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Hintergrund:
Postherpetische Neuralgien schränken die Lebensqualität der Betroffenen zum Teil massiv ein und die therapeutischen Optionen sind beschränkt. Mit zunehmendem Alter der Patienten mit akutem Herpes zoster steigt die Wahrscheinlichkeit eine postherpetische Neuralgie zu entwickeln. Die grosse Frage ist, ob man bei Patienten mit einem akuten Herpes Zoster die Entwicklung einer postherpetischen Neuralgie verhindern kann.
Verschiedene Massnahmen zur Prävention wurden untersucht und in diesem Systematic review werden die Ergebnisse dieser Studien zusammengefasst.
Einschlusskriterien:
- Studien bei Patienten mit akutem Herpes zoster bei denen in den ersten 2 Wochen nach Auftreten des Hautausschlags neben der antiviralen Therapie eine präventive Massnahme – systemisch Medikamente (z.B. Gabapentin) oder Interventionen (z.B. epidurale Analgesie) durchgeführt wurde.
Ausschlusskriterien:
- Studien, die die Wirksamkeit antiviraler Medikamente und Steroide zur Prävention einer postherpetischen Neuralgie untersucht haben
- Studien, die andere Massnahmen – Akupunktur, ultraviolettes Licht, Vitamin C und andere – untersucht haben
Studiendesign und Methode:
Systematic review
Interventionen:
- Verschiedene supplementäre Therapien; Gabapentin, Pregabalin, und Amitryptilin und interventionelle Prozeduren wie epidurale Applikation von Medikamenten, Nervenblockeden, und transkutane Nervenstimulation.
Outcome:
Primärer Outcome
- Postherpetische Neuralgie (persistierende Schmerzen) nach drei Monaten
Sekundäre Outcomes
- Postherpetische Neuralgie 6 und 12 Monate nach Auftreten der Hauteffloreszenz
- Schmerzintensität nach einer und drei Wochen und nach drei Monaten
- Lebensqualität und Nebenwirkungen
Resultat:
- Die Ergebnisse von 9 randomisierten Studien konnten inkludiert werden; darin wurden 1757 Patienten eingeschlossen. Die Einschlusskriterien in die Studien waren unterschiedlich und damit sind die Ergebnisse nicht einfach zu interpretieren.
- In drei Studien wurde der Effekt einer zusätzlichen präventiven Therapie untersucht – Antidepressiva, Antikonvulsiva – und in sechs Studien der Effekt verschiedener invasiverer Prozeduren.
- Die supplementären Massnahmen – wenn man in der Metaanalyse alle zusammennimmt – reduzieren nach drei Monaten die Häufigkeit postherpetischer Neuralgien deutlich und signifikant. Nach den Angaben der Autoren haben die systemischen Medikamente kaum einen positiven Effekt, die interventionellen Prozeduren (Ganglionblockaden, Paravertebraler Block, epidurale Analgetika) scheinen aber einen positiven Effekt zu haben.
- Der Einfluss auf die Schmerzen ist nach den Daten in diesen Studien nicht klar unterschiedlich zwischen den Gruppen mit aktiver Behandlung oder Placebo. Da die Schmerzen mit unterschiedlichen Methoden erfasst wurden, sind die Ergebnisse der Studien schwer miteinander zu vergleichen.
- Gravierende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.
Kommentar:
- Nach den Ergebnissen dieser Studie scheinen die eher invasiven Methoden das Risiko postherpetischen Neuralgien nach akutem Herpes zoster zu reduzieren.
- Bei dieser Publikation zeigt sich einmal mehr das Problem von Metaanalysen; die Ergebnisse von Studien mit zum Teil sehr unterschiedlichen Einschlusskriterien, unterschiedlich erfassten Outcomes und in dieser Arbeit unterschiedlichen Interventionen werden einfach gepoolt.
- Die Interpretation der Ergebnisse ist schwierig und die Konklusion der Autoren, dass die invasiveren Methoden wirksamer sind als die Medikamente zur Prävention einer postherpetischen Neuralgie sollte mit grosser Vorsicht und Zurückhaltung interpretiert werden.
- Und wie üblich ist auch hier am Ende des Systematic Review zu lesen, dass die Studien auf denen die Analyse basiert qualitativ nicht besonders gut waren und weitere Studien notwendig seien. Die Frage warum man die Ergebnisse von qualitativ fraglichen Studien überhaupt synthetisiert, also Metaanalysen macht, wurde von den Autoren weder gestellt noch beantwortet.
Literatur:
Xing XF et al. The effect of early use of supplemental therapy on preventing postherpetic neuralgia: a systematic review and meta-analysis. Pain Physician 2017: 471-486