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Eine Narbe ist ein faserreiches Ersatzgewebe, das von Bindegewebszellen während der Wundheilung gebildet wird. Die Narbenbildung ist ein natürlicher Prozess, der bei der Heilung von verletztem Gewebe eintritt. Eine Narbe entsteht dann, wenn nicht nur die oberste Hautschicht (Epidermis), sondern auch tiefere Hautschichten verletzt werden. Narben sind endgültig, aber nicht unveränderbar. Genauso unterschiedlich wie die Narbenarten sind auch deren Heilungs- und Pflegeprozesse.
Wie entsteht eine Narbe?
Die Narbenbildung ist der letzte Schritt der Wundheilung, die sich in drei Stufen gliedert: Entzündungs-, Reparatur- und Wiederaufbauphase. Äußere Narben entstehen normalerweise nach Verletzungen tieferer Hautschichten. Ein kleiner Schnitt oder eine oberflächliche Platzwunde verletzt oft nur die oberste Hautschicht (Epidermis). In diesem Fall bildet sich ausgehend von der untersten, sogenannten Basalzellschicht der Epidermis eine neue, intakte Hautschicht, welche die entstandene Wunde verschließt.
Welche Narbenarten gibt es?
Je nach Art der Verletzung, Beschaffenheit der Wundränder, Wundhygiene aber auch je nach Lebensalter und genetischen Faktoren, können unterschiedlich sichtbare Narben nach einer Verletzung zurückbleiben. Man unterscheidet dabei folgende Narbentypen:
- Hypertrophe Narben
- Keloidnarben oder auch wuchernde Narben
- Hypotrophe (atrophe)/ eingesunkene Narben
- Sklerotische Narben
- Instabile Narben
Hypotrophe Narben (atrophe)
Hypotrophe Narben entstehen durch die mangelhafte Bildung von Bindegewebe. Mit dem Begriff „Atrophie“ wird eine Rückbildung bezeichnet. Bei atrophen Narben schliesst sich die Wunde nach der Wundheilung zwar, aber die Haut bildet dabei zu wenig neues Bindegewebe, um die Wunde auszufüllen. Dadurch entstehen eingesunkene Narben, deren Grund tiefer liegt als die umgebene Haut. Diese Narben findet man also meistens flach und in Form kleiner Grübchen vor. Die Wunde heilt dabei eher schlecht, da die Bildung neuer Bindegewebsfasern nicht ausreicht. Die eingesunkene Narbe liegt also unter dem Hautniveau, was vor allem bei Aknenarben der Fall ist. Auch Dehnungsstreifen bei Bodybuildern oder Schwangerschaftsstreifen sind atrophe Narben.
Hypertrophe Narben
Hypertrophe Narben sind erhobene Narben, die im Gegensatz zu den hypotrophen Narben durch eine übermässige Bildung von Bindegewebe entstehen. Sie sind oft die Folge einer zu früh belasteten Verletzung oder einer andauernden Infektion. Hypertrophe Narben entstehen also häufig dann, wenn sich die Wunde während der Heilung gegen starke Zugkräfte schliessen muss und so einer ständigen Bewegung oder Belastung ausgesetzt ist. Die andauernde Spannung bewirkt, dass sich vermehrt Blutgefäße und Bindegewebe bilden, wodurch hypertrophe Narben oft sehr wulstig und stark gerötet erscheinen. Sie können zudem jucken und teilweise auch schmerzhaft sein. Sie bleiben aber auf das ursprüngliche Verletzungsgebiet beschränkt, ragen allerdings über das Hautniveau hinaus. Die Narbenwucherungen entwickeln sich direkt innerhalb der ersten Wochen nach der Verletzung und nicht zu einem späteren Zeitpunkt.
Keloidnarben
Keloidnarben oder Keloide sind wuchernde Narben, die sich erst einige Zeit nach Wundverschluss durch eine Überproduktion von Bindegewebe bilden. Keloide sind dick, gewölbt, oft stark gerötet, erscheinen dunkler als das umliegende Gewebe und gehen über das ursprüngliche Verletzungsgebiet hinaus. Sie werden deshalb auch häufig als „wildes Fleisch“ bezeichnet, da sie sich nicht auf das Gebiet der Wunde beschränken, sondern oft tumorartig auf das benachbarte, gesunde Hautgewebe ausdehnen. Dabei entsteht auch häufig ein Juckreiz. Besonders junge Frauen und Menschen mit dunkler Hautfarbe sind von Keloiden betroffen. Sie treten nur in pigmentierter Haut auf und entwickeln sich oft an Schultern oder Ohrläppchen. Auch Verbrennungswunden bilden häufig Keloide aus.
Sklerotische Narben
Sklerotische Narben bilden sich nach großflächigen Verletzungen wie Verbrennungen. Sie entstehen durch die Neubildung von hartem und trockenem Gewebe. Bei der Heilung zieht sich das Gewebe stark zusammen, weshalb die Haut hart und unelastisch wird. Sklerotische Narben neigen außerdem dazu zu schrumpfen. Liegen sie über Gelenken, so können sie Kontrakturen oder Immobilisation hervorrufen, weshalb eine operative Korrektur häufig sinnvoll ist.
Instabilen Narben
Instabile Narben entstehen meist aufgrund einer nicht richtig funktionierenden Wundheilung. Betroffen sind oftmals Körperstellen, an denen die Haut einer häufigen Spannung ausgesetzt ist. Dazu zählt beispielsweise die Haut an Gelenken. Typische Symptome instabiler Narben sind unter anderem sich immer wieder bildende Geschwüre und Risse. Diese Narbenform muss unbedingt professionell behandelt werden, denn es besteht die Gefahr, dass sich ein bösartiges Karzinom ausbildet.
Was sollte unbedingt vermieden werden, damit eine Narbe gut verheilt?
Die Wund- und Narbenheilung hängt von verschiedensten Faktoren ab und kann deshalb von Mensch zu Mensch variieren. Damit eine Narbe gut verheilt, sollten Verunreinigungen im Wundbereich, Spannungen und Reizungen durch enganliegende Kleidung sowie erneute Verletzungen vermieden werden. Außerdem sollte anfangs darauf geachtet werden, dass die Narbe keinen starken Temperaturreizen oder extremer Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist.
Wann ist Sauna, Dampfbad und Schwimmbad wieder erlaubt?
Grundsätzlich sollte man erst wieder in die Sauna, ins Dampfbad oder Schwimmbad gehen, wenn die Wunde vollständig verheilt ist. Bei Narben nach operativen Eingriffen bedeutet dies, dass sich keine Fremdkörper wie Nähte oder Klammern mehr in der Narbe befinden und diese völlig glatt und krustenfrei verheilt ist. Ist dies nicht der Fall, riskiert man, sich unter Umständen eine ernsthafte Infektion einzufangen.
Wann darf die Narbe direkter UV-Strahlung oder dem Solarium ausgesetzt werden?
Da das Narbengewebe keine pigmentbildenden Zellen besitzt, kann es sich nicht durch Bräunung vor UV-Strahlen schützen. Narbengewebe hebt sich also von gebräunter Haut in einem strahlenden Weiß ab und erleidet dabei leicht UV-Schäden. Daher sollte das direkte Sonnenlicht sowie Solarienbesuche ein halbes bis ganzes Jahr nach der Wundheilung vermieden werden und auch danach ein hoher Sonnenschutz mit mindestens LSF 50 auf die Narbe aufgetragen werden.
Narbenpflege
Um den Heilungsprozess einer Narbe zu unterstützen, empfiehlt es sich, die Narbe je nach Art und Ausprägung richtig zu pflegen. Denn die Narbenpflege kann dazu beitragen, dass die Narbe blasser, geschmeidiger und auch flacher wird, indem sie die Durchblutung anregt. Auch ältere Narben können noch auf eine Narbenpflege ansprechen, sofern man das richtige Produkt verwendet. Somit kann die richtige Narbenpflege verhindern, dass sich krankhafte Narben, wie hypertrophe Narben oder Keloide, bilden. Leider erfordert die Narbenpflege viel Geduld und ist nicht in nur wenigen Tagen erledigt. Damit spezielle Pflegeprodukte wirken, sollten sie normalerweise mehrere Monate angewendet werden.
Wann sollte mit der Narbenpflege begonnen werden?
Damit die Narbenpflege nach einer Operation oder Verletzung den besten Effekt erzielen kann, sollte man so früh wie möglich damit beginnen. Im Anfangsstadium ist die Narbe nämlich noch im Umbauprozess und somit empfänglicher für eine Behandlung. Sobald die Wunde geschlossen ist oder der Arzt die Fäden gezogen hat, kann man mit der Pflege der frischen Narbe beginnen. Dies sollte aber immer mit dem behandelnden Arzt vorher besprochen werden.
Wie funktioniert die Narbenpflege?
Eine noch nicht vollständig geschlossene Wunde sollte am besten mit Heilsalben behandelt werden, um die Wundheilung zu unterstützen. Ist die Wunde vollständig verschlossen, können spezielle Produkte zur Narbenpflege einsetzt werden. Dafür eignen sich beispielsweise etwa silikonhaltige Gele und Pflaster. Zudem ist es teilweise möglich den Prozess der Narbenbildung und -heilung durch Massagen zu unterstützen. Die Narbe sollte dabei so wenig wie möglich strapaziert werden. Durch regelmäßige Massagen und das Pflegen mit Salben und Ölen können Austrocknung, Rötungen sowie Wucherungen vermieden werden.
Wie lange sollte die Narbe gepflegt werden?
Grundsätzlich gilt: Je früher mit der Pflege der Narbe begonnen wird, desto besser. Frische Narben sollten mindestens acht Wochen gepflegt werden, ältere Narben sogar bis zu sechs Monate. Die Heilungsdauer einer Verletzung und die Pflegedauer der dadurch entstandenen Narbe hängen vom Ausmaß sowie der Ausprägung der Verletzung ab. Sofern nur die Oberhaut verletzt ist, kann sich die Haut innerhalb von 28 Tagen aus eigener Kraft erneuern. Dabei bleibt in den meisten Fällen keine Narbe zurück und die Pflegedauer ist dementsprechend kürzer.
Welche Produkte können verwendet werden?
Sobald die Wundränder vollständig verschlossen und die Fäden von Operationsnarben gezogen sind, sollte die Narbe mit speziellen Cremes und Gelen ein bis zweimal täglich eincremt werden. Besonders effektiv sind dabei Produkte mit Wirkstoffen wie Heparin, Dexpanthenol und Allantoin, sowie Produkte auf Silikonbasis. Sie helfen dabei, Rötungen zu reduzieren, das Narbengewebe aufzulockern, den Schmerz sowie Juckreiz zu lindern, Entzündungen zu hemmen und Feuchtigkeit zu spenden. Außerdem können Sie bei richtiger Anwendung das Wachstum überschiessenden Bindegewebes der Narbe vermindern/ verhindern. Alle Produkte gemeinsam haben Feuchtigkeit und Fett als Inhaltsstoff – dies ist für die Narbe das wichtigste – unabhängig von Hersteller oder Marketing.
Salben bestehen dabei aus einer einphasigen Grundlage, enthalten kein Wasser und müssen normalerweise nicht konserviert werden. Bei Creme handelt es sich hingegen um mehrphasige Systeme, die immer Emulgatoren enthalten und konserviert werden müssen. Hierbei gibt es sowohl lipophile (fettliebende) als auch hydrophile (wasserliebende) Cremes. Gele bestehen aus einer flüssigen Phase, die mit einem Gelbildner verdickt wird. Dadurch entsteht ein dreidimensionales Gelgerüst. Beides sollte über mehrere Wochen hinweg, mindestens zweimal täglich, auf die betroffene Hautstelle gegeben und leicht einmassiert werden. Narbengele eignen sich sowohl für frische als auch für ältere Narben. Welche Narbenpflege für die individuelle Situation am besten geeignet ist, kann der behandelnde Arzt am besten erklären.
Was ist ein Narbenpflaster?
Narbenpflaster bestehen aus einem speziellen Material, das atmungsaktiv und wasserdampfdurchlässig ist. Sie schaffen dadurch ein Hautklima im Narbenbereich, das die Stoffwechselprozesse anregt und die Zellbildung fördert.
Zusätzlich üben Narbenpflaster einen leichten Druck auf die Wunde aus, was das Gewebe unter dem Pflaster geschmeidig halten lässt. Das macht die Narbe flacher, heller und elastischer. Narbenpflaster schützen so vor übermäßiger Narbenbildung und werden deshalb gerne zur Behandlung von hypertrophen (wulstigen) Narben eingesetzt. Sie können außerdem ältere Narben aufhellen und überschüssiges Narbengebilde bis zu einem gewissen Mass zurückbilden.
Sie sollten erst nach abgeschlossener Wundheilung angewendet werden und werden direkt über die Narbe geklebt. Damit sie ihre volle Wirkung erzielen, sollten die Pflaster mindestens zwölf Stunden auf der Narbe bleiben. Die Behandlung mit Narbenpflaster erfolgt meist über zwei bis drei Monate. Da sie keine pharmazeutischen Wirkstoffe enthalten, gibt es meist keine Nebenwirkungen und eignen sie sich damit auch sehr gut für Personen mit Allergien, Schwangere sowie Kinder und Personen mit empfindlicher Haut. Vorsicht ist aber bei Allergien gegen Silikon geboten.
Können auch Hausmittel zur Narbenpflege verwendet werden?
Zur Narbenpflege eignen sich auch pflanzliche Hautöle, da sie über wertvolle Inhaltsstoffe verfügen, die sich positiv auf den Heilungsprozess der Narbe auswirken können. Vor allem Vitamin E und Vitamine der A-Gruppe sind in nahezu allen natürlichen Ölen enthalten. Sie unterstützen die Haut bei der Regeneration und steigern ihre Elastizität. Vor allem Johanniskraut-, Traubenkern-, Ringelblumen-, Mandel- oder Jojobaöl eignen sich sehr gut zur Narbenpflege. Derartige Öle regen die Durchblutung an und lassen die Narbe verblassen. Außerdem halten sie die Haut elastisch und geschmeidig und wirken teilweise auch entzündungshemmend. Bei der Anwendung pflanzlicher Öle ist es jedoch auch wichtig direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, da es sonst zu unschönen Verfärbungen im Narbenbereich kommen kann.
Wie lassen sich Narben korrigieren?
Es gibt viele Möglichkeiten, Narben zu korrigieren. In vielen Fällen setzt der behandelnde Arzt mehrere Verfahren zur Narbenkorrektur ein. Neben natürlichen Mitteln sowie medizinischen Methoden zur Narbenpflege und -korrektur können auch operative Eingriffe dabei helfen, die Narbe zu korrigieren oder sogar komplett zu entfernen. Welche Methode sich bei der jeweiligen Narbe am besten eignet, muss der Arzt immer individuell entscheiden. Bei einigen schwerwiegenderen Narben ist eine operative Korrektur notwendig. Andere Narben lassen sich wiederum mit einer Laserbehandlung, einem chemischen Peeling oder mithilfe von Hyaluronsäure/ plättchenreichem Plasma (PRP) korrigieren. Für weitere Informationen rund um die Korrektur von Narben, empfehlen wir Ihnen, einen Blick auf unsere Seite in den Bereich Gynaesthetic zu werfen.