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Die Hormone der Schilddrüse beeinflussen den Stoffwechsel, die Herzaktivität, die Körpertemperatur und das psychische Wohlbefinden. Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) nehmen somit eine lebenswichtige Rolle im menschlichen Hormonhaushalt ein.
Produziert die Schilddrüse zu viel Hormone, wird der Stoffwechsel befeuert: Ein erhöhter Puls, starkes Schwitzen und innere Unruhe sind die Folge. Die Umwandlungsprozesse in den Zellen können allerdings nicht so schnell umgesetzt werden, wie von den Hormonen vorgegeben: So kommt es zu Muskelschwund, Haarausfall, Gewichtsverlust und Durchfall. Unter der erhöhten Aktivität kann die Schilddrüse wachsen und einen Kropf bilden – das offensichtlichste Merkmal einer Schilddrüsenüberfunktion.
Hormonproduktion ausser Kontrolle
In den meisten Fällen wird eine Hyperthyreose – so der medizinische Fachbegriff für eine Schilddrüsenüberfunktion – durch die Basedowsche Krankheit oder eine Schilddrüsen-Autonomie verursacht. Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse als vermeintlich körperfremdes Gewebe bekämpft – und dabei ihre Aktivität anregt. Die Symptome der Krankheit werden nach dem Wirkungsort des Namensgebers Carl von Basedow als «Merseburger Trias» bezeichnet: Herzrasen, hervortretende Augäpfel und Kropfbildung. Die Basedowsche Krankheit tritt eher bei jungen Personen auf.
Liegt der Schilddrüsenüberfunktion eine Autonomie zugrunde, verläuft die Hormonproduktion teilweise oder vollständig ohne den regulierenden Einfluss der Hypophyse. Die ausser Kontrolle geratene Freisetzung der Schilddrüsenhormone ist meistens eine Folge von länger anhaltendem Jodmangel und stellt sich meist bei älteren Menschen ein.
In seltenen Fällen kann eine Schilddrüsenüberfunktion vorübergehend im Frühstadium einer Schwangerschaft oder in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung im Hals oder im Gehirn auftreten. Wird eine Schilddrüsenunterfunktion mit zu hoch dosierten Hormonpräparaten behandelt, können sich Beschwerden einstellen, die denen einer Schilddrüsenüberfunktion gleichen.
Sichere Diagnose durch verschiedene Untersuchungen
Die unterschiedlichen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion dienen dem behandelnden Arzt als erstes Indiz für eine Diagnose, wenngleich nicht bei jedem Patienten alle möglichen Beschwerden auftreten.
Beim Abtasten des Halsbereichs kann häufig die Vergrösserung der Schilddrüse wahrgenommen werden. Eine Blutuntersuchung gibt weitere Hinweise: Ist der Wert der Schilddrüsenhormone erhöht, jener der sie regulierenden Hormone der Hirnanhangsdrüse aber reduziert, liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Bildgebende Untersuchungen können den Befund absichern.
Tabletten gegen Schilddrüsenüberfunktion
Eine Schilddrüsenüberfunktion wird für gewöhnlich mit Schilddrüsenblockern, sogenannten Thyreostatika, behandelt. Diese senken die Aktivität der Hormondrüse. Liegt der Überfunktion Morbus Basedow zugrunde, werden die Medikamente für etwa zwölf Monate verabreicht. In dieser Zeit heilt die Hälfte der Krankheitsfälle ab. Besteht die Erkrankung fort, bietet sich eine Radiojodtherapie oder eine Operation als weiterer Behandlungsschritt an.
Bei einer Schilddrüsen-Autonomie gilt die medikamentöse Therapie mit Schilddrüsenblockern von vornherein nur als Übergangslösung, da die Tabletten die selbstständig produzierenden Schilddrüsenareale in ihrer Aktivität nicht dauerhaft drosseln können.
Radioaktives Jod oder Operation
Als zweiten Therapieschritt bietet sich – sofern die Schilddrüse nicht übermässig gewachsen ist – die Behandlung mit radioaktivem Jod an. Dieses wird dem Körper zugeführt und lagert sich in der Schilddrüse ab. In den hochaktiven Bereichen der Drüse konzentriert sich das Jod, das diese Zellen schliesslich zerstört. Da der Patient während der Therapie auch radioaktives Jod ausscheidet, wird er für die Dauer der Behandlung stationär isoliert. Die Erfolgsquote dieser Therapiemethode ist hoch, allerdings kann als Nebenwirkung eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten, die zeitlebens medikamentös behandelt werden muss.
Ist die Schilddrüse stark angewachsen, drückt sie auf die Luftröhre oder wird ein Tumor vermutet, kann sie teilweise oder ganz operativ entfernt werden. Im Anschluss ist die Einnahme von synthetischen Schilddrüsenhormonen oft notwendig, daneben besteht die Gefahr, dass durch die Operation der Stimmbandnerv verletzt wird. Zudem bleibt eine Narbe im Halsbereich zurück. Diese ist allerdings ein kleiner Preis für die Lebensqualität, die durch eine überwundene Schilddrüsenüberfunktion zurückgewonnen wird.