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Neben den Agglomerationen sind Talschaften der wohl wichtigste Typus funktionaler Räume in der Schweiz. Im Berggebiet konzentrieren sich entlang der Talböden Besiedlung, Infrastruktur, Gewerbe und Landwirtschaft. Zudem muss für den Hochwasserschutz Raum für Fliessgewässer freigehalten werden. Entsprechend stark sind der Siedlungsdruck und diverse Nutzungskonflikte. Eine kohärente Raumentwicklung wird häufig durch die Zersplitterung der natürlichen Landschaftskammern in verschiedene Gemeinden erschwert. In den letzten Jahrzehnten wurden so viele Täler stark zersiedelt. Beispiele sind die Magadinoebene (TI), das Linthtal (GL), das Toggenburg (SG), das Alpenrheintal zwischen Bregenz und Sargans (SG) oder das Rhonetal zwischen Brig und Visp (VS).
Ein Lösungsansatz für diese «Talbodenproblematik» sind die bereits in einem anderen Artikel thematisierten Talschaftsfusionen. Eine Alternative – die im Kanton Uri systematisch verfolgt wird – ist die Steuerung über den kantonalen Richtplan. Wie andere Bergkantone auch hatte Uri lange Zeit eine schwach entwickelte Raumplanung, und entsprechend chaotisch entwickelten sich die Siedlungsstrukturen auf dem Urner Talboden. Doch drei von aussen kommende Herausforderungen führten in den letzten Jahren zu einem Umdenken: das Hochwasser im Jahr 2005, der Streit mit dem Bund um die NEAT-Linienführung durch die Reussebene und das Ressort-Projekt des Ägypters Samih Sawiris in Andermatt.
Der Konflikt um die NEAT-Linienführung und das Hochwasser von August 2005 veranlassten die Kantonsregierung, das Projekt «Raumentwicklung unteres Reusstal» ins Leben zu rufen. In diesem Gebiet konzentrieren sich mehr als 80% der Kantonsbevölkerung und Arbeitsplätze sowie wichtige nationale Infrastrukturen. Im Rahmen einer Testplanung entwickelten drei externe Planungsteams Entwicklungsstrategien für die Bereiche Siedlung, Infrastruktur und Landschaft. 2007 wurden die Vorschläge zusammen mit den Gemeinden konsolidiert und die Richtplanrevision lanciert.
Der 2009 vorgestellte Entwurf identifiziert Entwicklungsschwerpunkte für Wohnen, Industrie und Tourismus im Reusstal. Um der Zersiedelung des Talbodens entgegenzuwirken, werden Siedlungsräume klar definiert und für die Gemeinden verbindliche Regeln zur Bauzonendimensionierung und Mobilisierung von Siedlungsflächenpotenzialen festgelegt. Mit einem neuen Kantonsbahnhof in Altdorf und einem Gesamtverkehrskonzept für alle Verkehrsträger soll die Belastung der Hauptsiedlungsgebiete durch den Durchgangsverkehr reduziert werden.
Die zweite Talschaft des Kantons, für die ein Masterplan entwickelt wurde, ist das Urserental. Anlass für eine bereits 2008 abgeschlossene Richtplanergänzung Urserental waren die Pläne der Firma Orascom, die in Andermatt den ehemaligen Waffenplatz vom Bund erwarb, um dort ein grossangelegtes Ressort mit touristischer Infrastruktur zu errichten. Durch die Richtplananpassung wurde eine umfassende raumplanerische Neuordnung des Talbodens um Andermatt und der Bau des Tourismusresort ermöglicht.
Mit der auf funktionale Räume ausgerichteten Richtplanrevision hat Uri einen neuen Lösungsansatz entwickelt, wie man die im Berggebiet weitverbreitete Talbodenproblematik angehen kann.