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«Ich bin völlig ratlos. Ich weiss überhaupt nicht, was ich tun soll», schreibt Tania (22) der SHMK-Notrufzentrale. Sie sei in der sechsten Woche schwanger und habe keine Ahnung, ob sie das Kind behalten soll. Sie wolle einfach jemandem gesagt haben, was sie da durchmacht. Es geht nicht lange und Tania steht im Kontakt mit einem SHMK-Berater, der sie in dieser schwierigen Lebensphase einfühlsam begleitet.
Der Berater schreibt Tania zurück und bestärkt sie, dass es gut von ihr war, die SHMK zu kontaktieren. Er erklärt ihr die Hilfsbereitschaft der Stiftung und macht ihr Mut, dass sie zusammen eine Lösung finden können. Er rät ihr, nicht an Abtreibung zu denken, weil sie das nicht glücklich macht. Ein Kind komme nie auf die Welt, um das Leben der Mutter zu zerstören, sondern vielmehr, um ihr Freude und Glück zu bereiten! Er motiviert sie dazu, nicht nur Probleme zu sehen, sondern auch offen zu sein für eine Wende zum Guten. Von der SHMK bekomme sie auch Hilfe!
Sowohl Tania als auch ihrem Freund, dem Kindsvater, steht noch ein grosser Teil des Studiums bevor. Darum hat sie Angst, mit einem Kind ihr Leben und das des Freundes zu belasten. Dieser will nämlich unbedingt, dass sie abtreibt. Alles soll wieder sein wie vorher, wünscht er sich. Auch seine Eltern wollen nichts von diesem Kind wissen. Und sie stellen klar: Von ihnen würde es keine Unterstützung geben.
Tanias Mutter hingegen hätte das Kind gerne. Aber sie ist krank. Und Tania weiss nicht, wie viel Hilfe sie von ihr erwarten kann. «Ich war immer gegen die Abtreibung, aber jetzt, in dieser schwierigen Lage, denke ich tatsächlich daran», antwortet sie dem Berater.
Dieser führt mit Tania einen regen Austausch. Schriftlich, so wünscht Tania es sich, weil sie am Telefon nur weinen würde. Der Berater legt ihr nahe, sich nicht von den Äusserungen des Freundes, der das Kind ablehnt, bestimmen zu lassen. «Wie wäre es, wenn Sie versuchen würden, das Gefühl zuzulassen, Mutter zu sein? Sich vorzustellen, wie Sie das Kind einst zärtlich in ihre Arme schliessen könnten und dieses Ihnen zulächelt?»
Tania fürchtet sich davor, mit ihrem Entscheid andere Menschen unglücklich zu machen. Was auch immer sie entscheidet, so kommt es ihr vor, mache jemanden unglücklich: Treibt sie ab, wird ihr Freund glücklich sein. Sie selbst würde damit wohl nur schlecht leben können. Wenn sie das Kind behält, wird ihre Mutter glücklich sein. Aber Tania ist nicht sicher, ob sie es selber auch wäre. So plagt sie weiterhin die Angst, einen Fehler zu machen, wenn sie das Baby behalte. «Ich weiss überhaupt nicht, was ich anfangen soll. Ich habe den Eindruck, dass in jedem Fall ich die Böse sein werde», schreibt sie dem Berater.
In diese Situation hinein sagt ihr der Gynäkologe, bei ihrer Leibesfrucht schlage das Herz noch nicht. Es würde erst Ende der siebten Woche zu schlagen anfangen. Tania fragt den Berater, was er dazu meint. Dieser weist sie auf aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse hin, wonach das Herz des Kindes am 16. Tag der Schwangerschaft, also in der dritten Woche nach der Befruchtung, zu schlagen beginnt. Tanias Schwangerschaft ist zu diesem Zeitpunkt aber schon viel weiter fortgeschritten. Das Herz des Kindes schlägt also bereits!
Nun ist es ein paar Tage lang still. Dann schreibt Tania dem Berater: Durch den Austausch mit ihm über alle Fragen, die sie bewegten, habe sie viel nachgedacht und sei zum Entscheid gekommen, das Baby zu behalten! «Ich danke Ihnen für Ihre Schreiben und Ihrer Organisation. Sie haben mir viel geholfen. Es ist wunderbar, Hilfe von aussen zu erhalten. Ich bin Ihnen sehr dankbar!»
Ihr Freund, verärgert über diese Entwicklung, versucht für eine Weile, Tania noch umzustimmen. Dann bricht er die Beziehung ab. Doch Tania freut sich über ihren Entscheid fürs Kind und dankt dem Berater erneut, dass er sie in ihrem Ringen um die Entscheidung unterstützt hat.
Wochen danach entschuldigt sich der Kindsvater bei Tania für sein Verhalten. Er möchte eine Versöhnung anbahnen. Dieser Prozess ist zwar langsam, aber als die Zeit der Geburt naht, steht er wieder zu ihr.
«Ich bin so glücklich. Vielen Dank für alles!», schreibt Tania dem Berater nach der Geburt ihres Sohnes. Sie ist sehr gerührt, dass die SHMK weiterhin für sie und ihr Baby da ist und sie mit Beiträgen an die Kosten für ihr Kind unterstützt, bis sich ihre Lage gefestigt hat.