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Das Goetheanum liegt im nördlichen Teil Dornachs und dient als Sitz und Tagungsort der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Es wird aber auch als Theaterbau und Festspielhaus genutzt. Peter Steiner selbst, Begründer der Anthroposophie, entwarf das Gebäude und verfolgte dabei das Ziel die Idee der Anthroposophie auch als architektonisches Kunstobjekt zu verdeutlichen.
Das erste Gebäude aus dem Jahre 1913 fiel 1923 einem Brand zum Opfer. Es handelte sich vermutlich um Brandstiftung. 1925 begann man den ersten Bau vollständig abzutragen, um das zweite Gebäude zu errichten. Offiziell wurde der Bau 29. September 1928 eröffnet. Es galt aber noch viele Jahrzehnte lang als unfertig und vollständig fertiggestellt wurde das Goetheanum erst Anfang des 21. Jahrhunderts, als man schon mehrere Teilsanierungen vorgenommen hatte.
Das Goetheanum liegt auf dem Dornacher Hügel. Es ist mit seinen 90 auf 85 Meter fast quadratisch und rund 37 Meter hoch und wurde exakt nach Osten ausgerichtet. Obwohl das Goetheanum in vielerlei Hinsicht einer Kirche oder einem Tempel gleicht, besitzt es weder Gebets- noch Meditationsräume. Denn es soll ein Tagungs-, Kultur- und Theaterbau sein. Der Unterhalt wird vornehmlich von Einnahmen der Veranstaltungen und Mitgliederbeiträgen bestritten.
Auf dem Hügel wurden zahlreiche andere Gebäude und Skulpturen errichtet. Die vielen Spazierwege sind der Öffentlichkeit zugänglich und auch die Strassen sind grundsätzlich öffentlich.
Die Parkanlage um das Goetheanum wurde nach Anweisung von Rudolf Steiner schlicht gehalten und mit möglichst günstigen und einfachen Pflanzen gesäumt. Ziel war und ist es, dem Goetheanum das Hauptaugenmerk zu sichern. Auf vier Architekturpfaden kann man die wichtigsten Gebäude und Bauwerke des Hügels besichtigen.
Zu den wichtigsten Gebäuden gehören:
– Das 1915 errichtete Heizhaus aus Beton. Es sieht einer Sphinx ähnlich und der Schornstein wurde auffällig mit einer seitlichen Verästelung verziert.
– Das 1913 gebaute Hochatelier diente in seiner Anfangszeit als Provisorium für Schreinerarbeiten und wird heute als Vortragssaal und für Proben benutzt. Daneben liegt das Arbeitsatlier, in dem Rudolf Steiner starb.
– Im Haus Duldeck befindet sich seit dem Jahr 2002 das Rudolf-Steiner-Archiv.
– Die Asche Rudolf Steiners ruht im Gedenkhain mit Urnenfriedhof. 1992 wurden alle Urnen, die sich bis dahin im Goetheanum befunden hatten, im Hain beigesetzt. Man verwendete dabei mit Absicht Holzurnen, damit sich die Asche möglichst rasch mit der Erde verbindet.
– Die drei Eurytmiehäuser dienten seit 1920 den ärmeren Angestellten des Goetheanums als Wohnraum.
Hochschule für Geisteswissenschaft
Sie wird von den Betreibern der innere Kern der Anthroposophischen Gesellschaft genannt und gliedert sich in elf Fachsektionen. Rudolf Steiner gründete die Hochschule 1924. Sie ist keine Hochschule im landläufigen Sinn, sondern hat zum Ziel die esoterische Anschauung der Welt zu vertiefen und das Verständnis der Welt aus anthroposophischer Sicht zu verbessern. Das Denken steht im Mittelpunkt, gemäss der Maxime Rudolf Steiners, dass die Welt wird, wie wir sie denken. Durch Schulung und Meditation sollen neue Einsichten über die Welt entstehen.
Eurythmie (griechisch etwa „schöne Bewegung“)
Die Eurythmie entstand ab ca. 1911 als anthroposophische Bewegungskunst. Rudolf Steiner versuchte mit der Eurythmie den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Inneres in expressionistischer Weise zum Ausdruck zu bringen, was sie mit Worten nicht erklären konnten. Steiner selbst schuf unzählige Eurythmiestücke zu Gedichten und Tonaufnahmen. Im Mittelpunkt stehen die Ausdrucksformen des Tanzes. Der ganze Körper soll Ausdruck sein und durch seine Bewegungen sprechen und das Innenleben nach Aussen vermitteln. Als Hilfsmittel werden neben dem tanzenden Körper aber auch Farben, Raumformen, Kostüme usw. benutzt. Im Gegensatz zu anderen Ausdruckstänzen werden in der Eurythmie auch Wörter, Sätze oder Laute dargestellt. Festgelegte Abläufe der Bewegung oder Posen werden vermieden.
Die Heileurythmie ist ein eigenständiger Zweig aus der anthroposophischen Medizin. Grob gesagt, wird versucht, das Innere positive zu beeinflussen, indem man es durch äusseren Ausdruck und Bewegung in Schwingung versetzt. Die Wissenschaft anerkennt diese Therapieform aber nicht an.
Theater
Faustaufführungen nehmen einen wichtigen Platz ein. 1938 wurde als Weltpremiere der komplette Faust (Teil I und II) in einer siebentägigen Marathon-Inszenierung aufgeführt. Das Werk Goethes galt lange Zeit als unspielbar. Seiher werden immer wieder Komplettaufführungen inszeniert.
Auch Rudolf Steiners vier Mysteriendramen wird regelmässig gespielt. Obwohl das Epos rund 24 Stunden dauert, ist der grosse Saal (ca. 1000 Plätze) meist ausgebucht.
Die Buchhandlung umfasst mit über 110‘000 Titeln vermutlich praktisch alle Werke zur Anthroposophie. Hinzu kommen noch über vier Millionen Dokumente im Archiv und über 8‘000 architektonischen Plänen.