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26. Februar 2023, 11:00 Uhr
Pestalozzischulaus, Aarau
Lesung aus «Der Feuerturm»
Catalin Dorian Florescus neustes Werk «Der Feuerturm», das im C.H.Beck-Verlag erschienen ist, beschreibt die Geschichte von Victor Stoica und seiner Familie, die seit Generationen als Feuerwehrmänner «allesamt beim Turm, auf dem Turm, im Turm, unterm Turm, jedenfalls in seinem Schatten gearbeitet und gelebt haben». Dieser Feuerturm, der 1892 errichtet wird, steht im Zentrum der Erzählung über die Feuerwehrdynastie der Stoicas in einem ereignisreichen Jahrhundert, das von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt ist.
Victor, der 1932 zwischen den Weltkriegen zur Welt kommt und dessen Leben von einem heimtückischen Verrat gebrandmarkt ist, ist der erste, der mit den Traditionen bricht – und doch bleibt er immer an den Turm gebunden …
Catalin Dorian Florescu ist 1967 in Rumänien geboren und hat seine Kindheit in der kommunistischen Diktatur verbracht. 1982 schaffte es die Familie, sich in den Westen abzusetzen. Seitdem wohnt der Autor in Zürich, wo er Psychologie studierte. Für mehrere Jahre arbeitete er im Bereich der Suchttherapie und liess sich in Gestalttherapie ausbilden. Seit Dezember 2001 lebt er als freier Schriftsteller und arbeitet seit letztem Jahr in einem kleinen Pensum erneut als Psychologe. Seine Bücher wurden mit diversen Preisen wie dem Schweizer Buchpreis, Anna Seghers-, Josef von Eichendorff – und Andreas Gryphius-Literaturpreis ausgezeichnet.
22. Januar 2023, 11:00 Uhr
Pestalozzischulaus, Aarau
Lesung aus «Hotel der Zuversicht»
Ein einfacher Mann geht die Strasse entlang, kommt an einem Hotel vorbei und wird vom Pagen auf einem verworren gemusterten Teppich in ein ausserordentliches Zimmer geflogen: Willkommen im «Hotel der Zuversicht»! Hier treten sie alle auf, die Geschäftsmänner und Wissenschaftler, die Erfinderinnen, Privatdetektive und Spioninnen, der Modeschöpfer und die Gräfin, Schulkinder, Tanten und Verlobte, Hunde und Katzen, die Gutsherren, Räuber und Polizisten, der Seiltänzer, die Sängerin und die Rezeptionistin.
Mit kräftigen und bildhaften Strichen skizziert Michael Fehr seine Figuren und Szenen und lädt die Leser:innen in eine Welt ein, in der andere Regeln gelten. Ob als traumhafte und magische Geschehnisse oder in beziehungsreichen Konflikten – immer beleuchten die 48 Erzählungen des Bandes existenzielle Zustände des Menschseins.
Michael Fehr, geboren 1982, aufgewachsen in Gümligen bei Bern, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut und am Y Institut der Hochschule der Künste Bern. Er tritt auf als Redner, spielt Konzerte mit seinen eigenen Programmen und in Kollaborationen, wirkt mit in Theaterstücken und Filmen und gibt Workshops. Zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem der Kelag-Preis am Ingeborg-Bachmann-Preis für den Roman «Simeliberg».
24. November 2022, 19:30 Uhr
Stadtbibliothek, Aarau
Lesung aus «Tell»
Joachim B. Schmidt greift nach den Schweizer Kronjuwelen und macht aus der «Tell»-Saga einen Pageturner, einen Thriller, ein Ereignis: Beinahe 100 schnelle Sequenzen und 20 verschiedene Protagonisten jagen wie auf einer Lunte dem explosiven Showdown entgegen. Keine Nach-, keine Neuerzählung, sondern ein Blockbuster in Buchform: «The Revenant» in den Alpen, «Braveheart» in Altdorf.
Joachim B. Schmidt schreibt Geschichte neu. Schmidts Fiktion, seine Vision des Tell machen die Erzählung so einzigartig, frisch und zwingend. Die moderne Erzählweise hat er sich bei einem der großen isländischen Erzähler abgeschaut: Einar Kárason, der die «Sturlungen»-Saga neu erzählte. Hier wie dort sprechen die Protagonisten, was dem Text Gegenwärtigkeit und Authentizität verleiht. Im Zentrum von Schmidts Erzählung steht der ›Mensch‹ Wilhelm Tell – ein Wilderer und Familienvater, ein Eigenbrötler und notorischer Querulant; ein Antiheld, einer, der überhaupt kein Held sein will, der eigentlich nur seine Ruhe, genug zu essen und seinen Leiterwagen haben will. Und eine Kuh verkaufen. Immer näher kommen ihm die verschiedenen Stimmen und erkunden, wie eine einzige Gewalttat größere und größere Kreise zieht. Schmidt bringt uns die Figuren des Mythos nahe und erzählt eine unerhört spannende Geschichte – auch für diejenigen, die noch nie etwas von Wilhelm Tell gehört haben.
Joachim B. Schmidt, geboren 1981, aufgewachsen im Schweizer Kanton Graubünden, ist 2007 nach Island ausgewandert. Seine Romane «Tell» und «Kalmann» waren Bestseller; mit «Kalmann» erreichte er den 3. Platz beim Schweizer Krimipreis und erhielt den Crime Cologne Award. «Tell» war auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste. Der Doppelbürger lebt mit seiner Frau und zwei gemeinsamen Kindern in Reykjavík.
10. November 2022, 19:30 Uhr
Kantonsbibliothek, Aarau
Lesung aus «Verborgene Kinder»
Sigi flieht mit vier Jahren nachts über den alten Rheinarm bei Hohenems in die Schweiz. Michael und Angelica werden von einem Priester mit Mut zum Lügen im katholischen Pfarrhaus in den Bergen im Salzburgerland versteckt. Eva wird von ihrer Mutter weggegeben und Ruth staunt über die fremden Menschen, die allesamt Bertha oder Hans heissen, und plötzlich bei ihren Eltern in Zürich ein- und ausgehen, denn ihre Eltern helfen Juden, die in die Schweiz geflüchtet sind. «Verborgene Kinder» von Claudia Storz erzählt in Berichten, Interviews und fiktiven Rückblenden, was Kinder 1938 –1945 erleben mussten. Heute sind sie letzte Augenzeugen des Holocaust in Wien, Salzburg, Basel, Baden und Aarau. Die Autorin hat sie besucht, ist den Fluchtwegen nachgegangen und hat ihre Lebensorte recherchiert.
Claudia Storz, in Zürich geboren, lebt in Aarau und Salzburg. Sie studierte Anglistik und Germanistik in Zürich und Oxford. Von Clauia Storz sind (u.a.) erschienen:
«Sperriges Leben» (2017)
«Boote für den blinden Passagier» (2012)
«Quitten mit Salz» (1999)
«Burgers Kindheiten» (1996)
«Jessica mit Konstruktionsfehler» (1977)
Sie wurde mit in- und ausländischen Literaturpreisen ausgezeichnet.
Dienstag, 13. September 2022, 19:30 Uhr
Kantonsbibliothek, Aarau
Lesung aus «Unverschämt Jüdisch»
Barbara Honigmann ist eine Klasse für sich: Ob sie von einer lebhaften Begegnung mit einem jüdischen Geschäftsmann im Flugzeug nach New York erzählt, die in der Frage gipfelt: Worüber reden eigentlich Gojim? Oder ob sie davon berichtet, wie sie als Vierzehnjährige in Ost-Berlin den Existentialismus für sich entdeckte. Immer tut sie es mit ihrem feinen Sinn für Komik, und wenn nötig, offen und direkt. Ihr Lebensweg führte sie aus der DDR in den Westen, von Deutschland nach Frankreich, aus der Assimilation in das Tora-Judentum. Im ganz wörtlichen Sinn ist sie “unverschämt jüdisch” und schreibt darüber so persönlich, humorvoll und lebensklug, wie nur sie es kann.
Barbara Honigmann, 1949 in Ost-Berlin geboren, arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin. 1984 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Straßburg, wo sie noch heute lebt. Honigmanns Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Heinrich-Kleist-Preis, dem Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich, dem Jakob-Wassermann-Preis, dem Bremer Literaturpreis 2020 und zuletzt dem Jean-Paul-Preis 2021. Bei Hanser erschienen zuletzt “Chronik meiner Straße” (2015) und “Georg” (2019).
Freitag, 5. August 2022, 18 Uhr
Dachterrasse Aargauer Kunsthaus, Aarau
Guy Krneta liest Mundarttexte mit Begleitung von Daniel Woodtli (t) Guy Krneta liest aus «Filetschtück», einer reichen Sammlung von Geschichten, musikalisch begleitet durch Daniel Woodtli. Mit dem Erzähler und seinen Figuren bewegen wir uns auf engem Raum durch Welten, die unterhaltsam und nachdenklich von den sozialen und politischen Realitäten der heutigen Zeit handeln. Dabei geht Krneta der Sprache und dem Erzählen auf den Grund.
Guy Krneta, 1964 in Bern geboren, studierte Theaterwissenschaften und Medizin, gilt als Wegbereiter einer zeitgenössischen literarischen Mundart. Er steht regelmässig als Spoken-Word-Autor auf der Bühne, mit «Bern ist überall», solo, im Duo mit seinem Mundartprogramm zum 100. Geburtstag von Kurt Marti oder seinem 2020 erschienenen Roman «Die Perücke». Seit 2006 schreibt Guy Krneta «Morgengeschichten» für Radio SRF1 – kurze Erzählungen, in denen feine Widerhaken stecken, die uns die Unwägbarkeiten und Widersprüche des Lebens vorführen. Wichtig ist nicht nur, was erzählt wird, sondern auch, wie geredet wird.
Daniel Woodtli, 1974 in Bern geboren, ist ein Schweizer Jazzmusiker. Er spielt unter anderem Trompete und fungiert als musikalischer Partner an literarischen Lesungen. Auch bekannt durch sein Mitwirken bei Patent Ochsner.
Donnerstag, 14. April 2022, 20 Uhr
Kantonsbibliothek, Aarau
Schutzzone – Roman »So rauscht man durch die Zeilen, zeigt sich beeindruckt von einem Text, dem es gelingt, die vertrackte Globalisierung in eine sprachliche Form zu bringen … « Thomasz Kurianowicz, Die Welt
Nach Stationen bei der UN in New York und Burundi arbeitet Mira für das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Während sie tagsüber Berichte über Krisenregionen und Friedensmaßnahmen schreibt, eilt sie abends durch die Gänge der Luxushotels, um zwischen verfeindeten Staatsvertretern zu vermitteln. Bei einem Empfang begegnet sie Milan wieder, in dessen Familie sie nach der Trennung ihrer Eltern im Frühjahr 94 einige Monate gelebt hat. Die Erinnerungen an diese Zeit, aber auch Milans unentschiedene Haltung zwischen gesuchter Nähe und schroffer Zurückweisung überrumpeln und faszinieren sie zugleich. Als ihre Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermords in Burundi hinterfragt wird, gerät auch Miras Souveränität ins Wanken, ihr Glaube, sie könne von außen eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden.
Was bedeuten Vertrauen und Verantwortung? Wie greifen Schutz und Herrschaft ineinander? Wie verhält sich Zeugenschaft zur Wahrheit? Und wer sitzt darüber zu Gericht? Hellsichtig und teilnahmsvoll geht Nora Bossong in ihrem virtuosen Roman diesen Fragen nach – in privaten Beziehungen wie auf der großen politischen Bühne – und setzt den Konflikten der Vergangenheit die Hoffnung auf Versöhnung entgegen.
Sonntag, 20. März 2022, 11 Uhr
Aula des Pestalozzischulhauses, Aarau
Lesung aus «Der Sommer im Garten meiner Mutter»
Der erste Roman der Autorin Ariela Sarbacher erzählt in einer kräftigen, klaren und poetischen Prosa eine Familiengeschichte, die sich fast über ein ganzes Jahrhundert erstreckt. Es ist ein vier Wochen langer kurzer Sommer, in dem Mutter und Tochter sich voneinander verabschieden. Konfrontiert mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit und dem Entscheid der Mutter, selbstbestimmt in den Tod zu gehen, begibt sich die Tochter Francesca auf Spurensuche.
Von Chiavari, einem Städtchen an der ligurischen Küste, wo die Mutter in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts geboren wurde, führt die Erinnerung nach Zürich, in ein Vorstadtquartier, wo die Tochter Francesca ihre Jugend in den Sechzigerjahren erlebt hat. Der Sommer im Garten meiner Mutter handelt vom Vergehen. Es ist ein Roman, der das Leben der Mutter und all jener Menschen, die davon berührt wurden, auf stimmige Art erinnert; der aber auch die Geschichte einer Tochter erzählt, die erst nach oft schmerzhaften Reisen in die Gärten der Erinnerung eines gemeinsamen Lebens loslassen kann.
Ariela Sarbacher Ariela Sarbacher, geboren 1965 in Zürich, absolvierte die Schauspiel-Akademie Zürich und war unter anderem am Stadttheater Heidelberg und bei der Bremer Shakespeare Company beschäftigt. «Der Sommer im Garten meiner Mutter»(Bilgerverlag)ist ihr erster Roman und wurde für den Rauriser Literaturpreis 2021 als bestes deutschsprachiges Debut nominiert. Mit dem Tagebuch «Der gebremste, der bewegte Frühling, und jetzt ist eSommer» (Telegramme Verlag) schreibt sie die «facettenreiche Prosa» (Der Standard) fort, mit der ihr erster Roman besticht. Sie hat zwei erwachsene Töchter.
Sonntag, 27. Februar 2022, 11 Uhr
Aula des Pestalozzischulhauses, Aarau
Lesung aus «Grösser als du»
Veronika Sutter wurde für ihren Erstling Grösser als du (edition 8) für den Schweizer Buchpreis 2021 nominiert. In 15 Geschichten lernen wir etwa Gloria, Helen oder Gino kennen. Sie stehen in Beziehung zueinander, ob als (Ex-)Partner, Freundinnen, Nachbarn oder Verwandte. Ohne es zu wissen, teilen sie die Erfahrung von Abhängigkeit und Unterdrückung. Scham oder Verleugnung hindern sie daran, über das zu sprechen, was hinter ihren Wohnungstüren passiert.
Mit soziologischer Präzision und nüchterner Sprache beschreibt Sutter zwischenmenschliche Abgründe. Manchmal macht eine unverhoffte Wendung die Befreiung möglich, manchmal schonungslose Einsicht. Zuweilen scheinen auch skurrile Momente auf. Humor mit entsprechender Nachdenklichkeit begleitet eine Erzählweise,die mit wenigen Strichen eine Figur, eine Atmosphäre, eine Handlung entstehen lässt…. (Hubert Thüring, Laudatio Schweizer Buchpreis 2021)
Veronika Sutter 1958 geboren und im Sihltal aufgewachsen, arbeitete Veronika Sutter als Buchhändlerin, Kulturveranstalterin und Journalistin. Seit dem Studium in Kommunikationsmanagement ist sie in der Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen tätig.
Sonntag, 16. Januar 2022, 11 Uhr
Aula des Pestalozzischulhauses, Aarau
Lesung aus «Die nicht sterben»
Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine
Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. «Uns kann niemand brechen», pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden.
Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat – und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang
befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln
könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in
der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um
eines: Schicksal. Inzwischen aber ist es für jede Flucht zu spät.
Dana Grigorcea zeichnet ein atemberaubend atmosphärisches Porträt der
postkommunistischen Gesellschaft, die bis heute in einem Zwischenreich
gefangen scheint. Ohne Vorwarnung führt sie ihre Leserinnen und Leser
ins Herz eines Schreckens, wie ihn nur die eigene Vorstellungskraft
erzeugen kann – oder der gestrenge Fürst Dracula.
Dana Grigorcea Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren, sie studierte Germanistik und Nederlandistik und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin, etwa der Roman «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» und die Novelle «Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen», wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Ihr Roman «Die nicht sterben» wurde 2021 für den Deutschen Buchpreis nominiert.