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Histogenese der Kleinhirnrinde
Die Entwicklung des Kleinhirns geht von den vorderen Rautenlippen, also vom Metencephalon aus (schrafffierter Bereich in untenstehender Abbildung). Die Kleinhirnentwicklung setzt in der 5. Woche (Stadium 14 - 16) ein und wird erst nach der Geburt abgeschlossen. Eine ausführliche Darstellung der Entwicklungsvorgänge findet sich in Kapitel 22.7.
Im Kleinhirn liegt die graue Substanz in zweierlei Erscheinungsformen vor: an der Oberfläche als Kleinhirnrinde und in der Tiefe als Kerngebiete. Jedes Kerngebiet stellt als Umschaltstelle zwischen Kleinhirnrinde und anderen Hirnabschnitten eine funktionelle Einheit dar.
Beidseits der Medianen lassen sich je 4 Kerngebiete unterscheiden:
- Der Nucleus dentatus, welcher zum Neocerebellum gehört
- Der Nucleus fastigii, welcher zum Archicerebellum zählt
- Die Nuclei globosus und emboliformis des Paläocerebellums
Die Gewebearchitektur des Kleinhirns ist sehr homogen.
Die Kleinhirnrinde (Cortex cerebelli) gliedert sich in drei Schichten (Molekularschicht, Purkinje-Zellschicht und Körnerzellschicht). Zuführende und wegführende Fasern bilden ein regelmässiges geometrisches Geflecht.
Unterschungen weisen darauf hin, dass die Histogenese des Kleinhirns von zwei verschiedenen Germinativzonen ausgeht. Es sind dies:
- Die innere Keimschicht (Subventrikulärzone) der Flügelplatten des Metencephalons
- Der rostrale Teil der Rautenlippen (dorsolateraler Teil der Flügelplatten) (siehe untenstehende Abbildung)
Aus der inneren Keimschicht gehen jene Zellen hervor, welche nach lateraler Auswanderung von der 6 bis zur 8 Woche die tiefen Kleinhirnkerne bilden (Stadium 15 - 23).
Um die 9. Woche entstehen in der Ventrikulärzone die Neuroblasten, aus denen die Purkinje-Zellen hervorgehen. Diese wandern der Radiärfaserglia (Bergmann-Glia) entlang an ihren Bestimmungsort. Obschon früh angelegt, entwickeln diese Zellen ihre Dendriten in der Molekularschicht erst zwischen der 16. und der 28. Woche nach der Geburt. Die Entwicklung der neuronalen Netzwerke dieser Zellen erstreckt sich sogar noch darüber hinaus.
Jede Purkinje-Zelle stellt einen synaptischen Kontakt zu einem Kleinhirnkern her, sind doch die Axonen der Purkinje-Zellen die einzigen, die die Rinde verlassen.
Nach Bildung der Kleinhirnkerne sowie der Purkinje-Zellen geht aus der Ventrikulärschicht noch eine dritte Generation von Neuronen hervor. Es sind dies die Sternzellen, die Korbzellen und die Golgi-Zellen.
Im Gegensatz zu diesen Zellen, gehen die Körnerzellen aus einer gesonderten Germinativzone hervor, die rostral und dorsolateral in den Rautenlippen zu finden ist. Diese Zellen besiedeln ab der 11. Woche die Kleinhirnoberfläche und bilden dort die äussere Keimschicht.
Anschliessend verlassen die Körnerzellen diese transiente Schicht und wandern bis unter die Purkinje-Zellschicht in die Tiefe, so dass in diesem Bereich die innere Körnerschicht entsteht.
Diese Zellwanderung hält bis einige Jahre über die Geburt hinaus an, bis die äussere Körnerschicht letztlich verschwindet.
Steckbrief Kleinhirn (Mensch)
- Gesamtoberfläche der Kleinhirnrinde: 50 cm2
- Gewicht des Kleinhirns beim Adulten: 150 g
- Gewicht des Kleinhirns beim Neugeborenen: 21 g
- Zahl der Purkinje-Zellen: 15 – 26 Millionen