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Inseln, besonders im Kleinformat, sind vielen ökologischen Einwirkungen ausgesetzt. Sie tragen meist kaum zu den klimaerwärmenden Treibhausgasemissionen bei und leiden doch unverhältnismässig stark darunter. Der Anstieg des Meeresspiegels droht die kleinen Landflecken zu überschwemmen und invasive Arten konkurrieren mit den einheimischen Tieren und Pflanzen, die meist nicht gewappnet sind gegen eine derartige Übernahme.
Nicht auf Krieg eingestellt
So hat sich beispielsweise Neuseeland vor gut 85 Millionen Jahren als Insel abgelöst – noch waren zu diesem Zeitpunkt keine Säugetiere auf der Insel. Die Tiere Neuseelands stellten sich also auf ein Leben ganz ohne flinke Landräuber ein; manche lernten nie zu fliegen und andere nisteten auf dem Boden. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert, als die Polynesier Neuseeland als die letzte grössere Landmasse besiedelten, war aber Schluss mit dem friedfertigen Leben vieler einheimischer Arten, denn mit dem Menschen kamen auch blinde Passagiere wie Mäuse und Pazifikratten an. Als schliesslich die Europäer anlandeten, brachten auch sie Säugetiere mit, diesmal noch grössere, die sich an den wehrlosen Vögeln laben konnten. Schätzungen zufolge wurden seit der Besiedlung durch den Menschen fast ein Drittel der einheimischen Arten Neuseelands ausgerottet. Naturschützer konnten mit der Vertreibung von Ratten auf kleinen vorgelagerten Inseln zwar bereits in den 1960er-Jahren einen Erfolg einfahren. Doch erst als ab den 2000er-Jahren vermehrt Bilder und Filmmaterial von Eier und Küken fressenden Ratten auftauchten, wurde die Gefahr weithin erkannt. Man nahm damals an, dass jedes Jahr rund 26 Millionen Vögel Raubtieren zum Opfer fallen. Die neuseeländische Regierung hat einiges vor: Bis 2050 soll das Land rattenfrei sein. Ausserdem sollen weitere invasive Arten, die eine Bedrohung für die heimische Fauna darstellen, ebenfalls ausgerottet werden.
Globale Bekämpfung von Ratten und anderen Eindringlingen
Island Conservation ist eine Organisation, die sich weltweit für die Bekämpfung invasiver Arten auf Inseln einsetzt, um das Aussterben einheimischer Arten zu verhindern. Als invasive Arten zählen viele – Pflanzen und auch Tiere – allerdings spezialisiert sie sich auf die Bekämpfung von Ratten und anderen Wirbeltieren.
Mittlerweile haben Ratten auf ihren weiten Schiffsreisen rund 90 Prozent aller Inseln der Welt erreichen können – und dabei verheerende Schäden angerichtet. Dabei geholfen hat ihnen zweifelsohne die Tatsache, dass sie nicht sehr wählerisch sind, wenn es um eine Mahlzeit geht. Die Generalisten ernähren sich zwar von Samen, Körnern, Nüssen und Früchten, aber gerne auch von Proteinquellen wie Insekten und Kleintieren oder Vögeln und deren Eiern.
Ehemalige Vogelnot auf den Marshallinseln
Die kleine Insel Irooj, Teil der langen Marshallinselkette von Vulkaninseln und Korallenatollen, ist Schauplatz der erfolgreichen Ausrottung von Eindringlingen: Seit März diesen Jahres gilt die Insel als rattenfrei. Seit Jahrzehnten hatten die invasiven Nagetiere die einheimische Artenvielfalt bedroht – insbesondere auch Seevögel.
Dabei haben Studien gezeigt, dass die Seevögel nicht nur um ihrer selbst willen zu retten sind. Korallen und Seevögel sind eng miteinander verbunden. Wohl fressen die Vögel im offenen Meer, allerdings kehren sie dann zu den Inseln zurück, um sich auszuruhen, zu brüten und zu nisten. Die meist ausladenden Vogelkolonien lassen an Land viel Vogelkot – Guano genannt – zurück, der aus nützlichen Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor besteht. Gelangen diese Nährstoffe irgendwann ins Wasser, können sie von Korallen und Algen genutzt werden und anschliessend in der Nahrungskette weiterwandern – beispielsweise in Fischen, die sich von den Algen ernähren. Nimmt also die Zahl der Seevögel durch die Anwesenheit von Ratten ab, wird auch diese Nährstoffverbindung schwächer und die Gesamtproduktivität des Korallenriffs nimmt ab. Ein schwächelndes Ökosystem ist anfälliger auf Bedrohungen durch den Klimawandel. Können Stressfaktoren wie invasive Arten allerdings vermieden werden, führt dies zu gesünderen und widerstandsfähigeren Ökosystemen. Eine Studie aus dem Jahr 2019 stellte ausserdem fest, dass Inseln mit vielen Seevögeln nach einer durch die Erderwärmung verursachten Korallenbleiche tendenziell mehr Algen aufweisen als von Ratten befallene Inseln, was die Genesung der Korallen beschleunigen könnte.
Die Zukunft
Island Conservation hat sich zum Ziel gesetzt bis im Jahr 2030 40 Inseln «wiederherzustellen». Das sind gute Nachrichten für die einheimische Fauna, ist aber auch ethische Überlegungen wert. Vor allem im Fall von Neuseeland glauben viele, das Unterfangen sei zu gross, finanziell zu aufwendig, und eben auch ethisch nicht vertretbar. Immerhin folgen auch die Ratten nur ihren natürlichen Anlagen. Solche Massnahmen sind ganz insgesamt nicht von Fall zu Fall übertragbar und müssen auf jede individuelle Situation – oder Insel – abgestimmt werden, um den jeweils besten Entscheid treffen zu können.
Quellen und weitere Informationen:
Scientific American: Rats Are Finally Gone from This Vulnerable Island
BBC: New Zealand seeks to exterminate predators to save native birds
Bell et al.: The Isles of Scilly seabird restoration project