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Ein CS-Kadermann wurde verhaftet, eine Anklage steht offenbar kurz bevor. Es kursieren Meldungen, dass weitere Anklagen gegen Schweizer Banker folgen.
Die «Sonntagszeitung» hatte gemeldet, ein Credit-Suisse-Banker werde von den US-Behörden als wichtiger Zeuge – «material witness» – festgehalten. Wie die «New York Times» nun aber erfahren hat, droht dem CS-Berater selber eine Anklage wegen «conspiracy and fraud», Verschwörung und Betrug.
Das Blatt beruft sich dabei auf zwei Quellen; die Personen wollten ihren Namen jedoch nicht nennen, weil die Anklage formell noch nicht eröffnet sei.
Dabei wird auch der Name des Verhafteten genannt: Christos Bagios. Laut einem Eintrag des Federal Bureau of Prisons befindet sich ein Mann dieses Namens, 45 Jahre alt, derzeit «in transit» zwischen zwei Bundesgefängnissen. Wie die «New York Times» schreibt, ist der CS-Mann von New York (wo er bei seiner Einreise vor rund zwei Wochen verhaftet wurde) nach Fort Lauderdale in Florida verbracht worden.
Weil oder Liechti? UBS oder CS?
Die erste Kernfrage zum jetzigen Zeitpunkt lautet also: Wird der Mann persönlich angeklagt (wie im Fall Raoul Weil/UBS)? Oder dient er lediglich als wichtiger Zeuge, den die US-Behörden einfach mit der Drohung einer Anklage zum Auspacken bringen wollen (wie im Fall von Martin Liechti/UBS?)
Die zweite Kernfrage: Ermittelt das Department of Justice hier gegen UBS oder gegen CS? Die «New York Times» äusserte die Vermutung, dass das Justizministerium mit der Verhaftung den Druck auf die Credit Suisse erhöhen wolle im Bestreben, gegen deren Offshore-Dienstleitungen vorzugehen, welche amerikanischen Kunden bei der Steuerflucht hilfreich sind.
Der Verhaftete arbeitete seit Februar 2009 für Credit Suisse Private Advisors, seit August 2009 ist er im Verwaltungsrat der CS-Tochterfirma eingetragen. Zuvor aber war er im Wealth Management der UBS tätig.
Keine weitere Stellungnahme
Credit Suisse Private Advisors ist eine Investment-Management-Tochter, die globale Diversifikationsstrategien für reiche Kunden entwickelt. Der Sitz befindet sich in Zürich, aber das Unternehmen ist auch bei der amerikanischen SEC registriert.
Die CS wollte heute keine weitere Stellung zum Verfahren abgeben. Gegenüber finews.ch hatte die Credit Suisse am Montag erklärt, dass Credit Suisse Private Advisors vollständig steuertransparent sei – die Mutmassung der «Sonntagszeitung», wonach die USA sich «Einblicke in die Praxis der CS mit US-Kunden» erhofften, sei daher wohl wenig plausibel.
«...einer aus einer Schweizer Bank, die nicht die UBS ist»
Die «Financial Times» äusserte aber den Verdacht, dass die Anklage «in Zusammenhang mit seiner Rolle als Berater von reichen Kunden an der Westküste» stehe; das Londoner Blatt berief sich dabei auf «zwei Personen, die mit dem Fall vertraut sind.»
Die Anklage werde noch diese Woche erhoben – dann wird der CS-Kadermann vor einen Bundesrichter geladen. Eine der Quellen der «Financial Times» sagte, mit Bagios würden weitere Personen angeklagt, darunter «mindestens einer aus einer Schweizer Bank, welche nicht die UBS ist.»
Überhaupt würden die US-Fahnder ihren Fokus derzeit eher weg verlagern von den Institutionen (wie einst die UBS und zuletzt HSCB) – und hin zu einzelnen Bankern und deren Kunden. Dabei seien auch «mehrere Schweizer Banken» im Visier, so eine Quelle der «Financial Times».