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Der Livestream startet am 26.2.2021 um 19.30 Uhr und wird während einem Monat online sein.
Jacques Ibert
Symphonie Marine (1931)
Alberto Ginastera
Variaciones concertantes op. 23
I. Tema per Violoncello ed Arpa
Erich Wolfgang Korngold
Suite op. 11
I. Ouvertüre
Les Six
@ Éditions Salabert, Paris, vertreten durch G. Ricordi & Co. Bühnen- und Musikverlag, Berlin
Les mariés de la tour Eiffel (1921)
I. Georges Auric: Ouverture (le 14 juillet)
Französische Ballettmusik aus den Händen eines wilden Komponistenkollektivs, virtuose Orchestersoli aus Argentinien und ein Österreicher, der sich an die Vertonung einer Shakespeare-Komödie macht. Mit diesen Ingredienzen zeichnet das BKO unter der Leitung von Kaspar Zehnder ein munteres Bild des vielfältigen musikalischen Schaffens im frühen 20. Jahrhundert. Dazu präsentieren die Tänzerin Misato Inoue und der Tänzer Félix Duméril der Kompanie T42dance eine zeitgenössische choreographische Ausdeutung der orchestralen Klänge.
Nach den monumentalistischen Verdichtungs-Exzessen der spätromantischen Musik suchte eine junge Generation von KomponistInnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach frischen musikalischen Ausdrucksweisen. Die Zweite Wiener Schule führte ein neues, atonales, Tonsystem ins Feld, andere suchten nach einer neuerlichen Leichtigkeit und fanden ihre Inspiration in der Folklore, der Populärmusik oder im Klassizismus. In Paris der Nachkriegszeit formierte sich eine Gruppe junger MusikerInnen rund um den umtriebigen Schriftsteller Jean Cocteau, die nicht nur die Musik zu entschlacken versuchte, sondern auch deren zum Ende des letzten Jahrhunderts metaphysisch überhöhten Inhalte. Sie wilderten in der Musikgeschichte, bedienten sich am Jazz, an den Chansons der Varietés und verschrieben sich dem gepflegten dadaistischen Nonsens. Den Kern der losen Truppe bildeten Francis Poulenc, Georges Auric, Arthur Honegger, Germeaine Tailleferre, Louis Durey und Darius Milhaud. 1921 entstand die erste Gemeinschaftskomposition der «Groupe de Six» - den Namen erhielten sie vom Musikkritiker Henri Collet in Anlehnung an die wirkungsmächtige russische «Gruppe der Fünf» rund um Mussorgski und Rimski-Korsakow.
Cocteau und Auric hatten den Auftrag erhalten ein Ballett für das Ballet suédeois zu konzipieren. Cocteua schrieb ein reichlich abstruses Libretto über ein frisch verheiratetes Paar, das auf dem Eifelturm beim Frühstück von einer lebendig gewordenen Telegraphenstelle und einem Löwen heimgesucht wird, ehe ein Mensch aus der Zukunft erscheint und die gesamte Hochzeitsgesellschaft ermordet. Da Auric jedoch die Zeit ausging bat er die anderen Mitglieder der Groupe de Six einzelne Teile des zu komponieren. Poulenc vermerket später lakonisch ausser der Ouvertüre Aurics sei alles Mist gewesen. Neben der neuartigen Kollektivarbeit offenbart Les mariés de la tour Eiffel vor allem die Vielfalt der kompositorischen Ideen und Zugänge und den grossartigen Humor der Groupe des Six.
Ein Jahr zuvor hatte der als Wunderkind gefeierte österreichische Komponist Erich Wolfgang Korngold den Auftrag erhalten, für das Wiener Burgtheater eine Schauspielmusik zu Shakespeares furioser Komödie Much ado about nothing zu schreiben. Mit grossem Geschick verstand es der junge Komponist den Humor der Vorlage in seiner glänzend instrumentierten Orchesterpartitur abzubilden. Dabei bediente er sich auch ausgiebig an salonmusikalischen Idiomen seiner Zeit. Die Einsätze von Klavier und Harmonium tragen ebenso zum Reiz dieser Musik bei wie die schwelgerischen Streichersoli.
Derweil suchte Alberto Ginastera in Buenos Aires die europäische Kunstmusiktradition mit Elementen der argentinischen Folklore zu verbinden. Seine Variaciones concertantes aus dem Jahr 1953 zeigen die Früchte dieses Prozesses. Im Sinne eines virtuosen Concerto grosso treten hier nacheinander die Instrumente des Orchesters solistisch in Erscheinung und präsentieren Variationen über ein eingangs vom Cello vorgestelltes elegisches Thema. Das Werk gipfelt in einem feurigen Rondo. Jene ebenso klare wie transparente Form- und Klangsprache zeichnet auch die Kompositionen des Franzosen Jacques Iberts, einem Spätgeborenen aus dem Dunstkreis der Groupe de Six, aus. Wobei Ibert, wie etwa in seiner lautmalerischen Symphonie marine, den transparenten neoklassizistischen Duktus mit der farbenprächtigen Instrumentationskunst des französischen Impressionismus versöhnt.
Text: Moritz Achermann
Kaspar Zehnder ist Künstlerischer Leiter der Murten Classics seit 1999, des Sinfonie Orchester Biel Solothurn seit 2012, der Philharmonie Hradec Králové (Tschechien) seit 2018 und der Internationalen Sommerakademie Biel seit 2019.
Geboren in Riggisberg (Kanton Bern, Schweiz), wo er seit 2015 das Crossover-Festival Klangantrisch konzipiert, studierte er in Bern bei Heidi Indermühle (Flöte) und Ewald Körner (Dirigieren). In Zürich, Basel, Paris, Siena und an der European Mozart Academy erhielt er von Aurèle Nicolet, Ralf Weikert, Manfred Honeck und Charles Dutoit weitere prägende Impulse.
Regelmässig dirigiert er die Slowakische Philharmonie, das Radiosinfonieorchester Bukarest, die Sinfonia Varsovia sowie die Tänzerin Misato Inoue und der Tänzer Félix Duméril der Kompanie T42dance und arbeitet mit Solisten wie Patricia Kopatchinskaja, Isabelle van Keulen, Henri Demarquette, Augustin Dumay, Francesco Piemontesi, Alison Balsom, Sergey Katchatryan, Anaïs Gaudemard, Viviane Hagner, Louis Lortie, Rafael Aguirre, Judith Jáuregui, Claire Huangçi oder Alena Baeva zusammen.
Mit dem English Chamber Orchestra leitete er wiederholt eine Benefizgala in Anwesenheit von Prince Charles. Mit grossem Erfolg hat er an der Folle Journée Tokyo 2018 teilgenommen. Als Flötist spielt er seit vielen Jahren in den Ensembles «mit vier» und «Ensemble Paul Klee». Er tritt regelmässig an wichtigen Festivals auf, sowohl kammermusikalisch als auch solistisch. Mit Sir Simon Rattle, Magdalena Kožená und Freunden ist er regelmässig auf KammermusikTournee unterwegs. Das gemeinsame Projekt «Soirée» machte 2016 und 2019 in den wichtigsten Sälen Europas und im New Yorker Lincoln Center Station und ist bei Pentatone auf CD erschienen.
Immer wieder tritt Kaspar Zehnder in der Doppelrolle als Solist und Dirigent auf. Davon zeugen z. B. Aufnahmen von Mozart und Reinecke mit der Slowakischen Philharmonie oder ein Album mit Werken von Schulhoff, Weiner, Bloch und Klepper.
Beethoven 2020 feiert er mit einer Fidelio-Produktion in Biel, der Missa solemnis mit dem Philharmonischen Chor Brno und mit der Neunten Sinfonie in Murten, Biel, Solothurn und St. Gallen. Bei Calliope werden zudem die 5 Klavierkonzerte live mit Giovanni Bellucci und dem Sinfonie Orchester Biel Solothurn erscheinen.
Geplant sind weiter ein Zyklus aller Prokofjew-Klavierkonzertemit der Pianistin Claire Huangçi sowie Mozart-Aufnahmen mit der Queen Elizabeth Music Chapel Bruxelles. Im Bereich der Oper stehen für 2020/21 Tschaikowskys «Eugen Onegin» (Opéra de Massy), Janáčeks «Šárka» (Biel Solothurn) und Mozarts «Figaro» (Opéra de Metz) auf dem Spielplan. Raritäten und Entdeckungen sind seine Leidenschaft: Für das Label Schweizer Fonogramm wird er in den nächsten Jahren die sinfonischen Werke des Schweizer Spätromantikers Joseph Lauber erstmals aufnehmen. Die von ihm geleitete Kammeroper «Weisse Rose» von Udo Zimmermann erhielt den Armel-Preis für die beste Produktion des Jahres 2017 und wurde seither in Wien, London, Oslo und Krakau gezeigt.
Das Kollektiv T42dance um die Choreografin Misato Inoue (JAP) und den Choreografen Félix Duméril (F/CH) inszeniert seit 2006 erfolgreich zeitgenössischen Tanz, Tanztheater sowie ortspezifische, kulturvermittelnde und spartenübergreifende Projekte, die in der Schweiz und international aufgeführt werden. T42dance ist ein multikulturelles Kollektiv, welches sich aus der Konstellation seiner T42dance um die Choreografin Misato Inoue (JAP) und den Choreografen Félix Duméril (F/CH) inszeniert heraus definiert. Sie sind stets auf der Suche nach ungewöhnlichen Wegen, spannungsreichen Begegnungen und originellen Projekten.
Ohne Berührungsängste schöpfen sie aus diversen Tanzstilen und Einflüssen, hinterfragen manchmal auch die Realität oder gehen in die Tiefe bis an deren Essenz. T42dance sucht den Weg aus ihrer Komfortzone heraus und recherchiert laufend nach neuen Ausdrucksformen. Im Vordergrund steht die Absicht, Physis, Dynamik und Körperlichkeit mit Theatralik zu verbinden. Auch steht für sie im Fokus, was die Menschen bewegt oder vereint. All dies findet seinen Ausdruck in poetischem, humorvollem und skurril physischem Tanztheater.
T42dance kreierte bisher 20 Produktionen und Kurzstücke, welche in den folgenden 28 Ländern zu sehen waren: Chile, Deutschland, Dominikanische Republik, England, Finnland, Frankreich, Indien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kuba, Mexiko, Mosambik, Niederlande, Polen, Portugal, Russland, Schweiz, Serbien, Südafrika, Thailand, Tschechische Republik, Ungarn, USA, Zypern. T42dance arbeitet regelmässig mit international renommierten KünstlerInnen aus verschiedenen Disziplinen und Institutionen zusammen – vielseitig, dynamisch, skurril, flexibel, humorvoll und stets ungewöhnlich.
Misato Inoue studierte Tanz in Japan und am Laban Centre in London und ist in der Schweiz als Tänzerin, Pädagogin und Choreografin tätig. Sie tanzte bei der Okamoto Ballet Company, in der Produktion von Pierre Favre für die Expo 02 und bei Hideto Heshiki. 2005 assistierte sie Félix Duméril bei der Einstudierung seines Stückes Sismographes für das Ballettensemble Jacobson in St. Petersburg, Russland.
Seit 2008 ist sie als Tänzerin beim Cathy Sharp Dance Ensemble engagiert. 2012 wirkte sie bei den Königsfelder Festspielen mit. Seit 2014 setzt sie sich intensiv mit Argentinischem Tango auseinander und ist Mitglied des Künstlerkollektivs Tango Incidence in Buenos Aires.
Félix Duméril absolvierte seine Ausbildung bei Anne Woolliams an der Schweizerischen Berufsballettschule Zürich, an der JohnCranko- Schule in Stuttgart und am königlichen Konservatorium in Den Haag. Es folgten Engagements bei De Rotterdamse Dansgroep, beim Ensemble T®ansform, der Company Pretty Ugly, bei der Pool Company, bei inFlux company und Hideto Heshiki.
Unter der Leitung von Martin Schläpfer war er als Tänzer am Ballett des Berner Stadttheaters engagiert, 1999 bis 2004 als Ballettdirektor und Hauschoreograf. 2005 arbeitete er mit der Jacobson Company in St. Petersburg, Russland, zusammen.
Seit 2006 ist er als freischaffender Gastchoreograf, Tänzer, Performer, Pädagoge und Kulturmanager im In- und Ausland tätig mit Aufträgen in diversen Sparten und für Institutionen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, in der Tschechischen Republik, Russland, Chile und Japan. 2016 arbeitete er in der Opern-Produktion an der Wiener Kammeroper/Theater als Schauspieler und Choreograf mit. 2015 und 2016 kreierte er Site Specific Stücke für die Tanz Company Giessen. 2017 schuf er das Kulturvermittlungsstück RITUALS für das Opernhaus Zürich in Zusammenarbeit mit der Choreografin Sonia Rocha. 2018 arbeitete er für die Tanzcompany des Stadttheaters Pforzheim in Deutschland.
Moritz Achermann (*1991) studierte Musikwissenschaft und Germanistik an der Universität Bern bevor er 2016 in die Gesangsklasse von Kai Wessel an der Hochschule der Künste Bern eintrat und im Sommer 2019 seinen Bachelor abschloss. Momentan absolviert er sein Masterstudium beim Bariton Christian Hilz und studiert Komposition bei Christian Henking. Moritz Achermann arbeitet als Chorleiter, Theatermusiker und Komponist und schreibt Texte für Musikfestivals und Konzertveranstalter. Er erhielt Kompositionsaufträge für das Barockensemble Il dolcimelo, das Vokalensemble Belcanto, das Jugendorchester Köniz, das orchestra giovane und das Kammerorchester musica movendi. Seit 2019 ist er Dramaturg des Barockensembles die Freitagsakademie. Er ist Co-Leiter der Theatergruppe des Gymnasiums Neufeld und war als Musiker in Theaterproduktionen am Stadttheater Bern, am Theater Biel-Solothurn und in der freien Szene engagiert. Moritz Achermann dirigiert das von ihm gegründete Vokalensemble Suppléments musicaux, mit dem er 2014 den Jugendpreis der Burgergemeinde Bern gewann, den Chor Laltracosa, den Berner Generationenchor, das Kammerorchester Campo fiorente und betätigt sich als Sänger, DJ und Performer.
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