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Nicolas Bouviers Allaman
«Im übrigen erinnert mich dieser Bahnhof an einen anderen, an einen in der Waadt (in der Schweiz), wo ich, sechs oder sieben Jahre alt, oft mit baumelnden Beinen und die Hände in den Fäustlingen gedöst habe, während ich auf den Milchzug gewartet habe. 'Aber bitte!' wird man mich fragen. 'Dieser verhangene Polarhimmel, diese Hollebene, diese Entfernung, diese Krähen... warum ausgerechnet die Waadt?' Wegen des Lichts dieser Milchglaslampe mit dem Zuggewicht, die zu hoch über dem Tisch hängt, der Art, wie die fest verschnürten braunen Pakete sich hinter dem Fahrkartenschalter stapeln, des Geräusches der dicken, runden Pendeluhr, deren Sekunden so breit sind wie ein Stift...»
Der Genfer Reiseschriftsteller, Journalist und Fotograf Nicolas Bouvier (1929-1998) ist im äussersten Norden Japans unterwegs, auf der Insel Hokkaido. Zunächst sitzt er in einem Eisenbahnwagen, dessen grob gehobelte Latten noch Harz ausschwitzen, «und es würde mich nicht wundern, wenn dieser wilde Zug, dank einer gefälligen Weiche wiehernd in den Wald zurückgaloppiert, dem er entsprossen ist.» In einem eisigen Wartesaal an der Küste nimmt die Reise ein vorläufiges Ende. Der Schaffner zählt die Tageseinnahmen auf einem Rechenbrett zusammen, knabbert dabei Haselnüsse, von Zeit zu Zeit «unterbricht er die Zählerei, um mit den Fersen eine alte Suntory-Whisky-Kiste zu zertrümmern und einen kleinen Ofen zu stopfen.» Drinnen ist alles in «Rohzuckerlicht» getaucht, draussen regnet es Bindfäden. Und dann das Déjà-vu, das unser Zitat schildert. Eine schöneres Beispiel und eine treffendere Erklärung für eine Gedankenreise ist nicht leicht zu finden! Denn es sind vermeintliche Kleinigkeiten, «die dazu führen, dass Orte, die nichts miteinander gemein haben, plötzlich in einer halluzinierenden und ganz neuen Logik in Resonanz treten.» Mit seinen Reisebeschreibungen erlangte Bouvier Kultstatus – unter anderem reiste er 1953 mit einem Fiat Topolino von Genf über Jugoslawien, die Türkei, den Iran und Pakistan bis nach Kabul. (BP)
Die kleine Waadtländer Gemeinde Allaman (knapp vierhundert Einwohner) liegt am Genfersee, mitten im Weinbaugebiet. Bereits 1858 erhielt das Dorf eine Haltestelle an der Eisenbahnlinie Lausanne-Genf. Sehenswert sind das Schloss d'Allaman, das im Lauf der Jahrhunderte in unterschiedlichen Stilen mehrfach umgebaut wurde, aber dennoch ein harmonisches und majestätisches Ensemble bildet. Im Ortskern sind eine Reihe alter Weinbauernhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten.