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Mehr Stress im Alter?
In einem Artikel stellen Martin Sliwinsky, David Almeida, Robert Stawski und Joshua Smyth Ergebnisse von zwei Studien dar, in denen Erwachsene wiederholt täglich über ihre Stimmung und ihre Stressbelastung befragt wurden. Durch eine so eng getaktete Befragung können Wissenschaftler herausfinden, wie stark die Stimmung von Personen durch stressige Ereignisse verschlechtert wird. Ob sich diese Eigenschaft zudem im Laufe des Lebens verändert, kann man feststellen, in dem man die gleichen Personen in grösseren Abständen wiederholt befragt.
Genau das haben die Forscher gemacht. In einer Studie haben sie Erwachsene in mittlerem Alter täglich zu Ihrer Stimmung und Belastung durch Stress befragt. Das ganze wurde dann nach 10 Jahren wiederholt. In einer zweiten Studie wurden Erwachsene mit durchschnittlich 80 Jahren alle 6 Monate für einen kurzen Zeitraum täglich befragt.
Die Analysen der Wissenschaftler ergaben, dass die durchschnittliche Reaktion auf Stress mit dem Alter zunimmt. Im hohen Alter scheint also die Empfindsamkeit gegenüber Stress zuzunehmen. Individuelle Besonderheiten darin, wie stark oder schwach Personen reagieren, bleiben stabil über die Zeit. Diese Stabilität wird im mittleren Erwachsenenalter besonders deutlich und nimmt im Alter ein wenig ab. Wie stark Personen auf negative Ereignisse reagieren, ist nicht nur einer Frage der Persönlichkeit. Die Autoren stellten zusätzlich fest, dass Menschen dann stärker auf negative Ereignisse reagieren, wenn sie bereits über einen gewissen Zeitraum belastet wurden.
Dieses Befundmuster verdeutlicht, dass man die anfangs gestellte Frage nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Wie stark wir vom Stress betroffen sind, hängt von einem Zusammenspiel zwischen der Person, der Situation und dem Alter ab.
Bildquelle: (c) by Miriam K. Depping
Quelle: Sliwinski, Almeida, Smyth, & Stawski (2009). Intraindividual Change and Variability in Daily Stress Processes: Findings From Two Measuremenr-Burst Diary Studies. Psychology and Aging, 24, 828-840.