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Musiker zu sein, ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Lebensform. Das heißt, Musik ist in meinem Bewusstsein präsent, auch wenn ich nicht Klavier spiele oder Musik höre.
Als Pianist bin ich nicht nur für die Wiedergabe von Musik verantwortlich, sondern auch dafür, welche Musik ich spiele. Die wichtigste Freiheit des Interpreten besteht darin, aus dem enormen Repertoire für Klavier zu wählen. Wie jede Freiheit ist dies auch eine Herausforderung, da ein Menschenleben nicht ausreicht, um auch nur die bedeutendsten Werke einzustudieren.
Die Kompositionen der letzten hundert Jahre nehmen in meinem Repertoire einen zentralen Platz ein. Hier sind die Wertungen noch nicht abgeschlossen – ganze Epochen wie der russische Futurismus tauchen scheinbar aus dem Nichts auf. Der Kanon der etablierten Werke kann nur lebendig bleiben, wenn er ständig erweitert und verändert wird.
In den letzten dreissig Jahren habe ich viele Werke uraufgeführt. Wenn mich eine Komposition überzeugt, möchte ich es allerdings nicht bei der Uraufführung belassen. Viele Stücke von lebenden Komponisten haben es verdient, genau so häufig gespielt zu werden wie die bekannten Werke aus dem traditionellen Repertoire.