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Thuner Burger waren 1830/31 nicht nur mit Blick auf Bern aktiv, sie wollten auch die politischen Verhältnisse in Thun verändern. Die Ausführungen von Carl Friedrich Ludwig Lohner deuten auf einen Machtkampf unter den Burgern hin. Nach Lohner wollte ein Teil der Thuner Burger die «aristokratische Stadtverfassung und Venner und Räthe», die diese unzufriedenen Burger von den Stadtgeschäften ausschlossen, beseitigen, um eine «demokratische Stadtverfassung» zu etablieren.11 Auch Oberamtmann Bernhard Alexander Steiger konstatierte in seinem Bericht an die Berner Regierung eine starke Unzufriedenheit bei «einer Classe der Burgerschaft».12 Diese Burger wollten inskünftig mitbestimmen. Freilich hatten sie nicht die politische Emanzipation aller Einwohner Thuns im Sinn. In einem Ende 1830 an den Grossen Stadtrat von Thun gerichteten Memorial trachteten sie vielmehr danach, die politischen Rechte exklusiv für sich zu bewahren, so wie es auch die Stadtberner Burger zu tun versucht hatten. Im «Vorbericht» zur neuen burgerlichen Verfassung von 1831 hiess es, dass ein «bedeutender Theil der Burgerschaft» die Zeichen der Zeit erkannt habe und die Stadtorganisation und das Wahlsystem reformieren wollte. Die «Missverständnisse» zwischen diesem Teil der Burger und ihren Behörden – also der sie regierenden Männer – sollten beseitigt werden.13 Die Burger forderten im Wesentlichen das Wahlrecht für die gesamte Burgerschaft, die Reform der Behörden und die Rechnungslegung vor einer als politisches Organ konstituierten Burgergemeinde, der Versammlung der ehren- und stimmfähigen Burger.
Erste Seite aus der Abschrift der kurzlebigen burgerlichen «Verfassung für die Stadt Thun» von 1831. Die Vorrede schildert die Entstehungsgeschichte der Verfassung von
der Einreichung des Memorials der Burgerschaft bis zur Verabschiedung der Verfassung durch die Versammlung der Burgergemeinde.
Der Grosse Stadtrat beratschlagte das Memorial am 29. Dezember 1830 sowie am 3. Januar 1831. Er setzte einen Ausschuss ein, der zusammen mit einer Vertretung der Burgerschaft den Entwurf einer neuen Stadtverfassung ausarbeitete, den die Versammlung der Burgergemeinde im März 1831 verabschiedete. Künftig sollte die Exekutive, die so genannte Stadtverwaltung, 31 Mitglieder umfassen und von der Burgergemeinde gewählt werden. Diese Wahl fand am 15./16. März 1831 statt; zum Präsidenten der Stadtverwaltung wurde Carl Friedrich Ludwig Lohner gewählt.14