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Es macht Sinn, einen Text zu Posthumanismus gemeinsam mit einem nicht-menschlichen Wesen zu schreiben (-> siehe Kapitel posthumanistische Praktiken).
Ich lasse alle Zeichen, die «mein» Kater[1] auf die Tastatur schreibt, in diesem Text integriert. Denn Milo und ich, wir tun alles gemeinsam. Wir lesen zusammen, wir dösen zusammen, wir topfen gemeinsam die Blumen um und natürlich schreiben wir auch gemeinsam Texte. Unsere Texte sind sehr unterschiedlich und es ist unbestreitbar, dass Schreiben das Metier von Menschen ist und Mausen das Metier von Katzen. Nichtsdestotrotz kann auch ich sehr wohl (und durchaus erfolgreicher als mein verwöhnter Kater) eine Maus fangen und auch mein Kater kann schreiben (ich bemühe hier bereits schon mal das Wort Agency, wir kommen später noch dazu) im Sinne, dass er etwas auf einem Computer bewirken und hinterlassen kann, Spuren legt, welche von anderen Wesen als Zeichen erfasst und interpretiert werden können. Ich zum Beispiel lese die schriftlichen Interventionen meiner Katze als vielschichtige Zeichen des Chaos, das uns alle umgibt, dass auch durch jedes Schriftzeichen dieses Textes atmet; das Chaos, in welchem wir alle leben und atmen, von dem wir bis in die letzte Zelle durchdrungen sind, die Willkürlichkeit, die Zufälle, das grosse Unbeschreibbare, das sich niemals in Wörter giessen lässt, sondern entflüchtet in seltsamen Zeichen von Offenbarungen aus Katzenpfotenhand. Aber natürlich steht es jedem Menschen frei, diese Zeichen zu deuten, wie sie es für richtig hält.
[1] Auch wenn sich der Kater Milo juristisch gesehen in meinem Besitz befindet (und jegliche Verletzungen, die Kater Milo durch Dritte zugefügt werden, als Sachbeschädigung (!!) an meinem Besitz geahndet würden) verwehre ich mich, Kater Milo als mein Besitztum anzusehen. Ich darf auch nicht leugnen, dass ich eindeutig eine Rolle von Vormundschaft übernehme und den Kater einmal im Jahr zwinge, ein paar Impfungen über sich ergehen zu lassen. Doch herrlicherweise ist es so, dass Katzen (es sollte zumindest unbedingt so sein!) über absolute Bewegungsfreiheit verfügen. Kater Milo hält nichts in meiner Wohnung festgebunden, ausser der konstanten Vergabe von Futter und Liebe. Und so leite ich daraus ab, dass er mehr oder weniger freiwillig in meiner Gesellschaft lebt. Meiner Meinung nach sind der Kater und ich eine WG, stecken in einer familiären Beziehung und arbeiten gemeinsam. Es ist daher nur fair, ihm seinen Anteil an dieser Arbeit zuzugestehen und ihm darüberhinaus der Unterstützung zu danken, die er mir seinerseits durch viel Liebe zukommen lässt. Würde man ihn fragen, bin ich wahrscheinlich eher eine Bedienstete, nach deren Wohlbefinden er sich natürlich (im Rahmen seiner Möglichkeiten) sorgt, da ihm gute Anstellungsverhältnisse wichtig sind.
Mehr zu Milo und seiner Mitarbeit am posthumanistischen Manifest findet Ihr hier