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Die Scheide (Vagina) ist ein dehnbarer, etwa 10 cm langer «Schlauch», der durch die umliegenden Organe zu einem Spalt zusammengepresst wird. Sie ist gleichzeitig das Organ, welches den Penis beim Geschlechtsverkehr aufnimmt, und durch das bei der Entbindung das Kind nach aussen gelangt. Die feuchte, glatte Oberfläche für die Aufnahme des Penis wird durch die Schleimhaut erzeugt, die ausserdem für ein saures Milieu (pH-Wert um 4) sorgt und so der Ansiedelung von Bakterien entgegenwirkt. Zum anderen muss die Scheide sich bei der Geburt stark erweitern können, danach aber auch wieder zusammenziehen, wofür die Muskelschicht und die umgebende, elastische Bindegewebsschicht sorgen.
Scheidenkrebs ist ein sehr seltener Tumor, ca. 1 von 200'000 Frauen erkranken pro Jahr.
Die Ursachen für Scheidenkarzinome sind weitgehend ungeklärt, es sind werden allerdings folgende Risikofaktoren vermutet:
Infektionen mit dem Humanen Papilloma-Virus (HPV) vor allem vom Typ 16 werden mit der Entstehung von Scheidenkarzinomen in Verbindung gebracht. Die HPV-Infektion ist sehr häufig, die Erkrankung an einer HPV assoziierten Veränderung ist allerdings selten.
Scheidenkrebs wird erst in einem fortgeschrittenen Stadium symptomatisch. Zu den ersten Auffälligkeiten zählen blutiger Ausfluss oder auch Scheidenblutungen, die z.B. nach Sexualkontakt auftreten. Hat sich der Tumor auf umliegendes Gewebe oder weitere Organe ausgebreitet, können Unterleibschmerzen oder Organstörungen (Harnblase, Darm) auftreten.
Die Diagnose Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom) ist oft ein Zufallsbefund bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung. Ist der entnommene Zellabstrich bei der mikroskopischen Untersuchung auffällig, wird eine zusätzliche Lupenvergrösserungsuntersuchung (Kolposkopie) empfohlen. Zudem sollte dann eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, die von einem Pathologen unter dem Mikroskop untersucht wird.
Die meisten bösartigen Geschwülste in der Vagina entstehen, wenn sich Tumoren aus benachbarten Organen auf die Scheide ausbreiten, etwa vom Gebärmuttermund, der Vulva, Harnröhre oder Harnblase aus. Deshalb wird bei der Diagnose untersucht, ob ein anderer Tumor als Scheidenkrebs vorliegt. Wenn beispielsweise der Gebärmuttermund befallen ist, gilt der Tumor als Gebärmutterhalskrebs; ist die Vulva gleichzeitig befallen, liegt Vulvakrebs vor. Diese Unterscheidung ist für die Wahl der Therapie von Bedeutung.
Um die Ausbreitung des Tumors zu beurteilen, kommen folgende Verfahren in Frage:
- Anamnese und körperliche Untersuchung mit Tastuntersuchung
- Ultraschalluntersuchung der Scheide von innen
- Spiegelung der Harnwege und des Darms (Urethrozystoskopie, Rektoskopie)
Durch weitere Untersuchungen kann festgestellt werden, ob sich der Tumor auch auf andere Organe ausgebreitet hat, zum Beispiel durch Röntgenaufnahmen der Lunge und eine Kernspintomographie des Beckens.
Für die Behandlung kommen die Operative Entfernung des Tumors und/oder die Bestrahlung in Frage. Welches der beiden Verfahren angewandt wird, richtet sich nach dem Stadium beziehungsweise der Ausbreitung der Erkrankung. Eine Chemotherapie wird nur bei fortgeschrittenem Scheidenkrebs eingesetzt.
Im Anschluss an die Therapie sind regelmässige Nachkontrollen beim Arzt von grosser Bedeutung. In den ersten drei Jahren sollten diese alle drei Monate, vom vierten bis zum sechsten Jahr alle sechs Monate und danach jährlich stattfinden. Sie beinhalten eine ausführliche Anamnese (Gespräch) mit gezielter Befragung nach Beschwerden und eine gynäkologische Untersuchung mit Scheidenultraschall. Die Untersuchung sollte möglichst präzise mittels Lupenvergrösserungs-Untersuchung (Kolposkopie) und Abstrichuntersuchung (PAP) durchgeführt werden.