Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03144.jsonl.gz/257

Text: Claire Beck, World Vision-Direktorin für Humanitäre Gesundheitsernährung, Wasser und Hygiene & Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz
Laut UNHCR bekannt wurden allein im vergangenen Jahr 70,8 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben. Das ist mehr als die Gesamtbevölkerung des Vereinigten Königreichs. Zahlreiche humanitäre Krisen von der Region in und um Syrien über Afrika bis Bangladesch und Indonesien bedrohten Millionen Menschen in ihrer Existenz – von Corona und der davon ausgelösten schweren Atemwegserkrankung COVID-19 war noch keine Rede.
Für uns ein Grund zur Sorge, für Flüchtlinge eine absolute Katastrophe
Stellen Sie sich vor, Sie wären gezwungen worden, Ihre Heimat zu verlassen. Sie sind in einem Vertriebenenlager gelandet und fristen mit Ihrer Grossfamilie ein Dasein in einem Zelt oder unter einer Plane, um ein wenig Wärme und Anteilnahme zu finden. Die einzige Freude Ihrer gelangweilten Kinder ist das Spielen im Freien oder der Besuch der kleinen Schule, die von einer der Hilfsorganisationen betrieben wird. Sie alle teilen sich eine Wasserquelle und unangenehme, aber funktionelle Toiletten. Es gibt einen kleinen Markt, und Ihr Mann hat eine bescheidene Arbeit ausserhalb des Flüchtlingslagers. Das Leben ist erträglich. Eines Tages hört man im Radio von einem Virus, dessen Symptome ähnlich der einer Grippe oder Lungenentzündung sind. Der Radiosprecher meint, dass sich viele Menschen schnell damit infizieren werden. Ältere Menschen und Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand seien in Gefahr, daran zu sterben.
In der Nacht hören Sie ein Husten und Niesen aus der Hütte der Nachbarn. Besorgt schauen Sie zu Ihrer Grossmutter, die am Rande der Matratze liegt, die sich die ganze Familie teilt. Ist die Krankheit bereits im Lager angekommen?
Was wäre wenn: ein besorgter Blick in die Zukunft
Die Leiter des Lagers sagen Ihnen, dass das COVID-19-Virus über die Luft übertragen wird und sich durch Husten und Niesen verbreitet. Um sich und Ihre Familie vor COVID-19 zu schützen, müssen Sie einen Abstand von mindestens einem, besser zwei Meter einhalten. In einem überfüllten Flüchtlingslager ist schon ein Meter praktisch unmöglich - allein der Kauf von Lebensmitteln auf dem Markt bedeutet, dass Sie mit vielen anderen Menschen Schlange stehen müssen. Sie müssen sich auch regelmässig die Hände waschen, aber die Seife reicht selten die ganze Woche. Handdesinfektionsmittel werden empfohlen. Solche zu beschaffen ist nicht möglich. Leisten könnten Sie sich das sowieso nicht.
Um zu verhindern, dass das Virus ins Lager gelangt, beschliessen die Behörden, das Camp abzuriegeln. Ab sofort darf niemand mehr das Camp verlassen oder betreten. Ihr Mann kann nicht mehr ausserhalb des Lagers zur Arbeit gehen. Ab sofort hat Ihre Familie kein Einkommen mehr. Ihre Kinder langweilen sich immer mehr, werden immer ungestümer und sind immer schwerer in Ihrem Zelt zu halten, weil der Schulbesuch ausgesetzt ist.
Für arme Regionen eine absolute Katastrophe
Unter denen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, haben viele ein geschwächtes Immunsystem. Viele sind unterernährt, gestresst und haben – je nachdem, wo sie herkommen – chronische Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck. Ein schlechter Gesundheitszustand erhöht das Risiko für Sie und Ihre Angehörigen, an einer schweren Krankheit zu sterben. Schon eine Grippe kann tödlich sein. Die Behandlung der Kranken ist bei weitem nicht garantiert; wenige Länder verfügen über kostenlose Gesundheitsdienste für Flüchtlinge, Kliniken und Gesundheitspersonal gibt es sowieso nicht genug.
Achtzig Prozent der Geflüchteten leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, selbst für die eigene Bevölkerung ist die Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet.
Als eine der weltweit grössten Hilfsorganisationen haben wir bereits begonnen, eine globale Nothilfe für die am meisten gefährdeten Länder zu koordinieren. In Asien sensibilisieren wir die Bevölkerung seit Wochen für präventive Hygienemassnahmen und klären darüber auf, wie sich die lokalen Helfer und die Bevölkerung selbst schützen können.
Wollen auch Sie einen Beitrag leisten? Mit Ihrem Beitrag finanzieren Sie beispielsweise einen kontaktlosen Fiebermesser, Desinfektionsmittel oder die Schutzausrüstung für medizinisches Personal. Jetzt spenden!
In den Flüchtlingscamps starten unsere Mitarbeitenden ebenfalls entsprechende Massnahmen.
Beispiel Cox’ Bazar: 5 Wege wie World Vision unterstützt