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Grafengeschlecht des 13. und 14. Jh. im Berner Seeland, das als Zweig der Herren von Neuenburg ab dem frühen 13. Jh. den Zunamen von N. trägt. Nach der Teilung der Neuenburger Herrschaft um 1218 gelangte der Grafentitel und ein grosser Teil der Güter an Ulrich III. von Neuenburg, dessen Söhne wenig später die Linien N., Strassberg und Aarberg begründeten. Die Idee eines Gesamthauses von Neuenburg blieb aber über Wappen, Vogteirechte und Heiratsbeziehungen lebendig. Die Gf. von N., die sich auch nach der Teilung z.T. noch von Neuenburg-N. nannten, wirkten ab 1276 als Landgrafen von Burgundia circa Ararim (Burgund jenseits der Aare).
Stammvater und Leitnamengeber der Gf. von Neuenburg-N. war Rudolf I. ( -> 1). Vermutlich war er derjenige, der die hölzerne Burg N. durch den Steinturm ersetzte und gleichzeitig seine Herrschaft Erlach mit dem Kloster St. Johannsen förderte. Neben den Beziehungen zum Haus Neuenburg und zu anderen Hochadelsfamilien der Region wirkte die Lage der Herrschaft zwischen den aufstrebenden Landesherrschaften prägend. Die Burg N. geriet früh in eine Lehensabhängigkeit gegenüber dem Fürstbf. von Basel, während Erlach 1265 unter savoy. Lehenshoheit fiel. Gleichzeitig knüpften die N. engere Kontakte zu den Städten Biel, Solothurn, Freiburg sowie Bern und lehnten sich verstärkt an Habsburg an. Trotz dieser polit. Anpassungen und Einschränkungen gelang unter Rudolf II. ( -> 2) und Rudolf III. ( -> 3) in der 1. Hälfte des 14. Jh. die Expansion dem Jurafuss und der Aare entlang bis Olten, v.a. dank der Übernahme von Rechten der Gf. von Frohburg, Strassberg und Kyburg. Eine Konsolidierung dieser umfangreichen Herrschaft blieb allerdings aus. Die zahlreichen Kleinstädte gewannen keine grössere ökonom. Bedeutung, selbst die Vorburg N. wurde erst 1338 zum Städtchen ausgebaut. Zunehmend verschuldeten sich die N. bei ihren Ministerialen - u.a. den Herren von Erlach -, die über Lehen und Vogteirechte eher locker an das Grafenhaus gebunden waren.
Nach dem Tod Rudolfs III. 1339 in der Schlacht bei Laupen häuften sich die finanziellen Probleme, was die N. verstärkt in die Arme von Bern und Habsburg trieb. Auseinandersetzungen innerhalb der Fam., wiederholte Schädigung des Besitzes durch Kriegswirren sowie die fehlende Verdichtung und Intensivierung der Herrschaft besiegelten das Schicksal der Familie. Nach dem Tod des letzten, kinderlosen Gf. Rudolf IV. ( -> 4) gelangte das überschuldete Erbe zuerst über dessen Schwestern an die Gf. von Thierstein und Kyburg, ehe Bern schliesslich den grössten Teil der Herrschaftsrechte an sich zog.
Literatur
– GHS 1, 103, 117-119, (mit Stammtaf.)
– P. Aeschbacher, Die Gf. von N. und ihre Erben, 1924
– HS III/1, 658-660; IV/3, 383-391
Autorin/Autor: Peter Niederhäuser