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Die Einnahme vom Fischöl-Kapseln (Omega-3-Fettsäuren) hat sich in einer randomisierten klinischen Studie bei multipler Sklerose als unwirksam erwiesen. Publiziert wurde die Studie in den Archives of Neurology (2012; doi: 10.1001/archneurol.2012.283). Laut einer Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft war die Einnahme von Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren nach einer Umstellung der Ernährung die am zweithäufigsten angewandte Variante der Komplementärmedizin.
Omega-3-Fettsäuren sollen einen günstigen Einfluss auf Entzündungsvorgänge haben und auf die Immunprozesse bei der multiplen Sklerose. Jeder dritte Multiple-Sklerose-Patient hatte diese Präparate schon einmal eingesetzt (Mult Scler 2008; 14: 1113-1119).
Im Internet finden sich zahlreiche Hinweise auf die Fischöl-Behandlung. Als Beleg für die Wirksamkeit wird eine offene Studie aus Norwegen aufgeführt, in der es über 2 Jahre zu einer Besserung gekommen war. Weil in dieser Studie aber eine Vergleichsgruppe fehlte, kann mit ihr die Wirksamkeit nicht belegt werden. (Acta Neurol Scand 2000; 102: 143-9).
Die Wissenschaftler führten darum eine randomisierte Doppelblindstudie durch. Zur Anwendung kam das Fischöl-Präparat eines norwegischen Herstellers (mit 1350 mg Eicosapentaensäure und 850 mg Docosahexaensäure). Im ersten halben Jahr wurden die Fischöl-Kapseln als Monotherapie mit Placebo verglichen.
Danach bekamen alle Probanden (also auch im Placebo-Arm) zusätzlich Interferon beta-1a. Primärer Endpunkt der Studie waren die Veränderungen in den T1-gewichteten Gadolinium-anreichernden Läsionen bei der Kernspintomografie. Zu den sekundären Endpunkten zählten neben der Krankheitsaktivität in der Kernspintomografie nach 9 Monaten und zwei Jahren auch klinische Parameter wie die Schubrate, das Fortschreiten der Behinderungen, die „Fatigue“ sowie Lebensqualität und Sicherheit.
In keinem der Endpunkte kam es zu einer Verbesserung, schreiben Øivind Torkildsen von der Haukeland Universitätsklinik in Bergen und Mitarbeiter in ihrer Publikation. Die Zahl der Läsionen stieg im Verlauf der Studie unter der Fischöl-Behandlung sogar tendenziell an. Die Differenzen waren allerdings nicht signifikant, so dass die Wissenschaftler keinen Anhaltspunkt für eine Störung der Interferon-Therapie durch die Omega-3-Fettsäuren sehen. Unter der Fischöl-Behandlung kam es zu keinen relevanten Nebenwirkungen, so dass den Patienten auch nicht unbedingt davon abgeraten werden muss.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49876/Omega-3-Fettsaeuren-bei-multipler-Sklerose-ineffektiv
http://archneur.ama-assn.org/cgi/content/short/archneurol.2012.283
Kommentar & Ergänzung.
Die Studie war nicht sehr gross (total 92 Probanden, 46 in der Fischöl-Gruppe, 46 in der Placebo-Gruppe).
Omega-3-Fettsäuren / Fischöl-Kapseln werden vor allem vorbeugend gegen eine Vielzahl von Krankheiten empfohlen, hauptsächlich im Bereich Herz-Kreislauf und im Bereich Psychiatrie / Neurologie (Depression, Schizophrenie, Schlaganfall, Alzheimer, Borderline-Persönlichkeit, ADHS). Die Studienergebnisse sind aber in vielen Bereichen widersprüchlich und lassen endgültige Beurteilungen bezüglich Wirksamkeit nur sehr eingeschränkt zu.
Ein generelles Problem von Doppelblindstudien mit Fischöl – und damit der potenziell aussagekräftigsten Studien – ist das häufig auftretende fischige Aufstossen. Dadurch könnte den Probanden ziemlich rasch klar werden, ob sie zur Fischöl- oder zur Placebogruppe gehören. Eine wirksame Verblindung ist dadurch in Frage gestellt. Verblindung bedeutet, dass das Placebo und das zu testende Medikament (Verum) für die Probanden nicht unterscheidbar sein dürfen. Merkt der Proband, ob er ein Placebo oder ein Verum bekommt, kann das die Resultate der Studie verfälschen.
Siehe auch:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch