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Zermatt
(französisch
Praborgne, ein Name, der sich mehr und mehr verliert). (Kt. Wallis,
Bez.
Visp). 1620 m.
Die Gemeinde
Zermatt nimmt die oberste Stufe des
Nikolaithales und der
Thäler und Thälchen ein, die von da auslaufen und
in ihrem
Hintergrunde von zahlreichen grossen Gletschern erfüllt sind, welche im S. die berühmten Massive des
Monte Rosa und des
Matterhorns, im W. die der
Dent Blanche, im O. die südlichen Ausläufer der Mischabelgruppe krönen. Postbureau,
Telegraph, Telephon.
Nach der Volkszählung von 1900 betrug die Wohnbevölkerung von
Zermatt 741 Personen, Katholiken der Kirchgemeinde Zermatt.
Von dieser Zahl bewohnen gegen 450 das Dorf, die anderen verteilen sich auf die entfernten
Weiler Findelen
(2075 m)
im Thal gleichen Namens, das sich bis zum
Strahlhorn erhebt und wo der
Roggen bis in die
Höhe von 2000 m reift,
Zmutt
(1940 m), südlich von
Zermatt, im
Thale, das westlich bis zum
Weisshorn und zur
Dent d'Hérens aufsteigt,
Aroleit (1894 m),
auf dem
Plateau eines Vorgebirges, das das
Matterhorn zwischen den
Gornerschluchten und der Thalschwelle von
Zmutt vorschiebt,
endlich
Ried (1900 m) auf dem Hauetenhügel im NO. des Dorfes.
Das Thal der Nikolaivisp, das noch heute von einem einfachen Saumweg bis nach
Sankt Niklaus (18 km von
Visp) durchzogen wird,
bot vor der Eröffnung der Eisenbahn von
Visp nach
Zermatt höchst primitive Beförderungsgelegenheiten.
Eine fahrbare Strasse war allerdings zwischen
Sankt Niklaus und
Zermatt vorhanden, aber diese innere Verbindung, die keinen
Ausgang hatte, machte den langsamen und kostspieligen Verkehr nur noch schwieriger. Angesichts dieser Lage und der steten
Entwicklung des Höhenortes
Zermatt, wurde im Jahre 1886 den eidgenössischen Behörden eine Konzession
für eine Eisenbahnlinie von
Visp nach
Zermatt (35 km) eingereicht.
Drei Jahre später wurde der Betrieb des Abschnittes
Visp-Stalden
aufgenommen und mit Juli 1890 auch der Betrieb des Teilstückes
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Stalden-Zermatt. An diese Dampfbahnlinie schliesst sich eine 1898 eröffnete elektrische Bahn an, die den Transport der
Touristen von
Zermatt-Dorf nach Riffelalp und auf den Gornergrat (3000 m) besorgt, von wo man den herrlichsten Ausblick auf
die Eisfelder des Monte Rosa und des Matterhorns hat, sowie auf die unzähligen Gipfel in diesem Zentralgebirgsstock
der Alpen. Das innere Gebiet von
Zermatt weist nur Matten auf, während an den Abhängen, wo gewöhnlich Gehölz und felsige
Einsprengungen abwechseln, Roggen- und Kartoffelfelder kühn zu grosser Höhe ansteigen. Dieser geringe Ackerbau, verbunden
mit Milchwirtschaft bildete vor der Entwickelung des Alpinismus die bescheidene Erwerbsquelle der Bevölkerung.
Die einstige Einsamkeit abseits jedes Verkehrs ist heute fast ganz vergessen und erscheint einem fast wie ein Märchen.
Am linken Ufer der Visp liegend, 36 km vom Flecken gleichen Namens entfernt, lehnt sich das Dorf
Zermatt an den östlichen
Fuss des Gabelhorns, von dem der Triftbach herunterkommt, der in wilder Schlucht dahin-braust und am Eingang
des Dorfes einen viel bewunderten Fall bildet. An einer langen, von N. nach S. ziehenden Strasse aufgereiht (es ist nichts
anderes, als die Thalstrasse), zeigt das Dorf
Zermatt auf den ersten Blick den starken Kontrast, der eine Folge der Umwandelungen
ist, welche dieses im Laufe von fünfzig Jahren durch die Entwickelung des Fremdenverkehrs erfahren hat.
Während die Nebengassen noch ganz den Charakter eines Alpendorfes von ehedem bewahrt haben, zeigt die Hauptverkehrsader, an der sich prächtige Gasthäuser und eine Menge Bazare aufreihen, das Leben und Treiben einer Weltstadt. Zur Seite der Gemeindekirche, welche auf die grosse Strasse schaut, findet man auf dem Friedhof die Gräber der Opfer der ersten Besteigung des Matterhorns Hudson, Hadow, Wilson mit ihrem Führer Michael Croz von Chamonix und viele andere Gräber von in den Bergen der Umgebung Verunglückten.
Gegenüber dem Hotel Matterhorn, dem bemerkenswertesten von allen, erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe
die englische Kirche, welche zur Hälfte einen Alpengarten umgibt, in dem 1902 zu Ehren Alexander Seilers und dessen Frau,
geb. Kathrein, ein Denkmal errichtet worden ist. Es besteht aus zwei Medaillons, die in einen Felsblock eingelassen sind
und über die ein Führer einen Palmzweig legt. Im
gleichen Garten befindet sich noch ein Pavillon, in
dem das Museum von
Zermatt untergebracht ist, welches ausser interessanten mineralogischen und zoologischen Sammlungen (Gemse,
Steinbock, Mineralien), eine grosse Menge Photographien und Andenken des Alpinismus enthält, unter anderem das Seil, das
bei der Katastrophe vom zwischen Whymper, dem einzigen überlebenden Touristen, und seinen
unglücklichen Gefährten zerrissen, ist.
Die Gemeinde
Zermatt, eine der ausgedehntesten des Wallis,
von der aber die Schnee- und Eisfelder den grössten Teil bedecken, grenzt
an Italien (Val Tournanche, Val Pellina, Val de Challant, de Gressoney und d'Anzasca), an das Saasthal und an die obersten Teile
des Eifisch- und des Eringerthales. Die Gemeinde Täsch, an die
Zermatt im N. grenzt, ist das einzige
Gebiet, das ebenen Fusses erreicht werden kann, auf allen anderen Seiten sind die Verkehrswege lediglich nur von Bergwanderern
benutzte Passübergänge.
Der Theodulpass (3322 m) führt nach Breuil im Val Tournanche, die zwei Weisstorpässe (3632 und 3690 m)
führen nach Macugnaga im Anzascathal, das Schwarzbergweisstor (3612 m) nach Mattmark im Saasthal, der Tiefenmatten- und der
Valpellinapass (3593 und 3562 m) gehen ins Valpellinathal, der Eringerpass (3480 m) geht nach Ferpècle, und der Trift oder
Zinalpass (3540 m) führt nach Zinal. Die Gipfel, die in Hufeisenform die Mulde von
Zermatt umgeben, gehören
zu den höchsten und zu den berühmtesten der Alpen. Wenn der Monte Rosa (Dufourspitze 4638 m) durch seine Höhe der Nebenbuhler
des Mont Blanc ist, so übertrifft das Matterhorn sie beide an Eigenart und Kühnheit seiner Formen. Die Dent d'Hérens (4180
m), das Weisshorn (4364 m), das Zinalrothorn (4223 m), das Rimpfischhorn (4203 m), das Strahlhorn (4191
m) und eine Menge anderer Berge, die 4000 m übersteigen oder ihnen nahe kommen, sind die mehr oder weniger stolzen Begleiter
dieser glänzenden Krone.
Der Theodulpass wurde sicherlich schon in uralter Zeit begangen. Im Mittelalter aber wagte man sich ohne
Furcht nicht dort hinauf, da der Volksglaube die zu erwartenden Gefahren übertrieb. Flüchtlinge und Pilger waren ohne Zweifel
die ersten Vorläufer jener gewaltigen Touristenscharen, die man gegenwärtig jeden Sommer dort antrifft. Charles-Louis de
Bons glaubt, dass die Einwohner von
Zermatt, wie die des Saasthales, sich mit
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denen der Hochthäler auf italienischer Seite vermischt hätten, aber diese Annahme scheint gewagt. Die einzige wirklich feststehende Tatsache ist, dass von 1415 bis 1540 Zermatt ein gemeinsames Lehen der Geschlechter von Werra und Asperling von Raron bildete. Gewisse Rechte dürften bei dieser letztgenannten Familie bis 1355 zurückgehen, dem Zeitpunkt, wo zwei derer von Asperling andere Erwerbungen im ganzen Thale bis Tour-Châtillon gemacht hatten. Im Jahre 1540 gingen diese Rechte an die Perrini, später an die Platea über, welche sie nach und nach den Einwohnern verkauften.
Die Wichtigkeit, die Zermatt im alpinen Fremdenverkehr einnimmt, verlangt einen kurzen geschichtlichen Abriss über diesen Aufschwung. Die erste Fremdenherberge geht auf das Jahr 1839 zurück. Als sie von 1852 an der Zahl der Gäste nicht mehr genügte, sah dieses Gasthaus («Monte Rosa»),
das Eigentum Dr. Laubers, einen Rivalen neben sich erstehen, es war das Hotel Matterhorn. Im Jahre 1854 folgte auf Dr. Lauber Alexander Seiler, gebürtig von Blitzingen im Bezirke Goms, der den hohen Wert dieser Alpenstation mit scharfem Blick erkannt hatte. Von diesem Augenblicke an wuchs die Bedeutung des Dörfchens Zermatt mit Riesenschritten und seine Berühmtheit verbreitete sich in alle Weltteile. Beim Tode Seilers, dessen Namen mit der Schöpfung dieser schönen alpinen Station für immer verbunden sein wird, ging die Leitung an seine Wittwe, dann an seinen Sohn Alexander Seiler über, der gegenwärtig Nationalrat ist.
Die Seilerschen Gasthöfe liegen nicht alle im Dorfe selbst, und die Zahl der Touristen, die bereits 40000 im Jahr erreicht, verteilt sich auf acht, in verschiedenen Höhen errichtete Gasthäuser, von denen das auf dem Gornergrat (3136 m) das höchste ist. Seit Januar 1908 hat man versucht, auch den Wintersport in Zermatt einzubürgern, da sich dieser Ort ebenso gut dazu eignet, wie mancher andere Punkt der Alpen, wo er sich viel früher entwickelt hat. Der einzige Einwurf, der dagegen zu erheben ist, ist die grosse Entfernung und Abgeschlossenheit dieses unvergleichlichen Höhenortes, aber gerade diese Abgeschiedenheit bürgt für eine längere Dauer der Sportsaison. Daher ist es sicher, dass, wenn einmal die ersten Schwierigkeiten überwunden sind, Zermatt ebenso sehr wie andere berühmte Wintersportplätze der Gunst der Sportleute sich erfreuen wird. Für Schlitten und Bobsleigh hat es da Platz zu den mannigfachsten Touren, und die Eislaufflächen bieten alle Gewähr für die wünschbare Widerstandsfähigkeit.
Zahlreiche Schalensteine bei Zmutt und auf Hübelwängen. Römische Münzen im Schmelzwasser des Theodulgletschers.
Bibliographie: Young, E. Zermatt et la vallée de la Viège. Genève 1894. - Wolff, F. O. Zermatt et les vallées de Saas et de Saint-Nicolas (Europe illustrée). Zürich. - Rey, Guido. Le Mont Cervin, aus dem ¶