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SMI im April 2010
DerGraf wrote:
QuoteMF, was soll denn deiner Meinung nach in nächster Zeit runtergehen? Die Aktienmärkte? Und gleichzeitig sollen wir die Schulden irgendwie loskriegen?
Wir müssen zunächst mal zwischen Inflation (im Sinn von Ausweitung der Geldmenge, der Schulden) und Teuerung unterscheiden. Auch wenn beides oft und irrtümlich gleichgestellt wird.
Wir hatten in den Jahren 2000-2008 in den USA eine Inflation von zw. 12%-18%. In der Schweiz zw. 13%-20%. Die Geldmenge der Schweiz hat sich seit 2000 schliesslich fast verdoppelt (Quelle SNB: von Fr. 200 Mrd auf 370 Mrd)
Dennoch ist die Teuerung niedrig geblieben. Offiziell so um 2%, inoffiziell (wenn man Lebensmittel, Energie und Versicherungen berücksichtigt) so um 8% p.A.
Es stellt sich somit die ketzerische Frage: Ist nicht auch das umgekehrte möglich, nämlich, dass die Geldmenge schrumpft, Vermögen vernichtet werden und dennoch die Preise steigen?
Ja, das ist möglich. Und zwar dann, wenn die Preise nicht steigen, weil die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen steigt und die Industrie kaum nachkommt sondern dann, wenn die Währung, in der die Güter bezahlt werden, an Vertrauen und Wert verliert!
Etwas ähnliches konnte das Deutsche Reich in den Jahren 1921/22 beobachten. Damals herrschte eine leichte Deflation und die Aktien brachen um gut 50% ein. Unmittelbar darauf folgte die Hyperinflation von 1923.
In einem Punkt gebe ich Dir recht: Aktien haben im Gegensatz zu Bargeld und Staatsanleihen einen eingebauten Inflationsschutz. Nur darf man Aktien nicht nur in der nominalen Währung betrachten sondern muss auch die Kaufkraft berücksichtigen.
So im Sinn:
Wieviele Brote kann ich mir für eine Nestle Aktie kaufen?
Wieviele Swiss-Re Aktien brauche ich, um mir einen Mittleklassewagen zu kaufen?
Aus diesem Grund knalle ich Euch ja in penetranter Weise auch regelmässig SMI-Charts in Gold um die Ohren, um auf die schleichende Entwertung unseres Geldes - pardon, unserer Währung - Schweizer Franken, aufmerksam zu machen.
So betrachtet ..., (hier noch mal der Chart von gestern)
[Blocked Image: http://img8.imageshack.us/img8/1813/smigold.png]
... war die Hausse des letzten Jahres eigentlich gar keine. Der SMI hat real weder gewonnen noch verloren.
Aber! Wer in Aktien investiert war, konnte sein Vermögen, seine Kaufkraft real absichern. Er hat also nicht - wie der Bargeld-Besitzer - Kaufkraft verloren.
Was also wird passieren?
Da gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Durch die wachsenden Schulden und somit wachsende Zinslast wird mehr und mehr Geld benötigt, um die Schulden zu bedienen. Dieses Geld fehlt bei Investitionen und im Konsum und somit wird real weniger konsumiert, weniger investiert und die Wirtschaft kommt nicht vom Fleck.
Die Aktienpreise haben sich von der realen Wirtschaft abgekoppelt. Es kann mir nämlich keiner erzählen, die Wirtschaft der Schweiz sei parallel zum SMI um rund 25% im letzten Jahr gestiegen.
2. Es ist plausibel, dass das Vertrauen ins Papiergeld abnimmt. Das würde dann zu einem sog. "Crack-up-Boom" führen. Sprich: Die Menschen haben Angst vor Geldentwertung, lösen all ihre Sparguthaben auf und kaufen alles mögliche an "hard-assets", um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Das gäbe für die Wirtschaft eine kurze Boom-Periode, in der sie mit der Produktion nicht mehr nachkommen. Hier würden entsprechend die Aktien kurzfristig profitieren. Vor allem aber Edelmetalle, die man dann allerdings kaum noch bekommen würde (und wenn, dann nur noch als Papier).
Es gäbe also kurze Panikkäufe, die so lange anhalten, bis das ganze Bargeld verbraten ist. Danach kommt der Kollaps.
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Du stellst die Frage nach Deflation bzw. nach Vernichtung von Vermögen und Schulden. Da gibt es mehrere Möglichkeiten:
Ausgangslage: Du hast mir Fr. 1000 geliehen.
* Ich gehe in Konkurs. Du verlierst Deine Fr. 1000. Jetzt ist die Schuld vernichtet und die Geldmenge sinkt.
* Du übernimmst aus der Konkursmasse meine Firma. Jetzt schuldest Du Dir selbst die Fr. 1000. Die Schuld ist also neutralisiert.
* Wir haben Hyperinflation, für Fr. 1000 kann man sich nur noch ein Gipfeli kaufen. Ich "bezahle" also die Fr. 1000 (oder geb Dir wahlweise ein Gipfeli) und die Schuld ist getilgt, obschon Dich das nicht restlos glücklich machen dürfte.
* Ich bezahlte die Fr. 1000 an Dich mit Zinsen in Bar zurück. Meine Schuld Dir gegenüber ist getilgt, die Geldmenge aber bleibt konstant.
* Ich bezahlte die Fr. 1000 an Dich in Form einer Unze Gold. Meine Schuld Dir gegenüber ist getilgt, die Geldmenge sinkt.
Beachte die letzten beiden Sätze: Warum bleibt die Geldmenge konstant, wenn ich in Franken bezahle, nimmt aber ab, wenn ich in Gold bezahle???
Die Antwort: Da der Franken eine ungedeckte Papierwährung ist, ist die 1000er Note, die ich Dir gebe ein Schuldschein, ein Zahlungsversprechen der SNB Dir gegenüber. Das heisst, ich bin zwar meine Schulden bei Dir los aber jetzt schuldet Dir die SNB Fr. 1000.-. Natürlich kannst Du morgen jederzeit diese Fr. 1000 an einen anderen übergeben, der bereit ist, diesen Schuldschein zu akzeptieren (und im Moment akzeptiert jeder eine Fr.-Tausend-Note). Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die SNB nun jenem Fr. 1000 schuldet.
Merke: Der Franken ist Schuldgeld. Und deshalb streng genommen kein Geld sondern nur eine Währung. Ein Tauschmittel aber kein Wertaufbewahrungsmittel.
Anders bei der Unze Gold. Gold ist echtes und schuldenfreies Geld. Mit der Bezahlung mit Gold ist die Schuld aus der Welt geschafft, vernichtet, existiert nicht mehr und es entsteht auch keine neue Schuld.
Dasselbe gilt natürlich auch, wenn ich statt einer Unze Gold mit 200kg Reis, 500 Broten die Schuld bezahle oder Dich eine Woche in meiner Ferienwohnung wohnen lasse.