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Autor: Karin Aebischer
Freiburg Mangels Beweisen hat der Freiburger Strafappellationshof den Hauptangeklagten im sogenannten Fall Schmitten, dessen Hauptprozess vier Jahre zurückliegt, gestern vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Es sei nicht mit genügender Sicherheit klar, ob das damals 17-jährige Opfer neben der Analpenetration auch zu Geschlechtsverkehr gezwungen worden sei, erklärte Gerichtspräsident Adrian Urwyler. Der heute 25-jährige Schweizer türkischer Herkunft hat sich jedoch gemäss Urteil des Kantonsgerichts unter anderem der sexuellen Nötigung, der versuchten Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern und der Förderung der Prostitution schuldig gemacht. Das Gericht hat ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 40 Monaten verurteilt.
Skrupellos gehandelt
«Der Strafappellationshof erachtet sein Verschulden insgesamt als sehr schwer», sagte Urwyler an der Urteilseröffnung. Der Angeklagte habe für seine Tat rein egoistische Beweggründe gehabt. Er habe sich skrupellos über den Willen des Opfers hinweggesetzt.
Keine Öffentlichkeit
Mit seinem Urteil hat das Kantonsgericht die Berufung des Hauptangeklagten im Fall Schmitten teilweise gutgeheissen. Der Berufungsprozess hatte am 17. Februar unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Die Zivilklägerin hatte dies beantragt. Der junge Mann hatte beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht, nachdem das Kantonsgericht eine Beschwerde gegen das erstinstanzliche Urteil des Sensler Strafgerichts vom März 2008 abgewiesen hatte (die FN berichteten). Er machte eine Verletzung der Unschuldsvermutung geltend und stellte die Wahrheit der Aussagen des Opfers infrage.
Das Bundesgericht hatte die Beschwerde teilweise gutgeheissen und den Fall zur Neubeurteilung ans Kantonsgericht zurückgewiesen. Die Beweiswürdigung erweise sich als ungenügend und daher als willkürlich, lautete das Urteil des Bundesgerichts vom Dezember 2010. Gestern hat das Gericht seine Gründe für die Verurteilung wegen versuchter Vergewaltigung und sexueller Nötigung genauer dargelegt und festgehalten, dass es den Aussagen des Opfers glaube. Das unbedingte Strafmass wurde nur geringfügig von 42 auf 40 Monate herabgesetzt.
Tarkan Göksu, der Anwalt des Angeklagten, zeigte sich überrascht und nicht zufrieden mit dem Urteil. Er müsse die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, um über einen allfälligen Rekurs entscheiden zu können, sagte er gestern nach der Urteilsverkündung.
Nicht alles verarbeitet
Das Opfer habe in den letzten Jahren stark daran gearbeitet, ein normales Leben zu führen, sagte sein Anwalt Peter Huber. Als die 25-Jährige am 17. Februar erneut vor Gericht aussagen musste, habe sich jedoch herausgestellt, dass sie nicht alles verarbeitet habe.
Der Fall Schmitten geht auf den Sommer 2005 zurück, als ein Mädchen in einer Wohnung in Schmitten von mehreren Männern im Rahmen eines Gangbang zu sexuellen Handlungen und Oralsex gezwungen wurde. Das Ganze wurde mit Handys gefilmt. Das Opfer vermutet, dass ihm am besagten Tag in der Wohnung K.o.-Tropfen in ein Getränk geschüttet worden waren, um es gefügig zu machen.