Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03556.jsonl.gz/2980

Even the happy songs sound sad.
Gute Schwingungen und kalifornische Mädchen – die Musik der Beach Boys klingt verlockend nach Sonne, Strand und viel Spass. Oder eben «Good Vibrations» und «California Girls». Doch so fröhlich und sonnig war der Alltag von Brian Wilson, dem kreativen Kopf von der kalifornischen Band, in keiner Art und Weise. Im packenden Biopic «Love & Mercy» schlüpfen Paul Dano («There Will Be Blood», «Little Miss Sunshine») und John Cusack («High Fidelity», «2012», «Con Air») in die Rolle von Brian Wilson, dessen Leben von einem prügelnden Vater, künstlerischen Konflikten in der Gruppe, Stimmen im Kopf, Experimenten mit Drogen und unkonventionellen Behandlungsmethoden durch einen dominanten Psychologen und Psychotherapeuten geprägt war.
Die Drehbuchautoren Oren Moverman und Michael A. Lerner schildern die Gespaltenheit von Brian Wilson zwischen Genialität und Wahnsinn anhand zweier Phasen in seinem Leben. Paul Dano spielt den jungen Brian Wilson, der Mitte der 1960er-Jahre den Druck der vielen Auftritte und der damit verbundenen Reisen nicht mehr aushält. Er wird für die Auftritte durch einen anderen Musiker ersetzt und konzentriert sich stattdessen ganz auf die Komposition des epochalen Albums «Pet Sounds». Doch die ausgeklügelte musikalische Gestaltung, die eigenartigen Harmonien und Klangeffekte wie Hundegebell und Eisenbahngeräusche stossen auf Ablehnung. So fühlt sich Wilson immer mehr ausgestossen und von seinen Stimmen im Kopf bedrängt.
John Cusack spielt den etwas mehr als 20 Jahre älteren Brian Wilson Ende der 1990er-Jahre, der schüchtern und leicht verwirrt in einem Autogeschäft auf die hübsche Verkäuferin Melinda Ledbetter (Elizabeth Banks) trifft und sich mit ihr für ein Treffen verabredet. Sie erfährt von ihm und seinem Therapeuten Eugene Landy (Paul Giamatti, «The Illusionist»), dass er mittlerweile keinen Kontakt zu Familie und Freunden mehr haben darf und er unter paranoider Schizophrenie leidet. Doch je öfter sich Melinda mit Wilson trifft und je näher sie ihm kommt, umso mehr zweifelt sie an der Diagnose und vor allem an der übertriebenen Medikation durch den Psychologen.
Der Film pendelt zwischen den beiden Zeitebenen hin und her und deckt so langsam die bedrückenden Hintergründe auf. Da war einerseits das angespannte Verhältnis von Brian Wilson und seinen beiden Brüdern und Bandkollegen zu ihrem Vater, der in den frühen Jahren Manager und Produzent der Beach Boys war. So erzählt der ältere Wilson seiner neuen Freundin völlig emotionslos, wie er von seinem Vater verprügelt wurde und als der jüngere Wilson seinen Vater um seine Meinung bittet, antwortet dieser zunächst mit belanglosem Lob und kehrt es kurz darauf in zynische Ablehnung. Andererseits hörte Wilson Stimmen in seinem Kopf, fühlte sich verfolgt und experimentierte mit LSD und anderen Drogen. Durch sein erratisches Verhalten wird er immer mehr zum Aussenseiter.
Inwiefern welche dieser Einflüsse welche Auswirkungen hervorriefen, lassen die Drehbuchautoren offen. Vielmehr vertrauen sie ebenso wie Regisseur Bill Pohlad, der sich bisher vor allem als Produzent («The Tree of Life», «Into the Wild») einen Namen machte, auf die emotionale Wirkung der geschilderten Ereignisse und dem eindringlichen Spiel der beiden Hauptdarsteller. Paul Dano verleiht dem jungen Wilson eine verletzliche und flatternde Eindringlichkeit, während John Cusack wohl noch nie so lethargisch und traurig zu sehen war und den labilen Zustand von Wilson in dieser Phase alleine schon mit seiner erschütternden Körpersprache einfängt. Obschon die Inszenierung eher bieder ist, gelang den Filmemachern ein ebenso mitreissendes wie erschreckendes Porträt von Brian Wilson.
Die Blu-ray-Disc gibt das Drama in ansprechender Bild- und Tonqualität wieder. Das hingegen dürftige Bonusmaterial besteht lediglich aus kurzen Interviews mit Bill Pohlad, Paul Dano und Elizabeth Banks sowie aus zwei ebenfalls sehr kurzen und zudem oberflächlichen Drehberichten, die jeweils zwischen 3 und 4 Minuten dauern.
Bewertung:
Bild-/Tonqualität (Blu-ray):
Bonusmaterial (Blu-ray):
(Bilder: © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.)
Schreib einen Kommentar
You must be logged in to post a comment.