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Donnerstag, 4. Juni 2009
Der Tibeter Sonam Lama aus Rickenbach muss die Schweiz verlassen. Dagegen wehrt er sich. Auch seine Freunde setzen sich für ihn ein: Sie sammelten Unterschriften und überreichten diese gestern dem Migrationsamt Thurgau.
Ein dickes Couvert überreichte der Wiler Stadtparlamentarier Michael Sarbach gestern einem Angestellten des Migrationsamts Thurgau in Frauenfeld. Zahlreiche Unterschriftenbögen mit rund 1000 Unterschriften für eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Tibeters Sonam Lama waren darin enthalten. «Dies ist alles, was wir für ihn tun können», sagt Michael Sarbach. Er hat die Unterschriftensammlung ins Leben gerufen, nachdem er erfuhr, dass sein Freund die Schweiz auf den 30. Juni 2009 verlassen muss. Innert kürzester Zeit hätten sich im Internet über 300 Mitglieder der neugegründeten Facebook-Gruppe «Sonam Lama Appreciation Society» angeschlossen. «Und wir wurden regelrecht mit Unterschriften überschwemmt.»
Die Frau zog aus
Sonam Lama kam Ende 2005 in die Schweiz. Zuvor lebte der nepalesische Staatsangehörige in den Vereinigten Staaten. Dort lernte er eine Schweizerin kennen, die er heiratete und wegen der er in die Schweiz zog. Nun jedoch leben die beiden nicht mehr zusammen. Im Februar ist Sonam Lamas Frau aus der gemeinsamen Wohnung in Rickenbach ausgezogen. Und deshalb hat das Migrationsamt Thurgau auch eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von Sonam Lama abgelehnt. In einem Brief an den Tibeter schreibt das Amt zudem von mangelnder beruflicher und sozialer Integration. Den Entscheid des Migrationsamts kann Michael Sarbach nicht nachvollziehen. Sonam Lama sei mehr ins Gesellschaftsleben integriert, als viele Schweizer. Davon zeugen nicht zuletzt die vielen Unterschriften, sagt Sarbach. Sonam Lama sei offen und kontaktfreudig und habe sich als Sänger der Wiler Band «Cruel Noise» einen Namen gemacht. Regelmässig besuche er Konzerte in der Region. Deshalb hätten sie sich auch kennen gelernt, erzählt Michael Sarbach, der als Präsident des Wiler Kulturvereins Soundsofa mithilft, Konzerte zu veranstalten. Auch beruflich könne man Sonam Lama nichts vorwerfen. Seit Sonam Lama in der Schweiz lebt, arbeitet er bei einem Paketservice-Unternehmen in Wil. «Es geht nicht, dass man Leute ausweist, die sich so aktiv integrieren», betont Sarbach.
«Ich würde alles verlieren»
Auch Sonam Lama wehrt sich gegen den drohenden Ausweis aus der Schweiz. Gegen den Entscheid des Migrationsamts hat der 32-Jährige Rekurs eingelegt. Er habe Angst, die Schweiz zu verlassen, sagt er. «Ich würde alles verlieren.» In die USA könne er nicht zurückkehren, da eine entsprechende Bewilligung fehle. In Nepal kenne er niemanden. Seine Eltern wohnen in Indien. Noch hat Sonam Lama die Hoffnung auf einen positiven Ausgang nicht verloren. Auch die breite Unterstützung aus seinem Umfeld macht ihm Mut. Doch nützen dürfte die Unterschriftenaktion nichts. «Solche Aktionen gibt es immer wieder. Aber es geht hier nicht um einen Mehrheitsentscheid des Volkes. Wir berücksichtigen die Unterschriften deshalb auch nicht», sagt Stefan Felber vom Departement Justiz und Sicherheit. Der Rekurs-Entscheid werde voraussichtlich im Laufe dieses Jahres getroffen. «Falls dieser negativ ausfällt, gehe ich vors Bundesgericht», gibt sich Sonam Lama kämpferisch.
Quelle: Deborah Berweger, ThurgauerZeitung, 4.6.2009