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Je nach Tageszeit zeigt sich der See
Tsimanampetsotsa, der dem Park seinen Namen gab, in einem hellblauen oder türkisen Gewand. Mit den Rosa Flamingos und dem hellen Grün der näheren Umgebung ist er eine wahrhaftig pastellene Oase inmitten des sandigen trockenen Südens Madagaskars.
Tsimanampetsotsa wird (auf französisch) oft
auch mit einer e_Endung, also Tsimanampetsotse
geschrieben. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „es gibt keine Delphine“. Der Legende nach kam der Name folgendermassen zustande: die Leute erzählten, der See führe Süsswasser und sei von Delphinen bewohnt. Ein Franzose namens Louis kam 1930 hierher, um den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Und als er feststellte, dass die Geschichte weder Hand noch Fuss hatte, rief er aus: „es gibt keine Delphine“
(Tsy = nicht; manana = haben; petsotse =
Delphin). So wurde der Name übernommen.
1927 wurden 27 500 ha zum integralen Naturreservat erklärt und 1966 bekam es den Status als Nationalpark, aber erst seit 2001 hat der Park ein eigenes Büro und Personal. Vorher waren die Förster für seine Führung zuständig.
2006 verabschiedete man ein Programm zur Erweiterung des Schutzgebiets bis Itampolo und heute erstreckt sich der Park über 220 000 ha. Er unterteilt sich in 3 Sektoren (Norden:
Beheloka; Süden:
Itampolo; Osten:
Beahitse), aber nur der Nordsektor verfügt über eine touristische Infrastruktur mit der Möglichkeit des Parkbesuchs bei dem Ort
Ambola, ca. 100 km südlich von
Tuléar. Man erreicht den Ort entweder per Boot von Tuléar bis
Anakao, dann mit dem Auto weiter oder aber man macht die ganze Strecke ab Tuléar (287 km) mit dem Auto, was einen ganzen Tag in Anspruch nimmt.
Wegen seiner Abgelegenheit hat der Park bedeutend weniger Besucher als z. B.
Isalo,
Ranomafana, Andasibe oder
Ankarafantsika, die direkt an einer der Nationalstrassen liegen und daher leicht zu erreichen sind. 2008 wurde Tsimanampetsotse von 1540 Personen besucht, 2009 machte sich die Krise bemerkbar und die Besucherzahl fiel auf gut die Hälfte – nämlich 709 – ab. Im Jahr 2007 wurde der Park von 1107 Personen besucht: 957 Ausländer und 150 Madagassen.
Besonders auf Vogelliebhaber übt der Park eine starke Anziehungskraft aus. Ungefähr 96 Vogelarten (16 davon sind Wasservögel) können hier beobachtet werden – Madagaskar Turmfalke, Perlhühner, Madagaskar Regenpfeifer, Wachteln, Stelzenläufer, Flussuferläufer, verschiedene Taubenarten wie
z.B. die
Namaqua-Taube, Schleiereulen, Entenarten, Bienenfresser um nur einige zu nennen. Besonders malerisch sind die Rosa Flamingos auf dem türkisfarbenen See. Viele migrieren im September nach Tansania in den Ngorongorokrater und kommen im Mai wieder zurück, weil es ab dann wieder mehr Crevetten im See gibt. Diese sind übrigens für die rosa Farbe des Gefieders verantwortlich. Da der Nachwuchs den 1-wöchigen Flug noch nicht bewältigen kann, bleiben diejenigen mit den Jungen hier und so kann man das ganze Jahr über Flamingos antreffen. Bebrütet wird ein einziges Ei von der Grösse eines Puteneis während 28 – 30 Tagen auf einer kleinen Insel im See.
Dieser trocknet nie aus, er wird das ganze Jahr über von 5 Süsswasserquellen der Steilhänge gespeist. Wegen seiner unterirdischen Verbindung mit dem Meer ist das Seewasser leicht salzig und wegen dem Kalkstein der Steilhänge kalkhaltig. Der See ist 15 km lang und 2,5 km breit. Im Durchschnitt ist er 80 cm tief, stellenweise bis zu 2 m. Er ist heilig und wir wären nicht in Madagaskar würde dies nicht Fadys (Tabus) nach sich ziehen. So darf man kein Schweinefleisch in den Park mitbringen, nicht mit der Piroge (Einbaum) auf dem See fahren und ihn nicht mit Meer bezeichnen.
Doch gibt es ausser Vögeln noch viel anderes zu sehen: Lemuren (Maki,
Sifaka, Mausmaki, Wiesellemur), Schlangen, Echsen, Chamäleons, Skorpione, Schleichkatzen, Schildkröten, Fledermäuse,
Fossas, Warzenschweine und Tenreks und im Pflanzenreich Euphorbien,
Didieraceen, Baobabs,
Delonix, Pachypodien und weitere Pflanzen des südlichen Trockenwaldes. Viele davon sind Heilpflanzen.
Jeder Rundgang im Park hat seine Besonderheiten. Der „Circuit Tsiamaso“ (keine Augen), so genannt wegen der „blinden Fische“ und der Geister, die in einer der Grotten leben, dauert ungefähr 1 Stunde und ist 1 km lang. Er führt zu besagter Grotte in deren Wasser die berühmten blinden Fische leben. Allerdings sind sie nicht blind im wahrsten Sinne des Wortes, sondern sie haben keine Augen. Sie werden maximal 10 cm lang und sind von weisser Farbe. Sie ernähren sich von mikroskopischen Algen. Ihr einziger Feind ist der Eisvogel. Wenn man Glück hat, stösst man auf eine Gruppe Makis, die am Wasser in der Felsenhöhle ihren Durst stillt. Schwalben ziehen ihre Runden und ganz hinten im Halbdunkel kann man einige Fledermäuse ausmachen, die an der Decke hängen und die Nacht abwarten. Rechts befindet sich eine Ecke, wo die Bewohner Rum und andere Opfergaben für die Geister der Ahnen hinterlassen. Es darf hier nicht gefischt werden.
Eine andere Sehenswürdigkeit auf diesem Rundgang ist ein weitflächiger Banyanbaum (gehört zu der Familie der Ficus). Mit seinen vielen verholzten Luftwurzeln, die inzwischen zu Stämmen herangewachsen sind, bildet er eine Landschaft für sich. Man schätzt ihn auf 1300 Jahre. Ein idealer Ort zum Verweilen und Picknicken. Sein Schatten spendet Kühle in der sonst heissen Parklandschaft. Schildkröten finden hier Unterschlupf, Papageien palavern in seiner Krone, Tauben girren und bei einem nahe gelegenen Felsenabhang landet ein Falke. Auf diesem Rundgang trifft man auch auf den ältesten Baobab Madagaskars. Er ist an die 3000 Jahre alt und weist einen Umfang von 12 m auf. Er ist zwar der Älteste, aber nicht der
Grösste. Wegen seiner vielen Runzeln im Stamm nennt man ihn auch Baobab Mamie
(Grossmutter) oder Baobab magique (magisch). Die Baobabs werden hier vergleichsweise nicht sehr hoch, da sie wegen dem Kalksteinuntergrund nicht so tief wurzeln können. Im Park gibt es 2 Varietäten davon. Auf diesem Rundgang und dem Botanischen Rundgang („circuit andalamaike“: vom Campingplatz bis zum Aussichtspunkt; 8 km, ca. 3 Std.) trifft man noch auf andere Individuen dieser Art, denen man alle sehr lustige Namen gegeben hat:
· Baobab souriant (lächelnder B.) – in der Rinde ist eine Verdickung, die wie ein lachender Mund aussieht
· Baobab vazaha (Europäer, Fremder) – er schält sich
· Baobab boutonné (pickliger B.) – er weist viele Knorren im Stamm auf und ist 400 Jahre alt
· Baobab amoureux (verliebt) oder lavanono (lange Brüste) – je nachdem ob man sich auf die verschlungenen Stämme oder ihre längliche Form konzentrieren will
· Baobab papi (Grossvater) – Alter noch nicht untersucht
· L’arbre doré (goldener Baum) – eine Euphorbie mit goldfarbener Rinde
· Pachypodium carotte – der Stamm hat die Form einer Karotte
Es gibt noch andere Grotten im Park, eine von ihnen wird wegen der vielen Fledermäuse, die tagsüber darin schlafen, aufgesucht. Man muss eine Lampe mitbringen, da es nach dem Einstieg relativ schnell dunkel wird und sich auf einen starken Ammoniakgeruch vorbereiten, der einem fast den Atem nimmt und die Tränen in die Augen treibt.
Ab April 2010 wird ein neuer Rundgang namens Soarano (gutes Wasser) im Programm sein. Er beginnt 18km südwärts Richtung Itampolo am südlichen Ende des Sees. Zur Zeit ist die Strecke noch sehr sandig und man braucht 1 Stunde. Momentan wird die Piste von einer Firma aus Tuléar instand gesetzt und bis April soll sie fertig sein. Auf angelegten Steintreppen steigt man den Steilhang hinauf und läuft ca. 3 km auf dem Kamm entlang, wo man vor allem Vögel, die Vegetation und die wunderschöne Aussicht bestaunen kann. Bis vor kurzem konnte man hier auch auf Sifakas treffen, die aber wegen dem Lärm der Bauarbeiten und der Arbeiter weggezogen sind. Bleibt zu hoffen, dass sie wieder zurück kommen, nachdem die Piste und der geplante Campingplatz fertiggestellt sind.
Bereits 2 Campingplätze weist der Park schon auf. Einer davon ist mit 10 Zelt-Unterständen, Küche, Dusche + WC, Essecke, Wasserpumpe und einer grossen Abfalltonne ausgestattet. Er liegt 15 km vom Parkeingang entfernt, für die man mit dem Auto 30 – 40 Minuten braucht. Wer kein Auto zur Verfügung hat, kann sich mit einem Ochsenkarren aus dem Dorf hinbringen lassen. Der Preis dafür beläuft sich auf 15 000 Ar, Stand Januar 2010. Das gleiche gilt auch für Tagesbesucher, die in einem der beiden Hotels in Ambola wohnen und ohne Auto gekommen sind. Denn alle Rundgänge beginnen entweder an diesem Campingplatz oder sogar noch etwas weiter entfernt.
Bis jetzt gibt es vor Ort 2 Hotels: „La Domaine d’Ambola“ mit 9 Zimmern, etwas abseits des Dorfs gelegen und „Le Vahombe“ mit 7 Bungalows, am Ende des Dorfes, etwa 10 – 15 Minuten zu Fuss am Strand entlang vom Hotel
Ambola. Bis zum Parkeingang sind es 1.5 km.
Der Campingplatz im Park wird renoviert.
Der Eintritt kostet 10 000 Ar für einen Tag, 15 000 Ar für 2 Tage, 20 000 Ar für 3 Tage und 25 000 Ar für 4 Tage. Ein Führer ist obligatorisch, man muss mit 15 000 Ar pro Tag rechnen. Will man nur im Park spazieren gehen, zahlt man 8 000 Ar für den Führer. Zur Zeit stehen deren nur 2 zur Verfügung, was allerdings etwas wenig ist, sollte sich der Tourismus in diesem Park weiter entwickeln. Einer davon ist Francisco (oder Hery – sein madagassischer Name), der seit 3 Jahren im Park arbeitet. Fast sein ganzes Wissen über den Park, seine Flora und Fauna, hat er von den Forschern, die zeitweise im Park leben und die er begleitet hat, erhalten. Die Universität Hamburg unterhält nach wie vor ein Camp im Park.
Da man es in Madagaskar liebt Vorträge und dergleichen etwas aufzuheitern, zum Abschluss noch eine lustige wahre Geschichte, die man sich hier im Park erzählt: einmal hat ein Tourist, der im Park im Zelt übernachtet hat, seine Turnschuhe mitsamt Socken wegen des Geruchs vors Zelt verbannt. Eine der nachtaktiven Schleichkatzen, die diesen Geruch lieben und davon angezogen wurde, hat einen der Turnschuhe „gestohlen“. Glücklicherweise konnte man ihn wieder finden, da er für das Eingangsloch des Baus zu gross war und deshalb stecken blieb. Wahr oder doch Legende?