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Es muss kalt gewesen sein an jenem Morgen im Januar 2009 in Washington D.C. Auf der Treppe vor dem Lincoln Memorial steht ein Gospelchor in roten Gewändern. Vor ihnen eine Figur in Winterjacke, einsam mit einer akustischen Gitarre vor einem riesigen Publikum.
Es ist Bruce Springsteen. Er singt «The Rising», das Lied vom Feuerwehrmann, der am 11. September an einem Wolkenkratzer hochklettert, um Leben zu retten. Eine bewegende Performance zur Inauguration des 44. US-Präsidenten Barack Obama.
Obama und der Boss
Später im Jahr wird der Kennedy-Preis verliehen. Er geht an darstellende Künstler für ihre Beiträge zur amerikanischen Kultur. Der Geehrte darf nicht selbst auftreten, weshalb man den etwas verloren wirkenden Springsteen in der Präsidenten-Loge sitzen sieht – neben den Obamas. Auf der Bühne singt Sting «The Rising», Link öffnet in einem neuen Fenster, ebenfalls mit Gospelchor.
Der Auftritt ist mitreissend, der Saal bebt, das Publikum steht auf. Bis auf Springsteen, der dann von der Präsidentengattin gezeigt bekommt, es sei nun an ihm, sich zu erheben.
Eine kleine, intime Geste, die Freundschaft anzeigt zwischen dem Präsidenten, dessen Gattin und dem Rock 'n' Roller. In Anlehnung an Springsteens Spitznamen sagte Obama: «Ich bin der Präsident, aber er ist der Boss».
Präsident im «Rolling Stone»
Ein solches Bonmot ist medienwirksam formuliert. Es zeigt, dass den US-amerikanischen Präsidenten die Popularität gewisser Vertreterinnen der Pop-Kultur bewusst ist. Es könnte sich lohnen, jenes Alterssegment anzupeilen, in dem die Künstler populär sind. Noch besser ist es, wenn Künstler wie Springsteen generationenübergreifend beliebt sind.
Manch ein Musiker machte denn auch keinen Hehl aus der eigenen politischen Meinung – von Sinatra bis Springsteen. Handkehrum sind die obersten Männer auch mit dieser Kultur aufgewachsen und sind selbst Fans. Ein Beispiel ist der Saxofon-spielende Bill Clinton, der es als erster Präsident auf das Cover der Rock-Zeitung «Rolling Stone» schaffte.
Immer wieder suchen die mächtigsten Männer des Riesenlandes die Nähe zu den Künstlern, verwenden ihre Lieder bei Wahlkampfauftritten oder bauen ihre Slogans in Reden ein.
Nixon und der King
Manchmal passt das, manchmal aber ist die Begegnung zwischen dem rebellischen Rock 'n' Roll und der höchsten Staatsmacht schwierig.
So ist ein seltsames Meeting zwischen Richard Nixon und Elvis Presley überliefert: Elvis lud sich selbst ins Weisse Haus ein, um in irgendeiner Funktion gegen den Drogenmissbrauch zu kämpfen. Nixon, der wegen des Vietnam-Kriegs bei der Jugend unpopulär war, wurde empfohlen, den Star zu empfangen.
So stehen sie auf den Fotos: Elvis mit dem Grinsen eines Mannes, der weit mehr über Drogen weiss, als er zugeben möchte und Nixon mit einer Miene, als habe er immer noch nicht verstanden, wem er gerade die Hand schüttelt.
Auch Donald Trump versuchte immer wieder, populäre Figuren des Showbusiness auf seine Seite zu ziehen. Es gelang so gut wie nie: Kaum einer will für ihn auftreten, keiner will Songs für seinen Wahlkampf zur Verfügung stellen.
Barack Obama bekundete nie solche Mühe. Die Playlist mit seiner Lieblingsmusik sind bis heute legendär, ebenso die Konzertabende im Weissen Haus.
An einem von diesen bekam Obama von Mick Jagger das Mikrofon zugesteckt und sang ein paar Zeilen der Blueshymne «Sweet Home Chicago», begleitet von BB King, Buddy Guy und Jeff Beck. Weiter hat es kein singender Präsident je gebracht.