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In der Glaubenslehre der Theologie gibt es das Gebiet der Christologie, die sich mit Jesus als dem Christus, dem Gesalbten Gottes, beschäftigt. Im dogmatischen Lehrstück de persona Iesu Christi gibt es das Teilstück de muneribus, das sich mit dem Handeln und Wirken des Christus beschäftigt. Traditionell wird es mit zwei Ämtern erfasst: Jesus war erstens der wahre David, und der Christus des Glaubens wirkt als der eigentliche König. Jesus war zweitens der wahre Melchisedek, und der Christus des Glaubens wirkt als der eigentliche Priester.
Nun ist aber eine Salbung bei der Einsetzung und Einkleidung, der Inthronisation und Investitur, im Alten Testament nicht nur für Könige und Priester bezeugt, sondern auch für Propheten. So sieht Calvin den hebräischen Maschíach oder Messias bzw. den griechischen Christós oder Christus in einem dreifachen Amt: im priesterlichen (Ps 110; Hebr 7,15-24) und königlichen (Ps 2; Joh 18,36) sowie neu auch im prophetischen (Jes 61,1-3; Hebr 1,1-2). Christus ist der einzige Herrscher, Mittler und Lehrer der Christen: das solus Christus der Reformation.
So ist für Heinrich Bullinger 1552 der königliche Christus auch der Befreier oder Beschützer, der Retter und Verteidiger, endlich auch der Gesetzgeber. Im Blick auf den priesterlichen Christus betonen die Berner Thesen von 1528, dass die Anrufung aller anderen Mittler und Fürsprecher im Jenseits von uns ohne Begründung der Schrift verworfen werde. Jan Milič Lochman sieht 1977 den prophetischen Christus darin wirksam, in den gnadenlosen Zuständen und Tendenzen unserer Welt seine Gnade nicht vergessen zu lassen.
Da aber die Christiani nach dem Christus benannt sind, der ihnen diese drei Ämter übergeben hat, liegen nach Calvin die Verantwortung für die Leitung, das allgemeine Priestertum und das prophetische Wächteramt, also auch die reformierte Variante des Lehramts, bei der Gemeinde als der Kommunikationsgemeinschaft der Glaubenden. Sie ist es, die den Christus abbildet (1Kor 12,27), weder ein Einzelner noch eine Hierarchie kann dies an ihrer Stelle leisten.
Foto: flickr/jurek d.