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Diese Frage zielt gewöhnlich darauf ab, den Unterschied zwischen einem Dialekt und dem, was man Sprache nennt, zu bestimmen. Zur Beantwortung dieser generellen Frage muss etwas weiter ausgeholt werden.
Wenn wir den Terminus Dialekt für die einer Sprechergruppe gemeinsame Sprachvarietät verwenden, dann setzen wir diese Varietät in der Regel in Bezug zu einer andere Sprachform, von der der Dialekt als eine Art Variante abgegrenzt wird. Dialekt bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch eine besondere räumliche Ausprägung einer grösseren zusammengehörigen Sprachgemeinschaft. So wird etwa das Bairische als ein Dialekt des Deutschen, das Kalabresische als ein Dialekt des Italienischen angesprochen. Dabei sind das Deutsche, das Italienische etc. in ihrer Funktion als Schriftsprache oder Standardsprache angesprochen.
Deutsch könnte aber auch einfach als Überbegriff über verschiedene verwandte Dialekte gemeint sein, wie das in älterer Zeit, als es noch keine gemeinsame Schriftsprache gab, grundsätzlich der Fall war. So spricht man allgemein bei nicht verschrifteten, oft exotischen Sprachen dann von verschiedenen Dialekten, wenn sie sich nur in wenigen Merkmalen, z.B. im Wortschatz und bestimmten Lautmerkmalen, unterscheiden. In diesem Fall wird meistens die gegenseitige Verständlichkeit als Kriterium, ob man noch von Dialekten oder schon von Sprachen spricht, herangezogen. Bei einem Dialektkontinuum, bei dem sich die Extremgebiete nicht mehr verstehen, stellt sich dann die schwierige Frage der internen Abgrenzung.
Die Gegenüberstellung, die wir mit Blick auf die europäischen Sprachgemeinschaften aber gewöhnlich im Kopf haben, wenn wir einer sprachlichen Varietät Dialektcharakter zusprechen, ist eher diejenige gegenüber einer verwandten überdachenden Standardsprache. In diesem Fall wäre das Entscheidende, dass der Dialekt keine standardsprachlichen Funktionen hat, d.h. zumindest nicht schriftlich für Verwaltung und Sachliteratur gebraucht wird. Auf diese gewissermassen vertikale Abgrenzung bezieht sich der oft zitierte Ausspruch, eine Sprache sei ein Dialekt mit einer Armee und einer Flotte. Er geht wohl auf Max Weinreich zurück, den bekannten Jiddisten, der die Aussage auch auf das Jiddische bezogen hatte. Hiermit ist gemeint, dass es eher politische Kriterien sind, die einer Sprachvarietät den Charakter einer Sprache verleihen.
Gewisse sprachliche Unterschiede, ein sogenannter sprachlicher Abstand muss zwar vorhanden sein, damit eine sprachliche Varietät sinnvoll als eigene Sprache angesprochen werden kann. Wie gross diese Unterschiede sein müssen, lässt sich aber nicht exakt bestimmen. Und auch umgekehrt lässt sich kaum sagen, ab wann genau der sprachliche Abstand gegenüber einer Schriftsprache zu gross ist, um noch von einem Dialekt sprechen zu können. Rein sprachliche Kriterien, die es erlauben würden, einen Dialekt im Gegensatz zu einer (Standard-)Sprache zu definieren, gibt es nach weitverbreiteter Ansicht jedenfalls nicht.
Bei einem entsprechenden politischen Willen kann daher jede sprachliche Varietät zu einer eigenen Sprache, im Sinne von Schriftsprache/Standardsprache, ausgebaut werden. Das ist etwa beim Luxemburgischen der Fall, das seit einiger Zeit auf der Basis der vorhandenen sprachlichen Unterschiede zum Standarddeutschen als Nationalsprache ausgebaut wird. Die schriftsprachlichen Funktionen des Lëtzebuergeschen sind zwar noch eingeschränkt, es hat sich aber eine einigermassen einheitliche Variante, eine sogenannte Koiné, herausgebildet, von der etwa beim Unterricht für Fremdsprachige ausgegangen wird.
In gleicher Weise könnte also das Schweizerdeutsche durchaus zu einer eigenen Sprache ausgebaut werden, Tendenzen zur Vereinheitlichung und Normierung lassen sich hier aber kaum ausmachen. Eher spricht man daher im Falle des Schweizerdeutschen aufgrund der vielfältigen Funktionen, die die gesprochenen Dialekte übernehmen, von einem Ausbaudialekt. Die Besonderheit des Schweizerdeutschen liegt also weniger im sprachlichen Abstand von der Schriftsprache, der auch bei anderen deutschen Dialekten gleich gross sein kann, sondern in den Regeln des allgemeinen mündlichen Gebrauchs.