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Natanael Rother arbeitete bis Mai 2019 als Fellow bei Avenir Suisse. Zuvor war er u.a. bei einer Grossbank und in den kantonalen Verwaltungen Luzern und Zug tätig. Der ehemalige Leistungssportler ist im Beirat von CH2048 und war von 2015 bis 2017 Vorstandsmitglied bei Operation Libero. Natanael Rother absolvierte das Studium der Politischen Ökonomie mit dem Schwerpunkt öffentliche Finanzen an der Universität Luzern.
Bildung als Schlüssel zur Gleichheit
Podcast
Natanael Rother im Gespräch mit Ulf Berg und Lars Tvede (in Englisch)
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Natanael Rother
Bildung als Schlüssel zur Gleichheit
PodcastNatanael Rother im Gespräch mit Ulf Berg und Lars Tvede (in Englisch)
In den letzten Jahren stand die Frage der Ungleichheit weltweit im Mittelpunkt der politischen Debatte. Die Reduzierung der Ungleichheit ist zur grossen Herausforderung geworden und damit zur Frage: Welche Massnahmen sollten wir ergreifen, um die Armut zu verringern und gleichzeitig das Wachstum zu fördern? Im Vorfeld des dritten Think-Tank-Summits von Avenir Suisse zu «Equality and Inequality» sprach Natanael Rother mit Lars Tvede und Ulf Berg, beide Experten und Referenten der kommenden Konferenz.
Die Diskussion hat ergeben, dass es schwierig ist, allgemeine Schlussfolgerungen zur Ungleichheit zu ziehen, da die Situation von Land zu Land sehr unterschiedlich ist und Statistiken irreführend sein können. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Ungleichheit auf globaler Ebene zurückgegangen ist, wobei China ein wichtiger Push-Faktor ist. Anderseits haben die USA und einige westeuropäische Länder – in viel geringerem Mass – seit den 1980er Jahren eine zunehmende Ungleichheit zu verzeichnen, während die Gesamtsituation in der Schweiz bemerkenswert stabil bleibt.
Wenn Politiker Ungleichheit vermeiden wollen, sollten sie sich auf den Aufbau eines durchlässigen Bildungssystems konzentrieren, das es den Menschen ermöglicht, ihr Leben lang Ehrgeiz zu entwickeln. Länder mit einem Lehrlingsausbildungssystem haben in der Regel eine viel bessere Möglichkeit, einen höheren Anteil ihrer Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt zu halten.
Wohlstand entsteht langfristig nur aus Kreativität. Daher sollten Bildungssysteme die individuellen Stärken fördern und es wagen, den Anteil an standardisierter Bildung zu verringern. Lehrlingsausbildungssysteme könnten für viele Länder ein wertvoller Weg sein, aber es wird einige Zeit dauern, bis sie überall entstanden sein werden.
Dieses Gespräch fand im Rahmen des Avenir Suisse Think-Tank-Summit 2019 statt. Die Publikation zur Veranstaltung unter dem Titel «Ein internationaler Think-Tank-Bericht zu Ungleichheit und Gleichheit» kann hier als pdf heruntergeladen oder bei Avenir Suisse zum Preis von Fr. 15.– bezogen werden.
Ulf Berg
Der gebürtige Däne ist Präsident des Verwaltungsrates der Kuoni Reisen Holding AG und Mitglied des Verwaltungsrates verschiedener Portfoliounternehmen von BLR und AM-Tec. Mehr Informationen…
Lars Tvede
ist ein dänischer Unternehmer, Investor und Autor, der in der Schweiz lebt. Er ist Gründer von Beluga, einem erfolgreichen Finanzhandelsunternehmen, Berater eines Schweizer Hedgefonds und Mitbegründer des nordisch-amerikanischen Risikokapitalfonds Nordic Eye. Seine 15 Bücher wurden in 11 Sprachen und mehr als 50 Ausgaben veröffentlicht. Mehr Informationen…
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Warum die Diskussion über Einkommensverteilung eher unten statt oben ansetzen sollte
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Natanael Rother
«So lange es Arme gibt, sind wir nicht am Ziel»
PodcastWarum die Diskussion über Einkommensverteilung eher unten statt oben ansetzen sollte
Medien berichten gerne über Einkommen, besonders gerne über jene von Spitzenmanagern. Natanael Rother kann damit nicht viel anfangen, und zwar aus drei Gründen:
Erstens, die publikumsträchtige Neiddiskussion bringt letztlich keine Antwort auf die Frage: «Was können wir gegen Armut tun?»
Zweitens entstehen Löhne nicht in einem Verteilkampf zwischen Managern und Arbeitnehmern, sondern auf dem Arbeitsmarkt. Hohe Steuern auf hohen Einkommen bringen Niedrigverdienern keinen direkten Vorteil.
Drittens hat sich die Einkommensverteilung in der Schweiz in den letzten zehn Jahren erstaunlich stabil entwickelt, wie Rothers kürzlich publizierte Studie «Wie gut geht es uns? Zahlen und Grafiken zur Einkommensverteilung in der Schweiz und in der Welt» zeigt. Im Gegensatz etwa zu den USA ist bei uns keine Entkoppelung der oberen von den unteren Einkommensgruppen feststellbar. Der überwiegenden Mehrheit der Menschen geht es heute besser als 2007, wenn man die Entwicklung ihrer verfügbaren Einkommen (nach Umverteilung, obligatorischen Abgaben und staatlichen Unterstützungsleistungen) vergleicht. Etwas mehr Gelassenheit in der hitzigen Diskussion über die hohen Löhne einiger weniger wäre aufgrund der Faktenlage durchaus angebracht.
Und trotzdem: Diese guten Nachrichten punkto Einkommensverteilung dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass es in der Schweiz aktuell immer noch 100 000 Menschen gibt, die in Armut leben. Und genau hier, also bei der Suche nach konstruktiven Lösungen zur Bekämpfung der Armut, sollte die Verteilungsdiskussion ansetzen.
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Wie eine erfolgreiche Staatsform für die Zukunft gerüstet werden kann
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Natanael Rother,
Nico Leuenberger
Ist der Föderalismus von gestern?
PodcastWie eine erfolgreiche Staatsform für die Zukunft gerüstet werden kann
Eine grossangelegte Umfrage hat es vor einigen Monaten gezeigt – kaum jemand von den Jungen interessiert sich für Föderalismus. Auch bei älteren Semestern scheint der Rückhalt für den kleinräumigen Staatsaufbau der Schweiz zu bröckeln. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die grossen Herausforderungen dieser Zeit vielmehr auf internationaler Ebene als auf nationaler, kantonaler oder gar kommunaler Ebene gesehen werden. Warum sollten wir uns also mit dem Kantönligeist abgeben in Zeiten immer ausgeprägterer Globalisierung?
Im jüngsten Avenir-Suisse-Podcast lenkt Natanael Rother den Fokus auf einen wenig besprochenen Aspekt der föderalen Organisation der Schweiz: Föderalismus ist nicht einfach Selbstzweck oder Worthülse der Vergangenheit. Es ist nicht in erster Linie die Tradition, die dem Föderalismus eine Daseinsberechtigung gibt, sondern der Erfolg: Die kleinräumige Organisation mit weitgehend selbständigen Kantonen war in der Vergangenheit erfolgreicher als andere Staatsformen darin, die richtigen Leistungen zu einem möglichst tiefen Preis zu erbringen. Die Kleinräumigkeit schafft Bürgernähe, und die Kantone konnten immer wieder auch als Ideenlabor wirken.
Trotz des Erfolgs in früheren Jahren zeichnen sich heute verschiedene Herausforderungen ab: Die Aufgaben wurden mit der NFA weniger konsequent entflochten als geplant, und seither sind wieder Zentralisierungen und Verflechtungen zu beobachten, die wenig mit dem Bemühen um die möglichst effiziente Erfüllung öffentlicher Aufgaben zu tun haben. Die Folge davon ist eine (nicht zielgerichtete, zu teure) Erbringung staatlicher Leistungen, kurz: ein zu geringer «value for tax money».
Gerade weil die Schweiz so dezentralisiert und fragmentiert ist, braucht sie eine gut organisierte Struktur, die die Anreize im Umgang mit Steuergeldern richtig setzt. Eine ungünstige Ausgestaltung von Regeln und Institutionen würde schnell dazu führen, dass die potenziellen Nachteile (z.B. Koordinationskosten, geringe Ausnutzung von Grössenvorteilen) gegenüber den potenziellen Vorteilen (Bürgernähe, Wettbewerb, Entdeckungsverfahren) überwiegen.