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Warum gewinnen Private Assets immer mehr an Bedeutung?
Wim Nagler, Leiter Institutional Clients, Benelux:
"Einerseits hat die Nachfrage vonseiten der Kunden einfach zugenommen. Nicht börsenkotierte Vermögenswerte werden per definitionem nicht täglich am Markt gehandelt, sodass sie in der Regel weniger volatil sind als öffentliche Vermögenswerte.
Private-Asset-Fonds werden in der Regel für grosse institutionelle Anleger entwickelt, was bedeutet, dass der Grossteil der Anleger von der Anlage praktisch ausgeschlossen ist. In den letzten beiden Jahren haben wir jedoch verschiedene Strukturen gesehen, die sich von dieser operativen Komplexität gelöst haben. Das bedeutet, dass Banken, Intermediäre und Vermögensverwalter ihren Privatkunden Zugang zu diesen Fonds gewähren können.
Ein weiterer Katalysator für die Nachfrage ist das regulatorische Umfeld. Früher waren die Aufsichtsbehörden der Ansicht, dass diese Art der illiquiden Vermögenswerte für Kleinanleger nicht geeignet ist. Das ändert sich jedoch inzwischen, insbesondere in Europa mit der Auflage des European Long-Term Investment Fund (ELTIF) oder des britischen Long Term Asset Fund (LTAF)."
Was ist Private Equity?
Richard Damming, Co-Leiter Private Equity Investments, Europe:
"Private Equity sind Anlagen in Privatunternehmen, also Unternehmen, die nicht an einer Börse gehandelt werden. Tatsächlich sind die meisten Unternehmen nicht an einer Börse kotiert. Es sind wirklich nur die grossen Unternehmen, die jeder von uns kennt, die börsenkotiert sind, und das sind auch die Unternehmen, in die viele von uns investieren. Die Realwirtschaft auf der ganzen Welt fusst aber auf mittelgrossen Unternehmen, die meist von Familien oder Unternehmern geführt werden.
Da kommt früher oder später das Thema der Nachfolge auf. Jemand muss das Unternehmen übernehmen, weil der Gründer in den Ruhestand geht oder eine andere Rolle übernimmt. Private Equity kann die Lösung für dieses Problem sein. Sie ermöglicht diesen Unternehmen Kontinuität.
Weil bei Private Equity nicht börsenkotierte Unternehmen gekauft werden, bietet diese Anlage im Vergleich zu öffentlichen Märkten auch einen Diversifikationsvorteil."
Was sind die Risiken für Anleger in Private Equity?
Richard Damming:
"Man muss wissen, dass es verschiedene Strategien gibt, um in Private Equity zu investieren. Die beste Strategie für die Anlage in Privatunternehmen ist von der Phase des Konjunkturzyklus abhängig.
Beispielsweise ist die Anlage in Wagniskapital im Frühstadium im gesamten Zyklus attraktiv, weil es sich um Seed- und ‹Series A›-Finanzierung handelt, das heisst, Sie helfen einem Unternehmer bei der Unternehmensgründung. Und das ist nicht zyklisch, wie die letzten Jahrzehnte gezeigt haben. Unternehmen wie Tesla oder Facebook stiegen beispielsweise aus der Asche der geplatzten Dot-com-Blase. Dann gibt es noch Growth-Investitionen im späteren Stadium, die als Pre-IPO-Investitionen bezeichnet werden. Diese Investitionen sind zyklischerer Natur, weil Anleger davon abhängig sind, dass der Markt offen für Kotierungen ist.
Insgesamt kommt es darauf an, was Sie von dem Engagement in Privatmärkte in Ihrem Portfolio erwarten. Wenn Sie Ihr Geld nicht auf lange Zeit entbehren können, wäre eine halbliquide Lösung vielleicht die bessere Idee. Wenn Sie aber für acht bis zehn Jahre auf Liquidität verzichten können, um die Renditen zu maximieren, sollten Sie sich für die illiquide Option entscheiden, damit Ihr Geld für Sie arbeiten kann.
Institutionelle Anleger verzichten in der Regel auf Liquidität, um die Renditen zu maximieren, weil andere Anlageklassen in ihrem Portfolio ihnen die erforderliche Liquidität bieten. Deshalb entscheiden sie sich immer für geschlossene langfristige Fonds, um ihre Renditen zu maximieren. Die nötige Liquidität bieten ihnen andere Bereiche ihres Portfolios."
Was spricht für kleine und mittlere Unternehmen in Europa?
Richard Damming:
"Bei Buyouts – eine der Anlagestrategien bei Private Equity – unterscheidet man zwischen kleinen und mittleren Buyouts sowie Large-Cap- und Mega-Cap-Buyouts. Die grösseren stehen in wesentlich engerem Zusammenhang zu den Kapitalmärkten. Die Renditen sind von Leverage abhängiger, weil die Einstiegspreise höher sind und Börsengänge öfter eine Ausstiegsmöglichkeit darstellen. Zurzeit empfehlen wir kleinere Buyout-Chancen, weil sie in der Regel weniger zyklisch sind. Daten zeigen auch, dass Rezessionsjahre in der Vergangenheit die besten Jahre waren, um in eine solche Strategie zu investieren.
In Europa profitieren wir von einem fragmentierten Markt. Das bedeutet, dass unterschiedliche Länder und Sprachen zu lokalisierten Unternehmen und Geschäftsmodellen führen. Der Markt bietet auch die Möglichkeit, Preisineffizienzen bei kleinen und mittleren Unternehmen auszunutzen, die oft von Familien oder Unternehmern geleitet werden und Wert über Transformationen schaffen, indem in und gemeinsam mit spezialisierten Managern investiert wird.
Kleine und mittlere Unternehmen haben ein grösseres Potenzial für operative Verbesserungen, da ihnen in der Regel weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, die Geschäftsleitung weniger erfahren ist und ihre Prozesse ineffizient sind. Das bedeutet, dass das Potenzial für steigende Bewertungen höher ist, wenn sich der Cashflow verbessert."
Gibt es neben den finanziellen Gründen auch andere, warum so viele Kunden an Private Assets interessiert sind?
Bertrand Dord, Investment Director, Private Assets, Wealth Management:
"Oft hat das Interesse unserer Kunden an Private Assets auch eine menschliche Dimension. Wenn man frühzeitig in ein nicht börsenkotiertes Unternehmen investiert, hat man oft Zugang zur Geschäftsleitung und damit die Gelegenheit, sie zu beeinflussen. Mehrere kleine Privatunternehmen gelten als ‹Pure Play›, haben also nur ein oder einige wenige Produkte und unter 100 Mitarbeitende. Durch die Anlage zeigen Sie, dass Sie von diesem Unternehmen überzeugt sind.
Beispielsweise sind einige unserer Kunden Ärzte, weshalb sie sich oft für Innovationen im Gesundheitswesen interessieren. Sie haben vielleicht Einsichten dazu, ob neue Ideen oder Produkte erfolgreich sein werden.
Viele unserer Privatkunden sind auch ehemalige Unternehmer. Sie möchten möglicherweise jüngere Unternehmer unterstützen, weil sie wissen, wie schwierig der Alleingang ist. Vielleicht gefallen ihnen die Dienstleistungen oder Produkte des Unternehmens und ihr CEO und sie wollen Ideen teilen oder Ratschläge geben."
Wie viel investieren Kunden in der Regel in Private Assets?
Bertrand Dord:
"Einige unserer Kunden investieren bis zu 30 % ihres Kapitals in Private Assets. Portfolios können eine Allokation von bis zu 20 % in Private Equity aufweisen – bei diesen Zahlen ist die Streuung jedoch enorm. Der Anteil hängt letztlich vor allem von der Risikobereitschaft, den Liquiditätsanforderungen und dem Gesamtvermögen der Kunden ab."
Wie unterscheiden sich die Renditen von privaten und öffentlichen Kapitalmärkten?
Richard Damming:
"Die Anleger erwarten sich von Private Assets eine Outperformance, weil sie als komplex und riskant gelten. Gerade in Bezug auf die Governance bietet Private Equity einen besonders grossen Schutz. Sie könnten die Kontrolle über ein Unternehmen übernehmen, Sie übernehmen Verantwortung für seine Massnahmen und deshalb haben Sie wesentlich mehr Einfluss auf die Anlage als bei börsenkotierten Unternehmen, wo Sie nur ein sehr kleiner Fisch in einem sehr grossen Teich sind.
Bei Private Equity kann die Wertentwicklung der Vergangenheit eher einen Hinweis auf die zukünftige Entwicklung bieten. Natürlich gibt es keine Garantien. Unser Research hat aber gezeigt, dass ein Private-Equity-Fonds mit hervorragender Wertentwicklung sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch in den darauffolgenden Jahren so weiterentwickelt. Ein Unternehmen mit einer geringeren Wertentwicklung wird sich hingegen wahrscheinlich auch weiterhin unterdurchschnittlich entwickeln. Die Anlage in die richtigen Private-Equity-Strategien mit den richtigen Managern ermöglicht eine potenziell regelmässigere Rendite."
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