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In der Linguistik wird Kohärenz oft von Konsistenz unterschieden, wobei - bei aller Unschärfe - Kohärenz mehr den Sinn und Konsistenz mehr die Logik betrifft.
Als Kohärenz bezeichne ich das Sinn machende Zusammenpassen verschiedener Teile eines Textes, wobei Widerspruchsfreiheit eine oft angeführte, aber zu spezifische Bestimmung ist. Es geht um semantische oder pragmatische Unstimmigkeiten, also um ein Nicht-Zusammenpassen, das semantisch begründbare Erwartungen gestört, wozu kein Widerspruch nötig ist.
Beispiel:
Zum Frühstück assen sie Schreibmaschinen.
Kohärenz wird durch eine entsprechende Interpretation des Lesers hervorgebracht.
Beispiel:
"Angebrannt! Ich schließe die Tür, sorry."
Kontext: René sagt den Satz in der Küche zu Susanne, die im Wohnzimmer ist.
Der SAtz wird für Susanne sinnvoll oder kohärent, wenn sie ihn in Annahmen einbettet: (1) Milch ist angebrannt; (1a) Angebranntes stinkt; (1b) der Gestank soll nicht in die ganze Wohnung entweichen; (2) also macht René die Türe dicht; (2a) damit unterbricht er aber auch den Kontakt; (3) deshalb entschuldigt er sich.
Kohärenz als Metapher
D. Bohm: Im Laser verhalten sich die Lichtwellen kohärent, im normalen Licht inkohärent. So unterscheidet er Dialog und Diskussion.
Eine etwas andere Analogie: Im Orchester verhalten sich die Musiker kohärent, allerdings gibt es dazu kein "normales" inkohärentes Verhalten - es sei den in Prova di orchestra von F. Fellini
Verschiedene Kontexte:
Das Kohärenzgebot in der EU-Politik verlangt, dass Forderungen aufeinander abgestimmt sind, was auch mit Kohäsion bezeichnet wird.
Die Kohärenz statistischer Werte bedeutet, dass gleiche Sachverhalte der gleichen Grundgesamtheit nicht verschieden interpretierbar sein solle.
Kohärenztheorie nennt man in der Philosophie eine Theorie, die die Kohärenz zum Indiz einer Sache macht. In einem strengeren Sinn setzt Kohärenz nicht nur Konsistenz voraus, sondern fordert, dass zwischen den anderen Sätzen (Rechtfertigungen) Ableitungs-, Rechtfertigungs- und Erklärungsbeziehungen bestehen. In diesem strengeren Sinn gibt es unterschiedliche Grade der Kohärenz.
Begründer der Kohärenztheorie der Begriffe ist Firth. Er geht davon aus, dass alle Begriffe miteinander auf irgendeine Weise verknüpft sind und dass wir einen Begriff nur vollständig verstehen können, wenn wir auch die anderen verstanden haben. Ein System von Begriffsbedeutungen ist nach Firth dann kohärent, wenn das Einführen eines neuen Begriffs Auswirkungen auf das gesamte Begriffssystem hat.
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