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Tulpenmanie und Dotcom-Hysterie – Achtung vor Spekulationsblasen
Tulpenwahn, Tulpenblase, Tulpenfieber oder manchmal auch Tulpenhysterie genannt – dabei handelt es sich um eine Periode im 17. Jahrhundert in den Niederlanden, in der die Knollen der bunten Blumen zum Spekulationsobjekt wurden und eine Tulpenzwiebel plötzlich umgerechnet bis zu 87.000 Euro kosten konnte. Dieser Vorfall wird allgemein als Mutter aller Spekulationsblasen angesehen.
Es begann damit, dass der Botaniker Charles de l’Écluse einen Sack Tulpenzwiebeln aus Konstantinopel geschenkt bekam. L’Écluse verkaufte die Tulpen jedoch nicht, er züchtete sie und nutzte sie zunächst nur als Heilpflanze. Laut der Legende waren es Diebe, die für die Verbreitung der Blume in den Niederlanden verantwortlich waren.
Doch das Angebot war deutlich kleiner als die steigende Nachfrage der neuen Gesellschaftsschicht wohlhabender Kaufleute, die ihren Reichtum zur Schau stellen wollte. Hinzu kam ausserdem noch die inflationäre Geldpolitik, da während dieser Zeit viel Silber und Gold in das Land flossen. Die Voraussetzungen einer Blase waren also perfekt. Bedenkt man zudem noch, wie sehr sich Tulpen in Farbintensität von anderen Pflanzen unterschieden, wird klar, warum jeder sie in seinem Garten blühen sehen wollte. Betuchte Damen trugen sie als Haarschmuck und beim Essen wurden die Zwiebeln als statussymbolisierende Dekoration verwendet.
Neue Züchtungen liessen die Nachfrage immer weiter steigen, doch das Angebot konnte nicht mithalten. Das rief Zwischenhändler auf den Plan, die die Zwiebeln teuer weiterverkauften, bis schliesslich nicht die Pflanze selbst, sondern die Rechte an ihr und ihren Abkömmlingen gehandelt wurden. Man kaufte also Zwiebel, die noch in der Erde waren und begann zu spekulieren. Man musste die Tulpe noch nicht einmal in der Hand gehabt haben und konnte trotzdem Geld mit ihr verdienen. Die Preise stiegen ins Astronomische, bis plötzlich alle nur noch verkaufen wollten und die Blase platze.
Dieser Fall ist ein klassisches Beispiel für die Irrationalität des Markts und dafür, wie Spekulationsblasen entstehen. Man kann sich zu unserer Zeit nicht einmal mehr ausmalen, dass eine Tulpenzwiebel genauso viel gekostet hat wie ein Haus. Viele sind der Meinung, dass der Mensch des 21. Jahrhunderts gebildeter und aufgeklärter ist als seine Vorfahren und sich deshalb nicht auf solch „verrückte Investitionen“ einlassen würde.
Jedoch lassen sich trotzdem viele Menschen von der Aussicht des schnellen Reichtums auch heutzutage noch blenden und gerne wird die Internet-Blase Ende des letzten Jahrhunderts als „Tulpenblase der Neuzeit“ bezeichnet. Es wurden schliesslich ebenfalls Aktien von Unternehmen gekauft, die man nicht kannte und Aktienhandel in allen Bevölkerungsschichten getrieben.
Die Geschichte kann sich also durchaus wiederholen und vielleicht befinden wir uns gerade in einer weiteren Tulpenmanie. Denn auch heute gibt es einige Märkte, die von Wirtschaftsexperten als Blase angesehen werden, die jeden Moment platzen könnte.
Nur handelt es sich dieses Mal nicht um Tulpenzwiebel, sondern um Bitcoins, eine sogenannte kryptische Währung. Kaum einer weiss wirklich, wie das Handeln mit Bitcoins funktioniert, aber jeder will damit handeln.
Im Juni dieses Jahres stieg der Wert der Kryptowährung erstmals auf über 3.000 Dollar. Nur wenige Wochen zuvor hatten die digitalen Coins die 2.000 Dollarmarke durchbrochen. Nun stellt sich natürlich die Frage, warum man für eine Währung, die nicht in Rohstoffen etc. fundiert ist, so viel bezahlen würde. Anhänger der Coins sind der Meinung, dass es sich dabei um die Währung der Zukunft handelt. In dieser Hinsicht sind Spekulationsblasen auch immer ein Spiegelbild des Zeitgeistes. Wer sich trotzdem einmal in Online Trading versuchen möchte, der sollte sich über alle möglichen Entwicklungen auf jeden Fall im Klaren sein, um sich davor schützen zu können.
Ende der 90er Jahre war es die Dotcom-Blase, die die Wirtschaftswelt auf den Kopf stellte. Das World Wide Web wuchs explosionsartig und Anleger suchten überall nach Investitionsmöglichkeiten in das junge Internet. Yahoo wurde zum Beispiel noch in seinem Gründungsjahr 1996 zu einer Börsengesellschaft. Jeder wollte Online-Anzeigen aufgeben und Aktien stiegen auf Rekordwerte – bis auch diese Blase platzte. Einige Experten befürchten eine neue Dotcom-Blase, da der Wert von Apple, SAP, Sony und Co. immer weiter ansteigt. Anleger sind deshalb momentan sehr wachsam und behalten die Entwicklung des Technologiemarkts genau im Auge.
Wer in einen Markt investieren möchte, der sollte seine Tücken genau kennen. So gibt es zum Beispiel Firmen, die ein Monopol in einem bestimmten Bereich haben, und Preise somit beliebig festlegen können. Wer ein solches Monopol hält, der kann viel Geld verdienen – auf Kosten der Verbraucher. Ein weiteres Problem kann eine Marktekstase sein, wie es sie während der Tulpenmanie gab. Dann steigen die Preise in astronomische Höhen aufgrund von irrationalem Kaufverhalten. Anleger sollten sich vor einer Investition mit diesen Problemen auseinandersetzen.
Artikelbild: Kosikhina Anna – shutterstock.com