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Sublimiren. Wird ein fester, aber flüchtiger, d. h. verdampfbarer Körper erhitzt, so geht er in Dampfform über.
Wird diese Operation in einem geschlossenen Raum vollzogen und die entstandenen Dämpfe abgekühlt, so verdichten sie sich wieder zu festen Körpern. Es entstehen dabei entweder Krystallformen, welche um so grosser sind, je langsamer die Abkühlung vor sich geht, z. B. Jod, oder es bilden sich kleine Kügelchen, z. B. Schwefel, oder aber es entstehen feste krystallinische Krusten, wie beim Salmiak oder Quecksilberchlorid.
Die Operation wird vorgenommen, entweder um beigemengte, nicht flüchtige Verunreinigungen zu trennen, oder um aus festen Körpern einen einzelnen flüchtigen Bestandtheil zu gewinnen, wie z. B. die Benzoesäure aus dem Benzoeharz.
Der gewonnene Körper heisst das Sublimat.
Destilliren. Werden in gleicher Weise wie bei der Sublimation flüssige und zu gleicher Zeit flüchtige Körper erhitzt, so gehen sie gleichfalls in Dampfform über.
Geschieht diese Operation in der Weise, dass die entstandenen Dämpfe abgeleitet und gleichzeitig abgekühlt werden, so gehen sie wieder in den tropfbar flüssigen Zustand über und können in dieser Form gesammelt werden.
Das gewonnene Produkt heisst Destillat, die Arbeit selbst Destillation, der dazu angewandte Apparat Destillirapparat. Er besteht, ganz abgesehen von den verschiedensten Konstruktionen, stets aus drei Theilen, der Blase oder dem Destillirkessel, in welchem die Flüssigkeit erhitzt wird, der Kühlvorrichtung oder Kühlschlange und endlich der sog. Vorlage, in welcher sich das Destillat ansammelt.
Die Destillation kann vorgenommen werden entweder über freiem Feuer oder durch Manteldampf, indem überhitzte Dämpfe zwischen die doppelten Wandungen des Kessels geleitet werden, oder im Wasserbade - in diesem Falle wird der Dampfmantel durch siedendes Wasser ersetzt - oder endlich durch einen direkt durchgeleiteten überhitzten Dampfstrom.
Die Destillation geschieht entweder zur Reinigung der flüchtigen Körper von nicht flüchtigen (z. B. beim Destilliren des Wassers), oder um flüchtige Stoffe aus andern Körpern in einem flüchtigen Lösungsmittel zu lösen, ohne dass nicht flüchtige Bestandtheile in die Lösung übergehen, z. B. über Kräuter desunirte Wässer oder Spirituosen. (Unterschied von Tinkturen, die neben den flüchtigen auch nicht flüchtige Bestandtheile enthalten.) In diesem Falle nennt man die Operation das Abziehen, abgezogene Wässer, abgezogener Geist etc. Endlich wird die Destillation trockener Körper mit Wasser zu dem Zweck ausgeführt, um flüchtige Körper, die sich wenig oder gar nicht im Wasser lösen, weit unter ihrem Verflüchtigungspunkt überzudestilliren. (Gewinnung von ätherischen Oelen etc.)
Sehr häufig ist das erste Destillationsprodukt noch nicht von der gewünschten Reinheit oder Stärke;
in diesem Falle wird dasselbe nochmals, vielfach unter Wasserzusatz, destillirt.
Eine solche wiederholte Destillation heisst Rektifikation. ¶
Sind in einer Flüssigkeit Körper von verschiedener Flüchtigkeit mit einander gemischt, so lassen sich diese mehr oder weniger von einander trennen, indem man die Destillationsprodukte, welche bei steigenden Temperaturen übergehen, abgesondert auffängt, z. B. bei dem Raffiniren des Rohpetroleums.
Hier wird nach einander Petroleumäther, Benzin, Brennpetroleum, Schmier- oder Vulkanöl, Vaselin und endlich Paraffin gewonnen.
Man nennt dies fraktionirte Destillation.
Erhitzt man organische, trockene Substanzen in einem geschlossenen Räume, so entstehen vielfach flüchtige und flüssige Umsetzungsprodukte, welche sich, wie bei der gewöhnlichen Destillation, durch Abkühlen verdichten und sammeln lassen.
Dies ist die trockene Destillation, die gewonnenen Produkte heissen brenzliche oder empyreumatische Produkte. (Gewinnung von Holztheer, Holzessig, Kreosot etc. )
Extrahiren, Extraktion.
Die Extraktion oder das Ausziehen kann auf sehr verschiedene Weise und zu ganz verschiedenen Zwecken vorgenommen werden.
Die häufigste Anwendung findet sie zur Darstellung von Tinkturen und Essenzen.
Bei den ersteren, soweit sie für uns in Betracht kommen, hat man sich selbstverständlich genau an die Vorschriften der Pharmakopöe zu halten.
Hier werden die betreffenden Rohstoffe in zerkleinertem Zustände mit der vorgeschriebenen Menge der Extraktionsflüssigkeit in einer Glasflasche übergossen, diese mit Blasenpapier fest überbunden und während der vorgeschriebenen Zeit entweder an einem kalten oder mässig warmen Orte bei Seite gesetzt.
Das Ausziehen bei gewöhnlicher Temperatur heisst Mazeriren, bei höherer Temperatur (60-70°) Digeriren.
Nach der vorgeschriebenen Zeit wird die Flüssigkeit abgegossen, der Rückstand, wenn erforderlich, mittelst einer einfachen Presse, der sog. Tinkturenpresse, ausgepresst und die gesammte Flüssigkeit dann filtrirt.
Bei der Darstellung von Essenzen zur Bereitung spirituöser Getränke, ferner in allen den Fällen, wo es darauf ankommt, die Rohstoffe möglichst erschöpfend auszuziehen, z. B. bei der Extraktbereitung, bedient man sich mit Vortheil eines sog. Deplazirungsgefässes.
Ein solches kann man sich in beliebiger Grösse selbst herstellen, indem man in einem hölzernen Fasse, welches oben offen ist, in etwa ein Viertel der Höhe einen Siebboden anbringt und eben über dem Fassboden einen Hahn.
Die zu extrahirenden zerkleinerten Substanzen werden auf den Siebboden geschüttet und langsam mit der Extraktionsflüssigkeit übergossen, bis die Substanz reichlich damit bedeckt ist.
Das Fass wird mit einem Deckel gut geschlossen und 24 Stunden sich selbst überlassen.
Nach dem Gesetz der Schwere werden diejenigen Schichten der Flüssigkeit, welche durch Auflösung der löslichen Bestandtheile schwerer geworden sind, sich zu Boden senken, während die leichteren Schichten, nach oben steigend, sich dort gleichfalls durch die Extrahirung des Rohstoffes verdichten und ebenfalls zu Boden sinken.
Dieser Kreislauf wird sich so lange wiederholen, bis die ganze Flüssigkeit gleichmässig gesättigt ¶