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Gespickt mit Ironie und bohrenden Fragen zum Thema "Schweizer sein" ist das Theaterstück zur Expo-Bundesfeier auf der Arteplage Biel über die Bühne gegangen. Das Duo Bärfuss/Schwarz provozierte - für konservative Kreise wohl etwas zu stark.Dieser Inhalt wurde am 01. August 2002 - 23:26 publiziert
"Wer bezahlt für diesen Unsinn?", fragt ein Schauspieler zu Beginn der Aufführung. Selbstironie, welche die Theater-Gruppe 400asa um Lukas Bärfuss (Autor) und Samuel Schwarz (Regie) in ihrem Stück "august02-août02-agosto02-avust02" auch vom Publikum auf der "Grande Scène" in Biel und vor den Bildschirmen zu Hause erwartete.
Schweizer Gen oder Metaphysik?
Das Stück, eine Art TV-Show auf der Bühne, dreht sich um die Frage: Was ist das, eine Schweizerin oder ein Schweizer? Ist es einzig der rote Pass mit dem weissen Kreuz, der uns verbindet? Oder gibt es das Schweizer Gen; eine Art metaphysische, tiefe Gemeinsamkeit, die die Einheimischen dieses Landes von Fremden unterscheidet?
Um diese Frage zu beantworten, wurden in einem Test sechs Menschen in Bonobos verwandelt. Diese Affenart ist bekannt für ihr freizügiges und aktives Sexualverhalten, das sie auch auf der Bieler Bühne auslebten.
Unterscheidung und Ausgrenzung
Aus den sechs Menschen-Affen musste Fabian, der vife Moderator, den einzigen Nicht-Schweizer, den "Sans Papier" (Papierlosen), ausfindig machen. Auch das Publikum wurde gefragt - und damit in die Verantwortung miteinbezogen.
Schliesslich stellte sich heraus, dass alle sechs Menschen-Affen Schweizer sind. Das "menschenverachtende Spiel" der Unterscheidung und Ausgrenzung wurde demaskiert. Die Akteure auf der Bühne schwörten den Eid, dass "das 'Schweizer werden' ein reiner Verwaltungsakt ist; wie die Erhebung der Hundesteuer".
Schweizer sein soll also der, der dieses Land liebt - und in ihm Liebe macht. Die sechs Affen können am Schluss nicht mehr umgewandelt werden. Man kann zwar aus Schweizern Affen machen, aber nicht umgekehrt - "wegen juristischer Probleme".
Erfrischender Schalk
Die Inszenierung von Bärfuss/Schwarz zeichnete sich durch Kohärenz und Ironie aus. Schweizer Klischees und Identität wurden mit erfrischendem Schalk hinterfragt; das gemeinsame Singen der Nationalhymne am Schluss wirkte denn auch mehr beklemmend als besänftigend.
Das Stück wurde fünfsprachig aufgeführt, war aber doch - zum Unmut vieler Romands - deutschlastig und im Mittelteil etwas langfädig.
Die Autoren dürften konservative Kreise vor den Kopf gestossen haben und diejenigen, die eine traditionelle Bundesfeier erwartet hatten. Anderseits war das Stück weniger skandalträchtig, als im Vorfeld befürchtet (oder erhofft) wurde.
Allzu heikle Passagen waren "auf Bitte der Expo-Leitung" gestrichen worden, wie Samuel Schwarz im Vorfeld der Aufführung sagte. So wurde zum Beispiel nur eine Gesichts-Silhouette eingeblendet, als von den allerschlimmsten Schweizern die Rede war.
Bewusst anders
Inwiefern die Botschaft auf das breite Publikum übersprang, werden die Reaktionen zeigen. Das Stück richtete sich laut Martin Heller, künstlerischer Direktor der Expo.02, an ein intelligentes Publikum. Man habe bewusst auf die "üblichen Feierstunden" vergangener 1.-August-Veranstaltungen verzichtet.
Die rund 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer applaudierten am Ende kräftig, wenn auch nicht mit Begeisterung. Die provozierenden Seitenhiebe auf das Nationale hatten zuvor für Gelächter gesorgt - genauso wie die sexuell aktiven Bonobos-Affen. Genau dies stiess manchen Kritikern aber besonders auf.
swissinfo und Agenturen
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