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Glossen und Essays
Glosse (Neues aus der Entenforschung)
von
Philipp von Wiese
Die Zeitungs-ente ist eine Unterart der Familie der Enten, die sich grundlegend von allen anderen Entenarten, vor allem durch ihr Fortpflanzungs- bzw. Vermehrungsverhalten unterscheidet.
Die Zeitungs-ente vermehrt sich, im Unterschied zu allen anderen Entenarten, nicht auf geschlechtlichem Wege, sondern, wie im früheren Artikel über Enten richtig vermutet, durch Klonen und Mutation, ähnlich wie Viren es tun. Man spricht hier in der Entenforschung auch von einer Virul-enten Vermehrung bzw. Verbreitung. Dabei bedient sich die Zeitungs-ente, ähnlich einiger Parasitenarten des Menschen als Wirt. Es kommt zum folgenden Kreislauf:
Die Zeitungs-ente infiziert zunächst eine grössere Anzahl von Wirtsorganismen durch den Vorgang des Lesens und nistet sich ein in den Gehirnen der Wirte. Nun wird die Zeitungs-ente durch Mund-zu-Ohr-Übertragung immer mehr verbreitet und mutiert dabei oft so extrem, dass kaum noch eine Ähnlichkeit mit der Ursprungs-ente festzustellen ist. Es kommt vor, dass in einigen Fällen so eine mutierte Zeitungs-ente, möglicherweise erst Jahre später, wieder zu Papier gebracht wird, und der Kreislauf beginnt erneut.
Zeitungs-enten erfreuen sich bei den Vertretern anderer Enten keiner grossen Beliebtheit. Ihrer Verbreitung versuchen im Anfangsstadium der Entwicklung u.a. die sogenannten Rezens-enten entgegenzuwirken.
Das mutwillige Verbreiten von Zeitungsenten gehört zu der Gruppe der sogenannten Fisemat-enten, ein Begriff, der aus dem Französischen stammt („Visite ma tente“ – „Besuchen Sie mein Zelt“), eine wohl früher unter französischen Offizieren gebräuchliche Aufforderung an junge Damen, der in einem anderen Artikel über Enten erwähnten Tätigkeit des Vögelns nachzugehen. Das tun auch bis auf die Zeitungs-ente alle anderen Entenarten. Das Wort „Zeitungsente“ wir hier nicht selten als übelste Beleidigung empfunden. In der Gesellschaft von Enten sollte man mit diesem Wort also äusserst vorsichtig sein.
19.09.2010 P.v.Wiese
Enten - eine Glosse
Enten sind Vögel. Um sich zu reproduzieren, tun sie das, was sich als Tätigkeitswort aus dem Hauptwort Vogel ableitet, eine Betätigung oder Beschäftigung, der auch die Menschen frönen sowie sie geniessen und mit dem gleichen Verb benennen. Das Ergebnis sind bei den Vögeln Eier, die sie ausbrüten, es schlüpfen Kücken, die zu geschlechtsreifen Enten heranwachsen. Damit endet der Kreislauf und beginnt zugleich ein neuer. Enten kommen vor in zusammengesetzten Wörtern, so als Wild- und Hausenten. Zu den erstgenannten gehören Schwimm-enten, Stock-enten, Schnatter- oder Mittel-enten, Krick-enten, Knäk-enten und Löffel-enten. Von den Haus-enten gibt es etwa dreissig Rassen, darunter die Rouen-enten, die Peking-enten, die Khaki-enten, die Campbell-enten. Wir finden Enten aber auch in anderen zusammengesetzten Wörtern, so den Produz-enten, den Konsum-enten, den Stud-enten. Wie sich diese Enten vermehren, ist uns bekannt. Sie vögeln, legen dann zwar keine Eier, sondern die Weiblein tragen ihre Kücken, Babys genannt, im sogenannten Mutterleib aus, gebären sie und ziehen sie auf, bis sie flügge werden, sofern sie es überhaupt so lange bei ihren Eltern aushalten.
Ein Rätsel jedoch ist, wie sich Zeitungs-enten vermehren. Manchmal macht es den Anschein, es geschehe es wie bei den Bakterien und den Viren, nämlich rasend schnell. Trotzdem gibt es jedoch unbekannte Geheimnisse. Kennt jemand an einer Hochschule oder Universität einen Lehrstuhl, wo eine Antwort erhältlich wäre? Oder kann man sich bei einem Enten-Institut erkundigen? Um Antwort wird dringend gebeten.
18.11.2001
Thomas C. Guggenheim
Essay - Anatole France (1)
Zusammengestellt
Thomas C. Guggenheim
„Frömmigkeit, Religiosität mag als möglicher Lebensinhalt gelten, dürfte jedoch eher ein pathologisches (= krankhaftes) Phänomen sein.“
(Zitat: Anatole France, 16.04.1844 – 13.10.1924. Er lebte 1914 – 1924 in La Béchellerie, nordwestlich von Tours).
Anatole France beobachtete die Vorgänge in den Friedensverhandlungen von Versailles mit Weitblick und Bangen. „Kein König von Frankreich“, sagte er, „kein einziger hätte einen solchen Frieden zu schliessen gewagt, wie er jetzt geschlossen werden soll. Die Zerstückelung Österreichs ist ein Wahnsinn.
Geschichte des Weinbaus
Essay von Thomas C. Guggenheim
Die Rebe gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Schon weit vor unserer Zeitrechnung existierte in Kleinasien ein blühender Weinbau. Phönizische Handelsleute brachten die ersten Reben aus dem Kaukasus, Anatolien und Mesopotamien nach dem heutigen Libanon. Mutmasslich handelte es sich um einen Vorgänger des Chardonnays. Ebenfalls der Syrah kann geschichtlich und geographisch weit zurück verfolgt werden. In der antiken Stadt Byblos im Libanon wurden mehr als fünftausend Jahre alte Reben gefunden. Ein weiteres frühes Zentrum des Weinbaus war Ägypten. Aus Grabbeilagen und bildlichen Darstellungen erhalten wir ein eindrückliches Bild des Rebbaus, der Kelterung und des Weingenusses zu jener Zeit. Die ältesten Gesetze über den Weinausschank und über zulässige Höchstpreise werden uns von König Hamurabi aus Babylon (um 1700 v.Chr.) überliefert; ebenso seine verbindliche Weisung, dass randalierende Betrunkene aus dem Lokal zu weisen sind.
Eier und Salz
Essay von Thomas C. Guggenheim
In meinen vierzehntägigen Ferien auf Ibiza mit meiner mich treu liebenden Gattin pflegte ich zum Frühstück unter anderen Dingen Eier zu verspeisen. Ich schätze sie als Spiegeleier, aber sie dürfen nicht durchgebraten sein, ich lasse sie sich im Olivenöl ganz sanft festigen. Ich habe auch Rühreier gern, doch sollten sie ein wenig saftig sein und nicht dürr wie Heu. Um Oeuf à la coq zu kreieren, lege ich die Eier in kaltes Wasser. Sobald es zu sieden beginnt, warte ich noch 50 Sekunden ab, dann nehme ich sie heraus. So sind sie meinem Geschmack entsprechend, nicht zu hart und nicht zu weich. Ich habe immer genügend Eier eingekauft, um ja jederzeit solche vorrätig zu haben und nie morgens darben zu müssen.