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Das Amazonas-Gebiet wird von einer Jahrhundert-Dürre heimgesucht. Die brasilianische Regierung führt die Trockenheit auf den Klimawandel und das Wetterphänomen El Niño zurück. Die Pegelstände der Flüsse sind da und dort auf ein Rekordtief gefallen.
Das Amazonas-Gebiet wird jedes Jahr zwischen Juli und Oktober wegen der geringen Niederschläge von einer Trockenzeit heimgesucht. Die Pegelstände der Flüsse sinken dann. Doch so stark wie in diesem Jahr sind sie seit Menschengedenken nicht gesunken. Etwa 30 Millionen Menschen sind bedroht, 700’000 von ihnen akut. Die Flüsse sind für Millionen Menschen die Lebensgrundlage. Sie werden oft als «die Autobahnen des Amazonas» bezeichnet.
In Manaus und anderen Städten wurde der Notstand ausgerufen. Manaus liegt am Zusammenfluss des Rio Negro und des Amazonas. Im Hafen der Stadt wurde jetzt ein Wasserstand von 13,59 Metern gemessen. Vor einem Jahr waren es noch 17,60 Meter. Das ist der niedrigste Pegelstand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1902 und übertrifft den bisherigen Tiefststand aus dem Jahr 2010. Der Amazonas ist der wasserreichste Fluss der Welt. 59 der 62 Amazonas-Gemeinden sind jetzt vom Wassermangel betroffen.
Die ausgetrockneten Flüsse führen dazu, dass ein Verkehr auf dem Wasser nicht mehr möglich ist. Tausende Dörfer sind deshalb von der Umwelt abgeschnitten. Nahrungsmittel, Treibstoff und Medikamente müssen auf dem Luftweg eingeführt werden. Selbst Kanus können keine Hilfsgüter mehr liefern, da sie wegen der niedrigen Pegelstände auf Grund laufen.
Die Flüsse und Seen des Amazonas sind auch die Hauptnahrungsquelle für Hunderttausende Menschen, die von der Fischerei abhängig sind. Die Hitzewelle, die Trockenheit und hohe Wassertemperaturen führten nun zum Tod Hunderttausender Fische.
Das Tiersterben findet auch am Oberlauf des Amazonas statt. Hunderte toter rosaroter Flussdelfine, sogenannte Botos, wurden gesichtet. Die Wasser des Amazonas entspringen im peruanischen Hochland. Der Fluss durchquert kurz Kolumbien und mündet dann ins brasilianische Amazonas-Becken ein.
Die Dürre führt auch dazu, dass viele Brunnen ausgetrocknet sind. Trinkwasservorräte sind verseucht. Bereits wird berichtet, dass Kinder an Durchfall und Fieber leiden.
Fast die Hälfte der brasilianischen Treibhausgas-Emissionen sind auf illegale Brände zurückzuführen. Zwar sind Entwaldung, Abholzung und Brände im Amazonasbecken seit dem Machtantritt von Präsident Lula da Silva deutlich zurückgegangen. Doch noch immer werden viele Wälder angezündet. Betroffen sind vor allem Gebiete, in denen die Dürre am stärksten ist.
Meteorologen hoffen, dass im Dezember die Auswirkungen von El Niño ihren Höhepunkt erreicht haben. Dann könnte es endlich wieder, nach sechs Monaten totaler Trockenheit, etwas regnen.
Das Wetter spielt verrückt: Während das Amazonas-Gebiet von einer extremen Dürre heimgesucht wird, werden aus dem südlichen Brasilien starke Überschwemmungen gemeldet.
Etwas Gutes hat die Dürre im Amazonas-Becken. Der sinkende Wasserspiegel hat prähistorische Steingravuren freigelegt. Da und dort sind Gesichter zu erkennen. Sie lagen vermutlich bis zu zweitausend Jahre lang unter Wasser.