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Eine Orientierung in der Vadiana am 18.4.1997 durch den Präsidenten der Stiftung (Louis Ribaux)
1960 wurde in St.Gallen eine neue Loge, die Humanitas in Libertate, gegründet. Gründermitglied war u.a. August Belz, 1907 in Goldach geboren, Industrieller. 1940 trat er einer Zürcher Loge bei. 1960 half er, wie erwähnt, die Loge H.i.L. aufzubauen. Er war Stuhlmeister, als er am 20.11.1971 vom Tode ereilt wurde.
August Belz hat während langen Jahren eine Privatbibliothek aufgebaut, in der sich einerseits sein persönliches Streben nach Erkenntnis und anderseits die Interessen an der Freimaurerei spiegelten. Die freimaurerisch bezogene Literatur umfasst am Tage seines Todes 4236 Titel. Diese Bücher wurden testamentarisch der Loge H.i.L. vermacht, unter der Bedingung, dass sie Mittel und Wege suche, um gehörig für Verwaltung, Organisation, Katalogisierung und Aeufnung der Bibliothek in deutscher, englischer und französischer Sprache sorgen zu können.
Ein Jahr nach dem Tod des Donators, 1972, wurde die Bibliothek unter dem Namen "Bibliotheca Masonica August Belz St.Gallen" als Stiftung konstituiert. Eine Sammlung für das Betriebskapital ergab die Summe von rd. 40'000 Franken.
Klar war zum vorneherein, dass die umfangreiche Bibliothek im Logengebäude, im Schlössli St.Gallen, keinen Platz finden würde. Die Lösung wurde in einem Depotvertrag mit der damaligen Stadtbibliothek Vadiana gefunden. Seither liegen die Bestände der Bibliotheca Masonica in der - mittlerweile zur Kantonsbibliothek gewordenen - Vadiana.
Die Stifterin, die Loge Humanitas in Libertate, hat im Stiftungsrat eine angemessene Vertretung: Sie stelle jeweils den Präsidenten (der amtierende oder gewesene Meister vom Stuhl), den Sekretär,den Kassier und einen Beisitzer. Die Schweizerische Grossloge Alpina ist jeweils durch einen Grossbeamten vertreten. Zwei Vertreter werden durch die Vadiana gestellt: der Direktor Dr. Alois Stadler und der mit der Aufgabe betreute Bibliothekar Ulrich Hasler. Auch die Familie des Stifters ist im Stiftungsrat vertreten. Dieses Zusammensetzung bedeutet, dass die Stiftung nicht nur lokale, sondern schweizerische Bedeutung hat.
Erfreulicherweise haben wir mit der "Bibliotheca Masonica August Belz" das Beispiel einer Spezial-Bibliothek vor uns, die nicht nur gegründet wurde, sondern auch lebt und zugleich im geistigen Leben des Landes voll integriert ist!
Kernpunkt bildet die Freimaurerei, die Idee, das Wesen, die "Philosophie" und das Ziel der Bewegung. Der "Lehrgehalt" bestimmt auch das Umfeld der Bibliothek. Dazu einige Worte:
Die Ursprünge der Freimaurerei sind nicht ganz geklärt. Sie liegen einerseits in der Werkmaurerei des Mittelalters (Kathedralenbauten), anderseits führten "unterirdisch", geheim fliessende Traditionen zur sogenannten "spekulativen" Freimaurerei. Viel dazu beigetragen haben die (geheimen) Ueberliefeungen der Templer. Die Vorläufer der heutigen Freimaurerei waren wohl Geheimgesellschaften, Geheimbünde (geheim: denn es war gefährlich, dieses Gedankengut zu äussern, s. Inquisition).
Seit der Gründung der Grossloge von England, 1717, kann aber die Freimaurerei nicht mehr als Geheimgesellschaft bezeichnet werden. Den regulären Behörden standen die Mitgliederlisten immer offen. Das Geheimnis, so sagen die Freimaurer, liegt "in des Einzelnen Brust". Es ist also ein Erfahrungswert, gewonnen in den gemeinsamen Tempelarbeiten, den Ritualen, aus den verwendeten Symbolen und aus brüderlichen Gesprächen. Es ist klar, dass unter den Brüdern Freimaurer Vertrauen und Verschwiegenheit herrschen muss, so etwa wie wir von einem Arzt, einem Psychiater oder einem Pfarrer Verschwiegenheit erwarten dürfen.
Die Freimaurerei verfügt über keine "geschlossene" Philosophie; dies entspricht der Tatsache, dass sie undogmatisch und tolerant ist. Sie ist auch keine Religion; dem einzelnen Logenmitglied ist es überlassen, welcher Konfession bezw. Religion er angehören will. Sie ist grundsätzlich aber auch nicht anti-religiös und anerkennt ein allgemeines Schöpfungsprinzip des Universums ("Allmächtiger Baumeister aller Welten").
Gemäss einer oft zitierten Definition ist "Freimaurerei ein eigenartiges System der Sittlichkeit, eingehüllt in Allegorien und erleuchtet durch Sinnbilder". Sie verlangt von ihren Mitgliedern zweierlei: Suchen nach dem Sinn des Lebens (und damit nach einer sinnvollen Lebensführung) und Engagement im alltäglichen Leben, in der Lebensgemeinschaft, in die man hineingestellt ist. Sie ist also sowohl esoterisch wie exoterisch. Erste Pflicht ist es, sich dem Wohle der Gemeinschaft zu widmen (was einschliesst, dass man seelisch, geistig und körperlich auch gut für sich selbst sorgt). Endres hat geschrieben: "Aufgabe der Freimaurerei: der Gemeinschaft zeigen, was sie dem Individuum schuldet, und dem Individuum, was es der Gemeinschaft schuldet".
Die freimaurerische Auffassung vom Wesen der Politik fusst auf der Idee der Gerechtigkeit. Die Loge selbst befasst sich nicht mit der Politik, befürwortet aber das Einstehen ihrer Mitglieder in öffentlichen Aufgaben und Aemtern.
Dieser Standpunkt war bei der Gründung der Logen sehr wichtig - und er ist es noch heute - ; so kann sie quasi eine Brücke über verschiedene Herkünfte (Adel/Bürgertum, reich/arm, Geistliche/Profane, verschiedenartige Berufe ...) bilden, ein "Punkt", an dem man sich finden kann. So wie sich heute die verschiedenen Religionen, Völker und Nationen unter demLeitwort "Humanität" finden könnten.
Die Freimaurerei will eine "weltweite" Bruderkette bilden. Aber sie steht jeder Verschwörungstheorie ferne. In den einzelnen Ländern haben sich sog. Grosslogen gebildet, die darüber wachen, dass das Gedankengut der Freimaurerei geachtet wird. Zwischen der Grossloge von England, welche die "Regularität" der meisten Logen garantiert, und dem Grand Orient de France bestehten Differenzen hinsichtlich der Rolle des "Schöpfers" und der Einmischung in die Politik.
Die moderne Freimaurerei ist ein "Kind" der Aufklärung. Freiheit, Gleichheit, Bürderlichkeit, Toleranz sind ihre Grundsätze. Aber es ging ihr nie um eine "kaltschnäutzige" Aufklärung, welche die Gefühle vernachlässigt; sie anerkennt den Menschen als beides: als Vernunftmensch und Gefühlsmensch. Die Loge soll dem einzelnen Mitglied darum auch Wärme vermitteln.
Die Freimaurerei ist traditionel hierarchisch aufgebaut. Es bestehen zunächst die drei Grade: Lehrling, Geselle, Meister - was der Praxis der Werkmaurerei entspricht. Sodann gibt es – quasi zur Vertiefung dieser Grade - die sog. Hochgrade in verschiedenen Systemen. Es entspricht der Tradition der Gründerzeit, dass die Frauen (noch) keinen Zugang zu den Logen haben. Es gibt indessen Obedienzen, die eigentliche Frauenlogen unterhalten (Grand Orient). Die Frauenfrage ist in Diskussion.
Dies einige Äusserungen, um den Kontext zu zeigen, der zur Gründung, Führung und Aeufnung der Bibliotheca Masonica August Belz geführt hat.
Weitere Schwerpunkte:
Wegleitend ist also die Aufgabe, die sich die Freimaurerei selbst gestellt hat: als Freimaurer ist man aufgerufen, Suchender zu bleiben, Wanderer nach Wahrheit. Daraus ergibt sich das breite Spektrum des Bibliotheca Masonica August Belz!
Die Bibliotheca Masonica August Belz umfasst momentan 10'705 Titel; diese Zahl ist nicht identisch mit der Bandzahl, da Reihenwerke und Zeitschriften als jeweils ein Titel gezählt werden. So werden es heute ca. 13'000 Bücher sein. August Belz hat 4236 Titel geschenkt; über 2000 Bücher stammen aus weiteren Schenkungen, der Rest aus Ankäufen. Die Bibliotheca Masonica August Belz ist nach wie vor wachstumsfähig.
Die erste Phase der Registrierung wurde durch Brüder der "Humanitas in Libertate" geleistet: durch Christian Schumacher und den alt- Kantonsbibliothkar des Kantons Thurgau, Egon Isler.
Die Bibliotheca Masonica ist mit drei Katalogen erschlossen:
Auch die fremdsprachigen Titel sind darin festgehalten.
An gedruckten Katalogen sind erschienen: Katalog 1: Autoren + Titel-Register, abgeschlossen per 1.5.1982; Sachkatalog ebenfalls per 1.5.1982; Nachtrag zum Hauptkatalog per 1983.
Seit 1992 werden die Bücher der Bibliotheca Masonica in einer Datenbank RAS (Dbase Il und Clipper) verwaltet. Ein neuer Gesamtkatalog auf modernstem Stand der EDV Hardware wie Software - ist in Vorbereitung. Es wird geprüft, ob dieser neue Katalog auf Papier ausgedruckt werden soll, oder ob eine Diskette oder CDRom (analog Telefonbuch) ausgegeben werden soll.
Die Vadiana besorgt die Ausleihe, den Unterhalt und die Wartung der Bücher. Als Entgelt für diese Leistungen hat die Stiftung das Zugeständnis gemacht, dass die Bestände auch ausserhalb der Freimaurerei für ausgewiesenen wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung gestellt werden können.
Der Benützung stehen gewisse Einschränkungen gegenüber. So gilt die Sperre der Vadiana für alle Literatur, die vor mehr als 100 Jahren erschienen ist. Auch gibt es sog. INTERNA, d.h. Literatur, die nur für Brüder Freimaurer zugänglich sein soll, sowie einige bibliophile Raritäten, die als BIBLIOPHIL bezeichnet werden. Beide dürfen nur mit der Bewilligung eines Mitgliedes des Stiftungrates, das dazu ermächtigt ist, ausgeliehen werden.
Unterthalt, Ausbau der Kataloge und Aeufnung der Bibliotheca Masonica August Belz benötigen beträchtliche Mittel. Der alljährlich notwendige Betrag liegt bei Fr. 15'000.-
Zur Unterstützung wurde der "Verein der Freunde der Bibliotheca Masonica August Belz" gegründet. Er lieferte im letzten Rechnungsjahr Fr. 5000.- ab. Die Schweizerische Grossloge Alpina unterstützt und mit 4000 bis 6000 Franken, die Loge H.i.L. selbst mit 600 – 1000 Franken.
Nachdem zwei Brüder der H.i.L. ihre Arbeit unentgeltlich geleistet hatten, wird die Bibliotheksarbeit nunmehr durch einen Bibliothekar der Vadiana, Herr Ulrich Hasler, verrichtet.
Abschliessend darf bemerkt werden, dass die Bibliotheca Masonica August Belz stark benützt wird. So sind z.B. im Moment 200 Bände ausgeliehen.