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Geschichte
Wie das Königsberger Schloss einmal war
"Das Königsberger Schloss. Eine Bau- und Kulturgeschichte" - ein Buchtitel, der auf den ersten Blick zu verwundern mag, ist doch von dem Bauwerk selber heute praktisch nichts mehr erhalten.
Doch gerade in Zeiten, wo auch in Königsberg / Kaliningrad der Wiederaufbau des Schlosses, sozusagen im Windschatten der Diskussion um den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, zumindest angedacht wurde, hat eine solche Publikation ihre Berechtigung, und die vorgelegten Ergebnisse verstärken diesen Eindruck noch, da der Autor mit Hilfe der ihm zur Verfügung stehenden Quellen ein teilweise erstaunlich detailliertes und lebendiges Bild des Schlosses im Rahmen seiner Geschichte zu geben vermag.
Im Anschluss an eine ausführliche Einleitung mit Darlegung des Forschungsstandes (S. 17-38) beschäftigt sich der erste Abschnitt mit der Ordenszeit, also den Jahren von 1255-1525 (S. 39-79), wobei gerade bei diesem Kapitel schmerzlich offenbar wird, dass das fast völlige Fehlen archäologischer Grabungsergebnisse und die Armut an schriftlichen Quellen einen im Verhältnis zu den späteren Epochen relativ leblosen Eindruck hinterlässt. Das nächste Kapitel ist dem "Schloss der Herzöge in Preußen" gewidmet, also der Zeit von 1525 bis 1603 (S. 97-178), einer Zeit also, die nicht nur die entscheidende Umwandlung des Königsberger Schlosses von einer mönchisch geprägten Ordensburg hin zu einem reinen Schlossbau umfasst, sondern die auch den vermutlich für die Gestalt des Schlosses in seiner Gesamtkonzeption bis zur Zerstörung prägendsten Einfluss gehabt hat. Es schließen sich die Kapitel zum Schloss unter den ersten brandenburgischen Kurfürsten (1603 bis 1640) (S. 179-208) und zur Zeit des "Großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm (1640 bis 1688) (S. 209-261) an. Die Zeit von 1688 bis 1701, also jene Zeit, in der 1701 aus dem preußischen Kurfürsten Friedrich III. durch seine Krönung eben im Schloss zu Königsberg der preußische König Friedrich I. wurde, wird ebenso in einem eigenen Abschnitt behandelt (S. 263-290) wie der barocke Umbau der Jahre 1704 bis 1713 (S. 291-344). Den Abschluss bildet sodann ein Kapitel über die Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. von 1713 bis 1740, bevor ein Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ausführliche Register den Band abrunden.
Es ist im Rahmen einer relativ kurzen Rezension nicht der Ort, auf einzelne Ungereimtheiten oder diskutable Fragen im Detail einzugehen, so dass hier lediglich eine allgemeine Einschätzung des Buches gegeben werden soll:
Was der Leser schmerzlich vermisst, ist ein Übersichtsplan, besser vielleicht noch ein Bauphasenplan, auch wenn naturgemäß kein präzises Aufmass mehr möglich ist. Selbst ein unmaßstäblicher Plan wäre jedoch äußerst hilfreich gewesen, um dem Leser eine Orientierung und Zuordnung der im Text beschriebenen baulichen Befunde und Ereignisse möglich zu machen.
Es muss jedoch sehr positiv hervorgehoben werden, dass der Autor hier eben keine rein baugeschichtliche Untersuchung vorgelegt hat, sondern das Schloss in die Geschichte seiner Zeit einordnet, und noch dazu das Leben und die Ereignisse im Schloss lebendig schildert und damit ein ausgesprochen buntes Panorama entwirft.
Letztlich kann man festhalten, dass der Autor mit diesem Werk ein wichtiges Buch vorgelegt hat, nicht nur für den an der Geschichte Königsbergs oder an baugeschichtlichen Monographien von Schlossbauten interessierten Leser, sondern auch für denjenigen, der sich für ein lebendiges Bild des Lebens vergangener Epochen zu begeistern vermag - aber auch für all diejenigen, die sich im Zuge der Diskussion um den Wiederaufbau des Berliner Schlosses die berechtigte Frage stellen, was man über verschwundene Bauwerke noch zu sagen im Stande sein kann.