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Ungeduld mit China
Seit einigen Monaten sind die Banken äusserst optimistisch, wenn es um die Zukunft der chinesischen Währung geht. Sie glauben, dass die Internationalisierung des Yuan schneller vor sich gehen wird, als noch vor kurzem angenommen. Enorme Gewinnchancen würden sich damit auftun. Der Yuan bzw. Renminbi («Volkswährung») gilt als unterbewertet gegenüber dem Dollar. Die Internationalisierung und damit auch die Liberalisierung des Zahlungsverkehrs würde diese Aufwertung bald herbeiführen.
Als Belege für ihre Zuversicht nennen die Bank-Analysten zwei Indikatoren: die Zunahme des durch Renminbi finanzierten Aussenhandels Chinas (off-shore abgewickelt über Hongkong) und die Zunahme der Renminbi-Depositen (bei Banken in Hongkong). Die folgende Grafik zeigt die beiden Kurven (Quelle: CEIC).
Die Zuwachsraten seit der Teilliberalisierung des Renminbi-Zahlungsverkehrs in Hongkong sind in der Tat beeindruckend. Die Nachfrage nach chinesischer Währung scheint stark zu sein. Tut sich hier ein neues Eldorado auf?
Interessanterweise scheinen die Bank-Analysten mit ihrem Optimismus ziemlich alleine zu sein. Praktisch alle, die sich mit der Geschichte der Liberalisierung von Währungen und Finanzsystemen auskennen, sind weit vorsichtiger. Das Argument liegt auf der Hand: Eine Liberalisierung würde einen fundamentalen Umbau des chinesischen Wirtschaftsmodells mit sich bringen. Ich nenne nur mal drei Punkte:
- Die chinesische Regierung bzw. die Kommunistische Partei (KPCh) wäre nach einer Liberalisierung nicht mehr in der Lage, die Sparer dazu zu zwingen, ihr Geld bei den chinesischen Staatsbanken zu deponieren.
- Die KPCh hätte nicht mehr die Macht, die Kreditversorgung zugunsten der Staatsbetriebe zu steuern. Die Zinsen wären frei gegeben, das Kreditwachstum würde durch Nachfrage und Angebot bestimmt.
- Die Aufwertung der Währung würde das Wachstum der Exporte bremsen. Damit würde der Motor des chinesischen Wachstumsmodells verschwinden. Darauf will die Führung die KPCh nicht verzichten, denn China ist immer noch ein armes Land, wenn man das Durchschnittseinkommen als Massstab nimmt.
Dazu kommt noch das Problem, dass eine Liberalisierung des Finanzsystems und der Währung kaum ohne grössere Krise zu schaffen ist. Japan und Skandinavien in den 80er-Jahren oder Südostasien in den 90er-Jahren scheiterten bei ihrem Versuch, einen reibungslosen Übergang zu schaffen. Die ganze Sache ist ausserordentlich komplex. Sobald sich der Zug in Bewegung gesetzt hat, ist er nicht mehr zu stoppen.
Die Vorsicht der chinesischen Führung ist deshalb nachvollziehbar (dazu ein älterer Blog-Beitrag). Die westlichen Anleger und Banken werden sich noch einige Zeit gedulden müssen.