Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03534.jsonl.gz/1663

Was tun bei
Bei einer Blockade der Halswirbelsäule (HWS-Blockade) kommt es zu einer akuten Bewegungseinschränkung im Nackenbereich.
Eine mögliche Ursache für eine HWS-Blockade sind Probleme mit den Facettengelenken der Halswirbelsäule. Facettengelenke sind die Gelenke der Halswirbelsäule, welche die einzelnen Wirbelkörper verbinden und die Beweglichkeit gewährleisten. Verschleisserscheinungen, Überlastungen und Verletzungen führen zu Reizungen der betreffenden Gelenksstrukturen und können so HWS-Blockaden zur Folge haben.
Weitere Ursachen können Bandscheibenprobleme sowie muskuläre Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäulenmuskulatur sein.
Entstehung einer HWS-Blockade
Bis heute ist nicht geklärt, warum es auf Gelenksebene zu solch einer Blockade kommen kann und wie sie genau entsteht. Es gibt dazu aber einige Theorien, welche untenstehend kurz beschrieben werden.
Theorie 1: Ausstülpung der Gelenkskapsel
Um die knöchernen Gelenksflächen herum gibt es eine Gelenkskapsel aus Kollagen, welche das Gelenk von äusseren Einflüssen trennt und abschliesst. Jede dieser Kapseln der Facettengelenke der Wirbelsäule besitzen Ausstülpungen aus Binde-/ und Fettgewebe. Diese liegen zwischen den beiden dazugehörigen Gelenksflächen und sorgen so für einen verbesserten Gelenkskontakt und fangen Druckbelastungen besser ab. In der Theorie von Frans van den Berg (2004) und Westerhuis & Wieser (2013) wird davon ausgegangen, dass sich diese Ausstülpungen verschieben und somit die Beweglichkeit einschränken.
Theorie 2: Kontraktion der tiefen Nackenstabilisatoren
Eine weitere Theorie besagt, dass es aufgrund verschiedener Faktoren wie z.B. einer akuten Überlastung oder einer Schwäche der Nackenmuskulatur zu einer starken Zunahme der Anspannung der tiefen Nackenmuskeln kommt. Dadurch wird die Beweglichkeit der Halswirbelsäule eingeschränkt und es kommt zu einer in der Umgangssprache genannten HWS-Blockade (Böhni, Lauter, Locher et al., 2012).
Vorkommen
HWS-Blockaden sind ein häufig vorkommendes Problem, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Interessanterweise sind besonders junge Patienteninnen im Alter von 15 – 30 Jahre öfters von diesem Beschwerdebild betroffen.
Vor allem junge weibliche Personen, die über eine generelle grosse Beweglichkeit verfügen, können anfällig für wiederkehrende Blockaden der Facettengelenke sein.
HWS-Blockaden können grundsätzlich an unterschiedlichen Stellen der Halswirbelsäule auftreten, die höchste Anfälligkeit zeigen jedoch die Segmente C2/C3.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die Wichtigkeit einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung und Prävention, um Menschen dabei zu helfen ihre Bewegungsfreiheit zu erhalten und Beschwerden zu lindern.
Symptome einer HWS-Blockade
Die Symptome einer HWS-Blockade sind vielfältig und können Schmerzen, Steifigkeit, Bewegungseinschränkungen und manchmal auch Kopfschmerzen oder Schwindel umfassen.
Nackenblockaden zeigen spezifische Symptome und Funktionseinschränkungen. Die Schmerzen, welche die HWS-Blockade begleiten, werden oft als stechend, lokal und richtungsspezifisch beschrieben. Bewegungseinschränkungen sind ein Hauptmerkmal von Nackenblockaden. Sie treten in der Regel auf, wenn Sie sich in eine bestimmte Richtung bewegen. Autofahren und das Umsehen beim Schulterblick können im Alltag zu Schmerzen führen. Die Schmerzen werden manchmal noch verstärkt, wenn Sie versuchen, Ihre Haltung zu korrigieren.
Bei einer akuten Blockade mit Bandscheibenbeteiligungen oder Gelenksdegenerationen, kann es durch die anatomische Nähe auch zu Beteiligungen der Nerven kommen. Dies führt häufig zu grossflächigeren Schmerzgebieten und einer deutlichen Erhöhung der Schmerzintensität.
Die langandauernden Symptome wie Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen sind vor allem bei älteren Personen ein grosses Thema. Grund dafür ist, dass im Alter die natürliche Beweglichkeit der Gelenke und anderen Strukturen im Körper so oder so abnimmt, da sich das Elastin (Fasern im Bindegewebe, die für die Elastizität des Gewebes zuständig sind) abbaut und nicht mehr produziert wird. Dadurch können nach akuten HWS-Blockaden massive Einschränkungen der Nackenbeweglichkeit als Folge auftreten und müssen physiotherapeutisch zielgerichtet behandelt werden, damit weiterführende Folgeschäden vermieden werden können.
In der Entstehungsgeschichte wird gerne beschrieben, dass die Blockade durch schnelle, unkontrollierte Bewegungen, wie einer plötzlichen Rotation des Kopfes oder nach dem Aufstehen aufgetreten ist.
Eine ungünstige Schlafstellung, ungeeignete Materialwahl beim Kissen oder der Matratze oder eine nicht angepasste Schlafstellung kann ebenfalls ein möglicher Auslöser sein. Aber auch akute Über- oder Fehlbelastungen, wie monotone, gehaltene, wiederholende oder ungewohnte Aktivitäten, können ebenfalls zu Nackenblockaden führen.
Physiotherapeutische Interventionen
Die genaue Diagnose und die darauffolgende Therapie hängen von der zugrundeliegenden Ursache ab. Die Behandlung erfolgt normalerweise konservativ und umfasst in den meisten Fällen eine medikamentöse Therapie zur Schmerzlinderung und Physiotherapie mit Muskelentspannungstechniken und gezielte Übungen. In schwereren Fällen oder bei langanhaltenden Beschwerden kann eine Injektionstherapie hinzugezogen werden. Eine Operation zur Behandlung einer HWS-Blockade ist in den seltensten Fällen empfohlen und notwendig.
Um die geeignete Therapie zu finden, ist es wichtig gemeinsam (ärztliches und physiotherapeutisches Fachpersonal zusammen mit der betroffenen Person) die Möglichkeiten zu besprechen, damit die beste Variante für die Behandlungsintervention gefunden werden kann.
In einem ersten Schritt wird in der Physiotherapie anhand der Anamnese (ausführliche Befragung der betroffenen Person) versucht, mögliche mitbeteiligte Strukturen zu evaluieren. Anschliessend folgt eine körperliche Untersuchung, die aufgrund der anamnestischen Angaben zielgerichtet aufgebaut wird und hilft die Ursache des Problems zu identifizieren.
Aufgrund dieser zwei Schritte (Anamnese und physische Untersuchung) erstellt die Therapeutin eine Arbeitshypothese, die als Basis für die gesamte weitere Behandlung dient. Die ersten physiotherapeutischen Behandlungen beinhalten die Patientenedukation zur Aufklärung und individuelle Übungen zur akuten Schmerzsenkung und der Überwindung der Blockade.
Gute Prognose
Die gute Nachricht ist, dass segmentale Nackenblockaden in der Regel gut behandelbar sind. Physiotherapeutische Interventionen, gezielte Übungen und die Anpassung der täglichen Gewohnheiten können dazu beitragen, dass die Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit wieder hergestellt werden.
Bei langanhaltenden Beschwerden ist es ratsam, professionelle medizinische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um die beste Behandlungsoption für Ihre individuelle Situation zu ermitteln.