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Entweder waren es solche Verbände, in welchen sich Kaufleute, die nach einer und derselben RichtungHandel
trieben, zu Genossenschaften, Gilden, Hansen, vereinigten, welche gemeinsam auch die Erlangung von Handelsprivilegien an fremden
Orten erstrebten; diese Gilden, die sich seit dem 13. Jahrh. höher entwickelten, wurden zu sogen.
regulierten Kompanien, bei welchen sich der Kaufmann, der auf eigne Rechnung Handel trieb, nur den Polizeivorschriften
der Gesellschaft, welche die Sicherheit des Handels bezweckten,
unterwerfen mußte, für die Erhaltung der gemeinsamen Einrichtungen
ein Eintrittsgeld und jährliche Beiträge entrichten mußte und an den Vorteilen der gemeinsamen Privilegien, des Rechtsschutzes
etc. teilnahm.
Diese Handelskompanien verfolgten in bestimmten Zeiten politische Zwecke und bedeuteten für die Förderung der Handelsinteressen
dasselbe, was die Zünfte für das Handwerkswesen. Der politische Grundzug beherrschte während des 13.-16. Jahrh.
die Hansa (s. d.), die süddeutschen, die italienischen Handelsgesellschaften und wohnte anfänglich auch noch den englischen
Kompanien inne. Verschieden von diesen aus dem Mittelalter herüberreichenden waren die neuen Handelskompanien des 17. und 18. Jahrh.,
welche, auf dem Aktienprinzip beruhend, als Vereinigungen von Kaufleuten mit großem Kapital den Betrieb und die Leitung überseeischer,
insbesondere kolonialer, Handelsunternehmungen auf monopolistischer Grundlage führten.
Mit der allmählichen Heraufführung geordneter staatlicher Zustände hörte aber die Notwendigkeit des Rechts- und Interessenschutzes
des Binnenhandels durch die Kaufleute selbst auf, und damit verloren die Hansa und die verwandten Städtebündnisse den Schwerpunkt
[* 3] ihres Zusammenschlußes. Nun entstanden im Zusammenhang mit dem Aufblühen des überseeischen Handels,
mit der merkantilistischen Pflege desselben, mit der Kolonisation und dem Streben nach Monopolisierung jedes Erwerbszweigs die
großen privilegierten Seehandelsgesellschaften des 17. und 18. Jahrh. Es galt jetzt, den
Gefahren zu begegnen, welche dem Handel in den fernen Erdteilen drohten, und das Streben der einzelnen Staaten
ging nun dahin, für sich einen möglichst großen Anteil an den vermehrten Vorteilen des Welthandels zu gewinnen und eine
aktive Handelsbilanz zu erreichen. Deshalb stattete man Handelskompanien mit weitgehenden Handelsmonopolen und Privilegien aus, ließ sich
für Erteilung oder Verlängerung
[* 4] der Privilegien bezahlen, besteuerte unter dieser Form den Handel und trug
zum Erwerb großer Kolonialgebiete bei, indem man von seiten des Staats die Bildung großer Kapitalassociationen für koloniale
Handelszwecke in jeder Weise begünstigte.
Diese modernen Handelskompanien dienten in den fernen Meeren nationalen Wirtschaftsinteressen; sie waren überhaupt das Produkt des Wettstreits
zwischen den am überseeischen Handel beteiligten europäischen Staaten und verloren an Bedeutung in dem
Maß, als auch für die fernen Weltgegenden das Völkerrecht sich ausbildete und staatlichen Rechtsschutz schuf. Als dann mit
der Erstarkung der staatlichen Handelspolitik das Einzelkapital ermutigt wurde, in Privatunternehmungen überseeischen Handel
zu betreiben, da vermochten die Kompanien nicht mehr, dieser Konkurrenz die Spitze zu bieten. Die Monopolverfassung
der und ihre Privilegien wurden eine lähmende Fessel der Kompaniehandel nahm ab in dem Maß, als der
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Die Handelskompanien wirtschafteten meistenteils sehr kostspielig. Überdies wurden die in der Regel hoch gegriffenen Gesellschaftskapitalien
durch die Gewinnsucht der Direktoren und die Beutelust der Handelsbeamten gekürzt; Unterschleif und Nepotismus ließen sich
schwer vermeiden. Der Warenhandel gehört nicht zu den Geschäften, wofür sich das Kollektivunternehmen
gut eignet; namentlich bei den überseeischen Kompanien war wegen der Ferne, in welcher der Geschäftsbetrieb vor sich ging,
und wegen der Mannigfaltigkeit und Vielverschlungenheit der einzelnen Handelsoperationen die Kontrolle seitens der Aktionäre
fast ganz hinfällig geworden.
Alle diese und andre Momente wirkten mit, daß die monopolisierten, privilegierten Handelskompanien fast durchgängig
ein trauriges Ende nahmen. Überhaupt sind mit der Sicherung und Entwickelung des Freihandels auch in den fernen Meeren die wirtschaftlichen
Voraussetzungen geschwunden, auf Grund deren ähnliche Gesellschaften zu erstehen noch Berechtigung hätten. Haben sich aus allen
diesen Gründen die Handelskompanien im 19. Jahrh. überlebt, so ist
doch nicht zu verkennen, daß sie ein nützliches und bedeutsames Element der Handelspflege in der Vergangenheit bildeten.
Dafür spricht auch die Thatsache, daß in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum im 17. und 18. Jahrh. mehr
als 70 Handelskompanien gegründet wurden.
Unter den englischen Handelskompanien war die 1554 gegründete Russische
[* 8] Handelskompanie, welcher unter Elisabeth die Privilegierung einer
Ostländischen (1579) und einer Türkisch-Levantischen (1581) folgte, die bedeutendste. Von wirklicher Bedeutung war aber
erst die 1600 durch Freibrief begründete LondonerOstindischeKompanie, welche nach mannigfachen Kämpfen
und wechselndem finanziellen Erfolg in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. glänzend zu prosperieren
begann, seit der Mitte des 18. Jahrh. in Indien als politische Macht auftrat und ihre Territorialherrschaft stetig zu erweitern
verstand.
Havanagesellschaft. Rußland schuf die Russisch-Amerikanische Pelzgesellschaft (1799) und die Heringsgesellschaft für das
Weiße Meer (seit 1803). Für Deutschland
[* 15] sind außer den EmdenerKompanien im 18. Jahrh. erwähnenswert: die Sächsisch-Elb-Amerikanische
Gesellschaft (1825-30), die Rheinisch-Westindische (1821 bis 1832) und vor allen die 1772 von Friedrich d. Gr. gestiftete und
staatlich geleitete Seehandlungsgesellschaft, ihrer Zeit mit dem Seesalz- und Wachshandelsmonopol ausgestattet.
Die Privilegien der »Seehandlung« (s. d.) sind bereits gefallen, wie sie sich auch immer
mehr der industriellen Unternehmungen entledigt.