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Februar2017
Noch mehr Unerfreuliches aus der Szene der Hobbytaubenzüchter. Gemäss Tages-Anzeiger vom 12. Januar 2017 muss sich ein 36-jähriger Kosovare aus dem Zürcher Unterland demnächst vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Es handelt sich landesweit um den zweiten bekannten Fall eines Falkenhassers, der eruiert werden konnte. Die Staatsanwältin wirft dem Mann vor, im März 2016 einer Taube ein hoch toxisches Pflanzenschutzmittel auf den Nacken- und Schulterbereich aufgetragen zu haben. Danach liess er die Taube fliegen und hoffte, dass ein Greifvogel sie schlagen würde. Laut Anklageschrift konnte die Taube aber eingefangen werden, bevor sie Beute eines Wanderfalken, Habichts oder Sperbers wurde. Damit die Ködertaube nicht wieder in den Taubenschlag zurückkehrte, hatte der Beschuldigte den Ein- und Ausflugsschaft des Taubenschlags verschlossen. Die Staatsanwältin verlangt für den Angeklagten eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten wegen Tierquälerei. Zudem soll er eine Busse von 1500 Franken und die Untersuchungskosten von 8000 Franken bezahlen. Im vergangenen Juli war vom Bezirksgericht Dielsdorf in einem ähnlichen Fall bereits ein 42-jähriger Mann wegen Tierquälerei zu einer bedingten Strafe von elf Monaten und einer Busse von 4000 Franken verurteilt worden.
Die beiden Taubenzüchter gehören zu einer speziellen Gruppe. Diese Männer, meist Leute aus dem Balkan, züchten nicht Brieftauben, sondern Flugtippler oder Hochflieger. Das sind Ausdauerflieger, die nicht weite Distanzen fliegen, sondern in Sichtweite ihres heimatlichen Taubenschlages in der Luft bleiben. Die Züchter schliessen Wetten auf die Tiere ab: Die Taube, die am längsten in der Luft bleibt, gewinnt. Der Weltrekord soll 22 Stunden betragen. Im Fall des verurteilten Züchters war seine Taube, eine Serbische Hochfliegertaube, nach neuneinhalb Stunden von einem Greifvogel geschlagen worden. In einschlägigen Internetforen von Züchtern und Haltern von Serbischen Hochfliegern wird unverhohlen zum «Krieg zur Ausrottung» der Greifvögel durch so genannte „Kamikaze-Tauben“aufgerufen.
Um es kurz zu fassen: Uns Menschen und dem Planeten Erde ginge es deutlich besser. Ein Forscherteam der Universität Oxford hat diese Frage untersucht und die Auswirkungen berechnet. Was die Menschen betrifft: Die Sterberate sänke um etwa sieben Prozent, was jährlich sieben Millionen Tote weniger bedeuten würde (Zyniker – oder Realisten – würden einwenden: Je weniger Menschen auf der Erde, umso besser für sie…). Doch was der Erde wirklich helfen würde: Aus der Nahrungsmittelproduktion gelangten zwei Drittel weniger Treibhausgase in die Atmosphäre. 20 Milliarden Hühner, 1,5 Milliarden Kühe und je eine Milliarde Schafe und Schweine würden nicht mehr gebraucht. Dadurch würden 33 Millionen Quadratkilometer Land frei, auf denen die Tiere derzeit gehalten werden. Das entspricht ungefähr der Fläche Afrikas, die Ackerfläche für den Futtermittelanbau noch nicht einmal mitgerechnet. Mehr Obst- und Gemüseanbau würde natürlich auch mehr Flächen benötigen. In der Summe aber könnten viele ehemalige Weideflächen wieder zu Wald werden – und der absorbiert sehr effektiv klimaschädliches CO2. Vor allem aber fiele einer der grössten Klimakiller weg: Das Methan, das vor allem Rinder bei der Verdauung produzieren – ein Gas, 25 Mal so klimaschädlich wie CO2. Die Tierhaltung insgesamt stösst heute mehr Treibhausgase aus als alle Flugzeuge, Züge und Autos zusammen. Schliesslich würde sich eine fleischlose Ernährung geradezu revolutionär auf den Wasserverbrauch auswirken. Siebzig Prozent weniger Wasser bräuchten wir laut dem kanadischen Wissensportal AsapScience, wenn sich die ganze Welt vegetarisch ernähren würde. Weil nur schon diese Vision vorläufig ziemlich utopisch erscheint, hat wahrscheinlich noch niemand die Rechnung für eine vegane Welt gemacht. Aber heute beginnen, weniger oder kein Fleisch mehr zu essen, ist Winwinwin: Für die Erde, für uns und vor allem für die Nutztiere.
„Es gibt zwei Kategorien von Tieren. Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt, und die andere hat darunter zu leiden. Die eine nennt sich selbst <Menschen> und die anderen sind eben nur <Tiere>.“
So beginnt die Einleitung in Richard David Prechts Buch „Tiere denken“. Der deutsche Philosoph schlägt einen grossen Bogen von der Evolution und Verhaltensforschung über Religion und Philosophie bis zur Rechtsprechung und unserem Verhalten im Alltag. Undogmatisch, mit Scharfsinn und Witz fragt er, ob wir Tiere jagen und essen, sie im Zoo in Käfige sperren und für Experimente benutzen dürfen. Und er macht eine gewagte Prognose: In zwanzig Jahren wird es in Deutschland keine Massentierhaltung mehr geben. In-vitro-Fleisch soll es möglich machen.
Ein tolles Buch für alle, die sich für unser kompliziertes und widersprüchliches Verhältnis zu den anderen Tieren interessieren.
Precht Richard David, Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen, Wilhelm Goldmann Verlag München 2016, ISBN 978-3-442-31441-6
Blutfarmen: Ein Millionengeschäft wird von wenigen Profiteuren im Verborgenen praktiziert. Mit brutalen Methoden wird in Südamerika tragenden Stuten Blut abgezapft. Aufnahmen von Tierschützern mit versteckter Kamera zeigen allein von einer Farm rund 100 Szenen von geprügelten Pferden. Um die Tiere in die Blutentnahme-Boxen zu bewegen, schlagen ihnen die Farmarbeiter mit Holzscheiten und Elektro-Peitschen auf den Kopf. Ihre Fohlen werden nach 140 Tagen Trächtigkeit vorzeitig von Hand abgetrieben, damit die Stuten schnell wieder trächtig werden und als Blutlieferanten weiter genutzt werden können. Aus dem Blut wird das Hormon PMSG (Pregnant mare serum gonadotropin) gewonnen, das in der Ferkelproduktion der Schweineindustrie eingesetzt wird. PMSG macht es möglich, dass Muttersauen wenige Tage nach dem Absetzen der Ferkel wieder besamt werden können. Ein weiterer Vorteil für die Schweinemäster: Mit PMSG kann die Gleichzeitigkeit der Ferkelproduktion gesteuert werden. Alle Muttersauen werden gleichzeitig trächtig und gebären auch gleichzeitig. Kein Tierschutzgesetz schützt die Stuten in Südamerika vor dem Blutgeschäft. Immerhin scheint in Europa nun endlich Bewegung in das skandalöse Geschäft zu kommen. Nach jahrelangem Lobbying von Tierschutzorganisationen und Abwiegeln durch die Behörden forderte das Europäische Parlament im Frühling 2016, den Import von PMSG aus Qualproduktion zu verbieten. Die europäische Kommission allerdings, die dem Antrag des Europäischen Parlaments zustimmen und ein Importverbot von PMSG durchsetzen müsste, hat bisher nicht reagiert.
Im Frühjahr 2016 veröffentlichte das Bayerische Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eine Studie über Bayerische Schlachthäuser. http://www.sueddeutsche.de/bayern/exklusiv-wie-in-bayerischen-schlachthoefen-schweine-gequaelt-werden-1.3285117
Bei jedem vierten elektrisch betäubten Schwein in den untersuchten zwanzig grossen bayerischen Schlachthöfen kam es zu „Problemen“. Im Zeitraum der Studie (Januar 2014 bis Januar 2015) erfüllte zum Beispiel der Bio-Schlachtbetrieb Chiemgauer Naturfleisch nicht einmal die Hälfte der gesetzlichen Vorgaben zur Betäubung. Die Betäubungstiefe der Schweine sei „oftmals nicht ausreichend“ gewesen, mehrere Tiere hätten „auf Grund von elektrischen Stromschlägen Lautäußerungen“ von sich gegeben, ein Anzeichen für starke Schmerzen.
Auf der Homepage der Chiemgauer Naturfleisch liest man unter „Philosophie“:
„Die ökologische Landwirtschaft ist die zeitgemässe Form, die Fruchtbarkeit der Erde mit einer vielfältigen Pflanzengemeinschaft zu erhalten und einen ehrfurchtsvollen Umgang mit den anvertrauten Tieren zu pflegen.“ http://www.chiemgauer-naturfleisch.de/index.php?id=15
Gilt das auch noch am letzten Tag im kurzen Leben eines Bio-Schweins?