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Bilaterale Beziehungen Schweiz–Frankreich
Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen
Frankreich als Nachbarland und Gründungsmitglied der Europäischen Union (EU) ist ein prioritärer Partner der Schweizer Aussenpolitik. Zahlreiche bilaterale Abkommen sowie die Beziehungen der Schweiz zur EU prägen den bilateralen Austausch.
Die Schweiz teilt mit Frankreich eine fast 600 km lange Grenze. Entsprechend intensiv ist der grenzüberschreitende Austausch, vor allem in der Agglomeration Genf, der Genferseeregion, dem Espace Mont-Blanc sowie am Oberrhein und im Jurabogen. Über 170’000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Frankreich arbeiten in der Schweiz.
Gegenstand der bilateralen Zusammenarbeit sind insbesondere Wirtschafts-, Steuer- und Finanzfragen, die Kooperation im Bereich Forschung und Innovation, sowie Projekte im Bereich Verkehrsinfrastruktur.
Zudem tauschen sich die Schweiz und Frankreich regelmässig über aktuelle internationale Fragen und die Zusammenarbeit in multilateralen Gremien aus.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Frankreich ist mit einem Aussenhandelsanteil von 6,4% (2017) nach Deutschland, den USA und Italien der viertwichtigste Handelspartner der Schweiz (Importe und Exporte mit Ausnahme des Goldhandels kumuliert). Aus der Sicht von Frankreich war die Schweiz 2017 der neuntgrösste Kunde und der neuntgrösste Lieferant. Das Handelsvolumen lag im Jahr 2017 bei etwa 35 Milliarden CHF mit einem Handelsbilanzüberschuss für Frankreich in der Höhe von 684 Millionen CHF.
Das Schweizer Investitionsvolumen in Frankreich lag Ende 2016 bei 51 Milliarden CHF und konzentrierte sich primär auf Grenzregionen und die Region Ile-de-France. Diese Investitionen entsprechen rund 103’000 Arbeitsplätzen. Umgekehrt betrugen die französischen Direktinvestitionen 40 Milliarden CHF (Ende 2016), was etwa 60’000 Arbeitsplätzen entspricht. Frankreich ist der drittgrösste ausländische Investor in der Schweiz.
Der Tourismus ist ein wichtiger Faktor der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern: Im Jahr 2017 überschritt die Zahl der Logiernächte von französischen Touristen in der Schweiz 1,24 Millionen. Frankreich ist damit nach Deutschland, den USA, Grossbritannien und China der fünftwichtigste Markt des Schweizer Tourismus. Umgekehrt wurden 2016 in Frankreich 3,1 Millionen Logiernächte von Schweizer Touristen verzeichnet.
Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation
Frankreich und die Schweiz pflegen den wissenschaftlichen Austausch in Industrie, Bildung und Forschung. Vertreter des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), des französischen Bildungsministeriums (Ministère français de l’Education nationale) und des Ministeriums für Hochschulwesen, Forschung und Innovation (Ministère français de l’Enseignement supérieur, de la Recherche et de l’Innovation) besprechen regelmässig die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.
Auf multilateraler Ebene arbeiten die Schweiz und Frankreich bei zahlreichen Programmen und in den wichtigsten Forschungsorganisationen Europas, wie dem CERN und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), eng und erfolgreich zusammen. Dank dem schweizerisch-französischen Engagement erhielt das CERN im Dezember 2012 den Beobachterstatus bei der UNO. Seit 2013 werden regelmässig schweizerisch-französische Innovationsforen organisiert, damit sich Wissenschaftler und Unternehmer der beiden Länder austauschen können.
Ebenfalls seit 2013 organisiert die Schweizer Botschaft unter dem Titel «Think Swiss: une vision du futur» regelmässige Veranstaltungen zum Thema Innovation, Bildung und Forschung. Sie sollen Wissenschaftlern und Unternehmern aus beiden Ländern eine Plattform für den Austausch bieten.
Kulturaustausch
Der kulturelle Austausch zwischen der Schweiz und Frankreich ist historisch begründet und vielfältig. Seit mehr als 30 Jahren finanziert Pro Helvetia das «Centre culturel suisse» in Paris, das den Auftrag hat, zeitgenössische Schweizer Produktionen im Kulturbereich zu fördern und zu verbreiten. Die Schweizer Botschaft in Paris sowie die Generalkonsulate von Lyon, Marseille und Straßburg begleiten und unterstützen die Kommunikation zu Schweizer Kulturveranstaltungen, die von den zahlreichen französischen Partnerinstitutionen organisiert werden. Die zuständigen staatlichen Stellen treffen sich regelmäßig zu einem kulturellen Austausch.
Schweizerinnen und Schweizer in Frankreich
2017 waren in Frankreich bei der Botschaft und den Generalkonsulaten 195’700 Schweizer Staatsangehörige gemeldet. Das ist die grösste Auslandschweizergruppe der Schweiz.
Geschichte der bilateralen Beziehungen
Die Schweiz eröffnete 1798 in Paris ihre erste Auslandvertretung. Kurz danach wurde in Bordeaux ein Konsulat eröffnet. Ende des 19. Jahrhunderts war Frankreich der einzige Staat mit einer Gesandtschaft in Bern.