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Bedeutung der Schweizer Landwirtschaft
Am 9. Juni 1996 hat das Volk einen neuen Verfassungsartikel angenommen, wel-cher eine multifunktionale und nachhaltige Landwirtschaft im Gesetz verankert. Aufgrund der internationalen Verträge und…
Am 9. Juni 1996 hat das Volk einen neuen Verfassungsartikel angenommen, welcher eine multifunktionale und nachhaltige Landwirtschaft im Gesetz verankert. Aufgrund der internationalen Verträge und basierend auf dem neuen Verfassungsartikel kam es in der Folge zu einer Neuausrichtung des Systems: Preis- und Absatzgarantien wurden weitgehend abgeschafft. Stattdessen wird vermehrt auf den Markt vertraut und die Landwirte werden für gemeinwirtschaftliche Leistungen wie tiergerechte Haltung, ökologische Bewirtschaftung oder die Pflege des Berggebiets entschädigt. Das Schwergewicht der Unterstützung liegt damit bei den so genannten Direktzahlungen. Die aktuelle Landwirtschaftspolitik ruht auf den drei Säulen Direktzahlungen, Marktstützung (z. B. Verkäsungszulage) und Strukturverbesserungsmassnahmen sowie Grenzschutz (Zölle und Einfuhrkontingente).
Für die Bauernfamilien sind in den letzten Jahren bis anhin sichere Einkommensbestandteile weggefallen sowie die Erlöse aus dem Produktverkauf gesunken. Sie müssen sich an der Nachfrage auf dem Markt orientieren. Die Einkommenssicherheit hat sich reduziert und das unternehmerische Risiko, aber auch die unternehmerische Freiheit haben zugenommen.
Veränderungen mit den Agrarreformen
Die Agrarreformen in den vergangenen 15 Jahren haben zu einem ausgeprägten Strukturwandel geführt. Die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe hat sich um einen Drittel reduziert (heute sind es noch gut 60’000 Betriebe), die Betriebe sind im Durchschnitt 50 Prozent grösser geworden, 98 Prozent erfüllen den ökologischen Leistungsnachweis und rund 10 Prozent halten sich an die Richtlinien der biologischen Produktion. Statt gemischter Betriebe haben sich viele spezialisiert (z.B. Milch, Fleisch, Obst oder Gemüse). Zudem hat die Innovationsfreude zugenommen. Es werden Nischenprodukte hergestellt (z.B. Kräuteranbau, Straussenfleisch, Büffelmilch), der Direktverkauf sowie der Agrotourismus (Ferien auf dem Bauernhof, Schlafen im Stroh, Eventdurchführung) boomen.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Bauernfamilien produzieren aktuell Güter und Dienstleistungen im Wert von rund 10 Milliarden Franken. 6.6 Milliarden Franken geben Sie für Vorleistungen wie Dünger, Pflanzenschutzmittel, Tierarztkosten, Maschinen usw. aus. Rund 170’000 Personen arbeiten direkt in der Landwirtschaft. Über 330’000 weitere sind in den vor- und nachgelagerten Branchen des Ernährungssektors tätig.
Marktstruktur und Nachfrage
Die Bauern verkaufen ihre Produkte zu 95 Prozent über Zwischenhändler an ein paar wenige Detailhändler oder Verarbeiter. Nur gerade 5 Prozent gelangen über den Hofverkauf direkt zu den Konsumenten. Im Detailhandel dominieren die beiden Grossunternehmen Migros und Coop das Geschäft. Sie verkaufen über drei Viertel aller landwirtschaftlichen Produkte.
Selbstversorgungsgrad der Schweiz
Die Schweizer Landwirtschaft produziert – ausser beim Käse – hauptsächlich für den einheimischen Markt. Dennoch beträgt unser Selbstversorgungsgrad über alles gesehen nur gerade 58 Prozent. Den Rest der benötigten Lebensmittel importieren wir aus dem Ausland, um unseren Bedarf zu decken. Die Schweiz ist bezüglich Importwert pro Kopf der grösste Nettoimporteur der Welt, was Nahrungsmittel betrifft.
Erwartungen der Bevölkerung an die Landwirtschaft
Verschiedene Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung in erster Linie Wert legt auf eine tierfreundliche Haltung (97 Prozent), eine umweltgerechte Bewirtschaftung (97 Prozent), die Produktion von gesunden Lebensmitteln und eine gesicherte Versorgung (97 Prozent) sowie die Pflege der Kulturlandschaft (91 Prozent). Die Multifunktionalität der Landwirtschaft wird von der Schweizer Bevölkerung somit weitgehend mitgetragen.
Produktionsstandort Schweiz
Der Produktionsstandort Schweiz zeichnet sich aus durch:
- strenge Gesetze und Auflagen (Umwelt, Tierschutz, Bauten, Angestellte, usw.)
- kleinstrukturierte Familienbetriebe (Betriebsgrösse Ø 19 ha)
- topografische Einschränkungen (wenig grossflächige und ebene Gebiete)
- klimatische Einschränkungen (es kann nicht alles angebaut werden)
- hohes Kostenumfeld (führt zu höheren Produktionskosten)
Diese Voraussetzungen machen es für die Schweizer Bauernfamilien unmöglich, mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten. Um in der Schweiz eine produzierende Landwirtschaft zu erhalten, ist insbesondere die Aufrechterhaltung eines wirksamen Zollschutzes entscheidend. Ein Freihandelsabkommen Landwirtschaft mit der EU oder der Abschluss eines WTO-Abkommens und der damit verbundene Abbau des Grenzschutzes würde die Schweizer Landwirtschaft existentiell bedrohen.
Zukunft der Landwirtschaft
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Preisschwankungen für landwirtschaftliche Produkte zunehmen. Langfristig dürfte der Bedarf stärker steigen als das Angebot (Wachstum der Menschheit, begrenzte Flächen und Wasserressourcen) und die Preise entsprechend anziehen. In der Zukunft wird die Schweiz froh sein, wenn sie ihre Bauern nicht auf dem Altar des bedingungslosen Agrarfreihandels geopfert hat