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FIFA WM-Ball: Design Evolution 1970- 2014
Im heutigen Startspiel der Fussball-WM in Brasilien wird mit dem WM-Ball «Brazuca» in den Farben Blau, Grün, Orange und Rot gespielt. Bis und mit 1966 wurden an Fussball-Weltmeisterschaften nur braune oder rötliche Lederbälle verwendet. Erst an der WM 1970 in Mexico wurde der erste schwarz-weisse Fussball mit dem Namen «Telstar» von Adidas eingesetzt. Die letzten 44 Jahre WM-Ball Designentwicklung kann in drei Phasen aufgeteilt werden: 1970 bis 1974, 1978 bis 1998 und 2002 bis heute.
Der «Telstar»-Ball, offizieller WM-Ball 1970 und 1974, mit dem markanten Schwarz-Weiss-Design, gehört zur ersten Generation von Fussbällen, bei denen der Gestaltungsleitsatz «form follows function» überzeugend umgesetzt wurde. Die monochrome Gestaltung des Balls wurde gewählt, damit der Ball gut am Fernsehen zu sehen war, da die meisten TV-Zuschauer nur Schwarz-Weiss-Geräte hatten. Der Ball bestand aus 20 weissen Sechs- und 12 schwarzen Fünfecken und wurde mit seinem Aussehen zum Inbegriff des Fussballs. Einzig die braune Beschriftung erinnerte noch an das Material Leder, woraus er immer noch bestand. Das Design der «Telstar»-Bälle und die dazupassenden schwarzen Leder-Fussballschuhe mit den drei weissen Streifen hat der Marke Adidas zum weltweiten Durchbruch verholfen, als innovativen Sportartikelhersteller wahrgenommen zu werden, der es verstand, Sportartikel als Lifestyle-Produkte in grossen Massen zu verkaufen.
Die zweite Phase der Adidas Fussball-WM-Ball-Entwicklung wurde mit dem «Tango» eingeläutet, der für die WM’78 in Argentinien entworfen wurde. Der «Tango» bestand ebenfalls wie auch der «Telstar» aus einer Wabenstruktur, die sich aus 12 Pentagons und 20 Hexagons aus Leder zusammensetzte. Neu waren die 20 aufgedruckten, gleichgrossen Kreise, die den Ball markant runder erscheinen liessen. Jedes der zwölf weissen Fünfecke ist umgeben von fünf sechseckigen Lederpolygonen, bedruckt mit drei schwarzen Kreisbogen in konvexer Form, welche den fünften Teil eines Kreises abbilden. Fussball-Kugel-Geometrie in Perfektion.
Die aktuelle Phase der Ball-Designentwicklung begann mit dem Ball «Fevernova» für die WM 2002 in Korea/Japan. Der Ball bestand immer noch aus 20 Sechs- und 12 Fünfecken, was dem traditionellen Aufbau eines Fußballs entsprach. Die 32 Polygone, alle in Weiss, wurden mit drei gleichen, halborganischen Grafiken in den Farben Rot, Grün und Gold bedruckt, welche mit der Struktur der Polygone nichts mehr gemeinsam hatte… Kein Meilenstein. Leider ging es bezüglich Design im gleichen Stil weiter, mit dem «Teamgeist» für die WM 2006 in Deutschland und dem «Jabulani» für die WM 2010 in Südafrika. Neu war bei den FIFA WM-Bällen ab 2006, dass sie nicht mehr aus der klassischen, 32-teiligen polygonalen Struktur bestanden, sondern aus organisch geformten, dreidimensionalen Panels. Der «Teamgeist» bestand aus 14 Panels, der «Jabulani» wurde aus acht Panels gefertigt. Die Form der Panels und das Design bilden eine Einheit, ohne jedoch gestalterisch die Klarheit eines «Telstar» oder «Tango»-Balls zu erreichen. Das gleiche gilt auch für den aktuellen WM-Ball «Brazuca», der aus sechs identischen Panels besteht.
Die neue Ballgeometrie in Form von Panels macht den Ball technologisch gesehen immer besser. Nur konnte das sichtbare Design mit der technischen Entwicklung bis heute nicht ganz mithalten. Ich freue mich auf den WM-Ball 2018, der hoffentlich an die glanzvollen Zeiten von «Telstar» und «Tango» anknüpfen kann, vieleicht heisst der Ball ja Matrjoschka…
Tipps:
- SRF: Brazuca» und seine Vorgänger: Die WM-Bälle seit 1930
- ArchitekturCumulus: Göttlich Teilung… Post vom 22. Juni 2010