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2) die unzeitige Geburt (partus immaturus), zwischen der 17. und 28. Schwangerschaftswoche, wobei gewöhnlich die Eihäute
erst zerreißen, ehe die Frucht abgeht;
3) die Frühgeburt (partus praematuras), zwischen der 29. und 37. Schwangerschaftswoche, wobei das Kind, wenigstens aus dem
siebenten und den spätern Monaten, lebensfähig ist und nicht selten erhalten wird. In den ersten drei
Monaten der Schwangerschaft erfolgen die Fehlgeburten am häufigsten. Später werden sie seltener, sind aber dann um die 28. Schwangerschaftswoche
wieder häufiger. Die Ursachen der Fehlgeburt sind sehr mannigfaltig. Teils sind sie in dem mütterlichen Organismus, teils und zwar
häufiger, als man ehedem glaubte, in der Frucht selbst begründet.
Mechanische Einwirkungen, wie Fall, Stoß, Schlag auf den Leib der Schwangern, heftiges Erbrechen, Husten, ferner übermäßige
Körperbewegungen beim Tanzen, psychische Alterationen leiten gewöhnlich die ein. In den frühern Monaten geschieht die Fehlgeburt oft
ganz ohne Vorboten. Es entsteht plötzlich ein starker Blutabgang, der einige Tage andauert und nur mit
der Ausstoßung des Eies und der dazu gehörigen Gebilde endigt. In spätern Monaten bezeichnet das Absterben der Frucht zuweilen
ein plötzlich eintretender Frostanfall, Aufhören der Kindesbewegungen, eine Senkung des Leibes mit dem Gefühl der Schwere
und Kälte in demselben, allgemeines Übelbefinden, Appetitmangel, Schlaffheit der Brüste, übelriechender
Ausfluß
[* 6] aus den Geburtsteilen; dann treten Wehen ein, und die Geburt nimmt ihren Anfang.
Der Blutfluß ist hier, wie in den frühern Monaten, immer ein sehr wichtiges Moment. Die Vorhersage ist verschieden je nach
dem Allgemeinbefinden überhaupt, nach der Stärke
[* 7] der Blutung, nach der Zeit des Eintritts der Fehlgeburt, nach
ihren Ursachen und andern zufälligen äußern Umständen. Für die Mutter sind die übeln Folgen einer in den ersten zwei Monaten
in der Regel geringer als später, wo überhaupt die Blutungen viel heftiger sind und daher viel leichter ein hoher Grad
von Schwäche entsteht.
Die Behandlung betrifft:
1) das diätetische Verhalten, welches bei solchen Frauen, die an habitueller Anlage zur Fehlgeburt leiden, von besonderer Bedeutung
ist, 2) das Verfahren bei drohender und 3) die Behandlung der bereits eingeleiteten. Fehlgeburt. Was das diätetische
Verhalten der Frauen anbetrifft, so ist zwar mäßige Körperbewegung zu empfehlen, aber angestrengte
Arbeit und übertriebene Bewegung (Tanzen) sowie jede Erschütterung des Körpers, das Fahren auf holperigen Wegen und in schlecht
federnden Wagen, zu vermeiden.
Nicht minder wichtig ist die Sorge für die Gemütsruhe der Frauen und Vermeidung heftiger Affekte. Sobald sich eine Störung
des Allgemeinbefindens einstellt, muß dieses sogleich entsprechend verbessert werden. Tritt der Zeitpunkt
ein, wo früher schon Fehlgeburt erfolgte, so muß die Schwangere längere Zeit eine horizontale Lage einnehmen. Der drohende Abortus
verlangt ebenfalls vor allen Dingen eine ruhige, horizontale Lage, mag derselbe von einer Ursache herrühren, von welcher er
wolle.
Bei jeder Fehlgeburt soll der Arzt gerufen werden, welcher dieselbe nach den Regeln der Kunst zu leiten hat. Hauptsache
bleibt immer die Stillung der Blutung, welche mit jeder Fehlgeburt verbunden und oft eine ganz exzessive, das Leben bedrohende ist.
Hier ist horizontale Lagerung, kalte Umschläge auf den Unterleib, vorsichtige Einspritzungen von eiskaltem oder heißem
(40° R.) Wasser in die Scheide oder, wenn dies nicht hilft, in den Uterus sehr wirksam. Nach Vollendung der Fehlgeburt hat die Frau
mindestens acht Tage das Bett
[* 8] zu hüten und sich überhaupt so zu verhalten, als ob sie regelmäßig geboren hätte. Vgl. Frühgeburt.