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Geteilte Macht - Shared Power. Ansätze zu einer Globalgeschichte der schweizerischen Diplomatie
Freitag, 10. Juni
16:30 bis 18:00 Uhr
Raum 2060
Das neueste Oxford Handbook of Modern Diplomacy ruft dazu auf, Diplomaten jenseits normativer Grenzen als multifunktionale Akteure zu verstehen, welche neben den traditionellen Themen der Aussenpolitik ebenso Gesundheit, Umwelt, Wissenschaft und Technologie sowie weitere Felder adressieren. Das Beispiel der Schweiz eignet sich besonders gut, um bislang unterschätzte Handlungsspielräume jenseits der grossen Fragen von Krieg und Frieden zu diskutieren und die Auswirkungen von bestehenden transnationalen Netzwerken auf Formen der Vermittlung („Gute Dienste“) zu untersuchen. Das Konzept der hier vorgestellten „shared power“ knüpft an Randerias Verflechtungsgeschichte als einer „geteilten Geschichte“ an und liest die schweizerische Aussenpolitik nicht als neutralitätspolitischen Sonderfall. Vielmehr soll die These diskutiert werden, dass der schweizerische Fall einer scheinbar marginal ausgestatteten Diplomatie eine beispielhafte Entwicklung einer multifunktionalen und auch ausserhalb des EDA abgestützten aussenpolitischen Mandatierung auf unterschiedlichen Ebenen aufweist.
Das Panel diskutiert die These aus unterschiedlichen Perspektiven:„Resetting Swiss Diplomacy“ (Matter) zeigt anhand des Personalabbaus nach 1945 die Politik von Petitpierre aus einer Logik der Redimensionierung, welche die Breite der im EDA zusammenlaufenden internationalen Netzwerke zu rekonstruieren erlaubt sowie die Frage der Professionalisierung diskutiert. Ein weiteres Paper stellt eine der zentralen Vorzüge einer multifunktionalen Diplomatie dar, nämlich die Bündelung vielschichtiger Informationsflüsse (Ruppen). Dies wird am Beispiel der aussenpolitischen Bedeutung von Radio Schweiz International dargestellt. Dieses Medium spielte am Ende des Zweiten Weltkriegs eine bislang zu wenig beachtete Rolle bei der Übermittlung zentraler Informationen zwischen den Kriegsparteien. Das Konzept der „shared power“ setzt voraus, dass die Bewirtschaftung der Ressource Information mit dem neutralitätspolitischen Diskurs nur unvollständig zu fassen ist. Eine weitere Position im Panel soll einen bislang wenig beachteten regionalen Fokus setzen und die Präsenz der Schweiz in Asien (insbesondere Japan und China) unter der Voraussetzung der „shared power“ diskutieren (Wettengel). Schweizer Vertretungen insbesondere auf konsularischer Ebene treten früh und zahlreich in Japan auf und Mandate für „Gute Dienste“ sind während des Zweiten Weltkriegs zahlreich in dieser Region anzutreffen. Das Konzept der „shared power“ ermöglicht mit Fokus auf Japan und China die Vorstellung bislang wenig berücksichtigter Quellen und eröffnet eine spannungsreiche Debatte um ein multifunktionales Verständnis von Diplomatie im postkolonialen Kontext. Der Kommentar von Muriel Willi wird als Einstieg in die Diskussion entlang des Narrativs der 1952 in Luzern stattfindenden Weltausstellung für Photographie und deren Bedeutung für die Kulturdiplomatie in der Nachkriegszeit die thematischen Synergien und Historizitäten einer innovativen Globalgeschichte der schweizerischen Diplomatie vorstellen.
Verantwortung
Kommentar
ReferentInnen
Referate
- Le Service suisse d’ondes courtes, un acteur de la diplomatie culturelle (1938-1949)
- «Merchant Diplomats». Multinationale Handelsunternehmen und schweizerische konsularische Dienste in Asien 1860-1945
- «Resetting Swiss Diplomacy». Der diplomatische Dienst der Schweiz während des Kalten Krieges 1945–1975