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DMZ - FORSCHUNG/LEBEN ¦ Patricia Jungo ¦
Sensibilität gehört zu den Eigenschaften von uns Menschen. Auf bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen reagieren wir mit Gefühlen und Emotionen. Diese Reaktion kann aber bei jeder Person anders ausfallen: Ein- und dasselbe Erlebnis wird von einem Menschen nur am Rande wahrgenommen und löst nichts Besonderes aus. Ein anderer Mensch kann darauf jedoch viel sensibler reagieren und sich noch lange damit beschäftigen. Sensibilität ist also unterschiedlich stark ausgeprägt.
Dies war auch schon Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen, die Bestätigung dafür brachten. Etwa ein Drittel der Bevölkerung soll auf der Empfindlichkeitsskala am oberen Ende zu finden sein. Bei diesen Menschen lösen positive oder negative Erfahrungen besonders starke Reaktionen aus. Was aber dabei noch nicht geklärt wurde, ist die Rolle der genetischen Veranlagung. In einer sogenannten Zwillingsstudie von der „Queen Mary University of London“ beschäftigten sich die Forscher mit dieser Frage. Es beteiligten sich 2.800 Zwillingspaare daran. Da Zwillinge in der Regel zusammen aufwachsen und auch einen ähnlichen Erfahrungsschatz haben, zeigte sich diese Art von Studie als vorteilhaft.
Nicht ausgeklammert werden konnte natürlich die Tatsache, dass es eineiige Zwillinge gibt mit gleicher genetischer Sequenz und zweieiige mit unterschiedlicher genetischer Sequenz. Unter Verwendung eines schon vielfach angewendeten Standard-Fragebogens ermittelte man vorerst den Grad der Sensibilität. In einer zweiten Phase wurden die Resultate der beiden Gruppen miteinander verglichen, was wiederum Rückschlüsse auf die Rolle der Genetik zuliess. Diese allein konnte eine Erklärung für die Tatsache sein, dass die Ergebnisse der Auswertung der Fragebögen bei den eineiigen Zwillingen ähnlicher waren als bei den zweieiigen. Den Forschern gelang so die Berechnung von zwei exakten Werten, wonach 47 Prozent der Unterschiede in der Sensibilität wirklich auf der Genetik basierten. Demzufolge bleiben 53 Prozent, welche man mit äusseren Einflüssen in Verbindung bringen kann. Es wurde also erstmals quantitativ klar belegt, dass Gene beim Thema Sensibilität eine Rolle spielen. Ebenso deckten die Forscher auf, dass Sensibilität auch einseitig ausgeprägt sein kann. Ein Mensch kann sehr stark auf positive Erfahrungen reagieren und bei negativen Erlebnissen nicht sonderlich berührt werden oder auch umgekehrt. Bei der Kindererziehung könnte diesem Wissen eine wichtige Rolle zukommen, auch wenn bereits heute versucht wird, bestmöglich auf die Kinder einzugehen.
Quellen: Queen Mary University/trendsderzunft
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