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Überschwemmungen und klimatische Extremereignisse häufen sich in Bolivien. Gemeindebehörden mit knappen finanziellen Ressourcen sind auf ausländische Hilfe angewiesen, um vorbeugende Massnahmen ergreifen zu können. Ein Beispiel findet sich in der Gemeinde Vinto (Cochabamba), wo ein Entwicklungsprojekt mit Schweizer Hilfe umgesetzt wird.
Das Wasser erscheint wie eine schwarze Brühe mit schwimmenden Ölflecken - alles anderes als einladend. Auch der penetrante Geruch verspricht nichts Gutes. Im Fluss Rocha, der in der Mitte Boliviens durch die Agglomeration Cochabamba fliesst, ist die Verschmutzung offensichtlich. Doch nicht allein der verheerende Zustand des Wassers, das zur Bewässerung der Felder genutzt wird, beschäftigt die Behörden. "Jedes Jahr steigt während der Regenzeit das Risiko von Überschwemmungen", sagt Maria Patricia Arce Guzman, Bürgermeisterin von Vinto, einem Städtchen mit 50‘000 Einwohnern in der Peripherie von Cochabamba. "Ich habe Leute gesehen, die Haus und Vieh verloren haben", fügt sie an.
Risiken einkalkulieren
Gemäss dem globalen Klima-Risiko-Index der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatchexterner Link gehört Bolivien zu den 10 Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. In dem Andenland ist die Temperatur stärker gestiegen als im weltweiten Mittel und bis Ende dieses Jahrhunderts könnte dieser Anstieg ein Plus von 6 Grad erreichen (gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter).
Dieser Temperaturanstieg und die Rodung von Wäldern erhöhen das Risiko von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdrutsche und Trockenheit.
Seit 2015 zwingt ein Gesetz die Gemeinden in Bolivien, die Risikobewirtschaftung in die Entwicklungspolitik zu integrieren, wie Wendy Rivera Pacheco sagt. Sie ist in Bolivien eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Nicht-Regierungsorganisation Helvetas. "Die Gemeindebehörden verfügen aber weder über die notwendigen finanziellen Ressourcen noch über die nötigen Kenntnisse, um solche Strategien auszuarbeiten", hält sie fest.
So kommt es, dass Schulen gebaut werden, ohne das Risiko von Naturgefahren zu berücksichtigen. "Eine Schlammlawine oder ein über die Ufer getretener Fluss können aber die Baustruktur angreifen oder die Zufahrtsstrasse blockieren, was dazu führen würde, dass die Schule de facto nicht mehr nutzbar wäre", betont Rivera Pacheco.
Welche Prioritäten setzen?
Das Projekt zur Verringerung des Katastrophenrisikos, das von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) lanciert wurde und von Helvetas umgesetzt wird, verfolgt das Ziel, Gemeinden und Ministerien Instrumente zur Verfügung zu stellen, mit denen sie untersuchen können, ob Infrastrukturen potentiellen Risiken ausgesetzt sind, die durch den Klimawandel verursacht werden.
"Es geht um detaillierte Landkarten, die Risikozonen aufzeigen", sagt Wendy Rivera Pacheco. Ein weiteres Instrument besteht in der Erfassung der Risiken für eine bestimmte Lokalität, indem die Beobachtungen der dort lebenden Bevölkerung erfasst werden. "Sie kennen die Situation vor Ort am besten", sagte die Helvetas-Mitarbeiterin.
Ob in die Prävention investiert wird, müssen dann die Behörden entscheiden. Bürgermeisterin Maria Patricia Arce Guzman meint, dies sei häufig schwierig, denn auf die Gemeinde kämen viele Forderungen zu, doch diese hätte wenig Geld. "Die Leute wollen, dass die Strassen asphaltiert werden, mehr Geld in die schulische Ausbildung fliesst oder die Wasserleitungen verbessert werden. Dabei haben wir nicht einmal eine Kläranlage", sagt sie. Angesichts der vielen Ansprüche fühlt sie sich häufig machtlos: "Es ist schwierig, für Investitionen zu sensibilisieren, deren Resultate nicht sofort sichtbar sind."
Doch sehr langsam setze ein Umdenken ein, meint sie. Die Einwohner von Vinto konnten beispielsweise mit eigenen Augen feststellen, dass sich die Verbauungen entlang des Flusses Rocha als effizient erwiesen haben.
Schutz vor Hochwasser und Schmutz
Nach den Überschwemmungen von 2012 habe man das Flussbett gesäubert und verbreitert, erklärt Nery Aruquipa Huari, Gemeindeingenieur von Cochabamba. Dank einer Risikostudie zu den möglichen Überflutungen konnten fünf besonders kritische Punkte entlang des Flusslaufs erkannt werden. Einer dieser Punkte befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einer blau überdachten Fussgängerbrücke, welche die beiden Ufer des Rocha-Flusses verbindet. Um während der Regenzeit vor Hochwasser zu schützen, wurden die Dämme mit Steinen befestigt und mit einem Metallzaun verstärkt – so genannten Gabionen.
Eine solche Gabione ist 90 Meter lang und 4 Meter hoch. Deren Bau sei nicht schwierig gewesen, meint Nery Aruquipa Huari, der als Ingenieur das Bauwerk realisiert hat. Das Flusswasser hat hingegen von Anfang an Probleme gemacht.
"Das Wasser ist durch Schwermetalle, Industrieabfälle und chemische Düngemittel verseucht. Und es kann daher leicht die Metallstrukturen angreifen", sagt er. Um einer allfälligen Korrosion vorzubeugen, hat der bolivianische Ingenieur den klassischen Zinkdraht der Gabione durch einen Draht aus einer Zink-Aluminium-Legierung ersetzt sowie durch eine PVC-Hülle geschützt."
Mehr Sicherheit für die Einwohner
Zwei der fünf Gabionen wurden von Helvetas finanziert. Die anderen drei muss die Gemeinde Vinto selbst bezahlen. Bürgermeisterin Maria Patricia Arce Guzman verfügt über ein Budget von rund 65 Millionen Bolivianos im Jahr (zirka 9 Millionen Franken). Jetzt muss sie die Mitglieder der Exekutive Überzügen, zwei Millionen in den Hochwasserschutz zu investieren.
Dabei könnten ihr möglicherweise die Vorfälle während der letzten Regenzeit nützlich sein. Der Flusspegel war damals um einige Meter auf ein gefährliches Niveau angestiegen und das Wasser berührte fast die Fussgängerbrücke. Doch die Dämme hielten und konnten Überschwemmungen des Hinterlands vermeiden.
Maria Patricia Arce Guzmann kann natürlich auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen, die nahe des Flusslaufs lebt. Dank der Gabionen, sagen diese, sei das Leben entlang dem Rocha entspannter und sicherer geworden.
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)