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Markus Vassalli (MAX)
Jacob Christoph Rad (1799–1871) war erfolgreicher Unternehmer, mit schweizerisch-österreichischen Wurzeln. Er leitete eine grosse Fabrik, in der etwas produziert wurde, was jedermann gerne hatte: Zucker. Rad hatte rund fünfzehn Mitarbeiter, acht von ihnen waren unverheiratet und da war es seinerzeit üblich, dass diese Junggesellen von der Herrin des Hauses, in diesem Fall also Rads Frau, Juliana Rad (1820–1883), bekocht wurden.
Die Rads hatten übrigens, nur so nebenbei, auch noch 15 Kinder. Juliana Rad war also in der Küche eine Einfrauarmee, bereitete Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch zu, jeden Tag, für dutzende Personen. Eines Tages verletzte sie sich aber, als sie einen Zuckerhut zerhackte. Zuckerhüte waren massive Blöcke, die schon mal bis zu 1,5 Meter hoch sein konnten. Und obwohl der Zeigefinger der rechten Hand arg malträtiert war, biss Juliana die Zähne zusammen.
Abends, im ehelichen Bett, der Finger war mittlerweile dick bandagiert, meinte sie zu ihrem Mann, dass es doch wesentlich effizienter wäre, wenn man den Zucker gleich in Würfelform zur Hand hätte, ohne noch gross hacken zu müssen. Ihr Mann, zwar schon etwas müde vom Arbeitstag, nickte und dachte sich: recht hat sie eigentlich.
Es zogen einige Tage ins Land, Juliana war wieder mal mit der Hacke bewaffnet, vor sich einen Zuckerhut, da kam ihr Mann in die Küche und überreichte ihr eine mittelgrosse, gelbliche Schachtel. Darin befanden sich 350 weisse, rote und braune Zuckerwürfel. Dafür bekam er von seiner Frau ein Küsschen auf die Wange.
Rasch wurden die Zuckerwürfel auch ins Sortiment der Fabriksproduktion aufgenommen und zu einem richtigen Verkaufsschlager. Es war eine kleine süsse Revolution, die damals ihren Ursprung hatte. Als Jacob Christoph Rad 1871 starb, tat er das als wohlhabender Mann und einen Gutteil dieses Vermögens verdankte er den kleinen Würfelchen, die er einst seiner Frau geschenkt hatte.
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