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Die erste Ansteckung mit dem A/H5N1-Virus wurde durch den Kontakt mit lebenden Hühnern auf einem Tiermarkt in Hongkong verursacht. Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass auch die Geflügelhaltung ein Risikofaktor für Infektionen ist. Da der Virentyp mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist, grosses Mutationspotenzial aufweist und sich an andere Wirte anpassen kann, ist H5N1 auch heute noch eine weltweite Bedrohung für die öffentliche Gesundheit.
Entstehung: Die durch das A/H5N1-Virus verursachte Grippe ist eine zoonotische Krankheit, das heisst, sie wird vom Tier auf den Menschen übertragen. Die meisten durch Vogelgrippeviren ausgelösten Infektionen traten nach einem engeren und längeren Kontakt mit infizierten Vögeln oder nach einem Aufenthalt in einer durch domestizierte Vögel kontaminierten Umgebung auf (CDC) – so auch beim H5N1-Erreger. Der Ausbruch von A/H5N1 im Jahr 1997 stand im Zusammenhang mit lebendigen Hühnern auf Tiermärkten (Van Kerkhove et al., 2011). Die Analyse der globalen Epidemiologie der A/H5N1-Ausbrüche bis 2015 bezieht auch die Hausgeflügelhaltung als Risikofaktor ein (Lai et al., 2016). Da die Mortalität infolge einer Infektion hoch ist und der Virentyp ein grosses Potenzial aufweist, zu mutieren und sich an neue Wirte anzupassen, stellt H5N1 auch heute noch eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar (CDC).
Land: Der erste Fall einer Erkrankung beim Menschen wurde 1997 in Hongkong festgestellt. Die Krankheit breitete sich daraufhin in Asien, Afrika, Europa und im Nahen Osten aus (CDC).
Jahr: Ab 1997 bis heute.
Letalität: Anders als sämtliche anderen Vogelgrippeviren, die in der Regel nur für Vögel und Schweine infektiös sind, besitzt der H5N1-Stamm die Fähigkeit, beim Menschen eine schwere Erkrankung mit hoher Mortalität auszulösen. Millionen von Vögeln wurden deshalb getötet, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. In Europa sind die Niederlande ein Beispiel dafür: Nach einem Ausbruch im Jahr 2003, bei dem sich 89 Menschen infizierten, wurden dort 30 Millionen Geflügel gekeult (vorsorglich getötet) (WHO). Zwischen 2003 und 2020 wurden der Weltgesundheitsorganisation 861 bestätigte Fälle von mit dem Virus infizierten Personen und 455 Todesfälle gemeldet (WHO).
Symptomatologie: Hohes Fieber, Husten, Kurzatmigkeit oder Atembeschwerden. Weitere Symptome sind Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Nasen- und Zahnfleischbluten sowie Schmerzen in der Brust. Als mögliche Komplikationen einer Infektion können Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Funktionsstörungen mehrerer Organe sowie Sekundärinfektionen durch Bakterien und Pilze auftreten, die zum Tod führen können. Die Todesrate aufgrund von Infektionen mit dem Virus vom Subtyp A(H5) beim Menschen ist um ein Vielfaches höher als bei Infektionen durch das saisonale Grippevirus (WHO).
Einige soziale und politische Konsequenzen:
Ebenso wie andere von Tieren ausgehende grenzüberschreitende Krankheiten hat die Vogelgrippe weitreichende Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen von Kleinbauern und Geflügelzüchtern sowie auf den regionalen und internationalen Handel, das Gesundheitswesen und den internationalen Tourismus (FAO). Von der Verbreitung des Virus besonders betroffen waren die Länder Südostasiens, in denen die Landbevölkerung bis zu 70% der Gesamtbevölkerung ausmachte, wie zum Beispiel Indonesien. Dort waren die Folgen der Vogelgrippe für die Arbeitswelt verheerend: Berechnungen zufolge wurden nahezu 30% der Arbeitsplätze in kleinen Zuchtbetrieben und kleinen Geflügelfarmen vernichtet (CEPAL, 2006). Die Auswirkungen der Krankheit treffen alle sozialen Schichten und beeinflussen die langfristige Nachhaltigkeit des Geflügelsektors (FAO).
Die Ausbrüche der Vogelgrippe führten dazu, dass verschiedene Länder anhaltende Verbote für die Einfuhr von Vögeln verhängten. Auch die Europäische Union implementierte ein Verbot für den Import von Geflügel und Geflügelerzeugnissen sowie für Ziervögel in die EU (EU).
In den Ländern Südostasiens wurden verschiedene soziale und wirtschaftliche Auswirkungen dokumentiert. Die Versorgung mit Hühnern ging zurück, während der Preis für andere Fleischsorten stieg. Händler von Masthühnern benötigten bis zu drei Jahre, um ihre Verluste auszugleichen, Eierhändler fast ein Jahr. Die Nachfrage nach Eintagsküken ging um 45% bis 60% zurück, und die Beschäftigung in der Geflügelindustrie sank um etwas mehr als ein Drittel (FAO).
Der IWF und die Weltbank warnten davor, dass die Krankheit das Potenzial besässe, das globale Finanz- und Produktionsgefüge zu zerreissen. Der IWF beharrte daher darauf, dass die Vorteile, die eine Verringerung der Bedrohung mit sich brächte, die Ausgaben für die Vorbereitung auf eine Pandemie rechtfertigten, und schätzte, dass ein flächendeckender Ausbruch der Vogelgrippe Kosten von 800 Milliarden US-Dollar nach sich ziehen könnte, was 2% der weltweiten Wirtschaftsleistung entspricht (Kwo Ghsiao et.al., 2007). Schätzungen zufolge investierten die Regierungen darüber hinaus bis Ende 2005 mehr als sechs Milliarden US-Dollar in die Beschaffung von antiviralen Medikamenten und Impfstoffen (Newcomb, 2006).
Im Bemühen, das H5N1-Virus einzudämmen, wurden mehrere hundert Millionen Vögel getötet (Siehe auch Abschnitt Letalität). Die Gesellschaft reagiert auf die Ausbrüche im Allgemeinen damit, dass sie weniger Hühner(fleisch) kauft, was den Einbruch der Verkäufe und der Preise von Geflügel zur Folge hat. In Korea (Jun Ho Seok et al., 2017) zum Beispiel führte allein die Differenz zwischen der Tötung von Hennen (36%) und der Tötung von Masthähnchen (5,5%) zu einem Anstieg der Eierpreise.
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