Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03396.jsonl.gz/1278

Bis Herbst will sich Präsident Barack Obama für einen Nachfolger von «Helikopter-Ben» entschieden haben, der seinen Posten nach Ablauf der Amtszeit Ende Januar kommenden Jahres wohl räumen wird. Noch ist Obama unschlüssig, wer den Zuschlag erhalten soll, berichtet die «New York Times».
Bislang galt als sicher, dass entweder Summers oder Yellen den wichtigsten geldpolitischen Job der Welt übernehmen würden. Jetzt hat der Präsident selbst dem früheren Fed-Vize Kohn Chancen eingeräumt.
Kohn kennt die Fed wie kaum ein Zweiter
Wie US-Medien übereinstimmend berichten, nannte Obama auf einer internen Sitzung in dieser Woche auch Kohn als möglichen Nachfolger. Von 2006 bis 2010 bekleidete der 70-Jährige den Posten des Fed-Vize - heute Yellens Job - und war entscheidend mitverantwortlich für die schnelle Reaktion der US-Notenbank auf die Finanzkrise im Jahr 2008. Kohn kennt die Institution wie kaum ein Zweiter: Bereits 1970 startete er seine Karriere bei der Fed in Kansas. Im Gegensatz zu Yellen und Summers gehörte er nie einer demokratischen (aber auch nicht republikanischen) Regierung an.
Noch immer gilt jedoch vor allem Yellen als heisse Anwärterin. Sie wäre die erste Frau auf dem Chefposten in der 100-jährigen Geschichte der Fed. Angesichts der nach der Finanzkrise nur langsam wachsenden Wirtschaft und der lange Zeit hohen Arbeitslosigkeit plädierte sie in den vergangenen Jahren regelmässig für eine sehr expansive Geldpolitik mit niedrigen Leitzinsen. Von 1997 bis 1999 war sie oberste Wirtschaftsberaterin des damaligen Präsidenten Bill Clinton.
Der knorrige Summers ist umstritten
Umstritten ist unter vielen Politikern der kantige, aber in der ökonomischen Zunft renommierte Summers, der Obama noch 2008 als wirtschaftlicher Berater im Wahlkampf unterstützte. «Larry Summers. Schlechte Wahl», sagte der Abgeordnete Ed Perlmutter auf der internen Sitzung in dieser Woche laut dem Medienbericht. Das habe Obama augenscheinlich so aufgeregt, dass er Summers in der Konferenz verteidigt habe.
Tatsächlich hat die Debatte um die Bernanke-Nachfolge in der Öffentlichkeit jüngst an Fahrt aufgenommen. Erst Anfang der Woche sah sich Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, genötigt, ebenfalls eine Lanze für Summers zu brechen. «Meiner Erfahrung nach, und der Erfahrung vieler Leute, ist er eine Person, mit der man grossartig zusammenarbeiten kann», sagte sie dem Zeitungsbericht zufolge.