Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03180.jsonl.gz/1698

0301080605
1980 wurde an der ETH Zürich – zu ihrem 125-järigen Bestehen – eine Professur für Philosophie der Wissenschaften eingerichtet und mit dem namhaften österreichischen Philosophen Paul Feyerabend (1924-1994) besetzt. Damit wurde dieses Lehr- und Forschungsgebiet wieder aufgegriffen, denn Ende der 1950er-Jahre bereits war eine Vertretung für die Philosophie und Geschichte der exakten Wissenschaften ausgelaufen. Nach Feyerabends Tod traten 1995 Yehuda Elkana und Helga Nowotny mit je einem halben Pensum seine Nachfolge an. Damit verschob sich auch die wissenschaftliche Ausrichtung der Professur von einer wissenschaftsphilosophischen hin zu einer verstärkt wissenschaftssoziolologischen Perspektive. Diese Verschiebung schlug sich auch in der Umbenennung der Professur nieder: Aus der Professur für Philosophie der Wissenschaften wurde die Professur für Wissenschaftsphilosophie und -forschung. Die Professur bemühte sich auch um darum, einen Forschungsbereich Science Technology and Society Studies (STS) aufzubauen. Nach der Emeritierung Yehuda Elkanas 1999 übernahm Helga Nowotny zudem die Leitung des transdisziplinären Instituts Collegium Helveticum. 2003 folgte der Wissenschaftshistoriker Michael Hagner auf die Professur für Wissenschaftsphilosophie und -forschung.
Paul Feyerabend vertrat eine Generation von Wissenschaftsphilosophen, die gegenüber Positivismus und kritischem Rationalismus in Opposition traten. Er befürwortete dagegen einen methodischen Pluralismus ('anything goes') und stellte die verbreitete Trennung von Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft in Frage. Für Feyerabend waren die jährlichen Vorlesungen an der ETH Zürich die ideale Kommunikationsform, um einen solchen Pluralismus zu entwickeln.

Nach der Übernahme der Professur durch Yehuda Elkana und Helga Nowotny und der Akzentverschiebung hin zur Wissenschaftssoziologie und -forschung wurde wissenschaftliche Tätigkeit aus transdisziplinärer Perspektive als kulturelle Praxis untersucht. Die Erzeugung wissenschaftlichen Wissens wird dabei mit politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen kontextualisiert.

Michael Hagner wird sich in seinen Arbeiten vermehrt den epistemischen Bedingungen naturwissenschaftlicher Erkenntnis zuwenden. Für ihn, der eine Ausbildung zum Mediziner durchlief, steht nicht so sehr die Geschichte wissenschaftlicher Ideen und Disziplinen im Vordergrund als vielmehr Kulturen des Wissens im historischen Wandel. Von besonderem Interesse ist ihm dabei die 'praktische' Dimension der Wissenserzeugung, der historische Blick auf die Konfigurationen von Experimenten, wissenschaftliche Objekte und Apparate. Die Entwicklung der Lebenswissenschaften sowie die Beziehungen zwischen den Wissenschaften und den Künsten sind Michael Hagners Schwerpunkte in Lehre und Forschung.
©
2005
ETHistory 1855-2005
| Last update:
28.4.2005 |
!!! Dieses Dokument stammt aus dem ETH Web-Archiv und wird nicht mehr gepflegt !!!
/rueckblicke/departemente/dgess/weitere_seiten/0.5_wissenschaftsforschung/popupfriendly/