Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03442.jsonl.gz/981

Das Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom
Diagnose und Behandlung
Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?
Das Karpaltunnelsyndrom wird als ein Nervenkompressionssyndrom definiert. Es handelt sich um den Nervus medianus, der durch den Karpaltunnel am Handgelenk verläuft und an einer Engstelle durch Druck gereizt wird. Dadurch kommt es vor allem nachts zu Missempfindungen und Schmerzen, insbesondere im Daumen, Zeige- und Mittelfinger.
Symptome können Gefühlsstörungen im Unterarm, Handgelenk bis in die Finger sein. Die Schmerzen, das Kribbeln oder das Taubheitsgefühl, die besonders nachts auftreten, können den Schlaf stören. Es kann zu einer Kraftminderung im Bereich von Daumen und Zeigefinger kommen.
Anatomie
Der Mittelnerv, oder Nervus medianus, entspringt aus dem Plexus Brachialis. Er verläuft auf der Innenseite des Oberarms entlang der Arteria Brachialis und weiter entlang der Innenseite des Unterarms bis er die ersten vier Finger innerviert.
Alle Strukturen wie Muskeln oder Faszien, die um den Nervverlauf liegen, können zu Nerven-Kompressionen führen.
Der Speichennerv, oder Nervus Radialis, versorgt ebenfalls die ersten vier Finger und kann bei Beschwerden wie Schwäche der Finger involviert sein.
Diagnostische Ansätze mittels Chinesischer Medizin
Diese lokal auftretenden Schmerzen auf einem Meridian, sind als Meridian-Syndrom und als Bi-Syndrom einzuordnen. Wir haben also eine Stagnation von Qi und Blut auf dem Meridian-Verlauf des Perikards. Mit der Stagnation wird beschrieben, dass die Versorgung der Gewebe nicht mehr reibungslos abläuft. Solche Stagnationen kommen entweder durch Engpässen vor (Verhärtungen, Versteifungen des Gewebes, oft des Muskelgewebes oder der Faszien) oder durch einen Mangel an Zufuhr (Unterversorgung).
Bei Stagnation durch Engpässen ist die genaue Lokalisation dieser Einschnürungen zu definieren. Diese treten nicht unbedingt am Karpaltunnel auf. Der ganze Verlauf der Leitbahnen, die die Hand versorgen, ist zu untersuchen. Daher ist eine Begutachtung des Nackens, der Schultern und des ganzen Armes unerlässlich. Besonders wenn die Beschwerden beidseits auftreten ist der Verdacht einer Kompression im Nacken nachzugehen.
Erfahrungsgemäss sind die Leitbahnen Di, SJ und Lu (besonders am Oberarm) und SJ, Pc und Lu am Unterarm mit einzubeziehen.
Bei Stagnation durch Unterversorgung ist die ganze Konstitution in Betracht zu ziehen. Hier sollten die Verdauung sowie das Essverhalten genauer untersucht werden.
Je nach pathologischem Befund, wird die Diagnose mit weiteren Faktoren wie Feuchtigkeit (bei Schwellung und Schwere), Hitze (bei Rötung oder Brennen), Kälte (bei Kälte) ergänzt.
Behandlung mittels TuiNa-Massage
Die TuiNa-Massage eignet sich bestens, um Stagnation durch Engpässe zu behandeln. Das Gewebe wird gelockert, wird wieder frei und geschmeidig und die Zirkulation von Blut und Qi können wieder frei stattfinden. Die TuiNa-Behandlung sollte am Nacken beginnen, die ganze Schulter miteinbeziehen und den Arm sowie die ganze Hand behandeln. Wichtige Techniken sind AnRou und TanBo, um das Gewebe zu lockern und zu entspannen. Qu Shen und Ba Shen sollten am Handgelenk unbedingt ausgeführt werden, damit das Gewebe gedehnt wird. Der Handgelenksrücken sowie die Handinnenfläche sind mit einzubeziehen. Mittels TuiNa-Massage können die meisten Karpaltunnelsyndrome behandelt werden. Zwei Sitzungen pro Woche sind zu empfehlen.
Behandlung mittels Akupunktur
Je nach Diagnose ist eine Kombination von lokalen Punkte und Fern-Punkten auszusuchen.
Lokal können Punkte wie Pc 6, SJ 5, Pc 7 (flach in Richtung Handgelenk) und Di 4 angewendet werden. Angemessen wäre hier eine sedierende ausleitende Technik, zum Beispiel mit Tí-Chā (Heben und Senken Methode).
Der Punkt Le 4 ist nach Meister Tan auf der gegenüberliegenden Seite anzuwenden. Dieser Punkt passt sowohl von den Funktionen der Leber wie von den anatomischen Gegebenheiten bestens. Mp 5 und Ni 3 können je nach Fall auch mit einbezogen werden.
Weitere Fernpunkte können unter anderem Pc 9, Gb 34, Mp 9, Pc 3, Di 11 sein.
Wenn keine grosse Hitze vorhanden ist kann Moxibustion ebenfalls angewendet werden, um pathogene Faktoren auszuleiten und den Qi-Fluss anzuregen.
Auch hier sind zwei Behandlungen pro Woche zu empfehlen.
Behandlung mittels Phytotherapie
Die Phytotherapie ist eine kräftige Behandlungsmethode. Diese wird hier beim Karpaltunnel, nur bei Bedarf eingesetzt. Ein Handbad ist zu empfehlen und eignet sich bestens wenn das Gewebe besonders straff und verhärtet ist. In so einem Fall kann eine Rezeptur, die das Blut bewegt, Schleim transformiert und aufweicht sich als hilfsreich erweisen.
Folgende Arzneien können zum Beispiel angewendet werden: Qian Li Guang, Tou Gu Cao, Su Mu, Hong Hua, Mo Yao, Ru Xiang, Chi Shao, Yi Mu Cao, Fang Feng, Du Huo, Hua Jiao, Sang Zhi und Xuan Fu Hua.
Das Handbad sollte man warm und täglich für 10 bis 15 Minuten verwenden.
Tipps für den Patienten
Das Ziel der Therapie ist es, das Fliessen von Qi und Blut im Gewebe wieder zu ermöglichen. Daher sollten die therapeutischen Massnahmen ausgesucht werden um eine sanfte Zirkulation zu unterstützen.
- Eine Ruhigstellung ist nicht zu empfehlen, denn diese verlangsamt die Zirkulation statt sie zu unterstützen.
- Manche Karpaltunnelsyndrome entstehen durch eine Überbelastung. Wenn die überbelastende Handlung definiert werden kann, sollte diese für eine Zeitlang reduziert werden.
- Sanfte Dehnungsübungen sind zu empfehlen. Die Hände und Handgelenke sollten immer wieder ausgestreckt werden. Die Dehnung des Handbeugers können täglich für 2 Minuten ausgeführt werden, ohne den Körper zu strapazieren. Dehnungen schaffen Raum und wirken gegen Einengungen.
Die Fingermuskeln können ebenfalls miteinbezogen werden.