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Ein Problem, welches wir im Rahmen der Nachsorge unserer Patienten nach adipositaschirurgischen Eingriffen immer wieder erkennen müssen, ist eine mangelnde Versorgung mit Eiweiss.
Eiweiss ist neben Kohlenhydraten und Fetten ein wichtiger Nährstoff, der für eine uneingeschränkte Funktion von Muskulatur, Hormonen, Immunsystem und Stoffwechsel unerlässlich ist. Basierend auf allgemeinen ernährungsmedizinischen Empfehlungen sollte die normale Ernährung zu 20% aus Eiweiss bestehen. Dies würde für einen normalgewichtigen, durchschnittlich sportlichen Menschen eine Eiweissmenge von 60-90g/Tag bedeuten.
Eiweiss ist aber nicht nur für einen Sportler wichtig!
Gerade nach adipositaschirurgischen Operationen ist eine ausreichende Versorgung mit Eiweiss notwendig. Dies liegt auch an der Tatsache, dass durch die gute Versorgung der Muskulatur mit genügend „Brennstoff“ die Muskelmasse wächst (unter körperlicher Betätigung) und in der Folge auch der Grundumsatz zunimmt, der ja wichtig für eine langfristige und effektive Gewichtsreduktion ist.
Dies wurde auch aktuell wieder in einer Vergleichsstudie bei Magenbypass operierten Patienten gezeigt (Schollenberger et al, Nutrition 32 (2016) 186-192). In dieser Untersuchung wurde eine Patientengruppe nach Magenbypass mit hoher Eiweissmenge versorgt, eine Vergleichsgruppe nach Magenbypass mit deutlicher geringerer Menge. Nach mehreren Monaten Nachbeobachtung zeigte sich ein deutlich erhöhter Gewichtsverlust in der Gruppe der mit hoher Eiweiss-Dosis versorgten Patienten.
Merke: Ausreichende Eiweisszufuhr + körperliche Betätigung = Muskelzunahme = Steigerung des Grundumsatzes = Gewichtsverlust
Durch die reduzierte Menge an Nahrungsmitteln, die nach einer adipositaschirurgischen Massnahme aufgenommen werden, kann es entsprechend auch zu einer Mangelversorgung mit Eiweiss kommen. Aus den oben genannten Gründen ist dies nicht wünschenswert.
Was also ist zu empfehlen, um eine ausreichende Eiweissmenge mit der Nahrung aufzunehmen?
Eiweiss – auch Protein genannt – ist enthalten in Milch- und Milchprodukten, Fleisch, Fisch, Eiern aber auch im pflanzlichen Lebensmittel wie Tofu und anderen Sojaprodukte, Hülsenfrüchten und Nüssen sowie Samen.
Bei der Auswahl proteinreicher Lebensmittel ist es ratsam, auf den Fettgehalt der Nahrungsmittel zu achten.Fettarme Zubereitungsmethoden wie Grillen, Dünsten oder Braten in einer beschichteten Pfanne sind besonders günstig, um nicht zu viele Kalorien auf den Teller zu bringen. Nüsse und Samen enthalten viel Fett und sollten daher nur in Massen genossen werden.
Beispielplan für 60 g Eiweiss /Tag – Eiweiss in Gramm:
Frühstück
- 150 g Joghurt 6,5
- 1 EL Haferflocken 1,9
- 50 g Orange 0,5
Mittagessen
- 100 g Fleisch 27,6
- 100 g Möhren 2,3
- 50 g Nudeln 6,0
- 15 g Öl
- 50 g Frischkäse 5,5
Abendessen
- 1 Scheibe Toast 0,12
- 80 Gramm Tomaten 0,8
- 30 Gramm Käse 8,6
Gesamte Eiweissmenge 59,7 – Energiegehalt: 1020 kcal
Da oft nur noch kleine Mengen gegessen werden können, sollte immer erst das einweisshaltige Lebensmittel wie bspw. Joghurt oder Fleisch verzehrt werden, dann Gemüse oder Obst und zum Schluss die Kohlenhydrate. So kann man sicher gehen, das Optimum an Eiweiss aufgenommen zu haben.
Weil nach adipositaschirurgischen Eingriffen die Zufuhr einer ausreichenden Nahrungsmenge häufig gerade in den ersten Monaten nicht immer gewährleistet ist, stellen Eiweiss-Shakes eine wichtige Quelle für dringend benötigte Proteine dar. 30 g Pulver und 200 ml Milch liefern ca. 25 g Eiweiss. Auch hochkonzentriertes Proteinpulver zur Nahrungsergänzung kann in diesem Zusammenhang sehr sinnvoll sein. 5 g Pulver (1 Messlöffel) liefert ca. 5 g Eiweiss. Das Proteinpulver kann in Joghurt, Suppen oder auch in Kaffee gerührt werden.
Bei einer Laktoseintoleranz, d.h. einer Milchzuckerunverträglichkeit kann auf laktosefreie Produkte wie laktosefreie Milch oder Sojaprodukte zurückgegriffen werden. Hier sollte allerdings zur Sicherstellung einer guten Versorgung bzw. zur Vermeidung einer Fehlernährung ein Gespräch mit der Ernährungstherapeutin/ dem Ernährungstherapeuten vereinbart werden.
Adipositas Zürich ist immer bemüht, ganz unterschiedliche Themenbereiche aus dem Bereich der konservativen Adipositastherapie und bariatrischen Chirurgie zu behandeln. Unterstützt werden wir dabei von kompetenten Medizinern und Therapeuten aus der Schweiz und auch aus Deutschland.
Heute hat PD Dr. med. Andreas Thalheimer, leitender Arzt im Spital Männedorf und Oberarzt meV in der Chirurgischen Klinik am UniversitätsSpital Zürich, einen interessanten Artikel über das Thema “eiweissreiche Ernährung nach bariatrischen Eingriffen” für uns verfasst.
Vor seiner Zeit in der Schweiz war Dr. Thalheimer bis Ende 2019 Leiter des Adipositaszentrums und Chefarzt der RoMed Kliniken Rosenheim-Bad Aibling (Bayern-Deutschland) und hat den Artikel gemeinsam mit Dipl.-Oec.troph. Jutta Peters verfasst, die die Ernährungstherapie des Adipositaszentrum der RoMed Kliniken Rosenheim-Bad Aibling leitet.
Wir bedanken uns für diese Unterstützung und sind gespannt auf Eure Meinungen, Kommentare und Nachrichten.