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5 Fragen, die man sich vor der Hochzeit stellen sollte
Wir sind im Mai, meine Damen und Herren, einem Monat, in dem gerne geheiratet wird, und die «New York Times» hat kürzlich unter grosser Anteilnahme der Leserschaft eine Liste von Fragen veröffentlicht, die man seiner prospektiven besseren Hälfte vor der Eheschliessung unbedingt stellen sollte. Denn: «Ob nun aus Schüchternheit, mangelndem Interesse oder dem Verlangen, das romantische Mysterium zu bewahren: Viele Paare unterlassen es, sich heikle Fragen zu stellen, deren Beantwortung bei der Grundlegung einer stabilen Ehe hilfreich ist.» So weit die «New York Times». Es folgen Fragen wie: «Bewältigt man in deiner Familie Meinungsverschiedenheiten durch Tellerwerfen, ruhige Diskussionen oder Totschweigen?» Oder: «Was bewunderst du an mir, und was geht dir auf die Nerven?» Oder: «Wo siehst du uns in zehn Jahren?» Von der Leserschaft wurde der Katalog ergänzt zum Beispiel durch Erkundigungen wie «Hast du einen Sinn für Humor?» Oder: «Kannst du dich gut auf Veränderungen einstellen?» – Abgesehen davon, dass ich persönlich es seltsam finde, sich zur Ehe zu entschliessen, ohne sicher zu sein, ob der Gatte einen Sinn für Humor hat, hege ich grundlegende Zweifel an einer Paarungsmethodik, die sich irgendwo zwischen einem Bewerbungsgespräch und dem systematischen Datenabgleich einer institutionalisierten Partnervermittlung bewegt. Das Ganze scheint der Strukturlogik des Online-Liebesmarktes zu entsprechen, die Partnerwahl erhält den Charakter eines Matching-Prozesses. Irgendwie fehlt das, was Freud den «einzigen Zug» genannt hat: den einzigartigen Impuls, der sofort entscheidet, ob ich jemanden sympathisch finde oder nicht (das sagte auch schon der Philosoph Slavoj Žižek). Ich rate Ihnen: Vertrauen Sie diesem Impuls. Und auf der Basis dieses Vertrauens hätte ich dann für Sie nachfolgend ein paar alternative Fragen zur Restabklärung mit Ihrer zukünftigen besseren Hälfte:
- 1.
«Wie viele passive Aggression kannst du vermittels eines einzigen Seufzers ausdrücken?»
- 2.
«Wie viele verschiedene Gefühle kannst du vermittels des Emojis einer lachenden Katze mit Herzaugen codieren?»
- 3.
«Wie unerträglich bist du, wenn du erkältet bist?»
- 4.
«Lässt du dir am Geldautomaten eine Quittung geben?»
- 5.
«Was genau bedeutet ‹o.k.› für dich?»
(Zusatzfrage, falls die Antwort unbefriedigend ausfällt: «Was genau bedeutet ‹ein teures Paar Schuhe› für dich?»)
Bild oben: Für dieses thailändische Paar ist die Hochzeit ein Drahtseilakt. Foto: Athit Perawongmetha (Reuters)