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Als er 1940 in einem New Yorker College Philosophie unterrichten sollte, wurden Gerüchte in Umlauf gesetzt: Er verfasse obszöne Gedichte, gehe nackt mit seiner Frau spazieren und habe einen Nudistenklub gegründet. Der «unwürdige» Brite wurde prompt wieder ausgeladen und der «Lehrstuhl für Unanständigkeit» aus dem Etat gestrichen. Dabei hatte der 1872 in Wales geborene Philosoph und Mathematiker – weltweit längst eine anerkannte Koryphäe – doch nur öffentlich ein paar Gedanken über eine notwendige neue Sexualethik formuliert, die mehr Offenheit in die Kindererziehung und die Partnerschaft bringen sollte. Überhaupt hatte er sich ständig zu gesellschaftspolitischen Fragen geäussert, und dies in einer Sprache, die ihm später einen angesehenen Literaturpreis einbrachte.
Einem breiteren Publikum bekannt wurde der grosse Logiker vor allem durch sein friedenspolitisches Engagement, für das er bereits im Ersten Weltkrieg ein halbes Jahr in Haft sass. In den dreissiger Jahren schrieb er im Essay «Was für den Sozialismus spricht», dass ein Vierstundentag genüge, um «so viel an materiellem Komfort zu schaffen, wie vernünftige Leute beanspruchen sollten». In den fünfziger Jahren verfasste der Atheist, der alles hinterfragte, mit Albert Einstein ein Manifest, das die WissenschaftlerInnen zu mehr Verantwortung aufrief. 1967 veranstalteten Jean-Paul Sartre und er ein Tribunal, an dem die USA wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurden.
Die von ihm mitbegründete Campaign for Nuclear Disarmament ist noch heute ein tragender Pfeiler der britischen Antikriegsbewegung. Als er das letzte Mal wegen passiven Widerstands gegen die atomare Aufrüstung vor Gericht stand, war er 89 Jahre alt. Wie hiess der Adelige, der 1970 im walisischen Penrhyndeudraeth starb?
Wir fragten nach dem walisischen Philosophen, Mathematiker, Sozialisten und Friedensaktivisten Earl Bertrand Russell.