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In dem Projekt geht es um die Entwicklung des modernen Strafbegriffes seit dem Hochmittelalter. Die Entwicklung geht von der theologischen Schuldlehre und Busspraxis aus und wird von dort über das Kirchenrecht an das weltliche Strafrecht weitergegeben. Erst unter dem theologischen Einfluss wird der Gedanke formuliert, dass "Strafe" auf die Person des Täters beschränkt sein muss.
Die Geschichte besonders des gelehrten Strafrechts, also die Entwicklung der Strafrechtswissen-schaft, ist immer noch vergleichsweise wenig erforscht. Dabei ist gerade unter dem Aspekt, dass das "moderne" Schuldstrafrecht zunehmend in die Kritik gerät und von der Welle der "Verantwor-tungsethik" überrollt zu werden scheint, eine Rückbesinnung auf die Wurzeln dieses Strafrechts unentbehrlich. Die Schnittstelle zum neuzeitlichen Schuldstrafrecht liegt im 16. Jahrhundert, wo die Spanische Spätscholastik (Schule von Salamanca) im Rückgriff auf die theologische Schuldlehre Thomas von Aquins die Voraussetzungen für die Subjektivierung des Verbrechensbegriffs setzte und an die juristische Naturrechtslehre weitergab. Rechtshistorisch gesehen kann die Entwicklung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit insbesondere bei folgenden Fragen beobachtet werden: - der Infamie und Indignität der Häretikersöhne - der Exkommunikation von Gemeinwesen (Städten, Kirchengemeinden) - der Haftung der Erben für Strafen des Erblassers - der "Bestrafung" von Leichnamen - der Ahndung von Phantasiedelikten wie der Hexerei. Die wesentlichen Ergebnisse meiner bisherigen Forschung an diesem Projekt liegen jetzt mit meiner Dissertation zum Thema "Strafe für fremde Schuld?" in der Spanischen Spätscholastik und einigen kleineren Publikationen, insbesondere zur deliktischen Sippenhaft, vor.
Die Arbeit wird in erweitertem historischen Kontext mit Forschungen zu den Tier, Leichnams- und Bildnisstrafen fortgesetzt. Anknüpfend an den Budapester Vortrag aus dem Jahre 2003 soll die Be-strafung von Leichnamen und Bildnissen in der frühen Neuzeit in einer umfassenderen Monografie dargestellt werden. Die Quellenbasis wird um juristische Dissertationen des 17. und 18. Jahrhun-derts erweitert.