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Die Führung der Credit Suisse hat sich entschieden, die untersten Chargen für das Versagen im US-Steuerfall zu bestrafen.
Umgekehrt werden die Verantwortlichen der alten Strategie geschont. Sie dürfen die von ihnen geschaffenen Risiken selbst herunterfahren.
Auf Befehl der USA als Teil der 2,5-Milliarden-Strafe hat die CS die beiden Mitarbeiter J.H. und M.A. auf die Strasse gesetzt.
Sie gehören zu insgesamt 9 CS-Leuten, die als Teil des Deals von letzter Woche die Bank verlassen mussten.
Bei J.H. handelt es sich um einen tiefrangigen Kundenberater im früheren US-Offshore-Team. Er hatte sich in den letzten Monaten um die Verabschiedung der „toxischen“ US-Kundschaft gekümmert.
Noch weiter unten in der internen Hackordnung ist M.A.
Gemäss seinem LinkedIn-Profil arbeitete der studierte ETH-Maschinenbauer von 2005 bis 2008 als „Internal relationship manager trainings“.
Es scheint, dass M.A. von der CS-Spitze für sein „Versagen“ in der Ausbildung von US-Kundenberatern bestraft wurde.
Das Köpferollen an der Basis kontrastiert mit der Verantwortung in der Teppichetage der Grossbank.
Dort sitzen Managing Directors, die ein Vielfaches der einfachen Mitarbeiter verdienen, nun aber ungeschoren davonkommen.
Alois Bättig, ein Schlachtross im Private Banking der CS, hatte einst die Repräsentanz in New York eröffnet. Dort empfing die CS reiche US-Kunden, die Steuern umgehen wollten.
Der New-York-Ableger hat der Bank im US-Steuerfall schwer geschadet.
Der zweite Spitzenmann mit Vergangenheit heisst Silvan Wyss. In der „heissen“ Phase war Wyss Chief Operating Officer (COO) des Private Bankings Americas.
Damit war Wyss unter dem damaligen CEO der Region, dem zum US-Whistleblower mutierten Anthony De Chellis, verantwortlich für die konkreten Risiken und Anreizsysteme.
Schliesslich war Christoph Brunner als COO in der Zürcher Zentrale des weltweiten Private Bankings zuständig für die Entwicklung dieser Risiko- und Incentive-Systeme.
Diese haben im US-Steuerfall versagt. Die Bank hatte im Private Banking im Unterschied zum Investment Banking keinen zentralen Überblick über ihre Risiken.
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Die CS betreibt ein „3 Lines of Defense“-System. Dieses funktioniert Top-down, mit dem CEO und dem Konzernanwalt als oberste Verantwortliche und darunter den Bereichsstrategen und regionalen Umsetzern.
Diese Dreier-Verteidigungslinie der CS steht und fällt mit der Arbeit der COOs auf Bereichs- und Regionenstufe. Sie sind die entscheidenden Figuren im Modell, das von der Finanzmarktaufsicht Finma abgesegnet worden war.
Der Arbeit des damaligen Bereichs-COOs Christoph Brunner und des früheren COOs Americas, Silvan Wyss, kam damit im Fall USA entscheidende Bedeutung zu.
Brunner und Wyss hatten eine Politik installiert, welche das Eingehen von Risiken belohnte statt sanktionierte. Sie verhielten sich somit gleich wie ihre „Kollegen“ bei der UBS.
Wyss und Brunner erklärten die Net New Assets (NNA), also das Akquirieren von neuen Vermögen von reichen Kunden, zum obersten Ziel. Je mehr NNA, desto mehr Bonus, lautete die Vorgabe.
Auf dem Höhepunkt hatte die CS viel mehr Amerika-Assets, als die Verantwortlichen zugaben. Gemäss einem US-Bericht betrugen diese rund 10 Milliarden Dollar, verteilt auf über 20’000 Kunden.
Der grosse Umfang – er entsprach rund der Hälfte des UBS-Geschäfts – deutet darauf hin, dass die CS-Chefs „erfolgreich“ waren mit ihrer Strategie, Neugelder gegen hohe Boni anzuziehen.
Die Risiken wurden in Kauf genommen. Die Milliardenbusse und das Eingeständnis, eine kriminelle Organisation zu sein, ist die Quittung dafür.
Die hohen CS-Manager müssen persönlich nicht den Kopf dafür hinhalten. Im Unterschied zu den Subalternen, deren Banken-Karrieren zu einem abrupten Ende kommen, bleiben sie weit oben.
Christoph Brunner ist der mächtige Private-Banking-Chef Schweiz der CS, Silvan Wyss ist ein Topmann in der „Bad Bank“ des Private Bankings.
Damit wickelt Wyss quasi jene Risikogeschäfte ab, die er zuvor in die Bank geholt hatte.
Und Alois Bättig, der einst das Office in New York einweihte, ist heute Chef des Osteuropa- und Afrika-Geschäfts. Er gehört wie Brunner und Wyss zu den Spitzenleuten im Private Banking.
Keiner der hohen CS-Manager ist von der Finma abgestraft worden. Die Finanzaufsicht hat lediglich einem einzigen CS-Banker einen Gewährsbrief geschickt.
Es handelt sich um einen wenig bekannten Manager, der die Bank schon lange verlassen hat.