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Pro Freiburg wehrt sich gegen das geplante Projekt
Autor: Von UELI STRASSER
André Corboz, ehemaliger Professor an der ETH Zürich qualifiziert das Poya-Schloss als «einmalig in Euopa». Der damalige Architekt, François-Philippe de Lanthen-Heid, hatte darin nämlich in den Jahren 1698 bis 1701 zwei gegensätzliche Strömungen integriert, «ohne dass sie sich dabei widersprechen»:den klassizistischen Stil des Venezianers Andrea Palladio und die Rokoko-Attitüde des Tessiners Francesco Borromini aus dem frühen 16. Jahrhundert. Erstaunlich ist diese Mischung, da zur effektiven Bauzeit Borromini bei den zeitgenössischen Architekten bereits vergessen und Palladino noch nicht wieder entdeckt worden war – es handelt sich deshalb um einen der ersten Neo-Palladio-Bauten nördlich der Alpen.
Schloss in Privatbesitz
Der Besitz ist seit der Erbauung im Privatbesitz derselben Familie. Schlossherrin Rosemone de Durfort erinnert daran, dass das Anwesen zum Schutz der Gebäude und vor Dieben normalerweise verschlossen ist. Nur zu grösseren Anlässen -wie beim Besuch des Papstes, für das Musikfest oder für die Promotionsfeiern der benachbarten Armeebestände – wird das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Ungemach droht dem Schloss nun vom Projekt der Poya-Brücke. Auf dem Parkgelände steht beispielsweise eine ganze Anzahl geschützter Bäume, welche den Baggern zum Frass vorgeworfen werden sollen unddie Allee, welche vom Schloss in den militärisch genutzten Poya-Park führt, wird auf einer Strecke von dreissig Metern durch eine Art von gigantischem Maulwurfshügel zerrissen, unter welchem sich das Ende des Tunnels befindet. Ausserdem führt die Fahrbahn nur einhundert Meter am Schloss vorbei, was bei den Bauarbeiten und erst recht ab Inbetriebnahme ziemlich viel Dreck und Lärm mit sich bringt und mit den Erschütterungen durch die Bauarbeiten die fragilen Stukaturen im Haus zu zerstören droht.
Rosemone de Durfort hat deshalb Einsprache erhoben:«Ich bin nicht dagegen, dass man die Kathedrale vor dem Zerfall rettet», erklärt sie, «deshalb bin ich auch nicht grundsätzlich gegen die Poya-Brücke.» Allerdings sei sie nicht bereit, das Schloss und seinen Park für die Kathedrale zu opfern.
Kein Verständnis für das Auftreten
Nicht einverstanden ist de Durfort auch mit dem Auftreten der Kantonsangestellten:«Es gab keine Vorgespräche oder Verhandlungen – die sind gekommen und haben gesagt:
Aber nicht nur die Verschandelung des Parkes versetzt de Durfort in Sorge. Sie habe sämtliche Papiere genauestens studiert und festgestellt, dass der Tunnel viel zu eng sei: «Bereits in den Vorstudien wird erwähnt, dass es wegen der Ampel bei der Tunnel-Ausfahrt zu Staus kommen wird. Es existieren aber weder Entlüftungs-Schächte noch Rettungsmassnahmen im Falle eines Brandes» – der Unfall im Mont-Blanc lässt grüssen.Das Projekt beurteilt sie deshalb als gefährlich und verantwortungslos. Ihr Vorschlag lautet, die Brücke weiter hinaus zu ziehen, in Richtung Granges-Paccot, und den Verkehr dort direkt auf die Autobahn zu leiten.
Ein teurer Lehrlauf?
Christa Mutter, Vertreterin des Freiburger Umweltforums ist ganz gegen die Poya-Brücke: «Wir haben wesentlich billigere Massnahmen zur Verkehrsreduktion vorgeschlagen, welche man zuerst probieren könnte.» Die Brücke werde nämlich einzig die Kathedrale ein wenig entlasten; das Gesamt-Verkehrsaufkommen werde jedoch ungebremst weiter wachsen – und dafür 80 Millionen Franken zu zahlen, sei doch wohl ein wenig zu teuer.
Auch der Architekt Jean-Luc Rime kritisiert die praktizierte Raumplanung:«Die Gemeinden sind absolut unfähig zusammen irgendetwas auf die Beine zu stellen, und der Kanton, der die gesetzliche Basis hätte, hat die Wichtigkeit einer interkommunalen Planung nie begriffen.» Die kantonalen Raumplaner seien gar nie in das Projekt miteinbezogen worden – das Ganze sei von den Ingenieuren durchgezogen worden. Um es mit «Pro Freiburg»-Präsident Gérard Bourgarel auf einen Punkt zu bringen:«Nicht nur in der Justiz des Kantons Freiburg ist einiges faul, sondern auch im Städtebau.»
Planloser Städtebau
«Das Haus ist untrennbar mit dem Park verbunden», mahnt Bourgarel nochmals. Er hält es deshalb nicht für möglich, das Schloss zu konservieren und nur den Park für den Tunnel einzutauschen. Dass das Schloss kulturhistorisch relevant ist, steht für ihn ausser Zweifel: Der Kulturgüterdienst habe für die öffentliche Auflage den Ort untersucht und sei für den Bau zu einer negativen Beurteilung gekommen. Sollte demnächst auch die Abteilung «Heimatschutz und Denkmalpflege» des Bundesamtes für Kultur zu diesem Ergebnis kommen, werden gemäss Jean-Luc Rime die Bundessubventionen wieder gestrichen. Und damit wäre der Traum der Brücke wohl wieder für längere Zeit ausgeträumt.