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Im Herbst 2016 flüchtete ich (28) zusammen mit meiner Mutter (55) und meiner Schwester (32) aus dem Iran über die Türkei und Griechenland in die Schweiz. Meine Mutter und ich kamen mit demselben Flugzeug aus Athen in Kloten an, meine Schwester kam eine Woche später.
Nach der Ankunft stellten wir in Kloten ein Asylgesuch. Ich kam für einen Zeitraum von 65 Tagen ins Aufnahmezentrum und wurde zwei Mal befragt. Mein Gesuch wurde negativ beschieden. Ich sollte in den Iran zurückgeschafft werden, machte aber geltend, dass meine Mutter und Schwester ja in der Schweiz seien. Dennoch kam ich in den Bunker in Uster und wurde 2 Jahre eingegrenzt.
Meine Mutter kam zuerst ins Zentrum Kreuzlingen, dann nach Schönenberg (SO). Meine Schwester kam 30 Tage nach ihrer Ankunft in Kloten auch dorthin. Ich schrieb zehn Briefe an das Migrationsamt für eine Besuchsbewilligung. Ich durfte meine Mutter und meine Schwester ein Jahr lang nicht sehen. Nach meinem elften Brief erhielt ich die Bewilligung, zwei Tage nach Solothurn zu reisen.
Im Bunker in Uster gab es immer wieder Razzien, teils mit Hunden. Einmal wurde nur ich kontrolliert. Ich schlief und wurde von einem Polizisten und einer Polizistin in Zivil geweckt. Ich müsse zur Befragung. Man müsse mir Handschellen anlegen. Ich habe nach einer Operation im Iran eine Platte im Oberarm, die meine Bewegung einschränkt und mir manchmal Schmerzen verursacht. Ich bat deshalb, dass sie mir die Handschellen nicht hinter dem Rücken, sondern vor meinem Körper anlegen. Es sei Vorschrift, sie hinter dem Rücken anzulegen, antworteten sie mir. Es schmerzte sehr. Ich weinte deswegen im Auto auf dem Hintersitz. Die Polizistin lachte. Man teilte mir mit, ich müsse wegen Papierlosigkeit, Verstoss gegen die Eingrenzung und illegalem Aufenthalt 2800 Franken Busse bezahlen. Ich bekomme – nach zweimaliger Unterschrift morgens und abends – für jeden Tag Fr. 8,50 Nothilfe. Ich bin ausgebildeter Ingenieur, aber ich darf nicht arbeiten...
Ich kam im Schock und mit grossen Schmerzen im Oberarm zurück in den Bunker. Ich schaffte es zwei Wochen nicht, für die Unterschriften aufzustehen.
Der Leiter der Unterkunft kam deswegen zu mir und organisierte einen Termin beim Arzt. Der schickte mich zum Röntgen und zum Spezialisten ins Spital. Wegen der Handschellen hatte sich die Platte verschoben. Ich erhielt einen Operationstermin. Kurz vor der Operation hatte ich einen Velounfall und kam mit Kopfverletzungen ins Spital. Mein Operationstermin musste um einen Monat verschoben werden. Nach einer Kontrolle im Bunker wurde ich ins Gefängnis nach Zürich transferiert. Weil ich den Operationstermin hatte, wurde ich nach drei Tagen entlassen. Die Platte wurde entfernt. Ich habe jetzt in meinem rechten Arm kein Gefühl, und er ist kürzer. Das war 2017. Der Bunker in Uster wurde geschlossen. Ich kam nach Kemptthal. Dort leben wir zwar nicht unterirdisch, aber es gibt kein Dorf und kein Geschäft in der Nähe.
Es ging mir schlecht. Ich war 2 Monate in der psychiatrischen Klinik. Ich hatte lange Zahnschmerzen. Auch gegen meine Schmerzen im Arm nehme ich jeden Tag Tabletten. Der Zahn sollte einfach herausgerissen werden.
Durch einen Rekurs nach den zwei negativen Entscheiden habe ich den Ausweis N erhalten. Meine Mutter hat den Ausweis B erhalten, sie lebt seither in D. im Kanton Solothurn. Meine Schwester musste sechzehn Monate auf ihr zweites Interview warten. Nach dem dritten Interview wartet sie jetzt auf ihren Entscheid. Sie lebt nach wie vor im Zentrum Schönenberg, auch im Kanton Solothurn.
Ich verstehe nicht,
warum ich nicht mit meiner Mutter und meiner Schwester leben und ihnen helfen kann,
warum wir nicht denselben Entscheid kriegen, wenn wir doch dieselben Fluchtgründe haben,
warum ich nicht wie andere von Kemptthal in ein besseres Heim transferiert werde,
warum meine Aussage weniger wahr sein soll als die Aussage der Polizisten (ich kann mich nicht gegen unangemessene Behandlung wehren, weil sie zu zweit sind und ich keine Zeugen habe),
warum mein Zahn nicht behandelt, sondern einfach ausgerissen werden sollte, und noch viel mehr.