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Nach dem schlechtesten Saisonstart in die Meisterschaft seit 1989 braucht Manchester Uniteds Trainer José Mourinho in der Champions League gegen Valencia einen Heimsieg. Sonst wird sein Ende wohl bald kommen.
Das 3:0 gegen die Young Boys zum Auftakt in der Champions League war nur ein kleines Strohfeuer. Knapp zwei Wochen und drei schwache Spiele später stehen José Mourinho und sein Team mit dem Rücken zur Wand. In der Premier League ist der schlechteste Saisonstart seit 29 Jahren bereits Tatsache.
Verliert der englische Rekordmeister heute auch noch sein erstes Heimspiel in der Champions League gegen Valencia, wäre die Ausgangslage auch in diesem Wettbewerb kompromittiert, der Auswärtssieg in Bern schon fast nichts mehr wert und José Mourinho seinen Job wohl los.
Die Boulevard-Blätter glauben auch schon, Mourinhos Nachfolger zu kennen: Zinédine Zidane. Doch der Franzose winkt ab: Gegenüber der «Sun» erklärte «Zizou», dass er Mourinho angerufen haben, um ihn zu beruhigen. Er versuche nicht, sich hinter dem Rücken des Portugiesen bei United in Stellung zu bringen.
Auf die Frage eines spanischen Reporters, ob das Gespräch tatsächlich stattgefunden habe, entfaltete sich ein absurdes Schauspiel:
Mourinho zeigt auf den «Sun»-Reporter und sagt: «Da musst du ihn fragen. Er hat das geschrieben.»
Spanischer Reporter, in Richtung des «Sun»-Kollegen: «Hat Zidane mit Mourinho gesprochen?»
«Sun»-Reporter, sichtlich überrascht: «Oh ja, hat er.» Gelächter im Saal, Grinsen bei Mourinho.
Bleiben zwei Fragen: Grinst Mourinho auch noch als ManUnited-Trainer, falls
seine die Mannschaft auch gegen Valencia verliert? Winkt Zidane auch noch ab, falls Mourinho bald nicht mehr Trainer der «Red Devils» sein sollte? Es ist momentan schwierig, sich vorzustellen, dass Mourinho auch beim Champions-League-Rückspiel gegen YB noch auf der Trainerbank sitzen wird.
Die Klubführung berät sich derzeit über die Position des Star-Trainers aus Portugal. Eigentlich spricht nur noch das Finanzielle für Mourinho: Es ist fraglich, ob der Verein eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe bezahlen will. So grosszügig die englischen Topklubs bei Transfersummen und Gehältern sind, so ungern zahlen sie Schmerzensgeld in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten.
Angesprochen auf die Frage, ob sein Job in Gefahr sei, wenn er weiter so schwache Ergebnisse liefere, reagierte Mourinho jedenfalls ganz cool: «Nein, das glaube ich nicht», sagte der «Special One» an der Pressekonferenz vor dem Valencia-Spiel.
Den Draht zum Team scheint Mourinho längst verloren zu haben. Mit Paul Pogba hat er sich zerstritten, den Weltmeister hat er intern degradiert. Am Wochenende beim 1:3 gegen West Ham United musste der Franzose nach einer schwachen Leistung bereits nach 70 Minuten vom Platz, was der Mittelfeldspieler mit einem vielsagenden Lächeln quittierte. Nach dem Spiel musste Pogba aufpassen, seinem Ärger nicht wieder öffentlich Luft zu machen. Er gab keine Interviews und fragte die Reporter in der Mixed Zone bloss: «Wollt ihr mich sterben sehen?»
Auch Alexis Sanchez ist bei Mourinho offenbar unten durch. Der Chilene, der Grösstverdiener unter den Grossverdienern im Kader, sass am Samstag nur noch auf der Tribüne. Nach diesem Spiel hat Mourinho zudem den Franzosen Anthony Martial öffentlich kritisiert und auch mit Antonio Valencia soll es sich der Portugiese verscherzt haben. Der United-Captain spricht gemäss der «Daily Mail» nicht mehr mit Mourinho. Keiner der Beteiligten hat ein Zerwürfnis bislang übrigens bestätigt, trotzdem ist es augenscheinlich: Der Graben zwischen Trainer und Spieler wird immer grösser, die Stimmung ist ziemlich vergiftet.
«Der Klub kann nicht zulassen, dass dies so weitergeht: Die Spieler auf der einen Seite, der Trainer auf der anderen. So wird es die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte», sagte der frühere United-Verteidiger und aktuelle TV-Experte Rio Ferdinand. «Zu meiner Zeit gehörte die harte Arbeit zur DNA des Klubs. Jetzt sieht man dies nicht. Es fehlt an der Solidarität. Es gibt viele kleine Kriege innerhalb der Mannschaft.» Man kann davon ausgehen, dass Ferdinand, der zwischen 2002 und 2014 über 450 Spiele für Manchester United bestritt, weiss, wovon er spricht.
Zumindest gegen West Ham United hat sich das Team nicht für den Trainer zerrissen. Wie die Londoner «Times» am Montag schrieb, ist kein Premier-League-Team am letzten Wochenende weniger gerannt. 59 Sprints hat die «Times» von Paul Pogba und Co. gezählt. Das ist weniger als die Hälfte von Mannschaften wie Liverpool (154), Huddersfield (125), Arsenal (122) oder Chelsea (119).
Über das «Joga bonito», wie das schöne Spiel in der portugiesischen Sprache genannt wird, haben sich die Teams des Portugiesen José Mourinho noch nie definiert. Wenn alles andere auch nicht mehr stimmt, ist es tatsächlich so, wie die «Times» am Wochenende schrieb: «Mourinho ist am Ende seines Weges.» (pre/sda)