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Ich fragte den Alten, warum er so fest daran glaube, dass der Schlüssel für die Mordserie in der Offenbarung Johannis zu finden sei. Er sah mich erstaunt an: «Die Apokalypse ist der Schlüssel für alles!»
Umberto Eco: Der Name der Rose. München 1982.
Als er an jenem Morgen aufwachte – es war an einem kühlen Frühlingstag in den Bergen des kalabresischen Silagebirges etwa um das Jahr 1185 –, hatte er noch keine Ahnung, was er mit den Folgen seiner nächtlichen Schau anrichten würde. Er war nur froh, dass er die Lösung eines Problems, das ihn lange am Vorankommen bei seiner selbstgestellten Aufgabe gehindert hatte, endlich gefunden hatte. Im Schlaf war er darauf gekommen, in einer nächtlichen Vision, die, so würde es später heissen, zu den folgenreichsten Ereignissen der mittelalterlichen Geistesgeschichte zählen sollte.
Der Klosterbewohner, ein keineswegs schwärmerisch veranlagter, durchaus weltkundiger Mann mittleren Alters, hatte mindestens einmal zuvor eine ähnliche Erfahrung gemacht, bei der ihm die Lösung eines intellektuellen Problems in einer Vision erschien. In beiden Fällen ging es nicht um persönliche oder konkrete historische Fragen, sondern um viel Grösseres, das den Abt dennoch in ganz existenzieller Weise beschäftigte. Die Vision des Joachim von Fiore – denn von ihm ist die Rede – schenkte der Menschheit eine neue Aufgabe. Apokalyptisches Denken war von nun an nie wieder dasselbe, sondern war geprägt vom Anspruch des Menschen, mit schöpferischer Schaffenskraft die letzten Tage der Menschheit gestalterisch zu durchdringen und sich seiner zeitlichen und ewigen Bestimmung näherzubringen. Mit Joachim von Fiore und seiner Vision der letzten Dinge begann für das apokalyptische Denken eine neue Zeitrechnung.
Der Begriff Apokalypse wird geradezu inflationär verwendet. Kürzlich zeigte der Sender Arte einen Bericht über einen in Frankreich gelegenen Panzerfriedhof aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Relikte wurden teils bald nach dem Krieg von findigen Kaufleuten vor Ort ziviler Verwendung zugeführt, teils der Natur überlassen, wo die rostenden Panzer heute von Tieren benutzt werden, denen sie während der Jagdsaison Zuflucht bieten. Ein weiterer Teil ist im Einsatz als eine Art grotesker Kriegsspielplatz für BesucherInnen, denen, wie der Betreiber des Ortes versichert, sowohl der Nervenkitzel angesichts der Schrecken des Krieges als auch die Hoffnung, dass sich ein solcher Krieg nie mehr wiederhole, nahegebracht werden soll. Das Wort Apokalypse kam dabei gefühlt in jedem zweiten Satz des Panzer- und Friedensenthusiasten vor.
Die lange und wechselvolle Geschichte der Apokalypse des Johannes seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert scheint sogar solche Interpretationen, so wirr sie klingen, zuzulassen. Und in der Tat ist die Offenbarung selbst ja auch eine Geschichte von Schrecken und Ängsten, gleichzeitig voller Furcht und atemloser Hoffnung. Wenn wir uns der Perspektive ihrer mittelalterlichen Leser (und, seltener, Leserinnen) annähern, ist es mehr als nur ein Gedankenspiel, uns dabei vorzustellen, dass diese Leser ebenso voller Sehnsucht nach Sicherheit, nach Gewissheiten, nach Trost, aber auch nach Nervenkitzel und Sensationslust waren wie wir – bei aller Fremdheit aufgrund des «garstigen Grabens der Geschichte». Es gab bekanntlich gute Gründe dafür, dass die Apokalypse seit ihrer Entstehung umstritten war und Jahrhunderte lang kontrovers diskutiert wurde. Dennoch ist sie unter allen biblischen Büchern dasjenige, das in der Geschichte der Exegese am meisten kommentiert, neu interpretiert und natürlich auch gelesen wurde – mit Salomos bilderreichen Hohelied der Liebe als alttestamentlichem Counterpart. Ist wirklich jemand darüber erstaunt?
Es mutet uns naiv an zu lesen, wie der greise Benediktiner in Umberto Ecos Rosenroman seinem Besucher Adson von Melk mit grossem Nachdruck die Apokalypse als «Schlüssel für alles» empfiehlt – sogar für die düsteren und geheimnisvollen Mordtaten, die die norditalienische Abtei, in der der Roman spielt, gerade erst erschüttert hatten. Und doch: Ist unsere Gegenwart tatsächlich so viel reflektierter, so viel abgeklärter als die Vorstellungen des mittelalterlichen Benediktiners? Im Vergleich mit Umberto Ecos mittelalterlichem Mönch befinden wir heutige LeserInnen der Apokalypse uns in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Wir müssen mit ihrer Hilfe keine Kriminalfälle lösen. Und dank der langen Zeit, die seit ihrer Entstehung vergangen ist, sind die Dimensionen der darin beschriebenen universalen Katastrophen geschrumpft. Sich verdunkelnde Himmel, Erdbeben und Meere von Blut sind in der Moderne zwar keineswegs Vergangenheit, schon gar nicht angesichts von Klimawandel und nie gekannten Wetterphänomenen. Aber diese Katastrophen haben ihre kosmischen und eschatologischen Dimensionen verloren. Allenfalls bringt die Apokalypse gelegentlich noch TheologInnen in Verlegenheit, die mit einer zeitgemässen Interpretation in der Predigt ihre Schwierigkeiten bekommen dürften – falls sich das Problem überhaupt stellt, denn zum Glück hat die Bibel ja noch viele andere, zugänglichere Texte. Ist, was bleibt, nur noch ein intellektuelles Spiel, «a trick of thought»?
Begrifflichkeit und Bildersprache dieser vergangenen Welt sind erstaunlich gegenwärtig. Noch heute stehen sie für eine abgrundtiefe und unausweichliche Bedrohung, düstere Visionen eines bevorstehenden Weltendes, das allerdings weniger kosmisch und schon gar nicht mehr eschatologisch gedacht wird, sondern lokal begrenzt oder sogar auf Individuen beschränkt sein kann. Francis Ford Coppolas Film Apocalypse Now aus dem Jahr 1979, der auf Joseph Conrads Heart of Darkness beruht, wurde zum Prototyp moderner Apokalyptik: Ihre Apokalypsen, oder vielmehr die ihrer HeldInnen, sind von und für Menschen gemacht. Die ProtagonistInnen erleben sich als hilflos in einer absurden und ausweglosen Situation, gestrandet bei der hoffnungslos gewordenen Suche nach absoluten Werten, wenn die Unterscheidung zwischen Gut und Böse abhandengekommen zu sein scheint. Doch mit diesen modernen Aspekten, und ohne Rekurs auf die Vorgeschichte des Begriffs, ist die volle Bedeutung der Apokalyptik noch lange nicht ausreichend erfasst.
Apokalyptik steht für die Suche nach der Antwort auf mindestens eine der beiden grossen Fragen der Menschheit, den Fragen nach dem Woher und Wohin ihrer Existenz. So universell diese Fragen sind, so individuell sind heute die Antworten darauf. Die Frage nach dem Woher des Menschen scheint von kontinuierlichem Interesse. Demgegenüber ist die Intensität, mit der die Frage nach der Zukunft des Menschen gestellt wird, unvergleichlich stärkeren Schwankungen unterworfen. Vor knapp zwei Jahrzehnten waren es die Faszination des Millenniums und die Frage nach einem baldigen Weltende, die plötzlich überall aufpoppten und seither mit jeder neuen, grösseren und unüberbietbareren Katastrophe von 9/11 über unbeirrbare Vulkane im fernen Island, dem bedrohlichen Aufkommen des IS bis hin zu politischen Erdrutschen kleiner oder grösserer Dimension bemüht werden.
Zukunftsprognosen wie die der Apokalypse, die in Zeiten der Krise besondere Konjunktur haben, sind keinesfalls Selbstzweck; sie entfalten ihre Wirkung vor allem in der Gegenwart, für die sie Handlungsanweisung, und bezüglich der Vergangenheit, für die sie Interpretationshilfe werden wollen. Während die Beschäftigung mit solchen Prognosen in der Vergangenheit vor allem Theologen oblag, wird sie heute von anderen Berufsgruppen übernommen: AstrologInnen, PolitikberaterInnen oder Wirtschaftsweisen. Titel und Vorzeichen ihrer Tätigkeit mögen anders lauten; der ihr zugrundeliegende Wunsch, durch das Erkennen der inneren Zusammenhänge einer vielleicht nicht mehr als eschatologisch, so doch als überzeitlich angesehenen Zukunft der menschlichen Vergänglichkeit und ihrer Vergeblichkeit enthoben zu werden, ist stets derselbe.
Wer sich mit Apokalyptik beschäftigt, muss Extreme aushalten können (oder wollen). apokalyptein bedeutet offenbaren, und eine gewisse Nähe zu Enthüllungsjournalismus war der Apokalyptik nie abzusprechen. Das klassische Zeitalter der christlichen Apokalyptik, nach Ernst Käsemann die Mutter der christlichen Theologie, sind die ersten beiden Jahrhunderte nach Christi Geburt. Die apokalyptische Weltsicht der frühen Jahrzehnte war der Naherwartung geschuldet: Die ersten ChristInnen waren überzeugt, dass die Wiederkunft Jesu und das Ende der Welt bald bevorstehen werden. Die spätere apokalyptische Bewegung war vermutlich eine Reaktion auf die sogenannte Parusieverzögerung, das Problem also, dass die verheissene Wiederkehr Christi noch auf sich warten liess. In jedem Fall bedingt die neutestamentliche Apokalyptik eine intensive Beschäftigung mit dem erwarteten Weltende. Dabei waren die Gläubigen immer der festen Überzeugung, sich im Besitz von geheimen Erkenntnissen über den Ablauf und das Ziel des Weltendes zu befinden, und sie versuchten mit der Apokalypse als Leitfaden die Geschichte zu systematisieren und ihr Ziel anzupeilen. Eine existenzielle, keine akademische Aufgabe: Denn dieses Ziel ist nichts geringeres als die Bestimmung des Menschen zum ewigen Heil, die im Neuen Testament Gewissheit ist. Ihre eigene, nicht immer glanzvolle, oft sogar aussichtslose Gegenwart wurde im Blick auf eine erhoffte und in naher Zukunft erwartete Endzeit mühelos aufgehoben.
Mit der Gewissheit des ewigen Heils überstanden die ChristInnen nicht nur der ersten Jahrhunderte Verfolgungen. Dieselbe Gewissheit half noch christlichen SklavInnen weisser SklavenhalterInnen der Moderne, unmenschliche Bedingungen zu überleben, so lange nur ihre Seelen Anspruch auf dieselben Rechte im Jenseits haben würden, die ihre weissen Unterdrücker schon im Diesseits für sich beanspruchten. Die leuchtendsten Bilder der ewigen Seligkeit, aber auch die grellsten Höllenflammen und gellendsten Schreie der SünderInnen stellte man sich immer dann vor, wenn das Diesseits allzu unerträglich wurde, wenn die Hoffnung auf eine bessere Zukunft fast starb und die Gegenwart nur in der Erwartung der Ewigkeit überstanden werden konnte. Auch der Kirchenvater Augustinus schrieb sein Werk über den künftigen Gottesstaat in einer historischen Situation, die sein bisheriges und vergleichsweise gemütliches Weltbild auf den Kopf gestellt haben muss: Jahrzehnte nach der Christianisierung des römischen Weltreiches wurden dessen Hauptstadt und später auch seine eigene nordafrikanische Heimat erobert und zerstört. In einer hoffnungslosen Situation kann die Hoffnung aufs Jenseits zur schmerzstillenden Therapie werden, vielleicht sogar zur betäubenden Droge.
Ist die Funktion der Schilderungen künftigen Glücks und Seligkeit eindeutig, so ist die Absicht von Schreckensbildern eine doppelte. Vor ihrem dunklen Hintergrund erscheinen die Freuden der Erlösten umso strahlender und der Ruf zur Umkehr umso dringlicher. Das Spektrum dieser Bedrohungen, denen die Kirche im apokalyptischen Denken der Gläubigen ausgesetzt war, konnte dabei von militärischen Bedrohungen bis zur inneren Krise reichen.
Auch für den Visionär Joachim von Fiore, von dem eingangs die Rede war, zählten die Reformbedürftigkeit der Kirche sowie ihre inneren und äusseren Nöte etwa angesichts der Krise im Heiligen Land, der politischen Unsicherheiten der Zeit und einer wachsenden Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu seinen zentralen Anliegen. Doch nicht zu Unrecht liessen seine LeserInnen mit ihm eine neue Ära apokalyptischen Denkens beginnen. Joachim hatte das bis dahin geltende starre Welt- und Geschichtsbild des Augustinus aufgebrochen. Er erwartete nach der Zeit Gottvaters und der Offenbarung des Gottessohnes eine weitere, höhere Offenbarung. Ihr verborgener Beginn war bereits in der Osternacht geschehen, als der auferstandene Christus den Buchstaben der Schrift durch die Gabe des Heiligen Geistes ersetzte, der lebendig macht.
Mit dieser Verheissung eines künftigen Geistzeitalters aus dem Licht der Osternacht eröffnete Joachim ein neues Verständnis der Schrift. Der kalabresische Abt und seine NachfolgerInnen wussten sich geleitet von den Visionen der Apokalypse und den gelehrten Traditionen ihrer Kirche, auf deren Boden sie sich sahen. Zusammen würden sie die künftige Kirche, weniger Amts- als Geistkirche, in eine Zukunft von nie gekannter Klarheit und geistiger Freiheit begleiten.
Mit dieser Vision begann in den Augen Joachims ein neues Zeitalter. Er prophezeite erstmals eine noch ausstehende Höherentwicklung des Menschen zu seiner ewigen Bestimmung, die nicht erst nach dem Weltende zu erwarten ist, sondern noch innerhalb der irdischen Zeitrechnung. Die britische Gelehrte Marjorie Reeves nannte dies die Speerspitze des Fortschrittsgedankens: Indem dem Menschen die eigene Optimierung ermöglicht wird, ist er aus der erzwungenen Passivität des alten Offenbarungskontextes befreit und in eine ungeahnte Freiheit entlassen. Und wenn in den Schriften des Alten und Neuen Testaments nicht schon alles gesagt ist, braucht der Mensch dieser Zukunft ein offenes Ohr. Mehr noch: Wenn die höhere Entwicklung des Menschengeschlechtes noch aussteht, gibt es keinen Grund, nicht an eine bessere Zukunft zu glauben. Seit der Vision Joachims von Fiore hält der Mensch sein Schicksal in Händen. Gäbe es das Wort Apokalypse nicht, man hätte es für Joachim erfinden müssen.
Die erste Apokalypse begann eigentlich schon lange zuvor. Sie ist sogar älter als jedes Buch der Bibel. Die erste Offenbarung findet schon im Garten Eden statt. Indem Adam und Eva von der verbotenen Frucht essen, wird ihnen die zuvor verborgene Selbsterkenntnis zuteil, werden die ersten Fragen nach ihrer eigenen Bestimmung laut. Seit Immanuel Kant wird der Sündenfall positiv interpretiert: der vermeintliche Abfall ist ein Schritt zur Selbstbestimmtheit und -erkenntnis. Gleichzeitig ist hier der erste Beleg für eine Tendenz moderner Apokalyptik: Der angelus interpres hat seine Rolle ausgespielt. Kein Gott, kein Engel mehr nehmen den Menschen an der Hand. Der Mensch selbst stellt Fragen und entscheidet, welchen Perspektiven er sich öffnet. Er erlebt, tastend und unsicher, die Apokalypse seines Menschseins. Er verliert auf der Suche nach der Erkenntnis alle gewohnte Sicherheit und mitunter, wie bei Conrad und Coppola, sogar das eigene Leben. Das Weltende, das bei Johannes von Patmos und den mittelalterlichen Sehern ein kosmisches Ereignis war, wird zum ganz persönlichen Showdown, zur Apokalypse des Einzelnen. Auf der Suche nach der Identität von Gut und Böse verschwimmen Grenzen.
Solch ein moderner Sucher ist der Held der Romane des Engländers Ian Fleming. Während sein Bruder Peter in den 1930er Jahren auf der Suche nach den eigenen Grenzen das Innere Asiens durchstreifte, erfand Ian Fleming einen Helden, für den am Ende nicht einmal die Welt gross genug erschien. Ich meine natürlich James Bond. In Casino Royal erfährt er die einzelnen Akte des apokalyptischen Dramas von Verfolgung und Folter, Kampf und Triumph der Gerechtigkeit. Nur dieses eine Mal beginnt sich James Bond, während einer Zwangspause im Krankenhausbett, zu fragen, ob die Identitäten von Gut und Böse wirklich so klar sind, wie sie zu sein scheinen. Doch er wird rasch von einem erfahrenen Agenten auf den geraden Weg von Recht und Ordnung zurückgeführt. Für das Nachsinnen über Leben und Tod wird er nur noch en passant Zeit finden, bei einem doppelten Bourbon vor dem Abflug zum nächsten Abenteuer.
Vielleicht ist unsere Zeit endgültig zu schnelllebig geworden, wenn nur noch in VIP-Lounges oder Extremsituationen Gelegenheit besteht, der Ewigkeit ins Auge zu blicken, über Wahrheit und Gerechtigkeit und das eigene Selbst nachzudenken. Das Bewusstsein der Entscheidungsmöglichkeit, den von Augustinus bis Luther heiss diskutierten, abwechselnd gepriesenen und verteufelten freien Willen dazu haben wir schliesslich schon seit Adam und Eva.
Joachim von Fiore eröffnet seinen LeserInnen bis heute die Möglichkeit, sich in der Hoffnung auf ein irdisches Paradies der Zukunft zu stellen, in der sie ihre ewige Bestimmung erkennen. Vielleicht sind die Erkenntnismöglichkeiten mehr, die Gewissheiten geringer geworden. Anders als heute wusste sich der mittelalterliche Mensch mitten im Leben vom Tod umfangen, gab es für ihn seit Urzeiten die Vorstellung von Ein- und Ausgängen der Unterwelt auf der Erdoberfläche, Leitern, die wie die Jakobs bis in den obersten Himmel reichten, und Engel, die den Menschen auf ihrem Weg in die jenseitigen Gefilde bei der Hand nahmen: Das Bewusstsein der jenseitigen Welt, die er wie einem dunklen Spiegel erblickte, war ihm immer gegenwärtig. Doch das Tor zur Ewigkeit steht noch immer offen. Um dem Theologen Klaus Berger zu folgen: Lassen wir uns von dem Lächeln des Engels erheitern.
○Joachim von Fiore (gestorben 1202), Abt und Ordensgründer, stammt aus der Stadt Celico bei Cosenza
und gründete nach einer Zeit als Zisterzienserabt seinen eigenen Orden in den Bergen des Silagebirges, den der Florenser. Er war ein gelehrter Exeget und galt bereits seinen Zeitgenossen, darunter auch Päpsten und weltlichen Herrschern, als Experte in Sachen Prophetie und Antichrist. Zu seinen wichtigsten Werken zählt sein noch unedierter Apokalypsenkommentar, das Psalterium decem chordarum über den Heiligen Geist, und der Liber figurarum, in dem er sein Denken in graphischen Darstellungen und Texten erläuterte.