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Nach mittelalterlicher Auffassung durfte sich ein Gotteshaus nur Pfarrkirche nennen, sofern es über Kirchturm, Friedhof und eigenes Vermögen verfügte. Dies war bei der Kapelle am Andreasplatz zwar der Fall, jedoch trug sie Zeit ihres Daseins bescheiden den Namen Kapelle. Konrad, der Dekan des Chorherrenstifts zu St. Peter, verzichtete 1241 auf die Eigentumsrechte an gewissen Gütern, und so wurde die Kapelle auch zum ersten Mal in der Geschichtsschreibung erwähnt. Das von der Krämergasse (heute Schneidergasse), dem Totengässlein, dem Imbergässlein und dem Nadelberg umschlossene Kirchlein, eine bischöfliche Stiftung "mitten im Schmutz, Lärm und Geschäftstreiben dieser Gassen", gelangte aus der Zuständigkeit des St. Petersstifts zusehends in den Bereich der St. Andreasbruderschaft der Safranzunft. Und dadurch ergab sich für Basel die etwas aussergewöhnliche Situation, dass eine der über dreissig Laienbruderschaften, die das mittelalterliche Basel kannte, über ein eigenes Gotteshaus und nicht nur über einen Altar verfügte.
Sinn und Aufgabe der Bruderschaften wurden durch die "christlich Ermanung" von 1513 dargelegt: "Darumb vor allen Dingen thun sich die Bünde und Bruderschaften in der Arbeit zusammen, das ir ganz Leben in cristenlicher Zucht und Lieb geordnet sy und die Arbeit selber geregelt werde". Demnach verpflichteten sich die Angehörigen eines Gewerbes zu gemeinsamem Gebet, zu Wohltätigkeit, Leidfolge und Grablegung.
Während des Konzils von Basel erlebte die Kapelle ihre grosse Zeit. Das Konzil gewährte jedem Ablass, der an bestimmten Tagen die Kapelle wahrhaft reuig besuche und zur Erhaltung der Kirche hilfreiche Hände biete: "Wer sin Almusen gid an daz Heiltum der Megten (11'000 Jungrauen), es sye Wachs, Opfer oder Gezierden, der enphohet fierzig Dag Abloss". Um den Gottesdienst noch feierlicher zu gestalten, schenkte Heinrich Wyss wertvolle sakrale Gegenstände. 1466 emfping die Safranzunft für ihre Kapelle ein Heiligtum vom Kreuz des Heiligen Andreas und lud zu diesem Freudentag die Priester zu einer festlichen Mahlzeit ein.
Reformation und Bildersturm hinterliessen tiefe Narben im schönen Gesicht der St. Andreaskapelle, und von den wunderbaren, von weitgereisten Handelsleuten hergebrachten Kirchenzierden blieb einzig die Standfigur des heiligen Laurentius erhalten, welche heute im Historischen Museum steht. Wie andere Gotteshäuser wurde auch dieses als Magazin eingerichtet; doch die darin eingelagerten leicht brennbaren Materialien erregten die Furcht der Anwohner. 1718 reichten 28 Bürger dem Rat eine Petition ein und verlangten den Abbruch der Kapelle, weil "der Platz rings umb die St. Andreas Kirchen her, so schmal und eng, dass man mit keiner Feuerspritzen dahien kommen, noch dieselben alda kehren und wenden und Leyteren stellen" könne. Doch zunächst wurde das "liederliche" Gesuch abgelehnt, nachdem dann aber die Safranzunft sich nach Jahren bereit erklärt hatte, die Kapelle gegen 500 französische Taler zum Abbruch freizugeben, fiel 1792 die St. Andreaskapelle in Schutt und Asche und ebnete den Platz für einen neuen Kraut- und Geflügelmarkt. Der Verlauf der Fundamente aber ist noch in der Pflästerung markiert.Quelle: Meier 1995