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Mit dem Zerfall der Sowjetunion kamen auch die Sezessionsbestrebungen der Tschetschenen an die Oberfläche. Dshochar Dudajew, ein ehemaliger Luftwaffengeneral der Roten Armee übernahm die Führung der Unabhängigkeitsbewegung und schlug einen radikalen, antikommunistischen Kurs ein. Im September 1991 wurde der Oberste Sowjet der Teilrepublik aufgelöst, Dudajew übernahm an der Spitze eines Exekutivkomitees die Macht und liess sich zum Präsidenten wählen. Ein Monat später ordnete er die Generalmobilmachung an und erklärte Tschetschenien für unabhängig. Das nunmehr „unabhängige“ Tschetschenien entwickelte sich ab 1991 zu einer Schattenzone ausserhalb des direkten Einflusses von Moskau, aber doch innerhalb seines Wirtschaftsraumes.
Die Regierung liess ab Mitte 1992 eigene Briefmarken drucken. Diese kamen jedoch aus praktischen Gründen nie zum Einsatz. Obwohl Tschetschenien damals einen weitgehend unabhängigen Kurs steuerte, wurden an den Postschaltern nach wie vor ausschliesslich russische Briefmarken verwendet! Die eigenen Briefmarken erlangten also nie Frankaturkraft. Sie wurden allerdings gelegentlich als Mitläufer geduldet. Andere Belege, die eine reguläre postalische Verwendung dieser Tschetschenien-Marken beweisen sollen, sind falsch! Aufgrund der Echtheit der Quelle dieser Marken und dem dahinterstehenden Problem (Konflikt Russland-Tschetschenien, 1. Tschetschenienkrieg (1994-96) und 2. Tschetschenienkrieg (1999-2009), Wiedereingliederung in die russische Föderation), mag jeder Philatelist selbst entscheiden, ob diese amtlich hergestellten, aber nicht zur Ausgabe gelangten Marken für seine Sammlung relevant sind. Wichtig ist, dass man weiss, welchen Status diese Marken haben und dass das Verschweigen dieses Status nicht ausgenutzt wird, Sammler zu täuschen.
Später wurden tschetschenische Marken mit der englischen Landesbezeichnung Chechenia und einem Frankaturwert ohne Währungsangabe in der Türkei, Grossbritannien, Litauen und Russland gedruckt. Sie haben das Ausgabeland nie gesehen. Diese Marken werden auf den Internet-Plattformen verkauft und mancher Motivsammler ist erfreut über die Reichhaltigkeit der Themen. Die Agenturen, die solches Machwerk herstellen, freut es ebenfalls. Es ist ein Millionengeschäft. Alles Schwindel!