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Zehn Jahre vor dem Welterfolg "Amélie" erschien der Debütfilm "Delicatessen" von Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro. Der Film war besonders bei Insidern ein Erfolg und erscheint nun, mehr als 30 Jahre später, in einer liebevoll restaurierten Fassung bei Arthaus/Studiocanal.
Während "Die Stadt der verlorenen Kinder" (1995) und "Die fabelhafte Welt der Amélie" (2001) durchaus als Erfolgsfilme zu bezeichnen sind, streiten sich bei "Delicatessen" die Geister. Aber worauf sich alle einigen, ist wohl, dass es sich bei dem 1991 erschienenen Spielfilmdebüt tatsächlich um eine Film-Delikatesse handelt. Das fängt beim post-futuristischen Setting an, setzt sich beim "Ton" fort und gründet mit seinen fabulösen Schauspielern nicht zuletzt in ein grandioses Finale. Der in Frankreich sehr bekannte Dominique Pinon spielt den arbeitslosen Clown Louison, der sich auf eine Stelle als Hausmeister in einem maroden Mietshaus bewirbt. Angestellt wird er vom Fleischer Clapet (Jean-Claude Dreyfus), dem Hausbesitzer, der einem ganz besonderen Hobby nachgeht. Da Delicatessen in einer nicht näher definierten Zukunft - wohl nach einem Atomschlag - spielt, gibt es nur mehr sehr wenige Lebensmittel. Vor allem kein Fleisch. Clapet hat sich dazu eine ganz besondere Spezialität einfallen lassen. Eine wahrhafte Delikatesse. Denn immer, wenn er ein Inserat für einen Hausmeisterjob aufgibt, bedeutet dies: es gibt wieder Frischfleisch an der Ladentheke!
Das Tabu des Kannibalismus wurde filmisch schon von anderen großen Regisseuren gebrochen. Ich denke dabei etwa an Peter Greenaway mit seinem "The Cook the Thief His Wife & Her Lover" (1989) oder unlängst in der US-amerikanischen Survival- und Dramaserie "Yellowjackets". Bei Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro besticht vor allem das kupferfarbene Ambiente, das Ensemble und die insgesamt sehr absurde Atmosphäre des Films. Als typisch französisch könnte auch die Verballhornung der Résistance-Kämpfer bezeichnet werden, die im Film "Troglodisten" genannten Widerstandskämpfer. Aus dem Ruder läuft das vom Fleischer Clapet errichtete Unrechtssystem allerdings nicht durch die Widerstandskämpfer (Troglodyten sind Höhlenbewohner), sondern natürlich durch die mächtigste Waffe der Welt, die Liebe. Denn Louison verliebt sich ausgerechnet in Julie (Marie-Laure Dougnac), die Tochter des Metzgers. Nichts ist schließlich so gefährlich wie die Liebe. Und Delicatessen zeigt auch, dass damit nicht die körperliche Liebe gemeint ist. Das Konzert, das durch diverse Geräusche entsteht (krachende Bettfedern etc.) hat Filmgeschichte geschrieben und so wurde Delicatessen vor allem bei Cineasten zum Kultklassiker. Denn auch die Kameraführung, die elegant über diverse Alltagsgegenstände hinwegfährt zeigt das Können dieses Erfolgsduos. Auch wenn Marc Caro bei Amélie nicht mehr dabei war. Skurrile Handlung und ideenreicher, absurd-makabrer Humor. Was will man mehr? Delicatessen bekam damals vier Césars und den Europäischen Filmpreis.