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Royer-
Collard
(spr. rŏajē-kollár), Pierre Paul, franz. Gelehrter und Staatsmann, geb. zu Sompuis in der Champagne, Advokat beim Pariser Parlament, wurde 1789 nach der Erstürmung der Bastille zum Mitglied der Munizipalität der Hauptstadt gewählt und hier später zum Sekretär [* 2] ernannt. Seine energische Opposition gegen die Anarchie erwarb ihm den glühendsten Haß der Jakobiner. Nach der Flucht des Königs schied er aus der Munizipalität, und nach dem Sturz des Throns floh er nach Sompuis, wo er sich verborgen hielt.
Als Deputierter des Departements Marne trat er im Mai 1797 in den Rat der Fünfhundert, wurde aber infolge des Staatsstreichs vom 18. Fructidor aus demselben wieder ausgeschlossen. Seit 1810 Professor der Philosophie an der Faculté des lettres, übte er bedeutenden Einfluß auf die Neugestaltung der französischen Philosophie, indem er die doktrinäre Schule begründete. 1814 ernannte der König den treuen, aufrichtigen Royalisten zum Staatsrat und Generaldirektor des Buchhandels.
Während
der
Hundert Tage legte
Royer-
Collard diese
Ämter nieder, worauf er nach der zweiten
Restauration
Präsident der
Kommission für
den öffentlichen
Unterricht wurde. Gleichzeitig trat er als
Abgeordneter des Marnedepartements in die
Kammer, wo er als eifriger Verteidiger des konstitutionellen
Systems wirkte, was 1820 den Verlust seines
Amtes zur
Folge hatte.
Er schloß sich nun offener der
Opposition an,
war in dieser
Richtung auch als Journalist thätig und galt als das
Haupt der
Doktrinäre (s. d.). 1827 wurde er Mitglied der
Akademie.
Bei den Kammerwahlen von 1828 ward er von sieben Wahlkollegien zugleich gewählt und zum Kammerpräsidenten ernannt. Nachdem er vergeblich in Gemeinschaft mit Martignac eine Versöhnung der Regierung mit der Kammer versucht hatte, überreichte er im März 1830 Karl X. die berühmte Adresse der 221 Deputierten und trug dadurch zum Ausbruch der Julirevolution bei. Doch lag der Sturz der ältern Bourbonen durchaus nicht in seinem Plan. Bei der neuen Ordnung der Dinge zog er sich deshalb zurück. Er starb auf seiner Besitzung Châteauvieux bei St.-Aignan (Loir-et-Cher).
Vgl. seine
Biographie von
Philippe (Par.
1857) und namentlich
Barante, La vie politique de
Royer-
Collard (3. Aufl., das.
1878, 2 Bde.). -
Sein Bruder Antoine Athanase, geb. erwarb sich als medizinischer Schriftsteller einen geachteten Namen und starb als königlicher Leibarzt und Professor der Medizin in Paris. [* 3]