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Schlank und energisch, mit offenem Blick und immer einem Lächeln im Gesicht: Das ist der 25-jährige Jassim. Jassim wurde erwachsen, als der Krieg begann.
Als er an der Uni zu studieren begann, schien es, als wäre das Leben in Syrien sicher. Und das für eine lange Zeit. Die junge Generation hoffte damals auf eine gute Zukunft, einen besseren Lebensstandard und mehr Freiheiten, als ihre Eltern das jemals kennen lernen durften. Jassim und seine Freunde bewarben sich um einen der hart umkämpften Plätze an der Uni. Ihr Leben lag vor ihnen und bot ihnen doch so viele Möglichkeiten.
Dann, als Jassim mit dem Studium begann, kam es in Syrien zu den ersten Aufständen. Das Land wurde ab dort noch von Gewalt regiert. In der Hoffnung auf einen guten Job, verliess Jassim 2011 Syrien und ging in den Libanon.
„Es war hart“, so Jassim. „Du kommst an einen Ort, an dem du niemanden und nichts kennst. Du bist und bleibst ein Fremder. Die Libanesen haben mich nicht akzeptiert, und mein Studium hat mir gar nichts genützt.“
Jassim lebt im Libanon auf einem alten, verfallenen Bauernhof, zusammen mit 16 anderen Familien. Die Mauern sind aus rohem Stein, das Dach ist nur mit Blech notdürftig abgedeckt. „Im Sommer ist das hier ein Backofen, im Winter ein Gefrierschrank“, sagt Jassim. 200 Dollar kostet das Zimmer im Monat, und das raubt Jassim jede Nacht den Schlaf, denn er kommt kaum über die Runden und hat das Geld nicht. „Ich würde alles tun, wenn ich nur einen Job fände. Egal, ob auf der Baustelle oder auf dem Feld. Ich würde alles tun!“, sagt er mit Nachdruck.
Aber es sieht nicht gut aus für Jassim. Die Sorge um die Miete macht ihn nervös, mehr noch, als die Sorge darüber, ob er genug zu Essen bekommt.
Anfang des Jahres heiratete Jassim sein grosse Liebe, die Nachbarstochter Ghalia. Er will ihr ein sicheres Leben bieten. Und das bereitet ihm massiven Druck – sie brauchen ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch und er weiss nicht, wie er das bewerkstelligen soll.
Einen Job zu finden, ist die grösste Herausforderung für syrische Flüchtlinge im Libanon. Durch die Flüchtlinge ist die Arbeitslosigkeit im Land mittlerweile auf 20 Prozent angewachsen. Das internationale Caritas-Netzwerk bietet den Flüchtlingen Kurse in Handarbeit, Coiffeur und Kosmetik und Handyreparaturen an, um Perspektiven zu finden.
Jassim besucht einen der Reparaturkurse für Handy: „Ich hoffe, dass ich mir ganz schnell das Wissen aneignen kann und dann Arbeit finde. Auch wenn es nur gelegentlich und für Bekannte ist. Ich hoffe, das ist ein Anfang.“
Text und Bild: Tabitha Ross, Caritas Internationalis