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Die Uefa wertet den Match gegen die Ukraine als Forfait-Sieg für die Schweizer. Sie bleiben damit in der Nations League in der Gruppe A – sofern das TAS den Uefa-Entscheid nicht umstösst.
Für Admir Mehmedi und das Schweizer Team ist der Forfait-Sieg der einzige Sieg 2020.
Am späten Mittwochnachmittag bekamen die Fussballverbände der Ukraine und der Schweiz Nachrichten von der Uefa. Die Disziplinarkommission hatte darüber zu befinden, wie das am vorletzten Dienstag ausgefallene Spiel in der Nations League Schweiz - Ukraine gewertet wird. Es wäre die letzte Partie gewesen, der Ausgang des Spiels hätte den Absteiger in die Gruppe B ermittelt. Nur mit einem Sieg wären die Schweizer der Relegation entgangen. Diesen Sieg haben sie nun errungen – allerdings nicht auf dem grünen Rasen, sondern am grünen Tisch. «Das ist schade, dennoch freut uns der Entscheid», sagte Robert Breiter, der Generalsekretär des Schweizer Verbandes.
Die detaillierte Urteilsbegründung liegt noch nicht vor. Den Forfait-Entscheid zugunsten der Schweizer begründete der Österreicher Thomas Partl, der Vorsitzende der Kommission, in einer Medienmitteilung damit, dass die Ukrainer verantwortlich dafür seien, dass die Partie nicht habe stattfinden können und stützt sich auf das Reglement vom 31. August. Ein Losentscheid wäre dann möglich gewesen, wenn keine Verantwortlichkeit festgestellt worden wäre. Die Ukrainer waren am Montag, einen Tag vor dem Match, vom Luzerner Kantonsarzt wegen drei positiven Corona-Tests in Quarantäne geschickt worden und nicht in der Lage, nach der Absage am Dienstag für den Mittwoch 13 neue Spieler nach Luzern zu holen. Eine weitere Spielverschiebung sieht das Sonderreglement nicht vor. Bereits der Match gegen Deutschland in Leipzig drei Tage vorher hatte wegen vier Covid-19-Fällen im ukrainischen Team vor der Absage gestanden. Die Behörden in Leipzig entschieden jedoch, nur die positiv getesteten Spieler in Quarantäne zu schicken und nicht das ganze Team.
Die Reaktion aus der Ukraine folgte prompt. Der Generalsekretär des ukrainischen Verbandes äusserte sein «kategorisches Unverständnis» über den Entscheid und die «Absicht, das Urteil anzufechten». Zu diesem Zweck will der ukrainische Verband die detaillierte Urteilsbegründung abwarten. Die Frist dauerte zehn Tage für die Eingabe des Rekurses an die nächste Instanz, das Sportschiedsgericht TAS in Lausanne. Es ist unwahrscheinlich, aber angesichts der ausserordentlichen Lage der Corona-Pandemie nicht ausgeschlossen, dass das TAS den Entscheid der Uefa umstossen wird.
Der Entscheid hat für beide Verbände weitreichende Konsequenzen. Als Absteiger wird die Ukraine statt bisher 2,25 Millionen Euro als zugehöriger der Gruppe A noch 1,5 Millionen Euro Antrittsgeldbekommen. In der Gruppe A bekommt jeder Gruppensieger nochmals 2,25 Millionen Euro, der Sieger des Finalturniers wird dazu 6 Millionen einstreichen. Diese Aussicht ist den Ukrainern im nächsten Turnier 2022/23 genommen. Die Schweizer dagegen können auch dann von diesen erklecklichen Summen profitieren. Bei der ersten Austragung der Nations League erreichten sie als Gruppensieger das Finalturnier in Portugal, verloren jedoch die Spiele gegen den Gastgeber und gegen England.
Für den Schweizer Verband ist das Urteil der Uefa nicht nur in Bezug auf den Verbleib unter den besten 16 Teams in Europa wichtig. Es ist auch bedeutsam in Bezug auf das ausgefallene Spiel und die Tatsache, dass die Sponsoren und TV-Vertragspartner ein Spiel weniger als vertraglich zugesichert bekommen. Wenn die Uefa feststellt, dass die Schweizer keine Verantwortung für die Absage haben, wird dies auch bei allfälligen Regressforderungen ein Argument sein. Wie hoch der finanzielle Verlust auch ausfallen mag – der sportliche Schaden ist ungleich höher.