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Weltweit sind 150 Millionen oder drei Prozent aller Menschen mit Hepatitis C (HCV) infiziert. Jedes Jahr stecken sich drei bis vier Millionen Menschen neu an. In der Schweiz leben etwa 40'000 Personen mit einer Hepatitis-C-Infektion. Damit ist diese Form der Hepatitis der häufigste Typ. In Industrieländern sterben mehr Menschen an einer Hepatitis-C-Infektion als an HIV.
Hepatitis C wird oft unterschätzt, da die Infektion in der Regel symptomlos verläuft. Die meisten Betroffenen bemerken lange nichts von einer Infektion. Bis sich eine Leberzirrhose entwickelt, dauert es meist mehrere Jahre bis Jahrzehnte. Auch die öffentliche Aufmerksamkeit ist trotz der hohen Zahl Betroffener gering. Die WHO spricht deshalb von einer «stillen Epidemie».
Nur bei einer Minderheit von 20 Prozent aller Infizierten heilt die Hepatitis C spontan aus, bei den meisten entwickelt sich eine chronische Infektion. Bei 25 Prozent entwickelt sich eine Leberzirrhose (Vernarbung der Leber). Diese Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs. Eine chronische Hepatitis C ist der häufigste Grund für eine Lebertransplantation.
Unabhängig vom Leberschaden kann Hepatitis C auch andere Organe befallen. So haben Personen mit einer chronischen Hepatitis C ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Gefässverkalkung gefolgt von Schlaganfall oder Herzinfarkt, bösartiger Lymphdrüsenkrebs oder chronische Nierenleiden.
Die Virusübertragung erfolgt im Wesentlichen durch kontaminiertes Blut, vor allem beim Tausch von Materialien beim intravenösen oder nasalen Drogenkonsum wie Spritzen, Nadeln, Röhrchen und ähnliches, bei ungenügend steril durchgeführten Tattoos, Piercings oder Pedicure, bei Bluttransfusionen oder operativen Eingriffen in Ländern mit niedrigen hygienischen Standards und von der Mutter zum Neugeborenen. Die Ansteckung über Geschlechtsverkehr ist selten, ausser bei HIV positiven Männern, die ungeschützten Sex mit andern Männern haben.
Gut die Hälfte der infizierten Personen haben sich via Drogenkonsum angesteckt. Daneben gibt es viele Menschen, die mit Bluttransfusionen oder bei (zahn-)medinischen Eingriffen infiziert wurden, bevor das Virus entdeckt wurde. Menschen mit den Jahrgängen 1950 bis 1985, sind überdurchschnittlich häufig von Hepatitis C betroffen.
Die Inkubationszeit für Hepatitis C beträgt zwei Wochen bis sechs Monate. Allerdings zeigen 80 Prozent der Infizierten gar keine Symptome. Akute Symptome von Hepatitis C können Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, dunkler Urin, graufarbener Stuhl, Gelenkschmerzen und Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und der Augen) sein. Tritt bis 6 Monate nach Ansteckung keine Ausheilung auf, geht die akute in eine chronische Infektion über.
Das häufigste Symptom einer chronischen Hepatitis C ist Müdigkeit, die bis zu einem den beruflichen und privaten Alltag stark behinderndem Ausmass auftreten kann. Weitere häufige Symptome sind Gelenkschmerzen, Schmerzen in der rechten, oberen Bauchhälfte sowie Konzentrationsschwierigkeiten und eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Die Symptome treten häufig schleichend auf, so dass viele Betroffene sie nicht mit ihrer Hepatitis-C-Infektion in Verbindung bringen und erst nach einer erfolgreichen Therapie nach Verschwinden der Symptome den Zusammenhang herstellen.
Wegen den fehlenden spezifischen Symptomen weiss nur ein Teil der Betroffenen von der Infektion. Dies betrifft etwa die Hälfte der auf 40’000 geschätzten infizierten Personen in der Schweiz. Nach einer Heilung gibt es keine schützende Immunität, ein Betroffener kann sich wieder infizieren.
Die Suchtest nach Hepatitis C basiert auf dem Nachweis spezifischer Antikörper, die das Immunsystem gegen das Virus erzeugt. Liegen Antikörper vor im Blut, wird das Blut weiter auf das Vorhandensein von Viren getestet (Viruslast). Erst mit dem Nachweis von Viren ist das Vorliegen einer aktiven Hepatitis-C-Infektion bestätigt. Hepatitis-C-Antikörper sind nach einem Kontakt mit dem Virus lebenslänglich vorhanden, also auch nach Ausheilung der Krankheit. Zusätzlich wird der genetische Hintergrund des Virus mittels einer komplexen und teuren Methode nachgewiesen. Heute sind sieben verschiedene und als Genotypen 1 bis 7 bezeichnete Formen des HCV mit über 80 Subtypen bekannt. In der Schweiz sind die Genotypen 1 bis 4 relevant und der Genotyp 1 am häufigsten. Insgesamt werden jährlich ca 1500 neue Hepatitis-C-Diagnosen dem BAG gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Fälle von akuter Hepatitis C (Arzt- und Labormeldungen an das BAG) stagniert seit 1992 bei 50 bis 65 Fällen pro Jahr. Die wirkliche Zahl neuer Fälle dürfte viel höher sein.
Es steht keine Impfung gegen Hepatitis C zur Verfügung. Das Ansteckungsrisiko kann reduziert werden, indem auf das Austauschen von Drogenkonsum- und Zubereitungsmaterial (Nadeln, Folien, Röhrchen), Zahnbürsten, Rasierklingen und Nagelscheren verzichtet wird. Es ist ratsam, Tätowierungen oder Piercings nur von Tattoo-Studios vornehmen zu lassen, welche die Hygienestandards des BAG einhalten.
Eine chronische Hepatitis-C-Infektion ist heute grundsätzlich heilbar. Bis vor kurzem war die Standardbehandlung oft eine Kombination von Interferon und Ribavirin. Diese Therapien sind körperlich und psychisch eine grosse Belastung. Gezielter und erfolgreicher wirken die zahlreichen neuen antiviralen Wirkstoffe, die mit und ohne Interferon und/oder Ribavirin eingesetzt werden, untereinander kombiniert werden können, hochwirksam sind und wenige Nebenwirkungen verursachen.
Mit einer rechtzeitigen erfolgreichen Therapie der chronischen Hepatitis-C-Erkrankung kann sich die Leber wieder weitgehend erholen, es steigt die Lebenserwartung und sinkt das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Nierenschäden, Schlaganfall oder bösartiger Lymphdrüsenkrebs.