Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/2687

Anna Maria Moller wird am 14. September 1676 in Würzburg geboren. Sie nimmt den Namen ihres Stiefvaters Adam Wolfgang von Rottenberg an. Mit 18 Jahren, im August 1694 wird sie im Dominikanerinnenkloster St. Katharinenthal (alte Schreibweise Catharinathal, neueste Schreibweise St. Katharinental) bei Diessenhofen aufgenommen. Sie soll die Wahl nach einer Einsiedler Wallfahrt getroffen haben. Zu Einsiedeln hat sie auch später enge Beziehungen, sei es durch dortige Vettern (P. Meinrad Brenzer 1695–1765) und Neffen (P. Bonifaz d'Anethan 1714–1797), oder durch die Kopie der Einsiedler Gnadenkapelle in St. Katharinenthal. 1695 legt sie die Profess unter dem Klosternamen Maria Dominica Josepha ab. Sie wird 1712 Priorin und beginnt sogleich mit der Reformtätigkeit im Kloster. Energisch fördert sie als Grundlage einer bedingungslosen Klausur den Neubau des Klosters, als Bauherrin gibt sie dem Baumeister Franz Beer II ein klares Raumprogramm vor. Der Neubau wird mit praktisch leeren Kassen 1715 begonnen. Die Vorsteherin hat aber nebst ihrem starken Glauben und ihren mystischen Erlebnissen auch einen guten Draht zu finanzkräftigen Kreisen. Ein Wunder ist sicher, dass der Klosterneubau finanziert werden kann, denn schon 1717 werden die Nonnen in der neuen Klausur im fertig gestellten Ost- und Nordflügel «eingeschlossen». Nach einer finanziellen Erholungspause führt Frau Dominica mit Johann Michael Beer von Bleichten, dem Sohn von Franz Beer, 1732−1735 den Kirchenneubau durch. Mit der vollendeten Klosteranlage hat sie die Voraussetzungen für eine streng ordenskonforme Kommunität geschaffen.
Die Nachricht von entsprechenden Erfolgen erreicht auch den Abt von St. Gallen. In seinem Auftrag nimmt sich die Priorin Dominica Josepha von Rottenberg persönlich der Reform in Frauenklöstern auf St. Galler Gebiet an: 1725 Wil, 1727 Maria der Engel in Wattwil, sodann St. Scholastika (Rorschach), Notkersegg (St. Gallen) sowie wahrscheinlich St. Georgen bei St. Gallen und Maria Hilf, Altstätten. Neben der Blüte zur Zeit der Hochgotik im 13./14. Jahrhundert darf die Epoche dieser Priorin und ihrer Barockbauten füglich als zweiter Höhepunkt in der Geschichte St. Katharinenthals betrachtet werden.
Maria Dominica Josepha von Rottenberg stirbt am 30. Januar 1738, im 63. Altersjahr. Ihr Epitaph befindet sich an der Nordwand vor dem Marienaltar.
Pius Bieri 2008
Benutzte Literatur:
|Maria Dominica Josepha von Rottenberg (1676–1738)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|14. September 1776||Würzburg Bayern D||Fürstbistum Würzburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Priorin OP in St. Katharinenthal||1712–1738|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|30. Januar 1738||St. Katharinental Thurgau CH||Gem. Herrschaft Thurgau|
|Kurzbiografie|

Maria Dominica Josepha von Rottenberg ist in ihrem religiösen Eifer und in ihrem Willen zur Durchsetzung der strengen nachtridentinischen Frauenklöster-Reform eine Ausnahmeerscheinung im lebensfrohen katholischen Barock. Ihre mystischen Erscheinungen setzen zwar eine mittelalterliche Tradition in St. Katharinenthal fort, sie fördern im Verbund mit ihrer asketischen Lebenshaltung auch schnell den Ruf der Heiligkeit und erschweren heute eine sachliche Würdigung ihrer Reformleistungen. Beim Klosterneubau in St. Katharinenthal setzt sie die Planungsschwerpunkte und erreicht zur Genugtuung der dominierenden Männergesellschaft die völlige Abschottung der Frauen von der «Welt». Gleichzeitig führt sie das wenig begüterte Kloster in eine neue Blütezeit.
|PDF (nur Text)||Bildlegende|