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„Land Grabbing“ bedeutet wörtlich übersetzt „Land Grabschen“. Land Grabbing bezeichnet die Aneignung von Land durch wirtschaftliche oder politische Akteure auf illegitime oder illegale Weise. Dabei spielt es keine Rolle ob die Akteure In- oder Ausländer, Kleinbauern, Grosskonzerne, Staatsbedienteste oder Privatpersonen sind. Sie verfolgen alle dasselbe Ziel: Mit Pacht- oder Kaufverträgen grosse Agrarflächen in Entwicklungs- oder Schwellenländern in Besitz zu nehmen, um darauf Nahrungsmittel oder Energiepflanzen anzubauen. Schätzungen zufolge wurden zwischen 2002 und 2012 weltweit 203 Millionen Hektar Ackerland an ausländische Investoren verkauft oder verpachtet, die Hälfte davon in Afrika. Die gesamte Ackerfläche der Europäischen Union beträgt im Vergleich gerade einmal 97 Millionen Hektar. Das Land dient nicht nur als Anbaufläche, sondern auch als Spekulationsobjekt. In vielen Entwicklungsländern spitzen sich laut Organisationen der Kleinbauern die Land- und Wassernutzungskonflikte zu.
Auch die Schweiz ist in das Geschäft des Land Grabbing involviert, wie die Land-Matrix belegt. Diese zeigt auf, aus welchen Staaten Privatpersonen oder Firmen investieren. In Afrika ist die Schweiz an einzelnen Landwirtschaftsprojekten in Tansania und Mozambique beteiligt. Beliebter ist aber Lateinamerika. Dort sind sie zur Zeit in Argentinien, Brasilien und Uruguay gerade in sieben Landwirtschaftsprojekte verwickelt.
„Viele der Landübernahmen betreffen Flächen, auf denen Nahrungsmittel für die örtliche Bevölkerung angebaut wurden.“
Frank Brassel, Oxfam Deutschland
Hinter den ausländischen Direktinvestitionen steht eine Idee: Profitsicherung. Als 2008 die Grundnahrungsmittelpreise in die Höhe schnellten, sicherten sich devisenstarke Regierungen aus den Golfstaaten sowie China grossflächige Anbauflächen besonders in Afrika. Damit wollen sie sich von den schwankenden Weltmarktpreisen unabhängig machen. Als Folge der hohen Korruptionsrate wird die lokale Bevölkerung unzureichend oder gar nicht in die Verhandlung über die Anbauflächen, die sie seit Generationen bewirtschaften, einbezogen. Daraus resultieren oft Umsiedlungen und Vertreibungen, nicht selten tatkräftig unterstützt vom örtlichen Militär.
Ein anschauliches Beispiel für das Land Grabbing zeichnet sich in Äthiopien ab. In dem ostafrikanischen Land leben rund 85 Prozent der knapp 90 Millionen Einwohner von der Landwirtschaft. Die gesamte Fläche des Landes – insgesamt 111,5 Millionen Hektar – gehört dem Staat. Wie Amnesty International in ihrem Bericht schreibt, schuften Kinder für umgerechnet knapp einen Franken pro Tag auf den Äckern. Für die Investoren kommen diese billiger zu stehen als beispielsweise das Pflanzenschutzmittel, um Unkraut zu bekämpfen. Im Westen Äthiopiens hat ein Inder rund 100‘000 Hektar Anbaufläche gekauft. Bald sollen es sogar 300‘000 Hektare sein. Dies entspricht der Fläche des Kantons Tessin. Am Export verdient der indische Farmpächter von Lebensmitteln gutes Geld. Trotzdem sind derzeit mehr als 3,5 Millionen Menschen auf Lebensmittel-Hilfslieferungen angewiesen. Für die Bauern fällt die Bilanz über die Investitionen ernüchternd aus, wie der Bauer Ojwato ausführt: „Als die Ausländer mit ihren grossen Maschinen kamen, haben wir sie willkommen geheissen. Sie haben uns versprochen, dass sie uns Strom, Wasser und Krankenhäuser bringen. Davon ist bislang nichts passiert. Sie haben nur ein paar von uns schlecht bezahlte Arbeit gegeben.“
Den Internationalen Entwicklungsorganisationen ist dieser Trend ein Dorn im Auge. Ein Beispiel hierfür ist die internationale Entwicklungsorganisation Oxfam. Sie hilft Menschen ihre Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Der stellvertretende Kampagnenleiter, Frank Brassel, erklärt: "Viele der Landübernahmen betreffen Flächen, auf denen Nahrungsmittel für die örtliche Bevölkerung angebaut wurden. Land und Waser sind zentral für die Ernährung der Menschen. Es ist unfair, die Bedürfnisse reicher und aufstrebender Staaten und internationaler Unternehmen auf dem Rücken der in Armut lebenden Menschen in Afrika auszutragen." Um dem Land Grabbing nachhaltig entgegen zu wirken, braucht es nicht nur den Einsatz dieser Organisationen, sondern auch jener der internationalen Staatengemeinschaft.