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Lohnt sich die Schafhaltung?
Schafe werfen wenig ab
Die Produktion von Lamm- und Schaffleisch ist wenig rentabel. Auch für die Wolle erhalten Schweizer Schafzüchter schon lange kaum mehr Geld. Besser sieht die Situation bei der Schafmilchproduktion aus.
Die Geschichte der Schafhaltung in der Schweiz ist ein munteres Auf und Ab. Schon im Mittelalter wurde hierzulande Schafzucht betrieben und die Tiere im Sommer auf die Alp getrieben. Im Jahr 1866 ergab die erste eidgenössische Viehzählung einen Bestand von 445 000 Schafen. Lediglich fünfzig Jahre später waren es allerdings nur noch 173 000 Tiere oder 60 Prozent weniger. Da sich damals neue Exportmöglichkeiten eröffneten, setzten viele Landwirte vermehrt auf Rindviehhaltung und stellten die Schafhaltung hinten an.
Ab Mitte der 1930er-Jahre erhöhte sich der Schafbestand wieder, da man bereits vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die volkswirtschaftliche Bedeutung der Schafzucht erkannte. Weil der Krieg die Tendenz zur Selbstversorgung verstärkte, gewann die Schafhaltung nochmals an Bedeutung. Der gesicherte Wollabsatz nach dem Krieg und die gute Konjunktur der 1950er-Jahre trugen das ihre dazu bei. Durch die Einführung von Preis- und Absatzgarantien 1949 sowie die Übernahmepflicht von Lammfleisch 1967 blieb die Schafhaltung für die Züchter über mehrere Jahrzehnte sehr interessant.
In den 1990er-Jahren geriet die Schafalpung in die Kritik. Vor allem die Übernutzung von Schafweiden und die schädliche Wirkung auf die Biodiversität wurden beanstandet. Zudem gab man den Schafen die Schuld an der Übertragung von Krankheiten auf Wildtiere. Und 1995 wurde für die Schafzüchter alles nochmals schwieriger: Der Wolf wanderte in die Schweiz ein. Seine Präsenz prägt die Entwicklung der Schafhaltung stark.
Tendenz zu grossen Herden
Trotzdem erreichte der Schafbestand 2006 eine Rekordhöhe von knapp 451 000 Schafen. Seither geht es kontinuierlich abwärts. Dies hat einerseits mit dem Wegfall des gesicherten Wollabsatzes zu tun, andererseits aber auch mit einer veränderten Agrarpolitik, der schlechten Rentabilität – und eben dem Wolf. 2016 / 2017 lag der Schafbestand bei 379 381 Schafen, er ist weiter rückläufig.
Thomas Eugster ist Vizepräsident des Schweizerischen Schafzuchtverbandes und hält in Kemptthal ZH selber 200 Mutterschafe, einige Böcke sowie zahlreiche Jungtiere zur Fleischproduktion. Er setzt auf die Rassen Schwarzes Juraschaf, auch Schwarzbraunes Bergschaf genannt (siehe Seite 16), und auf Dorper, die er als Erster direkt aus Südafrika in die Schweiz importiert hat. Diese beiden Rassen, vor allem das Schwarze Juraschaf, eine ursprüngliche Schweizer Rasse, eignen sich hervorragend zur Direktvermarktung. Eugster verkauft das Lamm- und Schaffleisch ausschliesslich über den direkten Weg. Auf seinem Betrieb hat er einen eigenen anerkannten Schlachthof.
Im Durchschnitt erhält ein Schweizer Züchter pro Kilo Lamm- oder Schaffleisch 12 Franken. Ein guter Preis, sagt Eugster. In der Schweiz werden trotzdem nur gerade 36,8 Prozent des Lamm- und Schaffleisches durch die inländische Produktion abgedeckt. Nur zwei Tonnen Lamm- und Schaffleisch wurden 2017 exportiert, hingegen 6612 Tonnen importiert. Pro Kopf werden pro Jahr 1,23 Kilo Lamm- oder Schaffleisch gegessen.
Der Schweizerische Schafzuchtverband setzt sich stark für die Förderung der Zucht ein und möchte den Schaf- und Lammanteil beim Fleischkonsum steigern. «Aktuell geht die Tendenz in der Schafhaltung in Richtung grössere Herden mit 100 Tieren und mehr», sagt Eugster. Von ihnen würden 80 Prozent gesömmert. Das komme auch Schafzüchtern zugute, die selber nicht genügend Weideland besitzen, um die Schafe über den ganzen Sommer ausreichend weiden zu lassen.
Die Rendite ist tief
«Viele private Schafhalter halten 20 bis 30 Schafe, wofür die meisten keine Direktzahlungen erhalten», gibt Eugster zu bedenken. «Die grösste Herausforderung für Schafzüchter ist heute die Rentabilität. Das Ganze sollte unter dem Strich wenigstens aufgehen.» Dazu kämen die Überalterung der Züchter und der fehlende Nachwuchs. Gab es 1990 in der Schweiz noch 14 593 Züchter, waren es 2015/16 nur noch 8440.
Wichtig sei für Leute, die neu mit der Schafzucht beginnen möchten, dass sie für Stallungen und Land möglichst wenig bezahlen. Nur so sei eine gewisse Rentabilität möglich, sagt Eugster. Er selber setzt im Sommer auf Vollweide, im Winter auf selber produziertes Grundfutter wie Silo, Mais und Heu. «Die Kosten möglichst tief zu halten, ist absolut zentral», sagt er. Denn für ein Lamm erhalte ein Züchter zwischen 200 und 270 Franken, wobei ein Muttertier 1,5 Lämmer pro Jahr zur Welt bringe. «Das ist nicht viel Erlös und die Rendite bleibt klein», sagt Eugster. Das sei auch der Grund, weshalb der Inlandanteil beim Lammfleisch so gering ist. Ein Betrieb rentiere erst dann, wenn 400 bis 600 Schafe gehalten werden. Doch solche Betriebe seien in der Schweiz selten.
Für die Wolle erhalten Schafzüchter schon seit vielen Jahrzehnten fast gar nichts mehr. «Ich gebe die Wolle jeweils in die Fiwo, eine Schafwollverarbeiterin in Amriswil», sagt Eugster. Dort erhalte er dafür zwar ebenfalls nicht viel Geld, doch gehe ihm das Verbrennen eines wertvollen Naturproduktes zu sehr gegen den Strich. Seine Tiere schert er zweimal jährlich, im Frühling und im Herbst. Vom Tierschutzgesetz her vorgeschrieben ist einmal.
Immer mehr Milchschafe
Da die Wollproduktion mit der Produktion von synthetischen Fasern ihre Bedeutung verloren hat, werden in der Schweiz 80 Prozent der Schafe wegen ihres Fleisches gehalten, 20 Prozent wegen der Milch. «Es werden etwa 15 000 Milchschafe gehalten. Die Anzahl hat in den letzten Jahren stetig zugenommen», sagt Urs Mischler, Leiter der Geschäftsstelle der Schweizerischen Milchschafzucht Genossenschaft. Wurden im Jahr 2000 noch 1300 Tonnen Schafmilch produziert, waren es 2015 bereits 5800. Im Durchschnitt gibt ein Milchschaf pro Jahr 430 Liter Milch.
Da viele Menschen Schafmilch besser vertragen als Kuhmilch, wird sich dieser Trend wohl fortsetzen. In der Schweiz werden vor allem drei Schafmilch-Rassen gehalten: Das Ostfriesische Milchschaf, das hier seit 75 Jahren gezüchtet wird, das Lacaune-Schaf, eine französische Schafrasse, welche allmählich die Ostfriesischen Milchschafe verdrängt und seit ein paar Jahren und vor allem im Wallis, das Baskische Milchschaf.
Der grösste Teil der Schafmilch wird nach den Richtlinien des biologischen Landbaus produziert. «Bei der Schafmilchproduktion sind sicher künftig noch mehr Marktanteile möglich, doch müssen diese erst beworben werden. Dann können wir unsere Produktion weiter steigern», sagt Urs Mischler.