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- martin1060
Marktanalyse - Kalenderwoche 03/2023
Verschuldung in Amerika, Schwellenländer im Hoch, Worst-Case-Szenario für 2023 bei einer Rezession.
Chart der Woche
YouTube: Markus Koch Wall Street, 20.01.2023, Zeit: 12:00
Nach der Verfassung in Amerika von 1787 ist die Zweikammer-Bundeslegislative des Kongresses das einzige Organ, das befugt ist, im Namen der Vereinigten Staaten Kredite aufzunehmen. Dies geschah wie vorgeschrieben durch Gesetzeserlasse, die bis 1917 jede Kreditaufnahme von der Gründung des Staates an ausdrücklich genehmigten.
Der Second Liberty Bond Act von 1917 änderte das Verfahren, um eine flexible Finanzierung der amerikanischen Beteiligung am Ersten Weltkrieg zu ermöglichen.
Mit diesem Gesetz wurde eine allgemeine nominale Schuldenobergrenze festgelegt, bis zu der das Finanzministerium Kredite aufnehmen konnte. Diese liegt nun bei 31.4 Billionen USD.
Warum das wichtig ist
Wenn das Parlament in den USA in den nächsten Wochen die Schuldenobergrenze nicht erreicht, so geht der Regierung das Geld aus. Die Verwaltung wird dann in die Zwangsferien geschickt und es können keine Löhne und Pensionen an alte Menschen und Veteranen gezahlt werden. Die Erhöhung der Schuldenobergrenze führt immer wieder zu Streit im Parlament, aber 24 Stunden vor dem Ablauf der Frist finden die Partien meist dann doch eine Einigung. Wenn man sieht, wie viele Probleme das Parlament hatte, um einen Mehrheitssprecher zu wählen, kann vermutet werden, dass kein Kompromiss gefunden werden kann und die Regierung in den Notfallmodus wechseln muss.
Die Frage, die sich dann natürlich stellt, ist, ob die USA dann bankrottgehen kann, weil sie die Zinsen für ihre Schulden nicht bezahlen kann.
Quelle: Twitter: Lawrence McDonalds, @Convertbond, 19.01.2023
Die Grafik zeigt den Credit Default Spread für amerikanische Staatsanleihen. Der CDS kann als Versicherung gekauft werden, für den Fall, dass die USA den Staatsbankrott erklären müssten. Diese Prämie hat sich in den letzten Tagen verdreifacht.
YouTube: Markus Koch Wall Street, 20.01.2023, Zeit: 16:17
Die Grafik zeigt die Bargeldreserven der amerikanischen Notenbank. Die 321 Milliarden an Reserven dürften bis ca. Mitte Jahr reichen, um die Zinsen für die US-Staatsschulden zu bezahlen. Ein unmittelbarer Staatsbankrott droht also noch nicht, aber viele negative Schlagzeilen zu dem Thema in den nächsten Wochen könnten die Anleger verunsichern.
Politisch gesehen dürfte eine Schliessung der Regierung den Republikanern schaden. Die Bevölkerung macht in der Regel nicht die Partei verantwortlich, die die Regierung führt (aktuell die Demokraten), sondern die Oppositionspartei.
Schwellenländer im Hoch
Zu Beginn des Jahres 2023 haben die grossen institutionellen Anleger grosse Umschichtungen vorgenommen.
YouTube: Markus Koch Wall Street, 17.01.2023, Zeit: 8:56
Die Grafik zeigt eine Umfrage der Bank of America bei den grössten weltweit anlegenden institutionellen Investoren. Sie wurden gefragt, ob sie amerikanische Aktien in den Portfolios über- oder untergewichten. Das ist das erste Mal seit 2005, dass wir eine so hohe Untergewichtung sehen. In den letzten Wochen habe viele amerikanische Aktien verkauft.
YouTube: Markus Koch Wall Street, 17.01.2023, Zeit: 9:35
Die Frage, die sich dann natürlich automatisch stellt, ist, wo das Geld dann hingeflossen ist. Einen Teil der Gelder wurde neu in Europa angelegt. Nach fast über einem Jahr sieht man wieder eine leichte Übergewichtung von europäischen Aktien.
So ist dann auch die Börse in den USA in den ersten Wochen 2023 "nur" um 2% gestiegen und die in Europa um 7%.
YouTube: Markus Koch Wall Street, 17.01.2023, Zeit: 10:08
Die Grafik zeigt, wie viele institutionelle Anleger Aktien in den Schwellenländern übergewichten wollen. Das Ende der Covid-Null Politik in China hat zu einer grossen Umschichtung der Anlagegelder in die Schwellenländer und dort vor allem Asien geführt. Die Anleger sehen ein grosses Potenzial, wenn sich die Lage in China wieder stabilisiert.
Quelle: Isabelnet, 17.01.2023
Die Grafik zeigt die Geldflüsse von Anlegern in Aktien und Obligationen in den Schwellenländern. Wir sehen aktuell die höchsten absoluten Geldflüsse in die Schwellenländer seit über 15 Jahren.
Die Frage ist, wie lange diese Euphorie anhält. In Zeiten einer aufkommenden Rezession und Drosselung der Industrieproduktion leiden üblicherweise die Aktienmärkte in Asien mehr als die in den USA und Europa.
Worst-Case-Szenario für 2023 bei einer Rezession
Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 20.01.2023
Die Grafik zeigt links die seit 2020 realisierten Gewinne pro Aktie für alle Aktien im S&P 500. In Schwarz sieht man die Erwartungen für 2023. Die meisten Anleger gehen davon aus, dass auch 2023 die Gewinne der Firmen weiter zulegen können.
Gleichzeitig zeichnet sich aber eine Rezession ab. Ob die Firmen in einer Rezession ihre Gewinne halten können, ist fraglich. Bei einer leichten Rezession ist das durchaus möglich, nicht aber bei einer schweren Rezession. In einer schweren Rezession geben die Gewinne im Durchschnitt um 15% nach. In einem solchen Fall wäre die rote Linie in der Grafik links oben realistisch. Rechnet man diesen Einbruch in die Kurse ein, so ist ein Indexstand beim S&P 500 auf der Grafik rechts (rote Zahlen) realistisch.
In einem solchen Worst-Case-Szenario würde der S&P 500 von aktuell 4'000 Punkten auf 3360 fallen. Das wäre ein Minus von 16%. Da die Börse in dem Jahr schon fast 5% angestiegen ist, würde die Rendite seit Anfangsjahr auf -11% sinken. Das ist für Anleger natürlich nicht erfreulich, aber als Worst-Case-Szenario auch nicht so dramatisch. Da immer noch sehr viele Anleger unterinvestiert sind, rechnen wir weiter mit steigenden oder stabilen Börsen und nicht einem grossen Einbruch.
Quelle: Twitter: Markets & Mayhem, @Mayhem4Markets, 21.01.2023
Eine statistische Grösse, die aktuell auffällt, ist die sehr tiefe Sparrate der Amerikaner. Aktuell sehen wir die tiefsten Sparraten seit 2005. Sinkt sie weiter, werden wir bald die tiefsten Sparraten seit dem Zweiten Weltkrieg sehen. Aktuell sieht es so aus, als würden die Amerikaner alles Ersparte während der Pandemie Krise nun mit beiden Händen ausgeben.
Die Entwicklung dieser Kennzahl muss man aktuell sehr genau beobachten. Steigt die Sparrate, sinkt der Konsum. Dies könnte dann zu einer stärkeren Rezession führen als aktuell erwartet wird.
Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik
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