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August Dvorak und die Tastenbelegung: Der gescheiterte Weltverbesserer
August Dvorak entwickelte in den 1930er Jahren die Dvorak-Tastenbelegung. Tastaturen mit dieser Belegung sollten es ermöglichen, schneller und effizienter zu Tippen als die uns bekannte QWERTZ. Dennoch hat sich Dvoraks Erfindung nie durchgesetzt.
August Dvorak wollte etwas Lohnendes für die Menschheit machen, sie weiterbringen. Auf seine Art. Nicht etwa Menschen auf den Mond schiessen oder Krebs heilen, sondern sie schneller machen beim Tippen. Dazu hat der Mann aus Minnesota eine eigene Tastaturbelegung entwickelt: Dvorak. Heute kennt ihn und seine Erfindung kaum noch jemand.
Das Folterboard
Dvorak wird am 5. Mai 1894 in Glencoe, Minnesota geboren. Im ersten Weltkrieg dient er in der Navy. Nach dem Krieg zieht er nach Seattle, heiratet, studiert psychologie und unterrichtet an der Universität von Washington.
Hier wird sein Interesse am Tippen geweckt. Eine Lehrerin will von ihm wissen, wieso ihre Schülerinnen meist Wörter mit vier Buchstaben oder weniger verpatzen. Dvorak geht der Sache nach und stellt fest: Die 13 am häufigsten falsch geschriebenen Wörter in Englisch sind kurz und einfach: the, to, of, and, is, which, it, that, when, for, with here und be.
Dvorak selbst kann das Zehnfingersystem nicht. Aber er weiss, wie er herausfinden kann, wieso sich Menschen vertippen. Gemeinsam mit seinem Schwager William Dealey analysiert er alle Aspekte des Tippens: Von häufig verwendeten Buchstaben-Kombinationen bis zur Handphysiologie. Sie setzen gar Zeitlupen-Filmtechniken ein, um die Bewegungen von Schreibkräften zu untersuchen.
Nach einiger Forschung ist Dvorak sich sicher, das Problem gefunden zu haben. Die QWERTY-Tastenbelegung verlangt von den Fingern häufiges hin- und herspringen zwischen den Reihen der Schreibmaschine. Das ist ineffizient, weshalb Dvorak sie als primitives Folterboard bezeichnet.
Infobox
Entgegen der landläufigen Meinung wurde die QWERTY-Tastenbelegung (oder QWERTZ in deutschsprachigen Ländern) nicht erfunden, um das Tippen zu verlangsamen. Vielmehr dient die Anordnung dazu, häufige Kombinationen aus zwei Buchstaben auf gegenüberliegenden Seiten der Tastatur zu platzieren. Bei manuellen Schreibmaschinen ist jede Taste mechanisch mit einem Hebel verbunden, auf dem sich das umgekehrte Bild des Buchstabens befindet. Wenn eine Schreibkraft zwei Tasten auf derselben Seite der Tastatur kurz hintereinander anschlägt, trifft der zweite Hebel auf seinem Weg nach oben auf den ersten Hebel auf seinem Weg nach unten. Die Tasten verklemmen sich und die Schreibkraft muss mit dem Tippen aufhören und die Tasten lösen. Das QWERTY-Layout von Christopher Sholes war ein cleveres Design, das dieses Problem minimierte. Da die meisten von uns heute jedoch Computer benutzen, ist das Problem der klemmenden Tasten kein Thema mehr.
Die Lösung
Dvorak ist sich sicher, dass eine Tastenbelegung, welche die am meisten verwendeten Buchstaben und Buchstabenkombination gruppiert, effizienter ist. Er und Dealey tüfteln eine Belegung aus, bei der die Vokale auf der linken und häufige Konsonanten-Kombinationen auf der rechten Seite der Heimreihe liegen. Die Heimreihe ist die Startreihe – jene Reihe einer Tastatur oder Schreibmaschine, auf der die Finger beim Zehnfingersystem ruhen.
Dvoark ist geboren. Durch diese Anordnung werden mehr als 3000 geläufige englische Wörter auf der Heimreihe getippt. «The», das häufigste englische Wort, liegt bei Dvorak komplett auf der Heimreihe. Bei QWERTY muss die Reihe sowie die Hand zum Tippen zweimal gewechselt werden.
Dvorak findet heraus, dass Menschen, die dem Zehnfingersystem nicht mächtig sind, Dvorak dreimal so schnell lernen wie QWERTY. Dealy und er machen 1932 einen Patentantrag für Dvorak, der 1936 genehmigt wird. Sie können die Tastenbelegung auch einigen Schreibkräften beibringen. Die sind an den zu jener Zeit aktuellen Tippwettbewerben auch äusserst erfolgreich. Es gelingt ihnen jedoch nicht, im grossen Stil Schreibmaschinen mit Dvorak-Tastenbelegung zu verkaufen.
Nicht durchsetzungsfähig
Als die USA 1941 in den Zweiten Weltkrieg eingreifen geht auch Dvorak wieder in die Navy. Hier versucht er sein System durchzusetzen. Es gelingt ihm, die Navy von einem Test zu überzeugen, der den Verantwortlichen vor Augen führen soll, dass die Dvorak-Tastenbelegung effizienter als QWERTY ist. Die Navy steht dann auch kurz davor, 2000 Dvorak-Schreibmaschinen zu kaufen. Sie zieht den Auftrag allerdings in letzter Minute zurück. Es ist ein erster, grösserer Rückschlag für Dvorak und seine Tastenbelegung.
Nach dem Krieg kehrt Dvorak an die Universität zurück und versucht weiter seine Tastenbelegung durchzusetzen. Es gelingt ihm sogar, die US-Regierung davon zu überzeugen, das Layout auszuprobieren. Der Test fällt jedoch negativ aus. Die Begründung: Die Verbesserungen seien geringer und die Umschulungen aufwändiger als versprochen.
Dvorak sieht sich als Opfer der Schreibmaschinenhersteller. Die hätten Druck gemacht, weil eine effizientere Tastenbelegung auch weniger Schreibmaschinen nötig gemacht hätten. Auch die Presse-Berichterstattung zur Tastenbelegung von Dvorak ist zu jener Zeit meist sehr negativ. Unterstützer hat Dvorak wenige.
Weitere Studien, die über die Jahre gemacht werden, zeigen jedoch ein ähnliches Bild wie jenes der US-Regierung: Die Effizienzsteigerung gegenüber QWERTY ist zwar vorhanden, aber gering. Zudem seien Personen, die bereits im Zehnfingersystem mit QWERTY geübt sind, sehr schwierig umzupolen. Etwas, dem sich aber auch Dvorak damals bewusst ist.
Enttäuscht und resigniert
Dvorak stirbt 1975 in Seattle. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits seit mehreren Jahren aufgegeben, seine Tastenbelegung durchsetzen zu wollen. 1962 soll er gesagt haben:
Ich habe es satt zu versuchen, etwas Sinnvolles für die Menschen zu tun – sie wollen sich einfach nicht ändern!
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