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Im Herbst 1986 traf der 23-jährige Johnny Depp eine Entscheidung, die seine weitere Karriere bestimmen sollte: Er nahm die Hauptrolle als verdeckter Ermittler Tom Hanson in «21 Jump Street» an. Die Serie und der Held sind bis heute untrennbar verbunden.
Da mag es überraschen, dass Johnny Depp die Rolle zunächst ablehnte. Der junge Schauspieler hatte keine Lust, sich in einer Serie verbraten zu lassen. Ein junger Kollege, Jeff Yagher, nahm die Rolle an. Nach drei Wochen Dreh wurde er gefeuert.
Und wieder wurde Depp angefragt. Die Produzenten wussten, dass der junge Schauspieler gerade in der Krise steckte. Nach kleinen Rollen in «A Nightmare on Elm Street» und «Private Resort» setzte Johnny Depp alle Hoffnung in eine Sprechrolle in Oliver Stones «Platoon». Das Meiste davon fiel der Schere zum Opfer. Frustriert nahm Depp die Rolle in «21 Jump Street» an.
Zu cool um wahr zu sein
Kriminalbeamte, die Kids an der High School jagen – das hatte es im Fernsehen zuvor nicht gegeben. «21 Jump Street» war eine Reaktion auf die zunehmende Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft, die auch vor dem Klassenzimmer nicht Halt machte.
Drogen und Beschaffungskriminalität, Mobbing, Trunkenheit und Vergewaltigung waren Fälle, die Johnny Depp als Tom Hanson zu lösen hatte. Die Serie hatte auch eine didaktische Seite: Am Schluss jeder Folge bekam der Zuschauer einen Lösungsansatz für die spätpubertären Probleme geliefert.
Das Geheimnis der Serie war eine Besetzung, die zu cool war um wahr zu sein und Geschichten, die völlig unglaubwürdig waren. Die richtigen Zutaten – gerade, um ein junges Zielpublikum zu begeistern.
Das Ende
Für Johnny Depp entwickelte sich der Erfolg zum Nachtmahr. Er war der Erfolgsgarant, er war die Aushängefigur, er war der Werbeträger, er war der Starschnitt der Teeniemagazine, er war Tom Hanson. Johnny Depp sagte dazu: «Das Einzige, was Tom Hanson und ich in etwa gemein haben, ist unser Aussehen. Hanson ist nicht der Typ, mit dem ich einen trinken gehen möchte. Das Jahr hat 365 Tage, an 275 davon sage ich Dinge, die man mir in den Mund legt und die mir teilweise zuwider sind. Da bleiben gerade Mal 90 Tage, um als Johnny Depp zu reden.»
Depp wollte aus dem Vertrag raus, ohne ihn zu brechen. Am Set wurde er zur Diva, lehnte ganze Episoden ab, improvisierte und erfand morbide Dialoge. Schliesslich fanden Agent und Anwälte eine Vertragslücke und in Folge 81 war Tom Hansons letzter Auftritt.
Es wurde noch eine fünfte Staffel ohne den Star gedreht. Die Quote fiel in den Keller. 1991 wurde die Serie abgesetzt. 20 Jahre später beerdigt Johnny Depp die Rolle mit einem Cameo-Auftritt im Kinofilm «21 Jump Street» endgültig – er wird erschossen.
Politisch unkorrekt
2012 eine Serie der 1980er-Jahre mit einer lachhaften Geschichte um Cops und Kids in die Kinos zu bringen, das klingt nicht gerade erfolgsversprechend. Schlimmer noch: «21 Jump Street»-Produzent Neal Moritz ist verantwortlich für den grauenvollen Reboot der Action-Serie «The Green Hornet».
Und was passiert? Am Startwochenende spielt die Komödie 35 Millionen Dollar ein. Jonah Hill und Channing Tatum als dusseliges Cop-Duo am Östrogen- und Testosteron-schwangeren Tatort Klassenzimmer treffen den heutigen Zeitgeist.
Der Film ist so komisch und an der Kasse so erfolgreich, dass die Undercover Cops jetzt auf die gegenüberliegende Strassenseite ziehen: an die 22 Jump Street. Erneut unterminieren sie dort die heute an den Colleges regierende «Political Correctness». In den Staaten übrigens hat das Sequel in 14 Tagen 143 Millionen Dollar eingespielt.