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Der Brasilianer Henrique Avancini, der vor allem für seine Ergebnisse im Cross Country bekannt ist, gewinnt überraschend nach einem extrem intensiven Rennen den Marathon-Weltmeistertitel. Bei den Damen triumphiert die Dänin Annika Langvad mit einem Solo-Ritt.
Avancini, 29 Jahre alt und auf Position 38 in der UCI-Wertung, kommt nach mehr als 5 Stunden, in denen er immer in der Spitzengruppe ist, ins Ziel. Mit ihm auf dem Podium sind auch der Österreicher Daniel Geismayr und der Kolumbianer Hector Paez Leon. Die drei bilden nach der Passage bei der Auronzo-Hütte das Führungstrio, dahinter versuchen der Amerikaner Howard Grotts und der Europameister Alexej Medwedew den Anschluss zu halten. Nie ganz vorne anzutreffen ist Titeverteidiger Alban Lakata.
Bester Schweizer ist Mathias Flückiger auf dem undankbaren Rang vier. Im Aufstieg zum höchsten Punkt der Strecke muss er die Spitzengruppe abreisen lassen. «Das Tempo war hoch, und die ungewohnte Höhenlage zwang mich dazu, etwas Speed rauszunehmen. Sonst hätte ich das Rennen nicht mehr beenden können», erklärt Flückiger den Schlüsselmoment im Rennen. In der letzten Abfahrt kann der ausgezeichnete Techniker zwar wieder einige Ränge gut machen, aber für ganz nach vorne reicht es nicht mehr. «Der vierte Rang ist zwar undankbar aber trotzdem ein gutes Resultat», meint Flückiger, der vor Wochenfrist bei den Cross-Country-Weltmeisterschaften Sechster wurde.
Avancini überzeugte nach der starken Leistung in Lenzerheide aber nochmals und kommentiert sein Rennen im Nachgang: «Ich wusste, dass ich in guter Verfassung war, aber ich wusste auch, dass ich hier ein Aussenseiter bin. Um meine Karten am besten zu spielen, versuchte ich, das Tempo der Marathonfahrer zu bremsen», erklärt Avancini seine Renntaktik und ergänzt: «Ich habe keine Lieblingsdisziplin: Ich fühle mich vor allem als Mountainbiker. Auf jeden Fall habe ich nicht erwartet, das Jahr mit einem Weltmeistertitel abzuschliessen.»
Damen: Langvad gewinnt, Dahle geht
Das Damenrennen verläuft indes komplett anders. Die 34-jährige Dänin Annika Langvad tritt als Titelverteidigerin und Favoritin an und verfolgt gleich ab den ersten Anstiegen eine Angriffsstrategie. Kilometer um Kilometer setzt sie sich souverän mit einem Start-Ziel-Sieg gegen ihre Hauptgegnerin, die Österreicherin Christina Kollmann-Forstener und die Polin Maja Wloszczowska, durch. Erstklassige Vierte wird Gunn-Rita Dahle, die Grand-Dame des Mountainbikesports, die sich mit diesem Rennen und einer beachtenswerten Saison im Alter von 45 Jahren nun endgültig aus dem Spitzensport zurückzieht.
Annika Langvad meint im Ziel zu ihrem Sieg: «Es war wirklich hart, sicherlich das selektivste Rennen, an dem ich je teilgenommen habe. Ich versuchte seit dem ersten Anstieg aggressiv zu sein und war überrascht, dass ich von Anfang an keine Rivalen mehr hatte. Da ich mich gut fühlte, hielt ich bis zum Schluss Schritt und konnte die Distanz zu meinen Gegnern vergrössern.»