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Kontinuierliches Sehen beginnt mit der photoinduzierten Isomerisierung von lichtsensitivem 11-cis-Retinal zu all-trans-Retinal. All-trans-Retinal ist nicht mehr photosensitiv, und es muss daher in einer Reihe von biochemischen Reaktionen in 11-cis-Retinal zurückverwandelt werden. Hierbei erweist sich der Schritt der trans-zu-cis Rückisomerisierung als erstaunlich unselektiv, liefert er doch neben 11-cis auch 9-cis und 13-cis-Retinoide.
Weitere Faktoren müssen also im gesunden Auge dafür sorgen, dass die chemische Reinheit des Sehprozesses erhalten bleibt. In diesem Zusammenhang hat sich gezeigt, dass u.a. das zelluläre retinalbindende Protein (CRALBP) frischgebildetes 11-cis-Retinal einkapselt und so vor vorzeitiger Photoisomerisierung schützt. Zudem scheint CRALBP auf bisher unbekannten Wegen dazu beizutragen, die Bildung der 9- und 13-cis Isomeren im Auge zu unterdrücken. Diese Mechanismen sollen hier untersucht werden.
Das Projekt befasst sich mit Grundlagenforschung. Es konnte in den letzten Jahren gezeigt werden, dass 9-cis-Retinal als Surrogat von 11-cis-Retinal vom Körper im normalen Sehprozess verwendet werden kann und sich somit in der Substitutionstherapie zur partiellen Wiederherstellung des Sehprozesses eignet. Die Rolle des Trägerproteins CRALBP soll in diesem Zusammenhang gezielt untersucht werden.