Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03252.jsonl.gz/2215

Das Endocannabinoid-System
Was ist das Endocannabinoid-System?
Einige betrachten die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems als ein Wunder. Cannabis kann dieses System "freischalten" und ist in der Tat teilweise auch für dessen Entdeckung verantwortlich.
Das Endocannabinoid-System (ECS) hat in den letzten Jahren sehr viel Aufmerksamkeit erhalten. Die Geschichte beginnt in Israel, 1964. Dr. Raphael Mechoulam hatte erstmals die psychoaktive Substanz in Cannabis identifiziert - Tetrahydrocannabinol (THC). Weiterhin entdeckte er eine Möglichkeit, diese aus den Cannabispflanzen mit Hilfe eines Extraktionsverfahrens zu isolieren. Danach wurde zudem Cannabidiol (CBD) entdeckt und isoliert.
Ein Historischer Überblick
1988 fanden Allyn Howlett und William Devane den ersten Cannabinoid-Rezeptor im Gehirn einer Ratte. Danach entdeckten Forscher, dass sich Cannabinoid-Rezeptoren auch in hoher Zahl im menschlichen Körper befinden. Das isolierte THC wurde verwendet, um die Cannabinoid-Rezeptoren zu lokalisieren. 1990 konnten Lisa Matsuda und Kollegen die DNA-Sequenz von Ratten bestimmen, die dafür sorgt, dass die Cannabinoid-Rezeptoren für THC empfänglich sind. Nachfolgend zu dieser Entdeckung gelang es Forschern, diesen spezifischen Cannabinoid-Rezeptor bei Labormäusen zu entfernen. Diese "Mutanten-Mäuse" verspürten im Vergleich zu den übliche Mäusen keinen "High"-Effekt durch das THC. Das war der ausschlaggebende Moment, in dem Forscher die Effekte von THC an einem spezifischen Cannabinoid-Rezeptor festmachen konnten, der heutzutage als CB1 bekannt ist. 1992 wurde das gesamte Netzwerk aus Endocannabinoiden und Cannabinoid-Rezeptoren entdeckt, die zusammen das Endocannabinoid-System bilden. Mechoulam fand damals heraus, dass wir ein natürliches Endocannabinoid produzieren, nämlich das Anandamid. "Ananda" ist ein sanskritisches Wort, das übersetzt "Glück" bedeutet. Phytocannabinoide ("phyto" bedeutet übersetzt "Pflanze) stammen von Pflanzen wie Cannabis ab. 1993 wurde der zweite Cannabinoidrezeptor, CB2, entdeckt. 1995 wurde 2-Arachidonoylglcerol (2-AG) von Mechoulam und seinem Team entdeckt. Das Endocannabinoid-System wurde auch in anderen Pflanzen, Tieren und Insekten gefunden. Seinen Namen erhielt das Endocannabinoid-System in Anlehnung an Cannabis, welches eine bedeutende Rolle bei der Entdeckung dieses komplexen Systems spielte.
Funktionen des Endocannabinois-Systems
Das ECS umfasst drei Hauptkomponenten: Endocannabinoide, Cannabinoid-Rezeptoren und metabolische Enzyme. Endocannabinoide werden von unseren Körpern natürlich hergestellt. "Endo" bedeutet aus dem Griechischen übersetzt "innen/innerhalb". Cannabinoid-Rezeptoren wie CB1 und CB2 befinden sich auf der Zelloberfläche. Metabolische Enzyme bauen die Endocannabinoide, nachdem diese an die Cannabinoid-Rezeptoren gebunden haben, ab. Die Interaktion zwischen diesen Komponenten hilft unserem Körper dabei, die Homöostase aufrechtzuerhalten, die ein interner Marker für das physiologische Gleichgewicht ist. Das ECS spielt eine bedeutende Rolle bei der Regulation von Stimmung, Schlaf, Appetit, motorischer Kontrolle, dem Immunsystem, Gedächtnis, Schmerz, Temperatur und verschiedenen anderen Funktionen.
CB1- und CB2-Rezeptoren
CB1- und CB2-Rezeptoren sind die bisher am intensivsten erforschten Cannabinoid-Rezeptoren. Wir besitzen noch weitere Cannabinoid-Rezeptoren, wie GPR55 und GPR119, jedoch ist noch weitere Forschung nötig, um die exakte Funktion dieser Rezeptoren festzumachen. Der CB1-Rezeptor ist im zentralen Nervensystem zahlreich vorhanden. Dieser hilft dem Gehirn dabei, zu funktionieren. Der CB2-Rezeptor ist ebenfalls im zentralen Nervensystem lokalisiert, jedoch in einem geringeren Ausmaß. Die meisten CB2-Rezeptoren finden sich im Immunsystem. Die Funktion von CB1- und CB2-Rezeptoren wird aktiviert, sobald Endocannabinoide und/oder Phytocannabinoide an diese binden.
Endocannabinoide
Die zwei wichtigsten Endocannabinoide sind Anandamid und 2-AG. Sie werden in Zellmembranen erzeugt und wenn notwendig, synthetisiert. Im Gehirn agieren Endocannabinoide als retrograde Signale, die rückläufig von der postsynaptischen Zelle zur präsynaptischen Zelle ausgesendet werden und im Falle einer zu starken Aktivierung deren Erregbarkeit verändern können. Endocannabinoide werden auch in anderen Organen hergestellt und erfüllen dort einzigartige Funktionen. Beispielsweise eliminieren Immunzellen Bakterien, indem sie molekulare Signale senden und die benachbarten Immunzellen auf Abwehr programmieren. Endocannabinoide sind ein Teil dieser molekularen Signalübertragug.
Wie CBD das Endocannabinoid-System beinflusst
CBD ist nicht psychoaktiv, es macht Dich also nicht high. CBD bindet hauptsächlich an CB2-Rezeptoren. CBD wird momentan aufgrund seines medizinischen Potenzials in der Cannabinoidforschung sehr geschätzt. CBD hemmt das FAAH-Enzym, das Anandamid abbaut. Die Hemmung von FAAH soll dabei helfen, Angstzustände zu reduzieren. CBD agiert zudem als Endocannabinoid-Modulator, indem es die Menge der Endocannabinoide vermittelt, die zum Gehirn transportiert werden. CBD zeigt vielversprechende Resultate bei der Behandlung von Epilepsie, Angst, Autoimmunerkrankungen, Krebs und vielen anderen Erkrankungen. CBD beeinflusst zudem, wie THC an Cannabinoid-Rezeptoren bindet. Der Konsum von THC kann zu Angstzuständen führen, was möglicherweise durch den Konsum von CBD verhindert werden kann. Diese einzigartige Interaktion zwischen Cannabinoiden und anderen Pflanzenbestandteilen wird auch als "Entourage-Effekt" bezeichnet.
Das wundervolle Endocannabinoid-System
Das Endocannabinoid-System wurde erst vor 25 Jahren entdeckt. Wir müssen noch viel über das ECS lernen und darüber, wie Cannabis seine Funktion beeinflusst. Bisher ist der Forschungsstand ziemlich vielversprechend. Wer weiß, vielleicht kann Cannabis eines Tages wissenschaftlich erwiesen Krebs heilen! Wie auch immer, wir sollten weitere Forschung unterstützen und die Effekte von Cannabis auf das ECS weiter untersuchen.