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Vor 125 Jahren, am 4. Februar 1897, wurde Ludwig Erhard als Sohn eines Textilhändlers in Fürth geboren, konnte den gelernten Beruf als Textilhändler wegen einer Fussverletzung nicht mehr leisten, aber auch ohne Abitur in Nürnberg und später in Frankfurt studieren. Er blieb dann in verschiedenen Wirtschaftsinstituten und schrieb als Wirtschaftspublizist schon während des Krieges über den Neuaufbau nach einem verlorenen Krieg – was ihm die herrschende Partei übelnahm und ihm eine Professur verhinderte.
Nach dem Kriege wurde er von den Alliierten mit der Vorbereitung der Währungsreform betraut, wurde 1948 Direktor der Zwei-Zonen-Wirtschaftsverwaltung der westlichen Besatzungszone und verfasste 1948 für die CDU die «Düsseldorfer Leitsätze von der Sozialen Marktwirtschaft».
Die ersten Bundestagswahlen 1949 standen noch unter der erbitterten wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung zwischen Planwirtschaftlern und Marktwirtschaftlern. Die bisher bestehende Zentralverwaltungswirtschaft aufzugeben, schien vielen als Verrat an der Verteilungsgerechtigkeit und an den Unterschichten. Ludwig Erhard dagegen war Verfechter der sozialen Marktwirtschaft, die Güterproduktion und Güterverteilung über das Preissystem lenken wollte. Man kann sich heute die Verbitterung, mit welcher beide Seiten ihre Position vertraten, gar nicht mehr vorstellen. Der Autor hat damals mit Ludwig Erhard zusammen Wahlkampf für die CDU gemacht und weiss noch, wie heftig es in den Wahlversammlungen diskutiert wurde, ob, «Marktwirtschaft nicht nur Egoismus sei», ob «Marktwirtschaft für Arbeitsplätze sorgen könne», ob «die Güterversorgung überhaupt funktioniere, wenn sie nicht mehr geplant sei». Das Gegenargument, dass ein freier Markt sich selbst organisiere, wenn der Staat ihm nur die Rahmendaten vorgebe, wurde mit grosser Skepsis angehört und mehrheitlich nicht geglaubt.
Durch den Wahlsieg der CDU wurde Ludwig Erhard 1949 Bundeswirtschaftsminister (bis 1963) und konnte sein Konzept der Marktwirtschaft und Befreiung von staatlichen Zwängen durchsetzen. Der Preis bewährte sich als Lenkungsmittel. Wo die Preise stiegen, zeigten sie Knappheit an, boten die gestiegenen Preise höheren Gewinn und damit Anreiz für mehr Produktion. Und die Konsumenten griffen nach den billigeren Produkten, erzwangen dadurch Preissenkungen.
Der Staat sollte nur noch sicherstellen, dass alle Marktteilnehmer grösste Handlungsfreiheit hatten und dass das Grundgesetz der Marktwirtschaft – die Chancengleichheit (wie gesellschaftlich die Rechtsgleichheit) – durchgesetzt werde. Dazu diente ein Wettbewerbsrecht mit Kartellverbot, das Diskriminierungsverbot und die Fürsorge Ludwig Erhards beim Aufbau eines starken Mittelstandes in fairem Wettbewerb.
Damit aber «niemand in unserer Marktwirtschaft unter die Räder kommt», verlangte er soziale Absicherung (Soziale Marktwirtschaft) im Falle des Scheiterns.
Die Rückbesinnung auf Ludwig Erhard wäre heute besonders wichtig, wo der Staat sich wie eine Krake in allen Lebensbereichen wieder ausdehnt, wo Wohlstand immer weniger von eigener Leistung als von der Nutzung der Subventions- und Sozialprogramme abhängt, wo zwei Drittel der Bevölkerung von staatlichen Transferleistungen leben1 und wo globale Banken und Konzerne unseren Markt und unsere Politik beherrschen und den selbständigen Mittelstand diskriminieren, wo Personalunternehmen höher besteuert werden als Kapitalgesellschaften,2 wo es in der Politik nicht mehr um Wertschöpfung, Wachstum und wirtschaftlichen Nutzen geht, sondern wie zu unseliger Zeit um Durchsetzung von Ideologien (Ökologie statt Ökonomie) mit Hilfe von Dirigismus, Funktionärsherrschaft, Kontrolle und wachsender Planwirtschaft.
Das Geheimnis von Ludwig Erhard für das von ihm geschaffene «Wirtschaftswunder» lag in seiner Gewinndefinition. Er setzte durch, dass nur der vom Unternehmen entnommene Überschuss als steuerlicher Gewinn galt.3 Die Betriebe konnten sich also mit internen Erträgen erst einmal selbst finanzieren, Investitionen und Arbeitsplätze schaffen, bevor die staatliche Krake ihnen dieses Geld wie heute (zu über 70 %) entzog. Das hat allerdings die internationale Finanzindustrie erzürnt, welche keine sich selbst finanzierende Unternehmen, sondern Fremdfinanzierung durch von ihr gegebene Kredite wollte und Adenauer schliesslich überzeugen konnte,4 dass der Staat mehr Steuern bekäme, wenn er nicht nur Überschüsse, sondern auch interne Erträge besteuere. So blieb die Zeit von Ludwig Erhard die goldene Zeit der mittelständischen Unternehmen. Jeder konnte auch ohne Fremdkapital selbst anfangen, sich aus Gewinnen selbst finanzieren, wachsen und eine auch international übliche Eigenkapitalquote als Vorsorge für Wirtschaftskrisen schaffen.
Inzwischen haben die Banken mit ihrem Fremdkapital wieder das Sagen, werden mehr als eine Million mittelständische Betriebe durch Eigenkapitalmangel den nächsten Crash nicht überstehen und sind die Konzerne auf Mittelstandskosten einseitig gewachsen.
Ein weiteres Erbe von Ludwig Erhard hat der Autor übernommen. Ludwig Erhard war der erste und einzige Bundeswirtschaftsminister, der wusste, dass Wohlstand nicht aus internationalen Konzernen, sondern aus heimattreuem Mittelstand kommt, dass der Mittelstand die entscheidende Bevölkerungsschicht für Arbeitsplätze, Investitionen, Wirtschaftswachstum und für die öffentlichen Finanzen ist. Er hat als einziger erfolgreich Mittelstandspolitik betrieben (damit auch den grössten Erfolg gehabt), ein Mittelstandsforschungsinstitut in Bonn gegründet und durch einen ehemaligen Mitstreiter das Mittelstandsinstitut Hannover initiiert, also die Mittelstandsforschung in Deutschland begründet.
Im Mittelstandsinstitut Niedersachsen werden – wie Ludwig Erhard dies während der Nazi-Zeit getan hat – auch wieder Konzepte und Strategien für einen Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nach der Öko-Ideologiephase und deren kommenden Crash erarbeitet, wobei die neue Dimension in der EU-Zentralisierung, EU-Regierung und EU-Zentralverwaltungswirtschaft einbezogen wird. •
1 vgl. Hamer/Jörgens. Wer ist Mittelstand?, Hannover 2021
2 Wo globale Banken und Konzerne sogar durch Steuerverlagerung ihrer Gewinne Steuervorteile geniessen.
3 Nicht wie heute jeder betriebsinterne Überschuss durch Zurechnungen und Abrechnungen und der kompliziertesten Steuerberechnung der Welt.
4 Durch den Deutsche-Bank-Banker Abs.
zf. Ludwig Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth als Sohn eines Textilwarenhändlers geboren. Nach dem Besuch der Realschule absolviert er eine kaufmännische Lehre in Nürnberg. Von 1916–1918 ist er Soldat im Ersten Weltkrieg und wird 1918 bei Ypern an der Westfront schwer verwundet.
1919–1922 studiert er an der Handelshochschule Nürnberg, 1922–1925 Betriebswirtschaft, Nationalökonomie und Soziologie an der Universität Frankfurt/Main. Promotion zum Dr. rer. pol. über ein währungspolitisches Thema. 1925–1928 arbeitet er als Geschäftsführer im elterlichen Betrieb. 1928–1942 ist er Wissenschaftlicher Assistent und später Stellvertretender Leiter des «Instituts für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware» in Nürnberg. 1942 gründet er mit dem «Institut für Industrieforschung» ein eigenes Konsumforschungsinstitut.
Im März 1944 stellt er eine Denkschrift fertig, in der er von der Voraussetzung eines für Deutschland verlorenen Krieges ausgeht. Unmittelbar vor dem Attentat vom 20. Juli 1944 übersendet er diese Denkschrift Carl Friedrich Goerdeler, der im Zentrum des zivilen Widerstandes gegen das NS-Regime steht.
Nach dem Ende des Krieges wird Erhard zuerst Wirtschaftsminister der neuen bayerischen Regierung. 1947 wird er Leiter der Expertenkommission «Sonderstelle Geld und Kredit» bei der Verwaltung der Finanzen der britisch-amerikanischen Bizone und ist dort mit der Vorbereitung der Währungsreform betraut. Im März 1948 wählt ihn der Wirtschaftsrat der amerikanisch-britischen Bizone zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft. Parallel zur Währungsreform im Juni 1948 leitet Erhard in den westlichen Besatzungszonen die Aufhebung der Bewirtschaftung und die Freigabe der Preise ein.
Im Juli 1949 macht sich die CDU der britischen Besatzungszone in den «Düsseldorfer Leitsätzen» Erhards wirtschaftspolitisches Konzept der Sozialen Marktwirtschaft zu eigen. Im September 1949 wird Erhard in den ersten Deutschen Bundestag gewählt und Wirtschaftsminister im ersten Kabinett von Konrad Adenauer. Er bleibt dies bis 1963.
Im Februar 1957 veröffentlicht Erhard sein wichtigstes Buch, in dem er für die breite Öffentlichkeit sein Konzept der Sozialen Marktwirtschaft vorstellt und ausführlich erläutert: «Wohlstand für alle».
Nach dem Rücktritt Adenauers im Oktober 1963 wählt der Deutsche Bundestag Erhard zum neuen Bundeskanzler. Er bleibt dies nur drei Jahre. Im Oktober treten die Regierungsmitglieder der FDP aus Protest gegen die Finanzpolitik von CDU und CSU zurück. Dem folgt am 1. Dezember Erhards Rücktritt als Bundeskanzler. Sein Nachfolger wird Kurt-Georg Kiesinger von der CDU mit einer Regierung der Grossen Koalition aus CDU, CSU und SPD.
Bis zu seinem Tod am 5. Mai 1977 bleibt Ludwig Erhard Abgeordneter im Deutschen Bundestag.
Zusammengestellt nach https://www.hdg.de/lemo/biografie/ludwig-erhard.html
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