Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/1222

1984
Abschluss
... und Kommentar
Aus Sandro Hubers Bericht über den Verlauf des Informationsabends vom 13. Dezember 1984 (Universität Zürich):
"Es ist schon spät, kurz vor elf. Dr. Lüthy sagt, er habe sich eigentlich vor dem heutigen Abend gefürchtet, doch es hätte ihn jetzt richtig aufgestellt. Der in letzter Zeit vermehrte Kontakt mit Homosexuellen habe ihm auch Neues, Positives gebracht.
'Homosexuelle können viel besser über Sex sprechen. Das habe ich zuerst lernen müssen.'
Dr. Lüthy endet mit dem Versprechen, wenn es in einem halben Jahr entscheidende Neuigkeiten über Aids gebe, werde er einen solchen Abend wiederholen2."
Nachdem Aids mit dem Einsetzen neuer Medikamente ab 1997 immer seltener tödlich verlief, zog sich Ruedi Lüthy aus den Tätigkeiten an vorderster Aids-Front bei uns zurück. Er wollte nun sein Wissen und die grosse Erfahrung dort einsetzen, wo jede Hilfe dringend gebraucht wurde und absolut nötig war. Er gründete und leitet bis heute (2012) eine ambulante Klinik in Harare, Zimbabwe, um
"den Menschen mit HIV und Aids in den ärmsten Ländern der Welt medizinische Versorgung und Betreuung anzubieten, die den lokalen Verhältnissen und Gepflogenheiten angepasst ist."
So äusserte er sich im August 2007 in einem Rundschreiben seiner Stiftung Swiss Aids Care International.
Sandro Huber beendete seinen Bericht mit den Worten:
"Positiv muss meiner Ansicht nach schon die Tatsache gewertet werden, dass dieser Abend stattfand; dass sich die offizielle Medizin mit Schwulen getroffen hat, um ein gemeinsames Problem und eine gemeinsame Angst zu besprechen. Ich glaube, dass die Fragestunde speziell viel gebracht hat. Endlich konnten auch Anliegen besprochen werden, die alle beschäftigen, jedoch nicht in der Presse erscheinen und von vielen Ärzten aus Prüderie, Unkenntnis oder ganz einfach Angst mehr oder weniger elegant umgangen werden. Ich meine beispielsweise: Leben von Aids-Kranken, ihre Ansteckungsgefahr, Aids-Kranke und Sex, Aids-Kranke und der Tod."
Roger Staub schloss seine Bemerkungen zu diesem Abend mit dem Hinweis,1
"dass es zur Stunde nur um eines gehen kann: die Infektionsketten zu unterbrechen. Diese Information unter Schwulen zu verbreiten, das sei die Aufgabe der Zuhörer, der Organisationen, der Schwulen."
Ernst Ostertag, September 2007
Quellenverweise
- 1
Roger Staub, Homosexuelle und Aids - Der Versuch einer Bewältigung, Seite 21
Anmerkungen
- 2
Dieser zweite Info-Abend fand am 22. Mai 1985 statt.