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Wenige Schritte vom Eingang zur Caverne rose entfernt steht der Muskatwunder-Altar – ein eigentümlicher Betonklotz, auf dem Devotionalien aller Art versammelt sind: Blumen und Heiligenfiguren, Kerzen und Kinderpuppen, Täfelchen und Fähnchen, ein Paar Skischuhe und vor allem eine seltsame Steinskulptur mit zwei Löchern.
Die Aufstellung des Altars geht auf eine Geschichte zurück, die sich in den 1920er Jahren ereignet haben soll (vergleiche Gid vè: «Santa Lemusa», S. 143). Damals soll sich der Sohn eines Muskat-Bauern aus kindlichem Übermut zwei Muskatnüsse in die Nasenlöcher gestopft haben, die er in der Folge allerdings nicht mehr entfernen konnte. Die verzweifelten Eltern brachten den heulenden Jungen zum Dorfarzt, zum Bürgermeister, zum Pfarrer und schliesslich, nachdem alles nichts geholfen hatte, zur Grotte der Heiligen Valeria (Caverne rose). Wenige Meter vor der Grotte soll der Junge, wie durch ein Wunder, plötzlich von einem heftigen Niessanfall erfasst worden sein und die zwei Nüsse aus seinen Nüstern geschnäuzt haben. Man ist sich zwar nicht ganz einig, ob sich das Miracle des noix de muscade nun der Heiligen Einsiedlerin Valeria oder aber Notre Dame selbst verdankt – am Wunder aber ändert das nichts.
Man errichtete an der Stelle des grossen Schneuzers einen hölzernen Altar, der wohl in den 1970er Jahren durch das heutige Beton-Modell ersetzt wurde. Der Ort ist fast so populär wie die Caverne rose selbst und heisst auch der «Altar der kleinen Sorgen» (L'autel des petits soucis) – denn es sollen vor allem kleinere Sorgen sein, gegen die man an diesem Ort erfolgreich vorgehen kann. Die neuen Erkenntnisse über das alte Valeria (siehe Caverne rose) haben an der Beliebtheit des Ortes nicht geändert.
Ein junger Mann aus dem Dorf, der sich durch Gebete an dem Altar von einem Furunkel befreit haben soll, hat kurz nach seiner Heilung auch das kommerzielle Potenzial des Muskatwunder-Altars erkannt (im Rahmen einer Erleuchtung wahrscheinlich). Er hat eine Steinskulptur von zwei Nasenlöchern anfertigen lassen und sie auf dem Altar deponiert. In diese Nasenlöcher legt er nun je eine Muskatnuss und lässt sie genau 7 Stunden drin – gerade so lange sollen auch dem Jungen am Tag des Wunders die Nüsse in der Nase festgesteckt haben. Dann bemalt er den oberen Teil der mit heiliger Niess-Kraft aufgeladenen Muskatnuss mit roter Farbe (ein Abdruck der blutenden Nase des Jungen) und verkauft sie als «Noix des petits soucis». Hat jemand eine kleine Sorge, die ihn plagt, dann riecht er einfach an dieser Wundernuss – und schon geht es deutlich besser.
First Publication: 18-5-2012
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