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Pflegeheim mit betreutem Wohnen Rinau Park
Der Name Augst geht auf die römische Stadt Augusta Raurica zurück und bezieht sich auf den keltischen Stamm der Rauriker. Die ältere Oberstadt auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Augst wurde 45 v.Chr. gegründet und ist die älteste römische Siedlung der Schweiz. Nachdem sie um 273/74 n.Chr. zerstört wurde, errichteten die Römer in der Unterstadt ein Kastell, das Castrum Rauracense, das ihnen als Hauptquartier diente.
Nach dem Abzug der römischen Truppen blieb das Kastell bewohnt, der alte Dorfkern entstand innerhalb der «Heidenmauer». Deren grösserer Teil ist zwar verschwunden, doch die Südwestecke ist noch gut erhalten. Seither ist Kaiseraugst ausserhalb der alten Mauer stark gewachsen, dennoch prägt die Struktur des Kastells Raurica den historischen Dorfkern.
Das Alterszentrum Rinau Park grenzt im Westen unmittelbar an diesen an. Zwischen Linden- und Buchenweg grenzt an das bestehende L-förmige Alterszentrum ein grosszügiger Park, der im Alltag der Bewohner und im gemeinschaftlichen Miteinander mit den Dorfbewohnern einen hohen Stellenwert hat.
Mit dem Neubau des Pflegeheims mit betreutem Wohnen im Rinau Park steht der Erhalt des parkähnlichen Grünraums auf dem Grundstück im Vordergrund.
Das Konzept «vivet in parco» ist von dem Wunsch geprägt, das Pflegeheim mit betreutem Wohnen in einer Bauweise zu erstellen, die vermittelt und sich zur Gemeinschaft bekennt. Die ehr kleinteiligen Neubauten sollen sich in die Nachbarschaft einfügen und gleichzeitig den Charakter der Parklandschaft wahren.
Konzept
Das Altersheim liegt zwischen dem historischen Dorfzentrum und dem neuzeitlichen Wohnquartier. Grosse bewaldete Flächen erstrecken sich östlich des Grundstückes und entlang des Rheins. Die Parkanlage Rinau Park zeichnet sich durch grosse Homogenität aus, die weniger einer durchgehenden Bebauungsstruktur geschuldet ist als der Qualität der Freiräume: prägend für das Quartier sind die Strassenräume, Gärten und der Park mit teilweise altem Baumbestand.
Diese räumliche Situation findet ihre Entsprechung in der vorgeschlagenen baulichen Struktur: zwei strassenbezogene kleinere Wohnhäuser – das betreute Wohnen – stehen in Beziehung zu einem grösseren Alterszentrum im Innern des baumbestandenen Grundstücks. Mit der Überbauung soll ein Begegnungszentrum für Bewohner des Alterszentrums, der Alterswohnungen sowie der Dorfgemeinschaft entstehen, in dessen Mittelpunkt der Park steht.
Das Projekt entzieht sich einer eindeutigen typologischen und stilistischen Zuordnung. Seine Verankerung im Kontext wird in einer den spezifischen Anforderungen des Grundstücks verpflichteten Volumetrie sowie einer atmosphärischen Affinität zum Park gesucht. Das Alterszentrum liegt weder an einer Strassenflucht noch besetzt es die Parkmitte, sondern liegt frei im Grundstück und erzeugt von keiner Seite klassische Repräsentationsräume. Vielmehr wird die Nähe zu den bestehenden alten Bäumen im südlichen Zentrum des Grundstücks gesucht, die damit zu einem bestimmenden Teil der Architektur werden.
Die vorgefundene Parkanlage besitzt eine hohe Qualität, sie offenbart die Spuren der Zeit. Im Spannungsfeld zwischen Nutzungsanspruch und Beschaulichkeit wird die Gartengeschichte weitergeschrieben. Das Gebäude fügt sich in den alten Baumbestand ein und steht im engen Dialog dazu. Formal orientiert sich das Haus deshalb auch weniger an den umliegenden Bauten und deren Formvokabular als vielmehr an Naturformen oder Ruinen, jener architektonischen Form, die den Naturformen am nächsten steht. Eine spätere Erweiterung des Alterszentrums um 15 zusätzliche Pflegeplätze versteht sich als Weiterführung der in den Park eingreifenden Form.
Die unterschiedliche und kleinteilige Körnung des Baukörpers orientiert sich an dessen unmittelbarer Nachbarschaft und gliedert sich dadurch in die kleinteilige Quartierstruktur und das Ortsbild ein.
Erschliessung
Der Lage des neuen Alterszentrums entspricht die Organisation der Erschliessung: Der Hauptzugang zum Alterszentrum erfolgt für Fussgänger wie Autofahrer über die Allmendgasse. Der Hauseingang befindet sich an einer platzartigen, aber dennoch intimen räumlichen Erweiterung der Zufahrt. Die Eingangshalle ist mit dem Empfang um einen repräsentativen Luftraum organisiert, der die öffentlichen Räume im Erdgeschoss und im Gartengeschoss miteinander verbindet.
Ein zweiter Weg führt die Fussgänger vom Linden- und Buchenweg durch den Park zum Eingang im Gartengeschoss. Der direkte Bezug zwischen Innen- und Aussenraum ist hier essentiell. Das neue Alterszentrum bleibt für die Bewohner des Ortes und die Bewohner des betreuten Wohnens ein nach allen Parkseiten hin offenes Haus.
Betreutes Wohnen
Die Bauten des betreuten Wohnens folgen, ebenso wie der Neubau des Altersheims, einer weichen, situativ bestimmten geometrischen Grammatik. Typologisch oszillieren die Wohnungsgrundrisse zwischen Figur und Kammer: offene Raumfiguren mit Wohn-, Ess- und Kochbereich und offenen Schlafzimmern sowie Wohnungen als Raumkammern mit individuellen Zimmern.
Die jeweils über Eck organisierten Wohnungen – Anstoss an zwei verschiedene Fassaden – schaffen Ausblicke zum Park, mit mehrheitlich als Eckloggien ausgebildeten Balkonen.
Durch die gewählte Gestaltung der Fassadenabwicklung wird eine optimale Belichtung und Besonnung aller Wohnungen erreicht.
Nach dem Abbruch des bestehenden Altersheims wird zunächst das Haus am Buchenweg erstellt. Die Anzahl und die Vielfalt der Wohnungen erlaubt eine optimale Nutzung.
Freiraumkonzept
Die bestehende Umgebungsgestaltung ist Teil des ehemaligen Parks einer Zellulosefabrik und zeugt von dieser historisch, gewachsenen Verbindung zwischen den Vor- und Nutzgärten des ehemaligen Bauerndorfes und des damals noch unbebauten, bewaldeten Gebietes der «Rinau».
Das Projekt lehnt sich an diese ortsbildwirksame Gestaltung der Grün- und Freiflächen an. Das ganze Areal wird als Parklandschaft – als Rinau Park – gelesen. Dank der sorgfältigen Einbindung der Neubauten in die bestehende Parklandschaft kann deren Charakter sowie eine grössere Anzahl der bestehenden Bäume erhalten bleiben. Im Mittelpunkt stehen dabei eine beeindruckende Rotbuche und zwei Eiben.
Ein raumübergreifendes Wegnetz spannt sich über den Park, vernetzt die Neubauten mit den verschiedenen Aufenthaltsorten und bindet die Anlage in das Quartier ein. Wo sich das Netz aufweitet, entstehen kleine Plätze, an anderer Stelle verschmälert es sich zu verschlungenen, hindernisfreien Flanier- und attraktiven Rundwegen. Der Therapiegarten mit der gemeinschaftlichen Feuerstelle sowie die Gartenterrassen von Cafeteria und Restaurant sind in das Wegnetz integriert.
Eine raumbildende Bepflanzung ist die Basis des Parks, sie besteht aus drei Elementen: einer grosszügigen Blumenwiese, reich blühenden Staudenbänder und den grossen Parkbäumen.
Auf diese Weise entsteht ein neuer Rinau-Park – eine Parklandschaft zum Spazieren, Begegnen, Beobachten, Verweilen und Ruhe geniessen.
Materialisierung
Die unterschiedlichen Naturmaterialien, Mauerwerk, Jurakalkbeton, Holz, Terrazzo und Linoleum, sprechen die Bewohner auf haptischer und visueller Ebene an.
Der Neubau ist in konventioneller Massivbauweise erstellt. Die Fassade ist vertikal gegliedert und zeichnet dadurch die Form des Gebäudes und der Gesamtanlage nach.
Die zweischalige Mauerwerkskonstruktion der Fassade besteht – hinter einer Wandkonstruktion aus Backstein und Beton, mineralischer Dämmung und Hinterlüftung – aus einem Mauerwerkelement aus Klinker. Im Element werden die natürlich gebrannten Farben des Steins in hellem Kolorit vertikal in eine Unterkonstruktion aus Beton eingelegt.
Die mit der Tageszeit ändernden Reflexionen und Farbnuancen der hellen Klinker relativieren die Grösse des Baukörpers. Als textil wirkendes Kleid antwortet die Verkleidung auf die Faltungen in der Fassade: wie zwischen aufgezogenen Vorhängen treten die hell eloxierten Aluminiumfenster und hellen Betonflächen hervor und geben dem Haus seine unverwechselbare, elegante Adresse.
Die Wohnbauten am Linden- und Buchenweg sind ebenfalls massiv erstellt, mit Decken und Wänden in Ortbeton. Im Ausdruck folgen die Häuser dem neuen Alterszentrum.