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Dorf: 85 Häuser, 1103 Ew. Katholische Pfarrei, die drei Gemeinden Saignelégier, Muriaux und Bémont umfassend.
Die Reformierten
der Freiberge waren früher nach Pruntrut eingepfarrt und haben nun seit 1905 ihre eigene Kirchgemeinde mit Pfarrkirche in
Saignelégier. Saignelégier, etwa in der Mitte der weiten Hochfläche der Freiberge gelegen, ist ein
schmucker kleiner Flecken, der rings von prachtvollen Sennbergen umrahmt wird, auf denen im Sommer zahlreiche Rindvieh- und
Pferdeherden weiden. Das nur schwach ausgebildete Thal von Saignelégier öffnet sich nach W. oberhalb Goumois zum Doubsthal.
Gesundes Klima; Sommerhitze durch die hohe Lage gemässigt, frische Nächte, Nebel selten; sonnige aber
lang andauernde Winter und reichliche Schneedecke. Während diese hohen Lagen früher wasserarm waren, sind das Dorf und
seine einzelnen Häuser heute reichlich mit Trink- und Brauchwasser versehen. Das am Doubs stehende Elektrizitätswerk Le Theusseret,
das Saignelégier mit Licht und Kraft versorgt, pumpt zugleich auch das Wasser der Quelle von «Derrière
le Moulin» in ein grosses Reservoir hinauf, das sich nahe dem Signal von Saignelégier befindet und ein vollständiges Hydrantennetz
speist.
Der Ort nimmt immer mehr modernes Gepräge an, indem die alten Häuser schönen Neubauten weichen müssen. Die Pferdemärkte
und Prämienschauen ziehen alljährlich viele Besucher an. Hauptbeschäftigung der Bewohner sind Vieh-,
besonders Pferdezucht, sowie auch Holzhandel. Sitz des Amtsstatthalters und des Amtsgerichtes der Freiberge, des Betreibungs-
und Konkursamtes. Amtsspital (1882 gegründet) und Mädchenwaisenhaus (seit 1866), die beide von barmherzigen Schwestern
besorgt werden.
Sekundarschule. Ein Bankgeschäft, Sparkasse. Schreinereien und mechanische Werkstätten. Verschiedene Vereine und Gesellschaften,
Sektion der Société Jurassienne d'Émulation. Eine Zeitung. Von öffentlichen Gebäuden ist vor allem
die 1825 im Bau vollendete alte Pfarrkirche bemerkenswert, deren sehr niedriger Glockenturm aus 1593 stammt. Die Kirche enthält
die Reliquien des h. Venustus, die aus den Katakomben von Rom 1740 hierher gebracht worden sind, und diejenigen der h. Faustina,
die man 1831 aus der Katakombe des h. Hippolytus hierher versetzte.
Nennenswert sind ferner noch die Amtsstatthalterei, ein massives und düsteres Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das zuerst
den Kastlanen der Fürstbischöfe und seit 1815 den bernischen Landvögten als Wohn- und Amtssitz gedient hat; das Spital,
das Waisenhaus und das Schulhaus «Juventuti». Die mit
einer Prämienschau verbundenen Pferdemärkte finden in einem grossen und eleganten Gebäude s. über dem Dorf statt. Reizende
Umgebungen; Waldungen mit prachtvollen alten Tannen. Vom Signal (1073 m) n. über dem Dorf geniesst man eine bewundernswerte
Aussicht auf die Alpen und die Vogesen. Saignelégier wird
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sich ohne Zweifel mit der Zeit zu einer Sommerfrische entwickeln. St. Karlskapelle, 1620 erbaut und am Eingang zum Friedhof 1880 neu
erstellt. Der 1862 gebaute Spital brannte 1881 ab und erstand schon im folgenden Jahre wieder als grösseres und schöneres
Gebäude, das eine dem h. Joseph geweihte hübsche Kapelle enthält. Reste einer prähistorischen Eisenerzmine
bei Le Chaumont.
Saignelégier ist keine sehr alte Ortschaft, indem die ersten sie erwähnenden Urkunden aus 1382 und 1397 stammen. Die Geschichte
des Ortes ist eng verknüpft mit derjenigen der Freiberge überhaupt und der der Burgherrschaften Spiegelberg und Montfaucon
im besonderen. Saignelégier gehörte nahezu zwei Jahrhunderte lang zur Pfarrei Montfaucon und wurde erst 1629 eigene
Kirchgemeinde. Heute ist es der Sitz des Dekanates der Freiberge. Im Verlauf der französischen Revolution war der Franzose
Gruel, der bei der Erstürmung der Bastille eine Rolle gespielt hatte, mit einer Anzahl anderer Revolutionäre nach Saignelégier
gekommen, um das Volk zum Aufstand gegen den Fürstbischof aufzureizen. Am wurde er aber nahe
der Pfarrkirche erschlagen und auf freiem Felde eingescharrt.
Nach dem Uebergang des Bistums an Frankreich setzte man seine Ueberreste auf dem Friedhof bei. Wenige Wochen nach Gruel's
Tod kam der Agitator Rengguer de la Lyme mit einigen Gesinnungsgenossen nach Saignelégier, wo er die
Altäre, Beichtstühle, Gemälde etc. der Kirche zu einem grossen Haufen anschichten liess, den er sodann anzündete und um
den er unter Absingen der Carmagnole herumtanzte. Später verkaufte er alle goldenen und silbernen Kelche, die er aus den
Kirchen der Gegend gestohlen hatte, nach La Chaux de Fonds. Da die Pfarrkirche von Saignelégier der Mariä
Himmelfahrt geweiht ist, hat der Ortsname mit Saint Léger (dem h. Leodegar) wohl nichts zu tun, sondern reiht sich den zahlreichen
anderen ähnlichen Bezeichnungen für ein sumpfiges Gelände (saigne, sagne, seigne, sagnette, sagnottes, sagneules etc.)
an.