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Eines vorweg: Es geht im Folgenden nicht um jene Frauen, die bereits einen Verdacht auf Brustkrebs haben, die vielleicht einen Knoten in der Brust ertastet haben oder in deren Familie Brustkrebs bereits vorgekommen ist. Diese Frauen sollen unbestrittenermassen zur Mammographie.
Es geht um Frauen ohne jeglichen Verdacht auf Brustkrebs, die aber trotzdem zur Brustkrebs-Früherkennung gehen wollen. Für diese Frauen stellt sich die Situation je nach Wohnort unterschiedlich dar. Denn einige Kantone (etwa Bern) verfügen bereits über ein Mammographie-Programm, das Frauen ab 50 Jahren per Brief zur Röntgenuntersuchung einlädt. In einigen Kantonen (etwa Basel-Stadt) ist ein solches Programm in Planung. Und andere Kantone wiederum (etwa Zürich) haben sich gegen ein solches Programm entschieden. In den letzten beiden Fällen kann eine Frau zwar eine Mammographie durchführen lassen, aber sie oder ihr Arzt muss das (noch) selbst organisieren.
- Nutzen eines kantonalen Mammographie-Programms: Mit gut durchgeführten Mammographie-Programmen lassen sich tatsächlich Tumore im frühen Stadium erkennen. Das bewahrt einige Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs. Als Faustregel kann folgende Rechnung gelten: Von 1000 Frauen, die an einem solchen Programm teilnehmen, sterben vier an Brustkrebs. Bei jenen Frauen, die nicht teilnehmen, sind es fünf von 1000. Das Programm rettet also eine Frau von 1000 vor dem Brustkrebstod.
- Schaden eines kantonalen Mammographie-Programms: Wie die allermeisten medizinischen Interventionen haben auch Mammographie-Programme Nebenwirkungen. Um ein Leben zu retten müssen nämlich 1000 Frauen am Programm teilnehmen. Von denen müssen viele eine auffällige Mammographie abklären lassen, die sich dann als Fehlalarm herausstellt. Wohl 100 bis 200 der 1000 Frauen sind davon betroffen und machen sich vor der Entwarnung entsprechend Sorgen, leiden an Schlafstörungen und Ängsten.
Schlimmer trifft es eine bis zehn andere Frauen von den 1000: Bei ihnen gibt es keine Entwarnung, sondern es wird tatsächlich Brustkrebs diagnostiziert, obwohl sie in Wirklichkeit nur eine harmlose Zellveränderung haben und keinen tödlichen Krebs. Weil man das aber bisher noch nicht unterscheiden kann, machen die Frauen dann eine Chemotherapie, lassen sich bestrahlen oder gar eine Brust ganz entfernen.
Verhältnis von Nutzen und Schaden
Wenn sich eine Frau also für ein Mammographie-Programm entscheidet, kann es sein, dass sie just die eine Frau von 1000 sein wird, die dank des Programms einen Brustkrebs überlebt. Es ist aber viel wahrscheinlicher, dass sie eine jener 100 bis 200 Frauen sein wird, die sich eine gewisse Zeit vergeblich ängstigt oder gar eine der zehn Frauen, die fälschlicherweise mit der Diagnose Brustkrebs leben und schwerwiegende Eingriffe erdulden muss.
- Alternativen zum kantonalen Mammographie-Programm: Solange eine Frau keinen Knoten spürt, muss sie keine Mammographie machen, und kann also damit leben, dass sie weder die Vorteile noch die Nachteile des Mammographie-Programms hat.
- Alternativen in Kantonen ohne Mammographie-Programm: Jede Frau hat die Möglichkeit auf eigene Kosten eine Mammographie machen zu lassen. Weil die Qualität hier aber nicht kontrolliert wird, sind Nutzen und Schaden schwierig abzuschätzen. Im Schnitt hat eine Frau dabei wohl etwas weniger gute Karten als in einem Screening-Programm. Auch hier hat jede Frau die Möglichkeit, ganz auf eine Früherkennung zu verzichten. Sie nimmt sich damit die Chancen auf die Vorteile, schützt sich aber gleichzeitig vor den möglichen Nachteilen.
Wo sich die Befürworter und Gegner einig sind
Einig sind sie sich darin, dass die Qualität der Screening-Programme weiter verbessert werden muss. Denn die Regeln, die Fachleute für ein gutes Screening fordern, werden in der Schweiz erst jetzt langsam eingeführt, zum Beispiel, dass Ärzte genügend Routine im Interpretieren von Mammographien haben müssen.
Einig sind sich die Befürworter und Gegner kantonaler Mammographie-Programme auch darin, dass die Frauen so informiert werden müssen, dass sie selber eine für sie gute Entscheidung treffen können.
Doch genau daran hapert es nach wie vor. Obwohl sich beispielsweise die Broschüre der Krebsliga, Link öffnet in einem neuen Fenster – eine Befürworterin des Screenings – stark verbessert hat, sind die entscheidenden Zahlen noch immer nicht auf einen Blick ersichtlich. Auf der anderen Seite ist auch das Merkblatt, Link öffnet in einem neuen Fenster jener gewichtigen Organisation, die sich gegen das Screening ausspricht, nämlich des unabhängigen internationalen Medizinernetzwerks «Cochrane collaboration», tendenziös.
Dabei sind sich beide in der Grössenordnung einig: Einer vom Tod geretteten Frau stehen ein bis zehn Frauen gegenüber, die unnötigerweise gegen Brustkrebs behandelt werden mit allen damit verbundenen Komplikationen und 100 bis 200 Frauen, die während einer gewissen Zeit bis zur Entwarnung mit der unbegründeten Angst vor Brustkrebs leben müssen.
Wie man das gewichtet, ist dann allerdings eine sehr persönliche Sache und sollte jeder Frau und den ihr nahestehenden Menschen selber überlassen bleiben.