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Uni Bern erzählt neue Geschichten um Dürrenmatt
Vierzehn Autorinnen und Autoren, die alle die Dürrenmatt Gastprofessur inne hatten, haben neue Erzählungen geschrieben, die sich mit dem Leitthema von Friedrich Dürrenmatt auseinandersetzen: dem Verhältnis des Kleinen zum Grossen, des Eigenen zum Universalen, des Dorfes zur Welt. Die Texte werden als Anthologie veröffentlicht und am 11. November 2021 in der Schweizerischen Nationalbibliothek vorgestellt.
Am 5. Januar 2021 wäre Friedrich Dürrenmatt hundert Jahre alt geworden. Zugleich ging die Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur an der Universität Bern in ihr fünfzehntes Semester. Ein doppeltes Jubiläum, aus dessen Anlass die bisherigen Gastprofessorinnen und Gastprofessoren neue Erzählungen verfasst haben, die nun unter dem Titel Vom Dorf um die Welt veröffentlicht werden. Zustande gekommen ist eine höchst spannende und unterhaltsame Reise durch die gegenwärtige Weltliteratur – angeregt von Friedrich Dürrenmatt und ausgehend von Bern.
Einige Beiträge beziehen sich auf Dürrenmatts Heimat. Lizzie Doron (Israel) beschreibt eine Reise nach Bern, die zu einer verstörenden Begegnung wird. Joanna Bator (Polen) wählt die Aare beim Bärengraben als Schauplatz, wo sich ihre Protagonistin das Leben nimmt. Juan Gabriel Vásquez (Kolumbien) erinnert daran, wie sich Stalins Tochter in Muri versteckte. Nedim Gürsel (Türkei) führt uns vom Beinhaus in Leuk nach Istanbul und in die gewaltsame Geschichte des Osmanischen Reiches. Josefine Klougart (Dänemark) schildert einen Aufenthalt in Bern als Zeit der Offenbarungen, die eine «Biographie der Berge» hervorbringt und in einer Lawine endet. Andere Texte beziehen sich direkt auf Dürrenmatt. Mathias Énard (Frankreich) erzählt vom Bürgerkrieg in Bern im zehnten Jahr der Corona-Pandemie, ausgehend von Dürrenmatts «Winterkrieg in Tibet». Bei Wendy Law-Yone (Burma) wird mit einer Geschichte von Dürrenmatt unter dramatischen Umständen ein Mensch am Leben gehalten. Lukas Bärfuss (Schweiz) setzt sich mit dem dörflichen Milieu auseinander, aus dem Dürrenmatt stammte, und er lässt seinen Erzähler über dessen Provinzialität schimpfen, wie Dürrenmatt selbst über Provinzialität schimpfte.
«Die Polemik ist vielleicht die höchste Form der Hommage», sagt Oliver Lubrich, Professor für Komparatistik an der Universität Bern und Initiator der Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur. Mitherausgeber Reto Sorg, Direktor des Robert Walser-Zentrums, erklärt: «Für Dürrenmatt ebenso wie für Walter Benjamin, Albert Einstein, Paul Klee oder Meret Oppenheim war Bern, dieser scheinbar so beschauliche Ort, zugleich ein Labor kritischen Nachdenkens und künstlerischer Erneuerung.»
(text:pd/bild:zvg/unibe)