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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

22. Buch
15. Werden alle Toten mit einem Leibe von dem Maß des Herrnleibes auferstehen?
Doch ist jedenfalls Christus in gleicher Körpergröße auferstanden, wie er gestorben ist, und man darf auch nicht sagen, daß sein Leib zur Zeit der allgemeinen Auferstehung zu einer Größe wachsen wird, die er nicht gehabt hat, als er seinen Jüngern in der ihnen bekannten Gestalt erschien; er wird also nicht den Größten gleich sein. Nehmen wir aber an, daß auf das Maß des Herrnleibes auch alle größeren Leiber gebracht werden, so wird von den Leibern vieler ein beträchtlicher Teil verloren gehen, während doch der Herr selbst zugesagt hat, daß nicht einmal ein Haar verloren gehe. Es bleibt also nur übrig anzunehmen, daß jeder sein eigenes Körpermaß zurückerhalten wird, das er in der Jugend gehabt hat, mag er auch als Greis gestorben sein, oder das er erreicht hätte, wenn er nicht vorher gestorben wäre; wir müssen dann das, was der Apostel von dem Vollmaß des Alters Christi sagt1 , entweder auf etwas anderes beziehen, etwa darauf, daß das Maß seines Alters voll wird, wenn zu dem Haupt in den christlichen Völkern die Vollendung aller Glieder hinzutritt, oder wir haben die Worte, falls sie von der Auferstehung des Leibes gelten, dahin zu verstehen, daß die Leiber der Verstorbenen nicht in unter- und nicht in überjugendlicher Form auferstehen werden, sondern nach Alter und Kraft in der Form, bis zu welcher Christus hienieden gelangt ist2 ; wie es ja denn auch nicht heißt: zu dem Leibesmaße oder zu dem Maß der Körpergröße, sondern „zum Vollmaß des Alters Christi“.
1: Eph. 4, 13.
2: bis zum dreißigsten Jahre lassen ja auch die weltlichen Gelehrten die Jugend reichen; ist sie am Ende des ihr zugeteilten Zeitraumes angelangt, so beginnt es auch schon abwärts zu gehen mit dem Menschen zu bedächtigerem und zu greisenhaftem Alter