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Philip Seymour Hoffman starb mit einer Nadel im Arm. Sein Tod überrascht und überwältigt wie der von Heath Ledger. Beide Schauspieler waren menschliche und mitreissende Multi-Talente.
«Philip Seymour Hoffman wurde zuletzt am Samstagabend um 20 Uhr gesehen», notierte das «Wall Street Journal» emotionslos. Am Sonntagmorgen hätte er seine beiden Töchter und seinen Sohn bei ihrer Mutter Mimi O'Donnell abholen sollen, doch dort kam er nie an.
Die Polizei fand den 46-Jährigen in seinem New Yorker Haus mit einer Nadel im linken Arm, präzisierte «TMZ». Ein Löffel und Briefumschläge lagen daneben. Sie trugen die Aufschrift «Ace of Spades» (Schild- oder Pik-Ass): So heisst laut «New York Post» eine Heroin-«Marke», die seit 2008 in Brooklyn im Umlauf sei. Seine Vergangenheit hatte ihn eingeholt.
Hoffmann war eher zufällig Schauspieler geworden. Eine Nackenverletzung zwang ihn im Alter von 17 Jahren, das Wrestling aufzugeben. Nur weil er einem Mädchen hinterher gedackelt war, fand er sich plötzlich in der Schauspiel-Truppe seiner High-School wieder, weiss die «Washington Post» zu berichten.
Hoffmann ging an die New York University, doch nach fünf Jahren war er 1989 nicht nur ein ausgebildeter Schauspieler, sondern auch ein ausgewiesener Süchtiger. «Es waren [Drogen und Alkohol]. Es war alles, was ich in die Finger bekam. Ich mochte alles», gestand er 2006 in der NBC-Show «60 Minutes».
Was folgte, sah nach Bilderbuchkarriere aus. Hoffman etablierte sich mit drei Filmen in Hollywood, die gleichzeitig die Bandbreite andeuten, die sein schauspielerisches Können umfasst hat. «Boogie Nights» 1997, «The Big Lebowski» 1998 und «Magnolia» 1999 – erst homosexueller Halbstarker, dann der schmierige Handlanger, schliesslich verständiger Krankenpfleger.
Hoffman spielte in über 50 Filmen mit, 2005 wurde seine berufliche Leistung in «Capote» mit einem Oscar gekrönt. Der Blondschopf drehte nicht nur Filme, sondern verausgabte sich auch in Theaterstücken.
Auch privat ging es scheinbar preisverdächtig zu: 1999 traf er seine grosse Liebe an einem Bühnen-Set. Die Liaison mit Kostümbildnerin Mimi dauerte 15 Jahre an – eine Ewigkeit für Hollywood-Verhältnisse. 2003 wurde Sohn Cooper geboren, 2006 Tallulah und Töchterchen Willa 2008.
Umso überraschender schlug im Mai 2013 die Nachricht ein, der Hollywoodstar sei erneut im Entzug. Angeblich wollte «TMZ» damals erfahren haben, Hoffman sei wegen verschreibungspflichtigen Medikamenten drauf und dran, auch bei starken Drogen schwach zu werden. Die Einweisung sei bloss eine Vorsichtsmassnahme.
Wer nun liest, dass Hoffman und O'Donnell nicht im selben Haus übernachtet haben, kann sich denken, dass es noch andere Probleme gab. Revolverblätter wie die «New York Post» spekulierten schon über mögliche Gründe und liessen eine «Nachbarin» zu Wort kommen. Der Star sei eine «geplagte Seele» gewesen, habe «zuletzt nicht gut» ausgesehen und möglicherweise Ehekrach gehabt.
Das ist ebenso pietätlos wie möglich. Vielleicht wird es wie beim Tod von Heath Ledger ablaufen: Erst mit der Zeit erkennt der Zuschauer, dass hinter einem sonnigen, sympathischen Gesicht aus den «guten Filmen» ein deprimierendes, böses Schicksal stehen kann.
Allein: Helfen wird das der Witwe und seinen drei kleinen Kindern nicht. Umso mehr wünscht man sich: Ruhe in Frieden, Philip Seymour Hoffman.