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Geschichte
Eine Fundgrube für die Burgenforschung
"Die Beschäftigung mit der Burgenforschung im 19. Jahrhundert bietet fast ebenso häufig Entdeckungen wie die mit den Burgen selbst. Denn die Sicht der neueren Forschung auf das 19. Jahrhundert ist lange Zeit durch Vorurteile und Unkenntnis geprägt gewesen, was zu einer weitgehenden Missachtung der Forschung dieses Jahrhunderts geführt hat." Mit diesen einleitenden Worten bringt G. Ulrich Großmann den Sinn, oder besser: die Notwendigkeit für das Erscheinen des vorliegenden Buches treffend auf den Punkt.
Der Band beginnt mit einem einleitenden Aufsatz von G. Ulrich Großmann über "Die "Burgensammlung" des Germanischen Nationalmuseums - Zur Burgenforschung im 19. Jahrhundert", in welchem dieser das Leben und die Arbeiten von Karl August von Cohausen und Botho Graf zu Stolberg-Wernigerode darstellt, und so die Zeichnungen, welche den Hauptteil des Buches bilden, in ihren zeitlichen und wissenschaftlichen Kontext einordnet.
Den Hauptteil des Buches stellen die einzelnen Kapitel zu insgesamt 63 Burgen dar. In diesen Kapiteln wird jeweils eine kurze Beschreibung der Burganlage und ein Überblick über ihre Geschichte auf der Grundlage der Forschungsliteratur geboten, welche selbst jeweils in einem kleinen Literaturverzeichnis angeführt ist. Sodann werden die abgebildeten Zeichnungen beschrieben und kritisch kommentiert. Ferner werden die weiteren im Germanischen Nationalmuseum vorhandenen, hier nicht abgebildeten Zeichnungen des Bestands angeführt.
Die Texte sind sehr gut verständlich, und solide unter Einbeziehung aktueller und teilweise auch entlegen publizierter Literatur verfasst. Gerade die kritische Kommentierung der Zeichnungen belegt das, was bereits in den einleitenden Worten Großmanns zum Ausdruck kam: Die Notwendigkeit, die Zeichnungen einer konsequenten Quellenkritik zu unterziehen, aber insbesondere auch ihren Wert als Quelle für die Burgenforschung, halten sie doch oft Zustände fest, die aufgrund von Verfall und Zerstörung, aber auch aufgrund von Restaurierung und Wiederaufbau heute oftmals nicht mehr nachvollziehbar sind. Die Zeichnungen sind in ansprechender Größe und hervorragender Druckqualität wiedergegeben, so dass sie auch für weitere Forschungen nutzbar sind.
Abgerundet wird das Buch durch ein "Verzeichnis der Burgen-, Turnier- und Kostümbücher aus dem Besitz von Botho Graf zu Stolberg-Wernigerode".
Unter methodischen Gesichtspunkten fühlt man sich geradezu gezwungen, die Frage aufzuwerfen, weshalb denn nun gerade diese 63 Burgen ausgewählt wurden, und nicht etwa andere Objekte, was in der Vorbemerkung (S. 19) lediglich mit dem Hinweis beantwortet wird, dass es sich um eine Auswahl "besonders interessanter Burgen und Schlösser bzw. Zeichnungen" aus den beiden Nachlässen handelt. Andererseits führt eine ehrliche Betrachtung zu der Erkenntnis, dass bei einem derart umfangreichen Sammlungsbestand (allein der Nachlass Stolberg-Wernigerode umfasst weit mehr als 1.000 Zeichnungen von Burgen) eine objektive Auswahl wohl kaum möglich macht, und diese eine umfangreiche und intensive Bearbeitung der Bestände voraussetzen würde. Insofern mag der Leser die vorgelegten Zeichnungen tatsächlich als Zwischenergebnisse der Beschäftigung mit der "Burgensammlung" des Germanischen Nationalmuseums betrachten, sowie als Anregung und Herausforderung für weitere Forschungsarbeiten.
Letztlich kann man den Herausgebern nur zu diesem hervorragend gemachten Buch gratulieren, das noch dazu zu einem fairen Preis erhältlich ist. Der Forschung mag der Band ein mahnender Hinweis sein, das 19. Jahrhundert und seine Arbeiten stärker als bisher zu berücksichtigen, aber auch ein erster Vorgeschmack auf das, was an Erkenntnissen und Material aus den Beständen der "Burgensammlung" des Germanischen Nationalmuseums in Zukunft noch zu erwarten ist.