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Mein Töff wagt sich diesmal alleine auf das nächste Abenteuer. Am Donnerstag, 14. Januar wurde er dank Cakra Shipping und Mr. Lim verladen auf ein altes Gemüseschiff, und ich hoffe jetzt, dass er diese Reise heil übersteht und ich ihn in Belawan/Indonesien/Sumatra wieder in Empfang nehmen kann. Ich fliege am Samstag nach Belawan, rechne in Sumatra eher mit unregelmässigen Internetverbindungen, sodass der 17. Teil meines Blogs bereits jetzt erscheint. Auf Teil 18 und die Indonesien-Abenteuer wirst du vermutlich einige Zeit warten müssen.
Ich habe mittlerweile sämtliche andere Touristen in meinem Guesthouse überlebt - es ist ein dauerndes Kommen und Gehen hier, und ich bin froh, hier endlich wegzukommen. Ich habe einige interessante Kontakte geknüpft in Penang. Auf Bjarne und Mona werde ich vermutlich irgendwo in Indonesien wieder treffen.
Ich freue mich auf den nächsten Teil meiner Reise, obwohl mich in Sumatra wohl einiges an Regen erwartet...
Fr, 08.01.2016: Ich stecke fest…
Ich erwachte heute Morgen mit der Erkenntnis, dass ich hier in Penang ziemlich schwer feststecke. Hoffnung gab mir aber ein Hotelangestellter, der mir mit einigen Telefonaten Hoffnung machte, dass es da doch noch eine andere Lösung gibt. Schliesslich rief er auch noch Mr. Lim an, der offenbar meinte, dass er am Montag mehr weiss, ob nächste Woche doch noch ein Boot nach Sumatra übersetzt. Das heisst für mich, dass ich bis Montagmorgen sicherlich hier in Georgetown bleiben werde, um mich dann nochmals bei Mr. Lim zu melden.
Ich fuhr am Morgen nochmals zum indonesischen Konsulat, wo man mir in Kürze das in Englisch verfasste Empfehlungsschreiben kostenlos (!) in die Hände drückte. Einen solchen speditiven Service auf einer Botschaft habe ich noch selten erlebt.
Am Nachmittag ärgerte ich mich über das langsame malaysische Internet. Es brauchte viel Zeit, bis mein Blog endlich bereit war, um ihn online zu schalten. Die Bilder auf Facebook zu aktivieren ging gar nicht, sodass ich ein nahes Internetcafé aufsuchte, aber die Computer dort waren in einem so erbärmlichen Zustand, dass ich dreimal mit derselben Arbeit beginnen musste, bis die relativ wenigen Bilder endlich hochgeladen waren.
Weil ich meinen Töff den ganzen Tag vor meinem Hostel stehen liess, ergab sich ein etwas schräger Kontakt. Wu, ein junger Chinese, ist mit seinem 250-ccm-Scooter unterdessen auch in Penang gelandet. Er interessierte sich, wie ich es hierher geschafft hatte, aber noch viel mehr, wie ich denn nach Indonesien rüberkomme. Am liebsten wäre es ihm, wenn er mich gleich begleiten würde. Ich war den ganzen Nachmittag am Rätseln, ob dies wohl eine gute Idee ist. Aber ich wollte ihm doch eine Chance geben. So fuhren wir gegen Abend gemeinsam zu „seinem“ Töffgeschäft, wo wir vielleicht weitere Infos bezüglich Indonesien erfahren würden. Aber der junge Chef war zu beschäftigt, dass er uns diese Informationen geben konnte. So fuhren wir zurück und assen in einem alten abgehalfterten Einkaufszentrum fried noodles mit Getränk für 3 RM (75 Rappen). War kulinarisch natürlich nicht gerade die Erleuchtung, aber durchaus essbar und angenehm scharf. Dann kaufte ich mir eine neue Design-Lesebrille (ob sich dies wohl lohnt? – sie kostete nämlich 80 RM). Anschliessend tranken wir in der Love Lane noch ein Bier, das ich gleich doppelt bezahlte – der Junge ist ziemlich knapp bei Kasse. Ich zweifle aber, ob es eine gute Idee ist, dass mich dieser Scooter-Fahrer auf meinem Indonesien-Trip begleitet.
Km: 33‘987
Sa, 09.01.2016: Inselrundfahrt mit Wu, dem chinesischen Schmittchen Schleicher
Ich war am frühen Morgen auf dem Morning Market, wo ich mir zwei neue Lesebrillen für je 8 RM (zehnmal billiger als die gestrige…) kaufte. Dann fand ich drei grosse Reissäcke, mit denen ich meine beiden Cases sowie den grossen Rucksack, wieder wasserdicht machen möchte… Sonst typisch asiatischer Markt mit offenen Fischen, grossen Krabben, die auf der Strasse noch halb lebendig verkauft werden – und viel offenes Fleisch mit dem typisch üblen Geruch, das einen anregen könnte, Vegetarier zu werden…
Um elf Uhr traf ich mich mit Wu, mit dem ich heute eine Insel-Rundfahrt geplant hatte. Erstaunlich schnell hatten wir Batu Feringghi, die Westseite der Insel mit seinen Stränden erreicht. Die Strände sind recht schön, weniger das Wasser, dessen Brauntöne ein Abklatsch der Thailand-Erlebnisse waren. Wir beobachteten einige Zeit die farbigen Fallschirme, an denen man, angetrieben durch ein Motorboot, 50 m über dem Meer durch die Luft gezogen werden kann. War uns aber zu teuer (zwischen 100 und 400 RM je nach Länge des Trips). Dann assen wir in einen kleinen Restaurant Fisch und fried rice. Die Rückfahrt führte zuerst ein Stückweit durch lushen Regenwald und war angenehm kurvenreich, aber bald erreichten wir die Vorstadt Georgetown. Wir brauchten sehr lange, bis wir die Innenstadt wieder erreichten. Ausserdem war es stickig heiss. Ich machte kein einziges Foto, dies zeigt, dass es tatsächlich schönere Reiseorte gibt. Zudem war Wu so langsam unterwegs, dass ich ihn in Kürze um mehrere Kilometer abgehängt hatte, dabei fuhr ich nicht einmal besonders schnell. Der chinesische Schmittchen Schleicher ist sich offenbar vor allem Stadt- und Autobahnverkehr gewohnt, wo er durchaus zügig fährt. Wie wäre es wohl, wenn wir mal eine Schlammpiste zu befahren hätten? Mmh, ein Entscheid ist wohl wirklich gefallen… Gleichzeitig frage ich mich, wie ich nur weitere zehn oder mehr Tage hier verbringen werde, es hat einfach zu viele Menschen in diesem Land, alles ist zu wohl organisiert. Man darf gespannt sein, wie ich dies hinkriege, macht mir momentan mehr Sorgen als die Reise nach Indonesien an sich…
Dafür war ich danach begeistert vom Upside Down Museum, in dem eine ganze Wohnung um 180 Grad verkehrt eingerichtet ist. Man wird hier angeleitet, wie man zu stehen hat, damit ganz originelle Bilder entstehen, wenn man sie später wieder um 180 Grad dreht. Sieht dann aus, als ob man an der Decke klebt oder einen Kopfsprung ins WC vorbereitet. Was für eine spannende Idee, die so gut zur Zeit passt. Tatsächlich entstanden viele ganz schräge Bilder, von denen sich ein Unwissender fragt, wie diese nur entstanden sind. Dieses Museum ist wirklich ein Besuch wert, auch wenn wir für den Besuch 27 RM zu bezahlen hatten. War wirklich viel Fun!
Km: 34‘100
So, 10.01.2016: Ein überraschend ereignisreicher Tag
Ich erwachte und wusste eigentlich nicht, was ich an diesem Sonntag unternehmen sollte. Aber dann kam es ganz anders. Ich traf mich am Morgen mit Wu, dem Chinesen, der wenig später auch Johannes, den Würzburger heranschleppte, der ganz froh war um einen Lift auf einem unserer Motorräder.
Wir fuhren zu dritt zum Kek Lok Si Tempel, einem der grössten buddhistischen chinesischen Tempel seiner Art in ganz Südostasien, der von einem reichen chinesischen Emigranten schon 1890 erstellt wurde. Die Anlage besteht aus verschiedenen vielfarbigen Tempeln, bei denen in kleinen Läden unzählige farbig-kitschige Staubfänger verkauft wurden. Es war friedlich ruhig in dieser Tempelanlage, aber naja – ein weiterer buddhistischer Tempel, nicht mehr als nett. Wir erklommen die weisse, siebenstufige Pagoda, einen dreissig Meter hohen Turm, kulturell dreiteilig, zuunterst chinesisch, in der Mitte thailändisch und zuoberst burmesisch. Eine kleine Standseilbahn brachte uns dann zur bronzenen, 36 m hohen Statue der Kuan Yin, der buddhistischen Gottheit der Gnade. Es war dann mehr als gnädig, das vegetarische, chinesische Restaurant ganz zuunterst der Anlage zu besuchen. Wir waren hungrig, vor allem Wu, der uns zuvor nicht nur Einzelheiten dieses chinesischen Tempels erklärt hatte, sondern jetzt auch versuchte, uns die chinesischen Essgepflogenheiten näher zu bringen… Unter anderem wollte er uns anleiten, wie man Stäbchen hält. Er entpuppte sich beim Essen als wahrer Chinese, dem ununterbrochenen Schlürfen und Schmatzen nach zu urteilen war das Essen wirklich gut – und dies kann ich dann auch bestätigen… Ich bekam sogar noch frische Chilis serviert, dann ist ohnehin jedes Essen gerettet.
Jetzt wollten wir auf den Penang Hill fahren, fanden auch tatsächlich die dortige Standseilbahn, versuchten uns auf steilen Bergwegen, mussten das Unternehmen aber bald aufgeben, weil alle Wege in eine Sackgasse führten. Mein Navi hatte die Bahn als Strasse programmiert… Wu führte uns jetzt auf die andere Seite dieses Hügels, aber auch hier waren wir wenig erfolgreich, selbständig auf diesen Hügel zu fahren. Eine Hochfahrt wurde uns nämlich verboten…
Eine veritable Hochfahrt erlebten wir dann aber in der Folge, als wir begannen, im Reggae Hostel Bier zu bestellen. Wir diskutierten lange mit einem frühzeitig pensionierten Deutschen, der zwanzig Tage in Penang bleibt. Er hat zu Hause einen kleinen Lastwagen im Bau, mit dem er irgendwann die Welt bereisen möchte. Wir bestellten Bier um Bier und wurden schliesslich von der Anzahl der zu bezahlenden Biere überrascht – 10 Biere sollten es für mich sein; dies konnte unmöglich stimmen. Nach langen Diskussionen einigten wir uns dann auf deren acht – und einen Tag später bekam ich noch eine Zehnernote zurückerstattet, es waren also nur deren sieben… Ich staunte selber über mich, wie ich mich lange Zeit mit einer bestimmt schon 65-jährigen blonden Französin in deren Sprache unterhielt, die hier allerdings einen etwas verlorenen Eindruck machte, obschon sie schon seit Monaten in ganz Südostasien unterwegs ist.
Es war auch um halb zwei Uhr noch dämpfend heiss. Als ich später endlich hochging in meinen Schlag, fand ich erstens die Französin in meinem Schlag (was durchaus logisch ist, denn seit zwei Tagen war ich in meinem Dorm-Zimmer alleine…) und zweitens hatte ich dringend eine Dusche nötig. Ich ging das Risiko ein, am nächsten Tag mit einer überoriginellen Frisur zu erwachen – nasse Haare sei Dank!
Km: 34‘132
Mo, 11.01.2016: Yep! Eine Woche früher!
Heute stand ich mit etwas schalem Gefühl im Magen auf, nicht nur wegen der vorabendlichen Biere, sondern auch, weil mich Wu zu Mr. Lim (Chakra Cargo) begleiten wollte. Er möchte mich unter allen Umständen nach Indonesien begleiten, was ich eigentlich nicht so cool finde. Ich war nicht unglücklich, dass Wu morgens um neun Uhr nicht auf der Matte stand und suchte die Cargo-Company allein auf.
Und siehe da! Hier erwartete auf mich eine nette Überraschung, denn tatsächlich legt schon am Samstag ein Boot nach Belawan ab! Genau in einer Woche werde ich meinen Töff (hoffentlich) in Belawan abholen können! Yep! Wirklich good news, ich spare somit eine ganze Woche, und das Indonesien-Abenteuer kann bald losgehen. Zudem wurde auch klar, dass mich Wu mit seinem baufälligen koreanischen Scooter nicht wird begleiten können, weil er über kein Carnet de passage verfügt. Eigentlich nicht nette, aber doch elegante Lösung dieses Problems…
Auf dem Rückweg traf ich auf Johannes und diskutierte lange mit einer Engländerin, die hier ihr Thai-Visum verlängert. Sie hat mit ihrem Thai ein Business auf Ko Phangan, scheint aber gleichwohl nicht wirklich glücklich zu sein… Immer wieder dasselbe…
Am Nachmittag erfuhr ich von Bjarne und Mona per e-Mail, dass sie jetzt doch schon morgen in Penang eintreffen. Wir werden uns jetzt also doch schon früher als erwartet über unsere Reisepläne und ein eventuelles gemeinsames Reisen unterhalten können. Wu war hyperaktiv heute und versuchte alles, auch zu einem Carnet zu kommen, aber dies war dann doch nicht so einfach zu bewerkstelligen. Zudem läuft sein Malaysia-Visum am 16. Januar aus. Nachdem Stefan, Wu und ich beim Inder Danish Briyani gut gewürzte indische Spezialitäten genossen, spielte ich mit Wu noch eine Runde Pool – oder ein sonderbares chinesisches Spiel. Obwohl Wu technisch wesentlich besser beschlagen war, schlug ich ihn gleichwohl mit 8:6. In den entscheidenden Momenten hatte ich wohl einfach etwas mehr Glück… Vollkommen verschwitzt vom überaus heiss-schwülen Tag nahm ich vor dem Schlafen eine Dusche, im Wissen, dass meine Frisur am nächsten Tag wiederum ziemlich originell aussehen wird. Die aufkommende leichte Erkältung scheint sich heute bereits wieder beinahe vollkommen aufgelöst zu haben. Die Niesattacken und die laufende Nase nahmen im Verlaufe des Tages deutlich ab. Angenehm!
Km: 34‘140
Di, 12.01.2016: Motorradfahrer-Treffen
Ich war schon recht früh unterwegs zu einer grossen, etwas heruntergekommenen Shopping-Mall. Ich stellte fest, dass es hier teurer ist als in Thailand, mein Handy-Display zu ersetzen (650 RM = 150 Fr.) und verzichtete darauf. Dann war ich lange Zeit unterwegs und hielt Ausschau nach einem Laden, wo ich ein gutes Tape finden konnte. Schliesslich wurde ich doch noch fündig, fand auch vernähte Plastiksäcke in einem guten Format. Mit Reissack-Material und diesem Klebeband versuchte ich meinen schwarzen Koffer wasserdicht zu machen. Zuerst machte ich mich mit meinen beiden Koffern auf die Suche nach einem kleinen Motorradgeschäft, wo man mir je zwei Löcher in den Boden der Koffer bohrte, damit eventuell eintretenden Wasser auch wieder abfliessen kann.
Die undichte Stelle ist vermutlich dort, wo Deckel und Koffer zusammentreffen, so bastelte ich mit dem Tape einen überlappenden Schutz. Leider lässt sich jetzt der Koffer nicht mehr so einfach schliessen. Der Plastiksack passt ziemlich perfekt in den Koffer. Dies sollte ein zusätzlicher Schutz gegen die Feuchtigkeit sein. Dann wurden die Koffer möglichst perfekt geladen.
Just als ich fertig war, sprach mich Norbert, der Deutsche an, der gesehen hatte, dass ich den ganzen Tag um mein Motorrad herumbastle. Er ist seit Jahren fast konstant unterwegs, unter anderem auch per Motorrad und Fahrrad. Er hat vor Jahren auch schon erfolgreich auf die Dienste Mr. Lims gezählt. Sein neues Projekt ist es, ein Segelboot zu kaufen, umzubauen, um dann auf unbestimmte Zeit auf den Weltmeeren unterwegs zu sein. Er wird sich zuerst einige Monate im Mittelmeerraum aufhalten, um sich das Segelhandwerk anzueignen. Ist ja auch schon lange ein Traum von mir, und ich stelle mit Erstaunen fest, dass sich so ein Plan vielleicht auch für mich umsetzen liesse… Unterdessen war auch Stefan erschienen, und wir begannen, Bier zu trinken. Wenig später trafen Bjarne und Mona auf ihren BMWs ein und gesellten sich zu uns. Sie brachten gleich noch zwei weitere Motorradfahrer mit, ein junges, sympathisches holländisches Paar. Dies war in der Tat eine illustre Runde heute Abend. Wir tauschten viele unserer Geschichten aus, überaus spannend. Bjarne und Mona haben sich jetzt doch entschieden, noch eine Runde in Malaysia zu drehen. Ich werde ihnen also weiterhin um einige Kilometer voraus sein. Die beiden Holländer senden ihre Motorräder von Kuala Lumpur nach Perth, um genügend Zeit für Australien zu haben. Wir sassen stundenlang im Reggae-Hostel-Gartenrestaurant, tranken Bier um Bier. Was für ein spannender, geselliger Abend!
Km: 34‘145
Mi, 13.01.2016: Verschobene Verschiffung
Nachdem ich gestern Abend schliesslich zu faul war für eine Dusche, holte ich dies heute Morgen als Erstes nach, ich fühlte mich die ganze Nacht ziemlich klebrig und schmutzig.
Ich traf mich am Morgen mit Bjarne und Mona, die mich zu Cakrashipping (<email-pii>) und Mr. Lim begleiteten. Auch sie werden vielleicht auf seine Dienste zählen. Ich zahlte 800 RM für den Transport nach Belawan, erfuhr, dass das Boot von Belawan herkommend, Verspätung hatte. Um elf Uhr fuhren wir gleichwohl los, Mr Lim erfuhr aber noch bevor wir auf der Fähre waren, dass das Boot erst abends spät ankommt. Er ersparte mir deshalb das lange Warten beim Hafen. Ich fuhr zurück zum Reggae Hostel, transportierte meine beiden Koffer wieder in mein Zimmer.
Es war nett, dass ich jetzt noch einen Tag länger über mein Motorrad verfügte, freute mich über einen ruhigen Nachmittag und fuhr nochmals nach Batu Feringghi an den nördlichsten Strand, wo ich zuerst ein feines malaiisches Menu mit frischem Fisch ass, später am Sandstrand etwas las und die überwiegend moslemischen Menschen beobachtete, die samt Kleider ins Meer steigen. Dauernde Selfie-Stick-Foto-Action…! Ich war erstaunt, als es hinter meinem Rücken plötzlich im Gebüsch raschelte. Ich entdeckte ein ganzes Rudel von Black-and-White-Makaken (?), die über die Strasse ragende Äste geklettert waren und jetzt ihren Unsinn in meiner nächsten Nähe trieben. Ich beobachtete diese Tiere eine ganze Zeitlang, versuchte sie zu fotografieren, was nicht leicht war, weil sich die Schlawiner immer dann bewegten oder verschwanden, wenn ich gerade bereit war.
Es war schon sieben Uhr abends, als ich mich wieder den starken Abendverkehr Georgetowns stürzte. Nach einer Dusche traf ich erneut auf Stefan, Norbert, Bjarne und Mona. Natürlich wollte man wissen, warum ich immer noch per Töff unterwegs bin. Ich erhielt viele Informationen über Südamerika (!), ich liebäugle ja schon seit einiger Zeit über eine Weiterreise im Anschluss an Australien, um schliesslich die Runde um die ganze Welt geschafft zu haben… Aber noch ist lange nichts entschieden…
Km: 34‘164
Do, 14.01.2015: Tagesaufgabe Motorrad verladen
Ich hoffte am Morgen, dass das Boot aus Belawan in der Nacht tatsächlich angekommen war. Ich montierte meine beiden Koffer ein weiteres Mal und traf mich mit Mr. Lim schon um halb neun Uhr. Ich folgte seinem Minitöff Richtung Fähranlagestelle in Georgetown. Die grosse Fähre brachte uns in einer Viertelstunde rüber zum Festland, von wo aus wir nicht weit zu fahren hatten bis zum Hafengelände. Hier zeichnete sich schon ab, was mich heute erwarten würde. Das Boot war wegen Engine Problems immer noch (langsam) unterwegs und sollte erst am Nachmittag in Penang eintreffen.
Wir hatten deshalb mehr als genügend Zeit, mein Fahrzeug bei der Customs-Stelle offiziell auszuführen. Es ging alles ganz fix. Ich hatte mein Carnet de passage vorzulegen, das schnell abgestempelt war. Der Schwatz mit dem Zollbeamten über meine Reise frass auch nicht viel Zeit. Wir verliessen das eisgekühlte Zollgebäude und wollten bei einem nahen, kleinen Restaurant die verbleibenden beinahe sieben Stunden verbringen. Lange Zeit unterhielt ich mich mit Mr. Lim über seine Arbeit und seine Familie. Urlaub kennt er seit Jahren nicht, er hat nur manchmal einige Freitage. Sein lapidarer Kommentar war nur: „Working like ants…!“ Mr. Lim lud mich zum Essen ein, ich konnte aus mehreren Töpfen auslesen, was ich essen möchte: Reis, Fisch, Muscheln, Gemüse. Die dämpfende Hitze und die gefühlte schmutzige Hafenluft setzten mir heute arg zu. Ich fühlte mich klebrig, schwitzte wohl literweise, auch wenn ich die ganze Zeit nur dasass und es zeitweise stark zu regnen begann. Ich las in meinem Harry Potter IV, einige Zeit ganz vergnüglich, aber die Zeit schien nicht wirklich in vernünftigem Masse zu verstreichen. Erst nach vier Uhr nachmittags kam die Meldung, dass das Boot unterdessen in Sicht ist. Um fünf Uhr fuhren wir zum Pier und erblickten das Boot, wie es gerade die grosse Verbindungsbrücke unterquerte.
Viele kleine Lastwagen mit gegen zwölf Helfern fürs Entladen des Bootes waren unterdessen herangefahren, und als das Boot um halb sechs Uhr endlich anlegte, begann man sofort mit der Arbeit. In mächtigen Netzen wurden Hunderte von in Netzen verpackte Kohlköpfe per Kran abgeladen und in die kleinen Lastwagen verladen. In Schachteln verpackte Süsskartoffeln und sackweise Kartoffeln wurden aus dem Rumpf des alten Schiffes gehoben. Ich beobachtete das bunte Treiben, aber es dauerte weitere zwei Stunden, bis man mir endlich das Signal gab, vorfahren zu dürfen. Der Kran, angetrieben von einem altertümlichen Dieselmotor, hob meinen Töff aufs Schiff, es war bereits am Einnachten. Auf dem Schiff versorgte ich den Töff in einem Seitenraum, in dem die Deckbretter teilweise lose dalagen und man aufpassen musste, dass man den Fuss nicht vertrat oder gar abstürzt. Es ist, wie wenn ich mein Kind verlasse, als ich meine Maschine auf diesem Kahn zurückliess, und ich hoffe nur, dass das Boot wenigstens noch für eine Überfahrt hält…
Ich hatte schon am Morgen die Papiere bekommen, mit denen ich mit Hilfe eines Agenten meinen Töff in Belawan wieder auslösen kann. Es war schon dunkel, als ich als Soziusfahrer mit Mr. Lim zurück zur Fähre fuhr. Diesmal hatten wir Glück und hatten nicht lange zu warten. Schon nach wenigen Minuten setzten wir über nach Georgetown, und von dort war es nicht mehr weit bis in meine Love Lane. Der Hafenschmutz wurde von meinem Körper per Dusche abgespült. Später traf ich mich erneut mit Wu, Norbert, Stefan und Bjarne in der Reggae-Kneipe, die gespannt auf meinen Bericht warteten. Wir tranken einige Biere, aber ich war vom Nichtstun in der Hitze so müde geworden, dass ich mich noch vor Mitternacht schlafen legte. Die Tage hier sind jetzt definitiv gezählt.
Km: 34‘172
Fr, 15.01.2015: Letzter Tag in Penang – endlich!
Nachdem ich gestern Abend zu spät war, um ein Flugticket nach Medan zu kaufen, holte ich dieses heute Morgen als Erstes nach. Morgen geht’s um 9.55 Uhr auf den kurzen Flug nach Medan. Dieser erst zweite Flug meiner Reise kostete mich (inklusive Transport meines Gepäcks) 201 RM (46 Fr.). Nach einem relaxing Cappuccino im Wheeler’s sass ich lange in der Lobby des Reggae Hostels und arbeitete am nächsten Teil meines Blogs.
Am Nachmittag machte ich mich auf einen Rundgang durch das alte Georgetown. Zuerst wollte ich die Cheong Fatt Tse Mansion besuchen, 1880 errichtet von einem Chinesen, der ganz jung vollkommen mittellos nach Penang gekommen war und hier als Händler zu viel Geld kam und sich diesen „blauen“ Palast baute. Er wird häufig auch Rockefeller oft he East genannt. Leider war der Palast geschlossen, aber die Durchmischung der Kulturen auf engstem Raum ist in dieser Stadt gleichwohl überaus interessant. Da findest du Gebäude aus englischer Besetzungszeit, aber indische, chinesische, malaiische und Baba-Nonya-Häuser, teils renoviert, deshalb UNESCO-Weltkulturerbe. Diese Durchmischung ist über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte entstanden und ist ein Beispiel dafür, dass es durchaus möglich ist, dass Menschen aus vollkommen verschiedenen Kulturen mit ihren Religionen (Buddhismus, Christentum, Islam, Hinduismus) friedlich nebeneinander leben können und einander respektieren. Vielleicht sind die Menschen hier uns einen wesentlichen Schritt voraus.
Am Abend war ich mit Norbert und Stefan genau in diesem Viertel nochmals unterwegs, aber das Essen in einem Steakhouse war nur mittelprächtig, Rib Eye süss gewürzt, das geht gar nicht! Nach einem Margherita im Reggae Hostel war ich aber müde oder mir die Gesellschaft der beiden verleidet. Und noch etwas: Wiederum habe ich meine Brille liegen lassen, dabei war sie noch ganz neu – und natürlich habe ich die teure liegen lassen.
Ready to go for Sumatra!
Km: 34‘202