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WOZ-LeserInnenreise vom 15. bis 22. Juli 2017
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Liebe Leserin, lieber Leser
Wir freuen uns über das rege Interesse an unserer WOZ-LeserInnenreise nach Nordirland. Leider ist sie jetzt schon ausgebucht. Wenn Sie jetzt nicht mitreisen können, nehmen wir gerne Ihren Namen, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer und E-Mail-Adresse entgegen, um Sie bei zukünftigen WOZ-Reisen vorab informieren zu können.
Herzliche Grüsse
Ihr WOZunterwegs-Team
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Neunzehn Jahre nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 steht der Verständigungsprozess vor grossen Herausforderungen. Anfang Januar 2017 kollabierte die nordirische Regionalregierung an unüberbrückbaren Differenzen zwischen den beiden wichtigsten Parteien, die jeweils die probritisch-protestantische und die irisch-katholische Seite repräsentieren – und es sieht nicht so aus, als könnte eine Neuwahl des Parlaments das Zerwürfnis beenden.
Und dann ist da noch der Brexit, den viele ProtestantInnen befürworteten. Die irischen KatholikInnen aber haben – wie die Mehrheit der Bevölkerung – den Ausstieg aus der Europäischen Union entschieden abgelehnt. Die nordirische Gesellschaft ist also weiterhin gespalten und wird noch mehr auseinanderdriften, sollte die rechtskonservative Londoner Regierung eine Mauer quer durch die irische Insel ziehen wollen.
Aber wie kam es überhaupt zu diesen Verhältnissen? Warum kam es 1916 zum Osteraufstand, der heute noch gefeiert wird? Was führte zur Spaltung der irischen Insel? Wessen Interessen und welche gesellschaftlichen Kräfte haben dafür gesorgt, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Nordirland eine Zweiklassengesellschaft mit einem protestantischen Einparteienstaat entstehen konnte, der die katholische Minderheit unterdrückte und die Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre niederschlug? Warum dauerte der Bürgerkrieg, der daraufhin losbrach, bis in die neunziger Jahre hinein? Welche Rolle spielte Britannien dabei? Wo genau verläuft die Kluft im von Mauern durchzogenen Nordirland? Was wären die Voraussetzungen für eine dauerhafte Lösung? Und warum gefährdet der Brexit den Friedensprozess?
Auf dieser WOZ-Reise erleben Sie ein Nordirland jenseits der medialen Zuschreibungen von Gut und Böse: Sie begeben sich auf eine Exkursion durch die Geschichte, treffen auf BürgerrechtsaktivistInnen wie Bernadette Devlin-McAliskey und Eamonn McCann, begegnen probritisch-loyalistischen Exparamilitärs, hören von früheren IRA-Mitgliedern, weshalb sie zu den Waffen gegriffen haben – und erkunden Quartiere, in denen seit Jahrzehnten sozialer Sprengstoff liegt.
Sie blicken von der Stadtmauer von Derry auf das jahrzehntelang umkämpfte Quartier Bogside, hören von einem früheren Offizier der britischen Armee, wie er den Krieg erlebte. Sie wandern mit ehemaligen IRA-Freiwilligen durch das nordirisch-irische Grenzgebiet, besuchen Quartierzentren, sprechen mit GewerkschafterInnen – und begreifen, was diesen Konflikt so kompliziert macht. Reisen Sie mit!
Pit Wuhrer
15. bis 22. Juli 2017
Das detaillierte Reiseprogramm als PDF zum Download
Preise pro Person:
Wellington Park Hotel (www.wellingtonparkhotel.com)
Doppelzimmer Fr. 1550.– (inklusive Frühstück)
Einzelzimmer Fr. 1850.– (inklusive Frühstück)
Jugendherberge Belfast International (www.hini.org.uk):
Übernachtung im DZ: 1350.– (ohne Frühstück)
Übernachtung im Sechsbettzimmer: Fr. 1200.– (ohne Frühstück)
Nur Programm Fr. 1100.–
Die Hin- und Rückreise nach und von Belfast muss individuell organisiert werden und ist im Preis nicht inbegriffen.
Die angegebenen Preise sind Richtpreise, die sich je nach Wechselkurs und Anzahl TeilnehmerInnen noch leicht ändern können. Individuelle Wünsche wie zum Beispiel Aufenthaltsverlängerungen können Sie bei der Anmeldung angeben. Wir versuchen das zu organisieren, können aber keine Garantie dafür abgeben. Wir informieren Sie so bald wie möglich. Drei gemeinsame Mahlzeiten sind im Reisepreis inbegriffen. Auf dem Programm finden Sie die entsprechenden Hinweise.
Die Reise wird fotografisch dokumentiert. Ausserdem nehmen wir – falls möglich – die Referate und Gespräche auf. Die Bilder und Tonaufnahmen werden allen Mitreisenden später zur Verfügung gestellt.
Bei Fragen zu dieser Reise wenden Sie sich per E-Mail an <email-pii> oder rufen Sie uns an: +41 (0)44 448 14 83. Wir freuen uns, wenn Sie mit uns reisen.
- Michael Graf: «Nord-Irland für Reisende», Landverlag. Langnau 2016. Sehr zu empfehlender Kurzführer mit historischem Überblick.
- Bernadette Devlin: «Irland – Religionskrieg oder Klassenkampf?». Rowohlt Verlag. Hamburg 1969.
- Eamonn McCann: «War and an Irish Town». Über Derry zu Beginn des Bürgerkriegs. Mehrere Auflagen in diversen Verlagen.
- Eamonn McCann: «The Bloody Sunday Enquiry. The Families Speak Out». Pluto Press. London 2005.
- Tommy McKearney: «The Provisional IRA. From Insurrection to Parliament». Pluto Press. London 2011. Das wahrscheinlich beste Buch über die IRA aus Sicht eines unabhängigen Republikaners.
- Ed Moloney: «A Secret History of the IRA». Penguin 2002.
- Pit Wuhrer: «Sie nennen es Trouble. Nordirland – Reportagen und Geschichten aus einem Krieg». Rotpunktverlag. Zürich 1989.
- Pit Wuhrer: «Die Trommeln von Drumcree. Nordirland am Rande des Friedens». Rotpunktverlag. Zürich 2000. Vergriffen und auch antiquarisch kaum erhältlich.
Zwei Kapitel hängen als PDF an, darunter eines über Tommy McKearney, der die Reise mitorganisiert hat:
Der Preis der Freiheit: Die drei Leben des IRA-Freiwilligen Tommy McKearney
Im Auftrag Ihrer Majestät: Die Politik der loyalistischen Paramilitärs
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Abrufbare Texte von und über Bernadette McAliskey-Devlin in der WOZ:
- Bernadette McAliskey über 25 Jahre Krieg in Nordirland: Ein fauler Frieden ändert nichts (1994, PDF-Datei)
- Nordirland – Wie Frauen und Linke die IRA-Partei Sinn Féin politisierten: Wem gehört Bobby Sands? (2001)
- Nordirland – Der Staat hat sich oft an Bernadette McAliskey gerächt: Eine Kritikerin nach allen Seiten (2003)
- Rubrik «Mondo Cane»: Der Friedensprozess in Nordirland steckt fest. Aber ist das überhaupt noch wichtig? (2003)
Wenn wir nun die Bilder durchgehen, scheint es fast nicht möglich, dass alle diese Begegnungen und Besuche in nur einer Woche stattgefunden haben. (…) Trotz der Dichte des Programms empfanden wir die Woche als sehr ausgeglichen und nicht überladen, auch wenn wir manchmal gerne etwas länger Zeit gehabt hätten, um an einem der besuchten Orte zu verweilen.
Laurent & Christine Schären
Einige Tage waren für mich persönlich etwas lang. Das Programm fand ich ansonsten sehr gut, dicht und informativ, v.a. auch die Begegnungen mit den ZeitzeugInnen, die Besichtigung der wichtigen Erinnerungsstätten, der Murals etc., die Fahrten durch die schöne Landschaft. Die leider immer noch bestehenden segregierten «Gated Communities» und ihre Lebensweise haben mich stark an meine Jahre in Apartheid-Südafrika erinnert (1974–1980).
Es ist eindrücklich, wie viele ProtagonistInnen sich vom Kampf abgewendet haben und ihr Leben der Verständigung mit der «Gegenseite» widmen. Tommy und seine Geschichte haben mich da ganz besonders tief beeindruckt.
Bedrückend ist jedoch die zunehmende Armut aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse und auch die Tatsache, wie in sehr vielen Familien die traumatischen Ereignisse von damals nachwirken. Nachzulesen im Buch «Beyond the Silence».
Also in allem: Diese Woche war für mich sehr interessant und ich würde sie sofort weiter empfehlen. Zuhause habe ich mindestens eine Woche lang jede Nacht noch geträumt von Irland. Das Unterbewusstsein war noch lange sehr mit all den Themen beschäftigt.
Regina Zoller
Beeindruckend, was heute für wichtige soziale und friedensfördernde Projekte bestehen; aufgebaut und am Laufen gehalten von Leuten, die früher unerbittlich gegeneinander gekämpft haben und die heute zusammen arbeiten – über alle politischen und sozialen Gräben hinweg.
Margrit Frey Rissi
Für mich war es wichtig, mehr über die Geschichte Irlands zu erfahren. Nach dieser Reise kann ich die Ereignisse des äusserst komplexen Nordirlandkonfliktes besser verstehen und einordnen.
Heinz Rissi
Nach jeder Reise bin ich reicher an Wissen über die Geschichte eines Landes, welches nicht weit entfernt ist von mir und von dem ich vorher ein ganz anderes Bild hatte. Von Direktbetroffenen erfuhr ich über Schicksale einzelner Menschen und Gruppen, erhielt nach und nach mehr Überblick über die Entstehung von Gewalt und deren Verlaufsspirale. Mit allen Sinnen und den eigenen Füssen durfte ich nordirischen Boden erfahren – in der Natur sowie in den Strassen, wo Menschen andere umbrachten, Bomben legten, wo auch junge Leute, fast noch Kinder, bei Menschenrechtsmärschen ihr Leben verloren haben. Wie geht es den Menschen dort jetzt? Tommy sowie andere ReferentInnen waren einmalig und so kundig, nicht nur was die Vergangenheit des Landes und dessen Volk betrifft, sondern auch in Bezug zur Gegenwart. Wohl fühlte ich mich auch in der Gruppe der Teilnehmenden. War toll, mit Euch unterwegs zu sein!
Claudia Widmer
Die Reise vermittelte einen erhellenden Einblick in Gegenwart und Geschichte. Sie führte zu Erkenntnissen, welche seither beim Lesen über Nordirland immer mit dabei sind.
Therese Jäggi
Ich habe die Reise in sehr eindrücklicher Erinnerung. Die Begegnungen haben bei mir intensive Bilder zurückgelassen. Ich habe auch viel über die Reise erzählt.
Dana Zumr
Ich habe an der Reise teilgenommen als jemand, der nach all den schrecklichen Meldungen über Irland, inklusive Filme, in denen politische Ereignisse mit Kriminalität gleichgesetzt wurden, schon seit Jahren nicht mehr auf Irland geachtet hat. (…) Die Reise bot mir authentische Berichte von Teilnehmern an den authentischen Orten. So abschreckend wie die Ereignisse aus der Geschichte sind, so positiv schätze ich auch die Anstrengungen zur Bewältigung ein. Man versucht, alle beteiligten Gruppen bei einem kotrollierten Herunterfahren der Gegensätze zu beteiligen und es zeigen sich Erfolge. Ich bin sehr beeindruckt und kann die Reise jeder Person empfehlen, die den Dingen auf den Grund gehen möchte.
Ueli Heiniger
Die Reise, das Programm erlebte ich in allen Teilen als einmalig – sehr interessant, schön ... alles hat meine Erwartungen weit übertroffen. Ich möchte nichts davon missen – selbst die rassigen Carfahrten, die spontan notwendigen Programmanpassungen ... was bekanntlich alles zum Reisen gehört.
Die menschlichen Kontakte, die ihr uns ermöglicht habt, erlebe ich als sehr tief und nachhaltig; die historischen und zeitgeschichtlichen Zusammenhänge zur Geschichte von Irland habe ich neu erlebt – sie sind sehr aufschlussreich.
Kurz: Ich danke euch für Engagement, die Offenheit und alles was sich daraus entwickelte und freue mich auf das Programm des nächsten Jahres.
Edi Probst