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| Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Schriften über "Göttliche Namen" (De divinis nominibus)

Fünftes Kapitel: Über den Seienden und die Vorbilder
§ 9.
Wenn aber der Philosoph Klemens will, daß auch die höhern Leitprinzipien, die in den Dingen ruhen, in relativem Sinne Vorbilder genannt werden,1 so bewegt sich seine Rede nicht in eigentlichen, vollständig und einfach zutreffenden Worten. Falls wir aber zugeben wollen, daß auch dieses mit Recht behauptet werde, so müssen wir uns an die göttliche Offenbarung erinnern, welche sagt: Ich habe dir jene Dinge nicht gezeigt, damit du hinter ihnen herwandelst,2 sondern (sie sind gezeigt), damit wir vermittels der analogen Erkenntnis dieser Dinge nach Möglichkeit zur Ursache [S. 110] von allem emporgeführt werden. Alles muß man also auf sie in einer alles übersteigenden Einigung zurückführen. Denn von dem Sein her bei dem wesenheitschaffenden gütigen Hervortreten beginnend und durch das All sich verbreitend und alles von sich aus mit dem Sein erfüllend und über alles Seiende frohlockend hat sie (die oberste Ursache) alles ehevor in sich selbst und schließt gemäß einer überintensiven Einfachheit jede Doppelung von sich aus. Ebenso umschließt sie aber auch alles in übereinfacher Unermeßlichkeit, und alles hat an ihr einheitlich Anteil, gleichwie auch die Stimme, obschon nur eine und die gleiche, von vielen Ohren als eine vernommen wird.
1: Vgl. Strom. 8, 9 M. 9, 596 C. Wahrscheinlich ist Klemens Alex. gemeint.
2: Eine Stelle, wie sie hier zitiert wird: Ὅτι οὐ παρ’ἐδειξά σοι αὐτὰ τοῦ πορεύεσθαι ὀπίσω αὐτῶν wird man in der Hl. Schrift vergeblich suchen. Bruchstücke des Zitates sind wohl entnommen aus Ex. 25, 40 und Oseas 4, 6 (Jerem. 9, 14). Die Stelle aus Oseas wird vollständig angeführt. CH. IX 3.