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Die Intentionen hinter philanthropischen Aktivitäten und Spenden sind im Grunde sehr edler Natur. Äusserst wohlhabende Individuen, die im Laufe ihrer Leben grosse Vermögen aufgebaut haben, bekennen sich selbst dazu, ihre finanziellen Möglichkeiten für gemeinnützige und selbstlose Zwecke einzusetzen. Hierbei geht es in der Regel darum, dass die Privilegierten etwas an die Gesellschaft zurückgeben möchten, um auf diesem Wege Gutes für das Gemeinwohl zu leisten. Alles in allem sollen identifizierte Missstände behoben und die Welt in einen besseren Ort verwandelt werden. Sei es durch die Umverteilung von Vermögen von reich zu arm, der Förderung von Bildung und Forschung oder den Schutz der Umwelt. Auf den ersten Blick ist somit die Philanthropie ohne Einwände ein wunderbare Sache.
Doch beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass die moderne Philanthropie nicht ganz so funktioniert wie gewünscht. Obwohl es unter den Reichen heute einen regelrechten Trend zum Spenden gibt, verweilt die Vermögensungleichheit in vielen Ländern auf einem hohen Niveau. Eine Umverteilung der Gelder findet demnach wohl nicht statt. Darüber hinaus werden die grosszügigen Geldgeber trotz ihrer hohen Spenden augenscheinlich immer wohlhabender statt ärmer. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass neben der blossen Hilfe und der Selbstlosigkeit der Wohltäter noch andere Interessen die Superreichen zur Philanthropie antreiben.
Ein besseres Image
Spenden können sehr öffentlichkeitswirksam sein und die Reputation sowie das Ansehen des Geldgebers verbessern. Setzt man sich für seine Mitmenschen ein und fördert gemeinnützige Projekte, hat das einen positiven Effekt auf das eigene Image. Die Zeitschrift "The Nation" erläutert beispielsweise, dass sich Bill Gates mit seiner Philanthropie von "einem der halsabschneiderischsten CEOs zu einem der am meisten bewunderten Menschen der Welt" verwandelte. Sein eher aggressiver Führungsstil brachte Microsoft mehrere Gerichtsverhandlungen und hohe Geldstrafen aufgrund monopolistischer Geschäftspraktiken ein. Wie die Internet-Seite Business Insider beschreibt, trifft der Aspekt des "Reinwaschens" jedoch auf unzählige Philanthropen zu. Während in den eigenen Konzernen anhaltende Missstände bestehen, werden die wohlhabenden Eigentümer auf anderen Gebieten philanthropisch aktiv, statt bei sich selbst für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Als Beispiel führt Business Insider den Technologieriesen Apple an, welcher seine Produkte teilweise in China unter solch drastischen Umständen herstelle, dass dort offenbar regelmässig Arbeiterinnen und Arbeiter Suizid begehen würden. Indes bestünde das Portfolio des Giving Pledge-Gründers Warren Buffett nahezu zur Hälfte aus Apple-Aktien, wodurch dieser zumindest an der fragwürdigen Produktionsart mitverdiene und somit auch dafür Verantwortung tragen würde. Es stellt sich also die Frage, inwiefern sich Philanthropen von ihren geschäftlichen Handlungen freikaufen und ihre Reputationen aufbessern möchten.
Spenden an die Elite selbst
Nicht alle Spenden fliessen in der Gesellschaft von oben nach unten. The Guardian schreibt in einem Artikel, dass in den USA nur etwa ein Fünftel der Spenden an arme Menschen geht. Stattdessen komme viel Geld der Kunstförderung, verschiedenen Sportteams und anderen kulturellen Angelegenheiten, der Bildung sowie dem Gesundheitswesen zu. Eine freiwillige Umverteilung des Vermögens an Bedürftige findet demnach nicht in vollem Masse statt. Darüber hinaus spenden die Superreichen sogar äusserst gerne in solchen Bereichen Geld, die ihnen selbst zugutekommen. Nach Angaben des Guardian entfiel im Jahr 2019 der Grossteil der Spenden in Sachen Bildung auf Geldgaben an Elite-Universitäten und Privatschulen, an denen die Wohltäter selbst studierten. Die reichen Spender unterstützen somit vor allem Schulen, die sie oder ihre Kindern besuchten. Es lässt sich ein Kreislauf erkennen, in dem die Spenden der Reichen wieder den Eliten nützen. Die Top-Universitäten haben die vermögende Oberschicht hervorgebracht und werden durch ebendiese erneut unterstützt. Nach der Einschätzung des Guardian helfen die Philanthropen damit weniger die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sondern fördern vielmehr das Fortbestehen des altbekannten Systems. Die Superreichen spenden also auch für den eigenen Nutzen.
Steuern sparen durch Spenden
Je mehr Geld man besitzt, desto wichtiger werden Steuerersparnisse. In vielen Ländern sind gemeinnützige Spenden gänzlich von der Steuer befreit oder zumindest mit Erleichterungen verbunden. Für viele Superreiche stellt sich deshalb die Frage, ob man die gesamte Steuerlast tragen oder lieber wohltätig in Stiftungen aktiv werden soll. Das Spenden stellt in diesem Fall eine vorteilhafte Gelegenheit dar, sowohl weniger Geld an den Staat zahlen zu müssen als auch Einfluss auf bestimmte Angelegenheiten nehmen zu können und mit den finanziellen Mitteln etwas zu bewegen. Statt das Kapital einfach ohne Nutzen abfliessen zu lassen, gibt man es also lieber der ehemaligen Universität oder anderen Institutionen. Ein Beispiel von The Nation zeigt, dass hieraus wahre Win-win-Situationen entstehen können.
Im Jahr 2014 spendete die Bill and Melinda Gates Foundation einer Gesellschaft des Unternehmens MasterCard 19 Millionen US-Dollar, um in Kenia die Nutzung von digitalen Finanzprodukten durch arme Erwachsene zu steigern. Laut The Nation unterstützte die Foundation dadurch MasterCard bei seinem ohnehin bestehenden geschäftlichen Bestreben weitere Klienten in Entwicklungsländern zu gewinnen. Die mit einer Steuerersparnis verbundene Spende half somit dem Unternehmen dabei seine Aktivitäten weiter auszubauen. Allerdings wirkte sich die Geldgabe auch vorteilhaft auf die Stiftung aus. Das Vermögen der Bill and Melinda Gates Foundation wird wesentlich über den Anteilsbesitz an Berkshire Hathaway beeinflusst. Berkshire Hathaway war zu diesem Zeitpunkt wiederum an MasterCard beteiligt, wodurch deren Erfolg ebenfalls positive Auswirkungen auf das Stiftungsvolumen hatte.
Philanthropen übernehmen die Aufgabe des Staates
Die Steuererleichterungen für die Spender haben laut Business Insider ausserdem den Effekt, dass superreiche Philanthropen immer mehr den Staat bei der Förderung von gemeinnützigen Zwecken ersetzen. Das Geld, das den Wohltätern an Steuern erstattet wird, fehlt dem Staat als Einnahmen. Die geminderten finanziellen Mittel hinterlassen ein Loch, welches sich mit der monetären Zunahme der Philanthropie weiter ausweitet. Das fehlende Kapital auf der Seite des Staates kann von diesem nicht mehr karitativ in die Bereiche Bildung, Gesundheitswesen oder Soziales investiert werden. An diese Stelle treten im Umkehrschluss zunehmend Stiftungen mit ihren sehr vermögenden Förderern. Dadurch entscheidet immer weniger der Staat wohin dringend benötigte Gelder fliessen. Reichen Privatpersonen kommt damit die Macht zu, die öffentliche Aufmerksamkeit zu einem gewissen Grad zu lenken und Einfluss auf aktuelle Entwicklungen zu nehmen. Da all diese Vorgänge auf die subjektiven Entscheidungen der privilegierten Geldgeber beruhen, steht nach Angaben des Guardian die moderne Philanthropie in der Kritik undemokratisch zu sein. Die Verteilung der Gelder stimme schliesslich nicht immer mit den Intentionen einer demokratisch gewählten Regierung überein. Zwar würden die gespendeten Vermögen ganz und gar den wohlhabenden Geldgebern gehören, angesichts der steuerlichen Ersparnisse könnten dem Staat dennoch ein gewisses Mitspracherecht eingeräumt werden. Dieses liege allerdings derzeit nicht vor. Ein Grund für das Spenden der Superreichen ist deshalb auch die Möglichkeit zur grossen individuellen Einflussnahme.
Der Welt helfen
Trotz des bisher eher kritischen Bildes über die Philanthropie, haben in der Vergangenheit bereits etliche Spenden Gutes für die Menschheit bewirkt. Nach Angaben des Guardian haben die Spenden der Bill and Melinda Gates Foundation die weltweiten Ausgaben für die Malaria- und Polio-Forschung nahezu verdoppelt. Durch diese Unterstützung wurden die globalen Fälle von Polio um ca. 99,9 Prozent reduziert und die Krankheit damit praktisch ausgerottet. Insgesamt soll die Bill and Melinda Gates Foundation seit ihrer Gründung mehr als 45 Milliarden US-Dollar gespendet und Millionen Leben gerettet haben. Demnach ist zu guter Letzt die Hilfe für die Welt ein weiterer Grund für Superreiche zu spenden.
Redaktion finanzen.ch