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Als ich zum ersten Mal in einer Auto-Rikscha ins 'Urban-Village' Khirki Extension gefahren wurde, blieben wir auf der «Main-Road», die sich von Norden nach Süden durch diesen Stadtteil zieht, im Verkehr stecken. Ich stieg aus und ging zu Fuss weiter. Was mir auf diesem kurzen Weg, ca. 3 Wochen vor der Performance, alles begegnete und dann jedes Mal wieder von Neuem, wenn ich wieder ins ‚village’ fuhr und dann am Strassenrand entlang ging, gab den Humus ab für meine Performance gegen Ende meines Delhi-Aufenthalts.
Der Verkehr in der engen Strasse ist meistens dicht, es zirkulieren Vespas, Motorräder, Auto-Rikschas, Transporter, Personenwagen, Verkaufwagen. Fahrräder, auf denen fast alles transportiert wird von der Gasflaschen über lange Metallstangen, Baumaterial bis zu den vielfältigsten Verkaufswaren werden meistens gestossen. Die Strasse, vor allem Staubstrasse, ist hier und da asphaltiert. An ihren Rändern gibt es in dichtem Auf- und Nebeneinander parkierte Autos, andere Vehikel, Tore zu bewachten Hausvorplätzen, Verkaufsbuden, Hauseingänge, Treppen, Abfallhalden, Bäume, Gestrüpp, parkierte Verkaufswagen und vorwärtsdrängende Menschen. Der bedrängte Raum am Strassenrand hat mir Eindruck gemacht und mich beim Skizzieren meines Performance-Vorhabens geleitet. Auch die Verständigungsschranken - ich verstand weder Hindi noch manchmal das Englisch der Inder/innen – waren Antrieb.
Rudimentäres Hindi-Vokabular mit Zählen bis auf 10 «EK, DO, TIN, CAR, PANC, CHH, SAT, ATH, NAU, DAS», mit den 10er Reihen «BIS, TEIS ...», den Wochentagen «SOMVAR, MANGALVAR, BUDHVAR, BRIHASPATIVAR, SHUKRAVAR, SHANIVAR, RAVIVAR» einfachen Sätzen mit Frage und Antwort wie «Wie geht es Dir — AP KAISIM HAU», «Mir geht es gut — MAIM THIK HUM, DHANYAVAD», und Wie heissen Sie — APAK SCHUBH NAM?» und die Antwort «ich heisse Dorothea — MERA NAM DOROTHEA HAI» sollte mir zur Verständigung helfen.
Ich habe drei Workshop-Teilnehmer/innen gebeten, an meiner Performance teilzunehmen. Ich gab ihnen folgende Anweisungen: Ihrem Interesse und ihren Möglichkeiten entsprechend dokumentieren, was ich mache, was sie sehen und hören, was sie selber machen; sie könnten mit mir interagieren und auch mit den Menschen auf der Strasse in Kontakt treten. Vandana, wollte auf keinen Fall als Performerin auftreten; sie benützte ihr I-Phone als Aufnahmegerät und baute zu mir Distanz auf, indem sie wie eine Reporterin kommentierte, was sie sah. Neha Narayan lieh sich ein professionelles Aufnahmegerät aus und machte immer in unmittelbarer Nähe akustische Aufnahmen von den Geräuschen während wir unterwegs waren, Preeti Singh mischte sich mit Zeichen- und Schreibblock ein.
Wir starteten in der Nähe unseres «Hauptquartiers» Gati-Dance Forum, um die Ecke vor dem Hindu-Tempel. Ich zog meine grüne Fliesjacke aus und übergab sie einem Zuschauer. Einem Plastiksack entnahm ich ein Paar Fuchsfell-Fäustlinge, die in meinen Teenage-Jahren im Winter meine Hände warm gehalten hatten. Ich hängte sie mir an den Hosenbund. Eine grüne Wollmütze, meine Wintermütze in der Schweiz, zog ich mir so übers Gesicht, dass ich fast nicht durch das Strickmaterial sehen konnte. Es war ausgemacht, dass wir uns ca. 200 m auf der einen Strassenseite bis zu einer bestimmten Stelle bewegen und dann die Strasse überqueren und auf der anderen Seite zum Ausgangspunkt zurückkehren würden. Wir schlichen Mauern entlang, zwängten uns zwischen Autos, Büschen. Ich kletterte auf eine Baumaschinen, die im Weg stand. Dann kam ich an einem Gemüsewagen vorbei und zählte dem Gemüsehändler auf Hindi vor. Er hörte mir zu, lachte dann wegen meiner Sprache, ich meinte zu verstehen, dass er mich korrigierte. Vandana eher distanziert aber immer zur Stelle während Preeti und Neha auch physisch Hand boten und die Rolle von Vermitterinnen zwischen mir und den Menschen auf der Strasse annahmen. So bewegten wir uns über eine Abfallhalde, ich tastend bis ich eine Plastikschnur, die sich an einem Ast verfangen hatte, in die Hände bekam und an ihr zerrte und Gegengewicht gab. Weiter auf dem Weg versuchte ich mich an einem Metallpfahl hochzuziehen, schaffte es aber trotz der Hilfe der drei Begleiterinnen nicht, mich ganz auf den Querbalken hinzusetzen. Ich hangelte mich ein wenig Richtung Strassenmitte, während die Autos an mir vorbeifuhren. Dann überquerten wir die Strasse und arbeiteten uns sozusagen an ihren Rändern auf der anderen Seite wieder zurück bis zum Ausgangsort.
Hand-Skript für Performance
mit Zeichnung von Preeti Singh, als Reportage während der Performance entstanden
Partitur von Rakshith K K:
Textbild mit den Worten, die ich während der Performance gesprochen habe