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Medizinische Fachinformationen
Krankheitsbilder

Im Falle von Krampfadern (Varizen) sind die Venen krank, das Blut fliesst in beide Richtungen, wodurch es zu einer Blutstauung im Bereiche der Beine kommt. An der Oberfläche sind erweiterte Venen (Varizen) feststellbar, im Fussbereich können Schwellungen (Oedeme) auftreten, was zu entsprechenden Symptomen führt. Weit wichtiger ist jedoch, dass in diesem Zustand der Venenkrankheit Komplikationen in Form von Gerinnselbildungen im Bereiche der Krampfadern (Thrombosen), Venenentzündungen, bräunliche und weissliche Hautveränderungen und schlimmstenfalls ein offenes Bein (Ulcus cruris) drohen. Am Anfang dieser Entwicklung sind die Patienten oft vorwiegend durch eine kosmetische Beeinträchtigung gestört. Mit zunehmender Dauer des Venenleidens handelt es sich bei der Varikosis um eine eigentliche Erkrankung, die unbehandelt unangenehme Spätfolgen haben kann.
Beim primären Krampfadernleiden führen verschiedene Ursachen zu einer Funktionsstörung im Bereiche der Venenklappen und somit zu einer Strömungsumkehr des venösen Blutes mit den entsprechenden Folgen.
Das sekundäre Krampfadernleiden wird hervorgerufen durch eine Abflussbehinderung in den tiefen Venen (z. B. tiefe Venenthrombose, Tumoren). Das Blut sucht sich einen Weg über die oberflächlichen Venen, was hier zu einer Venenerweiterung (Varikosis) führt. In dieser letztgenannten Situation stellen die erweiterten oberflächlichen Venen einen notwendigen Umgehungskreislauf dar, der keinesfalls durch eine Operation angegangen werden darf.
Ursache und Häufigkeit der Varizenerkrankung
Für das primäre Krampfadernleiden gibt es verschiedene begünstigende Faktoren. Im Vordergrund stehen eine familiäre Disposition (Veranlagung), Bewegungsmangel, Schwangerschaften, Übergewicht und häufiges Stehen in Beruf und Freizeit. Das Krampfadernleiden gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern in der Schweiz. Mit zunehmendem Alter finden sich bei 50 – 80 % der Schweizer Bevölkerung variköse Veränderungen unterschiedlichen Ausmasses. Bei ca. 15 % liegen Veränderungen im Sinne einer Venenkrankheit vor, die medizinisch behandelt werden muss. Dem Varizenleiden kommt auch volkswirtschaftlich eine erhebliche Bedeutung zu.
Symptome
In vielen Fällen werden die Patienten durch die knotig verdickten, bläulich verfärbten Krampfadern in kosmetischer Hinsicht beeinträchtigt. Mit zunehmender Dauer des Varizenleidens stellen sich weitere Beschwerden wie Schweregefühl in den Beinen, Schwellungen vorwiegend im Knöchelbereich und nächtliche Krämpfe ein. Hautverdickungen und schuppende Hautveränderungen sind in der Regel Ausdruck eines fortgeschrittenen Venenleidens und Folge der chronischen Stauung, die unbehandelt zum offenen Bein (Ulcus cruris venosum) führt. Dank rechtzeitiger Behandlung sind wir heute glücklicherweise nur noch selten mit einem offenen Bein konfrontiert.
Anatomie
Am Venensystem der Beine unterscheiden wir 4 wichtige Venengruppen:
Die 4 Venengruppen können einzeln oder in Kombination durch krankhafte Veränderungen betroffen sein.
Diagnose
Das eingehende Gespräch mit dem Patienten und eine umfassende körperliche Untersuchung geben dem Arzt wichtige Hinweise auf das Vorliegen eines Venenleidens. Durch klinische Funktionsprüfungen (ohne spezielle Apparate) lassen sich wichtige zusätzliche Informationen über die Richtung des Blutstroms sowie über die Funktionstüchtigkeit der Venenklappen gewinnen. In der Regel wird heute vor einem geplanten operativen Eingriff eine Dopplersonographie durchgeführt.
Diese kombiniert die Ultraschalldarstellung der Venen mit der Ausnützung des Dopplereffektes, der eine genaue Erfassung von Richtung und Geschwindigkeit des strömenden venösen Blutes gestattet. In Einzelfällen wird zusätzlich die konventionelle Röntgenuntersuchung mit einem Kontrastmittel (Phlebographie) durchgeführt.
Therapie
Je nach Zustand des venösen Systems kommen verschiedene Therapie- möglichkeiten (oft in Kombination) zur Anwendung.
Varizenoperation (Krampfadernoperation)
Es gibt nicht eine bestimmte Varizenoperation sondern nur eine jeweils auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Operation nach Mass. Je nach Befall der verschiedenen Venengruppen durch die Varizenerkrankung setzt sich die Varizenoperation aus verschiedenen Teilen zusammen. Wenn die oberflächlichen Hauptstammvenen (Vena saphena magna und/oder Vena saphena parva) betroffen sind, werden diese entfernt. Wenn zusätzlich Venen des Kommunikanssystems undichte Klappen aufweisen, werden diese separat unterbunden. Falls die kranken Hauptstammsysteme und/oder die ungenügenden Kommunikansvenen zu störenden, oberflächlichen Seitenästen geführt haben, werden diese durch kleine Stichinzisionen mit einem Häkchen entfernt. Ein besonderes Augenmerk wird heute auf eine möglichst schonende Operationstechnik gelegt, die zu später kaum sichtbaren Narbenbildungen führt.
Die Krampfadernoperation wird in der Regel im Rahmen einer Kurzhospitalisation (2-3 Tage) durchgeführt. Gelegentlich wird die Operation auch als ambulanter Eingriff geplant. In Frage kommen für die Anästhesie eine Teilnarkose (Spinalanästhesie) oder eine Allgemeinnarkose. Varizenoperationen lassen sich heute mit einem sehr geringen Risiko und mit guten kosmetischen Resultaten durchführen. Trotzdem gibt es selten Komplikationen, die ebenfalls Erwähnung finden sollen:
Nachbehandlung
Operationswunden werden heute in der Varizenchirurgie oft nur noch geklebt. Falls Wunden genäht wurden, werden die Fäden nach 8 Tagen entfernt. Der Patient sollte nach der Operation massbestellte Stützstrümpfe für 6-8 Wochen tragen. Die Verwendung einer Narbencreme während 3 Monaten ist empfehlenswert. Nach einer Krampfadernoperation ist der Patient je nach Beruf für 1-2 Wochen arbeitsunfähig. Die Sportfähigkeit ist nach 2-3 Wochen wieder gegeben.
Rückfall (Rezidive)
Nicht selten stellen Patienten die Frage nach dem Wiederauftreten von Krampfadern nach einer Varizenoperation. Es gilt 2 Situationen zu unterscheiden. Das Wiederauftreten von Krampfadern in einem bereits operierten Bereich (z. B. Vena saphena magna) stellt bei korrekter Durchführung des Eingriffs ein seltenes Ereignis dar. Krampfadern in einem bei der ersten Operation nicht angegangenen Gebiet (z. B. Vena saphena parva nach einer vorangegangenen Entfernung der Vena saphena magna) sind Ausdruck einer Venenerkrankung in einem bisher nicht sanierten Gebiet. Es handelt sich somit nicht um einen Rückfall, sondern um eine neue Manifestation des Varizenleidens. Später neu auftretende Varizenprobleme (z. B. undichte Venen des Kommunikanssystem) lassen sich meistens durch kleinere Zusatzeingriffe nachträglich sanieren.
Ulcus cruris (offenes Bein)
Insbesondere das an der Innenseite des Unterschenkels lokalisierte Ulcus cruris ist in vielen Fällen auf ein Venenleiden zurückzuführen. Meistens ist ursächlich eine undichte Klappe im Bereiche einer Kommunikansvene verantwortlich, die dazu führt, dass das Blut von der Tiefe des Beines zur Oberfläche fliesst und hier mit der Zeit durch Stauung die Haut zerstört, was zu einem sogenannten Ulcus führt.
Ein Ulcus cruris kann in der Regel nur zur Abheilung gebracht werden, nachdem diese undichte Vene chirurgisch verschlossen wurde. Nicht selten ist auch eine Hauttransplantation notwendig, um die chronische Wunde dauerhaft verschliessen zu können. Heute ist das Ulcus cruris zum Glück recht selten geworden, da Venenkrankheiten meistens rechtzeitig einer korrekten Behandlung zugeführt werden.
Zusammenfassend darf der Patient von einer Varizenoperation die Erreichung der folgenden Ziele erwarten: