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Ein ganz bestimmter Tag am Ende des Oktobers nähert sich mit grossen Schritten: Halloween! Um die sogenannte "spooky Season" gebührend zu feiern, wollen wir eine kleine Auswahl der "schrecklichsten" Objekte aus der Sammlung von Museum Aargau präsentieren.
Es kann einem manchmal sehr mulmig werden im Sammlungszentrum in Egliswil. Wenn das Licht noch nicht an ist oder eine der Deckenlampen wieder einmal streikt, wirken die Gänge wie schwarze Schlunde. Das schwache Licht, das in den Lagerraum hineindringt, lässt die Objekte nur schemenhaft erkennen und die Fantasie verrücktspielen. War dieses Objekt das letzte Mal bereits hier? Hat sich hinter mir gerade was bewegt?
1. Mumie "Scherit –Min"
Besonders im Mittleren Gang, dort wo neben den Mumien auch noch die Samurai-Rüstung aufbewahrt wird, ist dieses unterbewusste Angst-Gefühl ein stetiger Begleiter. Aber auch bei vollem Licht geht von diesen Objekten etwas Unheimliches aus.
Der Sarkophag und die Mumie erhielten 1886 das kantonale Antiquarium, eine Vorgängerinstitution der Sammlung Museum Aargau, von dessen Ehrenmitglied André Bircher geschenkt. Im Alter von 23 Jahren reiste der mittellose, aus dem aargauischen Küttingen stammende, Bircher nach Ägypten, wo er 1865 ein eigenes Import-Export-Geschäft in Kairo aufbaute.
Er exportierte von dort aus Waren wie Gummi Arabicum, Wachs, Kaffee, Elfenbein und Straussenfedern nach Europa und häufte mit seiner Tätigkeit als Händler ein Vermögen an. Bircher begann zahlreiche Objekte (darunter auch Mumien) zu sammeln und sein Haus in der Altstadt von Kairo, ein kleiner Mamlukenpalast aus dem 14. Jahrhundert, glich bald einem Museum.
In der Wanne des Sarkophags weilt noch immer die vor mehr als zwei Jahrtausenden zur Ruhe gebettete Mumie der "Scherit-Min". Bei der "Tochter des Min" handelt sich um eine zwischen 20 und 40 Jahren alte Person weiblichen Geschlechts, die höchstwahrscheinlich an einer Infektionskrankheit gestorben ist. Sie wuchs in der mittelägyptischen Stadt Achmim zur Zeit der Ptolemäerherrschaft (300-200 v. Chr.) auf. Möge Sie weiter in Frieden ruhen und für ein mulmiges Gefühl sorgen.
2. Kanonenkugel aus Döttingen
Das nächste Objekt hat bei der ersten Betrachtung nicht direkt einen Gruselfaktor. Eine Kanonenkugel mag für einige etwas Ungewöhnliches sein, gibt aber keine Alpträume. Das "gruselige" an diesem Objekt ist eher die historische Verwendung.
Die Aura die es umgibt wirkt anderes als bei Objekten in der Sammlung, die oft als nicht verwendete, unverbrauchte und zum Teil originalverpackte Gegenstände aufgenommen wurden. Diese Kanonenkugel wurde mit dem Ziel verwendet, Menschen zu töten.
Sie stammt aus dem Gefecht bei Döttingen, als die Front während des Zweiten Koalitionskrieges mitten durch das Aaraetal verlief. Am 17. August 1799 versuchten österreichische Truppen hier die Aare zu überqueren, was aber von den Franzosen vereitelt wurde. Dabei beschossen sich die Kriegsparteien über den Fluss hinweg, wobei auch einige Kugeln im Wasser landeten. Eine davon wurde 1900 bei Baggerarbeiten gefunden.
3. Grabkreuz
Wenn bereits von Schlachten die Rede war, passt das nächste Objekt auf unserer Liste perfekt dazu. Die Kennzeichnung von Grabstellen ist seit frühzeitlicher Zeit überliefert und hat sich dabei gewandelt, weiterentwickelt und neue Formen angenommen. Dabei entstand in christlichen Gebieten das Grabkreuz als Symbol für die Verbundenheit zu Jesus und seinem Tod am Kreuz.
Das hier erwähnte Grabkreuz gehört zum Grab der 1963 verstorbenen Katharina Schrieber Huwiler (1900 – 1963) und kam als Schenkung von ihrem Sohn Martin Schrieber in die Sammlung. Das Grabkreuz besteht aus Tannenholz und mit einem Dachabschluss versehen. Solche hölzernen Kreuze werden aufgestellt bis sich das Erdreich gesetzt hat, um anschliessend den Grabstein zu setzten.
Das schlichte Kreuz ist nicht nur ein Symbol für den Tod, es ist auch ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Verstorbenen und ihnen einen Ort des Gedenkens zu geben.
4. Richtschwert
Kein anderes Objekt vereint Macht und Stärke in sich, wie ein Schwert. Vor allem wenn es zur Machtdemonstration benötigt wird. Das vorliegende Richtschwert der Familie Mengis stammt aus dem Jahr 1600. Es ist davon auszugehen, dass es über die Jahrhunderte zusammen mit dem Amt vererbt wurde. Es kam wohl 1931 als Teil der Privatsammlung der Gebrüder (Eugen, Richard und Theodor) Zschokke an den Kanton und so später ins Museum Aargau.
Wie und wann die Familie Zschokke in den Besitz des Schwertes gelangte, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Überliefert ist nur, dass Emil Zschokke, Onkel der Gebrüder, bei der Hinrichtung von Bernhard Matter 1854 als Pfarrer die Standrede hielt.
Vielleicht waren es dann auch bereits die Gebrüder Zschokke, die nach Erwerb des Schwertes aus dem ursprünglichen Tötungsinstrument ein historisches Anschauungsobjekt machten und es um die Inschrift "Altes Richtschwert aus der Familie Mengis Aarau" erweiterten. Auf jeden Fall hat das morbide Objekt seine Faszination bis heute nicht verloren.
Wie bei der Kanonenkugel zuvor, ist die Historizität beim Richtschwert stark. Die Präsenz einer Klinge die Menschenleben beendet hat, wirkt stark auf die Betrachtenden und lassen eine solche Hinrichtung wie vor dem geistigen Auge ablaufen.
5. Katzensarg
Das letzte Objekt auf unserer "schrecklichen Liste" ist ein Katzensarg aus dem alten Ägypten. Im Rahmen des ägyptischen Tierkults genoss auch die Katze grosse Verehrung. Vor allem in der Spätzeit erlebten die Bestattungen von Lieblingstieren seine grosse Blüte. Allerdings trifft man schon früher auf Statuen und Särge von Katzen: während der 22. Dynastie (im 9. Jh. v. Chr.) in Bubastis, dem Hauptkultort der in Katzengestalt verehrten Göttin Bastet.
Die Tiere verkörpern allgemein göttliche Wesenszüge und können entweder als lebende Tiere, als Statuen oder als Mumien dem Menschen als Mittler gegenüber der jeweiligen Gottheit dienen. In Katzengestalt können die Göttinnen Bastet, Sachmet (auch gerne in Löwengestalt) oder vereinzelt auch Hathor (sonst häufig in der Gestalt einer Kuh) erscheinen. Katze und Löwin sind nur zwei verschiedene Aspekte derselben Gottheit. Einmal sanft in Katzengestalt und einmal zornig wild als Löwin.
Der vorhandene Sarg besteht aus einem hölzernen Gehäuse, unter dem der einbalsamierte Körper der Katze in Leinen eingewickelt ist. Die Katze sitzt auf einem Sockel. Die Bemalung ist vor allem am Kopf noch sehr gut erhalten, was die aufgemalten Augenpartien zeigen.
Laut den zugehörigen Dokumenten wurde das Innere des Sargs bis jetzt noch nicht untersucht. Womöglich wird noch eine gruselige Entdeckung zu machen sein. Heutzutage wo es eigene Tierfriedhöfe und Krematorien gibt, wäre eine Wiedereinführung wohl nicht denkbar. Aber wer weiss, vielleicht wird diese Bestattungsart ja wieder en Vogue?
Gruseln ist relativ
Nun sind wir am Ende unseres kleinen Gruselkabinetts angelangt. Selbstverständlich gibt es noch viele Objekte, die in einer solchen Auflistung vorkommen könnten. Ob etwas gruselig, furchterregend oder angsteinflössend ist, ist für jeden Menschen verschieden. Was würden Sie denn als gruselig empfinden? Vielleicht geben Sie uns ja ein kleines Feedback in den Kommentaren zu diesem Blogbeitrag.
Falls Sie keine Angst haben und sich gerne mal in die dunklen Ecken und Gänge des Sammlungszentrums in Egliswil wagen möchten, sind Sie gerne dazu eingeladen. Das umgebaute Gebäude präsentiert sich ab dem 4. April wieder der Öffentlichkeit.
Und bis dahin: "Süsses oder Saures!?" ☠
Literatur
- Autor unbekannt: Richtschwert. In: Schweizer Waffen Magazin, Nr. 11/85, Orell Füssli, Zürich 1985.
- Bircher, Andreas: Über die gegenwärtigen ökonomischen und comerciellen Verhältnisse Ägypten, in besonderem Hinblick auf den Sudan. In: Fernschau, Bd. 3, Sauerländer, Aarau 1889.
- Burkhart, Sebastian: Geschichte der Stadt Rheinfelden. Sauerländer, Aarau 1909.
- Fuhrer, Hans Rudolf: Die beiden Schlachten von Zürich 1799. GMS, Zürich 1995.
- Langton, N. und B.: The Cat in Ancient Egypt. Cambridge University Press, London 1940.
- Küffer, Alexandra und Siegmann Renate: Unter dem Schutz der Himmelsgöttin. Ägyptische Särge, Mumien und Masken in der Schweiz, Chronos-Verlag, Zürich 2007.
- Zähringer, H.: Der Gebirgskrieg in der Schweiz 1798 und 1799. In: Jahrbuch des Schweizerischen Alpen-Clubs, 8. Jahrgang 1872-1873. Verlag der Expedition des Jahrbuchs des S.A.C, Bern 1872.