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Die Schweizer Weltraumgemeinschaft ist im Forschungsbereich sehr aktiv. Dies zeigt der Bericht «Weltraumforschung in der Schweiz 2018−2020» des Swiss Committee on Space Research. Der Bericht stellt die verschiedenen Institute in der Schweiz sowie die laufenden Missionen und Projekte mit Schweizer Beteiligung vor.
Die Weltraumforschung hat in der Schweiz eine lange Tradition. Diese begann noch vor der Gründung der Europäischen Weltraumagentur ESA im Jahr 1975, zu deren Gründungsmitgliedern die Schweiz gehört. Das Swiss Committee on Space Research (CSR) der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) koordiniert und fördert die Weltraumforschung in der Schweiz. Es unterhält auch den Austausch mit den internationalen Organisationen wie der ESA (Wissenschaftsprogramm) und dem COSPAR (Committee on Space Research), das 1958 vom International Council for Science für die Förderung der wissenschaftlichen Weltraumforschung auf internationaler Ebene geschaffen wurde. Der anlässlich der 43. Versammlung des COSPAR veröffentlichte Bericht 2018−2020 des CSR stellt die verschiedenen Institute und die vielfältigen laufenden Missionen und Projekte vor.
In der Schweiz wird die Weltraumforschung von zahlreichen Teams in den Eidgenössischen Technischen Hochschulen, Universitäten – einschliesslich Observatorien – und Privatunternehmen durchgeführt. Finanziert wird sie hauptsächlich von diesen Institutionen und mithilfe wesentlicher zusätzlicher Beiträge des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und des Bundes. Der Bericht des CSR erfasst die ganze Breite der Schweizer Forschung und bietet damit eine Gesamtsicht der entsprechenden Institutionen und eine informative Zusammenfassung der laufenden Projekte. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die verschiedenen Hauptbereiche der Weltraumforschung in der Schweiz.
Beobachtung der Erde
Tätigkeiten der Erdbeobachtung werden von zahlreichen Universitäten in Zusammenarbeit mit Teams aus der ganzen Welt ausgeführt. Sie stützen sich auf Satellitensysteme zur Erdbeobachtung aus Europa, den USA, Indien, Kanada und Japan und können in vier Hauptbereiche unterteilt werden:
- Grundlagenforschung;
- Forschungstätigkeiten mit Anwendungspotenzial;
- operative Anwendungen und Dienstleistungen sowie Instrumente;
- Datenerhebung und -bearbeitung und Kompetenzzentren.
Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligen sich an allen Etappen von Weltraummissionen, von der Planungs- und Bauphase bis zur Erhebung und Nutzung der Daten. Dies geschieht in der Regel im Rahmen erfolgreicher internationaler Partnerschaften mit der ESA oder der NASA.
Zwei Beispiele hierfür sind die Mission INTEGRAL sowie die Mission STEREO. Die ESA-Mission INTEGRAL (International Gamma-Ray Astrophysics Laboratory) wird in Zusammenarbeit mit Russland und den USA durchgeführt und hat zum Ziel, einige der energiereichsten Strahlen im Weltraum aufzudecken. Dazu dient das empfindlichste Gammastrahlen-Observatorium, das je gebaut wurde. Die NASA-Mission STEREO (Solar Terrestrial Relations Observatory) besteht derzeit aus einem Weltraumobservatorium STEREO-A, das sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne befindet und die Erde dabei langsam einholt. Dank dieser Perspektive von ausserhalb der Linie Erde-Sonne können die Forschenden die Struktur und die Entwicklung von Solarstürmen, die auf der Sonne ausbrechen und sich im Weltraum verschieben, untersuchen.
In der Schweiz gibt es zudem zwei Zentren, die direkt mit der Weltraumforschung verbunden sind: Das International Space Science Institute (ISSI) in Bern und das INTEGRAL Science Data Center (ISDC) in Versoix.
Forschung zu Mikrogravitation
Verschiedene Forschungsgruppen nutzen für ihre Experimente auch die Internationale Raumstation (ISS). Die Schweizer Forscherinnen und Forscher bereiten ihre in der Schwerelosigkeit durchzuführenden Experimente für die ISS aktiv vor und verwenden Parabelflüge und Raketensonden. Über Grundlagenforschung in der Schwerelosigkeit gewonnene neue Kenntnisse in der Altersforschung führen zu einem besseren Verständnis biomedizinischer Vorgänge, denn die meisten im Weltraum festgestellten negativen Auswirkungen gleichen jenen des Alterungsprozesses, der beim Menschen auf der Erde natürlicherweise stattfindet. Solche Experimente und die daraus hervorgehenden Resultate vertiefen unser Wissen in Biologie und Medizin im Allgemeinen.
Schweiz setzt auf Zusammenarbeit
Bei allen Projekten sowie der damit zusammenhängenden Entwicklung neuer Technologien und/oder dem Aufbau von Plattformen und Weltrauminstrumenten können sich auch Studierende der Tertiärstufe beteiligen. Das Engagement für die wissenschaftliche Weltraumforschung trägt wesentlich zur Ausbildung der nächsten Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren bei. Schliesslich werden diese Projekte in enger Zusammenarbeit mit der Industrie durchgeführt, die bei diesen Tätigkeiten ein zentraler Partner ist.
Insgesamt zeigt der Bericht auf, dass die Schweiz in sehr vielen Bereichen der Weltraumforschung aktiv ist. Gründe dafür liegen einerseits in der umfangreichen finanziellen Ausstattung, hat doch die Schweiz innerhalb der ESA das 7. grösste «nationale» Budget. Auf der anderen Seite erkannte die Schweiz schon früh, dass Raumfahrt nur in Zusammenarbeit funktioniert. Daher hat sie sich seit jeher auf Nischen konzentriert, sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Industrie.
Weitere Informationen
Kamlesh Brocard, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Abteilung Raumfahrt