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dodis.ch/31350
Mitbericht des Volkswirtschaftsdepartements zum Antrag des Politischen Departements an den Bundesrat vom 3. März 19661
I.
Wir erlauben uns zuerst zwei grundsätzliche Bemerkungen:
1. Es ist angezeigt, dass die Schweiz in Peru ihre Anstrengungen auf dem Gebiete der technischen Zusammenarbeit verstärkt. Die wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen sind dafür in Peru verhältnismässig günstig. Bisher wurden in Peru klar umschriebene Projekte, deren Anfang und Ende überblickbar sind, unterstützt2. Grundsätzlich sind solch kleinen, gut vorbereiteten, Projekten den Vorzug zu geben, gegenüber dem vorliegenden, langfristigen Projekt, dessen Ende praktisch nicht absehbar ist. Die lange Dauer von ungefähr 10 Jahren des Projektes «Centre de développement agricole et artisanal»3 im Gebiet von Ayaviri, Departement Puno, Peru, gibt uns zu ernsten Bedenken Anlass. Erfahrungsgemäss brauchen solche Projekte in lateinamerikanischen Staaten bedeutend mehr Zeit als jeweils bei der Projektierung angenommen wird.
2. Es dürfte zweckmässig sein, dieses Projekt einer erneuten Überprüfung zu unterziehen. Dabei sollte versucht werden, unsere Verpflichtungen vorerst nur auf die erste Phase zu beschränken. Für die weiteren beiden Phasen sollte sich der Bund erst verpflichten, wenn festgestellt werden kann, dass die erste Phase sich befriedigend entwickelt. Nur so kann einer unberechtigten Begehrlichkeit der peruanischen Vertragspartner gewehrt und unsere unabhängige Stellung gewahrt werden.II.
3. Die natürlichen Verhältnisse im Gebiet von Ayaviri, Departement Puno, sind ausserordentlich hart. Nur eine extensive Landwirtschaft ist in diesen windgepeitschten Höhenlagen möglich. Durch das Verbrennen des Mistes der Haustiere wird der Boden je länger je nährstoffärmer. Eine ausgedehnte Aufforstung scheiterte bis heute an der Kurzsichtigkeit der indianischen Bevölkerung und an der Energielosigkeit der kirchlichen und staatlichen Behörden4.
Es muss in diesem Zusammenhang auch darauf hingewiesen werden, dass das sogenannte Andenprojekt des Internationalen Arbeitsamtes, das bereits seit mehr als 1½ Jahrzehnten läuft, praktisch noch keine befriedigende Resultate ergab.
4. Die gleichzeitige Entwicklung eines landwirtschaftlichen und gewerblichen Entwicklungszentrums5 stellt sowohl an die Leitung, wie auch insbesondere an die Indianer, zu hohe körperliche und geistige Anforderungen. In Zwei-Jahreskursen können keine jungen Bauern im Departement Puno zu beruflich tüchtigen Männern herangebildet werden. Das Gleiche gilt, trotz ihrer natürlichen Begabung, für die handwerkliche Ausbildung dieser Leute.
5. Die Organisation des Verkaufs der landwirtschaftlichen und gewerblichen Erzeugnisse kann in viel einfacherer Form vorgenommen werden. Auch hier muss man sich an die tatsächlichen Verhältnisse anpassen.
6. Der Posten «Valeur locative de la propriété pour 10 ans que le Gouvernement péruvien devra probablement payer au propriétaire» scheint, ohne nähere Erklärung, weit übersetzt zu sein. Auch die Kosten für die Gebäude und das tote Mobiliar sind hoch. Da genügend Arbeitskräfte vorhanden sind, sollten nicht zu teure Traktoren und Maschinen angeschafft werden. Auch das Betriebskapital scheint reichlich hoch veranschlagt zu sein.
7. Auf dem Altiplano stossen zwei Welten zusammen. Der technische Fortschritt führt zu einer Entwurzelung der Indios. Bis heute gibt es keine Annäherung zwischen der indianischen und der importierten spanischen Kolonialkultur. Vier Jahrhunderte spanische Kultur sind an den Incas beinahe spurlos vorbeigezogen. Diese Tatsache muss beim vorliegenden Projekt beachtet werden6.
- 2
- Zur Entwicklungszusammenarbeit mit Peru vgl. DDS, Bd. 23, Dok. 158, dodis.ch/31347 und das BR-Prot. vom 23. April 1965, dodis.ch/31348.↩
- 4
- Zu den Problemen der Zusammenarbeit mit den peruanischen Behörden und Regierung vgl. das Schreiben von H. Hess an A. R. Lindt vom 28. Oktober 1966, dodis.ch/31407.↩
- 5
- Zum Entwicklungszentrum vgl. doss. E 2005(A) 1978/137 Bd. 140 (t.311.04).↩
- 6
- Zu diesem Mitbericht äusserte sich das Politische Departement in der Vernehmlassung vom 13. April 1966, das Volkswirtschaftsdepartement stimmte in seiner Stellungnahme vom 4. Mai 1966 dem Antrag unter dem Vorbehalt zu, dass unseren Bedenken im Mitbericht vom 18. März 1966 bei der praktischen Durchführung der ersten Phase Rechnung getragen wird. Der Antrag wurde vom Bundesrat ohne Änderungen angenommen. Vgl. das BR-Prot. Nr. 928 vom 10. Mai 1966, E 1004(-) 1000/9 Bd. 709.1 sowie das BR-Verhandlungsprot. der 30. Sitzung vom 10. Mai 1966, dodis.ch/32028: R. Bonvin bemerkt im Zusammenhang mit den Feststellungen im Mitbericht des EVD, dass es sich bei den in Frage stehenden Indios um Leute handelt, die bereits beruflich etwas vorgeschult sind und denen man Vertrauen entgegenbringen kann. Zur Koordination zwischen dem Politischen Departement und dem Volkswirtschaftsdepartement auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe vgl. die Notiz des Politischen Departements vom 6. Oktober 1966, Doss. wie Anm. 5.↩