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Altklug war sie schon immer, jetzt ist sie auch im dazu passenden Alter. Nimmt man das Datum ihres ersten Erscheinens als ihren Geburtstag, dann wurde Mafalda am 29. September dieses Jahres fünfzig. Genau genommen ist sie allerdings zwei Jahre älter. Doch sie vertuscht das gerne, denn in diesen beiden Jahren trat sie noch nicht für Gerechtigkeit, den Weltfrieden, Demokratie und Frauenrechte ein. Und sie hätte sich auch nicht träumen lassen, einmal zum Maskottchen der Anti-Wef-Bewegung zu werden. Denn sie begann ihre Karriere mit Schleichwerbung.
Mafaldas geistiger Vater, der argentinische Karikaturist Quino, hatte 1962 über eine Werbeagentur den Auftrag bekommen, eine Comicfigur zu erfinden, die sich in kleinen Bildserien schwere Gedanken über die Welt machen sollte. Es sollte so etwas wie eine Mischung aus den damals erfolgreichen US-amerikanischen Comicserien «Blondie» und «Peanuts» werden. Und es gab weitere Vorgaben: In den einzelnen Folgen sollten elektrische Haushaltsgeräte eine Rolle spielen, und der Name der Figur müsse mit M beginnen.
Denn Auftraggeber war Mansfield, ein Hersteller von elektrischen Haushaltsgeräten. Der wollte den Comic über eine Agentur dem «Clarín» unterjubeln, der grössten Tageszeitung Argentiniens. Doch die Redaktion erkannte die Schleichwerbung und lehn- te ab. Mafalda blieb in der Schublade.
Das Licht der Öffentlichkeit erblickte sie, wie gesagt, erst zwei Jahre später und fortan ohne werbliche Hintergedanken. Sie war die Tochter einer städtischen Mittelklassefamilie, hatte einen kleinen Bruder (Guillermo, liebevoll Guille genannt) und ging nach dem Kindergarten in eine staatliche Schule. Sie hatte zwei Freunde (den an der Welt verzweifelnden Felipe und den Rechenkünstler Manolito) sowie eine engere Freundin (die spiessige Susanita). Sie war immer ein bisschen schlauer als ihre Mutter. Und sie hatte Erfolg.
Bis 1973 erschien sie in verschiedenen argentinischen Tages- und Wochenzeitungen, 1974 kam der elfte Band ihrer gesammelten Gedanken auf den Markt. Dann zog sie sich zurück. Nur 1977 trat sie noch einmal für eine Kinderrechtskampagne von Unicef auf. Seither sagt sie nichts Neues mehr. Gedruckt aber wird sie noch immer.
* Wunsch von Christa Stephan: «Wie blickt Mafalda heute auf die Welt?»