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„So sind im Leib vier Elemente, die viererlei Krankheiten machen. Daher beruht der Mensch auf vier Elementen, gleichsam wie auf vier Müttern. Von diesen stammen Gesundheit und Krankheiten“ (Paracelsus).
Die antike Lehre von den Elementen geht zurück auf den griechischen Philosoph und Arzt Empedokles von Agrigent (5 Jh.v.Chr.). Er sprach von vier Wurzelkräften (rhizomata) der Schöpfung, die er Feuer, Luft, Wasser und Erde nannte. Nach seinen Vorstellungen entsteht und vergeht alles Existierende durch Liebe und Streit zwischen diesen Urkräften.
Schon kurz nachdem Empedokles die vier Wurzelkräfte der Schöpfung formuliert hatte, bezeichnete man sie als Elemente. Sie bildeten die erste Grundlage einer wissenschaftlich-rationalen Medizin im Abendland.
Somit beeinflusst die antike Elementenlehre seit 2500 Jahren unsere Kulturgeschichte und Heilkunde. Sie dürfte damit eines der ältesten Gedankenmodelle des Menschen über die Natur sein, das heute noch Beachtung findet, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß wie noch vor einigen Generationen.
Ein wichtiger Schritt, um die Elementenlehre in der Medizin praktisch nutzen zu können, war die Zuordnung von Primär- und Sekundärqualitäten zu den Elementen (siehe Grafik):
Auf diese Weise ergeben sich Gemeinsamkeiten und Polaritäten der Elemente, die – wie wir noch sehen werden – die Grundlage der Therapie nach den Elementen bilden. Neben den Qualitäten ordnet man bis heute den Elementen Körpersäfte („humores“), Hauptorgane, Temperamente und Wesensprinzipien zu:
Das harmonische Zusammenwirken der Säfte (Eukrasie) bedeutet Gesundheit, die Disharmonie (Dyskrasie) dagegen Krankheit. In der Antike verstand man unter Dyskrasie eine schuldige Materie, die durch das Übermaß eines Elements erzeugt wurde. Eine Heilung erfolgte dementsprechend durch die Ableitung des überschüssigen Saftes, beispielsweise durch Schwitzen, Aderlass, Erbrechen oder Abführen.
Spätestens seit Galen (129 – 199) ordnet man den Elementenqualitäten auch Arzneistoffe zu. Dies sind vor allem Pflanzen, die in ihren Signaturen (Farbe, Geschmack etc.) und ihrer Wirkung den Elementen entsprechen. So gibt es erwärmende und feurige, kühlende und wässrige, anfeuchtende und luftige sowie trocknende und erdhafte Pflanzen, die man zur Behandlung einer übermäßigen Elementenqualität einsetzt.
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Um nach den Vorstellungen der Elementenlehre ein Therapiekonzept mit Arzneistoffen aufzubauen, ist es notwendig, die Elemente als Polaritäten zu begreifen. Gegensätze bilden:
Die Elementenqualitäten befinden sich im Menschen normalerweise in einem kompensatorischen Gleichgewicht. Je nach Anforderung kann das gegenteilige Element einen Überschuss des gegenüberstehenden ausgleichen. Krankheit entsteht erst bei einer dauerhaften Überbetonung einer Elementenqualität.
Ist ein Element pathologisch im Übermaß vorhanden, wird es nicht mehr durch das gegenteilige Element kompensiert. Man kann dann von einem Mangelzustand des Gegenpols sprechen: „Wenn ein Element irrt, so schwächt es das andere, denn alle sollen vollkommen sein und ihren bestimmten Gang haben“ (Paracelsus). (Graphik)
Die übliche Therapie mit Arzneistoffen besteht nun darin, das schwache Element zu stärken. So gibt man Pflanzen mit kalter und feuchter Qualität (= Wasser), um eine Überbetonung von Feuer auszugleichen. Dieses Vorgehen nennt man antipathisches Heilen.
Ein Beispiel wäre die Verabreichung von kühlenden und entzündungswidrigen Mitteln des Elements Wasser wie Birke, Malve, Schlüsselblume oder Esche bei Fieber. Gibt man dagegen bei hohem Fieber feurige und stimulierende Mittel wie Echinacea, besteht die Gefahr, dass sich der Zustand verschlimmert.
(Echinacea ist ein bewährtes Mittel zur Infektprophylaxe; es regt die Wärmeprozesse und die Immunabwehr an = Mangel an Feuer). Die antipathische Methode eignet sich besonders für Sofortmaßnahmen und zur Linderung von Symptomen. Von einer wirklichen Heilung kann man nicht sprechen, da die Ursache ja nicht in der Schwäche eines Elements, sondern in einem Übermaß besteht.
Es muss also noch einen anderen Weg geben, um die Elemente auszugleichen. Schon Paracelsus (1493 – 1541) kannte einen solchen Weg: „Nie ist eine heiße Krankheit mit Kaltem geheilt worden und nie eine kalte mit Heißem. Doch das ist geschehen, dass Gleiches seinesgleichen geheilt hat“ (Paracelsus) – diese Methode nennt man sympathisches Heilen.
Nimmt man ihn wörtlich, so bedeutet dies, dass man eine Überbetonung von Feuer mit Mitteln behandeln muss, die selbst dem Feuerelement entsprechen. Wie kann dies sein, wenn wir doch gerade festgestellt haben, dass bei diesem Vorgehen eine Verschlimmerung passieren müsste?
Das Geheimnis liegt in der Dosis und der Art der verabreichten Arznei. Wenn man die Mittel, die dem überbetonten Element entsprechen, tropfenweise und selten verabreicht, dann erfolgt nur selten eine Verschlimmerung. Paracelsus gebrauchte zudem spagirische Heilmittel, also vergeistigte, die man in ihren Eigenschaften nicht mit substantiellen verwechseln darf. Die Spagirik verändert die Eigenschaften eines Stoffes derart, dass regulierende und/oder gegenteilige Effekte auftreten. Ähnliches passiert bei der Potenzierung eines Stoffes nach den Vorstellungen Samuel Hahnemanns, der ebenfalls eine Vergeistigung der Arznei anstrebte. In der Homöopathie spricht man von einem Umkehreffekt der Wirkung bei der Potenzierung, der in der Regel spätestens ab der sechsten Potenzstufe eintritt. Es hat sich übrigens in der Praxis bewährt, die antipathische mit der sympathischen Methode zu kombinieren. Bei Fieber wäre dies beispielsweise eine Kombination der oben genannten entzündungswidrigen Mittel mit Echinacea D6.
Die Ausbildung der Temperamente führt man ebenfalls auf ein Übermaß der entsprechenden Elemente zurück.
Überwiegt das Feuerelement im Menschen, kommt es zur Ausbildung einer cholerischen Persönlichkeit. Choleriker reagieren schon bei Kleinigkeiten mit einem Wutausbruch. Ihre Handlungsmuster sind impulsiv und unberechenbar. Ihre Wut kann sich bis zur Tobsucht und Raserei verstärken, vor allem wenn sie auf Widerstände stoßen. Sie vertragen keine Kritik, kritisieren andere aber sehr gerne. Choleriker tragen den Geist der Initiative in sich. Ihre ausgeprägte Willenskraft verhilft ihnen zur Durchsetzung persönlicher Zielsetzungen, allerdings sind sie dabei oft rücksichtslos und rechthaberisch. Sie haben eine übersteigerte
Vorstellung von der Bedeutung der eigenen Person. Choleriker bringen sich und andere durch ihre Waghalsigkeit und Ungeduld oft in Bedrängnis. Ihr Lebensstil ist ausschweifend und triebhaft bis zur totalen Erschöpfung.
Um den Choleriker friedfertiger zu stimmen, gibt es nun zwei Möglichkeiten, die man auch kombinieren kann: Entweder ich lösche sein Feuer mit Wasser, oder ich lasse ihn in einen Spiegel schauen, indem ich ihm Feuermittel in potenzierter Form verabreiche.
Nach den Regeln der Antipathie kämen folgende kühlende Mittel in Betracht, die alle in substantieller Form, als Tee oder Tinktur, gebräuchlich sind:
Nach den Regeln der Sympathie ergänzt man diese Mittel mit potenzierten Feuermitteln (D12 bis D30); einige Beispiele:
An sich ist das sanguinische Temperament angenehm, sofern es sich nicht zu stark ausdrückt. Dann schlägt die Leichtigkeit des Seins um in Hysterie. Man kann den Lufttyp auch als Verkörperung der neurotischen Charakterstruktur sehen. Seine Gefühle unterliegen einem ständigen Wechsel, bis hin zur Manie. Er ist überdreht, hektisch und voreilig. Seine Unruhe hält ihn oft die ganze Nacht wach. Er kann nicht still sitzen und leidet häufig unter nervösen Ticks. Er kann seine Umwelt mit seiner Geschäftigkeit und seinem Geschwätz zur Verzweiflung bringen. Auf alles reagiert er maßlos empfindlich. Er benimmt sich wie ein nervöses Rennpferd. Geistig ist er sehr regsam, neugierig und begeisterungsfähig, allerdings erlahmt sein Interesse auch sehr schnell und etwas Neues muss her. Auch seine körperlichen Symptome wechseln ständig.
Nach den Regeln der Antipathie fehlt dem Patienten die in sich ruhende Kraft und Beständigkeit des Erdelements. Nachfolgend einige Beispiele von Mitteln, mit denen man den „Luftikus“ wieder auf die Erde holt (Urtinktur oder Tee):
Nach den Regeln der Sympathie ergänzt man diese Mittel mit potenzierten Luftmitteln (D12 bis D30); einige Beispiele:
Überwiegt das Wasserelement im Menschen, kommt es zur Ausbildung eines phlegmatischen Temperaments. Der Phlegmatiker reagiert auf Anforderungen langsam, bedachtsam und faul. Er versucht, sich alles Unangenehme vom Hals zu halten. Er neigt zu Stillstand, Langeweile und Nichtstun. Sein Bewegungsdrang ist minimal. Sein Habitus und seine geistige Auffassungsfähigkeit sind schwerfällig und träge. Er reagiert auf Konflikte oft ängstlich und mit emotionalem Rückzug. Er wirkt auf andere lieb, angepasst und jovial. Unter den Temperamenten ist er der träumerische Phantast, der gefühlsschwangere Romantiker. Er ist ein fürsorglicher Mensch, der sich aber oft einsam fühlt und Sehnsucht nach Geborgenheit hat. Gegenüber anderen kann er sich schlecht abgrenzen. Er ist oft unentschlossen, schüchtern, sexuell unlustig und ängstlich. Selbstzweifel, triefendes Selbstmitleid und rührseliges Weinen sind für ihn typisch.
Was ihm fehlt, ist die glühende Begeisterung, der Mut und der Tatendrang des Feuers. Einige Beispiele von Pflanzen, die müde „Schlaffis“ munter machen (Urtinktur oder Tee):
Nach den Regeln der Sympathie ergänzt man diese Mittel mit potenzierten Wassermitteln (D12 bis D30); einige Beispiele:
…wird fortgesetzt