Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03394.jsonl.gz/622

Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil von Peter Ziegler / Franz Kupper
GÜSELFUHREN UND KEHRICHTDEPONIEN
Wenn man den Abraum nicht hinter dem Haus kompostierte, warf man ihn in Wädenswil um 1850 in einen der noch offen zum See fliessenden Dorfbäche, oder man brachte ihn selbst auf den Gemeindekehrichtplatz an der Stelle des heutigen Seeplatzes. Nur eines war verboten: die Schuttablagerung in den Dorfstrassen. Und doch kam auch dies immer wieder vor. Noch im Oktober 1869 musste der Gemeinderat durch das Amtliche Publikationsorgan verbieten, Abraum oder Kehricht auf die Strassen im Dorf zu werfen.
Durch den Bahnbau wurde die Gemeinde 1875 vom Seeufer abgeschnitten. Viele Bewohner konnten daher ihre Abfälle nur auf grossen Umwegen zur Deponie Seeplatz bringen. Aus diesem Grund ordnete der Gemeinderat 1876 an, dass jeden Samstag zwei von Pferden gezogene Kehrichtwagen im Dorf den Hauskehrich einsammeln sollten. Die gemeindeeigene Kehrichtabfuhr wurde 1894 auf Antrag der Gesundheitskommission weiter ausgebaut: Während der Monate Juli bis September fuhr der Kehrichtwagen zweimal wöchentlich durch das Dorf.
Kurz nach 1900 wurde die Kehrichtdeponie auf dem Seeplatz eingestellt. Man tat dies jedoch nicht aus hygienischen Gründen, sondern weil der Platz für einmal genügend gross aufgefüllt war und im Zusammenhang mit dem zunehmenden Schiffsverkehr zur öffentlichen Anlage umgestaltet wurde. 1907 schloss die Gemeinde mit G. Scheller am Mittelort einen Vertrag ab, wonach der Dorfkehricht auf sein Grundstück am See geführt werden konnte.
1913 war die Gemeinde wieder auf der Suche nach einem Ablagerungsplatz. Der Gemeinderat schlug vor, den Unterlauf des Untermosenbaches zu kanalisieren und dann das Tobel mit Kehricht aufzufüllen. Die Gemeindeversammlung verwarf aber den Kredit für den Landkauf zur Schaffung einer Kehrichtdeponie bei der Hinteren Fuhr.
1927 wurde die Kehrichtabfuhr modernisiert. Die neue Kehrichtabfuhrverordnung der Gemeinde schrieb den Kehrichtkübel vor. An die Stelle des Pferdegespanns trat gleichzeitig das Kehrichtauto, ein Zweiseitenkipper. 1946 erwarb die Gemeinde für den Kehrichttransport einen Saurer-Lastwagen, 1961 einen FBW Patent Ochsner. Ein 1966 angeschaffter Colectomatic auf Mercedes-Chassis konnte mit Hydraulik Sperrgüter zusammenpressen und Container heben und entleeren.
Lastwagen der Gemeindewerke Wädenswil, angeschafft 1927, mit Kehrichtseitenkipper für System Ochsner.
Lastwagen der Gemeindewerke Wädenswil, mit Aufsatz für Sperrgutabfuhr, 1927.
Während vielen Jahren wurde der Kehricht der Gemeinde Wädenswil an einer Halde am Südostrand des Winterbergholzes abgelagert. Mit der Ausdehnung des Siedlungsgebietes in der Au beklagten sich die Anwohner immer häufiger über Rauch- und Geruchsbelästigung durch den Güselhaufen. Wegen Überfüllung, aber auch auf Grund kantonaler Auflagen, musste die Kehrichtdeponie in Winterbergholz im Sommer 1962 aufgegeben werden. Die Absicht, im Langacher eine Ersatzdeponie zu schaffen, stiess auf den Widerstand der Anwohner und musste fallengelassen werden.
Die Kehrichttransporte ins Zugerland und die mit hoher Entschädigung verbundenen Ablagerungen in Kiesgruben in Menzingen, welche im Spätsommer 1962 einsetzten, bedeuteten nur noch eine Übergangslösung. 1963 vereinigten sich die politischen Gemeinden des Bezirks Horgen zu einem Zweckverband für den Bau und den Betrieb eines zentralen Kehrichtwerks im Kniebrechetobel in Horgen, das mit Jahresanfang 1968 in Betrieb genommen wurde.
Peter Ziegler
EIN NEUES ABFALLKONZEPT FÜR WÄDENSWIL
Die Anregungen zur gezieIten Abfallbewirtschaftung kamen in Wädenswil von der Bevölkerung und den Behörden. Beeindruckt von den massiven Kostensteigerungen für den Betrieb der Kehrichtverbrennungsanlage fing man an, Glas und etwas später auch Blechbüchsen separat zu sammeln. Um die Küchen- und Gartenabfälle der Verbrennung zu entziehen, sensibilisierte man die Bevölkerung mit Zeitungsartikeln und Kompostierkursen. Zur weiteren Unterstützung der Recycling-Idee wurde der Häckselservice eingeführt. Einen eigenen Entsorgungsweg schuf man für Papier und Aluminium.
Leider muss man heute feststellen, dass in Wädenswil die Separatsammlungen − mit Ausnahme der Papiersammlung − zu wenig effizient sind. Wie überall steigt auch hier die Abfallmenge weiter an.
In den letzten 25 Jahren hat sich der Abfallberg vervielfacht. Heute produziert jeder Einwohner Wädenswils im Durchschnitt 380 Kilogramm Abfall pro Jahr. Nicht nur die Menge nimmt zu, auch das Volumen ist grösser geworden. Leichte, dafür umso sperrigere Verpackungen aus Papier, Karton und Kunststoffen sind die Ursachen.
Der Abfall ist zu einem zentralen Thema geworden. Er stellt uns vor Aufgaben, die wir schon in nächster Zukunft lösen müssen. Wie kann die Abfallmenge verringert werden? Das ist die entscheidende Frage.
Ein Instrument, um dieses Ziel zu erreichen, ist die Kehrichtsackgebühr. Gerade sie stösst aber oft auf vehementen Widerstand. Die Gemeinden des Kantons Zug zum Beispiel haben unter der Federführung des Vereins «Umwelt Zug» mit einer anderthalbjährigen Aufklärungsarbeit erreicht, dass die Sackgebühr in allen Gemeinden ohne grosse Opposition angenommen wurde und die Einführung ohne nennenswerte Probleme über die Bühne ging. Die Auswirkungen sind beachtlich: Seit der Einführung der Sackgebühr sowie dem Ausbau der Separatsammlungen hat sich die Menge des Haushaltkehrichts um 50 Prozent verringert.
Voraussetzung für die perfekte und dann auch greifende Einführung der Sackgebühr sind die Sammelstellen und Sammlungen. Vor der Einführung der Sackgebühr muss also klar sein, wie die bestehenden Sammelstellen und Sammlungen auszubauen sind. Der Bevölkerung muss zugesichert sein, dass sie die Abfälle problemlos in Gehnähe und in der nötigen Vielfalt abgeben kann. Weiter braucht es vor der Einführung der Sackgebühr eine umfassende Aufklärung. Die Leute dürfen keinesfalls mit der Sackgebühr überrumpelt werden. Sie müssen vielmehr gezielt über die Schwachstellen des jetzigen Systems und über die tatsächlichen Vorteile der Sackgebühr informiert werden.
Sammelstelle für Altglas auf dem Gasiplatz.
Moderne Kehrichttanporter heben und entleeren Container mittels Hysdraulik.
Unter diesen Randbedingungen wird in Wädenswil zurzeit ein neues Abfallkonzept ausgearbeitet. Die Behörde hofft, dass nach dessen Verwirklichung die Abfallmenge nicht mehr weiter ansteigt und dass die zu verbrennende Kehrichtmenge dank vermehrten Separatsammlungen stark abnehmen wird.
Das neue Abfallkonzept sieht folgende Massnahmen vor: 1. Öffentlichkeitsarbeit
Aufklärung der Bevölkerung über Notwendigkeit und konkrete Möglichkeiten der Abfallvermeidung und -verwertung. 2. Organisation einer wirkungsvollen getrennten Wert- und Schadstofferfassung
Optimales Sammelstellennetz
Optimierte Organisation der Separatabfuhren
Aktive Kontaktnahme mit Altstoffabnehmern 3. Förderung der Rückführung organischer Abfälle aus Garten und Küche in den Naturkreislauf 4. Abfallverordnung
Diese ersetzt die Verordnung über die Kehrichtabfuhr vom 30. März 1971. 5. Abfallgebühren-Ordnung Kostenverteilung nach dem Verursacherprinzip 6. Sackgebühr als Teil der Abfallgebühren-Ordnung.
Finanzentwicklung der Kehrichtabfuhr Wädenswil, 1962-1991
Die Zahlen 1962-1989 basieren auf den Jahresrechnungen; die Zahlen 1990 und 1991 auf den Voranschlägen.
Sammlung von wiederverwertbaren Wertstoffen in Wädenswil, 1974-1989
Angaben in Tonnen
Entwicklung der Kehrichtmengen von Wädenswil in Tonnen, 1974 bis 1991
Zwischen dem Abfallberg und unseren Lebensgewohnheiten bestehen direkte Zusammenhänge. Die Wirtschaft als Lieferantin der Konsumgüter basiert auf einem riesigen Stoff-Fluss, welcher bei der Gewinnung der Rohstoffe beginnt und über die Produktion und den Konsum bei den Abfällen endet. Zwischen den einzelnen Bereichen bestehen Abhängigkeiten. Sie zu kennen, ist wichtig für die Lösung des Abfallproblems. Ein Teil der Probleme kann jeder Einwohner selber lösen. Aufgabe der Behörden wird es sein aufzuzeigen, wie die in jedem Haushalt anfallenden Abfälle reduziert werden können und welche Möglichkeiten der Wiederverwendung oder Wiederverwertung bestehen. Auch dieser Beitrag soll mithelfen, Wädenswils anstehende Abfallprobleme einer Lösung zuzuführen.