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À propos de la représentation diplomatique soviétique à Berne (mai-novembre 1918): un nouvel éclairage à la lumière des rapports de Jan Berzine
Übersetzter Titel: Die diplomatische Vertretung der Sowjetunion in Bern (Mai - November 1918)
Im Mai 1918 empfing der Bundesrat in Bern eine von Jan Berzin geleitete diplomatische Mission aus der Sowjetunion. Die Gesandtschaft hatte allerdings nur offiziösen Status, da die Schweiz bisher der sowjetischen Regierung die diplomatische Anerkennung versagt hatte. Dennoch unterhielt der Bundesrat Beziehungen zu den russischen Diplomaten, und es fanden Gespräche zwischen Vertretern der Schweizer Regierung und den Gesandten aus der Sowjetunion statt. Sechs Monate später - als der Landesgeneralstreik die Schweiz erschütterte - wurde die sowjetische Gesandtschaft wegen Propagandatätigkeit des Landes verwiesen. Dieses Ereignis vermochte in den kommenden Jahren dem Gerücht über ein «bolschewistisches Komplott» in der Schweiz Nahrung zu geben.
Dokumente aus den russischen Archiven und insbesondere die politischen Berichte, die Jan Berzin nach Moskau geschickt hat (wovon mehrere in der Dokumentensammlung Suisse-Russie 1813-1955. Contacts et ruptures, Bern 1994, abgedruckt sind), werfen neue Fragen für die Forschung auf und erlauben es, den Einsatz der sowjetischen Mission in der Schweiz unter neuer Perspektive zu betrachten. Die Autorin und der Autor haben - ohne Anspruch auf erschöpfende Behandlung des Themas - im vorliegenden Aufsatz vier wichtige Bereiche angesprochen: die Verbindung Bern-Moskau, die diplomatische Mission von Jan Berzin, seine Beziehungen zum Bundesrat und sein - sehr kritisches - Urteil über einige sozialistische Führer in der Schweiz.
Die Berichte von Berzin lassen die Schwierigkeiten erkennen, die der sowjetische Vertreter zu bewältigen hatte, um eine funktionierende Kommunikationslinie zu Moskau aufzubauen. Berzin war nicht nur mit technischen Problemen und der Unmöglichkeit konfrontiert, eine direkte telegraphische Verbindung nach Moskau herzustellen, sondern er war auch auf Kuriere angewiesen, die öfters mehr daran interessiert waren, in der Schweiz ihre Einkäufe zu tätigen als aktuelle Informationen aus Russland zu liefern. Die Gesandtschaft litt ausserdem unter den Auswirkungen der internen Spannungen in der sowjetischen Führung und musste nach dem von den linken Sozialrevolutionären organisierten Putschversuch vom Juli 1918 jene Kuriere entlassen, die dieser Partei angehörten. Auch waren die Leistungen der Mission Berzin bescheiden. Die Erfüllung der einen Aufgabe scheiterte kläglich: Es gelang Berzin nicht, Kontakte zu den Vertretern der Entente-Staaten zu knüpfen. Offensichtlich um diesen Misserfolg zu kompensieren, hob Berzin in den Berichten den andern Teil seines Auftrags hervor: die Informationsarbeit und Propagandatätigkeit. Es handelte sich bei dieser Aufgabe einerseits darum, die Genossen in Russland über die innere Lage der westlichen Länder und über deren Einstellung zu Russland ins Bild zu setzen, andererseits die Öffentlichkeit des Westens über die Ereignisse in Russland aus bolschewistischer Sicht aufzuklären. Aber auch hier blieben die Erfolge anscheinend weit hinter den Erwartungen zurück, zumal die Gesandtschaftsmitarbeiter grösste Mühe bekundeten, aus Russland rechtzeitig die benötigten Informationen zu erhalten.
Hingegen waren die Kontakte zum Bundesrat in dieser Zeit weit lebendiger, als es auf ersten Blick erschien. Sie hatten unter guten Vorzeichen begonnen, hauptsächlich wegen dem Interesse der Schweizer Regierung an Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern - eine Tatsache, die von Berzin sehr bald erkannt und hervorgehoben worden war. Doch ausgerechnet an demselben Tag, als Albert Junod, der Schweizer Vertreter in Russland, mit der Instruktion, die Schweizer Interessen zu verteidigen, in Petrograd ankam, wies der Bundesrat unter Druck der Entente-Mächte die Mitglieder der Mission Berzin aus. Er entzog den Bolschewisten damit die «Schweizer Visitenkarte». Die Sowjetunion verlor ein Informations- und Propagandazentrum sowie eine diplomatische Plattform, der sie grosse Bedeutung beigemessen hatte, deren Leistungen allem Anschein nach aber eher dürftig waren. Obschon Berzins Bemühungen nicht gerade von Erfolg gekrönt waren, erschien die blosse Anwesenheit der sowjetischen Gesandten mitten in Europa den Entente-Staaten als gefährlich genug, um bei einer neutralen Regierung zu intervenieren und die Ausweisung der Mission zu fordern.
Erschienen in: traverse, 1995/3, S. 29.