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Kühe melken und Kälber saugen lassen: Geht das?
Immer mehr Landwirte möchten ihre Milchkühe nach der Geburt nicht von ihren Kälbern trennen. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die Aufzucht von Milchviehkälbern an der Mutter oder Amme viele Vorteile hat: die Kälber nehmen besser zu, bleiben in den meisten Fällen gesünder, zeigen ein besseres Sozialverhalten und deutlich weniger gegenseitiges Besaugen als Kälber, die mit dem Eimer aufgezogen wurden. Zudem kann man einige Arbeiten wie Milch wärmen, Kälber tränken und Eimer waschen sparen. Die mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht ist sympathisch und tierfreundlich, aber sie stellt auch Ansprüche an den Tierhalter, weil man gut beobachten und das System flexibel anpassen muss. Die Betreuung liegt am bester in der Hand einer einzigen Person.
Eine Gruppe von biologisch-dynamischen Höfen hat über vier Jahre verschiedene Systeme ausprobiert und nun zusammen mit dem FiBL und weiteren Biobetrieben ein Merkblatt zusammengestellt. Es gibt grundsätzlich drei Systeme:
- 1. Die Kälber gehen zweimal pro Tag vor oder nach dem Melken zur Mutter.
- 2. Die Kälber sind mehrere Stunden pro Tag oder immer bei der Mutter.
- 3. Die Kälber sind nur zirka zwei Wochen bei der Mutter und gehen dann zu einer Amme, die nicht zusätzlich gemolken wird, sondern zwei bis vier Kälber aufzieht.
Am häufigsten trifft man das 1. System an. Schwierig ist, dass die Kühe die Milch beim Melken meistens nicht gut abgeben, wenn sie wissen, dass ihr Kalb noch zum Saugen kommt. Oft hilft es, wenn man das Kalb zuerst trinken lässt und dann die Kuh melkt. Oder man lässt die Mütter von weiteren, älteren Kälbern leer saugen. Diese Kombination von mutter- und ammengebundener Aufzucht erlaubt es, die Kühe zirka ab der sechsten Woche nach dem Abkalben wieder ganz zu melken und die Kälber dennoch drei bis vier Monate lang an einer Kuh aufzuziehen; ab der sechsten Woche an einer Amme, die selbst ein jüngeres Kalb hat.
In Herden mit saisonaler Abkalbung ziehen am besten ausgewählte Ammen alle Kälber auf einer separaten Weide auf. Bei diesem System ist es besonders wichtig, die Tiere gut zu betreuen.
Das 20 Seiten umfassende, farbige Merkblatt mit dem Titel «Muttergebunden Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung» kann für neun Franken über den FiBL-Shop bestellt werden: