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Der als Profi noch ungeschlagene Faustkämpfer aus Pratteln mit kosovarischen Wurzeln stand bislang noch keinem Boxer vom Format des “Heumachers” gegenüber, auch wenn sich Gjergjaj schon den Titel eines “Europameisters der Nicht-EU-Staaten” erkämpft hatte.
Der frühere Cruiser- und Schwergewichts-Weltmeister Haye (1,91 m) hatte sich im Januar mit einem K.o.-Sieg in der ersten Runde gegen den zuvor in 33 Profikämpfen nur einmal besiegten Australier Mark De Mori nach dreieinhalbjähriger Verletzungspause erfolgreich zurückgemeldet. Für De Mori benötigte Haye vor 16’000 Zuschauern nur gerade 121 Sekunden Kampfzeit für den Sieg. 2009 hatte Haye in seinem bis dahin bedeutendsten Kampf im Schwergewicht den damaligen russischen WBA-Champion Nikolai Walujew (2,13 m) über zwölf Runden klassisch ausgeboxt und sich vorübergehend den WBA-WM-Gürtel umgeschnallt.
Haye ist einer der schillerndsten Boxer von Grossbritannien. Der mittlerweile verheiratete Frauenheld und Vater eines Sohns (Cassius) setzt sich gerne mit Geschmacklosigkeiten in Szene. Als Provokation trug David Haye vor ein paar Jahren an diversen Medienkonferenzen ein T-Shirt, das ihn die beiden abgetrennten Köpfen der Brüder Wladimir und Witali Klitschko in der Hand haltend in Siegerpose zeigte. An einer anderen Medienkonferenz 2012 war Haye als TV-Experte anwesend, als er sich unvermittelt mit Witali Klitschkos unterlegenem WM-Herausforderer Dereck Chisora prügelte.
Für den schnell schlagenden Haye (27:2 Siege, 25 vorzeitig) soll Gjergjaj (29:0, 21) nun die letzte Hürde auf dem Weg zu einem neuerlichen WM-Kampf sein, diesmal nach IBF-Version. Haye bezeichnet Gjergjaj denn auch als sein “nächstes Opfer”. “Einen Gegner mit einer Zu-Null-Bilanz k.o. zu schlagen ist ein besonderer Reiz. Man darf einen weiteren explosiven Knockout von mir erwarten”, kündet Haye an.
Für Gjergjajs Trainer und Manager Angelo Gallina ist nicht “Angst, aber Respekt” vor Haye angebracht. Etwas forscher tönt Gjergjaj selbst: “Dieser Kampf vor grosser Kulisse bedeutet eine Riesenmotivation für mich, einer grossen Welt mein Können zu zeigen. Mein Ziel ist klar: Ich will ungeschlagen bleiben. Und bei allem Respekt vor David Haye: Seine Zeit ist abgelaufen.”
Die Möglichkeit, dass Haye seinen kommenden Gegner unterschätzt, ist vorhanden. Zumindest ist dies bei zahlreichen britischen Boxfans der Fall. In vielen Blog-Einträgen nach der Kampfankündigung wird Gjergjaj als “unbekannt” und trotz seinem makellosen Kampfrekord als “leichte Beute” für Haye betrachtet, “vielleicht wird er gar noch überforderter sein als De Mori”, mutmassen mehrere britische Boxkenner.
Der Schweizer Verbandspräsident Andreas Anderegg war einst selbst Schwergewichts-Profiboxer und als solcher vom ehemaligen Trainer von Muhammad Ali, Angelo Dundee, trainiert worden. Anderegg sagt: “Der Fight ist aus Schweizer Sicht natürlich eine grosse Sache. Ich bin überzeugt, dass Gjergjaj eine Aussenseiter-Chance hat und gut aussehen kann. Es wird viel davon abhängen, wie er die Startphase übersteht.”
Haye möchte nach einem Sieg über Gjergjaj in diesem inoffiziellen WM-Ausscheidungskampf den Gewinner des Duells zwischen Charles Martin (USA/IBF-Titelträger) und dem favorisierten Herausforderer und Superschwergewichts-Olympiasieger Anthony Joshua aus England herausfordern. Martin und Joshua stehen sich bereits am 9. April ebenfalls in der Londoner O2-Arena gegenüber.
Den WBC-Gürtel hält der Amerikaner Deontay Wilder. WBA-Super- und WBO-Schwergewichts-Weltmeister ist der aktuell am höchsten einzustufende Brite Tyson Fury, dessen Rückkampf gegen den langjährigen Champion Wladimir Klitschko noch nicht terminiert ist. Gegen den mittlerweile 40-jährigen Ukrainer hatte Haye 2011 nach Punkten klar verloren. Gegen Fury liess Haye in früheren Jahren Kampftermine wegen wiederholten Verletzungen platzen.
Mit Fury und Klitschko hat Gjergjaj schon zahlreiche Sparringsrunden hinter sich. Gegen Haye stand Gjergjaj dagegen auch im Training noch nie im Ring. Trainer und Manager Angelo Gallina will keine Angaben zur wohl sicheren persönlichen Rekordbörse von Gjergjaj machen. “Die Börse für Arnold deckt auf Fälle bei weitem nicht die zusammengerechneten Ausgaben seiner bisherigen Karriere in der Höhe von rund 800’000 Franken.”
(SDA)