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Wildes Stiefmütterchen - Viola tricolor
Feldstiefmütterchen (syn. wildes Stiefmütterchen, Ackerveilchen, Dreifaltigkeitsblume, Dreifarbiges Veilchen, Stiefmütterchen).
VORKOMMEN
Das Wilde Stiefmütterchen kommt überall in Europa vor, es fehlt nur in den südlichsten und nördlichsten Regionen. Das Wilde Stiefmütterchen findet man auf Unkrautfluren, Dünen und Bergwiesen. Von dem grossblütigen Wilden Stiefmütterchen wird das kleinblütigere Ackerstiefmütterchen unterschieden. Die Fähigkeit des Wilden Stiefmütterchens, Blüten mit verschiedenen Farben zu entwickeln, hat schon vor langer Zeit die Aufmerksamkeit der Gärtner gefunden. Durch Kreuzung mit anderen wildwachsenden Arten haben sie eine Fülle grossblütiger Gartenstiefmütterchen herangezüchtet.
MERKMALE
Der Artname tricolor bedeutet dreifarbig: Die Blüten des Wilden Stiefmütterchens können weiss, gelb oder blauviolett sein. Noch häufiger findet man Kombinationen dieser Farben in einer Blüte. Gelegentlich treten sogar noch rötliche Töne hinzu.
Beim Wilden Stiefmütterchen sind die beiden seitlichen Kronblätter nach oben gerichtet. Der Sporn ist ungefähr halb so lang wie die Kronblätter, die Kelchblätter sind kürzer als die Kronblätter. Der Griffel hat eine kopfige Narbe. Während die Blätter eiförmig bis breit-lanzettlich sind, sind die Nebenblätter meist fiederspaltig. Die beblätterten, meist verzweigten StengeI tragen mehrere (ca. 1.5 cm grosse) Blüten. Die Pflanze wird normalerweise 10 - 40 cm hoch.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Violae tricoloris herba (syn. Herba Violae tricoloris);
Feldstiefmütterchenkraut (syn. Dreifaltigkeitskraut, Freisamkraut), das zur Blütezeit gesammelte und getrocknete Kraut.
Die Heilpflanze wird in Holland und Frankreich kultiviert.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Flavonoide:
In der Droge konnten bis zu 3 % Flavonoide mit Quercetin, Luteolin-7-glucosid und Luteolin identifiziert werden. Der höchster Gehalt wurde in den Blüten mit Rutin als Hauptkomponente gefunden. Weiterhin fand man die Glykoside Scoparin, Saponarin, Saponaretin, Violanthin, Isoorientin und Weitere. Viola tricolor hat einen höheren Flavonoidgehalt als Viola odarata.
Carotinoide:
Die Blüten der gelben Varietäten enthalten als Hauptpigment Violaxanthin, weiterhin findet man Violeoxanthin. Man findet die Violaxanthine fast immer verestert. Weiter findet man in geringeren Konzentrationen Lutein, Luteinepoxid und Neoxanthin, die auch verestert vorkommen.
Anthocyane:
In den blauvioletten Blütenblättern wurde das Pigment Violanin gefunden.
Phenolcarbonsäuren:
Etwa 0.2 % Phenolcarbonsäuren (als Kaffeesäure berechnet) wurden gefunden, insbesondere Salicylsäuremethylester, Violutosid, ferner p-Hydroxybenzoesäure, Protocatechusäure, Vanillinsäure und Gentisinsäure.
Polysaccharide:
Das Wilde Stiefmütterchen enthält in etwa 10 Prozent Schleimstoffe bestehend aus Glucose, Galactose, Arabinose und Rhamnose.
Es ist sehr wenig ätherisches Öl vorhanden (< 0,01 %), das anscheinend fast ausschliesslich aus Salicylsäuremethylester besteht.
Im Gegensatz zu älteren Literaturangaben sind sicher keine Saponine vorhanden, sondern hämolytisch aktive Peptide (sogenannte Cyclotide).
PHARMAKOLOGIE
Die äusserliche Anwendung als Arzneimittel zur Erweichung oder Auflösung der Haut (Keratolytikum) kann möglicherweise mit dem Gehalt an Cyclotiden in Verbindung gebracht werden.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen:
- Kommmission E: Zur äusserlichen Anwendung bei leichten, seborrhoischen Hauterkrankungen sowie Milchschorf der Kinder.
- ESCOP: bei Hautproblemen wie Exzeme, Seborrhoe, Akne, Milchschorf und zur Behandlung der Windeldermatitis bei Kindern (innerlich und äusserlich).
- Stiefmütterchenkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Volkstümliche Anwendungen:
Stiefmütterchenkraut kommt zur äusserlichen Anwendung insbesondere bei Hautaffektionen wie bei nassen und trockenen Exanthemen, Ekzemen und Akne. In der älteren Volksmedizin verwendete man die Droge bei Katarrhen der Atemwege, Halsentzündungen, Keuchhusten und fiebrigen Erkältungen.
Die Wirksamkeit der Droge bei diesen Indikationen ist nicht ausreichend belegt.
Das Wilde Stiefmütterchen findet sich in Erkältungsmitteln oft in Kombination mit z.B. Spitzwegerich, Süssholz, Fenchel, Hagebutte und Lungenkraut.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Teebereitung: 1 Esslöffel Droge mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen
und nach 10 Minuten abfiltrieren. Im Laufe des Tages nach den Mahlzeiten
trinken.
Äusserlichen Anwendung: Abkochung: 1,5 g auf 1 Tasse.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
- Klinische Studien: positiv
HOMÖOPATHIE
Viola tricolor - Stiefmütterchen, die oberirdischen Teile der blühenden Pflanzen.
Anwendungsgebiete: Erkrankungen der Haut, der Nieren und ableitenden Harnwege.
WILDES STIEFMÜTTERCHEN IM GARTEN
Das Wilde Stiefmütterchen gedeiht am besten an sonnigen, aber auch an halbschattigen Standorten. Der Boden sollte gut durchlässig sein, ansonsten stellt das Wilde Stiefmütterchen keine besonderen Ansprüche an den Boden. Die Pflanze benötigt nahezu keine Pflege. Für die Selbstaussaat können einige Exemplare stehengelassen werden. Sehr hübsch wirken Schalen mit vielen verschiedenen Feldstiefmütterchen.
SONSTIGES
Der Name Stiefmütterchen wird im Volksglauben folgendermassen gedeutet: Die fünf bunten Blütenblätter werden von fünf Kelchblättern getragen. Das unterste, grosse und stark gefärbte Blütenblatt sitzt auf zwei Kelchblättern. Das ist die Stiefmutter. Links und rechts von ihr sitzen ihre zwei bunt gefärbten Töchter jeweils auf einem Kelchblatt. Die zwei oberen, meist einfach violettfarbenen Blütenblätter stellen die zwei Stieftöchter dar. Sie müssen sich mit einem Kelchblatt gemeinsam begnügen.
Letzte Änderung: 23.02.2017 / © W. Arnold