Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/97284

<h2>SubmittedText<h2><p>In Italien, Schweden, Kanada, den USA, der Türkei, Australien, Neuseeland und den Niederlanden sind intelligente Zähler ("smart meters") bereits in grösserem Umfang installiert bzw. ist ihre Einführung beschlossen worden. In Deutschland ist der Einbau von intelligenten Stromzählern in Neubauten und sanierten Gebäuden ab 2010 Pflicht. Im gesamten EU-Raum werden die modernen Stromzähler ab 2022 obligatorisch. In Testhaushalten wurde nach dem Einbau der intelligenten Stromzähler mindestens 10 Prozent, bisweilen sogar 40 Prozent weniger Strom verbraucht.</p><p>1. Hat der Bundesrat die (obligatorische) Einführung von intelligenten Stromzählern in entsprechenden Strategiepapieren geprüft?</p><p>2. Wenn ja, welche Gründe sprechen für oder gegen einen entsprechenden Umsetzungserlass?</p><p>3. Welche Erfahrungen haben unsere Nachbarländer bezüglich dieser intelligenten Zähler, insbesondere auch bezüglich der "dynamischen" Stromtarifmodelle (Spitzenzeiten; Hoch- und Niedertarifen), gemacht?</p><p>4. Wie hoch wären die Mehrkosten für die Installation der neuen "smart meters" im Vergleich zu den zurzeit eingesetzten Stromzählern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>"Smart meters" sind Stromzähler mit Funktionen zur Erfassung eines Verbauchsprofils (Lastgangmessung) und elektronischer Fernauslesung. Sie werden in Europa immer häufiger für den Stromanschluss in Haushalten eingesetzt. Gründe dafür sind beispielsweise der steigende Bedarf an Lastgangmessung aufgrund der vollständigen Liberalisierung der Energiemärkte (voller Marktzugang für Endkonsumenten mit freier Lieferantenwahl), die europaweit steigenden Strompreise (Möglichkeit der Tarifreduktionen dank Verbrauchsoptimierung durch Reduktion von Lastspitzen) und schliesslich das Bestreben nach einer Reduktion des Energiebedarfes. In einigen Ländern wurde die Einführung von "smart meters" zudem forciert, um Missbrauch zu verhindern (z. B. in Italien).</p><p>Vor Kurzem ist das dritte Energiebinnenmarktpaket der EU in Kraft getreten. Dieses Paket hat den rechtlichen Boden für die breite Einführung von "smart meters" geebnet. Die Schweiz wird sich der Frage der "smart meters" daher im Rahmen ihrer laufenden Verhandlungen mit der EU im Bereich Elektrizität anzunehmen haben.</p><p>"Smart meters" können zur Erhöhung der Energieeffizienz bzw. zur Stromeinsparung beitragen, wenn sie mit zusätzlichen Instrumenten gekoppelt werden. "Smart meters" allein sind dabei aber noch kein Garant für Stromsparen. Die in der Interpellation genannten sehr hohen Verbrauchsreduktionen in Haushalten konnten denn auch nur in Pilotprojekten und unter Einführung von zusätzlichen Anzeigetafeln in den Wohnräumen erreicht werden.</p><p>Das Bundesamt für Energie (BFE) führt derzeit Forschungs- und Pilotprojekte im Bereich "smart meters" und "smart grids" durch, die den praktischen Nutzen für die Schweiz beleuchten.</p><p>1./2. Die obligatorische Einführung von intelligenten Stromzählern wurde bis anhin nicht geprüft.</p><p>3. Zurzeit ist die Einführung von "smart meters" in den meisten Ländern noch nicht abgeschlossen. Deswegen liegen noch keine konkreten Untersuchungen vor. In einzelnen Ländern, vor allem im skandinavischen Raum, wurde die Einführung aufgrund der Marktliberalisierung notwendig. In anderen Ländern (z. B. Italien) wurden die Zähler zwar eingeführt, aber noch nicht für spezielle Tarifmodelle verwendet (z. B. zur Reduktion von Lastspitzen).</p><p>4. "Smart meters" kosten je nach Umsetzungsstrategie bei der Installation in Europa zwischen 85 und 250 Euro pro Gerät. In der Schweiz werden heute "smart meters" im Bereich von 400 Franken angeboten. Dabei sind aber die allenfalls notwendige Datenfernauslesung, zusätzliche Anzeigetafeln oder Informatikinfrastruktur bei den Netzbetreibern noch nicht eingeschlossen.</p>  Antwort des Bundesrates.