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Der Schlittschuhclub Bern entthront Lugano
In den ersten drei Jahren gewann der Favorit, das Team mit dem Heimvorteil, jede Playoff-Serie. Das änderte sich 1989. Dem Schlittschuhclub Bern gelangen die ersten grossen Playoff-Überraschungen.
Mit mehr als 30 Jahren Abstand liest sich Berns Meistertitel von 1989 nicht als Sensation. Damals aber startete der SCB mit wenig Kredit in seine ersten Playoffs. Drei Jahre vorher war der SC Bern am Grünen Tisch dank eines Aroser Schiffbruchs (freiwilliger Abstieg) und eines umstrittenen Verbandsentscheids (auf Kosten des ZSC) wieder in die NLA aufgestiegen. Im Frühling 1988 entging Bern dem neuerlichen Abstieg nur knapp.
Doch dann kamen die Playoffs 1989. In den Halbfinals eliminierte der SCB mit Kloten erstmals einen Favoriten, den Finalisten der letzten zwei Jahre. Im Playoff-Final schien «Grande Lugano» für Aussenseiter Bern ein übermächtiger Gegner.
Tosio im Tor, Gilligan an der Bande
Aber Bern gewann die Serie in fünf Spielen (2:6/a, 5:1/h, 4:3/a, 1:5/h, 4:2/a). Zuvor hatte Lugano noch keine Playoff-Partie in der regulären Spielzeit verloren. Gegen Bern verlor er dreimal innerhalb einer Woche. Die Schlüsselfiguren bei Berns erstem Titelgewinn seit 1979 (und dem damals siebenten insgesamt) waren der junge Goalie Renato Tosio (24) und der neue Trainer Bill Gilligan.
Selten hatte ein Goalie in einem Playoff-Final derart viel zu tun wie Tosio in Spiel 5 in der Resega. Aber Tosio bewahrte die Ruhe und wehrte (fast) alles ab. Mit mehr als einem Vierteljahrhundert Abstand erinnert sich Tosio noch gut an die Finalserie von 1989: «Da werden sehr spezielle Erinnerungen wach. Für mich persönlich war es der erste Meistertitel. Und Lugano galt als die Hochburg im Schweizer Eishockey. Wir haben in der Kabine stets von den 'Millionarios aus dem Süden' gesprochen. Die Resega war immer ein Hexenkessel, die Zuschauer hängten an den Netzen und tobten. Es gab wahnsinnig viele Emotionen. Am Schluss schafften wir die Sensation in Lugano. Niemand hat damals mit diesem Titel gerechnet.»
Die Emotionen: Sandro Bertaggia schlug in Spiel 1 Berns Superstar Rexi Ruotsalainen den Stock ins Gesicht; aus der Serie nehmen konnten die Luganesi «Rexi» aber nicht. In Spiel 3 verprügelte Luganos Thomas Vrabec den Berner Reto Dekumbis bis Blut floss, wurde nicht gesperrt und entschied das vierte Spiel in Bern mit einem Hattrick zum 3:0.
Meisterbier vom Gegner serviert
Die erste «Finalissima» in der Schweiz endete aber friedlich, auch dank der umsichtigen Spielleitung von Schiedsrichter Willi Vögtlin. Am Ende trug Fredi Lüthi, Luganos bester Skorer in der Finalserie, eigenhändig das Bier in die Berner Kabine.
Die Berner Renaissance ermöglichte Trainer Bill Gilligan. Der Amerikaner mit NHL-Vergangenheit rückte von seinen Hockey-Vorstellungen ab und passte das Spielsystem den Qualitäten der Berner Akteure an. Gilligan gelang es, die Spieler mitzureissen. Ruotsalainen, ein Weltstar, übernahm den Part des Libero - eine Position, die es im Eishockey nie gab. Gestandene Haudegen wie Martin Rauch blühten nochmals auf, Jungspunde wie Patrick Howald (19) schafften den Durchbruch. Jedem Spieler gelangen individuelle Fortschritte - die grössten dem Kanadier Alan Haworth, der 1988 unmotiviert und übergewichtig nach Bern kam und die Bundesstadt vier Jahre später als dreifacher Meister und neue Kultfigur wieder verliess.