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Alphabetische Listen müssen (in der Regel) verschwinden
Wenn Optionen den Nutzern präsentiert werden sollen, ist es meist besser, sie nach der Grösse, nach logischen Strukturen, nach Zeitabläufen oder nach Wichtigkeit und Frequenz zu ordnen als nach dem Alphabet.
by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 04.10.2010
Eine Liste von Optionen alphabetisch zu ordnen, hat zwei grosse Vorteile:
- Wenn die Nutzer den Namen der Sache kennen, nach der sie suchen, können sie sie normalerweise recht schnell in der Liste finden.
- Faule Design-Teams müssen sich nicht die Arbeit machen, eine bessere Struktur zu ermitteln. Weil wir alle das ABC kennen, kann jeder die Themen in die korrekte Reihenfolge bringen.
Der erste davon ist ein wirklicher Vorteil, und alphabetische Listen funktionieren in einigen Fällen gut. Zum Beispiel ist es normalerweise recht einfach, einen Bundesstaat aus einer alphabetischen Liste der 50 US-Bundesstaaten herauszusuchen. (Das gilt in ähnlicher Weise auch für Bundesländer und Kantone. usability.ch) In diesem Fall ist eine alphabetische Ordnung nutzerfreundlicher als eine Gruppierung der Staaten nach Regionen oder eine Anzeige der Staaten auf einer Landkarte - zumindest dann, wenn die Nutzer nur einen Staat anklicken müssen (gewöhnlich den eigenen), um zu einer Seite mit Informationen zu gelangen, die mit diesem Staat zu tun haben.
(Die Staaten alphabetisch aufzulisten ist nur dann gut, wenn die Leute im Rahmen eines Navigationsmenüs oder Befehls einen Staat auswählen müssen. Wenn die Nutzer den Staat als Teil ihrer Adresse angeben sollen - wie etwa in Bestellformularen von Online-Shops - ist es besser, ein Textfeld zu präsentieren, in das die Leute die zweibuchstabige Abkürzung des Staates hineintippen können; das geht schneller und ist weniger fehleranfällig.)
Listen von Ländern und anderen gut bekannten Begriffen können auch oft gut alphabetisch geordnet werden. Sie müssen allerdings sicherstellen, dass die Nutzer den Namen ihrer gewünschten Auswahl unzweideutig kennen. Wenn die Leute an mehreren Stellen der Liste nachschauen müssen, hat die A-Z-Anordnung keinen Sinn mehr.
Die Leute denken selten von A bis Z
In den meisten Fällen aber
- kennen die Nutzer den Namen der Sache nicht, die sie suchen, was die alphabetische Anordnung nutzlos macht; oder
- die Themen haben eine gewisse innere Logik, die eine andere Sortierung gebietet; und dann ist eine von A bis Z geordnete Liste regelrecht schädlich, weil sie diese Logik verbirgt.
Hier ein Beispiel für den zweiten Fall aus unseren kürzlich vorgenommenen Tests zu der Frage, ob es gut ist, dass die sein erfolgreicher Websites zu kopieren.
Die linke Seite des Screenshots zeigt zwei der Optionen, nach denen die Nutzerinnen bei Zappos die Kategorien von Damenschuhen eingrenzen können. Die Nutzerinnen können nach Schuhgrösse und Absatzhöhe filtern (wie gezeigt), ausserdem nach Stil, Farbe usw. (nicht gezeigt).
Diese Form der Facetten-Navigation ist oft nützlich, aber nur dann, wenn die Nutzer verstehen, was sie auswählen. Bei unseren Tests haben die Nutzer die Filter nach Schuhgrösse oder Absatzhöhe nur selten eingesetzt.
In diesem Fall erzeugt die Anordnung der Auswahlen erhebliche Usability-Probleme. Die Schuhgrössentafel zu verstehen ist schwierig, und es ist noch schwerer, mit ihrer Hilfe einen passenden Grössenbereich auszuwählen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie haben grosse Füsse und präferieren normalerweise Schuhe in den Grössen EE oder 3E. Diese beiden (aufeinander folgenden) Grössen befinden sich an den entgegengesetzten Enden der Tafel. Das gleiche Problem entsteht, wenn Sie Absätze von 1 oder 2 Inch Höhe bevorzugen.
Eine bessere Grössensortierung würde von den kleinsten zu den grössten Grössen fortschreiten: 4A, AAA, AA, ..., 3E, 4E. Wahrscheinlich verstehen nur wenige Leute die Option "OS"; das sollte man ausschreiben ("One Size") und ans Ende der logischen Folge der individuellen Grössen setzen.
In ähnlicher Weise sollten die Absatzhöhen von der geringsten zur höchsten angeordnet werden: Flat (flach), Under 1in (unter 1 Inch), ... 5in & over (5 Inch und höher).
Interessanterweise hat Zappos nach unserer Studie ihre Website umgestaltet: Die Absatzhöhen werden jetzt richtig präsentiert, aber die Schuhgrössen stehen nach wie vor in alphabetischer Reihenfolge. Jetzt haben sie also die Usability ihrer Facetten-Navigation halb richtig umgesetzt.
Bessere Sortierungen als A-Z
Grössen und Höhen sind arithmetische Daten, das bedeutet, sie unterliegen einer inneren, monoton ansteigenden Folge. Solche Dinge sollten fast immer entsprechend dieser Folge angeordnet werden.
In anderen Fällen lassen sich Themen nach Bereichen logisch gruppieren. Oft können Sie diese zu Grunde liegende Logik in einer Card-Sorting-Studie bestimmen, bei der sie die Nutzer bitten, Verwandte Themen zueinander zu legen.
Auch zeitliche Abfolgen und die geographische Lokalisierung eignen sich oft als nützliche Gruppierungskriterien. Ausserdem können Sie die Wichtigkeit oder die Nutzungshäufigkeit als Massstab nutzen, um in langen Listen Prioritäten zu setzen, anstatt auf die weniger nützliche, alphabetische Ordnung zurückzugreifen.
Je nach der Natur Ihrer Informationen können auch noch andere Strukturtypen der Usability dienen. Ja, in einigen Fällen kann das auch einmal das Alphabet sein. Aber normalerweise, wenn Sie nach einer A-Z-Struktur greifen, sollten Sie sich lieber einen Stoss geben und nach etwas Besserem Ausschau halten.
© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.