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Im ersten Quartal ging die Wirtschaftsaktivität insbesondere in Europa und in Japan stärker zurück, als die Nationalbank erwartet hatte. Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung vom Juni gingen demgegenüber von den Finanzmärkten sowie von der Entwicklung des Geschäftsgangs und der Konsumentenstimmung ermutigende Signale aus. Die Nationalbank schätzte deshalb die konjunkturellen Risiken etwas geringer ein, ohne indessen das internationale Konjunkturszenario grundlegend zu revidieren. Sie rechnete nun damit, dass die USA bereits in der zweiten Jahreshälfte und Europa schon Anfang 2010 wieder positive Wachstumsraten aufweisen würden.
In der Schweiz hatte sich die Konjunktur zu Beginn des Jahres weiter verschlechtert und das BIP war im ersten Quartal auf annualisierter Basis um 3,2% gesunken. Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung bildeten sich die Exporte stark zurück und die Kapazitätsauslastung in der verarbeitenden Industrie sank beträchtlich. Vor dem Hintergrund der steigenden Arbeitslosigkeit stagnierte die Inlandnachfrage. Die Nationalbank ging davon aus, dass diese Situation in den folgenden Monaten andauern würde, und rechnete für das Jahr 2009 weiterhin mit einem BIP-Rückgang von 2,5% bis 3%.
Die Geldaggregate M1 und M2, die sehr stark auf die Zinsentwicklung reagieren, expandierten zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung überaus kräftig. Dies widerspiegelte weiterhin die Präferenz des Publikums für liquide Vermögensanlagen und zeigte sich im Rückgang der Termineinlagen. Das Aggregat M3 setzte sein moderates Wachstum fort, was darauf hindeutete, dass die Liquidität von den Banken gehortet und nur in geringem Mass an die übrige Wirtschaft weitergegeben wurde.
Das Kreditvolumen wuchs mit einer jährlichen Wachstumsrate von mehr als 3%. Infolge der Zinssenkungen nahmen insbesondere die Hypothekarkredite verstärkt zu. Es gab damit in der Schweiz keinerlei Anzeichen für eine Kreditklemme.
Was den Wechselkurs anbelangt, hatten die an der Lagebeurteilung vom März getroffenen Massnahmen ihre Wirkung nicht verfehlt. Von März bis Juni wertete sich der Franken gegenüber dem Euro nicht mehr weiter auf und der Wechselkurs zeichnete sich durch eine deutlich geringere Volatilität aus.
Die Inflationsrate lag im ersten Quartal nahe bei null. Die Nationalbank rechnete damit, dass sie für den Rest des Jahres negativ sein würde, vor allem wegen der sinkenden Importpreise. Bei den inländischen Waren und Dienstleistungen hingegen ging sie davon aus, dass die Teuerung im Laufe des Jahres nachlassen, jedoch über 1% bleiben würde.
Angesichts der weiter bestehenden Deflationsgefahr beschloss die Nationalbank, das Zielband und den angestrebten Satz bei 0,0%–0,75% bzw. 0,25% zu belassen. Zudem sprach sie sich dafür aus, die im März getroffenen ausserordentlichen Massnahmen weiterzuführen.
Die zum Zeitpunkt des geldpolitischen Entscheids veröffentlichte Inflationsprognose beruhte damit erneut auf einem Dreimonats-Libor von 0,25%. Sie ergab für das Jahr 2009 wiederum eine negative Inflation, die infolge der inzwischen wieder anziehenden Preise für Rohstoffe und Energie aber leicht nach oben korrigiert wurde. Für die folgenden zwei Jahre wurde mit einer leicht positiven Teuerung gerechnet, die am Ende des Prognosezeitraums geringfügig anzog. Dies deutete darauf hin, dass es nicht möglich sein würde, den Libor permanent auf einem Stand von 0,25% zu belassen.