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Ein schickes Wellnesshotel in den Schweizer Alpen, in dem hauptsächlich gealterte Künstler ihren Urlaub zu verbringen scheinen. Da ist der pensionierte Komponist Fred Ballinger (Michael Caine), damit beschäftigt, einen Gesandten der Queen abzuwimmeln, der ihn zu einem letzten Konzert eines seiner Stücke überreden will. Begleitet wird er von seinem besten Freund, dem Regisseur Mike Boyle (Harvey Keitel), der im Gegensatz zu ihm noch nicht ganz begriffen hat, dass sein kreativer Zenit längst überschritten ist, sowie ein junger Schauspieler (Paul Dano), der sich hier auf eine Rolle in Deutschland vorbereitet. Man unterhält sich über die Kunst, das Altern und über verpasste Gelegenheiten, dazwischen beobachtet man das geometrisch perfekt kadrierte Treiben der anderen skurrilen Hotelgäste.
Dass Paolo Sorrentino zurzeit wie kaum ein anderer den fellinesk-schwelgerischen Inszenierungstil beherrscht, ist seit La grande bellezza bekannt, und auch in Youth finden sich Sequenzen, die in ihrer inszenatorischen Originalität zu beeindrucken vermögen – etwa wenn Michael Caine anhand einer Alpenszenerie kurzentschlossen eine Symphonie aus Kuhglocken und -gemuhe zu dirigieren beginnt, oder in stilleren Momenten, wenn die unscheinbare, grossartig gespielte Hotelmasseuse (Luna Mijovi) in ihrem Bedienstetenzimmerchen weltentrückt zu tanzen beginnt. Auch der oft ins Absurde überzogene Humor – zum Beispiel in der grotesken Figur eines ehemaligen Fussballspielers mit riesigem Marx-Tattoo der in einem Anfall von Nostalgie mit Füssen und Bauch einen Tennisball zu jonglieren beginnt; oder in der die Hotelgäste verdutzenden Auflösung der Frage, welche Rolle Paul Dano hier genau einstudiert – trägt zu einem durchaus kurzweiligen Porträt dieser jugendbesessenen höheren Gesellschaft bei.
War La grande bellezza eine Art Transposition von Fellinis La dolce vita (1960) ins Rom der Gegenwart, so scheint sich Sorrentino hier von Otto e mezzo (1963) inspirieren lassen zu haben, wobei er von seinem Vorbild nebst einem ähnlichen Setting auch dessen thematische Schwerpunkte übernimmt: das etwas weltfremde Dasein des erfolgreichen Künstlers und der Oberschicht, in der er sich bewegt; das Älterwerden, das einen mit den eigenen schwindenden Fähigkeiten konfrontiert und immerzu tausende verpasste Gelegenheiten ins Bewusstsein ruft. Und wenn die zahlreichen Gespräche der Protagonisten diese Themen teils auch auf eine etwas unsubtile Weise vermitteln und zum Schluss hin die Handlung etwas gar stark Richtung Pathos abdriftet, gelingt es Sorrentino dank mehrerer origineller Fantasiesequenzen und der durchkomponierten Tableaus, welche die anwesende Oberschicht in ihrer ganzen dekadenten Pracht vorführen, trotzdem etwas von Fellinis Bild der Welt als grosses Theater und Irrenhaus aufleben zu lassen.