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Spirituell, legendär, mit einem glockenartigen Klang und einer eindrucksvollen Optik präsentiert sie sich: die Kora. Eine lange Holzstange als Hals hält die Saiten und ist im Resonanzkörper einer grossen Kalebasse befestigt. Auf je sieben Saiten liegt eine Oktave, so dass die Kora mit ihren 21 Saiten ein Klangspektrum von drei Oktaven umfasst.
Das Spiel mit vier Fingern
Die Kora ist das Intsrument, mit dem der malische Musiker Toumani Diabaté, Link öffnet in einem neuen Fenster auftritt. «Ich bin dafür bekannt, dass ich verschiedene Spielarten der Kora beherrsche», erklärt Toumani Diabaté und fährt fort: «Ein guter Kora-Spieler muss das können. Man spielt die Kora nicht mit zehn Fingern, sondern nur mit vier. Sie ist offen für alle möglichen Musikstile. Ich spiele die Kora auf meine ganz persönliche Art, ich brauche keine Noten dafür.»
Toumani Diabaté steht am Ende einer langen Ahnenreihe professioneller Musiker, die seit Jahrhunderten unverzichtbarer Bestandteil der afrikanischen Kultur sind. Diese Ahnenreihe lässt sich bis ins Mande-Reich rund um die Hauptstadt Kaba in Westmali zurückverfolgen.
Anknüpfen an die Familientradition
Das Kora-Spiel ist für Toumani Diabaté göttliche Eingebung. Er variiert, improvisiert und sitzt dabei den Saiten zugewandt, die grosse Kürbisschale zwischen den Füssen. Mit den Daumen spielt er Melodie und Rhythmus zugleich, mit den Zeigefingern erzeugt er höhere Töne.
Toumani Diabaté knüpft an die Tradition seines Vaters Sidiki Diabaté an. Dieser war in Mali ein angesehener Kora-Musiker und beteiligte sich 1970 an der ersten Schallplattenaufnahme, auf der die Kora zu hören war. Sidiki Diabaté entwickelte auch als Erster einen Soloinstrumentenstil, bei dem die Kora Melodie und Begleitung gleichzeitig spielt.
Das Lieblingslied von Sidikis Grossvater
Nun hat Toumani Diabaté das erste Album mit seinem Sohn Sidiki aufgenommen. Zwei Musiker-Generationen begegnen sich: Toumani trifft auf das ungestüme Talent seines Sohnes, der in Malis Hauptstadt Bamako einer der bekanntesten «Beat Maker» des Landes ist. Dieser spielt ebenfalls Kora – mit einem kleinen Unterschied: Er vermischt sie mit malischem Hip-Hop.
Das Stück «A.C.I.2000 Diaby», Link öffnet in einem neuen Fenster auf dieser Veröffentlichung verbindet Sidiki mit seinem gleichnamigen Grossvater. «Es war sein Lieblingslied», erklärt Sidiki. Leider kann ich mich nicht sehr gut an ihn erinnern. Ich war noch ziemlich klein, als er gestorben ist. Aber ich hörte ihn immer ‹A.C.I.2000 Diaby› spielen. Das ist für mich eine sehr wichtige Erinnerung an ihn.»
Ruhiges Spiel vs. Stakkato-Töne
In Sidikis Koraspiel, sagt Toumani Diabaté, fliessen Hip Hop und Klavier-Einflüsse ein. Toumani spielt wie immer weiter – kontemplativ, ruhig. Seine Virtuosität ist erstaunlich, sein Spiel klar und feinsinnig. Durch das Dämpfen der Saiten mit den Handballen oder den Fingerkuppen erreicht er nicht nur jazzige, sondern sogar leicht rockige Anklänge. Sein Sohn spielt die Kora dagegen mit raschen Stakkato-Tönen.
Obwohl die ganze Familie aus derselben Quelle schöpft, dem gemeinsamen, jahrhundertealten Repertoire der Diabaté-Familie, weiss Sidiki: «Ich spiele anders als mein Vater, wie auch der Vater anders als sein Vater spielt.» Wenn der Vater mit dem Sohn musiziert, dann treffen Vergangenheit und Zukunft für diesen Augenblick aufeinander.
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