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Warum muss die Elektro-Direktheizung verboten werden?
Die Elektro-Direktheizung (auch Stromheizung oder Widerstandsheizung) für die Gebäudeheizung oder die Warmwassererzeugung ist im Vergleich zu anderen Optionen sehr ineffizient. Sie stellt also eine energetische Unsinnigkeit dar, die vermieden werden sollte.
Nicht alle Energieformen sind gleichwertig. Der Strom ist eine hochwertige Energieform, weil sie einzigartige Dienstleistungen erbringen kann: Versorgung von elektrischen und elektronischen Geräten, Erzeugung von Wärme mit sehr hoher Temperatur für spezifische Anwendungen, Erzeugung von hochqualitativem Licht für die Beleuchtung usw. Umgekehrt ist Wärme niedriger Temperatur (typischerweise unter 50 °C) eine geringwertige Energieform, die man ausser mit Strom auch mit vielen anderen Mitteln bereitstellen kann.
Ausserdem besitzt die Elektroheizung eine sehr schlechte Energieeffizienz. Sicher, die Elektro-Direktheizung an sich hat eine Energieeffizienz von 100% (der gesamte Strom wird in Form von Wärme im Raum verteilt). Sie verbraucht aber sehr viel für uns wertvollen Strom, obwohl es eine viel sparsamere Lösung gäbe: Die Wärmepumpe! Die Wärmepumpe liefert für dieselbe Menge Strom 2,5 bis 4-mal mehr Wärme als eine elektrische Direktheizung. Der Ersatz einer Stromheizung durch eine Wärmepumpe ermöglicht also eine Stromeinsparung von zwischen 60 und 75% Strom ohne Komfortveränderung des Gebäudes [→ F98]. Genau wie die Glühbirne, die aufgrund ihrer geringen Energieeffizienz im Vergleich zu anderen viel leistungsfähigeren Lampenmodellen verboten wurde [→ F42], muss auch die direkte Stromheizung anderen Heizungsarten Platz machen.
Ausserdem verdeckt die scheinbar 100%ige Energieeffizienz der Elektro-Direktheizungen die Tatsache, dass der Strom zuerst erzeugt werden muss. Bei dieser Produktion treten Verluste auf, deren Grössenordnung von der Produktionsart abhängt. Wenn der Strom z. B. in einem modernen Gaskraftwerk produziert wird, dann liegt die Gesamteffizienz der Stromheizung bei 55%. Das stellt eine sehr hohe Energieverschwendung dar, weshalb die Installation dieser Systeme in immer mehr Kantonen verboten ist. Zum Vergleich: Ein moderner Heizkessel, sei es ein Gas- oder Holzpelletskessel, weist – in Bezug auf die Endenergie – eine Energieeffizienz um die 90% auf.
Derzeit ist die Elektro-Direktheizung für ca. 6% des jährlichen Energieverbrauchs zur Gebäude-heizung und 24% der Brauchwassererwärmung verantwortlich. Die Elektro-Direktheizung macht aber insbesondere 11% unseres Gesamtstromverbrauchs im Winter aus! Dieser Verbrauch fällt mit jener Jahreszeit zusammen, in der die Schweiz nicht genügend Strom für ihren Eigenbedarf produziert [→ F11]. Im Winter importieren wir zur Deckung unseres Bedarfs durchschnittlich 2,6 TWh Strom, wovon 1,9 TWh für Elektroheizungen und 0,6 TWh für die Brauchwassererwärmung verwendet werden. Die Abschaffung der Elektro-Direktheizung und der elektrisch beheizten Boiler würde der Schweiz heute praktisch eine volle Selbstversorgung mit Strom ermöglichen.
Quellen
- Favrat, Maréchal & Epelly (2008)
- Favrat, D., Maréchal, F. & Epelly, O. (2008). The challenge of introducing an exergy indicator in a local law on energy. Energy, 33(2). 130–136.
- Kemmler, A and Koziel, S and Wüthrich, P and Notter, B and Keller, M and Jakob, M and Catenazzi, G (2017)
- Kemmler, A and Koziel, S and Wüthrich, P and Notter, B and Keller, M and Jakob, M and Catenazzi, G (2017). Analyse des schweizerischen Energieverbrauchs 2000-2016 nach Verwendungszwecken. Office fédéral de l'énergie (OFEN).