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Seit der Mensch den alpinen Lebensraum besiedelt, ist er von Lawinenabgängen bedroht. Waren über Jahrhunderte in erster Linie Gebirgsbewohner, ihr Vieh und ihre Gebäude davon betroffen, stieg mit der zunehmenden touristischen Erschliessung der Alpen das Schadensrisiko – und damit auch das Interesse an der Lawinenforschung.
Bis anfangs des 20. Jahrhunderts widmeten sich vor allem einzelne Personen – oft Förster – dem Problem der Lawinen. Sie beobachteten und beschrieben die Lawinenniedergänge und kategorisierten sie nach ihrem “Charakter“. So entstanden bereits einzelne Werke über Lawinen und Lawinenverbau. Vertreter des Skitourismus, der Verkehrsbetriebe und der Wasserkraftwerke forderten ab den 1920er Jahren verstärkt wissenschaftliche Methoden zur Erforschung der Lawinen und unterstützten 1931 die Gründung der Kommission für Schnee- und Lawinenforschung. Damit entstand erstmals in der Schweiz ein zentrales Organ, das Lawinen systematisch erforschte.
Schon bald wurde den Kommissionsmitgliedern jedoch klar, dass es nicht genügte, sich im Sommer mit Lawinen auseinanderzusetzen, sondern dass sie den Schnee im Winter beobachten und in seiner Struktur bis hin zur mikroskopischen Ebene der Schneekristalle verstehen mussten. Zu diesem Zweck bauten sie 1935 in Davos ein erstes Laborgebäude aus Schnee. Da bei Wärmeeinbrüchen nicht nur die Experimente, sondern gar die Behausung dahinzuschmelzen drohte, erstellten sie im darauf folgenden Winter auf dem Weissfluhjoch, mitten im Lawinengebiet, eine Forschungsstätte aus Holz und errichteten ein Versuchsfeld. Dort arbeitete die Kommission, bis 1942 auf Beschluss des Bundesrates das Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung gegründet wurde. Dass dies mitten im zweiten Weltkrieg geschah, zeigt, dass die Wirtschaft und Politik der Lawinenforschung einen hohen Wert beimassen. Bereits ein Jahr später, im April 1943, konnte das SLF sein neues Institutsgebäude auf dem Weissfluhjoch offiziell einweihen.
Neue Messgeräte entwickelt
Die wissenschaftliche Disziplin der Schnee- und Lawinenforschung erforderte jedoch nebst Räumlichkeiten auch eine eigene Methodik und eigene Messinstrumente. Seit Beginn der Forschung 1936 entwickelten die Wissenschafter deshalb verschiedene Messgeräte wie die Rammsonde, Scherapparate oder ein Gerät zur Bestimmung der Luftdurchlässigkeit des Schnees. Einige dieser Instrumente werden noch heute, teilweise natürlich mit verfeinerter Technik, genutzt.
SLF als internationales Zentrum der Schnee- und Lawinenforschung
In den ersten Jahren, v.a. solange der Krieg dauerte, pflegten die Lawinenforscher international kaum Kontakte. Nach Kriegsende setzte dann aber ein reger Austausch ein. Einerseits wandten sich Forscher aus den Alpenländern und aus Übersee an die Schweizer als Experten und bildeten sich am SLF weiter, andererseits trugen SLF-Mitarbeiter im Ausland vor Ort zur Entwicklung des Lawinenschutzes bei. Schon bald galt das SLF als „Zentrum der Schnee- und Lawinenforschung“– eine Bezeichnung, die bis heute Bestand hat.