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Jérémy Canabate erkämpft sich Unentschieden
Leichtgewicht (bis 61,235 kg)
Jérémy Canabate (Ring Club Lausanne) vs. Jessy Guitton (Reine, Frankreich)
Der Lausanner Canabate ist einer jener Boxer, die Kiran lanciert hat, weil er um deren Identifikationspotenzial in der Region weiss und so langfristig ein Publikum mobilisieren kann, das den Werdegang dieser regional verwurzelten Kämpfer begleitet. Dass sich Canabate dabei aber sofort gegen starke Gegner bewähren muss, zeigte sich im Kampf gegen den französischen Gast Jessy Guitton.
Der Bretone war ein höchst unangenehmer, weil hart und sehr variabel schlagender Kampfpartner. Er legte ab der ersten Runde den Vorwärtsgang ein und deckte Canabate mit Salven von linken Schwingern oder Körperhaken ein. Da Canabate aber konsequente Deckungsarbeit verrichtete und sich vielen Schlägen rechtzeitig entziehen konnte, konnte Guitton nicht die erwünschte Wirkung erzielen. So entwickelte sich über die ganzen sechs Runden ein höchst attraktiver Kampf, denn die beiden Boxer bewegten sich nicht nur in atemberaubenden Tempo, sondern bewiesen auch überdurchschnittliches technisches Niveau. Das galt nicht nur für den abwechselnd mit spektakulären Schwingern und Crochets operierenden Guitton, sondern auch, wenngleich mit anderen Akzenten, für Canabate:
Der Lausanner brachte zwar nicht denselben Druck hinter seine Kombinationen wie der ungemein athletische Guitton, punktete aber ebenso konstant. Zudem konnte er sich mehrfach mit fast katzenartigen Bewegungen aus dem Schlaghagel seines Gegners befreien, ohne sich je einen echten Wirkungstreffer einzuhandeln. In der fünften Runde klaffte dann allerdings plötzlich ein Cut über Canabates linkem Auge, der stark blutete und den Lausanner zunehmend behinderte. Dennoch leistete er seinem Gegner, der nun die Chance witterte, den Kampf vorzeitig zu beenden, bis zuletzt erbitterte Gegenwehr. Guitton rief noch einmal sein ganzes Schlagrepertoire ab, konnte aber nicht mehr zum Knockdown ansetzen. Am Ende waren die beiden Kämpfer stehend k.o., und das Publikum restlos begeistert.
Der Kampf endete mit einem Unentschieden, was ein insgesamt vertretbares Verdikt darstellte und der verdiente Lohn für Canabates beherzten Kampf gegen einen hervorragenden Gegner darstellte.
Die Einzelwertungen der drei Punktrichter:
Claudine Pascale: 57:57
Armin Bracher: 57:57
Domenico Gottardi: 56:58 (Guitton)
Leichtgewicht (bis 60 kg):
Joseph Abate (BC Ortodure) vs. Liparit Hakopian (BC Baden)
Ein typischer Kadettenkampf: Abate vom BC Ortodure aus Martigny ging ebenso wie sein armenischstämmiger Gegner aus Baden ungestüm in den Kampf. Abate war dabei aber einen Tick offener als Hakopian und fing sich entsprechend mehr Schläge ein. Der zwar schlaksig wirkende, aber hart schlagende Abate wird seine Deckungsarbeit verbessern müssen, wenn er gegen wendigere Gegner wie Hakopian antritt. Der Kampf wurde mit dem Resultat 2:1 Richterstimmen für Hakopian gewertet.
Julien Calvete (Esquive BC de Genève) vs. Sainten Brice (Dijon, Frankreich)
Der Lokalmatador Julien Calvete konnte auf lautstarke Unterstützung aus dem Publikum zählen. War dies mit ein Grund dafür, weshalb er den Kampf am Ende mit 3:0 Richterstimmen für sich entscheiden konnte?
Calvete legte zwar temperamentvoll los und deckte seinen Gegner aus dem Burgund mit Schlägen ein, der sich davon aber nicht beeindrucken liess. Brice behielt seine Deckung konsequent oben, blieb kompakt und wurde so kaum getroffen. Als es aber schien, Calvete hätte es hier mit einem verhaltenen Defensivboxer zu tun, sprang ihn der Franzose urplötzlich an und schlug mehrere harte, technisch saubere Kombinationen zu Kopf und Körper. Obwohl noch sehr jung, erwies sich Brice als taktisch ausgesprochen kluger Boxer, der in regelmässigen, überfallartigen Attacken aus seiner ansonsten kompakten Doppeldeckung heraus nach vorne preschte und Calvet heftig bedrängte. Dieser wehrte sich tapfer und bewies auch eine verbesserte Deckung, legte aber bei seinen Kontern meist zu viel Kraft in die Schläge. Natürlich schlug Calvet über die drei Runden insgesamt etwas mehr. Ob aber dabei auch mehr zählende Punkttreffer waren, darüber gingen die Meinungen sogar beim einheimischen Publikum auseinander. Ungeachtet dessen wird Calvete in Zukunft versuchen müssen, nicht nur oben durch die Mitte zu operieren, sondern auch konsequenter am Körper seiner Gegner zu arbeiten.
Mittelgewicht (bis 75 kg):
Jeton Morina (BC de Nyon) vs. Vaton Zyberi (NABC Montreux)
Hier standen sich zwei Boxer gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Aus der roten Ecke kämpfte der athletische, hart schlagende Morina, der sich immer im Vorwärtsgang befindet. Sein Gegner Zymberi hingegen arbeitete aus der kontrollierten Defensive und stach regelmässig mit blitzschnellen Kontern zu. Zymberi bewies dabei sein überdurchschnittliches Auge. Allerdings machte ihm Morina die Konterarbeit vereinzelt leicht, da er oft ungestüm vorging und zu viel Kraft in die Schläge legte. Am Ende siegte Morina dennoch mit 2:1 Richterstimmen, weil er mehr für den Kampf tat und regelmässiger schlug.
Halbwelter (bis 64 kg)
Stéphano Ciriolo (Ring Star Vernier) vs. Andranik Hakopian (BC Baden)
Der Halbwelterkampf zwischen Lokalmatador Ciriolo und seinem Badener Gegner Hakopian gestaltete sich für das Publikum äusserst attraktiv. Beide Kämpfer legten einen starken Vorwärtsdrang an den Tag und verrichteten gleichzeitig überdurchschnittlich viel Fussarbeit. Beide landeten in einem zu Beginn absolut ausgeglichenen Fight gute Treffer. Gegen Ende der zweiten Runde verschaffte sich dann aber Hakopian allmählich ein leichtes Übergewicht. Ciriolo tänzelte zwar elegant, aber nicht mehr immer schnell genug durch den Ring und wurde so zunehmend von den langen Händen des Badeners getroffen. In der dritten Runde stach dann Hakopian auch mehr mit dem Jab zu, und die lautstarke Unterstützung des Genfer Anhangs für Ciriolo konnte diesen am Ende nicht vor der Niederlage bewahren. Der feine und sehenswerte Kampf zweier fairer Boxer endete zurecht mit 2:1 Richterstimmen zugunsten von Hakopian.
Weltergewicht (bis 69 kg)
Gürkan Akgün (Swiss Boxing Team Junior) vs. Ouali Mohamedali (Bourgoin, Frankreich)
Der erst 17jährige, aber schon sehr kampferfahrene Akgün (15-7-1) ging gegen den Franzosen sofort zum Angriff über. Das diese zumindest in den ersten zwei Runden allerdings vergleichsweise selten in zählbaren Punkttreffern endeten, hatte mehrere Gründe: Akgün bereitete seine Attacken mit überfallartigen Jabs vor, die er mit der Rechten hätte abschliessen müssen. Diese blieb aber merkwürdigerweise immer aus oder erfolgte so spät, dass sich Mohamedali zwischenzeitlich schon wieder befreit hatte. Wenn die Rechte aber doch mal kam, dann flog sie oben durch die Mitte, aber nie zum Körper. Diese etwas stereotypen Bewegungsabläufe sind für einen Gegner problemlos vorauszusehen.
Auch hob Akgün in der Vorwärtsbewegung mehrfach den rechten Ellenbogen vors Gesicht. Das geschah immer dann, wenn er seine zögerte, nach der Auslage sofort die Schlaghand zu bringen. Akgün siegte zwar verdient mit 3:0 Richterstimmen. Den Ausschlag für dieses Ergebnis gaben aber auch seine eher optische Überlegenheit sowie die mangelnde Präzision seines Gegners.
Ylli Rashiti (Swiss Boxing Team Junior) vs. Urim Sylaj (Dijon, Frankreich)
Der Kampf zwischen den beiden Kosovaren begann sehr ausgeglichen. Beide sind von ihrer Anlage her Puncher, wobei Rashiti immer den Angriff suchte, Sylaj hingegen aus der Rückwärtsbewegung punktete. Dabei schlug er regelmässig beeindruckende Uppercuts. Rashiti blutete ab der zweiten Runde sehr stark, suchte aber unvermindert die Offensive, im Bestreben, seinerseits den finalen Schlag zu landen. Der hervorragend disponierte Sylaj liess sich aber nicht aus seinem Konzept bringen und schlug nun auch Treffer zum Körper. In der dritten Runde wollte Rashiti mit Brachialgewalt den Lucky Punch erzwingen und hechtete regelrecht in seinen Gegner. Auch hier wurde er nüchtern abgekontert. Am Ende wurde ein stark blutender, demoralisierter Rashiti von Ringrichter Armin Bracher erlöst, nachdem er von einem klug boxenden, taktisch sehr disziplinierten Gegnern nach allen Regeln der Kunst ausgeboxt worden war. Es stellt sich auch die Frage, ob ein Juniorenamateur nicht vielleicht eher aus einem Kampf genommen werden soll, in dem er seinem Gegner dermassen offensichtlich unterlegen ist...
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