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Die Suchende
Es war einmal eine Frau, die suchte eine
Lösung für ihr Problem, konnte sie aber nicht finden. Sie fahndete immer
heftiger, immer verbissener, immer dringlicher – und fand sie doch nirgends.
Die Lösung ihrerseits war inzwischen schon ganz ausser Atem. Es gelang ihr einfach nicht, die Suchende einzuholen, bei dem Tempo, mit dem sie hin und her raste, ohne auch nur einmal zu verschnaufen oder sich umzudrehen.
Eines Tages brach die Frau mutlos zusammen, setzte sich auf einen Stein, legte den Kopf in die Hände und wollte eine Weile ausruhen.
Die Lösung, die schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, dass die Suchende einmal anhalten würde, stolperte mit voller Wucht über sie. Und die Frau fing auf, was so plötzlich auf sie hereinbrach – und entdeckte erstaunt, dass sie ihre Lösung in den Händen hielt.
(Zen Geschichte)
Stille (Der Spiegel der Seele)
Ein
Mönch hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um in der Abgeschiedenheit
vom lärmenden Leben seine Zeit der Meditation und dem Gebet zu widmen.
Einmal kam ein Wanderer zu seiner Einsiedelei und bat ihn um etwas Wasser. Der Mönch ging mit ihm zur Zisterne, um Wasser zu schöpfen.
Dankbar trank der Fremde und etwas vertrauter geworden, bat er den Mönch, ihm eine Frage stellen zu dürfen: “Sag mir, welchen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille?”
Der Mönch wies mit einer Geste auf das Wasser der Zisterne und sagte: “Schau auf das Wasser! Was siehst du?”
Der Wanderer schaute tief in die Zisterne, dann hob er den Kopf und sagte: “Ich sehe nichts.”
Nach einer kleinen Weile forderte der Mönch ihn abermals auf: “Schau auf das Wasser der Zisterne. Was siehst du jetzt?”
Noch einmal blickte der Fremde auf das Wasser und antwortete: “Jetzt sehe ich mich selber!”
„Damit ist deine Frage beantwortet”, erklärte der Mönch.“ Als du zum ersten Mal in die Zisterne schautest, war das Wasser vom Schöpfen unruhig, und du konntest nichts erkennen.
Jetzt ist das Wasser ruhig – und das ist die Erfahrung der Stille.“