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Die Lage der Frauen auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verbessert. Die Erwerbstätigkeit ist stark gestiegen, und diskriminierendes Verhalten ist zwar nicht verschwunden, hat jedoch deutlich abgenommen. Eine zunehmende generelle Sensibilisierung der Gesellschaft für Geschlechterthemen ist zu spüren, welche auf die Arbeitgeber und den Arbeitsmarkt zurückwirkt. Für karriereorientierte Frauen ist es heute leichter, im Beruf erfolgreich zu sein.
Trotz dieser positiven Entwicklungen existieren immer noch grosse Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Der überwiegende Teil dieser Gehaltsschere ist eine Konsequenz der Mutterschaft: Ab der Geburt des ersten Kindes beginnen die Einkommen von Müttern stark hinter jenen von Männern wie auch von kinderlosen Frauen herzuhinken.
Die Einbussen an Arbeitseinkommen, die ursächlich auf Mutterschaft zurückzuführen sind, werden in der Arbeitsmarktforschung als «Child Penalty» bezeichnet, wörtlich «Kinderstrafe». Um dieses Konzept zu illustrieren, vergleicht man zwei Frauen mit anfangs gleich hohen Einkommen. Dann bekommt eine der beiden ein Kind, die andere bleibt kinderlos. Ab diesem Zeitpunkt beginnen die Einkommen der beiden Frauen auseinanderzuklaffen.
Der Child Penalty misst die Differenz zwischen den Einkommen von Müttern und den Einkommen kinderloser Frauen. Es handelt sich nicht nur um ein intuitives und transparentes Mass, sondern ist aus empirischen Daten einfach zu berechnen. Verfügt man über repräsentative Daten zu Einkommensverläufen und Geburten, können die Einkommen von Müttern vor und nach Geburt des ersten Kindes festgehalten werden. Diese Einkommen werden dann mit den Einkommen von Frauen verglichen, welche in diesen Altersjahren (noch) kein Kind hatten. Solche Daten sind für die meisten Länder vorhanden. In der Schweiz stellt das Bundesamt für Statistik anonymisierte Daten aus dem AHV-Register sowie der Bevölkerungsstatistik (Statpop) zur Verfügung. Die AHV-Daten dokumentieren die Erwerbs- und Verdienstverläufe, die Statpop gibt ein umfassendes Bild über die Zusammensetzung eines Haushalts und deren Veränderung über die Zeit. Diese beiden Datenquellen enthalten somit alle Informationen, die man benötigt, um den Child Penalty zu berechnen.
Abbildung 1 zeigt den Child Penalty für die Schweiz. Verglichen mit dem letzten Kalenderjahr vor der Geburt des ersten Kindes, beträgt die Einkommenseinbusse im Kalenderjahr nach der Geburt des ersten Kindes 60 Prozent und verharrt in den Folgejahren auf diesem Niveau: Selbst 10 Jahre nach der Geburt des ersten Kindes beträgt der Einkommensrückstand von Müttern gegenüber bis dahin kinderlos gebliebenen Frauen immer noch 60 Prozent. Der internationale Vergleich ist ernüchternd: Der langfristige Child Penalty in der Schweiz ist dreimal so hoch wie in Dänemark, wo er zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes «nur» 20 Prozent beträgt. Auch in Schweden sind die Einkommenseinbussen von Müttern viel geringer und betragen 10 Jahre nach der ersten Mutterschaft deutlich weniger als 30 Prozent.
«Wo Kinderbetreuungseinrichtungen ausgebaut werden,
werden sie auch in Anspruch genommen. Ein erhöhtes
Betreuungsangebot ist jedoch nicht zwingend mit einer
Veränderung des Erwerbsverhaltens der Mütter verbunden.»
Wodurch kommen diese Einkommenseinbussen zustande? Der Child Penalty ist ein Mass, das alle Dimensionen erfasst, die zu einer Einkommensreduktion führen können: geringere Partizipation auf dem Arbeitsmarkt, eine geringere Anzahl gearbeiteter Stunden (Teilzeit) und geringere Stundenlöhne. Der hohe Child Penalty ist in der Schweiz weniger darauf zurückzuführen, dass sich Frauen nach der Geburt des ersten Kindes permanent vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Der Hauptgrund ist, dass der überwiegende Teil der Mütter nach der Babypause das Arbeitspensum deutlich reduziert. Dieses Erwerbsverhalten von Müttern ist auch ein wichtiger Grund für die im internationalen Vergleich sehr hohe Teilzeitquote in…