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Umweltschützer schlagen Alarm: Im Genfersee messen sie dreimal mehr Phosphor als in andern Schweizer Seen. Die Phosphat-Belastung ist seit Jahrzehnten ein Problem.
Experten sind sich aber einig, dass sich die Gesundheit der Seen stark verbessert hat.
"Der Genfersee weist immer noch eine zu hohe Phosphor-Konzentration auf. 2003 waren im Wasser immer noch 33 Mikrogramm Phosphor pro Liter enthalten", schlug die Internationale Kommission zum Schutz des Genfersees (CIPEL) Alarm. Mit 33 Mikrogramm liegt der Wert im Genfersee um ein Dreifaches höher als in den meisten andern Schweizer Seen.
"Die Region um den Genfersee ist ein sehr intensiv genutztes Gebiet", erklärt Alfred Wüest gegenüber swissinfo. Er ist Leiter der Abteilung Angewandte Gewässerökologie bei der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG). Hohe Bevölkerungsdichte, viele Industriebetriebe und Landwirtschaft seien Faktoren, welche zu hohen Phosphor-Werten im See führten.
Hausgemachte Probleme
Phosphate werden in der Landwirtschaft als Dünger sowie in Waschmitteln eingesetzt, aber auch der Mensch scheidet Phosphate aus. Sie beschleunigen in den Seen das Wachstum der Algen, welche dem Wasser den Sauerstoff entziehen.
Vor dreissig Jahren noch glichen viele Schweizer Seen mit ihren stinkenden Algenteppichen eher Kloaken: Überdüngung und der Einsatz von Phosphat-Waschmitteln führten fast zum Ersticken der Seen. 1985 beschloss der Bundesrat ein Verbot für Textil-Waschmittel mit Phosphat in der Schweiz. Seither verbessert sich die Situation.
Mittelland-Seen sind Problem-Seen
"Phosphat ist heute nur noch in einigen kleineren Seen im Mittelland ein wirkliches Problem", sagt Edwin Müller, Chef der Sektion Gewässerreinhaltung beim Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft (BUWAL) gegenüber swissinfo. Die Landwirtschaft habe noch nicht alle Hausaufgaben gemacht.
Der Zugersee führte im Jahr 2000 mit 100 Mikrogramm pro Liter den Negativ-Rekord an, gefolgt vom Baldeggersee mit 88 Mikrogramm. Die grossen Seen wie der Neuenburgersee oder der Lago Maggiore lagen mit 14 Mikrogramm
im guten Bereich.
Vor allem die konsequente Reinigung aller Abwässer habe das Problem entschärft, sagt Müller. "Der Bodensee ist mit dem Genfersee vergleichbar. Dort liegt der Phosphor-Wert heute wieder bei 10 Mikrogramm pro Liter."
See-Killer Geschirrspüler
Die CIPEL hat sich zum Ziel gesetzt, im Genfersee einen Wert von 20 Mikrogramm zu erreichen. Dies sei nötig, um das ökologische Gleichgewicht im See wieder herzustellen.
Ins Visier haben die Umweltschützer die Abwaschmittel im Haushalt genommen: 33 Tonnen Phosphate jährlich würden aus den Waschmaschinen und Geschirrspülern beidseits der Grenze in den See gespült. Das sei gleich viel wie der Beitrag der Landwirtschaft.
Im Gegensatz zu den Textil-Waschmitteln besteht in der Schweiz für Geschirrspül-Waschmittel kein Phosphat-Verbot, allerdings ein Grenzwert von 2,5 Gramm pro Waschgang. In Frankreich sind in beiden Produkte-Typen Phosphate erlaubt.
Den schwarzen Peter deswegen aber den Franzosen zuschieben, sei zu einfach, sagt Wüest von der EAWAG. "Bevor so etwas möglich wäre, müsste man die relevanten Zahlen für die Landwirtschaft erheben."
Test: alle haben Phosphate
Stattdessen wollen die Umweltschützer die Konsumenten anhalten, Waschmittel mit wenig oder ohne Phosphaten zu kaufen. Sie haben viele der Produkte getestet, die es auf beiden Seiten des Genfersees zu kaufen gibt: Manche erreichten Werte, die nur knapp unter dem gesetzlich erlaubten Grenzwert liegen.
Nur Produkte der Firma Held, die dem belgischen Ecover-Konzern gehört und auf umweltfreundliche Putzmittel spezialisiert ist, enthalten kein Phosphat. Aber: "Kein einziges phosphatfreies Geschirrspülmittel ist bei den Grossverteilern zu finden", bemängelt die CIPEL. Diese gebe es nur in den teureren Drogerien.
Verbot bringt nichts
Beim Grossverteiler Migros weiss man, dass es kein phosphatfreies Spülmittel im Sortiment gibt. "Leider wurden bis heute keine valablen Ersatzprodukte gefunden", erklärt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Und: "Ein Phosphatverbot in Geschirrspülmitteln würde die Situation im Genfersee nur unwesentlich verbessern."
Auch für Müller im BUWAL ist ein Phosphat-Verbot, analog zum Beschluss von 1985 kein Thema. "Damals wurden auf gesetzlicher Ebene Phosphate für Textilwaschmittel verboten, weil technische Alternativen, das heisst geeignete Ersatzstoffe gefunden worden waren. Das ist bei den Geschirrspülmitteln heute noch nicht der Fall."
swissinfo, Philippe Kropf und Urs Geiser
Fakten
Phosphor in Mikrogramm/Liter im Jahr 2000:
Walensee 2
Brienzersee 4–5
Vierwaldstättersee 4–6
Lago Maggiore 11
Neuenburgersee 14
Bodensee 14
Bielersee 18
Zürichsee 25
Genfersee 36
Sempachersee 42
Hallwilersee 52
Baldeggersee 88
Zugersee 100
(Quelle BUWAL)
In Kürze
Je mehr Phosphor im Wasser verfügbar ist, desto mehr Algen werden produziert.
Die abgestorbene Biomasse muss dann vollständig zersetzt werden – sonst kippt der See aus dem stofflichen Gleichgewicht.
Für diesen Abbau braucht es viel Sauerstoff. Fauliger Schlamm bleibt am Seeboden liegen und sondert zeitweise giftige Substanzen ab.