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«Iraqi Odyssey» erzählt von einer irakischen Mittelstandsfamilie der 1950er Jahre die heute verstreut über den Globus in Diaspora lebt. Ihre Erinnerungen erzählen von einem hierzulande unbekannten Irak: Einer Zeit als westlich gekleidete Frauen an der Universität Bagdads Medizin studierten und rote Doppeldecker-Busse im fünf Minuten-Takt durch eine moderne Stadt fuhren. Erste Hochhäuser wurden gebaut und am Tigrisufer wurden öffentliche Parkanlagen erstellt. Überall war moderne arabische Musik zu hören, und in den Kinos liefen amerikanische, indische und arabische Filme, ohne Zensur.
Natürlich gab es auch noch Armut und Bettler in den Strassen. Doch die aufstrebende Mittelklasse liess sich in den 50er Jahren dadurch in ihrem Zukunftsglauben nicht beirren. Trotz Kritik an der kolonialen Tradition des Westens, lag eine erfrischende Stimmung in der Luft: vor allem in der Hoffnung, dass der technischer Fortschritt und die Teilhabe an der Moderne, die arabische Welt auf dasselbe gesellschaftliche Niveau heben werde wie den Rest der entwickelten Welt. Der arabische Ausdruck dafür war «Nahda». Damit war eine «Renaissance», oder «Wiedergeburt» der arabischen Welt gemeint.
Fünfzig Jahre später ist nichts mehr übrig von diesen Träumen im Irak: Vierzig Jahre Diktatur, dreissig Jahre Krieg, zehn Jahre Embargo und der Auszug der gesamten gebildeten Mittelklasse haben zum Ruin eines Landes geführt, und es zum Tummelfeld von religiös-politischen Terroristen und Warlords gemacht. Niemand kennt die Zahlen genau, aber heute leben zwischen vier bis fünf Millionen Irakis ausserhalb ihres Landes.
Dazu gehören auch fast alle Familienmitglieder der Familie von Samir, der nun anhand seiner „globalisierten“ Familie den relevanten Fragen nachgeht zur Geschichte, zur Identität und zur konkreten Politik im Nahen Osten.