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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

4. Buch
24. In welchem Sinne vertreten die Heiden die Ansicht, daß sie unter der Form von Göttern weiter nichts als Gaben Gottes verehren?
Doch wollen wir die Darlegungen unserer Gegner vernehmen und prüfen. Sie sagen: Sollten unsere Vorfahren wirklich so töricht gewesen sein, daß sie nicht gewußt hätten, es handle sich hier um Geschenke der Gottheit, nicht aber um Götter? Das ist doch kaum anzunehmen. Vielmehr wußten sie, daß man derlei Güter nur durch die Gunst eines Gottes erlange, sie wußten aber nicht die Namen der Götter; deshalb legten sie den Göttern die Namen der Dinge bei, die sie als Gaben von Göttern erkannten, indem sie aus diesen Namen von Dingen einige Benennungen ableiteten, wie sie zum Beispiel die Kriegsgöttin nach dem Worte bellum Bellona nannten, nicht bellum, die Wiegengöttin nach cunae Cunina, nicht Cuna, die Saatengöttin von seges Segetia, nicht Seges, die Obstgöttin von pomum Pomona, nicht Pomum, die Herdengöttin von bos Bubona, nicht Bos; oder aber man gab den Göttern den Namen der Dinge selbst, ohne ihn abzuändern, wie man z. B. Pecunia die Göttin genannt hat, die Geld [pecunia] gibt, keineswegs aber hielt man das Geld für die Göttin selbst; dasselbe gilt von Virtus, die Tugend verleiht, von Honos, dem Spender der Ehre, von Concordia, die Eintracht bewirkt, von Victoria, die Sieg gewährt. Wenn man also Felicitas eine Göttin nennt, so meint man damit nicht das Glück, das verliehen wird, sondern jene Gottheit, von der das Glück verliehen wird.