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Désirée Hasler, Buchhandlung Schönbühl
Der Icherzähler und Vater von Sally muss eines Tages erleben, dass seine Tochter sich in der Wirklichkeit nicht mehr zurechtfindet. Zwischen Wahn und Wirklichkeit aber gibt es gleitende Übergänge. So denkt er zunächst an Drogen, als er die 15 jährige Tochter in der Wohnung randalierend vorfindet. Sie ist durch nichts zu beruhigen, und
Der Icherzähler und Vater von Sally muss eines Tages erleben, dass seine Tochter sich in der Wirklichkeit nicht mehr zurechtfindet. Zwischen Wahn und Wirklichkeit aber gibt es gleitende Übergänge. So denkt er zunächst an Drogen, als er die 15 jährige Tochter in der Wohnung randalierend vorfindet. Sie ist durch nichts zu beruhigen, und es folgt die schwere Entscheidung, sie in die Psychiatrie einzuliefern.
Michael Greenberg beschreibt mit seinem authentischen Bericht eine familiäre Katastrophe, die eine ganze Familie durcheinander wirbelt.
Zurückblickend erlebt man seine Ehe mit Robin, aus der seine beiden Kinder hervorgingen. Ihre Ehe entstand aus einer Teenagerfreundschaft, ohne dass beiden klar war, wohin die Reise gehen soll. Michael ist Schriftsteller, Robin eine exzentrische und gewissen New Age Kulten zugeneigte aparte Frau. Beide sind zum Zeitpunkt der Erkrankung von Sally längst geschieden und leben in neuen Partnerbeziehungen. Pat, Michaels neue Frau, die ein Tanzstudio betreibt, steht zwischen allen Stühlen, als sie sich mit der schwierigen und rebellischen Tochter von Michael und Robin konfrontiert sieht. Sie hat sich alle Mühe gegeben, aber dieses von Geburt an in seinen Reaktionen konfuse Kind ist von niemandem zu bändigen und bedeutet für Pat eine schier unlösbare Aufgabe.
Wie Greenberg die seelischen Zustände aller Beteiligten nach und nach auseinander dividiert, zeigt seine bemerkenswerte Fähigkeit zur Reflexion. Hilflosigkeit und Ohnmacht, Schuldgefühle und Nachdenken über die Ursachen von Sallys Erkrankung und die Suche nach dem richtigen Weg zur Hilfe sind von unnachahmlicher Qual und innerer Zermürbung gezeichnet. Zugleich beschreibt er die Zustände, in die Sally verfällt, so nah und wahrheitsgetreu, dass man sich anhand seiner Beobachtungen sehr getreu ein Bild machen kann, wie eine Psychose abläuft. Die zerhackten Aussprüche, die Wahnbilder und Krampfanfälle bieten das Zerrbild eines Menschen, dem die Außenwelt aus dem Blickfeld geraten ist. Im Zusammenspiel mit der Ursachenforschung und den unterschiedlichen Heilungsangeboten bekommt man einen Eindruck von den traurigen Irrwegen, in denen sich auch die Angehörigen von Wahnkranken verlieren.
Das Buch ist tief beeindruckend in seinem nachdrücklichen Versuch, die Mitwelt über die Folgen und notwendigen Maßnahmen bei der Hilfe für psychisch kranke Angehörige zu informieren. Es handelt sich nicht um ein Sachbuch sondern um den Erfahrungsbericht eines betroffenen Schriftstellers. Die literarische Verarbeitung dieser Erlebnisse ist äußerst gelungen.