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Ich war beruflich im Jemen, es waren humanitäre Einsätze die wir unterstützten mit einigen unserer Flugzeuge. Also nicht gerade Ferien. Beim Anflug auf Aden gerieten wir unter Feuer, man versuchte tatsächlich, uns abzuschiessen. Drei Einschusslöcher haben wir als Souvenir bekommen, eines in ein Triebwerk - als Folge davon hingen wir dort für ein paar Tage fest.
Ich als Verantwortlicher für die Krisen-PR mitten drin. In Aden unter den Leuten, ohne Arabisch, nur Englisch sprechend, versuchte ich Fotos und Interviews zu bekommen, von Regierung und Leuten. Als erkennbarer Nordeuropäer fiel ich auf wie ein bunter Hund und wurde von den Menschen mehr als freundlich behandelt.
Bei einer Familie, der Vater in den Wirren des Bürgerkrieges ermordet, sprach ich mit der Mutter von drei Kindern, die sich irgendwie nicht stabil bewegen konnte. Sie hatte trotzdem Tee und Gebäck serviert. Immer wenn ich ihr helfen wollte, winkte sie ab… wir unterhielten uns mehr schlecht als recht in holprigem Englisch, mit Händen und Füssen, bis sie mir zu verstehen gab, dass sie eine Krankheit habe.
Sie wisse nicht genau wie und was und warum, aber sie wisse die Bezeichnung «MS»… Zum Abschied sagte mir dann ihre Tochter, dass mein Besuch das Beste war, was hätte passieren können. Ihre Mutter sei seit langer Zeit nicht mehr so lebendig und aktiv gewesen. Sie brauche keine Gehhilfe, sie brauche Seelennahrung. Und ich hätte ihr unwissend mehr Kraft geschenkt, als es jeder Gehstock jemals vermag…
Oliver R. Lattmann