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Erstmals eine Frauenmehrheit im Bundesrat
Im Vorfeld der Wahlen hielt man es für möglich, dass sogar eine fünfte Frau in den Bundesrat einzieht. Die FDP-Kandidatin Karin Keller-Sutter war von der FDP-Fraktion als Frontrunnerin ins Rennen geschickt worden. Ihr wurden gute Chancen eingeräumt; in den letzten Tagen jedoch machte ihr Parteikollege Schneider-Ammann Boden gut.
Die 47jährige St. Galler Regierungsrätin Keller-Sutter schied jedoch im 4. Wahlgang knapp aus. Sie erreichte 74 Stimmen. Ihr SVP-Kontrahent Jean-François Rime kam auf 76 Stimmen und qualifizierte sich dadurch für den Schlussgang, den dann Schneider-Ammann klar für sich entschied.
Die erste gewählte Bundesrätin war Elisabeth Kopp. Sie war von 1984 bis 1989 im Amt.
Das Frauenstimmrecht war in der Schweiz durch eine Volksabstimmung am 7. Februar 1971 eingeführt worden. Formell wurde es am 16. März 1971 wirksam.
Doch es galt zwar auf eidgenössischer Ebene, aber noch nicht in allen Kantonen. Erst vor knapp zwanzig Jahren wurde das Frauenstimmrecht auch im letzten Schweizer Kanton wirksam: in Appenzell Innerrhoden. Doch der Entscheid fiel nicht an der Urne. Am 27. November 1990 hatte das Bundesgericht eine Klage von Appenzeller Frauen gutgeheissen. Zuvor hatten die Appenzeller Männer (AI) an der Landsgemeinde das Frauenstimmrecht abgelehnt.
Die sechs Frauen, die vor Simonetta Sommaruga in die Landesregierung gewählt worden waren, sind neben Elisabeth Kopp (FDP), Ruth Dreifuss (SP), Ruth Metzler (CVP), Micheline Calmy-Rey (SP), Doris Leuthard (CVP) und Eveline Widmer-Schlumpf (BDP).
Dass der Bundesrat nach der heutigen Wahl eine Frauenmehrheit aufweisen wird, galt als sicher, weil die Sozialdemokraten - deren Anspruch fast unbestritten war - zwei Frauen aufstellten.
Sommarugas Gegenkandidatin, die 47jährige Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr, schied im 3. Wahlgang aus. Sie war überholt worden von Jean-François Rime.
Auch die Grünen traten mit einer Frau an: der Solothurner Nationalrätin Brigit Wyss. Sie kandidierte gegen Schneider-Ammann, Karin Keller-Sutter und Jean-François Rime. Sie schied im 3. Wahlgang mit 28 Stimmen aus.