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Die Zürcher Kantonalbank engagierte sich in den 1920er Jahren in Deutschland, Österreich und Osteuropa, weil dort die Geld- und Kapitalmarktzinsen höher lagen als in der Schweiz. Viele kleinere und vor allem grössere Banken taten es ihr gleich, zumal die Schweiz auch einen klaren Sparüberschuss auswies. Mit dem Stillhalteabkommen von 1931 wurden jedoch in Deutschland die Schweizer Guthaben von rund 1,2 Milliarden Franken eingefroren. Die Zürcher Kantonalbank hatte bei verschiedenen deutschen Finanzinstituten eher bescheidene 6,5 Millionen Franken investiert. Trotzdem «bescherte diese Tatsache der Bankführung einiges Kopfzerbrechen», wie Andreas Russenberger in seiner Lizenziatsarbeit über die Zürcher Kantonalbank in der Zwischenkriegszeit schrieb. Wäre die Stundung von Aktiven bekannt geworden, hätte sich die Bankleitung schnell mit Vorwürfen konfrontiert gesehen. Kredite durften laut Vorschrift nur an «sichere» Banken und Unternehmen gewährt werden. Ein Bankrat formulierte es in der Sitzung vom 11. August 1931 so: «Wenn wir im Ausland irgend etwas verlieren müssten, so würde das in der Bevölkerung arg Staub aufwirbeln. Die würden sagen, uns hat man das Geld, das wir bedurften, nicht gegeben, dafür hat man es in riskanten Geschäften im Ausland angelegt.»
Heikles Engagement in Deutschland
Auch die Zürcher Kantonalbank wollte in der Zwischenkriegszeit von den höheren Zinsen in einigen ausländischen Staaten profitieren. Als die investierten Gelder jedoch blockiert wurden, hatte sie plötzlich ein grosses Problem: Neben Verlusten drohte auch eine Beschädigung ihres guten Rufs.
Wichtige Rolle als Stabilisator
Die Zürcher Kantonalbank galt in der schweren Bankenkrise der 1930er Jahre als Fels in der Brandung, was die Lage auch aus psychologischer Sicht besonders heikel machte. Ein weiterer Vertrauensverlust gegenüber einer führenden Bank hätte sehr ernsthafte Auswirkungen auf den ganzen Schweizer Finanzplatz gehabt. Es gelang der Bankführung in der Folge, die «morbiden» Positionen still und leise abzubauen, etwa durch Umschuldung oder effektive Rückzahlung in «Registermark», die jedoch nur mit einem Abschlag handelbar war. Die taktische Stossrichtung, wie sie im Mai 1936 im Bankrat umschrieben wurde, ging auf: «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.» Es entstanden zwar Verluste, aber ohne Schlagzeilen in der Öffentlichkeit.
Titelbild: Epizentrum des Zürcher Finanzplatzes: Paradeplatz, 1928.