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Die multifokale Choroiditis und Panuveitis
Die multifokale Choroiditis und Panuveitis ist eine entzündliche Erkrankung des hinteren Augenabschnittes. Es handelt sich um eine eher seltene Erkrankung, die vor allem bei Frauen im Alter von 20 bis 60 Jahren auftritt. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 30 Jahren. In der Regel betrifft die multifokale Choroiditis beide Augen. Dabei haben wir es meist mit einer chronischen Erkrankung zu tun, deren Symptome auch nach einer erfolgreichen Behandlung zurückkehren können.
Die Choroidea ist die Aderhaut des Auges. Sie befindet sich in der mittleren Augenhaut und dient vorrangig der Versorgung der äusseren Netzhautanteile. Ist sie entzündet, dann spricht man von einer Choroiditis. Der Begriffszusatz multifokal beschreibt dabei, dass eine Erkrankung mehrere Herde gleichzeitig betrifft. Diese Herde sind zum Beispiel im Bereich des retinalen Pigmentepithels oder der Choroidea. Das retinale Pigmentepithel wird oft mit RPE abgekürzt. Sie ist die Pigmentschicht der Netzhaut, also der Retina.
Die Uvea ist die Gewebeschicht des Augapfels und besteht aus der Regenbogenhaut (Iris), dem Ziliarkörper (Corpus ciliare) und der Aderhaut (Choroidea). Unter einer Uveitis verstehen Augenärzte eine Entzündung dieser mittleren Augenhaut. Sind alle drei Komponenten der Uvea von der Entzündung betroffen, dann wird dies als Panuveitis bezeichnet („pan“ steht für „ganzheitlich“, deshalb Pan-Uveitis). Eine Entzündung der Iris und des Zilliarkörpers bezeichnet man als Iridozyklitis.
Welche Ursachen hat die multifokale Choroiditis und Panuveitis?
Die Ursachen für die multifokale Choroiditis und Panuveitis sind nach dem heutigen Stand der Augenmedizin noch nicht vollständig geklärt. Allerdings gibt es die Vermutung, dass die choroidale Entzündung in der Folge einer vorherigen Infektion entstehen kann, wenn diese zu einer überschiessenden Immunreaktion führte. Die multifokale Choroiditis und Panuveitis tritt fast immer spontan auf.
Für die Uveitis im Allgemeinen gilt, dass sie unter anderem durch Erreger wie Mykobakterien, Herpes-Viren oder Treponema pallidum hervorgerufen werden kann. Aber auch bestimmte Gelenkerkrankungen und Syndrome, hierzu zählt unter anderem Morbus Bechterew, können die Entstehung einer Uveitis begünstigen.
Welche Symptome treten bei der multifokalen Choroiditis und Panuveitis auf?
Die multifokale Choroiditis und Panuveitis tritt in den meisten Fällen an beiden Augen gleichzeitig auf. Ausprägung und Schweregrad können sich dabei allerdings unterscheiden. Die Symptome der multifokalen Choroiditis und Panuveitis sind vielfältig. Zu Ihnen zählen unter anderem Veränderungen der Sehfähigkeit. Dabei leiden die Betroffenen vor allem an verschwommenem Sehen, an Metamorphopsien, an Skotomen, an Floatern oder an Photopsien.
Metamorphopsien bezeichnen Sehstörungen, bei denen die Umfeld verzerrt wahrgenommen wird. Unter Skotomen verstehen Augenmediziner den Ausfall oder die Dämpfung eines Teils des Gesichtsfeldes. Viele Menschen kennen das typische Flimmerskotom, wie im Zusammenhang mit einer Migräne kurzzeitig entstehen kann. Sogenannte Floater fassen durchsichtige oder dunkle Fäden, Flecken oder Punkte im Gesichtsfeld zusammen. Sie werden vor allem beim Blick auf einen eher hellen Hintergrund wahrgenommen. Bei einer Photopsie nimmt der Patient Lichtblitze, Farben oder Funken war.
Hinzukommen können in einigen Fällen Schmerzen, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, eine Rötung des Auges oder ein Fremdkörpergefühl.
Die Diagnostik der multifokalen Choroiditis und Panuveitis
Im Rahmen der Diagnostik einer multifokalen Choroiditis und Panuveitis ist auffällig, dass viele Patienten die Erkrankung erst vergleichsweise spät bemerken. Erst im fortgeschrittenen Stadium werden sie hierauf aufmerksam und stellen sich in der augenärztlichen Praxis vor.
Zunächst wird der Augenarzt jetzt eine Spaltlampenuntersuchung durchführen. Entzündungszeichen im Innern des Auges sind hierbei gut zu erkennen. Die einzelnen Entzündungsherde der Choroidea sind hierbei gelblich bis grau verfärbt und können über die gesamte Netzhaut verteilt sein.
Als weitere Untersuchungen kommen eine Prüfung des Gesichtsfeldes, die Fundusfotografie oder verschiedene andere bildgebende Verfahren infrage.
Differentialdiagnostik bei der multifokalen Choroiditis und Panuveitis
Da es bei der multifokalen Choroiditis und Panuveitis viele verschiedene Differentialdiagnosen gibt, ist es wichtig, dass die Untersuchung mit grosser Genauigkeit und Sorgfalt erfolgt. Zusätzlich sollte zunächst bei jedem Patienten eine Laboruntersuchung durchgeführt werden.
Wichtige Differentialdiagnosen, auf die hierbei geachtet werden muss, sind unter anderem Tuberkulose, Toxoplasmose oder Syphilis. Auch eine Infektion mit dem West-Nil Virus sollte bei entsprechenden Rahmenumständen ausgeschlossen werden. Hinzu kommen nicht infektiöse Diagnosen wie Sarkoidose, eine punktierte innere Choroidopathie oder eine sogenannte Birdshot-Chorioretinopathie.
Unter Umständen sollten auch ein Lymphom oder Metastasen ausgeschlossen werden. Gleiches gilt auch für das Harada-Syndrom oder Morbus Behcet. Welche Form der Differentialdiagnostik angewandt wird, hängt von den Symptomen, von den Laborbefunden und von den individuellen Umständen des einzelnen Patienten ab.
Die Therapie der multifokalen Choroiditis und Panuveitis
Die Behandlung einer multifokalen Choroiditis und Panuveitis erfolgt in engster Abstimmung auf die Ergebnisse der Diagnostik und Situation des jeweiligen Patienten. Hierbei spielen Aspekte wie das Ausmass der Entzündungsherde, eventuelle Verschlechterungen des Sehvermögens sowie zum Beispiel das Auftreten von Ödemen oder Schwellungen eine Rolle.
In der Regel wird die Therapie zunächst mit Kortikosteroiden erfolgen. Sie werden vergleichsweise hoch dosiert, oral verabreicht und können dann, mit Abnahme der Entzündung, reduziert und schliesslich ausgeschlichen werden. Sprechen die Kortikosteroide nicht an, so können zusätzlich Immunsuppressiva eingesetzt werden.
Besteht der Bedarf, lokale Entzündungsherde unmittelbar zu behandeln, dann können Kortison-Spritzen direkt ins Auge gesetzt werden. Das Auge wird hierzu örtlich betäubt, so dass keine Schmerzen auftreten. Der Patient liegt hierbei entspannt auf einer Liege und wird aufgefordert, in eine bestimmte Richtung zu blicken. Die Injektion selbst erfolgt mit einer besonders dünnen Nadel und nimmt nur eine sehr kurze Zeit in Anspruch.
Die Prognose der multifokalen Choroiditis und Panuveitis
Die multifokale Choroiditis und Panuveitis ist in vielen Fällen eine chronische Erkrankung. Nach einer erfolgreichen Behandlung können die Symptome zurückkehren. Betroffene Patienten sollten sich daher regelmässig durch den Augenarzt untersuchen lassen, da die Symptome der Erkrankung oft erst sehr spät bemerkt werden.
Im Zuge einer nachhaltigen Behandlung gibt es verschiedene Möglichkeiten einer längerfristigen Therapie. So kann zum Beispiel Triamcinolonacetonid intraokulär (direkt im Auge) eingesetzt werden, um eine Wirkdauer von bis zu drei Monaten zu erreichen. Wesentlich länger bleiben Fluocinolonacetonid-Implantate wirksam. Sie geben über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren immer wieder geringe Mengen an Kortikosteroiden ab und verhindern so ein erneutes Aufflammen der Entzündung. Bei Patienten, die längerfristig mit Kortikosteroiden behandelt werden, sollte regelmässig der Augendruck gemessen werden.
Fazit: Gut leben mit der multifokalen Choroiditis und Panuveitis
Auch wenn es sich bei der multifokalen Choroiditis und Panuveitis oft um eine chronische Erkrankung handelt, ist die Entzündung gut zu diagnostizieren und zu behandeln. Die Beschwerden der Patienten können deutlich gelindert und Symptome gezielt bekämpft werden. Mit engmaschigen Folgeuntersuchungen lassen sich künftige Entzündungen frühzeitig erkennen und mithilfe geeigneter Medikamente wirksam eindämmen.