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Jakob Kessler wurde in Zürich-Höngg geboren. Sein Vater war von Beruf Herrschaftschauffeur. Neben dieser Tätigkeit führte er zusammen mit seiner Frau das Restaurant Weingarten in Höngg. Das Ehepaar Kessler musste hart arbeiten, denn es galt eine grosse Kinderschar (drei Töchter und vier Söhne) zu ernähren. Tagtäglich hatten sie im Restaurationsbetrieb ein grosses Arbeitspensum zu erledigen. Jakob Kessler und seine Geschwister wurden schon in frühester Jugend dazu angewiesen, ihren Eltern unter die Arme zu greifen. Sohn Jakob hatte ein spezielles herzliches Verhältnis zu seiner Mutter, welcher er in späteren Jahren die Komposition «Mis Müeti» widmete.
Mit 18 Jahren ging Jakob Kessler auf Wanderschaft. Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges landete er im Hamburg, wo er teils als Kohlenschlepper auf im Hafen gelagerten Schiffen, teils als Küchenhilfe in Restaurants Verdienst fand. 1920 kehre er per Autostopp nach Zürich zurück. Hier absolvierte er eine Lehre als Automechaniker. Dann trat er eine Stelle als Chauffeur bei einer Zürcher Arztfamilie an. Anschliessen wurde er Chauffeur des renommierten Hotels Eden au Lac. Mit dem Hotelwagen musste er im Zürcher Hautbahnhof per Bahn anreisende Gäste abholen oder vom Hotel zum Bahnstation zurückbringen. Diese Tätigkeit war mit längeren Wartezeiten verbunden. Um sich nicht zu langweilen, begann Jakob Kessler, oftmals zusammen mit Berufskollegen, zu singen. In jener Zeit trat er auch dem Hotel-Männerchor bei.
Hier begegnete er Martha Mumenthalers Vater, der dem gleichen Chor angehörte. Martha Mumenthaler (1907-1987) hatte ebenfalls Talent zum Singen. Jakob Kessler erteile ihr zu einem späteren Zeitpunkt Gesangsunterricht. Auch machte er die Bekanntschaft mit dem Sänger Sepp Israng (1907-1973). Die beiden lernten sich in Unterhaltungsstätten im Zürcher Niederdorf kennen. Sie beschlossen, inskünftig zusammenzuarbeiten, und gründeten für ihre Auftritte ein Gesangsduett, das sie gelegentlich zusammen mit Martha Mumenthaler zu einem Gesangstrio erweiterten.
Als talentierter Sänger von Lumpenliedern hatte Jakob Kessler bald Gelegenheit, in einigen Lokalen des Zürcher Niederdorfs, speziell im Unterhaltungslokal Wolf, aufzutreten. Ebenfalls im «Wolf» lernte er seine zukünftige Ehefrau, eine gebürtige Appenzellerin namens Berta Rechsteiner, kennen. Sie war als Serviertochter in diesem Lokal tätig. Die Eheschliessung der beiden fand im März 1926 statt. Jakob Kessler wurde dann Mitglied der Jodlerclub Hard in Zürich.
Nur wenig später trat er dem Jodlerclub Neumünster bei. Sei Frau Berta nähte die Chutteli für die Jodler selber. Seine ersten Schallplattenaufnahmen machte Jakob Kessler 1934 mit dem Jodel-Doppelquartett des TV Neumünster. Dies war der Auftakt zu einer überaus erfolgreichen Karriere als Schallplatteninterpret.
Er war auch von Natur aus ein sehr begabter Komponist. Er liebte es, während seiner Freizeit Wanderungen in der Umgebung von Zürich, ins Sihltal, auf den Uetliberg oder zum Türlersee zu unternehmen. Seine besten Ideen für neue Melodien schöpfte er in Gottes freier Natur. Er schuf eine Reihe köstlicher Scherzlieder, wie zum Beispiel «De Seppetoneli», «De Gigerli und de Heiri», «Benzin», «De Housi gaht is Bundeshus» und «Vespa-Lied».
In den 1930-er-Jahren nahm Jakob Kessler eine Stelle als Camionchauffeur beim Zeughaus Zürich an. 1959 übersiedelte er nach Amden SG, wo er das Hotel Sonnenberg erwarb und es gemeinsam mit seiner Frau über Jahre betrieb. Das Ehepaar hatte drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. Die beiden Töchter erbten das Gesangstalent ihres Vaters. Lili ist auf einigen Plattenaufnahmen zu hören, so auf «Uf der Landi-Schwäbebahn», «s’Brienzersee-Liedli» und «Anneli vo Bern». Ruth machte achtjährig zwei Einspielungen, nämlich «Aber g’jödelet muess siy» und «s’Buremeitschi».
Jakob Kessler fand nebst den Arbeiten im Hotelbetrieb weiterhin Zeit zum Komponieren. Da er keine Noten lesen konnte, spielte er jeweils seine Eingebungen auf einem Klavier einem Arrangeur (beispielsweise Bobby Zaugg oder Verleger Brunner) vor, welcher für ihn dann die Noten setzte.
Er starb in Amden.
Quelle: Zeitschrift «Alpenrosen» 4/2015, Stand 21.7.2022 vA