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Eine Frau, die ein Tennisspiel eingehüllt in eine Fahne verfolgt, ist eigentlich nicht wirlklich etwas Besonderes. Wenn es sich aber um die blaugelbe Flagge der Ukraine handelt, und auf dem Feld zwei Russinnen stehen, führt dies aber scheinbar zu grosser Aufregung. So geschehen in der letzten Qualifikationsrunde zum WTA-Turnier in Cincinnati.
Mit Anna Kalinskaja und Anastassija Potapowa duellierten sich zwei unter neutraler Flagge antretende Russinnen. Im Publikum sass Lola, eine US-Amerikanerin mit usbekischen Wurzeln, mit einer ukrainischen Freundin und der Ukraine-Flagge. Während des ersten Satzes ging eine der beiden Spielerinnen gemäss Tennis-Journalist Ben Rothenberg zu der Schiedsrichterin und beschwerte sich über die Zuschauerin mit der Flagge.
«Wir sassen einfach ruhig da, haben die Spielerinnen weder abgelenkt noch sonst etwas Verrücktes getan», sagte Lola nach dem Spiel zum TV-Sender «Local12». Trotzdem ging Schiedsrichterin Morgane Lara zu ihr und bat sie, die Fahne wegzupacken. «Das ist nicht nett», sagte Lara, woraufhin Lola erwiderte: «Es ist auch nicht nett, in ein Land einzumarschieren.» Sie werde die Flagge nicht wegtun.
Nachdem das Spiel zunächst weitergegangen war, kam ein Sicherheitsbeamter zu ihr und drohte, die Polizei zu rufen, sollte sie die Tribüne nicht verlassen. Lola folgte der Aufforderung, doch 15 Minuten später kam derselbe Beamte zu ihr und sagte, dass sie das Gelände verlassen müsse. Die Flagge überschreite die zugelassene Grenze von 45 x 45 Zentimeter.
This spectator was named Lola.— Ben Rothenberg (@BenRothenberg) August 15, 2022
She lives near the #CincyTennis tournament in Mason, OH, and was sitting with a Ukrainian flag draped around her body. Lola also wore a vinok, which is a Ukrainian floral wreath crown.
Lola was not saying anything, watching the match silently... pic.twitter.com/QREW5tSBRb
Rothenberg weiss aber: «Alle, die mal am Turnier in Cincinnati waren, wissen, dass hier seit Jahren Fahnen in dieser Grösse geschwenkt werden.» Die Ursache für die Wegweisung sei nicht die Grösse der Fahne, sondern dass sich eine russische Spielerin darüber beschwert habe.
Lola reagierte mit Unverständnis: «Das ist nicht Russland, sondern die USA.» Die Präsidentin der Non-Profit-Organisation Cincy4Ukraine Eugenia Nemirovska de Santos sagte zum Vorfall: «Russische Spielerinnen kommen hier her und diktieren, was US-Bürger tun können und was nicht? Das kommt in der ukrainischen Gemeinschaft nicht gut an.»
Man müsse damit rechnen, dass nun viele Zuschauerinnen und Zuschauer mit kleinen ukrainischen Flaggen kommen oder diese auf ihren Kleidern tragen. «Was wollen sie dann tun? Uns auffordern, unsere Kleider auszuziehen?»
Die Verantwortlichen des Turniers verwiesen gegenüber Rothenberg auf die Regel bezüglich der Grösse der Flaggen. Die WTA antwortete weder auf die Anfrage des Journalisten noch auf jene des lokalen TV-Senders aus Cincinnati. (nih)
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