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Emile Javelle, ein Klassiker der alpinen Literatur
Von Paul Geissler.
« Je ne puis faire le rêve d' une vie meilleure sans y mêler la paix profonde et reposante des hauts vallons de la montagne, la fière sérénité des cimes blanches, l' espoir de courses sans fin et d' ascensions qui se renouvellent toujours. » Wenn Javelle von Henry Bordeaux « le père de la littérature alpestre » genannt wird, so ist dies Urteil freilich übertrieben: es gilt weder für das alpine Schrifttum insgesamt noch für seinen französischsprachigen Anteil — hat es doch schon zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts einen Ramond und Senancour gegeben. Gleichwohl ist etwas Richtiges daran: Javelle ist der erste Hochturist im modernen Sinne, der das Hochgebirge und die Bergfahrt als Dichter erlebt und zu gestalten weiss. In seinen « Erinnerungen eines Bergsteigers » ist eine Stufe der künstlerischen Formung und der Vergeistigung des alpinen Erlebnisses erreicht, die dieses Werk zu einem Markstein in der inneren Entwicklungsgeschichte des Alpinismus stempelt.
Emile Javelle kam am 6. September 1847 in St. Etienne ( Dép. Loire ) zur Welt, ist also gebürtiger Franzose. Den grössten Teil seiner Jugendjahre verlebte er in Paris. Bei seiner tief religiösen Anlage glaubte man ihn für den geistlichen Stand bestimmt; seine zarte Gesundheit war der harten Kloster-zucht aber nicht gewachsen, so dass er bald wieder ausschied, um sich nun auf das Baccalauréat vorzubereiten. Sein Vater, der für eine Basler Fabrik reiste, verlor jedoch plötzlich seine Stelle; er siedelte nach Basel über und eröffnete dort eine photographische Werkstätte. Der Sohn musste seine Studien aufgeben und wurde zu einem Photographen in die Lehre getan, um später in das väterliche Geschäft einzutreten. Schwierigkeiten zwischen ihm und seiner Stiefmutter — die rechte Mutter hatte er schon als Dreijähriger verloren — führten dazu, dass er sein Vaterhaus plötzlich verliess und zu einem Verwandten nach Embrun ging. Der hatte Verständnis für die inneren Nöte des Heranwachsenden und behielt ihn zwei Monate bei sich. Streifereien in den umliegenden Bergen der Hautes-Alpes geben ihm seine innere Ruhe wieder — zugleich vermitteln sie ihm die erste Bekanntschaft mit der Alpenwelt. Dann holt der Vater den nunmehr Siebzehnjährigen in sein eigenes Geschäft nach Basel, in die Schweiz, die für Javelle zur zweiten Heimat wurde.
In dem Jüngling erwacht ein starkes Bildungsstreben: er begeistert sich an Rousseau, betreibt ein eifriges Selbststudium, besonders auf dem Gebiet der Philosophie, und macht die ersten schriftstellerischen Versuche. Das Photographieren als Beruf gibt er auf und wird Lehrer. Zuerst ist er in Vevey, dann in Lausanne tätig; 1874 kehrt er nach Vevey zurück und wird Professor des Französischen am Stadtgymnasium. Das Bemühen, die durch seine unruhige Jugend bedingten Bildungslücken zu schliessen, setzt er fort und beginnt auch öffentliche Vorträge zu halten. Bald zählt er zu den gebildetsten Männern der Westschweiz. Ganz liessen sich die Mängel seiner Elementar-bildung freilich nicht beseitigen: sie blieben fühlbar und stellten für ihn in seinem äusseren Werdegang ein ernstes Hindernis dar.
Da die Pflichten und Bindungen seines Amtes es Javelle nicht gestatteten, seinen vielseitigen persönlichen Neigungen mit Musse nachzugehen, dachte er schon daran, zu seinem früheren freien Beruf zurückzukehren und sich der Landschaftsphotographie zu widmen, als eine schwere Erkrankung diesen Plänen eine Ende machte. Zur Erholung nach Zinal und Saas-Fee geschickt, konnte der nur langsam Genesende dem Locken der Berge nicht widerstehen. Ein unfreiwilliges Freilager warf ihn erneut auf das Krankenbett. Den Winter über zog sich das Leiden noch hin, bis er ihm im nächsten Frühjahr, kaum sechsunddreissigjährig, am 24. April 1883 erlag.
Die menschliche Persönlichkeit Javelles ist hoher Achtung wert. Die angesehene Stellung, die er in Vevey besass — er war fast eine lokale Berühmtheit — hatte er ganz sich selbst zu verdanken; aus eigener Kraft hatte er sich mit eisernem Fleiss emporgearbeitet und liess nicht nach, sein als lückenhaft empfundenes Wissen ständig zu erweitern und zu vertiefen. Dieses rastlose Streben nach Vervollkommnung, das er bei Goethe wiederfand — Eckermanns Gespräche trug er lange als sein Lieblingsbuch bei sich — besiegelte freilich auch das Schicksal seines grössten literarischen Planes: das Handbuch der Rhetorik, das er zu schreiben gedachte, wurde nie vollendet, ja kaum begonnen, da er bei der Arbeit immer wieder auf allerlei Vor- und Nebenfragen geführt wurde, die beiseitezuschieben sein Verantwortungsgefühl ihm nicht gestattete.
Sein tiefes religiöses Empfinden spricht aus mancher Seite der « Erinnerungen » zu uns. Zwar war er kein Frommer im kirchlichen Sinne. Aber wie echt sein Gefühl war, das lehren am besten die Worte des Gedenkens, die einer seiner Freunde, der Pfarrer Cérésole, dieser Seite seines Wesens gewidmet hat.
Die künstlerische Ader war bei Javelle besonders stark ausgeprägt — man sieht das an seinen literarischen Arbeiten ebenso wie an den Zeichnungen und den Landschaftsaufnahmen, die er hinterlassen hat. Auch als Violin-spieler wie als Graphologe und Fechter war er hochbegabt. Mit diesen Fähigkeiten verband sich eine besondere erzieherische Begabung. Wie er das Er-ziehertum auffasste, zeigt einer seiner Wahlsprüche: « Aimer, c' est le tout de vivre. » So ist es nur natürlich, dass er trotz strenger Gerechtigkeit seinen Schülern mehr Freund als Lehrer war und dass der Zusammenhang mit ihnen über die Schuljahre hinaus gewahrt blieb. Auch ausserhalb des Unterrichts blieb er ihnen verbunden: oft führte er sie hinaus, um ihnen die Augen zu öffnen für die Schönheiten der Natur und in den jugendlichen Herzen die Liebe zur heimatlichen Alpenwelt zu wecken.
In ihm selbst war die Sehnsucht nach den Bergen früh erwacht. Ein gepresstes Alpenpflänzchen im Herbarium eines Onkels, ein Mannsschild vom Mont Blanc, hatte in dem Knaben eine unbestimmte Sehnsucht nach dem König der Alpen wachgerufen — eine Bergblume wies ihm den Weg zu den Höhen, wie Julius Kugy, dem Erschliesser der Julierberge, die Scabiosa Trenta. Jahre später, bei seiner Flucht von Basel nach Embrun, durfte er von Martigny aus den « Weissen Berg » von ferne grüssen. Seine Berufsstellung in Vevey und Lausanne brachte ihn den Walliser Alpen näher. Vor allem war es die Dent du Midi, der « Parthenon der Alpen », wie er diese formenschöne Gipfelreihe nennt, die ihn in ihren Bann zog. Man lese bei ihm selbst nach, wie die Dent du Midi täglich in sein Arbeitszimmer hereinschaute und seine Blicke immer wieder auf sich zog, wie in einer förmlichen Verliebtheit seine Gedanken täglich um sie kreisen, bis auf einer abendlichen Kahnfahrt auf dem Genfer See, als alles ringsum schon im Schatten lag, beim Anblick ihrer allein noch in strahlendes Licht getauchten Zinnen plötzlich der Entschluss in ihm reifte, sie zu erobern. Sie liess ihn nicht wieder los. Erst beim vierten Versuch gelang die Ersteigung; so wurde sie sein erster Berg. Auch seine weiteren Fahrten beschränken sich — abgesehen von einem auf Korsika verbrachten Sommer und einigen Bergturen in Italien — auf die Westalpen. Die Ängstlichkeit und das Schwindelgefühl, mit denen er anfänglich zu kämpfen hatte, überwand er durch eisernen Willen und Übung; so wurde er allmählich einer der besten Bergsteiger seiner Zeit. Er bevorzugte Winter-und Vorfrühlingsturen. Es gelangen ihm unter anderem sieben bedeutendere Erstersteigungen: Forteresse ( 1870 ), Pointe de Zinal ( 1871 ), Pointe d' Orny ( 1872 ), Nordwestspitze der Aiguille du Tour ( 1875 ), Tour Noir ( 1876 ), Portalet ( 1876 ) und die seinen Namen tragende Aiguille Javelle ( 1877 ). Mit Vorliebe suchte er das Mont Blanc-Gebiet auf, in dessen damals noch wenig besuchten nordöstlichen Bezirken er beachtliche Erschliessungsarbeit geleistet hat. Auf dem Matterhorn war er der erste Turist mit nur einem Führer ( 1871 ). Noch lieber aber ging er führerlos, mit Freunden oder ganz allein, hierin seiner Zeit vorausschreitend; er tritt so in die Reihe der Steinberger, Weilenmann, Hermann von Barth und Lammer.
Auch am Clubleben nahm er regen Anteil. Anfangs Mitglied der Sektion Diablerets des Schweizer Alpenclubs in Lausanne, wurde er nach Gründung der Zweigsektion Jaman 1876 deren erster Präsident. Mit grosser Hingabe setzte er sich in dieser Stellung für den Bau der Cabane d' Orny ein. Die Stätte, an der die noch im gleichen Jahr erstellte Hütte gelegen ist, im Angesicht des Portalet, war einer seiner Lieblingsplätze in den Bergen.
Als Dreissigjähiger hatte er endlich die Freude, den Mont Blanc ersteigen zu können, was ihm lange als Krönung seiner alpinen Laufbahn vorgeschwebt hatte. Dies gab ihm die stärksten Eindrücke, die das Hochgebirge ihm vermittelt hat — in der kurzen Gipfelminute fand er auf dem Berg der Berge in mystischer Schau die letzte Offenbarung des Göttlichen. Seinen Plan, das Mont Blanc-Erlebnis in einem besonderen Buche zu schildern, vereitelte der Tod. Die wenigen Aufzeichnungen, die sich in seinem Nachlass fanden und vor einigen Jahren veröffentlicht wurden, lassen es tief bedauern, dass das Buch nicht vollendet wurde; vielleicht wäre es für die alpine Literatur in ihrer weiteren Entwicklung richtunggebend geworden. Denn seine Schriften sind es, nicht seine Taten als Bergsteiger, in denen Javelle weiterleben wird. Unbestritten ist er einer der besten alpinen Schriftsteller, und doch hat er nie ein Buch aus einem Gusse geschrieben; seine « Souvenirs » enthalten mit einer Ausnahme nur bereits früher ( 1870-1882 ) veröffentlichte Einzelschilderungen, von Freundeshand nach seinem Tode in einem Bande vereinigt und 1886 erstmals herausgegeben.
Es ist reizvoll zu verfolgen, wie sich der alpine Schilderer Javelle in diesem Dutzend von Jahren entwickelt hat. Die ersten Aufsätze weisen noch einen gewissen journalistischen Anstrich auf, der sich besonders in längeren Reflexionen und Ausrufen zeigt und die rhetorischen Studien des Verfassers verrät. Auch treten darin gewisse Partien von lehrhaftem Charakter stärker hervor: stolz auf sein mühsam errungenes Wissen benutzt der Autodidakt gern die sich bietende Gelegenheit, auch dem Leser davon mitzuteilen. Diese Züge treten mit der Zeit zurück. Stil und Sprache werden gedämpfter und verhaltener, bis das Buch gipfelt in dem Aufsatz über die Besteigung des Tour Noir, dem Reifsten und Schönsten, was Javelle hinterlassen hat.
Das Erlebnis der Hochalpen in « Tat und Traum » war für ihn tiefste Herzenssache. Immer wieder treibt es den Sohn des späten 19. Jahrhunderts hinaus aus dem Gehaste und der Überkultur der Stadt in die Einsamkeit des Hochgebirges, entrückt der Welt und ihrem Getriebe, dem auch die Schlichtheit und Ursprünglichkeit entlegener Gebirgsdörfer mehr und mehr erliegt. Hier träumt er, er wäre einer der ersten Menschen, selbst noch ein Stück der ihn umgebenden Natur. Hier, so meint er, hätte der Mensch nie schlecht werden können. Liebend-empfänglich sucht er das Wesen der Bergwelt zu erfassen und immer tiefer in ihre Eigenart einzudringen. Ihre zwei Gesichter, das Strenge, Herbe, Drohende und das Liebliche und Idyllische, sind ihm, als zwei Offenbarungen desselben Wesens, in gleicher Weise vertraut — überall findet er Schönheiten, wenn auch manchmal Schönheiten, die das Herz erbeben lassen. Die schauerliche, drückende Öde starrer, grauer Wände, weiter Trümmerfelder und fahler Gletscher, der Blick von schmaler Felsschneide in jähe Tiefen, der tosende Wasserfall in düsterfeuchter Klamm sprechen nicht minder vernehmlich zu ihm als die liebliche Heiterkeit grünender Almflächen, die friedliche Stille weltabgeschiedener Alpendörfer, das armselige Blümchen am Rande des Firnfeldes und das Schmetterlingspaar, das um den einsamen Hochgipfel spielt.
Solche Töne finden wir in der gleichzeitigen und älteren alpinen Literatur nicht angeschlagen. Die grossen Erschliesser, die uns schriftliche Kunde hinterlassen haben, die Whymper, Tyndall, Barth, Payer, Studer, um nur diese Namen zu nennen, gingen in die Alpen als Entdeckungsreisende und Eroberer, und das Gebirge ist für sie entweder ein Gegenstand der Forschung oder aber eine gegnerische Macht, über die sie triumphieren wollen: es ist der Sieg der menschlichen Willenskraft über die feindliche Materie, der sie reizt. Javelle ist der erste Bergsteiger, der ein, man möchte fast sagen menschlich-persön-liches Verhältnis zur Gebirgswelt hat, der ihr gegenübersteht wie einer geliebten Frau, an der ihn jeder sich offenbarende Wesenszug entzückt und der mit tiefer Sehnsucht in das Wesen des Hochgebirges einzutauchen sucht, um seine eigene Seele darin wiederzufinden. Diese Hingabe macht ihn dazu fähig, der Hochgebirgslandschaft ihre feinsten und geheimsten Reize abzulauschen und ihren jeweiligen Stimmungsgehalt voll auszuschöpfen.
Aber Javelle war darum nicht etwa ein tatenloser Träumer und Geniesser: vor diesem Verdacht dürfen ihn schon seine oben gestreiften alpinen Leistungen bewahren. Auch er kannte den geheimen Reiz der Gefahr und suchte ihn — wobei ihm freilich jede Tollkühnheit fernlag. « Tout est possible, pourvu qu' on prenne les précautions nécessaires. » In diesem Sinn aber dünken ihn scharfe, ausgesetzte Klettereien so köstlich, dass er sie geradezu « les plus belles heures de mon existence » nennt. Und so hat er denn auch in stolzer Befriedigung auf manche Zinne als Erster seinen Fuss gesetzt. Gleichwohl darf er mit Lächeln herabsehen auf die « chasseurs des cimes vierges »: nicht aus Eitelkeit oder Ruhmsucht stieg er hinauf; ihm war das Betreten eines Gipfels, den noch kein menschlicher Fuss berührt, fast eine religiöse Handlung, die er nur mit tiefer innerer Bewegung vollzieht und in vollem Bewusstsein der Tragik, dass damit wieder ein Stück der Ursprünglichkeit dieser Natur geschwunden ist.
Die Bergsteiger der Westschweiz, der Wahlheimat Javelles, haben seine Schriften mit lebhaftem Interesse aufgenommen. Den « Souvenirs », denen Eugène Rambert ein feinsinniges, von tiefen Verständnis getragenes Lebensbild des Freundes voranschickte, wurden bei ihrem Erscheinen in den romanischen alpinen Blättern überall warm empfundene Besprechungen zuteil, und sie erlebten bis heute nicht weniger als zehn Auflagen, darunter sogar eine Schulausgabe. Im besonderen haben die Sektionsgenossen des Verfassers in der Folgezeit mit ihrem Heros einen förmlichen Kult getrieben; die Bände des « Echo des Alpes » legen davon in den zahlreichen Aufsätzen, die sich mit ihm und seinem Werk beschäftigen, ein beredtes Zeugnis ab. In der Nähe der Cabane d' Orny, die ja seine persönliche Schöpfung war und an der er mit besonderer Liebe gehangen hatte, wurde ihm ein schlichtes Erinnerungsmal gesetzt, und bei ihrer 50-Jahr-Feier beschloss die Sektion Jaman, zum Gedenken an ihren ersten Präsidenten in ihrem Tagungslokal eine « Salle Javelle » zu schaffen, die die greifbaren Erinnerungsstücke an seine Person in würdiger Umrahmung bewahren soll. Bei der gleichen Feierlichkeit kam auch ein dramatisches Spiel, « Sur le replat », zur Aufführung, an dessen Schluss der Schatten Javelles auftrat. Eine andere literarische Reminiszenz an ihn enthält Edouard Rods Walliser Roman « Là-Haut », der für die Abtönung des Lokalkolorits die « Souvenirs » stark ausgewertet hat und in dessen Volland die Gestalt Javelles weiterlebt. Sein schriftstellerischer Geist aber ist lebendig vor allem in Charles Gos, der sich als alpiner Autor an ihm geschult hat und ihm in seinem ersten Buche « Près des névés et des glaciers » in den Widmungsworten der ersten Seite eine Huldigung in echt Javellescher Gesinnung dargebracht hat. Die Stadt, an deren Gymnasium Javelle gewirkt, hat ihn in besonderer Weise geehrt: 1913 wurde eine der Strassen Veveys « Rue Javelle » benannt. Und schliesslich trägt die Aiguille Javelle in der Gruppe der Aiguilles Dorées, die er zuerst erstiegen, für immer seinen Namen.
In England konnte im Jahre 1899 eine Übersetzung der « Souvenirs » erscheinen; eine italienische Ausgabe ist in Vorbereitung. Dagegen haben die deutschsprachigen Schweizer das Buch kaum beachtet; schon Hurter klagt 1894 darüber. Wohl wurden einige Abschnitte daraus ins Deutsche über- tragen, doch waren diese Übersetzungen unvollkommen und recht willkürlich; die jüngsten liegen mehr als ein Dritteljahrhundert zurück. Da sie in Zeitschriften erschienen, konnte ihnen eine stärkere, bis in die Gegenwart reichende Wirkung nicht beschieden sein. In Deutschland und Österreich vollends sind Javelle und sein Werk so gut wie unbekannt geblieben — die schöne Übertragung der « Hütten von Plan-Cérisier » von Oskar Erich Meyer ( Alpenfreund 1923 ) ist die einzige Probe Javellescher Kunst, die das deutsche alpine Schrifttum bisher aufwies. Freuen wir uns also, dass dem deutschen Bergsteiger, der Javelle vielfach nicht einmal dem Namen nach kannte, dieser Tage eine von der Gesellschaft Alpiner Bücherfreunde herausgegebene Gesamt-übersetzung der « Souvenirs » in die Hand gelegt wird. Die ganze Schönheit der Javelleschen Schilderungen vermag freilich nur das französische Original zu vermitteln, aber das ist nicht jedem zugänglich — und auch in der Übertragung wird das Buch für die deutschen Bergsteiger einen Besitz darstellen, der sich über manches Buch ihrer Muttersprache weit erhebt.
Ein Gesamtverzeichnis der Schriften von und über Javelle wurde in den « Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins » 1933, S. 231 f. gegeben; dazu seien ausser den Ausgaben der « Souvenirs » von 1930 ( Paris ) und 1935 ( Lausanne ) noch nachgetragen: Dalloz, P.: Précisions au sujet des dessins d' enfance et de la carrière alpine d' Emile Javelle. « Montagne » 60 ( 1934 ), 232—233.
Gos, A.: Souvenirs sur Emile Javelle. « Die Alpen » 9 ( 1933 ), 354—359. Gos, Ch.: Sur un Guide d' Emile Javelle. Gos: Alpinisme anecdotique ( 1934 ), 197—201. Guex, J.: Dans la Trace de Javelle. « Die Alpen » 13 ( 1937 ), 387—397. Rouff, M.: Javelle. Rouff: Montagnes ( 1931 ), 139—145.
Ein Bildnis Javelles brachte das Oktoberheft 1938 « Die Alpen » bei S. 400, zwei andere schöne Porträts finden sich in der « Montagne » 1933, S. 133 und 165.