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Ich habe 30 Jahre in der IT vornehmlich bei Banken gearbeitet, auch für die Bank Leu respektive die Clariden Leu innerhalb der Credit Suisse. Ich war mit dabei, als diese 2012 starb und ein grosses Seufzen über das Ende der ältesten Bank von Zürich durch die Presse ging.
Als im CS Intranet eine Anzeige geschaltet wurde, mit der man alte Einrichtungs- und Kunstgegenstände im und aus dem traditionsreichen Leu-Haus verhökern wollte, begann ich mich für die Frage, was denn wohl mit den alten Leu Akten geschehen würde, zu interessieren. 2016 habe ich begonnen, alte Dokumente der Bank Leu im Staats-Archiv zu studieren.
Dies ist ein erster Bericht meiner Recherche, er soll als lose Folgen in unregelmässigen Abständen hier auf IP erscheinen.
Den historischen Ausflug können wir knapp noch als Jubiläumsschrift verbuchen, 2019 würde es die Bank Leu nämlich 221 Jahre geben. 1798 wurde die Leu & Cie. als Privatbank gegründet, vorher war sie „bloss“ die staatliche oder halbstaatliche „Zinskommission Leu“, von der wir separat noch hören werden.
Der Grund für die Privatisierung: Nur so konnten die investierten Kundengelder vor dem Zugriff der napoleonischen Truppen beziehungsweise der Helvetischen Republik geschützt werden. Diese konfiszierten nämlich „nur“ staatliche Kassen. Anders wie heute, wo Bankengelder durch staatliche Interventionen gerettet werden müssen, war es damals umgekehrt.
Am 25.Juli 1798 wurde die erste Generalversammlung aller Obligationäre mit Einlagen über 2’000 Gulden einberufen. Es waren immerhin 686 Stimmen, die so zusammenkamen und den neuen Vorstand, den ersten Verwaltungsrat der Bank Leu, wählten. Wir merken uns, der Name Escher kommt da dreimal vor.
Die ersten privaten Kreditgeschäfte gehen auf das Jahr 1794 zurück, als das übliche Anlagegeschäft im Ausland, das die Zinskommission Leu betrieb, wegen der französischen Revolution immer heikler und risikoreicher wurde, allen voran natürlich die Staatsanleihen in Frankreich, das damals das diversifizierteste und variantenreichste Finanzsystem in ganz Europa hatte. Die ersten 20’000 Gulden Privatkredit gingen an Georg Escher.
Die Zürcher Gelder waren bis dahin als „Rentenverschuldung“ in England, in Österreich war man permanent engagiert mit Wiener Stadtbankobligationen und Anleihen an die Tiroler Stände, berühmt wurde die Obligation der Kaiserin Maria Theresia, an der sich die Zürcher prominent beteiligten.
Die Bank und das Kundengeschäft wurden privatisiert, mit dem Kredit an Escher wurde auch der strikte Grundsatz, der bis dahin galt, dass nämlich nur im Ausland investiert werden durfte, über Bord geworfen.
Anfragen nach Privatkrediten hatte Leu genug, der Name war sowohl in der Schweiz wie im benachbarten Ausland, insbesondere bei den deutschen Fürstentümern, ausgezeichnet. Doch die meisten Anträge wurden abgelehnt: zu unsicher nach genauerer Prüfung.
Bis 1798 taucht dann der Name Escher auch bei den Kunden immer häufiger auf. Man kann zwar nicht von einem Familienunternehmen sprechen, aber immerhin die Feststellung treffen, dass das Bankgeschäft bei der Familie Escher durchaus eine Tradition hatte und die spätere Gründung der SKA durch den berühmten Alfred Escher so gesehen keine Überraschung war.
Die Kontoführung der Kunden, die fein säuberlich alphabetisch geordnet ist, kann im Staatsarchiv auf einer CD nachgelesen werden, auch wenn es schwerfällt, die schnörkelreiche Federschrift zu entziffern. Und leider ist im pdf der fotografierten Hauptbücher, die vom historischen Archiv der Credit-Suisse 2011 in einem offiziellen Akt dem Kanton Zürich übergeben wurde, auch keine Suchfunktion möglich.
Doch ich staune nicht schlecht: Beim Durchscrollen und gelegentlichen Versuchen, die Geschäfte genau nachzuvollziehen, stosse ich auf abgedeckte Stellen, ganz offensichtlich. Schwarze Balken gezielt für einzelne Einträge und auch bis zu halbe Seiten für … ja für was? Was wurde da abgedeckt, um vor der Öffentlichkeit zu schützen? Der Titel für meine Recherche stand auf jeden Fall fest: Schwarze Flecken.