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Die Saison 2017/18 wird als eine der verrücktesten in die Schweizer Bobgeschichte eingehen. Beat Hefti gewann wegen des russischen Dopingskandals nachträglich die Goldmedaille für die Olympischen Spiele 2014 – und fiel für 2018 bereits im Dezember ausser Rang und Traktanden. Clemens Bracher kam, sah und siegte in Winterberg gleich in seinem ersten Weltcuprennen mit dem Zweierbob. Und der nominell stärkste Schweizer Pilot Rico Peter wartet auch vor dem zweitletzten Weltcuprennen der Saison auf seinen ersten Podestplatz – und wird diesen nach einem Sturz und mit einem gebrochenen Daumen auch am Wochenende zuhause in St. Moritz nicht holen.
Peter ist zwar gewillt, trotz des Malheurs am vergangenen Sonntag in Altenberg unbedingt zu starten. Er hat allerdings noch nicht entschieden, ob er seinen Schlitten mit anschieben oder sitzend starten wird. Warum tut er sich die Qualen überhaupt an? «Wenn wir ins Ziel kommen, gibt es auf jeden Fall ein paar wenige Punkte», erklärt der 34-jährige Aargauer. Und diese können an den Olympischen Spielen in einem Monat in Pyeongchang über eine etwas bessere Startnummer entscheiden. Chancen auf einen Spitzenplatz hat er so natürlich keine.
Im Gegensatz zu Peter hat Clemens Bracher seine Olympiaqualifikation erst mit dem kleinen Schlitten, mit dem er in Winterberg gewann und in Innsbruck Dritter wurde. Sein Ziel für das Wochenende ist deshalb klar: «Ich will die Qualifikation auch mit dem Vierer schaffen.» Um in Südkorea auch mit dem grossen Schlitten starten zu können, braucht der 30-jährige Emmentaler am Sonntag einen Top-16-Platz. Ein Selbstläufer ist dies nicht: Bei seinen ersten beiden Einsätzen war er 17. und 22. Die erste Hälfte der Olympianorm holte Bracher vor einer Woche mit seinem Sieg im Europacup in Innsbruck. Damit zahlte sich der Verzicht auf den Weltcup in Altenberg, wo diesmal Peter und im November bereits Bracher stürzten, aus.
Die beste Chance auf einen Schweizer Spitzenplatz in St. Moritz haben aber sicher Bracher und seine Startrakete Michel Kuonen im Zweier. Die härtesten Konkurrenten dürften wie üblich die Deutschen und die Letten sein. Angeführt wird die Weltcupwertung allerdings von den in diesem Winter überraschend starken Kanadiern Justin Kripps und Chris Spring.
Grosser Abwesender ist Beat Hefti, da die Schweiz auch beim Heimrennen nur zwei Startplätze zur Verfügung hat. Erstmals seit Januar 2008 finden im Engadin Weltcuprennen ohne den Piloten Hefti statt. In St. Moritz war er noch vor zwei Jahren Europameister, gewann dazu auch 2014 im Weltcup und fuhr zusätzliche vier Mal auf das Podest. Es ist auch nicht anzunehmen, dass der Appenzeller, der am 3. Februar 40 Jahre alt wird, nochmals auf höchstem Niveau zurückkehren wird.
Ein Spitzenresultat darf bei den Frauen Sabina Hafner zugetraut werden, die vor Wochenfrist in Altenberg als Siebte ihr bestes Resultat seit sieben Jahren und einem zwischenzeitlichen Rücktritt erzielte. Die 33-jährige Baselbieterin hat die Schweizer Selektionsrichtlinien erfüllt und steht aktuell auch in der Weltrangliste gut da für einen der 20. Olympia-Startplätze.
Die Zweierbob-Rennen der Männer und Frauen finden auf der Natureisbahn in St. Moritz am Samstag statt, der Vierer-Wettkampf der Männer am Sonntag.
(SDA)