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Rückblick: die nukleare Stromwelt 2010
Fortschritte in China, …
Mit 27 laufenden Neubauprojekten führt China weiterhin die Liste der kernkraftwerkbauenden Länder an. Wie schon 2009, hat das Land auch im vergangenen Jahr den Bau von neun Blöcken in Angriff genommen. Dazu zählen Changjiang-1 und -2 des chinesischen Typs CNP-600, Fangchenggang-1, Fuqing-3, Ningde-3 und -4 und Yangjiang-3 des ebenfalls chinesischen Typs CPR-1000 sowie die zwei fortgeschrittenen Druckwasserreaktoreinheiten Haiyang-2 (AP1000) und Taishan-2 (EPR). China ist weiterhin das einzige Land, in dem Reaktoren des Typs AP1000 der Westinghouse Electric gebaut werden – zurzeit stehen an den Standorten Haiyang und Sanmen jeweils zwei AP1000-Einheiten im Bau. Mit der Inbetriebnahme der zwei neuen Kernkraftwerksblöcke Ling-Ao-II-1 und Qinshan-II-3 stieg die Leistung der insgesamt 13 in Betrieb stehenden Einheiten auf rund 10'500 MW.
… Russland …
Ende 2010 standen in Russland elf Einheiten im Bau. Im vergangenen Jahr kamen zwei neue Bauprojekte dazu und eine Einheit nahm ihren kommerziellen Betrieb auf. Mitte April 2010 wurde am Standort Leningrad-II erster Beton für die zweite Reaktoreinheit gegossen. Zwei Monate später konnten die Bauarbeiten für die vierte Einheit am Standort Rostow – früher unter dem Namen Wolgodonsk bekannt – aufgenommen werden. Als einzige neue Kernkraftwerkseinheit Russlands wurde Rostow-2 im Dezember 2010 kommerziell in Betrieb genommen. Russland betreibt somit jetzt 32 Einheiten, die zusammen rund 22'700 MW bereitstellen.
Mitte 2010 wurde bekannt, dass der Baubeginn von Rostow-3 bereits im September 2009 begonnen hatte. Somit befanden sich in Russland vor einem Jahr zehn und nicht neun Neubauprojekte im Bau.
… sowie Japan und Indien
Auch Japan und Indien tragen zur Renaissance der Kernenergie bei. Neben Shimane-3 befindet sich seit Anfang Mai 2010 in Japan auch das Kernkraftwerk Ohma im Bau. Bei beiden Einheiten handelt es sich um Siedewasserreaktoren des Typs Advanced Boiling Water Reactor (ABWR). In Indien wurde am 22. November 2010 zum ersten Mal Beton für zwei 700-MW-Schwerwasserreaktorblöcke (PHWR) einheimischer Bauart gegossen. Es waren dies Kakrapar-3 und -4. Zwei indische Einheiten nahmen 2010 den kommerziellen Betrieb auf: Rajasthan-5 (Februar) und Rajasthan-6 (März). Die vierte Einheit am Standort Kaiga – auch ein PHWR – an der Südwestküste Indiens stand kurz vor der Inbetriebnahme. Mit sechs laufenden Neubauprojekten kann Indien in der Liste der kernkraftwerkbauenden Länder mit Südkorea gleichziehen, hinter China und Russland.
In Brasilien hatte die Comissão Nacional de Energia Nuclear (CNEN) im Mai 2010 die Genehmigung für die Fertigstellung der Kernkraftwerkseinheit Angra-3 erteilt. Seit dem 1. Juni wird dieses Projekt bei der IAEO wieder offiziell als «im Bau» aufgeführt. In folgenden Ländern werden ebenfalls neue Kernkraftwerkseinheiten gebaut: Argentinien (1), Bulgarien (2), Finnland (1), Frankreich (1), Iran (1), Pakistan (1), Slowakei (2), Südkorea (6), Taiwan (2) und den USA (1).
Stand der Bewilligungsverfahren in den USA
Im vergangenen Jahr sind bei der amerikanischen Nuclear Regulatory Commission (NRC) keine neue kombinierte Bau- und Betriebsbewilligungen (Combined License, COL) eingereicht worden. Die NRC hatte also bis Ende 2010 unverändert 18 COL-Gesuche für insgesamt 28 Kernkraftwerksblöcke erhalten. Davon bearbeitet die NRC zwölf Gesuche aktiv. Die übrigen sechs Gesuchssteller haben auf eigenen Wunsch die Antragsprüfungen vorläufig einstellen lassen. Es betrifft dies die Standorte Bellefonte, Callaway, Grand Gulf, Nine Mile Point, River Bend und Victoria County. Für folgende Kernkraftwerksstandorte hat die NRC Ende 2010 eine frühzeitige Standortbewilligung (Early Site Permit, ESP) ausgestellt: Clinton, Grand Gulf, North Anna und Vogtle. Für die Standorte Victoria County sowie Salem und Hope Creek wurden neue ESP-Gesuche eingereicht.