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Was sind kognitive Therapieverfahren?
Die Basis kognitiver Therapieverfahren ist die Erkenntnis, dass ein Mensch über seine Vorstellungen und Gedanken (Kognitionen) sein Verhalten, sein Erleben und damit auch seine Gefühle beeinflussen kann. Gedanken wie "Ich muss perfekt sein" oder "Jeder soll mich mögen" können zu Anspannung, Stress und negativem Selbsterleben führen. Bewerten wir eine Situation hingegen als neutral, normal und in Ordnung (z.B. „Fehler machen ist normal“ oder „ich bin in Ordnung, auch wenn mich jemand nicht mag“), so fühlen wir uns entspannter und ruhiger.
Auch wenn wir uns viele Einstellungen, die zu unseren aktuellen Problemen geführt haben, in der Vergangenheit - insbesondere in der Kindheit – angeeignet haben, setzen die kognitiven Therapieverfahren (im Gegensatz zu anderen psychologischen Verfahren) nicht in der Vergangenheit, sondern im Hier und Jetzt an. In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, unangemessene Bewertungen und Gedanken, die zu negativen Gefühlen wie Angst und Wut oder letztlich zu Depression führen, umzugestalten.
Typische Gedankengänge, die sowohl ein erfolgreiches Handeln als auch positive Gefühlserfahrungen im Alltag einschränken:
- Schwarz-Weiss-Denken: Erlebnisse werden entweder nur als gut oder nur als schlecht beurteilt, Zwischentöne werden nicht wahrgenommen.
Beispiel
Unangemessener Gedanke: "Wenn ich nicht der Beste bin, bin ich ein Versager."
Hilfreicher Gedanke: „Bei dieser Arbeit war ich nicht erfolgreich, in andern Projekten hatte ich jedoch Erfolg.“
- Katastrophisieren: Es werden generell negative Vorhersagen in die Zukunft gemacht. Andere, auch wahrscheinlichere Möglichkeiten werden gar nicht erst bedacht.
Beispiel
Unangemessener Gedanke: "Wenn ich meine Beziehung beende, werde ich nie mehr einen Partner finden."
Hilfreicher Gedanke: „Im Leben gibt es immer wieder neue Chancen“.
- Positives umdeuten: Persönliche Erfolge werden auf die Umstände zurückgeführt. Betroffene bewerten sich selber negativ.
Beispiel
Unangemessener Gedanke: "Ich habe die Prüfung nur bestanden, weil ich Glück hatte."
Hilfreicher Gedanke: „Ich habe es geschafft, mich in einer Prüfung auf das Wesentliche zu konzentrieren.“
- Gedankenlesen: Betroffene haben den Eindruck, sie wüssten, welche negativen Gedanken andere Menschen über sie denken
Beispiel
Unangemessener Gedanke: "Mein Chef denkt, ich sei nicht fähig."
Hilfreicher Gedanke: „Solange der Chef sich nicht beschwert, wird er zufrieden sein.“
- Personalisierung: Betroffene gehen davon aus, dass sich das Gegenüber nur ihretwegen unangemessen verhält.
Beispiel
Unangemessener Gedanke: "Der Kollege grüsste mich heute nicht. Also mag er mich nicht."
Hilfreicher Gedanke: „Der Kollege war heute sehr mit sich beschäftigt und nahm seine Umgebung gar nicht mehr wahr.“
- Imperative Aussagen: Eine starre Vorstellung davon haben, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten soll.
Beispiel
Unangemessener Gedanke: "Mein Chef sollte wertschätzender sein.“
Hilfreicher Gedanke: „Ich kann meinen Chef nicht ändern. Er wird erst mehr Wertschätzung geben, wenn er dazu bereit ist.“
Wie lange dauert eine Therapie?
Die kognitive Verhaltenstherapie ist in der Regel eine Kurzzeittherapie. Üblicherweise dauert eine Therapie zwischen 10 und 30 Sitzungen. Wenn ein Problem schon lange besteht oder dem Problem traumatische Erfahrungen zugrunde liegen, kann eine Behandlung auch länger dauern. Hilfreich für den Therapieerfolg sind die Bereitschaft, aktiv an sich zu arbeiten, bei Bedarf Hausaufgaben zu machen und die Offenheit, neues Verhalten auszuprobieren.
Was passiert in der kognitiven Verhaltenstherapie?
Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine der am besten erforschten psychotherapeutischen Methoden. Die eingesetzten Verfahren und therapeutischen Strategien sind in unzähligen wissenschaftlichen Untersuchungen überprüft und in ihrer Wirksamkeit bestätigt worden.
In den Therapiesitzungen werden – neben dem Gespräch - verschiedene zusätzliche Methoden eingesetzt wie Entspannungsverfahren, Konfrontationsverfahren, Vorstellungsübungen, systematische Desensibilisierung, therapeutische Hausaufgaben und andere.
Ziel dabei ist es
- dem Patienten unangemessene Gedanken/Gedankenfehler bewusst zu machen,
- ihn dabei zu unterstützen, hilfreichere Gedanken zu entwickeln und sein Verhalten zu ändern sowie
- ihn zu befähigen, seine Problemlösungskompetenz zu verbessern, so dass er künftig seine Probleme selber lösen kann.
Zwischen den Therapiesitzungen wird die veränderte Sichtweise mittels konkreter Verhaltensübungen weiter verankert.