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(mmo) Nachdem schon im Vorfeld des drittletzten Renntages der Saison 2012 bekannt war, dass Petrus sich definitiv gegen den Schweizer Rennsport gestellt hatte und auch Avenches "im Stich" lassen würde, war die Angst gross, dass die Galopprennen dem Regen zum Opfer fallen würde.
Die Verantwortlichen des Institut Equestre National Avenches (IENA) hatten sich dann aber dafür entschieden die Rennen trotz allem durchzuführen. "Eine Absage von Rennen wäre in dieser Phase der Saison definitiv gewesen, wir hätten keine Rennen mehr auf andere Renntage verschieben können", war sich Jean-Pierre Kratzer bewusst. Er sah diese Entscheidung auch als Dank an die Aktiven, die nochmal eine Startgelegenheit erhielten.
Die Flachrennen wurden wie geplant auf der (insbesondere für Hindernisrennen vorgesehene) Innenbahn gelaufen, die vom Aufbau her anders konzipiert ist und deshalb deutlich mehr Wasser aushält als die grosse Flachbahn. Von der Trabbahn musste bis rund 15 Minuten vor dem Star des ersten Rennens noch Wasser abgepumpt werden, die Ausweich-Piste auf der Innenseite war voll mit Wasser und durfte von den Fahrern (die mit ihren Pferden jeweils erst 10 Minuten vor den Rennen auf die Bahn durften, damit die Bahn-Crew genug Zeit hatte für ihre Arbeit) nicht benutzt werden.
Mit einer Dotation von 20'000 Franken war der Grand Prix du Trotteur Français klar das Hauptereignis des Tages. Der favorisierte Nègre du Digeon (2.80:1) fand dabei in Owens d'Em seinen Meister. Der 25 Meter vor ihm gestartete Pujol-Schützling liess unterwegs den sonst nicht vorne gehenden Number One Chah die Führungsarbeit verrichten, griff diesen Ausgangs des letzten Bogens an und zog überlegen davon. Nègre du Digeon, der designierte Sieger des Circuit National du Trot (CNT), hielt dreieinhalb Längen dahinter den 29:1-Aussenseiter Olympio de May um Rang zwei in Schach.
Für John Seydoux' Owens d'Em, der Anfang September in Aarau wie im Vorjahr Meisterschafts-Zweiter wurde, war es der dritte Saisonsieg, der bisher grösste von insgesamt fünf Erfolgen in der Schweiz.
Renaud Pujol feierte ein Rennen später gleich einen zweiten Sieg. Mit dem unberechenbaren Tango du Martza wies er den Schluss-Angriff des Top-Favoriten Utello d'Auge sicher ab. Dies nachdem der Schwiegersohn von Jean-Pierre Kratzer im ersten Rennen den Sieg mit Tainac gegen Verena Hauris Top Boy (Adrian Burger) um Hals verpasst hatte.
Für das Trainer-Championnat spielt dies für Renaud Pujol allerdings keine Rolle mehr. Er liegt mit 23 Siegen (bei 155 Starts) derzeit an dritter Stelle, ohne Chance nach vorne und ohne grosse Gefahr gegen hinten (4. ist Adrian Burger mit 17 Siegen bei nur 64 Starts).
Den Meistertitel für den erfolgreichsten Trainer machen Marc-André Bovay und Jean Bernard Matthey in einem einsamen Duell aus. Das vierte Premium-Rennen endete ganz nach dem Geschmack von Bovay, obschon er mit Narcos d'Acanthe nur 10. wurde. Denn zwei seiner Schützlingen duellierten sich um den Sieg. Gerald Dambachs Niky du Padoueng feierte mit Marcel Humbert im Sulky nach 13 (!) Platzgeldern in dieser Saison endlich den ersten Volltreffer. Er fing den vom Start weg führenden Only You Jiel (Valérie Henry) noch sicher ab.
Dank dem Sieg mit Ulita de la Vallée (Ecurie de Warens), die zum fünften Mal in Serie gewann (!), gelang es Marc-André Bovay letztlich sogar, Jean-Bernard Matthey (ging für einmal leer aus) an der Spitze der Statistik abzulösen. MAB führt nun mit 38 Siegen (199 Starts) vor JBM mit 37 Siegen (232 Starts).
Bei den Berufsfahrern ist Marc-André Bovay mit 27 Siegen nun drei Zähler vor Jean-Bernard Matthey, Renaud Pujol kommt auf 19 Volltreffer in der Saison 2012.
Im Meilen-Rennen für erst wenig erfolgreiche Inländer (3- bis 5-jährige bis 10'000 Franken Gewinnsumme) gewann Henri Turrettini mit Vattilara von der Spitze aus hoch überlegen vor Vidal und Una Fighter. 3420 wichtige Franken für die Ecurie Turrettini, die mit der Ecurie du Martza GmbH um das Besitzer-Championnat kämpft (142'998 Franken zu 133'565 Franken steht es für die "Turrettinis" aktuell). Den dritten Platz hat die Ecurie Max Gordon auf sicher.
Nachdem am Freitag noch Bodenwerte unter 4 gemessen worden waren, lag der durchschnittliche Penetrometer-Wert am Samstag Morgen (nach 12 Litern Regen pro Quadratmeter, wie Denis Roux zu berichten wusste) bei 4.5 - vor Rennbeginn waren es dann 5.0 und später wurde nicht mehr gemessen.
Die Bedingungen behagten naturgemäss nicht allen Pferden. Sie waren speziell, aber nicht gefährlich, wie auch die Jockeys bestätigten.
Mann des Tages war zweifellos Tim Bürgin, der seine vier Einsätze allesamt auf einem Toto-Rang beendete und drei davon siegreich gestaltete. Zunächst triumphierte er mit der zweijährigen Farha für Paul und Dominique Liechti. Die rechte Schwester von Fundao (Blue Canari aus der Farinha) liess Sea Cloud sowie den lange mit einigem Eifer führenden Footprintinthesand leicht hinter sich.
Den zweiten Bürgin-Sieg gab es im Rennen für die Steher, mit einigen Hochkarätern am Start. Doch weder Halling River (11. im Zwölferfeld) noch der Jockey Club-Fünfte Shakalaka (pullte unterwegs stark, wurde am Ende 7.) oder Septentrion (10.) sorgten für die Musik. Die Aussenseiterin Majeure und Lumisson schienen mitte Einlauf den Sieg unter sich ausmachen zu können. Doch dann fand Weipert (Daniele Procu) besser in die Partie, der sich am Ende mit dem aussen stark aufkommenden Tamanoir Argentin auseinandersetzen musste. Tim Bürgin entlockte dem von Christina Bucher für Rudolf Remund trainierten Vierjährigen am meisten Reserven und gewann mit Hals.
Im Final des Cups der "jungen Reiter" hatte Tim Bürgin noch eine Chance auf den Gesamtsieg. Er tat seinen Teil, indem er Auenwind von der Spitze aus zu einem Kampfsieg über Lady Elsari (Raphael Lingg) pilotierte und dem jungen Stall Redstar beim erst zweiten Start den ersten Sieg bescherte.
Doch es reichte für Bürgin dennoch nicht zum Gesamtsieg. Denn Yvonne Donzé, seine grosse Konkurrentin, behielt die Nerven und ritt Tabaluga auf Rang drei - exakt einen Punkt Vorsprung behielt sie (47) damit auf Bürgin (46). Rang drei sicherte sich dank dem Ehrenplatz mit Lady Elsari Raphael Lingg (25 Punkte), der Celina Weber (23) noch abfangen konnte.
Einen überlegenen "K.O.-Sieg" erzielte Kathrin Teuschers All in im Meilen-10'000er. Als Raphael Lingg den Auenadler-Sohn im Einlauf lancierte, hatten seine Gegner innert weniger Galoppsprünge um den Sieg ausgespielt. Der Schützling von Claudia Erni gewann unangefasst mit fünf Längen vor dem gut fertig machenden Lodano und dem lange führenden Auenprince.
Miguel Lopez, der beim letzten Erfolg im Sattel von Auenprince sass, kämpfte im letzten Rennen des Tages (Handicap 4, 2000 Meter) mit dem derzeit erfolgreichsten Jockey auf Schweizer Bahnen um den Sieg: Olivier Plaçais hatte mit mit dem von Miro Weiss vorbereiteten Little Merlin vom Start weg geführt, doch Lopez kam mit dem grossrahmigen Prince de Berberis am Ende Zentimeter für Zentimeter näher. Am Ende waren die beiden auf der Zielfotographie nicht zu trennen, womit es zwei Sieger gab - Andrea Friberg und der Stall Spirit teilten sich den Sieg. Trainerin Natalie Friberg feierte ihren ersten Züchtersieg mit dem Muhtathir-Sohn aus der in der Schweiz viermal siegreichen Monsun-Stute Berberis.
Weil am Samstag in Avenches für die PHH-Rennen (jene, die nicht via Equidia übertragen wurden) keine Quoten verfügbar waren, spielten die Wetter gewissermassen im "Blindflug". Dies hatte seltsame Quoten zur Folge, da sich gar keine effektiven Marktpreise einpendeln konnten. So hätte Weipert, wenn er nicht um Hals hinter Tamanoir Argentin ins Ziel gekommen wäre und gewonnen hätte, sage und schreibe 116.90:1 auf Sieg bezahlt!
Das zweite Kuriosum erlebten die Wetter nach dem letzten Rennen: Wer auf den in totem Rennen zusammen mit Little Merlin als Sieger ins Ziel gekommene Prince de Berberis gewettet hatte, bekam nur die Platzwette ausbezahlt. Als Sieger erschien auf dem Quoten-Ausdruck nur Little Merlin.
Man stelle sich vor, eine solcher Lapsus würde auf einem Deutschschweizer Rennplatz passieren (vorzugsweise am Pfingtmontag in Frauenfeld oder an einem Ostermontag in Fehraltorf), die Verantwortlichen würden wohl nahezu gelyncht.
So konnte Jean-Pierre Kratzer die vorläufig um ihren Gewinn geprellten Wetter beruhigen, in dem er versprach, die Sache bis am kommenden Samstag abzuklären.