Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03412.jsonl.gz/988

Die Reintegration in die Gesellschaft hängt in hohem Masse davon ab, inwieweit Barrieren von Menschen mit Rückenmarksverletzungen in ihrer Umwelt überwunden werden können. Dazu gehören die öffentliche Infrastruktur, wie Einkaufsläden, Ämter, Schulen, der Arbeitsplatz und Transportmöglichkeiten, aber auch das Klima, die eigenen Wohnverhältnisse und die finanzielle Situation sowie die Versorgung mit Hilfsmitteln.
Zugängliche Unterkünfte sind ein weltweites Problem für Menschen mit Behinderungen. Oftmals werden sie aus der Klinik entlassen, aber zuhause angekommen, sind sie mit Treppenstufen, zu kleinen Badezimmern oder unzugänglichen Küchen konfrontiert. Sie sind damit „im eigenen Zuhause gefangen“, oder müssen in Unterkünfte ausweichen, deren Qualität niedrig ist. Aber nicht nur die Wohnverhältnisse können eine Barriere darstellen: Um an Bildung, Arbeit oder Aktivitäten ausserhalb des Zuhauses teilhaben zu können, ist der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden notwendig. Fehlen Rampen, Lifte oder Sicherheitsgurtsysteme, sind Rollstuhlfahrer unter Umständen von diesen Aktivitäten ausgeschlossen.
Die InSCI-Studie identifizierte die folgenden sechs Barrieren, die von allen Studienteilnehmern am häufigsten berichtet werden: Zugänglichkeit der Wohnung, Zugänglichkeit der öffentlichen Infrastruktur und des Transportwesens, die eigene finanzielle Situation, das staatliche Versorgungssystem sowie klimatische Bedingungen.
Starke Niederschläge und ein fehlendes Abwassersystem können das Leben im Rollstuhl sehr erschweren. In manchen Ländern sind es klimatische Bedingungen, wie Hitze, Kälte oder Nässe, die behindernd sein können.
Am wenigsten berichten die Studienteilnehmer in den Niederlanden und Norwegen von Umweltbarrieren. Am häufigsten werden sie in Marokko, Italien, Südkorea und Südafrika wahrgenommen.
Bestimmte Personengruppen mit Rückenmarksverletzungen nehmen häufiger Barrieren wahr. Zu ihnen gehören Frauen, Menschen mit geringem Einkommen, Personen mit einer Paraplegie, Personen mit kompletten Läsionen und Personen mit vielen Gesundheitsproblemen.
Werden Personen in ihrer sozialen Teilhabe und in ihren Aktivitäten eingeschränkt, beeinflusst dies ihre Lebensqualität und damit auch ihre Gesundheit. Wenn Betroffene nicht zu medizinischen oder therapeutischen Konsultationen fahren können, ihre Kontakte und Freundschaften nicht pflegen können, nicht mit Hilfsmitteln versorgt werden oder aufgrund klimatischer Bedingungen körperliche Beschwerden entwickeln, dann erhöht sich ihr Risiko für die Entwicklung von Begleiterkrankungen.
Die InSCI Daten zeigen den einzelnen Ländern die wichtigsten Handlungsfelder auf. In einem zweiten Schritt sollen geeignete Massnahmen definiert werden, um die grössten Probleme zu reduzieren. In einer vergleichenden Auswertung der InSCI Daten ist bereits ersichtlich, dass alle Länder Verbesserungspotential bei der Zugänglichkeit von Gebäuden und der öffentlichen Infrastruktur sowie beim Transportwesen haben. In einigen Ländern stehen jedoch die medizinische Versorgung, die finanzielle Unterstützung oder die Pflegedienste an oberster Stelle.
Richtet man den Blick in die Schweiz, so berichten 14% der SwiSCI Studienteilnehmer, dass sie die öffentliche Infrastruktur wie Restaurants, Läden oder Veranstaltungslokalitäten nur unzureichend erreichen können. Damit fühlen sich diese Personen sehr stark eingeschränkt. Dies betrifft besonders Personen über 65 Jahre, Frauen, Tetraplegiker und Personen mit einer nicht-traumatischen Querschnittlähmung.
Insgesamt 10% der Betroffenen geben an, dass sie in ihrer Mobilität sehr eingeschränkt werden, weil sie keinen ausreichenden Zugang zu Transportmitteln haben. Die Schweiz nimmt in punkto Transportwesen jedoch eine Vorreiterrolle ein: In allen anderen westeuropäischen Ländern berichten mehr Personen über mangelnde Transportmöglichkeiten.
Im internationalen Vergleich ist die Gesundheitsversorgung für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung in der Schweiz auf dem höchsten Stand. 86% geben an, mit der allgemeinen Gesundheitsversorgung in ihrer Region zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. 93% verfügen über die Hilfsmittel, die sie benötigen. Lediglich 3% berichten über eine unzureichende Pflegeversorgung und daraus resultierende Probleme für ihre Gesundheit.