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1. Was ist Ihre Rolle und was machen Sie konkret?
Ich übernehme die Rolle des Site Managers für die beiden Tessiner Produktionsstandorte eines multinationalen Luxusunternehmens. Es handelt sich hauptsächlich um eine Koordinationsfunktion zwischen dem lokalen Geschäft, den lokalen IT-Ressourcen und der IT-Struktur des Unternehmens. Darüber hinaus fungiere ich oft als PM für die ERP-Implementierungen, die das Unternehmen an den verschiedenen Produktionsstandorten auf der ganzen Welt einsetzt. Das Tolle an meiner derzeitigen Tätigkeit ist, dass sie nicht nur sehr abwechslungsreich ist, sondern es mir auch ermöglicht, rein technische Aufgaben mit Tätigkeiten zu kombinieren, die einen höheren ‚menschlichen Anteil‘ haben, wie z. B. das Sammeln von Anforderungen oder Analysen mit Lieferanten.
2. Welchen beruflichen Weg haben Sie eingeschlagen, um diese Rolle zu erreichen?
Ich hatte bereits in der High School beschlossen, dass ich „mit Computern arbeiten“ möchte. Es war noch ein recht vages Programm, aber es führte mich schließlich zu einem Abschluss in Computertechnik. Von dort aus bin ich, immer noch ohne klare Richtung, in die Arbeitswelt eingetreten, zunächst als Programmierer und dann als EDV-Berater. Irgendwann bekam ich die Gelegenheit, in die IT-Abteilung eines multinationalen biomedizinischen Unternehmens einzutreten, wo ich die Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus von Implementierungen des internen Verwaltungssystems übernahm. Der anschließende Wechsel führte mich zu meiner jetzigen Position. Das Unternehmen suchte jemanden, der die Inbetriebnahme des Schweizer Produktionsstandorts auf der IT-Seite begleiten und als lokaler Ansprechpartner für die zentrale IT-Abteilung fungieren konnte, und der auch die lokalen Lieferanten betreuen und einen erstklassigen Helpdesk-Service anbieten konnte.
3. Wie lassen sich Projektmanagement und Luxus miteinander verbinden? Was sind die größten Herausforderungen in diesem Beruf?
In Anbetracht der Besonderheit des Sektors sind Exzellenz und Schnelligkeit bei der Umsetzung zwei Must-haves. Die größte Herausforderung besteht darin, Qualität und Zeitplan entsprechend den Erfordernissen der Produktionskette miteinander zu verbinden und gleichzeitig die Kosten unter Kontrolle zu halten, was ein hohes Maß an Organisation und Kontrolle erfordert. Die Luxusgüterindustrie ist wie die gesamte Modebranche eine stark saisonabhängige Branche, in der das Timing vom Markt diktiert wird. Die IT-Abteilung muss das Unternehmen bei der Erreichung seiner Ziele unterstützen. Daher muss ich oft dafür sorgen, dass robuste und zuverlässige Lösungen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zur Verfügung stehen.
4. Wie gelingt es Ihnen, die Koordinierung von lokalen, unternehmensinternen und produktionsbezogenen Maßnahmen weltweit zu vereinen?
Entscheidend ist, dass die Initiativen, die sich aus den „lokalen“ Bedürfnissen ergeben, mit den Strategien und Programmen des „globalen“ Unternehmens in Einklang gebracht werden. Eine große Hilfe dabei ist die Standardisierung von Prozessen, die es dem gesamten Unternehmen ermöglichen, die gleiche Sprache zu sprechen. Natürlich ist auch die vertikale (hierarchische) und horizontale Kommunikation zwischen verschiedenen geografischen oder funktionalen Gruppen sehr wichtig, um zu vermeiden, dass nach Lösungen gesucht wird oder Praktiken übernommen werden, die bereits anderswo definiert und angewendet wurden. Alle diese Aspekte sowie das Änderungsmanagement werden von dem Unternehmen gemäß den ITIL-Verfahren verwaltet.
5. Was werden Ihrer Meinung nach die nächsten Trends sein, die den Einsatz des Projektmanagements im Luxussektor weiter verbessern werden?
Wie in vielen anderen Sektoren nimmt auch in der Luxusgüterindustrie das Innovationstempo ständig zu. In einer sehr wettbewerbsintensiven Branche ist es notwendig, Produkte und das Kundenerlebnis kontinuierlich zu verbessern und zu erneuern. Auch die Informationstechnologie ist gefordert, um diese unternehmerischen Bemühungen zu unterstützen. Man denke nur daran, wie sehr die Bedeutung von Big Data und künstlicher Intelligenz in den Unternehmensstrategien zunimmt. Das Projektmanagement (ich spreche hier speziell über den IT-Aspekt, aber der Diskurs lässt sich leicht verallgemeinern) ist von grundlegender Bedeutung, um die Kontrolle und die Kohärenz der Ressourcennutzung aufrechtzuerhalten, aber es muss auch flexibel genug sein, um mit den Rhythmen und den sich ändernden Anforderungen des Marktes Schritt zu halten. In dieser Hinsicht habe ich eines der Merkmale von PRINCE2 sehr geschätzt, nämlich die ständige Überprüfung während des gesamten Projekts, ob die Endziele erreichbar sind, ob sie den erwarteten Wert erbringen und ob das gesamte Projekt die ursprünglich geplante Qualität, Zeit und Kosten einhält.