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Wörterbuch
der Sozialpolitik
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Duale Gesellschaft

Bei der dualen Gesellschaft handelt es sich um eine besondere Form der (sozialen) Ungleichheit. Soziale Ungleichheit liegt vor, wenn Mitglieder einer Gesellschaft dauerhaft in unterschiedlichem Mass über notwendige und begehrte Güter verfügen. Es geht nicht um individuelle Unterschiede wie Größe, Hautfarbe oder körperliche Kraft, sondern um die Verteilung von Wohlstand, Ansehen und Macht. Bei der dualen Gesellschaft steht die Integration in die Erwerbsarbeit im Vordergrund. Nach diesem Kriterium wird die Gesellschaft unterteilt in Erwerbstätige und nicht Erwerbstätige. Je nach Verhältnis ist von Zweidrittel- oder Dreiviertel-Gesellschaft die Rede.
Bei Analysen sozialer Ungleichheit ist ein Wandel von vertikalen zu horizontalen Betrachtungen feststellbar. Marxistische Konzepte betonen im 19. Jahrhundert duale Gegensätze durch (Nicht-) Besitz an Produktionsmitteln. Modelle sozialer Schichten beziehen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitere Kriterien wie Bildung, Qualifikation, Erwerbslage und Einkommen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg rücken Modelle sozialer Lagen "jenseits von Klasse und Schicht" individuelle Lebenschancen und Verhaltensweisen in den Vordergrund. Sie berücksichtigen Ressourcen wie Erwerbsarbeit, Einkommen, Reichtum, Wissen, Macht und vor allem weitere Lebensumstände. Seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts halten Lebenswelt- und Milieumodelle die Erwerbsarbeit, berufliche Positionen, Einkommen und Ausbildungen für nicht mehr so zentral. Lebensweisen scheinen frei wählbar und vom (konservativen, technokratischen, aufstiegsorientierten, alternativen) Milieu abhängig zu sein, in dem sich Menschen bewegen. Duale Konzepte geraten - trotz sozialer Gegensätze - in den Hintergrund.
Literatur: