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«Hallo Jozo, Saal eins läuft.» Die Frauenstimme kommt aus dem Funkgerät auf dem Tisch. Jozo Barukcic schaut zum viergeteilten Monitor hinüber. Mit einem Blick hat er so die Übersicht über die vier Säle des Kinos ABC in Zürich. Eben läuft in Saal 1 die Projektion des Films «Running» an. Der heikle Übergang von der digital projizierten Werbung zum analog projizierten Hauptfilm klappt problemlos. Barukcic greift zum Funkgerät und bestätigt der Kollegin unten im Saal: «Danke, Senta, Saal eins ist gut.»
Gewöhnlich beginnt Jozo Barukcic anderthalb Stunden vor der ersten Filmvorführung mit der Arbeit, also mittags um halb eins. Entsprechend früher ist er da, wenn die Reinigung der ölgekühlten Projektormotoren oder eine Pressevisionierung auf dem Programm steht. «Ich bin so etwas wie der Hausabwart hier. Der erste, der kommt, und der letzte, der geht.» Zu seinen schmalen, verwinkelten Arbeitsräumen führt im oberen Foyer eine diskrete Seitentür. Am Computer programmiert er hier nach Arbeitsbeginn die genauen Projektionszeiten sämtlicher Filme des Tages.
Dann geht er in jede der vier Kabinen: «Ich muss jeden 35-Millimeter-Film selber einfädeln.» Bevor er das allerdings tun kann, nimmt er den Boden der Kabinen feucht auf: «Staub ist Gift hier drin, er wird vom Polyester der Filme angezogen und ist danach auf der Leinwand störend sichtbar.» Neben dem Projektor liegen die Filmrollen auf Metalltellern von rund anderthalb Metern Durchmesser. Der Anfang des Films liegt immer zuinnerst. Er wird während der Projektion über einen «Filmgeber» abgewickelt und gleichzeitig auf einem anderen Teller projektionsbereit aufgewickelt. So fällt das aufwendige Zurückspulen weg, was pro Tag die Zeit für eine zusätzliche Vorstellung einspart.
Der empfindlichste Teil der Projektionsanlage ist die Xenon-Bogenlampe. Auch wenn sie nach den 2000 garantierten Stunden routinemässig ausgewechselt wird, kommt es vor, dass sie mitten in einer Vorstellung aussteigt. «Gewöhnlich wegen eines Materialfehlers: Wenn Luft in die Lampe eindringt, wird das Licht immer schwächer, nach einer Stunde geht nichts mehr.» Im schlimmsten Fall müsse er dann den Film stoppen, sich beim Publikum entschuldigen, den Projektor abkühlen lassen und dann – geschützt mit Maske und Handschuhen – die leicht explodierende Lampe auswechseln: «Das ist eine gefährliche Arbeit.»
Zwischen der Überwachung der Projektionen steht Jozo Barukcic häufig am «Umrollstisch». Neue Filme werden in grossen Schachteln auf vier oder mehr Rollen angeliefert. Hier am Tisch klebt er sie zur grossen Projektionsrolle zusammen.
Feierabend ist nicht vor Mitternacht. Sind, wie heute, in einzelnen Sälen Programmierungswechsel vorgesehen, so kann es nachts halb zwei, zwei Uhr werden. Lange Arbeitstage. Dafür ist er pro Woche nur vier Tage hier und hat so regelmässig ein verlängertes Wochenende von Samstag bis Montag.
Barukcic war Heizungsmonteur ohne Zusatzausbildung, als er hier anfing. Im ersten Monat gab es einmal Alarm in zwei Projektionskabinen gleichzeitig: «In Kabine 3 stoppte der Film wegen eines Programmierfehlers. Die Lampe brannte ein Loch in den Streifen, und es begann zu qualmen.» Gleichzeitig rutschte in der Kabine 2 die Filmrolle vom Teller und fiel als riesiger Streifensalat auf den Boden. «Ich wusste nicht mehr weiter, rief den Chef an. Der erklärte zwar, was zu tun sei, aber ich kam nicht draus. Das war Stress.»
Heute hat er seine Arbeit längst im Griff. Dass er als Operateur schon bald die Filme nur noch digital einspielen werde, glaubt er nicht: «Digitale Projektoren sind immer noch viel teurer als solche für 35-Millimeter-Filme.» Dazu komme, dass bei der Digital-Projektion die Farben entweder kalt oder warm wirkten: «Das heisst, die Bilder ziehen Richtung blau oder Richtung rot. Die 35-Millimeterprojektion dagegen ist farbecht.»
Zwei, drei Minuten nach 15 Uhr – in Saal 3 läuft eben die Werbung – eilt Barukcic davon. Als er zurückkommt, sagt er, es gebe da beim Übergang von der Werbung zum Hauptfilm ein noch nicht gelöstes technisches Problem. Prompt sei, eben als er die Kabine 3 betreten habe, vom Projektor Alarm ausgelöst worden, weil der Hauptfilm nicht angelaufen sei. Barukcic hat sofort reagiert. Das Publikum im Saal hat nichts gemerkt. Es gibt Arbeiten, die dann perfekt gemacht sind, wenn niemand merkt, dass gearbeitet wird.
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Jozo Barukcic wurde 1977 in Bosnien geboren. Weil seine Eltern beide als Saisonniers in der Schweiz arbeiten, wächst er bei der Grossmutter auf. 1990 planen seine Eltern die Rückkehr. Da bricht der Krieg aus. Jozo wird, weil Katholik, vom Bosnier plötzlich zum bosnischen Kroaten. Er geht, 13jährig, zu seinen Eltern in die Schweiz. Er lernt deutsch und macht nach Schulabschluss vorerst eine Anlehre als Elektromonteur, dann die Lehre zum Heizungsmonteur.
Seit 2004 arbeitet er als Operateur, den Ausbildungskurs der Stiftung «Weiterbildung Film und Audiovision» (Focal) hat er berufsbegleitend gemacht. Barukcic gehört zu jenen Unia-Gewerkschaftern, die zur zit mit dem Zürcher Kinoverband das Gespräch suchen. Zwar gibt es seit 2004 einen kantonalen Gesamtarbeitsvertrag für die Kinobranche. Aber für Operateure unbefriedigend sind insbesondere der Abzug einer ganzen Stunde Essenspause, die nie eingehalten werden kann und die 90-Franken-Pauschale für dreistündige Pressevisionierungen und Noctures.
Barukcic lebt in zweiter Ehe mit einer Pflegefachfrau in Zürich. Seine 12jährige Tochter aus erster Ehe verbringt mit ihm häufig die Wochenenden.
Zur 7. Berner Aktionswoche gegen Rassismus: