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Mehr als die Hälfte der EinwohnerInnen Nairobis leben in informellen Siedlungen und Slums. Ihre Häuser sind baufällig, sie haben kaum Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen, Gesundheitsversorgung, Schulen und weiteren Dienstleistungen. Besonders hart trifft es die Frauen, die durch genderbedingte Gewalt in der Armut gefangen sind.
«Frauen in den Siedlungen von Nairobi werden nachts und manchmal schon bevor es dunkel wird, zu Gefangenen in ihren eigenen Häusern», sagt Godfrey Odongo, Ostafrika-Experte bei Amnesty International. «Frauen brauchen mehr Privatsphäre als Männer, wenn sie die Toilette benutzen oder sich waschen wollen. Der fehlende Zugang zu sanitären Anlagen setzt sie der Gefahr aus, vergewaltigt zu werden. Ohne den Zugang zu Gemeinschaftstoiletten sind sie ausserdem einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt.»
Ungenügender Zugang zu sanitären Anlagen
Kenia hat sich in Rahmen der Millenniums-Entwicklungsziele der Uno dazu bereit erklärt, zwischen 1990 und 2015 die Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen haben, zu halbieren. Die Regierung hat ehrgeizige Pläne und will bis 2015 sicherstellen, dass 90 Prozent der Haushalte einen nachhaltigen Zugang zu hygienischen und erschwinglichen sanitären Einrichtungen haben.
Trotz dieser vielversprechenden Zugeständnisse geht die Politik Kenias zu wenig auf die Hindernisse ein, die Frauen und Mädchen in den Slums den Zugang zu sanitären Anlagen versperren. Die Regierung plant, die Betreiber von öffentlichen Toiletten zu unterstützen und Haushalten bei der Errichtung von sanitären Anlagen finanziell unter die Arme zu greifen. Bis anhin hat sie diesbezüglich jedoch versagt, denn sie setzt die Gesetze nicht um, welche VermieterInnen und BauherrInnen verpflichten, Toiletten und Badezimmer zur Verfügung zu stellen.
Auch die Gefahr von Gewalt und Übergriffen, die Frauen wegen fehlenden eigenen Toiletten und Waschräumen ausgesetzt sind, bezieht die Regierung nicht in ihre Politik mit ein. Wenn die Bedürfnisse der Frauen in den informellen Siedlungen nicht berücksichtigt werden, wird die Regierung kaum die Millenniums-Entwicklungsziele im Bezug auf sanitäre Anlagen erreichen können.