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Aus der Not, um dringend benötigtes Geld für seine Broadwayproduktion «Around the World in 80 Days» zu erhalten, nannte Orson Welles dem Produzenten Harry Cohn am Telefon den Namen seines nächsten Projektes: If I Die Before I Wake. Das war der Titel auf einem Buchumschlag, den er gerade in der Telefonzelle erblickt hatte. So schilderte Welles seinem Regiekollegen Peter Bogdanovich die Geburt seines fünften Films, der später The Lady from Shanghai heissen sollte. Erzählt wird die Geschichte eines Matrosen, der einer ebenso schönen wie reichen Frau verfällt und von ihr in einen Mordfall verwickelt wird, aus dem es für ihn scheinbar kein Entkommen gibt.
Vom Studio drastisch umgeschnitten, war der Film zu seiner Entstehungszeit beim Publikum ein Misserfolg, nicht zuletzt aufgrund des radikalen Imagewechsels von Rita Hayworth, die hier die Femme fatale mit kurzen, platinblonden Haaren spielt.
«Mit The Lady from Shanghai kehrte Welles den technischen Experimenten und Neuerungen von Kane und Ambersons den Rücken. Betrachtet man lediglich Schnitt und Kamera, so ist dieser Film relativ konventionell, doch das, was hinter den Bildern steckt, ist es ganz und gar nicht. Man könnte sogar sagen, dass The Lady from Shanghai auf paradoxe Weise im Verhältnis zur Belanglosigkeit des Drehbuches der gehaltvollste Film von Welles ist: Die äussere Geschichte steht nicht länger der inneren Handlung im Wege, sodass sich deren Themen sozusagen in reinster Form entfalten können. Dabei handelt es sich um zutiefst moralische Themen, die die wesentlichen Obsessionen der Welles’schen Ethik und insbesondere ein damals aktuelles Gespür für Freiheit, zwischen Gut und Böse zu entscheiden, darlegen; das Gefühl auch, dass diese wider alle Umstände freie Entscheidung nicht ausschliesslich vom menschlichen Willen abhängt, sondern von einer modernen Form von Schicksal vorgezeichnet ist.» (André Bazin, Orson Welles, 1958)
Drehbuch: Orson Welles, frei nach einem Roman von Raymond Sherwood King
Kamera: Charles Lawton jr
Musik: Heinz Roemheld
Schnitt: Viola Lawrence
Mit: Orson Welles (Michael O'Hara), Rita Hayworth (Elsa Bannister), Everett Sloane (Arthur Bannister), Glenn Anders (George Grisby), Ted de Corsia (Sidney Broome), Gus Schilling (Goldie), Erskine Sanford (Richter), Carl Frank (Staatsanwalt), Louis Merrill (Jake), Evelyn Ellis (Bessie), Harry Shannon (Taxifahrer), Wong Show Chong (Li)
87 Min., sw, DCP, E/f, J/14
10 Min., sw, Digital HD, D/Dial