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Jean-Pierre Eggers Marihuana
In einem Forum der Freiburger Zeitung « Liberté » vom 24.9.05 äussert sich Jean-Pierre Egger auf unrichtige und tendenziöse Weise über ein noch nicht entschiedenes Gerichtsverfahren gegen André Fürst. "Hanfpapst" Egger, der offenbar vergessen hat, dass er im Glashaus sitzt und nicht mit Steinen werfen sollte [1]und der in letzter Zeit eher durch seine seltsamen Werbekampagnen denn durch konstruktives Wirken für den Schweizer Hanf aufgefallen ist, führt einmal mehr den wissenschaftlich nicht haltbaren Unterschied zwischen Cannabis sativa non indica ("Schweizer Bauernhanf") und Marihuana als Grundlage seiner Argumentation an. Eggers Behauptungen sind völlig aus der Luft gegriffen und haben nichts mit den Vorschlägen der Schweizer Hanfkoordination (SHK) oder der Pro-Hanf-Initiative zu tun.
"Einheimischen" Hanf im eigentlichen Sinne hat es nie gegeben. Seit Jahrhunderten hat der Mensch durch Zucht und Selektion Hanfsorten geschaffen. Das Genmaterial der Pflanzen, die trotz Prohibition in Europa heimisch sind, ist stark gemischt. Einzig in Frankreich, Osteuropa und Mittelasien wurde traditioneller Hanf weitergezüchtet. Die Hippies und ihre Nachfahren haben auf der ganzen Welt eher nach den psychotropen Eigenschaften der Pflanzen selektiert. Es ist daher anzunehmen, dass Jean-Pierre Eggers "Bauernhanf" aus einer dieser vier Züchtungen stammt und mit ursprünglichem Hanf aus der Schweiz nichts gemein hat.
Auch die Bezeichnung Cannabis sativa non indica ist eine reine Erfindung. Hanf ist eine genetisch sehr instabile Pflanze und wird stark von den Umweltbedingungen beeinflusst. Selbst Spezialisten sind sich nicht einig, ob es eine oder mehrere Arten von Hanf gibt, aber die meisten Botaniker nehmen an, dass es letztlich nur eine einzige Art von Hanf gibt, nämlich Cannabis sativa L., die aus den Hauptgruppen Sativa sativa, Sativa indica und Sativa ruderalis besteht, ebenso wie es nur eine einzige Menschenrasse mit ihren verschiedenen ethnischen Untergruppen und Mischtypen gibt - eine Tatsache, die J.P. Egger offenbar nicht wahr haben will.
Es erinnert stark an die rassistische Propaganda Anslingers, dem Erfinder der Hanfprohibition in den USA, wenn Egger jetzt einen Unterschied zwischen "gutem" Hanf und schlechtem Marihuana erfindet. Der Ausdruck Marihuana, der aus der mexikanischen Umgangssprache stammt, musste kurz nach dem amerikanisch-mexikanischen Krieg dazu herhalten, den Hanf zu dämonisieren und die Afroamerikaner, die ihn so nannten, zu brandmarken. Die Amerikaner kannten den Hanf, aber mit dem Wort Marihuana konnte man ihnen Angst einjagen, obwohl es sich um die selbe Pflanze handelt, die damals auf beiden Seiten des Rio Grande angepflanzt wurde. Will Egger diese bereits überwunden geglaubte üble Propaganda nun im Seebezirk wieder aufleben lassen? Das BetmG erlaubt den Anbau von Hanf, sofern er nicht zu süchtig machenden Betäubungsmitteln verarbeitet wird. Cannabis sativa L. hat keine betäubende Wirkung, er kann eventuell zu einer leichten psychischen Abhängigkeit führen, die aber keinesfalls mit derjenigen von Heroin, Tabak oder Alkohol vergleichbar ist.
Es stimmt nicht, dass André Fürst mexikanischen Hanf zu 5000 Franken pro Kilo verkauft hat. Hanf-Info handelt nur mit natürlich angebautem Cannabis Sativa L. und beschäftigt sich mit der Information über alle Aspekte des Hanfs, der Entwicklung von Produkten und Techniken für den Einsatz von Hanf als Treibstoff, Plastik, Faserprodukt usw. sowie der Prävention hinsichtlich Hanf als Freizeitdroge. Hanf-Info ist aktives Mitglied der SHK und unterstützt mit Rat und Tat die Volksinitiative "Pro Jugendschutz - gegen Drogenkriminalität", die mit mehr als 120’000 Unterschriften demnächst abgeschlossen wird. Die Initiative schlägt dem Volk einen streng regulierten Markt für psychoaktiven Hanf vor und hat nicht das Geringste mit freiem Verkauf von Haschisch in der Migros zu tun, so wie es J.P. Egger mit seiner Angstmache vermitteln will. Der Zweck dieser Initiative ist eine vernünftige Lösung für ein ungelöstes soziales und wirtschaftliches Problem und dies ist es wohl, was J.P. Egger missfällt.
Hanf-Info
Footnotes
[1] Egger wurde in den späten 80er Jahren in Douai/Frankreich wegen Einfuhr von Haschisch zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er hat diese Strafe nie abgesessen und kann noch heute nicht nach Frankreich einreisen