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Der Choreograf Johan Kobborg, der in mehr als einem halben Dutzend «Sylphi de»-Produktionen die männliche Hauptrolle getanzt hat, hatte entsprechend ausgiebig Gelegenheit, über Retuschen und Restrukturierungen nachzudenken. Er hat einen sehr klaren Begriff von dem, was er zurück ins Ballett bringen will, was in der Aufführungstradition zu Unrecht verloren gegangen ist. Massstab und Kriterium ist ihm die Erzählbarkeit und innere Wahrheit der «Story»: «Ich versuche das hinzuzufügen, was dramatisch gesehen funktioniert, was wichtige Punkte des Ganzen besser beleuchtet». So hat er beispielsweise einiges aus einer Pantomimen-Szene im Ersten Akt wieder eingebaut, die Bournonville strich, als er seine Tänzerkarriere beendete; bei der Detailarbeit half Johan Kobborg die 1988 wieder aufgefundene Partitur mit Bournonvilles eigenhändigen Einträgen. Ausserdem hat er im Zweiten Akt einen Pas de six und einen kleinen Pas de deux für James und Effie eingefügt – womit ein zusätzlicher Akzent auf die Beziehung der beiden verhinderten Eheleute gelegt wird.
Für Johan Kobborg ist die Sylphide kein reales oder auch nur halbreales Wesen, sie existiert vor allem im Kopf von James. Mit der geheimnisvollen Madge zusammen – es gibt zweifellos ein unheimliches Band zwischen Madge und der Sylphide – kämpft sie um James’ Seele. «Es geht in diesem Ballett um Luft und Feuer: Die Sylphide ist Reinheit und Hoffnung, Madge repräsentiert die dunkle Seite von allem». Für die Sterbeszene ist es Johan Kobborg besonders wichtig zu vermitteln, dass es nicht etwa der verzauberte Schleier ist, der schliesslich den Tod der Sylphide bringt: «Es ist James’ Berührung, sein Kuss, der sie zerstört. Sie merkt, das ist das Wunderbarste, was mir passieren kann – und zugleich stirbt sie.» Blüht wenigstens den Zurückbleibenden, Gurn und Effie, ein bür gerliches Kleinglück? «Nein, La Sylphide ist eine Tragödie. Keiner ist am Ende glücklich.»