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Erläuterungen zum Aquädukt von Saldae (Bougie/Béjaia, Algerien)
Da der Berg, an dessen Fuss Saldae liegt, ein Karstgebirge ist, das kein Wasser zurückhält, musste im Altertum wie heute das Wasser aus weiter Entfernung herangeführt werden. Man fast das Wasser 16,5 km (Luftlinie) weiter westlich in Toudja, im Massif von Tadrart Aghbalou. Zuerst wurde, wie J.-P. Laporte ausführt, das Wasser auf 300 m in einem überirdischen Aquädukt über eine Krete herbeigeführt, dessen Ruinen noch gut sichtbar sind. Dann wird die Krete von einer noch höheren Krete gekreuzt, so dass man gezwungen war, diese Strecke mit einem Tunnel zu überwinden (Tunnel von El Habel), um dann wieder das Wasser auf einem "gewöhnlichen" Aquädukt in die Stadt zu führen.
Die Inschrift beschreibt nun, wie der militärische Geometer Nonius Datus zu Hilfe gerufen wurde, als die Stadtbehörden sahen, dass die Arbeit viel schwieriger war, als sie zuerst angenommen hatten. Entgegen der älteren Interpretation, die bereits von falschen Bauten ausgingen, zeigt J.-P. Laporte, dass Nonius Datus gegen 137 auf Bitten der Stadtbehörden von Saldae vom Kommandanten der Legio II Augusta geschickt wurde, mit der groma die Messungen vorzunehmen und einen Plan zu erstellen. Kurz vor 150 inspizierte Nonius Datus, nun bereits euocatus (Veteran, der sich aber noch für den Militärdienst zur Verfügung halten musste), die Arbeiten, die offensichtlich von zivilen Arbeitskräften ausgeführt wurden (Soldaten als Arbeiter hätten auf der Inschrift erwähnt werden müssen). Doch es traten beim Tunnelbau Schwierigkeiten auf, die Nonius Datus plastisch schildert. Die zivilen Arbeiter konnten seine Pläne nicht richtig umsetzen. Nun baten die Stadtbehörden T. Varius Clemens, Statthalter von Mauretania Caesariensis, beim Kommandanten der legio III Augusta nochmals zu intervenieren, um Nonius Datus nochmals nach Saldae zu entsenden. Unterdessen war Nonius Datus Veteran und hatte sich offenbar in der Stadt Lambaesis beim Legionslager niedergelassen. Er brach auf, wurde aber von Räubern gefangen und gelangte nur nach grossen Schwierigkeiten nach Saldae, wo er dann die Arbeit mit einigen Soldaten (Flottensoldaten und Gaesaten, Soldaten einer Auxiliarkohorte mit besonderer Bewaffnung, hatte ihm der Kommandant zur Verfügung gestellt) zu Ende führte, als die zivilen Arbeiter bereits aufgeben wollten. Geschickt liess er die Soldaten-Arbeiter in einem Wettbewerb gegeneinander antreten, und so wurde der Tunnel auf der richtigen Linie durchstochen. Der Aquädukt konnte nun eingeweiht werden, wohl 153/154 n.Chr.
Einige Textstellen der Inschrift sind unverständlich, so insbesondere die Angabe von 5 Modii (Scheffel). Auch der Schluss der Inschrift muss offen bleiben, es fehlen nochmals drei Seiten des Monumentes.
Wir wollen nicht auf weitere Einzelheiten eingehen. Wichtig scheint uns, dass der Text anschaulich die Zusammenarbeit zwischen den zivilen und den militärischen Autoritäten zeigt, wobei jedoch die militärische Seite eindeutig mehr technische Kompetenz hatte. Weiterhin zeigt die Inschrift, dass solche Bauten lange dauerten; J.-P. Laporte rechnet - nach unserer Auffassung zu Recht – mit 16 bis 17 Jahren. Schliesslich gibt die Inschrift auch Einblick in die relative Gefährlichkeit des Reisens; trotz der Präsenz römischer Streitkräfte gab es immer wieder Raubüberfälle. Nonius Datus war ausserordentlich stolz auf seine grosse Ingenieurs-Leistung, die er, damit sie nicht vergessen ging, mit den wichtigsten Dokumenten auf Stein einmeisseln liess. Das Monument stand in Lambaesis; die Steine waren bei der Auffindung verbaut, so dass der antike Aufstellungsort unbekannt ist. Lambaesis (Lambèse) war der Ort, wohin sich Nonius Datus nach seiner Verabschiedung aus dem Heer zurückgezogen hatte.