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Warum wird Autismus als Störung angesehen?
Im Kontext der Psychologie ist eine Störung ein Funktionsstörung eines Individuums, welches mit Stress und / oder Beeinträchtigung verbunden sind , und / oder «abnormalen Reaktionen», die normalerweise nicht erwartet werden, hervorrufen können.
Wenn Sie sich überlegen, ob Sie Symptome für eine Funktionsstörung haben könnten, denken Sie an folgende drei Punkte:
- Gibt es eine physische Störung?
- Ist es für Sie oder Andere belastend oder störend?
- Sind atypische oder abweichenden Reaktion vorhanden?
Autistische Menschen (mit Autismus-Spektrum diagnostiziert) neigen dazu, die Kästchen aller drei Punkte anzukreuzen
Terminologie
Autismus als eine Störung zu definieren, führt zu unnötiger Stigmatisierung, da die Wörterbuchdefinition im Kontext der Psychologie immer Vorrang vor der professionellen Definition hat. Dies reduziert die Komplexität von Autismus auf einen Zustand der Verwirrung oder einer Funktionsstörung. Hier muss ich klar protestieren! Ich bin weder ständig verwirrt noch fühle ich mich dysfuktional. Wissenschaftler verstehen Autismus als eine Abweichung von der Norm (1% der Bevölkerung), für eine durchschnittliche Person jedoch bedeutet dies immer noch, dass Autisten nicht normal sind.
Ich frage mich darum, warum Autismus-Spektrum als eine Funktionsstörungen gekennzeichnet wird. Natürlich, wir haben unsere Defizite und Herausforderungen. Aber wie kann die Gesellschaft zu einem positiven Verständnis eines Autisten kommen, indem man uns nur über die Störung definiert, jedoch unsere Vorteile ganz ausser Sicht lässt?
Neurodiversität
Heutzutage gibt es zum Glück immer mehr Menschen, die sich vom Begriff «Störung» distanzieren und stattdessen die Verwendung des Begriffs «Neurodiversität» – oder einfach (neurologischer) Unterschied – einfordern.
Bessere Terminologie
Ich habe festgestellt, dass einige Forscher den Begriff Autismus-Spektrum-Bedingungen (ASB) anstelle von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) verwenden. Die Verwendung solcher weniger etablierter Begriffe mag einige verwirren, aber ich schätze ihre Bemühungen diese Bemühungen sehr.Der ICD definiert ASD und andere Zustände als Pathologien, was aber nur begrenzt sinnvoll ist, wenn man bedenkt, dass diagnostische Kriterien beschrieben werden. Eine Diagnose ist in der Regel erforderlich, um zu bestimmten Fragen eine Aussage zu erhalten. Daher ist es nicht sinnvoll, dass man negative Beschreibungen weglässt und stattdessen die positiven Eigenschaften hervorhebt.
Wir haben weder als Menschen noch als Eltern versagt.
Forscher selber sollten also objektiv bleiben. Die Tatsache, dass selbst sie die Bedingungen, die sie erforschen, in negativer Sprache beschreiben, beeinflusst sowohl die Wahrnehmung von Fachleuten als auch die breite Öffentlichkeit. Daher sollte die Verwendung einer neutralen Sprache wie Autismus-Spektrum-Bedingungen (ASB) gefördert werden.
Störung oder Unterschied
ASS ist sowohl durch Defizite als auch durch Vorteile gekennzeichnet, wodurch der Begriff «Störung» keine korrekte Beschreibung ist und als unangemessen angeschaut werden muss.
Der Begriff «Störung» kann vermutlich beschreibender und anwendbarer sein, wenn es um Personen geht, die am unteren Ende der Funktionsweise stehen. Bei hochfunktionellen Autisten jedoch scheint mir das Wort «Störung» doch ziemlich falsch zu sein. Natürlich zeigen hochfunktionelle Autisten immer noch atypische (abweichende) Reaktionen. Das Funktionsniveau hängt aber weitgehend von den Umständen und der Art und Weise ab, wie die Gesellschaft strukturiert ist. Autisten sind gezwungen, Teil der Gesellschaft zu sein, und so kann es dazu kommen dass auch bei hochfunktioellen Autisten Unterschiede erkennbar sind. Es ist aber sehr wichtig zu sehen, dass Autisten nicht von Natur aus ständig irgendwelche Unterschiede zeigen. Die Unterschiede kommen weitgehend situativ und wären im Prinzip vermeidbar. Denn wenn die Umgebung dem Einzelnen entgegenkommt, können Belastungen vermieden werden. Wenn es sehr dynamisch und laut ist, kann es zu sensorischer Überlastung und Stress führen. Darum hat die Gesellschaft eine grosse Mitschuld, wenn es Autisten nicht immer gelingt, sich in die Gesellschaft integrieren zu können. Ja, unsere Verhalten unterscheidet sich in der Regel von jenem verhalten Neurotypischer. Es sind aber oftmals nur Kleinigkeiten, welche anders erscheinen. In vielen Fällen sind Autisten den neurotypischen Menschen sogar überlegen.
Gibt man einem Autisten eine Umgebung welche ihm zusagt, wird man von seinen manchmal ungewöhnlichen Verhaltensmuster absolut nichts erkennen.
Persönlich würde ich gerne in einem Autismus-Spektrum leben, welches nicht nur als Störung definiert ist. Es gibt viel positive Aspekt des Autismus-Spektrums, welche oft übersehen werden.