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Lisa, Elisa, Anabelle
"Das Mädchen sagt sich, er sieht mich, wenn er mich ansieht. Ich kann ihm alles von mir erzählen, ohne dass er erschreckt. Er weicht nie zurück. Und er glaubt mir. Und manchmal, nachts, wenn ich vor lauter Angst aufwache und nicht mehr einschlafen kann, gehe ich zu ihm hinüber. Ich lege mich unter die Decke und drücke mich an ihn und höre zu, wie sein Herz schlägt. Sein Herz, das niemals schlafen kann, weil es für mich wach bleibt, wie er zu mir gesagt hat. Und ich habe ihn nicht gleich verstanden, als er das zu mir sagte. Ich habe gedacht, was redet er da bloss und dass sein Herz schlägt, weil es nicht anders kann. Deswegen habe ich zuerst darüber gelacht. Und plötzlich habe ich ihn verstanden und musste weinen."
Jahrelang hat der Schriftsteller Yorck Berliner über den Missbrauch von Kindern geschrieben. In seinen Büchern, die er Kriegsbücher nannte und in denen er schilderte, wie sehr ein Kind durch jede Art von Missbrauch in seinem Menschsein beschädigt wird, fand er Beschreibungen, die so masslos waren, dass sie über jede bekannte Vorstellung hinausgingen.
Sehr bald schon wussten die Menschen, dass Yorck Berliner aus eigener Erfahrung sprach, dass er als Kind selbst Gewalt und Missbrauch erfahren hatte. Dass er überlebt hatte.
Dann, vor zwei Jahren, von einem zum anderen Tag, verschwand er spurlos.
Davor, am 11. September 2001, war Anabelle gestorben, ein fünfzehn Jahre altes Mädchen, das zuletzt bei ihm lebte.
Linda Bamberger, ehemalige Geliebte Yorck Berliners, berichtet von Anabelle, von ihrem Leben auf der Strasse und am Strand von Trouville und danach bei ihm, dem Schriftsteller, von dieser ganz und gar besonderen Beziehung zwischen den beiden. Sie erzählt von Elisa: von Elisas Kindheit und den Begegnungen mit Yorck Berliner, von dieser Liebe, die so viel mehr ist als Liebe. Sie erzählt auch von Lisa, die in die Seine ging, weil sie nicht mehr ertragen wollte, was man ihr angetan hatte.
Es geht in dem Buch um die Möglichkeiten von Liebe und Freundschaft, um Liebesmöglichkeiten, wenn man so will. Auch darum, ob eine Gesellschaft, in der der Missbrauch von Kindern so alltäglich geworden ist wie Brötchenholen, das Recht hat, darüber zu urteilen, ob das, was zwei verletzte Menschen miteinander tun, um ihre Wunden zu heilen, richtig oder falsch ist.
Erzählt wird von der Begegnung mehrerer Menschen, die Gewalt erfahren haben, und dem Umgang mit ihren Erfahrungen und Gefühlen.
Richard Wolf
Richard Wolf, eigentlich Karl Wolf, geb. 1958 in Darmstadt/ Hessen, ist gelernter Kaufmann, arbeitete im Einzelhandel, als Büroangestellter, als Pfleger im Krankenhaus, als Fabrikarbeiter, Küchenhilfe und als Streetworker in der Frankfurter Drogen- und Prostituiertenszene. Mitarbeit an kulturellen und sozialen Projekten im In- und Ausland
1996 NEKROPOLIS - EINE KLAGE im Bleicher Verlag, Gerlingen b. Stuttgart
1997 Textauszug aus LAAND wird für den Haidhauser Werkstattpreis nominiert
2001 LAAND im Wiesenburg Verlag
2003 MARIE UND DER MANN VOM STRAND im Wiesenburg Verlag
2008 LISA, ELISA, ANABELLE bei Books on Demand
2009 LUCIA ODER DIE LIEBE bei Books on Demand
Am Rande der Missbrauchsdebatte im Sommer 2010 entsteht der Text TAGE DES ZORNS. Nachdem achtzig Zeitungen es ablehnen, den Text zu publizieren, zunächst Veröffentlichung http://vizekonsul.blogspot.com/ In ihrem Septemberheft 2011 veröffentlicht die Zeitschrift „Die Gegner Basisdruck“ in Berlin den Text.
Das freie Theater Theaterkapelle in Berlin führt im März und April in der Reihe „Landschaften unter meiner Haut“ TAGE DES ZORNS erstmalig auf und übernimmt das Stück bis zur Theaterschliessung 2013 in den laufenden Spielplan.
Richard Wolf lebt in Darmstadt.
Email: <email-pii>
http://vizekonsul.blogspot.com/