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Begriffsbestimmung
Die Künstliche Besamung (KB) ist eine Paarungsmethode, bei der Sperma von Vatertieren gewonnen und instrumentell in die Geschlechtsorgane weiblicher Tiere übertragen wird.
Für die technische Übertragung der Spermien in den weiblichen Geschlechtsapparat hat sich der Terminus technicus „künstliche Besamung“ (engl. Artificial Insemination) etabliert. Dieser Begriff ist allerdings sprachlich nicht ganz präzise, bezeichnet doch in der medizinischen Fachsprache das Wort „Besamung“ das Eindringen des Spermiums in die Eizelle siehe Glossar.
Die rapide Erweiterung der verfügbaren Reproduktionstechniken erfordert jedoch eine sorgfältige Differenzierung der Begriffe, um Missverständnisse zu vermeiden. „Insemination“ wäre der wohl korrekteste und bezeichnendste Begriff für die technische Paarung, hat sich in der Praxis aber nicht etabliert.
Im folgenden Text steht die Abkürzung KB für künstliche Besamung, die das instrumentelle Einführen von Sperma in die weiblichen Geschlechtsorgane (Insemination) mit allen dazugehörigen Voraussetzungen und Prinzipien einschliesst.
Entwicklung und Indikationen
Die KB stellt das älteste und bisher bedeutendste biotechnische Verfahren in der Tierzucht dar. Die Anfänge des routinemässigen Einsatzes wurden ab Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Entwicklung von künstlichen Scheiden und erfolgreichen Gefrierprotokollen zur Langzeitkonservierung von Gameten gelegt. Heute ist die künstliche Besamung in der Tierzucht vorab beim Rind, aber auch bei Pferd und Schwein nicht mehr wegzudenken. Sie spielt aber auch bei einigen anderen Spezies bis hin zu den Honigbienen und Fischen eine bedeutende Rolle.
In der Schweiz wurde die KB Ende der 60er Jahre beim Rind eingeführt und unter anderem aus seuchenpolizeilichen Gründen etabliert. Sie hat sich höchst erfolgreich als Routineanwendung in der Praxis bewährt. Mittlerweile ist die Rinder-KB vor allem ein Zuchtinstrument.
Die KB beim Schwein leistet in der Seuchenprophylaxe grosse Dienste. Inzuchtdepressionen können durch das Einbringen neuer Genetik in eine geschlossene Herde vermieden werden. Die KB beim Schwein ist ausserdem so erfolgreich, weil der eigene Bestand unter bestimmten Auflagen vom Betriebsleiter selber besamt werden darf.
Auch beim Pferd hat die KB eine grosse Bedeutung erlangt und wird vielfältig eingesetzt. Sportlich erfolgreiche Hengste zum Beispiel können dank der KB auch während der Decksaison im Sport eingesetzt werden. Ausserdem können die Risiken von Deckverletzungen vermindert werden.
Mit dem Erfolg der KB bei den Nutztieren ist die Anwendung auch auf die Heimtiere übertragen worden. Die KB kommt auch in der Katzen- und Hundezucht zum Einsatz, jedoch in einem geringeren Ausmass.
Voraussetzungen
Voraussetzung für die künstliche Besamung sind einerseits Methoden, die eine verhältnismässig einfache Gewinnung von Spermien ermöglichen. In den meisten Fällen werden Ejakulate verwendet, seltener aus Hoden oder Nebenhoden gewonnene Spermien. Ausserdem müssen die Spermien für die Flüssigkonservierung (siehe Kapitel Kühlsperma oder die Kryokonservierung verdünnt und evtl. zentrifugiert werden können, ohne dass die Befruchtungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Für eine erfolgreiche KB muss andererseits der optimale Besamungszeitpunkt beim Empfängertier feststellbar sein. Eine entsprechend verlässliche Zyklusdiagnostik ist deshalb unerlässlich.
Aus tierschützerischen Gründen muss schliesslich die Samenübertragung für das Tier schmerzfrei ablaufen. Für einen kommerziellen Einsatz und die routinemässige Anwendung müssen die Konzeptionsraten nach einer künstlichen Besamung ökonomisch vertretbar sein.
Ablauf
Die KB läuft in ihren Grundzügen bei jeder Spezies gleich ab. Sperma wird mittels einer geeigneten Methode vom männlichen Tier gewonnen und aufgrund verschiedener Kriterien beurteilt. Das Sperma wird dem Verwendungszweck entsprechend verdünnt und abgefüllt. Wird das Sperma ohne Zwischenlagerung übertragen, spricht man von Frischsperma. Für eine Zwischenlagerung muss Sperma behandelt werden, um eine Konservierung zu ermöglichen. Kühlsperma kann durch Zugabe bestimmter Substanzen wenige Tage gelagert werden, während Tiefgefriersperma beliebig lange in flüssigem Stickstoff aufbewahrt werden kann. Für die Übertragung des Spermas auf den weiblichen Geschlechtsapparat werden spezifische Instrumente verwendet.