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Brennender Schmerz im Oberbauch und hinter dem Brustbein, saures Aufstossen, Bauchschmerzen oder Übelkeit, nächtlicher Husten, Heiserkeit, asthmatische Beschwerden und Zahnschmelzerosionen – unter einigen dieser Symptome leidet rund eine Million Männer und Frauen in der Schweiz. Die Engländer nennen die Krankheit «heartburn». Die Rede ist von der Refluxkrankheit, bei der Magensaft in die Speiseröhre zurückfliesst, weil der Verschlussmechanismus beim Übergang von der Speiseröhre in den Magen ungenügend ist. Die Schwäche des Schliessmuskels kann unter anderem durch falsche Ernährung, Übergewicht, Alkoholkonsum, Rauchen oder einen Zwerchfellbruch verursacht werden. Wird ein chronischer Reflux nicht behandelt, können ernsthafte Komplikationen entstehen: Die Schleimhaut der Speiseröhre kann sich entzünden. Wenn daraus eine Narbe entsteht, verursacht das Schluckbeschwerden. Die Zellen in der Speiseröhre können sich verändern. Dadurch kommt es zu einem Risiko für Speiseröhrenkrebs.
Bei gelegentlichem Reflux helfen rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke. Sie neutralisieren die Magensäure. Bei immer wieder auftretenden Symptomen kommen Protonenpumpen-Hemmer zum Zug. «Damit wird die Säureproduktion unterdrückt», erklärt Dr. Yves Borbély vom Bauchzentrum am Inselspital in Bern. Diese Therapie sei aber keine eigentliche Bekämpfung der strukturellen Problematik am gastro-ösophagealen Übergang, gibt er zu bedenken. Werden diese Protonenpumpen-Hemmer regelmässig und auf lange Sicht genommen, kann es auch zu Nebenwirkungen wie Anfälligkeit auf Infektionen des Magendarmtraktes und der Lunge kommen, das Frakturrisiko kann durch den veränderten Knochenstoffwechsel erhöht sein, auch Nierenentzündungen können vorkommen. «Trotz Medikamenten kann die Refluxkrankheit weiter fortschreiten», sagt der Spezialist für viszerale Chirurgie. Eine weitere Option ist die sogenannte Fundoplikatio, eine Operation, bei der eine Manschette aus den obersten Magenanteilen um die Speiseröhre gelegt wird. Diese Manschette soll das Zurückfliessen der Magensäure in die Speiseröhre verhindern. Auch die Fundoplikatio hat ihre Nachteile: Die meisten Betroffenen können danach nicht mehr richtig Aufstossen oder Erbrechen. Das führt zu Blähungen, Völlegefühl, Flatulenz und Durchfall. «Wie bei jedem Verfahren gibt es Patienten, bei denen der Säurereflux wieder auftritt oder durch die veränderte Anatomie sich neue Probleme wie Schmerzen ergeben», erklärt Dr. Yves Borbély.
Ein völlig neues Verfahren bieten das Bauchzentrum des Inselspitals und die Klinik Hirslanden in Aarau an: EndoStim ist eine minimalinvasive Behandlungsoption für Refluxpatienten. Dabei wird mithilfe von schwacher elektrischer Stimulation die Funktion des Schliessmuskels wiederhergestellt. Das EndoStim-System besteht aus einem Stimulator – ähnlich wie ein Herzschrittmacher – und zwei Elektroden. Diese werden in einem laparoskopischen Verfahren am Schliessmuskel platziert. Der Stimulator wird im Bauchbereich implantiert. Dieser gibt den ganzen Tag automatisch Impulse an die Elektroden ab. «Die meisten der mit der EndoStim-Therapie behandelten Patienten haben wesentlich weniger Refluxsymptome und müssen keine Medikamente mehr einnehmen. EndoStim ist ein Verfahren, das die Anatomie des Magen-Speiseröhren-Überganges nicht verändert und deshalb, wenn es nicht funktionieren sollte, gut rückgängig gemacht werden kann», sagt Dr. Yves Borbély. Das Verfahren wurde europaweit erstmals am Inselspital durchgeführt. «Wir haben in den Jahren seither sehr gute Erfahrungen gemacht mit der subjektiven und objektiven Normalisierung des Säurerefluxes bei wenig Nebenwirkungen», fügt Borbély hinzu. Das Verfahren ist eine willkommene Option für Patienten, die nicht täglich Säureblocker schlucken möchten, diese Medikamente nicht vertragen oder bei denen trotz Medikamenten die Symptome immer noch vorhanden sind.