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Obwohl Süsswasserbewohner sehr empfindlich auf Veränderungen in ihrem Lebensraum reagieren, sind sie von der Klimaerwärmung möglicherweise weniger betroffen als Landbewohner (siehe Abbildung). Süsswasserökosysteme könnten zum Beispiel davon profitieren, dass sich Wasser aufgrund seiner hohen Wärmekapazität langsamer erwärmt als Land. Auch dämpft Wasser kurzfristige Hitzewellen, insbesondere in tiefen Seen, während sich die Hitze an Land voll entfalten kann. Das Wasser könnte also als Puffer gegen steigende Temperaturen wirken und den Süsswasserbewohnern einen gewissen Schutz bieten, vor allem in tiefen Gewässern.
Im Gegensatz dazu könnten terrestrische Arten der Klimaerwärmung stärker ausgesetzt sein. Immer häufiger fehlen ihnen zudem aufgrund der veränderten Landnutzung schattige, kühle Rückzugsräume wie Wälder. Der integrative Ansatz der Forschenden deutet daher darauf hin, dass terrestrische Arten unter einem grösseren Druck stehen könnten, sich rasch an höhere Temperaturen anzupassen. Im Extremfall könnte dieser Selektionsdruck zum Aussterben von Arten führen.
Ein Weg in die Zukunft
Die Forschenden hoffen, dass der vorgeschlagene integrative Ansatz Fachleuten aus der Naturschutzpraxis und politischen Entscheidungsträgern neue Instrumente für den Biodiversitätsschutz an die Hand gibt. «Um die biologische Vielfalt zu erhalten, ist es wichtig zu wissen, welche Prozesse zu einem bestimmten Zeitpunkt am einflussreichsten sind, denn nur dann können Massnahmen gezielt eingesetzt werden», sagt Agnieszka Sendek, die zweite Hauptautorin der Studie. Wenn Ökosysteme beispielsweise stark von der ökologischen Drift beeinflusst werden, also wenn die Populationen rasch schrumpfen, könnte das vorrangige Ziel sein, die Populationsgrössen zu schützen und grossflächige Lebensräume zu erhalten. Wenn jedoch menschliche Aktivitäten in erster Linie die Ausbreitung einschränken, sollten Massnahmen ergriffen werden, um die verbleibenden Lebensräume besser miteinander zu vernetzen. Wenn die Erwärmung das Hauptproblem ist, könnte das Ziel sein, schattige, kühle Lebensräume zu schaffen, die Tieren und Pflanzen Zuflucht bieten.