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Endlich ist es soweit: Der Accent circonflexe wird – wenigstens teilweise – abgeschafft! Dafür sorgt die im Herbst in Kraft tretende neue, französische Rechtschreibung. Gut für alle Schüler. Seit Jahrhunderten plagte sie das komplizierte Dächli.
Wo kommt das Dächli zum Einsatz?
Immer wieder stellt sich die Frage: Schreibt man dieses Wort mit Circonflexe, Grave oder doch mit einem Aigu? Während die beiden Letzteren bestehen bleiben, wird dem komischen Dächli den Garaus gemacht. Allerdings bleibt es, wenn es zur Unterscheidung von gleichlautenden Wörtern mit unterschiedlicher Bedeutung dient. Etwa beim Wort «sûr», wenn es «sicher» bedeutet. Im Rahmen der neuen, französischen Rechtschreibung sollen insgesamt nur 2400 Wörter, also vier Prozent, geändert werden.
Mehr Logik
Die neue Rechtschreibung sorgt laut «BaZ» für mehr Logik. Das Substantiv «combativité» (Kampfgeist) beispielsweise wird in Zukunft mit zwei t geschrieben. Es ist vom Verb «combattre» abgeleitet. «Combat» hingegen wird weiterhin mit nur einem t geschrieben. Aus «porte-monnaie» wird «portemonnaie», aus «week-end» sinnvollerweise «weekend» – der Bindestrich fällt weg.
«Je suis circonflexe»
Wenn es bei der neuen Rechtschreibung nicht gerade um eine weitere Französische Revoulution handelt: Die Teilabschaffung des Circonflexe sorgt in den sozialen Medien für Wirbel. Die Bewegung «Je suis circonflexe» ist bereits auf dem Vormarsch. Auch der Doyen der französischen Literatur und Mitglied der Académie française Jean d'Ormesson (90) mischt sich in die Diskussion ein. Sein Kommentar: «Wir können die Orthografie reformieren, wenn es im Land wirtschaftlich wieder aufwärtsgeht.»
Missverständnis
Offenbar handelt es sich bei der Angelegenheit um ein Missverständnis. Tatsächlich wollen Verlage lediglich ab dem nächsten Schuljahr in Grundschulbüchern eine Sprachreform konsequenter umsetzen, die bereits 1990 beschlossen wurde.
Damals wurde mit dem Segen der altehrwürdigen Académie française eine Vereinfachung der französischen Schriftsprache beschlossen. So sollten Bindestriche innerhalb von Wörtern entfallen und manche Wörter einfacher geschrieben werden - die Zwiebel etwa «ognon» und nicht mehr «oignon».
In bestimmten Fällen sollte schliesslich auch der Accent circonflexe wegfallen: Bis auf wenige Ausnahmen über dem «i» und dem «u», nicht aber über dem «a» und dem «o». Verbindlich waren diese Änderungen nie - es handelt sich lediglich um die empfohlene Schreibweise, die aber im Alltag wenig befolgt wird.
Den Wirbel, den die vermeintliche Verbannung des Akzentes aus der französischen Schriftsprache auslöste, sorgte deswegen bei Experten für Erstaunen. «Das ist seit mehr als 25 Jahren die offizielle Schreibweise der Republik», sagte ein Verantwortlicher der Schulbehörden. «Das überraschende ist die Überraschung.» (SDA/lcb)Publiziert am 17.02.2016 | Aktualisiert am 18.02.2016