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Am besten kommt man abends, wenn es dunkel wird, wenn die Sonne ihr übliches Spektakel veranstaltet und am Registan die Beleuchtung eingeschaltet wird. Vor tausend Jahren war dieser Platz das Zentrum der Stadt, und man kann sich noch heute lebhaft vorstellen, welchen Eindruck er auf Reisende gemacht haben muss, die aus den dürren Steppen und einsamen Wüsten nach Samarkand gelangten.
Man hat diesen Ort auch den Petersplatz Zentralasiens genannt, aber nichts in Rom (und möglicherweise nichts auf der Welt) besitzt die grazile Schönheit dieses Gebäude-Triptychons mit seinen Kuppeln und Türmen. Fast ist es, als schwebe der komplette Platz eine Handbreit über dem Boden.
Samarkand! Kaum eine andere Stadt beschwört schon mit ihrem Namen allein einen ähnlichen Zauber herauf, Timbuktu vielleicht, Sansibar und möglicherweise noch Kathmandu – das war es dann aber auch schon. Als jene Handelsrouten, die wir heute unter dem zusammenfassenden Namen Seidenstraße kennen, noch die wichtigen Verkehrswege der Welt waren, da war Samarkand ein bedeutendes Scharnier für die Karawanen, die hier Halt machten auf ihrem Weg von Ost nach West oder umgekehrt.
Dschinghis Khan hat die Stadt zerstört, Tamerlan wieder aufgebaut, und als die historische Bausubstanz in den 1970er- und 1980er-Jahren auseinander zu bröckeln drohte, steckten die Sowjets sehr viel Geld und sehr viel Zeit in ihre Restaurierung. Deswegen sehen die Moscheen, Mausoleen und Medresen (Koranschulen) Samarkands heute scheckheftgepflegt aus. Man könnte auch sagen: Sie sehen aus, als seien sie soeben erst erbaut worden.
Trotzdem ist Samarkand kein Open-Air-Museum, sondern eine ganz normale usbekische Großstadt mit fast 600.000 Einwohnern. Es gibt Geschäftsstraßen und Wohnviertel und rush hours morgens und abends (und auch gerne mal zwischendurch), Supermärkte und durchdesignte Bars, kleine Bäckereien und Cafés und Miet-Elektroroller und Taxiflotten und eben alles, was man als Besucher einer Großstadt erwartet.
Und dann steht man beim Schlendern plötzlich wieder unvermittelt vor einem dieser großartigen Bauwerke aus der Seidenstraßenepoche, vor einer Moschee aus dem 14. Jahrhundert oder einem Mausoleum, dessen Wände mit Mosaiken in Blau- und Türkistönen verziert sind, steht da und denkt, man sei durch ein Zeitloch gefallen. Das können nun wirklich nicht viele Städte. Samarkand aber schafft das locker, wie auch der kleine Videoclip zeigt:
Die Metropole in der usbekischen Provinz Samarkand zählt weit über 500.000 Einwohner. Südöstlich davon beginnen in gut 20 Kilometer Entfernung die Ausläufer der Serafschankette. Die Flugzeit ab Frankfurt beträgt mit Zwischenlandungen etwa 12 Stunden.