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Wenn durch Fieber bei Kleinkindern eine Art epileptischer Anfall auftritt, spricht man von einem Fieberkrampf. Vor allem wenn bei einem Baby oder Kleinkind zum ersten Mal ein solcher Krampfanfall auftritt, kann dies die Eltern in Angst und Schrecken versetzen. Fieberkrämpfe bei Kleinkindern sind jedoch meist harmlos.
Fieberkrämpfe treten typischerweise bei sonst gesunden Kindern zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr auf, wenn sie Fieber über 38 Grad Celsius haben. Andere Bezeichnungen für den Fieberkrampf bei Kindern lauten Fraise, Infektkrampf oder auch Infektkrampf. Nach besonderen neurologischen Kriterien unterscheidet man einfache und komplexe Fieberkrämpfe:
Die Diagnose erfolgt bei einem Fieberkrampf anhand der von den Eltern geschilderten Symptome. Dabei ist vor allem bei Verdacht auf einen komplexen Fieberkrampf bei Kleinkindern eine weitere Abklärung erforderlich. Hierzu kommen eine neurologische Untersuchung der betroffenen Kinder, eine Darstellung ihrer Gehirnaktivität durch ein EEG und eine Bestimmung der Laborwerte aus Blut und Hirn-/Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) zum Einsatz. Die Behandlung verläuft stufenweise entsprechend den Symptomen und der Häufigkeit der Anfälle: Ihr Ziel ist es, das Fieber zu senken und durch antiepileptische Medikamente den Krampfanfall akut zu unterbrechen, wenn dieser länger als zwei Minuten anhält. Dieselben Massnahmen sind auch bei Kindern mit erhöhtem Risiko für wiederholte Fieberkrämpfe als Vorsorge sinnvoll.
Der Begriff Fieberkrampf bezeichnet per Definition einen Krampfanfall (epileptischer Anfall) bei Kindern im frühen Kindesalter, der im Rahmen eines fieberhaften Infekts (wenn das Fieber über 38 Grad Celsius steigt) ohne entzündliche Beteiligung des Zentralnervensystems (ZNS: Gehirn und Rückenmark) auftritt. Weitere Bezeichnungen für Fieberkrämpfe bei Kindern sind:
Ein Fieberkrampf bei Kleinkindern kann einfach und harmlos oder komplex und somit kontrollbedürftig sein:
Etwa 2 bis 5 Prozent aller Kinder haben als Baby oder Kleinkind (im Alter von fünf Monaten bis fünf Jahren) mindestens einen Fieberkrampf – mit grösster Häufigkeit im 2. Lebensjahr. Etwa jedes dritte betroffene Kind bekommt mehr als einen Krampfanfall – dabei gilt: Je jünger ein Kind bei seinem ersten Fieberkrampf ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für weitere Krampfanfälle.
Ein Fieberkrampf bei Kindern ist mit überwiegender Häufigkeit harmlos: In 80 bis 90 Prozent der Fälle entsteht ein einfacher Fieberkrampf, der kein Vorbote einer Epilepsie ist. Bei dem selteneren komplexen Fieberkrampf beträgt das Risiko einer späteren Epilepsie 3 bis 4 Prozent, in Sonderfällen – wie bei familiärem Vorkommen von Epilepsie, vorbestehender Gehirnschädigung und bestimmten EEG-Veränderungen – jedoch 20 Prozent.
Worin genau ein Fieberkrampf beim Kleinkind seine Ursachen hat, ist noch nicht geklärt. Mögliche Auslöser für Fieberkrämpfe bei Kleinkindern sind mit Fieber einhergehende Infekte. Die häufigsten Infekte sind die der oberen Luftwege (einschliesslich Mittelohrentzündung und Lungenentzündung) und des Magen-Darm-Trakts sowie das Dreitagefieber (Exanthema subitum). Steigt bei einem solchen Infekt das Fieber auf über 38 Grad Celsius an, kann das betroffene Kleinkind einen den ganzen Körper betreffenden Krampfanfall entwickeln.
Da Fieber über 38 Grad Celsius längst nicht bei allen Kleinkindern einen Fieberkrampf auslöst, müssen jedoch weitere Ursachen hinzukommen. Eine wichtige Rolle spielen erblich bedingte Faktoren: Bei 25 bis 40 Prozent der Kinder mit Fieberkrampf finden sich in der Familie weitere Betroffene.
Doch auch wenn ein Kleinkind seinen ersten Fieberkrampf entwickelt, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass es bei jedem Fieber aufgrund einer besonderen Neigung weitere Fieberkrämpfe bekommen wird: Nur etwa ein Drittel aller betroffenen Kinder hat mehrere solcher Krampfanfälle. Als Ursachen für ein erhöhtes Wiederholungsrisiko gilt zum Beispiel, wenn das Kind:
Bei einem Fieberkrampf hängen die Symptome davon ab, ob es sich um einen einfachen oder komplizierten Fieberkrampf handelt.
Meist verläuft ein Fieberkrampf bei Kindern unkompliziert. Ein solcher einfacher Fieberkrampf äussert sich durch bedrohlich aussehende, jedoch meist relativ harmlose Symptome: Bei Fieber von über 38 Grad Celsius kann ein Kleinkind einen Krampfanfall bekommen, der den ganzen Körper betrifft (sog. generalisierter Krampfanfall). Zunächst können Arme und Beine versteifen und dann krampfartig zucken. Die für einfache Fieberkrämpfe bei Kleinkindern typischen Anzeichen sind:
wobei ein einfacher Fieberkrampf meist nur wenige Minuten andauert und die Symptome von selbst verschwinden. Im Anschluss an den Krampfanfall befindet sich das Kind häufig noch einige Zeit in einem gewissen Dämmerzustand und wirkt sehr verschlafen.
Ein komplexer oder komplizierter Fieberkrampf ist wesentlich seltener. In etwa 4 Prozent der Fälle sind solche Krampfanfälle bei Kindern die ersten Anzeichen einer späteren echten Epilepsie. Ein komplizierter Fieberkrampf bei Kleinkindern äussert sich durch folgende Symptome:
Ausserdem liegt möglicherweise ein komplizierter Fieberkrampf vor, wenn das Kind nach dem Krampfanfall neurologische Symptome zeigt oder eine der folgenden Bedingungen zutrifft:
Bei einem Fieberkrampf erfolgt die Diagnose in erster Linie anhand der Krankengeschichte (Anamnese) und der von den Eltern geschilderten Symptome. Wenn der Verdacht auf einen komplizierten Krampfanfall besteht, kommt ein EEG zum Einsatz, um die Gehirnaktivität des betroffenen Kindes darzustellen. Nach einem einfachen Fieberkrampf ist das EEG wieder normal und bedarf keiner weiteren Kontrolle. Direkt während des Fieberkrampfs ist das EEG auffällig und zeigt das typische Muster eines den ganzen Körper betreffenden (generalisierten) Anfalls. Bleiben Veränderungen im EEG auch nach dem Anfall bestehen, ist es ratsam, die Ursachen hierfür abzuklären.
Bei bleibenden EEG-Veränderungen nach einem Fieberkrampf besteht die weitere Diagnose darin, Laborwerte aus dem Blut zu bestimmen (wie Blutzucker, Kalzium, Phosphat, alkalische Phosphatase und Elektrolyte) und – bei Verdacht auf eine Gehirnhautentzündung – mögliche Erreger in der Hirnflüssigkeit (Liquor) nachzuweisen. Die Hirnflüssigkeit gewinnt der Arzt durch eine Lumbalpunktion. Bei einem Fieberkrampf im ersten Lebensjahr ist diese Untersuchung in jedem Fall zur Diagnose unvermeidlich.
In etwa 9 von 10 Fällen endet ein Fieberkrampf bei Kleinkindern ohne Therapie von selbst. Die Behandlung der betroffenen Kleinkinder besteht vor allem darin, das Fieber zu senken: Hierzu sind fiebersenkende (antipyretische) Zäpfchen oder Tropfen, Wickel in den Leistenbeugen und Flüssigkeitszufuhr geeignet. Die fiebersenkende Behandlung ist sowohl als Akuttherapie bei einem Fieberkrampf als auch zur Prophylaxe von Fieberkrämpfen geeignet.
Bei einem bestehenden Fieberkrampf ist es wichtig, dass Sie Ruhe bewahren und dafür sorgen, dass sich Ihr Kind nicht verletzen kann (z.B. indem Sie harte Gegenstände aus dem Weg räumen). Versuchen Sie aber keinesfalls, die krampfartigen Bewegungen Ihres Kindes durch festes Halten zu unterbinden. Dauert der Fieberkrampf länger als zwei Minuten an, ist eine Therapie zur Krampfunterbrechung ratsam: Hierzu sind antiepileptische Medikamente geeignet. Es dauert jedoch ein paar Minuten, bis das Medikament wirkt. Dauert der Krampfanfall trotz Medikamentengabe länger als 5 bis 8 Minuten an, verständigen Sie am besten einen Notarzt.
Wenn Ihr Kind schon öfters einen Fieberkrampf hatte oder sein Risiko für erneute Fieberkrämpfe hoch ist, ist eine Therapie zur Anfallsprophylaxe empfehlenswert: Verabreichen Sie hierzu Ihrem Kind bei jeder mit Fieber einhergehenden Erkrankung Diazepam-Zäpfchen. Dies senkt das Wiederholungsrisiko.
Ein Fieberkrampf bei Kleinkindern nimmt in den meisten Fällen einen harmlosen Verlauf: Bis zu 90 Prozent aller Fieberkrämpfe bei Kindern verlaufen unkompliziert und enden nach kurzer Zeit (höchsten 10 Minuten) von alleine. Ausserdem endet das Auftreten solcher Fieberkrämpfe fast immer bis zum fünften Lebensjahr von selbst. Allerdings besteht bei einem einfachen Fieberkrampf ein Wiederholungsrisiko von 30 Prozent.
Ein komplizierter Fieberkrampf hinterlässt ebenfalls keine Folgeschäden, kann sich aber schon im Verlauf der ersten 24 Stunden nach seinem Auftreten wiederholen. Ausserdem weisen komplizierte Fieberkrämpfe auf eine bestehende Krampfneigung hin und sind in etwa 4 Prozent der Fälle erste Anzeichen einer Epilepsie.
Hat Ihr Kind ein erhöhtes Risiko für einen Fieberkrampf, können Sie entsprechende Massnahmen zum Vorbeugen ergreifen: Wenn Ihr Kind zum Beispiel schon einmal einen Fieberkrampf hatte (vor allem als Baby) oder wenn es in Ihrer Familie weitere Fälle von Fieberkrämpfen gab, senken Sie bestehendes Fieber am besten konsequent mit regelmässig verabreichten Fieberzäpfchen. Ergänzend kommt prophylaktisch ein Antiepileptikum in Betracht.