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Hintergrund:
„No sports!“ lautet angeblich die Antwort Churchills auf die Frage eines Journalisten wie er trotz seiner Vorliebe für Alkohol und Zigarren ein so hohes Alter erreicht hat. Unabhängig davon, dass es für dieses Zitat keinerlei Beleg gibt, spiegelt es eine Auffassung wieder, die in vielen Studien keinen Halt findet. Sport ist gut für Körper und Geist, und schützt vor der Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen, v.a. bei Menschen mittleren und höheren Alters. Inwieweit sich Fitness und Muskelkraft im jungen Erwachsenenalter im weiteren Lebenslauf auf die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken, untersuchte die hier besprochene Studie aus Schweden.
Einschlusskriterien:
- Schwedische Männer die von 01.August 1972 bis 31.Dezember 1995 zum Militärdienst einberufen wurden.
Ausschlusskriterien:
- Männer mit fehlenden Daten (Maximale Trainingskapazität, Muskelstärke, Einberufungsdatum).
- Männer, die vor Einberufung das Land verlassen haben.
- Männer mit einer kardiovaskulären Erkrankungen in der Vorgeschichte.
Studiendesign und Methode:
- Prospektive Kohortenstudie; Follow Up bis 31. Dezember 2010.
- Baseline für Maximale Trainingskapazität wurde durch Fahrrad-Ergometer-Test ermittelt und maximale Muskelstärke wurde über die Handgriffstärke durch ein Hand-Dynamometer gemessen, jeweils am Tag der Einberufungsuntersuchung.
Studienort:
Schweden
Outcome:
Primärer Outcome
- Gefässerkrankungen: Ischämische Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod
- Arrhythmie: Vorhofflimmern /-flattern, Bradyarrhythmie, supraventrikuläre Arrhythmie, plötzlicher Herztod
Resultat:
- 1‘126‘899 Männer wurden eingeschlossen und bis zu einem Medianalter von 44,6 Jahren über einen Median von 26,3 Jahren beobachtet.
- 33‘089 Männer starben während des Beobachtungszeitraums.
- 26‘088 Männer wurden wegen Gefässerkrankungen hospitalisiert. Der häufigste Grund war eine ischämische Herzkrankheit.
- Je ausgeprägter die Trainingskapazität zum Zeitpunkt der Einberufungsuntersuchung war, umso geringer das Risiko für Gefässerkrankungen. Ein ähnlicher, weniger ausgeprägter Zusammenhang zeigte sich auch für Muskelkraft und Gefässerkrankungen.
- Die Kombination von überdurchschnittlicher Trainingskapazität und Muskelkraft waren mit einem um 33% geringeren Risiko für Gefässerkrankungen assoziiert.
- In 17‘312 Männer wurden Ereignisse von Arrhythmien aufgezeichnet. Vorhofflimmern /-flattern waren die häufigsten Fälle.
- Kumulativ traten Arrhythmien früher auf als Gefässerkrankungen.
- Höhere Muskelkraft war mit einem geringeren Risiko für Arrhythmien assoziiert.
- Überdurchschnittliche Trainingskapazität korrelierte mit einem höheren Risiko für Arrhythmien.
- Kombinierte überdurchschnittliche Trainingskapazität und Muskelkraft waren mit einem um 5% erhöhten Risiko für Arrhythmien verknüpft. Jedoch führte eine Adjustierung für systolischen und diastolischen Blutdruck, Gewicht und ischämische Herzkrankheit wiederum zu einem um 8% erniedrigten Risiko von Arrhythmien.
Kommentar:
- Diese Studie zeichnet sich durch eine sehr grosse Population aus, mit direkt gemessenen Werten. Im Rahmen des Beobachtungszeitraums gingen nur sehr wenige Männer verloren – hauptsächlich Emigranten.
- Laut dieser Studie korreliert eine hohe Trainingskapazität und Muskelstärke in der späten Adoleszenz mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Eine überdurchschnittlich hohe Trainingskapazität ist mit einem erhöhten Risiko von Arrhythmien assoziiert. Dennoch muss man sich hier immer wieder vor Augen führen, dass sich die Studienpopulation aus weissen jungen Männern zusammensetzt. Allein schon von einer eventuell anderen körperlichen Grundfitness ausgehend, könnte eine derartige Studie mit Menschen einer anderen Ethnie und/oder weiblichen Geschlechts andere Ergebnisse erbringen.
Literatur:
Andersen K et al. Exercise capacity and muscle strength and risk of vascular disease and arrhythmia in 1.1 million young Swedish men: cohort study. BMJ 2015;351:h4543