Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03378.jsonl.gz/968

Inhalt
«Niemals ist es noch so aufgezeigt worden wie sehr das Malen unter den Farben vor sich geht.» Was Rilke 1907 an den Aquarellen von Cézanne beobachtete, reifte schon wenige Jahre später im ersten abstrakten Aquarell von Kandinsky zur unumstösslichen Tatsache heran. Die Befreiung der Farbe von der Form, die bei Delacroix einsetzt und sich über den Impressionismus bis zu van Gogh steigert, erreicht in der Baumstudie von Cézanne eine ihrer frühsten künstlerischen Realisationen. Cézanne jedoch verliert die Ausgewogenheit des Bildganzen nie aus den Augen. Auch da, wo der Weg für die Farben frei zu sein scheint, ordnet der Aquarellist die farbigen Gewichte und Gegengewichte entlang von linearen Schattenbahnen. Im ständigen Dialog mit dem Motiv baut er aus Flecken und Flächen allmählich ein schwebendes Bildgefüge, das auf unerhörte Weise Farbe und Raum verbindet. Dank einer grosszügigen Jubiläumsspende ging das Jahr 1935 in die Annalen der Kunsthaus-Sammlungen ein. Vier Aquarelle von Cézanne konnten aus der hochkarätigen Sammlung von Paul Cassirer erworben werden, das fünfte gelangte als Geschenk der Vereinigung für Zeichnende Kunst in Zürich hinzu. Bereits 1920 wurde mit "Paysage en Provence" der Grundstein zu der unvergleichlichen Gruppe von Cézanne-Aquarellen gelegt. Zusammen mit van Gogh, Toulouse-Lautrec, Vuillard, Vallotton und neben Hodler, Munch, Kollwitz, Liebermann, Klinger, Corinth und Slevogt war damit der Grundstein für eine moderne Sammlung mit internationalem Profil gelegt.