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Seit 1997 komponieren Tom Findlay und Andy Cato ihre Tracks zum atuellen Zeitgeist. Selbst wer noch nie ein Album oder eine Single der beiden gekauft oder nie eines ihrer Konzerte gehört hat, kennt ihren Sound. Die Groove Armada ist überall, ihre Songs beschallen die Dancefloors des Planeten und untermalen weltweit die beliebtesten Werbespots. Am 27. September 2004 erschien zum ersten Mal eine Sammlung der erfolgreichsten Tracks des nur scheinbar unscheinbaren Duos. Von den Anfängen mit "At The River", das 1997 in einer 500er-Auflage bei Tummy Touch erschien, bis hin zu Floor Fillers wie "Goodbye Country (Hello Nightclub)" oder "Lovebox", jagt auf dem "Best Of"-Album ein Aha-Effekt den anderen.
Wir haben Tom und Andy in ihren Erinnerungen kramen lassen und lauschen gebannt, was sie über die Songs des neuen Albums zu erzählen haben:
1. Superstylin´
Tom: Wenn "At The River" der Beginn unser Karriere war, dann war "Superstylin" der Startschuss unserer House-Karriere. Von diesem Track, der für eine brasilianische Tampon-Reklame verwendet wurde, kann ich heute immer noch nicht genug kriegen. Er bringt die Leute zum Tanzen, hat eine gute Portion Drama und Du vergisst ihn niemals.
Andy: Damals lebten wir im gleichen Gebäude wie Mike Daniel, der für die Vocals von "Superstylin´" zuständig war. Er besuchte uns, um Gesangsspuren aufzunehmen und eines Tages kam er mit der Idee zur Hookline. Wir feilten mehrere Monate, bis der Track stand. Mike ist mit den Jahren immer besser geworden und bis heute ein wichtiger Mann für unsere Live-Shows.
2. If Everybody Looked The Same
Andy: Man hört hier deutlich, dass der Song in der grossen Zeit von Fatboy Slim entstand. Die eigenartigen Fills und Filter sind der eindeutige Hinweis.
Tom: Unser erster Hit. Zum ersten Mal kamen wir auf die Playlists der Radios. Und: Bei Mercedes entschied man sich dafür, "If Everybody.." für einen Werbespot zu verwenden.
3. I See You Baby
Tom: Der Renault Megane-Song!
Andy: Wir stehen total auf den Track. Die Textzeile "I see you baby, shakin that ass" ist tatsächlich in den Sprachgebrauch eingegangen. Es gibt da eine Geschichte, die in Indonesien passiert ist: Ein Trupp von australischen Soldaten marschierte durch ein Dorf - von einer Einheimischen verfolgt, die ununterbrochen "I see you baby" schrie. Als Reaktion liessen die Soldaten die Hosen runter und zeigten ihr, was "shake your ass" bedeutet.
Tom: Die Version auf dem Best Of-Album stammt von Norman Cook. Er war damals gross im Geschäft und wir danken ihm dafür, dass er trotzdem Zeit für den Remix gefunden hat.
4. At The River
Andy: Das Vocal-Sample stammt von einem Patti Page-Album, das wir für 50 Pence in einem Second-Hand-Laden kauften. Wir hatten keine richtigen Mikros, mussten deshalb die Posaunen über die Speaker aufnehmen.
Tom: Die Radios wollten den Song nicht spielen. Radio One fand den Song zu langsam, Kiss FM gefielen die Posaunen nicht. Sie schnitten den Part komplett raus! Als sich "If Everybody.." zum Hit entwickelt hatte, nahm sich Zoe Ball bei Radio One der Sache an. Plötzlich war "At The River" nicht mehr zu langsam......
Die New Zealand Telecom schnappte sich den Song für die Werbung, aber ansonsten waren wir mit der Rechtevergabe vorsichtig. Der Track liegt uns einfach sehr am Herzen.
5. My Friend
Tom: Wir waren in Brasilien und stellten fest, dass die Leute den Song liebten. Wir bekamen auch bald den Grund dafür heraus: Der Song war für eine extrem beliebte brasilianische Telenovela verwendet worden.
Andy: Wegen des Vocal-Samples kamen wir etwas in die Bredouille. Wir dachten, wir wären über eine völlig unbekannte Sängerin gestolpert. Als wir uns kundig machten, fanden wir raus, dass es die Stimme von Brandy war, dem US-R&B-Superstar. Wir hatten gleich die Anwälte am Hals, die uns verbieten wollten, das Sample zu verwenden. Bis Brandy Einspruch erhob, denn sie wollte plötzlich ihre Stimme auf "My Friend" hören.
Tom: Die Entscheidung kam allerdings etwas spät, wir hatten den Song schon neu eingespielt. Als Brandy uns später für einen Remix ihrer Stücke wollte, sagten wird ab. War vielleicht ein bisschen doof von uns, aber schliesslich wollte sie uns ja zuerst in die Suppe spucken.
6. All Of Me
Tom: Ein bisher unveröffentlichtes Stück, das eigentlich auf "Lovebox" zu finden sein sollte.
Andy: Ein sehr roher, ungeschliffener Song. Ich liebe die Lyrics, sie klingen im Zusammenspiel mit dem Sound sehr düster. "I wanna dance with you, I wanna be with you, I wanna take you home.." Klingt fast nach den Worten eines Serienmörders. Die Bassline lockert die Atmosphäre aber etwas auf.
7. Puple Haze
Andy: Einfach schön, ein Status Quo-Sample verwendet zu haben. Francis Rossi spielte sogar im Video mit!
Tom: Ehrlich gesagt stand ich Status Quo etwas skeptisch gegenüber, aber Andy sagte nur: "Lass uns in der Richtung weiter arbeiten. Der Song wird gut"
Andy: Und ich hatte Recht...
8. Madder
Tom: Aufgenommen in den Abbey Road Studios. Der Song war von einem australischen Krimi inspiriert, in dem ein paar Jungs ein grosses Ding drehen. Den Titel hab ich allerdings vergessen.
Andy: Eine seltsame Kombination aus Dance Beats, rockigem Sound und Ragga.....
Tom: Wir hatten Timothy Spall (Vanilla Sky, Harry Potter) im Video
Andy: ......aber live funktioniert das Ding bis heute hervorragend
9. Chicago
Tom: Das Stück ist auf dem Soundtrack von "Kevin und Perry...tun es" zu finden und darauf sind wir mächtig stolz.
Andy: Und ich bin mächtig stolz, diesen Film nie gesehen zu haben
Tom: Man hat "Chicago" aber auch für Tierfilme verwendet...
Andy: Bei den Livesets fangen wir immer mit diesem Song an. Es ist stockdunkel und dann kommt das Intro. Die Menge gröhlt....
Tom: ...und die Musiker benehmen sich wie Pawlow´sche Hunde, gehen in Lauerstellung, auch wenn wir noch gar nicht auf der Bühne stehen. Es war übrigens unser erster Song für das Vertigo-Album und er war in einer halben Stunde im Kasten.
Andy: Wir dachten: "Wow...das Ganze machen wir jetzt zwölf Mal und fertig ist das Doppelalbum!"
Tom: Hat nicht ganz hingehauen.
10. Easy
Tom: Sunshine Anderson hatte gerade ihr grossartiges "Heard It All Before" in den Charts. Die Frau hat einfach Klasse und ihr Song wurde auch zum Klassiker. Zum absoluten internationalen Superhit.
Andy: Ich flog nach New York, um die Vocals mit ihr aufzunehmen. Wir mussten gar nicht lange um sie werben. Wir fragten nach und sie sagte ja. Ich erwartete eine launische Prinzessin, die mit einem ganzen Stab anreisen würde. Die Befürchtungen waren völlig unbegründet. Sie war einfach brillant, eine rauchende, trinkende Diva der alten Schule.
11. Think Twice
Andy: Ein ganz entzückender Song, der - wie die meisten unserer Stücke - gerne überhört wird. Das ändert sich nun hoffentlich. Ich bin so unglaublich stolz auf diese Komposition.
12. Blue Skies
Tom: Songs wie dieser bestätigen Dich darin, ein Best Of aufzunehmen. Bei der Aufnahme von Vertigo hätte ich nicht dran gedacht, dass ich das Album später noch mal hervorkramen würde. Heute merke ich, was für ein klasse Stück "Blue Skies" eigentlich ist.
Andy: "Blue Skies" enthielt früher ein Edith Piaf-Sample. Wieder mal kamen uns die Anwälte in die Quere, also hiess es "Au revoir Edith"
13. Little By Little
Andy: Wunderbares Stück, auf dem Gitarrenlegende Richie Havens zu hören ist.
Tom: Wir haben Richie übers Internet aufgetrieben. Trotz seiner Bekanntheit sind ihm Allüren völlig fremd.
Andy: Für einige Zeit hat er uns sogar auf der Bühne begleitet, war zwei Mal in Glastonbury dabei.
Tom: Die Anekdoten, die er erzählen kann, sind unglaublich. Er war in Woodstock dabei, hing mit Nina Simone ab...Ein sehr spiritueller Mann. Er nannte mich immer einen "typischen Schützen" und ich weiss bis heute nicht, was er damit meinte.
Andy: Die US-Marine wollte den Titel für Ihre Rekrutierungs-Kampagne verwenden. Wir haben abgelehnt.
14. But I Feel Good
Tom: Ein weiterer Geniestreich aus der Reihe "Songs für die Werbung". Eine Bekleidungsfirma namens "George" wollte den Song für einen Spot und ich sagte zu. Kurz darauf erfuhr ich, dass "George" die Hausmarke der Ladenkette Asda (britisches Wal-Mart-Pendant) war. Vier Wochen lang macht Asda mit "I Feel Good" auf sich aufmerksam.
Andy: Sonst gibt´s über den Song nicht viel zu sagen. Ich sass mal im Zug und quatschte mit einem Typen. Irgendwann klappte er seinen Laptop auf, ging auf "i-Tunes" und drückte den "Play"-Button.
Und welcher Titel plärrte mir durch die Computerspeaker entgegen? Es war "But I Feel Good" und mir blieb die Spucke weg.....
10/2004