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«Die Wasserfrau» wird sie hier im kalifornischen East Porterville genannt. Donna Johnson trägt Wasserflaschen auf die Veranda eines einfachen Hauses und klopft an. Angelica Gaellos öffnet, eine Frau mit freundlichem, runden Gesicht und langen braunen Haaren. Seit gut anderthalb Jahren gibt es für ihre Familie kein Wasser mehr. Ihr Brunnen ist versiegt.
Zu Beginn wusste sie nicht was tun. Gaellos rief Donna Johnson an, da sie in der lokalen Zeitung gelesen hatte, dass Donna Wasser bringt. Donna Johnson half aus, doch die vierköpfige Familie musste auch Wasser kaufen. «Wir mussten auf Kleider und persönliche Sachen verzichten, damit wir uns das Wasser leisten konnten», sagt Gaellos. Sie teilt ihr Schicksal mit vielen anderen.
Tausend Familien ist das Wasser in dieser Region ausgegangen. East Porterville ist eine ärmliche Gegend im Agrargebiet des Central Valley von Kalifornien. Täglich kommen neue Familien dazu.
Das Bewässerungssystem ist am Ende
Wasser war schon immer knapp im Südwesten der USA. Kalifornien hat deshalb im letzten Jahrhundert das Central Valley Project gebaut. Mit einem gigantischen System von Staudämmen, Kanälen und Pumpen wird das Wasser aus dem regen- und schneereicheren Norden durchs trockene Central Valley hinunter bis nach Los Angeles geführt. Das Wasserverteilungs-System hat die Wüste erblühen lassen.
Seit zwei Jahren liefert es vielen Landwirtschaftsbetrieben aber keinen Tropfen Wasser mehr.
Bescheidene Pflanzen durch Wasserschlucker ersetzt
Mark Borba ist Landwirt in vierter Generation und bewirtschaftet in den Westlands eine Fläche von 4000 Hektaren. Zweihundert Mal so viel wie ein durchschnittlicher Bauernbetrieb in der Schweiz.
Die Dürre gefährde seinen Betrieb, sagt Borba: «Etwa ein Drittel unserer Felder liegt nun brach.» Der Bauer hat hunderte seiner Erntehelfer entlassen. Auch 12 der 45 Vollzeitangestellten sind ihren Job los. Dennoch: Bauern wie Mark Borb werden kritisiert.
Sie haben saisonale Pflanzen mit Mandelbäumen ersetzt haben. Die brauchen viel Wasser und können nicht brach gelegt werden. Aber bei Mandeln ist der Gewinn am verheissungsvollsten. Die kalifornische Landwirtschaft verdient mit dem Verkauf von Mandeln nach Übersee mehr als mit dem Export von Wein. Allein Kalifornien erzeugt über achtzig Prozent der Mandeln weltweit, siebzig Prozent davon werden exportiert. In erster Linie nach Europa und nach China.
Bauern halten extremistische Umweltschützer für die Bösen
In den Augen Borbas und des kalifornischen Landwirtschaftsverbandes trägt aber nicht nur der ausbleibende Niederschlag Schuld am Leiden der Bauern. Der Umweltschutz sei auch dafür verantwortlich. «Es gibt viel Wasser, das einfach ins Meer fliesst. Vor vielen Jahren haben extremistische Naturschützer dafür gesorgt, dass es Gesetze gibt, um die Flusslandschaften und Fische zu schützen.»
Die Landwirtschaft hat einen anderen Fokus. Sie verbraucht in Kalifornien 80 Prozent des umgeleiteten Wassers, die Städte nur 20 Prozent. Die urbanen Gebiete haben ihren Verbrauch im letzten Jahr auf Geheiss des Gouverneurs um einen Fünftel gedrosselt. Die Bauern hingegen erhielten keine Vorgaben. Und natürlich sind auch die Fische ein Objekt der Begierde.
Die Bauern haben viel Geld verdient, während wir untergingen.
Larry Collins ist kein Freund der Bauern. Der Fischer steht auf dem Pier 45 in San Francisco und raucht eine Zigarette. Ein bärbeissiger Mann mit Schnurrbart. Hinter ihm ist der Eingang zur Lagerhalle der Fischereikooperative, die er gegründet hat. Eben ist die Lachsfischereisaison zu Ende gegangen. Der Fang sei mager ausgefallen, seufzt Collins.
Nur zwanzig Prozent des Fanges eines durchschnittlichen Jahres brachten die 20 Fischer der Kooperative an Land. Sie hatten es nicht anders erwartet: «Jedes Dürrejahr verschlechtert die Lage: Das Wasser in den Flüssen ist zu warm, deshalb schwimmen die Lachse nicht hinauf an ihre Laichplätze. Sie vermehren sich nicht mehr.»
In seinen dreissig Jahren auf See hat er den Niedergang der lokalen Lachsfischerei miterlebt. Als er zu fischen begann, gab es 5000 Lachsfischerboote in Kalifornien. Jetzt sind es noch 500. «Wir haben unsere Flüsse zerstört, um Mandelbäume in die Wüste zu pflanzen für den Export», sagt er, «Die Landwirte können jetzt jammern und weinen, aber die Bauern haben viel Geld verdient, während wir untergingen. Das sind die Fakten.»
Städte gegen Landwirtschaft, Fischer gegen Bauern: Die Dürre in Kalifornien verschärft die Konflikte um das Wasser, das alle brauchen.