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Beantwortet durch Dr. med. Christina Schnopp
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der TU München
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der TU München
Gesunde Babys kommen bereits mit einer relativ gut entwickelten Haut zur Welt. Allerdings sind die Oberhaut und insbesondere die Hornschicht, die als äusserste Hülle eine wichtige Rolle für die Barrierefunktion spielt, in den ersten Monaten noch dünner als beim Erwachsenen1,2.Die Hautzellen sind kleiner und teilen sich rascher2, Schweiss- und Talgdrüsen sind noch nicht voll entwickelt3, somit funktioniert z.B. das Schwitzen noch nicht richtig und der Fettgehalt der Hornschicht ist niedriger2.
Diese strukturellen Unterschiede können die Durchlässigkeit der Babyhaut erhöhen. So variiert der transepidermale Wasserverlust („transepidermal“ durch die Oberhaut) als Mass für die Barrierefunktion der Haut bei Kindern im ersten Lebensjahr stark (die Haut ist zumindest zeitweise „weniger dicht“). Die Ausbildung der Barrierefunktion der Haut dauert mindestens bis zum Ende des 1. Lebensjahr des Babys an.
Babyhaut kann im Vergleich mit Erwachsenenhaut in kürzerer Zeit mehr Wasser aufnehmen, gibt dieses aber auch schneller wieder ab. Ein Grund hierfür könnte der geringere Gehalt an natürlichen Feuchthaltefaktoren in der obersten Hautschicht bei Babys im ersten Lebensjahr sein4. Parallel zum höheren Wassergehalt in den obersten Hautschichten findet man bei Babys ein stärkeres (Mikro-)Hautrelief, was das Verhältnis der Hautoberfläche zu Körpervolumen weiter erhöht.
In den ersten Lebenstagen muss sich die Babyhaut an den Wechsel von einem feuchten Milieu zu einem trockenen Milieu anpassen. Dabei verliert das Neugeborene die Käseschmiere, eine Mischung aus Fetten und abgestorbenen Hautzellen, die im Mutterleib als Schutzschicht diente. Ab der zweiten Lebenswoche steigt der Wassergehalt der obersten Hautschicht dann rasch an.
Der pH-Wert auf der Haut liegt bei Neugeborenen im neutralen Bereich (möglicherweise wegen des leicht alkalischen Fruchtwassers), in den ersten Lebenstagen fällt er ab, ohne dass die Werte von Erwachsenen im Sinne eines „Säureschutzmantels“ ganz erreicht werden5. Der höhere pH-Wert beeinflusst verschiedene Enzyme, die der Aufrechterhaltung der Barrierefunktion dienen, ungünstig, was insbesondere im Windelbereich Irritationen verstärken kann.
Daraus ergeben sich besondere Anforderungen an Pflegeprodukte für Babys: Da die Haut potentiell durchlässiger ist und das Verhältnis von Körperoberfläche zu Gewicht viel höher als beim Erwachsenen müssen die Inhaltsstoffe von Babypflegeprodukten vor allem unbedenklich sein. Daneben sollte alles vermieden werden, was die Hautbarriere schädigen oder ihre Ausreifung behindern könnte, z.B. durch Veränderungen des pH-Werts oder Herauslösen von Hautfetten.
Beispielsweise greifen traditionelle Seifen am Stück (alkalisch) die Hautfette an und sind daher für Babys nicht geeignet.
1) Evans NJ, Rutter N. Development of the epidermis in the newborn. Biol Neonate 1986; 49: 74-80.
2) Stamatas GN, Nikolovski J, Luedtke MA et al. Infant skin microstructure assessed in vivo differs from adult skin in organization and at the cellular level. Pediatr Dermatol 2010; 27: 125-31.
3) Agache P, Blanc D, Barrand C et al. Sebum levels during the first year of life. Br J Dermatol 1980; 103: 643-9.
4) Nikolovski J, Stamatas GN, Kollias N et al. Barrier function and water-holding and transport properties of infant stratum corneum are different from adult and continue to develop through the first year of life. J Invest Dermatol 2008; 128: 1728-36.
5) Stamatas GN, Nikolovski J, Mack MC et al. Infant skin physiology and development during the first years of life: a review of recent findings based on in vivo studies. Int J Cosmet Sci 2011; 33: 17-24.