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Wie ein unglücklicher Start trotz der Begeisterung für die Musik den Anfang erschweren kann.
Durch ein Gitterfenster des Musikzimmers im Keller konnte man die Beine der auf dem Schulhof spielenden Kinder sehen. Hier fand in der Primarschule der Blockflötenunterricht statt. Nur zu gerne liess ich mich ablenken, wenn wir Kinderlieder aus dem vor uns liegenden Büchlein spielen sollten. «Hänschen klein», «Bruder Jakob», «Im Märzen der Bauer».
Singen hatte ich gerne, mit der Blockflöte hatte ich Schwierigkeiten. Ständig verrutschen die Finger über den Löchern, vor allem der Daumen auf der Rückseite der Flöte. Ich spielte keine oder falsche Töne, was die Lehrerin und die Mitspielenden, vor allem die Mädchen, mit der Zeit ziemlich nervte. Obschon mir der Geruch des Holzes, der Stiel mit der kleinen Bürste, womit die Flöte nach dem Spielen gereinigt werden konnte, und das Etui aus weichem braunem Stoff gefielen, kam ich mit dem Instrument nicht zurecht. Die Flötenstunden waren kein Vergnügen, entsprechend ungern übte ich daheim.
Die Quittung erhielt ich am Examen am Ende des Schuljahrs. Sonntäglich herausgeputzt sassen wir in den Schulbänken, streckten den Arm in die Höhe, lösten zum Stolz der hinter uns sitzenden Eltern schwierige Rechnungen, lasen vor, schrieben Wörter an die Wandtafel, sagten Gedichte auf und sangen Lieder. Dann kam der Auftritt der Flötengruppe. Als wir die Flöten auspackten und nach vorne gehen wollten, sagte die Lehrerin beiläufig, aber doch so laut, dass es alle hören konnten: «Franzli, spiel du heute lieber nicht mit.» Ich blieb also an meinem Platz, hörte das Kichern der anderen Kinder, drehte mich um und sah, wie sich meine Mutter schämte.
Damit war das Kapitel Flöte für immer erledigt. Auf dem Heimweg erwähnte meine Mutter die Szene mit keinem Wort. Beim Mittagessen erzählte sie jedoch dem Vater die Geschichte in allen Einzelheiten. Es gab nicht das übliche Donnerwetter, aber die Flöte verschwand für immer in einer Schublade. Die Blamage mit der Blockflöte diente meinen Eltern noch viele Jahre als Begründung, alle Wünsche, ein Instrument spielen zu lernen, im Keim zu ersticken. So sehr ich beteuerte, mit der Gitarre oder einem Klavier fleissig zu üben, die damals vielleicht sogar als Schonung gedachte Intervention der Lehrerin galt als Verdikt: Du bist unmusikalisch, basta! Ich mochte dieses Instrument seither nicht mehr hören. Ein veritabler Blockflötenblues also – auch wenn ich damals vom Blues noch keine Ahnung hatte.