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Für uns ist der Begriff Chief of Staff für den höchsten Offizier, so wie er in der US Luftwaffe und im Heer verwendet wird, etwas irreführend. Denn ein Stabschef nach unserem Verständnis dient eigentlich einem Kommandanten zu. In der US Air Force und US Army dagegen sind sie die höchsten Offiziere.
Die Bezeichnung ist allerdings konsequent, wenn man ihre Aufgaben anschaut, denn sie haben keine eigentliche operationelle Kommandogewalt. Sie sind im wesentlichen für die Planung, Budgetierung, Ausrüstung, Ausbildung und Bereitstellung von Truppen zugunsten der Combatant Commanders (COCOM) zuständig. Aber sie sind Teil des wichtigsten Gremiums der Joint Chiefs of Staffs (des Vereinten Stabes der US Streitkräfte).
Nachfolger von Milley
Nachdem Präsident Trump bereits vor einiger Zeit den Viersterngeneral und jetzigen Stabschef des Heeres, Mark Milley, auf September 2019 zum neuen Vorsitzenden der Vereinten Stabschefs ernannt hat, wird der freiwerdende Posten neu durch General James McConville besetzt, vorbehältlich der Bestätigung im Senat.
Dies ist meist eine Formsache. McConville war seit Juni 2017 Stellvertreter von Milley. Solche Posten werden in der Regel alle vier Jahre neu besetzt, wobei der Funktionsinhaber nach zwei Jahren zu bestätigen ist.
McConville ist 60-jährig, stammt ursprünglich aus Quincy, Massachusetts, und ist Absolvent der Militärakademie von West Point. Er verfügt über einen Master Abschluss in Aerospace Engineering des Georgia Institute of Technology und war Security Fellow an der Harvard Universität. Es ist das erste Mal seit 20 Jahren, dass die Nummer 2 in der Hierachie der US Army auf diesen Posten nachrückt.
Der neue Stabschef der US Army ist ausgebildeter Helikopterpilot und hat die AH-1 Cobra, die OH-58 Kiowa und die AH-64D Longbow Apache Kampfhelikopter geflogen. Die meisten Einsätze hat er in Cavalry Einheiten der 7th Leichten Infanterie Division und der 1st Cavalry Division geleistet.
101st Airborne Devision
Ein Höhepunkt war seine Zeit als Kommandant der berühmten 101st Airborne Division (Air Assault). Dabei stand er in Kriegseinsätzen in Afghanistan sowie im Irak. In seinen Stabsverwendungen war er G-3 in der 101st Airborne Division, Executive Officer des Stellvertretenden Stabschefs der US Army, Chef des Verbindungsstabes der US Army zum Kongress sowie Stellvertretender Stabschef der US Army (G-1). McConville ist verheiratet und Vater von drei Kindern, die alle in den Streitkräften dienen.
Der neue Stabschef wird sich in erster Priorität für das neue Verteidigungsbudget für das Haushaltsjahr 2020 einsetzen müssen, welches am 12. März 2019 eingereicht worden ist und das im Heer einen Betrag von 191.4 Mia $ vorsieht (US Air Force 204.76 Mia $; US Navy 205.6 Mia $), darunter figurieren Begehren für
• 4090 leichte taktische Fahrzeuge,
• die Modernisierung von 165 M-1 Abrams-Kampfpanzern,
• 131 gepanzerte Mehrzweckfahrzeuge,
• 37 THAAD- und 147 PAC-3 Patriot-Fliegerabwehrsysteme,
• 48 AH-64E Kampfhelikopter,
• 9000 Hellfire-Raketen sowie 10 193
Raketen für Mehrfach-Raketenwerfer. McConville ist Garant für Kontinuität, weil er bisher mit dem neuen Vorsitzenden der Vereinten Stabschefs in dessen jetziger Verwendung die Modernisierung des Heeres eingeleitet hat. Diese fällt im Heer unter die Obhut des neuen Army Futures Command.
Sechs grosse Teilvorhaben
Die Modernisierung besteht aus sechs grossen Teilprojekten unter der Bezeichnung Big Six. Um das finanzieren zu können, mussten in den letzten Jahren 180 Programme mit einem Sparpotenzial von 33 Mia $ geopfert werden. McConville hat an diesem Schritt erheblich mitgewirkt.
Es stehen jetzt 57 Mia $ zur Verfügung. Die sechs Bereiche umfassen:
• die gepanzerten Truppen (Neues Kampffahrzeug der Zukunft, bemannt und unbemannt, inkl Roboter),
• die Artillerie (Präzisionsfeuer auf grosse Distanzen, inkl Raketen mit über 1600 km Reichweite!),
• Luft- und Raketenabwehr,
• Luftmittel (Vertikaler Transport mit neuer Hochgeschwindigkeit),
• Networks,
• Soldier lethality, persönl. Ausrüstung des Soldaten, Schutz und Wirkung).
Die Arbeiten an diesen Projekten sollen ab 2021 intensiv einsetzen, erste grosse Budgetposten sind jetzt im Begehren für das Haushaltsjahr 2020 enthalten. Erste Systeme sollen ab 2026 verfügbar sein.
Jürg Kürsener