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Mit geeignetem Training können ältere Erwachsene ihr Risiko eines Sturzunfalls verkleinern. Mittels einer repräsentativen Befragung der 60- bis 79-jährigen schweizerischen Wohnbevölkerung wurde untersucht, wie verbreitet sturzpräventives Training in der Zielgruppe bereits ist, und welche fördernden und hemmenden Faktoren diese Verbreitung beeinflussen. Dabei wurde zwischen der Teilnahme an sturzpräventivem Training (wöchentliches Training inkl. Training des Gleichgewichts) und den erhöhten Anforderungen des umsetzungstreuen Trainings (drei Trainings pro Woche, davon eines angeleitet, insgesamt mind. 90 Minuten pro Woche) unterschieden. Die Studie erbrachte folgende wichtigste Erkenntnisse:
- Etwas mehr als die Hälfte der Zielgruppe (56 %) trainiert sturzpräventiv (Teilnehmende). Zwei Drittel der nicht sturzpräventiv Trainierenden sind entweder inaktiv oder trainieren nicht wöchentlich. Bei einem Drittel fehlt es am Gleichgewichtstraining.
- Gut jede fünfte Person (22 %) in der Zielgruppe trainiert umsetzungstreu. Teilnehmende verfehlen die Umsetzungstreue am häufigsten, weil sie nicht angeleitet trainieren. Dies gilt für 74 % der nicht umsetzungstreuen Teilnehmenden.
- Es gibt ein Mobilisierungspotenzial: Gelingt es, Personen mit einer Absicht zu sturzpräventivem Training oder bereits sportlich aktive Personen zur Teilnahme zu bewegen, so lässt sich der Anteil Teilnehmende auf maximal vier Fünftel der Zielgruppe erhöhen.
- Die Sprachregion und die Bewegungsbiografie prägen das Trainingsverhalten stark. In der Deutschschweiz trainieren anteilig doppelt so viele Personen sturzpräventiv wie in der italienischsprachigen Schweiz (61 % zu 31 %). In der Romandie liegt der Anteil Teilnehmender dazwischen (47 %). Personen, die ihr Leben lang sportlich aktiv waren, trainieren deutlich mehr sturzpräventiv als solche, die nur phasenweise oder gar nie Sport trieben (76 % zu 43 %). Bei Personen in der Deutschschweiz und lebenslang sportlich Aktiven ist auch das Mobilisierungspotenzial hoch, während in der lateinischen Schweiz und bei nicht durchgängig sportlich aktiven Personen die Mobilisierung schwieriger sein dürfte.
- Fördernde Faktoren für die Teilnahme: Soziale Unterstützung durch Vertrauenspersonen fördert die Teilnahme in bedeutendem Ausmass. Weitere fördernde Faktoren sind die Erwartung/Erfahrung, dass sportliche Aktivität das Wohlbefinden steigert sowie Strategien, mit denen man sich gegenüber sich selbst oder gegenüber anderen verpflichtet, einen Vorsatz zum Training auch einzuhalten (Strategien der Barriereüberwindung). Bei der Ansprache der Zielgruppe können diese Faktoren gezielt thematisiert werden.
- Fördernde Faktoren für die Umsetzungstreue: Umsetzungstreue Personen heben sich besonders deutlich durch solche Barrierestrategien von den übrigen Teilnehmenden ab. Neben der Selbstverpflichtung und der sozialen Verpflichtung fällt darunter auch, sich einen möglichst niederschwelligen Zugang zum Training zu organisieren.
Autor/-innen
Christian Bolliger, Michèle Gerber, Eva Stocker, Philip Derrer, Mirjam Bächli
Publikationsjahr
2021
DOI-Nummer
10.13100/BFU.2.391.01.2021
Zitationsvorschlag
Bolliger C, Gerber M, Stocker E, Derrer P, Bächli M. Sturzpräventives Training: Mobilisierungspotenzial und fördernde Faktoren in der Bevölkerung 60+. Bern; BFU, Beratungsstelle für Unfallverhütung; 2021. Forschung DOI:10.13100/BFU.2.391.01.2021