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Geschichte der Reist - Örgeli
Eine sehr gute Grundlage dazu schuf Vater Ruedi Reist sen. schon Jahrzehnte zuvor mit den bekannten
"Ämmitaler-Örgeli Rud.Reist"
Rud.Reist Gründer 1966
Ruedi Reist sen.:
Reist ist ein altes Sumiswalder Geschlecht. Und so kam ich auch in Sumiswald, inmitten des schönen Emmentals, am 21. September 1926 zur Welt, da wo man seit über zweihundert Jahren Blasinstrumente (Hirsbrunner) sowie die bekannten Pendulen herstellt und heute auch Turm- und Bahnhofsuhren baut.
Wir waren sieben Kinder. Der Vater arbeitete als Melker. Wir wuchsen daher in wahrhaft armen Verhältnissen auf. Schon früh wurden ich und meine Geschwister zu Bauern zum Werken geschickt. Die Primarschule besuchte ich ab der 4. Klasse in Wyssachen, wo ich mich hernach ein Jahr lang in der Landwirtschaft nützlich machte. Nach einer weiteren einjährigen Tätigkeit in Fraubrunnen im gleichen Beruf wie mein Vater, verschlug es mich nach Basel-Stadt zu einem Grossbauern.
Hier blieb ich bis zur Rekrutenschule. Nach deren Abschluss kehrte ich ins Elternhaus nach Sumiswald zurück und trat im nahe gelegenen Wasen in eine Fabrik für Werkzugmaschinen ein. Dort wurde ich später zum Vorarbeiter. 1951 heiratete ich und nahm Wohnsitz an meinem Arbeitsort, wo auch meine Frau herstammt.
Vom Schwyzerörgeli ging für mich seit jeher eine starke Faszination aus. Ich kam nicht davon los zu erfahren, wie ein so schöner Klang überhaupt entstehen kann.
Deshalb zerlegte ich schon als Drittklässler mein erstes, von meinem älteren Bruder zu 4 Franken erstandenes Örgeli, eine 6-bässige diatonische "Eichhorn", und studierte sein Innenleben. Die 4 Franken hatte ich selber nicht, ich lehnte das Geld bei unserm Knecht aus. Auf diesem Örgeli lernte ich sehr schnell etwas spielen.
So glaube ich den rückblickend, dass ich mich frühzeitig zum Harmonikabauer berufen fühlte. Bald reifte ich auch zu einem guten Spieler heran, obwohl ich nie Unterricht genossen hatte, musizierte ich binnen kurzem auf einer "Salvisberg" (die Marke, die ich tonlich noch heute am höchsten schätze) und nahm mir zudem die chromatische Handorgel vor. So, fand ich Zugang zum öffentlichen Musizieren, dem ich, wenn auch nur kurze Zeit (1947-1952) und in kleinerem Rahmen nachging.
In Wasen lernte ich eines Tages den Handharmonikalehrer Gottfried Strahm kennen. Von ihm erhielt ich die ersten Örgeli zum Stimmen. Dazu dienten mir am Anfang einzig eine Stimmgabel und mein Gehör, das mir absolut verlässlich schien.
Nachdem ich mir an meinem Arbeitsplatz eine Menge technischer Kenntnisse angeeignet hatte, brachte ich selber ein Stimmgerät, eine Fräse, ja gar eine Bandsäge und eine Hobelmaschine zu Wege.
Diese Geräte sollten mir meinen Einstig in den Schwyzerörgelibau erleichtern.
Es war beschlossene Sache, dass ich damit im Verlauf der nächsten Jahre beginnen würde. 1960 erwarb ich in Wasen das Chalet "Sunneschyn", nunmehr Haus Roseweg 1, in das ich mit meiner Familie 1957 gezogen war, und wo seither di "Ämmitaler-Örgeli" entstanden.
Fünf Jahre später kehrte ich meinem langjährigen Arbeitgeber den Rücken,
wurde Reisender für Nahrungsmittel und nahm gleichzeitig, zusammen mit meiner Frau,
halbtagsweise den Schwyzerörgelibau auf.
Diese erste Phase währte von 1966 bis 1973 Als im folgenden Jahr auch noch mein ältester Sohn Fritz mitzuwirken begann, hielt ich den Moment für gekommen, mich vollends selbständig zu machen.
Die Zahl der Instrumente, die wir jährlich fertigstellten, wuchs rasch von 35 im ersten Jahr auf später 70 und schliesslich bis auf 250. Herausragende junge Spieler des neuen Berner Örgeli-Stils zählten bald einmal zu unseren Kunden. Sie gaben uns die Gewissheit, mit unserem Erzeugnis auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Aufschwung kam nur dank eines grösseren Mitarbeiterstabs und einer Umstrukturierung des Betriebs zu Stande. 1979 war Peter Wisler hinzugekommen, 1984 dann mein jüngster Sohn Hansruedi Reist!
Eigen Erfahrungen, die ich nach 25- jähriger Tätigkeit der nächsten Generation weitervermitteln konnte, gab es viele. Etwa, dass Massivholz die Tonqualität hebt, Ahorn dem Fichtenholz vorzuziehen ist, weil sich dieses unter Umständen spalten kann, eine Mechanik aus Metall einen Kräftigeren Klang ergibt, dieser aber durch eine solche aus Holz einen vornehmeren Ausdruck erhält, und vieles mehr. Alles Feinheiten, die man nur mit dem Ohr aufnehmen kann, und die folglich kaum in Worte zu fassen sind.
Auf 1. Oktober 1987 übergab ich schliesslich das Geschäft meinem älteren Sohn Fritz und meinem Schwiegersohn, während sich mein jüngster Sohn Hansruedi Reist mit seiner Ehefrau Cornelia bereits im November des vorherigen Jahres selbständig gemacht und im gleichen Ort eine eigene Schwyzerörgelifabrikation eingerichtet hatte.
Auch mit 86 Jahre besucht Ruedi Reist sen. fast täglich die Werstatt seines Sohnes Hansruedi.
Ein prüfender Blick, ein Spässchen oder etwas harpfen.
Eine Galerie von diversen Rud. Reist-Örgeli die in den Jahren 1966-1987 gebaut wurden.