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Es gibt kaum ein Thema, das im Währungsbereich derart polarisiert wie Bitcoin und Altcoins. Die Standpunkte sind entweder euphorisch oder vernichtend – es gibt wenig dazwischen. Doch sind Kryptowährungen wirklich nur schwarz oder weiss? Existiert nichts dazwischen?
Unbestritten ist, dass trotz der Bezeichnung Kryptowährung Bitcoin und Altcoins zwei der drei Bedingungen einer Währung nicht erfüllen. Sie sind ungeeignet als Recheneinheit (sind 0.0002 Bitcoin teuer für einen Liter Milch?) und sie sind kein verbreitetes Zahlungsmittel (wie viele Restaurants oder Lebensmittelgeschäfte gibt es, in denen man mit Kryptowährungen bezahlen kann?).
Doch über die dritte Voraussetzung kann man durchaus diskutieren. Jene als Wertaufbewahrungsmittel.
Es gibt wenig Läden oder Hotels, in denen man mit Gold bezahlen kann, dennoch gilt das gelbe Metall als Wertaufbewahrungsmittel schlechthin. Warum? Weshalb nicht Rhodium, das einiges wertvoller als Gold ist? Oder Platin und Palladium? Wieso dieser Tage nicht Bitcoin?
Es benötigt einen kurzen Blick zurück, um die Frage zu beantworten, und beginnt mit dem Begriff, denn die Definition von „Wertaufbewahrungsmittel“ ist etwas unscharf. Es muss ein nicht verderbliches Gut sein, dass sich leicht horten lässt und sich gegenüber dem Referenzwert (Franken, Euro, Dollar) werterhaltend zeigt.
Zudem sollte ein Wertaufbewahrungsmittel eine grosse Zahl Menschen ansprechen und jederzeit zu einem Marktpreis ohne steuerliche Belastung verkäuflich sein.
Immobilien fallen deshalb aus dieser Kategorie. Ein Gemälde von Picasso vermag sicherlich für einen Kunstliebhaber als Wertaufbewahrungsmittel dienen, entspricht aber ebenfalls nicht den genannten Voraussetzungen.
Nun setzten die drei erwähnten Bedingungen für Geld nicht zeitgleich ein, sondern sequentiell. Rund 5’000 v.Chr. entstand der mesopotamische Schekel als Recheneinheit in Form eines definierten Gewichtes, um Güter objektiv tauschen zu können, und um 700 v.Chr. waren es die Lyder, die als Erste Münzen herstellten und damit ein Zahlungsmittel entstand. Die Legierung des Elektrums bestand aus Gold und Silber.
Selbst das Gehäuse von Kaurischnecken wurde in verschiedensten Gegenden der Welt als Zahlungsmittel benutzt (Indien, China, Südostasien), galten sie wegen ihrer einzigartigen Form und dem glänzenden Schmelzüberzug als fälschungssicher. Diese Analogie ist relevant, um zu verstehen, dass ein Wertaufbewahrungsmittel nicht notwendigerweise einen hohen materiellen Wert darstellen muss.
Der Bedarf nach der Geldfunktion als Wertaufbewahrungsmittel begann um die Zeit von Christi Geburt mit dem Wertverfall des römischen Denarius. Per Dekret legte Kaiser Augustus die Legierung (95% Silber) und ein fixes Gewicht fest.
Doch über die folgenden 300 Jahre reduzierte sich der Silbergehalt auf nahezu Null. Der Denarius war zum Schluss nur noch eine Duplex-Münze aus Kupfer und lediglich einem Überzug aus Silber.
Wenig überraschend entstanden als Folge inflationäre Prozesse, und die Suche nach einem Wertaufbewahrungsmittel, das nicht manipuliert oder gefälscht werden konnte, setzte ein.
Die Antwort, weshalb ausgerechnet Gold es zum ultimativen Wertaufbewahrungsmittel schaffte, folgt einer klaren Logik und liefert ebenfalls Hinweise zu Bitcoin.
Selbst vor tausenden von Jahren waren die Menschen fähig, Gold zu schürfen, da es oft in reiner, verarbeitungsfähiger Form existiert (Nuggets sind ja relativ weich). Alle anderen Metalle finden sich in Erzvorkommen und konnten lange nicht geschmolzen werden.
Gold ist zudem das einzige Metall mit gelber Farbe, alle anderen sind weisslich, grau oder braun. Das Symbol für Gold ist Au – vom griechischen Aurum – und heisst glühen und glänzen. Die Inkas nannten Gold „die Tränen der Sonne“.
Gold fasziniert die Menschen nicht nur wegen des Anblicks, es fühlt sich auch speziell an. Mit seiner Dichte von 19.3 Mal grösser als Wasser ist es nicht nur aussergewöhnlich, Gold ist auch selten und dennoch über den ganzen Globus verteilt.
Deshalb existieren weltweit dieselben Assoziationen. Gold steht für die Götter, Unsterblichkeit, als Siegessymbol, als Emblem für Königinnen und Kaiser.
Seltenheit und Faszination sind ähnlich zwischen Gold und Bitcoin – Altcoins sind die weissen und grauen Metalle (deshalb macht wohl auch Bitcoin zwei Drittel des Marktwertes aller rund 2’000 existierenden Kryptowährungen aus).
Wer behauptet, Gold sei greifbar und Bitcoin immateriell, blendet aus, dass die Menschheit immer weniger haptisch wird. Nachrichten auf dem Mobiltelefon und nicht mehr auf Zeitungspapier, digitales Geld anstelle von Banknoten.
Das materielle Denken muss überwunden werden, um das Potential von Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel zu erkennen.
Ein Gedankenanstoss, dass die Differenz von Gold zu Bitcoin als „digitales Gold“ gar nicht so gross ist, verdeutlicht folgende Tatsache: Wir nehmen Gold als wertvoll wahr, weil wir alle denken, es sei wertvoll. Der Wert des Goldes existiert vor allem in unseren Köpfen (genauso trifft dies auf Bitcoin zu).
Warren Buffet sagte 1998 anlässlich einer Rede in Harvard: „Gold wird aus dem Boden in Afrika oder irgendwo sonst in der Welt ausgegraben. Dann schmelzen wir es ein, graben ein anderes Loch, verstecken das Gold wieder darin und bezahlen dann Menschen, um darum herumzustehen und es zu bewachen“. Buffett ergänzte, dass „wenn Marsmenschen das sähen, würden sie sich am Kopf kratzen“.
Wie auch immer, materiell oder virtuell: Der Wert von Gold und Bitcoin basiert auf dem gleichen Ressourceneinsatz, den Schürfkosten und der notwendigen Energie.
Kritiker von Bitcoin bemängeln, dass der Preis von Bitcoin viel zu volatil sei, um den Ansprüchen als Wertaufbewahrungsmittel entsprechen zu können. Dieser Einwand hat seine Berechtigung, doch Bitcoin ist erst zehn Jahre alt.
Wir haben keinerlei Informationen, wie gross die Preisveränderungen des Goldes vor tausenden von Jahren war.
Zudem ist es erst fünfzig Jahre her, als der Goldpreis innerhalb von einer Dekade von $35 auf $800 im Jahr 1980 gestiegen ist, um anschliessend bis ins Jahr 2000 auf $270 zu kollabieren und anschliessend auf $1’900 (2011) zu steigen.
Und dann wieder auf unter $1’100 zu fallen (2015). Klar, Schwankungen in ähnlichem Ausmass haben sich bei Bitcoin in wenigen Jahren ereignet, aber heutzutage geht ja alles ein bisschen schneller.
Ich denke deshalb, dass die hohe Volatilität von Bitcoin normal ist für ein neues Produkt, das noch in seinen Kinderschuhen steckt. Es gibt keine Garantie, dass Bitcoin gross an Wert zulegen wird, aber der generelle Trend der vergangenen zehn Jahre sowie die zugrundeliegende Angebots-Nachfrage-Dynamik legen nahe, dass es wahrscheinlich ist.
Von null auf $9’000 in zehn Jahren ist schon mal nicht schlecht. Was mag wohl seinerzeit die Preisentwicklung des Goldes gewesen sein?
Und: Was sind denn neben dem Klassiker Gold die anderen Optionen? Alle Fiat-Währungen befinden sich bezüglich ihrem inneren Wert in einem säkularen Abwartstrend – durchaus gewollt von den Zentralbanken, um uns zum Konsum zu animieren –, Bitcoin hingegen ist naturgemäss deflationär, ist doch ein Limit von 21 Millionen Einheiten eingebaut (zur Zeit zirkulieren etwas über 18 Millionen Bitcoins, das Maximum dürfte im Jahr 2140 erreicht werden).
Ein weiterer Einwand ist, dass die Regierungen Kryptowährungen verbieten könnten, da sie Bedenken haben, die Kontrolle über ihre Geldpolitik zu verlieren.
Die Schweiz, die EU oder die USA könnten den Umtausch in Franken, Euro oder Dollar erschweren, aber nicht den Besitz von Bitcoin und den Tausch zwischen Besitzern (ausser sie usurpieren das ganze Internet).
Nebenbei bemerkt geschah dies bereits mit Gold. Franklin D. Roosevelt verbot mit seinem Executive Order im April 1933 den Besitz von Gold. Erst im Dezember 1974 wurde dies durch Gerald Ford aufgehoben. Über vierzig Jahre lang Goldbesitz für illegal zu deklarieren, ist eine ziemlich lange Zeit.
Zusammengefasst bin ich der Meinung, dass Bitcoin zwar preislich volatil, aber sehr sicher, leicht und günstig zu verwahren ist und demzufolge ein alternatives Wertaufbewahrungsmittel darstellt. Wer eine dezentralisierte, demokratische Sicherheit sucht, ist mit Bitcoin gut bedient.