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Bereits in der ersten Zürcher Tonhalle im Alten Kornhaus gab es eine Orgel: Es handelte sich um eines der ersten grösseren Instrumente, das die Werkstätten Johann Nepomuk Kuhns in Männedorf verliess. Die 1872 eingeweihte Orgel wurde dann in die 1895 eröffnete Neue Tonhalle transferiert, wo sie nach zwei Vergrösserungen 1927 und 1939 ihren Dienst bis in die 1980er-Jahre versah. 1988 erhielt die Tonhalle eine Orgel der Firmen Kleuker & Steinmeyer, die Kuhn-Orgel erlebte als «Alte Tonhalle-Orgel» im Zürcher Neumünster 1995 eine Wiedergeburt. Im Zusammenhang mit der aktuellen Renovation des wunderbaren Saals der Wiener Architekten Fellner & Helmer stellte sich die Orgelfrage erneut. Die Kleuker & Steinmeyer-Orgel beanspruchte relativ viel Platz auf dem Orchesterpodium und verdeckte ausserdem den Einblick in die Orgelnische. Das neue Orgelkonzept löst diese Forderungen ein.
Auf der Grundlage eines Entwurfs von Christian Schmitt (Stuttgart) mit 74 bis 80 Registern wurde die aktuelle Disposition (d.h. die Zusammenstellung der verschiedenen Orgelklänge) der Orgel in enger Zusammenarbeit mit den Orgelsachverständigen Christian Schmitt, Martin Haselböck (Wien) und Peter Solomon (Zürich) entwickelt.
Die neue Tonhalle-Orgel wird einerseits für die Wiedergabe des klassischen und zeitgenössischen Orgelrepertoires geeignet sein. Dank eines besonders breiten dynamischen Spektrums, das vom feinziselierten Pianissimo bis zum brausenden Fortissimo reicht, wird sie andererseits besonders flexibel auf Anforderungen bei der Begleitung von Orchestern, Chören, Ensembles und Solisten reagieren können. Entsprechend verfügt das Instrument über eine differenzierte Achtfusslage mit einer reichen Palette an Prinzipal-, Flöten-, Streicher- und Zungenregistern. Im Unterschied zu einer Kirchenorgel muss die Intonation einer Konzertsaalorgel besonders orchestral angelegt sein: So kann in einer im Vergleich zu Sakralräumen relativ trockenen Akustik eine optimale Klangverschmelzung gewährleistet werden. Die Orgel verfügt über fünf Teilwerke: Dem Hauptwerk stehen ein deutsch-romantisches und ein französisch inspiriertes Schwellwerk gegenüber. Diese beiden Schwellwerke sind an bester Lage direkt über dem Orchester platziert. Das Hauptwerk liegt eine Etage höher, dahinter das schwellbare Solowerk mit seinen Hochdruckregistern. Das Pedalwerk findet hinter der Orgel Aufstellung. Das von der Firma Kuhn entworfene historisierende Gehäuse wurde in Zusammenarbeit mit den Architekten Diener und Boesch sowie der Denkmalpflege sorgfältig auf die Formensprache des Saals abgestimmt. Die Entscheidung, den Orgelprospekt historisierend zu gestalten, haben Planer, Bauherrschaft und Denkmalpflege gemeinsam gefällt, im Einklang mit dem Grundkonzept für den grossen Tonhalle-Saal, wonach dieser seinem Zustand von 1895 angenähert wird. Die Orgel soll wieder stärker in die dafür vorgesehene Nische gestellt werden und als Instrument und «edles Möbel» zur Geltung kommen. Im grossen Tonhalle-Saal wird kein Ausstattungselement grundlegend neu, in «moderner» Erscheinung neu gestaltet – in diesem Sinne hat man sich dazu entschieden, dass das auch für die Orgel nicht der Fall sein soll. Der Spieltisch hingegen zeigt Gestaltungselemente aus der heutigen Zeit.
Die Kuhn-Orgel in Zahlen
- 81 Register: 67 klingende Register,
- 7 Transmissionen, 4 Verlängerungen,
- 3 Effektregister
- 4764 Pfeifen, davon
- 4299 aus Metall, 465 aus Holz;
- 3758 Labial-, 1006 Zungenpfeifen
- 30 Crotales-Klangscheiben
- 13 Bälge (Windreservoirs)
- 4 Gebläse mit einer Leistung von
- 142 m3 Wind pro Minute
- 207 Laufmeter Windkanäle
- Breite: 8,32 m, Tiefe: 4,29 m (ohne Türme), Höhe: 7,79 m, Gewicht: ca. 25‘500 kg
Der Preis der Orgel beträgt rund 2,9 Mio. Franken. Zusätzlich fielen noch Kosten für die bauliche Anpassungen des Orgelstandortes und die Fassung des Gehäuses an. Das Instrument wurde von «Baugarten Zürich – Genossenschaft und Stiftung» finanziert.
Disposition und weitere Informationen unter www.orgelbau.ch
Orgelbau Kuhn und Tonhalle-Gesellschaft Zürich haben eine Publikation zur Einweihung mit Hintergrundtexten u.a. zur Geschichte des Instruments und seiner Bedeutung für die Tonhalle Zürich herausgegeben. Die Publikation ist im Rahmen der Konzerte der Tonhalle-Gesellschaft Zürich erhältlich.
Die nächsten Orgelkonzerte in der neuen Tonhalle: www.tonhalle-orchester.ch/konzerte
(Photos zvg)