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Man schrieb das Jahr 1884, als Léon Breitling erste Zähler-Chronographen mit seiner Signatur versah. Die Konstruktion intelligenter Messwerkzeuge für die Uhrmacherei sorgte ferner dafür, dass die Branche immer öfter über Breitling sprach. Zu diesem Zeitpunkt wirkte die Gründerpersönlichkeit noch in seinem Heimatort St. Imier. Acht Jahre später, 1892 also, rief er dann im Jura-Zentrum La Chaux-de- Fonds die G. Léon Breitling SA, Montbrillant Watch Factory, ins Leben, welche der Kurzzeitmessung in den folgenden Jahrzehnten ein besonderes Augenmerk widmete.
Polizei hatte ihre helle Freude
Damit setzte der Fachmann absolut aufs richtige Pferd. 1914 - als Gaston Breitling seine berufliche Karriere im Familienbetrieb startete - starb Vater Léon. Beinahe selbstverständlich hatte der Sohn die chronographische Leidenschaft geerbt, setzte er also den eingeschlagenen Weg mit aller Konsequenz fort. Eines seiner patentierten Spezialmodelle, verheissungsvoll Vitesse getauft, stiess bei der Polizei auf besonderes Interesse, denn es unterstützte sie beim Kontrollieren der korrekten Geschwindigkeit. Damals schon - obwohl die Autos zu diesem zeitpunkt 30 Stundenkilometer langsam waren ...
Trendgerecht forcierte der ambitionierte Unternehmer die Entwicklung und Fabrikation von Armband-Chronographen. Sein früher Tod im Jahr 1927 hinterliess deshalb eine schwer zu füllende Lücke. Die dritte Generation in Person des Sohnes Willy Breitling übernahm erst 1932 nach gründlicher kaufmännischer und technischer Ausbildung das Ruder. Dann kam es zu einigen bahnbrechenden Auftritten der Marke:
1936 brachte Breitling einen Chronographen für Flugzeug-Cockpits auf den Markt;
1938 folgte ein Modell mit innovativem 12-Stunden-Zähler auf der Basis eines Valjoux-Rohwerks;
1947 wurde der legendäre Chronomat mit Rechenscheibe lanciert;
1952 erlebte der Navitimer mit optimierten Rechenmöglichkeiten seine Geburtsstunde;
1962 war Breitling beim Ausflug ins Weltall am Handgelenk des amerikanischen Astronauten Scott Carpenter mit vor Ort.
Der grosse Automatik-Pionier
Ein anderes Ereignis durfte fürwahr als Sensation gelten. Es fand am 3. März 1969 gleichzeitig in Genf, New York, Tokio, Hongkong und Beirut statt. Um kompetent darüber berichten zu können, hatte sich eine überaus grosse Zahl von Journalisten eingefunden. Immerhin galt es, nach vierjähriger intensiver Entwicklungsarbeit eine uhrmacherische Weltpremiere zu feiern: Den ersten Chronographen mit automatischem Aufzug.
Vier renommierte Firmen der Uhrenbranche konnten sich diesen beachtlichen Erfolg in ihr Stammbuch schreiben. Breitling, eine da-von, marschierte unverzüglich mit dem Modell Chronomatic in die neue zeitschreibende Ära. Optisch bestach der Newcomer durch seine Opulenz und die ungewöhnliche Anordnung der Bedienelemente. Die wegen des Selbstaufzugs nur noch selten benötigte Krone fand sich nun logischerweise in der linken Gehäuseflanke. Rechts verblieben allein die beiden Drücker zum Starten, Stoppen und Nullstellen des Chronographen.
Ergonomie im Vordergrund
Damit beschritten die Designer völlig neue Wege, welche die Ergonomie eindeutig und unmissverständlich in den Vordergrund rückten. Das verbaute Kaliber 11 stand den äusseren Werten kaum nach. Es wies eine ganze Reihe ungewöhnlicher Merkmale, darunter auch eine Unruhfrequenz von stündlich 19800 Halbschwingungen, auf. Aus technischen Gründen kam als Basisuhrwerk nur eine flach bauende Konstruktion mit dezentral positionierter Schwungmasse in Betracht. Die hatte der Werkefabrikant Büren im Programm. Allein diese Mikrorotor-Bauweise gestattete die Verwendung eines rückseitig montierten Chronographenmoduls des Spezialisten Dubois-Dépraz aus dem Vallée de Joux.
Zudem freute sich die Uhrmacherzunft über die Möglichkeit, den Chronographen rasch und problemlos ohne Demontage des Zifferblatts warten zu können. Ein Jahr später folgte die Version 12 mit leicht höherer Schlagzahl. 21600 oder 3 Hertz lautete das Gebot des Jahres 1970. Daneben gab es zeitgleich noch die Kaliber 14 und 15.
Ganze zehn Jahre währte die Freude am ersten Modul-Chronographen mit Selbstaufzug durch Mikrorotor. Dann schwappte die ungestüme Quarzwelle über die bemerkenswerte Kaliberfamilie.
Ernest Schneider als Nothelfer
Ohne den Seenot-Retter Ernest Schneider hätte sie auch Breitling selbst mit in die Tiefe gerissen. Der Uhrenenthusiast und Hobbypilot engagierte sich 1979. Er verhalf dem angeschlagenen Unternehmen bis heute zu einem ungeahnten Höhenflug am Firmensitz in Grenchen und der Manufaktur in La Chaux-de-Fonds.