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Ilanz ist Reformationsstadt Europas
Ilanz hatte sich im Jahr 1517, als Martin Luther 95 kritische Thesen zur katholischen Kirche an die Türe der Schlosskirche von Wittenberg schlug, gerade erst vom Stadtbrand von 1483 erholt und befand sich auf gutem Weg, ein prosperierendes Städtchen am Oberrhein zu werden. Der Stadtbrand hatte das ganze, aus Holz gebaute mittelalterliche Städtchen hinweg gerafft mitsamt der Kirche und den Glocken. Allein ein gemauerter Wohnturm hatte die Kathastrophe überstanden. Die Stadtobrigkeit hatte sich schon bald nach dem Unglück auf die Suche nach Unterstützung für den Wiederaufbau gemacht. Ein Teil des Aufbaus betraf eine neue, im spätgotischen Stil gebaute und der heiligen Margarethe geweihte Kirche. Deren Bauteile, Chor, Schiff und Gewölbe wurden Schritt für Schritt erstellt. Erst 1520 nahm der Churer Bischof die Schlussweihe vor. Das Innere schmückten aufregende Deckengemälde, die nicht wie zur Zeit des Mittelalters biblische Szenen abbildeten sondern vom Zyklus von Leben und Tod erzählten. Ein Kunstwerk von europäischem Format, geprägt von Aufbruchstimmung und dem Gedankengut der Renaissance.
Ilanz war einer der Vororte des Dreibündestaates. Abwechselnd mit Chur und Davos tagten die Delegierten aus dem Zehngerichtebund, dem Gotteshausbund und dem Grauen Bund in Ilanz. Nach dem Stadtbrand war ein neues Rathaus errichtet worden, in dem der Bundstag bedeutende Beschlüsse fasste. 1524 wurden die ersten Ilanzer Artikel und 1526 die zweiten Ilanzer Artikel beschlossen. Beide Gesetzeswerke schufen die gesetzliche Basis für eine Verlagerung der politischen Macht weg von der Kirche und hin zu den Bürgern. Im Januar 1526 tagte dann ein Schiedsgericht, eingesetzt von der Regierung in der St. Margarethenkirche. An der Ilanzer Disputation zwischen dem Churer Stadtpfarrer und Prediger des reformierten Glaubens, Johannes Comander, und dem katholischen Abt des Klosers St. Luzi, Theodul Schlegel, sollte Recht gesprochen werden. Comander hatte zu geltenden Praktiken der katholischen Kirche 18 kritische Thesen verfasst.
Die Ilanzer Artikel ebneten den Weg für die Glaubensfreiheit in Graubünden. Die Disputation trug dazu bei, die Glaubensfreiheit zu legitimieren. Die Ilanzer Ereignisse wurden in ganz Europa zur Kenntnis genommen. Daher ist Ilanz Reformationsstadt Europas geworden.
Auf der Website der Gemeinde Ilanz/Glion finden sich weiterführende Texte des Historikers Dr. Martin Bundi und des Theologen und Historikers PD Dr. Jan-Andrea Bernhard. Hier der Link
Cheu sa ins cargar giu in artechel da Ser Jan-Andrea Bernhard el Calender per mintga gi 2017, p. 82, tier la reformaziun a Glion e las vischnauncas el cumin dalla Foppa.