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Wintereinbruch aus Süden?
Der heutige Tag war wettermässig geprägt durch trübes Wetter mit tiefhängenden Wolken und teils kräftigen Niederschlägen. Verantwortlich dafür war eine südliche Höhenströmung, welche viel Feuchtigkeit zur Alpensüdseite und über die Alpen nach Norden verfrachtete. Obwohl die feuchte Luftmasse eigentlich aus Süden vom Mittelmeerraum kam, sank die Schneefallgrenze nördlich der Alpen verbreitet unter 1000 Meter ab. In einigen Gebieten konnte die weisse Pracht bis in tiefe Lagen beobachtet werden. Mehr dazu im heutigen Blog…
Synoptisches Setting
Die Wetterlage gehört zu den eher schwierig zu prognostizierenden Situationen, da verschiedene Anströmungen und Luftmassen über dem Alpenraum zusammen treffen. Wir sprechen dabei auch oft von sogenannten Gegenstromlagen, auch wenn diese heute nicht so ausgeprägt war.
Ein umfangreiches Tiefdrucksystem lag über Westeuropa und erstreckte sich von der Nordsee bis nach Spanien.
In den mittleren und höheren Schichten der Troposphäre wurde an der Vorderseite des Tiefdrucksystems mit südwestlicher bis südlicher Anströmung seit gestern (Donnerstag) zunehmend feuchte Mittelmeerluft zum Alpenraum geführt. Gleichzeitig sickerte in den unteren Schichten aus Norden allmählich kältere Luft ein.
Die Frontalzone (stärkster Temperaturgradient im Übergang kalt/warm) lag heute längere Zeit über den Ost- und Südalpen praktisch stationär. Mit dem Aufgleiten der wärmeren Luft aus Süden über die kältere Luft im Norden wurde der Niederschlagsprozess über die Frontalzone hinaus weit nach Norden ausgelöst.
Dies führte in der Nacht auf Freitag einerseits aus Süden zu verstärkenden Niederschlägen und auf der Alpennordseite verbreitet zu einem Absinken der Schneefallgrenze unter 1000 Meter.
Niederschlagsabkühlung
Der Prozess der Niederschlagsabkühlung spielte heute eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Höhe Schneefallgrenze.
Aufgrund der Luftmassentemperatur wäre die Schneefallgrenze relativ einheitlich bei etwa 800 bis 1100 Metern geblieben. Die Verstärkung der Niederschläge hat in den Alpentälern zu einem zusätzlichen Absinken der Schneefallgrenze geführt. Es gilt: Je enger das Tal, umso effizienter der Abkühlungsprozess, weil dabei weniger Luftvolumen abgekühlt werden muss, als bei grösseren Tälern. Deutlich erkennbar war dies heute im Haslital und im Reusstal. Dort sank die Schneefallgrenze unter 400 Meter, oder anders gesagt bis zum Talboden ab.
Insgesamt kamen recht beachtliche Niederschlags- bzw. Neuschneemengen zusammen. Bis zum Redaktionsschluss um 17 Uhr wurden in den vergangenen 24 Stunden folgende Niederschlagsmengen registriert:
Im Süden westlich der Leventina bis zur Simplonregion: 20 bis 30 mm, innerhalb vom oberen Maggia- und Bedrettotal bis zum Binntal 40-50 mm, lokal bis 60 mm.
Im Norden vom Obergoms über das Haslital, das Urner Oberland bis zur oberen Surselva 20 bis 30 mm und angrenzend im Wallis über das Emmental bis nach Schaffhausen und östlich davon 10 bis 20 mm.
Wo schneite es und wieviel?
Dank «social media» wurde schon zahlreich über den Wintereinbruch in den Alpen auf verschiedenen Plattformen «gepostet». Trotzdem gehört es auch zu unserem Tagesrückblick ebenso von den Neuschneemengen zu berichten.
Je nach Schneefallgrenze und Niederschlagsintensität zeigte sich die beschneiten Regionen recht unterschiedlich.
Am meisten Schnee gab es natürlich in den höheren Lagen. Insbesondere im Obergoms, der Grimsel- und Gotthardregion wurden oberhalb von 1200 Metern zwischen 30 und 50 cm Neuschnee gemessen.
Aber auch weit nach Norden hat es heruntergeschneit, in Disentis auf 1200 Metern wurden 20 cm, in Engelberg auf rund 1000 Metern wurden noch 12 cm von unseren automatischen Messstationen registriert.
Schwierige Strassenverhältnisse waren entsprechend auf der Nord-Südachse am Gotthard anzutreffen. Zurzeit der stärksten Niederschlagsphase am Vormittag musste auch die Schneeräumung zum Einsatz gelangen. Zeitweise waren 5 bis 10 cm Schnee auf der Fahrbahn der A2.
Nachlassender Niederschlag am Nachmittag
Durch die langsame Ostverlagerung der Frontalzone liess am Nachmittag die Niederschlagsaktivität nördlich der Alpen etwas nach. Die Schneefallgrenze stieg dabei in den Gebieten mit vorangegangener starker Niederschlagsabkühlung wieder von den Niederungen auf etwa 600 Meter an. Damit verbesserten sich in diesen Regionen auch der Strassenzustand, der Schnee ging in «Pflotsch» über oder verflüssigte sich ganz. Der Südstau hielt aber dennoch an und brachte am Alpensüdhang und in den angrenzenden nördlichen Gebieten noch weiterhin teils kräftigere Niederschläge.