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Biologisch/materiell etwa dadurch, dass ein System seinen Eigenzustand, beispielsweise die Brennweite der Augenlinsen, so verändert, dass Objekte genauer gesehen werden. Begrifflich dadurch, dass die bestehenden sensomotorischen oder begrifflichen Schemata, beispielsweise durch neue Unterscheidungen/Kategorien so verändert werden, dass passendere Klassifikationen und Verhaltensweisen möglich werden.
Beispiel:
Nach E. von Glasersfeld (Wege des Wissens, 70) hat J. Baldwin als erster die Begriffe Assimilation und Akkommodation systematisch verwendet, auch wenn die Begriffe älter sind.
Akkommodation stellt ein Gleichgewicht her. Im einfachen Fall ist der Sollwert konstant (Homöostase, Thermostat), im komplizierteren Fällen entspricht er dem Gleichgewicht eines Radfahrers. Nächste Stufe: Jede Akkommodation kann inkompatible Konzepte zu anderen Akkommodationen erzeugen, so dass eine höhere Störung entsteht. Beispiel: Bestimmte physikalische Phänomene lassen sich mit Wellen erklären, andere mit Teilchen. Die Erklärungen passen dann nicht zusammen. (==> Aequilibrierung).
In der Optik hat der Ausdruck "Akkommodation" einen mechanisch spezifizierten Sinn, der das Verfahren einer spezifischen "Anpassung" bezeichnet. Wenn ich Gegenstände in verschiedenen Distanzen focusieren will, muss ich die Wölbung meiner Augenlinse entsprechend anpassen. Das geschieht normalerweise unbewusst. Das Auge kann diese Fähigkeit beispielsweise durch Alterung verlieren, was wir mit einer vorgesetzten zweiten Linse, etwa einer Brille oder einer Kontaktlinse korrigieren.
Unter Akkommodation ist die äquilibratorische Anpassung einer vorbestehenden Struktur an neu aus der Umgebung aufgenommene Elemente zu verstehen. Akkommodation und Assimilation entsprechen laut Ciompi, 1988, 185, der 'struktureller Koppelung' von Maturana.
Meyers Lexikonverlag
Akkommodation [lat.], 1) in der Physiologie svw. Anpassung. 2) Optik: die Einstellung des Auges auf die jeweilige Entfernung der scharf abzubildenden Gegenstände. Geschieht bei Fischen und Amphibien durch Änderung des Linsenabstandes von der Netzhaut, bei Reptilien, Vögeln und Säugetieren (einschließl. Mensch) durch einen Ringmuskel, der die Linsenwölbung und damit den Brechungsindex der Linse ändert. Die Linse des Auges der Säugetiere und des Menschen hängt an Fasern im Zentrum des Ringmuskels und ist in der Ruhelage unter dem Zug dieser Aufhängefasern abgeflacht und dadurch auf die Ferne eingestellt. Bei Verengung des Muskelrings durch Kontraktion läßt die Spannung der Fasern nach, die Linse wird auf Grund ihrer Elastizität zunehmend kugelig, das Auge stellt sich damit auf Nähe ein.
Anmerkung zu Meyers und Duden: Es ist sehr typisch, wie die herrschende Sprachgesellschaft selektiv wahrnimmt: Akkommodation und Assimilation werden als krude "Anpassung" gesehen. Das Volk soll sich anpassen (zb den Sprachvorstellungen eines privaten Verlages). Mit dieser Auffassung fällt es dem Verlag leicht, ein sinnvolles Beispiel für Akkommodation zu geben, während Assimilation brutal unsinnig erläutert wird: "die Ausländer sollen sich anpassen".
siehe auch blinder Fleck