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Gute Sorten des Wiesenrispengrases gibt es nur wenige. Nun lassen die positiven Ergebnisse der Sortenprüfung hoffen, dass die Auswahl an Spitzensorten um zwei Neuzüchtungen erweitert werden kann.
Knapp ein Drittel der Fruchtfolgefläche ist mit Kunstwiesen belegt. Diese sind im Schweizer Ackerbaugebiet der Hauptlieferant für hochwertiges Grundfutter. Vor allem in Ansaaten für vier und mehr Jahre Nutzungsdauer spielt das Wiesenrispengras eine bedeutende Rolle. Dieses wertvolle Futtergras bildet einen dichten, unkrautarmen und trittfesten Rasen. Das macht es besonders auch für die Anlage von Weiden interessant. Da sich das Wiesenrispengras aber nach der Saat nur langsam entwickelt, wird es stets in Samenmischungen zusammen mit sich rascher entwickelnden Arten verwendet, die anfänglich auch den hauptsächlichen Ertrag liefern.
Wenige Sorten des wertvollen Futtergrases
Agronomisch gute Futtersorten des Wiesenrispengrases weisen viel Blattmasse und wenig blütenbildende Stängel auf. Deshalb kann von solchen Sorten weniger Saatgut je Vermehrungsfläche geerntet werden, was das Saatgut verteuert, die Vermehrung oft unwirtschaftlich werden lässt und ihnen so das Bestehen auf dem Saatgutmarkt erschwert. Aus diesem Grunde ist das Angebot an Spitzensorten beim Wiesenrispengras beschränkt. Bei Beginn der Sortenprüfung 2017–2019 mit Wiesenrispengras waren lediglich vier Sorten in der empfehlenden Liste verzeichnet.
Feldversuche und Beurteilung der Eigenschaften
In den Jahren 2017 bis 2019 prüfte Agroscope vier bereits empfohlene Sorten und sechs Neuzüchtungen des Wiesenrispengrass (Poa pratensis L.) auf ihre Verwendungseignung. Die hierzu angelegten Feldversuche befanden sich an vier über den Mittellandbogen zwischen Genfersee und Bodensee verteilten Standorten sowie an zwei Orten in höheren Lagen der Zentral- und Ostschweiz. Sämtliche Beobachtungen wurden auf Kleinparzellen gemacht.
Von den bewerteten Grössen erhielten der Ertrag, die Bestandesqualität, die Konkurrenzkraft, die Ausdauer, die Resistenz gegen Blattkrankheiten und die Anbaueignung für höhere Lagen doppeltes Gewicht, während die Jugendentwicklung, die Toleranz gegen Wintereinflüsse und die Verdaulichkeit mit einfachem Gewicht in die Auswertung einflossen. Ein aus den einzelnen Eigenschaften errechneter Index ermöglichte den Sortenvergleich und diente der abschliessenden agronomischen Gesamtbeurteilung der Sorten. Hierzu wurden die vier bereits empfohlenen Sorten als Massstab beigezogen.
Zwei neue Spitzensorten
Aus allen geprüften Sorten stachen die beiden Agroscope-Neuzüchtungen «PP 1005» und «PP 0505» besonders hervor. In der Gesamtbeurteilung war «PP 1005» deutlich besser als die beste der bereits empfohlenen Sorten, während «PP 0505» knapp hinter dieser zu liegen kam. Hinsichtlich Ertrag, Beschaffenheit des Pflanzenbestandes, Resistenzen gegen Blattkrankheiten und Toleranzen gegen Wintereinflüsse belegten die beiden Neuzüchtungen die Ränge eins bis drei. «PP 1005» zeichnete sich zudem durch die beste Anbaueignung für Lagen oberhalb von 900 m ü. M. aus, während «PP 0505» in der Ausdauer alle anderen Sorten übertraf. Beide Sorten befinden sich noch im rechtlich-administrativen Zulassungsprozess des Bundesamtes für Landwirtschaft. Sobald dieser positiv abgeschlossen ist, steht einer Empfehlung durch Agroscope nichts mehr im Wege.
Sortenempfehlungen von Agroscope
Die Sortenprüfung verschiedener Futterpflanzenarten wird von Agroscope regelmässig durchgeführt, um der Schweizer Landwirtschaft unabhängige und neueste Sortenempfehlungen abgeben zu können. Die dabei erarbeitete und laufend aktualisierte «Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen» ist ein wichtiger Ratgeber für die Saatgutbranche der Schweiz und ermöglicht der Praxis den raschen Zugang zum Züchtungsfortschritt, wie ihn zum Beispiel die Neuzüchtungen «PP 1005» und «PP 0505» mit sich bringen.
Fazit
- Agroscope hat zwischen 2017 und 2019 zehn Sorten von Wiesenrispengras geprüft.
- Die beiden Neuzüchtungen «PP 1005» und «PP 0505» waren nahezu in allen Eigenschaften den übrigen geprüften Sorten überlegen.
- Agroscope wird diese Neuzüchtungen empfehlen, sobald deren rechtlich-administrativer Zulassungsprozess abgeschlossen ist.
- Bei dem momentan geringen Angebot an guten Wiesenrispengrassorten ist eine rasche Aufnahme der beiden Neuzüchtungen in das Sortiment der empfohlenen Sorten besonders wünschenswert.
Wissenschaftlicher Artikel
Wiesenrispengras geprüft: Zwei neue Topsorten für die Futterproduktion