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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

20. Vortrag.
3.
Der katholische Glaube aber lehrt, daß die Werke des Vaters und des Sohnes nicht trennbar sind. Das ist es, worüber ich, wenn ich kann, zu eurer Liebe reden möchte, jedoch gemäß jenen Worten des Herrn: "Wer es fassen kann, der fasse es"1 . Wer es aber nicht fassen kann, der schreibe es nicht mir zu, sondern seiner mangelhaften Fassungskraft, und er wende sich zu dem, der das Herz öffnet, um das hineinzugießen, was er schenkt. Schließlich auch, wenn einer es deshalb nicht versteht, weil es von mir nicht in der geziemenden Weise gesagt wurde, so übe er Nachsicht mit der menschlichen Schwäche und flehe zur göttlichen Güte. Wir haben ja drinnen als Lehrer Christus. Was immer ihr durch euer Ohr und unsern Mund nicht fassen könnet, wendet euch in eurem Herzen zu dem, der sowohl mich belehrt über das, was ich rede, als auch euch nach seinem Wohlgefallen mitteilt. Der da weiß, was er gibt und wem er gibt, der wird dem Bittenden beistehen und dem Klopfenden öffnen. Und wenn er es vielleicht nicht gibt, so sage niemand, er sei verlassen. Vielleicht nämlich verschieb er es, etwas zu geben, aber er verläßt keinen Hungernden. Denn wenn er nicht sogleich gibt, so prüft er den Suchenden und verschmäht nicht den Bittenden. Sehet also zu und gebet acht auf das, was ich sagen möchte, obwohl ich es vielleicht nicht kann. Es lehrt der katholische Glaube, befestigt durch den Geist Gottes in seinen Heiligen, gegenüber aller häretischen Bosheit, daß die Werke des Vaters und des Sohnes unzertrennlich sind. Was ist das, was ich sagte? Wie der Vater selbst und der Sohn unzertrennlich sind, so sind auch die Werke des Vaters und des Sohnes unzertrennlich. Wie sind der Vater und der Sohn unzertrennlich? Weil er selbst sagte: "Ich und der Vater sind eins"2 . Weil der Vater und der Sohn nicht zwei Götter sind, sondern ein Gott, so ist das Wort und der, dessen Wort es ist, einer und ein einziger, ein Gott der Vater und der Sohn, durch Liebe mit einander verbunden, und einer ihr Geist der Liebe, damit eine Trinität sei, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Wie also nicht bloß der Vater und der Sohn, sondern auch der Heilige Geist in den Personen gleich und unzertrennlich sind, so sind auch ihre Werke unzertrennlich. Ich will es noch deutlicher sagen, was es heißt, ihre Werke sind untertrennlich. Nicht sagt der katholische Glaube, daß Gott der Vater etwas gemacht hat und der Sohn etwas anderes gemacht hat, sondern was der Vater gemacht hat, das hat auch der Sohn gemacht, das hat auch der Heilige Geist gemacht. Denn durch das Wort ist alles gemacht worden; da er sprach und es wurde, ist es durch das Wort geworden, ist es durch Christus geworden. Denn "im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; alles ist durch dasselbe geworden"3 . Wenn alles durch dasselbe wurde und "Gott sprach: es werde Licht, und es ward Licht", so hat er es im Worte gemacht, durch das Wort gemacht.
1: Mt 19,12
2: Joh 10,30
3: Joh 1,1.3