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per Unterrichtsstunde bei den Töchter- und von Fr. 1.50 bei den übrigen Fortbildungsschulen. Der gesamte Staatsbeitrag belief sich auf Fr. 29571.05.
Sowohl für die obligatorischen als für die freiwilligen Fortbildungsschulen besteht die Vorschrift, dass nach 8 Uhr abends kein Unterricht stattfinden soll.
2) An die obligatorische Primarschule schliessen sich die 29 Sekundarschulen des Kantons mit 1546 Schülern (953 Knaben und 593 Mädchen) im Schuljahr 1907/08. Die Schülerzahl der einzelnen Schulen variiert zwischen 19 (Thundorf) und 138 (Romanshorn). Es unterrichten an ihnen 46 Lehrkräfte (ausser den Religionslehrern). In Frauenfeld besteht nur eine Töchtersekundarschule, indem die Knabensekundarschule des Kreises der Kantonsschule angegliedert ist. Das gesetzliche Jahresgehalt eines Sekundarlehrers beträgt im Minimum Fr. 1800 (nebst freier Wohnung oder einer entsprechenden Entschädigung). Faktisch schwankten die 1907 von den Sekundarschulkreisen bezahlten Barbesoldungen zwischen 1900 und 3500 Fr.
3) Das kantonale Lehrerseminar in Kreuzlingen zählt 76 Zöglinge. Davon besuchten 21 Seminaristen, 3 Seminaristinnen und 1 Hospitantin die 1., 24 Seminaristen und 3 Seminaristinnen die 2. und 20 Seminaristen und 4 Seminaristinnen die 3. Klasse. 63 waren reformierter, 12 katholischer Konfession; 56 Bürger des Thurgaues, 8 aus Basel Land, 3 aus Glarus, 5 aus Appenzell A. R., je 1 aus St. Gallen und dem Aargau. Dazu kam 1 Deutsche, deren Eltern aber im Thurgau wohnen. Die Besoldung der Lehrer beträgt gesetzlich Fr. 2200 bis 3200 nebst freier Wohnung im Seminargebäude oder einer Wohnungsentschädigung von bis auf 500 Fr. Der Direktor erhält eine Gehaltszulage von 800 Fr. Pro 1907 und 1908 bezahlte der Staat den Seminarlehrern eine Teuerungszulage von je Fr. 200.
4) Die 1853 gegründete Kantonsschule zählte zusammen 309 Schüler, wovon 216 die Industrieschule und 93 das Gymnasium besuchten. 187 waren Thurgauer, 103 Schweizerbürger aus andern Kantonen und 19 Ausländer. Mit der Schule ist ein Internat verbunden, das 40 Zöglinge beherbergt. Die staatliche Besoldung der Lehrer ist gesetzlich festgesetzt auf 3000-3800 Fr. Der Rektor erhält eine Gehaltszulage von 600 Fr., der Konrektor eine solche von 200 Fr. Pro 1907/08 wurde denjenigen Lehrern, die mindestens seit 5 Jahren an der Schule wirken, eine Teuerungszulage von 300 Fr. ausgerichtet. In andern Kantonen mögen die fixen Besoldungen für die verschiedenen Schulstufen höhere sein; dagegen haben sie offenbar nicht in dem Masse ein System von Zulagen und Zutaten aller Art, wie wir und auch nicht Bewilligung zu so weit gehender Nebenbeschäftigung. Man geht nicht stark fehl, wenn man sagt, das bare Fixum sei ungefähr die Hälfte des wirklichen Einkommens.
5) Seit 1904 unterhält der Kanton auch eine landwirtschaftliche Winterschule mit 2 Kursen und 66-70 Schülern. Es wirken an ihr 3 Lehrer, die in ihrer freien Zeit zu Wandervorträgen verpflichtet sind. Der Sitz der Anstalt ist von 1906 an das Schloss Arenenberg, das dem Kanton von der Kaiserin Eugenie geschenkt worden ist.
6) Kleinkinderschulen finden sich in verschiedenen, namentlich grössern industriellen Ortschaften. Sie sind aber überall ohne staatliche Unterstützung, nur ein Werk privater Initiative meist wohltätiger Frauenvereine: 4 Gemeindeschulen mit 281 Schülern und 8 private Schulen mit 405 Schülern.
7) An Privatanstalten für Erziehung und Unterricht zählt der Kanton das Töchterinstitut in Romanshorn, die zwei Landerziehungsheime in Glarisegg und in Kefikon, die Anstalt für Schwachsinnige in Weinfelden, die Anstalt Bernrain, die Anstalt für schwachsinnige Kinder in Mauren und die katholische Waisenschule in Fischingen.
[F. Ribi.]
22. Militärwesen.
Der Kanton Thurgau gehört zusammen mit St. Gallen und Appenzell zur 7. Armeedivision. Folgende Tabelle gibt Auskunft über die Kontrollstärke der Truppeneinheiten und Truppengattungen pro
|Auszug.||Offiziere, Unteroff. u. Soldaten.|
|Infanterie : Füsilier-Bataillone 73. 74 und 75||3125|
|Schützenkompagnie 1/7||228|
|Kavallerie : Dragoner-Schwadron 19||205|
|Guiden-Komp. 6. 7 und 12||120|
|Maximgewehrkompagnie 3||45|
|Artillerie : Feldbatterien 52 et 53 (Thurgau), 54 (Bund)||530|
|Armeetrain (Verpflegstrainabteilung 7. Kriegsbrückentrain 3)||212|
|Genie : Geniehalbbataillon 7||127|
|Kriegsbrückenabteilung 3||62|
|Telegraphenkompagnie 3||9|
|Eisenbahnkompagnie 3||22|
|Sanität : Ambulanzen 31. 32. 33. 34. 35||151|
|Verwaltung : Verwaltungskompagnie 7||65|
|Festungstruppen||41|
|Radfahrer||15|
|Total Auszug||4957|
|Landwehr.|
|Infanterie : Füsilier-Bataillon 125. I. und II. Aufgebot||1681|
|Schützenbataillon IV/11, I. und II. Aufgebot||157|
|Kavallerie : Dragoner-Schwadron 19||169|
|Guidenkompagnien 6. 7 und 12||102|
|Maximgewehrkompagnie 3||1|
|Artillerie : Parkkompagnien 16 und 17. Depotparkkompagnie VI und IX||266|
|Armeetrain||90|
|Sanitätstrain||89|
|Positionsartillerie||38|
|Genie : Sappeurkompagnien 13 und 14. Telegraphenkompagnie 3. Eisenbahnpionierkompagnie 3 und Pontonierkompagnie 3||158|
|Sanität||68|
|Verwaltungstruppen||27|
|Festungstruppen||7|
|Radfahrer||2|
|Total Landwehr||2855|
|Total Auszug und Landwehr||7812|
Bei der Rekrutierung in den Jahren 1902-1904 schwankte die Zahl der Entlassenen und Zurückgestellten zwischen 40,5 und 57,5%. Unter den Gründen der Entlassung waren am zahlreichsten zu geringer Brustumfang, Sehschwäche, Kropf, Hernien und Anämie. 1904 betrug die Zahl der freiwilligen Schiessvereine 176 mit 5959 Mitgliedern. Sie erhielten Bundesbeiträge von zusammen ¶
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11839 Fr. Daneben bestehen verschiedene Offiziers- und Unteroffiziersgesellschaften, die in Vorträgen und Uebungen die weitere Ausbildung ihrer Mitglieder bezwecken. Ein militärischer Vorunterrichtskurs kam in den letzten Jahren nicht zustande. Der Bruttoertrag des Militärpflichtersatzes belief sich auf Fr. 122435.
[Nach gefl. Mitt. des thurg. Militærdepartements].
23. Kirchliche Verhältnisse.
Die evangelische und die katholische Landeskirche ordnen ihre Kultusverhältnisse selbständig, in gemischt staatlich-geistlichen Dingen jedoch unter der Oberaufsicht und mit Vorbehalt der Genehmigung des Staates. Beide Konfessionsteile wählen in den Kirchgemeinden, entweder in Versammlungen derselben oder per Urne, Räte (Synoden), welche aus Geistlichen und Laien gemischt und deren Ausgaben durch die betreffende Kommission zu decken sind. Erlasse und Verordnungen gesetzgeberischer Natur unterliegen der konfessionellen Volksabstimmung.
Demgemäss hat jede der beiden Konfessionen als oberste kirchliche Behörde eine gemischte Synode. Damit nicht zu viele Geistliche in ihr seien, ist die Bestimmung getroffen, dass in Wahlkreisen, die mehrere Mitglieder zu wählen haben, nur ein einziger im Amte stehender Pfarrer gewählt werden darf. Die Synode erlässt die nötigen kirchlichen Gesetze und Verordnungen und wählt als vollziehende Behörde den Kirchenrat und die Abgeordneten zur Konkordats-Prüfungsbehörde. Sie versammelt sich ordentlicher Weise alle 2 Jahre abwechselnd in Frauenfeld und Weinfelden. Die evangelische Kirche wählt auf 800 Ew. je ein Mitglied in die Synode, die katholische auf 450 Stimmberechtigte je 3 Mitglieder (2 Laien und einen Geistlichen). Für die Wahl der katholischen Synode bestehen im Kanton 11, für die der evangelischen Synode 42 Wahlkreise.
Der evangelische Kirchenrat besteht aus 5 Mitgliedern (3 Laien und 2 Geistlichen). Er vollzieht die Beschlüsse der Synode, ist Aufsichtsbehörde über Unterricht, Gottesdienst etc. und verwaltet das gemeinsame Kirchengut. Dieses besteht in einem Zentralfonds, der 1905: 173365 Fr., einem Reservefonds der evangel. Kirchgemeinden, der 18657 Fr., und einem Stipendienfonds, der 116509 Fr. betrug. Aus dem Zentralfonds wurden die Kosten der Verwaltung und die Besoldungen der beiden Pfarrhelfer bestritten.
Wenn nötig, wird für ihn eine Steuer erhoben, die 1905, wo 0,03‰ bezogen wurden, 9530 Fr. abwarf. Die Geistlichen des Kantons sind in drei Kapitel geteilt, zu denen von Amtes wegen alle angestellten Pfarrer gehören. Die Kapitel begutachten zu Handen des Kirchenrates die Lehrmittel und Liturgie. Unter Aufsicht desselben verwalten sie den Witwen- und Waisenfonds der evangelischen Geistlichkeit (176662 Fr.) und den Altersfonds (46417 Fr.). Daneben hat jedes Kapitel noch seinen Kapitelfonds für gemeinsame Bedürfnisse, so Frauenfeld 12571 Fr., Seethal 3340 Fr., Weinfelden 2043 Fr. Der katholische Kirchenrat zählt ebenfalls 5 Mitglieder und 2 Suppleanten. Unter seiner Aufsicht stehen der Zentralfonds (im engern Sinn) mit Fr. 149491, der Diözesanfonds mi Fr. 177159, der Hilfspriesterfonds mit Fr. 118327 und der allgemeine Stipendienfonds mit Fr. 90842 Vermögen auf
Die Kirchgemeinden, deren es 54 evangelische (samt 16 Filialen) und 51 katholische gibt, sind ökonomisch ganz auf sich selbst gestellt. Der Bestand der kirchlichen Gemeindefonds beträgt 4½ Mill. Fr. Die meisten Gemeinden sind zu Erhebung von Steuern genötigt. Die evangelischen Pfarrbesoldungen schwanken zwischen 2300 (Braunau) und 5000 Fr. (Bischofszell), die katholischen zwischen 1800 und 3500 Fr. Bei allen Pfarrstellen kommen freie Wohnung und etwas Pflanzland hinzu. Die sog. Akzidenzien (Geldgeschenke für kirchliche Handlungen) sind an den meisten Orten abgeschafft.
Die Abtrennung des kirchlichen vom staatlichen Leben hat sich als Wohltat erwiesen und in den Gemeinden einen heilsamen Eifer um die Förderung des kirchlichen Lebens erweckt. Viele der Kirchen des Kantons dienen beiden Konfessionen. Bei Neubauten ist man dagegen bestrebt, für jede Konfession ein besonderes Kirchengebäude zu erstellen; so in Weinfelden und Romanshorn. Für gemeinsame Angelegenheiten besteht eine paritätische Kommission.
[a. Pfarrer Wælli.]
24. Oeffentliche Gesundheitspflege; Kranken- und Wohltätigkeitsanstalten.
Die von den kantonalen Behörden zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Gesundheit, und zur Verhütung oder Einschränkung von Epidemien und Viehseuchen getroffenen Massnahmen sind sehr ausgedehnt. Am wichtigsten sind: das Gesetz über die Organisation des Sanitätswesens, sowie das Gesetz und die Verordnungen über die öffentliche Gesundheitspflege und die Lebensmittelpolizei. Die Aufgaben und Pflichten der Beamten, Aerzte, Tierärzte, Apotheker und Hebammen, sowie das Verfahren gegen ansteckende Krankheiten (strengste Verordnungen betr. Isolierung der Kranken, Desinfektion von Kleidung, Betten etc.) erscheinen bis in alle Einzelheiten aufs genaueste geregelt.
Den Vollzug des Gesetzes über die öffentliche Gesundheitspflege und die Lebensmittelpolizei (vom das auch die Aufsicht über die zur Herstellung von Lebensmitteln dienenden Lokale und Gegenstände, über deren Verpackung und Aufbewahrung umfasst, besorgen die Gemeinderäte und eventuell auch von diesen ernannte ständige oder zeitweilige Gesundheitskommissionen. Die Sanitätsbehörden beaufsichtigen den Verkauf sämtlicher Lebensmittel, die Trink- und Brauchwasserversorgungen, Gasthöfe, Wirtschaften und Fabrikräume; Strassen, Plätze, Abzugskanäle, Senkgruben, Sodbrunnen etc., sowie endlich auch alle Gewerbe, insofern sie der öffentlichen Gesundheit von Schaden sein können.
Zu den staatlichen Krankenanstalten zählt vor Allem die kantonale Krankenanstalt (Kantonsspital) in Münsterlingen, die in dem ehemaligen Klostergebäude untergebracht ist. Da sie an der N.-Grenze des Kantons am Ufer des Bodensees sich befindet, wird sie vorzugsweise von den Bewohnern des nördl. Kantonsteils, des obern Thurgaues, frequentiert, während die des untern und hintern Teils mehr dem Spital in Frauenfeld sich zuwenden. Die folgenden Angaben sind dem Bericht und der Rechnung vom Jahr 1907 entnommen.
Danach stieg die Zahl der verpflegten Kranken auf 1076. Von den in diesem Jahr aufgenommenen 947 Patienten waren Kantonsbürger 598, Bürger andrer Kantone 140 und Ausländer 209. Das Maximum der belegten Betten betrug 150. Ganz Arme sind auf eine bestimmte Zeit frei gehalten, die Uebrigen bezahlen je nach ihren Vermögensverhältnissen und Ansprüchen 70 Rappen bis 8 Fr. per Tag. Die Kosten der Anstalt kommen per Krankentag auf Fr. 4.28 und per Verpflegungstag (Beamte und Dienstpersonal inbegriffen) auf Fr. 2.97 zu stehen. Die Gesamteinnahmen betrugen Fr. 208028, worunter sich ein Staatszuschuss von Fr. 102870 befindet. Die Ausgaben stiegen auf Fr. 204539. Der ¶