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(griech. Anopsie, lat. Caecitas), eigentlich vollkommener Mangel des Sehvermögens; doch wird auch
schon der Zustand aber unvollkommene Blindheit (Amblyopie) genannt, wobei die Betroffenen nur noch Gegenstände
wahrzunehmen, dieselben aber nicht mehr zu unterscheiden im stande sind. Die Ursachen der Blindheit sind teils angeboren, teils und
zwar in den allermeisten Fällen erworben. Die angeborne Blindheit beruht in der Regel auf Bildungshemmung des Auges und seiner Häute,
namentlich auf angeborner Spaltung in den Augenhäuten, Kolobom genannt, wenn dieselbe auf Netzhaut und
Aderhaut sich forterstreckt, aus angebornem grauen Star, der jedoch meist operationsfähig ist, auf Stehenbleiben der in der
frühsten Epoche des Fötuslebens existierenden Pupillarmembran, eines feinen, zarten Häutchens, das lange vor derGeburt des
Menschen schon verschwinden sollte und in der Regel verschwindet, bei einigen Säugetieren aber bekanntlich
einige Zeit nach der Geburt noch bestehen bleibt, weshalb neugeborne Hunde,
[* 3] Katzen,
[* 4] Kaninchen
[* 5] etc. blind sind.
Unter mehreren Handwerkern und bei Fabrikanten ist Blindheit sehr verbreitet, besonders bei denen,
welche sich schnellen und heftigen Einwirkungen des Feuers und Lichts, z. B. in Schmelzhütten, aussetzen oder bei Lampenlicht
feine Arbeit verrichten. Im allgemeinen finden sich in heißen Ländern mehr Blinde als in gemäßigten und kältern Klimaten,
aber in den Ländern des höchsten Nordens scheint auch der blendende Schnee
[* 6] die Blindheit zu befördern. In der
Zeit von 1860 bis 1870 kamen Blinde in:
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Cohn in Breslau
[* 17] zählte in 1000 Fällen teils doppel-, teils einseitiger Erblindung 194 Fälle, wo die Blindheit durch absolut unheilbare
Krankheitsprozesse erzeugt war, 255 Fälle, wo der verderbliche Ausgang vielleicht, und 551 Fälle, wo derselbe
mit Gewißheit hätte vermieden werden können. Zur ersten Kategorie zählt er 102 Fälle von schwarzem Star, zur zweiten 109 Fälle,
wo Kurzsichtigkeit die Hauptursache war. Diese ist nun zum Teil angeboren, viel häufiger aber erworben, undCohn hat nach
Untersuchung von 10,000 Schülern festgestellt, daß die Zahl der Kurzsichtigen in allen Schulen vonKlasse
zu Klasse steigt, daß die Menge derselben zunimmt mit der Höhe der Lehranforderungen an die Schule (es fanden sich 1 Proz.
in der Dorfschule, etwas über 6 Proz. in städtischen Elementarschulen, 7 Proz. in höhern Töchterschulen, 10 Proz.
in höhern Mittelschulen, 19 Proz. in Realschulen, 26 Proz. in Gymnasien), und endlich, daß auch der Grad
des Übels von Klasse zu Klasse steigt.
hat mehrere persönliche Beschränkungen zur Folge. Ein Blinder ist der Lehnssuccession unfähig;
dagegen kann er Regent werden,
wenn nicht die besondere Verfassung eines Landes das Gegenteil festgesetzt hat;
Anderseits kommt den Blinden auch eine geringere Zurechnungsfähigkeit
zu gute, zunächst und vorzüglich rücksichtlich solcher Verbrechen, zu denen notwendig der ihnen mangelnde
Sinn erforderlich ist, aber auch in allen andern Fällen, wenn der Mangel des Augenlichts sie an Erlangung gehöriger Bildung
gehindert
hat.
Vgl. Magnus, Die Blindheit, ihre Entstehung und ihre Ursachen (Berl. 1883).