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Das kam dem Eintauchen in Ehemaliges gleich, aber unwillkürlich ergaben sich Bezüge zum Heute, zu Verwirrlichem, Bedrohlichem und Ungerechtigkeiten, zum persönlichen Befinden, zur Möglichkeit des Vergleichens. Vera Bauer tat das mit viel Eleganz, innerem Engagement und hohem Können. Sie nahm einen in eine zuweilen gar nicht so fremd anmutende Welt unter dem Titel: «Mein Lied von Liebe, mein Traum von Freiheit» mit.
Heinrich Heine (1797–1856) wurde als poetischer Visionär vorgestellt. Er setzte sich hartnäckig, nachhaltig und mit grossem Mut für ein Stück Weltgeschichte ein, das heute noch Gültigkeit hat. Es geht um die grosse Vision der allgemein anerkannten und gültigen Menschenrechte. Das Verwirklichen dieser Vision braucht enorm viel Zeit, beansprucht eine Zeitspanne, die auch nach 225 Jahren nicht abgeschlossen ist – und es wohl nie sein wird.
Vera Bauer, Sprache, Gesang, Violoncello, servierte das ganze Geschehen mit hoher Leidenschaft. Sie brachte Heikles aus Heines Schuljahren, samt Studienzeit, die Arroganz der Macht, Liebe und Leidenschaft, reklamierende, besserwisserische Nörgler und Regierende, eng denkende Nationalisten und übersteigerte Religiosität dem Publikum näher, mit erfrischender und willkommener Direktheit. Heine war kein bequemer Zeitgeist. Es finden sich in seinem Werk Revolutionäres, Aufklärerisches. Einst besuchte er eine israelitische Privatschule, dann das Lyzeum in Düsseldorf. Er erlebte Napoleons Einzug in seiner Stadt. Er studierte in Göttingen. Er reiste in verschiedene europäische Länder. Seine Werke wurden auf Beschluss des Deutschen Bundestages in allen Ländern des Deutschen Bundes verboten. Von ihm erschienen verschiedenste Werke (Gedichtband «Romanzero», «Der Doktor Faust», «Die armen Weber», «Deutschland. Ein Wintermärchen», «Vermischte Schriften»). Um 1850 erleidet er einen Zusammenbruch und ist beinahe vollständig gelähmt. Er stirbt in Paris und wird dort auch beigesetzt. In der französischen Metropole genoss er hohe Aufmerksamkeit. Lange lebte er dort ab Mai 1831. Er befürwortete die Revolution. Er schrieb oft sehr pointiert, deutlich genug, um Widerstände zu wecken. Sein Werk wurde oft übersetzt und vertont.
Vera Bauer schilderte, besang viele Zeitspannen. Sie entführte in den werdenden Frühling, schilderte, wie stürmische Winde das Kleid der Tannen glätten, wie erholsam Morgenluft sein kann, was allzu deftiges Speisen und Betrinken auslösen kann. Sie sang, wie die «Seele in den Kelch der Lilien» zu tauchen vermag. Schwärmerisch erwähnte sie willkommene Kulinarik und das masslose Betrinken an Stammtischen. Sie zeigte auf, dass Heines Herz in der Juristerei zuweilen richtig eingeklemmt war. Schlachtgeschehen, Blutiges, Liebe – vieles wurde besungen. Liebe sei so etwas wie Elektrizität, sei Seligkeit zu allen Tageszeiten. Neben hoch Romantischem war anderes, Aufrüttelndes verpackt. Wir sollen uns an einen Tisch setzen, vorurteilslos hinhören, gemeinsam und einvernehmlich entscheiden. Heine meint, dass es dann nur noch Parteien und keine Nationen mehr gebe. Er bemerkt, dass es nur eine Klugheit, aber viele Narreteien gebe, dass er sich zuweilen in einem bösen Labyrinth wähne. Man vernahm ganz viel Bewegendes, dann wieder Liebliches, das so leichtfertig einherkam. Es war ein lohnenswertes Verweilen.