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Golfsuisse 05-13
Frau Muggli ist fast «fore»bildlich
Das ist wahnsinnig lieb von Frau Muggli, dass sie «FORE!» ruft. Wobei «rufen» vielleicht nicht die richtige Umschreibung für das ist, was sie jeweils tut, wenn sie sieht, dass sich ein Ball einem anderen Spieler gefährlich nähert. Es ist eher eine Art Piepsen, denn ihr fehlt ganz offensichtlich die Routine. Das kommt natürlich auch daher, dass man beziehungsweise frau in unseren dicht besiedelten Wohngegenden gelernt hat, beim Sex aufs Maul zu hocken und in sich hineinzuschreien. Aber auf dem Golfplatz, da darf man schon ein bisschen aus sich herauskommen, Frau Muggli! Wer eine Offiziersschule besuchte oder öfter mal mit Parkbussenverteilerinnen zu tun hat, ist deutlich im Vorteil.
Frau Muggli hat das nicht. Und 93 Dezibel bringt sie höchstens auf die Waage. Es scheint übrigens ein Trend zu sein, dass man nicht mehr «FORE!» ruft. Vielleicht haben die Spieler Angst, andere zu erschrecken und negativ aufzufallen. Kann aber auch sein, dass es daran liegt, dass wir bei den TV-Übertragungen der grossen Turniere kaum mehr einen Golfer zu Gesicht bekommen, der «FORE!» ruft, dass uns also die «Forebilder» fehlen. Woods & Co. begnügen sich ja damit, den rechten Arm schlapp hochzuhalten, um zu bedeuten, dass ein mörderischer Slice in Richtung Publikum unterwegs ist. Dabei gehört das doch zur Etikette: Weisst du nicht, wo dein Ball landet, dann warne gopfertelli deine Mitmenschen! Das war schon vor 1857 so, als der Ruf zum ersten Mal in einem Golfbüchlein erwähnt wurde.
Zum Ursprung des Begriffs «Fore» findet man übrigens keine definitive Erklärung. Die einen vermuten, dass er vor 200 Jahren geprägt wurde, als die Bälle noch ein Vermögen kosteten und man Fore-Caddies anheuerte, um die kostbaren, mit Federn gefüllten und
vernähten Feathery-Bälle zu retten. Die anderen meinen, dass der Begriff militärischen Ursprungs sei. Bei den schottischen Dragonern rief man scheints jeweils unmittelbar vor dem Abfeuern der Musketen «FORE!», um den Füsilieren klarzumachen, dass es jetzt doch relativ schlau wäre, die Ohren anzulegen und sich zu ducken. Gerade auf Plätzen, deren Bahnen sehr eng oder gar gekreuzt angelegt sind, weil der Architekt in Gedanken bereits beim 92er-Bruichladdich-Whisky war, hilft es ungemein, wenn man kurz vor dem Schlag noch rasch checkt, wo sich Lebewesen befinden. Heikle Situationen findet man überall. Sogar bei uns in Sagogn überoben. Zum Beispiel auf der Elf. Da versuchen die Longhitter, einen Draw zu spielen. Die Flugbahn führt dabei haarscharf am 15. Grün vorbei und dann spektakulär nahe an der 15. Spielbahn entlang, auf der sich die entgegenkommenden Flights den Hang hochschwingen. Nun ist es leider so, dass Golfer zwar gerne vom Draw reden, diesen aber nicht immer hinkriegen. Und dann pfeift der Ball halt geradeaus. Oder, noch besser, slicet weg. Das gebrüllte «FORE!» ist dann wirklich das A und O. Nun nützt aber natürlich alles nichts, wenn unser Herr Muggli die Warnung überhört und – wie zwei Drittel aller Golfer – erst staunend stehen und dann, vom Ball getroffen, liegen bleibt.