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Generationen bauten an, auf und um
Eine Fassade dieses Ausmasses überrascht: Sie erreicht eine Breite von 14 Metern und verleiht dem Haus fast schon den „behäbigen“ Eindruck gewisser Bauernhäuser des Schweizer Mittellandes – absolut unüblich in unserer Gegend. Der Grund aber liegt nicht in der Hofgrösse und damit verbundenem Reichtum, sondern der Möglichkeit des „Baukastensystems“ bei Blockbauten: modulartig lässt sich nach allen Seiten hin anbauen. Und genau das ist hier passiert, wie ein Blick auf das Gebäude erhellt.
Zwar sind an der Hauptfassade keine Zierfriese (ornamentierte Gesimse) zu sehen, die oftmals eine erste Einschätzung des Alters erlauben. Erhalten blieben aber kleine Pfosten früherer Fenster, während man die kleinen quadratischen Öffnungen („Glezz“) mit Holzstücken vermachte – beides sind Hinweise auf die kleinen Lichtöffnungen spätmittelalterlicher Wohnhäuser. Details im Inneren bestätigen diese zeitliche Zuordnung: Im Mittelteil steht in der Wohnstube des ersten Obergeschosses ein kleiner, kubischer Specksteinofen, der keine Jahreszahl trägt, doch in seiner Form auf das 16. Jahrhundert weist. Die Binna ist, wie damals noch häufig, inschriftenlos. Zu den damaligen Wohnhäusern passt auch der in Zermatt „Seeluböich“ (Seelenbank) genannte Sims, der über die Wand hinter dem Stubenofen verläuft.
Die durchlaufenden Wandbäume des mittleren und des südwestlichen Gebäudeteils deuten auf ein Doppelwohnhaus, wie es sie im Wallis des 15./16. Jahrhunderts gelegentlich gibt. Von zehn entnommenen Dendroproben (teils mit Waldkante) wurden deren acht in den alten Stuben des ersten Obergeschosses entnommen. Sie stammen alle aus dem späten Mittelalter, enden jedoch unterschiedlich: 1402, 1435, 1456, 1472, 1489, 1499, 1507, 1511.
Vermuten lässt sich ein Kernbau um 1511.
Der markante Anbau im Nordosten, mit dem der Gebäudekomplex um einen Drittel grösser wurde, erfolgte erst nach 1800. Während die Dendroanalysen auf die Jahre 1856 und 1857 verweisen, verrät im ersten Obergeschoss des Anbaus die Inschrift einer Binna die Erbauer und den Zeitpunkt der Erweiterung: „Dieses Haus hat gebaut PTW mit seinem Weib KL und Kinder ATW, RTW, PTW, FLHTW 1870“ – offenbar handelt es sich um die bis heute am Ort ansässigen Familien Taugwalder und Lauber: Klaus Julen fand in den Pfarreibüchern Peter Taugwalder und Katharina Lauber, die 1865 heirateten; auf unserer Binna PTW und KL. Demnach hatte das Ehepaar 1870 bereits vier Kinder; bekannt sind Apollonia (*1866), Rudolf (*1867) und Katharina (*1869). Die Initialen wurden erst später auf den Dielbaum eingeritzt.
In den 1970er Jahren erfolgte eine Totalsanierung. Dabei wurden der Sockel und das Dach erneuert sowie das oberste Geschoss erhöht.
Heute wird ein Teil des Hauses als Restaurant genutzt.
Bereits die Eltern des Bergführers Rudolf Taugwalder (1913–2008) waren hier als Wirtsleute aktiv; sie unterhielten auch ein Teehäuslein. In seinen Erinnerungen berichtet Taugwalder über das Haus: „Es ist kaum zu glauben, dass einst bei Vollbesetzung mindestens 5 Familien mit einer grossen Kinderschar dies Gebäude bewohnten. Für die heutige Zeit sind solche Zustände unerklärlich, für die damalige war dies bittere Notwendigkeit, eine Chance zum Überleben.“
Labornummern Dendrosuisse 2022: 621440-449 vom 16. August 2022
Koordinate 2 622 719 / 1 095 040
Parzellennummer GIS 3116, Gebäudenummer 2035 bzw. Nr.24
Direkt am nördlichen Gebäudeende des Wirtshauses zum See führt der Weg unter Holzkänneln durch: Es sind die letzten intakten Kännel von Zermatt, die sich noch in situ (am Originalplatz) befinden. Sie leiteten einst das Wässerwasser in das Gebiet unterhalb des Weilers zum See, um dort den Ertrag der Mähwiesen zu steigern – mehr Heu hiess, dass man mehr Vieh halten und über den Winter bringen konnte, statt dieses im Herbst schlachten zu müssen.