Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03475.jsonl.gz/648

Hoggar
Von Karl Suter
Mit 11 Bildern ( 55—65Zürich ) Der König und die Königin sind beide, wie fast alle Tuareg, hochgewachsene Gestalten, aus deren Gang und Haltung Stolz und Würde sprechen. Wir wurden von Meslar ins Zelt geführt, wo wir uns mit nackten Fussen auf dem Teppich Die Alpen - 1951 - Les Alpes12 neben ihm und seiner Frau niederliessen. Das niedrige, viereckige Zelt bestand aus lauter Ziegenfellen, die zu einem einzigen Stück zusammengenäht waren. Längs der Nähte hingen Fransen herab. Es wurde durch einige Pfosten gestützt, und Haifamatten bildeten die Seitenteile.Vorn war es in ganzer Breite offen und mündete in einen sehr kleinen halbkreisförmigen Hof aus, der von Gestrüpp und geflochtenen Matten umschlossen war. Auf dem Zeltboden lagen Burnusse, Kamelsättel, Schwerter und zwei alte Gewehre; Gefässe und bunt bemalte Holztruhen, in denen Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände, wie Wäsche, aufbewahrt werden, standen umher. Die Schlüssel zu den Truhen trug die Königin an einer langen Schnur, die über ihre Schulter nach hinten hing. In den Kissen schlief eine kleine Katze. Auch in andern Tuareg-lagern begegnete ich diesem Tier. Es wird wohl insbesondere deshalb gehalten, um Vipern und Skorpione, die dem Lager gefährlich werden könnten, zu töten.
Ein Neger bereitete nun vor uns den Tee und füllte für den Amenokal und uns die Gläser. Nach allgemein üblicher Sitte wurden uns drei Gläser hintereinander angeboten. Der Lehrer unterhielt sich mit dem König in der Tuaregsprache; er machte für mich den Dolmetscher. Meslar ist des Französischen nicht mächtig. Er erkundigte sich nach meiner Herkunft und wünschte mir eine gute Reise ins Gebirge. Als ich mich bei meinen Begleitern nach der Möglichkeit einer photographischen Aufnahme des « königlichen Hofes » erkundigte, rieten sie mir ab, da das hier kaum angebracht sei. Der Zufall wollte es, dass ich mit Meslar und seiner Frau einen Augenblick lang allein im Zelt war. Ich machte ihn nun schüchtern auf meinen Photoapparat, den ich in einer Mappe versteckt trug, aufmerksam. Er verstand sofort und stellte sich, sogar mit seiner Frau zusammen, ohne Umstände vor die Kamera.
Die königliche Hoheit der Tuareg kann sich natürlich niemals mit den Majestäten anderer Länder vergleichen. Wohl ist ihr Reich sehr gross, doch ausserordentlich dünn bevölkert und sehr arm. Sie hat nur ungefähr 3000 Untertanen, die weit zerstreut im Ahaggar als Hirten in vielen kleinen Zeltlagern leben.
Vor Einbruch der Nacht fuhren wir mit dem Amenokal nach Tamanrasset zurück. Gewiss hatte mir dieser Besuch nichts besonders Aufregendes gebracht, aber er war mir insofern nützlich, als der Amenokal von meiner Exkursion in Kenntnis gesetzt war und sie gebilligt hatte. Ich konnte deshalb auf Unterstützung und Gastfreundschaft in den Tuareglagern zählen.
Am andern Tage erfolgte nun der Aufbruch ins Gebirge. Zur verabredeten Zeit holte mich Fazy, mein Koch, in meinem kleinen Hotel ab. Als ich ihn sah, war ich ganz beeindruckt. Er trug einen prächtig säubern Turban und weissen Überwurf und an der Seite ein Schwert in blutroter Scheide. Die Sitte will es, dass die Eingeborenen im Hoggar auf jede Reise das Schwert mitnehmen. Früher war das der grossen Unsicherheit wegen durchaus angebracht, heute indessen ist es nur noch symbolisch zu bewerten. Fazy hatte noch eine aus Ochsenhaut gedrehte Rute bei sich, um damit die Kamele anzutreiben. Saida wartete mit den drei Kamelen beim Annexe, dem kleinen Verwaltungsbezirk. Das silbergraue Reittier, ein echtes Mehari, das einen Tuaregsattel trug, war für mich bestimmt; die beiden andern Tiere waren ohne Sattel und hatten meine Begleiter und die Lebensmittel, das Geschirr, kleine Pfannen, einige Decken und die mit Wasser gefüllten Ziegenfellsäcke zu tragen. Ich selber besass keine Decke und konnte in Tamanrasset keine auftreiben. Das war nun aber nicht so schlimm, weil mir der Sohn des Amenokal zum Schütze gegen die nächtliche Kälte seinen Burnus geliehen hatte.
Die Reise ging während Stunden auf dem Kamel, doch auch hin und wieder längere Strecken, im besondern in den schluchtartigen Talabschnitten und auf steilen Hängen, zu Fuss vor sich. Auch ohne Reiter bereitete das Gehen in solchen Abschnitten den hufeisenlosen Tieren grosse Mühe. Wir kamen im Tag bloss 15-25 km vorwärts. Das Kamel legt im Durchschnitt in der Stunde nur 3,5-4 km zurück, und unsere durchschnittliche tägliche Marschzeit betrug bloss 6-7 Stunden, denn nach dieser Leistung war die Wanderlust meiner beiden Begleiter im allgemeinen erschöpft. Immer um die Mittagszeit wurde haltgemacht. Die beiden Eingeborenen, die keine Uhren besassen, richteten sich nach dem Sonnenstand. Für sie existiert, Gott sei Dank, der Begriff Zeit noch nicht. Nie während dieser ganzen Wanderung war überhaupt einmal von Zeit die Rede. Der Halt erfolgte stets an einer Stelle, wo Grasbüschel als Futter für die Tiere und Sträucher als Brennholz vorhanden waren. Die Eingeborenen kannten diese Stellen ganz genau. Die Kamele wurden von ihrer gesamten Last befreit und konnten weiden. Nachts wurden ihnen die Vorderbeine in Normalstellung zusammengebunden, so dass sie keine grossen Schritte mehr machen und sich nicht allzu weit von der Raststätte entfernen konnten. Am Mittag fand der Halt immer in praller Sonne statt, die beiden Eingeborenen mieden seltsamerweise den Schatten. Fazy begann sogleich, nachdem das Brennholz beisammen war, mit seinen Kochkünsten. Jeden Tag gab es zu Mittag und zu Abend zuerst Tee, immer drei kleine Gläser voll, dann eine ganz dicke « Fidelisuppe », Brot und Datteln. Das war alles. Dem Tee gab Fazy noch ein Kraut, Zezere geheissen, bei, das wir unterwegs fanden. Das Brot stellte er aus Weizenmehl und Wasser her, beides zusammen unter Beigabe von etwas Salz zu einem Teig rührend. Diesen goss er in eine kleine Vertiefung, die rasch neben dem Holzfeuer im sandigen Boden ausgehoben wurde, und bedeckte ihn mit heisser Asche und Holz-gluten. Nach etwa einer Viertelstunde wendete er den Teig, liess ihn nochmals für eine gleich lange Zeit im heissen Aschen- und Sandbad und zog ihn dann als fertigen Brotfladen heraus. Hierauf wusch er die schwärzliche, schmutzbedeckte Rinde ab. Das Brot wurde warm gegessen, manchmal mit heissem Wasser Übergossen als « Brotsuppe ».
Saida hatte sich um das Kochen nicht zu kümmern. Das ist nicht Sache der Tuareg. Er schaute zu und drehte gelegentlich aus steifem Haifagras einen Strick. Als nomadisierender Targi kennt er jeden Pfad, jede Weidefläche und Wasserstelle. Wir stiessen im ganzen dreimal auf eine solche; sie sind alle in Schluchttälern drin gelegen. Rasch wurde von den beiden Eingeborenen im sandigen Talgrund mit den Händen ein ungefähr einen halben bis einen Meter tiefes Loch gegraben, und schon war das Wasser da, eine bräunliche, fad schmeckende, wenig frische Brühe. Doch soll es hygienisch einwandfrei sein. Ich traute der Sache allerdings nicht so ganz. Denn die Tuareg pflegen ihre Kamele dicht neben den Wasserlöchern zu lagern, um ihnen gleich da den neugefüllten Ziegenfellschlauch, die Gerba, aufzuschnallen. An diesen Wasserstellen lassen die Tiere häufig ihre Exkremente zurück. Ich wollte dieses Wasser deshalb nur gekocht geniessen. Darum bestellte ich nach jeder Mahlzeit bei Fazy einen sogenannten Kaffee. Das war nichts anderes als diese bräunliche, wie Kaffee aussehende Wasserbrühe, aber gekocht und mit Zucker gesüsst. Das war, ausser etwas Tee, mein einziges Getränk.
Jeden Abend wurde kurz vor Sonnenuntergang ( um ungefähr 18 Uhr 30 ) die Wanderung abgebrochen, von einer einzigen Ausnahme abgesehen stets in einem Ued, also einem ausgetrockneten Flussbett. Das war gut so, denn auf Baçhkies und Sand liess sich besser ruhen als auf hartem Felsboden. Neben der Kochstelle legte sich jeder von uns völlig angezogen nieder, die beiden Eingeborenen mit ihren Decken und ich im geliehenen Burnus. Wir schliefen nicht besonders gut, war es doch nachts empfindlich kalt. Viermal war sogar das Wasser im Ziegenfellsack beim Halsausgang gefroren. Kurz vor Sonnenaufgang ( um ungefähr 5 Uhr 30 ) hielten wir, unverabredet, Tagwache, denn die Kälte liess uns zeitig wach werden und aufstehen. Die beiden Eingeborenen, sie beide, wie überhaupt die Tuareg und die hier lebenden Schwarzen, Mohammedaner, verrichteten als erstes ihr Gebet. Auch am Abend beteten sie regelmässig, oft sogar im Laufe des Tages, wenn sich dazu gerade gute Gelegenheit bot. Dann wurde ein Feuer entfacht, um uns an diesem zu erwärmen. Fazy und Saida hielten sogar für kurze Augenblicke ihre nackten Füsse mitten in die aufzüngelnden Flammen. Das konnten sie schon wagen, da die dicke, harte Schmutzkruste und zähe Haut an den Fussen sie die Hitze nur wenig spüren liess. Es wurde nun Tee zubereitet, und dann erfolgte der Aufbruch.
Am vierten Tag unserer Reise trafen wir östlich des Tahat das erste Tuareglager, das aus vier Zelten bestand und nur wenige Frauen und Kinder zählte. Ein einziger Mann war anwesend. Die Männer sind häufig unterwegs, sei es nach dem Sudan oder nach der Oase In Salah. Nach dem Sudan bringen sie Salz, das im Hoggargebirge vorkommt, und kaufen dort Hirse; und nach In Salah führen sie Korn, das in ihren Anbauzentren wächst, und tauschen es gegen Datteln ein. Sie selber essen meist kein Korn, sondern Hirse, Datteln, Fleisch und trinken dazu Ziegen- oder auch Kamelmilch. Die Strecken, die die Männer, meist in kleinen Gruppen, doch ausnahmsweise auch einmal allein, nach dem Sudan oder nach der Zentralsahara zurücklegen, sind gross. Im März 1950 kehrte ein Targi mit fünfzehn Kamelen, die mit Hirse und Stoffen beladen waren, aus dem Sudan zurück. Er war fünfundzwanzig Tage allein, auch ohne die Begleitung eines Sklaven, unterwegs. Das war eine ausserordentliche Leistung. Weite Wanderungen werden von den Männern auch dann ausgeführt, wenn im Hoggar die Weide für die Kamele zu fehlen beginnt. Die Frauen und Kinder indessen bleiben stets im Gebirge zurück und hüten die Ziegen. Ihre Wanderungen gehen im Laufe des Jahres gewöhnlich nicht weit, im gesamten vielleicht ungefähr 50 km.
Die Tuareglager sind, wie ich feststellen konnte, immer klein, nur aus einigen wenigen Zelten bestehend. Sie liegen weithin im Gebirge zerstreut, denn für eine noch so kleine Herde braucht es in diesem vegetationsarmen Gebirge zum Weiden grosse Räume.Von Zeit zu Zeit müssen die Zelte verlegt werden. Jedes Zelt erhebt sich auf einem kleinen, runden Platz, der in der Regel von einer meterhohen Mauer aus groben, lose aufeinander geschichteten Steinen umgrenzt wird, gelegentlich auch von einer Wand aus geflochtenen Matten. Vor dem Zelt liegen Geschirr, Sättel, abschliessbare Säcke, Teppiche und Mörser und Holzstössel zum Stampfen der Hirse, und an der Mauer hängen mit Wasser gefüllte Ziegenfellsäcke. Häufig findet sich an Stelle des Zeltes ein Gurbi, eine kleine, niedere, ärmlich aussehende Behausung, deren Wände aus Trockenmauern bestehen; ihr Dach wird aus Stroh oder einigen Lumpen gebildet. Um die Wohnstelle herum lagern die Ziegen und ein paar Schafe, die die Tuareg mit Milch, Fleisch, Wolle und Fellen versorgen. Tagsüber führen die Frauen und Kinder diese Tiere auf die dürftigen Weideplätze. Die Frauen tragen blaue Überwürfe, die vom Scheitel bis zu den Fussen reichen. Sie gehen meistens barfuss. Ihren Hals schmücken sie mit metallenen Ketten und die Handgelenke mit farbenen Armspangen, die aus dem Sudan stammen. Auf der Brust hängen an Schnüren kleine Amulette und Täschchen, in denen sie gewisse Gebrauchsgegenstände, wie Schere und Nadel, versorgen. Oft sieht man in den Lagern, wie sich die Frauen gegenseitig die Kopfhaare einfetten und zur schönen Frisur ordnen.
Wir liessen uns zum Übernachten neben dem Tuareglager im sandig-kiesigen Bett des Trockentales nieder. Die Frauen kamen mit Teppichen herbei und breiteten sie für uns aus, und darum herum stellten sie eine geflochtene Mattenwand. Sie brachten ferner Joghurt, Milch und gekochte Hirse und liessen sich, als die Nacht hereinbrach, um unser Lagerfeuer nieder. Fazy als Koch war in seinem Element; er bereitete einen vorzüglichen Tee und kredenzte davon ihnen allen, immer je drei kleine Glaser voll. Die Frauen, sichtlich begeistert über unsern Besuch, waren sehr gesprächig, fröhlich und aufgeschlossen. Sie hatten nichts von jener schüchternen Verschlossenheit an sich, die Bergbewohnern so oft eigen ist. Ihr so natürliches und frisches Benehmen schuf eine trauliche Stimmung. Ich bedauerte nur, dass ich von der ganzen Unterhaltung kein einziges Wort verstand.
Am folgenden Morgen erschienen die Frauen wieder und beschenkten uns mit Milch und Joghurt und ausserdem mit einem Zicklein und einem Schaf. Diese beiden Tiere seien mir zu Ehren gebracht worden, meinte Fazy. Auch der einzige im Lager anwesende Targi kam. Nun wurden die Tiere sogleich geschlachtet. Fazy durchschnitt dem Schaf mit scharfem Messer die Gurgel, trennte, nachdem er sich die mit Blut bespritzten Hände gewaschen hatte, den Kopf ab, schlitzte den Bauch auf und zog das Feil ab. In dieses verpackte er die herausgeschnittenen Eingeweide. In wenigen Minuten lag das Tier vollständig auseinandergenommen da. Man merkte es diesen Männern an, dass sie schon oft solch eine Arbeit verrichtet hatten. Nach dem Schaf musste das Zicklein dranglauben. Die Felle mit den Eingeweiden blieben im Lager zurück, die Fleischstücke wurden auf unsere Kamele geladen. Sie bereicherten einen Tag lang unsere eintönige Kost.
Auch die Tuaregmänner haben die Gepflogenheit, sich hin und wieder die Haare schneiden zu lassen. Ein mächtig angewachsener Haarschopf müsste ihnen unter dem Turban lästig werden. Der Targi fand, nachdem doch gerade ein Schwarzer auf Besuch da war, es an der Zeit, sich diesem Vorgang zu unterziehen. Hinter der Mattenwand, scheinbar im Versteck, in Wirklichkeit aber für uns alle vollständig sichtbar, entblösste er sein Haupt. Fazy goss Wasser darüber und entfernte dann mit einer ganz gewöhnlichen Rasierklinge kunstgerecht die Haare. Nur in der Mitte des Schädels liess er ein Büschel langer Haare stehen. Daraufhin richtete sich der Targi seinen Turban wieder zurecht und bedeckte mit diesem gleichen Kopftuch auch die Stirne und den unteren Gesichtsteil.
Im Laufe des Vormittags brachen wir auf. Eine Stunde später fanden wir uns am Fusse des höchsten Hoggargipfels, des Tahat. Während Fazy und Saida sich der Mittagsruhe hingaben, machte ich mich auf diesen Berg auf, dessen Gipfel ich nach zwei Stunden erreichte. Die Besteigung ist nicht schwer, doch etwas mühsam, weil es über mächtige Schutthalden geht. Die Aussicht ist grossartig. Für den Abstieg, der bei heisser Mittagssonne und ohne irgendwelche Möglichkeit, den Durst zu löschen, erfolgte, benötigte ich die gleiche Zeit. Die beiden Eingeborenen, die für mein Unternehmen kein besonderes Verständnis zeigten, waren herzlich froh, dass ich endlich wieder zurück war. Wir legten am Spätnachmittag noch den Weg zum Ilaman zurück, unter dessen Steilabstürzen wir auf nacktem Felsboden eine kalte Nacht zubrachten.
An den beiden folgenden Tagen trafen wir noch einige weitere kleinere Tuareglager an. Die Frauen und wenigen Männer kamen uns, sobald sie unser ansichtig wurden, regelmässig entgegen und reichten uns die rechte Hand zum Gruss, die sie ganz sanft, ohne den leisesten Druck, durch die unsrige gleiten liessen. Wo wir uns nicht lange aufhielten, machten es sich die Männer stets zum Vergnügen, uns ein grösseres Stück weit zu begleiten, dabei immer munter schwatzend. Die Lager, die wir durchquerten, waren nur von den Imrad bewohnt, d.h. von den Leibeigenen. Diese müssen an die Lehnherren und Krieger, die Imoschar, Steuern zahlen. Die Imrad betätigen sich als Ziegenhirten und wohnen in Gurbi; die Nobeln dagegen in Zelten. Sie arbeiten fast nie, sie regieren bloss und ziehen die Steuern ein. Ihre Lager sind meistens grösser als die der Imrad und von diesen ganz unabhängig irgendwo im Gebirge gelegen. Imoschar und Imrad halten sich für die Verrichtung von untergeordneten Arbeiten schwarze Sklaven.
Die Sitte will es, dass die Tuareg nur innerhalb der eigenen sozialen Klasse heiraten. Das geschieht bei den Männern verhältnismässig spät und erst nach reiflicher Überlegung, denn bei den Tuareg sind, im Gegensatz zur Auffassung der Araber, die Scheidungen verpönt und kommen nur ausnahmsweise vor. Die Familien sind nicht gross, sie zählen selten mehr als vier Kinder. Es wird behauptet, dass sie die Kinderzahl weitgehend nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten richten. Die Bevölkerung blieb in den letzten Jahren recht stabil.
Es gehört zu den Gepflogenheiten der Tuareg, vor der Ankunft in einem ihrer Lager oder einem ihrer Arrem sich möglichst günstig herauszuputzen. So brachten meine beiden Begleiter in einem solchen Falle ihre Kleider in Ordnung, banden vor allem den Turban und Litham neu und umgürteten sich mit dem Schwert, das sonst der Kamellast beigegeben war. Auf diese Weise würdig zurechtgemacht, ritten wir in Tamanrasset ein.