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Bild
Titel:
Bezugspunkt Säntis
Thema: Land
Datum: --.--.1994
Masse: 29.7 x 21 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, Jd.; Vorbesitz Ernst Rechsteiner, Appenzell
Urheber/-in: PTT-Telecom
Beschreibung:
Titelblatt zur Aktionärsinformation zum Bauprojekt «Säntis 2000» mit Logos der Säntis-Schwebebahn AG, von Meteo Schweiz und PTT-Telecom, 1994.
Geschichte:
Kurz vor der Jahrtausendwende kam mit dem Projekt «Säntis 2000» das bis dahin grösste Bauprojekt am Dreiländergipfel zum Abschluss. Sein markantestes Element bildet der über 123 Meter hohe Antennenturm. Aus dem mit 2502 Meter ü. M. höchsten Punkt im Alpstein wurde der mit Festivitäten und Publikationen gefeierte Ausflugs- und Kommunikationsberg. Doch der Säntis gibt weit mehr her.
Nachdem der Schweizer Heimatschutz erfolgreich gegen das ursprüngliche Vorhaben rekurriert hatte, erfolgte im November 1994 die Baubewilligung für das gigantische Vorhaben, das 1998 vollendet war.
Unter der Auflage, «das Gesicht des Säntis» nach allen Seiten zu bewahren, wurde durch die Bauherrschaft eine kompakte Erweiterung des bestehenden Gebäudekomplexes realisiert. Für die aus der PTT hervorgegangene Swisscom wurden zwei Kavernen markant vergrössert und ein neuer Antennenturm erstellt. Was 1957 als kleine UKW-Sendestation begonnen hatte und 1972 zur Mehrzweckanlage für Telefonieverbindungen und zur Übertragung von Fernseh- und Radioprogrammen erweitert worden war, wurde zum wichtigsten Zentrum für drahtlose Kommunikationstechnik der Nordostschweiz.
Als zweite Akteurin konnte die Säntis-Schwebebahn einen neuen Osttrakt mit grosser Publikumshalle und Restaurants auf zwei Ebenen realisieren. Was 1846 mit einer einfachen Schutzhütte begonnen hatte und 1935 mit dem Seilbahnbau zum Berggasthaus geworden war, mutierte zum 800 Sitzplätze umfassenden Gastronomieangebot.
Als Referenzgrösse ist das von Extremen geprägte «Säntiswetter» allgegenwärtig. Als alpine Station der 1880 zum Bundesinstitut erklärten Meteorologischen Zentralanstalt in Zürich war die Wetterwarte am Säntis bereits 1882 errichtet und mit Telegrafenanschluss ausgestattet worden. Seit 1887 bestand sogar ein spezielles Observatorium auf dem Säntisgipfel, und seit den 1950er-Jahren ist die PTT bzw. Swisscom für die Wetterbeobachtung zuständig.
Der Säntisgipfel spielte indessen auch für die Landesvermessung eine Schlüsselrolle. Als Referenzpunkt im Rahmen des Trigonometrischen Netzes I. Ordnung korrespondierte er mit den Signalen von Pfänder, Hörnli, Hoher Freschen, Vorab und Calanda. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts war als Orientierungshilfe ein Steinmannli errichtet worden, das 1873 durch ein trigonometrisches Signal abgelöst wurde. 1897 wurde dieses durch einen von der nationalen geodätischen Kommission eingemessenen Pfeiler ersetzt.
Ausgerechnet das auf moderner Vermessungstechnik beruhende Kartenwerk des Siegfried-Atlas führte Ende des 19. Jahrhunderts zu einem veritablen Grenzstreit. Kartographen deklarierten den Girenspitz als Element der «natürlichen Grenze» zwischen den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden und damit zum Dreiländerstein. Der mehrjährige Streit um den Säntisgipfel endete 1895 mit einem Entscheid des Bundesgerichts zugunsten Ausserrhodens.
Weit zurück reichen literarische Bezüge, wobei es ob seiner geographischen Präsenz nicht erstaunt, dass der Berg gar in die Weltliteratur Eingang gefunden hat. Personifiziert tritt er uns bei Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) als «Majestät» entgegen, und in einem Versepos von Eduard Mörike (1804–1875) lesen wir: «wie hebet der Säntis silberklar in himmlischer Ruh’ die gewaltigen Schultern!»
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
Fässler, Peter: Der Alpstein als literarisches Motiv. In: Maeder, Herbert (Hrsg.): Das Land Appenzell. Olten 1977, S. 141–180.
Gantenbein, Hans Ulrich. Lutz-Schäpfer, Eva: Säntis. Ausflugs- und Kommunikationsberg. Herisau 1998.
Grosser, Hermann: Hundert Jahre Säntis-Wetterwarte (1882–1982). In: Appenzeller Jahrbücher 109/1981 (1982), S. 43–70.
Höhener, Hans et al.: Der Säntis. Ein Berg mit vielen Gesichtern. Gais 1995; Stöckli, Rainer (Hrsg): Säntis und Alpstein im Gedicht. Eine Anthologie. Eggingen 2009.
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