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(lat. Sambucus nigra L.)
Der Holunder (Sambucus nigra) gehört zu den Lieblingspflanzen von Paracelsus. Er zählt zu den ältesten Heilpflanzen und wächst besonders gerne in der Nähe von Behausungen. Der Holunderbusch durfte auf keinem Bauernhof fehlen, denn dort saß die Hausgöttin Holda (althochdeutsch „hold“ = heilen) und beschützte die Pflanzen und Tiere. Seine Heilkraft ist überaus vielfältig. Im Volksmund gilt noch heute das Sprichwort, dass man vor einem Holunder den Hut ziehen muss, da er ein Dutzend Krankheiten zu heilen vermag. Der Holunderstrauch wurde von Hippokrates, Dioskurides und Plinius aufs Höchste gelobt. Er war den Menschen heilig und wurde als „Apotheke der armen Menschen“ bezeichnet.
Im Frühling werden von April bis Mai die jungen Schösslinge und die jungen Blätter gesammelt, von Mai bis Ende Juni (bei sonnigem Wetter) die weißen Blüten-Dolden, von Februar bis Ende November die Wurzeln, von Februar bis März und von Oktober bis November die Rinde und die Beeren im September. So reichhaltig wie die Jahresernte ist, so vielfältig sind die Krankheiten, die mit Holunder behandelt werden können.
Die jungen Schossen und die Holunderblätter beschleunigen die Harnabsonderung und werden bei gestörter Nierentätigkeit zur Urinausscheidung und zur Ableitung von Flüssigkeitsansammlung eingesetzt. Die Rinde des Stammes, der Äste und die abgeschabte grüne Mittelschicht der Wurzeln enthalten ein Harz von intensiver abführender und harntreibender Wirkung. Albertus Magnus (um 1250 n. Chr.) behauptete, dass die innere Rinde, von oben nach unten abgeschabt, ein Abführmittel und von unten nach oben abgeschabt, ein Brechmittel ist. Auch Paracelsus kannte die abführende Wirkung. „Wenn ihr es nötig haben würdet, wegen der herabgefallenen Flüsse zu laxieren, so nehmet ein halbes Lot (7,5 Gramm) gedörrte Holundersprösslein mit eben soviel Zucker am Morgen ein. Das nimmt die Flüsse hinweg, die in den Magen gefallen sind, ohne alle anderen Mittel, und ist Euch ein unschädliches Abführmittel, doch im Jahr nicht öfters als ein Mal, nämlich im Mai.“ (Bd. II, S. 461)
Man nimmt einen knappen Teelöffel für eine Tasse und trinkt schluckweise in Abständen, maximal zwei Tassen am Tage. Das hilft bei Nieren- und Blasenstörungen, Wassersucht, Ödeme, Muskel- und Gelenkrheuma, aber auch bei hartnäckigem Stuhlgang und Verstopfung. Pfarrer Künzli schreibt: „Der schwarze Holunder ist eine herrliche Gottesgabe. Wir sind uns seiner Heil- und Nährkräfte nur viel zu wenig bewusst… Holunderwurzeln werden in kleine Stücke geschnitten und gekocht – das ergibt einen Trunk, der unschätzbar ist für Wassersüchtige und für Korpulente, die gerne wieder schlank werden möchten. – Noch wirksamer ist die Abkochung in Wein… Die Blätter geben uns den einfachsten und besten Blutreinigungstee. Man nimmt einige Holunderblätter, schneidet sie klein und lässt den Tee etwa 10 Minuten sieden. Wer durch eine Frühlingskur Säfte und Blut reinigen will, nehme täglich des Morgens, eine Stunde vor dem Frühstück, eine Tasse Holundertee. Man setze diese Kur vier bis fünf Wochen fort.“ (Pfarrer Künzle, S. 340)
Die Holunderblüten regen die Schweißdrüsentätigkeit an. Holunderblütentee wird daher gerne für Schwitzkuren eingesetzt und hilft bei Grippe, Husten, Bronchitis, Asthma, heftigem Schnupfen und allen rheumatischen Erkrankungen, wo durch intensives Schwitzen eine Ausscheidung der Krankheitsstoffe erzielt wird. Gemäß Humoralmedizin werden mit den wärmenden Holunderblüten (Sambuci flos) die ausleitenden Kanäle geöffnet und das kalte mit gelbgalligen Schärfen verunreinigte Phlegma ausgeleitet. Durch das Schwitzen reinigt sich das Blut und die vergifteten Humores (Säfte) treten mit dem Schweiß aus. Deshalb ließ Paracelsus bei Gicht (Podagra) vor dem Schwitzbad bei abnehmendem Mond „Holundersalz“ einnehmen, um danach fest zu schwitzen.
Paracelsus empfahl die Blüten außerdem auch bei Schwindel als Auflage zusammen mit Juniperus sabina. (Bd. III, S. 554)
Die schwarzen Holunderbeeren können als Saft, Mus oder Marmelade eingenommen werden. Sie enthalten Flavonoide, ätherische Öle, Mineralstoffe, Vitamine, vor allem Vitamin C. Der Saft der Beeren wird als schweißtreibendes Mittel bei Erkältungskrankheiten, Grippe, bei Verstopfung, zur Anregung der Harnausscheidung aber auch bei Ischias, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und mit großem Erfolg bei Trigeminusneuralgie eingesetzt.
Holundermus: Auf 1 Kilogramm Holunderbeeren nimmt man 250 Gramm Zucker, 50 Gramm Mehl und etwas Wasser, nach Belieben auch Milch und kocht das Ganze. Das ergibt eine erfrischende Mahlzeit. (Pfarrer Künzle, S. 341)