Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03228.jsonl.gz/1329

Kantate zu einem unbekannten Anlass, für Sopran, Traversflöte, Oboe I+II, Streicher und Basso continuo.
Nur wenige Vokalstücke Bachs tragen den originalen Titel «Cantata» – diese Komposition für Sopran, Streicher und Holzbläser führt ihn als virtuos aufspielende Betrachtung über den Quell menschlicher Zufriedenheit allerdings zu Recht. Die auf den Operntexter Christian Friedrich Hunold («Menantes») zurückgehende Vorlage lebt vom Wechsel hochsprachlicher Arien und volkstümlicher Strophenreime – eine Spannung, die Bach in einer Musik eingängiger Tanzmodelle und eleganter Linienführungen überzeugend auflöst. Den um 1726/27 anzusetzenden Kompositionsanlass kennen wir nicht. Doch muss der Auftraggeber einiges von der besungenen «Seelengrösse» besessen haben, da er die im Libretto eingestreuten Spitzen gegen Eitelkeit und Besitzorientierung nicht nur souverän annahm, sondern als Maximen einer moralischen Lebensführung propagierte.
Reflexion
Marie Luise Knott lebt als freie Essayistin, Kuratorin und Lyrikexpertin in Berlin. Für ihren Band «370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive, Hannah Arendt und Ralph Waldo Ellison» wurde sie 2022 mit dem Tractatus-Preis des Philosophicums Lech ausgezeichnet. Sie übersetzt u.a. Anne Carson und Valéry Rouzeau, schreibt für DLF und FAZ und hat beim «Perlentaucher» die Lyrikkolumne «Tagtigall». Im Frühjahr 2024 erscheint im Suhrkamp-Verlag von ihr herausgegeben der Band «Barbara Köhler, SCHRIFT STELLEN».