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Beschreibung
In früheren Zeiten entstand der "Klassische Sizilianer" nach beidseitiger Springerentwicklung auf die Felder f3, f6, c3 und c6 in Verbindung mit ...e6. Mittlerweile hat sich die Terminologie ein wenig verschoben: die Stellungsbilder, die unser Buch untersucht, ergeben sich allesamt nach den Eingangszügen 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6, auch wenn sich - druckfeblerbedingt - auf Seite 145 gleich zwei Mal eine falsche Zugfolge (5..."Nc6" statt d6) befindet.
Die beiden Autoren Raetzky und Chetverik, ersterer russischer Großmeister und sein Partner immerhin mit IM-Würden dekoriert, präsentieren ihrem Publikum rund um zunächst 34 ausgewählte Partien aus dem Zeitraum 1986-2006
a) den Englischen Angriff (6.f3)
b) seltene Fortsetzungen im 6. Zuge (6.g3/6.f4)
c) die Boleslawsky-Variante (6. Le2 e5)
d) das scharfe 6.Lc4
e) den Sozin-Angriff (6.Lc4 nebst 0-0)
f) den Velimirovic-Angriff (6. Lc4 nebst 0-0-0)
g) den Richter-Rauser-Angriff (6.Lg5)
h) die traditionelle Fortsetzung (6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7)
i) die moderne Fortsetzung (7....a6).
Summa summarum sind es übrigens 35 komplette Partien, denn auch der berühmte Oldie zwischen Robert Fischer und Efim Geller aus dem Jahre 1967, gespielt im damals jugoslawischen Skopje, wurde mit in das Theoriewerk aufgenommen, welches mit einem Varianten- sowie einem Partienindex abschließt.
Kurz und bündig: die hier vermittelte Theorie basiert im Grunde auf der hinlänglich bekannten schwarzen Aufstellung des Scheveninger Systems der Sizilianischen Verteidigung. Das Kind ist lediglich umgetauft worden.
Mit freundlicher Genehmigung
E. Carl, Rochade Europa, 1/2008
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Der klassische Sizilianer charakterisiert sich durch die Zugfolge 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 und wird von fast allen Weltklassegroßmeistern gerne angewandt, obwohl seine Popularität in letzter Zeit durch andere sizilianische Varianten etwas gelitten hat. Das Autorenduo, GM Raetsky und IM Chetverik, stellt dieses System in der Everyman-Reihe "Starting Out“ nun in Buchform näher vor.
Der Inhalt des Buches befasst sich mit folgenden Abspielen: Rare 6th Moves, The Boleslavsky: 6 Be2 e5, The Sharp 6 Bc4, The Sozin Attack, The Velimirovic Attack, Bg5: The Richter-Rauzer, The Traditional 6. ..e6 7 Qd2 Be7, The Modern 7. ..a6.
Bevor ich dieses Mal, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, gleich zur Kritik übergehe, möchte ich erst die erfreulicheren Dinge ansprechen:
• das Titelbild ist, wie immer in dieser Reihe, äußerst künstlerisch gestaltet.
•der Aufbau des Buches mit einer theoretischen Einführung, Beispielpartien und zahlreichen Hinweisen, Erklärungen und Tipps macht einen guten Eindruck.
•Varianten- und Partienverzeichnis sind zufrieden stellend.
Soweit die positiven Punkte des vorliegenden Buches.
Als ich das etwas dünne Buch in die Hand nahm, wunderte ich mich, wie es den beiden Autoren gelungen sein mag, zumindest die wichtigsten Varianten dieses komplexen Systems auf 176 Seiten unterzubringen und schon da ahnte ich nichts Gutes. Nun gut, man soll auch nicht unbedingt auf die Quantität, sondern eher auf die Qualität achten und so machte ich mich daran, die einzelnen Varianten etwas näher unter die Lupe zu nehmen.
Ich muss zugeben, dass ich kein Experte im klassischen Sizilianer bin, aber eines merke ich schon und zwar, wenn man mich gehörig verschaukeln will. Das erste Beispiel das ich jetzt bringe, könnte man noch als Kompromiss dafür sehen, dass eben nicht alles ins Buch aufgenommen werden konnte wegen Platzmangel oder ähnlichen Gründen, ärgerlich bleibt es trotzdem.
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lg5 Ld7 7.Dd2 Tc8 8.Sb3 dieser Zug wird unverständlicherweise gar nicht im Buch erwähnt, dabei ist nach neuesten Analysen für Schwarz äußerste Vorsicht geboten. 8... h6 [8...a6 9.f4!? (auch 9.Le2!? e6 10.0-0 h6 11.Lxf6!? Dxf6 12.a4 Dd8 13.a5 Le7 14.Sa4 Dc7 15.Sb6 mit Angriff ist möglich) 9...b5 10.a4 b4 11.Lxf6 gxf6 12.Sd5 a5 13.Lb5 mit Angriff 1-0 Baklan,V-Fontaine,R/Zagan 1997] 9.Lxf6 gxf6 10.Ld3! Lg7 11.0-0 h5 12.Kh1 h4 13.h3 a6 14.Sd5 e6 [14...f5 15.exf5 Lxb2 16.Tae1 Kf8 17.c3 La3 18.Sd4 Se5 19.f4±] 15.Se3 Dc7 16.f4 Se7 17.f5!? Lh6 18.De1 Lg5 19.Sg4 e5 20.Sd2 mit Angriff.
Es ist unter anderem deshalb ärgerlich, weil beide Autoren in ihrem Vorwort betonen, das Buch sei gut geeignet für Spieler, die dieses System in ihr Repertoire aufnehmen wollen. Wenn aber wichtige Varianten fehlen ist ein auf dieses Buch gestützte Repertoire sehr lückenhaft und anfällig.
Hier ein weiteres erschreckendes Beispiel, wie die Autoren den ahnungslosen Leser (und vielleicht zukünftigen Sizilianischspieler) ins offene Messer laufen lassen:
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 6.Lc4 Sc6 7.Le3 Weiß spielt den gefährlichen Velimirovic-Angriff, der aber, so die Autoren, durch ihre Variante leicht neutralisiert werden kann. 7 ... Le7 8.De2 0-0 9.0-0-0 a6 10.Lb3 Dc7 11.g4 Sd7 12.Sf5 exf5 13.Sd5 Dd8 14.gxf5 Sa5 15.Thg1 Sxb3+ 16.axb3 Kh8 17.Ld4 f6 18.Dg4 Tg8 19.Sf4 Se5 20.Lxe5 g5 21.Dh5 fxe5 22.Sg6+ Txg6 23.fxg6 Dg8 24.Txg5 Lxg5+ 25.Dxg5 Dxg6 26.Dd8+ Dg8 27.Df6+= mit Dauerschach. So weit alles in Ordnung ... nur zu dumm, dass Weiß im 18.Zug die Stellung forciert gewinnen kann mit folgendem Hammerzug: 18.Sc7!!+- (dieser Zug wird von den meisten Schachengines sofort gefunden und dürfte eine Neuerung sein so weit ich feststellen kann.) 18 ... Dxc7 (18...Tb8 19.Se6 De8 20.Txg7+-; 18...Se5 19.Sxa8 Lxf5 20.exf5 Dxa8 21.Tg3 Dc8 22.Tdg1 Tf7 23.f4 Sc6 24.De6 Df8 25.Lb6+-) 19.Txg7!! mit Gewinn. Statt des Gewinnzuges 18.Sc7!! ist laut ECO auch 18.Tg3 +- (Nunn) möglich.
Wer Eröffnungsbücher schreibt, sollte die angegebenen Varianten wenigstens durch ein Computerprogramm überprüfen lassen auf mögliche Fehler, das ist hier offensichtlich nicht geschehen. Eine Unterlassung, die ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann.
Die Kritik ist umso schlimmer, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um das Kernstück des Buches handelt. Ein anderer Kritikpunkt liegt in der etwas unübersichtlichen Anordnung der Diagramme, hier sollte man über ein etwas lesefreundlicheres Layout nachdenken.
Aber ich will das Buch nicht vollends verteufeln, für ein erstes Reinschnuppern in den klassischen Sizilianer mittels der Beispielpartien könnte man es gerade noch so empfehlen, für alle anderen Zwecke ist es leider unbrauchbar, so leid es mir tut.