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Geschichte zuhören: die Tonsammlung der Journalistin Ruth Weiss als Quelle und Form der Geschichtsproduktion
Was hören wir, wenn wir Tondokumente nicht auf Text reduzieren? Das Paper bespricht diese Frage anhand von Beispielen aus einem Forschungsprojekt zu Biographie, Arbeit und Archiv der deutsch-südafrikanischen, jüdischen Journalistin Ruth Weiss. Ruth Weiss wurde 1924 in einer jüdischen Familie in Fürth geboren und floh 1936 nach Johannesburg. In den 1950er Jahren begann sie als Wirtschaftsjournalistin zu arbeiten und berichtete fortan für lokale und internationale Medien in Südafrika, Südrhodesien, England, Sambia, Deutschland und nach der Unabhängigkeit 1980 erneut in Simbabwe. Sie berichtete vor allem über Wirtschaft und Politik, aber auch über die Erfahrungen von Frauen in den Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika. In Deutschland wurde Ruth Weiss auch als Zeitzeugin bekannt und in der Schweiz amtete sie als Ehrenpräsidentin der Anti-Apartheid Bewegung.
Ruth Weiss sammelte während ihrer journalistischen Tätigkeit zahlreiche Manuskripte, Publikationen, Korrespondenzen, Fotografien und Tonbandkassetten, die sie dem Archiv der Basler Afrika Bibliographien (BAB) übergab. Die BAB digitalisierten zusammen mit der Schweizerischen Nationalphonotek und Memoriav rund 180 Kassetten. Die Tonsammlung beinhaltet Aufnahmen von Interviews, Pressekonferenzen, politischen Veranstaltungen und Konzerten. Weitere Aufnahmen von Ruth Weiss befinden sich im Archiv der Deutschen Welle, für die sie in den 1970er Jahren tätig war. Die Tonaufnahmen sind einerseits hochinteressant, weil darin zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus dem südlichen Afrika zur Sprache kommen. Andererseits bieten sie Einblicke in die Arbeit der Journalistin und erlauben uns, Hintergrundgeräuschen und Zufälligem zuzuhören. Als Dokumente, die mehr als Text sind, stellen sie eine methodologische Herausforderung für die Geschichtswissenschaft dar und regen zu einer kritischen Diskussion über Form, Multimedialität und Interdisziplinarität an.