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In den letzten Jahren wurden Statine (HMG-CoA-Reduktasehemmer) als ein möglicher Auslöser der seltenen immunvermittelten nekrotisierenden Myopathie (Immune-mediated necrotising myopathy, IMNM) identifiziert.
21.10.2015 - Statine werden zur Behandlung von Störungen des Fettstoffwechsels und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei spezifischen Risikogruppen eingesetzt. Die Wirkung von Statinen als Lipidsenker beruht auf der Hemmung der HMG-CoA-Reduktase (HMGCR).
Die Myopathie als unerwünschte Wirkung ist ein bekannter dosisabhängiger Klasseneffekt aller Statine. Das klinische Spektrum der Statin-assoziierten Muskeltoxizität ist breit und reicht von der asymptomatischen Creatinkinase (CK)-Erhöhung ohne Muskelschmerzen bis hin zur seltenen schwerwiegenden und potentiell lebensbedrohlichen Rhabdomyolyse.
Die immunvermittelte nekrotisierende Myopathie (Immune-mediated necrotising myopathy; IMNM) unter Statintherapie nimmt eine Sonderstellung ein und ist eine sehr seltene schwere Form der Statin-vermittelten Myotoxizität.1,2,3
Die Inzidenz der Statin-assoziierten IMNM wird auf etwa 2/1.000.000 erwachsener Personen/Jahr geschätzt.
Die in der Regel selbstlimitierende Statin-Myopathie ist eine den behandelnden Ärzten bekannte unerwünschte Wirkung der Statintherapie. Die Abgrenzung zur wesentlich selteneren und unbekannteren Form der Statin-assoziierten IMNM, ist aber von grosser klinischer Relevanz.
Dabei zeichnet sich die Statin-assoziierte IMNM in der Regel durch folgende Charakteristika aus:
- erhöhte CK-Werte
- proximale Muskelschwäche
- persistierende oder sogar fortschreitende Symptome trotz Absetzen der Statintherapie
- Muskelnekrose mit minimalen oder fehlenden Entzündungszeichen in der Muskelbiopsie
- Ansprechen auf eine immunsuppressive Therapie
Außerdem scheint der Nachweis von gegen die HMGCR gerichteten Antikörpern (HMGCR-AK) spezifisch für die Statin-assoziierte IMNM zu sein. Dabei ist zu betonen, dass HMGCR-AK bei Statin-unbehandelten sowie bei Statin-exponierten Individuen insgesamt sehr selten vorkommen. Ebenso sind HMGCR-AK nur selten bei Patienten mit einer selbstlimitierenden Statin-Myopathie nachweisbar.
Während also bei der Statin-Myopathie bei sofortigem Absetzen der Therapie Muskelsymptome und CK- Erhöhungen in den meisten Fällen rückläufig sind, zeigen Patienten mit einer Statin-assoziierten IMNM persistierende oder sogar fortschreitende Symptome, die meist mit einer immunsuppressiven Therapie behandelt werden müssen.
Die Arzneimittelinformationen aller Statine werden auf Grundlage der neuen Erkenntnisse aktualisiert und auf der Website von Swissmedic unter www.swissmedicinfo.ch aufgeschaltet werden.
1Mohassel P, Mammen AL. The spectrum of statin myopathy. Curr Opin Rheumatol. 2013;25:747-52.
2Mohassel P, Mammen AL. Statin-associated autoimmune myopathy and anti-HMGC autoantibodies. Muscle Nerve 2013 Oct; 48(4):477-83.
3Alfirevic A, Neely D, Armitage J, Chinoy H, Cooper RG, Laaksonen R, Carr DF, Bloch KM, Fahy J, Hanson A, Yue QY, Wadelius M, Maitland-van Der Zee AH, Voora D, Psaty BM, Palmer CN, Pirmohamed M. Phenotype standardization for statin-induced myotoxicity. Clin Pharmacol Ther. 2014;96:470-6.