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März 2018: Janick Steinmann
Nach 496. NLA-Spielen musste Janick Steinmann seine aktive Eishockey-Karriere beenden. Für Kloten, Zug, Davos und Lugano brachte es Steinmann in den knapp 500 Spielen auf 46 Tore und 105 Assists. Mit den Bündnern wurde er 2011 Schweizer Meister und gewann im gleichen Jahr auch den Spengler Cup. Am 17. Oktober 2015 zog sich Steinmann im Spiel gegen Lausanne jedoch zum wiederholten Male eine Hirnerschütterung zu, die es ihm unmöglich machte, weiterhin seiner Passion nachzugehen. So sah sich der zweifache Nationalspieler bereits im jungen Alter von 28 Jahren gezwungen, sich mit seiner Karriere nach der Karriere zu befassen.
Seit dem Mai 2016 absolviert er nun beim EV Zug auf der Geschäftsstelle ein einjähriges Praktikum im Bereich Sport. Des Weiteren schloss er im Juli 2016 erfolgreich die CAS Sportmanagement-Weiterbildung an der Universität St. Gallen, in Kooperation mit dem FC Schalke 04, ab.
Frage 1: Herr Steinmann, aufgrund von wiederholten Kopfverletzungen mussten Sie im Oktober 2015 Ihre Karriere beenden. Wie machten sich die erlittenen Gehirnerschütterungen bemerkbar?
Ich habe im Rahmen meiner Eishockey-Karriere mehrere Kopfverletzungen erlitten. Mit jeder weiteren Hirnerschütterung erschwerte sich der Heilungsprozess massiv. So hatte ich bei der letzten Hirnerschütterung mit monatelangen Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen und Aufmerksamkeitsstörungen zu kämpfen. Des Weiteren führte die Verletzung vor allem zu einer schnellen Ermüdung bei kognitiven Tätigkeiten.
Frage 2: Waren Sie bereits auf das Leben nach dem Sport vorbereitet?
Ich hatte eine Ausbildung zum Kaufmann abgeschlossen und ein Vordiplom (Markom) als Marketingplaner angefangen. Diese konnte ich leider noch nicht abschliessen, da der Spielplan im Eishockey für solche Weiterbildungen nicht wirklich optimal ist. Ich muss zugestehen, dass das Karriereende um einiges früher eintrat, als dass ich mir das erhofft habe. Ich habe insgeheim damit gerechnet, dass ich noch einige Jahre als Eishockeyspieler mein Geld verdienen kann. Deshalb wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich mich wie gewünscht auf meine „Nachkarriere“ vorbereiten konnte.
Frage 3: Spielten Sie auch mit dem Gedanken, entgegen dem Rat der Ärzte, nochmal einen Versuch als professioneller Eishockeyspieler zu wagen?
Glauben Sie mir, es fiel mir unheimlich schwer, diesen Entscheid zu akzeptieren. Von einem auf den anderen Tag kann man nicht mehr seinem geliebten Beruf nachgehen. Aber wenn drei Spezialisten sagen, dass das Risiko zu hoch ist, bleibt einem keine andere Wahl.
Frage 4: Kopfverletzungen im Sport sind vor allem in den USA, insbesondere im Football, ein grosses Thema. Gibt es aufgrund von Ihren Erfahrungen Möglichkeiten, Spieler vor Kopfverletzungen besser zu schützen?
Meines Erachtens ist der „Speed“ in den Eishockeyspielen um einiges höher als früher. Durch die zunehmende Geschwindigkeit können solche Zusammenstösse nie zu 100 % vermieden werden. Man darf nicht vergessen, dass Eishockey ein Kontaktsport ist, und auch bleibt. Durch die flexiblen Banden, welche ab nächster Saison obligatorisch sind, wird bestimmt der eine oder andere Aufprall glimpflicher ausfallen. Wir müssten uns aber Gedanken machen, das Spiel wieder zu verlangsamen. Da dies aber wahrscheinlich die Attraktivität des Sports verringert, ist dies schwierig umsetzbar.
Frage 5: Nichtsdestotrotz dürfen Sie mit 151 Scorerpunkten (46 Toren) in 496 NLA-Spielen und dem Meistertitel mit dem HC Davos auf zahlreiche sportliche Höhepunkte zurückblicken. Gibt es Momente, an die Sie sich besonders gerne zurückerinnern?
Ich denke ausschliesslich an die schönen Momente zurück. Eishockey ist ein fantastischer Sport und hat mir unheimlich viel gegeben. Der Meistertitel mit Davos war sicherlich sehr speziell. Doch all die Jahre beim EVZ als Junior und auch als Profispieler waren für mich als Einheimischer schon unglaublich. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Saison 2008/2009. Wir waren bis Ende Dezember auf dem letzten Platz und erreichten dann durch eine fantastische Steigerung noch das Halbfinale. In dieser Saison spielte ich mit vielen guten Freunden zusammen, welche bis heute ein grosser Teil meines Lebens sind.
Frage 6: Sie hatte danach die Möglichkeit, ein einjähriges Praktikum beim EV Zug auf der Geschäftsstelle im Bereich Sport zu absolvieren. Wie lautet Ihr Fazit?
Da ich mich noch nicht vollständig von meinen Verletzungen erholen konnte, haben wir uns auf eine Anstellung in Form eines Teilzeitpraktikums mit flexiblen Arbeitszeiten geeignet. Anfangs tat ich mich schwer, nicht mehr selber auf dem Eis zu stehen. Unterdessen fühle ich mich sehr wohl. Der EV Zug ist äusserst professionell aufgestellt. Wir haben viele kompetente Leute im Team, von denen ich täglich profitieren kann. Durch meine Erfahrungen als aktiver Eishockeyspieler und mein erworbenes Wissen im CAS Sportmanagement-Lehrgang kann ich ebenfalls einiges zum Erfolg beitragen. Es macht mir grossen Spass, wieder ein Teil vom EVZ zu sein.
Frage 7: Im März 2016 nahmen Sie zudem das Studium zum zertifizierten Sportmanager an der Universität St. Gallen auf. Wie fühlte es sich an, wieder einen ganzen Tag im Schulzimmer zu sitzen?
Es war für mich unheimlich schwierig, da ich zu diesem Zeitpunkt immer noch mit den Folgen meiner Kopfverletzung zu kämpfen hatte. Ich wollte aber wieder eine Aufgabe haben und versuchte, mich so wenig wie möglich unter Druck zu setzen. Für mich kam der Lehrgang deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt, da ich so wieder einen strukturierten Alltag hatte.
Frage 8: Gibt es Inhalte des Studiengangs, die Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit bereits besonders gut anwenden können?
Es war für mich grundsätzlich sehr interessant zu erfahren, was sich hinter Kulissen, und nicht nur direkt auf dem Sportplatz abspielt. Besonders beeindruckt hat mich jedoch die Modulwoche „Führung von Sportunternehmen“. Das Thema ist unheimlich interessant. Wie führt beziehungsweise motiviert man seine Mitarbeiter und wie kommuniziert man mit den Mitarbeitern. Prof. Dr. Wolfgang Jenewein konnte uns in diesem Bereich unglaublich viel mit auf den Weg geben.
Frage 9: Durch den Lehrgang erhielten Sie einen Einblick in einen der grössten Sportvereine der Welt. Welche Parallelen, aber auch Unterschiede, sehen Sie im Managementbereich zwischen Ihrem aktuellen Arbeitgeber EV Zug und dem FC Schalke 04?
Die Dimensionen, in denen sich der EV Zug und FC Schalke 04 bewegen, kann man nicht vergleichen. Der EVZ hat im Schnitt knapp 7000 Zuschauer, der FC Schalke 04 über 60 000 Zuschauer. Das impliziert riesige Unterschiede im Bezug auf die Vermarktungsmöglichkeiten. Zudem spielen wir beim EVZ auch hinsichtlich des Umsatzes und der Anzahl Mitarbeiter in einer ganz anderen Liga. Dennoch kann ich durch mein Praktikum diverse Parallelen erkennen. Beide Organisationen werden äussert professionell geführt. Sowohl Schalke, als auch der EVZ haben einen starken Bezug zur Region und fördern gezielt junge Talente. Zudem sind beide Clubs sehr innovativ und offen für Neues. Dass sich der Schalke 04 beispielsweise so stark im Bereich eSports engagiert, ist schon sehr spannend.
Vielen Dank für das interessante Interview!