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Seit dem 17. Jahrhundert nutzen die Bauern den mineralogischen Reichtum des lokalen Gebirges[1], das bei der Entstehung der Alpen starken geologischen Kräften ausgesetzt war[2]. Diese Besonderheit macht das Wallis reich … an armen Minen. An mehreren Orten im Tal findet sich mit Olivin und Serpentin angereichertes Grüngestein, das bekannt ist für seine Fähigkeit, die Wärme des Feuers zu speichern. Obwohl es hart und schwierig zu bearbeiten ist, kennt sich die lokale Bevölkerung mit der Bearbeitung dieses wunderschönen Gesteins aus den Tiefen der Gruben aus. Sie fertigt daraus wärmende Öfen, an die man sich besonders während der Wintermonate gerne anlehnt.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stossen die Bewohner des Val de Bagnes bei der Carrière de Bocheresse an der Erdoberfläche auf eine beeindruckende Giltsteinader. Dieses weissliche Gestein enthält viel Talk und wird für seine thermischen Fähigkeiten, vor allem seine Wärme- und Feuerbeständigkeit, sehr geschätzt. Im Vergleich zum Grüngestein ist dieses Material viel einfacher zu bearbeiten. Ab 1830 werden an der Oberfläche grosse, schöne Giltsteinblöcke abgebaut, bis ein grösserer Einsturz den Steinbruch gegen Ende des Jahrhunderts stilllegt.
Einige Jahre nach der Stilllegung lässt August Maret – der Vater des Ingenieurs, der die Mauvoisin-Staumauer baute – einen Stollen graben, um zum verborgenen Teil der wertvollen Giltsteinader zu gelangen. Der unterirdische Gang ist nicht besonders stabil und muss mit dicken Baumstämmen gestützt werden, damit die Decke nicht einstürzt. Trotzdem bauen die im Steinbruch tätigen Bauern dort zwischen 1910 und 1942, im goldenen Zeitalter des Giltsteins, zahlreiche bis zu 200 Kilogramm schwere Blöcke ab und befördern sie auf grossen Schlitten ins Tal. Da sie den Rest des Jahres mit der Landwirtschaft beschäftigt sind, arbeiten sie vor allem im Winter im Stollen. In dieser Jahreszeit fliesst weniger Wasser ins Innere der Kaverne, die bei grosser Kälte immer sehr einladend ist: Während draussen eisige Temperaturen herrschen, ist es drinnen immer um die zwölf Grad warm. Indem sie die Gämsen in der Umgebung beobachten, erkennen die Arbeiter den richtigen Moment, um in Sicherheit den Abstieg in Angriff zu nehmen und Lawinen zu vermeiden. Sie stemmen sich mit ihren Nagelschuhen gegen den Hang und halten die schwere Ladung mit reiner Muskelkraft fest. Im Tal werden dann die berühmten Öfen gebaut. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, aber vor allem mit der Einführung des elektrischen Stroms verlieren die Giltsteinöfen bald an Attraktivität. Zwischen 1978 und 1983 schätzen Studien das verbliebende Volumen an Giltstein auf 5 000 m3, gleich viel wie bereits abgebaut wurde. Aber aufgrund der hohen Kosten für die Sicherung des Steinbruchs und die Lagerung der Blöcke und insbesondere aufgrund der Marktbedingungen ist es nicht möglich, die Rentabilitätsschwelle zu erreichen und Investoren für einen industriellen Abbau zu finden.
Die Gemeinde Bagnes ist sich dieses gewaltigen Naturerbes bewusst und entschliesst sich deshalb 2010, den Steinbruch abzusichern, den Zugang zu erleichtern und eine Solarbeleuchtung einzubauen[3] – zur grossen Freude der Besucher. Die Bergführer Pierre-André Gard und Alexandre Cappi bieten jeden Freitag im Juli und August eine spannende Führung auf den Spuren der Bauern und Grubenarbeiter von damals an.
Nach einem Fussmarsch von eineinhalb Stunden ab Bonatchiesse auf einem gesicherten Pfad erreicht man den Giltsteinbruch, dessen Eingang in der Mitte des Bildes zu sehen ist.
Bergführer Pierre-André Gard vor einer der letzten zum Abbau von Giltsteinblöcken benutzten Treppen.
Ein geheimnisvoller Ort, erhellt durch Solarleuchten.
In der geräumigen Kaverne konnten fast 5 000 m3 Giltstein abgebaut werden.
Der Steinbruch musste mit dicken Baumstämmen gestützt werden, damit die Decke nicht einstürzt.
Geführte Besichtigung im Herzen des Gesteins und der lokalen Geschichte.
Der Giltsteinofen der Cabane FXB Panossière wurde aus im Jahr 1995 abgebautem Stein aus der Carrière de Bocheresse angefertigt.