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Schweizermeister 2012
Saison 2011/12
Gab es in der Vorsaison zum Auftakt noch einen Kart-Plausch mit anschliessender Jassrunde, so wurde auf die neue Saison hin schnell klar, dass es mit dem neuen Coach Bob Hartley anders zu und her gehen würde. Der Name verpflichtet: Hartley hatte sich seinen Erfolg hart erkämpft. Er arbeitete sich vom Fabrikarbeiter zum Stanley-Cup-Sieger und Besitzer einer Hockeyschule hoch, obwohl er als Aktiver nie den Status eines Profis erwarb.
Als neuer Hoffnungsträger wurde Jeff Tambellini geholt. 25 Jahre zuvor war sein Vater bereits an gleicher Wirkungsstätte tätig. Zudem fiel Hartley bei GC ein Spieler auf, der bereits mit dem Stempel des ewigen Talents ausgestattet war: Luca Cunti. Mit 21 Jahren kam Cunti doch noch zum ersten Einsatz bei den ZSC Lions. Für die Defensive wurde Severin Blindenbacher verpflichtet.
Am 17. September 2011 reiste die Mannschaft nach Biel. Nach 26 Minuten, beim Stand von 0:0, pfiff Schiri Rochette die Partie ab. Obwohl vorher schon viermal unterbrochen wurde, um die Mannschaften Runden laufen zu lassen, hielt sich der Bodennebel hartnäckig, wodurch man den Puck nicht sehen konnte.
Die Startphase in die neue Saison missriet dem ZSC gründlich. Erst am 7. Oktober 2011 konnte endlich der erste Heimsieg gegen Servette bejubelt werden. Zuvor gab es sechs Heimpleiten in Folge. Immerhin lief es auswärts gut: Während dieser Zeit konnten sämtliche Spiele in der Fremde gewonnen werden. So verlor man wenigstens nicht den Anschluss in der Tabelle, obwohl man sich nach einem Fünftel der Qualifikation unter dem Strich befand.
Hartley sah sich gezwungen, etwas gegen den Heimfluch zu unternehmen. Er vereinbarte mit der Mannschaft, dass die Spieler, solange sie gewinnen, im bequemen Outfit zu den Heimspielen kommen konnten. Würden sie verlieren, mussten sie den Club-Anzug tragen.
Bereits im Oktober wurde ein weiterer Ausländer verpflichtet – Michael Nylander, ein NHL-Saurier mit 920 Spielen und 679 Scorerpunkten. Es gab Bedenken, ob der bereits 39-jährige Schwede in der schwierigen Situation der Richtige war. Nach nur zwei Spielen, die zwei Siege und das Vorrücken auf einen Playoff-Platz brachten, waren die Bedenken verflogen. Nylander hatte mit seiner ruhigen Art einen positiven Einfluss auf die Mannschaft.
Am 27. November 2011 wurde dann das abgebrochene Spiel vom September in Biel wiederholt. Die Bieler setzten sich mit 4:0 durch, womit eine lange Serie zu Ende ging: Der letzte Sieg der Bieler gegen den ZSC datierte vom 25. Oktober 1994. Wegen dieser Niederlage kamen die Zürcher wieder mit dem „Strich“ in Kontakt.
Mitte Dezember ereignete sich beim Farmteam GCK Lions Sonderbares: Santuu Sulander spielte erstmals mit seinem Vater zusammen eine Meisterschaftspartie. Einem Grossmeister entsprechend behielt Sulander eine reine Weste und der GCK siegte 2:0. Es zeichnete sich bereits jetzt ab, dass es Sulanders (mittlerweile 43-jährig) letzte Saison beim Zett werden würde.
Unmittelbar vor Weihnachten ging es für die ZSC Lions zum direkten Tabellennachbarn unter dem Strich – nach Genf. Für Bob Hartley wurde es langsam aber sicher eng. Die letzten drei Partien gingen allesamt verloren. Dazu kam, dass der ZSC letztmals 2008 in Les Vernets gewinnen konnte. 90 Sekunden vor Schluss der Partie lagen die Genfer mit 3:2 vorne und konnten wegen Strafen gegen Cunti und Ambühl erst noch in doppelter Überzahl agieren. Dann passierte Unerwartetes: Tambellini lancierte Seger mit einem ganz feinen Pässchen, und dieser schob ganz cool zum Ausgleich ein – sein erstes Saisontor! Anschliessend nahm Servettes Coach McSorley auch noch seinen Goalie raus, um mit sechs gegen drei Spielern zu spielen. Ohne Erfolg: Das anschliessende Penaltyschiessen gewann der Zett. Im Nachhinein betrachtet kam diesem Spiel eine enorme Bedeutung zu – ein wichtiger Sieg für die Moral des Teams und Trainer Hartley. Die anschliessende Heimfahrt mit dem Car geriet zu einer Weihnachtsparty mit super Stimmung.
Anfang Februar wurde bestätigt, was niemand wahrhaben wollte: Ari Sulanders würde nach der Saison seine Karriere beenden. Zwischenzeitlich wurde er von Flüeler verdrängt. Nach der Bekanntgabe seines Rücktrittes wurde Sulo gefragt, ob er wohl noch einmal im ZSC-Dress auf dem Eis stehen würde. Seine lapidare Antwort: «Fragen sie den Trainer.» Sportchef Salis adelte ihn als besten und wichtigsten Spieler aller Zeiten der ZSC Lions!
Aber im Sport geht es manchmal sehr schnell, und schon stand Sulander im drittletzten Spiel der Qualifikation in Rapperswil ab dem zweiten Drittel wieder im Tor, nachdem sich Flüeler verletzt hatte. «Ich geniesse es», meinte ein gut gelaunter Sulander. Im allerletzten Qualifikationsspiel, noch immer mit Sulander im Tor, wurde Genf mit 3:0 besiegt. Ein Shutout also für den Altmeister. Würde Hartley in den Playoffs gar beabsichtigen, mit Sulander zu starten, auch wenn Flüeler wieder bereit sein würde?
Abgeschlossen wurde die Qualifikation auf dem siebten Rang mit doch immerhin zehn Punkten Vorsprung auf den Neuntplatzierten. Diese Rangierung bescherte den ZSC Lions den HC Davos als Gegner für den Playoff-Viertelfinal.
Im ersten Spiel gegen Davos konnte der ZSC gleich das Break erzwingen. Die Antwort zur oben gestellten Goaliefrage: Beim 4:2-Sieg stand der wieder genesene Flüeler im Tor. Die Serie gegen den HCD war dann schnell gegessen: Im Eilverfahren wurde Davos mit 4:0 in die Ferien geschickt. Elf Siege aus den letzten 14 Spielen – der ZSC hatte endgültig Lunte gerochen!
Im Halbfinal wartete der EV Zug und auf die Fans sogleich ein furioses erstes Spiel in der Zentralschweiz: Nach einem überlegen geführten Startdrittel der Zürcher (15:6-Abschlüsse) und einem für die Zuger schmeichelhaften 1:1 überfuhren die Löwen ihren Gegner im Mitteldrittel richtiggehend. Innert 69 Sekunden stellten Monnet, Cunti, Bühler und Pittis auf 5:1. Zum Ende gabs den höchsten Auswärtssieg der Saison mit 7:1. Spätestens nach diesem Abend wusste die Eishockeyschweiz, über wen der Titel zu führen hat. Im darauffolgenden Heimspiel wurde das frühe Break mit einem 2:1-Erfolg bestätigt.
In dieser Serie blühte einer auf – Steve McCarthy. Im Oktober für den verletzten Murphy geholt, spielte der Verteidiger mit der Nummer 3 zunächst unauffällig. Wer unauffällig spielt, macht keine Fehler. In den Playoffs, in denen die Spiele enger [A1] und härter wurden, vermochte sich McCarthy deutlich zu steigern und spürbare Akzente zu setzen.
Nach dem dritten Sieg in Folge gegen Zug standen die ZSC Lions mit mehr als nur einem Bein im Final. Bei der Rückkehr aus Zug warteten die Fans im Olymp auf die Mannschaft. «Sie sangen, tanzten und brannten Feuerwerk ab», meinte ein schmunzelnder Trainer Hartley. Das 5:1 in Spiel vier im ausverkauften Hallenstadion war dann die Krönung einer weiteren makellosen Serie und bedeutete den Finaleinzug.
SCB vs. ZSC – die beiden Grossen des Schweizer Eishockeys duellierten sich im Playoff-Final. Dumont entschied Spiel eins mit zwei Toren zugunsten der Berner. Ein Flüeler in absoluter Hochform konnte die erste Final- und überhaupt die erste Playoff-Niederlage diese Saison des ZSC auch nicht verhindern. Im anschliessenden Heimspiel zeigten die Zürcher eine Reaktion und besiegten Bern mit 2:1.
Der zweite Gang in die Hauptstadt brachte keine neuen Erkenntnisse, das benötigte Break blieb erneut aus und die Berner ohrfeigten den ZSC diesmal mit 3:0. Im darauffolgenden Heimspiel der Lions siegten die Berner erneut, diesmal 2:0.
War die Luft bei den Zürchern bereits draussen? 1:3-Rückstand in der Serie, und der schwere Gang nach Bern stand bevor. Düstere Aussichten! Von zahnlosen und müden Löwen wurde in der Presse geschrieben, der Final schien entschieden. Die Vorbereitungen für die bevorstehende Meisterparty liefen im SCB-Lager bereits auf Hochtouren. Niemand glaubte mehr an den ZSC.
So fuhr man am 12. April 2012 zum dritten Mal nach Bern. Als Domenico Pittis Goalie Bührer nach 154 Minuten ohne Gegentor zum 1:0 bezwang, keimte bei den Zürchern wieder Hoffnung auf und das Tor setzte neue Kräfte frei. Allerdings profitierte Froidevaux nur vier Minuten später von den übersäuerten Beinen der ZSC-Verteidiger Stoffel/Schnyder, die schon zu lange im Einsatz standen. Das ausgeglichene Resultat hatte auch nach 60 Minuten noch Bestand. Die Verlängerung war an Spannung kaum zu überbieten: Titel für Bern, oder ein weiteres Heimspiel für die ZSC Lions? Mathias Seger beantwortete diese Frage in der Overtime mit einem Schuss ins Glück.
11’200 Fans pilgerten dank des Auswärtssieges ein allerletztes Mal in der Saison 2011/12 ins Hallenstadion. Die Parallelen zur Meistersaison 2001 waren augenfällig: Auch damals lag man mit 1:3 aussichtslos zurück und vermochte das Ding dann doch noch zu drehen. Die defensive Disziplin, die den Final bis anhin geprägt hatte, löste sich plötzlich in Luft auf. Mit dem Anpfiff hiess es: Achtung, fertig, los. Dennoch stand es nach 20 Minuten 0:0. Die Spannung war zum Greifen!
Im Mitteldrittel ging der Torreigen los. Monnet, Ambühl und Seger schossen den ZSC binnen drei Minuten 3:0 in Führung – die Halle tobte. Doch Bern mobilisierte in der Folge alle Kräfte und konnte ebenfalls dank einem Doppelschlag in 80 Sekunden verkürzen. Pittis’ Treffer zum 4:2 in der 39. Minute beendete dieses verrückte Mitteldrittel.
Kurz nach der zweiten Pause konnte der SCB zwar erneut herankommen. Aber Bärtschi in der 46. und Tambellini in der 59. Minute (Empty-Netter) machten den Deckel drauf.
Der emotionalste Moment in diesem Spiel stand aber noch bevor: In der 60. Minute brachte Hartley noch ein letztes Mal Ari «The Wall» Sulander ins Spiel. Dies nicht, um den Gegner zu verhöhnen, sondern aus Respekt für die vorangegangenen 14 Jahre, in denen Sulo das Zürcher Tor hütete. Die Halle stand Kopf, Standing Ovations und ein perfekter Schluss für diesen Abend.
Am 17. April 2012 hiess es: Finalissima! Die ZSC Lions, mit dem Selbstvertrauen zweier Siege unterwegs, mussten bald feststellen, dass Bern nicht willens war, sich eine weitere Meisterparty entgehen zu lassen. Druckvoll spielten die Bären auf, schnürten den ZSC immer wieder ein. Dennoch war es mit Bastl ein Zürcher, der das Spiel kurz vor dem ersten Pausenpfiff mit dem 1:0 auf den Kopf stellte.
Auch im zweiten Drittel waren die Berner dominierend. Folgerichtig erzielte Rüthemann den vielumjubelten Ausgleich. Die Dominanz der Berner hielt noch bis zum Ende des zweiten Drittels an, doch der Zett rettete das Remis in die Garderobe – nicht zuletzt dank Flüeler, der sich mehrmals auszeichnen konnte.
Im dritten Drittel drehte dann die Partie immer mehr zugunsten der Löwen. Bern hatte sich in den 40 Minuten zuvor wohl zu verausgabt. Nägelkauen hüben wie drüben, jeder Angriff konnte nun die Entscheidung herbeiführen. Die Verlängerung, mit der die meisten Fans schon rechneten, rückte immer näher. Irgendwoher nahm dann Ambühl 15 Sekunden vor Schluss die Kraft, um einen letzten Vorstoss zu lancieren. Über Umwege landete die Scheibe bei Steve McCarhty, der sie exakt 2,5 Sekunden vor der dritten Sirene zum 2:1 und damit zum Titelgewinn versenkte. Was für ein Ende!
Die Meistermannschaft:
Tor: Flüeler, ET: Sulander
1: Seger, McCarthy; Monnet, Pittis, Bastl
2: Geering, Blindenbacher; Tambellini, Cunti, Kenins
3: Schnyder, Stoffel; Kolnik, Ambühl, Bärtschi
4: Gobbi, Schommer; Bühler, Schäppi, Baltisberger
Modus:
Qualifikation:
Spiele: 50 / Siege: 19 / Siege nach Verlängerung: 4 / Siege nach Penalty: 4 / Niederlagen: 19 / Niederlagen nach Verlängerung: 2 / Niederlagen nach Penalty: 2 / Torverhältnis: 136:129 / Punkte: 77
Playoffs:
Viertelfinal vs. Davos, Serie 4:0
Halbfinal vs. Zug, Serie 4:0
Final vs. Bern, Serie 4:3