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Das einzige Foto von Chizuna als Kind
Der 17-jährige Oberschüler Kazuna Takashiro lebt seit vielen Jahren bei seinem Onkel und seiner Tante. Kazunas Mutter starb, als er noch ein kleines Kind war, und seinen Vater hat er ebenfalls seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Von der Zeit mit seinen Eltern mag er sich nur noch schwach erinnern. Zu seinen Erinnerungen gehören ein traditionell gebautes Haus mit einem grossen Garten, der hübschen aber schwachen Mutter, und einem Mädchen in einem Kimono, das seine Schwester sein soll und eine Katze getötet hatte und ihn unheimlich anblickte. Besonders die letzte Erinnerung ist ihm stark geblieben.

Kazuna wird beim Anblick von Yaegashis Blut schlecht
Kazuna
hat ein Auge auf das schweigsame Mädchen Yô Yaegashi
geworfen, die wie er Mitglied im Malklub seiner Schule ist und mit Vorliebe
Ölbilder malt. Auch Yegashi fühlt sich von Kazuna angezogen, aber
bevor die beiden im Klubzimmer zum ersten Mal wirklich einander näher
kommen, geschieht ein Vorfall: Beim Anblick einer kleinen Schnittwunde, die
sich Yaegashi unbewusst angefügt hat, wird es Kazuna schlagartig schlecht,
und er fällt in Ohnmacht.
Als er wieder zu sich kommt, erinnert sich Kazuna an die Worte seines Vaters, als der ihn vor einigen Jahren verliess. Er wolle sich nun um Chizuna kümmern, seiner älteren und schwächlichen Schwester; er habe nicht das Selbstvertrauen, gleich zwei Kinder gross zu ziehen. Schon damals mochte sich Kazuna kaum mehr an seine Schwester erinnern; er hatte nur ein einziges Foto von ihr in einem Kimono. Von seinem Vaterfühlte er sich im Stich gelassen. Komischerweise leben ausgerechnet jetzt wieder diese Erinnerungen in ihm auf, und es zieht in halb unbewusst wieder zum alten Haus, wo er die ersten drei Jahre seines Lebens verbracht hatte. Er stellt überraschend fest, dass das Namensschild seiner Familie immer noch am Haus hängt, und betritt den Garten. Plötzlich steht ihm gegenüber ein wunderschönes Mädchen...

Kazuna trifft nach Jahren seine Schwester wieder
Schnell
stellt sich heraus, dass er gegenüber Chizuna steht,
seiner älteren Schwester. Sie lädt ihn zu einem Kaffee ein, doch
sie ist sichtlich nicht darüber erfreut, nach all den Jahren ihren jüngeren
Bruder wieder getroffen zu haben. Schnell macht sie Kazuna klar, dass Vater
vor einem halben Jahr gestorben sei. Kazuna kann das nicht glauben, sein Onkel
und seine Tante haben ihm davon nichts erzählt. Das sei klar, weil sie
ihn beschützen wollen, erwidert seine Schwester. Die Familie Takashiro
leide unter einem Fluch: Viele Familienmitglieder seien an einer seltenen
erblichen Blutkrankheit gestorben. Bei dieser Krankheit sei man auf das Blut
anderer Leute angewiesen, um über eine längere Zeit leben zu können.
Die Takashiros seien wie Vampire. Sie und ihr Vater hätten sich deshalb
von der Öffentlichkeit zurückgezogen und alleine in diesem alten
Haus weitergelebt. Nun lebt sie alleine im Haus.
Da Chizuna merkt, dass ihr Bruder von diesem Familienfluch bisher nichts gewusst hat, behandelt sie ihn wie einen völlig Fremden und fordert ihn auf, das Haus zu verlassen und nie wieder herzukommen. Sie sei ein Vampir und sie könne nicht für seine Sicherheit garantieren. Kazuna kann die Offenbarungen seiner kühlen und zynischen Schwester immer noch kaum glauben und fragt zu Hause seinen Onkel und seine Tante nach dem Verbleib seines Vater. Die beiden weichen seiner Frage aus, und bieten ihn im Gegenzug an, nun ihren Familiennamen, Eda, anzunehmen.Er könne nun entgültig ihr Sohn werden, wenn er sich das wünschen würde.
Das merkwürdige Verhalten der beiden verstärkt Kazuna im Glauben, dass die beiden ihm die wahre Geschichte seiner Familie verheimlichen. Er fühlt sich unwohl, und als er sich im Klubzimmer bei einem Gespräch mit Yaegashi plötzlich wieder an das Bild seiner blutbefleckten Schwester im Kindesalter mit der toten Katze in der Hand erinnert, überfällt ihn ein sehr starkes und unbekanntes Gefühl, und er fällt beinahe wieder ihn Ohnmacht.

Chizuna bietet Kazuna ihr Blut an
Kazuna wird sich bewusst, dass auch er die seltene Blutkrankheit der Takashiro-Familie haben könnte, ganz so wie seine Schwester Chizuna. Er sucht sie deshalb wieder um Rat auf und erzählt ihr von diesen Anfällen. Chizuna ist überrascht, dass die Krankheit erst jetzt bei ihrem Bruder ausbricht, und beginnt sich um ihn zu sorgen. Als erstes bietet sie ihm Tabletten an, die er beim nächsten Anfall sofort einnehmen soll, zur reinen Vorsorge, damit die Krankheit bei ihm nicht entgültig ausbricht. Doch als Kazuna später wieder einen Anfall kriegt und Bilder von Blut zusammen mit Bildern von Yaegashi sieht, weigert er sich aus Furcht vor den Konsequenzen, die Tabletten zu schlucken. Die zufällig in der Nähe vorbeilaufende Chizuna bietet ihrem Bruder ihr eigenes Blut an, das Kazuna schliesslich annimmt....
Kazuna
ist sich nun bewusst, dass auch er die selbe Krankheit wie Chizuna hat. Er
entschliesst sich, zusammen mit ihr im alten Familienhaus zu leben. Dazu bricht
er zunächst den Kontakt zu seinem Onkel und seiner Tante ab, und als
zweites den zu Yaegashi, aus Furcht, er könne ihr was antun. Doch Yaegashi
versteht Kazunas seltsame Verhalten nicht und beginnt sich ernsthaft Sorgen
um seine Gesundheit zu machen.

Chizuna kümmert sich liebevoll um ihren Bruder
Zu
Hause kümmert sich der junge Arzt Minase um Chizuna.
Er kommt alle paar Tage vorbei und führt Bluttransfusionen durch. Minase
kannte Kizuna bereits als kleines Kind und war ein grosser Bewunderer von
Vater Takeshiro, doch er wollte bereits damals Chizuna von der Abhängigkeit
des Vaters befreien. Bei einem schweren Vorfall verletzte die damals 12-jährige
Chizuna Minase schwer am Auge und kostete das Blut seiner Wunde. Minase hat
seitdem über sein linkes Auge eine grosse Narbe, und er ist von Chizuna
"abhängig", wie er ihr sagt.
Kazuna, der mittlerweile bei Chizuna lebt, erfährt von ihr, dass Vater Selbstmord verübt hat. Er habe es nicht mehr ausgehalten, in seiner eigenen Tochter den Ersatz seiner verstorbenen Frau zu sehen. Chizuna wiederum sei auf Vaters Blut angewiesen gewesen und die Gefahr sei nun gross, dass sie ihren eigenen Bruder als Ersatz für den Vater sehen würde...
Hitsuji no Uta,
das Lied der Lämmer, ist einer der Manga die es verdient hätten,
dank den inhaltlichen und zeichnerischen Qualitäten im Westen veröffentlicht
zu werden. Die Geschichte spricht ältere Leser an, die auf der Suche
nach anspruchsvollen Manga sind und die ein Faible für Drama- und Horrorgeschichten
haben. Doch auch Leser auf der Suche nach Romantik kommen bei Hitsuji no Uta
nicht zu kurz. Ein sehr empfehlenswerter Manga.
Leider ist bisher noch kein deutscher oder französischer Verlag auf die
Idee gekommen, die Rechte zu diesem Kleinod von der Zeichnerin Kei Tôme
zu kaufen.
Insgesamt sind von Hitsuji no Uta sieben Bände rausgekommen. Die Geschichte begann in der Januar Ausgabe des Comic Burger, wechselte während der Publikation die Zeitschrift (Comic Birth von Sony) und endete schliesslich letztes Jahr im Herbst. Der Manga zog ein Radiohöspiel nach sich und im Frühling 2002 auch einen Realfilm, der in ausgewählten Kinos lief. Dank des grossen Erfolges des Manga wird nun eine 3-teilige OAV von Studio Madhouse produziert.

Minase will auch Teil von Chizunas Leben werden
Die Beziehungen der Personen untereinander gestaltet sich in diesem Manga teilweise sehr tiefgründig und auch schockierend, besonders das Verhältnis zwischen Kizuna und ihrem Vater, das aus der Sicht der Rückblende durch Kizuna nur als inzest Beziehung bewertet werden kann. Da nun Vater Takashiro nicht mehr da ist, sieht Kizuna in ihren jüngeren Bruder Kazuna den Ersatz für ihren Blutdurst, aber ihre wachsenden Gefühle zu ihm stehen im Widerspruch zu dieser Lust nach Blut. Doch auch Minases Beziehung zu Kizuna gestaltet sich vielschichtig. Er sagt ihr zwar, wie sich sich zu verhalten hat um die Anfälle so weit wie möglich zu vermeiden, doch er will auch von ihr geliebt werden, kann aber ihr Herz nicht gewinnen.

Yaegashi
Kei
Tôme ist eine sehr fleissige Zeichnerin: Sie zeichnet jährlich
mindestens drei Geschichten für diverse Comicmagazine (Kurogane, Yesterday
o utatte, Acony...). Ihre professionelle Karriere begann mit einer Kurzgeschichte
namens Rokujou Gekijou im Magazin Comic Burger. Sie gewann im folgenden Jahr
einen Preis beim Verlag Kôdansha für die Geschichte Kurogane,
die sie bis heute weiterzeichnet. Kei Tôme besuchte zu Beginn der Neunziger
Jahre die Kunstuniversität
Tama, wo sie im Malklub war. Einer ihrer damaligen Kommilitonen war Hiroaki
Samura, den Zeichner von Blade of the Immortal. Kei Tômes Zeichenstil
ist dem von Samura sehr ähnlich: Das Design der Personen ähneln
nicht nur denjenigen von Samura, auch Sie zeichnet wie Samura sehr skizzenhaft,
mit einer Mischung aus sehr weichen Bleistiften und feinen Tuschepinsel. Ihre
Zeichnungen wirken dadurch sehr kunstvoll. Zudem sind ihre Farbzeichnungen
mit Ölfarben auf Leinwand entstanden. Man merkt ihren Background aus
dem Malklub gut an. Anders als Samura ist Kei Tômes Erzählstil
allerdings ruhiger gehalten. Sie setzt mehr auf ruhige und atmosphärisch
dichte Szenen.
Etwas negativ fallen die teils grossen Unterschiede in den Proportionen in den unterschiedlichen Panels auf, besonders was die Hände angeht. Doch dieses Manko macht die Gesamtwirkung ihres frischen und natürlichen Stils gleich wieder wett und dürfte nur wirklich auffallen, wenn man besonders Acht auf solche Details gibt. Einige Szenen sind wirklich wunderbar gezeichnet, besonders in den späteren Bänden, in welchen Kei Tôme stillistisch immer sattelfester wird.
pictures©Kei Tôme/Gentosha
Text©Yaniv
Tempelman (April 2003)
Letztes update: Mai 2003
Hitsuji no Uta
-Das Lied der Lämmer-
Mit Hitsuji no Uta liefert Kei Tôme ein gekonnt gezeichnetes und erzähltes Drama zweier Geschwister, die wegen einer Erbkrankheit aufeinander angewiesen und voneinander abhängig sind.
Neu: Ab Mai erscheint die erste Hitsuji no Uta OVA, produziert von Studio Madhouse. U.a mit der Stimme von Megumi Hayashibara als Kizuna.