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Steinbruch/Bergwerk der Seemühle Walenstadt, Borner AG
Steinbruch/Bergwerk der Cement- und Kalkfabrik Unterterzen CKU
Die Dufourkarte von 1854 zeigt noch keine Gebäude in der auch namentlich noch nicht erwähnten Lochezen, jedoch einige Gebäude bei der heutigen Seemühle/Kaliforni. Hier sind demnach schon länger vor 1854 (1. Ausgabe der Dufourkarte) kleine 'Feld-Kalk-Öfen' - und eine 'Mühle' zum Mahlen des gebrannten Kalkes am Helgenbach betrieben worden ('Seemühle'). Der Name 'Kaliforni' aus dem Lateinischen deutet auf historische Kalköfen hin: calx --> Kalk; fornax --> Ofen. Waldschneisen mit Rutschrinnen - auch für schon länger betriebenen 'Marmor-Abbau' - dürften damit schon länger bestehen.
Geschichte und Bilder der Bergwerke Seemühle und Lochezen
Version: 16.02.2018

Bergwerk Seemühle und Bergwerk Lochezen waren zwei völlig verschiedene, einander konkurrenzierende Betriebe.

- Ein Link zu einer ausführlichen und systematischen Fotodokumentation einer Stollen-Begehung beider Bergwerke ist unten auf dieser Seite.
- Hinweis: Eine Begehung beider Bergwerke ausserhalb offizieller Führungen ist verboten [Vandalismus, Abfall, Haftungsausschluss].
- Fehlerhinweise/ Ergänzungen/Impressum: Paul Gantner <email-pii>.
Vor 1860
Bereits lange vor 1860 erfolgen Abbau von Kalkstein und Brennen desselben in einfachen 'Feld'-Oefen im Gebiet Seemühle/Kaliforni. Ebenfalls baut Moser schon vor 1860 'Marmor' ab.
Bild links: So kann man sich das etwa vorstellen (hier allerdings Kohle-Abbau und nicht bei Walenstadt)
Bild rechts: Historischer Kalk-Ofen (Rohrbach / Vispertal); ETH Bibliothek, Bildarchiv
Bild: Dufourkarte 1854; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Der Name Seemühle erscheint in einer Konzessions-Urkunde für ein Wasserkraftwerk von Huber & Kunkler, das - schon viel länger bestehend - im Jahr 1896 nachträglich eine der neu eingeführten kantonalen Wasserrechtskonzessionen (Helgenbach) erhält - und damit fortan Zins bezahlen darf. Die Mühle wird durch einen Dieselmotor mit neuer Mahleinheit abgelöst [Mangold]. Der Helgenbach wird aber noch lange zur Erzeugung elektrischen Stromes genutzt ('Seemühleweiher').
Bild links:
Wahrscheinlich Spuren der einstigen Seemühle bei der
'Villa Borner' auf einer Luftaufnahme von swisstopo 1942.
Bilder:
'Diese urspünglichen (Kalk-)Mühlen waren nach Art der alten Getreidemühlen eingerichtet' [Mangold].
Ein Mühlstein der Seemühle
kann heute noch als Tischplatte auf einem 'Gartenpodest' hinter der ehemaligen 'Villa Borner' gesehen werden:
Die Frühzeit ab 1860, Lochezen, Unterterzen(Die Seemühle nimmt industriell ihren Betrieb erst 1892 auf)
Der Beginn des (semi-)industriellen Kalk-/Zement-Bergbaues bei Walenstadt geht auf das Jahr 1863 zurück. Ihr Gründer ist Bergbau-Ingenieur Heinrich Julius Tröger von Freiberg in Sachsen (1829 - 1892). Tröger hat auch die Marmorbrüche von Moser übernommen und war 1855 bis 1861 Leiter des Kupfer-Bergwerkes Mürtschenalp, das um 1861 infolge mangelnder Ergiebigkeit eingestellt worden ist. Der Name H. J. Tröger erscheint 1860 als Autor in einer Abhandlung der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung zum Thema Kupfer- und Silberbergbau an der Mürtschenalp. Tröger fabriziert Romanzement mit gutem Absatz in der Ostschweiz. Die im Bruch der Lochezen westlich des Sitzbach-Tobels (Gebiet nordöstlich der Bergstation des heutigen Schrägaufzuges) und etwa gleichzeitig östlich des Tobels (beim späteren Militärspital) gewonnenen Steine werden - nebst über Schütthalden - westlich über einen gemauerten Rutschkanal und östlich über eine 'primitive Schlittbahn' [Mangold 1931] zu zwei kleinen Schachtöfen in der Lochezen befördert und dort mit Koks gebrannt. Das Brenngut wird mit Ledischiffen (Segel- und Ruder-Antrieb) nach Unterterzen überführt. Dort wird es mit einem Pferdefuhrwerk zu einer Wassermühle (Kammbach und künstlicher Kanal vom Moosbach her, siehe Karte) hinauf gebracht und nach dem Mahlen und der Verarbeitung per Pferdefuhrwerk zum Bahnhof Unterterzen hinunter. Der spätere Fabrik-Standort Gosten spielt noch keine Rolle.
Bild: Die Cementmühle auf der Siegfriedkarte von 1897; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Man beachte: Trotz der Ortsbezeichnung 'Wallenstadt' hat dies mit dem 1873 noch gar nicht existierenden Bergwerk Seemühle nichts zu tun. Die Steinbrüche, die Brennerei (Lochezen) und das Büro liegen zwar auf Wallenstadter-Gebiet, die Verarbeitungsfabrik aber in Unterterzen.
1873 erfolgt eine gesellschaftliche Strukturierung und die Firma erscheint im Schweizerischen Handels-Amts-Blatt (S.H.A.B.):
Quelle: S.H.A.B.
Auf der Siegfried-Karte von 1883 (Erstausgabe) erscheint die zugehörige Cementbrennerei in der Lochezen mit Funktionsbeschriftung:
Bild: Siegfriedkarte 1883; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Der Transport des Ausbruch-Gesteins zur Brennerei hinunter
Bild links:
Auf einer Luftaufnahme von etwa 1923 (Walter Mittelholzer) kann der (schon 1923 historische) Verlauf des erstmals um 1863 fotografisch dokumentierten - hier aber aus Urheberrechts-Gründen nicht zeigbaren - gemauerten Schüttkanals von Tröger ausgemacht werden, zusammen mit einer Felsnische am unteren Ende. Etwa gleichzeitig [1863] hat auch der (industrielle) Abbau beim späteren Militärspital begonnen. Unten rechts auf dem Bild ist noch das später errichtete legendäre Übertag-Förderband zu sehen.
Bild rechts:
Dieser gemauerte Schüttkanal und unten die erwähnte Felsnische aus nicht alltäglicher Persepektive im Feb. 2016. Die Relikte des Schüttkanals sind heute noch schön zu sehen, wo sie nicht jüngeren bergbaulichen Aktivitäten zum Opfer gefallen ist. Der Platz vor der Felsnische ist teilweise aufgeschüttet worden. Die Grube (wohl ein Silo?) ist seinerzeit entsprechend höher gewesen.
Bild links:
Rot punktiert sind die anfangs der 1920er-Jahre noch sichtbaren Spuren der Trögerschen Rutschbahn (Schüttkanal) aus dem westlichen Abbaugebiet zu sehen (das östliche Abbaugebiet Trögers [später Tröger & Götzger] ist beim späteren Militärspital). Zu oberst rechts im Bild ist sogar noch der Zick-Zack-Weg in dieses Steinbruchgebiet hinauf zu sehen.
Bilder unten:
Die beiden unten folgenden Bilder von 1916 und 2016 mit etwa gleichem Ausschnitt zeigen mit jeweils gleichen Markierungen, dass die Front-Mauer des Einfüllsilos von Troeger - also der Beginn des gemauerten Schüttkanals, nach links unten die Mauer verlassend - heute noch gut erhalten ist (Markierung: Rechteck mit abgerundeten Ecken). Man beachte bei der Bildinterpretation, dass die aktuelle Aufnahme infolge heutiger vegetationsbedingter Sichtbehinderung nicht vom Originalstandort aus gemacht werden konnte (Parallaxe).
Man beachte: Trotz der Ortsbezeichnung 'Wallenstadt' hat dies mit dem 1892 erst in der Gründungsphase stehenden Bergwerk Seemühle nichts zu tun. Die Steinbrüche, die Brennerei (Lochezen) und das Büro liegen zwar auf Wallenstadter-Gebiet, die Verarbeitungsfabrik aber in Unterterzen.
1892
Nach Trögers Tod im Jahr 1892 wird die Firma neu strukturiert:
Quelle: S.H.A.B.
1897/1898 wird in der Folge die Produktivität des ganzen Betriebes gesteigert. Im Bruch (beim späteren Militärspital) werden Geleise für ein Grubenbähnchen (50 cm-Spur) verlegt, die Schlittbahn durch einen sogenannten Bremsberg ersetzt und in der Lochezen die Brennöfen aufgerüstet. Unter diesem Bremsberg kann man sich eine Art Ballast-Pendelbahn ['System Ragaz - Wartenstein'] vorstellen, aber auf getrennten Geleisen. Wahrscheinlich können dabei Loren auf kleine Förder-Fahrplattformen gesetzt werden. Die See-Überfuhr wird neu über ein Motorschiff abgewickelt, auf das die Loren mit dem Brenngut geschoben werden können und am Gostenhorn wird eine Brenngut-Verarbeitungs-Fabrik mit Bahnanschluss gebaut, mit Loren-Geleise zum See und VSB-Geleise (Vorläuferin der SBB) zum Bahnhof Unterterzen. Die alte Mühle wird für ganz kurze Zeit umgenutzt zur Elektrizitäts-Erzeugung und so eine elektrische Mühle am neuen Standort angetrieben. Die neue Fabrik nimmt 1899 ihren Betrieb auf als Roman- und Portlandcementfabrik A.-G. Ennenda. (Gebrannt wird aber noch ausschliesslich in der Lochezen.)
1897
Die Firma wechselt die Besitzer:
Quelle: S.H.A.B.
1898 werden die Konzessionsgrenzen festgelegt, da östlich inzwischen (um 1892) auch die Seemühle den Betrieb aufgenommen hat (1892: Huber/Kunkler; 1899: Borner/Edelmann).
Bild: Die Situation in der Lochezen und am Gostenhorn um 1899. Aufmerksamen Lesern entgeht natürlich nicht, dass die relative Lage von Lochezen und Unterterzen in diesem sonst recht exakten Bild nicht stimmt, aber aus Gründen der Anschaulichkeit so gewählt worden ist. In Unterterzen fehlen noch die beiden kleinen Kamine der folgenden zwei Bilder (Begründung folgt gleich).
Die oben vorgestellte Schütt-Rutsche von Tröger und die Felsnische sind erahnbar, viel Gestein dürfte vor allem - auf Grund der Spuren im Bild - ursprünglich vom 'Militärspital' her offen nach unten 'befördert' worden sein, nebst des Transportes auf der 'Schlittbahn', auf dem Bild aber bereits unter Verwendung des neuen Bremsberges.
Die weiter oben erwähnte - zur Elektrizitätserzeugung umgenutzte Wassermühle am Kammbach - zeigte sich rasch als zu schwach für die im Ausbau befindliche Fabrik und wurde schnell durch einen Dieselmotor mit Generator ersetzt, was die beiden kleinen Kamine erforderlich machte. Aber noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde auch der Dieselbetrieb wieder aufgegeben und die Mühle am Gosten an die Albula-Hochspannungsleitung in der Nähe angeschlossen. Um 1927 wurde ein fabrikeigenes Kraftwerk gebaut. Dokumentation dazu: Kraftanlage Unterterzen (pdf)
Die Lochezen um 1899:
Unterterzen/Gosten um 1899:
Das folgende Foto ist kurze Zeit später aufgenommen, denn es sind jetzt zusätzlich 2 kleine Kamine sichtbar (ursprüngliche Dieselmotor-Kraftanlage):
Bild: Fotodokumentation der Cement/Kalkfabrik (nur Verarbeitung, noch nicht Brennen) um 1900 am Gostenhorn:
Das folgende Bild zeigt die Cementfabrik Lochezen um 1917 (auf Fotos von 1919 ist sie bereits nicht mehr vorhanden und auf der Siegfriedkarte von 1920 ist sie nicht mehr eingezeichnet). Man beachte die neu hinzugekommene vermeintliche 'Schutzmauer' bergseits (in Wirklichkeit: Schüttgut-Auffangbecken, siehe später) und das Fehlen des früher vorhandenen 5. und höchsten Kamins:
Bild:
Die Brennerei (aber jetzt ohne den hohen 5. Kamin) in der Lochezen im Zustand kurz vor ihrem Abbruch 1917.
Gemäss spekulativer Überlegung wurde der 5. Kamin bei einer etwas grosszügig dimensionierten Sprengung 1911 getroffen und nicht mehr repariert, da er in jenem Moment bereits nicht mehr benötigt wurde, weil ja inzwischen auch in Unterterzen das Brennen aufgenommen wurde. Berichte von einer 'Zerstörung' der Lochezen-Brennerei durch einen auf die Sprengung folgenden Felssturz sind jedenfalls massiv übertrieben, wahrscheinlich auf Grund einer Verwechslung mit dem Hangrutsch von 1916 bei der Seemühle weiter östlich.
Die eben erwähnte Schüttgut-Auffangmauer ist heute noch zum grossen Teil erhalten (folgendes Bild). Ganz rechts im Bild sind bei der Gebäude-Ecke 2 Isolatoren übereinander und mit etwas gegenseitigem Abstand zu sehen. Von diesen führen noch heute - aber nur vor Ort sichtbar - zwei Telefondrähte zum ersten Mast der ehemaligen Vorgänger-Seilbahn des heute noch bestehenden Schrägaufzuges hinauf:
Foto: Wir stehen hier auf dem Boden der ehemaligen Cementfabrik Lochezen und der Seilbahn-Talstation
Schon bald nach 1900 wird die Anlage in Unterterzen ausgebaut, um zusätzlich auch Brennen zu können. Das folgende Bild links zeigt die umgebaute und erneuerte Cement- und Kalk- Fabrik in Unterterzen um 1910 (die Cementbrennerei Lochezen steht noch in ihrer Vollversion: Man schaue auf die Kamine [im Zentrum der roten Ellipse], wobei rechts der schon mehrfach erwähnte hohe fünfte Kamin mit etwas Phantasie als noch existent gedeutet werden kann. Die Ansichtskarte rechts hat den Poststempel 1917:
Bild: Die Fabrik der 'Schweizerischen Cementindustrie-Gesellschaft' in Unterterzen im Zeitraum 1910 bis 1917
Ein Pachtvertrag zwischen der Cementindustrie Unterterzen und der damals zuständigen Ortsgemeinde Walenstadt läuft 1913 aus und wird von den Fabrikbetreibern nicht erneuert, da im etwas weiter westlich gelegenen Steinbruch (noch nicht Äuli oder Engen) der damals zuständigen Ortsgemeinde Walenstadtberg offenbar wirtschaftlicher Gestein abgebaut werden kann. 1913 wird daher der ursprüngliche 'historische' (Tröger-)Untertag-Steinbruch-Teil (beim späteren Militärspital) geräumt und es kehren dort Jahrzehnte der Ruhe ein, bis zum Bau und Betrieb des Militärspitals in den 1940er-Jahren. Damit wird natürlich auch der Bremsberg obsolet. Das Gestein gelangt jetzt vom erwähnten und jetzt allein 'zuständigen' westlicheren Steinbruch durch ein Schüttrohr zur Brennerei hinunter und wird in einem Schüttgut-Auffangbecken (vermeintliche 'Schutzmauer' von vorher) hinter der Brennerei aufgefangen.
Foto von 1916: Die Schüttrohrleitung zur Brennerei hinunter (links im Bild). Ueber der Mauer oben scheint noch das Dach eines urspünglichen Steinbrechers hervor zu schauen. Es ist dies wohl der historisch 1. Steinbrecher.
Über der gelb punktierten Linie ist noch der Schüttkanal Trögers in seinem obersten Teil auszumachen (hier bereits ca 16 Jahre ausser Betrieb). Der spätere Chaletsteinbrecher kommt etwa zwischen diese beiden Objekte zu liegen.
Ein Fotodokument von deutlich vor 1918 (noch intakter Hoch-Kamin in der Lochezen, Seemühle-Verarbeitungsfabrik noch mit den ursprünglichen Satteldächern, noch kein Arbeiter-Wohnhaus in der Seemühle, Chaletsteinbrecher noch nicht zu sehen) zeigt uns 'letztmals' die Cementbrennerei Lochezen in ihrer vollen Grösse:
Bild: 'Abschied' von der Cementfabrik Lochezen
1917 wird die Fabrik in der Lochezen aufgegeben und abgebrochen, da sie nicht mehr benötigt wird. Ihre Aufgaben werden inzwischen von der ausgebauten Fabrik in Unterterzen mitübernommen.
1920 wird ein neuer Vertrag mit der OG Walenstadt abgeschlossen, vor allem im Hinblick auf den Aufbau einer neuen Schiffs-Verladestation mit Silo und des legendären Brückenförderbandes zwischen einem ebenfalls neuen offenen 'Staumauer'-Silo und dem Verlade-Silo am See.
Nebenstehendes Foto (um 1923) zeigt noch Spuren der Schüttleitung des vorletzten Bildes. Der 'Ursteinbrecher' (ganz oben im Bild) von vorher ist hier gut zu sehen, neben dem neuen 'Chalet-Steinbrecher' mit neuem Schüttrohr (nach unten rechts wegführend) zum offenen Abwurf in den neuen 'Staumauer'-Silo. Von diesem geht das Gestein mit dem neuen 'legendären' Förderband zum neuen Hochsilo mit Schiffsverladeeinrichtung am See.
Unten auf dem Foto ist die Mauer des Sammelbeckens ('Schutzmauer' von weiter oben) zu sehen. Die Brennerei an der Mauer ist bereits abgebrochen, denn es wird jetzt ja in Unterterzen gebrannt.
Der neuere Steinbrecher rechts (also der im 'Chalet') ist genau auf eine alte natürliche Schüttrinne gebaut worden, deren darüber gelegener Teil so wieder genutzt werden kann ('Abwurf-Brücken-Gebiet').
Bild: Steinbrecher I mit Schüttrohrschneise, Steinbrecher II (Chalet) mit Schüttrohr zum offenen Staumauer-Silo.
Die Gruben-Konzession [nicht mit Abbaukontingent zu verwechseln] der Cementfabrik Unterterzen schliesst sich bis 1913 beim späteren Militärspital/Feldspital (heutige Trennmauer mit 'vergittertem Fenster') an diejenige von Huber & Kunkler (später Borner & Edelmann), Walenstadt an. (Adolf Borner 1871-1966). Das Areal 'Militärspital' dazwischen ist ab 1913 eine Art 'Niemandsland' (vorher bewirtschaftet durch Tröger; Tröger & Götzger; Cementfabrik Ennenda; Schweizerische Cementindustrie-Gesellschaft).
Von der OG Walenstadt bekommt die Firma einen Pachtvertrag für Gesteinsabbau im Gebiet Seemühle, wo zunächst zwei kleinere Kalköfen und um 1901 eine grosse Kalk- und Cementfabrik aufgebaut werden (die legendäre Seemühle, Inbetriebnahme 1902). Um 1895 wird der junge Bergbau-Ingenieur Adolf Borner (1871-1966) als Spezialist für Bergbau beigezogen und der Bau der 'grossen' Seemühle geplant:
Die Frühzeit ab 1892, Seemühle Walenstadt

||1892 erwerben Hubers von Walenstadt und Johann Theodor Kunkler von St. Gallen aus einem Firmenkonkurs die Liegenschaft Waldegg in der Seemühle
und gründen die Firma Kunkler & Cie. (im kantonalen Wasserrechts-Kataster von 1896 Huber & Kunkler).

Quelle: S.H.A.B.
In der Neuen Glarner Zeitung wird dies wie folgt gewürdigt:
Schweizerische Bauzeitung 1895
Ein Fotodokument vom August 1893 zeigt die zwei ursprünglichen Kalköfen (unterhalb des Bruchweges) noch vorgängig der grossen Seemühle. Der Bruchweg verläuft durchwegs noch etwas tiefer als der heutige):
Foto [Aug. 1893]: Kalköfen und Wohnhaus von Kunkler/Huber von ca 1891 (später:'Villa Borner').
Landkarten können nicht 'absolut' genau sein. Manch eine Einzelheit wird übersehen oder muss der Generalisierung geopfert werden und zeitlich stehen Landkarten notgedrungen immer mehr oder weniger im Verzug. So fehlen in der Siegfriedkarte von 1897 die erwähnten Schachtöfen von Huber und Kunkler, obwohl sie 1893 fotografisch dokumentiert sind. Das Objekt wurde daher auf folgendem Kartenausschnitt vom Verfasser eingezeichnet [(6) bei der Verzweigung Lochezenstrasse/alter(!) Bruchweg].
Siegfriedkarte von 1897; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
- Brennöfen der Kalk- und Cementfabrik Lochezen,Tröger-Götzger
- Erster industrieller Untertag-Abbau (künstliche Felsfenster) durch Tröger und Nachfolge-Firmen
- Stolleneingang Tröger (später zum Militärspital)
- 'Westbahn' spätestens ab ca 1898 (vermutet), vorher evtl. Pferdefuhrwerk
- Alter Bruchweg, erbaut 1866 (auch vom Bergbau-Ingenieur Tröger im Zusammenhang mit urspr. Marmorbrüchen)
- Erste Kalköfen Kunkler + Huber
- 'Ostbahn' spätestens ab ca 1898 (vermutet), vorher evtl. Pferdefuhrwerk
- 'Staumauer' der Wasserkraft-Nutzung Seemühle
- Wohnhaus [Kunkler], später 'Villa Borner'
- Verarbeitung, Silos, Absackerei
Das Gestein wird über natürliche Rutschrinnen talwärts befördert und mit dem vermutlich bereits bestehenden Bähnchen eingesammelt.
Zusätzlich werden auf Seemühles Gebiet im Zeitraum 1892 bis 1896 nahe bei den beiden Kalköfen zwei Stollen in den Berg getrieben und ein heute verschütteter dritter Stollen etwas westlicher gelegener.
Nochmals zum alten Bruchweg von vorher:
Der folgende Exkurs gibt einen kurzen Einblick in die Geschichte des Bruchweges.
Conrad Edelmann dürfte die Cementfabrik Ludesch (Vorarlberg) übernommen haben und dort als Direktor bis 1917 amtieren - bis zur Uebernahme (Kriegswirren) dieses Werkes durch die Cementfabrik Lorüns.
Der Name Conrad Edelmann taucht 1917 bei der Kalk- und Cementfabrik Beckenried wieder auf und 1929 als Direktor und Inhaber des Hartsteinwerkes Beckenried.
1899
1899 wird die Firma neu strukturiert:
Quelle:S.H.A.B.
Wie bereits erwähnt herrschen um diese Zeit auf dem Cementmarkt massive Ueberkapazitäten durch zu viele Betriebe:
Quelle: Statistisches Jahrbuch der Schweiz 1907
1907
1907 wird die Firma erneut umstrukturiert:
Quelle:S.H.A.B.
Bis etwa 1913 ist der Betrieb der Seemühle ähnlich wie derjenige der Lochezen gelagert, es wird also Cement und Kalk produziert und damit die Schweizerische Zement-Industriegesellschaft konkurrenziert.
Die folgende Siegfriedkarte von 1906 zeigt die grosse Seemühle-Fabrik. Es sind jetzt beide Cementfabriken - also Lochezen und Seemühle - sogar mit Funktionsbeschriftung eingetragen.
Im oberen Bereich des Bruchweges ist ein Auswurfstollen mit Gebäude zu erkennen. Dieser Tunnel war für die Seemühle bis in die 1950er-Jahre in Betrieb. Das Geleise führte von einem Abbau-Gebiet via Ufer der unterirdischen Seen ('Seedamm und rostige Leiter') über den 'berühmten' Bahndamm durch den heute zugeschütteten Tunnel 'hoch über dem Walensee' ins Freie auf eine Abwurfbrücke [Ursula Zanetti-Borner]). Die Karte zeigt auch den Bremsberg in der Lochezen:
Bild: Siegfriedkarte von 1906; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Die folgende Ansicht zeigt diese 'legendäre' Seemühle (Cement- und Kalkbrennerei [ab 1913/14 nur noch Kalk]), die Mühle/Mischerei/Packerei und Wohnhäuser vom 'alten Strandbad' aus. Dieses Bild wurde vor Dezember 1916 aufgenommen, da die gesamte Seemühle-Fabrik noch zu sehen ist, auch der beim Bergrutsch von 1916 zerstörte und nicht mehr aufgebaute rechte Teil des Fabrikgebäudes (Cementproduktion):
Bild: Die neue Cementfabrik Seemühle in ihrem grössten Bauumfang vom 'alten Strandbad' aus gesehen.
Kleine Rückblende: Eine Gesamtansicht vom August 1893 zeigt nochmals die beiden 'niedlichen' Schachtöfen am Standort der nachfolgenden legendären Seemühle und auch die spätere 'Villa Borner' [1893 noch der Familie Kunkler gehörend] nebst Verarbeitungsgebäuden (z. B. Silo, Mühle (hier nicht sichtbar), Mischerei, Packerei):
Man beachte auch die 'Westbahn' oben und unten an die Seemühle
führend.
Foto: Seemühle-Region, Walenstadt, im August 1893; ETH-Bibliothek, Bildarchiv
Sichtbar sind auch Kavernen [von Tröger & Götzger] beim späteren Militärspital / Feldspital, ebenso der alte Bruchweg [der noch etwas unterhalb des heutigen Bruchfahrweges verläuft], ferner diverse Gesteins-Rutschrinnen, die auch weit über dem Bruchweg beginnen. Sie weisen auf verschiedene Abbaugebiete und auch noch auf schon seit vor dem Kalkabbau betriebene 'Marmorbrüche' hin. Die schräge Gebirgsschichtung ist gut zu erkennen.
Der lange andauernde Parallelbetrieb von Marmorbruch und Cementfabrikation Trögers - begonnen lange Zeit vor den industriellen Aktivitäten bei der Seemühle - zeigt sich auch auf folgender Postkarte von 1871 (zufällig Adolf Borners Geburtsjahr) im Adress-Text:
(c) L. Mannhart
Kleiner Exkurs:
Aus betriebs-strategischen Ueberlegungen und auf Grund von Indizien in Buch-/Luftbild-/Foto-Dokumenten kann zweierlei festgestellt werden:
Das weiter oben erwähnte 'Seemühle-Bähnchen':
1. Übertag-Bähnchensysteme der beiden Bergwerke bestanden schon ab etwa 1898.
Fotografisch nachweisbar ist das Seemühle-Bähnchen erstmals 1916 (siehe weiter unten).
2. Das Übertag-System der Seemühle war zusammenhängend, man konnte also aus Richtung Lochezen sowohl oben, als auch unten an die Seemühle und damit auch in den Tunnel der Sohle 0 fahren sowie ostwärts zur Kaliforni. So konnten die Fahrzeuge durchgehend auf dem gesamten Netz (übertag und auf Sohle 0) eingesetzt werden und es konnte so Kohle/Koks ab der Kaliforni und Gestein ab der Lochezen oberhalb der Seemühle den Öfen zugeführt werden, während unten Gebrannter Kalk zur weiteren Verarbeitung zur Kaliforni transportiert werden konnte.
Die Waldschneise (siehe folgende Luftaufnahme) aus Richtung Lochezen oben an die Seemühle zeigt die obere Zufahrt zur Seemühle.
Unterhalb der Seemühle wird die Bahn und ihr Verlauf Richtung Lochezen und Kaliforni weiter unten noch fotografisch dokumentiert. Somit war westlich der Seemühle eine Weiche eingebaut:
Luftbild 1942; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Wahrscheinlichste Jahreszahlen der Stollen-Portale:
- Stollenausgang mit Abwurf (im Schatten) der Bahn via 'unterirdischer See' über den 'Damm'
- Endstation des Seemühlebähnchens. Hier wurde das westlichste Gestein der Borner AG aufgeladen
- Weiche (obere/untere Westbahn)
- Tunnelportal/Stolleneingang und Weiche Richtung Lochezen einerseits/ Richtung Stolleneingang zur Sohle 0 anderseits
- Ort des anderen 'unteren' Stollenausganges mit Abwurfbrücke
Nr.5: 1892; Nr.4: 1896; Nr.1: sicher von vor 1906 [Siegfriedkarte].
Auf folgendem 3D-Satelliten-Radarbild ist die Trasse oben an die Seemühle (gegenwärtig aber völlig überwachsen) der erwähnten Waldschneise heute noch deutlich erkennbar. Und wenn man genau hinsieht, sind etwas unterhalb des heutigen Bruchweges deutlich Spuren des älteren Bruchweges zu erkennen, der beim obersten Auswurfstollen des Seemühle-Bergwerkes endet:
alti3d; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Skizze des Übertag-Bahnsystems:
Bild: Das Übertag-Bahnsystem in seiner grössten Ausdehung; Karten-Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
rot: gesichert (Foto-Dokumente, Luftbilder heute noch erkennbare deutliche Spuren)
grün: Bähnchen von der Schütthalde und vom Bremsberg zur Brennerei Lochezen (keine Verbindung mit dem Seemühlebähnchen). Indiz: deutlich erkennbarer 'schnurgerader' Weg von rechts zur Brennerei auf folgenden beiden Bildern. Betrieb dieses kurzen Bähnchens mindestens von 1898 (Aufrüstung Lochezen) bis 1913 (Aufgabe des Abbaugebietes beim späteren Militärspital).

Bild: Die Zufahrt von Bremsberg und Schüttrinne zur
Brennerei Lochezen um 1900.
(Brennerei der 'Tröger & Götzger - Nachfolgefirma')
Bild: Auch 100 Jahre später und heute ist diese Zufahrt
noch deutlich zu sehen.
Ein Stück dieses Bahndammes heute:

Viel später um 1960 wurde die Ostbahn der Seeemühle östlich der Verarbeitungsgebäude verlängert und führte über eine Spitzkehre in Richtung Arbeiter-Wohnhaus oben zu den Verarbeitungsgebäuden [R. Giovanoli]:|
Bild: Die Spitzkehre im Jahr 1963 und Bootshaus des Militärs (erbaut 1944); Quelle: ETH-Bibliothek, Bildarchiv
Bild: Bahn-Trasse der Spitzkehre Ost um 1960
Ende Exkurs
1913 erscheint in der Schweizerfamilie folgendes Bild:
(c) Archiv Schweizerfamilie (mit freundlicher Genehmigung).
Gemäss noch vorhandener Unterlagen wurde das Foto mit 'Blitzlichtpulver' (Magnesium) und
'Camera auf Ständer' aufgenommen. Die Personen 'durften sich ein paar Sekunden nicht bewegen'.
Der Originaltext dazu:
Zementbergwerk bei Walenstadt , Kt. St. Gallen. Hier befinden sich die einzigen Zementfabriken der Schweiz, die ihr Gestein unterirdisch abbauen. Mächtige Hallen, aus denen in jahrelangem Schaffen die Gesteine herausgebrochen wurden, sind von gewaltigen Säulen gestützt, und lange Gänge, von elektrischen Bogenlampen erhellt, führen ins Innere des Berges. Originalphotographie für die "Schweizerfamilie" von B. Wiese, Zürich.
Entgegen dem vielleicht ersten Eindruck ist das Foto im Bergesinnern aufgenommen worden: 'Blitzlichtpulver', beleuchtete Tunneldecke, keine Vegetations-Anzeichen und die Loks waren normalerweise bergauswärts vor dem Zug (beladene Wagen wurden gezogen, leere geschoben). Auch die nach links (= Ost) sinkende (ungestörte) Gesteinsschichtung rechts im Bild und an der Decke können als Indiz für die Blickrichtung bergauswärts des Fotografen gedeutet werden. Das Aufsuchen dieser Stelle - so sie denn heute noch in dieser Form besteht - wäre interessant, aber etwas zeitaufwendig.
Es wird für die stationäre Beleuchtung interessanterweise von elektrischen Bogenlampen gesprochen (die Bergleute selber dürften mit Karbid-Lampen gearbeitet haben). Entgegen zeitgenössischer Schreibweise wird Walenstadt hier - im Jahr 1913 - mit einem 'l' und Zement nicht mit 'C' geschrieben.
Vor allem das Cement-Geschäft ist zu jener Zeit durch Überkapazitäten und damit enormen Preiskampf belastet. Entsprechende Betriebe sind wie Pilze aus dem Boden geschossen: Betriebs-Zusammenschlüsse und häufg ändernde Strukturen und Namen sind die Folge. So schliesst sich Borner & Co mit der Rheintalischen Cementfabrik AG Rüthi und dem Betrieb in Unterterzen zur AG Ostschweizerischer Cementfabriken zusammen. Borner & Co verkauft aber bereits 1913 die Zementfabrikation (Ostteil des Seemühle-Fabrikkomplexes) samt zugehörigem Cement-Kontingent an die Vereinigten Schweizer Cementfabriken, welche die Cementproduktion in der Seemühle still legt und fabriziert fortan nur noch hydraulischen Kalk. 1914 schliesst die Fabrik in Rüthi, womit die Ostschweizer Vereinigung bereits wieder aufgelöst wird. Die stillgelegte Cementaufbereitungsanlage samt zwei Rotieröfen wird 1915 von Borner & Cie. wieder zurückgekauft. (Als Vermutung bleibt aus heutiger Sicht nur: Dieser Rückkauf war für den Einsatz zur Kalkproduktion geplant, denn - und dies ist für den weiteren Verlauf entscheidend - das Cementkontingent verblieb bei E. G. Portland.)
Um diese Zeit verfällt eine Konzession an Borner für ein Verbindungsgeleise Seemühle - SBB-Bahnhof Walenstadt (wohl infolge Nichtumsetzung, da zu teuer).
1913 - 1915
A. Borner ist 1915 also bereits wieder im Besitz der gesamten Seemühle-Fabrik. Die präzise Chronologie ist um diese Zeit komplex und wird in den Quellen entsprechend 'unklar' behandelt, was aber für einen Überblick nicht von entscheidender Bedeutung ist. Am Berg-Abhang hinter der Seemühle-Fabrik sind jedenfalls Senkungen und Risse wahrgenommen worden. A. Borner veranlasst eine fachmännische Untersuchung (Prof. Dr. A. Heim, ETH Zürich). In der Folge werden wertvolle Maschinen und Anlageteile des ehemahligen Cementwerk-Teils zur Kaliforni verlagert.
Diese Räumung des stattlichen Ostteils der Seemühle wird sich 1916 als richtiger Entscheid erweisen. Was mit dem zur Kaliforni verlagerten Material passiert, ist nicht klar. Zur Cementproduktion kann es Borner infolge Verkaufs des Cementkontingentes ja nicht mehr verwenden, aber vielleicht für die Aufbereitung von hydraulischem Kalk. Nach Mangold gehen beim Hangrutsch allerdings auch zwei wertvolle Rotieröfen verloren, die im Ostteil, also dem ehemaligen Cementwerk der Seemühle zurück gelassen worden sind (da wirtschaftlich wohl nicht demontierbar).
Das folgende Fotodokument zeigt die Verarbeitungs-Anlage in der Kaliforni - aber noch ohne neue (Flachdach-)Lagerhalle - sicher deutlich vor 1918 (da das Foto die Cementfabrik Lochezen sogar noch mit dem Hochkamin zeigt):
1914
Ein erster Erdrutsch ob der (Seemühle-) Cement- und Kalk-Fabrik, also der späteren legendären Kalkbrennerei Seemühle, bleibt oberhalb der Fabrik stehen.
1916
Ein weiterer Erdrutsch dringt 1916 bis in das Gebäude dieser Cement/Kalkbrennerei Seemühle (siehe auch Zeitungsbericht etwas weiter unten).
Auf folgendem Bild dazu ist rechts im Vordergrund die Schiene der Transportbahn zur Mühle/Mischerei/Packerei in der Kaliforni zu sehen. Weiter ist zu sehen, dass der Rutsch den Ostteil der Fabrik, also die Cementproduktion erwischt hat:
(c) Schweizerisches Bundesarchiv
Auf dem Westgeleise zur Lochezen hin zeigt das folgende Bild noch eine Lokomotive. Mauerreste des alten Bruchweges sind heute noch zu sehen, aber das Fahrsträsschen führt heute oberhalb derselben durch. Das Bahntrasse wird heute weiter in Richtung Walenstadt überquert:
(c) Schweizerisches Bundesarchiv
Das folgende Foto - auch von 1916 - zeigt das Verbindungsgeleise zur 'Westbahn' mit einsamer - vorher bereits erwähnter - Lokomotive.
Aufgabe der 'Westbahn' ist, das durch mehrere Fallrinnen vom Berg herunter beförderte Gestein von nahe der Lochezen zur Seemühle zu bringen. Hinten verschwindet das Geleise nach oben rechts zur Weichen-Verbindung mit der oberen 'Westbahn'. Im Hintergrund ist die Lochezen noch ohne Uebertag-Förderband und ohne den hohen Verlade-Silo zu sehen. Der 'Ostarm' der Bahn (hier sein Anfang unter dem Schutt des Hangrutsches begraben) verbindet die Seemühle mit der Mühle/Mischerei/Packerei in der Kaliforni.
Bild: Westbahn nach dem Hangrutsch 1916
Der Westteil der Fabrik (Kalköfen) wird anschliessend renoviert, der beschädigte Ostteil (Cementproduktion) abgebrochen. Zur Erinnerung: Fortan wird ohnehin nur noch hydraulischer Kalk produziert, weil das Cement-Kontingent schon früher verkauft worden ist.

Intermezzo|
Die genauen Fakten um diese Zeit sind sehr komplex und finden sogar in einem Bundesgerichts-Verfahren (pdf) im Jahr 1915 ihren Niederschlag (also noch vor dem grossen Hangrutsch vom November 1916). Es zeigt sich bei diesem Prozess jedenfalls, dass infolge eines Überangebotes - Kalk-/Cement-Fabriken schossen um 1900 wie Pilze aus dem Boden - Konkurrenten aufgekauft wurden, um sie ausser Betrieb zu setzen und dies nicht einmal in erster Linie zur eigenen Gewinnoptimierung, sondern schlicht um geschäftlich überleben zu können.
Folgende zeitgenössische Zeitungsmeldung [Oberrheinische Nachrichten vom 2.12.1916] zeigt die komplexe Situation:
Der (verständlicherweise) 'unklare' Zeitungsartikel ermöglicht immerhin die Kenntnis des genauen Datums und des ungefähren Zeitpunktes des Hangrutsches: Sonntag, 26. Nov. 1916 um 00:30 Uhr.
Es bleibt indes offen, was mit 'Werk' gemeint ist: Die ganze Seemühle oder nur ihr Ostteil mit der Cementproduktion. Das ist auch nicht so wichtig, denn letztlich geht es in dieser verworrenen Geschichte - und dies ist entscheidend - wohl um das Cementkontingent an sich und nicht um ein 'physisches Gebäude'. Und dieses einst Borner gehörende Cement-Kontingent verblieb - auch nach dem Zurückkauf gewisser Gebäude(-Teile) - fortan bei den 'Lochezen-Betreibern', aber Borner wurde von deren Anschuldigung vom Bundesgericht freigesprochen, das Kontingent mit der Cementproduktions-Anlage im Wissen um den fälligen Hangrutsch seinerzeit ( wie bereits erwähnt) verkauft zu haben und damit über seinem tatsächlichen Wert. Immerhin war die E. G. Portland gar nicht am Gebäude, sondern am Cementkontingent interessiert.
Eine andere Frage kann nur spekulativ beantwortet werden: Warum verkaufte Borner eigentlich das Cementkontingent? Brauchte er flüssiges Betriebs-Kapital oder sah er bei den geltenden Cementpreisen keine Zukunft im Gegensatz zum Kalk? Aus heutiger 'Laiensicht' könnte hier eine erste - aber nicht hinreichende - verhängnisvolle Weichenstellung für die weitere Firmengeschichte erfolgt sein.
1916 ist auch das Geburtsjahr von Raoul Borner (1916 - 1982), des späteren Direktors der Seemühle Borner AG.
Spätere Entwicklung beider Bergwerke: Die 1920er-Jahre
Das folgende Luftbild von Walter Mittelholzer im Jahr 1919 zeigt die Verladestationen Äuli und Lochezen, die fehlende Brennerei in der Lochezen (2 Jahre vorher abgebrochen), die Lochezen noch ohne Hochsilo (der Aufbau dieses Seesilos mit Übertag-Förderband steht unmittelbar bevor), ein 'Ledischiff' im Hafen Lochezen und das Arbeiterhaus (erscheint als weisses Kreuz [Fenster, Bäume]) von vor 1899, ferner die Seemühle und ihre zugehörigen Anlagen in der Kaliforni (u.a. 'Villa Borner' und Arbeiter-Wohnhaus):
Bild: Seemühle und Lochezen, Walter Mittelholzer, 1919; ETH Bildarchiv
1917 wird - wie schon erwähnt - die Brennerei in der Lochezen abgebrochen, da die Fabrik in Unterterzen jetzt vollständig genügt:
Bild: Die Cement-Fabrik Unterterzen, Walter Mittelholzer,1919; ETH Bildarchiv
Die folgende Siegfriedkarte von 1920 zeigt die 'gelichteten' Gebäulichkeiten in der Lochezen (Fabrik aufgegeben und abgebrochen), sowie die verkleinerte Seemühle (Bergsturz 1916) und darüber den Anrisstrichter. Auf dieser Karte erscheint zum ersten Mal die Schiffsverladestation Äuli (westlich der Lochezen) und auch wieder der Stollenbahn-Tunnel oben am Bruchweg:
Siegfriedkarte 1920; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Die folgenden beiden Fotos mit etwa gleichem Ausschnitt und ungefähr zur gleichen Zeit aufgenommen (1928) zeigen Schüttrinnen/Schüttschneisen, die aber durchwegs weit über dem Bruchweg beginnen (etwa bei der Unterwaldstrasse). Sie stammen mehrheitlich vom vor dem Untertag-Kalkabbau begonnenen Übertag-Marmorbruch. Auch die grosse Waldschneise des Hangrutsches von 1916 über dem Seemühlegebäude ist gut zu sehen:
Schüttrinnen/Schüttschneisen um 1927
Schüttrinnen/Schüttschneisen um 1929
Auf einem Foto - allerdings von 1946 - ist rechts unten ein Teil der Ostbahn mit einem Zug noch deutlich erkennbar. Nahe beim Zug verläuft das Geleise kurz S-förmig: Dies ist der Bahnübergang des Bruchweges. In der Bildmitte ist noch das Bootshaus des Militärs (Zusammenhang mit Militärspital) aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen:
Dazu noch eine interessante Ansichtskarte von vor 1916 (Seemühle
noch mit Ostteil vor dem Hangrutsch):
Ansichtskarte: Seemühle in den 1910er-Jahren
1927 zeigt ein Foto von Walter Mittelholzer noch deutlich das Rutschgebiet und den nun fehlenden Fabrikteil der Cement-Produktion. Man kann auch drei verschiedene Aufgänge/Einstiege zum Bruchweg erkennen: Luftaufnahme von Walter Mittelholzer 1927
Um 1928 macht Walter Mittelholzer folgende zwei Aufnahmen:
Die noch 'kleine' CKU in Unterterzen um das Jahr 1928
Die Anlagen der Seemühle Walenstadt im Abschnitt Kaliforni um das Jahr 1928 (Man beachte auch die Ost-Bahn-Anlage). Quelle: ETH-Bibliothek, Bildarchiv
Bild: Die Lochezen anfangs der 1920er-Jahre (Indiz: Die Leitmauer unterhalb des Chalets - bereits auf Fotos von 1927 sichtbar - fehlt noch). Zum ersten Mal sieht man das legendäre jahrzehntelang von weitem sichtbare Förderband. Die 1918 abgebrochene Zementfabrik fehlt natürlich. Unten links im Bild die Schiffs-Verladestation-West (Äuli); ETH-Bibliothek, Bildarchiv
Das folgende Bild zeigt eine Flugaufnahme von Walter Mittelholzer. Auf Grund von weiter oben erwähntem Indiz kann sie auf anfangs der 1920er-Jahre gesetzt werden. Das 'Chalet' oben im Bild beherbergt den zweiten Steinbrecher der 'CKU'. Das zerkleinerte Gestein rutscht (etwas schräg nach rechts) durch eine im Bild sichtbare Rohr-Leitung zum freien Abwurf in den tief unten gelegenen 'Stausee'. Von dort geht es dann auf dem legendären Förderband zum Schiffs-Verladesilo:
Bild: Die Lochezen anfangs der 1920er-Jahre mit noch kleiner 'Staumauer'; ETH-Bibliothek, Bildarchiv
Auch vom zweiten Steinbrecher ('Chalet-Steinbrecher') wird anfangs der 1920er-Jahren das Gestein noch in einem Schüttrohr zum offenen Staumauersilo hinunter befördert. Die spätere schräge Führungsmauer für offenen Transport unterhalb des 'Chalets' besteht noch nicht:

Ergänzung zum vorangehenden Bild:|
Wer das 'Chalet' genau betrachtet, kann leicht vermuten, dass ursprünglich das zerkleinerte Gestein in einer Schütthalde zur Lochezen geführt wurde, zum selben Gesteins-Sammelbecken, wie das abgelöste Schüttrohr des früher erwähnten ersten Steinbrechers (war der 'Staumauer-Silo' noch nicht bereit?). Etwas später führte ein Schüttrohr dann mehr nach Osten zum neuen bereits erwähnten offenen 'Staumauer-Silo'. Auf neueren Bildern [erstmals 1927] erscheint als dritter 'Schütt-Kanal' die heute noch existierende eben erwähnte 'Leitmauer', die das Gestein durch einen Tunnel zum offenen Abwurf ebenfalls zum 'Staumauer-Silo' leitete. Der Ausgang dieses Tunnels liegt neben dem Förderband-Abwurf-Gebäude, das bei der unten verlinkten 'Begehung' fotografisch dokumentiert wird.
Bild: Die erwähnte Leitmauer rechts unterhalb des Chalets
auf einer Flugaufnahme von 1927 (Walter Mittelholzer)
Noch in den 1920ern wurde die Staumauer erhöht. Folgende Bildergalerie [Dez 2016] zeigt die noch gut erhaltene Silomauer:

Exkurs:Dieser Offensilo und seine 'Unterwelt' befinden sich seit Betriebsaufgabe 2001 in einem Dornröschenschlaf. Valentin Schoch, Sargans, führte wohl eine Erstbegehung dieses 'lost places' durch und dokumentiert dies unter folgendem Link:
Die Geheimnisse des Sitzbachtobel-Silos
Der 'Bahnhof' Kaliforni (Seemühle) in den 1920er-Jahren:
(Man beachte die Kohlen/Koks-Berge für die Brennöfen in der Seemühle.)
Bild: Der Bahnhof Kaliforni in den 1920er-Jahren
Rückführung eines Leerzuges von der Kaliforni zur Seemühle in den 1920er-Jahren:
Bild: Ein Leerzug fährt zur Seemühle zurück
In den 1920er-Jahren wurde auch westlich der Lochezen (Äuli) Gestein durch Schüttrohre zu Tal befördert:
Bild: Infrastruktur Lochezen-West
Bilder: Schüttleitung vom (noch nicht existierenden) 'grossen Platz' zum Seeufer (Äuli) hinunter
Bild: Der 'Chalet-Steinbrecher' bis in die 1950er-Jahre (hier noch mit anfänglichem Schüttrohr-Ausgang).
Bild: Oberhalb des 'Steinbrecher-Chalets' ist das Gesteins-Sammel-Becken zu sehen
Das folgende Luftbild aus dem Jahr 1963 zeigt die Gesamtsituation der beiden Bergwerks-Gesellschaften am Nordufer des Walensees und den ungefähren Grenzverlauf zwischen den beiden Werken. Man beachte den auch 1963 noch lichten Wald (Hangrutsch von 1916) oberhalb des zerstörten und hier fehlenden Ostteils der Seemühle:
Bild: Ganz ungefährer Grenzverlauf 'Borner' / 'CKU'
Folgende Fotos stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Bildchen anklicken).
Die Aufnahme-Orte (der Bergwerksfotos) sind unbekannt. Spekulation: Es muss sich um einen 'Betriebsausflug' der Borner AG zur 'Konkurrenz Lochezen' gehandelt haben, denn nur dort oben gibt es derart grosse 'Tageslicht-Dome'. Die mächtigen Dome der Borner AG sind alle im Berg drin und damit im Dunkeln.
1930: Der Name CKU erscheint
Ausscheidung des Betriebes Lochezen/Unterterzen als Cement- & Kalkfabrik Unterterzen A. G. (CKU) aus der Schweizerischen Cement-Industrie-Gesellschaft A. G.. Letztere besteht als Holdinggesellschaft in Heerbrugg weiter.
Um 1936
Das Strässchen Walenstadt Hafen nach Lochezen wird ausgebaut.
Aus dieser Zeit dürfte das folgende Bild der Cementfabrik Unterterzen stammen. Am Gegenufer die Verladestation Lochezen und etwas rechts davon die Kalkbrennerei Seemühle:
1937(?)
Der Übertag-Abbau nördlich vom "Grossen Platz" erreicht einen Dom des Untertag-Abbaues, wodurch das heute auffällige mächtige Felsfenster entsteht:
1941: Das legendäre Militärspital Lochezen, Walenstadt wird errichtet
Das unterirdische Militärspital / Feldspital wird in den ältesten (heute 'mittleren') Kavernen Lochezen eingebaut. Diese Kavernen sind seit 1913 leer gestanden. Das Spital besteht aus etwa 25 Holz-Baracken, ist vollständig ausgerüstet (220 Volt Elektrizitätsversorgung, Kanalisation, Wasserversorgung) und für eine gewisse Zeit sogar 'autark'.
Die folgenden beiden Bilder basieren auf Originalplänen und zeigen das 'Barackendörfchen' (orange: gebaut, blau geplant). Die effektive Bauausführung hat kleine Abweichungen. Man beachte, dass das gesamte Gelände von rechts (Ost) nach links (West) stark ansteigt, was auf einem Grundriss naturgemäss nicht zur Geltung kommt. Ausgerüstet ist das Spital für 280 Patienten, kurzzeitig aufrüstbar auf 400 Patienten. Der Erweiterungsbau auf 1000 Patienten wird aber nicht mehr realisiert. Für die Zuführung der Patienten steht bis zum Bootshaus Seemühle ein Motorboot zur Verfügung, von dort ist ein Pferdewagen-Transport via Bruchweg eingerichtet. Die Luftseilbahn ist v. a. für Materialtransporte zuständig. Die mitunter gehörte Ansicht, es habe sich um eine 'Standseilbahn' gahandelt, beruht auf einem Irrtum: In der Planungsphase wurde zwar eine Wiederinbetriebnahme des brachliegenden maroden Bremsberges ('Pendelstandseilbahn') Lochezen - Militärspital geprüft, aber schliesslich verworfen.
Die Trennmauer (Nr. 26) ist nötig, da das östlich anschliessende Bergwerk Seemühle natürlich auch während des Krieges in Betrieb ist.
Bild: Unterirdisches historisches Militärspital Lochezen, Walenstadt; links (orange): realisiert; rechts (blau): geplant; (c) sarganserland-walensee.ch

Legende:
A, B, C, D ‚Stockwerke' (Kalkabbau durch Tröger ff. bis 1913)
1. Zufahrt und Eingang ab Walenstadt
2. Wache
3. Büro
4. Sanitätspersonal
5. WC
6. Aufnahmestelle
7. Kehrplatz
8. Rampe
9. Aufgang
10. Aufnahmestelle
11. Aufnahmestelle
12. Gepäck
13. Bäder
14. Duschen und Wäscherei

15. Verbandstation/Operation

16. Verbandstation/Operation
17. Nicht-Transportfähige
18. Labor und Apotheke
19. Sezierraum/Tote
20. Nicht realisierter Aufzug
21. Küche
22. Lebensmittel
23. Verpflegungsstelle
24. Warmwasser-Aufbereitung mit Kamin
25. Kläranlage
26. Trennmauer zum Seemühle-Bergwerksbetrieb (Emissions-Schutz)
27. Holz (Brennholz-Vorrat)
Das Barackendörfchen 'Militärspital Lochezen/Walenstadt'
Bild: Die Wachbaracke und die Bürobaracke gleich am Eingang in der Bauphase 1941
Bild: In Richtung Zentrum des 'Dörfchens': Baracken für Aufnahme, Operation und Verband
(1) Arbeiterwohnungen CKU und Schiffs-Verlade-Hafen
Um 1941
Siegfriedkarte 1944; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
(2) Historischer Stolleneingang Tröger und Lage des unterirdischen Militärspitals / Feldspitals
(3) Militärseilbahn zur Versorgung des Militärspitals / Feldspitals (dürfte auf einer 'zivilen' Karte eigentlich nicht erscheinen)
(4) Uebertag "Westbahn" des Grubenbähnchens (unten an die Rutschrinnen)
(5) Kalkbrennerei
(6) Abladebahnhof
(7) Übertag "Ostbahn" des Grubenbähnchens (zur Mühle/Mischerei/Packerei)
(8) 'Villa Borner'
(9) Mühle/Mischerei/Packerei
(10) Arbeiterhaus
Schmidheiny erneuert seine Anlage. Während zum Verladesilo am See das bereits erwähnte charakteristische und einst von weitem sichtbare Förderband seit etwa 1920 besteht, werden im Berg drin die Förderanlagen erweitert. Das Schienennetz und Rollmaterial wird von Spurweite 50 cm auf 60 cm um- und ausgebaut. Es kommen auf dem neuen Schienen-Netz Akku-Stadler-Lokomotiven (heute StadlerRail) vor ebenfalls neuartigen und schwer beladbaren Grubenloren zum Einsatz. Diese werden nicht mehr durch Kippen, sondern durch seitlich unten angebrachte Verschluss-Klappen entleert.
Die Seemühle 1942 mit Transportbähnchen wohl weiterhin mit 50 cm Spur (knapp oberhalb des 'Seeufersträsschens') zur Mühle/Mischerei/Packerei. Zu sehen sind auch die 'Villa Borner', das Arbeiter-Wohnhaus und ein Teil des Kaliforni-Weinberges:
Bild: Seemühle Walenstadt, gesamte Anlage um 1942; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
So zeigte sich die Seemühle im Zeitraum der 1940er-Jahre (Bilder anklicken):
Und nochmals das bereits erwähnte Kuriosum: Auf der Siegfriedkarte von 1944 erscheint seltsamerweise die Militärseilbahn von der Lochezen zum Kavernen-Militärspital / Feldspital. Eine MLS hat eigentlich auf einer (öffentlichen) zivilen Karte nichts zu suchen:
Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Bei der Borner AG soll im Gegenzug ein Umbau und eine Renovation der Anlagen helfen, den in die Jahre gekommenen Betrieb wieder den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Aus was für Gründen auch immer - ein weites Feld für Gerüchte und Spekulationen - bleiben 50 cm- Spurbreite, romantische, aber obsolete Kipploren und andere Antiquitäten bestehen, was irgendwie den Beginn eines schleichenden Niederganges signalisiert.
Zum Komfort darf man sich keine übertriebenen Vorstellungen machen:
Bild: Militärseilbahn an unbekanntem Ort. In die U-Halte-Bügel kann
eine Bahre für Verletztentransport eingeschoben werden.
Die Waldschneise der Militärseilbahn (rote Pfeile) auf einer Luftaufnahme von 1942:
Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Um 1945
Die CKU ist im Stadium der Aufrüstung, u.a. wie erwähnt mit der Umspurung von 50 cm auf 60 cm.
Die drei folgenden Fotos (anklicken) zeigen den selben Stadler-Zug (heute: StadlerRail) auf der obersten Geleise-Ebene.
Der 'Stadler-Zug' der CKU/Lochezen um 1950 (anklicken); (c) StadlerRail:
Eine Luftaufnahme von swisstopo (stark vergrösserter Ausschnitt):
1948
Die Umladestation der Cementfabrik in Unterterzen wird ebenfalls ausgebaut und erneuert. Hier diese Bauphase:
1949
Abbruch des Militärspitals / Feldspitals.
1953
Die Lochezen um 1953 mit Förderband vom Auffangbecken (weiter oben erwähnt) zum Verladehafen. Oben über einer Abwurfhalde sind die berühmten drei heute noch bestehenden Brücken der Grubenbahn zu sehen:
Bild: Die Lochezen, gesamte Anlage um 1953; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Von der (ehemaligen) 'Villa Borner' und dem (ehemaligen) Arbeiterwohnhaus existiert heute noch ein direkter und über weite Strecken gut erhaltener - aber durch ein 'Tor' mehr oder weniger unterbrochener - Weg durch den Wald zum Stolleneingang der Sohle 0:
In die 1950er-Jahre dürften auch die folgenden Fotos zurückgehen:
Kaliforni in den 1950ern (und nach 2000):
'Villa Borner' und Mühle/Mischerei/Packerei:
Ob vorangehend gezeigte Wasserleitung im direkten Zusammenhang mit den Seemühleweihern westlich von Breugen steht, kann hier nicht gesagt werden. Von diesen Weihern führte aber eine Wasserleitung zur Seemühle hinunter. Der grosse Seemühleweiher/Mühleweiher erscheint im Datensatz der Siegfriedkarte ab 1933 bis zu deren Ablösung durch die Landeskarte (1954) und ist heute verlandet. Es sind aber noch einige Spuren davon und auch von Leitungsstützen zu finden. Auf einem Luftbild von 1942 [(c) swisstopo)] ist er noch intakt zu sehen:
Etwa von 1954 bis 1960 erfolgt eine Neuorganisation des Abbaues und eine neue Infrastruktur zum weiteren Gesteinsabbau wird aufgebaut. Es beginnt jetzt auch umfangreicher Tagabbau. Ein neuer Steinbrecher(-Ost) im Berg drin (hinter dem ‚Chalet') wird errichtet als Ersatz für den alten Steinbrecher im weitherum sichtbaren Häuschen ('Chalet'). In diesem Zusammenhang wird der bekannte Schrägaufzug durch Arbeiter der CKU unter Verwendung von Material der Firma Von Roll gebaut.
Der neue Steinbrecher-Ost:
Bild: Steinbrecher-Ost oben
(1) Heutiger Schrägaufzug
Um 1960
Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
(2) Arbeiterwohnungen CKU
(3) Förderband zur Schiffs-Verladestation
(4) Ganz ungefährer Grenzverlauf CKU / Borner AG
(5) Tunnel-Portal Sohle 0
(6) Kalkbrennerei
(7) Verbindungsbähnchen Kalkbrennerei - Mühle/Mischerei/Packerei
(8) 'Villa Borner'
(9) Mühle/Mischerei/Packerei
(10) Arbeiterhaus
(11) Bootshaus (Militär)
Ein stark vergrösserter Ausschnitt aus einer Luftaufnahme zeigt die Seemühle 1963, dem Jahr der Einstellung ihres Betriebes. Deutlich sind noch die Bodenspuren des 1916 zerstörten Ostteils zu erkennen:
Die Cementfabrik Unterterzen um 1960 im Vollausbau:
Bild: Die Zementfabrik Unterterzen um 1960
Bild: Zementfabrik Unterterzen mit Seemühle und Silo mit Förderband Lochezen im Hintergrund (um 1960)
1963
Bild: Die Seemühle 1963
1963 bis 1967
Obwohl der Kalkstein/Kalk an sich von guter Qualität ist, arbeitet die Zeit gegen die Seemühle Borner AG. Als ein nachvollziehbarer (externer) Grund erscheint eine sinkende Nachfrage nach Kalk. Das Cement-Kontingent ist viel früher - zur bereits erwähnten Zeit des Preiszerfalls - an Schmidheiny verkauft worden. So bleibt wohl als Folge, dass es für eine nicht zu den Portland-Cementfabriken gehörende Bergbaufirma, die ohnehin nur noch Kalkabbau und Kalkbrennen betreiben darf, immer schwieriger geworden ist, auf eigenen Füssen zu stehen. Geschäftsstrategisch ungünstig ist ferner die verpasste sachgerechte Um- und Aufrüstung untertags. Während 'Schmidheiny' aus dem Vollen schöpfend längst aufgerüstet hat, geht dem Betrieb der Borners so allmählich der Schnauf aus. Als 'interne' Gründe können rückblickend gewisse bereits erwähnte Strategiefehler, aber auch 'suboptimale Aufteilung finanzieller Mittel auf den Geschäftsbereich und Privatbereich' [gemunkelt wird u. a. von teuren Hobbies Raoul Borners, z. B. von teurer Privatfliegerei] vermutet werden, begleitet von unverschuldetem wirtschaftlichem Pech in Afrika (politische Umwälzung). 'Gewisse Differenzen' innerhalb und zwischen den beteiligten Familien waren dem Betrieb wohl auch nicht förderlich.
Bis 1968 gibt es einige nicht besonders transparente 'Handänderungen'. Im Jahr 1962 wird die Seemühle 'inventarisiert', 1963 werden die Maschinen der Seemühle abgestellt und der gesamte Besitz an einen gewissen Hans Ulrich Walder verkauft. Dieser verkauft bereits 1964 den gesamten Besitz an eine Firma Califor Immobilien unter dem Namen Kalkfabrik Walenstadt A.G.:
Wieder nur ein Jahr später - also 1965 - verkauft die Califor die Kalkfabrik Walenstadt A.G. an den Bund. Der Bund (Militär) beseitigt 1967 die 'überirdischen' Spuren dieser gut hundertjährigen Industrieepoche mit Sprengstoff. Die Transaktion geschieht offiziell um Rebland zu gewinnen (für die Forschungsanstalt Wädenswil) und 'um das Walensee-Ufer zu verschönern'. Eine interessante Bergbauepoche in Walenstadt hat sich so im 'Nichts' aufgelöst.
Die Firma Califor Immobilien
wurde kurz zuvor im selben Jahr gegründet (Kaliforni --> Califor? Ein Schelm, wer Böses denkt):
Spekulation: Hinter den Kulissen dieser 'Verkaufs-Kaskade' könnte nebst anderem ['kurzfristiger Handel mit Gewinn-Abschöpfung'] ein 'Deal' um ein Kalk-Kontingent eine Rolle spielen. Letzteres kann man mindestens aus den neu entstandenen 'geschäftlichen Verbindungen' zwischen 'Lochezen' und 'Seemühle' herauslesen:
Quelle: S.H.A.B.
Aber auch anderweitig sind in dieser Bergwerks-Oase [und im Berg drin ...] 'nicht-lupenreine Dinge' geschehen. Die präzise 'geschichtliche Wahrheit' lässt sich allerdings kaum mehr eruieren, aber ein ungutes Gefühl bleibt. Ein Optimist kann es auch so sehen: Die Faszination eines 'Mysteriums' geht nicht zuletzt auch von der Unmöglichkeit seiner Durchschaubarkeit aus.
Interessanterweise wurde die Kalkfabrik Walenstadt A.G.
erst 1971 aufgelöst, nachdem die Sprengungen schon vier Jahre vorher erfolgten:
Quelle: S.H.A.B.
Auf folgendem Foto (links) (Foto: Sarganserländer
) sind das hölzerne Fabrikgebäude und der kleinste der vier Kamine bereits 'von Hand' abgebaut:
Bild: 11. April 1967, nur eine 'Luftschutzübung' ...?
Der Sarganserländer
schreibt dazu mit zurecht wehmütigem Unterton:
«Sarganserländer» (April 1967 und 12. Mai 2017)
Und wenige Monate später:
«Sarganserländer» vom 29.09.2017, Seite 4
1974
Der Steinbruch Engen (westlich des grossen Platzes) wird mit einem neuen grossen Kavernen-Steinbrecher (dem zweitgrössten der Ostschweiz) in Betrieb genommen (Bauzeit 1968 - 1974). Der zugehörige neue Förderstollen zu demjenigen des bereits bestehenden des Steinbrechers-Ost verlängert den gesamten Förderbandstollen auf rund 410 m.
Die Zementfabrik Unterterzen hat ihre höchste Ausbaustufe erreicht. Zwei Kamine sind jetzt in Betrieb.
(Dieser neue grosse unterirdische Steinbrecher-West und sein 290 Meter langer Zusatz-Förderband-Stollen zum Steinbrecher-Ost werden ausführlich bei der weiter unten verlinkten 'Fotodokumentation einer Stollenbegehung') vorgestellt.
1975 bis 1980
Zu dieser Zeit ist die Abschaffung des Begriffs 'Eigenverantwortung' in Politik und sogenannter 'Rechtslehre' schon weit fortgeschritten und - Kiffer und Co. suchen die Stollen heim. So sind die Stolleneigentümer gezwungen, dem irrlaufenden akademischen Zeitgeist entsprechend, das schmucke Tunnelportal auf Sohle 0 und den entsprechenden oberen Ausgang beim ehemaligen Militärspital / Feldspital mit Gittern zu versehen, um nicht in ein juristisches Fettnäpfchen zu treten.
1981
Im Folgenden zwei Bilder der Swissair Photo AG
von 1981. Die CKU ist noch voll in Betrieb.
Bild: (c) Swissair Photo AG, 1981
Bild: (c) Swissair Photo AG, 1981
1991/2
Die CKU
stellt den Betrieb in der Lochezen ein und die Holding (Holderbank
, ab 2001 Holcim
) verlagert diese Aktivitäten zum Zementwerk Untervaz
.
1995/6
Die Seekies AG Walenstadt
übernimmt die Anlagen zur Produktion von sogenanntem 'Koffermaterial'.
Beim Schrägaufzug von 1956 werden der Antrieb und Teile der Bremsen ersetzt oder nachgerüstet und eine elektronische Steuerung eingebaut (durch die Firma BMF, Bartholet, Maschinenbau Flums
).
2001
Auch die Seekies AG stellt ihren Betrieb ein. Die Anlagen werden teilweise rückgebaut. Dabei verschwindet u. a. leider auch das charakteristische Übertag-Förderband zum Verlade-Silo am See (Sicherheitsgründe, es wurde von 'Besuchern' als Eingang zum Silo-Turm begangen). Auch die grünen Metall-Rutschen für Schiffsbefüllungen wurden entfernt, da sie als Springtürme benutzt wurden.
GEOBRUGG (Fatzer AG + Kabelwerke Brugg) und weitere Firmen und Institute betreiben seit 2001 im ehemaligen Steinbruch Lochezen bei Walenstadt SG eine Versuchsanlage für Steinschlagschutzsysteme.
20 Tonnen Weltrekord, GEOBRUGG-Original auf Youtube
Heute bieten sich auch gerade im Gebiet Seemühle - nicht nur bei der Lochezen - faszinierende Spurenfunde an, besonders im Untergrund. Aus dieser Zeit zurückgeblieben ist ein grosses und interessantes Höhlensystem mit Überresten von technischen Einrichtungen als Zeugen einer interessanten Industrieepoche, die aber auch menschliche Entbehrungen mit sich brachte und mit der heutigen Arbeitswelt nicht verglichen werden kann. Dafür haben wir heute allerdings wieder andere Probleme.
Und noch ein Blick auf das Bergwerk Lochezen um 2001 kurz vor der Demontage des Förderbandes und etwas später der Schiffs-Verlade-Rutschen und Holz-Innenleiter:
Die heute noch eruierbaren vier externen Steinbrecher mit den Jahreszahlen ihrer Inbtriebnahme:
2010
Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Ein Stollenplan:
Die Höhlensysteme bzw. Stollenlabyrinthe der Lochezen und auch der Borner AG zeigen sich heute als fantastische und gigantische Labyrinthe, in denen man sich problemlos total verirren kann, falls man nicht nur an der 'Oberfläche' hängen bleibt. Es existieren originale und recht komplexe Stollen-Pläne für beide Bergwerke aus deren Betriebszeiten, aber diese Pläne sind nur von Leuten lesbar, die in den Stollen arbeiteten oder sonstwie 'zu Hause' sind. Schwerpunktmässige Skizzierungen dagegen sind allgemein-verständlich. Eine solche zeigt im Folgenden ansatzweise das Grundgerüst des Borner-Stollen-Systems und ist bei Weitem nicht vollständig, aber was die roten Linien betrifft amateurmässig ordentlich vermessen. Gelb punktiert (nicht vermessen, nur nach Erinnerungen skizziert) ist die früher mögliche und von etlichen Schülern - auch vom Verfasser selber - begangene Rund-Tour. Dieser Rundgang ist heute - wie andernorts bereits beschrieben - nicht mehr möglich. Warum? Mehr dazu weiter unten bei 'Geheimnisse'. Blau punktiert ist eine Abzweigung in eine vom Autor verpasste unbekannte Stollen-Region.
Vom gigantischen Stollensystem der Lochezen sind nur der Förderband-Stollen, der Schräglift, das ehemalige Übertag-Förderband und die Vorgänger-Seilbahn zum Schräglift eingezeichnet. Der Rest - gemeint ist der alte Untertag-Steinbruch tief im Berg - ist derart verzweigt und 'dreidimensional', dass man den Gedanken an das Erstellen eines Plans schnell wieder fallen lässt:
Karten-Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Legende:
- Steinbrecher West [historisch IV.],Engen (Inbetriebnahme 1974, unterirdisch, Förderband-Stollen-Anfang)
- Fensterstollen
- Steinbrecher Ost [historisch III.] (Inbetriebnahme 1960, unterirdisch), Treppenhaus zum Förderband-Stollen hinunter
- Chalet-Steinbrecher [historisch II. (Inbetriebnahme 1920, übertag
- Schrägaufzug
- Übertag-Förderband [Offen-Silo nach Verladehafen], abgebaut.
- Kurzer Übertagweg [Militärspital nach CKU/Seekies AG-Abbaugebiet]
- Historisches unterirdisches Militärspital
- Eingang Militärspital und Untertag-Ausgangsfenster des Seemühle-Stollensystems (Grenzverlauf zwischen 'Lochezen' und 'Seemühle')
- 'Damm' zur 'rostigen Tunnel-Einstiegs-Leiter' in der 'See-Landschaft'
- Bahndamm
- Verschütteter Tunnel-Ausgang zur einstigen Abwurfbrücke
- Silo, darüber Schütt-Stollen-Ausgang (ab 'rostiger Leiter')
- Navigationspunkt kleiner 'Quadratischer Brunnenschacht'
- Betontreppe
- Kleine Kraxel-Stelle
- Navigationspunkt 'Verlassenes Wägelchen', falls nicht 'vandalisiert' :-(
- 'Zwilling-Tunnels'
- Wichtige Ostabzweigung für die einstige Rundtour
- Steinhalde zwischen Sohle 0 und 1. Stock
- Steinhalden 'runter' und wieder 'rauf' (man wünschte sich an dieser Stelle eine Brücke)
- Steinhalde (Stichwort im Text)
- Bruchweg übertag
- Luftseilbahn (Vorgängerin des Schrägliftes bzw. Schrägaufzuges)
- Stollen-Eingang (verschüttet)
- Stollen-Eingang intakt
Geheimnisse
1. Das 'spezielle' Ende der Seemühle
Die nebulöse Verkaufskaskade wurde bereits weiter oben genauer betrachtet.
Offen bleibt die Frage nach dem wirklichen Grund, warum hier ein so schneller und totaler 'Sprengmittel-Einsatz' erfolgte.
2. Das heutige vorzeitige (geometrische) Ende und die 'Umnutzung' der Sohle 0
Diese bereits mehrfach erwähnte 'Geschichte' mag vielleicht belanglos scheinen, nicht jedoch Stollengängern, denen ein interessantes Forschungs-Gebiet tief im Berg drin entzogen wurde (Rund-Tour, sowie Suche nach dem Ende des 'Geradeaus-Stollens' bei der Ostabzweigung in der ehemaligen Rundtour).
Aus allgemein zugänglichen Informationen lässt sich folgendes Mosaik zusammensetzen:
Es stand 'irgendwelches Material unserer Obrigkeit' zur Entsorgung an. Dabei handelt es sich natürlich nicht um radioaktive oder chemisch-toxische Abfälle, sondern um an sich völlig unbedenkliches Material, das aber besser nicht in die Hände von 'Idioten' gelangen sollte. Dieses 'Material' wurde sicherheits-technisch korrekt am Geleise-Ende - also am Anfang des hinteren und chaotischen Stollen-Labyrinths - gelagert und der Zugang nach allen Regeln der Maurerkunst perfekt verschlossen. Einzig unschön daran: Die Auskundschaftung der 'Hinterzimmer' der Seemühle wurde als 'Kollateralschaden' verunmöglicht:

Bild: Das heute nicht mehr zugängliche - aber wohl noch existierende - Tor zu den 'Hinterzimmern' des Seemühle-Stollensystems erinnerte aus Distanz an das Löwentor von Mykene, der obere 'Tor-Querbalken' war beim Seemühletor aber nicht in einer Ebene mit den Seitenpfosten. De facto lief man zwischen zwei künstlichen Säulen (wozu wurden diese erstellt?) hindurch, hinein in eine 'irrationale Mondlandschaft'.

3. Der wohl erste Stolleneingang/Tunnel von wahrscheinlich 1892 ('Tunnel Mitte')
Sein Untertag-Ende wurde bereits auf dieser Seite gezeigt. Das Übertag-Ende - also der Ausgang ans Tageslicht, das sogenannte Mundloch - ist infolge Verschüttung im Folgenden nur indirekt dokumentierbar:
Diese drei Ruinen sind mühsam erreichbar (Buschwerk). Sie stammen von einem Sprengstoff-Depot, einer kleinen Kantine und vom einstigen 'Umlad-Bahnhof', der zu diesem Stollen gehörte.
Auf der Siegfriedkarte von 1944 finden sich links der Seemühle Gebäude, deren Ruinen auch heute noch zu sehen sind:
Bild: Siegfriedkarte 1944 mit 2 nachträglich grob eingezeichneten Tunnels (Tunnel Ost und Tunnel Mitte, der Tunnel West ist auch auf der Originalkarte
Der Tunnel Mitte war aber 1944 vielleicht bereits verschüttet
Karten-Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Das folgende Bild zeigt zunächst eine Uebersicht: Deutlich ist zu sehen, wie die obere und untere Westbahn sich nach links gegenseitig annähern, wo sie sich dann mit einer Weiche vereinigen. Im Weiteren sind über der oberen Westbahn etwa in Bildmitte Spuren der genannten Ruinen etwas schwer zu erkennen. Dort ist auch der verschüttete Stolleneingang zu suchen.
Legende:
- Unterirdischer 'Personendurchgang' beim Militärspital
- Stollenportal/Abwurfbrücke (keine Übertag-Spuren mehr zu finden)
- Ausgangs-Stollenportal (verschüttet, indirekte Spuren vor Ort sichtbar)
- Unteres vergittertes Eingangs-Stollenportal (intakt)
- Ausgangs-Stollenportal im Berg drin (nach einigen Metern verschüttet)
- Silo
- Stollen-Tunnel-Übergang zum ersten Dom
- Eingang (teilweise verschüttet) zum obersten Abwurf-Stollen
Ein Direktanschluss des Geleises von Tunnel Mitte an die obere Westbahn war infolge verschiedener Geleise-Niveaus nicht möglich. Notwendig war damit der Umlad über eine Abwurfbrücke.
Dieser Umlade-Bahnhof ist über der Mitte hinter den Bäumen in folgendem Bild erahnbar (Foto von 1916):
4. Ein mysteriöser Tunnel
Im Folgenden dokumentiert Valentin Schoch, Sargans einen weitgehend unbekannten und nicht leicht zu findenden Tunnel:
Resultat dieser Erkundung:
- Der Tunnel liegt im 'Kellerbereich' der ehemaligen Seemühle-Brennerei.
- Er verläuft Ost-West, also gleich wie die Seemühle-Brennerei.
- Er liegt heute noch zu 12 Metern frei.
- Seine Seitenwände sind mit Bruchsteinen gemauert.
- Auf der Ostseite ist ein Portal noch weitgehend intakt.
- Er ist durch eine relativ dünne 'Materialschicht' überdeckt.
Vermutung:
Des Tunnels Seitenmauern sind 'steingemauert', was für Stollentunnels unüblich ist, das Betongewölbe erspart (im Gegensatz zu einem 'Flachdach') eine Eisenarmierung. So lässt sich vermuten, dass der Tunnel im Tagbau erstellt wurde. Dann ist da die Ost-West-Ausrichtung, parallel zum äusseren Bähnchengeleise. Das verschüttete, aber intakte Ost-Endportal zeigt Bauschutt, Erdreich und Baumwurzeln und es liegt im Kellerbereich des Übergangs von der 'Kalkabteilung' zur beim Erdrutsch von 1916 verschütteten 'Cementabteilung'. Das verschüttete undefinierte 'West-Ende' deutet auf eine Tunnel-Fortsetzung. Führte das Bähnchen durch den Kellerbereich der 'Kalk-Abteilung' via intaktes Ost-Portal in einen offenen Bereich der 'Cement-Abteilung'? Bei der Sprengung von 1967 entstand oben offenbar zufällig noch ein 'Seiten-Eingang', während anderseits wahrscheinlich grosse Teile Richtung West einstürzten. Erde und Baumwurzeln beim intakten Ostportal deuten darauf hin, dass das Ostportal schon früher beim Hangrutsch 1916 verschüttet wurde.
Offensichtlich handelt es sich bei diesem Tunnel um ein Relikt einer Stichbahn, was durch die in obigem Bild markierte Weiche erhärtet wird.
5. Legenden, Gerüchte, Tatsachen
Die einstige legendäre 'Seemühle-Rundtour' auf Sohle 0
Diese Tour wurde auf dieser Webseite so ausführlich wie noch möglich beschrieben. Dazu konnten Zeugen befragt werden. Die Tour wurde - als sie noch nicht verschlossen war - auch vom Autor selber begangen. Jedenfalls reicht das Stollen-System der Seemühle gesichert bis mindestens unter das Plateau der Calusa.
In Abklärung: Ziel des bereits erwähnten 'Geradeaus-Stollens' bei der 'Ostabzweigung'.
'Ein Stollen führt bis zum Sani (Höhenklinik) hinauf'
Ein Stollen führt horizontal bis unter das Sani. Ein (anderer?) Stollen hat einen 'oberen Ausgang' (betrifft nicht den Ausgang beim historischen Militärspital).
In Abklärung: Handelt es sich hier um einen oder zwei verschiedene Stollen, sowie die genauen Orte von Start und Ziel.
'Unter dem Sani ist ein Dom so gross, dass man eine Kirche hineinstellen könnte'
Unter dem Sani liegt dieser Dom eher nicht - das wäre dann doch etwas weit im Berg drin, aber wie dem auch sei, er existiert.
Geplant: Dokumentation dieses Doms.
6. Ein Blick in die geologische Kristallkugel
Alles Irdische ist vergänglich und der Zahn der Zeit nagt überall, leider auch in diesen beiden Bergwerken:
Der Grosse Platz und seine Umgebung: Diese gigantische Bergmulde entstand allein durch Gesteinsabbau. Damit ist die Statik des den Platz umrahmenden Felsmassives natürlich 'destabilisiert'. Der Bergdruck macht sich bemerkbar, was auch durch zahlreiche Risse und entsprechende Messgeräte signalisiert wird. Folgende Bilder zeigen die Mess-Einrichtung: Kleine 'Verlängerungen' (um 2 cm) der Drahtseile aussen um kritische Pfeiler herum werden registriert. Über die im folgenden Bild sichtbare VHF-Antenne erfolgt gegebenenfalls automatisch ein (Telefon-)Alarm:
Damit stellt sich natürlich die Frage, ob das 'Tabu'-Bergwerk Seemühle für 'Stollengänger' wirklich gefährlicher ist, als das BW Lochezen, was 'offizielle Meinung' ist. Mindestens als Laie kann man vermuten, dass beim BW Seemühle der Bergdruck nicht derart 'asymmetrisch' ist, da es sich bei der Seemühle um ein reines Untertag-Bergwerk handelt. Und 'Resultate' von Steinschlägen liegen im BW Lochezen gar nicht etwa weniger herum, als in Seemühles Stollen . . .
7. Subjektive Gedanken zum TABU-Bergwerk Seemühle
Warum wird eigentlich das BW Seemühle im geschichtlichen Rückblick im Vergleich zum BW Lochezen 'offiziell restriktiv' behandelt und dazu 'grössere Gefährlichkeit' in Seemühles Stollen vorgeschoben? Dabei sind offensichtlich beide Bergwerke bezüglich Steinschlag und (Teil-)Einsturz gleichermassen risikobehaftet. Beide haben kritische und weniger kritische Zonen. Am 'unwohlsten' ist es dem Autor jedenfalls im Bergesinnern der obersten Geleise-Ebene der Lochezen bei den Werkstätten und den benachbarten Felsfenstern. Dort befinden sich auch bereits erwähnte Messeinrichtungen für Risse und Felsbewegungen als Vorwarnsystem für die Mitarbeiter der Versuchsanlage für Steinschlagnetze. Schon bei nur oberflächlicher Betrachtung sind z. B. bei zwei markanten Pfeilern beim Militärspital beachtliche Spuren einer 'Schlankheitskur' unübersehbar. Bei einem musste der ursprüngliche 'Besucherweg' umgeleitet werden.
Anderseits ist die Wahrscheinlichkeit, zu einem 'Ereigniszeitpunkt' gerade an diesem 'Ereignisort' zu stehen, äusserst gering.
Der Autor vermutet folgende Gründe für die 'Tabuisierung' der Seemühle:
- Das Ende der Seemühle scheint nicht restlos sauber gelaufen zu sein, auch bei der 'Obrigkeit'. Auch der folgende 'Dornröschenschlaf' wurde einmal 'bei Nacht und Nebel' obrigkeitlich gestört (Kappung der Rundtour wegen 'Umnutzung').
- Die Lochezen war industriell deutlich länger in Betrieb (1863 bis 2001), die Seemühle von 1892 bis 1963.
- Allzu freizügig zur Schau gestellter 'Wohlstand' mindestens einer Besitzer-Familie bei gleichzeitig vernachlässigtem Unterhalt/Erneuerung der Bergwerks-Infrastruktur.
- Ein mögliches zusätzliches psychologisches Motiv: Das Seemühle-Labyrinth hat (heute) - ganz im Gegensatz zu demjenigen der Lochezen - nur zwei relativ enge Verbindungen zum Tageslicht. Man ist also praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten und immer in völliger Dunkelheit. Das ist im 'offiziellen' Teil der Lochezen nicht so. Im 'inoffiziellen' alten Untertag-Ausbruch der Lochezen ist die Situation dann allerdings wieder eine andere ...
Quellen:
Literatur:
-- Mangold Fritz; Die Zement-, Kalk- und Gips-Industrie in der Schweiz; 1931
-- Bösch, Schmid, Fehr; Drei Schmidheiny; Verein für wirtschaftshistorische Studien; 1979
-- Staatsarchiv des Kantons St. Gallen
-- Schweizerisches Handels-Amts-Blatt S.H.A.B.
-- Schweizerische Bauzeitung
-- Gubser Paul; Walenstadter Chronik; 2007
Zeitzeugen:
-- Reto Giovanoli (Pseudonym), Mineur(-Lehrling) in den beiden letzten Betriebsjahren des BW Seemühle
-- Thomas Arpagaus, Werksleiter
-- Ursula Zanetti-Borner, Tochter von Max und Nelly Borner, Enkelin von Adolf Borner und Adrienne Borner-Huber
-- Schüler der 'Boomzeit' mittwochnachmittäglicher Stollen-Besuche
-- Rita Borner, Tochter von Raoul Borner (Kontakt gekappt, vermutlich Nachwirkungen gemunkelter Familien-Fehden)
Landkarten:
-- swisstopo: Dufour-, Siegfried-, Landes-Karten ab 1856
Bilderdienste:
-- Schweizerisches Bundesarchiv: Bilder
-- swisstopo: Luftbilder
-- ETH Bildarchiv
-- Swissair Photo AG
-- Schweizerfamilie (Zeitschrift), Archiv