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Kai kam eigentlich sehr ungünstig. Da sassen bereits eine Gruppe von Damen, die Tee erleben wollten. Ich liess ihm allein auf dem Opiumbett sitzen. Sein Gesicht war nachdenklich.
Nachdem die Damen gingen, sass ich zu ihm. Er sagte, dass er nicht wusste, weshalb er zu Shui Tang lief. Ich nickte meinen Kopf, als ob ich es verstehen würde. Er zeigte die Teedose von Holzofen – unglasiert, nackt und in sich geruht – „ich könnte hier Stunde lang hinsetzen und sie anschauen – ich werde nie langweilig!“ „Spricht die Teedose zu Dir, nicht wahr…“
Vielen Menschen kommen zu Shui Tang und dachte, sie können hier etwas kaufen – mit Geld. Sie dachten, ich wollte ihnen etwas verkaufen – für das Geld. Manchmal wird es scheinbar zu einem vermeintlichen Machtkampf, es gäbe einen Gewinner und einen Verlierer, wenn etwas verkauft oder nicht gekauft wird. Für mich bleibt diese Sache irrelevant. Ich habe auch schon für Kunde kostbare Dinge besorgt, die sie aber nicht mitnehmen – aus irgendeinem Grund. Niemand ist allerdings niemandem Rechenschaft schuldig. Immer war es mir klar, dass es dem Interesse des Anderen sein sollen, dass sie gute Tees trinken und schöne Dinge bei sich haben wollen. Ich beobachte das Kommen und Gehen und stelle mir immer wieder die Frage „Sind wir als Menschen bewusst, dass wir Dinge kaufen? Oder läuft es eigentlich eher umgekehrt – dass wir ausgesucht werden…?“
„Wir betrachten Gold, Silber und Edelstein als wertvoll, während die Japaner alte Töpfe, kaputte Keramik und Steingut als Schätze aufbewahren.“
Der portugiesischer Jesuit Luis Frois (1562) schrieb diese Beobachtung in seinen Notizen über die Fremdheit Japans. Dasselbe beobachte ich tagtäglich in Shui Tang. Für manche ist diese Schale eine bezaubernde Schönheit, für andere ist es kaputte Schaben! Warum fallen mir etwas auf, warum den anderen gar nicht! Warum sehen ich in dieser Person eine Chance, warum die anderen nicht? So sammele ich bereits Schalen von einem Star, bevor er ein Star wurde!
Menschen glauben, sie seien es, die Dinge aussuchen – für mich ist es umgekehrt – die Dinge suchen Liebhaber aus und entscheiden sich, ob sie mit gehen.
Es war genau so, wie ich zu der Schalen von Beatrix Kerstan-Sturm kam. Diese Seladon-Schale führte mich zu einer Tür, die mir Schönheit eröffnet.