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Publico-Gespräch mit dem Historiker Egon Flaig über die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich – und die Selbstzerstörung der Linken
Herr Professor Flaig, Sie waren am Collège de France Gastdozent bei Pierre Bourdieu, Sie haben an der Sorbonne gelehrt und kennen Frankreich gut. Wie sehen Sie als Historiker die Bewegung der Gelbwesten?
Die Gilets Jaunes sind als Bewegung aus dem Frankreich außerhalb der großen Städte entstanden. Dort hat sich die Struktur in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Größere Unternehmen finden sich nur noch an wenigen Orten.
Die ländlichen Gebiete haben sich auf bedenkliche Weise entindustrialisiert; auf vielen Kilometern existiert dort kaum noch Gewerbe. Das heißt, viele Franzosen pendeln dort jeden Tag dreißig, vierzig Kilometer zu einem der wenigen verbliebenen Unternehmen, um dort zu arbeiten und 2000 Euro im Monat zu verdienen. Es sind diejenigen, die unter prekären Bedingungen arbeiten, statt sich arbeitslos zu melden. Die Erhöhung der Steuer auf Benzin und Diesel, die Macron Ende 2018 verkündete, hat diese Leute ganz elementar getroffen.
Immerhin hat Macron diese Steuer zurückgenommen.
Ja, aber er hat es zu spät und am falschen Ort getan.
Am falschen Ort?
Es kommt auch auf Bilder an. Er hätte seine Rede irgendwo draußen halten sollen, zur Not unter einem Regenschirm, aber nicht im Prunk des Élysée-Palastes. Mit dieser Kulisse im Hintergrund hat er nicht die Wütenden auf der Straße…..Hier gehts weiter…..