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Wenn Magensaft die Speiseröhre quält
Schätzungsweise jede fünfte Person leidet wöchentlich mindestens einmal an Sodbrennen. Dieses unangenehme Magenbrennen oben im Bauch deutet daraufhin, dass zuviel Magensaft rückwärts in die Speiseröhre gelangt ist.
Die Speiseröhre dient dem Nahrungstransport, nicht der Verdauung. Deshalb ist sie von einer ganz anderen Innenschicht (Schleimhaut) ausgekleidet als der Magen. Auf sauren, aggressiven Verdauungssaft, der sich aus dem Magen rückwärts verirrt hat, reagiert die Speiseröhre höchst empfindlich: mit brennenden Beschwerden und manchmal mit einer Entzündung. Wird die Entzündung nicht gründlich behandelt, kann es zu gefährlichen Komplikationen kommen (Einengung, Geschwür, Blutung, Krebs). Es gibt heute hochwirksame Medikamente, welche die Entzündung in der Speiseröhre rasch und zuverlässig zur Abheilung bringen.
Typische und untypische Beschwerden
Geringfügiger Rückfluss von Magensaft ist ganz normal. Es entstehen keine Beschwerden, weil der saure Verdauungssaft rasch durch geschluckten Speichel neutralisiert wird. Zudem wird der verirrte Saft beim Schlucken von den wellenartigen Bewegungen der Speiseröhrenwand in den Magen zurück befördert. Während des Schlafs wird aber weniger Speichel gebildet und Schluckbewegungen werden selten. Nachts wird deshalb rückwärts geflossener Magensaft weniger zuverlässig beseitigt.
Erst wenn zu viel Magensaft zu lang auf die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre einwirkt, entsteht eine Rückflusskrankheit (sog. Refluxkrankheit). Oft treten nur Beschwerden ohne Schleimhautveränderungen auf. Manchmal entstehen in der Speiseröhre Entzündungen (Oesophagitis) von leichter bis schwerer Ausprägung. Dank gründlicher ärztlicher Behandlung können die Komplikationen einer Entzündung (z. B. Einengung oder Geschwür) in der Regel verhindert werden.
Um eine Entzündung festzustellen, muss der Magen-Darm-Spezialist eine Speiseröhrenspiegelung (Endoskopie) durchführen. Diese Untersuchung ist aber nicht bei allen Personen mit Sodbrennen nötig. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten!
Typische Beschwerden gehen direkt von der Speiseröhre aus und treten meist in speziellen Körperhaltungen auf, z. B. bei der Gartenarbeit in gebückter Haltung oder beim langen Sitzen im Auto oder beim Joggen unmittelbar nach dem Essen:
• Sodbrennen (Magenbrennen oben im Bauch)
• hinter dem Brustbein nach oben wanderndes Brennen
• saures Aufstossen
• Säuregefühl im Rachen
• Nahrungsbrei fliesst rückwärts bis in den Rachen und löst Husten aus, hauptsächlich beim Bücken oder im Liegen
• Manchmal meldet sich ein heftiger Brustschmerz, der kaum von einem Herzschmerz (Angina pectoris) zu
unterscheiden ist
Geringe Mengen des Magensafts, welcher in den Rachen hochgestiegen ist, können - besonders nachts - in die Luftwege gelangen und untypische Beschwerden ausserhalb der Speiseröhre auslösen:
• Asthma, chronischen Husten
• Heiserkeit, Kehlkopfentzündung
Erstaunlicherweise kann von der Stärke der Beschwerden keineswegs auf das Ausmass der Rückflusskrankheit geschlossen werden. Trotz beinahe unerträglicher Beschwerden erweist sich die Speiseröhre bei der Untersuchung nicht selten als entzündungsfrei. Umgekehrt kann eine starke Entzündung vorhanden sein, obschon nur sehr geringfügige Beschwerden zu spüren sind.
Wer Gewichtsverlust feststellt oder eine Behinderung beim Schlucken spürt, sollte sich unverzüglich ärztlich untersuchen lassen. Solche Beschwerden können auf eine Verengung in der Speiseröhre hinwiesen.
Welche Faktoren begünstigen den Rückfluss von Magensaft?
Ein Ringmuskel am unteren Ende der Speiseröhre hält normalerweise den Magensaft fern. Wenn sich der Ringmuskel nach dem Schlucken zu wenig kräftig schliesst und wenn sich die Speiseröhre ungenügend mit Hilfe von Speichel und Wellenbewegungen ihrer Wand reinigt, kann eine Rückflusskrankheit entstehen. Gewisse Lebens- und Genussmittel (z. B. Fett, Schokolade, Pfefferminztee und Pfefferminzlutschtabletten, Rauchen, Alkohol) sowie etliche Medikamente schwächen den Ringmuskel. Mit zunehmendem Alter nimmt die Speichelbildung ab und es treten teilweise Störungen der Wellenbewegungen auf. Auch Störungen der Magenfunktion (verstärkte Säurebildung, verzögerte Magenentleerung) tragen zur Entstehung der Rückflusskrankheit bei.
Selbsthilfe bei Sodbrennen
Gelegentliche Rückflussbeschwerden lassen sich in der Regel mit rezeptfrei erhältlichen Medikamenten rasch beseitigen:
• Säurebinder (sog. Antazida, z. B. Alucol®) binden überschüssige Magensäure.
• Alginsäurepräparare (z. B. Gaviscon®) bilden eine abdeckende Schicht auf dem Mageninhalt und behindern den Rückfluss.
Einige Verhaltensratschläge helfen mit, erneute Rückflussbeschwerden zu verhindern:
• Bett schräg stellen. Mit Backsteinen oder Holzklötzen Kopfende um 15 bis 25 cm erhöhen. Keilkissen
(Schrägkissen) zur Erhöhung des Oberkörpers sind ungeeignet, weil der Bauch dadurch eingeengt wird
• keine in der Taille stark einengende Kleidungsstücke und keine Gürtel tragen
• sich nach Mahlzeiten nicht vor Ablauf von drei Stunden hinlegen
• auf den Spätimbiss vor dem Schlafengehen verzichten
• kleinere, fettreduzierte Mahlzeiten bevorzugen
• alkoholische Getränke vermeiden, besonders hochprozentige Drinks und Weisswein
• Schokolade und einige Kaffeesorten vermeiden
• Gewichtsabnahme bei Übergewichtigen
• Rauchstop bei Rauchern
Ärztliche Behandlung der Rückflusskrankheit
Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn:
• Sie oft von Sodbrennen oder anderen Rückflussbeschwerden geplagt werden
• die Selbstbehandlung mit rezeptfrei erhältlichen Medikamenten ungenügend wirksam ist
Der Arzt kann hochwirksame Medikamente verschreiben, welche die Bildung von Magensäure stark einschränken, nämlich sog. H2-Blocker (z. B. Ranimed® oder Zantic®) oder sog. Protonenpumpenhemmer (z. B. Agopton®, Antra®, Pantozol® und Zurcal®). Die Beschwerden verschwinden damit schon nach kurzer Zeit. Eine Entzündung der Speiseröhre, die bei der Spiegelung entdeckt wurde, heilt mit diesen Medikamenten innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder völlig aus.
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