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Das Wasser liegt ruhig im Becken, kräuselt sachte in der kühlen Herbstbrise. Der graue Himmel, durchzogen von einzelnen, weißen Wolken, spiegelt sich kalt an der Oberfläche. Wo sich im Sommer das aufgewärmte Volk abzukühlen versucht, sitzt an diesem Morgen eine Entenfamilie am Rand.
Die Erwachsenen, ruhig dasitzend, eingehüllt in das Winterfederkleid, sechs Küken am Spielen. Im chlorfreien Wasser unter der Wasserrutsche übt die Jungschar sich spielerisch im Untertauchen, Verstecken. Im Formationsflug nähern sich weitere Mitglieder der Vögel, landen gekonnt im Fünfundzwanzigmeter-Becken, schütteln sich, und gesellen sich schnatternd zum Rest der Familie. Mit ihren roten Schnäbeln putzen sie sich gegenseitig Reste aus dem Federkleid. Hoch oben kreist krächzend eine Schar Raben. Die Enten scheinen kein Problem zu sein. Vielmehr scheinen sie mit den Elstern, welche das Nest im nun durchsichtigen Geäst der riesengroßen, alten Ulme gebaut haben, einen Konflikt auszutragen. Immer wieder wird das schwarzweissgefiederte Elternpaar angegriffen.
Sean beobachtet das Geschehen, schon seid Tagen, aus dem Küchenfenster. Früh am Morgen, bewaffnet mit Weinflasche und Glas, beruhigt das naturbelassene Geschehen sein Gemüt. Die zusätzliche Wirkung des Alkohols ist natürlich nichtvon der Hand zu weisen. Kurze Momente von Glück. Es ist im warm um die Herzgegend.
Trrrrriiiittt!
Die Türklingel, welche er mit Karton eingepackt hat, vibriert sachte. Sean zögert, macht sich dann aber dennoch auf, Richtung Haustüre.
«Guten Morgen, ein Einschreiben für Herrn Froidevaux.»
Die Postbotin schaut dem schon leicht angesäuselten Türöffner in die verschwommenen Augen.
«Kann ich einen Ausweis sehen, bitte?»
Sean torkelt ins Büro, durchwühlt das Durcheinander, erinnert sich an die Brieftasche, eilt mit dem Dokument zurück und nimmt den eingeschriebenen Brief der Gemeinde entgegen. Gewohnheit, normales Durcheinander, an das er mittlerweile gewöhnt hat. Das amtliche Dokument wandert in den großen Haufen. Wo noch vor fünf Minuten die Natur das Gemüt erhellt hat, fällt er binnen Sekunden in ein schwarzes, tiefes Loch.
Hoch und Tiefs wechseln im Minutentakt. Alltag. Die Sonne lacht milde am trüben Herbsthimmel. Dunkle Wolken nähern sich, geschoben von Nordwinden, decken die wenige Wärme und Helligkeit endgültig ab, beschleunigen Seans schlechte Gemütsverfassung.
Die Entenfamilie hat sich anscheinend auch einen gemütlicheren Platz gesucht. Unzähliges, farblos verwelktes Laub sammelt sich im dunkel kräuselnden Wasser, legt sich wie ein Teppich über das ganze Freibad. Der zu Anfang so farbige Herbst verblasst, kündet den bevorstehenden Winter an.