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Jetzt liegt ein Kompendium der Orthografiereform vor, in dem rund 1000 einschlägige Arbeiten und insbesondere rund 80 Reformprogramme mit Umsicht und Scharfsinn ausgewertet sind: Doris Jansen-Tang gibt in ihrem Werk „Ziele und Möglichkeiten einer Reform der deutschen Orthografie seit 1901“ einen historischen Rückblick und analysiert alle Ergebnisse, insbesondere zur Kleinschreibung und Interpunktion. […] Vielen Politikern, die letztlich über eine Rechtschreibreform zu entscheiden haben, war bis jetzt angesichts des Widerstandes in sprachfundamentalistischen" Kreisen stets das willkommene Argument zur Hand, die Wissenschaft wisse selber nicht, was sie wolle. Das läßt sich heute nicht mehr sagen.
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Müller-Marzohl, Alfons
Es ist weder den barocken grammatikern noch ihren nachfolgern gelungen, genau zu umschreiben, was eigentlich unter einem substantiv zu verstehen wäre. Den begriff “nomen“, der die mittelalterliche grammatik beherrschte, konnte man leichter abgrenzen: Er umfasste alle wörter, die der deklination unterliegen, also neben den nomina propria vor allem auch die adjektive. Wohl unter dem einfluss der philosophischen substanzlehre hat sich dann aber das undefinierbare substantiv theoretisch verselbständigt, und es ist deutschem schulmeisterdenken und deutscher pedanterei (Grimm) gelungen, eine substantivweltanschauung aufzubauen.
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