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Covid-19 senkt die Lebenserwartung der 65-Jährigen
Im Vergleich zum Jahr 2019 sank die durchschnittliche Lebenserwartung der 65-jährigen Frauen um 0,5 Jahre auf 22,2 Jahre und der 65-jährigen Männer um 0,7 Jahre auf 19,3 Jahre.
Bei der statistischen Lebenserwartung handelt es sich nicht um eine Prognose, sondern im Wesentlichen um den IST-Zustand in einem vergangenen Jahr.
Bei den abgebildeten Zahlen handelt es sich um die durchschnittliche Lebenserwartung von 65-Jährigen:
Bei den Männern sei noch nie ein so starker Rückgang innerhalb eines Jahres beobachtet worden, teilt das BFS mit. Bei den Frauen dagegen sei die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren im Jahr 1944 als Folge eines besonders harten Winters noch stärker gesunken.
Die Entwicklung der Todesfälle seit Beginn der Corona-Pandemie
«Spanischen Grippe» von 1918 war sechsmal tödlicher
Das Bundesamt für Statistik machte auch einen Vergleich der Corona-Epidemie mit der «Spanischen Grippe» von 1918: Damals starben 5,6 Personen je 100’000 Einwohner an jener Epidemie. Letzes Jahr waren es 0,9 Personen, die an oder mit Corona starben. Die «Spanische Grippe» traf 1918 hauptsächlich Frauen und Männer zwischen 20 und 40 Jahren, während an Covid-19 vor allem Personen über 80 Jahren starben. Während beiden Pandemien starben mehr Männer als Frauen
Erhebliche Folgen für die Finanzierung der Renten
Die Abflachung der Lebenserwartung der 65-Jährigen seit 2011 hat erhebliche Folgen für die Rentenfinanzierung. Trotzdem kalkulieren Pensionskassen-Versicherer weiterhin mit einer fast linearen Zunahme der Lebenserwartung. Mit dieser prognostizierten Lebenserwartung der über 65-Jährigen begründen sie tiefere Renten und ein höheres Pensionsalter.
Die Finanzierung der Pensionskassenrenten hängt – im Gegensatz zur AHV – zu einem wichtigen Teil davon ab, wie viele Jahre die Frauen und Männer nach der Pensionierung noch leben. Steigt die Lebenserwartung, braucht es insgesamt mehr Beiträge während der aktiven Jahre oder es kommt zu einer Senkung der Renten. Denn man geht davon aus, dass die einer Pensionskasse Angeschlossenen ihre Renten selber finanzieren. Im Trend der letzten sieben Jahre lag die zu erwartende Lebenserwartung allerdings unter der prognostizierten.
Der Kapitalbedarf der Pensionskassen hängt neben der Lebenserwartung u.a. auch von den Renditen der Kapitalanlagen und vom Umwandlungssatz – also der Höhe der zukünftigen Renten – ab.
Arme subventionieren die Reichen
Bei den bisher aufgeführten Zahlen handelt es sich um die durchschnittliche Lebenserwartung von 65-Jährigen. Die zehn Prozent wirtschaftlich Schwächsten leben rund 10 Jahre weniger lang und beziehen deshalb auch zehn Jahre weniger lang Pensionskassen-Renten als die zehn Prozent wirtschaftlich Stärksten. Die Corona-Epidemie hat diese Kluft eher noch verschärft, weil die wirtschaftlich Schwachen zu den Gefährdeten gehören, die am häufigsten schwer erkrankten und starben.
Es sind also nicht nur die Jüngeren, welche die Älteren «subventionieren», sondern – vor allem bei den Pensionskassen – die wirtschaftlich Schwachen, welche die Reichen «subventionieren». Davon ist bei den Rentenreformen viel zu selten die Rede.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.
10 Meinungen
Lebenserwartung scheint mir ein unglücklich gewählter Begriff, wenn er ein Ereignis in der Vergangenheit so berücksichtigt.
Das, was man umgangssprachlich unter «Lebenserwartung» versteht, wird nicht durch ein einzelnes Ereignis in der Vergangenheit bestimmt, sondern duch das, was man von der Zukunft erwartet. Wer die Pandemie einmal überlebt hat, wird ja nicht in zehn Jahren, wenn die Pandemie gar nicht mehr ist, daran sterben…
P.S.: Ich zweifle nicht daran, dass Urs P. Gasche den Fachbegriff «Lebenserwartung» korrekt interpretiert. Ich finde bloss, dass die Fachwelt den Begriff unglücklich gewählt hat, weil Nicht-Fachleute ihn fast zwangsläufig falsch auffassen.3 2
Ich stimme ihnen zu. Aber das offizielle Wording heisst «Lebenserwartung». Es handelt sich eher um das gegenwärtige durchschnittliche Todesalter.4 0
Der Artikel benutzt den Begriff falsch, deutlich in dem Satzfragment:4 1
‹die durchschnittliche Lebenserwartung von 65-Jährigen:›
Die durchschnittliche = mittlere Lebenserwartung ist immer die der 0- Jährigen, egal ob für die Periode oder die Kohorte berechnet.
Die Lebenserwartung der 65- Jährigen heisst fernere L., und bedeutet je nachdem, ob die Kohorte oder die Periode gemeint ist, entweder den Erwartungswert der tatsächlich noch erlebbaren Zeit (Kohorte) oder den Abstand vom mittleren Sterbealter der Periode. Kohorten- gilt prospektiv, Periodenlebenserwartung gilt retrospektiv. Statistisch ausgewiesen werden immer nur Periodenwerte, weil man die der Kohorte erst nach deren vollständigen Ableben kennt.
Machen Sie es nicht so kompliziert. Mit «durchschnittlicher Lebenserwartung von 65-Jährigen» ist verständlich ausgedrückt, wie viele Jahre 65-Jährige im Durchschnitt noch leben. Allerdings – wie im Artikel erwähnt – ist es keine Prognose, sondern der IST-Zustand. Das heisst, die im Jahr 2020 Verstorbenen haben seit ihrem 65. Geburtstag noch so und so viele Jahre gelebt. Dass dies in der Zukunft anders aussehen kann, ist im Artikel deutlich vermerkt. Man geht davon aus, dass die Sterblichkeit pro Altersjahr in Zukunft gleich bleiben würde. Der Begriff «Lebenserwartung» (auch ab Geburt) bedeutet nicht die effektiv zu erwartende Lebenszeit. Aber auf den ganzen Planeten braucht man den Begriff «Lebenserwartung». Eigentlich wäre «durchschnittliches Todesalter im Jahr X» vielleicht besser.7 0
Die Senkung der Anzahl Rentenberechtigter durch (Covid-)Tod vor Alter 85 bringt unvermeidlich die Frage nach der Gewinn- bzw. Überschussverwendung durch die Pensionskassen.
Das Argument zur Senkung des Umwandlungssatzes verliert das letzte an Substanz.4 1
Der Effekt eines saisonalen respiratorischen Virus sollte man nicht nur mit dem Kalenderjahr, sondern auch und vergleichend mit dem Winterjahr messen, also von Juli zu Juni oder September zu August.1 0
Bei der Coronapandemie fielen zwei saisonale Wellen in ein Kalenderjahr.
Es wäre interessant zu sehen, wie sich die Übersterblichkeit und die Lebenserwartung mit einem saisonalen Zeitrahmen präsentieren.
Immer wieder ist zu lesen,
dass arme Menschen «relativ früh sterben»Behandlung und wohl-habende etwa 10 Jahre länger und fröhlicher leben.
ABER – das öffentliche Begehren und Handeln nach einer unterm Strich akzeptabel Aus-Gleichenden Be-Handlung scheint diesbezüglich extrem taub und stumm und lahmend zu sein ?!
Ich denke, man sollte -endlich- dies-bezüglich mit etwas «ausgleichender Gerechtigkeit» ans Werk gehen. Was mit Sicherheit leicht von der Hand geht, da es vielfältigste Möglichkeiten für etwas mehr Aus-Gleich-Be-Handlung gibt.
Beispielsweise
die Lebens-Arbeitszeit bei bekannt «zehrenden» Berufen senken
und/oder bei «guten» Berufen anheben
die prozentualen Renten-Beiträge
bei «arm» reduzieren und bei «reich» anheben
die Rentner-Einkommen
bei «arm» nach oben nivellieren / bei «reich» nach unten nivellieren
Ein zufriedenstellender Zustand könnte dann erreicht sein,
wenn die jetzige Höhe der «ausgleichenden sozialen Leistungen» —-
die im Grund soziale UN-Gerechtigkeiten ausgleichen sollen
auf etwa 1/4 der jetzigen Niveaus zurückginge.
Warum überhaupt mit SteuerGeldern «ausgleichen»,
was zuvor un-sozialer und un-gerechter «Normal-Zustand» war ?! –
Anstatt vorsorglichst von vornherein Un-Gerechtigkeiten gar nicht erst aufkommen zu lassen ?!
Mindest alle Parteien, die das S (für «Sozial») im Namen tragen, sollten auch sozial ausgleichend regieren wollen — UND können !
Wolf Gerlach2 0
scheinbar.org
Das ist eine interessante Kurve und ein guter Bericht, Danke!2 0
Die statistische Lebenserwartung sagt sehr viel mehr aus, als die absoluten Zahlen ohne Bezug zum Alter.
Ich habe in Erinnerung, dass im Jahre 2019 die Überalterung besonders stark zugenommen hatte und in Übereinstimmung natürlich die Sterblichkleit extrem tief war. 2019 war das «gesündeste Jahr» seit vielen Jahren, es kann gewiss nicht immer so weiter gehen.
Noch interessanter als die geglättete Kurve wäre die ungeglättete Kurve mit den jährlichen Veränderungen sehen zu können.
Die geglättete Kurve suggeriert einen kontinuierlichen Verlauf, den es gar nicht gibt.
Die ungeglättete Kurve würde das Jahr 2019 als eindrückliche Spitze zeigen.
(Ich beziehe mich auf die Darlegung von Samuel Eckert.)
@Urs Lachenmeier0 2
«Überalterung», auf Menschen bezogen, ist ein recht zynischer Begriff. Fast alle wünschen sich ein langes Leben. Riesige Anstrengungen werden für die Erreichung dieses Ziels getätigt. Und wenn’s dann gelingt, dann ist es auch nicht recht?
Interessant ist hingegen die Überlegung zur Sterblichkeit 2019. Wenn diese tatsächlich ein «Ausreisser nach unten» war (bezüglich Lebenserwartung also ein Ausreisser nach oben), dann wäre eine Kompensation in die andere Richtung im Jahr danach nichts als normal.
Super Beitrag, vielen Dank Herr Gasche!0 0
Sie haben mir ein wichtiges Puzzleteil um den Herrn Meyerowitz-Katz geliefert- Er wird von Organisationen wie dem CDC gerne als Referenz zitiert, wenn es um die Incidence Fatality Rate geht. Sein Gegenspieler Joannidis geht von einer deutlich tieferen Quote aus. Beides sind Meta-Statistiker und als Laie ist es schwer einzuordnen, wer vertrauenswürdiger arbeitet:
-IFR bei Ioannitis : 0.15% https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/eci.13554
-IFR bei Meyerowitz-Katz: 0.64% https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2<ip-pii>89854v3
-Ioannidis war weithin bekanntes Statistik «Wunderkind» in der Wissenschaft bekannt geworden und hatte bis 2020 bei der WHO gearbeitet. Meyerowitz-Katz konnte ich bis anhin nicht einordnen.
Wer mehr über den Verlauf wie sich die beiden Wissenschaftler «duelliert» haben wissen möchte- in diesem Blog: https://absolutelymaybe.plos.org/2021/05/31/peering-through-the-smoke-at-a-duel-over-covids-infection-fatality-rate/
Das ist nicht nur akademisches Geplänkel, denn von der IFR hängt ab, ob man das ganze als Pandemie bezeichnen darf, aber sie ist nicht so einfach zu erheben.
Der Vergleich mit der Spanischen Grippe ist auch ausgezeichnet, hatte bis jetzt Mühe, das einzuordnen, da die Zahl der Toten ziemlich schwankt- man hatte sich damals nicht so grosse Mühe gemacht, das zu erheben.
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