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Interviews, EJPD, 15.02.2009. Liewo, Michael Winkler
"Oft fehlen tragfähige Netzwerke"
Rahmenbedingungen erschweren Frauen den Zugang in die Politik
Können Sie den "Liewo"-Lesern schon einen kurzen Vorgeschmack darüber geben, was Sie im Referat am Businesstag ansprechen werden?
Eine Frau soll die Möglichkeit haben, sich für die Familienarbeit, die Erwerbstätigkeit, die politische Arbeit oder für eine Kombination entscheiden zu können. Für mich ist es deshalb wichtig, dass die nötigen Rahmenbedingungen vorhanden sind, damit Frauen ihren Weg auch tatsächlich wählen können. Ich werde in diesem Zusammenhang auch über meine eigenen Erfahrungen als berufstätige Mutter und Politikerin sprechen.
Was ist "schwieriger": Eine Frauenkarriere in der Privatwirtschaft oder in der Politik?
Frauen werden nach wie vor, ob in der Privatwirtschaft oder in der Politik, aufmerksam beobachtet. In der Politik ist das öffentliche Interesse wohl noch grösser. Die politische Arbeit wird von den Medien begleitet und kommentiert. Das führt dazu, dass es in der Politik schwieriger ist, "in Ruhe" an einem Projekt zu arbeiten, Diskussionen mit den verschiedensten Partnern zu führen und Lösungen zu suchen.
In Liechtenstein werden Frauen tendenziell weniger gewählt bzw. lassen sich weniger Frauen für politische Ämter aufstellen als Männer? Ist dieses Phänomen auch in der Schweiz festzustellen?
Damit mehr Frauen gewählt werden, braucht es auch genügend Kandidatinnen. 2007 bewarben sich z. B. in der Schweiz 35 % Frauen und 65 % Männer um einen Nationalratssitz. Der Anteil der gewählten Frauen betrug 29.5 % und lag 3.5 % über dem Wahlergebnis von 2003. Frauen interessieren sich für politische Fragen. Häufig ist es jedoch schwierig, neben Familien- und Erwerbsarbeit auch noch ein politisches Amt auszuüben. Oft fehlen Frauen auch tragfähige Netzwerke und sie sind daher in der "Öffentlichkeit" weniger bekannt. Das erschwert eine Wahl in ein Amt.
Haben Sie die Landtagswahlen in Liechtenstein verfolgt? Wenn ja: Waren Sie vom Ergebnis überrascht?
Selbstverständlich habe ich die Landtagswahlen mit Interesse verfolgt. Für mich, aus Distanz, war die Ausgangslage offen. Vom Ergebnis bzw. von der Klarheit des Ergebnisses aber war ich überrascht.
Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Liechtenstein und seinen Politikern?
Für mich als Bündnerin sind die Liechtensteiner Nachbarn, die ich schätze. Seit meiner Tätigkeit als Regierungsrätin im Kanton Graubünden pflege ich auch regelmässige Kontakte mit Mitgliedern der Landesregierung Liechtensteins. Als Bundesrätin habe ich in den letzten Monaten intensiv und – wie ich meine – für Liechtenstein und für die Schweiz erfolgreich mit Innenminister Martin Meyer zusammengearbeitet. Er hat sich sehr stark engagiert für eine gute Schengen-Lösung für Liechtenstein und ganz allgemein für ein gutes Sicherheitssystem.
Wie stehen Sie zur Kritik, dass man mit der Verknüpfung der Weiterführung mit der Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Bulgarien und Rumänien die Demokratie "zurechtgebogen" habe?
Die Zusammenlegung der beiden Teilaspekte Weiterführung und Ausdehnung kann man aus politischen Gründen bedauern oder befürworten. Die verfassungsmässigen Regeln wurden jedoch zu jedem Zeitpunkt eingehalten.
Der Druck der EU auf das Bankgeheimnis wächst. Wäre angesichts der Tatsachen eine engere Kooperation der betroffenen Staaten untereinander angebracht?
Es ist jedenfalls wichtig, dass Länder, die in Bezug auf das Bankgeheimnis mit ähnlichen Fragen konfrontiert sind, sich austauschen.
Können Sie voraussagen, wie es mit dem Bankgeheimnis in zehn Jahren aussieht?
Darüber zu philosophieren, wie es mit dem Bankgeheimnis in zehn Jahren aussieht, macht meines Erachtens wenig Sinn. Unsere Aufgabe ist es aufzuzeigen, dass das Bankgeheimnis – entgegen dem immer wieder gehörten Vorwurf – nicht dazu dient, Betrugsfälle zu vertuschen.
nach oben Letzte Änderung 15.02.2009