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Vor rund 1000 Jahren wurde der Wisent in der Schweiz ausgerottet. Ist die Wiederansiedlung der gefährdeten Tierart hierzulande möglich? Genau dies möchte der Verein «Wisent Thal» mit einer Testherde im solothurnischen Jura herausfinden. Das ambitionierte Projekt stösst auf grosses Interesse, sieht sich aber auch mit Gegenwind konfrontiert.
Während fünf Jahren soll eine Testherde mit bis zu 25 Wisenten in einem eingezäunten Gebiet bei Welschenrohr im Kanton Solothurn leben. Im Vordergrund steht die Frage, ob positive Erfahrungen aus anderen Ländern mit freilebenden Wisenten auf den Schweizer Jura übertragbar sind, wie der Verein in der Projektbeschreibung betont. Damit soll ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der gefährdeten Tierart geleistet werden.
Das europäische Pendant zum amerikanischen Bison hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis ins frühe Mittelalter kamen Wisente in den Urwäldern West-, Zentral- und Südosteuropas vor. Aufgrund der zunehmenden Nutzung der Wälder nahm ihr Lebensraum ab und die Population schrumpfte. Um 1927 wurde der letzte freilebende Wisent im Kaukasus erlegt. Alle heute lebenden Wisente gehen auf zwölf Tiere in Zoos oder Gehegen zurück. Entsprechend gilt die niedrige genetische Variabilität als eine der grössten Gefahren zur Erhaltung der Art. Um 1952 wurden die ersten freilebenden Wisente im Gebiet des Nationalparks Białowieża an der polnisch-weissrussischen Grenze wieder angesiedelt. Zum jüngsten erfolgreichen Projekt zählt die Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge in Deutschland, das als Vorbild für den Verein «Wisent Thal» gilt.
In den ersten beiden Jahren sollen sich die Wisente in einem Gehege mit einer Gesamtfläche von 51 ha aufhalten. Davon sind etwa 10 ha Wiesen und Weiden, der Rest besteht aus Wäldern. Später wird die Fläche auf 106 ha erweitert. Während dieser Zeit soll eine normale jagdliche, land- und forstwirtschaftliche Nutzung möglich sein. Ein Teil der Fläche dient als Schaugehege mit etwa zehn Wisenten, damit Besuchende mit den Wisenten vertraut werden und sie mit Hilfe des Wisent-Rangers Benjamin Brunner beobachten können. Er kann die mit GPS-Halsbändern ausgerüsteten Wisente lokalisieren und die Herde somit jederzeit überwachen. Der Bio-Bauer wird nicht nur ein wichtiger Ansprechpartner sein, sondern stellt auch sein Land für das Projekt zur Verfügung. Die übrigen Flächen gehören der Bürgergemeinde Solothurn. Alle Besitzer werden während des fünfjährigen Projekts finanziell entschädigt. Dies ist auch bei allfälligen Schäden der Fall. Insbesondere an das Testgelände angrenzende Landwirte befürchten Schäden an Wäldern und Feldern, falls die Wisente dereinst ausgewildert würden. Wie der Verein «Wisent Thal» in einer Medienmitteilung anfangs April schrieb, sind zurzeit noch zwei Beschwerden von Landwirten hängig. Auch die Jagdgesellschaft hatte Einsprache erhoben mit der Begründung, dass die Jagd und die Wanderungen von Wildtieren aufgrund des Zauns beeinträchtigt würden. Mittlerweile hat die Jagdgesellschaft die Beschwerde zurückgezogen. Aufgrund zahlreicher Vorbehalte aus Kreisen der Landwirtschaft musste zudem die Projektdauer von zehn auf fünf Jahre reduziert werden, d.h. dass die dritte Testphase mit einer freilaufenden Wisentherde gestrichen werden musste.
Fünf Jahre seien eine knappe Zeit, um all die offenen Fragen klären zu können, wie der Verein «Wisent Thal» zu Bedenken gibt. Trotzdem bleiben die Vereinsmitglieder zuversichtlich und gehen davon aus, dass die Beschwerden abgewiesen werden. Sie treffen weiterhin Vorbereitungen, damit der Wildnispark Zürich die Wisente beschaffen kann, sobald die Bewilligungen rechtsgültig sind. Wer weiss, vielleicht können die wachsamen Tiere schon bald im solothurnischen Jura beobachtet werden.
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