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Lesezeit 5′ Minuten // Ein Beitrag von Lisa Dang
Ende 2019 tauchte in der zentralchinesischen Metropole Wuhan eine mysteriöse Lungenkrankheit auf, die sich rapide auf andere Länder ausbreitete und Ende Februar 2020 die Schweiz erreichte. Am 11. März stufte die Weltgesundheitsorganisation das neuartige Coronavirus als weltweite Pandemie ein. Das SNF NFP 78 «Covid-19» Projekt am Institut für Tourismus und Mobilität ergründet wie Schweizer Reisende das Risiko von Infektionskrankheiten wahrnehmen und wie sich dies auf Entscheidungen bezüglich des touristischen Verhaltens auswirkt.
Insbesondere der internationale Tourismus ist ein Grund dafür, dass sich das Virus rasch auf andere Länder ausbreiten konnte. Aus diesem Grund wurde das Reisen weltweit für einen bestimmten Zeitraum eingeschränkt und zahlreiche nicht-pharmazeutische Interventionen (NPIs) eingeführt, die ohne das Vorhandensein eines Impfstoffs die Pandemie grösstmöglich eindämmen sollen. Nach und nach werden diese Massnahmen nun der Situation angepasst, sodass uneingeschränktes Reisen im Jahr 2021 eventuell wieder möglich sein wird.
Im Hinblick auf die Forschungsfrage liefern sozio-psychologische Modelle vielversprechende neue Ansätze in der COVID-19-Forschung im Zusammenhang mit Epidemiologie und Krankheitsprävention. Im Rahmen des Forschungsprojekts wird zunächst die Theorie des geplanten Verhaltens (Theory of Planned Behaviour, TPB) mit dem Health Belief Model (HBM) kombiniert. Nachdem durch eine repräsentative Umfrage der Schweizer Bevölkerung die signifikanten Einflussdimensionen identifiziert werden, sollen in einer zweiten, auf einem experimentellen Design basierenden Erhebung verschiedene Massnahmen und Interventionen erforscht werden. Darauf aufbauend werden Strategien und Richtlinien zur Verhütung von Infektionen im Bereich des Tourismus mit Empfehlungen für wirksame Interventionen erarbeitet, die in «Toolboxen» präsentiert werden. Diese «Toolboxen» werden in den Partnernetzwerken, zu denen unter anderem auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) gehört, verbreitet.
Aktuell haben wir ein Erklärungsmodell entwickelt und fertiggestellt, das sowohl das Health Belief Model (HBM) sowie die Theory of Planned Behavior (TPB) beinhaltet. Das kombinierte Erklärungsmodell erklärt die Absicht, nicht-pharmazeutische Interventionen (NPIs) im Bereich des Tourismus umzusetzen.
Basierend auf der empirischen Evidenz einer groß angelegten Studie für die Schweizer Bevölkerung verknüpfen wir erfolgversprechende Maßnahmen mit sozio-psychologischen Faktoren, welche die Intention zur Nutzung von NPIs erhöhen sollen. Basierend auf “Toolbox-Broschüren” zielt das Projekt darauf ab, Leitlinien für verschiedene Akteure bereitzustellen, um pandemische Infektionskrankheiten auf Reisen (besser) zu kontrollieren.
Zu Beginn des Jahres 2021 führen wir eine repräsentative Querschnittsbefragung der Schweizer Bevölkerung (1. Welle) zur allgemeinen Akzeptanz von NPIs durch. Ende des Jahres 2021 folgt dann eine repräsentative Befragung mit Fokus auf die Akzeptanz spezifischer NPIs (2. Welle).
Als unabhängige Variablen, welche die Akzeptanz von nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPIs) beeinflussen, werden in unserer Studie folgende sozialpsychologische Faktoren getestet:
Unser Pool an NPIs für die 2. Welle besteht aus den folgenden Interventionen:
Wir werden bis zu vier dieser NPIs auswählen, um diese in der 2. Welle zu testen.
Learning 1: Ein Learning ist, dass der Verlauf der Pandemie dazu geführt hat, dass die NPIs einen verpflichtenden Charakter haben (müssen). Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht eine bindende Wirkung der Politik auf die individuelle Akzeptanz von NPIs beim Reisen. Die hohe Akzeptanz von NPIs auf Reisen ist anhand unserer Pretestdaten (n=300) zu beobachten. Dies wirkt den individuellen Entscheidungsprozessen entgegen, da der politische Kontext die Wahlfreiheit überlagert.
Learning 2: Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Absicht, NPIs auf Reisen umzusetzen, aus drei Perspektiven abzufragen:
Diese Dreiteilung der abhängigen Variable «Intention zur Umsetzung von NPIs beim Reisen» werden wir – unter anderem – in unserem zweiten Pretest testen.
Learning 3: Aufgrund der Modellierung sind wir zuversichtlich, dass wir die Effekte der sozialpsychologischen Faktoren auf die Akzeptanz von nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPIs) im Tourismusbereich für die Schweizer Bevölkerung empirisch bestimmen können.
Haben Sie Fragen zum Forschungsprojekt? Kontaktieren Sie unsere Autorin oder schreiben Sie uns gerne einen Kommentar.
Lisa Dang
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tourismus und Mobilität (ITM) der Hochschule Luzern – Wirtschaft