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In den Tessiner Nordtälern liegen manche Dörfer auf halber Höhe an den Talflanken. So auch Corzoneso im Bleniotal mit seinen Weilern Casserio und Cumiasca. Max Frisch erwähnt in seinem Buch „Der Mensch erscheint im Holozän“ die Überschwemmungen der 1930er Jahre in Cumiasca, die auch mit der intensiven Nutzung der Wälder und dem Holzexport nach Italien in Verbindung standen. In Casserio dokumentierte der Fotograf Roberto Donetta (geb. 1865) die Geschehnisse dieser Zeit. Sein fotografisches Werk geht aber weit über zeitdokumentarisches hinaus. Es spiegelt seinen Willen existenzielle Not mit dem Mittel von Bildern sichtbar zu machen. Seine Bilder sind arrangiert und nicht selten zeugen sie von einem eigenen Humor. Ab 1901 lebte Donetta bis zu seinem Tod 1932 in der Casa Rotonda, die nicht mehr als Schulhaus gebraucht wurde. Die drei Geschosse Keller, Schule und Lehrerwohnung waren unter einem Dach vereint. Entstanden ist die Casa Rotonda durch ein Legat des Domherrn Giuseppe Donetti, der an der Basilica di Sant’Ambrogio in Milano wirkte. Mit der Schenkung von 1818 wollte der in Corzoneso geborene Geistliche den Kindern eine Schulbildung vermitteln. Seit 2003 befindet sich das Archivio Donetta in diesem ungewöhnlichen Bauwerk.
Ein Rundweg führt zu einigen Punkten in der Landschaft, die Roberto Donetta zu Beginn des 20. Jahrhunderts fotografierte. Folgt man diesem Weg weiter talauswärts, gelangt man in wundervolle Waldpartien, die eine poetische Welt im Kleinen bergen.
Patrick Thurston, September 2017
Hier zur Buchempfehlung: Roberto Donetta – Fotograf und Samenhändler aus dem Bleniotal