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Vom Banker zum Shiatsu-Therapeuten
Erfahrungsberichte Massimo Martino hat vor sieben Jahren einen radikalen Strich unter sein bisheriges Leben gezogen. Er kündigte seinen gut bezahlten Job als Banker und machte eine Ausbildung zum Shiatsu-Therapeuten. Er sagt von sich: «Auch wenn ich heute weniger verdiene, fühle ich mich in meinem Leben deutlich reicher.»
«Wenn Sie mich vor ein paar Jahren gefragt hätten, welches meine Ziele im Leben sind, hätte ich geantwortet: eine Familie gründen, viel Geld verdienen, ein Haus kaufen», sagt der ehemalige Finanzfachmann Massimo Martino.
Und in der Tat war er auf dem besten Weg, diese Ziele zu erreichen. Bis er merkte, dass ihn sein Leben nicht erfüllte, ja sogar krank machte. «Während ich im Tessin für eine kleine Bank arbeitete, litt ich unter Leber- und Magenschmerzen. Ich ging zum Arzt, bekam Medikamente und dachte, die Sache sei bald durchgestanden», erzählt Martino. Seine Beschwerden wurden jedoch nicht besser und es begann ein regelrechter Marathon aus Arztbesuchen und verschiedenen Untersuchungen.
«Ich machte sogar ein ganzes Jahr eine Diät, bei der ich vollkommen auf Fett, Alkohol und Zucker verzichten musste. Mit dem Ergebnis, dass die Schmerzen blieben.» Die Untersuchungen zeigten, dass organisch alles in Ordnung war.
Martino wurde allmählich klar, dass seine Schmerzen andere Ursachen haben mussten. Er ging zur Akupunktur, nach zehn Sitzungen waren Martinos Beschwerden weg. «Die Akupunktur- Therapeutin fragte mich, was ich spüre.
Eine Frage, die ich mir seit Jahren nicht mehr gestellt hatte.» In dem Moment wurde Martino bewusst, dass er in seinem Leben etwas Grundlegendes ändern musste, um zufrieden zu werden. «Ich machte mir so viel Druck, um meine Ziele zu erreichen, war ständig gestresst. Als Buchhalter in einer Hedgefonds-Abteilung sass ich den ganzen Tag am Schreibtisch und hatte nur mit Zahlen und Computern zu tun. Der Umgang mit Menschen fehlte mir», erzählt Martino.
Ausbildung zum Shiatsu-Therapeuten
Es brauchte eine Auszeit in Sardinien und einen dritten Bankenjob bei einer Grossbank in Zürich, bis Martino wusste, was er wirklich machen wollte. «Ich erinnerte mich, dass ich schon als Kind meine Geschwister massierte und gerne mit den Händen arbeitete.
Es war mir wichtig für meine Mitmenschen da zu sein.» Bei seiner Suche stiess er auf Shiatsu. «Die Möglichkeiten der Stärkung der Selbstregulierungskräfte und das Aufspüren der Lebensenergie hat mich sofort fasziniert. Zudem gefällt mir die Kombination aus Gespräch und manueller Arbeit am und mit dem Körper.» 2011 liess er sich in Zürich zum Shiatsu-Therapeuten ausbilden. «Meine Familie tat sich anfänglich schwer mit meiner Entscheidung, einen guten Bankerjob gegen eine Selbstständigkeit einzutauschen. Sie hielten mich für verrückt.» Gleichzeitig kannten sie bereits seine verrückte Seite.
Der 45-Jährige schwamm vor einem Jahr durch die 15 Kilometer lange Durchquerung der Meeresenge zwischen Korsika und Sardinien, nahm an einem «Ironman» teil und badete im Eiswasser.
«Viele Menschen vernachlässigen ihre eigentlichen Wünsche»
Seit 2013 hat Massimo Martino seine eigene Praxis in Zürich. Er behandelt Menschen aus allen Berufs- und Altersgruppen, von Sportlern über Paare mit Kinderwunsch bis hin zu Senioren. Bei den Behandlungen geht es vor allem darum, den Körper wieder wahrzunehmen, die Selbstregulierungskräfte zu stärken, Blockaden aufzuspüren und wieder Zugang zu den eigenen Ressourcen zu finden.
Im gemeinsamen Gespräch versucht der Therapeut, mögliche Zusammenhänge zwischen den Symptomen und der Lebenssituation des Klienten zu erkennen. Denn so, wie es Martino in seinem «alten» Leben ging, geht es heute vielen seiner Klienten. «Viele Menschen haben kein Sensorium mehr für ihren Körper und ihre Emotionen.
Sie streben nach Leistung und Anerkennung, vernachlässigen dabei aber ihre eigentlichen Wünsche. Irgendwann versagt der Körper seinen Dienst und kann zum Beispiel mit Schmerzen reagieren.» So, wie es bei Massimo Martino der Fall war.
Könnte er sich vorstellen, irgendwann wieder in die Wirtschaft zurückzukehren? Ausschliessen möchte er das nicht ganz, er betont jedoch: «Die Arbeit mit Menschen ist für mich unglaublich bereichernd und ich habe meinen Schritt noch keinen Moment bereut. Ich bin heute viel freier in der Gestaltung meines Lebens und nehme alles bewusster wahr.»
Er sagt, dass er sich viel reicher fühlt, obwohl er deutlich weniger verdient. «Was bringt viel Geld, wenn man dafür keine Freizeit hat, ständig gestresst ist und krank wird?»