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Steckbrief
Gefährdungsgrad: stark gefährdet (EN)
Nationale Priorität: mittel (3)
Merkmale:
- Gestalt plump und gedrungen
- Hinterbeine kurz
- Haut warzig, Warzen oft rötlich
- Grundfarbe bräunlich, beige oder grau
- Körperoberseite dunkelbraun oder olivgrün gezeichnet
- auffällige, gelblich bis weissliche Rückenlinie
- Iris gelbgrün
- Pupille waagrecht-elliptisch
- Parotiden (Ohrdrüsen) gut sichtbar, parall verlaufend
- Trommelfell undeutlich sichtbar
Description
Die Kreuzkröte, Epidalea calamita Laurenti 1768, ist mit 5-7 cm Körperlänge kleiner als die nahe verwandte Erdkröte. Männchen und Weibchen sind annähernd gleich gross. Die Kreuzkröte hat auffällig kurze Hinterbeine, die sie kaum zum Springen, jedoch zum behenden, ja nahezu mausähnlichen Laufen befähigen.
Die Grundfärbung der Körperoberseite ist weisslich mit einer olivfarbenen Marmorierung, die auf den Beinen inselartig ausgeprägt ist. Oft überziehen kleine rot-orange Warzen die Oberseite. Charakteristisch ist eine fein, aber meist sehr deutliche, gelbe Linie auf der Rückenmitte (Achtung: selten kann diese Linie auch fehlen!). Die sehr ähnlich gezeichneten Weibchen sind stärker dunkel grün-oliv gefärbt. Die Unterseite ist weisslich, und während die Kehlhaut beim Männchen blau-violett gefärbt und sehr dünn ist. Diese Haut kann das Männchen zur fast körpergrossen Kehlblase aufblähen.
Ökologie
Die Kreuzkröte ist ein Pionier und Vagabund. Die ersten Tiere werden an milden Frühlingsabenden, selten mal schon Ende März, meist aber ab Mitte April aktiv. Sobald die Dämmerung hereingebrochen ist, beginnen einzelne Männchen am Rande grosser Pfützen zu rufen. Bald setzt ein ganzer Chor rufender Männchen mit ihrem lauten, metallischen „ärrrr-ärrrr“ ein, der bei ruhiger Luft viele Hundert Meter weit zu hören ist. Charakteristisch ist die Haltung der Männchen beim Rufen: auf die Arme, manchmal auf die Fingerspitzen abgestützt, stehen die Tiere hochaufgerichtet im seichten Wasser, meist direkt am Gewässerrand, manchmal auch an Land. Ein Rufen schwimmend auf der Wasseroberfläche (wie etwa beim Laubfrosch) oder unter Wasser ist ausgeschlossen.
Nähert sich ein anderes Männchen, ein Paar oder ein Weibchen, so schwimmt oder rennt das Männchen auf dieses zu und versucht es zu umklammern. Verpaarte Männchen äussern einen kurzen Abwehrlaut und stossen den Zudringling mit den Hinterbeinen weg. Kommt es zur Paarung, so legt das Weibchen nach wenigen Stunden eine ein- bis zweireihige Laichschnur mit einigen Tausend Eiern, die vom Männchen gleichzeitig besamt werden, ins seichte Wasser ab, ohne sie speziell zu befestigen.
Die Rufperiode kann insgesamt von Ende März bis in den August hinein reichen, allerdings mit unterschiedlicher Intensität: während des Höhepunkts Ende April/Mai ruft der Chor die ganze Nacht durch bis zum Morgengrauen, später im Frühling nur noch abends und in den Morgenstunden. Zwischendurch gibt es Phasen, wo nur wenige oder keine Tiere aktiv sind (etwa bei Wassertemperaturen unter 10 °C). Im Hoch- und Spätsommer wird meist nur noch bei und nach Regenfällen gerufen. Entsprechend der langen Rufaktivität kann der Laich irgendwann zwischen April und August abgelegt werden, die Wassertemperatur muss aber über 12 °C betragen.
Tagsüber halten sich die Tiere versteckt unter Brettern, Steinplatten, Ziegeln oder in Erdlöchern auf. Ausnahmsweise rufen Männchen tagsüber aus dem Versteck heraus.
Während der langen Fortpflanzungsperiode halten sich nicht immer die gleichen Männchen am Gewässer auf; vielmehr lösen sich mehrere „Wellen“ Männchen am Gewässer ab. Die Weibchen besuchen das Gewässer nur sehr kurz, oft nur eine Nacht, so dass hier dauernd ein massiver Männchenüberschuss herrscht. Ausserhalb der Fortpflanzungszeit halten sich die meisten Kreuzkröten in der näheren und ferneren Umgebung der Gewässer versteckt.
Über die Landphase ist sehr wenig bekannt. Offenbar verlassen vor allem Halbwüchsige das Fortpflanzungsgebiet definitiv und machen sich auf die Suche nach neuen Lebensräumen bis in mehrere Kilometer Distanz. Die Fortpflanzungsstrategie der Kreuzkröte basiert auf der schnellen Nutzung von oft nur vorübergehend existierenden, sich stark erwärmenden Kleingewässern, in welchen kaum Feinde vorhanden sind. Die Larven entwickeln sich ausserordentlich schnell und ertragen Wassertemperaturen von über 30 °C problemlos. Die gesamte Larvenentwicklung wird in 3-6 Wochen abgeschlossen! Oft endet dieses Glücksspiel mit einem Totalverlust, indem die Pfütze vorzeitig austrocknet. Bei einem „Treffer“ aber entwickeln sich Tausende von winzigen Jungkröten, die nach der Metamorphose nur 7-8 mm lang sind und ca. 75 mg wiegen.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kreuzkröte erstreckt sich in einem rund 700 km breiten Band der Atlantikküste entlang von Südspanien über ganz Frankreich, die Benelux- Staaten, Deutschland, Dänemark, Tschechien, Polen Westrussland, England und Irland.
In der Schweiz lebt die Art nur in tieferen Lagen der Alpennordseite von Genf bis Thurgau/St.Gallen, ohne das Rheintal oberhalb des Bodensees zu erreichen. Bis vor 10 Jahre war diedie Kreuzkröte noch relativ häufig im Kanton Freiburg, im Berner Seeland sowie in den Kantonen Aargau und Zürich. Die maximale Höhe wurde mit 880m im Schwarzenburgerland erreicht. Seither leidet die Art unter drastischen Bestandeseinbrüchen.
Gefährdung und Schutz
Die Kreuzkröte zählt zu den seltenen Amphibienarten der Schweiz. Ihre Lebensräume sind extrem unbeständig: entweder verlanden und überwachsen sie derart, dass sich Tiere nicht mehr wohlfühlen und abwandern, oder aber sie werden vom Menschen zugeschüttet. Die Kreuzkröte ist kein Tier für den Privatgarten, da hier kaum auf die Dauer geeignete Lebensräume geschaffen werden können. Ihr Schutz ist eine Aufgabe für Behörden und Naturschutzorganisationen.
Die grösste Verantwortung für den Fortbestand der Kreuzkröte liegt bei den Abbaubetrieben. Obwohl in modernen Gruben der Betrieb oft sehr intensiv ist und enge Platzverhältnisse herrschen, ergibt sich immer wieder eine Ecke, in derfür einige Wochen Gewässer ungestört erhalten werden können. Viele Beispiele zeigen das in der Praxis. Oft fehlt es an der zielgerichteten Beratung und in einigen Fällen wohl auch am Wissen oder Willen.
Erleidet eine Grube nicht das normale Schicksal des Aufgefülltwerdens und kann sie der Naturschutz sichern, so setzt ein Kampf um die Erhaltung der Pionierstadien ein. Dies bedingt den regelmässigen Einsatz von Baumaschinen, welche alle paar Jahre die zuwachsenden Böden und Hänge wieder aufreissen und neue Gewässer anlegen. Geeignete Unterschlüpfe in Form von groben Stein-, Backstein- oder Ziegelhaufen sollten zusätzlich errichtet werden.
Kurzfristig müssen die vorhandenen gut geeigneten Lebensräume (v.a. Gruben, Steinbrüche und Waffenplätze) für die Kreuzkröte gesichert werden. Sowohl das Angebot als insbesondere auch die Grösser der Gewässer muss deutlich erhöht werden, damit sich wieder grosse Stützpopulationen aufbauen können. Zudem müssen neue Erfahrungen auf landwirtschaftslich genutzten Flächen mit temporär über-schwemmten Äcker und Wiesen gesammelt werden.
Wir kommen vorläufig nicht darum herum, vom Menschen künstlich geschaffene und unterhaltene Lebensräume anzubieten, die die Kreuzkröte oft auch spontan besiedelt. Allerdings wird dieser Prozess durch die zunehmende Zerschneidung unserer Landschaft und die daraus folgende Isolation der Lebensräume erschwert bis verunmöglicht. Der dauerhafte Schutz einiger weniger günstiger Lebensräume genügt nicht. Unserer Landschaft fehlt zunehmend die Dynamik, wenn wir von der Bautätigkeit absehen, die aber kaum je die Schaffung von Naturlebensräumen zum Ziel hat.
Mittelfristig müssen ganze Ketten von Naturlebensräumen in unterschiedlichsten Entwicklungsstadien unsere Landschaft durchziehen, die in grösseren Zeitabständen in ein Anfangsstadium mit frisch aufgebrochenen Böden und Hängen zurückversetzt werden.
Als Fernziel aber ist die Schaffung ursprünglicher Kreuzkrötenhabitate anzustreben, indem ein Teil der Fluss- und Seespiegeldynamik wiederhergestellt würde, wobei gleichzeitig der heutige Nährstoffeintrag massiv gesenkt werden müsste. Nur so kann die Kreuzkröte langfristig und selbständig überleben. Sicher würde sie aktiv an einem solchen Programm mitarbeiten, indem sie bald neu entstehende Lebensräume besiedelt. Der Mensch müsste lediglich günstige Rahmenbedingungen schaffen.
Lebensraum
Die Kreuzkröte zeigt eine starke Bindung an frische Abbaugebiete; dies sind vor allem Kiesgruben, aber auch Sand- und Lehmgruben, Steinbrüche, Waffenplätze, Baustellen, Deponien: also alles vom Menschen geschaffene Sekundärlebensräume. Durch die allgemeine Intensivierung finden sich heute viel zu wenige und zu kleine Gewässer in diesen Gebieten.
Als Pionierart tratt sie zudem in früheren Jahren ganz spontan etwa auf überschwemmten Äckern oder in Regenwasserpfützen von Baustellen auf, Stellen mit oft nur sehr kurzfristiger Existenz. Heute sind durch die perfekten Drainagen und die unterirdische Entwässerungssysteme auch diese Feuchtstellen verloren gegangen. In Schutzgebieten kann die Art fast nicht erhalten werden. Überwachsen die Gewässer nach einigen Jahren zu stark mit Vegetation, so wandert die Kreuzkröte ab.
Nur noch extrem selten finden sich ursprüngliche Lebensräume der Kreuzkröte, etwa Kies- und Sandbänke unkorrigierter Mittellandflüsse, oder ganz flach auslaufende Seeufer mit sehr lockerer Ried- oder Röhrichtvegetation.