Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/1630

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wird mit allen juristischen Mitteln versuchen, einen Prozess wegen Bestechung zu verhindern. Auf seinen langjährigen Anwalt Thierry Herzog wird sich Sarkozy dabei nicht mehr stützen können: Herzog ist in dem Bestechungsverfahren selbst Beschuldigter.
Seit mehr als 30 Jahren sind Sarkozy und Herzog befreundet. Beide lernten sich kennen, als sie die juristische Laufbahn einschlugen. Der heute 58-jährige Herzog legte im Dezember 1979 seinen Anwaltseid ab, der inzwischen 59-jährige Sarkozy zwei Jahre später.
Juristischer Berater von Sarkozy wurde Herzog ab der Clearstream-Affäre, in der es um angebliche Schmiergeldzahlungen bei einem Waffengeschäft mit Taiwan im Jahr 1991 ging. Eine 2004 aufgetauchte Kontenliste mit Sarkozy als einem der Empfänger entpuppte sich später als Fälschung.
Anwalt des Präsidenten
Der Anwalt Sarkozys blieb Herzog auch, als der Chef der konservativen Partei UMP im Jahre 2007 zum Präsidenten Frankreichs gewählt wurde.
Eine zentrale Rolle spielte Herzog für Sarkozy auch in der Bettencourt-Affäre, in der im Jahr 2013 zwar ebenfalls ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Staatschef eingeleitet, später aber aus Mangel an Beweisen eingestellt wurde.
In dem Fall ging es um den Vorwurf, Sarkozy habe die Schwäche der greisen, demenzkranken L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ausgenutzt, um ihr Geld für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2007 aus der Tasche zu ziehen. Der Star-Anwalt Herzog war über solch politische Finanzaffären hinaus früher vor allem für Figuren der Unterwelt als Verteidiger tätig.
Gerissen, aber fair
Für Anwaltskollegen, die auf der anderen Seite standen, ist Herzog ein mit allen Wassern gewaschener Jurist, der aber immer «fair» geblieben sei. «Wenn er Schläge austeilt, dann von vorne», erinnert sich ein Anwalt aus dem Clearstream-Verfahren. «Er hat den Ruf, hart im Nehmen zu sein.»
Das Ermittlungsverfahren gegen ihn sowie die vorherigen Durchsuchungen in aller Frühe in seiner Anwaltskanzlei und bei ihm zu Hause sollen Herzog allerdings mitgenommen haben.
Schwerer Schlag für Sarkozy
Der Tennis-Fan Herzog teilt mit Sarkozy auch die Leidenschaft für den französischen Alt-Rocker Johnny Hallyday und das französische Varieté. Um sein Studium zu bezahlen, hatte der spätere Star-Anwalt als Platzanweiser bei Konzerten gearbeitet. Ausserhalb des Gerichtssaales ist er bei Kollegen auch wegen seines Talents für Imitationen und wegen seines Humors geschätzt.
Für Sarkozy dürfte es daher ein schwerer Schlag sein, dass er in dem Verfahren um die mutmassliche Bestechung eines hochrangigen Juristen auf seinen alten Freund Herzog als Anwalt bei Anhörungen verzichten muss.
Der Ex-Präsident wählte sich nun einen langjährigen engen Vertrauten Herzogs als Ersatz: Pierre Haïk, der zur Zeit den konservativen Rüstungsindustriellen Serge Dassault in einem Verfahren um gekaufte Wählerstimmen verteidigt.
(sda/luk/me)