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Edevart und August stammen aus einem kleinen Ort im Norden Norwegens, einem Ort, in dem sich seit vielen Generationen nichts geändert hat. Das sei zum einen auf Trägheit zurückzuführen, zum anderen aber auch auf eine Selbstzufriedenheit in einem positiv konnotierten Sinn. August, der als Waise bei verschiedenen Familien aufwächst und dadurch einer wirklichen Bindung entbehrt, ist der erste, der in die Welt hinauszieht, als Seeman die ganze Welt sieht und bei seiner Rückkehr einiges (auch Erfundenes) zu erzählen weiß. Er ist zwar ein Aufschneider und leichtfertiger Bursche, aber er ist auch sehr ideenreich und versteht es, die verschiedensten Dinge anzupacken und zu einem glücklichen Ende zu führen. Aber auf längere Sicht bleibt der Erfolg aus: Er ist zu unbeständig, hält es nicht allzu lange an einem Ort aus und versteht nicht mit Geld umzugehen. Nur das Neue kann ihn fesseln, eine Idee, ein Unternehmen, nichts aber auf die Dauer ihn binden.
Edevart, der sich mit August aus Abenteuerlust verbindet, ergeht es ähnlich: Den kleinen, gelungenen Unternehmungen folgt Leere, Antriebslosigkeit, immer wieder kehrt er in seine Heimat zurück, einmal angesehen, dann wieder verarmt, stets aber mit innerer Rastlosigkeit. Das Leben im Dorf erscheint ihm plötzlich eng, das Leben draußen aber ebenso wenig befriedigend. Beispielhaft für dieses Gefühl ist die Frau, in die sich Edevart verliebt: Die verheiratete Lovise Magrete. Nachdem ihr Mann wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde (die Gründe für seine Haft werden nie wirklich deutlich) entschließt sie sich, Edevart zu entsagen und ihrem Mann mit den Kindern nach Amerika zu folgen. Doch nichts ändert sich wirklich: Haakon (ihr Mann) verschwindet, sie kann sich einigermaßen durchschlagen, entschließt sich aber doch, wieder heimzukehren, während ihre Kinder in Amerika bleiben. Zurück in Norwegen versucht sie die Beziehung mit Edevart zu leben: Aber wiewohl alle Hindernisse nun eigentlich aus dem Weg geräumt wären, vermag sie in dieser Verbindung kein rechtes Glück zu empfinden. Sie hat das süße Gift der Fremde genossen, alles erscheint ihr nun klein und unbedeutend und sie sehnt sich zurück nach Amerika, obwohl sie geschrieben hatte, dass sie dort keinen einzigen wirklich glücklichen Tag erlebt habe. „Aber vielleicht war ich weniger unglücklich als hier.“ Edevart kann sich nicht entschließen, sie zu begleiten und kehrt abermals zurück in sein Heimatdorf, doch nur um festzustellen, dass er hier nun endgültig zum Fremden geworden ist. Und so verschwindet er am Ende des Buches abermals um nicht mehr zurückzukommen – „für lange Zeit“.
Und auch wenn die Sympathien des Autors recht klar für die „stabilitas loci“ sprechen, so zeichnet er doch ein sehr differenziertes Bild: Er scheint sich der Unausweichlichkeit des modernen Lebens bewusst zu sein, ohne allerdings für die damit verbundene Heimatlosigkeit eine Lösung parat zu haben. Dadurch verkommt das Buch nicht zu einer dümmlich-plakativen Zivilisationskritik, sondern wird zu einem fein gezeichneten Bild des modernen Menschen in seiner Zerrissenheit und Unrast. Keine platten Charaktere, alle Personen sind glaubhaft, alle Schicksale eingebettet in ein beeindruckendes Panaroma von herber Landschaft, ebensolchen Menschen. Hamsun besitzt die Fähigkeit, mit scheinbar geringen, trivial anmutenden Stilmitteln psychologische Feinheiten darzustellen, das Holzschnittartige der Darstellung vermag zu faszinieren und ist keineswegs auf eine Beschränktheit oder gar Unfähigkeit des Autors zurückzuführen. Diese einfache Sprache scheint auch ein Spiegel der Sprachlosigkeit der Protagonisten zu sein, die mit einer ihnen zunehmend unverständlichen Welt konfrontiert werden, die ihre Bindung an ein vertrautes Dasein verlieren, ohne irgendwo eine neue Heimat zu finden. Ein beeindruckendes Buch, das einiges an freudiger Erwartungshaltung die beiden nächsten Bände betreffend erweckt.