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Wieder einmal mit Block und Bleistift bewaffnet, mache ich mich auf den Weg.
Das Auto muss ich etwas ausserhalb der Kyburg stehen lassen. Nach einem Spaziergang von etwa zehn Minuten stehe ich vor der Burg. Die «Chuigeburch» (Kühburg) wird als sogenante Fluchtburg im elften Jahrhundert erwähnt. Man nimmt an, dass der Bergfried (Turm) zuerst stand, mit seiner Höhe von 19,5 Metern und 2,5 Meter dicken Mauern, die nach oben bis auf etwa einen Meter abnehmen.
Über den groben steinigen Weg gehe ich durch den Torbogen, das äussere Burgtor, wo oben zwei Zürcherwappen zu sehen sind und die Jahreszahl 1579 eingraviert ist.
Im Innenhof stehen ein imposanter Steinbrunnen und daneben ein alter Ziehbrunnen.
An der Kasse bezahle ich den Eintritt, doch bevor ich in die edlen Hallen eintreten darf, muss ich meine Handtasche abgeben. Haben die etwa das Gefühl, ich wolle ihnen den Schlossgeist klauen? Doch der hätte sowieso keinen Platz gehabt in meiner Tasche. Ich nehme an, die haben ihre Gründe dafür.
So, nun kann ich endlich auf Entdeckungsreise gehen.
Im ersten Raum stehe ich vor einer Tafel, an der kleine Schieber angebracht sind, die man hochschieben und daran riechen kann um so Gewürze zu erkennen. Auch stehen da einige Kochgeschirre, und auf einer Tafel sind Knochenfragmente abgebildet mit dem Hinweis; dass es sich um Kinder handelt, die an Mangelerscheinungen gestorben seien. Wie man sieht, gab es also auch schon im Mittelalter ungesunde, mangelhafte Ernährung. In jedem Raum gibt es weitere interessante Sachen zu sehen und zu lesen, an einigen Orten kann man sich einen Hörer nehmen und Geschichten zuhören. Eine davon handelt von einem Dr. Hirzel, der sich im Jahre 1780 sehr darüber aufregte, dass die Bauern das Kaffeetrinken entdeckt haben.
Das kann doch nicht gut sein, wenn man am Morgen statt der Morgensuppe oder den Haferbrei zu essen, Kaffee trinkt. Also ich hätte mich bestimmt schon damals mit den kaffeetrinkenden Bauern solidarisiert. Oder die Sache mit der Spanischen Suppe. Das ist ein Eintopfgericht mit Fleisch und Gemüse, ein sehr nahrhaftes Gericht. Am Sonntag war es wichtig, dass die Dienstboten auch zur Kirche gingen, also legte man Fleisch und Gemüse mit Würsten und Knochenmark in eine Bronzeschüssel und stellte sie in die Herdasche oder in den Kachelofen. So hatte die ganze Familie, wenn sie hungrig und durchfroren nach Hause kam, eine gute Mahlzeit. Hier noch ein kleiner Auszug aus einem alten Rezept:
«Nimb 2 Pfund rindernes Bauchfleisch, lass sieden, heb die Brüh davon auff. 3 schweinerne und Hirschen-Ohrwängel. Nimb eine bronzene Schüssel.» (Nein, ich habe keine geistigen Lücken, auch hat mein Computer keine nennenswerten Probleme. Im Mittelalter hat man anscheinend so geschrieben und gesprochen.)
Weiter unten im Rezept heisst es dann, dass noch Cerbelabi (Würstchen), Ochsenmarch, Zeller (Sellerie), Knoblauch und Kösten (Kastanien) dazukommen. Die Suppe beinhaltet noch mehrere Zutaten. Im Museum kann man das vollständige Rezept bekommen.
Die Kyburg wurde im Laufe der Jahrhunderte, wie viele andere Burgen und Schlösser umgebaut und verändert und erlebte viele Besitzerwechsel. Und genau das macht diese Geschichten so interessant. Es war jedenfalls immer ein spannendes und lehrreiches Erlebnis.
Mit der Kyburg schliessen wir die Berichtreihe Burgen und Schlösser ab. Wir hoffen, dass wir damit einen unterhaltsamen Beitrag geleistet haben. In diesem Sinne eine besinnliche Adventszeit, und auf dass alle gesund durch den Winter kommen.
pr