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«Familienbande»
Der Titel darf wörtlich genommen werden, denn der Sohn schreibt schon im ersten Satz: «Mein Vater war mir immer sehr unsympathisch. Er ist es mir noch heute, während ich hier sitze und schreibe.»
Eigentlich hätte Ihre Regula, die noch in fortgeschrittenem Alter ein «Papatitti» ist, das Buch «Franz Meyer, der Museumsmann. Ein Vaterbuch» lieber gleich weglegen sollen. Aber dann hätte sie ein bestürzendes, verstörendes Sittenbild über das Kultur-Zürich der 1940er-, 1950er- und frühen 1960er-Jahre verpasst. Lieber Piet Meyer (er ist der Autor dieses Buches): Auch in anderen Zürcher Familien wurde über Nazideutschland und unser Zürich mittendrin nicht gesprochen. Auch nicht in der katholischen Diaspora. Und im damaligen Geschichtsunterricht sowieso nicht.
Der Ethnologe Piet Meyer, 69, ist der Sohn des Franz Meyer-Chagall (1919-2007), Jurist und Kunsthistoriker. Der dirigierte die Kunsthalle Bern, bevor er ab 1961 als Nachfolger des legendären Georg Schmidt bis 1980 das Kunstmuseum Basel führte. Am Begräbnis seines Vaters hat Piet Meyer nicht teilgenommen. Dass es im Friedhof Enzenbühl ein Familiengrab gibt, haben sie ihm erst später gesagt. «Familienbande» eben!
Sein Grossvater Franz Meyer-Stünzi gehörte 1940 zu den 173 Unterzeichnern der nazifreundlichen «Eingabe der 200», die eine Gleichschaltung der Presse im Sinne Hitler-Deutschlands forderte. Er sammelte aber auch unter anderem Modigliani und Rothko und engagierte sich in der Zürcher Kunstgesellschaft als Präsident. Und er holte Emil Bührle in den Vorstand. Der Urgrossvater Fritz Meyer-Fierz hatte in Sumatra in knapp einem Jahrzehnt mit Tabak ein Vermögen gemacht.
Apropos Bührle: Ist es mehr als ein Gerücht, dass dieser den nach ihm benannten Kunsthaussaal als Teil eines Deals geschenkt hat, mit dem hängige Steuerstreitigkeiten à la zurichoise erledigt worden sind? Ein sehr früherer Stadtpräsident, der an der Winkelwiese wohnte, hat das mehr als einmal erzählt, aber es war dann jeweils schon fast Polizeistunde. – Piet Meyer musste seine toll kunstaffine, aber kaltherzige Familiengeschichte offenbar vor allem im Internet recherchieren. Er gründete vor 14 Jahren seinen Pietmeyer Verlag, Bern und Wien, den er kürzlich eingestellt hat. Sein Vaterbuch ist im Till Schaap Verlag erschienen (tillschaapedition.ch).
Viel sei vom Familienerbe für ihn nicht übrig geblieben, lässt er an einer Stelle durchblicken. Und er erinnert sich an das Lieblingsschimpfwort seines «Herrn Vaters»: «Huereherrgottsnochmal!»
Regula