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Ethometrics
Zielsetzungen
Das Hauptziel von Ethometrics besteht im «Ausmessen» der gegenwärtig bedeutenden ethischen Haltungen, mittels der Erarbeitung eines theoretischen Rahmens zu ihrer Analyse und Bewertung. Die Anwendung dieses theoretischen Rahmens soll es ermöglichen, die Positionierung der moralischen Akteure auf dem ethischen Spielbrett zu bestimmen, sowohl in der deskriptiven (Analyse) als auch in der normativen und ethischen Dimension (Evaluation). In einer ersten Phase untersucht Ethometrics multinational tätige Firmen und internationale Organisationen.
Methodologie
Die Methodologie des Projektes sieht drei Etappen vor, wobei die erste theoretisch und die anderen beiden sowohl theoretisch als auch empirisch sind. Zuerst werden die wesentlichen traditionellen moralischen Konzepte analysiert (z. B. Wert, Norm, Tugend, Verdienst), um ihre Anwendbarkeit auf die betreffenden Akteure zu prüfen. Diese Analyse dient gleichzeitig dazu, einen für die Untersuchung dieser Art moralischer Akteure relevanten theoretischen Rahmen auszuarbeiten. Von diesem Rahmen ausgehend soll der Forschungsbereich für die Anwendung dieses Rahmens eingegrenzt werden: Welche Unternehmen und Organisationen sollen untersucht werden? Für diese Voruntersuchungen ist eine Arbeit an der Schnittstelle von Philosophie, Gesellschaftswissenschaften und Unternehmensethik vorgesehen.
Nach dieser ersten Etappe soll in einem zweiten Schritt der relevante ethische Hintergrund zur Bewertung der betreffenden moralischen Akteure bestimmt werden: Welche Normen und welche Werte sollen für die Bewertung dieser Akteure berücksichtigt werden? Dazu müssen die vom betreffenden moralischen Akteur in seinen offiziellen Dokumenten (Leitbilder, Ethikcodes) anerkannten Werte herausgearbeitet und die darüber hinaus auf das betreffende Gebiet anwendbaren Werte verdeutlicht werden.
Schliesslich soll eine kohärente Methode für die Anwendung der analytischen Instrumente auf den jeweiligen normativen Rahmen definiert werden. Dabei geht es darum, den Beitrag dieser Normen und Werte zum moralischen Verdienst des Akteurs zu bestimmen, mit Berücksichtigung der den Werten und Normen gegenüber eingenommenen Haltungen, beispielsweise indem unterschieden wird, ob einer Norm oder einem Wert Genüge getan wird, ob sie vorangebracht werden oder ob sie geachtet werden (satisfaire/promouvoir/honorer).
Ein Beispiel: die Unternehmensethik
Anhand welches normativen Rahmens soll das Verhalten internationaler Organisationen und international tätiger Unternehmen bewertet werden? Die Mode besteht heute darin, an die Unternehmensethik (business ethics) zu appellieren, sei es als Instrument für das direkte Erreichen dieses Ziels, sei es als Modell, um andere geeignete Instrumente zu entwickeln. Worum handelt es sich?
Der Ausdruck “business ethics” bezeichnet eine Reihe von Theorien, die zum gemeinsamen Ziel haben, der wirtschaftlichen Tätigkeit einen ethischen Rahmen zu geben. Diese Theorien, welche insbesondere seit den 1960er Jahren entwickelt werden, gehen davon aus, dass wirtschaftliche Tätigkeit moralische Fragen aufwirft, welche nicht vollumfänglich durch das Recht (intern oder international) und die politische Philosophie erfasst werden können. Sie behandeln die Verantwortung der Unternehmen ihren Angestellten, Aktionären und anderen Partnern gegenüber und berücksichtigen insbesondere den internationalen Charakter der Wirtschaft sowie die Einbindung der Unternehmen in soziale und ökologische Zusammenhänge.
Die betreffenden Theorien unterscheiden sich in ihrer Methodologie und ihren normativen Prämissen. Einer der Gründe dafür ist, dass die einen von Modellen des Rechts und der politischen Philosophie, und andere von Modellen der normativen Ethik (meist der utilitaristischen oder kontraktualistischen1) ausgehen.
Wo sie auf rechtlichen Modellen basieren, vertreten diese Theorien eine relativ minimale Konzeption der moralischen Verantwortung. Sie unterstellen die moralische Verpflichtung abstrakten Prinzipien, welche im internationalen Recht enthalten sind oder von den Vereinten Nationen empfohlen werden2. Die Empfehlungen der Vereinten Nationen selbst gehen aber aus verschiedenen UNO-Deklarationen und Konventionen hervor, welche – obschon an die Unternehmen gerichtet – in erster Linie für Staaten anwendbare Konzepte verwenden. Dies bedeutet, dass zahlreiche moralisch relevante Aspekte des Wirtschaftens nicht behandelt werden.
Wo sie auf ethischen Modellen basieren, fehlen diesen Theorien meistens die Ressourcen, die es einem Unternehmen ermöglichen würden, moralische Konflikte mit Bezug auf diese Theorien zu lösen, und darüber hinaus sind die ethischen Modelle selber mit problematischen Aspekten behaftet.
Was den ersten Punkt anbelangt, so müssen Konflikte zwischen Wertesystemen unabhängig von der moralischen Sensibilität des betreffenden Unternehmens oder der internationalen Organisation betrachtet werden, damit die verwendeten Modelle Legitimität erhalten. Es braucht also Prinzipien zur Lösung der Konfliktfälle.
Was den zweiten Punkt anbelangt, insofern als der Utilitarismus für die moralische Bewertung einer Handlung nur das Wohlergehen der betroffenen Individuen berücksichtigt, ist er entweder unsensibel für Werte, welche ebenso wichtig wie das Wohlergehen sind und nicht darauf reduziert werden können (Treue, Respekt, Vertrauen, interkulturelles Verständnis), oder aber er setzt eine unter Umständen kaum zu leistende Abschätzung des aus einer Handlung resultierenden Nutzens voraus. Insofern als der Kontraktualismus nur die Rechtfertigbarkeit (rationalen Akteuren gegenüber) der hypothetischen Prinzipien, unter denen eine Handlung stattfindet, für deren moralische Bewertung berücksichtigt, ist er nicht fähig, ausreichende Verpflichtungen für die Berücksichtigung der Umwelt festzuhalten (da nicht alle nicht-menschlichen Organismen rationale Akteure sind, können ihnen gegenüber hypothetische Prinzipien nicht gerechtfertigt werden); ganz allgemein ist der Kontraktualismus ungeeignet, Werte ausserhalb menschlicher Interaktionen zu berücksichtigen.
Trotz der erwähnten Schwächen bietet die Unternehmensethik interessante Ansätze, um den Folgen der globalisierten Wirtschaft zu begegnen. Sie bietet insbesondere einen konzeptuellen Rahmen von ethischen Werten und Tugenden, welche für die wirtschaftliche Tätigkeit und die Unternehmensführung in einer globalisierten Wirtschaft geeigneter scheinen.
Ein synkretistisches Modell der moralischen Bewertung
Um eine Lösung zu finden, welche die Schwächen der verschiedenen Theorien zu überwinden und ihre respektiven Stärken auszunutzen vermag, strebt Ethometrics ein synkretistisches Modell der moralischen Bewertung an. Dieses Modell soll insbesondere in der Lage sein, mit verschiedenartigen Werten umzugehen und im Fall von Wertekonflikten zu schlichten. Ebenso soll es in der Lage sein, im gleichen Modell verschiedene normative Zusammenhänge zu integrieren und die Konzepte Wert und Verdienst zu berücksichtigen.
Für das Durchführen einer solchen Bewertung braucht es eine detaillierte Konzeption sowohl des Objekts als auch der Bewertungskriterien. Was das Objekt, das ethische Profil der bestimmten moralischen Akteure, anbelangt, muss dieses in verschiedene Einheiten unterteilt und deren gegenseitige Wechselbeziehungen geklärt werden. Was die Bewertungskriterien anbelangt, so müssen sie ermöglichen die verschiedenen Elemente zu qualifizieren, quantifizieren, hierarchisieren, gewichten und in Zusammenhang zu setzen, sowohl innerhalb als auch zwischen den verschiedenen Dimensionen.
Pro Ethica wird ein Modell erstellen, welches insbesondere Werte und Normen, sowie Tugenden und Verdienst zu integrieren vermag. Jede dieser Dimensionen soll zumindest auf die Gesichtspunkte Kohärenz, Vertretbarkeit, Tragweite und Stellenwert hin untersucht werden. Das resultierende Schema wird es erlauben, ein detailliertes analytisches Panorama zu zeichnen und einen umfassenden Bewertungsraster anzuwenden. Nach der definierten Methodologie soll ein Schema von mindestens drei Dimensionen resultieren: (i) ein Hintergrund normativer Ethik, (ii) ein Rahmen von für die betreffenden Entitäten besonders relevanten Werten und Normen, und (iii) die von der betreffenden Entität selbst anerkannten Werte und Normen.
All diese Fragen sind unerlässlich, um ein adäquates Bewertungsverfahren zu bestimmen. Ein solches Verfahren könnte die folgende Form annehmen: „Wenn die betreffende Entität sich nicht damit begnügt, den in ihrem Leitbild und ihren offiziellen Dokumenten explizit anerkannten Werten zu genügen, wo sie in der Lage wäre, diese voranzubringen oder in Ehre zu halten, und wenn sie ausserdem den Normen, welche für den ethischen Hintergrund als relevant gelten können, genügt, so verdient sie eine gute Bewertung; andernfalls verdient sie eine schlechte Bewertung.“
1. Von Kants Arbeiten inspiriert basiert der Kontraktualismus auf der Idee, wonach die Rechtfertigbarkeit eines eine Handlung autorisierenden hypothetischen Prinzips die Quelle der Moralität der betreffenden Handlung ist. Auf die Ethik angewandt bedeutet dies, dass die Individuen gegenseitig die Rechtfertigbarkeit des ihre Handlungen autorisierenden hypothetischen Prinzips berücksichtigen müssen. Diese Theorie steht unter anderem dem Utilitarismus gegenüber, gemäss welchem die Quelle der Moralität einer Handlung aus der Gesamtheit des aus den Konsequenzen einer Handlung resultierenden Nutzens besteht.
Humaniora
Pro Ethica wendet sich an alle Personen, welche daran interessiert sind, die Mittel der praktischen Vernunft zu erlangen und zu hinterfragen. Dazu sollen knappe aber umfassende Studien erstellt werden, die es ermöglichen, die ethischen Normen, Werte und Praktiken sowohl in ihren historischen und kulturellen als auch in ihren konzeptuellen Dimensionen zu erfassen. Aus dieser Perspektive ist Humaniora Ausdruck der Motivation von Pro Ethica, pointierte, qualitativ hochstehende Studien zu erstellen, welche möglichst breit vermittelt werden sollen.
Zielsetzungen
Das Hauptziel von Humaniora besteht darin, für zeitgenössische ethische Reflexion relevante Kenntnisse zusammenzutragen und fruchtbar zu machen. Das Projekt umfasst die drei Teile (i) Geistesgeschichte, (ii) Human- und empirische Wissenschaften, sowie (iii) theoretische Spekulation (Philosophie).
Der Teilbereich zur Geistesgeschichte bezweckt die Präsentation und Erklärung der Thesen und Theorien, welche die grossen moralischen Traditionen der Geschichte geprägt haben. Es entspricht unserem Willen, diese geschichtlichen Studien zugänglich zu machen und stellt den Mittelpunkt des Vorhabens von Pro Ethica dar, ethisches Wissen breit zu vermitteln. Das Interesse hier besteht nicht darin, die Gesamtheit der Traditionen auf enzyklopädische Art und Weise zu rezensieren, sondern die Zugangswege zum moralischen Erbe der Menschheit zu vervielfachen. Dazu werden kurze und präzise Artikel die folgenden Punkte behandeln: (a) kulturelle und historische Kontextualisierung, (b) Beschreibung der ausgewählten Theorien und Thesen, (c) Besprechung der möglichen und effektiven Varianten, (d) Rezeption der besprochenen Ideen, sowie (e) Kritik dieser Ideen.
Der Teilbereich zur Forschung in den Human- und empirischen Wissenschaften zu moralischer Wahrnehmung und moralischen Praktiken bezweckt die Beschaffung der interdisziplinären Mittel für die Gesamtheit der Projekte von Pro Ethica. Aufgrund unseres Engagements für die Unabhängigkeit der Ethik, sowie des Postulats, wonach moralische Sachverhalte durch nicht-moralische Sachverhalte determiniert sind (vgl. Charta Kap. 1, Art. 2 und 3), ist eine sowohl breite wie auch pointiert interdisziplinäre Herangehensweise notwendig, die den Zusammenhang zwischen der Ethik und anderen Wissensgebieten klären will. Dazu möchte Pro Ethica einen Dialog mit Spezialisten aus Anthropologie, Biologie, Psychologie, Soziologie, Politikwissenschaften, kognitiven Wissenschaften, Rechtswissenschaften, Religionswissenschaften und vielen anderen Disziplinen führen, um für ethische Reflexion relevante Kenntnisse zusammenzutragen und fruchtbar zu machen. Verschiedene Publikationsformate sollen es ermöglichen, sowohl interessierte Nichtspezialisten als auch an Ethik interessierte Experten einer Disziplin anzusprechen.
Der dritte Teilbereich hat zum Ziel, die spezifisch ethischen Fragestellungen systematisch mit den Mitteln der Philosophie abzuhandeln. Dies bedeutet, dass die Probleme und Lösungsansätze nicht aus einer historischen Perspektive, sondern analytisch mit Bezug auf Thesen und Argumente untersucht werden.
Methodologie
Aufgrund der thematischen Unterschiede der drei Teile von Humaniora ist jede teilnehmende Person dazu angehalten, die dem Forschungsobjekt angepasste Herangehensweise anzuwenden. Die alle drei Teilbereiche verbindende Absicht besteht darin, für zeitgenössische ethische Reflexion relevante Kenntnisse zusammenzutragen und fruchtbar zu machen.
Ethoscope
Ethoscope hat das Erforschen und Ausarbeiten von kohärenten, systematischen und konkreten Lösungsansätzen zu zeitgenössischen ethischen und politischen Fragen zum Ziel. Zu diesen Fragen werden unter anderem folgende gehören:
• Was ist Gerechtigkeit und welcher Platz soll ihr in einer umfassenden Konzeption der Ethik zustehen? Aus welcher Art von Wert(en) geht Gerechtigkeit hervor, und was ist ihre Beziehung zur normativen Ethik?
• Wie können die Ansprüche von Immigranten im Verhältnis zu jenen der sie aufnehmenden Gesellschaft identifiziert werden? Wie können die Ansprüche beider Gruppen befriedigt werden, ohne die Identität der Immigranten oder den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu opfern?
• Soll der Umwelt moralische Berücksichtigung eingeräumt werden, als Menge von Individuen, von Arten, von interdependenten Systemen? Falls ja, welche ethischen Prinzipien sollen ihre moralische Berücksichtigung umrahmen?
• An welche ethischen Grundlagen soll die Redefreiheit angelehnt werden? Nach welchem Prinzip soll sie eingeschränkt werden, falls sie eingeschränkt werden soll? Welcher Status soll der medialen Sphäre zukommen? Muss Ausdrucksmitteln wie Medien und Kunstwerken ein moralischer Charakter zugesprochen werden?
• Wie soll die Erziehung moralisch umrahmt werden? Wie werden Werte und moralische Prinzipien durch Erziehung vermittelt? Wie werden diese Werte und moralischen Prinzipien erworben?
Zielsetzungen
Die erwähnten Fragestellungen erfordern eine sowohl präziseals auch breite Sichtweise auf die sie charakterisierenden Probleme. Um dem zu begegnen wird Ethoscope mit einem philosophischen Ansatz vorgehen. Dieser Ansatz umfasst vier Etappen:
1. Kontextualisierung und Prämissen. In einer ersten Stufe geht es darum, jede dieser Fragen im zeitgenössischen Kontext zu situieren, indem die Prämissen der von der politischen Sphäre, von Rechtsexperten und von der Zivilgesellschaft gegebenen Antworten herausgearbeitet werden; all diese Akteure positionieren sich letztlich angesichts dieser Fragen, machen Gesetze oder führen einen diesbezüglich einigermassen konvergenten Diskurs.
2. Identifizierung der Konzepte und der Argumente. Die in (1) herausgearbeiteten Prämissen sollen nun für die Identifizierung der in Geistesgeschichte und zeitgenössischer Philosophie vorhandenen Argumente verwendet werden. Diese Etappe ist entscheidend, da die Geistesgeschichte und die zeitgenössische Philosophie zahlreiche Mittel zum Konzeptualisieren dieser Fragen und zum Formulieren von Antworten enthalten.
3. Bewertung der Argumente. Die in (2) identifizierten Argumente sollen nun im Lichte mehrerer ethischer Rahmen bewertet werden, und die besten Argumente zum Skizzieren einer Position für jede Arbeitsgruppe Verwendung finden.
4. Erarbeiten einer gemeinsamen Position. Ausgehend von den Positionen der verschiedenen Arbeitsgruppen soll schliesslich eine gemeinsame, mit den besten Argumenten jeder Gruppe kompatible Position erarbeitet werden. Auf diese Weise wird Ethoscope in der Lage sein, ausgereifte Lösungsansätze zu formulieren.
Methodologie
Obschon der philosophische Ansatz einen massgeblichen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen sowie zur Artikulierung einer gemeinsamen Position leisten wird, will Ethoscope keinesfalls auf die Kenntnisse verschiedener anderer Disziplinen verzichten (wie z. B. Politik-, kognitive, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften). Diese Disziplinen liefern wichtiges Wissen zur Konzeptualisierung der Fragestellungen einer bestimmten Thematik. Bei der Frage nach der gerechten Verteilung des Reichtums beispielsweise, oder der Frage nach dem moralischen Status der Umwelt, kann die wirtschaftliche Charakterisierung der Konzepte Reichtum und Ressource nicht weggelassen werden, ebensowenig die verschiedenen relevanten Verteilungsmodelle. Ebenso sind für Fragen zur Redefreiheit die kognitiven Wissenschaften unumgänglich, da es zu verstehen gilt, inwieweit die Art der Informationspräsentation deren Aufnahme beeinflusst.
Ein Beispiel: die Umwelt
Betrachten wir die dritte Frage nach den moralischen Prinzipien, welche wir der Umwelt gegenüber respektieren sollten. Für eine Antwort brauchen wir Klarheit bezüglich der drei folgenden Fragen: (i) Welche Dinge in der Umwelt verdienen moralische Berücksichtigung? (ii) Gestützt auf welche Werte sollen unsere Handlungen diesen Dingen gegenüber eingerahmt werden? (iii) Benötigt es für diesen Rahmen ein normatives Prinzip und, falls ja, welches?
Die erste Frage kommt einer Definition des Bezugsgebietes der Umweltethik gleich. Mit ein paar wenigen Ausnahmen wurde erst im 20. Jahrhundert die Idee weit vertreten, wonach die Menschen nicht die einzigen Lebewesen sind, welche moralische Berücksichtigung verdienen. Doch bis wohin soll das Feld gespannt werden, wenn das Kriterium „Mensch“ nicht mehr gilt? Bis zu den Tieren? Den schmerzempfindlichen Tieren? Den zu Empathie fähigen Tieren? Den Lebewesen? Den Lebensräumen? Den Ökosystemen? Es scheint klar, dass diese Frage eine Analyse der für die moralische Würde relevanten Eigenschaften verlangt.
Für die zweite Frage nach den Werten, auf die sich unsere Handlungen gegenüber den moralischen relevanten Dingen stützen, muss die Quelle unserer ethischen Beziehung zur Umwelt identifiziert werden. Einer Position entsprechend folgt die Notwendigkeit, die Umwelt moralisch zu berücksichtigen, aus unseren Verpflichtungen den Menschen gegenüber. Einer anderen Position gemäss folgt diese Notwendigkeit daraus, dass die moralische Berücksichtigung verdienenden Entitäten einen Wert an sich haben, welcher nicht weiter zerlegt werden kann. Einer dritten Position nach folgt diese Notwendigkeit daraus, dass die Entfaltung der Umwelt für die Entfaltung des Menschen notwendig ist, oder aber daraus, dass alle Lebewesen gleich behandelt werden sollten, da sie einen Wert an sich haben.
Zu guter Letzt ist die Frage nach den moralischen Normen, welche zusätzlich zur Berücksichtigung diverser Werte im Zusammenhang mit der Umwelt respektiert werden sollten, zentral in der zeitgenössischen Debatte. Da nur menschliche Handlungen moralisch beurteilt werden können, müssen wir klären, auf welche Weise moralische Verpflichtungen der Umwelt gegenüber an jene menschlichen Handlungen angebunden werden können, welche die Umwelt betreffen. Eine Antwort auf diese wie auch auf die beiden ersten Fragen ist nötig für eine stabile theoretische Basis, um heute geläufige Begriffe wie Ökologie, Nachhaltigkeit, Tierrechte und Biophilie zu erklären und zu rechtfertigen.
Anthropia
Unter dem Namen Anthropia figurieren unsere Datenbank und unser Archiv. Pro Ethica arbeitet darauf hin, eine Referenzbibliothek sowie eine Datenbank zusammenzustellen, welche jeder an Ethik interessierten Person zur Verfügung stehen werden.