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Zum Vortrag von Brigadier Bendedikt Roos im Februar 2022, im Restaurant Zum äusseren Stand, fanden sich 40 Zuhörer ein, die Pandemie hatte noch nicht alle zur vorherigen Zeit zurückkehren lassen. Br Roos hatte sprachlich ein Heimspiel mit „Bärndütsch us dr Region“, was allseits auf Zustimmung stiess. Der Titel des Vortrages hiess: „Eine alte Waffe neu entdeckt“.
Br Roos tauchte in die Geschichte ein mit den Worten: „Wenn du nicht weisst, wo du herkommst, dann wirst du nicht wissen, wo du hingehst.“ Es gab schon im Altertum und im Mittelalter Streitwagen. Wenn die Ritter in den Kampf zogen trugen auch Pferde Rüstungen. In der Renaissance sagte Leonardo da Vinci, schon 1482: „Ich baue sichere und gedeckte Karren, welche undurchdringlich sind, und wenn sie mit ihren Schusswaffen mitten im Feuer erscheinen, werden selbst die grössten Feindmassen zum Rückzug gezwungen!“ In seinem Modell waren die drei Voraussetzungen, die heute noch für jeden Panzer gelten, vereint: Feuerkraft, Schutz und Beweglichkeit. Die geniale Konstruktion geriet in Vergessenheit, wurde als Utopie abgetan.
Im Ersten Weltkrieg hat man diese alte Waffe neu entdeckt, diesmal ganz aus Eisen mit Rädern auf Raupenbändern. Die ersten Tanks wurden gebaut und erprobt. Sie kamen zum Einsatz in den ersten Panzerschlachten in Frankreich, im Sommer 1918. Ein Auszug aus dem Protokoll einer Bundesratssitzung vom 19. März 1921 erfahren wir, dass das EMD (Eidgenössisches Militärdepartement) zum Ankauf von zwei (2) Renault-Tanks ermächtigt wird, zu einem Preis von Fr. 102‘000 zu Lasten Separatkonto „Erlös aus altem Kriegsmaterial“. Heute scheint einem das unglaublich. Altgediente Kavalleristen fragten denn auch beim Anblick von Panzern kritisch: „Das soll die Waffe der Entscheidung sein?!“
Manche mögen sich noch an die Zeit der Armee 61 erinnern. Von der A 61 zur aktuellen Armee haben die Bestände an AdA und Material, resp. Waffensysteme, drastisch abgenommen. Es stimmt die Anwesenden nach wie vor nachdenklich. So hatte die A 61 24 Panzer Bataillone, mit der WEA haben wir noch deren sechs (6).
Der Referent geht über zur Führungsstruktur im Kommando Operationen, zu den drei Mechanisierten Brigaden, 11, 4 und 1, welche die Armee heute hat. In der Mech Br 11 sind die ostschweizer Kantone Zürich, Thurgau, St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden vertreten. Die Brigade und der Brigadestab sind dem Kanton Graubünden als Göttikanton zugewiesen.
Der Auftrag dieser Brigaden ist der Erhalt und die Weiterentwicklung von Fähigkeiten zur Abwehr eines militärischen Angriffs. Was bedeutet das? Es bedeutet konkret die Sicherstellung der Grundbereitschaft von Stäben, von Truppenkörpern und deren Einheiten. Die Verteidigungs-Definition heisst einerseits Verteidigung, nämlich die Gefechtsform mit dem Ziel, den angreifenden Gegner durch Feuer, Sperren und Stützpunkte sowie Gegenangriffe zu stoppen, zu vernichten oder zu zerschlagen. Sie wird aktiv geführt. Andererseits ist die Verteidigungsoperation der Operationstyp mit dem Ziel, einem Angreifer die Erreichung seiner strategisch-operativen Ziele zu verwehren. Zum Auftrag gehört der Erhalt und die Weiterentwicklung von Fähigkeiten zur Abwehr eines militärischen Angriffs.
Br Benedikt Roos erwähnt auch die hybride Bedrohung und das Einsatzumfeld. Am Beispiel eines Ausschnittes der Landeskarten Raum Birmensdorf zwischen 1915 und 2010 zeigen eindrücklich auf, wie sehr sich die Räume verändert haben. Ein Panzergefecht wie früher kann es nicht mehr geben, mitten im überbauten Gebiet. Die erforderlichen Fähigkeiten dazu werden in der Schweizer Armee mit Volltruppenübungen und mit Simulationsübungen in der einzigartigen Anlage ELTAM geübt. Ein paar Gedanken zur Taktik runden die Information ab.
Hier erwähnt der Referent das Heft „Zukunft der Bodentruppen“, ein Grundlagenpapier, das mögliche Entwicklungstendenzen aufzeigt, gerade auch für die Mech Truppen, liebevoll genannt „die Gelben. „Verteidigung ist unsere Kernkompetenz … und das Gefecht der verbundenen Waffen ist weltweit die Kernkompetenz von Streitkräften!“ Es gibt noch viel Entwicklungspotential und der Rüstungsbedarf wird ebenfalls angesprochen.
Zum Abschluss steht der Satz „Bilder sagen mehr als tausend Worte“ im Raum und Br Roos führt den zum Referat passenden Film vor. Es ist eine Eigenproduktion der Mech Br 11. Feuerkraft, Schutz, Beweglichkeit, sehr eindrücklich eingefangen und präsentiert. Der Visionär Leonardo da Vinci hätte seine helle Freude daran.
Four aD Ursula Bonetti
Chefredaktorin