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Keltengräber in unserer Region (Lenzburg, Widen, Berikon, Lunkhofen) sind die ältesten bekannten menschlichen Zeitzeugen einer Besiedlung des Rohrdorferberges, dies bereits vor unserer Zeitrechnung. Auf das 1. Jahrhundert n.Chr. zurück geht die Besiedlung der Region durch die Römer. 1934 fanden Schulkinder im Gebiet Heiggel Ziegelstücke, welche sie ihrem Lehrer, Philipp Kaufmann, vorlegten. Als Vorstandsmitglied des Vereins für Heimatkunde des Bezirks Baden gelang es ihm, dass 1941 unter Leitung von Lt. Walter Drack die Fundstelle mithilfe von internierten Polensoldaten ausgegraben und genau dokumentiert wurde. Während des Krieges war jeder Flecken Land zur Erweiterung der Anbaufläche gefordert und so wurde der Römische Gutshof wieder eingedeckt.
Mitte des 6. Jahrhunderts liessen sich in unserer Gegend Alemannen nieder, die das Landschaftsbild durch die Rodung grosser Waldgebiete für die Bewirtschaftung des Bodens nachhaltig prägten.
Bellikon wird nach den bisherigen Erkenntnissen erstmals in einem Stiftungsbrief des Klosters Muri vom 11. Oktober 1064 erwähnt, weitere Hinweise sind im "Verzeichnis aller Habsburgischen Güter" aus dem Jahre 1240 zu finden.
Die Klöster Muri, Murbach, Wettingen und das Spital Baden hatten Güter in Hausen und Bellikon und beanspruchten das Recht, die Zehnten und weitere Abgaben einzufordern.
Zur Zeit der Reformation litt unser Dorf mehrmals unter durchziehenden Zürchertruppen, welche auch die Nachbardörfer plünderten. Auch die Truppen Napoleons verlangten von den ärmlichen Kleinbauern am Rohrdorferberg viele Abgaben an Lebensmitteln, Pferden, Kühen und Futter.
Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahre 1803 wurden Bellikon und Hausen zu einer politisch selbstständigen Gemeinde des Bezirks Baden zusammengefügt.
Ein Zeuge der Vergangenheit ist das Schloss Bellikon, anfänglich "Rotten Hus" genannt. Es wurde Ende des 13. Jahrhunderts als einfacher Jagdsitz der Habsburger genutzt. Von 1314 bis 1604 war das Schloss in den Händen der Familie Krieg, einem berühmten Patriziergeschlecht von Zürich. Nach mehreren Handänderungen erwarb 1640 Joh. Balthasar Schmid von Uri das Schloss samt den Gerichtsbarkeiten. Die Herrschaften waren angesehene Personen und standen in Diensten von Papst und Königshäusern. Die Familie "Schmid von Uri", später auch "Schmid von Bellikon" genannt, erweiterte die Anlage auch zum Wohle von Bellikon, gegen den Widerstand der Pfarrei Rohrdorf und des umliegenden Gewerbes, um eine Schlosskapelle, eine Mühle und eine Schmiede. Auch wurde vom Schlosskaplan der erste Schulunterricht erteilt. Nach der Französischen Revolution verloren die Schlossherren um 1810 ihren Sitz an die Gemeinde und zogen ins Schloss Böttstein, wo sie in der Kapelle ihre letzte Ruhestätte fanden. Die ärmliche Gemeinde tat sich schwer mit dem Schloss und war sehr erleichtert, als Henry Heer, ein Seidenindustrieller, 1907 die Liegenschaft erwarb und in den Folgejahren massiv umbaute und erneuerte (Gärtnerhaus, Tennisplatz, Reithalle). Auch nach dem krankheitsbedingten Wegzug der Familie Heer anno 1935 war das Schloss bei den Familien Schwarz (1935-1954) und Meier (1954-1987) stets in guten Händen. Drei Schlossherren in Folge waren auch in der Gemeinde aktiv und halfen durch die Mitwirkung in der Schulpflege mit, die Dorfschule zu fördern. Nach massiven Erneuerungen durch Guido und Esther Weber (PST) wuchsen die Kosten über alle Massen an, was zum Konkurs des Paares führte. Seit dem Jahr 2000 ist das Schloss im Privatbesitz der Familie Ellinger.
Bis 1960 blieb Bellikon ein ausgesprochenes Bauerndorf. 1900 zählte man 377 und 1950 434 Einwohner. Die herrliche Lage brachte ab 1965 die ersten Zuzüger ins Dorf. Kleinere Landwirtschaftsbetriebe wurden aufgegeben oder ausgesiedelt. Durch das Wachstum und die Absicht der SUVA, in Bellikon ein Nachbehandlungszentrum zu erstellen, wurde Bellikon gezwungen, grosse Infrastrukturaufgaben zu realisieren: Wasserversorgung, Strassenausbau, Kanalisation, Kläranlage, Gemeindehaus, Feuerwehrmagazin und Schulhaus-Neubau. 1974 war für Bellikon ein wichtiges Jahr, die Rehaklinik und die Schulanlage wurden eingeweiht und für den Kirchenbau wurde ein Planungskredit beschlossen.
Höhepunkt der Bautätigkeit in Bellikon war die Realisation der Rehabilitationsklinik (1969-1974) durch die SUVA. Nach anfänglicher Skepsis der Bevölkerung hat der Betrieb durch seine fruchtbaren Dienste zum Wohle der Patienten auch positiv zur Entwicklung des Dorfes beigetragen. Inzwischen wurden bereits verschiedenste Anpassungen an Bauten und Betrieb erforderlich und es ist ein grösserer Klinikumbau inkl. Erweiterung geplant.
Das Kirchenzentrum St. Josef der Katholischen Kirchgemeinde wurde durch Architekt Willi Egli geplant und 1977 eingeweiht. Es dient der ganzen Bevölkerung auch als Begegnungszentrum für Altersnachmittage, Konzerte, Abdankungen und viele weitere Veranstaltungen. Die Glocken der besonderen Kirche verkünden täglich den christlichen Glauben.
Dass Bellikon seinen Charakter erhalten konnte, ist auch einer massvollen Einzonungspolitik zu verdanken. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt laufend. Einerseits lockt die herrliche Wohnlage rund 600 m ü. M. neue Einwohner an und anderseits sind es die guten Verkehrsanbindungen nach Zürich, Baden und Mellingen sowie die gute Infrastruktur des Dorfes für Familien und Pendler. Mittlerweile zählt Bellikon rund 1600 Einwohner und nach Planung soll das Dorf bis im Jahr 2030 auf gegen 2000 Einwohner anwachsen können.
Im Dorf befinden sich eine Post, ein Bancomat, ein Restaurant und ein Lebensmittelgeschäft. Weitere Einkaufsmöglichkeiten und ärztliche Versorgungen bestehen auf dem Mutschellen, in Bremgarten, Rohrdorf, Dättwil und Baden. Das Dorfleben, mit den restlichen 10 Landwirtschaftsbetrieben, wird auch durch rund 10 Vereine mitgeprägt. Diese Vereine sorgen dafür, dass das Dorf nicht zu einer Schlafgemeinde verkümmert. Sie bieten Gelegenheit, sich zu treffen und Neuzuzüger ins Dorfleben aufzunehmen.
Weitere Informationen zur Geschichte von Bellikon sind in folgenden Schriften zu finden:
- Ausgrabung des Römischen Gutshofes von Walter Drack
- Bellikon in seiner Geschichte, von Pfr. Dr. Anton Egloff
- Bildband "Bellikon damals und heute 2003"
- Info-Broschüre "Meine Wohngemeinde"
- Ortsmuseum Bellikon des Museumsvereins
Ursprung des Textes: Benno Gadient und Willi Meier
Im Mai 2012 aktualisiert und ergänzt durch Josef Monn, mit Beihilfe von Ursula Fankhauser und Rosemarie Schulthess.