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Die Ausgangslage: St. Avgin – Ausstrahlung nach innen und aussen
Die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochenien: Eine urchristliche Tradition
Die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien darf als Kirche des Urchristentums bezeichnet werden. Sie wurde zu Beginn des Christentums gegründet. In der Apostelgeschichte heisst es: „Die Jünger Jesu wurden zum ersten Mal in Antiochien Christen genannt“ (Apg. 11, 26). Liturgiesprache ist Aramäisch, die Sprache, die nach der Überlieferung auch Christus gesprochen hat. Die Angehörigen der syrisch-orthodoxen Kirche haben keine Heimat mehr. Ihre Wurzeln liegen zwar in Mesopotamien (im Gebiet des heutigen Iraks, Irans, Syrien und Türkei) und der Südtürkei. Dort werden sie als Minderheit jedoch nicht geduldet, ja sogar offiziell verfolgt. Welt-weit leben heute etwa 400 000 syrischorthodoxe Christen in der Diaspora. Sie sind Glaubensflüchtlinge, die ihren Glauben und ihre Wurzeln jedoch nicht verloren haben. Die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien zählt weltweit ungefähr drei Millionen Mitglieder. Die Mehrheit von ihnen lebt in Indien, der Rest über die ganze Welt zerstreut, von Syrien, Libanon, Irak, Jordanien, Türkei und Ägypten über Europa bis hin zu Nordamerika, Südamerika und Australien. Ihr gegenwärtiges Oberhaupt ist Seine Heiligkeit Mor Ignatius Zakka I. Iwas, Patriarch von Antiochien und dem ganzen Osten, der 122. Nachfolger von St. Petrus in gesetzmässiger Nachfolge der Patriarchen von Antiochien. Die syrisch-orthodoxe und die katholische Kirche stehen in enger brüderlicher Gemeinschaft. 1984 haben die beiden geistlichen Kirchenoberhäupter Papst Johannes Paul II. und Mor Ignatius Zakka I. Iwas eine Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung der heiligen Sakramente getroffen.
Hier, in der Schweiz, unterhält die syrisch-orthodoxe Kirche gute Beziehungen zu den beiden Landeskirchen und anderen orthodoxen Kirchen. Sie ist seit 1960 Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen und auch Vollmitglied der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen. 1996 konnte die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien das ehemalige Kapuzinerkloster St. Zeno in Arth zu einem symbolischen Preis vom Kapuzinerorden übernehmen. Es wird seit der Übernahme von der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien als Kloster weitergeführt. Heute trägt es den Namen St. Avgin nach dem heiligen Eugen. 1133 Anfang 2006 wurde das schwyzerische Arth zum Sitz der Erzdiözese Schweiz und Österreich, der ca. 10 000 syrisch-orthodoxe Personen in der Schweiz und Österreich angehören.
Betrieb und Nutzung des Klosters
Das Kloster St. Avgin ist heute geistiges und kulturelles Zentrum der syrischorthodoxen Gemeinschaft in der Schweiz und in Österreich. Erzbischof Mor Dionysios Isa ist es ein Anliegen, dass das Kloster St. Avgin sowohl für die einheimische Schweizer Bevölkerung wie auch für alle Glaubensbrüder und -schwestern Anlaufstelle für religiöse, soziale oder gesellschaftliche Fragen ist. Die Klosteranlage ist sowohl ein Begegnungs- als auch ein Rückzugsort für Menschen, die nach Ruhe suchen und Kraft schöpfen wollen. Im Kloster wohnen ständig zwei bis drei syrisch-orthodoxe Mönche, zwei Nonnen und der Erzbischof. Sie verwalten und betreuen das Anwesen.
Angebot für Jung und Alt
Seit dem Erwerb 1996 dient das Kloster als Ort der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 18 Jahren. Viele syrisch-orthodoxe Kinder und Jugendliche vor allem aus Holland, Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich für einige Tage oder auch Wochen über die Ferienzeit im Kloster, wo sie in der aramäischen Sprache und Liturgie unterrichtet wer-den. Einen weiteren Teil der Ausbildung bildet das Vermitteln von gesellschaftlichen und christlichen Werten wie Respekt gegenüber seinen Mitmenschen und Integration in der Gesellschaft. Die Ausbildungsfunktion des Klosters wird von der Glaubensgemeinschaft wie auch von der einheimischen Schweizer Bevölkerung und den Behörden geschätzt und anerkannt. Allen Kindern und Jugendlichen stehen während ihres Aufenthalts im Kloster die vielfältige und wertvolle Klosterbibliothek mit ca. 8 000 Büchern wie auch der grosse Hof zur Verfügung, wo sie ihre Freizeit verbringen können. Es werden Freizeitprogramme wie Besichtigungen des Klosters in Einsiedeln oder Fussballturniere angeboten, welche auf grosses Interesse stossen und die Gemeinschaft stärken. Nebst diesen Freizeitgestaltungen werden aber auch verschiedene Seminarien und Weiterbildungen für Frauen und Jugendliche durchgeführt. Diese Angebote des Klosters stehen allen Interessierten offen, unabhängig von Herkunft oder Glaubensrichtung. Durch diese Aktivitäten und den regen Betrieb bleibt die Klostergemeinschaft lebendig und verhindert, dass die vielen Klosterräumlichkeiten leer und ungenutzt bleiben. 14 Als Ergänzung zu den belebten Tagen kann das Kloster als Rückzugsort erlebt werden für Menschen, die Ruhe suchen oder Kraft schöpfen wollen.
Die Bedürfnisse des Klosters
Das Kloster ist Begegnungsort für die Gemeinschaft. Viele Anlässe wie Jahresfeste, Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen fi nden in der Klosterkirche und im Kloster statt. Die bestehende Infrastruktur ist bei der grossen Anzahl von Besuchern meistens überbelastet und ungenügend. Zudem beherbergt St. Avgin zeitweise bis 40 Kinder und Jugendliche, was oft zu Platzmangel führt und gute Koordination voraussetzt. Es sind nicht genügend Betten da, deshalb müssen viele der jungen Besucher auf Matratzen auf dem Boden schlafen. Aufgrund des schlechten baulichen Zustands der Anlage leben die KlosterbewohnerInnen und BesucherInnen in kalten und feuchten Räumen, was die Hygiene und dementsprechend auch die Gesundheit stark beeinträchtigt. Trotz diesen oft engen und misslichen Verhältnissen im Kloster erfährt jeder Gast grosse und herzliche Gastfreundschaft. Zur Bewältigung all der oben genannten Tätigkeiten und den täglichen Unterhaltsarbeiten sind die KlosterbewohnerInnen und der Erzbischof auf Spenden der Mitmenschen angewiesen. Die Spenden reichen meist knapp aus, um die Fixkosten zu decken.
Denkmalpflegerische Würdigung
Die Regierung des Kantons Schwyz anerkennt mit ihrer Unterstützung die grosse kunst- und kulturhistorische Bedeutung des ehemaligen Kapuzinerklosters Arth. Bei diesem Kloster handelt es sich um eine in ihren Strukturen und in Bezug auf ihre Ausstattung typische, gut erhaltene Anlage aus der Frühzeit des Kapuzinerordens in der Deutschschweiz. Sie zeichnet sich durch die relativ bescheidenen Ausmasse sowie die Anordnung der Räume um den Kreuzgang in Nachbarschaft zur Kirche aus. Erweiterungsbauten sind nur wenige und in beschränkten Volumina vorhanden. Gut erhalten ist auch die hohe Einfassungsmauer rund um den grossen Garten.
Rücksichtsvoller Umgang mit wertvollem Erbe
Das heutige Kloster wurde 1682 erbaut. Um 1962 wurden ein Umbau und eine Erweiterung vorgenommen. An der Klosteranlage und der Infrastruktur besteht ein grosser und akuter Sanierungsbedarf. Die Denkmalpfl ege des Kantons Schwyz lässt bei der Umgestaltung der Gebäude keine wesentlichen Veränderungen zu. Eine beliebige Nutzung ist deshalb von vornherein nicht möglich. Andererseits will niemand ein Museum oder Hotel aus dieser Anlage machen. Mit einer in Auftrag gegebenen Studie wurden die denkmalpfl egerischen Aspekte und bautechnischen Dringlichkeiten geklärt.
Ideelle und finanzielle Hilfe
Die Sanierung dieser historischen Klosteranlage und das Bereitstellen der nötigen Infrastruktur für die Sicherstellung des klösterlichen Betriebs übersteigen die eigenen Möglichkeiten des Klosters bei weitem. Es braucht, neben der Überzeugung der Klostergemeinschaft, die Begeisterung, den Willen und die Unterstützung aller an der Erhaltung der Klosteranlage interessierten Persönlichkeiten aus Kultur-, Politik-, Wirtschafts- und Finanzkreisen. Nur so kann mit einer konzertierten Finanzierungsaktion das Kloster auf ein neues und sicheres Fundament gestellt werden.