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Das Grabtuch wurde vermutlich aus Sicherheitsgründen nach Edessa gebracht
Die dokumentierte Geschichte des Turiner Grabtuchs beginnt im Jahr 1357 in Lirey, Frankreich, einem kleinen Ort in der Champagne, zwischen Strassburg und Paris. Von da an kennen wir seine Geschichte lückenlos bis in unsere Zeit.
Wo aber befand es sich davor? Es gibt viele und durchaus glaubwürdige Hinweise über den Aufenthaltsort des Grabtuches vor diesem Zeitpunkt. Im Johannesevangelium wird das Grabtuch erwähnt, jedoch alles, was mit Leichen in Berührung gekommen war, galt im damaligen Judentum als extrem unrein, selbst darüber zu sprechen war nicht erlaubt, die bildliche Darstellung eines Menschen war verboten. So können wir darüber auch keine weiteren Informationen aus den Evangelien erwarten. Wir können annehmen, dass das Grabtuch zunächst in Jerusalem blieb, später wurde es vermutlich aus Sicherheitsgründen nach Edessa, dem heutigen Sanliurfa (heutige Türkei) gebracht. Edessa war ein bedeutendes Zentrum der syrischen Christenheit.
Die frühesten Ikonen, an denen Ähnlichkeiten mit dem Leichentuch feststellbar waren, waren Kopien des sog. Bildnisses von Edessa, ein Porträt Christi auf einem Tuch, das man im Jahre 544 in Edessa, entdeckt hatte. Diese Abbildung, in der Stadtmauer gefunden, gelangte als die „Wahre Gestalt Christi“ rasch zu Berühmtheit und wurde zur wertvollsten Reliquie der damaligen Christenheit. Es wurde als heiliges „Mandylion“ (Tuch) und auch als „Acheiropoieton“ (nicht von Menschenhand gemacht) bezeichnet. Es gibt viele Hinweise darauf, dass dieses Bild mit dem Grabtuch ident war, das Tuch war offenbar mehrfach gefaltet, nur das Gesicht war sichtbar. Ian Wilson, einer der berühmtesten Grabtuchforscher des 20. Jahrhunderts beschreibt ein Mosaik, das aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammt und das ein Einwohner der Stadt Sanliurfa bei Umbauarbeiten an seinem Haus entdeckt hatte. Es glich bis ins kleinste Detail den Beschreibungen des Bildes von Edessa, für Ian Wilson ein Hinweis darauf, dass das Grabtuch in der Stadt verwahrt und verehrt wurde.