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Immerhin ist mir ein gewisser Grad an Anerkennung meiner lieben Angetrauten gewiss für meinen Einsatz als Fensterputzer, Bettenmacher, Tischdecker, Abwascher und anderes.
Und am Anfang unseres gemeinsamen Haushaltes? Schon in vorehelicher Verliebtheit teilte mir die Angebetete mit, dass sie nach Abschluss der Handelsschule und Anstellung in einigen Firmen keine besondere Erfüllung im Dasein als Sekretärin finde. Die Führung eines Haushaltes, selbstverständlich mit Kindern, würde sie als erstrebenswert taxieren. Dass ich mich nach der Heirat beruflich ums Geldverdienen, sie sich um den Haushalt kümmern würde, war somit ohne weitere Diskussion klar. Ebenso klar war aber auch, dass meine Frau vom ersten Tag unserer Ehe an die Verwaltung der Finanzen übernahm, da ja sie fürs tägliche Leben zuständig war. Die Familie wuchs auf drei, vier und am Schluss auf sechs Häupter an. Die Herausforderungen der Familienmanagerin erforderten ein grosses Organisationstalent, das ich höchst wertschätzte. Ich half in der Sparte Haushalt und Erziehung, als qualifizierte Unterstützung oder als Hilfskraft, je nach Aufgabenstellung und zeitlicher Verfügbarkeit. Kurze Zwischenfrage: wer weiss heute noch, wie man nach dem Putzen des Füdlis eines herzigen Säuglings diesen mit zum Dreiecktuch gefalteten textilen Windeln und einer Sicherheitsnadel frisch wickelt? Ich kann das nämlich.
Die Kleinen wuchsen heran, die managing Mutter verfügte über mehr Zeit. Sie folgte dem Ruf der Bürger und nahm während acht Jahren das Amt einer protestantischen Kirchenpflegerin an. Nach einer Pause stieg sie, wieder für acht Jahre, als Gemeinderätin in die Exekutive ein. Das war zwar nicht völlig unbezahlte Arbeit. Aber von einer Entlöhnung war auch nicht zu reden. Als die Kinder ausflogen, fiel die Familienmanagerin daher nicht in ein Loch der Arbeitslosigkeit, da sie ihr Managementtalent jetzt für das Wohl der Gemeinde einsetzte.
82 % ihrer Arbeit hat also meine liebe Frau Gratisarbeit geleistet in ihrem Leben. Sieht sie sich deswegen als unterdrücktes Opfer, das sich um den Verdienst seiner Arbeit gebracht sieht? Zur Enttäuschung der Gleichsteller muss ich feststellen: Sie fühlt sich glücklich im Rückblick auf 85 Lebensjahre. Was den Verdienst anbelangt, so gehörte mein Salär weder mir noch ihr, sondern immer uns beiden.
Leserbrief
Schön für die beiden, wenn sie es geschafft haben, ihre Beziehung bis ins hohe Alter zu retten. Noch schöner für seine Frau, dass sie so viel unentgeltliche Arbeit leisten konnte. Dadurch blieb sie aber zeitlebens abhängig von ihm! Sicher waren die beiden sehr bescheiden im Umgang mit Geld, das sind andere Familien am Existenzminimum bestimmt auch und arbeiten nicht etwa weniger. Deshalb muss eine finanzielle Gleichstellung heute selbstverständlich sein. Zudem würde mich interessieren, ob sein Geld bei einer Trennung immer noch dasjenige von beiden gewesen wäre? Vor allem, wenn der Wunsch nach Trennung von Seiten der Frau kommt. Ich habe zu viele Frauen gesehen, die ihren beruflichen Alltag für die Familie aufgegeben haben, um mit 40 oder 50 Jahren mit nichts dazustehen. Es ist wichtig, dass Frauen ihr eigenes Geld verdienen und sich weiterbilden – auch als Familienfrauen. Ich kann die Worte Herrn Schiblis nur mit einer gewissen Altersnaivität und dem Generationenunterschied verzeihen. Von Ihrer Redaktion würde ich mir mehr Aktualität wünschen.
Anita Lang, Zürich