Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03249.jsonl.gz/626

I pizocal da Bond
Das Bondasca-Tal wird vom gleichnamigen Bach durchquert, dessen Wasser in Sprüngen hinabfliesst, sich zuerst an den Sciorafelsen bricht, um dann die Moränen der Gletscher zu umschmeicheln und sich auf den Weg durch das raue Tal zu machen, das bis Marlun immer tiefer und enger wird. Hier sind die Felsen auf beiden Seiten der Schlucht sehr hoch, während Jahrtausenden von Wasser geglättet, nicht weit voneinander entfernt. Eines Tages beschlossen die Bondarini, sie zunächst mit einer kühnen Holzbrücke, dann mit einer Steinbrücke zu verbinden: dem sogenannten Punt Marlun. Die unvorsichtigen Kinder bleiben gerne auf dieser Brücke stehen, um grosse Steine in den Abgrund zu werfen und den Aufprall und das taube Echo in ihren Kehlen wiederholt zu hören. Gleich unter dem Punt Marlun stürzt das Wasser der Bondasca mit solcher Vehemenz in eine Art dunklen Kessel, in dem es mit grossem Lärm und Schaumspritzern zu kochen scheint. Die Bondarini, beim Anblick des sprudelnden und ... kochenden Wassers, dachten daran daraus einen Gewinn zu erzielen. Es ist bekannt, dass seit der Antike, Reis und Mehl die Lieblingsspeise der Menschen in Bondo sind: Reis wird auf verschiedene Arten gekocht und gegessen. Mit Mehl machen sie "Pizocal". Nachdem er lange Zeit vom Punt Marlun aus das Wasser unten beobachtet hatte, sagte ein Holzfäller eines Tages zu seinen Begleitern:
- Warum sich so viel Mühe geben Holz zu suchen damit unsere Frauen kochen können. Schütten wir das Mehl in den Topf und laufen dann zur anderen Brücke weiter unten: die "Pizocal" kommen schön gekocht im Sieb an. Alles, was übrig bleibt, ist die Mühe, sie zu essen. Alle fanden den Vorschlag sehr weise. (Nicht umsonst werden die Bondarins "i bundarin narr" genannt!).
Am nächsten Tag wollten die Holzfäller, nachdem sie einen Sack Mehl den die Gemeinde kostenlos an die Patrizier verteilt hatte auf einem Wagen hinaufgetragen hatten, es heimlich testen. Da sie alle Männer waren, wussten sie nicht, wie man die "Pizocal" macht.
Sie hoben den Sack an den Rand der Brücke, öffneten seine Öffnung und... leerten den gesamten Inhalt in das Wasser, das weiterhin vor sich hinmurmelte, als ob nichts geschehen wäre. Dann rannten sie mit dem Sieb auf dem Kopf los und ahmten Don Quijote nach.
Als sie in der Ortschaft "Sot Punt" ankamen, gingen sie zum Ufer des Baches hinunter und versuchten, indem sie das Sieb ins Wasser steckten, die "Pizocal" zu fischen. Aber diese kamen nie an: vielleicht kochen sie immer noch unter dem "Punt Marlun", während die "bundarin narr", die auf Frauen verzichten wollten, immer noch mit offenem Mund darauf warten, dass die "Pizocal" ankommen ...