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Die Volksliedsammlung aus dem Nachlass Maissen zeichnet sich insgesamt durch eine ausserordentlich grosse Vielfalt aus. Zahlreich sind Liebeslieder, Kinderlieder und Wiegenlieder. Aber auch andere Gattungen wie Soldatenlieder, Scherzlieder (heitere Lieder für die Jugendlichen), Burschenlieder für die Knabenschaften (die in der Surselva verbreiteten Cumpignia da mats), Tanzlieder oder brauchtümliches Liedgut wie Nachtwächterrufe, Fasnachtslieder, Dreikönigslieder, u.a. sind präsent. Dazu kommen geistliche Lieder, die bislang noch nicht aufgearbeitet worden sind und im Fonoteca-Archiv deshalb fehlen.
Die Sammlung aus dem Nachlass Maissen umfasst im Wesentlichen folgende vier Bestände:
1. Sammlung des Berner Sängers und Sammlers Hanns In der Gand, der ab 1931 im Auftrag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde (SGV) in der Surselva forschte und Aufnahmen machte. Es liegen zwanzig eingeschriebene Briefe mit Bündeln von Notenblättern vor, die In der Gand jeweils nach Basel verschickt hatte.
2. Sammlung Tumasch Dolf, dem wichtigsten Kenner und Sammler von romanischen Volksliedern. Kernstück sind handschriftlich verfasste Notenblätter zu rund 1'000 Liedern. Dolf begann seine Sammeltätigkeit 1913 im Auftrag des in Fribourg tätigen Universitätsprofessoren Caspar Decurtins und führte sie später im Auftrag der SGV weiter.
3. Aufnahmen von Gian Gianett Cloetta aus Bergün und aus zwei Engadiner Ortschaften. Die rund 300 Lieder beinhaltende Sammlung entstand ursprünglich aus eigenem Antrieb, wurde mit der Zeit dann von der SGV aktiv unterstützt und gefördert.
4. Sammlung Alfons Maissen, die im Rahmen des SGV-Mandats zwischen 1938 und 1944 entstand. Die ersten Aufnahmen wurden auf 100 doppelseitig bespielten Zelluloid-Platten festgehalten, dann erfolgte der Wechsel auf Magnetbänder, von denen 138 Stück vorliegen.
Aktuell keine Dokumente in Memobase.
Beschreibung
Weltliche Lieder aus der alltäglichen Singpraxis.
5'800 digitaleä; Audiodateien Zelluloid-Platten (100 Ex.), Magnetbänder (138 Ex.), handschriftlich verfasste Notenblätter mit Kommentaren (2'200 Ex.)
Die Sammlung umfasst sämtliche weltliche Lieder aus dem Nachlass Maissen. Der vorliegende Bestand an kirchlichen Liedern wurde nicht aufgearbeitet.
Das während Jahrzehnten erhobene und gesammelte Tonmaterial blieb zu Lebzeiten Maissens unveröffentlicht. In einem Projekt des Instituts für Kulturforschung Graubünden ikg, das von 2006 bis 2009 lief, bereitete der Churer Kantonsschullehrer und Musiker Iso Albin den gesamten Nachlassbestand an Liedaufnahmen sachgerecht auf. Er legte eine Datenbank an, in der die Gesangsaufnahmen mit den entsprechenden handschriftlichen Notenblättern sowie mit weiterführenden Informationen zu Form, Funktion, Verbreitung und Entstehungskontext verknüpft werden konnten. Das Projekt wurde von der Kulturförderung Graubünden, vom Dicziunari Rumantsch Grischun (DRG) und vom Legat Anton Cadonau unterstützt.
Das Überspielen sämtlicher historischer Tonmaterialien in digitale Audiodateien besorgte die Fonoteca Nazionale Svizzera in Lugano. Ermöglicht wurden diese Arbeiten durch die finanzielle Unterstützung von Memoriav.
Die seit 2011 über das Archiv der Fonoteca Nazionale Svizzera zugängliche Sammlung umfasst 5’800 Audiodateien und 2’200 Noten- und Textblätter.
Die Aufführungs- und Reproduktionsrechte an sämtlichen Tonmaterialien respektive Audiodateien liegen bei der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Basel.
- Iso Albin und Cristian Collenberg: Rätoromanische Volkslieder aus der mündlichen Tradition, SAGW-Heft III, 2011
- Iso Albin: 1500 romanische Volkslieder als kulturelles Erbe, in: Terra Grischuna 2/2011
- Iso Albin: 2000 Lieder, ein kulturhistorischer Schatz. Die Volksliedersammlung von Alfons Maissen, in: Bündner Monatsblatt 2008, Nr. 2, S. 91-115
- Publikation in Vorbereitung: Die Sammlung Maissen. Katalog mit 40 ausgewählten und kommentierten Liedern, dazu drei Expertenaufsätze, erscheint im November 2014 im Südostschweiz Buchverlag.