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Ohne Buchführung würden Sie weder diesen Artikel auf Ihrem Smartphone lesen noch ein neues Auto fahren oder Musik auf Spotify hören können. Ohne Buchführung gäbe es kein Gewerbe, keinen Handel. Ohne Handel aber hätten wir keine Flugzeuge, Züge, Traktoren, keine Dampfmaschinen, Wolkenkratzer oder Computer. Es gäbe keine Nationalstaaten, keine Schiffe, keine Schiffscontainer, die um die ganze Welt reisen und Güter von nah und fern transportieren.
Ohne Buchführung würden wir noch immer Hirschen im Wald nachstellen oder versuchen, ein kleines Stück Land so zu bewirtschaften, dass es uns ein Auskommen sichert. Der Grund dafür ist einfach. In der gesamten bisherigen Weltgeschichte gab es genau zwei Quantensprünge in der Buchführung, und beiden folgte ein massiver Schub, was die Komplexität und Innovation menschlicher Gesellschaften betrifft.
Einfache Buchführung: mit Blut geschrieben
Unsere Fähigkeit, den Überblick darüber zu behalten, wer wem was schuldet, wer wen bezahlt hat und wem was gehört und was nicht, führte auf direktem Weg zu grösseren und dynamischeren Zivilisationen. Dank ihr entwickelten sich aus Stammesgesellschaften riesige Staaten mit hunderten Millionen Einwohnern. Statt dass alle Menschen wie in buchführungslosen Zeiten den gleichen, wenigen Tätigkeiten wie Jagen, Sammeln oder Landwirtschaft nachgingen, wurden nun Arbeitsteilung und berufliche Spezialisierung möglich. Durch die Arbeitsteilung konnten sich Menschen auf immer kleinere Probleme konzentrieren, was immer grössere Vorteile nach sich zog. Jemand hatte herausgefunden, wie man grosse Schiffe baut, ein anderer hatte die Schrift erfunden – es dauerte nicht lang, da durchpflügten Galeeren die hohe See, um Gewürze und exotische Tiere und Seide aus den entlegensten Gebieten der Erde in die heimischen Häfen zu bringen.
Ich schreibe diesen Artikel auf einer Reise durch das wunderschöne Bayern. Die Burg, die ich gestern besichtigt habe, mit ihren prächtigen Schlachtengemälden, den stattlichen, von prächtigen Hirschen gestützten Kandelabern und ihren edlen Kirschholzmöbeln, wurde auf dem Boden der einfachen Buchführung gebaut – und mit ziemlich viel Blut. Denn die ästhetische Verbrämung des Blutes auf den Gemälden im romantischen Stil kann nicht verschleiern, dass sich damaliger Wohlstand aus offenem Krieg speiste. Aber was hat Buchführung mit Burgen zu tun?
Es war die einfache Buchführung, die nachvollzog, wie viel Geld sich Könige wie der närrische Träumer Ludwig II. von Bayern borgten, um ebenso närrische Paläste wie das Schloss Neuschwanstein zu bauen, das heute Millionen von Touristen anziehen mag, damals aber die Bauern dazu bewegte, aufzubegehren und Rechenschaft für den Schlendrian des Staatsoberhaupts zu verlangen. In der einfachen Buchführung besteht das Kassenbuch aus einer einzigen Spalte, in der verzeichnet wird, was jemand schuldet oder bezahlt hat: Daniel hat 50 Euro bezahlt, Daniel schuldet 50 Euro.
Das erwies sich als effektiv genug, um uns durch das feudale Zeitalter mit seinen Herzögen, mächtigen Dynastien und Privatarmeen zu bringen. Aber die einfache Buchführung ist sehr begrenzt und betrugsanfällig. Ein Buchhalter muss nur eine einzige Zeile aus einem Register tilgen, um eine Geldschuld oder ein Guthaben für immer auszulöschen. Es gibt keine Möglichkeit der Kontrolle, der Buchprüfung, keine Möglichkeit für ein Vieraugenprinzip.
Im Zeitalter der Feudalherren war der Bruder des Königs naturgemäss der einzige verlässliche Buchhalter, denn man musste diesem Typen wirklich trauen können, und ein beliebiger Händler erfüllte diese Voraussetzungen nicht. Handel war also eine Familienangelegenheit. Die Könige und Königinnen handelten mit Herzögen, behielten den Löwenanteil des Geldes für sich und liessen ihre Untertanen am Hungertuch nagen. Mächtige Geschlechter beherrschten die Erde.
Ein Mönch stellte die Buchführung auf neue Füsse
Der zweite grosse Durchbruch in der Buchführung änderte all das und machte die Welt zu der, die wir heute kennen. Um das 15. Jahrhundert drohte die einfache Buchführung endgültig an ihrer Beschränkung zusammenzubrechen. Zum ersten Mal in der…