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Otterhounds
Der Otterhound ist einer
der ältesten englischen Spürhunde. Er wurde zur Jagd auf
den Fischotter gezüchtet. Die Geschichte der Entstehung dieser
Rasse reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Aus der Herrschaft
von Henry II sind die ersten Urkunden einer Hundemeute erfasst.
Der erste "Herr" (Master) von Otterhunds, Henry's Sohn
König John von England (1199-1216) vollzog den Sport mit viel
Enthusiasmus, Eduard II (1307-1327) sowie Königin Elisabeth
I hielten sich ebenfalls eine Meute Otterhounds. In einem Schriftstück
aus der Zeit von Henry VIII (1509 - 1547) werden alle Personen angewiesen,
Unterstützung zu gewähren, wenn die "königlichen
Otter - Hounds" mit ihrem Master Thomas Hordern durch die Lande
zog um zum Wohl der Öffentlichkeit Otter zu töten.
Das Aussehen einer damaligen Otter - Hunde - Meute war sehr vielgestaltig.
Man konnte diese Hunde wohl besser mit dem Ausdruck "Hunde
die den Otter jagten" beschreiben. Grosse, kleine, lang- und
kurzhaarige Hunde tummelten sich in solchen Meuten. Im Laufe der
Geschichte entwickelten sich hieraus Hunde, die in der Lage waren,
sehr ausdauernd, d.h. tagelang, zu laufen und zu schwimmen und mit
ihrer exzellenten Nase die Spur des Otters an Land und im Wasser
noch nach Tagen aufzunehmen und zu verfolgen.
Zur Otterhoundmeute gehörten neben 8 - 20 Koppel (=16 - 40
Hunde) aber auch bis zu 50 Hunde, einige starke Terriers (Cairn,
Dinmont oder rauhaarige Foxterrier), ein Jagdleiter "Master
of Hounds" ein Hundeführer "Huntsman" und mehrere
Helfer "Whippers-in". In speziellen "Uniformen"
gekleidet folgte man so der Hunde Meute.
Kweb-Meute
(in der roten
Uniform W. v.d. Broek "Master of Hounds" mit seinen Gehilfen
"Whippers-in"
Da der englische "Sportsgeist"
keine hohen Schuhwerke zur Durchquerung der Gewässer duldete,
rat einer der bekanntesten Huntsman Courtenay Tracy:
"Man nehme eine halbe Flasche Whisky schütte davon etwas
in die Schuhe und lasse den Rest durch die Kehle rinnen."
So gerüstet traf man sich zur traditionellen Otterjagd noch
vor Sonnenaufgang an den Ufern der Flüsse um die Hund auf die
Fährte des Fischotters anzusetzen.
Zur Verfolgung wurden die Hunde durch "Tally-ho" und ähnliche
Rufe angefeuert. Mit lautem Hals folgte die Meute der Spur des Wassermarders.
Die Jagd dauerte meist mehrere Stunden und ging quer über Land
("drag") und Wasser ("wash"), meistens dem Laufe
des Wassers folgend, bis zur totalen Erschöpfung des Otters.
Dieser musste am Ende manchmal von den Terriern aus seinem Versteck
getrieben werden, während dessen die Otterhounds den tief unter
dem Ufer liegenden Otter oben auf der Uferböschung witterten
und mit scharren der Vorderläufe versuchten den Otter zu erreichen.
Auf solche Art gestellt, wurde er schliesslich von den Jägern
mit einem dreizackigen, Widerhaken versetzten Wurfspeer (Ottergabel)
getötet, wenn er nicht schon zuvor der Meute zum Opfer gefallen
war. Heutzutage überlässt man das töten der Beute
der Meute.
Für die Anwohner der betreffenden Uferstrecken war das auftauchen
der oft weit umherreisenden Ottermeuten eine Sensation und es herrschten
dann meist "Volksfeststimmung". Wer einmal bei einer solchen
Jagd dabei war, kann diesen wundervollen Anblick einer schwimmenden
Meute mitten im Fluss dem Otter (oder der Bisamratte) laut Hals
auf den Fersen folgend, nie vergessen.
Der Otterhound in seiner
jetzigen Gestalt muss als ein Produkt des 19. Jahrhunderts bezeichnet
werden. Seine Entstehung lässt sich nicht weiter als bis zum
Anfang des 19. Jahrhunderts zurück verfolgen. Mit den mittelalterlichen
"Otter - Hunden" hat er nur noch wenig gemeinsam.
Das Zuchtziel wurde so umschrieben: "Der Otterhound sollte
mutig wie eine Bulldogge sein, die Schwimmfähigkeit eines Neufundländers
sowie die Nase eines Pointers, die Wildheit eines Eskimohundes,
die Geduld eines Pudels und die Kunstfertigkeit eines Schäferhundes
besitzen."
Zu den Vorfahren der neuzeitlichen Rasse zählten unter anderem
der Bluthund od. Bloodhound, von dem der Otterhound seine Grösse,
seinen schlurfenden Gang, seine zum Teil hängenden Augenlider
und Lefzen, sein tiefes Geläut (Stimme) und vor allem seine
gute Nase geerbt hat. Weiterhin der Foxhound, der eingekreuzt wurde,
um die Schnelligkeit der Otterhounds zu steigern, sowie verschiedene
französische Griffon - Arten, Welsh Hound, den rauhaarigen
Welsh Harrier und rauhaarige Terriers, um das Fell der Hunde rauher
zu machen. Viele Rassen, die zur Entstehung des Otterhounds beigetragen
haben, sind mittlerweile verschwunden wie z.B. der schottische Wasserhund
und der legendäre Old Southernhound. Eine Ahnung von der Vielgestaltigkeit
der Rasse bekommt man letztendlich, wenn man sich die in ihrem Aussehen
so unterschiedlichen Otterhounds einmal anschaut.
Old Southernhound
Um das Jahr 1860 herum
jagte der Squire (Gutsbesitzer) James Lomax of Clayton Hall, Clitheroe
mit seiner Meute welche als die Besttrainierteste aller Zeiten galt.
Seine Hunde waren so gut trainiert, dass sie auf kleinste Handzeichen
ihres Führers reagierten. Dem Gutsbesitzer war die Art und
Weise wie seine Hunde jagten wichtiger als der Jagderfolg. Als um
das Jahr 1870 herum alle bis auf 3 seiner Hunde wegen Tollwutverdachts
getötet wurden, verzichtete James Lomax eine neue Meute aufzubauen,
da er befürchtete nie wieder eine so vollkommene Meute ausbilden
zu können wie seine Alte, und anders wollte er nicht vor die
Öffentlichkeit treten.
Ebenfalls eine der bekanntesten Meuten war die Hawkstone Meute des
ehrenwerten Geoffrey Hill. Er übernahm sie von seinem Bruder
1869. Sie bestand damals aus 25 Koppeln, als er 1890 starb bestand
die Meute noch aus 12 Koppeln und einem Terrier. Seine Hunde erjagten
in nur 20 Jahren (1870 - 1890) mehr als 700 Fischotter, alleine
im Jahre 1881 deren 62. Carnaby Forster übernahm Hill's Hunde
für 1000 Pfund.
Im Jahre 1889 begannen Mr. Wilson Davidson und Mr. D.J. Bell - Irving,
zusammen mit einigen weiteren Begeisterten, mit dem Aufbau der sogenannten
Dumfriesshire Otter Hound - Pack (Meute). Sie "sammelten"
reinrassige wie eingekreuzte Otterhounds aus verschiedenen anderen
Meuten, nahmen französische Griffons, Bloodhound und rauhaarige
Welsh Harrier zum Aufbau ihrer Meute und nach nur wenigen Jahren
gelang es ihnen einen sich einheitlich vererbenden Typ heraus zu
züchten: den Dumfriesshire Otterhound. 1891 bestand dieses
Meute aus 15 Koppeln.
Ziemlich schnell fanden die "true" (echten) Otterhounds"
des Dumfriesshire Kennels ihren Weg in andere Meuten und es gibt
heute kaum einen Stammbaum ohne mindestens einem Dumfriesshire Hound
als Vorfahre.
Dumfriesshire Meute
Im Oktober 1891 entstand
eine detaillierte Liste mit den damals in England jagenden Otterhound
Meuten. Darin sind 19 Meuten welche aus 8 - 19 Koppel bestanden
aufgeführt.
In der Blütezeit der Otterjagd, zweite Hälfte 19. Jahrhundert,
jagten in ganz England 18 - 20 Otterhundmeuten zwischen April und
September. In diesen Monaten durfte in England kein anderes Wild
gejagt werden.
Vor mehr als 100 Jahren wurden auch in Deutschland englische Otterhounds
gehalten, gezüchtet und jagdlich geführt.
In Norddeutschland übte der Otterjäger C. Schmidt in Westfalen
die Otterjagd aus. Später betrieben die Gebrüder Schmidt
die Jagd auf Otter professionell in ganz Deutschland und Österreich
Vom preussischen Landwirtschaftsministerium finanziert, importierte
etwa zur gleichen Zeit ein Förster Namens Bernhard(t) 4 Otterhunde
nach Kupferhütte im Harz, mit denen er bis 1887 rund ein Dutzend
Otter im Harz und Solling erjagte. Auch in anderen europäischen
Ländern wurden Otterhoundmeuten gehalten, so besass Österreichs
Kronprinz Rudolf um die Jahrhundertwende eine Otterhoundmeute, ebenso
der ungarische Graf Migazzy und Rittergutsbesitzer Sperber aus Weimar.
Noch vor 1910 wurde der erste Otterhound nach Amerika exportiert.
Im 19. Jahrhundert wurde
der erste "Standart" verfasst, jedoch wurde der Otterhound
erst sehr spät vom englischen Kennel Club als eigenständige
Rasse anerkannt.
In den Jahren 1978 bis 1980 wurde der Fischotter in England, Wales
und Schottland unter Schutz gestellt. Zu diesem Zeitpunkt existierten
noch 2 registrierte Jagdmeuten, die komplett aus reingezüchteten
Otterhounds (ca. 100 Stück) bestanden: die Dumfriesshire -
Meute sowie die Kendal & District - Meute. Durch den Schutz
des Fischotters waren diese Meuten arbeitslos geworden. Viele Hunde
wurden aus diesem Grund getötet. Um die Rasse vor dem Untergang
zu retten suchte man nach alternativen Lösungen. Im Jahre 1978
wurde in England ein neuer Rasseklub gegründet den Otterhound
Club, sein Ziel war es dem Hund eine neue Bedeutung als Familien-
und Ausstellungshund zu geben. Einer der ersten Hunde, nach der
Gründung, welcher sich im Showring verdient gemacht hatte war
KENDAL NIMROD und ging 1979 an der Crufts aus der Hound - Gruppe
als Reservesieger hervor. Überhaupt waren die Kendal Hunde
berühmt für ihre Ausstellungserfolge und bei der Arbeit
während der Jagd kaum zu schlagen.
Da der Fischotter unter Schutz stand, trainierte man nun ohne Schwierigkeiten
kurzerhand die Otterhoundpacks auf Nerz und Bisamratten um.
Fischotter
Bisamratte
Auch in Amerika ist
der Fischotter inzwischen geschützt und auch dort hat der Otterhound
sich ersatzweise u.a. zur Jagd auf Waschbär, Nerz, Puma und
Bär hervorragend bewährt. In Finnland wird mit dem Otterhound
unteranderem Jagd auf Hasen und Rentiere gemacht. Die weltweit letzte,
offiziell registrierte reine Otterhoundmeute ist die Niederländische
Kweb - Meute mit 8 Koppeln. Welche noch heute mit viel Erfolg zur
Jagd auf Bisamratten (welche die Dämme beschädigen) eingesetzt
wird.
Jedoch lebt heutzutage der grösste Teil als Einzelhund in der
menschlichen "Meute", er ist auf Ausstellungen zu sehen
oder im Breitensport (Agility, Fährtenhund, Obedience, Begleithund
usw.), wird zur Nachsuche auf Wild eingesetzt oder findet z. B.
in Amerika als Therapiehund Verwendung. In England und der Schweiz
wird er unter anderem wie der Bloodhound für die Nachsuche
auf vermisste Menschen "American Mantrailing"
trainiert.