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Anders als in den vorangehenden Wochenberichtsperioden seit Mitte Januar schneite es in dieser Woche nur wenig. Die Lawinengefahr war im Wesentlichen vom Alt- und Triebschneeproblem geprägt und nahm im Allgemeinen langsam ab.
In dieser Wochenberichtsperiode war es oft sonnig und vor allem in der Höhe windig. Nach dem sehr kalten Wochenende stiegen die Temperaturen markant an und erreichten frühlingshafte Werte (vgl. Abbildung 1).
In den östlichen Teilen Graubündens und im Alpsteingebiet schien mehrheitlich die Sonne. Sonst war es meist bewölkt mit etwas Sonne vor allem vom südlichen Wallis über das Gotthardgebiet bis nach Graubünden. Im Westen fiel am Nachmittag etwas Schnee bis in tiefe Lagen. In der Nacht blies der Westwind in der Höhe noch mässig bis stark. Im Jura wehte schwache bis mässige Bise.
Von Samstag bis Montag war es in den Bergen sonnig und am Wochenende kalt. Am Samstag lag beidseits der Alpen eine Hochnebeldecke mit einer Obergrenze zwischen 1700 und 2200 m (vgl. Abbildung 2). In der Nacht zum Sonntag und am Sonntagvormittag sorgte eine seichte Föhnströmung v.a. in den östlichen Gebieten überraschend für Triebschneebildung in mittleren und hohen Lagen. Am Montag war es am Alpennordhang zum Teil, sonst meist sonnig und wieder wärmer. Abgesehen von der erwähnten, mässigen bis starken Föhnströmung blies der Wind aus Westen und nur in der Höhe zeitweise stark. Im Jura blies zeitweise starke Bise.
In der Nacht zum Dienstag fiel vor allem in den zentalen und östlichen Gebieten wenig Schnee oberhalb von 1200 bis 1500 m (vgl. Abbildung 3), tagsüber war es im Jura, an den westlichen Voralpen und im Süden meist sonnig, in den anderen Regionen noch länger bewölkt. Kaum Sonne gab es von Nordbünden bis ins Alpsteingebiet. Die Niederschläge waren von mässigem bis starkem Westwind begleitet, im Jura blies starker Südwestwind. Tagsüber flaute der Wind ab.
In der Nacht zum Mittwoch schneite es erneut vor allem am Alpennordhang (vgl. Abbildung 4). Tagsüber war es meist sonnig. Wieder frischte der Wind in der Nacht auf und blies im Westen und im Alpstein stark aus West bis Südwest, tagsüber dann schwach bis mässig aus West- bis Nordwest.
Die Nacht auf Donnerstag war meist klar. Tagsüber war es teils sonnig mit hohen Wolkenfeldern. Ganz im Süden war es oft bewölkt. Der Wind blies am nördlichen Alpenkamm westlich der Reuss mässig und zweitweise stark, sonst schwach bis mässig aus Südwest.
Die Lawinengefahr war in dieser Wochenberichtsperiode geprägt von vier Lawinenproblemen: Dem Altschneeproblem und dem Triebschneeproblem, sowie dem Nass- und Gleitschneeproblem. Für ein Neuschneeproblem schneite es zu wenig.
In der vorhergehenden Berichtsperiode führte das Altschneeproblem vor allem noch in den inneralpinen Gebieten Graubündens und im Oberengadin zu Lawinenauslösungen. Die Schneeschichten über dem schwachen Fundament der Schneedecke waren wohl gut verfestigt und verliehen das Gefühl einer stabilen SchneedeckeAn der Basis der Schneedecke waren aber verbreitet schwache Schichten vorhanden, besonders ausgeprägt nebst Graubünden auch im zentralen und südlichen Wallis. Auch am Alpennordhang waren diese Schwachschichten vorhanden, aber mächtig überdeckt, womit Auslösungen nur noch ganz selten möglich waren. Dieser Zustand setzte sich in der aktuellen Wochenberichtsperiode fort.
Am Freitag, 12.02. wurden unter anderen am Piz Murtiröl (Zuoz, GR, 2660 m) (vgl. Abbildung 5 und 6) zwei sehr grosse Schneebrettlawine im Altschnee fernausgelöst, nachdem bereits am Vortag der Bereich befahren wurde. Diese Lawinen reihten sich in die praktisch täglichen Meldungen zu Altschneebrüchen und zeigten auf, dass das Potential für grosse und sehr grosse Lawinen immer noch vorhanden war.
Nachdem am Alpennordhang seit 10 Tagen keine Lawinenauslösungen im Altschnee mehr bekannt wurden, wurde am Samstag, 13.02. an den Risetenhörnern (Mels, SG, 2356 m) eine sehr grosse Lawine ausgelöst (vgl. Abb. 7). Sie brach im Altschnee und erreichte eine Anrissbreite von rund 300 m und eine Länge von etwa 1.3 km. Die Anrisshöhen lagen im Mittel zwischen 80 und 150 cm.
Abb. 7: Beeindruckende, im Altschnee angerissene Lawine an den Risetenhörnern (Mels, SG, 2356 m) am Samstag, 13.02. (Film: M. Gschwind).
In den darauffolgenden Tagen wurden keine tiefen Altschneebrüche mehr bekannt, jedoch wurde der Schneedeckenaufbau in den südlichen Teilen des Engadins weiterhin als sehr schlecht beschrieben und mit Schneeprofilen dokumentiert (vgl. Abbildung 8).
Am Dienstag, 16.02. wurden dann am Garvers-dil Tgom (2488 m, Tujetsch, GR) an einem Nordwesthang und am Mittwoch, 17.02. am Piz Alv (2974 m, Pontresina, GR) an einem Südosthang zwei weitere Lawinen im tiefen Altschnee ausgelöst.
Die Lawinengefahr nahm in den «Altschneegebieten» Graubündens im Allgemeinen langsam ab und wurde für den Donnerstag, 18.02. auf Stufe 2 (mässig) reduziert. In diesen Gebieten war die Lawinengefahr seit dem Mittwoch, 13.01. (über 5 Wochen) erheblich (Stufe 3). Mässige Gefahr bedeutet jetzt in Bezug auf das Altschneeproblem: Kleine Auslösewahrscheinlichkeit - bedeutende Konsequenz (low probability, high consequence) oder: Die Wahrscheinlichkeit für eine Auslösung im Altschnee ist zwar klein, die Lawinen können aber immer noch gross werden !
In der zweiten Hälfte dieser Berichtsperiode brachen Stabilitätstests zunehmend in einer dünnen Schwachschicht direkt oberhalb einer Schmelzharschkruste. Dabei handelte es sich meist um die Kruste mit dem Saharastaub. Es bleibt weiter zu verfolgen, ob sich damit ein oberflächennahes Altschneeproblem abzeichnet.
Die Triebschneeansammlungen dieser Berichtsperiode waren in der Regel klein oder mittelgross (vgl. Abb. 9). Sie entstanden meist mit Wind aus westlichen Richtungen und vor allem in der Höhe, wobei vom Freitag, 12.02. bis am Montag, 15.02. Altschnee, am Dienstag, 16.02. und Mittwoch, 17.02. Neuschnee verfrachtet wurde.
In der Nacht vom Samstag, 13.02. auf den Sonntag, 14.02. entstanden mit seichtem Föhn vor allem von den östlichen Teilen Graubündens bis ins Alpsteingebiet gebietsweise kleine und mittlere, sehr leicht auslösbare Triebschneeansammlungen. Die Schneeverhältnisse waren am Sonntag in den betroffenen Gebieten nicht mehr wieder zu erkennen – der schöne Powder war total zerzaust und an dessen Stelle waren Zastrugis, Dünen, Wächten und brüchiger Windharsch zu finden. Es gingen kleine spontane Triebschneebretter ab, Wummgeräusche und Risse gab es auf Schritt und Tritt (vgl. Abbildung 10).
Allein zu diesem überraschendem Windschub und dessen Auswirkungen gingen über die WhiteRisk App und die Webseite rund 15 Meldungen ein – herzlichen Dank!
Die von Triebschnee ausgehende Lawinengefahr war meist mässig. Anlässlich des seichten Föhnes wurde für Montag, 15.02. die Lawinengefahr gebietsweise auf erheblich (Stufe 3) angehoben, was für Sonntag schon erfüllt gewesen wäre.
Einzelne Nassschneerutsche waren im Westen schon am Freitag, 12.02. und Samstag, 13.02. zu beobachten. Mit der markanten Erwärmung bereits am Montag, 15.02. im Westen traten dort an steilen Südhängen vermehrt Nassschneerutsche auf. Markanter war die Nassschneelawinenaktivität dann am Dienstag, 16.02., als viele und auch grossflächige Lockerschneerutsche meist auf der Schmelzharschkruste mit dem Saharastaub abglitten (vgl. Abbildung 11).
Gleitschneelawinen traten vereinzelt über die gesamte Wochenberichtsperiode auf, mit der Wärme vermehrt gegen deren Ende. Sie lösten sich meist zwischen 1800 m und 2200 m an steilen Südhängen. Im Lawinenbulletin erwähnt waren sie in den meisten Gebieten ab dem Donnerstag, 18.02. (vgl. Abbildung 12).
In dieser Wochenberichtsperiode wurden 60 Lawinen durch Personen ausgelöst (vgl. Abb. 13). Die meisten lösten sich im Triebschnee, einige und v.a. solche der Grössen 3 und 4 (gross, sehr gross) im tiefen Altschnee.
In der letzten Wochenberichtsperiode ereignete sich im Safiental (GR) nach Redaktionsschluss noch ein tödlicher Lawinenunfall. In dieser Wochenberichtsperiode wurde bis zum Redaktionsschluss kein solcher bekannt.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.