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CRAZY CANUCKSWer sind sie…
Mehr als ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit eine Bande von jungen, unverbrauchten Kanadiern die internationale Skisportszene aufgemischt hat.
Ken Read war zwanzig, als fünf unbekannte Kanadier im Eröffnungsrennen der Saison 1975 die traditionelle Hierarchie im Skirennsport mit einem Sieg und einem spektakulären Teamergebnis auf den Kopf stellten.
Um dieses Phänomen, das die Vorstellung wegwischte, dass nur Europäer Weltcup-Abfahrten gewinnen könnten, schuf der französische Journalist und Weltcup-Gründer Serge Lang das Wort der „Crazy Canucks“. Damit erklärte er die kühne Haltung, welche die jungen Kanadier dem Ski-Establishment aufzeigten. Ein paar spektakuläre Stürze später war diese Reputation in Zement gegossen. Zu ihnen gehörten Jim Hunter, ein Bauernsohn, Dave Irwin, sein Vater betrieb das Skigebiet von Loch Lomond in der Nähe von Thunder Bay, Dave Murray, Sohn eines Piloten, Steve Podborski aus Toronto und Ken Read, der zwar in der Stadt aufgewachsen war, aber von den sechs Monate dauernden Wintersaisons in den kanadischen Rockies profitieren konnte.
Im Januar 1976 war Dave Irwin auf Wengens Lauberhornabfahrt auf dem Weg zur Bestzeit, als er im Zielschuss in die schützenden Strohballen flog. Einen Tag später wurden Dave und Ken Read beide Opfer der tückischen Kurve nach der furchterregenden Minschkante – und ein neuer Name war geboren: „Canadian Corner“. (Link auf Streckenplan)
Es waren nicht nur die Siege oder die Unerschrockenheit, welche die Kanadier zum neuen Mittelpunkt des Weltcups machten. Sie forderten die dominierenden Teams der Schweiz und Österreichs heraus. Sie liebten es, Rennen zu fahren. Und sie zeigten es. Als Aussenseiter wussten sie, dass die monatelange Abwesenheit von Zuhause grosse zusätzliche Belastungen nach sich zog, deshalb arbeiteten sie als Team, teilten alle Informationen und halfen sich gegenseitig. Ihre tiefe Wertschätzung der Rennsporttradition und der schönen Austragungsorte der klassischen Rennen, aber auch ihre Bemühen, Deutsch, Französisch oder Italienisch zu sprechen, brachten ihnen Sympathien ein.
Der Name „Crazy Canuck“ ist heute ein stolzes Erbe im kanadischen Sport. So wie das Überstreifen eines Leibchens der Montreal Canadiens für einen Eishockeyspieler die Erfüllung ist, bedeutet die Bezeichnung „Crazy Canuck“ für einen Rennfahrer, dass er den Durchbruch im Weltcup geschafft hat. Am Anfang glaubten viele, dass für Kanadier der Sieg in einem Weltcup-Rennen ein unerreichbares Ziel sei. Fünf junge Männer und ihr Coach fürchteten sich nicht davor, es zu versuchen. Heute gibt es für Tausende von kanadischen Skirennfahrern keine Barriere mehr. Diese jungen zukünftigen Champions träumen davon, eines Tages als „Crazy Canuck“ bezeichnet zu werden.