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Welcher Insektenstich schmerzt am meisten?
Text: Stephanie Hess; Fotos: Getty Images / Arterra, Danita Delimont, Robert Oelman, Robert Pickett, Hans Lang, Joel Sartore; iStock
Sind Sie in diesem Sommer auch schon von einer Biene gestochen worden? Es hätte schlimmer kommen können, weiss Insektenexperte Justin Orvel Schmidt. Er erforscht, wie schmerzhaft verschiedene Stiche und Bisse sind – am eigenen Leib. Und fasst sie in Worte, die bereits beim Lesen wehtun.
Level 1 Blutbienen
«Leicht, flüchtig, fast fruchtig. Als ob ein winziger Funke ein einziges Haar auf dem Arm ansengt.» In Mitteleuropa gibt es um die 30 Blutbienenarten.
Level 1,2 Feuerameisen
«Scharf, plötzlich, etwas beunruhigend. Als ob man über einen Flokatiteppich läuft, sich statisch auflädt und einen elektrischen Schlag bekommt.» Feuerameisen kommen in Europa nicht sehr oft vor, stärker verbreitet ist die Gattung in Amerika.
Level 1,8 Knotenameisen
«Ein seltener, stechender, irgendwie hoher Schmerz. Als ob jemand eine Heftklammer in deine Wange schiesst.» Die Knotenameise kommt in Mitteleuropa vor, die meisten Gattungen sind aber vor allem in tropischen und subtropischen Gegenden zuhause.
Level 2 Heimische Wespe
«Reichhaltig, herzhaft, und heiß. Als ob W. C. Fields eine Zigarre auf deiner Zunge auslöscht.» Fields war übrigens ein amerikanischer Komiker, der vor allem für seine eher boshaften Rollen bekannt war.
Level 2X Honigbiene
«Wie ein abgebrochener Streichholzkopf, der auf deiner Haut abbrennt.»
Level 3 Feldwespe
«Ätzend, brennend und unerbittlich. Als ob jemand einen Bohrer benutzt, um einen eingewachsenen Zehennagel freizulegen oder man einen Becher mit Salzsäure über eine Schnittwunde schüttet.» Die meisten Arten der Feldwespe leben in den Tropen und Subtropen, nur sechs Arten leben auch in Mitteleuropa.
Level 4 Pepsis formosa
«Heftig, blendend, furchtbar elektrisch. Als ob jemand einen laufenden Haartrockner in dein Schaumbad fallen lässt.» Die Pepsis formosa, ist eine Wespenart aus der Familie der Wegwespen, die Vogelspinnen jagt. Keine Angst, in Europa kommt man diesem Insekt nicht in die Quere. Die Gattung findet sich vor allem im in Zentralamerika.
Level 4X 24-Stunden-Ameise
«Reiner, intensiver, strahlender Schmerz. Als ob man über glühende Kohlen läuft und dabei einen sieben Zentimeter langen, rostigen Nagel in der Ferse stecken hat.» Sie lebt in Süd- und Mittelamerika im tropischen Regenwald.
Der Amerikaner Justin Orvel Schmidt hat sich von mehr als 150 verschiedenen Insekten aus aller Welt stechen und beissen lassen – meistens mit Absicht. Als Entomologe, also Insektenforscher, gehört das ja quasi zum Beruf. Daraus entstand schliesslich eine Rangliste des Schmerzes von Insektenstichen: Der «Schmidt Sting Pain Index», der heute im Übrigen auch in der medizinischen Schmerzforschung eingesetzt wird und für den er 2015 mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Darin teilte er die Intensität der Insektenstiche in vier Kategorien. Zusätzlich beschreibt er die Stiche mit seinen eigenen Worten, um sie besser vergleichen zu können. «Rein wissenschaftliche Beschreibungen langweilen mich», sagte der Forscher einmal in einem Interview – und genau darum treffen seine Formulierungen mitten ins Schmerzzentrum.
Text: Stephanie Hess; Fotos: Getty Images / Arterra, Danita Delimont, Robert Oelman, Robert Pickett, Hans Lang, Joel Sartore; iStock