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Kirchberg: Die erfolgreiche Mittelstreckenläuferin Delia Sclabas sprach über ihren Alltag als Spitzensportlerin. Sie lebt in Kirchberg BE und bestreitet Wettkämpfe in verschiedenen Disziplinen auf der ganzen Welt. hkb
Von der U-20-Europameisterschaft im schwedischen Boras brachte sie vergangenen Monat Gold über 1500 Meter und Silber über 800 Meter heim. Im Mai dieses Jahres wurde sie zum dritten Mal Junioren-Weltmeisterin im Duathlon, und sie gewann an der Triathlon-EM der U-18 Bronze – Erfolg reiht sich an Erfolg.
Die junge Frau entpuppte sich im Gespräch als natürliche, spontane und bescheidene Persönlichkeit. Offen sprach sie über ihre Kindheit und Jugend und über ihre Begeisterung für den Sport.
Sclabas lebt mit ihren Eltern und vier Geschwistern in Kirchberg
Eigentlich wünschten sich Vater und Mutter nach einem Jungen und einem Mädchen noch ein drittes Kind, doch es kamen gleich drei. Die Drillingsmädchen brauchten vor allem während den ersten Lebensmonaten viel Aufmerksamkeit und Pflege, da sie einige Wochen zu früh zur Welt gekommen waren. Die Drillinge entwickelten sich jedoch erfreulich. Im Alter von ungefähr vier Jahren besuchten sie einen Kinderschwimmkurs, ihre erste sportliche Herausforderung. Sie bewiesen Freude an der Bewegung und am Wasser. Später trainierten sie Eiskunstlauf, bevor sie bei Pierre Manz zum Triathlon-Team stiessen. Neben dem Schwimmen übten sie sich nun auch im Laufen und Fahrradfahren. Später traten sie dem Leichtathletik Club Kirchberg bei. Die Drillinge zeigten stets eine Affinität für Sport. Delia fiel schon bald durch ihr leichtfüssiges, energieschonendes Laufen auf. An verschiedenen Kinderläufen lief sie auf die vorderen Ränge, ohne dass sie dafür speziell trainieren musste.
Sclabas ist in ihren sportlichen Tätigkeiten eine Einzelkämpferin, doch von Einsamkeit könne keine Rede sein. Sie trainiere oft im Team, meist mit Athletinnen, die älter sind als sie. In der Gegend kennt sie fast jeden Wald-, Wiesen- und Feldweg, da sie häufig hier ihr Lauftraining absolviert. Der Haupttrainer Peter Mathys kennt die Sportlerin seit Jahren. Er gestaltet die Trainingspläne und organisiert das Ausdauertraining für die Mittelstreckenläufe. Tinu Hauert ist zuständig für das Verfeinern der Technik, die Koordination und die Sprints. Der Vater Dario Sclabas schliesslich begleitet seine Tochter punktuell als «Heimtrainer». Alle zusammen seien ein gut eingespieltes Team.
Trotz grossem zeitlichem Aufwand für den Sport bleibe immer auch Zeit für Aktivitäten mit Freundinnen: «Wir gehen ‹lädele›, ins Kino, an Partys. Ich kann mein Bedürfnis in dieser Beziehung abdecken.»
Sclabas hat weder Sponsoren noch einen Mäzen
Sportliche Höchstleistungen haben ihren Preis: Neben Klubbeiträgen, Trainerhonoraren, Startgeldern und Reisespesen fallen Kosten für Physiotherapie und andere regenerative Massnahmen an. Swiss Athletics, der Fachverband für Leichtathletik in der Schweiz, welcher den Spitzensport fördert und den Breitensport unterstützt, leistet einen jährlichen Beitrag an diese Aufwendungen. Auch die Sporthilfe zahlt zweckgebundene Unterstützungsgelder. Den Rest übernehmen die Eltern.
Die Nähe zur Familie, teils auch im Training, sei für Delia Sclabas absolut nicht einengend. Konkurrenz unter den Geschwistern kenne sie nicht, eher freudige Anteilnahme an den Erfolgen. Sclabas schätzt es, ihre Eltern und Geschwister möglichst oft an Wettkämpfen im Publikum zu wissen. Die Grundlage für sportliche Erfolge sei neben der Freude am Sport eben auch ein unterstützendes Umfeld.
Eine vorausschauende Planung ist für Sclabas wichtig
Während den nächsten Monaten stehen viele Termine an. Im August wird Sclabas an der Team-EM in Polen und am Diamond-League-Meeting in Zürich mitmachen. Im Oktober möchte sie nach Katar reisen, um an der Leichtathletik-WM in Doha ihre Fähigkeiten zu beweisen. Ein weiteres grosses Ziel wäre natürlich die Olympiade in Tokio 2020. Die Anforderungen der Selektion, welche bis Juli 2020 dauert, wurden ab 2018 deutlich erschwert. Drücken wir der jungen Frau die Daumen, dass es klappt.
Helen Käser