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(Dieser Artikel stammt aus meiner Kolumne der NZZ am Sonntag)
Es ist eine magische Grenze: 10 000 Schritte. «Sie sollten täglich 10 000 Schritte gehen, damit verändern Sie nicht nur Ihre Gesundheit, sondern Ihr ganzes Leben!» Neulich wurde ich zu einem Artikel mit dieser Aussage gefragt: «Heisst das, ich muss abends um zehn noch zwei Runden im Quartier marschieren, wenn ich erst 8500 Schritte auf dem Zähler habe?» Tatsächlich glauben viele, wer 10 000 Schritte am Tag macht, bleibt gesund. Hinter dieser Zahl steckt jedoch keine medizinische Forschung, es handelt sich um einen Werbegag.
1964, als die Olympischen Spiele in Japan stattfanden, nutzte die Firma Yamasa den Hype um die Veranstaltung und lancierte den ersten transportablen Schrittzähler. Den «Manpo-kei», übersetzt: 10 000-Schritt-Zähler. Der Hersteller bekundete, diese Anzahl Schritte sei gesund und Ausdruck eines gesunden Lebensstils. Diese Behauptung wurde jedoch nicht durch wissenschaftliche Studien untermauert. Die willkürlich gesetzte Grenze blieb in den Köpfen der Menschen haften und hat sich über die Jahre durchgesetzt. Gar von der Weltgesundheitsorganisation wurde sie empfohlen.
Braucht es wirklich 10 000 Schritte täglich, um von den beschriebenen gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren?
Eine Untersuchung zu diesem Thema zeigte auf, dass auch weniger Schritte ausreichen könnten, um einen vergleichbaren Effekt zu erzielen. In einer von der Harvard Medical School angelegten Studie wurde die tägliche Schrittzahl mit dem Sterberisiko verglichen. Es wurden 16 000 ältere Frauen (Durchschnittsalter 72) untersucht. Das Ergebnis: Frauen, die täglich mindestens 4400 Schritte absolvierten, hatten nach vier Jahren ein geringeres Sterberisiko als diejenigen, die nur 2700 Schritte zurücklegten. Dieser statistische Vorteil steigerte sich bis zu einer Grenze von 7500 Schritten pro Tag. Mehr Schritte machten keinen Unterschied in Bezug auf die Lebenserwartung.
Meine Antwort lautet also: Tatsächlich könnte einem der Schrittzähler auch schon mal bei 7500 Schritten pro Tag auf die Schultern klopfen. Wer im Alltag viel sitzt, sollte bestrebt sein, sich möglichst ausreichend zu bewegen. Mit gewissen Tricks ist es einfach, mehr Bewegung in den vollgepackten Alltag einzubauen.
Zum Beispiel: Ich nehme die Treppe anstatt den Lift, ich gehe in der Mittagspause spazieren, ich nehme den hintersten Parkplatz, ich steige eine Station früher aus dem Bus und so weiter. Dann profitiert man von vielen gesundheitlichen Vorteilen.