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Das Reizdarmsyndrom äussert sich als Episoden von Bauchschmerzen oder anderen Missempfindungen. Charakteristisch ist eine erhöhte Spannung (Spastik) der Darmmuskulatur, die abwechseln kann mit vorübergehendem Erlöschen der Peristaltik (Darmtätigkeit). Die Diagnose wird erst gestellt, wenn während eines Zeitraums von mindestens 12 Wochen wiederholt folgende Symptome bestehen:
Das Leiden ist belastend, aber nicht gefährlich, und führt nicht zu bösartigen Erkrankungen. Es beginnt mehrheitlich im jungen Erwachsenen-, bisweilen jedoch bereits im Kindesalter und tritt bei Frauen öfter auf als bei Männern. Da viele Betroffene keinen Arzt aufsuchen, lässt sich die Häufigkeit nur schätzen; man geht von ca. 20% der Gesamtbevölkerung aus.
Die Darmmuskulatur befördert aufgenommene Speisen mit harmonischen, wellenförmigen Kontraktionen (Zusammenziehen), der sog. Peristaltik, vom Magen in Richtung Darmausgang. Während der Passage durch den Darm werden die Nahrungsmittel chemisch abgebaut und in den Blutkreislauf aufgenommen.
Die Mechanismen, welche ein Reizdarmsyndrom nach sich ziehen, sind nicht in Einzelheiten bekannt.
Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben einen milden und zeitlich begrenzten Verlauf mit zu- und abnehmenden Symptomen, seltener sind Fälle mit enormer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Es werden drei Formen von Reizdarm unterschieden: 1. vornehmlich mit Verstopfung, 2. vornehmlich mit Durchfall – vor allem morgens, 3. abwechselnd dünnflüssiger, dann eingedickter, harter Stuhl. Merkmale sind im Einzelnen:
Ähnliche Symptome können verursachen:
Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder Zöliakie (Sprue), Endometriose, Nahrungsmittelallergie, chronischer Darmverschluss, Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), neurologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Parkinson), im höheren Alter auch Darmkrebs; daneben Stoffwechselstörungen und Nebenwirkungen von Medikamenten, z.B. Präparate, die Opiate enthalten, Mittel gegen Depressionen oder gegen Epilepsie sowie Antibiotika.
Der Arzt sollte rasch konsultiert werden, wenn massive oder ungewöhnliche Durchfälle, hohes Fieber, Blut im Stuhl, oder Gewichtsverlust auftreten. Bei diesen Symptomen besteht der Verdacht, dass es sich nicht um einen Reizdarm handelt, sondern z.B. um eine Infektion oder bei älteren Menschen um eine Krebskrankheit. In der zweiten Lebenshälfte müssen Stuhlunregelmässigkeiten immer ärztlich abgeklärt werden.
Sie basiert auf den Beobachtungen und Angaben des Patienten, zusätzlich auf Stuhl- und Blutuntersuchungen, einem Atemtest zur Abklärung von Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeit, Kontrastmittelröntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT), gegebenenfalls Koloskopie (Darmspiegelung) mit Biopsie (Gewebeentnahme). Es gibt indessen keinen Test, der es erlauben würde, die Diagnose direkt zu stellen. Das Reizdarmsyndrom als funktionelle Gesundheitsstörung ist eine sog. Ausschlussdiagnose. Sie darf nur gestellt werden, wenn keine organischen Ursachen der Bauch- oder Verdauungsbeschwerden gefunden wurde
Angesichts der vielschichtigen Problematik gibt es kein einheitliches Schema für die Behandlung, verschiedene Massnahmen müssen hinsichtlich ihrer Zweckmässigkeit individuell ausprobiert werden. Generell eignet sich, was im Abschnitt „Was man selbst tun kann“ genannt ist.
Bei deutlicher Spastik (Krampfzustand) der Darmmuskulatur sind krampflösende Medikamente gelegentlich angezeigt und je nach Schweregrad des Syndroms können auch Psychopharmaka (psychisch wirksame Medikamente) angebracht sein.