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Das "Buch der Spiele"
Die Miniaturen entstammen dem sogenannten "Buch der Spiele" des Königs Alfons X. von Kastilien und Léon. Die mit 150 kunstvollen Darstellungen geschmückte Handschrift wurde ca. 1283 in Sevilla vollendet. Zunächst gelangte sie in die Capilla Real in Granada, bis sie im 16. Jahrhundert von König Philipp II. der Bibliothek des Königspalastes, San Lorenzo de El Escorial übergeben wurde, wo sie unter der Signatur j.T. 6 noch heute liegt. Farbige Faksimiles der Illustrationen finden sich in der kommentierten Ausgabe mit deutscher Übersetzung von Ulrich Schädler und Ricardo Calvo.
Lit.:
Schädler, Ulrich, Calvo, Ricardo (Hg.): Das Buch der Spiele, übers. und komm. von Ulrich Schädler und Ricardo Calvo, Wien 2009 (Ludographie 1).
König Alfonso diktiert seinem Schreiber
Fol. 1r (Schädler/Calvo, S. 25).
König Alfonso X., der später den Beinamen "der Weise" erhielt, gilt als Verfasser zahlreicher Gedichte und Geschichtswerke und hinterliess ein umfassendes Rechtskompendium, die Siete Partidas. Seine Auffassung von der Autorschaft als Auftraggeberschaft ist in seiner Crónica General de España explizit dargelegt. Allem Anschein nach zeigt dieses erste Bild der Handschrift den König, der einem Gelehrten oder einem Schreiber das Spielebuch diktiert, oder ihn ein entsprechendes Konzept zu Papier bringen lässt.
Königinnen und Prinzessinnen am Schachbrett
Fol. 16r (Schädler/Calvo, S. 105).
Edel gekleidete Mädchen spielen unter der Aufsicht zweier Königinnen Schach. Das Schachbrett wird dem Betrachter entgegen der natürlichen Anordnung in der Vertikalen präsentiert, damit man das arabische Schachproblem erkennen kann. Der dazugehörige Text befasst sich ausschliesslich mit den Regeln des Schachspiels und nicht mit der dargestellten Spielszene.
Sarazenischer Krieger und christlicher Ritter beim Schach
Fol. 64r (Schädler/Calvo, S. 190).
Anhand der Kleidung und Bewaffnung der beiden Spieler kann im Vergleich mit andern Bildern aus der alfonsinischen Malerwerkstatt festgestellt werden, dass es sich dabei um einen Sarazenen und einen christlichen Ritter handelt, die sich hier zu einer friedlichen Schlacht begegnen. Auf dem Spielbrett erscheint ein Endspiel, das in elf Zügen Schachmatt ist, und zwar bemerkenswerterweise mit Sieg des Sarazenen.