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Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; sie meinen nämlich, sie werden ihrer vielen Worte wegen erhört. Tut es ihnen nicht gleich! Euer Vater weiss, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. (Matthäusevangelium 6, 7-8)
Seitdem ich diese Verse vor kurzem gelesen habe, beschäftigt mich immer wieder die Frage, was heisst richtig beten? Gibt es überhaupt beim Beten richtig oder falsch? Wenn Menschen nicht nur „Unser Vater“ beten, sondern ein freies Gebet, heisst das, dass sie nur plappern?
Bei meiner Taufe habe ich eine Ikone der Heiligen Anna mit einem Gebet auf der Rückseite geschenkt bekommen. Das Gebet war auf Altkirchenslawisch geschrieben. Ich verstand fast kein Wort. Nichtsdestotrotz, habe ich das Gebet auswendig gelernt. Oft, habe ich das Gebet als Kind gesprochen und habe vor Prüfungen gebetet, um zur Ruhe zu kommen und gute Noten zu schreiben. Meine Gebete wurden häufig erhört. Ob das mit dem Beten zu tun hatte oder ob ich einfach eine Streberin war, wird mir keine Wissenschaft beantworten.
Als junge Erwachsene habe ich meine tiefgläubige Schwiegermutter in Deutschland kennengelernt. Sie hat meistens frei gebetet. Das letze Jahr vor ihrem Tod hat sie viel dafür gebetet, dass ich zum Glauben komme. Ihr freies Gebet hat auch Wirkung gezeigt.
Wenn Menschen frei beten, kann Gott sie erhören, oder handelt er nur, wenn sie eine bestimmte Form des Gebets beten? Eine kleine Erklärung fand ich im Römerbrief (8,26): „In gleicher Weise aber nimmt sich der Geist unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir eigentlich beten sollen; der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit wortlosen Seufzern“.
Ich persönlich finde im Gebet “Unser Vater“ alles, was ich sagen möchte. Was ist mit Ihnen?
Anna Hemme-Unger