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|Titel:|
Deprivation of parenting disrupts development of homeostatic and reward systems in marmoset monkey offspring.
Autoren:
Pryce CR, Dettling AC, Spengler M, Schnell CR, Feldon J.
Behavioural Neurobiology Laboratory, Swiss Federal Institute of Technology Zurich, Schwerzenbach, Switzerland.
Abstract/Zusammenfassung:
BACKGROUND: Early environment is a major determinant of long-term mental health, evidenced by the relationship between early-life neglect or abuse and chronically increased vulnerability to developmental psychopathology, including major depressive disorder (MDD). Animal studies can increase understanding of environmentally mediated causal risk processes. We describe how daily deprivation of biological parenting in primate infants disrupts development of homeostatic and reward systems central to MDD. METHODS: Nine breeding pairs of marmoset monkeys provided control twins (CON) and early-deprived twins (ED); the latter were socially isolated for 30-120 min/day on days 2-28. During the first year of life, basal urinary norepinephrine (NE) titers and cardiophysiologic activity were measured. At the end of year 1 (adolescence), automated neuropsychologic tests were conducted to measure responsiveness to changes in stimulus-reward association (simple/reversed visual discrimination learning) and to reward per se (progressive ratio [PR] reinforcement schedule).
RESULTS: The ED monkeys exhibited increased basal urinary NE titers and increased systolic blood pressure relative to CON siblings. The ED monkeys required more sessions to reinstate stimulus-oriented behavior following reversal, suggesting increased vulnerability to perceived loss of environmental control; ED monkeys also performed less PR operant responses, indicating that reward was less of an incentive and that they were mildly anhedonic relative to CON.
CONCLUSIONS: In marmoset monkeys, neglect-like manipulation of ED leads to chronic changes in homeostatic systems, similar to those in children and adolescents exposed to early-life adversity and in MDD, and to responses to environmental stimuli similar to those that characterize MDD.
Quelle: Medline, Biol Psychiatry. 2004 Jul 15;56(2):72-9
Kurzbeschreibung auf deutsch:
Affenbabies wurden ihren Müttern weggenommen am 2. – 28. Lebenstag und für 30 – 120 Minuten pro Tag isoliert gehalten. Die hiermit verbundene Angst führte zu anhaltenden Blutdruckveränderungen, erhöhter Ausscheidung von Stresshormonen sowie Verhaltensauffälligkeiten, wie sie auch bei Depressionen gefunden werden.
Bewertung der Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin
1. Bewertung des Schweregrads des Tierversuchs
gemäss Richtlinien des Bundesamtes für Veterinärwesen BVET 1.04 'Einteilung von Tierversuchen nach Schweregrad'.
(Schweregrad 0 = keine Belastung, Grad 1 = leichte Belastung, Grad 2 = mittlere Belastung, Grad 3 = schwere Belastung)
Deklarierter Schweregrad: BVET-Schweregrad 2 = mittlere Belastung
Effektiver Schweregrad gemäss unserer Einschätzung: BVET-Schweregrad 3 = grosse Belastung
Begründung:
Originaltext des BVET zur Definition von Schweregrad 3:
„Konditioniertes Vermeideverhalten/Konflikt-Tests:
Modelle mit Stimuli/Noxen, die mit schweren Schmerzen, Leiden oder Ängsten verbunden sind und denen das Tier erfolgreich ausweichen kann, oder die mit funktionellen Störungen, mit mittelgradigen Schmerzen, Leiden oder Ängsten verbunden sind, wiederholt zur Anwendung kommen und denen das Tier nicht ausweichen kann.
Beispiele: Learned Helplessness nach Seligmann; Social Despair; Porsolt-Test am Gerbil“
Auf ersten Blick scheint dieser Versuch relativ harmlos.
Wenn man aber bedenkt, dass Marmosettenbabies sich normalerweise nie von ihren Eltern trennen in diesem Alter, da dies ihren sicheren Tod bedeuten würde, dann wird klar, was die Trennung von den Eltern für diese Affenbabies bedeutet: mehrfache Todesangst in diesem frühen und verletzlichen Alter.
Die mehrfache Isolierung der Affenbabies löst also bei diesen Todesängste aus, was die Untersucher selbst mit der Blutdruckerhöhung sowie erhöhter Ausscheidung von Stresshormonen untermauern.
Sowohl die ausgelösten psychischen Verhaltensstörungen wie auch die Erhöhung des Blutdrucks und der Stresshormonausscheidung waren von anhaltendem Charakter.
Aus diesem Grund kann der Versuch auch nicht anders als mit Schweregrad 3 bewertet werden.
2. Bewertung des Nutzens für Mensch und Tier
Anmerkung: Zur Bewertung des Nutzens eines Tierversuchs gibt es keine etablierte Skala analog der obigen des Bundesamtes für Veterinärmedizin für die Belastung.
Die Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin haben deshalb ein einfaches Bewertungsschema für den Nutzen entworfen. Es ist bewusst einfach und pauschal gehalten und verzichtet auf Pseudogenauigkeit, da ein zukünftiger Nutzen immer Spekulation bleiben muss.
In Anlehnung an die Kategorien des Schweregrades des BVET haben wir uns zwecks optimaler Vergleichbarkeit von Belastung und Nutzen deshalb für ein Schema mit Grad 0 – 3 entschieden.
Die ‚Nützlichkeitsgrade’ sind: Nützlichkeitsgrad 0 = kein Nutzen absehbar für Mensch oder Tier, Grad 1 = leichter Nutzen, Grad 2 = mittlerer Nutzen, Grad 3 = hoher Nutzen.
Die Bewertung erfolgt durch erfahrene Ärzte verschiedener Fachrichtungen, wozu auch Nicht-Mitglieder der Ärzte für Tierschutz beigezogen werden.
Nützlichkeitsgrad 0-1 = kein Nutzen oder nur ein fraglicher Nutzen erkennbar für Mensch und Tier
Begründung:
Dass depressive Zustandsbilder ein riesiges medizinisches und volkswirtschaftliches Problem darstellen ist unbestritten.
Dass dieser Versuch zur Lösung dieses Problems beitragen kann, bezweifeln wir aber stark.
Depressionen sind komplexe Krankheitsbilder mit verschiedensten beeinflussenden Faktoren, die niemals auch nur einigermassen korrekt durch den beschriebenen Affenversuch simuliert werden können.
Das Thema der frühkindlichen Deprivation (Trennung von Mutter und Kind, emotionale Vernachlässigung, Misshandlung) und ihre Folgen für das Kind wird seit Jahrzehnten erforscht und es besteht eine unübersehbare Fülle von Erkenntnissen, welche aus zahllosen Fallstudien von deprivierten Kindern (Waisenkinder, Kinder psychisch oder körperlich kranker Mütter, Adoptivkinder etc.) stammen sowie aus der Säuglingsforschung, der Entwicklungspsychologie.
Wichtige Erkenntnisse stammen auch aus der Anwendung moderner Methoden zur Darstellung der Gehirnentwicklung und ihrer Anpassungsmöglichkeiten (z.B. funktionelle Bildgebung).
All diese Erkenntnisse stammen aus der Arbeit am Menschen und sie zeigen eindrücklich auf wie enorm komplex die Bedingungen sind, welche ein gesundes Gedeihen und sich entwickeln des menschlichen Kindes bewirken und wie intensiv die Wechselwirkungen zwischen Mutter und Kind sind.
Die direkte Folge von Deprivation ist eine Bindungsstörung des Kindes, die sich jedoch ganz verschieden ausdrücken kann, entweder in Apathie, Rückzug, gedrückter Stimmung, oder auch im Gegenteil, in Distanzlosigkeit, Aggression, Unruhe. Welches Störungsbild auftritt hängt von den genetischen Gegebenheiten ab. Auch die späteren Folgen sind vielfältig und reichen von Wachstums- und Gedeihstörungen über Schulleistungsschwierigkeiten bis hin zu Depressionen, Angststörungen und Störungen der Persönlichkeit.
Betrachtet man nun vor diesem Hintergrund die Anordnung und Durchführung des Versuches, so wird ohne weiteres klar, dass er in seiner Einfachheit nicht in der Lage sein kann Brauchbares zur Situation beim Menschen auszusagen.
Aus diesem Grund würden wir auch Folgestudien sehr anzweifeln.
Wir befürchten, dass dieser fragwürdige Versuch ein Tiermodell für die Depression etablieren soll, um verschiedenste möglicherweise antidepressiv wirkende Stoffe zu testen. Dies würde auch das Engagement der Pharmaindustrie in diesen Versuchen erklären (mitgesponsort von Novartis, Preisverleihung für diese Studie durch AstraZeneca).
3. Abwägung von Belastung für das Tier und zu erwartendem Nutzen
Auf der Seite der Belastung für das Tier besteht die höchste Belastungskategorie 3.
Dem gegenüber steht ein fraglicher Nutzen dieses Tierversuchs.
Bei grosser Belastung für das Tier und fragwürdigem Nutzen für Mensch und Tier ist dieser Versuch ethisch unserer Auffassung nach nicht vertretbar.
Gemäss den Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften gilt:
'4.6: Versuche, die dem Tier schwere Leiden verursachen, müssen vermieden werden, indem durch Änderung der zu prüfenden Aussage andere Versuchsanordnungen gewählt werden, oder indem auf den erhofften Erkenntnisgewinn verzichtet wird.'
4. Vereinbarkeit mit dem Tierschutzgesetz
Gemäss dem Tierschutzgesetz Art. 13 Abs.1 TSchG müssen Tierversuche auf 'das unerlässliche Mass' beschränkt werden.
A) Die finale Unerlässlichkeit
(rechtfertigt der Versuchszweck eine Bewilligung?)
Da wir, wie unter Punkt 3 dargelegt, keinen absehbaren Nutzen dieses Versuchs erkennen können, besteht unserer Ansicht nach keine finale Unerlässlichkeit für diesen Tierversuch.
B) Die instrumentale Unerlässlichkeit
(ist dieser Tierversuch das einzige Mittel um die angestrebte Erkenntnis zu gewinnen?)
Auch die instrumentale Unerlässlichkeit ist unserer Auffassung nach aufgrund obiger Ausführungen nicht gegeben.
FAZIT: Da die Unerlässlichkeit nicht gegeben ist, widerspricht unserer Auffassung nach dieser Tierversuch dem Schweizerischen Tierschutzgesetz.
Bemerkung:
Dieser Versuch wird vom Nationalfonds mit Steuergeldern unterstützt, ebenso wie unser Beispiel Nr. 1.
Der Steuerzahler, der diese Versuche finanziert, ist aber nicht berechtigt vom Nationalfonds zu erfahren, WARUM diese Versuche mit Steuergeldern finanziert werden.
Auch uns wurde auf unsere Anfrage hin die Begründung für die Unterstützung durch den Nationalfonds verweigert.

|Projekt-Nr.
||Kosten (SFr.)
||Dauer|
|31-55618.98
||372'167
||1.5.1999-31.10.2002|
|31-67791.02
||335'000
||1.12.2002-30.11.2005|
|Summe
||707'167