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(Fischer von Waldheim, 1846)
- DE: Alpen-Keulenschrecke
- EN: Alpine Thick-necked Grasshopper
- FR: Le Gomphocère des moraines
- Syn.: Gomphocerus livoni Azam, 1893 | Gomphocerus simillimus Ikonnikov, 1911
Morphologie
Die Gestalt von Aeropedellus variegatus ist untersetzt. Die runde Kopfform und der breite Halsschild unterstreichen diesen Eindruck. Die Grundfarbe von Aeropedellus variegatus ist grün, braun oder grau. Die kurzen und kräftigen Fühler sind am Ende abgeflacht und vor allem beim Männchen gut sichtbar erweitert. Die Halsschild-Seiten weisen einige unregelmässige graue und schwarze Zeichnungen auf. Ein oben hell gesäumter, schwarzer Fleck ist meistens deutlich ausgebildet. Die weissen Halsschild-Seitenkiele sind stark geknickt und dunkel gesäumt. Die breiten Vorderflügel erreichen beim Männchen das Hinterleibsende und die Hinterknie, beim Weibchen überragen sie die Hinterleibsmitte und erreichen knapp das hintere Drittel der Hinterschenkel. Sie sind bräunlich und tragen im Medialfeld eine unregelmässige Fleckenzeichnung vor dem hellen Stigma. Die Knickkanten der Flügel sind oft heller gefärbt und bilden eine zum Flügelende verlaufende Linie. Beim Weibchen ist der Flügelunterrand oft mit einer weissen Linie gezeichnet. Nur selten werden langflügelige Formen ausgebildet.
Gesang
Der leise Spontangesang von Aeropedellus variegatus besteht aus 2-3,5 s dauernden, dichten Schwirrversen. Die maximale Lautstärke wird nach dem ersten Versdrittel oder schon kurz nach Beginn erreicht. Die Hinterbeine werden dabei nicht synchron bewegt. Die Männchen singen meist ein paar Verse an der gleichen Stelle und wechseln dann den Standort. So legen sie ansehnliche Strecken in den alpinen Rasen zurück. Wenn sich zwei Männchen begegnen, erzeugen sie alternierend kurze „zick“-Laute. Solche Wechselgesänge sind nicht von denjenigen von Gomphocerus sibiricus zu unterscheiden. Weibchen werden mit kurzen, explosiven Schwirrlauten angesprungen.
Spontangesang von Aeropedellus variegatus. Die Pause zwischen den Versen 2 und 3 wurde nachträglich verkürzt, diejenige zwischen den Versen 3 und 4 ist unverändert. Normalerweise erzeugen die ♂♂ einige Verse an der gleichen Stelle, um dann schweigend einen neuen Gesangsstandort aufzusuchen - CH, GR, Muottas Muragl, 20°C, sonnig.
Spontangesang von Aeropedellus variegatus - CH, GR, Muottas Muragl, 20°C, sonnig.
Rivalengesang von Aeropedellus variegatus - CH, GR, Muottas Muragl, 20°C, sonnig.
Verbreitung
Aeropedellus variegatus ist eurosibirisch verbreitet. In der Schweiz lebt die Art in hohen Lagen zwischen 1900-3100 m im Kanton Graubünden, genauer im Engadin und im nördlichen Puschlav. Im Jahr 2010 wurde sie durch Franz Dziok in Österreich im Nordtirol auf dem Schonjoch bei Fiss zum ersten Mal festgestellt. Der Standort liegt unweit der Schweizer Grenze. In den südlichen Alpen ist die Art auf französischer Seite in den Departementen Savoie, Hautes-Alpes, Alpes-de-Hautes-Provence und Alpes Maritimes nachgewiesen. In Italien lebt sie verstreut in den alpinen Bereichen der Regionen Piemont, Aostatal, Lombardei und Südtirol. Auf der Balkanhalbinsel wird sie für Slowenien (Triglav Nationalpark) und die höheren Gebirge von Bulgarien angegeben. Weitere Fundorte liegen in Russland sowie im nördlichen Finnland bei Ivalo und Kemijärvi.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Larven treten erst ab Juli auf, ausgewachsene Tiere finden sich von August bis Oktober.
Die Eier von Aeropedellus variegatus werden in den Boden gelegt und haben einen ein- bis zweijährigen Entwicklungszyklus. Dies ist für Arten typisch, die in höheren Lagen der Alpen leben. Die Larven der früh und in klimatisch günstigen Orten abgelegten Eipakete schlüpfen zum Teil schon im ersten Jahr, während spät abgelegte Eipakete zweimal überwintern. Beide Geschlechter durchlaufen nur 4 Larvenstadien. Dies ist als Anpassung an die kurze Vegetationszeit zu erklären. Die Weibchen von Aeropedellus variegatus legen 8-17 Eier. Dies ist nur ein Bruchteil von Gomphocerus sibiricus, deren Weibchen bis zu 220 Eier legen. Studien am Muottas Muragl zeigten, dass Aeropedellus variegatus in Dichten von 0,1 bis 2,9 Individuen pro Quadratmeter lebt.
Lebensraum
Aeropedellus variegatus ist ein Charaktertier der alpinen Stufe oberhalb von 2000 m. Dortbesiedelt die Art kahle, alpine Rasen und Weiden, die durch Steine und Felsplatten mit Flechtenzeichnungen aufgelockert werden. Sie dringt nur bedingt in Zwergstrauchheiden vor. Oft findet man die Tiere an besonders exponierten Stellen, die von grösstmöglicher Wärmestrahlung profitieren, z.B. in Teppichen der Alpenazalee (Loiseleuria procumbens). In diesem Lebensraum lebt sie zusammen mit Melanoplus frigidus, Gomphocerus sibiricus, Omocestus viridulus und Stenobothrus lineatus. Am Muottas Muragl bei Pontresina (GR) findet sich die Art etwas oberhalb der Bergbahnstation.
Gefährdung & Schutz
Aeropedellus variegatus weist in der Schweiz ein sehr lokales Vorkommen auf, was sie anfällig auf Lebensraumzerstörung macht. Die Lebensräume von Aeropedellus variegatus werden allerdings kaum vom Menschen beeinflusst. Eine potenzielle Gefahr geht von der Bodenplanierung für Pisten für den Wintersport aus.
- CH: NT (Potenziell gefährdet)
- DE: Abwesend
- AT: NE (Nicht beurteilt)
- Europa: EN (Stark gefährdet)
Ähnliche Arten
Die Männchen von Aeropedellus variegatus erinnern stark an Myrmeleotettix maculatus. Folgende Merkmale helfen bei der Unterscheidung: Das Präcostal- und Costalfeld der Vorderflügel sind bei beiden Geschlechtern von Aeropedellus variegatus erweitert, bei Myrmeleotettix maculatus nicht. Die Fühler sind bei Myrmeleotettix maculatus schlank und stärker keulenförmig erweitert. Die Gesänge unterscheiden sich deutlich. Der Gesang von Aeropedellus variegatus besteht aus 2-3,5 s dauernden Schwirrversen, derjenige von Myrmeleotettix maculatus aus 8-15 s langen Strophen, die in 10-25 Verse unterteilt sind. In der Schweiz können die beiden Arten nicht gemeinsam beobachtet werden. Das Weibchen von Aeropedellus variegatus gleicht am meisten demjenigen von Gomphocerus sibiricus. Die Fühler von Aeropedellus variegatus sind allerdings untersetzter, ohne Erweiterung an der Spitze und die Flügel sind kürzer. Sie überragen höchstens leicht die Körpermitte.