Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03366.jsonl.gz/2876

Der Motor für das Wachstum der Haare liegt in der Haarzwiebel. Der Kern der Zwiebel ist die Haarpapille. Kleinste Blutgefäße versorgen sie mit Nährstoffen, welche die Haare sprießen lassen. Haare wachsen nicht kontinuierlich, sondern in jedem Follikel wechseln sich Phasen von Wachstum, Ruhe und Rückbildung ab. Diesen Haarzyklus wird unter anderem durch Hormone, Wachstumsfaktoren und Gene gesteuert.
Jeder Follikel folgt einem ganz eigenen Haarzyklus, der gegenüber jenen der benachbarten Follikel zeitlich versetzt abläuft. Das eine Haar wächst, das andere ruht, während das nächste sich auf den Ausfall vorbereitet. Dieses asynchrone Wachstum sorgt dafür, dass ein Mensch immer genügend Haare auf dem Kopf hat – es sei denn, er leidet an einer Form von Haarverlust.
Der Haarzyklus verläuft in drei Phasen, die sich ständig wiederholen:
» Wachstumphase (Anagenphase): Die Haarwurzel ernährt die Haare und sie wachsen. Die Zellen teilen sich sehr schnell, etwa fünfmal so schnell wie normale Hautzellen. Der Zellnachschub ist wichtig, damit Keratin ständig neu gebildet wird.
Rund 80 bis 90 Prozent der Haare befinden sich in diesem aktiven Zustand, der etwa vier bis sieben Jahre dauern kann. Wie lange ein Haar wächst, ist erblich festgelegt.
Wie produktiv die Zellen tatsächlich sind, zeigt folgendes Beispiel: Bei 0,4 Millimeter Wachstum pro Tag und durchschnittlich 100.000 Kopfhaaren liegt die Produktionsleistung bei etwa 40 Meter Haar täglich. Im Monat wären das rund 1200 Meter neues Haar. Haare können trotzdem nicht endlos lang werden: Bei einem Zentimeter Wachstum pro Monat und einer (erblich festgelegten) Wachstumsdauer zwischen vier und sieben Jahren könnte ein Haar zwischen 48 und 84 Zentimetern lang werden. In einigen Fällen kann es auch länger werden, aber nicht eindlos.
» Übergangsphase (Katagenphase): In der Haarwurzel finden Umbauvorgänge statt und die Haare werden nicht mehr mit Nährstoffen versorgt. Etwa ein bis drei Prozent der Haare stecken in diesem Stadium, welches drei bis vier Wochen andauert. Die Haarwurzel verhornt nach und nach.
» Ruhephase und Abstoßungsphase (Telogenphase): Die Verankerung des Haares wird immer lockerer. Schon leichte mechanische Beanspruchung wie Kämmen, Bürsten, Haarwäsche oder das Nachstossen des nachwachsenden Haares reichen, um das Haar ausfallen zu lassen. Diese Phase dauert zwei bis vier Monate, dann ist das Haar von der Wurzel getrennt. In dieser Abstossungsphase befinden sich 12 bis 15 Prozent der Haare. An der Struktur der Haarwurzel lässt sich also erkennen, in welcher Phase des Haarzyklus sich das betreffende Haar gerade befindet.