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Berichterstattung über Syrien auf Radio SRF 3 beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 9. Dezember 2016 beanstandeten Sie eine der Hauptquellen der Nachrichten von Radio SRF 3 in Bezug auf Syrien. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
„In den SRF3 Nachrichten fällt mir bei Berichten zu Syrien auf, dass sich die SRF3 Nachrichten immer wieder auf die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London bezieht.
Sollten die Informationen auf Wikipedia korrekt sein, gibt es zurzeit in London keine solche Stelle[1].
<Quelle Wikipedia
Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (arabisch المرصد السوري لحقوق الإنسان, DMG al-marṣad as-sūrī li-ḥuqūq al-insān; englisch Syrian Observatory for Human Rights; SOHR) ist eine in Großbritannien ansässige Organisation, die in Opposition zur Baath-Regierung in Syrien steht und Informationen über Menschenrechtsverletzungen in dem Land sammelt und veröffentlicht.
Die SOHR wird von Osama Suleiman (Synonym: „Rami Abdul Rahman“ oder „Rami Abdelrahman“ geschrieben), einem syrischstämmigen sunnitischen Muslim und Eigner eines Bekleidungsgeschäftes, aus seinem Privathaus in Coventry in England unterhalten Nach Angaben Abdulrahmans begann er 2006 mit 54 Informanten in Syrien, die bis 2012 auf 230 angewachsen seien. Der Name, unter dem er bekannt ist, ist ein Pseudonym, sein bürgerlicher Name ist Osama Suleiman.
Eine gleichnamige Organisation mit Sitz in London hat ihre Aktivität spätestens 2012 eingestellt.>“
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Herr Roman Mezzasalma, Redaktionsleiter Nachrichten/Info 3/Teletext, schrieb:
„Herr X bemängelt, dass sich die Nachrichtenredaktion bei ihren Meldungen und Berichten zu Syrien ‚immer wieder auf die «Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte» in London bezieht.‘ Eine solche Stelle gebe es zurzeit in London gar nicht.
Tatsächlich befindet sich der Sitz der «Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte» inzwischen in Coventry, rund 150 Kilometer nordwestlich von London. Und in einzelnen Nachrichtensendungen haben wir tatsächlich den früheren Standort der Beobachtungsstelle, London, erwähnt.
Mit der – zugegebenermassen unzutreffenden - Ortsangabe war das Bemühen der Redaktion verbunden, transparent zu machen, dass die Beobachtungsstelle nicht direkt aus Syrien heraus, sondern eben aus England heraus operiert. Wir werden jetzt konsequent darauf achten, nicht mehr London als deren Standort zu nennen.
Dass wir die «Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte» als eine unserer Quellen beiziehen, hat Herrn X in seiner Beanstandung zwar nicht ausdrücklich kritisiert. Eine andere Zuschrift, die uns gleichzeitig über die Ombudsstelle erreicht hat, tut dies aber.
Wir haben uns dafür entschieden, die Beobachtungsstelle als Quelle zu zitieren und diese mit dem Zusatz zu versehen, dass sie ‚den Rebellen nahesteht‘ oder ‚der Opposition nahesteht‘. Damit wollen wir unserem obersten Grundsatz unserer Berichterstattung über Kriege und Konflikte Folge leisten, immer beide Parteien zu Wort kommen zu lassen: Die syrische Regierung und in manchen Fällen das russische Militär auf der einen Seite und eben die «syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte» auf der anderen Seite.
Wir sind uns bewusst, dass es sich bei dieser Beobachtungsstelle um ein primär von einer einzelnen Person zusammengehaltenes Netz von zahlreichen Informanten vor Ort in Syrien handelt. Wir haben in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass die von der Beobachtungsstelle verbreiteten Informationen in der Folge oftmals auch von der Uno, vom IKRK oder von internationalen Menschenrechtsorganisationen bestätigt worden sind. Indem wir die Beobachtungsstelle als Quelle verwenden, diese aber stets der einen Partei des Konflikts zuordnen, verfolgen wir die gleiche Praxis wie die meisten Leit-Medien im In- und Ausland.“
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Einschätzung der Problematik. Syrien ist zurzeit für den Journalismus eines der schwierigsten Pflaster. Medienleute aus der Schweiz oder überhaupt aus Europa können dort nicht frei und unbehelligt operieren. Entweder ist der Einsatz gar nicht möglich oder nur um den Preis einer Komplizenschaft mit irgendeiner der dort aktiven Gruppierungen. Oder der Einsatz ist zu gefährlich. Oder er bleibt punktuell. Es ist schwierig, überall Quellen zu finden, denen man trauen kann, und wenn, muss man damit rechnen, dass diese Gewährspersonen im Laufe einer bestimmten Zeit das Lager wechseln oder verstummen, weil sie getötet, verhaftet oder erpresst wurden oder geflüchtet sind. Die Ansichten über die Zustände in Syrien und darüber, wer Recht hat, gehen weit auseinander. Man muss einander nur zwei Bücher gegenüberstellen, nämlich „Herrschaft über Syrien. Macht und Manipulation unter Assad“ von Daniel Gerlach[2] und „Der schmutzige Krieg gegen Syrien. Washington, Regime Chance und Widerstand“ von Tim Anderson[3], und man erhält zwei völlig gegensätzliche Wahrheiten: die Wahrheit über die Verbrechen der syrischen Regierung und die Wahrheit über die Verbrechen der syrischen Opposition und ihrer Verbündeten. Solange nicht restlos geklärt ist, wer in strittigen Punkten Recht hat, gibt es für Radio und Fernsehen SRF nur eine Möglichkeit: Zu allen Konfliktparteien Distanz zu halten, auch gegenüber denjenigen, denen man sich traditionell näher fühlt als anderen, immer zu erwähnen, auf welche Quelle man sich abstützt und mit wem sie allenfalls verbandelt ist, und möglichst mehrere Quellen zugrunde zu legen.
Soweit Sie mit Ihrer Beanstandung auf das Problem der Verlässlichkeit von Quellen aufmerksam gemacht haben und auch darauf, dass man genau sein muss, bin ich Ihnen dankbar für Ihre Eingabe. Wenn Sie aber mit Ihrer Beanstandung implizit zum Ausdruck bringen wollten, dass man die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ nicht mehr als Quelle benutzen sollte, kann ich Ihnen nicht beipflichten: Sie ist eine unter vielen möglichen Nachrichtenquellen, weil der Betreiber der Beobachtungsstelle über eine Vielzahl von Informanten in Syrien verfügt, wenn auch wahrscheinlich nur aus einem Lager. Es ist darum richtig, wenn Radio und Fernsehen SRF diese Quelle neben anderen weiterhin nutzt – bei allen Vorbehalten. Die Redaktion wird ja in Zukunft konsequent nicht mehr London als ihren Standort nennen, sondern wohl entweder „in Coventry“ oder „in England“.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
[2] Daniel Gerlach (2015): Herrschaft über Syrien. Macht und Manipulation unter Assad. Hamburg: edition Körber Stiftung. 388 S.
[3] Tim Anderson (2016): Der schmutzige Krieg gegen Syrien. Washington, Regime Chance und Widerstand. Marburg: Liepsen Verlag. 274 S. (Original in Englisch).
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