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Die 1789 erstmalig erschienene Geschichte der Hofnarren von Karl Friedrich Flögel ist ein bis heute anerkanntes Werk zu den Narren. Der Beitrag untersucht die groben Narren in diesem Werk, unter denen verschiedene physisch und psychisch differente Menschen verstanden werden. Flögel greift dabei auf die in Mittelalter und Früher Neuzeit vorhandenen Vorstellungen von natürlicher Narrheit zurück und erweitert sie um Beispiele aus der Antike und aus ethnographischen Berichten des 18. Jahrhunderts. Damit umfasst die grobe Narrheit auch zum Teil die außergewöhnlichen Menschen, die als lebende Bestandteile von Wundersammlungen an Höfen waren. Die Bewunderung und besondere Achtung, die natürliche Narren und andere außergewöhnliche Menschen, Tiere und Objekte erfuhren, wird in der Geschichte der Hofnarren marginalisiert, umgedeutet und verdrängt. Dabei entwickelt Flögel ein evolutionäres Modell von Narrheit, in dem das Halten von groben Narren Ausdruck einer weniger entwickelten Gesellschaft ist, da im Witz der Narren sich die Vernunft des Herrschers widerspiegelt.
Über Zwerge, rachitische Ungeheuer und blödsinnige Leute lacht man nicht. Zu Karl Friedrich Flögels «Geschichte der Hofnarren» von 1789
Erschienen in: traverse 2006/3, S. 61