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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Zweites Buch
3. Die Irrlehre entspringt der falschen Auslegung der Schrift.
Es hat nämlich eine ganze Reihe von solchen gegeben, die die einfache Schlichtheit der himmlischen Worte nach dem Belieben ihrer eigenen Willkür, nicht nach dem unantastbaren Sinn ihrer Wahrheit annehmen wollten; die eine andere Auslegung beliebten, als der Gehalt der Worte es forderte. Denn der Auslegung entspringt die Irrlehre, nicht der Schrift: und die Art der Auffassung wird zur Schuld, nicht das Wort. Kann denn die Wahrheit verderbt werden? Wenn man von des Vaters Namen spricht, ist dann nicht der Sohn in (diesem) Namen wesensmäßig enthalten? Soll etwa der Hl. Geist nicht so sein, wie er genannt wird? Denn es ist unmöglich, daß im [S. 106] Vater nicht sei das Vater-sein; noch im Sohne fehle das Sohn-sein; noch im Hl. Geist nicht Tatsache sei das Verkostet-werden.
Aber geistverkehrte Menschen verwirren und verwickeln alles; und sogar bis zur Minderung des Wesens gehen sie in der Verkehrtheit ihres Sinnes, so daß sie dem Vater nehmen, daß er Vater ist, indem sie dem Sohne es entziehen wollen, daß er Sohn ist. Sie nehmen es (ihm) aber, wenn er nach ihrer Meinung nicht seinem Wesen nach Sohn ist. Nicht aber ist er (Sohn) aus seinem Wesen heraus, wenn nicht der Geborene sich seinem Wesen nach verhält wie der Zeugende. Denn nicht ist Sohn (im strengen Sinne), wer eine andere und verschiedene Seinserfüllung hat als der Vater. Wie aber wird er Vater sein, wenn er nicht sein eigenes Wesen, seine eigene Seinsgrundlage im Sohn gezeugt hat?