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Ein bestimmtes Mass an Misstrauen in die Regierung der demokratischen Führungsmacht USA und in veröffentlichte Publikationen von Forschern und Aufsichtsbehörden ist berechtigt. Das zeigt die jüngste Geschichte der USA. Vieles kommt erst im Nachhinein ans Tageslicht.
Die Chefböcke gleich zu Chefgärtnern gemacht
Die Vorherrschaft von Lobbys über die Wissenschaft war unter der Administration von Donalds Trump notorisch. Gleich für mehrere Ministerien wurden Lobbyisten ernannt, die vorher Regulierungen dieser Ministerien vehement bekämpft hatten. Sie konnten dann den grossen Konzernen gleich selber Freipässe verteilen. Die Unterdrückung von Informationen fand ganz oben statt.
- Das Verteidigungsministerium führte ein früherer CEO des Flugzeugkonzerns und Flugwaffenproduzenten Boeing;
- Das Gesundheitsdepartement führte ein früherer Cheflobbyist der Pharmaindustrie;
- Das Umweltministerium führte ein früherer Lobbyist der Kohleindustrie;
- Das Innenministerium führte ein früherer Lobbyist der Erdölindustrie.
Als Regierungsvertreter sollten diese Minister Industrien und Branchen beaufsichtigen und regulieren, für die sie vorher als Lobbyisten gearbeitet hatten – und dies seit dem Ende von Trumps Präsidentschaft teilweise wieder tun.
Bericht einer Parlamentskommission
Präsident George W. Bush hatte keine wichtigen Ämter mit direkten Lobbyisten besetzt, aber die Regierung sorgte dafür, dass missliebige Forschungsberichte manipuliert, unterdrückt oder gefälscht wurden. Das berichtete der «Spiegel» bereits im Jahr 2003, zwei Jahre nach Bushs Wahl. Der «Spiegel» stützte sich auf den Bericht einer Parlamentskommission mit dem Titel «Politics and Science in the Bush Administration». Der Bericht scheint nur noch gegen Bezahlung in einer Bibliothek erhältlich zu sein. Er kam zum Schluss: «Nutzniesser der Verzerrungen sind wichtige Helfer des Präsidenten, unter anderem Konservative und mächtige Industriegruppen.»
Hier einige Beispiele aus dem Bericht:
In den Augen des US-Präsidenten und seiner Getreuen gab es offensichtlich nur eine einzige akzeptable Verhütungsmethode: keinen Sex zu haben. Um das auch wissenschaftlich zu untermauern, frisierte die Regierung Statistiken über die Ergebnisse ihrer «Abstinence Only»-Kampagne.
Jugendliche, die dennoch etwas über die Funktionsweise eines Kondoms erfahren wollten, wurden auf offiziellen Webseiten nicht fündig. Die Bush-Regierung liess die Informationen über das Anlegen von Parisern von der Webseite der «Centers for Disease Control and Prevention» (CDC) löschen. Die CDS sind eine Regierungsorganisation.
Wer es dennoch nicht lassen kann und beim Sex auch noch unerwünscht schwanger wird, sollte möglichst nicht abtreiben. Angst wirkt da Wunder, müssen sich Bushs Leute gesagt haben. Sie manipulierten die Internetseite des Nationalen Krebsinstituts, einer anderen Regierungsorganisation. Dort war dann zu lesen, dass eine Abtreibung Brustkrebs auslösen könne – eine absurde Behauptung, die dem Konsens unter Forschern widersprach. Die «New York Times» nannte es eine «ungeheuerliche Verzerrung der Beweislage».
Ein Rundbrief der Bush-Administration forderte Mitarbeiter des Bildungsministeriums auf, alle Informationen von dessen Webseite zu entfernen, die «nicht mit der Philosophie der Regierung übereinstimmen». Nationale Bildungsorganisationen beschwerten sich erfolglos über Zensur.
Das Landwirtschaftsministerium wiederum erliess strikte Regeln, die öffentlich angestellten Forschern verboten, Studien zu veröffentlichen, die der Industrie schaden könnten. Beispielsweise wurde einem Mikrobiologen das Veröffentlichen von Forschungsergebnissen untersagt, die auf die Gefahren durch Antibiotika-resistente Bakterien im Mittelwesten der USA hinwiesen.
Die Wissenschafts-Zeitschrift «Science» schrieb von politischen Einmischungen in Bereiche der Wissenschaft, welche «früher einmal immun waren gegen diese Art der Manipulation».
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.