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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)

Zweites Buch: Vom Nützlichen
XXIII. Kapitel
[S. 187] Vom Nützlichen: Wer durch Geld erkauft oder durch Schmeichelei gewonnen wird, ist nicht verlässig (117—118).
117. Wer möchte sich von jenen Treue versprechen, deren Gehorsam durch Geld erkauft wird? Oder von jenen, die nur durch schmeichelhafte Worte sich dazu bestimmen lassen? Erstere wollen sich oftmals verkaufen lassen, letztere vermögen strenge Befehle nicht zu ertragen. Durch ein leichtes Schmeichelwörtchen lassen sie sich unschwer gewinnen; auf ein Tadelwort hin murren sie, reißen aus, laufen verbittert davon und verlassen einen tief gekränkt. Sie wollen lieber befehlen als gehorchen und glauben von ihren Vorgesetzten, die sie für solche halten sollten, sie seien ihnen gleichsam durch Wohltun (ihrerseits) verbunden und müßten ihnen daher willfährig sein.
118. Wer nun möchte sich von Leuten Treue erwarten, die er sich, sei es durch Geld, sei es durch Schmeichelei verpflichten zu sollen glaubte? Der Geldempfänger würde sich nur gering und verächtlich eingeschätzt erachten, wenn er nicht oftmals wiedergekauft würde: er erwartet daher häufig seinen Preis. Der offensichtlich an Bitt- und Schmeichelworte Gewöhnte will immer nur gebeten sein.