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<h2>SubmittedText<h2><p>1. Auch ohne wissenschaftliches Experiment kann mit halbwegs gesundem Menschenverstand davon ausgegangen werden, dass praktisch alle Säugetiere, die in den ersten Lebenswochen oder -monaten fürs Überleben auf die mütterliche Fürsorge angewiesen sind, auf eine wiederholte Trennung von der Mutter mit massiven Störungen reagieren. Welchen Zweck hat der Tierversuch Nr. 14206 am Toxikologischen Institut in Schwerzenbach?</p><p>2. Können aus Depressionsversuchen an Affen Schlüsse für die komplexe Problematik menschlicher Depressionen gezogen werden?</p><p>3. Wie verläuft die Hierarchie bei bewilligungspflichtigen Tierversuchen und Geldern aus dem Nationalfonds? Wird zuerst der Versuch bewilligt unter der Voraussetzung, dass der Nationalfonds auch finanzielle Unterstützung zusichert, oder umgekehrt?</p><p>4. Wie viel Geld aus dem Nationalfonds wurde für besagten Versuch insgesamt bewilligt?</p><p>5. Nach belastenden Versuchen dürfen Tiere nicht mehr verwendet werden. Was passiert mit den Marmosetten aus besagtem Versuch nach Abschluss der Experimente?</p><p>6. Wieviele Tiere wurden bisher insgesamt verbraucht?</p><p>7. Wann ist mit einem Abschluss des Projektes Nr. 14206 zu rechnen?</p><p>8. Inwiefern entsteht durch den Weggang des verantwortlichen Versuchsleiters, Dr. Christopher Pryce, für den Versuch ID 14206 eine neue Situation?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Weltgesundheitsorganisation erwartet, dass Depressionen bis 2020 die zweithäufigste Volkskrankheit überhaupt sein wird. Depressionsforschung ist vor diesem Hintergrund von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die inzwischen eingestellten Marmosetten-Versuche einem übergeordneten Bedürfnis entsprachen und die ethischen Anforderungen an Versuche mit Primaten erfüllten. Zu den einzelnen Fragen der Interpellantin nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1. Ziel des Versuches war es, bei Marmosett-Jungtieren den Einfluss von temporärer Trennung auf die Verhaltensentwicklung und auf physiologische Parameter in Hirnregionen, die bei Depressionen eine Rolle spielen, zu untersuchen. Marmosetten sind dazu besonders geeignet, weil diese normalerweise Zwillinge gebären und sich beide Elternteile an der Pflege beteiligen. Es ist deswegen für beide Elternteile normal, zeitweise kein Junges zu tragen. Die kurzzeitige Abtrennung eines Jungen verursacht Stress und hat Auswirkung auf seine Physiologie und sein Verhalten. Der Vergleich mit dem Verhalten des genetisch sehr ähnlichen unbehandelten Geschwisters ermöglicht es, bereits geringe Behandlungseffekte zu entdecken. Diese Erkenntnisse können nicht mit anderen Versuchen oder mit der Analyse der Lebensgeschichten von Patienten gewonnen werden.</p><p>2. Beim Menschen gibt es epidemiologisch-korrelative Befunde, dass Stress im Frühleben (z. B. in Form von Vernachlässigung und/oder Missbrauch) das langfristige Risiko von Depressionen deutlich erhöht. Tiere zeigen Verhaltensweisen, die einigen Symptomen der Depression sehr ähnlich sind. Tierversuche erlauben es, die neurobiologischen Ursachen dieser Verhaltensweisen, welche von Umwelt und Genen beeinflusst werden, zu untersuchen und damit mögliche Ursachen von Depressionen besser zu verstehen. Die Kenntnisse daraus können zur Entwicklung von Therapien sowie neuer Arzneimittel wertvolle Beiträge leisten.</p><p>3. Die Beurteilungen der Tierversuche durch die Tierversuchskommissionen und der Forschungsprojekte durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) erfolgen in zwei juristisch voneinander unabhängigen Prüfverfahren mit unterschiedlichen Zielsetzungen und unabhängigen zeitlichen Verläufen. Um die Verfahren allerdings möglichst parallel abwickeln zu können, werden die Forschenden gebeten, die Gesuche gleichzeitig einzureichen.</p><p>Der SNF gewährt Kredite für Tierversuche nur, wenn die eingereichten Projekte folgende Kriterien erfüllen:</p><p>a. Erwartung eines wissenschaftlich herausragenden Erkenntnisgewinns;</p><p>b. Abstützung auf einer der wissenschaftlichen Fragestellung angepassten, ethisch und praktisch sinnvollen, sowie zeitgemässen Methodologie;</p><p>c. Vorliegen einer gültigen Bewilligung durch die zuständige Behörde; dieses Verfahren wägt den möglichen Erkenntnisgewinn mit der Belastung für die Tiere ab;</p><p>d. Verpflichtung des Gesuchstellers, die Ethischen Richtlinien der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften und der Akademie der Naturwissenschaften einzuhalten.</p><p>Ungeachtet einer Tierversuchsbewilligung lehnt der SNF Projekte ab, welche die ersten beiden Kriterien nicht erfüllen.</p><p>4. Die Versuche wurden vom SNF wie folgt unterstützt:</p><p>- 1999-2002: 372 167 Franken;</p><p>- 2003-2005: 319 741 Franken;</p><p>- 2006-2008: der vorgesehene Betrag von 335 000 Franken wurde auf 44 700 Franken gekürzt, nachdem der Versuchsleiter, Dr. Christopher Pryce, seine Anstellung auf den 1. März 2006 kündigte.</p><p>5. Für die neurobiologischen Untersuchungen am Schluss des Experimentes mussten die Jungtiere im Alter von zwölf Monaten eingeschläfert werden.</p><p>6. Während des Zeitraums von acht Jahren (1999-2006) wurden für wissenschaftliche Versuchsreihen insgesamt 72 Tiere eingesetzt.</p><p>7. Das Projekt wurde im Februar 2006 eingestellt.</p><p>8. Alle bereits begonnenen Experimente wurden abgeschlossen und publiziert. Keine weiteren Experimente sind geplant, da nach dem Weggang von Ch. Pryce keine Person mit der entsprechenden Qualifikation zur Verfügung steht.</p>  Antwort des Bundesrates.