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Rohingya-Krise: Wo stehen wir nach einem Jahr?
In Bangladesch leben immer noch über 900’000 Rohingya-Flüchtlinge an übervölkerten Orten, die schlecht für Monsunregen gerüstet sind. Was tut Terre des hommes (Tdh), um die drei grössten Gefahren für Kinder abzuwenden, die 50 Prozent der Lagerbevölkerung ausmachen?
Am 25. August 2017 kam es im Rakhine-Staat in Myanmar zu äusserst gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Minderheit der Rohingya. Hunderttausende von Menschen wurden in die Flucht getrieben, über die Grenze nach Cox’s Bazar in Bangladesch, wo sie zu den Flüchtlingen hinzukamen, die bereits in den letzten Jahrzehnten der Gewalt entkommen waren. Terre des hommes stellte sofort ein Nothilfeteam zusammen.
Ein Jahr später herrschen hier immer noch erbärmliche Lebensbedingungen. Um die Sterblichkeit wegen Epidemien und anderen Risiken zu reduzieren und bessere Lebensbedingungen sicherzustellen, reagiert Tdh auf die drei grössten Gefahren, denen Kinder in den Lagern ausgesetzt sind.
Gefahr Nummer eins: Mangelernährung
Ein Jahr nach Beginn des Einsatzes setzt Tdh die Ernährungshilfe fort, da immer noch über 15 Prozent der Kinder in den Lagern an akuter schwerer Mangelernährung leiden. Tdh leitet im erweiterten Lager von Kutupalong sieben Ernährungszentren, die sich an über 35'000 Kinder unter fünf Jahren und schwangere sowie stillende Frauen richten. In den Flüchtlingslagern schulten wir 140 freiwillige Helferinnen und Helfer der Gemeinschaft für das Screening von Kindern und Müttern sowie für die Erkennung von Symptomen von Mangelernährung. Fälle von akuter schwerer Mangelernährung überweisen sie in die Tdh-Zentren, wo diese eine geeignete therapeutische Behandlung und Ernährungsberatung erhalten. Stillende Mütter werden über die Ernährungsbedürfnisse von Babys informiert, damit sich diese gesund entwickeln können. Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren werden mit therapeutischer Fertignahrung für etwa zehn Wochen versorgt, was es ihnen ermöglicht, die richtige Nährstoffdosierung zu erhalten und wieder zu Kräften zu kommen.
Gefahr Nummer zwei: Verbreitung von Krankheiten wegen Monsunregen
Erdrutsche und Überflutungen infolge der Monsunregen führen dazu, dass sich die Wasserqualität verschlechtert. Das Tdh-Team intensivierte seine Anstrengungen, Wasser und Wasserquellen zu chloren, um eine sichere Versorgung für Rohingya-Flüchtlinge zu gewährleisten und die Gefahr von Seuchenausbrüchen einzudämmen. Zudem füllen sich Latrinen bei heftigen Regenfällen schneller, die Ansteckungsgefahr und Durchfallerkrankungen wie Cholera nehmen dadurch zu. Um gegen dieses Problem anzugehen, konzentrierte sich Tdh auf die Instandsetzung, Wartung, Stilllegung und Entschlammung von Latrinen. Wir arbeiten eng mit der Flüchtlingsgemeinschaft zusammen, um ihre Hygienepraktiken mithilfe positiver Botschaften bei Tür-zu-Tür-Beratungen und Massenveranstaltungen wie Theatervorführungen zu verbessern. Bis heute stellte Tdh die Wasserversorgung und den Sanitär- und Hygienebedarf von mehr als 30'000 Flüchtlingen im erweiterten Lager von Kutupalong sicher.
Gefahr Nummer drei: Nicht-Erholung von traumatischen Erfahrungen
Tdh schulte rund 1200 Angestellte, Freiwillige, Angehörige der Gemeinschaft und Jugendliche zu Praktiken des Kinderschutzes, um deren Wissen und Fähigkeiten zu erhöhen. In unseren sechs kinderfreundlichen Orten, wo etwa je 500 Kinder pro Tag aufgenommen werden, sorgt unser Personal für ihre Sicherheit. Die Kinder können hier von psychosozialen Aktivitäten profitieren, die ihre emotionale Entwicklung, ihre motorischen Fähigkeiten und ihre Kreativität fördern. «Kinderfreundliche Orte sind in Krisensituationen sehr wichtig. Sie geben den Kindern eine echte Chance, sich zu erholen. Es ist schön zu sehen, wie anders die Energie hier ist und wie glücklich die Kinder sind», erklärt unsere Kinderschutzkoordinatorin Nicola Griffiths. «Es hatte auch grossen Einfluss auf das Personal, das mit diesen Kindern arbeitet. Und das zeigt, dass Kinder uns wirklich sehr viel beibringen können in Bezug auf Resilienz und so viele andere Fähigkeiten, Kompetenzen und Emotionen. Wir vergessen das, aber oft sind sie es, die uns daran erinnern.»
Ausblick: Unterstützung in Gastgemeinschaften
Während sich die humanitäre Hilfe anfänglich auf Nothilfe und lebensrettende Aktivitäten in den Lagern konzentrierte, bewegen wir uns nun in Richtung nachhaltigerer Ansätze, um die Auswirkungen des Flüchtlingsstroms auf die bangladeschischen Gemeinden zu begrenzen. Wir haben deshalb eine neue Basis in Teknaf eröffnet, wo 130'000 Flüchtlinge in Lagern innerhalb der Gastgemeinschaften leben. Wir werden somit in der Lage sein, sowohl die Gast- als auch die Flüchtlingsgemeinschaften mit Wasser, sanitären Einrichtungen, Gesundheitsposten und Kinderschutzaktivitäten zu unterstützen.
Bildernachweis: © Daimon Xanthopoulos