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Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer zu. Oder: k, Doppelpunkt, o.
Was lächelt Ihnen besser zu?
Es scheint sich, wenn vielleicht nicht unbedingt um eine regelrechte Geheimschrift, dann doch um etwas ziemlich Esoterisches zu handeln. Sicher ist, dass es um etwas geht, das außerhalb des Bereiches der normalen, literarischen Rechtschreibung, und somit auch der literarischen Punktschrift liegt.
Da muss ein Spezialcode her: die deutsche Blindensmileyschrift.
Ja, ja. Ich höre schon die Empörung: Ist die Smileyschrift dann nicht eine internationale Schrift, auf der ganzen Welt dieselbe? Scheinbar ja, aber auf der technischen Ebene ist das jedoch Zukunftsmusik. Wir wissen noch nicht, ob ein neuer Standard für die Übermittlung von Gesichtszügen, nennen wir es "Uniface", wirklich akzeptiert werden würde, oder ob eine etwaige neue Office-Komponente, MS-Smile, mit dem man den Geschäftspartnern ein grinsendes Gesicht schicken kann, das sich bei jedem PC-Absturz zeigt, nicht doch den eigenen Weg gehen wird. Und dann kommen die punktschriftlichen Komplikationen noch dazu!
Aber zurück zu der Lösung Rätsel:
Wer hat noch kein E-Mail an der Braillezeile gelesen, die mit folgender rätselhaften Punktschriftkombination schließt?
Oder eine möchtegern freche Bemerkung mit nächster Kombination?
Lächelt oder zwinkert Ihnen in diesen Punktkonstellationen ein Gesicht entgegen? Natürlich nicht. Hier ist mit der Schwarzschrift einfach keine Übereinstimmung vorhanden. Wir müssen weg von den segregierenden Einzellösungen und zurück zu partnerschaftlich orientierten Schriftsystemen.
Schauen wir uns die Schwarzschrift an:
Und da haben wirs:
Ein Punktbild, das Blinden wie Sehenden einleuchten müsste. Was könnte man sich mehr wünschen?
Und wenn man elektronisch zwinkern will - fehlen da nicht einfach die Punkte? Natürlich verfügt die deutsche Blindensmileyschrift über ein Zwinkerzeichen, mittels dessen angekündigt wird, dass das folgende Augenzeichen als gezwinkert zu verstehen ist, und dessen Wirkung mit dem nächsten Nasen- oder Mundzeichen aufgehoben wird.
Diesem pragmatischen Ansatz fehlt aber die direkte Übertragbarkeit. Und so wurde das Gesichtsfeld um zwei Punkte erweitert. Ein großes K zeigt nun ein gezwinkertes unteres und ein offenes oberes Auge. Leider gibt es auch hier einen Haken - auch wenn Studien einer Gruppe um Prof. Dr. Glen Regenbart keine zusätzlichen Schwierigkeiten bei der taktilen Erfassung der erweiterten Augenbandbreite erkennen konnte -, und zwar wird die Rückübertragung in die Schwarzschrift erst durch eine Erweiterung der einschlägigen ISO-Normen gesichert. Das Problem liegt daran, dass man Beispielsweise in der Punktschrift mit einem großen B das obere Auge zum Zwinkern bringen kann, was in der Schwarzschrift seine Ent- sprechung noch sucht.
Das momentan größere Problem liegt jedoch in der Zuordnung der Punkte. Mit dem Punktschriftsmiley im engeren Sinn - mit einer Breite von drei Punkten - wird man mindestens innerhalb Europas reibungslos kommunizieren können: k, Bindestrich und o sind dort überall gleich. Versuche, auch die breiteren Gesichtszüge zu normieren, fanden im Achtpunktsystem "Eurosmaille" ihren Niederschlag. Nicht alle Regionen Europas halten sich gleichermaßen an diesen Standard, was manchmal zu Entstellungen in skandinavischen Ausdrücken führt. Kommunikation mit unseren osteuropäischen Freunden ist nur bedingt möglich, und überhaupt nur insoweit, wie sie sich der skurrilischen Gesichtsschrift nicht bedienen.
Mit den USA ist die Situation aber ganz schwierig, da dort am PC nicht einmal der Doppelpunkt gleich ist wie hier zu Lande. Dieser wird mit den Punkten 1,5 und 6 wiedergegeben, was zu Missverständnisse bei der Nasenform führen kann, die schnell in Vorwürfe von Rassismus ausarten könnten.
Um die internationale Kommunikation mittels PC auch über Mitteleuropa hinaus zu sichern, musste also ein für alle leicht erlernbares Schriftsystem entwickelt werden, bei dem der zu schreibende Gesichtsausdruck unabhängig vom Medium und Übermittlungscode für alle gleich verständlich bleibt. Glücklicherweise kann man auf eine Technik zurückgreifen, die schon seit Jahrzehnten für die Darstellung von punktschrifttechnischen Inhalten in Büchern benutzt wird. Ohne weitere Anpassung eignet sie sich auch hervorragend als gemeinsames Kommunikationsmittel für den Smileyaustausch und heißt: LoTeX.
Das Prinzip von LoTeX ist einfach und viele E-Mal- Partnerinnen und -Partner kennen das System schon lange, auch wenn sie sich erst jetzt ernsthaft mit Smileys auseinander setzen müssen. Anstatt des Zeichens selber wird jeweils ein d (für das englische Wort "dots") geschrieben und darauf die Ziffern der enthaltenen Punkte. Jedes Zeichen bedarf eines neuen d.
Somit wird das klassische Braillesmiley folgendermaßen geschrieben:
d13 d25 d135
Und seine Entsprechung mit den Möglichkeiten der erweiterten Augenbandbreite so:
d17 d2356 d1567
Das Zwinkerattribut ist auch international sofort im folgenden Gebilde erkennbar:
d137 d2356 d1567
Mit einer derart einfachen und praktischen Lösung können wir mit Freude in eine Zukunft blicken, die frei von allen jetzigen Erschwernissen des Smileyaustausches sein wird. d137 d2356 d1567
Abb. 1: Zwinkersmiley in Punkt- und Schwarzschrift
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© Vivian Aldridge, 2001
(letzte Änderung: 2008.06.06)