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Lumbalpunktion und Liquor-Diagnostik
Gehirn und Rückenmark sind gut geschützt. Sie werden von den Hirnhäuten (Meningen) umhüllt und von einer klaren Flüssigkeit, dem Liquor cerebrospinalis, umspült. Der Liquor für das zentrale Nervensystem wird in den Ventrikeln des Gehirns gebildet. Die Liquorräume des Gehirns stehen auch in direkter Verbindung mit den das Rückenmark umgebenden Strukturen und der Liquor zirkuliert ständig. Seine Beschaffenheit gibt wichtige Hinweise auf neurologische Erkrankungen.
Die Lumbalpunktion stellt einen praktischen Weg dar, um Liquor zur Untersuchung zu gewinnen oder Medikamente direkt in den Wirbelkanal zu bringen. Dabei wird eine Punktion des Rückenmarkskanals im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule vorgenommen. Während der Abnahme kann zusätzlich der Druck im Liquorsystem gemessen werden. Untersuchungen des Liquors können Hinweise auf Erkrankungen des Nervensystems geben.
Wann wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?
Eine Lumbalpunktion wird vorwiegend bei Verdacht auf folgende Erkrankungen durchgeführt:
- Bestimmte Hirnblutungen (Subarachnoidalblutung)
- Hirnhautentzündung (Meningitis)
- Hirnentzündung (Enzephalitis)
- Multiple Sklerose (MS)
- Überproduktion von Liquor (Hydrocephalus)
- Verdacht auf entzündliche Neuropathien
- Guillain-Barre-Syndrom
- Borreliose
- Hirntumoren, Tumoren des Rückenmarks, Metastasenbefall
Wie wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?
Die Untersuchung wird in Lokalanästhesie im Sitzen oder in Seitenlage durchgeführt. Nach einer sorgfältigen Desinfektion wird mit einer feinen und langen Hohlnadel zwischen zwei Wirbeln der Lendenwirbelsäule in den Nervenwasserkanal punktiert. Dies erfolgt zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel weit unterhalb des Rückenmarkes, so dass dieses nicht verletzt werden kann.
Sobald Liquor aus der Nadel tropft, kann ein Steigrohr angeschlossen werden, um den Druck zu bestimmen. Danach wird eine geringe Menge Liquor abgenommen, bei bestimmten Erkrankungen, bei denen zu viel Liquor produziert wird, auch bis zu 50 ml. Danach wird die Nadel entfernt und die Einstichstelle mit einem Pflaster versorgt. Im Anschluss daran sollte der Patient ca. 30 Minuten mit geradem Rücken liegen, danach kann er wieder nach Hause gehen.
Nebenwirkungen der Lumbalpunktion
Eine Lumbalpunktion ist im Allgemeinen nur wenig schmerzhaft und risikoarm. Gelegentlich kann es allerdings durch die Reizung von Nervenfasern im Rückenmarkskanal zu elektrisierenden Gefühlen in den Beinen kommen. Mit Entfernen der Nadel verschwinden auch die Beschwerden. Selten kann bei einer stark veränderten Wirbelsäule die Punktion schwierig sein.
Bei manchen Patienten treten nach einigen Stunden oder am Tag nach der Lumbalpunktion Kopfschmerzen und Übelkeit auf (postpunktionelles Syndrom). Ein durch die Liquor-Entnahme entstandener Unterdruck zeigt sich vor allem mit lageabhängigen Kopfschmerzen. In diesen Fällen hilft Bettruhe, ausreichend Flüssigkeits- und Koffeinzufuhr. In der Regel klingen diese Beschwerden rasch wieder ab.
Liquordiagnostik
Der Liquor wird im Labor auf die Anzahl der Zellen, Art der Zellen, Eiweissstoffe, Zucker, Bakterien und Pilze und je nach klinischer Fragestellung weitere Parameter hin untersucht. Normaler Liquor ist farblos und enthält nur wenige Zellbestandteile.
Wie lange dauert es, bis ein Liquor-Befund vorliegt?
Erste Resultate, die beispielsweise für die Diagnose einer akuten Hirnhautentzündung benötigt werden, erhält man spätestens einige Stunden nach der Untersuchung. Die Ergebnisse für einige speziellere Untersuchungen liegen jedoch erst nach einigen Tagen vor.