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Bei Konsensentscheiden haben Frauen mehr zu sagen
Wenn in einer Gruppe die Mehrheit entscheidet, geht die Stimme der Frauen oft unter. Mehr Gehör finden sie bei Konsensentscheiden.
In einer Gruppe mit wenig Frauen ist deren Einfluss grösser, wenn die Gruppe einen Konsensentscheid fällen muss. Zu diesem Schluss kommt die Studie «Why women speak less when they're outnumbered», welche die Zeitschrift American Political Science Review» veröffentlicht hat. Das Forschungsteam der beiden US-Universitäten Brigham Young und Princeton zieht daraus den Schluss, dass in Entscheidungsgremien von Wirtschaft und Politik der Einfluss von Frauen höher ist, wenn diese Gremien Konsensentscheide fällen müssen.
Für die Studie verglichen die Forschenden insgesamt 94 Gruppen, die aus mindestens fünf Personen bestanden. Die Frauenanteile in den Gruppen waren unterschiedlich hoch. Die Gruppen mussten Geld verteilen, das sie zuvor in einer hypothetischen Aufgabe gemeinsam verdient hatten. Die Hälfte der Gruppen musste nach dem Mehrheitsprinzip entscheiden, die andere Hälfte musste einen einstimmigen Konsens finden.
Mehr Redezeit für Frauen in Unterzahl
Das Ergebnis: Die Redezeit von Frauen in einer Gruppe ist nicht nur abhängig von ihrem Anteil in der Gruppe, sondern auch von der Art der Entscheidungsfindung. In Gruppen mit tiefem Frauenanteil hatten die Frauen wie erwartet anteilmässig deutlich weniger Redezeit als die Männer. Wenn eine solche Gruppe einen Konsensentscheid finden musste, hatten die Frauen jedoch deutlich mehr Redeanteile, als wenn sie einen Mehrheitsentscheid fällen musste.
Dieses Ergebnis zeigt laut dem Forschungsteam, dass Konsensentscheide den Einfluss zahlenmässig unterlegener Frauen in Gruppen vergrössern. «In Entscheidungsgremien von Unternehmen, Organisationen, Schulen und der Politik sind Frauen oft in der Minderheit, und diese Gremien entscheiden meist nach dem Mehrheitsprinzip», sagt Tali Mendelberg, Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin und Co-Studienleiterin. «Diese gängigen Strukturen benachteiligen Frauen erheblich. Frauen werden als weniger einflussreich wahrgenommen. Und sie nehmen sich selber als weniger einflussreich wahr und haben das Gefühl, dass ihre Stimme weniger Gewicht hat.»
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine
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