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«Ein Kind gab mir ein High Five unter dem Tisch und flüsterte ‹Gut gemacht!›, ansonsten wusste niemand in meiner Klasse, was ich gerade erreicht hatte», erinnert sich Kristie Ahn an ihr US-Open-Debut zurück. Im zarten Alter von 16 Jahren erreichte die damals mit einer Quali-Wildcard ausgestattete Amerikanerin an den US Open 2008 das Haupttableau.
Es war der erste grosse Erfolg in einer vielversprechenden Karriere. Die aus New York stammende Ahn unterlag zwar in der ersten Runde der als Nummer 6 gesetzten und späteren Weltranglistenersten Dinara Safina mit 3:6 und 4:6, machte dennoch ein erstes Mal auf sich aufmerksam.
Dass die grosse Karriere ausblieb, erklärt die heute 27-Jährige folgendermassen: «Mit 16 sagte ich mir: ‹Ich werde nächstes Jahr wieder hier sein.› Mit 17 war ich komplett ausgebrannt. Ich kam bei den grösseren Turnieren jeweils mit einer Wildcard in die Qualifikation, hatte aber gar keine Lust zu spielen.»
Die Jahre vergingen, doch Ahn konnte nicht mehr an ihren Erfolg in Flushing Meadows anknüpfen. Die US-Amerikanerin mit koreanischen Wurzeln dümpelte in der Weltrangliste ausserhalb der Top 300 herum, spielte nur noch wenige Turniere im Jahr.
Studium vs. Karriere
Während die sportliche Karriere links liegen blieb, investierte Ahn umso mehr Zeit in ihre akademische Ausbildung. 2014 schloss sie ihr Studium in «Science, Technology and Society» an der renommierten Stanford University ab. Doch der Abschluss ihres Studiums hatte ihre Situation nicht vereinfacht.
Mein Abschluss ist ein zweischneidiges Schwert.
Die aktuelle Weltnummer 141 erklärt: «Mein Abschluss ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits habe ich etwas in der Tasche, auf das ich jederzeit zurückgreifen kann, andererseits ist der Druck kleiner, sportlich erfolgreich sein zu müssen.»
Nachdem sie auch nach ihrem Abschluss sportlich nicht weiterkam, dachte sie 2017 ans Karriereende. Die Wende kam, als sie mit Shenay Perry zu arbeiten begann. «Ich weiss nicht genau warum, aber plötzlich lief es besser», so Ahn. Sie intensivierte ihr Training, spielte öfters und begann regelmässig zu gewinnen.
Die 27-Jährige näherte sich in den letzten Jahren kontinuierlich den Top 100, stand sowohl bei den Australien Open als auch in Wimbledon im Hauptfeld. Mit Jelena Ostapenko und Swetlana Kuznetsova schlug sie in diesem Jahr bereits zwei Grand-Slam-Champions. Der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere gelang Ahn nun an den US Open: Erstmals steht sie an einem Grand Slam im Achtelfinal. Dort trifft sie am Montag auf die Belgierin Elisa Mertens (WTA 26).
Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 30.08.19, 21:35 Uhr