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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

II. Rede
32.
[S. 22] Bei den einen, welche durch den Glauben und das Bestreben, (in ihren Sünden) unbekannt zu sein, eingebildet werden, muß man genau auf alles, auch das Geringste achten. Bei anderen ist es besser, manches zu übersehen, also ― wie das Sprichwort sagt ― zu sehen und nicht zu sehen, zu hören und nicht zu hören, um sie nicht unter der drückenden Last von Vorwürfen zur Verzweiflung zu treiben, um nicht die Achtung, die Voraussetzung für erfolgreiche Belehrung zu verlieren, und schließlich Frechheit zu ernten. Bei anderen verlangt die Naturanlage zu zürnen, ohne zu zürnen, zu übersehen, ohne zu übersehen, die Hoffnung aufzugeben, ohne sie aufzugeben. Andere sind durch Milde und Sanftmut zu heilen und dadurch, daß man ihnen gute Hoffnung zu machen bereit ist. Bald ist es vorteilhafter, den Sieger zu spielen, bald den Unterlegenen. Bei den einen muß man Reichtum und Macht, bei den anderen Armut und Mißgeschick bald loben, bald verwünschen.