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Die Fütterung mit konserviertem Futter während dem Winterhalbjahr wird auf vielen Betrieben genaustens geplant. Anhand der Milchkontrolle werden Anpassungen und Optimierungen vorgenommen, mit dem Ziel einer möglichst ausgeglichenen und effizienten Fütterung. Während der Vegetationszeit, sofern ein beachtlicher Teil der Ration aus Gras besteht, sieht dies etwas anders aus. Die Fütterung im Stall bleibt möglichst konstant, da das Grünfutter ja ohnehin nicht beeinflusst werden kann und dessen Parameter kaum bekannt sind.
Was beeinflusst die Veränderung von Grünfutter?
Anhand von Dürrfutter- und Grassilageanalysen kann davon ausgegangen werden, dass sich Grünfutter im Laufe der Vegetationszeit ebenfalls verändert. Bekannt ist beispielsweise, dass der erste Aufwuchs in der Regel am meisten Zucker aufweist. Doch wie verändert sich der Zuckergehalt während den nachfolgenden Aufwüchse? Sinkt er kontinuierlich ab oder steigt er im Herbst wieder an? Sicherlich hat die Witterung (Regen, Temperatur, Sonnenscheindauer usw.) einen Einfluss auf das Zellwachstum und auf die Abbaubarkeiten. Als Grundlage dazu dient die botanische Zusammensetzung, die mit der Düngung und der Nutzungsart und -intensität entsprechend beeinflusst wird.
Futterplan mit Grünfutter
Werden Grünfutter im Fütterungsplan eingerechnet, wird mit Tabellenwerten gearbeitet. Die Verdauungsparameter mit denen die moderne Futtermittelbranche rechnet, standen bei Grünfutter bis anhin zwar für einzelnen Stadien zur Verfügung, jedoch war die Veränderung dieser Parameter im Laufe der Vegetationszeit nicht bekannt. Konkret heisst dies, dass beispielsweise die Unterschiede von einem Grünfutter AR2 (Schossen) zu einem AR4 (volles Rispenschieben) bekannt sind, jedoch die Unterschiede bei diesen Stadien zwischen Frühling, Sommer und Herbst nicht. Ein AR2-Bestand im Frühling (1. Schnitt) weist nicht dieselben Nährwerte auf, wie ein AR2-Bestand im Hochsommer. Bisher konnten diese Unterschiede jedoch bei Berechnungen nicht berücksichtigt werden.
Versuche in der Schweiz und in Holland
UFA-Samen hat in den letzten drei Jahren an jeweils zwei verschiedenen Standorten verschiedene Mischungen angebaut, geerntet und analysiert. Der erste Schnitt wurde vor dem Rispenschieben gemacht. Die Bestände wurden meistens fünf Mal pro Jahr geschnitten und beprobt. Neben TS-Erhebungen wurde unmittelbar nach dem Schneiden eine repräsentative Probe entnommen und ans Labor verschickt. Dort wurde sie wie üblich künstlich getrocknet und anschliessend analysiert. Daraus wurde ersichtlich, wie sich die Parameter im Laufe des Jahres verändern. In den Niederlanden hat die Versuchsanstalt Schothorst Feed Research ebenfalls Labordaten zu Grünfutter ausgewertet. Aus diesen Erkenntnissen, in Kombination mit unseren praktischen Erfahrungen, wurde abgeleitet, wie sich Grünfutter verändert.
Erkenntnisse
Erfahrungsgemäss ist der Zuckergehalt im ersten Aufwuchs am höchsten und liegt im zweiten Schnitt deutlich tiefer (Grafik). Weiter ist ersichtlich, dass der Zuckergehalt im Spätherbst wiederum ansteigt. Der Grund dafür ist, dass das Zellwachstum im Herbst nur gering ist, was eine tiefe TS-Zunahme ergibt, aber bei sonnigem Wetter die Photosynthese relativ aktiv bleibt. Im Verhältnis zum Sommer oder Frühherbst kann dies zu einer höheren Zuckerzunahme in den Zellen führen. Natürlich ist die Entwicklung abhängig von Mischungszusammensetzung, Düngung, Standort aber auch vom Jahr. So zeigt sich beispielsweise, dass die Zuckergehalte im Herbst 2015 deutlich höher waren als 2016.
Die Entwicklung der NDF, also der Gesamt-Zellwandbestandteile, hat sich wie erwartet gezeigt. Der höchste Wert wurde bei sämtlichen Mischungen im zweiten Schnitt und der tiefste meist beim fünften Schnitt festgestellt. Interessant ist, dass ADL, also der verholzte Anteil im Herbst am höchsten war, obschon die NDF deutlich tiefer waren als beim zweiten Schnitt. Der RP-Gehalt war im Herbst am höchsten und beim zweiten Aufwuchs am geringsten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schnitten sind relativ gross, meist sogar grösser als die Unterschiede zwischen den verschiedenen Klee-Gras-Mischungen. Dies ist doch erstaunlich, wenn man bedenkt, dass in der Schweiz dazu bis anhin keine verlässlichen Daten vorhanden waren. Der zweite Schnitt ist tendenziell der schlechteste. Dies sollte bei der Rationsplanung berücksichtigt werden. Bis anhin wurden die späten Schnitte den Tieren mit einem geringeren Nährstoffbedarf, zum Beispiel den Rindern, verfüttert. In vielen Fällen wäre es aber sinnvoll, ihnen den zweiten Schnitt zu verfüttern. Diese Erkenntnis ist ebenfalls beim NEL-Gehalt ersichtlich. Bei den allermeisten Mischungen war der NEL-Gehalt beim ersten Schnitt am höchsten und beim zweiten Schnitt am tiefsten. Die Herbstschnitte liegen dazwischen, kommen aber dem ersten Schnitt teilweise relativ nahe.
Schnell gelesen:
- Bis anhin war kaum bekannt, wie sich Grünfutter im Laufe der Vegetation verändert.
- Die Unterschiede im Laufe der Vegetation sind grösser als zwischen den einzelnen Mischungen.
- Die Unterschiede der einzelnen Parameter zwischen Frühling, Sommer und Herbst sind enorm.
- Anhand der neuen Erkenntnisse können auch Rationen mit einem hohen Anteil an Grünfutter gezielt ergänzt werden, damit die Effizienz verbessert werden kann.
Umsetzung im Fütterungsplan
Die Resultate und Erkenntnisse wurden zusammengetragen und sind nun ebenfalls im Fütterungsplan UFA W-FOS hinterlegt. Für jede Vegetationszeit (März – April, Mai – Juli, August – September, Oktober) sind drei verschiedene Qualitäten hinterlegt. Es geht nicht darum, dass der Fütterungsplan möglichst oft angepasst wird, sondern vielmehr darum, dass Rationen mit einem hohen Weideanteil möglichst sinnvoll ergänzt werden, damit die Effizienz auch bei Verfütterung von Grünfutter möglichst hoch ist.
Korrekte Ergänzung
Die Analyse der Versuche zeigt, dass sich Grünfutter im Laufe der Vegetation ziemlich stark verändert. Die Ergänzung im Stall ist also entsprechend anzupassen. Anhand der korrekten Ergänzung mit Dürrfutter oder Raufutterergänzungswürfel kann die Effizienz verbessert werden, das heisst pro Kilogramm aufgenommene Trockensubstanz wird mehr Milch produziert. UFA 250 Speciflor und UFA 256 Fibralor sind unter anderem konzipiert für die Ergänzung von Grünfutter. Doch welcher Raufutterergänzungswürfel soll wann eingesetzt werden, um den grösstmöglichen Nutzen zu haben?
Fibralor ist geeignet zur Ergänzung von hochverdaulichen Rationen wie beispielsweise des ersten Aufwuchses. Durch die Zufütterung von ADF-reichem Futter wird die Passagerate verlangsamt und die Ration wird besser verdaut, was eine Effizienzsteigerung bedeutet. Ab Mai/Juni sollte bei der Zufütterung auf Speciflor gesetzt werden. Dieser Raufutterergänzungswürfel enthält gut verdauliche Bestandteile und erhöht die Pansenaktivität. Grünfutter ab den Monaten Mai/Juni enthält im Vergleich zum ersten Aufwuchs einen hohen Anteil an ADF und bedarf einer Ergänzung mit Speciflor zur Effizienzsteigerung. Ab September sollte wiederum Fibralor verabreicht werden, anstelle von Speciflor. Bei der Ergänzung mit Dürrfutter sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass die einzelnen Schnitte zur entsprechenden Vegetationsperiode verfüttert werden.
Betrachtet man die Verdaulichkeiten der Analysen von UFA-Samen, bestätigen diese den Einsatz der Raufutterergänzungswürfel je nach Vegetation ebenfalls. Die Verdaulichkeit der organischen Substanz (VCOS) und die NDF-Verdaulichkeit sind beim ersten Schnitt bei sämtlichen Mischungen am höchsten. Die VCOS ist im zweiten Schnitt bei sämtlichen Mischungen am tiefsten und steigt im Herbst wiederum an. Dies bestätigt, dass Grünfutter-Rationen ab September anders zu ergänzen sind als während der Sommermonate.
NDF-Verdaulichkeit
Der erste Aufwuchs weist vor allem bei jungen, raigrasreichen Beständen oft eine sehr hohe NDF-Verdaulichkeit von über 80 Prozent auf. Die Folge davon ist eine hohe Passagerate wobei die Nährstoffe im Pansen nicht ausreichend genutzt werden. Mit der Ergänzung von Fibralor kann die Passagerate entsprechend gesenkt werden, damit das Grünfutter effizienter genutzt wird. Der zweite Aufwuchs hingegen weist eine deutlich tiefere NDF-Verdaulichkeit auf. Dies bedeutet, dass die Zellwände nur ungenügend aufgeschlossen werden, was ebenfalls einen Effizienzverlust bedeutet. Speciflor verfügt über eine hohe NDF-Verdaulichkeit und unterstützt im Pansen den Aufschluss der Zellen, damit die Nährstoffe besser verwertet werden können.
Dünner Kot
Bei hohem Weideanteil sind die Kühe im Frühjahr und im Herbst nicht selten dünn im Kot. Dieses Phänomen ist auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen. Im Frühling sind meistens die hohen Zuckergehalte im Grünfutter dafür verantwortlich und keinesfalls die RP-Gehalte. Eine Ergänzung mit schnell verfügbarem Rohprotein kann die Situation verbessern und steigert vor allem die Effizienz. Im Herbst ist dünner Kot auf andere Ursachen zurückzuführen. RP-Überschüsse können die Ursache sein. Der meist tiefe ADF-Gehalt und der relativ hohe Anteil an SFRP verschärfen die Situation zusätzlich. Eine ADF-reiche Ergänzung zur Reduktion der Passagerate kann die Situation verbessern.
Weitere Abklärungen
Noch gibt es weitere Fragen zur Veränderung des Grünfutters, die zu klären sind. Ein weiterer interessanter Punkt ist die genaue Veränderung der Mineralstoffgehalte im Laufe der Vegetation. Diese und weitere Abklärungen werden im Jahr 2017 gemacht und im Folgejahr kommuniziert. Ziel ist, dass der Milchvieh produzent einen Mehrnutzen hat und die Ration für eine möglichst effiziente Fütterung optimieren kann.