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16.06.2021, 15:54 Uhr
Angebot und Volumen von ETF entwickeln sich stürmisch, dem Sektor scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Was auffällt: Trotz der Fülle an neuen Produkten entfällt der überwiegende Teil der Anlagen wie seit...Artikel lesen
Kernenergie ist zwar aus Gefahren- und Entsorgungsgründen geächtet, verursacht aber keine CO2-Emissionen. Die Pro- und Contra-Argumente spiegeln sich auch im Resultat der investrends.ch-Umfrage.
Kernenergie ist spätestens seit der Katastrophe von Fukushima dermassen umstritten, dass etliche Regierungen den definitiven Ausstieg beschlossen oder bereits vollzogen haben. So hat zum Beispiel Italien einen vollständigen Ausstieg aus der Erzeugung von Atomenergie durchgeführt, weitere Staaten wie die Schweiz, Deutschland und Belgien haben einen Atomausstieg angekündigt bzw. ihn in die Wege geleitet. Österreich nahm sein fertiggestelltes Kernkraftwerk Zwentendorf bereits 1978 nach einer Volksabstimmung nicht in Betrieb, weitere Staaten brachen zum Teil weit vorangeschrittene Atomprogramme ab.
Der Atomausstieg ist ein wichtiger Teilaspekt der Energiewende, bei der langfristig die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien sowie der völlige Verzicht auf konventionelle Energieträger wie fossile Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) und eben Kernbrennstoffe angestrebt werden. Neben den unbestrittenen Risiken, die die Kernenergie in Bezug auf Gefahren und Entsorgung mit sich bringt, stellt die globale Erwärmung aufgrund des Umfangs der Betroffenheit und der Unmittelbarkeit der Folgen ein noch grösseres Risiko dar.
Um die in Paris vereinbarten Klimaziele zu erreichen, muss die Klimaerwärmung gegenüber vorindustrieller Zeit auf 1,5°C begrenzt werden. Dafür müssen die Treibhausgas-Emissionen weltweit spätestens bis 2050 auf "netto-null" reduziert werden. Das bedeutet kurz gesagt Klimaneutralität. Die Produktion von sauberer Energie ist eine der Antworten auf diese Herausforderung. Doch immer noch entfallen 63% der weltweiten Stromerzeugung auf fossile Brennstoffe. 11% werden durch Atomkraft abgedeckt, 15% liefert die Wasserkraft. Am wenigsten (11%) decken die "sauberen" Energien wie Sonne, Wind, Erdwärme und Biomasse ab.
Auch aufgrund dieser Konstellation zweifeln allerdings viele Experten daran, dass es möglich, die gesetzten Klimaziele zur erreichen. Hier kommt die CO2-freie Kernenergie wieder ins Spiel. Bill Gates unterstützt in seinem neuesten Buch "Klima: Wie man eine Katastrophe vermeiden kann. Die aktuellen Lösungen. Die notwendigen Innovationen" eine Position zugunsten der Kernenergie. Ihm zufolge läuft ein Kernkraftwerk 24 Stunden am Tag und steht sehr selten still. Strom aus Kernenergie sei mit am günstigsten zu produzieren und Kernenergie stosse eben kein CO2 aus. Die Kilowattstundenproduktion sei reichlich und regelmässig. Die Kernenergie werde es ermöglichen, die Produktion von Elektrizität mit fossilen Brennstoffen zu ersetzen und auf den Anstieg des Stromverbrauchs in Verbindung mit Elektrofahrzeugen zu reagieren, was ebenfalls eine Lösung zur Bekämpfung der globalen Erwärmung darstelle.
Nicolas Pelletier von Reyl, der sich in seinem Artikel auf investrends.ch auf Bill Gates bezieht, weist darauf hin, dass aktuell zur Vermeidung von Abfall neue nukleare Produktionstechnologien entwickelt werden, zum Beispiel mit dem ITER-Projekt, dem internationalen thermonuklearen Versuchsreaktor. Die neue Technologie werde dieses Problem bis 2030 mit der Kernfusion lösen, die langfristig keinen radioaktiven Abfall produziere.
Dass sich in der Investment-Branche einiges in Sachen Klimaziele und deren Erreichung tut, ist an der Vielzahl von Artikeln zum Thema abzulesen. Yannik Zufferey von Lombard Odier Investment Managers etwa fordert in einem Beitrag Investoren auf, für diesen tiefgreifenden wirtschaftlichen Übergang zur Netto-Null-Lösung bei CO2-Emissionen ihre Portfolios neu zu überdenken. Er bezieht sich dabei allerdings auf Unternehmen mit hohen Emissionen und meint, dass diese nicht einfach ausgeschlossen werden sollten. Investoren sollten also eine gesamtwirtschaftliche, zukunftsorientierte Sichtweise einnehmen, die weit über den aktuellen CO2-Fussabdruck hinausgeht, wenn sie glaubwürdige Pläne zur Reduzierung ihrer Emissionen im Einklang mit einer Netto-Null-Zukunft umsetzen.
Dass die Herausforderung, die Klimaziele zu erreichen, sehr vielschichtig ist, drückt auch das Resultat der investrends.ch-Umfrage zur Kernenergie aus: Kann diese zu den nachhaltigen Investments gezählt werden? Die Ja-Stimmen (50%) halten sich mit den Nein-Stimmen (50%) genau die Waage.
In der neuen Umfrage können Sie Ihre Meinung zur weiteren Entwicklung des SMI abgeben. Hier geht es zur Umfrage.