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Georg Wilhelm Sölner wird am 29. Dezember 1671 in Gerolzhofen geboren und geht in Würzburg und am Jesuitenkolleg von Ingolstadt zu Schule. 1691 legt er in Ebrach sein Ordensgelübde ab. Primiz feiert er 1697. Er kann in der Zisterzienserabtei Waldsassen ein Praktikum der Rhetorik belegen und anschliessend an der Universität Prag Geschichte, Staatkunde und Rechtswissenschaft studieren. Hier promoviert er und lehrt anschliessend kirchliches und weltliches Recht. Zurückgekehrt nach Ebrach wird er Kanzleidirektor. Am 30. Mai 1714 wählt ihn das Kapitel zum Abt. Am 30. August ist die Inauguration, zu der eine Festschrift erscheint. Auf dem Titelkupfer stellt er sein Programm bildlich vor, die Sonnenblume als sein persönliches Wappen-Emblem ist reich vertreten. Sol, die Sonnenblume, ist eine Anspielung auf seinen Namen. Der Fürstbischof von Würzburg, Philipp von Greifenklau (1699–1719), benediziert ihn am 2. Juni 1715. Die Regierung dieses Fürstbischofs stellt eine kurze Phase der Entspannung im gespannten Verhältnis Ebrachs zum Hochstift Würzburg dar. Der Kampf der Abtei um Unabhängigkeit von Würzburg setzt sich nach seinem Tod fort und prägt die Regierungszeit des Abtes Wilhelm. Wie schon für seine Vorgänger ist es auch für ihn selbstverständlich, die Wirtschaftskraft im Sinne eine «Guten Regimentes» einzusetzen und in der Klosterherrschaft unabhängig zu regieren. Dieses Selbstverständnis ist Ursache und Motor der enormen Bauleistungen von Abt Wilhelm. Nicht der berühmte barocke «Bauwurmb», sondern die gebaute Legitimation der beanspruchten Reichsunmittelbarkeit ist Triebfeder, wenn er sofort nach seiner Wahl die Weiterführung der seit 1702 unterbrochenen Arbeiten am «Neuen Bau» beschliesst. Dabei darf aber nicht die vom inzwischen verstorbenen Johann Leonhard Dientzenhofer geplante traditionelle zweigeschossige Klosteranlage weitergeführt werden. Ebrach soll ein Schloss-Stift in der Sprache des nahen Schlosses von Pommersfelden werden, das 1714 bereits unter Dach ist. Sein Bauherr, der mächtige Erzbischof und Kurfürst Franz Lothar von Schönborn, besucht Ebrach auch tatsächlich 1720. Der jetzt in Ebrach tätige Baumeister Joseph Greissing (1664–1721) erreicht einen eindrücklich nahtlosen Übergang von der zweigeschossigen Klosterarchitektur zur nun dominierenden Schlossarchitektur. 1720 unterbricht Abt Wilhelm die Bauten in Ebrach, um die Amtshöfe in Burgwindheim (1720–1725), Sulzheim (bis 1729), Mainstockheim (1727–1734) und Oberschwappach (bis 1738) ebenso repräsentativ als Amtschlösser umzubauen. Schon 1730 wird auch in Ebrach weitergebaut, die Anlage ist 1736 fertig gestellt, anschliessend folgen die Ökonomiegebäude der «Vorstadt». In seiner Regierungszeit folgen die Bauten so dicht nacheinander, dass jedes Mal, wenn ein Gebäude im Rohbau steht, sofort ein nächstes begonnen wird. Die Ausgaben für die Bauten Ebrachs in seiner Regierungszeit betragen 600 000 Gulden,[1] das Kloster ist eine wahre Wirtschaftslokomotive. Alle Zeitgenossen verstehen die propagandistische Sprache dieses Bauprogramms als Leistung, in der sich das legitime «Gute Regiment» offenbart, natürlich auch als Demonstration der Unabhängigkeit Ebrachs. 1738 verfasst Abt Wilhelm dazu eine Prozessschrift, die «Brevis Notitia Monasterii BMV Ebracensis». Als Beweismittel der klösterlichen Unabhängigkeit fügt er Kupferstiche der Klosteranlage und der Amtschlösser bei, mit Beschreibung der Liegenschaften und ihrer reichen Erträge. Der regierende Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn zieht die Druckschrift sofort nach Erscheinen ein und lässt sie in Würzburg öffentlich verbrennen. Auch er versteht die Macht der Bilder und der Architektur, baut er doch gerade selbst die fürstliche Residenz in Würzburg. Abt Wilhelm antwortet 1739 auf die Verbrennung mit dem Druck einer zweiten Auflage in Rom und legt die «Brevis Notitia» dem eigentlich in standesrechtlichen Fragen nicht zuständigen Papst vor. Er ahnt vermutlich, dass sein ideeller Anspruch vor dem Urteil des zu dieser Zeit bereits materialisierten Staatsrechtes nicht standhalten kann. Tatsächlich erreicht Ebrach die Reichsunmittelbarkeit nie.
Der grosse Bauprälat Wilhelm Sölner stirbt am 24. April 1741 im Alter von 70 Jahren. Sein Grabdenkmal befindet sich in der ersten Kapelle des südlichen Querschiffs, gleich neben dem Abt Ludovicus Ludwig, der den «Neuen Bau» 1686 begonnen hat. Das Porträt in der Sakristei zeigt ihn um 1720 mit dem Plan des Burgwindheimer Amtschlosses in der Hand.
Pius Bieri 2009
Hengelhaupt, Uta: Exemplum Virtutis. Überlegungen zu Entstehung und Ausstattung der Festsäle in den Zisterzienserklöstern Ebrach und Bronnbach. St. Ottilien 2006.
Wiemer, Wolfgang: Zur Entstehungsgeschichte des neuen Baues der Abtei Ebrach, Würzburg 1989.
Wiemer, Wolfgang: Zisterzienserabtei Ebrach, Geschichte und Kunst, Kunstführer, München und Zürich 1992.
Gass, Erasmus und Berthold: Johann Valentin Rathgeber (1682–1750), Ausstellungskatalog, Oberelsbach 2007.
|Abt OCist Wilhelm Sölner (1671–1741) von Ebrach|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|29. Dezember 1671||Gerolzhofen, Schweinfurt Bayern D||Hochstift Würzburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OCist der Zisterzienserabtei Ebrach||1714–1741|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|24. April 1741||Ebrach, Bamberg Bayern D||Hochstift Würzburg|
|Kurzbiografie|

Die 27 Jahre dauernde Regierung des Abtes Wilhelm Sölner (auch Söllner geschrieben) ist einer der Höhepunkte in der Geschichte der mächtigen Zisterzienserabtei. Die Reichsunmittelbarkeit von Ebrach erreicht er zwar nicht, seine grössten Gegner, die Schönborns in Mainz und Würzburg wissen dies zu verhindern. Selbst die Veröffentlichung seiner Geschichte von Ebrach wollen sie verbieten. Wirtschaftskraft der Abtei erlaubt ihm eine repräsentative Steigerung der schon begonnenen Bauvorhaben in Ebrach. Er prägt das barocke Gesicht des Klosters und kann auch fünf neue Amtsschlösser bauen. Mit der Auswahl der Architekten und Künstler zeigt er dabei grosses Kunstverständnis.
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