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Bleicherei Streiff AG
Die Promedical AG ist aus der Bleicherei Streiff AG hervorgegangen, welche Stoffe aller Art, zB. für Windeln, Gaze-Kompressen und Gipsbinden bleichte. Promedical AG wurde 1994 gegründet.
Heute bietet das Unternehmen Metallinstrumente, chirurgische Ausrüstung und Abdeckungen für den Operationssaal an, so dass es eine breite Palette von Produkten bis zur Zusammenstellung massgeschneiderter OP-Sets und Packs anbieten kann. Seit 2010 verfügt es über 1.000 m2 Reinräume der Klasse 8 nach ISO 14644-1 und über mehr als 10.000 m2 Lagerfläche.
Westlich von Glarus, im Brunnenstübli am Fusse des Vorderglärnisch, in zirka 635 m.ü.M, entspringen die Quellen des Oberdorf- oder Strengenbaches. Das weiche Wasser dieses Baches war dafür verantwortlich, dass sich fünf Bleichereien an dessen Ufern niederliessen. Zwischen 1850 und 1900 waren in Glarus rund vierzehn Stoff-Druckereien tätig. Mit ihrer Anzahl stieg auch die Zahl der Bleichereien der Druckstoffe, die dafür verantwortlich waren, dass die Textilien hydrophil (saugfähig) wurden.
Johann-Heinrich Streiff erbte ein Stück Land und die dazugehörige Villa 1861 von seinem Vater Michael Streiff, welcher zuvor darauf eine Fourniersägerei betrieben hatte. Bereits im Gründungsjahr wurden sämtliche Einrichtungen aus England angeschafft und die Produktionsstätte bezogen. Das benötigte Geld floss von David Pabst in das gemeinsame Unternehmen.
Zahlte Johann-Heinrich Streiff seine zwei Mitgründer David Pabst und Johann Speich aus und führte die Bleicherei fortan allein weiter. Seit Gründung spezialisierte er sich auch auf die Stoffdruckerei, insbesondere die Bedruckung von Yasmaskappen („Türkenkappen“) und durchlebte die gesamte Industrialisierung, welche zu dieser Zeit auch im Glarnerland Einzug hielt.
Dieser Neuorientierung zunutze kamen zahlreiche Armeeaufträge zu Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs. Die Schweiz legte in dieser Zeit einen grossen Notvorrat an Verbandstoffmaterialien an, welche in eigens dafür eingerichteten Bergkavernen gelagert wurden.
Die Bleicherei Streiff war die erste und 30 Jahre lang die einzige Gipsbinden-Herstellerin der Schweiz.
Inbetriebnahme der Flockenbleiche, dh. Herstellung von hydrophiler Baumwollwatte. Einige Jahre später wurde die Produktepalette durch ein weiteres Standbein, das Entfärben, ergänzt.
Er erkannte bald, dass die Bleicherei ohne umfangreiche Neuerungen dem Stand der Technik nicht mehr genügte. Grössere Investitionen waren unumgänglich. Die bisherigen Maschinen und Einrichtungen waren veraltet und mussten dringend erneuert würden. Christian Streiff erklärte seinen an der Bleicherei beteiligten Geschwistern, dass entweder die notwendig gewordenen Investitionen getätigt werden oder die Bleicherei zu schliessen sei. Die drei Geschwister stimmten jedoch gegen den Investitionsplan.
Christian Streiff entschied sich im selben Jahr, seine Geschwister auszuzahlen und Alleineigentümer der Bleicherei zu werden. Die von Christian Streiff vorgenommenen technischen Neuerungen erfolgten anhand der Produktionsschritte des Bleichvorgangs.
DIE SECHTEN: Die zu Industrialisierungszeiten in England gekauften Sechten - riesige Kochtöpfe - dienten der eigentlichen Bleiche. Diese wurden 1958 abgelöst durch noch wesentlich grössere Sechten aus Deutschland, aus rostfreiem Stahl und aus einem Guss. Damit konnte auch die Verunreinigung der klinisch gebleichten Verbandstoffe durch Rostpartikel vermieden werden.
DER HÄNGGITURM aus dem Jahre 1863 hatte endgültig ausgedient. Seine Funktion während Jahrzehnten: Das gebleichte Gewebe kam zum Trocknen in den "Hänggiturm", ein Lufthängegebäude. Die Holzkonstruktion ist ein Ständerbau mit einer senkrecht angeschlagenen Jalousie-Verschaltung.
DER SPANNRAHMEN: Durch den Spannrahmen wurde der Hänggiturm 1958 abgelöst. Der Spannrahmen war eine 25m lange Anlage mit einem Trockner, der unter dem Rahmen die aufgespannten Textilien mit heisser Luft bebläst, und einer Rolle, auf welche das trockene Gewebe aufgerollt und transportfähig gemacht wird. Der Spannrahmen machte den Trocknungsprozess um das Fünfzehnfache schneller. Die konsequente Modernisierung der Bleicherei durch Christian Streiff bedingte auch verschiedene bauliche Veränderungen.
im Alter von 84 Jahren - bat Christian Streiff seinen Schwiegersohn Victor Steinauer-Streiff, - Delegierter des Verwaltungsrates - die befristete operative Führung der Geschäfte der Bleicherei Streiff AG zu übernehmen.
Victor Steinauer-Streiff musste sich gleich den verschiedensten Herausforderungen stellen. Es stand für ihn bald fest, dass der Betrieb einer Gewebe-Bleicherei ein Auslaufmodell war.
Die Schweizer Kostenstruktur verunmöglichte es, mit Importen aus Asien und andern Billiglohnländern mitzuhalten. Erschwerend kam hinzu, dass man befürchtete, einer der verbliebenen Hauptkunden, die Tissitura AG in Wald / ZH, könnte kurzfristig ausfallen. Die Tissitura AG war seit 1974 auf die Herstellung von waschbaren Windeln, unter anderem Gaze-Windeln, spezialisiert. Seit 1970 war sie einer der Hauptkunden der Bleicherei.
Wie konnte man die vorhandene Substanz der Bleicherei u.a. Bauland-Reserven, Gebäulichkeiten, Wasserrechte, Kleinkraftwerk am Strengenbach, Gipsbinden-Produktion, Konfektionierung von Gaze-Binden und Kompressen usw. optimal nutzen?
Entscheid: Verbandstoffbleiche - bleichen von Gazegeweben - langsam auslaufen lassen, um Zeit zu gewinnen.
Der Dampf wird abgelassen. Die Bleicherei Streiff AG ist nun keine Gewebe-Bleicherei mehr, aber alle anderen Geschäftsaktivitäten bleiben erhalten.
Philip D. Steinauer, VRP
Frank M. Steinauer
Mathias R. Steinauer