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Am Donnerstag hat Kurt Furgler, der ehemalige Bundesrat und langjährige Justizminister, seinen 80. Geburtstag gefeiert.
Als Bundesrat von 1972 bis 1986 hat der konservative St. Galler Politiker die Geschichte der Schweiz massgeblich mitgeprägt.
Nach dem offiziellen Empfang in Bern vom 14. Juni konnte Kurt Furgler seinen Geburtstag am Donnerstag im Familienkreis in St. Gallen feiern. Furgler ist auch mit seinen 80 Jahren noch immer vielseitig interessiert und informiert.
Auch seine Liebe zum Sport ist ungebrochen: Noch heute ist der frühere Handballer an Spielen des von ihm gegründeten Handball-Clubs St. Otmar St. Gallen oder des Fussball-Clubs St. Gallen anzutreffen.
Junger Politiker
Relativ jung war der Jurist Furgler in die Politik eingestiegen. Bereits 1954 wurde er, 30-jährig, als Vertreter der Konservativ-Christlichsozialen Volkspartei (Vorgängerin der Christlichdemokratischen Volkspartei CVP) in den Nationalrat gewählt.
Am 8. Dezember 1971 schaffte er mit 125 Stimmen im ersten Wahlgang den Sprung in die Landesregierung. Er übernahm das Justiz- und Polizeidepartement, das er rasch zu einer effizienten Stabsstelle umbaute.
Von 1983 bis 1986 stand er dem Volkswirtschaftsdepartement vor. 1977, 1981 und 1985 war er Bundespräsident.
Kurt Furgler blickt positiv gestimmt auf seine aktive politische Zeit zurück. Dabei erwähnt er insbesondere die Weiterentwicklung des Rechtsstaates und die Verstärkung des Familienrechts.
Ihm bleibt auch die Abwehr grosser Gefahren in Erinnerung, wie eine Flugzeugentführung oder die Besetzung der polnischen Botschaft, die nach mehrtägigen Verhandlungen durch einen Polizei-Einsatz beendet wurde, "weil die Schweiz nicht erpressbar ist und nicht erpressbar werden darf".
Politische Werke
Bekannt ist der Name des alt Bundesrates heute hauptsächlich noch im Zusammenhang mit der so genannten "Lex Furgler". Diese schränkte den Erwerb von Grundstücken durch ausländische Personen im Inland ein.
Auch im Bereich des Familien- und Eherechts hatte sich Furgler engagiert. Der Verfassungsartikel über die gleichen Rechte für Mann und Frau wurde 1981 in der Volksabstimmung deutlich angenommen.
Als Europäer der ersten Stunde setzte er sich als Volkswirtschafts-Minister für eine aktive Teilnahme der Schweiz am Aufbau Europas ein.
Dazu steht Kurt Furgler auch heute noch: "Unsere Stellung in Europa kann ausgebaut werden, denn wir sind nun mal Europäer. Wir sind aber als Europäer selbstverständlich Schweizer, Eidgenossen, die ihre Selbstständigkeit bewahren wollen."
Einer der Höhepunkte seiner Karriere war wohl 1985 das Treffen zwischen Reagan und Gorbatschow in Genf, welches das Ende des Kalten Krieges einläutete. Während je einer Stunde konnte der damalige Bundespräsident Furgler mit den beiden Staatsmännern sprechen.
Umstrittene Busipo
Furgler war jedoch nicht vor Misserfolgen gefeit: So scheiterte die von ihm angestrebte Schaffung einer Bundessicherheitspolizei (Busipo) am erbitterten Widerstand von links und rechts.
Ob Kurt Furgler auch heute noch für eine Busipo einsteht, lässt er sich nicht entlocken. "Es ist klar, dass wir eine Sicherheitspolitik verwirklichen müssen", meint er. Für ihn sollten "Bund und Kantone in engster Zusammenarbeit Sicherheitsprobleme lösen können, lösen müssen".
Auch nach dem Rücktritt aktiv
Ende 1986 trat Furgler überraschend zurück. Aktiv blieb er auf kulturellem Gebiet und in Sportorganisationen, etwa als Mitglied der Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und als Berater der UEFA.
Er gehört dem Kreis ehemaliger Staats- und Regierungschefs an und ist Ehrenmitglied des Club of Rome. Für seine Verdienste um die Einigung Europas erhielt Kurt Furgler 1989 den Robert-Schumann-Preis.
Grosser Staatsmann
Unterschiedlich bewerten Parlamentarierinnen und Parlamentarier seine politischen Leistungen. "Zuerst möchte ich Kurt Furgler herzlich gratulieren, ihm alles Gute wünschen", sagt Nationalratspräsident Max Binder von der Schweizerischen Volkspartei. "Er hat in seiner Zeit Wesentliches geprägt in diesem Land."
Binder erinnert auch an Furglers Verhandlungen in der Uruguay-Runde, der Vorgänger-Organisation der heutigen Welthandels-Organisation WTO: "Er hat damals eigentlich den Weg aufgezeichnet. Ob der dann für uns Bauern immer nur das Beste war, möchte ich jetzt offen lassen."
Für den sozialdemokratischen Nationalrat und neuen Preisüberwacher Rudolf Strahm war Furgler "sicher einer der grossen Staatsmänner der Schweiz". Er habe sehr viel erreicht.
Kalter Krieger
Allerdings habe Furgler im Bereich der Überwachung übertrieben: "Er war da sehr stark geprägt vom alten Kaltkriegs-Denken, vom alten Überwachungsstaat-Denken. Er hat sehr, sehr viele Bürger durch diese Überwachung verletzt."
Für die freisinnige Ständerätin Trix Heberlein war er ein Vorbild. "Er war mit unserer Familie sehr gut bekannt. Er hat meinen Werdegang immer mit viel Freude verfolgt."
Furgler sei ein "ausgezeichneter Bundesrat" gewesen. "Er hat wesentliche Sachen in die Wege geleitet. Das zeigt auch das hohe Ansehen, das er heute noch geniesst."
swissinfo, Christian Raaflaub und Etienne Strebel
Fakten
24.6.1924: Geburt in St. Gallen
1954: Wahl in den Nationalrat
1963-71: Fraktionspräsident der Konservativ-Christlichsozialen Volkspartei (ab 1970 CVP)
8.12.1971: Wahl in den Bundesrat
1972-1982: Vorsteher Justiz- und Polizeidepartement
1983-1986: Vorsteher Volkswirtschafts-Departement
1977, 1981, 1985: Bundespräsident
In Kürze
Alt Bundesrat Kurt Furgler wurde am 24. Juni 80. Während seiner Amtszeit von 1972 bis 1986 galt er als Reform-Minister.
Der sportliche Furgler ist auch nach dem Ausscheiden aus der Politik vielseitig aktiv geblieben, auf kulturellem Gebiet oder in Sportorganisationen.
Gegenüber swissinfo werten aktive Politikerinnen und Politiker sein Werk.