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Irène Challand
13. September 2023
Gaspard wollte, dass ich in wenigen Minuten seine Karriere und seinen leuchtenden und engagierten Werdegang innerhalb der Institution TSR, dann RTS und natürlich auch darüber hinaus, zusammenfasse. Gaspard war eine weitherum geschätzte und anerkannte Persönlichkeit. Er konnte niemanden gleichgültig lassen. Die Hunderte von Nachrichten, die in den letzten Tagen mit seinen Kindern Canelle und Thibaut, seiner Frau Laurence, seiner Schwiegertochter Lucie oder dem Team der Dokumentarfilmabteilung geteilt oder an sie gerichtet wurden, zeugen davon.
Gaspard zeichnete sich aus durch seine Reden, Präsentationen und die berühmten internationalen «Pitchings», für die er in Amsterdam, Tel Aviv, Ramallah, La Rochelle, Biarritz, Toronto oder Nyon angefragt wurde. Man riss sich um seine wertvollen Talente, Unterstützungen oder Kritiken als «Commissioning Editor». Er war sozusagen ein Kurator von Dokumentarfilmen in all ihren Formen.
Ich werde heute einfach und linear über ihn sprechen, wohl wissend, dass viele ihn aus einzigartigen und unvergesslichen privaten oder beruflichen Kontexten kennen.
Ich hatte das Privileg und das Glück, während 14 Jahren in der Abteilung für Dokumentarfilme der RTS mit Gaspard als Freund und Komplizen zusammenzuarbeiten.
Bevor ich mit ihm dieses spannende Kapitel seines Lebens durchlebte, hatte er das Glück, 20 Jahre in der Redaktion der Sendung «Temps Présent» zu verbringen. Als er vor zwei Jahren in den Ruhestand ging, dankte er vor den unabhängigen Produzenten und Produzentinnen der Westschweiz Claude Torracinta dafür, dass er ihn am Ende seines Praktikums als Journalist eingestellt hatte und ihm damit die Erfüllung eines Jugendtraums ermöglichte.
Er arbeitete als Reporter und Autor an der Seite von Regisseuren und Regisseurinnen, bevor er selbst Produzent und Moderator von «Temps Présent» wurde. Er ist unbestreitbar eine wichtige Figur des Journalismus in der Westschweiz.
Gaspard führte gesellschaftliche und politische Recherchen durch, wie für «Temps Présent» über den Völkermord in Ruanda, was ihn sein ganzes Leben lang prägen sollte. Er tat dies mit grösster journalistischer Genauigkeit, ohne Tabus, ohne Zugeständnisse, darauf bedacht, den Auftrag eines anspruchsvollen und aufgeklärten «Service public» zu respektieren. Als neugieriger Soziologe tat er dies in vielfältigen Bereichen. Er führte seine Ermittlungen mit Sorgfalt durch und schlug Reportagen vor, immer mit dem Willen, Informationen zu vertiefen und sie mit einem kritischen und faktenorientierten Blick zu analysieren.
Dies war der grosse Fachmann, den ich 2004 kennengelernt habe. Er war ein freier und oft rebellischer Geist, der sich in der Gemeinschaft von Journalisten und Journalistinnen und Produzenten und Produzentinnen engagierte, und ein junger Vater, der seine Kinder extrem liebte und ihnen nahestand. Als Gaspard sich bereit erklärte, mich zu unterstützen und sich in ein neues berufliches Abenteuer zu stürzen, war die Dokumentarfilmabteilung erst drei Jahre alt und bestand aus einem sehr kleinen Team, stark verbunden mit der neuen Sendung «Histoire Vivante».
Zwischen der Tradition einer klassischen Formatierung von TV-Reportagen, für die die Magazine das Geheimnis hatten, und der Entfaltung einer Politik der Unterstützung des unabhängigen Schaffens von Kinodokumentarfilmen in der Westschweiz und darüber hinaus, mussten wir manchmal einen Konsens suchen und finden. Und das war gut so.
Wir hatten eine ausserordentliche Freiheit zur Entwicklung dieser neuen Politik von Akquisition, Kofinanzierung, Koproduktion und natürlich Programmgestaltung. Aber diese Freiheit war auch mit vielen Problemen und Kämpfen verbunden.
Gaspard setzte sich sehr dafür ein, diese neue Abteilung zu formen und «Docs Evènement» in «Prime Time» auf RTS Un anzubieten, gefolgt von Debatten, die von unseren Kollegen aus der Informationsabteilung angeboten wurden.
Er glaubte auch an das Potenzial von Dokumentarserien, die von RTS koproduziert und dann auch produziert wurden, um als öffentlich-rechtlicher Sender heikle und grundlegende gesellschaftliche Fragen anders anzugehen.
Er engagierte sich in der Realisation der ersten interregionalen Koproduktion eines Dokumentar-Feuilletons. Und mit seiner Komplizin und Ehefrau Laurence haben sie «Bienvenue aux Pâquis» zum Leben erweckt!
Parallel dazu hat Gaspard während sieben Jahren mit Takt und Feingefühl den Austausch mit der Produktion von «Romans d'ados» geführt. Er war verliebt in diese Protagonisten, die unseren eigenen Kindern so ähnlich waren.
Er setzte sich dann auch dafür ein, dass dieser grossartige Dokumentar-Feuilleton in die Kinos kam und anschliessend in «Prime Time» auf RTS Un ausgestrahlt wurde. Heute scheint das Genre der Dokumentar-Feuilletons zum Grundangebot der Programme zu gehören.
Er hat auch nationale Projekte wie die Kurzfilm-Fernsehserie «CINEMA suisse» koproduziert.
Gaspard wusste, auf intelligente Weise komplementär zu sein. Seine Fähigkeiten und seine Anerkennung in der Informationsabteilung trugen wesentlich dazu bei, die Aktivitäten der neuen Dokumentarfilmabteilung zu legitimieren.
Gaspard behielt eine grosse Unabhängigkeit, war aber gleichzeitig sehr kollegial und ein guter Zuhörer. Er hatte das Vertrauen des Doku-Teams, wie auch oft von Filmemachern und Filmemacherinnen, Produzenten und Produzentinnen und Filmverleihern und Filmverleiherinnen.
Er war immer sehr offen und direkt, oft unverblümt. Es war seine Haltung, wie er gerne betonte, aus Sorge um transparent und konstruktiv zu sein.
Auch das Teilen und die Liebe zum Weitervermitteln seines Wissens waren in Gaspards Genen verankert. Beim Fernsehen gab er Kurse für Journalismuspraktikanten und -praktikantinnen. Während 15 Jahren war er eingeladener Experte von Eurodoc, einer europäischen Berufsinstitution, die Ausbildungsworkshops für junge Produzenten, Produzentinnen und Filmemachern anbietet. Auf diese Weise hat Gaspard zur Entwicklung anspruchsvoller kreativer Dokumentarfilme beigetragen und die Bildung eines pluralistischen und internationalen Nachwuchses mitgestaltet.
Er war Mitglied des Expertenbüros der EBU-Kommission für Dokumentarfilme, neben seiner Tätigkeit bei den frankofonen öffentlich-rechtlichen Medien. Und seit einigen Jahren war er Gast eines Soziologieseminars an der Universität Genf.
Sein Name steht im Abspann von über 500 Schweizer Dokumentarfilmen und von über 1000 andern aus der ganzen Welt. Und damit erwähne ich nicht die zahlreichen Auszeichnungen, die er im Laufe der Jahre erhalten hat, von Oscars zum Schweizer Filmpreis, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2021.
Natürlich konnte Gaspard nicht in diesem Moment aufhören mit seinem immer neugierigen Geist und seinem Lebenshunger. Er ergriff noch einen neuen Beruf, den des Produzenten. Er tat dies zu Beginn des Krieges in der Ukraine, indem er Natacha, eine junge russische Dissidentenfilmerin, produzierte, unterstützt in diesem neuen Abenteuer von seinen Freunden Marc, Chan, Kathryn und Roch. Haben Sie an Bizarre Production gedacht? Ja, Bizarre, das sich so gut auf Gaspard reimt, und das kitzelt wie dieses schelmische Leuchten in seinen Augen, wenn er mit Leidenschaft von seinen Kindern, seiner Frau, seiner Liebsten, und seinem neuen Projekt erzählte.
Ich habe Ihnen von einem bedeutenden Autor und Produzenten erzählt, der mit seiner so schönen und persönlichen Unterschrift die Seite des Dokumentarfilms und der RTS geprägt hat.
Ich nehme Abschied von einem «frère de coeur et de valeurs».
Danke Gaspard... For Ever und Hasta Luego!
Alexandre Ducommun
30 August 2023