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Sasha Morgenthaler
Sasha Morgenthaler gehört zu den wenigen Kunstgewerblerinnen, die Einzug im
Historischen Lexikon der Schweiz (Stichwort „Die Spielzeugproduktion“) hielten.
Sie verstarb am 18. Februar 1975 in Zürich. Ihre Puppen leben weiter…
Eine Künstlerin aus aristokratischem Haus
Mary Magdalena Alexandra Morgenthaler wurde Sasha genannt.
Sie wurde am 30. November 1893 in Bern als Tochter des früh verstorbenen Patriziers
Eduard von Sinner und der aus Deutschland stammenden Marie Borchardt geboren.
Sasha verkehrte sehr früh in Künstlerkreisen. Paul Klee, ein Freund der Familie von Sinner,
ermutigte die begabte junge Frau, eine Kunstschule zu besuchen. Nach ihrer Ausbildung
an der Kunstakademie in Genf, der Holoshi-Schule in München und Lehrjahre
bei Cuno Amiet etablierte sie sich als Kunstmalerin.
Mit 21 lernte auf der oberaargauischen Oschwand – wo auch Cuno Amiet und
Giovanni Giacometti tätig waren – den Berner Maler und Grafiker Ernst Morgenthaler kennen.
Zwei Jahre später heiratete das Künstlerpaar. Ihrem Mann zuliebe gab Sasha das Malen
auf und verlegte sich auf kunstgewerbliche Tätigkeiten. Neben der Hausarbeit kreierte
Sasha Morgenthaler Spielsachen für ihre Kinder Niklaus, Fritz, Barbara sowie für ihre
Patenkinder und Kinder ihrer Freunde.
Begegnungen mit vielen Menschen inspirierten sie zu einem eigenen Puppentypus.
Ihr Wunsch, Puppen zu schaffen, die möglichst viele Kinder liebhaben können,
ging in den 1940er Jahren in Erfüllung, als der Weltkrieg jeden Import von Spielwaren verhinderte.
Vier Grundtypen und Hunderte von verschiedenen kleinen Persönlichkeiten
Sasha Morgenthaler entwickelte vier Grundformen von Kinderköpfen und einen Babykopf. Die Individualisierung ihrer Puppen erfolgte einerseits durch unterschiedliche, dem Gussmaterial beigegebene oder aufgetragene Farbtöne. Anderseits belebte sie ihre Kreaturen
mit einer Vielzahl von aufgemalten Augentypen: sanfte Mandelaugen,
blitzblaue Kugelaugen, asiatische Augen, verträumte Augen oder verschmitzte
Äuglein – zumeist mit deutlichen Wimpern und markanten Augenlidern.
«Wenn er [ihr Ehemann, der Kunstmaler Ernst Morgenthaler] Porträts malte, sass ich immer
dabei und hatte Kinder und Erwachsene zu unterhalten. So lernte ich richtig sehen und fand
langsam heraus, was für ihn an einem Gesicht wesentlich war, was er hervorheben
oder auch vernachlässigen wollte», meinte Sasha Morgenthaler zu ihrem
kunstgewerblichen Werdegang.
Ihr eigentliches Erfolgsgeheimnis ist das von ihr streng eingehaltene Naturgesetz
der Asymmetrie des menschlichen Gesichts. Damit ist es ihr gelungen, die Starrheit älterer Puppengenerationen aufzulösen und ihren Kreationen Leben einzuhauchen.
Zwischen 1941 und 1975 entwickelte Sasha Morgenthaler mit Hilfe einiger Mitarbeitenden
alle Originalpuppen selbst. Davon wurden pro Jahr etwa 200 bis 230 Stück ins Leben gerufen.
Für jede einzelne Puppe wurden etwa eineinhalb Tage, manchmal sogar bis zu
60 Arbeitsstunden aufgewendet. Nach zahlreichen Versuchen mit unterschiedlichsten Materialien
wie Wachs, Hartgummi und Kunstharz fertigte Sasha Morgenthaler den grössten Teil ihrer Originalpuppen aus Stoff, verstärktem Gips oder Kunststoff wie Kunstharz oder Vinyl.
Die Originalpuppen hatten für Sasha Morgenthaler einen sozialen Nachteil – sie waren verhältnismässig kostspielig.
Ihr Anliegen, «ihre Kinder» breiten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen,
erreichte sie 1965 mit Hilfe des Migros-Genossenschaftsbundes.
Dieser vermittelte ihr den Kontakt zur deutschen Puppenfabrik Götz in Rödental.
Die im oberfränkischen Landkreis Coburg fabrizierten Sasha-Puppen wurden
im Herbst 1965 just zum vierzig-jährigen Bestehen der Migros auf die Welt gebracht.
Der Sasha-Boom liess nicht lange auf sich warten.
Allein in der Schweiz wurden in den ersten drei Verkaufsmonaten 25'000 Pupen verkauft.
Und zwischen 1966 und 1986 rollte eine zweite Erfolgswelle, als das britische
Unternehmen Frido/Trendon Spielwarengeschäfte in Europa und Amerika mit einer Variante
von Sasha-Puppen belieferte.
Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Produktion wieder aufgenommen;
die Götz Puppenfabrik in Rödental stellte wiederum einzelne Sasha-Puppen serienmässig her.
Sasha-Puppen sind alles andere als ein Produkt von Marketingstrategen.
Sie sind der erfüllte Traum einer Mutter, die möglichst viele Kinderherzen erreichen wollte.