Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/119988

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten aufzuzeigen, wie der aktuelle internationale Vorsprung der Schweiz bezüglich ökologischer Saatgutzüchtung für die bei uns gebräuchlichen Nutzpflanzenarten sichergestellt und somit die Ernährungssouveränität gewährleistet werden kann. Zudem ist er gebeten aufzuzeigen, wie dieses Anliegen in die Agrarpolitik 2014-2017 integriert werden kann.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Dem Bundesrat ist es ein Anliegen, dass für jedes Anbausystem Sorten zur Verfügung stehen, die Ertrag, Verwendungseignung, Nährstoffausnutzung, Pflanzengesundheit und Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten bestmöglich kombinieren und die den Herausforderungen des Klimawandels wirksam begegnen. Solche Sorten stehen sowohl aus "ökologischer" als auch aus "konventioneller" Züchtung zur Verfügung.</p><p>Schweizer Pflanzenzüchtungen sind Teil eines nachhaltigen Ernährungssystems. Schweizer Sorten werden bei rund 20 landwirtschaftlichen Pflanzenarten gezüchtet. Die Programme des Bundes zur Züchtung neuer Sorten an den Forschungsanstalten von Agroscope konzentrieren sich auf Weizen, Soja, Futterpflanzen (Klee- und Gräserarten), Obst (Apfel, Aprikose), Weinreben sowie Medizinal- und Aromapflanzen. Diese Züchtungsprogramme - teilweise unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus durchgeführt - berücksichtigen bereits heute ökologische Gesichtspunkte und messen dem effizienten, nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen und Ressourcen hohe Bedeutung bei. Konkret äussert sich dies in Zuchtzielen wie der Ausnutzung von Resistenzeigenschaften gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Weiter existieren private Zuchtprogramme bei Weizen, Dinkel, Triticale, Mais, Sonnenblumen, Erbsen und Gemüsearten, welche unter ökologischen Anbaubedingungen arbeiten. Der Bund unterstützt die inländische Saatgutproduktion mit Direktzahlungen sowie bei Kartoffeln, Mais und Futterpflanzen zusätzlich mit Anbaubeiträgen.</p><p>Bei Kartoffeln, Gerste, Hafer, Roggen, Raps und Zuckerrüben gibt es keine Züchtung in der Schweiz. Mit dem freien Zugang zu den Sorten des gemeinsamen Sortenkatalogs der EU steht heute - neben den Sorten aus der Schweiz - eine grosse Auswahl von geeigneten Sorten aus dem EU-Raum direkt zur Verfügung. So sind bei Kartoffeln rund 1300 ausländische Sorten handelbar. Davon werden momentan 28 geeignete Sorten nach sorgfältiger Prüfung ihrer Anbau- und Verwendungseignung in der Schweiz von der Branchenorganisation Swisspatat empfohlen. Bei Winterweizen, der mit grossem Abstand wichtigsten Getreideart, ist eine steigende genetische Diversifizierung feststellbar: Laut dem Saatgutproduzentenverband Swisssem war im Jahr 2000 der Marktanteil von 4 Sorten über 80 Prozent, insgesamt wurde Saatgut von 14 Sorten verkauft. Im Jahr 2010 teilten sich 14 Sorten 80 Prozent des Marktes auf, bei insgesamt 40 verkauften Sorten. Hinsichtlich der Saatgutverfügbarkeit ist die Schweiz Selbstversorgerin bei Getreide und Kartoffeln. Bei Arten ohne schweizerische Saatgutproduktion (z. B. Raps, Sonnenblumen, Zuckerrüben, Gemüsearten) sind keine Probleme in der Saatgutversorgung aus dem EU-Raum absehbar.</p><p>Der Bundesrat hat die Botschaft zur Agrarpolitik 2014-2017 verabschiedet. Er zeigt darin auf, wie der Beitrag der Landwirtschaft zur Versorgungssicherheit und die Ernährungssouveränität der Schweiz weiterhin gewährleistet und umgesetzt werden sollen. Im Rahmen der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2014-2017 wurden keine gewichtigen Forderungen nach einer zusätzlichen Unterstützung der Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion eingebracht.</p><p>Der Bundesrat verfolgt den nationalen und internationalen Saatgutmarkt. Mittelfristig sind für ihn in Europa kaum Risiken in der Sortenverfügbarkeit und Saatgutversorgung absehbar, die die Ernährungssouveränität gefährden würden.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.