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Bern d. 8. Sept. 63.
Mein lieber Freund!
Zuerst wollte ich zu Herrn Graffenried; allein seine Frau sagte mir, er liege im Bette an einer Halsentzündung, er dürfe nicht sprechen.
Ich wandte mich hierauf, ohne die Quelle meiner Mittheilung zu nennen, an die Herrn Knüsel &. Pioda. Beide wußten gar nichts. Ersterer sagte, es sei nie ein Wort mit ihm von einem solchen Projekt gesprochen worden. Letzterer meinte, es falle ihm höchstens auf, daß er vor einiger Zeit wiederum gehört habe, Stämpfli wolle aus dem Bundesrathe treten, was etwa mit dieser Sache in Zusammenhang stehen könnte.|
Heute Mittag war ich dagegen etwas glücklicher in meinen Informationen. Ich traf zuerst Schaller im Café Post; wir besprachen das Gotthardprojekt, dem er sich sehr günstig zeigte; dann die Finanzschwierigkeiten der westlichen Bahnen &. da warf ich dann beiläufig die Frage ein, ob es mit dem Bankprojekt vorwärts gehe? Er sah mich sehr verwundert an, schien sich aber bei seiner Erforschung meines Gesichts zu beruhigen &. fragte dann entgegen: welches Projekt meinst Du? Ich antwortete, «das von Rougemont». Er erwiederte hierauf: «Rougemont war vor einiger Zeit hier, sie haben angefangen Statuten auszuarbeiten; ich weiß aber nicht, wie die Sache jetzt steht, ich glaube fast, es sei etwas ins Stocken gerathen». Er fügte nachher noch bei, er habe mit der Sache nichts zu thun. Unter solchen Umständen wollte ich natürlich nicht weiter fragen.
Bald nachher traf ich in der Laube Herrn Tschann-Zeerleder, den ich wirklich gern aufgesucht hätte, wenn es nicht gar | zu auffallend gewesen wäre, da mir auch Knüsel gesagt hatte, Tschann wisse alle solchen Dinge am besten. Ich befragte ihn, wie es mit ihrer Bank stehe? Er antwortete: das Concessionsbegehren stehe jetzt im Amtsblatt &. könne gesetzlich nicht vor 30. Tagen behandelt werden; er hoffe aber, es werde keinen Anstand finden. Ich fragte nun weiter: und wie geht es mit dem andern Bankprojekt? Er erwiederte: «Das solltet Ihr besser wissen, es soll ja eine eidgenössische Bank geben. Ich weiß leider nichts von der Sache; ich hätte schon lange gern einmal Herrn Stämpfli darüber gefragt, aber ich treffe ihn nicht. Ich hab zwar gehört, er habe Einem, der ihn fragte, Nichts geantwortet, es scheint, er habe Alles fest im Pult verschlossen. Stockmar ist noch dabei mit Stämpfli. Die Herrn waren etwa vor 14. Tagen einmal da, nämlich Daru &. Rougemont. Es sind aber die lätzen Namen; beide haben keinen besondern Klang. Und der Name eidgenössische Bank machts auch nicht od. glaubt Ihr, daß der Bund sich da einlassen werde?» Ich erwiederte ihm, ich müsse das bezweifeln etc. &. fragte dann, ob | denn nicht Bartholony auch dabei sei? Er antwortete, er glaube das nicht; das seien nicht die Leute, mit denen B. zusammengehe. Ja Barth. allein hätte mehr Klang als diese Leute. Er wiederholte, er könne das nicht glauben.
Es wird schwer sein, im jetzigen Augenblick ein Mehreres zu erfahren. Knüsel sagte noch, Stämpfli sei vor etwa 12. Tagen in Genf gewesen; warum, wisse er nicht.
Ferner will ich Dich noch aufmerksam machen, daß die Konferenz zwischen Fornerod, Stämpfli &. Stockmar, von der ich Dir früher geschrieben, mit dieser Sache zusammenhängen könnte. In diesem Falle wäre also Fornerod mit im Geheimniß, was ich vielleicht gelegentlich erfahren kann.
Die Sache kommt auch mir politisch sehr wichtig &. bedenklich vor, so daß es mir lieb ist, wenn Du mir Weiteres, was Du in Erfahrung bringst, mittheilst.
Jetzt will ich Dich vom schönen Mailand nicht länger abziehen. Meine besten Empfehlungen an Deine verehrte Frau Gemahlin; für Dich freundschaftlichen Gruß
von Deinem
Jb. Dubs.