Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03640.jsonl.gz/1177

Behauptung 1: «PCR-Tests sind ungenau»
Um Coronaviren nachzuweisen, werden Abstriche gemacht: Im Mund-, Nasen- oder Rachenraum. Es wird geprüft, ob Erbgut des Virus enthalten ist. Eines vorweg: Natürlich ist kein Test fehlerfrei. Deshalb sind drei Faktoren entscheidend, wie genau ein Testverfahren ist. Sensitivität, Spezifität und die Vortestwahrscheinlichkeit.
- Die Sensitivität (Empfindlichkeit) misst, wie viele Infektionen der Test effektiv erkennt. Hat ein Test eine Sensitivität von 99 Prozent, so heisst das: 99 von 100 Infektionen werden gefunden.
- Die Spezifität (Genauigkeit) misst, zu wie viel Prozent eine gesunde Person auch als gesund identifiziert wird. Hat ein Test eine Spezifität von 95 Prozent, so heisst das: 95 von 100 gesunden Menschen haben ein negatives Ergebnis.
Laut dem BAG haben die Tests auf dem Schweizer Markt folgende Werte:
Sensitivität variiert zwischen 92 und 100 Prozent, die Spezifität zwischen 97 und 99.8 Prozent.
Jetzt kommt der entscheidende dritte Faktor dazu: Die Vortestwahrscheinlichkeit. Sie misst, wie hoch das Infektionsrisiko ist.
Mit wem hatte die Person vor dem Test Kontakt? Zeigt sie Symptome und kommt sie aus einem Risikoland? Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko der Bevölkerung?
Hatte eine Person zum Beispiel länger Kontakt mit einem Corona-Patienten, so ist das PCR-Testergebnis nahezu 100 Prozent positiv.
Behauptung 2: «Die Grippe ist viel gefährlicher als das Coronavirus»
Die Unterschiede der beiden Krankheiten findest du in diesem Artikel. Die Corona-Todesfälle lassen sich nicht mit der Grippe vergleichen. Die Todeszahlen werden unterschiedlich erhoben. Das BAG veröffentlicht die Anzahl der Todesfälle, die im Labor durch einen PCR-Test bestätigt wurden. In der Statistik werde nicht unterschieden, ob jemand «an» oder «mit» Corona gestorben ist. Das kann heissen: Die Zahl der Todesfälle wird überschätzt, aber eventuell auch unterschätzt.
Anders werden Grippetote gemeldet. Die Todesfälle basieren auf statistischen Modellen. Die saisonalen Influenza-Todesfälle aus vergangenen Jahren sind Schätzwerte und werden als «Übersterblichkeit» bezeichnet. «Die influenzabedingte Sterblichkeit (Mortalität) kann durch statistische Verfahren aus der Zahl der Gesamttodesfälle oder aus der Zahl der als „Pneumonie oder Influenza“ kodierten Todesfälle geschätzt werden», heisst es beim Robert Koch Institut.
Damit
lässt sich ablesen, dass in einem bestimmten Zeitraum besonders viele Menschen gestorben
sind. Die zusätzlichen Toten werden also einem bestimmten Ereignis zugeordnet –
im Winter eben der saisonalen Grippe. Die vermutete Zahl deckt sich somit nicht mit der im Labor nachgewiesenen, tatsächlichen Influenza-Todesfällen.
Behauptung 3: «Masken schützen nicht»
Einfache OP-Masken können das Risiko einer Infektion des Trägers deutlich reduzieren, wie eine Studie bestätigt, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Auftrag gegeben wurde.
Vor allem schützen OP-Masken das Gegenüber. «Das Tragen einer Maske im Alltag dient in erster Linie zum Schutz von anderen Personen. Eine infizierte Person kann bereits zwei Tage vor Auftreten der Symptome ansteckend sein, ohne es zu wissen. Wenn auf engem Raum also alle eine Maske tragen, wird jede Person von den anderen geschützt», schreibt das BAG. Das Bundesamt erwähnt aber auch, dass das Maskentragen keinen hundertprozentigen Schutz biete – aber mithilfe der Maske würde sich das Coronavirus weniger schnell ausbreiten.
Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sei entscheidend, wie die Viren durch die Luft getragen werden und nicht, wie gross die Viren sind. «Durch das Tragen können Geschwindigkeit des Atemstroms oder Speichel-/Schleim-Tröpfchenauswurfs reduziert werden», heisst es. Verschiedene weitere Studien untermauern die Schutzwirkung von Masken.
Eine Untersuchung der US-Fachzeitschrift PNAS schreibt: «Zur Eindämmung des Virus sei das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes sogar noch wichtiger als Abstandsregeln und Ausgangssperren».
«Wie auch beim Zahnarzt oder beim Chirurgen im OP verhindern die Masken, dass Tröpfchen zum Beispiel beim Husten oder Sprechen ausgeschieden werden und so das Virus auf ein Gegenüber oder Oberflächen gelangt, wo sich jemand anderes anstecken kann», erklärt Franziska Kluschke, Kantonsärztin von Appenzell Ausserrhoden, in einem Interview.
Eine Studie aus Deutschland hat gezeigt: Das Maskentragen habe die Verbreitung von Corona in Deutschland deutlich eingeschränkt.
Diese Masken empfiehlt das BAG.
Behauptung 4: «Masken schaden unserer Gesundheit»
Fakt ist: Es gibt noch zu wenig aussagekräftige Studien, ob Masken der Gesundheit schaden oder nicht.
Manche Menschen würden von den Masken Kopfschmerzen bekommen, andere Atembeschwerden. Gegenüber dem SRF-Gesundheitsmagazin «Puls» sagt Martin Brutsche: «Es gibt keinen direkten Link zwischen Maskentragen oder der damit verbundenen Art des Atmens und der Entstehung von Kopfweh.» Brutsche ist Chefarzt des Lungenzentrums im Kantonsspital St. Gallen. Kopfschmerzen seien eher Stress-Symptome, so Brutsche.
Auf die Frage, ob Maskentragen einen Einfluss auf die Sauerstoffsättigung im Blut hat, argumentiert Bewegungswissenschaftler Simon Annaheim mit einem Experiment: «Die Sauerstoffaufnahme wurde durch das Maskentragen nicht reduziert. Auch nicht bei leichter oder moderater Aktivität, wie wir sie auf dem Laufband simuliert haben.»
Und atmen wir wegen der Maske das Kohlendioxid wieder ein? «Die ausgeatmeten CO2-Moleküle sind so klein, dass sie die Maske problemlos durchdringen», sagt Annaheim gegenüber SRF.
Quelle: CH Media Video Unit
Behauptung 5: «Schweden hat alles im Griff auch ohne Massnahmen»
Für viele Europäer erscheint Schweden ein Paradies zu sein in der ermüdenden Corona-Pandemie. Lasche Massnahmen und viele Freiheiten – das ist der schwedische Sonderweg. Viele wünschen ähnliche Massnahmen in der Schweiz und man solle das Leben noch geniessen dürfen wie die skandinavischen Vorbilder.
Doch ein genauer Vergleich zeigt die beklemmenden Todeszahlen: Obwohl Schweden weniger Fälle hat, sind fast doppelt so viele Menschen in Zusammenhang mit Corona gestorben, nämlich 6'321 (Stand: 17. November). Erst kürzlich hat die schwedische Regierung die Massnahmen verschärft.
Warum es für Schweden doch nicht schlimmer gekommen ist, liegt wohl auch an geografischen und kulturellen Unterschieden. Schweden ist dünn besiedelt, viele leben alleine oder abgeschottet und die Selbstdisziplin der Skandinavier dürfte grösser sein als bei uns.
Behauptung 6: «Ein gutes Immunsystem reicht völlig aus»
Diese Aussage ist weder abschliessend falsch noch richtig. Ein neuartiges Virus ist auch für den Körper «neuartig». Doch ohne ein gut funktionierendes Immunsystem würden wir an allen möglichen Viren sterben. Deshalb ist eine gesunde Lebensweise und ein starkes Immunsystem matchentscheidend auch bei einer Coronainfektion. Doch so ist man nicht automatisch geschützt, das Virus ist nicht weniger gefährlich.
«Die üblichen Empfehlungen wie Teetrinken oder Wechselduschen schützen weder vor einer Sars-CoV-2-Infektion, noch helfen sie bei einer schweren Covid-19-Erkrankung», sagt Christine Falk vom Institut für Transplantationsimmunologie der Medizinischen Hochschule Hannover gegenüber der «Süddeutschen Zeitung».
Junge Patienten zeigen häufig nur milde Symptome, ältere Personen müssen oft auf einer Intensivstation behandelt werden. Diese liege an zwei verschiedenen Abwehrstrategien: Die angeborene und die adaptive Immunabwehr würden im hohen Alter nicht mehr so gut zusammenspielen. Was wiederum nicht heisst, dass junge Menschen grundsätzlich geschützt seien. «Auch Patienten, die als kerngesund galten, sind bereits an Covid-19 erkrankt und gestorben», sagt Falk.
Sie vermutet, es komme darauf an, wie tief das Virus in die Lunge vordringt. Ab den Lungenbläschen kann sich das Virus im gesamten Körper ausbreiten. Das sei auch für den Virologen Christian Dorsten ein möglicher Grund, warum gesunde Menschen schwer an Corona erkranken können.
Deshalb sind die geltenden Massnahmen zur Vorbeugung immer noch elementar: Abstand, Hygiene und Maske.
Behauptung 7: «Mit schlecht überprüften Impfstoffen werden wir zwangsgeimpft»
Die schnelle Entwicklung der Impfstoffe bringe keine zusätzlichen
Risiken. Claus Bolte von Swissmedic sagte an der Pressekonferenz, die
Kriterien für eine Zulassung seien genau gleich streng wie sonst.
Lediglich das Verfahren sei beschleunigt worden, weshalb es möglich war,
so schnell einen Impfstoff zu entwickeln. Die Hürden für eine Zulassung
seien immer noch gleich.
Eine Impfpflicht ist nicht vorgesehen, wie Bundesrat Alain Berset betonte. Jede und jeder müsse selber entscheiden, ob sie oder er sich impfen lassen wolle. «Dank einer Impfung erhoffen wir uns eine deutliche Verbesserung der Lage in unserem Land.» Der Bundesrat strebt an, dass sich rund 60 Prozent der Bevölkerung impfen lassen werden.
Behauptung 8: «Bill Gates trägt Schuld an allem»
Bill Gates ist eines der Haupt-Feindbilder der Corona-Pandemie. Der Microsoft-Gründer war jahrelang der reichste Mensch der Welt, bis Amazon-Gründer Jeff Bezos ihn überholte. Ein Grund für den finanziellen Machtwechsel könnte sein, dass Gates ein Drittel seines Vermögens in seine Stiftung gesteckt hat. Die „Bill and Melinda Gates“-Stiftung ist laut vielen Entwicklungshelfern eine unverzichtbare Quelle für die weltweite Entwicklungshilfe.
Nicht alles, was die Stiftung macht, wird gelobt. Sie musste auch viel Kritik einstecken. Vor allem sind sich viele einig, dass Gates durch die grosszügigen Spenden an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) viel Macht besitzt und die Richtung vorgibt. Einen ausführlichen Fakten-Check rund um Bill Gates findest du in diesem Artikel.
Behauptung 9: «Medien wollen nur Panik verbreiten»
Nachfrage bestimmt das Angebot. So auch bei den Medien. Wer sich über das Coronavirus informieren will, soll auch verschiedene Berichte zu unterschiedlichen Aspekten bei uns finden.
Worüber berichten Medien? Über aktuelle, relevante Talkabouts. Und Fakt ist: Die ganze Schweiz spricht über Corona. Das zeigen Google-Suchtrends der letzten 12 Monate: Corona, Wetter und US-Wahlen. Auch intern ausgewertete Daten geben ein ähnliches Bild ab. Natürlich sind wir stets bemüht, alle relevanten Themen des Tages abzudecken.
Eine Analyse der NZZ zeigt, dass die Berichterstattung der Schweizer Medien während der ersten Welle angemessen war. Das Fazit der Tageszeitung: Angebot folgt auf Nachfrage.
Quellen: BAG, WHO, Robert Koch Institut, Correctiv, Quarks, Süddeutsche Zeitung, SRF.