Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03609.jsonl.gz/1223

Canis Lupus Familiaris
Etwas, das du unbedingt wissen musst. Weil du sonst Dinge, die laufen sollten, einfach nicht zum Laufen bringen kannst.
Zuerst war der Wolf.
Aus dem Wolf entstand der Hund.
Der Wolf ist der Stammvater aller Hunde
Viele der wölfischen Instinkte leben im Hund weiter.
Instinkte sind angeborene Verhaltensweisen, die aus dem Inneren heraus ablaufen und überlebenswichtige Funktionen erfüllen: zum Beispiel Sozialkontakt, Jagd, Flucht, Fortpflanzung, Graben von Wurfhöhlen, Brutpflege, Füttern und Schützen von Jungtieren.
Sowohl der Wolf als auch der Hund sind instinktiv hoch sozial.
Umgangssprachlich bedeutet «sozial», man hat ein Auge auf den Nachbarn.
Im weiteren Sinne bedeutet «sozial» gemeinsam, verbunden, kooperativ, nicht allein.
Soziale Wesen leben in Gemeinschaften.
Gemeinschaften sind die ursprünglichste Form des Zusammenlebens.
Formulierungsvarianten sind Rudel, Familie, Gruppe, Clan.
Gemeinschaften bieten Schutz, Sicherheit und Orientierung.
Sie stärken das Individuum und sichern das Überleben der Art.
Sie sind erfolgreicher bei der Jagd, bei der Aufzucht, bei der Verteidigung.
Damit ein Familiensystem störungsfrei funktionieren kann, muss eine systemische Ordnung eingehalten werden. Eine dieser Ordnungen ist die Rangfolge innerhalb der Familie. Diese richtet sich nach Erfahrung, Lebensklugheit und Verantwortung.
Bei Familienverbänden in freier Wildbahn trägt die Wölfin die meiste Verantwortung.
Sie entscheidet, mit wem sie Umgang hat.
Sie beschliesst, wessen Nachkommen sie zur Welt bringt.
Sie führt, zusammen mit «ihrem Rüden», das Rudel an.
Sie bildet das Zentrum der Familie und ist deren «moralischer» Kompass.
Die Energien zwischen den Elterntieren sind unterschiedlich, weshalb sie verschiedene, aber ineinanderfliessende Erziehungs- und Führungsaufgaben haben. Beispielsweise Tabus setzen, Grenzen ziehen, Ressourcen, Raum, Distanz und Sozialkontakte kontrollieren. Die Kontrolle der Ressourcen dient einzig und allein dazu, diese innerhalb des Rudels geordnet zu verteilen.
Falls es Konflikte in diesem Konstrukt gibt, dann deshalb, weil gegen diese Rangordnung verstossen wird – was allerdings nur selten vorkommt. Selbst hochmotivierte Jungwölfe loten ihre Grenzen zwar aus, stellen den Sozialstatus der Alten jedoch nicht infrage.
Gestandene Wolfseltern sind keine Despoten, sie führen ihre Familie souverän und mit natürlicher Autorität durchs Leben. Anders als bei uns Menschen ist ihre Dominanz keine Frage des Willens, sondern des Erbgutes.
Das Familienkonzept des Wolfes ist dem des Menschen ziemlich ähnlich. Die Eltern leben vor, was zu tun und was zu unterlassen ist. Es ist ihr Vorrecht, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, und zwar nicht mit roher Gewalt, sondern mit Intuition. Sie allein haben die Erfahrungen, die es zum Überleben braucht.
Fazit
Den Durchbruch in der Hundeerziehung schaffst du erst, wenn du für deinen Hund ein kompetenter, ausgeglichener und vor allem richtungsweisender Sozialpartner geworden bist, der weiss, was er will und dies unterstützend, aber konsequent durchsetzt.
In anderen Worten:
Sei klar
Sei authentisch
Sei konsequent
Sei geduldig
Verlange Disziplin
Zeige Empathie