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Am Mittwoch, dem 10. November, um 5.48 Uhr morgens erblickt der erste Entwurf des COP26-Abkommens das Licht der Welt. Auf sechs Seiten haben die VerhandlungsführerInnen auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow erstmals den Ausstieg aus der Kohle und das Ende der Finanzierung fossiler Brennstoffe zu Papier gebracht. Der Zeitplan verrät viel über die Atmosphäre auf den Fluren, wo nach dem Händeschütteln und den Fototerminen der ersten Tage die Spannung steigt.
Wir haben in diesem Blogpost die wichtigsten Ergebnisse der UN Klimakonferenz 2021 in Glasgow zusammengefasst.
Tickende Zeitbomben
Der Glasgower Pakt fordert die Staaten auf, weitere Maßnahmen zur Eindämmung potenter Nicht-CO2-Gase wie Methan in Betracht zu ziehen. Neben dem klimaschädlichen CO2 bedroht auch der «böse Zwillingsbruder» Methan unsere Atmosphäre. Methan entsteht zu 40 Prozent auf natürliche Weise und kommt vor allem in Mooren vor. Wenn in Polarregionen Permafrostböden auftauen, entweicht das Gas. Ebenfalls enthält das Dokument der COP26 eine Formulierung, die die Notwendigkeit eines «schrittweisen Ausstiegs aus der Kohle» und eines «Auslaufens der Subventionen für fossile Brennstoffe» betont. Dies war das erste Mal, dass die Verhandlungsführer in einem Klimakonferenz-Beschluss ausdrücklich auf die Abkehr von der Kohle und den Abbau der Subventionen für fossile Brennstoffe hinwiesen. Eine Formulierung zur verpflichtenden Abkehr der Förderung fossiler Energieträger liest sich jedoch anders.
Erreichen wir das 1,5 Grad-Ziel?
Bis 2022 sollen neue nationale Verpflichtungen zur Einhaltung der 1,5 Grad-Marke vorliegen. Das 1,5-Grad-Ziel bezeichnet das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, gerechnet vom Beginn der Industrialisierung um 1850 bis zum Jahr 2100.
In dem neuen Dokument, in dem auch der Ausstieg aus der fossilen Energie bekräftigt wird, wird unter anderem eingeräumt, dass ein Anstieg der Temperaturen um 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau bis zum Jahr 2100 im Vergleich zu 2 Grad «die Auswirkungen des Klimawandels» begrenzt, dass aber zur Erreichung dieses Ziels «rasche, tiefgreifende und nachhaltige Reduzierungen der globalen Emissionen» erforderlich sind. In Zahlen bedeutet dies konkret, dass beispielsweise der CO2-Ausstoss bis 2030 um 45 % unter das Niveau von 2010 und bis Mitte des Jahrhunderts auf Null gesenkt werden soll.
Aber das COP26-Abkommen, so Jennifer Tollman vom europäischen Thinktank E3G, ist «weich». In Anbetracht der Tatsache, dass viele Staaten das 1,5-Grad-Ziel, dass schon im Pariser Abkommen fixiert wurde, absichtlich ignoriert haben, bedarf es viel strengerer Verpflichtungen zur Einhaltung der CO2-Reduzierung. Laut Tollman zeigt das Dokument im Allgemeinen «die Diskrepanz zwischen dem, was die Verhandlungsführer auf den Tisch legen, und dem, was sie in den ersten Tagen der COP angekündigt haben».
Finanzielle Unterstützung für ärmere Länder
Im Abkommen der UN Klimakonferenz 2021 wird die Bedeutung öffentlicher und privater Finanzmittel zur Erreichung der Klimaschutzmassnahmen bekräftigt. Bis zum Jahr 2023 wird zudem festgelegt, dass 100 Milliarden Dollar an Hilfsgelder – vorwiegend an Entwicklungsländer – fliessen sollen. Bei der Verteilung der Gelder konzentriert man sich auf einen Entschädigungsmechanismus für Verluste und Schäden, die durch katastrophale Klimaereignisse verursacht werden.
Die verpasste Chance: Reduce, Reuse, Recycle
Laut dem Global Electronic Waste Monitor 2020 der Vereinten Nationen (UN) ist Elektroschrott der weltweit am schnellsten wachsende Abfall, der allein im Jahr 2019 eine Rekordmenge von 53,6 Millionen Tonnen darstellte. Bis 2030 wird Elektroschrott voraussichtlich auf 74 Mio. Tonnen pro Jahr anwachsen. Dieses an Relevanz immer stärker werdende Problem suchte man vergeblich auf der Agenda der COP26. Während die aktuellen Regierungsstrategien die Absicht verfolgen, Lösungen zur Emissionsreduzierung zu schaffen, wurden Möglichkeiten zur Förderung und Unterstützung der Wiederverwendung und des Recyclings seltener Materialien und funktionaler Produkte übersehen. Dadurch wurde die Gelegenheit verpasst, den Fortschritt einer Circular Economy voranzutreiben. In der IT-Branche ist das Potenzial dieses Wirtschaftsmodells besonders gross. Viele PCs, Server oder Bildschirme sind noch funktionstüchtig und können weiterhin verwendet werden. Denn eine Zweitverwendung ist wesentlich ökologischer als direktes Recycling. Der Grund: Beim Recycling können nicht alle Bauteile und Rohstoffe wiederverwendet werden und die Wiederaufbereitung braucht Energie. Prime Computer nimmt grössere Mengen an gebrauchten IT Geräten zurück und führt sie über zertifizierte Partner wieder in den Wirtschaftskreislauf ein. Sacha Ghiglione, CEO von Prime Computer, hielt kürzlich eine Keynote-Präsentation auf dem COP26 We Don’t Have Time Backdoor-Event am CIRCULAR ELECTRONICS DAY um dem gewichtigen Thema trotz Fehlens auf der offiziellen Agenda der Klimakonferenz Gehör zu verschaffen.
Transparenz der Massnahmen
Ein weiterer wichtiger Punkt, der nach wie vor ungelöst ist, ist die Transparenz. Wie die Emissionsdaten der Länder offen gelegt und deren CO2-Ausstoss überwacht werden soll, bleibt unklar. In den Verhandlungen wird an den Excel-Dateien gearbeitet, die die Emissionsdaten enthalten und man feilt an deren Darstellungen. Dies ist eine völlige Veränderung gegenüber der Vergangenheit, denn, wie Alden Meyer, Senior Associate bei E3G, betont, zeigen Umfragen, «dass wir das wahre Ausmass der Emissionen möglicherweise unterschätzen. Wir müssen die Transparenz erhöhen.»
Resümee
KlimaschutzaktivistInnen ziehen ein enttäuschtes Resümee: «Was auf dem Tisch liegt, ist immer noch nicht gut genug», sagte Tracy Carty, Leiterin der Oxfam-Delegation. Bei dieser Klimakonferenz ging es vor allem ums Geld. Denn ohne Mittel bleiben alle guten Absichten der Erklärung Makulatur. Und die reichsten Länder kommen an den Verhandlungstisch, ohne ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Die 100 Milliarden Dollar, die den Entwicklungsländern für den Übergang bis 2020 versprochen wurden (eine Zusage der Kopenhagener Konferenz von 2009), sind nicht eingetroffen, so dass letztere die ersteren nun um mehr Mittel und sicherere Zusagen bitten müssen. Zudem ist die politische Elite noch nicht genug sensibilisiert, sich dem dringenden Problem des wachsenden Elektroschrotts anzunehmen und das Potenzial der Kreislaufwirtschaft zu erkennen. Darum braucht es engagierte und mutige UnternehmerInnen, die dieses Problem als Chance sehen und mit ihren innovativen Ideen unsere Zukunft nachhaltig gestalten.