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Nicht viele Überraschungen
Von Irene Widmer, sfd
Der erste Krimi von Charles Lewinsky, ein Roman von Franz Hohler, die ersten Erzählungen von Catalin Dorian Florescu und ein neuer Engel-Eleusi-Roman von Eveline Hasler - das bringt der Deutschschweizer Bücherherbst.
"Ich habe mich ja schon in den verschiedensten literarischen Sparten versucht, aber ein Kriminalroman fehlte bisher noch in meiner Werkliste. Jetzt habe ich auch das abgehakt", schreibt der Bestsellerautor Charles Lewinsky auf seiner Homepage. "Der Wille des Volkes" spielt in einer Schweiz, die es "hoffentlich nie geben wird", nämlich einer, die von Rechtspopulisten regiert wird.
Das Setting ist naheliegend: Auch im Krimi-Erstling "Käfigland" (2016) von Danielle Baumgartner hatte eine rechtspopulistische Partei nicht nur die Mehrheit, sondern - wie bei Lewinsky - Gesinnungstreue an allen Schlüsselstellen, die nach Belieben überwachen, manipulieren und eliminieren konnten. In Lewinskys Krimi setzt sich ein pensionierter Journalist als Hobby-Detektiv der Gefahr aus, beseitigt zu werden.
Auch in Franz Hohlers Roman "Das Päckchen" betätigt sich eine Zivilperson als "Schnüffler": Es handelt sich dabei um einen Bibliothekar, dem ein unglaublich wertvolles Buch, vermutlich das älteste deutschsprachige Buch überhaupt, anvertraut wird.
Krimi-Sequels...
Auch zwei "kriminelle" Wiederholungstäter veröffentlichen diesen Herbst neue Bücher. Alfred Bodenheimer legt mit "Ihr sollt den Fremden lieben" seinen vierten Rabbi-Klein-Krimi vor. Diesmal stirbt in einer Fernsehshow ein homosexueller Moderator in den Armen des Rabbi. Der eifersüchtige Freund des Mordopfers gerät unter Verdacht und Klein versucht, ihn rauszuhauen.
Auch das Personal von Peter Höners "Kenia Leak" ist Lesern vertraut - aus "Rafiki Beach Hotel" (1990), "Das Elefantengrab" (1992) und "Seifengold" (1995): der Zürcher Privatdetektiv Jürg Mettler und der kenianische Polizist Tetu. Mittlerweile arbeitet Mettler in der Asylsuchenden-Betreuung und Tetu ist pensioniert. Die beiden ermitteln erneut gegen den kenianischen Finanzminister Kimele - und ausgerechnet Mettler gerät unter Verdacht.
...und andere Fortsetzungen
Ein Wiederholungstäter der "unbescholtenen" Art ist Tim Krohn, der bereits seinen zweiten Band aus dem Mammutprojekt "Menschliche Regungen" veröffentlicht. "Erich Wyss übt den freien Fall" ist wiederum ein Auftragswerk der Leser, gewebt aus 48 menschlichen Regungen, welche diese sich ausgesucht haben. Der neue Band spielt im Sommer 2001 und neben den Alltagsproblemen der aus dem ersten Band bekannten elf Mietshausbewohnern spielt 9/11 eine Rolle.
Und noch mal ein Sequel: Eveline Hasler legt mit "Tag der offenen Tür im Himmel" ihr drittes Buch mit dem Engel Eleusi vor - wie die vorherigen beiden, "Engel im zweiten Lehrjahr" und "Der Engel und das schwarze Herz" geeignet für Jugendliche und Erwachsene. Diesmal führt der Himmel aus Werbezwecken einen Schnuppertag durch, von dem sich selbst ein Höllenbewohner bekehren lässt. Eine ähnliche Werbeaktion der Hölle ist dagegen ein Flop.
Ein Genrewechsel und ein Debüt
Kein Sequel, sondern ein für ihn neues Genre bedient Catalin Florian Florescu, der seine Leser zuletzt vor einem Jahr mit dem Roman "Der Mann, der das Glück bringt" begeisterte: Sein erster Erzählband "Der Nabel der Welt" versammelt neun Erzählungen, die zwischen 2001 und 20016 entstanden sind.
Zum Schluss noch ein Debüt: Für "Flechten" hat Barbara Schibli schon vor Veröffentlichung den Studer/Ganz-Preis gewonnen. Das Buch handelt von der Biologin Anna, die Flechten erforscht und ihrer Zwillingsschwester Leta, welche Anna obsessiv seit der Kindheit mit der Kamera porträtiert und durch Fotobearbeitung "auslöscht". "Packend, poetisch, überzeugend" hiess es in der Laudatio zum Studer/Ganz Preis.
(6.6.2017 © sda/sfd)