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Behandlung Die rheumatische Halswirbelsäule
Wie bei allen Gelenken des Körpers greift die Polyarthritis (in diesem Zusammenhang als häufigste Krankheit des rheumatischen Formenkreises) zunächst die Gelenke und Bänder an. Dies bewirkt in der Halswirbelsäule zunächst eine Instabilität zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel, aber auch die untere Halswirbelsäule kann von der Zerstörung der Strukturen betroffen sein. Das Besondere bei der Polyarthritis besteht meist darin, dass sie ohne operative Stabilisierung die Knochenqualität vermindert und die Situation tendenziell verschlimmert.
Obere Halswirbelsäule
Instabilität Atlas-Axis (C1/2)
Bei der atlanto-axialen Instabilität gleitet der Atlas (erster Halswirbel) über den zweiten Halswirbel (Axis) nach vorne. Es ist entscheidend, diese Instabilität frühzeitig zu erfassen und zu beseitigen, um Spätschäden zu vermeiden.
Der Vorteil einer frühen Stabilisierung ist, dass durch einen relativ kleinen Eingriff die Situation im Bereich der oberen Halswirbelsäule mit grosser Wahrscheinlichkeit definitiv beruhigt werden kann. Bei Belassung der Instabilität – gelegentlich auch ohne grosse Schmerzen – wird der Knochen mit der Zeit aufgerieben. Die Instabilität wird dadurch verstärkt und zudem kann das Rückenmark beschädigt werden.
Bei der Fixation mit Schrauben handelt es sich um eine Operation mit wenig Nebenerscheinungen. Trotzdem können mangelnde Verkalkung und Stabilität in 4 bis 6 Prozent der Fälle eintreten und im ungünstigen Fall zu einem Zweiteingriff führen.
Bei fortgeschrittener, fixierter Instabilität von Atlas und Axis (Abb. 1) wird eine vordere Entlastungsoperation notwendig. Diese erfolgt durch den Rachenraum (transoral). Die vordere Entlastung erlaubt eine zuverlässige Dekompression des Rückenmarks, die Stabilisierung saniert die Instabilität dauerhaft.
Nachteile und mögliche Komplikationen
Allerdings ist der Eingriff (Entlastung von vorne, Fixation von hinten) aufwändiger als nur eine Fixation von Atlas und Axis. Eine künstliche Beatmung und Überwachung auf der Intensivstation nach der Operation ist zur Sicherstellung der Atmung notwendig. Die Bewegungen nach der Operation werden durch die Versteifung merklich eingeschränkt, da der Kopf meistens in die Fixation mit einbezogen werden muss.
An der Wunde (Rachen/Nacken) können Infekte entstehen, die Implantate können zur Irritation der Nerven führen. Bei einer notwendigen Stellungskorrektur kann das Rückenmark verletzt werden.
Untere Halswirbelsäule
Reine Instabilität ohne Beeinträchtigung des Rückenmarkkanals
Ist die rheumatische Veränderung der Halswirbelsäule nicht allzu weit fortgeschritten, kann alleine von hinten stabilisiert werden. Dies erfolgt mit Titanimplantaten und einem Stück aus dem Beckenknochen. So können weitere schädliche Einflüsse der Polyarthritis an der Halswirbelsäule gelindert werden. Je nach Ausdehnung der Fixation wird jedoch die Beweglichkeit eingeschränkt.
Mögliche Komplikationen
Halsarterien und Rückenmark können verletzt, die Halsnerven durch die Implantate irritiert werden (theoretische Beeinträchtigung/Irritation der Halsnerven/Arterie durch Implantate).
Die Instabilität mit Beeinträchtigung des Rückenmarkkanals
In diesen Fällen muss neben der oben erwähnten Stabilisierung auch dieser Spinalkanal entlastet werden. Dies erfolgt meist mittels eines vorderen Zugangs zur Halswirbelsäule (Hautschnitt vorne seitlich). Hier werden in der Regel die einengenden Teile der Wirbelkörper entfernt und mit druckfestem Material (Knochenmaterial, Titanzylinder) ersetzt. In manchen Fällen wird eine zusätzliche Stabilisation bzw. Entlastung von einem hinteren Zugang aus (Hautschnitt im Nacken) erforderlich.