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Hoher Benzinpreis: Sind die Treibstoffpreise überteuert?
Immer wieder geben die Benzinpreise an der Zapfsäule zu reden. Wie setzen sich die Preise zusammen? Durch welche Faktoren werden sie beeinflusst?
Tanken war in den vergangenen fünfzig Jahren fast noch nie so teuer wie heute. Der Krieg in der Ukraine hat die Preise für Benzin und Diesel in die Höhe getrieben. Das ist aber nicht die einzige Ursache, denn der Treibstoffpreis setzt sich aus drei Hauptblöcken zusammen: Beschaffungskosten am internationalen Erdölmarkt, inklusive Fracht zur Schweizer Grenze, staatliche und öffentlich-rechtliche Abgaben sowie Vertriebskosten. Ein historischer Vergleich zeigt, dass das derzeitige Preisniveau gar nicht so aussergewöhnlich ist. Die höchsten Benzinpreise bisher wurden Ende Juni 2008 registriert. Damals kostete Benzin 1.99 und Diesel 2.27 Franken pro Liter Etwa 75 % der in der Schweiz verbrauchten Treibstoffe für den Strassenverkehr, d. h. Benzin und Diesel, werden als Fertigprodukte importiert. Der Rest wird in der Raffinerie Cressier NE hergestellt. Ein Grossteil der Importe gelangt über die Rheinschifffahrt nach Basel. Diese Fertigprodukte stammen aus Raffinerien entlang des Rheins sowie aus dem Raum Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen (ARA). Die Seehäfen des ARA-Raumes werden mit Erdöl aus der Nordsee, Afrika und dem mittleren Ostenbeliefert. Der ARA-Raum zählt zu den wichtigsten internationalen Handelszentren für Erdöl und Fertigprodukte. Er ist preisbestimmend für den Schweizer Markt und somit für die Benzin- und Dieselpreise an den Tankstellen.
Fixe und variable Abgaben sowie Aufwendungen
Die Beschaffungskosten spielen selbstverständlich eine Rolle bei der Preisentwicklung. Aber: Mehr als die Hälfte – und damit der grösste Teil – des Benzinpreises wird durch staatliche Abgaben verursacht. Diese fallen mit dem Inverkehrbringen des Treibstoffs in der Schweiz an. Die fixen Abgaben Mineralölsteuer, Mineralölsteuerzuschlag und Importabgaben verteuern das Benzin um etwa 77 Rappen pro Liter. Und schliesslich fällt als variable Abgabe auf der Summe all dieser Abgaben plus dem Warenwert die Mehrwertsteuer von 7,7 % an. Insgesamt machen die aus dem Verkauf von Benzin und Diesel resultierenden Steuereinnahmen von rund 5,6 Mrd. Franken rund 7,7 % der Fiskaleinnahmen des Bundes aus. Hinzu kommen die zur Erfüllung der CO₂-Kompensationspflicht für Importeure und Produzenten entstehenden Aufwendungen (in Kraft seit 1. Januar 2013).
Vertrieb in der Schweiz
Der dritte Kostenblock im Benzinpreis ist der Vertrieb im Inland. Hierbei handelt es sich um die Differenz zwischen dem Preis an der Tankstelle und der Summe aus Beschaffung und Abgaben. Darin sind sämtliche dem Mineralölunternehmen beim Vertrieb von Benzin in der Schweiz entstehenden Aufwendungen enthalten. Diese umfassen beispielsweise Kosten für Lagerung, Transport, Logistik, Marketing, Amortisation von Tankstellen usw. Dass der Wettbewerb unter den Firmen spielt, belegen die regional teilweise recht unterschiedlichen Tankstellenpreise. Diese illustrieren zudem, dass Kosten und insbesondere Gewinnerwartungen nicht einfach auf die Automobilisten überwälzt werden können, sondern nur in dem Masse, wie es die örtliche Wettbewerbssituation zulässt.
Rechnet man Einkauf, Fracht und staatliche Abgaben zusammen, ergibt dies aktuell 1,87 Franken pro Liter. Die Erdölvereinigung Avenergy Suisse geht davon aus, dass die Tankstellenbetreiber somit im Durchschnitt rund 33 Rappen pro Liter für die Logistik im Inland sowie Betriebskosten und Löhne verrechnen. Insgesamt ergibt das somit einen (fiktiven) Benzinpreis von rund 2.20 Franken. Hohe Benzinkosten bilden Chancen für erneuerbare Treibstoffe Die EU-Kommission, EU-Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten haben 2022 beschlossen, ab 2035 in der Europäischen Union nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen. Für viele ist das gleichbedeutend mit dem Aus für Verbrennungsmotoren im Jahr 2035. Alternativen werden gesucht, um Verbrennungsmotoren weiter verwenden zu können.
Wasserstoff
Bei Personenwagen lassen sich bald die Wasserstoffkosten pro gefahrenen Kilometer mit denjenigen von herkömmlichen Antrieben vergleichen. Ausserdem ist davon auszugehen, dass der Wasserstoffpreis weiter sinken wird, sobald sich in der Automobilindustrie höhere Stückzahlen einstellen und weitere Effizienzund Technologiefortschritte erfolgen. Im Gegensatz dazu können für die Entwicklung der Erdölpreise keine Prognosen gemacht werden. Nicht selten werden sie durch politische Rahmenbedingungen beeinflusst. Aktuell rechnen die Hersteller für ein Mittelklasse-Wasserstoffauto mit einem Verbrauch von rund 0,8 kg Wasserstoff pro 100 km. 1 kg Wasserstoff kostet in Deutschland rund 9 Euro. Der Nutzwert von 1 kg Wasserstoff entspricht dabei 7,73 Liter Benzin, was rund 15 Euro wären.
eFuels
eFules steht für «Electrofuels», also für «Elektro-Treibstoff». eFuels tankt man wie normalen Sprit an der Tanksäule und nicht an der Steckdose. Jedoch kommt bei der Herstellung viel Strom zum Einsatz. Dazu soll «grüner Strom» aus Sonnen- und Windenergie eingesetzt werden, der zu gewissen Zeiten im Stromnetz im Überfluss vorhanden ist. Bisher wird eFuel in kleinen Pilotanlagen hergestellt und ist noch weit von der Möglichkeit einer flächendeckenden Versorgung entfernt. Die Produktion unter Laborbedingungen sorgt vorerst für einen Literpreis von etwa 4.50 Franken – was natürlich aktuell nicht konkurrenzfähig mit fossilen Kraftstoffen ist. Schätzungen gehen davon aus, dass 2026 der Literpreis bereits auf 1.80 Franken gesunken sein wird.
Strom
Wäre jedes Auto elektrisch, stiege der Strombedarf in der Schweiz um bis 15 Terawattstunden jährlich, wie eine Berechnung der ETH-Zürich ergab. Elektroautos gelten als fester Bestandteil unserer Mobilität der Zukunft. Die Fahrzeuge sind darauf ausgerichtet, einen effizienten Verbrauch zu ermöglichen und für einen geringeren CO₂-Ausstoss zu sorgen.
Je nach Fahrzeug verbrauchen Elektroautos zwischen 15 und 20 kWh Strom auf 100 km. Wenn die Batterie in der Niedertarif-Zeit geladen wird, belaufen sich die Kosten zwischen 4.05 und 5.40 Franken für 100 km (2023).
Zum Vergleich: Der durchschnittliche Verbrauch eines Benziners liegt bei ca. 6,5 Litern. Rechnet man diesen Verbrauch auf 100 Kilometer hoch, so zahlt man durchschnittlich 13 Franken. Im direkten Kostenvergleich ist das E-Auto somit wesentlich günstiger zu «betanken». Allerdings sollten beim Elektrofahrzeug auch die Kosten für das Laden an sich sowie eine Wallbox berücksichtigt werden. Je nachdem wie hoch die Kilometer-Reichweite ist und welchen Verbrauch das E-Fahrzeug an den Tag legt, kann der Preis pro kWh wesentlich höher ausfallen. Zusätzlich ist zu bedenken, dass die Batterien nicht unbegrenzt haltbar sind.
Beitrag: Ravaldo Guerrini
Quellen: EKZ, ETH, eFahrer, H2-Mobilität, BAZG-admin
Grafik: commons.wikimedia.org