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Zu viel Gülle
Die Initiative fordert, dass nur noch Betriebe Subventionen erhalten, die einen Tierbestand halten, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann.
Es ist nach dem Wortlaut des Initiativtextes mithin weiterhin möglich, Futtermittel regional zu verkaufen und zuzukaufen, denn:
«(…) ernährt werden kann» heisst nach allgemeinem Sprachgebrauch nämlich nicht, dass der Tierbestand mit dem auf dem eigenen Betrieb hergestellten Futter ernährt werden muss. Es heisst vielmehr, dass es für die Erfüllung der Anforderungen an den ökologischen Leistungsnachweis theoretisch möglich sein muss, den Tierbestand mit dem «eigens» produzierten Futter zu ernähren, das Futter für die Tiere also auf dem eigenen Betrieb herzustellen. Ansonsten hätte der Text «ernährt wird» heissen müssen. (Gutachten Bähr/Grosz, SFV & VSA, Rz 223, Seite 59).
Sinn und Zweck dieser Regelung ist es, die Tierbestände auf eine bodenabhängige Produktion zu begrenzen, mit dem Ziel:
Reduktion der
- hohen Nitratwerte in den Grundwasserfassungen;
- Nitrat- und Phosphorzuführung in die Mittellandgewässer;
- Umweltprobleme in Gebieten des Kraftfutteranbaus (Regenwald),
- sowie der Versauerung und Überdüngung der Wälder, Moore, Naturschutzgebieten und Magerwiesen entgegenwirken.
In der Schweiz wird in vielen Regionen massiv mehr Gülle und Mist produziert, als unsere Landwirtschaftsflächen aufnehmen können. Grund dafür sind die stark überhöhten Nutztierbestände, deren Haltung nur durch enorme Futtermittelmengen, welche die Schweizer Landwirtschaft aus dem Ausland importiert, überhaupt erst ermöglicht wird. Seit 1996 ist die Einfuhr von 263’000 Tonnen auf über 1.2 Millionen Tonnen gestiegen.
fördern Ammoniak-Emissionen und gefährden die Gewässer.
Schweizer Fleisch wird mit importiertem Futter erzeugt
Schweizer Eier werden mit importiertem Futter erzeugt
Um diese Mengen an Futtermittel (Soja und Getreide) zu produzieren, braucht die Schweiz heute im Ausland Ackerflächen – wofür auch Urwälder gerodet werden –, die ebenso gross sind wie unsere Ackerflächen im Inland. Unsere Landwirtschaft degeneriert so immer mehr zu einer bodenunabhängigen industriellen Tierproduktion.
Mit dem Nährwert des Importfutters werden aktuell 50% des Schweizer Fleisches und 70% der Schweizer Eier hergestellt.
Besonders problematische ist das Umweltgift Ammoniak. Das stickstoffhaltige Gas-Ammoniak führt zur Versauerung und Überdüngung von Böden, Wäldern und Gewässern, gefährdet die Biodiversität, schädigt das Klima und belastet die menschlichen Lungen mit Feinstaub. Gemäss dem Umweltziel dürften die Ammoniakemissionen in der Schweiz 25’000 Tonnen pro Jahr nicht überschreiten. Die Emissionen stagnieren aber seit 20 Jahren bei etwa 47’000 Tonnen!
Die Schweiz verursacht nach Holland die höchsten Ammoniakemissionen Europas und verletzt dadurch das Schweizer Umweltschutzrecht und internationale Vereinbarungen. 95% der gesamtschweizerischen Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft. Der Anteil der Tierhaltung daran beträgt 90%.
1/3 der atmosphärischen Stickstoff-Einträge in der Schweiz stammt aus Verkehr, Industrie und Haushalten. 2/3 dieser Einträge stammen von Ammoniak-Emissionen. Die Stickstoffüberschüsse führen bei vielen Grundwasservorkommen zu erhöhten Nitratkonzentrationen.
Nitrat im Trinkwasser zeitigt negative gesundheitliche Wirkungen: Es kann – in Form von Nitrit – den roten Blutfarbstoff Hämoglobin bei der Übertragung von Sauerstoff hemmen. Je höher der Nitratwert, desto höher das Darmkrebsrisiko. Nitrat ist natürlicherweise nur in geringen Konzentrationen im Grundwasser vorhanden. Deutlich erhöhte Konzentrationen von über 25 mg/l Nitrat treten landesweit an bis mehr als 15% der beprobten Messstellen auf. In überwiegend ackerbaulich genutzten Gebieten liegen die Konzentrationen an bis zu 60% der Messstellen über diesem Wert. Trinkwasserfassungen müssen wegen überhöhter Nitratgrenzwerte geschlossen oder mit unbelastetem Wasser verdünnt werden.
Quellen:
Die Schweiz produziert zu viel schädliches Ammoniak
Landwirtschaft belastet das Trinkwasser
Der Weltklimarat fordert dringende Kehrtwende
Sonderbericht zum Klimawandel – So geht es nicht weiter
Übersäuerte Wälder und Moore – «Wir haben ein grosses Ammoniakproblem»
Bauern sollen für frischere Luft sorgen im Kanton Solothurn
Umweltschützer nehmen Gülle ins Visier
Hohe Tierdichte: Ammoniak-Emissionen belasten Umwelt massiv
Gras statt Kraftfutter
Bauernverband fordert Stopp – Kein Palmöl mehr für Schweizer Milchkühe
Zu viel Dünger im Trinkwasser
Mythos Ernährungssicherheit
Gigantische Umverteilung von Gülle und Mist
Folgeprobleme des hohen Tierbestandes
Gewässerschutz: Wohin mit all der Gülle?
Seebelüftung wegen Überdüngung
BAFU – Umwelt 3/16 Landwirtschaft
Die Suche nach der neuen Schweizer Kuh