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Können kleine Akteure etwas bewegen? Eine Multilevel-Governance Beurteilung des Schweizer Beitrags zur Errichtung eines internationalen Biodiversitäts-Regimes (SWIC)
Während sie im Vergleich zum Klimawandel etwas in den Hintergrund gerückt ist, stellt die Biodiversität dennoch eine der zentralsten mit globalen Umweltveränderungen verbundenen Problematiken dar. Doch trotz der wichtigen Institutionalisierung und vielen Investitionen bleibt der Erfolg begrenzt. Ein Teil der Erklärung dafür könnte sein, dass sie als 'übergeordnetes System' viele komplexe und verflochtene Thematiken umfasst und berührt (Naturschutz, Wälder, Biosicherheit, Nahrungssicherheit, Handel mit wilden Arten, usw.). Es ist auch möglich, dass das Fehlen einer starken Führung aufgrund ihrer niedrigen Priorität für die USA ein weiterer Grund dafür ist. Diese Lücke ist nicht - wie vielleicht erwartet werden könnte - von Europa gefüllt worden. Stattdessen hat sie viel politischen Handlungsspielraum für mittelgrosse und kleine Staaten sowie für eine Vielzahl nichtstaatliche Akteure ermöglicht. Es handelt sich deshalb um ein politisches Feld, in welchem die Koordination von verschiedenen Akteuren auf allen politischen Ebenen die Regel ist - im Gegensatz zu von einzelnen Akteuren stark dominierten Feldern. Das Verständnis dieses Prozesses und seiner Konsequenzen für die Praxis sind in der relevanten Literatur vernachlässigt worden.
Ziele
Dieses Projekt versucht, diese Lücke durch die Analyse des Multilevel Prozesses der Politikgestaltung und Normenbildung zu füllen, und bedient sich des Falles der Schweiz als Beispiel. Trotz ihrer kleinen Grösse ist die Schweiz immer wieder eine wichtige Beitragende zu globaler Umweltgovernance gewesen. Sie war Begründerin vieler internationaler Konventionen und beherbergt zahlreiche internationale Organisationen, Sekretariate und andere auf die Umwelt bezogene Organisationen oder Koordinationsmechanismen. Trotzdem gibt es keine systematische Analyse dieser Prozesse. Deshalb versucht dieses Forschungsprojekt, folgendes drei Hauptpunkte zu verstehen und zu erklären: 1) auf der nationalen Ebene den Prozess, durch welchen die Schweizer Positionen für internationale Verhandlungen gebildet werden; 2) auf der regionalen Ebene die Interaktions- und Koordinationsprozesse in diesem Feld mit europäischen Ländern und der EU; und 3) die von der Schweiz gespielte Rolle in internationalen Verhandlungen.
Forschungsdesign
Um diese Punkte zu behandeln baut das Projekt auf der theoretischen Literatur über Politikgestaltung, Governance, Organisationssoziologie und Internationale Beziehungen auf. Einerseits werden mittels Dokumenten historische Informationen rekonstruiert, andererseits werden qualitative Interviews durchgeführt mit früheren und heutigen Vertretern von verschiedenen Organisationen, die in Verhandlungen über die Biodiversitätspolitik auf der nationalen, regionalen und internationalen Ebene involviert sind. Die Analyse wird sowohl diejenigen zentralen Verhandlungsrunden, welche nationale Positionsbildungsprozesse eingeleitet haben, als auch die Gelegenheiten für jene nationale Positionsbildungsprozesse, die unabhängig von internationalen Kontext sind, analysieren. Die Resultate werden, übereinstimmend mit COST IS00802, zum Verständnis und zur theoretischen Entwicklung von Multilevel Umweltgovernance beitragen, sowie helfen, Schlüsse zu ziehen, welche die Effektivität der Schweizer Aussenpolitik im Biodiversitätsbereich verbessern können.
Veröffentlichungen
- Marc Hufty, Tobias Schulz und Maurice Tschopp (2013): The Role of Switzerland in the Nagoya Protocol Negotiations. In: Sebastian Obertühr und Kirstin Rosendal (Hrsg.): Global Governance of Genetic Resources. Access and Benefit Sharing after the Nagoya Protocol. Routledge Research in Gobal Environmental Governance. Routledge.
- Tobias Schulz und Marc Hufty und Maurice Tschopp (in Vorbereitung). Small and Smart: The role of Switzerland in the Cartagena and Nagoya Protocols negotiations. International Environmental Agreements.
Team
Das Forschungsprojekt wird von Prof. Marc Hufty vom Graduate Institute Genf und von Tobias Schulz von der Eidg. Forschungsanstalt WSL geleitet.
Finanzierung
Das Forschungsprojekt wird vom Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation im Zusammenhang mit der COST Action ISO208 bezahlt.