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5.289 Dreißig aus London werden sich gegen ihren König verschwören. Auf einer Brücke wird ihr Unternehmen ausgeführt und als geeigneter neuer Monarch ein gebürtiger Niederländer erkoren. Dem gestürzten König wird von Spießgesellen seiner Gegner sogar noch der Tod verekelt werden. Mögliche Zuordnung: Die "Glorious Revolution" von 1688 - 1689 in England, bei der Jakob II. gestürzt wurde und in deren Folge das Parlament zur bedeutendsten politischen Institution auf der Insel wurde. Als neuer König wurde der Niederländer Wilhelm III. ins Land gerufen, der mit einer Flotte und einem Söldnerheer über das Meer nach England kam. Das Grab des im französischen Exil verstorbenen Jakobs II. wurde während der Französischen Revolution geschändet. Von Leuten, die in der politischen Tradition der englischen Königsgegner standen.
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Zusammenfassung
In der ersten und zweiten Zeile erfahren wir, dass sich in London eine Gruppe von dreißig Personen - vielleicht eine Versammlung, die Nostradamus mit der spartanischen Gerusia vergleicht (vgl. Anmerkung 1) - im Geheimen gegen den König verschwören wird. Ihr Projekt oder der Angriff auf den König (vgl. Anmerkung 3) wird auf einer Brücke oder auf dem Meer (vgl. Anmerkung 2) ausgeführt werden. Dem König wird sogar noch sein Tod verekelt werden. Dafür werden entweder Spießgesellen der Verschwörer oder die Begleiter des Königs sorgen (dritte Zeile, Anmerkung 4). An Stelle des gestürzten Herrschers wird man jemanden zum König erwählen, der einem besser ins Konzept passt (vgl. Anmerkung 5) und der in den Niederlanden geboren wurde (vierte Zeile).
Mögliche historische Zuordnung
Hier könnte Nostradamus die englische "Glorious Revolution" von 1688/89 gemeint haben. Seit 1685 herrschte Jakob II. (1633 - 1701) als rechtmäßiger König über England, Schottland und Irland. Er war Katholik und Vetter des französischen Königs Ludwigs XIV. Da er zudem eine absolutistische Monarchie nach französischem Vorbild anstrebte, war der Konflikt mit dem starken englischen Parlament vorprogrammiert. Da Jakob II. bis 1688 aber keinen Erben hatte sondern aus einer ersten Ehe nur zwei erbberechtigte protestantische (!) Töchter, konnten die Gegner des Königs hoffen, dass mit seinem Tod die Entwicklung hin zu einer katholisch-absolutistischen Monarchie abbrechen würde. Als am 10. Juni 1688 Jakob II. von seiner katholischen Frau Maria Beatrix von Modena aber ein Sohn geboren wurde, eskalierte der schon lange schwelende Konflikt. Obwohl der König auch außerhalb des Parlaments Gegner besaß, etwa in der anglikanischen Kirche, könnte Nostradamus im Parlament ("die Dreißig", die "Gerusia") durchaus den Kern der Opposition gesehen haben. Möglicherweise deshalb, weil das schon zuvor mächtige Parlament nach der "Glorious Revolution" endgültig zur bestimmenden Institution in England wurde und somit am meisten vom Umsturz profitieren konnte. Jedenfalls riefen die Gegner des Königs noch im selben Jahr den Statthalter der Niederlande Wilhelm III. von Oranien-Nassau (1650 - 1702) nach England. Der Kalvinist Wilhelm III. (selber ein Neffe von Jakob II.) war seit 1677 mit seiner eigenen Cousine Maria, der ältesten protestantischen Tochter Jakobs II. verheiratet. Die Gegner Jakobs II. boten den beiden gemeinsam die Krone an, obwohl eigentlich vorrangig Maria erbberechtigt war. Wilhelm III. landete am 5. November 1688 mit einer Söldnerarmee in Südwestengland, der Plan der der Königsgegner wurde also tatsächlich auf Schiffen bzw. auf dem Seeweg ausgeführt (vgl. Anmerkung 2). Mit Geschick und wachsender Unterstützung auch in den Reihen Jakobs II. gelang Wilhelm III. der Marsch auf London. Bei Reading gelang dem Holländer am 9. Dezember 1688 ein entscheidender Sieg über Jakob II. Der König floh daraufhin nach Frankreich. Auf der Flucht versenkte Jakob II. das große Staatssiegel in der Themse, was von seinen Gegnern als Abdankung ausgelegt wurde. Am 13. Februar 1689 verabschiedete das englische Parlament die Declaration (später Bill) of Rights, die die Vorrechte der Versammlung dem König gegenüber festhielt. Dieses Gesetz bedeutete den endgültigen Sieg des Parlaments. Einige Wochen später, am 11. April 1689, wurden Wilhelm III. und seine Frau Maria (als Maria II.) zum englischen König bzw. zur englischen Königin gekrönt. Beide regierten zudem als König und Königin von Schottland und Irland. Wilhelm III. (geboren am 14. November 1650 im niederländischen - "friesischen" - Den Haag) war, unabhängig von seiner Haarfarbe, für seine antiabsolutistischen und protestantischen Gefolgsleute in England tatsächlich ein geeigneter König. Er zeigte keine absolutistischen Tendenzen, die mit denen seines Vorgängers zu vergleichen gewesen wären. Vielmehr konnte das Parlament seine Stellung festigen. Wilhelm III. hatte schon als Statthalter der Niederlande erfolgreich die Angriffe des katholischen Frankreichs abgewehrt. Und während seiner Herrschaft stieg England endgültig zur protestantischen Führungsmacht in Europa auf, die es verstand, die Macht Frankreichs wirksam zu begrenzen. Gemäß Zeile drei sollen Spießgesellen (der Gegner Jakobs II.) dem gestürzten König sogar noch den Tod verekelt haben. Jakob II. lebte bis zu seinem Tod 1701 im französischen Exil. Mit französischer Hilfe versuchte er, seinen Thron zurückzuerobern. Doch sowohl der Krieg in Irland (1689 - 1691) wie auch ein Mordkomplott gegen Wilhelm III. (1696) scheiterten. 1697 schlossen Frankreich und England Frieden (Frieden von Rijswijk) und Jakob II. verlor damit die Unterstützung von französischer Seite. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Jakob II. als strenger Büßer. Bestattet wurde der rechtmäßige englische König in Paris, in der Kirche der englischen Benediktiner in der Rue Saint-Jacques. Sein Grab wurde allerdings während der Französischen Revolution geschändet und seine sterblichen Überreste zerstreut (http://en.wikipedia.org/wiki/James_II_of_England#Return_to_exile, 11.11.2008). Man hat ihm also tatsächlich den Tod "verekelt", seine ewige Ruhe massivstens gestört. Die dafür Verantwortlichen waren Anhänger der Französischen Revolution. Leute also, die man durchaus als Nachfolger oder "Spießgesellen" der antiabsolutistischen und v. a. antikatholischen Gegner Jakobs II. betrachten könnte.
Quellen
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1) Oder auch nur: "dreißig". Das griech. "triakonta" (dreißig) bezeichnete auch die Gerusia, eine Art Oberhaus des "Parlamentes" in Sparta, das aus dreißig Mitgliedern bestand.
Trente1) de Londres secret coniureront,
[Die] Dreißig1) aus London werden sich [im] Geheimen verschwören.
Contre leur Roy sur le pont2) l’entreprinse3),
Gegen ihren König [wird] auf der Brücke2) das Projekt3) [ausgeführt werden].
Luy, satalites4) la mort degousteront.
Ihm werden Spießgesellen4) den Tod verekeln.
Vn Roy esleu blonde5), natif de Frize6).
Ein geeigneter5) König [wird] gewählt [werden, der] im Land der Frisii6) geboren [wurde].
2) Mit dieser "Brücke" könnte die Kommandobrücke eines Schiffes gemeint sein oder vielleicht auch eine Fallbrücke, auf der man vom Schiff an Land gelangen kann. Möglicherweise hat Nostradamus mit "pont" auch auf auf das griech. "pontos" bzw. lat. "pontus" (Meer) anspielen wollen, vgl. CLÉBERT, S. 559.
3) Oder: "Unternehmung; Angriff, Waffengang".
4) Das mittelfranzösische "satalites" bedeutet "Handlanger, Leibwächter, Söldner, Begleiter". Das lat. "satalletes" zudem "Helfershelfer, Spießgesellen", was hier wohl eher passen würde.
5) Oder: "blonder". Die germanischen Frisii waren sicher oft blond. Das mittelfranzöische "blond" bedeutet aber auch "geeignet, empfindlich".
6) Die Frisii (Friesen) besiedelten in der Antike die Nordseeküste zwischen Rhein und Ems, d. h. im Wesentlichen die heutigen Niederlande. Nach der Völkerwanderung hatte sich das Siedlungsgebiet der Friesen erweitert und umfasste u. a. auch das heutige Ostfriesland.
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