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Antibiotikaresistenzen entstehen, wenn Bakterien unempfindlich oder weniger empfindlich gegenüber Antibiotika werden. Solche resistente Bakterien können die Behandlung von Infektionen verlängern oder sogar unmöglich machen. Deshalb ist es wichtig, dass ihre Entwicklung in der Schweiz beim Menschen, bei Nutz- und Heimtieren sowie in der Umwelt überwacht wird. Die Ergebnisse dieser Überwachung werden alle zwei Jahre im «Swiss Antibiotic Resistance Report» publiziert.
Antibiotikaverbrauch stabil bis rückläufig
Laut dem «Swiss Antibiotic Resistance Report 2020», kurz SARR 2020, bleibt in der Humanmedizin der Antibiotikaverbrauch im ambulanten und stationären Bereich stabil. Im regionalen Vergleich sind die Unterschiede jedoch gross. In den französisch- und italienisch-sprachigen Teilen der Schweiz ist der Antibiotikaverbrauch pro Einwohner überdurchschnittlich. In der Deutschschweiz liegt er unter dem nationalen Durchschnitt.
Weiter zeigt der Bericht, dass in der Veterinärmedizin laufend weniger Antibiotika eingesetzt werden. Gegenüber dem Vorjahr sank die Gesamtmenge um rund 7 % und in den letzten zehn Jahren wurde der Verbrauch um über die Hälfte reduziert. Darüber hinaus konnte der Verbrauch von sogenannten kritischen Antibiotika, die in der Humanmedizin als Antibiotika der letzten Wahl dienen, seit 2016 um mehr als die Hälfte reduziert werden.
Massnahmen für die Umwelt
Nach der Einnahme von Antibiotika scheiden Mensch und Tier diese zum Teil wieder aus. Auf diese Weise gelangen sie in Abwässer und in Böden. Seit 2016 werden daher Kläranlagen mit zusätzlichen Behandlungsstufen ausgebaut. Dies wird die Menge an Antibiotika, die durch Abwasser in die Umwelt gelangen, massiv senken.
Resistenzsituation in der Schweiz
Die Schweiz ist im Verhältnis zur Bevölkerungszahl weniger von Infektionen durch resistente Bakterien betroffen als Frankreich, Italien oder England, aber stärker als die Niederlande oder die skandinavischen Länder. Die seit 2004 beim Menschen und seit 2006 bei Tieren erhobenen Daten zeigen unterschiedliche Entwicklungen: Bei einigen Bakterien hat die Antibiotikaresistenz deutlich zugenommen, während sie bei anderen stabil geblieben oder gesunken ist.
Resistenzen in der Humanmedizin
Der Anteil der Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) ist in der Humanmedizin weiter zurückgegangen. Gestiegen ist der Anteil an MRSA dagegen bei Wunden und Abszessen im ambulanten Bereich.
Resistenzen bei Bakterien, die lebensmittelbedingte Infektionen verursachen, sind in der Schweiz rückläufig. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus kommen in Schweizer Schweine-, Rind- und Geflügelfrischfleisch praktisch keine vor.
Carbapenem-Resistenzen nehmen zu
Carbapeneme sind in der Humanmedizin wichtige Antibiotika. Sie werden als letzte Wahl eingesetzt, wenn kein anderes Antibiotikum mehr hilft. Die Veterinärmedizin darf Carbapeneme bei Nutztieren nicht einsetzen, bei Heimtieren nur in Ausnahmefällen.
Seit dem 1. Januar 2016 müssen Bakterien aus der Ordnung Enterobacterales, die Carbapenemase produzieren (CPE), dem Bundesamt für Gesundheit gemeldet werden. Wie in den meisten europäischen Ländern ist diese aufkommende Form der Resistenz noch immer selten. Die CPE nehmen jedoch stark zu, obwohl in der Humanmedizin der Verbrauch an Carbapenemen seit sechs Jahren nicht mehr angestiegen ist.
In Nutztieren wurden in der Schweiz bisher keine CPE nachgewiesen. In einer Tierklinik wurden jedoch kürzlich bei Heimtieren (Hunden und Katzen) und den tierärztlichen Mitarbeitern CPE entdeckt. Dies zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen der Veterinär- und Humanmedizin, der sogenannte One-Health-Ansatz, ist.