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Wer den Nobelpreis erhält, hat den Zenit einer Forscherkarriere erreicht. Wer den Ig-Nobelpreis gewinnt, weiss nicht so recht: Macht man sich lustig über ihn? Ist seine Forschung lächerlich? Oder sind seine Erkenntnisse lachhaft? Zumindest war das zu Beginn der 1991 erstmals verliehenen Anti-Nobelpreise so.
Heute jedoch freuen sich die meisten Wissenschaftler über die Auszeichnung. Denn der Ig-Nobelpreis hat seinen negativen Beigeschmack längst verloren. Aus der schändlichen, unehrenhaften, schmachvollen – wörtliche Übersetzungen des Wortes «ignobel» – Würdigung ist eine akzeptierte Auszeichnung geworden.
Wer wagt, gewinnt
Eines ist schliesslich sicher: Die Forschungsergebnisse bringen die Menschen zum Lachen und die Preiszeremonie ist ein unvergleichliches Spektakel. Und die Gewinner beantworten mit ihren Arbeiten Fragen, die sich viele von uns auch schon gestellt haben. Die Antworten sind oft leichter verständlich als jene der Nobelpreisträger, wie unsere Beispiele zeigen:
- Der Ig-Nobelpreis 2012 für Psychologie beispielsweise ging an ein holländisches Forscherteam. Es zeigte, weshalb die Höhe des Eiffelturms kleiner geschätzt wird, wenn der Körperschwerpunkt beim Betrachten links der Mitte liegt.
- Der Literatur-Ig-Nobelpreis 2012 wurde ans Government General Accountability Office der US-Regierung verliehen. «Actions Needed to Evaluate the Impact of Efforts to Estimate Costs of Reports and Studies», heisst das Werk. Das Ig-Nobel-Kommitee formulierte es etwas anders und vergab den Preis für die Erstellung eines Berichts über einen Bericht über einen Bericht, der es ermöglicht, einen Bericht über einen Bericht über einen Bericht vorzubereiten …
- Auch ein Ig-Nobelpreis für Anatomie wurde 2012 vergeben: Ein holländisch-amerikanisches Forscher-Duo konnte nachweisen, dass Schimpansen ihre Artgenossen an Fotos ihrer Hinterteile identifizieren können.
- Der Friedens-Ig-Nobelpreis 2011 ging an den Bürgermeister von Vilnius. Er löste das Problem illegal geparkter Luxuskarossen, indem er sie mit einem Panzer überfahren liess.
- Den Ig-Nobelpreis für Chemie gewann 2009 ein mexikanisches Team, das Diamanten-Schichten mit Hilfe von Tequila wachsen liess.
- Der Friedens-Ig-Nobelpreis 2008 ging übrigens in die Schweiz, und zwar an die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) für die Anerkennung der Tatsache, dass auch Pflanzen eine Würde haben.
- Und 2006 erhielten französische Forscher die Auszeichnung für Physik, weil sie erklären konnten, weshalb Spaghetti stets in mindestens drei Teile zerbrechen und nie nur in zwei (siehe Video unten).
Preisverleihung im Web
Die Auszeichnung der Gewinner der Ig-Nobelpreise wurde live übertragen. Die komplette Aufzeichnung finden Sie hier.