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In den 1950er- und 1960er-Jahren war es nicht ungewöhnlich, in Zeitungsinseraten Wohnungen dadurch anzupreisen, dass sie einen direkten Ausblick auf die Autobahn böten. Die Motivation für diesen Hinweis lag darin, dass die Autobahn den Fortschritt schlechthin symbolisierte. Aus heutiger Sicht erscheint diese Vermarktungsstrategie jedoch etwas bizarr. Der Eigentümerin des Grundstücks des Projektes «Blitz» wäre es deshalb in den vergangenen Jahrzehnten nicht in den Sinn gekommen, bei der Vermietung der Wohnungen auf die sich in unmittelbarer Nähe befindliche schwamendinger Autobahneinfahrt hinzuweisen. In Zukunft könnte sich dies aber ändern; mehr dazu später.
Die Eigentümerin des Grundstücks beauftragte Refolio im Jahr 2020 mit einer Studie, welche Auskunft über mögliche Potenziale geben sollte. In der Folge isolierte das Team von Refolio Architektur strategische Alternativen. Zusammen mit dem Partner-Team von «Refolio Consulting» wurden diese Alternativen hernach architektonisch, rechtlich, technisch, ökologisch und ökonomisch bewertet. Die Projektbewertung durch Refolio Consulting zeigte schliesslich, dass die Variante Neubau die ökonomisch sinnvollste darstellte. Die Beurteilung der Optionen anhand von Nachhaltigkeitsgesichtspunkten führte zum gleichen Ergebnis. Die interdisziplinäre Evaluation überzeugte die Eigentümerschaft, was sie zur Folgebeauftragung von Refolio mit der Verfeinerung des strategischen Vorgehens und anschliessend mit der Ausarbeitung des Vor- und Bauprojektes veranlasste.
In der Vorprojektierung ergab sich aufgrund des länglichen Zuschnittes des Grundstückes und des baugesetzlich vorgesehenen «Mehrlängenzuschlages» eine abgestufte Fassadengestaltung, die aus der Vogelperspektive schematisch an einen Blitz erinnert, weshalb wir das Projekt mit diesem Namen versahen.
Die «Schwamendinger Gartenstadt» der Nachkriegszeit ist geprägt von einer locker gestreuten Bebauung bestehend aus Punkt- und Zeilenbauten, umflossen von einem weiträumigen Grünraum. Der polygonale Neubau mit zwei zurückversetzten Dachgeschossen formt das Gebäude zu einem kompakten, plastischen Volumen. Dieses besetzt die Mitte der Parzelle und fügt sich mit seinen mehrfach gewinkelten Seiten nahtlos in die bestehende Umgebung ein. Durch die gestaffelten Grundrisse werden die Ausblicke der Wohnungen über Eck geöffnet. Die parkartige Umgebung durchdringt den Baukörper und wird Teil der inneren Raumerfahrung. Die geschossweise Organisation als Siebenspänner erlaubt es, auf einfache Weise eine Vielzahl an unterschiedlichen Wohnungsgrössen auszubilden. Das Projekt zeigt, wie es trotz einer deutlich höheren Bebauungsdichte möglich ist, typologisch und stimmungsmässig am ursprünglichen Plan der Gartenstadt anzuknüpfen und gleichzeitig den aktuellen Anforderungen des modernen Wohnungsbaus gerecht zu werden.
Entgegen dem, was dieser Projektname vermuten lasst, hat das Partner-Team von «Refolio Consulting» der Bauherrschaft bei der Umsetzung des Bauvorhabens ein absichtlich verzögertes Vorgehen vorgeschlagen: Bis Ende 2021 soll die Baueingabe erfolgen, mit der Ausführung soll jedoch frühestens Mitte 2024 begonnen werden. Der Grund hierfür liegt beim Grossprojekt «Einhausung Schwamendingen»: Dieses Projekt sieht die vollständige Überdeckung der Autobahneinfahrt Zürich Nord vor. Das Dach der Autobahneinhausung soll künftig als grossräumige Parkanlage genutzt werden. Durch diese visionäre Initiative der Stadt Zürich wird die Nähe zur «Autobahn» also plötzlich wieder zum anpreisungswürdigen Vorteil. Die Einkapselung der Autobahn soll bis Ende 2024 vollendet werden. Es wird eine Weile dauern, bis die dadurch initiierte Aufwertung des Quartiers bei den Nachfragerinnen und Nachfragern nach Mietraum «angekommen» sein wird. Bevor diese Aufwertung bei der Bevölkerung nicht präsent ist, sollen auch keine neuen Wohnungen mit einem der Aufwertung angepassten Qualitätsstandard vermietet werden. Es gilt die Regel: Wohnprodukt und Lage müssen harmonieren. Hier hat Warten also einen Wert.
Die Erstellungskosten des mit nachhaltigen Energiequellen beheizten und gekühlten Gebäudes betragen CHF 12 Mio.