Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03132.jsonl.gz/996

Bild
Titel:
Wappenpyramide des Standes Appenzell
Thema: Kultur
Datum: --.--.1586
Masse: 26,5 x 19,7 cm
Standort: Landesarchiv Appenzell Innerrhoden, ohne Sign.
Urheber/-in: Girtanner, Jakob
Beschreibung:
Miniatur der Wappenpyramide des Standes Appenzell von Jakob Girtanner (1527-1600). Aufrechte Bären unter dem Reichsadler. Links Madonna mit Jesuskind, rechts Heiliger Mauritius als Schildhalter. Im Hintergrund die Taufe Christi am Jordan mit Gottvater, der seinen Sohn mit dem Heiligen Geist erfüllt. In den Ecken die Symbole der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Das Werk ist eine weitgehende Kopie der Titelseite im ältesten Taufbuch der Pfarrei St. Mauritius Appenzell, die der Lindauer Buchmaler Caspar Härtli 1570 verfertigt hatte.
Das Kleingemälde ist eines von vieren, mit denen der älteste bekannte Appenzeller Maler das Landbuch von 1585 ausschmückte. Ebenso gestaltete er sechs mit Blumengirlanden verzierte Registerseiten. Da für die Herstellung eines Inhaltsverzeichnisses zuerst das Landbuch selbst fertig gestelllt sein musste, entstanden Miniaturen und Registerseiten erst im nachhinein. Die vorerst losen Seiten des Landbuches dürften also 1586 von einem Buchbinder gebunden worden sein. Anlässlich der Restauration von 1957 wurden die Miniatur- und Registerseiten ausgereiht. Da das Landbuch bis 1962 im Original an die Innerrhoder Landsgemeinde mitgenommen wurde, fürchteten die Behörden, dass die wertvollen Zeichnungen in Wind und Wetter Schaden nehmen könnten.
Geschichte:
Der aus der Rhode Gonten stammende Jakob Girtanner war der erste bedeutende einheimische Maler Appenzells und avancierte in Nachfolge des aus St. Gallen stammenden Caspar Hagenbuch (ca. 1525-ca. 1579) zum eigentlichen Hofmaler im Hauptort des ungeteilten Landes. Zum ersten Mal als Künstler erwähnt wird er 1585 in den Rechnungsbüchern der Kirchhöri Appenzell. Neben den Meistern Hagenbuch und Rudolf Müller führte er in der Pfarrkirche untergeordnete Dekorationsmalereien aus. Historische Bedeutung erlangte er durch die vier Miniaturen, mit denen er das Silberne Landbuch von 1585 ausschmückte. 1590 schuf Girtanner zwei Flügel eines ansonsten verlorenen Altarwerkes. Diese befinden sich in der Andachtskapelle St. Verena beim Abstieg von der Steig in die Lank. 1597 folgte der eindrückliche Flügelaltar für die Siechenkapelle in Appenzell. In der Folge drang sein Ruf über Appenzell hinaus, was daran zu erkennen ist, dass er auch für die Kirche in Wangs den Hochaltar bemalen durfte. Im Jahr 1600 verstarb Girtanner. Sein Sohn Moritz Girtanner (1575-1629) führte die Kunstmaler-Tradition weiter.
Text: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Fischer, Rainald u.a.: Appenzeller Geschichte. Bd. 1: Das ungeteilte Land. Herisau, Appenzell 1964, S. 456f.
Fischer, Rainald: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Innerrhoden. Basel 1984 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Bd. 74), S. 114, 158, 314 und 370f.
Tags:
Ähnliche Themen: