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[* 2]
(Balneum), Eintauchung des
Körpers oder einzelner Teile desselben in eine
Flüssigkeit, wobei
die Oberfläche des
Körpers längere Zeit hindurch mit jener in Berührung bleibt. Auch bezeichnet man die Anwendung strömender
oder fallender
Flüssigkeit auf den
Körper als und redet daher von
Tropf-,
Gieß- und Douchebädern. Hinsichtlich der Anwendungsweise
der Bäder oder der Art der Eintauchung des
Körpers oder einzelner Teile unterscheidet man allgemeine
oder ganze Bäder (Vollbäder), wobei der ganze
Körper in die
Flüssigkeit eingetaucht wird, von den partiellen oder örtlichen
Bädern und unter diesen wiederum Halbbäder, wobei nur die untere Körperhälfte sich in dem Bad befindet, Sitzbäder,
bei welchen nur das
Gesäß und ein Teil des
Unterleibs eingetaucht ist,
Arm- und Handbäder,
Fußbäder
etc. Auch nach den
Stoffen, welche man zu den
Bädern verwendet, werden dieselben benannt, und man hat daher: einfache
Wasserbäder
und medizinische Bäder, welche
Salze
(Mineralbäder,
Solbäder, Laugenbäder), vegetabilische
(Kräuter-, Fichtennadel-,
Kleien-,
Malz-, Senfbäder) oder tierische
Substanzen
(Ameisenbäder) enthalten. Im weitern
Sinn rechnet man zu den
Bädern, obschon der
Körper dabei nicht mit tropfbarflüssigen
Stoffen in Berührung kommt, die
Dampf-,
Gas-, Schlamm-,
Erd-,
Sand-,
Tier- und
Luftbäder.
Zum zweiten ist das Bad gesundheitförderlich, je nach seiner
Temperatur. Während des kalten Bades werden
die
Haut
[* 5] und die Extremitäten blutärmer, die innern
Organe des
Körpers aber entsprechend blutreicher. Nach dem kalten Bad, zumal
wenn die
Haut durch Wellenschlag und starken Salzgehalt noch stärker gereizt war, also nach einem
Seebad, entsteht früher
oder später ein
Gefühl des Wohlbehagens durch das vermehrte Einströmen des
Bluts in die seinen
Gefäße
der
Haut und durch das damit zurückkehrende
Gefühl der
Wärme.
[* 6]
Der
Stoffwechsel wird lebhaft angeregt,
Körper und
Geist gewinnen an Straffheit und
Elastizität, und noch längere Zeit bleibt
nach einer Seebadekur erhöhte Widerstandsfähigkeit zurück. Voraussetzung ist freilich, daß nicht
Kranke in vorgeschrittenem Kräfteverfall, Rekonvaleszenten nach schwerem
Typhus, leicht erregbare, nervöse oder herzkranke
Personen sich der
Kur kalter Bäder unterziehen. In zweifelhaften
Fällen überlasse man dem
Arzte die
Entscheidung.
Die
Wirkung der warmen Bäder, deren
Temperatur derjenigen des
Bluts nahekommt, besteht darin, daß die
Haut sich rötet und
erschlafft, die Blutzirkulation in der
Haut also gesteigert wird. Der
Puls ist beschleunigt, der
Atem frequenter,
die
Wasser- und Kohlensäureausscheidung durch die
Lungen gesteigert, die Ernährungsvorgänge an den
Geweben des
Körpers finden
leichter und schneller statt. Das warme Bad wirkt also im wesentlichen beruhigend und bei herabgekommenen, blutarmen
Individuen sowie nach starken körperlichen Anstrengungen zugleich stärkend.
Diese Einrichtung besteht darin, daß einzelne Körperteile oder selbst der ganze
Körper tage- und wochenlang in einer fortwährend
sich erneuernden, aber gleich temperierten Wassermasse eingetaucht bleiben. Bei ausgedehnten
Verbrennungen,
Quetschwunden, sehr großen
Geschwüren etc. sind dadurch die besten Erfolge erzielt worden.
Heiße Bäder werden vorzugsweise
örtlich, d. h. als
Fuß- und Handbäder, angewendet, teils um entzündliche Vorgänge an denselben zu steigern
und sie somit
schneller zum
Ablaufen zu bringen, teils um das
Blut nach dem heiß gebadeten Teil hin- und von einem entfernten
kranken
Organ abzuleiten.
¶
mehr
Was die Wirkung der so zahlreichen und so verschiedenartig zusammengesetzten sogen. Mineralbäder anbetrifft, so beruht sie
lediglich auf Erfahrung. Eine Erklärung ist trotz der sorgfältigsten chemischen Analysen nicht zu geben (die sogen. indifferenten
Thermen bestehen aus schlichtem Wasser und besitzen doch eine mächtige, überraschende Heilkraft), eine wissenschaftliche
Bäderlehre existiert noch nicht. Die Solbäder üben einen energischen Reiz auf die Haut aus, befördern
die Blutzirkulation in derselben sowie die Hautausdünstung und wirken dadurch auf den gesamten Ernährungsvorgang kräftig
zurück, indem sie die Eßlust und die Assimilation steigern.
Krankhafte Ausschwitzungen, Drüsenschwellungen, Verhärtungen der Organe, chronische Hautausschläge und Geschwüre werden dadurch
zur Heilung gebracht. Namentlich bei allen skrofulösen Affektionen werden die Solbäder mit augenfälligem
Erfolg angewendet (s. auch unten bei medizinische Bäder). Ähnlich verhält es sich mit den kohlensäurereichen
Bädern, welche auf die Haut und das Nervensystem lebhaft erregend wirken, weshalb sie bei den verschiedensten Schwäche- und
Erschöpfungszuständen angewendet werden. An mehreren Badeorten mit an Kohlensäure reichen Quellen hat
man besondere Kohlensäuregasbäder eingerichtet.
Sie werden meist örtlich angewendet und bestehen darin, daß der kranke Teil von einer Gasatmosphäre umgeben wird. IhreWirkung ist eine sehr intensive. Sie kommen namentlich bei Lähmungs- und Schwächezuständen zur Anwendung. Auch den sogen.
Schwefelbädern schreibt man gewöhnlich eine von ihrem Gehalt an Schwefelwasserstoffgas und andern Schwefelverbindungen
abhängige Wirkung zu, indessen lehrt eine vorurteilslose Analyse der Thatsachen, daß sie nicht anders wirken als einfache
warme Wasserbäder; denn die geringe Menge von Schwefelwasserstoffgas, welche die Haut im B. aufnimmt, ruft keine irgend erheblichen
Veränderungen im Organismus hervor. Zu den Mineralbädern rechnet man ferner die sogen.
Moor- oder Schlammbäder.
Man unterscheidet: Schwefelmineralschlamm-, Kohlenmineralschlamm-, Eisenmineralschlamm-, Kochsalzmineralschlamm- und erdige
Mineralschlammbäder. Der Schlamm wird in Wannen gebracht und daselbst erwärmt, worauf sich die Kranken in denselben einsenken
wie in die Wasserbäder, oder man bestreicht mit dem Schlamm leidende Teile, läßt ihn darauf trocknen und
wäscht ihn nach einiger Zeit ab. Für die Beförderung der Resorption alter Gelenkentzündungen, eiteriger und andrer Exsudate
leisten sie vorzügliche Dienste,
[* 9] ebenso bei Lähmungen, alten und schweren Fällen von Rheumatismus, ohne daß das Zustandekommen
der Wirkung durch die chemischen oder mechanischen Eigenschaften des Moorbreies im mindesten erklärbar wären.
Eine sehr mächtige, erregende und bei rheumatischen Leiden
[* 13] günstige Wirkung besitzen die warmen oder
heißen Dampfbäder. Die Badenden sitzen dabei in einem Raum, in welchen heiße Dämpfe einströmen, ein Bademeister peitscht
mittels Birkenruten die Haut (russisches Bad), worauf dann lauwarme Übergießungen folgen und der Badende in den auf 45-50°
R. erhitzten Schwitzraum geführt wird. Hier bricht in der trocknen Hitze der Schweiß aus allen Poren (römisch-irisches
Bad), nach 10-20 Minuten folgen lauwarme bis kalte Douchen und endlich 30-60 Minuten langes Liegen in wollener Decke.
[* 14] Ebenfalls
schweißtreibend wirkt das warme Sandbad. Der Körper oder einzelne Glieder werden mit künstlich oder von der Sonne
[* 15] erwärmtem feinen, trocknen Sand eingehüllt, dessen Temperatur zwischen 30 und 40° R. beträgt. - Über die Einrichtung der
verschiedenen Badeanstalten s. unten.
von Bädern verbunden. Mit warmen Bädern wurde der willkommene Gast begrüßt, und sogar Königstöchter verschmähten es nicht,
denselben darin zu bedienen. Vorzüglich geschätzt wurden Bäder von den Lakedämoniern, und einige wollen daher den Namen
des bei den Römern so vielbenutzten Schwitzbades (laconicum, sc. balneum) von den Lakedämoniern ableiten. Heriodikos, welcher
kurz vor dem Peloponnesischen Krieg lebte, soll Bäder zuerst in Verbindung mit kunstmäßigen Friktionen zur Erhaltung, Stärkung
und Wiederherstellung der Gesundheit empfohlen haben.
Bei Hippokrates, seinem Schüler, finden sich die ersten umständlichen, unter wissenschaftlichem Gesichtspunkt geordneten Notizen
über Nutzen und Nachteil der Bäder, welche als die Grundlage der spätern Balneotherapie zu betrachten
sind. Der Gebrauch der warmen Bäder wurde später noch allgemeiner und häufiger, als die Griechen bei ihren Gymnasien und
Palästren öffentliche Anstalten zum Baden errichteten. Die Badehäuser der Römer
[* 18] waren palastartige, weitläufige Gebäude,
in denen jeder einzelne Akt beim Baden seinen besondern Raum hatte.
Vergleichen wir die Überreste alter Bäder untereinander, und halten wir sie zugleich mit dem zusammen,
was Vitruv, Plinius, Palladius und andre Autoren darüber berichten, so erkennen wir folgende Teile eines römischen Bades überall
wieder. In der Mitte des länglich-viereckigen Badegebäudes, im Kellergeschoß, lag das Heizungszimmer (hypocaustum), aus
welchem sich Röhren
[* 19] (caliductus) durch die Zimmer zur Lufterwärmung verbreiteten; über dem Hypokauston
war ein Raum mit drei übereinander stehenden Kesseln (ahena); aus dem obersten (frigidarium) floß kaltes Wasser in den mittlern
(tepidarium) und, hier lau geworden, in den untersten (caldarium), um heiß zu werden.
Aus jedem Kessel führten in die Badezimmer der beiden für die Männer und Frauen bestimmten Abteilungen
des Gebäudes mit Hähnen versehene Röhren; der oberste Kessel erhielt sein Wasser aus einem gefüllten Behältnis, das gewöhnlich
durch einen besonders dazu angelegten Aquädukt
gespeist wurde. Neben und über dem Heizungszimmer waren die Badezimmer, das
rund gebaute trockne Schwitzbad, mit diesem verbunden das warme Bad (caldarium), ferner die concamerata
sudatio, wo man sich den Schweiß abtrocknete und den Körper reinigte, und das laue Bad (tepidarium). In jedem Zimmer befand
sich ein steinernes oder metallenes Becken, um dasselbe ein Geländer, und zwischen diesem und den Wänden war der freie Raum
(schola), wo die, welche noch zu baden gedachten oder bloß der Unterhaltung wegen das Bad besuchten,
sich aufhielten. Von den römischen Bädern sind noch heutigestags mehrere Überreste vorhanden. Dahin gehören die Trümmer
der Bäder in Rom
[* 20] selbst, namentlich der des Titus, Caracalla (s. Tafel »Baukunst
[* 21] VI«,
[* 22] Fig. 11) und Diokletian, ferner die 1784 in
Badenweiler entdeckten Ruinen, die eines römischen Privatbades zu Caerwent in England
[* 2]
(Fig. 1) etc., vorzüglich
aber die pompejanischen Thermen, die in einem Zustand ausgegraben wurden, der es leicht macht, über die Bestimmung der meisten
Teile mit Sicherheit zu entscheiden (vgl. nebenstehenden Plan,
[* 2]
Fig. 2). Die alten Gallier hatten ihre geheiligten Wasserquellen,
in welche sie ihre Kranken legten, und in welchen sie sich zu gewissen Zeiten regelmäßig zu baden pflegten.
[* 2] Eine größere Bedeutung haben in der neuesten Zeit die Volksbrausebäder erlangt, welche
den unbemittelten Volksklassen die Wohlthat gesundheitsfördernder Reinigungsbäder gewähren sollen. Während das in England
seit etwa 40, in Deutschland seit ungefähr 35 Jahren in Aufnahme gekommene öffentliche Badewesen die Brausebäder früher
nur in Verbindung mit andern Bäderarten, Wannen-, Schwimm- und sonstigen Bädern, kannte, haben sich dieselben als
selbständige und ausschließliche Form für Volksbadeanstalten erst neuerdings, insbesondere seit der 1883 in Berlin
[* 27] veranstalteten
Hygieneausstellung, Eingang verschafft und sind seitdem mehr und mehr in Zunahme begriffen.
Die Bedingung, ein warmes Reinigungsbad für einen dem Einkommen der ärmern Bevölkerungsklassen entsprechenden Preis liefern
zu können, wird durch das Brausebad erfüllt. Für 10 Pf. läßt sich zur Zeit ein Brausebad von 20 Lit.
und 25-28° C., Lieferung von Handtuch und Seife eingeschlossen, verabfolgen. Die technische Einrichtung des Bades ist selbstverständlich
so einfach und raumsparend wie möglich. Zellen von etwa 1,5 m Länge und 1,10 m Breite
[* 28] werden mit einer festen Brause für
warmes Wasser u. einer Schlauchbrause für kaltes (bei Frauenbädern auch für warmes) Wasser versehen.
Die festen Brausen haben eine schräge Stellung, um alle Körperteile dem Strahle bequem aussetzen zu können, ohne gezwungen
zu sein, Kopf und Haupthaar zu benetzen. Wände und Decken werden in Ölfarbe gestrichen oder mit Fliesen
[* 29] bekleidet,
der Fußboden erhält einen Estrich oder Fliesenbelag mit entsprechendem Gefälle und wird unter der Brause mit einem Lattengitter
bedeckt. Ein einfacher Ecksitz, darüber ein Kleiderrechen und kleiner Spiegel
[* 30] sowie ein in der Nähe der Brause befestigter
Seifenapf vervollständigen die
Ausstattung der Zellen.
Diese Einfachheit, besonders aber das Fehlen jeden Badegefäßes und somit der Gelegenheit zur Ablagerung
von Unreinlichkeiten und Ansteckungsträgern machen die Brausebäder namentlich vom hygienischen Standpunkt aus zu einer
überaus geeigneten Form für Volksbäder. Durch Zusammenlegung einer größern Zahl von Zellen wird die Badeanstalt
[* 31] gebildet,
zu deren Vervollständigung dann noch eine Wäscherei, eine bei kleinen Anlagen wohl gleich mit Trockenvorkehrungen
verbundene Heizeinrichtung, Kasse und Warteraum, Aborte und Gerätegelasse gehören.
Eine zweckmäßige Plananordnung mit Männer- und Frauenabteilung (die letztere etwas kleiner, weil die Frauen diese Badeanstalten
erfahrungsmäßig weniger benutzen) gibt die Abbildung
[* 26]
(Fig. 1 u.
2). Einfacher noch war die Anlage, mit welcher D. Grove und Lassar in Berlin auf der Hygieneausstellung
daselbst 1883 das Volksbrausebad einführten. Sie bestand aus je fünf in ein kleines rechteckiges Wellblechgebäude eingebauten
Zellen für Männer und Frauen. Die Zellen lagen Rücken an Rücken, mündeten auf je einen Flurgang und wurden auf der einen Schmalseite
des Häuschens durch den Heiz- und Trockenraum und die Kasse, auf der andern durch den Waschmaschinenraum
und je einen Abort begrenzt.
Während der Ausstellungszeit vom 10. Mai bis 30. Juli haben dort 5730 Männer und 1570 Frauen, im ganzen 7300 Personen, zum Preise
von je 10 Pf. gebadet. Wesentlich billiger noch stellt sich das Bad für den Einzelnen bei Anstalten,
wo mehrere Personen gleichzeitig in einem größern, mit zahlreichen Brausen ausgestatteten Raume baden können, wie z. B.
in Kasernen, Arbeiter-Barackenlagern, Fabriken, Bergwerken etc. Wie anderorts, so ist das Volksbrausebad neuerdings besonders
in Berlin und Wien
[* 32] in Aufnahme gekommen. In erstgenannter Stadt hat sich seine Pflege namentlich der seit 1872 bestehende Berliner
[* 33] Verein für Volksbäder angelegen sein lassen. Er hat mit Unterstützung der Stadtgemeinde 1888 zwei Badeanstalten eröffnet,
in
[* 26]
^[Abb.: Fig. 1. Längenschnitt einer Badeanstalt (Brausebäder).
denen im ersten Betriebsjahr zusammen 175,998 Bäder verabfolgt worden sind, zum Teil allerdings auch Wannenbäder, die der
Verein noch nicht ganz aufgeben will, weil sich die Bevölkerung
[* 36] nur langsam an das Brausebad gewöhnt. Die größte Frequenz
im Jahre zeigte der Ostersonnabend mit zusammen 2400 Bädern. Von den Badenden waren durchschnittlich
¾ Männer, ¼ Frauen. Das finanzielle Ergebnis ist nicht ungünstig gewesen und hat die Stadtverwaltung veranlaßt, nunmehr
auch selbständig mit der Errichtung von Volksbrausebädern, deren zunächst zwei in Aussicht genommen sind, vorzugehen. In
Wien wurde die erste öffentliche Brausebadeanstalt 1887 eröffnet. Eine zweite folgte bald, und es ist jetzt, da
die Ergebnisse ermutigen, beschlossen worden, in der Leopoldvorstadt zwei und in jedem andern Stadtbezirk vorläufig je eine
Anstalt zu errichten, so daß bis 1894 alle Bezirke mit Bädern versehen sein werden. Über Badeanstalten im allgemeinen vgl.
Osthoff, Die Bäder und Badeanstalten der Neuzeit (Leipz. 1887,4 Hefte).
Der Wiedergeburt, wird die heilige Taufe genannt. Sie heißt ein Bad, weil wir darin mit Wasser,
welche mit GOttes Wort und Christi Blut vereinigt ist, besprengt und sowohl von Erb- als wirklichen Sünden abgewaschen, so
daß uns dieselben nicht zur Verdammniß zugerechnet werden;
A.G. 2, 38.
Eph. 5, 26. 27. der Wiedergeburt aber, weil wir
darin aufs Neue geboren werden zu Kindern GOttes,
Joh. 3, 5. S. Taufe.
Durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich, durch
JEsum Christum, unsern Heiland,
Tit. 3, 5. 6.
[* 2] (Balnĕum), im engern Sinne die Eintauchung des Körpers oder einzelner Teile desselben in eine
tropfbare Flüssigkeit; im weitern Sinne auch das Eintauchen in Dämpfe sowie in festere Stoffe (Moor, Sand u. s. w.); auch bezeichnet
man die Anwendung strömender oder fallender Flüssigkeiten auf den Körper als Bad (Douche). Ebenso heißen danach
Ort und Anstalten mit den zum Baden nötigen Stoffen und Vorrichtungen kurz Bad.
In kulturgeschichtlicher Beziehung betrachtet, hat das Baden jederzeit auf das allgemeine gesellschaftliche Dasein einen besondern
Einfluß geübt. Bei den Völkern des Orients war es eng mit dem Kultus verknüpft, indem man durch die körperliche Reinigung
auch eine sittliche Reinheit andeuten wollte. Die alten Juden waren durch religiöse Vorschriften verpflichtet
zu baden, und sie betrachteten die Reinigungsbäder nach gewissen körperlichen Funktionen, Berührungen und Krankheiten als
wichtige rituelle Handlungen.
Bei den Griechen werden schon zur Zeit Homers den ankommenden Freunden und Gästen warme Bad bereitet. Der Grieche lagerte sich
nicht zum Mahl, bevor er sich nicht gebadet, und sein Hausbad befand sich im Innern des Hauses. Auch mit
religiösen Handlungen stand bei den Griechen das in Verbindung, so mit den Vorbereitungen zum Opfern, zum Empfange der Orakelsprüche,
zur Hochzeit u. s. w. Auch benutzten schon die Griechen die heißen Quellen oder Thermen als Heilbäder.
Die Männer badeten in Griechenland
[* 38] gemeinschaftlich; daß es auch für die Frauen öffentliche Bad gab, ist wahrscheinlich.
Bei denRömern kamen die warmen Bad (thermae) erst später in Aufnahme, wurden aber dann außerordentlich beliebt, obschon zuletzt
der allgemeine Luxus den eigentlichen Zweck des Bad mehr und mehr in den Hintergrund drängte,
so daß die öffentlichen Bad wesentlich als allgemeine Vergnügungsorte betrachtet wurden. Die meisten derselben
wurden zur Zeit vor und unter den Kaisern Nero, Vespasian, Titus, Trajan, Caracalla, Diocletian u. s. w. erbaut. In Rom allein
gab es deren über 800. Ihrer Einrichtung (s. unten) nach ähnelten sie dem heutigen türk.
und russ. Bade.
Durch eine leichte Bewegung zum Bad vorbereitet, ging man zuerst in das Auskleidezimmer, dann in das Wärmzimmer, wo man sich
mit Öl salbte, und dies ward auch während des Bad wiederholt. Demnächst wurde der Körper mit Striegeln (strigilis) behandelt,
worauf man sich in das Wärmzimmer begab, um entweder nur zu schwitzen, oder auch das heiße Wasserbad
zu gebrauchen. War dieses vorüber, so ließ man sich mit kaltem Wasser übergießen und ging dann sogleich in das kalte
Bad, um durch dieses die erschlaffte Haut wieder zu stärken, worauf der Körper nochmals mit Öl gesalbt wurde.
Die öffentlichen Bad für Frauen waren von gleicher Einrichtung und wurden fleißig auch von
den vornehmsten Frauen besucht. Übrigens badeten diese wie die Männer gemeinschaftlich. Der Unsitte, daß Männer und Frauen
zusammen badeten, wird auch von den alten Schriftstellern gedacht, wie denn überhaupt in späterer Zeit die Bad Orte
der
Schwelgerei jeder Art wurden. –
Confeld, Das altröm. und seine Bedeutung für die Heilkunde (Darmst. 1863);
Guhl und Koner, Das Leben der Griechen
und Römer (5. Aufl., Berl. 1882).
Die Völker des Islams haben das Bad vollständig in ihre Sitten und Gebräuche aufgenommen. Der Islam schreibt
seinen Bekennern sorgfältige Beobachtung der körperlichen Reinlichkeit und zu diesem Zwecke wiederholte tägliche Waschungen
vor. Gewisse Umstände und Zeiten veranlassen noch außerdem vorschriftsmäßig sowohl Männer wie Frauen zum Gebrauch des
Bad. Die Araber brachten die Vorliebe für reich ausgestattete Bad mit nach Spanien. Die christl. Spanier verurteilten
aber diese ihnen fremde Sitte und zerstörten nach Vertreibung der Araber die maurischen Bad. Die Einrichtung der Bad ist bei
den Völkern des Orients, bei den Persern, Türken, in Syrien, Ägypten
[* 39] u. s. w. fast eine gleiche.
Der Badende entkleidet sich, wickelt sich in wollene Decken, zieht, um sich gegen die Hitze des Fußbodens
zu schützen, hölzerne Pantoffeln an und begiebt sich in das Badezimmer. Hier dringt bald ein allgemeiner Schweiß durch
die Haut, der mit kaltem Wasser abgewaschen wird. Hierauf wird der Körper mit wollenen Tüchern gerieben und mit einer der
Haut zuträglichen Seife oder Salbe bestrichen. Gewöhnlich wird damit noch die Operation des Knetens (Massierens)
verbunden, die der Badewärter an dem Badenden vollzieht.
Darauf reibt er mit einem Tuche von grober Wolle den ganzen Körper, reibt mit Bimsstein die harte Haut auf den Füßen ab, salbt
den Badenden mit Seife und Wohlgerüchen, und endigt damit, daß er ihm den Bart und die Haare
[* 40] abschert.
Nach dem Bad, welches etwa dreiviertel Stunde dauert, ruht man in einem kühlern Zimmer auf einem Lager
[* 41] aus. – Freunde von
Bad jeder Art, von Dampf-, See- und warmen Bad sind die Japaner, bei denen beide Geschlechter jeden Alters in öffentlichen Badeanstalten
zusammen baden.
In Deutschland, Frankreich und England waren öffentliche Badeanstalten lange Zeit unbekannt. Erst als während der Kreuzzüge
die Abendländer mit den Sitten der Morgenländer bekannt wurden, entstanden in Deutschland öffentliche Badestuben. Diese wurden
bald beliebt, so daß es herkömmlich wurde, am Vorabend hoher Kirchenfeste, vor derHochzeit, dem Ritterschlage und andern
Feierlichkeiten ein Bad zu nehmen; Handwerksgesellen wurden jeden Sonnabend von einem Badejungenchor durch Beckenmusik zum
Bad eingeladen.
Die Fürsten machten die Badestuben zu einträglichen Regalien und verliehen den Städten das Recht, städtische Badestuben
einzurichten, die verpachtet oder in Erblehn gegeben wurden. In ihnen fand man Schwitzbäder, in denen der Körper
des Badenden durch Badediener kunstgemäß mit Badequasten, Seife u. s. w. gereinigt wurde.
Nach und nach bildete sich die Zunft und das Gewerbe der Bader (s. d.) und Barbiere (s. d.) aus. Der deutsche Bürger und selbst
die Bauern legten sich auch in ihren eigenen Häusern ein «Badestüblein»
an, das gewissermaßen den Salon des Hauses bildete; hier badete und trank man mit guten Freunden. Im 12. Jahrh.
kamen in Deutschland auch Dampfbäder auf. Noch mehr aber hob sich der allgemeine Badegebrauch im Mittelalter bei dem Umsichgreifen
des Aussatzes. Mildthätige Personen stifteten zu jener Zeit für Arme Freibäder, sog. Seelenbäder. Allein
¶
mehr
die größere Ausbreitung des Aussatzes und der Syphilis mit der vermehrten Gefahr der Ansteckung, der mehr und mehr ins Volk
übergehende Gebrauch der leinenen Leibwäsche und Veränderungen in den Sitten und Gewohnheiten, besonders auch die vielfach
mit ihnen verknüpfte Liederlichkeit verursachten, daß sich der Besuch der öffentlichen Badestuben allmählich verminderte.
Ärzte, Geistliche und Regierungen traten schon im Anfang des 17. Jahrh. gegen dieselben
auf, und das Volk entwöhnte sich der Sitte des häufigen Badens.
Dagegen kam dann der Besuch der Wildbäder und der Mineralwässer als Vergnügungsorte, die sog.
Badefahrten, in Deutschland in Aufnahme. In Frankreich fand das Baden in öffentlichen Anstalten sowie in
Heilquellen oder Thermen schon mit der Herrschaft der Römer Eingang, und blieb daselbst mehr oder weniger heimisch. Karl d. Gr.
brachte seinerzeit besonders die warmen in Aachen in Aufnahme. Später war Baden im Aargau
einer der berühmtesten Badeorte. Im Mittelalter
wurden Dampfbäder (étuves, lat. stufa) von der Zunft der Bader (estuveurs) gehalten.
Der HumanistJohannFranz Poggio Bracciolini aus Florenz
[* 43] (1380‒1459) stellt in einem Briefe die geselligen Freuden Badens weit
über jene der antiken Bad von Puteoli. Das Leben in den Bad war im Mittelalter und in den nächsten Zeiten darauf ein freies,
unbefangenes und zum Teil lockeres. Beide Geschlechter besuchten einander in den Bad, man trank, sang und
musizierte darin und tanzte nachher. Nachdem in Deutschland, und zum großen Teil auch anderwärts, das Baden als Volksgebrauch
fast ganz aufgehört, kamen zu Anfang des 18. Jahrh. von England aus kalte und Seebäder wiederum
in Aufnahme.
Reisende Ärzte machten auf die dortigen Badeanstalten aufmerksam, und so erstanden namentlich infolge
der Ermahnung der ÄrzteHalm, Marcard, Ferro, Hufeland u. s. w. in den civilisierten Ländern Europas wiederum zahlreiche Badeanstalten.
Doch erst im 19. Jahrh. begann das Badewesen durch Einführung öffentlicher Badeanstalten
wieder einen wirklichen Aufschwung zu nehmen. Ebenso war es erst dem 19. Jahrh.
vorbehalten, Wert und Bedeutung der Mineralbäder für die Heilkunde in wissenschaftlichem Sinne zu bearbeiten (s. Mineralwässer
und Balneographie). –
In hygieinischer Beziehung sind die Bad von der größten Bedeutung. Man hat sie hinsichtlich ihres Zwecks
in Reinigungs- und Heilbäder eingeteilt. Sie zerfallen in allgemeine oder ganze Bad (Vollbäder), bei denen der ganze Körper
in die Flüssigkeit eintaucht, und in partielle oder örtliche Bad (Sitz-, Fuß-, Arm-, Handbäder u. dgl.). Ihre Wirkungen auf
den menschlichen Körper hängen ab von den Bestandteilen des und deren Menge, der Dauer und Gebrauchsweise,
vorzugsweise aber von dem Grade der Wärme oder Kälte.
Die Wasserbäder reinigen die Haut von Schmutz und Hauttalg, fördern durch Aufweichen die Abstoßung der obersten Hautschichten
und hierdurch die Verjüngung der Haut selbst. Ferner kommt der Effekt der verminderten Ausdünstung und der
Verschiedenheit des Drucks von außen zur Geltung, da das Wasser 700mal dichter ist als das Medium der Luft. Die Frage, ob
im Wasserbade eine Aufsaugung und Aufnahme des Wassers sowie der im Wasser gelösten Bestandteile in den Körper stattfindet,
ist noch immer als eine offene
zu betrachten; die Absorption kann gewiß nur eine geringe sein, da man
beobachtet hat, daß nach dem Bad nicht eine Vermehrung, sondern eine Verminderung des Körpergewichts eintritt, sei es durch
Abgabe von Stoffen durch die Haut, sei es durch Vermehrung der Lungenthätigkeit. Man unterscheidet hinsichtlich der Temperatur
das kalte Bad bis 15° R., das kühle Bad 16 bis 22° R., das lauwarme Bad 23 bis
27° R., das warme Bad 27 bis 30° R. und das heiße Bad von 30° R. und darüber.
Das kalte Bad vermindert je nach der Heftigkeit und Plötzlichkeit der Abkühlung die Blutwärme, vermehrt die Kohlensäureausscheidung,
verlangsamt den Puls- und Herzschlag sowie die Atmung, während die Reizbarkeit der Haut zwar anfangs erhöht,
dann aber vermindert und nach beendetem Bad wiederum gehoben wird; die Haut verliert ihren Blutreichtum, indem sich die kleinen
Blutgefäße zusammenziehen, die innern Organe mehr mit Blut füllen. Bald nach dem kalten Bad tritt wieder erhöhte Körpertemperatur,
verstärkter Blutstrom nach der Haut, im Nerven- und Muskelsystem das Gefühl der Erfrischung, der Elasticität
und der Kraft
[* 44] ein; mit der erhöhten Wärmeproduktion ist eine allgemeine Reaktion und eine nicht geringe Anregung des Stoffwechsels
verbunden.
Bei öfterer Wiederholung ist das kalte Bad das vorzüglichste Mittel, durch welches die Haut geübt werden kann,
Temperaturwechsel zu ertragen. Deshalb wird es vorzugsweise solchen Personen angeraten, welche an einer Neigung zu Erkältungskrankheiten,
zu Rheumatismen und Katarrhen leiden. Da sich nach jedem kalten Bad der Umsatz der Stoffe neu belebt, so benutzt man das wiederholte
kalte auch dazu, die Ernährung des Körpers zu verbessern, fehlerhafte Blutmischungen und sogar krankhafte
Veränderungen einzelner Organe zu beseitigen.
Nachteilig wirkt das kalte Bad bei großer Blutarmut, hochgradiger Nervosität, Herzkrankheiten und Schwächezuständen der verschiedensten
Art. Am häufigsten benutzt man die kalten in Form der Flußbäder und der Bad im Schwimmbassin, die stets von kurzer Dauer,
d. h. höchstens 5, 10 bis 15 Minuten, und mit Schwimmbewegungen verbunden
sein sollen; vorher lasse man den Körper abtrocknen und abkühlen, nach dem Bad reibe man den Körper trocken, kleide
sich rasch an und mache sich alsbald Bewegung; die beste Zeit für Flußbäder ist etwas vor dem Frühstück oder vor Sonnenuntergang.
Kurze Zeit nach dem Essen,
[* 45] insbesondere nach einer reichlichen Mahlzeit, zu baden vermeide man, bade aber
auch nicht des Morgens, ohne etwas gegessen zu haben. Die Seebäder (s. d.) wirken
ebenfalls als kalte Bad, doch kommt bei ihnen auch Wellenschlag und Salzgehalt des Wassers zur Wirkung. Zur Herabsetzung
der übermäßig erhöhten Körpertemperatur wendet man kalte und kühle Bad bei schweren fieberhaften
Krankheiten mit außerordentlich günstigem Erfolg an; durch die energische Anwendung kalter Bad ist namentlich
die Mortalitätsziffer der typhösen Fieber beträchtlich herabgesetzt worden. (S. Kaltwasserkur.)
Bei den lauwarmen Bad ist jene Reizung der Empfindungsnerven der Haut nicht wahrzunehmen, die Reinigung der Haut geht durch sie
unter schnellerer Beseitigung der Oberhauttrümmer, welche die Hautfunktion hemmen, besser von statten; der gelindere Reiz
erweckt in den Muskeln
[* 46] eine angenehme Empfindung, und nach ihrem Gebrauche schwindet das Gefühl der Ermüdung. Man wendet
die
¶
mehr
lauwarmen an zur Beruhigung und Beseitigung schmerzhafter Nervenleiden; sie bekommen schwächlichen, zarten und in hohem
Grade zu Erkältungen geneigten Personen am besten. Warme Wasserbäder haben vorzüglich die Erweichung der Haut zur Beförderung
der Ausdünstung und Abschälung zum Zwecke und finden deshalb ihre Anwendung bei Krankheiten, wo durch diese Wirkung
eine Heilung erzielt werden soll, besonders bei Hautkrankheiten.
[* 48] Sie steigern aber auch die organischen Funktionen und den
Stoffwechsel, ohne daß ein heftiger Reiz eine starke Reaktion verlangt; und indem sie den Wärmeverlust vermindern,
stimmen sie die normale ausgleichende Reaktion herab, sie wirken somit beruhigend, weshalb man sich ihrer bei krampfhaften
Affektionen und bei erhöhter Nervenreizbarkeit mit Vorteil bedient; doch beschleunigen sie auch schließlich den Blutkreislauf
[* 49] in der Haut und in den der Wärme zugänglichen Teilen und fördern durch Erweiterung der Gefäße die Aufsaugung krankhafter
Stoffe im Körper. Hierauf beruht ihre wohlthätige Wirkung bei Rheumatismus und Gicht. Die warmen Bad dürfen
jedoch nicht zu oft angewendet werden, weil die Haut sonst zu sehr erschlafft und für äußere Einwirkungen zu empfänglich
gemacht wird, weshalb auch unmittelbar nach dem jedesmaligen Gebrauche die Haut vorsichtig vor Kälte zu schützen ist, wenn
man nicht vorzieht, die Haut durch eine kalte Übergießung am Schlüsse des Bad zu kräftigen.
Ähnliche Wirkungen wie die warmen Bad, nur in erhöhtem Grade, besitzt das allgemeine Wasserdampfbad, von welchem nicht nur
die ganze äußere Oberfläche des Körpers, sondern auch die innere Auskleidung der Respirationsorgane berührt wird. Dasselbe
fördert die Abschälung der Haut und die Abschleimung der Schleimhäute sowie die Schweißabsonderung sehr
bedeutend und ist eins der wichtigsten Zerteilungs- und Heilungsmittel bei gichtischen und rheumatischen Übeln, Nervenschmerzen,
alten Katarrhen u. s. w. (S. Dampfbad.) Man hat nicht bloß Dampfbäder in eigens dazu hergerichteten
Badestuben, sondern man erfand auch tragbare Apparate (unter anderm: Ricklis «Bettdampfbad», Triest
[* 50] 1861), bei welchen man aus
einer mit Wasser gefüllten kupfernen Blase, die durch Weingeist erhitzt wird, den Dampf
[* 51] erzeugt.
Die einfachsten Vorrichtungen derart sind die sogenannten engl. Spiritusdampfbäder, bei welchen die mit einer wollenen Decke
umhüllte Person auf einem Stuhle über einer Spirituslampe sitzt. Ferner hat man Dampf nicht bloß von Wasser, sondern auch
von verschiedenen Stoffen, z. B. von Schwefel, Terpentin, Fichten- und Kiefernadelextrakt, angewendet. (S.
hierüber unten die Rauchbäder.) Ähnlich wirkt das in heißer trockn er Luft, bei dem der reichlich ausgeschiedene Schweiß
die obern Hautschichten aufweicht, der Körper eine große Menge von Flüssigkeit durch die Haut ausscheidet, dem Blute viel
Wasser entzogen und manche krankhafte Ablagerung im Körper durch Aufsaugung beseitigt wird.
Daher wird auch das heiße Luftbad zur Kur bei Gicht, Rheumatismus und allgemeinen Blutkrankheiten empfohlen. Hierzu benutzt
man vor allem das Irisch-Römische Bad (s. d.), doch auch die natürlichen Höhlen mit heißer Luft, z. B. die Grotte von Monsummano
(s. d.). In neuerer Zeit hat man begonnen, komprimierte Luft zu Heilzwecken anzuwenden. Der Kranke weilt
hierbei längere Zeit in einem sog. pneumatischen Kabinett,
in einem Raume, in welchem die Luft durch Maschinen einem langsam
steigenden, später (bei 300 mm) gleichbleibenden Druck ausgesetzt wird. Für diese sog. pneumatischen hat man besondere
transportable Apparate konstruiert (s. Komprimierte Luft).
[* 52] Schließlich werden von manchen die sog. elektrischen
Bad gegen Neurasthenie und andere Nervenleiden empfohlen. (S. Elektrotherapie.)
Hinsichtlich der örtlichen oder Teilbäder gilt im allgemeinen die Regel, daß heißes Wasser das Blut nach dem von ihm umgebenen
Teile zieht, kaltes hingegen es von dem bezüglichen Teile verdrängt. Daher wendet man heiße Fuß- und
Handbäder an, um den Blutandrang vom Gehirn
[* 53] und von den Lungen nach den Extremitäten hinzuleiten. Kalte Sturz-, Tropf-, Regen-
und Staubbäder werden angewendet, um das Blut aus gewissen Teilen (besonders aus dem Kopfe, z. B. bei manchen Geisteskrankheiten)
zu vertreiben und die erweiterten Gefäßchen wieder zusammenzuziehen, sind daher Zerteilungsmittel bei
Entzündungen.
Die Dauer aller dieser Bad ist gewöhnlich keine lange; sie werden meist nur 10 Minuten bis eine
halbe Stunde, höchstens eine ganze Stunde lang angewendet, während man ehedem viel länger in den Bad zu verweilen gewohnt
war. In neuerer Zeit hat man indes vielfach mit Vorteil permanente Warmwasserbäder angewendet, bei welchen der Kranke tage-,
ja wochenlang im Wannenbade zubringen muß zur Linderung der Schmerzen, Verminderung des Fiebers und Förderung
des Heilungsprozesses. Dieselben sind insbesondere bei ausgebreiteten Verbrennungen und manchen hartnäckigen Hautkrankheiten
nützlich. Auch örtlich, d.h. nur für einzelne Körperteile, wendet man solche permanente Bad insbesondere bei eingewachsenen
Nägeln, Fußgeschwüren, nach Operationen u. s. w. an.
Die medizinischen Bad, denen man mineralische oder vegetabilische Stoffe beigemischt hat, standen früher
bei den Ärzten in größerm Ansehen als jetzt, wo die physiol. Schule ihre Kraft und Wirkungsweise
genauer geprüft und auf ein richtigeres Maß zurückgeführt hat. Die Haut ist für das Eindringen fremder Körper allerdings
nur in sehr beschränktem Grade zugänglich. Zwar noch bis vor kurzem hielt man dieses Organ für dasjenige,
durch welches man Arzneimittel in größerer Menge dem Körper bequem einzuverleiben im stände sei, indem es zur Aufnahme
dieser Stoffe eine verhältnismäßig große Oberfläche darbietet. Allein die jüngsten Untersuchungen haben gelehrt, daß
eine Absorption salziger, im B. aufgelöster Stoffe, wenn sie stattfindet, nur gering sein kann; viele
Ärzte sind jetzt sogar der Meinung, daß die Wirkung salzhaltiger Bad sich besser auf mechan.
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