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Gegen die tonangebende nationale Kunst Ferdinand Hodlers war die 1915 in Genf ins Leben gerufene Künstlervereinigung «Le Falot» (Die Laterne) gerichtet, welcher Gustave Buchet als Gründungsmitglied angehörte. Die Mitglieder wollten sich in ihrer künstlerischen Entwicklung direkt nach dem Kunstzentrum Paris ausrichten, wo in den Jahren 1910-1920 die Leitplanken der Avantgarde «Kubismus», «Futurismus» und «Orphismus» hiessen.
Der in Etoy geborene, in Genf an der Ecole des Beaux-Arts ausgebildete Künstler Gustave Buchet gehört – zusammen mit Alice Bailly und Rodolphe-Theophile Bosshard aus der Romandie und Otto Morach aus der deutschen Schweiz, die ebenfalls in der Sammlung vertreten sind – zu den wichtigen Vertretern kubistischer Malerei in der Schweizer Kunst. Für Buchet war Paris bereits in den Jahren 1910 und 1916 ein wichtiger Anziehungspunkt. 1920 zieht er endgültig dorthin und tritt der «Section d'Or» bei, einer Vereinigung bedeutender Künstler, die diesen Namen vom Goldenen Schnitt, dem klassischen Verhältnis der Proportionen, herleiten. Das Stillleben Pommes et vase bleu, 1932, welches aus der reifen Schaffenszeit des Künstlers stammt, orientiert sich im Wesentlichen an den Grundsätzen des Kubismus, geht aber zugunsten einer klassischen Bildauffassung in mancher Hinsicht über dessen Regeln hinaus. Kubistisch bleibt der sich wechselnde Standpunkt des Betrachters: Auf die helle Schale mit den rot leuchtenden Äpfeln blickt man von oben, den blauen Krug sieht man mehr von der Seite. Einer Wolke ähnlich stellt das grau-weisse Tuch die Verbindung zum geometrisch strukturierten Hintergrund her, wo man – fächerartig – eine Anordnung von Tischkanten und Stuhllehnen erkennen mag. Die intensive Leuchtkraft und der rhythmisch-schwingende Wechsel von weichen Rundungen und eckigen Flächen lassen den Einfluss des Orphismus erkennen, der kurz mit «klingendem Kubismus» umschrieben werden kann. Obwohl das Stillleben konsequent auf das Bildrechteck bezogen komponiert ist, wird mit der bauchigen Wölbung der Vase Volumen, bzw. Bildraum spürbar.
In seinem späteren Werk strebt Gustave Buchet intensiv nach einer gültigen Neugestaltung des klassischen Bildaufbaues. Das Stilleben Pommes et vase bleu ist ein Zeugnis seiner Bemühungen, die Gestaltung der Bildfläche mit einem gelösteren und sinnlicheren Farbauftrag zu einem harmonischen Ganzen zu fügen.
(Quelle: Katalog ‚Innovation und Tradition‘, Bern 2001)
Gustave Buchet wurde 1888 in Etoy (CHE) geboren; er starb 1963 in Lausanne (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Skulptur, Illustration, Theater