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Depression – der Selbsttest
Dr. med. Christine Poppe, Chefärztin Psychotherapie und ambulante Psychiatrie im Sanatorium Kilchberg, sagt, wie sich eine Depression bemerkbar macht und auf welche Zeichen man rechtzeitig achten sollte.
Depressionen verlaufen meist in Phasen, die über mehrere Monate, manchmal auch über Jahre anhalten können. Menschen, die an Depression leiden, erleben häufig mehr als eine depressive Episode im Leben. Treten ausschliesslich depressive Episoden auf, spricht man von einer unipolaren Depression. Bei einem Teil der Betroffenen treten nicht nur depressive, sondern auch manische Episoden auf. Manische Episoden sind gekennzeichnet durch ein vermehrtes Aktivitätsbedürfnis, meist gehobene Stimmung oder Reizbarkeit, fehlendes Schlafbedürfnis, Selbstüberschätzung, häufig Kaufrausch und allgemein risikoreiches Verhalten. Treten sowohl depressive wie manische Episoden auf, spricht man von einer bipolaren affektiven Störung. Eine leichter ausgeprägte, aber chronisch verlaufende Form der Depression ist die Dysthymie. Sie beginnt meist im frühen Erwachsenenalter.
Im Alter treten Depressionen nicht häufiger auf. Schlaf- und Antriebsschwierigkeiten können auch durch körperliche Erkrankungen bedingt sein. Während jüngere Menschen eher über berufsbezogene Sorgen berichten, klagen Ältere häufig über gesundheitsbezogene Probleme wie Schmerzen, insbesondere des Rückens, Schlafstörungen, Ohrgeräusche und Verdauungsprobleme. Konzentrationsstörungen können Befürchtungen auslösen, an einer Demenz erkrankt zu sein. Kommen zu den körperlichen Beschwerden Veränderungen von Stimmung und Antrieb hinzu, sollte eine Depression ausgeschlossen werden.
Frauen erkranken generell häufiger an Depressionen als Männer. Für diesen Geschlechtsunterschied gibt es verschiedene Erklärungen. Zum einen sprechen Frauen offener über ihr psychisches Befinden und erhalten so leichter die Diagnose Depression, während bei Männern hinter den Symptomen eher eine körperliche Ursache vermutet wird. Zum anderen haben Frauen in sensiblen Lebensphasen wie Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wie auch in den Wechseljahren ein hormonell bedingt erhöhtes Risiko, depressiv zu erkranken. Die häufigen Mehrfachbelastungen von Frauen in der Rolle als Mutter, Hausfrau und Berufstätige, sowie soziale Erwartungen und ein geschlechtsspezifischer Bewältigungsstil begünstigen diese Entwicklung. Bekannt ist das prämenstruelle Syndrom in den Tagen um die Menstruation. Viele Frauen erleben in den Tagen nach einer Geburt einen kurzanhaltenden Baby-Blues. Dauern die Symptome länger an, spricht man von einer postnatalen Depression. Diese sollte unbedingt behandelt werden, da sie sich ungünstig auf Beziehung zwischen Mutter und Kind auswirken kann.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.sanatorium-kilchberg.ch.
Selbsttest
Nicht hinter jeder Stimmungsschwankung steckt gleich eine Depression. Machen Sie den Selbsttest und notieren sich jeweils ein „ja“, wenn eine der folgenden Antworten seit mehr als zwei Wochen auf Sie zutrifft.
Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen unter
- Gedrückter Stimmung?
- Interesselosigkeit und/oder Freudlosigkeit auch bei sonst angenehmen Ereignissen?
- Schwunglosigkeit und/oder bleierner Müdigkeit und/oder innerer Unruhe?
- Fehlendem Selbstvertrauen und/oder Selbstwertgefühl?
- Verminderter Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Neigung zum Grübeln und/ oder Unsicherheit beim Treffen von Entscheidungen?
- Starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik?
- Negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit?
- Hartnäckigen Schlafstörungen?
- Vermindertem Appetit?
- Tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken?
Auswertung
Sämtliche Fragen, die Sie mit „ja“ beantwortet haben, zählen einen Punkt.
Wenn Sie zwei der Fragen Nr. 1 bis Nr. 3 mit „ja“ beantwortet haben oder insgesamt drei oder mehr Punkte erreichen, könnte dies ein Zeichen für eine Depression sein.
Wenn Sie die Frage Nr. 10 mit „ja“ beantwortet haben, dann suchen Sie bitte in jedem Fall ärztliche Hilfe auf, unabhängig von Ihrem sonstigen Testergebnis.
Dieser Selbsttest kann Hinweise auf eine mögliche Depression liefern, ist keine Diagnosestellung und ersetzt in keinem Fall ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt.
Angelehnt an ICD-10/V (F); ©Prof. Hegerl