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Körpereigenes Cannabis zeigt Fehlgeburtrisiko an
Eine hohe Konzentration von Anandamid im Blut lieferte in einer Pilotstudie im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA recht eindeutige Hinweise auf eine bevorstehende Fehlgeburt.
Anandamid gehört zu den Endocannaboiden, also zu jenen Substanzen, die im Gehirn an den gleichen Rezeptoren wirken wie THC (Cannabis, Hanf, Marihuana). Dies bedeutet allerdings nicht, dass Anandamid nur als Droge im Gehirn fungiert. Es wird eine Reihe von Aufgaben ausserhalb des Gehirns diskutiert. Dazu scheint auch der weibliche Fortpflanzungzyklus zu gehören. Schon vor Jahren fand der britische Gynäkologe Justin Konje von der Universität Leicester heraus, dass die Anandamidkonzentration vor der Ovulation ansteigt, danach aber wieder abfällt.
Auch während der Schwangerschaft sind die Serumkonzentrationen niedrig. Sie steigen aber vor der Geburt deutlich an. Bei Frauen mit drohender Fehlgeburt werden vierfach höhere Konzentrationen gemessen als bei Frauen, die ihre Schwangerschaft austragen. Dieser Umstand soll in Zukunft für einen Test genutzt werden. In einer Pilotstudie wurde die Amantamidkonzentration bei 45 Frauen bestimmt, die wegen eines drohenden Aborts die Klinik aufsuchten. Lagen die Werte über einem (in der Studie bestimmten) Grenzwert, kam es immer zu einem Abort. Bei niedrigeren Werten konnte ein Erhalt der Schwangerschaft zu 94 Prozent vorhergesagt werden.
Der Wert einer Anandamidbestimmung lässt sich zwar auf der Basis der kleinen Studie noch nicht abschätzen, zumal der Grenzwert im Nachhinein festgelegt wurde. Ausserdem ist der Nachweis von Anandamid schwierig. Die Testergebnisse liegen derzeit erst nach 12 Stunden vor, wenn sie bei vielen Frauen schon entschieden hat, ob es zum Abort kommt oder nicht. Die Forschergruppe arbeitet jedoch bereits an einem Schnelltest, der innerhalb von 10 bis 15 Minuten Entscheidungen über weitere therapeutische Massnahmen zum Erhalt der Schwangerschaft erlauben.
Geplant ist ausserdem eine grössere prospektive Studie. Sollten diese die hohe Sensitivität und Spezifität bestätigen, könnte der Nachweis von Anandamid zum besten Screeningtest bei drohender Frühgeburt werden.
Quelle: O. M. H. Habayeb, et al.: JAMA 2008; 299: 1135-1136
Stand: 03/08, BH