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Die Marke Vanden Plas
Die Ursprünge der Firma Vanden Plas gehen zurück auf eine Ausstatterfirma in Belgien. Der Name ist hergeleitet von Van der Plas.
Heutzutage verbinden die meisten Leute den Namen Vanden Plas mit den Luxusausführungen von Austin/Rover-Fahrzeugen. In den Anfängen der Firmengeschichte waren Vanden Plas jedoch Ausstatter für Rolls-Royce, Bentley, Alvis, Daimler, Lagonda und viele mehr. Angeblich waren bis 1939 keine zwei Fahrzeuge identisch, die von Vanden Plas ausgestattet wurden.
Die Firma Van der Plas begann 1870 mit der Produktion von Rädern, gefolgt von Achsenteilen für Fuhrwagen. 1884 zog das Unternehmen von Brüssel nach Antwerpen um und stellte nunmehr ganze rossgezogene Wagen her. Aufgrund der grossen nachfrage konnte 1890 in Brüssel eine zweite Werkstatt eingerichtet werden. Nachdem das Handwerk der Belgier auf den Ausstellungen im Ausland grossen Anklang fand und auch ausgezeichnet wurde, flossen die Aufträge: De Dion Bouton, Berlier, Germain, Packard und andere waren interessiert.
Im Jahre 1908 bestand die Firma bereits aus 400 Angestellten, welche im Jahr 300 verschiedene Spezialkarossen herstellten. Sogar die britische Zeitung ‘The Times’ rühmte die Belgier: Die Fahrzeuge aus der Fahrzeugschmiede Van der Plas zeugten von einer Vornehmheit, die anderen Produkten fehle.
Wenige Jahre später wurde in England eine neue Firma gegründet, die Vanden Plas (England) Ltd. Unter Lizenz konnten nun ebenfalls Spezialkarossen hergestellt werden, die das angesehene Label trugen. 1923 kam das Unternehmen dann nach Kingsbury, London, wo die Produktionsstätte bis zur Schliessung blieb. 1946 wurde Vanden Plas von Austin Motors übernommen.
Eine neue Aera wurde bei der Firma Vanden Plas Ltd in den fünfziger Jahren eingeläutet. Angefangen hat alles, als in der Ausstattungsschmiede in Kingsbury ein neues Projekt in Angriff genommen wurde: Der Umbau eines Austin Sechszylinders des Typs A 105. Die Fahrzeuge (500 an der Zahl) erhielten edle Vanden Plas Innenausstattungen und eine ganze Reihe Extras. Dies war der Beginn einer neuen Praxis, welche daraus bestand, bereits existierende Standartmodelle von Autos speziell auszustatten. Nach einer ganzen Reihe fehlgeschlagener Experimente, wurde auch der Umbau eines 3-Liter Austin/Wolseley (A 99) in Angriff genommen. Nur entstand in Kingsbury –im Gegensatz zum A 105– ein neuer Princess mit eigener Identität.
Der exklusive A 99 und auch die MKII-Version waren äusserst populär und gehörten rasch zu den prestigeträchtigen Autos, zu denen auch der Rover 3-litre gehörte.
Vielleicht überrascht es Sie zu hören, dass längst nicht alle Fahrzeuge mit Vandenplas- Emblem auch in den Kingsbury Fabriken gebaut wurden: Die grosse Nachfrage an 3-Litre Princess führte Ende der fünfziger Jahren dazu, dass eine beachtliche Zahl an Fahrzeugen vollständig in Cowley zusammengebaut wurden.
Eine ähnliche Situation bot sich auch in den sechsziger Jahren in Zusammenhang mit dem Princess 1100 und dem 1300er. Diese kleinen Juwele wurden sowohl in Kingsbury, wie auch in Cowley gebaut. Die kleinen Princess-Modelle waren übrigens ursprünglich nicht in grösserer Stückzahl vorgesehen. Ihre Entstehung ist einem Auftrag von Fred Connolly, aus der berühmten Firma und Familie der Kürschner zu verdanken. Connolly bat darum, dass ein Austin 1100 durch vergoldet werden sollte. Vanden Plas wiederum bat darum, dieses Auto vor der Auslieferung an der Automobilschau in Earls Court, London, zeigen zu dürfen. Niemand ahnte, was mit durch diesen Schritt ausgelöst wurde: Die Reaktionen auf den kleinen Wagen mit dem Deluxe-Interieur waren überwältigend, also entschloss sich Vanden Plas das ‘Baby’ auch anderen Interessenten anzubieten. Um dem Umstand entgegenzuwirken, dass der kleine Princess mit der ganzen Luxusaustattung bedeutend schwerer war, als sein Standartbruder, wurde dem 1100er ein M.G.-Motor eingepflanzt, der dem kleinen Gefährt zu mehr Leistung verhalf.
Der 1100 Princess wurde 1963 offiziell eingeführt und im Oktober 1967 durch den 1300er abgelöst. Bis zum Produktionsende im Juni 1974 hatten 28’000 Babies die Fabrik verlassen.
Was den 3-litre MKII betrifft, so wurde dieses Modell im Sommer 1964 ebenfalls durch ein neueres Modell abgelöst, den Princess 4-litre ‘R’, wobei das ‘R’ auf den Rolls-Royce-Motor hindeutet, der unter der Motorhaube arbeitet. Der Motor wurde von Rolls-Royce ursprünglich für Kriegsfahrzeuge entwickelt und hatte 175bhp bei 4800 Umdrehungen. Der neue Vanden Plas war ausserdem mit einer Borg-Warner Automatikschaltung ausgerüstet. Auch sonst gab es viele Neuerungen im Vergleich zum Standartmodell. Lenkung, Federung, Räder und Reifengrösse waren neu, bei der Karosserie blieb hingegen das meiste beim Alten. Die geschwungenen Heckflossenleuchten wurden jedoch durch modernere, waagrecht angeordnete Leuchten ersetzt. Mit dem 4-litre ‘R’ hoffte Vanden Plas, an die früheren Erfolge des 3-litre anknüpfen zu können. Entsprechend ambitioniert wurden hohe Verkaufszahlen angestrebt und die Produktion hochgefahren. Sogar eine neue Fertigungsfabrik in Süd-Rhodesien war geplant. Doch einmal mehr –den Ausstattern bei Vanden Plas fällt keine Schuld zu– traten bei den Fahrzeugen fast unüberwindbare mechanische Schwierigkeiten auf, so dass schon bald nach Verkaufsstart klar war, dass die hochgesteckten Verkaufsziele nicht erfüllt würden. Die neugebauten Fahrzeuge stapelten sich und die Produktion musste drastisch gedrosselt werden. Zwar konnten die mechanischen Probleme behoben werden, doch haftete dem 4-litre ‘R’ bis zum Ende das Image eines fehlerhaften Fahrzeuges an. Im Mai 1968 musste die Produktion des Modells vollends eingestellt werden.
Ende der sechziger Jahre war Vanden Plas nicht mehr bloss Ausstatter feiner Automobile. Das Unternehmen hatte sich zu einer angesehenen Manifaktur gemausert. Noch war nicht abzusehen, dass es von nunher abwärts gehen würde.
Im Juli 1966 wurden Vanden Plas, Jaguar und Daimler mit der britischen BMC verschmolzen, aus der später die Leyland-Familie hervorgehen wird. Auf dieses traurige Kapitel der britischen Automobilgeschichte wollen wir an dieser Stelle nicht tiefer eingehen. Die grosse Ära der Vanden Plas Fahrzeuge war jedoch vorbei.
Einige Erfolge konnte Vanden Plas nach 1968 noch mit dem Daimler DS 420 verbuchen, für den die Innenausstattung gemacht wurde. Der DS 420 wurde mit wenigen Anpassungen noch bis 1980 gebaut. Man darf sogar anfügen, dass dies die meistproduzierte Daimler-Limousine war, die unter diesem Namen das Werk verliessen. Der Daimler Double-Six Vanden Plas Modelle in der 4.2-Version gehörte gar lange zu den absoluten Topfahrzeugen im Sortiment von Leyland, während der 1500er im unteren Preissegment angesiedelt war.
Mit dem 1500er wurde in den siebziger Jahren ein Nachfolger für den 1300 Princess vorgestellt. Das Auto beruhte auf der Karosserie des Austin Allegro und wurde ausserhalb Grossbritanniens nicht mehr offiziell angeboten. Nur ein einziger 1500er wurde angeblich für den Kontinent mit Linkssteuerung ausgerüstet. Verloren ging auch die exklusive Bezeichnung ‘Princess’ für Fahrzeuge der Marke Vanden Plas.
Unter der Herrschaft von British Leyland wurde im Jahre 1979 die Schliessung der Produktionsstätte von Kingsbury unausweichlich. Die Produktion des Vanden Plas 1500 wurde in die Fabrikhallen von M.G. in Abingdon verlagert, doch auch dort wurde die Produktion nur ein Jahr später endgültig eingestellt. Die Daimler-Modelle wurden in Coventry weiterproduziert.
Der Name Vanden Plas blieb trotzdem erhalten. Seit 1980 verwendet British Leyland ihn weiter, um bestehende Fahrzeuge mit exklusiver Innenausstattung zu vermarkten. Ein Beispiel ist der Austin Metro, welcher von Britisch Leyland als Nachfolger für den Mini entworfen wurde und in einer Vanden Plas Edition zu kaufen war. Auch die Rover SD1 und die 213/216er Modelle sind späte vanden Plas Vertreter.
Derzeit wird der Name in den USA weiterverwendet, und ziert dort die Topmodelle aus der Jaguar Saloon Serie.
Literatur:
Brian Smith, “Vanden Plas –Coachbuilders”, Dalton Watson Ltd., London, 1979. (Buch ist vergriffen)