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Die im vorherigen Kapitel beschriebenen baulichen Eingriffe brachten massive ökologischen Veränderungen im gesamten Tobelgebiet. Ein geschichtlicher Rückblick zeigt folgendes: 1678 weigerte sich die Holzkorporation Goldbach der Gemeinde Küsnacht Bauholz für eine weggerissene Brücke zu liefern. Dieser und weitere Hinweise deuten darauf hin, dass im eigenen Küsnachter «Wald» kaum mehr geeignete Bäume mit der notwendigen Stärke vorhanden waren. Ein weiteres Dokument von 1793 beinhaltet, den Antrag des Amtsmann Landolt, den Wald im Küsnachterberg «in den Bann getan» d.h. ein absolutes Schlagverbot auszusprechen.
Zusätzlich zur Holz-Übernutzung kam der Vieheintrieb, dem Weidegang. Vieheintrieb heisst, Beweidung von Kühen und Ochsen, allfällige Schafen und sicher Ziegen, sowie von Schweinen zur Eichelmast im Wald. Wobei das Grossvieh durch ihr Körpergewicht und dadurch ihr schwere Trittspur der Erosion sicherlich noch Vorschub leisteten. Kleinvieh wie Schafe und insbesondere Ziegen durch ihre scharfkantigen Hufe die Grasnarbe zerschnitten und alle erreichbaren Jungtriebe verbissen.
Holzübernutzung, Weidegang und natürliche Erosion waren die Hauptfaktoren, somit müssen wir uns das Tobel als sehr licht bewachsenes, durch viele Rutsche beinahe unzugängliches Tobel vorstellen.
Die Zwangsaufforstung nach 1899 mit Fichten veränderte Struktur und Aussehen des Lebensraumes grundlegend. Das Tobel wuchs im Wortsinn zu, es wurde gleichmässig dunkel und feucht. Nicht nur sonnen- und wärmehungrige Pflanzen wurden verdrängt sondern viele Kleintierarten wurden selten.
In den Jahren des 2. Weltkriegs wurden viele an der Hangkante gelegenen Magerwiesen und Feuchtstandorte landwirtschaftlich genutzt und entwässert. Die nachfolgenden Jahre mit dem Kunstdünger-Boom in der Landwirtschaft, veränderten die Vegetation grundlegend.
Seit mehr als fünfzig Jahren wird nun schrittweise die angepflanzte Fichtenkultur durch eine Durchmischung mit Laubbäumen, Eiben und Föhren und natürliche Verjüngung umzugestalten. Erschwerend kam in den 70er Jahren der massive Holzpreis-Zerfall der die früher gewinnbringende Waldbewirtschaftung faktisch in ein Negativgeschäft verwandelte. So dass die Waldeigentümer sich auf das Notwendigste beschränken mussten.
Das heutige Waldbewirtschaftungskonzept könnte man als «Wende zur bewussten Unordnung» umschreiben. In gewissen Teilen möchte man wieder offene Erosionshänge mit den verschiedenen, fast verdrängten Pflanzen zulassen. Teilweise eine natürliche Verjüngung durch auslichten von Altbeständen fördern. Die früheren Hangriede werden durch Freiwillige Helfer und Gemeindeangestellte vor ihrer drohenden Verbuschung jährlich geschnitten und abgeräumt.
Manch ehrwürdiger, aber längst schnittreifer Altbaum müsste gefällt werden. Mit seinem grossen Wurzelstock reisst er sonst bei seiner altershalber, zunehmender Gebrechlich- und Krankheitsanfälligkeit rasch allzuviel Hangschutt mit in die Tiefe und verschüttet dabei Weg und staut wiederum den Bach, bis, im schlimmsten Fall zur alles verwüstenden Schlamm- und Gerölllawine.