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Russland besitzt von allen arktischen Nationen die längste Aussengrenze mit dem Arktischen Ozean. Gemäss internationaler Konvention gehören entsprechend auch die Schelfgebiete des Ozeans dem entsprechenden Land. Jedoch ist der zentrale Bereich des Arktischen Ozeans ein von Rücken durchzogenes Tiefseebecken. Dadurch ist genau dieser mittlere Bereich «Niemandsland». Doch alle Arktisstaaten erheben jeweils Anspruch auf das Gebiet bis zum Nordpol aufgrund der ebengenannten Rücken. Nun hat Russland bekannt gegeben, dass sie genügend Daten gesammelt hätten, um ihren Anspruch auf den Nordpol und das Schelfgebiet zu legitimieren.
Die russische Marineführung und das Verteidigungsministerium gaben die Meldung anlässlich eines Treffens des russischen Marine Boards, einem Forum für staatliche und regionale Interessenvertreter maritimer Entwicklung in St. Petersburg, bekannt. Der Oberbefehlshaber der russischen Marine, Admiral Nikolaj Jewmenow, erklärte am Treffen: «Die gesammelten Daten erlauben es uns, ein klares und sehr detailliertes Bild des Arktischen Meeresbodens zu zeichnen.» Dadurch sei man in der Lage gewesen, eine Tiefseekarte zu erstellen mit hochpräzisen Verläufen, die die wesentlichen Merkmale der Unterwasserlandschaft einteilen und definieren konnte. Der stellvertretende Premierminister Russlands, Juri Borisow, bestätigte, dass mit diesem Material der russische Anspruch auf das Schelfgebiet des Nordpols bewiesen werden kann. «Ich denke, dass diese Arbeiten für die komplette Basis unseres Anspruchs, der von der UN-Kommission geprüft wird, ausreichend sein werden», erklärte er vor den Medien. Es bestätigte auch, dass Russland die Informationen bereits an die UN-Kommission für die Grenzen der Kontinentalschelfgebiete (CLCS) weitergleitet habe und sie im kommenden Februar an einem Treffen geprüft werden würden.
Die Daten wurden in den vergangenen 50 Jahren gesammelt und von der Marine und dem Ministerium für Natürliche Rohstoffe ausgewertet. Doch vor allem die Daten aus diesem Jahr seien wichtig, gemäss der Marine. Während des vergangenen Sommers habe die Akademik Fedorow über 10,300 Kilometer zurückgelegt und verschiedene komplexe Untersuchungen durchgeführt, die den Richtlinien der CLCS entsprächen, hob Admiral Jewmenow hervor. Damit hofft Russland nun, dass dem Anspruch, den die Regierung bei der CLCS 2015 deponiert hatte, stattgegeben wird. Ein ähnlicher Antrag wurde 2001 schon einmal von der CLCS abgelehnt, da die eingereichten Daten ungenügend und unvollständig gewesen sind. Doch Russland ist nicht alleine mit seinem Anspruch auf eine Ausweitung der Schelfregion. Auch Kanada und Dänemark haben ihre Anträge bereits bei der CLCS hinterlegt. Brisant dabei: ein Teil des geforderten Gebietes überlappt sich bei den jeweiligen Ländern. Doch Russland hat keine Angst vor den Anträgen der beiden anderen Staaten. «Die CLCS ist eine unabhängige Expertengruppe und nicht eine Arena, in der Länder gegeneinander wetteifern müssen», erklärt der ehemalige Minister für Natürliche Rohstoffe, Sergey Donskoy. Er hat im Auftrag der russischen Regierung den Antrag bei der UN-Kommission hinterlegt. «Wir sind zuversichtlich, dass die Kommissionsmitglieder ihre Entscheidung objektiv und basierend auf den Richtlinien internationaler Gesetze treffen werden.» Die CLCS hatte bereits im April dieses Jahres erklärt, dass die äussere Kante des russischen Kontinentalschelfs geologisch dem Ausläufer des Schelfs (dem Lomonossow-Rücken) und dem russischen Festland ähnlich seien. Damit war ein wissenschaftliches Hauptargument für den russischen Antrag zur Ausweitung des Schelfgebietes gegeben. Wird die CLCS dem Antrag stattgeben, könnten zusätzliche 1.2 Millionen Quadratkilometer arktischen Meeresbodens an Russland fallen. Es ist jedoch zu bemerken, dass die CLCS nicht diesen Beschluss fallen kann, sondern lediglich die wissenschaftlichen Grundlagen hinter dem Anspruch verifiziert. Der endgültige Beschluss muss von der Kommission zum Seerechtsübereinkommen der UNO darüber, ob die Grenzen ausgeweitet werden dürfen, abgesegnet werden.
Quelle: Atle Staalesen, The Independent Barents Observer