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"The Hunger Games: Catching Fire": Interview mit Regisseur Francis Lawrence
Wir trafen "Catching Fire"-Regisseur Lawrence in Berlin und sprachen mit ihm über Internet-Phänomene, sowie über Ähnlichkeiten zwischen "The Hunger Games" und "Breaking Bad".
"Hunger Games"-Regisseur Francis Lawrence wurde zwar in Wien geboren, spricht heute aber kein Deutsch mehr. Seine Eltern sind Amerikaner und der Vater lehrte an einer Wiener Uni. Lawrence verbrachte seine ersten eineinhalb Lebensjahre in der Stadt. Zu Beginn seiner Karriere drehte er Musikvideos für Jennifer Lopez und Britney Spears, bevor er mit Constantine ins Spielfilmfach wechselte. Nun gibt Lawrence bei den drei Sequels zu The Hunger Games die Kommandos und kam auf der Promotour zu Catching Fire auch nach Berlin, wo wir mit ihm etwas plaudern konnten.
OutNow.CH (ON): Du bist erst beim zweiten Film zum Projekt The Hunger Games dazugestossen? Wie fühlt man sich als der Neue am Set?
Francis Lawrence (FL): Mittlerweile bin ich natürlich bestens integriert. Wir haben ja schon mit dem Dreh der Teile 3 und 4 angefangen. Aber zu Beginn war ich schon nervös, als ich die Truppe quasi erbte. Aber ich wurde warm empfangen, und es war von Anfang an eine angenehme Erfahrung.
FL: CinemaSins kenn ich nicht. Honest Trailers aber schon. Da gab es aber auch noch BadLipReading, wo die Dialoge nachvertont werden. Dieses Video wurde auf dem Set von den Schauspielern herumgereicht. Das nimmt man mit Humor und wir lachen gerne über uns.
ON: Die Figur der Katniss Everdeen gilt als die Kinoheldin mit dem finanziell grössen Erfolg an den Kinokassen. Machte dies für dich die Franchise spannender?
FL: Solche Einspielergebnis-Ranglisten interessieren mich weniger. Mich hat die Geschichte von Suzanne Collins fasziniert. Die Konsequenzen von Gewalt und die Folgen eines Krieges werden mit einem Produkt der globalen Popkultur verknüpft. Ich finde die Idee grossartig, dass wir unsere Lehren daraus ziehen, indem wir die Romane lesen oder uns von den Filmen unterhalten lassen. Und mittendrin ist da die Figur von Katniss Everdeen, die sowohl Männer wie Frauen anspricht, weil sie einfach menschlich ist mit ihren Bedürfnissen und Makeln.
ON: Warst du beim Besetzen der neuen Figuren in Teil 2 involviert?
FL: Philip Seymour Hoffman war meine erste Wahl für Plutarch Heavensbee. Da gab es keinen Widerspruch, weil er ein fantastischer Schauspieler ist. Er wurde kontaktiert und war der Erste, den wir eingestellt haben. Für Finnick und Johanna gab es ein grosses Casting. Dabei haben wir Sam Claflin und Jena Malone gefunden. Ich kannte ihren Leistungsausweis bereits, aber beide haben ihre Vorsprechen gerockt. Und ich bin schon seit langem ein grosser Fan Jeffrey Wright und von Amanda Plummer.
ON: Der Schnitt im zweiten Teil ist weniger hektisch. Etwas, was bei Teil 1 von vielen kritisiert wurde. Was war dein visuelles Konzept?
FL: Ich habe mich visuell daran orientiert, was die Geschichte braucht. Natürlich gab es schon ästhetische Vorgaben von Teil 1 und dem Buch. District 12 sieht nun mal einfach so aus. Innerhalb dieser Parameter konnte ich mich aber frei bewegen. Ich mochte Gary Ross' naturalistische Vorgehensweise. Diese wollte ich weiterführen. Ich habe aber meine eigene Version von Natürlichkeit. Ich brauche andere Objektive, die etwas weiter sind, damit man näher rangehen kann. Damit kreiere ich Intimität und etwas mehr Handlungsspielraum gleichzeitig.
ON: Besonders imposant sind die IMAX-Bilder, die nach etwas mehr als einer Stunde den Film bereichern. Wann wurde der Entschluss gefasst, in IMAX zu drehen?
FL: Schon sehr früh, als sich die Möglichkeit ergab. Ich wollte schon immer schon einmal IMAX machen, solange es thematisch Sinn machte. Deshalb öffnen wir die Kinoleinwand genau in dem Moment, als Katniss die Arena betritt, und liessen das Format dann aber auch so bis zum Filmende. Wir überlegten uns aber genau, welche Bereiche der Arena wirklich mit 70mm-Film gedreht werden sollten und welche "nur" im aufgeblasenen Super35. Die Entscheidung war von den Spezialeffekten abhängig. Wo es viele davon gab, haben wir verzichtet, weil es doch eher verschwenderisch wäre, Blue-Screens mit IMAX-Kameras abzufilmen. In natürlicher Umgebung - wie dem Dschungel - benutzen wir die Kamera hingegen gerne. So wurden es am Ende ca. 16 bis 18 Minuten 70mm-Bildmaterial im fertigen Film.
ON:IMAX-Kameras sind klobig und laut. Wie verliefen die Dreharbeiten im Dschungel von Hawaii?
FL: Die Kameras sind sehr laut. Dialoge müssen immer nachträglich geloopt werden. Aber Hawaii ist wahrscheinlich der beste Ort für Dschungel-Dreharbeiten, weil es dort nichts Giftiges gibt. Gefährliche Schlangen und Spinnen sind Fehlanzeige. Es ist auch eine sehr produktionsfreundliche Location. Sie sind es sich gewohnt, TV-Crews zu beherbergen. Und doch es ist am Ende des Tages halt ein Dschungel. Es ist heiss, man steht auf Felsen, hängt in den Bäumen. Mit IMAX-Kameras ist es noch härter, sich zu bewegen.
ON: Was macht mehr Spass zu drehen: Die Dekadenz in Captol oder die Action-Szenen in der Arena?
FL: Gerade weil es so unterschiedliche Sets sind, macht es besonders Spass. Ob nun die Party in der Villa von Präsident Snow oder die emotionalen Szenen bei der Siegestour. Genau diese Komplexität macht auch den Film aus. Catching Fire lässt ein eine reichhaltige Welt auferleben.
ON: Wie unterscheidet sich die Arbeit an einer Fernsehserie von der bei einem Kinofilm?
FL: Es ist vor allem die Geschwindigkeit. I Am Legend hatte 90 Drehtage. Der Pilot der Fernsehserie, die ich danach drehte, musste in 21 Tagen fertig sein. 70 Tage weniger bei im wesentlichen derselben Lauflänge? Da lernt man Effizienz. Und ein Film wie Catching Fire ist sehr komplex. Es gibt viele Aspekte wie Kostüme, Tiere, Massenszenen, Wasser, IMAX die bei einer TV Show nicht immer eine Rolle spielen. Man kann TV und Kino aber heutzutage in der Art vergleichen, wie die Geschichten eröffnet und abgeschlossen werden. Ich war während der Dreharbeiten fasziniert von Breaking Bad. Die Show ist so grossartig gespielt und strukturiert. Die wagten etwas zu Beginn und am Ende der Folgen. Ich dachte mir, wir können genau dasselbe machen.
ON: Deshalb der Cliffhanger am Ende von Catching Fire?
FL: Den gibt's ja genauso auch im Roman. Aber mir war wohl bei der Sache, nachdem ich Breaking Bad gesehen habe. Es funktioniert und man bleibt involviert. Und wenn man wirklich wissen will, wie's weitergeht, kann man es im nächsten Roman nachlesen. Wir bleiben der Vorlage da so treu wie möglich.