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JACKSON - Gladys Scott muss ihrer kranken Schwester eine Niere spenden. Sonst bleiben die beiden lebenslänglich im Gefängnis. So will es der Gouverneur von Mississippi.
Die Begnadigung der beiden Schwestern Gladys und Jamie Scott wurde im US-Bundesstaat Mississippi allgemein begrüsst. Ohnehin empfanden viele die lebenslangen Haftstrafen für den gemeinsam begangenen bewaffneten Raubüberfall der beiden Afroamerikanerinnen als übertrieben. Sie hatten nur elf Dollar erbeutet.
Nach 16 Jahren im Gefängnis hat Gouverneur Barbour die Dialysepatientin Jamie Scott nun aufgrund ihres Gesundheitszustandes begnadigt. Ihrer Schwester gab er jedoch die Auflage mit, ihr innerhalb eines Jahres eine ihrer Nieren zu spenden.
Zwang zur Organspende illegal
Die Idee der Nierenspende stammt von Gladys selbst. Ihr das allerdings zur Auflage für ihre Begnadigung zu machen, halten einige für problematisch, so auch Arthur Caplan, Direktor des Zentrums für Bioethik an der University of Pennsylvania.
Er beschäftigt sich seit rund 25 Jahren mit den ethischen und rechtlichen Folgen von Organtransplantationen. Doch von einem Fall wie dem der Scotts habe er noch nie gehört, sagt er.
Es sei illegal, Organe zu kaufen oder zu verkaufen und Menschen zur Organspende zu zwingen, sagt Caplan. «Wenn man sich freiwillig dafür meldet, eine Niere abzugeben, hat man normalerweise bis zur letzten Minute die Option, es sich anders zu überlegen», sagt er.
«Wenn man es allerdings an die Bedingung knüpft, dass man andernfalls zurück ins Gefängnis geht, ist das ein ziemlicher Anreiz.»
Zurück ins Gefängnis?
Darüber, was passieren würde, wenn Gladys es sich anders überlege, mache man sich im Büro des Gouverneurs noch keine Gedankten, sagt Sprecher Dan Turner. «Wir beschäftigen uns damit, wenn es so weit ist.» Nach seiner Auffassung bestehe kein Zweifel daran, dass Gladys die Niere spenden werde.
Doch steht noch nicht einmal fest, ob Gladys Niere Jamie überhaupt helfen könnte. Zwar sind ihre Blutgruppen kompatibel, doch genauere Gewebetests stehen noch aus. Ob Gladys bei einer Unverträglichkeit wieder ins Gefängnis muss, ist unklar. «Die Idee wurde nicht vom Büro des Gouverneurs aufgebracht. Es handelt sich hierbei nicht um ein auf Gegenleistungen basierendes Geschäft», sagt Turner.
Eine Nierenspende an sich ist rein rechtlich kein Problem, sagt George Cochran, Professor an der Juristischen Fakultät der University of Mississippi. «Jeder hat das verfassungsmässige Recht auf körperliche Unversehrtheit, aber wenn man sich bereit erklärt, ein Organ zu spenden, gibt man dies auf», sagt der Verfassungsrechtsexperte.
Doch Begnadigung und Organspende hätten nicht verknüpft werden sollen, sagt Michael Shapiro, Chef der Organtransplantation am Universitätskrankenhaus der Hackensack Universität im US-Staat New Jersey. Er ist ausserdem der Vorsitzende des Ethikrats der Organisation United Network for Organ Sharing.
«Die einfache Antwort ist, dass man niemandem seine Niere abkaufen darf», sagt er. «Wenn der Gouverneur jemandem 20 Jahre für seine Niere anbietet, könnte das eine Rechtsverletzung sein.» Man könne es so verstehen, dass Gladys ein Handel – Freiheit gegen Niere – angeboten werde, was gegen das Organhandelsverbot verstiesse. (SDA)