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von Zita Mayer
Heutzutage scheint es einfacher denn je, neue Fertigkeiten zu erlernen: Im Internet (z.B. auf YouTube) und im TV findet man unzählige Videos und Programme, in denen man vorgezeigt bekommt, wie man sich neue Tätigkeiten aneignen kann, vom Gitarre spielen bis hin zum Kochen. Kann das blosse Zusehen jedoch tatsächlich dabei helfen, neue Tätigkeiten zu erlernen? In einer Reihe von Studien gingen Michael Kardas und Ed O’Brien von der University of Chicago dieser Frage auf den Grund. Die Ergebnisse zeichneten folgendes Bild: Je länger die Studienteilnehmenden einer anderen Person bei einer Tätigkeit zusahen, desto stärker waren sie der Überzeugung, die Tätigkeit selbst ausführen zu können. So wurden die Teilnehmenden in einer Studie gebeten, ihre Fähigkeit einzuschätzen, einen komplexen Trick durchzuführen: Das Tischtuch eines bedeckten Tisches wegzuziehen, ohne dabei das Geschirr herunterzuwerfen. Zuvor wurden die Teilnehmenden in 6 Gruppen eingeteilt: Bevor sie gebeten wurden, ihre Fähigkeit einzuschätzen, betrachteten Gruppen 1 bzw. 2 ein kurzes bzw. langes Video, in dem der Trick 1- bzw. 20-mal gezeigt wurde. Gruppen 3 bzw. 4 lasen kurze bzw. längere schriftliche Instruktionen zum Trick, und Gruppen 5 bzw. 6 hatten eine kurze bzw. längere Pause, in der sie keine Instruktionen erhielten. Die Studienergebnisse zeigten, dass diejenigen Teilnehmenden, die das längere Video betrachtet hatten, ihre Fähigkeit höher einschätzten als die anderen Gruppen.
Wie akkurat ist diese Selbsteinschätzung? In einer weiteren Studie betrachteten Teilnehmende entweder ein kurzes oder langes Video, in dem eine Person 1- bzw. 20-mal einen Dartpfeil auf die Mitte einer Zielscheibe warf. Anschliessend schätzten die Teilnehmenden ein, wie viele Punkte sie selbst beim anschliessenden Dartwerfen erzielen würden. Diejenigen Teilnehmenden, die das längere Video betrachtet hatten, schätzten ihre Fähigkeit erneut höher ein als diejenigen Teilnehmenden, die das kürzere Video betrachtet hatten. Die eigentliche Leistung der beiden Gruppen unterschied sich allerdings nicht: Sie erzielten im Schnitt gleich viele Treffer.
Das Zusehen scheint somit zu einer illusorisch-überhöhten Selbsteinschätzung zu führen. Ein möglicher Grund dafür könnte darin liegen, dass unsere Selbsteinschätzung oftmals auf unserer Fähigkeit basiert, die Schritte einer Handlung im Kopf durchspielen zu können. Dabei vernachlässigen wir, dass es die korrekte Durchführung dieser Handlungsschritte ist, die letztlich unsere Leistung bestimmt.
Literaturangaben:
Kardas, M., & O’Brien, E. (2018). Easier seen than done: Merely watching others perform can foster an illusion of skill acquisition. Psychological Science. Advance online publication. doi:0956797617740646.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
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