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Die Zunfthäuser
Das erste genauer lokalisierbare Haus der Kramerzunft befand sich 1397 an der Brudergasse (Stadthausgasse). Im Jahr 1423 erwarben die Krämerzünfter das Haus zum schwarzen Rüden an der Oberstadt für 320 Gulden von Konrad von Fridingen. Dieser hatte es zuvor an einer Gant erworben. Erstmals erwähnt wurde die Liegenschaft 1390 als deren Besitzer Johannes Schultheiss und seine Gattin Margaretha Truchsess eine Jahreszeit zu St. Johann stifteten.
1541 fand eine gründliche Renovation des Gebäudes statt. Die auf der Stube lastenden Kernzinsen verschiedener Klöster (u.a. Allerheiligen, St. Agnes und Barfüsser) lösten die Krämer bis 1521 ab.
Der von 1780 bis 1787 dauernde Neubau des Hauses sollte die Zunft vor gravierende finanzielle Herausforderungen stellen. Durch den Kauf des Nachbarhauses «Zur Dankbarkeit» im Jahr 1777 und eines kleinen Teiles der Liegenschaft «Zum Buchsbaum» stand ein stattliches Grundstück für ehrgeizige Baupläne zur Verfügung. Mit 28,40 Meter entstand nicht nur der höchste First aller Altstadthäuser sondern im ersten Stock auch der geräumigste Festsaal in Schaffhausen. Das «Baukösten-Verzeichnis» im Stadtarchiv Schaffhausen gibt Auskunft über die einzelnen Etappen und ausführenden Handwerker. Es stammt aus der Feder von Johann Ludwig Peyer, der 1777, also dem Jahr des Grundstückzukaufs, als Mitglied der Gesellschaft zun Kaufleuten zum Rüden wechselte und von den Rüdenzünftern sogleich einstimmig zu ihrem Zunftmeister gewählt wurde! Bis zur endgültigen Bauabrechnung im Jahr 1801 gewährte Peyer der Zunft einen zinslosen Baukredit von fast 8‘000 Gulden. Insgesamt verschlang der Bau 33‘634 Gulden und führte zur Veräusserung des gesamten Zunftsilbers. Darüber hinaus mussten Ratsstellen seit 1786 mit hohen Geldbeträgen an den Zunftsäckel abgegolten werden (Zunftmeister 400 Gulden, Vogtrichter 200 Gulden, Ratsherr 120 Gulden, Urteilsprecher 66 Gulden). Der erste Bott im neuen Zunfthaus fand an Lichtmess (2. Februar) 1783 statt.
Nach dem Ende des Ancien Régimes und damit der Zunftverfassung in Schaffhausen stellte sich die Frage nach der Daseinsberechtigung der Gesellschaften und Zünfte und damit auch der nun kaum mehr für Versammlungen genutzten Häuser, deren Unterhalt bestritten werden musste. Bereits 1845 wurde ein Verkauf diskutiert. Im Jahr 1850 verpachtete man die Liegenschaft für einen jährlichen Zins von 125 Gulden an den Pastetenbäcker Jakob Ermatinger. Die unentgeltliche Benützung des Saals für die Versammlungen behielt sich die Zunft vor. Im Jahr 1862 erfolgte der Verkauf der Liegenschaft an die Kommanditgesellschaft Heinrich Oschwald, Bernhard Neher-Peyer im Hof und Konsorten. Die Kaufsumme von 42‘000 Franken kamen dem Zunft- sowie dem Witwen- und Waisenfonds zugute.
Im 20. Jahrhundert fanden im Zunfthaus zahlreiche Umbauten, vorab im Erdgeschoss statt. Beim 1947 erfolgten Umbau des Saales in ein Verkaufslokal wurden die Stukkaturen verschalt und dadurch zum grössten Teil erhalten. Sie erstrahlen seit 1996 nach einer umfassenden Renovation des gesamten Zunfthauses zum Rüden fast in altem Glanz. Die Kosten des Baues hatten jedoch den Konkurs der Eigentümerin, der «Stiftung Akademie für Fortbildung» im Jahr 1999 zur Folge. Seit 2002 ist der Zürcher Frauenverein die Besitzerin und führt das «Sorell Hotel Rüden» als Dreisternehaus.
Highlights des heutigen Zunfthauses zum Rüden sind das grosszügige Treppenhaus und des prächtige Festsaal in reinem Louis XVI-Stil. Die kunstvollen, 1783 bis 1784 entstandenen Gipsreliefs sind das Werk der Gebrüder Carl‘ Antonio und Giacinto Cattò aus «Mayland» sowie Carlo Ghezzi aus Lugano, von dem wohl der Entwurf stammte.