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David Farbstein: Zionismus ist das jüdische Volk unterwegs.
"Zionismus ist keine Partei, Zionismus ist das jüdische Volk unterwegs." So definierte David Farbstein, der selbst 1891 seine Familie und sein Geburtsland Polen verlassen hatte und 1897 Schweizer Bürger geworden war, den Zionismus in Artikeln und während seiner Rede am Ersten Zionistenkongress in Basel 1897 (David Farbstein: Der Zionismus, in: Schweizerische Blätter für Wirtschaft und Sozialpolitik, 5. Jahrgang, 1897. S. 466–468, hier S. 467.). "Unterwegs" beinhaltet eine räumliche und zeitliche Veränderung, die noch nicht abgeschlossen, sondern irgendwo dazwischen, in der Schwebe, ist. Durch den Ersten Kongress in Basel war der Zionismus in der Schweiz angekommen, dem Mittlerland, von dem aus er sich in Richtung Palästina konkretisieren sollte. Dafür setzte sich Farbstein ein, doch nach dem Tod Herzls widmete er sich mehr den Problemen der Ostjuden in der Schweiz. Als Schweizer Anwalt kümmerte er sich um Angelegenheiten von Arbeitern und Frauen, als SP-Politiker wurde er Zürcher Stadtrat, Kantons- und schliesslich für viele Jahre Nationalrat. Das "Unterwegssein" verstand der Anwalt, Politiker und Zionist Farbstein als eine Mittlerfunktion: Er versuchte denjenigen, die Unrecht erfahren hatten, Recht zukommen zu lassen und Brücken zu schlagen zwischen Partei und Volk und zwischen Staatsbürgerschaft und jüdischem Nationalempfinden. An Farbsteins Lebensgeschichte und an seinen Ideen kann exemplarisch die Verbindung von physischen und geistig-konzeptionellen Grenzüberschreitungen aufgezeigt werden.