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GC ist im 276. Zürcher Derby lange Zeit die bessere Mannschaft. Der FCZ geht durch zwei Fehler des Gegners trotzdem früh mit 2:0 in Führung. Stürmer Rodrigo Pollero erzielt nach einem Omeragic-Vorstoss sein erstes Ligator, nachdem Noah Loosli das Offside aufgehoben hatte. Der FCZ nutzt bei diesem Treffer also einen ähnlichen Fehler aus, wie schon beim Siegtreffer gegen Lugano. Beim 2:0 durch Blerim Dzemaili in der 10. Minute (erstes Tor für seinen Stammklub nach beinahe 15 Jahren!) macht Christian Herc bei einem Zuspiel von Georg Margreitter hinten heraus im falschen Moment einen Richtungswechsel.
Brecher und Dzemaili nicht parat
Dass GC danach die Partie bis zur 35. Minute auf 3:2 dreht, entspricht eher dem Gezeigten, auch wenn drei Standards dafür verantwortlich sind. Nach Leo Bonatinis Penaltytreffer ist auch der hervorragend ausgeführte Eckball von Petar Pusic und das Kopfballtor von Margreitter am nahen Pfosten für den FCZ fast nicht zu verteidigen, auch wenn Yanick Brecher im Moment des Abschlusses für diesen nicht bereit ist. Der Eckball war aus einem Pass Mirlind Kryezius ins Mittelfeld entstanden, bei dem Blerim Dzemaili im lockeren Rückwärtsschritt ebenfalls nicht genügend parat für das Zuspiel war.
Déjà vu aus dem ersten Derby
Das 3:2 der Grasshoppers war dann wiederum eine stark umgesetzte Einwurf-Situation, die an den 2:1-Siegtreffer Assan Ceesays im ersten Derby der Saison erinnerte. Der Einwurf entstand im Anschluss an einen Ballverlust von Marchesano gegen Kawabe in der eigenen Hälfte. Das Gegentor wäre wohl verhindert worden, wenn Fidan Aliti Petar Pusic ausserhalb des Strafraumes so in den Rücken gestossen hätte, wie das die “Hoppers“ in dieser Partie umgekehrt häufig ungestraft praktizieren durften. Unverständlich, dass zur Zeit mehrere Liga-Schiedsrichter auch in Partien mit Beteiligung von anderen Klubs Mühe damit haben, das Verletzungsgefahr mit sich bringende und dem gepflegten Offensivspiel abträgliche Stossen mit den Händen in den Rücken von einer normalen (und erlaubten) Körpercharge zu unterscheiden.
Adrian Guerrero als Antreiber des FCZ-Spiels
Erst ab der 60. Minute unmittelbar nach der Einwechslung Wilfried Gnontos, kam der FCZ endlich ins Spiel. Der Italiener sorgte für viel Bewegung in der Spitze. Antonio Marchesano rückte ins Mittelfeld zurück. Auch der zehn Minuten vor Schluss eingewechselte Ante Coric war ein Gewinn. Aus der Startformation spielte vor allem Adrian Guerrero stark. Nach einer gewissen Delle seiner Leistungskurve in den letzten Partien war der Spanier gerade in der 2. Halbzeit der eigentliche Antreiber des Zürcher Spiels. Auch Nikola Boranijasevic auf der anderen Seite spielte (vor allem defensiv) gut. Aus dem Zentrum kam hingegen etwas zu wenig. Aktuell ist Marchesano nicht mehr ganz in seiner Topverfassung. Sturmpartner Pollero hatte viele Ballverlusten – erzielte aber auch zwei Tore und hatte nach Vorarbeit von Gnonto am Ende noch die Chance zum Siegtreffer.
Erstes Saisontor auf eine Flanke
Auch Guerreros Standards und Flanken (mit beiden Füssen) kamen wieder gut – eine davon fand den Kopf von Rodrigo Pollero zum 3:3- Ausgleich in der 66. Minute. GC rückte in dieser Situation in der Mitte nicht raus, der Rechte Aussenläufer Dominik Schmid sah sich deshalb bemüssigt an die Mittellinie ins Forechecking zu stürmen, und liess dabei seine Seite für Guerrero frei. Der 3:3-Ausgleich war auch das erste Saisontor des FCZ auf eine klassische Flanke und erst das zweite auf eine Hereingabe von der Seite nach dem 1:1-Ausgleich im ersten Derby, als Marchesano durch Ceesay von der Seite bedient worden war. Positiv beim FCZ herauszuheben sind sicherlich die einstudierten Varianten bei Cornern von Krasniqi und Coric.
FC Zürich mit Abschlusseffizienz
Insgesamt war das Derby zwar spannend, intensiv und torreich, aber die Anzahl guter Offensiv- und Defensivaktionen war kleiner, als in anderen Spielen. Es wurde speziell von FCZ-Seite viel mit Hohen Bällen agiert. Beim Ballbesitz (58%) gab es beim FCZ eine weitere Steigerung. Bezüglich Abschlüssen insgesamt war das Breitenreiter-Team (dank der letzten halben Stunde) etwas im Vorteil, GC hatte statistisch hingegen die besseren Möglichkeiten bei einer Expected Goals-Quote von 0,64 : 1,78 aus FCZ-Sicht. Selbst wenn man den Penalty (Expected Goals: 0,76) nicht miteinberechnet, ist das Verhältnis immer noch 0,64 : 1,02. Auch der Fakt, dass der FC Zürich in der 66. Minute seinen dritten Treffer mit dem erst sechsten Abschluss erzielte, spricht für die hohe Effizienz in dieser Partie.
Telegramm
Grasshoppers – FCZ 3:3 (3:2)
Tor: 3, Pollero (Omeragic) 0:1, 10. Dzemaili 0:2, 17. Bonatini (Penalty, Pusic) 1:2, 27. Margreitter (Pusic) 2:2, 35. Herc (Schmid) 3:2; 66. Pollero (Guerrero) 3:3.
Grasshoppers – Moreira; Arigoni, Margreitter, Loosli; Bolla (33. Schmid), Herc, Kawabe (90. Gjorgjev), Lenjani; Pusic (77. Diani); Bonatini (77. Campana), Sène (77. Demhasaj).
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic, Doumbia, Guerrero; Dzemaili (87. Hornschuh), Krasniqi (60. Gnonto); Marchesano (80. Coric), Pollero.
Die im Basel-Heimspiel feststellbare Aufwärtstendenz wurde zum Auftakt des letzten Saisonviertels im Derby gegen GC fortgesetzt. Fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs (Brecher, Untersee, M. Kryeziu, Rüegg, Domgjoni) standen in der Startformation des FCZ, bei GC waren es immerhin drei (Pusic, N. Bajrami, M. Bajrami). Es gibt weltweit nicht viele Derbies in obersten Ligen mit solchen Aufgeboten an eigenen Junioren am Start. Die Jungs aus dem FCZ-Nachwuchs waren wie immer beim Derby speziell geladen und übertrugen diesen Spirit aufs ganze Team. Rüegg warf sich auf die Bälle und alles, was sich sonst noch bewegte, Pa Modou markierte gegen den aufmüpfigen Djuricin sein Revier und als Kamber sich erdreistete, mit seinem Foul Khelifi im Kniebereich zu treffen, stürzten sich sofort Untersee, Domgjoni und Rüegg auf den aus dem FCB-Nachwuchs stammenden GC-Mittelfeldspieler. Und Mirlind Kryeziu sprintete so schnell wie wohl noch nie in dieser Saison übers halbe Feld, um seinen Standards-Gegenspieler Zesiger resolut am Eingreifen zu hindern.
Grégory Sertic spielte im Vergleich zu seinen schlechten Auftritten gegen Xamax, Sion und (grösstenteils) Basel wie ein umgekehrter Handschuh und nahm beispielsweise Caiuby in den Mittelfeld-Luftduellen aus dem Spiel, was Hekuran Kryeziu nach der verletzungsbedingten Auswechslung des Franzosen nicht mehr gelang. Ein solches von Sertic gewonnenes Luftduell führte über die direkte Weiterleitung Kharabadzes in die Tiefe zum 1:0-Führungstreffer durch Assan Ceesay, welcher für seine Aufwärtstendenz in den letzten Spielen und seine harte Arbeit im Training (gemäss Kevin Rüegg im Interview mit Züri Live) belohnt wurde, auch wenn er ansonsten diesmal im Gegensatz zum Basel-Spiel fast alle seine Luftduelle verlor.
Der FCZ hatte im 274. Derby eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive in der Aufstellung basierend auf dem flachen 4-4-2, das ab der 15. Minute gegen Basel gespielt wurde, mit Rüegg an Stelle von Hekuran Kryeziu im Mittelfeldzentrum, Untersee dafür zurück auf Rechts und Mirlind Kryeziu für den gesperrten Maxsö in der Startformation. Gleich mit dem Anstoss schickte Sertic einen langen Diagonalball nach links vorne, wo mit Ceesay, Kharabadze, Pa Modou, Domgjoni und Khelifi gleich die halbe Equipe hingesprintet war und versuchte, die lokale Überzahl zu nutzen.
Die von Drittquellen erhobenen Teamstatistiken des FCZ sind bei diesem 1:1 gegen GC fast in allen Belangen besser, als beim 3:1-Sieg gegen den gleichen Gegner zu Beginn der Rückrunde. Die Zahlen von Züri Live sehen ähnlich aus: 63 Top-Offensivaktionen sind Saisonrekord, mit 6,7 resultierte die höchste Durchschnittsnote seit dem Heimsieg gegen Leverkusen im Oktober und ebenfalls zum ersten Mal seit damals war kein einziger eingesetzter Spieler ungenügend. Auch Pa Modou bei dessen erstem Startelfeinsatz nach seiner Verletzungspause nicht, obwohl in seinem Spiel noch gleichermassen Licht und Schatten drin waren. Letzteres zum Beispiel beim 1:1-Ausgleichstreffer, als er nicht richtig zum Ball stand, als dieser Ravet nach einer starken Pusic-Flanke und einem Djuricin in Offside-Position glücklich auf die Schulter und von dort ins Tor fiel. Diese linke GC-Abwehrseite mit dem zum Linksverteidiger umfunktionierten Offensivtalent Pusic war es dann auch, wo der FCZ am meisten Druck zu machen vermochte. Salim Khelifis Leistungen sind auf dem aufsteigenden Ast, und Joël Untersee realisierte in einer einzigen Partie beinahe gleichviele Top-Offensivaktionen wie in seinen vier bisherigen Einsätzen zusammengezählt.
Derselbe Untersee traf nach einem weiten Pa Modou-Einwurf zudem den Innenpfosten – bereits der siebte Aluminiumtreffer im vierten Derby der Saison. Wie schon gegen den FCB kassierte der FCZ erneut einen wegen Offsides irregulären Gegentreffer und es wurde ihm ebenfalls erneut ein Penalty verwehrt. Im Gegensatz zum diskussionslosen Foul von Zuffi gegen Domgjoni hatte das Handspiel Nedim Bajramis aber zumindest Diskussionsspielraum. Der FCZ merkte in der Zweiten Halbzeit den Ausfall von Grégory Sertic, der urplötzlich wieder an die starken ersten 30 Minuten in Bern bei seinem ersten Einsatz Mitte Februar anzuknüpfen vermochte. Die Frage stellt sich nach der verletzungsbedingten Auswechslung, ob sich Sertic in den letzten Partien instinktiv zurückgehalten hat, weil er spürte, dass sein Körper ein mit vollem Einsatz geführtes Spiel nicht ertragen würde? Auch ein Wechsel auf GC-Seite beeinflusste das Spiel der Zweiten Halbzeit. Gjelbrim Taipi war als «freies Radikal» im Mittelfeld schwieriger in den Griff zu bekommen, als der im ersten Durchgang relativ blass gebliebene Nedim Bajrami. Am Ende stürmte beim FCZ dann auch noch Umaru Bangura nach vorne – der von GC-Hüter Lindner in Corner gelenkter Aufsetzer war sein erst fünfter Abschluss der ganzen Saison!
GC – FCZ 1:1 (0:1)
Tore: 30. Ceesay (Kharabadze) 0:1, 48. Ravet (Pusic) 1:1.
FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, M. Kryeziu, Pa Modou; Khelifi, Sertic (41. H. Kryeziu), Rüegg, Kharabadze; Domgjoni (85. Marchesano), Ceesay.
GC: Lindner; Cvetkovic, Nathan, Zesiger, Pusic; N. Bajrami (46. Taipi), Kamber; Ravet (72. Lika), M. Bajrami (85. Diani), Caiuby; Djuricin.