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Die Ausflüge mit dem Dieselzug Richtung Osten (V.R.S.Antonio) vom Donnerstag und nach Westen vom Freitag nach Faro waren interessant und aufschlussreich.
V.R.S.Antonio: Auf der „Linha do Algarve“ mit dem Dieselzug (bis 110 km/h) brachte uns in knapp einer halbe Stunde an die Spanische Grenze zwischen V.R.S.Antonio und Ayamonte.
Noch 1991 mussten wir den Guadiama von Ayamonte herkommend mit der Fähre überqueren. Heute hat es weiter oben eine moderne Hängebrücke. Zwar verkehren zwischen diesen Städten noch immer Passagierfähren – doch nur noch selten. Das Hafengelände wurde abgerissen und einzelne währschafte, alte Hotels an der „Avenida da Republica“ stehen zum Verkauf.
Marquês de Pombal, seinerzeit Premierminister des Königs Josè I liess in nur fünf Monaten 1774 hier eine neue Stadt erbauen : Vila Real – die königliche Stadt. Um den ursprünglichen Ort nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wählte der Marquês den Namen „Vila Real de Santo Antonio“ für diese schachbrettartige Stadt am westliche Ufer des Grenzflusses „Guadiama“ welche nach dem grossen Erdbeben vom 1. November 1755 anstelle des früheren Fischerstädtchens wieder aufgebaut wurde.
Heute wirkt diese Einkaufs- und Touristen-Stadt herausgeputzt. Ueberall werden sogar Hauptverkehrsachen gepflästert und Verkehrsfrei gemacht. Dort ziehen dann kleinere und grössere Läden ein welche Lederwaren oder Kleider anbieten die meistens von Chinesen betrieben werden.
Auffallend viele Strassenkaffees unterschiedlicher Proviniez werden noch von Einheimischen geführt. Da ist ein Original englischer Pub, dort eine Italienische Pizzeria oder eine deutsche Bierhalle vertreten, alle zum Wohle der entsprechenden Gäste. Für Camper hat es direkt am früheren Hafen einen riesengrossen, ungeplästerten Stellplatz.
Faro ist eine weitere Stadt an der Algarve mit etwa 45‘000 Einwohnern, einem internationalen Flughafen und zwei Universitäten.
Die ursprünglich phönizischen Siedlung – welche zeitweilig auch von den Griechen genutzt wurde – entstand in römischer Zeit das Oppidum Ossonoba. Aufgrund seines Hafens und der Nähe zu reichen Fischgründen wurde es zu einem wichtigen Handelsplatz für Wein, Öl und Produkte der Fischverarbeitung. Bekannt durch das Garum (gepökelten Fisch) wurde Faro in der gesamten antiken Welt bekannt. 418 zogen die Westgoten siegreich ein und nannten die Stadt von nun an „Santa Maria“.
Dann kamen 713 die Arabern, von denen auch heute noch viele Spuren zeugen. Sie nannten den Ort Hárune, wovon der heutige Name abgeleitet ist. Bakr ibn Yahya gründete eine Dynastie, die von 875 bis 931 vom befestigten Faro aus die ganze Algarve mit seinem Fürstenhaus beherrschte.
1217 plündern Kreuzritter während der Reconquista die Stadt. Sie schnitten Faro von seinem Hinterland ab und eroberten unter dem portugiesischen König Afonso III die Stadt im Jahr 1249.
Dank der Druckerei der jüdischen Gemeinde erschienen im 15. Jahrhundert die ersten in Portugal gedruckten Bücher. Erst 1540 erhielt Faro das Stadtrecht. 1577 wurde der Bischofssitz von Silves nach Faro verlegt.
Der Earl of Essex „Robert Devereux“ liess bei seinem Feldzug gegen das spanische Cádiz im Juli 1596 die Stadt von seiner 3‘00 Mann zählenden Truppe plündern und brandschatzen.
Nur die Kirchen Miséricórdia und São Pedro blieben unversehrt. Die wertvolle Bischofsbibliothek gelangte als Beutekunst schliesslich nach Oxford. 1755 verwüstete das grosse Erdbeben auch Faro. Infolge dessen wurde nur 1 Jahr später 1756 der Regierungssitz des Königreiches Algarve von Lagos ins weniger zerstörte Faro verlegt. Erst seit 1979 verfügt die Stadt über eine eigene Universität.
Die Frühlingssonne direkt an der Mauer hinter der Kathedrale bescherte bei uns beiden während dem Mittagessen den ersten Sonnenbrand und einem in der gekühlten Vitrine – direkt neben uns – die letzte Oelung. Der gebratene Fisch „Ole“ wurde vor unseren Augen fachgerecht entgratet und anschliessend mit Kartoffeln serviert. Mmh.
Der anschliessende „Capucino“ im Hafen-Kaffee rundete unsere Besichtigungstour von Faro ab. Die dreiviertelstündige Hinreise war auf der Rückreise noch 10 Minuten länger.
Erst als wir den Zug verlassen haben bemerkten wir, dass der Lockführer offenbar mit angezogener Handbremse fuhr. Damit war er immer noch mit gemessenen 30 km/h schneller als wir zu Fuss erreichen konnten. Oder hat vielleicht der Heizer in der Dieselloki gestreikt?