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Am späteren Nachmittag des 24. Dezembers klingelt bei sante24 das Telefon. Am anderen Ende ist Pascal Zürrer, der sehr unglücklich klingt: «Meine Frau und ich haben heute Mittag den Christbaum geschmückt während unsere zwei kleinen Kinder Mittagsschlaf gemacht haben.
Seither geht es ihr nicht sehr gut. Sie glaubt, sie habe sich den Magen verdorben. Weil sie schwanger ist, weiss sie nicht genau, was sie tun soll. Eigentlich wollten wir jetzt dann Weihnachten feiern, die Kinder sind schon ganz aufgeregt, aber meiner Frau ist so schlecht, dass ich gar nicht weiss, wie das gehen soll. Kann sie irgendetwas einnehmen?»
Die Gesundheitsberaterin ist alarmiert und verbindet Pascal Zürrer mit einer diensthabenden Ärztin, die mit Priska Zürrer selber sprechen möchte. Sie erfährt, dass Priska Zürrer (34) in der 35. Schwangerschaftswoche ist und bisher alles problemlos verlief. Seit ein paar Stunden hat sie starke Schmerzen in der Mitte und rechts unterhalb des Brustbeins. Es ist ihr sehr übel, sie hat Kopfschmerzen und ein wenig Schwindel. Obwohl die Ärztin eine harmlosere Magenverstimmung als Ursache der Symptome nicht ausschliessen kann, sind dies für sie Alarmsymptome, um Priska Zürrer trotz Heiligabend sofort in den gynäkologischen Notfall des nächst grösseren Spitals einzuweisen. Eine beginnende Schwangerschaftsvergiftung muss unbedingt ausgeschlossen werden.
Was ist eine Schwangerschaftsvergiftung?
Eine Schwangerschaftsvergiftung ist eine schwerwiegende Erkrankung, die in oder auch kurz nach einer Schwangerschaft auftreten kann und verschiedene Organe, den Blutdruck und die Blutgerinnung betrifft. Sie hat nichts mit einer Lebensmittelvergiftung zu tun, obwohl sich die Anfangssymptome ähneln können. Da sie meist ohne vorherige Probleme plötzlich auftritt und die Symptome auch zu anderen, banaleren Erkrankungen passen könnten, ist es für Laien nicht ganz einfach, die Gefährlichkeit richtig einzuschätzen. Der Grund oder Auslöser der Erkrankung ist nicht eindeutig geklärt.
Was sind die Symptome einer Schwangerschaftsvergiftung?
Typische Symptome sind zum Beispiel Schmerzen im rechten oder mittleren Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall und würden auch zu einer Lebensmittelvergiftung oder Magen-/Darmverstimmung passen. Als weitere unspezifische Symptome treten nicht selten Kopfschmerzen und Schwindel oder Doppelbilder auf. Wassereinlagerungen an den Beinen und zunehmend erhöhter Blutdruck runden das Bild ab. Es müssen allerdings nicht alle Zeichen vorhanden sein, weshalb man auch bei wenigen Anzeichen hellhörig werden und sich rasch in eine gynäkologisch-geburtshilfliche Kontrolle begeben sollte.
Wann in der Schwangerschaft und warum kann eine Schwangerschaftsvergiftung auftreten?
In der Regel erst nach der 20. Schwangerschaftswoche, manchmal auch erst kurz nach der Geburt. Meist liegt vorher eine völlig normale, unproblematische Schwangerschaft vor. Die Symptome beginnen plötzlich und schreiten dann zum Teil rasant fort. Obwohl die genaue Ursache bisher ungeklärt ist, kann man sagen, dass eine Schwangerschaftsvergiftung nicht durch äussere Bakterien oder Viren verursacht und damit auch nicht ansteckend ist. Auch Nikotin, Alkohol oder andere Drogen scheinen keine ursächliche Rolle zu spielen.
Was bedeutet eine Schwangerschaftsvergiftung für Mutter und Kind?
Da die Erkrankung lebenswichtige Organe wie Leber, Nieren und das Blutgerinnungssystem betrifft, kann sie lebensbedrohlich für die Mutter und das ungeborene Kind werden. Wenn der Prozess erst einmal in Gang gesetzt ist, laufen im Körper verschiedenste Reaktionen ab, die meist immer schneller aufeinander folgen, so dass das Ganze sogar unter intensiv-medizinscher Betreuung im Spital ein Wettlauf mit der Zeit um das Leben der Mutter werden kann.
Was kann man dagegen machen?
Bei Verdacht auf eine beginnende Schwangerschaftsvergiftung muss die Betroffene unbedingt sofort ins Spital eingewiesen werden, um verschiedenste Blut- und Urinparameter zu kontrollieren und im Auge zu behalten. Die einzig wirksame „Therapie“ ist die vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft, meist durch Kaiserschnitt. Nach der Geburt verbessert sich der Zustand der Mutter in der Regel schnell. Ist das Neugeborene nicht extrem frühgeboren, sind Folgen für das Kind heutzutage selten geworden.
Familie Zürrer hat den Weihnachtsabend im Spital verbracht, wo sich die Verdachtsdiagnose bestätigt hat. Noch in der Nacht wurde ein Kaiserschnitt gemacht und ein gesundes Mädchen geboren. Der Zustand der Mutter hat sich danach schnell stabilisiert und die kleine Tochter musste nur noch zwei Tage überwacht werden und konnte dann ins Zimmer der Mutter verlegt werden. Inzwischen ist die Familie wieder zuhause und wird diesen Weihnachtsabend so schnell nicht vergessen, der Gott sei Dank für alle ein glückliches Ende genommen hat.
Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von sante24. Die telefonische Gesundheitsberatung sante24 ist eine zentrale Dienstleistung von SWICA, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Die Fachkräfte von sante24 vereinbaren bei Bedarf einen Arzttermin und schaffen so die Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Behandlung – von der ersten Beratung bis zum Therapieabschluss.