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Wir nehmen gemeinhin an, dass der globale Handel eine Errungenschaft der letzten Jahrzehnte ist. Tatsächlich hat dieser in jüngster Zeit vor allem volumenmäßig zugenommen, doch der Welthandel ist fast so alt wie die Menschheit selbst.
Ursprünge in der Steinzeit
Schon in der Steinzeit, als der Mensch entdeckte, wie er aus Steinen, Stöcken und anderen Materialien Werkzeug und Schmuck herstellen kann, begann auch der Handel. Dieser fand aber keinesfalls nur zwischen Mitgliedern eines Stamms oder vielleicht noch mit der Nachbarhöhle statt, sondern er war schon zu dieser Zeit sehr ausgeprägt. Händler legten zu Fuß riesige Strecken zurück und brachten Güter mit sich, die sie gegen andere Güter tauschten. So wurden zum Beispiel Gegenstände wie Schuhe aus dieser Zeit, die im Süden Frankreichs gefertigt wurden, in Skandinavien gefunden. Man kann auch zu diesem Zeitpunkt bereits von einem Welthandel sprechen, denn auch wenn dieser noch nicht um den ganzen Globus ging, führte er bereits in die entlegensten Teile der damals bekannten Welt.
Jede technologische und gesellschaftliche Weiterentwicklung wirkte sich auch immer auf den Handel aus. Auch der Handel selbst entwickelte sich weiter und so wurden zum Beispiel immer neue Transportmittel entwickelt. Ab dem 10. Jahrhundert vor Christus ist mit der Weihrauchstraße die erste etablierte Handelsroute bekannt. Sie führte aus dem heutigen Oman nach Gaza und diente primär dem Handel mit Weihrauch und Gewürzen. Diese wurden zum Teil im Oman selbst angebaut, viele gelangten aber auch auf dem Seeweg aus Indien, Iran oder dem südlichen Afrika dorthin. Aus Gaza gelangten die Güter auf unterschiedlichen Wegen weiter nach Nordafrika und Europa.
Mit dem Aufkommen und Verschwinden der verschiedenen Hochkulturen entstanden und verschwanden auch immer Handelsrouten. Diese erstreckten sich im alten Ägypten zum Beispiel bis nach Zentralafrika, Zentraleuropa und Zentralasien. Die römische Hochkultur und die Griechen trieben in erster Linie im Mittelmeerraum Handel, doch exklusive Produkte wurde auch aus Nordeuropa, Zentralafrika und dem Fernen Osten importiert.
Neue Entdeckungen eröffnen neue Märkte
Seit dem Beginn unserer Zeitrechnung war die ganze bekannte Welt von einem mehr oder weniger durchgehend benutzten Handelsnetz durchzogen. Es war primär der Handel, der ausgehend von Europa mit der Entdeckung des Rests der Welt begann. Zum Teil geschah dies eher zufällig, bei der Suche nach neuen Handelsrouten, zum Teil aber auch gezielt durch Expeditionen. Mit jedem neu entdeckten Erdteil wurden in relativ kurzer Zeit neue Handelsbeziehungen aufgebaut. Neue oder zuvor rare Produkte wurden importiert, während die vorhandenen Produkte exportiert wurden.
Einher mit der Entdeckung von neuen Erdteilen ging auch die düstere Geschichte der Kolonialisierung, die ebenfalls vom Welthandel vorangetrieben wurde. Mit dem Beginn des 20. Jahrhundert änderte sich dies aber langsam und aus den früheren Kolonien wurden unabhängige Handelspartner. Heute gibt es kein Land der Erde mehr, das nicht am globalen Handel teilnimmt, und selbst Staaten, die sich freiwillig oder als Strafmaßnahme von diesem fernhalten, sind auf vielfältige Weise in ihn eingebunden.