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Als Karl Jaspers 1969 in Basel starb, hinterließ er eine Fülle von Manuskripten, Korrespondenzen und Notizen, deren Zahl das umfangreiche publizierte Werk noch einmal um ein Vielfaches übertraf. Zum Zwecke der Veröffentlichung schlug Jeanne Hersch, die 1929 und 1932/33 bei Jaspers in Heidelberg studiert hatte, die Gründung einer Stiftung vor, aus deren Mitteln die Publikation des Nachlasses erfolgen sollte.
Sowohl Hans Saner, von 1962 bis 1969 persönlicher Assistent von Jaspers und von ihm als Rechtsnachfolger testamentarisch eingesetzt, als auch Gertrud Jaspers begrüßten diese Idee. Sie stellte ein Startkapital von 100.000 Schweizer Franken zur Verfügung und trug damit entscheidend zur Verwirklichung des Stiftungsvorhabens bei. Am 19. Dezember 1973 wurde die Karl Jaspers-Stiftung laut Urkunde zu folgendem Zweck in Basel gegründet:
„Ermöglichung der wissenschaftlichen und technischen Vorarbeiten für eine Herausgabe des Nachlasses und des Briefwechsels von Karl Jaspers; Förderung einer Edition der gesammelten Werke und Schriften, einschliesslich des Nachlasses und der Korrespondenz; Besorgung des Neudrucks vergriffener Schriften in der Zwischenzeit; Förderung der Veröffentlichung von Studien, welche sich mit dem Werke Karl Jaspers’ befassen.“
Dem Stiftungszweck entsprechend, konzentrierte sich die Stiftung in den ersten Jahren auf die editorische Arbeit, in deren Folge Hans Saner sechs Werke aus dem Nachlass herausbrachte.
Die Realisierung dieser Werke war nur aufgrund der großzügigen Unterstützung verschiedener Institutionen möglich, von denen sich der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und die Fritz Thyssen Stiftung besonders engagierten und die Arbeiten der Karl Jaspers-Stiftung nahezu 20 Jahre lang, von 1973 bis 1991, förderten.
Das Jubiläumsjahr 1983, in dem mit mehreren Veranstaltungen weltweit an den 100. Geburtstag von Jaspers erinnert wurde, gab auch der Stiftung die Gelegenheit, stärker an die Öffentlichkeit zu treten. Gemeinsam mit den Universitäten Heidelberg und Basel, den beiden Wirkungsstätten von Jaspers, organisierte Jeanne Hersch ein hochkarätig besetztes Symposium, das dem Philosophen, Arzt und politischen Denker Jaspers gewidmet war. Weitere Veranstaltungen, an denen Mitglieder der Stiftung teilnahmen, fanden 1983 bei der UNESCO in Paris sowie in Dubrovnik, Oldenburg und Warschau statt.
Darüber hinaus unterstützte die Stiftung die 1983 in Montreal erstmals ausgetragene „International Jaspers Conference“ als Sponsor, ein Engagement, das bis heute andauert. Jeanne Hersch, deren Charisma für die öffentliche Wahrnehmung der Stiftung nicht überschätzt werden konnte, wirkte damals im Planungskomitee mit, auf den beiden folgenden Konferenzen in Brighton (1988) und Moskau (1993) wurde sie zur Ehrenpräsidentin ernannt
Der 1983 eingeschlagene Weg, durch die Veranstaltung von Symposien und Kongressen die weltweite Beschäftigung mit Jaspers voranzutreiben, wurde nach dem Rückzug Jeanne Herschs aus der aktiven Stiftungsarbeit beibehalten. Reiner Wiehl, ihr Nachfolger als Präsident der Stiftung, setzte dabei gleichwohl neue Akzente. Man beschloss, neben den zunehmenden, prominent besetzten Tagungen traditioneller Prägung ein zusätzliches Veranstaltungsformat einzuführen, das am ehesten einem Workshop vergleichbar war. Um akademische Asymmetrien abzubauen, sollte der wissenschaftliche Nachwuchs mit erfahrenen Jaspers-Kennern an einem Tisch sitzen und über Referate hinaus ins Gespräch kommen. Im elsässischen Klingenthal fand man einen geeigneten Ort für die seit September 2000 mehrmals wiederholten und von Kurt Salamun organisierten und geleiteten Treffen.
Die editorische Arbeit konzentrierte sich auf die Herausgabe einer dreibändigen Sammlung von Briefen, die Jaspers mit Wissenschaftlern (besonders Medizinern), Philosophen, Politikern und anderen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte gewechselt hatte. Insgesamt wurden über 1.700 Briefe erfasst und kommentiert, sie sind 2016 im Wallstein Verlag Göttingen erschienen.
Von besonderer Bedeutung für die Forschung ist die Herausgabe der „Primärbibliographie der Schriften Karl Jaspers’“, die Christian Rabanus 2000 im Auftrag der Stiftung erstellt hatte. Sie verzeichnet mit über 2.800 Einträgen alle Publikationen einschließlich der Neuauflagen und Übersetzungen und bildet auf diese Weise die Grundlage für ein umfassendes Jaspers-Studium.
Anton Hügli setzte die Tradition, internationale Tagungen zu einem relativ eng umgrenzten Thema zu organisieren, bruchlos fort. Die publikumswirksamsten und umfassendsten waren die zum 125. Geburtstag des Philosophen in seiner Geburtsstadt Oldenburg ausgerichteten Veranstaltungen, die ein ganzes Semester mit Abendvorträgen, Workshops und Ausstellungen ausfüllten, in deren Rahmen die Stiftung auch Exponate aus dem Jaspers-Nachlass in Basel beisteuerte.
Schon bei der Amtsübernahme von Anton Hügli war klar, dass auf dem bisherigen Weg von Einzelpublikationen dem grössten Manko der Jaspers-Rezeption und Jaspers-Forschung nicht zu begegnen war: dem Fehlen einer verbindlichen, nach einheitlichen Kriterien aufgebauten Edition des Jaspersʼschen Werkes, die alle relevanten Texte in ihrem Kontext erschließt und als systematisch vernetztes Ganzes verfügbar macht. Der unter seiner Federführung erarbeitete Projektantrag für die Edition einer kommentierten Gesamtausgabe zuhanden der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften wurde am 7. November 2011 auf der „Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz“ des Bundes und der Länder (GWK) gut geheißen und in das Akademienprogramm 2012 der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften aufgenommen. Die Betreuung des Projektes obliegt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und – seit 2016 - auch der Göttinger Akademie der Wissenschaften.