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Schreinerei-Projekt des SEKEM-Fonds
Eine Idee findet ihren Weg
Ausgangspunkt des Schreinerei-Projekts war im Frühling 2012 eine zufällige Begegnung in der Schweiz, bei der bekannt wurde, dass ein Schreiner im bernischen Mittelland seine Werkstatt nicht weiterführen konnte und bereit war, die gesamte Ausrüstung – rund fünf Tonnen Maschinen und Ausrüstungsgegenstände – weit unter ihrem Wert zu veräußern. Am liebsten war ihm eine Nutzung in der Lehrlingsausbildung.
Da bot sich die Idee, die Schreinerei-Ausbildung in SEKEM zu fördern, geradezu an. Die neue Ausstattung umfasste grundsolide deutsche und schweizerische Maschinen, die sich gut warten und reparieren lassen.
Kontakte knüpfen
Nun ging es darum, das Umfeld zu studieren: War SEKEM grundsätzlich an der Idee interessiert? War Hilfe durch die offizielle oder private schweizerische Entwicklungszusammenarbeit zu erwarten? Welche Berufsverbände kamen für eine Kontaktnahme in Frage? Gab es sonst in der Schweiz Gruppierungen, die für eine Teilnahme zu gewinnen waren?
Ja, SEKEM fand die Idee gut. Und die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit ließ eine Tür offen für spätere Gespräche. Der Schreinermeisterverband und einige Berufsschulen fanden die Idee interessant und erklärten, sie wären bereit, von Fall zu Fall beratend mitzuwirken.
So ist ein Projekt entstanden, das in einer ersten Phase die Beschaffung und den Transport der Schreinerei- Ausrüstung sowie die Anbahnung des Kontakts mit der "Swiss Development Cooperation" in Kairo und in dann den Aufbau der Lehrwerkstätte und die didaktisch-technische Unterstützung von SEKEM vorsieht.
Ein Projekt in zwei Phasen
Phase 1 erfolgte unter der Verantwortung des "Fördervereins SEKEM Schweiz" (heute: SEKEM-Fonds). Der Förderverein startete einen Spendenaufruf zur Finanzierung des Ablösegelds, der bisherige Eigentümer verpackte die ganze Ausrüstung für den Seetransport, und das Kairoer Büro der "Swiss Development Cooperation SDC" erklärte sich nach Gesprächen bereit, den Betrieb der neuen Lehrwerkstätte während zwei Jahren zu finanzieren.
Phase 2 umfasste die Jahre 2013 und 2014 und lag hauptsächlich in der Verantwortung von SEKEM Ägypten. Die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit (SDC) trat mit Finanzhilfen auf, der Schweizer „Förderverein SEKEM“ sorgte für die Kontakte in die Schweiz. Ende 2013 / Anfang 2014 hielt sich ein Schweizer Schreiner im Projekt auf, um der Ausbildung neue Impulse zu geben.
Wo steht das Projekt heute?
Inzwischen arbeitet die Schreiner-Lehrwerkstätte gut koordiniert nach dem dualen System: Die Lehrlinge erhalten eine praktische und eine theoretische Ausbildung, sechs Tage (42 Stunden) über drei Jahre. Vier Tage arbeiten sie in der Lehrwerkstatt, in der Produktionswerkstatt oder in der allgemeinen Schulwerkstatt. Zwei Tage besuchen sie die Berufsschule: einen Tag für die allgemeinbildenden Fächer (Arabisch, Englisch, Religion) und einen für die fachspezifische Vertiefung. Im ersten Jahr arbeiten sie vor allem an ihrer Handfertigkeit, im zweiten dürfen sie unter Aufsicht an die Maschinen, im dritten dürfen sie selbständig Maschinen bedienen.
Die Ausbildung ist gratis, anders wäre sie für viele nicht realisierbar. Es fallen pro Jahr maximal 10 Euro für Schulmaterial an. Wer trägt die übrigen Kosten? SEKEM hat mit seinen kommerziellen Betrieben die Möglichkeit, die Ausbildungsbetriebe querzufinanzieren, allerdings nur äusserst begrenzt, da gerade der ägyptische Markt keine hohen Preise zulässt. Die Schreinerei muss sich also auch über Verkauf von Produkten selbst finanzieren.
Weitere Informationen
Januar 2016: "Im Gespräch: Francis" Interview mit dem betreuenden Schweizer Schreiner
Februar 2015: "Nächste Ausfahrt Beruf" Blog des Projektverantwortlichen Fausi Marti
Juli 2013: Kommentierte Dia-Serie über einen Besuch bei SEKEM Ägypten
November 2012: 6-Minuten-Film auf Youtube über das Schreinerei-Projekt nach dessen Start
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