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Arnaud Lalive d'Epinay wurde 1984 in Genf geboren. Er studiert Biologie an der Universität Genf (UniGe), orientiert sich dann schnell in Richtung Neurowissenschaften und macht im Labor von Prof. Dominique Müller seinen Master über die Bildung von Synapsen im Gehirn. Von 2009 bis 2013 arbeitet er im Labor von Prof. Christian Lüscher (UniGe) und in Kooperation mit Prof. Paul Slesinger vom Salk Institute (San Diego, Vereinigte Staaten) an seiner Promotion zum Thema neuronale Mechanismen von Suchtkrankheiten. Als er schliesslich den Mut findet, seine Heimat zu verlassen, geht Arnaud Lalive d'Epinay nach San Francisco, wird Teil des Teams um Dr. Anatol Kreitzer (Gladstone Institute) und studiert dort die neuronalen Grundlagen der Parkinson-Krankheit. Sein wissenschaftlicher Ansatz dabei ist es, bei Hirnerkrankungen die Physiologie der Synapse in den Mittelpunkt zu stellen.
Sucht wird als Erkrankung des Gehirns verstanden, die sich durch die regelmässige Aufnahme eines Suchtmittels trotz negativer Folgen und der Rückfallgefahr nach längeren Phasen der Abstinenz auszeichnet. In den meisten Fällen entwickeln Suchtmittelkonsumenten erst nach wiederholter Aufnahme der Substanz eine Abhängigkeit. Allerdings genügt bereits die einmalige Exposition mit egal welchem Suchtmittel, um Veränderungen im Gehirn hervorzurufen und es anfälliger zu machen.
Sucht erzeugende Substanzen zielen auf Dopaminneuronen (DA, Abb. 1 rot) in der Area tegmentalis ventralis (VTA) ab. Die DA-Neuronen werden von inhibitorischen Neuronen, den sogenannten GABA-Neuronen (Abb. 1 grün) kontrolliert. Somit ist die Aktivität der DA-Neuronen umgekehrt proportional zu der der GABA-Neuronen. Die Aktivität beider Neuronentypen kann dann aber auch noch durch die GABAB-Rezeptoren abgeschwächt werden.
Mehrere Studien haben im Vorfeld gezeigt, dass Psychostimulanzien wie Kokain oder Methamphetamin die Tendenz haben, die Aktivität der DA-Neuronen zu steigern. Langfristig können diese Veränderungen sich im Gehirn generalisieren und so zur Sucht führen. Arnaud Lalive d'Epinay hat mit seiner Arbeit gezeigt, dass parallel zu dieser Steigerung eine einzige Injektion eines Psychostimulans die inhibierende Wirkung der GABAB-Rezeptoren in den GABA-Neuronen selektiv reduziert. Dies könnte als Entfernen eines Bremspedals in einem Kontrollsystem beschrieben werden. Folglich ist die Aktivität der GABA-Neuronen weniger einschränkt und die der DA-Neuronen dagegen herabgesetzt (Abb. 1B). Diese Anpassung könnte ein Kompensationsphänomen des Gehirns sein, um die Aktivität der DA-Neuronen zu begrenzen und sich vor Veränderungen zu schützen, die zur Entwicklung einer Suchtkrankheit führen können.
Die Jury wurde von Esther Stöckli, Institute of Molecular Life Sciences der Universität Zürich, Mitglied des Präsidiums der „Plattform Biologie“, präsidiert. Weitere Mitglieder waren Christoph Michel (Functional Brain Mapping Lab, Universität Genf), Carmen Sandi (Brain & Mind Institute, Eidgenössiche Technische Hochschule Lausanne EPFL), Peter Scheiffele (Biozentrum, Universität Basel) und Hanns-Ulrich Zeilhofer (Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Zürich). Das Thema der Prix A.F. Schläfli 2013 war « Neurowissenschaften». Dieses Jahr wurde der mit 5000 Franken dotierte Preis von der «Plattform Biologie» verliehen.