Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03432.jsonl.gz/2532

Studenten holen eigenwillige Komponistin aus der Vergessenheit
- Montag, 17. Februar 2014, 17:36 Uhr
Ethel Smyth kämpfte Anfang des 20. Jahrhunderts als Suffragette und Komponistin um Anerkennung in einer Gesellschaft, die Frauen als politische und künstlerische Wesen kaum zuliess. Die Hochschule Luzern bringt ihre kaum gespielte Oper «The Boatswain's Mate» auf die Bühne. Ein lobenswertes Projekt.
Smyth nannte «The Boatswain's Mate» auch die «englische Oper», die im Original in einer Kneipe auf dem englischen Festland spielt. Die Luzerner Produktion ist auf Deutsch und auch der Schauplatz ist ein anderer: Das UG des Luzerner Theaters zeigt ein Lokal auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein paar Tische und Stühle, grosse Bullaugen und eine Bar. Mrs. Waters sagt hier wo es lang geht. Sie ist eine forsche Frau, die weiss was sie will und was nicht – genauso wie Ethel Smyth.
Mrs. Waters will definitiv nichts von Mr. Benn, allerdings aus anderen Gründen als Smyth, die Frauen bevorzugte. Mr. Benn versucht also, sich mit Hilfe seines Kumpels Mr. Travers als mutigen Helden zu inszenieren, um das Herz seiner Angebeteten zu erobern. Sie aber durchschaut das Spiel, revanchiert sich mit einem Trick und zum Schluss kommt alles ganz anders.
Engagierter Einsatz der Studenten
Die Protagonistin und die zwei Protagonisten spielen ihre Rollen überzeugend. Die Inszenierung von Hersilie Ewald ist gespickt mit witzigen Details. Manchmal drängt sich die Regie allerdings in den Vordergrund, etwa wenn sie Smyths Oper wenige Takte vor Schluss für eine Schiffsdurchsage kurzerhand unterbricht. Solche Gags wären eigentlich nicht nötig, denn Smyths Einakter ist von sich aus schon abwechslungsreich und verspielt.
Die Komponistin spielt unter anderem mit Zitaten oder auch mit Formen: Der erste Teil ist eher ein Singspiel, der zweite dann ein durchkomponiertes Musikdrama. Die Musik erinnert an die deutsche Romantik, obwohl sie aus den 1910er Jahren stammt, also aus einer Zeit, in der andere Komponisten atonale Werke schrieben.
Reduzierte Fassung
In der Luzerner Produktion gibt es musikalisch ein paar Abstriche: Anstatt dem Original mit Opernorchester ist eine reduzierte Fassung für Kammerensemble zu hören, die klanglichen und dramatischen Qualitäten von Smyths Musik kommen so nur andeutungsweise zur Geltung.
Der Dirigent Andrew Dunscombe hält die Musik trotz der schwierigen Akustik im UG gut zusammen. Die «Junge Philharmonie Zentralschweiz» – das Orchester der Hochschule Luzern – zeigt allerdings öfters Intonations-Schwierigkeiten.
Anna Kovách als gewiefte Mrs. Waters kommt vor allem gesangstechnisch noch nicht ganz an ihre beiden Kollegen heran, die eine hervorragende Leistung zeigen: Alexandre Beuchat als verschmitzter Mr. Travers mit warmem Bariton und Tobias Hächler als umtriebiger aber doch empfindsamer Mr. Benn mit strahlendem Tenor (Hächler ist der einzige Nicht-Student unter den Sängern).
Insgesamt ein lobenswertes Projekt, musikalisch nicht ganz optimal gelöst. Schön wäre, wenn jetzt auch grössere Bühnen Smyths Musik aus der Vergessenheit erlösen.
Über Ethel Smyth
Sechs Opern enthält das Œuvre der Britin Ethel Smyth (1858-1944), aber auch Kammermusikwerke, Lieder und eine Messe. Sie werden heute fast nie auf grösseren Bühnen gespielt. Etwas bekannter geblieben ist Smyths «March of the women»: Ein Marschlied für die Rechte der Frauen, sie komponierte es als Mitglied der Suffragettenbewegung.
Sendung zu diesem Artikel
Kommentare
Kommentieren
Bitte melden Sie sich an, um Kommentare zu erfassen.
Ihre E-Mail-Adresse ist nicht bestätigt.
Wir haben Ihnen eine E-Mail zugestellt an:
Bitte verifizieren Sie Ihre E-Mail-Adresse über den darin enthaltenen Link.
In Ihrem Benutzerprofil können Sie Sich den Link erneut zusenden lassen.Benutzerprofil bearbeiten
Ihre Telefonnummer ist nicht bestätigt.
Bitte bestätigen Sie ihre Telefonnummer in dem Sie hier den Code eingeben, welchen Sie via SMS erhalten haben. Danke.