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«Es war keine Schnapsidee», sagt André Perler lachend auf die Frage der FN, wie er auf das Thema gekommen sei, und fügt hinzu: «Meine Professorin hatte die Idee für die Masterarbeit.» Der Wünnewiler beschäftigt sich in seiner Masterarbeit in Dialektologie mit der Frage, was für Begriffe die Senslerinnen und Sensler benützen, wenn sie sich betrinken oder betrunken waren.
Die Sturny Anna
Seine Arbeit widmet sich der Phraseologie, einer Disziplin der Sprachwissenschaft. Sie untersucht Wortverbindungen und beobachtet, was für Bedeutungen daraus entstehen, wenn gewisse Wörter zusammen auftreten. In Bezug auf sein Thema gebe es beispielsweise im Senslerdeutschen die Redewendung «Sturnys Änni im Grinn ha» für Betrunkensein. Wahrscheinlich habe es ursprünglich bedeutet «eine Sturmheit im Kopf» zu haben, doch im Sensebezirk sei plötzlich die Sturny Anna ins Spiel gekommen. «Vermutlich hat jemand den Sensler Nachnamen ‹Sturny› verstanden und so den Spruch verändert.» Diese sprachlichen Entwicklungen wecken in ihm die Begeisterung und auch die Motivation, Redewendungen auf den Grund zu gehen. Zudem ist er neben dem Studium als Mundart-Redaktor bei Radio SRF tätig. «Dialekte und Sprachen sowie ihre Entwicklungsgeschichten faszinieren mich.» Im Rahmen seiner Arbeit will Perler herausfinden, ob zwischen den Generationen und Regionen im Sensebezirk Unterschiede oder Gemeinsamkeiten in der Art bestehen, wie sie das Trinken oder Betrunkensein betiteln. Dazu befragt er Personen aus dem Sensebezirk, aus angrenzenden Gebieten und aus weit entfernten Landesteilen. Alle zusammen müssen sie Redewendungen bewerten mit «Kenne ich» oder «Kenne ich nicht». Damit er auch den Fragebogen mit genügend Begriffen füllen kann, ist er seit einiger Zeit auf der Suche nach allerhand Metaphern (siehe Kasten). Bis zum Herbst will Perler seine Arbeit beendet haben. Der Student bezweifelt, dass man von der Sprache auf die Kultur Rückschlüsse ziehen kann. «Ich glaube nicht, dass es im Sensebezirk zwingend mehr Ausdrücke für den Alkoholkonsum gibt als in anderen Regionen oder Dialekten. Und das ist spannend.»
«Übermässiger Alkoholkonsum gilt als Tabuthema. Wenn Leute nicht gerne offen darüber reden, umschreiben sie es.»
André Perler
Mundart-Redaktor bei Radio SRF
Tabuthema oder Blöff?
Wann die Sprüche und Bezeichnungen einst entstanden sind, könne er sich nicht erklären. «Ich glaube jedoch fest daran, dass Personen die Redewendungen vor oder nach dem Alkoholkonsum erfunden haben.» Besonders die Begriffe für den betrunkenen Zustand seien aus einer «Katerbeschäftigung» heraus entstanden, ist Perler überzeugt. Noch heute würden ständig neue Ausdrücke erfunden, was er besonders bei Gruppen von Jungen beobachtet habe. «In unserem Fussballkreis haben wir eigene Metaphern für lange Nächte, die wohl andere nicht verstehen würden, weil sie aus Insiderwitzen entstanden sind.»
Doch wieso braucht es dafür überhaupt eine Metapher? «Übermässiger Alkoholkonsum gilt als Tabuthema. Wenn Leute nicht gerne offen darüber reden, umschreiben sie es», erklärt der Student. Allerdings würden viele Metaphern für den Alkoholkonsum oder den Zustand der Betrunkenheit Superlativen enthalten. «Die Jugendlichen wollen nach einer langen Nacht die Erlebnisse skandalisieren oder auch damit angeben. So waren sie nicht einfach betrunken, sondern sturzbetrunken.» Eine letzte Hypothese von Perler ist jedoch das Gernhaben. «Für Menschen oder Tiere, die uns wichtig sind und die wir gerne haben, erfinden wir Spitznamen. Ich denke, beim Alkohol geht es in die gleiche Richtung», sagt er mit einem lauten Lachen.
Forschungsprojekt
Auf der Suche nach Sensler Begriffen
«A Täägger lade», «a Zinober ha», «ììs ga lüpfe»: Diese und noch viele weitere Metaphern, Redewendungen und Sprüche sammelt André Perler für seine Masterarbeit. Er befasst sich mit der Frage, inwiefern sich die Bezeichnungen für die Tätigkeit «trinken» und den Zustand «betrunken sein» zwischen Generationen und Regionen im Sensebezirk unterscheiden. André Perler ruft Senslerinnen und Sensler auf, ihm die Begriffe und Bezeichnungen, die sie selber verwenden, bis Ende März zu senden – jeweils unter Angabe von Alter und dem Ort, wo sie aufgewachsen sind.
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