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Eliane RadigueEliane Radigue (*1932) ist eine französische Komponistin, die durch ihre sehr eigenwilligen elektronischen Kompositionen seit über 40 Jahren einen fabelhaften Ruf geniesst und erst vor kurzem vom rein elektronischen Territorium Abschied genommen hat und in der Dampfzentrale sogar ein rein akustisches Werk vorstellt. Radigue begann ihre musikalische Laufbahn bereits in den 50er-Jahren als Assistentin von Pierre Henry, studierte später auch bei ihm und Pierre Schaeffer – beide gelten als Väter und eigentliche Erfinder der Musique Concrète, im deutschsprachigen Raum Elektroakustik genannt – einer aus Geräuschen natürlicher und elektronischer Herkunft anstelle von Instrumentalstimmen komponierte Musik (Pierre Henry durften wir ja am ersten Saint Ghetto-Festival vor drei Jahren in der Dampfzentrale begrüssen). Ihre eigenen Arbeiten gingen aber von Anfang an in eine andere Richtung: bis vor wenigen Jahren hat sich Eliane Radigue vor allem mit einem einzigen elektronischen Instrument beschäftigt, dem ARP2500 Modulard-Synthesizer. Mit ihm kreierte sie lange, fliessende Stücke, oft an der Grenze der Hörschwelle. Ähnlich den Werken des amerikanischen Komponisten Charlemagne Palestine lebt ihre Musik von sachten, kaum wahrnehmbaren Veränderungen, die durch ihre Statik und monotone, aber sich stetig entwickelnde, Form eine eindeutig hypnotische, vielleicht auch meditative Wirkung erzielt. Sowieso war ihre Musik immer näher bei den Minimal Music-Komponisten aus New York (Palestine, La Monte Young, Tony Conrad, Phill Niblock) anzusiedeln als bei der sich stark in Frankreich konzentrierenden Musique Concrète-Szene um Schaeffer, Henry und Luc Ferrari. Erst 2004 hat sich Eliane Radigue grundsätzlich von der elektronischen Musik verabschiedet und setzt ihr kompositorisches Konzept nun mit akustischen Instrumenten um. Eine der ersten dieser Kompositionen ist «Naldjorlak», dessen erster Teil der amerikanische Cellist Charles Curtis in der Dampfzentrale zur Aufführung bringen wird. Curtis studierte bei Prandit Pran Nath und La Monte Young, wirkte aber auch bei der New Yorker Rockband King Missile mit, die für ihre sarkastischen, manchmal anstössigen und politisch wunderbar unkorrekten Texte bekannt geworden sind.Brunhild FerrariBrunhild Meyer-Ferrari, in Frankfurt am Main geboren, war seit 1959 die Frau an der Seite des 2005 verstorbenen, wichtigen französischen Komponisten Luc Ferrari, dessen Wirken in der Musique Concrète nicht genug geschätzt werden kann. Sie war aber auch seine musikalische Kollaborateurin.Zunächst, nach Entstehung der Groupe de Recherche Image, forschte sie auf dem Gebiet der Beziehung zwischen Ton und Bild in Pierre Schaeffers Service de la Recherche, bis sie 1967 Luc Ferrari für ein Jahr Aufenthalt dank des DAAD nach Berlin folgt. Neben ihrer Tätigkeit als Dolmetscherin und Übersetzerin und als häufig Mitwirkende an Luc Ferraris Arbeiten, realisiert sie eigene Kompositionen sowie Hörspiele, die von France Culture, dem WDR und SWR, dem Bayrischen Rundfunk und Deutschlandradio Berlin gesendet werden.Seit Luc Ferraris Tod beschäftigt sie sich neben Komposition mit dem von ihr initiierten Verein PRESQUE RIEN um Luc Ferraris Nachlass. Kürzlich erschienen beim italienischen Label Alga Marghen zwei Veröffentlichungen von ihr. Die eine, «Tranquilles Impatiences» eine auf von Luc Ferrari geschaffenen Klänge basierende elektronische Komposition, kommt an der Langen Nacht zur Aufführung. Daneben werden wir einen Auszug hören aus «Far West News» von 1998, einer Art Hörreise der Ferraris durch den amerikanischen Südwesten, in welchem wir in Ferrari-typischer Manier Zeugen einer akustischen Welt werden, die weder Hörspiel, noch herkömmliche Komposition, noch Dokumentation, noch reines Kopfkino ist. Als Audio Newspaper hat Luc Ferrari das Stück bezeichnet. Triviale Diskussionen über Bill Clinton und Monica Lewinsky oder Sprachbarrieren bei Essenbestellungen werden zu einer – im besten Sinne der musique concrète – musikalischen Reisetagebuch zusammengestellt, welches durch seine dramaturgische Anordnung verblüfft. Luc Ferrari schafft es wie kein anderer, aus Geräuschen, Stimmen und Stimmungsbildern Musik zu erschaffen. OvalOval ist Markus Popp aus Berlin. Sein Verdienst in der elektronischen Musik der letzten 20 Jahre darf nicht unterschätzt werden, waren doch die Alben «Wohnton» von 1993 und «Systemisch» von 1994 (damals war Oval noch eine Trio) die Werke, welche der damals aufkommenden Electronica-Strömung einen Gegenpol schufen, der unter dem Namen Glitch oder später Clicks & Cuts (entliehen von einer Genre-prägenden Compilation-Reihe) im Untergrund bekannt werden sollte. Anstatt mit ausgeklügelten elektronischen Sounds und Beats arbeiteten Oval und Konsorten mit Störgeräuschen, Fehlmanipulationen und elektronischen Defekten. Insbesondere das Erzeugen von Rhythmusmuster durch beim Abspielen hängen gebliebene CDs waren ein Markenzeichen von Oval, welche die zukunftsgerichtete elektronische Musik von Aphex Twin oder Autechre, die als Weiterführung oder Gegenpol zu Techno enstand, fast schon karikierte. Mit dem vierten Album landete Oval beim wichtigen Chicagoer Label «Thrill Jockey» und sogar Björk entlieh sich Samples von Oval für ihr 2001-er Album «Vespertine». Er arbeitete mit Tortoise, Mouse on Mars, Ryuichi Sakamoto, Squarepusher und Gastr Del Sol, und veröffentlichte zusammen mit Jan St. Werner von Mouse on Mars mehrere Alben als Microstoria. Was Markus Popp mit seinem neuen Album «O» kreierte, welches nach einer Veröffentlichungspause von fast 10 Jahren im letzten Herbst erschien, liegt mittlerweile näher bei der Ästhetik der Musique Concrète als bei der schlecht gealterten Electronica. Seine elektronischen Manipulationen akustischer Instrumentalsounds sind von der Arbeitsweise her hochgradig experimentell, lassen aber Einflüsse von Pop und Post Rock durchschimmern.strømstrøm sind die beiden Bieler Musiker Gaudenz Badrutt und Christian Müller. Im Jahr 2000 als Quintett gegründet, sind sie Jahre später zum Kernduo geschrumpft und haben mehrere Theatermusiken konzipiert, u.a. am am Theaterhaus Gessnerallee, an den Stadttheatern von Chur und Bern sowie an den Staatstheatern in Mainz, Stuttgart und Dresden. Daneben arbeiteten sie immer wieder mit unterschiedlichsten Gastmusikern wie Tomas Korber, Hans Koch, Lucas Niggli oder Krankenzimmer 204 zusammen. Müller und Badrutt haben beide eine klassische Musikausbildung genossen und sind profunde Kenner der Kunstmusik des 20. und 21. Jahrhunderts. Dazu gehört selbstverständlich auch der Umgang mit live-elektronischen Mitteln, mit Techniken der Improvisation, mit raumgreifenden Konzepten und szenischen Elementen. Damit setzt strøm die feine Schweizer Tradition elektroakustischer Noise-Improvisation (Voice Crack, 16–17) fort. Eine vielschichtige, architektonische, teils minimale, teils brachiale Musik, die sich langsam entwickelt, aber stets bereit ist, abrupt auszubrechen und einen neuen Weg einzuschlagen.