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Nachdem es nach einer Partynacht Ende Mai auf der Pantschau zu einer völligen Vermüllung kam, auf die ich am Morgen danach gestossen war, als ich eigentlich zum Joggen aufbrechen wollte, hatte ich den Zustand fotodokumentiert und die Bilder zusammen mit diversen Fragen an die Gemeinde geschickt (unsereRegion berichtete: Müllchaos auf der Pantschau – doch das ist nichts Neues). Diese betrafen zwei Hauptthemen: zum einen, was die Gemeinde gegen diese Zustände zu unternehmen gedenkt, und zum anderen, wie die Anwohner auf nächtlichen Partylärm reagieren sollten, der über die gesetzlich verankerte Nachtruhe hinausgeht. Bis heute liegt mir keine Antwort vor, weshalb ich den Versuch unternehmen möchte, selbst Antworten zu finden. Dazu habe ich mit verschiedenen Personen gesprochen und recht aufschlussreiche Meinungen erhalten.
Die gute Nachricht stammt von einer jungen Frau, die mit Jugendlichen arbeitet und es wissen muss. Sie verneinte meine Vermutung, dass die Partyjugend irgendeinen «Frust» auf die Gesellschaft auslebt. Ihr Kollege ergänzte, dass das Littering seinen Anfang nehme, wenn auf öffentlichen Veranstaltungen mit dem Eintritt die Entsorgung der anfallenden Verpackungen aller Art enthalten sei.
Im Internet stiess ich schnell auf Beispiele:
Nehmen wir ein nationales Grossereignis, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest. Das Fest in Estevayer-le-lac (2016) war in punkto Abfall ein «Albtraum»: ein halbes Kilogramm hinterliess jede*r Teilnehmer*in am Ende des Events. Schaut man sich die Konsumstatistik an, wird einem schnell klar, dass solch ein Grossereignis eine Herausforderung in jeder Hinsicht darstellt: «(…) Spielt das Wetter mit, werden rund 250'000 Liter Bier, 220'000 Liter Mineral, 110'000 Liter Süssgetränke, 45'000 Liter Most, 16'000 Liter Wein und 6’000 Liter Schnaps getrunken, dazu 62'000 Bratwürste, 14'000 Poulets, 8 Tonnen diverses Fleisch verzehrt = ein gutes Geschäft für Standbetreiber = eine gigantische Herausforderung für die Abfallbewirtschafter» (aus: «Ein Muni für die Umwelt» in www.petrecycling.ch)
Oder nehmen wir Open-Air-Konzerte in St. Gallen, Frauenfeld oder Bern. Ein ähnliches Szenario, nur, dass die Festivalteilnehmer gleich noch ihre mitgebrachten «Wegwerfzelte», Campingmöbel, Luftmatratzen, Kleidung, Sofas, Einweggeschirr und die Überbleibsel ihres Konsums auf dem Gelände zurückliessen. In der Luzerner Zeitung las ich von «Abfallfrust nach Open Air, 297 Tonnen Abfall nach Open Air Frauenfeld».
Die Veranstalter haben gemeinsam mit den kommunalen Behörden daraus gelernt und setzten bei ihren Events auf strikte Regeln und Nachhaltigkeit. Beispiel das letzte Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug 2019:
- Der Hauptsponsor, das Unternehmen V-Zug verkaufte Blech-Trinkflaschen zu einem günstigeren Preis, die aufgefüllt werden konnten, mit dem Ziel, das PET-Flaschen-Aufkommen zu reduzieren;
- Die Veranstalter erhoben auf die Bierflaschen ein Depot. Nicht zurückverlangtes Depotgeld wurde in einen Fonds einbezahlt für Umweltprojekte in der Region;
- Das Sägemehl, immerhin rund 90 Tonnen, wurde in Form von Biogas zur Wärmeerzeugung verwendet;
- In Frauenfeld werden jetzt Mehrwegzelte zur Miete angeboten, eigene dürfen nicht mehr mitgebracht werden.
Ein regionales Event stellt das Stars of Sounds dar, das 2022 eine Neuauflage in Murten geplant hat. Der Veranstalter schreibt einen klaren Verhaltenskodex für alle Besucher*innen vor. Dieser reicht von der Bitte, das Gelände sauber zu halten, über Verbote für das Mitbringen von diversen Gegenständen (Zelte, Stühle, Sonnenschirme etc.) und von Getränkegebinden, da ein ausreichendes Versorgungsangebot auf dem Gelände vorhanden ist.
Was resultiert daraus für unsere Region?
Wie wir gesehen haben, geht es um den Willen, etwas zu verändern, Visionen und Konzepte zu entwickeln für mehr Nachhaltigkeit, für den Schutz der Umwelt und für einen sparsamen Umgang mit unseren Ressourcen.
Dazu gehört nicht, dass:
…regelmässig die weggeworfenen Einwegverpackungen, Glas-, PET-Flaschen und Alu-Dosen von den Werkhof-Mitarbeitern eingesammelt werden, damit das Bild eines sauberen Städtchens aufrechterhalten werden kann,
… am Budget von Sicherheitsdienst und Stadtpolizei weiterhin der Rotstift angesetzt wird (siehe Protokolle der Generalratssitzungen auf der Homepage der Gemeinde Murten),
… lediglich auf «Eigenverantwortung» gesetzt wird, anstatt auf beherztes Handeln von allen Verantwortungsträgern.
… Littering als «gesellschaftliches Phänomen» erklärt wird ohne notwendige Konsequenzen.
Was braucht es?
… meine eingangs erwähnten Gesprächspartner waren der Ansicht, dass der Abfall einfach mal liegen gelassen werden sollte, denn wer macht schon gern Partys auf einer vermüllten Wiese? Die Gemeinde müsse dies vorher publik machen und die Anrufe verärgerter Bewohner*innen aushalten und entsprechende Argumente vorbringen.
… in den Schulen bilden ein praxisbezogener Umweltunterricht und der Aufbau eines umweltbezogenen Wissens die Grundlage für ein umweltbewusstes Handeln unserer Kinder.
… Öffentlichkeitsarbeit und eine permanente Sensibilisierung der Bevölkerung sollten als Hauptaufgabe durch die Gemeinde und deren Verbände in Angriff genommen werden.
… der Tourismus möge sich verstärkt auf einen Öko-Tourismus ausrichten, denn dieser erlebt weltweit eine starke Nachfrage.
Christian Haldimann bringt es auf den Punkt:
Zum 101. Geburtstag der Firma Haldimann AG im Jahr 2022 plant Christian Haldimann das Thema Littering mit einem Sensibilisierungsprojekt an den Schulen aufzugreifen. Ferner « (…) müssten Politik, Produzenten und Konsumenten am gleichen Strick ziehen, … vor allem beim Produktehersteller müsste angesetzt werden», um das Abfallproblem in den Griff zu bekommen (Murtenbieter vom 29.6.2021).
Die Politik ist also gefragt. Im Herbst wird gewählt!
Zum Schluss die Antwort auf die Frage, was tun bei ausartendem Partylärm:
Die Kantonspolizei anrufen: Telefon 117.