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Die Schweizer U17-Nationalmannschaft hatte 2009 eine riesige Fussballeuphorie entfacht. Die Auswahl von Dany Ryser holte für den Schweizerischen Fussballverband SFV mit dem 1:0-Finalsieg gegen Gastgeber Nigeria den ersten WM-Titel in der 114-jährigen Verbandsgeschichte. Mehr als eine Million Zuschauer verfolgte damals das Finalspiel im Schweizer Fernsehen und sahen, wie ein gewisser Haris Seferovic die Schweizer in der 63. Minute zum Sieg köpfelte. Die Liveübertragung des EM-Finals schaffte es 2009 auf Platz 3 der meistgesehenen Sportsendungen.
Die Schweizer WM-Premiere war allerdings auch eine Derniere. In den Jahren 2011, 2013 und 2015 konnte sich das U17-Team nicht für die WM qualifizieren. Auf europäischem Niveau hat die SFV-Auswahl einen Europameistertitel (2002) und fünfzehn Endrundenteilnahmen aufzuweisen. Nach den EM-Teilnahmen 2013 und 2014, bei denen die Schweizer in der Gruppenphase gescheitert waren, fanden heuer die Titelkämpfe allerdings ohne die Schweizer Auswahl statt.
Besondere Ehre für Freiburg
Nach einem Jahr ohne fussballerischen Grossanlass will sich die U17-Nationalmannschaft nun für die EM 2016 in Aserbaidschan qualifizieren. Albanien, die Niederlande und Wales sind ab dem 22. Oktober die Schweizer Gegner in der ersten Qualifikationsphase.
Als Vorbereitung auf die Qualifikationsphase bestreitet die U17-Nationalmannschaft verschiedene Testspiele; zwei davon finden in Freiburg im St. Leonhard statt. Das erste wurde am Dienstag ausgetragen, das zweite findet heute Abend (19 Uhr) statt. Gegner ist erneut die spanische U17-Nationalmannschaft. «Spanien ist europaweit führend beim Nachwuchs», sagt Eric Schafer, Ausbildungsverantwortlicher beim Team Freiburg/FFV, das die beiden Testspiele organisiert. «Die Spanier können sich die Gegner für ihre Vorbereitungsspiele aussuchen. Ich war zwölf Jahre beim Schweizer Fussballverband in der Nachwuchsabteilung tätig, und ich habe während all dieser Jahre höchst selten erlebt, dass eine Schweizer Junioren-Nationalmannschaft gegen Spanien spielen durfte.»
Dass ausgerechnet Freiburg die Ehre zuteilwurde, die beiden raren Duelle zwischen Spanien und der Schweiz durchzuführen, ist kein Zufall. «Ich pflege nach wie vor gute Kontakte zum SFV und wir werden regelmässig vom Verband angefragt, ob wir Spiele durchführen wollen», erklärt Schafer. «Die Infrastruktur in Freiburg ist gut, es hat einen tollen Fussballplatz und bei solchen Spielen immer verhältnismässig viele Zuschauer. Das alles macht das St. Leonhard zu einem attraktiven Spielort.»
«Ein Verhältnisblödsinn»
Rund 800 Zuschauer erlebten am Dienstag im St. Leonhard, wie die Schweizer U17-Auswahl dank eines frühen Treffers von Andi Zeqiri Spanien 1:0 bezwang. Für das Team von Headcoach Stefan Marini doppelter Grund zur Freude: So war es für die jungen Eidgenossen erst der zweite Sieg im achten Testspiel, zudem kam der Erfolg gegen einen starken Gegner zustande, bei dem Nachwuchstalente aus den renommierten Jugendakademien des FC Barcelona, von Real Madrid, Villareal und Atletico Madrid im Einsatz standen.
Für die Revanche von heute Abend–es ist das letzte Testspiel der U17-Nationalmannschaft vor dem Beginn der EM-Qualifikation–wünscht sich Eric Schafer noch etwas mehr Zuschauer. «Es wäre toll, wenn wir wieder eine tolle Ambiance ins St. Leonhard zaubern könnten. Zudem sind für uns die Zuschauereinnahmen wichtig, damit wir finanziell über die Runden kommen.» Weil der Eintritt zu den Spielen gratis ist, generieren die Organisatoren fast ausschliesslich über den Buvettenbetrieb Einnahmen. «Die Organisation solcher Spiele wird allerdings immer komplexer und damit auch teurer», bedauert Schafer. «Die Auflagen vonseiten der Stadt sind in den letzten Jahren regelmässig verschärft worden. Heute müssen wir bezüglich Sicherheits- und Parkplatzkonzept innerhalb und ausserhalb des Stadions fast die gleichen Auflagen erfüllen wie Gottéron, wenn es gegen den SC Bern spielt.» 18 Seiten umfasse das Dossier, in dem alle zu erfüllenden Weisungen und Bestimmungen aufgeführt seien. «Das ist Verhältnisblödsinn. Zu unseren Spielen kommen 800 friedliche Eltern mit ihren Kindern und keine potenziellen Eishockey-Hooligans.»
Kein Marco Schneuwly
Die Anreize für die Organisatoren sind denn auch nicht finanzieller Natur. Dank den Einnahmen aus der Buvette schaffen sie es knapp, ein Defizit zu verhindern. «Unser Ansporn ist es, in Freiburg internationalen Fussball auf gutem Niveau zu zeigen», sagt Eric Schafer. «Solche Länderspiele sind Motivation für die vielen jungen Fussballer, die sich unter den Zuschauern befinden. Sie sehen, dass man es mit Fleiss, Training und Talent weit bringen kann.»
Unter den Schweizer U17-Nationalspielern, die heute gegen Spanien auflaufen, befindet sich kein Freiburger. Einen Marco Schneuwly, der 2002 mit der Schweizer U17-Nationalmannschaft in Dänemark Europameister wurde, sucht man momentan vergeblich in den Schweizer Nachwuchsteams. «Momentan sind rund 30 Freiburger Junioren in den verschiedenen Nachwuchsabteilungen der Berner Youngs Boys engagiert. Darunter befinden sich einige, die das Potenzial haben, um künftig den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen», sagt Erich Schafer. «Das beweist, dass wir in Freiburg gute Nachwuchsarbeit machen.»