Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03138.jsonl.gz/1445

Zürich, 1943
Verlag: Edition Studer, Zürich
Karton, Farbdruck; Holzfiguren
H. 2,5 cm, B. 30 cm, T. 30 cm (Schachtel)
Inv. 2009.30.
Als am 1. September 1939 der deutsche Angriff auf Polen in Europa den Zweiten Weltkrieg einläutete, war die Schweiz auf das kommende Unheil besser vorbereitet als noch ein Vierteljahrhundert zuvor. Die Lehren, die sie aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs gezogen hatte, führten bereits zwei Monate nach Kriegsausbruch zur Rationierung einer Reihe wichtiger Lebensmittel und damit zur Einführung von Lebensmittelmarken oder «Coupons» - wie sie in der Umgangssprache genannt wurden. Fortan war der Bezug von Grundnahrungsmitteln wie Zucker, Reis, Mehl sowie Teigwaren, Fett und Öl nur noch gegen Abgabe einer entsprechenden Marke möglich, wobei der Warenwert natürlich nach wie vor bezahlt werden musste. Zwar nahm das Punktsystem Rücksicht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen, Schwangeren, Normalverbrauchern und Schwerarbeitern; dennoch war die Zuteilung stets knapp bemessen und konnte sich zudem je nach Versorgungslage ändern. Erst 1948, drei Jahre nach Kriegsende, wurde dieses Rationierungssystem ganz aufgehoben. Ein aussagekräftiges Zeugnis jener Jahre ist das Gesellschaftsspiel «Coupon bitte!», das seine erzieherische Absicht bestimmt erfüllt hat. Ausgerüstet mit einer Anzahl Lebensmittelmarken muss der Spieler den Parcours überwinden, vorbei an den gelben Geschäftsfeldern, den roten Glücks- und den schwarzen Pechfeldern. Während einen die Glücksfelder rascher vorwärts und damit ins Ziel befördern, kosten Letztere in der zeittypischen Person eines Warenhamsterers oder Schwarzhändlers mehrere Coupons. Wem unterwegs die Coupons ausgehen, der bleibt auf der Strecke und hat verloren. Das 1943 in der Edition Studer in Zürich erschienene Brettspiel ist nicht nur ein besonders aussagekräftiges Zeitdokument, sondern besticht auch durch schlichte Gestaltung sowie einfache Spielregeln und ist damit ganz Kind einer Zeit der Bescheidenheit.