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_Pastorale_ (Rhythmen), 1927,20 (K 10)
Aus einer Reihe von etwa 25 Tafelbildern höchsten Niveaus, die um die Jahreswende 1926/27 entstehen und zu denen schwarzer fürst, 1927,24 (L 4), Geist bei Wein und Spiel, 1927,16 (K 6) und Sängerin der komischen Oper, 1923,118 gehören. Es ist sogar noch ein anderes ›rhythmisches‹ Bild dabei, Junger Garten, 1927,25 (L 5), der unserem Bild verwandt ist.
Pastorale ist wie ein Blatt aus dem Städtebuch, 1928,46 (N 6) eine Textseite, vielleicht auch eine Seite aus einer Partitur, denn ob Schrift oder Noten ist schwer zu sagen. Die Zeichen sind Zeichen, nicht Buchstaben, aber sie stehen für sie. Man denke an Klees Wort vor einem seiner Buchstabenbilder: «aus diesen wenigen Zeichen ist alles entstanden.» Dabei sind sie wie Hieroglyphen oder wie die chinesischen Schriftzeichen sehr wohl mit erinnerten Formen in Übereinstimmung zu bringen, die Natur bleibt offensichtlich die conditio sin qua non, nur dass die ‘Baumkrone’ (das Werk) nicht der ›Wurzel‹ (dem Ursprung des Seins) entspricht.
In der obersten Zeile stehen die Sterne und Planeten, in der nächsten die jungen Bäume, dann Bögen (Architektur), dann wieder Bäumchen und in der nächsten Reihe kandelaberartige Bäume usw., dazwischen immer Gartenzäune in der Form von Kreuzstichen, die die Zeilen voneinander trennen. Nach unten wird die Pastorale etwas dekorativer, wie ein Musterbuch, dass Kinder im Handarbeitsunterricht sticken. Man könnte also auch an Textiles denken, an Sticktücher und Spitzen. Die Farbe ist lichtgrün, oben etwas himmelblau, ringe eine braune Umrandung, die geben die banalere Umgebung abgrenzt. Bei dem Blatt aus dem Städtebuch ist alles komplizierter, die Zeichen suggerieren wirklich eine Stadtmauer und Reihen von Pavillons mit Fähnchen, weiter unten Rundbögen mit Sternen darauf; im Ganzen handelt es sich um dieselbe Erfindung. Vermutlich waren für Klee Arbeiten wie die Pastorale ein Ersatz für musikalisches Handeln, sie waren für ihn Partituren, bei deren Niederschrift er ein ähnliches Gefühl gehabt haben mag wie Joseph Haydn bei der Niederschrift ›Jahreszeiten‹. Der ausdrückliche Zusatz ‘Rhythmen’ zum Titel bestätigt, dass Klee hier in erster Linie an eine musikalische Konzeption gedacht hat.
Quelle: Will Grohmann, Der Maler Paul Klee, Dumont ›Bibliothek grosser Maler‹