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Datierung
1996
Bildmasse
60 x 90 cm
Technik/Material
Acryl auf Baumwolle auf Holzfaserplatte
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus Privatbesitz
Inv.-Nr.
SK04002.03
Teil 3 zu «Entwurf Nr. 2287, Bild Nr. 527»
Emil Müller (1934, Pfäffikon/ZH, CH) agiert als Künstler mit leiser, doch nicht weniger eindringlicher Stimme. Aufbauend auf einer Ausbildung zum Grafiker, die auch den Fachzweig Photochrom umfasst, und angeregt durch die Pioniere der Farbinteraktion, bekundet er schon früh eine farbsensible Haltung. Diese äussert sich anfangs in einer organisch-abstrakten, später dann tachistischen Malweise, bevor 1970, zusammenfallend mit der neuen Namensschreibweise müller-emil, eine radikale Reduktion der Bildmittel einsetzt. Auf Werke, in denen die Farben als kräftige und zum Teil mittels unterlegter Stäbe verdinglichte vertikale oder horizontale Bänder in symmetrischer Anordnung auftreten, folgen ab 1980 Streifenbilder in zusehends zarter Farbigkeit. Diese werden ihrerseits ab 1982 nach und nach durch kontrastarme Bildkonzeptionen mit akzentuierten Rand- oder Eckpartien abgelöst, bis schliesslich Ende der 1980er-Jahre immer häufiger mehrteilige Bildtafeln und Bildkörper entstehen, bei denen die Farben – zwei, höchstens drei pro Werk – auf den rhythmisch aneinander gefügten Elementen monochrom eingesetzt sind.
Begleitet von einem intensiven Nachdenken über Farbtheorien und der Entwicklung eigener, fein abgestufter Farbkreise, bestimmt dieser eng an den Wahrnehmungsgrenzen operierende Farbgebrauch bis heute das Schaffen des Künstlers. Die Affinität zum rational-konkreten Denken bleibt dabei punktuell fassbar, so zum Beispiel im systematischen rückseitigen Notieren der Farbmischungen, in Überlegungen zur Farbquantität oder im selbst aufgestellten Regelwerk, wonach etwa die verwendeten Farbwerte im Farbkreis gewisse Bezüge zueinander aufzuweisen haben. Weit prägender für diese Kunst ist aber ihre geradezu lyrische Qualität, die jenseits einer reinen Sehschulung – müller-emil hat 1965–1995 an der Hochschule für Gestaltung in Zürich auch als Lehrer gewirkt – zu konzentrierter oder sogar kontemplativer Betrachtung einlädt. Der in der Farbe angelegte Gegensatz von Pigmenten und Licht, Materie und Materielosigkeit löst sich auf und macht einem reinen Farb- respektive Farbraum-Erleben Platz. Dem Konzept des «spazio luce» vergleichbar, das Antonio Calderara ab 1959 auslotete, resultiert daraus eine Form von Gestaltung, die sich vielleicht als metaphysische Konkretion umschreiben liesse und die uns teilhaben lässt an müller-emils Talent, die Farben – wie Gottfried Honegger es einmal formulierte – das Zusammensein und Stillhalten zu lehren.
Astrid Näff