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Die Schweizer Milchwirtschaft schaut gebannt nach Cancún, wo die Minister der Welthandels-Organisation über den Abbau der Exportzölle für Landwirtschafts-Produkte feilschen.Dieser Inhalt wurde am 13. September 2003 - 08:18 publiziert
Die Schweizer Käseexporteure kämpfen um ihre Wettbewerbs-Fähigkeit im Ausland.
66'000 Schweizer Bauern produzieren pro Jahr drei Millionen Tonnen Milch. Ein beträchtlicher Teil dieser Milch wird zu Käse verarbeitet. Wenn die Exportsubventionen fallen, so wie dies die grossen Agrarexporteure an der WTO-Konferenz in Cancún fordern, stehen die Schweizer Käsehersteller vor schwierigen Zeiten.
Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, setzt sich als Mitglied der Schweizer WTO-Delegation in Cancún für einen gangbaren Weg für die Bauern ein.
Für die Schweizer Käseexporteure sieht Bötsch zwei Optionen: "Wenn sie ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und die Preise senken, bleiben sie am Markt; halten sie an den hohen Preisen fest, werden die Käseexporteure Marktanteile verlieren. Die Schweizer Produzenten und Milchverarbeiter müssen sich unter den neuen WTO-Normen so oder so an verminderte Erlöse gewöhnen."
Knackpunkt Harmonisierung des Zollabbaus
Im Agrardossier zeichnet sich in Cancún keine Lösung ab. Eine ad hoc zusammengesetzte Gruppe aus 22 Ländern, unter ihnen Brasilien, Indien, China und Südafrika, fordert einen radikalen Abbau aller Marktzugangsschranken.
Diese Gruppe steht im Clinch mit den (unterschiedlichen) Positionen von EU und USA. Einig sind sich die Parteien bisher darüber, dass die Agrarsubventionen abgebaut werden müssen. Heftig gestritten wird hingegen, wie dieser Abbau zwischen den Länderblöcken harmonisiert werden kann.
Kleine "Player" wie die Schweiz laufen in Cancún Gefahr, zwischen den grossen Blöcken zermalmt zu werden.
Die Schweiz ist gemäss Manfred Bötsch in der Lage, den Abbau der Innen- und Aussensubventionen innerhalb von zehn Jahren zu durchzuführen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen:
"Die Käseexporteure fordern einen effektiven Schutz von Marken und eine wirksame Deklaration von Produktionsmethoden, wie sie bereits für Wein und Spirituosen bestehen. Es ärgert und stört uns, dass die Schweiz im Ausland viele Konkurrenten hat, die Käsemarken kopieren sowie unrechtmässig Namen verwenden und damit den Wettbewerb verzerren."
Weniger Schranken, mehr Markt für Schweizer Käse?
Werden die Produzenten künftig auf dem liberalisierten Weltmarkt neue Nischen für den teuren Schweizer Käse finden? Der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft warnt vor grossen Erwartungen: "Auch in Zukunft wird sich der Export von Käse hauptsächlich auf die europäischen Märkte konzentrieren."
Die Regeln für diesen Handel sind im bilateralen Abkommen mit der EU - und unabhängig von Diskussionen und Resultaten an der WTO-Konferenz in Cancún - bereits fest geschrieben.
Der bisherige Verlauf der WTO-Ministerkonferenz in Cancún zeigt, dass die Agrarfrage die rund 150 Mitgliedstaaten gespalten hat. Die intensive Gruppenbildung verheisst nichts Gutes.
Wenn die Minister in der Frage der Produktions- und Exportsubventionen keinen Konsens finden, gewinnen die Schweizer Käseexporteure etwas Zeit, aber keine Ruhe, wie Manfred Bötsch erklärt:
"Unabhängig vom angestrebten Zollabbau im Rahmen der WTO wird die Schweizer Käsebranche tiefgreifend restrukturieren müssen. Die Zahlen gehen teilweise über die Abbaurate in der Landwirtschaft hinaus, wo bereits jetzt 8 Bauern pro Tag verschwinden."
swissinfo, Erwin Dettling, Cancún
Fakten
Die WTO wurde 1995 gegründet.
Sie will den globalen Handel ausweiten, ihn fairer machen und den Wettbewerb fördern.
Das Treffen in Cancún markiert die Halbzeit der Doha-Handelsrunde, gestartet Ende 2001.
Ziel der Doha-Runde ist, Barrieren für aufstrebende Wirtschaftsnationen in vielen Handelsbereichen abzubauen.
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