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Es gibt Sätze, für die wäre man vor 30 Jahren für verrückt erklärt worden. So wie dieser Satz hier: «In Dubai kämpften Skirennfahrer um die Olympia-Qualifikation.»
Je vier Slaloms für beide Geschlechter fanden in den vergangenen Tagen in der Skihalle, die sich im riesigen Shopping-Zentrum «Mall of the Emirates» befindet, statt. Die Anlässe der Entry League FIS, unterhalb von Weltcup-, Europacup- und FIS-Rennen angesiedelt, dienten Athletinnen und Athleten als Gelegenheit, sich für die Olympischen Spiele 2022 in Peking zu qualifizieren.
Die Chance packte etwa Arif Khan, der sich als Vertreter Indiens die Teilnahme an den Winterspielen in China sicherte. Dazu reichten dem 31-Jährigen aus dem Kaschmir die Ränge 9, 10 und 11. Andere Teilnehmer kamen aus Kirgistan, Saudi-Arabien, Marokko oder Jordanien. Den Männer-Rennen drückten Erjon Tola aus Albanien und das Duo Emir Lokmic und Dino Terzic aus Bosnien-Herzegowina ihren Stempel auf, bei den Frauen gewann die 18-jährige Belgierin Mayte Boumans drei von vier Rennen.
In Dubai scheint fast das ganze Jahr über die Sonne. Rund 30 Grad warm ist es derzeit und damit ist es draussen auch rund 30 Grad wärmer als in der Halle, die massiv heruntergekühlt werden muss, damit Schnee-Spass und Skirennen möglich sind. «Ist es zeitgemäss, in Dubai in einer Skihalle Rennen zu fahren?», fragte Felix Neureuther in der ARD-Sportschau. Der frühere deutsche Slalom-Star gab die Antwort gleich selber: «Es ist eigentlich Wahnsinn.»
Was die Klimafrage anbelangt, sprach auch Carlos Mäder im «Blick» von einem «alles andere als tollen Gefühl», das er wegen des Fahrens in Dubai habe. Der 43-Jährige wuchs, von einer Schweizer Familie adoptiert, in Obwalden auf und ist als Skirennfahrer für sein Geburtsland Ghana unterwegs. Auf dem knapp 18 Sekunden kurzen Kurs in der Halle büsste er jeweils mehrere Sekunden auf die Schnellsten ein.
Es steckte aber noch weit mehr Schweiz in den ersten FIS-Bewerben in Dubai. Das wird beim Blick auf die Sponsorenwand bei der Siegerehrung klar. Dort klebten die Logos vom Jungfraujoch, von Interlaken oder Davos.
Eingefädelt wurde die Zusammenarbeit von der Zweigstelle von Schweiz Tourismus in Dubai. Es handle sich dabei nicht um Sponsoring, sagt Mediensprecher André Aschwanden auf Anfrage von watson. Das Engagement sei als Aktivität innerhalb des Wintermarketings von Schweiz Tourismus in Dubai zu betrachten. «Das Interesse am Skifahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten wächst, besonders innerhalb der dortigen westlichen Expat-Community, aber auch in der lokalen Bevölkerung», so Aschwanden.
Die Hoffnung: Wer in der Halle Lust bekommt, einmal in richtigen Bergen zu fahren, entscheidet sich dank Engagement vor Ort und Logo-Präsenz für die Schweiz. «Die Schweiz soll als Skidestination Nummer 1 in den Köpfen der skibegeisterten Emiratis und Expats verankert werden», sagt Aschwanden. Wer an «Skifahren» und «Winter» denkt, soll automatisch eine Verbindung zur Schweiz herstellen.
Die Skihalle in Dubai gehöre zu den wichtigen Attraktionen des Landes, betont Aschwanden, sie finde lokal und global immer wieder öffentliche und mediale Beachtung. «Wenn der Schweizer Winter hier von dieser Beachtung profitieren und sich sichtbar engagieren kann, ist das ideal und entspricht unseren Zielen.»
Das andere Ziel der Kooperation ist es gemäss André Aschwanden, langfristig eine Athletin oder einen Athleten aus den Emiraten an die Olympischen Winterspiele zu bringen. «Auf dem Weg dahin sollen sie und ihre Betreuerinnen und Betreuer natürlich auch in die Schweiz reisen und dort trainieren.» Das können auch die bei den Hallen-Rennen erfolgreichen Athleten anderer Länder: Die an der Aktion beteiligten Ski-Destination spendeten als Siegerprämien Hotelübernachtungen oder Skipässe.
«Damit kann einerseits das Interesse in dieser Region für Schnee und Winter geweckt werden», erklärt Kathrin Naegeli von den Jungfraubahnen gegenüber watson. Andererseits könnten die Bahnen mit dem Jungfraujoch Schnee und Eis an 365 Tagen im Jahr garantieren und so für Reisen in die Region werben. «Das entspricht der Strategie der Jungfraubahnen, auf allen internationalen Märkten präsent zu sein.»
Christoph Leibundgut von Interlaken Tourismus ergänzt: «Arabische Gäste lieben Wasser in allen Farben und Formen – auch Schnee. Genau das finden sie in den kommenden Monaten wunderbar hier bei uns.» Deshalb habe man sich an den Rennen in Dubai präsentiert.
Bei Ovomaltine-Hersteller Wander hiess es auf Anfrage, der Mittlere Osten und speziell Dubai sei ein Export-Fokusmarkt für den Brotaufstrich Ovomaltine Crunchy Cream. «Durch die Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus ist die Idee entstanden, die Themenbereiche Swissness, Winter und Skifahren mit unserem schönen Reiseland Schweiz zu verbinden», führt Mediensprecherin Michèle Ernst aus.
Dubai könnte, ginge es nach dem im Sommer neu gewählten FIS-Präsidenten Johan Eliasch, dereinst sogar Austragungsort von Weltcuprennen sein. Nach seiner Wahl sprach der Schwede davon, dass Hallen-Rennen «durchaus Potenzial haben könnten, vor allem über den Sommer hinweg.» Natürlich müsse man dies genau analysieren, «aber ausschliessen will ich die Möglichkeit nicht.»
Gleichzeitig betonte Eliasch, dass er sich für einen umweltfreundlicheren Wintersport einsetzen wolle. Die FIS strebt die Halbierung ihres ökologischen Fussabdrucks bis 2030 an und kündigte ein Regenwald-Schutzprogramm im Amazonas an. Dank diesem will der Weltverband schon 2022 klimapositiv werden.
Die vielen Reisen sind aus Klimaschutz-Sicht der wohl grösste Kritikpunkt am Ski-Weltcup. 75 Slalomfahrerinnen aus aller Welt reisten mit ihren Trainern, Serviceleuten und weiteren Betreuern am vergangenen Wochenende für zwei Rennen nach Levi, hoch oben in Finnland, nördlich des Polarkreises. An diesem Wochenende gastiert der Frauen-Tross in Killington (USA), die Männer bestreiten derweil den Speed-Auftakt im kanadischen Lake Louise. Laut dem «Blick» reisen jeweils inklusive den Athleten rund 400 Personen an ein Weltcup-Rennen.
Eine Reise des Ski-Trosses nach Dubai wäre so gesehen nicht anders als eine nach Aspen oder Kvitfjell. Zum Flug käme im Gegensatz zu herkömmlichen Ski-Destinationen allerdings der immense Aufwand hinzu, mit der die Halle unter der arabischen Sonne gekühlt werden muss, was ökologisch ein eher fragwürdiges Unterfangen darstellt.
Allerdings finden Weltcup-Rennen schon lange auf Kunstschnee statt, weil die Unterlage besser zu präparieren ist. Und die Kunstschnee-Produktion in den Bergen gilt ebenfalls nicht als umweltfreundlich, wegen des Wasser- und Stromverbrauchs ebenso wie wegen der gegenüber echtem Schnee anderen Belastung für die Natur.
Viele Athleten wissen, dass die durch ihren Sport verursachte Fliegerei dem Klima schadet. Der Schweizer Slalom-Spezialist Daniel Yule sagte etwa der NZZ, er sei sich bewusst, dass er «mehr Teil des Problems als Teil der Lösung» sei. Es sei nicht leicht, damit zu leben. «Ich stelle mir oft die Frage, ob es das wert ist.» Er versuche, den eigenen Einfluss auf das Klima wenigstens im Kleinen zu verringern. Zudem spendete Yule auch schon einen wesentlichen Anteil seines Preisgelds einer Klimaschutz-Organisation.
Wer schon länger dabei ist, hat sicher festgestellt, wie viel kleiner die Gletscher, auf denen von Frühling bis Herbst trainiert wird, geworden sind. Zuletzt äusserte mit der Amerikanerin Mikaela Shiffrin die erfolgreichste Athletin der vergangenen Jahre den Gedanken, ihre Karriere vielleicht aus Gründen des Umweltschutzes zu beenden. Und die Schweizer Olympiasiegerin Michelle Gisin sagte zur Tatsache, dass sie in einer Saison zehntausende Kilometer weit reist, offen: «Wegen dieses Widerspruchs habe ich natürlich ein schlechtes Gewissen. Aber was soll ich tun? Ich liebe den Skisport, er ist mein Beruf.» Sie wolle immerhin ihre grosse Reichweite dafür nutzen, auf die Problematik aufmerksam zu machen, so Gisin.
Mit der Viel-Reiserei ist der Skisport nicht alleine. Ein besonders krasses Beispiel ist die Formel 1, die in den vergangenen drei Wochen zuerst in Mexiko, dann in Brasilien und schliesslich in Katar gastierte. Und Fussballteams, die selbst kürzeste Distanzen im Flugzeug zurücklegen, glänzen damit auch nicht als Vorbilder.
FIS-Präsident Johan Eliasch, zuvor Geschäftsführer beim Skihersteller Head, will den Sport ausserhalb der Alpenländer populärer machen und neue Märkte erschliessen. Vielleicht geschieht das nicht nur aus monetären Motiven, sondern auch wegen des Klimawandels. Gerade in tieferen Lagen – Kitzbühel beispielsweise liegt bloss auf 760 Metern über Meer – wird wohl je länger je weniger Schnee fallen. Da verspricht das Projekt einer Abfahrt am Matterhorn, mit einem Start auf rund 4000 Metern, mehr Schneesicherheit.
Adelboden, das Lauberhorn, Kitzbühel, Garmisch-Partenkirchen oder Val d'Isère – das Herz des Skisports schlägt in den Alpen. Hallen-Rennen in Dubai als Alternative? Selbst wenn die Alpen einmal keinen Schnee mehr haben sollten, kann man sich das nur schwer vorstellen. Wobei man dies vor 30 Jahren wohl auch beim Satz dachte: «In Dubai kämpften Skirennfahrer um die Olympia-Qualifikation.»
Im Herbst 2017 kam der FCL unter Cheftrainer Markus Babbel nicht mehr voran. Luzern ging als Vorletzter in die Winterpause, mit drei Punkten Reserve auf Sion. Es drohte der Abstieg nach zwölf Saisons im Oberhaus. Die Trennung war unvermeidlich, zumal sich Babbel in den letzten Tagen seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit mit Vorstand und Sponsoren verkracht hatte.