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Classement thématique série 1848–1945:
II. LES RELATION BILATÉRALES ET LA VIE DES ÉTATS
II.15 JAPON
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Anlässlich eines Dîners, das der Aussenminister Sato zu Ehren des neu ernannten Gesandten in Bern, Herrn Eiji Amau und meiner selbst im Zusammenhang mit meiner Urlaubsreise gab, hatte ich ein längeres Gespräch mit dem Aussenminister über das Thema Mandschukuo, Völkerbund und Abessinien. Ich beehre mich, Ihnen hierüber nachstehend Bericht zu erstatten.
Herr Sato nahm als eines der Mitglieder der japanischen Delegation an der VölkerbundsverSammlung in Genf teil, als die mandschurische Angelegenheit besprochen wurde. Die japanische Regierung habe die Stellung der Schweiz während der damaligen Verhandlungen bedauert; Herr Sato selbst habe in der Haltung der Schweiz mehr eine Verteidigung des Völkerbundes als den Ausdruck einer ungünstigen Stimmung gegen Japan überhaupt gesehen. Er sei in dieser Ansicht bestärkt worden durch Mitteilungen von befreundeter Schweizer Seite. Überdies habe er damals den Eindruck gehabt, dass unter den Schweizern manche das selbständige und mutige Vorgehen Japans zu achten und zu schätzen wussten. Verschiedene unserer Landsleute hätten sich ihm gegenüber in diesem Sinne geäussert; dies sei für ihn und die Delegation ein Lichtblick gewesen in den damals so schwierigen Tagen. Über den Einfluss, den gewisse Japaner der Rede Herrn Bundesrat Mottas anlässlich der damaligen Verhandlungen beimessen, gibt wohl am besten die Bemerkung Aufschluss, die mir gegenüber seinerzeit der jetzige Botschafter Yoshida in London machte, als er noch in Tokyo lebte: «Japan ist nicht im Völkerbund, weil Herr Motta dies nicht wollte»2. Dass Herr Sato diese Auffassung in keiner Weise teilt, ergibt sich aus seiner Bemerkung, dass die Schweiz damals nicht allein war, Japan zu verurteilen, dass viel wichtigere und einflussreichere Mächte unsere Ansicht teilten und diese es gewesen seien, die im Völkerbund entscheidenden Einfluss ausgeübt; er betrachte Herrn Bundesrat Mottas Rede als eine loyale Verteidigung der Prinzipien und der Institution des Völkerbundes. Diese verständnisvolle Beurteilung Herrn Satos darf man umso höher einschätzen, als die Japaner in nationalen Dingen zu den empfindlichsten aller Nationen gehören.
Leider hat nun aber dieses Verständnis eine starke Einbusse erlitten durch unsere Haltung in der abessinischen Frage. Herr Sato erklärte mir, dass diese ihm im Widerspruch mit unserm Vorgehen im Fernen Osten zu stehen scheine; er hatte offenbar gegenüber Italien eine ähnliche Einstellung wie in der mandschurischen Angelegenheit erwartet. Ich wies daraufhin, dass die Verhältnisse nicht ganz die gleichen, die Beschlüsse des Völkerbundes weniger bindend gewesen. Italien sei eines der wichtigsten und stärksten Nachbarländer der Schweiz, trotzdem hätten wir während des Krieges unsere schweizerischen Sanktionenverpflichtungen loyal erfüllt. Man habe dies in Rom sehr übel vermerkt. Die Schweiz habe grosse wirtschaftliche Interessen in Italien, mit dem es einen sehr ausgedehnten Handel unterhalte, auch sei schweizerisches Kapital dort in Finanzinstituten und Industrien interessiert. Ich erwähnte auch die kulturellen Beziehungen.
Dass Japan Mühe hat, unser Vorgehen in der abessinischen Angelegenheit zu verstehen, darf uns nicht zu sehr erstaunen wenn man bedenkt, dass selbst manche unserer Landsleute davon überrascht waren. Es ist ihnen unerklärlich, dass die Schweiz gegenüber der viel rücksichtsloseren Eroberung und Einverleibung Abessiniens durch Italien - die Eroberung Mandschukuos hat sehr wenig Menschenleben gekostet - eine so entgegenkommende Haltung eingenommen, während sie wenige Jahre vorher der eher verständlichen und besser zu begründenden Aktion Japans gegenüber China berechtigterweise eine sehr strenge Beurteilung widerfahren liess. Dabei hätten sich die Japaner mit der Eroberung eines Teils Chinas begnügt und davon abgesehen, einen ganzen Staat definitiv seiner Selbständigkeit zu berauben; überdies sei Mandschukuo eine gewisse Selbständigkeit belassen worden. Verschiedene Schweizer hatten mir gegenüber bemerkt, dass es nun an der Zeit wäre, wenn wir auch Mandschukuo anerkennen würden, nachdem wir so rasch und vor manch ändern Staaten Italiens Annexion von Abessinien anerkannten.
Neben diesen Erwägungen allgemeiner Natur machen sie auch wirtschaftliche geltend, die für die Anerkennung sprechen. In Abessinien sei für den schweizerischen Export nicht viel zu erwarten, mehr dagegen in Mandschukuo. Das Land habe unter japanischem Einfluss gewaltige Fortschritte gemacht. Sogar die Chinesen könnten diese und die gute Ordnung, die nach und nach überall hergestellt werde, nicht verneinen. Sie sind überzeugt, dass eine Anerkennung Mandschukuos dem schweizerischen Handel bedeutende Erleichterungen bringen würde. Dass die Anerkennung nicht nur auf politischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete in Mandschukuo und Japan befruchtend wirken würde, ist klar. Vielleicht sind aber die Hoffnungen unserer Landsleute hinsichtlich der wirtschaftlichen Vorteile etwas zu optimistisch, denn der Hauptlieferant Mandschukuos ist und bleibt für die nächste Zukunft Japan.
Was den Völkerbund anbelangt, hat dieser nach Ansicht des Aussenministers beim japanischen Volk so sehr an Sympathie und Ansehen eingebüsst, dass, abgesehen von der Schwierigkeit der mandschurischen Frage, ein Wiedereintritt Japans in absehbarer Zeit kaum in Frage komme, es müsste sich denn sowohl in Genf als in Tokyo vieles ändern.
Dies deckt sich durchaus mit meinen eigenen Beobachtungen. In den Augen der Orientalen gibt es nichts Schlimmeres, als vor ändern eine Schlappe zu erleiden. Er hat hiefür den bezeichnenden Ausdruck «das Gesicht verlieren». Für eine solche Biosstellung hat der Japaner bis zum letzten Kuli herab ein feines Empfinden und erwartet vom Betroffenen ein entsprechend reserviertes Verhalten. Nun hat der Völkerbund in den Augen des japanischen Volkes binnen kurzer Zeit zweimal eine Blösse gezeigt, im mandschurischen Zwischenfall und in der abessinischen Angelegenheit. Wer zweimal sein Gesicht verliert, ist keine verlockende Gesellschaft für einen Japaner. Es braucht ziemlich viel, um diesen Verlust an Ansehen beim japanischen Volke wieder wett zu machen.