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«Sensei» bedeutet Lehrer, Meister oder Lehrmeister.
Im Karate wird nie jemand die Figur des Sensei ersetzen können. Das Wort Sensei, das sich aus zwei Silben bzw. japanischen Schriftzeichen (Kanji) zusammensetzt: «Sen», das vorher oder voraus bedeutet und «Sei», das Leben oder geboren werden bedeutet, versinnbildlicht jemanden der vorher geboren oder dem Leben voraus ist. Der Sensei ist daher der Leitende, derjenige der erfahrener und älter im Leben und in der Praxis ist, der den Weg vorlebt und seinen Schüler:innen vermittelt und daher allen Respekt verdient. Der Sensei kümmert sich um seine Schüler:innen und deren Leben und glaubt an seine Lehre. Zeige ihm Respekt und höre auf das was er sagt. Er will nicht der Beste sein, er will Dir nur den Weg zeigen und braucht dafür dein Vertrauen. Ein wahrer Sensei ist ein Sensei nicht nur im Dōjō, sondern im ganzen Leben. Indem du ihm folgst kannst du vielleicht eines Tages nicht nur ein guter Karateschüler sein, sondern ganz generell ein besserer Mensch.
Maurizio Gerussi wurde am 25. Juni 1958 in Bern geboren, ist Schweizer und Italiener und begann 1975, als 17-jähriger, im Dōjō von Sensei Pavao Piacun an der Monbijoustrasse 10 in Bern Shōtōkan-Karate-dō zu üben. Wie zweifellos bei vielen anderen auch, waren die in dieser Zeit bei den Teenies sehr populären Bruce Lee Filme der Auslöser für sein Interesse an Kampfkunst und schliesslich für den Beginn seines Karatestudiums.
9 Jahre Erfahrung als Nahkampf-Instruktor und Leiter von Selbstverteidigungs-Kursen.
Viele verschiedene, zuletzt Geschäftsführer und Verwaltungsrat.
Diverse Aus- und Weiterbildungen, zuletzt zum EMBA.
Fliessend in Wort und Schrift auf hohem Niveau (4-sprachig aufgewachsen):
Was folgt ist eine Darlegung aus der Sicht von Sensei Pavao Piacun – 9. Dan und Grossmeister des Verbandes STKF.
Die Beziehung des Sensei zum Dōjō ist schwierig zu erklären, weil sie viele mögliche Aspekte des Lebens einschliesst. Der Sensei muss durch viele Arten der Kommunikation in die Seele der Schüler eindringen und zu sehr entfernt gelegenen Aspekten ihres Lebens vorstossen. Der Sensei ist Vater, aber manchmal auch Mutter, derjenige der Ratschläge erteilt und der bestraft. Der Sensei, obwohl anders, ist doch wie jeder andere. Er ist ein Mensch, der seine Taten kontrolliert und Achtung verdient, weil er sich schon lange auf diesem Weg befindet. Der Sensei sollte ein guter Lehrer sein. Das heisst, er vermittelt seinen Schülern zur richtigen Zeit und auf die beste Art und Weise bestimmte Kenntnisse. Er muss in der Lage sein, seine Schüler und ihre Probleme zu betrachten, wie sie selbst nie dazu imstande wären: unbefangen und objektiv. Es braucht einige tausend Schüler um ein guter Sensei zu werden.
Viele Leute missverstehen die Funktion des Sensei, da sie ihn gerne als Lehrer, Freund oder ähnliches betrachten. Der Sensei schaut unbelastet und frei auf seine Schüler, unabhängig von ihrem Aussehen und steht ihnen nach bestem Wissen und Gewissen bei. Muss er hart sein, lässt er Härte walten, wenn Weichheit nötig ist, verhält er sich milde. Der Sensei wählt immer die beste Vorgehensweise für seine Schüler, denn sein Herz ist immer mit ihnen. Fortschritte erzielt man dank dem Sensei und dessen sollte man sich ständig bewusst sein. Der Sensei ist immer Sensei, sogar ausserhalb des Dōjō. Denn der von ihm erreichte Weg kann nicht auf einen Ort, eine Zeit oder eine Umgebung begrenzt werden.
Der Sensei bevorzugt niemanden. Er ist gegenüber schneller fortschreitenden Schülern sogar strenger. Gegenüber Anfängern auf dem Weg ist er freundlich aber hart. Er weist auf entsprechende Art auf die inneren, spirituellen Aspekte der Kunst hin und ist seinen Schülern freundschaftlich verbunden. Der Sensei vertritt gegenteilige Meinungen seiner Schüler. So prüft er sie und beobachtet ihre Reaktionen. Er lobt niemanden. Das höchste Lob im Karate-dō ist das Schweigen. Er wird merken, wie sich die Schüler inner- und ausserhalb des Dōjō gegenüber Freunden und der Arbeit benehmen und wird dementsprechend vorgehen. Er wird Unwahrheiten einstreuen, um zu prüfen ob die Schüler sie aufnehmen, er wird schweigen, wenn er schreien sollte. Der Sensei hört zu, wenn die Schüler sprechen, aber er kann die Gründe für ihr Sprechen verstehen, er ist stur aber trotzdem beweglich.
Er ist immer aktiv, sogar wenn er sich passiv verhält, er gibt, während andere nehmen. Er verlangt keine Geschenke, behütet die Entwicklung von Körper und Geist. Er ist traurig, manchmal unglücklich, oft verlassen und betrogen, aber er bleibt immer auf dem Weg, denn er selbst ist dieser Weg. Auch wenn sein Äusseres sich ändert, der Sensei ändert sich nicht; er kann sich vollkommen anpassen, aber seine Ideale behält er in sich.
Habt ihr einen solchen Sensei? Dann tragt Sorge zu ihm. Die Ungerechtigkeit kann das Prinzip nie besiegen; das Prinzip besiegt niemals das Gesetz; das Gesetz kann die Kraft nicht besiegen; die Kraft besiegt niemals den Geist.