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Gessner-Bleistift
Produktinformation
Artikelnummer 17404
Allgemeine Informationen
Bleistifte und Zubehör.
(Arno Schmidt)
Den Namen trägt er zu Unrecht: Von Blei ist im Bleistift nicht die Spur. Das war lediglich bei einem Vorläufer aus dem 15. Jahrhundert der Fall – Dürer etwa zeichnete mit blei-/zinnlegierten Minen. Die Geschichte des Bleistifts im heutigen Sinne des Wortes beginnt erst im 17. Jahrhundert. Damals wurden die englischen Graphitgruben entdeckt und erstmals das Material abgebaut, dessen Festkörperstruktur (die Gitterschichten des Graphits gleiten unter Druck leicht voneinander ab) es für die Verwendung in Bleistiftminen prädestiniert. Allerdings: Die aus dem vollen Stück gesägten Graphitminen waren Kostbarkeiten. Das änderte sich erst, als der Franzose Nicolas Jacques Conté und der Österreicher Josef Hardtmuth Ende des 18. Jahrhunderts Verfahren entwickelten, Graphitminen keramisch herzustellen. Sie vermengten Graphitstaub mit Ton und brannten die Minen im Ofen, wobei durch Tonmenge und Brenndauer die Härte der Mine bestimmt werden konnte.
Der Härtegrad wird gemäß den englischen Bezeichnungen – und von weich nach hart – mit den Kürzeln B (black), HB (hard-black), F (firm) und H (hard) angegeben, wobei die B- und H-Varianten zusätzlich durch Ziffern von 2–9 differenziert werden (je höher die Ziffer, desto weicher bzw. härter die Mine).
Proto-Typ: der Gessner-Bleistift.
Vor einigen Jahren machte sich der Bad Wilsnacker Schreibgerätehersteller Cleo Skribent daran, Gessners Stift wiederentstehen zu lassen. Der einfachere Teil der Aufgabe war die Rekonstruktion der die Mine umfassenden und schützenden Hülle; eine Drechslerwerkstatt aus dem Erzgebirge konnte sie getreu der vorliegenden Abbildung fertigen.
Schwieriger, weil aus der Abbildung nicht unmittelbar ersichtlich, war die Überlegung, wie die „Klemmvorrichtung“ für die Mine im Detail funktioniert haben mochte. Die Lösung, die man schließlich realisierte, dürfte in ihrer Einfachheit gleichwohl sehr nah ans Original reichen. Sie besteht in einem der Länge nach durchbrochenen, leicht konischen Holzring von 3 cm Länge, der passgenau in die Minenhülle hineingeschoben wird, wobei er sich naturgemäß ein wenig verengt: Die Mine wird fest und sicher gehalten und lässt sich zugleich bei Bedarf ohne großen Aufwand „nachlängen“.
Der rekonstruierte „Gessner“ ist also dreierlei zugleich: Nachweis des Erfindungsreichtums Gessners, historisches Schreibwerkzeug von musealer Würde und – kein Wunder, handelt es sich doch um das Vermächtnis eines Polygrafen, der zahlreiche Bände zu den verschiedensten Fachgebieten schrieb – ein ganz und gar alltagstaugliches Schreibgerät.
(Konrad Gessner)
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