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Der Architekt Ueli Salzmann, Leiter der Fachgruppe Bau des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH), evaluierte im August 2014 das Schulsanierungsprogramm der DEZA in Kobayat, Nordlibanon. Ueli Salzmann war bereits 2012 in Kobayat, um das Projekt «Cash for Hosting» der DEZA in die Wege zu leiten.
Die DEZA hat zwischen Mai 2013 und April 2014 in einer ersten Phase 13 Schulen in den Regionen Wadi Khaled und Akroum instand gesetzt. Nun werden in einer zweiten Runde 23 weitere Schulen saniert. Weshalb werden die Renovationsarbeiten weitergeführt?
Im Rahmen der Evaluation fragten wir die lokale Bevölkerung, ob hauptsächlich Gemeindezentren, Gesundheitszentren oder Schulen benötigt würden. Sie erwähnten stets, wie dringend notwendig die Sanierung von Schulen sei. Das ist leicht nachvollziehbar: Durch die Sanierung von Schulen wird den Kindern ein sicheres und hygienisches Lernumfeld geboten.
Wie wählt die DEZA die Schulen aus, die saniert werden sollen?
Mit dem Projekt unterstützen wir die Behörden, die mit uns zusammenarbeiten. Als wir das libanesische Bildungsministerium informierten, dass wir gerne weitere Schulen in den Regionen Wadi Khaled und Akroum sanieren würden, erhielten wir eine Liste mit renovationsbedürftigen Gebäuden. Unsere Aufgabe war es dann, diejenigen Schulen auszuwählen, die unseren Kriterienkatalog erfüllen. Wir setzen nur Schulen instand, die hundertprozentig sicher sind. Ich spiele dabei auf den Kontext der Gewalt an, welche die gesamte Region erschüttert; wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass der Nordlibanon ein erdbebengefährdetes Gebiet ist. Ist eine Gebäudekonstruktion nicht erdbebensicher, investieren wir keine Ressourcen in den Bau.
Was geschieht, nachdem die Schulen, die renoviert werden sollen, definitiv ausgewählt wurden?
Die Liste muss vom Bildungsministerium genehmigt werden. Dann beginnen wir mit der Planung der Arbeiten und vergeben diese im Ausschreibungsverfahren an lokale Unternehmen. Sobald die Bauunternehmen den Zuschlag erhalten haben, nehmen sie die Arbeit an den Schulen auf. Die Sanierung der einzelnen Schulhäuser nimmt drei bis vier Monate in Anspruch.
Wie stellen Sie den anschliessenden Unterhalt der Schulen sicher? Was unternehmen Sie diesbezüglich?
Zunächst tun wir unser Bestes, um den Wartungsaufwand niedrig zu halten. Wir verwenden hochwertige und dauerhafte Baustoffe, um zu verhindern, dass die sanierten Bauten und die Infrastruktur störungsanfällig sind oder kaputt gehen. Ausserdem sensibilisieren wir die lokalen Gemeinschaften, damit sie zu den Schulen schauen. Menschen, die stolz auf ihre Schulen sind, kümmern sich auch darum. Schliesslich hat die DEZA einen Schweizer Projektmanager vor Ort stationiert. Seine Aufgabe ist es, die Arbeit der Bauunternehmen regelmässig zu überprüfen und die hohen Standards durchzusetzen. Das gehört zu unserer Qualitätskontrolle.
Der Schwerpunkt Ihres Programms liegt im Nordlibanon. Gibt es im südlichen Teil des Landes keine Schulen, die sanierungsbedürftig sind?
Ich würde sagen, wir haben nach dem Krieg von 2006 im Süden viel Wiederaufbauarbeit geleistet. Ausserdem gibt es dort nicht so viele syrische Flüchtlinge. Die meisten von ihnen haben im Norden Zuflucht gesucht. Nach dem Abschluss des «Cash for Hosting»-Programms erschien es wichtig, die Regionen Wadi Khaled und Akroum weiterhin zu unterstützen.
Apropos «Cash for Hosting»: Wie beurteilen Sie dieses Projekt?
Ich denke, es war ein erfolgreiches Projekt. Wir haben nicht nur rund 2800 libanesische Familien unterstützt, die über 18'000 syrische Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben, sondern mit Investitionen von insgesamt 9,3 Millionen CHF über zwei Jahre hinweg auch die Wirtschaft dieser beiden Regionen angekurbelt. Wir haben zur richtigen Zeit am richtigen Ort interveniert, aber es war klar, dass das Projekt nicht ewig weitergeführt werden konnte. Ich glaube, viele Familien haben jetzt einen Weg gefunden, um selbst zurechtzukommen. Das Umfeld hat sich verändert, deshalb haben wir beschlossen, unsere Strategie zu ändern und uns auf die Sanierung von Schulen in diesen beiden Regionen zu konzentrieren.
Hat dieses Cash-Pilotprojekt Nachahmer gefunden?
Ja, eine ganze Reihe, z. B. das Rote Kreuz, die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, das Department for International Development (, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und verschiedene UNO-Sonderorganisationen, um nur einige zu nennen. Jetzt wollen alle Organisationen Cash-Projekte durchführen. Wie gesagt, das muss man am richtigen Ort, mit den richtigen Leuten und zum richtigen Zeitpunkt machen. Ist das der Fall, kann man praktisch ohne Infrastruktur sehr viele Menschen erreichen.