Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/259767

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt:<br>1. Afghanistan für männliche Staatsbürger als «Save country» zu bezeichnen;<br>2. ein Rücküberstellungsabkommen für Sekundärmigration mit Österreich auszuhandeln;<br>3. für männliche afghanische Migranten mit illegalem Aufenthalt die Rücküberstellung auch im Fast-Track-Verfahren anzustreben;<br>4. mit Afghanistan ein Migrationsabkommen / eine Migrationspartnerschaft auszuhandeln.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><div><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; text-align:justify; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">1. Die allgemeine Sicherheitslage hat sich nach dem Abzug ausländischer Truppen zwar ver-bessert, Afghanistan erfüllt jedoch bezüglich Gouvernanz, Rechtsstaatlichkeit, Einhaltung der Menschenrechte und anderer Kriterien die Anforderungen an ein «Safe Country» nach Schweizer Asylrecht (Art. 2 Abs. 1 Asylverordnung 1; SR 142.311) nicht.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; text-align:justify; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">2. Die Schweiz verfügt mit Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein bereits über ein Rückübernahmeabkommen (SR 0.142.111.639), welches seit dem 1. Januar 2001 in Kraft ist und angewendet wird. Wie in der Stellungnahme auf die Motion 22.4186 Romano «Ein Abkommen zwischen der Schweiz und Österreich zur erleichterten Rückübernahme im Migrationsbereich», die Frage 22.7666 Friedli «Wie ist der Stand der Verhandlungen über ein neues Rücknahmeabkommen mit Österreich?» und in der Interpellation 22.3423 Friedli «Stopp der illegalen Migrationswelle im St. Galler Rheintal» ausgeführt, ist die Anpassung dieses Abkommens mit einem vereinfachten Rückübergabeverfahren ein Anliegen der Schweiz. Die Schweiz ist seit mehreren Jahren bestrebt, dieses Rückübernahmeabkommen zu ergänzen. Österreich stellt sich insbesondere aus rechtlichen Gründen gegen eine Anpassung und macht dabei geltend, dass eine Anpassung gegen die europäische Rückführungsrichtlinie verstosse. Ausserdem verweist Österreich auf die starke Belastung im Asylbereich (2021: 39’930 Asylgesuche, 2022: 112’272 Asylgesuche, Jan-Aug 2023: 35'449 Asylgesuche). Eine Anpassung des Abkommens liegt aufgrund der Migrationsbewegungen derzeit vor allem im Interesse der Schweiz. Man kann deshalb davon ausgehen, dass – neben den rechtlichen Vorbehalten Österreichs – auch die einseitige Interessenlage dazu führt, dass Österreich das Abkommen nicht anpassen will.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; text-align:justify; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">3. Der Wegweisungsvollzug gemäss Dublin-Abkommen wird von der Schweiz konsequent und im Rahmen der vorgegebenen Fristen möglichst rasch umgesetzt. In den Jahren 2022 (1’708) und 2023 (bis Ende August 1’328) wurden im Dublin-Verfahren insgesamt 3’036 Wegweisungsverfügungen für afghanische Staatsangehörige erlassen. Was die Rückführungen nach Afghanistan betrifft, hat das SEM am 11. August 2021 den Vollzug von Wegweisungen nach Afghanistan aufgrund der aktuellen Entwicklungen bis auf weiteres ausgesetzt. Davon ausgenommen sind erheblich straffällige Personen und Personen, die eine Gefährdung für die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz darstellen. Diese wenigen Fälle sind derzeit sistiert (noch hängig beim BVGer). </span><span style="font-family:Arial; -aw-import:spaces">&#xa0;</span><span style="font-family:Arial"> </span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; text-align:justify; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">4. Die Schweiz hat 2006 mit Afghanistan und United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) ein tripartites Abkommen im Rückkehrbereich abgeschlossen (SR 0.142.393). Dieses ist seit 2006 in Kraft.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; text-align:justify; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Im Übrigen verweist der Bundesrat auf seine Anwort zu unterschiedlichen parlamentarischen Vorstössen, in der er verschiedene Fragen zur Praxisanpassung betreffend Afghanistan beantwortet (vgl. 23.4014 Ip. Würth «Asylsituation Afghanistan», 23.4146 Ip. Aeschi «Praxisänderung des SEM: Welche Folgen hat die Pauschalaufnahme von afghanischen Frauen für die Schweiz?», 23.4147 Ip. Aeschi «Ist Afghanistan wirklich kein sicheres Land?»).</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; text-align:justify; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Die Anliegen 2 und 4 der Motion sind bereits umgesetzt, das Anliegen 3 teilweise. Hingegen kann Afghanistan derzeit gemäss Schweizer Asylrecht nicht als Safe Country bezeichnet werden. Der Bundesrat beantragt deshalb die Ablehnung der Motion.</span></p></div><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.