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Flysch (2021)
More information
Added on 14 January 2022
- Year of creation
- 2021
- Label
- Eigenproduktion SRG
Credits and thanks
Concept Store Quartet:
Alicja Pilarczyk, Violine
Pablo González Balaguer, Saxophon
Nejc Grm, Akkordeon
Guillem Serrano, Perkussion
Konzertaufnahme: 23. Juni 2021, Kapuzinerkloster, Rapperswil
Tonmeister: Lars Dölle (SRF)
Teresa Carrasco zu FLYSCH (Bern, 2021):
In 1851 schrieb Joachim Raff die "Schweizerweisen", ein Kompendium von neun Klavierstücken, die von der Ästhetik und dem Stil der romantischen Klavierkomposition der Zeit geprägt sind. Der aus Lachen stammende Komponist, der einige Jahre als Lehrer in Rapperswil verbrachte, war zu dieser Zeit in Weimar und assistierte Franz Liszt als dessen persönlicher Sekretär. Vielleicht aus Nostalgie oder Heimweh stützte er sich bei dieser Komposition auf eine Reihe von traditionellen Schweizer Liedern, die bereits in einem herausgegebenen Kompendium von G. J. Kuhn und J. R. Wyss in 1805 veröffentlicht wurden: "Sammlung von Schweizer Kühreihen und Volksliedern". Dieser Ausgabe folgten erweiterte Ausgaben in den Jahren 1812, 1818 und 1826.
Kühreihen (Chüe-Reien) werden als eine Gattung von Hirtenliedern definiert, die in den Schweizer Alpen und im Berner Oberland dazu dienten, die Kühe zum Melken anzulocken und die das Melken begleitet haben. Wyss schreibt im Prolog der letzten Ausgabe der Sammlung von 1826 über die Wichtigkeit der Erhaltung dieses Melodienkompendiums und bezeichnet sie als eines der herausragendsten Lieder der Schweizer Nation, und obwohl die Natur dieser Lieder vielfältig ist, definiert er den Charakter dieser nationalen Melodien von großer Einfachheit und in einer langsamen und melancholischen Art.
Die Komposition Flysch ist eine Bearbeitung eines dieser Kuhreihen. Im Original die Nummer 11, in Raffs Fassung das dritte Stück der Schweizerweisen. "Kuhreihen zum Aufzug auf die Alp im Frühling" von F. Huber. In Raffs Bearbeitung bewahrt der Komponist die ursprüngliche Melodie, Harmonie und Form des Stückes treu und komponiert ein heiteres und amüsantes Stück mit Variationen nach dem Kanon der Zeit daraus.
Flysch nimmt einen Abschnitt aus demselben Originalstück, wie Raff, um das Material einer aktuelle Ästhetik anzupassen, wobei er vor allem an der Klangfarbe arbeitet und gleichzeitig versucht, den von Wyss definierten ursprünglichen Charakter der Kuhreihen von Einfachheit, Langsamkeit und Melancholie zu erhalten.
In Flysch werden die Melodie und die Harmonien so verlangsamt, dass der Sinn von Intervall und Akkord im Takt verschwimmt. So entwickelt sich die Instrumentation als eine Schichtabfolge von Klanglinien unterschiedlicher klanglicher Natur und Materialität, die sich superpositionieren und das Ganze vorantragen. Der Einsatz der live Elektronik ermöglicht die Überlagerung, Transposition und Verräumlichung des instrumentalen Materials in Zeit auf der Suche der Transformation an verschiedenen Parametern rund um das Klangspektrum. Die minimalen und detaillierten Variationen spielen mit kontrastierenden Spannungen und Dehnungen. Die Verwendung von originalen Treicheln und Kuhglocken als Teil des Schlagzeugsets evoziert einerseits die Bedeutung des Erhaltungscharakters solcher Elemente als Teil der nationale Tradition und Kultur sowie den Bezug zum Kuhreihen, andererseits zielt das Experimentieren mit dieser Art von Instrumenten auf die Integration dieser Klangobjekte als Teil der Instrumentierung der ernsten Musik und als wichtiges visuelles Element, das die Erinnerung hervorruft und das Stück begleitet.
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