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Gummi
arabicum (Mimosen
gummi,
Gummi mimosae, frz. gomme arabique, engl.
arabic gum). Diese vielbenutzte, schon im Altertum bekannt gewesene Ware kommt nicht aus Arabien, welches
Land wenig oder gar nichts davon erzeugt, sondern aus Afrika, und sollte besser afrikanisches
Gummi heißen, denn Afrika
ist die wahre Heimat der dornigen Akazien oder Mimosen, welche den Stoff ausschwitzen. Diese baum- und strauchförmigen Gewächse
bewohnen, zum Teil ganze Wälder bildend, eine durch den ganzen Weltteil gehende Zone vom Senegal durch
den Sudan über Libyen, Nubien, Ägypten bis ans Rote Meer, Kordofan, Senaar, Abyssinien mit begriffen. In dem sandigen Südafrika
treten abermals Mimosenarten auf, doch ist das
Gummi derselben geringwertig. Es gibt von der Ware so vielerlei Handelssorten,
daß es keine leichte Sache ist, sich darin zu orientieren; noch weniger ist mit den botanischen Angaben
der Stammpflanze aufs Reine zu kommen, doch dürfte das meiste G. von der Acacia Verek (Quill. et Perott), sowie von der
A. arabica und
gummifera
(Wild.) abstammen. So viel man weiß, wird die Masse nirgends durch Rindeneinschnitte gewonnen, sondern
die
Hölzer füllen sich während der Sommermonate bis zum Oktober, der Regenzeit, mit
Gummi; in der
darauf folgenden Zeit der trocknen heißen Winde bekommt die Rinde zahlreiche Risse, durch welche der Saft ausfließt und
erhärtet.
Die Menge steigt mit der Häufigkeit der Winde, sodaß auch von diesem Produkt in verschiednen Jahrgängen reichliche und
knappe Ernten fallen. Das westafrikanische Produkt wird unter dem Namen Senegal
gummi von den Franzosen
in den Handel gebracht, das östliche kommt großenteils nach Ägypten auf die Stapelplätze Kairo und Alexandrien. Andre
Quantitäten verladen die Engländer an der Ostküste und bringen sie, zum Teil über Bombay, nach Europa, daher auch ostindisches
Gummi unter den Handelssorten figuriert. In Ostindien selbst geben verschiedne Baumarten auch gummiartige
Stoffe, so z. B. Feronia elephantum, die indes für den Handel nicht viel Bedeutung zu haben
scheinen, es müßte denn sein, daß man sie zur Verfälschung benutzte. So finden sich neuerdings dem arabischen
Gummi fremde
Stücke beigemischt, die man als falsches oder indisches
Gummi bezeichnet und die mit Wasser keine vollständige
Lösung geben, sondern mehr nur aufquellen und erst durch Erhitzen und langes Rühren in Lösung gehen.
Australien hat auch eine
Gummiart, aber von geringer Qualität und meist rot- oder dunkelbrauner Farbe; es soll von der Acacia
pycuantha abstammen. Solche Sorten, australisches, capsches, ostindisches
Gummi sind wohlfeil am Markte
und bilden das im Handel sog. Fabrik
gummi. Sie dienen in der Technik zu solchen Zwecken, bei
denen es nicht auf besondre Reinheit, starke Klebkraft, vollkommene Löslichkeit etc. ankommt.
Das ostindische
Gummi kommt häufig und in großen Klumpen nach England und ist, da es auch von
mehreren
Bäumen stammt, nicht gleichmäßig.
Das ostafrikanische oder arabische
Gummi besteht aus größeren oder kleineren rundlichen Stücken, die teils farblos, teils
gelblich, selbst bräunlich gefärbt sind, ist spröde, bröcklig und teilt sich beim Liegen von selbst in kleinere Stücke.
Beim Kauen hängt es sich an die Zähne und schmeckt schleimig süßlich. In kaltem Wasser löst es sich
bis auf Unreinigkeiten vollständig auf. Das Senegal
gummi kommt meist in kugel- und walzenförmigen Stücken mit rauher,
von netzförmigen Rißlinien durchsetzter Oberfläche, im Bruche glänzend und nüanciert sich von blaßgelblich bis dunkelbraun;
es ist schwieriger zu pulvern als arabisches, löst sich ebenfalls, aber langsam und mit Rückstand in
kaltem Wasser, zieht an der Luft Feuchtigkeit an und schmeckt schleimig säuerlich.
Das Senegalgummi wird an den Ufern des Senegal am Rande der Sahara, einiges auch in entfernteren Gegenden von Eingeborenen gesammelt und von französischen Schiffen hauptsächlich nach Bordeaux und Marseille gebracht. Der Import dieser Sorte in Bordeaux beläuft sich auf circa 2½ Mill. kg jährlich. Es gibt davon auch verschiedne Sorten; im allgemeinen unterscheidet man harte und weichere. Die Härtegrade und die Ausgiebigkeit (Löslichkeit) ist aber bei der Senegalware, selbst wenn sie ganz gleichmäßig erscheint, sehr verschieden und ihre Wertermittelung hat daher besondre Schwierigkeiten.
Ihre Gebrauchsfähigkeit ist beschränkter als die des arabischen Gummi und sie dient nur zu einigen technischen Zwecken. Die vielen Sortenbenennungen des Gummi überhaupt sind teils von ihren Erzeugungsländern, teils von den Handelsplätzen entnommen, über welche sie nach Europa gelangen. Triest, London und Hamburg sind die Haupthandelsplätze für diese Sorte; der Import in Triest beläuft sich auf circa 11000-12000 Ballen à 200 kg jährlich. Levantiner Sorten sind Talca, Suakim, Embavi, Geddah etc. Die beste Ware kommt von den Steppenländern der obern Nilgegenden, Kordofan, Senaar u. a. Die in Ägypten selbst gesammelte Ware ist Regierungsmonopol und bildet das Suakim- und Talcagummi.
Die Waren kommen in den Handel immer in sortis, d. h. Großes und Kleines, Helles und Dunkles
im Gemenge, und werden erst von Drogisten durch Auslesen (gummi
arabicum electum) resp. Sieben
in die eigentlichen Handelssorten geschieden und es ist dann alles G.
arabicum ohne Unterschied der Herkunft. Zu der
Primasorte, G. albissimum, kommen die ganz farblosen und weißen Stückchen; G. electum in 2 Sorten ist auch eine Auslese
des Bessern, doch ohne Rücksicht auf Farblosigkeit, und enthält die sonst schönen gelblichen und rötlichen Stücke. Auch
im gepulverten Zustande ist das Gummi käuflich, aber dann öfter viel Unreinigkeiten enthaltend. Übrigens
werden gefärbte Sorten jetzt auch gebleicht und dadurch in albissimum verwandelt. Es geschieht dies vermittels einer Lösung
von schwefliger Säure in Wasser, mit welcher die Gummilösung bis zur Entfärbung behandelt wird. Durch Zusatz von kohlensaurem
Baryt, bis keine Gasblasen
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forlaufend
mehr auftreten, wird dann die Säure aus der Lösung entfernt, diese geklärt und durch eine Schicht frisch gefällten Thonerdehydrats filtriert. Wenig gefärbte Sorten können schon durch dies letzte Mittel allein völlig gebleicht werden. -
Die Verwendung des Gummi ist bedeutend und ungemein vielseitig. In Zeugdruckereien dient es, so weit es
nicht durch das Dextrin ersetzt ist, zur Verdickung der Farben, in Kattun- und Seidenfabriken zum Appretieren; als Zusatz zu
Schreibtinten; als Kleb- und Bindemittel in zahlreichen Fällen, so zu Postmarken, Etiketten, Tusch- und Wasserfarben, Zündholzmasse
etc. Dicke Gummilösung gibt ohne Zusatz einen sehr haltbaren Kitt für Porzellan- und andre Sachen, sofern
sie nicht Nässe und Hitze auszuhalten haben. Im Steindruck ist der Stoff so unentbehrlich, daß ohne ihn diese Druckart
gar nicht existieren würde. In den Apotheken dient er zur Darstellung von Hustenzucker, Gummischleim und -Syrup, Bindemittel
für Pillen. Auch in Conditoreien findet das Gummi Verwendung. Gutes G.
arabicum ist im Handel stets
gesucht besonders des Apothekenbedarfs halber und hält gute Preise; die Senegalware ist im allgemeinen wohlfeiler. - Zollfrei.