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"K-172"
Das U-Boot wurde am 8. August 1962 in Sewerodwinsk auf Kiel gelegt und lief am 25. Dezember 1963 vom Stapel. Im März 1968 kam es zu einem Zwischenfall, als ein Behälter mit 18 kg Quecksilber, der eigentlich nicht ungesichert hätte an Bord sein dürfen, in einer Mannschaftskabine auslief. Um einer Bestrafung wegen Verstoßes gegen die Sicherheitsbestimmungen beim Umgang mit Gefahrenstoffen zu entgehen, wurden die Reste des Quecksilbers in ein Handwaschbecken geschüttet und die ausgelaufenen Mengen mit Lappen und Mopp aufgewischt. Das Quecksilber gaste in der Folge aus und gelangte in die Ventilationsschächte. 126 von 132 Besatzungsmitgliedern, die bei dieser Mission an Bord waren, erlitten durch die Dämpfe Quecksilbervergiftungen. 1978 wurde das U-Boot in "K-192" umbenannt. Nach mehreren ereignislosen Patrouillen im Nordatlantik ereignete sich im Sommer 1989 ein weiterer Zwischenfall. Am 25. Juni 1989 wurde 350 km südlich der Bäreninsel ein Leck am Primärkühlkreislauf des Reaktors entdeckt. Das Leck konnte zunächst nicht geschlossen werden und die Mannschaft glich den sinkenden Pegelstand im Kühlkreislauf durch Nachfüllen von Frischwasser aus den Tanks des U-Bootes aus. Das weiter auslaufende kontaminierte Kühlwasser wurde ins Meer gepumpt. Ein per Funk herbeigerufener Frachter lieferte weiteres Wasser über einen Schlauch, nachdem die Wasservorräte von "K-192" aufgebraucht waren. Am 26. Juni erreichte das Spezialschiff Armur das U-Boot und begann das verstrahlte Wasser aus dem Kühlkreislauf direkt in seine Lagertanks zu pumpen und seinerseits Frischwasser zu liefern. Der Kühlkreislauf wurde kurz unterbrochen um das Leck abzudichten, jedoch versäumte der zuständige Seemann, die Kühlung wieder einzuschalten, als er seinen Posten zum Ende seiner Wache verließ. Der sich aufheizende Reaktor löste den Alarm aus und die Kühlung wurde reaktiviert. Der Temperaturunterschied zwischen Kühlwasser und den Gehäusen der Brennstäbe war jedoch schon zu groß, so dass diese aufrissen und das Wasser nun direkt die Stäbe umspülte. Das hochverstrahlte Kühlwasser konnte von der Armur nicht aufbereitet werden, so kappte man den Schlauch und leitete es ins Meer. Der Schaden am Reaktor konnte nicht mit einfachen Mitteln behoben werden, so stellte man das U-Boot außer Dienst. 1994 wurde der Reaktor entfernt und das U-Boot um 2000 verschrottet.