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| Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 12. Die Schwester des Pachomius als Vorsteherin eines Frauenklosters.
Als auch des Pachomius leibliche Schwester von seinem überaus tugendhaften Lebenswandel hörte, da wünschte sie ihren Bruder zu sehen und kam in das Kloster. Als er von ihrer Anwesenheit erfuhr, da schickte er an sie den Bruder ab, der mit der Aufsicht über den Eingang des Klosters betraut war, um ihr zu sagen: "Siehe, du hast von mir gehört, daß ich am Leben bin. Entferne dich also und kränke dich nicht, weil ich dich nicht sehen will. Wenn aber auch du dieses mein Leben nachahmen willst, damit wir beim Herrn Erbarmen finden, (so werden dir) die Brüder eine Zelle (errichten), damit du für dich allein der Zurückgezogenheit leben kannst. Vielleicht wird der Herr auch noch andere mit dir berufen, so daß auch jene durch dich zum Heile gelangen. Denn keine andere Erholung", sagte er, "hat der Mensch auf der Erde, außer diese, Gutes zu tun und Gott zu gefallen."
Als sie diese Antwort erhalten hatte, da weinte sie, und tieferschüttert weihte sie ihr Herz, um das Heil zu [S. 829] erringen. Als Pachomius von ihrem Eifer erfuhr, da lobte er Gott und trug den frömmeren unter den Brüdern auf, für sie in einiger Entfernung vom Kloster ein Häuslein für das asketische Leben zu bauen.
Während sie so nach dem Sinn Gottes kämpfte, kamen noch andere Jungfrauen bei ihr zusammen; und als ihrer mehr wurden, da stand sie ihnen als Mutter vor, lehrte sie und zeigte ihnen alle Wege zum Heil.
Einen gewissen Petrus, einen frommen und sehr alten Mann, beauftragte Pachomius, sie zu besuchen. Er war ausgezeichnet durch Leidenschaftslosigkeit, und die Rede des Mannes war gewürzt mit dem Salze des Geistes. Er besaß einen scharfen Verstand, und seine Augen blickten überaus streng. Oft nun stand er da und sprach mit den Schwestern aus der Heiligen Schrift über das, was zum Heile führt. Pachomius schrieb auch Regeln für sie und schickte sie ihnen, damit sie nach den gleichen Gesetzen ausgebildet würden und am gottgemäßen Lebenswandel Anteil hätten.
Wenn aber einer der Brüder eine Schwester in jenem asketischen Hause hatte und kam, um sie zu besuchen, dann schickte Pachomius mit ihm einen von den alten und geistlichen Brüdern ab; zuerst ging der Bruder dann zur Leiterin und dann kam er in ihrer und der Anwesenheit der hervorragendsten Mitglieder der Schwesternschaft mit der bekannten Schwester zusammen, in aller Gottesfurcht, ohne daß er ihr etwas brachte oder von ihr etwas annahm. Denn sie hatten kein persönliches Eigentum, sondern es genügte beiden allein die Erinnerung und die Hoffnung auf die zukünftigen Güter.
Wenn sie aber einmal zur Erbauung oder wegen eines anderen Bedürfnisses die Brüder brauchten, dann schickte er einen verständigen und frommen Mann mit gleichgearteten anderen Brüdern zu diesem Zwecke ab; zur Stunde der Mahlzeit kehrten sie in das Kloster zurück, indem sie unter keinen Umständen etwas an Speise oder Trank dort annahmen. Wenn eine Schwester vollendet hat, dann versammeln sich bis auf den heutigen Tag die Brüder an einem bestimmten Platz und singen Psalmen, die übrigen Schwestern aber [S. 830] stehen gegenüber und legen den Leichnam in die Mitte, nachdem sie ihn zum Begräbnis würdig hergerichtet haben. Dann nehmen ihn die Brüder unter ernstem Psalmengesang auf und begraben ihn auf dem Berge in tiefer Frömmigkeit und Gottesfurcht, wie es Dienern Christi geziemt.