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Der Badener Stadtammann und Grünen-Nationalrat Geri Müller hat die Anzeige in seiner Nacktselfie-Affäre ausgeweitet. Er verlangt, dass nun auch die Rolle des Journalisten untersucht wird, der die Affäre Mitte August erstmals öffentlich gemacht hatte.
Andreas Meili, der Anwalt von Geri Müller bestätigte eine entsprechende Meldung der «SonntagsZeitung». Der Ausweitungsantrag betreffe Patrik Müller, den Chefredaktor der Zeitung «Schweiz am Sonntag».
Die Strafuntersuchung wird von der Staatsanwaltschaft Berner Jura–Seeland in Biel geführt. Sie betraf zuerst nur die Chatpartnerin von Geri Müller, wurde dann aber auch auf den PR-Berater Sacha Wigdorovits und Josef Bollag, den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Baden, ausgeweitet. Dies ist seit Anfang November bekannt.
Wer hatte welches Material verwendet und weitergegeben?
In allen vier Fällen geht es um den Chat-Verkehr, der zwischen Geri Müller und der Chat-Partnerin ablief. Die Chat-Partnerin wurde angezeigt, weil sie die privaten Gespräche ohne Wissen von Geri Müller aufgezeichnet hatte.
Patrik Müller, Sacha Wigdorovits und Josef Bollag wird vorgeworfen, dass sie diese Gespräche verwendet, weitergegeben oder Dritten zugänglich haben.
Patrik Müller hatte in seinem ersten Artikel über die Affäre ein Tondokument erwähnt, das der «Schweiz am Sonntag» vorliege. Aus diesem gehe hervor, dass Geri Müller die Frau aufforderte, abzustreiten, dass sie mit ihm Kontakt hatte. Die Zeitung zitierte auch andere Passagen aus dem Chat-Verkehr von Geri Müller und seiner Chat-Partnerin.
In der «Sonntagszeitung» sagt Patrik Müller, er wisse nichts von einem Verfahren gegen ihn. Valentin Landmann, Anwalt von Sacha Wigdorovits, wird so zitiert: «Wir schauen der Untersuchung ohne Besorgnis und mit Interesse entgegen.» Und Josef Bollag informiert die «Sonntagszeitung» dahingehend, dass er nichts wisse über eine Ausweitung der Strafanzeige auf seine Person.
Müller vs. Müller
Geri Müller zeigt sich auf Anfrage des Regionaljournals überrascht über den Artikel in der «Sonntagszeitung». Dass er die Anzeige ausweiten wolle auf weitere Personen, das sei ja schon längst bekannt, im Artikel stehe gar nichts Neues.
Genaueres könne aber sein Anwalt sagen. Dieser reagierte am Sonntagnachmittag aber nicht auf Anfragen auf seiner Combox. Das Regionaljournal hinterliess ihm dort die Frage: «Ist es korrekt zu sagen, dass Geri Müller Patrik Müller angezeigt hat?»
Sicher ist: Juristisch ist die Affäre Gerigate noch längst nicht ausgestanden. Und politisch ebenfalls nicht. Das zeigen die jüngsten Manöver im Badener Einwohnerrat, wo vordergründig auf die Sache gespielt wird (Mängel in der Verwaltungsführung). Man wird aber den Verdacht nicht los, dass hintergründig die bürgerliche Ratsseite jede Möglichkeit wahrnimmt, um auf die Person zu spielen, eben Stadtammann Geri Müller.
Josef Bollag ist ein politischer Gegner von Geri Müller. Im Wahlkampf opponierte er gegen Müller mit dem Argument, dieser unterstütze die Terrorbewegung Hamas. Bollag kennt Sacha Wigdorovits gut. Beide hatten Kontakt zur Chat-Partnerin von Geri Müller. Und Patrik Müller hatte Wigdorovits persönlich getroffen, bevor er seinen Artikel publizierte.