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einzelnen Akademien veranlaßte, daß 1788 (23. Dez.) in Preußen [* 2] statt dessen eine nach allgemeinen Grundsätzen abzuhaltende Entlassungsprüfung an den gelehrten Schulen angeordnet wurde. Diese Maßregel kam aber erst durch die Instruktion vom (Edikt vom zur vollen Durchführung. Durch Kabinettsorder vom wurde eine neue Prüfungsordnung für Gymnasien erlassen, die mit einigen Abänderungen (namentlich vom bis 1882 gegolten hat. Für höhere Bürger- und Realschulen ward eine vorläufige Instruktion und eine neue Prüfungsordnung gegeben, welch letztere 1880 auf die aus den Gewerbeschulen hervorgegangenen Oberrealschulen (Realschulen erster Ordnung ohne Latein) ausgedehnt wurde. Inzwischen waren zufolge des Bundesbeschlusses vom (Art. 2) in den meisten deutschen Staaten entsprechende Maßregeln getroffen (in Hannover [* 3] schon 1829, in Österreich [* 4] erst 1849) und, da seit 1866 der Norddeutsche Bund, seit 1871 das Deutsche Reich [* 5] wegen der militärischen Berechtigungen mitbeteiligt war, auf Anlaß des Reichskanzlers 1872 auf einer Konferenz zu Dresden [* 6] gewisse dem preußischen Prüfungsverfahren entlehnte Grundzüge als allgemein maßgebend vereinbart, über deren Innehaltung im Zweifelsfall die seit 1875 bestehende Reichsschulkommission (s. d.) zu befinden hat. Im Anschluß an die neuen Lehrpläne vom hat sodann der preußische Minister v. Goßler. eine neue Prüfungsordnung für sämtliche höhere Schulen erlassen.
Ihre wesentlichsten Bestimmungen sind folgende: Die Prüfungskommission besteht aus dem Kommissar des Provinzialschulkollegiums (Schulrat; Vertreter: Direktor), dem Direktor, dem Patronatskommissar, den wissenschaftlichen Lehrern der obersten Klasse. Die Meldung geschieht drei Monate vor Beginn der Prüfung und setzt zweijährigen Besuch der Prima (darunter mindestens ein halbes Jahr in Oberprima) voraus. Über die Zulassung entscheidet das Provinzialschulkollegium, das Lehrerkollegium hat jedoch in geeigneten Fällen abzumahnen.
Die Aufgaben für die schriftliche Prüfung bestimmt auf Vorschlag des Lehrerkollegiums der Kommissar. Es sind anzufertigen:
1) an Gymnasien: deutscher Aufsatz, lateinischer Aufsatz, Übersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische, aus dem Griechischen ins Deutsche, mathematische Arbeit (4 Aufgaben);
2) an Realgymnasien: deutscher und französischer Aufsatz, Übersetzungen aus dem Lateinischen ins Deutsche, aus dem Deutschen ins Französische und Englische, [* 7] mathematische (4 Aufgaben) und physikalische (2) Arbeit;
3) an Oberrealschulen fällt die Übersetzung ins Lateinische fort und tritt statt dessen eine chemikalische Arbeit ein. In den Progymnasien, Realgymnasien und höhern Bürgerschulen werden die fremdsprachlichen Aufsätze und die physikalischen und chemikalischen Arbeiten nicht verlangt. Die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten geschieht durch die Fachlehrer nach der Stufenleiter der Zeugnisse: »sehr gut«, »gut«, »genügend«, »nicht genügend«. Der Kommissar des Schulkollegiums kann die gefällten Urteile beanstanden.
Vor Eintritt in die mündliche Prüfung wird festgestellt, ob ein Prüfling von derselben auszuschließen oder zu entbinden ist. Jenes kann geschehen, wenn die Mehrzahl der Arbeiten nicht genügt; dieses, wenn alle genügend und einige besser ausgefallen sind. Leistungen und Verhalten während des Schulbesuchs sind außerdem zu berücksichtigen; einstimmiger Beschluß ist für dieses wie für jene nötig. Am Schluß der mündlichen Prüfung wird das Ergebnis zunächst für jedes Fach auf Grund der Klassenleistungen, der schriftlichen und der mündlichen Prüfung festgestellt; sodann für die ganze Prüfung.
Diese gilt als bestanden, wenn überall die Leistungen genügten. Ausgleich einzelner Ausfälle durch mindestens gute Leistungen in andern Fächern kann angenommen werden; doch soll dies nur in besondern Fällen geschehen. Dem leitenden Kommissar steht das Recht des Einspruchs gegen den Beschluß der Kommission zu; im Fall des erhobenen Einspruchs entscheidet das Schulkollegium. Auf Grund der bestandenen Prüfung erhält der Geprüfte das Zeugnis der Reife (Maturitätszeugnis, Absolutorium), das zum Besuch der Universität (Gymnasium; bei der philosophischen Fakultät: Gymnasium, Realgymnasium) oder der technischen Hochschule (Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule) oder zum einjährig-freiwilligen Dienst im Heer und auf der Flotte berechtigt.
Das Reifezeugnis einer Oberrealschule kann durch bloße Nachprüfung im Lateinischen zu einem solchen des Realgymnasiums ergänzt werden, wenn es für Deutsch und Französisch mindestens voll genügend lautet. Auswärtige (Extraneer), die an der Entlassungsprüfung teilzunehmen wünschen, haben sich bei dem Provinzialschulkollegium ihrer Heimatsprovinz, wenn sie im Ausland leben oder bereits eine Universität, technische Hochschule etc. besuchen, bei dem Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten zu melden. Sie werden dann einer bestimmten Anstalt zugewiesen und müssen in der schriftlichen Prüfung außer den angeführten Arbeiten am Gymnasium noch eine Übersetzung ins Griechische (die von den Gymnasiasten bei der Versetzung nach Prima angefertigt wird), am Realgymnasium eine Übersetzung ins Lateinische liefern.
Vgl. »Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen« 1882.