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Die Gladiatoren waren nicht nur zur Unterhaltung des Pöbels da. So war die Schulung im Kämpfen der Legionäre den Gladiatoren vorbehalten. Erfahrene Gladiatoren brachten den Legionären das Kampfhandwerk bei.
Dass die Gladiatoren während der Kaiserzeit die Kämpfe mit dem Gruss begannen: Ave Caesar, morituri te salutant („Heil dir, Kaiser, die Todgeweihten [wörtlich: die, die sterben werden] grüßen dich“), ist eine weitverbreitete Legende, die nicht den Tatsachen entspricht. Überliefert ist dieser Gruß nur für eine einzige Gegebenheit im Jahre 52, als Kaiser Claudius eine Seeschlacht (Naumachie) zwischen mehreren Tausend Sträflingen, also gerade nicht zwischen Gladiatoren, veranstaltete, die ihn mit diesen Worten begrüssten. Sie versuchten mit diesen Worten wahrscheinlich, das Mitleid des Kaisers zu wecken. In der Forschung wird angenommen, dass dies die einzige Gelegenheit war, bei der diese Phrase verwendet wurde.
Die Chance von Verurteilten, einen solchen Schaukampf zu überleben, war wesentlich geringer als die eines Gladiators. Deren Lebenserwartung schwankte im Laufe der Jahrhunderte erheblich. Im 1. Jahrhundert vor Christus, also noch während der römischen Republik, als sich die römischen Adligen die Gunst der Wähler durch grosszügige munera erkauften, wurde auch grosszügig mit dem Blut der Gladiatoren verfahren. Juvenal kommentierte zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr.:
„Munera nunc edunt et, verso pollice vulgus cum iubet, occidunt populariter“
„Nun geben sie Gladiatorenkämpfe und, wie der Pöbel es mit gedrehtem Daumen verlangt, töten sie volkstümlich.“
Insgesamt gibt es aus der Zeit der Gladiatorenkämpfe wenig verlässliche Daten darüber, wie gross die Chancen eines Gladiators waren, die Arena lebend zu verlassen. Der Historiker Georges Ville wertete 100 Kämpfe aus, die im 1. Jahrhundert n. Chr. stattfanden, und stellte dabei fest, dass 19 Gladiatoren (von 200 beteiligten Kämpfern) in diesen einhundert Kämpfen ihr Leben verloren. Nach Auswertungen von Grabsteinen lag das Alter, in dem sie durchschnittlich starben, bei 27 Jahren. Gladiatoren hätten damit eine Lebenserwartung gehabt, die deutlich unter dem Durchschnitt der gewöhnlichen römischen Bürger lag, wenn diese die krankheitsanfällige Zeit der Kindheit überlebt hatten.
Der Historiker Marcus Junkelmann weist darauf hin, dass nur den erfolgreichsten Gladiatoren ein Grabmal gesetzt wurde. Der Grossteil der Gladiatoren starb dagegen am Anfang ihrer Laufbahn, da nur die fähigsten die ersten Kämpfe überlebten. Diese jung gestorbenen Gladiatorenneulinge wurden in der Regel anonym begraben oder in Massengräber gelegt. Nach den Schätzungen von Junkelmann starben die meisten Gladiatoren ihren gewaltsamen Tod im Alter zwischen 18 und 25 Jahren.
Mit jedem Kampf stieg die Selbstsicherheit, Erfahrung und Beliebtheit eines Gladiators. Ein erfahrener Gladiator mit hoher Anhängerschaft hatte deutlich mehr Chancen, vom Publikum oder Spieleveranstalter begnadigt zu werden, wenn er im Kampf unterlag. Das Überleben eines erfahrenen Kämpfers lag durchaus im Eigeninteresse des Publikums – nur so waren spannende Kämpfe auch in der Zukunft sichergestellt. Nach den Inschriften auf dem Grabmal eines in Sizilien beerdigten Gladiators gewann dieser Gladiator 21 von 34 Kämpfen, neun Kämpfe gingen unentschieden aus, und in den vier Kämpfen, die er verlor, begnadigte ihn das Publikum.
Da Gladiatoren ein Teil der Einnahmen aus ihren Kämpfen zustand, hatten sie bei einer längeren Überlebensdauer eine gewisse Chance, sich freizukaufen. Freigelassene Gladiatoren wurden mit einem hölzernen Stab oder Schwert (rudis, wörtlich „Rührlöffel“) ausgezeichnet. Die strenge römische Hierarchie bot den Gladiatoren wenig Freiraum für ein Leben nach der Kampfarena. Oft wurden sie Ausbilder neuer Gladiatoren, eine Tätigkeit, die bis zu der eines lanista (Gladiatorenmeister) führen konnte; in Krisenzeiten wie z. B. bei den Donaulegionen 68/69 n. Chr. waren sie aber auch begehrte Ausbilder von schnell ausgehobenen Rekruten, um ihnen sozusagen im Schnellkurs das Kriegshandwerk beizubringen. Ferner galt es bei vielen Angehörigen der römischen Oberschicht als schick, sich von einem erfahrenen Kämpfer in der Gladiatur ausbilden zu lassen, ähnlich wie man heute eine Kampfkunst erlernt.
Gladiatoren als Leibwächter zu nutzen war prestigeträchtig und wahrscheinlich effizient.