Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03371.jsonl.gz/3063

Wer entdeckte Alaska? Vitus Bering oder Georg Willhelm Steller?
Im 18. Jahrhundert waren die Möglichkeiten für die Seefahrer gering, um es Christopher Kolumbus gleich zu tun - die Erde hat nun einmal fünf Kontinente, die damals alle entdeckt waren. Doch seit 1649 ist auf Karten ein mysteriöses "Gamaland" oder Terre de la Compagnie eingezeichnet, das der Portugiese João da Gama auf einer Fahrt vom Macau nach Mexiko entdeckt haben will.
Der russische Kosak und Seefahrer Semjon Iwanowitsch Deschnjow durchfuhr 1648 die Beringstrasse, umschiffte von der Kolymamündung aus die Ostspitze Asiens bis zur Anadyrmündung. Damit widerlegt er die These, dass Amerika und Asien miteinander verbunden seien.
Die Admiralität des Zaren wählte den Dänen Vitus Bering für eine Reise aus, die im Osten die Wahrheit von der Dichtung trennen soll. Deshalb setzte Bering seine Hoffnung auf das legendäre "João-da-Gama-Land", über dessen Lage mitten im Meer spekuliert wurde.
Im September 1740 trifft Bering mit dem Flaggschiff "St. Peter" (unter seinem Kommando) und dem Schwesterschiff "St. Paul" (unter Alexei Iljitsch Tschirikows Kommando) von Ochotsk aus in der Avatcha-Bucht auf Kamtchatka ein. Bering lässt dort ein kleine Siedlung errichten - die "Peter- und Paul-Stadt", auf Russisch: Petropavlovsk.
Je nach Überlieferung stachen die zwei Schiffe entweder am 29. Mai oder 4. Juni resp. 15. Juni 1741 in See und nahmen Kurs auf Ost-Südost, um das sagenumwobene "João-da-Gama-Land" zu suchen. Tatsächlich war mit diesem Land aber die Inselgruppe der Kurilen gemeint und so segelten Bering und Tschirikow bis zum 23. Juni ohne Aussicht auf Erfolg südwärts. Nachdem man schliesslich beschlossen hatte, den Kurs auf Nord-Nordost zu ändern, trennte ein Sturm die beiden Schiffe. Die beiden Kommandanten sollten sich nie mehr sehen.
Im Juli 1741 erreichten beide Schiffe Alaska; Tschirikow in der Nähe der heutigen Stadt Sitka und die Mannschaft der "St. Peter" sichtete auf 58° 14' nördlicher Breite - ca. 600 km nördlich von Sitka - überraschend Land: auch dies war Alaska. Der Bering zugeteilte Naturforscher Georg Willhelm Steller (geb. 10.03.1709 in Windsheim/Deutschland) berichtete dazu: "Einige wollten sogleich dem Land sich nähern und Hafen aufsuchen. Andere stellten sich dieses als sehr gefährlich vor." Steller wird ausgewählt, als erster Europäer an Land zu gehen. Er endeckt Spuren von Menschen, einen Vorratskeller mit geräuchertem Fisch, Pfeile und gesammelte Gräser und Kräuter. Als er sich ins Landesinnere wagt, sieht er Rauch aufsteigen. Doch Kapitän Bering drängt zum Aufbruch. Er erkennt die Tragweite seiner Entdeckungen nicht. Bering will weiter nach dem "João-da-Gama-Land" suchen, das er nie finden wird. Steller sieht das anders. Doch nicht er, sondern Expeditionsleiter Bering gilt noch heute als europäischer Erstentdecker Alaskas.
Tschirikow versuchte zwei Erkundungstrupps an Land zu schicken, doch beide verschwanden auf mysteriöse Weise, und so kehrte die "St. Paul" Alaska den Rücken und erreichte am 23. Oktober 1741 wieder ihren Heimathafen Petropavlovsk.
Auf der Rückfahrt geriet die "St. Peter" in mehrere Herbststürme und strandete im 8. November 1741 auf einem unbewohnten Eiland namens Awatscha, 150 km östlich von Kamtchatka. Die Naturgewalten sowie Kälte, Mangelernährung und der Skorbut forderten Opfer unter der entkräfteten Besatzung. Mehrere der völlig geschwächten Besatzungsmitglieder starben, darunter am 8. Dezember 1741 Vitus Bering. Die restlichen Männer mussten unter härtesten Bedingungen in selbst gebauten Erdhütten überwintern. Dass der grösste Teil den Winter überlebte, war massgeblich Steller zuzuschreiben. Er organisierte das Zusammenleben, übernahm die medizinischen Versorgung, sammelte Kräuter und Wurzeln, durch deren Verzehr der Skorbut bekämpft wurde. Dank Stellers Initiative und Geschick überlebten zumindest 46 Männer der ursprünglich 77köpfigen Besatzung. Ihnen gelang mit einem aus den Wrackteilen der "St. Peter" gebauten kleinen Boot im August 1742 die Rückkehr nach Kamtschatka.
Nachdem die Expedition für beendet erklärt worden war, machte sich Steller im August 1744 auf die Rückreise nach St. Petersburg. Auf ihr verstarb er am 12. November 1746, mit nur 37 Jahren, über 2000 km östlich von Moskau in Tjumen (Sibirien) an den Folgen eines heftigen Fiebers.
Die Überreste Berings und fünf anderen Seeleute werden erst 250 Jahre später, 1991, entdeckt und zur Untersuchung nach Moskau transportiert. 1992 bringen die Russen die Skelette zurück. Im Inseldorf Nikolskoje steht ein Denkmal für den Dänen. Das Eiland Awatscha trägt heute den Namen Beringinsel.