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Methodisten weltweit vor Entscheidungen zum Umgang mit unterschiedlicher Bewertung der Homosexualität
April 26, 2019
(Originalbeitrag 14. Dezember 2018)
Das höchste gesetzgebende Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), die Generalkonferenz, tagt vom 23.-26. Februar 2019 mit rund 850 Delegierten aus der ganzen Welt in St. Louis (USA). Die Beratungen fokussieren auf den Umgang mit unterschiedlichen Einschätzungen der Homosexualität. Die Entscheidungen haben Auswirkungen auch für die Methodist/innen in der Schweiz.
Die ausserordentliche Tagung der Generalkonferenz, des höchsten gesetzgebende Gremiums der EMK, wurde vom Bischofsrat der weltweiten EMK einberufen, um den Bericht der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» zu Fragen der Homosexualität entgegenzunehmen und darüber zu beschliessen, wie die Kirche mit den seit Jahrzehnten anhaltenden Auseinandersetzungen um diese Frage umgehen kann.
Jede Jährliche Konferenz (Synode) der Methodisten weltweit kann mindestens zwei Delegierte an die Tagung der Generalkonferenz entsenden oder ein Vielfaches davon, wenn sie grösser ist. Immer besteht die Delegation paritätisch aus Laien und Pfarrpersonen. Aus der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, deren Bischof Patrick Streiff ist und zu der die Schweiz gehört, werden insgesamt 14 Delegierte an die Generalkonferenz reisen, für ganz Europa und Eurasien sind es total 40, für die Philippinen 52, für ganz Afrika 258 und aus den USA 504.
Drei Modelle für die Zukunft liegen vor
Der Bericht der Kommision «Ein Weg in die Zukunft» (PDF, engl.), der der Generalkonferenz vorliegt, beschreibt zunächst die Aufgabenstellung und Vision sowie Gedanken zur Grundlegung der Arbeit (vgl. Textauszüge unter dem Beitrag). Die Kommission hat drei Entwürfe vorgelegt, wie die kirchliche Praxis bezüglich Homosexualität in Zukunft in der Kirche geregelt werden kann:
(1) Einen traditionellen Plan, der die bisherige Ordnung verstärkt und alle, die nicht vorbehaltlos zustimmen, aus der EMK ausschliessen wird;
(2) einen Plan einer gemeinsamen Kirche, der die bisherigen Verurteilungen streicht, aber die Gewissensentscheidung jener, die eine traditionelle Überzeugung haben, respektiert und schützt;
(3) einen Plan von drei verschiedenen Konferenz-Verbünden unter dem Dach der Generalkonferenz.
Der Bischofsrat der Methodist/innen hat mit einer klaren Mehrheit seiner Mitglieder den Plan einer gemeinsamen Kirche unterstützt.
Eine Vielzahl weiterer Petitionen wurde eingereicht
Zugleich mit den Vorschlägen der Kommission (die drei Pläne, aufgeteilt in 48 Petitionen) konnten weitere Petitionen zu dieser Sachfrage eingereicht werden. Es kamen 51 weitere Petitionen dazu. Die Generalkonferenz muss aus all diesen Petitionen auswählen, kann sie kombinieren oder ganz neue Lösungen entwickeln. Deshalb kann niemand im Vorfeld sagen, ob einer der ursprünglichen drei Pläne der Kommission oder eine ganz andere Lösung die Mehrheit der Delegierten findet.
Was bedeutet das für die Methodist/innen in der Schweiz?
Was werden die Entscheidungen der Generalkonferenz an Konsequenzen für die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika auslösen? Die Antworten sind nicht einfach, denn es hängt ganz davon ab, was die Generalkonferenz entscheidet, inhaltlich – aber auch strukturell: Gibt es Verfassungsänderungen oder nicht? Müssen alle Jährlichen Konferenzen innerhalb eines Jahres zwingend darüber abstimmen, ohne Vorbehalte die Entscheidungen der Generalkonferenz umzusetzen (sosieht es etwa der traditionelle Plan vor)? Oder gibt es wie bisher ein Adaptionsrecht der Zentralkonferenzen?
Informieren, austauschen, beten
Kabinett und Vorstand der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika werden zeitnah nach der Generalkonferenz über die Entscheide informieren. Zwischen der Tagung der Generalkonferenz (23-26- Februar 2019) und der Tagung Jährlichen Konferenz (Synode) der Methodist/innen in der Schweiz (13.-16. Juni 2019) in Wettingen sind regionale Treffen für Pfarrpersonen und weitere Verantwortliche aus den methodistischen Kirchgemeinden in Planung. An der Jährliche Konferenz (Synode) sind zwei Einheiten zum Gespräch über die Entscheidungen der Generalkonferenz vorgesehen.
Textauszug «Vision»
Die Kommission wird einen Weg entwerfen Kirche zu sein, die die Präsenz des methodistischen Zeugnisses an so vielen Orten wie möglich in dieser Welt verstärkt. Der Weg soll uns erlauben, so viel kontextabhängige Unterscheidungen wie möglich zu haben und zugleich ein Gleichgewicht zu finden zwischen unterschiedlichen theologischen Verständnissen der menschlichen Sexualität und dem Wunsch nach so viel Einheit wie möglich. Diese Einheit wird nicht auf unseren Vorstellungen der menschlichen Sexualität gegründet sein, sondern in unserer Bejahung des dreieinen Gottes, der uns beruft, von Gnade erfüllte und heilige Menschen in wesleyanischer Tradition zu sein.
Textauszug «Überzeugung in Demut»
Wir anerkennen, dass unsere Mitglieder eine grosse Bandbreite an Meinungen bezüglich gleichgeschlechtlicher Beziehungen haben und aus ernsthaften Glaubensüberzeugungen handeln. Sie sind überzeugt von ihren moralischen Ansichten und suchen treu festzuhalten, was sie als die Wahrheit erkennen, von der Gott möchte, dass die Kirche sie hoch hält. Ihre Ansichten unterscheiden sich deutlich und können in manchen Fällen nicht miteinander versöhnt werden. Wir beten, dass die Hervorhebung der Differenzen uns nicht trennt. Denn wir erkennen und bestätigen, dass wir als EMK-Glieder viel mehr grundsätzliche theologische Gemeinsamkeiten haben, die uns trotz dieser Unterschiede miteinander verbinden. Die Gemeinsamkeiten wirken sich auch aus auf die Art, wie wir unsere Meinungsverschiedenheiten ausdrücken und mit ihnen umgehen. Deshalb setzen wir uns für eine Haltung ein, die wir «Überzeugung in Demut» nennen. Es ist eine Haltung, in der wir ehrlich die unterschiedlichen Überzeugungen, die uns trennen, mit der Demut verbinden, dass unsere Ansichten möglicherweise Korrektur brauchen. Sie beinhaltet auch demütige Reue für alle Situationen, in denen wir uns so verhalten und gesprochen haben, als müssten wir einen Streit gewinnen, anstatt gemeinsam um verbindliche Antworten zu ringen. In diesem Geist möchten wir die Kernüberzeugungen betonen, die unsere wesleyanische Bewegung auszeichnen und unsere Suche nach Weisheit und Heiligkeit darauf gründen.