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Vom Bau des Post Telegraf und Zollgebäude 1904 bis zum heutigen Tag
Chur ist eine skurrile, aber überaus quirlige Stadt. Sie weist ganz spezifische Eigenarten auf, die natürlich u. a. das Leben hier lebenswert machen (Calandabier und -Berg, das Arosabähnli) als Touristenattraktion oder als Ärgernis, die Mühl-Bäche, die einst die «Industrie» antrieben, wohl heute noch vorhanden, aber die wenigsten wissen, wie diese den Weg durch die Stadt in den Rhein finden.
Eine weitere Sache sind die Strassenbezeichnungen: Hier wurde die Vergangenheit schon länger durch die Gegenwart überholt. So sucht der aufmerksame Stadtwanderer vergebens das Zeughaus an der Zeughausstrasse, an der Bankstrasse findet er keine Bank und an der Poststrasse keine Post. Die Bank ihrerseits beherrscht den Postplatz, zwar mit diskreter Bescheidenheit, und die Post breitet sich längs der Grabenstrasse aus, in diskreter Distanz dazu, aber mit einer monumentalen Fassade in den Ausmassen: Länge 64 m, Höhe 16 m. Das will nun aber nicht heissen, dass die Post dem Postplatz den Rücken zukehrt. In geschickter Weise wird die Südfassade, streng rhythmisiert mit Giebelteil West, abgesetztem Mitteltrakt und Giebelteil Ost, spitzwinklig parallel zur Gäuggelistrasse um die «Ecke» erweitert. Sozusagen als «Scharnier» hat die Eckrundung zu dienen, die mit einem krönenden Kuppelbau der Post zur eidgenössischen Dominanz am Postplatz verhilft. Man hat sich also schon damals, in der Zeit von 1902 bis 1911, als die Post und die Bank entstanden, im gesunden Wettstreit zu behaupten versucht: Auf die Post, monumental aufgebaut und gestaltet, man redet auch vom Stil der «Bundes-Renaissance», folgte der Bau der GKB «im Bestreben nach einer einfacheren und ausdruckvollen heimatlichen Bauweise».
So sind nun beide zu guten Nachbarn gekommen und behüten sich gegenseitig, einerseits der erkertragende Atlas, andererseits die Raetia und die Helvetia, die schneeweissen Damen in luftiger Höhe.
Das ursprüngliche Post, Telegraphen und Zollgebäude wurde in den Jahren 1902 bis 1904 (Bauinschrift) unter der Leitung der Architekten Jean Beguin (Neuenburg) und Theodor Gohl erbaut. Die Arbeiten erfolgten im Geiste der Neurenaissance. Markant wirkt vor allem die mit einer Laterne bestückte Kuppel, die von einer halbzylindrigen Fassade getragen hoch über dem Churer Postplatz thront.
Blenden wir einige Jahrzehnte zurück: Genauer gesagt ins Jahr 1882, als nämlich in Chur die erste Telefonleitung in Betrieb genommen wurde. Ich habe in der Chronik nachgeforscht und herausgefunden, dass dies ein Anschluss zwischen dem Hotel Steinbock und dem damaligen Postpassagierbüro war.
Um die Jahrhundertwende zählte man in Chur ganze 198 Telefonteilnehmer, die von der damals sensationellen Neuerung Gebrauch machten. Die jährliche Abonnementsgebühr hat stolze Fr. 120.– betragen!
Wie überall ist auch die Churer Bevölkerung immer mobiler geworden, die Region aber auch der ganze Kanton ist ständig besser mit moderner Telekommunikationstechnik erschlossen worden und neue Dienstleistungen sind auf den Markt gekommen. Mit den technischen Errungenschaften aus den achtziger Jahren wie Telefax, Natel A, B und C, D, Internet Funkruf, Videotex etc., um einige zu nennen. Alle diese neuen Dienstleistungen benötigten immer mehr Technik und Büroräume.
Ein erster Umbau des Gebäudes wurde zu Beginn der sechziger Jahre in Angriff genommen. Dem damaligen Modernisierungseifer fielen bedauerlicherweise die kunstvollen Malereien und Täfer in der Schalterhalle zum Opfer.
Bis zum Jahr 1945 waren noch alle Dienste im Alten, ehrwürdigen Gebäude der Kreistelefondirektion Chur untergebracht. Schon damals herrschte akuter Platzmangel die Technik brauchte immer mehr Platz und auch die Verwaltung nahm dementsprechend mehr Platz in Anspruch. Deshalb musste nach und nach diverse Dienste in externen Gebäude untergebracht werden. Als erste betraf dies die Bauabteilung die in die Sägenstrasse umziehte. Nach und nach folgte die Betriebsabteilung in die Sägenstrasse 68, das Personalbüro in die Alexanderstrasse 8. Der Baudienst zog in die Sägenstrasse 74, anschliessend in die Sägenstrasse 97, auch der Formulardienst musste umziehen in die Poststrasse 5, der Fernsehdienst wurde in die Quaderstrasse 2 und 8 verlegt.
Die Technik machte aber Riesen Schritte und benötigte immer mehr Platz. Deshalb wurde es nötig, ein neues Fernmeldezentrum zu planen. Im Jahr 1969 wurde mit der Planung des heutigen Fernmeldezentrums begonnen. Im Jahr 1980 wurde in einer ersten Etappe das Betriebsgebäude gebaut. In einer zweiten Etappe wurde das Verwaltungsgebäude gebaut.
Die Projektierung und Ausführung des neuen TT-Betriebs- und Verwaltungsgebäudes Chur 2 erwies sich als eine äusserst komplexe Bauaufgabe, die an alle Beteiligten hohe Anforderungen stellte. Das für das vorgesehene Raumprogramm relativ knapp bemessene Grundstück an städtebaulich exponierter Lage, verschiedene Servitute, Einsprachen, eine durch vorhandene technische Einrichtungen bedingte Etappierung des Bauvorganges hatten eine lange Projektierungs- und Bauzeit zur Folge und verlangten ein stetes Eingehen auf neue Gegebenheiten und wechselnde Voraussetzungen.
Der längs dem Stadtgartenweg angeordnete Betriebs-, und der die Gäuggelistrasse zurückgestaffelt begleitende Verwaltungstrakt sind in einem winkelförmigen Baukörper mit Kopfbildung zusammengefasst und an das in den Jahren 1901 bis 1905 in neubarockem Stil von Jean Beguin und Theodor Gohl erbauten Postgebäude angeschlossen. Entlang der Gäuggelistrasse sind die zwei untersten Geschosse des Verwaltungstraktes zurückgesetzt und bilden so eine Arkade, die durch Haupt- und Personaleingang, Schaufenster, Kundendienst, Telefonkabinen und die durch ein Vordach geschützte Bushaltestelle.
Am 5. Oktober war es soweit; das neue Verwaltungsgebäude wurde zwischen dem 5. Oktober und dem 3. November 1981 bezogen.
Als ich am 2. Februar 1981 bei der Fernmeldekreisdirektion meine Stelle antrat, war gerade der Verwaltungstrakt im Rohbau. Gebaut wurde die Überbauung vom Architekturbüro Brossi; wegen der markanten blauen Farbe der Fassade erhielt das Gebäude schnell den Übernamen «Blauer-Bock».
Damals wurde das Gebäude einzig für die Telefonie gebaut; das Sicherheitsbedürfnis war sehr hoch und dementsprechend wurde auch viel dafür investiert.
Zum Beispiel befindet sich im Innenhof unter dem Parkplatz eine Wasserreservoir mit ca. 400 000 Liter Löschwasser für den Notfall.
Auch im Innenhof steht ein kleines Gebäude, dessen Verwendung schwer zu erahnen ist. Dies ist der Zugang zu einer grossen unterirdischen BSO Anlage und einer militärischen Kommandozentrale, die heute aber nicht mehr in Funktion ist.
Aber auch die Technik im Gebäude konnte immer wieder mit diversen Highlights aufwarten. So befinden sich im UG, wenn komplett gefüllt, eine Lagerkapazität von über 700 000 Liter Heizöl. Auch für einen totalen Netzausfall ist das Gebäude gut gerüstet. Mit zwei Diesel-Notstromanlagen könnte das Gebäude ohne weiteres mehrere Tage autonom funktionieren, und dies noch heute.
Wie es für ein modernes Büro und Gewerbe-Zentrum gehört, wird das Gebäude mit modernster Technik beheizt und umweltbewust mit einer WRG-Anlage betrieben.
Der markante Altbau vom Swisscom Hauptgebäude am Churer Postplatz war vom Zerfall bedroht. Nach 18 Monaten Restaurierung steht das um 1902 bis 1904 erbaute Post-, Telegrafen-und Zollgebäude wieder fast wie zur Erbauerzeit da. Die Besitzerin, Swisscom Immobilien Invest AG, Bern, hat für die Bauarbeiten in einem Volumen von ca. 1.8 Millionen fast ausnahmslos ortsansässige Unternehmen berücksichtigt.
Seit 29. Juni 1998 zeigt sich der Altbau beim Swisscom-Gebäude am Postplatz in Chur im neuen «alten» Kleid. Während 18 Monaten wurde eine umfassende Restaurierung durchgeführt. Ziel dieser Restaurierung war, dass vom Zerfall bedrohte Gebäude so gut wie möglich wieder in seinen ursprünglichen „Mantel“ zu versetzen. So sollte das Gebäude auch nach der Restauration nicht im neuen Glanz sondern mit der Patina seiner bald 100-jährigen Geschichte dastehen. Dabei durfte ein vertretbarer finanzieller Rahmen von insgesamt Fr. 1 890 000.– nicht gesprengt werden. Für die umfassenden Restaurierungsarbeiten wurden mit wenigen Ausnahmen Unternehmen und Spezialisten aus der Umgebung berücksichtigt. Mit diesem markanten Werk und wichtigen Beispiel eidgenössischer Postarchitektur, konnte die Bauherrschaft einen prägenden kulturellen und städtebaulichen Beitrag für das Churer Stadtbild leisten.
Wertvolle Architekturelemente vom Zerfall bedroht
Wesentliche Teile der Aussenwände des alten Post-, Telegrafen- und Zollgebäudes stammen noch aus der Erbauerzeit. In den Jahren 1960 bis 1963 und 1984 und 1989 wurden Umbauten durchgeführt. Dabei sind hauptsächlich im Innenteil die Räume der Obergeschosse verändert worden. Unverändert blieb der reiche, künstlerische Schmuck der Aussenwände. Die monumentale Architektur besticht durch Risaliten mit Tempelfrontmotiven, Säulen und Pilastern in Kolossalordnung und einem mit einer Kuppel gekrönten Ecktrakt. Der Mitteltrakt des 64 Meter langen und 16 Meter hohen Gebäudes besitzt eine Sgraffitodekoration aus der Zeit der Erstellung. Das Werk des Schweizer Künstlers Otto Haberer stellt Allegorien der Drei Bünde, des Kantons, der Städte Chur, Ilanz und Maienfeld und verschiedener Gewerbe dar. Diese Sgraffitodekorationen, wie auch kunstvolle Kapitelle, Kartuschen und Fensterrahmungen aus Sandstein, wiesen grosse Schäden auf. Zur Erhaltung dieses imposanten Werkes war eine umfassende Fassadenrestaurierung unumgänglich.
In enger Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege, Thomas Meyer, dipl. Architekt ETH, und einem Team von Spezialisten und Unternehmern aus der Umgebung, wurde die Restaurierung eingeleitet. In verschiedenen Etappen wurden unter anderem die Natursteine saniert, Sgraffito-Dekorationen und Kunstverglasungen restauriert und aufwendige Steinhauer- und Bildhauerarbeiten renoviert. Unter der Leitung von Alfred Theus, dipl. Architekt ETH/SIA und Clau Paly, Projektleiter Architekturbüro Theus und der Bauherrschaft, der Swisscom Immobilien AG Chur, entstand ein Werk, das für die kulturelle Postplatz-Sanierung einen weiteren Meilenstein darstellt und das Stadtbild bereichert.
In den Jahren 1992 bis 1998 wurde die PTT Etappenweise liberalisiert. Die PTT verliert ihr Monopol. Ihr Fernmeldebereich und wird 1993 zur Telecom PTT und 1997 schliesslich zur selbständigen Swisscom.
Im Jahr 2001 veräussert die Swisscom das Büro- und Technikgebäude an die an die zur PSP Swiss Property Group gehörende PSP Real Estate AG.
Diese verkaufte das Gebäude im Jahr 2009 an die Pensionskasse der Credit Suisse AG.
In der Zwischenzeit befindet sich in den Räumlichkeiten von dem ehemaligen Telecom-Gebäude nur noch die Technik für die Telefonie; sämtliche Büroarbeitsplätze wurden in die Gross-Agglomerationen Zürich und Bern ausgelagert.
Heute beherbergt das ehemalige Swisscom Gebäude, das mit modernernster Gebäudeinfrastruktur ausgerüstet ist, eine Vielzahl von verschiedenen Firmen und Shops.
Ursprung der Namensgebung Gäuggelistrasse
Auf einen Personennamen geht das Gäuggeli zurück. Der Familienname Gaugg stand bei der Namensgebung Pate. Dass aus dem «au» im Wortinnern ein «äu» geworden ist, hängt mit der Verkleinerungsform –li zusammen, die in den Dialekten meist zu einem Umlaut führt, so etwa auch in Klaus – Kläusli.
Text Oscar Eckhardt
Impressionen aus früheren Zeiten
Quellenangabe
Text
- Kontakt Pesonalzeitung der Fernmeldedirektion Chur
- Bericht des Architekten Richard Brosi
- Bericht vom Direktor der Kreistelefondirektion Chur Armin Graf
- Bericht Gebäudemanager Viktor Buchmeier
Fotos
- Stadtarchiv Chur
- Staatsarchiv Graubünden
- Museum für Kommunikation Bern
- Buchmeier Viktor