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Perlen
«BlueWisdom Vol. 2 ist» die Fortsetzung des 2012 erschienenen Albums «Blue Wisdom» der Sängerin Yvonne Moore. Sie ist der zweite Teil einer Reihe mit Perlen (Moore), welche die Künstlerin entdeckt und gesammelt hat. Es hat darunter Songs, die kaum bekannt sind, aber auch solche, die mal sehr populär waren, inzwischen aber etwas Staub angesetzt haben und zu einer Neuinterpretation geradezu einladen. Die meisten Songs wurden von Mat Callahan arrangiert, der hörbar sein Handwerk versteht. Die Arrangements von «Another Man Done Gone» und «Jack O’Diamond» besorgte Yvonne Moore. Die beiden haben Songs ausgesucht, die man teilweise in den Urversionen kaum mehr anhören würde, es sei denn, aus historischem Interesse. Tatsächlich ist es gelungen, den Glanz unter der Schicht aus Staub und Vergessen hervor zu holen. Wir sehen uns die Perlenkette mal näher an.
Das Album beginnt mit einem Folksong aus der Zeit der Chain Gangs: «Another Man Gone Done». Die Chain Gangs waren eigentlich Gruppen von Strafgefangenen die zusammen gekettet schwere Arbeiten verrichteten, meist im Strassen- oder Eisenbahnbau, Steinbruch oder auch in Minen. Je nachdem war es eine Strafverschärfung, oder auch eine Methode, Punkte zu sammeln für eine frühzeitige Entlassung. Im Süden wurden natürlich Schwarze wegen geringfügiger Delikte in solche Gangs geschickt und diese waren so ein Werkzeug der Repression nach dem Bürgerkrieg und dem Ende der Sklaverei. Diese merkwürdige Spielart des Strafvollzugs dauerte bis in die Fünfzigerjahre und wurde sogar Mitte der neunziger Jahre vorübergehend in verschiedenen Staaten wieder eingeführt, ist heute aber nur noch in Arizona in Kraft. Wir können uns vorstellen, wie das etwa gewesen sein muss. «Another Man Gone Done» lässt dies spüren. Eine ganz einfache Melodie, ein einfacher, lakonischer Text, vorgetragen in einem klagenden Gesang und nur begleitet vom Rhythmus einer klatschenden Hand. Die ganze Eintönigkeit, Verzweiflung und Gewalt dieser Gefangenen wird auf einfachste Weise erfahrbar. Es gibt diverse Interpretationen dieses Songs, nicht zuletzt von Johnny Cash und John Mayall. Yvonne Moore orientiert sich hier an der sparsamen Version von Odetta Holmes, interpretiert den Song aber mit subtilerem Gesang. Gänsehaut garantiert.
Vom sowohl im Jazz, als auch im Blues einflussreichen Pianisten und Sänger Mose Allison stammt der zweite Song: «I’m Not Talking», ein von ihm selbst jazzig als Bossa Nova angelegter Song aus den 60ern, von den Yardbirds und The Misunderstood zu Rock umgekrempelt. Moore macht daraus einen rhythmisch abwechslungsreichen, funkigen Song mit ironischem Gesang. Hank Shizzoe liefert dezente WahWah Sprenkel.
Eine Moritat über das Glücksspiel ist der dritte Song. «Jack O‘ Diamonds» ist der Karo-Bube und der traditionelle Folksong handelt vom Rommé-ähnlichen Kartenspiel Coon Can (eigentlich Conquian), das unter den Eisenbahn Leuten sehr populär war. Natürlich konnte man dabei sehr schnell sehr viel Geld verlieren. Blind Lemon Jefferson hatte den 1926 Song bekannt gemacht, er wurde danach von vielen weissen Künstlern aufgenommen, verschwand aber dann in der Versenkung aus der ihn Moore wieder hervorgeholt und zu neuem Leben erweckt hat.
Eine sehr bekannte Perle ist Roosevelt Jamisons «That’s How Strong My Love is». Das schmachtende Liebeslied ist so etwas wie der Prototyp eines Soul Songs. Die 1965 von Otis Redding eingespielte Interpretation hat den Song zwar richtig berühmt gemacht, die Originalversion stammt allerdings von O.V. Wright und ist 1964 erschienen. Wrights Aufnahme ist gut, Otis‘grossartig, für jeden nach ihm eine Herausforderung. Natürlich gibt es eine Vielzahl von Covers, nicht zuletzt eine hübsche Version der Stones, bei der sich allerdings das Rundum-Soul-Wohlgefühl nicht so richtig einstellen will. Ganz im Gegenteil die vorliegende Version. Es ist nicht leicht, mit dieser kleinen Besetzung ohne Bläser und ohne Chor die richtige Soul Stimmung hin zu kriegen, Moore und ihrer Band gelingt dies hervorragend, auch durch Hank Shizzoes gefühlvolles Gitarrenspiel. Boah, ist das eine schöne Nummer!
Von Ricci Harper und Ray Charles stammt das Lied über die ungleiche Verteilung der Güter «I Ain't Got Nothing Yet». Es befasst sich auf ironische Weise mit dem Paradoxon des bekannten Bibelzitates Denn wer da hat, dem wird gegeben werden. . .Was bei Ray Charles im üppigen Swing Stil mit vollem Orchester daherkommt, wird bei Moore zu einem Kabinettstück einer kleinen Combo. In verschlepptem Tempo, mit feiner Gitarre und Sprechgesang arbeitet die Band den Song um und wird dem Text besser gerecht als alle mir bekannten Versionen.
«That’s What My Man Is For» kommt aus der Feder von Bessie Griffin, einer Gospelsängerin mit einer mächtigen Stimme, die über drei Oktaven reichte. Von ihr selbst gibt es keine Aufnahme dieses Songs, am bekanntesten ist die soulige Version von Delaney & Bonnie, die Gospeleinflüsse sind unverkennbar. Yvonne Moore nimmt auch den letzten Rest an kirchlichem aus dem Song raus und legt ihn als Bluesrock an. Ein verzerrtes Gitarrenriff treibt den Song voran und Moore singt den naiven, religiös-romantischen Text trocken und leidenschaftlich. Der Song erhält dadurch mehr Biss als die erwähnte Version. Bloss die kurzen zuckrigen Choreinlagen passen irgendwie nicht dazu.
In den vierziger Jahren entstand der Calypso «Shame and Scandal». Text und Musik stammen von Huon Donaldson und Slim Henry Brown und wurden durch Lancelot Victor Edward Pinard, besser bekannt als Sir Lancelot Der Song gilt als der erste Calypso, der in einem amerikanischen Film zu hören war. Er wurde unzählige Male gecovert, unter anderem von Trini Lopez und Peter Tosh. Unter dem Titel «Un Grosso Scandalo» sang den Titel auch Dalida, von Calypso blieb dabei aber nicht viel übrig. Am bekanntesten war die Version von Shawn Elliott, der damit sogar in den Hitparaden landete. Allerdings blieb der Song Elliotts einziger Erfolg. Während der Reggae Welle war der Song mit der wunderbaren Geschichte wieder öfter zu hören, danach wurde er kaum mehr gespielt. Yvonne Moore gelingt eine frische Version, die das ganze karibische Ambiente wunderbar einfängt, inklusive dem Akzent.
Ebenfalls von Mose Allison stammt der letzte Titel des Albums: «If You Live». Auch diesen Song interpretiert Moore neu. Wo Allisons Version unterkühlt daher kommt, haucht sie ihm neues Leben ein und gibt dem optimistischen Inhalt mehr Raum, als das Original.
Alles in allem ist die ganze CD eine Perle. Sorgfältig ausgesuchtes Songmaterial, eine wunderbare Stimme die der Stimmung jedes Songs gerecht wird; eine Band vom feinsten; perfekte Arrangements bis ins Detail. Nur Live ist schöner. . .
Yvonne Moore – leadvocal
Hank Shizzoe – guitar/ vocals
André Pousaz – bass
Andi Hug – drums/ vocals
1 Another Man Done Gone
2 I'm Not Talking
3 Jack O'Diamond
4 That's How Strong My Love Is
5 I Ain't Got Nothing Yet (Them That Got)
6 That's What My Man Is for
7 Shame and Scandal
8 If You Live