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Erstmals fand der Frauentag am 19. März 1911 statt. Am 8. März 1975 riefen die Vereinten Nationen die Feier zum «Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden» aus. Seither steht der jährliche 8. März symbolisch für den Kampf für Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter. Auch in diesem Jahr stand der 8. März 2023 im Fokus der Bemühungen für die Rechte der Frauen und der damit zusammenhängenden Fragestellungen. Der Zufall führte mich dieser Tage an eine Ausstellung «Viva Frida Kahlo» ins Zentrum Beaulieu Lausanne, dorthin, wo derzeit das Leben und Werk einer der bedeutendsten Künstlerin des 20. Jahrhunderts präsentiert wird. Gewiss, das Leben von Frida Kahlo lässt sich nicht in einer Kolumne zusammenfassen.
Frida Kahlos Leben – 6. Juli 1907 – 13. Juli 1954 – ist einzigartig. Sie war gesundheitlich während ihrem ganzen kurzen Leben angeschlagen, litt früh an Poliomyelitis und wurde 1925, schon im Alter von 18 Jahren, Opfer eines schweren Busunfalls. Während mehrere Menschen bei dem Unfall ihr Leben verloren, wurde Frida schwer verletzt. Sie wurde wiederholt mehrfach operiert und musste viele Monate lang das Bett hüten. Nach diesem Unfall ist sie gezwungen, neun Monate lang ein Gipskorsett zu tragen. Um diese schwierige Situation zu ertragen, beginnt sie in ihrem Bett autodidaktisch zu malen. So tragisch es klingen mag, der Unfall war mit ein Grund, dass sie Malerin wurde. Das Malen begann für sie also im Krankenbett; «aus Langeweile», wie sie später sagte, weil sie sich nicht bewegen durfte. Das Unglück habe sie nicht so tragisch genommen, weil sie jung war. «Ich spürte, dass ich genug Energie in mir hatte, statt des angestrebten Medizinstudiums etwas anderes zu beginnen. Und so habe ich ohne grössere Umstände zu malen angefangen.» Die Leidenschaft für die Malerei ließ sie nicht mehr los. Sie kreierte zahlreiche Gemälde und wurde schnell zu einer anerkannten mexikanischen Künstlerin in ihrem Land und später auch auf internationaler Ebene.
Frida Kahlos Gemälde sind nicht auf einen bestimmten Kunststil oder eine Denkschule beschränkt. Ihre Gemälde sind das Ergebnis ihrer Emotionen, ihres vielschichtigen Leidens, ihrer verschiedenen Krankheiten, ihrer Ängste und ihrer Verbundenheit mit ihrer Herkunft. Deshalb sind ihre Gemälde so kraftvoll und faszinierend; sie entsprechen keinem Klischee und keinen vorgegebenen künstlerischen Regeln. Frida Kahlos Maltalent ist einzigartig und ihre Werke sind Zeugnisse ihres Lebens. Ja, alle ihre Gemälde sind ein Abbild ihres Lebens.
Ein Zitat von Frida Kahlo: «Ich male meine eigene Wirklichkeit. Das Einzige, was ich über meine Arbeit mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich male, weil ich muss, und dass ich immer male, was mir in den Sinn kommt, ohne jede weitere Überlegung.»
Frida Kahlo: Politisches und soziales Engagement
Für die Frauenbewegung ist Frida Kahlo wahrlich Lichtgestalt einer emanzipierten Frau. Was Frida Kahlo auszeichnete, war ein ungewöhnlich freiheitliches Denken. Diese intellektuelle Freiheit bestimmte ihr Handeln, ihre Gedankenwelt, den Umgang mit ihren seelischen und körperlichen Schmerzen und ihren Schicksalsschlägen.
Was solls, kurz nach ihrem schrecklichen Unfall trat Frida der Kommunistischen Partei Mexikos bei. Dort lernt sie ihren späteren Ehemann, den Künstler Diego Rivera, kennen. Ihre Ehe mit dem Maler Diego Rivera war sowohl eine wertvolle Unterstützung als auch eine Quelle von Problemen und Schmerzen im Leben der Künstlerin. Frida musste von Anfang an gewusst haben, dass sie Diego nicht besitzen kann. So war es auch. Wie eine mächtige Membran sog er all die Schönheit in sich auf, nicht nur Fridas, sondern die aller Frauen, des Lebens, ja der ganzen Welt. Frida hatte ihr Leben lang Schwierigkeiten mit der Untreue ihres Mannes. Später gewöhnte sie sich an, mit seinen Affären Freundschaften zu schliessen. Dennoch, im September 1939 lässt sich das Künstlerpaar scheiden; nach zehn Jahren turbulenter Ehe. Die vielen Affären, die gegenseitige Abhängigkeit, die Beziehung zweier so charismatischer Persönlichkeiten war kompliziert! Und doch sollten sie schon bald wieder zusammenfinden. Denn ohne einander konnten sie ebenso wenig leben. Am 8. Dezember 1940 heirateten sie wieder; an Diegos 54. Geburtstag.
Ihr politisches Engagement hält ihr ganzes Leben lang an. Sie lernte 1937 Leo Trotzki kennen, der damals als politischer Flüchtling in Mexiko lebte, und lud ihn in ihr Haus ein. Wahrscheinlich bestand im selben Jahr eine Affäre zwischen den beiden. Frida engagierte sich auch für ihr Heimatland Mexiko. Sie trug gerne traditionelle mexikanische Kleider, interessierte sich für die Geschichte ihres Landes und es fiel ihr schwer, es 1930 verlassen zu müssen, als sie ihren Mann für drei lange Jahre in die USA begleitete.
Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass Frida Kahlo sich stets für die Rechte der Frauen und für die Emanzipation der Frauen in der Gesellschaft einsetzte. Aus diesem Grund ist sie heute eine feministische Ikone. Als befreite Frau hat sie sich immer von den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit entfernt. Fridas Geschichte beginnt und endet am gleichen Ort: im «blauen Haus» in Coyoacán, am südlichen Rand von Mexico City. Dort wurde sie am 7. Juli 1907 geboren, obwohl sie selber immer 1910 als ihr Geburtsjahr angab. Denn sie wollte zusammen mit der Mexikanischen Revolution auf die Welt gekommen sein, mit dem neuen Mexiko.
Nach ihrem Tod 1954 dauert es Jahrzehnte, bis Frida Kahlo als charmante Rebellin über die Grenzen Mexikos hinaus zu Berühmtheit gelangt. Erst seit den 1980er-Jahren wird sie wegen ihrer politischen Gesinnung, ihres Kampfs für die Rechte der Frauen, ihrer Zähheit und ihres unbändigen Willens vor allem in den USA als Galionsfigur der mexikanischen Frauenbewegung wahrgenommen. Die Hollywoodverfilmung ihres Lebens im Jahr 2002 mit Salma Hayek in der Hauptrolle führte weiter zu ihrer weltweiten Popularität.