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Ausgangssituation
In der Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden bei uns drei grosse Stauseen gebaut. Auf dem Lukmanierpass, wo die ursprüngliche Strasse im Tal verlief, musste diese gegen den Berg Scopi gebaut werden, direkt im Lawinenhang hinein. Darum baute man eine Gallerie, später eine zweite. Die Winteröffnung des Passes und die in die Jahre gekommene Strasse mit allen Kunstbauten verlangten nach einer Sanierung und einer neuen Lösung. In den letzten Jahren wurden die Gallerien darum zu einem Tunnel umgebaut, in den nächsten drei Jahren folgt noch ein dritter Teil, die Verlängerung gegen Norden, sodass der neue Tunnel rund. 2.4 Km misst. Die Umwandlung von einer offenen Gallerie zu einem geschlossenen Tunnel verlangt neue Sicherheitstandards.
Neue Einrichtungen
Wie ein Tunnel dieser Klasse ausgerüstet ist, wird vom Bundesamt für Strassen ASTRA vorgegeben. Im Zusammenhang mit diesen Vorgaben wurde auch ein Sicherheits- und Rettungskonzept erarbeitet. Dieses sieht vor, dass bei einem Zwischenfall ein zweiseitiger Angriff statfindet (Standard für alle Tunnels in der Schweiz). Nun ist das geografisch nicht einfach zu bewerkstelligen. Der Tunnel befindet sich auf Bündner Boden, sodass der Kanton Graubünden zuständig ist. Natürlich könnte das Tessin miteinbezogen werden (je nach schwere des Zwischenfalls wird dies auch so sein), jedoch hat man versucht, dass der Feuerwehrstützpunkt Sursassiala die Aufgaben so weit wie möglich eigenständig durchführen kann. Damit ein zweiseitiger Angriff möglich ist, wurde auf dem Tunnel eine neue Strasse gebaut. Diese wird im Normalfall für den Langsamverkehr genutzt. Im Notfall dient sie als Zubringerstrasse für die Feuerwehr. Damit sie befahren werden kann, wird bei jedem Portal jeweils eine Rampe gebaut. So ist es möglich, in der schneefreien Zeit auf die Gegenseite zu gelangen. Über die Rettungsstrasse können auch die Sicherheitsnischen und Notausgänge erreicht werden.
Sechs Rettungsnischen mit Überdruckbelüftung, sowie mehrere Notfallausgänge wurden erstellt, damit Personen so rasch wie möglich sich in Sicherheit bringen können. In der schneefreien Zeit kommt man über diese ins Freie. Im Winter müssen die Personen durch die Feuerwehr aus den Nischen gerettet werden. Dies geschieht über den normalen Tunnel.
Ein weiteres Problem ist die Lüftung. Stationäre Lüfter wären nur mit sehr grossem Aufwand möglich gewesen. Grund dafür sind auch wieder die Lawinenzüge. Abluftkamine hätten so gebaut werden müssen, dass Lawinen sie nicht beschädigen können. So wird nun ein mobiler Grossventilator angeschafft, der für die richtige Luftströmung im Tunnel sorgt. Die Wetterverhältnisse am Lukmanier sind unberechenbar, umso interessanter wird es sein, die Lüftungstaktik genau zu definieren.
Im Verlaufe des Winters und Frühjahrs 2021 kommen die Sicherheitseinrichtungen dazu: Beleuchtung, Signalisation, Brandmeldeanlage und Funk. Anschliessend wird mit dem Bau des dritten Teiles begonnen, eine Erweiterung um rund 300 Meter.
Der neue Grossventilator (MGV)
Für die Lüfung haben wir zusammen mit den Verantwortlichen verschiedene Möglichkeiten evauliert. Die Auswertungen sind anspruchsvoll: wir belüften einen Tunnel auf 1950 M.ü.M, an einer Wetterscheide mit schnell änderndem Wetter/Luftdruck. Das bedeutet: der MGV muss möglichst viel Power haben, darf nicht zu viel wiegen, damit er im Notfall (Winter) auch mit dem Heli geflogen werden kann. Vom MGV bis zum Löschroboter haben wir alles geprüft. Schlussendlich brachte die Firma Vogt AG aus Oberdiessbach eine Lösung mit einem MGV des Herstellers BigFire. Die Ausrüstung besteht aus zwei Rollcontainern, die durch uns transportiert, aber im Notfall auch geflogen werden können. Insgesamt müssen, bei ruhigem Wetter, rund 4 Tonnen Luftmasse im Tunnel bewegt werden. Der Tunnel enthält zudem zwei S-Kurven, wie auch eine Steigung und ein Gefälle. Ein Abluftstelle im Tunnel ist nicht möglich.
|Marke und Typ||BIG L105 PI|
|Luftleistung||600’000 m3/h|
|Saugleistung||35’000 m3/h|
|Luftgeschwindigkeit||50 m/s (= 180 km/h)|
|Schubkraft||2000 Newton|
|Wasserdüsen und Wassermenge||10, 200 l/min (7 bar)|
|Motor||55 kW/130 Nm|
|Gewicht des Lüfters, Modules||750 kg/900 kg|
|Transport||zwei Module auf Räder, auch fliegbar|
|Zusatzmaterial||2 Kleinventilatoren, Sauglutten, Luftschlacuh 100 M, Löschmaterial|
Der MGV kann natürlich auch anderswo in der Region eingesetzt werden, wie in anderen Tunnels, Tiefgaragen und bei Bränden (löschen, ausblasen und absaugen von Gasen, etc.).