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Eine grosse schweizweite Langzeitstudie fand keine Hinweise dafür, dass Kinder in der Nähe von Kernkraftwerken häufiger an Krebs erkranken als anderswo. Die Studie wurde vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Kinderkrebsregister und der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologiegruppe durchgeführt.
Sind die Anwohner von AKWs gesundheitlich gefährdet? Diese Frage stellt man sich seit über 20 Jahren. Besonders oft diskutiert werden Krebserkrankungen bei Kindern, welche strahlenempfindlicher sind als Erwachsene. Eine im Dezember 2007 veröffentlichte Studie aus Deutschland zeigte ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko für Leukämie bei Kleinkindern im Umkreis von 5 Kilometern von AKWs. Diese Ergebnisse hatten in der Schweiz eine parlamentarische Motion zur Folge. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Krebsliga beauftragten deshalb das ISPM, in der Schweiz eine ähnliche Studie durchzuführen. Die CANUPIS-Studie (Childhood Cancer and Nuclear Power Plants in Switzerland) wurde von September 2008 bis Dezember 2010 durchgeführt.
In der Studie verglich das Forschungsteam gemäss einer Medienmitteilung der Uni Bern das Risiko für Leukämie und andere Krebsarten bei Kindern, die in der Nähe von AKWs geboren wurden, mit demjenigen von Kindern, die weiter entfernt geboren wurden. Alle seit 1985 in der Schweiz geborenen Kindern wurden in die Studie aufgenommen, das heisst über 1,3 Millionen Kinder im Alter von 0 bis 15 Jahren, die während den Jahren 1985 bis 2009 beobachtet wurden. Das ergibt eine Beobachtungszeit von insgesamt über 21 Millionen Lebensjahren.
Bei Kindern im Alter unter 5 Jahren, die besonders strahlenempfindlich sind, wurden von 1985 bis 2009 insgesamt 573 Leukämien diagnostiziert. In der nächsten Nähe von AKSw (Umkreis 5 km) fand man 8 Fälle, statistisch erwartet hätte man 6,8. In der nächsten Zone (5 bis 10 km Entfernung zum AKW) waren es 12 Fälle (erwartet wurden 20,3). Im Bereich von 10 bis 15 km fand man 31 Fälle (erwartet wurden 28,3). Damit war das Risiko für eine Krebserkrankung in keiner Zone statistisch signifikant erhöht oder erniedrigt.
«Das Risiko einer kindlichen Krebserkrankung im Umkreis von Schweizer Kernanlagen unterscheidet sich kaum vom Risiko, welches auch weiter entfernt wohnende Kinder haben», lässt sich Matthias Egger, Direktor des ISPM Bern, zitieren. Er betont, dass die geringen Abweichungen vom gesamtschweizerischen Risiko am ehesten zufallsbedingt sind. Aufgrund der kleinen Fallzahlen ist die statistische Unsicherheit gemäss Egger allerdings relativ gross – dass es in der Nähe von AKWs nicht doch zu einer Erhöhung der Leukämiefälle kommen könnte, kann somit nicht ausgeschlossen werden.
„Keine stichhaltige Aussage möglich“
Claudio Knüsli, Onkologe und Präsident der ÄrztInnen für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkrieges (PSR/IPPNW) Schweiz, anerkennt in einer Stellungnahme zur Medienmitteilung der Uni Bern, „die CANUPIS -Studie sei methodisch sauber durchgeführt worden“. Allerdings sei die Schweiz schlicht zu klein bzw. die Anzahl Fälle ungenügend, um eine stichhaltige Aussage machen zu können. «Die Ergebnisse der CANUPIS-Studie widersprechen den Beobachtungen der deutschen Kinderkrebsstudie (KiKK-Studie) nicht», so Knüsli. «Glücklicherweise sind Leukämien bei Kindern selten. Umso schwieriger ist es, eine Häufung dieser Erkrankungen in regional begrenzten Studien nachzuweisen.»