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Peter Stamm
Andreas ist in einem Dorf in der Schweiz aufgewachsen, lebt aber seit fast zwei Jahrzehnten in Paris, wo er an einem Gymnasium Deutsch unterrichtet. Das gefällt ihm, er findet sich im Beruf erfüllt. Sein Privatleben allerdings sieht ziemlich öd aus. Er ist Junggeselle, verzichtet auf feste Bindungen und setzt sich keine nennenswerte Ziele. Er hat zwei Geliebte, die ihn in regelmässigen Abständen besuchen. Nadja kommt alle zwei Wochen einmal, Sylvia, eine verheiratete Frau und Mutter, jeden Mittwochnachmittag. Zu seinem Bruder und dessen Familie hat er so gut wie keinen Kontakt. So lebt er wie ein Fremder, oder wie ein Tourist, in Paris, hat seinen Unterricht sowie seinen regelmässigen Sex. Das nennt er sein bescheidenes Leben.
Für den Leser wirkt dieses ziellose Leben ohne menschliche Bindungen so langweilig wie es ist. Irgend einmal, denkt man, muss der Mann doch irgendwo ankommen, wo es ihm mehr als nur „bescheiden“ gefällt, wo er sich wohl und geliebt fühlt. Der Moment der Besinnung scheint gekommen, als Andreas in einem einfachen Liebesroman auf eine Geschichte stösst, die ihn an seine Jugendliebe erinnert. An Fabienne, die er geliebt hatte wie niemanden seither, der er aber seine Liebe nicht zu gestehen traute. Als ihn, den starken Raucher, ein hartnäckiger Husten befällt, beschliesst er, Fabienne, die längst verheiratet ist, aufzusuchen. Während der letzten Schultage in Paris verliebt sich Delphine in ihn. Er nimmt sie mit in die Heimat, in die Schweiz.
Peter Stamms lakonischer Stil, die Unterkühltheit der Hauptfigur, stimmen mit dem eher langweiligen Leben Andreas‘ seltsam überein. Dennoch entbehrt der Roman dank der flüssigen Erzählweise nicht der Spannung. Es interessiert die Lesenden, ob doch noch etwas Besonderes im Leben dieses Menschen geschieht. Und wenn ja, was.
Teddy Buser (2010)
Buchinformation
Peter Stamm
An einem Tag wie diesem
S. Fischer Verlag
206 Seiten, Taschenbuch
IBSN 978-3-596-17383-9
Stine mag das Leben im Tal nicht besonders. Sie möchte nur in den Bergen leben auf ihrer abgelegenen Alp, wo sie ein karges Leben mit ihrer Mutter und einem Knecht teilt. Doch die Erträge der Alp reichen immer weniger zum Überleben aus, Steinschlag bedrohen Mensch und Tier, die Geissenherde, welche die Existenz sichern soll, wird immer kleiner.
So entschliesst sich Stine, im Tal im Grandotel zu arbeiten um wenigstens die notwendigsten Anschaffungen tätigen zu können. Stine lernt schnell, sich den Anforderungen der mondänen Gäste unterzuordnen und das Happy End scheint schon zum greifen nah.
Doch dann verliebt sich Stiine in Bruno, den charmanten Gast aus Genf - Stine entdeckt die Liebe ihres Lebens. Als Vivienne, Brunos Verlobte auftaucht, steht Stine vor einem riesigen Scherbenhaufen. Sie setzt alles auf eine Karte, reist den Verlobten nach Genf nach, kämpft mit allen Mitteln um Brunos Liebe.
So einfach die Geschichte gestrickt ist, so wortgewaltig liest sich Stines berührendes Schicksal; ein Lesevergnügen, das viel zu schnell vorbei ist. Laura Jurt verleiht mit ihren holzschnittartigen Illustrationen dem Buch eine weitere bemerkenswerte Ausprägung.
Peter Maibach (2010)
Buchinformation
Tim Krohn: Der Geist am Berg
Galiani Verlag, Berlin
gebundene Ausgabe,74 Seiten
ISBN 978-3-86971-022-8
Eine typische Strasse in einer kleinen schwedischen Stadt: Hier leben Nina, Ellinor und Miriam. Alle drei Frauen stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, doch erst die geheimnisvolle Janina, die in das leerstehende Haus am Ende der Strasse einzieht, wird ihnen zeigen, wie sie neue Wege beschreiten können.
Drei unterschiedliche Schicksale und doch so gleich. Nina, die geschiedene alleinerziehende Mutter hat genauso mit ihrem Schicksal zu kämpfen, wie die firschgebackene Mutter Ellionor und Miriam läuft nach vielen gemeinsamen Jahren der Mann davon. Die Autorin versteht es geschickt, die drei verschiedenen Wege zu verweben und immer wieder gibt es Berührungspunkte zwischen den drei Frauen. Gemeinsam unternehmen sie eine Reise nach Stockholm und jede erlebt die Reise auf ihre Weise. Und dann wäre noch Janina, die im Buch eigentlich eine Nebenrolle inne hat, aber trotzdem sehr subtil die Wege der drei Frauen begleitet. Dieses Buch wurde mir von einer Kollegin empfohlen. Ich habe dieses Buch mit grossem Genuss gelesen, wenn auch der Anfang wie bei den meisten Bücher etwas "langsam" ist - aber gegen Ende des Buches konnte ich es nicht mehr weglegen, bis ich es fertig gelesen hatte.
Rosmarie Bernasconi, 2010
Buchinformation
Es ist nie zu spät für alles
Ingemarsson, Kajsa
Fischer Verlag, Tschenbuch - CHF 14.50
Das Leben von Harald und Petra Knobel scheint in geordneten, sichern Bahnen zu verlaufen, wenigstens auf den ersten Blick. Der greise Vater lebt alleine, ist über neunzig und eine dringend erwartete Erbschaft in Griffnähe. Weniger erfreulich ist die Entwicklung der Kinder, die Tochter lebt mit einer Lesbe zusammen und der Sohn hat die Warterei auf einen Studienplatz aufgegeben und verkehrt in zwielichtigen Kreisen. Immerhin kümmert er sich rührend um seinen Grossvater, was aber vor allem mit den grosszügigen Zuwendungen in die ewig leere Brieftasche zusammenhängt. Dann verunfallt der Grossvater. Nach dem Spitalaufenthalt lebt er einquartiert bei der Familie, und anstatt wie erwartet mit seinem Leben abzuschliessen, erholt er sich prächtig und mischt das Leben der Knobels neu auf.
Die Krimikomödie liest sich gut, die Spannungen in einer ganz normalen Familie lassen sich gut nachvollziehen und plötzlich stellt man fest, dass einem Ingrid Noll aufs Glatteisgeführt hat und man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will.
Peter Maibach (2010)
Buchinformation
Ingrid Noll
Ehrenwort
Diogenes Verlag Zürich
ISBN 978 3 257 86196 9