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Wertekohärente Organisationskultur in Sozialen Organisationen?
Eine ethnographische Untersuchung zu widersprüchlichen Kommunikations- und Handlungspraxen in der Sozialen Arbeit
Das Phänomen Organisationskultur ist subtil, facettenreich und komplex. Organisationskultur ist das Muster von Grundannahmen, nimmt Einfluss auf das Image von Organisationen und prägt das Verhalten von Mitarbeitenden. Im ständigen Austausch mit der Umwelt zeigt sich Organisationskultur als gemeinsam akzeptierte Realitätsinterpretation, die das tägliche «Tun» in Organisationen beeinflusst.
Die vorliegende Master-Thesis ist das Ergebnis des Forschungsvorhabens, Organisationskulturen und damit verbundene Deutungs- sowie Handlungsmuster in Sozialen Organisationen zu erfassen. Das Projekt stellt sich die Aufgabe, aus neo-institutionalistischer Perspektive zu einer Klärung von organisationalen Fassaden in Sozialen Organisationen beizutragen. Genderspezifischen und kommunikativen Aspekten kommen in der Untersuchung eine Schlüsselrolle zu, indem der Frage nachgegangen wird, wie einflussmächtig Organisationskultur auf die Teamarbeit und die Arbeit mit Klientinnen und Klienten ist. Der Fokus liegt auf der Sichtbarmachung von widersprüchlichen Praktiken, indem überprüft wird, ob auf der Aktivitätsebene innerhalb der Organisationen effektiv «das getan wird, was gesagt wird».
Das Sample besteht aus zwei Teams von sozialen Schweizer Organisationen mit sozialtherapeutischem Setting, die Frauen und Männern mit psychosozialen Schwierigkeiten und/oder Suchtproblematiken Wohnmöglichkeiten bieten. Die Untersuchung erfolgt mittels eines methodentriangulativen Forschungsdesigns, bei dem die Kombination aus qualitativen Daten zum Zweck der Generierung eines mehrfachperspektiven Bildes des Untersuchungsgegenstandes erfolgt. Dem Forschungsprojekt liegt Datenmaterial der qualitativen Verfahren der Gruppendiskussion, der teilnehmenden Beobachtung und der Analyse von Organisationsdokumenten vor.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein reziprokes Zusammenspiel von Organisationskultur, Teamarbeit sowie der Arbeit mit Klientinnen und Klienten identifizieren lässt. Anhand verschiedener Situationen konnten widersprüchliche Praxen in Sozialen Organisationen illustriert werden, die auf das Phänomen des «Fassadenmanagements» hindeuten. Weiter konnten erwartungskonform Praxen der Geschlechterdifferenzierung in mehreren Dimensionen hervorgebracht werden, die geschlechterspezifische Ungleichheiten reproduzieren. Aufgrund der Untersuchungsbefunde zeigt sich einerseits der Bedarf einer genderreflektierten Teamarbeit und andererseits die Notwendigkeit, mit Mut, Selbstreflexion sowie Offenheit organisationale Widersprüchlichkeiten sichtbar zu machen, damit im Handlungsfeld der Sozialen Arbeit wertekohärent agiert werden kann.