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Seit "The First 5000 Days" von Beeple für 70 Millionen US Dollar versteigert wurde, sind NFTs in aller Munde. Doch was sind NFTs? Wie funktioniert Blockchain auf dem Kunstmarkt? Und wer kauft Krypto-Kunst? Eine Übersicht.
Welch schöne Ironie: Im letzten Monat sind Krypto-Kunstwerke, die modernsten aller Sammelobjekte, dank beeindruckenden Verkäufen in traditionellen Auktionshäusern – erst Christie's, dann Sotheby's und dicht dahinter Phillips – mit einem Knall im Mainstream angekommen. Das Schlagwort hingegen, das selbst Uneingeweihte in seinen Bann gezogen hat, ist eine Adaption aus dem mittelalterlichen Latein des siebzehnten Jahrhunderts, und wurde bis jetzt fast ausschliesslich von Finanzspezialisten verwendet: "Non-fungible tokens", oder kurz: NFTs.
"Fungible" – zu Deutsch "austauschbar"; oder in diesem Fall "non-fungible" – klingt fast wie ein Dickens'sches Wort; jedenfalls nicht wie eine Schlüsselkomponente der Technologie, die es ermöglicht, Kunst sicher in der virtuellen Welt zu handeln und sie aus der kleinen Krypto-Community in den Mainstream-Kunstmarkt zu bringen. Aber eine neue Kunstform erfordert natürlich eine neue Sprache. Daher haben wir im Folgenden die wichtigsten Begriffe und Konzepte erklärt.
"Minting" – ursprünglich Englisch für die Prägung von Münzen – bezeichnet das Erstellen neuer Inhalte, insbesondere eines Kunstwerks, meist in Form einer digitalen Datei. Im Krypto-Kontext bezeichnet "minting" die Erstellung eines Tokens auf der Ethereum-Blockchain. Indem man das digitale Objekt (z.B. ein GIF mit vielen Millionen Kopien) auf der Blockchain listet, wird es einmalig und einzigartig.
Wie bei den meisten Produkten heutzutage, ob Songs oder Turnschuhe, wird eine neue Veröffentlichung als "Drop" bezeichnet. Und wie in der konventionellen Kunstwelt entscheiden die Künstler, wie viele Editionen sie veröffentlichen wollen. Diese Anzahl wird beim Verkauf angegeben, und es gibt in den meisten Fällen einen "AP" oder "Artist's Proof". Man kann auch weitere Vereinbarungen an das Kunstwerk knüpfen, es kann sich zum Beispiel reproduzieren oder löschen.
Die Blockchain wurde 1991 von zwei amerikanischen Wissenschaftlern erfunden, zu einer Zeit, als immer mehr Amerikaner Computer zu Hause stehen hatten. Die beiden Wissenschaftler fragten sich: Wir leben in einer Welt, in der digital gespeicherte Informationen ganz einfach verändert werden können – wie können wir da noch die Wahrheit festhalten? Wie können wir den gespeicherten Daten trauen, ohne uns auf einen zentralen Archivar verlassen zu müssen?
Sie entwickelten ein System, in dem jede Information elektronisch mit der nächsten verknüpft wurde, so dass die gesamte Kette jede Manipulation reflektierte. Das System war absichtlich dezentralisiert, somit wurden die Informationsblöcke nicht an einem zentralen Ort oder von einer zentralen Behörde gehalten. Stattdessen lagen sie auf einem massiven, untereinander verbundenen Netzwerk von Computern, die jeweils als "nodes", zu Deutsch "Knoten", bezeichnet wurden.
Jede neue Transaktion, die dem Block hinzugefügt wird, erscheint gleichzeitig auf jedem "node", was jede einzelne Transaktion transparent macht – wie bei einem elektronischen Konto, oder wie bei geologischen Schichten, die physische Beweise der Vergangenheit enthalten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt abgelegt werden, um dann von nachfolgenden Schichten sicher überdeckt zu werden.
Auf der Blockchain muss jede Transaktion durch Konsens akzeptiert werden. Dieser Konsens wird dank der Rechenleistung der "nodes" erreicht.
Im Jahr 2009 hatte eine anonyme Persona mit dem Namen Satoshi Nakamoto (hinter der mehr als eine Person stehen könnte und die kein zugewiesenes Geschlecht hat) die Idee für eine Kryptowährung namens Bitcoin. Nakamoto führte damit ein Anreizelement in das dezentrale Blockchain-System ein. "Nodes" konnten nun darum wetteifern, Transaktionen zu verifizieren und einen Block zu "vervollständigen" – also zur Kette hinzuzufügen –, indem sie eine unglaublich komplexe mathematische Gleichung lösten. Der Gewinner wurde in Bitcoin bezahlt.
Im Jahr 2014 startete ein russisch-kanadischer Programmierer namens Vitalik Buterin eine benutzerfreundlichere Schnittstelle namens Ethereum, welche die Kryptowährung Ether (ETH) verwendet. Dies ermöglichte die Erstellung von Tokens – und war damit entscheidend für den Markt für digitale Kunst und Sammlerstücke – einschliesslich des ERC721, der jetzt als NFT Weltruhm erlangt hat (siehe unten). Andere Beispiele für Kryptowährungen sind NEO und Hashgraph.
Auch bekannt als "Nifty", steht NFT für "Non-Fungible Token", also "nicht austauschbares Token", und treibt die neue Wirtschaft von digitalen Sammlerstücken und Waren an. Das Wort "fungible" bedeutet wörtlich "ersetzbar", "nicht-fungibel" bedeutet also unersetzlich oder einzigartig. So kann eine Dollarnote durch jede andere Dollarnote des gleichen Wertes ersetzt werden – sie ist "fungible" – während zum Beispiel eine Theaterkarte nicht durch eine andere Theaterkarte ersetzt werden kann, selbst wenn sie den gleichen Wert hat, da jeder Sitz im Theater einmalig ist – sie ist also "non-fungible". Wenn ein NFT mit einer digitalen Datei, wie z. B. einem Kunstwerk, verknüpft wird, macht sie dieses Kunstwerk einzigartig und nachverfolgbar – das digitale Äquivalent einer beglaubigten Herkunft. Verwirrenderweise bezieht sich der Begriff NFT oder Nifty oft auf das Kunstwerk – oder das zu verkaufende Objekt – selbst, und nicht nur auf den Token.
Die erste NFT Auktion von Sotheby's wurde im April in Zusammenarbeit mit Nifty Gateway durchgeführt, einem grossen Marktplatz für Nifties, der von einem Paar eineiiger Zwillinge gegründet wurde, die sich die Cock Fosters nannten und später unglaublicherweise von einem anderen, berühmteren Paar eineiiger Zwillinge, den Winklevosses, gekauft wurden (ja, dieselben, die Mark Zuckerberg beschuldigten, mit Facebook ihre Idee geklaut zu haben). Nifty Gateway konkurriert mit vielen anderen Plattformen wie OpenSea – eine Open-Access-Plattform, auf der jeder Nifties "minten", also prägen, kann – oder SuperRare, die eine eher kuratorische Haltung einnimmt und auf der nur eingeladene Personen "minten" können.
Ein "miner" ist jemand, der einen oder mehrere Computer besitzt, die als "node" fungieren und darum wetteifern, Transaktionen zu verifizieren, wodurch sie einen Block vervollständigen, zur Blockchain hinzufügen und eine Belohnung in der jeweiligen Kryptowährung erhalten. Es gibt zwei Methoden zur Aufrechterhaltung von Blockchain-Aufzeichnungen: "Proof of Work" (durch Lösen einer komplexen mathematischen Formel, um den Block zu vervollständigen; ein Prozess, der als "Solving for the Nonce" bekannt ist) oder der weniger gebräuchliche "Proof of Stake" (durch Hinterlegen einer finanziellen Einlage, die verfallen kann).
Das ist insofern interessant, als dass bei der jüngsten triumphalen Versteigerung eines Werks des Künstlers Beeple aus Wisconsin durch Christie's, bei der fast 70 Mio. US-Dollar erzielt wurden, die überwiegende Mehrheit der Käufer noch nie zuvor bei einer dieser Versteigerungen mitgeboten hatte. Mit anderen Worten eröffnete sich ein völlig neuer Markt für Krypto-Kunst. Einige wollten digitale Kunst im Allgemeinen unterstützen und ihren bevorzugten Künstler im Besonderen, also eher in der Art eines Mäzens im alten Stil – aber die meisten waren natürlich daran interessiert, einen ordentlichen Gewinn zu machen oder Gewinne aus Kryptowährungen in andere Krypto-Assets zu reinvestieren. Und es sind nicht nur die Käufer, die sich verändert haben: Die Auktionshäuser selbst scheinen vom sekundären in den primären Kunstmarkt eingetreten zu sein und haben dabei Superstars der digitalen Kunst erschaffen.
Nach einem rasanten Start im Jahr 2021 ist der Krypto-Kunstmarkt in unruhigeres Fahrwasser geraten. Dies scheint nach einer so rasanten Expansion unvermeidlich und wird sich mit der Reifung des Marktes wahrscheinlich einpendeln. Künstler nutzen NFTs, um Lizenzgebühren für den Weiterverkauf zu beanspruchen und das Verlustrisiko mit anderen Künstlern zu teilen, indem sie Anteile an der Kunst des jeweils anderen besitzen.
Man könnte argumentieren, dass ein Künstler mit echtem Talent seinen Wert auf lange Sicht halten wird. Kurzfristig jedoch sollte man beim Wort NFTs an anderes denken als das Talent des Künstlers; nämlich an das Tulpenfieber, die Südseeblase und den Goldrausch.
Co-Reportage mit Prof. Amy Whitaker, Assistenzprofessorin für Kunstverwaltung an der Steinhardt School der University of New York und seit 2014 Beraterin von Bitmark. Prof. Whitakers Buch Economics of Visual Art wird im Herbst 2021 bei Cambridge veröffentlicht.
Die Fürsten von Liechtenstein sind seit über 400 Jahren leidenschaftliche Kunstsammler. Sie haben in diesem Zeitraum eine der bedeutendsten privaten Sammlungen mit Hauptwerken europäischer Kunst aus fünf Jahrhunderten aufgebaut. Ganz im Sinne ihrer Eigentümerfamilie engagiert sich die LGT stark für die Förderung von Kunst und Kultur. So sponsert sie die Fürstlichen Sammlungen und unterstützt die zahlreichen Sonderausstellungen in der ganzen Welt.