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© 1990 Markus Kappeler
Tonga
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)
Als eines Tages der mächtige Gott Tangaroa von der Höhe seines Himmels herab im Ozean fischte, spürte er auf einmal ein ungewöhnliches Gewicht an seiner Angel. Da er glaubte, er hätte einen besonders grossen Fisch gefangen, begann er, mit aller Kraft die vermeintlich fette Beute aus dem Wasser zu ziehen. Er zog und zog. In Wirklichkeit hatte sich sein Angelhaken aber am Meeresboden verfangen. Tangora staunte deshalb nicht schlecht, als er sah, wie aus dem Wasser riesige Felsen auftauchten, immer mehr und immer grössere. Der Grund des Meeres stieg schnell empor, und es hätte sich vielleicht ein neuer Kontinent gebildet, wenn nicht plötzlich die Angelschnur gerissen wäre. Was bereits an die Wasseroberfläche gekommen war, bildete fortan die Tongainseln.
So berichtet die Legende. Und wer es nicht glauben mag, der sollte sich einmal die Klippen im Süden der Insel Eua besehen. Dort erkennt man nämlich noch heute Li'angahuo 'a Maui - den Felsen, der seinerzeit vom Angelhaken des Gottes Tangaroa durchbohrt worden war...
Zwei parallele Inselketten
Tonga liegt im südlichen Pazifik, und zwar dort, «wo der Tag beginnt». Infolge seiner Lage unmittelbar westlich der Datumsgrenze beginnt der Inselstaat nämlich jeden neuen Tag als erstes Land der Erde.
Der Tongaarchipel setzt sich aus 171 Inseln zusammen, von denen aber nur drei Dutzend ständig bewohnt sind. Sie liegen verstreut über ein Meeresgebiet von 260 000 Quadratkilometern, was ungefähr der Grösse der Bundesrepublik Deutschland entspricht, weisen jedoch eine Landfläche von lediglich 747 Quadratkilometern auf.
Als höchste Erhebungen zweier in nordsüdlicher Richtung verlaufender untermeerischer Rücken gliedern sich die Tongainseln in zwei parallele Reihen. Östlich dieser submarinen Gebirgszüge fällt der Meeresboden im sogenannten «Tongagraben» schroff in eine Tiefe von mehr als 10 000 Meter ab.
Die beiden tongaischen Inselketten unterscheiden sich in ihrem geologischen Aufbau deutlich voneinander: Die westlichen Inseln bestehen aus Basaltgestein. Es handelt sich um Vulkankegel, die steil aus dem Wasser aufragen, Höhen von bis zu 1031 Metern (Vulkan Kao) erreichen und zum Teil noch heute tätig sind. Aufgrund ihrer fruchtbaren Böden sind diese westlichen Tongainseln von Natur aus mit dichter tropischer Vegetation überwuchert. Ein Naturphänomen besonderer Art stellt die Insel Fonuafo'ou dar: 1885 tauchte sie aus den Fluten des Pazifiks auf, verschwand dann um 1894 wieder, kam 1927 erneut zum Vorschein und verschwand wiederum 1949. Bis heute haben die Wissenschaftler keine befriedigende Erklärung für diese «Laune der Natur» gefunden.
Bei den östlichen Tongainseln handelt es sich um gehobene Koralleninseln; sie sind aus porösem, nährstoffarmem Korallenkalk aufgebaut. Die ursprüngliche Vegetation dieser Inseln ist darum - von den genügsamen und im ganzen pazifischen Raum landschaftsprägenden Kokospalmen und Pandanus-Schraubenbäumen abgesehen - eher schütter und kleinwüchsig. Vielerorts sind die Kalkböden allerdings von einer mehr oder weniger dicken Schicht vulkanischer Asche bedeckt, welche während der zahlreichen Eruptionen der im Westen gelegenen Vulkaninseln herübergeweht wurde. Die östlichen Tongainseln sind deshalb trotz ihres korallinen Untergrunds stellenweise erstaunlich fruchtbar. Von den östlichen Tongainseln haben im übrigen nur das 329 Meter hohe Eua und das 186 Meter hohe Vava'u hügeligen Charakter. Die restlichen Inseln sind ausgesprochen flach und ragen höchstens 30 Meter über den Meeresspiegel auf.
Die grösste und wichtigste Insel des Tongaarchipels ist das weit im Süden gelegene, koralline Tongatapu mit einer Fläche von 257 Quadratkilometern (das entspricht fast einem Drittel der Landesfläche), etwa 65 000 Einwohnern (das entspricht rund zwei Dritteln der Gesamtbevölkerung Tongas) und der Hauptstadt Nuku'alofa.
Das Klima des Tongaarchipels ist tropisch-maritimer Art. Bei jährlichen Durchschnittstemperaturen von 27° Celsius auf den nördlichen Inseln und 22° Celsius im Süden sind die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen relativ gering. Von Mai bis Oktober herrscht eine milde Trockenzeit mit angenehm kühlen Nächten, erfrischenden Passatwinden und nur gelegentlichen Regenschauern. Die Monate Dezember bis April gelten als Regenzeit, wobei die Niederschläge aber nicht besonders ausgeprägt sind. Der meiste Regen, nämlich 2500 Millimeter im Jahr, fällt auf den nördlichsten Inseln, während die jährliche Niederschlagsmenge auf Tongatapu bei lediglich 1500 Millimetern liegt. In den Monaten November und Dezember sowie April und Mai, also beim Übergang von der Trockenzeit zur Regenzeit und umgekehrt, werden besonders die nördlichen Bereiche des Tongaarchipels mitunter von Wirbelstürmen heimgesucht. Zuletzt verursachte im Jahr 1982 ein solches Unwetter schwere Schäden.
Tonga leidet unter Landmangel
Die Bevölkerung des Tonga-Archipels besteht fast ausschliesslich, nämlich zu 99 Prozent, aus Polynesiern. Seit der Jahrhundertwende hat sich ihre Zahl mehr als vervierfacht: Lebten 1926 noch 27 000 Menschen auf der pazifischen Inselgruppe, so waren es 1956 bereits 57 000, und gemäss den letzten Schätzungen (1989) sogar rund 108 000. Diese Einwohnerschaft gilt als zu umfangreich für die kleine pazifische Inselnation, umsomehr als der natürliche Bevölkerungszuwachs mit jährlich 2,2 Prozent sehr hoch ist. Tatsächlich ist es der Regierung schon seit manchen Jahren nicht mehr möglich, jedem männlichen Tongaer im Alter von 16 Jahren jene 3,3 Hektaren Land zur Pacht zu überlassen, auf die er laut Verfassung Anspruch hätte. So verfügt heute mehr als die Hälfte der männlichen Steuerzahler über keinen eigenen Boden und muss sich anderweitig verdingen.
Infolge des Landmangels sind in der jüngeren Vergangenheit viele Tongaer von den äusseren Inseln auf die Hauptinsel Tongatapu gezogen. Da es aber auch dort zunehmend schwieriger wird, einen Arbeitsplatz zu finden, sind Jahr für Jahr Hunderte von Tongaern dazu gezwungen, nach Fidschi, Neuseeland, Australien oder in die USA auszuwandern und sich dort nach einer Verdienstmöglichkeit umzusehen. Man schätzt, dass gegenwärtig etwa 35 000 Tongaer im Ausland leben.
Im Inland ist ungefähr die Hälfte aller erwerbsfähigen Tongaer im Agrarsektor tätig, wobei Ackerbau und Viehzucht vornehmlich der Eigenversorgung der Bevölkerung dienen. Angebaut werden in kleinflächigen Kulturen vor allem Jams, Taro, Maniok, Süsskartoffeln und anderes Gemüse sowie Bananen, Kokosnüsse und diverse Zitrusfrüchte. Häufigste Nutztiere sind Hühner und Schweine. Eine weitere wichtige Versorgungsquelle der einheimischen Bevölkerung ist die Fischerei.
Eine nennenswerte Forstwirtschaft gibt es auf den Tongainseln nicht, denn infolge der ausgedehnten landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens ist die ursprüngliche Pflanzendecke weitgehend beseitigt worden, und Aufforstungen irgendwelcher Art fanden keine statt. Für den Hausbau begnügen sich die Inselbewohner mit dem harten Holz der Kokospalme oder sind auf Importholz angewiesen.
Bodenschätze sind auf den Tongainseln bislang keine gefunden worden, und auch Erdölbohrungen verliefen bis heute erfolglos. Die Hauptausfuhrwaren Tongas stammen demzufolge alle aus der Landwirtschaft: Neben kleineren Mengen Vanille, Bananen und Wassermelonen handelt es sich vor allem um diverse Kokosnussprodukte. Tonga hat schon vor geraumer Zeit den Export von Kopra (so heisst das luftgetrocknete Fleisch der Kokosnuss) eingedämmt, um die im Land gewonnene Kopra in inseleigenen Fabriken weiterzuverarbeiten. So bildet heute die Herstellung von Kokosöl, Kokospaste, Kokosraspel, Kokosmehl und anderen Kokosnussprodukten einen wichtigen Zweig der ansonsten kaum entwickelten Inselwirtschaft und verschafft der Inselbevölkerung begehrte Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nahrungsmittelimporte die Exporte bei weitem übersteigen. Die ökonomischen Probleme des kleinen Inselreichs sind dadurch offenkundig.
Seit der Eröffnung des ersten Hotels im Jahr 1966 kommt dem Tourismus eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung zu. Die bisher erzielten Deviseneinnahmen reichen aber bei weitem nicht aus, um die grossen Defizite der Handelsbilanz zu decken. Denn noch hält sich der Tourismus in bescheidenen Grenzen. Für den Gast liegt darin ein Vorteil, da das Land noch nicht von Fremden überlaufen ist und die Tongaer selbst in der Hauptstadt ihren natürlichen Charme behalten haben. Über kurz oder lang dürfte sich das aber wohl ändern, denn Tonga ist dringend auf eine Steigerung der Deviseneinnahmen angewiesen, und diese können nach dem derzeitigen Stand der Dinge nur aus dem Tourismus kommen. Vorläufig wird die Wirtschaft des Landes noch zu einem wesentlichen Teil gestützt durch die Überweisungen der im Ausland arbeitenden Tongaer an ihre zurückgebliebenen Familienangehörigen. Hinzu kommen massive ausländische Finanzhilfen.
Das einzige Königreich im Pazifik
Die holländischen Seefahrer Cornelis Schouten und Jakob Le Maire waren die ersten Europäer, welche in der Weite des Pazifischen Ozeans über die Tongainseln «stolperten»: 1616 sichteten sie die ganz im Norden des Archipels gelegenen Inseln Tafahi und Niuatoputapu.
1643 landete dann ihr Landsmann Abel Tasman auf Tongatapu, Eua und Nomuka, machte erste detaillierte Kartierungen und beschrieb unter anderem die hochentwickelte soziale Ordnung, die er innerhalb der eingeborenen Bevölkerung vorfand. Archäologische Untersuchungen haben später gezeigt, dass der Tonga-Archipel bereits vor etwa 3000 Jahren bewohnt gewesen sein muss. Das Inselreich bildete damit, zusammen mit Samoa, den Ausgangspunkt für die waghalsigen polynesischen Hochseefahrten, welche schliesslich zur Besiedlung der ganzen Inselwelt im östlichen Pazifik führten, von Hawaii im Norden bis zur Osterinsel im Osten und Neuseeland im Süden. Es bot sich damit aber auch genügend Zeit, um auf Tonga jene komplexe feudalistische Gesellschaft entstehen zu lassen, welche Tasman vorfand und bei der eine breite, im wesentlichen besitzlose Unterschicht von vermögenden Adelsfamilien und diese wiederum von einer Königsdynastie regiert wurden.
Nach Tasmans Entdeckungsreise wurden die Tonga-Inseln fast anderthalb Jahrhunderte lang kaum mehr von Europäern besucht, bis schliesslich in den Jahren 1773 und 1774 Kapitän James Cook zusammen mit den Naturwissenschaftlern Reinhold und Georg Forster die Inseln ansteuerte, sie eingehender erforschte und beschrieb. Cook gab den Inseln den Namen «Friendly Islands» («Freundschaftliche Inseln»), weil sich die Eingeborenen ihm und seiner Mannschaft gegenüber so umgänglich und hilfsbereit gezeigt hatten. Als «Freundschaftsinseln» wurden die Tongainseln denn auch lange Zeit im deutschsprachigen Raum bezeichnet.
Untereinander verhielten sich die Tongaer allerdings nicht immer besonders freundschaftlich. Georg Forster hatte dies treffend in seinem Reisebericht festgestellt: «Ausser Keulen hatten sie auch Speere aus Kasuarinenholz, die häufig nur zugespitzt, oft aber auch mit dem Schwanz des Stachelrochens als furchtbarer Spitze versehen waren. Ausser diesen Waffen führten sie auch Bogen und Pfeile. Die ungeheure Menge von Waffen, die wir bei den Eingeborenen fanden, stimmte gar nicht mit der friedfertigen Gesinnung überein, die sie in ihrem ganzen Betragen zeigten. Sie müssen folglich oft Händel untereinander haben oder auch mit den benachbarten Inseln Krieg führen, doch konnten wir hierüber nichts von Belang erfahren».
Was zu jenem Zeitpunkt offenbar bereits schwelte, brach wenig später aus: Im frühen 19. Jahrhundert entbrannten regelrechte Bürgerkriege zwischen den verschiedenen Inselgruppen des Archipels und ihren adeligen Regenten. Jeder von ihnen beanspruchte für sich die königliche Macht über ganz Tonga. Zu den interinsularen Zwisten hatte nicht zuletzt die Christianisierung einzelner Adelsfamilien durch englische Methodisten geführt, welche ihre Arbeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgenommen hatten.
Frieden kehrte auf dem südpazifischen Archipel erst wieder ein, als es dem 1831 zum Christentum bekehrten Häuptling Taufa'ahau Tupou von Ha'apai mit der Unterstützung «seiner» Missionare gelang, sämtliche Rivalen, darunter auch den amtierenden König auf Tongatapu, zu überwinden. 1845 liess er sich als König Siaosi Tupou I. zum Alleinherrscher des Tongaarchipels krönen.
Im Verlauf seiner Herrschaft schuf König Siaosi Tupou I. die Grundlagen des heutigen Tonga: Er führte 1862 eine einheitliche Gesetzgebung ein, die den Adligen und den einfachen Bürgern vor dem Gesetz gleiche Rechte einräumte. Gleichzeitig befreite er die «gewöhnlichen» Tongaer von der Zwangsarbeit, welche die verschiedenen Häuptlinge ihren Untertanen auferlegten. Er schuf ein Parlament, in welchem Vertreter des Adels ebenso wie solche des Volks sassen. Und mit der Verfassung von 1875 machte er Tonga formal zu einer konstitutionellen Erbmonarchie. Als er 1893 im Alter vom 96 Jahren starb, hinterliess er überdies ein wohl organisiertes landwirtschaftliches System und eine gut strukturierte Verwaltung.
Bereits 1879 hatte König Siaosi Tupou I. einen Freundschaftsvertrag mit Grossbritannien geschlossen. Durch einen neuerlichen Vertrag mit London wurde Tonga dann im Jahr 1900 unter König Siaosi Tupou II. zum britischen Protektorat. Dieses Übereinkommen berechtigte die Briten fortan, die Aussenpolitik des Südsee-Archipels wahrzunehmen. Tonga gelang es durch diesen geschickten politischen Schritt, von kolonialer Eroberung seitens der anderen europäischen Mächte verschont zu bleiben. Und Grossbritannien erhielt zwar die Oberhoheit über Tonga; die innere Herrschaft blieb jedoch beim König von Tonga.
In England kannte man allerdings lange Zeit kaum den Namen des fernen Inselreichs. Das änderte sich 1953 schlagartig: Damals war Tonga plötzlich in aller Munde, denn eines der Staatsoberhäupter, welche der Krönung Elisabeths II. in London beiwohnten, war die vielbeachtete Königin Salote Tupou III. von Tonga. Die vollbusige, malerisch gekleidete, immer vergnügte Herrscherin war der Star des Krönungszuges. Gerne erzählte die braunhäutige Königin ihren Zuhörern, dass sie in direkter Linie vom grossen Häuptling Aho'eitu, Sohn des mächtigen Himmelsgottes Tangaroa und der wunderschönen Tonga-Insulanerin Va'epopua, abstammte. Und sie war sichtlich stolz darauf, dass ihre englische «Kollegin» sich keiner solchen göttlichen Abkunft rühmen konnte.
Es war wohl der Persönlichkeit von Königin Salote zu verdanken, dass Tonga 1970 durch Auflösung des mittlerweile siebzigjährigen Protekoratsvertrags seine volle Unabhängigkeit zurückerhielt und als Mitgliedsstaat in das Britische Commonwealth aufgenommen wurde. Die legendäre tongaische Herrscherin, die ihr Land seit 1918 mit viel Geschick geführt hatte, vermochte dies allerdings nicht mehr mitzuerleben; sie verstarb 1965.
Seit 1965 regiert nunmehr der erstgeborene Sohn von Königin Salote, König Taufa'ahau Tupou IV., der mit 210 Kilogramm Lebendgewicht ein durch und durch polynesischer Monarch ist - im Aussehen wie im Herzen. Wie schon seine Mutter, sein Grossvater und sein Urgrossvater residiert er in Nuku'alofa auf der Insel Tongatapu. Und wie sie verfügt er trotz Verfassung nach britischem Vorbild über sehr viel Macht und weitreichende Rechte in seiner Inselheimat. Er steht dem höchsten Exekutivorgan Tongas, dem Kronrat, vor, der sich aus acht vom König auf Lebenszeit ernannten Ministern zusammensetzt. Ministerpräsident ist derzeit Prinz Fatafehi Tu'ipelehake, der jüngste Bruder des Königs. Aussenminister ist Kronprinz Tupouto'a, der älteste Sohn des Königs, der in der Schweiz erzogen worden war.
Dem Legislativrat Tongas gehören neben den acht Kronratsmitgliedern die beiden ebenfalls vom König eingesetzten Gouverneure der Ha'apai- und der Vava'u-Inselgruppe, neun Häuptlinge, welche die 33 Adelsfamilien repräsentieren, und neun vom Volk gewählte Vertreter an. Wahlberechtigt sind alle Tongaer, welche über 21 Jahre als sind, Steuern zahlen und lesen und schreiben können. Letzteres ist auf Tonga kein grosses Problem, denn dank des für alle Kinder von 6 bis 14 Jahren obligatorischen und kostenlosen Schulbesuchs liegt die Analphabetenquote unter fünf Prozent.
Legenden
Tongatapu ist mit einer Fläche von 257 Quadratkilometern die grösste Insel des Tongaarchipels. Oben links, eingebettet zwischen der Meeresküste und der Fanga-Uta-Lagune, kann man die tongaische Hauptstadt Nuku'alofa erkennen. Sie ist in den letzten dreissig Jahren rapid gewachsen und wird heute von über einem Viertel der tongaischen Gesamtbevölkerung bewohnt.
Die Tongaer sind sehr umgängliche Menschen mit einer offenen, fröhlichen Wesensart. Ihre überaus freundliche Gesinnung hatte schon Kapitän James Cook, der die Tongainseln 1773 zum ersten Mal besuchte, begeistert, weshalb er der Inselgruppe den Namen «Freundschaftliche Inseln» gab.
An zentraler Lage in der Hauptstadt Nuku 'alofa befindet sich der im viktorianischen Stil gearbeitete Königspalast. Er war 1867 aus in Neuseeland vorfabrizierten Teilen errichtet worden und dient auch heute noch dem tongaischen Monarchen, derzeit König Taufa'ahau Tupou IV., und seiner Familie als Wohnsitz.
Die Friedhöfe der Tongaer sind für unser Auge recht ungewohnt: Die Gräber bestehen aus grossen, hellen Sandhügeln, die von leeren, umgekehrt in die Erde gesteckten Bierflaschen eingefasst sind. Oft werden sie zusätzlich noch mit bunten Tüchern und künstlichen Blumen geschmückt.
Über die Hälfte der erwerbstätigen Tongaer betreibt im kleinen Rahmen Ackerbau und Fischfang. Die Produkte werden meistens «gleich um die Ecke» verkauft, denn sowohl die Landwirtschaft als auch die Fischerei dienen vornehmlich der Eigenversorgung der
Inselbevölkerung.
Rindenbaststoff, «Tapa» genannt, ist ein sehr typisches kunsthandwerkliches Erzeugnis der Tongaer. Das leichte Gewebe wird in einem aufwendigen Verfahren aus dem Rindenbast des Papiermaulbeerbaums gewonnen und dient, mit vielfältigen Mustern aus Naturfarben bemalt, hauptsächlich als Wandschmuck und zur traditionellen Bekleidung.
Die tongaischen Frauen sind sehr geschickt in der Herstellung von geflochtenen Waren für den täglichen Bedarf wie Sitzmatten, Kissen, Körben und Taschen. Als Flechtmaterial verwenden sie hauptsächlich die Blätter der Kokospalme und des Pandanus-Schraubenbaums. Beide Gewächse sind auf den Tongainseln überaus häufig.
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