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Der Gemeinderat von Cheyres-Châbles unterstützt die Kritiker der geplanten Deponie auf seinem Gemeindegebiet. Er teilte gestern in einem Communiqué mit: «Der Gemeinderat nimmt Abstand von der Zonenänderung, die für die Realisierung des Projekts erforderlich ist.» Geplant war auf dem Gebiet von Cheyres-Châbles die Errichtung einer Deponie für sauberes Aushubmaterial. Die Waadtländer Baufirma Orllati wollte diese Deponie während 15 Jahren betreiben. Das Baugesuch – mit dem eine Zonenplanänderung verbunden ist – hätte Ende Monat eingereicht werden sollen.
Verkehr unterschätzt
Drei Gründe nennt der Gemeinderat für seine Entscheidung: Erstens sei die Wirkung des Projekts bezüglich des Verkehrs «anfänglich klar unterschätzt» worden. Gerade der Punkt Verkehr hatte für Aufruhr in der Region gesorgt. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Nachbarorte befürchteten einen Mehrverkehr wegen der Lastwagen, die zur Deponie fahren würden.
Zweitens sei der Bedarf für die Schaffung einer Deponie des Typs A nicht bewiesen, so der Gemeinderat. Die von den Initianten des Projekts vorgelegte Analyse beruhe auf Zahlen des Waadtländer Teils der Broye. Dort gebe es allerdings mehrere potenzielle Standorte für eine Deponie.
Drittens sei die hydrogeologische Studie für die Deponie in Cheyres-Châbles «wenig überzeugend», vor allem für das Gebiet Aglanta, wo ein Bach entspringt, der das Dorf durchquert.
Zufriedenheit bei den Kritikern
Die Gegner der Deponie zeigen sich erfreut über die Haltung des Gemeinderats. «Ich bin sehr zufrieden und begrüsse die Stellungnahme», sagt Philippe Pillonel, Generalrat von Cheyres-Châbles, auf Anfrage. Seit bekannt geworden sei, dass die Deponie entstehen solle, hätten die Bürger die Belastungen durch die angekündigten 27 Lastwagen, die zur Deponie fahren würden, hervorgehoben. Das wären 54 Fahrten pro Tag, sagt Pillonel. Weiter erinnert er an die negative Antwort des Kantons zum Vorgesuch der Firma Orllati. Der Kanton hatte festgehalten, dass der Bedarf für die Deponie nicht genügend belegt werde. «Ich bin erfreut, dass sich der Gemeinderat dieser Position anschliesst und sie bestätigt», so Pillonel. Zum Punkt hydrogeologische Studie sagt der Generalrat, dass die geplante Deponie sich im Einzugsgebiet des Bachs befindet – «eines Bachs, der bereits mehrmals für Überschwemmungen im Dorf gesorgt hat».
Daniela von Niederhäusern, die als Bewohnerin des Weilers La Vounaise vom Mehrverkehr der Deponie betroffen wäre, spricht gegenüber den FN von Erleichterung. Sie freut sich, dass der Gemeinderat sich auf die Seite der Kritiker der Deponie stellt. «Die Punkte, welche der Gemeinderat auflistet, kannten wir vom Collectif citoyen schon seit längerem.» Diese Interessengemeinschaft stellt sich gegen die Deponie in Cheyres-Châbles und zählt auf ihrer Facebook-Seite etwas mehr als 110 Unterstützer.
Baufirma sistiert Projekt
Véronique Chaignat, Kommunikationsverantwortliche der Baufirma Orllati, teilt in einem kurzen schriftlichen Statement mit: «Das Projekt ist sistiert.» Das Unternehmen nehme die Entscheidung des Gemeinderats von Cheyres-Châbles zur Kenntnis. Es sei jedoch darüber erstaunt in Anbetracht der Tatsache, dass es seit 2014 eine Zusammenarbeit mit den kantonalen und kommunalen Behörden bezüglich der Deponie gebe.
Zahlen und Fakten
Zehn Deponien des Typs A im Kanton
In Deponien des Typs A kommt hauptsächlich unverschmutztes Aushubmaterial. Je zwei solcher Deponien gibt es im Broyebezirk (La Côte in Les Montets und Chalet Delez in Montagny), im Glanebezirk (La Croix in Montet und Drognens in Siviriez), im Greyerzbezirk (Creux-de-Valère in Bulle und La Joux-des-Ponts in Sâles), und im Vivisbachbezirk (Les Rosières in Châtel-Saint-Denis und Clos Colliard in Attalens/Remaufens). Je eine Deponie ist im Seebezirk (Cornatze in Wallenried) und im Saanebezirk (Le Té in Le Glèbe).
Widerstand
Die Kritiker der Deponie mobilisierten schnell
Die Absicht der Waadtländer Baufirma Orllati, in Cheyres-Châbles eine Deponie für Aushubmaterial zu schaffen, sorgte in der Region für Unruhe. Mitte März fanden sich 150 Personen in Murist ein, als die Interessengruppe gegen die Deponie einen Infoabend durchführte, berichtete die «Liberté». Ein Kritikpunkt war, dass sich die Deponie in Cheyres befinde, die Lastwagen aber durch die Nachbargemeinden fahren würden. Als sich eine Woche später der Generalrat von Cheyres-Châbles mit der Deponie befasste, waren 170 Zuschauer anwesend. Die Interessengruppe übergab dem Gemeinderat eine Petition mit 2000 Unterschriften. Zum Infoabend der Gemeinde in Cheyres Anfang April kamen über 200 Personen, vornehmlich Kritiker der Deponie.
In seinem gestern verbreiteten Communiqué ist der Gemeinderat von Cheyres-Châbles bemüht, wieder für Ruhe zu sorgen. Er schreibt, dass er auf keinen Fall Spannungen mit den Gemeinderäten und der Bevölkerung der Nachbargemeinden habe herbeiführen wollen.