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| Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)

Drittes Buch: Von dem vorgeschriebenen Officium des Tages.
11. Worin unterscheidet sich die Feier des Sonntags von der Lebensweise an den übrigen Tagen?
[S. 57] Auch darüber darf man nicht in Unwissenheit bleiben, daß am Sonntage nur eine gottesdienstliche Versammlung vor der Mahlzeit gehalten wird, in welcher die Mönche die Psalmen, Orationen und Lektionen aus Ehrfurcht vor der sonntäglichen Versammlung oder Kommunion mit größerer Feierlichkeit und Bereitwilligkeit beten und hierin auch Terz und Sext sich persolvirt denken. Auf diese Weise wird Nichts an dem pflichtschuldigen Gebet abgekürzt, weil nämlich noch Lektionen beigefügt werden. Trotzdem zeigt sich hier scheinbar ein Unterschied und wird den Brüdern aus Ehrfurcht gegen die Auferstehung des Herrn im Vergleich zu der übrigen Zeit eine Erleichterung gewährt, welche ein Doppeltes bezweckt: einmal mildert sie die Strenge der ganzen Woche,1 und dann veranlaßt die mit ihr verbundene Abwechslung die Mönche, diesen Tag als einen Festtag wieder in einer gehobeneren Stimmung zu erwarten, und läßt sie durch die Erwartung dieses Tages die Fasten der kommenden Woche weniger fühlen. Denn immer erträgt man mit größerem Gleichmuth jegliche Ermüdung und verwendet unverdrossene Anstrengung auf ein Werk, wenn zuweilen eine gewisse Abwechslung oder irgend welche Veränderung in der Arbeit darauf folgt.
1: An den Wochentagen wurde nämlich die Mahlzelt (prandium) nicht schon Mittags (nach der Sext) sondern erst nach der Non (also gegen Abend) genommen und bis dahin gefastet.