Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03611.jsonl.gz/2012

Als Poiesis bezeichne ich eine "Theorie" von Aristoteles, die H. Maturana mit seiner Autopoiesis referenziert.
N. Luhmann erzählt (in seiner Systemtheorie), dass H. Maturana ihm erzählt habe, dass er mal zufällig während eines gesellschaftlichen Anlasses beim Nachtessen eine Lektion aristotelische Philosophie bekommen habe, worauf er realisiert habe, dass eine selbstbezügliche Poiesis perfekt treffe, was er zuvor ungenau mit Zirkularität beschrieben habe.
Differentiell scheint mir der Ausdruck eher unglücklich (oder paradox) gewählt, weil sich darin meine Unterscheidung zwischen Praxis und Poetik - die auch von Aristoteles angezogen wurde - verdreht.
Bei Artistoteles (und vielen seiner Nachfolgern wie etwa dem hier erzählenden N. Luhmann) steht Poiesis für Tätigkeit mit einem extrinsischen Ziel, während Praxis eine Tätigkeit bezeichnet, die sich selbst genügt. Poiese bezeichnet in dieser Auffassung also das Herstellen von Gegenständen, die einen Zweck haben. Und Autopoiese impliziert, dass ich mich zu einem Zweck herstelle - was ich als quasi-religiöse Verklärung - etwa der Körper als Fahrzeug der Seele - sehe.