Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03590.jsonl.gz/1259

Passend zu den gerade erst abgehaltenen Wahlen in den USA zeigen die vorgestellten Karten aus Adolf Stielers Hand-Atlas über alle Theile der Erde und über das Weltgebäude die noch junge Nation 1823 bevor sie zur Weltmacht aufstieg. Den Weg dorthin ebnete dabei vor allem eines – ihre Geografie.
Anfang des 17. Jahrhunderts lösten nicht zuletzt die fruchtbaren Böden und natürlichen Häfen der Ostküste die europäische Besiedlung des amerikanischen Kontinents aus. Anders als seine europäischen Rivalen, namentlich Frankreich, verfolgte England von Beginn an das Ziel, dauerhafte Niederlassungen zu gründen. Dadurch entstanden die ursprünglichen 13 Kolonien, die im Osten vom Atlantik und im Westen von den Appalachen begrenzt wurden.
Abb. 1: Die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika 1825.
Um sicherzustellen, dass Handel und insb. die Steuereinnahmen an der Ostküste blieben, verbot die englische Regierung die Besiedlung westlich der Appalachen. Nach dem Sieg im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776 entfiel dieses Verbot und die junge Nation breitete sich bis zum Ohio River aus, war allerdings weit davon entfernt als Grossmacht zu gelten.
Den nächsten Hauptgegner, den es zu schlagen galt, war Frankreich, welches das fruchtbare Mississippibecken und damit den amerikanischen Handel im Golf von Mexiko in die Alte Welt beherrschte. Für den Aufstieg war die Kontrolle des Mississippi nicht nur wegen dem Handel unabdingbar, da das Einzugsgebiet des Mississippis über mehr schiffbare Flusskilometer als der Rest der Welt zusammen verfügt.
Da die Interessen Frankreichs auf dem amerikanischen Kontinent schwanden, konnten die USA das Gebiet für 15 Millionen Dollar (7 Dollar pro km2) einfach abkaufen und ihr Staatsgebiet mit einem Federstrich verdoppeln. Der „Louisiana Purchase“ 1803 war somit das grösste Grundstücksgeschäft der Geschichte und umfasste ein Gebiet, welches vom heutigen Montana an der kanadischen Grenze bis New Orleans im Golf von Mexiko reichte. Der ständig wachsende Handel konnte davon enorm profitieren, da die schiffbaren Flüsse die Transportkosten um ein Vielfaches senken konnte und eine alternative zu den Atlantikhäfen bildete.
Abb. 2: Das erkaufte Gebiet des Louisiana Purchase von 1803.
Durch den zusätzlichen fruchtbaren Boden und die strategische geographische Tiefe, die die USA nun besassen, war der Weg zur Weltmacht geebnet und die Amerikaner stiessen mit dem Ziel ihr neues Juwel in der Krone, den Mississippi, zu sichern weiter nach Westen vor.
Die Unabhängigkeit Mexikos von Spanien 1821 bildete ein neues geografisches Problem für die USA, da der wichtige Hafen von New Orleans nur 300 km von der mexikanischen Grenze entfernt lag.
Abb. 3: Die Grenzen der USA und Mexiko 1823.
Neue wie auch bereits in den Staaten lebende Siedler wurden aktiv ermutigt sich zu beiden Seiten dieser Grenze niederzulassen, was dazu führte, dass Mitte der 1830er Jahre mehr weisse Siedler im heutigen Texas lebten als spanischsprachige Einwohner. Die Texanische Revolution 1835 – 1836, ausgelöst von der Diktatur des mexikanischen Präsidenten Antonio López de Santa Anna, führte zur Unabhängigkeit Texas und dessen Beitritt zur Union der amerikanischen Staat. Durch den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg 1846 – 1848 konnten sich die USA mit Kalifornien, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah und Teilen Colorados den Zugang zum Pazifik sichern.
Abb. 4: Die Grenzen der USA mit ihren neugewonnenen Territorien 1853.
Mit dieser geografischen Lage, waren die USA ab 1848 durch nichts auf dem Festland mehr bedroht. Die meist natürlichen Grenzen, Im Süden der Rio Grande, im Norden die grossen Seen und Felsengebiete und sowohl Osten als auch Westen durch die Ozeane begrenzt, waren gesichert. Die Europäer waren verschwunden, der Mississippi gesichert und die Nachbarn unter Kontrolle gebracht.
Mit dem Land wuchs auch der Wohlstand und so begann der Aufbau einer Hochseemarine, um beides weiterhin zu schützen. Die einzige Bedrohung in der westlichen Hemisphäre bildete Spanien, welches zwar vom Festland verdrängt wurde, aber immer noch die Inseln Kuba und Puerto Rico, und so die Zu- und Ausfahrt des Hafens von New Orleans, kontrollierte. Darum erklärten die USA 1898 Spanien den Krieg, schlugen dessen Armee und erlangten die Kontrolle über die letzten überseeischen spanischen Kolonien Kuba, Puerto Rico, Guam und die Philippinen. Gleichzeitig annektierten sie die hawaiianischen Inseln und sicherten sowohl die Karibik als auch ihre Westküste.
Durch die Kontrolle ihrer Grenzen stand den USA der Aufstieg zur Weltmacht zu Beginn des 20. Jahrhunderts nichts mehr im Weg.
Verwendete Literatur:
- Stieler, Adolf et al. “Hand-Atlas über alle Theile der Erde nach dem neuesten Zustande und über das Weltgebäude.” Gotha: bei Justus Perthes 1854, Web. https://doi.org/10.3931/e-rara-71241
- Stieler, Adolf, and Christian Gottlieb Reichard. “Hand-Atlas über alle Theile der Erde nach dem neuesten Zustande und über das Weltgebäude.” Gotha: bei Justus Perthes 1833, Web. https://doi.org/10.3931/e-rara-68370
- Marshall, Tim, and Birgit Brandau. Die Macht der Geographie : wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt. 12. Auflage 2019. München: dtv, 2016. Print.