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In schwarzen Socken, den Zigarrenstummel in der linken Hand, hängt Fidel Castro lässig im Schaukelstuhl auf der Terrasse, die Schuhe, ein Paar Slipper, weit vor ihm auf dem Boden. Drei Meter weiter sitzt seine enge Vertraute Celia Sánchez (1920–1980) ganz in ihre Notizen versunken auf einem Bambussofa. Alltag auf der Isla de Pinos vor der Südwestküste Kubas im Jahr 1965. Aufgenommen hat die Szene der amerikanische Fotojournalist Lee Lockwood (1932–2010), der dem kubanischen Revolutionsführer vor einem halben Jahrhundert näher als kaum ein anderer westlicher Reporter vor und nach ihm kam. Er war dabei, als Castros Kämpfer 1959 in Havanna einzogen, kehrte dann mehrfach auf die Insel zurück und konnte 1965 ein siebentägiges Interview mit dem Máximo líder führen. 1967 publizierte er dazu ein Buch, das nun–mit mehr als 200 bisher unveröffentlichten Fotos–neu auf Deutsch vorliegt.
Mit Castro auf Tour
Unter dem Titel «Castros Kuba» hat der Taschen-Verlag Lockwoods Klassiker «Castro’s Cuba–Cuba’s Fidel» als prächtigen Bildband herausgebracht. Er führt in die Jugendjahre der kubanischen Revolution. Lockwood war damals losgezogen, seinen Landsleuten in den USA mitten im Kalten Krieg ein realistisches Bild von der sozialistischen Karibikinsel zu vermitteln. Der kubanische Regierungschef fasste schnell Vertrauen zum Nordamerikaner, denn dieser durfte ihn auf seinen Touren quer durch die Insel begleiten. Lockwood hat ihn abgelichtet, wie er mit Bauern über die Rente diskutiert und wie ihm eine alte Frau den Bart krault. Auf anderen Bildern sieht man Castro am Steuer einer Motorjacht, beim Pingpong-Spielen oder bei einem dreitägigen Dominomarathon mit Genossen.
Lockwood illustriert den kubanischen Alltag der 1960er-Jahre, und er zeigt die jubelnden Massen nach dem Sieg der Revolutionäre über den Diktator Fulgencio Batista 1959. Er darf aber auch mit politischen Gefangenen sprechen, von denen es damals etwa 20 000 auf Kuba gab. «Ich war der erste Journalist überhaupt, der die Gefängnisse und Rehabilitationszentren besuchen, fotografieren und mit den Gefangenen sprechen durfte», schreibt Lockwood. sda
Lee Lockwood:Castros Kuba. Köln: Taschen Verlag 2016.