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Am 25. Oktober 1917 wurde die EVP Stadt Bern im Restaurant „zur Münz“ an der Marktgasse 34 im 1. Stock gegründet und nannte sich vorerst "Politische Vereinigung christlicher Bürger". Sie ist damit die älteste Ortspartei der EVP im Kanton Bern. Unmittelbar nach der Gründung nahm sie an den Stadtratswahlen teil, die 1917 erstmals im Proporz-Wahlsystem durchgeführt wurden, und gewann mit dem Redaktor Albert Ryser einen Sitz.
1919 nahm die EVP Bern unter der Federführung der Stadtberner erstmals an den Nationalratswahlen teil. Bei der Gründung der EVP Schweiz spielte der in Bern lebende Zürcher Kaufmann Arnold Muggli eine wichtige Rolle. Er wurde zum ersten Zentralpräsident der Schweizer Partei gewählt. Auch die Stadtberner Sektion wurde Mitglied und änderte ihren Namen in EVP Stadt Bern. Im Gegensatz zum Kanton Zürich reichte es der EVP Bern 1919 nicht für einen Nationalratssitz. Zwar wurde die EVP Kanton Bern 1921 gegründet, entfaltete aber in den kommenden Jahrzehnten wenig Wirkung. Arnold Muggli war bis zu seinem Tod 1930 erster Kantonalpräsident.
Stadtrat
Seit 1918 ist EVP Stadt Bern ununterbrochen – meist mit zwei Sitzen - im 80-köpfigen Berner Stadtrat vertreten.
Schub erhielt die EVP Stadt Bern durch die Einführung des Frauenstimmrechts. Bei den Wahlen 1971 verdoppelte sie die Anzahl Sitze von zwei auf vier. Nebst den beiden Männern zogen zwei Frauen ins Stadtparlament ein. Insbesondere die Stadträtin und spätere Grossrätin Maria Schaer sorgte für die weitere Profilierung der Partei.
Zweimal stellte die EVP bisher den Vorsitzenden bzw. die Vorsitzende des Stadtparlamentes. 1983 nahm Maria Schaer als erste Frau auf dem Sessel des Berner Stadtratspräsidiums Platz. 1995 folgte ihr Otto Mosimann.
Grosser Rat und Nationalrat
Erst 1958 entsandte die EVP ihren ersten Vertreter ins Berner Kantonsparlament. Auch diesmal war der erste Grossrat ein Stadtberner. Ausser in zwei Amtsperioden war die EVP Stadt Bern seitdem immer im Kantonsparlament vertreten.
Nach 1919 nahm die EVP im Kanton Bern erst 1963 wieder an den Nationalratswahlen teil. 1967 gelang es ihr erstmals, mit dem Stadtberner Paul Aebischer einen Sitz zu erobern. Leider verstarb Nationalrat Aebischer 1971 im Amt.
Die EVP Stadt Bern politisierte in ihrer Geschichte nicht immer mit der gleichen Ausrichtung. Zu Beginn war sie zusammen mit der SVP in einer Fraktion, später mit dem Landesring der Unabhängigen (LdU). Heute politisiert sie im Stadtparlament links der Mitte zusammen mit der Grünen Freien Liste (GFL). Stets ging es der EVP aber darum, biblisch-christliche Werte umzusetzen. Je nach Aktualität reichten Stadtberner EVP-Parlamentsmitglieder immer wieder zukunftsweisende Vorstösse ein. Zum Beispiel bewegte in den 60er-Jahren die Ausländerthematik. Deshalb verlangte die Stadtberner EVP, dass Ausländervereinigungen gebildet werden, damit die Schweizer Behörden Ansprechpartner unter den entsprechenden Ethnien hatten. Dieser Vorstoss wurde von der EVP auch in anderen Städten eingereicht und umgesetzt.
Diesen Text ergänzt um die Liste der Ratsmitglieder können Sie hier als PDF ansehen und herunterladen.
Die Vertreter/innen der EVP Stadt Bern in Stadtrat, Grossem Rat und Nationalrat 1919–2018