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Es könnte unscheinbarer nicht sein: das graue Pulver, das auf keiner Baustelle fehlt – der Zement. High Tech sieht anders aus. Und doch ist der Zement der Stoff, aus dem buchstäblich die Neuzeit besteht.
Der moderne Zement, der so genannte Portlandzement, wurde 1824 vom Briten Joseph Aspdin erfunden, in jahrelangen Experimenten im Hinterhof seines Geschäfts im Zentrum von Leeds. Aspdin war so eine Art Alchemist des 19. Jahrhunderts, auf der Suche nach dem Stein der Weisen – sein Patent mit der Nummer 5022 trägt den Titel: Improvements in the modes of producing an artificial stone – Verbesserte Herstellung von künstlichem Stein.
Aspdins Erfindung war eine ausgeklügelte Mischung aus gemahlenem Kalkstein und Ton, der sich brennen, mit Wasser anrühren und mit Bruchstein vermischen liess – und der nach dem Trocknen einen beständigen Baustoff ergab. Portland nannte Aspdin seinen Zement deshalb, weil Kalkstein von der gleichnamigen Insel im Ärmelkanal beim Bau von Prestigebauten grosse Mode war: Aus Portland-Stein besteht etwa der Bankettsaal von Whitehall in London, den sich 1619 der Stuart-König James I bauen liess, und ebenso das UNO-Hauptquartier in New York.
Zement, dieser geniale Leim der Baumeister, aber ist noch viel älter. Zementiert haben schon die alten Römer. Das Wort kommt von caedere, «mit dem Meissel zerschlagen» oder «hauen». Tatsächlich hat der römische Kaiser Hadrian schon in den Jahren 118-125 nach Christus aus sogenanntem opus caementitium, einer Art Beton aus gebranntem Kalk und Bruchstein, auf dem Marsfeld das Pantheon bauen lassen, einen allen Göttern Roms geweihten Tempel. Bis auf den heutigen Tag ist das kreisrunde Dach des Pantheons die grösste nicht-bewehrte Kuppel der Welt.
Zement, dieser römische Stein der Weisen, ist buchstäblich ein Stein für die Ewigkeit.