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B.4 Pfahlbauten in Nidwalden
Illustration der verschiedenen Pegel des Vierwaldstättersees im Zusammenhang mit den Siedlungen in Kehrsiten: (1) Der Bürgenstock ist noch komplett mit Urwald zugedeckt. (2) Erste Siedler lassen sich nach Absinken des Seespiegels auf der Uferplatte nieder, roden Wald, bebauen Äcker. (3) Erneuter Anstieg des Seespiegels, weitere Besiedelungen. (4) Starker, klimatisch bedingter Anstieg des Seespiegels und Erdbeben mit der Folge, dass die Uferplatte abbricht.
Die Pfahlbauten in Nidwalden wurden erst viel später entdeckt. 2003 stiess ein Hobbytaucher zufällig auf die Pfähle und glaubte Überreste einer Siedlung zu erkennen, woraufhin eine Tauchequipe der Unterwasserarchäologie Zürich den Fund genauer untersuchte und bestätigte. Weil in den Voralpen keine Siedlungsgebiete vermutet wurden und bislang nur Einzelfunde Hinweise auf Handelsrouten oder Jagdgebiete gegeben hatten, suchte man nicht gezielt nach Überresten von Dörfern.
Der Seespiegel ist über die Jahrtausende angestiegen, sodass die Fundstelle heute sieben bis zehn Meter unter der Wasseroberfläche liegt. Die Uferplatte, die einst weit in den See hinausreichte, bricht nach weiteren Erdbeben bereits nach etwa 60 Metern ab. Im Vergleich zu den anderen Pfahlbau-Siedlungen in der Schweiz liegt diejenige von Kehrsiten heute ziemlich tief unter dem Seespiegel. Die meisten frühzeitlichen Dörfer befinden sich ein bis zwei Meter unter der Wasseroberfläche.
Der Fund der Pfahlbauten in Kehrsiten war aus archäologischer Sicht spektakulär. Die Fundstelle eignete sich für bestimmte Untersuchungen, die an anderen Orten in der Schweiz nicht vorgenommen werden konnten. Ausserdem ist Kehrsiten die einzige bekannte Niederlassung am Vierwaldstättersee und die den Alpen am nächsten gelegene. Lange war man davon ausgegangen, dass sich die Besiedelung nur auf das Mittelland beschränkte. Ein Dorf in den Voralpen ist aussergewöhnlich und birgt neue Möglichkeiten, Erkenntnisse über die Lebensweise der jungsteinzeitlichen Menschen zu gewinnen.