Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03464.jsonl.gz/3416

Verhalten abseits der Piste Lawinenunfälle Wissenswertes über Lawinen Literatur Kernteam Lawinenausbildung Ausserordentlichen Lawinenlagen
Aufgaben Geschichte Organigramm Mitarbeitende Standorte und Versuchsflächen Jobs und Karriere Die WSL Kontakt Intranet
01. bis 30. November 2016: zunächst Wintereinbruch im Norden, dann lange Südföhnphase und viel Schnee in hohen Lagen des Südens
Nach zwei Wintereinbrüchen in der ersten Novemberhälfte lag im Norden bis in mittlere Lagen eine geschlossene
Schneedecke. In der zweiten
Novemberhälfte führte eine lange, stationäre Südlage zu
Starkniederschlägen im Süden. Durch die sehr milden Temperaturen und den
Föhnsturm
aperte der Schnee im Norden unterhalb von rund 2000 m weitgehend wieder
aus.
Mit anhaltendem Schneefall in der Höhe war die Lawinensituation im Süden zeitweise kritisch
(Abbildung 1), mit grosser Lawinengefahr im Simplongebiet. Am letzten
Novemberwochenende ereignete sich dort ein Lawinenunfall mit einer
verletzten Person.
Abb. 1: Diese Tourengruppe traf am Sonntag, 27. November im Val Cavagnolo, Bedretto, TI gleich mehrere frische Lawinen an. Von links eine Gleitschneelawine, von rechts eine mittlere Lawine die vermutlich spontan abging, Anriss auf rund 2400 m (Foto: P. Mächler, 27.11.2016).
Wetterentwicklung
Der November war beides, kalt und warm (Abbildung 2) und im Durchschnitt rund ein halbes Grad wärmer als normal. Im Süden und Westen fiel bis zu 150% des normalen Novemberniederschlages (vgl. Klimabericht von Meteoschweiz). Die Föhnphase vom 20. bis 25. November war gemäss MeteoSchweiz die drittlängste seit Beginn der Aufzeichnungen. In der letzten Niederschlagsperiode des Novembers fiel im Süden teils über 2 m Schnee in hohen Lagen.
Abb. 2: Verlauf der Nullgradgrenze im November 2016.
Rot eingerahmte Zeitbereiche markieren die drei Hauptniederschlagsperioden im November (Informationen zur Berechnung der Nullgradgrenze).
Der November begann in den Bergen sonnig und mild. In den ersten Tagen sank die Nullgradgrenze von 3000 m auf rund 2000 m (Abbildung 2), bevor in der Nacht auf den 5. November Niederschläge einsetzten.
5. bis 6. November: verbreitet Wintereinbruch bis in mittlere Lagen
Im Westen und Süden war es stark bewölkt mit Niederschlag. Der Wind wehte mässig bis stark aus Südwest. Im Osten war es mit Föhn zunächst noch trocken. Von Freitagabend, 4. November bis Sonntagabend, 6. November fielen oberhalb von rund 2200 m im westlichsten Unterwallis und vom Avers
bis ins Berninagebiet: 40 bis 60 cm, in den übrigen Gebieten des Alpennordhanges, des Unterwallis und Graubündens sowie im östlichen Tessin 20 bis 40 cm Schnee. Im Oberwallis und im nordwestlichen Tessin fiel weniger als 20 cm Schnee. Die Schneefallgrenze sank dabei von 2200 m bis in tiefe Lagen.
In der Folge sank die Nullgradgrenze unter 1000 m und der Wind blies zeitweise stark aus Nord und verfrachtete den lockeren Schnee.
Im
Süden gab es zeitweise Aufhellungen, sonst war es überall stark bewölkt. Mit starkem und zeitweise stürmischem West- bis Nordwestwind fiel oberhalb von 600 bis 1000 m Schnee. In den Gebieten am nördlichen Alpenkamm vom Trient
bis ins Lötschental und von der Reuss bis in die Glarner Alpen fiel mit 80 bis 120
cm am meisten Schnee. Am übrigen westlichen und zentralen Alpennordhang, im übrigen westlichen und nördlichen Wallis und im Gotthardgebiet 60 bis 80 cm, im südlichen Oberwallis ohne
Simplongebiet sowie in den Gebieten Flims, Calanda, Prättigau, Silvretta und Samnaun 40 bis 60
cm Schnee. Weiter südlich fielen weniger
als 40 cm Schnee (Abbildung 3). In den Voralpen und im Jura fielen auf rund 1000 m 15 bis 30 cm Schnee.
Abb. 3: 4-Tages-Neuschneesummen vom 8. bis 12.11.2016, berechnet an den IMIS Stationen und gemessen von den Beobachtern des SLF.
Ab dem 12. November stiegen die Temperaturen wieder an und die Nullgradgrenze erreichte Mitte November fast 3000 m. Am 18. und 19. November fiel oberhalb von rund 2000 m verbreitet 10 bis 20 cm, ganz im Westen und im Süden lokal bis 40 cm Schnee. Starker Südwestwind und später stürmischer Südwind verfrachtete den Neuschnee und auch lockeren Altschnee in der Höhe (Abbildung 4).
Abb. 4: Les Attelas, Verbier, VS am 21. November: Starker bis stürmischer Südwestwind verfrachtete den lockeren, oberflächennahen Schnee in hohen Lagen (Foto: R. Troillet).
20. bis 26. November:
Anhaltende Südlage, zeitweise stürmischer Föhn, viel Neuschnee in hohen Lagen des Südens
Abb. 5: 6-Tages-Niederschlags- und Neuschneesummen von 20. bis 26.11., berechnet an den SwissMetNet und IMIS Stationen der MeteoSchweiz und des SLF und gemessen von den Beobachtern des SLF.
Am 21. November erreichte
die Föhnlage im Alpenraum ihren Höhepunkt. Dabei wurden in den
Föhntälern Böenspitzen von 80 bis 120 km/h erreicht. In den westlichen
und zentralen Alpen wurden in Kammlagen oberhalb von
rund 2000 m lokal orkanartige Windböen
von 130 bis 170 km/h gemessen. Auch über den Jurakämmen
wehte ein starker bis stürmischer Südwind. In den Föhntälern stiegen die Temperaturen teils über 20 Grad. Am 25. November endete die Föhnphase und die Niederschläge im Süden endeten in der Nacht zum 26. November. Vor allem der Neuschnee im Süden wurde verfrachtet und besonders an Nordhängen entstanden sehr grosse Triebschneeansammlungen.
Die letzten Novembertage waren von einer Hochdrucklage bestimmt, mit Hochnebel im Norden und meist sonnigen Verhältnissen in den Bergen. Der Wind wehte schwach bis mässig aus nördlichen Richtungen und die Nullgradgrenze sank bis Ende November unter 2000 m (Abbildung 2).
Schneedecke und Lawinengefahr
Anfang November lag an Südhängen nur im Hochgebirge Schnee. An Schattenhängen lag in hohen Lagen wenig Altschnee. Erst oberhalb von rund 2800 m bildete der Oktoberschnee an glatten Hängen und auf Gletschern zu Monatsbeginn eine geschlossene Schneedecke. Diese war an der Oberfläche oft kantig aufgebaut und locker. In der ersten Novemberhälfte wurde diese eingeschneit und war für den Rest des Monats die markanteste Schwachschicht für Lawinenauslösungen (Abbildung 6). Die Lawinengefahr war mit den wiederholten Schneefällen in Kombination mit dem Altschneeproblem gebietsweise über längere Zeit erheblich (Stufe 3) und erreichte am 25. November im Simplongebiet die Stufe gross (Stufe 4).
Abb. 6: Am Ende einer langen Südstaulage wurden in hoch gelegenen
Skigebieten am Alpenhauptkamm bei
Sicherungssprengungen oberhalb von rund 2800 m grossflächige Lawinen
ausgelöst. Der Neu- und Triebschnee glitt dabei meist auf der
Altschneeschicht vom Oktober ab. Links: Nordhang auf 2800 m am Gemsstock, UR (Foto: C. Danioth, 26.11.2016). Rechts: Mittelallalin, VS Westhang auf 3400 m (Foto: P. Schneiter, 28.11.2016).
Auch die Gefahr von feuchte Lawinen und Gleitschneelawinen war zeitweise erhöht. Im Norden vor allem nach den Schneefällen Mitte November
(Bildgalerie) und im Süden während und nach den Starkschneeniederschlägen ab 20. November
(Abbildung 7).
Abb. 7: Fast eine Woche lang trübes und nasses Wetter im Bedretto, TI. Vermutlich in der Nacht auf den 23. November lösten sich an den Südhängen des Pizzo Lucendro unterhalb von rund 2300 m vermehrt feuchte Lawinen, siehe roter Pfeil (Foto: C. Guidici, 23.11.2016).
Die Schneedecke, die sich in mittleren Lagen und auch im Jura bis Mitte November gebildet hatte, war nur von kurzem Bestand. Mit Föhn und Wärme in der zweiten Novemberhälfte aperte der Schnee unterhalb von rund 2000 m weitgehend wieder aus. Ende November lag die Schneegrenze an Nordhängen verbreitet bei 1800 bis 2000 m, an Südhängen rund 200 m höher.
Auf 2500 m lag im nördlichen Wallis und am Walliser Alpenhauptkamm sowie am Alpensüdhang ohne Münstertal 50 bis 100 cm, im Simplongebiet bis 180 cm Schnee. Sonst lag verbreitet 20 bis 50 cm Schnee.
Lawinenbulletins
Am 4., 6., und 8. November wurde jeweils ein Textbulletin publiziert.
Ab dem 9. November erschien das Lawinenbulletin täglich mit der
Gefahrenkarte (Ausgabezeit 17 Uhr).
Lawinenunfälle
Am Sonntag, 20.11. lösten zwei Variantenfahrer im Gebiet Mittelallalin, Saas-Fee, VS an einem Nordosthang auf rund 3150 m eine Lawine im Triebschnee aus. Sie wurden dabei erfassst, aber nicht verschüttet.
Am Sonntag, 27.11. ereignete sich am Homattugletscher, Simplongebiet, VS
ein Lawinenunfall. Dabei wurden drei Personen im Aufstieg erfasst, deren zwei
teil- und eine ganzverschüttet waren. Eine Person wurde leicht verletzt. Dank
Kameradenrettung wurden alle Personen rasch geborgen. Da viele Tourengänger im
Gebiet waren, führte die organisierte Rettung von AirZermatt auf dem
Lawinenkegel eine Sicherheitssuche mit Hunden durch. Ob die Lawine durch Personen und/oder durch einen Wächtenbruch ausgelöst wurde oder ob sie spontan abging ist im Nachhinein nicht eindeutig feststellbar. Der Anriss erfolgte südlich des
Breithornpasses an einem Nordwesthang auf rund 3350 m und mit grosser Wahrscheinlichkeit im
Altschnee (Abbildung 8).
Abb.8: Anriss der grossen Unfalllawine vom Sonntag, 27. November im Simplongebiet, VS. Der Anriss lag am Breithorngrat auf rund 3350 m. Die Lawine stiess über den ganzen Homattugletscher vor und erfasste drei Personen im Aufstieg. Glücklicherweise konnten alle erfassten Personen ohne ernste Folgen gerettet werden (Foto: S. Zenklusen, 27.11.2016).
Nächster Wochenbericht: am 15.12.2016