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Sowohl beim Reichsverweser als bei allen ändern markanten politischen Persönlichkeiten, die ich gesprochen habe, fand ich im Prinzip legitimistische Anschauungen, so beim Ministerpräsidenten Bethlen und dem Minister des Äussern, Banffy, in ausgesprochener Weise. Allerdings wurde mir allseitig betont, wie durchaus inopportun eine Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt wäre. Horthy versicherte mir insbesondere, dass die Drohungen der kleinen Entente durchaus keine platonischen waren, dass es vielmehr einwandfrei festgestellt sei, dass die Serben an der ungarischen Grenze beträchtliche Truppenmassen konzentrierten. Die allgemeine Ansicht geht dahin, durch Abwarten werde die Sache ins Stadium der Reife kommen und werde sich bestimmt durchführen lassen.
Herr von Kanya, der oberste Beamte des auswärtigen Amtes, sprach den Kaiser in Steinamanger. Der Kaiser äusserte ihm gegenüber: «ich bleibe, ausser wenn eine grosse Katastrophe eintritt.» Kanya frug: «Majestät würde eine Katastrophe mittlerer Grösse nicht schon genügen?»
Über die Veranlassung zu Karls Reise sagte mir Graf JuliusAndrassy, Briand müsse doch zu den Drahtziehern gehört haben, und zwar sei dieses plötzliche Protegieren der Habsburger von ihm bestimmt gegen die Tschechen gerichtet gewesen, um sie zu den Sanktionen anzuregen und ihnen zu zeigen, dass man eventuell auch ohne sie auszukommen könne und andere Karten im Spiel habe.
In einer Gesellschaft traf ich neulich den Prinzen Ludwig Windisch-Graetz. Dieser versicherte mir vor allem hoch und heilig, er habe von der ganzen Expedition nichts gewusst, es sei ein völliger Zufall, dass er in Privatangelegenheiten (Aufnahme von Hypotheken auf seine Güter) damals gerade in Paris war. Bestimmt könne er aber sagen, dass Briand ein Gegner der Restauration sei. Dieser habe ihm in dieser Hinsicht seinen Standpunkt eindeutig gekennzeichnet. Schon seine Spannung mit der royalistischen Partei spreche übrigens dagegen, dass er Karls Sache irgendwie unterstützen könnte. Karl selbst habe sich in letzter Zeit viel zu sehr mit dieser Partei eingelassen und sei hierin wie bei seinem ganzen Unternehmen von den Parmas geführt worden. Eine eventuell auch beteiligte Persönlichkeit sei der für die Donaukonföderation sehr eingenommene frühere Petersburgerbotschafter Paléologue.
Wenn ich Ihnen in meinem Telegramm2 erwähnte, die Partei der kleinen Landwirte sei im Prinzip nicht antilegitimistisch, so hiess dies soviel als, sie sei in ihrem stärkeren Teil für die freie Königswahl, in ihrem geringem republikanisch. Natürlich könne die freie Wahl auch den legitimen König treffen.
Die Kanditatur des Sohnes Erzherzogs Joseph soll immer noch von Italien unterstützt werden und auch die Möglichkeit der Verlobung des Prätenten mit der ältesten Tochter des Königs von Italien, der jetzt 20 jährigen Prinzessin Jolanda, befinde sich stets noch im Bereich der Möglichkeit. Der junge Erzherzog war übrigens in Italien; zwar erfolgte die Verlobung nicht, die Verhandlungen aber blieben im Gang.
- 1
- Lettre: E 2001 (B) 3/49.↩
- 2
- 1.Ils’agit du télégramme en voyé de Budapest le 26 a vril (non reproduit), dans lequel le Président du Conseil Bethlen et le Ministre des affaires étrangères Banff y demandent à la Suisse d’autoriser le roi Charles à y demeurer et déclarent accepter les conditions imposées par le Conseil fédéral au séjour du roi en Suisse. En outre «Fiskale Exterritorialität wäre eine Höflichkeitsmassregel, die von der ungarischen Regierung gerne gesehen würde» (E 2001 (B) 3/49.↩
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