Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/558

Hiermit frage ich die Regierung Ihrer Königlichen Majestät, zu welcher Beurteilung sie hinsichtlich der Auswirkungen der PACE Trial (Pacing, graded Activity and Cognitive behaviour therapy: a randomised Evaluation) auf die Bereitstellung von Gesundheits- und Sozialfürsorge sowie die Sozialleistungen für Menschen mit Chronic Fatigue Syndrome/Myalgischer Enzephalomyelitis gekommen ist.
The Countess of Mar:
Verehrte Lords, ich erkläre hiermit meine einschlägigen Interessen als Vorsitzende von Forward-ME, als Vizepräsidentin der All-Party-Parliamentary Group on ME und als Schirmherrin einer Reihe von ME-Patientenorganisationen. Die PACE-Studie wurde durch das MRC (Medical Research Council), das Gesundheitsministerium (Department of Health), das Scottish Chief Scientist Office und das Department for Work and Pensions (DWP – Ministerium für Arbeit und Renten) in Höhe von £5 Millionen Pfund gefördert. Die Forscher, angeführt vom Haupt-Projektleiter Professor Peter White, haben den Fachleuten im Gesundheitswesen und der Regierung beständig und voller Überzeugung vom Erfolg kognitiver Verhaltenstherapie oder CBT und Graded Exercise Therapie oder GET (ansteigendem körperlichen Training) berichtet. Das Ziel der Projektleiter der PACE-Studie war, die verhaltensmäßigen und kognitiven Faktoren umzukehren, von denen sie glauben, sie seien für das Fortbestehen der Symptome und der Behinderung verantwortlich. Trotz der umfangreichen biomedizinischen Beweisgrundlage in Experten-geprüften Veröffentlichungen, die ihre Überzeugungen untergräbt, und trotz der Tatsache, dass das Medical Research Council jetzt feststellt, dass es Beweise für
„inflammatorische Mechanismen im Gehirn und im Rückenmark“
gibt, hat ihre Sichtweise die Oberhand gewonnen.

Von welcher Störung ist die Rede?
Schon der Titel verdeutlicht, dass Henningsen sich nicht festlegt, wovon er überhaupt spricht: von chronisch Erschöpften? Vom Chronischen Erschöpfungssyndrom? Oder gar von ME/CFS - Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome?
Gleich zu Beginn seiner Presseerklärung gibt er in etwa die Krankheitsdefinition für das Chronic Fatigue Syndrom von 1994 wider, die sogenannten Fukuda-Kriterien. Deshalb könnte man annehmen, auch der Rest seines Artikels beziehe sich auf dieses so definierte "CFS". In der Presseerklärung lesen wir:
"Professor Henningsen schätzt, dass höchstens 0,5 Prozent der Allgemeinbevölkerung an einem chronischen Erschöpfungssyndrom leiden."
Da große Prävalenzstudien auf der Basis dieser Fukuda-Kriterien in den USA eine Prävalenz zwischen 24 und 0,42 Prozent der Bevölkerung ergeben haben, bezieht sich Henningsen wahrscheinlich auf dieses durch die Fukuda-Kriterien definierte "CFS".

Abriss der PACE-Studie und Hauptkritikpunkte
Wie bereits im Januar-3-Artikel auf dieser Seite dargestellt, wurde im März 2011 in der renommierten Medizinzeitschrift The Lancet eine Studie über mögliche Behandlungsansätze für Patienten mit ME/CFS veröffentlich - die sogenannte PACE-Studie.
Hauptautoren sind Peter Denton White und Michael Sharpe, beide Vertreter der sogenannten biopsychosozialen Schule nach Simon Wessely, einem einflussreichen britischen Psychiater. Deren seit Jahrzehnten massiv propagierte Hypothese ist, ME/CFS sei (ebenso wie das Golfkriegssyndrom) primär eine psychische Erkrankung, die auf falschen Krankheitsüberzeugungen, übermäßiger Empfindlichkeit gegenüber normalen körperlichen Empfindungen, einer übermäßigen Schonhaltung und daraus folgender Dekonditionierung beruhe. Die richtigen Therapieansätze seien deshalb kognitive Verhaltenstherapie gegen die "Bewegungsphobie" und die "dysfunktionalen Krankheitsüberzeugungen" und ansteigendes körperliches Training - Graded Exercise Therapie (GET) gegen die Dekonditionierung. Das würde den meisten "CFS"-Patienten helfen, wieder ein normales Funktionsniveau zu erreichen.