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Pausen sind Zeitverschwendung? Weit gefehlt: Diese Momente der Entspannung können bewirken, dass gute Ideen entstehen.
Eine Pause ist nicht nur eine unliebsame Ablenkung. Im Gegenteil - sie ist häufig sogar absolut notwendig, damit die Mitarbeitenden in eine Haltung kommen, die für die Innovation günstig ist. Eine angenehme und entspannende Tätigkeit, zum Beispiel eine Runde Tischtennis, ein kurzer Aufenthalt in der Sonne oder auch eine heisse Dusche, scheint das Aufkommen unerwarteter Ideen zu fördern. Dagegen ist es bei einer Person, die vor ihrem Computer sitzt und sich auf ihre Arbeit konzentriert, weniger wahrscheinlich, dass sie originelle Gedanken entwickelt.
Ähnlich verhält es sich mit der Tatsache, dass ein gut gelaunter Angestellter eher kreativ werden wird. Mark Beeman, ein amerikanischer Experte auf dem Gebiet der Kognitiven Psychologie, zeigte, dass Testpersonen, die zuvor einen lustigen Film gesehen hatten, bei der Lösung von Logikaufgaben, die Kreativität erforderten, um 25% bessere Ergebnisse erzielten als diejenigen, die einen langweiligen oder traurigen Film sehen mussten. Pausen bieten die Gelegenheit, mit den anderen Kolleginnen und Kollegen zu lachen.
Bewusstes Träumen
Auch Träumereien sind gute Momente für Innovation. Studien mit bildgebenden Verfahren zur Darstellung der Hirnaktivität haben gezeigt, dass Tagträumen einen Austausch extrem lebhafter elektrischer Impulse zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns auslöst, die normalerweise nicht miteinander kommunizieren. Einige Forscher unterstützen die These, dass wir durch diese ungewohnte Aktivität zuvor unbemerkte Verknüpfungen wahrnehmen können oder auch Konzepte aus ganz unterschiedlichen Bereichen miteinander verbinden.
Um eine produktive Wirkung zu entfalten, muss das Träumen jedoch bei halbem Bewusstsein erfolgen, sagen die Experten: Man benötigt gerade so viel Aufmerksamkeit, dass man sich aus dem Gedankenfluss lösen kann, wenn er zu einer interessanten Idee führt. Dann können wir die Idee notieren, um sie nicht wieder zu vergessen. Der amerikanische Psychologe Jonathan Schooler empfiehlt, täglich eine halbe Stunde für einen Spaziergang zu reservieren, bei dem man seinen Geist umherschweifen lässt. Dieses zeitlich begrenzte Träumen hat seiner Meinung nach den Vorteil, dass man es bewusst tut.
Beim Aufwachen
Die ersten Minuten nach dem Aufwachen sind ein weiterer Wohlfühlmoment, den man nutzen kann. Wenn das Gehirn noch im Halbschlaf ist, scheint es offen für alle möglichen unkonventionellen Ideen zu sein. Es lohnt sich also, den Wecker ein paar Minuten früher zu stellen, um diese Augenblicke, in denen das Kreativitätspotenzial erhöht ist, nutzen zu können.
Die 15%-Regel
Die amerikanische Firma 3M, die seit 75 Jahren in unzähligen Bereichen neue Produkte hervorbringt (von Computerbildschirmen bis zu Küchenschwämmen), hat erkannt, wie wichtig diese Entspannungsmomente sind. Sie fordert ihre Mitarbeitenden auf, regelmässig Pausen einzulegen, egal ob für einen Spaziergang oder eine Runde Flipper. Ausserdem hat sie die "15%-Regel" eingeführt: Jeder Angestellte hat das Recht, 15% seiner Arbeitszeit damit zu verbringen, neue Ideen zu entwickeln und zu testen. Das Modell wurde später von Google unter dem Namen "Innovation Time Off" übernommen. Es hat unter anderem zur Erfindung von Gmail und der Werbeplattform AdSense geführt. Knapp die Hälfte der neuen Produkte von Google ist daraus hervorgegangen.
Quelle: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt.