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Zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal pro Woche unter Sodbrennen. Der Ausdruck «Sod» stammt vom Wort «sieden». Und genau so fühlen sich die Beschwerden auch an: Hinter dem Brustbein scheint ein Feuer zu brennen; dazu kommen häufig Schluckbeschwerden, nächtlicher Husten und saures Aufstossen. Der Auslöser dieser Symptome ist saurer Magensaft, der in die Speiseröhre zurückfliesst (Reflux) und dort die Schleimhaut reizt. Über Jahre anhaltender Reflux kann die Speiseröhre derart schädigen, dass sich Verengungen oder sogar Krebsgeschwüre bilden.
Normalerweise verhindert ein ringförmiger Muskel am Mageneingang, dass Säure zurückfliesst. Doch regelmässiger Konsum von Alkohol, Kaffee, Schwarztee, Cola oder Nikotin lässt diesen Schliessmuskel erschlaffen. Wer zudem sehr fettig, schwer verdaulich oder süss isst, produziert übermässig Magensäure. Und ein prall gefüllter Magen oder enge Kleider pressen zusätzlich Magensäure nach oben. Auch Stress, seelische Belastungen und hastiges Essen können die Symptome verstärken.
Wer nur selten unter Sodbrennen und saurem Aufstossen leidet, kann versuchen, die Beschwerden mit richtigem Essverhalten und gemässigtem Lebensstil zu lindern. Gelingt dies nicht, ist der Gang zum Arzt nötig. Dieser kann Säureblocker verschreiben. Mit den modernen Protonenpumpenhemmern, die die Produktion von Magensäure vollständig unterdrücken, klingen die Beschwerden bei rund 90 Prozent der Patienten ab.
Die Erfolgsbilanz hat allerdings einen Haken: Wenn die Medikamente nach zwei oder drei Monaten abgesetzt werden, tritt bei 50 bis 80 Prozent der Betroffenen das Sodbrennen erneut auf. Oft entsteht daraus eine «unendliche Geschichte» wie bei Arno S. Jahrelang plagten ihn saures Aufstossen und Sodbrennen. «Ich habe alles versucht: mich gesund ernährt, auf Alkohol verzichtet und Tabletten genommen.» Ohne Erfolg. Regelmässig wachte er in der Nacht mit Schmerzen und Übelkeit auf.
Schliesslich stellte ihn der Arzt vor die Wahl: Langzeittherapie mit Medikamenten oder Operation. Für Arno S. war der Fall klar: «Ich bin erst 41. Ich wollte nicht während Jahrzehnten Tabletten nehmen. Dann doch lieber unters Messer.»
Bei der «Anti-Reflux-Operation» wird ein Teil des Magens um das untere Ende der Speiseröhre geschlungen. Die so gebildete Manschette verhindert, dass weiterhin Magensaft in die Speiseröhre zurückfliesst. Der Eingriff dauert anderthalb bis zwei Stunden. Weil kein Bauchschnitt nötig ist, bleiben die meisten Patienten nur ein bis zwei Tage in der Klinik.
Über 90 Prozent der Operierten haben laut Mischa Feigel, Bauchchirurg in Zürich, nach dem Eingriff keinerlei Beschwerden mehr, müssen also nicht länger Medikamente nehmen. «Die Gesamtkosten der Operation», sagt Feigel, «belaufen sich auf 10000 bis 15000 Franken. Wenn ein Patient während acht Jahren Antra schluckt, das wirksamste Reflux-Medikament, dann kostet das rund 17000 Franken.» Der Eingriff, den die Krankenkassen übernehmen, kann sich also auch finanziell auszahlen.
Operation nicht immer möglich
Allerdings können nicht alle Betroffenen operiert werden. Wenn jemand bereits eine Magenoperation hinter sich hat, ist ein Eingriff oft nicht möglich. Auch gebe es Patienten, so Mischa Feigel, die Medikamente bevorzugten.
Arno S. hatte in den ersten Wochen nach der Operation leichte Schluckbeschwerden: «Das Essen flutschte beim Schlucken nicht mehr so gut durch wie vorher.» Daran gewöhnte er sich jedoch rasch. Grundsätzlich fühlt er sich jetzt viel wohler. «Ich schlafe wieder gut, das ist das Wichtigste. Zudem muss ich nicht mehr alle paar Monate zum Arzt rennen!»