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Das luzernische Sörenberg und das freiburgische Jaun haben mindestens zwei Dinge gemeinsam: Es sind Tourismusorte, und sie liegen auf über 1000 Meter über Meer. Den 27-jährigen Elektriker Samuel Gabathuler aus Sörenberg hat es vor gut drei Jahren nach Freiburg verschlagen, an die Hochschule für Technik und Architektur. Ihn reizte das Französisch. Jetzt schliesst er sein Bachelorstudium als Bauingenieur ab mit einer Arbeit über Jaun, konkreter über die Stützmauer, welche die Strasse vor dem Restaurant Wasserfallen sichert. Am Freitag präsentiert er seine Arbeit zusammen mit über 200 anderen Studenten (siehe Kasten).
Aktuelles Projekt
Dass Jaun und die Heimat von Gabathuler einiges gemeinsam haben, hat jedoch nicht den Ausschlag für die Arbeit gegeben. «Ich wollte etwas im Bereich Geotechnik machen, da hat der Professor diese Stützmauer vorgeschlagen», sagt Gabathuler. Es ist ein aktuelles Projekt: Die Ortsdurchfahrt von Jaun wird bis 2017 saniert (die FN berichteten). Die Stützmauer ist ein Teil dieser Sanierung, denn die Hauptstrasse wird verbreitert und die Mauer muss angepasst werden. Diese ist rund 128 Meter lang und an einigen Stellen bis zu neun Meter hoch.
«Es ist ein äusserst interessantes Projekt», sagt Samuel Gabathuler. Denn für den Bau der neuen Stützmauer müssten spezielle äussere Bedingungen beachtet werden: Der Steilhang, in dem sich die Mauer befindet, die Lage auf über 1000 Meter über Meer, der Verkehr, der während der ganzen Bauzeit nicht unterbrochen werden darf, die Sicherheit der Arbeiter und der Gebäude, die sich unterhalb der Stützmauer befinden.
Unvoreingenommen
Die Arbeiten des Kantons an der Stützmauer haben bereits vor fast einem Jahr begonnen. Gabathuler wollte sich aber nicht am aktuellen Projekt orientieren. «Ich habe mir natürlich einige Pläne angeschaut, trotzdem wollte ich nicht voreingenommen sein.» Er konzentrierte sich denn vorerst auch auf eine andere Lösung, als in Jaun realisiert wird. Die sogenannte erdbewehrte Stützmauer interessierte ihn besonders. Bei dieser Variante heben Metallbänder im Innern der Erde den Druck der Strasse auf. Die Variante habe aber zwei Nachteile, sagt Gabathuler: «Die bestehende Stützmauer müsste abgebrochen und somit die Strasse für den Verkehr gesperrt werden.»
Eine weitere Variante, die Gabathuler in Betracht zog, war eine Schwergewichtsmauer. Dies ist eine Mauer, welche durch ihr Eigengewicht stabil bleibt. «Da die Stützmauer so lang und hoch ist, wäre dafür eine riesige Menge Beton nötig gewesen, das hätte zu viel gekostet», sagt Gabathuler.
Und so kam er schliesslich auf dieselbe Lösung, die momentan in Jaun umgesetzt wird: eine Winkelstützmauer. Diese besteht aus einer Fundamentenplatte und einer leicht nach innen geneigten Stahlbetonmauer. «Ob ich im Detail auf dasselbe Resultat kam wie die Ingenieure, weiss ich nicht», sagt Gabathuler. «Aber meine Erkenntnisse decken sich mit den bisherigen Arbeiten. Ich werde das Projekt weiterhin verfolgen.»
Kurze acht Wochen
Mit seinem Resultat sei er zufrieden, «auch wenn ich das Gefühl habe, an der Oberfläche geblieben zu sein.» Die acht Wochen, welche den Diplomanden für die Arbeit zur Verfügung stehen, seien kurz. «Je mehr man weiss, desto stärker wird einem bewusst, wie wenig man weiss.» Ziel der Arbeit sei jedoch auch gewesen, die Abläufe eines Projekts kennenzulernen und sich nicht in Details zu verlieren. «Das war nicht einfach, vor allem, weil ich im Gebiet Geotechnik in der Praxis null Erfahrung habe.» Dies soll sich ändern: Momentan macht Gabathuler Zivildienst im Engadin, danach werde er wohl in diesem Bereich Arbeit suchen.
Samuel Gabathuler. Bild Charles Ellena
Programm
Skeleton und automatische Türen
Am Freitag präsentieren die Diplomanden der Hochschule für Technik und Architektur ihre Bachelorarbeiten, von 16.30 bis 21 Uhr. Neben der Arbeit zur Stützmauer in Jaun gibt es etwa Untersuchungen zur Optimierung eines Skeleton-Rennschlittens oder zum Prüfstand für automatische Türen von Eisenbahnwagen. Knapp 220 Studenten schliessen ihr Bachelorstudium in den Bereichen Architektur, Chemie, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Maschinentechnik, Informatik, Telekommunikation oder ihr Fachdiplom in Bauführung ab. Darunter befinden sich 187 Männer und 30 Frauen.mir