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Nicht jede Katze kanns mit jedem Menschen gut: umso besser, wenn zwei sich finden und mögen.
Lucie findet ihr Frauchen
Eine Katze ist unsauber und will nichts von den Menschen wissen: Ihr Besitzer möchte sie deshalb einschläfern lassen. Chantal Ritter lässt Lucie am Leben, doch die Katze bleibt stur.
Die Katze sass in ihrem Transportkörbchen und drehte mir ihr Hinterteil zu. Der Besitzer sprach aufgeregt und hastig: «Sie müssen sie einschläfern. Ich will sie nicht mehr!» Tatsache war, dass die Katze Lucie unters Bett machte. «Ausgerechnet dort, wo ich kaum hinkomme! Und so muss ich abends putzen und rege mich auf! Ich will keine solche Katze.»
Lucie starrte immer noch in die Käfigecke. Keine Neugier, kein Herumschauen. Ich schwatzte dem Herrn Lucie ab. «Lassen Sie es mich einmal versuchen. Wir platzieren Lucie um und wenn es nicht klappt, versuchen wir etwas anderes.»
Ich stellte das Transportkörbchen mitsamt Lucie in unseren Katzenkäfig. Die nächsten Tage kriegten wir nichts zu sehen ausser Lucies Hinterteil, das halb aus dem Körbchen ragte. «Was soll ich mit dir anfangen, Lucie?», fragte ich sie schliesslich. «So will dich doch niemand. Unsauber und nicht kommunikativ. Du bist auch nicht mehr die Jüngste. Zeig dich doch mal von deiner schönen Seite!»
Nichts geschah, sie widerstand allen Annäherungsversuchen. Nachts musste Lucie ihren Platz wohl jeweils verlassen und sich bewegt haben, denn ihr Futter war aufgegessen. Doch tagsüber veränderte sich nichts: Sie zeigte uns nur ihr Hinterteil.
Dann kamen Freunde zu mir. Sie suchten für ihre Mutter am anderen Ende der Schweiz eine Katze. Da die Frau älter war, sollte das Tier ebenfalls älter sein. «Ja, Lucie sucht ein Plätzchen, doch ist sie vielleicht nicht die Richtige für so einen Platz.» Ich erläuterte, dass eine Katze, die unters Bett macht und nicht mit uns kommuniziert, wohl nicht geeignet sei für eine ältere, leicht gehbehinderte neue Besitzerin. Meine Freunde waren hartnäckig. Sie nahmen die verdutzte Lucie aus ihrem Körbchen, machten mit Mühe ein Foto und schickten es der Mutter. Kaum hatten sie eine Antwort von ihr, fuhren sie Lucie in ihre neue Heimat. «Jetzt muss sie lernen, in den Bergen mit Schnee zu leben. Ich hoffe, sie packt es und verändert sich», bemerkte ich zum Abschied.
Nach einiger Zeit erhielt ich eine Rückmeldung. Lucie sei nicht wiederzuerkennen. Sauber und verschmust sei sie. Auch begleite sie täglich ihre neue Besitzerin auf deren Spaziergang ins Grüne. «Dieselbe Lucie?», fragte ich erstaunt. «Wie sieht sie denn vorne aus?»
(Coopzeitung Nr. 15/2013)
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