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Landschaftszersiedelung
Die Zersiedelung der Landschaft bezeichnet ein ungeregeltes Wachstum von Ortschaften in unbebauten Raum hinein. Die steigenden Bedürfnisse nach Fläche, Nahrung und erneuerbarer Energie stehen miteinander in Konkurrenz um Boden; sie können durch keine Form der Anpassung umgangen werden. Die alarmierende Rate, mit der Land und fruchtbarer Boden in der Schweiz knapper werden, wird immer noch unterbewertet. Die starke räumliche Trennung von Arbeiten, Wohnen und Freizeit fördert die Zersiedelung der Landschaft und macht das Siedlungs- und Verkehrssystem umso weniger nachhaltig und umso verletzbarer, desto stärker die Zersiedelung voranschreitet und desto höher der Wert der urbanen Durchdringung ist.
Eine wirksame Eindämmung der Zersiedelung verringert die Gefahr eines weiteren Anstiegs des Landschaftsverbrauchs, erhöhter Abhängigkeit von angeeigneter Tragekapazität, steigenden Energieverbrauchs und höherer Infrastrukturkosten. Je mehr Siedlungen und je verstreuter sie in Zukunft sein werden, umso teurer wird es, die Infrastruktur zu ihrer Versorgung aufrecht zu erhalten. Eine zersiedlungsarme Bauweise ist daher ökologisch und ökonomisch sinnvoll.
In der Schweiz betrug der Wert der Landschaftszersiedelung im Jahr 2010 2.48 DSE/km2. Dieser Wert hat von 1935 mit 0.87 DSE/km2 über 1960 mit 1.25 DSE/km2,1980 mit 1.94 DSE/km2 und 2002 mit 2.22 DSE/km2 kontinuierlich zugenommen (Abb. 1, links). Die Hälfte des Wertes der Zersiedelung von 2010 war in der Schweiz um 1960 erreicht, d.h. die Zersiedelung hat sich innerhalb der 50 Jahre von 1960 bis 2010 verdoppelt. Die stärkste Zunahme der Zersiedelung erfolgte dabei in den Jahren 1960 bis 1980 mit einem Anstieg um 0.69 DSE/km2. Nach einer zwischenzeitlichen Abflachung von 1980 bis 2002 erreichte die Zunahme der Zersiedlung von 2002 bis 2010 wieder eine ähnlich hohe Geschwindigkeit wie 1960 bis 1980.
In allen fünf biogeographischen Regionen der Schweiz (Jura, Mittelland, Alpennordflanke, Zentralalpen, Alpensüdflanke) hat die Zersiedelung zugenommen. In absoluten Werten war dieser Anstieg im Mittelland mit Abstand am stärksten, gefolgt von der Alpensüdflanke, wo sich der Wert in den letzten zwölf Jahren gar verdoppelt hat. Eine wichtige Ursache der zunehmenden Zersiedelung ist, neben der wachsenden Bevölkerung, die in der Schweiz immer stärker verbreitete räumliche Trennung von Arbeit, Wohnen und Freizeit. Massnahmen gegen die Zersiedlung sind im revidierten Raumplanungsgesetz (Teil 1) erfasst worden (keine weitere Ausweitung der Bauzonen, Kantone müssen Baulandhortung unterbinden etc.)
2013 – 2015 wurde die Zersiedelung in Europa nach der schweizerischen Methode erhoben. Der Schlussbericht (EEA/FOEN) wird 2016 erscheinen. Dann hat man einen länderweisen Überblick der europäischen Länder.
Der Indikator basiert auf einer Messgrösse - der urbanen Zersiedelung. Diese Messgrösse ermöglicht es, die Landschaftszersiedelung zu quantifizieren und für die ganze Schweiz zu messen. Der Indikator „gewichtete Zersiedelung“ basiert auf drei Messgrössen: Der Streuung der Siedlungsflächen (Dispersion DIS), der urbanen Durchdringung (UP), welche die Siedlungsfläche berücksichtigt und der Einwohner- und Arbeitsplatzdichte (Ausnützungsdichte AD). Die Zusammenführung und Gewichtung dieser Messgrössen ergibt den Wert der Zersiedelung. Damit können Landschaften unterschiedlicher Grösse miteinander verglichen werden.
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