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Die folgende Beschreibung der historischen Getreidemühle ist in Zusammenarbeit mit dem Mühlendoktor Kurt Fasnacht im März 2021 entstanden.
Original und historischer Nachbau
Das Wasserrad der Schlossmühle hat einen Durchmesser von 4 Metern, ist 1 Meter breit und hat 30 offene Schaufeln. Das Rad macht rund 5 bis 6 Umdrehungen pro Minute.
Vor der Elektrifizierung waren die Müller stark von der Natur und der verfügbaren Wassermenge abhängig. Bei viel Wasser konnte man viel Mahlen, bei wenig Wasser entsprechend nur wenig. In der Regel sind unterschlächtige Wasserräder weniger leistungsfähig als oberschlächtige. Daher wurden diese Räder breiter gebaut, zum Teil bis zu 3m breit. Im Aargauischen Seetal wurde so zum Beispiel die Kraft der Bäche bis in die Industrialisierung genutzt.
Wie bringt man die Mühle zum laufen?
Das Wasserrad dreht in der Schlossmühle meistens im Leerlauf. Um die Mühle zum mahlen zu bewegen, rückt der Müller beim Wasserrad ein Zahnrad ein. Dazu muss zuerst das Wasserrad angehalten werden, indem der Schieber beim Bach manuell betätigt wird. Das Rad steht still, das Zahnrad wird eingerückt, der Fluss des Bachs kann wieder seinen Lauf nehmen. Sobald das Wasserrad läuft, kann der Elektromotor zur Unterstützung zugeschalten werden. Dadurch entsteht eine konstantere Umdrehung für die Produktion.
Im Innern der Mühle sorgen die Zahnräder für die nötige „Übertreibung", damit die Geschwindigkeit der Drehung von Zahnrad zu Zahnrad höher wird. Auf dem Mahltisch über den Zahnrädern liegen die Mühlsteine. Der obere Mühlstein, der Läufer, dreht sich schlussendlich mit rund 120 Touren.
Nach dem Aufbau 1974 wurde die Getreidemühle im 2020 zum ersten Mal revidiert und restauriert.
Die Funktionsweise ist auf dem rechten Mahlgang auf der Empore sehr gut einsehbar, da dieser nicht mehr in Betrieb ist. Zwischen Bodenstein und Läufer (der obere Stein) wird das Getreide gemahlen. Der linke Mahlgang ist revidiert und funktionsfähig.
Zuerst wird der Sack mit Getreide in den Trichter geleert. Unterhalb des grossen Trichters, ist ein weiterer loser Trichter, der gerüttelt wird. Von diesem Rüttelschuh kommt ein Klappern her. So wird die Menge an Getreide dosiert, die zwischen die Mühlsteine kommt. Das typische Klappergeräusch der Mühle kommt also nicht vom Wasserrad! Ein weiteres Klappern kommt aus der Siebkiste. Dieses Klopfen verhindert das Verstopfen des Siebes.
Wenn das Korn gemahlen ist, fällt es durch das Rohr in die Siebmaschine. Es ist ein 6-eckiger Siebzylinder, der durch Drehung das Mehl aussiebt. Die grobe Kleie und Schrot fällt in eine Kiste hinter der Siebmaschine.
In der Schlossmühle haben wir zwei Siebe: Ein Mehlsieb und ein Griesssieb.
Entgegen der früheren Methode von nur einem Mahlgang, lässt unser Müller das Getreide rund 5-7 Mal durch die Maschine. Dadurch erhalten wir ein qualitativ hochwertiges Mehl. In unserer historischen Mühle können wir rund 100 kg Getreide pro Arbeitstag verarbeiten. Durch die mehrfachen Durchgänge entstehen am Schluss rund 60 – 70kg Mehl.
1. Die Spreu vom Korn trennen
Wenn Dinkel gedrescht wird, kommt das Korn nicht zur Spreu heraus. Es ist ein Spelzgetreide. Daher muss es vor dem Mahlen durch einen Röllgang.
In der Schlossmühle wurde ursprünglich mit dem rechten Mahlgang durch Röllen die Spreu vom Korn gelöst. Unten stand eine Siebkiste, welche das Korn vom Spreu trennt. Dieser Schritt vom Trennen der Spreu vom Korn ist sehr aufwändig und staubig. Daher ist der rechte Mahlgang heute offen und nicht mehr im Betrieb.
2. Aus Korn wird Mehl
Der geröllte Dinkel wird das erste Mal vermahlen, es entsteht Schrot, Griess und Mehl. Der Müller arbeitet dann vom Groben zum Feinen. Er verarbeitet in zwei weiteren Schritten den Schrot zu Kleie und Griess. Anschliessend vermahlt er den Griess in weiteren drei Durchgängen zu Mehl.
Weizen, Roggen, Dinkel... Alle backbaren Getreide können wir auf dieser historischen Mühle vermahlen.
Steine schärfen
Von Zeit zu Zeit müssen die Mühlsteine geschärft (nicht geschliffen!) werden. Denn mit einem abgeschliffenen Stein könnte man das Korn nicht mehr richtig mahlen. Mit einem stumpfen Stein wird das Mahlgut erwärmt und es benötigt mehr Kraft für die Verarbeitung. Früher gab es sogar den Beruf des „Scharfmachers“, der mit dem Hammer den Stein wieder aufraut und so möglichst viele scharfe Ecken und Kanten schafft.
So wurden die Steine der historischen Getreidemühle vom Mühlendoktor geschärft.
Zahnräder auswechseln
In der Schlossmühle hat das antreibende Zahnrad Holzzähne. Das abnehmende Rad ist aus Eisen. Einerseits läuft es dadurch leiser, ein anderer Grund ist die einfachere Reparatur: Wenn bei zwei Eisenrädern ein Zahn bricht, dauert es sehr lange, bis dies repariert ist. Demontage, neuer Guss, Wiedereinbau... dies beansprucht rund 1-2 Monate. Holzzähne sind einfacher auszuwechseln, aber auch schneller abgenutzt. Nach 2 bis 4 Jahren müssen diese ausgewechselt werden, wenn die Mühle in normalen Betrieb läuft.