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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Siebtes Buch
38. Nach Gottes Worten ist Gott weder vereinzelt, noch der Sohn ihm ungleich.
Diesem Gedankengang entstammt dieses Wort: „Solange bin ich bei euch, und ihr kennt mich nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen. Wie sagst du: zeige uns den Vater? Ihr glaubt [S. 381] mir nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist?”1 Den Darlegungen der Menschen über göttliche Dinge bleibt gar nichts anderes als Gottes Wort; alles übrige ist mißlich und eng und behindert und dunkel. Wenn das einer mit anderen als mit Gottes Worten darlegen will, dann ist er entweder selber ohne Verständnis, oder er überläßt den Lesern nichts Verständiges.
Als der Herr gebeten wurde, den Vater zu zeigen, sagte er: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.” Das zu ändern, ist Zeichen des Antichristen; das zu leugnen, des Juden; das nicht zu wissen, des Heiden. Aber vielleicht ist der Sinn der Deutung schuldhaft. Unserem Glauben soll der Vorwurf gelten, wenn in den Worten Gottes sich Dunkelheit verbirgt. Denn einerseits bezeichnet das Wort einen Nicht-vereinzelten, anderseits lehrt die Bekundung, daß das Wesen dennoch nicht verschieden sei. Denn daß im Sohn auch der Vater gesehen werde, das ist weder bei einem Vereinzelten möglich noch bei einem Ungleichen; denn wenn durch diesen jener gesehen wird, dann sind sie im Bekenntnis des Geheimnisses nicht un-eins (im Wesen), noch auch nur einer (an Person). Und ich frage, was man wohl glauben solle, daß der Herr bezeichnet habe, wenn er sagt: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.” Du hast kein Eins-sein der Zahl nach, wo durch das Bindewort die Hinzufügung des väterlichen Namens bezeichnet wird. Denn wenn es heißt: „auch den Vater”, dann ist die Deutung auf einen vereinzelten und einzigen ausgeschlossen. Was also bleibt übrig, als dieses, daß vermöge der geeinten Ähnlichkeit des Wesens der Vater durch den Sohn gesehen wurde? Damit uns dieses nicht als glaubens-ungewiß bleibe, deswegen fügte der Herr hinzu: „Wie sagst du, zeige uns den Vater?” Denn welcher Zwang blieb noch übrig, entweder den Vater nicht zu kennen oder ihn denen zu zeigen, die ihn [S. 382] nicht kannten, da der Vater doch im Sohn sichtbar geworden war?
1: Joh. 14, 9 f.