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Indikatoren: August 2020
Diese Indikatoren fassen die wichtigsten Resultate der KOF-Konjunkturumfrage in der Industrie und im Detailhandel zusammen. Sie bieten auch eine Übersicht über die konjunkturellen Tendenzen im Aussenhandel, Arbeitsmarkt, Bauwesen und Konsum.
Legende
Kommentar
Die Weltwirtschaft und die Coronavirus-Krise: ungewisse Aussichten
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten hängt direkt von den Annahmen zur Entwicklung der Pandemie ab. Folglich besteht bezüglich der aktuellen Prognosen große Unsicherheit. In seiner jüngsten Prognose vom Juni gab der Internationale Währungsfonds bekannt, dass das weltweite BIP im Jahr 2020 voraussichtlich um 4,9% schrumpfen wird, 1,9 Punkte mehr als im April geschätzt. Für 2021 erwartet er ein Wachstum von 5,4%. Experten befürchten, dass die Krise besonders einkommensschwache Haushalte treffen und zu einer Zunahme der extremen Armut in der Welt führen wird.
Weltweit sind die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Reaktionen auf die Pandemie heterogen. Im Jahr 2020 werden jedoch alle Regionen der Welt eine wirtschaftliche Rezession erleben, die durch die bereits bestehende Wirtschaftsstruktur des Landes, die Abhängigkeit vom internationalen Handel mit den am stärksten betroffenen Regionen oder dem Konjunkturklima vor der Krise noch verschärft werden kann. In einigen Regionen, wie z.B. Europa und China, konnten die Ansteckungsherde erfolgreich stabilisiert werden, was eine Lockerung der Schutzmaßnahmen und infolgedessen eine gewisse Belebung der wirtschaftlichen Aktivität in allen Sektoren ermöglichte. Andere Regionen der Welt, wie der amerikanische Kontinent, Südafrika, Russland, Indien und der Nahe Osten, können es sich nicht leisten, die gesundheitspolitischen Maßnahmen zu lockern, was sich stark auf die Wirtschaftstätigkeit und in einigen Fällen auch auf die politische Stabilität auswirkt. Die globale Staatsverschuldung wird als Folge der von den Regierungen beschlossenen außerordentlichen Unterstützungsmaßnahmen steigen. Auch die Verschuldung der Unternehmen nimmt stark zu. Der Ölpreis ist seit Beginn der Krise deutlich gesunken. Anfang Mai gab es Anzeichen für eine Erholung, aber der Preis bleibt niedrig.
Schweiz: Stärkster Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität seit 1975
Am 16. Juni kündigte die Expertengruppe des Bundes für das Jahr 2020 einen Rückgang des BIP um 6,2% (Prognose April 2020: -6,7%) und eine durchschnittliche jährliche Arbeitslosenquote von 3,8% an, was dem grössten Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität seit 1975 entspricht. Die Aussichten haben sich seit April jedoch leicht verbessert, nachdem die Zahl der Ansteckungen rapide abgenommen hatte und die Schutzmaßnahmen gelockert wurden. Der Aufholeffekt ist vorerst noch schwach, denn die Haushalte mussten wegen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und dem insgesamt schwachen Arbeitsmarkt Einkommensverluste hinnehmen.
Die Pandemie ist noch nicht in allen Regionen der Welt unter Kontrolle, von denen manche Handelspartner der Schweiz sind, was ein Hemmnis für den Aussenhandel ist, der besonders sensibel auf die Konjunkturlage reagiert. Darüber hinaus sind die Exporte durch zunehmenden Protektionismus in verschiedenen Ländern bedroht. Der Kurs des Schweizer Frankens steht ausserdem noch immer unter Aufwertungsdruck, insbesondere gegenüber dem US-Dollar.
Die Coronavirus-Krise trifft die verschiedenen Zweige der Schweizer Wirtschaft in unterschiedlichem Ausmass. Zu den am stärksten Betroffenen gehört das Hotelgewerbe. Die Schweizer Kunden werden die angekündigten Verluste im Sommer und Herbst nur bedingt ausgleichen können. Besonders schwer lastet der Mangel an ausländischen Besuchern auf der Luxushotellerie. Ebenfalls stark betroffen sind das Gastgewerbe, Kunst-, Freizeit- und Unterhaltungsveranstaltungen und der Luftverkehr. Andererseits haben Post- und Lieferdienste während der Zwangsschließung gewisser Geschäfte einen Boom erlebt. Die Läden haben in dieser Zeit offensichtlich gelitten, aber es scheint, dass ein gewisser Optimismus zurückgekehrt ist. Gemäss den Antworten auf die KOF-Umfrage vom Juli sind die 6-Monatsaussichten für den Detailhandel wieder im grünen Bereich. Im sekundären Sektor ist nach wie vor die pharmazeutische Industrie die Triebfeder der Wirtschaft, selbst was die Exporte betrifft. Demgegenüber ist in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) insbesondere wegen der weiterhin kritischen Lage in den USA mit einer schwachen Nachfrage zu rechnen. Auch die Uhrenindustrie steht unter starkem Druck, da sie stark vom internationalen Konsumklima abhängig ist und zudem mit der politischen Krise in Hongkong konfrontiert ist. Insgesamt werden die Ausrüstungsinvestitionen wegen der mangelnden Auslastung der Produktionskapazitäten, der heiklen finanziellen Lage der Unternehmen und der großen Unsicherheit über die Entwicklung der Pandemie einen starken Rückgang erfahren.
Für 2021 erwartet die Expertengruppe ein BIP-Wachstum von 4,9%, 0,3 Punkte unter der April-Prognose. Diese Prognose beruht jedoch auf der Annahme, dass es nicht nötig sein wird, zu Schutzmaßnahmen zurückzukehren, dass es nicht zu einer zweiten Pandemiewelle kommt, die schwer genug ist, um zu Entlassungen und Konkursen zu führen, und dass schließlich die Bestellungen aus dem Ausland allmählich wieder zunehmen.
Freiburg: Die Zukunft bestimmter Branchen gerät ins Wanken
In der KOF-Umfrage vom Juli waren die Befragten in der gesamten Industrie optimistischer als in den Vormonaten hinsichtlich Geschäftslage, Verkaufspreisen, Auslastung der Produktionskapazitäten, Auftragseingang und Geschäftsaussichten. Die Indikatoren für den Personalbestand und die Ertragslage blieben jedoch im roten Bereich. Die Freiburger Lebensmittelindustrie erlebte während der Krise eine besondere Situation. Die Auftragsbücher haben sich gefüllt, auch mit Bestellungen aus dem Ausland, und die Lagerbestände sind zurückgegangen. Alle Indikatoren zeigen, dass in dieser Branche eine starke Nachfrage herrschte und dass dieses Phänomen in Freiburg stärker ausgeprägt war als im Landesdurchschnitt. Die KOF-Umfrage zeigt aber auch, dass sich eine Rückkehr zur Normalität abzeichnet. Trotz Besserung der Geschäftsaussichten auf 6 Monate befindet sich die Holz-, Papier- und Druckindustrie in einer schwierigen Phase. Die Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie befindet sich nach wie vor im Aufwind, sowohl im Kanton Freiburg als auch in der übrigen Schweiz. In den Sektoren Metallprodukte, Maschinen und Transportausrüstung scheinen sich sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten weiter zu verschlechtern. Für die meisten Branchen ist mangelnde Nachfrage das wichtigste Produktionshemmnis. Solange sich die wirtschaftliche Situation in den Partnerländern nicht verbessert, werden diese Branchen noch weiter leiden müssen. Im Freiburger Detailhandel entsprechen die Geschäftslage und die Aussichten dem Landesdurchschnitt. Insgesamt zeigen alle Indikatoren ein weniger pessimistisches Niveau an als in den Vormonaten.
Unter den Indikatoren ausserhalb der KOF-Umfrage lag die Freiburger Arbeitslosenquote im Juli bei 3,4% und damit 0,2 Punkte über dem Schweizer Durchschnitt. Gleichfalls ist im Juli die Zahl der Stellensuchenden weiter angestiegen auf 9’679 (+113 im Vergleich zum Vormonat). Die Zahl der laufenden Anträge auf Kurzarbeit ist nach wie vor sehr hoch (6’405 im Juli), auch wenn erst nach Abrechnung bekannt sein wird, in welchem Umfang die Kurzarbeitgenehmigungen auch tatsächlich gebraucht worden sind. Die Zahl der Neufahrzeugzulassungen scheint sich zu erholen, in Freiburg stärker als in der restlichen Schweiz. Die Hotelübernachtungszahlen bleiben hingegen im roten Bereich.
Quellen
Internationaler Währungsfonds (IWF), SNB, Bundesamt für Statistik, Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Institut Créa d'économie appliquée de la Faculté HEC de l’Université de Lausanne, Amt für den Arbeitsmarkt des Kantons Freiburg, Amt für Statistik des Kantons Freiburg