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Geschichte
Gegründet wurd der heutige Reinacher Sportverein am 15. November 1925 als Katholischer Turnverein KTV Reinach. Auslöser dafür ist eine Diskussion im Katholischen Jünglingsverein, als es um die Gestaltung der Jahresfeier geht. Man will anstelle eines Theaters einen Reigen aufführen, kommt dann aber zur Auffassung, dass ein Reigen eher in Richtung körperlicher Ertüchtigung gehe. Und sofort springt der Funke.
Jules Stöcklin – Mitglied des Bürgerturnvereins Basel – und Karl Feigenwinter können sich in kurzer Zeit davon überzeugen, dass Interesse an einem eigenen Turnverein vorhanden ist. Mit wohlwollender Unterstützung des Ortspfarrers Marc Arnet und der kantonalen und schweizerischen Verbandsbehörden - der Schweizerische Katholische Turnverband war eben erst, 1919 gegründet worden - kommt es an diesem 15. November 1925 zur Vereinsgründung. Bei der Vereinsgründung dabei sind Jules Stöcklin als erster Präsident, Karl Feigenwinter als Aktuar, Karl Grellinger als Kassier, Mathis Feigenwinter als Beisitzer sowie Adolf Bacher, Paul Holinger, Niklaus Kilchher, Ernst Kunz, Arnold Marti, Georg Meury, Alfons Schneider, Alois Schneider, Edmund Schneider, Niklaus Schneider und Peter Stadelmann.
Erster "Leiter der turnerischen Übungen" wird der Basler Fritz Schililnger.
Die Gründung des neuen Vereins erfolgt sehr zum Missfallen des Eidgenössischen Turnvereins ETV in Reinach. In den Schriften des Turnvereins ETV wird die Gründung als "politisches Ereignis" taxiert. Ein konfessionelles Bedürfnis dafür habe bei der Zusammensetzung des Turnvereins von 23 Katholiken und einem Protestanten nicht bestanden.
Das ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit, fühlten sich die praktizierenden Katholiken im ETV doch stets zu wenig ernst genommen. So hatten sie beispielsweise an den Eidgenössischen Turnfesten keine Gelegenheit, die Heilige Messe zu besuchen.
Bereits im Jahre 1927 strebt der Turnverein ETV eine Fusion an, mit dem Argument, es drohe mit einem Arbeiterturnverein eine neue Konkurrenz. "Alle unsere gutgemeinten Vorschläge", so heisst es in der Festschrift zum 75jährigen Jubiläum des Turnvereins ETV 1938, "wurden abgelehnt und dagegen die Forderung aufgestellt, wir müssten in den Kath. Turnverband eintreten. Das hätte den Austritt aus dem Eidg. Turnverband bedingt, eine Forderung, die wir selbstverständlich nicht eingehen konnten". Noch einmal finden 1935 Fusionsverhandlungen statt, die aber ebenfalls scheitern.
In den ersten Statuten wird der Zweck des Katholischen Turnvereins Reinach wie folgt umschrieben: "Der Katholische Turnverein Reinach bezweckt den Zusammenschluss katholischer Turner und Sportler, um denselben eine allseitige körperliche Ausbildung, Pflege des edlen Turnsportes und anderer Leibesübungen auf religiös-sittlicher Grundlage sowie die Pflege edler Freundschaft und Geselligkeit zu ermöglichen."
Selbstverständlich werden die Statuten im Laufe der Zeit den geänderten Verhältnissen (mehrfach) angepasst.
In der Fassung von 1974 heisst es: "Der Verein bezweckt, das Angebot an sinnvoller Freizeitbeschäftigung dadurch zu bereichern, dass er das Turnen und andere der Gesunderhaltung des Menschen dienende Sportarten in sein Programm aufnimmt und im Geiste der christlichen Nächstenliebe Kameradschaft und Geselligkeit pflegt".
Und schliesslich in der heute noch gültigen Fassung vom 6. November 2009 schlanker und zeitgemässer: "Der Verein bezweckt das Angebot an sinnvoller Freizeitgestaltung, wie Turnen und andere Sportarten, sowie Pflege der Geselligkeit. Er setzt sich insbesondere aktiv für eine sinnvolle, sportliche Betätigung von Jugendlichen ein.
Bei den Pflichten der Mitglieder heisst es heute, dasss sie sich an die Statuten und die Vereinsbeschlüsse zu halten und den Jahresbeitrag zu entrichten haben. Wie anders tönte das noch in der Gründungszeit bis zur Revision im Jahre 1974: "Wer als Aktivmitglied aufgenommen zu werden wünscht, hat sich einer Probezeit von mindestens einem viertel Jahr zu unterziehen. Jedes Mitglied ist verpflichtet, die festgesetzten Übungen resp. Turnstunden fleissig zu besuchen. Es hat die Interessen des Vereisn in allen Telen zu wahren. Unentschuldigtes Wegbleiben wei Übungen und Versammlungen wird mit 50 Cts. gebüsst. Ebenso kann bei unentschuldigtem Wegbleiben oder Verspätetem Antreten der Anlässe das betr. Mitglied mit Fr. 1.- bis Fr. 20.- belegt werden. Über die Gültigkeit der Entschuldigungen entscheidet der Vorstand. Aktivmitglieder sin verpflichtet, einem katholischen Standesverein anzugehören."
Wie sich doch die Zeiten ändern...
Lebhafte Entwicklung
Erste grosse Tag nach der Gründung:
Am 20. Oktober 1927 beschliesst die Vereinsversammlung, eine Jugendriege ins Leben zu rufen. Ein Jahr später sind ihr bereits 30 Knaben angeschlossen. Eine sehr erfolgreiche Tätigkeit des KTV Reinach nimmt damit ihren Anfang. Sie verdient, weil sie inzwischen abgeschlossen ist, einen kleinen separaten Abschnitt.
Das Gleiche gilt für die Geschichte der Vereinfahne, die ihren Anfang am 14. Januar 1930 nimmt mit dem Beschluss, einen Fahnenfonds zu schaffen mit einem Startkapital von 250 Franken, was damals eine stattliche Summe war.
Das Jahr 1938 bringt eine starke Einschränkung im Turnbetrieb und Vereinsleben. Aufgrund der ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche werden Versammlungen und Veranstaltungen verboten. Auf die Strasse, die ins Dorf hinein führt, wird auf einer Breite von 5 Metern mit Lisol getränktes Sägemehl gestreut. Während einer längeren Zeit ist rund um die Uhr ein Polizist postiert, der die Schuhsohlen der Passanten abspritzt. Reinach ist immer noch ein Bauerndorf!
Am 22. August 1941 erfolgt die Gründung einer vom KTV inspirierten, aber unabhängien Damenriege unter dem Namen "Katholische Turnerinnen Reinach".
Ab 1942 wird der militärische Vorunterricht ins Programm aufgenommen, bis der Vorunterricht 1972 in "Jugend und Sport" übergeht.
Am 27. und 28. Februar 1949 finden die ersten Maskenbälle des Reinacher Sportvereins statt. Sie läuten eine rund 40jährige Periode eines beliebten Engagements der Turner und Turnerinnen in der Gemeinde ein.
Am 29. November 1952 wird die Männerriege des KTV Reinach gegründet für die etwas älteren und weniger Handballorientierten Mitglieder. Die Männerriege git am 17. Mai 1957 ihre Selbständigkeit auf und wird eine Sektion des KTV.
1966 - 1971 leitet der Reinacher Dr. Oswald Blunschi als Zentralpräsident die Geschicke des Scheizerischen Katholischen Turn- und Sportverbandes.
1970 löst sich der Verein "Katholische Turnerinnen Reinach" auf.
Ein besonderer Tag ist zweifellos der 24. November 1973. Die Generalversammlung beschliesst eine Namensänderung. Der "Katholische Turnverein-Reinach" heisst von jetzt an "Reinacher Sport-Verein" RSV. Zwar bleiben die Statuten, die Verbandszugehörigkeit und die Grundsätze gleich, doch der Name ist gleichwohl auch Programm. Katholisch zu sein, war und ist schon lange keien Voraussetzung mehr fürs Turnen im KTV. Doch der Namenswechel tut trotzdem einigen älteren Mitgliedern weh.
Eine Viertelstunde nach der denkwürdigen Versammlung - aber ohne Zusammenhang mit dem Namenswechsel - wird dem Vereinspräsidenten auf der Strasse eröffnet, dass man eine zusätzliche Sektion "Fitness" ins Leben rufen wolle. 1974 wird die neue Sektion offiziell in den Verein integriert.
1922 bilden die Handballer eine Spielergemeinschaft mit dem Stadtturnverein Basel bis zu dessen Auflösung 1997, eine Idee, die im Jahre 2000 mit dem TV Reinach erneut realisiert wird.
Am 28. Januar 1994 werden die alte Vereinsfahne und die Jugendriegefahne feierlich dem Reinacher Heimatmuseum übergeben; am 28. Oktober 1995 kann die neue Fahne, verbunden mit einem Volleballturnier, eingeweiht werden.
Im Jahre 1995 wird die Jugendriege aufgelöst.
Am 29. November 1996 heisst die Generalversammlung neue Statuten und ein neues Fahnenreglement gut.
Im Jahre 2000 wird das 75jährige Jubiläum des Vereins gefeiert. Am 8. und 9. September präsentieren sich die drei Sektionen Handball, Fitness und Männerriege der Öffentlichkeit in Reinach. Sie zeigen selbstbewusst, wer sie sind und was sie bieten und werben damit gleichzeitig um neue Mitglieder. Am 18. November feiert der Verein den hohen Geburtstag mit einem gemötliche Rundgang durch die Basler Altstadt, einem originellen Apéro und einem festlichen Nachtessen im Pfarreiheim St. Nikolaus, wo - wie die Geschichte zeigt - nicht zum ersten Mal gefestet und gefeiert wird.
Vielfältige Aktivitäten
Wie kann man über 75 Jahre lebhafter, veilfältiger Aktivitäten in Turnen, Sport und Gesellschaft berichten? Eigentlich überhaupt nicht. Denn jedes Jahr wird ein mehrseitiger Jahresbericht des Präsidenten über die Vereinstätigkeit, ergänzt mit Berichten der einzelnen Sektionen, der Generalversammlung vorgelegt. Es bleibt lediglich die Möglichkeit einer summarischen Aufzählung. Sie aber soll einen Eindruck davon geben, was die Vereinstätigkeit in diesen 75 Jahren alles ausmachte, nämlich
- regional, kantonale, schweizerische und internationale Turnfeste
- regionale, kantonale und schweizerische Vereinsmeisterschaften
- Leichtathletikmeisterschaften, Schwingfeste und Orientierungsläufe
- Handball- Korbball- Faustball-, Volleyball- und Fussball(Grümpel)-Turniere.
Unzählig sind die Lorbeeren, Eichenkränze, Medaillen, Diplome, Pokale und Becher, mit denen der Verein, die Sektionen und viele einzelne Turner und Leichtathleten ausgezeichnet wurden.
Wenn die Turn- und Trainingsstunden, die Basis der vielfältigen Tätigkeit, nicht aufgezählt werden, weil sie selbstverständlich und nicht zählbar sind, so muss der Ehrlichkeit halber doch auch erwähnt werden, dass - trotz der anfänglichen rigorosen Statuten - zwischenhinein immer auch wieder das Klagelied der Leiter über mangelnden Besuch nicht zu überhören ist. Stark eingeschränkt ist der Turn- und Sportbetrieb während der Kriegsjahre, als viele Mitglieder des KTV an der Grennze stehen. Später ist in einem Protokoll aus dem Jahre 1966 zu lesen, dass sich die Aktiven immer mehr auf Handball ausrichten, oder 1971, dass die Aktivriege Handball, die Männerriege Faustball spielt.
Abgeschlossen wird das Vereinsjahr während Jahrzehnten mit einem Schlussturnen, das wiederum in einen Unterhaltungsabend mündet. An den Jahresfeiern werden die turnerischen Vorführungen ergänzt mti Theater, SKetches und Musikvorträgen, meist vollständig "us eigenem Bode".
Einige Highlights verdienen, speziell hervogehoben zu werden zum Beispiel
- das vom jungen KTV organisierte 1. Basler Katholische Kantonalturnfest in Reinach am 22./23. August 1931 mit der Fahnenweihe des KTV, mit Festgottesdienst, Festumzug und einem Unterhaltungsabend am Samstag und Sonntag
- das vom KTV organisierte interregionale Turnfest des Kath. Turn- und Sportverbandes Baselland und Laufental am 20./21. Juni 1953 mit Festgottesdienst, Festumzug und Abendunterhaltung in der Festhütte am Samstag und Sonntag
- die vom KTV resp. jetzt RSV durchgeführte 45. Landsgemeinde der Veteranenvereinigung des SKTSV in Reinach am 4. Juni 1989
- und als Beispiel einer der gelungen Jahresfeiern der Unterhaltungsabend von 1943 mit dem Grosserfolg (1200 Zuschauer) des selbst kreierten Nonstop-Stückes "Frühlingsseefahrt - Weltrundreise mit der Atlanta".
Nicht zu vergessen sind die Turnerwalfahrten nach Mariastein, an denen auch heute noch, da Konfession und Kirche nur mehr individuell für die Mitglieder, nicht aber für den Verein eine Rolle spielen, jeweils eine Gruppe teilnimmt.
Aber nicht nur als Turn- und Sportverein hat der RSV einen festen Platz in der Dorfgemeinschaft. Kein grösseres Fest, an dem der RSV nicht in irgend einer Form beteiligt wärde.
Wir erwähnen die Mitwirkung am ersten Basellandschaftlichen Winzerfest im Jahre 1934 in Reinach, an dem man 25'000 Zuschauer zählte, am Reinacher-Bristenfest 1982, am WBZ-Dorffest 1985, an Jubiläumsfeiern der Ortsvereine, Gewerbeausstellungen, Einweihungsfeiern neuer Schulhäuser und Turnhallen, Dorf- und Pfarreifesten und 1. August-Feiern.
Und schliesslich das "Gesellige" im Verein und seinen Sektionen selbst: Wanderungen, Riegen-, Herren- und Bettagsbummel, Veloausfahrten, Skitage, Familienausflüge, Santichlaus- und Weihnachtsfeiern und last but not least Jass- und Kegelabende.
Die Vereinsfahne
Mit Fahnen – wie mit vielen andern traditionsreichen Institutionen – tun sich heute viele Leute schwer. Das mag an ihrer ursprünglichen Bedeutung im Militärischen liegen, als die Fahne vor allem Orientierungshilfe im Schlachtengetümmel war. Diese Aufgabe hat sie längst verloren. Die Fahne wurde mehr und mehr zum stolzen Zeichen einer selbstbewussten Gemeinschaft. Wer was ist, hat auch eine Fahne. Sie symbolisiert, längst übers Militärische hinausgewachsen, all das, wofür sich eine Gemeinschaft einsetzt. Sie ist Ausdruck ihres Selbstverständnisses und ihrer Zusammengehörigkeit. Heute reden wir von Corporate Identity, scharen uns um ein Logo und stecken uns Pins an. Die Formen ändern, Inhalt und Botschaft bleiben. Auch beim RSV.
Fünf Jahre nach der Gründung, 1930, wird auf Vorschlag von Meinrad Meury ein Fahnenfonds mit einem Startkapital von 250 Franken ins Leben gerufen. Ziel ist es, die neue Fahne am 1. Basler Katholischen Kantonal-Turnfest in Reinach im Sommer 1931 weihen zu können. Erstmals führt der Verein aber schon im Sommer 1930 am Turnfest in Colmar eine Fahne mit sich, eine Schweizerfahne.
Hergestellt wird die eigene Fahne von der Firma Kurrer und Schaedler in Wil/SG zum Preise von 600 Franken. Am Festgottesdienst des 1. Basler Katholischen Kantonal-Turnfest am 23. August 1931 kann die Fahne vom damaligen Ortspfarrer Mar Arnet eingeweiht werden. Die eigentliche Enthüllung der Fahne erfolgt während der Abendunterhaltung am Sonntagabend (Übrigens: Zu dieser Zeit zählt Reinach 2'500 Einwohner und noch über 100 Landwirtschaftsbetriebe, heute sind es ca. 18'500 Einwohner und 5 Bauernbetriebe).
Auch die Jugendriege erhält ihre Fahne. Sie wird der Vereinsfahne nachgebildet, von den Ehrwürdigen Schwestern von Reinach angefertigt und an der Jahresfeier vom 9. Januar 1933 enthüllt.
Am 25. November 1941 werden die beiden Fahnen (zusammen mit den Vereinskränzen und Photos) bei einem Brand im Restaurant 3 Eidgenossen trotz eines mutigen Rettungsversuches des Fähnrichs Konrad Kury weitgehend zerstört. Dank der Entschädigung durch die Versicherung kann der Verein je ein Duplikat der alten Fahnen anfertigen lassen.
Am 12. Dezember 1965 steht in einem Protokoll, dass die Fahne havariert sei und nicht mehr benutzt werden könne. Es dauert aber noch bis zum Herbst 1978, bis auf Vorschlag von Hansruedi Schneider an der Generalversammlung - allerdings nur mit 24 zu 20 Stimmen - ein neuer Fahnenfonds geschaffen wird. Die Zeit der Fahneneuphorie ist offenbar vorbei. Es geht offenslichtlich auch nicht so recht vorwärts mit dem Fonds und der neuen Fahne, denn im November 1991 erfährt der Verein, dass Klaus Leimgruber die alte Fahne auf seine Kosten reparieren liess. Ihr Alter und ihre geschichtliche Bedingtheit kann sie jedoch nicht leugnen.
1993 wir der Vorschlag, die alte Fahne als Leihgabe dem Heimatmuseum zu übergeben gutgeheissen - und gleichzeitig beschlossen, eine neue Fahne zu kreieren.
Am 28. Januar 1995 werden die beiden Fahnen, welche die Turner zu unzähligen Turnfesten und Anlässen begleitet hatten, früher etwas mehr, später etwas weniger, hochoffiziell dem Heimatmuseum übergeben.
Im gleichen Jahr nimmt eine Fahnenkommission die Arbeit auf, die auf Grund eines Entwurfes von Hans Haldimann die neue Fahne gestaltet.
Und was bringt sie zum Ausdruck? Den RSV, die Gemeinde Reinach und einen Turner, alles in einer modernen Verion, die - so die Absicht - mindestens zwei Generationen überdauern soll. Hergestellt wird sie von der Firma Heimgartner AG in Wil/SG, nicht mehr für 600 Franken, sondern für rund 10'000 Franken.
Am 28. Oktober 1995 wird die neue Fahne im Rahmen eines Volleyballturniers und in Anwesenheit der Spitzen der Reinacher Behörden enthüllt und von Pfarrer Hans Brühwiler eingesegnet. Und bei dieser Gelegenheit kommt, oh Wunder, die alte Originalfahne wieder zum Vorschein, die beim Brand 1941 nur Wasserflecken abbekommen hatte; sie hängt jetzt auch im Heimatmuseum.
Spritzige Jugendriege
Beinahe 50 Jahre lang betreute der Reinacher Sportverein Buben und Mädchen aus Reinach in einer speziellen Jugendriege.
Schon am 20. Oktober 1927 wird die Jugendriege gegründet. Ein flotter Start beschert ihr bereits ein Jahr später rund 30 Knaben. Die Jugendriege entspricht einem grossen Bedürfnis und verzeichnet meist mehr "Aktive" als der Stammverein. 1966 wird im Jahresbericht festgehalten, dass in jeder Turnstunde 35 bis 45 Knaben erscheinen. Angesichts solcher Zahlen wundert es nicht, dass es oft recht schwierig ist, genügend Leiter zu finden.
1968 wird auch eine Mädchenriege gegründet, sodass man 1970 rund 100 Buben und Mädchen zählt. 1974 schliessen sich die Mädchen der Katholischen Frauenturngruppe an.
Mit der Jugendriege nimmt der Reinacher Sportverein an unzähligen Veranstaltungen teil, oft mit grossem Erfolg. Wir wollen einige besondere Anlässe aus der jüngeren Vergangenheit heraus picken. 1969 organisiert der RSV den Jugendriegetag des Katholischen Turn- und Sportverbandes beider Basel in Reinach, an dem über 300 Buben und Mädchen teilnehmen. 1974, 1979, 1983 und 1986 finden die Jugendsporttage des KTSVB erneut in Reinach statt, mit gegen 200 Mädchen und Buben.
Es ist wohl vor allem das zunehmende Angebot an Freizeitbeättigungen aller Art, das zu einem allmählichen Nachlassen des Interesses der Kinder für die Jugendriege führt.Dazu kommen wachsende Schwierigkeiten, genügen qualifizierte Leiter zu finden.
1995 hat dies schliesslich die Auflösung der Jugendriege zur Folge.
Die Zeit der Maskenbälle
Am 27. und 28. Februar 1949 beginnt die grosse Zeit der Maskenbälle des Reinacher KTV. Aus einer ganz gewöhnlichen Terminkollision heraus sollte eine beinahe 40 Jahre dauernde erfolgreiche Institution werden!
Die damalige Jahresfeier mit der üblichen Tanzunterhaltung am 30. Januar kollidierte mit dem Anbetungtag der Pfarrei, an dem eine Tanzveranstaltung undenkbar war.
Da kein anderes Datum als der 27. Februar in Frage kam, wurde die Tanzveranstaltung auf diesen Tag verschoben. Das aber war der Fasnachtssonntag. Darum sollte der Abend mit einem kleinen Fasnachtsball mit Maskenprämierung ergänzt werden, wohl wissend, dass der Männerchor Reinach jeweils am Fasnachtsmontag und -dienstag einen Maskenball durchführt. Erst nachträglich wird bekannt, dass der Männerchor seinen Maskenball auf den Sonntag vorverschoben hat.
Der Konflikt ist damit vorprogrammiert. Der Männerchor protestiert geharnischt auf diesen "Eingriff in die traditionellen Veranstaltungen des Männerchors". Einigungsverhandlungen führen zu nichts. Im Gegenteil: Der Männerchor kann dem RSV das bereits schriftlich engagierte Orchester ausspannen und für seinen Ball verpflichten. Das in aller Eile ausfindig gemachte Ersatz-Orchester ist dann aber so teuer, dass der RSV grad zwei Bälle durchführt, am Sonntag und am Montag.
Also ein Start unter Wirren. Doch schon 1951 können die Differenzen bereinigt und der Maskenball zusammen mit dem Männerchor durchgeführt werden. Die Maskenbälle - dann wieder unter eigener Regie - zuerst im Schlüsselnn im Mariengarten und schliesslich in der Weiermattturnhalle - erfreuten sich grosser Beliebtheit. Sie bringen dem Verein auch einen willkommenen Zustupf in die Kasse. In den siebziger und achtziger Jahren flaut die Begiesterung für Maskenbälle - nicht nur in Reinach - etwas ab, manchmal auch das Engagement der Turner für den doch recht beträchtlichen Aufwand.
In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre werden von Reinachern und Nicht-Reinachern Anstrnugnen unternommen, die Reinacher Fasnacht neu zu beleben und gross aufzuziehen. In diesen "Fasnachtswirren" führt der RSV 1987 seinen letzten eigenständigen Maskenball durch. 1988 beteiligt er sich am Fasnachts-Gala-Abend in Zusammenarbeit mit dem Fasnachtskomitee.
Was aber eine Partnerschaft hätte sein sollen, wird eher zu einer für den RSV unbefriedigenden Fusion. An einer ausserordentlichen Generalversammlung am 5. Mai 1988 beschliesst deshalb die Versammlung, in Zukunft auf Maskenbälle und Fasnachtsveranstlatungen zu verzichten. Eine Zeitlang leistet der Verein noch einen Beitrag an den Fasnachtswagen, doch auch das findet 1994 sein Ende.
Ein erfolgreiches Engagement, beliebt in der Gemeinde, wohltuend für die Kasse, geht damit nach rund 40 Jahren zu Ende - weil es nicht mehr zeitgemäss ist.
Im Winde des Zeitgeistes
Der Zeitgeist weht in den Jahren des ausgehenden 20. Jahrhunders und des beinnenden 21. Jahrhunderts den Vereinen steif entgegen. Individualität, nicht Gemeinschaft sind gefragt. Unabhängig sein, keine Bindungen eingehen, das ist die Lebensphilosophie. Statt in einen Turnverein geht man ins Fitnesscenter, statt Training im Sportverein sind Kraft und Konditionsübungen im Maschinensaal eines Sportcenters Trumpf.
Wer sich gerne für teueres Geld anonym durch die ausgeklügelten Maschinen und Apparate quält dem sei das natürlich unbenommen. Das kann der Reinacher Sportverein nicht anbieten.
Und doch. Der RSV versagt sich den modernene Strömungen natürlich nicht vollkommen. Das zeigt die Geschichte deutlich genug.
Im Fitness- und Konditionstraining, in de Übungen und in den Spielen passt er sich den Erkenntnissen und Wünschen der Zeit an. Aber statt mit Maschinen arbeitet er mit Menschen. Statt teuren Abos verlangt er einen bescheidenen Mtgliederbeitrag und über Turnen, Sport, Kraft, Bewegung, Kondition und Fitness hinaus biete er eine ganze Palette von Freizeitbetätigungen, die jedem offen stehen, aber keinen zu irgen etwas nötigen. Er bildet eine Gemeinschaft, die lockerer nicht sein könnte, eine Bindung, die niemanden zu fürten braucht, die jeder so eng gestalten kann, wie es ihm gefällt. Beim Reinacher Sportverein mitmachen, heisst mit anderen Leuten zusammen sein, mit Gleich- oder auch Ähnlich-Gesinnten, heisst auch Kameradschaft, heisst für manchen vielleicht auch ein Stück Geborgenheit.
Und wer im RSV nicht alles findet, was er zu seinem körperlichen Wohlbefinden benötigt, der mag selbstverständlich das eine tun und das andere nicht lassen.
Und wer weiss, vielleicht weht beim hunderjährigen Jubiläum des Reinacher Sportvereins der Zeitgeist wieder aus einer etwas anderen RIchtung.