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Um Spielsportarten im Allgemeinen und Gaelic Football im Speziellen attraktiv und zielorientiert vermitteln zu können müssen folgende Fragen beantwortet werden: Welcher Zugang wird gewählt? Was wird in den Fokus gestellt: Isoliertes Üben der Technik oder ganzheitliche Taktikschulung im Spiel? Welche fachlichen oder überfachlichen Ziele werden verfolgt?
Die Übungen, Spielformen und Spiele dieses Dossiers sind so gewählt, dass sie sowohl einen technischen als auch taktischen Zugang zu Gaelic Football ermöglichen. Auch wenn in der Praxis häufig eine Mischform angewendet wird, erscheint der spielerisch-taktische Zugang der attraktivere und zielführendere Weg.
Die folgenden didaktischen Überlegungen zeigen auf, wie Gaelic Football und auch alle anderen Sportspiele spielorientiert und erfolgreich vermittelt werden können. Wichtige Voraussetzungen sind:
- Gute Sachanalyse, grosses Spielverständnis der Lehrperson;
- Aktive und kognitive Auseinandersetzung mit dem Spiel und dessen Veränderungs- und Anpassungsmöglichkeiten von Regeln, Material, Feldgrösse und Anzahl Spieler;
- Offenheit und Einverständnis aller Beteiligten, dass Veränderungen/Anpassungen akzeptiert, diskutiert und als sinnvoll erachtet werden können (siehe S. 19 «Pädagogische Zielsetzungen»).
Das Verständnis der Lehrperson
Eine gute Sachanalyse im Gaelic Football beinhaltet nebst einem geschichtlichen Abriss (Erschliessung einer neuen (Sport)-Kultur) Kenntnisse über Regeln, Spielidee (Taktik) und spezifische Techniken. Dabei ist es wichtig, sich über die Besonderheiten (z.B. Ball kann mit Händen und Füssen gespielt werden, es können Tore und Punkte erzielt werden) und Schwierigkeiten (z.B. Anwendung der Skills im dynamischen Spiel, Tackling) des Zielspiels im Klaren zu sein.
Diese sollen adressatengerecht, den Voraussetzungen und den Bedingungen angepasst didaktisch aufbereitet werden. Die Analyse, aus welchen bekannten Sportarten technische und taktische Fertigkeiten transferiert werden können, vereinfacht den Lernenden den Zugang zum Spiel.
Für Gaelic Football bedeutet das konkret, aus den bekannten Invasionsspielen folgende allgemeine taktische Merkmale zu thematisieren:
- Dem Gegner ausweichen (1:1 Situationen, Täuschung)
- Lücken (freien Raum) sehen und nützen,
- Freilaufen (anbieten/orientieren/positionieren)
- Zusammenspielen
- Überzahlsituationen erkennen und nützen
- Raum oder Gegner verteidigen
Gemeinsamkeiten mit verwandten Sportarten
Zudem ist es sinnvoll, aus bekannten und verwandten Sportarten Kenntnisse und Fertigkeiten gezielt zu nutzen und zu vernetzen. Aus dem…
- …Fussball: Grundidee des Spiels, Taktik und Technik (z.B. Torschuss, Kickpass oder Toe-Tap) und gewisse Regeln
- …Rugby: Grundidee des Spiels, Erzielen des Punktes, Schulter-Schulter Kontakt, Technik der Ballführung und Ballsicherung
- …Hand- und Basketball: Technik Fangen und Prellen («Bounce»)
- …Volleyball: Technik Hand- oder Faustpass
Bei dieser Vernetzung findet eine aktive und kognitive Auseinandersetzung mit dem Spiel statt, was den Lehr- und Lernprozess erfolgreich unterstützt. Um die taktischen Verwandtschaften der Spielsportarten effektiv zu nutzen, ist es sinnvoll, sie in einer Semesterplanung zu berücksichtigen (z.B. Invasionsspiele als Block unterrichten).
Taktisches Repertoire erweitern
Die spielerisch-taktische Vermittlung hat das Ziel, durch Verbesserungen der taktischen Fähigkeiten die Spielfähigkeit der Lernenden zu erhöhen. Diese Vermittlung ist geleitet von folgenden Grundsätzen:
- Eine Spielsportart kann auf jedem technischen Fertigkeitsniveau gespielt werden.
- Das Spielen steht vor dem Üben.
- Richtig geübt wird erst dann, wenn man versteht wofür.
- Spielen lernt man, wenn man spielt.
- Zuerst wird vermittelt, was zu tun ist (Entwicklung des Taktikbewusstseins) und erst danach, wie es zu tun ist (Entwicklung der Technik).