Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/3039

Schnecken (Gastropoda) gehören zusammen mit den Muscheln (Bivalvia) zu den Weichtieren (Mollusca). Ausser den Nacktschnecken bilden Land- und Wasserschnecken ein Gehäuse, das sie zum Schutz vor Fressfeinden und vor dem Austrocknen mit sich tragen. Im Schneckenhaus befinden sich vor allem wichtige Organe wie das Herz oder die Lunge. Neben den Landschnecken, die mit Lungen atmen, kommen bei den Wasserschnecken auch Arten mit Kiemen vor. Die Fortbewegung geschieht durch Lokomotionsbewegungen des Fusses, d.h. wellenförmige Bewegung der muskulösen, stark durchbluteten Kriechsohle. Wasserschnecken können sich so auch an der Wasseroberfläche vorwärts bewegen (Gehäuse gegen unten). An Land sondern die Schnecken einen Schleim ab, der ihnen hilft, schneller zu kriechen. Die Kriechsohle eignet sich aber auch zum Graben.
Bei den meisten Schnecken kann man an Hand des Häuschens bestimmen, zu welcher Art sie gehören, selbst wenn sich die Schnecke nicht mehr darin befindet. Neben den lateinischen Zungenbrechern einiger Arten, zum Beispiel Isognomostoma isognomostomos, haben andere Schnecken lustige deutsche Namen bekommen. Zum Beispiel: Flussnixen-, Schnauzen-, Teller- und Maskenschnecke oder Bierschnegel und Steinpicker.
Schnecken fressen pflanzliches und zum Teil auch tierisches lebendes oder totes Gewebe. Die Nahrung wird mit einer Raspelzunge (Radula) abgeweidet und verdaut. Wasserschnecken filtrieren oft Mikroorganismen aus dem Wasser oder fressen Algen und Detritus, d.h. organische, teilweise abgebaute Tier- oder Pflanzenreste. Mit dem Frass von grossen krautigen Pflanzen ermöglichen Schnecken das Aufkommen von kleineren Pflanzen. Teilweise erhöhen sie so die Artenvielfalt in ihren Lebensräumen. Da sie selbst Teil der Nahrungskette sind und ebenfalls gefressen oder zersetzt werden, bleiben die Nährstoffe im System.
Schnecken sind aufgrund ihrer Grösse und Häufigkeit für viele andere Tierarten eine wichtige Nahrungsgrundlage. Für viele Vogelarten und zum Teil auch Säugetiere wie die Igel sind Schnecken eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan. Sie spielen deshalb in vielen Ökosystemen der Erde eine wichtige Rolle. Neben den tierischen Fressfeinden hat auch der Mensch die Weinbergschnecke (Helix pomatia) mindestens seit der Römerzeit als Delikatesse entdeckt. Sie wurde in gewissen Gebieten so stark gesammelt, dass sie selten geworden ist. Die Art gilt heute als geschützt.
Schnecken besiedeln als Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum alle Lebensräume, in denen Pflanzen vorkommen; vom Seegrund bis zur Felswand. Dabei ist Kalk für die meisten Schneckenarten sehr wichtig für die Ei-Bildung und für den Aufbau des Gehäuses. Auf sauren Böden oder in kalkarmen Gewässern kommen nur sehr wenige Schnecken vor, die oft kleinere oder dünnwandigere Gehäuse besitzen.
Junge Schnecken schlüpfen bereits mit einem kleinen durchsichtigen Häuschen aus dem Ei. Das Gehäuse wird im Laufe des Schneckenlebens immer weiter aufgebaut und erhält so immer mehr Windungen. Leere Schneckenhäuschen sind als Sammelobjekte vor allem bei Kindern beliebt. Es gibt aber auch unter den Tieren einige Nutzniesser. Springspinnen an Land und Kleinlebewesen wie Flohkrebse im Wasser bewohnen gerne Schneckenhäuser. Gewisse Wildbienen, zum Beispiel die Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia aurulenta), haben sich auf Schneckenhäuser spezialisiert, um ihre Eier darin abzulegen.
Viele Schnecken reagieren empfindlich auf Umweltveränderungen und sind daher wichtige Zeigerarten. Aufgrund von Langzeitbeobachtungen lassen sich gute Rückschlüsse über die schleichende Veränderung der Umweltbedingungen ziehen. 40% aller Schneckenarten mussten in die Rote Liste aufgenommen werden. Ihre Bestände gehen zurück und ihr Verbreitungsgebiet ist eingeschränkt.
Im Kanton Basel-Stadt wurden 140 Schneckenarten nachgewiesen. Das sind 57 % aller in der Schweiz vorkommenden Arten (245 insgesamt). Davon sind 24 Arten seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in Basel nachgewiesen worden. Dreizehn verschwundene Schneckenarten bewohnen feuchte Lebensräume im Wald, in Feuchtgebieten und an Uferzonen von Gewässern. Neun Arten bevorzugen trockene warme und steinige Lebensräume. Über die verbleibenden zwei Arten ist zu wenig bekannt. Vermutlich haben diese Arten ihren Lebensraum durch die massiv wachsende Siedlungsfläche in Basel-Stadt verloren. Feuchte Lebensräume wurden früher entwässert, um das Land für den Menschen besser nutzbar zu machen. Einige dieser Arten sind ausserhalb der Stadt bereits wieder häufiger anzutreffen, zum Beispiel die als verletzlich eingestufte Quendelschnecke. Von ihr gibt es in Basel nur noch zwei Vorkommen.
Auf dem Eisenbahngelände im Norden Basels wurden 20 Schneckenarten gefunden. Drei davon stehen auf der Roten Liste der Schweiz, zum Beispiel die Kartäuserschnecke (Monacha cartusiana) oder die Gemeine Heideschnecke (Helicella italia) mit einem der grössten Bestände in der Nordwestschweiz. Folgende Arten haben oder hatten ihren schweizerischen Verbreitungsschwerpunkt in der Region Basel: Die Gemeine Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis, diese Art wurde allerdings seit 2004 in Basel nicht mehr gefunden), die Spitze Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus, vermutlich ausgesetzt im Rhein und in der Birs), die Kleine Schnauzenschnecke (Bithynia leachii), die Freiberger Brunnenschnecke (Bythiospeum francomontanum), die Oberrheinische Brunnenschnecke (Bythiospeum rhenanum), der Flusssteinkleber (Lithoglyphus naticoides*, wurde durch Schiffe nach Basel eingeschleppt) und die Zierliche Tellerschnecke (Anisus vorticulus, sie ist selten und stark gefährdet).
Bei den Landschnecken ist es die Graugelbe Rucksackschnecke (Testacella haliotidea), der Bodenkielschnegel (Tandonia budapestensis*, vermutlich durch den Menschen eingeschleppt), die Hellbraune Wegschnecke (Arion fuscus) und die Sichelackerschnecke (Deroceras klemmi*), wurde vermutlich wie auch die Mittelmeerackerschnecke (Deroceras panormitanum*) ebenfalls durch den Menschen eingeschleppt. Es gibt jedoch nur einen Nachweis in Basel und einen in Zürich. Auffällig ist, dass vier dieser zwölf Arten Neozoen sind (Arten mit einem *), also durch den Menschen eingeschleppt wurden.
DK / DS