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Das Promotionsprojekt untersucht die Nutzung, Speicherung und Generierung textiler Wissensbestände im Bereich der Designprozesse in der Zürcher Seidenindustrie. Im Zentrum dieser Abläufe stand die steingewordene Textilfabrik, die um 1880 das dezentrale Verlagssystem definitiv abzulösen begonnen hatte. Von modernen Büroräumlichkeiten aus wurden eine Vielzahl von Personen gesteuert und mobilisiert, ökonomische und modische Überlegungen angestellt und realisiert sowie administrative und webtechnische Praktiken und Neuerungen ausprobiert, angewandt und geprägt. Das materielle Sediment dieser Prozesse fand sukzessive den Weg in die firmeneigenen Ablagesysteme: Korrespondenzen und Auftragsbücher, Musterbücher, Fachzeitschriften, technische Anleitungen, Stoff- und Garnproben, Webpatronen und Lochkarten.
Relevanz erlangte dieses Sediment, so die Arbeitshypothese, im Rahmen der wirtschaftlichen Depression 1870-1890. Hatte die Schweizer Seidenindustrie zuvor durch den Verkauf der Zürcher Stapelartikel, sog. glatter Taftgewebe, ein nie gesehenes Wachstum verzeichnen können, kamen diese mitten in der ökonomischen Krise aus der Mode. Die Produktion der nun gefragten Faille-, Satin-, Jacquard- und Samtstoffe war sowohl technisch als auch wissensbedingt eine Herausforderung: Auf den leichten Zürcher Webstühlen konnten diese Gewebe nicht hergestellt werden und die Produktion von Samt beispielsweise erforderte Wissen, das aufgrund der jahrzehntelang geübten Monokultur schlicht nicht vorhanden war. Angesichts dieser Problemlage erfuhr das in den Ablagesystemen gespeicherte Wissen eine Neubewertung und wurde aktiv zu erweitern versucht.
Design, also alle Entscheidungen und Prozesse, die mit dem Aussehen und der Haptik der Stoffe zu tun hatten, rückte verstärkt in den Vordergrund. Wie sich dieser Wandel im Zuge der Krisenbewältigung vollzog, wird in einem perspektivischen Zweischritt untersucht. Auf Ebene der einzelnen Firmen richtet sich der Blick auf die Produktions- und Designnetzwerke, auf Branchenebene werden die Professionalisierungs- und Institutionalisierungstendenzen analysiert. Dadurch werden die kurzfristigen, firmenspezifischen Veränderungen den langfristigen, strukturellen gegenübergestellt und so ein mehrdimensionales Bild des Wandels ermöglicht.