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Meine erste Lebenshlfte
(unter der Annahme, dass ich nicht mit Vierzig unter den Zug gerate, sondern den
Statistiken zufolge ein ansehnlicheres Lebensalter erreiche) verbrachte ich ziemlich
kopflastig. Gemeint ist, dem Verstand wurde der grsste Respekt entgegengebracht.
Informatik. Nach einer
schulisch sehr erlittenen und physisch sehr krftigen Jugend ging es ab Richtung
Mathematik, Physik und schlussendlich Informatik.
Flamenco. Eine zweite
Schiene war fr mich aber immer sehr wichtig und ich opferte alle meine Freizeit dafr:
dem Flamenco. Ich war viele Jahre Gitarrist diverser Flamencogruppen. Zusammen mit
meiner damaligen Frau Alicia und diversen Gastknstlern traten wir als Gruppe "Arte
Flamenco" im In- und Ausland auf. Da mir der Broterwerb, die Informatik, recht leicht
von der Hand ging, konnte ich meinen ganzen Elan in den Flamenco investieren. Uebrigens:
mein Zuname "Ricardo" habe ich aus dieser Zeit als Knstler adoptiert.

Tiere.
Ausser einer Katze, einem schwarzen Kater genannt Negi (pardon, aber damals wurde
man wegen solch "diskriminierenden" Bezeichnungen noch nicht in den Kerker
gesteckt), den wir umzugshalber nicht in die Stadt mitnehmen konnten - ich war damals in
der fnften Primarschulklasse und litt sehr darunter -, hatte ich lange Zeit keine
eigenen Tiere.
Pferde. Als wir dann Kinder
hatten, zwei Mdchen, machten wir oft sog. Zigeunerferien: Mit einem gemieteten Pferd,
einem Freiberger oder Haflinger, und einem selbstgebastelten Planwagen machten wir
zusammen mit gleichgesinnten Kollegen die Ostschweiz unsicher. So kam eigentlich der erste
Kontakt mit der Spezies Pferd zustande. Natrlich kam dann auch das Reiten hinzu. Um vor
meinen noch jungen Mdchen einen Vorsprung zu haben, belegte ich damals Reitstunden. Fr
mich war aber der Reitunterricht in der Halle nach klassischem Muster: "Wo sind deine
Hnde?" "Absatz runter!" "Rcken gerade!" "Ecken
ausreiten!" "Wo sind deine Hnde?" ... ein Greuel. Aber trotzdem wollte
ich es lernen. Ich litt mich durch diese Stunden.
Susanne. Vor Ende der ersten
Lebenshlfte (Definition siehe oben) ging die erste Ehe in die Brche. Dann kam
natrlich eine Zeit des Zweifelns und des Suchens. Das Schicksal spielte mir Susanne zu.
Susanne erffnete meinem Leben eine bis anhin unbekannte Dimension: Das
bernatrliche, das Mediale, kurz, die Welt der Esoterik.
Die Esoterik ist aber in keiner Weise eine
Heile Welt. Zu viele Scharlatane, Gurus und Halbgtter tummeln sich in dieser Szene.
Obwohl hier die Inspiration, die Intuition und das Gefhl eine grosse Rolle spielen, ist
es nicht verboten, den Verstand ab und zu einzuschalten.
Hunde und Pferde. Auf
unserem Weg der Erkenntnis spielten Hunde und Pferde immer mehr eine grosse Bedeutung. Wir
wollten mehr Zeit fr Tiere haben. Wir suchten ein geeignetes Wohnobjekt, um unsere
Trume zu verwirklichen. Wir bauten ein sehr altes Bauernhaus, ein 300jhriges sog.
Hochstudhaus, um. Da wir sehr grosse stheten sind, wurde das Haus auch super schn,
leider auch super teuer. Es ruinierte uns fast. Unsere Idee war ja, nur noch halbtags zu
arbeiten, um die restliche Zeit fr die Tiere zur Verfgung zu haben. Dank dem
superteuren Umbau ging dieser Traum bachab. Nichtsdestotrotz legten wir uns nach und nach
unsere ersehnten Tiere zu: zuerst Esel, dann Hhner, Gnse, Enten, dann einen Wurf
Hunde. Nachdem auch der Stallteil fertiggestellt war konnte auch der letzte Traum
Realitt werden: Pferde. Zuerst war es ein gemietetes Train-Pferd, ein Freiberger, dann
eine Paintstute und dann deren Fohlen "Snowy Jumper".
|Paraguay. Um nun endgltig
mehr Zeit fr die Tiere zu haben, und um unsere gross erwachte Vorliebe fr Pferde
richtig ausleben zu knnen, gab es fr uns nur eine Mglichkeit: Auswandern. Wir
schauten uns in Spanien und in Frankreich um. Schlussendlich sollte es das unbekannte
Paraguay sein.

Chaco.
Aber Sdamerika ist uns Europern so fremd, dass wir zuerst unsere Lehren ziehen
mussten, bis wir unsern definitiven Pferdehof aufbauen konnten. Land, Klima und Leute
(auch ausgewanderte Europer mit inbegriffen) sind hier so anders, dass es einfach Zeit
und Erfahrungen braucht, um sich in diesem faszinierenden Kontinent einzuleben und
einzugliedern. Dieser Kontinent und diese Kultur bilden einen so grossen Kontrast zu
Europa, dass es fr uns eine faszinierende Bereicherung darstellt. Wir lieben Paraguay!