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das Festland bereits beherrschte. Sicher ist ja, daß die chinesische Bronzebearbeitung ihre weitere Ausbildung unter dem Einflusse des Buddhismus (vgl. Indien) erlangte, welcher erst ungefähr um 50-60 nach Chr. in China Verbreitung fand.
Die zweite den Chinesen eigentümliche Kunst ist die Bearbeitung des Porzellans, das aber frühestens im 7. Jahrhundert nach Chr. - wahrscheinlicher erst im 9. - erfunden wurde. Daraus erhellt wohl zur Genüge, daß die eigen-chinesische Kunst nicht so «uralt» ist, wie man häufig glaubt.
Eigentümlichkeiten des chinesischen Kunstgewerbes. Die Eigenart der chinesischen Arbeiten in Bronze und Porzellan läßt sich in Kürze kennzeichnen. Die ältesten Bronzegeräte zeigen in der Verzierung geometrische Muster, dann wurden Formen von Bergen und Wolken und abenteuerlich gestalteten Tieren (Drachen) verwendet. Die Vorliebe für solche Ungetüme blieb bis heute. Mit dem Eindringen des Buddhismus kamen indische Einflüsse zur Geltung, erst jetzt wurden auch Pflanzenformen und menschliche Figuren in der Verzierung verwertet. Die ohnehin vorhandene Neigung der Chinesen zu seltsamer phantastischer Linienführung wurde durch die indischen Muster noch verstärkt; der Zug nach Naturtreue, welcher sonst bei anderen Völkem immer auftritt, blieb den Chinesen fremd. - Man kann es geradezu als das «Gesetz» der eigen-chinesischen Kunst bezeichnen, daß die Formen von der - oft ausschweifenden - Einbildungskraft launenhaft gestaltet werden müssen. Alle Vorbilder aus der Natur werden umgeformt (stilisiert). Vom 15. Jahrhundert nach Chr. an nahmen auch islamitische Muster - hauptsächlich persische - auf die Bronzearbeiten Einfluß, und in die Folgezeit fällt daher auch die größte Entwicklung dieses Zweiges der Kunst, besser gesagt: Kunstgewerbes.
Was die Porzellanarbeiten anbelangt, so ist die Art derselben durch echte Stücke und Nachahmungen bei uns hinlänglich bekannt, so daß ich nicht viel darüber zu sagen brauche. Nicht die künstlerische Behandlung, sondern die hochentwickelte Arbeitsfertigkeit ist es, was diese Erzeugnisse bemerkenswert macht. Die sorgfältige, peinlich genaue Ausführung, eine ausgetüftelte Sauberkeit einerseits, eine krause Mannigfaltigkeit von Einzelheiten und seltsame Verschnörkelung andererseits, kennzeichnet sowohl die Porzellansachen, als auch die anderen Erzeugnisse der Kleinkunst, die Schnitzereien aus Elfenbein, Bambus und Stein, die Schmucksachen u. dgl. (Siehe Tafel: «Kunstgewerbe des Altertums».)
Chinesische Malerei. Mehr als durch ihre Formen wirken die Porzellanarbeiten durch die Bemalung, und da schon die ältesten sich in dieser Beziehung auszeichnen, so deutet dies auf eine frühe Entwicklung der Malerei hin. Es wird berichtet, daß schon im 3. Jahrhundert v. Chr. auf Bambusplatten und Seidenstoffen gemalt wurde - auch Bildnisse von Personen -; in Schwung kam aber diese Kunst erst nach der Erfindung des Papiers (105 n. Chr.). Darstellungen aus dem gewöhnlichen Leben scheinen im Anfang bevorzugt worden zu sein, erst durch den Buddhismus wurden auch religiöse Vorwürfe eingeführt, und von dem 7. Jahrhundert n. Chr. trat die Landschaftsmalerei in den Vordergrund.
^[Abb.: Fig. 61. Chinesische Halle von den Minggräbern.
(Nach Photographie.)] ¶
Die Blüte der chinesischen Malerei fällt in die Zeit von etwa 1000-1300 n. Chr., in welcher die Kaiser auch Gemäldesammlungen anlegten und Malschulen errichteten. Später wurden keine Fortschritte mehr gemacht, ja es trat ein Verfall ein, so daß die Werke nach 1400 n. Chr. hinter den älteren zurückstehen.
Die Gemälde wurden auf Papierrollen ausgeführt, und zwar mit einer meist bewundernswerten Feinheit in der Linienzeichnung, die sich daraus erklärt, daß die Chinesen mit Haarpinseln schrieben und daher in der sicheren Handhabung derselben Meister waren. Die Fertigkeit tritt auch hier wieder in den Vordergrund, von künstlerischer Auffassung und geistiger Durchbildung des Stoffes ist nicht viel zu verspüren. Die Umrisse werden klar und scharf gegeben. Den Eindruck des Körperlichen vermochten die chinesischen Maler aber ebenso wenig zu erzielen, als sie es verstanden, die Hauptsachen hervorzuheben. Alles ist gleichmäßig behandelt, jede auch unbedeutende Einzelheit genau ausgetüftelt. Die dargestellten Gegenstände erscheinen daher einerseits wie flach gepreßt, und andrerseits heben sie sich nicht von einander ab, so daß ein chinesisches Gemälde sich nur als eine Nebeneinanderreihung von unkörperlichen Umrissen, ohne Anordnung nach künstlerischen Gesichtspunkten darstellt.
Anzuerkennen ist die Frische und Kraft der Farben, recht leuchtende wurden bevorzugt; guten Eindruck macht auch der Sinn für Farbenzusammenstimmung. Auf die Abtönung bei den Uebergängen legten die Chinesen weniger Gewicht. Die chinesische Malweise kann man auf den Porzellansachen erkennen; daß bei diesen die Fertigkeit im Einbrennen der Farben eigentlich das Bewundernswerte ist, brauche ich wohl nicht besonders hervorzuheben.
Bildnerei und Bauwesen. Die Bildnerei der Chinesen beschränkt sich auf die Porzellangestalten; um große Werke auszuführen (Standbilder, Flachbildwerke), fehlte Anlaß und vielleicht auch Begabung. Es hängt dies mit dem Bauwesen zusammen, mit dem ja die Bildnerei eng verknüpft ist. In China kannte man als Baustoff nur Holz (Bambusrohr) und Lehmziegel; diese sind nun freilich wenig geeignet, um großartige und dauerhafte Bauwerke auszuführen. Die ursprüngliche Religion der Chinesen - die im wesentlichen in Verehrung der Ahnen und der Geister, welche alle sinnlichen Erscheinungen beleben, bestand - hatte weder Priester, noch Tempel und Götterbilder.
Es gab somit anfangs keine religiösen Bauten, welche anderwärts das Meiste zur Entwicklung der Kunst beitrugen. Erst der Buddhismus brachte Tempelbauten mit sich und da er aus Indien kam, erscheint es begreiflich, daß hierbei auch indische Bauformen mit eingeführt wurden, welche man nur im chinesischen Geschmacke umgestaltete.
Chinesische Bauformen, Turmbauten. Man findet daher einerseits die selbständigen Thorbauten für die weitläufigen Tempelhöfe, andrerseits die hohen Turmbauten, - Pagoden nach der landläufigen Bezeichnung, chinesisch tha genannt - welche aus mehreren Stock-
^[Abb.: Fig. 62. Japanischer Tempel in Kyoto.
(Nach Photographie.)] ¶