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Krise in Kasaï: Handicap International entsendet Nothilfeteam
Seit Juni 2016 herrscht in der Provinz Kasaï in der Demokratischen Republik Kongo eine humanitäre Krise. Mehr als zwei Millionen Menschen sind bisher davon betroffen. Handicap International ist seit 2015 in der Provinz aktiv und bereitet aktuell die Entsendung von weiteren Nothilfeexperten zur Unterstützung der bestehenden Teams vor. Guillaume Zerr, Direktor von Handicap International Kongo, erklärt die Lage.
Goma (2013). | (c) T. Mayer / Handicap International
Wie würden Sie die Situation in Kasaï beschreiben?
Alarmierend. Die Situation verschlechtert sich täglich. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen haben über eine Million Menschen vertrieben. Hunderte wurden getötet und Tausende verletzt. Es ist eine neue humanitäre Krise ausgebrochen, obwohl die Region vorher relativ stabil war. Auch wenn die humanitären Organisationen jetzt nach und nach dort ankommen, gibt es nicht ausreichend finanzielle Mittel für die Hilfe, um die Betroffenen angemessen zu versorgen. Das ist sehr beunruhigend.
Welche Wirkung hat die Krise auf die Bevölkerung vor Ort?
Für die Schutzbedürftigsten ist das Gewaltrisiko am höchsten: Frauen, von denen viele der Gefahr sexueller Gewalt ausgesetzt sind und die tausenden Kinder, die von den Milizen zwangsrekrutiert werden. Außerdem ist es nicht leicht, Medikamente vor Ort zu bekommen und viele medizinische Fachkräfte mussten fliehen. Die Verletzten haben daher nur eingeschränkten Zugang zur medizinischen und rehabilitativen Versorgung.
Es besteht die grosse Gefahr, dass es zu einer Unterernährung in der Bevölkerung kommt, weil die Menschen in den letzten beiden Erntephasen ihr Land nicht bearbeiten konnten. Ausserdem wird es zunehmend schwieriger, an Wasser zu kommen, was auch vorher schon kompliziert war. Die Menschen trauen sich nicht mehr, zu den Wasserquellen zu pendeln, die ausserhalb der Dörfer liegen, weil es dort zu gefährlich ist.
Zudem ist auch der Transport von humanitären Hilfsgütern in abgelegene Gebiete eine komplizierte Sache, denn die Strassen sind nicht geteert und nur schwer benutzbar. So bleiben diese Gegenden schwer zu erreichen.
Warum beginnt Handicap International mit einem Nothilfeeinsatz?
Die Region war bisher stabil, daher sind humanitäre Organisationen dort nur äußerst spärlich vertreten. Wir sind schon seit 2015[1] vor Ort und haben mittlerweile eine starke Bindung zur lokalen Bevölkerung aufgebaut. Eine unserer Prioritäten ist es nun, uns um die Opfer der Krise und ihre Bedürfnisse zu kümmern. Deshalb haben wir beschlossen, ein unterstützendes Team von Nothilfefachleuten zu entsenden, die unseren Einsatz koordinieren werden.
Wir rekrutieren gerade Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, damit wir im Allgemeinkrankenhaus Kananga und im Krankenhaus Tshikaji eine rehabilitative Versorgung für etwa 200 Menschen mit Verletzungen[2] anbieten können. Weiterhin schicken wir Leute mit Ausrüstungen wie etwa Untersuchungstischen, Gewichten und Mobilitätshilfen (Gehhilfen, Rollstühle usw.) los. Ausserdem wollen wir die Betroffenen psychologisch unterstützen und ihnen dabei helfen, traumatische Erlebnisse zu überwinden. Dafür bieten wir Einzelbetreuung, Einzelgespräche und Gesprächsgruppen an.
[1] Handicap International organisiert seit 2015 Projekte in der Rehabilitation und der inklusiven Arbeit in Kasaï.
[2] Mit Unterstützung des AussenministeriumsLuxemburg.
Erfahren Sie mehr
Handicap International plant noch weitere Nothilfeaktivitäten:
Schutzmassnahmen:
Handicap International ist seit über 20 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo tätig. Derzeit erörtern wir die Lage für die Opfer von Gewalt, mit dem Ziel, sie besser zu schützen – auch durch psychologische Unterstützung. Weiterhin schulen wir andere Organisationen darin, besonders schutzbedürftige Menschen ausfindig zu machen, damit sie deren Zugang zu humanitären Leistungen sicherstellen (Gesundheitsversorgung, Lebensmittel etc.) und sie besser bei allen Massnahmen berücksichtigen.
Logistikplattform:
Handicap International will den Transport humanitärer Hilfsgüter[1] zu den Menschen in abgelegenen, schwer zugänglichen und gefährlichen Gebietenerleichtern. Dazu richten wir Lagerzentren ein und bieten anderen humanitären Organisationen unsere Transportdienste (besonders durch Lastwagen) an.
Verteilungen von Nahrungsmitteln und wichtigen Haushaltsartikeln:
Handicap International plant, grosse Mengen an Nahrungsmitteln und wesentlichen Haushaltsartikeln wie etwa Kochutensilien und Hygienesets mit Seife etc. an tausende betroffene Familien zu verteilen.
[1] In Zusammenarbeit mit dem Logistikcluster der Vereinten Nationen.