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|Maxli und Christeli (Okt. 1947)|
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Aus der Zeit meiner frühen Kindheit habe ich wenige Erinnerungen und wenige Bilder in meinem Gedächtnis. Viele vermeintliche Bilder aus meiner Kindergartenzeit sind eher Visualisierungen aus Erzählungen meiner Eltern. Ich nehme an, dass meine bewussten Wahrnehmungen und Erinnerungen ab dem 6. oder 7. Lebensjahr begonnen haben.
Wir waren eine ganz besondere Familie. Unsere Geburtstage konnte man sich leicht merken:
Mein Vater hielt sich nicht an die Dezember-Regel und wurde am 6.6.1913 geboren, aber wenigstens auch an einem Spezialdatum am 6.6.
Ich wurde am Silvester 31. Dezember 1942 (um 11:20 Uhr) im Frauenspital Basel geboren. Ich habe keine Ahnung, ob ich eine schwere oder leichte Geburt war. Darüber sprach man einfach nicht. Es war auch zu jener Zeit undenkbar, dasss ein Vater während der Geburt anwesend war. Ich denke, dieses wäre als pervers ausgelegt worden und hätte zur der damaligen Sexual-Moral nicht gepasst. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ich im März 1942 gezeugt wurde, denn ich habe meine Eltern nie in einer zärtlichen Situation erlebt. Aber scheinbar haben auch zu der Zeit die Triebe bereits funktioniert. Wahrscheinlich ganz verschämt bei totaler Dunkelheit unter der Bettdecke. Schade eigentlich, denn meine Mutter war eine wunderschöne Frau.
Max gehörte damals nicht zu den beliebtesten Vornamen. Dazu gehörten Peter, Hans, Klaus, Jügen, Dieter .... bis ich dann irgendwann auf der Liste auftauchte. Mein Vornamen gefiel mir immer. Er war kurz und prägnant.
Viele meiner Freunde und Verwandten haben mich bedauert, dass ich nur 1 Woche nach Weihnachten Geburtstag hatte. Sie meinten, ich komme zu kurz mit den Geschenken. Ja, vielleicht war es auch so. Aber ich kannte nichts anderes und hätte auch nichts ändern können. Ich entdeckte hingegen den Vorteil, dass ich die Grösse der Geschenke erhöhen konnte, wenn ich Weihnachten und Geburtstag zusammenlegte. So konnte ich mir einen Eisenbahn-Wagen wünschen oder sogar eine elektrische Lokomotive, wenn sich Eltern und Paten zusammentaten. Erst in späteren Jahren benied ich diejenigen, die im Sommer ihren Freudentag im Freien bei einem Grill-Feuer und Freunden abhalten konnten.
|Silvester 1942: Geburt Maxli|
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Meine Schwester Christina kam am 6. Dezember 1945 auf die Welt. Wir nannten sie "Christeli". Erst viel später um die 20 wollte sie "Christina" genannt werden. Ihre Haare waren hellblond, ein Ueberbleibsel meines Vater, der eine rötliche Haut und rotblonde Haare hatte. Beide konnten nie richtig die Sonne geniessen, im Gegensatz zu mir. Ich hatte die Haut und Haarfarbe meiner Mutter.
Gewohnt haben wir in meinen ersten Lebens-Jahren an der Mülhauserstrasse im St. Johann, anschliessend bis zum Ende meiner Kindergartenzeit in der Muespacherstrasse im Isaak-Iselin-Quartier, dann zogen wir an die Klingelbergstrasse, wo wir während meiner ganzen Schulzeit blieben, bis wir an die Hebelstrasse ziehen mussten. Dies war ein unschönes Kapitel unserer Stief-Grossmutter. Sie hat uns nach dem Tod unseres Vaters im 1964 aus dem Haus geschmissen und ihre leibliche Tochter Nina einziehen lassen.
|März/April 1943: Maxli nach 3 Monaten|
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|Herbst 1943: Maxli (6-7 Monate alt)|
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Schaut mal die alten Fotos an! Ich muss in den ersten 1-2 Jahren ein kleiner Fettsack gewesen sein. Nicht schlimm, aber genügend Reserven auf den Rippen. Ganz im Gegensatz zu meiner Schwester, die immer schlank und rank war.
|Herbst 1944: Maxli (1½ Jahre alt)|
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Wie die meisten habe auch ich meine ersten Schuljahre im Kindergarten verbracht, und zwar im Kindergarten des Isaak-Iselin-Schulhauses bei Frl. Meier. Ich verehrte Frl. Meier mit meinem ganzen kindlichen Gemüt. Ich brachte ihr Blumen und bin einmal sogar am Morgen früh von zu Hause ausgerissen, um sie als erster am Kindergarteneingang begrüssen zu können. Ihr könnt Euch vorstellen, welche Aufregung ich meinen Eltern damit bereitete, als sie entdeckten, dass mein Bett leer war. Obwohl Frl. Meier bereits verlobt war und ihr Freund sie oft abholte, war ich in sie verliebt und machte ihr sogar einen Heiratsantrag. Ich meinte zu ihr: Ich könnte ihren Freund als "älteren" Bruder akzeptieren.
In meiner frühen Jugend waren wir oft an Sommerfesten der "Guttempler", einer Blaukreuz-Organisation, im Allschwil am heutigen Baselmattweg 115. Die Guttempler sind eine internationale Organisation, die sich für Enthaltsamkeit von Alkohol und bewusstseinsverändernden Drogen sowie für Brüderlichkeit und Frieden einsetzt. Ich kann mich nicht mehr recht daran erinnern, denn ich war nicht viel älter als 5-7 Jahre alt. Ich weiss nicht, wie unsere Familie dazu kam, denn wir waren weder Sektierer noch war jemand ein fundamentaler Anti-Alkoholiker.
|Die ersten Monate von Christeli|
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Christeli war 3 Jahre jünger als ich, ein grosser Unterschied in der Entwicklung. Deshalb konnte ich lange Zeit nichts mit meiner kleinen Schwester anfangen.
Wir waren keine typischen Geschwister, wie ich es von Freunden und auch den Büchern kannte. Jeder von uns ging seinen eigenen Weg. Ich mit meinen Schulfreunden, Christeli mit ihren Freundinnen. Ich mochte zu der Zeit keine Mädchen, weshalb ich Christeli auch schnitt und sie nicht mitspielen liess.
|Mit Diphtherie im Kinder-Spital|
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Erst etwas später entdeckte ich, dass meine Schwester hübsche Freundinnen hatte wie z.B. die blonde Nori Widmer, Tessi und Vroni Moll. Aber ich war damals noch viel zu scheu und getraute mich nicht, sie anzusprechen.
Das Jahr 1949 hatte es in sich. Im Mai 1949 erkrankte ich an einer bis anhin tödlichen Krankheit der "Diphtherie". Nur dank dem ganz neuen Antibiotikum "Penicillin" habe ich überlebt. Es musste zur der Zeit noch gespritzt werden. Da es dickflüssig war, benutzte man dicke Kanülen, die auch im Hintern weh taten.
Anschliessend und nur wenige Tage nachdem ich aus dem Spital entlassen wurde. Ich hatte noch schlottrige Beine und fast keine Kraft um zu gehen, wurde ich zur Erholung nach Lenk im Simmental zu einer Lehrer-Familie gebracht. Ich erinnere mich noch gut, dass der Allschiler Onkel Dolfi mich und meine Eltern in seinem schwarzen Citroen Legere in die Lenk brachte. Dort verblieb ich ein paar Wochen und erholte mich blendend. Als ich zurückkam sprach ich Berner-Oberländer Dialekt.
Leider habe ich während meines Spitalaufenthaltes die Hochzeit meiner Gotte Nina am 2 Juni 1949 verpasst. Dies hat mich schwer getroffen. Als Kind hat man erstaunlichereise keine Angst vor dem Tod. Man weiss gar nicht, was das ist. Aber die verpasste Hochzeit, das war eine Katastrophe. Ich habe anschliessend keine Hochzeit mehr erlebt, bis zu meiner eigenen im Jahre1970.
|Hochzeit Gotte Nina am 2. Juni 1949|
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|Hochzeits-Gäste:|
Grossvater und Grossmutter Gustav und Louise Lehmann-Schmitt, Zofinger, Käterli und Emilgötti Lehmann, Götti Guschti und Tante Märthel Lehmann, Lisbeth, Papi und Mammi mit Christeli
|Brautjungfern und Blumenmädchen der Hochzeit Gotte Nina am 2. Juni 1949|
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Es gab zur damaligen Zeit klare Rollenverteilungen. Die Mutter kaufte ein und kochte. Wir Kinder mussten dann beim Abwaschen helfen. Die Tradition wollte es: Der Vater war der Pascha, obwohl es unser Papi nie sein wollte. So war es zu der Zeit üblich, dass der Vater zuerst auswählen konnte, was er essen wollte, und das beste Stück Fleisch bekam.
Vor dem Essen wurde immer gebetet. Es war ein kurzes Gebet, das wir möglichst schnell hinter uns brachten. Dann durften wir zugreifen. Es kam manchmal vor, da waren wir zu schnell und haben die Verse in Rekordzeit runtergebetet. Dann mussten wir das Gebet zur Strafe wiederholen.
Die Menu-Karte in der Nachkriegszeit war sehr einfach. Nur am Mittag gab es warme Küche. Abends gab es zum z'Nacht "Kaffi Complet", d.h. Brot und Konfitüre, etwas Käse. Fleisch stand nur 1x in der Woche auf dem Speisezettel. Am Freitag war Fisch-Tag. Dies änderte sich mit den Jahren. Es gab dann an mehreren Tagen Fleisch. Am Wochenende nach der warmen Mahlzeit gab es oft als Dessert das "Deckeli". Ein Konfibrot mit Butter und Konfitüre.
Die Speisekarte bestand aus einfachen Gerichten, denn der Geldbeutel war knapp, aber sie schmeckten königlich: Maisschnitten mit Apfelmuss, Kartoffelcreme mit Kompott, Hörnli-Auflauf und schlussendlich selbstgemachtes Yoghurt. Gemüse gab es auch. In jeder Kombination. Ich mochte die weniger. Sie waren immer weichgekocht. Dies war scheinbar damals üblich.
|Maxli 1944 - 45|
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Unser Schrebergarten versorgte uns im Krieg und auch in der Zeit danach mit Gemüse und Früchten. Wir fuhren regelmässig mit dem Fahrrad samt Anhänger dorthin, Ich sass dabei auf einem Sattel auf der Lenkstange. Auf dem Anhänger transportierten wir das geerntete Gemüse und die Salate. Auf Fotos habe ich gesehen, dass wir auch ein paar Kaninchen hatten. Ich nehme an, dass diese an Festtagen geschlachtet wurden. Kaninchen und Geflügel waren zu der Zeit eine Delikatesse. Noch nach Jahren, ich war bereits in der Lehre, war ein Poulet d.h. ein Hühnchen reiner Luxus. Ein typisches Weihnachtsessen.
Als ich grösser wurde, mochte ich den Schrebergarten weniger, denn es gab auch für uns Kinder immer viel zu tun: Unkraut jätten.
|Unser Schrebergarten am Bachgraben|
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Mein Vater arbeitete auf der Vormundschaftsbehörde am Rheinsprung. Sein Heimweg führte oft durch den direkt durch den nahen Globus. Er war ein Geniesser und liebte feines Essen. Sein Weg führte durch die Delikatess-Abteilung, wo er sich nur schwer beherrschen konnte. Er kaufte aus seinem Taschengeld feine Schiller-Locken, Rollmöpse oder ein Hähnchen, die er stolz nach Hause brachte.
Yoghurt gab es bei uns erst ab den 50er-Jahren. Aber nur das Nature ohne Früchte. Da Yoghurt noch recht teuer war, produzierten wir es selber. Aus einem gekauften Yoghurt machen wir deren 10. Um dem essbaren Yoghurt etwas Geschmack zu geben, habe ich es mit Zucker oder Ovomaltine versetzt.

Rezept:
Von meinem Vater habe ich meine Vorliebe für Süssigkeiten geerbt. Er genoss die gezuckerte Kondensmilch, oder die Melasse als Brotaufstrich. Oft am Wochenende machten wir "Rahmtäfeli". Er löste unter dauerndem Rühren mit dem Schwingbesen und leichter Hitze Zucker in Milch (oder später Rahm) auf, gab dabei etwas Kaffee dazu, um den Geschmack zu verbessern. Er erhitzte und rührte, bis die Masse etwas zähflüssig wurde, sich aber noch auf ein Blech giessen liess. Noch flüssig wurde die Masse zu kleinen Täfeli geschnitten. Leider vergingen Stunden, bis die Masse soweit abgekühlt war und wir 1, 2 oder sogar 3 Täfeli essen durften. Sie schmeckten wunderbar.
An eine weitere Spezialität erinnere ich mich gerne. Mir läuft noch heute das Wasser im Munde zusammen, wenn ich mich an die Innereien der Hühnchen erinnere: An das Herz, die Leber, Nierli und Lunge. Während die Hühnchen im Backofen vor sich hin brozelten, kamen die Innereien in eine Pfanne, wurden kurz angebraten, fein gesalzen und dann waren mein Vater und ich nicht mehr zu sprechen. Wir assen die Leckereien direkt aus der Pfanne. Noch heute finde ich, dass diese Innereien das beste ist, was man sich wünschen. kann.
Es gab aber noch eine weitere Innerei, die uns schmeckten: Kutteln. Meine Mutter war darin Weltmeisterin. Niemand konnte sie übertreffen. Kutteln an Tomatensauce und Kartoffelstock. Erst etwa 50 Jahre später habe ich im Frühjahr 2015 wieder einmal bei Heidy Holzhauser Kutteln vorgesetzt erhalten. Es war ein kulinarischer Salto in meine Vergangenheit.
|Kleidersitten: dunkle Farben, Hüte und Kravatten|
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Es war eine prüde Zeit. Ausserhalb der Gartenbäder war man angezogen. Es gabe keine nackten Oberkörper Es gab nur eine Ausnahme: Auf dem Schrebergarten.
An Wochenende gingen wir in unseren Schrebergarten oder machten Spaziergänge. Im Frühling ging es zur Paulus-Kirche, um die wunderbaren Magnolien-Blüten zu bestaunen, oder dann ins nahe Baselbiet. Aber auch Buggingen stand auf dem Programm Dies war aber jeweilen eine Generalstabsübung, weil wir vom Badischen-Bahnhof mit dem Zug nach Buggingen fuhren. Vorher musste wir uns telefonisch anmelden, was zu der Zeit nicht einfach war. Es gab noch kein Mobil-Telefon. Man rief über das Fräulein vom Amt an und liess sich nach Deutschland verbinden.
Es gab noch keine Freizeit-Kleider, wenn man von den "Knickerbocker" absah. Dies waren etwa wadenlange Hose mit weiten Beinen, meist aus Manchester-Material. Aber auch dazu trug mein Vater immer eine Kravatte und Hut. Dunkle Natur-Töne standen im Vordergrund. Man trug neben beige viel schwarz, brauntöne und grau. Bei Ausflügen innerhalb Basel war die normale Kleidung meiner Eltern wie an Werktagen: Lange Hose, Kittel, Kravatte und Hut. Die Hose wurde mit Hosenträgern gehalten. Meine Mutter trug einen mehrfarbigen Rock immer mit Hut. Diese Tradition mit den Hüten hielt sie bis zu ihrem Tode aufrecht.
Wir Kinder trugen die Kleider der Aelteren aus. Oft auch von ausserhalb der Familie. Neue Kleider gab es nur selten. Meist als Weihnachtsgeschenk. In der kalten Jahreszeit trugen wir wollene gestrickte Strümpfe und darüber kurze Hosen aus rauhem Wolltuch. Die Strümpfe hingen an einem Gstältli, so ein Leibchen, vorne zugeknöpft, mit 4 Elastikbändern und einer Befestigungskonstruktion aus einem Metallbügelchen und einem Knopf, wie ich es auch heute noch in erotischer Kleidung "Strapse" kenne.
|Ostern 1944 und 1945 am Klingelberg|
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Jährlich gab es vier Kinder-Feiertage, an denen wir Geschenke oder Süssigkeiten erhielt: Geburtstag, Santiklaus, Weihnachten und Ostern. Lange habe auch ich an den geheimnisvollen Osterhasen geglaubt, der die Eier, die Nüsse und auch ein paar Schockihasen nachts versteckte. Dazu war der Garten meiner Grosseltern am Klingelberg geeignet. Dort trafen sich an Ostern die Kinder und Grosskinder meiner "Bugginger-Grosseltern" väterlicherseite: Götti Gusti und Familie, meine Gotte Nina noch solo und meine Familie. Im Vergleich zu heute gab es wenige Geschenke oder Süssigkeiten. All dies war nach dem Krieg noch viel zu teuer. Aber mit viel Liebe gemachte Nestchen mit ein paar Nüssen und dem einen oder anderen Schoggi-Ei gab es zu finden.
Die Ostern blieben mir aber auch unvergesslich in Erinnerung, weil es am Gründonnerstag immer Spinat zum Mittagessen gab. Ich konnte mir nie erklären, was der Grün-Donnerstag mit Spinat gemeinsam haben. Grün und Spinat? Spinat war ein Gemüse, das Christina und ich gar nicht mochten, denn unsere Mutter kochte die Spinat-Blätter unzerkleinert ein. Ich lernte erst in späteren Jahren den Spinat lieben, als wir ihn im Mixer zerkleinerten und in Butter und Rahm anrichteten.
Am Karfreitag gab es immer Fisch. Traditionell war und ist Fleisch bis zur heutigen Zeit für mich ein Tabu! Da es damals noch keine Super-Märkte und Einkaufs-Zentren gab, kaufte man den Fisch am Fischmarkt unweit der Schifflände. Der Fisch war ziemlich teuer, denn er musste im Eis gekühlt vom Meer in Eisenbahnwagen antransportiert werden.
|Ostern 1947 am Klingelberg mit Lisbeth (Tochter vom Götti Guschti), Maxli und Christeli|
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Am feierlichsten wurde das Weihnachtsfest begangen. Wir Kinder bereiteten uns bereits Wochen vorher mit dem Studium der Geschenk-Prospekte und des Franz-Carl-Weber-Kataloges vor. Daraus machten wir dann den Wunschzettel, obwohl wir ja wussten, dass die meisten unserer Geschenk-Wünsche nicht realisierbar waren.
Noch heute erinnere ich mich mit Schmunzeln an die Wochenenden, an denen wir in der Küche das Weihnachtsgebäck wie Zimmt-Sterne, Brunzli, Mailänderli, Aenis-Brötli, Nuss-Stängeli machten. Das ganze Haus duftete nach Mandeln, Zimmt und Zitronen. Genussvoll halfen wir beim Kneten des Teiges und dem Ausstechen mit den Förmli. Selbstverständlich kam auch der Magen nicht zu kurz, denn der frische Teig war lecker für uns Schleckmäuler. Oft endete ein solcher Tag mit einer veritablen Magenverstimmung.
Meine Erinnerungen an die Weihnachtsabende am Heilgen Abend, dem 24. Dez. in unserem Elternhaus sind frisch und lebendig. Es war ein besonderer Tag, denn er war auch der Geburtstag unserer Mutter. Schon als Kleinkind durften wir beim Schmücken des Tannenbaums am Vortag des Heiligen Abends helfen. Rote, grüne, blaue und goldene Kugeln, Glas-Vögel und Silber-Haare/Lametta wurden sorgfältig am Baum angehängt, der bis zur Zimmerdecke reichte. Dann wurde das Wohnzimmer geschlossen, damit das Christkindli in Ruhe seine Geschenke unter den Baum legen konnte.
Am Nachmittag des Heiligen Abends ging es zuerst zur Kinder-Weihnachtsfeier in der Basler Mission zu Herrn Kürner, wo wir bereits die ersten Gschänggli erhielten. Wieder zu Hause mussten wir in unsere Zimmer und warten, bis das Christkindli mit einem hellen Glöckli läutete. Mit grossen Augen gingen wir ins Wohnzimmer, in der die Bescherung stattfand. Die vielen Kerzen am Tannenbaum spendeten das einzige Licht im grossen Raum.
Es war ein wunderbarer Anblick, aber unsere Augen waren auf die schönen Päckli unter dem Weihnachtsbaum gerichtet. Wir wussten jedoch, dass wir vorerst noch ein Lied gemeinsam singen und später, als wir bereits grösser waren, mit der Blockflöte begleiten mussten. Erst dann konnten wir uns auf die Päckli stürzen und schauen, welche Wünsche uns erfüllt wurden. Viele Geschenke waren es nicht, aber wir kannten ja nichts anderes und fühlten uns als die glücklichsten Kinder.
Die Süssigkeiten durften wir noch nicht essen, denn vorerst gabs ein feines Nachtessen mit wirklichen Spezialitäten wie Schillerlocken und Hühnchen, die mein Vater jeweilen auf dem Heimweg von seiner Arbeit im Globus erstand. Als wir dann etwas älter wurden, besuchten wir um 22 Uhr den Weihnachtsgottesdienst in der Peterskirche, denn dort war mein Vater im Kirchenrat und half beim Verteilen des Abendmahls.
Die Tage darauf waren jedes Jahr fix eingeplant. Am Weihnachtstag waren wir beim Tante Louisli in St. Louis eingeladen, wo es immer Königinnen-Pastetli mit echtem Hühnchenfleisch gab. Ein wunderbares Essen, das ich nie vergessen werde. Aber einmal kam es zu einer Panne: Onkel Louis hatte die Blätterteig-Pastetchen beim Bäcker vergessen. Es gab nur Füllung mit Salat.
Am Stephanstag war der obligatorische Fernsehtag bei den Allschwilern. Wir selber hatten noch keinen Fernseher, aber einmal im Jahr wollte sich unser Vater den Spengler-Cup im Eishockey anschauen.
|Verschiedene Bilder aus dem 1945|
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|Meccano- und Matador-Baukasten|
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Meccano-Metallbaukasten

Matador-Holzbaukasten
Die Feste in meinem Elternhaus waren dem Gesetz des Masshaltens unterworfen. Zwar bekam ich schon mit 11 Jahren ein Herren-Fahrrad geschenkt, aber da handelte es sich um einen Gelegenheitskauf uns ich brauchte dieses Rad, um ins Hum. Gymnasium auf dem Münsterplatz zu gelangen. Es war gebraucht. Den Rost auf den Felgen musste ich jährlich mit Silberbronce übermalen.
Das nächst grössere Geschenk, eine Herren-Armbanduhr von Mido, erhielt ich von meinen beiden Paten zur Konfirmation. Einen eigenen Röhrenradio mit UKW, MW und LW von NordMende war das Konfirmations-Geschenk meiner Eltern. Apropos Geschenke. Diese waren aus obgenanten Gründen rar. Meistens legte ich die Geschenke für Weihnachten und Geburtstag zusammen. So kam ich über Jahre verteilt zu einer kleinen Märklin-HO-Eisenbahn.
Mein Vater war handwerklich geübt und mein Grossvater und Götti Gusti sogar aus dem Schreiner-Fach. So erhielt ich, um meine Fingerfertigkeiten zu verbessern, einen Meccano-Metallbaukasten und einen Matador-Holz-Baukasten. Mit beiden habe ich unzählige Stunden verbracht. Ich baute Kranen für die Beladung der Eisenbahn, baute Lastwagen und Häuser.
Sehr gut erinnere ich mich an meine Laubsäge-Fertigkeiten, mit dem ich feines Sperrholz aussägen konnte. Als ich schon etwas älter war, so um die 13-14 erhielt ich ein Segelflugzeug, das ich aus leichtem Balsa-und Sperrholz aussägen und zusammenleimen musste. Das Modell habe ich dann mit Papier überklebt und mit Gummi-Arabicum überstrichen. Das Basteln war sehr aufregend, die Flugversuche eher ernüchternd, denn ein Segelflugzeug von etwa 80cm Spannweite musste mit Anlauf springend in die Luft geschleudert werden. Schon bald war mein Interesse erloschen.
Von meiner Patin Gotte Nina erhielt ich zu meinem Aerger auf Weihnachten und Geburtstag immer ein mit meinem Namen eingrafiertes Silberbesteck (vom Besteck Georg) und von meiner Stief-Grossmutter väterlichseits eine dunkle Schockolade. Ich mochte Schockolade sehr, aber niemals eine Koch-Schokolade, wie ich die dunklen nannte. Da meine Eltern Verständnis hatten, tauschte sie meine Mutter gegen Milchschockolade ein. Sie konnte sie zum Kuchen backen gebrauchen.
Was sonst auf den Gabentisch kam, sei es zum Geburtstag, sei es zu Weihnachten, waren meist "praktische" Sachen, die ohnehin gekauft werden mussten: Pullover, Hemden, selber gestrickte Wollen-Socken.
|Maxli 1950: 7-8 Jahre alt|
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Autobiografie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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