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Ein Mann wollte ein Haus bauen. Sorgfältig wählte er ein Stück Land aus, das oben auf einem Hügel neben einem Dorf lag. Von dort aus würde er eine wunderbare Aussicht über die ganze Gegend haben. Mit Papier und Stift lief er auf der Wiese hin und her, auf der bald sein Haus stehen sollte. Er füllte viele Seiten seines Zeichenblocks mit Ideen, wie sein Haus aussehen könnte. Doch mit keinem seiner Entwürfe war er zufrieden. Er hatte zwar gehört, dass jedes Haus ein Fundament brauchte. Aber alle bisherigen Entwürfe legten das Fundament auf den Hügel. Dem Mann gefiel das nicht. Er kannte den Hügel ja kaum. Was, wenn der Hügel plötzlich nachgab und sein Haus in die Tiefe stürzte? Was, wenn ein neidischer Dorfbewohner Löcher in den Hügel grub und das Fundament seines Hauses zerstörte?
Für den Mann stand die Entscheidung fest: Der Hügel konnte ihm die Sicherheit nicht bieten, die sein Haus brauchte. Er benötigte etwas Festeres für sein Fundament, etwas, das nicht aus Erde und Fels bestand, sondern aus Beton und Stahl. Aber was konnte das sein? Sein Haus würde das einzige Gebäude auf dem Hügel sein. Wo konnte er das Fundament hernehmen, das er brauchte, um sich seinen Haus-Traum zu erfüllen? Grübelnd lief der Mann weiter, hin und her auf seinem Grundstück. Stunden vergingen, aber es zeichnete sich keine Lösung ab. Die Lage wurde immer verzweifelter. Musste er seinen Traum aufgeben?
Völlig erschöpft setzte sich der Mann auf einen Stein. Den Zeichenblock warf er wütend hinter sich. Am Horizont ging bereits die Sonne unter. Als der Mann den kreisrunden Feuerball hinter den Bergen untergehen sah, kam ihm die Idee. Schnell lief er zu seinem Zeichenblock und riss die Seiten mit den Entwürfen heraus. Auf die erste leere Seite zeichnete er einen grossen Kreis, der auf dem Hügel stand. So sollte sein Haus aussehen! Wie eine breite Münze sollte es auf dem Gipfel des Hügels stehen, von niemandem abhängig als nur von sich selbst. Er würde sein Haus auf sein eigenes Dach bauen. Er würde es mit Beton und Stahl verstärken, so dass es unzerstörbar blieb. So konnte er auf den Hügel als Fundament verzichten.
«Er würde sein Haus auf sein eigenes Dach bauen!»
Der Rest des Hauses war schnell gezeichnet. Noch in derselben Nacht ordnete der Mann die Türen und Fenster, die Küche und das Wohnzimmer in seinem kreisrunden Haus an. Bereits am nächsten Morgen wurden die Dorfbewohner vom lauten Lärm der Lastwagen geweckt, die sich mühsam den Hügel emporschoben. Wild gestikulierend lief der Mann umher und schrie den Bauarbeitern Anweisungen zu. Balken, Fensterrahmen und Eisenarmierungen wurden gebogen, um sich der runden Bauform anzupassen. Der Fleiss der Bauarbeiter und die Energie des Mannes waren erstaunlich: Bereits nach wenigen Wochen war der Rohbau des Hauses fertig und nur einige Tage später sahen die erstaunten Dorfbewohner, wie der Mann einen grossen Eimer Farbe den Hügel hinaufschleppte, um sein fertiges Haus leuchtend gelb anzustreichen.
Am Abend erstrahlte das kreisrunde Haus in schönstem Glanz auf dem Hügel. Der Mann liess alle Dorfbewohner zu seinem Haus kommen und erzählte ihnen vor der Kulisse der untergehenden Sonne davon, wie seine Idee vom runden Haus zustande gekommen war. Auch auf die fragenden Blicke der Dorfbewohner ging der Mann ein. «Keine Sorge, ich habe an alles gedacht», sagte der Mann lächelnd. «Ich habe das Haus auf das stärkste Fundament gebaut, das ich auf diesem erdigen Hügel finden konnte: mein eigenes Haus!» Dann wandte er sich bewundernd seinem Haus zu. Liebevoll schaute er es an: «Ist es nicht herrlich?»
«Auf jeden Fall war da dieses unheimliche kreischende, knarrende und quietschende Geräusch.»
Was danach geschah, kann nur als Katastrophe bezeichnet werden. Noch heute, Jahrzehnte später, erzählen sich die Dorfbewohner Geschichten von diesem Ereignis. Einige sind überzeugt, dass der Mann das Haus aus Versehen mit einem Arm berührte. Andere behaupten, der Mann habe das «h» von «herrlich» etwas zu stimmhaft ausgesprochen. Auf jeden Fall war da dieses unheimliche kreischende, knarrende und quietschende Geräusch. Der gelbe Koloss aus Beton, Stahl und Holz setzte sich langsam in Bewegung. Der schreiende Mann versuchte, das Haus aufzuhalten, aber es wurde immer schneller. Wie ein Rad rollte es den Hügel hinunter. Bald schon flogen Türen und Fenster, Kleiderschränke und Toiletten wild durch die Luft. Unter riesigem Lärm und Getöse rollte das Haus talwärts, bis es endlich an einem grossen Felsen zerschellte. Ein gelbe Staubwolke wurde vom Wind fortgetragen.
Heute wird der Mann nur noch selten gesehen. Er hat die Situation nie überwunden. Manchmal, wenn es Abend wird, sehen die Dorfbewohner den Mann auf einem der Hügel rund um das Dorf. Mit ausgestreckten Armen rennt er dem gelben Feuerball hinterher, der langsam hinter den Bergen untergeht. Dabei hören sie ihn rufen: «Mein Haus, mein Haus!»
Die Geschichte ist natürlich völlig absurd. Niemand würde je auf die Idee kommen, sein eigenes Hausdach als Fundament für sein Haus zu verwenden. Ein solches kreisrundes Haus kann noch so gut und sicher gebaut sein – es hält nicht. Das Problem ist nicht, dass die verwendeten Materialen zu schwach wären. Der Mann hatte sich wirklich alle Mühe gegeben, nur das beste Material zu verwenden. Das Problem besteht darin, dass das Fundament des Hauses auf sich selbst gründete.
Niemand will in so einem Haus wohnen. Doch wenn es um die persönliche Identität geht, bauen viele Menschen – und viele Christen – ein Lebenshaus nach genau diesen «kreisrunden» Prinzipien. Sie bauen sich das Fundament aufs eigene Dach. Sie definieren sich über das, was sie tun: ihre Arbeit, ihre Talente, ihre Hobbys, ihren Dienst, ihre Aufgabe in der Gemeinde. Oder sie definieren sich über das, was sie sind: fleissig, gutaussehend, weise, witzig, hilfsbereit,…
«Sobald etwas ‹ins Rollen› kommt, rollt das Fundament mit.»
So ein Lebenshaus kann noch so stark aussehen, es ist nach den falschen Bauplänen gebaut. Sobald etwas «ins Rollen» kommt, rollt das Fundament mit. Wenn die Arbeitsstelle verloren geht, das Hobby wegen einer Krankheit nicht mehr ausgeübt werden kann, wenn man als Lobpreisleiterin nicht mehr geschätzt oder als Prediger aus der Gemeinde herausgemobbt wird; wenn der eigene Fleiss nicht mehr weiterhilft, die Weisheit nicht mehr weiterweiss und das Aussehen durch einen Unfall entstellt wird – was hält dann? Was hält, wenn alles zerbricht?
Ohne Fundament geht es nicht – das wusste auch der Mann in der Geschichte. Aber weil er dem Boden nicht vertraute, suchte und fand er eine andere Lösung. Er vertraute nur noch sich selbst. Das erwies sich als völliger Kurzschluss. Wenn unser Lebensfundament stark sein soll, muss es auf etwas gebaut sein, das ausserhalb von uns selbst liegt. Unsere Identität können wir nicht aus uns selbst aufbauen. Das mag zwar auf den ersten Blick funktionieren und sogar schön aussehen. Aber es wird keinen Sturm überstehen.
«Ist es nicht paradox, dass unsere Identität – also wer wir im tiefsten Inneren sind – auf etwas Anderes gebaut sein muss?»
Ist es nicht paradox, dass unsere Identität – also wer wir im tiefsten Inneren sind – auf etwas Anderes gebaut sein muss? Es reicht eben nicht, wenn wir uns selbst vertrauen. Es braucht eine grössere Realität, ein stärkeres Fundament, an dem wir uns festhalten können. Sogar dann, wenn wir an uns selbst verzweifeln!
Das Fundament unseres Glaubens ist Jesus selbst. Seine Taufe, sein Leben, sein Sterben, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt sind die starken Fundamente, die auch dann halten, wenn unser Glauben und unser Leben zusammenzubrechen drohen.
Sein Leben ist unser Leben. Seine Taufe ist unsere Taufe. Sein Tod ist unser Tod. Seine Auferstehung ist unsere Auferstehung. Seine Himmelfahrt ist unsere Himmelfahrt.
Das rund 30-seitige eBook widmet sich den Fundamenten des Christseins. Anhand der Stationen im Leben von Jesus geht es der christlichen Identität auf den Grund.
Das eBook eignet sich gut für Menschen, die noch neu im Glauben stehen. Denn im Idealfall wird ein Fundament am Anfang gelegt. Es eignet sich aber auch für langjährige Christen, die sich über ihre Identität neu klar werden wollen. Die vielen Bibelstellen ermutigen den Leser, selbst tiefer zu graben und die Schätze der christlichen Identität zu entdecken.
32 Seiten | 6,50 Fr.
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