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Tornadowarnung
BRIEF AUS DEN USA
Als ich vor fast 14 Jahren zum ersten Mal am Flughafen von Denver ankam, fielen mir vor allem die Wegweiser zu den Tornadobunkern auf. Die Wahrscheinlichkeit eines Wirbelsturmes addierte sich damals zu meiner allgemeinen Nervosität.
Tatsächlich sind die Tornadobunker am Flughafen nicht überflüssig. Die Region von Denver liegt am Rande einer meteorologischen Tornado-Allee. Hier treffen die warmen, aber feuchten Luftmassen aus dem Südosten auf die kühleren und trockenen Luftmassen aus den Rocky Mountains. Dies, zusammen mit der relativ flachen Landschaft, kreiert im Sommer den perfekten Cocktail für Wirbelstürme. Jedes Jahr kommt es zu etwa 50 Wirbelstürmen. Zum Glück machen die meisten Tornados im spärlich bewohnten östlichen Teil des Staates Bodenkontakt.
Seit meiner Einwanderung erlebte ich bisher nur einmal eine Wirbelsturmwarnung. Vor zwei Wochen kam die Warnung mitten am Nachmittag per Handyanschluss. Da ich aber weder dunkle Wolken noch Regentropfen sehen konnte, befolgte ich den Ratschlag, mich in die leere Badewanne zu setzen, nicht. Stattdessen kuschelte ich mich neben unserem Hund auf das Sofa und beobachtete kritisch den Himmel. Nach einer halben Stunde kam die Entwarnung.
Unsere Kinder erlebten in der Schule dieselbe Tornadowarnung aber ganz anders. Die rund 1000 Schüler wurden von den Lehrern schnell in den langen, zentralen Korridor des einstöckigen Schulhauses geleitet. Dort wurden sie angewiesen, sich ruhig mit dem Gesicht zur Wand hinzusetzen. Das Licht wurde vorsorglicherweise abgeschaltet und einige Lehrer verteilten Bücher, um die Zeit produktiv zu nutzen. Die Schüler üben dieses und weitere Notfall-Prozedere mehrmals im Jahr.
Nicht nur unser Quartier, sondern auch die ganze Region wurde dieses Mal verschont. Zehn Kilometer von uns entfernt war aber über einem anderen Schulgebäude eine Trichterwolke, die Vorstufe eines Tornados, sichtbar. Glücklicherweise kam es zu keinem Bodenkontakt.
Vor 40 Jahren verlief eine Tornadowarnung in unserem Wohnort Thornton anders. Damals kam es zum Bodenkontakt und über 100 Häuser in unserem Quartier wurden beschädigt. 42 Personen mussten mit Verletzungen im Spital behandelt werden. Der Tornado im Juni 1981 war bisher der schlimmste Wirbelsturm in der Metropole von Denver.
Regula Grenier