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Die geheimen Chat-Protokolle
Was, wenn Ludwig van Beethoven auf dem Handy getippt hätte? Zum Beethoven-Jubiläum lassen unsere Gspändli von SRF Kultur den Maestro chatten: immer mit einem Augenzwinkern und einem wahren Kern. Er schreibt mit:
- seinem Arzt Dr. Malfatti
Zwei Flaschen Wein pro Tag – das kann nicht gut gehen. Doch Beethoven pfeift auf die strikten Anweisungen seines Doktors. Und säuft noch mehr.
Hintergrund zum Chat: Beethoven war zeit seines Lebens sehr krank. In Briefen klagte er über Schwerhörigkeit, Unterleibskrämpfe und Unterleibserkrankungen. Später litt er immer wieder an Infekten der Nase, an Nasenbluten und Asthma. Seine Todesursache war wahrscheinlich eine Bleivergiftung.
- seinem Bruder Kaspar
Beethovens unberechenbarer Bruder versucht sich als Manager des Maestros. Zahlt sich das aus? Nicht für alle.
Hintergrund zum Chat: Kaspar van Beethoven war zeitweise als Sekretär seines erfolgreichen Bruders tätig. Die Zusammenarbeit endete jedoch abrupt, als Ludwig van Beethoven entdeckte, dass sein ebenfalls komponierender, aber untalentiertere Bruder, eigene Stücke unter dem Namen Ludwigs anbot.
- seinem Klavierschüler Erzherzog Rudolph
Beethoven komponiert eine wuchtige Symphonie für Revolutionär Napoleon. Doch sein Klavierschüler Erzherzog Rudolph vermiest ihm die Stimmung.
Hintergrund zum Chat: Beethoven begeisterte sich für die Französische Revolution und widmete Napoleon seine 3. Sinfonie, die «Eroica». Nachdem sich Napoleon allerdings 1804 zum Kaiser gekrönt hatte, kratzte Beethoven diese Widmung wutentbrannt aus dem Titelblatt der Partitur.
- seiner Geliebten Marie
Beethoven will seine Geliebte nach Paris begleiten. Deren Mann ist auch dabei. Geht das schief? Natürlich.
Hintergrund zum Chat: Nach Aussage seines Jugendfreundes Franz Gerhard Wegeler war Beethoven «immer in Liebesverhältnissen» und machte Eroberungen, «die manchem Adonis doch sehr schwer geworden wären». Doch alle seine Liebschaften waren unmöglich oder zumindest unwahrscheinlich – aufgrund von Standesunterschieden oder weil die Frauen bereits verheiratet waren.
- seinem Groupie aus der Schweiz
Schon wieder steht ein Groupie vor Beethovens Tür – und lässt sich partout nicht abwimmeln. Da hilft nur eins: umziehen.
Hintergrund zum Chat: Viele von Beethovens Verehrerinnen, Verehrer und Fans tauchten ungefragt bei ihm auf. Sie wollten über Musik plaudern, eigene Texte vortragen – oder im schlimmsten Fall Kompositionsunterricht. Und Beethoven? Der wollte vor allem in Ruhe komponieren.
- Dichterfürst Goethe
Beethoven möchte mit Goethe ein gemeinsames Kunstwerk erschaffen. Doch der Dichterfürst interessiert sich nur für Promis.
Hintergrund zum Chat: Beethoven war ein grosser Verehrer von Goethe – bis er ihm zum ersten Mal persönlich begegnete, 1812 im böhmischen Teplitz. Der vornehme Geheimrat Goethe war entsetzt vom flegelhaften Benehmen Beethovens, der sich nicht um gesellschaftliche Umgangsformen scherte. Beethoven schrieb später: «Goethe behagt die Hofluft zu sehr, mehr als es einem Dichter ziemt.»
- seinem Vermieter
Wasserschäden, Lärm, Mietrückstände – Beethoven nervt seinen Vermieter schon lange. Beim True Talk eskaliert die Lage.
Hintergrund zum Chat: Beethoven war wählerisch, was seine Wohnungen anging. Sein Leben lang war er auf der Suche nach dem richtigen Licht, der richtigen Wohntemperatur, dem richtigen Ausblick und vermutlich vielem mehr. Im Schnitt zog er alle sechs Monate um.
- seiner Haushälterin Frau Schnaps
Die Haushälterin stört ihn beim Komponieren. Beethoven wirft sie raus. So wird das nichts mit der Work-Life-Balance.
Hintergrund zum Chat: Missstimmung war in Beethovens Haus die Regel. Sein Personal hatte es schwer mit den Launen des «Meisters», der wegen Kleinigkeiten aufbrauste, die Abrechnung der Einkäufe penibel kontrollierte oder gar ein Küchenmädchen davonjagte.
Ja, Ludwig van Beethoven war ein schwer vom Leben gezeichneter Mensch. In Büchern und Filmen wurde er deshalb oft zur Überfigur mit Macken stilisiert. Unsere Gspändli von SRF Kultur haben sich unter anderem auch damit befasst, wie Schriftstellerinnen und Filmemacher unser Bild des Musikgenies geprägt haben.
Die Sitcom zum Hören
Um ein Beethoven-Jubiläum so richtig abzufeiern, gehört aber auch etwas auf die Ohren. Deshalb widmet SRF Kultur dem Komponisten sogar eine Hörspiel-Sitcom aus dem alten Wien: «Roll Over Beethoven». Zu hören ist dabei übrigens auch Schauspieler Christoph Maria Herbst, der den verschrobenen Ludwig van Beethoven himself liest.
Beethovens Erste. Vienna Calling.
Hart ist das Leben eines Freiberuflers. Rudolph Johann Joseph Rainer von Österreich – von Ludwig kurz Rainer gerufen – nimmt Klavierstunden bei ihm. Rainers Bruder Franz, der Kaiser, wünscht einen Auftritt von Ludwig. Das geht nicht gut aus. Werden Köpfe rollen?
Beethovens Zweite. You Say You Want A Revolution.
Ludwig träumt von Paris, er schwärmt für die Revolution und für Napoleon. Die süsse französische Pianistin Marie Bigot nimmt eine Einladung zur Spazierfahrt an. Dies erweckt die Eifersucht des Herrn Bigot. So wird das nix mit dem Revolutionstourismus.
Beethovens Dritte. L‘enfer, c‘est les autres.
Ludwig wird von Herrn Schnyder gestalkt, der Kompositionsunterricht will. Die Haushälterin Frau Schnaps verlangt ihr Geld. Ludwig hat keins. Frau Schnaps redet ihm ins Gewissen. Beide tauschen für einen Tag die Rollen, was zu völlig neuen Einsichten führt.
Beethovens Vierte. Noten und Nöte.
Ludwig wohnt in einer Männer-WG mit seinem Bruder und Manager Kaspar. Während Ludwig sich anschickt, die Grenzen der Sonatenhauptsatzform zu sprengen, bringt Kaspars kriminelle Ader das grosse Werk in Gefahr. Ludwig erwägt, ein unsittliches Angebot der Engländer anzunehmen.
Beethovens Fünfte. German Bromance.
Ludwig trifft im Kurhotel Beethoven zu Teplitz Goethe. Die beiden Titanen des deutschen Idealismus tauschen im heissen Schwefelwasser ihre Ansichten aus. Ludwig fällt vom Glauben ab, als sich Goethe als Celebrity-Jäger outet. Ausserdem ist der Dichter sowas von unmusikalisch.
Beethovens Sechste. Fidelio.
Ludwig wäre aufgeschmissen ohne die gute Nanette Streicher, Klavierfabrikantin, Geschäftsfrau und Mutter. Das Personal hat er vergrault, sein Aufzug ist eine Katastrophe und er fliegt aus seiner Wohnung. Beim Umzug gerät Ludwig in Bedrängnis und muss von Nanette aus dem Knast geholt werden.
Beethovens Siebte. A Man’s World.
Ludwig will neue Wege im Leben beschreiten. Bei einem nicht ganz geglückten Essen eröffnet er Grillparzer und Schuppanzigh im Freundeskreis seine Pläne für Beethoven 2.0. Als sie den gebührenden Ernst vermissen lassen, verlässt Ludwig die Männerrunde. Die beiden Zechbrüder machen sich ernsthaft Sorgen.
Beethovens Achte. Geschmackssache.
Widerwillig empfängt Ludwig seinen jungen Kollegen Rossini, nach dessen Melodien ganz Wien tanzt. Er tappt in Fettnäpfchen, die er noch gar nicht kannte. Auch ein Gespräch übers Essen bringt keine Einigkeit. Rossini verlässt die heruntergekommene Wohnung mit einem ganz schlechten Gefühl.
Beethovens Neunte. Apotheose.
In einer womöglich besseren Welt nimmt Ludwig an einem Abschlussfeedback teil. Zeit für eine finale Abrechnung auch mit uns, den Nachgeborenen. Schön, dass wir noch einmal darüber gesprochen haben!
Text: SRF/SRG Insider
Bild: SRF