Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/3248

Gute Beziehungen zu Gleichaltrigen sind wichtig für die schulische und psychosoziale Entwicklung von Schülerinnen und Schülern. Lehrpersonen können die Qualität dieser Beziehungen beeinflussen, wie Studien zeigen. Die Kinder stützen sich bei der Wahl ihrer Gspändli nämlich darauf, wie gut sich das Kind mit der Lehrperson versteht.
Kinder, deren Beziehung zur Lehrperson als konfliktreich wahrgenommen wird, werden eher gemieden.
Der Fachbegriff dafür lautet «soziale Referenzierung». Dies bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler eher diejenigen Gleichaltrigen bevorzugen, von denen sie annehmen, dass sie eine positive Beziehung zur Lehrperson haben. Kinder, deren Beziehung zur Lehrperson als konfliktreich wahrgenommen wird, werden eher gemieden. Dies hat Konsequenzen für die betroffenen Schülerinnen und Schüler: Sie erfahren nicht nur Schwierigkeiten in der Beziehung zur Lehrperson, sondern werden auch von Kindern in der Klasse abgelehnt.
Studien weisen darauf hin, dass Lehrpersonen diese sozialen Prozesse durch ihr Feedbackverhalten beeinflussen können. Geben sie dem Kind unmittelbar konkretes und konstruktives Feedback, beeinflusst dies die Beziehung zum Kind positiv. Solche Feedbacks nehmen nicht nur die angesprochenen Kinder selbst wahr, sondern auch ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Darauf basierend beurteilen diese dann, ob das betreffende Kind eine eher positive oder eher negative Beziehung zur Lehrperson führt.
Unterrichtsfluss mit Feedback steuern
Ausgehend von diesen Erkenntnissen wurde an der Universität Zürich im Rahmen zweier Studien das Feedbackverhalten von Lehrpersonen in Schweizer Primarschulklassen und dessen Zusammenhang mit der sozialen Akzeptanz der Kinder untersucht.
Je besser Lehrpersonen zudem die Klasse führen, desto weniger müssen sie störende Kinder ermahnen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrpersonen Feedback nutzen, um den Unterrichtsfluss zu steuern. Sie lenken die Aufmerksamkeit der Kinder, indem sie gute Fragen und Aufgaben stellen, die die Schülerinnen und Schüler beantworten und bearbeiten können. Dies führt wiederum zu positiven Rückmeldungen durch die Lehrpersonen. Je besser Lehrpersonen zudem die Klasse führen, indem sie beispielsweise auf die Einhaltung von Regeln achten, desto weniger müssen sie störende Kinder ermahnen und negatives Feedback geben. Auffallend ist, dass Lehrpersonen zwar zu Lernergebnissen positives Feedback geben, jedoch kaum zu erwünschtem Verhalten.
Lob stärkt die Anerkennung innerhalb der Klasse
Es konnte zudem bestätigt werden, dass das Feedbackverhalten von Lehrpersonen auch an Schweizer Schulen mit der sozialen Akzeptanz von Kindern in Schulklassen zusammenhängt. Je häufiger Lehrpersonen negatives Feedback zu unerwünschtem Verhalten geben, desto niedriger ist die soziale Akzeptanz unter den Schülerinnen und Schülern.
Umgekehrt ist die soziale Akzeptanz in der Klasse höher, je häufiger die Schülerinnen und Schüler Rückmeldungen zu guten Lernergebnissen erhalten. Wenn Kinder zudem im Rahmen von Klassengesprächen positives Feedback zu ihrem Sozialverhalten erhalten, werden sie weniger von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern abgelehnt.
Für den Schulalltag bedeuten die Studienergebnisse: Achten Lehrpersonen auf eine gute Klassenführung und geben positive Rückmeldungen – nicht nur bezogen auf korrekte Leistungen, sondern auch auf korrektes Sozialverhalten – fördern sie die soziale Akzeptanz von Schülerinnen und Schülern.