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Der Eisbär ist das grösste an Land lebende Raubtier der Erde. Die männlichen Tiere beeindrucken mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 240 bis 260 Zentimetern und in Einzelfällen sogar bis zu 340 Zentimeter. Die Weibchen erreichen immerhin eine Kopf-Rumpf-Länge von 190 bis 210 Zentimetern. Die Weibchen werden bis zu 300 Kilogramm schwer, die Männchen wiegen durchschnittlich zwischen 300 und 500 Kilogramm. Das Körpergewicht hängt stark vom Ernährungszustand ab. Am meisten Pfunde auf die Waage bringen die Tiere im Winter in der Zeit der Robbenjagd. Das gelblich-weisse Fell ist sehr dicht, ölig und wasserabweisend und bietet die dem Lebensraum angemessene Tarnung. Unter der bei ausgewachsenen Tieren schwarzen Haut befindet sich eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Fettschicht. Weiter erhöhen die äusseren Fellhaare, die hohl sind, und die Speckschicht den Auftrieb beim Schwimmen. Der Geruchssinn und das Gehör sind beim Eisbär im Vergleich zu anderen Raubtieren sehr gut ausgebildet. Die Dicke der Eisoberfläche erkennen die Eisbären, indem sie auf das Eis schlagen und die Wasserreflektion akustisch wahrnehmen. In der freien Natur beträgt die Lebenserwartung der Eisbären zwischen 25 und 30 Jahren. In menschlicher Obhut können sie bis zu 45 Jahre alt werden.
Seit 2006 ist der Eisbär auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als gefährdet eingestuft. Auf der ganzen Welt leben noch zwischen 20‘000 und 25‘000 Eisbären. Die Tiere leben in 19 verschiedenen Populationen. Diese teilen sich auf folgende Erdregionen auf: Spitzbergen, Franz-Josef-Land, Sibirien, Wrangelinsel, Alaska, Grönland und auf verschiedene Regionen Kanadas entlang der Hudson Bay und der Nordküste der Labrador-Halbinsel. Die Eisbären sind wie alle anderen Bären Einzelgänger und ernähren sich hauptsächlich von Fleisch. Zu ihrer Hauptspeise gehören jegliche Art von Robben sowie junge oder geschwächte Walrosse. Die Eisbären stehen an der Spitze der natürlichen arktischen Nahrungskette. Laut Beobachtungen von Forschern zählen Delfine neuerdings zur Nahrung der Eisbären. Die Delfine gelangen wahrscheinschlich durch das ungewöhnlich warme Wasser in der Arktis in die nördliche Polarregion. Die Eisbären erwischen die Delfine, während sie an Lücken im Eis auf Robben warten und die Delfine zum Luft holen auftauchen.
Kreuzungen sind eine Folge des Klimawandels
Der Schwund der Population der Eisbären ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Seit jeher jagen die Menschen die Eisbären. Zu Beginn jagten die indigenen Völker Nordasiens und Nordamerikas Eisbären aufgrund des Fells und Specks. Im 20. Jahrhundert änderte sich dies, denn die Eisbären stellten zunehmend begehrte Trophäen für Hobbyjäger dar. Heute ist die Jagd auf Eisbären durch Jagdquoten eingeschränkt. Ein Jagd- und striktes Handelsverbot gibt es leider nicht. Die grösste Bedrohung für die Eisbären ist die globale Erwärmung. Die Eisbären verbringen den Winter und das Frühjahr auf dem Packeis. In den letzten 100 Jahren ist die durchschnittliche Lufttemperatur in der Arktis um fünf Grad Celsius gestiegen. Die Ausdehnung des Packeises ging dabei stark zurück. Eine Folge des Klimawandels ist, dass sich die Eisbären nach Süden ausdehnen und sich dort mit anderen Bären paaren. Denn die Lebensräume von Eisbären und Grizzlys überschneiden sich immer mehr. Ein Beispiel in menschlicher Obhut sind die cremefarbenen Bären Tips und Taps im Zoo Osnarbrück. Sie sind entstanden, da der Zoo die Eisbären und Grizzlys im gleichen Gehege hielt und davon ausging, dass die Tiere sich nicht paaren. Diese Annahme wurde widerlegt.
In arktisnahen Regionen wurden bereits 2006 Bären geschossen, die sich per DNA-Nachweis als Mischlinge entpuppten. Die “Cappuccino-Bären“ sind halb Eisbär und halb Grizzlybär. Axel Janke, Evolutionsbiologe vom Forschungszentrum für Biodiversität und Klima in Frankfurt, führt aus: „Unsere Arbeiten haben gezeigt, dass sich Eis- und Braunbären vor etwa 600.000 Jahren getrennt haben. Seither gab es drei Warmzeiten, in denen das Eis geschmolzen ist. Die Eisbären haben vermutlich in kleinen Populationen in Nischen überlebt. Gelegentliche Hybridisierungen sind nicht unbedingt gefährlich für die Art. Vielmehr bedrohen menschengemachte Einflussfaktoren die Art wie Umweltgifte, Jagd, Zersiedlung der Landschaft und Rohstoffförderung in der Arktis.“
Weitere Informationen:
Cappuccino-Bären sind eine Folge des Klimawandels (welt.de)
Eiskalter Vielfrass: Eisbär lässt sich Delfin schmecken (spiegel.de)
Eisbären – Schmelzender Lebensraum (wwf.de)