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„A la Suisse généreuse, La France reconaissante 1939-1945“
In der letzten Gazette habe ich etwas ketzerisch geschrieben, dass nach 1871 Basel keine Denkmäler für seine Solidarität mit den Nachbarländern mehr gesetzt wurden. Zwei aufmerksame Leser haben sich darauf gemeldet und mich darauf hingewiesen, dass in Basel noch zwei weitere Denkmäler mit demselben Hintergrund stehen. Darüber möchte ich gerne als Ergänzung in diesem Rahmen berichten.
In der Schützenmatte an der Spalenringseite steht etwas unscheinbarer als das Strassburger Denkmal eine übergrosse Muttergestalt aus Stein, die ein kleines Kind hält, welches erschöpft in ihren schützenden Händen liegt. Auf beiden Seiten des Sockels recken sich je vier Kleinkinder um Hilfe bittend zu ihr empor. Die Sockelinschrift enthüllt den Hintergrund. „A la Suisse généreuse, La France reconaissante 1939-1945“. Dieses Denkmal, wie das Strassburger Denkmal auch, ist bemerkenswerterweise nicht an die Schweiz als Nation gerichtet, sondern erinnert an die privaten Initiativen der Kinderhilfe des SRK, welche zahlreiche französische Kinder vor allem in den Jahren 1944 und 1945 mit Evakuierungszügen über Basel in die Schweiz brachte. Zwei Namen sind besonders hervorzuheben. Mathilde Paravicini, die schon im 1. Weltkrieg aktiv die Hilfe organisierte, unternahm selbst weite Fahrten ins Ausland, um ihre Schützlinge unter dem Schutz des roten Kreuzes abzuholen. Marc Bernheim, ein Elsässer, der mit 18 Jahren Basler geworden war, stellte das Personal seines Speditionsbüros an der Elisabethenstrasse in den Dienst der Kinderhilfe. Ihn selbst sah man bei jedem Wetter am Bahnhof, wo er hunderte Tafeln Schokolade an die Kinder austeilte, was ihm den Spitznamen „l’homme avec les chocolats“ einbrachte. Der beherzte Einsatz Bernheims gab den Anstoss, das Denkmal gerade in Basel aufstellen zu lassen. Es wurde feierlich im Beisein von Edouard Herriot, dem radikalsozialistischen Präsidenten der französischen Nationalversammlung am 27. Juni 1948 eingeweiht.
Das zweite Denkmal kommt noch bescheidener daher und befindet sich vor der Clarakirche. Es handelt sich um den sechzehneckigen Vreneli-Brunnen, der am 02. Oktober 1954 im Beisein des Staatsrats Anton Dichtel aus Freiburg i. Br. Eingeweiht wurde. Jede zweite Seite des Troges ist mit einem Relief versehen, der Stock krönt die Skulptur eines schreitenden Schwarzwaldmädchens. Die Figur ist das „Vreneli“ aus dem Gedicht von Johann Peter Hebel und symbolisiert die Wiese, die vom Feldberg nach Basel fliesst. Sie versinnbildlicht den Dank der Schulkinder im Markgräflerland für die nachbarschaftliche Hilfe nach Kriegsende 1945. Basel spendete Schulspeisungen, Federmäppchen, Hefte und Schreibsachen. Die Schulkinder sammelten 5 und 10 Pfennig Münzen für den Brunnen als Zeichen des Dankes.
Also reiht sich der Vreneli-Brunnen in die Gedenkorte im DeWette- und im Schützenmattpark ein, die alle an die humanitäre Hilfe der Basler, eben auch über das 19. Jahrhundert hinaus, erinnern. Ich als Schweizer der neueren Generation, für die der Bergier Bericht und die historische Aufarbeitungen der Rolle der Schweiz zum 100-Jahre, beziehungsweise zum 75-Jahre Jubiläum der Weltkriege, prägend sind, habe mich an die ketzerische Bemerkung im Hauptartikel der letzten Gazette hinreissen lassen. Diese Ungenauigkeit sei mit dieser Ergänzung richtig gestellt.
Serge Iseli, 18.04.2021