Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03241.jsonl.gz/2155

Die Schweizer Armee ist ein Vorreiter in der Vernichtung von Personenminen
7. März 1999
Am 2. Dezember 1997 liess Rüstungschef Toni Wicki in der Schweizerischen Munitionsfabrik (SM) in Altdorf die letzte Tretmine 59 vernichten.
Die Schweiz ist damit eines von 12 Ländern, welches den Vertrag von Ottawa unterzeichnet, ratifiziert und das gesamtes Arsenal von Personenminen vernichtet hat. Mit diesem raschen Vorgehen steht die Schweiz in bester Tradition zu ihrem Engagement für humanitäre Aufgaben.
Die wichtigsten Punkte der Konvention
Am 3. Dezember 1997 unterschrieben in Ottawa 133 Länder die Konvention zur Benützung, Herstellung, Lagerung und Transport von Personenminen. 64 Länder haben ihn bis heute ratifiziert. Die wichtigsten Punkte sind:
Personenminen bereits 1990 zurückgezogen
Ohne die Unterzeichnung des Vertrages abzuwarten, entschloss sich das damalige EMD, sämtliche bei der Truppe gelagerten Personenminen einzuziehen. Ende November 1995 verzichtete Bundesrat Adolf Ogi auf den Besitz von Personenminen, wie auch auf Stolperdrähte für die Richtladungen.
Seit dem Fall der Berliner Mauer wurde das ganze Arsenal ausser Dienst genommen. Hunderte Tonnen Personenminen wurden in Altdorf vernichtet. Zudem verlassen jeden Monat Wagen voller Panzerminen – zusammen mit alter Munition – unser Land Richtung Deutschland. Dort werden sie in einer speziellen Fabrik in der Nähe Berlins vernichtet.
Ein ganzes Arsenal von Minen
1989 verfügte die Armee noch über ein grosses Sortiment Minen, eingeführt noch vor der Armee 61. Ob Panzer- oder Personenminen, nichts fehlte, um der Verteidigungsdoktrin gerecht zu werden. Fünf von ihnen wurden ausser Dienst genommen.
Eine Panzermine aus Metall, welche die Sprengkraft hat, um Panzerraupen bis zu einer Grösse von 70 cm zu zerstören. Ausgelöst wird sie auf Druck DkT 49 (300 kg) oder direkt auf den Zünder DkZ 49 (175 kg). Die Hülle besteht aus grau-braunem Stahlblech. Sie kann direkt auf den Boden gelegt (Minenschnellsperre), gedeckt oder eingegraben werden. Gesamtgewicht: 7,2 kg, davon 4 kg Trotyl
Eine Panzermine aus Metall, welche die Sprengkraft hat, um sämtliche Panzerraupen zu zerstören. Ausgelöst wird sie auf Druck DkT 49 (300 kg) oder direkt auf den Zünder DkZ 49 (175 kg). Die Hülle besteht aus grau-braunem Stahlblech. Wegen ihrer Grösse muss sie eingegraben werden. Gesamtgewicht 20,3 kg davon 13,2 kg Trotyl
Nichtmetallische Personenmine, welche bei einer Auslösung Körperteile abreisst. Ausgelöst wird sie auf Druck (5 kg), welcher auf den Rand und nicht auf das Zentrum ausgeübt wird (z. B. durch eine Schockwelle). Die Hülle besteht aus dauerhaftem synthetischem Material, sowie aus künstlichem grün-olivem Kautschuk. Sie kann direkt auf den Boden gelegt, gedeckt und unter besonderen Umständen eingegraben werden. Gesamtgewicht 235 g, davon 110 g Trotyl
Eine Personenmine aus Metall, welche tödliche Splitter auf nicht gepanzerte Ziele bis 15 m schleudert, sie ist aber in einem Umkreis von 500 m gefährlich. Sie hat einen Zünder (ZDZ 63), welcher sowohl auf Druck (5 kg) wie auch auf Zug reagiert (1 kg).Die Hülle besteht aus oliv-grünem Stahl. die Mine muss eingegraben werden. Gesamtgewicht: 4,2 kg davon 0,55 kg Trotyl
Eine Personenmine mit wenig Metall, welche tödliche Splitter auf nicht gepanzerte Ziele bis 10 m schleudert, sie ist aber in einem Umkreis von 500 m gefährlich. Sie hat einen Zünder (ZDZ 64), welcher sowohl auf Druck (5 kg) wie auch auf Zug reagiert (1 kg).Die Hülle besteht aus Beton, versehen mit Stahlsplittern. Die Farbe ist grau-grün. Die Mine muss eingegraben werden. Gesamtgewicht: 4,4 kg davon 0,44 kg Trotyl
Unerlässlich zur Verteidigung
Nach wie vor hat die Mine in der Verteidigung einen hohen Stellenwert. Panzerminenfelder verstärken Sperren wirkungsvoll, verlangsamen den Vormarsch des Gegners und nutzen ihn ab. Richtladungen erschweren das Einnehmen von Stellungen und Sperren durch abgesessene mechanisierte Infanterie. Ebenfalls können damit wirkungsvoll Luftlandungen behindert werden.
Aus diesem Grund wird die Truppe auch weiterhin an Minen ausgebildet, was zur Verteidigung unerlässlich ist. Unter der Armee 95 sind folgende vier Minen im Einsatz:
Eine nichtmetallische Panzermine, welche Panzerraupen bis zu einer Breite von 70 cm zerstören kann. Ausgelöst wird sie durch Druck auf die Kappe (300 kg) oder direkt auf den Zünder (30 kg) Die Hülle besteht aus gegossenem, grau-grünem Sprengstoff. Sie kann direkt auf den Boden gelegt (Minenschnellsperre), gedeckt oder eingegraben werden. Gesamtgewicht: 6,9 kg, davon 6,25 kg Trialen. Sie wird wohl in einigen Jahren durch eine neue Panzermine ersetzt werden (Projekt Drucktellermine 2001)
Eine Panzermine mit wenig Metall, welche sowohl fähig ist, Panzerstahl zu durchdringen, als auch sämtliche Panzerraupen. Ausgelöst wird sie elektromagnetisch. Es wird nicht einmal ein direkter Druck auf die Mine benötigt. Sobald sich eine bestimmte Masse Metall nähert (Fahrzeug), wird sie ausgelöst. Die Hülle besteht aus mit Blech verstärktem Plastik. Die Farbe ist grau-grün. Sie muss eingegraben werden. Sie kann bis zu mehreren Monate aktiv sein. Sie deaktiviert sich dann automatisch und eine Antenne fährt aus dem Boden. Die Mine kann dann gefahrlos ausgegraben und wiederverwendet werden. Gesamtgewicht: 7,1 kg davon 3 kg Sprengstoff.
Richtladung, welche 920 Splitter mit einem Gewicht von je 0,7g in einem Winkel von 60º verschleudert. Dies ergibt 4 Splitter pro m2 bis 50 m gegen ungepanzerte Ziele. Sie wird durch einen Beobachter fernausgelöst. Sie kann in den Boden gesteckt oder an einem Baum angebracht werden. Eine Tarnung ist möglich. Gesamtgewicht: 2,9 kg, davon 1,45 kg Sprengstoff. Früher hiess sie Horizontalsplittermine 90 und war mit einem Stolperdraht ausgerüstet.
Richtladung, welche 1200 Splitter mit einem Gewicht von 5 g in einem Winkel von 60º verschleudert. Dies ergibt 2 Splitter pro m2 bis 150 m. Sie wird durch einen Beobachter fernausgelöst. Sie kann in den Boden gesteckt oder an einem Baum angebracht werden. Eine Tarnung ist möglich. Gesamtgewicht: 20 kg, davon 9,5 kg Sprengstoff. Früher hiess sie Horizontalsplittermine 90 und war mit einem Stolperdraht ausgerüstet.
Minenpläne als absolute Vorschrift
Herkömmliche Panzerminen sind logischerweise automatische Minen. Alte Modelle (Pz Mi 60) explodierten, wenn 30 kg Gewicht auf den Zünder kamen, egal von wem. Minen der zweiten Generation wie die Panzerabwehrmine 88 haben einen Zündmechanismus, welcher bei einer Entminung nicht auslösen kann. Bei dieser Mine handelt es sich nicht billige, in grosser Menge hergestellter gegen Personen gerichtete Instrumente, sondern um wichtige Elemente einer wirkungsvollen Verteidigung.
In unserer Armee, muss jede Mine in einem Minenplan verzeichnet sein. Egal, ob es sich um Panzerabwehrminen, eine Minenschnellsperre oder um Richladungen handelt. Alles, inklusive den Winkeln muss im Minenplan 1 : 1000 verzeichnet sein. Im Minenrapport stehen zudem Art, Anzahl und Zustand der Minen. Als letztes werden die Minen auf Stufe Brigade und Division in Karten 1 : 25000 und 1 : 50000 eingetragen.
Nach der Elimination in der Schweiz die weltweite Entminung
In absoluter Übereinstimmung mit den Artikeln der Konvention von Ottawa, leistet die Schweiz ihren Beitrag in der komplexen und teuren Entminung. Auf Betreiben der Schweiz wurde das Zentrum für eine weltweite Entminung in Genf gegründet. Es wird von Altbundesrat René Felber geleitet.
Dieses Zentrum hilft der UNO in vier wichtigen Teilen: Erarbeiten und Zusammenfassen von Informationen über die und Entminungstechniken; Information über laufende Entminungen der UNO; Organisation von Konferenzen, um direkt Informationen auszutauschen und schlussendlich das Ausbilden einer Einheit von Entminungspezialisten.
Zudem ist vorgesehen, dass die Festungswächter, welche in der Schweiz für die Elimination von solch Kampfmitteln zuständig sind, im Ausland direkt neue Entminungspezialisten ausbilden. Die ersten Mitglieder des FWK haben bereits 1997 in Deutschland einen Kurs zur Beseitigung von Kampfmitteln besucht.
Oblt Ludovic Monnerat & Lt Adrian Muller
Quellen
Communiqués der Informationsdienste der Bundesverwaltung, TID Bulletin 3/1998, Ottawa, Presseagenturen SDA, AFP und Reuters, Reglement 57.15
Verbundene Seiten
© 1999 CheckPoint