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Thomas Alva Edison, Nikola Tesla – diese Erfinder, die Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA Furore machten, kennt heute noch fast jedes Kind. Wenn dagegen der Name Garrett Morgan fällt, reagieren die meisten Leute mit fragenden Blicken.
Dabei ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie täglich mit einer der Erfindungen des Amerikaners zu tun haben: 1923 liess Morgan die automatische dreiphasige Ampel patentieren. Ein schwerer Unfall zwischen einem Auto und einem Pferdewagen hatte ihn zu der Erfindung inspiriert. Zuvor hatten die Signalanlagen nur zwei Phasen, Stop und Go. Morgan erfand quasi den Vorläufer des gelben Lichts.
Als Morgan sein Ampel-Patent anmeldete, war er schon längst ein erfolgreicher Erfinder und Unternehmer. Eine solche Karriere hätte wohl niemand vorausgesagt, als der Sohn von befreiten Sklaven am 4. März 1877 in Claysville im US-Staat Kentucky zur Welt kam. Garrett war das siebte von elf Kindern seiner halb schwarzen, halb indianischen Mutter. Sein leiblicher Grossvater väterlicherseits war der Südstaaten-Brigadegeneral John Hunt Morgan.
Nur mit einem Primarschulabschluss verliess der junge Morgan als 16-Jähriger seine Heimat und zog nach Norden. In Cincinnati im US-Staat Ohio verdingte er sich zunächst als Mädchen für alles bei einem begüterten Landbesitzer. Neben der Arbeit bildete er sich weiter. 1895 zog er nach Cleveland weiter, wo er bald als Nähmaschinenmechaniker arbeitete. Die dafür benötigten Kenntnisse hatte er sich autodidaktisch angeeignet.
Sein Talent für Mechanik und Maschinen paarte sich mit einem unternehmerischen Geist. In dieser Hinsicht ähnelte er dem ungleich bekannteren Edison – er habe sich selbst den «schwarzen Edison» genannt, sagte seine Enkelin Sandra Morgan. 1907 gründete er sein eigenes Geschäft, eine Nähmaschinen-Reparaturwerkstatt. Zwei Jahre später eröffnete er zusammen mit seiner aus Böhmen stammenden zweiten Frau Mary Anne zusätzlich einen Kleiderladen, den «Morgan's Cut Rate Ladies Clothing Store». Bald beschäftigte das Paar dort 32 Angestellte.
Die erste Erfindung, mit der Morgan kommerziell erfolgreich war, war ein Zufallsprodukt. 1909 versuchte er mit einer Chemikalie, die Reibung der Nähmaschinennadeln zu reduzieren, die sich mit hoher Geschwindigkeit durch Wollstoffe bewegten und diese dabei manchmal ansengten. Dies gelang nicht, aber Morgan stellte fest, dass die Chemikalie die Fasern streckte. Sofort begriff er das Potenzial der chemischen Lösung und testete sie am Fell eines Hundes und danach an seinen eigenen Haaren.
Die Haarcrème, die er aus der Chemikalie herstellte, wurde ein Verkaufshit unter Afroamerikanern, die damit ihre krausen Haare glätteten. Morgan gründete die G.A. Morgan Hair Refining Company und machte damit ein Vermögen, das ihm Sicherheit verschaffte und ihm erlaubte, sich anderen Interessen zuzuwenden.
Nur wenige Jahre später, im September 1912, meldete Morgan ein weiteres Patent an, das sich finanziell lohnen sollte: ein «Atmungs-Gerät». Diese frühe Gasmaske bestand aus einer geschlossenen Kapuze mit zwei Röhren, die Luft zuführten, filterten und kühlten. Den «Morgan National Safety Hood» vertrieb der Erfinder durch die eigens mit anderen Geschäftsleuten gegründete National Safety Device Company.
Morgan bewies Mut, als er seine Erfindung 1914 persönlich testete: Er verbrachte 20 Minuten in einem rauchgefüllten Zelt, wobei er sich als Indianerhäuptling Big Chief Mason ausgab. Dies tat er, um die vornehmlich in den Südstaaten virulenten rassistischen Vorurteile gegen Schwarze zu unterlaufen. Gleichwohl verkaufte sich seine Erfindung im Norden besser, wo im Laufe der Zeit über 500 Städte solche Gasmasken für ihre Feuerwehren anschafften. Die US-Armee setzte sie im Ersten Weltkrieg ein.
1916 erhielt seine Erfindung grosse Aufmerksamkeit in der Presse, weil Morgan mit ihrer Hilfe mehrere Arbeiter aus einem Tunnel unter dem Eriesee retten konnte. Nach einer Explosion hatte sich der Tunnel mit giftigen Gasen gefüllt; zwei Rettungstrupps kehrten nicht zurück. Erst Morgan gelang es, in den Tunnel vorzudringen und unbeschadet wieder herauszukommen. In manchen Presseberichten wurde er jedoch nicht erwähnt – ein Afroamerikaner als Held passte nicht ins Bild. Und im Süden verlor er danach Kunden, die erst durch die Berichte bemerkt hatten, dass er schwarz war.
Mit seinen Unternehmungen verdiente Morgan viel Geld. Er war der erste Afroamerikaner in Cleveland, der ein Auto besass. 1920 konnte er sogar eine Zeitung gründen – den «Cleveland Call», der sich zu einem der wichtigsten Organe der schwarzen Community im ganzen Land entwickelte. Schon viel früher hatte er, nachdem sein Interesse an seiner Herkunft gewachsen war, einen afroamerikanischen Country Club auf seiner Farm eröffnet.
Morgan war sich als Mitglied der National Association for the Advancement of Colored People der schwierigen Lage der Afroamerikaner in Cleveland – und generell in den USA – bewusst. Deshalb kandidierte er in seinen Fünfzigern für den Stadtrat. Im Gegensatz zu seinen technischen und kommerziellen Ambitionen wurde aus seiner geplanten politischen Karriere jedoch nichts.
Trotz seiner Langlebigkeit – Morgan wurde 86 Jahre alt – hatte er schon relativ früh mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Besonders hart traf ihn der Verlust des Augenlichts aufgrund des Grünen Stars; schon 1943 war er nahezu blind. Dennoch gab er die Arbeit an seinen Erfindungen bis fast zuletzt nicht auf. Eine seiner letzten war die selbstlöschende Zigarette.