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Pro Natura kürte das Glühwürmchen zum Tier des Jahres 2019. Korrekterweise heisst das Insekt „Grosser Leuchtkäfer“ (Lampyris noctiluca) - denn es ist kein Wurm, sondern eine Käferart aus der Familie der Leuchtkäfer (Lampyridae).
Kurzes Leuchten
Der Grosse Leuchtkäfer kommt in ganz Eurasien vor und ist die verbreitetste der vier Leuchtkäfer-Arten in der Schweiz. Die Glühwürmchen werden bis zu 15 Millimeter lang, wobei das Weibchen grösser ist als das Männchen. Die weiblichen Glühwürmchen sind im Gegensatz zu den Männchen flugunfähig, dafür aber leuchten sie. Diese Leuchtfähigkeit nennt sich Biolumineszenz. Bei einer biochemischen Reaktion, an der hauptsächlich die Leuchtsubstanzen Luciferin und Luciferase sowie Sauerstoff beteiligt sind, wird Energie frei, die in Form von Licht abgegeben wird.
Doch das Leuchten währt nicht lang: Glühwürmchen verbringen nur einen Bruchteil ihres Lebens im Käferstadium. Die einzige Funktion dieser Lebensphase ist die Paarung. Auf einem Grashalm oder Ast sitzend warten die Weibchen, bis ein Männchen, angelockt von ihrem betörenden grünlichen Leuchten am Hinterleib, zur Paarung angeflogen kommt. Die männlichen Exemplare sterben kurz nach der Paarung, die Weibchen nach der Eiablage. So werden Leuchtkäfer nur bis zu drei Wochen alt – es fehlen die Mundwerkzeuge zur Nahrungsaufnahme. Im Larvenstadium dagegen überleben sie bis zu drei Jahre, weil sie diese noch besitzen. Die Larven ernähren sich von Nackt- und Gehäuseschnecken, die sie mit giftigen Bissen überwältigen. Oft werden die Schnecken in einen geschützten Bereich, z.B. unter einen Laubhaufen geschleppt. Es kann bis zu eineinhalb Tage dauern, bis sie vollständig aufgefressen sind. Da es im Winter an Nahrung mangelt, überwintern die Larven in einer Winterstarre.
Ein Zeichen gegen das Insektensterben setzen
Insekten dominieren unsere Fauna: Sie machen ca. 5/6 der bekannten Tierarten in der Schweiz aus.
„Unsere Tierwelt ist eine Welt der Insekten. (…) Wo es den Insekten gut geht, ist die Natur in Ordnung.“ – Pro Natura
Der Lebensraum von Glühwürmchen muss vielfältig sein: Larven sind auf das Vorkommen von Schnecken angewiesen. Ausserdem bevorzugen sie feuchte Stellen und sowohl offene als auch schattige Plätze. Diese Strukturvielfalt findet sich in der Nähe von Gewässern, unter Büschen, an Waldrändern sowie auf Wiesen. Diese Kulturlandschaften werden rarer: Sie weichen zugunsten von Siedlungen, Strassen und monotonen landwirtschaftlichen Wirtschaftsflächen. Wie alle Insekten leiden Glühwürmchen ausserdem an Pestiziden und Insektiziden.
Ein weiteres Problem ist die Lichtverschmutzung. Durch das künstliche nächtliche Licht fehlt schlicht die Dunkelheit, auf die Glühwürmchen für die Paarung angewiesen sind – denn bleibt es hell, finden Männchen die leuchtenden Weibchen nicht. Überhaupt meiden Männchen das Kunstlicht, während Weibchen davon nicht abgeschreckt werden und teilweise solche Standorte als Paarungsplätze aussuchen. Das Licht stört zudem nachtaktive Tiere wie Fledermäuse und Nachtfalter sowie den menschlichen Schlaf.
Mit der Ernennung des Glühwürmchens zum Tier des Jahres 2019 spricht Pro Natura also nicht nur die Gefährdung des faszinierenden Insekts, sondern auch weitere menschengemachte Probleme an. Wollen wir die Insekten schützen, müssen wir mit dem Schutz unserer natürlichen Umgebung und ihrer Artenvielfalt beginnen.
Wer Glühwürmchen live beobachten will, hat Ende Juni bis Juli - während der Paarungszeit - die grössten Chancen. Die Leuchtkäfer sind dann zwischen 22 und 24 Uhr in ihren naturnahen Lebensräumen anzutreffen.
Quellen und weitere Informationen:
Tier des Jahres 2019: Das Glühwürmchen (Pro Natura)
Webseite Verein Glühwürmchen Projekt mit umfassenden Informationen zu Leuchtkäfern und wie sie geschützt werden können
Sie setzen sich gegen die Lichtverschmutzung ein: Dark Sky Switzerland