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Purpose und Demokratisierung
Von Fabienne Nadine Wenger, Juni 6, 2023
Purpose, eines der Schlagworte, das im Zusammenhang mit New Work immer wieder auftaucht. Doch was genau bedeutet «Purpose» eigentlich? Der englische Begriff wird wörtlich übersetzt mit den Worten «Zweck», «Bestimmung» und «Ziel». Doch welche Verwendung findet er in Organisationen?
Eigentlich kann das ganz einfach erklärt werden: Ein Purpose beschreibt die Existenzberechtigung einer Organisation. Der Purpose definiert wofür eine Unternehmung steht, welchen positiven Beitrag sie zum wertschöpfenden Miteinander von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft leisten kann.
Er beschreibt den Zweck des eigenen Daseins und den Sinn der eigenen Handlungen. Er beantwortet die Fragen «Warum sind wir hier?» und «Weshalb gibt es uns?». Eine Möglichkeit, diese Fragen im Team, als Unternehmen oder für sich ganz alleine zu beantworten, ist das Venn-Diagramm von Andrés Zuzunaga, besser bekannt als die Ikigai-Methode. Deren Ziel es ist, sich selbst besser kennenzulernen und herauszufinden, welche Dinge elementar für das eigene Glück sind. Im Team- oder Unternehmenskontext kann die Methode bei der individuellen Potenzialentwicklung der einzelnen Teammitglieder zur Verbesserung und Schärfung der strategischen Ziele oder bei der Suche nach neuen Produkten helfen.
Ralph Höflinger wendet die Ikigai Methode seit 8 Jahren regelmässig an, um sich und seine Bedürfnisse in Einklang zu bringen und daraus ersichtliche Massnahmen zur Veränderung zu treffen.
Demokratisierung
… oder die Befähigung, sich selbst zu verändern. Demokratisierung werden die meisten im politischen Kontext und nicht unbedingt auf eine Organisation bezogen verstehen.
Demokratisierung bedeutet Abbau von personalisierter Macht und Umwandlung auf Gewaltentrennung. Am besten kann man Demokratisierung am Beispiel des politischen Systems der Schweiz aufzeigen. Wir haben keine personalisierte Gesamtverantwortung, politische Entscheidungen werden durch den Mehrheitswillen der Bevölkerung gefällt.
Mittels Initiativen und Referenden werden lösungsorientierte Änderungsvorschläge eingebracht und zur finalen Entscheidung dem Volk zur Abstimmung vorgelegt.
Wenn in der Schweiz eingebürgerte Personen die Notwendigkeit sehen, ein bestehendes Gesetz zu ändern oder ein neues zu erstellen, können sie sich Gleichgesinnte suchen und eine lösungsorientierte Initiative starten.
Ralph Höflinger hat hierzu eine wunderschöne Grafik in seinem Buch «Demokratisierung von Organisationen – Erfolgsmodell Schweiz» abgebildet, die diesen Prozess einfach darstellt:
Dieses Verfahren kann in einer demokratisierten Unternehmensstruktur übernommen werden.
Demokratie ist nur möglich durch Eigenverantwortung. Diese setzt voraus, dass Mitarbeitende befähigt werden, frei handeln und entscheiden zu können, was wiederum dazu führt, dass Eigenverantwortung stärker gelebt wird. Hier kommt ein weiteres schönes Schlagwort im New Work Universum – Partizipation. Partizipation bedeutet «Teilnahme» oder «Beteiligung». Eine partizipative Unternehmenskultur trägt dazu bei, die intrinsische Motivation der Mitarbeitenden zu erhöhen und deren Identifikation mit den Zielen des Unternehmens zu stärken. Wenn eine Entscheidung im Konsentprinzip (durch die Mehrheit, ohne schwerwiegende Einwände) gefällt wird, ist die Akzeptanz der Mitarbeitenden (wie auch der Bevölkerung nach einer Volksabstimmung) höher als bei Top-Down Entscheiden in klassisch hierarchischen Unternehmungen.
Und damit stecken wir knietief im New Work Thema. Holokratie und Soziokratie, SCRUM, agile Arbeitsformen, mobil-flexibles Arbeiten, Life-Long-Learning… alle diese Themen setzen eigenverantwortliches Handeln voraus, und genau deshalb funktioniert Demokratisierung im New Work Kontext hervorragend.
Dieser Fachbeitrag wurde im Rahmen eines Leistungsnachweises für das CAS New Work verfasst und wurde redaktionell aufgearbeitet.