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Was ist Gender?
Mit dem englischen Wort "Gender" wird seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts das soziale Geschlecht von Individuen bezeichnet, im Unterschied zum biologischen Geschlecht, dem "Sex". Geschlecht im Sinne von Gender ist also kein biologisches Phänomen, sondern ein Produkt von sozialen Interaktionen und symbolischen Ordnungen. Mit der begrifflichen Differenzierung zwischen den 'natürlichen', biologischen Unterschieden und den sozial und kulturell konstruierten Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern ist ein analytisches Konzept geschaffen worden, das die Erforschung jener Prozesse erlaubt, welche die Individuen zu Männern und Frauen machen und welche gesellschaftliche, kulturelle, politische und ökonomische Ordnungen geschlechtsspezifisch strukturieren und Hierarchien zwischen den Geschlechtern produzieren.
In den neunziger Jahren ist vermehrt Kritik an der Differenzierung zwischen Sex und Gender laut geworden. Auch die angeblich natürlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden theoretisch als kulturelles Produkt gefasst. Mannsein und Frausein ist nach Judith Butler eine "kulturelle Perfomanz". Gender in diesem Sinn ist also viel mehr als eine Eigenschaft. Es ist etwas, was wir tun. Darüber hinaus ist es Teil einer Logik, die Machtverhältnisse schafft, gemäss derer unsere Gesellschaften funktionieren.
Gender ist in der Geschlechterforschung eine Analysekategorie, die sowohl die Konstruktionsprozesse von Geschlecht als auch die Bedeutung von Geschlecht als soziale Strukturkategorie sichtbar macht. In der jüngeren Theoriediskussion wird unter dem Stichwort "Intersektionalität" erneut das Zusammenwirken von Geschlecht mit anderen Differenzkategorien wie Klasse/soziale Herkunft, Ethnizität/Rasse, sexuelle Orientierung, Alter, Behinderung zum Thema gemacht.