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Der Radsport wird dominiert von Grossmächten wie Grossbritannien, Belgien, Spanien, Frankreich und Holland. Doch an der Tour de France schreiben manchmal auch «Exoten» schöne Geschichten, so wie der Eritreer Daniel Teklehaimanot.
Eritrea, der kleine afrikanische Staat zwischen Äthiopien und dem Sudan am Roten Meer, wird nur selten mit Sport in Verbindung gebracht. Und wenn, dann nur mit Leichtathleten respektive Langstreckenläufern, die sich stets mit Äthiopiern um Siege streiten.
Darum erstaunt es, das an der diesjährigen Tour de France gleich zwei Eritreer mitfahren. Einer von ihnen ist Daniel Teklehaimanot, der auch in der gestrigen Chaos-Etappe lange vorne mitmischte. (Der andere ist Natnael Berhane, der in dieser Geschichte Nebendarsteller bleibt.)
Dass Teklehaimanot einmal Radprofi werden würde, war nicht in Stein gemeisselt. Er wuchs zusammen mit elf Geschwistern in Debarwa im eritreischen Hochland auf und fuhr jeden Tag Velo – auf unwegsamen Strassen, versteht sich. So entwickelte er offenbar Talent auf dem Zweirad, das ihm die Karriere ermöglichte.
2009 wurde bei dem heute 27-Jährigen Herzrasen festgestellt, was in Lausanne erfolgreich operativ behandelt wurde. So war es Tekleheimanot möglich, vom Velo-Stagiaire in den Profi-Zirkus aufzusteigen. 2012, in dem Jahr er auch als erster Eritreer ausserhalb der Leichtathletik an Olympischen Spielen teilnahm, unterschrieb er beim Team GreenEdge den ersten Vertrag mit einem grossen Team und fuhr auch die Vuelta.
Die ersten Erfolge feierte der Schlacks (1,88 m/70 kg) letztes Jahr. Er gewann beim Critérium du Dauphiné die Bergpreiswertung (was er 2016 wiederholte) und schlüpfte auch bei seiner ersten Teilnahme an der Tour de France gleich in das gepunktete Leibchen des Führenden im Bergpreis-Klassement. Teklehaimanot und Landsmann Merhawi Kudus waren 2015 übrigens die ersten Teilnehmer der grössten Rad-Rundfahrt aus Schwarzafrika.
Dass Daniel Teklehaimanot so für Furore sorgte, blieb auch in der Heimat nicht unbemerkt – im Gegenteil. In Eritreas Hauptstadt Asmara brach regelrechtes Rad-Fieber aus, die Leistungen des Nationalstolzes wurden mit Autokorsos gewürdigt und um sich die Etappen anzusehen, trafen sich die Eritreer in Kinosälen.
Für dieses Jahr hat sich Teklehaimanot viel vorgenommen: «Ich hoffe, stärker zurückzukehren und Mitte Saison gute Rennen zu fahren. Ich muss überall gut sein, aber ich würde schon gerne eine Etappe der Tour oder der Vuelta gewinnen», sagte der Fahrer des Teams Dimension Data im Winter.
Noch ist der Tour-Etappensieg nicht Tatsache geworden. Aber Der 7. Schlussrang der gestrigen Etappe hat Teklehaimanot im Gesamtklassement aber immerhin in die vordere Hälfte gebracht, er belegt nach zwölf absolvierten Teilstücken den 88. Rang, 1:37:13 Stunden hinter Leader Chris Froome. Vielleicht schlägt ja die Stunde des Afrikaners in den kommenden Alpen-Etappen?