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Was ist der Preis für eine Leidenschaft und wie weit gehen wir für die Erfüllung unserer Lebensträume? Die junge Len Howard hatte schon als junges Mädchen zwei große Passionen: Die Musik und das Interesse am Leben der Vögel. Aufgewachsen in einer kulturell ambitionierten Familie, als jüngste Tochter eines Dichters, der sie mit seiner Begeisterung für die Welt der Vögel ansteckte, verließ sie als junge Frau ihr Elternhaus, um in London in einem Orchester zu spielen. Ihr Elternhaus samt psychisch kranker Mutter und krankem Bruder verließ sie für immer, überließ sie der Obhut einer älteren unverheirateten Schwester, um ihren Traum vom Leben mit Musik Wirklichkeit werden zu lassen. Dass sie nicht heiraten wird, ist ihr früh klar. Dass Paul sie als junges Mädchen nicht haben wollte, scheint sie ihr Leben lang zu verfolgen. Den Heiratsantrag ihres langjährigen Freundes, den sie von Herzen liebt, lehnt sie wiederholt ab. Eine nicht gerade einfache Entscheidung für eine junge Frau in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.
Als ihr Vater, der Dichter, stirbt, erben seine Kinder sein Vermögen. Len verwendet ihren Anteil für den Kauf eines Hauses auf dem Land, wo sie sich ihrer zweiten Leidenschaft, der Verhaltenserforschung von Vögeln, widmen will. Dafür zieht sie sich fast vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.
Im Laufe ihrer zweiten Lebenshälfte veröffentlichte sie einige erfolgreiche Bücher über das Leben der Vögel, welche sie in ihrer natürlichen Umgebung beobachtete und war damit eine Vorreiterin auf dem Gebiet der Tierverhaltensforschung. Len Howard studierte die freilebenden Vögel, indem sie Vertrauen zu ihnen aufbaute, und erforschte so ihre Gesänge, Charaktere, Eigenarten und Gewohnheiten. Dazu musste sie allerdings unerwünschte Besucher vom Vogelhaus fernhalten und mit sehr wenig menschlichen Kontakten zurechtkommen. Besuche fand sie phasenweise sogar geradezu unerträglich, sie störten ihr ruhiges Leben mit den Vögeln. So richtig sympathisch kommt die Protagonistin dieses Romans wahrlich nicht rüber, aber das muss sie ja auch nicht, denn sie lebte ganz und gar für ihre Forschung.
Die Lebensgeschichte der fast vergessenen Vogelkundlerin inspirierten Eva Meijer zu ihrem Roman Das Vogelhaus, der immer wieder herkömmliche Vorstellungen vom Zusammenleben von Menschen und Tieren in Frage stellt. Ein Roman mit gewissen Längen, eher wenig Spannung und zuweilen etwas hölzern wirkenden Protagonist*innen, dafür mit stellenweise geradezu poetischen Naturbetrachtungen und faszinierenden Vogelbeobachtungen.
Mir gefällt trotz mancher Schwächen des Romans Lens Begeisterung und Leidenschaft, mit der sie ihrer Forschung betrieben und ihr Vogelhaus sogar gegen große Bauprojekte verteidigt hat. Leider ist – wie oft bei biografischen Romanen – unklar, wo ich es mit Fiktion und wo mit realen Begebenheiten zu tun habe.
So oder so: Ein berührendes Buch.
Bildbeschreibung für Sehbeeinträchtige und Binde
Das Cover des Buches Das Vogelhaus zeigt im untern Bilddrittel ein gemaltes Rotkehlchen auf einem Holzast sitzend, darüber Autorinname und Buchtitel in braunen respektive grünen Buchstaben. Rechts am Rand ein Stoffband, wie um das Buch zuzubinden, so dass es wie ein Tagebuch aussieht. Die Hintergrundfarbe des Umschlages ist hellbeige-weiß.
BTB
Fester Einband
320 Seiten
ISBN: 978-3-442-75794-7
Erschienen am 23.08.2018