Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03622.jsonl.gz/3016

Aktualisiert: 1. Sept. 2021
Räuchern ist eine sehr alte Tradition, entstand vor vermutlich ca. 10'000 Jahren und wurde immer praktiziert. In unserer westlichen Welt ging das alte Wissen fast verloren. Seit geraumer Zeit kommt es nun wieder an die Oberfläche und das Räuchern ist vor allem durch die Raunächte wieder bekannter geworden.
Wo Feuer ist, ist auch Rauch
Stell dir vor, du lebtest vor circa 10'000 Jahren. Es ist ein kühler Abend, du sitzt in der Höhle zusammen mit deiner Sippe am Feuer. Es knistert, und die letzte Jagdbeute hängt gut geschützt vor anderen Tieren an der Decke der Höhle hoch über dem Feuer. Das trockene Holz ist fast verbraucht und ein Gefährte bringt einen Wacholderbusch zum Verbrennen. Die Glut lässt die ätherischen Öle des Wacholders verdampfen. Nachdem sich der beissende Rauch etwas verzogen hat, wird die Höhle erfüllt vom aromatischen Duft des Wacholders. Dadurch beginnt sich dein Husten, den du schon Tage mit dir rumgetragen hast zu lösen, die Sippenmitglieder werden friedlicher und es tritt eine entspannte Stille ein. Die Grossmutter badet, ihrer Intuition folgend, die Hände im Rauch und lindert so ihre Gelenkschmerzen. Und die Jagdbeute oben in der Höhle wird vom Rauch umströmt, welcher die Bakterien auf dem Fleisch tötet und es so haltbar macht.
Die Weisen der Sippe haben erkannt, dass der Rauch hilft, körperliche Leiden zu lindern.
Die Schamanen aber haben erkannt, dass "Krankheitsdämonen" dem Rauch von reinigungsstarken Pflanzen entfliehen. Das Räuchern wurde geboren.
Die Praxis des Räucherns verbreitete sich weltweit und ist geblieben, selbst als die Hochkulturen etabliert waren. Es wurde geräuchert, weil man glaubte Rauch sei die Nahrung der Götter und trage die Gebete zu ihnen, oder um den Ahnen zu huldigen. Die Schamanen verwenden den Rauch um in andere Welten zu reisen und in diesem Trancezustand besser zu sehen, die weisen Frauen verwendeten den Rauch unterstützend zur Heilung. Aber auch um ganz alltägliche Dinge ging es beim Räuchern: Um die Wohnung zu aromatisieren und zur Schädlingsabwehr.
Heute ist das Interesse am Räuchern in der westlichen Welt wieder am Ansteigen. Beflügelt durch die östlichen Kulturen und die zunehmende Verbreitung von Meditationstechniken, bei welchen räuchern helfen kann in "andere Welten" zu reisen.
Damit das verräuchern von Pflanzen einen Sinn ergibt, muss das Wissen über die Pflanze vorhanden sein. Ansonsten wäre es ja eine leere Hülle und reine Konsumation. Dieses alte Pflanzenwissen erlebt derzeit ebenfalls einen Aufschwung. Immer mehr Meschen versuchen wieder zu verstehen, wie unsere Natur wirkt. Ich persönlich bin ganz begeistert von diesem hochspannenden Thema.
Wie Pflanzen wirken
Pflanzen können auf verschiedenen gleichwertigen Ebenen betrachtet werden. Jede Ebene hat einen Sinn und ist für unterschiedliche Anliegen wichtig. Wir neigen dazu, diese Ebenen zu bewerten, vor allem wenn wir zu einer Ebene Zugang haben und zur anderen weniger.
Eine Ebene ist die wissenschaftliche Ebene. Sie liegt uns meist nahe, weil unsere westliche Kultur geprägt ist von linearem Denken. Die wissenschaftliche Ebene ist der Weg der Schulmedizin, der Weg des Verstandes. Sie umschreibt eine Pflanze und benennt die Inhaltsstoffe, redet über Moleküle und den Pflanzenaufbau. Daraus wird abgeleitet, wie die Pflanze auf den menschlichen Körper wirkt. Die Inhaltsstoffe der Pflanze haben wir gelernt zu extrahieren und in Heilmitteln zu integrieren.
Eine andere Ebene ist die volksheilkundliche Ebene. Ich erinnere mich noch gut an meine Grossmutter. Sie hatte für jedes Problem ein Kraut im Garten und wusste auch meist, wann welche Pflanze die richtige war. Sie war eine Art "Kräuterfrau" und hat die Pflanzen generell als Heilpflanzen gesehen. Diese Sichtweise schreibt einer Pflanze jeweils mehrere Heilaspekte zu. Die Pflanze kann schon alleine bei der Betrachtung heilend wirken, wird als Tinktur oder Salbe zubereitet, als Tee verabreicht oder auch in Form eines Wickels oder Umschlags.
Eine weitere Ebene der Betrachtung ist die mythologische Ebene. Hier werden Geschichten zu den Pflanzen und deren Kräften erzählt. Wir kennen das gut aus den Märchen und Sagen. Aber auch Götterbilder sind verbunden mit den Pflanzen. Es sind also Gleichnisse, welche nicht belehren sollen, sondern helfen das Thema zu erfassen. Die Geschichten an sich sind heilend und noch besser ist es, gleichzeitig mit den Pflanzen zu arbeiten. So kann ich eine Pflanze pflegend umsorgen und dabei erfahren, wie es mir gut tut. Zu dieser Ebene kommt mir gerade das Buch Kräutermärchen von Folke Tegetthoff in den Sinn, welches Kräuter und Heilpflanzen in Form von Märchen wunderbar beschreibt. Gerade erst durfte ich in den Genuss einer "Lesestunde" kommen. Es war wie eine Reise in meine Kindheit. Wie diese Ebene wirkt, verdeutlicht die Geschichte der griechischen Göttin Artemis sehr schön. Bekanntlich gehört die Pflanze Beifuss (Artemisia vulgaris) zur Gattung Artemisia.
Beifuss wirkt entspannend, baut Ladungen ab, stärkt die weibliche Intuition und hilft bei Übergangsritualen. Sie ist eine der ältesten Räucherpflanzen für Schutz, Segen und Reinigung.
Die griechische Göttin Artemis ist die Göttin der Jagd, des Waldes, der Geburt und des Mondes sowie die Hüterin der Frauen und Kinder (laut Wikipedia).
Die Welt der Archetypen und damit des Unterbewusstseins öffnet den Zugang zu dieser Ebene wie es auch die Gefühlswelt tun kann. Wir haben oft ein Gefühl zu einer Pflanze. Nimm dir die Zeit und betrachte eine Zeit eine Pflanze und spür hin, was sie dir sagen will.
Eine vierte Ebene, Pflanzen zu betrachten ist die persönliche Ebene. Dabei tritt der Pflanzengeist einer Pflanze oder einer ganzen Gattung mit einem Menschen in Kontakt. In diesem Augenblick ist objektives Wissen, Mythologie oder volksheilkundliche Überlieferung nicht mehr relevant. Der Mensch muss nichts über die Pflanze wissen, er braucht sie nicht mal zu kennen. Es ist ein spontaner Kontakt mit offenem Herzen. Erst gerade hatte ich wieder einen solchen Kontakt mit einem Geist eines Baumes. Er zeigte sich in Form eines Gesichtes im Stamm einer Tanne. Ich blieb eine Zeitlang vor dem Baum stehen und betrachte das Gesicht, welches mir vom Wesen des Baumes erzählte. Warum ich das Gesicht gesehen habe? Ich weiss es nicht. Vielleicht weil ich mit einem kindlichen Gemüt und in Vorfreude auf den Tag ganz gemütlich im Wald unterwegs war.
Was räuchern bewirkt
Beim Räuchern geht es darum, den Geist - also die Wirkung der Pflanze - von der Materie - also vom Pflanzenkörper - zu trennen. Dazu verwenden wir die Glut des Feuers. Feuer ist bekanntlich der stärkste Transformator den wir Menschen kennen. In der nun transformierten geistigen Form kann sich der Pflanzengeist ungehindert ausbreiten und seine Wirkung voll entfalten.
Dabei helfen die vier Elemente als Verstärker. Das Element Feuer wirkt in der Glut, das Element Wasser in der Räucherschale, das Element Erde in der Pflanze selbst und das Element Luft im Rauch. Die oben beschriebenen Betrachtungsweisen oder Ebenen wirken auch beim Räuchern. Nehmen wir wieder das Beispiel des Wacholders zur Verdeutlichung.
Im wissenschaftlichen Sinn kann der Rauch von Wacholder verwendet werden um Keime zu töten und Fleisch zu räuchern. Das wird auch heute teilweise noch praktiziert.
Im mythischen Aspekt kann ich mit dem Märchen vom Machandelbaum arbeiten. In diesem Aspekt zeigt der Wacholder unsere Verbindung zu den Ahnen und kann uns helfen, unsere wahre Kraft zu finden und die "Wissenslininen" in die Vergangenheit zu öffnen.
Zwei Dinge spielen also beim Räuchern zusammen. Die Kraft der Pflanze auf der einen und die menschliche Absicht auf der anderen Seite. Die Absicht gibt die Richtung vor, der gelöste Pflanzengeist hilft uns bei der Umsetzung dieser Absicht. Daher wirkt Räuchern vor allem auf der emotionalen und geistigen Ebene.
Wir können also mit der Kraft des Räucherns "Verunreinigungen" lösen, bevor sie sich wirklich festsetzen und manifestieren. Es ist selbstverständlich, dass wir gleichzeitig an unseren Gedankenmustern und Gefühlsstrukturen arbeiten dürfen, sie auflösen und transformieren. Wir bieten dir in diesem Zusammenhang einen ganzen Blumenstrauss an Möglichkeiten um an dir, deinem Bewusstsein, deinen Glaubenssätzen und Themen zu arbeiten. Erwähnen möchte ich hier das Thema Selbsthypnose und Affirmation, weil ich immer wieder bei mir selbst feststelle, wie kraftvoll diese Technik ist.
Fazit
Räuchern erwacht in unserer Welt gerade wieder zum Leben. Viel altes Kräuterwissen unserer Ahnen, viele Geschichten über Brauchtümer und das Wissen um die Heilwirkung von Pflanzen ist darin enthalten. Schon früh haben unsere Ahnen die Pflanzen vor der Haustüre verwendet, waren verbunden mit ihren Kräften und wussten, dass der Mensch krank wird, wenn er nicht mehr in seiner harmonischen Schwingung ist.
Transformiert in unsere Zeit hilft uns Räuchern, in unserer Mitte zu bleiben und uns von Fremdenergien zu reinigen. Aber auch ganz pragmatisch im Alltag kann räuchern Räume neutralisieren, z.B. bei einem Umzug in eine neue Wohnung oder zu den Wendepunkten im Jahreskreis.