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- Saša Stanišić erhält für seinen Roman «Herkunft» den Deutschen Buchpreis 2019.
- Seine Dankesrede nutzte der 41-Jährige für eine Abrechnung mit Literaturnobelpreisträger Peter Handke.
- Schon 2014 hatte der aus Bosnien stammende Autor mit «Vor dem Fest» den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen.
Stanišić erzählt in «Herkunft» über seine Grossmutter, die langsam das Gedächtnis verliert, über die Flucht der Familie während des Bosnien-Krieges nach Deutschland und behandelt dabei die Frage, welche Rolle die Herkunft überhaupt spielt.
«Unter jedem Satz dieses Romans wartet die unverfügbare Herkunft, die gleichzeitig der Antrieb des Erzählens ist», lautet die Begründung der Jury. «Verfügbar wird sie nur als Fragment, als Fiktion und als Spiel mit den Möglichkeiten der Geschichte.» Der Autor beweise grosse Fantasie und verweigere sich «der Chronologie, des Realismus und der formalen Eindeutigkeit».
Am Ende lädt Stanišić den Leser sogar zu einem Spiel ein: Er darf selbst entscheiden, wie die Geschichte weitergeht. «Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen», wie die Jury mitteilte.
Klare Kritik an Literaturnobelpreisträger Handke
Stanišić wurde 1978 im bosnischen Višegrad geboren, mit 14 Jahren floh er vor dem Krieg in Jugoslawien nach Deutschland. Seine Dankesrede nutzte Stanišić für deutliche Kritik an Peter Handke, dem diesjährigen Träger des Literaturnobelpreises. Dieser hatte in den 1990er-Jahren für die serbische Regierung unter Slobodan Milošević Partei ergriffen.
Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt.
«Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt», sagte der heute in Hamburg lebende Stanišić. «Dass ich hier heute vor Ihnen stehen darf, habe ich einer Wirklichkeit zu verdanken, die sich dieser Mensch nicht angeeignet hat.» Er könne nicht nachvollziehen, «dass man sich die Wirklichkeit, mit der man behauptet, Gerechtigkeit für jemanden zu suchen, so zurechtlegt, dass dort nur Lüge besteht.»
Er nehme den Buchpreis entgegen als Vertreter einer anderen Literatur, «einer Literatur, die nicht zynisch ist, nicht verlogen und die uns Leser nicht für dumm verkaufen will, indem sie das Poetische in Lüge verkleidet».