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Gebot 4:
Sei voller Wissbegier, den Herrn zu erkennen
Das vierte Gebot besagt, dass wir ein besonderes Interesse haben sollten, den Herrn zu erkennen.
Sanat Kumâra sagt, dass wir ein spirituelles Interesse daran haben sollten, den Herrn zu erkennen. Es ist bereits ein Segen, intensives Verlangen nach Erkenntnis des Herrn zu verspüren. Durch die Gnade des Herrn wird es im Menschen entfacht. Solches Verlangen nennt man Tapas oder ‚feurige Aspiration‘. Wer diese feurige Aspiration in sich hat, ist von dem kosmischen Lehrer Nârada gesegnet. Da wir der Mikrokosmos sind, existiert dieser kosmische Lehrer auch in uns. Wenn Nârada im Makrokosmos existiert, dann lebt er auch in uns, dem Mikrokosmos. Die beständige Geisteshaltung, nach Erkenntnis zu streben, wird auf Impulse zurückgeführt, die Nârada von innen her gibt. Im 10. Kapitel der Bhagavad Gîtâ sagt Lord Krishna, dass Nârada jenes kosmische Prinzip ist, das den Impuls, wissen und den Herrn erkennen zu wollen, auslöst. Aus diesem Grund rufen die Wissenden Nârada zusammen mit den anderen Kumâras und den sieben Sehern an. Nârada ist ein Kumâra, der dem Aspiranten zur Erkenntnis verhilft. In der Bhâgavata steht die Geschichte von Nârada ganz am Anfang. Sie ist dort mit Absicht platziert, damit die Leser die Berührung von Nârada erhalten, der das Erleben des Herrn ermöglicht.
An dieser Stelle wird an Nârada erinnert, da Sanat Kumâra in seinem vierten Gebot die Anweisung gibt, den Herrn zu erkennen.
Angefangen von Nârada, dem kosmischen Lehrer, gibt es eine Hierarchie von Lehrern bis hinauf zum Weltlehrer. Sie bilden die Leiter, die den Menschen hilft, über die regulären Stufen der Leiter den Herrn zu erkennen. Der Weltlehrer ist der Lehrer auf dieser planetarischen Ebene. Er entwickelte eine Gruppe von Lehrern, die auf dem Planeten zugänglich sind, um echten Suchern zu helfen. Wer besonderes Interesse daran hat, den Herrn zu erkennen und starken Wissensdurst verspürt, dem wird von einem Lehrer geholfen, Kontakt mit ihnen herzustellen.
In unserer modernen Zeit versuchen die Aspiranten, ihre Lehrer selbst zu ernennen. Sie sagen: „Mein Lehrer ist Maitreya, mein Lehrer ist Krishna, mein Lehrer ist Christus, mein Lehrer ist Morya, mein Lehrer ist Sai Baba“ usw. Doch in Wahrheit ist es anders. Der Lehrer erkennt den Schüler. Der Schüler kann seinen Lehrer nie erkennen, bevor er in seinem Inneren nicht bestimmte Offenbarungen erfahren hat. Unbemerkt führt der Lehrer einen Schüler zwölf Leben lang, ehe der Schüler seinen Lehrer erkennt. Deshalb ist es kindisch, wenn Schüler sagen: „Mein Lehrer ist CVV, EK, MN, Kût Hûmi oder Djwhal Khul.“ Wenn wir von den Wahrheitssuchern solche Aussagen hören, sollte uns klar sein, dass sie noch in einem kindlichen Stadium leben.
Der Lehrer, der Anker
Die Welt ist so fesselnd und spannend, dass der Mensch dazu neigt, in ihr herumzuwandern und sich in ihr zu verlieren – nicht nur auf der physischen Ebene, sondern auch auf der Gefühls- und Gedankenebene. Bei diesem Umherwandern ohne bestimmte Richtung steht der Lehrer als Anker bereit. Genauso wie ein Schiff oder ein Boot nicht von der Strömung des Wassers mitgerissen wird, wenn es den Anker geworfen hat, werden auch Schüler, die nach dem Herrn suchen, in der Gegenwart eines Lehrers nicht von den Millionen von Weisheitskonzepten mitgerissen. Zu Anfang werden die Schüler durch zu viele Weisheitskonzepte fast verrückt. Vor Begeisterung und Aufregung erkennen sie nicht, wie sie die Konzepte anwenden können, um Fortschritte zu machen. So bleiben sie ohne Ausrichtung und sind damit beschäftigt, das Meer der Weisheitskonzepte zu durchstreifen. Ohne spezielle Richtung schweifen sie umher und sind stolz auf die Information, die sie in Zusammenhang mit den Weisheitskonzepten zusammengetragen haben. Fälschlicherweise halten sie diese Information für ihr Wissen. Doch die Konzepte müssen durchlebt werden. Erst dann wandelt sich eine Information zur Erkenntnis. Dafür wird ein Lehrer benötigt.
Ein Weisheitslehrer vermittelt Schweigen, richtiges Sprechen, richtiges Denken und richtiges Handeln. Wer im Denken, Sprechen und Handeln koordiniert ist, erhält vom Lehrer weitere Arbeitsmittel, z. B. Farbe, Klang und Symbol. Zuerst arbeitet der Lehrer wie Saturn und wirkt auf die Begrenzungen des Schülers ein. Sobald sich der Schüler den Rhythmus angeeignet hat und das Leben wie ein Ritual gestaltet, gibt ihm der Lehrer die Jupiter-Berührung, so dass er sein Bewusstsein durch tägliche Übung erweitern kann. Gesegnet sind die Schüler, die am saturnischen Training festhalten und sich für die okkulten Schulungsmittel qualifizieren. Wenn diese Hilfsmittel mit Ehrerbietung verwendet werden, schenkt der Lehrer die Berührung von Jupiter. Zu Anfang sind dem Schüler die Erweiterungen, die in ihm geschehen, nicht bewusst. Er versteht sie erst im Nachhinein. Von Zeit zu Zeit erhält er vom Lehrer auch die Venus-Berührung. Dadurch fühlt er sich im Bewusstsein hin und wieder richtig wohl. Der Lehrer sorgt dafür, dass sich der Schüler im Bewusstsein ansiedelt. Wenn der Schüler sich im Persönlichkeitsbewusstsein niederlassen möchte, lässt der Lehrer dies nicht zu. Es ist von höchster Bedeutung, dass sich der Schüler im Seelenbewusstsein und nicht im Persönlichkeitsbewusstsein ansiedelt. Persönlichkeiten sind instabil, die Seele ist stabil. Deshalb legt der Lehrer Wert auf die Freude des Seelenbewusstseins, aber nicht des Persönlichkeitsbewusstseins.
Der Lehrer, der Führer
Die Geschichten in den Schriften zeigen, wie aufrichtige Seelen mit großartigen Persönlichkeiten oftmals im Seelenbewusstsein ins Schwanken gerieten und wieder gefestigt wurden. Auch die Geschichte von Yudhišthira ist eine Aussage in diese Richtung. Nach dem Râjasûya-Ritual war Yudhišthira in Indraprastha gut gefestigt, aber er ließ sich im Persönlichkeitsbewusstsein nieder. Er war von dem glanzvollen Leben verblendet und fing sogar an, damit anzugeben. Der Lehrer Nârada musste kommen, um den Dingen eine Wendung zu geben. Nârada sorgte dafür, dass Yudhišthira vor seiner eigenen Persönlichkeit bewahrt wurde. Auch Krishna trug dazu bei. Behaglichkeit für die Persönlichkeit ist nebensächlich. Für einen Lehrer ist die Seelenfreude seiner Schüler das wichtigste. Wahre Lehrer loben nicht die Persönlichkeiten der Schüler, denn dies könnte dem Fortschritt der Schüler entgegenwirken. Je weiter der Schüler fortschreitet, desto häufiger kommt er mit dem Feuer des Lehrers in Berührung. Lehrer servieren süße und bittere Pillen, je nachdem, was notwendig ist. Niemand kann hoffen oder träumen, in einer Phantasie-Welt und ständig in unmittelbarer Nähe des Lehrers leben zu können.
Finde den Lehrer im Inneren
Mit dem Lehrer zu arbeiten hat zweifellos etwas Magisches, aber auch ganz eigene Herausforderungen. Schrittweise führt er den Schüler zum Überschreiten der Persönlichkeit und in die Seele. Die entsprechenden Schritte können sehr hart und anstrengend sein. Als letzte Prüfung muss der Schüler ganz allein und auf sich selbst gestellt an der Schwelle des Todes stehen, ohne irgendeine Hilfe von außen. Der Nektar des Lebens wird nur jenen angeboten, die den Krisen und dem Tod ohne äußere Unterstützung entgegentreten. In Krisenzeiten ist der Lehrer nicht mehr zu sehen. Er steht in einiger Entfernung, um zu beobachten, wie sich der Schüler in der Krise verhält. Nur ein Schüler, der den Lehrer in seinem Inneren findet, kann jede Krise allein durchstehen. Der Lehrer entzieht den äußeren Beistand, damit die innere Unterstützung aus blanker Not ausgelöst wird. „Not ist die Mutter der Erfindung“, lautet ein Sprichwort. „Der innere Mensch erhebt sich aus dem Inneren, wenn keine Hilfe in der Nähe ist.“
Anfänglich denken viele Schüler, dass Einweihungen wie süße Träume sind. Doch sie geschehen in bitteren Krisen. So war es bei Jesus, bei Buddha und bei Arjuna. Arjuna empfing seine Einweihung an der Schwelle eines Weltkriegs. Auf die Schwere der Krisen weisen vor allem die Geschichten in den Schriften hin. Ich möchte darüber informieren, nicht um einzuschüchtern oder abzuschrecken, sondern um die Schüler durch Vorabinformation in eine bessere Situation zu bringen.
Der Weg zum Herrn ist durchdrungen von den Meistern der Weisheit. Es ist unweise, ihre Hilfe abzulehnen. Viele stellen sich vor, dass sie keinen Lehrer brauchen. Doch ausnahmslos setzen sie sich mit ihrem eigenen Intellekt fest. Für solche Köpfe erweisen sich Tugenden hilfreicher als Intelligenz.
Der Lehrer informiert
Ein Schüler kennt nicht die Methode, mit der ein Lehrer unterrichtet. Der Eingeweihte Herkules wurde ursprünglich von Jupiter unterrichtet. Zu verschiedenen Zeiten erhielt er von seinem Lehrer unterschiedliche Aufgaben. Der Lehrer führte Herkules auf dem Weg des Lichts. Dies ist der Pfad der Sonne. Jeder Lehrer geht in Bezug auf die unterschiedlichen Schüler jeweils anders vor. Es gibt eine allgemeine Führung für alle und eine spezielle Führung für manche, die ihrem Bewusstseinsstatus entspricht. Er führt die Schüler durch die Halle des Lernens, durch die Halle der Weisheit und schließlich zur Halle der Erfahrung. Dabei richtet er sich streng nach der Ausrichtung der Schüler. So weit ein Schüler ausgerichtet ist, wird er vom Lehrer geführt. Von Zeit zu Zeit, wenn der Schüler die Ausrichtung verliert, wartet der Lehrer schweigend. Für die Lehrer gibt es genauso viele Regeln wie für die Schüler. Normalerweise meint man, dass die Lehrer über allen Regeln stehen. Sie können jenseits aller Regeln leben, aber während sie die Schüler ausbilden, respektieren sie in höchstem Maße die individuelle Freiheit der Schüler. Ein Lehrer mischt sich nicht ein, schüchtert nicht ein und zwingt nichts auf. Er informiert die Schüler über die Natur und die Merkmale Gottes, der Schöpfung und der Schöpfung des Menschen. Er informiert darüber, dass jeder Mensch eine Seele ist und sagt auch, dass man während jeder Tätigkeit sich selbst erfahren und zur Erfüllung kommen sollte.
Der Lehrer, ein Repräsentant Gottes
Der Lehrer ist ein Repräsentant jener großartigen Energie, die Gott genannt wird. Tatsächlich ist Gott in einer menschlichen Form anwesend und hilft den aufrichtigen Aspiranten. Es ist seine Arbeit, die Schüler zu führen, so dass sie Gott im Inneren und dadurch überall ringsum finden. Häufig spricht der Lehrer über das Leben, den Tod und über das Leben nach dem Tod. Im Wesentlichen sorgt er für das benötigte Material, damit seine Schüler von dort aus aufsteigen können, wo sie sich gerade befinden. Die Schüler sitzen im Denken. Der Lehrer bietet ihnen Hilfsmittel an, damit sie sich aus dem Denken erheben und einen Platz in Buddhi finden können. Danach können sich die Schüler den Weg zum Herrn vorstellen und ihm folgen.
Ein weiterer Aspekt des Lehrers
Der Lehrer ist der Wegbereiter. Zu jeder Zeit geht er voraus, um die Sicherheit der Schüler auf dem Weg zu gewährleisten. Stets ist der Lehrer der Erste, und die Schüler kommen nach. Der Lehrer macht den Weg frei, und die Schüler gehen ihn mit großer Leichtigkeit. Wenn die Schüler die Anwendung der Lehre, die der Lehrer vermittelt, unterbrechen, können sie dem Lehrer nicht folgen. Nur wenn sie die Lehre im täglichen Leben befolgen, können sie auf den Lehrer ausgerichtet bleiben. Wir sollten wissen, dass die Lehre die einzige Verbindung zwischen dem Lehrer und dem Schüler darstellt. Wenn die Schüler ihr keine Beachtung schenken, können sie nicht ausgerichtet und verbunden bleiben und auch nicht dem Weg folgen. Dies ist die Bedeutung der Lehre, die der Lehrer übermittelt. Wenn wir der Lehre des Herrn Sanat Kumâra folgen, ist der Herr auf uns ausgerichtet. Wenn wir uns von der Lehre lösen, verlieren wir seine Ausrichtung auf uns. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass die Lehre das Band ist, das uns ewig mit dem Lehrer verbindet. Wir können dem Lehrer nicht folgen, wenn wir seiner Lehre nicht folgen, und ohne den Lehrer gibt es keine Lehre. Für die Schüler wäre es gut, dem Lehrer und der Lehre zu dienen. Dadurch wird es ihnen möglich, den Zweck des Lebens zu erkennen, ohne auf zu viele Hindernisse auf dem Weg zu stoßen.
… wird fortgesetzt