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Der afroamerikanische Schlagzeuger Ronald Shannon Jackson spielte mit seiner Decoding Society am 26. Juni 1981 ein legendenumranktes Konzert in der Zürcher Roten Fabrik. Das heiss erkämpfte alternative Kulturzentrum war im Oktober 1980 für einen provisorischen Betrieb geöffnet worden. Bei ihrem ersten Konzert entfachten Jackson und seine Decoding Society mit ihrem Sound, der Jazz, Rock, ethnische Musik und Punk vereinte, einen musikalischen Sturm. Die Musik von Jackson an den Trommeln und Cymbals, den beiden Saxofonisten Lee Rozie und Zane Massey, dem Gitarristen Vernon Reid, den Bassisten Melvin Gibbs und Bruce Johnson passte hervorragend zur damaligen Aufbruchsstimmung in der Stadt – sie traf den Nerv der Zeit.
Zu Beginn der achtziger Jahre war Jackson aber schon seit über fünfzehn Jahren als Schlagzeuger unterwegs. Bereits 1966 spielte er mit dem Ensemble des Altsaxofonisten Charles Tyler sein erstes Album ein. Es folgten Aufnahmen wie «Truth Is Marching In» und «Live at Slug’s Saloon» mit der Gruppe des hymnischen Tenorsaxofonisten Albert Ayler (1936–1970), Mitte der siebziger Jahre dann Einspielungen mit dem Altsaxofonisten Ornette Coleman, der wie Jackson aus Fort Worth (Texas) stammt. «Dancing in Your Head» hiess ein wegweisendes Album von Coleman. 1978 sass er in einer der wichtigsten Gruppen des Pianisten Cecil Taylor hinter dem Schlagzeug. In Stuttgart entstand mit «One Too Many Salty Swift and Not Goodbye» an einem Tag ein drei LPs umfassender Meilenstein der Jazzgeschichte. Shannon Jackson wurde zum Synonym für hochenergetisches Drumming.
Es wurde Zeit für den Schlagzeuger mit den Dreadlocks, sich mit der Decoding Society selbstständig zu machen. Mit dieser Band, bei der Colemans Einfluss am deutlichsten herauszuhören war, tourte Jackson extensiv in den USA, in Europa und Japan. Parallel dazu entstand 1986 mit Last Exit eine Supergruppe, die mit dem Saxofonisten Peter Brötzmann, dem Gitarristen Sonny Sharrock (1940–1994), dem E-Bassisten Bill Laswell und Jackson vier freie Radikale aus Europa und den USA zusammenbrachte. Sie spielten mit einer Vehemenz, die bis heute nachhallt.
Ab 2000 musste Jackson krankheitsbedingt kürzertreten und konzentrierte sich stärker aufs Komponieren. Am vergangenen Samstag ist Ronald Shannon Jackson in seinem Zuhause an seinem Geburtsort Fort Worth an Leukämie gestorben. «Peacefully», wie seine Website vermeldet.