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Als am 24. Juni deutlich wurde, dass die Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) gestimmt hatten, setzte sofort eine Flucht in sichere Häfen ein. Die Anleger zogen ihr Kapital aus Rohstoffen und aus globalen Aktien ab. Das Pfund Sterling brach auf den schwächsten Stand seit 30 Jahren ein. An den Märkten für asiatische Unternehmensanleihen, die traditionell als "riskante Vermögenswerte" angesehen werden, war die Lage nach dem Referendum bemerkenswert ruhig; es gab kaum Anzeichen für Panikverkäufe. Der JPMorgan Asia Credit Index erzielte am 24. Juni eine positive Gesamtrendite in Höhe von 0,24%. Grund dafür sind die niedrigeren US-Treasury-Renditen, die eine Ausweitung der Credit Spreads zum Teil kompensierten.
Für diese Widerstandsfähigkeit gibt es mehrere Gründe. Eine fundamentale Ursache ist darin zu sehen, dass Asiens Handelsbeziehungen zu Grossbritannien insgesamt gering sind und ihr Anteil in den meisten Ländern weniger als 1% des BIP ausmacht. Als Standard and Poor’s das AAA-Rating für Grossbritannien aufhob, schrieb die Agentur gleichzeitig, der Brexit habe kaum Auswirkungen auf das Rating asiatischer Anleihen. In Bezug auf Chinas High-Yield-Kreditnehmer zeigte sich die Ratingagentur optimistisch und äusserte, die Dollar-Verschuldung erscheine nach proaktiven Refinanzierungen durchaus kontrollierbar.
Aus technischer Sicht sind die asiatischen Anleihemärkte inzwischen weniger anfällig für Stimmungsumschwünge bei den internationalen Anlegern, da der Anteil einheimischer Anleiheinhaber angestiegen ist. Rund 70% der neu begebenen Unternehmensanleihen werden heutzutage von asiatischen Anlegern erworben; vor zwei Jahren waren es noch 50%. Deshalb handelt Asien zu einem niedrigeren Beta als andere globale Schwellenländer. Ausserdem hat es sich aus technischer Sicht in diesem Jahr als günstig erwiesen, dass deutlich weniger neue Anleihen platziert wurden, da chinesische Emittenten ihre in Dollar denominierten Finanzierungen auf Onshore-Yuan umgestellt haben.
Mittelfristig könnte Asien weiterhin von der Suche nach Renditen profitieren. Es wird bereits zunehmend damit gerechnet, dass die Zentralbanken in den entwickelten Ländern ihre Leitzinsen senken, um die Auswirkungen des Brexit unter Kontrolle zu halten. Der soeben erst eingeleitete Straffungszyklus der US-Federal Reserve scheint bereits verpufft zu sein. Mit einer Rendite von rund 4,2% bis zum Laufzeitende erscheinen die risikobereinigten Renditen asiatischer Papiere verglichen mit den Alternativen durchaus attraktiv.
All dies bedeutet jedoch nicht, dass Asien gegen die Folgen des Brexit immun ist. Vor allem Chinas Reaktion auf die neu aufgeflammte Volatilität wird für die asiatischen Anleihemärkte von entscheidender Bedeutung sein. Kurzfristig besteht eines der grössten Risiken darin, dass der stärkere US-Dollar zu Druck auf den Yuan führen und eine weitere Runde von Kapitalabflüssen auslösen könnte. 2015 wurden bereits geschätzte 906 Mrd. US-Dollar abgezogen, und auch in diesem Jahr sind die Kapitalflussbilanzen im Defizit. Dagegen ist es als positiv anzusehen, dass Chinas Zentralbank begriffen zu haben scheint, wie wichtig eine gute Kommunikation für die Marktstimmung ist. Vor einer Woche erklärte sie den Anlegern in einer kurzen Mitteilung, dass sie Pläne ausgearbeitet habe, um dem Schock des Brexit-Referendums entgegenzuwirken.
In den kommenden Monaten wird die Volatilität angesichts der politischen Auseinandersetzungen zwischen Grossbritannien und der EU anhalten. Ironischerweise erscheint Asiens politische Landschaft vergleichsweise ruhig. Auf der Suche nach sicheren Häfen könnten die Anleger gut daran tun, auf asiatische Hartwährungsanleihen zu setzen.