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Digitale Sequenzinformationen - Ethische Fragen der Patentierung genetischer Ressourcen und des Eigentums an digialisierten Sequenzinformationen
Beiträge zur Ethik und Biotechnologie, Band 13 (2020)
Dieser Band befasst sich mit dem Eigentum an digitalisierten Gensequenzen und genetischen Ressourcen überhaupt. Verfügungs- und Ausschliessungsrechte an genetischen Ressourcen, speziell die Patentierung, sind seit Jahrzehnten kontrovers. Neu dagegen ist die ethische Beschäftigung mit digitalen Sequenzinformationen (DSI), also elektronisch gespeicherten, «immateriellen» Entsprechungen genetischer Ressourcen. Sind sie im Hinblick auf Eigentumsrechte genauso zu behandeln wie genetische Ressourcen im biochemischen Sinne? Oder haben sie einen anderen Status? Im Zentrum der Betrachtung steht das Nagoya-Protokoll mit seinem Grundsatz «freier Zugang und Vorteilsausgleich». Gilt dieser Grundsatz auch für DSI, und wenn ja, wie lässt sich seine Praktikabilität verbessern? Um sich dieser speziellen Problematik mit den nötigen Grundlagen zu nähern, werden zunächst das Eigentum in der westlichen Tradition, dann der Gemeinbesitz in Ländern des Südens, schliesslich die Idee des gemeinsamen Erbes der Menschheit philosophisch und vergleichend kulturgeschichtlich dargestellt. Dieser interkulturelle Ansatz zeigt sich auch in dem normativ zu Grunde gelegten Konzept der Befähigungsgerechtigkeit (capability approach).