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Offene Türen für Kinder in Not
Im «Bosquet» in Givisiez wurde das vergrösserte Erziehungsheim offiziell eingeweiht
Die Institution «Le Bosquet» in Givisiez beherbergt eine Krippe, ein Behinderten- und ein Erziehungsheim für Kinder im Vorschulalter. Letzteres verfügt seit Mai über erweiterte und frisch renovierte Räumlichkeiten. Am Freitag war offizielle Einweihung.
Von CAROLE SCHNEUWLY
Die Geschichte des «Bosquet» begann im Jahr 1907 mit der Gründung eines Säuglingsheims in Givisiez. Die heutigen Gebäude der Institution wurden 1972 als Heim für cerebral gelähmte Kinder gebaut. Später kamen Kinder mit anderen Arten von Behinderungen dazu. Ausserdem wurden eine Krippe und ein Erziehungsheim für Kinder bis sechs Jahre eingerichtet.
Vor zwei Jahren wurden das Heim und die Werkstätte für die inzwischen erwachsenen cerebral Gelähmten geschlossen, und die Behinderten zogen nach Misery in die «Colombière». Die private, seit 1989 staatlich anerkannte Vereinigung «Le Bosquet» widmet sich seither ausschliesslich der Betreuung von Kindern im Vorschulalter. Drei Sektoren werden unterschieden: die Kinderkrippe, das Behindertenheim und das Erziehungsheim.
Möglichst kurzer Aufenthalt im Heim
Die sozial-erzieherische Abteilung ist die einzige derartige Institution im Kanton Freiburg. Behördenstellen wie das Sozial- oder das Jugendamt können Kinder im «Bosquet» unterbringen, wenn ihre Eltern sie nicht ausreichend versorgen können. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von Suchtproblemen über familiäre Gewalt bis hin zu Krankheitsfällen. Die Verantwortlichen des «Bosquet» versuchen in jedem Fall, eng mit den Eltern zusammenzuarbeiten. Die Kinder sollen nur vorübergehend im Heim leben und so rasch wie möglich in ihre Familie zurückkehren.
Die Anzahl der im Erziehungsheim des «Bosquet» untergebrachten Kinder ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 1997 zählte man 2033 Betreuungstage, verteilt auf 14 Kinder. 2002 hatte sich die Zahl mehr als verdoppelt: Letztes Jahr wurden 37 Kinder während insgesamt 4322 Tagen betreut. Für 2003 rechnen die Verantwortlichen mit 5300 Tagen.
16 anerkannte Betreuungsplätze
Die nunmehr abgeschlossene Erweiterung der Räumlichkeiten der Erziehungsabteilung sei längst überfällig gewesen, sagte Christian Chenaux, Direktor des «Bosquet», am Freitag gegenüber den Medien. Die Nachfrage habe die bis anhin vorhandenen acht Plätze bei weitem überstiegen. Mit dem am 1. Mai erfolgten Umzug in den frisch renovierten Gebäudeflügel, der zuvor die schwerbehinderten Erwachsenen beherbergt hatte, stehen nun 16 kantonal anerkannte Plätze zur Verfügung. Diese Zahl ist Grundlage für die kantonalen Subventionen. Im Notfall können aber auch mehr Kinder gleichzeitig aufgenommen werden. «Wenn die Polizei mitten in der Nacht mit einem Kind vor unserer Tür steht, können wir sie ja nicht abweisen», sagte Chenaux.
Die zwei renovierten Stockwerke bieten nicht nur ausreichend Platz, sondern auch eine angenehme Atmosphäre für Kinder und Personal. Eric Lateltin vom verantwortlichen Architekturbüro Lateltin und Monnerat präsentierte das Ergebnis des 1,3 Millionen Franken teuren Umbaus. Im ersten Stock sind die Null- bis Dreijährigen untergebracht, im Erdgeschoss die Drei- bis Sechsjährigen, die von dort direkten Zugang zum Garten haben.
Die Farben Gelb und Weiss, das Holzparkett und viel Licht sorgen für Wohnlichkeit. Die Einrichtung, zum Beispiel die sanitären Anlagen, sind nicht nur dem Alter, sondern auch der Körpergrösse der Kinder angepasst. Gemeinschafts- und Privatbereich sind auf beiden Stockwerken klar voneinander getrennt. Ausserdem gibt es separate Räume, in
die sich auf Besuch weilende Eltern mit ihren Kindern zurückziehen können.
Verantwortung für Menschen in Not
Zum offiziellen Einweihungsfest am Freitagabend fanden sich etwa 300 Gäste im Garten des «Bosquet» ein. Vereinspräsident Nicolas Betticher nutzte die Gelegenheit, um die gelungene Renovation, aber auch die Verdienste des «Bosquet» im Allgemeinen zu würdigen. «Sich für Kinder einzusetzen, ist immer eine lohnende Investition in die Zukunft.»
Gesundheits- und Sozialdirektorin Ruth Lüthi entschuldigte sich in ihrer Ansprache dafür, über aktuelle sozial- und finanzpolitische Fragen sprechen zu müssen. Es sei aber wichtig, auf diese Probleme aufmerksam zu machen, denn es bestehe eine gesellschaftliche Verantwortung, Menschen in Not zu helfen. «Eigenverantwortung ist gut und recht, aber es haben nun einmal nicht alle die gleichen Möglichkeiten. Damit die Kantone helfen können, müssen sie vom Bund die entsprechenden Mittel erhalten», so die Staatsrätin.
Das Kantonsparlament war am offiziellen Festakt vertreten durch Grossratspräsident Charly Haenni. Syndic Michel Ramuz überbrachte die Grüsse der Gemeinde Givisiez und Generalvikar Rémy Berchier den Segen der Kirche. Musik und Tanz, Speis und Trank, Spiele und eine Ballonaktion umrahmten die Feier.