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Krankenhausstrasse 14
Nach einer Krankenstube (1880) und einem ersten Krankenhaus an der Schulhausstrasse entstand hier 1914 ein Spital (Bild). Es wurde 1986 durch einen modernen Spitalbau ersetzt. 2001 erfolgte die Umnutzung zu einem regionalen Pflege-und Betreuungszentrum (PBZ) für ältere Menschen. Um den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner besser zu entsprechen, wurde die Anlage 2014 durch den heutigen Um-und Neubau mit 93 Betten ersetzt und in «Kastanienpark» umbenannt. Gleichzeitig wurde der bisherige Gemeindeverband als Trägerschaft ersetzt durch eine Stiftung. Neben einem öﬀentlichen Restaurant hat hier auch ein modernes Ärztezentrum Platz gefunden.
Pflegen und Heilen
Der erste bekannte Dorfarzt Peter Schüpbach (1841-1915) kam 1866 nach Oberdiessbach. Er zog ins Haus an der Thunstrasse 7 (1830) ein, das später und bis heute Doktorhaus genannt wurde. Von hier aus hatte er zu Fuss ein weites Gebiet ärztlich zu betreuen: Röthenbach, Süderen, Kiesen, Wichtrach und Konolfingen. Später kaufte er Ross und Wagen.Angeregt von Peter Schüpbach stockte Sophie v. Wattenwyl mit Hilfe ihres Bruders Eduard die 1876 gegründete Kleinkinderschule (heute Wohnblock an der Schulhausstrasse 4) um eine Etage auf. Es entstand eine Krankenstube mit vorerst vier Betten. Sie wurde 1880 eröffnet und von Peter Schüpbach geleitet. Der Landarzt verzichtete die ersten anderthalb Jahre auf einen Lohn und lieferte die Medikamente gratis. Sophie v. Wattenwyl packte selber mit an und bezahlte während 12 Jahren eine Diakonisse aus Bern. Ab 1899 wurde das ganze Gebäude gebraucht. Es wurde so zu einem Krankenhaus mit schliesslich 24 Betten (1908). Ab 1902 wurde Sohn Paul Schüpbach (1874-1956) zum ersten Gehilfen seines Vaters, 1904-1947 war er Chefarzt. Zusammen mit seinem Vater konnte er das Spital von 1914 planen und bauen. Es wurde mit 30 Betten 1914 am heutigen Standort errichtet, auf einer Wiese, die den Gebrüdern Neuenschwander (W12) gehörte. Paul Schüpbach gilt als erster Autofahrer von Oberdiessbach und soll mit einem roten Tatra herumgefahren sein. Michael Schüpbach (1910-1981) löste seinen Vater als Chefarzt im Krankenhaus ab (1947-1971). Seit Beginn prägten die Salem-Diakonissen aus Bern (K8) die Pflege in Oberdiessbach, auch im Spital von 1914. 1972 mussten sie sich dann aber aus Alters-gründen ins Mutterhaus zurückziehen. Ab 1971 übernahmen mit Oberschwester Ruth Gerber und Chefarzt Wolf Zimmerli neue Kräfte den Taktstock. Das Spital – unterdessen mit 60 Betten – wurde nun auch organisatorisch auf den neusten Stand gebracht. Die ersten sieben Jahre arbeitete Wolf Zimmerli aber noch alleine als Chefarzt, Chirurg, Gynäkologe und Geburtshelfer vor Ort. Um ihn aufzubieten, hängte das Spitalpersonal bei Notfällen ein Leintuch aus dem Fenster, wenn er mit seiner Familie in der Schlossallee spazierte – bis er für das Spital endlich ein Funkgerät kaufen konnte.
Nach Vorprojekt, Architekturwettbewerb und intensiven Planungen wurde ab 1983 ein neues Spital gebaut. Als Auflage für den neuen Spitalbau verlangte der Kanton neben einem Akutspital mit einer Abteilung für chronisch Kranke im Untergrund ein geschütztes Spital mit Operationsstelle für den Katastrophenfall – und zusätzlich auch noch ein Altersheim. Das alte Gebäude war schliesslich nur 10 cm vom neuen entfernt und blieb während des Neubaus in Betrieb. Es wurde erst 1986 sorgfältig abgebrochen, als der Neubau nach einem Abschiedsfest mit rund 80 Betten bezogen werden konnte. Nun gab es drei Abteilungen: Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie/Geburtshilfe – und für das Ganze einen Anästhesisten. Chefarzt Wolf Zimmerli verliess seinen Posten Ende 1988 mit 65 Jahren, gleichzeitig mit der Fusion der Spitäler Münsingen und Oberdiessbach. Ursprünglich als ambulantes Spital mit einer Pflegeabteilung geplant, entstand 2000 aus dem Spital ein Pflegezentrum für ältere Menschen. Zusammen mit dem 1985 parallel gebauten Altersheim (AHO) auf der gegenüberliegenden Strassenseite wurde die «Alterspflege» somit zu einem neuen Schwerpunkt in Oberdiessbach. Nach einer äusseren Renovation des Hauptgebäudes wurde ein Anbau mit dem Angebot «Wohnen mit Dienstleistungen» angefügt (ab Herbst 2018). Als weiteres Altersheim entstand ab ca. 1985 das private Pflegeheim «Sonnhalde» auf der unteren Hauben. Ursprünglich ein umgebautes Bauernhaus werden die rund 30 Betten seit einigen Jahren in einem Neubau (Chalet 2001, Hauptgebäude 2003) angeboten. Um die neue Aufgabe als Alters-und Pflegeheim besser wahrnehmen zu können, musste schliesslich auch das Spital von 1986 weichen. Aus dem modernen Spital entstand der heutige Kastanienpark mit 93 Betten, der im Herbst 2014 bezogen wurde. Neben einem öffentlichen Restaurant und einem Demenzgarten gibt es hier auch ein Ärztezentrum. Ein zeitgemässer Ersatz für die klassischen Hausärzte im Dorf, die – mit einer Ausnahme – keine Nachfolger gefunden hatten. Womit wieder der Bogen zum ersten Landarzt von 1866 geschlagen wäre…