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Schon 1846 konnte hier eine Zichorienrösterei mit Dörrhaus und einem Kanal zur Mühle eröffnet werden und bot vielen Landwirten aus dem Dorf und der Umgebung willkommene Arbeit und Verdienst. Eine Überschwemmung des Dorfbaches und zwei Brände führten schliesslich zur Schliessung des Betriebs 1863.
Seit 1866 führt die Familie Albrecht bereits in der 5. Generation die Sägerei. Sie ist heute die letzte von drei Sägereien im oberen Kantonsteil.
Die Sägerei wurde 1866 auf den Mauern der Zichorienfabrik aufgebaut.
Zichorienblüte und Kraut der Zichorie (Cichorium intybus) (Fotos Hansueli Holzer)
Die Sägerei wurde 1866 auf den Mauern der Zichorienfabrik aufgebaut Foto Hansueli Holzer 2021)
Jakob Albrecht-Küng 1926–2011 (Foto Hansueli Holzer 2010)
Jakob Albrecht jun. am Vollgatter. Foto Hansueli Holzer 2010
Zichorienfabrik / Säge
Kaffee war im letzten Jahrhundert für das breite Volk ein Luxusgetränk, das jedoch die Wenigsten missen mochten. Daher behalf man sich mit sogenannten Surrogaten, Ersatzprodukten, welche das Bitteraroma des Kaffees nachahmten. Dazu gehörten geröstete Eicheln und Zichorienwurzeln. Aus der wilden Zichorie (Wegwarte) verarbeitete man deren lange Pfahlwurzel zu Kaffee-Ersatz.
Schon 1846 konnte der Investor Egloff aus Gottlieben den Grundstein für den Bau setzen. Neben dem Mühlgebäude entstanden ein Dörrhaus mit zwei Dörröfen und ein Roosthaus. Alle Gebäulichkeiten, solide Stein- und Riegelbauten, wurden nach Abschluss der Bauarbeiten im Brandkataster von Hemishofen um den verhältnismässig hohen Betrag von 8000 Gulden versichert.
Für die Gemeinde war diese Fabrikgründung ein gewaltiges Ereignis. Der Chronist, Alt-Schulmeister Leonhard Meili beurteilte die Auswirkung auf die Einwohnerschaft: «Für unser Ort könnte diese Fabrik in dieser Hinsicht wichtig und nützlich werden, wenn unsere Einwohner sich gleichbleiben, d.h. wenn sie arbeitsam und zugleich auch sparsam und sittsam bleiben…»
Aber schon ein Jahr nach der Inbetriebnahme der Fabrik berichtete der Chronist der Singgesellschaft: «Nachts (3. März) halb 11 Uhr verursachte uns die Fabrik ein allgemeiner Schrecken, indem daselbst im Dörrhaus Feuer ausging und in kurzer Zeit in Asche lag. Nur mit grosser Anstrengung und herbeieilender Hilfe konnte noch das Mühlehaus, auf welchem schon der Dachstock in Flammen stand, gerettet werden. Viele Waren, die sich da befanden sind verdorben worden. Grosses Glück, dass die Nacht vom Winde still war, was bei einem nördlichen Wind dem Dorf grosse Gefahr hätte bringen können. Die Ursache dieses Brandes ist bis heute noch ein Geheimnis.» Als Brandursache vermutete man die fehlerhafte Konstruktion der Kamine im Dörrhaus.
Ein zweiter Brand 1863 war das Aus für die Zichorienfabrik.
Neben den noch vorhandenen Gebäuden veranlasste vermutlich die noch intakte Wasserzuleitung samt Wasserrad Friedensrichter Steiger von Wagenhausen zum Erwerb der ehemaligen Zichorienfabrik.
Zum Antrieb von Maschinen war die Wasserkraft von Fliessgewässern damals der einzige Energielieferant. 1866 war die Mühle zu einer Sägerei umgebaut und wurde 1870 an den Gemeindeschreiber Johann Jakob Albrecht, Zolleinnehmer Johann Alexander Erni und Zimmermeister Jakob Götz verkauft. Erni behielt aber seine Anstellung als Zolleinnehmer und Götz stieg aus als Teilhaber aus.
Johann Jakob Albrecht brachte das junge Unternehmen hoch und verschaffte sich allgemeiner Achtung. Zwei Jahre nach der Übernahme der Sägerei wählte ihn die Gemeinde Hemishofen zu ihrem Präsidenten. Nach seinem Tod mit 58 Jahren übernahm sein jüngerer Sohn Eugen die Sägerei. Dach dessen Tod mit 52 Jahren wurde die Sägerei von 1915 bis 1928 unter der neuen Bezeichnung «E. Albrechts Witwe, Sägereigeschäft» weitergeführt. Zu jenem Zeitpunkt übernahm der 1890 geborene Sohn Jakob Albrecht die Sägerei und das Holzhandelsgeschäft und führte es traditionsgemäss in vorbildlicher Weise weiter.
Im Jahr 1938 wurde der sogenannten Einfachgang durch einen Vollgatter der Firma Rauschenbach aus Schaffhausen ersetzt, der bis heute seinen Dienst versieht. Im Jahr 1959 übergab Jakob Albrecht-Walter den Betrieb seinem Sohn Jakob Albrecht-Küng. Die Familientradition fortsetzend stellte auch er seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde. Von 1954 an versah er während dreissig Jahren das Amt des Steuerkatasterführers und von 1965–1992 war er Gemeindeschreiber. Im April 1997 übernahm sein Sohn Jakob das elterliche Geschäft. Damit befindet sich das Unternehmen bereits in der fünften Generation im Besitz der Familie Albrecht. So hat sich ein Familienunternehmen durch Arbeitsamkeit und einem reellen Geschäftsgebaren bis heute während fast 150 Jahren bewährt. Das mächtige oberschlächtige Wasserrad musste 1920 vollständig ersetzt werden. 1954 hätte es wiederum erneuert werden müssen. Die geschätzten Kosten von Fr. 40’000.– waren aber zu hoch. Das Wasserrad wurde stillgelegt. Der Sägeweiher steht heute unter Naturschutz.