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Im Oktoberheft 1974 der Kulturzeitschrift «Du» schreibt der damalige Chefredaktor Manuel Gasser: «Die Notwendigkeit einer Institution, die sich aktiv um die Belange der Photographie kümmert, wurde zuerst von Frau Rosellina Burri-Bischof erkannt, die dann auch die treibende Kraft bei den Gründungsvorbereitungen war.» Um die Anfänge dieser Stiftung für Fotografie ranken sich manche Legenden. In der Biografie über Allan Porter, den Chefredaktor der internationalen Fotografiezeitschrift «Camera», erklärt der Schriftsteller Hugo Lötscher, er könne lediglich sagen, er habe die Stiftung nicht gegründet, Rosellina Burri-Bischof sei es gewesen. Bis es jedoch 1971 zu dieser offiziellen Gründung kam, hatte Burri-Bischof schon zwei Jahrzehnte lang mit Herzblut und grosser Professionalität für die Fotografievermittlung in der Schweiz gearbeitet.
Wichtige Arbeit im Backoffice
1946, unmittelbar nach dem Krieg, arbeitete das einzige Kind des ungarisch-jüdischen EmigrantInnenpaars Moses und Anna Mandel, geboren am 5. Juni 1925 und aufgewachsen in Zürich, im «Centro Educativo Italo-Svizzero» (CEIS) in Rimini. Der 1916 geborene Fotograf Werner Bischof besuchte das CEIS für eine Reportage. Als Rosellina Burri-Bischof ihn kennen- und lieben lernte, hiess sie noch Rosa Mandel, Freundinnen nannten sie Rösli, für die ItalienerInnen war die ausgebildete Kindergärtnerin die Rosellina. Als Erzieherin betreute sie vom Krieg traumatisierte Waisenkinder. Nach den dunklen dreissiger Jahren und den schweren Jahren des Zweiten Weltkriegs waren die jungen Menschen voller Hoffnung, eine neue, bessere Welt aufbauen zu können und Teil ebendieser zu sein.
Viele der Kinder in Rimini seien verhaltensauffällig gewesen, erinnert sich der Grafiker und ehemalige Zürcher SP-Gemeinderat Bruno Kammerer, der als vierjähriger Nestfalke in die linke Antipfadi Rote Falken aufgenommen worden war und als zwölfjähriger Rotfalke von Rösli, seiner ehemaligen Falkenleiterin, einen Sommerjob gefasst hatte: Er sollte den Kindern in Rimini zeigen, wie man «Chasperli»-Puppen aus Papiermaché bastelt. Schon damals nahmen die Roten Falken Mädchen wie Jungen auf – und blieben dem Zürcher Knabenschiessen fern. Stattdessen trafen sich die Kinder und Jugendlichen im Haus «Mösli» vor der Felsenegg für Spiele, Theater und Bildung. Die Töchter der Linkssozialen seien Kindergärtnerinnen oder Lehrerinnen geworden, erinnert sich Kammerer. Nach der Vorstellung ihres Vaters, Schreiner von Beruf und engagierter Gewerkschafter, sollte sich Rosa der Bildung der Arbeiterkinder widmen.
Seit Beginn ihrer Ehe im Mai 1949 habe seine Mutter ihrem Mann Werner Bischof den Rücken freigehalten und im «Backoffice» gearbeitet, erzählt der älteste Sohn Marco Bischof. Sie kümmerte sich um alles Administrative rund um die fotografische Arbeit, suchte Negative heraus, liess Vergrösserungen der Bilder anfertigen und schickte diese den Redaktionen zu. Rosellina begleitete Werner auch auf Reisen in Europa, Asien, Japan, den USA und Mexiko. Für die erste «Weltausstellung der Photographie» im Jahr 1952 in Luzern habe sie beim Zusammentragen wichtiger Bilder weltberühmter Fotografen mitgewirkt, weiss Marco Bischof.
Die Bischofs, die in einer loftartigen Wohnung an der Hüslibachstrasse 94 in Zürich Leimbach wohnten, hätten in den Augen der eher kleinbürgerlichen EinwohnerInnenschaft des Quartiers ein unbürgerliches Leben geführt, erinnert sich der Schriftsteller Peter K. Wehrli. Das Ehepaar Bischof war auch oft zu Gast bei Manuel Gassers «Montagen», die regelmässig bei ihm zu Hause mit jeweils acht bis vierzehn Eingeladenen stattfanden. Es gab immer eine Suppe, dazu Wein oder Bier, und die bunt durchmischten Gäste sassen zwanglos in kleinen Gruppen zusammen. Der Journalist Gasser, der schon in den fünfziger Jahren offen homosexuell lebte, war ein grosser Bewunderer der fotografischen Arbeiten von Werner Bischof, dem es wie kaum einem anderen gelang, Ästhetik und Emotionen in einer perfekten Bildkomposition zu bündeln. Bereits zur ersten Publikation des Fotografen, «24 Photos» aus dem Jahr 1946, hatte er einen Textbeitrag verfasst.
Eine Schule des Sehens
«De Bischof isch s Loch abegheit!» Die Nachricht verbreitete sich in Zürich in Windeseile. Trauer und Bestürzung waren gross, als der international bekannte Schweizer Fotograf, Mitglied der noch jungen Bildagentur Magnum Photos, am 16. Mai 1954, erst 38-jährig, im peruanischen Gebirge zusammen mit dem Geologen Ali de Szepessy und einem Fahrer in den Abgrund stürzte – auf einer Andenstrasse «nicht besser und nicht schlechter als alle Wege in jener Gegend», wird Manuel Gasser in der Biografie von Werner Bischof zu seinem Fotobuch «Unterwegs» schreiben, das Rosellina Bischof, nun Witwe und alleinerziehende Mutter zweier Söhne, im Jahr 1957 herausbringt. Als er starb, war sie hochschwanger mit dem zweiten Sohn Daniel, der neun Tage nach dem Tod von Werner Bischof zur Welt kam. In ihrer neuen Rolle verwaltete Rosellina Bischof nun den wertvollen Bilderschatz ihres verunfallten Mannes.
Im Herbst 1954 organisierte sie die Vernissage für den Bildband «Japan» und eine Wanderausstellung mit Japanfotografien. Zwei Jahre später wurde die bestens vernetzte Fachfrau der Fotografie, die sie in wenigen Jahren geworden war, Direktorin der Bildagentur Magnum Schweiz. Solide Arbeitsbeziehungen waren im Einklang mit langjährigen Freundschaften auf internationalem Parkett. Rosellina Bischof war allseits beliebt. Ihr verstorbener Mann hatte sich 1949 als sechstes Mitglied der Agentur Magnum angeschlossen, die genossenschaftlich aufgebaut war und sich der sozialkritischen, humanistischen Fotografie verpflichtet fühlte. Die herausragenden Fotografen wollten vor allem auch die Kontrolle über das eigene Bildmaterial behalten. Wie mit einer falschen Bildlegende, einer schlechten Auswahl, dem Beschnitt einer Fotografie ihre Arbeit verzerrt oder gar verunstaltet gezeigt wurde, hatten sie alle erlebt. Es galt, die eigene Bildsprache bestmöglich zu verteidigen.
1956 gelang es Rosellina Bischof gemeinsam mit dem Pariser Verleger Robert Delpire, den verantwortlichen Konservator des Kunstgewerbemuseums der Stadt Zürich, Willy Rotzler, davon zu überzeugen, eine Ausstellung über keinen Geringeren als Henri Cartier-Bresson zu zeigen. 1957 startete sie in Zusammenarbeit mit ebendiesem Museum eine Wanderausstellung mit Fotografien von Werner Bischof, die auch in mehreren Städten Deutschlands gastierte. 1961 zeigte sie in Zürich Kriegsfotografien von Robert Capa, der neun Tage nach ihrem Ehemann ebenfalls tödlich verunglückt war, eine Ausstellung, die sie von New York hatte übernehmen können. Der selbstauferlegte Bildungsauftrag war erfüllt. Es gelang ihr, ein Schweizer Publikum mit drei Präsentationen hochkarätiger Fotografien zu sensibilisieren: eine eigentliche Schule des Sehens. Doch das sollte erst ein Anfang sein.
Fotolegenden im Seefeld
Die weltumspannende Fotoausstellung «The Family of Man», kuratiert vom Starfotografen Edward Steichen, 1955 in New York eröffnet, gastierte 1958 im Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich. Werner Bischof war mit neun Bildern vertreten. Steichen, Rosellina Bischofs grosses Vorbild, hatte ab 1947 als Direktor der bedeutenden Fotografieabteilung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) fungiert, wo man schon 1930 damit begonnen hatte, Fotografie gleichgestellt mit allen anderen Künsten zu sammeln und zu zeigen.
In der Schweiz hatte zu jener Zeit noch kaum jemand an das professionelle Sammeln von Fotografien gedacht, das Medium Fotografie war indes auf höchstem Niveau sogar sehr präsent gewesen. Mit dem Magazin «Camera», der «Internationalen Monatszeitschrift für Photographie und Film», 1922 vom Luzerner Verleger Carl Josef Bucher gegründet, konnte dieser nicht nur die drucktechnische Qualität seiner Produkte unter Beweis stellen, sondern auch die interessantesten Fotoarbeiten und Fototechniken präsentieren. Das Heft war weltweit im Abonnement zu haben. Pionierarbeit hatte auch Hans Finsler geleistet, der legendäre Fotolehrer, bei dem Werner Bischof 1932 als zweiter Schüler seine Lehrjahre in der ersten Schweizer Ausbildungsstätte für Berufsfotografen absolvieren konnte. Finsler sollte im Team mit Alfred Willimann noch viele Fotografen ausbilden, Ernst Scheidegger, René Burri und andere mehr wurden später berühmt. Und auch Arnold Kübler, seit 1929 Chefredaktor der «Zürcher Illustrierten», galt als bedeutender Anreger des Fotojournalismus und der Bildberichterstattung in der Schweiz; er förderte beispielsweise Paul Senn und Annemarie Schwarzenbach. Unter Küblers Fittichen, der 1941 die Zeitschrift «Du» gründete, entwickelte sich der talentierte Mode- und Werbefotograf Werner Bischof angesichts der gesellschaftspolitisch relevanten Themen der Zeit zum sozial engagierten Bildberichterstatter.
In Gassers Tagebuch seiner «Montage» ist am 25. Oktober 1954 Frau R. Bischof in der Gästeliste eingetragen, später wird sie als Rosellina Bischof aufgeführt – und 1956 gemeinsam mit René Burri eingeladen. 1963 heiratet sie den Magnum-Fotografen. Aus dieser Ehe gehen zwei Kinder, Yasmine und Olivier, hervor. David Streiff, seit 2008 Präsident der Fotostiftung Schweiz, erinnert sich: «Auf dem Hintergrund ihres prominenten Namens pflegte Rosellina Burri-Bischof freundschaftliche Beziehungen zur Agentur Magnum, dem Center of Photography, New York, und vielen wichtigen Fotografen.» Cornell Capa, der Bruder von Robert Capa, gründete 1966 in New York die Bischof-Capa-Seymour Memorial Foundation im Andenken an die drei Magnum-Fotografen, die bei der Ausübung ihres Berufs tödlich verunfallt waren. Burri-Bischof wurde von Capa in den Stiftungsrat berufen. 1968 zeigte die Organisation, die sich neu «International Fund for Concerned Photography» nannte, eine erste Ausstellung in New York: «The Concerned Photographer». Rosellina Burri-Bischof erhielt von Capa das Angebot, die gesamte Ausstellungspräsentation für Zürich zu übernehmen. Dem jungen Fotografen Jürg Gasser, der bei Heidi Weber, der Galeristin, Bauherrin und Besitzerin des «Centre Le Corbusier» an der Höschgasse in Zürich Seefeld, für die Ausstellungen verantwortlich war, gelang es, diese von einer Übernahme für Zürich zu überzeugen. 1970 hingen in ihrem Haus Bilder von Bischof, Capa, David Seymour, aber auch von Leonard Freed, Lewis Hine und Dan Weiner. Die Veranstaltung sei ein Grosserfolg gewesen, erinnert sich Gasser, viele wichtige Fotografen, Koryphäen aus Paris und New York, hätten an der Vernissage in Zürich teilgenommen.
Mit resoluter Warmherzigkeit
Ursprünglich als Schweizer Dependance oder Ableger von Cornell Capas Stiftung mit Sitz in New York angedacht, wurde die «Stiftung für die Photographie», am 4. Mai 1971 urkundlich beglaubigt, dann doch als eigenständige Schweizer Institution ins Leben gerufen. Die Nähe zur Bildagentur Magnum blieb indes bestehen, auch der Grundgedanke der Bischof-Capa-Seymour-Stiftung wurde übernommen. Im Boot mit der Gründermutter Rosellina Burri-Bischof waren die Gründerväter Manuel Gasser als erster Präsident, der Werbepionier Victor N. Cohen, der in den vierziger Jahren mit Werbekampagnen für Furore gesorgt hatte, Hans Finsler als Ehrenpräsident, dessen Nachfolger an der Kunstgewerbeschule, der Fotolehrer Walter Binder, der junge Fotograf Jürg Gasser, der Rechtsanwalt Martin Howald und der Verlagsfachmann Herbert Winter.
Manuel Gasser, bestens vernetzt in der Zürcher Kulturszene, auch mit Grössen aus Industrie und Wirtschaft, und Rosellina Burri-Bischof, seit mehr als zwei Jahrzehnten als erfolgreiche Fotografievermittlerin unterwegs, erwirkten durch geschicktes Verhandeln, dass das Zürcher Kunsthaus der «Stiftung für die Photographie» Gastrecht gewährte: Einer Fotoabteilung, vergleichbar mit derjenigen im New Yorker MoMa, stand nichts mehr im Wege. «Photographie in der Schweiz – 1840 bis heute», die grosse Präsentation im Bührle-Saal als Auftakt und erste Bestandesaufnahme des fotografischen Schaffens der Schweiz im Herbst 1974, war sehr erfolgreich und wurde für mehrere Jahre auf Wanderschaft geschickt. Für die gleichnamige Buchpublikation konnten bekannte Schweizer Autoren wie Hugo Lötscher und Charles-Henri Favrod verpflichtet werden. So wurde auch ein Austausch über den Röstigraben möglich, insbesondere mit dem Fotomuseum von Lausanne, dem Musée de l’Élysée, das in den achtziger Jahren von Favrod gegründet wurde.
David Streiff, der Rosellina Burri-Bischof 1978 kennenlernte, erinnert sich noch daran, wie sie im Büro der Stiftung im Kunsthaus Zürich tätig war, arbeitete und telefonierte. Sie sei ein Wirbelwind gewesen, voller Energie und Tatendrang, ein fantastisches Engagement, ein wahnsinniger Charme, sie habe vieles angerissen, Bauplätze aufgetan, sei die «Aussenministerin», der Motor gewesen. Ihr zur Seite stand Walter Binder, der von vielen ZeitzeugInnen als etwas graue Beamtenfigur wahrgenommen wurde: Ihm habe der Glanz gefehlt. Gleichzeitig leistete er wichtige Basisarbeit beim Aufbau der Stiftung, in den Archiven und für die Sammlung.
Bei der «Stiftung für die Photographie» hatte Rosellina Burri-Bischof im Entscheidungsfindungsprozess eine Schlüsselrolle besetzt; ihre Fähigkeit, in innigem Kontakt mit anderen Menschen in resoluter Warmherzigkeit Freundschaften aufzubauen und zu pflegen, schlug sich professionell nieder. Ab 1974 konnte sie in der «Photo-Galerie» des Kunsthauses jährlich sechs bis sieben Präsentationen zeigen, Schweizer FotografInnen, aber auch internationale Grössen und Altmeister. Die erste Einzelausstellung galt 1976 Robert Frank. Manuel Gasser hatte dem bedeutenden Zürcher und Wahl-New-Yorker bereits 1962 ein ganzes «Du»-Heft gewidmet. Bis zum Zehn-Jahr-Jubiläum der «Stiftung für die Photographie» im Jahr 1981 waren es insgesamt 36 Ausstellungen, für die Rosellina Burri-Bischof verantwortlich zeichnete, wie sie im Aprilheft 1981 von «Camera» selber schreibt. Dessen Chefredaktor war seit 1965 Allan Porter, der mit seinem «Museum ohne Wände», wie er seine Fotozeitschrift nannte, ebenso wesentlich zur Bekanntmachung und Förderung vieler FotografInnen beitrug. Im Kunsthaus Zürich brachte Burri-Bischof zusammen mit Walter Binder die Fotografie als Kunst pionierhaft einer breiten Öffentlichkeit nahe. Davon profitierte auch die 1979 gegründete Fotogalerie Stockeregg: Bei betuchten SammlerInnen war durch die Ausstellungen im Kunsthaus der Appetit auf Fotografie geweckt worden.
Keine Selbstinszenierung
Rosellina Burri-Bischof sei eine grossartige Netzwerkerin gewesen, eine schöne Frau mit schwarzer Löwenmähne, so wird sie von vielen ZeitzeugInnen beschrieben. Sie habe eine unendlich gute Ausstrahlung gehabt, erinnert sich Helene Grob, die Witwe des Fotografen und Verlegers Ernst Scheidegger. Eine Menschenfreundin sei sie gewesen. Durch ihre spontane Art habe Burri-Bischof viel erreicht; man habe gespürt, dass sie souverän und gerne an den Projekten arbeitete, erzählt Peter K. Wehrli. Sie sei eine Person mit sehr grosser Empathie gewesen, eine Lobbyistin der Fotografie, weiss Rolf Sachsse, Fotograf und emeritierter Professor an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Die Menschen hätten Zutrauen zu ihr entwickelt, einer Frau mit ruhiger Selbstverständlichkeit, die sich ihrer selbst sicher gewesen sei, sagt Bruno Kammerer. Sie blieb im Hintergrund, agierte aus innerem Antrieb. Sich selbst zu inszenieren, war nicht ihr Stil. Trotzdem wirkte sie raumfüllend, wenn sie in Erscheinung trat, erzählen mehrere ZeitzeugInnen. Die Frau von Welt und Vorkämpferin der Schweizer Fotografievermittlung verstarb im Jahr 1986. Die Retrospektive mit Fotografien von Werner Bischof im Kunsthaus Zürich, an der sie zwei Jahre lang gearbeitet hatte, sollte sie nicht mehr erleben.
Nach ihrem Tod wurde es still um Rosellina Burri-Bischof. Eine ausführliche offizielle Anerkennung für ihr Lebenswerk blieb bis anhin aus. Einzig ein kurzer Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz über sie existiert bis jetzt. Zum diesjährigen 50. Geburtstag der seit 2003 in Winterthur ansässigen Fotostiftung Schweiz ist nun aber eine Publikation geplant. Darin will Peter Pfrunder, der 1998 die Nachfolge des langjährigen Fotostiftungsleiters Walter Binder antrat, die Geschichte der Institution nachzeichnen und ihre treibenden Kräfte ausführlich würdigen – auch Rosellina Burri-Bischof. Denn wie Jürg Gasser, der sich selbstironisch als «letzter noch lebender Mohikaner» der Stiftungsgründung bezeichnet, im Gespräch sagt: «Der Stellenwert und die Wertschätzung der Fotografie in der Schweiz wären ohne Rosellina Burri-Bischof nicht da, wo sie jetzt sind.»
Die Fotostiftung Schweiz
1971 gegründet mit dem Stiftungszweck, «bemerkenswerte und historisch bedeutsame Photographien der Vergessenheit zu entreissen und der Öffentlichkeit […] zugänglich zu machen», hatte die private «Stiftung für Photographie» von 1976 bis 2001 Gastrecht im Kunsthaus Zürich. Während rund zehn Jahren war Rosellina Burri-Bischof für das Ausstellungsprogramm zuständig. Unter der Leitung von Walter Binder baute die Stiftung eine Sammlung auf und organisierte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. 2003 verlegte sie ihren Sitz nach Winterthur, wo sie gemeinsam mit dem Fotomuseum Winterthur ein Fotozentrum errichtete.
Die Fotostiftung Schweiz kümmert sich weiterhin um das einheimische Fotoschaffen: mit historischen und zeitgenössischen Ausstellungen und Publikationen, aber auch mit Archivarbeit und einer umfangreichen Sammlung der Schweizer Fotografie des 20. Jahrhunderts. Vom Bund kommt der Auftrag, «Archive oder Nachlässe herausragender FotografInnen» zu betreuen und zu vermitteln.
Das Jahr 2021 steht ganz im Zeichen des 50. Geburtstags, der am 18. September unter anderem mit einem Symposium gefeiert wird. Dazu erscheint das Buch «Bild für Bild. Eine Geschichte der Fotostiftung Schweiz», verfasst vom amtierenden Direktor Peter Pfrunder. dj