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Autos, die mit Strom, Erd- oder Biogas angetrieben werden, sind in der Schweiz mittlerweile verbreitet. Die Chance, dass Sie jemanden kennen, der sein Fahrzeug mit Wasserstoff antreibt, ist jedoch sehr klein. Die Anschaffungskosten von Wasserstoff- oder sogenannten Brennstoffzellenfahrzeugen sehr hoch und mit nur zwei Tankstellen in der Schweiz gibt es entsprechend wenig Infrastruktur. Deshalb sind Wasserstoffautos, nicht nur in der Schweiz, sehr selten. AutoScout24 beantwortet offene Fragen zum Wasserstoffauto.
Im Innern eines Wasserstoffautos sitzt ein Elektromotor. Um diesen anzutreiben, wird Strom benötigt. Dieser Strom wird aus Wasserstoff in einer sogenannten Brennstoffzelle direkt im Auto produziert.
Wasserstoff ist ein chemisches Element, das Bestandteil von Wasser ist. Ein weit verbreitetes Verfahren, um Wasserstoff aus Wasser zu gewinnen, ist die Wasser-Elektrolyse: Mit Strom wird Wasser in die Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) zerlegt. Dabei wird die elektrische Energie in chemische Energie umgewandelt und im Wasserstoff gespeichert. In der Brennstoffzelle passiert dann das Umgekehrte: Die chemisch im Wasserstoff gespeicherte Energie wird wieder in elektrische Energie umgewandelt und treibt das Fahrzeug an.
Im Gegensatz zu einem Elektrofahrzeug, welches an der Steckdose geladen werden muss, wird ein Brennstoffzellen- oder Wasserstofffahrzeug an einer Tankstelle mit Wasserstoff betankt. Wird für die Elektrolyse nachhaltig produzierter Strom genutzt (zum Beispiel aus Wasser-, Wind-, oder Solarkraft) ist Wasserstoff völlig CO2-neutral und besonders umweltfreundlich. Das einzige, was aus dem Auspuff des Autos entweicht, ist Wasserdampf.
In der Brennstoffzelle eines Wasserstoffautos befindet sich eine Platinbeschichtung. Das Edelmetall Platin kommt auf der Erde selten vor und ist nur noch begrenzt verfügbar. Dadurch ist es sehr teuer und eine der ausschlaggebendsten Komponenten für den hohen Preis eines Wasserstoffautos. Bereits heute forschen Wissenschaftler und Autohersteller an Alternativen für Platin.
Hinzu kommt, dass Hersteller, wie beispielsweise Toyota, Wasserstoffautos lange von Hand bauten und somit keine grossen Mengen an Brennstoffzellenautos produzieren können. Das soll sich jedoch ändern: Toyota kündigte Ende 2018 an, in die Massenproduktion überzugehen und den Einsatz teurer Materialien wie Platin zu reduzieren.
Viele Kantone belohnen den Kauf von energieeffizienten Fahrzeugen, indem sie die Verkehrssteuern für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben tiefer ansetzen.
Zudem gewähren einige Versicherungsanbieter Rabatte auf Versicherungen für Wasserstofffahrzeuge.
Wasserstoffautos sind aktuell in der Schweiz wenig verbreitet. Nur wenige Dutzend Personenwagen sind auf Schweizer Strassen unterwegs. Es handelt sich hierbei um ein klassisches Ei-Huhn-Problem. Die Nachfrage nach Wasserstoffautos ist nicht sehr gross, weil es in der Schweiz keine ausgebaute Infrastruktur für Wasserstoffautos gibt (nur zwei Tankstellen schweizweit für Personenwagen). Und das Netz wurde bisher nicht ausgebaut, da kaum Nachfrage nach Wasserstofftankstellen vorhanden ist.
In der Schweiz sind aktuell zwei Personenwagenmodelle mit Wasserstoffantrieb erhältlich: der Hyundai Nexo Fuell Cell und der Toyota Mirai.
Das Tanken von Wasserstoffautos unterscheidet sich nicht wesentlich vom Tanken herkömmlicher Autos mit Benzin oder Diesel. Wasserstoff ist jedoch ein gasförmiger und nicht flüssiger Treibstoff. Das Tanken selbst dauert ungefähr gleich lang wie bei Benzin oder Diesel.
In der Schweiz existieren bisher nur zwei Wasserstofftankstellen für Personenwagen. Eine in Hunzenschwil AG, eine weitere in Dübendorf ZH bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Wer in Dübendorf tanken will, muss sich zuvor bei der Empa registrieren.
Dies soll sich in Zukunft ändern: Agrola AG, AVIA Vereinigung, Coop, Coop Mineraloel AG, fenaco Genossenschaft, Migrol AG und der Migros-Genossenschafts-Bund gründeten im Mai 2018 den Verein H2energy als gemeinsame Plattform, um den Aufbau der Wasserstoffmobilität in der Schweiz konkret zu fördern und zu beschleunigen. Seither haben sich SOCAR Energy Switzerland GmbH, die Emil Frey Group, Shell und Galliker Transport & Logistics dem Verein angeschlossen.
Leider ist es heute noch nicht möglich, Wasserstoff-Zapfsäulen in bestehende Tankstellen zu integrieren. Aus Sicherheitsgründen muss rund um Wasserstoff-Tanksäulen ein Abstand eingehalten werden, in dem sich keine Zündquelle und auch keine weitere Zapfsäule (z.B. für Benzin) befinden darf. Empa-Forscher arbeiten in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) an einem alternativen Sicherheitskonzept.
Bei der momentan noch einzigen öffentlichen Wasserstofftankstelle für Personenwagen der Schweiz in Hunzenschwil kostet ein Kilogramm Wasserstoff rund 11 Franken (Stand April 2019). Der Verbrauch eines Wasserstoffautos liegt ungefähr bei 0.75kg pro 100 Kilometer. Rechnen wir also mit einer Reichweite von 500 Kilometern, kostet ein voller Tank rund 41.25 Franken.
Um Wasserstoff zu gewinnen, der das Fahrzeug antreibt, muss Strom genutzt werden. Sofern es sich dabei um Strom aus nachhaltigen Quellen (z.B. Solar,- Wind-, oder Wasserkraft) handelt, weisen Wasserstoffautos sehr niedrige CO2-Emissionen auf und sind damit sehr nachhaltig. In der Schweiz gibt es nur eine öffentliche Wasserstofftankstelle für Personenwagen. 100 % des Wasserstoffs, der dort getankt werden kann, wird in einer Anlage hergestellt, die direkt vom lokalen Wasserkraftwerk mit Nacht-Strom versorgt wird.
Der unbestreitbare Vorteil von Wasserstoff ist, dass er nur Wasser als Emission ausstösst. Wer in der Nähe der einzigen öffentlichen Wasserstofftankstellen der Schweiz wohnt, keine weiten Strecken fahren will, hohen Wert auf Nachhaltigkeit legt und bereit ist dafür höhere Anschaffungskosten in Kauf zu nehmen, ist mit einem Brennstoffzellenfahrzeug sehr gut bedient. Wer jedoch eher auf sein Portemonnaie achtet, nicht gerade im Kanton Aargau wohnt und gerne längere Strecken fährt, muss sich wohl oder übel (noch) mit einer anderen Treibstoffart zufriedengeben.