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Was tragen Manager wirklich zum Erfolg einer Firma bei? Fünf Ökonomen sind der Frage in einer Studie nachgegangen.
Jedes Schiff braucht einen erfahrenen Kapitän, und jedes Unternehmen ein fähiges Management. Doch wie genau tragen gute Unternehmensführer zum Erfolg bei? Die Forscher Stefan Bender, Nicholas Bloom, David Card, John Van Reenen und Stefanie Wolter haben diese Frage in einer 2016 erschienenen Studie untersucht.
Das Resultat: Fortschrittliche Managementmethoden und -praktiken die steigern die Produktivität. Gut geführte Unternehmen stellen ganz gezielt die besser qualifizierten Mitarbeiter und Manager ein und binden diese langfristig an sich. Die Forscher stützen sich auf den World Management Survey (WMS). Dieser quantifiziert seit 2002 anhand von Interviews die Qualität des Managements. Die Befragten stufen die Managementqualität eines Unternehmens (Management Score) in einer Skala von 1 (schlecht) bis 5 (gut) ein. Die Skala macht damit die Qualität von Führungspraktiken in verschieden Ländern und Branchen vergleichbar.
Die Wissenschaftler untersuchen einen Datensatz von 365 mittelgroßen deutschen Unternehmen mit 50 bis 5000 Mitarbeitern im Zeitraum von 2004 bis 2009. Zudem verknüpfen sie diese Daten mit der Integrierten Erwerbsbiografie Datenbank, um mitarbeiterspezifische Informationen wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Ausbildung oder der mittlere Tageslohn zu berücksichtigen.
Das Ziel der Untersuchung ist, den Zusammenhang zwischen Produktivität, Management, Mitarbeiterfähigkeiten und Bezahlung aufzuzeigen. Die Forscher gehen davon aus, dass besser geführte Firmen tendenziell fähigere Mitarbeiter einstellen und Massnahmen treffen, um sie langfristig an sich zu binden. Die Personalauswahl trägt massgeblich zu einer höheren Produktivität bei und steigert den Unternehmenserfolg.
Die Auswahl guter Mitarbeiter ist entscheidend
Wie genau kommen Bender und seine Kollegen zu diesem Ergebnis? Bereits die beschreibende Statistik weist auf einen stark positiven Zusammenhang zwischen der Management Skala und der Arbeitsproduktivität hin. Gut geführte Unternehmen verfügen tendenziell über besser qualifizierte Angestellte. Die Grafik zeigt die Gehalts- und Fähigkeitsverteilung des Personals in verschiedenen Unternehmen.
Das fünfte Quintil der Verteilung enthält die am besten qualifizierten Arbeitnehmer, die besonders produktiv sind und daher zu den 20 Prozent der am besten bezahlten Beschäftigten in der Belegschaft zählen. Die 10 Prozent der Unternehmen mit der höchsten Managementqualität haben mit 26 Prozent einen wesentlich höheren Anteil von hochqualifizierten Mitarbeitern, während der Anteil der weniger produktiven und niedrig bezahlten Mitarbeiter mit 13,4 Prozent besonders gering ist. Bei Unternehmen mit niedriger Managementqualität sind die Verhältnisse gerade umgekehrt.
Der Zusammenhang ist statistisch signifikant
Da man aber Korrelation nicht mit Kausalität gleichsetzen kann, bleibt zu klären, durch welche Kanäle gutes Management die Produktivität erhöht.
Die quantitativen Schätzungen zeigen eine statistisch signifikante partielle Korrelation von 0,26 zwischen der Managementqualität und dem Unternehmenserfolg, gemessen am Umsatz. Werden weitere Faktoren wie zum Beispiel die Fähigkeiten von Mitarbeitern und Managern beziehungsweise die Ausbildung der Angestellten berücksichtigt, fällt dieses Mass auf 0,13.
Dieses Ergebnis bedeutet, dass ungefähr die Hälfte des Effekts fortschrittlicher Managementmethoden auf den Unternehmenserfolg dadurch zustande kommt, dass besser qualifizierte Mitarbeiter und Manager beschäftigt werden. Berücksichtigt man zusätzlich den Kapitaleinsatz, sinken die Einflüsse all jener Faktoren deutlich, bleiben aber statistisch signifikant. Ähnliches ergibt sich, wenn die Schätzung für den Einsatz von Halbfabrikaten (Güter, die zur Herstellung benötigt werden) kontrollieren.
Berücksichtigt man in der ökonometrischen Analyse alle drei Inputfaktoren Arbeit, Kapital und Halbfabrikate gemeinsam, zeigt sich, dass eine Erhöhung der Managementqualität um eine Standardabweichung (das entspricht einem Anstieg um eine Stufe auf der Skala von 1 bis 5) eine Steigerung der Produktivität von 4,3 Prozent auslöst.
Qualifizierte Mitarbeiter tragen am meisten zum Erfolg bei
Zudem schätzen die Wissenschaftler den direkten Einfluss des Managements auf die totale Faktorproduktivität. Diese misst, wie effizient Arbeit, Kapital und Vorleistungen in der Produktion eingesetzt werden. Die Ergebnisse bleiben weitgehend gleich. Auch hier kann man einen signifikant positiven Einfluss der Managementqualität auf die Produktivität beobachten.
Ungefähr 13 Prozent des Einflusses von Managementmethoden auf die Produktivität sind auf eine bessere Personalauswahl zurückzuführen, also auf höhere Anteile der produktivsten und am besten bezahlten Mitarbeiter an der gesamten Belegschaft. Dagegen entfallen nur 3 Prozent auf den Anteil von durchschnittlich qualifizierten Mitarbeitern. Weitere 13 Prozent sind auf Gehaltsprämien zurückzuführen, welche dazu beitragen, fähige Angestellte stärker ans Unternehmen zu binden.
Insgesamt sind rund 30 Prozent der Produktivitätssteigerung durch besseres Management auf die gezielte Personalauswahl sowie finanzielle Anreize zurückzuführen. Die bessere Auswahl fähiger Manager und Mitarbeiter trägt somit dazu bei, dass fortschrittliches Management zu einer höheren Produktivität führt.
Firmen mit geringerem Lohngefälle schneiden besser ab
Wie gelingt es gut geführten Firmen, die Qualität ihrer Belegschaft zu verbessern? Dazu analysieren die Forscher Eintritte und Abgänge von Mitarbeitern in Unternehmen. Es zeigt sich, dass gut geführte Unternehmen wenig produktive Mitarbeiter öfter entlassen und durch besser qualifizierte ersetzen. Diese Personalpolitik erlaubt es den Unternehmen, ihre Belegschaft systematisch und schrittweise zu verbessern.
Die Belegschaft bleibt jedoch auch bei Unternehmen mit einem ausserordentlich leistungsfähigen Management durchaus heterogen. Bei einer Analyse der firmeninternen Unterschiede zeigt sich, dass besser geführte Firmen eher Lohngleichheit fördern. Obwohl die deskriptive Evidenz auf eine größere Bandbreite der Fähigkeiten hindeutet, tendieren solche Unternehmen dazu, ausgeglichenere Lohnstrukturen zu implementieren.
Gut geführte Unternehmen beschäftigen eher hochqualifizierte Mitarbeiter und binden diese systematisch an die Firma.
Die Forscher finden nicht nur eine starke Beziehung zwischen der durchschnittlichen Fähigkeit der Mitarbeiter und der Managementqualität, sondern auch, dass gut geführte Unternehmen eher hochqualifizierte Mitarbeiter beschäftigen und diese systematisch an sich binden. Der damit verbundene Beitrag zum Unternehmenserfolg ist am oberen Ende der Fähigkeitsverteilung, welche auch das Management umfasst, besonders stark.
Die Ergebnisse zeigen, dass gutes Management besonders auf die Entwicklung des Humankapitals achten muss, welches für den Unternehmenserfolg so entscheidend ist. Es bleibt der weiteren Forschung überlassen, diese Beziehung genauer auszuleuchten. Die Wissenschaftler vermuten noch andere Einflussfaktoren, mit denen ein gutes Management den Unternehmenserfolg steigern kann, wie etwa die Pflege der Unternehmenskultur.
David Bader absolviert ein Masterstudium an der Universität St. Gallen. Mit der Initiative «Next Generation» ermutigt das Wirtschaftspolitische Zentrum der Universität St. Gallen ihre Nachwuchstalente, die Öffentlichkeit über Erkenntnisse der Wissenschaft zu informieren. Die besten Studierenden fassen wichtige Ergebnisse ausgewählter Publikationen in Fachzeitschriften zusammen.