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Im April 2010 wurde die Hauptstadt Brasiliens 50 Jahre alt. Dem Anlass entsprechend widmete das BrasilienPortal der Metropole im Herzen des Landes eine exklusive dreiteilige Serie. Redaktionsmitglied Dietmar Lang nahm Brasília unter die Lupe – er schaute zurück, betrachtete die Gegenwart und wagte natürlich einen Blick in die Zukunft der ungewöhnlichen Stadt.
Teil 1: Vision der Schöpfung einer neuen Republik
Am 21. April 2010 wird die brasilianische Hauptstadt Brasília 50 Jahre alt. Doch dass die Metropole inmitten des riesigen Landes noch heute als Symbol für die ”Zukunft Brasiliens“ gehandelt wird, hat weniger mit der Realisierung des gigantischen Projektes Ende der 50er Jahres des letzten Jahrhunderts zu tun. Vielmehr waren fehlende Initiativen und ständiger Kapitalmangel dafür verantwortlich.
Als am 24. Februar 1891, gut 14 Monate nachdem der letzte Kaiser Pedro II. nach einem Militärputsch ins Exil flüchtete, die erste Konstitution der ”Vereinigten Staaten von Brasilien“ in der damaligen Hauptstadt Rio de Janeiro verabschiedet wurde, träumten die Menschen bereits von einem neuen Regierungssitz. In Artikel 3 ist der Wunsch deutlich nachzulesen, die Eingabe kam von Senator Virgílio Damásio und dem Abgeordneten Lauro Muller: ”Der Union zugehörig ist eine Zone von 14.400 Quadratkilometern im zentralen Hochland der Republik, welche nach Möglichkeit abgegrenzt wird, um dort die zukünftige Hauptstadt zu errichten.” Dies wurde zudem in den darauf folgenden Verfassungen von 1934 und 1946 wiederholt.
Teil 2: Risse im Beton der Wirklichkeit
Als Brasília am 21. April 1960 eingeweiht wurde, erstrahlte ganz Brasilien vor Stolz. In drei Jahren hatten Zehntausende Arbeiter aus allen Regionen Brasiliens inmitten eines Niemandslandes eine gewaltige Stadt konstruiert, ein undenkbares Unterfangen wurde tatsächlich Realität. Eine Nation grösser als Europa hatte sich endlich, 138 Jahre nach der Unabhängigkeit und 71 Jahre nach Ausrufung der Republik, von Kolonialmächten und Kaiserreich emanzipiert.
Zu verdanken ist dies allen voran dem damaligen Präsidenten Juscelino Kubitschek, der mit seinem Wahlmotto “Fünfzig Jahre Fortschritt in fünf Jahren“ 1956 an die Macht kam und flugs die Ausschreibung für die neue Hauptstadt initiierte. Bereits ein Jahr später stand der Gewinner und Masterplaner fest: der in Frankreich geborene Lúcio Costa, bislang kaum beachtet, überzeugte die Jury mit seiner Idee einer Stadt in Form eines Schmetterlings mit gewaltiger Süd-Nord-Achse und viel Raum zur Gestaltung.
Teil 3: Perspektiven einer Stadt voller Zukunft
“In 20 Jahren wird Brasília wie São Paulo sein!“ Dieser Satz von Professor Aldo Paviani von der Universität von Brasília beschreibt am besten die Herausforderungen, vor der die brasilianische Hauptstadt steht. Vor 50 Jahren für lediglich 500.000 Menschen konzipiert, ist die Bevölkerung im Hauptstadtdistrikt inzwischen auf über 2 Millionen Einwohner angewachsen. Und ein Ende scheint nicht in Sicht.
Die eigentliche Stadt hat sich wenig verändert in den vergangenen Jahrzehnten, der Zahn der Zeit nagt zwar an den futuristischen Gebäuden, die Prachtstrassen und riesigen Grünflächen erscheinen jedoch ebenso unverändert wie die berühmte Kathedrale oder der Regierungssitz. Einen enormen Wandel hat jedoch das Umland durchgemacht, Satellitenstädte für Hundertausende sprossen wie Pilze aus dem Boden und wer sich selbst den preiswerteren Wohnraum in der Peripherie nicht leisten konnte, siedelte sich in einem der als Favelas bekannten Armenviertel an.