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Man stelle sich vor: Mit 30 Saltos beginnt für die Artisten der Peking Oper um fünf Uhr früh der Tag. Will es der Meister, folgen eine Stunde später nochmals 30. Nicht weniger diszipliniert die Tänzerinnen und Tänzer: Sie trainieren seit vierjährig chinesische Folklore, Martial Arts, klassisches Ballett und in jüngerer Zeit auch amerikanischen Modern Dance sowie zeitgenössische Tanztechniken.
Anders wäre ein Stück wie «Eastern Current» nicht zu meistern. Es ist eine Produktion des Dance Forum Taipei mit Mitgliedern der chinesischen Oper Guoguang aus Taiwan. Damit wurde das Asien-Programm der Berner Tanztage gestartet.
Was für ein Sport, was für eine Kunst! Aber was will sie uns sagen? Die Perfektion ist atemberaubend und der militärische Drill macht einen schaudern. Dieser Zustand ist so andauernd (70 Minuten), dass mit der Zeit alle Gesten, Sprünge, Drehungen und Saltos zu einem Teppich werden mit Tupfern und Linien, aus blauen und roten Farben, den man betrachtet, und wenn man wegschaut, ist er immer noch da.
Dies hängt damit zusammen, dass das westliche Auge die östlichen Zeichen nicht lesen kann. Darum folgt nach der Vorstellung der Gang zum Publikumsgespräch. Und hätte dieses vorher stattgefunden, ohne Zweifel, hier stünde etwas anderes geschrieben.
Yang Ming-Lung und Lee Hsiao-Pin, die beiden künstlerischen Leiter, erzählen zum Beispiel, dass die Frauen mit ihren Trippelschritten und puppenhaften Bewegungen in der taiwanesischen Gesellschaft bis vor kurzem tatsächlich keine Stimme hatten, dass der General mit den vier Fahnen an seiner Macht mitunter schwer trägt und dass die Bilder als Reminder dafür stehen, dass sie für immer der Vergangenheit angehören sollten.
Asien-Boom hin oder her. Ohne Vermittlung bleibt nur das Staunen über das Exerzieren und die schönen Bilder.