Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03343.jsonl.gz/651

In Australien ist es sehr einfach, Leute zu finden, welche die Zukunft der Familienbetriebe pessimistisch sehen. Mason Galpin aber ist keiner von denen. Erst 17 Jahre alt ist er bereits Vollzeit-Farmer und für das Management einer Limousin-Rinderzucht zuständig, die Preise gewinnt und bekannt für ihre guten Nachkommen ist. "Es ist meine Passion. Ich liebe es einfach", sagt Mason.
Die Familie Galpin bewirtschaftet die Farm nahe des kleinen Ortes Penola in Südaustralien bereits seit fünf Generationen und mehr als 100 Jahren. Die Warrawindi genannte Farm liegt im Herzen einer blühenden Landwirtschaftsregion ungefähr in der Mitte zwischen den Grossstädten Melbourne und Adelaide, knapp eine Fahrstunde entfernt von der Südküste. Mit einem relativ milden Klima, verlässlichen jährlichen Niederschlägen von 650mm und sauberen Grundwasserquellen zur Bewässerung im Sommer ist die Region bekannt für die gute Qualität der Milch, Rinder, Schafe und des Weins.
Farm vergrössert
Rinder und Schafe sind die grössten Betriebszweige auf der Warrawindi Farm, die von Masons Eltern David und Alison mit ihren sechs Kindern geführt wird. Während die Grösse der Familie für Australien nicht typisch ist, sind Familienbetriebe in Australien hingegen traditionell verbreitet. Nach Angaben der National Farmers Federation sind 99 Prozent der 134‘000 Landwirtschaftsbetriebe in Familienbesitz und werden auch von diesen geführt.
Wie viele andere Betriebe hat sich Warrawindi in den letzten Jahrzehnten stark verändert, um bestehen zu können. Als David auf der Farm seiner Eltern Joan und Dean zu arbeiten begann, rund 30 Jahre ist es her, war die Farm rund 600 Hektaren gross. Der grösste Teil des Viehs bestand aus Corriedale-Schafen, einer Zweinutzungsrasse, die in Australien und Neuseeland für die Fleisch und Wollproduktion gezüchtet worden war.
Heute umfasst die Farm rund 1‘200 Hektaren und ist damit doppelt so gross wie vor 30 Jahren. Die Galpins konzentrieren sich mittlerweile auf die Produktion von hochwertigstem Fleisch. Anstatt Corriedale wird eine Herde von 450 Poll Dorset-Mutterschafen gehalten sowie zusätzlich rund 2‘750 Mutterschafe aus Kreuzungen. Rund 2‘000 Lämmer werden pro Jahr an eine grosse Supermarkt-Kette verkauft. Die Lämmer erreichen das Zielgewicht von 22 Kilo Schlachtgewicht oder 50 Kilo Lebendgewicht innerhalb von 120 bis 150 Tagen.
Zudem wird eine Herde von 110 Limousin-Kühen gehalten. Eine weitere Herde besteht aus rund 100 Stück Angus und Murray Greys, einer australischen Rasse. Die Hälfte der Kälber wird mit neun Monaten in die Gastronomie und die Supermärkte geliefert und die anderen mit 18 Monaten an Exportmärkte verkauft.
Die ganze Familie hilft mit
Jedes Familienmitglied der Galpins ist aktiv daran beteiligt, die Farm zu betrieben. Auch das jüngste Kind Bentley, das noch die Schule besucht, sowie die ältesten Kinder Kimberley und Teegan, die bereits beide eigene Familien haben. Selbst Tochter Aimee, die 350 Kilometer entfernt in Adelaide studiert, kommt fast jede Woche auf die Farm helfen.
Der älteste Sohn Jordan, der einen Hochschulabschluss in Landwirtschaft besitzt, stieg vor zwei Jahren Vollzeit in der Farm ein. Ein Jahr später folgte ihm Mason, der ebenfalls eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvierte.
Die beiden Söhne trotzen damit dem Trend, dass immer weniger junge Australierinnen und Australier auf dem Land arbeiten und die Familienbetriebe übernehmen. Ein Studie der Rural Industries Research and Development Corporation, die im Juli veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Anzahl Farmer unter 35 Jahren seit 1976 um 75 Prozent gesunken ist.
Auch die Anzahl Farmen in Australien ist innert 30 Jahren um 40 Prozent gesunken. Gründe dafür sind unter anderem die Globalisierung insbesondere von Commodity-Märkten, der Abbau von Zöllen, volatile Preise, aber auch lang anhaltende Dürreperioden. Während also einige aufgehört haben, nutzten die Nachbarn die Gelegenheit, kauften das Land und vergrösserten ihre Betriebe. Aufgrund des technologischen Fortschritts werden auch immer weniger Leute benötigt, um eine Farm zu betreiben.
Farm immer weiterentwickeln
Ungeachtet dessen sagt Mason, dass er nie etwas anderes tun wollte, als Farmer zu werden. Er geniesst es, auf dem Land zu sein und zusammen mit seiner Familie zu arbeiten. Zudem geht er gerne mit seinem Vieh an Ausstellungen. Diese sind in Australien sehr populär, um die eigenen Tiere zu promoten. Er beschäftigt sich oft mit Fragen von Genetik und Zucht, um die Warrawindi-Herde weiter zu entwickeln. "Wenn ich jemanden mit auf die Weide nehme, kann ich ihm zu jedem einzelnen Tier etwas erzählen", sagt Mason.
Mason hat sein Interesse und seine Arbeit mittlerweile auf Schafe ausgeweitet und ist dabei seine eigene Border-Leicester-Zucht zu etablieren. Sein Bruder Jordan hat unterdessen eine Suffolk-Zucht aufgebaut. Dies neben seiner Hauptarbeit als Verantwortlicher für den generellen Farmunterhalt. "Es ist wichtig, dass jeder seine eigene Verantwortung hat, das sorgt für mehr Engagement", sagt Vater David. Das sei ein wichtiger Aspekt, um erfolgreich eine Farm führen zu können.
David sieht es als eine der grössten Herausforderungen an, dass die Farm auch künftig genug Land umfasst, um für nächste Generationen rentabel zu sein. "Man muss immer im Voraus planen", sagt er." Wir haben deshalb letztes Jahr zusätzliches Land gekauft, um sicher zu sein, genug Einkommen für alle zu haben, welche die Farm betreiben".
Serie: Familienbetriebe mit Zukunft
Die UNO hat das Jahr 2014 zum Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe erklärt. Der LID porträtiert aus diesem Anlass das ganze Jahr über Betriebe aus aller Welt. Diese haben unterschiedlichste Zweige, Rahmenbedingungen oder Grössen und kämpfen mit anderen Herausforderungen. Doch eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle werden von Familien geführt und stellen die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung sicher.