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Ossessione
Regie: Luchino Visconti
Darst.: Clara Calamai, Massimo Girotti, Dhia Cristiani, Elio Marcuzzo, Vittorio Duse, Michele Riccardini, Juan de Landa, Michele Sakara u.a.
Der auf der Ladefläche eines Lastwagens reisende Vagabund und Gelegenheitsarbeiter Gino kommt zufällig bei einer ländlichen Trattoria vorbei, die von Giuseppe Bragana und seiner Frau Giovanna geführt wird. Trotz seiner heruntergekommenen Kleidung und kaputten Schuhe betritt Gino selbstbewusst die Gaststätte und trifft dort auf Giovanna, die in der Küche arbeitet. Die beiden finden sofort Gefallen aneinander, und Gino gelingt es mit einem Trick, Giovannas Ehemann für den restlichen Tag von der Trattoria fernzuhalten. So beginnt schon am Tag ihrer ersten Begegnung eine leidenschaftliche Liebe. Zwar reist Gino weiter, weil er im Hafen von Livorno eine Arbeit in Aussicht hat und er für diese Liebe keine Zukunft sieht, doch das Schicksal führt die beiden wieder zusammen. Bald beschliessen sie, den Ehemann aus dem Weg zu räumen … Lose basierend auf dem 1934 erschienenen Kriminalroman «The Postman Always Rings Twice» des US-Schriftstellers James M. Cain, der 1939 unter dem Titel «Le dernier tournant» vom Franzosen Pierre Chenal ein erstes Mal verfilmt wurde, gilt das Regiedebüt des damals 36-jährigen Luchino Visconti als der erste Film des Neorealismus. Verglichen mit den zahlreichen nachfolgenden Verfilmungen von Cains Roman – die bekannteste ist die Adaption von Bob Rafelson mit Jack Nicholson und Jessica Lange aus dem Jahr 1981 – ist sie diejenige, die am meisten unter die Haut geht. Der unter prekären Bedingungen noch unter dem Faschismus gedrehte Film wurde nach seiner Kinopremiere umgehend verboten; nur mit viel Glück gelang es Visconti, eine Kopie zu retten. Harry Tomicek schrieb anlässlich der Visconti-Retrospektive im Filmmuseum Wien: «Was die Zeitgenossen an Viscontis Debüt empörte, war weniger das Veristische als die unerhörte Brutalität von Hass und sexuellem Begehren auf der Leinwand. 1942 unter einem Regime gedreht, das die Tugenden ‹Glauben, Gehorchen, Kämpfen› auf sein Banner schrieb und ein Kino der weissen Telefone favorisierte, bekundet ‹Ossessione› einen eruptiven Willen zum ganz Anderen. Um dieses Neue, Ungeschminkte mit einem Namen zu belegen, hat man auf einen Ausdruck zurückgegriffen, den Viscontis Cutter Mario Serandrei für den Stil des Films vorgeschlagen hat: Neorealismo.»