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ALGORITHMEN. Während der letzten Jahre haben zahlreiche Finanzdienstleister strukturierte Produkte emittiert, die auf algorithmischen Handelsstrategien beruhen. Dies bedeutet, dass bei diesen Produkten die Anlageentscheidungen nicht auf diskretionärer Basis erfolgen, sondern innerhalb eines vorgegebenen Regelwerks. Dadurch sind diese Investmentstrategien sehr transparent. Solche Produkte nehmen für sich in Anspruch, dem Investor attraktive und konsistent hohe Renditen mit einer niedrigen Volatilität zu bieten. Folglich sind die Sharpe Ratios entsprechend beeindruckend.
Die neuerlichen Turbulenzen am Kapitalmarkt zeigen vereinzelt, dass auch gut etablierte, automatisierte Handelsstrategien gegenüber grossen Einbrüchen nicht völlig immun sind. Bedeutet dies nun, dass solche Strategien keine echte Alternative mehr darstellen oder gar ihre Daseinsberechtigung verloren haben? Algorithmus-Strategien können zwar nach wie vor einen konstruktiven Beitrag zur Performance eines Portfolios leisten, jedoch muss der Investor sorgfältig prüfen, wie die Strategie umgesetzt wird und welche Kontrollmechanismen bestehen. Diese Mechanismen sollen gewährleisten, dass die Risiken, welche die Strategie mit sich bringen, professionell gemanagt werden. Investoren sind gut beraten, den Verkaufsprospekt genau zu studieren und weitere Informationen einzuholen.
Die sechs zentralen Punkte
Einige Aspekte sind dabei besonders zu beachten: Erstens kann die vergangene Performance trügerisch sein, auch oder gerade wenn sie besonders spektakulär erscheint. Die in der Verkaufsbroschüre dargestellte historische Performance beruht üblicherweise auf weit zurückreichenden Zeitreihen. Dies kann zum klassischen Problem eines Overfit der Testdaten führen, was jedoch nicht verhindert, dass das Modell nach dem Starttag die Erwartungen nicht erfüllt. Fachleute bezeichnen dieses Phänomen auch als Modell-Müdigkeit (aus dem Englischen «model fatigue»). Darum sollte der Investor das Marktumfeld während der Zeitperiode, aus der die Daten stammen, genau prüfen. Bot die Strategie wirklich einen zusätzlichen Mehrwert – oder erwies sie sich als Trittbrettfahrerin bei allgemein steigenden Märkten? Gelten die wirtschaftlichen Bedingungen, die zu einer positiven Performance der Strategie führten, auch in Zukunft?Zweitens kann es gefährlich sein, in Long-Only-Strategien einzusteigen, wenn man nicht absolut davon überzeugt ist, dass das Aufwärtsmomentum der Strategie andauern wird. Long-Only-Strategien kommen nur dann in Frage, wenn der Investor bereit ist, nach einer Periode des Einbruchs auf die Erholung zu warten.Als dritter Punkt sollte der Anlagehorizont des Käufers mit jenem der Strategie übereinstimmen. Strategien können gut dokumentierte und beständige Marktanomalien erfassen und trotzdem unter Korrekturen leiden. Daher muss der Investor bereit sein, diese Korrekturen auszusitzen, um von der Strategie langfristig profitieren zu können. Dies wiederum hängt davon ab, wie lange solche Kurseinbrüche dauern und welche Resultate die Strategie nach einer solchen Korrektur liefert.Viertens sollte der Investor darauf achten, dass die Strategie Vorkehrungen beinhaltet, die das Kapital des Investors weitgehend vor Verlusten schützen. Eine Möglichkeit wäre, bei guter Performance auf periodischer Basis Profite aus der Strategie abzuschöpfen und diese als Reserve anzusammeln oder aber als Coupon auszuzahlen. Im Weiteren sollte der Investor Wert darauf legen, wie oft eine Strategie überwacht oder neu balanciert wird.Fünftens sind Aussagen zu Korrelationen mit Vorsicht zu geniessen. Ein wichtiges Verkaufsargument kann sein, dass zwischen der Strategie und wichtigen Marktindikatoren kaum eine Korrelation besteht. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Strategie dieselben Höchst- und Tiefststände wie ein breiter Marktindex haben wird, denn Ziel jeder Strategie ist es, Extremwerte zu glätten. Dies kann durch anpassen der einzelnen Parameter erreicht werden, die der Strategie zugrunde liegen. Als Folge davon bewegt sich die Performancekurve meistens von der linken unteren Ecke einer Grafik zur oberen rechten Ecke, und zwar oft in einem geschmeidigen Verlauf. Investoren sollten Manager von Strategien bewusst herausfordern und sich aufzeigen lassen, wie eine Strategie bei verschiedenen Krisenszenarien reagiert. Dabei kann der Monat August 2007 als ein Monat mit schwierigem Marktumfeld für die Analyse als Vergleichsbasis dienen. Wie man beim Fall LTCM herausfand, kann es vorkommen, dass aus niedrigen Korrelationen in stabilen Märkten sehr hohe, positive Korrelationen in turbulenten Märkten werden.Zu guter Letzt dürfen sich Investoren nicht von komplizierten, mathematischen Ausdrücken und Erfolgsszenarien blenden lassen. Denn es besteht das Risiko des Over-Fitting einer Strategie. Mean-Variance-Optimierung hört sich gut an, hat aber viele Nachteile. Die Häufigkeit und der genaue Zeitpunkt der Rebalancierung von Strategien sind sehr wichtig. Die genannten sechs Punkte bilden eine gute Basis für das Gespräch mit dem Vermögensberater, bevor strukturierte Produkte mit Algorithmus-Strategien gekauft werden. Auch wenn kritische Fragen angebracht sind, gibt es im Markt viele Strategien, die gute, wiederkehrende Renditen erwirtschaften und daher absolut Teil eines diversifizierten Portfolios sein dürfen. Wichtig ist aber, dass sich Investoren nicht davor scheuen, vom Anbieter solcher Produkte umfassende Informationen einzufordern, um die Dynamik der zugrunde liegenden Strategie vollumfänglich zu verstehen. Die Strategie muss immer den Investitionszielen des Interessenten entsprechen und dieser muss sich über die Risiken und Nachteile der Strategie im Klaren sein. Auf Algorithmen basierende automatisierte Handelsstrategien können sehr attraktive Renditen liefern, aber wie alle Modelle sind sie nicht zu jeder Zeit perfekt.
Sharpe Ratio
Mean-Variance-Optimierung