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Peter Ruch und Werner J. Haller | 16.11.2023
Formel 1 Für Geld tat Bernie Ecclestone alles, deshalb startete die Formel 1 1981 und 1982 auf einem Parkplatz in der Wüste. Doch die Rennen waren grossartig. Hoffnung fürs Wochenende?
Oktober 1981 in der Mojave-Wüste, US-Bundesstaat
Nevada. Nelson Piquet war am Ende. Grippe oder etwas Ähnliches, er
konnte kaum seinen Kopf bewegen. Was in einem Ground-Effect-Rennwagen so
ziemlich das Übelste ist, was einem passieren kann. Doch wenn man in
Las Vegas ist, dann gibt es für alles ein Heilmittel: Das Caesars Palace
organisierte Piquet einen Termin beim Masseur von Boxlegende Sugar Ray
Leonard. Bloss war der schmächtige Brasilianer danach so richtig am
Ende, er konnte kaum mehr laufen. Dabei wollte er doch Weltmeister
werden, die Chancen standen nicht schlecht vor dem letzten Rennen, er
hatte auf seinem Brabham 48 Punkte eingefahren, hinter ihm lag der
Franzose Jacques Laffite auf Ligier schon deutlich zurück (43 Punkte),
vor ihm war nur noch der Argentinier Carlos Reutemann auf Williams (49).
Das Training konnte Piquet nur unter grossen Schmerzen
bestreiten – und schaffte es trotzdem auf den vierten Platz. Laffite in
einem Ligier war als Zwölfter weit weg, doch vorne holte Reutemann die
Poleposition, ziemlich deutlich vor seinem australischen
Williams-Teamkollegen Alan Jones. Der preschte beim Start zum Caesars
Palace Grand Prix gleich nach vorne, auch Gilles Villeneuve (Kanada,
Ferrari), Alain Prost (F, Renault) und Bruno Giacomelli (I, Alfa Romeo)
packten Reutemann schon in der ersten Runde. Auch Piquet kam nicht gut
weg, fiel auf den achten Platz zurück, noch hinter Laffite.
Es folgte
eines der wildesten, grossartigsten Rennen aller Zeiten. Es war
schwierig, die Übersicht zu behalten auf dem 3.65 Kilometer langen Kurs
mit seinen 14 Kurven, den das Caesars Palace zusammen mit einem 45 000
Personen fassenden Stadion in nur 42 Tagen für sieben Millionen Dollar
aus dem Wüstensand stampfen liess. Jones blieb zwar immer vorne, doch
Reutemann fiel immer weiter zurück, Piquet war mal in den Punkten, dann
wieder nicht, nach 33 Runden wollte er aufgeben, die Kopfschmerzen
wurden unerträglich. Er hielt nur durch, weil er wusste, dass er vor
seinem stärksten Konkurrenten lag. Am Ende war Piquet Fünfter, Laffite
Sechster, Reutemann Achter. Nach der Zieldurchfahrt übergab sich Piquet
in seinen Helm. Aber er war Weltmeister.
Selbstverständlich war es Bernie Ecclestones Wunsch gewesen, mehrere Grand Prix in den USA auszutragen. Das brachte Aufmerksamkeit, weltweit – und die war pures Geld wert. Insbesondere dann, wenn er keine Kosten hatte wie in Las Vegas. Die sieben Milliönchen, die der erste Grand Prix kostete, schüttelten das Caesars Palace und sein Besitzer Billy Weinberger locker aus dem Ärmel – mit Boxkämpfen wie jenem zwischen Muhammad Ali und Larry Holmes ein Jahr zuvor verdienten sie an einem Tag mehr Geld als sie das ganze F1-Rennwochenende kostete. Formel 1 hatte damals einen viel geringeren Stellenwert in den USA als etwa die Indycar mit den 500 Meilen von Indianapolis. Doch eine gute Show lockte die Spieler an. Und die Show war wirklich gut, wie Weinberger sagte: «Die Formel 1 ist die höchste Stufe des Motorsports und spricht den grössten Snobismus und die verrückteste Extravaganz an, zwei Eigenschaften, die nicht besser zu unserem Markenimage passen könnten.» Als Rennleiter fungierte ein Megastar, der Schauspieler und Motorsport-Exzentriker Paul Newman.
1982: Eine verrückte Saison endet
Der Italiener Michele Alboreto im Tyrrell-Ford war beim
Saisonfinale 1982 am 25. September der letzte Sieger mit einem Sauger
im Rücken. Im nachfolgenden Jahr stand endgültig auf verlorenem Posten,
wer über keinen Turbomotor verfügte, 1983 wurde Nelson Piquet im
Brabham-BMW erster Turboweltmeister der Geschichte. Doch 1982 konnte
Keke Rosberg im Williams-Ford die Titelschlacht noch für sich
entscheiden. Der Finne hatte in Las Vegas leichtes Spiel. Sein einziger
Konkurrent, der Brite John Watson im McLaren-Ford, musste gewinnen und
darauf hoffen, dass Rosberg ausfiel. Doch der Finne tat ihm den Gefallen
nicht, er wurde Fünfter – und Watson brachte sein zweiter Platz gar
nichts.
Die Saison 1982 gilt trotzdem als eine der spannendsten in der Geschichte: Weltmeister Rosberg gewann nur einen Grand Prix, den letzten der Schweiz, damals in Dijon (F). Der Finne war aber nur einer von insgesamt elf Siegern bei 16 WM-Läufen! Konstrukteursweltmeister wurde Ferrari, der Rennstall hatte während der Saison 1982 seine beiden verkrachten Starpiloten verloren: Gilles Villeneuve (Kanada) verunglückte in Zolder (B) tödlich und Didier Pironi (F) verletzte sich bei einem Auffahrunfall im Regentraining in Hockenheim (D) schwer und konnte in Las Vegas nicht antreten. Der Las-Vegas-GP 1982 war der letzte, bei dem Colin Chapman an der Strecke war. Der Lotus-Gründer und geniale Konstrukteur starb 54-jährig keine zwei Monate später in der Nacht auf 16. Dezember 1982 an einem Herzinfarkt.
Volle Startfelder
Mit Blick auf die Startfelder bei den Grand Prix in Las Vegas sind jene von heute dünn besetzt. 1981 starteten 26 Piloten ins Rennen – sechs blieben aussen vor, sie hatten sich nicht für den GP qualifiziert. Ein Jahr später sollten auch 26 Piloten starten, Patrick Tambay (Ferrari) und Roberto Guerrero (Ensign) fehlten aber auf dem Grid, der Franzose passte aus gesundheitlichen Gründen, das Team des Kolumbianers hatte keinen Ersatzmotor. Drei weitere Fahrer hatten sich für den GP gar nicht erst qualifiziert.
Auch Las Vegas konnte sich nach 1982 viele Jahre nicht mehr für die Formel 1 qualifizieren. Die Strecke war ungeeignet für die Boliden, es war viel zu heiss, der Wind blies Sand auf die Piste – und die Zuschauer verloren schnell das Interesse. Das lag auch daran, dass die Formel-1-Piloten im Rest der Welt zwar schon damals Superstars waren – sie aber in den USA niemand kannte. Und auch die richtige Körperpflege konnte das Caesars Palace nicht bieten: Nelson Piquet meinte, er habe noch nie zuvor etwas Schlimmeres erlebt als den Masseur des Boxers.
Grand Prix Las Vegas 2023
Für Europäer ist das Las-Vegas-Comeback in der
Formel 1 etwas für Frühaufsteher. Der Grand Prix wird am Samstagabend
Ortszeit (Sonntag ab 7.00 Uhr MEZ) gefahren. Trainings, Qualifikation
und Rennen sind in Europa im TV also bereits am frühen Morgen zu sehen.
1. Training, Freitag, 5.30–6.30 Uhr
2. Training,
Freitag, 9.00–10.00 Uhr
3. Training, Samstag,
5.30–6.30 Uhr
Qualifikation, Samstag, 9.00–10.00 Uhr
Rennen, Sonntag, ab
7.00 Uhr