Fescheio
Das Gemeindegebiet von Féchy war bereits in der Römerzeit besiedelt, da es an der Strasse Vy-d'Etra lag.
Aus der Burgunderzeit sind Grabfunde bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1188 unter dem Namen Fescheio. Weitere Bezeichnungen waren Fechie, Feschi (1204), Feschie (1221) und Feschier (1467). Der Ortsname ist vermutlich vom römischen Personennamen Fescius abgeleitet. Féchy unterstand seit dem Mittelalter den Chorherren des Grossen Sankt Bernhards. Seit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahre 1536 teilte Féchy
die Geschicke von Aubonne und kam 1701 an die Landvogtei Aubonne. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte das Dorf von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der
anschliessend mit der Inkraftsetzung der Meditationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde es dem Bezirk Aubonne zugeteilt. Der alte und kompakte Ortskern von Féchy-Dessous mit zwei Häuserzeilen entlang einer Strasse zeigt charakteristische Weinbauernhäuser aus dem 17. - 19.
Jahrhundert. Da er sein ursprüngliches Ortsbild behalten hat, keine Neubauten in unmittelbarer Nähe
vorhanden sind und inmitten der Weinberge liegt, dient er oft als klassisches Fotosujet für ein Weinbauerndorf.
Der Graf von Savoyen, Amédée VI und die Familie Paccot
Eine kleine Geschichte vorneweg: 1356, im Jahr der Gnade, verlieh der Graf von Savoyen, Amédée VI, genannt der grüne Graf, der Familie Paccot ihr Familienwappen mit der Taube, dem Friedenssymbol. Drei Jahre bevor Amédée VI. in die Geschichte des Waadtlandes eingriff und rund fünf Jahrhunderte, bevor Jules Paccot seine ersten Rebparzellen in Féchy kaufte! Heute ist Amédée
VI. der Name eines ganz besonderen Weines der Domaine La Colombe, ausgebaut zu Ehren der
Vorfahren und um die Fahne und die Ansprüche des Terroirs hoch zu halten. Als wahrer Wein der Begegnung bietet Amédée VI. ein originelles Stelldichein von vier Rebsorten mit starker kultureller Identität : Savagnin, Chardonnay, Doral und Chasselas aus dem Waadtland. Bei jedem neuen Jahrgang bestimmt eine strenge Degustation die exakte Komposition des Weins und die Proportionen der Assemblage. Nach einem Ausbau auf den Feinheiten im Stahltank und im Eichenholzfass abgefüllt, präsentiert sich Amédée VI. nach einer Reifezeit von zwei bis fünf Jahren im Keller auf
seinem Höhepunkt.
Domaine La Colombe
Seit fast fünfzig Jahren widmet sich die Domaine La Colombe der Suche nach der Wahrheit des Terroirs. Das bedingt ein langsames, geduldiges Arbeiten, Schritt für Schritt, um die Persönlichkeit einer jeden Parzelle zu verstehen. Dank Weinbau- und Ausbaumethoden, welche die natürlichen Rhythmen respektieren. Dank kompromisslosen Qualitätsansprüchen während der ganzen
Vinifikation. Es ist das Ziel von Violaine und Raymond Paccot, dazu beizutragen, das Potenzial der grossen Waadtländer Terroirs zu offenbaren, uns zwar nicht zuletzt mittels innovativer Assemblagen, denn die Komplementarität erlaubt es ihnen, diesem Ziel näher zu kommen. Auf etwas mehr als 15 Hektar kultivieren sie rund zehn Rebsorten. Die wichtigsten sind: Chasselas, Chardonnay, Pinot Gris, Pinot Noir, Garanoir und Gamaret. Mit biodynamischen Weinbaumethoden versuchen sie den Boden lebendig zu erhalten. Der Keller ist mit Eichenholzfässern und mit Inoxstahltanks bestückt,
sodass sie den Wein getreu der Komplexität seiner Aromen ausbauen können. Alle Entscheidungen in der Vinifikation stützen sich auf die Resultate der Degustation, im grössten Respekt vor der Persönlichkeit eines jeden Weins.
Im Kontakt mit der Natur ist kein Jahr wie das andere. Der neue, sehr verheissungsvolle Jahrgang liess alle vom Januar bis zum Oktober auf der Hut sein. Kurz gesagt,
ist es ganz einfach: Der Jahrgang 2007 ist genau das Gegenteil von 2006 ! Nach einer Winterruhe, welche durch viel Sonne und fast sommerliche Temperaturen gestört wurde, haben die Reben ihren Wachstumszyklus Anfang April mit einem Vorsprung von drei Wochen gegenüber dem normalen Termin begonnen. Anschliessend haben die häufigen Regenfälle im Mai, Juni und Juli das Risiko des Mehltaus, eines mikroskopischen Pilzes, der sich bei Wärme und Feuchtigkeit unter den Blättern entwickelt, beträchtlich erhöht. La Colombe konnte diesem Uebel mit schonenden, oft auf pflanzlichen Mitteln basierenden Spritzungen entkommen, ohne die Prinzipien des biodynamischen Weinbaus zu verraten. Während sie sich schon auf eine frühe und möglicherweise überstürzte Lese vorbereiteten, kam das Unerwartete: ein aussergewöhnlicher Herbst mit Sonne, trockenem Wetter und vor allem einer Bise, welche die Trauben trocknete. Ab Anfang September konnte das Szenario der Lese komplett geändert werden und wurde um 15 Tage hinausgezögert: traumhafte Bedingungen also, um ohne Zeitdruck auf jedes Terroir und jede Traubensorte zu warten um schliesslich goldgelbe und süsse Trauben bei voller Reife lesen zu können. Ende gut, alles gut ! Oder : Anfang gut, alles gut ! Denn mit einem so gesunden Traubengut waren die Vinifikationsbedingungen fast ideal, und zudem wurden die langsamen Gärungen noch durch die kühlen Temperaturen zum Jahresende begünstigt. Das Resultat ist ein im Moment noch diskreter, aber im Charakter gut ausgebildeter und gediegener Ausdruck des Terroirs.
Kurzum: Alles deutet darauf hin, dass sich die 2007er als körperreiche, rassige Weine mit einem schönen Gleichgesicht zwischen Frucht und Struktur präsentieren werden.
Bei einem Besuch im Keller können sie sich selbst ein Urteil über die Persönlichkeit der verschiedenen Terroirs und Rebsorten bilden.
Kochunterricht bei Spitzenkoch Philippe Rochat - Spitzenköche unter sich
Die Degustation von Weinen aus der La Côte war wiederum ein grosses "Highlight" und fand im Hotel Spitzhorn in Saanen statt, wo unser Mitglied Martin Riedi verantwortlich zeichnet. Er musste Kochstunden beim bekannten Waadtländer Spitzenkoch Philippe Rochat Nachfolger von Frédy Girardet, im Restaurant de l'Hòtel de Ville in Crissier/VD (3 Sterne Guide Michelin, 19 Punkte im
Gault-Millau) nehmen, um das von ihm gewünschte Menu im Waadländer Stil auch wirklich durchziehen zu können.
Unser Gastgeber lässt sich normalerweise von der italienischen Küche beeinflussen. Diesmal war der Weinbauer Raymond Paccot mit seiner charmanten Gattin Violaine persönlich anwesend. Beide führten uns überaus eindrücklich durch den Abend und ihre Weine. Martin Riedi vertritt die Weine der beiden im Saanenland mit seiner Vinoteca Martino. Nur so kam der Kontakt zu diesen Spitzenwinzern zustande. La Colombe wurde einmal als bester und einmal mit dem zweiten Platz im Wettbewerb um den besten Chasselas der Schweiz ausgezeichnet.
Die Weinfreunde kamen in den Genuss einer denkwürdigen Degustation der Weine der Domaine La Colombe in Féchy. Für einmal musste Martin Riedi nicht vom Italienischen ins Deutsch übersetzen, aber manchmal vom Französischen ins Deutsch. Er konnte sich deshalb fast ausschliesslich der Küche zuwenden. Er hat etwas gelernt bei Philippe Rochat. Nicht umsonst erhielt er für seine Küche
ebenfalls Punkte von Gault-Millau und zwar insgesamt 13.
Von der Theorie zur Praxis
Was zu den einzelnen Weinen serviert wurde, war kurz gesagt: überragend, einfach traumhaft. Die acht Gänge waren eindeutig auf viel höherem Niveau als seine bis heute erhaltenen Gault-Millau Punkte. Insgesamt wieder 30 Weinfreunde waren an diesem Abend anwesend und genossen wie immer das Dargebotene. Wie üblich wurde das Apéro im Seminarraum des Hotels, d.h. im Untergeschoss serviert.
Es gab also Lauchstrudel, Focaccia und Quiches zusammen mit dem ausgezeichneten Féchy La Colombe . Die nächsten Gänge wurden im sehr gut gefüllten Restaurant des Hotels Spitzhorn eingenommen. Die Stimmung war grossartig, und die Atmosphäre haben wir schon mehrmals gelobt. Die einzelnen Gänge des Menus wurden, wie bei den Weinfreunde üblich, den Weinen angepasst. Meistens ist das
gar kein leichtes Unterfangen, damit alle Teilnehmer wirklich befriedigt werden können.
Zu Tomme mit mariniertem Gemüse aus dem Ofen degustierten wir den
Pinot Gris Reserve, welcher
sich absout mit den italienischen Pinot Grigio's messen kann.
Dann wurde uns ein Kartoffel-Endivien Gratin mit Wachtelei und weissem Trüffel serviert zusammen mit dem oben bereits kurz vorgestellten
Amédée VI.
Wein wie auch das Kulinarische erfüllten die hohen Erwartungen in diesen Menuteil. Für diesen
Gratin alleine würde es sich lohnen, bei Martin Riedi einzukehren. Absolute Spitze, meiner Meinung
nach sehr gut inspiriert durch den 19 Punkte Koch Philippe Rochat.
Als nächstes servierte man uns
Cannelloni mit Saucissonfüllung und Lauch, diesmal mit einem
puren Gamay (100 %), der unter
Kennern ein Raunen auslöste, so fein und blumig war er. Einmal ein Gamay, den man einfach sofort
kaufen und trinken würde.
Zum Hauptgang erhielten wir Kalbshaxe auf dem Gemüsebett und den
sehr
berühmten Colombe Rouge, eine Assemblage aus Pinot Noir, Garanoir, Gamaret und Gamay aus
ausgewählten Lagen von Féchy, Aubonne, Allaman und Morges.
Mit dem Käse aus dem Waadtland tranken wir
La Colombe Noir, einen 100% Pinot Noir.
Zu Sucré et salé, eine Waadtländer Spezialität
zeigte uns Raymond Paccot seinen "La Grive Flétrie", einen Likörwein aus Gamaret und Garanoir, d.h.
ein süsser Rotwein also.
Der Digéstiv von Alex Paccot rundete den ganzen Abend ab
Er wurde zu
Café und Friandises aufgetischt. Nun möchten wir noch Martin Riedi und seiner Frau, Herrn und Frau Paccot aus Féchy sowie den vielen hilfreichen Diensten des Restaurant Spitzhorn in Saanen herzlich für ihren enormen Einsatz danken. Die Weine der Degustation werden wir wie immer am Schluss unserer Ausführungen kommentieren.
Bilder des Abends