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| Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)

Buch 1
Traktat XIV. Der Aufbau des geistigen Tempels Gottes.
1.
Gerne würde ich, geliebteste Brüder, mich sozusagen der Sprache des Triumphes bedienen und durch Worte der Lobpreisung zu dem hohen Schlußstein des neuen Baues1 einen zweiten setzen. Aber so gut es auch ist, das zu rühmen, was Gottes ist, so stellt doch das, was man mit Heiden oder Juden gemeinsam hat, nichts Einzigartiges dar. Denn auch diese könnten, wenn sie [S. 169] dürften2 oder wollten, Synagogen erbauen und Göttertempel 3 errichten, und vielleicht noch reichere. Aber wenn man's recht betrachtet, so können bei all diesen Bauwerken mehr ihre Baumeister Bewunderung finden als ihre Priester. Und weiter: Findet sich denn nicht in der ganzen Kirche Gottes entweder keine oder nur sehr selten eine Gebetsstätte, die man bis jetzt nur einigermaßen mit den Götzentempeln vergleichen könnte, die beim nächstbesten Zusammensturz in sich selbst zusammensinken? Und wir wissen auch, daß der Tempel Salomos als ein herrliches Bauwerk geschaffen und so durchgeführt war, daß der Beschauer nicht wußte, was er mehr daran bewundern sollte, die Größe, die Bauart, die Ausstattung oder das Baumaterial; denn so vereinigte sich alles zu einer einzigen Herrlichkeit, daß der vergängliche Prachtbau als das rechtmäßige Haus Gottes galt. Wenn dem so wäre, dann würde unsere Kirche niemals mit den Genannten an Schönheit sich messen können.
1: Die hier erwähnte neue Kirche ist nach dem Zusammenhange nicht die erste christliche Kirche Veronas, doch eine der ältesten. Ihre Lage ist kaum zu bestimmen. Man könnte an eine Vorgängerin der alten Kirche von San Pietro in castello oder mit Giuliari an Santo Stefano denken (vgl. über die beiden Kirchen Sc. Maffei, Verona illustrata, P. III, Milano 1826, p. 100—102), oder auch an eine Kirche bei der heutigen Basilika. Vgl. Einleitung S. 32.
2: Nach der Lesart der Ballerini: nam et Ulis si liceat, vel si velint... aedificent (Giuliari: nam et illi, si liceat, vel si velint,,.). Das in den Worten si liceat angedeutete Verbot bezieht sich wohl weniger auf ein Verbot des Baues von Synagogen als von heidnischen Göttertempeln und enthält vielleicht eine Anspielung auf die Bestimmung des Kaisers Konstantius vom Jahre 354: Placuit omnibus locis atque urbibus universis claudi protinus templa et accessu vetito omnibus licentiam delinquendi perditis abnegari (Cod. Iust. I 11, 1), eine Bestimmung, die übrigens wenig in Anwendung kam.
3: Cultius erigant capitolia. Die Bezeichnung capitolium als Göttertempel war vielfach üblich. Vgl. schon Tert. apol. 6: Serapidem... Capitolio prohibitos inferri, id est curia deorum pulsos.