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Diese Kanne ist nicht gross, hat aber eine starke Ausstrahlung. Man spürt die Dimension des Berges. Das von der Zeit geformte Gestein steht souverän an seinem Platz. Göttin? Weiblichkeit? Wo ist denn das zu sehen?
Liu Rong erzählte in ihrer Notiz zur Kanne Shixi Hu (Ein Loblied auf den Stein), dass sie vom Gedicht Shan Gui – Das Liebeslied einer Berg-Göttin - inspiriert wurde.
Die Kanne erinnert mich an Rigi, den Berg der Göttin Regina, an die sprudelnde heilende Quelle inmitten der Rigi. Und woher kommt diese Göttin von Qu Yuans 屈原 (BC 343-278) Gedicht vor fast 3000 Jahren und was hat sie gesungen in diesem Gesicht?
Auch eine Göttin kann von Liebeskummer geplagt sein. Sie besang ihre Sehnsucht nach ihrem Liebhaber. Sie kleidete sich sorgfältig, schmückte sich mit frischen, duftenden Blumen. „Ich pflücke rare Reishi Pilze, glaube an deren Wirkung der Verjüngung. Nur damit ich mit meiner Ausstrahlung Dich erfreuen kann! Aber ich sehe nur die prächtigen schweigenden Felsen und Steine. Nur die Kletterpflanzen zeigen ein wenig Lebendigkeit.“ Sie sah ihn nicht. Er vermisst sie bestimmt! Hat er keine Zeit? Aber sie wartete auf ihn, aufrecht. Sie duftet nach den Kräutern des Berges, und trinkt nur das reine Wasser aus dem Bach. Sie wollte an ihn glauben, hatte aber auch Zweifel. Auf einmal donnerte und regnete es. Die Tiere suchten ein Versteck. Sie verstand, dass das Warten die Antwort war und sie keine Antwort auf das Warten hatte. Sie verabschiedete sich von ihrem Gefühl, während das Gewitter seine Spuren hinterliess. Sie kannte den Grund des Wartens nicht, war sich aber sicher über ihre eigene Aufrichtigkeit und treue Liebe.
《九歌・山鬼篇》原文
若有人兮山之阿。被薜荔兮帶女蘿。
既含睇兮又宜笑。子慕予兮善窈窕。
乘赤豹兮從文狸。辛夷車兮結桂旗。
被石蘭兮帶杜衡。折芬馨兮遺所思。
余處幽篁兮終不見天。路險難兮獨後來。
表獨立兮山之上。雲容容兮而在下。
杳冥冥兮羌晝晦。東風飄兮神靈雨。
留靈脩兮憺忘歸。歲既晏兮孰華予。
採三秀兮于山間。石磊磊兮葛蔓蔓。
怨公子兮悵忘歸。君思我兮不得閒。
山中人兮芳杜若。飲石泉兮蔭松柏。
君思我兮然疑作。
雷填填兮雨冥冥。猿啾啾兮狖夜鳴。
風颯颯兮木蕭蕭。思公子兮徒離憂。
Der Maler Li Gonglin aus Song Dynastie hat es gewagt, das Gedicht zu visualisieren. So entstand das Bild von der liebenden Göttin.
Bildquelle:
Fus Berg-Göttin Shangui aus dem Jahr 1946 steht hingegen aufrecht, anstatt reitend auf einem Tiger. Ihr Gesicht ist fein, schön, aber distanziert, während die Göttin in der alten Malerei nach hinten anstatt nach vorne schaut und ihr Gesicht nicht in den Vordergrund gerückt wird. Ihr Kleidung schwingt in der Luft, das symbolisiert ihre Leichtigkeit des Seins und das Nicht-Irdische. Der Wind weht, doch ihr Körper steht solide wie ein Fels. Ihr Augen sind wach und richten sich in die Ferne, wo ihr Liebhaber kommen wird. Auch wenn ihre Sehnsucht deutlich zu sehen ist, ist ihr Körper anders ausgerichtet, als ob sie uns erzählen würde – ja, ich vermisse und zweifle, UND ich bewege mich nicht. Ich bin meine Herrin. Ihre Gefolgschaft ist im Hintergrund zu beobachten. Der Wind und die Wolken sind durch die Tusche lebendig und gewinnen an geheimnisvollen Effekt. Ihre Göttlichkeit offenbart sich durch ihre Standhaftigkeit.
1954 malte Künstler Fu noch einmal die Berg-Göttin Shangui. Diesmal steht sie allein auf dem Felsen vor einer Kiefer. Der Hintergrund ist mit Tusche gemalt, als ob alles zwischen Wolken und Wasser fliesst. Das Gesicht der Götting ist entspannter und ruhiger, der Körper so stark wie ein Fels in der Brandung. Das dramatische Liebesereignis ist in diesem Bild zu einem neuen Portrait von einer starken Frau geworden, die in sich ruht, ihrer Liebe treu, die gelassen zu all dem schaut, was das Universum bringt.
Liu Rong nahm diese starke, moderne Frau als Vorbild und entwarf die Form für diese Kanne. Frauen sollen nicht geplagt sein von ihrem Äusserlichen. Sie pflegen das innere Herz, leben ihre Weiblichkeit in der Haltung. Liebe ist, zu sich selbst zu stehen. Liebe ist, sich selbst und anderen die Freiheit zu schenken. Liebe hat keine Form.
Mögen Menschen, die diese Kanne verwenden, die Stärke des Weiblichen auf ihren Teeweg spüren und leben.