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Das warme Wetter führte dazu, dass am 20. Oktober kräftige Quellwolken entstanden, wie diese Gewitterwolke, von Koppigen BE aus fotografiert. (Fotos: Andreas Walker)
Andreas Walker / PW
Extrem nasses Herbstquartal 23
Die Witterung im 4. Quartal 2023 (Oktober, November, Dezember): Das Herbstquartal war geprägt von überdurchschnittlichen Niederschlägen. Diese führten im Dezember, kombiniert mit einer Schneeschmelze, lokal zu Hochwasser.
Warmer und sonniger Oktober 2023
Der Oktober war zu warm mit einer überdurchschnittlichen Sonnenscheindauer. Trotzdem lagen die Niederschlagssummen deutlich über der Norm.
Die Schweiz verzeichnete den zweitwärmsten Oktober seit Messbeginn 1864. Die ersten 13 Oktobertage waren ausschliesslich hochdruckbestimmt. Sie brachten viel Sonnenschein und rekordhohe Temperaturen. 38 Messstandorte mit längeren Messreihen, verteilt über alle Landesteile, meldeten die höchste Tagesmaximum-Temperatur für den Monat Oktober. Vielerorts gab es Sommertage mit Tagesmaxima von 25 °C oder höher.
Starke Niederschläge im Westen und im Süden: Vom 1. bis am 13. Oktober fiel an den meisten Messstandorten von MeteoSchweiz kein oder nur wenig Niederschlag. Weiteren Niederschlag brachte eine Kaltfront aus Nordwesten am 14. und 15. Oktober in vielen Gebieten der Schweiz. Dabei fiel regional Schnee bis auf 1700 m hinunter.
Vom 18. bis am 21. Oktober strömte feuchte Luft aus Südwesten zur Schweiz. Über den Alpen stellte sich eine kräftige Föhnlage ein. In der Westschweiz fiel vom 18. bis am 20. Oktober, auf der Alpensüdseite vom 19. bis am 21. Oktober reichlich Niederschlag. In den übrigen Gebieten der Schweiz war vor allem der 20. und 21. Oktober nass.
Wechselhaftes Monatsende: Vom 24. bis am 27. sowie am 30. und 31. Oktober fiel verbreitet Niederschlag. In den östlichen Alpen gab es auf den 31. Oktober in hohen Lagen 40 bis 60 cm Neuschnee. Zudem waren der Südföhn und der Westwind aktiv. Die Alpennordseite verzeichnete am 23. Oktober kräftigen Föhn, vom 25. bis am 28. Oktober in erhöhten Lagen kräftigen Westwind. Der Föhn und der Westwind brachten maximale Böenspitzen von über 100 km/h. Am 29. Oktober blies über dem Jura und den Alpen ein starker bis stürmischer Südwestwind mit Böenspitzen bis 120 km/h. Durch die Täler der Alpennordseite fegte der Föhn mit Böenspitzen von knapp 100 km/h.
Monatsbilanz Oktober 2023
Die Oktobertemperatur lag in der Schweiz verbreitet 2,5 bis 3,7 °C über der Norm 1991−2020. Das landesweite Mittel lag 3,0 °C über dem langjährigen Mittel. Es war der zweitwärmste Oktober seit Messbeginn 1864.
Die Niederschlagssummen stiegen im Tessin sowie in Nord- und Mittelbünden auf 130 bis 190 % der Norm. In den Bündner Südtälern und im Engadin gab es verbreitet Mengen zwischen 200 und knapp 250 % des Durchschnitts. In der Westschweiz erreichten die Werte vielerorts 130 bis 180 % und lokal um 200 % des langjährigen Mittels. In den übrigen Gebieten der Schweiz bewegten sich die Niederschlagssummen meist zwischen 80 und 130 % der Norm.
Die Sonnenscheindauer erreichte im Oktober nördlich der Alpen verbreitet 120 bis 160 % der Norm. An einzelnen Messstandorten mit über 100-jährigen Messreihen war es einer der fünf sonnigsten Oktober seit Messbeginn. In den übrigen Gebieten der Schweiz lagen die Werte der Sonnenscheindauer meist zwischen 100 und 120 % des langjährigen Mittels.
Der Oktober brachte viel Sonnenschein und rekordhohe Temperaturen. Sonnenaufgang in Hallwil AG am 6. Oktober. (Fotos: Andreas Walker)
Das warme Wetter führte dazu, dass am 20. Oktober kräftige Quellwolken entstanden, wie diese Gewitterwolke, von Koppigen BE aus fotografiert. (Fotos: Andreas Walker)
Im November fielen überdurchschnittlich viele Niederschläge. Am 5. November entstand ein Regenbogen über dem Bodensee, Standort Rorschacherberg SG. (Fotos: Andreas Walker)
Vom 29. auf den 30. November brachte kräftiger Schneefall in den tiefen Lagen der Alpennordseite verbreitet eine erste Schneedecke, Standort Hallwil AG. (Fotos: Andreas Walker)
Am 2. Dezember überzog sich das nördliche Flachland erneut mit einer Schneedecke. Sogar an der Bahnhofstrasse in Zürich blieb der Schnee liegen. (Fotos: Andreas Walker)
Intensive Regenfälle, kombiniert mit einer Schneeschmelze liessen die Pegel der Flüsse und Seen ansteigen. Am nördlichen Ende des Hallwilersees führte diese Situation zu Überschwemmungen - am 12. Dezember über Seengen AG fotografiert. (Fotos: Andreas Walker)
Sehr nasser November 2023
Der November war in weiten Gebieten der Schweiz sehr niederschlagsreich. An über 100 Messstandorten war es der nasseste November seit Messbeginn.
In der Periode vom 1. bis am 25. November fiel in den meisten Gebieten der Schweiz fast täglich Niederschlag. Auf der Alpensüdseite blieb es vom 10. bis am 28. November vielerorts niederschlagsfrei. Ab dem 13. November gab es im Süden meist sonnige Verhältnisse, oft unterstützt durch den Nordföhn.
Die niederschlagsreiche Witterung brachte auf der Alpennordseite und im Wallis weit überdurchschnittliche Monatssummen. Bereits zur Monatsmitte erreichten die Mengen in der Westschweiz sowie im zentralen und östlichen Mittelland das Doppelte einer durchschnittlichen Novembersumme.
An über 100 Messtandorten mit längeren Messreihen wurde schliesslich der nasseste November seit Messbeginn aufgezeichnet. Darunter befinden sich mehrere über 100-jährige Messreihen.
Im Norden Schnee bis in tiefe Lagen: In den ersten beiden Monatsdritteln bewegte sich die Schneefallgrenze meist zwischen 800 m und 2800 m. Regional sank sie ganz kurz auch bis in tiefe Lagen. Mittlere Lagen erhielten in den ersten beiden Monatsdritteln mehrmals etwas Neuschnee. Im letzten Monatsdrittel brachte feuchtkalte Polarluft auf der Alpennordseite verbreitet Schnee bis in tiefere Lagen. Vom 24. bis am 26. November fielen am Alpennordhang oberhalb von 600 bis 800 m insgesamt 20 bis 40 cm Neuschnee. In Nordbünden erreichten die Mengen lokal 50 bis 60 cm. Vom 29. auf den 30. November brachte ein kräftiger Schneefall in den tiefen Lagen der Alpennordseite verbreitet eine erste Schneedecke von 2 bis 5 cm.
Monatsbilanz November 2023
Die Novembertemperatur lag in den tiefen Lagen nördlich der Alpen verbreitet 0,8 bis 1,4 °C über der Norm. In den Alpen bewegten sich die Werte meist zwischen 1 °C unter der Norm und 0,8 °C über der Norm. In Gipfellagen sank die Novembertemperatur bis 2 °C unter das langjährige Mittel. In den tieferen Lagen der Alpensüdseite lag sie im Bereich des Durchschnitts. Im landesweiten Mittel blieb der November 0,2 °C unter der Norm.
Die Niederschlagssummen erreichten im November auf der Alpennordseite und im Wallis verbreitet zwischen 200 und 300 %, regional auch über 300 % der Norm. An zahlreichen Messstandorten mit längeren Messreihen wurde der nasseste November seit Messbeginn aufgezeichnet. Unterdurchschnittlich blieben die Novembersummen auf der Alpensüdseite und in einem grösseren Teil Graubündens. Die Monatssummen erreichten hier regional weniger als 50 % des langjährigen Mittels.
Die Sonnenscheindauer erreichte im November auf der Alpensüdseite verbreitet 100 bis 150 % der Norm. Am unteren Genfersee und lokal am Bodensee gab es Werte zwischen 90 und 100 % des Durchschnitts. In den übrigen Gebieten der Schweiz bewegte sich die Sonnenscheindauer meist zwischen 40 und 70 % der Norm. Auf den Jurahöhen und lokal in den Alpen blieb sie auch unter 40 % des langjährigen Mittels.
Dezember 2023 mit viel Regen und Hochwasser
Der Dezember brachte grosse Niederschlagsmengen. Intensive Regenfälle, kombiniert mit einer Schneeschmelze, liessen die Pegel der Flüsse und Seen ansteigen und führten teilweise zu Hochwasser.
Zu Monatsbeginn strömte in den unteren Schichten der Atmosphäre kalte Polarluft aus nordwestlicher und nördlicher Richtung gegen die Alpen. Am 2. Dezember überzog sich das nördliche Flachland erneut mit einer Schneedecke.
Vom 8. bis 15. Dezember sorgte eine West- bis Nordwestströmung kontinuierlich für die Zufuhr von feuchtmilder Luft in Richtung Alpen. Zwischen dem 9. und 13. Dezember fielen in weiten Teilen der West- und Zentralschweiz erhebliche Niederschlagsmengen. Lokal gab es in den vier Tagen so viel Niederschlag, wie sonst in einem ganzen Dezember zu erwarten wäre.
Starkniederschläge verursachen grosse Schneeschmelze: Die Schneefallgrenze stieg tageweise auf 1500 bis 2200 m Höhe, womit die teils starken Niederschläge bis weit hinauf als Regen fielen und so eine kräftige Schneeschmelze auslösten. Dies führte regional zu Hochwasser in Flüssen und Seen.
Zwischen dem 16. und 19. Dezember stand die Schweiz unter Hochdruckeinfluss. In den Bergen gab es in dieser Phase viel Sonne bei zunehmend milden Temperaturen und sehr trockener Luft. Über dem Flachland hingegen hielt sich hartnäckig der Nebel.
Erneute Starkniederschläge, Neuschnee und stürmischer Wind: Die nächste Nordwestlage folgte zwischen dem 21. und 23. Dezember. Die kräftige Anströmung aus Nordwesten führte auch zu grösseren Niederschlagsmengen nördlich des Alpenhauptkamms. Der immer wieder auftretende Nordwind sorgte im Süden nicht nur für geringere Niederschlagsmengen im Dezember, sondern auch für tageweise sehr milde Temperaturen. In Lugano wurde am 23. Dezember mit 21,3 °C die zweithöchste Temperatur in einem Dezember seit 1864 gemessen. Auch an Heiligabend war es im Tessin lokal über 18 °C warm.
Monatsbilanz Dezember 2023
Die Dezembertemperatur stieg in den tiefen Lagen nördlich und südlich der Alpen verbreitet 2,1 bis 2,6 °C über die Norm. Im landesweiten Mittel lag die Dezembertemperatur 2,0 °C über dem langjährigen Mittel.
Die niederschlagsreiche Witterung brachte auf der Alpennordseite und besonders im Kanton Graubünden und im Wallis weit überdurchschnittliche Monatssummen. In der Region Nord- und Mittelbünden wurden 210 bis knapp 280 % des durchschnittlichen Niederschlags erreicht. Im Wallis, in der Westschweiz und entlang der zentralen und östlichen Voralpen wurden verbreitet Niederschlagssummen von 130% bis 200% des langjährigen Mittels registriert. An über 90 Messstandorten gehörte der Dezember zu den fünf oder sogar zu den drei nassesten Dezembermonaten seit Messbeginn.
Die Sonnenscheindauer blieb im Dezember verbreitet unterdurchschnittlich. Nur im Südtessin, in der Genferseeregion und entlang dem Jurasüdfuss bis zum Bodensee wurden Werte um 100-140 % des langjährigen Mittels registriert.