Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03397.jsonl.gz/1272

Printed in
Obschon ich die Vertreter von Staaten, mit denen wir keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, von der Überreichung meiner Beglaubigungsschreiben nicht unterrichtet hatte2, erkundigte sich der nordkoreanische Botschafter3, ob er mir seinen Abschiedsbesuch abstatten könnte. Sein Anruf erfolgte kurz nach meinem Besuch beim Doyen des diplomatischen Korps, dem Botschafter Nord Vietnams4.
Ich empfing heute Botschafter Kim Ben Dik, dessen ausgesuchte weltmännische Höflichkeit einem Mandarinen des alten China wohl angestanden hätte. Er betrachtete sinnend das Glas Kirsch, das ich ihm kredenzt hatte, und sagte: «Dieses Getränk ist eben so rein und kristallklar wie die schweizerische Politik.» Er sprach mir darauf seinen Dank dafür aus, dass die Schweiz sich weiterhin an der Waffenstillstandskommission in Korea beteilige5. Es sei die schweizerische Anwesenheit, die dazu beitrage, dass sich die Lage an der Waffenstillstandslinie nicht noch weiter verschärfe.
Der Botschafter entwickelte dann ausführlich die bekannten Thesen, die, in den Vereinten Nationen immer wieder von der Sowjetunion vorgetragen, zur Vereinigung Koreas direkte Gespräche zwischen dem Norden und dem Süden verlangen. «Aber, sagte Kim, während wir beide, der Schweizer und der Koreaner, ohne weiteres zusammen die Unterhaltung pflegen können, ist es für uns unmöglich, mit dem südlichen Teil zu sprechen.» Während des ganzen Gesprächs fiel nicht die geringste Andeutung über die Verschiedenheit der schweizerischen Stellung gegenüber Süd- und Nord Korea6.
- 1
- Schreiben: E 2001(E) 1978/84 Bd. 608 (B.22.71).↩
- 2
- Zum Umgang mit Vertretern von der Schweiz nicht anerkannter Staaten bzw. Regierungen vgl. DDS, Bd. 23, Dok. 80, dodis.ch/30915.↩
- 5
- Zur schweizerischen Delegation in der Neutralen Überwachungskommission in Pan munjom vgl. DDS, Bd. 23, Dok. 135, dodis.ch/31366.↩