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barfi.ch: Herr Sarasin, Ihre Äusserungen zum FCB in der Handelszeitung Ende Januar haben für Wirbel gesorgt. Was sagen Sie heute dazu?
Eric Sarasin: Ich wollte in keiner Art und Weise eine Polemik auslösen. Den Vergleich mit der Miss-Schweiz Wahl war ein Witz, den ich beiseite hätte lassen können, und überhaupt nicht auf Bernhard Burgener gemünzt war. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich die jetzige Lösung gut finde, und entsprechend unterstütze. Der FCB liegt mir sehr am Herzen.
Sie tragen einen grossen Namen, gehören zu den alten Basler Traditionsfamilien, hatten eine führende Rolle in der Bank Sarasin, Im Gegensatz zu vielen anderen aus dem Daig, wie ihn der Volksmund seit jeher nennt, scheuen Sie die Öffentlichkeit jedoch nicht und haben kürzlich Ihren 60. Geburtstag nicht etwa alleine auf einem einsamen Berg gefeiert...
Waren Sie an meinem Geburtstag (lacht). Ich bin nicht der typische Repräsentant des Basler «Daigs». Dazu wurde ich zu international erzogen - meine Mutter ist Französin, meine Frau Engländerin, ich habe 10 Jahre in den USA gelebt. Dennoch bin ich mir meiner Wurzeln durchaus bewusst, und möchte heute noch Dinge bewegen, innerhalb und ausserhalb Basels.
Ihre Vorfahren waren zunächst Bänderfabrikanten, daneben wurden seidene Strümpfe produziert. Das prächtige Blaue und das stolze Weisse Haus an der Martinsgasse gehörten Ihrer Familie. Wie kam es zum Schritt Ihrer Familie in die Bankgeschäfte?
Unsere Familie ist weitverzweigt, ist und war in verschiedenen Zweigen der Wirtschaft involviert. Die Bank wurde erst 1841 gegründet, damals unter dem Namen Riggenbach und zuerst als Handelshaus. D.h. die Infrastruktur in der Schweiz wurde finanziert, so zum Beispiel die Bernina Bahn und die Kraftwerke Brusio. Man könnte also sagen, dass die Anfänge «Venture Capital – Transaktionen» waren. Im Jahre 1900 wurde die Bank in A. Sarasin & Cie. umgetauft, und Alfred Sarasin-Iselin war nicht nur Gründer der Bankiervereinigung, sondern auch Förderer der Stadt Basel.
Das starke Wachstum der Bank begann in den 80er und 90er Jahre. Heute ist die Bank leider nicht mehr in den Händen der Familie Sarasin, sondern der Familie Safra. Die Familie hat verkauft, und entsprechend nichts mehr zu sagen.
Unter der Führung von Alfred Sarasin entwickelte sich die Bank Sarasin & Cie zu einer der renommiertesten Schweizer Privatbanken. 2006 wurde das Institut dennoch von der holländischen Rabobank übernommen. Weshalb dieser Schritt?
Der Erfolg hat immer mehrere Architekten, so auch bei uns. Alfred war jedoch die Gallionsfigur. Im Jahre 2000 als Alfred nicht mehr der Bank angehört, waren wir 10 Teilhaber über mehrere Generationen. Es entfachte eine Diskussion wohin die Bank gehen sollte - Wachstum oder eine kleine Boutique-Bank bleiben. Da wir damals zu wenig international waren, und die Rabobank (damals die einzige AAA-Bank in Europa) ihr Privatkundengeschäft verkaufen wollte, haben wir das gekauft. Gleichzeitig wollten gewisse Teilhaber aussteigen, was Rabo dazu bewog eine 5-jährige Option auf die Teilhaber-Aktien zu schreiben. Das war gleichbedeutend mit dem Verkauf der Bank. Die Rabobank hat jedoch bereits 2006 - also nach 4 Jahren - die Option eingelöst.
Bis 2014 waren Sie stellvertretender CEO der Bank J. Safra Sarasin. Gegenüber der Handelszeitung sagen Sie, dass die alte Sarasin-Identität verlorengegangen sei. Was meinen Sie damit?
Damit meine ich, dass bei jedem Verkauf einer Firma die Identität verloren geht. Das war bei uns nicht anders, denn die neuen Eigner haben sich nicht bemüht, die beiden Kulturen zu einem neuen Ganzen zu vereinen. Es ging in erster Linie darum, den Safra-Namen zu etablieren.
Sie sagen auch, dass der Name Sarasin im Namen der Bank abgehängt werden könnte. Ist das Ihr Ernst?
Ja, klar ist das mein Ernst. Die Bank hat noch den Namen, aber der Inhalt, die ursprünglichen Werte, die unsere Bank stark gemacht haben, sind weg. Es ist eine normale Entwicklung. Schauen Sie, als die Genfer Bank Lombard Odier die Bank Darier, Hentsch übernommen haben, hiess die Bank am Anfang Lombard, Odier, Darier Hentsch. Heute heisst sie wieder Lombard Odier. Auch die Bank Notenstein LaRoche wird in ein paar Jahren nur noch Notenstein - wenn überhaupt - heissen. Das ist leider eine normale Entwicklung. Sarasin ist so Geschichte!
Der damalige Abgang stand im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften (Steueroptimierungs-Geschäfte) erfolgt ziemlich abrupt und hatte mit den Ermittlungen deutscher Behörden gegen mehrere Personen, darunter auch Sie, zu tun. Auch ihr Heim wurde durchsucht. Das muss doch für Sie eine enorm harte Zeit gewesen sein?
Ja, klar war es sehr hart, und man fällt ins Bodenlose. Vor allem da ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen, was auch nach einem knappen Jahr zur Einstellung der Beschuldigungen gegenüber mir durch die Staatsanwaltschaft Köln geführt hat. Die Scherben können nicht mehr gekittet werden, und man erlebt viel. Jede Krise macht einem stärker, und das war bei mir auch der Fall. Heute geht es mir besser denn je!
Wie stehen Sie heute zum AWD-Gründer und ehemaligen Swiss-Life-Verwaltungsrat Carsten Maschmeyer?
Maschmeyer meinte ich resp. die Bank habe ihn betrogen. Es wurde mit ihm vor ein paar Jahren ein Vergleich gemacht, und jetzt ist er still. Ich will nie mehr mit ihm zu tun haben!
Und trotzdem haben Sie sich nicht aus dem Wirtschaftsleben zurückgezogen, im Gegenteil sitzen Sie in verschiedenen Verwaltungsräten haben eine Private Equity Firma gegründet und beteiligen sich an verschiedenen Firmen. Welche ?
Nein, ich gebe nicht so schnell auf, und möchte aktiv und konstruktiv am Wirtschaftsleben teilnehmen. Drei Beispiele sind: MindMaze in Lausanne, Centralway Nmbrs in Zürich und Gambio in Bremen. Es kommen noch weitere dazu, auch zum Beispiel in Indien - ein fantastisches Land. Schliesslich habe ich eine Investmentfirma gegründet, die in erster Linie junge Unternehmen, welche im digitalen Bereich tätig sind, unterstützt. Sinngemäss heisst die Firma auch «Fresh & Bold Capital AG». Ich bin heute sehr froh, nicht mehr im Banking tätig zu sein. (lacht)
Consulting-Firmen gibt es bald so viele, wie Sand am Meer. Doch von den meisten unterscheiden Sie sich durch Ihre Ausbildung, Erfahrung und schliesslich – allen wieder verstummten Unkenrufen zu Trotz – Erfolg! Weshalb wählten auch Sie den Titel eines Beraters?
Glauben Sie mir, ich bin gar kein Freund von Beratern! Ich sehe mich eher als Vertrauenperson für Familien und Jung-Unternehmer. Ich habe auch auf meinen Visitenkarten nie die Bezeichnung «Berater».
Donald Trump ist seit einem Jahr Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Vor einem Jahr sagten Sie, dass seine Wahl nicht den Untergang der Finanzmärkte bedeuten würde. Ein Jahr später kann man sagen, dass Sie Recht hatten. Was ist Ihre Meinung zu den vergangen 12 Monaten Trumpscher Politik?
Ich meine, man sollte - aller Äusserlichkeiten zum Trotz - eine Person erst beurteilen, nachdem man sieht, wie sie agiert und was sie leistet. Im Falle von Donald Trump ist seine Persönlichkeit eher schwierig. Ich war soeben in den USA, und die meisten Leute - ob Republikaner oder Demokraten - mögen Trump als Typ überhaupt nicht. Es wurden ja auch diverse Bücher über ihn geschrieben. Er hat jedoch mehr Regulierungen aufgehoben, als jeder Präsident vor ihm. Sein Gesellenstück war natürlich die Steuerreform, von der nicht nur die Firmen profitieren werden. Die positive Entwicklung der Wirtschaft, des Beschäftigungsgrad (tiefste Arbeitslosigkeit seit Jahren) und der Märkte hat schon vor Trump begonnen, er hatte grossen Rückenwind. Seine Aussenpolitik ist unbeständig und konzentriert sich v.a. auf Nordkorea, wo auch die grösste Gefahr eines Krieges ausgeht. Da prallen zwei Psychopathen aufeinander! Ich glaube jedoch, dass Trump erstens nicht «impeached» wird, und zweitens ein nicht so schlechter Präsident wird, wie alle befürchten.
Am vergangenen Dienstag verzeichnete die Wall Street den grössten Tagesverlust in der Geschichte des Dow. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
In den letzten Handelstagen kam es an den Finanzmärkten zu erhöhter Unruhe, denn es passierte etwas, was man sich nicht mehr gewöhnt war - erhöhte Schwankungen gegen unten. Panik ist meiner Ansicht nach fehl am Platz, denn es dürfte sich um eine technische Korrektur handeln. Momentan würde ich abwarten und die Situation in den nächsten Tagen genau verfolgen.
Amerika ist selbst in der globalen Welt noch immer weit weg. Die Hauptfrage müsste doch eigentlich sein, wie geht es der Schweiz, wie geht es Basel und was sind die Haupthebel für «Basel/Schweiz First»?
Eine schwierige Frage. Wir sind uns in der Schweiz nicht immer bewusst, wie gut es uns geht. Wir sind in dieser Welt wirklich ein Ausnahmefall, und haben ein liberales und offenes System, das uns dazu geführt hat, wo wir heute stehen. Im Produktivitätsindex des WEFs an erster Stelle, und dies zum fünften Mal in Folge! Basel steht auch gut da, obwohl wir uns immer wieder über das politische Umfeld aufregen, finde ich die politische Vielfalt wichtig. Ich bin liberal denkend, und finde auch gewisse linke Ideen durchaus sinnvoll. Wir haben den Luxus in der Schweiz, dass wir die «Hebel» selber in der Hand haben, d.h. viele Dinge, die bei uns passieren, geschehen durch den Willen des Volkes. Die grössten Hebel für die Schweiz sind weitere Freihandelsabkommen mit Ländern ausserhalb der EU abzuschliessen (wie z.B. China), gegenüber der EU selbstbewusster aufzutreten als in jüngster Zeit, Jungunternehmen zu fördern, den Finanzplatz neu zu stärken, und aufzupassen, dass wir vor Regulierung nicht ersticken.
Wo liegen die Stärken unserer Region und sind nicht gerade sie auch die grossen Gefahren?
Wenn wir uns nicht selber schwächen, sehe ich unsere Stärken eher im Vordergrund. Unsere Region hat eine gute Infrastruktur, starkes Wachstum, dynamische Menschen, einen hohen Lebensstandard und schliesslich eine vorteilhafte geographische Lage. Wir können damit weitere Talente aus dem Ausland anziehen, gute Firmen nach Basel locken, und als Ausbildungsstandort zulegen. Die Gefahr ist die Über-Regulierung, das ständige Hickhack mit Baselland (ich bin für einen Kanton BASEL!), und die Selbstzufriedenheit. Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.
Durch welche Politiker in Basel fühlen Sie sich am besten vertreten?
Es ist schwierig einzelne Politiker hervorzuheben, aber es sind meistens diejenigen, die in der Wirtschaft waren, oder Unternehmer sind. Sehr gute Arbeit leistet zum Beispiel Christoph Eymann für uns in Bern, und in Basel die «Jungen»: Conradin Cramer, Baschi Dürr und Lukas Engelberger. Im Grossen Rat wünsche ich mir mehr Dynamik und Engagement, und eine weiterreichende Optik. Basel ist nicht der Nabel der Welt!
Worin fühlen Sie sich wohler: im Massanzug, oder in Jeans?
Heute in Jeans. Ich habe dreissig Jahre lang Massanzüge getragen, die verstauben jetzt langsam.
Was ist für Sie wichtiger als der Beruf?
Natürlich die Familie: Meine Frau und meine vier Kinder. Natürlich meine Gesundheit! Der Beruf ist für mich schon wichtig, aber wenn man daran Freude hat, passt alles gut zusammen.Weitere Basler Geschichten
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