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Mit der Monsanto-Übernahme hat sich der Chemiekonzern Bayer einiges eingehandelt. Erst gab es Streitigkeiten wegen des Unkrautvernichters Glyphosat. Seit einigen Jahren kommen nun noch Klagen wegen polychlorierter Biphenyle (PCB) hinzu. Die neueste: Die Stadt Chicago verklagt den Chemiekonzern wegen PCB-Belastung, die von Monsanto verursacht wurde.
Geklagt hatten bereits mehrere US-Staaten, Städte wie Los Angeles und tausende US-Gemeinden, was Bayer bisher einige hundert Millionen Dollar gekostet hat. PCB gehören zu den gefährlicheren Umweltchemikalien und sind weltweit verboten.
PCB-Verschmutzung könnte Bayer «Milliardenbetrag» kosten
Im August verklagte die Mutter eines leukämiekranken Kindes General Electric (GE) und Monsanto/Bayer wegen PCB-haltiger Erde auf einem Kinderspielplatz in Pittsfield, Massachusetts. Ein Urteil im US-Staat Washington hat Bayer bereits angefochten. PCB-Klagen könnten Bayer nach Einschätzung eines Analysten einen «niedrigen bis mittleren einstelligen Milliarden-Dollar-Betrag» kosten.
«Monsanto ist der Ansicht, dass der Fall unbegründet ist, da das Unternehmen niemals PCB im oder in der Nähe des Grossraums Chicago hergestellt oder entsorgt hat», teilte Bayer der dpa mit. Die PCB-haltigen Produkte seien von Dritten und nicht von Monsanto hergestellt worden.
Bayer weist bisher jede Verantwortung von sich
Bayer/Monsanto hat bisher auch in bereits abgeschlossenen Verfahren jede Verantwortung von sich gewiesen. Nach Dokumenten, die der «Guardian» zitiert, wusste Monsanto spätestens in den 1960er-Jahren von der Gefahr, die PCB darstellte. Das Unternehmen stellte von 1935 bis 1977 PCB her, 1979 wurden PCB-Chemikalien in den USA verboten.
Mehrere tausend US-Gemeinden haben bisher wegen der PCB-Verschmutzung von Gewässern geklagt. Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten reichten wegen Kontamination von Schulen und anderen Grundstücken Klage ein. Bislang hat sich Bayer laut dem «Guardian» bereit erklärt, 650 Millionen Dollar für PCB-verschmutztes Wasser an die Gemeinden zu zahlen.
Umweltverschmutzung und Gesundheitsschäden
Neben Klagen wegen Sachschäden sind zahlreiche Rechtsfälle wegen Personenschäden offen. Die Betroffenen machen PCB-Verschmutzung für Gesundheitsschäden verantwortlich. 2021 erstritten mehrere Lehrpersonen aus einer Schule in Monroe, Washington, wegen PCB-Verschmutzung in Leuchtstoffröhren rund 200 Millionen Dollar Schadenersatz. Bayer hat das Urteil angefochten. Weiter versuchte Bayer, den US-Professor und PCB-Experten David Carpenter unter Druck zu setzen. Auch der Professor der Universität Albany im Bundesstaat New York wehrte sich gerichtlich.
Auf seiner Website führt Bayer zahlreiche Argumente an, warum der Konzern für PCB-Verschmutzungen durch Monsanto nicht verantwortlich zu machen sei. Dazu gehören Haftungsfreistellungen von Abnehmern, die Eigenverantwortung von Schulen, welche nach Ansicht von Bayer belastete Einrichtung hätten austauschen müssen, und vor Ort gemessene PCB-Konzentrationen unterhalb der Grenzwerte.
Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind giftige und wahrscheinlich krebsauslösende organische Chlorverbindungen, die zu den gefährlichsten Umweltchemikalien zählen. Seit 1986 sind PCB in der Schweiz und seit 2001 weltweit verboten. PCB sind sehr stabil und reichern sich im Körperfettgewebe an. Sie schädigen das Immunsystem, das Nervensystem, beeinflussen hormonelle Prozesse und rufen chronische Gesundheitsschäden hervor.
Vor dem Verbot wurden PCB in Fugendichtungen, in Elektronikbauteilen, Hydraulikflüssigkeiten sowie in Korrosionsschutzfarben und -lacken eingesetzt. Ältere Gebäude können grosse Mengen an PCB enthalten, die beim Rückbau frei werden können. Menschen können über Luft, Staub, Wasser, Lebensmittel oder über die Haut in Kontakt mit ihnen kommen.
PCB sind in der POP-Konvention der persistenten organischen Schadstoffe eingetragen und gehören zum sogenannten «Dreckigen Dutzend».
Monsanto/Bayer ist wegen einer Klagewelle, die das Totalherbizid Glyphosat betrifft, bereits weltweit bekannt. Die jetzige Häufung von PCB-Klagen zeigt unter anderem auf, was passiert, wenn die Schädlichkeit einer Chemikalie erst Jahrzehnte nach deren Einführung bekannt wird. Wegen des breiten Einsatzbereiches und der Anreicherung von PCB in der Umwelt gibt es weltweit PCB-Verschmutzungen, die nur mit grossem Aufwand beseitigt werden können.
PCB befindet sich im Boden, in Flusssedimenten und in Altbauten, auch in der Schweiz. Infosperber berichtete bereits mehrmals über die Verschmutzung des Flüsschens Spöl in Graubünden. Nach einem SRF-Bericht vom März 2023 zeichnet sich nach jahrelangem Gezerre dazu eine Einigung ab. Wenn alles gutgeht, soll 2024 mit der Sanierung des Gewässers im Bündner Nationalpark begonnen werden. Wer für die Kosten aufkommt, ist jedoch noch immer ungeklärt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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