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einigermassen aufhalten werde. Die gegenwärtige Sprachgrenze wird scharf bezeichnet durch die politische Grenze der beiden Bezirke Leuk und Siders, nämlich: südl. der Rhone durch die Wasserscheide vom Corbetschgrat über die Diablons zum Weisshorn, nördl. vom Thalfluss durch den Wildbach Raspille und das Plateau der Varneralp. Der Weiler Cordoma auf der rechten Seite der Raspille ist französisch und gehört zur Gemeinde Miège.
d) Volkstypen und Volkscharakter.
Wie eigenartig auch der Charakter des Wallisers erscheinen mag, ist er doch so vielseitig und so sonderbar verzweigt, dass es schwer hält, ihn zu entziffern. Es lässt sich beobachten, dass das Temperament nicht nur nach den Regionen, den Thälern und deren Abschnitten, oder nach der Lage der Bergabhänge verschieden ist, sondern vielfach auch nach der politischen Oberhoheit, der die Bewohner vor dem Sturz der Macht der Bischöfe, des Adels, der Klöster und des Chorherrenstiftes jeweilen unterworfen gewesen waren. So zeigen einige Gegenden, welche von den neuen Verkehrswegen weit abliegen, noch deutlich die Spuren dieser verschiedenen Untertanenverhältnisse.
Der Bewohner des Goms, der sich frühe von der Herrschaft des kleinen Adels befreit hat, will immer die erste Rolle spielen in der Verteidigung der öffentlichen Freiheiten, die sich in seinen Augen mit den Vorrechten der Kirche decken, wie denn das Kreuz und das Schwert des Bischofs auf dem einstigen Landeswappen vereinigt waren. Seine politische Gewandtheit, die Halsstarrigkeit und Verachtung gegenüber allem Kastengeist haben tiefe Spuren in der heutigen Bevölkerung des Goms zurückgelassen, welche damit stark vom Durchschnitt der Oberwalliser absticht.
Die Bewohner des bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hart unterdrückten Lötschenthales entbehren vollständig jener oft anspruchsvollen Dreistigkeit, welche die Gomser auszeichnet. Dagegen gleicht ihnen wiederum der seiner Abstammung nach doch ganz verschiedene Bürger der freien Gemeinde Savièse in dem starken Selbstvertrauen auf die eigene Kraft und Macht, mit der Besonderheit freilich, dass er als Besitzer eines reicheren Bodens mehr Lebhaftigkeit, mehr Gefälligkeit und eine Gastfreundschaft ohne Gleichen zeigt, die er in jedem Augenblick auszuüben bereit ist. Um sich davon zu überzeugen, braucht man bloss die Morge oder besonders die Sionne zu überschreiten.
Wenn man über den letztern Wildbach geht, findet man an dem selben Abhang in den verfallenen Wohnstätten von Grimisuat, Ayent und Arbaz eine ganz andre Bevölkerung. Der Anniviarde endlich, ein seit langer Zeit freier Mann, zeigt auf etwas rauherem Boden sind in etwas weniger überschwenglicher Art einige der dem Saviésan eigenen Charakterzüge. Im Unterwallis ist der Bewohner des Bezirks Monthey gewöhnlich offen und selbst fröhlich, Eigenschaften, die er infolge seines langen Verkehrs mit den waadtländischen und savoyischen Nachbarn angenommen hat. Indessen existieren so viele Typen und Untertypen, dass diese Charakteristiken offenbar zahlreiche Ausnahmen zulassen. Es gibt vielleicht so viele Arten von Walliser Volkscharakteren wie Thäler und Ortschaften. Zum Ueberfluss mischt sich oft auch noch die Politik hinein.
Im Kanton Wallis sind wie auch in anderen Teilen der romanischen Schweiz noch besondere französische Bezeichnungen für die Bewohner der verschiedenen Oertlichkeiten und Bezirke in Gebrauch. Wir führen folgende Beispiele an: Für die Bezirke haben wir Conches (Goms), Conchard;
Entremont, Entremontan.
Für die Gemeinden: Sion (Sitten), Sédunois;
Sierre (Siders), Sierrois;
Conthey, Conthevsan;
Monthey, Montheysan;
Martigny, Martignérain;
Fully, Fullyérain;
Chamoson, Chamosard;
Bagnes, Bagnard;
Sembrancher, Sembranchard;
Vollèges, Vollégeard;
Liddes, Lidderain;
Riddes, Riddan;
Bourg Saint Pierre und Martigny Bourg, Bordïon;
Salvan, Salvanain, ehemals Salvaniou;
Finhaut, Fégnolain;
Orsières, Orsérien;
Anniviers, Anniviard;
Evolène, Evolénard;
Hérémence, Hérémensard;
Lens, Lensard;
Vérossaz, Vérofiard, vom mundartlichen Vérofa;
Savièse, Saviésan;
Ayent, Ayentau;
Combe de Martigny, Comberain;
Vouvry, Vouvryen;
Collombey, Collomberou;
Champéry, Champérolain;
Bovernier, Bovergnon;
Nendaz, Nendard;
ferner sagt man Saxonain, Charratain, Saillonain, Leytronain, Ardonain, Vétronain, Isérablain.
Letztere tragen auch den sehr oft gebrauchten Uebernamen der Bédyui (wahrscheinlich von Bédouin). An den Orten, wo deutsch gesprochen wird, hängt man an den Namen der Lokalität die Endung «er»: Sittener, Gomser, Visper etc.
e) Auswanderung.
Mit Ausnahme der Auswanderer nach überseeischen Ländern, welche gewöhnlich ohne Hoffnung auf Rückkehr fortziehen, besitzt man kaum etwelche statistische Angaben über die Bewegung der Bevölkerung des Wallis. Im Jahr 1905 war die Zahl der überseeischen Auswanderer auf 242 gestiegen. Diese Zahl war die grösste seit 13 Jahren, d. h. seit 1892. Die beiden Länder, die sich allein in diesen Bestand geteilt haben, sind die Vereinigten Staaten (148) und die Republik Argentinien (94). Im Jahr 1906 ist die Zahl auf 156 zurückgegangen.
Die grösste Anzahl Auswanderer, welche uns für ein Vierteljahrhundert unter die Augen gekommen, datiert mit 795 Personen vom Jahr 1883. Es war dies allerdings zu einer Zeit, wo die Landwirtschaft eine länger andauernde Krise durchmachte und vor dem Aufschwung der Hotelindustrie. Diese letztere hat den Strom der Auswanderung abgelenkt wegen der immer grösser werdenden Werbung von Personal, das sie benötigt. Die meisten Hotelangestellten begeben sich nach beendeter Saison nach den Winterstationen am Mittelmeer, verlieren aber ihre Heimat nicht aus den Augen.
Die Gegenden mit der geringsten Auswanderung sind die des mittlern Kantonsteils, diejenigen mit der stärksten Auswanderung die Thäler von Goms, Bagnes, Entremont und Salvan, sowie gewisse Teile des Bezirks Monthey. Die Auswanderer aus dieser Gegend, wie auch die Leute von Salvan und die Gomser begeben sich hauptsächlich nach Amerika. Im Entremont und im Bagnesthal hat dieser Strom seit langer Zeit abgenommen; dafür wird aber der Wohnort im Kanton selbst oder nach den Nachbarkantonen Waadt und Genf gerne gewechselt. Viele Orsériens begeben sich nach Paris, wo sie in den Omnibus-Dépôts und in den Fabriken für feine Farbwaren arbeiten. Wie man sieht, ist der Zweck der ¶
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auswandernden jungen Leute, die zu einer bestimmten Tätigkeit weder vorbereitet noch geneigt sind, notwendigerweise ein unbestimmter. Sie gehen fort mit dem Gedanken, Geld zu verdienen. Die Hotelindustrie versucht freilich da und dort, die ausgewanderten Walliser zu vereinigen; so in Genf und am Mittelmeer. Da die höhern Studien, die man im Wallis machen kann, die Jugend nur dem geistlichen Stande und der Jurisprudenz zuweisen, gibt es keine höher gebildeten Auswanderer, ausser solchen, die unliebsamer Erlebnisse wegen sich von ihrer Heimstätte wegwenden oder denen sie verleidet ist. Hingegen zählte das Wallis im Jahr 1905 55 Soldaten und Offiziere in der päpstlichen Garde, wovon einen aus dem Unterwallis, alle übrigen aus den obern Bezirken. Das Lötschenthal allein lieferte 13 Gardisten, und das bei einer Bevölkerung, die noch nicht 1000 Seelen zählt.
f) Wohnungen; häusliches Leben.
Die Verteilung der bewohnten Oertlichkeiten und die grössere oder geringere Wichtigkeit der Ansiedelungen hängt von ebenso zahlreichen wie schwer zu bestimmenden Einzelheiten ab: Natur des Bodens, Höhenlage, verschiedene Bedingungen der Exposition, der Sicherheit, der Gesundheit und der Nachbarschaft. In erster Linie erklärt uns die periodische Ueberschwemmung der Rhoneebene durch die Hochwasser des hin und her pendelnden Flusses den Umstand, dass alle Ortschaften des grossen Thales sich der Länge nach an den Fuss der Abhänge reihen und warum, neben einigen isolierten Hofgütern, nur Illarsaz und Collombey le Grand im äussersten Unterwallis sich auf die Weite der Ebene hinausgewagt haben.
Wenn weiter oben Granges (Gradetsch) und Grône eine Ausnahme zu machen scheinen, liegt der Grund hiefür darin, dass sie sich auf genügend geschützten Anhöhen ansiedeln konnten. In zweiter Linie hat das der Sonne mehr ausgesetzte Ufer selbst da, wo die grossen Verkehrswege es verlassen, wie von Bully bis Chamoson, eine viel beträchtlichere Bevölkerungszahl aufzuweisen als das andre. Diese Erscheinung erklärt sich sofort durch das Zurücktreten der Waldzone und eine reichlichere Bodenproduktion.
Die Dörfer haben auch mit den sanitären Verhältnissen zu rechnen; darum ist die hauptsächlichste Siedelungsgruppe von Riddes aus der ungesunden Umgebung der im Sumpfland stehenden Kirche weggerückt, um sich auf dem den Luftströmungen gut ausgesetzten Schuttkegel der Fare festzusetzen. Ebenso ist Vernayaz einer Einbuchtung der Ebene ausgewichen, um sich deren Zentrum zu nähern; aus dem selben Grunde hat Massongex die schönen es überragenden Hänge gemieden und sich gegen die Rhone gewendet, um nicht hinter einer nassen Ebene sich zu isolieren.
Auch die Verhältnisse der Nachbarschaft üben einigen Einfluss aus auf die Gruppierung der Ortschaften. Die Wichtigkeit der Flecken des Rhonethals hängt von derjenigen der Seitenthäler ab, deren Ausmündung von je einem solchen beherrscht wird. Wenn ihnen diese Bedeutung dann noch von zwei verschiedenen Wegen her zukommt, so verdoppelt sich das Verkehrszentrum, wie in Brig-Naters, wo der Verkehr durch das Thal des Simplon und der über die Furka und durch das Goms es zu Stande brachten, Brig die Vorherrschaft zu sichern.
Die Stadt Sitten, begünstigt durch den Schutz mehrerer Hügel, durch sein Klima und den ausnahmsweisen Reichtum seines Berggehänges, musste von Anfang an den Verkehr aus dem Val d'Hérens an sich ziehen; immerhin hat sich, da Sitten etwas weit von dessen Mündung entfernt liegt, mit Bramois ein Zentrum zweiten Ranges gebildet. Man dürfte in Visp eine sehr ansehnliche Ortschaft erwarten, wenn sie nicht in zu grosser Nachbarschaft von Brig läge. Am auffallendsten ist aber dieser Dualismus in Martinach.
Die Einwohner der verschwundenen alten Hauptstadt haben sich nach dem Bourg zurückgezogen, weg von dem verwüstenden Flusse und den Ueberschwemmungen der Rhone. Aber diese Schwelle volkreicher Alpenthäler ist schon zu weit von dem Hauptverkehrsweg längs dem Thalfluss abgelegen. Das Bedürfnis, sich diesem Weg zu nähern und mit den Dörfern der fruchtbaren Ebene in intensivern Verkehr zu treten, hat nach und nach der verschwundenen Stadt ihre Bedeutung zurückgegeben, ohne aber den Bourg als Schlüsselpunkt zu den Bergen verdrängen zu können.
Die «Ville» muss auf die Aera der Eisenbahnen warten, bis es ihr gelingen wird, die erste Rolle zu spielen und den Verkehr aus dem Entremont und der Combe an sich zu reissen. Was die Dörfer der obern Thäler anbelangt, wird ihre Lage selten durch ähnliche Ursachen bedingt; sie scheinen vielmehr der Exposition und der lokalen Ausdehnung des Ackerbaues Rechnung zu tragen. Immerhin halten sie sich trotz des Vorherrschens der Alpwirtschaft doch fast immer an die Zone des Ackerbaues, sodass man nur selten ständig bewohnte Siedelungen über 1500 m oder gar über 1600 m Höhe trifft.
Folgendes sind die obersten ständig (d. h. auch im Winter) bewohnten Dörfer jedes Thales:
|m|
|Rhonethal||Oberwald und Unterwasser||1380|
|Binnenthal||Imfeld||1568|
|Saasthal||Almagell||1679|
|Nikolaithal||Zermatt||1620|
|Lötschenthal||Eisten||1585|
|Leukerthal||Leukerbad||1411|
|Eifischthal||Grimentz||1570|
|Eringerthal||Les Haudères||1433|
|Nendazthal||Sarclenz||1107|
|Bagnesthal||Lourtier||1080|
|Val d'Entremont||Bourg Saint Pierre||1634|
|Val Ferret||Praz de Fort||1153|
|Val de Salvan||Trient||1300|
|Val d'Illiez||Champéry||1070|
Immerhin kommt es auch vor, dass sich Dörfer oder Weiler der Seitengehänge bis zu einer Höhe hinauf-wagen, welche viel bedeutender ist, als die des letzten bewohnten Ortes im Thalboden. Dies trifft besonders in dem Fall zu, wenn ihnen der erweiterte Horizont eine bevorzugte Lage sichert; so Le Levron (1314 m) und Verbier (1406 m) im Bagnesthal, Saint Luc (1643 m) und besonders Chandolin (1936 m) im Eifischthal (Val d'Anniviers). Uebrigens wohnen nur 4% der Walliser Bevölkerung über 1500 m und 34% über 1000 m Höhe, trotz der beträchtlichen Massenerhebung in diesem Alpengebiet. Man muss sagen, dass der Walliser die Entfernungen der verschiedenen Punkte, an die ihn seine Tätigkeit ruft, zu mildern weiss, indem er diese mehr der Höhe zu als ¶