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SRF streicht Hockey-Sendung – TV-Machtpolitik auf Kosten des Publikums
Auf die Frage, welche Struktursendung das staatstragende Fernsehen zur kommenden nationalen Eishockey-Meisterschaft plane, ob es die gleiche wie letzte Saison sei («Eishockey Inside»), gibt es folgende offizielle Antwort:
«Es wird keine gesonderte Struktursendung zur nationalen Eishockey-Meisterschaft geben. Über die National League wird SRF im Rahmen der bestehenden Struktursendungen («Sportflash», «Sport heute», «Sportpanorama») sowie online berichten.»
Keine gesonderte Struktursendung: Das bedeutet in der Praxis, dass die SRG eine nationale Meisterschaft, die letzte Saison mehr als 2,5 Millionen zahlende Zusehende in die Stadien gelockt hat, in der neuen Saison komplett ignoriert und an den Katzentisch in den Struktursendungen «Sportflash», «Sport heute» und «Sportpanorama» verbannt. Die Berichterstattung über die National League schrumpft damit auf ein Minimum zusammen und steht ungefähr auf Augenhöhe mit der helvetischen Handball-Meisterschaft (letzte Saison etwas mehr als 140’000 zahlende Zuschauende).
Was ist da los? Es sind die Nachwehen der schlimmsten Niederlage, die das staatstragende Fernsehen im Bemühen um Live-Übertragungsrechte erlitten hat: Die SRG hat seit der letzten Saison sämtliche Live-Rechte an der nationalen Hockey-Meisterschaft (Qualifikation und Playoffs) an private TV-Anbieter verloren. Das zwangsweise erhobene Gebührengeld reicht zwar aus, um beispielsweise private TV-Stationen im Kampf um die Live-Rechte an der Champions League im Fussball zu überbieten. Aber nicht, um sich die Rechte an einer Schweizer Meisterschaft im Eishockey zu sichern. So viel zum «Service Public.»
Letzte Saison ist die nationale Hockey-Meisterschaft trotzdem mit einer wöchentlichen Struktursendung «Eishockey Inside» begleitet und gewürdigt worden. Die ersatzlose Streichung dieser Sendung für die kommende Saison dürfte zwar kaum die Zustimmung des sportinteressierten Publikums finden, dient aber offensichtlich machtpolitischen Interessen: Die National League, die sich erfrecht hat, ihre Live-Rechte privaten TV-Sendern zu verkaufen, verliert nun mit «Eishockey Inside» eine wichtige nationale Plattform und die Sponsoren sind nicht amused. Es kann sein, dass die National League, wenn die Rechte in vier Jahren neu ausgeschrieben werden, gegenüber dem Zwangsgebühren-Fernsehen etwas demütiger wird. Oder auch nicht.
Wenn Eishockey nicht interessieren würde, dann wäre die ersatzlose Abschaffung von «Eishockey Inside» nicht zu kritisieren. Aber die Sportgeneräle im Leutschenbach wissen sehr wohl um die Popularität des Eishockeys. Auf Anfrage teilt SRF mit:
«SRF wird wie in den vergangenen Jahren umfassend über die Nationalteams der Schweiz berichten. Highlights werden die Weltmeisterschaften der Frauen und der Männer im kommenden Frühjahr sein, die in den USA respektive Tschechien stattfinden. Zudem sind wie gewohnt alle Spiele des Spengler Cups in Davos im Live-Programm.»
Die nationale Meisterschaft der National League so weit wie möglich ignorieren, Operetten-Länderspiele, den Spengler Cup und die WM der Frauen und Männer hingegen weitgehend live übertragen und «pushen» – wie passt das zusammen?
Die Rechte für Operetten-Länderspiele, die Frauen-WM und den Spengler Cup sind vergleichsweise gratis oder sehr, sehr günstig zu haben: Kein privater Sender interessiert sich für solche Länderspiele oder eine Frauen-WM. Der Spengler Cup wäre für private TV-Stationen durchaus interessant. Aber das HCD-Management (der HCD organisiert den Spengler Cup) braucht für seine Sponsoren die grössere Reichweite des staatstragenden Fernsehens und wäre wahrscheinlich sogar bereit, die Rechte praktisch gratis abzugeben. An einer WM der Männer sind private TV-Stationen durchaus interessant. Der internationale Eishockeyverband IIHF ist bei den Live-Rechten im Interesse ihrer Sponsoren jedoch froh um die halt grössere Reichweite einer öffentlich-rechtlichen TV-Station.
So haben wir die groteske Situation, dass unser staatstragendes Fernsehen, das mit Zwangsgebühren finanziert wird, die Berichterstattung im Eishockey über das, was das Publikum vom September bis im April am meisten interessiert – die nationale Meisterschaft – auf ein absolutes Minimum reduziert und dafür im Übermass sendet, was weniger und teilweise kaum interessiert. Und dies in Zeiten interessanter medienpolitischer Entwicklungen (Halbierungs-Initiative).