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Konolfingen:
Mit gegensätzlichen Werken vermochte das Orchester Konolfingen zu begeistern. Es trat mit Zuzug von zwei Solocellisten und einem Bläserquintett auf.
Der Cellist Samuel Niederhauser eröffnete den Konzertabend mit dem musikalischen Gebet «Kol Nidrei», dem klassischen Abendgebet vor dem jüdischen Jom-Kippur-Versöhnungstag von Max Bruch (1838?–?1920). Zusammen mit den Streichern erklang eine Interpretation, welche die flehenden Ausdrücke des Gebets schön widerspiegelten. Die Dynamik und das Können des Solisten prägten die Aufführung. Das zweite Gebet, Prayer, entstand 40 Jahre später. Ernest Bloch (1880?–?1959) komponierte es als Satz einer dreiteiligen Suite. Solist Sandro Meszaros spielte engagiert, brillant, mit grossem Einfühlungsvermögen. Hier wirkte das Gebet fast klagend, fordernd und auch verzweifelt.
Obwohl beides jüdische Gebete sind, gelang es den Ausführenden, die Unterschiede der verschiedenen Ausdrucksweisen subtil musikalisch darzustellen.
Streicher in Hochform
Zwischen den beiden Gebeten erklang das Concerto Armonico Nr. 1, das erste von sechs Konzerten für Streichorchester des holländischen Grafen van Wassenaer. Erst 1979 wurde ein Manuskript entdeckt, das den holländischen Grafen als Komponist auswies. Bis dahin wurden die Concerti wegen ihrer hochstehenden Qualität Pergolesi oder Ricciotti zugeschrieben. Das Orchester spielte vor allem im letzten Satz (Allegro) zupackend, überzeugend, nicht zuletzt dank der souveränen Leitung von Peter Knecht, der die Streicher zur Hochform anzuspornen vermochte.
Von Ferenc Farkas (1905?–?2000) interpretierte das Bläserquintett drei ungarische Tänze. Ein abrupter Stimmungswechsel in der Kirche – vom Besinnlichen zum Tanz – war dank der vorzüglichen und fröhlichen Spielweise der Bläser spürbar. Ein sehr schöner Kontrast! Die rumänischen Volkstänze von Bela Bartok (1881–1945) steigerten dieses Empfinden noch und leiteten über zum Concerto opus 72 für zwei Celli und Orchester von Bernhard Romberg (1767?–?1841).
Unglaubliche Präzision
Was die beiden Solisten, zusammen mit dem gutgelaunten Orchester und den Bläsern, hier boten, war ausgezeichnet. Am liebsten hätte man zu den tollen Rhythmen getanzt. Mit unglaublicher Präzision und Virtuosität rissen die beiden Cellisten die Streicher und Bläser zu einer bewundernswerten Interpretation mit. Erst nach zwei Zugaben verliess das Publikum nach grossem Applaus gutgelaunt die Kirche.