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Einige Hinweise zu den Clavierbüchern der Sophie von Frisching
Die beiden Notenhefte sind wertvolle Zeugen häuslichen Musizierens aus der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts. Die Handschriften stammen aus dem Nachlass der legendären Berner Patrizierdame Madame de Meuron. Sie sind Bestandteil einer Musikaliensammlung der bernischen Aristokratenfamilie von Frisching. Die Manuskripte enthalten eine Fülle von Tanzstücken, welche von zwei anonymen Autoren für den Clavierunterricht der Sophie von Frisching (1793 - 1854) verfasst wurden. Die beiden Sammlungen sind nach methodischen Gesichtspunkten zusammengestellt und weisen in der Anordnung der einzelnen Sätze eine gewisse Entwicklung in musikalischer und technischer Hinsicht auf. Der erste Teil der Neuedition wurde aus dem Repertoire «Claiveruch Frisching II» zusammengestellt, welches insgesamt 24 Stücke umfasst, wobei vor allem das Menuett mit 15 Beispielen im Mittelpunkt steht.
Die neun Beiträge aus dem «Clavierbuch Frisching I» repräsentieren den Stil dieser umfangreichen Sammlung, welche im Original 69 Stücke aufweist. Mit 38 Nummern sind die Walzer überaus stark vertreten. Diese Tanzform erfreute sich im ausgehenden 18. Jahrhundert grösster Beliebtheit. So präsentierten die Tanzanordnungen der festlichen Bälle ein festes Schema, wobei nach der Allemande, dem Ländler und dem Langaus stets ein Walzer gespielt wurde. Somit ermöglichen die beiden Clavierbücher einen gewissen Einblick in das Repertoire des bernischen Musiklebens am Anfang des 19. Jahrhunderts. Diese Musikalien sind ein Abbild bernischer Eigenart, welche verhaltene, unaufdringliche Eleganz mit einer gewissen Bodenständigkeit zu vereinen weiss und uns damit immer wieder mit «petits riens» von unverwechselbarem Charme beschenkt.
Zur Ausführung
Die Clavierstücke eignen sich zur Darstellung auf allen Tasteninstrumenten. Im besonderen seien die Orgelspieler/innen ermuntert, ihr Repertoire mit einem unaufdringlichen, hübschen Beitrag «à la bernoise» zu bereichern. Sinnvolle Phrasierung, feine Artikulation und eine lichte Registrierung verleihen dieser Musik zusätzlichen Charme. Sehr sparsam eingesetzte Agogik und Stetigkeit des Zeitmasses bilden zudem eine wichtige Voraussetzung für Kraft und innere Spannung der kurzen Stücke.
Für die Erstausgabe dieser «Frisching-Hefte» wurde der Originaltext übernommen, welcher mit einigenPhrasierungsangaben und etlichen dynamischen Hinweisen überliefert ist. Verzierungszeichen stammen ebenfalls aus den originalen Drucken und Handschriften.
Zweifellos sollen Verzierungen ihre sinngemässe Anwendung auch dort finden, wo solche Hinweise fehlen. Schliesslich möchte ich Lehrer und Schüler ermuntern, sich im gemeinsamen Gespräch um eine individuell «richtige» Wiedergabe zu bemühen. Als Unterrichtliteratur für «anfangende Clavierspieler» eignen sich diese Tanzsätze vorzüglich und könnten auch Anregung zu eigenem spielerisch-improvisatorischen Tun bieten.