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Alle Bilder Marcel Krebs für SÄMI REIST (c)
Und plötzlich weißt du:
Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen,
und dem Zauber des Anfangs zu
vertrauen. - Meister Eckhart
Bijeljina, im Oktober 2016 - Es ist mitten in der Nacht, als wir die Zollbrücke über die Save passieren und das autonome Brčko, dem Eingang ganz im Westen von Bosnien Herzegowina erreichen. Die Zöllner sitzen in einem uralten Zollhäuschen und strecken die Hände heraus. Der Empfang ist distanziert, so in etwa, was wollen die hier? Brčko ist seit dem Dayton Abkommen ein eigener District, der später in eine der beiden Provinzen der Republika Srpska und der Föderation von Bosnien und Herzegowina einverleibt werden sollte. Heute ist das Schnee von Gestern. Nach wie vor herrschen Spannungen zwischen Srpska und Bosnien Herzegonwina. (Dayton Abkommen) So verwundert es nicht, wenn bei einem Gespräch der Tischnachbar sagt, so wie mit Euch würde ich nicht mal mit meinen Verwandten über hier reden. Der fast fünfjährige Krieg hat das Land noch ärmer gemacht. Langsam, sehr langsam gedeiht doch hier und dort was Neues. Wir fahren hier im hintersten Ecken von Bosnien Herzegowina ein. Hier oben begann der Krieg 1992.
"Bijeljina, das war der Test für den Krieg", sagt Jusuf Trbić, ein ehemaliger Journalist, der heute als einziger Abgeordneter für die größte bosniakische Partei SDA im Regionalparlament sitzt, vor zwei Jahren dem Oesterreichischen Kurier. Heute leben noch knapp 10% der früheren Bevölkerung hier. Alle anderen sind neu hier zugezogen, die alten weggezogen. Viele der früheren Bewohner haben ihre Häuser mit Bewohnern aus Serbien oder anderswo getauscht. Das Zusammenleben funktioniert aber gut hier in Beijlijna. Stärkste Partei ist die SDS des früheren Parteichefs Karadžić. Das grösste Problem in Bosnien Herzegowina ist, das in den Schulen kein Geschichtsunterricht stattfindet und nachwievor von allen beteiligten Seiten die Kinder höchstens erfahren, dass ihr Vater ein Terrorist war. Vieles hier ist immer noch verworren, vieles wird verschwiegen, vieles ist noch nicht aufgeklärt. Wenn verwunderts, wenn in den aktuellen Reisehinweisen vom EDA noch folgendes steht:
Liest man auf der EDA Seite die Reisehinweise für Bosnien und Herzegowina fallen einem gleich drei wesentliche Dinge auf, die gleichzeitig auch ein gewisses Unbehagen in der eigenen stolzen Schweizerbrust hervorrufen:
. die sozialen Probleme und die hohe Arbeitslosigkeit.
. politische, religiöse und ethnisch motivierte Spannungen kommen noch vor. (Verzichten Sie auf politische Meinungsäusserungen, meiden Sie Kundgebungen jeder Art und lassen Sie bei Fussballspielen im Umfeld der Stadien Vorsicht walten, denn Ausschreitungen können vorkommen. Informieren Sie sich laufend in die lokalen Medien.)
. die unzähligen Minen und Blindgänger, die noch nicht weggeräumt sind. (Minen in Bosnien Herzegowina) Die schweren Unwetter haben das Problem im Mai 2014 noch verschärft.
Wieder mehr Spannungen in Bosnien Herzegowina
Die Spannungen in Bosnien Herzegowina zwischen Serben und Muslimen sind seit September wieder grösser geworden. Das Verfassungsgericht des Landes hatte anfangs Jahr angeordnet, dass der nur von Serben begangene Nationalfeiertag am 9. Januar, geändert werden müsse. Über die Hälfte der Bevölkerung sind Serben, doch wohnen auch viele Muslime hier. Bereits hat man wieder Angst, dass die Serben sich wieder ihrem Mutterland Serbien anschliessen könnten. Die Serbischen Bosnier haben dann das Referendum ausgerufen. Der internationale Bosnienbeauftragte Valentin Inzko, konnte dagegen nichts tun, ihm wareb durch die Russen die das Serben Referendum unterstützten, die Hände gebunden. Er der sonst auch Spitzenpolitiker absetzen konnte (Dayton Abkommen) war gegen dieses Referendumg machtlos. Das Ausland tobte, allend vorand die EU und die USA, das stört die Serben dennoch nicht. Mit 99,8% haben sie sich an der ausgerufenen Abstimmung für den 9. Januar als Nationalfeiertag von Bosnien Herzegowina ausgesprochen.
Trotz all diesen Spannungen rund um Bijeljina sind die Menschen hier freundlich und hilfsbereit. Obwohl die Zeit in diesem Land stillgestanden zu sein scheint, ist das Land trotzdem faszinierend. Man könnte meinen, man sei im Garten Eden. Kaum aus der Stadt, findet man sich in der Einsamkeit wieder. Reden tun die Menschen aber hier öffentlich trotzdem nur über Gott und die Welt, nicht aber mit Fremden über die Politik. Der Beitritt zur EU ist mit den verschiedenen Spannungen die jetzt wieder unter der Bevölkerung herrschen wieder in weite Ferne gerückt. Eines der grossen Probleme dabei ist die Korruption. Im freien Gelände sind viele Landflächen immer noch nicht beseitigten Minenfeldern belegt, die aus dem Krieg (1992-1995) stammen.
Die meisten Menschen in Bosnien leben auf dem Land und betreiben Selbstversorgung. Ein kleines einfaches Häuschen mit einem kleinen Hof und Land drum herum. Hier laufen Hühner und Schweine frei herum. Rings ums Haus werden Gemüsekulturen betrieben.
Geteerte Strassen gibt es nur auf der Landstrasse, alles links und rechts dieser mehr oder weniger anständigen Strassen sind Naturstrassen.
Menschen wie du und ich
Die Herzlichkeit, wie die Bevölkerung mit uns Fremden umgeht, ist unglaublich. Obwohl die Bevölkerung nicht viel zum Leben hat und darum in Selbstversorgung leben, sind es ganz einfach wundervolle Menschen. Ein ganz einfaches Häuschen und ein kleiner Hof mit Schweinen und Hühnern. Verkauft wird die Ware direkt an der Strasse oder auf dem Markt in der Stadt, der täglich seine Tore geöffnet hat.
Als Mitteleuropäer muss man sich schon an einiges gewöhnen. Geschlachtet wird bw. das Schwein vor dem Haus und dann an der Teppichstange aufgehängt um es zu halbieren und weiter zu verarbeiten. Da stehen Hund und Katze in einer Reihe und warten auf die Leckerbissen. Als ich am Morgen nach dem Aufwachen die Rollläden unseres Zimmers hochzog, musste ich doch schon schlucken. Ich stand sicher mit weit aufgerissenem Mund da. Auf dem Nachbarhof gegenüber sah ich diesem Prozedere fassungslos zu.
Das beste Steak und eine grosse Portion Pommes mit frischem Gemüse.
Das Essen in BIH ist günstig. In verschiedenen Restaurants habe ich in den paar Tagen fantastisch gegessen. Seit Jahren habe ich kein so zartes und auch so grosses Steak serviert bekommen. Das Problem ist, dass wir uns als Schweizer hier auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel (Bosnien (serbokroatisch Bosna/Босна) ist der nördliche Landesteil des Staates Bosnien und Herzegowina und umfasst etwa zwei Drittel des Staatsgebiets) überhaupt nicht an solche Riesenportionen gewöhnt sind. Für umgerechnet 7-8 SF kann man sich satt essen und erhält dazu noch eine Qualität erster Güte. Sämi hat jedenfalls nach jedem Essen ein grosses Stück Fleisch der köstlichen riesigen Steaks bekommen.
Tourismus in Bosnien Herzegowina
Bosnien und Herzegowina ein erstaunlich schönes Land. Naturlandschaften, Kulturen, Traditionen und eine grosse Gastfreundschaft, das sind Werte, die in diesem geheimnisvollen Land hervorzuheben sind. Bosnien und Herzegowina hat alles für den Abenteurer oder den Sportler, den Urlaubbesessenen und für den Extravaganten. Es gibt Berge zum Skifahren und einen 20km breiten Abschnitt am Meer zum Wasserurlaub. Bosnien und Herzegowina ist eines der letzten unentdeckten Südalpengebiete.
Die unbekannte Radfahrerin. Sport wird in der Freizeit viel betrieben in Bosnien. Der technik Stand der Fahrräder erinnert aber an die Anfänge der Mountainbike Bewegung.
Typisches Dorf im heutigen Bosnien Herzegowina.
Starkstrom, Haushaltstrom und Internetverbindung in einem. Die Internetverbindung ist aber ebenso gut wie bei uns.
Typische Hauptstrasse mit Dorf.
Bijelijna
Der Markt in Bijeljina. Täglich frisches Gemüse, Obst und Fleisch.
Wo gibt es das noch? Ein tolles Restaurant mit Tischmusik?
Ein Vergnügunspark für gross und klein.
Nationalhymne von Bosnien Herzegowina
von Music: Dušan Šestić