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Der E. als internat. Kampf- und Feiertag der sozialist. Arbeiterbewegung fand in der Schweiz erstmals 1890 statt. Im Jahr zuvor hatte ein internat. Arbeiterkongress in Paris Arbeiterorganisationen aller Länder dazu aufgerufen, am 1. Mai für den Achtstundentag (Arbeitszeit) zu demonstrieren. Daraus entwickelten sich die jährl. Maifeiern, deren Hauptelemente die polit.-gewerkschaftl. Demonstration und das Fest waren. Die Schweiz gehört zu den wenigen europ. Staaten, die seit 1890 eine ungebrochene Tradition der 1.-Maifeiern aufweisen.
Weil Maifeiern oft während der Arbeitszeit stattfanden, hatten teilnehmende Arbeiter anfängl. Sanktionen zu gewärtigen; ab Mitte der 1890er Jahre erhielten sie aber immer häufiger einen unbezahlten Freitag, um Demonstrationen und Fest besuchen zu können. In grösseren Ortschaften bestand die klass. Maifeier aus drei Teilen: einer geordneten Demonstration der Arbeiter, die in sonntägl. Kleidung von Musik begleitet mit Transparenten, Fahnen und Tafeln mit Forderungen aufmarschierten, ferner einer Kundgebung mit polit. Reden und gelegentlich auch Resolutionen und schliesslich einem Fest in einem Lokal, auf einem Platz oder im Wald. Die Festkultur im Mai mit ihren Brauchtumselementen und Symbolen, die von der Arbeiterschaft z.T. übernommen wurden, schaut auf eine bis ins MA zurückreichende Geschichte zurück.
Nach 1900 zählte man in Städten jeweils mehrere Tausend Beteiligte, der polit. Aspekt gewann an Bedeutung. Der 1. Mai des Jahres 1919 - wenige Monate nach dem Landesstreik - ging in die Geschichte ein, weil ihn die Gewerkschaften zum Stichtag für die Einführung der 48-Stunden-Woche machten. Danach sank die Beteiligung, ausser in Basel, wo der E. seit 1923 Feiertag ist. Nach einem Tiefpunkt im 2. Weltkrieg, als im Zeichen der Geistigen Landesverteidigung sogar die Parolen der Zensur unterlagen, erlebten die Maifeiern einen Wiederaufschwung. Im Kalten Krieg wandelten sie sich zunehmend zu unpolit. Ritualen, an denen auch Trachtengruppen, bürgerl. Musikvereine und Ehrendamen teilnahmen. Ab Mitte der 1960er Jahre wurden die Feiern zunehmend von Fremdarbeitern und Mitgliedern neuer sozialer Bewegungen besucht. Das Erscheinungsbild wurde multikulturell, die Forderungen international. Die Beteiligung schwankte je nach der Aktualität der Themen. Seit 1964 erklärten einige weitere Kantone den E. zum Feiertag.
Literatur
– M. Vuilleumier, «Switzerland», in The Memory of May Day, hg. von A. Panaccione, 1989, 369-381
– Vorwärts - und nicht vergessen, hg. von R. Gretler, 1990
– B. Degen, «Les mutations sociales, politiques et culturelles de la fête du premier mai en Suisse», in Fourmies et les premier mai, 1994, 383-401
– U. Anderegg Der 1. Mai in der Schweiz, 2008
Autorin/Autor: Bernard Degen