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Ti Amo wird uns am Wochenende als Notfall vorgestellt: Die Hündin kneift seit kurzem das linke Auge zu, welches schmerzhaft scheint. Ein ähnliches Problem war schon vor 3 Monaten nach Rückkehr von einem Aufenthalt im Tessin aufgetreten, damals verschwand es aber mit Augentropfen schnell wieder.
Das Auge wird sorgfältig untersucht: Bei einseitigen, akuten Augenproblemen muss immer an eine Hornhautverletzung oder einen Fremdkörper gedacht werden. Entsprechend wird ein sogenannter Fluoresceintest durchgeführt, welcher eine Hornhautverletzung sichtbar machen würde - dieser fällt aber negativ aus. Unter Lokalanästhesie wird nun das Auge sorgfältig mit einer Lupenbrille nach Fremdkörpern abgesucht, hierbei wird auch das 3. Augenlid angehoben um einen Blick auf den Raum zwischen dieser Nickhaut und dem Auge zu werfen. Tatsächlich zeigt sich dann im oberen Bindehautsack eine kleine, längliche Struktur welche zuerst als Schleimfaden interpretiert wird, sich bei genauerem Hinsehen aber als kleiner Wurm entpuppt! Dieser hat eine heftige Bindehautentzündung bewirkt, das Auge ansonsten aber nicht beschädigt.
Mikroskopische Aufnahme des Wurmes
Der Wurm wird manuell mit einer Pinzette entfernt, anschliessend erhält der Hund entzündungshemmende und antibiotische Augentropfen. Auch das andere Auge wird (erfolglos) nach weiteren Würmern abgesucht. Für den Fall, dass allenfalls Würmer übersehen worden wären, wird dem Hund auch noch ein Parasitenmittel auf die Haut aufgetragen. In der Folge heilt die Bindehautentzündung schnell ab.
Der Augenwurm "Thelazia callipaeda" war früher im Fernen Osten beheimatet (und wurde deshalb auch als "Tropischer Augenwurm" bezeichnet). 1989 wurde er in Europa erstmals bei einem Hund aus Italien beschrieben. Bei einer Erhebung 2003 wurden bei über 40% von Jagdhunden in Süditalien ein Augenwurmbefall festgestellt. In der Zwischenzeit wurde der Parasit in verschiedenen Ländern Europas dokumentiert; am häufigsten findet er sich aber in den wärmeren Mittelmeergebieten. In der Schweiz besteht eine Infektionsgefahr v.A. im (Süd)Tessin - hier sind ca 5% der Hundepopulation mit dem Parasit infiziert (!).
Zur Übertragung des Wurmes ist ein sogenannter Vektor (übertragender Organismus) nötig: Die erwachsenen Würmer im Auge des Wirtstieres scheiden Larven aus, welche von Fruchtfliegen beim Trinken von Tränenflüssigkeit aufgenommen werden. In der Fruchtfliege entwickelt sich die Larve weiter, und das Insekt kann bei einem weiteren Kontakt mit dem Auge eines Wirtstieres den Parasiten weitergeben. Der Mensch kann als sogenannter "Fehlwirt" ebenfalls befallen werden.
Zur Therapie wird die Entfernung der Würmer unter Lokalanästhesie empfohlen - bei unkooperativen Tieren oder Zweifeln an der Komplettheit der Entfernung kann auch ein Antiparasitenmittel in flüssiger Form auf die Haut aufgetropft oder aber eine Wurmtablette (2x im Abstand von 1 Woche) verabreicht werden.
Quelle: Andrei DM et. al. "Further spreading of canine oriental eyeworm in Europe: first report of Thelazia callipaeda in Romania", Parasites & Vectors 2015 8:48
Quelle: Centers for Disease Control and Prevention CDC