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Was ist ein ADHS / ADS?
Lucia sitzt im Schulzimmer, wippt auf dem Stuhl hin und her, schaut gespannt aus dem Fenster und bemerkt nicht, wie die Lehrperson eine neue Aufgabe stellt. Die Lehrperson erklärt Lucia die Aufgabe nochmals einzeln. Lucia löst die Aufgabe schnell, aber mit Flüchtigkeitsfehlern und platzt danach laut mit den Antworten heraus. Da sie die Aufgabe nicht den Leistungszielen entsprechend löst, muss sie diese zu Hause verbessern. Die Diskussion zu Hause mit den Eltern vor dem Lösen der Hausaufgabe dauert etwa so lange wie das Aufgabenlösen selbst.
Im Vergleich zu Lucia sitzt ihre Mitschülerin Sonja ruhig auf dem Stuhl. Sie stört nicht, wirkt verträumt und folgt der Schulstunde nur bedingt. Sonja hat wie Lucia Schwierigkeiten, der Lehrperson aufmerksam zu folgen und Aufgaben konzentriert über eine längere Zeitspanne zu lösen.
Lucias Verhalten entspricht dem Erscheinungsbild einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Sonjas eines Aufmerksamkeitsstörung (ADS).
Wichtige kognitive Grundkompetenzen
Ein ADHS/ADS zeigt vorwiegend Beeinträchtigungen in den kognitiven Bereichen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutive Funktionen.
Aufmerksamkeit
Um Informationen über eine kurze oder lange Dauer bewusst wahrzunehmen, benötigen wir die Aufmerksamkeit. Wir sind fähig, die Aufmerksamkeit auf relevante Informationen zu fixieren und Unwichtiges auszublenden.
Gedächtnis
Der Mensch besitzt die Fähigkeit, Informationen sowohl kurz-, als auch langfristig im Gedächtnis abzuspeichern. Im Kurzzeitgedächtnis/Arbeitsgedächtnis werden Informationen kurzfristig gehalten und gespeichert. Dadurch stehen sie uns unmittelbar zur Verfügung. Dieser kurzzeitige Speicher ist sehr wichtig für das Lernen und den Aufbau von Wissen. Im Langzeitgedächtnis werden Informationen langfristig über Jahre hinweg gespeichert. Ein Beispiel: Für das Behalten einer 6-stelligen Zahl ist das Arbeitsgedächtnis verantwortlich. Sollte die Ziffernreihe einen Tag später immer noch abrufbar sein, geschieht dies durch das Langzeitgedächtnis.
Exekutive Funktionen
Für Nachdenken, Planen und Handeln sind unsere exekutiven Funktionen zuständig. Diese sorgen dafür, dass man zuerst denkt und dann handelt, fokussiert bleibt oder auf neue Ideen kommt.
Typisch ADHS / ADS
Die untenstehende Aufzählung soll einen Überblick über ADHS/ADS-spezifische Verhaltensweisen im Alltag geben. Diese treten in der Schule, zu Hause und in der Freizeit auf. Sie beeinträchtigen die schulische und soziale Funktionsfähigkeit der betroffenen Person und treten häufig bereits vor dem 7. Lebensjahr in Erscheinung.
Aufmerksamkeit (bei einem ADS bestehen nur hier Auffälligkeiten)
- Aufrechterhaltung der Konzentration bei Aufgaben (Flüchtigkeitsfehler) sowie beim Spielen
- Mühe beim Zuhören
- Schwierigkeiten, Erklärungen zu folgen und Pflichten zu erfüllen
- Beeinträchtigungen bei der Organisation von Hausaufgaben oder alltäglichen Aufgaben
- Vermeidung ungeliebter Arbeiten (z.B. Hausaufgaben)
- Verlust wichtiger Gegenstände (z.B. Schulsachen)
- Vergesslichkeit
Hyperaktivität
- Schwierigkeiten beim ruhigen und stillen Sitzen (z.B. Herumfuchteln mit Armen / Beinen)
- häufiges Herumlaufen (auch wenn Sitzenbleiben erwartet wird)
- Mühe bei leisen Freizeitbeschäftigungen
- bei Jugendlichen: Gefühl der (inneren) Unruhe
Impulsivität
- häufiges Herausplatzen der Antworten
- Unfähigkeit, in der Reihe zu warten
- Unterbrechung und Störung von anderen Personen und exzessives Reden
Folgen, Diagnostik und Therapie
Mögliche Folgen eines unbehandelten ADHS / ADS
Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit/ Konzentration sowie auffällige hyperaktive und impulsive Verhaltensweisen sollten nicht ignoriert werden. Die Folgen einer Nichtförderung sind vielfältig und können weitreichende, negative Einflüsse auf das spätere Leben haben.
Fehlende Fokussierung auf eine einzige Aufgabe
Durch das gehäufte Auftreten der Unaufmerksamkeit und der fehlenden Konzentration fehlt die Fähigkeit, sich zu fokussieren, d.h., sich auf eine einzige Aufgabe konzentrieren zu können. Dies kann zu vielen angefangenen Aufgaben und Verfehlung von Zielen führen.
Fehlende Selbstorganisation, Selbstkontrolle und Selbsteinschätzung
Die ADHS/ADS-Problematik führt zu schlechterer Organisation, Kontrolle und Selbsteinschätzung des eigenen Verhaltens. Dies zeigt sich nicht nur im Schulalltag, sondern auch bei alltäglichen Aufgaben und in der Freizeit. Es kann zu fehlender Lernstruktur und -planung und zu Nichteinhaltung von Regeln und Pflichten kommen.
Verhaltensauffälligkeiten und Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen
Die erwähnte Problematik führt zu häufigeren emotionalen Verhaltensauffälligkeiten in der Schule und anderen Bereichen. Dadurch wird der Umgang mit Autoritätspersonen erschwert. Diese können eine erhöhte Sensibilität gegenüber der betroffenen Person zeigen, wodurch die Verhaltensauffälligkeiten noch stärker zum Tragen kommen. Das Auftreten von Konfliktsituationen wird dadurch gerne erhöht.
Motivationsverlust
Die oben genannten Auffälligkeiten können zu Motivationsverlusten und Vermeideverhalten in der Schule und in der Freizeit führen. Mit häufigerem Auftreten verringert sich die Lust an Tätigkeiten, wodurch vermehrt einfach erreichbare Ziele gesetzt werden. Allenfalls wird der Schulausbildung immer weniger Wichtigkeit zugeschrieben.
Probleme während der Schullaufbahn
Die Schulunlust kann über den Schulverlauf sinken, wodurch schlechtere Leistungen erbracht werden. In Folge nutzt die betroffene Person ihr Leistungs- und Ausbildungspotential ungenügend. Wiederholte Misserfolge während der Schullaufbahn nagen am Selbstwert. So leiden gerade Erwachsene mit ADHS/ADS an ihrem schwachen Selbstwert, der weitere Lern- und Kompetenzerfolge zusätzlich beeinträchtigt.
ADHS / ADS-Abklärung
Bei Verdacht auf ADHS/ADS ist es ratsam, dieses psychodiagnostisch abzuklären. Eine Abklärung beinhaltet ein Erstgespräch, 2-3 testpsychologische Untersuchungstermine, ein Rückmeldegespräch sowie einen schriftlichen Bericht. Während des Erstgesprächs haben Sie, als Klient, die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Anamnese wird erhoben und Ziel und Zweck der Abklärung werden ergründet. Die daraufhin durchgeführten neuropsychologischen Tests beinhalten die Messung der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten sowie der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der exekutiven Funktionen. Das Rückmeldegespräch umfasst eine kompetente Vermittlung der Ergebnisse sowie eine Beratung inkl. Massnahmen-Empfehlungen. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Seite ADHS-/ADS- Abklärung.
Förderung, Therapie & Training
Durch ein Training im Rahmen eines Lerncoachings, einer Psycho- oder Ergotherapie, können die Nachteile des ADHS / ADS verringert werden. Ein Lerncoaching empfehlen wir besonders zur Unterstützung der medikamentösen Behandlung von ADHS / ADS. Die Medikation verbessert die Aufmerksamkeit. Der gezielte Umgang mit dieser neuen Ressource muss erlernt und trainiert werden. Das Training ist auch bei Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsschwierigkeiten ohne Vorhandensein eines diagnostizierten ADHS / ADS hilfreich und empfehlenswert. In der Lernpraxis passen wir das Förderprogramm individuell auf unsere Klienten an und bedienen unser verschiedener Methoden und Trainingstools:
- Kognitives Training: Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, etc.
- Konzentrationstraining
- Training der Selbstorganisation
- Training der Selbstkontrolle
- Verbesserung der Selbsteinschätzung
- Emotionskontrolle und Umgang mit schwierigen Situationen (Kontrolle impulsiven Verhaltens)
- Aufbau, Aufrechterhaltung von und Umgang mit Motivation in Schule und Freizeit
- Stärkung der eigenen Fähigkeiten und Ressourcen
- Stärkung des Selbstvertrauens
- Umgang mit motorischer Unruhe
- Integration neu erlernter Fähigkeiten in Schule und Alltag
- bei Medikation: Umgang und positive Nutzung der medikamentös geförderten Fähigkeiten
Das Training und die resultierenden Erfolgserlebnisse verstärken den positive Umgang mit der ADHS- / ADS-Problematik in der Schule, zu Hause und in der Freizeit. Die Schule wird vermehrt mit positiven Gefühlen verbunden und freudige Rückmeldungen von Lehr- oder Ausbildungspersonen häufen sich. Langfristig führt die gezielte Förderung zu besseren Leistungen in der Schule/ Ausbildung und einem besseren Gelingen des Alltags über die Lebensspanne.
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