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Paarberatung im Kontext häuslicher Gewalt
Blickwinkel auf das Spannungsfeld parteilicher Arbeit in der Opferhilfe versus neutraler Haltung in der Systemischen Beratung
Paarberatung im Kontext häuslicher Gewalt ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Im
Bereich der Opferhilfe wird ein solches Angebot nur vereinzelt bereitgestellt. Häusliche
Gewalt hängt oft mit massiven Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen zusammen.
Unter diesen Voraussetzungen stellt Paarberatung, welche eine gleichgestellte Beziehung und gemeinsame Ziele voraussetzt, ein fragliches Setting dar. Tatsache ist: Viele Paare bleiben trotz Einzelberatung oder Therapie in der gewalttätigen Beziehung. Der Opferschutz ist nicht gewährleistet und die Gewaltdynamik besteht weiterhin. Die
Gründe, in der gewalttätigen Beziehung zu bleiben, sind vielfältig und komplex. Eine ergänzende Perspektive bringt die Unterscheidung verschiedener Formen von Partnergewalt mit, auf welche Johnson und Leone (2005) hinweisen. Demnach verlangen die unterschiedlichen Formen andere Interventionen. Paarberatung kann in Frage kommen, wenn die Gewalt der Typologie der „situational couple violence“ / situative
Paargewalt entspricht. Demnach ist davon auszugehen, dass in bestimmten Fällen
eine Paarberatung hilfreich sein könnte. Aufbauend auf dieser Ausganglage wird in der
vorliegenden MAS-Arbeit auf die folgende Forschungsfrage eingegangen: Wie kann systemische Paarberatung im Kontext häuslicher Gewalt in der Opferhilfe umgesetzt und gestaltet werden?
Die Fragestellung wird mithilfe umfangreicher Literaturrecherche beantwortet. Themengebiete, die beleuchtet werden, sind: häusliche Gewalt, Opferhilfe, Parteilichkeit, Grundannahmen in der Systemischen Beratung und die Sichtweise der Systemischen Paarberatung im Kontext häuslicher Gewalt. Mit einer quantitativen Umfrage wird im praktischen Teil eine Querverbindung zur Praxis hergestellt und Kontextwissen generiert. Alle Opferhilfestellen in der Schweiz wurden zur Thematik Paarberatung im Kontext häuslicher Gewalt in der Opferhilfe angeschrieben. Von den total 28 kontaktierten Opferhilfestellen haben 23 Beratungsstellen an der Umfrage teilgenommen. Es hat sich gezeigt, dass vier Opferhilfestellen Paarberatung im Kontext häuslicher Gewalt anbieten. Die Hauptgründe, warum keine Paarberatung angeboten wird, sind, dass das Angebot nicht dem Auftrag der Opferhilfe entspricht, die Opferhilfe parteilich arbeitet und das Angebot nicht finanziert wird. Die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt jedoch, dass die Argumente, welche gegen eine Paarberatung sprechen, aufgeweicht und aus einer anderen Perspektive betrachtet werden können. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, Paarberatung im Kontext häuslicher Gewalt in der Opferhilfe einfliessen zu lassen. Diesbezüglich bräuchte es Aufbauarbeit und die Auseinandersetzung mit der Thematik.