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ANTARKTIS X 1991-93
ANTARKTIS X 1991-93 : Das grösste deutsche Forschungsschiff, die POLARSTERN, verliess am 14.11.1991 Bremerhaven zu seiner zehnten Antarktisfahrt. Während des ersten Fahrtabschnittes, der am 9. Dezember 1991 im argentinischen Puerto Madryn endete, standen luft- und meereschemische Forschungen auf dem Untersuchungsprogramm. Mehrere Arbeitsgruppen führten Fernerkundungsmessungen im Bereich der Atmosphäre durch, wo mit Lichtradarsystemen die Lufttemperatur, Luftdichte, Aerosol- und Wolkenteilchen gemessen wurden. Der Fahrtabschnitt ANT X/2 begann am 4. Januar 1992 in Punta Arenas. Die POLARSTERN fuhr zunächst zur Georg-von-Neumayer-Station. Von dort ging die Fahrt ins Weddellmeer zur Filchner-Station. wo eine Galziologengruppe abgesetzt wurde, die im Rahmen des internationalen Filchner-Ronne-Schelfeis-Programmes forschte. Die Glaziologen brachten dort eine Eisbohrung bis 350 m Tiefe nieder, um die Unterseite des Schelfeises und die Bewegungen und Verformungen des Ronne-Schelfeises zu untersuchen. Auf dem Drescher Inlet des Rijser-Larsen-Schelfeises wurde die biologische Drescher-Station aktiviert. Von hieraus untersuchten Biologen das Fress- und Tauchverhalten von Robben und Kaiserpinguinen. Im Einsatz zu ANT X waren wieder die Hubschrauber des Wasserthal’schen Helicopter Service.Am 20. Februar 1992 gab es einen Flug zum britischen Forschungsschiff BRANSFIELD. Der Neubau der Neumayer-Station : Die harten Umweltbedingungen des Ekström-Schelfeises haben im Laufe der Jahre der Neumayer-Station zugesetzt. Die Unterkante der Stationsröhren war mittlerweile dreizehn Meter unter die Schneeoberfläche gesunken. Die Röhren bogen sich durch die Last des Schnees und die Fliessbewegung des Eises stark durch. Deshalb war der Neubau der Forschungsstation notwendig. Die erste Bauphase wurde im November 1991 in Bremerhaven abgeschlossen und die vorgefertigten Bauteile in Container verpackt. Den Stationsentwurf, Design und Engineering stellte eine Bremerhavener Firma zur Verfügung. Mit der Bauausführung und Montage wurde ein Konsortium von mehreren Firmenbeauftragt. Am 25. März 1992 legte die POLARSTERN im Hafen von Kapstadt an. Damit war der 2. Fahrtabschnitt von ANT X beendet. Zuvor hatte das Schiff in einer Zwischenreise um den 7. und 8. März die deutschen Wissenschaftler von der Georg-Forster Station abgeholt. Das Forschungsprogramm auf der POLARSTERN umfasste besonders geophysikalische Untersuchungen am Kontinetalrand des WeddeHmeeres zwischen Antarktischer Halbinsel und dem Gunnerus-Rücken im Osten. Dazu wurde ein marines Geologieprogramm mit Beprobung des Meeresbodens durchgeführt, wobei ein belgischen Forscherteam vom Renard Centre of Marine Geology an Bord tätig war. Die Expedition ANT X der POLARSTERN wird länger als ein Jahr dauern. Das Schiff führt im antarktischen Herbst und Winter verschiedene Forschungsfahrten durch. Das Schiff lief von Kapstadt in Richtung Südspitze Südamerikas aus. In der Saison 1991/92 und 1993/94 hatten jeweils mehrere Forscher des Instituts eine Expedition in das Gebiet der Schirmacher-Oase nahe der Station ‘Georg Forster” bzw. zur Bunger-Oase nahe der Station “Oasis” durchgeführt, um sog. Sedimentkerne zu gewinnen und diese Schicht für Schicht zu untersuchen. Anhand der darin enthaltenen Ablagerungen lassen sich die geologischen Verhältnisse über mehrere Tausend Jahre zurückverfolgen. Wie nun erste Ergebnisse zeigen, muss die Vorstellung, dass während der letzten Eiszeit eine im Vergleich zu heute wesentlich dickere Schnee- und Gletscherdicke in der heutigen Antarktis herschte, korrigiert werden. Zumindest in der Ostantarktis, dort liegen die beiden Untersuchungsgebiete, wurden andere Bedingungen vorgefunden. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode fanden die Wissenschaftler heraus, dass grosse Teile der Bohrkerne einen hohen Anteil an organischem Kohlenstoff aufwiesen, was auf eine relativ “hohe” Temperatur schliessen lässt.