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Im Zuge der Restaurierung der Kirche des Franziskanerklosters von Freiburg in den Jahren 1985 bis 1990 fanden sich tausende vielfarbige Bruchstücke von Wandverputz. Darauf kamen mit ausgesuchter Feinheit gemalte Gesichter, Hände, Architekturteile und Landschaften zum Vorschein.
Was stellen diese Malereien dar? Wo waren sie ursprünglich zu sehen? Wann und vor allem von welchem Künstler wurden sie geschaffen? Aus welchem Anlass wurden sie zerstört? Um diesen Fragen nachzugehen, wurde mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds eine interdisziplinäre Forschergruppe aus Archäologen, Kunsthistorikern, Geowissenschaftlern und Fachleuten für Restaurierung und Konservierung mit der Untersuchung dieses aussergewöhnlichen Kunstwerkes betraut.
Während der Reinigung und der Suche nach anpassenden Wandfragmenten gelang es, aus der Abfolge der Bruchstücke einen fortlaufenden Bildfries mit einer spektakulären Länge von fast 20 Metern zu rekonstruieren, dessen Dekor sich rhythmisch mittels Säulen mit untypischer Kapitellform gliedert. Die ikonografische Analyse ist komplex, denn das Bildwerk bleibt unvollständig. Gleichwohl sind Szenen zu erkennen, die sich im Inneren von Ladengeschäften abspielen oder in denen Menschen Tätigkeiten aus den Bereichen Handel und Handwerk auszuüben scheinen – Tuchhändler, Juweliere und andere Kaufleute. Eine Szene mit einem strohbedeckten Dach, reich geschirrten Pferden, Menschen in Brokatgewändern und Gottvater in den Wolken spricht für die Darstellung der Anbetung der Magier.
Die vergleichende Analyse von Gesichtszügen, Architektur und Gewandung führt schnelle zur Einschätzung, dass die Wandmalerei um das Jahr 1500 entstanden sein muss. Die besondere Form der Kapitelle, der Faltenwurf der Stoffe, die an manchen Stellen geradezu verwegene Farbkombination wie auch die Analyse der Anzeichnungen erlauben, das Werk einem in dieser Zeit bekannten Künstler zuzuordnen : Hans Fries (1495-1523).
Die Fundlage der Bruchstücke unter dem Kirchenboden zwischen Schiff und Chor und die Tatsache, dass sie ursprünglich an einer Ziegelmauer sassen, sprechen für die Hypothese, dass diese grossflächige Wandmalerei oberhalb der Kapellen angebracht war, welche einst den alten, im Jahre 1745 abgerissenen Lettner bildeten.
Eine Szene dieses farbenreichen Meisterwerkes war 2012 im Rahmen der Sonderausstellung Archeoquiz im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg zum ersten Mal zu sehen. Derzeitig wird darüber diskutiert, wie man das Kunstwerk in einem dauerhaften Rahmen der Öffentlichkeit zugänglich machen kann.