Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03413.jsonl.gz/250

Anlässlich des Internationalen Tages der Frau lohnt es sich, einen Blick auf die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen zu werfen. Eine Ungleichheit, die oft in Vergessenheit gerät, ist das Ungleichgewicht in der medizinischen Versorgung, die sich in den letzten Jahrzehnten überwiegend an den Bedürfnissen der Männer orientiert hat.
Heute ist Weltfrauentag – ein Tag, der daran erinnern soll, wie Frauen für ihre Rechte gekämpft haben, und ein Tag, der die immer noch bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufzeigen soll. So beträgt beispielsweise der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen für die gleiche Arbeit im privaten und öffentlichen Sektor in der Schweiz 18 Prozent, wobei 47,8 Prozent dieses Unterschieds nicht durch strukturelle Faktoren wie Bildungsniveau oder Anzahl der Dienstjahre erklärt werden können. [1]
Ein weiterer Bereich ist die gesundheitliche Kluft zwischen den Geschlechtern. Obwohl Frauen im Durchschnitt vier Jahre älter werden als Männer, verbringen sie laut einer Studie von McKinsey durchschnittlich 25 Prozent mehr ihres Lebens in einem schlechten Gesundheitszustand als Männer. Dies beeinträchtigt ihre Fähigkeit, zuhause, am Arbeitsplatz und in der Gemeinschaft präsent und produktiv zu sein, und verringert ihr Einkommenspotenzial erheblich – dieser Produktivitätsverlust beläuft sich auf mehr als eine Billion US-Dollar pro Jahr[2]. Aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht ist es absolut sinnvoll, diese Gesundheitslücke zu schliessen. Der Markt für Frauengesundheit steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, und obwohl jeder zweite Mensch auf der Erde weiblich ist, handelt es sich nach wie vor um einen Nischenmarkt.
Fehlende Daten erschweren die Forschung für den weiblichen Körper
Bis in die 90er Jahre wurden Frauen mehrheitlich von klinischen Studien ausgeschlossen. Die Mehrheit der Wissenschaftler vertrat die Ansicht, dass weibliche Hormonschwankungen die Forschungsergebnisse beeinträchtigen und es unethisch sei, Frauen wegen des Schwangerschaftsrisikos einzubeziehen. Die Norm für die Entwicklung von Medikamenten war der weisse, junge Mann. Dies hat dazu geführt, dass Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten stärker auf den Mann ausgerichtet sind. Die auf Männer ausgerichtete Medizin hat für Frauen zum Teil gravierende Folgen, da es häufig zu Fehl- oder Spätdiagnosen kommt. Herzerkrankungen beispielsweise werden bei Frauen oft nicht oder zu spät erkannt und häufig mit zu hohen Medikamentendosen behandelt. So zeigt eine Studie der renommierten Gender-Medizinerin Vera Regitz von der Universität Zürich, dass die Sterblichkeit von Frauen mit Herzinsuffizienz offenbar bei halber Medikamentendosis am geringsten zu sein scheint. Dies ist besonders besorgniserregend, da Herzerkrankungen noch vor Brustkrebs die häufigste Todesursache bei Frauen sind.
Wenig Beachtung für häufige Krankheiten wie Endometriose und Wechseljahrbeschwerden
Bis vor kurzem konzentrierte sich die Frauenmedizin vor allem auf die Reproduktionsmedizin. Krankheiten wie beispielsweise Endometriose wurden kaum beachtet. Laut McKinsey leiden 190 Millionen Frauen an Endometriose, einer krankhaften Wucherung der Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutterhöhle im Beckenbereich. Bislang gibt es nur wenige Behandlungsmöglichkeiten für diese Erkrankung, so dass von einem besonders hohen Wachstumspotenzial ausgegangen wird. Das Marktpotenzial für Endometriose-Therapien wird auf 180 bis 220 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Ein weiterer Bereich der Frauenmedizin mit besonders hohem Entwicklungsbedarf sind Wechseljahresbeschwerden. 450 Millionen Frauen leiden weltweit unter Wechseljahresbeschwerden, die wie die Endometriose einen erheblichen Einfluss auf die Produktivität und das Wohlbefinden der betroffenen Frauen haben. Das Marktpotenzial für Therapien für Wechseljahresbeschwerden wird auf 120 – 230 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Femtech – Grosses Potential in der Frauengesundheit
Frauengesundheit hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, und viele Start-ups und Investoren haben das grosse wirtschaftliche Potenzial erkannt. Insbesondere junge Femtech-Unternehmen, die sich auf technologische und innovative Lösungen für die Frauengesundheit spezialisieren, dominieren den Markt. Es ist bekannt, dass Frauen digitale Gesundheitsanwendungen wie Gesundheits-Apps viel häufiger nutzen als Männer.
Die Grösse des globalen Femtech-Marktes wurde von Precedence Research auf 51 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 geschätzt. Precedence Research erwartet, dass der Markt bis 2030 jährlich um 8,1 Prozent auf 103 Milliarden US-Dollar wächst. Der Femtech-Markt ist sehr vielfältig und umfasst neben gynäkologischen Erkrankungen und Fruchtbarkeitsbehandlungen auch weitere Gesundheitsthemen. So setzt beispielsweise. das Zürcher Start-up CorDiFio[3] künstliche Intelligenz (KI) ein, um Herzkrankheiten frühzeitig zu diagnostizieren. Aber auch grosse Pharmakonzerne haben die Frauengesundheit für sich entdeckt. So hat Sanofi zusammen mit dem Femtech-Start-up Elvie eine Partnerschaft geschlossen und einen tragbaren Beckenbodentrainer für Frauen mit Inkontinenzproblemen entwickelt, der über eine App gesteuert wird.
Mehr Forscherinnen und Investorinnen sind gefragt
Obwohl die Gesundheit der Frau inzwischen von grossen Unternehmen aufgegriffen wird, ist sie immer noch ein Nischenmarkt. Damit sich der Markt rund für die Frauengesundheit weiter in die richtige Richtung entwickelt, werden mehr Daten und Studien benötigt, um den weiblichen Körper zu erforschen und besser auf Frauen zugeschnittene Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten zu finden.
Neben der Forschung wäre es wünschenswert, eine weiblichere Investorenbasis zu schaffen. Investitionsentscheidungen in der Pharmaindustrie werden überwiegend von Männern getroffen – kein Wunder also, dass viele Bereiche, die nur Frauen betreffen, wie Endometriose und Wechseljahresbeschwerden, vernachlässigt werden. Angesichts des riesigen Marktes verspricht der Markt rund um die Frauengesundheit in Zukunft hohe Wachstumsraten. Es ist daher zu hoffen, dass die grossen Pharmaunternehmen weiterhin nach geeigneten Femtech Start-ups Ausschau halten und ihre Forschung im Bereich Frauengesundheit intensivieren, um den Gesundheitszustand von Frauen nachhaltig zu verbessern.
[1] Der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern hat sich im Jahr 2020 insgesamt verringert – Analyse der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern | Medienmitteilung | Bundesamt für Statistik (admin.ch)
Disclaimer
Die in dieser Publikation der Migros Bank AG enthaltenen Informationen dienen zu Werbe- und Informationszwecken gemäss Art. 68 des Finanzdienstleistungsgesetzes. Sie sind nicht das Ergebnis einer (unabhängigen) Finanzanalyse. Die darin enthaltenen Informationen begründen weder eine Aufforderung, ein Angebot noch eine Empfehlung zum Kauf und Verkauf von Anlageinstrumenten oder zur Durchführung bestimmter Transaktionen oder zum Abschluss eines anderen Rechtsgeschäftes, sondern haben ausschliesslich beschreibenden, informativen Charakter. Die Informationen stellen weder ein Kotierungsinserat, ein Basisinformationsblatt noch einen Prospekt dar. Insbesondere stellen sie keine persönliche Empfehlung oder Anlageberatung dar. Sie berücksichtigen weder Anlageziele, das bestehende Portfolio noch die Risikobereitschaft oder Risikofähigkeit oder finanzielle Situation oder andere besondere Bedürfnisse des Empfängers. Der Empfänger ist ausdrücklich aufgerufen, seine allfälligen Anlageentscheide auf Grund eigener Abklärungen inklusive Studium der rechtsverbindlichen Basisinformationsblätter und Prospekte oder auf der Informationsbasis einer Anlageberatung zu treffen. Die rechtsverbindlichen Produktdokumentationen sind, sofern diese vorgeschrieben und vom Emittenten bereitgestellt wurden, über migrosbank.ch/bib erhältlich. Die Migros Bank übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit bzw. die Vollständigkeit der vorliegenden Informationen und lehnt jegliche Haftung für allfällige Verluste oder Schäden irgendwelcher Art ab, welche durch den Gebrauch dieser Information entstehen könnten. Die vorliegenden Informationen stellen lediglich eine Momentaufnahme im aufgedruckten Zeitpunkt dar; es erfolgen keine automatischen, regelmässigen Anpassungen.