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Fritz Rickli zog gleichzeitig mit mir, nämlich um den 1.10.1949 im Schönauring ein. Er war ein paar Jahre älter und zeichnete sich unter den zumeist jüngeren Buben durch seine Luftfahrtbegeisterung aus. So besass er schon als 10-jähriger Bub zahlreiche Plastik-Modellflugzeuge und er war ein begnadeter Modell-Heissluftballon- und Drachenbauer. Siehe dazu unter Drachenfliegen, unter Karbidkanonen und unter Modell-Heissluftballone! Was er schon als Junge anfasste, war perfekt. Auf der Spielwiese opferte er ab und zu ein Plastikmodell, indem er es mit Schwarzpulver oder mit Spiritus getränkter Watte füllte und dann anzündete.
Mit einem für die Kinder beträchtlichen «Föik» vollführten dann seine kleinen Modelle einen Satz und verschmorten mit viel Rauch und Gestank unter den staunenden Augen der kleinen Buben. Die Flugmodelle waren nicht teuer. Sie waren nichts anderes als ursprünglich mit Pfeffermünzkügelchen gefüllte Behälter und für wenig Geld an den Kiosken zu haben. Besonders der Boeing B-17-Bomber in durchsichtiger, gelber Ausführung liess er mehrmals in Flammen aufgehen. Er machte auch Versuche mit in Spiritus getränkter Watte und mit 1. August-Schwärmern. Mehr dazu siehe unter Fritz Ricklis Plastikflugmodelle.
Später hat Fritz dann geheiratet und eine Tochter bekommen. Er wohnte anfänglich im Schönauring 62 bei seinen Eltern und als Erwachsener dann im Hochhaus an der Köschenrütistrasse der Baugenossenschaft Schönau. Von Beruf war er Lastwagenfahrer. Leider verstarb seine Frau früh und seine Tochter zog nach Genf. Danach zog er um an die Leimgrübelstrasse. Da er zuckerkrank wurde und deshalb Probleme mit dem Fuss bekam, konnte er etwas früher in Pension gehen. Seinen letzten Lebensabschnitt verbrachte er mit dem Bau weiterer Modellflugzeuge, verlegte sich jedoch auf Revell- und ähnliche Modelle.
Er sammelte Flugzeugmaterial in grossen Mengen und war in der Lage, jedes Modell ganz perfekt zu bemalen. Sie waren derart sorgfältig zusammengebaut, dass man mit ihnen Filmaufnahmen hätte machen können. An der Decke seines Wohnzimmers und in Vitrinen hingen und standen weit über 100 Modelle. Und nochmals so viele lagen in seinen Schränken und warteten auf den Zusammenbau. Es sollte nicht mehr soweit kommen. Seine Krankheit holte ihn immer mehr ein und gegen Ende 2004 erlag er nach kürzerem Spitalaufenthalt seiner Krankheit.
Bei meinem zweitletzten Besuch baute er gerade an einer Caravelle von Heller. Obwohl die Heller-Baukästen bekannt dafür waren, dass man viele Teile noch abgraten und manchmal auch noch etwas zuschleifen musste, sah sein Modell nach dem Verleimen aus wie aus einem Guss. Er wollte die Caravelle in der Swissair-Ausführung bemalen, doch im Baukasten waren nur Abziehbilder der Air France vorhanden. Glücklicherweise hatte ich in meinem eigenen Vorrat von Abziehbildern für Modelleisenbahn-Personenwagen in Spur N noch einige, die er durch Zuschneiden weiter verwenden konnte. Bei meinem letzten Besuch hing die Swissair-Caravelle bereits an der Decke, perfekt bemalt.
Dieser Besuch fand im Herbst 2004 statt und ich erstellte noch eine Liste der Hersteller aller seiner Modelllbaukästen. Sie stammten von 33 verschiedenen Firmen:
Nur ganz wenige Menschen nahmen seine Leidenschaft wahr. Er war ein Perfektionist für sich selber und suchte nicht die Öffentlichkeit. Daher erscheint dieser Eintrag in der OGS Seebach. Genau genommen war er ein Kunsthandwerker. Alle die ihn kannten, aber nichts weiter über ihn wussten, bekommen damit die Gelegenheit, dies noch nachzuholen. Alle anderen, insbesondere jene vom Schönauring, wussten schon immer Bescheid. Seebach hat mit Fritz Rickli einen stillen Menschen verloren, welcher seine Begabungen nicht an die grosse Glocke hängte, einer, welcher es schon als heranwachsender Junge verstand, die Jüngeren zu faszinieren und sie anzuleiten, es selber zu versuchen. Für die Kinder war er damals ein Vorbild in vielerlei Hinsicht.