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Synonyme: u.a. Katzenkraut, Stinkwurz, Hexenkraut, Augenwurzel, Mondwurz, Balderbracken
Der Baldrian hat als Heilpflanze seit der Antike seinen festen Platz in unserem Arzneimittelschatz. Der echte Baldrian ist eine mehrjährige Pflanze, welche in ganz Europa vorkommt. Er wächst an eher schattig feuchten Standorten, besonders in Übergangsbereichen, wo Schattiges in Besonntes und Feuchtes in Trockenes übergeht, an Rändern von Wäldern oder Hecken, auf Kahlschlägen und auch in Ufernähe. Die Pflanze besitzt ein kurzes, dickes Rhizom, von welchem zahlreiche dünne Wurzeln bogenförmig in die Erde dringen. Aus einer im Frühjahr gebildeten grundständigen Blattrosette streckt sich im Sommer ein hohler, gefurchter Blütenspross geradlinig bis zu 1.50 m in die Höhe. Die wenigen paarförmigen Fiederblätter werden nach oben hin immer kleiner und spitziger. Abgerundet wird der Spross durch ein zartes Gewölbe, einer Doldenrispe, bestehend aus zahlreichen hellrosa bis weissen Blüten, welche den typischen Baldrianduft in einer verfeinerten Form verströmen. Der süsslich dumpfe Duft erinnert an Gerüche, die bei der Reifung vieler Früchte entstehen.
In der biologisch-dynamischen Landwirtschaft wird der vergärte Saft der Blüten in verdünnter Form dem Kompost zugesetzt. Er fördert für das Fruchtbilden der Vegetation wichtige Reifeprozesse des Bodens. Der Baldrian hat eine besondere Beziehung zum lichthaften „Phosphorprozess“ in der Natur. Die Herkunft seines Namens wird häufig in Verbindung mit dem germanischen Lichtgott Baldur gebracht.
Anthroposophisch gesehen regulieren Heilpräparate aus der Baldrianwurzel das Verhältnis zwischen Ätherleib und Astralleib, dämpfen zu starke Astraltätigkeit im Gebiet der Nerven-Sinnes-Organisation und unterstellen sie der Wirkung des Ich. Aus diesem Grunde wirken sie entspannend, krampflösend und schlafbringend. Baldrianwurzelpräparate werden hauptsächlich zur Behandlung von Schlafstörungen, bei Unruhe- und Spannungszuständen, Nervosität, Reizbarkeit, Stress und bei Prüfungsangst eingesetzt. Naturwissenschaftlich gesehen kommt die Wirkung durch das Zusammenspiel vieler einzelner Inhaltsstoffe zustande, dazu gehören u.a. ätherische Öle und Valepotriate aus denen u.a. die Isovaleriansäure abgespalten wird, welche für den Duft des Baldrians verantwortlich ist, Flavonoide, sowie Lignane.
Baldrian sollte in keinem Naturgarten fehlen. Er ist sehr pflegeleicht und wird von zahlreichen Insekten gerne besucht. Er ist eine optisch schöne Zierpflanze und trägt bestimmt auch zu einem entspannten Gärtnern bei!
– Rudolf Steiner, Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, GA 327, 8. Auflage, Dornach 1999
– J. Bockemühl, K. Järvinen, Auf den Spuren der biologisch-dynamischen Präparatepflanzen, Dornach 2005
– Wilhelm Pelikan, Heilpflanzenkunde III, 4. Auflage, Dornach 2005