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Zum ersten Mal fährt ein Zug durch den Gotthardtunnel. Möglich wurde dies durch die Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft vor 150 Jahren.
Ziel war es, den Nord-Süd-Handel anzukurbeln. Vor allem die Wirtschaftsbeziehungen zum aufstrebenden, eben vereinten Italien sollten gefördert werden.
Schon lange diskutierte man über mögliche Varianten einer Alpentransversale. In Erwägung gezogen wurden nicht nur ein Tunnel durch den Gotthard, sondern auch einer durch den Lukmanier, den Splügen und den Simplon. Für jede Variante setzte sich eine starke Lobby ein.
Alfred Escher, einer der Vorkämpfer für eine Nord-Süd-Verbindung, machte sich zunächst für einen Tunnel durch den Lukmanier stark. Auf dem Tisch lag auch ein Vorschlag für einen 123 Kilometer langen Tunnel von Flüelen im Kanton Uri bis an den Lago Maggiore. Schliesslich setzte sich die Gotthard-Variante von Göschenen nach Airolo durch.
Schon am 7. August 1863 hatten fünfzehn Kantone sowie die Schweizerische Centralbahn und die Nordostbahn die «Gotthardvereinigung» gegründet. Präsident wurde Alfred Escher, eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Schweiz.
Am 6. Dezember 1871 dann wurde in Luzern die «Gotthardbahn-Gesellschaft», eine internationale Aktiengesellschaft, gegründet. Die Kosten der Bahn wurden auf 187 Millionen Franken veranschlagt. Italien zeigte sich bereit, 45 Millionen zu zahlen. Das Deutsche Reich und die Schweiz sollten je 20 Millionen übernehmen. Der Rest sollte am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Alfred Escher wurde Präsident der Gesellschaft.
Schon kurz darauf, am 13. September 1872, begannen die Bauarbeiten der Gotthardbahn. Die Bauleitung wurde dem Genfer Louis Favre übertragen. In nur zehn Jahren Bauzeit wurde die Bahn fertiggestellt. Die budgetierten Baukosten von 187 Millionen wuchsen auf fast 300 Millionen an.
Aufstände der Mineure, die bessere Arbeitsbedingungen verlangten, verzögerten die Arbeiten. Am 27. Juli 1875 wurde ein Streik der Arbeiter, die einen Franken mehr Lohn pro Tag forderten, von der Polizei niedergeschlagen. Immer wieder drohte der Konkurs der Gesellschaft. Deutschland und Italien zahlten weitere zehn Millionen; die Schweiz schoss zusätzliche acht Millionen ein. Im Kanton Zürich wurde in einer Volksabstimmung ein Zusatzkredit für die Bahn abgelehnt. Daraufhin trat Alfred Escher als Präsident der Gesellschaft zurück.
Am 19. Juli 1879 wurde Louis Favre im Tunnel von einem Unwohlseil befallen und starb wenige Minuten später an Herzversagen.
Am 29. Februar 1880 erfolgte kurz nach 11.00 Uhr der Durchstich des Tunnels. Die von Norden und Süden vorstossenden Bautrupps fielen sich in die Arme. Die Abweichung der beiden Röhren betrug seitlich nur 33 Zentimeter und in der Höhe nur 5 Zentimeter – eine Meisterleistung der Ingenieurkunst.
Am 22. Mai 1882 wurde die Gotthardbahn mit dem 15 Kilometer langen Gotthard-Scheiteltunel eingeweiht.