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Der weibliche Orgasmus ist eine komplexe Sache. Einige behaupten heute noch, dass er gar nicht existiert. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der weibliche Orgasmus zweifach rätselhaft: Einerseits trägt er nicht zum Fortpflanzungserfolg bei, andererseits ist er zu komplex, um als «evolutionärer Unfall» durchzugehen.
Forschende rund um Günther Wagner von der Yale University berichten nun im Fachblatt «Pnas» von Hinweisen, die darauf hindeuten, dass der weibliche Orgasmus eine wichtige Rolle in der Evolution von Säugetieren darstellte.
Demnach kann der weibliche Orgasmus einen Eisprung auslösen. Dies lässt sich beispielsweise bei Hasen, Katzen, Frettchen oder Kamelen beobachten. Bei anderen Arten wie Menschenaffen und Menschen jedoch nicht – oder eben nicht mehr. Denn der einem mehr oder weniger stabilen Zyklus folgende Eisprung kam evolutionär gesehen erst später.
Bei Hasen, Frettchen und Co von Orgasmus zu sprechen sei zwar «schwer, weil das immer subjektiv definiert wird», so Wagner gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Der möglichen Verbindung zwischen dem «Orgasmus» und der Ovulation gingen die Wissenschaftler in einem Versuch jedoch nach.
Das Team gab den Tieren über zwei Wochen hinweg den Serotonin-Aufnahmehemmer Fluoxetin, ein Antidepressivum, das beim Menschen die Orgasmusfähigkeit stark vermindert und vergleichbare Reaktionen bei weiblichen Hasen unterbinden kann. Danach kam es zum Geschlechtsverkehr.
Am Tag danach hatten die so behandelten Tiere tatsächlich um rund 30 Prozent weniger Eisprünge als die Kontrollgruppe.
In einem weiteren Experiment verabreichten die Forscher Häsinnen ebenfalls Fluoxetin und lösten dann durch eine Injektion mit einem Sexualhormon einen Eisprung aus. Es zeigte sich, dass nicht das Antidepressivum die Ovulationsrate signifikant reduzierte, sondern offensichtlich der fehlende «Orgasmus».
Die Evolutionsbiologen werten ihre Ergebnisse als starken Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen jenem Mechanismus, der bei Hasen den Eisprung durch Geschlechtsverkehr auslöst, sowie jenen Abläufen, die bei Frauen zum Höhepunkt führen.
Das deute wiederum auf einen gemeinsamen evolutionären Ursprung hin. Es scheine, als hätte der weibliche Orgasmus also sehr tief liegende entwicklungsgeschichtliche Wurzeln, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Arbeit. (dfr/sda/apa)
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