Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03277.jsonl.gz/2967

Allgemeines:
Italien liegt auf der Apennin-Halbinsel, welche an die Form eines Stiefels erinnert. Diese Halbinsel wird von dem Apennin-Gebirgszug in der Längsachse durchzogen. Die längsten Flüsse sind Po, Arno und Tiber. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Lago di Bolsena und der Lago Trasimeno in Mittelitalien. Höchster Gipfel Italiens ist der Mont Blanc de Courmayeur mit 4.748 m, ein Nebengipfel des Mont Blanc. Das höchste Bergmassiv, das vollständig auf italienischem Boden steht, ist der Gran Paradiso mit 4.061 m in den Grajischen Alpen.
Angrenzende Staaten sind Frankreich (488 km), die Schweiz (734,2 km), Oesterreich (430 km), Slowenien (232 km), sowie Kroatien (über eine Seegrenze), die Enklaven San Marino (39 km) und die Vatikanstadt in Rom (3 km).
Klima /Wetter:
Norditalien: Kontinentales Klima mit kalten Wintern und relativ heissen Sommern. Mittel- Süditalien: Mittelmeerklima, heiss und regenarm die Ostküste, vergleichsweise etwas feuchter und milder die Westküste. Während meiner Tour im März 2008 hatte ich viel Wetterglück. Bis auf die letzten 2 Tage in Napoli blieb es trocken. Bei Tagestemperaturen von 15 - 22 Grad startete ich jeweils am Morgen um ca. 07.00 Uhr bei ca. 7 Grad. In der Nacht hatte ich mit meinem Schlafsack (bis 0 Grad) und Termo-Oberteil genügend warm. Ab ca. 1000 m.ü.M. erlebte ich vor allem im nördlichen Italien noch Schnee entlang der Strassen.
Geographische und politische Gliederung Italiens:
Italien ist in 20 Regionen gegliedert. Es sind dies: Abruzzen, Aostatal, Apulien, Basilikata, Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien, Kalabrien, Kampanien, Latium, Ligurien, Lombardei, Marken, Molise, Piemont, Sardinien, Sizilien, Toskana, Venetien, Trentino-Südtirol, Umbrien.
Nord- Süd Unterschiede:
Charakteristisch für Italien ist die wirtschaftliche Zweiteilung des Landes. Der stark industrialisierte Norden steht dem überdurchschnittlich landwirtschaftlich geprägten Süden gegenüber. Die grössten Wirtschaftszentren sind Mailand, Turin und Genua. Zusammen mit den anderen Wirtschaftszentren im Norden verfügt der Raum über einen gut entwickelten Dienstleistungssektor und gehört zu den wirtschaftlich stärksten Gebieten Europas. Mittelitalien verfügt über eine florierende Wirtschaft, die auf Unternehmen im Textilsektor und besonders auf Tourismus basiert. Die Arbeitslosigkeit in Nord- und Mittelitalien liegt unter 6 %. Der Süden des Landes, auch Mezzogiorno genannt, stellt einen der strukturschwächsten Regionen Westeuropas dar. Die Folge daraus sind sehr hohe Arbeitslosenquote, die eine erhöhte Kriminalitätsrate und nicht zuletzt das organisierte Verbrechen, das besonders in Kalabrien und auf Sizilien die Kontrolle über viele Wirtschaftszweige ausübt.
Inseln:
Zu Italien gehören die Mittelmeer-Inseln Sizilien, Sardinien, sowie die Inselgruppen der Liparischen Inseln, der Aegadischen Inseln, der Tremiti-Inseln, der Pontinischen Inseln und der Tyrrhenischen Inseln ( z.B. Insel Elba).
Preisniveau:
Das Essen ist grundsätzlich günstiger als in der Schweiz. Für einen Cappucino zahlte ich z.B. 1.50 Euro, Pizza 6 - 8 Euro. Uebernachtungen in Hotels / Campingplätzen etc. können während der Hauptsaison jedoch überdurchschnittlich teuer sein.
Radfahren:
Italien gehört zu den verkehrsreichsten Ländern überhaupt. Gerade auf verkehrsreichen Nationalstrassen und in Grossstädten ist deshalb erhöhte Vorsicht geboten. Auch den vielen Motorroller in den Städten und den teilweise sehr unterschiedlichen Vorfahrtsregeln in den Kreiseln müssen vermehrt Beachtung geschenkt werden. Küstenstrassen sind vor allem während der Sommersaison sehr verkehrsreich und uninteressant. Ruhiger ist es da auf den kleinen Nebenstrassen im Hügel- und Bergland, welche aber teilweise sehr steigungsreich sind und daher gute Nerven und Kondition erfordern. Abstecher zur Küste sind deswegen immer mit langwierigen Neuanstiegen verbunden. Die Autofahrer empfand ich als sehr rücksichtsvoll, ein gelegentliches Hupen darf nicht negativ, sondern als "Vorsichtsmassnahme" interpretiert werden. Riskante Ueberholmannöver erlebte ich zumindest ausserhalb der Grossstädte keine.
Camping / Jugendherbergen
Die meisten der über 2000 Campingplätze finden sich an den Küsten. Wildes campen ist offiziell verboten und wird angeblich auch gebüsst. Jugendherbergen gibt es in Italien nur sehr wenige. Privatzimmer (Camere) oder Bed&Breakfast sind weitere Uebernachtungsmöglichkeiten.
Zu meiner Zeit der Tour im März waren fast alle Campingplätze noch geschlossen, einige öffnen jeweils ab Ostern, andere noch später. So übernachtete ich vorwiegend wild im Zelt, ich achtete aber darauf, dass ich mein Zelt erst bei Dunkelheit (bereits ab 18.00 Uhr) aufstellte und nicht unnötig auffiel. Einmal übernachtete ich in einem B&B für 25 Euro und in Pozzuoli (bei Napoli) übernachtete ich für 18 Euro/Nacht auf einem super schönen Campingplatz.
Bei der Routenplanung zu berücksichtigen:
- Die Städte Florenz, Assisi, Pompei
- Vulkan Vesuvo bei Napoli
- Nationalpark Abruzzo
Italien aus meiner Sicht:
Wer Italien mit dem Fahrrad erleben will, wird bald merken, dass es kaum flache Gebiete gibt. Besonders in der Region Emilia Romagna und der Toskana bekam ich die nie endenden Hügel- und Gebirgslandschaften zu spüren. Dazu kommt, dass sich die meisten Orte auf irgendwelchen Erhebungen befinden. Da die Steigungen eher knackig (bis 15%) als dezent sind, kann die zunächst herrschende Freude über die tollen Landschaften nach dem x-ten Hügel durchaus weichen in leise Hoffnung auf eine (halt verkehrsreichere) Hauptstrasse. Gerade diese flachen Hauptstrassen führen dann aber oft entlang Industrie-Gebieten, sind verkehrsreicher, dafür kommt man schneller vorwärts und kann sich wieder etwas erholen. Strassenpässe gibt es recht viele in Italien, vor allem im Apennin-Gebirge. Auf meiner Tour über den nördlichen Appenin wählte ich den Abetone-Pass (1388 m.ü.M.) und wurde an diesem Skiort von den Skitouristen doch etwas gar komisch angeschaut... Empfehlenswert ist gutes Kartenmaterial, ich hatte mit meiner 1:800 000 Karte doch etwas Mühe, da viele Pässe gar nicht eingezeichnet waren und häufig die Ortschaften auf den Wegweisern nicht drauf waren. Mit meinem sehr limitierten italienischen Wortschatz kam ich zumindest auf dem Land gut zurecht, in der Stadt wurde es bei aufwändigeren Erklärungen dann etwas schwieriger, immer mehr Italiener sprechen einwenig Englisch. Die Kriminalität ist vor allem in den Grossstädten wie z.B. Napoli spürbar, hier sollte man seine Sachen / Fahrrad nicht aus den Augen lassen und auf keine angeblichen "Schnäppchen"-Angebote auf der Strasse eingehen. Gerade wenns ums wild zelten ging, wurde ich durch Italiener ein paar mal auf die Gefahr hingewiesen. Negative Erlebnisse kann ich jedoch keine berichten. Es zählen m.E. die selben Vorsichtsmassnahmen wie in anderen Ländern. Rückblickend imponierten mir vor allem die schönen (anstrengenden) Berg- und Hügellandschaften Italiens, die in Europa wohl einzigartigen antiken Gebäude / Burgen / Kirchen und die Zeugnisse der römischen Geschichte. In Erinnerung bleiben werden mir auch die wunderbare Stadt Florenz, das Städtchen Assisi und die alte Stadt Pompei, welche nach dem Vulkanausbruch (Vesuvo) 79 n.Ch. wiederentdeckt und ausgegraben wurde.
Anforderungen:
Wer Italien (auf Nebenstrassen) entdecken will, sollte gut in Form sein und Freude an knackigen Aufstiegen haben.
Persönliche Bewertung:
Viele antike Gebäude und eine schöne Hügel- und Gebirgslandschaft -> sehr empfehlenswert