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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Sechstes Buch
18. Die Auslegung der Sohnes-Namen durch die Irrlehrer.
Du maßlos ungläubiger Irrlehrer, du machst ja die Geburt des Sohnes als Schöpfungswillen geltend, damit er nicht aus Gott geboren sei, sondern auf Grund einer Schöpfungshandlung durch den Willen dessen sein Dasein erlangt hat, der die Schöpfung vollzog. Nach dir ist er deswegen nicht Gott, weil der Sohn durch die Geburt die Wesens-eigenart seines Urhebers nicht erhielt, da doch der eine Gott in seinem Wesen fortdauerte; sondern als ein anderes selbständiges Wesen wurde er gegründet; und (dadurch) ist er (zwar) als Eingeborener den übrigen gegründeten und geschaffenen Dingen weit überlegen, aber vermöge seiner Erschaffung hat er nicht durch Zeugung das Wesen Gottes überkommen, eben um im Besitz einer ihm gewährten Erschaffung zu sein; geboren willst du nennen, was aus dem Nichts heraus sein Dasein gewann; als Sohn aber willst du ihn deswegen bezeichnen, nicht etwa weil er wirklich aus Gott geboren ist, sondern weil er von Gott erschaffen ist; weil du weißt, daß auch gläubige Menschen einer Bezeichnung dieser Art von Gott für würdig erfunden wurden. Deswegen willst du ihm unter keiner anderen Hinsicht den Namen Gott lassen, als wie gesagt ist: „Ich habe es gesagt: Götter seid ihr, und ihr alle Söhne des Höchsten.”1 [S. 285] Der Wertschätzung durch ein Wort dessen, der benennt, soll er sich bedienen dürfen, nicht aber der im Namen beschlossen liegenden Wahrheit des Wesens. Nach dir soll er Sohn sein aus Kindschafts-annahme, Gott sein dem Namen nach, Eingeborener sein auf Grund einer Bevorzugung, Erstgeborener nur der Reihenfolge nach, ganz Geschöpf, in keiner Hinsicht Gott (im Vollsinn). Denn seine Zeugung sei keine eigentliche Geburt aus Gott, sondern das Bestehen als Geschöpf.
1: Ps. 81, 6 [hebr. Ps. 82, 6].