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waren die aus den Seelen verstorbener Vornehmer hervorgegangenen Tiki oder Tii getreten, welche in der Unterwelt (Po) zu wirklichen Göttern wurden. Die Bilder der Götter genossen ebenso wie Gegenstände aus der Natur nur als zeitweilige Aufenthaltsorte der Götter Verehrung. Die Priester, welche keine geschlossene Kaste bildeten, vielmehr sich aus den Vornehmen rekrutieren, waren zugleich Ärzte, Bewahrer alles Wissens und häufig als Staatsmänner hochgeachtet. Opfer, bei besondern Gelegenheiten Menschenopfer, wurden häufig gebracht. Die Bestattung war bei Vornehmen mit großen Feierlichkeiten verbunden, und die Begräbnisstätten vertraten oft die Stelle der Tempel; [* 2] auf den mit Mauern eingefaßten und mit behauenen Steinen belegten Flächen erhoben sich Götterbilder, Altäre, Priesterhäuser. Über die Sprachen der Polynesier s. Malaiisch-polynesische Sprachen.
Bei der ersten Begegnung der Polynesier mit Europäern zeigten die erstern eine entschieden Zuneigung zu den neuen Ankömmlingen. Leider waren dies anfangs sehr fragwürdige Elemente (entlaufene Verbrecher, Matrosen), die einen höchst nachteilige Einfluß auf die ohnehin auf manchen Inseln bereits moralisch gesunkenen Bewohner ausübten. So hatten die Missionäre, welche zuerst auf Tahiti [* 3] und später auch auf andern Gruppen sich niederließen, eine nicht leichte Arbeit.
Indessen ist es ihnen gelungen, fast überall das Heidentum durch die christliche Religion und christliche Sitte zu ersetzen. Allerdings waren die Bestrebungen der Mission, der englischen und amerikanischen protestantischen wie der französischen katholischen, auch nicht frei von unlautern Motiven. Die Streitigkeiten zwischen den Vertretern beider Religionsparteien, insbesondere die ausgesprochene Absicht der katholischen Missionäre, das protestantische Missionswerk zu zerstören, führte zur Besitznahme Tahitis und der Markesas durch Frankreich, das in der Folge seinen Besitzstand durch Annektierung andrer Inselgruppen noch erweiterte. Sonst haben noch England (Neuseeland und kleine Inseln), Spanien [* 4] (Marianen und Karolinen) und Deutschland [* 5] (Marshallinseln) in den polynesischen und mikronesischen Inselgebieten Besitz.
Die Melanesier bewohnen die Inselgruppen, welche oben bezeichnet worden sind. Von den Polynesiern unterscheiden sie sich körperlich sehr bedeutend, wie die polynesischen Kolonien, welche sich auf melanesischem Gebiet auf Inseln des Fidschi-Archipels, der Neuen Hebriden, auf Malaita (Salomoninseln), an der Südspitze von Neuguinea und am Flyfluß sowie auf Mortlock und Nukuor (Karolinen) befinden, ganz deutlich beweisen. Ob sie ethnologisch mit den Negrito auf den indischen Inseln in Zusammenhang stehen, ist unsicher; näher schon stehen sie den Bewohnern des Australkontinents, obschon zwischen beiden erhebliche Unterschiede in der Körperbildung, den Sprachen und dem Kulturzustand sich finden.
Ein geistiger Zusammenhang aber besteht unverkennbar zwischen Melanesiern und Polynesian, wie eine genauere Kenntnis ihrer Sprachen sowie ihrer politischen und religiösen Ansichten beweist. Wie unter den polynesischen Völkern, so bestehen unter den melanesischen sehr große Unterschiede, nur sind diese Unterschiede hier noch bedeutender. Was ihre körperliche Bildung anlangt, so erscheinen sie bald stark und wohlgebaut, bald schwächlich und elend, im allgemeinen von mittlerer Größe und häßlich; das Abstoßende des Gesichtsausdrucks wird noch durch das ihnen eigne Mißtrauen und durch Wildheit erhöht.
Meist ist der Schädel von der Nasenwurzel an mehr rückwärts gebogen, die Stirn ist schmal, oft fast viereckig und beinahe abgeplattet, die Augen sind dunkel und tiefliegend, die Nase [* 6] ist gewöhnlich flach und breit, die Backenknochen stehen hervor, der Mund ist breit und groß, die Lippen sind dick, die obere Kinnlade ragt manchmal über die untere vor. Die Haare [* 7] sind schwarz und kraus, aber gleichmäßig und nicht, wie man früher annahm, büschelförmig über den Schädel verteilt.
Die Hautfarbe ist gewöhnlich ein schmutziges Dunkelkupferbraun, doch kommen auch hellere Farbentöne vor. Was ihren Charakter anlangt, so erscheinen sie impulsiver, geräuschvoller und gewaltthätiger als die Polynesier. Sie wissen vortrefflich ihre Gefühle zu verbergen, um ihnen später, namentlich wo es sich um Racheakte handelt, desto freiern Lauf zu lassen. Diebstahl üben sie meist nur an Fremden. Von vielen Lastern, die den Polynesian anhaften, sind sie aber verhältnismäßig frei.
Ihre geistigen Fähigkeiten sind weit höher, als man früher anzunehmen geneigt war. Eine beträchtliche poetische Begabung läßt sich nicht leugnen; namentlich die Fidschianer zeigen eine solche in ihren Meke, in denen Gesang und Tanz verbunden sind, die beide mit den polynesischen übereinstimmen. Auch in Bezug auf Zeitrechnung und Himmelsbeobachtung verfügen die Melanesier über dieselben Kenntnisse wie die Polynesier. Die Bekleidung der Melanesier ist von sehr dürftiger Beschaffenheit; um so reicher und mannigfaltiger ist ihr Schmuck.
Die Tättowierung schließt sich mehr dem australischen Typus der Hautnarben als dem polynesischen der Punktierung an; auch wird die Haut [* 8] mit schwarzer, roter und weißer Farbe bemalt. Der Schmuck besteht vornehmlich aus weißen Muscheln, [* 9] die man an der Stirn trägt, in schweren Muschel- und Schildpattringen, durch welche die Ohrlappen weit ausgedehnt werden; noch mehr entstellt das Durchbohren der Nasenwand, in der man Holz, [* 10] Steine und Zähne [* 11] trägt. Um Hals, Arme und Beine trägt man Bänder mit den verschiedensten Gegenständen daran.
Während das Körperhaar sorgfältig ausgerissen wird, behandelt man das Haupthaar mit Ätzkalk und Kohle, so daß es den Kopf bald als turbanähnlicher Wulst umgibt, bald in Form zahlreicher dünner Stränge und Büschel lang herabhängt. Neben den Haartrachten kommen Perücken und Kopfbedeckungen verschiedener Gattung vor. Die Wohnungen bestehen meist aus einem großen Dach [* 12] aus Palmblättern oder Stroh, das auf niedrigen Pfeilern ruht. Die Häuser stehen am Boden oder auf Pfählen, im Trocknen oder im Wasser.
Man findet Pfahlbauten [* 13] im ganzen Gebiet; doch scheinen sie ihre größte Entwickelung auf Neuguinea zu haben. Allgemein sind große und sorgfältiger gebaute Gemeindehäuser, die auch als Tempel dienen und wie die Häuser der Häuptlinge nicht selten mit Schnitzwerk und Menschenschädeln geschmückt sind. In Neuguinea und in Isabel (Salomoninseln) findet man auch Baumdörfer, die man zur Sicherheit gegen feindliche Überfälle in den Wipfeln hoher Stämme angelegt hat.
Landbau treiben einige melanesische Völker mit viel Sorgfalt und in ausgedehntem Maß, andre dagegen nur sehr wenig. Dagegen treiben sie Fischfang mit Netzen und Angelhaken mit viel Eifer; Schweine [* 14] und Hühner [* 15] ziehen sie meist für den Handel. Als Seefahrer stehen sie hinter den Polynesiern weit zurück; auch sind ihre Boote, obwohl sie im Bau denen der Polynesier entsprechen, viel plumper. Ganz ähnlich verhält es sich mit ihren Zeugen aus Baumrinde und ihren geflochtenen Matten; dagegen ¶
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verstehen sie es, Thongefäße herzustellen, eine Kunst, welche den Polynesiern unbekannt war. Am besten gearbeitet unter allen ihren gewerblichen Produkten sind ihre Waffen, [* 17] was bei ihrem kriegerischen Charakter natürlich ist. Bogen [* 18] und Pfeile (öfters vergiftet) finden sich fast überall, dazu kommen Speere, Keulen, Schilde. Alles in allem steht die Gewerbthätigkeit der Melanesier nur in einigen Punkten hinter derjenigen der Polynesier zurück, übertrifft sie aber in vielen andern.
Die Hauptnahrung besteht in Vegetabilien, und zwar bildet sie in Ostmelanesien der Taro, in Westmelanesien, speziell Neuguinea, der Saga. Die Zubereitung ist ganz ähnlich der polynesischen. Als geistiges Getränk ist auch hier die Kawa üblich, die aber nach W. zu abnimmt, wo Tabak [* 19] und Betel an ihre Stelle treten. Bei den meisten melanesischen Stämmen besteht noch heute die Menschenfresserei; auf Fidschi bediente man sich dabei besonderer Gabeln. In der Familie nimmt die Frau eine sehr untergeordnet Stellung ein; durch Kauf erworben, hat sie ein hartes Los; fast alle Arbeiten liegen ihr ob. Polygamie herrscht fast überall.
Von den religiösen Vorstellungen der Melanesier wissen wir wenig, allein dies wenige genügt, um eine Verwandtschaft derselben mit denen der Polynesier darzuthun. Verehrung wird nicht sowohl den von allen Mitgliedern eines Stammes anerkannten obern Göttern zu teil als vielmehr den aus den Seelen Verstorbener hervorgegangenen Göttern, welche durch Bilder, aber auch durch Tiere, Steine u. a. repräsentiert werden. Priester, welche auch als Zauberer auftreten, bringen die Opfer dar, die in Speisen, auch in Menschen bestehen.
Auf den südlichen Inselgruppen gilt auch das Tabu. Die Leichenfeierlichkeiten sind bei Vornehmen groß, die Bestattung ist überall sorgfältig und der Glaube an eine Fortdauer nach dem Tod allgemein. Die politischen Institutionen sind denen der Polynesier verwandt; doch herrscht auf manchen Gruppen vollständige Demokratie, wogegen auf andern die Häuptlinge bestimmte und nicht geringe Verehrung genießen. Über die Sprachen der Melanesier s. Malaiisch-polynesische Sprachen.
Der erste Verkehr der Melanesier mit Europäern begann im Anfang dieses Jahrhunderts und zwar auf den südlichsten Archipelen, welche von europäischen und australischen Händlern, um das dort wachsende wertvolle Sandelholz zu holen, besucht wurden. Dieser Verkehr wurde für die Eingebornen im höchsten Grad unheilvoll. Später kamen englische protestantische und französische katholische Missionäre, deren Einfluß ein sehr günstiger gewesen ist, und der sich gegenwärtig bereits über mehrere Inselgruppen erstreckt.
Die Besitzergreifungen ganzer Inselgruppen durch europäische Mächte haben auf diesen wenigstens einen lebhaften Verkehr zwischen Europäern und Eingebornen entstehen lassen, der auch durch die Anwerbungen von Arbeitern für die Pflanzer von Queensland, Samoa, [* 20] Neukaledonien [* 21] u. a. befördert worden ist, allerdings sehr wenig zum Vorteil der Eingebornen selber, die häufig genug nur durch gewaltsamen Raub in den Dienst ihrer weißen Herren gebracht werden konnten.
Besitzungen europäischer Staaten.
Von dem Gesamtareal Ozeaniens ist nur noch der kleinere Teil im Besitz der eingebornen Herren. Spanier und Holländer haben hier schon seit zwei Jahrhunderten allerdings meist nur nominelle Erwerbungen gemacht, die Engländer erst seit Beginn dieses Jahrhunderts, die Franzosen in neuerer, Deutschland aber erst in der allerneuesten Zeit. Amerikaner erheben offiziell auf keinen Teil Ozeaniens Ansprüche. Die Niederlassungen amerikanische Unternehmer auf einigen kleinen Inselgruppen zur Ausbeutung von Guano und zur Bereitung von Kopra und Trepang sind durchaus privater Natur und wurden nach Erschöpfung der Fundstätten bereits wieder aufgegeben; doch haben die Vereinigten Staaten [* 22] von Nordamerika [* 23] sich auf der Insel Tutuila in der Samoagruppe den Hafen Pago Pago als Kohlenstation abtreten lassen, gerade wie das Deutsche Reich [* 24] die Häfen Taulanga auf Wawau (Tonga), Makata (Duke of York) und Jaluit (Marshallgruppe) erwarb.
Gegenwärtig aber ist der Besitzstand des Deutschen Reichs einer der bedeutendsten im Stillen Ozean. Sicherlich wird auch der noch freie Teil Ozeaniens bald in die Hände der europäischen Mächte, welche sich in diesem Gebiet Konkurrenz machen, also Deutschlands, [* 25] Englands und Frankreichs, und wohl auch der Vereinigten Staaten von Nordamerika übergehen. Der Hawai-Archipel wird den letztern vermutlich sehr bald als reife Frucht zufallen, während der Samoa-Archipel durch den Einspruch Deutschlands und Englands bisher noch vor Annexion bewahrt wurde. Die Besitzergreifung sämtlicher noch freier Inseln durch England wird sehr entschieden von den australischen Kolonisten befürwortet, die durch ihre energischen Proteste die beabsichtigte Okkupation der Neuen Hebriden durch Frankreich verhinderten. Der gegenwärtig Besitzstand europäischer Mächte in Ozeanien [* 26] ist der folgende:
|QKilom.||QMeil.||Bewohner|
|Neuseeland||270392||4910.6||605736|
|Kermadecinseln||55||1.0||-|
|Lord Howes Insel||9.3||0.15||65|
|Aucklandsinseln||509||9.25||-|
|Norfolkinsel||44||0.8||663|
|Fidschiinseln||20807||377.78||127448|
|Rotumah||36||0.65||2450|
|Caroline||5.5||0.1||-|
|Starbuck||3||0.05||-|
|Malden||89||1.6||79|
|Fanning||40||0.7||150|
|Südöstliches Neuguinea||229100||4161.0||137500|
|Englische Besitzungen:||521090||9463.68||874091|
|Niederländ. Besitzungen:|
|Westhälfte von Neuguinea und Nebeninseln||397202||7213||250000|
|Nordöstliches Neuguinea||181650||3299||109000|
|Neubritannia-Archipel||47100||855.4||188000|
|Marshallinseln||400||7.3||11000|
|Nördliche Salomoninseln||22200||403||80000|
|Deutsche Besitzungen:||251350||4564.7||388000|
|Neukaledonien u. Dependenzen||19950||362.3||56463|
|Uea||96||1.7||3500|
|Tahiti und Dependenzen||3658||66.4||22646|
|Französische Besitzungen:||23704||430.4||82609|
|Marianen||1140||20.7||8665|
|Karolinen||1450||26.3||36000|
|Spanische Besitzungen:||2590||47.0||44665|
Der Wert der Inseln Ozeaniens (mit Ausschluß von Neuseeland) liegt in den Produkten, welche der Boden spontan oder seit dem Kommen der Europäer durch die Kultur hervorbringt, und dem Erträgnis der Seefischerei. Von Mineralien [* 27] hat man bisher nur auf Neukaledonien (Gold, [* 28] Kupfer: [* 29] Nickel) eine nennenswerte Ausbeute gefunden. Die gegenwärtig in den Welthandel kommenden Produkte sind in erster Linie Kopra, Baumwolle, [* 30] Zucker, [* 31] Kaffee, Perlmutter: Perlen, Trepang. Diese Produkte werden teils von den Eingebornen eingehandelt, teils auf den von den ¶