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Unsere Volksschule steht in engem Zusammenhang mit der Gründung des Bundesstaates von 1848. Sie hatte für alle – unabhängig von Geschlecht und sozialer Herkunft – gleiche Bildungschancen zu gewährleisten, um die junge Generation zu befähigen Rechte und Pflichten als Citoyen auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene wahrzunehmen. Das gilt bis heute.
Internationale Ebene steuert nationale Bildungspolitik
Seit den 90er Jahren setzen willfährige Politiker Bildungsreformen gemäss internationalen Direktiven um – ohne Mandat des Volkes. Bundesrätin Dreyfuss liess die Bologna-Reform der EU unterschreiben – gegen den Willen der Kantone. Das führte zu einem „System von Hochschulen, die der Konkurrenz und den Mechanismen des Marktes unterworfen sind.“ – so Avenir Suisse.
Die von den USA diktierte Globalisierungsagentur OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat über die PISA-Strategie weltweit Schulreformen angestossen, um die Bildung im Dienste einer globalen Wirtschaft gleichzuschalten.
Das führte in den 90er Jahren zu einer neoliberalen Ausrichtung der Volksschule. Pilotprojekt war der Kanton Zürich, wo Ernst Buschor mit New Public Management (NPM) das Gesundheitswesen völlig marktkonform machte, indem er das New Public Management (NPM) in der Verwaltung einführte.[1] Als Nächstes nahm sich Buschor – nun Erziehungsdirektor – die Volksschule vor. Er löste die demokratischen Strukturen auf, organisierte die Volksschule im Hinblick auf wirtschaftliche Kriterien und öffnete sie zum ersten Mal in der Geschichte der Schweiz für Grosskonzerne, so auch für Bertelsmann und Jacobs mit ihren Stiftungen, in denen Buschor bis heute pikanterweise Leitungsfunktion hat.
„Die reale schweizerische Bildungspolitik wird zunehmend ausser Landes, auf internationaler Ebene gesteuert.“ – so der SP-Bildungspolitiker Hans Zbinden. Für das Harmos-Konkordat fungierte „Europa als helvetischer Taktgeber“. Internationale Konzerne mit ihrer Denkfabrik ERT (European Round Table of Industrialists) verfassten im Auftrag der EU-Kommission den Report ‚Education for Europeans’ mit dem Konzept der ‚Education Chain’, „welche alle Bildungsstufen miteinander verlinkt“. Nach diesem Model – so Zbinden – „werden im geplanten schweizerischen Bildungsmonitoring von Bund und Kantonen als Begleitinstrument des HARMOS-Konkordates die Stufenübergänge mit aufeinander abgestimmten Treffpunkten entsprechend harmonisiert.“[2] Entsprechend trägt auch der Lehrplan 21 – undeklariert – die Handschrift des ERT.
Das Selbstbestimmungsrecht im Bildungswesen ist Voraussetzung unserer politischen Selbstbestimmung!
[1] Alessandro Pelizzari, Die Ökonomisierung des Politischen New Public Management und der neoliberale Angriff auf die öffentlichen Dienste, Konstanz 2001.
[2] Hans Zbinden, ‚Stiller Partner Schweiz’ Lautloser Gang des schweizerischen Bildungswesens nach Europa, in: vpod-Bildungspolitik 159/09, S.7-9.