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Mit einem fünften Platz beim Downhill-Weltcup-Finale in Val di Sole sichert Camille Balanche als erste Schweizerin die Gesamtwertung. Die Französin Myriam Nicole gewinnt das Rennen und wird Gesamtzweite vor Weltmeisterin Valentina Höll, die das Rennen ebenfalls als Dritte beendet. Bei den Männern siegt Loris Vergier vor Andreas Kolb und Dakota Norton. Der Gesamtsieg geht an Amaury Pierron, der im Finale stürzt und nur 53. wird.
Das finale Rennen des Downhill-Weltcup 2022 wird zur Nervenprobe für Camille Balanche. Die Schweizerin führt mit 119 Punkten vor der Weltmeisterin Valentina Höll. Würde diese gewinnen, müsste die Schweizerin Vierte werden, um den Gesamtsieg zu holen. Obwohl sie nach ihrer Schlüsselbeinoperation an den Weltmeisterschaften knapp an einer Medaille vorbeischrammte, war eine Steigerung oder ein gleiches Resultat noch lange nicht garantiert. Vor allem nicht, wenn es die äusserst anspruchsvolle Strecke die angeschlagene Muskulatur im Schulterbereich zusätzlich strapaziert.
Im Rennen ist dann aber nicht Höll, die Bestzeiten in die schwierige Strecke bei Commezzadura brennt. Die Französin Myriam Nicole liegt bei allen Zwischenzeiten vorne und liefert die WM-Revanche in Reinform. Sie gewinnt das Finale mit über vier Sekunden Vorsprung auf Nina Hoffmann und sechs Sekunden auf Höll. «Das war eine zähe Saison, und so fühlt sich dieser Sieg umso besser an. Und ich konnte damit auch Camille helfen, die Gesamtwertung zu gewinnen. Aber für nächste Saison weiss ich nun, woran ich arbeiten muss», sagt Myriam Nicole.
Balanche schafft es aber die Nerven zu behalten und einen relativ sauberen Lauf ins Tal zu bringen. Sie belegt den letzten Podiumsplatz, was auf dem Papier ihr schlechtestes Resultat der Saison ist, wohl aber ihr wichtigstes. Denn damit sichert sie sich den Gesamtsieg, 60 Punkte vor Nicole, die sich mit ihrem Sieg noch vor Höll schiebt.
«Ich bin überwältigt! Vom ersten Rennen an hatte ich die Startnummer eins, und ich behielt sie während der ganzen Saison, bis zum Schluss. Es war für mich die perfekte Saison, auch wenn ich mich verletzte, alles gab und Schmerzen in Kauf nahm, um nun das zu erreichen. Nun bin ich total leer und ich bin froh, dass es vorbei ist. Es wird sicher eine Weile dauern, um das alles zu realiseren», rekapituliert Camille Balanche.
Neben Balanche schafft es eine weitere Schweizerin ins Finale. Die Enduro-Schweizermeisterin Lisa Baumann belegt in der Qualifikation Rang acht und fährt im Finale auf Platz 14, was zugleich ihr bestes Resultat im Downhill-Weltcup ist.
Knapp an der Sensation vorbei
Im Rennen der Männer sind die Augen auf Quali-Sieger Andreas Kolb gerichtet. Doch vorher brennt der Brite Bernard Kerr mit 3:44.806 eine Zeit in die Strecke, an der Leute wie Weltmeister Loic Bruni scheitern. Erst der fünftletzte Aaron Gwin holt Kerr vom Thron. Lange bleibt aber auch Gwin nicht in Führung, denn sein US-Landsmann und Team-Kollege Dakota Norton ist nochmals gut eine Sekunde schneller.
Als könnte es kaum mehr schneller gehen, jagt der Franzose Loris Vergier nochmals schneller runter, baut von der einen Zwischenzeit zur anderen seinen Vorsprung aus, bis die Uhr bei gut drei Sekunden früher stehenbleibt und er damit das Rennen gewinnt. «Wir haben die Strecke sehr genau inspiziert und analysiert, wo die Räder zu platzieren sind, um möglichst keine Fehler zu machen. Die nächste Schwierigkeit war, das ganze Puzzle im Rennen zusammenzufügen, was aber oft nicht perfekt klappt – bei mir hats perfekt geklappt – ich bin super happy», freut sich Vergier.
Der Österreicher Andreas Kolb stürzt sich als letzter Mann in die Abfahrt und er liegt zurück. Erst nur auf Position vier, wagt Kolb viel. Er fährt verrückte Linien und holt tatsächlich wieder auf, im Ziel fährt er zwar am ersten österreichischen Männer-Weltcup-Sieg vorbei, was einer Sensation gleichgekommen wäre, doch es ist es der zweite Platz. Und dieser ist immerhin seine persönliche Bestleistung. Sie bringt ihn in der Gesamtwertung auf Platz vier, vor Bernard Kerr und hinter Finn Iles (CAN), Loris Vergier und Amaury Pierron (beide FRA).
Der Schweizer Lino Lehmann fährt auf Rang 34 und schafft damit seine persönliche Bestleistung, die er aber relativiert: «So gut bin ich heute nicht gefahren, das Wetter hingegen spielte mir in die Hände. Nach dieser durchzogenen Saison ist das ganz ok.»
Sein Namenvetter Janis Lehmann landet gleich dahinter und schildert ähnliches: «Während meinem Lauf verbog ich das Pedal, ohne wäre da mehr drin gelegen. Aber ich hatte dafür auch noch etwas Wetterglück.»
Der dritte Schweizer im Finale ist Yannick Bächler. Es ist sein erster Weltcup nach seiner Verletzungspause – er schliesst mit einem soliden Lauf auf Rang 42 ab.