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Der Schweizer Eislauf-Weltmeister Stéphane Lambiel ist davon überzeugt, dass für ihn im nächsten Monat in Vancouver olympisches Gold drin liegt.
Ein Jahr nach seiner Verletzung, die ihn zu einem temporären Rückzug vom Wettkampfsport zwang, will der zweimalige Weltmeister nächste Woche bei den Europameisterschaften in Estland seine Form testen.
"Wie vor jedem grossen Wettbewerb herrscht auch hier viel Nervosität und Stress", sagte Lambiel gegenüber swissinfo.ch. "Aber das sind wahrscheinlich meine letzten olympischen Spiele. Und da möchte ich meinen Job gut machen."
Bevor er ein neues Kapitel aufschlägt will er das alte schliessen. Lambiel hat die Eiskunstlauf Weltmeisterschaften 2005 und 2006 gewonnen. Er ist damit der einzige Schweizer, der dies bisher geschafft hat. 2006 errang er zudem bei den Olympischen Winterspielen in Turin die Silbermedaille.
Am 16. Oktober 2008 kündigte er wegen einer Oberschenkelmuskel-Verletzung seinen Rückzug vom Wettkampfsport an. Aber im Juli dieses Jahres gab er zur grossen allgemeinen Überraschung sein Comeback bekannt.
Trotz anhaltenden Schmerzen ist er sehr zufrieden mit seinen Vorbereitungen. Und eine olympische Medaille erscheint ihm als realistisches Ziel.
"Ich glaube daran, dass [in Vancouver] eine Goldmedaille möglich ist", sagte er gegenüber Journalisten in Lausanne.
Grosser Test
Vor dem Olympischen Wettbewerb, vom 19. bis 24. Januar, nimmt Lambiel an den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Tallinn, Estland, teil. Für ihn ist es der hochkarätigste Wettbewerb seit 22 Monaten.
Seine Siege bei den Nebelhorn-Meisterschaften im deutschen Oberstdorf im September und an den Schweizermeisterschaften im Dezember in Lugano wirkten nicht total überzeugend. So zeigte der Schweizer Eisläufer keinen Dreifach-Axel und bekundete auch Mühe mit seinem Vierfachen Toe Loop.
"Ich muss mich bis Talin technisch verbessern", bekannte er denn auch selbstkritisch. Die Europameisterschaften, die er übrigens bisher noch nicht gewonnen hat, sind für ihn ein "wichtiges Ziel", ein "wichtiger Test".
"Vor den Olympischen Spielen habe ich dann noch zwei Wochen Zeit, um die letzten Änderungen vorzunehmen", so Lambiel.
Spezialtraining
Dank umfangreicher Physiotherapie, Schmerzmitteln und Spezialtraining kann Lambiel seine Schmerzen kontrollieren.
Der Schweizer Eislaufstar spielt seine anhaltenden Schmerzen im Bein herunter. "Sie sind nicht neu. Ich habe sie bereits seit zwei Jahren. Jeden Tag habe ich Physiotherapie, trainiere auf Eis und verwende Ice Packs", erklärt er.
"Momentan dient mein Training dem Aufbau meines Selbstvertrauens, so dass ich die Wettkämpfe mit Ruhe angehen kann. Das wichtigste ist Qualität. Mit meinem Trainer [Peter Grütter] habe ich vereinbart, nicht zu viele Sprünge zu versuchen. Wichtig ist, sie gut zu machen", sagte er.
Das Bewegen meiner Muskeln beim Training ist der beste Weg, sie zu stärken", fügt er hinzu.
Erfrischendes neues Programm
Der Schweizer Eiskunstläufer wird in Tallinn und in Vancouver harter Konkurrenz um die Medaillen ausgesetzt sein. Sein ärgster Rivale dürfte Jewgeni Pluschenko sein.
Die beiden werden das erste Mal gegen einander auf dem Eis antreten, seitdem der Russe Lambiel 2006 in Turin geschlagen hat. Pluschenko ist nach drei Jahren Pause ebenfalls wieder in den Wettkampfsport zurückgekehrt.
Lambiel sagt, die Rivalität interessiere ihn nicht. Um die Punkterichter zu überzeugen, hat der Schweizer Eiskunstläufer eine neue Kür erarbeitet, zu der Musik von Verdis Oper "La traviata". Er wird sie in Tallinn präsentieren.
"La Traviata" hat einen Walzer-ähnlichen Rhythmus; es ist unverbraucht, die Musik dreht und drückt gut aus, was ich zur Zeit fühle", sagte Lambiel.
Simon Bradley, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen Eveline Kobler & Etienne Strebel)
Stéphane Lambiel
Stéphane Lambiel wurde am 2. April 1985 in Martigny geboren. Er lebt in Lausanne.
Der Eiskunstläufer wuchs in Saxon im Kanton Wallis aur. Er spricht Französisch, Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Seine Mutter stammt aus Portugal.
Mit dem Eiskunstlaufen begann er im Alter von sieben Jahren. Lambiel kann Drehungen und Sprünge in beide Richtungen ausführen, etwas, was wenige Eiskunstläufer beherrschen.
Zweimal wurde er Weltmeister: 2005 in Moskau und 2006 in Calgary. 20006 wurde er an den Olympischen Spielen in Turin zweiter. Silber gewann er auch an den Europameisterschaften 2008 in Kroatien. Er wurde zudem neunmal Schweizermeister (2001-2009).
Im Oktober 2008 trat Lambiel wegen einer Adduktorenverletzung vom Wettkampfsport zurück und wollte vermehrt an Eiskunstlauf-Galas teilnehmen.
Im Juli 2009 kündigte er sein Comeback im Wettkampfsport an und gab seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Vancouver an. Er arbeitet wieder mit seinem langjährigen Trainer Peter Grütter zusammen.