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Fremdplatzierungen: ATD Vierte Welt nimmt Stellung
Die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren und die Konferenz der Kantone für Kindes- und Erwachsenenschutz werden ihre Empfehlungen zu ausserfamiliären Platzierungen veröffentlichen, nachdem sie letztes Jahr in der Vernehmlassung waren.
„Ich habe gelitten, als ich fremdplatziert war. Und auch meine Kinder haben gelitten, als sie fremdplatziert waren. Die Trennung, der Bruch, das ist hart. Man muss alles tun, um das zu vermeiden.“
Das sagt eine Mutter, die geholfen hat, die Stellungnahme von ATD Vierte Welt zu erarbeiten. Es sind auch die Worte zahlreicher Eltern, die Armut und Isolierung erleben und mit denen die Bewegung ATD Vierte Welt unterwegs ist. Diese Eltern stehen der Fremdplatzierung ihrer Kinder gegenüber oder haben Angst davor. Deshalb sind sie besonders legitimiert, an einer solchen Vernehmlassung teilzunehmen. Wir bedauern, dass die zuständigen Instanzen dafür nicht die notwendigen Mittel bereitgestellt haben.
Armut und Fremdplatzierungen
Beim Arbeitstreffen mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga im nationalen Zentrum der Bewegung ATD Vierte Welt im Jahr 2017 ging es in einer der Forderungen um eine vertiefte wissenschaftliche Studie zum Zusammenhang zwischen Fremdplatzierungen über mehrere Generationen und Armut, und dies mit Beteiligung der Erstbetroffenen.
Deshalb begrüssen wir die erarbeiteten Empfehlungen, bedauern aber sehr, dass sie in keiner Weise mit der nationalen Strategie zur Armutsbekämpfung verbunden worden sind. Wir sind überzeugt, dass die Entfaltung einer solchen Strategie gewisse Fremdplatzierungen verhindern oder das Vorgehen bei Fremdplatzierungen verbessern könnte.
Die Würde jeder Familie achten
Mehrere Empfehlungen gründen auf dem Wohl des Kindes, was vieles umfasst. Es müsste auf die Vorgehensweisen verwiesen werden, die das Handbuch zur Umsetzung der UN-Leitlinien über Schutz und Fremdplatzierung von Kindern aufzeigt. Familien, die unter Armut und sozialer Ausgrenzung leiden, soll – gemäss jener Empfehlungen – ein Hilfsprogramm ermöglichen, dass das Kind in seiner Familie aufwachsen kann. Dies entspricht dem übergeordneten Interesse des Kindes und sollte vermehrt hervorgehoben werden.
Weitere Empfehlungen betreffen den Einbezug und die Unterstützung der Eltern bei einer Platzierung des Kindes an einem Pflegeplatz, während und nach dieser Zeit. Dazu gehört auch die Anerkennung der Eltern als Akteure, die ausdrücken können, was sie brauchen, um als verantwortungsvolle Eltern zu wirken. Es braucht eine klare Information bezüglich der zu durchlaufenden Etappen und der Kompetenzen, die es zu erwerben gilt, um die Obhut ihres Kindes wieder zu erlangen.
Wir teilen die Ansicht, dass der Mitwirkung der Kinder bei der Platzierung grosse Bedeutung zukommt. Der Realität dieser Kinder und Jugendlichen, die oft bereits selber Ausgrenzung erlebt oder jene ihrer Eltern gekannt haben, muss Rechnung getragen werden. Dem Vertrauen und dem Verzicht auf Verurteilung kommt eine zentrale Bedeutung zu, damit echte Mitwirkung der Kinder möglich wird. Dies erfordert besondere Kompetenzen.
Schliesslich sind auch Statistiken zur Fremdplatzierung wichtig, vor allem, wenn sie von einer umfassenderen Auswertung der Lebensläufe der Betroffenen begleitet werden, samt der Auswertung der Konsequenzen im Bereich von Ausbildung, Anstellung, Sozialisierung usw.
Dass die Eltern diese Empfehlungen zur Kenntnis nehmen und deren Anwendung und Weiterentwicklung begleiten können, das bleibt auch künftig ein grosses Anliegen von ATD Vierte Welt, damit die Würde jedes Menschen geachtet wird.
Véronique Martrou