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...es war einmal...1866..
(Text verfasst anlässlich des 100Jährigen durch den damals 86j. Hermann Roth sel. ehem. Gemeindeamman, Stein)
Vereinsgründungen erfolgten damals vorwiegend auf Initiative von Pfarrherren oder Schullehrern, die im Nebenberuf Bienenzucht betrieben.
So war es Pfarrer Wetter in Krinau, der im Jahre 1866 Bienenfreunde im Toggenburg zu einem Vortrag in Wattwil einlud, um den "Toggenburgischen Bienenzüchterverein" zu gründen.
Es zeigte sich aber dann mit der Zeit, dass das ganze Tal für einen Verein zu gross ist und auch andere Vereine gegründet wurden.
Mit einem Inserat im "Obertoggenburger Wochenblatt" vom 9.Juli 1893 lud der Präsident zu einer Versammlung ins Gasthaus "Drei Eidgenossen" in Starkenbach ein. Traktandum: Wie weiter mit dem Verein? Auflösung oder Neugründung?
Die Versammlung war gut besucht und die Fortführung des Vereins wurde gewünscht. Damit aber auch jedes Mitglied für die Praxis Nutzen ziehen könne, sollte zwei Sektionen gegründet werden, je eine für Wildhaus- Alt St.Johann und eine für Stein-Nesslau-Krummenau. Die Herren Lehrer Rhyner in Wildhaus und Sonderegger in Nesslau wurden mit der Organisation der zwei Sektionen beauftragt.
Ein Inserat erschien im Obertoggenburger Wochenblatt vom 9. September 1893 mit diesem Text:
Bienenzüchterverein Nesslau-Krummenau, Anmeldung für denselben nimmt entgegen R.Sonderegger,Lehrer,Nesslau.
Der Erfolg blieb nicht aus.
Am 15.Februar 1895 kamen im Haus von A.Hässig in Reidholz neun Imker zusammen um einen Imkerverein zu gründen. Es waren dies: Johannes Giger, Jungholz, A. Hässig Reidholz, Pfr.Andreas Juon, Ennetbühl, Jakob Leuze, Siedwald, R.Sonderegger, Nesslau, A.Spörri, Armenvater Krummenau, Jakob Wickli, Windegg, E. Zuber, Neu St. Johann und Niklaus Zweifel Aemelsberg. Es wurde sogleich eine Kommission gewählt mit Lehrer Sonderegger als Präsident, Jakob Leuze als Aktuar und A.Spörri als Kassier. Diese wurden beauftragt sofort Statuten auszuarbeiten welche dann am 11. August 1895 von der Vereinsversammlung genehmigt wurden. Pfr. Juon gab dem Verein den Namen „Thurthaler Bienenfreunde“.
Woher stammt dieser Name?
Bis Ende des 18. Jahrhunderts, bestand das Gericht „Thurtal“, das die Gegend links der Thur vom Dürrenbach bis zur Gemeindegrenze Kappel sowie die Gemeinde Krummenau umfasste. Der Teil der Gemeinde Nesslau rechts der Thur bildete das Gericht „Zum Wasser“.
Bereits ein Jahr nach der Gründung des Vereins wurde ein neuer Präsident gewählt, Pfr. Andreas Juon, Ennetbühl. Dieser hatte schon 1884 in St Gallen einen Bienenzuchtkurs besucht und seither bereits wertvolle Erfahrungen in der Bienenzucht sammeln können. Er betrachtet denn auch die Königinnenzucht als ungemein wichtig um gesunde ertragreiche Völker zu erhalten. Bereits 1897 wurde ein sechstägiger Bienenzüchterkurs mit Kursleiter Freyenmuth von Wellhausen TG.
Im folgenden Jahr errichtete Pfr. Juon unter Mithilfe von Jakob Egli in der Bruder Schwendi eine Belegstation. Doch die Erwartungen wurden leider nicht erfüllt denn zufolge dauernden nasskalten Wetters waren von acht Königinnen nur deren zwei begattet worden. Der Chronist Jakob Wickli schreibt denn auch, dass die drei Jahre 1896 -1898 ganz schlechte Honigjahre gewesen seien und für die Anfänger in der Imkerei entmutigend gewirkt hätten. Zum Glück seien dann aber die folgenden drei Jahre 1899-1901 sehr gute Honig Jahre gewesen. Der Honig sei dann auch massenhaft zu 3.- Fr. das Kilo gekauft worden.
Bis zum Jahre 1905 war die Mitgliederzahl des Vereins bereits auf 35 angewachsen diese betreuten zusammen 188 Völker, wovon 159 in sogenannten Bürkikasten, 29 Völker wurden aber immer noch in Körben gehalten. Einigen Imkern war offenbar das Imkern mit dem mobilen Wabenbau in Kästen noch ungewohnt. Die unermüdliche Beratung durch Pfr. Juon brachten jedoch die Korbimkerei bald zum Verschwinden.
Mit dem mobilen Wabenbau wurden auch sogenannte Kunstwaben benötigt, um einen geordneten Wabenbau zu erhalten. Jakob Wickli soll einmal schlechte Kunstwaben erhalten haben die von den Bienen gar nicht ausgebaut worden seien. Darauf hat der Verein beschlossen, eine eigene Kunstwabenpresse zu kaufen. Jakob Wickli erlernte die Kunst des Wabengießens.
Über seine Erfahrungen schreibt er folgendes: "Es ging zuerst lange nicht gut. Es gab manchmal Ärger und Verdruss, wobei ich nicht das Salz zur Suppe verdiente. Ich gab das eine Mal der Presse, dann wieder den Wachs schuld, aber schlussendlich musste ich mir selber die Schuld geben. Ich ahnte damals nicht dass ich 40 Jahre lang Kunstwaben Gießen würde“.
(Der Verfasser (Hermann Roth sel., Gemeindeammann, Stein) kann sich noch gut erinnern, als er als Schulbub wiederholt auf Schustersrappen bei Jakob Wickli auf der Windegg Kunstwaben für seinen Vater holen musste.)(ca.8km zu Fuss)
Im Jahr 1903 wurde der kant. Bienenzüchterverein gegründet dem auch unser Verein beitrat. Um die Vereinsmitglieder für die Betreuung der Bienenvölker zu fördern und um junge Imker zu gewinnen, war Präsident Pfr. Juon und immer besorgt, Anfänger-, Fortbildungs-und Königinnenzuchtkurse durchzuführen und erfahrene Züchter für Referate und als Kursleiter zu gewinnen. Bereits 1907 wurde das Zeichnen von Königinnen an Drohnen geübt und 1908 beschloss der Verein, alljährlich eine Honigkontrolle durchzuführen, um den Honigverkauf zu fördern. Nachdem Lehrer Sonderegger dem Verein wieder beigetreten war, setzte er sich zusammen mit Pfr. Juon und ebenfalls voll für die Königinnenzucht ein.
Sein Ziel war es, die einheimische dunkle Bienenrasse zu erhalten und zu verbessern, denn einzelne Korb Imker gaben immer noch der blonden Italiener Biene den Vorzug. Rund 20 Jahre später empfahl Lehrer Jüstrich in Bruggen, als Chef der schweizerischen Rassenzucht, einen Trainer Dröhnerich der Rasse „Nigra-Reuss“ von Herrn Holliger in Brugg zu kaufen. Damit sollte eine Blutauffrischung erreicht werden. Pfr. Schildknecht in Nesslau setzte sich sehr für diesen Kauf ein. Er bezahlte für den Dröhnerich persönlich 130.- plus Spesen und schenkte ihndann dem Verein.
Zuchtleiter war damals Niklaus Zweifel. Die Belegstation wurde auf der Oberegg am Fuße des Windbläss eingerichtet. In der ersten Zucht für diesen Dröhnerich wurden trotz miserablem Wetter 27 Weiselzellen angesetzt und es konnten 18 begattete Königinnen Heim geholt werden.
Die zweite Zucht aber misslang wegen des anhaltenden kaltem Regenwetters völlig, sodass, wie es im Bericht heißt, die Bienen des Zuchtvolkes angehalten werden mussten, wenigstens für ihren eigenen Bedarf eine vernünftige sechsbeinige Königin nachzuziehen. Das Jahr 1926 war dann auchein vollständiges Fehljahr. Die Bienenvölker mussten schon im Juni/Juli gefüttert werden, um sie vor dem Hungertod zu retten.
Pfr. Schildknecht schrieb in seinem Jahresbericht:"Das Gelingen der ersten Zucht ist ausschließlich dem Züchter Niklas Zweifel zu verdanken, der das Zuchtvolk stets mit warmem Honigfutter versah, wenn es draußen schneite und stürmte wie im Winter, obwohl es Ende Mai war. Als Kontrast: "Der 14.November, ein Föntag, lockte die Bienen massenhaft ins Freie und auf dem Stand von Niklas Zweifel konnte man bei einem Volk einen respektablen Drohnenflug beobachten“.
In den folgenden Jahren wurde mit dem gekauften Dröhnerich weitergezüchtet. Wie sich diese Blutauffrischung bei den Nachkommen ausgewirkt hat, ist nicht bekannt. Während einiger Zeit wurden auch Belegstationen in Goldach bzw. in der Milchau betrieben.
Zu besonderem Dank verpflichtet sind wir unserem Verstorbenen Mitglied Jakob Forrer sel., Lichtensteig. Von seinem reichen Erfahrungsschatz und von seinem großen Wissen konnten an Vorträgen und Kursen zahlreiche Mitglieder unseres Vereins profitieren. Der Erfolg ist denn auch deutlich sichtbar. Bis 2011 bestand in unserem Verein besondere Zuchtgruppe, der einige versierte Züchter angehörten. Diese unterhielten die Belegstation Schiltmoos. 2011 wird die B-Belegstation Schiltmoos in den Verein integriert und ein Zuchtchef wird bestimmt.
In den ersten Statuten von 1895 war der Besuch der Frühlings- wie auch der Herbstversammlung obligatorisch erklärt worden. Für Nichtteilnahme wurde eine Busse von 1.- und für verspätetes Erscheinen eine solche von 20 Rappen erhoben. Der Jahresbeitrag betrug 1. Neueintretende und Austretende hattet ebenfalls 1.-zu bezahlen. Im Laufe der Jahre wurde der Mitgliederbeiträge etliche
Male erhöht. 1995 beträgt er 30.- plus 50 Rappen pro Volk für die Seuchenkasse. Die Kommissionsmitglieder erhielten Jahrzehnte lang ein "fürstliches“ Jahresgehalt von je 2.-, dass dann 1966 auf 5.- erhöht wurde. Betrachten wir dazu den Preis für ein Kilo Honig, 1903 3.-, 1955 8.- und heute rund 30.-
Der Zuckereinkauf für die Herbstauffütterung konnte nicht immer zufriedenstellend getätigt werden. Während den beiden Weltkriegen war der Zucker auch für die Imker rationiert. So wurde z.B. 1917 pro Volk 5 Kilo Zucker zugeteilt. Der Imker war deshalb gut beraten, wenn er für die Bienenfütterung mehrere Kilo Honig auf Vorrat hielt. Lange kaufte der Verein jährlich einen Waggon Zucker ein. Dabei schaute meistens auch für die Vereinskasse noch etwas heraus.
Inserat das im Obertoggenburger Wochenblatt vom 9. September 1893 erschienen ist :