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Hans Arp
Hans oder Jean Arp wurde 1886 als Sohn eines Zigarrenfabrikanten
im damals zum kaiserlichen Deutschen Reich gehörenden Straßburg
im Elsass geboren; deutsch war seine Muttersprache, aber er erlernte
auch sehr früh die französische Sprache. In seiner Jugend
interessierte er sich vor allem für die Dichter der deutschen Romantik
wie Novalis, Clemens Brentano und Ludwig Tieck sowie für französische
Dichter wie Arthur Rimbaud und Comte de Lautréamont.
Von 1904 bis 1908 studierte Arp bildende Kunst an der Kunstschule Weimar
und an der Académie Julian in Paris, die er wegen der konventionellen
Lehrmethoden enttäuscht verließ. Ab 1909 lebte er in Weggis,
Kanton Luzern. 1911 wurde er Mitbegründer der Künstlervereinigung
Moderner Bund. Er lernte Wassily Kandinsky kennen und knüpfte über
ihn Kontakte zum Blauen Reiter.
Hans Arp von Amadeo Modigliani

| 1915 wurden Arps abstrakte Werke
erstmals in Zürich ausgestellt; 1916 illustrierte er Tristan
Tzaras Lyrikband 25 Gedichte. Über Tzara lernte er Hugo
Ball und Richard Huelsenbeck kennen, mit denen er den Dadaismus
begründete. 1920 nahm er an der Ersten Internationalen
Dada-Messe in der Berliner Galerie Otto Burchard teil und veröffentlichte
auf Vermittlung von Kurt Schwitters den Gedichtband Die Wolkenpumpe,
dessen Texte Arp als Textcollagen bezeichnete. In ihnen war
der Zufall ein wesentliches Gestaltungsprinzip.
1922 heiratete Arp Sophie Taeuber-Arp, ebenfalls
eine Künstlerin; zusammen haben sie viele Werke geschaffen.
1923 begann Arp eine engere Zusammenarbeit mit Schwitters.
Im selben Jahr zog er nach Paris, nahm dort an einer Gruppenausstellung
der Surrealisten teil und wurde Mitglied der Künstlerbewegung
Abstraction-Création. Arp hatte engen Kontakt mit internationalen
Avantgardisten wie Kasimir Malewitsch und El Lissitzky. Zusammen
mit Lissitzky veröffentlichte er 1925 das Buch Die Kunstismen.
1926 wurde der holländischen Künstler Theo van Doesburg
vom Ehepaar Arp eingeladen, am Aubette-Projekt in Straßburg
mitzuarbeiten: es ging um die Umgestaltung der Innendekoration.
Auch hat das Ehepaar Arp einen wichtigen Einfluss auf die
Stilrichtung des Hard Edge ausgeübt: Der abstrakte amerikanische
Künstler Ellsworth Kelly hatte sie sehr oft in Paris
besucht, und beide prägten seine frühe Entwicklung
sehr stark, eine unpersönliche, nicht-individuelle Kunst
machen zu wollen. Im selben Jahr zog Arp nach Meudon bei Paris
und nahm dort am 20. Juli 1926 die französische Staatsangehörigkeit
an.
1940 wurden Arps Werke von den Nationalsozialisten
als entartete Kunst eingestuft. Arp zog in den unbesetzten
Teil Frankreichs. Gedichte schrieb er nun vor allem auf Französisch.
Er hatte kein Atelier und musste als Maler und Bildhauer notgedrungen
mit leichten, transportablen und billigen Materialien arbeiten,
so entstanden die dessins aux doigts (Fingerzeichnungen) und
die Papiers froissés (Zerknitterte Papiere). Durch
Zuwendungen von Maja Sacher und anderen Gönnern wurde
Arp über Wasser gehalten.
Sophie Taeuber-Arp starb in der Nacht zum
13. Januar 1943 in Zürich an einer Kohlenmonoxidvergiftung
(womöglich Freitod). Arp brauchte Jahre, um sich von
diesem Verlust zu erholen und widmete Sophie viele seiner
Werke. Gemeinsam mit Georg Schmidt arbeitete er an einer Monografie
über ihr Werk. 1949 reiste Arp in die USA, wo seine Kunst
dank der Hilfe des Galeristen Curt Valentin zunehmenden Erfolg
hatte. Da die Mehrzahl seiner Käufer nun dort lebte,
überlegte Arp, ob er emigrieren solle; letztendlich entschied
er sich aber dagegen.
Ab 1950 entwarf Arp mehrere Großplastiken
für die Universitäten von Harvard und Caracas und
das UNESCO-Gebäude in Paris. 1952 reiste Arp nach Rom
und Griechenland und bekam dort neue Anregungen für plastische
Arbeiten (beispielsweise Kobra-Kentaur), für die er auf
der Biennale von Venedig 1954 den Internationalen Preis für
Skulptur erhielt.
Dem nunmehr international erfolgreichen Künstler
Arp wurde 1957 die erste umfassende Monografie gewidmet. 1958
veranstaltete das Museum of Modern Art in New York eine umfassende
Retrospektive. Arp war Teilnehmer der documenta 1 1955, der
documenta II 1959 und der documenta III 1964. Seine Kunst
war nun so gefragt, dass er Mitarbeiter beschäftigen
konnte.
1959 heiratete Arp seine langjährige Freundin Marguerite
Hagenbach. Er starb 1966 in Basel. Sein Grab befindet sich
auf dem Friedhof der Kirche Santa Maria in Selva in Locarno.
Im Museo comunale Casa Rusca von Locarno findet sich der von
Arps zweiter Frau Marguerite Hagenbach gestiftete Nachlass
Arps. Neben Werken des Künstlers selbst umfasst dieser
Nachlass auch Arps private Kunstsammlung.
(Biografische Quelle: Wikipeida)

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Der
Pyramidenrock
"Der Pyramidenrock" von Hans
Arp kommt schon äusserlich als Kunst daher: der Karton-Einband,
auf der Vorderseite ebenso wie auf der Rückseite gestaltet den
Titel des Gedichtbandes zu einem eigenwilligen Gesamtbild, dessen
Optik ebenso Irritation für unser Auge ist, wie der Titel selbst
Provokation für unser Sprachverständnis. In den Gedichten
selbst finden sich ähnliche Wortschöpfungen von expressiver
Ausdruckskraft, denen zuweilen mit etwas Glück ein skuriler Sinn
abgewonnen werden kann, die manchmal aber nur Platzhalter sind für
gelungene Reime, so etwa der "wasserschwanz" als Reim auf
den "medaillenglanz". Oder Wortsteigerungen wie "einzahl,
mehrzahl, rübezahl" oder "klavier, klasechs, klaacht,
klazehn".
Der Pyramidenrock von Hans Arp erschien
1924 im Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich und München.
Der schmale Band im Format 20x25 cm umfasst 70 Seiten. Das Buch enthält
ein Portrait von Hans Arp, gezeichnet von dem 2 Jahre älteren
Livorneser Künstler Amadeo Modigliani.

Schneethlehem
(aus "Der Pyramidenrock" von Hans Arp)
1
Herr Je das Nichts ist bodenlos.
Frau Je das Nichts ist unmeubliert.
Da nützt euch auch kein Kreuzbesteck
Mit dem ihr fleissig exerziert.
Herr Je der Tisch ist wasserweich.
Frau Je beim ersten Fingerzeig
Fress ich die Wurst mit Nebenwurst
In einem roten Flammenteig.
2
Charybdis bybtis Zwiebelbiss
Das Standbild geht im Kreis herum
Den Herolodseuter in der Hand
Und fällt von seinem Podium.
Die Schwindelschraube schraubt sich fest
Und schraubt die Windsbraut an den Wind.
Es kracht der grosse Ehrenast
Und tötet Jubelgreis - und Kind.
3
Das Schnee- und Hagelwittchen fällt
Wie Fallsucht und von Fall zu Fall
Sie fällt weil es gefällig ist
Und jedesmal mit lautem Knall.
Sie fällt in ihren Todesfall
Mit kleinen Lichtern um den Saum.
Der Automat schreit nur uhu.
Die Todesclaque rührt sich kaum.
4
In seinem Höcker wächst ein Ei.
Er grüsst mit seinem Zinnenhut
Aus Elfenbein und Nymphenbein
Und Ranken rankem ihm im Blut.
Bald ist er innen zugerankt
Und nur das Ei ist froh und dick.
Er drückt sein Sitzfleisch in den Topf
Und zieht an einem Legestrick.

Hans Arp mit Sophie Taeuber 1918 in Zürich