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Seit 2011 sind fast 4 Millionen Syrerinnen und Syrer vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen. Und die Zahl der Flüchtlinge steigt weiter an, denn noch immer verlassen syrische Familien ihr Land, in der Hoffnung einen sicheren Ort für sich und ihre Kinder zu finden.
Nachbarländer wie die Türkei, Jordanien und der Libanon, wo die meisten Flüchtlinge Zuflucht finden, sind mit der Unterstützung dieser hilfsbedürftigen Familien zunehmend überfordert. Im Libanon - mit 4,4 Millionen Einwohnern das kleinste Land der Region - ist inzwischen jeder vierte Bewohner ein syrischer Flüchtling. Da es im Libanon keine offiziellen Flüchtlingslager gibt, leben die syrischen Familien im ganzen Land verstreut, die Mehrheit von ihnen in einem von über 1‘500 improvisierten Zeltlagern im Bekaa-Tal nahe der syrischen Grenze. In diesem Tal machen die syrischen Flüchtlinge an manchen Orten sogar schon die Mehrheit der Bevölkerung aus.
«Eine Million Flüchtlinge aufzunehmen wäre für jedes Land eine enorme Aufgabe. Der Libanon, ein kleines Land mit internen Schwierigkeiten, wird dadurch erschüttert»,
sagt UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.
«Die libanesische Bevölkerung hat unglaubliche Grosszügigkeit bewiesen, aber es wird für sie immer schwieriger, mit der Situation zurechtzukommen. Der Libanon hat die höchste Flüchtlingsdichte in der jüngsten Geschichte. Wir können das Land diese Last nicht allein schultern lassen.»
Mit einem von der Glückskette mitfinanziertem Projekt im Bekaa-Tal deckt Medair die dringendsten Bedürfnisse dieser Flüchtlingsfamilien. Eines der Hauptprobleme der Flüchtlinge im Libanon ist es, eine Unterkunft zu finden. Die meisten leben darum in notdürftigen Unterkünften auf gemietetem Ackerland von libanesischen Bauern. Die Familien haben keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen.
Medair verteilt Bausätze für Unterkünfte mit Holz, Plastikplanen und Nägeln an neu ankommende Familien, um die Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit der Zelte zu verbessern. Zudem versorgt Medair die Flüchtlinge mit wichtigen Haushaltsgütern wie Kochutensilien, Wasserfiltern, Matratzen, Leintüchern, Hygieneartikeln sowie Gutscheinen für Benzin.
Bedingt durch Kriegsverletzungen, die Flucht und die harschen Lebensbedingungen im Libanon haben viele Syrerinnen und Syrer gravierende Gesundheitsprobleme. Das öffentliche Gesundheitswesen vermag den Flüchtlingsansturm nicht zu tragen. Darum unterstützt Medair im Bekaa-Tal vier Kliniken, die sowohl der libanesischen Bevölkerung als auch den syrischen Flüchtlingen eine ärztliche Grundversorgung bieten. Dank der finanziellen Unterstützung von Medair kostet ein Arztbesuch nur noch 3‘000 libanesische Pfund (2 CHF) pro Person und ist so auch für die syrischen Flüchtlinge bezahlbar.
Durch Medairs Einsatz konnten die Kapazitäten der vier Kliniken erhöht und somit viel mehr Patienten behandelt werden. Das Hilfswerk sorgt dafür, dass immer genügend Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken anwesend ist, bietet Weiterbildungen für das medizinische Personal und stellt Medikamente sowie dringend notwendige medizinische Geräte wie z.B. Ultraschallgeräte zur Verfügung.
Da Medairs Mitarbeitende nicht in allen Zeltsiedlungen gleichzeitig sein können, arbeiten sie mit freiwilligen Flüchtlingen zusammen. Eine davon ist Farah, die seit 3 Jahren mit ihrem Mann und ihren Kindern in einer Zeltsiedlung in der Nähe von Zahlé lebt.
Farah dient den anderen syrischen Flüchtlingen im Lager als Ansprechperson bei medizinischen und anderweitigen Problemen. Ausserdem gibt sie den Flüchtlingen Informationen zu den Kliniken weiter, klärt Frauen über Verhütung sowie Familienplanung und Mütter über die Wichtigkeit von prä- und postnataler Betreuung auf und informiert die Mitarbeitenden von Medair, falls es im Lager Zeichen von Unterernährung oder anderen Problemen gibt.
Zurzeit weiss leider niemand, wie lange der Syrienkonflikt noch andauern wird. Täglich fliehen verzweifelte Syrerinnen und Syrer auf der Suche nach Schutz und Zuflucht. Sie sind weiterhin auf unsere Hilfe angewiesen.