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Eine erneute Blogparade fragt nach Projekterfahrungen, insbesondere diejenigen des erfolgreichsten und des übelsten Projekts(1).
Über ein erfolgreiches Projekt kann ich hier nicht berichten. Meine Projekte hatten keinen Anfang und kein Ende und waren stets problembeladen. Das mag auch darin gründen, dass ich als Projektberater oft als Troubleshooter geholt wurde.
Insofern waren alle Projekte, in die ich involviert war, relativ übel. Hier erzähle ich von einem Projekt, dessen unternehmerischer Kontext gar keinen Erfolg zuliess(2).
Das wirft die Frage auf, inweifern sich der Projektmanager im unternehmerischen Kontext eines Projekt engagieren soll und kann.
Der Projektkontext
Der Projektvertrag bestand zwischen dem Kunden und der nationalen Niederlassung eines internationalen Systemintegrators. Die Projektleitung und –durchführung oblag aber irgendeinem Competence Center im Ausland, das gleichzeitig mehrere Rollouts durchführte und sich natürlich auf diejenigen fokussierte, die am grössten und damit am lukrativsten waren.
Wenn immer der Kunde etwas zu bemerken oder gar bemängeln hatte, wandte er sich an seinen Vertragspartner, die Zweigniederlassung des Systemintegrators. Diese hatte aber keine Kompetenzen und musste alles dem Competence Center weiter geben. Dessen Ressourcen waren jedoch in Parallelprojekten beschäftigt und oft nicht verfügbar.
Das Verhalten der nationalen Niederlassung
Zunächst hat das Competence Center die Notwendigkeit jeglicher Aufwendungen der Zweigniederlassung abgestritten, während der Kunde das Risiko erkannt und mehrmals deutlich darauf hingewiesen hat, dass er volle Aufmerksamkeit für sein Projekt erwarte.
Die Zweigniederlassung konnte das Competence Center schliesslich überzeugen, dass der heikle Kunde Vorortbetreuung benötige. Die Zweigniederlassung funktionierte zunächst als Kommunikationsdrehscheibe zwischen dem Kunden und dem Competence Center.
Am Anfang konnte die Zweigniederlassung lediglich Druck auf das Competence Center machen, mehr Projektressourcen zu allozieren und diese lokal zu stationieren. Später warf das Competence Center der Zweigniederlassung dafür vor, ihre Kunden nicht im Griff zu haben.
Ich versuchte, dem CEO der Zweigniederlassung begreiflich zu machen, dass er in der Linie intervenieren soll, weil das Projekt in diesem Kontext zum Scheitern verurteilt sei. Leider konnte ich mich entweder nicht deutlich genug ausdrücken oder er hatte keine Möglichkeit, sich im Europäischen Management durchzusetzen.
Das Projekt endete mit einem grossen Knall, in welchem sich alle gegenseitig beschuldigten und keiner die Verantwortung übernehmen wollte. Dass das System nach Aufzehrung jeglicher Marge und mit einer Verzögerung von ca. 50% dennoch erfolgreich zum Laufen kam, war nebensächlich.
Es geht nicht um Systeme, sondern um Geschichten.
(1) JFtOptimizingPartner: Blogparade: Erfolgreichstes vs. Übelstes Projekt. 23. Januar 2015
(2) P. Addor, Projektdynamik – Komplexität im Alltag. Liebeig-Verlag, 2010. S. 40ff