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Replik auf NZZ am Sonntag vom 10. August 2019
In der NZZ am Sonntag vom 10. August wiederholt Jürg Meier den identischen Titel «Neue AKW rechnen sich nicht» den Nationalrat Roger Nordmann vor vier Jahren (20.10.15) in der NZZ bereits verwendete. Dem obersten Solarlobbyisten der Schweiz kann man diese Titelwahl nicht verübeln. Jürg Meier hätte allerdings, statt nur den Titel zu kopieren, auch etwas mehr recherchieren dürfen.
Er bezieht sich hauptsächlich auf das Papier «Neue Energie für die Schweiz» der UBS, in welchem Autor Carsten Schlufter unhaltbare Behauptungen aufstellt.
Wir haben beim Erscheinen dieses Papers im März 2016 den Inhalt detailliert kritisiert, dies den Autoren schriftlich mitgeteilt und hatten unsere Kritik auch in einer persönlichen Aussprache erläutert. Für komplexe Projekte etwelcher Art sollte man sich nicht auf Projektreferenzen stützen, die einmal alle zehn Jahren realisiert werden, sondern auf Projekte, die so etwa zwölfmal im Jahr realisiert werden, wie zum Beispiel in China.
Die UBS nimmt wohl eine solche Haltung gegenüber der Nukleartechnologie ein, weil sie dank den Einspeiseregeln für Solar- und Windanlagen über Jahre risikofrei finanzieren kann. Das Risiko trägt nämlich die Allgemeinheit über Systemabgaben und Subventionen.
In Europa ist man mit der Kernenergietechnik schlicht aus der Übung gekommen, deshalb ist sie bei uns so teuer geworden. Die Argumentations-Logik von C. Schlufter ist etwa so, wie wenn man die Kosten für Infrastruktur-Grossprojekte von deutschen Grossbaustellen ableiten würde. Wie Flughafen Berlin, Bahnhof Stuttgart 21, so sind auch Flamanville, Hinkley Point und Olkiluoto primär als Projekte in der Ausführung entgleist. Dass es sich um Nuklearanlagen handelt, ist nur ein Teilaspekt. Der Flughafen Berlin ist wohl kaum der Beweis, dass zukünftige Flughäfen nie rentabel sein können. (Der wesentlich grössere, neue Flughafen Peking-Daxing wurde übrigens nach fünfjähriger Bauzeit kürzlich fertig gestellt und in Betrieb genommen.)Man hat dies eben in Europa verlernt.
In China hat man Kernkraftwerke vom selben Typ (EPR 2000) als letzte begonnen und die sind längst in Betrieb. Ich wurde in China dahingehend orientiert, dass der EPR Design unausgegoren sei und sie viel Nacharbeit selbst erledigen mussten. Moderne Reaktoren – wie solche auch in Europa geplant werden sollten – sind zudem modular aufgebaut. Die wesentlichen Anlage- Kernkomponenten werden industriell gefertigt, geprüft und montagebereit auf die Baustellen geliefert. Ebenso können die Baukomponenten modular, industriell gefertigt werden. Dies hat positive Auswirkungen auf die Gestehungskosten (economy of scale), die Bauzeit, die Qualitätssicherung, und Systemsicherheit. China macht es vor, erste Reaktoren, welche nach solch modularen Konzepten erstellt wurden, kamen im Sommer 2017 in Betrieb. Auch in den USA wird mit Hochdruck an solchen Konzepten gearbeitet, wie man aus einem Vortrag anlässlich der ETH Energy Days 2018 (David Petti) erfahren konnte. Die Gestehungskosten derartiger Nuklearwerke sind so, dass der resultierende Strompreis längstens konkurrenzfähig ist und den Systempreis aus Wind und Solaranlagen bei weitem unterbietet.
Herr Jürg Meier hätte durchaus etwas mehr Aufwand und Sorgfalt für seine Recherchen betreiben können und sich nicht nur auf eine einzige, veraltete Quelle abstützen, welche von diesem speziellen Fachgebiet eigentlich gar nichts versteht.