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Die US-amerikanische Künstlerin Polly Apfelbaum war 2011 mit der Ausstellung Haunted House erstmals im Atelier Amden zu Gast. 2022 kehrte sie mit The Greenhouse zurück, einer Installation aus Abbildungen von Pflanzen, die sie einem Katalog für Pflanzensamen aus dem Nachlass ihres Vaters entnommen hat.
Bekannt geworden ist die Künstlerin mit farbigen Bodenarbeiten, die die Ausdehnung von Farbe im Raum thematisieren. Ihre Arbeiten widerlegen die These, wonach die den neuen Werkformen zugrunde liegenden Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst die Bedeutung des Auges geschmälert hätten. Polly Apfelbaum begann 1996 grosse Bodenarbeiten aus Textilien in Ausstellungen zu zeigen. Diese Werke evozieren serielle Arbeiten der Minimal Art, bestehen aber aus hunderten von unterschiedlichen, individuell zugeschnittenen und mit Tusche eingefärbten Elementen. Die Künstlerin wandte sich mit diesen Installationen ab von der Wand und arbeitet seither in unterschiedlicher Weise mit der räumlichen Ausdehnung von farbigen Feldern.
Charakteristisch für Apfelbaums Arbeiten sind neben einer an Matisse erinnernden Farbigkeit deren prekäre Eigenschaften, insbesondere der provisorische Status vieler Arbeiten. Latenz ist ein zentraler Begriff für das Verständnis ihres Schaffens. Die Teile, aus denen die Werke zusammengesetzt sind, bleiben im Unterschied zu einem Teppich oder den späten Scherenschnitten von Matisse unverbunden. Verschiebung, Überlagerung und Unordnung könnten jederzeit eintreten und gehören zur Identität dieser fragilen Gebilde. Apfelbaum interessiert sich für das Auslegen von systematisch gegliederten, farbigen Feldern, meistens in Form von industriell hergestellten und von ihr nicht bearbeiteten Textilien, und zwar in einer Weise, dass die Arbeiten in einem letztlich unbestimmten Raum zwischen Malerei, Plastik und Installation wahrzunehmen sind. Sie entwirft stets geometrische Systeme oder Raster im Raum, selbst dann, wenn sie, wie im Sommer 2022 im Atelier Amden, figurative Elemente, nämlich historische Abbildungen von Pflanzen verwendet, um in den dunklen Räumen des aufgelassenen Weidgadens das Bild eines Gewächshauses zu erzeugen.
Zu ihrer Ausstellung im Atelier Amden, in der sie wie schon 2011 mit reproduzierten Bildern arbeitete, schreibt die Künstlerin: “The installation is based on a picture collection for the seed trade, a catalog published in Vaduz in 1959. I inherited the book from my father, whose family was in the seed business. My first installation at the Amden Atelier was a book based on the idea of a haunted house. This is an installation based on a greenhouse. The book’s beautiful photographs of flowers and vegetables were on seed packets. Its ‘four color photo-mechanical offset’ and the color photos were ‘taken under the supervision of experts on the proof-fields of the best seed growers in Europe’. Each page has 4, 6 or 8 images but we're going to make each image a page. The pages will all be hung throughout the barn, creating a greenhouse.”
Polly Apfelbaum wurde 1955 in Pennsylvania geboren und lebt seit 1978 in New York City.
– Roman Kurzmeyer