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Während Französisch immer mehr gesprochen wird, sprechen immer weniger Schweizer regelmässig Deutsch. Die Gründe sind vor allem bei der Migration zu suchen.
Viele Schweizerinnen und Schweizer müssen sich wegen ihrer Sprachkenntnisse nicht verstecken: Beinahe zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung spricht regelmässig mehr als eine Sprache. Die Schweiz hat mit vier offiziellen Landessprachen eine besondere Sprachenlandschaft. Auch viele Nichtlandessprachen hört man im Alltag.
Laut aktuellen Daten des Bundesamtes für Statistikexterner Link (BFS) spricht die Mehrheit der ständigen Wohnbevölkerung als Hauptsprache Deutsch oder Schweizerdeutsch. Unter den Nichtlandessprachen werden am häufigsten Englisch und Portugiesisch angegeben. Die Hauptsprache ist laut BFS die Sprache, in der wir denken und die wir am besten beherrschen.
Interessant ist: Seit den 1980er-Jahren nimmt der Anteil derer, die Deutsch als Hauptsprache angeben, stetig leicht ab. Auch Italienisch wurde bis 2000 immer seltener genannt, danach aber wieder öfter. Französisch wird auf einem niedrigen Niveau immer beliebter.
Die Veränderungen seit 2000 sind grösstenteils auf eine Änderung in der Datenerhebung zurückzuführen. Wer beispielsweise in der deutschsprachigen Schweiz aufwächst, in der Familie aber Portugiesisch spricht, musste sich bis vor zehn Jahren für eine Hauptsprache entscheiden. Seit 2010 können die Befragten mehrere Hauptsprachen angeben - zum Beispiel eben Portugiesisch und Deutsch.
Das hat dazu geführt, dass der Anteil der Nichtlandessprachen an den Hauptsprachen stark zugenommen hat.
Laut Renata Coray vom Institut für Mehrsprachigkeit an der Universität Freiburgexterner Link hat die konjunkturbedingte Zuwanderung in der Schweiz einen grossen Einfluss darauf, welche Sprachen gesprochen werden. Knapp ein Viertel der ständigen Schweizer Wohnbevölkerung kommt aus dem Ausland.
Auch Englisch nimmt in der Schweiz als Hauptsprache zu. Sprachen 2010 noch 4,6 Prozent Englisch als Hauptsprache, waren es sieben Jahre später schon 5,4 Prozent. Das liegt auch an der wachsenden Zuwanderung aus englischsprachigen Ländern wie Grossbritannien und den USA.
Warum aber wird Französisch als Hauptsprache beliebter, während Deutsch und Schweizerdeutsch immer ein wenig unwichtiger werden? Hier gibt es einen möglichen Erklärungsansatz, der mit der unterschiedlichen Herkunft der Einwanderer und der Integrationskraft der Sprachregionen zu tun hat.
Eher Anpassung an Französisch als Deutsch
In der französischen Schweiz tendieren Eingewanderte eher dazu, sich an die dortige Sprache anzupassen, sagt Renata Coray. Ein Beispiel: Viele Personen, die Spanisch, Portugiesisch oder Italienisch sprechen, wandern in die Romandie ein. Sie lernen tendenziell schnell Französisch. Zum Einen fällt ihnen Französisch einigermassen leicht, weil ihre Herkunftssprache genau wie Französisch ebenfalls zu den romanischen Sprachen gehört. Zum Anderen integrieren sich Fremde sprachlich generell schneller in der Romandie als in der Deutschschweiz.
Im deutschsprachigen Teil der Schweiz stellt sich die Einwanderung anders dar. Personen, die beispielsweise aus dem Kosovo, Kroatien, Serbien oder der Türkei zuwandern, haben am Anfang tendenziell grössere Probleme Deutsch zu sprechen, als es beispielsweise Spanier in der Romandie mit Französisch haben.
Dazu kommt, dass in der Deutschschweiz im privaten Raum wie auch bei der Arbeit neben Hochdeutsch sehr häufig Schweizerdeutschexterner Link verwendet wird. Für viele Zuwanderinnen und Zuwanderer macht es der gesprochene fremde Dialekt natürlich nicht unbedingt einfacher, sich sprachlich zu integrieren.
Es könnte auch sein, dass sich Deutschsprachige eher an fremde Sprecher anpassen, als dies Französischsprachige tun. Das heisst, in Zürich ist man eher bereit, mit Fremden eine gemeinsame Sprache zu sprechen – und das ist meist Englisch.
Statistische Ungenauigkeit
Die Daten zu den Hauptsprachen der Schweizer Wohnbevölkerung entstammen der Strukturerhebungexterner Link. Dafür wird seit 2010 jedes Jahr ein kleiner Teil der Bevölkerung schriftlich befragt. Seitdem nicht mehr die gesamte Bevölkerung involviert wird, ergeben sich trotz aller Sorgfältigkeit kleine statistische Ungenauigkeiten.
Das wird beim Rätoromanischen sichtbar: Laut der Statistik sprachen 2017 nur noch rund 44'000 Personen hauptsächlich Rätoromanisch, also 0,5 Prozent der Bevölkerung. «Viel mehr Menschen benutzen die Sprache als Zweit- oder Umgangssprache, das BFS geht von etwa 60'000 Personen aus. Diese Sprache wird also viel mehr gebraucht, als die Zahlen zu den Hauptsprachen vermuten lassen», sagt Renata Coray.
swissinfo.ch