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Singh geht weitgehend historisch vor: Das erste Kapitel ist zwar weitgehend in die Ereignisse um die Hinrichtung von Maria Stuart eingebettet (eine Hinrichtung, bei der Verschlüsselung keine unwesentliche Rolle spielte), geht aber zurück bis ins alte Griechenland oder zur sogenannten “Cäsar-Verschlüsselung” (in der schlicht einzelne Buchstaben durch andere Zeichen (Buchstaben) ersetzt werden und die damit nicht wirklich schwer zu knacken ist). Dann folgt eine Analyse der sogenannten Vigenère-Verschlüsselung, die schon einiges mehr an Schwierigkeiten bereithielt: Hier galt es sowohl ein Schlüsselwort zu erraten als auch die damit verbundene unterschiedliche Zeichen-Ersetzung (etwas, das erst Charles Babbage, dem Computerpionier des 19. Jahrhunderts gelang). All das ist wunderbar klar aufbereitet und mit vergnüglichen, historischen Anekdoten ausgeschmückt.
Dann ist ein weiterer Abschnitt der unvermeidlichen Enigma gewidmet: Und ich habe noch nie eine bessere und klügere Aufbereitung dieser Entschlüsselungsgeschichte gelesen. Es ist dies ein wunderbares Beispiel dafür, dass mit dem rechten Bemühen um Verständlichkeit es kaum etwas gibt, das nicht bereits auch jungen Lesern vermittelt werden kann (kein einziges aller von mir je zu diesem Thema gelesenen Büchern hat die Enigma auch annähernd so gut dargestellt). Das letzte Kapitel behandelt die moderne Kryptographie, das Schlüsselverteilungsproblem bzw. die Idee des öffentlichen Schlüssels. Und wiederum sind die Fähigkeiten des Autors, diese etwas sperrige Materie darzulegen, schlicht brilliant: Sowohl die Modul-Arithmetik als auch die dem RSA-System (auch PGP wird beschrieben) zugrunde liegende Mathematik (in einem Anhang) werden hervorragend erklärt (obschon ich mir – wie erwähnt – vorstellen kann, dass nicht alle 12jährigen diesen Ausführungen zu folgen imstande sind – andererseits: Man sollte dieses Alter auch nicht unterschätzen).
Schließlich erfolgt noch ein kurzer Ausblick auf die Quantenkryptographie, die jedes erfolgreiche Code-Knacken endgültig verunmöglichen würde (tatsächlich sind in dieser Hinsicht große Fortschritte erzielt worden, inwieweit sie bereits einsatzfähig ist, könnten wahrscheinlich Mitarbeiter der NSA beantworten). “Singh simplifiziert nicht. Wenn etwas kompliziert ist, nimmt er sich Platz, es verständlich zu erklären”, so ein Kritiker der FAZ. Und er empfiehlt, uns das Buch mal zu leihen von den jungen Leuten, “es lohnt sich”. Dem ist nichts hinzuzufügen: Eine Leseempfehlung ohne jede Einschränkung!
Simon Singh: Codes. Die Kunst der Verschlüsselung. München: dtv 2007.