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| L. Fendt, Einleitung zum „Gastmahl“ von Methodius von Olympus. In: Des heiligen Dionysus Areopagita angebliche Schriften über die beiden Hierarchien. Aus dem Griechischen übersetzt von Josef Stiglmayr. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 2) München 1911.

Einleitung zum „Gastmahl“ von Methodius von Olympus
Einleitung
1.
[S. 3] Der Bischof Methodius von Olympus, kein Großer der Weltgeschichte, hat ungefähr 16 Bücher geschrieben und sich in der Verfolgung des Maximinus Daza für seine christliche Überzeugung hinrichten lassen (311?). Der Bischofsitz des Methodius, Olympus, war nur eine kleine Stadt in Lycien; spätere lassen ihn freilich auch Bischof von Patara und Tyrus gewesen sein; aber in Patara spielt bloß der Dialog „Über die Auferstehung“, und Tyrus hat Hieronymus wohl nur aus dem Beinamen von Olympus: „Phoinikus“ fälschlich herausgelesen: den Bischof von Phoinikus machte er zum Bischof der in diesem Falle bekanntesten phönizischen Stadt, Tyrus. Auch die Bücher des Methodius sind keineswegs Werke ersten Ranges. Er war freilich ein Bekämpfer des großen Alexandriners Origenes; nahm aber das, was ihm bei Origenes gut erschien, in sein eigenes Denken und Leben auf. Die allegorische Exegese hat er geübt wie ein überzeugter Alexandriner; den Kampf um die Reinheit durch Flucht, Selbstzucht und Gleichgültigkeit gegen die Ehe hat er gepredigt, als wäre er ein Jünger des Origenes; ihm war die rechte Erkenntnis Fundament aller Tugend und Neugeburt gleichwie dem wissensstarken „Gnostiker“ von Alexandria. Der Gottesbegriff des Origenes mit dem Grundton der Weltverursachung war weithin auch der seine; sogar der Logos trägt bei ihm gelegentlich ähnliche subordinatianische Züge wie beim Alexandriner. Und der Nerv der methodianischen Dogmatik und Moral: „Jeder muß zum Christus umgeboren werden“, „in jedem muß Christus geboren werden“ durchzittert leise auch schon die Theologie des Origenes. Wo aber Methodius als unversöhnter Gegner zum Schlage ausholt, da trifft er selten zum Tode, recht oft haut er sogar daneben. Die grundsätzliche Wertschätzung des Literalsinnes der Hl. Schrift ist bei einem Mann, [S. 4] der wie Methodius wohlgemute Allegorese in Fülle zutage fördert und sehr wenig seines Axioms gedenkt: Übersieh nirgends den Literalsinn! schlecht vertreten. Seine Lehre, der Leib sei recht und zur Ewigkeit bestimmt, freut einen wahrhaftig, aber gegen den origenistischen Spiritualismus war sie eine zu leichte Waffe, weil doch auch Methodius etwas nicht Seinsollendes im Leibe findet und dies erst durch den Tod vernichtet werden läßt. Kurz, Methodius war ein wohlunterrichteter, für Plato begeisterter, der Stoa nicht abholder Schriftsteller von nicht alltäglicher Formkraft — aber ein Gelehrter war er nicht. Schließlich könnte einer, der nur sicher Bewiesenes zuläßt, dem Bischof von Olympus auch die Martyrerkrone bestreiten; denn der uns sein Martyrium berichtet, Hieronymus, läßt ihn in Chalcis in Griechenland für den Glauben sterben, was nicht recht glaubhaft ist; doch ist nicht abzusehen, ob die Unwahrscheinlichkeit des Ortes das Recht gibt, auch das Martyrium selbst für unwahrscheinlich zu erachten.