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Worum geht es im Leben?
„Still Alice“ ist für sensible Kinobesucher harte Kost. Der Spielfilm ist aber ein Meisterwerk. Es geht um eine 50-jährige Wissenschaftlerin, die an Alzheimer erkrankt, und um ihre Familie.
Dr. Alice Howland, international renommierte Linguistin und Dozentin an der Columbia University in New York, beobachtet mit gerade einmal 50 Jahren, dass mit ihrem Gedächtnis etwas nicht zu stimmen scheint. Medizinische Untersuchungen bringen die Wahrheit ans Licht: eine seltene Form von Alzheimer. Es ist mit einer relativ raschen Verschlechterung zu rechnen.
Aus der Bahn geschleudert
Was bedeutet diese schockierende Diagnose für Alice, die sich immer über ihren ausgeprägten Intellekt definiert hat? Wie geht John, ihr Ehemann, mit dieser Situation um? Wie reagieren die Kinder? Was sich in 100 Filmminuten zwischen Alice und John, aber auch zwischen ihr und ihren Töchtern abspielt, rührt zentrale Fragen des Lebens an. Worum geht es eigentlich? Was hat Priorität?
Der Film zeigt die Verzweiflung, die inneren Kämpfe, die Ängste, die verschiedenen Strategien der Protagonisten, mit dem Schicksalsschlag umzugehen, ohne je in Pathos oder Sentimentalität zu verfallen. Fokussiert und schnörkellos wird die Geschichte erzählt, die einem gerade deshalb so nahe geht.
Gelungene Romanverfilmung
Der Film „Still Alice“ beruht auf dem Roman „Mein Leben ohne Gestern“ von Lisa Genova. Das Buch wurde bisher weltweit knapp eine Million Mal verkauft. Die filmische Umsetzung ist dem Regisseurenpaar Richard Glatzer und Wash Westmoreland hervorragend gelungen. Julianne Moore hat wesentlich dazu beigetragen. Für ihre Darstellung von Dr. Alice Howland wurde sie mit dem Oscar und 27 weiteren Preisen ausgezeichnet.
Grösster Erfolg im letzten Moment
Regisseur Richard Glatzer ist am 10. März 2015 selber an einer unheilbaren Krankheit gestorben. 2011 wurde bei ihm Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert, eine Erkrankung des motorischen Nervensystems. Bei den Dreharbeiten zu „Still Alice“ konnte er die Schauspieler nur noch anweisen, indem er mit einem Finger sein iPad steuerte. Zweieinhalb Wochen vor seinem Tod verfolgte er vom Krankenbett aus den Triumph an der Oscarverleihung.
März 2015