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Taktik, Kampf, Tore: Das Spitzenspiel der Premier League bot alles, was das Fussballherz begehrt! Am Ende gewann Liverpool nach einer starken Vorstellung mit 3:2 gegen Manchester City. Wir erklären, welche taktischen Winkelzüge Liverpool zum Sieg verhalfen.
Von der ersten Minute an übernahm Liverpool das Zepter - dank bissigem Zweikampfverhalten und einem cleveren System. Liverpool agierte mit einer flexiblen Formation. Auf dem Papier sah die Aufstellung von Coach Brandon Rodgers aus wie ein 4-3-1-2, im Volksmund auch als «Raute» bekannt. Die Spieler interpretierten dieses Gerüst jedoch sehr flexibel: Hinten liessen sich Gerrard und Coutinho immer wieder fallen, um das Spiel aus der ersten Reihe zu eröffnen. Vorne tauschten die beiden Stürmer Sturridge und Suarez mit Zehner Sterling immer wieder die Positionen.
Liverpool konnte mit dieser Ausrichtung das Spiel zunächst dominieren. Die Gäste aus Manchester pressten in der ersten Reihe nicht aggressiv, sodass Gerrard und Coutinho ungestört das Offensivtrio einsetzen konnten. Diese verwirrten mit ihren Positionswechseln die Abwehr und zogen die Innenverteidiger aus der Viererkette.
Das starre 4-4-2-Konstrukt von City fand keine Antwort auf die Bewegungen der Stürmer, die immer wieder Überzahl-Situationen in Ballnähe herstellten und ungestört miteinander kombinieren konnten. Vor dem 1:0 fiel beispielsweise Suarez zurück und zog den Innenverteidiger heraus, während Sterling aus der Tiefe heraus in die Spitze starten konnte (6.).
Auch bei Standardsituationen waren die Citizens ihren Gegnern hoffnungslos unterlegen. Ihre Mischung aus Raum- und Manndeckung vereinte die Schwächen beider Deckungsarten: City schaffte es weder nah am Gegner zu stehen noch den gefährlichen Raum am nahen Pfosten abzudecken. Liverpool hatte gleich drei grosse Chancen nach Cornern, die dritte köpfte Skrtel zum 2:0 ein (26.).
Manchester City fand bis zu diesem Zeitpunkt offensiv nicht statt. Sie hatten grosse Probleme, die Verbindung zwischen Offensive und Defensive herzustellen, erst recht nachdem Mittelfeldmotor Yaya Toure angeschlagen das Feld verlassen musste (19.). Sein Ersatzmann Garcia schuf keine Verbindung zum Angriff, Liverpool gewann fast alle Zweikämpfe im Zentrum.
Navas hielt als Rechtsaussen durchgehend seine Position und war völlig von seinen Kollegen isoliert. Auf der anderen Seite gelangen Nasri und Silva wenigstens einige Kombinationen. Zudem hielten sich die Aussenverteidiger bei City stark zurück.
Erst nach der Pause verbesserte sich das Spiel der Citizens. Wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff kam Milner für Navas. Er interpretierte die Rolle des Rechtsaussens wesentlich freier und bewegte sich oft in die Halbräume. Dank seiner Positionierung gelang es City besser, in die gefährlichen Räume im Zentrum zu gelangen.
Dazu lockte City das Dreiermittelfeld von Liverpool auf eine Flanke und suchte daraufhin den Pass in den Rückraum oder in den gegenüberliegenden Halbraum. Liverpool hatte nun grosse Probleme, mit der eigenen Ordnung die gesamte Breite des Feldes zu verteidigen. Milner konnte gleich beide Treffer von City einleiten.
Erst nachdem City bereits ausgeglichen hatte, reagierte Rodgers und stellte sein System um. Joe Allen kam in der 64. Minute für Sturrdige und übernahm eine Position im Mittelfeld. Liverpool verteidigte fortan in einem 4-1-4-1, womit sie besonders die Halbräume besser schliessen konnten.
Die Defensive von Liverpool stand in dieser Phase wesentlich sicherer als in den Minuten zuvor. Ihnen half, dass auf Seiten der Citizens Agüero für Dzeko kam. Agüero war keine Gefahr nach Flanken. Liverpool konnte gefahrlos die Angriffe der Citizens auf die Flügel lenken und hohe Hereingaben zulassen.
Nach vorne fehlte Liverpool allerdings der zweite Stürmer. Suarez liess sich oft zurückfallen, sodass der Strafraum unbesetzt blieb. Auch Liverpool konnte keine Flanken schlagen und musste die eigenen Angriffe oft im Mittelfeld abbrechen. Allerdings konnten sie den Ball besser zirkulieren lassen, auch weil die nominellen Aussenstürmer Coutinho und Sterling oft einrückten.
Gefährlich vor das Tor kamen sie nach der Pause jedoch nur in einer einzigen Gelegenheit – und das auch nur dank der freundlichen Unterstützung von Kompany. Er köpfte einen Einwurf vor die Füsse des eingerückten Linksaussens Coutinhos, der den Ball zum Siegtreffer versenkte (78.).
City fehlte in diesen letzten Minuten der Punch in der Offensive. Das Fehlen eines Strafraumstürmers machte sich besonders in der Schlussphase bemerkbar, als City versuchte, über Flanken den Siegtreffer zu erzwingen. Letztendlich konnte City die starke Aufholjagd nach der Pause nicht veredeln.
Rodgers sichert mit dem flexiblen System der ersten Halbzeit und der Umstellung in der zweiten Hälfte den Sieg. In Liverpool keimt die Hoffnung, den ersten Meisterschaftstitel seit 1990 zu gewinnen.