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In den USA sollen in den nächsten Monaten Lizenzen für einige frei gewordenen Frequenzen versteigert werden, die sich für den Aufbau von neuen Mobiltelefonie-Netzwerken eignen. Diese Frequenzen im 700-MHz-Bereich wurden bisher von TV-Stationen benutzt, wurden aber nun zunehmend frei, da diese sich der digitalen Übertragung zuwenden. Die US-Behörden hoffen auf Einnahmen von rund 15 Milliarden Dollar aus der Versteigerung.
Zu den Mitbietern gehören vor allem Mobilfunkanbieter, darunter die beiden Riesen im US-Mobiltelefoniegeschäft, AT&T und Verizon. Ein weiterer Mitbewerber allerdings kommt aus einer ganz anderen Ecke: Google bietet nicht nur mit, sondern möchte auch gleich die Regeln des "Spiels" verändern. Die US-Kommunikationsbehörde FCC entscheidet diese Woche über diese regeln.
Google hat bereits ein garantiertes Mindestangebot von 4,6 Milliarden Dollar für ein Frequenzpaket abgegeben - das Google-Angebot gilt aber nur, falls den Lizenznehmern Bedingungen auferlegt werden, wie es sie bisher in den USA im Mobilfunkbereich noch nicht gab. Google verlangt, dass die Lizenzgewinner. Ob Google selbst oder andere, auf der Basis der neuen Frequenzen Netzwerke aufbauen müssten, die vollkommen offen sind. Einerseits sollen sie mit allen möglichen Endgeräten benutzt werden können und andererseits darf es nach den Vorstellungen von Google keinerlei Restriktionen für Software und Services von Drittanbietern geben. Und ausserdem sollen Konkurrenten des Gewinners einfachen Zugang zu Marktpreisen erhalten - "Entbündelung" wäre also bereits eingebaut.
Die Offenheit bezüglich der Endgeräte würde ein Geschäftsmodell wie bei Apples iPhone, das exklusiv im AT&T-Netzwerk benutzt werden kann, verunmöglichen. Dieser Google-Vorschlag hat denn auch in der US-Öffentlichkeit einigen Anklang gefunden. Potentiell noch folgenschwerer wären aber wohl die Regelungen bezüglich Software, Services und Zugang für Konkurrenten. In den USA behalten sich die Mobilfunkanbieter sehr stark das Recht vor, zu bestimmen, auf welche Internetservices - Musikangebote, Suchmaschinen usw. - ihre Kunden zugreifen dürfen. Ein "offenes" Netzwerk würde ihre Geschäftsmodelle durcheinander bringen. Kein Wunder, dass sie nicht viel von den Vorstellungen Googles halten und Millionen Dollar für Lobbyarbeit in Washington ausgegeben haben. Die neuen Regeln würden ausserdem den Wert der Frequenzen für die traditionellen Telcos und damit wohl auch die Auktionseinnahmen für den Staat mindern.
Gemäss US-Medienberichten könnten die Vorschläge Googles teilweise durchkommen. Einige FCC-Exponenten und Vertreter der Demokraten haben sich in den letzten Wochen positiv dazu geäussert - ein politischer Hintergrund ist es, das die Versteigerung wohl die letzte Chance in den USA wäre, einen neuen starken Player im Mobilfunkmarkt auf den Plan zu rufen, der für verstärkte Konkurrenz sorgen könnte.
Ob Google aber überhaupt weiter in der Versteigerung bleibt, wenn seine Vorschläge nicht vollständig angenommen werden, ist unbekannt. Ebenso unbekannt sind Googles Pläne nach einem allfälligen Kauf eines Frequenzpakets, insbesondere, ob Google tatsächlich eine eigene Netzwerkinfrastruktur aufbauen oder die Frequenzen an weitere Anbieter untervermieten würde. Google äusserte sich bisher zu dieser Frage nicht. (hjm)