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Text: feldwaldwiesenblogger
Beim Teil 1 behandelte ich die erfolgreiche Schwingerkarriere von Toni Steiner. Weiter war die eindrückliche Kranzbilanz ein Thema und natürlich durften Anekdoten wie die „Episoden zum Schwarzsee-Kranz“ oder wie der Ingenbohler zu einem Appenzeller Kranz kam, nicht fehlen.
Toni erzählt im Teil 2 unter anderem, was er nach der aktiven Karriere machte, von den 12 Stoos-Kränzen, vom legendären Nordostschweizerischen 1967 in Glarus oder von seiner persönlichen Bilanz gegen Karl Meli und Ruedi Hunsperger.
Nach der aktiven Karriere
Toni versah nach dem Rücktritt während zwei Jahren das Amt des Kampfrichters. Weiter war er Fähndrich beim Schwyzer Kantonalen, beim Innerschweizerischen und beim Eidgenössischen Schwingerverband. Der ehemalige Sennenschwinger erlebte eine Episode, wo sie ihn als ESV-Fähndrich gar sperren wollten. Toni erzählt: „Ady und Theo Zurfluh sowie Hans Mutzner und Leo Hug wurden angefragt, um bei einem Pferdewettkampf in Muntelier FR den Schwingsport zu zeigen. Ady bat mich einzuspringen, weil seine Frau in jenen Tagen ein Kind erwartete. Ich willigte ein und vertrat den Urner. Übrigens: Ich war damals bereits nicht mehr aktiver Schwinger. Verantwortliche Schwingerfunktionäre bekamen Wind von der Sache. Der damalige ISV-Präsident Edy Walker rief mich an, und erklärte, dass das nicht gehe. Ich entgegnete ihm, dass ich Ady zugesagt habe und dass wir dort antreten werden. Was wir in der Folge dann auch taten. ESV-Obmann Ernst Marti schickte etwas später ein Schreiben ans ESAF-OK nach Schwyz, dass sie beim Eidgenössischen 1977 in Basel als Fähndrich auf mich verzichten sollen. Mit der Begründung, weil ich bei dieser Schwing-Demonstration in Muntelier teilgenommen habe, und dies vom ESV nicht erlaubt gewesen wäre. Es gab in der Folge ein ziemliches Drama. Niemand wollte als Fähndrich ans ESAF nach Basel und sie fanden keinen Ersatz für mich. Denn es verhielten sich alle solidarisch mit mir. Darauf kamen Edy Walker und der ehemalige ESV-Obmann Hans Gisler gar zu mir nach Hause und waren der Meinung, dass ich trotzdem gehen soll. Ich wollte nämlich nach dem Schreiben von Marti überhaupt nicht mehr nach Basel. Walker und Gisler mussten mich dann richtiggehend überreden. Ich sagte ihnen schlussendlich zu.“
Toni war fast 30 Jahre im Vorstand des Schwingerverbandes am Mythen tätig, davon sechs Jahre als Präsident. Beim Stoos-Schwinget versah er viele Jahre das Amt des Empfangschefs, und während seiner Präsidialzeit bei den Mythenverbändlern war er OK-Vize-Präsident.
Der vierfache Eidgenosse gab zudem mehr als 100 Schwingkurse. Daraus entstanden viele Beziehungen zu anderen Schwingklubs. Vor gut drei Jahren gab der rüstige Rentner seinen bisher letzten Kurs in Lungern.
Toni ist Ehrenmitglied beim Schwingerverband am Mythen, beim Schwyzer Kantonalen und beim Innerschweizerischen Schwingerverband.
Mit 12 Kränzen der alleinige Rekordhalter beim Bergschwinget auf dem Stoos
1958 gewann Toni als 17-Jähriger seinen ersten Stoos-Kranz. Der 12. Kranz bei diesem traditionsreichen Bergkranzfest wurde ihm 1974 aufgesetzt. Diese zwölf Kränze bedeuten bis heute Rekord. Allerdings hat er nicht alle hintereinander gewonnen. Zweimal ging er ohne Kranz nach Hause und einmal konnte er nicht antreten, da Toni am gleichen Tag Gast beim Nordwestschweizerischen war. Der Stoos-Rekordkranzer erklärt: „Von den hiesigen Verantwortlichen musste ich mir wegen der Teilnahme beim Nordwestschweizerischen ein paar böse Worte anhören. In meiner Kranzsammlung fehlte mir aber dieser Teilverbandskranz noch. An jenem Schwingfest wurde ich Zweiter. Gewonnen wurde der Anlass von Marcel Buser, welcher mit Fredy Menzi im Schlussgang stand. Da es sich um ein Jubiläums-Schwingfest handelte, durfte jeder Teilverband drei Gäste schicken. Am Start waren so starke Gäste wie Karl Oberholzer, Peter Gasser, Ernest Schläfli oder Ruedi Hunsperger. Nach drei gewonnenen Gängen musste ich im vierten Gang prompt gegen Ruedi Hunsperger antreten, gegen den ich leider verlor. Am Abend wies mein Notenblatt fünf gewonnene Gänge auf. Von den Gästen kam ich noch am besten weg. Denn: Es kam zu vielen Gästepaarungen. Ich selber traf „nur“ auf zwei andere Gäste, die anderen alle auf drei. Da deswegen viele gestellte Gänge resultierten, schafften es letztendlich zwei Nordwestschweizer in den Schlussgang. Eine grosse Diskussion um die Einteilung, wie es heutzutage in den Medien geführt würde, gab es damals aber nicht.“
Zurück zum Stoos-Schwinget: Toni konnte dieses Bergfest leider nie gewinnen. Als er 20 Jahre alt war, stand der Mythenverbändler mit Max Widmer das erste Mal im Schlussgang. Zwei weitere Schlussgänge folgten. Einer bestritt er gegen Peter Nyffenegger, wo Toni eine Verletzung davontrug. Der andere war gegen Hans Zurfluh, bei welchem er gute Chancen auf den Sieg hatte.
Dreimal war Toni in den Kranzrängen und ging trotzdem ohne Kranz vom Stoos-Schwinget heim
Diesen kuriosen Umstand musste mir Toni erklären: „Ich ging dreimal ohne Kranz heim, war aber in den Kranzrängen. Damals gaben sie öfters einen Kranz zu viel ab, wenn es bei der Endabrechnung nicht aufging. Bei den drei erwähnten Malen gaben sie 17 statt 16 Kränze ab, es lagen aber nur 16 Kränze bereit. Ich war dann derjenige, welcher sich opfern musste. Die Begründung: Du hast schon ein paar Stoos-Kränze. Und es wäre nicht fair, dass einer, welcher den ersten Stoos-Kranz gewinnt, ohne Kranz heimkehren muss. An der Siegerehrung nahm ich natürlich trotzdem teil und mir wurde ein Kranz von einem Kollegen aufgesetzt. Der gewonnene Kranz wurde mir nachträglich nach Hause gebracht.“ Toni erläutert weiter, dass die Einhaltung der 18 Prozent-Regel, im Gegensatz zu heute, damals lockerer gehandhabt wurde. Einmal wurden auf dem Stoos sogar drei Kränze zu viel abgegeben. Dies hatte aber Folgen, respektive es wurde eine Strafe verhängt: Im Jahr darauf durften keine Gäste aus anderen Teilverbänden eingeladen werden. Zum Vergleich: Beim Thurgauer Kantonalen lag dieses Jahr die Kranzquote bei 18.1 Prozent, also 0.1 Prozent über der erlaubten Maximalquote. Die Thurgauer wurden dann mit 3000 Franken gebüsst.
Dank Gabriel Yerli’s Stoos-Sieg gute Kontakte in die Südwestschweiz
Mit dem ehemaligen Südwestschweizer Spitzenschwinger Gabriel Yerli pflegt Toni einen sehr guten Kontakt. Als Yerli 1987 den Stoos-Schwinget gewann, übernachtete er beim Ingenbohler. Übrigens: Der Freiburger bezwang damals im Schlussgang Leo Betschart aus Sins. Laut Toni ist Yerli seit diesem Sieg jedes Jahr beim Stoos-Schwinget dabei. „Das war für Gabriel einer der schönsten Siege. Seit vielen Jahren geht der Schwingerverband am Mythen dank dieser Verbindung als Gastsektion nach Charmey, respektive neu nach Riaz ans Schwingfest. Mit von der Partie sind jeweils Jungschwinger und Aktive“, rundet der 12-fache Stoos-Kranzer das Thema „Stoos-Schwinget“ ab.
Das legendäre Nordostschweizerische anno 1967 in Glarus
Beim legendären Nordostschweizerischen in Glarus war für den neuen Schwingerkönig Ruedi Hunsperger nach vier Gängen der Wettkampf zu Ende. Toni war bei diesem Teilverbandsfest als ISV-Gast eingeladen. Er erinnert sich: „Soweit ich mich entsinne, fiel der andere Berner Gast, Hans Stucki, auch aus dem Kranz. Ruedi Hunsperger musste beim Anschwingen gegen Karl Meli antreten und verlor prompt. Meli stand übrigens am Abend mit August Brunner im Schlussgang und gewann das Fest. In meinen Augen lief für Ruedi nicht alles korrekt ab. Im zweiten Gang besiegte er Emil Zigerli. Meines Erachtens hätte Hunsperger den dritten Gang mit Walter Bleuler eigentlich gewonnen, kam aber unglücklich darunter und verlor. Im vierten Gang musste der Berner gegen Josef Hüsser erneute eine Niederlage einstecken. Mit solchen Resultaten muss halt jeder Schwinger leben. Ein anderes Mal ist einem das Glück wieder hold, das gleicht sich innerhalb einer Schwingerkarriere aus. An diesem Schwingfest hatte ich keinen Kontakt mit Hunsperger und konnte deshalb seine Gemütslage nicht einschätzen.“
Toni machte an diesem legendären Schwingfest den begehrten Nordostschweizer Kranz. Beim Anschwingen traf er auf Manfred John und bezwang ihn. Gegen Jakob Hälg resultierte im vierten Gang ein „gestellt“. Beim sechsten Gang musste der sechsfache Kranzfestsieger gegen Albert Langenegger antreten, welchen er auf den Rücken legen konnte. Wenn Toni diesen Kampf nicht für sich hätte entscheiden können, wäre er am Ende nicht in den Kranzrängen gewesen. Das Notenblatt zierten am Abend vier gewonnene, ein gestellter und ein verlorener Gang.
Die Bilanz gegen die beiden Überschwinger jener Zeit: Karl Meli und Ruedi Hunsperger
Zu diesem Thema meint Toni: „Die Bilanz sieht leider zu Null aus. Mit Karl Meli habe ich einige Gänge bestritten, vermutlich sieben oder acht. Auf dem Stoos hatte ich einmal einen guten Gang mit ihm. Mich beschlich damals aber das Gefühl, dass er mich gewähren liess. Denn er war so gut drauf und besiegte mich letztendlich problemlos. Bei einem Allweg-Schwinget standen wir beide einmal im Schlussgang. In diesem zog er gewaltig und machte kurzen Prozess. Bei einem Innerschweizerischen in Luzern konnte ich einige Zeit mit ihm schwingen. Meli zog dort aber nicht so einen guten Tag ein. Bei diesem Schwingfest begann ich gegen Karl Oberholzer und beendete das Fest gegen Meli. Es war nicht der Schlussgang.“
Gegen Ruedi Hunsperger musste der gelernte Maschinenschlosser einmal antreten. Nämlich beim bereits erwähnten Nordwestschweizerischen Jubiläumsschwingfest. Es war ein guter Gang und Toni bezwang Ruedi fast mit einem Brienzer. „Allerdings wurde ich zuletzt ein wenig frech und verlor leider. Ein Foto von diesem Gang wurde übrigens für ein Titelbild eines Buches verwendet“, ergänzt Toni.
Für Toni sind oder waren beide Überschwinger jener Zeit ganz flotte Typen. Auch nach der Aktivkarriere pflegte er Kontakt mit ihnen, vor allem mit Meli. Der Winterthurer kam jeweils auch an die Schwingerkönig-Treffen auf den Stoos. Paul Betschart, ehemaliger OK-Präsident vom Stoos-Schwinget, organisierte früher solche Treffen. Betschart hatte einen guten Draht zu den Schwingerkönigen Karl Meli und Max Widmer.
feldwaldwiesenblogger