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«Rumble» heisst so viel wie ein Donnergeräusch oder Aufruhr, eine physische Auseinandersetzung. All dies passt zum instrumentalen Stück, das der Gitarrist Link Wray 1958 auf die jungen Leute der USA losliess.
Ein «primitives» Stück, das zum Hit wurde
Zwei Minuten 25 Sekunden primitive Power, ein rauer Sound, ein einfacher Beat, der insistierend und tanzbar war. Das missfiel einigen Radio-Programmatoren der damaligen Zeit. «Rumble», Link öffnet in einem neuen Fenster wurde in Boston und New York auf den Index gesetzt – das Stück könnte junge Leute zum Aufruhr verführen.
Dennoch wurde das Stück gehört. Es wurde sogar gern gehört. «Rumble», dieses vermeintlich primitive Stück, wurde zum riesigen Hit und kam auf Platz 16 der US-Hitparade. Auch in England traf das Stück auf offene Ohren und sollte kommende Musiker-Generationen nachhaltig beeinflussen.
Ein aussergewöhnlicher Klang
Link Wray und seine Ray Men schrieben in der Tat Geschichte – mit einer Gitarre im Zentrum. Erstmals wurde der Klang des Instruments verzerrt, mit Effekten versetzt. Hier wurde der Power-Akkord erfunden, das stilistische Mittel, das in den 1960er-Jahren unzählige Bands wie zum Beispiel The Who oder Led Zeppelin verwendeten.
Hörbare Wurzeln
Urheber dies Stücks war Link Wray selbst, ein 29-jähriger Gitarrist aus Arizona mit indianischen Wurzeln. Seine Vorfahren waren Shawnee. Wer dies wusste und genau hinhörte, entdeckte bei «Rumble» mehr als nur diese aufsehenerregende Gitarre, die die ganze Wut seines Volkes zu kanalisieren schien.
Dahinter hörte man – ohne die Fantasie gross anstrengen zu müssen – einen bluesigen Beat, der sich mit einem anderen Element zu mischen scheint, dem Rhythmus indianischer Tänze. Wray verbarg seine Herkunft nicht: Kommende Stücke hiessen «Apache», «Comanche» oder «Shawnee».
Versperrte Wege für Native Americans
Link Wrays Leben scheint in einigem typisch für Musikerinnen und Musiker mit indianischen Wurzeln. Man hatte kurzfristig Erfolg. Man hatte auch grossen musikalischen Einfluss – aber den wenigsten gelang eine nachhaltige Karriere. Zu gross schien der Kampf um eine Position in einer Gesellschaft, zu übermächtig die Dämonen, die diese Musikerinnen ihrer Herkunft wegen zu überwinden hatten.
So etwa der überbegabte Gitarrist Jesse Ed Davis, der in den frühen 1970er-Jahren von den Rolling Stones und Eric Clapton mit offenen Armen empfangen wurde, dann aber mit 44 an einer Überdosis starb. Oder Buffy Sainte-Marie, deren Stück «Universal Soldier», Link öffnet in einem neuen Fenster zu den Klassikern des Protestsongs gehört, die aber von der Industrie boykottiert wurde. Oder aber jener Link Wray, der einen Welthit schrieb, später weitab von der Heimat und seinen Kindern in Dänemark an einem Herzinfarkt starb.
«Sei stolz, aber vorsichtig»
Einer der wenigen Musiker mit indianischen Wurzeln, der eine gute Karriere gehabt hat, ist Robbie Robertson. Der kanadische Gitarrist der legendären «Band» von Bob Dylan erinnert sich an den Rat, der ihm seiner Familie gegeben wurde: «Sei stolz drauf, ein Indianer zu sein. Sei aber vorsichtig, wem du das sagst.»
Unbekannte Musikgeschichte
Robertson ist eine der vielen Stimmen, die in diesem Dokumentarfilm zu hören sind. Dazu gesellen sich Iggy Pop, Taj Mahal, Little Steven und unzählige mehr. Wichtig ist der unerwartete historische Blick, den «Rumble» bietet.
Wer wissen will, warum sich am Karneval in New Orleans Schwarze in ein Indianerkostüm schmeissen, wird es in diesem Film erfahren, der einen eindringlichen, auch unerwarteten Blick auf eine längst erkundet geglaubte Geschichte wirft.
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