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Eine Pille als Schluessel zum Erfolg
von Sule Durmazkeser
Was würde passieren, wenn der Mensch die Möglichkeit hätte, durch die Einnahme einer Pille das gesamte Potenzial seines Gehirns zu nutzen? Regisseur Neil Burger nimmt diese Hypothese als Aufhänger seines neuesten Filmes «Limitless». Entstanden ist ein actiongeladener, rasanter Thriller mit einem herausragenden Bradley Cooper in der Hauptrolle und einer Story, die von der spannenden Frage geleitet wird: „Was wäre, wenn…?“
Erzählt wird die Geschichte von Eddie Morra (Bradley Cooper) oder vielmehr: Der Film lässt Eddie seine eigene Geschichte erzählen. Die Bilder, die wir sehen, sind seine Erinnerungen, die er teils sachlich-nüchtern, teils ironisch-witzig rückblickend aus dem Off kommentiert, während er auf dem Balkongeländer seines Appartements steht. Bedroht von Gangstern, die versuchen, in die Wohnung einzudringen, ist er bereit zum Absprung. Die Erklärung, wie es so weit kommen konnte, liegt in Eddies Vorgeschichte, die nach dieser Anfangssequenz aufgerollt wird. Eddie ist ein erfolgloser Schriftsteller, der seinen ersten Roman fertig zu stellen versucht. Geplagt von einer Schreibblockade, treibt er ziellos durch die Strassen und Bars New Yorks, bis er eines Tages zufällig auf seinen Ex-Schwager Vernon (Johnny Withworth) trifft und durch ihn an eine neuartige Designerdroge Namens NZT herankommt. Die Wunderpille ermöglicht es ihm – statt der üblichen 20 Prozent – die gesamte Kapazität seines Gehirns zu nutzen, und so befindet sich Eddie schon bald auf der Überholspur. Mit fast schon unheimlicher Leichtigkeit erinnert er sich an Gesehenes oder Gehörtes, lernt Neues innert kürzester Zeit. Sein kometenhafter Aufstieg in der Finanzbranche öffnet ihm die Tür zu einem erfolgreichen und luxuriösen Leben, gerade weil er dadurch die Aufmerksamkeit des Finanzmoguls Carl Van Loon (Robert De Niro) auf sich lenkt. Doch Eddies Glück scheint nicht von Dauer zu sein, denn allmählich beginnen Probleme aufzutauchen. Die Nebenwirkungen von NZT – Entzugserscheinungen, Kredithaie und Killer – machen ihm das Leben zur Hölle und bringen ihn im wahrsten Sinne des Wortes an den Rand des Abgrunds…
Limitless gelingt es auf zwei Ebenen, eine Beziehung zwischen Eddie und den Zuschauern aufzubauen. Einerseits wird die Geschichte von Eddie selbst erzählt. Dadurch wird beim Zuschauen und Zuhören ein Gefühl der heimlichen Mitwisserschaft über NZT und seine Wirkung erzeugt. Andererseits erlauben die audiovisuellen Elemente einen unmittelbaren Zugang zu Eddies Welt. Schnelle Schnitte unterlegt mit passenden musikalischen Rhythmen, rasante Kamerafahrten und Zooms kreieren eine fiktive Achterbahnfahrt durch die Strassen von New York, die eigentlich nur in Eddies Kopf stattfindet. Diese Drogentrips konfrontieren das Publikum mit unterschiedlichsten Sinneseindrücken, und genau wie Eddie empfindet man diese zunächst als faszinierend und aufregend. Zudem rückt der warme Gelbfilter, der über die Bilder gelegt ist, die Erlebnisse in ein positives Licht. Doch der Einsatz von verzerrenden Linsen lässt da bereits erahnen, dass das Ganze nicht so harmlos ist, wie es zunächst scheint. Schnell wird deutlich, dass ein Mensch kaum in der Lage ist, alle diese Eindrücke zu verarbeiten. Sobald sich die Nebenwirkungen des Medikaments bemerkbar machen und Eddie immer mehr an Blackouts leidet, beginnt man als Zuschauer allmählich die Orientierung zu verlieren.
Richtigerweise verzichtet Regisseur Neil Burger darauf, den Fokus auf mehrere Figuren zu legen und konzentriert sich stattdessen auf einen Protagonisten und seine mentalen Eindrücke. Dadurch wird Eddie zur unmittelbaren Identifikationsfigur der Zuschauer. Trotzdem lässt der Film auch Raum, seine Entscheidungen und sein Verhalten zu hinterfragen, ohne dabei zu stark zu moralisieren. Letztendlich ist Eddie nur ein gewöhnlicher Mensch, der dankbar nach jeder Möglichkeit greift, um sein Leben zu verbessern. Obwohl Gefahren lauern, ist das neue Leben einfach zu verlockend. Bradley Cooper gelingt diese schauspielerische Gratwanderung zwischen Attraktivität und dem Abstossenden scheinbar mühelos. Im Rahmen weniger Szenen ist er in der Lage, sich von einem heruntergekommen Loser in einen smarten und charismatischen Aufsteiger zu verwandeln, nur, um im nächsten Moment zu einem Junkie mit Entzugserscheinungen zu verkommen. Doch trotz guter Schauspielleistungen und innovativ eingesetzter Stilmittel verliert der Film im letzten Viertel stark an Spannung. Obwohl Eddies Konfrontation mit den Gangstern dem klassischen Showdown im Actiongenre entspricht, belässt es der Film nicht dabei, die Story dort abzuschliessen. Die folgenden knapp zwanzig Minuten erscheinen daher etwas unnötig und aufgesetzt, und auch der Schluss lässt den Zuschauer in einem Zustand der Unentschlossenheit zurück. Die Frage, wie glücklich das Happy End wirklich ist, bleibt letztlich unbeantwortet, da Eddies ironische und bisweilen zynische Erzählweise auch auf den Schluss des Films übertragen werden kann.
Abgesehen davon ist Limitless alles in allem ein guter Unterhaltungsfilm, der gerade durch seine visuellen Effekte ein beeindruckendes Kinoerlebnis schafft und mit einem überzeugenden Bradley Cooper in der Hauptrolle eine starke Identifikationsfigur für die Zuschauer bietet.
[kkratings]
[hr]
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Limitless (2011)
Originaltitel: –
Land: USA
Regie: Neil Burger
Drehbuch: Leslie Dixon, Alan Glynn
Schauspieler: Robert De Niro, Bradley Cooper, Abbie Cornish, Anna Friel, Johnny Whitworth, T.V. Carpio, Robert John Burke, u.a.
Musik: Nico Muhly
Laufzeit: 105 Minuten
Start CH: 07.04.2011
Verleih: Ascot Elite
Weitere Infos bei IMDB[/box]
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©Ascot Elite
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