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Mein Mann sieht überall vor allem das Negative, beklagt sich über seine Situation oder über andere Leute. Zudem gefällt er sich anscheinend in Spott und Sarkasmus, oft hat das, was er sagt, einen solchen Unterton, auch mir gegenüber. Das alles nervt mich und zieht mich herunter. Was kann ich tun?
Was ist denn der Hintergrund für die Negativität Ihres Mannes, wie geht es ihm psychisch? Oftmals sind eine negative Sichtweise und häufiges Beklagen Anzeichen für eine depressive Verstimmung. Begleitet werden diese dann aber von weiteren Symptomen wie Energielosigkeit und Schlafstörungen. Im Winter und in Zeiten mit besonderen Belastungen wie beruflichem Stress oder langandauerndem Homeoffice leiden viele darunter. Es fehlen Sonnenlicht und freudvolle Aktivitäten. Aber das scheint bei Ihrem Mann nicht der Fall zu sein, oder doch?
Der Sarkasmus Ihres Mannes könnte ein alter Schutzmechanismus sein, den er vermutlich schon als Kind entwickelt hat, um sich vor Verletzungen zu schützen. Hat er wiederholt Situationen erlebt, in denen er eine Strategie brauchte, um nicht verletzt zu werden? Das könnten zum Beispiel lieblose bewertende Äusserungen von Erwachsenen während seiner Kindheit oder auch harte Sprüche seiner Kollegen in der Teenagerzeit gewesen sein. Sarkasmus und Spott bieten dann einen Schutzmantel. Auch wenn später im Leben diese Schutzstrategie eigentlich nicht mehr notwendig ist, bleibt das erlernte Schutzverhalten oft bestehen. Das Problem sind die negativen Auswirkungen auf andere und auf Beziehungen, insbesondere die Paarbeziehung.
Sie schreiben, Ihr Mann gefiele sich in Spott und Sarkasmus. Aus der Schutzstrategie könnte eine Gewohnheit und ein persönlicher Stil geworden sein. Vermutlich hat Ihr Mann öfter positive Reaktionen erhalten, andere fanden sein Spotten witzig und haben darüber gelacht. Dieses könnte ihn bestätigt haben, so dass er sein Verhalten aufrechterhalten hat. Ist Ihrem Mann klar, dass sein Sarkasmus auch verletzend wirken kann, dass es Sie verletzt?
Wie haben Sie sich denn bisher verhalten, wenn Ihr Mann sarkastisch war? Haben Sie die Bemerkungen Ihres Mannes heruntergeschluckt, um den Frieden zu bewahren, oder haben Sie Ihm sein Verhalten vorgeworfen, um ihn zur Einsicht zu bringen? Das wären beides nachvollziehbare Verhaltensweisen, um die Situation zu bewältigen oder weitgehend unbeschadet hindurchzukommen.
Wenn Ihr Mann Sie mit seinem Unterton oder seinen Bemerkungen verletzt, können Sie sich auf ruhige, aber bestimmte Art für sich einsetzen. Denn wenn Sie es nicht tun, wenn Sie seine sarkastischen Bemerkungen hinnehmen, trägt das dazu bei, dass Ihr Mann damit weitermacht. Sie könnten ihm sagen: «Wenn ich den Unterton höre, mit dem du mit mir sprichst, tut mir das richtig weh/ werde ich wütend. Mir ist es wichtig, dass du respektvoll mit mir redest». Sagen Sie das möglichst nicht in einem scharfen Tonfall und nicht vorwurfsvoll (also nicht: «Musst du denn immer in diesem Ton mit mir reden?»). Vermeiden Sie es auch zu jammern oder zu nörgeln – dieses sind ungünstige Verhaltensweisen, zu denen leider oftmals wir Frauen neigen, wenn wir unzufrieden oder unglücklich sind.
Wenn Sie Ihrem Mann auf angemessene Art Ihre Gefühle und Ihr Bedürfnis zurückmelden können, wird er besser verstehen, was sein Verhalten auslöst. Vielleicht schaffen Sie es auch, wohlwollend und feinfühlig nachzufragen, ob er eine Idee hat, wann und warum er dieses Verhalten entwickelt hat, was es ihm bringt und inwiefern es auch ihm selbst schadet. Eventuell sieht er dann die Funktion als Schutzmechanismus und dass er diesen nicht mehr benötigt (veröffentlicht in der Luzerner Zeitung).