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Aufbauend auf einer Studie von 2010 berichtete Julianne Holt-Lunstad, Professor für Psychologie an der Brigham Young University im August über eine deutlich ausgeweitete Metastudie zu den gesundheitlichen Folgen von Vereinsamung. In einer ersten Metastudie wurden 148 einzelne Studien mit mehr als 300 000 Teilnehmern ausgewertet. Ergänzt wurde diese Untersuchung um weitere 70 Studien, an denen insgesamt 3.4 Millionen Personen aus den USA, Asien, Australien und Europa teilnahmen.
Gegenüber älteren Studien hat sich der Anteil an den Personen jenseits des 45. Lebensjahres, die sich einsam fühlen oder isoliert leben, deutlich erhöht. Gründe liegen in dem angestiegenen Prozentsatz unverheirateter Menschen und dem Trend zu weniger Kindern. Insgesamt gelten etwas mehr als ein Drittel der Menschen über 45 als einsam. Dabei sind die über 70-jährigen seltener einsam als die Teilnehmer der jüngsten Altersgruppe zwischen 45 und 49.
Neben zahlreichen anderen negativen Folgen zeigte sich auch ein statistisch sehr auffälliger Einfluss auf die Mortalität einsamer Menschen: sie tragen ein bis zu 50% erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben, während Adipositas „nur“ zu einem um 30% erhöhtem Risiko führt.
Die Kombination aus dem Anstieg von sich einsam fühlenden Menschen einerseits und deren massiv reduzierter Lebenserwartung andererseits macht es nach Aussagen der Studie dringend nötig, Einsamkeit zu vermeiden. Während vergleichbar sterblichkeitsbeschleunigenden Faktoren wie Adipositas (Obesity) längst der Kampf angesagt wurde, ist Einsamkeit bislang kaum als gesundheitliches Problem erkannt.
Der plakative Vergleich mit Adipositas, wie er zum Beispiel hier getroffen wird, ist dennoch problematisch. Er stigmatisiert – wieder einmal – fettleibige Menschen, obwohl kein unmittelbarerer Zusammenhang zwischen den beiden Risikogruppen angeführt wird. Ob ein Zusammenhang zwischen Adipositas und Einsamkeit besteht, und ob dann Einsamkeit problematisches Essverhalten auslösen kann, oder Menschen mit hohem BMI sich aus Scham und mangelnder Fitness isolieren, oder ob, falls eine Koinzidenz besteht, eine dritte gemeinsame Ursache für beide gefunden werden kann – all diese Aspekte werden nicht erwähnt.
In der ursprünglichen Studie von 2010 wurde sehr wohl untersucht, wieviele einsame Menschen adipös waren. Interessanterweise sind einsame Menschen seltener fettleibig als der Durchschnitt der Bevölkerung. Andererseits sind überdurchschnittlich oft arme Menschen von Einsamkeit betroffen – und eben weniger oft von Adipositas. Und dennoch ist die Mortalitätsrate bei den weniger adipösen einsamen Menschen grösser. Also doch lieber dick als einsam?
Quellen:
Session 3328: “Loneliness: A Growing Public Health Threat,” Plenary, Saturday, Aug. 5, 3-3:50 p.m. EDT, Room 151A, Street Level, Walter E. Washington Convention Center, 801 Mount Vernon Pl., N.W., Washington, D.C.
Loneliness killers faster than obesity – Study: http://tvcnews.tv/2017/09/loneliness-killers-faster-than-obesity-study/
Loneliness Among Older Adults: A National Survey of Adults 45+: http://www.aarp.org/research/topics/life/info-2014/loneliness_2010.html