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Die historischen Wassernutzungen aus der Zeit vor der grossen Industrialisierung haben erfahrungsgemäss etwas Faszinierendes an sich. Bekannte Zeugen sind Mühlen und Hammerschmieden oder historische Brunnen hinter denen oft mythische Quellen stehen, sowie alte Bewässerungsanlagen. Ein Kennzeichen dieser historischen Wassernutzungen ist deren Verflechtung untereinander. So wurden die gleichen Wasser oft zum Beispiel für den Betrieb von Wasserkraftanlagen und anschliessend zur Bewässerung eingesetzt. Während die technischen Elemente wie historische Wasserkraftanlagen gut dokumentiert sind, fehlte bis 2012 eine umfassende, synthetische und vergleichende Dokumentation für die historische europäische Bewässerung. Der rasche Zerfall der Traditionellen Bewässerungssysteme in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts liess nur noch wenige intakte oder noch rehabilitierbare historische Bewässerungslandschaften übrig. Es liefen deshalb ab ca. 2012 Bemühungen an, den Kern dieser noch bestehenden Bewässerungsanlagen, die weitere Wassernutzungen beinhalten können, als ein Kulturerbe für Europa zu bewahren.
Das kulturelle Erbe der «Traditionellen Bewässerung» in Europa
Unter Traditioneller Bewässerung wird die Bewässerung in Technik und Organisation verstanden wie sie vor der Einführung moderner Techniken wie Sprinkler oder Tröpfchenbewässerung und der Aufgabe der alten Organisationsstrukturen (Genossenschaften, Gemeindewesen) in Europa betrieben wurde. Die Traditionelle Bewässerung als alte landwirtschaftliche Nutzungsform hat aus ökonomischer Sicht weitgehend ausgedient. Hingegen stellen die letzten Bewässerungssysteme ein wertvolles Kulturerbe einer vergehenden landwirtschaftlichen Nutzungsform dar, die über ganz Europa verbreitet war. Es gilt diese jetzt im Rahmen von Kulturerben (national bis Weltkulturerbe) unter Schutz zu stellen und ganz oder teilweise zu erhalten.
Ganzheitliche Erhaltung dank immateriellem Kulturerbe
Parallel dazu sollte im Interesse der ganzheitlichen Erhaltung dieser Kulturlandschaftsdenkmäler auch die dazugehörige Überlieferung - das damit verbundene «alte Wissen» - als immaterielles Kulturerbe geschützt werden. Das geschieht am besten im Rahmen eines europäischen Netzwerks der aktiven Bewässerungsgebiete bzw. Gemeinschaften rund um die traditionelle Bewässerung (siehe Europäischer Beirat). Wichtig ist der Prozess vom Erkennen der Gefährdung der verbleibenden Elemente traditioneller Bewässerung über die Inventarisierung und Dokumentation zwecks Erhalt und teilweiser Wiederinbetriebnahme der Wassersysteme.
Buchbände Traditionelle Bewässerung – Band 1 und 2
2016 erschienen die beiden umfassenden Buchbände «Traditionelle Bewässerung – ein Kulturerbe Europas», Band 1 mit den Grundlagen und Band 2 mit der regionalen Dokumentation. Sehr eindrücklich und lesenswert!
Traditionelle Bewässerung – ein Kulturerbe Europas. Christian Leibundgut und Ingeborg Vonderstrass
Band 1: ISBN 978-3-905817-74-4
Band 2: ISBN: 978-3-905817-75-1
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21 Objekte von besonderer Schutzwürdigkeit
In Europa sind aktuell über 60 potenzielle Gebiete oder Objekte schutzwürdiger Traditioneller Bewässerungssysteme in folgenden Ländern bekannt und dokumentiert: Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, England, Niederlande, Schweiz, Österreich, Rumänien, Deutschland, Schweden und Norwegen (vgl. Karte unten). Die Vielfalt der Europäischen Bewässerungssysteme ist damit gut abgedeckt. Von diesen potentiellen Objekten sind 21 Objekte von besonderer Schutzwürdigkeit. In diesen Gebieten sind Rehabilitationsprojekte bereits in Planung oder verwirklicht. Einige stehen bereits unter regionalem Schutz. Diese Gebiete stellen den Kern des Netzwerkes dar und werden entsprechend bearbeitet. Hier finden Sie die Übersicht der lokalen Trägerschaften (1. Staffel).
Übersichtskarte zur Traditionellen Bewässerung in Europa nach Leibundgut & Vonderstrass 2016*,
zum Verzeichnis der einzelnen nummerierten Bewässerungsvorkommen/-gebiete