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«Die Erfahrung lehrt, dass jeder, der sich mit den Steuern auseinandersetzt, im Wesentlichen immer wieder die gleichen Fragen stellt. Er fragt nach der Steuergerechtigkeit, zieht Vergleiche mit der Belastung anderer Steuerpflichtiger und fordert gleiches Recht für alle.» Diese Beobachtung aus den 1960ern verweist auf einen ersten Schwerpunkt der geplanten Tagung: auf die Vorstellung von Steuergerechtigkeit als Kern eines Sozialvertrags. Nach diesem aufgeklärt-bürgerlichen Verständnis wurde Steuergerechtigkeit seit dem späten 18. Jahrhundert kanonisiert und findet sich seit den 1830er-Jahren in kantonalen Verfassungen. Die ungleiche Belastung mit Zehnten, Steuern und Abgaben war besonders in der Vormoderne ein wichtiger Treiber für Proteste und Revolten und verweist auf den Charakter der Besteuerung als Extraktions- und Herrschaftspraxis. Welche sozialen, wirtschaftlichen, politischen Interessen wurden am Gegenstand der «gerechten» Steuer verhandelt? Welchen Platz nimmt die Wahrnehmung von Ungleichheit – qua Stand, Geschlecht, Haushaltform, soziökonomischem Status oder territorialer Zugehörigkeit – ein?