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| Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

32. Sokrates.
Nach Pythagoras behauptete Sokrates den Vorrang in der Philosophie. Dieser ist auch vom Orakel als der weiseste erklärt worden, weil er von sich bekannte, nur das eine zu wissen, daß er nichts wisse. Das Ansehen dieses Orakelspruches hätte die Naturphilosophen abhalten sollen, nach dem zu forschen, was sie nicht wissen konnten, und sich nicht ein Wissen von dem einzubilden, was ihnen unbekannt war. Sehen wir nun, ob Sokrates wirklich der weiseste gewesen ist, für den ihn der pythische Gott erklärt hat. Er pflegte oft das Wort im Munde zu führen: "Was über uns ist, hat keinen Bezug auf uns"1. Hier ging er nun schon über die Grenzen [S. 167] seines Ausspruches hinaus. Nachdem er zuerst nur eines zu wissen erklärt hatte, fand er jetzt ein weiteres, um es gleichsam als wissend zu behaupten; und das ohne Grund. Denn man muß sowohl Gott suchen, der sicher über uns ist, als auch die Religion annehmen, die uns allein von den Tieren unterscheidet. Die Religion aber hat Sokrates nicht bloß verschmäht, sondern auch verspottet, indem er bei der Gans und beim Hunde schwor; als ob er nicht auch bei Äskulap hätte schwören können, dem er einen Hahn gelobt hatte. Siehe das Opfer des weisen Mannes! Und weil er den Hahn selbst nicht mehr schlachten konnte, so bat er sterbend die Freunde, nach seinem Tode das Gelübde zu erfüllen, wohl um nicht etwa in der Unterwelt als Schuldner in Haft zu kommen. Dieser hat in der Tat ausgesprochen und bewiesen, daß er nichts wußte.
1: Der Ausspruch war zunächst gegen die Naturphilosophie und die Fragen nach dem Entstehen und Vergehen der Welt gerichtet.