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Das ursprüngliche Ziel : die Überprüfung der gut gemachten Arbeit
Das erste Ziel der damaligen Abbaye de l’Agriculture de Vevey (heute Confrérie des Vignerons – Winzerbruderschaft) war die Überprüfung der guten Bestellung des hinter den Stadtmauern von Vevey liegenden Weinbergs. Dieses Gebiet umfing die Anbauten zwischen Corseaux und La Tour-de-Peilz einerseits, Corsier und St. Légier andererseits. Die Umgebung von Vevey, ausser einigen Wiesen und Obstgärten, waren damals mit Weinreben bepflanzt. Die Weinbaufläche ging erst kurz vor dem 19. Jahrhundert zurück.
Die Amtsbrüder, im 18. Jahrhundert Mönche oder Brüder genannt, überprüften die Arbeit der Weinbauarbeiter, denn der Weinbau war zu dieser Zeit die wichtigste Einnahmequelle des Amtsbezirks der Vogten von Vevey.
So liefen jährlich vier “Besichtigungs”-Mönche diese Gebiete um Vevey herum ab. Sie vermerkten die Fehler in der Bodenbestellung, die beschädigten Mäuerchen und Hecken, die die Reben in Schatten stellenden Bäume, das überwuchernde Gestrüpp, das auf den Anbauflächen grasende Vieh und, vor allem, das Gemüse und Obst, das zwichen den Reben gepflanzt war.
“Die zwei Weingärten, die Jaunin bebaut, Winzer seiner Exzellenz dem Herrn Avoyer Vonderweidt aus Freiburg, einer auf Pomey, der andere auf Pallud, beide von ähnlicher Bodenfläche, sind so schlecht bestellt, dass sie eher Wiesen als Weingärten gleichen, so sehr sind sie durchwuchert von Unkraut und Bohnen, an manchen Stellen gar ohne Reben, die man neu pflanzen müsste, und die diesen Grundbesitz in völligen Ruin führen; siehe die Verwarnung, die bereits letztes Jahr an genannten Winzer gerichtet wurde.” Manual 1, Besichtigungsbericht, 23.6.1736
Die Bruderschaft im Angesicht der Weinbau-Krise
Jahrhundertelang änderte sich die Arbeit der Bruderschaft nur wenig. Jeder Winzer arbeitete so, wie es ihn sein Vater gelehrt hatte. Die Bruderschaft versuchte, die Fortschritte im Weinbau zu fördern, indem sie die Wiederherstellung der Weinreben durch “chapons”, eher als durch Ableger pries; auch bemühte sie sich in der Suche nach wirkungsvollen Düngmitteln und drängte zu einer vielseitigeren Gestaltung des Rebsortenbestands. Um die Weinbauarbeiter zu ermutigen, führte die Winzerbruderschaft am Ende des 18. Jahrhunderts die Krönung der besten Winzer ein (siehe die Vorstellung der Feste).
Es war das Auftauchen, im Verlauf des 19. Jahrhunderts, der ersten kryptogamischen Krankheiten (Mehltau und echter Rebenmehltau) und der Parasiten (Rebläuse), die Winzer und Bruderschaft zwang, ihre altüberlieferten Arbeitsbräuche und ihre Besichtigungs-Kriterien zu überdenken.
Künftig wurde die Arbeit des Winzers sehr viel fachmännischer und forderte eine in Zeit und Arbeitkräften sehr viel bedeutendere Investition. Nach und nach verschwanden die Mischgebiete.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und bis zu den dreissiger Jahren verleiteten zahlreiche Umstände so manchen Grundbesitzer dazu, seine Weinberge aufzugeben: die massive Importierung von billigen ausländischen Weinen, die Absatzkrisen, die Krankheiten und Parasiten, die wachsende Industrialisierung, die die bisher im Weinbau beschäftigten Arbeiter zu sich zog, die folglich geringeren und teureren Arbeitskräfte und die stetig steigenden Gemeinkosten. Die Einkünfte, die mit dem Weinbau noch bezogen werden konnten, waren unerheblich geworden, während die Urbanisierung um Vevey herum einen einträglichen Verkauf der Parzellen ermöglichte. Die Winzerbruderschaft verlor unerbittlich an Einfluss, die ihrer Besichtigung unterliegenden Weinbaugebiete verschwanden eins nach dem anderen.
Weinberge am Fuss der Kirche St. Martin, Kalotyp (?), vor 1853. Historisches Museum von Vevey
Weinberge mitten in Vevey, an der Stelle wo heute das Jenisch-Museum steht, vor 1889. Historisches Museum von Vevey