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Sind Sie ein Mini-Fremdgeher?
Um es gleich vorwegzunehmen: Bei diesem Trend handelt es sich nicht um ein klassisches «Mini-Fremdgehen» im Alltag, das wir vor kurzem vielleicht noch «Flirten» genannt hätten. Also nicht das Lächeln, das wir einem Unbekannten zuwerfen, das Kompliment, das wir für ein tolles Outfit bekommen und das uns beinahe erröten lässt, oder der Fakt, dass wir einem Fremden einige Sekunden zu lange tief in die Augen schauen.
Beim Phänomen des Micro-Cheatings handelt es sich um ein Online-Fremdgehen, oder genauer gesagt, das, was rund 6800 Mitglieder der beiden Datingsites «Victoria Milan» und «Next Love» darunter verstehen.
Es mag erstaunen, dass Frauen und Männer, die beispielsweise auf «Victoria Milan», einem der weltweit führenden Seitensprung-Netzwerke, nach einem diskreten Abenteuer suchen, bezüglich des eigenen Partners weit weniger tolerant sind. Dies zeigt jedenfalls die Auswertung einer Studie: Viele der Befragten sehen bereits in alltäglichen und scheinbar unbewussten Handlungen ihres Partners eine Gefahr für die Beziehung.
Zweierlei Massstäbe
Folgende Beurteilungen sind für mich durchaus nachvollziehbar: 54 Prozent der Befragten verurteilen das Lügen über den Beziehungsstatus in den sozialen Medien, 75 Prozent sehen es als Untreue an, wenn ein sogenannter «Freund» unter einem falschen Namen im Handy abgespeichert wird, und 83 Prozent verurteilen SMS mit sexuellem Inhalt an jemanden ausserhalb der Beziehung.
So weit so gut. Oder auch nicht.
Nachdenklich stimmt mich, dass Menschen, die auf einem Seitensprungportal einen Partner suchen, eher prüde sind, wenn es um eigene moralische Beziehungsvorstellungen geht. Bei der Frage «Stufen Sie das Folgende als Fremdgehen oder Verhalten, das dem Fremdgehen ähnlich ist, ein?» überraschten mich folgende Antworten:
- 24 Prozent der Befragten sagen, wenn man mit einem Ex-Freund oder einer Ex-Freundin über die sozialen Medien kommuniziere, handle es sich bereits um Untreue.
- 37 Prozent sagen, wer «Gefällt mir»-Bekundungen für Bilder in den sozialen Medien (Ex-Freund/in) oder eine Person des anderen Geschlechts) abgebe, sei untreu.
- 68 Prozent sagen, dass ein tiefer emotionaler Kontakt mit einer Person, die nicht der Partner ist, ein Fall von Untreue sei.
- 41 Prozent finden, dass das Lesen oder Besuchen des Profils einer anderen Person oder eines Ex-Freundes beziehungsweise einer Ex-Freundin eine Form von Fremdgehen sei.
Da frage ich mich, als was denn ein vollzogener Seitensprung, der seinen Ursprung auf einem Fremdgeh-Portal hatte, bezeichnet werden kann? Als Macro-Cheating? Frei nach dem Motto: Ich erlaube mir einen Seitensprung, aber wenn meine Partnerin ein Foto ihres Ex-Freundes bzw. mein Partner eines seiner Ex-Freundin liked, dann ist das eine Form des Fremdgehens.
Noch Fragen?