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Wenn du ernsthaft dabei bist, ein Musikinstrument zu erlernen, Klavier zu praktizieren oder sonst in irgendeiner Form Musik zu üben, dann wirst du mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% irgendwann Motivations-Schwierigkeiten begegnen. Dieser Artikel bereitet dich darauf vor, damit du den Angriff des Nullbocks wie ein Tai-Chi-Meister abwehren und in Inspiration verwandeln kannst.
Mensch ist Gewohnheitstier
Jedes neue Lernfeld hat mit neuen Gewohnheiten zu tun: Du gewöhnst dich an neue Gedanken und Konzepte, an neue Körperbewegungen, für dein Gehirn neue Gesetzmässigkeiten. Lernen ist ein Prozess, der dich verändert.
Wir Menschen haben nicht nur ein rationales Hirnzentrum, welches sagt «Ich lerne jetzt Akkorde». Wir haben auch ein sogenanntes Reptilienhirn, das sich um unsere Überlebensinstinkte kümmert. Und für diesen Teil unserer Denke ist Veränderung grundsätzlich gefährlich. Die Logik dieses Hirnareals ist à la «Wer weiss, was mir geschieht, wenn ich plötzlich frei Klavier spielen kann. Vielleicht lieber sein lassen.»
Lass dich nicht von der Stimme in deinem Kopf blenden, die jetzt sagt «Bei mir ist das anders, ich will es wirklich lernen. Ich spüre keinen Widerstand.» Die Widerstände des Reptilienhirns kommen meistens nicht am Anfang, sondern auf dem Weg.
Musik Üben ist ein Lernprozess
Der Prozess des Lernens kann als Weg von A nach B verstanden werden. Wenn wir A z.B. als «Ich kann nicht improvisieren» und B als «Ich kann improvisieren» benennen, dann gibt es auf dem Weg von A nach B verschiedene Dinge zu lernen: Tonleitern, Harmonielehre, Selbstsicherheit etc.
Das Herausfordernde dabei ist, dass es zwei Voraussetzungen gibt, damit du diesen Weg überhaupt gehst:
- Das Anfangen und
- das Weitermachen.
Das Anfangen
Die meisten Menschen, die einen Wunsch haben, etwas zu lernen, werden nicht anfangen. Es bleibt beim gelegentlichen «Ich wünscht ich würde mal». Nur die wenigsten werden sich zusammenreissen und ein Buch kaufen, einen Kurs buchen, jemanden um Hilfe bitten etc. Das ist Schritt eins.
Wenn du anfangen willst, in dein Klavierspiel zu investieren, gibt es viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel:
Das Dranbleiben
Schritt zwei ist das Dran-Bleiben. Leider werden die meisten Bücher, die gekauft werden, nicht gelesen. Und die meisten Kurse, die gebucht werden, werden entweder nicht vollständig besucht oder besucht ohne das Wissen danach anzuwenden und zu üben. Das Reptilienhirn ist am Steuer. Das Mantra bleibt in der Regel «Ich sollte mehr Sport machen / Lesen / Musik üben / …».
Die Tipps zum Musik Üben, voller Motivation!
Es gibt viele Wege, sicherzustellen, dass du dran bleiben wirst. Hier ein paar, die ich bisher als höchst effektiv erlebt habe – zusammengefasst als die besten 9 Tipps, die ich dir geben kann, um erfolgreich und voller Motivation dein Musik-Instrument zu üben.
Tipp #1: Klares Ziel
Früher habe ich mir solche Ziele gesetzt: «Ich will besser spielen können.», «Ich will in diesem Buch soweit wie möglich kommen.», «Ich will so oft wie es geht ans Klavier sitzen, lernen, Musik üben.» etc.
Das Problem hier ist: 90% des Lernprozesses passiert im Schlaf, es wird von meinem Unterbewusstsein erledigt. Das Unterbewusstsein kann aber mit solch wagen Zielen überhaupt nichts anfangen! «Mehr» oder «besser» sind keine klaren Angaben. Deswegen bin ich damals nur mit 10% der möglichen Lerngeschwindigkeit gefahren.
Heute merke ich, wenn ich mir selbst zuhöre, dass ich etwas will, aber dass es mir noch nicht klar ist was. Und dann frage ich mich:
- Was will ich denn eigentlich?
- Was bedeutet besser werden?
- Was will ich spielen können?
- Wie oft üben wäre genug für mich?
Tipp #2: Behalte die Kontrolle
Viele Menschen setzen sich Ziele, die sie nicht unter Kontrolle haben. «Hey Jude nach Akkorden spielen können» ist zwar ein klar definiertes Ziel, jedoch hängt das Erreichen dieses Ziels von vielen Faktoren ab, die du nicht direkt beeinflussen kannst (Komplexität des Stücks, deine Lerngeschwindigkeit etc.). Wenn dein Ziel hingegen «3 Mal pro Woche ans Klavier sitzen und Akkorde von Hey Jude studieren» lautet, dann ist die Kontrolle bei dir.
Niemand kann dich davon abhalten, dieses Ziel zu erreichen – nur du selbst. Und wenn du 3 Mal die Woche dranbleibst, wirst du das andere Ziel (Hey Jude nach Akkorden spielen können) früher oder später bestimmt erreichen.
Tipp #3: Niedrige Erwartungshaltung
Setze dir klare Ziele und wähle sie so, dass es unmöglich ist, sie nicht zu erreichen. Anstatt zu sagen «Ich übe 10 Minuten jeden Tag», setze dir z.B. zum Ziel jede Woche mindestens einmal zu üben. Nicht die Geschwindigkeit bringt dich zum Erfolg, sondern das Dranbleiben-Können über längere Zeit.
Tipp #4: «Never miss twice»
Wenn du einmal eine Woche aussetzt, sieh zu, dass du die folgende Woche unbedingt ernst nimmst. Einmal verpassen ist eine Ausnahme, zweimal verpassen ist bereits der Anfang einer neuen Gewohnheit.
Tipp #5: Sozialer Druck
Jemand hat mal gesagt «Was du nie jemandem erzählt hast, existiert nicht.»
Wenn du aufhörst, Zähne zu putzen, werden die allermeisten Menschen in deinem Leben nichts mitbekommen. Es wird keine sozialen Konsequenzen haben. Wenn du hingegen deinen Job kündigst, werden es früher oder später alle wissen. Und sie werden dich fragen, warum.
Folgendes ist erwiesen: Je mehr Menschen in deinem Leben von deinem Vorhaben wissen, desto einfacher wird es für dich, dran zu bleiben. Erzähl deinen Freunden, dass du jetzt Klavier übst und was deine Ziele und Herausforderungen gerade sind. Sie werden dich später fragen wie es dir damit geht und ob du Fortschritte machst oder nicht.
Tipp #6: Optimales Umfeld
Mach es dir einfach. Stelle dein Klavier nicht im Dachboden auf, sondern dort, wo du geradezu darüber stolperst. Lass die Abdeckung offen. Mach es staubfrei und einladend; Entrümple alles, was darauf liegt. Wenn du das Klavier als Instrument nutzen willst, kannst du es nicht gleichzeitig als Ablage für alles Mögliche nutzen. Schau, dass dein Klavier gestimmt ist bzw. bei einem E-Piano, dass es immer eingesteckt ist und ready to play.
Wenn du mehrmals täglich am Klavier vorbei läufst und es spielbereit da steht, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass du es auch nutzen wirst.
Tipp #7: Innere Ziele
Wir sind uns gewohnt, den Fokus auf das «Aussen» zu legen: Ich sage mir, «Mein Rhythmus muss besser werden, ich habe einfach kein gutes Taktgefühl». Aber aus scheinbar unerklärlichen Gründen tue ich nicht das, was getan werden muss, damit ich meinem Ziel näher komme.
An dem Punkt lohnt es sich, sich selbst zuzuhören und sich der eigenen unbewussten Ansichten und Absichten bewusst zu werden. Wenn ich mir ständig selbst erzähle, ich sei «der Typ mit dem schlechten Taktgefühl», dann ist das möglicherweise bereits zu einer Identifikation geworden. D.h. ein Teil von mir glaubt nicht daran, dass ich mich ändern kann.
An der Stelle habe ich danach die Chance, den negativen Self-Talk mit einem nützlicheren Satz zu ersetzen, z.B. «Ich will das mein Rhythmus besser wird und ich weiss, dass ich das lernen kann. Viele vor mir haben das lernen können und ich bin intelligent genug, um voranzukommen. Ich freue mich auf die Herausforderungen und ich bin bereit, mich selbst mit neuen Erfolgen zu überraschen.»
Tipp #8: Pareto-Prinzip verstehen und nutzen
Das Pareto-Prinzip (auch als 80/20-Regel bekannt) besagt, dass in jedem Lernfeld etwa 20% des Lernstoffs für 80% des Erfolgs verantwortlich sind. Mit anderen Worten: Der Grossteil dessen, was es zu lernen gibt, ist (für ein bestimmtes Lernziel) nicht relevant. Nur ein bestimmter, kleiner Teil des Wissens ist wichtig für deinen Erfolg.
Es kann schnell passieren, dass sich die «Shoulds» auf deine To-Do-Liste einschleichen. «Fingerübungen sollte ich auch machen. Und an meiner Haltung arbeiten. Achja, und dieses Lied wollte ich auch unbedingt üben. Und ich würde gerne mehr Jazz spielen. Auch x wiederholen und y neu lernen.»
Der Schlüssel zum (Lern-)Erfolg liegt nachgewiesenermassen in der Reduktion. Sei radikal! Radikal sein heisst wortwörtlich das Problem an der Wurzel zu packen. Welche eine(!) Aktivität musst du regelmässig tun, um das zu erreichen, was du dir am meisten wünschst?
Tipp #9: Inspiration statt Motivation
Die meisten Menschen denken, dass Motivation etwas ist, was man benötigt, um dran zu bleiben. Tatsächlich ist es so, dass Motivation das ist, was von selbst kommt, wenn wir dran sind. Was wir benötigen, um dran zu bleiben (neben Gewohnheit) ist Inspiration.
Beim Klavierspiel (oder einem anderen Musik-Instrument, das du üben willst) lohnt sich hierfür, sich selbst folgende Fragen zu stellen:
- Was inspiriert mich gerade am Klavierspiel?
- Worauf habe ich Lust?
- Welches Lied würde ich gerne spielen können?
- Wen würde ich gerne durch mein Klavierspiel beeindrucken?
- Was ist mein echter Grund, warum will ich das eigentlich?
Buchempfehlung
Wenn dich das Thema der Gewohnheiten interessiert und du dein Leben selbst in die Hand nehmen willst, dann gibt es ein Buch, welches in diesem Bereich die absolute Nummer eins ist: Die 1%-Methode von James Clear. Du wirst kein anderes Buch brauchen, um zu verstehen, wie du deine Gewohnheiten und damit dein Leben komplett verändern kannst, egal was deine momentanen Voraussetzungen sind. Egal ob es ums Musik Üben geht oder um Gesundheit, Intelligenz, Beziehungen etc.
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