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Arbeitsbericht NAB 13-89
Strukturgeologische Kernaufnahmen der Wirtgesteinsabfolgen aus Tiefbohrungen der Nordschweiz
In den 1980er Jahren wurden Deformationsstrukturen in Tiefbohrungen der Nagra anhand von Bohrkernen und geophysikalischen Logs aufgenommen und in Beilagen dokumentiert (z.B. Matter et al. 1987, 1988a und 1988b). Da klare Definitionen der Strukturen jedoch fehlen, ist die Nachvollziehbarkeit der Aufnahmen in diesen älteren Bohrungen teilweise lückenhaft.
Im Rahmen der strukturellen Beschreibung des Standortgebiets Wellenberg haben Huber & Huber (1994) ein Handbuch für Gelände- und Kernaufnahmen in Sedimentgesteinen verfasst. Dieses wiederum diente Liniger (1999) als Grundlage für die Terminologie der Kernaufnahmen in der Tiefbohrung Benken. In den Aufnahmen von Liniger (1999) sind konkrete Beispiele von Strukturen definiert und bildlich dokumentiert. Zudem existiert für jede interpretierte Struktur oder Strukturgruppe jeweils ein Eintrag in einer Datenbank (Excel-Format) und ist deshalb eindeutig nachvollziehbar. Eine ähnlich detaillierte Aufnahme wurde nach Vorbild von Liniger (1999) auch für die Geothermiebohrung Schlattingen-1 durchgeführt (Albert et al. 2012).
Ziel des vorliegenden Berichts ist es, die Aufnahmen gemäss Vorlage von Liniger (1999) auf die Nagra-Sondierbohrungen Riniken, Schafisheim und Weiach aus den 80er Jahren anzuwenden (Fig. 1).
Zusätzlich wird im Rahmen dieser Studie auch die tiefe EWS-Bohrung Oftringen und die Sondierbohrung Gösgen KB5a strukturell aufgenommen. Dadurch soll ein konsistenteres Strukturinventar für die Wirtgesteine der Nordschweiz geschaffen werden. Die Bohrungen Benken und Schlattingen-1 dienten als Referenz und wurden auf ihre Stimmigkeit hin überprüft und in gleicher Weise dargestellt (siehe Beilagen), jedoch nicht neu aufgenommen.
Die Aufnahmen in diesem Bericht beschränken sich litho-stratigraphisch auf die in Etappe 1 des SGT nominierten Wirtgesteine der Nordschweiz (d.h. Effinger Schichten, 'Brauner Dogger' bzw. seine westlichen Äquivalente1, und Opalinuston) und technisch auf die Ansprache der Bohrkerne (inkl. Bohrkernfotos). Eine integrierte Strukturanalyse basierend auf Bohrkernen und geophysikalischen Logs, sowie der Bohrkernabwicklung aus Bohrkernscanner-Aufnahmen wird momentan entwickelt.
Es ist anzumerken, dass die Abgrenzung verschiedener Strukturtypen oft schwierig ist und diese teilweise fliessend ineinander übergehen, z.B. Haarriss in Ader oder Rutschharnisch in Verschiebungsfläche. Die Anzahl der Definitionen von Strukturtypen (Ader, Kluft, Störungszone usw.) ist aber bewusst begrenzt, damit das Bestimmen von Strukturen eindeutig und relativ pragmatisch anwendbar bleibt. Angesichts des Interpretationsspielraums sind kleinere Unterschiede bei den Strukturaufnahmen zwischen verschiedenen Bearbeitern zu erwarten.