Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03469.jsonl.gz/1865

SRF-Filmer Hanspeter Bäni erinnert sich an die Königin von Kamerun
Dok-Filmer Hanspeter Bäni hat Katharina Paholo mehrfach fürs SRF porträtiert. Im Interview mit «Bluewin» erinnert er sich an die Königin von Kamerun.
«Bluewin»: Wie werden Sie Katharina Paholo in Erinnerung behalten?
Hanspeter Bäni: Katharina lebte kompromisslos ihren afrikanischen Traum. Sie war eine mutige Frau, die trotz vieler Rückschläge immer positiv blieb. Als sie nach Kamerun auswanderte, nahm sie die «Schweiz» nicht mit. Als Schweizerin lebte sie wie die Einheimischen des Hochlandes in Kamerun. Sie ass Ratten- und Schlangenfleisch, Heuschrecken und alles, was die Natur sonst noch anbietet in dieser ärmlichen Gegend.
Glauben Sie, dass sie wirklich ankam in Kamerun – oder ob sie immer ein wenig gespalten war zwischen Kamerun und der Schweiz?
Natürlich blieb Katharina in Kontakt zu ihrer Verwandtschaft in der Schweiz. Zum 90. Geburtstag ihrer Mutter wäre sie im Juni in ihr Heimatland angereist. Während einer Ehekrise kehrte sie für längere Zeit in den Kanton Bern zurück. Schlussendlich zog es sie aber wieder zurück. Ihren Lebensmittelpunkt sah sie klar in Kamerun. Katharina war wohl eine Weisse aus Westeuropa, ihre Seele war aber afrikanisch.
Was war die grösste Sorge, mit der sie in Kamerun zu kämpfen hatte?
Vor allem Geldsorgen. Als ich einmal bei ihr ankam, hatte die Familie nur noch ein paar Teigwaren im Haushalt. Sie liessen sie nach dem Kochen lange quellen, damit es nach «mehr» aussah. Später legte die Familie einen Garten an, um Früchte und Gemüse zu ernten. So kamen sie beinahe als Selbstversorger über die Runden. Die Geldsorgen blieben jedoch ein Dauerthema. Ab und zu schickten ihr die Verwandten etwas Geld, wenn beispielsweise wieder einmal ein Spitalaufenthalt angesagt war. Mehrmals erkrankte Katharina an Malaria, litt an Blutarmut oder Durchfall.
Wann war Katharina am glücklichsten?
Diese Frage kann ich nicht konkret beantworten. Sie versuchte, ihren Traum zu leben. Sie sah sich als «Königin», die einen Prinzen heiratete. Tatsächlich war Prinz Marcelins Vater König in Bangangté. Er hat 150 Frauen und zeugte mit ihnen rund 700 Kinder. Marcelin war altersmässig irgendwo in der Mitte und kam als Nachfolger auf den Thron nicht infrage. Reine Katharina lebte also «ihr» Märchen. Doch ihr Palast war eine staubige Hütte, die abgelegen lag. Ob sie dabei oft glücklich war, weiss ich nicht.
Wie geht es jetzt weiter mit Sky? Glauben Sie, dass es gut käme, wenn er bei Vater Marcelin bleibt?
Ich kann mir gut vorstellen, dass er beim Vater bleibt. Aber es ist alles möglich: Aufwachsen in der Schweiz oder in Kamerun. Nach der Zeit der Trauer wird man nach einer Lösung suchen. Ihm geht es, nachdem er ebenfalls im Spital war, mittlerweile zum Glück wieder besser. Er geht zur Schule, ist jedoch noch geschwächt.