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Teenagergöttin
“Juno” von Jason Reitman
Es war eine der Überraschungen des Jahres. Diablo Cody, eine Stripperin, bekannt geworden durch erotischen Journalismus, schrieb das Drehbuch zu “Juno” und gewann damit prompt einen Oscar. Die Komödie über den vielleicht coolsten schwangeren Teenager, den das Kino je gesehen hat, verzauberte die Welt und blieb für viele zurecht der beste Film des Jahres.
Von Lukas Hunziker.
Der Film beginnt mit einem Bild, das schon ein kleines Meisterwerk für sich ist. Juno, in Jeans und rotem Kapuzenpullover steht auf einer Wiese vor einem Sessel und trinkt aus einer riesigen Flasche Orangensaft. Sie trinkt, um wieder pinkeln zu müssen, und damit den Schwangerschaftstest ein drittes Mal zu machen. Doch bevor es so weit kommt sind wir schon mitten im Vorspann, jenem Vorspann, der dem Film mit ziemlicher Sicherheit einen zweiten Oscar eingebracht hätte, gäbe es einen entsprechende Kategorie.
Die Erwachsene im Kind
Der Sessel, den Juno betrachtet, erinnert sie an jenen Abend, an dem sie mit ihrem besten Freund Paulie Bleeker auf einem ebensolchen Sessel die Jungfräulichkeit verlor. Nach ihrer Freundin Brenda ist er denn auch der erste, der von Junos Schwangerschaft erfährt. Schüchtern und unsicher, wie er mit der Situation umgehen soll, überlässt er Juno die Entscheidung, ob sie das Kind behalten oder abtreiben soll. Erst entschliesst sich Juno für das zweite, dann jedoch kommt ihr eine Idee: Sie will ihrem Kind Eltern suchen, die selber keine Kinder bekommen können.
Die Filme, welche sich mit Teenagerschwangerschaften auseinandersetzen, sind rar, wahrscheinlich, weil die Gefahr, sich in Klischees, fragwürdiger Moral oder Sozialkitsch zu verlieren so hoch ist. “Juno” jedoch umgeht alle Fettnäpfchen und erzählt weniger die Geschichte einer Teenagerschwangerschaft als der eines Teenager, der neben allen Irrungen und Wirrungen der Pubertät auch noch schwanger ist. Juno mag fast schon unglaubwürdig reif sein, doch gerade die Selbstironie, mit der sie ihr eigenes Handeln kommentiert, ihr Wortwitz und ihre Selbstständigkeit machen sie zu einer der liebenswertesten Filmfiguren, die das Kino in den letzten Jahren gesehen hat. Aber nicht nur die Dialoge machen “Juno” zu einem Meisterwerk. Die Filmmusik ist ein Sammelsurium von Songs, die einem wochenlang nachlaufen und aufmuntern, jede noch so kleine Nebenfigur ist liebevoll ausgearbeitet, die Kamera fängt wunderschöne Bilder ein, und die letzte Szene der Films schliesst nahtlos an der wunderbaren ersten an. Man kann es nur wiederholen: ein Juwel von einem Film.
Ausstattung
Während wir sonst Audiokommentare kaum je ausführlich erwähnen als Bonusmaterial, muss dieses Mal speziell darauf hingewiesen werden, denn Diablo Cody und Jason Reitman kommentieren herrlich (Beispiel: auf Reitmans Bemerkung, dass das + Zeichen auf dem Schwangerschaftstest ein digitaler Effekt sei, fügt Cody an, den habe Weta Workshop extra gemacht, und Andy Serkis persönlich habe den Schwangerschaftstest gespielt). Die DVD ist voll amüsanten, liebevoll gestaltetem Bonusmaterial; es gibt 12 nicht verwendete und alternative Szenen, Patzer, Ausschnitte aus den Probeaufnahmen (selten genug!), eine Jamsession mit Cast und Crew, sowie vier Featurettes zu den Schauspielern, dem Regisseur und Drehbuchautorin Diablo Cody. Herrlich.
Seit dem 28. November 2008 im Handel.
Originaltitel: Juno (USA 2007)
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Ellen Page, Jennifer Garner, Jason Bateman, Michael Cera
Genre: Komödie
Dauer: 92 Minuten
Bildformat: 1,85:1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Griechisch, Hebräisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur Jason Reitman und Drehbuchautorin Diablo Cody, 11 entfallene Szenen mit optionalem Kommentar, ‘Spass am Set’, Verpatzte Szenen, Jamsession mit Cast & Crew, Probeaufnahmen, Featurettes
Vertrieb: Fox