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Zielrichtung aus Nachhaltigkeitssicht
Boden ist ein nicht erneuerbares und begrenztes Gut. Der Verbrauch an unbebautem Boden für die Siedlungsentwicklung und die Entwicklung der Verkehrsinfrastrukturen soll entsprechend eingedämmt und die Siedlungsentwicklung nach innen weiterverfolgt werden. Der Richtplan setzt die Grösse des Siedlungsgebiets mit einem Planungshorizont bis 2040 fest. Ein sorgsamer Umgang mit dem Boden erfordert eine Verlangsamung der Bodenversiegelung durch den Bau von Gebäuden, Strassen und weiteren Infrastrukturen innerhalb des Siedlungsgebiets aber auch im Kulturland sowie in Naturräumen. Die Höhe des Wohnflächenbedarfs pro Person, Mobilitätsbedürfnisse aber auch die Art der Nahrungsmittelproduktion haben einen Einfluss auf den Bodenverbrauch. Überbaute Flächen führen zu einem Verlust an naturnahen Landschaften und Lebensräumen sowie von landwirtschaftlichen Flächen und zu Beeinträchtigungen des Wasserhaushalts.
Der Bodenverbrauch wird anhand des Verhältnisses zwischen der flächenmässigen Entwicklung der Bauzonen im Vergleich zu überbauten Bauzonen sowie anhand des Verhältnisses zwischen Bevölkerungswachstum und Wachstum an überbauten Wohn- und Mischzonen gemessen.
Stand Bodenverbrauch durch Siedlungsentwicklung 2020
Der folgende Text beschreibt den Stand der Indikatoren U1.1 (2000–2019) und U1.2 (2000–2019)
Die Bauzone im Kanton Aargau umfasste per Ende 2019 20'594 Hektaren und ist seit 2014 mit geringen Schwankungen konstant. Dies aufgrund der Übergangsbestimmung zum revidierten Raumplanungsgesetz (Einzonungsmoratorium) und anschliessend durch den neuen Richtplan (2017). 2019 waren 89,2 Prozent der Bauzone überbaut, im Jahr 2014 waren es 87 Prozent. Die Ballungsgebiete in den Räumen Aarau und Baden wiesen 2019 einen Überbauungsgrad von mehr als 90 Prozent auf. Unterdurchschnittlich, mit weniger als 86 Prozent ist der Überbauungsgrad im Wynental, Zurzibiet und im Fricktal. Seit 1999 betrug der Zuwachs an überbauter Bauzone durchschnittlich 126 Hektaren pro Jahr. Somit wurde im Kanton Aargau jeden zweiten Tag die Fläche in der Grösse eines Fussballfelds (ca. 7'000 Quadratmeter) überbaut. Dies insbesondere auf Kosten der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die im Jahr 2019 verbliebenen 2'217 Hektaren Bauzonenreserven liegen zu 60 Prozent in der Wohn-, Misch- und Zentrumszone (BVU 2020).
Der Zuwachs der Bevölkerung steigt stärker an als der Zuwachs an überbauter Wohn- und Mischzone. Der Trend zur Entkoppelung des Bevölkerungswachstums von der Zunahme an überbauter Wohn- und Mischzone hat sich weiter verstärkt. Diese Tendenz zeigt sich auch bei der Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner die auf einer Hektare überbauter Wohn-, Misch- und Zentrumszonenfläche leben. Diese hat sich von 47 im Jahr 2010 auf 49 im Jahr 2017 erhöht. Diese Zunahme der Bevölkerungsdichte ist in Kernstädten und urbanen Entwicklungsräumen grösser als in ländlichen Gebieten (BVU 2019). Dies deutet darauf hin, dass eine höhere Einwohnerdichte vor allem über Neubauten erreicht wird. Bei bestehenden Gebäuden, wie beispielsweise bei Einfamilienhäusern, ist eine Steigerung der Einwohnerdichte schwieriger zu erreichen. Der Aargau weist 2018 mit 77 Prozent Einfamilienhäusern bezogen auf die Gebäude mit reiner Wohnnutzung gemeinsam mit den Kantonen Solothurn und Basel-Landschaft schweizweit die drittgrösste Einfamilienhausquote auf (BFS 2019b). Gebremst wird die Zunahme der Einwohnerdichte zudem im ländlichen Gebiet durch die Überalterung, im städtischen Raum durch neue Lebensformen mit tendenziell kleineren Haushaltsgrössen. Spreitenbach (111 Einwohnende pro Hektar), Neuenhof (97 Einwohnende pro Hektar), Wettingen (75 Einwohnende pro Hektar) und Baden (73 Einwohnende pro Hektar) gehörten 2017 zu den dichtest bewohnten Gemeinden des Aargaus. Ländliche Entwicklungsräume weisen demgegenüber eine Dichte von durchschnittlich 38 Einwohnenden pro Hektar auf (BVU 2019).
In der schweizweiten Arealstatistik wurde im Kanton Aargau 2015 pro Einwohnerin und Einwohner eine überbaute Siedlungsfläche von 366 Quadratmeter ausgewiesen. Erhoben wurden die Kategorien Industrie- und Gewerbeareal, Gebäudeareal, Verkehrsflächen sowie besondere Flächen. Die für diese Kategorien genutzte Fläche pro Einwohnerin und Einwohner hat im Laufe der vier Erhebungen im Aargau kontinuierlich abgenommen. Im Jahr 1982 betrug sie im Aargau noch 398 Quadratmeter. Dieser Trend ist im schweizweiten Vergleich bei städtisch geprägten Kantonen festzustellen, während dem die überbauten Siedlungsflächen auf die Einwohner bezogen in ländlichen Kantonen weiterhin zunehmen (BFS 2019a). Schweizweit liegen 37 Prozent aller Siedlungsflächen ausserhalb der Bauzonen. Analysen zeigen, dass ausserhalb der Bauzonen weiterhin viel Land neu bebaut wird, im Vergleich zu den 1980er-Jahren und vor allem zu den 1990er-Jahren aber etwas weniger. Der Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass weniger Fläche für den Verkehr zugebaut wurde als früher. Landwirtschaftliche Gebäude ausserhalb der Bauzonen verbrauchen hingegen stetig mehr Boden (ARE 2019).
Indikator U1.1: Bauzone und überbaute Bauzone Aargau
Der Indikator zeigt die bisher überbauten und die totalen Bauzonen. Als Bauzonen gelten Wohn- und Mischzonen, Industrie- und Gewerbezonen, Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen sowie Grün- und Spezialzonen.
Die Bauzonenreserven sollen möglichst langsam und flächeneffizient genutzt werden.
|langfristig (seit 2000), Bauzone||positiv|
|langfristig (seit 2000), überbaute Bauzone||negativ|
|kurzfristig (seit 2016), Bauzone||positiv|
|kurzfristig (seit 2016), überbaute Bauzone||positiv|
Bauzone und überbaute Bauzone Aargau, 2000–2019
Aktualisierung Daten 2022
|langfristig (seit 2000), Bauzone||positiv|
|langfristig (seit 2000), überbaute Bauzone||negativ|
|kurzfristig (seit 2016), Bauzone||positiv|
|kurzfristig (seit 2016), überbaute Bauzone||positiv|
Bauzone und überbaute Bauzone Aargau, 2000–2021
Indikator U1.2: Entkoppelung Wachstum Bevölkerung und Wachstum überbaute Wohn- und Mischzone, Aargau
Der Indikator zeigt das indexierte Wachstum der Bevölkerung im Vergleich zum Zuwachs an überbauten Wohn- und Mischzonen, die ca. 70 Prozent der gesamten Bauzonen ausmachen.
Das Bevölkerungswachstum soll sich entkoppeln.
|langfristig (seit 2000)||positiv|
|kurzfristig (seit 2016)||positiv|
Entkoppelung Wachstum Bevölkerung und Wachstum überbaute Wohn- und Mischzone, Aargau 2000–2019
Aktualisierung Daten 2022
|langfristig (seit 2000)||positiv|
|kurzfristig (seit 2016)||positiv|
Entkoppelung Wachstum Bevölkerung und Wachstum überbaute Wohn- und Mischzone, Aargau 2000–2021
Herausforderungen für das Thema Bodenverbrauch durch Siedlungsentwicklung
- Die Siedlungsentwicklung nach innen, welche ganzheitlich geplante Siedlungen mit hoher Wohnqualität erfordert, nimmt weiter zu. Gründe dafür sind das anhaltende Bevölkerungswachstum sowie die Vorgaben des Richtplans zur Festlegung der Grösse des Siedlungsgebiets (BVU 2019).
- Im Kanton Aargau werden die Entwicklungsschwerpunkte gemäss Richtplan, die urbanen Entwicklungsräume, die Kernstädte und ländlichen Zentren als die Motoren der Wirtschaftsentwicklung betrachtet. Die Konzentration der Wertschöpfung in diesen definierten Zentren ist auch künftig zu verfolgen.
- Die anspruchsvolle Umnutzung bestehender Gebäude, der hohe Wohnflächenbedarf im ländlichen Raum, sinkende Haushaltsgrösse und das stetige Bevölkerungswachstum stellt die Siedlungs- und Bodenpolitik vor grosse Herausforderungen.
- Trotz zunehmender Innenentwicklung in den Siedlungen geraten wertvolle Landschaften und Lebensräume weiter unter Druck. Dies aufgrund des überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstums, der Zunahme des Erholungsdrucks aber auch durch bauliche Entwicklungen ausserhalb der Bauzonen.
|langfristig (seit 2000), Bauzone||positiv|
|langfristig (seit 2000), überbaute Bauzone||negativ|
|kurzfristig (seit 2016), Bauzone||positiv|
|kurzfristig (seit 2016), überbaute Bauzone||positiv|
Der Indikator zeigt die bisher überbauten und die totalen Bauzonen. Als Bauzonen gelten Wohn- und Mischzonen, Industrie- und Gewerbezonen, Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen sowie Grün- und Spezialzonen.
Die Bauzonenreserven sollen möglichst langsam und flächeneffizient genutzt werden.
Quellen
|Mitarbeit|
|Referenzen||

Für das Thema "Bodenverbrauch durch Siedlungsentwicklung" relevante SDGs der Agenda 2030
Spotlight Klima
Siedlungsqualität auch positiv für das Klima
"Innenentwicklung mit Qualität ist eine zentrale Aufgabe der Raumplanung. Das erwartete Wachstum der Bevölkerung und Arbeitsplätze soll im bestehenden Siedlungsgebiet Platz finden. So kann die Zersiedelung nachhaltig gestoppt werden. Qualitativ hochwertige Innenentwicklung verlangt Siedlungsqualität. Sie hat viele direkte Bezüge zu Klimaschutz und Klimaanpassung: Grüne Freiräume mit hohen Bäumen, schattige Plätze, Retention des Regenwassers in der Siedlung für Bewässerung und Befeuchtung der Luft; Entsiegelung des Bodens zur Kühlung und Versickerung von Regenwasser; Positionierung von Bauten im Hinblick auf die Durchlüftung des Siedlungskörpers und die Vermeidung von Hitzeinseln."
BVU, Abteilung für Raumentwicklung
Der Klimawandel ist eine der wichtigsten Herausforderungen die ein nachhaltiges Handeln fordert. Die Spotlights-Klima beleuchten aktuelle Herausforderungen oder laufende Projekte in Zusammenhang mit dem Klimawandel aus Sicht der kantonalen Verwaltung.
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