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Zahlreiche frühe Fotografien aus Grönland, die heute an der ETH-Bibliothek aufbewahrt werden, sind diesen Sommer in zwei Ausstellungen zu sehen. Zum einen an der „Alfred de Quervain Anniversary Exhibition“, die von Juni bis August an zwei Orten auf Grönland (Nuuk und Uummannaq) sowie in Kopenhagen gezeigt wird.
Eskimo-Mädchen, Nugsuak. Foto: Arnold Heim, 1909 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_005-097).
Zwei Grönländer über Kajak. Foto: Alfred de Quervain (verm.), 1912 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_297-27).
Zum anderen in der Sonderausstellung „Quer durchs Grönlandeis – 100 Jahre Schweizer Grönlandforschung“ im focusTerra an der ETH Zürich (14. Juni bis 21. Oktober 2012). Neben dem Bilderschwerpunkt auf Grönlandexpeditionen des frühen 20. Jahrhunderts sind in Zürich zusätzlich zeitgenössische (Archiv-)Dokumente zu den Expeditionen und eine Darstellung moderner Schweizer Forschung in Grönland zu sehen.
Ein Teil der frühen Aufnahmen entstand 1909 an der Westküste Grönlands. Fotograf war der Geologe und Forschungsreisende Arnold Heim (1882-1965), der zusammen mit einem dänischen Kollegen die geologischen Verhältnisse in der Gegend des Uummannaq-Fiordes untersuchte. Dort traf er mit der Expedition des Schweizer Meteorologen und Geophysikers Alfred de Quervain (1879-1927) zusammen, der von einer wissenschaftlichen Expedition auf dem Inlandeis zurückkehrte. Als Alfred de Quervain 1912 mit einem kleinen Team nach Grönland zurückkehrte, um mit Erfolg als erster das Inlandeis auf einer nördlichen Route zu durchqueren und dabei den Eisschild zu vermessen und die Legende vom dauerhaften Grönland-Hoch zu widerlegen, entstand eine zweite Serie von Fotografien. Solche Aufnahmen waren nicht zuletzt dazu da, um nach Abschluss einer Expedition entsprechende Berichte (z.B. de Quervains Quer durchs Gröndlandeis, 1914) zu illustrieren oder in Form von Diavorträgen darüber zu referieren.
Auffällig ist, dass sowohl unter den Aufnahmen Arnold Heims als auch unter jenen von der Expedition de Quervains nicht nur Bilder der erforschten Gebiete und der Expeditionsteilnehmer selbst zu finden sind, sondern auch zahlreiche Fotografien der einheimischen Bevölkerung. Unschwer ist hier der grosse Einfluss Fridtjof Nansens (1861-1930) erkennbar. Mit seiner Inlandeisüberquerung von 1888 auf südlicher Route lieferte Nansen nicht nur ein erfolgreiches Beispiel einer Polarexpedition dieser Art, er studierte auch ausgiebig Kultur und Lebensweise der Inuit. Seine Beobachtungen veröffentlichte er 1891 in seinem Buch Eskimoliv. Zwei Jahrzehnte später setzten die Polarforscher aus der Schweiz diese ethnografischen Beobachtungen mit der Kamera fort. Eine zentrale Idee der Ausstellungsinitianten aus Grönland und Dänemark war es denn auch, die Bilder an ihren Entstehungsort zurück- und mit der heutigen lokalen Bevölkerung zusammenzubringen. Ergeben sich daraus präzisierende Angaben zu den abgebildeten Personen, Orten oder Gegenständen, werden die Bildinformationen entsprechend ergänzt.