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Kurz vor Weihnachten wird uns Chili kurzfristig vorgestellt: Er kneift sein linkes Auge plötzlich zu und scheint schmerzhaft. Ein Untersuch ist wach nur schwierig möglich, da die Katze aufgrund der Schmerzen wenig kooperativ ist, weshalb das Auge sobald als möglich unter Narkose begutachtet wird.
Chili weist am Oberlid eine Kratzverletzung aus; ausserdem ist die normalerweise schlitzförmige Pupille in Richtung 4-Uhr verzogen. Die Hornhaut weist in diesem Bereich eine bräunliche Auflagerung auf. Vorsichtig wird das dritte Augenlid, welche die Region teilweise bedeckt, mit einer Pinzette beiseite gezogen. Nun wird das ganze Ausmass der Verletzung ersichtlich: Offensichtlich wurde das Auge bei einem Kampf durch eine Katzenkralle verletzt; die Kralle hat das Auge an der Grenze von Hornhaut und Lederhaut (Sklera, das "Weisse des Auges") durchschlagen und beim Herausreissen die Iris aus dem Auge durch die Verletzung hindurch aus dem Augeninneren gezogen - ein sogenannter inkarzerierter Irisprolaps. Vorsichtig wird versucht, das vorgefallene Irisgewebe wieder in den Augapfel hineinzuschieben, was aber misslingt. Leider ist zu diesem Zeitpunkt telefonisch kein Augenspezialist erreichbar, um eine Empfehlung zu einem "Plan B" abzugeben, weshalb als provisorischer Schutz eine Nickhautschürze angebracht wird. Hierbei wird das dritte Augenlid wie ein Schutzvorhang über das Auge gezogen und am Oberlid festgenäht. Chili erhält Schmerzmittel, ein systemisches Antibiotikum und Augentropfen.
Am nächsten Tag können wir telefonisch den Rat einer Augenspezialistin einholen. Sie empfiehlt, nochmals einen Versuch zur Zurückverlagerung der Iris zu unternehmen und, falls dies misslingt, den Defekt der Hornhaut und Lederhaut zu übernähen um die Bildung einer Fistel (permanente Verbindung der vorderen Augenkammer mit der Aussenwelt) zu verhindern. Auch in einem zweiten Anlauf gelingt die Reposition des Irisgewebes nicht, weshalb mit einem haarfeinen (0.07 mm Dicke), sich selbst auflösenden Faden der Defekt über dem Irisprolaps vernäht wird. Unter Medikamenten heilt die Wunde anschliessend problemlos ab.
Zwei Monate später sehen wir Chili zu Ausscheren von Haarverfilzungen wieder - ausser der veränderten Anatomie der Pupille ist das Auge völlig unauffällig und wird normal offengehalten. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass dies auch langfristig so bleiben wird.
Ursache für die Verletzung des Auges war wohl ein Katzenkampf, welcher zu einem inkarzerierten ("eingeschlossenen") Irisprolaps ("Vorfall der Iris") geführt hat. Neben dem möglichen Infekt des Augeninneren durch die eindringende Kralle können auch eine Entzündung und Schädigung der Iris durch das Einklemmen, eine Störung im Kammerwasserabfluss und damit ein grüner Star (Glaukom, erhöhter Augeninnendruck) oder eine Fistulierung (chronisches Abfliessen des Kammerwassers) das Auge schwer beschädigen. Idealerweise sollte das eingeklemmte Irisgewebe in das Auge zurückbefördert werden, was in diesem Fall leider nicht möglich war. Die angewendete "Variante B" scheint aber langfristig Schlimmeres verhütet zu haben. Die eingeschränkte Beweglichkeit der Pupille scheint die Katze nicht allzu sehr zu stören, auch wenn so bei starkem Lichteinfall wohl ein gewisser Blendeffekt vorhanden ist.