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von Wallfahrern ihre Andacht verrichten. Fünfmal sind Kloster und Kirche sammt unzählbaren Schätzen an kostbaren Paramenten, Büchern, Manuskripten etc. dem Feuer zum Opfer gefallen, jedesmal aber blieb das Marienbild mit seiner Kapelle unbeschädigt. Die prachtvolle Klosterkirche (117 m lang und 65 m breit) enthält 17 Altäre, drei Orgeln und mehrere Kapellen. Der mächtige Kronleuchter, der auf eine Höhe von 6 m in die Breite 4 m misst, ist ein Geschenk Napoleons I. Ein Prachtstück des Klosterschatzes ist die grosse Monstranz aus massivem Gold.
Grosse Bibliothek mit 50000 Druckbänden (worunter 900 Wiegendrucke), einer reichhaltigen Sammlung von Pergamenthandschriften (dem Regionator Einsidlensis, der Sammlung Notkerscher Sequenzen, einem berühmten Antiphonarium) und wertvollen Originalurkunden. Daneben eine naturhistorische Sammlung, ein physikalisches Kabinet, Theater, Priesterseminar, eine höhere Erziehungsanstalt mit Gymnasium und Lyzeum. Das Kloster ist für die Zwecke seines ausgedehnten land- und alpwirtschaftlichen Betriebes (Pferdezucht) mit weitläufigen Nebengebäuden versehen, in denen eine Mühle, eine Säge, weite und sehr praktisch eingerichtete Stallungen, Werkstätten, grosse Vorratsräume u. a. untergebracht sind. Flächenraum das Klosters innerhalb der Ringmauer 6,58 ha.
Das Gebiet des seit dem Jahre 947 reichsfreien fürstlichen Stiftes Einsiedeln reichte laut einer aus dem Jahre 1018 datierenden Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs des Heiligen soweit «als der schmelzende Schnee in die Sihl, Alp und Biber fliesst». Langwierige Grenzstreitigkeiten mit Schwyz, die 250 Jahre dauerten, schränkten den Grundbesitz des Klosters auf seinen heute noch bestehenden engern Umfang ein. Im Jahre 861 wurde der fromme Einsiedler Meinrad, ein Abkömmling der Hohenzollern, «im finstern Wald» zwischen Etzel und Mythen von zwei Mördern erschlagen, worauf zu Beginn des 10. Jahrhunderts der Domherr Benno von Strassburg, der spätere Bischof von Metz, das Land um Meinrads Klause urbar machen liess (Bennau = Benno's Aue).
Herzog Hermann I. von Schwaben schenkte das Gebiet «im finstern Wald» dem Domherrenstift Strassburg, dessen Probst Eberhard mit Hilfe von zahlreichen Freien und Leibeigenen über der Klause das erste, nur Mönchen hochadeliger Herkunft, d. h. vom Freiherrn aufwärts, zugängliche Kloster erbaute, dessen erster Abt er selbst wurde. Rings um das Kloster siedelten sich Eberhards Leute an, so dass bald ein ganzes Dorf, die sog. Waldstatt zu den Einsidelen entstand. Des Weitern überliessen Eberhard und seine nächsten Nachfolger das ganze Gebiet des «finstern Waldes» als erbliches Lehen zur Urbarmachung an die Ansiedler dieses Dorfes und an neue, von den Ufern des Zürichsees heraufgezogene Kolonisten. 972 unternahm Kaiser Otto I. mit seiner Gemahlin, der h. Adelheid, und seinem Sohne, dem nachmaligen Kaiser Otto II., eine Wallfahrt nach Einsiedeln, und im gleichen Jahre wurde der erste Dekan der Abtei, der h. Wolfgang, zum Bischof von Regensburg ernannt.
Schon 987 zählte die Klosterkirche 12 Altäre. Ministerialen oder Leibeigene des Klosters werden zum erstenmal 1064 erwähnt. Der deutsche Name Einsidelen erscheint zuerst in einer Urkunde aus dem Jahr 1073, und sichere Nachricht von Beziehungen zwischen dem Stift und dem Geschlechte der Hohenzollern erhält man 1127. Unter der Herrschaft der Aebte Anselmus, Peter und Johannes (die alle drei aus Schwanden im Kanton Bern stammten) erhoben sich zahlreiche Bauten: es entstanden die Kramgasse, eine Wasserleitung, der Marienbrunnen, eine Mühle etc. Das Grundbuch von 1329 berichtet, dass damals ein Dietrich von «Kälins Halden ob dem Dick» verpflichtet war, dem Kloster eine beträchtliche Abgabe an Käse, Butter und Hühnern zu leisten.
Auch heute noch sind die Besitzer von fast allen ehemaligen Gütern des Klosters diesem noch ähnliche Abgaben zu leisten schuldig, doch decken sie diese nunmehr in barem Geld. Wir wollen hier bemerken, dass im Jahre 1900 die Zahl der in Einsiedeln selbst lebenden Nachkommen dieses Dietrich Kälin 2348 Personen betrug, wozu noch die vielen ausgewanderten Glieder der Familie zu rechnen wären. Die Bewohner von Einsiedeln sind Alemannen und stammen von den ersten Ansiedlern aus dem Elsass, Zürich und Thurgau ab. Schirmherren des Klosters Einsiedeln waren zuerst die Grafen von Rapperswil, dann die Grafen von Habsburg. 1334 fliegt im Wappen Einsiedelns zum ¶
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erstenmal der Rabe auf. Von 1350 an wird Einsiedeln einer der Versammlungsorte der Tagsatzung. Abt Peter II. von Wolhusen (1376-1387) schlug eigene Münzen (Brakteaten). Im Juni 1386 wurde der Stand Schwyz Schirmort von Einsiedeln und nahm 1414 die «Waldleute» in sein Bürgerrecht auf. Vom 13.-29. September 1466 fand zum erstenmale das berühmte grosse Fest der Engelweihe statt, an dem 130000 Wallfahrer u. 400 Priester sich beteiligten. 1468 nahmen die Schwyzer den Fürstabt von Einsiedeln gefangen und wurden dafür mit dem Kirchenbann belegt. Am wurde Ulrich Zwingli in Einsiedeln Leutpriester, welches Amt er bis Ende 1518 versah. Seit 1526 machten sich die Schwyzer um die innere und äussere Ausgestaltung des Klosters sehr verdient. Als erster Buchdrucker liess sich in Einsiedeln 1586 Meister Heinrich nieder. Abt Placidus Reimann erbaute 1629 auf dem Friedhof die St. Benedikt Kapelle, liess 1636 Glocken giessen und richtete 1637 eine neue Apotheke mit eigenem Laboratorium ein.
Zum erstenmal während des 30 jährigen Krieges wurde im Kloster Einsiedeln zwischen Baiern und Frankreich 1639 über Frieden unterhandelt. Am aufgehoben und säkularisiert, erhielt das Stift Einsiedeln zusammen mit andern Klöstern durch die Mediationsakte seine Selbständigkeit und Güter wieder zurückerstattet. 1848 nahm es die Hälfte der vom Bund dem Kanton Schwyz auferlegten Kriegskosten auf seine eigene Rechnung. Die Feier des 1000jährigen Bestandes des Stiftes (Millenarium 1861) sah in Einsiedeln 210000 Pilger versammelt. Unter dem jetzigen Abt, Kolumban Brugger aus Basel, stehen mehr als hundert Konventualen, die teils als Professoren, teils als in Nähe und Ferne amtende Priester, teils als Aufseher und Verwalter der Ländereien und Güter des Klosters wirken.
Flora.
Wie die weiten Torfmoore um Einsiedeln dem Kloster eine Quelle reicher Einnahmen sind, bieten sie auch für den Botaniker das höchste Interesse. Das nach S. und daher auch der wärmenden Wirkung des Föhns verschlossene, den kalten N.-Winden dagegen breit geöffnete Hochplateau von Einsiedeln wird seiner Feuchtigkeit wegen häufig von lange andauernden Nebeln heimgesucht, die seine klimatischen Verhältnisse zu ausserordentlich rauhen gestalten und ihm sowohl in dieser Beziehung, als auch mit Hinsicht auf seine Flora ganz den Charakter einer arktischen Tundra verleihen.
Das jährliche Temperaturmittel ist dasselbe wie das von Les Ponts de Martel in der Nähe der um 100 m höher gelegenen grossen Moorgebiete des Neuenburger Hochplateaus, während das winterliche Temperaturmittel Einsiedelns noch unter dasjenige von Les Ponts de Martel herabsinkt. Der Charakter der Vegetation ist daher ganz derselbe, wie wir ihn im N. Europas an der Baumgrenze beobachten können: an den Rändern der Moore verkümmerte und verkrüppelte Fichtenstümpfe und einige kleine Bestände von Vogelbeerbäumen und Zwergbirken, im Torfmoor drin auf enge verfilzten Büscheln von Seggen und Binsen zahlreiche Gruppen der den Mooren eigenen Zwergföhre (Pinus uliginosa) u. Zwergbirke. An den Rändern dieser kleinen Baumgruppen und im nassen Moor selbst gedeihen eine Reihe von ebenfalls in arktischen Gebieten heimischen Sträuchern, wie Ohr-Weide und kriechende Weide (Salix aurita und S. repens) und blaue Lonizere (Lonicera coerulea).
Auf den schwimmenden Polstern grüner oder rötlicher Moose blühen die winzigen Blumenkronen der Andromeda, der Moosbeere und der stets mit Tauperlen benetzten Polster des Sonnentaus (Drosera). Die weniger nassen Stellen sind bedeckt vom Wollgras mit seinen flockigen Fäden, von Seggen und Binsen mit ihren harten Stengeln. Die bei der Torfausbeute eröffneten wassergefüllten Gräben beherbergen die seltene Utricularia minor, ferner Ceratophyllum demersum, Sparganium natans, Potamogeton alpinus etc. Hier und da findet man auch Viola palustris, Lysimachia thyrsiflora, Orchis incarnata und O. Traunsteineri, Comarum palustre, Sweertia perennis, Primula farinosa, Saxifraga hirculus und Lycopodium inundatum. Zahlreich sind die Seggen, so z. B. Carex pauciflora, C. chordorrhiza, C. heleonastes, C. pilulifera, C. pulicaris, C. limosa und C. filiformis. Der Vollständigkeit wegen nennen wir noch Trichophorum caespitosum, Heleocharis pauciflora, Schoenus nigricans und Sch. ferrugineus, Sagina nodosa;
Drosera longifolia, D. rotundifolia und D. intermedia;
Epilobium tetragonum und E. palustre;
Eriophorum ¶