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Berufsausbildung, Firmengründung und Patente

1920
Berufswahl
Der junge Karl Schneider ist intelligent und handwerklich geschickt. Er möchte Ingenieur werden. Ein Studium
ist aber wegen der prekären finanziellen Lage der Familie und auf Grund der chaotischen Schullaufbahn nicht möglich.
Sein Onkel, Georg Richard Rübmann (1871-1926), ist Musikprofessor und Konzert-Cellist in Bern. Er schlägt Karl vor,
Geigenbauer zu werden und vermittelt ihm eine Lehrstelle bei einem Geigenbaumeister in Basel.

1920- 1923

Lehrjahre
Karl beginnt an Pfingsten 1920 beim Geigenbaumeister Paul Meinel eine dreijährige Lehre als
"Musikinstrumentenmacher". Das Atelier befindet sich an der Steinenvorstadt 3, damals noch ein Altstadtquartier Basels.
Paul Meinel (1865-1928), ursprünglich aus Markneukirchen (D), ist ein erfahrener
Geigenbaumeister, der das bekannte Geschäft 1889 von seinem Vorgänger N.E. Simoutre übernahm. Der junge Karl erlernt das
Handwerk von Grund auf, baut bald neue Geigen und Celli und sammelt Erfahrungen bei der Reparatur alter
Meistergeigen.

1923- 1928

Geigenbau-Atelier P. Meinel
Im Frühjahr 1923 erhält er nach sehr guter Abschlussarbeit den Lehrbrief als Geigenbauer. Nach der Lehre bleibt
er auf Wunsch des Meisters weitere Jahre bis nach dessen Tod 1928 als einziger Fachmann im Musikhaus Meinel.
Er baut in dieser Zeit über 120 Saiteninstrumente.
Hier kommt er auch in Kontakt mit Musikern und erkennt, dass eine Nachfrage nach guten Gitarren besteht.

1928- 1944

Geigen- und Gitarrenbau im Musikhaus Schmitz-Meinel
Der Schwiegersohn des Chefs, H. Schmitz-Meinel,
übernimmt das Musikhaus.
In der Zeit der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre stagniert die Nachfrage nach Geigen. Um den
Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen, muss Schneider verschiedene andere Jobs annehmen.
Neben dem Geigenbau stellt er erste Gitarren her, welche Schmitz-Meinel unter dem eigenen Label
"GRANDO" im Musikhaus verkauft.
Die Zusammenarbeit mit dem Musikhändler Schmitz-Meinel ist nicht befriedigend, sodass
Karl Schneider beschliesst, sich selbständig zu machen.

1945

Gründung der Firma K. Schneider - Instrumentenbau Riehen
Gegen Ende des 2. Weltkrieges richtet Schneider
ein kleines Atelier in der Wohnung der jungen Familie an der
Oberdorfstrasse in Riehen ein. Er stellt fest, dass auf dem Markt eine wachsende Nachfrage nach Gitarren
entsteht und entwickelt hier verschiedene Gitarrenmodelle. Schliesslich reift
in Anbetracht des bevorstehenden Kriegsendes der Entschluss,
eine eigene Instrumentenbau-Firma zu gründen.
Im Unterschied zu Geigen, kann man Gitarren in einer gewerblichen Serienproduktion
herstellen, was
wirtschaftlich interessante Möglichkeiten eröffnet. Es wird eine ganze Reihe neuer Gitarrenmodelle,
u. A. auch
die ersten E-Gitarren-Modelle nach amerikanischem Vorbild in Europa, entwickelt.

Die Firma, K. Schneider - Instrumentenbau Riehen, wird 1945 vorerst als Einmannbetrieb
an der Oberdorfstrasse 43 gegründet. Das Firmen-Symbol enthält neben dem Markenname RIO damals noch einen Geigenkopf.
Offenbar reift der Entschluss, sich ganz auf den Gitarrenbau zu spezialisieren erst später. In der Wohnung im Oberdorf, wo gleichzeitg die nunmehr
vierköpfige Familie und das Atelier untergebracht sind, fehlt es an Platz, um die Ideen einer Gitarrenproduktion zu realisieren.
Deshalb entschliesst sich das Ehepaar mit gespartem und geliehenem Geld ein Haus an der Mohrhalde, am Rand des Dorfes Riehen, zu bauen.
Der neue Wohn- und Geschäftssitz wird im Herbst 1945 bezogen.

1946

Erfindungen und Patente
Schneider ist ein genialer Konstrukteur. Er ist bestrebt, seine Modelle ständig zu verbessern.
Aus Erfahrung weiss er, dass sich bei vielen Gitarren nach einiger Zeit Probleme einstellen, weil sich der lange Hals unter der Spannung der
Stahlseiten krümmt. Am 2. Februar 1946 reicht er beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum in Bern einen Patentantrag ein.
Das Patent beinhaltet einen vorgespannten Gitarrenhals mit Metalleinlage, der dieses Problem elegant beseitigt. Das
Patent wird am 2. Februar 1948 veröffentlicht.
Schneider entwickelt daneben auch eine Vielzahl von Geräten und Maschinen, welche eine rationelle
Gitarrenproduktion erst möglich machen. Zudem experimentiert er mit
elektronischen Bauteilen, um die Tonabnahme bei den E-Gitarren zu verbessern. Zu diesem Zweck arbeitet er mit Mechanikern
und Elektronikern zusammen.