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Bücher für Banker
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- Montag, 21. Dezember 2015 14:00
1. «Winston Churchill und die Schweiz», Werner Vogt, 2015, Verlag Neue Zürcher Zeitung
Zum 75. Mal jährte sich 2015 der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Westen. Eng mit dieser Epoche der Weltgeschichte verbunden ist die Person von Winston Churchill (Bild oben), der trotz der anfänglichen Übermacht der deutschen Nationalsozialisten die Fackel der Freiheit hoch hielt, und diese Freiheit – weil es nötig war – mit der Waffe verteidigen liess.
Der Staatsmann Churchill verbindet auch einiges mit der Schweiz, namentlich mit Zürich, wo er am 19. September 1946 an der Universität Zürich seine legendäre «Aussöhnungsrede» mit den Worten «Let Europe Arise!» schloss. Der Schweizer Publizist und frühere Medienchef der Schweizer Börse, Werner Vogt, zeichnet in einem wunderschön konzipierten Buch die Geschichte Churchills nach – konzis, unterhaltsam und detailreich. Stimmungsvolle Bilder verleihen dieser Neuerscheinung (hier eine Leseprobe) eine zusätzliche Schönheit.
2. «Zwei Abhandlungen über die Regierung», John Locke, 1689, Suhrkamp Verlag
«Arbeit ist die Quelle allen Reichtums», schrieb John Locke (Bild), der einflussreiche britische Philosoph und Vordenker der Aufklärung aus dem 17. Jahrhundert, in seinem Werk «Zwei Abhandlungen über die Regierung». Darin skizziert der Begründer der modernen Gewaltenteilung die Entstehung und Legitimation des Eigentums in einer logisch stringenten Weise.
Zugleich erklärt er die theoretische Begrenzung des Eigentums und deren Überwindung durch die Einführung des Geldes. So war es möglich, und laut Locke auch sinnvoll, grosse Mengen an unverderblichem Besitz – sprich Geld – anzuhäufen. Dies, so Locke, ist die Wurzel der Vermögensungleichheit innerhalb einer Gesellschaft. Ein Thema, das in seinen zahlreichen Facetten auch heute noch die Aktualität dominiert.
3. «Leviathan», Thomas Hobbes, 1651, Felix Meiner Verlag
Thomas Hobbes, ist ebenso wie John Locke ein britischer Philosoph. Allerdings ist er im Gegensatz zu Locke ein Repräsentant des Absolutismus'. In seinem Werk «Leviathan» begründet er, weshalb Frieden nur über einen brutalen Herrscher herzustellen ist.
Er leitet seine Staatstheorie dem in seinem Buch entwickelten ‹Gefangenendilemma› ab. Dieses findet sich heutzutage in zahlreichen wirtschaftlichen Konstellationen, zum Beispiel bei Kartellen, beim Ziel der Preisniveau-Stabilität oder im Rahmen von Kooperationsbeziehungen.
4. «Der Bankier Siegmund Warburg», Niall Ferguson, 2010/2011, FinanzBuch Verlag
Der britische Historiker Niall Ferguson ist vermutlich der wichtigste Publizist, wenn es um die internationale Bankengeschichte geht. Das zeigt sich besonders gut an seiner Biographie über den deutschen Bankier Siegmund Warburg (1902-1982; Bild), der seine grosse Karriere allerdings in London machte, wohin er nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland gelangt war.
Fergusons Werk ist auch ein unvergleichliches und reichhaltiges Dokument über den Wandel der Finanzbranche in den vergangenen hundert Jahren. In diesem Kontext war Warburg eine schillernde, vielseitige und auch höchst zwiespältige Persönlichkeit, wie es sie heutzutage eigentlich gar nicht mehr geben kann. Gerade weil sich das Banking so stark verändert hat, wären aber Warburgs moralischen Prinzipien mehr denn je gefragt. Absolut lesenswert für alle, die das Bankwesen noch irgendwie ernst nehmen wollen.
5. «Conversations with Lee Kuan Yew», Tom Plate, 2010 mehrmals aktualisiert, Marshall Cavendish Editions
Wenige Monate vor dem 50-jährigen Bestehen des Stadtstaates Singapur verstarb dessen Gründer und Staatsmann Lee Kuan Yew (Bild). Während dieser Staatsmann in Asien stets eine enorme Bewunderung genoss oder aber aufs Blut gehasst wurde, sind im Westen die Kenntnisse über ihn begrenzt. Zu sehr reduziert man seine Leistung auf die Schaffung eines Landes, wo Kaugummis verboten sind und (noch) die Todesstrafe herrscht.
Dabei ist der konsequente Aufbau des Staates Singapur eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die zwar für viele Menschen entbehrungsreich war, aber letztlich einem kleinen Volk sehr viel Wohlstand, Sicherheit und Freiheit gebracht hat – selbst wenn Letzteres im Westen teilweise bestritten wird. Der US-Publizist Tom Plate hatte das seltene Privileg, über zwei Tage verteilt mehrere intensive Interviews mit Lee Kuan Yew zu führen. Daraus ist ein grossartiges Buch entstanden, das eine fast intime Nähe zu diesem bisweilen höchst autoritären Mann herstellt, ohne dass dabei hagiographische Züge entstehen. Ein «Must» für alle Geschäftsleute, die früher oder später mit Asien zu tun haben.
6. «Die Panne», Friedrich Dürrenmatt, 1956, Diogenes
Im Vorwort fragt sich Friedrich Dürrenmatt (Bild): «Gibt es noch mögliche Geschichten für Schriftsteller?», um dann selbst zu antworten: «Ja, solange es Pannen gibt». In der Komödie erzählt Dürrenmatt auf skurrile Art, wie der Hauptprotagonist Alfredo Traps sich auf Grund einer Autopanne in eine verhängnisvolle Geschichte verstrickt.
Er bezichtigt sich selbst eines Mordes, obwohl er ihn nicht begangen hat – sein Schicksal endet tragisch. Die Frage nach Gerechtigkeit und Schuld ist ein zentrales Thema in diesem Werk des grossen Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt.
7. «Der Scherz», Milan Kundera, 1967, S. Fischer Verlag
«Optimismus ist das Opium der Menschheit! Ein gesunder Geist stinkt nach Dummheit! Es lebe Trotzki! Ludvik.» Dies sind die Worte des Studenten Ludvik Jahn, die er auf eine Postkarte kritzelt und seiner Jugendliebe schickt – die Worte sind als Scherz gedacht. Doch sie werden ihm zum Verhängnis – er wird von der Universität verwiesen und in die Kohlegruben geschickt.
Der in den 1960er Jahren der damaligen CSSR spielende Roman des Autors Milan Kundera (Bild) prangert Opportunisten und Denunzianten, inhumane sozialistische Funktionäre und Militärs an. Für unangepasste Individualisten wie Ludvik Jahn ist in dieser Gesellschaft kein Platz – man sperrt sie fort und versucht, sie umzuerziehen.
8. «Gentlemen Bankers – The World of J.P. Morgan», Susie J. Pak, 2013, Harvard University Press
Nur die wenigsten Leute wissen, wie heute mächtige Institutionen eigentlich entstanden sind und wie ihr Erfolg über viele Jahrzehnte überhaupt möglich war; das gilt auch für Finanzgiganten wie J.P. Morgan (Bild) oder Morgan Stanley. Die amerikanische Historikerin Susie J. Pak begab sich zu diesem Zweck auf Spurensuche und lotete so die bescheidenen Ursprünge des Bankunternehmers John Pierpont (J.P.) Morgan (1837-1913) aus.
Das Besondere an diesem Buch ist, dass die Autorin ihren Fokus auf die gesellschaftlichen und sozialen Verstrickungen richtet und so veranschaulichen kann, wie «Networking» schon vor hundert Jahren das A und O für den geschäftlichen Erfolg war. Dieses Netzwerken stand damals allerdings noch in einer engen Beziehung mit Tugenden wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt und Anstand; Werte, die über die Jahre gerade in der Bankenwelt geradezu erodiert sind.
(Bildquellen: Shutterstock, ETH-Archiv, FinanzBuch Verlag, NZZ Verlag, J.P.-Morgan-Archiv, Remembering LKY, Astuciadeulisses)
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