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Man kann es auch «Glück» oder «Glückseligkeit» nennen, «Eudaimonia», das gute Leben, wie es Aristoteles definiert hat. Der Wunsch danach ist allen Menschen eingeschrieben, und es steht allen zu. «Pursuit of happiness», das Streben nach Glück für alle, wurde in der US-amerikanischen Verfassung von 1776 sogar als Recht garantiert, als das Bürgertum noch revolutionär war. Schnell wurde es marktgerecht aufs Glück des angeblich Tüchtigen reduziert. Es ist ja legitim und notwendig, Glück vom Individuum her zu denken. Wir alle brauchen eine Antwort auf die Frage, wie wir gut leben sollen. Aber das geht halt nicht alleine. Im privaten Rückzug gibt es letztlich kein gutes Leben. Schon Aristoteles wusste, dass ein solches das Gedeihen des Gemeinwesens und eine gute Regierung der öffentlichen Angelegenheiten voraussetzt, auch wenn er, in einer patriarchalischen Sklavenhaltergesellschaft lebend, ein paar Fragen ausklammerte.
Nach den katastrophalen Erfahrungen des kurzen 20. Jahrhunderts hat Theodor W. Adorno in seinen «Minima Moralia» (1951) den Spruch gestanzt: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.» Das ist zum resignativen oder zynischen Kalenderspruch geworden. Denn natürlich gibt es ein bisschen richtiges (gutes) Leben im falschen (schlechten). Sonst wäre jedes Leben hinfällig. Übrigens hatte Adorno in einer ersten Fassung bemerkenswerterweise geschrieben: «Es lässt sich privat nicht mehr richtig leben», und das nähert sich der Einsicht in die soziale Bedeutung des menschlichen Lebens.
Zum guten Leben gehört die Sorge um die Mitmenschen. Sie brauchen meine Anteilnahme und meine Hilfe, und ich brauche ihre Anteilnahme und ihre Hilfe. Wir alle müssen uns aber auch über Differenzen verständigen. Was dem Glück vieler entgegensteht, darf nicht als Glück Einzelner durchgehen. Im Handeln und Aushandeln entfalten sich die eigenen Möglichkeiten und die der anderen. Das gute Leben muss gelebt werden. Gemeinsam.
* Wunsch von Rebekka Köppel: «Was ist ein gutes Leben?»