Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03485.jsonl.gz/631

- Fotos - Art - Schmuck - Design von
Hans- Peter Michael Leister -
Tortuguero ist ein winziger Ort auf einer Landzunge gelegen, die sich über einen grossen Teil der Karibikküste Costa Ricas erstreckt. An manchen Stellen ist dieser Landstreifen nur 50 bis 100 m breit. Im Osten branden die Wellen der Karibik heran und rollen auf einen schier unendlichen und menschenleeren Sandstrand. Im Westen liegt ein eben so langes Kanalsystem, die Lagunas del Tortuguero, in dem sich das Wasser der Flüsse und des Meeres mischen.
Der Strand
Blick auf die Lagune ....
und auf Häuser im Dorf (Kirche, links) und auf riesige Eisenteile, die im Dorf verstreut herumliegen. Im 20. Jahrhundert wurde ein grosser Teil des Urwaldes zur Holzgewinnung abgeholzt. Die Eisenteile sind Relikte von dieser Tätigkeit. Der heutige Wald ist das, was in den letzten Jahrzehnten wieder nachgewachsen ist. Auch wurden in dieser Zeit die Meeresschildkröten kommerziell genutzt.
Für die Anreise benutze ich einen der vielen recht preiswerten privaten Transportservices in einem Sammelbus, um vom Volcan Arenal nach Cariari zu gelangen. Danach ging es per öffentlichen Busservice nach Rancho la Suerte, dann per Boot auf dem Rio la Suerte ca. 1 Stunde lang flussabwärts nach Tortuguero. Tortuguero selbst besteht aus ca. 30 Häusern, davon sind viele Souvenir-/Lebensmittelshops und kleine ein- bis zweistöckige Hotels.
Ich hatte im Hotel Miss Junie gebucht. Den Weg von der Anlegestelle zum Hotel brauchte ich nicht zu suchen, war doch die Tochter der Inhaber gleichzeitig die Parkführerin, die bereits auf dem Boot über Tortuguero und den Parque Nacional informierte. Kurze Zeit später war das Zimmer - einfach, sauber, relativ gross und praktisch eingerichtet - bezogen und es ging hinaus zum Strand.
Während meines ganzen Aufenthalts von drei Nächten war ich wohl der einzige Gast, aber dennoch waren in allen Zimmern, in die ich zufällig hineinsehen konnte, die Betten jeden Tag so schön mit frischen Blumen geschmückt.
Mein Bett im Zimmer mit Blütengruss.
Das Miss Junie befindet sich seit mehreren Generationen im Besitz einer von den karibischen Inseln eingewanderten Familie mit Wurzeln in Schwarzafrika. Das Frühstück war immer wieder ein Aufsteller und abends ass ich auch immer im Miss Junie. Die kreolische Küche hat mir herrlich geschmeckt. An einem Abend war neben mir noch ein junges Pärchen aus den USA im Restaurant.
Wie der Name schon sagt, liegt in diesem Hotel die Kontrolle - aber auch ein grosser Teil der Arbeit - in den Händen der Frauen, scheinbar schon seit Generationen. Sowohl die Chefin als auch die ihr zur Hand gehende Dame waren beide wohl weit über 60 Jahre alt. Ein ca. 30 jähriger Sohn bediente im Restaurant zum Frühstück als auch zum Nachtessen. Als ich telefonisch reserviert hatte, hat er mir das Zimmer wohl unter dem ausgeschriebenen Preis vermietet. Dafür musste er öfters Sticheleien der Damenwelt ertragen.
In unmittelbarer Nachbarschaft (nördlich vom Miss Junie) liegt die Caribbean Conservation Corporation. Sie unterhält ein Informationszentrum und ein kleines Museum. Hier ging ich in Richtung Ufer der Lagune. Plötzlich sah ich, wie zwei Adler aus den Baumkronen wegflogen und immer wieder zurückkamen. Hier setzte ich mich in den Schatten einer Palme und versuchte, die Adler zu fotografieren.
Die Adler sassen zu weit oben, als dass ich noch hätte weiter fotografieren wollen, dafür schaute ich auf den Boden vor meinen Füssen und sah kleine weisse Blüten (Typ Holunder), dann auch grüne Fetzen an meinen Füssen vorbeilaufen. Es waren Blattschneiderameisen, die ihre übergrosse Last wo auch immer hin transportierten. So hatte ich das noch nie gesehen.
Da ich mich schon so intensiv mit der Beobachtung der Kleintiere auf dem Boden beschäftigte, fiel mir dieser schön gefärbte Heugumper sofort auf.
Als ich mich noch auf dem Arenal entschloss, nach Tortuguero zu reisen, wunderte ich mich, dass von den luxuriöseren Lodges fast ausschliesslich Pakete für zwei Übernachtungen und An- und Abreise angeboten wurden. Ich wollte eigentlich, die Karibikstranderfahrungen von Tulum/ Mexico in Erinnerung, viel länger bleiben.
Der Sandstrand hier war zwar schwarz und nicht weiss, aber wunderschön und sauber. Vom Hotel zum Strand sind es nur wenige Schritte. Doch die Parkführerin Clara warnte mich gleich vor der starken Strömung; ich solle nicht weit hinausgehen. Allerdings konnte ich später weiter im Süden feststellen, dass die Strömung dort viel weniger stark war. Möglicherweise hängen die Strömungsverhältnisse auch stark von der Witterung (Wind) ab. Da kein Riff vorgelagert ist, kommen die Wellen mit voller Kraft herein, allerdings nicht mit solcher Wucht, wie ich es in Popoyo Beach, Nicaragua, erlebt hatte.
Mit dieser ersten Vorsichtsmassnahme ist die zweite potentielle Bedrohung -Haie- weniger bedeutend, denn man bleibt ja in Strandnähe. Haie sind besonders in der Zeit häufiger, wenn die Meeresschildkröten zur Eiablage kommen. Ende Mai ist nicht die Hauptsaison für die Schildkröten. Lediglich für die Lederschildkröte naht das Ende der Laichsaison im Juni. Die sind jedoch sehr selten. Bei meinem Versuch eine Schildkröte des Nachts zu beobachten, ging ich mit meinem Guide Clara während eines Gewitters den Strand entlang. Es goss in Strömen. Nur wenn es blitzte, sah ich was. Ansonsten stolperte ich im Dunkeln über angeschwemmte Baumstrünke und Unebenheiten im Sand. Clara hingegen sah alle Hindernisse. Mein Nachtsehvermögen scheint nicht mehr optimal zu sein. Nach ca. 1 1/2 Stunden machten wir - inzwischen klatschnass, weil ich auch noch von einer Welle erwischt worden war - kehrt, ohne eine Schildkröte gesehen zu haben, leider.
Hingegen waren meine Naturbeobachtungen auf dem langen Pfad, der im Parque Nacional de Tortuguero parallel zum Strand durch den Regenwald führt und die Erkundung der Lagune reich befrachtete Entdeckungstouren.
Pfad im Parque Nacional de Tortuguero
Während der Nachtfalter (links) voll auf seine Tarnung vertraute, versuchte das Exemplar rechts immer wieder, meiner Kamera zu entwischen. Einmal hatte ich ihn schon fast, doch da kam eine Gruppe von drei Leuten um die Ecke und verscheuchte ihn. Einer der drei, der Guide, musste wohl mein enttäuschtes Gesicht bemerkt haben.
Er schritt sofort zur Wiedergutmachung und zeigte mir eine Schlange in der Nähe (Fotos rechts und links). Auf die gelbe Schlange in der Mitte (Oropel, Bocaraca, Eyelash Viper) wurde ich auch durch ein Gespräch mit anderen Besuchern des Parks aufmerksam gemacht.
Diese Krabbe verhielt sich sonderbar. Sie trottete mitten auf dem Pfad herum. Als ich sie bemerkte, blieb sie stehen und hob die Scheren und den Oberkörper an, als wollte sie mir drohen. Erstmals sah ich eine Krabbe mit weissen Scheren.
An anderer Stelle hatte ich ja schon beschrieben (fliegender Kolibri), welchen Aufwand ich betrieb, um Kolibris im Flug zu fotografieren. Doch hier auf dem dunklen Weg ging es mir darum, die Blüte mit Blitzlicht abzulichten. Und genau in dem Augenblick, in dem ich abdrückte, flog ein Kolibri in den Bildausschnitt (Fotos Mitte und rechts). Das nenn ich Schwein .... oder doch besser Kolibri!
Fotos von Eidechsen
Ist das auch eine Echse? ... oder ein ......? Hat Ähnlichkeit mit einer Maus.
Termitennester (aussen); ob der Holzklotz in der Mitte wohl so von Termiten zerfressen wurde?
Und schliesslich noch ein Foto von einem Brüllaffen - Mono Congo -, die mich gleich zu Beginn meiner vielstündigen Runde durch den Park mit ihrem Gebrüll anzogen
Die Pflanzen und Blütenwelt hielt eine Fülle an Überraschungen parat, ich sah aber auch Vertrautes.
Weiter geht es mit Tortuguero 2, der Erkundung dere Lagune mit einem Kajak.
© Copyright by Hans- Peter Michael Leister