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Waren es erste Warnzeichen? Anfang vergangenen Jahres sorgt Action-Superstar Bruce Willis, 67, innert vier Wochen gleich zweimal für Negativ-Schlagzeilen: Erst wirft ihn eine Apotheke raus, weil er ohne Maske aufkreuzt. Kurz darauf übersieht er eine rote Ampel und prescht mit seinem SUV über eine Kreuzung. Aus dem Familienumfeld heisst es damals, Willis könne sich an den Vorfall in der Apotheke nicht einmal erinnern. In letzter Zeit soll sein Gedächtnis immer mal wieder ausgesetzt haben. Die in Hollywood erscheinende «Los Angeles Times» weiss zudem über Probleme bei den jüngsten Dreharbeiten zu berichten. Am Set habe der Schauspieler einen Assistenten gebraucht, der ihm per Knopf im Ohr selbst stark gekürzte Texte vorsprechen musste.
Nun also die Schock-Diagnose. In einem Statement verkünden vergangene Woche Willis’ Ehefrau Emma, 43, seine Ex-Frau Demi Moore, 59, und seine erwachsenen Töchter Rumer, 33, Scout, 30, und Tallulah, 28, auf ihren Instagram-Accounts: «Den grossartigen Unterstützern von Bruce teilen wir als Familie mit, dass er ein paar Gesundheitsprobleme erleben musste und bei ihm vor kurzem Aphasie diagnostiziert wurde. Als Folge davon und nach langer Überlegung wird Bruce seine Karriere aufgeben, die ihm so viel bedeutet hat.»
Aphasie ist eine Sprachstörung, bei der Betroffene unter Wortfindungs- und Wortauswahlproblemen leiden. Oft tritt sie nach einem Schlaganfall, einem Hirntumor oder einer Hirnhautentzündung auf. Ärzte sprechen in Verbindung mit Aphasie auch von einer Unterform der Demenz.
Was für eine grausame Ironie des Schicksals! Ausgerechnet wegen einer Sprachstörung muss Bruce Willis seine Karriere beenden. Bis er 15 war, stotterte er heftig; als Therapie wurde ihm empfohlen, Schultheater zu spielen. Er sorgt früh vor, trainiert sich einen Gesichtsausdruck an, den die Amis «smirk» nennen, grinsen. Sein «Stirb langsam»-Blick wird zum Markenzeichen, sein «Yippie-Ya-Yay, Schweinebacke»-Schlachtruf aus der fünfteiligen Action-Reihe Kult. Die Rolle des rauen, grundguten Cops John McClane macht ihn zu einem der Action-Superstars von Hollywood. «Die Hard» – zu Deutsch «Stirb langsam» – kann im Englischen ebenso «Sturkopf» bedeuten. Als ihm ein Journalist mal unter die Nase reibt, ein stolz bekennender Republikaner zu sein, schnauzt ihn Willis an: «Ich habe die Nase voll davon, diese gottverdammte Frage zu beantworten. Ich bin nur insofern ein Republikaner, als dass ich weniger Staat möchte. Ich bin apolitisch. Schreiben Sie das auf! Ich bin kein Republikaner.»
Willis kommt 1955 im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein zur Welt. Sein Vater David ist als Soldat der US-Streitkräfte in Deutschland stationiert, Mutter Marlene stammt aus einem kleinen Ort bei Kassel. Der Schauspieler sagt über sich, er habe eine starke Affinität zur Arbeiterklasse. «Das ist, weil ich aus South Jersey bin.» Dort wächst er in einfachen Verhältnissen auf, nachdem seine Eltern mit ihm als Zweijährigem in die Staaten übersiedelt sind. Der Vater arbeitet als Schweisser, die Mutter bei einer Bank. Bruce’ drei jüngere Geschwister sind alle in den USA geboren, sein jüngster Bruder Robert stirbt 2001 an Krebs.
Mit Gelegenheitsjobs verdient sich Bruce nach dem Abschluss der Highschool sein erstes Geld. In der Freizeit macht er Musik, spielt mehr als passabel Blues-Mundharmonika, bringt gar eine Platte heraus: «The Return of Bruno». Bis vor Kurzem tritt er mit der Band The Heaters auf. Noch während seines Schauspielstudiums an der Theaterfakultät des Montclair State College wurde er oft zum Vorsprechen nach New York eingeladen und erhielt Engagements an verschiedenen Kleinbühnen. Nebenher jobbte Willis als Barkeeper und trat in Werbespots auf. Seinen Durchbruch am Theater feiert er 1984 als Hauptdarsteller in Sam Shepards Erfolgsstück «Fool for Love». Im selben Jahr ist er im TV-Krimi «Miami Vice» zu sehen. Internationalen Ruhm erlangt er drei Jahre später an der Seite von Kim Basinger in «Verabredung mit einer Unbekannten».
Beruflich Haudrauf, ist Bruce Willis privat ganz der sanfte Familienvater. Mit Ex-Frau Demi Moore hat er drei erwachsene Töchter, mit seiner zweiten Ehefrau, dem ehemaligen Model Emma Heming, zwei Töchter, sieben und zehn Jahre alt. «Bevor ich Kinder hatte, dachte ich nur an mich», gesteht er einmal. Alles habe sich nur um ihn und seine Welt gedreht. Der Instagram-Eintrag seiner Frauen ist auch ein Liebesbeweis an ihn als treu sorgenden Ehemann und Familienvater. Der «Bild-Zeitung» verrät er einst: «Für mich ist es wichtiger, ein guter Vater zu sein als ein Star. Ich mache jeden Stunt für einen Film, das ist der Job. Das alles tue ich für meine Familie.» Jetzt tut seine Familie alles für ihn. Ein grosser Star bleibt er trotzdem – auch wenn er keine Filme mehr dreht.