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Moderator: markus.gnaedinger
scheint mir, dass das erwünschte Ergebnis beim Studiendesign bereits eingeplant wurde
Oder wie sonst soll man verstehen, dass ein "komplett tätiger Hausarzt" zwar Frakturen versorgen, aber keine Ergometrie können muss?
Man könnte leicht argumentieren, dass es für die Mehrheit der Hausärzte heute weniger Sinn macht, eine Fraktur einrichten zu können (Der letzte Notfalldienst, in dem dies notwendig gewesen wäre, liegt bei mir etliche Jahre zurück,obwohl ich durchaus regelmässig Notfalldienst leiste), als eine Ergometrie durchzuführen (Herz-Kreislaufkrankheiten sind in der Durchschnittsbevölkerung bei weitem relevanter, als ambulant in der Praxis versorgbare Frakturen).
Der einzige Grund, warum im Kriterienkatalog (Punkte a,b,c,d,e,h,k,m,n,
n=1‘683) der Punkt l fehlt ist wohl (soweit ich es erkennen kann) der, dass sonst der Vorsprung der Allgemeinmediziner weniger gross gewesen wäre
Eigentlich finde ich Studien, die Hausärzte mit verschiedenen Facharzttiteln gegeneinander ausspielen eher kontraproduktiv. Besonders, wenn die Resultate mit etwas willkürlich gewählten Kriterien bewertet werden.
Also was sollte die Studie genau aussagen?
Ich halte dafür, dass, wer als Hausarzt tätig sein will, Willens und in der Lage sein sollte, alle an ihn getragenen Probleme primär einmal anzuschauen und drei Viertel davon auch selber an die Hand zu nehmen.
Lüthi hat geschrieben:Einen "kompletten" Hausarzt definieren zu wollen scheint mir zum vornherein aussichtslos, um nicht zu sagen ein kompletter Unsinn.
Ich halte dafür, dass, wer als Hausarzt tätig sein will, Willens und in der Lage sein sollte, alle an ihn getragenen Probleme primär einmal anzuschauen und drei Viertel davon auch selber an die Hand zu nehmen.
Zustimmung.
Insbesondere in Bezug auf die zu schaffende Hausärzte-Organisation scheint es mir aber doch wichtig zu sein, "harte" Kriterien festzulegen, wer ein Hausarzt ist, und wer nicht. Sonst sind am Schluss alle KHM, SGIM, SGAM, SGP, AGP, FMP, FMS- usw. Mitglieder auch in der neuen Organisation dabei, weil sie zur Not auch einen Schnupfen behandeln können.
Ich stimme Dir aber dabei zu, dass es kein Kriterium sein kann, wer einen Gips anlegen oder eine Ergometrie machen kann bzw. will. Deswegen ja meine Frage, was die Studie bezwecken wollte.
Vorschlag:
Hausarzt ist, wer
a) "Jeden" als Patienten aufnimmt (ungeachtet Alter oder Art der Krankheit) (ob er dann wirklich 3/4 aller Probleme auch selber behandelt, scheint mir doch auch von äusseren Umständen abzuhängen, und kein scharfes Kriterium zu sein)
b) Notfalldienst leistet
c) Hausbesuche macht.
Es ging mir eher darum, dem "Dignitätenkatalog" der zitierten Untersuchung (deren Zweck sich mir auch nicht erschliesst) eine gänzlich andere Sichtweise entgegenzustellen, weil ich der Meinung bin, dass der Begriff "Hausarzt" solcherart nie erfasst werden kann.
http://www.primary-care.ch/pdf/2007/200 ... 14-129.PDF
handelt ist ein Poster, gezeigt anlässlich der erstmalig an einem SGAM-Kongress durchgeführten Posterausstellung. Es zeigt Resultate aus der 'Workforce-Studie' einer repräsentativen Umfrage bei Schweizer Hausärzten vom Januar 2005. Diese Studie wurde von mir (AG Literatur/Dokumentation der SGAM) geplant und in Zuammenarbeit mit dem IHAMB durchgeführt.
Das primäre Ziel der Studie ist eine deskriptive Beschreibung der Arbeitspensen der GrundversorgerInnen ('Vollzeitäquivalente') in der Schweiz und der Praxisstrukturen unter Berücksichtigung der verschiedenen Arbeits- und Praxismodelle. Ebenfalls brücksichtigt werden qualitative Aspekte, wie die Arbeitszufriedenheit und Pläne zum zukünftigen beruflichen Engagement.
Das Poster dokumentiert die Antworten zur Praxisstruktur. Die Erhebung dieser Fragen in der Workforce-Studie erfolgte v.a. auf die geplanten Neu-Erhebungen in 5 und in 10 Jahren (zur Darstellung allfälliger Veränderungen in der Zeitreihe).
Zu den Konklusionen des Posters:
Die Gegenüberstellung Allgemeinmedizin/Innere Medizin zeigt aus meiner Sicht interessante Befunde (diese fallen vermutlich 2011 weg, da wir nur noch 'Hausärzte' messen ).
In der Sache gebe ich der Kritik von Gerry recht.
Das wording mit 'komplett' im Zusmmenhang mit der Weiterbildung ist schwierig - breite Aussbildung/Weiterbildung (Möglichkeit der Erfahrung) und Fortbildung sind aus meiner Sicht die relevanten Begriffe für die Hausarztmedizin.
Kriterien für 'Hausarzt':
schwierig kurz abzuhandeln - die WONCA hat in langjähriger Konsenus-Arbeit die Kriterien zusammengetragen und ein berufstheortisch stabiles und praxisorientiertes Gerüst gelegt (1), die Engländer zeigen sehr schön, wie man sowas konkret in Weiterbildung umgiesst (2,3).
Bref: Gerry bring die zentralen Punkte. Ich würde als b) noch die 'Kontinuität der Betreuung' einfügen, das ist eine ganz wesentliche Komponente und Kompetenz
Kommentar:
Kernkompetenzen in der Hausarztmedizin sind nicht mit den Kriterein der fach-nosologischen Einteilung der klinisch stationären Medizin abzudecken. Das hat zwei Gründe:
a) Hausarztmedizin ist mehr als die reine Addition von Wissen aus den klinsichen Fächern. Sie ist auch der Kit, die Naht zwischen den Disziplinen und oft auch transdisziplinär im Sinne von 'über das medizinische hinaus'
b) sie ist auch immer eine 'Rolle' oder Funktion am Schnittpunkt 'Medizin und Gesellschaft'. Der Hausarzt-SGIM im Ämmital hat das gleiche Arbeitsfeld wie der Hausarzt-SGAM in Vella, der Hausarzt-SGAM in Bern unterscheidet sich nicht vom Hausarzt-SGIM in Basel oder Olten... Der Ort, die Erreichbarkeit des nächsten Spitals, die Kultur (d,f,i) prägt das Arbeitsfeld des Hausarztes.
Ob SGIM oder SGAM das kümmert den Patienten nicht - er möchte bei gesundheitlichen Störungen einen effektiven und kompetenten ärztlichen Kontakt.
1) The European Definition of General Practice/Family Medicine - 2005
http://www.euract.org/html/page03f.shtml
2)The RCGP - GP Curriculum - Reviewed January 2007 http://www.rcgp-curriculum.org.uk/rcgp_ ... ments.aspx