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Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro werden mit einem schmaleren Budget organisiert als jene in London und Sotschi. Trotzdem hagelt es Kritik an dem Grossanlass.
Die beiden letzten Olympischen Spiele waren die teuersten der Geschichte: London gab für die Sommerspiele rund 15 Milliarden Dollar aus. Russland liess sich die Winterspiele in Sotschi unglaubliche 21,9 Milliarden Dollar kosten. Im Vergleich dazu sind die Kosten für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro fast bescheiden: Die Organisatoren in Brasilien wollen den Grossanlass mit einer Summe von 4,58 Milliarden Dollar stemmen.
Damit überziehen die Veranstalter ihr Budget um 51 Prozent, wie Forscher der Universität Oxford berechneten. Doch mit dieser Kostenüberschreitung sind die Brasilianer nicht alleine: Fast immer wird für Olympische Spiele mehr ausgegeben als geplant. Zu den grössten Sündern gehören die Russen in Sotschi und die Norweger in Lillehammer, wie die Grafik des Datenportals Statista zeigt.
Betrachten Sie hier die Grafik in Originalgrösse.
Die eigentlichen Kosten sind höher
Olympische Spiele sind noch weit teurer, wenn die indirekten Kosten dazugezählt werden, etwa für den Bau neuer Strassen. Die Spiele in Sotschi kosteten beispielsweise laut der «Financial Times» insgesamt 51 Milliarden Dollar. Auch in Rio de Janeiro steckte die Regierung viel Geld in neue Verkehrsverbindungen, so baute sie etwa eine zusätzliche U-Bahn-Linie.
Obwohl Rio 2016 nicht an die Kostenexzesse von London und Sotchi anknüpft, bringt die Grossveranstaltung das Land an seine Grenzen: Der Bundesstaat Rio de Janeiro musste wegen Olympia den Notstand erklären, nur dank eines Sonderkredits der Landesregierung können die Spiele stattfinden. Als das Land 2009 den Zuschlag für die Organisation erhielt, herrschten wirtschaftlich goldene Zeiten. Nun steckt Brasilien inmitten einer Wirtschaftskrise.
Investoren profitieren
Laut einer aktuellen Umfrage ist mittlerweile die Hälfte der Brasilianer dagegen, dass ihr Land die Spiele ausrichtet. Fast zwei Drittel glauben, dass «Rio 2016» Brasilien mehr Schaden als Nutzen bringt. Olympische Spiele gelten in der Regel aus wirtschaftlicher Sicht als Verlustgeschäft. Das dürfte gemäss einer neuen Studie des Kreditversicherers Euler Hermes auch für «Rio 2016» zutreffen.
Die Studienautoren nennen den Effekt der Spiele auf das brasilianische Wirtschaftswachstum «vernachlässigbar». Im Gegenzug befeuern die hohen Ausgaben für Olympia die Inflation und erhöhen die Staatsschulden zusätzlich. Rund 120'000 neue Jobs entstanden zumindest vorübergehend durch den Grossanlass. Das entspricht nur 1,5 Prozent aller Arbeitskräfte im Grossraum Rio de Janeiro. «Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein», heisst es in der Studie.
Pannen und unschöne Deals
Für Unmut sorgt in Brasilien auch die Finanzierung des Grossanlasses. So zahlten private Investoren für den Bau des Olympischen Dorfes. Als Gegenleistung dürfen sie nach den Spielen die Wohnungen in eine Luxussiedlung umwandeln. Heikel ist bei diesem Geschäft vor allem der Umstand, dass auf einem Teil des Geländes vorher eine Armensiedlung stand. Die Bewohner der «Favela» mussten das Land wegen der Spiele räumen.
Auch beim Bau der Infrastruktur holten sich die Veranstalter keine Lorbeeren: So machte der schlechte Zustand einiger Wohnungen im Olympischen Dorf weltweit Schlagzeilen. Eine neue Velobrücke brach kurz nach der Fertigstellung zusammen. Die Veranstalter haben Mühe, sämtliche Infrastruktur vor Spielbeginn fertig zu stellen. Und die Stadt schaffte es nicht, wie versprochen das Wasser in der Bucht von Guanabara zu säubern. Dort werden die Segelwettbewerbe durchgeführt – viele der Athleten fürchten nun um ihre Gesundheit.
(Mathias Brandt, Statista/mbü)
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