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«Q, habe ich Sie jemals enttäuscht?»
Eben waren die Augenbrauen noch herausfordernd hochgezogen, nun legt sich die Stirn in Falten. Die Augen sind zugekniffen, die Lippen zusammengepresst. Auf ein kaum sichtbares Kopfschütteln folgt ein tiefer Seufzer.
«Oft.»
17 Mal war es, um genau zu sein. 17 Mal hat Schauspieler Desmond Llewelyn als genialer Tüftler Q dem Agenten James Bond seine Erfindungen anvertraut. Und fast genauso oft wurde er bitter enttäuscht.
Desmond Llewelyn
Der walisische Schauspieler (*1914) sammelte schon als Schüler erste Theatererfahrung. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Füsilier in der britischen Armee. 1940 geriet er in Gefangenschaft und wurde für fünf Jahre in einem deutschen Kriegsgefängnis festgehalten. Nach seiner Rückkehr spielte er in einem Film des Regisseurs Terence Young mit, der ihn 1963 in seinem Film «From Russia with Love» als Quartiermeister besetzte. Diese Rolle spielte Llewelyn in 17 Filmen. In «The World Is Not Enough» verkörperte er Q ein letztes Mal. Kurz nach der Filmpremiere starb Desmond Llewelyn im Alter von 85 Jahren nach einem Autounfall.
«Passen Sie gut auf, 007»
Die Szenen sehen immer ungefähr so aus: Q führt eine Erfindung vor, Bond schnappt sie sich unbekümmert. Q mahnt zur Vorsicht, worauf Bond lächelnd versichert, dieses Mal werde er aufpassen. Dann geht Bond ab, um gegen Ende des Filmes mit einem zerstörten Gadget zurückzukehren.
In den Bond-Romanen von Ian Flemming kommt Q nicht vor. Und auch in den allerersten Filmen spielt Quartiermeister Q keine bedeutende Rolle. Doch allmählich machte Desmond Llewelyn, der ab dem zweiten Bond-Film «From Russia with Love» (1963) Q verkörperte, die Figur zur zwingenden Zutat jedes Bond-Filmes.
Eine unterhaltsame Hassliebe
Llewelyns stärkste Waffe sind nicht Laser-Uhren oder explodierende Kugelschreiber. Es ist sein trockener Humor. Der Mann mit dem stets etwas traurig wirkenden Blick schoss gerne spitze Bemerkungen gegen 007. Das macht Qs Auftritte zu einem Highlight der Filme.
Llewelyns Q wird angetrieben von höchstem Pflichtbewusstsein. Er ist steif und doch witzig. Und zwischendurch lässt er auch Wärme durchschimmern, wenn die Figur mit väterlicher Milde auf den ungestümen Geheimagenten blickt.
Schrauben an der Bond-Formel
Mit den Bond-Filmen veränderte sich über die Jahre auch Q: Als die Filme in der Zeit mit Roger Moore immer überdrehter wurden, spiegelte sich das auch in Q. Der war nun auch mal mit falschem Bart oder angeklebtem Schnauz im Ausseneinsatz anzutreffen. Ihrem Charakter blieb die Figur aber treu.
Im Verlauf der 36 Jahre, in denen Llewelyn Q verkörpert hat, sind Figur und Schauspieler zur Einheit verwachsen. Für Llewelyn war Q die Rolle seines Lebens, und ohne Llewelyn war Q schwer denkbar.
Llewelyns Vermächtnis
Doch 1999 hörte der Schauspieler auf. Nur wenige Wochen, nachdem sein letzter Auftritt als Q in die Kinos gekommen war, verstarb Llewelyn nach einem Autounfall. Er hinterliess eine Lücke, die schwer zu füllen war.
John Cleese übernahm die Rolle für zwei Filme – redlich darum bemüht, die Tradition von Llewelyn fortzuführen. Er setzte noch mehr auf Humor, machte Q etwas schrulliger. Zum ulkigen Tonfall der Filme mit Pierce Brosnan passte das ganz gut.
Neben dem harten und realitätsnahen Bond von Daniel Craig hatte der tollpatschige Cleese-Q dann keinen Platz mehr. Zwei Filme lang versuchte man, ganz ohne Q auszukommen.
Gespielt von Ben Whishaw («Das Parfüm») kehrte der Quartiermeister zurück – deutlich verjüngt, als brillanter Computer-Experte. Erhalten blieb der liebevolle Spott, mit dem Bond und Q sich bis heute begegnen. Das ist eine unübersehbare Referenz an Desmond Llewelyns Q.
Ohne die Gadgets wäre James Bond schnell aufgeschmissen. Und gleiches gilt eben auch für die Filme: Ohne Q geht’s nicht.