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Mitra des Papstes
In diesem Jahr beginnen in Konstanz und der Bodenseeregion die Feierlichkeiten zu 600 Jahre Konstanzer Konzil. Dieses geht ins Jahr 1414 zurück und dauerte vier Jahre bis 1418. Für den Thurgau steht vor allem die päpstliche Mitra im Fokus, eines der wohl bedeutendsten und wertvollsten Kulturgüter. So beträgt der Versicherungswert dieser päpstlichen Mitra mehrere Millionen Franken. Wie diese Mitra überhaupt in den Thurgau gelangt ist, stösst auf entsprechendes Interesse. Papst Johannes XXIII ist im Herbst 1414 von Rom über Muri (AG) nach Kreuzlingen gepilgert, um als eine der Hauptpersonen am Konstanzer Konzil teilzunehmen. Im Kloster Kreuzlingen hatte der Papst Logis bezogen. Ob er nur vom 27. auf den 28. Oktober 1414 im Kloster das Nachtlager aufschlug, ist nicht vollends erwiesen, oder ob er eher für die Zeit seines Aufenthaltes in Konstanz, oder gar bis zu seiner Absetzung am 20. März 1415 darin hauste, lässt sich nicht genau feststellen. Die Geschichte schreibt, dass der Papst, Abt Benedikt Lind, eine Mitra mitbrachte und ihn urkundlich berechtigte diese zusammen mit dem Stab zu tragen, sofern nicht ein höherer Würdenträger bei gleichzeitiger Anwesenheit schon eine solche aufgesetzt habe. Ob der Papst diese Mitra von Rom mitbrachte, ist eher unwahrscheinlich. Historiker gehen davon aus, dass diese möglicherweise in der Region in Auftrag gegeben wurde. Bei der Aufhebung der Klöster in der Schweiz 1848, hat der Kanton Thurgau Hab und Gut der Klöster versilbert und daraus eine beachtliche Summe in die Staatskasse einfliessen lassen. Wohlweislich hatte man jedoch darauf verzichtet, die Mitra von Papst Johannes XXII zu verkaufen. Aus heutiger Sicht ein kluger Entscheid. So kann heute noch die Mitra weiterhin im Thurgau, nämlich im Historischen Museum in Frauenfeld besichtigt werden. Ab April 2014 wird die Mitra jedoch als Leihgabe an der grossen Landesausstellung in Konstanz einem grösseren Publikum zugänglich gemacht werden. Jetzt fragt man sich, wo denn da der Bezug zur Rose liegt? Karl der Grosse verordnete im Jahre 794 schliesslich in seiner Städteplanung, den Anbau von Obst-, Gemüse- Heil- und Zierpflanzen einschliesslich der Rosa canina als Heilpflanze und sorgte so dafür, dass die bis dahin etwas in Vergessenheit geratene Königin der Blumen wieder bekannter gemacht wurde. Mit dem St. Galler Klosterplan als früheste Darstellung eines Klosterbezirks aus dem Mittelalter, waren die klösterlich logistischen Infrastrukturen zumindest planerisch festgehalten und zu Papier oder besser zu Pergament gebracht. Übrigens entstand der Klosterplan in der Zeit zwischen 819 und 826 im Kloster Reichenau und ist heute im Besitz der Stiftsbibliothek St. Gallen. Der Klosterplan soll bei Klosterbauten des 9. bis 12. Jahrhunderts verschiedentlich angewendet worden sein, so auch beim Bau des Benediktiner Klosters in Bischofszell, durch Bischof Salomon III um 921 herum, als auch im Kloster Kreuzlingen, wie uns alte Zeichnungen des Klosters aufzeigen. Papst Johannes XXIII dürfte wohl wenig von den blühenden Rosen im Klostergarten zu Gesicht bekommen haben, da er sich lediglich in der kühleren Jahreshälfte in der Region aufhielt. Papst Johannes XXIII glaubte als einziger der drei aktiven Päpste von der Kirchenversammlung in Konstanz gewählt zu werden. Nach dem Scheitern dieser Erwartungen floh er im Gewand eines Pfaffen im Frühling 1415, wohlverstanden bevor die Rosen im Kloster Kreuzlingen zur vollen Blüte ansetzten.
Mitra als Rosengarten
Wir blicken auf die Zeit zurück, als die langjährige Leiterin der Regionalen Rosengruppe Winterthur, Elisabeth Oberle, für die Belangen des Rosengartens in der Kartause Ittingen zuständig war. Es ist ihrem Herzblut und ihrem Team zu verdanken, dass diese wunderbaren Rosen jedes Jahr hunderte von Besucher immer wieder aufs Neue begeistern. Als im Rahmen fehlender Lagerräumlichkeiten in der Kartause ein Erweiterungsbau anstand und der Rosengarten für die Zeit des Umbaus weichen musste, stellte sich die Gretchenfrage, was mit den alten Rosen geschehen soll. Wir boten Elisabeth an, diesen Rosen in Bischofszell Asyl zu gewähren. Auf dem Areal der Pelagiuskirche war vorgesehen ein kleiner Rosengarten entstehen zu lassen. Das war die passende Gelegenheit den klösterlichen Rosen der Kartause in einem idyllischen und sakralen Raum wie bei der Stiftskirche geboten werden konnte, eine Altersresidenz bereitzustellen. Elisabeth Oberle zeigte sich erfreut ob diesem Angebot und war sofort mit der Idee einverstanden.
Bevor die schweren Bagger auffuhren, begab sich eine Equipe vom Oberthurgau zur Kartause, um behutsam die «Rentnerrosen» für den Transport und den Transfer nach Bischofszell vorzubereiten. Es handelte sich um die Sorten ’Albéric Barbier’, ’Raubritter’, ’Excelsa’, ’Louise Odier’, ’Souvenir de la Malmaison’, ’Reine Victoria’, ’Königin von Dänemark’, ’Jacques Cartier’, Officinalis, sowie um bereits hölzig gewordenen Lavendel. Die Rosen wurden umgehend und am gleichen Tag, in den einige Tage zuvor vorbereiteten Garten, ins Erdreich gesetzt. Die örtlichen Gegebenheiten liessen keine herkömmliche Form eines Rosengartens zu und so entschloss man sich ihm die Form einer Mitra zu verleiten. Die Mitra gilt heute noch als Kopfbedeckung des Papstes und der Bischöfe.
Zudem sollte der Rosengarten nach dem Namen des Kirchenpatrons St. Pelagius ernannt werden. Die Entstehung von Bischofszell und damit die mittelalterlichen Beziehungen zu Konstanz, sind gegeben, hat doch der Bischof von Konstanz Salomon III, der gleichzeitig als Abt von St. Gallen amtete, in Bischofszell in der Zeit um 891 der Siedlung das Leben für eine städtebauliche Entwicklung eingehaucht. Er liess zudem auch ein Kloster bauen, dessen Mönche den Benediktiner Regeln unterstellt waren. Um zum Pelagius-Rosengarten zurückzukehren, stellt der Besucher unverkennbar den Weg oder das Band, welches durch den Garten zur Spitze führt fest. Drei Buchskugeln symbolisieren die emaillierten Heiligenbilder von Ulrich und Afra sowie das Bild des Klosterwappens und heutiges Stadtwappen von Kreuzlingen. Die Kugelblüten der Raubritter Rosenstämmli deuten auf die Perlenschnüre an der Päpstlichen Mitra hin. Berechtigt fragt man sich, wo die Verbindung zu Pelagius nun tatsächlich liegen soll. Bischof Salomon III hat die Gebeine vom Heiligen Pelagius im Jahre 904 von Rom nach Konstanz gebracht und dann Teile davon an das Stift in Bischofszell übergeben, das von da an zum Pelagistift ernannt wurde. Der Pelagius Rosengarten wird seit seiner Errichtung, also seit 2009 von Rosenfreunden und Mitgliedern der Regionalen Rosengruppe Thurgau mit viel Liebe und Herzblut gehegt und gepflegt. Den Frostwinter 2012 überlebten nicht mehr alle, vor allem jene ins Alter gekommene Rosenstöcke nicht. Diese wurden dann mit gleichen Sorten ersetzt. Der Rosengarten ist idyllisch gelegen, umgeben von der Stiftskirche, der spätmittelalterlichen Häuserreihe an der Tuchgasse, sowie von drei über 100 Jahre alten Blutbuchen, die ihnen wie drei grosse Brüder Schutz vor Sturm und Hagel bieten. So blüht der Pelagius Rosengarten oder Mitra Rosengarten jedes Jahr aufs Neue, auch zur Freude der tausenden von Besuchern der jährlich im Juni stattfindenden Bischofszeller Rosen- und Kulturwoche.
Beni Bischof