Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03362.jsonl.gz/2340

"Regierungen unternehmen 'kriegsähnliche' Anstrengungen, um das globale Halbleiter-Rennen zu gewinnen." So und ähnlich übertiteln Medien in USA und Asien ihre Berichte darüber, wie die Chip-Knappheit langfristig überwunden werden soll.
Je nach Prognose, ob von Intel
, von Forrester
oder Cisco soll die Knappheit bis 2022 oder möglicherweise bis 2023 andauern. Da Halbleiter für viele Produkte und Branchen überlebenswichtig sind, geht es allerdings längst nicht mehr um den Mangel, sondern um die Dominanz.
Die Milliarden aus den USA oder der EU sollen in den kommenden Jahren Lieferketten sichern und die Unabhängigkeit in der Forschung, Entwicklung und der Produktion von Halbleitern fördern. Kurz: Alle wollen Chip-Souveränität
, auch wenn sie sehr viel Geld kosten wird.
Südkorea will für 400 Milliarden dranbleiben
Südkorea war das jüngste Land, das letzte Woche eine riesige Investition in die Branche ankündigte. Die südkoreanische Regierung erklärte, dass bis 2030 510 Billionen Südkoreanische Won (407 Milliarden Franken) in Chips investiert werden sollen. Der Grossteil des Geldes soll von Privatunternehmen im Land kommen, der Rest soll in Form von Subventionen, Steuererleichterungen und Infrastruktur-Investitionen fliessen. Dies meldet 'CNBC'.
Derweil wird Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) wahrscheinlich mit Intel und Samsung um Subventionen der US-Regierung konkurrieren. Präsident Joe Biden hat 50 Milliarden Dollar an Fördermitteln gefordert, um die heimische Chipfertigung zu unterstützen.
Nun denkt TSMC laut 'Reuters'
darüber nach, Dutzende Milliarden Dollar zusätzlich in neue Chip-Fabriken in den USA zu pumpen.
Das Geld soll in mehrere US-Fabriken für die Produktion der kommenden 2-Nanometer- und der neuen Generation von 3-Nanometer-Chips fliessen.
Soll die EU ihre Stärken stärken?
Die EU hat im März erklärt, dass bis 2030 20% der weltweiten Halbleiter in Europa hergestellt werden sollen, das wäre eine Verdoppelung im Vergleich zu 2010.
Die Europäische Union will bis 2030 mehr als 150 Milliarden Dollar für die Entwicklung digitaler Industrien bereitstellen. Damit soll der Rückstand aufgeholt werden, wie man sich in Brüssel erhofft.
Während die Intel-Strategie Investitionen in Europa
vorsieht, scheint TSMC dem eher ablehnend gegenüber zu stehen. Dies berichtet 'Reuters' unter Berufung auf "mit der Angelegenheit vertraute Personen". Laut der Agentur sei ein Gespräch zwischen der EU und TSMC "sehr schlecht" verlaufen. Eine TSMC-Sprecherin sagte 'Reuters'
, dass das Unternehmen keine Möglichkeiten ausschliesse, aber dass es keine Pläne für ein Werk in Europa gebe.
Die Position des dritten wichtigen Herstellers, Samsung, bezüglich EU-Investitionen sind noch nicht bekannt.
Ein Grund für den Mangel an Investitions-Interesse dürfte sein, dass die Käufer künftiger Chips primär in den USA und Asien sind, während die europäische Autoindustrie eher Chips von Generationen benötigt, wie sie aktuell nicht genügend lieferbar sind.
Milliarden von Euro in die Herstellung von Spitzen-Chips zu stecken, wirke sich negativ auf die Finanzierung der Fertigung von Low-End-Chips aus, sagten europäische Chip-Fabrikations-CEOs zu 'Politico'.
Und dies sei Europas heutiger Engpass. "Viele bezweifeln auch, dass Europa in der Lage ist, das 2-Nanometer-Ziel zu erreichen, und verweisen darauf, dass nur wenige Orte auf der Welt dieses Kunststück geschafft haben – und Europa liegt Jahrzehnte zurück", heisst es in der Zeitschrift.
China prognostiziert das Ende von Moore's Law
"Eine Fabrik für 2-Nanometer-Chips in Europa bauen zu wollen, ist dasselbe, als wenn man sagt, man wolle eine Rakete bauen, um Menschen auf den Mond zu schicken", sagte der CEO des niederländischen Chip-Konzerns ASML, Peter Wennink, in einem Interview. Wie viele seiner Kollegen forderte Wennink stattdessen Europas Regierungen auf, eine Fabrik zu unterstützen, die ältere Generationen von Chips produziert, die direkt der Automobil- und Gesundheitsindustrie dienen.
Noch ist nicht klar, ob die EU auf eine Strategie der "Stärkung von Stärken" setzt oder in schwächeren Gebieten aufholen will.
China hingegen scheint entschlossen, mit Subventionen und Steuererleichterungen innovative, disruptive Chip-Technologien selbständig entwickeln und herstellen zu können.
Chinesische Behörden gehen davon aus, dass das Mooresche Gesetz – die jahrzehntealte Vorstellung, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem integrierten Schaltkreis (IC) etwa alle zwei Jahre verdoppelt, während sich die Kosten halbieren – an physikalische und wirtschaftliche Grenzen stosse. So seien vor wenigen Tagen "potenziell disruptive IC-Technologien in der 'Post-Moore's Law'-Ära" diskutiert worden, meldet die 'South China Morning Post'.
"Konkurrenz belebt das Geschäft", heisst es üblicherweise. Ob dies auch im laufenden Handelskrieg gelten darf?