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Die erste Medaille kann für eine Olympia-Delegation immer eine Art Druckventil sein. Ein erstes Edelmetall ist da, die Sportfans zu Hause sind ein erstes Mal besänftigt, und der Druck auf den Rest der Sportler reduziert sich etwas. Genau für diesen Effekt hat nun bereits bei der allerersten Medaillenentscheidung Nina Christen gesorgt.
Die Schützin aus Wolfenschiessen brilliert über 10 Meter mit dem Luftgewehr und holt Bronze. Das ist insofern überraschend, da es eigentlich nicht die Paradedisziplin Christens ist, diese folgt mit Dreistellungsmatch am nächsten Samstag erst noch.
Zwei Schüsse im Duell mit der Norwegerin Jeanette Hegg Duestad sorgten am Ende für die Entscheidung zugunsten der Schweizerin: «Ich bin aber mega stolz, dass ich es geschafft habe, in dieser Situation zwei so tolle Treffer zu setzen. Der Druck war jedenfalls enorm gross. Ich habe schon vieles erlebt. Aber das war extrem.»
Wie erwartet sorgt das Strassenrennen der männlichen Radprofis für das grosse Spektakel. Der anspruchsvolle Kurs mit vielen Höhenmetern und die schwülheissen Bedingungen fordern den Fahrern alles ab. Am Ende gewinnt nicht einer der meistgenannten Favoriten wie Wout van Aert oder Tadej Pogacar, die sich mit Silber und Bronze begnügen müssen, sondern Richard Carapaz aus Ecuador.
Carapaz holte den bislang grössten Sieg seiner Karriere, indem er sich im letzten Anstieg des Tages hinauf zum Kagosaka-Pass mit einer Fluchtgruppe absetzte und fünf Kilometer vor dem Ziel seinen letzten Konkurrenten abschüttelte.
Die Schweizer um Marc Hirschi und Gino Mäder hatten mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun. Hirschi musste die Spitzengruppe am zweitletzten Anstieg zum Mikuni-Pass ziehen lassen.
Belinda Bencic und Viktorija Golubic starten erfolgreich ins olympische Tennisturnier. Erstere besiegt die Amerikanerin Jessica Pegula 6:3, 6:3, Golubic gewinnt gegen die Kolumbianerin Maria Camila Osorio Serrano 6:4, 6:1.
Die als Nummer 9 gesetzte Bencic (WTA 12) zeigte gegen die in der Weltrangliste 15 Positionen hinter ihr klassierte Pegula eine sehr solide Leistung und gestand ihrer Gegnerin nur einen Breakball zu – beim Stand von 2:0 im zweiten Satz. Diesen wehrte sie mit einem Aufschlagwinner souverän ab, worauf sie bei eigenem Service nichts mehr anbrennen liess.
Bloss 59 Minuten zeigte die Uhr im Stadion an, als Golubic (WTA 50) bei ihrem ersten Matchball von einem Rückhand-Fehler von Osorio Serrano (WTA 79) profitierte. Sie jubelte und rief «Hopp Schwiiz». Die 28-jährige Zürcherin war angesichts der Hitze froh, dass die Partie nur so kurz dauerte. «Es fühlte sich gut an», bilanzierte sie.
Beinahe hätte der 19-jährige Schwimmer Antonio Djakovic eine riesige Überraschung geschafft: Als Neunter verpasste der Zürcher den Final der besten Acht über 400 m Crawl denkbar knapp. Dennoch konnte er mit seiner Leistung zufrieden sein, verbesserte er doch den Schweizer Rekord über diese Distanz auf 3:45,82 um sechs Hundertstel.
Ein ähnliches Schicksal erlitten auch Maria Ugolkova und Jérémy Desplanches. Die beiden schwammen über 100 m Delfin, respektive 100 m Brust Schweizer Rekord, verpassten aber die Qualifikation für den Final.
Beide Schweizer Duos gewannen im leeren Stadion bei hohen Temperaturen gegen deutsche Gegnerinnen. Nina Betschart und Tanja Hüberli lieferten sich mit Laura Ludwig, der Olympiasiegerin von 2016 und Fahnenträgerin der Deutschen am Vorabend, und Margareta Kozuch einen prickelnden Marathon und setzten sich nach 75 Minuten 23:25, 22:20, 16:14 durch.
Die Europameisterinnen Joana Heidrich / Anouk Vergé-Dépré bezwangen Julia Sude / Karla Borger 21:8, 21:23, 15:6.
Die Schweizer Kunstturner erreichen in der Qualifikation ihr grosses Ziel und ziehen in den olympischen Teamfinal vom Montag ein. Dank einer bravourösen Teamleistung erreichten Pablo Brägger, Christian Baumann, Eddy Yusof und Benjamin Gischard ihr grosses Ziel, einen Rang in den Top 8 an Olympischen Spielen, den sie vor fünf Jahren in Rio de Janeiro noch knapp verpasst hatten.
Hend Zaza ist zwölf Jahre und 205 Tage alt und hat heute ihr Olympia-Debüt gegeben. Die Syrerin trat im Tischtennisturnier an, wo sie in der ersten Runde an der 27 Jahre älteren Österreicherin Lui Jia scheiterte. Trotz der Niederlage schrieb Zaza Geschichte: Sie ist die erste syrische Frau, die die Qualifikation für das olympische Tischtennisturnier schaffte, und hat bei der Eröffnungsfeier bereits die syrische Fahne getragen.
12 years old and at the Olympics. 🏓✨— Olympics (@Olympics) July 24, 2021
Syrian #tabletennis player Hend Zaza is the youngest athlete competing at #Tokyo2020. She suffered defeat in her opening match but showed great sporting spirit by congratulating opponent Jia Liu on her win. 🤝#StrongerTogether @ittfworld
Für den Schweizer Leichtgewichts-Doppelzweier von Patricia Merz und Frédérique Rol verläuft der Auftakt in die Olympischen Spiele nicht planmässig. Wie beim Schweizer Vierer ohne Steuermann muss der (Um-)Weg in die Finals über den Hoffnungslauf führen.
Von den gegnerischen Duos in der Repechage haben lediglich die Athletinnen aus Russland im Vorlauf eine bessere Zeit abgeliefert als Merz/Rol. Für den Halbfinal-Einzug im Hoffnungslauf reicht den Schweizerinnen ein Platz in den Top 3.
Schwieriger ist die Ausgangslage für den Vierer ohne Steuermann. In ihrem Hoffnungslauf qualifizieren sich nur die besten zwei Quartetts für den A-Final – und mit den Niederlanden, Polen, Kanada und Rumänien ist starke Konkurrenz mit dabei.
Judoka Naohisa Takato hat Gastgeber Japan die erste Goldmedaille an den Olympischen Spielen von Tokio beschert. Der 28-jährige dreimalige Weltmeister gewann in der legendären Kampfsporthalle Nippon Budokan den Final in der Gewichtsklasse bis 60 kg gegen Yang Yung-Wei aus Taiwan.
Novak Djokovic, der mit Siegen in Tokio und beim folgenden US Open den ersten Golden Slam eines Mannes anstrebt, gewinnt in der ersten Runde in etwas über einer Stunde 6:2, 6:2 gegen den bolivianischen Sandplatz-Spezialisten Hugo Dellien (ATP 139). In der 2. Runde dürfte es für den Serben gegen den Deutschen Jan-Lennard Struff (ATP 48) bereits etwas schwieriger werden.
Die USA legen in Tokio einen Fehlstart hin. Erstmals seit 1972 (mit Ausnahme der boykottierten Spiele 1980 in Moskau) steht die Grossmacht nach dem ersten Tag noch ohne Medaille da. Damals waren es in München nur zwei Wettkämpfe, diesmal gab es immerhin schon elf Medaillenentscheidungen.
Mit Material der Nachrichtenagentur keystone-sda.