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Die algerische Spielerin Ines Ibbou (WTA 620) wendet sich mit einer emotionalen Video-Botschaft an die Tennis-Welt – und kritisiert Dominic Thiem für seine Aussagen.
«Lieber Dominic, nach deinem letzten Statement habe ich überlegt, was mit meiner Karriere und meinem Leben gewesen wäre, würde ich in deinen Schuhen stecken», beginnt die 21-Jährige, die ihr Leben allen Widrigkeiten zum Trotz dem Tennis-Sport verschrieben hat, ihr Statement.
Keine 30’000 US-Dollar hat die Algerierin bisher in ihrer Karriere an Preisgeldern verdient. Ohne finanzielle Förderung, ohne Sponsoren und praktisch ohne Infrastruktur geht Ibbou in Afrika ihren Weg und fragt sich: «Was wäre aus mir geworden, wenn ich dieselben Chancen gehabt hätte, wie der ‹geschlossene Zirkel› eurer Tennis-Welt?».
Thiem: «Ich verstehe nicht, warum ich ihnen Geld geben sollte»
Thiem hatte sich vor Kurzem gegen einen Hilfsfonds für schlechter klassierte Spieler ausgesprochen. Der Österreicher wählte dafür deutliche Worte: «Keiner der Spieler auf den unteren Rängen muss um sein Leben kämpfen und verhungert. Ich habe etwa auf der ITF-Future-Tour Spieler gesehen, die sich nicht zu 100 Prozent für den Sport engagieren. Viele von ihnen sind ziemlich unprofessionell. Ich verstehe nicht, warum ich ihnen Geld geben sollte», so Thiem.
Ibbou erzählt nun ihre eindrückliche Geschichte, die sich fernab des Scheinwerferlichts und unter schwierigen Bedingungen in Algerien abspielt: «Wenn du nur wüsstest, Dominic (...) es gibt in Algerien keinen einzigen Trainer auf internationalem Level. Es gibt keinen einzigen Indoor-Court und kein Turnier auf ATP-, WTA- oder ITF-Stufe. Aber verstehe mich nicht falsch: Das alles hat mich nicht aufgehalten, mit 14 Jahren eine der besten Spielerinnen der Welt zu werden. Meine ersten WTA-Punkte habe ich in diesem Alter geholt. Nicht schlecht, oder? Und so wie du war ich in den Höhen des ITF-Junior-Rankings.»
Ibbou: «Der Court sollte über meine Karriere entscheiden, nicht meine Finanzen»
Sie habe nur immer soviel bekommen, dass es gerade für ein paar Turniere reichte. Gerne würde Ibbou ihren Eltern, für deren Unterstützung sie unendlich dankbar ist, etwas zurückgeben. Aber das sei nicht möglich. «Der Court sollte über meine Karriere entscheiden, nicht meine Finanzen», sagt sie.
«Niemand hat dich um etwas gebeten», richtet sie sich erneut an Thiem. Die Initiative ging von grosszügigen Spielern mit Barmherzigkeit aus, mit Klasse.» Es gehe um Solidarität und Lösungsansätze, die den Unterschied machten. «Champions in jeder Hinsicht», zu denen sie Thiem, den zweifachen und privilegiert aufgewachsenen Grand-Slam-Finalisten von Roland Garros augenscheinlich nicht mehr zählt. Ibbou schliesst ihre Botschaft mit den Worten: «Dominic, ich habe dir gesagt, wir bitten dich um nichts. Ausser um etwas Respekt für unser Opfer. Spieler wie du bringen mich dazu, an meinen Träumen festzuhalten. Bitte ruiniere das nicht.»
«Wenn er reden möchte, ich bin bereit»
Das Video der jungen Algerierin erhielt auf Instagram und Youtube innerhalb von Stunden tausende Aufrufe und wurde zahllos geteilt. Auch Tennis-Grössen wie Nick Kyrgios («Respect») und Venus Williams («You are my hero») kommentierten den Post und signalisierten ihre Unterstützung.
In einem Interview mit der algerischen Zeitung «thenational.ae» sagt Ibbou: «Es ist das erste Mal, dass ich gehört werde. Ich hoffe, dass das Video die WTA, die ITF und den Verband erreicht. Ich hoffe, dass sie etwas auf der Tour ändern, dass sie darüber nachdenken und uns Spielern helfen.» Dass Sie Thiem frontal konfrontiere, erklärt Ibbou wie folgt: «Ich wollte nur sagen, dass die Worte, die er genutzt hat, respektlos waren. Aber ich bin offen für alles. Wenn er reden möchte, ich bin bereit.»