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Nach jahrelangem Stillstand nehmen die Pläne zur Verbesserung des Englisch-Sprachniveaus in Lateinamerika allmählich Fahrt auf.
Zwölf der 19 lateinamerikanischen Länder im EF EPI dieses Jahres haben das Englisch-Sprachniveau der Erwachsenen im Vergleich zum letzten Jahr verbessert, sechs davon erheblich. Der nach Bevölkerung gewichtete regionale Durchschnitt hat zwar nur leicht zugenommen, aber dies liegt am negativen Trend in Mexiko. Insgesamt ist die Entwicklung ermutigend.
In den letzten zwei Jahrzehnten haben Länder in Lateinamerika gewaltige Fortschritte dabei erzielt, allen Kindern Zugang zu Bildung zu verschaffen. Jetzt sind die Englischkenntnisse ins Blickfeld geraten. Die Wirtschaft in Lateinamerika verlangt immer nachdrücklicher nach mehr Personen mit Englischkenntnissen. Die Mehrzahl der Länder der Region haben darauf mit Bildungsreformen reagiert, durch die besser und breiter angelegter Englischunterricht gefördert werden soll. Es ist noch zu früh, die Auswirkungen dieser Reformen nur an den Englischkenntnissen von Erwachsenen abzulesen, aber nationale Tests unter Schülern haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Erfolgreiche Modelle können als Vorbild für Länder in der Region mit weniger erfolgreichen Programmen dienen.
Das Englisch-Sprachniveau in Costa Rica hat sich im zweiten Jahr in Folge verbessert. Englisch ist dort seit Jahrzehnten Pflichtfach, aber im Gegensatz zu vielen Ländern der Region hat Costa Rica auch stark in die Ausbildung und Anwerbung von Lehrern investiert. Heute wird Englisch in jeder weiterführenden Schule und in 87% der Grundschulen unterrichtet und fast jeder Englischlehrer besitzt einen Hochschulabschluss. 2015 haben Tests ergeben, dass Englischlehrer in Costa Rica bei der Sprachbeherrschung das höchste Niveau in der ganzen Region aufweisen.
Uruguay hat 2015 einen ehrgeizigen Plan zur Steigerung des Englisch-Sprachniveaus in Gang gesetzt und in Technologie investiert, durch die Englisch-Fernunterricht an Schulen möglich wird, die keinen eigenen qualifizierten Englischlehrer besitzen. In allen städtischen öffentlichen Schulen wird nun entweder lokal oder per Fernunterricht Englisch gelehrt. Das Online-Kursangebot wurde auch auf Lehrer ausgedehnt, um sie zur Weiterbildung anzuregen. Die Ergebnisse sind bisher positiv: Fast 80% der Schüler schließen die Grundschule mit einem Niveau von A2 oder besser ab, 2014 waren es nur 56 %.
Bolivien ist zwar eines der ärmsten Länder Lateinamerikas, konnte im letzten Jahrzehnt den Bevölkerungsanteil in extremer Armut jedoch halbieren und den Zugang zu Schulen im ländlichen Raum drastisch verbessern. Dementsprechend hat sich der Alphabetisierungsanteil erhöht. Unseren Daten zufolge nimmt auch das Englisch-Sprachniveau zu.
Englischkenntnisse: Mittel
EF EPI-Punktzahl: 530.00
Englischkenntnisse: Gering
EF EPI-Punktzahl: 494.00
Englischkenntnisse: Mittel
EF EPI-Punktzahl: 504.00
Die Region Lateinamerika leidet unter Gewalt. 42 der 50 "tödlichsten Städte" der Welt befinden sich dort, gemessen an den Mordraten. 15 dieser Städte liegen in Mexiko, wo das Englisch-Sprachniveau seit 2017 abgenommen hat. Es besteht zwar kein direkter Zusammenhang zwischen diesem Ergebnis und der herrschenden Gewalt, beides sind jedoch Anzeichen für die Schwäche der öffentlichen Verwaltung.
Die für das hohe Gewaltniveau berüchtigten Länder El Salvador, Nicaragua und Honduras haben bei Sicherheit und Polizei enorme Fortschritte gemacht. Die Mordraten in El Salvador sind seit 2015 und in Honduras seit 2011 um die Hälfte gefallen. In allen drei Ländern hat sich seit 2017 das Englisch-Sprachniveau erheblich verbessert. Diese Länder sind noch keineswegs sicher und es muss erneut betont werden, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Gewaltniveau und Englischkenntnissen gibt. Es ist jedoch offensichtlich, dass eine Gesellschaft gedeiht, wenn die Menschen frei und ohne Angst arbeiten und lernen können.
In den meisten lateinamerikanischen Ländern ist Englisch zwar gesetzliches Pflichtfach, der Zugang zum Englischunterricht ist jedoch weiterhin ungleich verteilt. In manchen Gegenden in Mexiko bieten weniger als 10% der Schulen Englischunterricht an, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind. In Ecuador lag dieser Wert 2014 unter 7%. Der Unterschied beim Zugang zu Englischunterricht ist besonders zwischen ländlichen und städtischen Bereichen erheblich, ebenso zwischen privaten und öffentlichen Schulen. In manchen Ländern ist die Nachfrage nach Englischkenntnissen in der Arbeitswelt so hoch und das schulische Angebot so schlecht, dass viele Berufstätige selbst in Englischunterricht investieren. 2015 wurde bei einer Studie in Brasilien festgestellt, dass 87% der befragten Erwachsenen nach ihrem Schulabschluss noch Geld in Englischkurse investierten.