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Appenzell
Der heilige Gallus und der Appenzeller Bär
Die Geschichte des Wappenbärs der beiden Appenzell beginnt damit, dass er weggeschickt wurde. Und doch war er später den Appenzellern so wichtig, dass sie seinetwegen den St. Gallern einen Feldzug androhten.
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Wenn der nächste Risikobär in der Schweiz auftaucht, muss ein Heiliger her. Dieser könnte die Probleme friedlich und elegant lösen. So zumindest erzählt es die Legende vom heiligen Gallus, dem Gründer der Stadt St. Gallen: Dem Bären, der sich eines Nachts bedrohlich vor ihm aufrichtete, habe er befohlen, ein Stück Holz ins Feuer zu werfen. Der Bär gehorchte. Gallus belohnte ihn mit einem Stück Brot und verlangte dann, dass er keine Menschen und kein Vieh verletze, sondern sich in die Wildnis zurückziehe. Und der Bär zog davon und tauchte nie wieder auf.
Das begab sich irgendwann zu Beginn des 7. Jahrhunderts. Ein Diakon beobachtete die Begegnung und deutete sie als Beweis, dass Gott mit Gallus war. Der heilige Gallus wird seither meist mit einem Bären an seiner Seite dargestellt. Rund hundert Jahre später, im Jahr 719, gründete dann ein Priester beim Grab des Gallus eine Abtei, der er den Namen St. Gallen gab.
Doch wieso schreiben wir hier über St. Gallen, wenn wir im Titel versprachen, der Spur des Appenzeller Bären zu folgen? Sie ahnen es bereits: Es handelt sich um ein und denselben Bären. Das Appenzell stand unter der Herrschaft des Klosters St. Gallen, bis es sich in den Appenzellerkriegen 1400–1429 dagegen auflehnte und unabhängig wurde.
Skandal um eine fehlerhafte Illustration
Das Wappentier – den Bären – übernahmen die Appenzeller vom Kloster. Im Gegensatz zu den Bernern verzichteten sie jedoch weitgehend auf lebendige Bären. Nur für eine kurze Periode in den 1520ern ist bekannt, dass sie im Hauptort tatsächlich einen hielten.
Trotzdem muss ihnen ihr Wappentier am Herzen gelegen haben, drohten sie doch seinetwegen gar einmal der St. Galler Regierung mit einem Feldzug. Der Grund? In einem Kalender in St. Gallen fehlte in der Darstellung des Appenzeller Wappens das sonst deutlich sichtbare männliche Geschlecht des Bären. Das empfanden die Appenzeller als Beleidigung. Sie erreichten dann tatsächlich, dass der Kalender ohne die fehlerhafte Illustration erschien.
10 Gulden für jeden erlegten Bären
Mit dem Schutz der echten Bären nahmen sie es allerdings weniger genau. Ganz im Gegensatz zum heiligen Gallus schossen sie, was ihnen vor die Flinte kam, und wurden dafür vom Kanton mit 10 Gulden pro erlegtem Bär belohnt. So liess der letzte freilebende Appenzeller Bär 1673 in Urnäsch sein Leben.
Das war bereits nach der Spaltung des Kantons in das katholische Inner- und das protestantische Ausserrhoden. Der Bär ist heute nicht nur in den beiden Kantonswappen abgebildet, sondern auch im Wappen des innerrhoder Hauptorts Appenzell sowie in immerhin sechs der zwanzig ausserrhoder Gemeinden. Und ja, das Wappen der Stadt St. Gallen zeigt denselben Bären, nur dass er dort ein goldenes Halsband trägt.