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Catherine Breillat | 1989 | 95 Min. | FR/de
10.01.2019 | Kulturbetrieb Royal, Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden | 20:00 Uhr | Facebook Event
Kunstfilm oder Porno? «Romance» begleitet eine junge Lehrerin bei ihrer spirituellen und sexuellen Selbsterkundung: Eine Odyssee auf der Suche nach sich selbst, nach Verbundenheit und Glück, Lust und Liebe, Integrität und Freiheit. Nichtsimulierte Sexszenen und das Engagement des Pornodarstellers Rocco Siffredi in einer Nebenrolle führten zu erregten Debatten über die Grenzen von Kunst und Pornographie. Susanne Kappesser, Filmwissenschaftlerin in Berlin, führt in den Film und seine Kontroversen ein.
Die Szenerie des Films: Die Lehrerin Marie lebt mit Paul zusammen, der von sich zwar sagt, Marie zu lieben, aber nicht mit ihr schlafen will. Sexuell frustriert macht sich Marie auf, um ihre Lust mit anderen Männern zu befriedigen. Mit Pablo, den sie in einer Bar kennenlernt, erlebt sie wilden Sex; von Robert, dem Direktor ihrer Schule, lässt sie sich fesseln und knebeln.
Dazwischen versucht sie immer wieder, Paul zu verführen. Der bleibt jedoch abwesend und verbringt seine Abende lieber alleine vor dem Fernseher oder Bukowski lesend in einer Sushi-Bar. Als es doch zu einem (kurzen) Sexualakt zwischen den Beiden kommt, wird Marie schwanger. Während Marie glaubt, zu sich selbst gefunden zu haben, steigen das Desinteresse und die Lieblosigkeit Pauls ihr gegenüber.
«Romance» besticht durch eine stimmungsreiche Bildsprache, das Spiel mit Zweideutigkeiten und eine Off-Stimme, welche die gezeigten Bilder in Frage stellt. Für erregte Diskussionen sorgten hingegen die gezeigten Sexualpraktiken, die langen Einstellungen nichtsimulierten Geschlechtsverkehrs, der kameratechnische Fokus auf Geschlechtsteile und das Engagement von Rocco Siffredi, der im Pornokino als Kultdarsteller gefeiert wird.
Wie auch der zehn Jahre später produzierte Film «Baise-moi» von Virginie Despentes und Coralie Trinh Thi verursachte Catherine Breillat‘s «Romance» weltweite Debatten um die Grenzen zwischen Pornographie und Kunstfilm, aber auch um die Emanzipation weiblicher Regie und das Hervorbringen neuer Frauenfiguren und Rollenbilder. Die Altersfreigabe variierte (und variiert auch heute noch) von Land zu Land; in einigen Regionen konnte der Film unzensiert gezeigt werden, anderswo nur in gekürzter Fassung oder in Pornokinos. Ein filmrechtliches Novum erreichte «Romance» in Australien, wo der Film erst verboten wurde, dann aber in einer als «18+» eingestuften Version zugelassen wurde – anscheinend das erste Screening nichtsimulierter Sexszenen ausserhalb reiner Erotikkinos.
Der Film wird eingeführt durch Susanne Kappesser, einer Spezialistin für feministische Film- und Körpertheorien. In ihrer Dissertation (publiziert unter dem Titel «Radikale Erschütterungen») hat sie zu Körper- und Genderkonzepten im französischen Horrorfilm geforscht. Kappesser arbeitet als Rechercheurin, Redakteurin und Regisseurin in Berlin, wo sie auch das Filmprogramm des Kulturzentrums «Brotfabrik» mitgestaltet. Für «royalscandalcinema» führte sie im Januar 2017 bereits «Irréversible» von Gaspar Noé ein.