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Seit dem 16. Jahrhundert war es üblich geworden, ein Landgut zu besitzen. Die Mode war durch die zahlreichen vornehmen Religionsflüchtlinge eingeführt worden. Der Landbesitz repräsentierte das Ansehen des Geschäftsherren. Als um 1710 eine wirtschaftliche Blütezeit neuen Reichtum in die Stadt brachte, entstanden die vornehmen Landhäuser, die zum Teil noch heute erhalten und bewohnt sind. Manche von ihnen lagen gleich vor den Toren der Stadt; heute hat sie die wachsende Stadt überholt. Die grössten Güte lagen vielfach zerstreut in der näheren und weiteren Umgebung, wie das Schloss Bipp der Stehlin, der Obere Bilstein oder der Wildenstein der Vischer, der Untere Bilstein der Wieland, die Marchmatt und der Rechtenberg der Sarasin oder das Gundeldinger Schlösschen J.J. Bachofens am Fusse des Bruderholzes. Ein noch erhaltenes Kleinod der Basler Landhausarchitektur ist die Sandgrube an der Riehenstrasse, das 1735 erbaut worden ist. Martin Bachofen erbaute 1776 den Ebenrain bei Sissach. Er war der erste Basler, der ausser dem geometrisch angelegten Ziergarten im Goldenen Schnitt einen englischen Park mit prächtigen Bäumen zwischen weiten Wiesenflächen anlegte.
Neben diesem schlossartigen Baustil gab es das Landhaus, das die Herrschaftswohnung mit der des Lehenmanns unter einem Dach vereinigte. Stuben und Küche der Herrschaft waren nicht anderes angelegt als die des Bauern. Meistens aber kam noch ein grosser Saal dazu, in dem man musizieren, arbeiten und Feste feiern konnte. In der Mehrzahl waren die Landhäuser altmodisch eingerichtet. Sie nahmen den alten Hausrat in sich auf, wenn im Stadthaus ein Zimmer oder eine Wohnung neu eingerichtet wurde. Man lebte behaglich, aber bewusst einfach. Elektrisches Licht und Wasserleitung waren bis um 1900 noch lange nicht überall nicht eingerichtet. Das Hauspersonal schleppte täglich in einer hohen Bückte das Trinkwasser vom Brunnen in die Küche und die Schlafzimmer.
Der Verkehr mit dem Landgut riss das ganze Jahr nicht ab; denn die ertragbringende Bewirtschaftung der Güter war eine wichtige Angelegenheit und bildete einen Teil des Einkommens. Der Kutscher spannte des öfteren den Zweispänner an. Der Lehensmann verwaltete die grossen Güter der hablichen Basler, und eine Pächterfamilie schaute zum Rechten. Diese war auch die grösste Anziehung für die Kinder, denn die Pächtersleute waren im Alter der Eltern und ihre Kinder Spielgenossen. Man half Gemüse richten und bei anderen ländlichen Beschäftigungen oder liess sich von der Pächtersfrau Geschichten erzählen. Aber auch die erwachsene Jugend beteiligte sich mit Vorliebe an den mannigfachen Geschäften der Ernte.
Man zog im frühjahr mit Sack und Pack aufs Land und blieb dort bis in den Herbst. Dazu kam ein Wagen vom Lehenmann vor das Stadthaus gefahren (was früher das Posthaus war). es wurden gewisse Möbelstücke, die man zur Behaglichkeit zu brauchen meinte, besonders Küchengerät, Bettzeug und Kisten aufgeladen, obwohl die Häuser vollkommen eingerichtet waren. Im Herbst war der Rückzug noch eindrucksvoller. Dann kamen alle Konfitüren, Marmeladen und Kompotte mit, die man im Laufe des Sommers emsig eingemacht hatte. Dieser zweimalige, wohl vorbereitete und lange voraus bedachte Umzug war für die Basler Hausfrau wiederum ein wichtiges Ereignis. Beide Male galt es, ein monatelang unbewohntes Haus in wochenlanger Putzerei bewohnbar zu machen. Die Putzfrauen wurden aus der Stadt aufs Land gebracht. Über die Sommermonate musste der Betrieb im Stadthaus richtig eingefädelt sein, damit auch in Abwesenheit der Hausfrau alles am Schnürchen lief und für den Gatten und die schulpflichtigen Kinder, die tagsüber zur Stadt fuhren, dort gesorgt war. Daher wurde einer bewährten Magd die Aufsicht über das Stadthaus überlassen.
Wie behaglich und glückselig das Leben auf dem Lande war, wird im Bericht "D'Grossmamme Saresi" schön berichtet: "Unter dem breiten, ausladenden Dach lagen die Bauernstuben und Herrschaftsräume schön nebeneinander und übereinander geschichtet, daneben die Ställe und Scheunen, und alles beschirmt von mächtigen Pappeln, wohl die schönsten und mächtigsten im ganzen Baselbiet. Das Haus stand auf einer sanften Erhöhung, mitten im Grünen, und wo man hin sah, waren saftige Matten, sanft schlängelnde Wege, breite Landstrassen, kleine Buchenwälder, wogende Ährenfelder, grosse und kleine Bauernsitze, alles in allem ein lieblicher Anblick. Die Marchmatt war ein grosses Haus mit viel Luft und viel Licht und sieben geräumigen Schlafzimmern, die ländlich reizvoll eingerichtet waren mit den geblumten Deckbetten und Vorhängen, den breiten Gesimsen und einem dunkelgrünen Kachelofen, den man besteigen konnte. (...) Ja, es war alles ganz anders als im gewöhnlichen städtischen Dasein. Butter und Honig zum Frühstück, das war festlich; aber auch die Andacht war auf diesen Ton gestimmt."
Den ganzen Sommer über hatte man zahlreichen erwarteten und unerwarteten Besuch auf dem Land. Von den umliegenden Gütern kamen die Gäste unvorhergesehen und unangemeldet. Die Gäste wurden auf der grossen Terrasse, im Gartensaal oder Peristyl empfangen, wo es noch in der ärgsten Hitze schön luftig war. Man trank gemeinsam Tee, strickte oder machte eine kunstvolle Handarbeit. Die Kutscher spannten aus; die Pferde bekamen Hafer, und die Kutscher wurden währschaft verpflegt, auch wenn es sich um eine ganz kurze Fahrt vor die Stadt handelte. Die Hausfrau liess sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen, wenn viele unerwartete Gäste kamen. Sie liess einfach den Esstisch vergrössern und mehr Gedecke auflegen. Die Verpflegung machte kein Kopfzerbrechen. Alles was man brauchte, hatte man zur Hand: Milch, Rahm, Honig, Butter, Gemüse, Eier, Erdbeeren, Himbeeren, die köstlichen Baselbieter Kirschen und den ganzen Ernteertrag des Herbstes wie Kartoffeln, Äpfel, Birnen, Trauben, Nüsse, Haselnüsse. Dazu kam das duftende Schwarzbrot und der Käse, Albertbiskuits und köstlichen Himbeer- oder Quittensaft.
Nicht nur vermögende Familien besassen Landgüter; auch im mittleren Bürgerstand hatte manche Familie ein kleine Gut vor den Toren der Stadt, und wer kein Gütlein hatte, konnte billig ein Stück Land vom Stadtgraben mieten. Wie es in den 1860er Jahren auf einem solchen Gütlein aussah und zuging, das hat Th. Meyer-Merian geschildert: "Das Gütlein bestand gewöhnlich aus einem einstöckigen Gartenhäuslein (Rebhäuslein), daran die Treppe aussen herauflief nach einem Zimmer oder Nebengemächlein. Unten fand sich neben der kleinen Küche ein Raum zum Aufbewahren der verschiedenen Gerätschaften, bisweilen noch eine Kelter. Zu den Häuslein gehörten ungefähr ein oder anderthalb Morgen Landes (Basler Mass), teils mit Reben bepflanzt, teils zu einem Gemüse- oder Blumengarten hergerichtet. Dort wurde jede freie Stunde zugebracht. Man ging abends nach der Arbeit hinaus und sonntags nach den Gottesdiensten. So gehörte das Gütlein nicht bloss in den Stadtbann, sondern auch in das Leben der Stadt. Bis zu zwanzig Personen konnten in der Stube hinter dem wohlbestellten Tisch sitzen. Die Wände waren getüncht, mit zahllosen kleinen Bilderrähmchen behangen. Vor dem Rebhäuschen, unter Platanen, bildeten Tische, lange Bänke bei gutem Wetter den gewöhnlichen Aufenthalt. Von hier lief ein breiter Kiesweg nach einer Kornelkirschlaube, dem Kabinettchen."