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Dieses Jahr haben wir leider eine drastisch veränderte Situation angetroffen. Als wir durch das Fischerviertel fuhren, wo vor allem Migranten leben, herrschte völlige Stille. Die Boote lagen am Ufer, die Verkaufsstände und Räucherkammern waren leer, die Fischer in ihren Häusern. Warum dieses Klima, diese Stille? Dies war meine Hauptfrage an die Verantwortlichen der Fischerkooperative. Die Antwort lautete: «Der neue Konservator des Parks verbietet uns, an der Meeresküste und in der Mündung zu fischen. Man muss sieben Kilometer weit fahren.»
Fischreiche Gewässer
Der Anfang dieser Geschichte reicht ins Jahr 2002 zurück, als der ehemalige Präsident, der inzwischen verstorbene Omar Bongo Ondimba, 13 Nationalparks gründete. Einer davon war der Mayumba National Park, der einzige Meerespark von Gabun. Die für ihren Fischreichtum bekannte Stadt Mayumba liegt auf einer Halbinsel, die auf der einen Seite vom Atlantischen Ozean, auf der anderen Seite von der Lagune «Banio» umspült wird. Die Mündung, wo die beiden Gewässer zusammenfliessen, ist ein wichtiges Laichgebiet für Fische.
Vor der Gründung des Parks gab es keine öffentlichen Konsultationen. In den ersten Jahren spürten die betroffenen Dorfgemeinschaften keine Veränderungen – heute hingegen macht die propagierte Naturschutzpolitik der Regierungsbehörden das Leben der lokalen Bevölkerung zu einer wahren Hölle.
Seit ein paar Monaten zahlen die kleinen Fischereibetriebe in Mayumba nun den Preis für den Entscheid des neuen Konservators: Er verlangt von den Fischern, dass sie ihre Aktivitäten sieben Kilometer jenseits der Mündung durchführen. «Sieben Kilometer in einem Einbaum aufs Meer hinaus fahren zu müssen, ist der direkte Weg in den Selbstmord», sagen die Fischer.
Sie sind Opfer einer zu restriktiven Naturschutzpolitik, die sich negativ auf ihre Aktivitäten und auf die gesamte Bevölkerung von Mayumba auswirkt. Seit einem Monat fahren sie nicht mehr hinaus, weil sie nicht mehr dürfen. Gleichzeitig kreuzen Trawler vor der Küste der Stadt, die industriellen Fischfang betreiben, ohne dass sich jemand daran stossen würde. Das Schlimmste daran ist, dass dieser Fisch nicht in der Stadt Mayumba, möglicherweise nicht einmal in Gabun, ankommt.
Angriff auf Ernährungssouveränität
So verliess ich Mayumba diesmal ohne Fisch, genauso wie die anderen Besucher, von denen einige extra wegen der Fische gekommen waren. Mich stimmte es traurig, zu sehen, dass die Menschen im Namen des Naturschutzes mehr und mehr ihrer wichtigsten Ressource beraubt werden.
Viele in Mayumba empfinden dies als Angriff auf die Ernährungssouveränität. Weil sie der Naturschutz dazu zwingt, ihre Essgewohnheiten zu verändern, wollen viele Einheimische weg. Sie wehren sich gegen die «Diktatur» des Konservators, der vorgibt, im Namen des Gesetzes zu handeln. Sie sagen, er stütze sich auf Bestimmungen, die noch nicht umsetzungsfähig seien. Ein fairer Rechtsrahmen muss die Gewohnheitsrechte der lokalen Gemeinschaften berücksichtigen. Der Naturschutz und die Bevölkerung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Hier gibt es für die Gesetzgeber in Gabun noch viel zu tun.