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Indikatoren: Mai 2020
Diese Indikatoren fassen die wichtigsten Resultate der KOF-Konjunkturumfrage in der Industrie und im Detailhandel zusammen. Sie bieten auch eine Übersicht über die konjunkturellen Tendenzen im Aussenhandel, Arbeitsmarkt, Bauwesen und Konsum.
Legende
Kommentar
Gravierende Folgen der Gesundheitskrise für die Weltwirtschaft
Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds dürfte das Weltwirtschaftswachstum viel stärker zurückgehen als während der Finanzkrise 2008/09. Er rechnet damit, dass das BIP 2020 um 3% schrumpfen wird. Für 2021 erwartet er ein Wachstum von 5,8%, wenn, und nur wenn die Pandemie abklingt, es zu einer allmählichen Erholung kommt und die Regierungen in der Lage sind, bedeutende Unterstützungsmaßnahmen zu gewähren. Die Prognosen des IWF sind daher mit zahlreichen Ungewissheiten behaftet: die Entwicklung der Pandemie selbst, mit einer möglichen zweiten Ansteckungswelle, die Verlängerung der restriktiven Maßnahmen, das Ausmaß der Versorgungsengpässe, der Rückgang der Finanzmärkte, mögliche strukturelle Veränderungen der Konsum- und Verhaltensmuster. Zahlreiche Länder sind mit einer Krise an mehreren Fronten konfrontiert: Gesundheitspolitik, Störung der Binnenwirtschaft, starker Rückgang der Auslandsnachfrage, Umkehr der Kapitalströme und Zusammenbruch der Rohstoffpreise. Industrieländer mit bewährter Regierungsführung, solidem Gesundheitswesen und einem gewissen geldpolitischen Spielraum befinden sich in einer privilegierten Lage, um auf diese Krise zu reagieren. Im Gegensatz dazu riskiert die Verschuldung in den übrigen Ländern exponentiell anzusteigen.
Auch die Schweizer Wirtschaft leidet unter den negativen Auswirkungen der Gesundheitskrise.
Die Expertengruppe des Bundes hat für 2020 einen Rückgang des BIP um -6,7% angekündigt, während sie im März noch von -1,5% ausging. Im Jahr 2021 liesse sich dieses Manko mit einem erwarteten Wachstum von 5,2% (3,3% im März) nur teilweise aufholen. Die Expertengruppe rechnet mit einer durchschnittlichen jährlichen Arbeitslosenquote von 3,9%, die 2021 auf 4,1% ansteigen dürfte. Infolge der zur Eindämmung der Pandemie ergriffenen Maßnahmen wurden die Aktivitäten in einigen Sektoren eingeschränkt oder suspendiert. Dies gilt insbesondere für das Hotel- und Gastgewerbe, den Einzelhandel und den Kultur- und Freizeitsektor. Selbst in den Branchen, die nicht formell geschlossen wurden, ist die Produktivität aufgrund der zu beachtenden Vorsichtsregeln gesunken. Schwierigkeiten haben sich sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite angesammelt, so dass die Covid-Krise eine Krise von Angebot und Nachfrage ist, die sich unvorhersehbar entwickelt, je nachdem, wie sich die Pandemie in den verschiedenen Regionen der Welt ausbreitet.
Der Ernst der Lage zeigt sich in den Antworten der Teilnehmer der KOF-Konjunkturumfrage vom April, die vom Einbruch der Nachfrage und der mangelnden Auslastung der Produktionskapazitäten in allen beobachteten Branchen berichten, was notgedrungen zu einer Abschwächung der Investitionen und einem Rückgang der Beschäftigung führt. Exportbranchen wie die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie die Uhrenindustrie sind noch pessimistischer als die auf den Binnenmarkt ausgerichteten Branchen. Von wenigen Ausnahmen - der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie der chemischen und pharmazeutischen Industrie - abgesehen haben sich die Indikatoren überall verschlechtert.
Die Covid-Krise hat den Schweizer Franken nicht vom Aufwertungsdruck entlastet. Die Nationalbank musste vermehrt auf dem Devisenmarkt intervenieren, um zu verhindern, dass er zu stark aufwertet, was die Ausfuhren der Schweiz verteuern und der Erholung der Wirtschaft schaden würde.
Schliesslich dürften die von den politischen Instanzen beschlossenen notwendigen Unterstützungsmassnahmen für die Bevölkerung und die Unternehmen noch lange in Form einer erhöhten Staatsverschuldung Spuren hinterlassen.
Die Wirtschaftskrise geht auch in Freiburg um
Die Freiburger Antworten auf die KOF-Konjunkturumfrage liegen sehr nahe am Schweizer Durchschnitt. Auch wenn er auf Rot steht, ist der Sammelindikator für den Geschäftsgang in der Industrie insgesamt in Freiburg weniger negativ als auf Landesebene. Die übrigen Lage- und Aussichtsindikatoren wie Bestellungseingang, Produktion, technische Kapazitäten oder Geschäftsaussichten sind in Freiburg wie in der ganzen Schweiz stark rückläufig. Die meisten der beobachteten Branchen sind betroffen, doch die beiden Ausnahmen auf Landesebene sind auch in Freiburg anzutreffen: die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie und die Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie. Erstere verzeichnet einen Aufwärtstrend bei den Indikatoren für Geschäftsgang, Bestellungseingang, Produktion und technische Kapazitäten. Die Aussichten zum Geschäftsgang in den kommenden sechs Monaten sind jedoch sehr trüb und der Exportindex ist rückläufig. Die zweite Branche, die dem Covid-Tsunami teilweise entgangen ist, die chemische, pharmazeutische und Kunststoffindustrie, meldete, dass die Lage im Vergleich zur letzten Umfrage, abgesehen von der Auslastung der technischen Produktionsmittel und dem Exportvolumen, die beide abgenommen haben, stabil geblieben ist.
Unter den Indikatoren ausserhalb der KOF-Umfrage sind ein Anstieg der Zahl der Arbeitslosen und Stellensuchenden (+524 bzw. +531 gegenüber März) und eine Explosion der Kurzarbeit zu erwähnen. Am 10. Mai 2020 waren im Kanton Freiburg fast 6'300 Unternehmen und 58'000 Personen von Kurzarbeit betroffen.
Quellen
Internationaler Währungsfonds (IWF), SNB, Bundesamt für Statistik, Eidgenössische Zollverwaltung, Seco, Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Institut Créa d'économie appliquée de la Faculté HEC de l’Université de Lausanne, Amt für den Arbeitsmarkt des Kantons Freiburg, Amt für Statistik des Kantons Freiburg