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umfasst den ganzen hintern Thalabschnitt des
Val de Bagnes u. ist durch eine 1517 angehobene und erst 50 bis 60 Jahre später
entschiedene Besitzstreitigkeit zwischen den Leuten von
Bagnes und Aosta berühmt geworden. Reicht zusammen mit den Alpweiden
von
Torrembey und
Vingt Huit von der Cascade von
Giétroz quer über das Thal bis zum Otemmagletscher und
Col de Fenêtre und wird in 5 Abschnitte geteilt, auf denen je eine
Hütte steht und die während der Zeit des Alpauftriebes
der Reihe nach vom Vieh bezogen werden. (Vergl. den Art.
Champrion). Es sind dies an der linken Thalseite: La Petite Chermontane
(1917 m), n. der Endmoräne des
Zessetta Gletschers und w. der sehr alten und merkwürdigen, kühn über
die
Dranse gespannten
Brücke von
Quart;
Auf der rechten Thalseite:
Le Lancet und
Chanrion (2410 m). Die hier
hergestellten
Käse werden sehr geschätzt und konkurrieren mit denjenigen des Bezirkes
Goms. Der als Grande Chermontane bekannte
oberste Abschnitt des ganzen Alpweidenbezirkes hiess früher
Montagne deDurand (welcher Name dem quer
über die Thalsohle sich vorschiebenden
Gletscher geblieben ist) oder ganz allgemein blos Chermontane. Diese Bezeichnung rührt
her von Cermontain, Sermontan, dem Dialektausdruck für das Laserkraut (Laserpitium), einer in den Steinregionen der
Alpen
gemeinen Umbellifere. Die Alpweide der Grande Chermontane ist ihrer Flora wegen ein den Botanikern sehr
wohl bekannte Stelle, wo neben andern Seltenheiten besonders eine Reihe von Bastarden der grossen Enziane (Gentiana purpurea,G. punctata und G. lutea) gefunden werden.
Dank der unvergleichlich günstigen Exposition gegen die
Sonne bilden 4 oder 5 der hier gelegenen
Hütten (mit denen auf dem Col de
la Pierre du
Moëllé) die höchste auch im Winter bewohnte Siedelung des Kantons.
Sogar die
Kartoffel wird hier noch gebaut.
Die von diesem
Plateau gegen den
Chaussy ansteigenden Hänge, die in Privatbesitz
sind, werden ebenfalls noch mit dem Namen Chersaulaz bezeichnet.
Unterhalb Chersaulaz steht mitten im tertiären Flysch eine
Zone fossilführender jurassischer Kalke und Schiefer (Dogger und Lias) an, die sich als zusammenhängende Steilwand vom
Bois de Mirmont über En Ondiona und Chersaulaz bis
Mourga verfolgen lassen. S. den Art.
Vers l'Eglise.
(Kt. Waadt,
Bez. Lausanne).
608 m. Gem. und Dorf, auf dem w.
Plateau des
Jorat, nahe dem rechten Ufer der
Mèbre,
an der Strasse
Lausanne-Yverdon und 7,5 km nw.
Lausanne. Station der Linie
Lausanne-Echallens-Bercher. Postbureau, Telephon.
Gemeinde: 73
Häuser, 387 reform. Ew.; Dorf: 57
Häuser, 293 Ew. Mit
Romanel surLausanne zusammen eine Kirchgemeinde.
Ackerbau;
Sägen und
Mühlen.
Kapelle der freikirchlichen Gemeinde. SW. vom Dorf modernes
Schloss. Eine ehemalige Burg wurde 1475 während
der damaligen kriegerischen Verwickelungen zerstört. Einstige
Herrschaft, im Besitze der
Herren von Cheseaux, deren erster
geschichtlich mit Sicherheit bekannte im 13. Jahrhundert gelebt hat. Die
Herrschaft ging am Ende des 14. Jahrhunderts
an
das Haus d'Oron, am Ende des 15. Jahrhunderts an das Geschlecht
La Sarraz und im 16. Jahrhundert an die alte Familie
Champion
über, die um die Mitte dieses Jahrhunderts erlosch. 1547 kam der Besitz durch Kauf an Bern,
1557 an das Geschlecht de Loys, 1769 an
die Familie de Boutes und im 19. Jahrhundert an die de
Goumoëns. Auf dem Landgute
Belair, s. vom Dorf,
entdeckte F. Troyon 1838 (oder 1840) zahlreiche bis zur Zeit Karls des Grossen reichende helvetisch-burgundische Gräber
mit Waffen und andern Gegenständen. An andern
Stellen der Gemeinde sind zu wiederholten Malen Reste römischer
Bauten (darunter ein seither zerstörter Mosaikboden) aufgedeckt worden. Heimat des Physikers und Astronomen
Jean Philippe
de Loys († 1751) und des 1815 in
Belair geborenen ausgezeichneten Archäologen Frédéric Troyon († 1866).
(Kt. Waadt,
Bez. Nyon).
533 m. Gem. u. Dorf, an der Strasse Trélex-Gingins-Crassier und am Fuss des s. Jura, 1 km s. Gingins
und 5,5 km w. der Station Nyon der Linie Lausanne-Genf. Postablage, Telephon; Postwagen Nyon-Grens-Trélex. 41 Häuser, 215 reform.
Ew. Kirchgemeinde Gingins. Ackerbau. Altes Dorf, schon im 11. Jahrhundert erwähnt. Früher mit der einst
hier gestandenen Kirche Eigentum der Abtei Bonmont. 1885 hat man einen ehemaligen Friedhof mit 20 Gräbern entdeckt; man vermutet,
dass an dieser Stelle die schon vor der Reformation verschwundene Kirche gestanden habe.
(Pointe de) oder Pointe deBécret (Kt. Wallis,
Bez. Monthey).
2250 m. Steilwandiger Felsgipfel, 1 km nw. der Alpweide und des Passüberganges
Chésery. Von da über die begrasten SO.-Hänge in 1 Stunde bequem zu ersteigen. Sehr schöne Aussicht.
Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen Aigle-Villars. 42 Häuser, 220 reform. Ew. Kirchgemeinde Huemoz. Viehzucht, Holzhandel.
Sehr stark besuchter Sommeraufenthalt mit mehreren Gasthöfen; seiner vor N.-Winden geschützten Lage
wegen seit 1898 auch Winterstation. Sehr schöne Aussicht auf Dent du Midi und einen Teil des Mont Blanc Massives. Der klassische
Ausflug von Chesières ist die Besteigung des Chamossaire, die über den Col de Saussaz (auch Col de Beaucul geheissen) oder
den Col de Soud 2½ Stunden erfordert. S. unterhalb des Dorfes mündete auf das Ufer des WildbachesBaye deGéricton ein ehemaliger Minengang aus, der mehr als 200 m lang war, in das mitten in triasischem Gips sich findende
Steinsalz getrieben war (vergl. den Art. Bex) und mit der Oberfläche durch einen heute eingestürzten und verstopften Schacht
in Verbindung stand. Am ebenfalls verschütteten Eingang zu diesem Les Vauds oder Les Vaux geheissenen
Stollen sieht man noch das Grundwerk einstiger Gebäulichkeiten.
Thal, das im N. vom öden Plateau von Fahy, im S. von Frankreich begrenzt ist. Die Landesgrenze verläuft längs den Kämmen
der Roche d'Or und der Montagne de Chèbre. Von diesen bewaldeten Höhen eilen mehrere Bäche thalwärts, die die Brunnen von
Chevenez mit reichlichem Wasser speisen und einige Mühlen treiben. Hydranteneinrichtung und Wasserversorgung
in den Häusern. In der Landschaft HauteAjoie oberhalb Chevenez entwickelt sich kein Flusslauf, da in deren durchlässigem
Boden das Wasser vorweg einsickert und erst unterhalb des Dorfes als Bach wieder zu Tage tritt, der nach O. fliesst und nach
2,3 km langem Lauf nahe der Vereinigung der Strasse von Fahy mit derjenigen von Chevenez nach Pruntrut und 300 m
oberhalb des berühmten Creugenat sich in den Sumpfwiesen wieder verliert.
Boden sehr fruchtbar; Getreide, Gemüse und Obstbäume gedeihen vortrefflich. Ackerbau, Vieh- und Pferdezucht, Uhrenmacherei
und Holzhandel. Käserei. Bruch auf vorzügliche Bausteine. Zur Gemeinde gehören auch die Höfe Théodoncourt
im N. und La Vacherie Dessous im S. Chevenez ist eine Siedelung von sehr hohem Alter: 814 Cheviniacus;
1139 Ginineum;
1221 Chivenir;
1339 Chivanney.
Vom 9. Jahrhundert an zunächst Eigentum der Abtei, dann des Kapitels Saint Ursanne, das bis 1793 die Kollaturrechte über
Chevenez ausübte.
Unter der Herrschaft der Fürstbischöfe von Basel
war Chevenez Hauptort einer grossen Bürgergemeinde
(mairie), der die DörferBressaucourt, Damvant, Grandfontaine, Roche d'Or, Rocourt und Reclère zugeteilt waren und die ihr eigenes
Gericht hatte. Sitz eines gleichnamigen Adelsgeschlechtes vom 12.-14. Jahrhundert. Die Bürgergemeinde Chevenez ging der
Reihe nach von den Grafen de Ferrette an die Grafen von Montbéliard, 1281 an den Bischof von Basel,
dann wieder
an die Grafen von Montbéliard und 1474 an den Fürstbischof von Basel
über, in dessen Besitz sie bis 1793 verblieb.
Hatte im 30jährigen Krieg viel zu leiden; wurde von den Schweden ausgeplündert und darauf durch Hungersnot zur Hälfte
entvölkert. Zur Zeit des Bauernaufstandes 1730-40 spielte das Dorf eine grosse Rolle als Heimat des zugleich
mit Pierre Péquignat, der Seele des Aufstandes, in Pruntrut hingerichteten Führers JeanPierre Riat. 1764 zerstörte eine Feuersbrunst 45 Häuser
des damals schon grossen Dorfes. Die dem h. Moritz geweihte Kirche 1842 umgebaut; sie enthält prachtvolle
Glasmalereien. Am Dorfeingang schöne Kapelle, 1420 erbaut und 1783 wiederaufgerichtet. 1842 entdeckte man grosse Sarkophage.
Römische Niederlassung bei der Lokalität La Citadelle. S. vom Dorf, im Baumgarten des letzten Hofes verborgen, steht ein viereckig
behauener Stein, die sog. Pierre du Sacrifice, den man als einstigen Opferstein der Druiden anspricht.
(Kt. Wallis,
Bez. Conthey,
Gem. Ardon). 1740 m. Alpweide mit Hütten, im Hintergrunde des von der Chevelentze
durchflossenen Thales, unterhalb des Col oder Pas de Cheville und s. der grossen Bergsturztrümmer der Diablerets. Beim Abstieg
vom Pass zu den Hütten überschreitet man die schiefrigen Neocomkalke mit Kephalopoden, in denen viele Ammoniten, Belemniten
etc. gefunden wurden. S. über den Hütten reichen bis zum Fuss der Tête Pegnat (2593 m) die sog. Lapiers
(Karrenfelder) de Cheville, eine der an Formen und Anzahl reichsten Fundstätten von Fossilien in den Alpen.
Beim Aufstieg von den Hütten aus quert man der Reihe nach die alle beinahe senkrecht aufgerichteten und meist
fossilführenden Schichten der Nummulitenkalke, des Cenoman, Vraconnien, Albien, Rhodanien, Urgon und Hauterivien. Besonders
reich ist das Vraconnien (oder oberer Gault) an Versteinerungen, die meist sehr gut und manchmal noch mit ihrem Steinkern
erhalten sind. Die von Prof. Renevier verfasste Monographie der Waadtländer Hochalpen zählt von dieser und einigen benachbarten
Fundstätten 46 Spezies aus dem Cenoman, 253 aus dem Vraconnien und 56 aus dem Albien auf. Die Hütten
von Cheville liegen an der grossen Kontaktlinie der von Derborence längs des NW.-Fusses des Argentine bis Javernaz verlaufenden
Schichtenreihe in umgekehrter Lagerung mit den normal gelagerten Schichten.
der Stadt, hat Genf
ein Stauwerk mit Schleuse und ein grosses Wasserwerk erbaut.
Die Arbeiten begannen im Januar 1893 und waren
im Dezember 1895 beendigt. Es sind daselbst 15 Doppelturbinen in Betrieb, deren jede durchschnittlich 800 HP, bei hohem Wasserstand
sogar bis zu 1200 HP zu liefern im Stande ist.
Während der O.-Hang eine sanft ansteigende Hochfläche darstellt, fällt der
Pass nach W. mit senkrechter Felswand von ca. 50 m Höhe ab.
Der hier über ein schmales, stark geneigtes und genügender Anhaltspunkte
oft entbehrendes Felsband führende Weg, eine sog. vire, bietet der Ueberwindung ernstliche Schwierigkeiten und wird in der
Regel nur mit Hilfe des Seiles begangen.
(Vire aux) (Kt. Waadt
und Wallis).
1700-2000 m. Sehr steiler Fusspfad, s. der Diablerets, führt vom Fuss
des Ecuellaz zum Fuss der Lapiers de Cheville und verläuft fast beständig auf den Köpfen der hier beinahe senkrecht stehenden
und oft sogar etwas überkippten Nummulitenschichten.
(Kt. Waadt,
Bez. Lavaux).
592 m. Gem. und Pfarrdorf, mit zerstreut gelegenen Häusern, an der Strasse Vevey-Moudon, mitten in
der Hügelgegend der Nagelfluh von Lavaux, die am Cohan in einer Reihe von Stufen zum Genfersee abbricht;
am W.-Hang des Mont Pélerin und über der obern Grenze des Weinbaubezirkes; 3,7 km ö. Cully, 2 km von der Station Chexbres-Puidoux
der Linie Lausanne-Bern, 1 km von der Station Rivaz der Simplonbahn und 5,5 km nw. Vevey. Chexbres-Puidoux ist
mit Vevey seit kurzem durch eine eigene Linie verbunden, die das Dorf Chexbres durchzieht. Durch den Weinbaubezirk Lavaux führt
eine neue Strasse nach Cully, Aussichtspunkt der Corniche du Léman. Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen Vevey-Station
Chexbres-Puidoux. Gemeinde, mit dem WeilerMonteiller: 162 Häuser, 1085 reform. Ew.; Dorf: 133 Häuser, 913 Ew. Bildet
zusammen mit Puidoux eine Kirchgemeinde. Fremdenstation, mit sehr ausgedehntem Niederblick auf den See. Schöne Kirche, vor
wenigen Jahren restauriert. Signal in 661 m. Chexbres ist eine sehr sehr alte Siedelung und soll der Ueberlieferung nach auf
der Abtei St. Moritz im Wallis
gehörendem Boden an Stelle des Dorfes Glérolles entstanden sein, das durch die
vom Bergsturz des MonsTauretunum erregte Flutwelle des Genfersees im Jahr 563 zerstört wurde. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts
spielte Chexbres eine bedeutende Rolle. 1810 von der politischen und Kirchgemeinde Saint Saphorin abgetrennt. 1072: Chibriacum;
1134-1312: Chebri; 1454: Cheibri; 1562: Cheybres. Steinbeil und Bronzemesser. Römische Ruinen und Münzen.
Nahe der Kirche von Puidoux ein Burgunderfriedhof.
Pfahlbauten aus der neolithischen Zeit und zahlreiche Altertumsfunde bezeugen das hohe Alter der Siedelung.
Cheyres war einst eigene Herrschaft, die später mit der von La Molière vereinigt wurde u. im 16. Jahrhundert Heinrich von
Praroman, aus dem in Lausanne ansässigen Zweige dieser Freiburger Familie, zu Eigen war. 1704 kaufte Freiburg
die Hoheitsrechte um den
Preis von 52582 alten Franken. Gehörte zur Kirchgemeinde Yvonand; als diese zur Reformation übertrat,
Cheyres aber beim alten Glauben verblieb, wurde es davon abgetrennt und zur eigenen Kirchgemeinde erhoben.
Kirche 1484 erbaut, 1747 umgebaut. 1876-99 amtete hier der durch seine zahlreichen historischen Arbeiten bekannte Pfarrer
François Louis Jeunet. 1778 entdeckte Landvogt Castella nahe dem Dorf einen seither leider zerstörten,
prachtvollen Mosaikboden von 24 m2 Fläche, dessen 800000 kleine Steinwürfel zu einem vielfarbigen Bilde des die Tiere
durch sein Spiel anziehenden Orpheus zusammengestellt waren. Wenig später fanden sich noch einige kleinere Mosaiken und
Münzen aus der Zeit Vespasians. Burgundergräber bei Les Crottes. Die von einem Sagenschleier umwobene Quelle
der Bonne-Fontaine erinnert an einstigen Druidenkult. Heute steht an ihr eine stark besuchte Wallfahrtskapelle.
1145 m. 2 Häuser, an der Grenze gegen Frankreich und 3 km nw. der Station Les Verrières
der Linie Neuenburg-Pontarlier. 20 reform. und kathol. Ew. Das eine der Häuser ist Grenzwachtposten, das
andere ein Bauernhaus mit Wirtschaft und kleiner Spezereihandlung.