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Goldvreneli
Als ich mal jemanden ankündigte, ihm die „richtigen“ 20 Franken zu schenken, hatte er einen etwas enttäuschten Ausdruck gemacht. Er dachte eindeutig an „nur“ 20 Franken. Aber auf einem Goldvreneli steht 20 Fr.. Das muss der damalige Wert des Goldes, respektive des Frankens in Gold gewesen sein. Diese bekannteste Schweizer Goldmünze enthält bei einem Gesamtgewicht von 6.452 Gramm 5.807 Gramm Gold (900/1000). Bei dem heutigen Goldpreis ergibt das etwas unter 300 SFr. an Goldwert für das Vreneli. Kommt auch hin mit dem Handelspreis der Münze von 295 SFr.. Früher war also ein Franken 1/20 von 5.807 Gramm Gold in eine ansprechende Form gepresst. Das würde 0.29 Gramm Gold pro Schweizer Franken ergeben. Heute sieht das natürlich ganz anders aus. Da stehen wir bei 0.02 Gramm. Fünfzehn mal weniger.
Wie sieht es den unter den damaligen Umständen auf den heutigen Goldpreis übertragen aus? Was wären dann die heute verwendeten Münzen wert? Bei einem Goldpreis von 50 SFr/Gramm und 0.29 Gramm Gold pro Franken ergibt das die folgenden Werte.
|Münze|
|HeutigerWert in CHF||72.50||29.-||14.50||7.25||2.90||1.45||-.72|
Hmm, am 1-Fränkler sehen wir den fünfzehnfachen Wert. Im Fall eines Fünf-Libers, dessen Vorgänger der Taler ist, wächst das zu einer stattlichen Summe von 72.50 CHF heran. Damit lässt sich doch schon was anfangen würde man meinen. Aber auf der anderen Seite der Skala sehen wir beim 5 Rappen Stück ein anderes Bild. Die alte Redewendung – jedenfalls fünfzehn Jahre älter als ich –, dass man nicht „den Fünfer und das Weggli“ haben kann, sagt uns etwas über den früheren Preis dieses Wegglis aus. Diese Weisheit, etwas nicht gleichzeitig behalten und verbrauchen zu können (Common Sense? Logik?) ist weit verbreitet, da vielerorts eigene Variationen das Gleiche wiedergeben. So heisst es z. Bsp. in den USA seinen Kuchen behalten und Essen geht nicht, in Kroatien kann man die Schafe und das Geld nicht gleichzeitig haben. Da gibt es sicher noch mehr.
Ein Blick in die Migros zeigt einen Preis von -.70 CHF für ein Weggli. Beim Bäcker ist der Preis schon eher bei einem Franken. Das bedeutet doch, der Bäcker kriegt heute mehr Gold für sein Weggli als das früher der Fall war. In Wegglis gerechnet scheint Gold gar nicht so teuer zu sein. Wie sieht es den mit Wohneigentum aus? Es ist zwar nicht einfach möglich eine Wohnungsanzeige der 20/30-er Jahre zu finden, aber mir war, als hätte mal ein Freund den Immobilienkauf der Grosseltern mit 30'000.- CHF beziffert. Das würde heute etwa 435'000 CHF ausmachen. Na ja, kommt zwar auf die Wohngegend an, doch Wohneigentum kann man zu diesem Preis in der Schweiz noch erwerben. Hier scheint Gold heute zumindest gleichviel, wenn nicht weniger kaufen zu können.
In einer Anzeige aus der Automobilrevue vom 1.8.1924 ist ein fast neuer Fiat 501 preiswert für 5000.- CHF abzugeben. Auf heute umgerechnet wären das 72'500.- CHF. Doch doch, dafür gibt es heute schon einen sehr guten Mittelklassewagen. Gebraucht sogar noch mehr als das. Der Vorgänger des Rolls Royce Phantom aus dem Jahre 1908 kostete damals ￡890 (für den Phantom II liessen sich leider keine Originalpreise finden). Bei dem Wechselkurs von 25.22 CHF/GBP würde das in damaligen Franken 22'446.- ausmachen. In heutigen Franken wiederum wären das über 325'000. Als ich nachgeschlagen habe, wie viel so ein neuer Rolls Royce Phantom heute kostet, hat mich fast der Schlag getroffen. Ich wusste ja das sie teuer sind, aber das konnte ich wirklich nicht ahnen. Nun, ein Phantom II hätte 1929 an die 1900 GBP kosten müssen, um dem heutigen Preis zu entsprechen. Scheint damals wie heute nur etwas für sehr wohlhabende zu sein. Ein neuer Ford 8 kostete angeblich in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts 100 GBP was bei dem Wechselkurs nach dem Goldstandard, als das Pfund schwächer wurde, einem Wert von weit weniger als 36'569 CHF gleichkäme. In etwa die Preisklasse eines Ford Fiesta/Focus von heute.
Das die heutigen Autos viel mehr bieten als früher kann vernachlässigt werden. Schliesslich war es damals entsprechend schwerer ein Auto herzustellen. Gut sieht man das bei elektronischen Rechnern. Während die ersten Taschenrechner nicht annähernd soviel wie ein heutiger PC boten, so waren sie doch wesentlich teuerer als dieser. Mit der Massenproduktion fallen auch die Preise. Und was haben wir die Sachen in Massen produziert. Teilweise in menschenleeren Roboterhallen mit den ausgeklügeltsten Methoden und Werkzeugen, die dem Menschen zur Verfügung stehen. Wohlstand bis zum Abwinken, was mit Worten wie Überflussgesellschaft und Wohlstandsgesellschaft bestätigt wird.
Bei aller Unschärfe der genanten Beispiele scheint sich doch eine Aussage abzuzeichnen. Der Fünfer und das Weggli sind noch zusammen. Die Preise von vergleichbaren Gütern in Gold sind heute wie damals um 1930 in etwa gleich, wenn nicht höher. Das ist etwas erstaunlich, da heute viel mehr Güter produziert werden. Bei der Produktion von mehr Gütern muss der Stückpreis sinken. Tut er aber anscheinend nicht, nicht bei Gebäck, Häusern oder Autos. Gut, da spielen viele Faktoren eine Rolle, aber eine grobe Schätzung lässt sich trotzdem vornehmen. Die Wohnbevölkerung der Schweiz war laut Volkszählung von 1930 etwas über 4 Mio. Heute wird sie auf fast 8 Mio. geschätzt. Eine Verdoppelung in etwa 80 Jahren, während sich die Menge des Schweizer Goldes auf etwa 1000 Tonnen mehr als halbiert hat (Annahme, da sich in einer kurzen Suche die Goldreserven von 1930 nur als Frankenzahlen finden lassen). Ohne noch die Produktionsvorteile und die grössere Vielfalt für alle Arten von Gütern und Dienstleistungen zu berücksichtigen – diese sprechen auch für kleinere Preise in Gold – kann schon gesagt werden, dass Gold zu billig ist. Wie viel zu Billig? Eine Verdoppelung an Nachfrage und eine Halbierung des Angebots ergeben den Faktor 4. Vom heutigen Goldpreis ausgehend – da der Fünfer noch das Weggli ist – bedeutet das einen Mindestpreis von 6000 CHF pro Unze Gold. Vier Gewinnt.
Dies ist nicht als Prognose oder Analyse zu verstehen. Hier handelt es sich nur um Zahlenspielereien. Aber diese Gedanken und Spiele mit den Zahlen führen zu weiteren Fragen und Einsichten. Die Einsicht ist, dass der Franken eine willkürliche und fluktuierende Grösse ist und die Frage die sich stellen lässt ist die, ob die Exportindustrie weniger hätte, wenn sie das Weggli für 5 Rappen bei einem starken Franken verkauft als für 70 Rappen bei einem schwachen Franken. Wer profitiert davon, dass die SNB jedem gedruckten Euro 1.20 CHF nachdrucken will, wenn nicht die Exportindustrie? Die befreundeten Banker und noch so manche Gattin wahrscheinlich. Aber es soll auch nicht die Unwilligkeit der Arbeiter an schnelle nominelle Lohnanpassungen nach unten verschwiegen werden. Entscheiden Sie selbst, wie es weitergehen könnte, bei all den vielen Aufgaben des Staates. Und ob all die staatlichen Eingriffe wirklich etwas bringen, ausser Umverteilung von Sparern aus dem Arbeitsleben zu Verbrauchern in der Politik, ist fraglich. Wie lange noch, bis uns das Geld der Anderen ausgeht? Erleben wir gerade das hier:
Right at the beginning of the First World War the SNB accentuated the liquidity crisis by pursuing an overly restrictive monetary policy and introducing administrative measures which unsettled the public. Subsequently, the SNB engaged enthusiastically in financing the federal budget by rediscounting a major portion of the federal government’s bonds. The resulting increase in liquidity led to prices doubling between 1914 and 1918 (see chart 1). The high inflation rates resulted in lower real wages, which increased domestic political tension and ultimately culminated in the general strike of 1918. This traumatic event had a lasting effect on the political climate in Switzerland. - SNB