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Im Zuge der Globalisierung gewinnen international vergleichbare Indikatoren immer mehr an Bedeutung. Sie bieten die Möglichkeit, die Stellung der Frau in einigen Lebensbereichen zu beleuchten und somit die Situation in der Schweiz in Sachen Gleichstellung von Frau und Mann mit jener in anderen Ländern zu vergleichen.
Hier einige Textauszüge aus der Publikation des BFS “Erwerbsmodelle, Arbeitsteilung und Kinderbetreuung in Paarhaushalten“:
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Herausforderung, welche die ganze Familie betrifft. Immer häufiger genügt heutzutage auch in den westlichen Ländern Europas ein einziges Erwerbseinkommen dem finanziellen Bedarf einer Familie nicht mehr. Die Erwerbstätigkeit beider Eltern entspricht oft einer finanziellen Notwendigkeit. Zudem verfügen Frauen über immer höhere Ausbildungen und wollen wegen der Familie oft nicht gänzlich auf ihre Berufs-tätigkeit verzichten.
Die Tatsache, dass Frauen und vor allem Mütter gegenüber früher vermehrt erwerbstätig sind, darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie in verschiedenen Ländern, insbesondere auch in der Schweiz, mehrheitlich teilzeiterwerbstätig sind und, wenn kleine Kinder im Haushalt leben, eher mit einem niedrigen Beschäftigungsgrad (unter 50%). Umgekehrt sind Männer, speziell Väter, meist vollzeiterwerbstätig, weshalb die Organisation der Vereinbarkeit meist zu Lasten der Mütter geht. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben ist heutzutage in den meisten Ländern noch nicht gewährleistet – sowohl für Mütter als auch für Väter. Für Mütter hat aber die Frage, wie Familie und Erwerbsarbeit unter einen Hut gebracht werden können, im Allgemeinen wesentlich weiter reichende Konsequenzen als für Väter, denn nach wie vor sind es meistens die Mütter, welche neben der Hausarbeit auch die Hauptverantwortung für die Erziehung und Betreuung der Kinder übernehmen. Beispielsweise trägt in der Schweiz in rund 8 von 10 Paarhaushalten mit Kindern unter 15 Jahren die Frau die Hauptverantwortung für die Hausarbeit.
Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden mehrheitlich in der Arbeitsteilung zwischen Partner
und Partnerin gesucht, wobei Mütter im Vergleich zu früher ihre Erwerbstätigkeit weniger oft oder zumindest weniger lang ganz aufgeben.
Das «Doppelverdienermodell» – beide Partner sind erwerbstätig – für mehr als die Hälfte der Paarhaushalte zutrifft: Die Anteile variieren von 56,0% in Italien bis zu 83,3% in Schweden. In der Schweiz, in Österreich, in Deutschland, in den
Niederlanden und in Belgien gibt es einen hohen Anteil Paarhaushalte, in denen der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet.
Die Lebenssituation von Paarhaushalten verändert sich grundlegend, sobald Kinder im Haushalt leben. In der Schweiz, in Österreich und in Deutschland ist das Modell der Vollzeitbeschäftigung beider Partner in Paarhaushalten mit Kindern deutlich weniger verbreitet als in den Paarhaushalten ohne Kinder.
Auffallend ist, dass die Präsenz von Kindern nicht etwa zu einer Zunahme von egalitären oder neuen Erwerbsmodellen
führt (z.B. beide Partner Teilzeit oder die Frau Vollzeit und der Mann Teilzeit oder nicht erwerbstätig), sondern viel eher die traditionellen, verbreiteten Muster festigt. Alternative Modelle werden vor allem in Paarhaushalten ohne Kinder gelebt.
In vielen Familien- und Paarhaushalten besteht eine deutliche geschlechtsspezifische Rollenteilung. Obwohl die Erwerbstätigkeit der Mütter in einigen Ländern wie in der Schweiz seit den 1990er Jahren zugenommen hat und in anderen schon seit geraumer Zeit relativ hoch ist, bleibt die Haus- und Familienarbeit eine Domäne der Frauen respektive der Mütter. In der Schweiz kann jedoch beobachtet werden, dass Väter neben ihrer (meist Vollzeit-) Erwerbstätigkeit in den letzten Jahren mehr Zeit in Haus- und Familienarbeit investieren, dies vor allem, wenn kleine Kinder im Haushalt leben.
Ohne Ausnahme lässt sich hingegen feststellen, dass die Ungleichverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern in allen Ländern nach demselben Muster besteht: Männer investieren mehr Zeit in Erwerbsarbeit, also in bezahlte Arbeit, Frauen mehr in Haus- und Familienarbeit, also in unbezahlte Arbeit.
Eine Möglichkeit zur Lösung oder Entschärfung des Problems der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Teilzeitarbeit.
Diese ist beispielsweise ein wichtiger Aspekt der hohen Erwerbsbeteiligung der Frauen in der Schweiz. Die Schweiz weist im Jahr 2006 unter den berücksichtigten Ländern mit 58,4% den zweithöchsten Anteil teilzeiterwerbstätiger Frauen auf.
Die Möglichkeiten der Ausübung von Teilzeitarbeit in den verschiedenen Ländern spiegeln sich, wie im Abschnitt
zu den Erwerbsmodellen schon aufgezeigt, in der Arbeitsteilung der Paare wider, insbesondere wenn sie Kinder haben. Wie schon erwähnt, sind es meist die Frauen, welche zugunsten der Vereinbarkeit eines Paarhaushalts mit Kindern einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.
In den meisten Ländern ist eine eher traditionelle Arbeitsteilung noch sehr verbreitet ist: Der Mann ist vollzeiterwerbstätig und die Frau ist teilzeit- oder nicht erwerbstätig. Egalitäre oder neue Erwerbsmodelle bilden immer noch die Ausnahme. Zudem haben Mütter im Vergleich zu Vätern viel höhere Ansprüche an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erfüllen, da sie in den meisten Fällen für den Haushalt und die Kinder verantwortlich sind. Wollen sie daneben einer Erwerbstätigkeit nachgehen, muss eine passende Arbeitsstelle bestimmte Bedingungen erfüllen – sei dies beispielsweise in Bezug auf Arbeitsweg, Arbeitszeit oder Flexibilität bei unvorher-gesehenen Ereignissen wie Krankheit der Kinder.
Die Tatsache, dass in verschiedenen Ländern Mütter häufiger erwerbslos sind als Väter, stützt die Vermutung, dass solche Ansprüche an eine Arbeitsstelle nicht immer einfach zu erfüllen sind. Zu einem beachtlichen Teil verzichten Mütter wohl nicht zuletzt deshalb – wenigstens vorübergehend – ganz auf eine Erwerbstätigkeit, was längerfristig negative Auswirkungen auf ihre Sozialversicherungsansprüche hat, aber auch auf ihre beruflichen Qualifikationen bei einem Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Auf der anderen Seite ist auch durch die Vollzeiterwerbstätigkeit beider Partner die Vereinbarkeit nicht unbedingt sichergestellt. Teilzeitarbeit kann eine Lösung zur besseren Vereinbarkeit darstellen, ist jedoch unter Umständen auch mit unerwünschten Konsequenzen verbunden oder kann Ausdruck eines mangelhaften Kinderbetreuungsangebots sein.
Eine weitere Schlussfolgerung ist jene, wonach in den meisten Ländern die Erwerbsmodelle in Paarhaushalten sich grundlegend ändern, sobald Kinder im Haushalt leben. Zudem hat das Alter der Kinder diesbezüglich oft einen wesentlichen Einfluss. Die in diesem Beitrag dargestellten Indikatoren zeichnen ein Bild der gelebten Vielfalt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in einigen europäischen Ländern. Diese ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, welche ein Paar nicht alle beeinflussen kann. Gesellschaftliche, rechtliche und institutionelle Rahmen- bedingungen – wie Einstellungen bezüglich Gleichstellung der Geschlechter und Rollenteilung, gesetzlich geregelte Mutterschafts-, Vaterschafts- und Elternurlaube, das Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung, das Schulsystem (z.B. Tagesschulen), das Stellenangebot auf dem Arbeitsmarkt und die allgemeine sozioökonomische Situation eines Landes – sind ebenfalls massgebend für die Ausgestaltung der Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Quelle: Bundesamt für Statistik BFS / Auszüge aus “Erwerbsmodelle, Arbeitsteilung und Kinderbetreuung in Paarhaushalten“ – Die vollständige Publikation können Sie hier downloaden oder bestellen.