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Beim Spengler Cup wird nicht nur Eishockey gespielt. Es wird auch Eishockey-Politik gemacht.
Die Auseinandersetzung zwischen dem HC Davos und den übrigen Klubs der Liga hatte unsere Hockeyfunktionäre dieses Jahr monatelang beschäftigt. Dabei ist ein Vertrag herausgekommen, der den HC Davos dazu verpflichtet, die nicht beim Spengler Cup engagierten NLA-Teams für das Einhalten der Weihnachtspause während der nächsten zehn Jahren mit durchschnittlich je 50 000 Franken zu entschädigen.
Seither ist die Harmonie zwischen dem HC Davos und der Verbandsführung gestört. Der HCD behandelt jetzt die helvetischen Verbandsfunktionäre gleich wie die Vertreter der ausländischen Verbände, die Teams am Spengler Cup haben. Die Anzahl der bezahlten Einladungen ist also limitiert worden. Sehr zur Verärgerung der Verbands-Bürohengste, die sonst im Dutzend auf Kosten des HCD die Festtage in Davos verbracht haben.
Fast wie einst in der Sowjetunion
Wer einst in der Sowjetunion wissen wollte, wer wie mit wem in der Regierung auskommt, der schaute bei der grossen 1.-Mai-Parade auf dem Roten Platz genau hin, in welcher Reihenfolge die Würdenträger auf dem Lenin-Mausoleum den Feierlichkeiten beiwohnten. Ein ähnliches Spektakel bietet der Spengler Cup beim legendären VIP-Anlass im Hotel Schatzalp. Wer auf die Bühne zum kurzen Interview gebeten wird, hat gute Beziehungen zum HCD. Dieses Jahr sind Dr. René Fasel, der Präsident des internationalen Eishockeyverbandes, und Brad Pascal, der Direktor des kanadischen Verbandes, auf der Schatzalp-Bühne aufgetreten. Marc Furrer, der Präsident unseres Verbandes hingegen nicht. Er stand, sichtlich schlecht gelaunt, im Plenum.
Die Laune unseres Verbandspräsidenten kümmert die HCD-Oberen wenig. Sie haben heute Unterstützung und Anerkennung auf ganz anderer, auf höherer Ebene. Einer der wichtigsten Schirmherren des Spengler Cups ist heute Dr. René Fasel. Der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF und IOC-Mitglied ist der mächtigste Wintersport-Funktionär der Welt.
Fasel mächtigster Verbündeter von Fredi Pargätzi
Dr. René Fasel hat eine bemerkenswerte Funktionärs-Weltkarriere gemacht. Er war nicht einmal gut genug für die zweite Mannschaft in der 1. Liga. Deshalb wollte ihn Fribourg-Gottéron zu Düdingen abschieben. Das war die Initialzündung zu einer der erstaunlichsten Schweizer Funktionärskarrieren. Dr. René Fasel beschloss, Schiedsrichter zu werden. 1976 arbitrierte er erstmals beim Spengler Cup. Heute gilt Fasel der mächtigste Verbündete von Spengler-Cup-Boss Fredi Pargätzi.
Fasels Vorgänger Dr. Günther Sabetzki hatte dem Spenger Cup in den 1980er Jahren den Status eines IIHF-Turniers mit geschütztem Datum entzogen. Das war damals ein Schock. Seither ist es allen Verbänden erlaubt, während der Weihnachtspause Meisterschaftsspiele zu organisieren. Für Spengler-Cup-Chef Fredi Pargätzi ist es deshalb schwieriger, die Teilnehmer zu rekrutieren, die durchwegs aus Meisterschaften kommen, die keine Festtagspause machen. Fasel schützt jedoch das Turnier. «Wir achten im IIHF darauf, dass der Spengler Cup wenigstens nicht durch IIHF-Wettbewerbe konkurrenziert wird. Sollten wir wieder einen internationalen Klubwettbewerb haben, so werden wir ganz sicher nicht in der Weihnachtspause spielen.» Der Spengler Cup bekommt damit offiziell von höchster Ebene grössere Unterstützung und eine höhere Wertschätzung als vom nationalen Verband
Neuer europäischer Klubwettbewerb ist spruchreif
Bis im Juni will Fasel übrigens definitiv über einen neuen europäischen Klubwettbewerb entscheiden. Ein Projekt mit 12 Teams ist spruchreif: Je der Meister und der Qualifikationssieger aus Russland, Tschechien, Finnland, Deutschland, Schweden und der Schweiz sollen während der Nationalmannschaftspausen im November, Dezember und Februar um einen europäischen Titel spielen.
Zum NHL-Lockout äussert sich Fasel nicht. «Weil wir auf diese Auseinandersetzung keinerlei Einfluss haben.» Und letztlich spielt es ihm auch keine Rolle, ob die NHL-Profi beim Olympischen Turnier 2014 in Sotschi mitspielen: Der Spielplan steht so oder so und die Zuschauerzahlen werden hoch sein – mit oder ohne NHL-Profis.