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1798 zählte Thun 1566 Einwohnerinnen und Einwohner, die in 281 Wohnhäusern und 341 Haushalten lebten.6 In manchen Wohnhäusern gab es mehrere Haushalte. Während 15 Prozent der Haushalte zu den «Reichsten» und «Nachreichsten» zählten, könnten nach heutigen Begriffen 58 Prozent als Mittelschichthaushalte bezeichnet werden. 27 Prozent der Haushalte besassen kaum oder keinerlei Vermögen oder waren gar auf Unterstützung angewiesen.
Die Thuner Bevölkerung wurde 1798 in sechs Vermögensklassen eingeteilt, um die Einquartierungen gerecht vornehmen zu können. Die vier obersten Klassen mussten jeweils eine bestimmte Anzahl Soldaten und Offiziere beherbergen.
In den Rödeln nicht enthalten sind die Klassen 5 und 6, die «ziemlich Unbemittelte und Arme», da diese von Einquartierungen verschont waren.
Nur die in Thun heimatberechtigten Einwohner, die Burger, hatten ein politisches Mitspracherecht und besassen Nutzungsrechte an den Allmenden. Allerdings war die Allmend, wie auch die Alp Kiley im Diemtigtal, die ebenfalls den Thuner Burgern gehörte, 1797 in einem schlechten Zustand und die Nutzungsrechte gaben Anlass zu Differenzen.7 Daneben gab es eine weitere grosse Gruppe von Einwohnern, die etwa ein Viertel der Haushalte ausmachten, nicht burgerlich waren und deshalb weder politische Mitsprache- noch Nutzungsrechte hatten. In der frühen Neuzeit nannte man sie Hintersässen oder Beisässen. Diese Personen waren zur Bezahlung eines Hintersassengeldes verpflichtet.
Ausschnitt aus einer Federzeichnung von David Alois Schmid (1791–1861), 1835. Rechts neben der Sinnebrücke befindet sich das Zunfthaus zu Oberherren. Bereits im 15. Jahrhundert existierten die fünf Thuner Gesellschaften oder Zünfte zu Oberherren (nicht handwerkliche Berufe), Niederherren (Schmieden), Bällizer (Schuhmachern), Metzgern und Pfistern.
Im Revolutionsjahr 1798 wurde im Stubenbuch der Gesellschaft zu Oberherren vermerkt, dass diese den Namen wechsle und sich gemäss der revolutionären Ordnung nun «Gesellschaft zu Bürgeren» nenne. Ab 1803 trug sie wieder ihren alten Namen.
Die Burger waren in fünf Gesellschaften oder Zünften organisiert. Die Obmänner der Metzgern und Pfistern leiteten abwechslungsweise jeweils als Venner in Vertretung des Schultheissen den Kleinen Rat. Die Gesellschaften waren für die Bereitstellung des Reisgeldes (Sold), für die Überwachung des Marktes und für die Feuerwehr zuständig. Die einheitlichen Handwerksordnungen wurden jedoch von der Stadt erlassen.8
Um 1798 waren folgende Thuner Familien im Kleinen Stadtrat vertreten: Anneler, Berner, Deci, Hürner, Knechtenhofer, Koch, Moser, Müller, Scheidegg, Schneider, Stähli, Studer und Tschaggeni. Angehörige dieser Familien, der damaligen Thuner Elite, besetzten die prestigeträchtigen Ämter wie Venner, Säckelmeister und Spitalvogt und stellten die Offiziere der Milizarmee.9 Neben den Thuner Burgern und Hintersässen lebten Angehörige des Berner Patriziats zeitweise in und um Thun, ausserdem selbstverständlich der jeweilige Thuner Schultheiss mit seiner Familie. Carl Ferdinand von Sinner (1748–1826) war 1793–1798 der letzte Berner Schultheiss in Thun.
Das Mathias Gabriel Lory (1784–1846) zugeschriebene Aquarell zeigt die Schadau um 1835. Mehrere Berner Patrizier besassen Landsitze in Thun und Umgebung: Die Schadau war seit 1760 im Besitz der Familie May, das Bellerive im Gwatt gehörte den von Fischer und 1799 kaufte Niklaus Friedrich von Mülinen ein Gut in Hofstetten sowie 1806 das Bächigut (später Chartreuse). Das neue Schloss Schadau wurde 1847–1852 gebaut.