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Murder, My Sweet
Film von Edward Dmytryk mit Dick Powell (Philip Marlowe), Claire Trevor (Velma), Anne Shirley (Ann), Mike Mazurski (Moose Malloy), Otto Kruger (Amthor), Miles Mander (Mr. Grayle) u.a.
US 1944, 35mm, OV/d, 95’
Der Privatdetektiv Philip Marlowe sitzt auf der Polizeiwache, er wird des Mordes verdächtigt. Marlowe bestreitet dies und rollt die Geschehnisse von hinten auf: Alles begann mit einem Exsträfling, der ihn mit der Suche nach seiner verschwundenen Geliebten beauftragte – bald steckte Marlowe mitten in kriminellen Machenschaften ungeahnter Dimensionen.
Zwei Jahre bevor die ersten Krimis als Films noirs bezeichnet wurden, vereint «Murder, My Sweet» zahlreiche Elemente, die sich in der Folge als Noir-Stereotype etablieren sollten. Als im Sommer 1946 erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder amerikanische Filme in den französischen Kinos zu sehen waren, fasste der Filmkritiker Nino Frank eine Gruppe von Filmen aus den 1940er-Jahren als «Films noirs» zusammen, die Gemeinsamkeiten aufweisen und für Frank eine neue Art von amerikanischen Filmen war. Neben Billy Wilders berühmten Film «Double Indemnity» oder John Hustons «The Maltese Falcon», der ebenfalls Teil dieser Filmreihe ist, schreibt Frank unter anderem auch Dmytryks «Murder, My Sweet» diesem Phänomen zu, der beinahe die ganze Pallette von stilistischen Elementen bietet, die einen klassischen Film noir ausmachen können.
«‹Murder, My Sweet› ist ein Klassiker des Noir-Genres gewissermassen in seiner »Urform«. Entstanden, bevor der Begriff weltweite Gültigkeit erhielt, besitzt der Film noch keine der selbstironischen Bezüge, Übertreibungen und Ausschmückungen, die mit dem Label »noir« erst möglich wurden. Auch hält sich ‹Murder, My Sweet›eng an seine literarische Vorlage, Raymond Chandlers ‹Farewell, My Lovely›. Nicht nur, dass Marlowes Stimme aus dem Off meist den originalen Chandler-Text spricht, die Art und Weise des Redens prägt den Film genauso wie die expressive Lichtsetzung und das geheimnisvolle Mäandern des Plots. Das besondere Vergnügen des Films besteht darin, dass man in der Darstellung von Dick Powell einen Philipp Marlowe erleben kann, bevor Humphrey Bogart die Figur nachhaltig prägte. Wie bei Chandler angelegt, ist auch Powells Marlowe ein zynischer Vieltrinker, hart im Nehmen und nie um eine spitze Bemerkung verlegen. Wie bei Bogart lässt sich auch bei ihm unter der Oberfläche des Hartgesottenen der Idealist entdecken, der immun ist gegen die Koketterie der »fatalen Frauen« und eine bodenständige Vorliebe für die weniger glamourösen, aber klugen Mädchen hegt. Im Unterschied zu Bogart aber gibt Dick Powell seinem Marlowe ein klares und durch keinerlei Eitelkeiten verstelltes Bewusstsein für die Haltlosigkeit seiner Existenz und die eigene körperliche Schwäche.» (Barbara Schweizerhof, «Mord, mein Liebling», in: Norbert Grob (Hg.), «Filmgenres: Film noir», Philipp Reclam jun., Stuttgart 2008)