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Geburtsort: São Paulo
Geburtsdatum: 23/05/1972
Wohnort: Monaco
Einstiegsjahr in die Formel-1: 1993
Körpergewicht: 70 kg
Grösse: 1,72 m
Rennstall: aktuell ohne Team
BIOGRAFIE
Den Einstieg in den Automobilrennsport hat Rubens Gonçalves Barrichello, der am 23. Mai 1972 in São Paulo geboren wurde, seinem Grossvater mütterlicherseits zu verdanken. Dieser schenkte ihm zu seinem 6. Geburtstag den ersten Kart, zunächst ganz zum Leidwesen seines Vaters, der es lieber gesehen hätte, dass sich der Junge auf die Schule konzentrierte, als mit dem “Spielzeug” Runden zu drehen. Doch schnell stellte sich heraus, dass in dem Knaben ein echtes Potential steckte. Und es war wider erwarten der Vater, der nach den ersten richtigen Rennen, welche Rubinho nach einem dritten, zweiten und ersten Platz abschloss, zu dessen grössten Fan wurde.
In der Folgezeit dominierte das Gespann die brasilianischen Kartmeisterschaften. Ab 1981 gewann Rubinho fünfmal in Folge die Landesmeisterschaften sowie die Meisterschaften des Bundesstaates São Paulo. 1986 wurde der zwischenzeitlich 14-jährige sogar die Südamerikameister. Und ein Jahr später beendete er die Weltmeisterschaften auf dem neunten Platz. Unterstützt wurde er dabei von seinem ganz grossen Vorbild Ayrton Senna, der ihm dabei nicht nur finanziell unter die Arme griff sondern dadurch auch die Tür zum internationalen Rennsport aufstiess.
Anfang 1989, gerade einmal 17 Jahre alt, stieg Barrichello allerdings zunächst in die nationale Formel Ford ein. Doch es waren schwierige Zeiten, so dass sich das Team gerade einmal einen gebrauchten Boliden leisten konnte. Noch vor den ersten offiziellen Trainings kam es jedoch zu einem weitreichenden Zwischenfall. Das Auto, welches keinesfalls zu den besten zählte, wurde bei einem offiziellen Transport stark beschädigt. Aus bis heute ungeklärten Gründen fiel das Fahrzeug damals von einem LKW und das Team bekam als Ersatz einen Neuwagen. Damit gelang es dem Youngster, direkt das erste Rennen zu gewinnen. Die Meisterschaft beendete er schliesslich auf dem dritten Platz.
Ein Jahr später wechselte er nach Europa und fuhr eine fulminante Saison in der Formel Opel für das Draco Team. Sechs Siege, sieben Pole Positions und sieben schnellste Runden sicherten ihm am Ende den Gesamtsieg. Trotzdem war eines der schwersten Jahre in seiner Karriere. Fast ohne Englischkenntnisse, fern von Freunden und Familie fühlte er sich auf der Suche nach seinem grossen Traum “Formel 1” oft von Heimweh geplagt. Alleinig seinem Vater, der ihn stets begleitete, dürfte es zu verdanken sein, dass er das wichtige Ziel niemals aus den Augen verlor.
Auch 1991, als er in England in der Formel 3 antrat, wurde es zunächst nicht besser. Ohne das heute selbstverständliche Internet hatte er kaum Kontakt zur Familie im fernen Brasilien und musste sich dadurch ganz auf seine Rennsportkarriere konzentrieren. Daneben lernte er fleissig Englisch und beeindruckte sein Team West Surry Racing durch exzellente Leistungen auf der Strecke. Der Gewinn der Meisterschaft, bei der auch David Coulthard mit am Start war, sollte dann der verdiente Lohn aller Anstrengungen sein.
Nach zwei Titelgewinnen in Folge wurde er 1992 vom Team Il Barone für die Formel 3000 verpflichtet. Er lernte zusätzlich noch Italienisch, ein schickes Haus sorgt für die nötige Lebensqualität und dem Erfolg sollte scheinbar nichts mehr im Wege stehen. Doch wie die privaten Probleme langsam verschwanden, so sah er sich mehr und mehr sportlichen Herausforderungen gegenüber. Denn sein Auto war keinesfalls konkurrenzfähig, noch während der Saison musste viel daran geschraubt und ausgetauscht werden. Trotz allem gelang es ihm, die Meisterschaft mit einem dritten Platz zu beenden, was ihm vor allem Respekt für seine fahrerische Leistung unter widrigen Umständen einbrachte. Und ihm endgültig die Tür zur Formel 1 öffnete.
Es war Jordan, der ihm Anfang 1993 die Chance gab, Testrunden in einem Formel 1 – Boliden zu drehen. Gerade einmal 20 Jahre alt stellte er seine Qualitäten auf der Rennstrecke in Silverstone unter Beweis. Obwohl auch andere Rennställe auf den Youngster aus dem Land Ayrton Sennas aufmerksam wurden, entschied sich Rubinho am Ende für Jordan. Am 14. März 1993 startete er beim Grossen Preis von Afrika in Südafrika von Startplatz 14, erreichte aufgrund eines Motorschadens jedoch nicht das Ziel.
Rubinho wollte in der ersten Saison in der Königsklasse lediglich so oft wie möglich in die Punkte fahren, doch bei 8 von 16 Rennen liess ihn sein Bolide im Stich. Erst am 24. Oktober 1993 beim Grossen Preis von Japan konnte er die ersten beiden Formel 1 – Punkte einfahren, für ihn ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum ganz grossen Fahrer. Bis zu seinem ersten Podiumsplatz sollte es dann auch gar nicht mehr lange dauern. Bereits beim zweiten Rennen in der Folgesaison am 17. April 1994 beim Pazifik Grand Prix in Japan belegte er Rang 3 hinter Michael Schumacher und Gerhard Berger.
Für Barrichello ist dieser Tag bis heute einer der wichtigsten seiner Karriere. Denn zu den ersten Gratulanten gehörte Ayrton Senna, der zwar von der Pole Position gestartet war, nach einer Kollision jedoch frühzeitig ausschied. Der wichtige Mentor versicherte dem Youngster, dass selbst er unter diesen Bedingungen nicht besser gewesen wäre. Ein grösseres Lob sollte er nie wieder erhalten können.
Denn bereits im nächsten Rennen sollte er den grössten Verlust seines Lebens erhalten. Sein Protegé, Mentor und väterlicher Freund Ayrton Senna verunglückte tödlich am 01. Mai 1994 beim Grossen Preis von San Marino in Imola. Rubinho hatte zuvor selbst einen Trainingsunfall erlitten und nahm am Rennen aufgrund eines Nasenbeinbruches nicht teil. 18 Rennen war er bis dahin an der Seite des dreimaligen Weltmeisters gefahren und bis heute kann er nicht mit Bestimmtheit sagen, was in damals glücklicher gemacht hatte: ein Formel 1 – Pilot oder in der Nähe seines grossen Idols gewesen zu sein.
Umso schwieriger gestaltete sich die restliche Saison, in der Freude und Trauer stets präsent waren. Von seinen Verletzungen erholt, stieg er wieder in seinen Boliden und erzielte hervorragende Ergebnisse. Unter anderem gelang ihm als bis damals jüngster Pilot der Formel 1 – Geschichte seine erste Pole Position, doch das Trauma über den grossen Verlust schmälerte die Freude erheblich. Seine zweite Saison in der Formel 1 beendete er schliesslich als Sechster mit 19 Punkten.
In den kommenden Jahren sollte er an diese Erfolge nicht mehr anknüpfen können. 1997 wechselte er von Jordan zu Steward Ford, 1999 gelangen ihm erneut eine Pole Position und drei Podiumsplätze als jeweils Dritter. Diese guten Leistungen veranlassten Ferrari, ihn zu umwerben und mit der Jahrtausendwende stieg Rubinho, den in den Jahren zuvor wegen durchwachsenen Leistungen oftmals Zweifel geplagt hatten, für die kommenden sechs Jahre in die roten Boliden des italienischen Rennstalls. Er war begeistert und voller Stolz, an der Seite eines weiteren, grossen Vorbildes fahren zu dürfen: Michael Schumacher.
Und gerade in dessen Heimatland gelang Rubens der erste Sieg. Am 31. Juli 2000 bei grossen Preis von Deutschland, nachdem ihn ein technischer Defekt in der Elektronik im Qualifying auf den 18. Startplatz verbannte, gewann er nach einer fulminanten Aufholjagd das durch Safety Car Phasen und einsetzenden Regen chaotische Rennen. Dass er auf der am Ende nassen Piste mit Trockenreifen tapfer durchhielt war zudem Beweis für das fahrerische Können des ehrgeizigen Brasilianers.
In den sechs Jahren bei Ferrari konnte Barrichello sechs Siege, 25 zweite Plätze und 31 dritte Plätze einfahren, ganz zu schweigen von den schnellsten Runden, Pole Positions und den fünf Kontrukteurstiteln seines Rennstalls, der in dieser Epoche die Formel 1 dominierte. Aber auch im Privaten fand Rubinho sein Glück mit seiner Ehefrau Silvana Giaffone, die er bereits am 24. Februar 1997 geheiratet hatte. Am 23. September 2001 wurde sein erster Sohn Eduardo geboren, am 12. September 2005 folgte sein zweiter Sohn Fernando. Die Familie lebt bis heute in São Paulo, verfügt jedoch auch über ein Haus in Portugal.
2006 wechselte Barrichello von Ferrari zu Honda, konnte jedoch nicht an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen. Sein Bolide war einfach zu schwach, 30 Punkte und kein einziger Podiumsplatz waren das enttäuschende Ergebnis am Ende der Saison. Doch es sollte sogar noch schlimmer kommen. Im darauffolgenden Jahr und dem 15. seiner Formel 1 – Karriere konnte er noch nicht einmal einen einzigen Punkt einfahren. Und selbst 2008 im dritten Jahr mit Honda erzielt er lediglich 11 Punkte in 18 Rennen und einen dritten Platz nach einer mehr als chaotischen Wasserschlacht in Silverstone. Immer öfter wurde nun darüber spekuliert, ob das “Urgestein der Formel 1” nun doch langsam aufhören sollte.
Seine Kritiker strafte Rubinho allerdings in der Saison 2009 Lügen. Der von Brawn GP übernommene Honda-Rennstall überzeugte mit einem starken Fahrzeug und bot dem Brasilianer nochmals die Chance, an alte Erfolge anzuknüpfen. 77 Punkte, eine Pole Position sowie zwei Grand Prix Siege, drei zweite Plätze und ein dritter Platz bescherten dem mittlerweile 37-jährigen am Ende der Saison den dritten Platz in der Gesamtwertung.
Barrichello ist überzeugt, trotz seines Alters weiterhin fit für den Formel 1 – Zirkus zu sein und denkt weiterhin nicht ans Aufhören. In der Saison 2010/2011 durfte er für Williams seine Runden drehen und hat sich in den Geschichtsbüchern verewigt, denn er ist der erste Formel 1 – Pilot, der in 300 Grand Prix an den Start ging. Sein grosses Vorbild Ayrton Senn konnte er in Sachen Grand Prix – Punkte bis jetzt nicht überflügeln, und noch zusätzliche 8 Punkte einfahren, um als erfolgreichster brasilianischer Formel 1 – Pilot aller Zeiten in die Geschichte einzugehen. Vielleicht bekommt er 2013 noch einmal eine Chance in einem Formel 1-Team die fehlenden Punkte einzufahren.
Fotos Copyright Rubens Barrichello