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Doppelbilder (Doppeltsehen)
Was sind Doppelbilder?
Doppeltes Sehen besteht dann, wenn Sie ein Doppelbild von einem einzigen Objekt wahrnehmen. Dabei können beide Bilder nebeneinander (horizontal, vertikal, schräg) oder überlappend gesehen werden. Das Doppelbild kann Beeinträchtigungen beim Lesen, bei der Bewegung und beim Gleichgewicht hervorrufen wie Unsicherheiten beim Treppensteigen oder gehen, daneben greifen, Orientierungsstörungen und gestörtes Raumempfinden verursachen.
Nicht selten kommen Schwindelgefühle und verschwommenes Sehen dazu. Oft sind die Beschwerden nur vorübergehend, dennoch sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache zu klären. Wenn das doppelte Sehen nur ein Auge betrifft, ist es monokular. Sind beide Augen betroffen, liegt ein binokulares doppeltes Sehen vor.
Monokulare und binokulare Doppelbilder
Doppeltsehen wird als „monokular“ bezeichnet, wenn das Doppelbild von einem Auge wahrgenommen wird, wenn lediglich ein Auge geöffnet ist. Diese Art des doppelten Sehens wird durch das einfallende Licht hervorgerufen, das unregelmäßig an der Linse oder der Hornhaut bricht.
Beim „binokularen“ Doppeltsehen sieht jedes Auge ein einzelnes Bild, wenn es allein getestet wird. Ein Doppelbild liegt vor, wenn beide Augen geöffnet sind. Bei der binokularen Diplopie stehen die Achsen beider Augen nicht in korrekter Weise zueinander. Dadurch ist das Gehirn nicht in der Lage, die Sinneswahrnehmungen zu einem Bild zu verschmelzen.
Ursachen des Doppeltsehens
Das Sehen von Doppelbildern kann durch Nerven- oder Muskelschäden in den Augen entstehen. Jedes Auge erstellt ein eigenes Bild der Umwelt, wobei das Gehirn die Darstellungen von jedem Auge kombiniert und diese als ein klares Bild zusammenfügt. Schäden an den Muskeln oder an den Nerven, welche die Augen bewegen beziehungsweise steuern, können ein Doppelbild erzeugen. Die Augen müssen zusammenarbeiten, um die Tiefenschärfe zu erzeugen. Bestimmte Erkrankungen können die Muskeln, die die Augen bewegen schwächen und zu Doppelbildern führen.
Ursachen für binokulare Diplopie
Eine der häufigsten Ursachen für binokulares Doppeltsehen ist das Schielen oder der Strabismus. Dabei liegt eine Gleichgewichtsstörung der Augenmuskeln vor, bei der die Augen nicht richtig zueinander ausgerichtet sind. Das Schielen ist bei Kindern relativ häufig, führt jedoch nicht immer zu Doppelbildern. Beim Schielen schauen die Augen leicht in verschiedene Richtungen. Dieses kann darauf zurückzuführen sein, dass die betroffenen Augenmuskeln folgende Probleme aufweisen:
- sie sind gelähmt oder schwach
- sie sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt
- sie sind zu stark oder überaktiv
- die Nerven zur Steuerung der Augenmuskeln weisen Anomalien auf
Manchmal kehrt bei Erwachsenen, die als Kind unter Strabismus litten, später im Leben das Schielen zurück. In einigen Fällen kann die Behandlung des Schielens tatsächlich zu Doppelbildern führen, obwohl die Sehkraft des Patienten vor der Behandlung normal war. Dieses kann daran liegen, dass das Gehirn Signale von einem der Augen unterdrückt hat, das versucht hat, die normale Sehkraft aufrechtzuerhalten.
Weitere Erkrankungen, die zur Diplopie führen:
- Funktionsstörungen der Schilddrüsen: Die Schilddrüse befindet sich im Nacken und produziert das Hormon Thyroxin (Schilddrüsenhormon). Veränderungen der Schilddrüsenfunktion können sich auf die äusseren Muskeln auswirken, die das Auge steuern. Dazu gehört die Grave’sche Ophthalmopathie, bei der die Augen durch die Ansammlung von Fett und Gewebe hinter dem Auge vorstehen.
- Schlaganfall oder vorübergehende ischämische Attacke (TIA): Bei einem Schlaganfall gelangt das Blut aufgrund eines Gerinnsels in den Blutgefässen nicht zum Gehirn. Dieses kann dazu führen, dass die Blutgefässe zur Versorgung des Gehirns oder die Nerven zur Steuerung der Augenmuskeln beeinträchtigt sind und Doppelbilderhervorrufen.
- Aneurysma: Ein Aneurysma ist eine Ausbuchtung in einem Blutgefäss, die auf den Nerv des Augenmuskels drücken kann.
- Konvergenz-Insuffizienz: In diesem Zustand harmonieren die Augen nicht entsprechend zusammen. Die Ursache ist unbekannt, jedoch wird vermutet, dass die Muskeln zur Steuerung der Augen nicht korrekt ausgerichtet sind.
- Diabetes: Beim Diabetes können die Blutgefäße beeinträchtigt werden, welche die Netzhaut im hinteren Teil des Auges versorgen. Zudem können auch die Nerven betroffen sein, die die Bewegungen der Augenmuskeln steuern.
- Myasthenie gravis: Diese Krankheit kann Muskelschwächen hervorrufen einschliesslich der Muskeln, die die Augen kontrollieren.
- Hirntumore und Krebserkrankungen: Ein Tumor oder Wucherungen hinter dem Auge können die Bewegung beeinträchtigen oder den Sehnerv schädigen.
- Multiple Sklerose: MS ist eine Krankheit, die das zentrale Nervensystem einschliesslich der Nerven in den Augen beeinträchtigt.
- Kopfverletzung: Eine physische Schädigung des Gehirns, der Nerven, Muskeln oder der Augenhöhle kann die Bewegung des Auges und seiner Muskeln einschränken.
Ursachen für die monokulare Diplopie
Wenn ein Auge abgedeckt wird und mit dem frei bleibenden Auge Doppelbilder wahrzunehmen sind, spricht man von einer monokularen Diplopie. Monokulares Doppeltsehen ist weniger häufig als das binokulare doppelte Sehen. Folgende Bedingungen können eine monokulare Diplopie verursachen:Astigmatismus: Die Hornhaut oder die transparente Schicht an der Vorderseite des Auges ist unregelmässig geformt. Beim Astigmatismus weist die Hornhaut auf der Oberfläche zwei Krümmungen auf, sodass diese nicht perfekt rund ist.
- Trockenes Auge: Das Auge produziert nicht genügend Tränen oder es trocknet zu schnell aus.
- Keratokonus: Dies ist eine degenerative Erkrankung des Auges, die dazu führt, dass die Hornhaut dünn und kegelförmig wird.
- Netzhautanomalien: Beispielsweise bei der Makuladegeneration geht das Zentrum des Gesichtsfeldes langsam verloren und teilweise kommt es zu Schwellungen, die Doppelbilder auf einem Auge hervorrufen.
- Grauer Star (Katarakt):Der Graue Star tritt bei mehr als der Hälfte aller Menschen im Alter von über 80 Jahren auf und kann manchmal Doppelbilder auf einem Auge verursachen.
Andere Ursachen, die vorübergehende Doppelbilder verursachen
Doppelbilder können aufgrund einfacher Ursachen auftreten und nach einiger Zeit verschwinden. Dazu zählen übermässiger Konsum von Alkohol, beruhigende, angstlösende und schlaffördernde Medikamente mit Benzodiazepinen, Opioide oder bestimmte Medikamente gegen Krampfanfälle und Epilepsie.
Kopfverletzungen wie beispielsweise Gehirnerschütterungen, können ebenfalls vorübergehend zu Doppelbildern führen. Bei stärkerer Müdigkeit werden die Augen überanstrengt, wobei die Augäpfel sich nicht in die korrekte Lage drehen und vorübergehendes Doppeltsehen erzeugen. Wenn die entsprechende Person wacher wird und sich anstrengt oder der Einfluss von Alkohol nachlässt, verschwinden die Doppelbilder. Falls das normale Sehvermögen nicht schnell wiederkehrt, sollte so schnell wie möglich ein Arzt konsultiert werden.
Diagnostik
Die Diagnose von Doppelbildern stellt für einen Augenarzt eine Herausforderung dar, weil es zahlreiche Ursachen gibt. Zunächst wird ermittelt, ob es sich um ein monokulares oder binokulares Doppeltsehen handelt. Ist es monokular, ist es weniger schwerwiegend und bedeutet, dass das Problem eher im Auge und nicht an den Nerven liegt. Schwieriger gestaltet sich die Diagnose bei Kindern, da sie nicht auszudrücken vermögen, was sie sehen.
Zu den körperlichen Anzeichen von Doppelbildern gehören:
- schielen oder Verengen der Augen beim Sehen
- wenn der Patient ein Auge mit der Hand bedeckt
- wenn er den Kopf auf ungewöhnliche Weise dreht
- wenn er Objekte nicht von vorne, sondern von der Seite betrachtet
Behandlung von monokularer Diplopie
Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.
- Astigmatismus: Sie bezieht sich auf eine abnormal gekrümmte Hornhaut. Eine Korrekturbrille oder Kontaktlinsen können der Krümmung oft entgegenwirken und den Durchgang des einfallenden Lichts in das Auge korrigieren.
- Eine weitere Möglichkeit ist die Laserchirurgie. Bei dieser Behandlung wird die Hornhaut mit einem Laser neu geformt.
- Grauer Star:Eine Operation ist in der Regel die beste Option. Der chirurgische Eingriff beseitigt die Trübung und die Ursache für Doppelbilder. Zu den Komplikationen gehören Infektionen, Schmerzen und möglicherweise anhaltendes verschwommenes oder doppeltes Sehen, die in der Regel durch eine sofortige Behandlung zu beheben sind.
- Trockenes Auge: Wenn die Augen nicht genügend Tränen produzieren oder zu schnell austrocknen, entzünden sie sich, werden wund und können Doppelbilderverursachen. Meistens werden die Beschwerden durch Tropfen als Tränenersatz gelindert.
Behandlungen bei binokularer Diplopie
Je nach Ursache sind die Behandlungen für das Binokularsehen unterschiedlich und umfassen:
- Tragen einer Brille mit optischen Gläsern
- Übungen mit den Augen
- Tragen einer undurchsichtigen Kontaktlinse
- Injektionen von Botulinumtoxin (Botox) in die Augenmuskeln, wodurch diese entspannt bleiben
- Tragen einer Augenklappe
- Operation an den Augenmuskeln, um die Lage zu korrigieren
Übungen für die Augen
Nicht alle Erkrankungen bei Doppelbildern sind mit Übungen zu behandeln, aber folgende helfen bei Störungen beidseitigen Sehens (Konvergenzinsuffizienz):
- Konzentrieren Sie sich auf ein bestimmtes Ziel wie beispielsweise einen kleinen Text in einer Zeitung.
- Halten Sie diesen auf Augenhöhe, eine Armlänge von Ihnen entfernt.
- Zielen Sie darauf, dass das Bild so lange wie möglich als ein einziges Bild bleibt.
- Bewegen Sie das Ziel langsam und gleichmäßig auf die Nase zu.
- Wenn aus dem Einzelbild zwei Bilder werden, haben Ihre Augen aufgehört, zusammenzuarbeiten. Konzentrieren Sie sich intensiv darauf, diese Bilder wieder zusammenzubringen.
- Wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, die Bilder wieder zusammenzufügen, bewegen Sie Ihre Hand zurück in ihre ursprüngliche Position und beginnen Sie die Übung erneut.
- Der normale Konvergenzbereich ist 10 Zentimeter (cm) von der Nase entfernt. Versuchen Sie, das Bild bis zur 10-cm-Marke als ein einziges Bild zu halten.
- Eine Orthoptistin oder ein Orthoptist kann Ihnen zur Unterstützung dieser Schritte ein Hilfsmittel, eine sogenannte Dot Card, zur Verfügung stellen.
- Wählen Sie ein ähnliches Ziel wie bei der Übung zur reibungslosen Konvergenz.
- Beginnen Sie das Ziel in einem Abstand von 20 cm von der Nase aus.
- Richten Sie Ihren Blick zwischen 5 und 6 Sekunden auf die Zielscheibe.
- Wechseln Sie dazu über, für etwa 2 bis 3 Sekunden auf einen festen Gegenstand in etwa 3 Metern Entfernung zu blicken.
- Wechseln Sie Ihre Sicht wieder auf das nähere Ziel.
- Wiederholen Sie dieses, indem Sie das Ziel allmählich näher heranrücken, bis Sie sich auf das Objekt konzentrieren können, wenn es 10 cm entfernt ist, ohne doppelt zu sehen.
- Die Wirksamkeit dieser Übungen beschränkt sich weitgehend auf die Behandlung der Konvergenzunzulänglichkeit.
- Wenn sich die Symptome nicht bessern, suchen Sie für weitere Tests einen Arzt auf.
Prognose
Eine Prognose ist nicht allgemein zu bestimmen, da sie von der vorliegenden Beeinträchtigung abhängig ist. Doppelbilder entschwinden meistens nach einiger Zeit, teilweise gehen sie nie mehr zurück. Manche Ursachen wie schwerwiegende Entzündungen oder Schlaganfälle verursachen zudem noch weitere Schäden.
Auf jeden Fall ist es anzuraten, bei neu aufkommenden Doppelbildern sofort beim Arzt vorstellig zu werden. Insbesondere bei Kindern kann es bei anhaltenden Doppelbildern zu beständigen Verschlechterungen des Sehens führen, das durch eine zielgerichtete Therapie zu vermeiden ist.
Unser Augenarzt in Zürich klärt die Ursachen Ihrer Diplopie und leitet die entsprechende Therapie ein.