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Red. In einem Gastbeitrag erklärt René Berliat, worum es beim Play-Off-Modus geht. Der Unihockey-Cheftrainer der U21 von Floorball Köniz und frühere Nationalmannschafts- und NLA-Meistertrainer, tätig in einer typischen Play-Off-Sportart, sieht beim Fussball ungelöste Probleme und zeigt auf, warum die Einführung von eigentlich nicht richtigen Play-Offs im Fussball so viele Emotionen auslöst.
Schon vor der Einführung der Champions League gab es Clubs, die in Serie Meister wurden. Doch solche Meisterserien werden immer länger. Beispiele sind der FC Bayern München, der zehnmal hintereinander Meister wurde, oder der FC Basel, der achtmal hintereinander Meister wurde.
Immer weniger Vereine besitzen reelle Chancen, in eine Meisterschaftsentscheidung einzugreifen, geschweige denn siegreich daraus hervor zu gehen. Und oft sind die Meisterschaften schon mehrere Runden vor Schluss entschieden, weil der Erstplatzierte dermassen überlegen ist.
Einen wesentlichen Grund für diese Einseitigkeit sehe ich darin, dass die exorbitanten Gelder seit der Einführung der Champions League im Jahr 1991 wenig ausgewogen verteilt werden. Es geht um Antritts- und Preisgelder sowie um Werbemöglichkeiten und Spielerverkäufe, welche diesem Wettbewerb zu «verdanken» sind und einem daran teilnehmenden Verein riesige Vorteile auf unterschiedlichsten Ebenen verschaffen. Ein gut geführter Verein kann sich so durch zwei, drei Teilnahmen einen übermässigen finanziellen Vorteil gegenüber seinen Ligakonkurrenten erwirtschaften. Ab einem gewissen finanziellen Polster kann sich ein solcher Club fast nur noch selber schlagen.
Aus diesen Gründen sucht man nach Formaten, die eine Spannung bis zum Schluss versprechen. Zum Beispiel eben sogenannte Play-Offs.
Es müssen meines Erachtens Möglichkeiten gefunden werden, die nationalen Meisterschaften spannender zu gestalten: In den USA ist der Sport mit Profimannschaften so geregelt, dass Beschränkungen des Budgets («Salary Cap» bezeichnet den Maximalbetrag, den eine Mannschaft in einer Saison für Spielergehälter aufwenden darf) und jährliche Spielerdrafts der besten jungen Spieler eines Jahrgangs einen Effekt erzielen. Die Meisterschaft wird ausgeglichener und es kommt vermehrt zu Wechseln des Meisterteams. Ähnliche Regulierungen fehlen beim europäischen Fussballverband Uefa und seinen nationalen Verbänden oder sie sind wenig wirksam.
Mir ist klar, dass die Verhältnisse der USA nicht 1:1 auf Europa übertragbar sind. Aber es gäbe schon Regulierungsmöglichkeiten für eine gerechtere Verteilung des Geldstroms aus Europacupgeldern.
«Richtige» Play-Offs:
- Mehr als nur eine Best-of-Three-Serie. Denn das ist Nasenwasser. Erst bei einer Best-of-Five oder gar Best-of-Seven-Serie entsteht wirklich ein Play-Off Charakter und Stimmung.
- Die Partien in den Serien müssen mit wenigen Tagen Abstand zwischen den Spielen gespielt werden. Also mindestens alle 3, 4 Tage ein Spiel.
- Richtige Play-Offs beinhalten mindestens eine Halbfinal- und eine Finalserie, im Normalfall auch noch eine Viertelfinalserie.
- Die zeitlichen Abstände zwischen den Serien sind kurz zu halten.
Play-Offs im Fussball
- Wegen der langen Spielzeit von 90 Minuten sind die Belastungen in «richtigen« Play-Offs im Fussball kaum umzusetzen und zu verantworten.
- Offene Frage: Gibt es bei Unentschieden direkt ein Penaltyschiessen oder sogar noch eine Verlängerung?
- Im Fussball kann nicht fliegend gewechselt werden, nur fünfmal pro Spiel. Wahrscheinlich müssten sich Fussballvereine fast zwei Mannschaften halten und dann von Spiel zu Spiel wechseln, um damit die Belastung der Spieler über mehrere Spiele gut verteilen zu können.
Fazit: Entweder im Fussball «richtige» Play-Offs einführen oder dann darauf verzichten. Was jetzt eingeführt werden soll, sind zumindest in meinen Augen keine wirklichen Play-Offs.
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PS. Es gäbe im Fussball Sinnvolleres zu verändern als Play-Offs und Finalspiele einzuführen, beispielsweise die Spielzeit auf 60 Minuten zu beschränken, sie aber effektiv zu messen wie im Eishockey. Damit könnte Mühsames wie Spielen auf Zeit, simulierende Spieler usw. vermieden werden.
Bereits fast 50‘000 Unterschriften gegen die Play-Offs
Red. «Zuerst eine ganze Meisterschaft spielen und dann in drei Partien den Meistertitel bestimmen, das ist einfach unsportlich»: Mit dieser Begründung gehört der ehemalige Fussballprofi und Trainer Andy Egli zu den Erstunterzeichnern einer Online-Petition mit dem Namen «Gegen Play-Offs im Schweizer Fussball». Die Petition fordert, dass die SFL-Klubs an ihrer anstehenden Generalversammlung vom 11. November «auf ihren Entscheid in Sachen Playoffs zurückkommen, die Playoffs kippen und sich stattdessen für ein Modell entscheiden, mit dem ein Kern an Tradition und Fairness im Schweizer Fussball gewahrt wird».
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Der Gastautor ist Unihockey-Cheftrainer der U21 von Floorball Köniz und war Nationalmannschafts- und NLA-Meistertrainer.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.