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«Never change a winning team» wird sich wohl der Schweizer Staffeltrainer Ralph Mouchbahani gedacht haben, als er sich für die Aufstellung entschied. Ajla Del Ponte, Sarah Atcho, Mujinga Kambundji und die Schlussläuferin Salomé Kora senkten Anfang Juli den Schweizer Rekord an der Athletissima auf 42,53 Sekunden. Sie sollen nun im Olympia-Stadion diese Leistung nochmals abliefern. Gelingt dies, stehen die Schweizerinnen mit etwas Glück auch im Final.
Auf dem Papier sieht die Ausgangslage verlockend, aber auch trügerisch aus. Die Schweizerinnen steigen als Nummer 4 der Saisonbestenliste ins Rennen. Allerdings ist dieses Ranking meist erst nach den Titelkämpfen aussagekräftig, weil viele Nationen am Grossanlass erstmals und oft das einzige Mal während der Saison in Bestbesetzung antreten. Die Chancen auf einen Coup liegen deshalb unter 50 Prozent – gemessen am Potenzial sind sie sogar geringer.
Aber die Schweizerinnen halten gleichwohl zwei Trümpfe in der Hand. Einerseits investieren sie viel mehr Zeit ins Staffeltraining als andere Nationen und bleiben deshalb weniger fehleranfälliger als die meisten Konkurrentinnen. Bereits in der Vorbereitung auf den Sommer in Südafrika wurde ein Staffel-Schwerpunkt gesetzt, und auch vor den Wettkämpfen in Genf, Lausanne und nun in London erfolgten Zusammenzüge. Der Trainer-Staff in der Schweiz kennt eine Staffel-Philosophie und implementiert diese bereits in den Nachwuchskadern. Der zweite Trumpf ist noch handfester: Zwei der drei Wechsel in Lausanne waren nicht perfekt. In der Leistung liegt noch Steigerungspotenzial.
Drei Nationen pro Serie plus zwei Zeitbeste stossen in den Final vor. In Heat 1 wird es – sofern keine Equipe patzt – zu einem Dreikampf zwischen den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz um den 3. Rang kommen. Die Positionen 1 und 2 sind durch die USA und Grossbritannien besetzt. Die zweite und wohl stärkste Serie präsentiert mit Jamaika, Deutschland, Brasilien, den Bahamas sowie Trinidad und Tobago mindestens fünf Nationen, die schneller als die Schweizerinnen laufen können. Auch die Chinesinnen oder die Frauen aus der Ukraine weisen einen nationalen Rekord auf, der klar unter dem Schweizer Wert liegt.
Auf die Taktik angesprochen meinte Mouchbahani: «Wir lassen die anderen die Fehler machen». Er lässt die Ablaufmarken so setzen, dass die Stabübergabe nicht auf den letzten Drücker erfolgt. Mit etwas Marge soll ein Wechselfehler ausgeschlossen werden. Volles Risiko ist im Vorlauf nicht angesagt.
(SDA)