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«Stehst du mehr auf Männer oder mehr auf Frauen?»
Selber stelle ich mir diese Frage gar nicht. Es ist Anziehung da oder eben nicht – genau so, wie bei monosexuellen Menschen auch. Welches Geschlecht diese Person hat, spielt da eine sekundäre Rolle. Ich kann versuchen, Anziehung in Prozentangaben zu verdeutlichen oder anhand vergangener Beziehungen irgendwie einzuordnen. Damit versuche ich aber höchstens, dem Gegenüber eine befriedigende Antwort zu liefern. Und es bleibt das Gefühl zurück, dass die andere Person versucht, mich anhand der Antwort als «eher lesbisch» oder «eher hetero» einzustufen, statt Bisexualität als eigenständige Sexualität anzunehmen. Das hat vermutlich damit zu tun, dass Bisexualität leider sehr oft unsichtbar gemacht wird. Bisexuelle Frauen, die in einer Beziehung mit einem Mann sind, werden meist als heterosexuell gelesen, und Frauen, die mit Frauen zusammen sind, automatisch als lesbisch. Es ist deshalb wichtig, Bisexualität sichtbar zu machen und nicht als «Phase» oder ähnliches abzutun.
«Wer ist der Mann und wer die Frau in der Beziehung?»
Wir sind zwei Frauen – und unsere Persönlichkeiten lassen sich nicht in stereotype Rollenbilder einordnen. Die Frage richtet sich immer einer heterosexuellen Beziehung aus und lässt mich spüren, dass diese als erstrebenswerte Norm angesehen wird. Das kann ganz schön frustrierend sein, denn mein Gegenüber weiss ja eigentlich: das sind zwei Frauen. Die Frage sagt eigentlich viel mehr darüber aus, wie unsere Gesellschaft «Männlichkeit» und «Weiblichkeit» definiert und dass diese Definitionen auch immer beinhalten: Eigentlich sollte man nur das andere Geschlecht lieben.
Ich stelle dann meist mehrere Gegenfragen. «Wie sieht es denn in eurer Beziehung aus?» oder «Was genau macht dich zum Mann/zur Frau in der Beziehung?» Im besten Fall reflektiert mein Gegenüber, weshalb sich diese Frage überhaupt aufdrängte.
Sina, Barista