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Träume sind eine von wenigen Möglichkeiten für Survivors (Hinterbliebene nach einem Suizid), um Erfahrungen mit der verstorbenen Person nochmals zu machen, um diese zu sehen, zu hören, zu umarmen. Dies ist etwas, was Survivors so oft als möglich erleben möchten, nachdem der Tod die Familie getroffen hat. In der klinischen Praxis wünschen sich viele Survivors, möglichst oft und lebhaft von den verstorbenen Personen zu träumen und diese zumindest in einem Traum zu treffen.
Freud (1899-1976) analysierte und interpretierte Träume als erster strukturiert. Freud beschrieb Träume als Weg, der zum Unbewussten des Träumenden führt. Trauernde träumen in unterschiedlichem Mass – viele beklagen sich darüber, dass sie nicht oft genug träumen. Die Träume können darauf hinweisen, dass der Träumende sich wünscht, wieder mit der verstorbenen Person Zeit zu verbringen, können jedoch auch als Katalysator dienen in der Vorbereitung, um Unerledigtes zu lösen oder auch Bedürfnisse des Survivors zu befriedigen. So können tröstende oder hilfreiche Träume vorkommen, aber auch problematische und schmerzhafte. Träume können anzeigen, ob der Träumende bereits im Trauerprozess ist oder noch nicht. Normalerweise sind Träume zu Beginn des Trauerprozesses eher selten, während sie später häufiger auftreten. Dies steht im Zusammenhang mit den Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus in der ersten Phase des Trauerprozesses (Survivors haben häufig Schlafprobleme).
Der Inhalt der Träume kann die Gefühle des Trauernden gegenüber der verstorbenen Person ausdrücken und dies kann sich in Form von schönen Treffen oder auch von Albträumen äussern. In Albträumen können reale Situationen vorkommen oder auch Fantasie-Situationen mit einem schlechten Ausgang (wie etwa der Versuch, das Leben des Verstorbenen zu retten und dabei zu scheitern, erbitterter Streit mit dem Verstorbenen, in denen der Survivor am Schluss durch den Verstorbenen zurückgewiesen wird, ein schmerzhaftes Bild des toten Körpers u.a.); die Träume können verwirrend und chaotisch sein, oder auch neue Hypothesen aufstellen, was die Todesursache betrifft. Die Trauer über den Tod kann nochmals erlebt werden. Bilder, welche die misslungene Rettung des Verstorbenen im Spital, zu Hause oder sonst wo zeigen oder auch Gefühle der Hilflosigkeit, da man nicht fähig ist, den Verstorbenen zu retten, kommen auch relativ häufig vor.
Tröstende und beruhigende Träume, die später im Trauerprozess auftauchen, leiten einen Versöhnungsprozess bei Trauernden ein, da die dahinter liegende Botschaft, wie sie durch die Träumenden (implizit oder explizit) interpretiert wird, ist, ihren Schmerz zu lindern.
Die Träume, die Survivors nach dem Verlust einer geliebten Person haben, haben verschiedene Inhalte sowie Formen und sind von unterschiedlicher Dauer. Sie können der Trauer einen Sinn geben oder auch völlig unrealistisch und verwirrend sein. Ein spezifischer Traum-Typ ist der «Wieder lebendig»-Traum, in welchem der Verstorbene lebt und zum Survivor spricht, dem in diesem Moment bewusst ist, dass das nicht wirklich stimmt. Der Traum ist angenehm für den Träumenden; der Wunsch, den Verstorbenen zu trösten, wird Wirklichkeit und der Traum kann auch Zuneigung für den Träumenden ausdrücken. Ein anderer Typ ist der «Wieder tot»-Traum, in welchem der Todesfall nochmals wiederholt wird, wie er sich in Realität ereignete. Der Traum kann auch übetrieben oder verzerrt sein; der Verstorbene kann viele Gestalten annehmen, von denen einige unangenehm oder beängstigend sind für den Survivor.
Ein dritter Traum-Typ ist der Abschiedstraum, in welchem der Verstorbene erscheint, um die geliebte Person definitiv zu verlassen und in welchem ihre physische Präsenz real erscheint. Dieser Traum ist mit positiven Gefühlen verbunden.
Es gibt auch andere Arten von Träumen, in denen die verstorbene Person Survivors darüber informieren, dass es ihr gut geht und dass sie Frieden gefunden hat. Die träumende Person erhält manchmal auch Ratschläge, Bestätigung oder Missfallen von der verstorbenen Person.
Träume sind ein wichtiger Teil des Trauerprozesses und ein Weg, um im Prozess voranzukommen. Die Traumbilder, welche Erinnerungen und Szenen, die mit der verstorbenen Person erlebt wurden, zeigen, helfen der trauernden Person, ihre Traurigkeit zu überwinden und das Leben nach einem Verlust erträglicher zu machen.