Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03283.jsonl.gz/2809

«Man realisiert erst im Rückblick richtig, wie viel sich im Lauf der Jahre verändert hat», sagt Peter Bless. Als er 1986 sein Amt als Verwaltungsdirektor der Universität antrat, ging im Büroalltag die Umstellung aufs Computerzeitalter gerade los. In seinem Sekretariat stand das neue AES-Textverarbeitungssystem mit annähernd esstischgrossem Drucker unter einer gläsernen Schallschutzhaube.
Heiss begehrt waren an der ganzen Universität auch Telefaxgeräte. Glücklich das Institut, welches einen dieser damals noch sehr teuren Apparate, die sich die Universität zunächst nur in begrenztem Umfang leisten konnte, zugeteilt bekam.
Kommunikation auf allen vorhandenen technischen Kanälen war damals ein Privileg. So war auch der telefonische Direktkontakt mit der ausseruniversitären Welt bis gegen Ende der Achtzigerjahre längst nicht jedem oder jeder möglich, die Mehrheit der Universitätsmitarbeitenden musste sich für externe Telefonate von der Telefonzentrale verbinden lassen. Aus Kostengründen wurde streng darüber gewacht, dass Unbefugte nachts die Apparate der Professorinnen und Professsoren nicht für Auslandsgespräche benutzten.
Weitgehend geräuschlos
Zweiundzwanzig Jahre lang sorgte Peter Bless für ein effizientes, weitgehend geräuschloses Funktionieren der universitären Verwaltung. Zweiundzwanzig Jahre, in denen die Universität sich dynamisch entwickelte, wie die Zahlen eindrücklich belegen: Der Betriebsaufwand der Universität verdoppelte sich seit 1986 von einer knappen halben Milliarde auf knapp über eine Milliarde Franken.
Die Studierendenzahl stieg im selben Zeitraum um 67 Prozent auf 24’231, jene der Angestellten der Zentralen Dienste um 54 Prozent auf 407, die Hauptnutzfläche vergrösserte sich von 169'000 auf 302'000 Quadratmeter.
Der bedeutendste Umbruch war für Peter Bless die Entlassung der Universität in die Autonomie im Jahr 1998, ein viele Jahre im Voraus geplanter Schritt, an dessen Vorbereitung auch Bless beteiligt war. Zuvor war die Universitätsverwaltung kaum mehr als ein Vollzugsorgan der Erziehungsdirektion gewesen. Nun wurde die Regie im Bereich Finanzen, Personal und Infrastruktur der Zentralen Universitätsverwaltung, die 2005 in «Zentrale Dienste» umbenannt wurde, übertragen.
«Es ging damals ein Ruck durch die universitäre Verwaltung», erinnert sich Bless. «Plötzlich gab es viel mehr Gestaltungsfreiräume. Man trug aber auch mehr Verantwortung und konnte sich nicht mehr hinter dem Kanton verstecken, dadurch erhöhte sich der Druck auf alle Mitarbeitenden.»
Drei unterschiedliche Temperamente
Peter Bless, selbst Mitglied der Universitätsleitung, hat in seiner langen Amtszeit mit drei Rektoren zusammengearbeitet. Lebhaft schildert Bless die Reihe seiner Vorgesetzten. Konrad Akert, erster vollamtlicher Rektor der Universität, sei ein Mann der alten Schule gewesen, habe Disziplin verlangt und wo es ging persönlich zum Rechten gesehen. «Morgens um halb sechs Uhr war er zur Stelle, auf seinen Inspektionstouren im Kollegiengebäude unterzog er jeweils sogar die Anschlagbretter einer kritischen Begutachtung.»
Hans Heinrich Schmid, der Akert 1988 ablöste, habe seinen Mitarbeitern dagegen grosse Freiheiten gelassen und viel Vertrauen in ihre Kompetenzen gesetzt. «Er kümmerte sich in allererster Linie um Lehre und Forschung und war zufrieden, wenn die Universitätsverwaltung selbständig und ohne viel Aufsehen ihren Aufgaben nachging.» «Im Stillen», erzählt Bless, «bereitete Schmid die Universitätsreform vor, die sein Nachfolger dann später energisch in die Realität umgesetzte.»
«Rektor Hans Weder», so berichtet Bless, «stellte hohe Erwartungen, unter ihm wehte ein schärferer Wind. Aber dafür wurde auch vieles erreicht.» Weder habe es geschafft, die Universität Zürich in der internationalen Wahrnehmung aus dem Schatten der ETH herauszuführen. Der Reputationszuwachs der UZH in den letzten Jahren trage Weders Handschrift.
Bewunderung für Calatrava
Peter Bless war als Verwaltungsdirektor der UZH für ein vielfältiges Aufgabenspektrum zuständig, es umfasste Finanzen, Personal, Betrieb, Sicherheit und Liegenschaften. Grosse Zuwendung erforderte von Anfang an der Bereich «Bauten und Räume».
Das traf sich gut, denn Bless ist studierter Bauingenieur. Nach vielen Berufsjahren in der väterlichen Bauunternehmung – zuletzt auch als Geschäftsleiter – wagte er mit vierzig Jahren eine berufliche Neuorientierung. «Die Bewerbung um die Stelle als Verwaltungsdirektor der Universität», erzählt Bless, «war die erste, die ich bis dahin verfasst hatte, und sie war gleich ein Treffer ins Schwarze.» Die Umstellung von der Privatwirtschaft auf den öffentlichen Dienst fiel ihm nicht schwer. Die Organigramme ähnelten sich sehr, nur das Produkt war ein anderes: statt Bauleistungen waren es nun Dienstleistungen.
Die dritte und vierte Bauetappe am Irchel und die Sanierung des Kollegiengebäudes bei laufendem Betrieb, die sich über zwölf Jahre hinzog, zählt Bless zu den grossen Herausforderungen und Höhepunkten seiner Laufbahn. «Als Nutzervertreter der Universität in den Projektausschüssen kam mir meine Kompetenz in bautechnischen Fragen zugute.»
Besonders viel Freude machte ihm die Eröffnung der Rechtswissenschaftlichen Fakultätsbibliothek an der Rämistrasse 74 von Santiago Calatrava im Jahr 2004. «Calatrava», sagt Bauingenieur Bless bewundernd, «verbindet baustatische Ingenieurkunst mit gestalterischer Kühnheit.»
Eine besondere Situation war für ihn die Sleep-in-Aktion von demonstrierenden Studierenden im Lichthof 1989. «Wir hatten die Polizei im Haus, es war eine mulmige Situation, da man nicht wusste, was noch passieren würde.» Die Hausbesetzung durch Dadaisten an der Plattenstrasse 2002 kostete Bless ebenfalls einige Nerven. Ausnahmesituationen dieser Art sind im Laufe seiner Amtszeit seltener geworden. «Die Studierenden», sagt Bless, «haben die Universität heute als das angenommen, was sie eigentlich ist – ein Ort zum Studieren.»
Engagement in der Lokalpolitik
Nach vielen erfüllten Jahren als Verwaltungsdirektor freut sich Peter Bless auf seinen neuen Lebensabschnitt. Was wird er am meisten vermissen? Sein Team, das er über lange Jahre hinweg aufgebaut hat. Was wünscht er der Universität? «Eine markante Linderung der Raumnot.»
Und was wünscht er seinem Nachfolger Stefan Schnyder? «Dass der Kanton sich auf die Tugenden des New Public Management besinnt und der Universität wieder mehr Vertrauen bei der Gestaltung des Globalbudgets entgegenbringt und längerfristig berechenbarere und verbindlichere Vorgaben macht. Für eine verantwortungsvolle, langfristige Finanzplanung muss eine Universität Rücklagen bilden und frei über diese verfügen können; diese Möglichkeit war in den letzten Jahren leider viel zu wenig gegeben.»
Peter Bless, der sich seit vielen Jahren in der Lokalpolitik engagiert, wird kommendes Jahr zum zweiten Mal Gemeinderatspräsident seines Wohnortes Dübendorf; in dieser Funktion werden ihm seine Erfahrungen im Umgang mit Verwaltungsabläufen und politischen Institutionen nützlich sein. Neue Erfahrungen wird er auf erzieherischem Feld machen: Er wird zwei halbe Tage die Woche Grossvaterpflichten übernehmen. Zudem sind Reisen geplant. Sein erstes Ziel nach der Pensionierung: Norwegen und Spitzbergen.
Kommentar schreiben
Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.