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Bauernhaus wird zum Künstlerhaus
Genutzt wird das neue Künstlerhaus Boswil schon seit Frühjahr, nun wird es auch in einer Feier öffentlich eingeweiht und an einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Es brauchte seine Zeit, bis das ehemalige Sigristenhaus seiner neuen Nutzung als Künstlerhaus zugeführt werden konnte, denn es galt das historische Gebäude in seiner Eigenart und Bauweise zu erhalten, aber gleichzeitig den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Dies ist nun dem Baukommissionspräsidenten Stefan Hegi in Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege und dem Architekten Gian Salis und seinem Team auf hervorragende Art und Weise gelungen.
Ein Blick zurück
Das ehemalige Sigristenhaus steht in unmittelbarer Nachbarschaft zur Alten Kirche und dem ehemaligen Pfarrhaus, das seit der Gründung der Stiftung Künstlerhaus Boswil (1953) durch Willy Hans Rösch und Albert Rajsek als Heim für betagte und mittellose Künstlerinnen und als Begegnungsort für die Künstlerinnen, welche in der Alten Kirche Konzerte gaben, genutzt wurde. Das ehemalige Sigristenhaus war bis 2011 Wohn- und Arbeitsort für den Glasmaler Albert Rajsek, der selbst diverse Um-, An- und Einbauten vornahm, danach stand es leer. Das Haus wurde um das Jahr 1700 als Vielzweckbauernhaus erstellt und mehrmals umgebaut und erweitert. Es besteht aus einem südlichen zweistöckigen Wohntrakt in Bohlen-Ständerbauweise und einem anschliessenden Tenn mit Stall als Hochstudkonstruktion und einem später angefügten Stall. Grössere Anpassungen und Veränderungen wie eine neue Dachstuhlkonstruktion auf dem Stall, der Wohntrakt mit mehreren Schlafräumen in den Obergeschossen und die Unterkellerungen unter dem Ökonomieteil verweisen auf das 19. Jahrhundert.
Eine bauarchäologische Untersuchung im Jahre 2018 gab für die ursprüngliche hölzerne Kernkonstruktion 1697/98 und 1696/99 als Fälldaten für die in den Winterhalbjahren geschlagenen Bauhölzer an. Ursprünglich als sogenannter Firstständerbau konzipiert, hatte dieser «Hochstud» ein allseitig strohgedecktes Walmdach, welches nach diversen Um- und Anbauten 1876 zu einem ziegelgedeckten Giebeldach umgewandelt wurde. Das Haus steht seit 1979 integral unter kantonalem Denkmalschutz und wurde im Jahre 2008 der Stiftung Künstlerhaus Boswil vom Kanton Aargau geschenkt. Dies aber mit der Auflage, dass die Gebäulichkeit in die bestehende Struktur der Stiftung Künstlerhauses Boswil integriert und als Musikzentrum genutzt wird. Das war für die Stiftung Künstlerhaus Boswil sowohl aus baulicher wie auch aus finanzieller Sicht eine grosse Herausforderung. Die Gesamtkosten für diese aufwendige Renovation belaufen sich auf rund 5.4 Millionen Franken, wovon aber inzwischen rund 5.2 Millionen Franken akquiriert werden konnten.
Vom Sigristenhaus zum Künstlerhaus
Das Historische des wunderbaren Hochstudhaus wurde beibehalten und fachkompetent in einen Begegnungsort geführt, der seinen eigenen Charme und wohlige Atmosphäre verströmt. Nun verfügen das Künstlerhaus-Team und die Projektleiterinnen über zeitgemässe Räumlichkeiten, die den heutigen Bedürfnissen eines modernen Bürobetriebes entsprechen. Den Musikerinnen stehen ein kleiner und ein grosser Probesaal zur Verfügung und sie können Seminare durchführen, denn es stehen heimelige Gästezimmer zur Verfügung. Am Desk können Besucher*innen empfangen und beraten werden und sie können sich unter anderem über die Veranstaltungen informieren und erhalten Auskunft über die Möglichkeit eine Räumlichkeit zu mieten.
Nun ist der Kirchenhügel mit der Alten Kirche, dem Gästehaus und dem Künstlerhaus komplett und zu einem Dreigestirn geworden. Nun können die Künstlerinnen einfach für einen Moment Sein und für Stunden oder Tage in eine Welt der Ruhe eintauchen, Ideen entstehen lassen und diese umsetzen. Die Konzertbesucherinnen können hier verweilen, Musik und Ruhe geniessen und Neues entdecken.
Das Haus steht offen für Sie
Damit sich die Bevölkerung einen Eindruck von diesem neuen Haus bekommen kann, wird es für einen Tag für alle Interessierten geöffnet. Es werden Führungen stattfinden und von der musikalischen Seite her erlebbar sein. So ist ein Probebesuch des Jugendorchesters Freiamt möglich, oder einen Auftritt der CHAARTS erleben oder Formationen des Jugend-Sinfonieorchesters Aargau im neuen grossen Probesaal. Die Kinder bekommen im kleinen Probesaal eine wunderbare Geschichte mit viel Musik serviert und erfahren Allerlei über das Künstlerhaus, was das alte Haus schon alles erlebt hat.
Richard Wurz
9. Oktober 2021
Bilder: Dominique Andereggen, Flussreif Foto Bremgarten
Tag der offenen Tür: Am Samstag, 23. Oktober von 9.30 bis 17 Uhr. Die offiziellen Führungen mit Architekt Gian Salis und Baukommissionspräsident Stefan Hegi finden um 10.00, 11.30, 14.00 und 15.30 Uhr statt, das Kinderprogramm startet jeweils um 11.00 und 14.30 Uhr. Weitere Informationen unter www.kuenstlerhausboswil.ch