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Im Mittelalter war dieser rund 75cm lange, schwarze Vogel mit dem langen, dünnen Schnabel noch in der Schweiz verbreitet. In der berühmten «Historia Animalium» (Naturgeschichte) des Zürcher Stadtarztes Conrad Gessner (1555 herausgegeben) wird neben einer Beschreibung des Vogels auch erwähnt, wie «feinschmeckend zart» dessen Fleisch sei. Tatsächlich sind in alten Kochbüchern auch einige Rezepte für die Zubereitung von Waldrappen zu finden. Weil die Waldrappe in Felsnischen oder auf Felsvorsprüngen in Kolonien von 30 – 400 Tieren brüten, war die Jagd auf sie ziemlich einfach. Vor allem Jungtiere sollen in Europas Fürstenhäusern in grosser Anzahl verspeist worden sein. Der Waldrapp verschwand spätestens zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus Mitteleuropa. An seinem Aussterben in Europa war aber nicht nur der Mensch maßgeblich beteiligt, beigetragen hat wohl auch eine Klimaänderung, denn das Verschwinden des Waldrapps fällt mit dem Beginn der "Kleinen Eiszeit" zusammen, die etwa von 1550 bis 1800 gedauert hat.
Heute wird im Zuge der geplanten Wiederansiedlung in den Medien immer von den ehemaligen Brutstätten unter anderem in Bad Ragaz berichtet. Es gibt aber absolut keinen Nachweis für eine solche Brutstätte in Bad Ragaz.
Einen wichtigen Beleg für unsere Gegend gibt es allerdings und zwar für eine Brutstätte in Pfäfers im Taminatal. Conrad Gessner schreibt in seinem 1555 herausgegebenen Buch nämlich:
"da er dann etwan von einem menschen/ so an einem seil hinabgelassen/ ausgenommen und für einen schläck gehalten wirt / wie er auch bei uns in etlichen hohen schrofen bei dem bad Pfäfers gefunden wirt/ da sich auch etliche weidleut hinab gelassen habend... Ire jungen werdend auch zur speyss gelobt/ und für einen schläck gehalten: denn sy haben ein lieblich fleisch und weich gebein."
Da er dann etwa von einem Menschen der an einem Seil hinabgelassen wird ausgenommen und für eine Delikatesse gehalten wird: wie er auch bei uns in ettlichen hohen Schroffen bei dem alten Bad Pfäfers gefunden wird, wo sich auch ettliche Waidleute (Jäger) hinab gelassen haben. Wegen seiner Stimme wird er auch Scheller genannt. Ihre Jungen werden auch zur Speisse gelobt und für eine Delikatesse gehalten, denn sie haben ein liebliches Fleisch und weiches Gebein.
In den Schriften über den Waldrapp hiess es immer, dass der Waldrapp in „der Taminaschlucht bei Ragaz“ oder in der Umgebung von Ragaz gebrütet habe. Heute heisst es zum Teil bereits, der Waldrapp habe in Bad Ragaz gebrütet. Sogar in der Lokalzeitung „Sarganserländer“ war zu lesen, dass ein ausgesetzter Waldrapp, der Richtung Bodensee flog, in Ems und nicht in Ragaz gelandet sei. Weshalb solle er denn in Ragaz landen? Etwa weil es dort einen Flugplatz hat? Man kann hier deutlich ersehen, was solche ungenaue Angaben bewirken können. Auch in andern Zeitungen und Publikationen liest man heute immer wieder, dass der Waldrapp in Bad Ragaz gebrütet habe. Nie oder selten steht ein Wort von seiner eigentlichen Brutstätte in Pfäfers.
Der Waldrapp (ein ausgestopftes Exemplar ist im Museum Schloss Sargans ausgestellt) hat nach dem Buch von Conrad Gesner von 1557 eindeutig bei dem Bad Pfäfers, im Taminatal, gelebt und gebütet und nicht, wie heute zum Teil behaupetet, in Bad Ragaz.
Ich finde es schade, dass solch eindeutige wissenschaftliche Belege heute dermassen falsch pupliziert werden.
Das Liber Viventium
Das Liber Viventium oder Buch der Lebenden, wurde um 820 – 830 vom Kloster Pfäfers angelegt. Es war ein Gedenkbuch des Klosters Pfäfers. Nebst den vier Evangelientexten enthält es viele Personennamen. Im Markusevangelienbild über dem Canonesbogen sind zwei Waldrappen abgebildet. Es ist dies vermutlich der älteste Beleg dieses wundersamen Vogels, der im Mittelalter in der Taminaschlucht brütete.
Gemäss der Sage sollen die Klosterjäger des Kloster Pfäfers bei der Entdeckung der warmen Quelle (1038 und 1242) in der Taminaschlucht ja auch Raben (vermutlich Waldrappen) verfolgt haben. Vielleicht haben sie sich wie oben beschrieben abgeseilt um die Nester auszunehmen.
Auch im uralten Sarganserländer Alpsegen oder Betruf, der Abends jeweilen zum Schutz auf den Alpen gerufen wird, ist vom Rappen die Rede.
St. Peter, nimm dinen Schlüssel wohl in dini rechte Hand und bschlüss wohl uf dem Bären sinen Gang, dem Wolf der Zahn, dem Luchs der Chräuel, dem Rappen der Schnabel