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Durch die Akademische Reitkunst erblüht die Arbeit der alten Reitmeister wie Frederico Grisone, Francois Robichon de la Guérinière oder Gustav Steinbrecht von Neuem. Zu jener Zeit, als Ross und Reiter ihre Dienste in Kriegen und Schlachten leisteten, war die wendige und geschickte Vereteidigung gegenüber dem Feind essentiell. Die Entwicklung der erforderlichen Eigenschaften war also eine zentrale Aufgabe in der damaligen Pferdeausbildung. Ein einsatzfähiges Kriegspferd zeichnete sich durch eine gewandte, korrekt bemuskelte und mit Sprungkraft ausgestattete Hinterhand, sowie durch eine bereitwillige und durchlässige Ausführung jeder noch so kleinen Hilfengebung aus.
Als die Waffenreiterei aus vielerlei Gründen zunehmend an Wert verlor, entwickelte sich das Reiten nur für die reine Kunst, was bis heute so geblieben ist.
Der Mensch hat sich vor langer, langer Zeit dazu entschieden, wenn auch zu unterschiedlichem Zweck, sich auf den Rücken des Pferdes zu setzen. Betrachtet man jedoch die Anatomie, ähnelt der Pferdekörper einer Brückenkonstruktion, die für das Lastentragen nicht wirklich geeignet ist. Die Arbeit nach den Grundsätzen der Akademischen Reitkunst erleichtert dem Partner Pferd jedoch, seinen Reiter besser tragen zu können.
Bevor sich dieser jedoch um den Körper des Pferdes kümmern kann, muss der Reiter zuerst den Geist des Pferdes erreichen und sein Vertrauen gewinnen. Deshalb beginnt auch hier, wie in jeder anderen sinnvollen Ausbildung, die Arbeit am Boden.
Bei weiterführenden Aufgaben, zuerst auch am Boden, bei der Kappzaumarbeit an der Hand und an der Longe, dann durch die Arbeit unter dem Sattel, steht das beidseitige Gymnastizieren des Pferdes für einen geschmeidigen Körper und um seine natürliche Schiefe ins Gleichgewicht zu bringen, im Zentrum. Dabei wird eine aktiv zum Schwerpunkt schwingende Hinterhand, ein aufgewölbter, beweglicher Rücken, freie Schultern, eine vorgreifende Vorhand, ein entspannter Unterhals, ein korrekt gestelltes Genick, ein weicher Unterkiefer und eine geschmeidige Längsbiegung des Pferdes angestrebt. Auf gebogenen Linien und über Seitengänge wie Schulterherein und Kruppeherein, lernt das Pferd sich geraderichten zu lassen. Das Ergebnis sind eine geistige und körperliche Losgelassenheit.
Das Ziel ist stets die Tragkraft der Hinterhand zu fördern, demzufolge eine Schwerpunktverlagerung in diese Richtung zu erreichen, aber auch die Selbsthaltung des Pferdes. Versammelnde Lektionen wie Piaffe, Passage, Levade, etc. sind äusserst herausfordernde Aufgaben, die nicht jedes Pferd zu meistern vermag. Deshalb setzt auch in der Akademischen Reitkunst das Pferd die Grenzen seiner Möglichkeiten, die es vom Menschen zu akzeptieren gilt.
Durch das Verständnis der biomechanischen Zusammenhänge, kombiniert mit Feingefühl und einem guten Gespür, lernt der Reiter sein Pferd über seinen Sitz zu formen und zu leiten - dann entsteht Leichtigkeit.
"Wenige Tätigkeiten sind so charakterbildend wie das Ausbilden von Pferden." Bent Branderup