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Unterirdischer See von Saint-Léonard VS ist seit 75 Jahren geöffnet
In Saint-Léonard im Unterwallis liegt der grösste natürliche unterirdische See Europas. Seit 75 Jahren ist der See, der rund 70 Meter unter einem Weinberg liegt, für Touristen zugänglich. Hunderttausende Besucher haben ihn seither auf einer Bootsfahrt erkundet.
In Saint-Léonard im Unterwallis liegt der grösste natürliche unterirdische See Europas. Seit 75 Jahren ist der See, der rund 70 Meter unter einem Weinberg liegt, für Touristen zugänglich. Hunderttausende Besucher haben ihn seither auf einer Bootsfahrt erkundet.
Die einzigen Geräusche, die man wahrnimmt, sind die Bewegungen der Ruder und das Quellwasser, das stetig in den 6000 Quadratmeter grossen See tröpfelt. Kein Lärm, kein Handyempfang und keine anderen Lebewesen als die Regenbogenforellen, die zur Überprüfung der Wasserqualität eingesetzt wurden, und ein paar Fledermäuse.
Lange Zeit stand die Höhle unter Wasser, sagt Célestin Marquis, Student in Lausanne VD sowie Führer des Bootes, das bis zu vierzig Personen aufnehmen kann, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Im Frühjahr 1943 sank der Wasserspiegel - wahrscheinlich aufgrund von Gesteinsbewegungen - und gab die Höhle frei.
«Während des Zweiten Weltkriegs beauftragte die Armee im Rahmen ihrer Réduitstrategie zwei Männer aus ihrer Höhlenforschungsbrigade mit der Erforschung der Grotte», erklärt Betriebsleiter Cédric Savioz. Die erste Erkundung und die ersten Vermessungen erfolgten an Bord eines kleinen Schlauchboots.
Der Wasserstand war jedoch immer noch zu hoch, um die Höhle für alle Interessierten zugänglich zu machen. Bis zu einem Erdbeben im Jahr 1946. In diesem Jahr bebte die Erde in der Region und verursachte grosse Risse im Gestein, durch die ein Teil des Wassers austrat, sodass der Wasserspiegel um 15 Meter sank. Seitdem ist der Pegel mehr oder weniger gleich geblieben. Bis zu 10 Meter tief ist der See, 300 Meter lang und 20 Meter breit.
Umfangreiche Sicherungsarbeiten
Das Boot fährt in die Höhle hinein. Die Wellen des Gipsgesteins, die vom abfliessenden Regen- und Schmelzwasser geformt wurden, bilden einen Kontrast zur Härte des Silikatmarmors und des Schiefers, die noch immer die Spuren der vom Erdbeben verursachten Narben aufweisen.
Der «Gondoliere» beleuchtet die Decke mit seiner Taschenlampe, um Nägel und andere starke Verankerungen zu zeigen, welche die Decke durchziehen und Zeugen der umfangreichen Sicherungsarbeiten in den 2000er Jahren sind.
Das Gewölbe wird überwacht und kontrolliert«, erklärt der Führer, »und an strategischen Stellen wurden Netze angebracht. Im Winter, wenn die Höhle geschlossen ist, werden auch Arbeiten zur Säuberung des Felsens durchgeführt. Zu Beginn der Saison ist alles bereit, um die ersten Besucherinnen und Besucher zu empfangen, die ab dem 16. März erwartet werden. Bis Mitte November werden rund 100'000 Touristen erwartet.
Als 1949 die touristische Nutzung der Grotte begann, stellten noch Jugendliche aus dem Dorf die ersten kleinen Holzboote zur Verfügung. «Die Besucher erhielten Zugang zum See und ruderten selbstständig im Schein der Fackeln», sagt Savioz. Seit vielen Jahren werden nun geführte Bootstouren angeboten.
Ein ungewöhnlicher Studentenjob
Heute stehen rund 15 Führer im Einsatz, um den Touristen die Höhle, deren Entstehung und die Geologie zu erklären. «Jeder hat seine eigene Art, über die Höhle zu sprechen», sagt Bootsführer Marquis, der den etwas «atypischen» Studentenjob mit Begeisterung ausführt.
Er selbst beginnt seine Führung gerne mit der Information, dass dieser unterirdische See seit Tausenden von Jahren da ist, auch wenn er erst 1943 entdeckt wurde. «Die Einwohner wussten von der Existenz des Grundwassers, das an der Oberfläche durch einen kleinen Teich markiert wurde, an dem sie picknickten und ihre Flaschen kühlten», erklärt Marquis. «Aber sie wussten nicht, dass es einen grossen, mehrere hundert Meter langen Hohlraum gibt.»
Es gibt noch eine Legende, die wir gerne erzählen«, fügt Betriebsleiter Savioz hinzu. »Diese besagt, dass die jungen Mädchen aus dem Dorf, die noch keinen Bräutigam gefunden hatten, am Weihnachtsabend an diesen Teich gingen. Und wenn sich der Mond auf der Wasseroberfläche spiegelte, konnte sie das Gesicht ihres zukünftigen Ehemannes erscheinen sehen", erzählt er.