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Glossar
Autonomes Nervensystem ANS
Teil des Nervensystems, der die glatte Muskulatur und den Herzschlag beeinflusst, unterteilt in zwei Antagonisten, Sympathikus und Parasympathikus. Über den Sympathikus werden anregende, leistungsfördernde Anreize vermittelt, während über den Parasympathikus gegenläufige erholungsfördernde Impulse laufen.
Wenn ein Teil aktiviert ist, ist der andere unterdrückt. Die „Autonomie“ bezieht sich auf den Umstand, dass über das ANS biologisch fesliegnede, automatisch ablaufende innerkörperliche Anpassungen- und Regulationsvoränge vermittelt werden, die vom Menschen willentlich nicht direkt, sondern höchstens indirekt beeinflusst werden können. Das ANS steuert, Atmung, Kreislauf, Verdauung, Stoffwechsel und Fortpflanzung.
Dissoziation
- Dissoziation ist ein Alltagsphänomen und nichts anderes als das Gegenteil von Assoziation. (Ross 1997) Wir dissoziieren und assoziieren in beinahe jede Minute unseres Lebens. Dabei fügen wir zusamnme und trennen wieder oder schieben beiseite.
- Dissoziation ist ein Abwehrmechanismus, eine Schutzfunktion des Unbewussten, mit deren Hilfe alles, was das Bewusstsein überfordern könnte, daran gehindert werden soll, ins Bewusstsein zu geraten und dort möglicherweise eine Katastrophe auszulösen.
- Eine Dissoziationsstörung entsteht dann, wenn so viel Unerträgliches erlebt wird, dass das Unbewusste all das Schreckliche, das ein Trauma bedeutet hat, unmöglich zur Assoziation im Bewusstsein frei geben kann.
- Ziel muss sein, die unerhörte, dissoziierte Geschichte zu integrieren, das Dissoziierte zu assoziieren, sich damit zu identifizieren. Dadurch wird ein notwendiger Trauerprozess eingeleitet, der viel Energie freisetzt für das Leben im Hier und Jetzt.
DIS Dissoziative Identitätsstörung
Im Mai 1994 wurde die ehemalige „International Society for the Study of Multiple Personality and Dissociation“ umbenannt in „International Society for the Study of Dissociation“. So wurde aus der multiplen Persönlichkeits-Störung die Dissoziative Identitätsstörung.
Diagnose der DIS
- Existenz von zwei oder mehreren unterscheidbaren Persönlichkeiten, die zu bestimmten Zeiten dominieren.
- Die zu einem bestimmten Zeitpunkt dominierende Persönlichkeit bestimmt das Verhalten.
- Jede einzelne Persönlichkeit ist komplex und verfügt über eigene, in sie integrierte und deutlich unterscheidbare Verhaltensmuster und soziale Beziehungen.
In der Regel sind die Wechsel mit Amnesien verbunden. Häufig weiss diejenige Person, die verschwindet nicht, was die andere Person in der Zwischenzeit tat.
Flashback
Flashbacks sind Erinnerungsblitze an erlebte, verdrängte Traumatas. Sie können durch gegenwärtige Geschehnisse, Handlungen und Körper- resp. Sinneserfahrungen wieder an die Oberfläche des Bewusstseins gebracht werden. Flashbacks können in Form von Bildern, Tönen, Gerüchen und Körperreaktionen auftreten – oft fehlen jedoch bildliche und hörbare Erinnerungen und es treten nur diffuse Gefühle oder ein Gefühl der Betäubung auf. Dieser dissoziative Zustand kann einige Sekunden bis Stunden oder sogar Tage dauern. Während eines Flashbacks verhält sich ein Mensch so, als ob die Bedrohung in der Gegenwart stattfinden würde. Während eines Flashbacks wird der Körper auf Flucht, Kampf oder Erstarrung vorbereitet.
Kettentrauma
Wurde vom BODYnamic Institut (Jörgensen 1992) benannt und beschreibt PTS oder PTSD als Resultat von 2 oder mehreren traumatischen Erfahrungen. Sie können wiederholte physische und sexuelle Übergriffe beinhalten.
Konditionierungen
- Amygdala und das mesolimbische System sind die Hauptorte der unbewussten Konditionierung.
- Konditionierung bedeutet, dass die neuronalen Repräsentationen eines Erlebnisses oder Objektes und eines emotionalen Zustandes (Angst, Freude, Wut, Trauer, Ohnmacht usw.) über synaptische Kontakte so eng miteinander verbunden sind, dass sie regelmässig zusammen auftreten. (Neurons that fire together wire together!)
- Es entsteht eine feste Assoziation von Reiz und Emotion. (Wenn …dann)
- Viele emotionale Konditionierungen finden vorgeburtlich statt, viele auch in einer Zeit, wo das deklarative Gedächtnis noch nicht ausgebildet ist. Im Alltag bringen uns diese Konditionierungen dazu, Dinge zu tun oder zu lassen, ohne dass wir wissen weshalb.
Parasympathisches Nervensystem PSN
Teil des autonomen Nervensystems, das im Ruhen oder in der Entspannung aktiviert wird:
- Herzschlag wird verlangsamt und Blutdruck gesenkt
- Bronchien und Luftröhre ziehen sich zusammen
- Darmperistaltik wird angeregt
- Blasenschliessmuskel entspannt
- Magen produziert mehr Verdauungsenzyme
- Bauchspeicheldrüse produziert Insulin und Enzyme
- Blutgefässe der Haut werden erweitert
- Blutgefässe im Innern des Körpers verengt
- Leber speicher Glukose
- Mund feucht, Gesichtshaut rosig, Pupillen verengt
PTBS ICD-11
Posttraumatische Belastungsstörung: Ein extrem bedrohliches oder entsetzliches Ereignis oder eine Reihe von Ereignissen.
Die Kriterien des ICD-10, wonach traumatische Erfahrungen Ereignisse „mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophen-artigem Ausmass“ sein müssen, wurden überarbeitet. Und endlich wird auch anerkannt, dass Menschen, die nicht selbst bedroht wurden, eine PTBS entwickeln können (Rettungssanitäter, Personal der Feuerwehr, Polizei, Zeugen von Gewalterfahrungen usw.)
Die Hauptkriterien von Wiedererleben (Flashbacks), Vermeidungsstrategien (Gedanken und Erinnerungen an das Ereignis) und erhöhte Wachsamkeit (Hypervigilanz) sind weiterhin gültig.
KPTBS
Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung: Ein extrem bedrohliches oder entsetzliches Ereignis oder eine Reihe von Ereignissen, meistens länger andauernde oder wiederholte Ereignisse, bei denen Flucht nicht möglich oder schwierig war (z.B. wiederholte sexuelle und körperliche Ausbeutung (Kindesmissbrauch), längerandauernde häusliche Gewalt, Krieg, Folter, Konzentrationslager usw.) Die Betroffenen leiden neben den Hauptsymptomen der klassischen PTBS zusätzlich unter Affektregulationsstörungen, negativer Selbstwahrnehmung und Beziehungsstörungen.
Sympathisches Nervensystem SNS
Teil des autonomen Nervensystems, das bei positivem und negativem Stress oder Erregung aktiviert wird. Zeichen für aktivierten Sympathikus:
- Herzrhythmus wird beschleunigt und Blutdruck erhöht
- Bronchien weiten sich, Luftröhre ist offen
- Darmperistaltik verlangsamt
- Blasenschliessmuskel zieht sich zusammen
- Magen reduziert Produktion von Verdauungsenzymen
- Blutgefässe der Haut ziehen sich zusammen
- Blutgefässe im Innern des Körpers weiten sich
- Schweissdrüsen öffnen sich
- Nebennieren produzieren Stresshormone
- Leber sondert Glukose ab
- Trockener Mund, ev. Blässe im Gesicht, Pubillen erweitert.
Bei Stress wird der Sympathikus durch die Ausschüttung von Stresshormonen aktiviert. Vorbereitung des Körpers auf Flucht- und Kampfbereitschaft.
Trauma
Eine psycho-biologische Reaktion auf ein traumatisches Ereignis, gekennzeichnet durch eine Hypererregung des Sympathikus auf eine extreme Bedrohung. Kann u. U. auch den Parasympathikus aktivieren.
Traumatisches Ereignis
Ein extrem bedrohliches Ereignis für sich selbst oder bedrohlich für nahe Angehörige, oder bedrohlich für die körperliche Integrität. Beispiele: Krieg, Katastrophen, Autounfall, Vergewaltigung, Überfall, Operation, Belästigung oder der plötzliche Verlust eines Angehörigen (Kind, Partner…)
Trauma-Folgestörung
In der Zwischenzeit wird anerkannt, dass es zahlreiche Trauma-Folgestörungen gibt, die sich auch überlagern können. Neben PTBS und KPTBS sind das depressive, dissoziative und Angst-Störungen, auch somatoforme Störungen wie auch die emotional instabile Persönlichkeitsstörung. Kinder, die in einem pathologischen Umfeld aufwachsen, haben entsprechend Defizite auf verschiedenen Ebenen.
Totstellreflex (Tonic Immobility)
Reaktion des ANS auf eine extreme Bedrohung. Das autonome Nervensystem ist hierarchisch geregelt. Unbewusst und schnell reagiert es autonom auf Stimuli. „Bewertet“ dieses System Lebensgefahr, reagiert es mit einer unflexiblen Notfall-Reaktionsstrategie, es erstarrt. Ausgelöst wird diese Erstarrung durch den dorsalen Vagus, der unmyelisiert ist, der den Muskeltonus, Atem- und Herzfrequenz reduziert und den Organismus „abschaltet“.