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Die Strahlung radioaktiver Stoffe kann man weder sehen noch hören. Fakt ist, wir sind Tag und Nacht von dieser Strahlung umgeben.
Ob und wie stark radioaktive Strahlen dem menschlichen Körper schaden, hängt von drei Faktoren ab: Der Strahlendosis, der Bestrahlungszeit und der Art der Substanz. Die Strahlenbelastung wird in Sievert (Sv) (früher REM) gemessen. Die mittlere Strahlenexposition der Schweizerbevölkerung beispielsweise liegt bei 5.5 Millisievert (mSV) pro Jahr.
Die Strahlenkrankheit tritt nach akuter Bestrahlung des menschlichen Organismus auf, zum Beispiel nach Atomunfällen oder auch nach oder während einer Strahlentherapie zur Krebs behandlung.
Die Folgen reichen von grippeähnlichen Symptomen bis zum Tod innerhalb weniger Tage, je nach Strahlendosis und Substanz. Geringe Strahlendosen töten nicht, erhöhen aber langfristig das Risiko für Sterilität, Krebs und Erbgutschäden.
Ursachen einer Strahlenerkrankung können sein:
- Akute oder Langzeitbestrahlung durch radioaktive Substanzen
- Strahlentherapie zur Krebsbehandlung
Die Wirkung der Radioaktivität hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Zeitraum der Bestrahlung: Dauert die Bestrahlung in hoher Dosierung weniger lange an, kann der Organismus die Strahlenbelastung schlechter kompensieren, als wenn die gleiche Bestrahlungsdosis über längere Zeit auf den Körper einwirkt.
Dosierung: Hohe Strahlendosen führen zur akuten Strahlenerkrankung, die meist innerhalb weniger Tage zum Tod führt. Bei einer Bestrahlungsdosis von 5 Sievert innerhalb von wenigen Tagen muss man damit rechnen, dass etwa die Hälfte der exponierten Personen innerhalb von einem Monat sterben.
Art der Substanz: Aus einem Atomkraftwerk treten besonders gefährliche radioaktive Edelgase aus (Xenon 133 und Krypton 85). Der Vorteil dieser Substanzen: Sie sind äusserst flüchtig; das heisst durch Distanz zur Strahlenquelle verringert sich der gesundheitliche Schaden.
Jod 131 und Cäsium gelangen via Trinkwasser in die Nahrungskette. Radioaktives Jod reichert sich bei Aufnahme rasch in der Schilddrüse an, was zu einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenkrebs führt.
Strontium 90 und Plutonium 239: Diese Stoffe binden sich an Staubpartikel und können über die Atemluft in den Körper gelangen und Zellen schädigen.
Die Inkubationszeit, das heisst die Zeit ab Bestrahlung bis zum Auftreten der Beschwerden, kann einige Tage oder Wochen dauern.
Leichte Form der Strahlenkrankheit (bis zu einem Sievert (Sv))
- Grippeähnliche Beschwerden
- leichte Übelkeit, Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Müdigkeit
- Kopfschmerzen, Schwindel, Desorientierung
- Leicht erhöhtes Infektionsrisiko
- Vorübergehende Beeinträchtigung der männlichen Fortpflanzungsfähigkeit
Schwere Strahlenkrankheit (ab 2 Sv)
- Schwere Übelkeit, Erbrechen
- Haarausfall
- Schwacher Allgemeinzustand
- Erhöhtes Infektionsrisiko: Verminderung der Anzahl weisser Blutkörperchen (Leukopenie)
- Weibliche Unfruchtbarkeit (meist vorübergehend)
- Durchfall
- Blutungen an Mundschleimhaut, Haut, Nieren durch Verminderung der Anzahl Blutplättchen
- Blutarmut (Anämie)
- Führt bei 10% der Betroffenen innerhalb der ersten 30 Tage zum Tod
Akute Strahlenkrankheit (4-6 Sv)
Hier treten obengenannte Beschwerden schneller, heftiger und stärker auf (Inkubationszeit von einigen Stunden bis wenigen Tagen).
Die Sterilität wird bleibend und die Genesungsdauer beträgt mehrere Monate bis zu einem Jahr. Ohne intensive medizinische Betreuung tritt der Tod innerhalb von 3 Monaten auf. Todesursachen sind meist Infektionen oder Blutungen.
Folgeerkrankungen der Belastung ab 6 Sv
- Zerstörung der Knochenmarks sowie der Schleimhäute, auch im Verdauungstrakt.
Strahlenbelastungen zwischen 10 bis 20 Sv:
Übelkeit und Schwäche innerhalb weniger Minuten. Darauf folgt eine scheinbare Erholungsphase für mehrere Tage, die sogenannte Walking-Ghost-Phase, bis zum Einsetzen massiver Beschwerden bis hin zu Kreislaufversagen, irreparablen Organschäden und Tod innerhalb kurzer Zeit.
Zur Diagnose einer Strahlenerkrankung werden verschiedene Untersuchungen und Abklärungen durchgeführt. Dazu gehören unter anderem:
- Krankengeschichte (Anamnese) zur Abschätzung der Strahlendosis
- Prüfung der Vitalfunktionen und des allgemeinen Zustandes
- Laboruntersuchungen und Vorbereitung zur Knochenmarktransplantation
Zur Behandlung einer Strahlenerkrankung werden unter anderem folgende Massnahmen eingesetzt:
- Entfernung des Betroffenen aus der Strahlenzone
- Dekontamination, d.h. Entfernung radioaktiver Verunreinigungen (Duschen)
- Erhaltung und Therapie der Vitalfunktionen
- Kaliumiodid-Tabletten (Jodtabletten): radioaktive Strahlen reichern sich in der Schilddrüse an; Jodtabletten, welche nicht radioaktives Jod in die Schilddrüse einlagern, verhindern die Aufnahme von radioaktivem Jod (siehe auch www.jodtabletten.ch)
- Bluttransfusion, Stammzelltransplantation
- Begleittherapien wie Vitaminpräparate, Antibiotika, Ausgleich des Flüssigkeitsverlust und Verlust von Elektrolyten
- Psychotherapie
Selbst bei geringer Bestrahlung gibt es laut Experten nur eine Zeitspanne von drei bis vier Tagen, in der abgeschätzt werden muss, ob der Betroffene eine aufwändige Behandlung oder eine Knochenmarktransplantation braucht.
Geringere Strahlendosen töten nicht, erhöhen aber langfristig das Risiko für Krebs. Beispiel: Eine jährliche Strahlenexposition von 100 Millisievert erhöht das Krebsrisikos um 1% (Leukämie, Schilddrüsenkrebs, Lungenkrebs, Brustkrebs). Ausserdem kann es zu Missbildungen bei Nachkommen durch Schädigungen des Erbguts kommen. Kinder sind aufgrund der schnellen Zellteilung besonders empfindlich.