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Erste Daten aus einer laufenden Fallstudie über das Verhalten von Legionella pneumophila in einer Gebäude-Trinkwasserinstallation während und nach dem COVID-19-Lockdown in der Schweiz
Hintergrund
Die Vermehrung von Legionellen-Bakterien (Erreger der Legionärskrankheit) steht unter anderem in Zusammenhang mit stehendem Wasser in Trinkwasserinstallationen (Ciesielski et al., 1984). Die so genannten „Home-office“-Empfehlungen und die erzwungenen Betriebsschließungen während des COVID-19-Lockdowns führten dazu, dass viele Gebäude mehrere Wochen lang ungenutzt blieben und sich daher die Wasserverbrauchsmuster änderten und längere Stagnationsperioden auftraten. Infolgedessen haben sowohl Wissenschaftler wie auch Nachrichtenmedien vor möglichen Gesundheitsrisiken gewarnt, die mit der Wiederinbetriebnahme solcher Gebäude verbunden sind. Ein umfassender Bericht, der sich speziell auf diesen Aspekt konzentriert, ist als Vorabdruck erhältlich, der von internationalen Forschern, darunter die externen Experten des LeCo-Projekts Prof. Michelle Prevost und Prof. Kerry Hamilton, verfasst wurde. Das Thema wurde auch ausführlich in nationalen und internationalen Pressemitteilungen behandelt (siehe Links unten). Für den Umgang mit diesem möglichen Risiko wurden Empfehlungen an Gebäudeeigentümer, Anlagenmanager und Betreiber ausgearbeitet, einschließlich einer systematischen Spülung der Sanitäranlagen vor der Wiederinbetriebnahme. In der Schweiz wurde zum Beispiel vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) am 23. April ein Faktenblatt veröffentlicht, das u.a. auch in einer Pressemitteilung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) aufgenommen wurde. Auf internationaler Ebene wurden ähnliche Vorgaben und Empfehlungen erarbeitet, z.B. seitens ESGLI, DVGW und CDC , die sich allerdings sowohl im Umfang wie auch in Detailvorgaben unterscheiden.
LeCo-Forschung zu diesem Thema
Um dieses Problem anzugehen wurde im Rahmen des LeCo-Projekts eine Fallstudie mit dem Ziel initiiert, den Einfluss längerer Stagnationsperioden und umfangreicher Spülungen auf die Konzentration von Legionellen in Trinkwasseranlagen zu untersuchen. Dazu beproben und untersuchen Forschende der Eawag, der HSLU und des KLZH zurzeit Wasser aus einem mehrstöckigen Gebäude, das mindestens 8 Wochen lang im Wesentlichen unbewohnt war und in dem Legionellenkontaminationen aus der Vergangenheit bekannt sind.
Im Rahmen der Arbeiten wurde das Gebäude vor der Wiederinbetriebnahme gemäss den SVGW-Richtlinien gespült und wird derzeit während der schrittweisen Wiederinbetriebnahme beprobt. Die vorläufigen Daten aus dieser Fallstudie waren etwas überraschend:
Abbildung 1A zeigt, dass nach achtwöchiger Stagnation kein signifikanter Anstieg der Konzentrationen von kultivierbaren Legionella pneumophila zu verzeichnen war, sondern dass die Konzentrationen im Vergleich zu den letzten Messungen vor der Stilllegung sogar abgenommen hatten. Dies deutet darauf hin, dass in einigen Gebäuden eine längere Stagnation nicht zwangsläufig zu erhöhten Konzentrationen von Legionellen führt. Darüber hinaus zeigt Abbildung 1B, dass die Spülung die Konzentration von L. pneumophila in diesem speziellen Gebäude nicht signifikant gesenkt hat. Abbildung 1C zeigt schliesslich, dass die L.-pneumophila-Konzentrationen in den ersten Wochen der Wiederinbetriebnahme leicht anstiegen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Daten aus einer einzigen Fallstudie stammen. Darüber hinaus wurde in der Vergangenheit im gleichen Gebäude beobachtet, dass die Legionellenkonzentration durchaus während kürzeren Stagnationsphasen ansteigen kann. Es stellen sich deshalb verschiedene Fragen und die weitere Forschung im Rahmen des LeCo wird sich daher u.a. auch auf die Legionellendynamik während kurz-, mittel- und langfristiger Stagnationsphasen konzentrieren. Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass für einige Gebäude die Wiederinbetriebnahme bei geringer Belegung möglicherweise ein höheres Risiko darstellt als die verlängerten Stagnationsperioden. Dieser letztgenannte Punkt kann bei Überlegungen im Zusammenhang mit Betriebs- und Spülplänen während der schrittweisen Wiederinbetriebnahme von entscheidender Bedeutung sein. Die endgültigen Daten und Schlussfolgerungen aus dieser Studie werden nach Abschluss der Arbeiten veröffentlicht.
Haftungsausschluss
Wie oben beschrieben, stammen die hier publizierten Daten aus einem einzigen Gebäude und beziehen sich nur auf Legionella pneumophila. Daher stellen sie die derzeitigen Richtlinien hinsichtlich der Notwendigkeit einer regelmäßigen/angemessenen Spülung von stagnierenden Gebäuden nicht in Frage. Sie unterstreichen jedoch die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die mikrobiellen Prozesse während der Stagnation richtig zu verstehen.
Referenzen
Ciesielski, C A, M J Blaser, and W L Wang. „Role of Stagnation and Obstruction of Water Flow in Isolation of Legionella Pneumophila from Hospital Plumbing.“ Applied and Environmental Microbiology 48, no. 5 (1984): 984-87.
Links
Beispiele für verschiedene Pressemitteilungen in diesem Kontext:
- https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-78885.html
- https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/uri/corona-stillstand-begunstigt-bakterien-in-leitungen-ld.1212651
- https://www.haustec.de/sanitaer/trinkwasser/corona-fachgerechte-ausserbetriebnahme-von-trinkwasser-installationen
- https://www.nytimes.com/2020/05/20/health/coronavirus-legionnaires-offices.html
Allgemeine Informationen zur Legionellenthematik können hier abgerufen werden.