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Nö, Geister gibt's nicht. Obwohl ... nach einem Besuch in einer dieser Ghost Towns könnte man geneigt sein, daran zu glauben.
16.10.2022, 06:5517.10.2022, 15:29
Ghost Towns – Geisterstädte – gibt es überall auf der Welt. Die urtypischsten und ikonischsten findet man in den USA, wo oftmals innert kürzester Zeit lebhafte urbane Zentren entstanden, die dann ebenso urplötzlich sich wieder entvölkerten. Das war der Wilde Westen. Von Goldgräberstimmung zu Goldgräbermisere innert einer Dekade.
Doch nicht alle amerikanischen Ghost Towns sind aus der Epoche des späten 19. Jahrhunderts, und nicht alle sind Bergwerksstädtchen im Westen. Alle, aber, sind faszinierende – und öfters als nicht ziemlich spukige – und menschenleere Stätten, in denen die Zeit stillgestanden zu sein scheint. Einige dieser Orte sind inzwischen bekannte Touristenattraktionen (und, da 4–5 Leute dort nun hausen, somit, technisch gesehen keine Geisterstädte mehr), andere sind abgelegen und nur schwierig zu finden. Hier kommen 15 der bemerkenswertesten:
Bodie, California
- Die archetypische California Gold Rush Ghost Town
- Gegründet 1859, als William S. Bodey in der Gegend Gold entdeckte.
- Um 1880 zählte die Stadt 10'000 Einwohner – etwa so viele wie Los Angeles zur selben Zeit.
- Als das Gold verschwand, verschwanden auch die Einwohner. Im Jahr 1942 wurde die letzte Mine stillgelegt.
Chemung Ghost Mine and Mill, California
- Goldmine, offiziell gegründet 1909
- Nach dreimaligem Abriss und Wiederaufbau wurden die Gebäude 1938 schliesslich aufgegeben, und die 20 Angestellten, die noch übrig geblieben waren, verloren ihren Arbeitsplatz.
- In den 1950er Jahren wurde auch die nahe gelegene Stadt Masonic aufgegeben, und Chemung verschwand still und leise in der Versenkung.
St. Elmo, Colorado
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- 1880 gegründet, war St. Elmo kurzzeitig eine blühende Goldgräberstadt und ein beliebter Zwischenstopp an der Pacific Railroad.
- Zu ihrer Blütezeit zählte die Stadt fast 2000 Einwohner und mehr als 150 Bergwerke.
- 1910 wurde der Alpine Tunnel geschlossen, 1922 der letzte verbliebene Zugverkehr eingestellt.
- Eine Handvoll Unentwegte harrten noch 30 Jahre aus, bis der Postmeister starb und der Postdienst eingestellt wurde, wodurch sie noch weiter von der Zivilisation abgeschnitten wurden.
Shaniko, Oregon
- Gegründet 1900, galt die Stadt während ihrer kurzen Blütezeit als «Wollhauptstadt der Welt» dank der Erschliessung durch die Columbia Southern Railway.
- Nur ein Jahrzehnt nach der Gründung folgte der Niedergang, nachdem eine neue, attraktivere Eisenbahnlinie komplett an Shaniko vorbeifuhr. Ungefähr zur gleichen Zeit zerstörten zwei Brände im Geschäftsviertel den verbliebenen Hype und führten dazu, dass Shaniko nur zehn Jahre nach seiner Gründung aufgegeben werden musste.
Virginia City, Montana
- Gegründet 1863
- Heimatort von Wild-West-Heldin Calamity Jane
- Wegen der Abgelegenheit der Stadt gab es weder genügend Strafverfolgungsbehörden noch ein Justizsystem. Raubüberfälle und Morde waren an der Tagesordnung, und Banditen – Road Agents genannt – sollen allein zwischen 1863 und 1864 über 100 Menschen getötet haben.
- Dennoch diente Virginia City bis 1875 als Hauptstadt des Montana-Territoriums (bevor es ein Bundesstaat wurde) und wuchs auf etwa 10'000 Einwohner an. Bald aber ging das Gold aus und die Stadt wurde zu der Zeitkapsel aus der viktorianischen Ära, die sie noch heute ist.
Glenrio, Texas/New Mexico
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- Gegründet 1903
- Ein Relikt der legendären Route 66, war Glenrio während Jahrzehnten eine beliebte Zwischenstation für Reisende. Als in den frühen 70er-Jahren die Interstate 40 gebaut wurde, blieben die Autofahrer als Einnahmequelle aus und die Stadt verkümmerte.
- Das Städtchen liegt genau an der Grenze zwischen Texas und New Mexico und gehört demnach offiziell zu beiden Staaten (das hatte offenbar mehrere Vorteile: Zum Beispiel wurden die Tankstellen der Stadt auf der texanischen Seite gebaut, wo die Benzinsteuer niedriger war).
Kennecott, Alaska
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- Kupfer, nicht Gold, lockte in den frühen 1900er-Jahren mutige Bergleute an diesen abgelegenen Ort in Alaska, nachdem zwei Goldsucher beim Ausruhen ihrer Pferde auf ein Kupfererz gestossen waren, das zusammengerechnet in den folgenden Jahren einen Wert von 200 Millionen Dollar ergab.
- Eine der fünf Minen von Kennecott enthielt die weltweit reichste Kupferkonzentration und erhielt den Namen Bonanza. 1938 bereits war der Kupfervorrat jedoch so gering, dass die Minen geschlossen wurden.
- Heute ist die Mine über einem Gletscher eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Alaskas.
Rhyolite, Nevada
- Gegründet 1904, wurde diese Stadt bereits 1916 wieder verlassen – obwohl sie zeitweise die drittgrösste Stadt Nevadas war.
- Am Rande des Death Valley gelegen, bot Rhyolite den Einwohnern unter anderem Hotels, ein Krankenhaus, ein Opernhaus und ein Symphonieorchester und sogar eine eigene Börse.
- Noch heute steht das sogenannte bottle house: Weil er kein anderes Baumaterial hatte, baute ein Bergarbeiter sein Haus aus Whiskeyflaschen.
Centralia, Pennsylvania
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- Im späten 19. Jahrhundert war Centralia eine florierende Kohlebergbaustadt mit rund 2700 Einwohnern.
- Centralia steht buchstäblich in Flammen – und das schon seit Jahrzehnten. Ein stillgelegtes Kohlebergwerk geriet 1962 in Brand und schwelt seither unter der Erde. Die Bewohner wurden evakuiert und die Stadt erholte sich nie wieder. Es wird erwartet, dass die Kohle, die das Feuer anheizt, noch 250 Jahre glüht.
- Von einem Besuch wird angesichts der sich freisetzenden giftigen Chemikalien abgeraten. Somit ist Centralia eher eine interessante Geschichte als ein Reiseziel. Wie es um die Zukunft der Stadt steht, ist noch vollkommen ungewiss.
Bannack, Montana
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- Gegründet 1862 und diente danach kurzzeitig Hauptstadt des Montana-Territoriums, bevor die Hauptstadt nach Virginia City (siehe oben) verlegt wurde.
- Einer der besterhaltenen und grössten Ghost Towns des Westens. Sechzig historische Holz-, Ziegel- und Fachwerkbauten stehen noch in Bannack.
Como, Colorado
- 1871 von Bergleuten aus Como, Italien, gegründet, die in den Kohlefeldern der Gegend arbeiteten.
- Ab 1879 Standort eines Depots der Denver, South Park and Pacific Railroad, die über den Kenosha Pass verlängert wurde, um die Silberbergbaugebiete während des Colorado Silver Boom zu erreichen.
- Das Como Roundhouse ist das einzige noch erhaltene Schmalspur-Rundgebäude in Colorado. Bis 1937 wurden hier Reparaturen an den Eisenbahnen durchgeführt. Im Jahr 1938 wurden die restlichen Gleise entfernt. Zu dieser Zeit war die Stadt selbst längst entvölkert.
Dawson, New Mexico
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- Gegründet 1901 als Arbeitersiedlung der Kohle-Gesellschaft Dawson Fuel Company.
- Dawson wurde zum Schauplatz einer ganzen Reihe verheerender Explosionen in den Kohleminen: Im Jahr 1903 kamen drei Menschen ums Leben, 1913 waren es über 250, und 1923 starben 123.
- In der Blütezeit lebten in Dawson rund 9'000 Menschen (meist neu Eingewanderte aus Europa und Mexiko), doch in den Jahrzehnten nach den Explosions-Katastrophen ging die Nachfrage nach Kohle langsam zurück, bis schliesslich 1950 das letzte Bergwerk geschlossen wurde.
- Gebäude stehen heute nur noch wenige, doch die über 400 Grabkreuze tragen dazu bei, dass Dawson als einer der «most hauted places in America» gilt.
Cahawba, Alabama
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- Gegründet 1818, war Cahawba von 1820 bis 1825 die erste Hauptstadt des Bundesstaates Alabama, bevor sie so oft überflutet wurde, dass die meisten Bewohner in trockenere Gefilde flohen (und den Titel Hauptstadt mitnahmen).
- Die Stadt blieb jahrelang ein Zentrum des Baumwollhandels. Während des Bürgerkriegs befand sich hier das Gefängnis Castle Morgan der Konföderierten, in dem zwischen 1863 und 1865 Tausende von Unionssoldaten inhaftiert waren,
- 1865 vertrieb eine weitere grosse Flut endgültig die Bewohner. Anfang 1900 waren die meisten Gebäude ebenfalls abgerissen worden.
Garnet, Montana
- Garnet war von den 1860ern bis etwa 1912 bewohnt, als ein Feuer die halbe Stadt zerstörte. Da die Goldminen ohnehin fast nichts mehr hergaben, machte es keinen Sinn, die Stadt wieder aufzubauen.
- In ihrer Blütezeit unterhielt die abgelegene Stadt jedoch vier Hotels, zwei Friseurläden, eine Arztpraxis und eine Schule sowie eine tägliche Postkutschenlinie in die nahe gelegenen Städte. Heute sind mehr als 30 historische Gebäude erhalten – Arbeiterhütten, ein Laden und das J.K. Wells Hotels –, deren Innenräume praktisch unberührt und noch immer voller Geschirr, Möbel und Kleidung sind.
Ashcroft, Colorado
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- Als zwei Entdecker 1880 Silber entdeckten, gründeten sie auf der Stelle Miner's Protective Association (Mineure-Schutzgesellschaft) und zogen 23 weitere Bergleute an. Innerhalb von zwei Wochen hatten sie Strassen und ein Gerichtsgebäude gebaut. Nach fünf Jahren lebten in Ashcroft mehr als 3'500 Menschen.
- Doch wie in den meisten Bergbaustädten gingen auch hier irgendwann die Rohstoffe aus, und Ende 1885 waren nur noch 100 Einwohner übrig.
- In den 1930er-Jahren brachten die Olympischen Winterspiele eine neue Welle der Aufmerksamkeit für das Gebiet mit sich, darunter auch ambitionierte Pläne zum Bau eines Skigebiets. Billy Fiske, Kapitän des amerikanischen Bobteams, baute die Highland-Bavarian Lodge. Als Fiske im Zweiten Weltkrieg fiel, versandeten die Pläne. Ashcroft ist seit 1939 eine Geisterstadt geblieben. Die Pläne für das Skigebiet wurden jedoch etwa 16 Kilometer Meilen nach Norden verlegt – in eine kleine aufstrebende Stadt namens Aspen.
Und? Mehr Ghost Towns?
Die weltweit wohl grösste und fundierteste Datenbank zu nordamerikanischen Ghost Towns auf dem Web wird von einem Schweizer geführt
: Über Jahren hat Daniel Ter-Nedden hunderte Ghost Towns der USA besucht, fotografiert und auf ghosttowngallery.com
akribisch archiviert.
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Drohne-Aufnahme von einer Geisterstadt
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