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Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Schweiz
Thomas Jordan, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank
Zuger Wirtschaftskammer, Zug, 28.04.2008
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Die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten, die im August 2007 ihren Anfang nahmen, wirken sich generell negativ auf die Schweizer Wirtschaft aus. Diese negative Wirkung entfaltet sich über verschiedene Übertragungskanäle:
Die verschlechterten Wachstumsaussichten für die amerikanische Wirtschaft bewirken sinkende Importe in die USA aus dem Rest der Welt. Aufgrund der Bedeutung der Nettoexporte und der internationalen Konjunkturentwicklung für die Schweiz hat dies einen negativen Effekt, der durch die Aufwertung des Frankens noch verstärkt werden kann. Sinkende Umsätze auf den Finanzmärkten können die Schweiz auch aufgrund der Bedeutung des Bankensektors in der Branchenstruktur stärker als andere Länder treffen. Zudem verteuern steigende Kreditrisikoprämien die Finanzierungskosten der Firmen und die Verschlechterung der Bankenbilanzen könnte die Verfügbarkeit von Krediten in der Schweiz zusätzlich beeinträchtigen. Zu guter Letzt hat die Erhöhung der Rohstoffpreise wesentlich zum Anstieg der Inflationsrate in der Schweiz beigetragen.
Allen negativen Einflüssen der Finanzmarktkrise zum Trotz bleiben die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft positiv. Die Konjunktur in Europa, welche für die Schweiz entscheidend ist, dürfte sich lediglich graduell abschwächen. Die Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro war zudem bisher moderat. Die Schweizer Unternehmen und Haushalte sind ausserdem durch ihre solide Finanzierung gewissermassen gegenüber einer Verschärfung der Kreditkonditionen abgeschirmt. Zuletzt dämpft die Aufwertung des Frankens gegenüber dem US-Dollar die Konsequenzen höherer Rohstoffpreise. Verschiedene zusätzliche Faktoren, beispielsweise ein robuster Arbeitsmarkt und ein wettbewerbsfähiger Industriesektor, können die negativen Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Schweiz weiter abfedern.
Die Schweizerische Nationalbank erwartet vor diesem Hintergrund für das laufende Jahr ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts von zwischen 1,5% und 2%. Die Inflation sollte im Laufe des Jahres wieder auf unter 2% fallen. Diese Prognosen sind aber nach wie vor mit sehr grossen Unsicherheiten behaftet. Unter diesen wirtschaftlichen Umständen scheint das gegenwärtige Zinsniveau in der Schweiz angemessen zu sein. Die Nationalbank wird aber die weitere Entwicklung von Konjunktur und Inflation sehr genau beobachten, um allfälligen Handlungsbedarf frühzeitig zu erkennen und rasch und flexibel reagieren zu können.