Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03196.jsonl.gz/1693

Neuseeland ist Heimat einer einzigartigen Fauna und Flora. Zu den endemischen (nur dort vorkommenden) Tieren zählen eine Reihe merkwürdiger Wesen wie der Kiwi Apteryx (ein flugunfähiger Vogel) und die Brückenechse Sphenodon. Sie ist der letzte überlebende Zweig einer Echsen-Linie, die schon zu Zeiten der Saurier weit verbreitet war.
In Neuseeland ist die Viefalt der Amphibien und Reptilien eher gering. Erstere umfassen nur 4 Arten der urtümlichen endemischen Froschgattung Leiopelma sowie 3 eingeschleppte Arten. Die Reptilien sind ähnlich schwach vertreten. Unter den Echsen sind, abgesehen von den zwei Arten der Brückenechse Sphenodon, bisher etwa 30 Arten der Skink-Gattung Oligosoma sowie 19 Arten der Gecko-Gattungen Naultinus und Hoplodactylus beschrieben. Schlangen hingegen haben Neuseeland nie erreicht.
Den Geckos auf der Spur
Ein Team neuseeländischer und amerikanischer Wissenschaftler hat nun eine umfassende genetische Studie zur Verwandtschaft der neuseeländischen Geckos veröffentlicht. Dabei stand die Frage nach deren Verwandschaft untereinander sowie mit ihren australischen Verwandten im Vordergrund. Die Forscher untersuchten Gewebe-Proben von 184 Individuen. Ihre Analyse beinhaltet alle 19 beschriebenen neuseeländischen Geckoarten sowie 18 von 20 möglicherweise neuen Arten. Zudem bezogen die Autoren Geckos aus Australien und Neukaledonien in die Untersuchung ein, um die Herkunft der neuseeländischen Geckos näher zu beleuchten.
Wie sich zeigt, gehen die neuseeländischen Geckos alle auf einen einzigen Ursprung zurück - die Besiedlung Neuseelands durch Geckos fand folglich nur einmal statt. Bei anderen Tiergruppen, beispielsweise den Stab- und Gespenstschrecken (Phasmatodea) ist man heute sicher, dass sie die Doppelinsel unabhängig erreicht und besiedelt haben.
Verwandtschaft der Geckos
Der Stammbaum der Geckos zeigt, dass die Gattung Hoplodactlyus stammesgeschichtlich nicht zusammengehörig ist. Ein Teil der Arten (von den Autoren als "schmalzehig" bezeichnet) bildet zusammen mit der Gattung Naultinus eine zusammengehörige Verwandtschaftsgruppe. Die übrigen, sogenannten "breitzehigen" Hoplodactylus-Arten bilden eine davon getrennte Verwandtschaftsgruppe, zu der auch der größte heutige neuseeländische Gecko Hoplodactylus duvaucelii zählt. Auch der möglicherweise ausgestorbene größte Gecko der Welt, Hoplodactylus delcourti gehört damit voraussichtlich in diese Gruppe (siehe auch TT-Fokus).
Neue Gattungen und Arten
Die Autoren konnten zeigen, dass 16 der taxonomisch als neu angenommenen, unbeschriebenen Arten auch aus molekularer Sicht neue Arten darstellen. Die Ergebnisse deuten des weiteren darauf hin, dass die Gattung Hoplodactylus aufgrund ihrer komplexen Verwandtschaftsverhältnisse in insgesamt 6 Gattungen eingeteilt werden sollte. Die Gattung Hoplodactylus umfasst nach Auffassung der Wissenschaftler nur noch H. duvaucelii und H. delcourti. Die übrigen Arten, die bisher in dieser Gattung standen, verteilen sich nun auf die Gattungen Dactylocnemis, Woodworthia, Tukutuku, Toropuku und Mokopirirakau. Die grünen Arten der Gattung Naultinus bleiben in ihrer bisherigen Zusammengehörigkeit bestehen.
Trennung von den Australiern
Weiterhin konnten die Geckoforscher anhand ihrer Ergebnisse zeigen, dass die zu den Vorfahren der neuseeländischen Geckos führende Linie sich von den australischen nächstverwandten Arten vor etwa 40,2 Millionen Jahren trennte, nachdem sich die Tasmanische See geöffnet hatte. Daraus konnten die Autoren ableiten, dass die neuseeländischen Geckos kein in Neuseeland überlebendes Überbleibsel der alten Tierwelt des Urkontinents Gondwana sind. Im Gegenteil zeigen die Ergebnisse, dass die Geckos Neuseeland erst lange nach dessen geographischen Isolation vor rund 80 Millionen Jahren erreichten.
Wie die Daten außerdem zeigen, lebte die Art, aus der alle heutigen neuseeländischen Geckos hervorgegangen sind, vor rund 24 Millionen Jahren. In der Wissenschaft besteht seit langer Zeit ein Streit darüber, ob Neuseeland im Oligozän (vor rund 26-38 Millionen Jahren) für einige Zeit vollständig unter Wasser lag oder ob einzelne Inseln konstant trocken blieben. Im ersteren Fall hätten die Inseln nach dem Wiederauftauchen vollständig neu besiedelt werden müssen. Im zweiten Fall hätten die Tiere auf solchen kleinen Inselchen überleben konnten. Von solchen Refugien ausgehend hätten sie nach dem erneuten Auftauchen Neuseeland wieder neu besiedeln können.
Da die Trennung der Vorfahren der neuseeländischen Geckos von ihren Australischen Verwandten vor dieser Epoche lag, die Entstehung der heutigen neuseeländischen Geckos jedoch danach, können die Ergebnisse der Geckoforscher dieses Problem nicht näher beleuchten. (fwi)
gefunden in
Nielsen et al. 2011. New Zealand geckos (Diplodactylidae): Cryptic diversity in a post-Gondwanan lineage with trans-Tasman affinities. - Molecular Phylogenetics & Evolution. (doi: 10.1016/j.ympev.2010.12.007)
Quellen und weitere Literatur zum Thema Biogeographie und Neuseeland
Goldberg et al. 2008. Evolution of New Zealand's terrestrial fauna: a review of molecular evidence. - Philosophical Transactions of the Royal Society B 363: 3319-3334.
Buckley et al. 2010. The phylogenetic placement and biogeographical origins of the New Zealand stick insects (Phasmatodea). - Systematic Entomology 35: 207-225.
Lomolino, M.V. et al. 2010. Biogeography (4. Auflage). Sinauer. 878 S.
Quammen, D. 2004. Der Gesang des Dodo. Eine Reise durch die Evolution der Inselwelten. List (3. Auflage). 673 S.
weiterführende Links
Froschfauna Neuseelands
Reptilien Neuseelands (PDF)
Die Geckogattung Naultinus (Wikipedia)
Die Geckgattung Hoplodactylus (Wikipedia)
Neuseeland (Wikipedia)
Neuseeländische Reptilien und Amphibien (Department of Conservation)
Neuseelands Skinke