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Alle Bedingungen für erfolgreichen Ackerbau lassen sich durch menschlichen Fleiß herbeischaffen, vor Allem geeignetes Bodenmaterial und zweckmäßige Berieselung; was wir aber nicht in unserer Gewalt haben, das ist die Sonnenwärme, und gerade diese ist die wertvollste und wirksamste von allen Zutaten; denn ohne Sonnenschein kann weder die Traube, noch die Kartoffel, die Rübe, der Apfel oder das Korn zur Reife gelangen. Alle Mühe des Landmanns ist vergebens,
„— — — wenn Hagel den Weinberg schlägt,
Das Feld zum Lügner macht und der Baum nichts trägt
Der Nässe anklagt bald, bald Fröste,
Bald auch die Glut, die den Grund ihn röste.“
(Horat. Lib. III. Ode 1.)
Nehmen wir aber an, dass der Sonnenschein zur rechten Zeit nicht mangle, ja, dass eher zu viel als zu wenig dasei, so können wir durch Berieselung der Äcker nach Sonnenuntergang dem Sonnenschein des nächsten Tages reichlich zu tun geben, vorausgesetzt, dass der Erdboden die natürliche chemische Zusammensetzung habe, die der Getreidebau verlangt.
In dieser Beziehung finden wir, dass auch die Getreidearten lediglich verwandelte Steine, Luft und Wasser sind; immer wieder ist es das gleiche Material, das zurückbleibt, wenn wir die Kohlenwasserstoffe samt dem Ammoniak verbrennen. Phosphorsäure, schwefelsaure und kieselsaure Kalkerde, Magnesium, Kali und Natron, Mangan und Eisen, also das Urgestein und seine Zersetzungs-Produkte, bleibt als staubförmige Asche vom Weizen und Roggen, vom Hafer und von der Gerste, vom Reis und vom Mais, von der Hirse und vom Buchweizen zurück. Nur die Mischungsverhältnisse sind verschieden.
Der Mais verlangt viel schwefelsaure Kalkerde und außerdem unter allen Getreidearten das meiste Kali, aber das wenigste Natron. Wenn er folglich gedeihen soll, muss er Gips und Kali-Feldspat haben.
Der Hafer verlangt im Gegensatz zum Mais viel Natron und von allen Getreidearten die meiste Kieselsäure. Aus diesem Grunde schlugen die Kulturversuche mit amerikanischem „Triumph-Hafer“ fehl, weil man nicht zugleich die amerikanische „Triumph-Erde“, nämlich den natronhaltigen Porphyr von dem Erfurter Samenhändler bezieht. Umgekehrt wird unser gewöhnlicher Hafer sofort in Triumph-Hafer-Protoplasma verwandelt, wenn man ihn in natronhaltigem Erdreich aussät.
Der Reis hingegen verlangt viel Magnesium, wovon der Hafer nur wenig enthält.
Weizen und Roggen beanspruchen vor allem Phosphorsäure, aber nur wenig Schwefelsäure. Man kann daher sicher sein, dass die Ausnutzung der phosphatreichen menschlichen Exkremente, wenn dieselben zweckmäßig behandelt werden, das denkbar günstigste Maß erreicht, falls man sie ausschließlich dem Gersten-, Roggen- und Weizenacker zuführt.
Nach dieser Richtung hin gibt es für die landwirtschaftlichen Vereine tausendfältige Frucht in Gestalt von Dank zu ernten, während gegenwärtig ihre verkehrten Maßregeln durch den natürlichen Verstand korrigiert werden müssen.
Hätten gewisse Leute eine Ahnung davon, wie der praktische Landmann über sie denkt, so würden sie sich schwerlich länger in der Rolle gefallen, die nur zu sehr die Vergleichung mit dem Ritter von la Mancha und seinem Kampf gegen Windmühlenflügel herausfordert und die von einem feinen Kopf in folgender Weise illustriert worden ist:
Um den Nebel, der uns leise
Hat die Augen lang verhüllt,
Zieht Statistik ihre Kreise,
Denn sie gibt das rechte Bild.
„Wieviel Pferde, wieviel Rinder?“
„Wieviel Schulden, wieviel Geld?“ —
„Wieviel Schweine, wieviel Kinder,
„Und was sonst der Bauer hält?“ —
Dazu kommt die Wucht des „Wissens“
Aus der „Lehrer“ weiser Hand;
Bücherführung, Kalidünger,
Und was sonst uns unbekannt,
Bis der unglückselige Bauer,
Der dies alles besser kennt,
Vor dem Fortschritts-Weisheitsschauer,
Geradeswegs zum Teufel rennt.
Auf der Grundlage, dass wir die Asche der Körner samt der des Strohs berücksichtigen, wie dies zur Beurteilung des Protoplasma notwendig ist, unterrichten uns über die Bedürfnisse der verschiedenen Getreidearten die folgenden durchschnittlichen Verhältnisse der Aschenteile:
Kali im Mais 199, in der Gerste 141, im Hafer 139, im Roggen 131, im Reis 127, im Weizen 104.
Natron im Hafer 33, im Reis 31, in der Gerste 26, im Weizen 18, im Roggen 16, im Mais 7.
Kalkerde im Mais 53, im Weizen 52, im Hafer 46, in der Gerste 38, im Roggen 36, im Reis 35.
Magnesium im Reis 77, im Mais 44, in der Gerste 39, im Weizen 33, im Roggen 32, im Hafer 29.
Kieselerde im Hafer 335, in der Gerste 295, im Weizen 285, im Roggen 240, im Mais 182, im Reis 165.
Phosphorsäure im Weizen 105, im Roggen 101, im Mais 93, in der Gerste 91, im Hafer 73, im Reis 33.
Schwefelsäure im Mais 26, in der Gerste 21, im Reis 20, im Hafer 19, im Weizen 16, im Roggen 12.
Die Ziffern für Kali, Kalkerde, Magnesium und Kieselsäure weisen unverkennbar auf das Urgestein als Quelle hin. Ohne zertrümmerten Feldstein kann kein nennenswerter Ertrag an Korn erzielt werden, wennschon immerhin ein gewisses Wachstum selbst aus reinem Sand und Glimmer (kieselsaures Magnesium) mit Hilfe von Wasser und Sonnenschein zustande kommen kann; aber Grasblüten und Früchte gibt es in solchem Falle nicht, denn diese verlangen absolut phosphorsaure Tonerde, wie sie im natürlichen Gestein enthalten ist. Aus bloßem Sand und Glimmer, nebst atmosphärischer Kohlensäure, Seewasser und Sonnenschein geht der blüten- und fruchtlose Strandhafer (Avena sterilis) hervor, und zwar urgezeugt, weil er weder Phosphorsäure, noch Schwefelsäure enthält und daher nicht aus Samen entstanden sein kann, denn jeder Same enthält Phosphorsäure und Schwefelsäure, die in das Gewächs übergehen, das aus ihm entsteht.
Es liegt nun nach den oben mitgeteilten Aschenverhältnissen auf der Hand, dass sich auch öder Sandboden für den Getreidebau wertvoll ausnützen lässt, wenn man ihn mit Gips, Kreide und Gebirgsmehl düngen wird. Jedes Pfund von solchem Steingemisch liefert mit Wasser und Sonnenschein mindestens 3 Pfund Körner und Stroh, also, wenn man ihren Handelswert erwägt, gegen 3.000 Prozent Gewinn.
Wie würden die landwirtschaftlichen Vereine mit einem Schlage ihr gesunkenes Ansehen emporhissen, wenn sie sich in solches Sandland einmal gründlich „hineinlegten“, nicht mit ihrem Rat, sondern mit praktischer Tat.
„Ist kein Dalberg da?“ — Hier gilt es, vor Kaiser und Reich den ersten Ritterschlag zu empfangen auf gänzlich brachliegendem Gebiet. —
Hier, beim Thema vom Getreidebau, sind wir nun in der glücklichen Lage, dem Kranz der Urzeugungs-Tatsachen, die im Kapitel von den Metamorphosen erwähnt worden sind, seine strahlendste Blüte einzuflechten und zugleich das befestigende Band zu schlingen, welches Anfang und Ende dieses Buches zusammenknüpft.
Nachdem ich damit begann, Beispiele für die Urzeugung von Insekten bei gewöhnlicher Sommerhitze vorzuführen, habe ich (s. S. 15) ein weiteres Zeugnis für die urzeugende Wirkung der Backofenhitze hinzugefügt. Daran schließt sich nun als Drittes das Produkt einer modernen Abart von Hitze, nämlich der Dampfmühlenhitze.
Robert Mayer’s Lehre von der Äquivalenz oder dem Äquiliber (Gleichgewicht) der Teilkräfte, zu der ihn die gleichförmig machende Wirkung des gleichförmigen Javanischen Klimas auf Arterien- und Venenblut veranlasste, wird hierdurch glänzend gekrönt.
Wir machen nämlich die siegreiche Entdeckung, dass ganz neue Arten, ganz neue, bis dahin unbekannte Formen, durch Urzeugung entstehen, wenn wir unter Ausschaltung von Tag und Nacht eine neue Modifikation der zusammenwirkenden Teilkräfte Substanz, Wärme und Zeit eintreten lassen.
Dass durch Verschiebung oder Ausschaltung von Substanz, nämlich von Protoplasma-Bestandteilen des Nahrungspflanzenmaterials, je nachdem, ob kalte Nässe, warme Nässe oder trockene Wärme als mitwirkende Faktoren auftreten, abweichende Formen entstehen, haben wir an zahlreichen Beispielen studiert. Im einen Fall entstanden Schimmelpflanzen, im anderen (nach Gewitterregen) Moose und Flechten und Hutpilze; im dritten Fall entstanden Insekten.
Wenn nun die Wärme, die eine Lebensbedingung für Insekten ist, in einer Weise wirkt, die eine Abschattierung durch die zur Nachtzeit ausgeschaltete Sonnenwärme unmöglich macht, so entsteht eine neue Insektenform.
Seitdem wir nämlich Dampfmühlen haben, die Tag und Nacht hindurch arbeiten und worin beständig eine gleichförmig hohe Temperatur waltet, entwickelt sich dort, ohne Rücksicht auf Sommer und Winter, das ganze Jahr hindurch aus dem Getreidemehl eine ganz neue Schmetterlingsart, der sogenannte Kühns-Mehlzünsler (Ephesia Kühniella Zeller).
Das Vaterland dieses Insekts ist weder Ostindien, noch Westindien, sondern das Mühlen-Etablissement, die feine phosphorreiche Mehlstaub-Substanz ist die Stammmutter; und der warme Hauch, der über dem Ganzen brütet, der Stammvater des Mehlzünslers. Es waltet hierbei Urzeugung, wie bei den Obstmaden und Rübenwürmern, und das um so gewisser als in den Getreidekörnern fertiges Lecithin (Nerventalg) vorrätig ist.