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Eine Woche lang versuchte Andrew Cuomo sich im Amt zu halten, doch dann holte ihn die Realität ein. Es gab nur den Rücktritt. Seine politische Machtbasis war zusammengebrochen. Beide Kammern im Parlament von New York State gaben ein klares Signal: Rücktritt oder Impeachment. Andrew Cuomo wählte das kleinere Übel, in der Hoffnung, dass er den Cuomo-Brand bewahren kann.
Cuomo ist ein Name, der in der Politwelt fast Kennedy-Status erreicht, besiegelt durch Andrew Cuomos Heirat mit Kerry Kennedy, eine Polit-Ehe, die hässlich endete. Sein Vater, Mario Cuomo, der überaus beliebte Gouverneur von New York, regierte den Bundesstaat zwölf Jahre lang. Die elf Jahre Amtszeit des Sohnes Andrew enden nun abrupt, und machen dessen Träume einer vierten Amtszeit wohl zunichte.
Politische Zukunft nicht abgeschrieben
Wobei, seine Rücktrittserklärung tönte eher wie eine Kampagne. Er betonte seine Führungsleistungen während der Covid-Krise, beschwor seine tiefe Verbundenheit zu den Bürgerinnen und Bürgern New Yorks und erklärte, die Vorwürfe der sexuellen Belästigung seien ein Missverständnis zwischen Generationen gewesen. Was er als Zeichen der Zuneigung gemeint habe, sei als Übergriff verstanden worden. Dafür entschuldige er sich. Die gröberen Anschuldigungen von körperlicher Belästigung seien erfunden.
Es scheint, als ob Cuomo seinen eigenen tiefen Image-Fall vom Covid-Nationalhelden zum Gelegenheitsgrapscher noch nicht ganz absorbiert hat – und womöglich über eine politische Zukunft nachdenkt.
Doch der Skandal wird nicht so leicht vergessen gehen. Zu übereinstimmend sind die Aussagen der elf Frauen, die im Untersuchungsbericht der New Yorker Oberstaatsanwältin zitiert wurden. Gegen Cuomo ist nun mindestens eine Zivilklage hängig und gleich mehrere Bezirksstaatsanwälte haben Strafuntersuchungen angeordnet. Auch wenn Cuomo es nicht wahrhaben will, die Dynastie Cuomo in Albany ist zu Ende.
Isabelle Jacobi
USA-Korrespondentin, SRF
Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.