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Penicillin ist ein bewährtes und preiswertes Antibiotikum. Bei vielen bakteriellen Infektionen, die eine antibiotische Behandlung erfordern, ist beispielsweise das «Amoxicillin» genannte Penicillin die erste Wahl – es sei denn, der oder die Patientin berichtet von einer Penicillin-Allergie. Etwa einer von fünf bis zehn Kranken gibt im Spital an, früher schon einmal allergisch auf dieses Antibiotikum reagiert zu haben.
Oft handelte es sich dabei aber nicht um eine Allergie, sondern bloss um einen Hautausschlag, der im Gefolge eines Virusinfekts auftrat – nur wissen das die Betroffenen nicht, die fortan jede Behandlung mit einem Penicillin vorsichtshalber vermeiden.
Notgedrungen werden sie dann mit einem anderen Antibiotikum der zweiten Wahl behandelt, das ihre Darmflora stärker durcheinander bringt, schlechter verträglich ist oder nicht so gut auf die Bakterien «zugeschnitten» ist wie das Penicillin.
Zwei Voraussetzungen müssen gegeben sein
Es lohnt sich, seine Ärztin oder seinen Arzt auf die vermeintliche Penicillin-Allergie anzusprechen. Denn eine Studie im Fachblatt «Jama Internal Medicine» zeigt nun: Die meisten Erwachsenen, die vermuteten, an einer Penicillin-Allergie zu leiden, vertrugen dieses Antibiotikum gut – vorausgesetzt, sie erfüllten zwei Voraussetzungen.
Die erste Voraussetzung in der Studie war, dass sie früher nie stark allergisch auf irgendetwas reagierten und nie unter massiven unerwünschten Wirkungen nach irgendeiner Medikamenteneinnahme litten.1
Die zweite Voraussetzung war, dass sie beim sogenannten «PEN-fast»-Test Null oder höchstens einen Punkt erzielten (neun Studienteilnehmende hatten sogar 2 Punkte). Dieser Test besteht aus drei Fragen:
|Liegt die letzte Reaktion auf das Penicillin fünf Jahre oder weniger zurück?
|Wenn dies zutrifft: 2 Punkte
|Kam es nach der Behandlung mit Penicillin zu einer allergischen Schockreaktion, zu einer schweren Hautreaktion irgendwo am Körper oder zu einer Schwellung im Gesicht oder der Zunge?
Wenn etwas davon zutrifft: 2 Punkte
|War die Reaktion auf das Penicillin so stark, dass sie eine Behandlung erforderte?
|Wenn dies zutrifft: 1 Punkt
Von den Personen, die von einer Penicillin-Allergie berichten, aber in diesem Test null Punkte erzielen, ist weniger als eine von 100 tatsächlich allergisch dagegen.
Von denjenigen mit ein bis zwei Punkten reagiert etwa eine/r von 20 Betroffenen bei einem Haut-Allergietest auf Penicillin.
Von 377 Personen hatten 372 keine Penicillin-Allergie
Das Experiment fand an sechs Zentren in den USA und Australien statt. Von 377 Erwachsenen, die überzeugt waren, dass sie auf Penicillin allergisch sind und die oben genannten Voraussetzungen erfüllten, hatten 372 keine Penicillin-Allergie, stellte sich heraus.
Die Teilnehmenden im Alter von 35 bis 66 Jahren wurden per Los in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 unterzog sich zuerst einem Hauttest auf eine Penicillin-Allergie. Gab er nicht an, erhielten sie unter ärztlicher Aufsicht eine niedrige Dosis eines Penicillins.
Gruppe 2 bekam geradewegs eine niedrige Penicillindosis und wurde dabei ebenfalls medizinisch überwacht.
Keine schweren Reaktionen
In beiden Gruppen reagierte jeweils eine Frau innerhalb von 60 Minuten nach der Einnahme mit einem juckenden, allergischen Hautausschlag, der nach Behandlung mit einer Dosis eines anti-allergischen Medikaments (sogenanntes Antihistaminikum) verschwand. In den fünf Tagen nach dem Experiment berichteten insgesamt zehn Personen in Gruppe 1 und neun in Gruppe 2 von leichten allergischen Reaktionen. Schwere Zwischenfälle gab es nicht.
Selbst bei zwei von vier Personen, bei denen der Haut-Allergietest angegeben hatte und die fälschlicherweise trotzdem eine Penicillindosis erhielten, passierte glücklicherweise nichts. Die Studienautoren erklären das damit, dass der Hauttest eine Penicillinallergie nur in schätzungsweise 50 bis 75 Prozent der Fälle korrekt vorhersage. Jeder Zweite bis jeder Vierte mit «positivem» Hauttest vertrage das Penicillin trotzdem.
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1 Ausgeschlossen von der Studie waren Personen, die mit anti-allergisch wirkenden Medikamenten behandelt wurden, die schwanger waren oder so krank, dass eine Studienteilnahme nicht ratsam schien.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.