Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03170.jsonl.gz/339

|Studium/Workshops Obertongesang

obertongesang
Obertongesang ist eine Gesangstechnik, die aus dem Klangspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, das sie als getrennte Töne wahrgenommen werden und der Höreindruck einer Mehrstimmigkeit entsteht. Man spricht dann von Obertongesang, wenn den Obertönen eine eigenständige musikalische Funktion zukommt, zu unterscheiden von Gesangtechniken, die lediglich die Klangfarbe der Stimme mit Obertönen anreichern.
westlicher obertongesang (ng & sygyt)
Anfang der 1960er Jahre hatten Komponisten wie La Monte Young und Karlheinz Stockhausen Obertongesang in die Avantgardemusik eingeführt. Die westliche Obertonmusik ist also noch recht jung.
Westliche Obertonsänger nutzen als Grundton fast ausschliesslich die «normale» weiche Stimme. Dadurch ist ein fließender Übergang von Vokalen und Sprache zu Obertongesang möglich. Für viele Sänger sind daraus entstehende neuartige Klangfarben der Ausgangspunkt ihres künstlerischen Ausdrucks. Andere entwickeln eine hohe Virtuosität in polyphoner Singweise, indem sie zwei gleichzeitige unabhängige Melodien mit Grund- und Oberton singen.
kehlgesang (khöömej)
In Tuva, Mongolei und weiteren Ländern Zentralasiens rund um das Altaigebirge wird Obertongesang in verschiedenen Formen des Khöömej (tuvinisch «Kehle») gepflegt (Kehlgesang). Ähnliche Obertongesänge kennt man von den Xhosa in Südafrika, wo er von Frauen ausgeübt wird (umngqokolo).
Der Kehlgesang unterscheidet sich von westlichem Obertongesang musikalisch durch seine lange Tradition und technisch durch besondere Arten den Grundton zu erzeugen. Beim Khöömej wird unter anderem der Kehlkopf verengt, um den Oberton gegenüber dem Grundton zu verstärken.
Eine spezielle Kunst der Kehlsänger sowohl in Zentralasien als auch bei den Kehlsängerinnen der Xhosa ist der Gebrauch von Untertongesangstechniken, die man in Tuva Kargyraa nennt. In der Regel wird der erste Unterton der Grundstimme, die erste Sub-harmonische, als Grundton verwendet. Dadurch wird das Obertonspektrum des Sängers stark erweitert.
Es gibt weitere Untertongesangsarten, die ebenfalls als Kehlgesang bezeichnet werden und deshalb gelegentlich irrtümlich dem Obertongesang zugeordnet werden. Hier hat der Begriff Kehlgesang nicht die synonyme Bedeutung von Obertongesang. Die Tieftongesänge der tibetischen Lamas sowie der Saami in Lappland (Joik) seien in dem Zusammenhang erwähnt, bei denen die Obertöne nicht gezielt als musikalische Struktur verwendet werden. Auch die Kehlgesänge der Inuit und der sardischen «cantu a tenores» sind in diesem Sinne kein Obertongesang. Aber die Klassifizierung ist eine typisch okzitentale Idee und oft schwierig, weil ein westlich ungeschultes Ohr die Absichten fremder Musiktraditionen möglich-erweise nicht vollständig erfasst.
studium der obertontechniken
Im okzidentalen Bereich unserer Welt ist der Obertongesang noch kaum etabliert. Nur zögerlich entwickelt sich ein eigenständiger, unserer westlichen Kultur entsprechender Umgang mit dieser Gesangstechnik. Lange wurde der Obertongesang, gerade auch wegen seinen phänomenologischen Aspekten, von der New Age Bewegung okkupiert und verklärt. Auch wenn sich der Obertongesang heute zunehmend bei Sängern durchzusetzten vermag, bestehen doch gegenüber anderen Stimm- und Gesangstechniken immer noch erhebliche Defizite: Ein akademisch geführtes Studium ist zB. bis heute nirgendwo möglich und auch in der Musikliteratur tauchen Kompositionen mit Obertongesang nur sehr selten auf. Trotzdem, immer mehr Sänger und Musiker versuchen, sei es im Jazz, oder in der neuen Musik, mit den Mitteln des Obertongesanges Ihre stimmlichen Möglichkeiten zu erweitern und in ihre Kompositionen oder Interpretationen einzubringen. Durch dieses wachsende Interesse wurde die Nachfrage nach einem fundierten Studium des Obertongesanges in den letzten Jahren verstärkt an mich herangetragen.
anforderungen
Bis aus der eigenen Kehle Obertöne verlautbar werden dauert es meistens gar nicht so lange. Dagegen die freie Verfügbarkeit und die Kontrolle über die ganze Bandbreite der zumeinst flüchtigen Töne zu erhalten, stellt höchste Ansprüche an die SchülerInnen und selbst noch an den Könner. Nicht umsonst spricht man daher oft von wilden, mystischen Vögeln beim Obertongesang, die zu beherrschen auch einiges an Talent voraussetzt.
Das Studium des Obertongesanges bedarf einer individuellen Anpassung der Lern-strategie und des Lernzeitfaktors an die jeweiligen SchülerInnen um erfolgreich abschliessen zu können.
InteressentInnen des Studiums sollten musikalische gute musikalische Grundkenntnisse mitbringen. Nach einer Probelektion und einem persönlichen Eignungsgespräch entscheiden SchülerIn und Lehrer gemeinsam über den Beginn des Lehrganges. Interessentinnen welche bereits Erfahrung in Obertongesang haben, können nach Prüfung den Weiterbildungskurs absolvieren.
grundkurs (10 lektionen à 60 min):
Einführung in die zwei wichtigsten Obertongesangstechniken (Ng & Bird-Technik). Atem und Stimmansatz. Theorie & Praxis
weiterbildungskurs (10 lektionen à 60 min):
Vertiefung der angelernten Obertontechniken und Erweiterung des Tonumfanges. Anwendung der Techniken (Komposition, Integration in andere Gesangstechniken, Improvisation) im künstlerischen Zusammenhang. Erlernen der Kargyraa Technik.
Die StudentInnen verpflichten sich den ganzen Grundkurs zu absolvieren (10 Lektion à 60 Minuten). Die Periodizität der Lektionen wird zwischen vier und zwölf Monaten individuell angepasst.
Anmeldung ist jederzeit möglich
gruppenkurse und workshops auf anfrage