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Heide
oder
Lenzerheide (Kt. Graubünden,
Bez. Albula).
Mittlere
Höhe 1500 m. Hochthal, s.
Parpan, zwischem diesem Dorf und den Ortschaften
Lenz
und
Obervaz; südlicher Teil des über
Parpan,
Churwalden und
Malix gegen
Chur ziehenden Thalbodens. Heute
s. über
Parpan von einer Wassersc
heide gequert. Früher lagen die Verhältnisse hier anders. Einst nahm der
Oberhalbsteiner
Rhein (Ostrhein), durch das
Landwasser verstärkt, hoch über
Tiefenkastel durch dieses Thal nach N. seinen
Lauf, bis ihm ein
erosiv stärker arbeitender Nebenfluss des
Hinterrhein (Westrhein), die
Albula, in die
Seite fiel und ihn
durch die Schynschlucht nach W. ablenkte.
Seither ist das Thal der Lenzerheide und von Parpan ein sich nicht mehr vertiefendes totes Thalstück geblieben, während sich die Schynschlucht und das Thal der Albula beständig vertieft haben, so dass heute die Höhendifferenz zwischen dem Parpanerthal und dem Becken von Tiefenkastel bereits den Wert von 700 m erreicht hat. Dazu kommt allerdings, dass die Sohle der Lenzerheide und des Thales von Parpan durch Bergsturz- und Moränenmaterial noch um einen gewissen Betrag aufgefüllt worden ist.
Die eiszeitlichen Gletscher haben hier überall erratische Blöcke und oft ganze Moränenwälle abgelagert und eine wahre Musterkarte der verschiedensten Gesteinsarten hinterlassen. So findet man grünen Julier- und Albulagranit, dann Quarzporphyre und Verrucanokonglomerate von Bellaluna, aus dem Val Plazbi bei Bergün oder vom Sandhubel und der Maienfelder Furka, Gneise und Amphibolite vom Davoser Weiss- und Schwarzhorn, Diorite, Gabbros, Serpentine und grüne Schiefer aus dem Oberhalbstein. Dazu gesellen sich grosse Sturzschuttmassen, die von beiden Thalflanken (besonders aber von der östlichen) herabgekommen sind; so Amphibolschiefer und Gneise vom Parpaner Rothorn, triasische Kalke und Dolomite vom Parpaner Weisshorn etc. Mitten im Moränen- und Sturzschutt liegt der kleine Heidsee, ¶
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der den Heidbach nach S. zur Albula sendet. Früher war das ganze Thal seiner Wildheit, seines rauhen Klimas und seiner Schneestürme wegen berüchtigt, während es heute infolge der energischen und intelligenten Tätigkeit seiner Bewohner einen wesentlich anderen Charakter erhalten hat. An Stelle der ehemaligen Steinwüsten finden wir hier jetzt ausgedehnte Waldungen und schöne Wiesen und Alpweiden, grosse Gasthöfe (Kurhaus Lenzerheide seit 1901) und eine Reihe von kleinen, den Fremden zum Sommeraufenthalt dienenden Chalets, wie auch das Ferienheim für die Schulkinder von Chur.
Das von der Poststrasse Chur-Tiefenkastel durchzogene Thal ist im Sommer stark belebt, wird aber jetzt nach Eröffnung der Albulabahn wohl von seinem Verkehr verlieren. Die breite und sonnenreiche, streckenweise beinahe ebene, von schönen Bergen umrahmte, mit grossen Waldungen und fetten Alpweiden bestandene Thallandschaft entwickelt sich rasch zu einer immer stärker besuchten Sommerfrische, von der aus zahlreiche und abwechslungsreiche Spaziergänge und Bergtouren (Stätzerhorn, Parpaner Rothorn, Aroser Rothorn, Lenzerhorn etc.; zum Teil mit guten Fusswegen) unternommen werden können. Vergl. Tarnuzzer, Chr. Die erratischen Schuttmassen der Landschaft Churwalden-Parpan (Beilage zum Kantonsschul-Programm 1897-98). Chur 1898.