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Félicie Diaries #5: Passage planning am Ende der Welt
Das Department Finistère bildet das westlichste Ende der Bretagne. In früheren Zeiten wurde es sogar als das Ende der Erde (finistère von lateinisch finis terrae) bezeichnet, denn westlich davon befand sich nach damaligen Vorstellungen nur noch Wasser. Und irgendwo im Westen, dort wo die Sonne untergeht, war wirklich Schluss. Wer sich mit dem Boot zu weit raus wagte, konnte runterfallen, da die Erde damals ja noch eine Scheibe war.
Heute wissen wir zum Glück, dass am westlichen Horizont kein Abgrund lauert, trotzdem bleibt dieses Endstück Land ganz schön gefährlich. Die heikle Passage ist der chenal du four, der zwischen der Küste und den vorgelagerten Inseln des "mer d'Iroise" von der Biskaya in den englischen Kanal führt. Im Chenal herrschen starke Gezeitenströme von bis zu 6 Knoten, die eine Passage zum richtigen Zeitpunkt unumgänglich machen.
Gemäss Stromatlas empfiehlt sich eine Durchfahrt nach Norden während des Flutstroms. Die südlichste Ecke "Pointe de St. Mathieu" sollte bei Stillwasser (fast stehendes Wasser bei Umkehr des Tidenstroms) erfolgen, danach kann man von 6 Stunden günstigem Strom profitieren. Das sollte reichen, um es in den sicheren Hafen von l'Aber Wrac'h zu schaffen. Die im Sommer üblichen nördlichen Winde dürfen allerdings nicht zu stark sein, weil sie gegen den Strom eine konfuse See erzeugen. Schon ab 5 Beaufort ist eine Passage des Chenals nicht mehr empfohlen. Auch die Sicht sollte gut sein. Nebel, der auch im Sommer auftreten kann, muss gemieden werden.
Die Passage führt zwischen zahlreichen befeuerten Bojen hindurch und wird durch Richtfeuer unterstützt (siehe Kartenausschnitt unten: empfohlene Route in pink).
Ich habe schon mal beim Wettergott, dem Meeresgott und einem Gott, der für die Technik zuständig ist, meine Wunschvorstellung für unsere Passage deponiert. Wir erwarten herrlichen Sonnenschein, eine leichte Brise, Niedrigwasser am späteren Vormittag, damit wir nicht zu früh aufstehen müssen, ein funktionierendes GPS, einen zuverlässig laufenden Motor und einen freien Anlegeplatz in der Marina von l'Aber Wrac'h. Sollte doch eigentlich machbar sein!
Alles hat, wie erhofft, wunderbar geklappt, ausser das gemütliche Ausschlafen. Wir mussten früh raus, um den Tidenstrom mit uns zu haben.