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Das Magazin „Focus“ fällt mir regelmässig auf als Quelle von sensationellen, aber fragwürdigen Aussagen über Heilpflanzen. Hier ein Beispiel im Zitat:
„Kurkuma und Ingwer: entzündungshemmende Wirkung
Die Inhaltsstoffe von Kurkuma blockieren die Bildung von Entzündungsstoffen. Im Tierversuch hat sich gezeigt, dass Kurkuma Darmentzündungen vorbeugen konnte. Gleichzeitig nahmen die Tiere ab, weil der Wirkstoff Curcumin Fettzellen schmelzen ließ. Ganz ähnlich wirkt Ingwer: Bestimmte Bestandteile verhindern die Bildung von Entzündungsstoffen. Außerdem kurbelt Ingwer den Stoffwechsel an.“
https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/ingwer-und-kurkuma-lassen-fettzellen-schmelzen_id_8126405.html
Kommentar & Ergänzung:
Schauen wir uns diese Versprechungen genauer an:
Kurkuma:
Kurkuma (Gelbwurzel) enthält den Wirkstoff Curcumin, der tatsächlich entzündungswidrig wirkt. Das zeigt sich allerdings hauptsächlich bei Experimenten im Labor. Ob und wie stark dieser Effekt auch bei Entzündungen im lebendigen Organismus des Menschen auftritt, ist viel weniger klar. Der Mensch ist schliesslich komplexer als ein Reagenzglas. Curcumin wird sehr schlecht aus dem Darm in den Organismus aufgenommen, was seine Wirksamkeit auf Entzündungsprozesse im Körper stark einschränkt. Bei Darmentzündungen ist eine Wirkung aber vorstellbar, weil der Wirkstoff direkt auf die Darmschleimhaut einwirken kann, ohne dass eine Resoption nötig ist.
Ziemlich obskur ist der Hinweis auf einen Tierversuch, bei dem „der Wirkstoff Curcumin Fettzellen schmelzen liess.“ – Hier müsste amn viel mehr Wissen über die Details dieses Tierversuchs. Welche Dosis Curcumin wurde verabreicht pro Kilogramm Körpergewicht? Wurde der Wirkstoff über den Verdauungstrakt zugeführt oder direkt mit einer Spritze injiziert? Solange nicht mit einer kontrollierten Studie mit Übergewichtigen gezeigt werden kann, dass Curcumin in einer zumutbaren Dosis über den Verdauungstrakt eine relevante Gewichtsabnahme bewirkt, sind solche Aussagen und Versprechungen haltlos.
Es spricht sehr viel dafür, das dieser Tierversuch bezüglich einer Gewichtsabnahme beim Menschen völlig irrelevant ist. In der Phytotherapie-Fachliteratur kommt nämlich die Indikation „Übergewicht“ bei Gelbwurz nicht vor. Die Phytotherapie-Fachliteratur basiert auf den Arbeiten der ESCOP und des HMPC. Diese Kommissionen sammeln und bewerten Erkenntnisse über Heilpflanzen. Kurkuma empfehlen sie hauptsächlich bei Verdauungsstörungen wie Blähungen und Völlegefühl, insbesondere als Folge mangelnden Gallenflusses.
Siehe:
Ingwer
Auch Ingwer zeigt im Labor entzündungswidrige Wirkungen, Im Vergleich zu Kurkuma sind sein Wirkstoffe wohl besser aus dem Verdauungstrakt resorbierbar. Um eine sinnvolle medizinische Aussage zu machen, müsste aber hier eine Dosisangabe stehen. Wieviel Gramm des Ingwerwurzelstocks muss ich täglich einehmen, um eine relevante Wirkung zu spüren? Mutmasslich dürften das ziemlich grosse Mengen sein.
Ebenso unklar ist die Angabe, dass Ingwer den Stoffwechsel ankurbelt. Der Stoffwechsel umfasst zu jedem Zeitpunkt eine sehr grosse Zahl von Aufbau-, Umbau- und Abbauprozessen. Diese Vorgänge einfach pauschal anzukurbeln wäre wohl nicht gerade schlau und ziemlich riskant. Also müsste da genauer angegeben werden, welche Stoffwechselprozesse Ingwer angeblich ankurbelt. Aber die Aussicht, den Stoffwechsel anzukurbeln, tönt halt einfach super.
Ingwer ist jedoch eine interessante Heilpflanze. Sie wirkt sehr ähnlich wie Kurkuma bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden und zudem noch gegen Übelkeit und Erbrechen, zum Beispiel bei Reisekrankheit oder während einer Chemotherapie. Beliebt ist Ingwer zudem als Hausmittel bei Erkältungskrankheiten.
Die Empfehlung, dass Kurkuma und Ingwer Fettzellen schmelzen lassen und dadurch zur Gewichtsreduktion führen ist aber leeres Gerede. Viele Leute sind jedoch offenbar dankbar auch für fragwürdige Tipps – und so verkauft sich das Heft gut, und online gibt es dank vieler Klicks ansprechende Werbeeinnahmen.