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Inhalltsübersicht
Was ist Manuelle Therapie?
Manuelle Therapie ist der Überbegriff für manuelle Techniken, die ursprünglich die manuelle Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates zum Ziel hatten. Im schulmedizinischen Kontext spricht man auch von Manueller Medizin.
Ursprung und Entwicklung der Manuellen Therapie
Die Manuelle Therapie hat ihre Wurzeln in verschiedenen historischen und kulturellen Traditionen weltweit und hat sich im Laufe der Zeit zu einer etablierten Disziplin innerhalb der modernen Medizin entwickelt. Hier ein Überblick über die geschichtliche Entwicklung und die Einflüsse, die zur heutigen Praxis der Manuellen Therapie geführt haben:
Antike Zivilisationen
- In der wohl ältesten Abbildung aus Indien (ca. 3500 – 1800 v. Chr.) streckt Lord Krishna den deformierten Rücken der gläubigen Kubja, indem er stehend ihre Füsse fixiert und sie am Kinn hochzieht.
- Ägypten und Griechenland: Bereits in der Antike nutzten die Ägypter und Griechen manuelle Techniken zur Behandlung von Körperbeschwerden. Inschriften und Schriften belegen die Verwendung von Massage und manuellen Manipulationen. Der griechische Arzt Hippokrates, oft als „Vater der Medizin“ bezeichnet, beschrieb verschiedene manuelle Techniken, einschliesslich Gelenkmobilisationen und -manipulationen, die zur Behandlung von Wirbelsäulenverkrümmungen und Gelenkproblemen eingesetzt wurden.
Mittelalter und Renaissance
- Europa: In diesen Perioden wurden die Kenntnisse der antiken Medizin weiterentwickelt und durch arabische und europäische Gelehrte in medizinischen Texten festgehalten. Der persische Arzt Ibn Sena (980 -1037 n. Chr., latinisiert Avicenna) prägte die Medizin der damaligen Zeit und führten die hippokratische Tradition der Behandlung mit Zug an den Gelenken fort.
19. Jahrhundert
- Entwicklung der Orthopädie: Im 19. Jahrhundert begannen Ärzte in Europa und Nordamerika, manuelle Techniken systematischer als orthopädische Medizin zu integrieren.
- 1874 stellte Andrew Taylor Still (1828-1917) in Amerika erstmals seine Philosophie und Praxis der Osteopathie vor. Er war nach den damaligen Richtlinien der Medizin ausgebildeter Arzt. Sein Grundkonzept beinhaltete:- die Einheit des Körpers (holistisches = ganzheitliches Konzept)
– die heilende Kraft der Natur, die der Arzt unterstützen soll
– Veränderungen am muskuloskelettalen System beeinflussen die Gesundheit des gesamten Körpers; Funktion beeinflusst Struktur und umgekehrt.
1892 folgte die Gründung des ersten College für Osteopathische Medizin in Kirksville, Missouri, USA. 1995 existierten 17 solcher Colleges in den USA mit vollständiger medizinischer und chirurgischer Ausbildung, die über 2000 Studenten pro Jahr als anerkannte ,,Doctor of Osteopathy” ausbildeten.
- Daniel David Palmer (1845-1913) war ein autodidaktischer Manualtherapeut. Er gründete 1896 sein erstes College für Chiropraktik, dessen Ausbildungsstätten in Davenport, Iowa und in Oklahoma City, Oklahoma waren. Die Chiropraxis benutzt das Gedankenmodell der Stellungsdiagnose (Subluxation), eine exakte Röntgendiagnostik und die Behandlung vorwiegend mit Manipulation.
20. Jahrhundert
- Eine ebenfalls aus den USA stammende Entwicklung des Osteopathen William Sutherland (1936) ist die Cranio Sacrale Therapie. Sie behandelt Bewegungseinschränkungen aller körperlichen Bestandteile, auch der Weichteile, welche auf Grund einer unzureichenden Eigenschwingung derselben körperlichen Struktur entstanden.
Ortho-Bionomy ist eine vom Anglokanadier Arthur Lincoln Pauls entwickelte Methode, die Elemente der Osteopathie, Physiotherapie und der traditionell chinesischen Medizin (TCM) aufweist.
Wissenschaftliche Entwicklung: Die Manuelle Therapie wurde zunehmend durch wissenschaftliche Forschung untermauert, was zu einer besseren Verständnis ihrer Wirksamkeit und Methodik führte.
Was sind Manuelle Verfahren?
Manuelle Verfahren sind therapeutische Techniken, welche einem oder mehreren dieser theoretischen Hintergründen entsprechen und von Hand ausgeführt werden. Sie gehören mit zu den ältesten Behandlungsverfahren.
Wenn man die unterschiedliche Herkunft der manuellen Verfahren betrachtet stellt man fest, dass sich die Grifftechniken zum Teil sehr ähnlich sind, aufgrund der unterschiedlichen Theorien für andere Beschwerden, in anderen Rhythmen, Druckstärken und Abfolgen eingesetzt werden. Nebst den unterschiedlichsten manuellen Techniken werden heute die konzeptuellen Verständnisse aus fernöstlichen, westlichen und europäischen Anwendungen vernetzt.
Mit manuellen Verfahren und Anwendungsformen wird sowohl am Bewegungsapparat, als auch an den inneren Organen gezielt Einfluss genommen. Dabei spielen einerseits naturheilkundliche Überlegungen eine wichtige Rolle, andererseits haben auch fundierte Kenntnisse der Anatomie und Physiologie Priorität.
Die Techniken werden sowohl bei akuten als auch chronischen Beschwerden symptomatisch oder kausal eingesetzt als sogenannte „sanfte Techniken“.
Techniken der Manuellen Therapie: Manuelle Verfahren
Passend zu den vorliegenden Beschwerden und der Anatomie der davon betroffenen Struktur stehen in der Manuellen Therapie spezielle Handgriffe und Bewegungstechniken zur Verfügung. Die Techniken eignen sich dabei sowohl zur Schmerzlinderung, als auch zur Mobilisation von Bewegungseinschränkungen:
Gelenkmobilisation: Durch sanfte Bewegungen werden eingeschränkte oder blockierte Gelenke behandelt, um ihre Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren.
Manipulation: Dabei handelt es sich um schnellere, gezielte Techniken, die oft ein charakteristisches „Knacken“ verursachen können. Diese Technik wird eingesetzt, um Gelenkblockaden zu lösen und die Funktionalität zu restaurieren.
Weichteiltechniken: Dazu gehören verschiedene Methoden wie Massage, Dehnungen und spezielle Techniken zur Bearbeitung der Muskeln, Sehnen und Faszien, um Verspannungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern.
Neuromuskuläre Techniken: Diese zielen darauf ab, das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nerven zu optimieren, dysfunktionale Bewegungsmuster zu korrigieren und Schmerzen zu lindern.
Manuelle Therapie - Manuelle Verfahren in der Praxis für Gesundheit und Lebensfreude
Auch nach über 25 Jahren der Beschäftigung mit Manuellen Verfahren bin ich überzeugt, dass es diejenigen Methoden, die am einfachsten sind, die am besten für eine nachhaltige Genesung sind. Manuelle Therapie ist sogenannt „ehrliches Handwerk“: Es besteht kein Placebo-Effekt, denn Sie spüren umgehend, ob eine Behandlung zielführend wirkt oder nicht. Manuelle Therapie ist – wie jede Handarbeit – manchmal anstrengend für die Therapeutin, aber bei mir auch mit viel Ehrfurcht vor dem Wunder „Mensch“ und einem entsprechenden Berufsstolz verbunden.