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Mit 52 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr belegt die Schweiz punkto Fleischkonsum europaweit einen Spitzenplatz. Kein Grund um stolz zu sein. Die Fleischproduktion - so viel ist unbestritten - ist nämlich einer der grossen Treiber des Klimawandels.
Gemüse verursacht weniger Kohlendioxid
Mehr als 12 Kilo CO2 fallen allein bei der Produktion eines einzigen Kilogramms Rindfleisch an. 3,5 Kilo sind es bei der Produktion der gleichen Menge Geflügelfleisch, mit gut 4 Kilo CO2 schlägt die Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch zu Buche. Ungleich viel mehr als bei der Produktion von regionalem Gemüse, wo pro Kilogramm nur gerade 0,2 kg CO2 anfallen.
Sehr belastend für die Umwelt ist auch das Methangas, das die Rinder in grossen Mengen ausscheiden. Es ist, wie CO2, ein Treibhausgas, das den Klimawandel befeuert.
Für ein Kilo Rindfleisch braucht es 10 Kilo Futter
Die Fleischproduktion und die Produktion von tierischen Produkten, sagt Nils Jungbluth, Inhaber von ESU-Services, einer Beratungsfirma für Ökobilanzen mit Sitz in Schaffhausen, sei deutlich aufwendiger als die Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln. Es sei eben eine Art Veredelungsprozess der Pflanze. Heisst, das Tier muss relativ viel fressen um dann die entsprechende Menge an Fleisch, Milch oder Eiern zu produzieren.
Beim Rind, sagt Nils Jungbluth, seien es etwa 10 Kilo Futter, die der Bauer dem Tier verfüttern müsse, um ein einziges Kilogramm Rindfleisch zu produzieren. Bei Schweine- oder Hühnerfleisch seien es pro Kilogramm Fleisch etwa 3 Kilo Futter.
Daraus zu folgern, man könne fortan statt Rindfleisch vermehrt Pouletfleisch essen und so die negativen Auswirkungen der Fleischproduktion auf Umwelt und Klima substantiell mindern, das greife zu kurz, sagt Nils Jungbluth. Und sei in der Schweiz auch nicht möglich. Die Schweiz verfüge über zu wenig Flächen, die sich für die Hühner- und Schweineaufzucht oder für den Anbau von entsprechendem Futter eignen würden.
Fleischkonsum auf einen Drittel reduzieren
Wollen wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwenden, sagt der Experte für Ökobilanzen, gebe es nicht anderes als, den Fleischkonsum möglichst schnell und möglichst deutlich zurückfahren. Ein Zwischenziel der Schweiz, müsste es sein, den Fleischkonsum auf einen Drittel zu reduzieren, beziehungsweise nur noch so viel Fleisch zu essen, wie wir auch selber hier in der Schweiz produzieren können.
Zur Erreichung dieses Ziels können auch Fleischesser beitragen, sagt Nils Jungbluth, nicht nur Menschen, die entschieden haben, sich komplett vegetarisch zu ernähren oder vegan zu leben:
Man kann sich ja auch als Fleischesser mal statt eines grossen nur ein kleines Steak braten und das Fleisch häufiger als Beilage servieren.
Man müsse davon wegkommen, dass - so wie das hierzulande immer noch gang und gäbe ist - 6 bis 7 Mal die Woche Fleisch auf den Tisch kommt.
Das ganze Tier essen
Um eine möglichst gute Ausnutzung des Tieres zu erzielen, müsste auch vermehrt das ganze Tier gegessen werden, nicht nur die Edelstücke, sagt Nils Jungbluth. So wie dies früher üblich gewesen ist. Da habe man vom geschlachteten Teil nicht nur das Filet und die höherwertigen Teile gegessen, sondern das ganz Tier mit allem Drum und Dran, vom Hirn bis zum Schwänzchen.
Regional bringt wenig
Und was bringt's, wenn ich das Fleisch beim Bauern in der Umgebung kaufe oder wenigstens darauf achte, ausschliesslich Schweizer Fleisch zu konsumieren? Dieser Effort, sagt Nils Jungbluth, mache nur aus wirtschaftlicher Sicht Sinn. Der Umwelt selber bringe dieses Kaufverhalten aber kaum etwas. Die Emissionen, die der Fleischtransport verursacht, seien nämlich verglichem mit den Gesamtemissionen, die bei der Fleischproduktion anfallen, eher klein.
Bringe man hingegen den Fleischkonsum in der Schweiz tatsächlich um zwei Drittel runter, sagt der Experte, dann tue man nicht nur dem Klima und der Umwelt Gutes, der Bedarf an Fleisch könne dann auch bequem mit inländischem Fleisch gedeckt werden. Das wären dann sozusagen zwei Fliegen auf einen Schlag.
Deshalb: Essen Sie brav Gemüse und ersetzen Sie das Steak immer wieder mal durch Lauch, Fenchel, Sellerie & Co.