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Das Deutsche Institut für Pferde-Osteopathie (DIPO) hat 10 Kennpunkte zur Sattelpassform zusammengestellt, um dem Reiter einen Leitfaden zur Beurteilung seines Sattels mit an die Hand zu geben.
1. Sattelbaum und Sitzprofil
Der Sattelbaum muss zur Oberlinie des Pferderückens passen und den Reiter so platzieren, dass er dicht an den Widerrist gesetzt wird. Dabei soll der Reiter den Oberschenkel locker nach unten fallen lassen können, so dass Bügel und Fussballen sich treffen. Dicke Pauschen und ein zu weit nach hinten verlagerter Sitzpunkt stören das Gleichgewicht von Pferd und Reiter. Das Lot vom Ohr des Reiters über die Schulter und Hüfte soll bis zur Ferse gefällt werden und sich im Gurtverlauf weiter fortsetzen. Nur ein Holz-Stahlfederbaum kann über die Vergurtung den korrekten Sitzpunkt für den Reiter bestimmen.
2. Kopfeisenrichtung
Ein guter Sattel sollte mit einem Holz-Stahlfederbaum ausgestattet sein. Das Kopfeisen sollte senkrecht zum Boden ca. 2 cm hinter dem Angulus caudalis des Schulterblattes verlaufen. Es darf weder nach vorne Richtung Schulterblatt noch nach hinten weisen, weil der Sattel dann – vor allem beim Springreiten – leicht aus dem Gleichgewicht kommt. Sättel mit Kunststoffbäumen verfügen häufig nicht über Kopfeisen. Das ist vor allen Dingen beim Springreiten problematisch, ebenso bei der Gewichtseinwirkung von schweren Reitern.
3. Kopfeisenweite
Das Kopfeisen muss einerseits so weit sein, dass es den Widerrist nicht einklemmt und andererseits darf es nur so weit sein, dass die Kammer nicht von oben auf den Widerrist drückt. Bei einem schiefen Pferd dürfen die Kopfeisen nicht der Schiefe nach geformt werden. Die unteren Enden des Kopfeisens müssen leicht vom Pferd weggebogen sein. Es darf sich keinesfalls in die Muskulatur des Pferdes „bohren“.
4. Kissenfüllung
Die Kissen des Sattels sollten mit Naturwolle gefüllt sein. Knötchen führen immer zu punktuellem Druck auf dem Pferderücken. Latexkissen sind abzulehnen, da es sich um fertig geformte Kissen handelt, die sich nicht der Kontur der Pferdemuskulatur anpassen. Die Kissen des Sattels müssen unbedingt von homogener Beschaffenheit sein. Sie dürfen keine Knötchen oder Unregelmässigkeiten aufweisen. Sie müssen auf Fingerdruck nachgeben, dürfen aber nicht fest elastisch oder gar fest sein.
5. Kissenbeschaffenheit
Französische Kissen sind sehr flexibel und passen sich optimal dem Pferderücken an, weil sie nur punktuell fixiert und nicht am Sattelblatt angenäht sind. Angenähte Sattelkissen sind weniger flexibel.
6. Kissenabstand
Die Faustregel bzgl. des Kissenabstands besagt, dass er etwa 4 Finger, bzw. 8 cm betragen soll. Die Kissen müssen absolut parallel verlaufen und dürfen nie auf die Schiefe des Pferdes eingerichtet sein.
7. Kissenwinkelung
Wird der Sattel auf dem Pferderücken von hinten betrachtet, muss die Winkelung der Kissen der Winkelung des Pferderückens entsprechen. Keinesfalls dürfen Gewichtskonzentrationen auf dem inneren oder äusseren Kissenrand entstehen. Auch die Taillierung und Winkelung des Baumes müssen zum Pferderücken passen. Ein Holz-Stahlfederbaum gewährleistet diese Passgenauigkeit am besten.
8. Gewichtsverteilung des Sattels
Das Pferd kann das meiste Reitergewicht im vorderen Drittel der Sattelauflage tolerieren. Der Sattel sollte den Reiter dicht gegen den Widerrist setzen. Die Sattelkissen sollten im hinteren Bereich aus dem Pferderücken herausführen und ihn entlasten, so dass es dem Pferd möglich ist, den Rücken aufzuwölben.
9. Satteldecke, Schabracke
Die Sattelunterlage muss im Bereich des Widerrists einen hohen Anschnitt aufweisen, damit sie nicht durch das Gewicht des Sattels auf die Dornfortsätze des Widerrists gedrückt wird. Die Sattelunterlage muss eine enge Steppung aufweisen. Die Befestigungsschlaufen für die Gurtstrippen des Sattels und die Führung für den Sattelgurt sollten aus Klettmaterial sein, damit sie individuell einstellbar sind. Die Sattelunterlage muss so gross sein, dass der Rand des Sattelkissens nicht auf die Einfassung, bzw. deren Naht in den Pferderücken drückt. Bei besonders empfindlichen Rücken sollte das Lammfell direkt aufgelegt werden und der Kanal für die Dornfortsätze ausgeschoren sein.
10a. Sattelstrupfen und Gurtlage
Die Sattelstrupfen sollten vertikal und in die natürliche Gurtlage des Pferdes laufen. Idealerweise sollte die Lotlinie des Reiters mit der Lotlinie des Pferdes und dem Verlauf von Steigbügeln und Gurt übereinstimmen. Der Sattelgurt (ausser Schnurgurt) muss eine genügende Ellenbogenfreiheit gewährleisten und soll am Brustbein eine grosse Auflagefläche, die weich gepolstert ist, aufweisen. Elastische Gurtstrupfen sollten immer so geschnallt sein, dass sie rechts und links gleichmäßig gegurtet sind. Das ist auch beim Nachgurten zu beachten. Kurzgurte müssen so lang sein, dass bis zur Satteldecke reichen, damit die Schnallen nicht die Ellenbogenfreiheit einschränken. Brüchige Gurte und Textilgurte mit schmalen Verstärkungsstreifen verursachen dem Pferd Schmerzen.
10b. Kurzstrupfen und V-Gurtung
Das DIPO bevorzugt Kurzstrupfen mit Langgurten. Ein Langgurt umschliesst den Pferdekörper besser als ein Kurzgurt. Zudem üben Kurzstrupfen deutlich weniger Druck auf die Rippen aus, weil sie in ihrem ganzen Verlauf durch das Sattelblatt geschützt werden. V-Gurtungen sind vor allem dann problematisch, wenn die Vorgurtstrupfe am Kopfeisen befestigt ist und die hintere Strupfe das letzte Drittel des Sattels auf den Pferderücken zieht.
Quelle: http://www.osteopathiezentrum.de