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Die SBB im Jammertal - die ATO
Die Bundesbahnen schrieben in den 1930er Jahren jährlich einen Verlust von 80 Millionen Franken und den Privatbahnen ging es kaum besser. Als Sündenbock wurde schon damals der Strassenverkehr ausgemacht. Von der vermeintlichen Zurückbindung des Strassengüterverkehrs erwartete man Wunder. Der Bundesrat scheiterte mit dem «Verkehrsteilungsgesetz» von 1934 ebenso wie das Volksbegehren der Litra für eine «Gütertransportordnung» von 1938. Der tiefere Grund für die unerwartet massive Ablehnung dieser Vorlagen lag wohl darin, dass mit dem MFG von 1932 und dessen VerordnungenVerordnungen Volk und Transportgewerbe schon arg genug gebeutelt worden waren. Der Bundesrat gab aber keine Ruhe. Er brachte 1938 die ATO durch das Parlament und setzte sie per Notstandbeschluss auf den 15. August 1940 in Kraft. 1945 verlängerte er sie um fünf weitere Jahre. Dann musste sie gemäss Verfassung zwingend vors Volk.
Alle Transportmittel des gewerblichen und Werksverkehrs waren nun zu konzessionieren. Die bisherigen Transportkapazitäten wurden eingefroren, eine Erweiterung des Fahrzeugbestandes oder eine Erhöhung der Nutzlast, ja sogar der Sitzplatzzahl in einem Taxi oder Autocar bedurfte einer Konzessionserweiterung, die nur nach einer umständlichen und wasserdichten Bedürfniserhebung erteilt, d. h. meistens eben nicht erteilt wurde. Die Umsetzung des ganzen Systems war reichlich aufwändig. So musste z. B. für jeden einzelnen Sachentransport ein Transportschein ausgestellt werden, für den eine Stempelgebühr zu entrichten war! Um der Bahn einen Preisvorteil zu verschaffen, entschied der Bundesrat über die Höhe der Transporttarife. Wie praxisfremd die ATO war, zeigt die Tatsache, dass im Frühjahr 1951, kurz vor Ablauf der Notstandsverordnung, noch nicht alle Betriebe im Besitze der definitiven Transportkarten (Konzessionen) waren!
Immerhin: Durch die ATO blieben die vier Basler Taxihalter fürs Erste vor neuen Konkurrenten abgeschirmt. Diese Verschnaufpause war für sie überlebenswichtig, denn es bahnten sich mit dem Kriegsausbruch neue Probleme an.