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Zugegeben, mir wird es beim Wort Ehe immer etwas mulmig. Ich leide nicht unter Bindungsangst, aber der Begriff Ehe hat für mich etwas Bedrohliches. Ich möchte versuchen zu erklären, warum das bei mir so ist.
Die Ehe als Sakrament wurde von der Kirche im Mittelalter eingeführt. Das machte damals Sinn, denn früher konnte die Vaterschaft noch nicht sicher festgestellt werden. Da ist es verständlich, dass Beziehungen mit einer Ehe geregelt wurden. Rund um die Ehe gab es aber rasch ganz viele Regeln. In der Ehe waren Seitensprünge sanktioniert, es gab Strafen oder Bussen dafür, jedenfalls gibt es in unseren Archiven noch meterlange Aktenregale mit Prozessakten gegen Ehebrecherinnen (Ehebrecher wurden seltener belangt). In früheren Jahrhunderten war die Ehe tatsächlich meist lebenslänglich, weil die Menschen früher starben, die Männer im Krieg, die Frauen eher im Kindbett. Es wurde überhaupt etwas übertrieben mit dieser Ehe. Sie wurde zum einzigen Ort, an dem Sexualität erlaubt war, aussereheliche Kinder wurden schlecht behandelt, und die eheliche Liebe wurde mit Moral geradezu ertränkt.