Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/2173

Es dauerte etwas länger
Wer meine Geschichten schon etwas länger verfolgt, weiß: Wenn es länger nichts neues gibt, ist irgendetwas passiert. Aber in den meisten Fällen geht es harmlos aus. So auch diesmal.
Es begann am Anfang des Winters, als es bereits im Verlauf des Nachmittags dunkel wurde. Die nasskalte Witterung erforderte einen dicken Schal um den Hals und eine Mütze auf den Kopf. Eigentlich waren an jenem verhängnisvollen Nachmittag nur meine Augen zu sehen. Die Hände in Handschuhe gepackt, schwarze Jacke. Eine Einkaufstasche in der einen, den Einkaufszettel in der anderen Hand.
So ging ich zur Bank, um Geld für den Einkauf abzuheben.
Ich bemerkte nicht, dass mein Schlüsselanhänger in Form eines Revolvergriffes aus meiner Hosentasche ragte, als ich am Schalter vor der Bankangestellten stand. Meine Tasche und den Einkaufszettel legte ich auf der Theke ab und versuchte, meine Bankkarte aus der Brieftasche zu klauben.
Es ging alles blitzschnell: Die Dame am Schalter entriss mir meine Einkaufstasche, öffnete ihre Kasse und füllte den ganzen Inhalt in meinen Beutel.
Noch bevor ich irgendetwas sagen konnte, sagte sie, ich solle nun endlich gehen, mehr hätte sie nicht in der Kasse.
Ich betrachtete meine Einkaufstasche – wie sollte ich wohl jetzt einkaufen gehen? Die Tasche war bis obenhin voll …
So etwas unprofessionelles hatte ich noch nie erlebt. Ich beschloss, mir das nicht bieten zu lassen!
Ich setzte mich in das nächste Taxi und wollte mich nach Hause fahren lassen. Irgendetwas hatte der Fahrer aber nicht verstanden und noch bevor ich realisierte, was geschah, sass ich in einem Flugzeug in die Karibik. Dort überlegte ich mir, wie ich mich bei der Bank am besten beschweren könnte.
Nach ein paar Wochen war mein Ärger etwas abgeflaut und ich beschloss, die Sache einfach wieder zu vergessen.
Deshalb kam ich zurück. Am Flughafen wurde ich bereits erwartet. Der Transfer zu meiner Wohnung erfolgte unter Polizeischutz. Aber auch diesmal hatte der Fahrer mich missverstanden und so landete ich im Untersuchungsgefängnis.
Dort wurde ich eingehend befragt. Ich erzählte die Geschichte genauso, wie hier. Nur glaubte sie keiner. Deshalb dauerte es etwas länger …