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FAI-Frühindikatoren der Arbeitslosigkeit in der Schweiz
Alle Grafiken berücksichtigen den Datenstand Ende Dezember 2019 sowie die Erwerbspersonenzahl gemäss den sogenannten Pooling-Daten 2015-17
Die FAI-Frühindikatoren beziehen sich auf fünf Dimensionen der Arbeitslosigkeit:
- die Arbeitslosenquote,
- das Risiko der Arbeitslosigkeit,
- die Dauer der Arbeitslosigkeit,
- den Anteil an Langzeitarbeitslosen und
- die Dauer der Marktanpassung.
Die Frühindikatoren stellen rollende Prognosen dar, die auf Basis der Arbeitsmarktstatistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) monatlich erstellt werden und auf einem mathematischen Modell beruhen. Sie gelten unter der Annahme, dass die konjunkturelle Lage, die im jeweiligen Monat vorherrschte, in der Zukunft unverändert bleibt. Die nachfolgenden Angaben sind alle mit dem X12-Verfahren saisonbereinigt und enthalten somit keine Jahreszeiteffekte. Die Werte der Frühindikatoren erscheinen jeweils in rot.
Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote gibt den Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) an, die an einem gegebenen Stichtag (hier am Monatsende) arbeitslos sind. Sie ist also stichtagsbezogen. Der Frühindikator für die Arbeitslosenquote ergibt sich aus dem Produkt des aktuellen Arbeitslosigkeitsrisikos und des Frühindikators für die Arbeitslosigkeitsdauer. Durch einen Vergleich der Entwicklungen der beiden Komponenten lässt sich feststellen, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass sie für eine Veränderung des Arbeitslosenquote-Frühindikators jeweils verantwortlich waren.
Arbeitslosenquote, Januar 2000 - Dezember 2019
Arbeitslosigkeitsrisiko
Das Arbeitslosigkeitsrisiko gibt den Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) an, die während des jeweiligen Kalendermonats arbeitslos wurden. Im Unterschied zur Arbeitslosenquote ist das Arbeitslosigkeitsrisiko zeitraumbezogen und ergibt sich aus der Zahl der während des jeweiligen Monats erfolgten Eintritte von Personen in den Arbeitslosenbestand. Ein Wert von 0,6% beispielsweise bedeutet, dass 6 von 1000 Erwerbspersonen im betreffenden Monat arbeitslos wurden. Das Arbeitslosigkeitsrisiko liefert Informationen über das Ausmass an Entlassungen im jeweiligen Monat.
Arbeitslosigkeitsrisiko, Januar 2000 - Dezember 2019
Dauer der Arbeitslosigkeit
Die Dauer der Arbeitslosigkeit misst die Länge einer durchschnittlichen Episode von Arbeitslosigkeit in Monaten. Sie gibt Auskunft über die Stellenaussichten der Arbeitslosen. Die Dauer kann sich auf drei Personengruppen beziehen: (i) die Zahl der Personen, die den Arbeitslosenbestand in einem gegebenen Monat verlassen ("endende Episoden"), (ii) die Zahl der Personen, die am Ende des jeweiligen Monats noch arbeitslos sind ("laufende Episoden"), und (iii) die Zahl der Personen, die im betreffenden Monat dem Arbeitslosenbestand zugehen ("beginnende Episoden").
Von diesen dreien bildet die Dauer der Arbeitslosigkeit bei den Zugängern ("beginnende Episoden") unseren Frühindikator. Sie gibt die Länge der Arbeitslosigkeit an, welche die Zugänger bis zu ihrem Austritt aus der Arbeitslosigkeit im Durchschnitt erleben werden, wenn die im Monat ihres Zugangs vorherrschende Konjunkturlage unverändert bleibt. Die entsprechende Dauer für die Abgänger ("endende Episoden") kann man hingegen anhand der amtlichen Arbeitslosenzahlen direkt beobachten. Sie ist vergangenheitsorientiert, da sie sich auf den Zeitraum vor dem aktuellen Abgang bezieht, während die Dauer bei den Zugängern zukunftsbezogen ist.
Im Unterschied zu diesen beiden Dauern, die sich auf Personenströme (Zugänger bzw. Abgänger) beziehen, nimmt jene der Nocharbeitslosen ("laufende Episoden") auf den Arbeitslosenbestand Bezug. Da bei diesen Personen, die Arbeitslosigkeit noch andauert, ist die bei ihnen gemessene Dauer stets unvollständig und umfasst lediglich die bisherige Zeitspanne der Arbeitslosigkeit.
Die mittlere bisherige Arbeitslosigkeitsdauer der Nocharbeitslosen ("laufende Episoden") liegt in der nachfolgenden Grafik stets oberhalb der vollendeten Dauer der Vermittelten, obwohl die laufenden Episoden noch nicht beendet sind und deren Dauer deshalb abgeschnitten ist. Dies liegt daran, dass die Langzeitarbeitslosen im Bestand stärker vertreten sind als im Abgängerstrom, was die durchschnittliche Dauer laufender Episoden nach oben drückt. Wenn die mittlere bisherige Dauer der laufenden Arbeitslosigkeitsepisoden jene der endenden Episoden - wie hier - übertrifft, weist dies darauf hin, dass die individuelle Chance, eine Stelle zu finden, mit fortschreitender Arbeitslosigkeit abnimmt.
Dass die mittlere Dauer der laufenden Episoden bis Mitte 2009 fiel, obwohl die amtliche Arbeitslosenquote stieg, liegt daran, dass am Anfang eines Konjunkturabschwungs die Zahl der Neueintritte in die Arbeitslosigkeit (Arbeitslosigkeitsrisiko) stark ansteigt, was die durchschnittliche Dauer laufender Arbeitslosigkeitsepisoden nach unten drückt. Zu Beginn eines Abschwungs finden zudem vermehrt nur noch Kurzzeitarbeitslose eine Stelle, was die mittlere Dauer abgeschlossener Episoden ebenfalls senkt. Der Rückgang dieser beiden Dauern in Abschwungsphasen erweckt den Eindruck, dass sich die Stellensituation bessert, wenn in Wirklichkeit das Gegenteil gilt. Unser Dauer-Frühindikator besitzt diese Schwäche nicht.
Mittlere Dauer der Arbeitslosigkeit, Januar 2000 - Dezember 2019
Anteil der Langzeitarbeitslosen
Als Langzeitarbeitslose gelten Personen, bei denen die Arbeitslosigkeit bislang mindestens ein Jahr andauert. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen misst den Anteil dieser Personen an der Gesamtzahl aller Arbeitslosen. Da Langzeitarbeitslose in der Regel schwer zu vermitteln sind, birgt ein hoher Anteil die Gefahr, dass sich die Arbeitslosigkeit verhärtet und auf konjunkturelle Erholungen kaum mehr reagiert. Dementsprechend ist die Sockelarbeitslosigkeit (also jene Arbeitslosigkeit, die auch bei ausgeglichener Konjunktur bestehen bleibt) in Ländern mit einem hohen Langzeitanteil ebenfalls hoch. In vielen Ländern der EU beträgt der Langzeitarbeitslosenanteil auch bei guter Konjunktur 50% und mehr, während er in Nordamerika selten die 10%-Marke überschreitet.
Der von uns berechnete zukunftsbezogene Langzeitarbeitslosenanteil reagiert wesentlich schneller auf konjunkturelle Veränderungen als die amtliche Zahl. Dies liegt daran, dass letztere die laufende Zusammensetzung des Arbeitslosenbestands erfasst, in dem am Anfang eines Abschwungs zunächst der Anteil an Kurzzeitarbeitslosen wächst. Erst wenn diese Personen Langzeitarbeitslose geworden sind, erhöht sich der beobachtete Langzeitarbeitslosenanteil. Unser Modell nimmt diesen Prozess vorweg und berechnet den Anteil an Langzeitarbeitslosen, den die gegenwärtige Stellensituation für die Zukunft impliziert.
Anteil der Langzeitarbeitslosen, Januar 2000 - Dezember 2019
Median-Lag der Anpassung
Der Median-Lag gibt die Dauer in Monaten an, welche der aktuelle Wert der beobachteten Arbeitslosenquote benötigen würde, um den Abstand zum Wert ihres Frühindikators zur Hälfte zu verkürzen, wenn die aktuelle Konjunkturlage unverändert bliebe. Er dient als Mass für den Grad der Verhärtung der Arbeitslosigkeit.
Median-Lag der Anpassung, Januar 2000 - Dezember 2019