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Nach der französischen Julirevolution von 1830 und verschiedenen Skandalen im Umfeld der Regierung und des Parlaments wuchs auch im Kanton Zürich eine Volksbewegung, die mehr Rechte für die Landschaft forderte. Den Höhepunkt erreichte die Bewegung am 22. November 1830, als sich in Uster gegen 10’000 Personen versammelten. Die Regierung gab darauf dem Druck nach und versprach Reformen. Umgehend setzte das Parlament Neuwahlen an und verkleinerte die gemäss Verfassung der Stadt Zürich zustehende Sitzzahl im Parlament auf einen Drittel. Die 130 Sitze, die vom Grossen Rat selbst verteilt werden konnten, reduzierte es auf einen Viertel.
Neue Verfassung und Öffnung
Zwei Wochen nach dem so genannten Ustertag nahm der neu gewählte Grosse Rat seine Arbeit auf. Neben Bezirksrichtern und Gemeinderäten sassen darin nun auch etliche Fabrikanten und Ärzte von der Landschaft. Im Frühjahr 1831 trat schliesslich auch die neue Verfassung in Kraft, in der unter anderem das Öffentlichkeitsprinzip grosses Gewicht erhielt. Die bisher geheimen Sitzungen im Rathaus beispielsweise sollten neu für das Publikum frei zugänglich sein – Grund genug, die Planung eines neuen Parlamentsgebäudes in Auftrag zu geben. Da das Ergebnis nicht überzeugte, wurde im alten Rathaus eine Zuschauertribüne eingebaut. Symbolträchtig begann 1833 auch der Abbruch der Schanzenbefestigung rings um die Stadt. Gleichzeitig wurden landauf, landab für die neue Volksschule Schulhäuser gebaut und das Lehrerseminar in Küsnacht und die neue Universität eröffnet.
Die liberale Politik stiess vor allem in der konservativen Landbevölkerung auf wenig Gegenliebe. Stein des Anstosses waren insbesondere die modernen Lehrmittel der Volksschule, die den alt hergebrachten Katechismus ablösten. 1834 stürmten deswegen im Zürcher Unterland Anwohner verschiedene Schulstuben.
Der Weg zum Repräsentationsprinzip
Wie gross das Misstrauen war, zeigt die Volksabstimmung vom 4. Februar 1838, bei der die Stimmberechtigten zwar mit grossem Mehr, aber mit einer Beteiligung von nur gerade 34 Prozent eine Änderung des Verfassungsartikels zur Wahl des Parlaments annahmen. Die Zünfte spielten bei den Parlamentswahlen fortan keine Rolle mehr. Der Kanton war stattdessen in 51 Wahlkreise aufgeteilt. Die Stadt Zürich, die bis 1839 nur aus der Altstadt bestand, bildete einen eigenen Wahlkreis. Die Wahlberechtigten versammelten sich alle vier Jahre in der Kirche, wo sie für je 1200 «Seelen» im Wahlkreis einen Vertreter wählen konnten. Nach der kantonalen Volkszählung von 1836 kamen so bei den bald darauf durchgeführten Wahlen 192 Mitglieder in den Rat. Zwölf weitere Grossräte wurden durch den Rat eingesetzt. Davon abgesehen galt fortan also ein striktes Repräsentationsprinzip gemäss Bevölkerungszahl pro Wahlkreis.
Der Straussenhandel und seine Folgen
Anfang 1839 löste die Berufung des umstrittenen Theologen David Friedrich Strauss an die Universität auf der konservativen Landschaft erneut Unruhen aus. Anfang September machten sich Tausende von Landbewohnern auf in Richtung Stadt. Am 6. September kam es in Zürich zu einem blutigen Zusammenstoss mit dem Militär. Ein Grossteil der Regierung floh darauf aus der Stadt. Am 9. September löste sich der Grosse Rat auf, und eine Übergangsregierung übernahm die Geschäfte. Nach kurzfristig anberaumten Neuwahlen nahm zehn Tage später ein neuer Grosser Rat die Arbeit auf, in dem wieder die konservativen Vertreter das Sagen hatten. Ab 1844 wendete sich das Blatt erneut, und die Liberalen kehrten zurück – unter ihnen auch der spätere Führer der Liberalen, der junge Alfred Escher, der die Politik und die Wirtschaft des Kantons und bald auch der Schweiz bis zu seinem Tod 1882 massgeblich prägen sollte.