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Karl W. Haltiner ist emeritierter Professor der Militärakademie an der ETH Zürich. Er ist der wohl profilierteste Verfechter einer Freiwilligenmiliz als zukünftiges Dienstmodell für die Schweizer Armee. Dieser Artikel beschreibt die Grundzüge seiner publizierten Vorschläge.
Umfragen zeigen, dass die Akzeptanz der Armee in der Bevölkerung intakt ist. Der Rückhalt der allgemeinen Wehrpflicht sinkt jedoch. Es stellt sich die Frage, welches Dienstmodell den neuen gesellschaftlichen Voraussetzungen und einer veränderten Bedrohungslage am besten entspricht.
Eine Berufsarmee stünde gemäss Karl W. Haltiner der Wehrtradition unseres Landes fundamental entgegen und ist auch nicht geboten, solange sich die Schweiz keinem Militärbündnis anschliesst. In Bezug auf die wirtschaftlichen Kosten, die Motivation der Dienstleistenden, die organisatorische Flexibilität und die politische Machbarkeit scheine eine freiwillige Miliz nach dem Vorbild der einsatzstarken US-amerikanischen Nationalgarde die beste Option.
Neben der subsidiären Unterstützung der zivilen Behörden bei aussergewöhnlichen Ereignissen übernähme die Freiwilligenarmee auch die Funktion einesAufwuchskerns, für den Fall, dass sich die sicherheitspolitische Situation merklich verschlechtern sollte. Denn eine Miliz, so Haltiner, ist ihrem Wesen nach ein nichtstehendes Heer und bedarf im Notfall immer des Aufwuchses.
Eine solche Milizstruktur bestünde aus etwa 20’000 bis 30’000 Frauen und Männern im Alter von 18 bis 50 Jahren, die sich verpflichten, nach einer Rekrutenschule während einer gewissen Zeit jährliche WKs im Umfang von 14 Tagen sowie einzelne Ausbildungstage zu absolvieren. Um diesen Bestand zu garantieren, müssten sich rund 1.5 Prozent der Angehörigen eines Jahrganges zum freiwilligen Dienst melden. Verstärkt würde die Miliz wie heute durch einen Kern von einigen Tausend Berufs- und Zeitmilitärs, die vor allem für Instruktion und Führungsunterstützung zuständig wären und gewisse Bereitschaftsaufgaben wahrnähmen. Die Kader funktionen würden jedoch weiterhin vorwiegend durch Milizangehörige ausgefüllt.
Anreize zur Teilnahme an der Miliz
Die Gefahr, dass eine Freiwilligenmiliz zu einem Sammelbecken des «Bodensatzes der Gesellschaft» verkommt, wie das in verschiedenen europäischen Staaten mit Profistreitkräften beobachtet werden kann, ist nach Haltiner deutlich geringer als bei einer Berufsarmee. Durch verschiedene materielle Anreize soll die Freiwilligenmiliz für alle Bevölkerungsschichten attraktiv gemacht werden (zum Beispiel lebenslange Gratis-Krankenkassenzugehörigkeit, Stipendien, für das Berufsleben wertvolle Ausbildungszertifikate oder ein AHV-Bonus). Ein Minimum der Wehrpflicht wäre in reduziertem Mass beizubehalten, als Pflicht zur Rekrutierung oder zum Besuch eines Informationstages. Die Wehrpflicht lässt sich nach Ansicht von Haltiner nur zur Verteidigung der nationalen Existenz und Unabhängigkeit legitimieren. Dies ist derzeit glücklicherweise nicht nötig. Man muss sich deshalb fragen, ob es eines freiheitlichen Staates würdig ist, junge Menschen, die für den Staat ein Jahr ihres Lebens opfern, als Hilfspolizisten vor Botschaften zu stellen.