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Nebst einem Querschnitt der schweizerischen Munition sehen Sie eine einmalige Sammlung von aufgeschnittenen Patronen. Unser Waffen- und Munitionsspezialist, Herr Karl Untersee, hat in unzähligen Stunden das Innenleben von fast 1’000 Patronen für uns sichtbar gemacht.
Mehrfachgeschoss
Beim Schiessen mit Mehrfachgeschossen wird die Trefferwahrscheinlichkeit wesentlich erhöht, weil gleichzeitig mehrere Geschosse die Waffe verlassen und das Ziel mit einem gewissen Abstand voneinander treffen. Diese Munition wurde vor allem für schlechte Schützen entwickelt.
Da bei dieser Munitionsart die Anzahl der Geschosse erhöht wurde, vermindert sich die Auftreffenergie der einzelnen Geschosse und gleichzeitig verringert sich auch die wirkungsvolle Reichweite. Damit sich die drei Geschosse voneinander trennen können, ist der vorderste Teil des Laufes konisch und verjüngt sich von 11,4 mm auf 9,65 mm. Die Geschossenden werden beim Passieren des konischen Laufteils zusammengepresst, wobei das jeweils nachfolgende Geschoss aus dem holen Boden des vorhergehenden Geschosses heraus gedrückt wird. Die Geschosse verlassen den Lauf mit verschiedenen Geschwindigkeiten – das 1. mit 344 m/s, das 2. mit 327 m/s und das 3. mit 320 m/s.
Sabotagepatrone
Diese Patrone wurde in einer Munitionsfabrik in England hergestellt. Es ist eine Kopie einer Wehrmachtspartrone mit dem Code P 490 der Hugo Schneider AG, von Altenburg in Deutschland. Diese Patronen mit echt aussehenden Bodenstempeln, in perfekt gefälschten Packungen und Kisten wurden von den Engländern nachts bei Luftangriffen über deutschem Gebiet abgeworfen.
Jeder deutsche Landser war sicher froh über den unverhofften Nachschub. Nur eines konnte er nicht wissen, dass es sich bei dieser Munition um besonders für Waffensprengungen manipulierte Patronen handelte. Anstelle der normalen Treibladung ist im Pulverraum eine Sprengladung untergebracht. Sie besteht aus einer verkürzten englischen Sprengkapsel, die so eingesetzt ist, dass ihre offene Seite vom Zündstrahl getroffen wird. Zwischen der Sprengkapsel und der Patronenwand befindet sich etwa 1,2 g Plastiksprengstoff. Darüber ist der freie Raum mit Watte ausgefüllt, damit Sprengkapsel und Sprengstoff dort bleiben wo sie hingehören und die Patrone nicht zu schwer wird. Wenn bei der Schussabgabe die Sprengkapsel und der Sprengstoff detonieren, werden durch die entstehenden Gase das Patronenlager und der Verschluss durch Sprengung zerstört. Durch die abgesprengten Waffenteile kann es zur Verletzung des Schützen und dicht bei ihm stehenden Personen kommen. Das bei der Sprengung den Lauf verlassende Geschoss hat gegenüber einem normal abgefeuerten Geschoss eine wesentlich geringere Geschwindigkeit und Energie. Die Waffe wird in der Regel zerstört.
Mannstopp
Bei dieser Patrone ist der Geschossmantel nicht mit massivem Blei gefüllt sondern mit Schrotkügelchen. Als Abschluss dient eine blaue Kunststoffkugel. Beim Zieleintritt wird diese Kugel in die Schrote hineingedrückt, der Geschossmantel kann dem Druck nicht standhalten und platzt dadurch auseinander. Es gibt somit eine sofortige Querschnittvergrösserung und dadurch eine geringere Eintrittstiefe.
Diese Geschosse verursachen keine Durchschüsse und keine Querschläger, sind also keine Gefahr für Unbeteiligte. Ein typisches Anwendungsgebiet dieser Munition ist im Innern von Flugzeugen, wo Personen gestoppt werden können, ohne dass dabei erhebliche Schäden an den technischen Einrichtungen entstehen.
Archivierung einer einmaligen Munitionssammlung
Kürzlich archivierte Fotografiestudentin Sabine Pearlman die rund 900 Exemplare umfassende Munitionssammlung von Karl Untersee, Mitarbeiter des Festungsmuseums Heldsberg.
Per Zufall entdeckte Sabine Pearlman im Festungsmuseum Heldsberg die Munitionssammlung im Rahmen eines Besuches ihrer Schwester, denn aufgewachsen ist sie in Altach Vorarlberg. Als Fotografiestudentin war sie auf der Suche nach einem neuen, einmaligen und interessanten Motiv für eine Projektarbeit als Abschluss ihres Studiums in Santa Moncia, Kalifornien.
Die Munitionssammlung baute Karl Untersee während der vergangenen 20 Jahre auf. Die Sammlung umfasst zur Zeit rund 900 Exemplare, welche nun Sabine Pearlman in Wort und Bild dokumentiert und anschliessend dem Museum für Online- und Druckbedarf gratis zur Verfügung stellt. Von den Geschossen hat Karl Untersee Längsschnitte erstellt. Somit sind Zündkapsel, Treibladung und Geschossspitze, deren Kern in der Regel aus Blei besteht, einsehbar. Man staunt ob der Vielfalt der Munition, welche bei den Armeen, der Polizei, den Sicherheitskräften, Jagd- und Sportschützen verwendet wird. Es kommen immer wieder Neuentwicklungen auf den Markt. Die Sammlung umfasst Exemplare aus der ganzen Welt.