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| Hilarius von Poitiers († 367) - Schreiben des heiligen Hilarius gegen den Kaiser Konstantius

Gegen den Kaiser Konstantius
Vierzehntes Hauptstück.
Als aber auch diejenigen, welche Gott unähnlich nannten, einsahen, daß die menschlichen Ohren Worte von solcher Gottlosigkeit nicht aufnehmen würden; so verfaßten eben diese, welche vielmehr1 Betrüger, als Bischöfe der Kirche sind, wieder einen Glauben, und verwarfen das Homöusion, das Homöusion und das Anomöusion (die unähnliche Wesenheit.) Da aber dieses schon dem Gehörsinne der Zuhörer widersprechend schien; fragte ich selbst einen von ihnen, welcher eben, um mich auszuforschen, sich mir genähert hatte, gleichsam als wüßte ich den Hergang der Sache nicht, was denn dieses heißen sollte, daß diejenigen, welche die Eine Wesenheit des Sohnes mit dem Vater verworfen, oder daß er von ähnlicher Wesenheit sey, geläugnet hatten, die Unähnlichkeit verwarfen. Dann gab er mir zur Antwort! Christus sey nicht Gott ähnlich, sondern er sey dem Vater ähnlich. Dieses kam mir wieder noch dunkler vor. Und da ich hierüber abermals fragte, dann gab er mir dieses zur Antwort: „Ich sage, er sey Gott nicht ähnlich, könne aber als dem Vater ähnlich angesehen werden; weil der Vater ein solches Geschöpf hatte schaffen wollen, welches ihm Aehnliches wollen würde; und daher, behaupte ich, sey er dem Vater ähnlich, weil er mehr ein Sohn des Willens, als der Gottheit, ist; Gott aber sey er nicht ähnlich, weil [S. 305] er weder Gott ist, noch aus Gott, das heißt, aus der Wesenheit Gottes geboren ist. Als ich dieses hörte, stand mir der Verstand stille und ich g1aubte es nicht, bis nach ihrer gemeinsamen Übereinstimmung der Inhalt2 dieser ihrer höchst gottlosen Unähnlichkeit öffentlich kund gethan wurde.
1: Anstatt fallaces bieten einige Handschriften die Leseart palatio, andere die Leseart palatii dar, so daß dann übersetzt werden müßte „welche Bischöfe vielmehr des Palastes, als der Kirche sind.“
2: Als nämlich nach Verlesung der Formel des Akacius gefragt wurde, worin der Sohn dem Vater ähnlich wäre, sagten die Akacianer, „er wäre ihm nur dem Willen, nicht aber der Wesenheit nach ähnlich.“ S. Sokrates, B. II, Hptstk. 20. Diese Antwort veranlaßte neuen Lärm, und die Auflösung des ganzen Konciliums.