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Der Gelbwurz trägt zur Überwindung der Folgen des bewaffneten Konfliktes in Bojayá bei
Von Stephan Suhner
Der interne bewaffnete Konflikt und die Kämpfe um die Kontrolle von illegalen Minen und Schmuggelrouten verhinderten während vielen Jahren die Gesundheitsversorgung der abgelegenen indigenen und afrokolumbianischen Gemeinschaften im Chocó. 2014 war die Bakteriologin Cefora Lloreda auf den Flüssen des Chocó unterwegs und stellte fest, dass viele Kinder unter Hepatitis leiden. Sie bemerkte aber auch, wie die Eltern für die Behandlung der Kinder Kurkuma (Gelbwurz) nahmen, diesen zusammen mit Koriander und Panela (Rohzucker) fein hackten und dann zu einem Sirup einkochten. Nach dieser Entdeckung hat die Bakteriologin während zwei Jahren die Eigenschaften von Kurkuma erforscht, und dann zusammen mit indigenen und afrokolumbianischen Führungspersonen das Unternehmen Eropananía gegründet, was in der lokalen Umgangssprache „Wir haben Kurkuma in Bojayá“ bedeutet.
Der Anbau der Kurkuma hat dazu beigetragen, dass sich die beteiligten Personen nicht mehr als Kriegsopfer sondern als Unternehmer fühlen. 105 indigene Emberas und 100 AfrokolumbianerInnen finden in Eropananía ein Auskommen und erhielten so etwas Sicherheit in Mitten des Konfliktes. Der Konflikt hat viele Gemeinschaften eingeschlossen, verhinderte dass sie sich frei bewegen und Einkäufe tätigen konnten. Auch war es häufig schwierig, nur schon Nahrungsmittel für den Eigenbedarf anbauen zu können, auch wegen den Minen und der Präsenz bewaffneter Gruppen. Mit dem Kurkuma-Projekt sollen die Gemeinschaften ein weiteres Einkommen erhalten, um in Gewaltsituationen besser gewappnet zu sein. Internationale Geldgeber wie die Schwedische Botschaft, USAID und Reconciliación Colombia finanzierten den Bau einer Lager- und Verarbeitungshalle.
Baldolovino Dumasa von der indigenen Gemeinschaft Salinas erzählt, wie seine Gemeinschaft seit 1998 vergessen hat, wie man Mais und Reis anbaut. Die bewaffneten Gruppen liessen die Gemeinschaft nicht ernten und stahlen ihnen auch die Tiere. Der Anbau der Kurkuma hat den Vorteil, dass es keine sehr sichtbare Kulturpflanze ist und von den Bewaffneten nicht wahrgenommen wird. So haben die Gemeinschaften Arbeit und ein sicheres Einkommen. Der gemeinsame Anbau der Kurkuma führte auch zur Versöhnung zwischen Indigenen und Afros, da diese Streitigkeiten über Land und knappe Ressourcen hatten. Alle fünf Monate werden 22 Tonnen Kurkuma produziert, angebaut wird sie zwischen den Bananenstauden. Nach der Ernte werden die Wurzeln gewaschen und im Kanu nach Bellavista, dem Zentrum der Gemeinde Bojayá, ins Verarbeitungszentrum gebracht. Dort wird die Wurzel getrocknet, zu Pulver gemahlen und verpackt.
Das Projekt ist in verschiedener Hinsicht erfolgreich. Es schafft Einkommen in einem abgelegenen Gebiet und hat zum Aufbau einer Infrastruktur beigetragen. Das Projekt konnte Korruption verhindern und aus den Gewinnen konnte das Verarbeitungszentrum schon erweitert werden. Es werden nun Kurse angeboten, u.a. für Jugendliche, wo sie lernen mit Limetten Seife und Creme herzustellen. Die Limettenbäume werden neben den Schulen angebaut. Als nächstes ist ein Recyclingprojekt angedacht und die Verbreitung der bestehenden Projekte in andere Gemeinschaften. Die Kurkuma von Eropananía aus Bojayá kann in Bogotá im Viertel La Soledad gekauft werden.
Originalartikel:
El Espectador, Cúrcuma, la otra cara de Bojayá, 14. März 2020, in: https://www.elespectador.com/colombia2020/territorio/curcuma-la-otra-cara-de-bojaya-articulo-909282