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Vanessa Billy (*1978 in Genf) zeigt im Kunsthaus Baselland ihre erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz. Ihre Ausbildung erhielt die Künstlerin am renommierten Londoner Chelsea College.
Vanessa Billy verbrachte ebenso ein Austauschsemester an der Cooper Union School in New York. Seit einigen Jahren sind ihre Arbeiten regelmässig in London (Limoncello Gallery) und Zürich (BolteLang Galerie) zu sehen. Von grosser Bedeutung waren ihre Einzelausstellung an der Photographer‘s Gallery in London (2009), ihre Beteiligung an der Frieze Sculpture Park Präsentation (2009) und die Gruppenausstellung ‹Boule to Braid› in der Lisson Gallery, London. (2009)
Ihre Werke umfassen Collagen, Skulpturen und Installationen, die jeweils auf materialspezifischen, formalen und rezeptionsbedingten Betrachtungen basieren. Die Idee der Verhältnismässigkeit innerhalb der einzelnen, zueinander in Beziehung gesetzten Elemente und Materialien wird zum wichtigsten Organisationsprinzip ihrer Arbeiten. In diesem Sinne hinterfragt die Künstlerin unsere Sehgewohnheiten und unser Verhältnis zur Ausstellungsarchitektur gleich eingangs zu ihrer Ausstellung, indem sie die normalerweise weiss gestrichene Wand mit einer Betonschicht übertüncht.
Gefundene Objekte sind immer wieder Ausgangspunkt von Billys Arbeitsweise. Oft wirken sie als Katalysator für Auseinandersetzungen mit dem Material, seiner jeweiliger Funktionsweise und Reaktion auf andere Materialien. Wenn beispielsweise in der Arbeit Further than the flood (2010) Steine in Cellophan gepackt werden, erscheint das Zusammenkommen dieser beiden Materialien insofern merkwürdig, als Steine keine Schutzhülle und keine Verpackung per se benötigen. Das Einwickeln der Steine in die transparente Hülle steht für einen Prozess, in welchem zwei an und für sich disparate Materialien aufeinander treffen. Die Lichtreflexe auf der Hülle erinnern an Sonnenstrahlen auf einer Wasseroberfläche. Die gewichtlose Cellophanhülle und die Schwere der Steine korrelieren und werden Teil eines gemeinsamen Ganzen.
In einigen Skulpturen geht die Künstlerin dem Verhältnis von Metall und Stein nach, indem sie die Materialität des einen die Form des anderen bestimmen oder das Gewicht des einen das Verhalten des anderen definieren lässt. (Serie Standard (suppose), Standard (assume), Standard (presume), 2010)
Das Video Hands Bar (2010) handelt vom Schwingen eines Körpers, der sich mit den Händen an einer Stange festhält. Die Aufnahme fokussiert auf die Hände und die Stange, welche das Zusammenwirken von Gewicht und Metall zeigt. Die Stange biegt sich, geht beim kurzen Wechsel wieder in die Gerade zurück, um sich erneut durchzubiegen. Die Beweglichkeit der Hände, ihre physische Fragilität und Weichheit, steht im Spannungsverhältnis zur Härte des Metalls, das sich trotz seiner scheinbaren Starrheit elastisch biegt.
Die Arbeit Digestion (2010) weist Bezüge zu einem gefüllten Teller auf und bietet einen inhaltlichen Anhaltspunkt zum Titel der Ausstellung. «Three Times a Day» kann als Nahrung für den Geist verstanden werden. Für die Künstlerin ist klar, dass sich der Mensch auch aus der Welt, die ihn umgibt, nährt und die wiederum ist oftmals ein wichtiger Ausgangspunkt für ihre Werke.
Text von Sabine Schaschl