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Umstrittener Cybersecurity-Pionier John McAfee ist totUhr
John McAfee soll sich das Leben genommen haben. Der Cybersecurity-Pionier, der zum Enfant Terrible der Branche wurde, hatte zuvor noch versucht, eine Auslieferung an die USA zu verhindern. Dort war er wegen Steuerhinterziehung und Geldwäscherei angeklagt.
John McAfee ist tot. Der US-amerikanische Unternehmer und Cybersecurity-Pionier wurde tot in seiner Gefängniszelle in Spanien gefunden, wie "Reuters" berichtet. Seit seiner Verhaftung Anfang Oktober wartete er dort auf eine Entscheidung des spanischen Obersten Gerichtshofs (Tribunal Supremo), ob er an die USA ausgeliefert werde oder nicht.
In einer Anhörung vor Gericht hatte der 75-jährige McAfee im Mai noch versucht, eine Auslieferung zu verhindern. Denn bei einer Verurteilung in den USA hätte er wohl den Rest seines Lebens im Gefängnis verbracht. "Ich hoffe, dass der Oberste Gerichtshof die Ungerechtigkeit erkennt", zitiert ihn "Reuters". "Die USA wollen an mir ein Exempel statuieren."
Wegen Steuerhinterziehung und Geldwäscherei angeklagt
Das Gericht entschied sich am 23. Juni für eine Auslieferung an die USA. Kurz darauf erhängte McAfee sich gemäss seinem Anwalt Javier Villalba in seiner Zelle. Die 9 Monate im Gefängnis hätten ihn zur Verzweiflung gebracht.
Die USA hatten Anklage gegen ihn erhoben wegen Steuerhinterziehung und Verschwörung zur Geldwäscherei in mehreren Punkten. Nach eigenen Angaben hatte er 2019 bereits seit 8 Jahren keine Einkommenssteuer mehr gezahlt.
John McAfee, wie er sich selbst auf Twitter inszenierte. (Source: Screenshot / https://twitter.com/officialmcafee)
Die erste Anklageschrift wurde im Oktober 2020 und die zweite im März 2021 veröffentlicht. Bei einer Verurteilung hätte er zu einer Haftstrafe von mehreren Jahrzehnten sowie Geldstrafen in Millionenhöhe verurteilt werden können. Lesen Sie hier mehr zu den Vorwürfen gegen McAfee und seiner Verhaftung.
Vom Cybersecurity-Pionier zum Enfant terrible der Branche
John McAfee hatte zuvor für NASA, Xerox und Lockheed Martin gearbeitet, bevor er 1987 seine eigene Firma gründete: McAfee - einer der ersten Anbieter kommerzieller Antivirenlösungen.
Die Firma - oder zumindest ihr Name - existiert noch immer. John McAfee und das Unternehmen McAfee sind allerdings schon seit Jahren zweierlei. 1996 verkaufte er die letzten Anteile seiner Firma. Diese wurde 2011 von Intel für 6,7 Milliarden US-Dollar übernommen. 2017 wurde das Security-Unternehmen wieder eigenständig. Im laufenden Jahr verkaufte McAfee das B2B-Geschäft für 4 Milliarden US-Dollar an die Symphony Technology Group, wie Sie hier nachlesen können.
John McAfees Leben wurde seit dem Verkauf seiner Firma nur skurriler und skurriler. Nach der Intel-Übernahme veröffentlichte er etwa einen Aufruf auf Youtube. Darin warnte er vor angeblichen Gefahren seiner eigenen Software.
2015 versuchte er erfolglos als Kandidat seiner eigenen Cyber-Partei Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Ein Jahr darauf kaufte er die kleine US-amerikanische Firma MGT Capital Investments. Der Name wurde kurzerhand in John McAfee Global Technologies geändert und die Ausrichtung von Onlinegaming zu Cybersecurity verschoben. Mit der Firma wollte McAfee ein Smartphone mit physischen Schaltern auf den Markt bringen.
Mordverdacht und ein Tanga im Gesicht
Für mehr Aufsehen sorgten allerdings seine zahlreichen Eskapaden, wegen derer er seit rund 10 Jahren immer wieder ins Visier der Behörden geriet. So kam er 2021 etwa mehrmals in seinem damaligen Wohnort Belize mit dem Gesetz in Konflikt. Zunächst suchte ihn die Polizei wegen Verdachts auf Drogenbesitz, später im Zusammenhang mit dem Mord an seinem Nachbarn. McAfee floh aus dem Land. Die Untersuchungen gegen ihn wurden schliesslich eingestellt, da er nicht mehr zu den Verdächtigen zählte.
John McAfee in Belize. (Source: ZDF / Showtime Networks)
ZDF Info hat im März über diese Phase seines Lebens einen sehenswerten Dokumentarfilm ausgestrahlt. Mehr zum Film "John McAfee - Das bizarre Leben des Software-Millionärs" lesen Sie hier.
Etwa zwei Monate vor seiner Verhaftung in Spanien wurde McAfee übrigens bereits in Norwegen verhaftet. Allerdings nur kurzzeitig. Der Grund: Er trug einen Tanga über seinem Gesicht, da er keine akzeptable Covid-19-Schutzmaske aufsetzen wollte.
Mit dem Suizid endet nun McAfees lange Flucht vor den Behörden. Requiescat in pace.
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