Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03221.jsonl.gz/1905

Recho Kosgei tritt als Favoritin zum Warschau-Marathon an. Und diesem Status wird sie gerecht, kurz vor dem Ziel läuft sie mit grossem Vorsprung einem sicheren Sieg entgegen.
Doch 800 Meter vor der Ziellinie taumelt die Kenianerin plötzlich. Kosgei sackt zusammen, sie kann einfach nicht mehr aufstehen. Nicht im ersten Versuch, nicht im zweiten, nicht im dritten.
Zwar ist es Athleten gemäss dem Reglement untersagt, während des Rennens Hilfe anzunehmen. Doch wenn eine Läuferin zweieinhalb Minuten damit kämpft, wieder auf die Beine zu gelangen, dann muss ihr zwingend geholfen werden.
«Ja, es ist nicht erlaubt, zu helfen», twittert Wesley Korir, dreifacher Marathon-Sieger in Los Angeles und Boston. «Aber es kommt eine Zeit, wenn die menschliche Logik vom Reglement übernimmt.»
Mit David Rudisha, dem zweifachen Olympiasieger über 800 Meter, schaltet sich ein weiterer Landsmann von Kosgei in die Debatte ein. «Es ist sehr traurig, jemanden auf dem Weg ins Ziel so leiden zu sehen», schreibt Rudisha. «Wir müssen die erste Hilfe verbessern!»
Es dauert geschlagene zweieinhalb Minuten, bis Recho Kosgei endlich geholfen wird. Der zehntplatzierte Slowake Marek Hladik hält an und kümmert sich um die bedauernswerte Kenianerin. Doch sie bleibt am Boden. Später wird Kosgei dann endlich auch von offizieller Seite geholfen und aus dem Rennen genommen. Der kenianische Journalist Saddique Shaban teilt mit, dass es der Läuferin mittlerweile wieder gut gehe. Sie sei dehydriert gewesen.
Während Hladik sich um die Läuferin kümmert, rennt die Äthiopierin Bekelu Beji am Duo vorbei. Sie erbt den Sieg, den ihre Konkurrentin Recho Kosgei schon fast auf sicher hatte.
Während es von den Organisatoren des Warschau-Marathons, von Kosgei und von ihrem Management noch keine Stellungnahme gibt, sind Sportfans in Kenia ausser sich. Sie werfen den Polen Rassismus vor und fragen sich, ob auch eine Einheimische oder eine weisse Läuferin so lange einfach liegen gelassen würde.