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Aareschlucht
Zwischen Meiringen und Innertkirchen liegt ein Felsriegel, "Kirchet" genannt, durch den die Aare in Tausenden von Jahren einen Lauf erodiert und dabei eine 1,4 Kilometer lange bis zu 200 Meter tiefe Schlucht geschaffen hat. Die Schlucht kann seit über hundert Jahren auf sicherem Steg und durch Tunnels bequem begangen werden. Diese Wanderung ist ein Erleben der Natur von ganz besonderer Art.
Den westlichen Eingang der Schlucht erreicht man von Interlaken oder vom Brünig her kommend kurz nach dem Dorf Meiringen. Der Besucher findet hier einen grossen Parkplatz und ein Restaurant. Der Osteingang liegt an der Strasse vom Grimsel- und Sustenpass 1 km westlich von Innertkirchen. Auch hier steht ein Parkplatz zur Verfügung. Beide Eingänge zur Schlucht sind auch von Haltestellen der Meiringen-Innertkirchen Bahn (siehe Wegbeschrieb) leicht erreichbar.
Erdgeschichtliches
Der Felsriegel zwischen Meiringen und Innertkirchen heisst Kirchet. Er besteht hauptsächlich aus recht hartem Kalkstein. Dieser Fels ist in der Kreidezeit vor etwa 130 - 60 Mio. Jahren als Meeresablagerung entstanden, die sich im Lauf der Zeit zu Kalkgestein verfestigte (Sediment in der Thetis, des Geosynklinalmeeres der Alpen). Bei der Bildung des alpinen Massivs (Alpenfaltung) vor etwa 15 Mio. Jahren wurden diese Sedimentschichten aufgewölbt als Sedimentmantel des kristallinen Gebirges, aber das Gestein im Gebiet des Kirchets ist autochthon, d.h. es wurde nicht verschoben und kaum verfaltet. Der Kalkstein ist hier deshalb wenig zerklüftet und zerbrochen und damit ziemlich resistent gegen Eis- und Wassererosion. Die Gletscher der Eiszeiten, die vor etwa 1 - 2 Mio. Jahren begannen, haben den Fels des Kirchet wohl abschliffen, aber nicht abgetragen.
In der ersten warmen Zwischeneiszeit, als sich die Gletscher zurückzogen, erodierte das Wasser eine Schlucht durch den Felsen. In der darauf folgenden Kaltzeit stiess der Gletscher erneut über den Kirchet vor. Dabei wurde die Schlucht mit Moräne gefüllt. Beim Gletscherrückzug in der nächsten Wärmeperiode schwemmte das Schmelzwasser nicht etwa das Moränenmaterial der alten Schlucht aus, sondern erodierte eine neue Schlucht durch den Fels. So entstanden in den Zwischeneiszeiten jeweils neue Aareschluchten. Nach den detaillierten Beobachtungen von Müller sind neben der heutigen noch fünf frühere Schluchten festzustellen, die ganz oder teilweise mit Moräne gefüllt sind. Die 'Lautere Schlauche', die beim Parkplatz des Aareschlucht-Eingangs beginnt und die mehr oder weniger parallel der heutigen Aareschlucht verläuft, ist ein gutes Beispiel dafür. Es ist allerdings bis heute nicht gelungen, die Entstehung der einzelnen Schluchten zu datieren und den verschiedenen Eiszeiten zuzuordnen (Hantke, 1980).
www.aareschlucht.ch
Der Weg durch die Aareschlucht ist gut begehbar.
Er ist durchschnittlich 1 - 2 m breit und ist angelegt über
1000 m als Holzbelag auf Stahlträgern, die im Fels verankert sind
400 m im Fels als Tunnel oder als Galerie
250 m als Kies- oder Asphaltwege.
Der Weg ist durch die schönsten Partien der Schlucht mit Rollstuhl befahrbar, ab Eingang West bis Mitte der Aareschlucht.
Die Wanderung durch die Aareschlucht
von Westeingang bis Osteingang (oder umgekehrt) dauert ca. 40 Minuten. Der Rückweg kann auch über einen öffentlichen Wanderweg übers Lammi angetreten werden. Diese Wanderung dauert etwa eine Stunde.