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14/10/2020
Rafael Nadal als Turniersieger! Doch war es dieses Jahr so "selbstverständlich" wie auch schon? Viele Experten meinten vor dem Turnier, dass es für Nadal ganz schwer werden würde. Die Verlegung in den Herbst verbunden mit kälteren Temperaturen, die kurze Vorbereitungszeit auf Sand mit gerade einmal einem Vorbereitungsturnier in Rom, die fehlende Matchpraxis insgesamt, da er auf die US Open verzichtet hatte und zudem betonte Nadal selbst, dass ihm auch die neuen Bälle, welche dieses Jahr zum Einsatz kamen, gar nicht liegen würden...
Nun, all diese Bedenken entpuppten sich nur als kleine Hindernisse für den Überflieger auf Sand. Am Ende triumphierte Nadal magistral mit einer grandiosen Leistung im Finale gegen Novak Djokovic. Keinen einzigen Satz musste er im gesamten Turnierverlauf abgeben und gewann somit die French Open zum 13. Mal - was für eine Dominanz in Roland Garros, seit er im Jahre 2005 das Turnier zum ersten Mal gewann. Am Ende überstrahlte Nadal alles, doch für Aufsehen sorgte auch ein 20-jähriger Franzose, der mit einer Wild-Card ins Turnier startete und erst sein 2. Grand-Slam-Turnier spielte. In Runde 3 bezwang Hugo Gaston, in der Weltrangliste an Position 239 geführt, Stan Wawrinka in fünf Sätzen und brillierte mit variantenreichem Tennis. Immer wieder streute er auch Drop-Shots ein. Im Achtelfinale gegen Dominic Thiem ein ähnliches Bild. Er forderte dem frisch gebackenen US-Open-Sieger alles ab und verlor nur knapp in fünf Sätzen. Am Schluss zeigte die Statistik die unglaubliche Zahl von 58 Stoppbällen. In 40 Fällen mit anschliessendem Punktgewinn.
Ganz anders einmal mehr die Situation im Damen-Einzel. Als Topfavoritin angetreten war Simona Halep, doch das Feld war weit offen, der Favoritenkreis entsprechend gross. Schon früh verabschiedeten sich einige der Topgesetzten. Simona Halep machte dagegen einen sehr souveränen Eindruck und untermauerte ihre Ambitionen - bis zum Achtelfinale...
Dort traf sie auf die 19-jährige Polin Iga Swiatek. Eine klare Sache? In der Tat, doch erstaunlicherweise nicht zu Gunsten von Halep. Vielmehr war es die junge Polin, welche die Partie von Anfang an dominierte und mit 6:1 und 6:2 gewann. Ein Paukenschlag und für alle Beobachter war klar: Iga Swiatek hat das Potential, um bereits hier den ganz grossen Wurf zu landen. Sie spielt variabel, nimmt die Bälle äusserst früh und diktiert auf diese Weise fast immer die Ballwechsel. Gleichzeitig wirkt sie ruhig und selbstbewusst. Es erinnert stark an die Auftritte von Bianca Andreescu, welche letztes Jahr die Aufsteigerin der Saison war und die US Open gewinnen konnte. Der Eindruck täuscht nicht - wie Andreescu hat sich auch Iga Swiatek bereits in jungen Jahren mit dem mentalen Bereich auseinandergesetzt und gezielt daran gearbeitet. Ihre Mental-Trainerin, eine ehemalige Profi-Seglerin, ist auch in Paris anwesend und wird von ihr bei der Siegerehrung explizit erwähnt. Neben ihrem Vater habe sie einen grossen Anteil am Erfolg und habe auch vor dem Finale das richtige Rezept gefunden.
"Verinnerliche deine Routinen und wende sie an, ändere wenig in den Abläufen auf dem Platz und gehe in dieses Match wie in ein ganz normales Erstrundenspiel"
Finale? Ja, denn Swiatek liess sich nach dem Coup gegen Halep nicht mehr aufhalten. Sowohl das Viertelfinale als auch das Halbfinale waren klare Angelegenheiten und auch ihre Finalgegnerin, Sofia Kenin, welche zu Beginn des Jahres die Australian Open gewinnen konnte, war letztlich chancenlos. Wie Nadal verlor auch Swiatek keinen einzigen Satz, nicht einmal einen "Long-Set" musste sie spielen. Noch fast als "No-Name" ins Turnier gestiegen, grüsste sie zwei Wochen später als Turniersiegerin und zeigte erst bei der Siegerehrung auf ganz sympathische Weise ihre Unerfahrenheit.