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Ohnmacht der Obrigkeiten in der Stadt: Bewältigung von Subsistenzkrisen bis zum Ende des Ancien Régimes
Freitag, 10. Juni
11:15 bis 12:45 Uhr
Raum 2098
Mit der Entstehung von Stadtgemeinden im Verlauf des Hoch- und Spätmittelalters bildeten sich städtische Obrigkeiten heraus, die sich aus einem Rat, später vielerorts aus zwei unterschiedlich grossen und einflussreichen Räten und weiteren Amtsträgern zusammensetzten. Abhängig vom Umfang der Privilegien, mit denen die Städte ausgestattet waren, oblag dieser Obrigkeit die Verwaltung der Gemeinde sowie die legislative, judikative und exekutive Gewalt. Sie war somit im Besitz vielseitiger Macht gegenüber Bürgern und allfälligen Untertanen ausserhalb der Stadtmauern. Zu den wichtigsten obrigkeitlichen Aufgaben gehörten die Wahrung des Friedens und der christlichen Moral, die Erhaltung der Rechtsordnung und die Subsistenzsicherung der Untertanen. Gerade Teuerung und Subsistenzkrisen kehrten in unregelmässiger Regelmässigkeit wieder und versetzten die Obrigkeiten meistens in einen Zustand der Rat- und Hilflosigkeit.
Dieses Panel beschäftigt sich mit der Macht und Ohnmacht städtischer Obrigkeiten im Angesicht von Subsistenzkrisen, die in vielen Fällen durch extreme Witterungsereignisse ausgelöst wurden. Im Zentrum stehen dabei folgende Fragen: Wann sind städtische Gesellschaften von Krisen dieser Art in der Zeitspanne vom Mittelalter bis zum Ausgang des Ancien Régimes betroffen? Welche Massnahmen konnten städtische Obrigkeiten dagegen ergreifen und welcher Handlungsspielraum blieb ihnen dabei? Wie erfolgreich waren diese Massnahmen, beziehungsweise inwiefern manifestierten sich Macht und Ohnmacht der Obrigkeiten angesichts von Subsistenzkrisen? Der erste Vortrag von Chantal Camenisch stellt obrigkeitlich organisierte Bewältigungs- und Anpassungsstrategien der Städte Bern und Freiburg während Subsistenzkrisen vom Spätmittelalter bis zum Ende des Ancien Régimes vor. Im zweiten Vortrag befasst sich Laurent Litzenburger mit dem Witterungsverlauf, dessen Folgen und der entsprechenden Reaktion der Obrigkeiten in Metz zwischen 1400 und 1530. Daniel Krämer bietet in einem dritten Vortrag einen Überblick über die Teuerungspolitik städtischer Obrigkeiten während der letzten grossen Hungersnot in der Schweiz in den Jahren 1816/1817. Dabei zeigt er unterschiedliche Massnahmen und deren Erfolg oder Misserfolg in verschiedenen Landesteilen auf.
Verantwortung
ReferentInnen
Referate
- Ratsherren unter Zugzwang. Massnahmen und Bewältigungsstrategien während Subsistenzkrisen in Bern und Freiburg vom Spätmittelalter bis zum Ende des Ancien Régimes
- Pouvoir et impuissance des autorités urbaines face aux crises de la fin du Moyen Âge : l’exemple de Metz (XIVe-XVIe siècles)
- Die Teuerungspolitik städtischer und kantonaler Obrigkeiten in der Hungerkrise 1816/17 in der Schweiz und ihre Auswirkungen auf die sozio-ökonomische Verletzlichkeit der Gesellschaft