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Geolog*innen auf Spurensuche
Das Konzept des ‘Erdwissenschaftskrimis‘ ist der zentrale Zugang zu den geowissenschaftlichen Inhalten. Es macht sich die Analogie zwischen der aus Büchern, Kino oder Fernsehen bekannten Vorgehensweise der Kriminalistik (CSI / Crime Scene Investigation) und der Vorgehensweise der geologischen Forschung zu nutze. Zusätzlich arbeiten wir mit dem Sinnbild der ‘Sprache der Gesteine‘, das auf Analogien zwischen der Entschlüsselung von Informationen, die in Gesteinen und Landschaften gespeichert sind, und der Entschlüsselung von Sprachen basiert.
Gesteine, Landschaften oder die Morphologie der ganzen Erdoberäche sind vorläuge Resultate langer Reihen mit oder nacheinander ablaufender Prozesse. Will man verstehen, wie so ein Resultat, z. B. ein Gestein oder eine Landschaftsform, zustande kam, müssen möglichst alle involvierten Prozesse erkannt und in umgekehrter Reihenfolge abgewickelt werden. Das Vorgehen der Geologie ist somit vergleichbar mit der Kriminalistik, wo nicht Gesteine oder Landschaften die Endresultate sind, sondern z. B. eine Leiche im Wald. Anhand von Detailbeobachtungen wie Lacksplittern oder den Entwicklungsstadien von Fliegenlarven in Wunden wird in der Kriminalistik Schritt für Schritt rückwärts abgerollt, wie und weshalb es zur Tat kam. Anstelle von Lacksplittern und Fliegenlarven führen in der Geologie z. B. ein versteinerter Fisch in einem Sedimentgestein, ein Granatkristall in einem Gneis oder eine Gesteinsfalte in einer Felswand auf die Fährte der Geschehnisse.
Die Anwendung eines investigativen, mit der Kriminalistik vergleichbaren Ansatzes ermöglicht es, einzelne, besonders aussagekräftige ‘Spuren‘ exemplarisch zu verfolgen und deren Bedeutung für das Verständnis geologischer Prozesse zu erläutern. Dadurch wird deutlich, dass sich geologische Fragestellungen, so komplex sie auch sein mögen, in viele überschaubare und einzeln beantwortbare Teilfragen unterteilen lassen. Die Teilfragen werden durch Beobachtungen im Gelände, an Gesteinen und unter dem Mikroskop, durch Laborarbeit auf der Basis chemischer und physikalischer Methoden und über mathematische Modelle beantwortet. Dies ist vergleichbar mit der Kriminalistik, die Obduktionen durchführen lässt und die für Analysen und Modellrechnungen von forensischen Laboratorien unterstützt wird.
Hier finden Sie den gesamten Einführungstext (pdf).