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Nr. 911
Das Heimwesen «Gross-Rossberg», zu dem dieses Haus gehörte, liegt auf 1200 Meter ü.d.M. oberhalb von Brülisau im Kanton Appenzell Innerrhoden. Gleich hinter dem Haus beginnt die Zone der Alpsiedlungen. Sie reicht bis zu den Felswänden einiger der schönsten Ostschweizer Gipfel hinauf.
Der bäuerliche Alltag auf dem «Gross-Rossberg» ist weniger idyllisch. Bevor die neue Meliorationsstrasse gebaut worden ist, war der Hof nicht nur abgelegen, sondern auch schwierig zu bewirtschaften. Das regenreiche Klima der östlichen Voralpen lässt diesen Nordosthang selten trocken werden. Der Schnee liegt oft vom Oktober bis in den späten Frühling hinein. Doch für die Viehzucht und Weidewirtschaft eignen sich diese erst spät dem Wald abgerungenen Wiesen noch gut.
Hier, an der äussersten Grenze der Dauersiedlungen, erbaute sich 1754 Anton Josef Inauen ein Wohnhaus. Der Landwirtschaft diente ein vermutlich damals noch etwas abseits gelegener Heustall. Wann und von wem der aus dem Jahr 1621 stammende Stall an das Wohnhaus angebaut wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir nehmen an, dass dieses eindrückliche Ökonomiegebäude ursprünglich an einem anderen Ort stand.
Die Entstehungsgeschichte dieses «sekundären» Vielzweckhauses ist für das Appenzellerland fast bilderbuchhaft charakteristisch. Nahezu alle heutigen Appenzeller Vielzweckbauten sind durch das nachträgliche Zusammenfügen von Wohnteil und Stallscheune entstanden. Neben der Anordnung unter einem Kreuzfirst tritt auch das Hintereinanderstellen von beiden Baukörpern in Erscheinung.
Durch diese Bauweise konnten alle Funktionen des Bauernhauses unter einem einzigen, schützenden Dach vereint werden. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts maschinell hergestellte Eisennägel verfügbar wurden, umgab man die ursprünglich mit Brettern verschalten Häuser zusätzlich mit dichten Schindelschirmen. Das Bauernhaus vom Rossberg ist von mehr als 160’000 Schindeln eingehüllt.
Man betritt das Innere des Hauses über die «Vorbrugg», den geschützten Hofplatz. Hier sind die Ställe für die verschiedenen Tiergattungen (Kühe, Schweine, Hühner) aufgereiht. Die Haustür des 1754 erstellten Wohnbaus führt in die Küche, die auch zur Käseherstellung diente. Kachelofen und Einbaumöbel in der Stube befinden sich im originalen Zustand. Vom Käsekeller bis hinauf zur Dachkammer ist das Haus ebenso liebevoll wie fachkundig eingerichtet. Breite Kreise der Appenzeller Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass dieses einst dem Abbruch geweihte Kreuzfirsthaus zu einem lebendigen Beispiel der Innerrhoder Volkskultur geworden ist.
Das Brunnenhaus (Nr. 912) wurde von einem benachbarten Bauernhof kopiert.
Anton Josef lnauen:
Begründer der Molkenkuren
Anton Josef Inauen wurde 1722 geboren und starb am 7. Februar 1791 auf dem Rossberg. Er heiratete 1747 Antonia Magdalena Neff, die 1772 starb. Anton Josef Inauen gilt als der eigentliche Begründer der Molkenkuren im Appenzell. 1770 veranlasste er den Ochsenwirt in Gais zum Verkauf von Molke und belieferte ihn vom Rossberg aus bis um 1780. Sein Sohn Karl Jakob Inauen gründete 1790 die Molkenkur- und Badeanstalt im «Rietli», Weissbad. Die Nachkommen wurden daher mit dem Beinamen «Rietlis» belegt. Dendrochronologische Untersuchungen können nun der nur in groben Zügen bekannten Lebensgeschichte des «Schottensepps» einige Konturen verleihen. Die Altersbestimmungen des Holzes belegen, dass er das Rossberghaus im Frühsommer 1754 errichten liess.