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Keine Frage, Joshua Redman gehört zu den erfolgreichsten «Young Lions», den jungen Musikern, die in den 90er Jahren die Jazz-Tradition wieder für sich entdeckt haben. Dabei war für ihn die anstrengende Musikerkarriere keineswegs zwingend. Als erfolgreicher Harvard-Absolvent standen ihm auch viele andere Türen offen – eine Zulassung zum Jus-Studium an der renommierten Yale University hatte er bereits im Sack.
Jazzmusiker? Auch gut!
Dann aber entschied sich Joshua Redman, vor dem Schritt nach Yale, für ein Zwischenjahr in New York. Dort dauerte es nicht lange, bis er mit der «Crème de la crème» Musik machte. Mit den etablierten Alten wie Billy Higgins, Charlie Haden, Papi Redman ebenso wie mit den jungen Hippen Christian McBride und Brad Mehldau. Und so wurde Joshua Redman eben Musiker. Er wäre verrückt gewesen, eine solche Gelegenheit verstreichen zu lassen, erzählt er in einem Interview für die Whitworth University.
Auch wenn Joshua Redman so erst relativ spät zum Musiker geworden ist, ein intensiver Zuhörer war er schon sein Leben lang. Seine Mutter, eine Tänzerin, zog ihn alleine auf, den Vater Dewey Redman sah Joshua nur ein- oder zweimal Mal pro Jahr. Platten aber gab es mehr als genug zu Hause, nicht nur von Dewey Redman, sondern aus allen möglichen Ecken der Welt, von den Beatles bis zu indonesischen Gamelan-Orchestern.
Musik mit Pfannen und Töpfen
Ausserdem waren neben Ausstellungen oder Tanzabenden auch Live-Konzerte für Redmans Mutter eine erzieherische Selbstverständlichkeit. Schon als Dreijähriger war Joshua Redman von einem indonesischen Gamelan-Konzert offenbar so beeindruckt, dass er zu Hause von seiner Mutter sämtliche Töpfe und Pfannen verlangte, auf dem Fussboden arrangierte und eifrig mit Besteck traktierte. Und zu den Töpfen und Pfannen gesellte sich dann bald das Hauptinstrument des abwesenden Vaters Dewey Redman, das Tenorsaxophon.
Was ist es aber, das aus dem Nobody und angehenden Jus-Studenten in New York innert kürzester Zeit eine grosse Nummer in Jazz-Kreisen machte? Nicole Johänntgen, selber Saxophonistin und Joshua-Redman-Musik-Expertin, erklärt es so: Seine Musik sei immer zugänglich, er spiele, um verstanden zu werden: «Er legt Wert darauf, dass in seinem Spiel ein Fahrplan ist, dass alles Hand und Fuss hat.»
Jazz mit Breitenwirkung, nachvollziehbar – aber nie langweilig, dank einer Energie und einem Ton, die schon in kürzester Zeit klar machten: Hier spielt Joshua Redman. Der junge Löwe auf der Überholspur.