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Geschichten zur Zürcher Geschichte. Ein Interview mit Podcast-Autorin Robin Bretscher.
Robin Bretscher, seit Anfang Jahr publizieren Sie auf Ihrer Website «Turicana» Podcasts über «Zürcher Geschichte und Zürcher*innen». Mit grossem Echo. Sie haben an der UZH Anglistik und Germanistik studiert. Was hat Sie motiviert, Podcasts zur Zürcher Geschichte zu machen?
Ich habe damit angefangen, weil ich mich sehr für Geschichte interessiere und zugleich feststellte, dass ich zwar viel weiss über viktorianische Literatur, aber wenig über Zürcher Geschichte. Der eigentliche Auslöser war die Infotafel an der UZH über Emilie Kempin-Spyri (1853-1901). Weder ich noch meine Freunde kannten diese Frau, die an der UZH zur ersten Juristin Europas ausgebildet wurde und es bis zur Professorin in den USA brachte. Über sie habe ich einen meiner ersten Podcasts gemacht. Zudem fasziniert mich das Podcast-Format. Das hat mich auf die Idee gebracht, einen Podcast zu Zürich zu machen.
Was zeichnet Ihre Podcasts aus?
Ich denke, es geht vielen wie mir: Sie wissen nicht viel über die Zürcher Geschichte, wüssten aber gerne mehr darüber. Ihnen biete ich mit meinen Podcasts einen hoffentlich spannenden und überraschenden Zugang zur Zürcher Geschichte, den ich auf sehr persönliche Art und Weise vermittle. So versuche ich immer auch einen Bezug zur Gegenwart herzustellen und aufzuzeigen, weshalb ich gerade dieses Thema interessant finde.
So wie in Ihren ersten beiden Podcasts zur Zürcher Seidenindustrie, ein eher überraschendes Thema?
Mich hat überrascht, wie gross und wichtig diese Industrie für Zürich war – zeitweise arbeiteten dort rund 40 000 Menschen!
Zu Ihren Schwerpunkten gehören die Geschichte und Geschichten von Frauen – weshalb?
Geschichte(n) von Frauen wurde(n) lange als nicht wichtig erachtet, mit dem Argument, sie hätten nicht das Gleiche geleistet wie die erfolgreichen Männer. Dieses Bild möchte ich verändern. Es gibt sehr viele spannende Geschichten über erfolgreiche Zürcher Frauen. Womit wir wieder beim Beispiel Emilie Kempin-Spiri wären, einer Pionierin, die ein interessantes und erfolgreiches Leben hatte und sich sehr stark einsetzte für Frauenrechte. Trotzdem wurde sie einfach vergessen. Das kann nicht sein.
Arbeiten Sie mit jemandem zusammen?
Nein, ich mache alles selber: Ich suche mir die Themen, kontaktiere die Interviewpartner, führe die Gespräche, schneide den Podcast und mache die Moderation. Ich zeichne sogar die Illustrationen selber und betreue die Website.
Ihre Turicana-Website ist seit Anfang Jahr online. Wie reagiert das Publikum?
Ich bekomme viele begeisterte Rückmeldungen von Leuten, die sich schon auf den nächsten Podcast freuen. Und ich erhalte viele Tipps und Inputs, für die ich sehr dankbar bin. So sind etwa Vorschläge für Themen immer willkommen. Und ich lerne dank den Podcasts viele interessante Leute kennen, das ist das Tüpfchen auf dem i.
Turicana, der Podcast über Zürcher Geschichte und Geschichten von Zürcher*innen: www.turicana.com
Thomas Gull, Redaktor UZH Magazin. Dieses Interview ist zuerst erschienen im UZH Magazin.