Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03624.jsonl.gz/1877

Der populäre Weihnachtsstern gehört zu den Euphorbiazeen (Wolfsmilchgewächsen) und stammt aus Lateinamerika. Beliebt ist die Pflanze wegen der bunten Hochblätter (Brakteen), die nicht den Blüten entsprechen. Ursprünglich sind die Weihnachtssterne rot; heute gibt es verschiedenste Varianten zwischen Rot und Weiss. Die Blüten sind unscheinbar im Zentrum der Brakteen zu finden. Obwohl die meisten Leute die Weihnachtssterne jeweils nicht behalten, handelt es sich um eine mehrjährige Pflanze, die zum Blühen gebracht werden kann, indem sie während mindestens 12 Stunden dunkel gehalten wird. Der Milchsaft der Euphorbien ist giftig und kann insbesondere zu einer starken Reizung der Augen oder der Haut führen. Bei akzidenteller Exposition der Augen ist eine augenärztliche Kontrolle indiziert.
Bild des Monats Februar 2006: Weihnachtskaktus (Schlumbergera Bridgesii)
Weil er so kühl platziert ist, kommt unser grosser Weihnachtskaktus erst Ende Januar in volle Blüte. Es gibt einige Schlumbergera-Varianten, unter anderem auch einen „Osterkaktus“. Es handelt sich um Blattkakteen, die ursprünglich epiphytisch auf Bäumen im Urwald Brasiliens heimisch sind. Medizinisch sind sie nicht von grossem Belang. Sie gehören zwar in den USA den 20 Pflanzen, die am häufigsten Anfragen bei Vergiftungszentren verursachen, sind jedoch kaum toxisch.
Die Clivie hat keinen sehr gebräuchlichen deutschen Namen; manchmal wird die Bezeichnung Riemenblatt verwendet. Eine Pflanze aus den feuchten Wäldern Südafrikas, sieht man die Clivia bei uns als grosszügig blühende Topfpflanze. Sie gehört zu den Amaryllidazeen; das Rhizom wurde von den Zulus zu Heilzwecken verwendet, enthält aber verschiedene giftige Alkaloide (insbesondere Lycorin). Wie zu vielen anderen Blumen findet man im Internet eine sehr grosse Zahl von Hinweisen, Bildern und Texten (z.B. http://www.clivias.com/) zu Clivien. Es gibt auch eine „Clivia Society“.
Bild des Monats April 2006: Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
In Jahren mit „normalen“ Witterungsverhältnissen blüht diese Pflanze bereits Mitte März an sonnigen Waldrändern und Gebüschen. Sie kommt in der Schweiz in der kollinen und subalpinen Stufe in verschiedenen Regionen vor (Tessin, Wallis, Nordostschweiz, Jura) und blüht je nach Höhenstufe bis Juni. Die auffallend gefleckten Blätter haben die Menschen schon früh mit der Lunge in Verbindung gebracht, und deshalb das Lungenkraut als Heilpflanze gegen Husten, Heiserkeit und Lungenkrankheiten verwendet. Die verschiedenen Volksnamen für die Pflanze (z.B. Hänsel und Gretel, Bayern und Franzosen, etc.) beziehen sich auf eine andere Besonderheit der Pflanze: Die Blüten sind zuerst rosarot und wechseln später die Farbe zu blau. Dieses Phänomen ist auf den wechselnden Säuregehalt in den Blüten zurückzuführen. Eigenartigerweise suchen die Insekten fast nur die roten Blüten auf.
Bild des Monats Mai 2006: Aurikel (Primula auricula)
Diese Primel ist auf Kalkfelsen in den Alpen und im Jura weit verbreitet. Sie ist eine typische Felsenpflanze, die mit einem kräftigen Wurzelstock tief in den Kalkspalten verankert ist. In ihren fleischigen Blättern kann sie Wasser für längere Trockenperioden speichern.
Weil sie den Menschen aufgefallen ist, trägt sie je nach Region auch ganz verschiedene Name, wie Flühblümchen oder z.B. in Österreich Petergstamm. Der botanische Name Primula ist eine Verkleinerungsform des lateinischen primus = der erste. Je nach Höhenstufe blüht die Aurikel von April bis Juni.
Die verwandte Schlüsselblume (Primula veris) wird für Tee bei Erkältungen und Husten, sowie in der Wildkräuterküche verwendet. Unsere Aurikel und alle rot blühenden Primeln (Mehlprimel, rote Felsen-Primel) sind aber giftig!
Bild des Monats Juni 2006: Alpen-Hagrose (Rosa pendulina)
Der Juni ist der eigentliche Rosenmonat. Die abgebildete Art kommt in der Schweiz im ganzen Alpenraum und im Jura weit verbreitet vor. Sie wächst in Hochstaudenfluren, Bergwäldern und felsigen Hängen. Diese mittel- und südeuropäische Pflanze blüht von Juni bis Juli.
Die Früchte der Wildrosen werden von vielen Menschen gesammelt und für den bekannten Hagebuttentee verwendet. Als Ausnahme stehen die Hagebutten dieser Rose nicht aufrecht sondern hängen, daher der lateinische Name.
Zu der wichtigen Familie der Rosengewächse gehören neben den eigentlichen Rosen auch viele unserer Obstbäume wie Apfel, Birne, Zwetschge, Kirsche, einige Beerensträucher wie Brom- und Himbeere sowie viele andere Pflanzen.
Bild des Monats Juli 2006: Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia)
Der Sonnentau wächst nur in Hochmooren und immer zusammen mit Sphagnum-Torfmoosen. In der Schweiz gibt es 4 Arten, von denen der rundblättrige Sonnentau am häufigsten ist. Die Pflanze ist auf der ganzen Nordhalbkugel in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet.
Der Name kommt von den glänzenden Tröpfchen an den Blättern, die in der Sonne wie Tau glänzen. Für kleine Insekten sind die klebrigen Tropfen aber eine tödliche Falle, denn der Sonnentau ist eine sogenannte „fleischfressende“ Pflanze. Mit dieser Nahrung gleicht die Pflanze den extrem nährstoffarmen Boden des Hochmoores aus.
Auch die Menschen waren schon früh fasziniert vom Sonnentau: die mittelalterlichen Alchimisten versuchten, aus den Tröpfchen Gold herzustellen.
Der Sonnentau blüht im Juli und August. Der Stengel rollt sich farnähnlich auf, die weisse Blüte ist unscheinbar. Alle Sonnentau-Arten stehen in der Schweiz unter Naturschutz.
Bild des Monats August 2006: Ostalpen-Enzian (Gentiana pannonica)
Diese Pflanze ist für die Schweiz speziell, weil sie im Toggenburg (Kanton St. Gallen) den Westrand ihres Verbreitungsgebiets erreicht. Sie ist in den Ostalpen verbreitet, aber nicht häufig und wird in den Westalpen durch den ähnlichen Purpur-Enzian (Gentiana purpurea) abgelöst.
Die bis zu 5cm langen Blütenkronen sind dunkel punktiert und in mehreren Etagen rund um den Stengel angeordnet. Die Pflanze kommt in Weiden, aber auch in Karrenfeldern vor. Der Standort in den Churfirsten erstreckt sich zwischen Chäserrugg und Brisi auf einer Höhe von 1'500 bis 1'800 Metern. Die Pflanze blüht spät im August, oft erst in der 2. Monatshälfte.
Der Enzianschnaps wird übrigens nicht aus den bekannten blauen Enzianarten, sondern vor allem aus den Wurzeln des grossen Gelben Enzians (Gentiana lutea), aber auch des Purpur-Enzians hergestellt. Die Älpler lieben den gelben Enzian nicht, weil er giftig ist und vom Vieh verschmäht wird.
Der Ostalpen-Enzian steht in der Schweiz natürlich unter strengem Schutz.
Bild des Monats September 2006: Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis)
Diese seltene Orchidee blüht sehr spät im Jahr, von Mitte August bis Mitte Oktober. Man findet sie auf Magerrasen in trockenen Hanglagen, häufig in von Schafen beweideten Wiesen. Typische Begleitpflanzen sind oft die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), Besenheide (Calluna vulgaris) und der Aufrechte Augentrost (Euphrasia stricta).
Wie viele unserer Orchideen stammt sie aus dem Mittelmeerraum. In der Schweiz ist sie unter anderem im Jura, am Vierwaldstättersee, Walensee und im Bündner Rheintal verbreitet. Der Stängel ist 10 bis 30 cm hoch, an der oberen Stängelhälfte sind bis zu 30 Blüten spiralig angeordnet.
Die nahe verwandte Sommer-Wendelähre (Spiranthes aestivalis) blüht im Juli und August in Flachmooren und Riedwiesen. Wie alle Orchideen steht die Pflanze in der Schweiz unter strengem Schutz.
Bild des Monats Oktober 2006: Silberdistel (Carlina acaulis)
Wenn die Kühe von den Alpweiden ins Tal zurückgekehrt sind, erblühen die weissen Sterne der Silberdistel. Diese Pflanze misst mit ihren Hüllblättern den Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Nur bei schönem, trockenem Wetter öffnen sich die Blüten und sind so für Berggänger ein zuverlässiger „Wetterprophet“.
Die Silberdistel blüht von August bis Oktober auf mageren Wiesen und Weiden im ganzen Alpengebiet und im Jura. Der lateinische Name stammt aus dem Mittelalter und ist wahrscheinlich von Karl dem Grossen abgeleitet (acaulis bedeutet stengellos, was nicht ganz stimmt, denn die Pflanze wird bis zu 30 cm hoch). Wie alle volkstümlichen Pflanzen hat sie noch eine Reihe weiterer Namen (Auswahl aus Wikipedia): Eberdistel, Große Eberwurz, Jägerbrot, Wiesenkas, Alpenkas, Barometerdistel, Frauendistel, Wasserwurz, Karlsdistel, Wetterdistel.
Die Wurzel enthält einen weissen Milchsaft und wird als Naturheilmittel bei Magenverstimmung, Erkältungen und anderen Leiden angewendet. Die Böden der Blütenkelche wurden früher wie Artischocken gekocht und gegessen.
Bild des Monats November 2006: Protea (Protea cynaroides)
Wenn in unseren Breitengraden die ersten Schneefälle bis in die Niederungen angesagt sind, tauchen in den Blumenhandlungen die Proteen auf und erinnern daran, dass auf der Südhalbkugel Sommer ist.
Der schwedische Naturforscher Carl von Linné hat die Pflanze 1735 nach Proteus, dem Gott des Feuers benannt, der seine Gestalt ändern konnte. Die Vielfalt der Proteagewächse ist noch weit grösser als Linné ahnen konnte: 1'700 Arten in 62 Gattungen kennt man heute. Das Verbreitungsgebiet der Familie erstreckt sich über die ganze Südhalbkugel mit Schwerpunkten in Australien, Madagaskar und Südafrika.
Die abgebildete Königs-Protea ist die Nationalblume Südafrikas. Sie wächst in der westlichen Kapprovinz (Cederberge, Kaphalbinsel) von Meeresniveau bis 1'500 m, in einem Habitat, welches in Südafrika Fynbos genannt wird. Diese „Hartlaubgewächse“ sind durch Behaarung und andere Strategien an das Leben im Trockenen angepasst.
Die bei uns erhältlichen Pflanzen stammen nicht aus der Natur, sondern werden auf Farmen gezüchtet und nach Europa und Amerika exportiert.
Bild des Monats Dezember 2006: Stechpalme (Ilex aquifolium)
Im Winter zeigen sich in unseren Breitengraden fast keine Blütenpflanzen, dafür geben aber die Beeren die Farbtupfer im kahlen Wald. Die Stechpalme ist ein Einwanderer aus wärmeren Gegenden – sie stammt aus Südeuropa und Westasien. In der Schweiz kommt sie neben Tessin und Wallis auch in klimatisch begünstigten Lagen der Nordschweiz vor. Als Folge der Klimaerwärmung ist sie sogar in Ausbreitung begriffen.
Die Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae) ist in gemässigten und tropischen Gebieten verbreitet, und zwar auf allen Kontinenten. Von der Gattung Ilex gibt es weltweit ca. 400 Arten. Unsere Stechpalme ist aber der einzige Vertreter dieser Familie in der Schweiz. Sie kann sich zu einem bis zu 10 Meter hohen Baum entwickeln und bis 100 Jahre alt werden. Die Blätter sind immergrün, die jungen stachelig gezähnt, die alten ganzrandig. Die jungen Blätter können als Tee gegen Grippe, Bronchitis und andere Gebrechen verwendet werden. Die im September/ Oktober reifenden Beeren sind giftig. In einzelnen Kantonen ist die Pflanze zwar geschützt, ein Sammeln in kleinen Mengen stellt aber sicher keine Gefährdung dar.