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Dass ein Kind phasenweise weniger isst, erleben viele Eltern. Wenn es jedoch gar nichts zu sich nimmt oder ein sehr extremes Essverhalten zeigt, kann es sich um eine ernst zu nehmende Störung handeln.
Was ist eine Fütterstörung?
Kinder bis ungefähr 5 Jahre brauchen beim Essen Unterstützung. Kleine Kinder müssen gefüttert werden, grössere brauchen Hilfe, um selbstständig essen zu lernen. Zeigt das Kind während dieser Zeit ein seltsames Essverhalten, wird dies als (frühkindliche) Fütterstörung bezeichnet.
Der Begriff Fütterstörung wird ausschliesslich für Kinder unter 6 Jahren benutzt. Wenn das Essverhalten mehrmals täglich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat folgendermassen auffällig ist, handelt es sich wahrscheinlich um eine Fütterstörung:
Das Kind lehnt Essen und eventuell auch Trinken ab.
Das Kind zeigt keinerlei Interesse am Essen und signalisiert nie Hunger.
Das Kind isst nur, wenn es dabei stark abgelenkt wird.
Das Kind isst nur im Schlaf oder Halbschlaf.
Das Kind isst äusserst einseitig.
Das Kind würgt oder erbricht vor, während oder nach dem Essen.
Das Kind braucht über 45 Minuten für eine Mahlzeit.
Auch körperliche Ursachen können für dieses Verhalten verantwortlich sein. Allerdings handelt es sich dann nicht um eine Fütterstörung, sondern um ein Symptom der eigentlichen Krankheit.
Fütterstörungen gehören zu den Regulationsstörungen. Dies bedeutet, dass ein Baby oder Kleinkind sein Verhalten in verschiedenen Situationen (noch) nicht selber anpassen kann. Es äussert dies durch exzessives Schreien, Schlaf- oder eben Fütterstörungen.
So erkennen Sie eine Fütterstörung
Eine Störung im Essverhalten kann im frühen Kindesalter sehr unterschiedlich auftreten. Einige Kinder interessieren sich zum Beispiel überhaupt nicht für das Essen. Da sie während den Mahlzeiten nichts essen, füttern die Eltern sie beispielsweise, wenn sie während des Spielens abgelenkt sind oder sogar im Schlaf. Andere Kinder essen nur Nahrungsmittel einer bestimmten Geschmacksrichtung, Temperatur oder Konsistenz, zum Beispiel ausschliesslich Püriertes oder Kaltes.
Bei manchen Kindern äussert sich die Fütterstörung so, dass sie beim Essen weinen und sich dagegen wehren. Als Reaktion darauf schlucken viele Kinder die Nahrung dann nicht hinunter, sondern behalten sie manchmal über Stunden im Mund. Auch Würgen oder Erbrechen kommt vor.
Die möglichen Ursachen einer Fütterstörung
Kinder mit einer Fütterstörung zeigen dieses Verhalten nicht absichtlich. Anders als bei älteren Kindern oder Jugendlichen, die mit Ihrem Essverhalten Gewicht und Aussehen beeinflussen möchten, ist dies bei Kindern in diesem Alter ausgeschlossen.
So unterschiedlich sich eine Fütterstörung äussert, so verschieden sind auch die Ursachen:
Die Wahrnehmung im Mundbereich ist gestört und der Geschmack, die Temperatur oder die Konsistenz gewisser Nahrungsmittel im Mund unerträglich.
Nach traumatischen Erfahrungen im Mundbereich, zum Beispiel durch zu heisses Essen oder starkes Verschlucken.
Fehlen des Hungergefühls.
Während der Mahlzeiten bestehen belastende Situationen, zum Beispiel mit Familienmitgliedern.
Wenn bisher keine Erfahrungen mit Nahrung im Mund gemacht wurde, zum Beispiel nach der Ernährung durch eine Sonde.
Die Folgen einer Fütterstörung
Bei bis zu 2 Prozent der Kinder mit einer Fütterstörung ist diese so ausgeprägt, dass das Kind nicht an Gewicht zu- und vielleicht sogar abnimmt. Durch die fehlenden Nährstoffe kann sich auch das Wachstum verzögern, das Immunsystem schwächen und damit die Infektanfälligkeit erhöhen.
Abgesehen von den körperlichen Schäden, die ein Kind mit einer Fütterstörung erleiden kann, ist die Belastung für die Familie in vielen Fällen gross. Aus Angst der Eltern, das Kind könnte zu wenig Nährstoffe bekommen, dreht sich oft der ganze Alltag darum, dem Kind irgendwie etwas zu Essen zu verabreichen. Durch das gestörte Essverhalten ziehen sich ausserdem häufig die Mahlzeiten sehr stark in die Länge. An einen geregelten Tagesablauf mit festen Essenszeiten ist nicht zu denken. Darunter leidet das Familienleben.
Was tun bei einer Fütterstörung?
Wenn Sie vermuten, dass das Essverhalten Ihres Kindes auffällig ist, wenden Sie sich unbedingt an Ihren Kinderarzt. Als erstes muss eine körperliche Ursache ausgeschlossen werden.
Ist eine Fütterstörung diagnostiziert, hängt die Therapie von der Ursache ab. Häufig sind neben der Kinderärztin Fachpersonen aus den Bereichen Logopädie, Psychotherapie und Ernährungsberatung in die Behandlung involviert.
Der Weg von einer Fütterstörung hin zu einem normalen Essverhalten erfordert von den Eltern viel Zeit, Geduld und Verständnis. Denken Sie daran, dass Ihr Kind Sie nicht provoziert oder absichtlich ärgern möchte und zwingen Sie es nie zum Essen!