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Interview mit Cinnay
Vor einigen Wochen trafen wir den jungen Schweizer Rapper und Songwriter Cinnay für ein Interview. Wir sprachen mit ihm über Inspiration, Performances und natürlich über seine Musik.
Wann fingst du an, Musik zu machen?
Ich spiele, seit ich 12 Jahre alt bin, Gitarre und war auch Teil einer Band. Mein älterer Bruder hörte oft Rap Musik und so begann ich früh, Hip-Hop zu hören. Meine Mutter meinte immer, ich sollte meine eigenen Texte schreiben. Ich war jedoch der Meinung, dass ich das nicht könne. Als wir im 2016 auf dem Weg zum "Flatbush Zombies" Konzert waren, zeigte mir ein Kumpel seine selbst geschriebenen Verses. Daraufhin war ich so fasziniert davon, dass er seine eigenen Texte schreiben konnte, dass ich es kurz später selbst versuchte. Lustigerweise begann mein langjähriger Freund "88eastBoae" zeitgleich Beats zu produzieren. So ergab es sich, dass wir gemeinsam unsere eigenen Songs produzierten. Zuvor spielten wir bereits gemeinsam in einer Band.
Zu welchem Genre passt deine Musik?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man Musik nicht in eine Schublade stecken sollte. Ich bin einfach ich. „Experimental Cloud-Rap“ wäre jedoch ein passender Begriff, weil ich mich selber immer wieder neu erfinde und von allen möglichen Musikrichtungen beeinflusst bin.
Wie ist dein kreativer Prozess?
Anfangs schrieb ich meine Texte noch auf, aber mittlerweile höre ich mir einfach den Beat im Loop an und beginne zu freestylen. Ich nehme am liebsten alleine auf, weil ich mich dann viel mehr loslassen kann und meiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Zuerst überlege ich mir den Flow und die Melodie, die zum Beat passt, der Text ergibt sich dann beim Aufnehmen. Trotzdem überlege ich mir, was ich sagen möchte, bevor ich es aufnehme. Meistens beginne ich mit einem Wort oder einem Satz, den ich als passend empfinde. Der Song wird schliesslich um diesen Satz oder dieses Wort herum aufgebaut.
Was inspiriert dich?
Inspiration ist überall im Leben. Sie ist das, was du anziehst und auch das, was du ausstrahlst - sie ist in dir drin. Wenn du keine Inspiration hast, musst du dich zuerst selber kennenlernen und herausfinden, was es schon alles in dir gibt. Natürlich bin ich auch inspiriert von anderen Musikern, aber am meisten Inspiration finde ich in mir selbst, meinem Umfeld und meinen Erlebnissen.
Wer wäre dein Traum-Feature?
Ich habe eigentlich kein spezifisches Traum-Feature. Ich lege grossen Wert darauf, dass man sich bei einer Kollaboration zwischenmenschlich versteht. Es soll nicht forciert sein, sondern auf natürliche Art und Weise passieren. Trotzdem würde ich gerne mit Musikern wie "Melodiesinfonie", "FKJ" oder "Anderson Paak" arbeiten, da sie ein extremes Musikverständnis haben und eine sehr positive Atmosphäre ausstrahlen. "Kali Uchis" finde ich auch crazy.
Möchtest du einmal von der Musik leben können?
Musik machen ist für mich wie ein Ventil. Ich denke, wenn dieses Ventil zu meiner Hauptbeschäftigung werden würde, bräuchte ich früher oder später ein anderes Ventil. Ein Ziel wäre aber beispielsweise, dass ich reduziert arbeite, damit ich mehr Zeit für die Musik hätte.
Welche war deine Lieblingsperformance?
Für mich ist jede Performance schön. Wenn man auf der Bühne steht, hat man die Möglichkeit sich vor seinen Hörern zu beweisen und zu präsentieren. Es gehört für mich zum Gesamtbild eines Künstlers. Gleichzeitig findet ein intimer Austausch zwischen Artist und Zuhörer statt. Wenn ich aber eine konkrete Liveshow auswählen muss, ist es wahrscheinlich das kurze Rap-City-Konzert. Es war für mich eine sehr inspirierende Erfahrung, die mich motiviert hat und mir sehr viel Energie und Kraft gab.
Erzähle mir etwas zu Netrum.
"Netrum Records" ist ein kreativ Kollektiv, bestehend aus jungen Künstlern. Quer durch die Schweiz verteilt verfolgen wir dieselbe Vision und unterstützen uns gegenseitig. Zu Netrum gehören Musiker, Künstler, Skateboarders, Tänzer, Djs, Fotografen, etc. Im 2018 habe ich ein zweisprachiges Musikstipendium absolviert und es wurden mehrere Bands mit Menschen aus ganz verschiedenen musikalischen Hintergründen zusammengestellt. Während diesem Jahr konnte ich mich musikalisch entfalten und lernte, wie man gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann. Im Team ist man stärker als alleine. Dieses Mindset führen wir schliesslich auch in unserem Kollektiv weiter. Es geht darum eine Schweizer Musik Identität zu erschaffen und die urbane Kultur zu fördern.
Supernova ist das Album, das du dieses Jahr veröffentlicht hast. Wie kam das zustande?
Supernova war ein längerer Prozess in meinem Leben. Während zwei Jahren habe ich stetig neue Musik produziert. Ich kam an einen Punkt, an dem ich meine Songs sortierte und mir überlegte, welche Lieder gut zusammen passen würden. Es entstand ein einheitliches Soundbild. 88eastBoae und ich machten uns Gedanken darüber, wie man das Projekt gut vermarkten könnte. So kam uns der Gedanke, dass wir Merchandise produzieren und diesen mithilfe eines Crowdfundings verkaufen möchten. Dadurch konnten wir unser Produkt näher an den Konsumenten bringen. Das Crowdfunding funktionierte besser als erwartet. Unser finanzielles Ziel wurde bei Weitem erreicht und viele Leute kauften sich Hoodies, T-Shirts und CDs. Supernova ist für mich Ende und Neuanfang zugleich. Ein Lebensabschnitt geht zu Ende und ein neuer beginnt. Die Idee war zudem, viele kreative Menschen auf einem Projekt zu vereinen. Schlussendlich haben 13 Produzenten und 8 Rapper auf 20 Songs mitgewirkt. In einer schnelllebigen Welt wollten wir etwas erschaffen, was längerfristig bestehen bleibt, mit dem Ziel zeitlose Musik zu erschaffen.
CINNAY SPOTIFY:
BILDER VON @beenstaying
JAEL RICKENBACHER