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Was heisst Resonanz?
Resonanz definiert für das beschleunigte spätmoderne Subjekt gelingende Weltverhältnisse, erklärt der Soziologe Hartmut Rosa in seinem neuesten Werk «Resonanz», meine Damen und Herren. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dies gelte auch und vielleicht sogar besonders für den Fall der trivialen, massenhaften Resonanz, zum Beispiel die sozialer Netzwerke. Für solche Resonanz scheint der spätmoderne Ego-Künstler alles zu tun, bis zu äussersten Formen der Entfremdung, etwa in Form der Selbstentäusserung in Castingshows. Und vielleicht zeigt sich nirgends deutlicher, wie der postindustrielle Mensch die Kategorie «Schicksal» zu eliminieren trachtet, als am spätmodernen Konzept von Berühmtheit, das «Celebrity» heisst und wie folgt geht: Jeder kann vermeintlich zum «Star» werden (oder sich jedenfalls entsprechend exponieren), denn «Celebrity» kennt keine Transzendenz, keinen jenseitigen Funken, keine übersinnliche Beigabe, im Zentrum dieses Konzepts steht nichts, was nicht rein menschlich wäre. Hier offenbart sich ein geistloser Begriff von Berühmtheit, bei dem «Prominenz» nur noch mit Präsenz zu tun hat, nicht mehr mit Bedeutsamkeit. «Celebrity» ist identisch mit «Selbstzurschaustellung», einem Konzept, das Selbstinszenierung mit Authentizität verwechselt.
Transzendenz hingegen ist laut Duden «das jenseits des Gegenständlichen Liegende, das Überschreiten von Grenzen der Erfahrung und des Bewusstseins» – und die Kunst, zum Beispiel, ist gewiss nicht der schlechteste Weg dahin. Und zwar Kunst, die dem Leben ironisch gegenübersteht, distanziert, wobei ich hier Ironie nicht als stilistisches Mittel verstehe, sondern als Haltung, das, was man in der Literatur epische Ironie nennt: die Haltung der Distanz, der inneren Reserve. Das ist die ideale Position des Künstlers. Der liberale Ironismus im Sinne Richard Rortys setzt Freiheit gegen eine vermeintliche Wahrheit und sieht Zweifel und Distanz als Methode, der Kontingenz des Daseins zu begegnen. Unser Vokabular in der Welt wäre demnach immer wieder zu erneuern und zu hinterfragen. Dies dient der Erschaffung des Selbst und fördert die Autonomie. Und eben darinnen liegt für mich der transzendentale Gehalt der Kunst. Nämlich vor allem in der Erfahrung der Selbstüberschreitung. Oder, wie der Psychologe und Philosoph William James es ausdrückte (in seiner Schrift «Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Eine Studie über die menschliche Natur.»): «Jenes eigenartige Empfinden, in dem wir den ganzen übrigen Kosmos als etwas ständig Gegenwärtiges erfahren, sei es uns vertraut oder fremd, erschreckend oder erheiternd, liebens- oder hassenswert.»
Gemeint ist die Erfahrung, dass wir uns inwendig und existenziell angesprochen fühlen von etwas ausserhalb von uns selbst. Diese Erfahrung eines daseinsmässigen Angesprochenwerdens und Gemeintseins lässt sich meines Erachtens auf rein säkularem Weg nicht erreichen. Also nicht durch Konsum, zum Beispiel. Denn was mich an der Ware interessiert, ist die Komplettierung meines Selbst. Was mich jedoch in der Kunst interessieren sollte, ist nicht zuletzt die Begegnung mit dem Anderen (eine Begegnung, die mich in meinem Selbst entweder bestätigt oder verunsichert oder korrigiert, auf jeden Fall entwickeln lässt). Nur die Kunst bietet die Möglichkeit des radikal Anderen. Erfahren wir diese Begegnung als Bejahung, ergeben sich daraus besondere Färbungen in der Empfindung von Demut, Dankbarkeit oder Ehrfurcht, vielleicht auch von Gnade. Das ist Selbsttranszendenz. Und das schaffe ich nicht mit Konsum, so herrlich dieser Prada-Anzug auch immer sein mag. Und das ist irgendwie beruhigend, finden Sie nicht?
Bild oben: Severino Seeger wurde 2015 deutscher «Superstar» und damit zur Celebrity, zumindest für ein paar Tage. Mit Kunst hat das freilich nichts zu tun. Foto: Keystone