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Besonders im Rehabilitationsbereich wird oft mit dem Trainingsbegriff um sich geworfen. Doch was ist eigentlich Training?
Der Begriff Training beschreibt die systematische Wiederholung gezielter, überschwelliger Reize (Stressoren) mit physischen und psychischen Anpassungserscheinungen zum Zwecke der Kapazitäts- und Leistungssteigerung. Da ihr im Post über Regeneration schon hoffentlich einiges über Stressmanagement und Verarbeitung habt lernen können, möchten wir heute noch etwas genauer auf den eigentlichen Verarbeitungsvorgang und die darauffolgende, physische oder psychische Adaptation eingehen.
Diese Adaptation wird auch als Superkompensation bezeichnet:
,,Die Superkompensation ist eine überschießende Anpassungsreaktion des Organismus in Folge einer belastungsinduzierten Auslenkung aus der Homöostase’’
Als Grundlage für das Verstehen der Superkompensation müssen wir den Begriff der Homöostase klären. Unter Homöostase versteht man das Aufrechterhalten eines Gleichgewichts zwischen externen Faktoren, und dem inneren Milieu (diese Fähigkeit hat fast jedes Lebewesen von Geburt an inne). Zum Beispiel erhöht euer Körper automatisch euren Energieverbrauch, um Wärme zu erzeugen, wenn es draussen kalt ist. Oder er baut Muskeln auf, wenn viel körperlich gearbeitet wird, um auf die Belastung besser vorbereitet zu sein. Er hält die Waage zwischen den Anforderungen unseres Umfelds und der Selbstregulation unseres Systems.
Ein Beispiel dazu:
Milon von Croton, ein griechischer Olympionike, trug seit seiner Jugend ein Kalb von der Weide zum Hof seiner Eltern und zurück, dies wiederholte er täglich. Mit der Zeit wuchs das Kalb und wurde schwerer, also musste Milon mehr Kraft zum Tragen aufwenden. Das höhere Gewicht führte dazu, dass auch Milon stärker wurde, da sein Körper ihn auf die Belastung vorbereitete. Nach einigen Jahren war Milon stark genug eine ausgewachsene Kuh zu tragen und wurde als einer der stärksten Menschen der griechischen Mythologie bekannt.
Genau dieses System ist der Ursprung der Superkompensation: Nehmen wir mal an, jemand hat als Ziel das Steigern seiner physischen Belastbarkeit. Mit dem Vorwissen über den homöostatischen Vorgang ist er sich sicher, dass dafür ein regelmässiges Stören seines inneren Milieus nötig ist, damit sein Körper die entsprechende Adaptation vornimmt. Unser Beispielathlet oder Patient setzt nun den entsprechenden, überschwelligen Reiz (überschwellig heisst, der Reiz überschreitet seine derzeitige Toleranz), um die von ihm gewollte Reaktion herbeizuführen. Um diese Reaktion zu verarbeiten und die Adaptation vorzunehmen, braucht der Körper allerdings Zeit ohne erneute Störung des Systems, eine Erholungsphase. Wird ihm diese nicht gegeben, kommt es zu Überlastungserscheinung oder Kapazitätsabbau. Den letzten Schritt, das Erhöhen der Kapazität über das ursprüngliche Kapazitätsniveau innerhalb der Ruhephase, bezeichnen wir als Superkompensation.
(➡ Blogpost Regeneration: Der Eimer wird immer grösser)
Dieses wiederholte Setzen von leicht überschwelligen Reizen mit entsprechenden Anpassungsvorgängen bezeichnen wir als Training oder progressives Überlasten. (s.o.)
Aber Vorsicht:
Verstreicht zu viel Zeit (die Erholungsphase ist zu lang) ohne eine erneute Störung der Homöostase, sinkt das vorher aufgebaute Kapazitätsniveau wieder ab, um körpereigene Ressourcen zu sparen. Die Superkompensation funktioniert also auch in die entgegengesetzte Richtung: Durch fehlende Stressoren sinkt das Kapazitätsniveau immer weiter ab und das System wird anfälliger gegenüber kleinsten Störungen des Gleichgewichts (➡ Blogpost Regeneration: Der Eimer wird immer kleiner).
Aus diesem Grund legen wir in unserer Therapie und auch privat sehr viel Wert auf regelmässiges Training, um unsere und eure Belastungstoleranz so hoch wie möglich zu halten oder wieder auf ein subjektiv ausreichendes Niveau zu bringen.
Kommt wie immer bei Fragen oder Kritik sehr gerne per E-Mail oder Inbox auf uns zu!
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