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Wie die «Fairchildren» das Silicon Valley begründeten
Zwischen 1947 und 1948 erfindet William B. Shockley zusammen mit John Bardeen und Walter H. Brattain den Transistor. Die wichtigste Erfindung des 20. Jahrhunderts bringt ihm und seinen Kollegen 1956 den Nobelpreis in Physik.
Rassistischer Tyrann
Shockley war zweifelsohne ein Genie. Er hatte aber auch eine andere Seite. Er war alles andere als ein umgänglicher Mensch. Zum einen war der 1910 in London geborene Physiker ein Rassist. Shockley war überzeugt, dass die Weissen den Schwarzen intellektuell überlegen sind. Er war Verfechter der Eugenik und schlug vor, «genetisch Minderbemittelte» zu sterilisieren.
Zum anderen war Shockley der wohl schlechteste Manager in der Geschichte der Elektronik. Es gelang ihm nicht, seine zweifellos genialen Angestellten zu inspirieren und motivieren. Das Gegenteil war der Fall. Er sagte seinen Untergebenen direkt ins Gesicht, dass sie nichts taugen. Er soll sogar einen Zwangs-Lügendetektortest gemacht haben, weil er seine Angestellten der Sabotage verdächtigte. Er führte zu jedem Mitarbeiter Buch und fällte stumpfsinnige und willkürliche Entscheidungen.
Kurz: Shockley war ein genialer, aber rassistischer Tyrann. Sein miserabler Führungsstil war für die Geschichte des Computings ein Glücksfall: Er führte dazu, dass acht leitende Angestellte das Shockley Semiconductor Laboratory verliessen und 1957 die Fairchild Semiconductor Corporation gründeten. Die hiess so, weil die Gründer finanziell von Sherman Fairchild, einem Investor, Erfinder und Geschäftsmann, unterstützt wurden.
Der integrierte Schaltkreis
Shockley bezeichnete seine acht ehemaligen Angestellten als «Traitorous Eight», also die verräterischen Acht, weil er sich von ihnen hintergangen fühlte. Sie liessen sich davon nicht beirren und entwickelten einen verbesserten Siliciumtransistor. Dieser fand in der Luftfahrt und dem Militär reissenden Absatz.
Das Unternehmen gewann schnell an Reputation. 1960 lagen die Verkäufe des Unternehmens bereits bei über 20 Millionen Dollar und die Fairchild Semiconductor Corporation galt als führend auf dem Gebiet der Transistoren. Die Gründer der Unternehmens ruhten sich aber nicht auf den Lorbeeren aus.
Es war Jean Hoerni – einer der Gründer der Fairchild Semiconductor Corporation – der herausfand, dass eine Siliciumoxid-Schicht auf den Silicium-Wafern Verunreinigungen beim Herstellungsprozess vermindern. Die Transistoren wurden aus den Silicium-Wafern geschnitten. Durch Hoernis Erfindung konnte die Produktion gesteigert werden, da weniger Ausschuss produziert wurde. Die Planartechnik war geboren.
Robert Noyce – ein Gründer Fairchild Semiconductor Corporation – trieb die Entwicklung von Hoerni noch weiter. Er erkannte, dass es nicht notwendig ist, die Silicium-Wafer zu schneiden: Die einzelnen Komponenten können darauf platziert und durch leitendes Material verbunden werden. Noyce entwickelte damit ein Verfahren zur Herstellung von integrierten Schaltkreisen – oder Chips.
Ab 1961 verkaufte die Fairchild Semiconductor Corporation Chips mit integrierten Schaltkreisen für 120 Dollar das Stück. Dank dem Apollo-Programm stimmte auch der Absatz: Für das Mondlandungs-Projekt wurden eine Million integrierte Schaltkreise gekauft, ein Grossteil davon bei der Fairchild Semiconductor Corporation.
Die Fairchildren
Bei der Planartechnik und dem Chip war aber noch nicht Schluss. Ein weiterer Gründer der Fairchild Semiconductor Corporation war Gordon Moore. Er machte 1965 die Beobachtung, dass sich die Anzahl Komponenten auf integrierten Schaltkreisen kontinuierlich erhöht. Ursprünglich sprach Moore von einer Verdoppelung pro Jahr. Das mooresche Gesetz war geboren.
Zusammen mit der Planartechnik und dem Chip war das mooresche Gesetz die Initialzündung für die Innovation und das Unternehmertum im Silicon Valley. Die Fairchild Semiconductor Corporation wurde aber Opfer ihres eigenen Erfolges. Es entstanden sehr viele Spin-offs, die das Unternehmen mit der Zeit konkurrenzierten. Das begann 1959 mit dem wenig erfolgreichen Rheem Semiconductor.
Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Spin-offs – sogenannte «Fairchildren» – hinzu. Das bekannteste ist Intel, das von Robert Noyce und Gordon Moore 1968 gegründet wurde. Aber auch AMD, Altera, LSI Logic, National Semiconductor und SanDisk gehören zu den Fairchildren.
Ende der 1970er konnte Fairchild Semiconductor Corporation nicht mehr mit den Fairchildern konkurrenzieren. Es folgten diverse Übernahmen. Seit 2016 ist das Unternehmen in den Händen des Halbleiterherstellers ON Semiconductor.
Die Fairchildren hingegen begründeten den Ruf des Silicon Valleys und einige von ihnen sind auch heute noch äusserst erfolgreich.