Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03369.jsonl.gz/1860

Seit über 30 Jahren reist der US-amerikanische Benediktinermönch Columba Stewart durch die Krisenregionen der Welt. Er sucht alte Manuskripte, zum Beispiel im Irak, wo es ihm gelungen ist, eine uralte Klosterbibliothek digitalisieren zu lassen. Im Irak unterstützt er auch den Dominikanermönch Najeeb Michael, der seine Bibliothek unter dramatischen Umständen vor dem Zugriff radikaler Islamisten gerettet hat. Moderne Bücherjäger haben es ihren mittelalterlichen Vorgängern zu verdanken, dass sie überhaupt noch etwas zu erforschen haben. Oft waren es Mönche, die dafür sorgten, dass Bücher bewahrt wurden. Auch im 20. Jahrhundert wurde Kulturgut zum Kriegsziel. In der Vielvölkerstadt Sarajevo bestand eines der Kriegsziele in den 1990er Jahren darin, die Erinnerung an das Zusammenleben der Ethnien auszulöschen. Die Armee der bosnischen Serben beschoss deshalb die Nationalbibliothek und setzte das Orient-Institut in Brand. Mustafa Jahic war damals Bibliothekar der letzten Handschriftensammlung Sarajevos. Er rettete 20'000 Manuskripte aus dem Mittelalter in Bananenkartons, die er achtmal unter Lebensgefahr durch die eingekesselte Stadt trug. Der Bestsellerautor Stephen Greenblatt würdigt die Bedeutung der Bücherjäger der Renaissance und fragt: Sophokles hat mit 'König Ödipus' auf einem antiken Literaturwettbewerb den zweiten Platz errungen. Wer den ersten Platz gemacht hat, ist unbekannt, denn das Manuskript ging verloren. Eine beeindruckende Dokumentation von Susanne Brahms.