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Zehn der 23 auf der Bahn in einer Einzeldisziplin an den Start gegangenen Schweizerinnen und Schweizer überstanden die Vorläufe respektive die Qualifikation - Siebenkämpferin Annik Kälin musste weder noch bestreiten. In den Halbfinals behaupteten sich einzig die Hürdensprinter Jason Joseph (7.) und Ditaji Kambundji (7.), was eine Erfolgsquote von 25 Prozent (2 von 8) ergibt. Für Angelica Moser im Stabhochsprung (5.) und Simon Ehammer im Weitsprung (9.) war das Überstehen der Qualifikation gleichbedeutend mit dem Finaleinzug. Von den drei Staffeln erreichten die Frauen über 4x100 m den Final, in dem sie wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert wurden.
An der WM im vergangenen Jahr in Eugene hatte das Schweizer Team sieben Top-8-Klassierungen geschafft, so viele wie noch nie an diesem Anlass. Zwei davon holte Mujinga Kambundji, die wegen einer hartnäckigen Entzündung der Plantarfaszie nicht in Topform nach Budapest reiste und lediglich über 100 m (13.) antrat. Zudem musste Annik Kälin, die letztjährige WM-Sechste im Siebenkampf, nach zwei Disziplinen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Von daher kann sich die Bilanz in der ungarischen Hauptstadt durchaus sehen lassen.
«Für eine Medaille muss alles stimmen»
Dass nichts aus der zehnten WM-Medaille für die Schweiz in der Leichtathletik wurde, dazu sagte Chef Leistungssport Philipp Bandi: «Für eine solche muss alles stimmen, das war hier nicht der Fall. Fünf Finalplätze (Bandi zählt Ehammer dazu - Red.), das ist eine positive Bilanz, denn man hat gesehen, dass das Niveau in der Weltsportart Leichtathletik sehr hoch ist.»
Eine persönliche Bestmarke schafften vom Schweizer Team Stabhochspringerin Angelica Moser mit 4,75 m und Léonie Pointet über 200 m in 23,16 s. Saisonbestleistungen gelangen in einer Einzeldisziplin Lore Hoffmann (800 m) und Julien Bonvin (400 m Hürden). Das ist eher dürftig. «Den einen oder anderen Halbfinalplatz mehr hätte ich noch erwartet», sagte Bandi.
Das Highlight aus Schweizer Sicht war für ihn wenig überraschend Moser. Weiter hob er den Finaleinzug der Sprintstaffel der Frauen hervor, die ohne Mujinga Kambundji und Ajla Del Ponte (hat Saison abgebrochen) auskommen musste. «Das ist eine tolle Geschichte, spricht für die Breite, die wir nun in diesem Bereich haben», so Bandi. Überhaupt zahlen sich die Staffelprojekte des Verbandes aus.
Problem Wurfdisziplinen
Mit 37 Athletinnen und Athleten war die Schweizer Delegation in Budapest so gross wie noch nie an einer WM. In Wurfdisziplinen war Swiss Athletics allerdings nicht vertreten. «Das ist ein Problem, das wir haben», sagte Bandi. Es brauche mehr Trainer, die wirklich etwas von Würfen verstehen würden. Ein weiteres Thema sei, dass früher mit gezieltem Krafttraining begonnen werden müsse.
Überhaupt gibt es bezüglich der Professionalisierung der Trainer noch Luft nach oben. Da muss weiter investiert werden, damit die Vereine noch mehr entlastet werden. All das kostet allerdings Geld. «Eine Strategie wäre, etwas gar nicht anzubieten. Das können wir uns in der vielfältigen Schweiz jedoch nicht erlauben», erklärte Bandi. «Wir haben das Gefäss Swiss Starters hinterfragt, wollen aber das Kader weiter gross behalten und Chancen ermöglichen.»
So oder so stimmt der Weg, das zeigen auch die Erfolge an den Nachwuchs-Grossanlässen. In Budapest betrug das Durchschnittsalter des Schweizer Teams 25 Jahre. Die Aushängeschilder Ditaji Kambundji, Ehammer und Joseph sind 21, 23 respektive 24 Jahre alt, Moser ist 25-jährig. Alle vier dürften der Leichtathletik noch lange erhalten bleiben und den Zenit noch lange nicht überschritten haben. Das sind sehr gute Perspektiven. Nun gilt es für Swiss Athletics zu schauen, dass neue Mittel generiert werden, «damit wir die Entwicklung weiter befeuern können», sagte Bandi. «Wir können uns trotz der Erfolgswelle nicht zurücklehnen.»