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M.Sc. in Economics der Universität Lausanne, Praktikant bei iconomix.
Herr und Frau Schweizer werden immer älter. Gleichzeitig erreichen in den nächsten Jahren immer mehr Babyboomer (die Jahrgänge 1946 – 1964) das Pensionsalter. Dadurch erhöht sich nicht nur die durchschnittliche Bezugsdauer pro Rentner, sondern auch die Zahl der Bezugsberechtigten.
Künftig werden deshalb relativ gesehen immer weniger Erwerbspersonen für die Finanzierung der Renten aufkommen müssen. Dies stellt die Finanzierung der Altersvorsorge vor Herausforderungen.
Ein möglicher Ausweg bietet die Erhöhung des Rentenalters. Ein Artikel der Handelszeitung greift die Thematik auf und stellt drei Modelle zur Flexibilisierung des Rentenalters vor, die in anderen Ländern Europas bereits zur Anwendung gelangen:
- Lebensarbeitszeit:
Dieses Modell koppelt das Rentenalter an die Lebensarbeitszeit. Demnach kann ein Arbeitnehmer, der seit dem 16. Lebensjahr einer körperlich anstrengenden Tätigkeit nachgeht (z.B. Bau), nach einer 44-jährigen Lebensarbeitszeit im Alter von 60 Jahren in Rente gehen. Eine Studentin hingegen, die ein Studium im Alter von 26 Jahren abschliesst und erst dann in den Arbeitsprozess einsteigt, geht tendenziell später, das heisst erst mit 70 Jahren in Rente. Befürworter der Lebensarbeitszeit betonen, dass Menschen mit höherer Bildung mehrheitlich «Kopfarbeit» im Berufsleben verrichten und Arbeit im hohen Alter dadurch zumutbar sei. Darüber hinaus setzt die bildungsnahe Bevölkerungsgruppe das Schweizerische Altersvorsorgesystem mit einer höheren Lebenserwartung stärker unter Druck als ihre bildungsfernen Landsleute. Ansätze des Lebensarbeitsmodells finden sich beispielsweise in Frankreich; dort beträgt die Lebensarbeitszeit gegenwärtig 41,5 Jahre.
- Schuldenbremse:
Eine Schuldenbremse ist ein Mechanismus, der automatisch zu greifen beginnt, sobald z.B. der Staatshaushalt oder die Altersvorsorge in Schieflage geraten – und dadurch verhindert, dass ein chronisches Ungleichgewicht entsteht. Eine Ausprägung davon ist ein flexibles Rentenalter, welches das Renteneintrittsalter unmittelbar an die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Pensionierung koppelt. Werden die Rentnerinnen und Rentner im Durchschnitt ein Jahr älter, müssen sie automatisch auch ein Jahr länger arbeiten. Dänemark führte das flexible Rentenalter bereits ein: Im Durchschnitt bekommen die Seniorinnen und Senioren ihre Rente dort während 15 Jahren ausbezahlt. Um diese Zahl konstant zu halten, wird das Rentenalter in Dänemark voraussichtlich bis 2030 auf 68 Jahre angehoben.
- Flexi-Rente:
Dieses System lässt den Arbeitnehmenden offen, ob sie künftig schon mit 62 Jahren oder lieber erst später in Pension gehen wollen. Mit der Flexi-Rente wird das Rentenalter 62 zur Untergrenze für Frühpensionierte. Die Arbeitnehmenden erhalten unter diesem System eine hohe Entscheidungsfreiheit. Gleichzeitig gibt es finanzielle Anreize, den Renteneintritt aufzuschieben: Für jeden Monat, den ein Arbeitnehmer die Pensionierung hinauszögert, bekommt er einen höheren prozentualen Zuschlag zu seiner bisherigen Rente. Es ist zudem möglich, Teilrenten zu 25, 50 oder 75 Prozent zu beziehen und nebenbei mit einer Teilzeitstelle zusätzlich Geld zu verdienen. Schweden setzte eine Flexi-Rente bereits in den 1990er Jahre um. Dabei ist zu beobachten, dass nicht alle auf die finanziellen Anreize reagieren und es durchaus Arbeitnehmende gibt, die ein tiefes Rentenalter bevorzugen. Insgesamt führt der Wechsel jedoch zu einem längeren Verbleib im Erwerbsleben: Mit einem Durchschnittspensionierungsalter von 66,1 Jahren arbeiten schwedische Männer in Europa am längsten.
Alle drei Modelle schaffen bzw. ermöglichen mehr Flexibilität beim Rentenalter. Ob eines dieser Modelle auch in der Schweiz erfolgreich sein könnte, ist offen.
Zum Thema
- iconomix-Modul. Demografie
- iconomix-Modul. Altersvorsorge
- Handelszeitung. Wie wir das Rentenalter erhöhen können: drei neue Ideen (02.10.2017)