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Bill Pohlads zweiter Spielfilm ist ein sehr gut gemachtes Biopic, das uns Brian Wilsons Leben aufgrund von zwei biografischen Ausschnitten näherbringt. Eher in den Hintergrund tritt dabei aber die Musik der Beach Boys und vor allem der kreative Wettstreit mit den Beatles.
Brian Wilson (Paul Dano) ist ein Wunderkind. Zusammen mit seinen Beach Boys revolutioniert er die populäre Musik, nicht zuletzt im Wettstreit mit den Beatles. Doch sein Vater hat andere Pläne für Brian und seine Boys. Jahre später befindet sich Brian (John Cusack) nicht mehr unter der Knute seines tyrannischen Vaters – an dessen Stelle ist der Psychiater Dr. Eugene Landy (Paul Giamatti) getreten. Brians Freundin Melinda (Elizabeth Banks), die er beim Autokauf kennengelernt hat, will ihm helfen, einen Weg aus dieser Abhängigkeit zu finden…
Bill Pohlads Film basiert auf einem Drehbuch von Oren Moverman («I’m Not There», «The Messenger») und Michael A. Lerner («Avgust. Vosmogo»). Pohlad hat sich dabei für eine nichtlineare narrative Struktur entschieden und oft steht dabei nicht die Musik, sondern Brian selbst im Zentrum. Das ist schade – aber auch Wilsons Leben, der ausbeuterische Dr. Landy, Brians Beziehung zu Melinda ist an sich schon ein packender Stoff. Vielleicht kommt dieser Dr. Landy, von Paul Giamatti kongenial dargestellt, dabei doch etwas zu karikierend daher. Wobei: zweifellos hat Brian Wilson – oder vielmehr Melinda – diesen als wahrhaft diabolische Figur empfunden.
Etwas unrealistisch wirkt es, wenn die Haushälterin ein inkriminierendes Dokument findet, dieses Melinda übergibt und kurz darauf ist bereits alles erledigt. Vieles wird hier nur angedeutet. Pohlad wollte zweifellos keinen Gerichtsfilm drehen – aber wohl auch keinen Film über die Musik der Beach Boys und ihre Wurzeln. Denn bei aller Genialität Wilsons: einer der grössten Hits der Beach Boys, «Surfin’ USA», wurde ja nicht von Wilson, sondern von Chuck Berry komponiert. Auch dies ein Thema, das der Film auslässt – Wilson als Opfer zuerst seines Vaters, dann als Opfer Landys, darum geht es in Pohlads Film eigentlich. «Love & Mercy» bleibt so ein zwar sehr gut gemachter Film, aber doch eine Art Hagiographie. Und vielleicht braucht die Geschichte des Heiligen Brian eben auch einen Teufel – und Paul Giamatti gibt hier denn auch seinen bisher besten Bösewicht. Auch böse Menschen kennen eben ihre Lieder…
«Love & Mercy». USA 2014. Regie: Bill Pohlad. Mit Paul Dano, John Cusack, Paul Giamatti, Elizabeth Banks u.a. Deutschschweizer Filmstart am 11. Juni 2015.
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