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Weiter Rheinabwärts steht da, wo die Biber in den Rhein fliesst, die Bibermühle.
Erstmals im Jahr 1093 in den Urkunden als «Biberach» erwähnt, war die Bibermühle Sitz der Obervögte. Im Jahr 1475 erwarb die Stadt Stein am Rhein vom Freiherrn Johann von Klingenberg die Burg Hohenklingen, 1539 die Dörfer Hemishofen, Ramsen und auch die Bibermühle. Um die Schulden des «Nationalbahnkrach» abzuzahlen, musste sie die Bibermühle und andere Besitzungen um 1900 an Bauern veräussern. Seither ist sie Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.
Der neuzeitliche Herrensitz, der Bibermühle vorgelagert, ist erst im Jahre 1918 entstanden. Albert Sulzer aus Winterthur erwarb die Liegenschaft Bibermühle und wandelte die Gebäude der einstigen Mühle und Schnaps-brennerei in ein repräsentatives Landhaus um.
1992 erwarb Heribert Tenschert die Liegenschaft mit der ehemaligen
Sulzer Villa und führt dort seitdem ein renommiertes Buch-Antiquariat.
Die Stromstrecke vom Staffelwald bis hinauf nach Hemishofen gehört zu den unverdorbensten Partien des Rheinufers. Die Einmündung der Biber, die im Hegau entspringt, abwechselnd bald Schaffhauser bald deutschen Boden berührt und schliesslich durch den Ramser Zipfel fliesst, ist von weitem an ihrem busch- und baumbestandenen Ufer erkennbar.
Auf einer niederen Terrasse am Rheinufer erhebt sich ein herrschaftliches Gebäude mit Giebeltreppe, das als «Biberach» erstmals 1093 in den Urkunden erwähnt wird. Heutzutage wird die Bezeichnung «Bibermühle» verwendet. Schon zu jener Zeit soll dort eine Mühle gestanden haben. Aus alten Zinsrodeln des 14. Jahrhunderts geht hervor, dass damals Familien namens Genner und Stehenli die Güter bewirtschafteten. Durch eine Art Kaufvertrag erwarb sich 1529 Caspar von Klingenberg einen Teil des dortigen Meierhofs und wurde somit alleiniger Besitzer der Güter zu Bibern.
Reinhard Frauenfelder schreibt im zweiten Band seiner «Kunstdenkmäler des Kantons Schaffhausen»: «Das spätgotische Haupthaus steht in der Längsachse parallel zum Rhein. In allen vier Ecken sind kräftige, zum Teil gebuckelte Sandquader eingesetzt. Auf der nördlichen Längsseite befindet sich der rundbogige, stark gekehlte Haupteingang. Im Scheitel desselben ist die Jahreszahl 1529 in gotischen Ziffern eingemeisselt. Das zweite Obergeschoss besteht aus Fachwerk. In einem Zwischenfeld desselben sind zwei Steiner Schilder, überhöht vom gekrönten Reichsadler, aufgemalt. Nur die westliche der beiden Schmalseiten besitzt noch den Treppengiebel. Auf der südlichen Längsseite tritt das zweite Obergeschoss im Fachwerk etwas vor. Die hier freigelassene Mauerfläche ist mit einer grossen Freskomalerei ausgefüllt.» Soviel – etwas abgekürzt – über das Äussere.
Zum Inneren des markanten Haupthauses bemerkt Frauenfelder, «…dass es nicht mehr die noble Schönheit aufweise wie früher. Eine Kapelle, die einst das Erdgeschoss des Ostteils auffüllte, ist leider verschwunden. Wuchtig ist der mit einer grossen Tonne überwölbte Keller, der einen in Richtung Nord-Süd verlaufenden Stollen bildet. Das Prunkstück ist oder war im zweiten Obergeschoss ein saalartiger Raum mit einer spätgotischen Holzdecke, getragen von einer Mittelstütze.»
Die Wappen auf der Fassade weisen also auf ein Besitztum der Stadt Stein am Rhein hin, obwohl die Bibermühle auf dem Gemeindebann von Ramsen liegt. In der Tat erinnert das Herrschaftshaus an die Epoche, da die stolze Reichsstadt einen erstaunlichen Aufschwung nahm und über ihre Mauern hinausgriff. Im Jahre 1475 erwarben die Steiner vom Freiherrn Johann von Klingenberg die Burg Hohenklingen, Vorderbrugg und das Dorf Hemishofen, 1539 Ramsen und den Hof Bibern (Biberach)
Man legte damals das Geld nicht auf die Bank, weil es noch keine gab, sondern erwarb Sachwerte, die niedere Gerichtsbarkeit als Einnahmequelle, einen bäuerlichen Marktraum zur Versorgung der Stadtbürger und als Absatzgebiet für die Gewerbeprodukte. Der Herrschaftssitz Bibern mit seinen Scheunen und Ställen ist ein Zeugnis dieser klugen Politik. Die Steiner bauten das Hofgut aus und setzten einen Obervogt darein als Verwalter des kleinen Territoriums.
Bewegte Zeiten erlebte der Sitz der Obervögte während des Dreissigjährigen Krieges, als die Schweden und die hungrigen Besetzer der Festung Hohentwiel die Einmündung der Biber als Versteck für den Überfall auf Kauffahrteischiffen benutzten, was den Herren von Stein viel Ärger und Sorgen bereitete.
Neben der Mühle wurden eine Sägerei und im 18. Jahrhundert auch eine Hammerschmiede sowie eine Stampfe für die Lederherstellung betrieben.
Das Abenteuer des Nationalbahnbaus, der den Finanzhaushalt der Stadt Stein am Rhein erschütterte, zwang sie zum Ausverkauf. Um die Schulden des «Nationalbahnkrach» abzuzahlen, mussten sie die Bibermühle und andere Besitzungen um 1880 an Bauern veräussern.
1890 erwarb Theodor Ruh von Wilen, der amtierende Gemeindepräsident von Ramsen, das Gut Bibern mit Mühle, Sägerei und Schnapsbrennerei. Um all den Aufgaben gerecht zu werden, musste er einen Müller einstellen. Der letzte Müller war ein Mann namens Kollöffel, dessen Nachkommen noch heute in Ramsen leben. Auch für die Brennerei war eigens ein Mann zuständig. 1911 musste Theodor Ruh die Besitztümer der zeitlichen Belastung wegen veräussern. So kamen circa 15 Jucharten Land zu Fr. 35’000.– in die Hand von Graf, zum Pelikan Stein am Rhein.
Aber der in allen Landen tätige «Zahn der Zeit» nagte gefrässig an den Stürmen und der Witterung ausgesetzten Gebäuden. Es ist vor allem dem Heimatschutz, der Gemeinde Ramsen und der Stadt Stein am Rhein zu danken, dass im Jahr 1962 eine gründliche Restauration vorgenommen werden konnte, wobei sich der damalige Schaffhauser Kantonsbaumeister Adolf Kraft und der Thurgauer Denkmalpfleger Albert Knöpfli besondere Verdienste erworben haben. Getreu seinem historischen Charakter und seiner Bedeutung wurde der einstige Sitz der Obervögte wiederhergestellt und steht heute als Baudenkmal und kultureller Akzent in der grossartigen Landschaft am Rheinufer.
Der neuzeitliche Herrensitz, der Bibermühle vorgelagert, ist erst im Jahre 1918 entstanden. Albert Sulzer aus Winterthur erwarb die Liegenschaft Bibermühle und wandelte die Gebäude der einstigen Mühle und Schnapsbrennerei in ein repräsentatives Landhaus um, wobei ein aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammender Anbau mit Mansardendach einbezogen wurde, der so den Architekturstil des Neubaus prägte.
1992 erwarb Heribert Tenschert die Liegenschaft mit der ehemaligen Sulzer Villa und führt dort seitdem ein renommiertes Buch-Antiquariat.
Quelle: Kurt Bächtold: «Die Bibermühle – einst Sitz der Obervögte» Schaffhauser Magazin 2/87