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Dass die eigenen Gefühle von jenen der andern abhängen, kommt oft vor. Es ist jedoch kein Naturgesetz, dass schlechte Gefühle immer ansteckend wirken. Man kann sich mit wenigen Gedanken gegen eine emotionale Infektion schützen.
von Anton Ladner
Werner kam nach der Arbeit gut gelaunt nach Hause. Er hatte Grund dafür, denn bei der Arbeit haben sich zwei Probleme, die ihn schon lange belastet hatten, auf gute Weise lösen lassen. Doch seine Frau hatte keine Antennen für seine gute Laune. Christine war abweisend und hörte ihm nicht richtig zu. Ihre Freundin hatte sie verärgert. Werner reagierte gereizt, weil er enttäuscht war, dass er zuhause nicht auf der Welle der guten Laune weiterreiten konnte. Seine Frau verdarb ihm die gute Laune. Statt eines fröhlichen Abendessens mit Wein gab es ein wortkarges Kauen voller Spannung.
«Es braucht keine zwei Menschen für eine glückliche Partnerschaft, es braucht nur einen: dich.» Diesen Satz schrieb Byron Katie, eine US-amerikanische Bestsellerautorin. Nach vielen Jahren von Depressionen verbunden mit Alkoholismus und weiteren Abhängigkeiten hatte sie eine Methode entwickelt, um aus ihrer Krise zu finden. Ihre Bücher darüber machten Byron Katie weit über die USA hinaus berühmt. Sie hat ihrer Methode den Namen «The Work» gegeben, die aus vier Grundfragen besteht: Ist es wahr? Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? Was passiert in dir, wenn du diesen Gedanken glaubst? Wie wärst du ohne den Gedanken?
Die Methode von Byron Katie ist umstritten, vor allem wegen der damit verbundenen Heilsversprechen. Aber sie hat einen guten Ansatz. Oft lässt man sich emotional von Vermutungen, Annahmen, ersten Eindrücken bestimmen, die mit der Realität wenig bis nichts zu tun haben. Werner verdirbt sich seine gute Laune selber, weil seine Frau gedanklich nicht im Hier und Jetzt ist, sondern bei der Verärgerung mit der Freundin Daniela. Er meint aber, sie wolle seine Freude nicht mit ihm teilen. Seine Frau hätte sich wohl leicht aus diesem emotionalen Tief holen lassen, wenn Werner kurz darauf eingegangen wäre und dann gesagt hätte: «Komm wir stossen an, ich hatte heute einen guten Tag.» Oft ist es für die Umgebung hilfreich, die eigenen guten Gefühle zu schützen und auch zu verteidigen. Das zieht nicht runter, sondern hebt mit etwas Einfühlungsvermögen die Stimmung. Das ist ein achtsamer Umgang mit sich, aber auch mit dem Mitmenschen.