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Zu den Hochschul-Rankings, den listenförmigen Bewertungen des Studienangebots, hat die ETH Zürich ein entspanntes Verhältnis. Bereits im 19. Jahrhundert hatte sie bei Hochschul-Vergleichen gut abgeschnitten.
"The Polytechnic School at Zurich ranks among the world’s greatest technical universities", schrieb der Amerikaner William K. Tate im Jahre 1913. Der "State Supervisor of elementary rural schools of South Carolina" hatte Anfang des 20. Jahrhunderts Europa bereist und seinen Bericht über das "Swiss school system" als Beilage zum Bulletin des US-Bureau of Education veröffentlicht. Schwerpunkt seiner Analyse bildete das schweizerische Primarschulwesen, die anderen Schulstufen wurden nur summarisch skizziert. Dennoch verpasste es der Autor nicht, auf den Weltrang der Zürcher ETH hinzuweisen.

||Hochschulvergleiche gibt es nicht erst, seit Studierende als Konsumenten und Konsumentinnen und Universitäten als Dienstleistungsanbieter auf dem unübersichtlichen globalen Bildungsmarkt begriffen werden. Bereits im 19. Jahrhundert hatten sich Hochschul-Vergleiche als wichtige Instrumente eines grenzüberschreitenden Know-how-Transfers etabliert. Schon die Promotoren des eidgenössischen Polytechnikums hatten es nicht versäumt, während der Projektierungsphase Anfang der 1850er-Jahre im benachbarten Ausland zu sondieren und geeignete Vorbilder zu evaluieren. Es war nie ein Geheimnis, dass sich Alfred Escher und seine Mitstreiter insbesondere von der polytechnischen Schule in Karlsruhe inspirieren liessen. Aber auch von den polytechnischen Schulen in Paris, Wien, Stuttgart, München, Nürnberg oder Turin hatte man Unterlagen zukommen lassen.|
Im Gegenzug wurde auch das Zürcher Polytechnikum gerne beschrieben und bewertet. Diverse Fachleute unterzogen die Organisation und insbesondere das als innovativ geltende Fächerangebot der eidgenössischen Ingenieurschule einer systematischen Untersuchung. Die auf Grundlage von offiziellen Dokumenten, persönlichen Beobachtungen und Gesprächen mit Polytechnikums-Angehörigen erstellten Berichte wurden nicht selten im Rahmen von länderübergreifenden Vergleichen publiziert. Dabei erhielt das Zürcher Polytechnikum in der Regel gute Noten. "Wir haben bei der Beschreibung dieser jungen, aber kräftig emporstrebenden Schule länger verweilt, als bei Beginn der Arbeit unsere Absicht war, weil wir dieselbe, wenn auch ihre Schülerzahl noch geringer ist als anderswo, doch für eine der bedeutendsten und zukunftsvollsten unserer Zeit halten", schloss etwa der Prager Mathematik-Professor Carl Koristka seinen 1863 im Auftrag des hohen Ausschusses des Königreichs Böhmen publizierten Bericht über den "höheren polytechnischen Unterricht in Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich, Belgien und England".
Im Unterschied zu den qualitativen Beschreibungen des 19. Jahrhunderts, die sich eingehend mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen polytechnischen Schultypen befassen, bieten die Hochschul-Vergleiche des ausgehenden 20. Jahrhunderts eine quantifizierende Bewertung des Studienangebots. Inspiriert von den Ranglisten des Sports und der Gastronomie, orientiert an den Hitparaden des Buch- oder Musikmarktes adressieren sich die so genannten Hochschul-Rankings in erster Linie an potenzielle Kunden. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen dem amerikanischen und dem
europäischen Ranking-Stil: In der kompetitiven amerikanischen Ausbildungslandschaft, wo private und staatliche Universitäten um Studierende und Finanzen konkurrieren, besitzen die Ranglisten eine hohe Akzeptanz, während man in Europa noch immer über deren Einführung diskutiert. Zudem stellt man in der
fachbezogen organisierten Hochschullandschaft Westeuropas lediglich
Studiengänge einander gegenüber, während in den USA, zumindest auf College-Ebene,
ganze Universitäten miteinander verglichen werden.
"Die Swissup-Site soll jungen Menschen aufzeigen, wo sie die beste Ausbildung erhalten können, gerade auch in den Bereichen der neuen Wirtschaft", umschrieb Daniel Borel, Gründer und Verwaltungspräsident der Erfolgsfirma Logitech, seine Motivation, das erste schweizerische Hochschul-Ranking durchzuführen. Die von Borel gegründete Informationsplattform Swissup präsentierte im Jahr 2001 erstmals eine Klassifizierung des schweizerischen Studienangebots. Vorbild war das deutsche Centrum für Hochschulentwicklung CHE, das die Studiengänge von rund 350 Hochschulen nach verschiedenen Kriterien durchleuchtet und seit 1998 das renommierte "Stern"-Ranking herausgibt. Anders als die traditionsreichen Hochschul-Ranglisten ist Swissup jedoch noch nicht zu einer Bewertung der Forschungsleistungen vorgedrungen. Gegenstand der Begutachtung ist bisher erst das Serviceangebot. Die nach Kriterien wie "Betreuungsquote", "Qualität der Professoren"
oder "Vorbereitung fürs Berufsleben" gegliederten Listen sollen den
Studieninteressierten Orientierung bieten und das am besten auf ihr individuelles
Profil zugeschnittene Ausbildungsangebot herausfiltern. Trotzdem oder gerade deswegen stiess Swissup bei den Universitäten anfänglich auf erheblichen Widerstand. Die Auswertung, die sich zu einem grossen Teil auf Befragungen von Studierenden abstützt, eigne sich mehr als "Wohlfühl-Index" denn als Massstab für akademische Qualität, bemängelten die Skeptiker. Inzwischen sind einige Institute auf den Geschmack gekommen und zeigen sich kooperationsbereit. Ähnlich wie das Bachelor-Master-System, das bis 2005 flächendeckend ins schweizerische Bildungssystem eingeführt werden soll, versteht man auch das Hochschul-Ranking mittlerweile als ein nützliches Instrument der Internationalisierung, als Garant für die transnationale Konkurrenz- und Anschlussfähigkeit der schweizerischen Hochschullandschaft. In diese Richtung gehen auch die längerfristigen Pläne von Swissup: In Zusammenarbeit mit der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten und dem Centrum für Hochschulentwicklung soll künftig ein europäisches Ranking der deutschsprachigen Hochschulen veröffentlicht werden.
Im Gegensatz zu den schweizerischen Universitäten, denen die neue Methode des öffentlichen Gegenüberstellung eher als gewöhnungsbedürftig galt, hatte die ETH schon seit längerem ein entspanntes Verhältnis zum Thema Ranking. Kein Wunder: Alle einigermassen seriösen Hochschul-Klassifizierungen bestätigen den Spitzenplatz der ETH in der "Champions League" der fünfzig weltbesten Forschungsinstitutionen. In technisch-naturwissenschaftlicher Hinsicht gilt die ETH Zürich zusammen mit dem Massachusetts Institute of Technology MIT in Cambridge und dem California Institute of Technology in Pasadena als eine der drei wichtigsten Hochschulen der westlichen Welt. "Leider sind selbst bei komplizierten Forschungsrankings methodische Zweifel aufgetaucht", äusserte sich Olaf Kübler, Präsident der ETH Zürich, im Herbst 2003 gegenüber der NZZ am Sonntag. Die ETH Zürich habe es sich deshalb zur Maxime gemacht, Rankings nicht für die Eigenwerbung zu verwenden, "selbst wenn sie für uns vorteilhaft sind". Ähnlich wie Swissup es anbietet, schätzt Kübler die Rankings vor allem in ihrer Eigenschaft als "Uni-Informations-Systeme": "Der grosse Nutzen dieses Systems liegt darin, dass man auf viele intelligente Fragen gute Antworten bekommt: ob es billige Studentenzimmer gibt, ob es berühmte Forschende gibt, ob kurze oder längere Studiendauer üblich ist, wie eng die Betreuung ist - jeder kann seine eigenen Fragen stellen." (NZZ am Sonntag, 2.11.2003).
Monika Burri
©
2005
ETHistory 1855-2005
| Last update:
1.4.2005 |
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