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Wie vor einigen Tagen versprochen erläutere ich gerne näher, wie ich die zwei wichtigsten Eigenschaften einer guten Disposition (Gliederung) verstehe. Heute geht es zunächst um die ersten der beiden genannten Qualitäten: Einfachheit.
Es gibt viele Möglichkeiten, im Umgang mit Sprache kreativ zu sein. Die Gliederung eines Textes gehört jedoch nicht dazu. Hier halte ich es gerne sehr einfach. Und der Grund dafür ist ebenfalls einfach: Eine komplexe Gliederung kann leicht dazu führen, dass Leser oder Zuhörer die Übersicht und damit den roten Faden verlieren. In der frei vorgetragenen Rede erhöht sie zudem dasselbe Risiko für den Redner.
Wie aber baut man eine einfache Disposition? Ich möchte das an einigen Beispielen zeigen:
Die unspektakulärste Variante ist eine einfache Dreigliederung:
- Einführung
- Hauptteil
- Schluss
Kann man das schon eine Disposition nennen? Natürlich. Wer gewohnt ist, seine Ausführungen (schriftlich oder mündlich) mit Hilfe dieser drei Bestandteile zu ordnen, trägt bereits viel dazu bei, dass Zuhörer und Leser leichter folgen können. In der Einführung lege ich den Grund, führe ins Thema ein, wecke Interesse für meine Botschaft. Im Hauptteil führe ich meine Gedanken aus. Der Schluss bietet eine knappe Zusammenfassung und vielleicht einige Ansätze zum Weiterdenken.
Die klassische Rhetorik bietet – angelehnt an die Gerichtsrede – ein viergliedriges Grundschema (in Klammern die rhetorischen Fachbegriffe):
- Einführung (exordium)
- Die Schilderung des Sachverhaltes (narratio)
- Argumentation und Beweisführung (argumentatio)
- Schluss (perlocutio)
Hier wird der Hauptteil aufgeteilt, wobei in einer ersten Phase die Sachlage geschildert und in einer zweiten die eigene Meinung zu dieser Sachlage begründet wird. Dieses simple Schema kann zum Beispiel in der Vorbereitung einer Überzeugungsrede hilfreich sein, indem sie mir hilft, zwischen der Beschreibung des Zustandes und meinen Argumenten zu unterscheiden. Das ist nämlich nicht dasselbe.
Für Texte, die überzeugen wollen, kann auch folgendes ebenfalls sehr simple Schema hilfreich sein:
- Einführung
- Wie es war.
- Wie es heute ist.
- Wie es werden soll.
- Schluss
Stellen wir uns hier zum Beispiel ein Plädoyer für den Bau eines Spielplatzes in der Wohnsiedlung vor. Wie es war: Früher hatten Kinder viel Platz zum Spielen, weil noch viel weniger Autos unterwegs und die Gegend nicht so zugebaut war. Wie es ist: Kinder haben wegen des Verkehrs und fehlender Grünflächen kaum mehr die Möglichkeit, draussen zu spielen. Wie es werden soll: Ein grosszügig gestalteter Spielplatz bietet den dringend benötigten Raum, dass Kinder auch im Freien unbeschwert und durch den Verkehr nicht gefährdet spielen können.
Ich spreche mich auch deshalb so stark für einfache Gliederungen aus, weil ich ein radikaler Verfechter der freien Rede bin – kein Manuskript, keine Notizkarten. Beim Einprägen der Rede leistet eine einfache Gliederung unschätzbare Dienste. Ein Redner, der die Gliederung seiner Ausführungen ständig vor dem inneren Auge hat, behält den Überblick und folgt beim Sprechen dem roten Faden (und nicht etwa dem Wortlaut). Eine solche Orientierung am roten Faden erlaubt grössere Freiheit und Flexibilität, so dass zum Beispiel ein spontan zugefallenes Argument oder eine illustrierende Geschichte eingebaut werden können.
Praktische Rhetorikbücher bieten übrigens in der Regel einen Katalog an Dispositionen für verschiedene Redeanlässe. Solche Vorschläge orientieren sich vielleicht nicht immer an der Qualität der Einfachheit, können aber dennoch helfen, ein Gespür für das Erstellen von Gliederungen zu entwickeln – dafür, wie einfach man es sich hier machen kann.