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Eisblöcke der besonderen Art Naturschauspiel am Gerenpass
Mehrere fünf bis zehn Meter hohe Eisberge stehen auf dem gefrorenen See am Chüebodengletscher. Der Glaziologe Giovanni Kappenberger erklärt, was hinter dem seltenen Phänomen steckt.
Wer in den letzten Monaten im Gebiet des Chüebodengletschers unterwegs war, traf auf einen seltenen Anblick. Denn aus dem Gletscher ragen Eisberge, deren Entstehung auf ein Ereignis von Ende November 2020 zurückgeht: Die Gletscherzunge, die auf dem Geländegrund unter Wasser bis weit in den See hinausragte, wurde vom Wasser unterspült und schliesslich angehoben. Gemäss Aufzeichnungen folgte diesem sogenannten Undercutting in der letzten Novemberwoche ein gewaltiger Abbruch der Gletscherzunge. So beschreibt der Glaziologe Giovanni Kappenberger den Vorgang in einem Bericht für die nahe gelegene Capanna Piansecco CAS. Die Eismassen zerbarsten nach dem Anheben der Gletscherzunge zu einzelnen Eisbergen, die aufgrund des Wasserauftriebs an die Oberfläche des Sees gelangten. Als die Oberfläche im Verlauf des Winters einfror, verfestigten sich die Eisberge zu einem bizarr anmutenden Gebilde.
Wichtige Luftaufnahmen
Zu dieser Erklärung kommt Kappenberger aufgrund einer Auswertung von Luftaufnahmen, Tourenfotos und Satellitenbildern. Gemäss ihm sind in der Schweiz bisher nur zwei ähnliche Beispiele dokumentiert – beim Märjelensee am Aletschgletscher im Jahr 1976 und zehn Jahre früher am Griessee. Kappenberger geht davon aus, dass sich das Wegbrechen der Gletscherzunge und das anschliessende Zerbersten und Auftauchen der riesigen Eisstücke «in weniger als einer Minute abgespielt haben». Er schreibt diesem Hauptereignis deshalb eine «explosive Dynamik» zu. Messungen des Wasserstandes Mitte Dezember hätten ergeben, dass der Wasserstand des Sees seither rund eineinhalb Meter abgesunken sei. «Das muss aufgrund einer Flutwelle passiert sein, die die heraufberstenden Eisberge ausgelöst haben», so Kappenberger weiter. Er schätzt das Volumen des abgebrochenen Gletschers auf etwa 200 000 Kubikmeter. «Man darf gespannt sein, ob die Eisberge den Sommer überstehen, oder ob sie sich alle mit der im Mai oder Juni einsetzenden Schmelze im See auflösen», so der Glaziologe.