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In lngoldau starb am zweitletzten Samstag vor Ostern unerwartet und unter sonderbaren Umständen der Pfarrer Klemens Bolfing.
Das Tal von Ingoldau bildet einen weiten Kessel, der nur auf der Westseite gegen den See hin offen liegt. Der scheinbar zusammenhängende, hufeisenförmige Wall, der jedoch aus verschiedenen waldreichen Vorgebirgszügen besteht, hebt sich im Osten unvermittelt zu einer kegelförmigen Höhe, die unter dem Namen «Ingoldauer Rothorn» bekannt ist. In der Mitte zwischen See und Berg liegt das Dorf Ingoldau. Die Sonne trifft es spät, denn das Rothorn wirft am frühen Morgen seinen Riesenschatten über den ganzen Talkessel hin bis an das Seeufer.
Die im romanischen Stil gebaute katholische Pfarrkirche erdrückt mit gewaltigen Flanken die bescheidenen Nachbarbauten. Rings um die Kirche und den Hauptplatz herum scharen sich zwei- und dreistöckige Giebelhäuser; zunächst noch eng gedrängt, folgen sie in unregelmäßiger Linie den fünf Straßen, die vom Hauptplatz ausstrahlen; allmählich stehen sie lichter, werden von Gärten und Rasenplätzen unterbrochen und verlieren sich endlich in die grüne Landschaft. Mehrere Herrschaftshäuser von gemeinsamem Gepräge, die bald dem Dorfe selbst, bald der Umgebung angehören, unterscheiden sich durch ihre Größe und architektonische Gliederung deutlich von den einfachen Bürgerhäusern, so die Stammsitze derer von Rickenbach, von Schönenbuch und von Sagenmatt. In breiter Behäbigkeit wachsen sie mit ihrer weißen, von Klebdächern überschatteten Vorderseite aus reichen Obst- und Blumengärten heraus. Beachtenswert sind das Rathaus und der sehr alte «Ingoldauer Hof», die mit der Kirche und zwei Bürgerhäusern zusammen den sorgfältig gepflasterten Hauptplatz umrahmen. Mitten auf diesem Platze steht ein runder Brunnen, dessen geschweifte Säule eine steinerne Madonna trägt.