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Zolas Roman vom Aufstand der Grubenarbeiter in einem nordfranzösischen Kohlerevier ist ein Meisterwerk des literarischen Realismus und ein packendes Dokument sozialen Engagements. Die aufwendige Verfilmung des Romans durch Claude Berri (1993, mit Gerard Depardieu und Miou-Miou in den Hauptrollen) war einer der ganz großen Erfolge des französischen Kinos.
Autorentext
Wolfgang Koeppen, geb. am 23. Juni 1906 in Greifswald, starb am 15. März 1996 in München. Nach einem elfjährigen Aufenthalt in Ortelsburg (Ostpreußen) kehrte er 1919 nach Greifswald zurück. Aus finanziellen Gründen musste er vom Gymnasium auf die Mittelschule wechseln, von der er ohne Abschluss abging. Danach versuchte er sich in ganz unterschiedlichen Berufen: in einer Buchhandlung, im Stadttheater in Greifswald. Als Hilfskoch kam er nach Schweden und Finnland, in Würzburg arbeitete er als Dramaturg. 1927 ließ er sich in Berlin nieder, wo er 1931 zwei Jahre als fest angestellter Redakteur beim Berliner Börsen-Courier arbeitete. Er schrieb Reportagen, Feuilletons, auch erste literarische Arbeiten entstanden. 1934 erschien sein erster Roman. Im selben Jahr siedelte er in die Niederlande über. Er kehrte 1938 nach Deutschland zurück und arbeitete ab 1941 für die Bavaria-Filmgesellschaft in Feldafing am Starnberger See, 1945 siedelte er nach München über. Emile Zola (1840-1902) war Dockarbeiter, Verlagsangestellter und Journalist. 1898 protestierte er gegen die Verurteilung von A. Dreyfus, mußte ins Exil nach England und kehrte nach einem Jahr amnestiert und gefeiert zurück. Sein Hauptwerk ist der 20bändige Romanzyklus 'Les Rougon-Macquart'.
Leseprobe
Erster Teil I
In sternenloser, finsterer, rabenschwarzer Nacht schritt ein einzelner Mann durch die flache Ebene auf der Landstraße dahin, die von Marchiennes nach Montsou führt, zehn Kilometer lang, geradeaus durch Rübenfelder sich hinziehend. Er vermochte selbst den schwarzen Boden vor sich nicht zu unterscheiden und hatte das Gefühl von dem ungeheuren, flachen Horizont nur durch das Wehen des Märzwindes, der in breiten Strichen dahinfuhr, eisig kalt, nachdem er meilenweite Strecken von Sümpfen und kahlen Feldern bestrichen hatte. Kein Baumschatten hob sich vom Nachthimmel ab; die Straße zog sich mit der Regelmäßigkeit eines Dammes durch die stockfinstere Nacht dahin, in der das Auge wie geblendet war.
Der Mann war gegen zwei Uhr von Marchiennes aufgebrochen. Er machte lange Schritte, denn er fröstelte in seiner Jacke von dünnem Wollzeug und in seiner Hose aus Samtstoff. Sein kleines Päckchen, in ein kariertes Taschentuch gewickelt, belästigte ihn; er drückte es bald mit dem einen, bald mit dem andern Ellbogen an sich, um beide Hände zugleich in die Taschen stecken zu können, seine erstarrten Hände, die der eisige Ostwind wund geblasen hatte. Ein einziger Gedanke beschäftigte den leeren Kopf des arbeits- und obdachlosen Arbeiters: die Hoffnung, daß nach Sonnenaufgang die Kälte weniger empfindlich sein würde. Er mochte eine Stunde so dahingeschritten sein, als er zur Linken, zwei Kilometer von Montsou, rote Feuer wahrnahm, drei Gluthaufen im freien Felde, die in der Luft zu schweben schienen. Zuerst zögerte er, von Furcht ergriffen; dann konnte er dem schmerzlichen Bedürfnis nicht widerstehen, einen Augenblick seine Hände zu wärmen.