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Geologische Notizen aus der Adamellogruppe
aus der A.dam.ellog-rixppe-
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Von Dr. A. Baltzer.
Im Anschluss an den Bericht meines Reisegefährten. sei mir es gestattet, einiger geologischer und orographischer Beobachtungen zu erwähnen, die begreiflicherweise keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen können. Ich schicke zunächst Einiges über den Aufbau der Adamellomasse überhaupt voraus nach den Beobachtungen von Escher, Studer, v. Rath, Lorentz, Peyer, soweit sie mir zu Gebote standen, und lasse darauf folgen, was wir selbst auf unsermWege durch Val Salarno auf das Adamellopla-teau und hinunter nach Malga Bedole im Genovathale beobachteten.
Die Adamellogruppe ist eine Centralmasse, d.h. eine jener Massen, aus denen mosaikförmig das Alpengebäude zusammengefügt ist. Die alte Ansicht, nach welcher im Aipensystem ein Hauptkamm nachweisbar sei, ist längst verlassen. Solche Kämme sieht wTohl der Reisende, der ein einzelnes Thal durchwandert; im Grossen existiren sie in dieser Ausdehnung nicht.
Die Adamellogruppe ist also in dieser Beziehung jenen Massen des Montblanc, Gotthard, Bernina etc. gleichzustellen, die ineinander verschränkt sind, wie die Felder eines Schachbretts. ' '
Die im Erdinnern wirkende hebende Kraft, mag sie nun plutonisch, chemisch oder beides zugleich gewesen sein, wirkte von verschiedenen Punkten, trieb die Urge-steinsmassen in die Höhe und machte so aus ihnen Centralmassen. Die Sedimentgestein© aï » Ort des Durchbruchs und der Umgebung wurden aufgerichtet und verändert; sie bilden nunmehr den Mantel; der Centralkern selbst, den man auch als Hebungscentrum bezeichnet hat, nahm Fächerstruktur an.
Die geologische Berechtigung zur Centralmasse leitet sich für den Adamello daraus her, dass ein kompakter Kern von Urgestein vorhanden ist, an den sich gür-telfSrtnig Schiefer lagern.
Dieser Kern besteht aus einem Hornblendegranit von eigenthümlicher Ausbildung, neuerlich von v. Rath Tonalit nach seinem Vorkommen am Tonalpass genannt. Mantelförmig umschliessen ihn Gneiss, Glimmerschiefer und Thonschiefer, die sich regelmässig an ihn anlagern,, daher geologisch nicht von ihm zu trennen sind. Der Granit bildet die wilden Kämme und Zacken; Gneiss und Glimmerschiefer steigen in 's Thal hinab. Ueppige Weiden und Wälder haben sich auf ihnen angesiedelt; sie bieten dem Auge weiche, rundliche Formen. Trotz der geologischen Zusammengehörigkeit ist also der Unterschied zwischen dem Körper des Gebirgs und den denselben umhüllenden Bedeckungen schroff genug.
Die Adamellogruppe ist umgeben von andern Centralmassen; so von der des Ortler u.a. Doch ist die geologische Grenze zum Theil noch nicht festgestellt oder schwankend. Lörentz ( Exkursionen um den Ortler- und Adamellostock in Petermann's Mitthl. 1865ILS. 67 ) zieht sie folgendermassen:
Geologische Notizen.42S
Im Norden gegen den Ortler geht sie wahrscheinlich durch Val Pei und Val del Monte. Die Schiefer dieses Gebietes gehören zum Mantel dos Adamello; orographisch schliesst es sich mehr dem des Ortler an » Im Westen scheint die Grenze dem Lauf des Oglio zu folgen, bis zur Mündung des Pojathals. Die Castellomasse im Südwesten der Adamellogruppe dürfte nach v. Rath und Lorentz eine selbstständige Stellung beanspruchen \ die Grenze ginge demgemäss, dem Laufe des Poja folgend^ über die Höhe des Monte Campo in 's Daonethal hinab bis zu dessen Ausgang. Dagegen lässt die zweite Ausgabe der geologischen Karte der Schweiz neuerdings die Adamello- und Castellogranitmasse im Hintergrund vom Val Fume zusammenhängen, wonach die letztere nicht mehr als selbstständiges Massiv zu betrachten wäre. Nun dürfte die Linie ungefähr dem Laufe der Sarca entlang zu ziehen sein und umzieht die von der Adamellomasse durch das tief eingeschnittene Genovathal getrennte Presanella. Doch ist die Begrenzung gegen Val Sole hin nicht näher bekannt. Der Pass von Campiglio nach Pelizzano über den Malghettosee und Alp Pelizzano befindet sich im Gneissglimmerschiefermantel; die Passhöhe oberhalb Alp Ginevria ist Tonalit.
Im Ganzen zeigt die Masse, Monte Castello inbegriffen, eine ungefähr ovale Gestalt; die lange Axe des Ovals verliefe ziemlich nordsüdlich; im Nordende würde der bekannte Badeort Pejo liegen. Die Nordsüdlänge von Fosine bis Pieve beträgt 5,9, die grösste Breite von Edolo bis Strembo 4-fia deutsche Meilen.
Die Adamellogruppe gehört zu den kompakten Centralmassen. Sie ist nicht lang auseinandergezogen und vielfach durchschnitten, wie z.B. die Wallisermasse. Auf ihrem Massiv trägt sie ein grossartiges Plateau, welches
nach Westen steiler, nach Osten mehr allmälig abfällt. Es ist von wilden Gräten eingerahmt und durchzogen. Die Hauptmasse besteht ganz aus Tonalit. Sie sendet ihre Ausläufer nach allen Seiten, so dass das Ganze einem Wirbelkörper mit seinen Knochenfortsätzen vergleichbar ist. Zwischen diese Ausläufer und zum Theil in die Hauptmasse dringen wenig bewohnte Hochthäler ein, in deren Hintergrund vom Plateau aus Gletscher hinabsteigen.
Die Thäler der Westseite sind im Allgem. steil abgeschnitten, so steil, dass die Gletscher sich in Firnstürze verwandeln können; nach Nordosten senken sich die Gletscher langsam und majestätisch zu Thal, vor allen der unvergleichlich grossartige Mandrongletscher, der alles vereinigt, was den Naturfreund entzücken und begeistern kann. Die Thäler sind terrassenförmig und zeigen grossartige Spuren alter Gletscherwirkungen.
Die Presanellagruppe stört die Regelmässigkeit der Hauptgruppe in Etwas, gehört aber geologisch zu ihr, da auf dem Piscannapass der Tonalit des Adamello ununterbrochen hinüberreicht. Orographisch entspricht die Presanella dem Monte Castello; die Gesammtform ist ungefähr die eines griechischen SÎ. Näher auf das Topographische einzugehen, würde zu weit führen; vergleiche darüber Peyer und Lorentz und deren Karten.
Wenden wir uns nun nach Cedegolo im Camonicathal an den Eingang des Pojathals. Dasselbe beginnt mit einem tiefen Spalt ( a ), welchen die Poja vermuthlich eingefressen hat. Man steigt auf einer schönen Kastanienterrasse ( b ) auf dem rechten Ufer empor. Wir finden uns im Bereich des Gneiss- und Glimmerschiefermantels, der den Kern des Gebirgs umgibt. Gute Weiden und schöner Baumwuchs charakterisiren diese Stufe. Oberhalb der Kirche St. Profil des Pojathales unterhalb Cevo.
Lazaro Gneiss. Zwischen Cevo und Saviore treten erratische Blöcke auf und einer von bedeutender Grosse liegt etwa hundert Schritte abseits vom Weg in der Wiese; er ist kantig und besteht aus Tonalit. Hinter Saviore steht Glimmerschiefer mit Adern von Quarzit an.
Man biegt nun ein in den untern Theil von Val Salarno, Val Prate genannt, passirt eine Brücke und trifft wieder auf erratische Blöcke.
Drei Erscheinungen ziehen die Aufmerksamkeit besonders auf sich. Erstlich der Terrassenbau des Thales; dann die Spuren der ehemaligen Gletscher und endlich der Uebergang des Gneissglimmerschiefermantels in den Tonalit.
Der Terrassenbau ist ausserordentlich auffallend. In umstehendem Profil geben die Zahlen die Höhenabstände zwischen den Plateaux an.
Die Höhenbestimmungen wurden von Herrn Siber-Gysi mit dem Aneroidbarometer ausgeführt und auf die Stationen Mailand und Bergamo berechnet.
Es sind folgende:
Cedegolo, 417 m, hintere Schwelle des Gasthauses,
Cevo, 1050 m, beim letzten Haus gegen Saviore zu,
Saviore, 1237 m, Kirchenmauer am Eingang des Dorfes,
Massissiohütte, 1789 m,
42t;
Baltzer*
LÄngeprofil des Salaraothales.
Massissiosee, 1986 m,
Salarnosee, 2059 m,
Salarnohütte, 2108 m,
Spitze des kleinen Salarno ( Bivouak ), 3166 ^
Fhss des Adamellokegels, 3280 m,
Adamella, 3547 m.
Bei 552 wären noch zwei kleine Abstufungen einzutragen, deren eine als grünes Wiesenthälchen, die andere mit geglätteten Felsen auftritt; sie sind der Uebersichtlichkeit halber weggelassen. " Wie man sieht, liegt der Thalhintergrund 1691™ über Cedegole im Camonicathal, auf eiae direkte Entfernung von zkka 1 \ deutschen Meilen, also in verhältnissmässig geringer Meereshöhe. So scheint 's auch in Val Adamè zu sein. Vom Thalhintergrund steigt das Massiv schroff um 1058 m in die Höhe zum grossen Firnplateau, über welches die höchste Spitze des Adamello sich nur noch 381 m erhebt. Die Anzahl der Terrassen beträgt 5—7, zwei davon besitzen See'n. Am östlichen Hang, oberhalb Lago Salarno, liegt ein altes Seebecken auf einer Seitenterrasse. Im ganzen Thal Geologische Notizen.42,7
existirt kein Wasserfall; die Abstufungen sind flach; die Sohle des Baches liegt ausser am Ausgang nicht tief unter dem Thalniveau.
Lorentz führt an, dass sich in der Mitte des Val Adame eine Stufe befindet, über die einWasserfall herabstürzt; diese Stufe entspricht derjenigen, wo im Salarnothal der Tonalit beginnt, und demnach dürfte die .Tonalit-gtenze im Yal Adamè ebendaselbst verlaufen »
Wie ist nun dieser Terrassenbau zn erklären? Hier wohl nicht anders als durch die kombmirte Wirkung von Erosion und Gletscher. Die grosse Stufe bei Cevo ist Folge der Zuflüsse vom Adamèthal und Arnosee. Mit vervielfachter Kraft vermochte die Pöja in dem weichen Gestein zu bohren und zu sägen.
Die andere grosse Stufe von 552 m lässt sich mit dem Gesteinswechsel in Zusammenhang bringen. Der harte Tonalit widersteht der Erosion besser als der Schiefermantel; daher muss an der Berührungsstelle eine Stufe sich bilden.
Die obern Thalstufen liessen sich vielleicht durch folgende Betrachtung erklären:
Wenn der alte Salarnogletscher zu einer gewissen Zeit bis a reichte und sich dort erhielt, so wirkte er kon-servirend auf seine Unterlage. Die Erosion wirkte nur von a in der Richtung d, das Prisma A wurde erodirt. Angenommen, der Gletscher sei dann schnell bis b zurückgegangen, so rückt die Strecke von b bis a in das Stadium der Erosion, das Prisma B'wird abgetragen, während auf der Strecke a d die Erosion natürlich weiter geht und das Prisma B fortnimmt. Bei a entsteht dann eine mehr oder minder abgeflachte Stufe je nach besondern Lokalverhältnissen.
Das erratische Phänomen, d.h. die Spuren alter Gletscher, bestehen im Salarnothale erstlich im Auftreten vieler kantiger, erratischer Tonalitblöcke, die aus dem Thalhintergrund stammen, dann im Vorkommen geglätteter Felsplatten in der Thalsohle und von ebensolchen weit hinauf an den Thalseiten.
Der Weg führt mehrmals über solche geglättete, gerundete Felsen hinweg. Eigenthümlich verhalten sich die Thalwandungen im obern Theile. Oberhalb der Sennhütten von Salarno steigen die Thalwandungen zunächst steil an bis c. Daran schliesst sich eine lange, schiefe
Seebevhm
Profil des Salarnothales bei den Sennhütten von
Salarno.
a b obere Grenze des alten Gletschers. B Gletscherzone. C Erosionszone.
Ebene c bis a, welche die Spuren alter Gletscherwirkung unverkennbar zeigt. Diese Zone B reicht hinauf bis an die höchsten Zacken, die sich z.B. bei Forcola di Miller wenig mehr über sie erheben. Unten vom Thal bemerkt man diese schiefe Ebene wenig.
Die Zone B entspricht dem alten Gletscher, der bis zur Linie a b reichte. Als der Gletscher zurückging hinter c d, wirkte die Erosion in verstärktem Maasse; sie brachte das Niveau des Thales nach und nach bis auf das jetzige herunter. Zu dieser Zeit entleerte sich das alte Seebecken. Die schiefe Ebene a c entbehrt jeglicher Vegetation; es sind mannigfach geglättete, zerrissene, gefurchte Granitplatten, über die hinaufzukommen ebenso langweilig als mühselig ist.
Sie erinnern einigermassen an die Karrenfelder des Schrattenkalkes; jedoch fehlen jene kleinen Kinnen, die Detailarchitektur, die den Kalkplatten der Schratten ein so eigenthümliches Aussehen geben. An der Südostseite des Thales reicht die Glättung nicht so weit hinauf.
Aus dem Gesagten geht zur Genüge hervor, dass das Salarnothal in seiner heutigen Gestaltung ein achtes Erosionsthal ist.
Die Spuren alter Gletscher sind wohl überall in diesen Thälern nachweisbar. So sahen wir sie an den seitlichen Felswänden des Mandrongletschers. Der Mandrongletscher ging früher bis gegen Lago scuro hin und unter Crozzon del Zigolon durch. Deutlich sieht man auf Peyers Karte die alten Gletscherterrassen am Nordufer der Sarca, die alte Gletscherzone und die spätere Erosionszone der Sarca. Ferner treten die Gletscherspuren im Nordosten der Gruppe vor und nach Campiglio auf. Von Pinzolo bis Campiglio geht man in Gneiss und anstehendem Glimmerschiefer; häufig sieht man Einschnitte
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480Baltzer.
in altem Gletscherschutt. Erratische Blöcke liegen hier und dort und zwar theils Tonalit-, theils Brentadolomit-blöcke. Letzteres ist auffallend, da ein ansehnlicher Rücken diese Lokalität von der Brentagruppe trennt. An diesen Rücken lehnt sich eine ansehnliche alte Längsmo-Täne an. Hinter Campiglio mit seinen üppigen Weideterrassen scheint bald Granit, bald Dolomit aus dem Boden hervorzuwachsen. Auch steht dort Kalkbreccie an. Bei Malga Ginevria links herüber liegt im Walde auf dem Wege nach Pelizzano alles voll erratischer Tonalitblöcke. Bei Alp Ginevria, am Ausfluss des Malghettosee's, em grünlicher Granit. Von da zur Passhöhe hinauf kein Dolomit mehr. Auf der Passhöhe Adamellogranit anstehend. Nach Alp Pelizzano hinunter und weiter unten Gneiss; diese Zone gehört also dem Schiefermantel der Adamellogruppe an.
Einen fernem Beweis von der Mächtigkeit der alten Gletscher liefert die Beobachtung Trinker's, dass erratische Tonalitblöcke im Tonalitgebiet, getrennt von ihrer Heimath durch den tiefen Einschnitt des Rendenathals, einige 1000'hoch liegen.
Wo ist nun die Grenze zwischen Tonalit und dem Gneissglimmerschiefermantel? Die schweizerische geologische Karte lässt sie zu weit oben im Salarnothal durchgehen. Nach Passirung der Brücke in der Gegend von Ponte gelangt man über etwa drei Terrassen hinauf zur untern Staffel der Alp Massissio. Tonalitblöcke liegen auf den untern Terrassen bereits umher, hier aber seitlich der Alphütte trifft man zuerst auf eine lange Steinhalde von grossen Tonalitblöcken. Weiter thalaufwärts findet sich Glimmerschiefer nur noch untergeordnet, dagegen noch Gneiss. Nach kurzer Zeit verschwinden beide; man ist ausschliesslich von Tonalit umgeben. Im Aviothal liegt die Tonalitgrenze nach v. Rath eine Stunde aufwärts, im Breguzzothal auf der andern Seite im letzten Thalhintergrund.
Vor Lago Massissio ist der Boden merkwürdig un-terminirt. Diese Maulwurfsarbeit mögen unterirdische Abflüsse des Massissiosee's verrichtet haben; der Tonalit ist nicht ganz widerstandsfähig.
Der wenig bekannte Tonalit, welchen v. Rath am Tonalpass beobachtete und zuerst genauer beschrieb ( Zeitschrift der deutschen geol. Ges. XVI. 249 ), besteht aus Feldspath, Quarz, Glimmer und Hornblende. Er ist ein Hornblendegranit, der sich dem Diorit einerseits annähert, anderseits wegen der grossen Hornblendeaus-scheidungen ausgesprochen porphyrartig wird. Der Glimmer ist tief dunkelbraun gefärbt, glänzend, bildet charakteristische sechsseitige Tafeln oder Prismen von einer Breite bis zu zirka 6 mm. Mit dem Messer lassen sich leicht Querlamellen abheben. Geglüht wird er röthlich-goldgelb und gibt weder vor noch nach dem Glühen basische Reaktion. Die Hornblendekrystalle sind härter, von matter, dunkelgrüner Farbe und werden 10-12 nun lang. Das ausgezeichnet schöne Gestein ist für Bau- und Kunstzwecke geeiget; v. Rath gibt an, dass vom Solethal erratische Blöcke nach Trient geschafft und dort für Säulen und Pilaster verwendet werden. Im Rendenathale verwendet man Tonalitblöcke zum Bauen von Kirchen und Wohnungen. Bei verwitterten Stücken blättert der dunkle Glimmer ab und wird gelb von der Farbe des Eisenkieses. Zufällige Bestandtheile finden sich nicht vor. Die Mengeverhältnisse der Gemengtheile sind sehr veränderlich. Als wichtigste Abänderungen können folgende gelten:
a. Viel Glimmer in zierlich sechsseitigen Tafeln und Hornblende;
daher fast schwarz. Moräne des Salarno-gletschers.
b. Wenig Glimmer ( Hornblende ); daher weisslich. Salarnothal.
c. Normales Gestein, wie es meistens anstehend gefunden wird, steht etwa in der Mitte zwischen a und b. Quarz grau-röthlich, Feldspath weiss.
d. Feinkörnig mit viel weissem Glimmer, wenig dunklerem Glimmer und Hornblende. Salarnothal.
e. Grobkörnig. Hornblende ganz vorwaltend, in Krystallen bis 12 mm lang; daher porphyrartig. Glimmer wenig. Quarz grau. Feldspath weiss. Porphyr-Tonalit. Gegend der Millerfurkel.
f. Feinkörnig mit linienförmigen, glänzenden Horn-blendekryställehen.
Häufig finden sich scharf begrenzte Stellen im Tonalit, meistens rundlich, manchmal auch länglich, unten gerundet, oben zugespitzt wie ein lanzettliches Blatt. Daselbst ist die Masse dieselbe; aber dunkler, feinkörnig, gleichförmig und enthält viel Glimmer und Hornblende. Diese Stellen sind zoll- bis fusslang. Wie bei Krystalli-sationen die Krystalle oft in Gruppen sich anhäufen, so schieden sich aus der halbweichen Tonalitmasse stellenweise Hornblende und Glimmer in grösserer Menge ab und wurden kleiner, weil sie sich gegenseitig in der Ausbildung hinderten.
Unsere Wanderung führte uns auf das Firnplateau des Mandrongletschers hinauf und dann nach Alp Bedole hinaus; man kommt dabei nicht aus dem Bereich des Adamellogranits. Der Tonalit ist weiter unten an der Nordseite des Gletschers durch Verwitterung stark röthlich.
Ob die Adamellogruppe Fächerstruktur zeige, bleibe
Geologische Notizen.
dahingestellt; doch scheinen die Schichten auf der linken Salarnothalseite im entgegengesetzten Sinne zu fallen, wie bei Corni del confine, wo sie sich an Corno bianco anlehnen.
In der Gegend der Alp Mandron und besonders am rechten Ufer des Salarnosee's fanden sich im klaren Wasser der Bäche Larven von Phryganeen ( Köcherfliegen, zu den Neuropteren gehörig, wohin auch die Libellen und Eintagsfliegen gehören ). Diese Larven spinnen sich ein zierliches, röhrenförmig-cylindrisches Gehäus zusammen, wozu sie als Baumaterial die sechsseitigen Glimmerblättchen des Adamellogranits verwenden. Mit vorge-strecktem Kopf und Beinen, das Gehäus nachschleppend, kriechen sie auf dem Grund umher, ziehen sich aber beim leisesten Angriff sofort in ihre Röhre zurück. Nach einer gefälligen Mittheilung des Hrn. Prof. Pictet ähnelt diese Larve der der gewöhnlichen P. rhombica und P. lu-naris, scheint aber eine neue zum Gen. Limnephilus ( Farn. d. eig. Phryganeen ) gehörige Spezies zu sein.
Schliesslich sei noch eine Bemerkung über die gegenwärtige Konfiguration der Gletscher gestattet. Sowohl die Salarno- als die Genovaseite bieten charakteristische Verhältnisse. Die Salarnoseite ist die steile Seite; daher wurde aus dem rechten Arm des Salarnogletschers ein Firnsturz. Die Firnmassen überspringen die Linie, wo die normale Eisbildung beginnt, stürzen mehr als 2000 Fuss tief in einen wilden Kessel und erst hier verwandeln sie sich in Eis und bilden mit den andern Armen den Salarnogletscher. Noch interessanter ist der Man- drongletscher, einmal durch die beiden prächtigen Eisabstürze mit der kühnen Architektur von Säulen, Pfeilern, Zacken, sodann durch sein Verhalten am Ende.
Die Lobbia bassa senkt ihren Felsfuss fast senkrecht »Schweizer Alpenclub.28
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Unterer Theil des Mandrongletsehers nach Peyer.
in den Mandrongletscher hinein ( vergl. Peyer's Karte ). Dadurch wird derselbe auf die Seite geworfen ( vergl. Holzschnitt ). Ferner ist er genöthigt, mit seiner ganzen Masse durch eine von zwei Felsmassen gebildete Enge ( b ) seinen schliesslichen Ausfluss zu nehmen. So wird auf die Eismasse ein seitlicher Druck ausgeübt und dieselbe gleichzeitig zurückgestaut. In Folge dessen entsteht eine schön entwickelte, wellige Struktur der Oberfläche. Die Wellen sind gross und regelmässig; kaum macht ein anderer Gletscher mehr den Eindruck des Stromes, der sich an den Felsen bricht. Im todten Winkel a und überhaupt längs des linken Ufers befindet sich eine ruhige, glatte, scharfbegrenzte Zone ohne Spur von Wellen, ganz dem Strom analog, der in der Biegung vor dem Fall weniger Strömung zeigt. Der seitliche Geologische Notizen.
Die Gletscher im Hintergrund von Val Pellina.
Druck, den die Lobbia ausübt, pflanzt sich nicht bis hierher fort.
Tyndall u. A. haben nachgewiesen, dass Schnee durch Druck in Eis übergeht und dass letzteres, durch enge Oeffnungen herausgepresst, die Form derselben annimmt. Beim Mandrongletscher schuf die Natur einen Engpass und liess die Gletschermasse durch eigenen Druck sich hindurchzwängen, zum Beweis, wie plastisch das Gletschereis ist. Der Tyndall'sche Versuch ist hier
im grossartigsten Massstabe ausgeführt.
Beiläufig sei hier das Verhalten der Gletscher im
28* Hintergrund von Val Pellina, welches ich früher zu beobachten Gelegenheit hatte, erwähnt.
Zwei grössere Gletscher A und B treffen im spitzen Winkel zusammen. Der eine B ist an der durch die Moräne ( a b ) angedeuteten Berührungsstelle und weit hinunter durch den seitlichen Druck des andern, wie die Linien es andeuten, aufgerichtet. Statt einer Lobbia wirkt hier ein Gletscher; aber es kommt nicht zur Bildung von Wellen. Das Gletscherbett ist eng, so dass die Eismassen nicht nachgeben können. Der aufgerichtete Gletscher B empfängt einen kleinen Seitenarm C, den er seinerseits so auf die Seite drängt, dass die emporgerichtete Ebene desselben zu ihm vollkommen schief steht.
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III.
Kleinere Mittheilungen.
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