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Frauenpower hat im Schweizer Rennsport Tradition. Immer wieder setzen sich Damen in ihren Funktionen als Trainerinnen und Rennreiterinnen erfolgreich in Szene. Eine davon ist die knapp zweiundzwanzigjährige Chéryl Schoch. Die junge Dame hat von 2012 bis 2015 die Rennreiterlehre bei Philipp Schärer absolviert und arbeitet nun seit zwei Jahren bei Championtrainer Miro Weiss. 2017 wie schon 2016 konnte sie den Junioren-Cup für sich entscheiden und war auch in beiden Jahren die Lady mit den meisten Siegen. Insgesamt hat sie inzwischen 17 Siege auf ihrem Konto.
Nachgefragt bei Chéryl Schoch
Herzliche Gratulation, Chéryl, zum Sieg im Junioren-Cup und im Championat der Rennreiterinnen.
Chéryl Schoch: Danke. Damen-Championne darf ich mich allerdings nur inoffiziell nennen. Wir Rennreiterinnen wurden dieses Jahr nicht mehr separat geehrt. Die Damenrangliste wurde leider abgeschafft.
Du bist als Profirennreiterin bei Miro Weiss angestellt und hattest mit sieben Siegen und 51 Plätzen bei 71 Starts und dem Sieg im Junioren-Cup eine sehr erfolgreiche Saison. Doch obwohl du 2017 die erfolgreichste Schweizer Dame im Rennsattel gewesen bist, weiss man eher wenig über dich, da du bisher nicht viel Medienpräsenz bekommen hast. Magst du ein bisschen erzählen, wie du zum Galopprennsport und zur Rennreiterlehre gekommen bist?
Ich habe als Sieben- oder Achtjährige wie so viele Mädchen auf dem Ponyhof in meinem Heimatdorf (Watt ZH) angefangen zu reiten. Später besuchte ich den Pferdesportstall Sigg in Buchs und machte dort mit elf Jahren das Brevet. Nachher wechselte ich nach Otelfingen, wo ich auf einem Bauernhof zwei Freiberger und einen Haflinger mehrmals wöchentlich betreute und an Patrouillenritten und Gymkhanas teilnahm.
Ab und zu besuchte ich mit meinen Grosseltern in Dielsdorf Pferderennen, was mich schon als Kind sehr begeisterte. Durch einen persönlichen Kontakt meines Vaters lernte ich 2010 Thomas von Ballmoos kennen, bei welchem ich in Berg am Irchel die ersten Kontakte zu Rennpferden hatte. Ich war fasziniert von den edlen Tieren und der Arbeit mit ihnen und entschied mich für die Rennreiterlehre. Thomas bildete jedoch keine Lehrlinge aus und stellte mir darum Philipp Schärer vor, der mein Lehrmeister wurde.
Inzwischen steigst du schon seit einigen Jahren in den Rennsattel und kannst auf einige Erfolge zurück blicken. Gab es einen Sieg, der für dich der grösste und wichtigste war oder der für dich eine spezielle Bedeutung hatte?
Da ich erst siebzehn Siege errungen habe, war für mich jeder einzelne von Bedeutung. Speziell in Erinnerung habe ich einen inoffiziellen Sieg: Ich habe den 1. Night Turf 2015 in St. Moritz (damals noch für Philipp Schärer) auf Boccalino gewonnen.
Gab es in deiner bisherigen Karriere auch Rückschläge durch Unfälle, Verletzungen usw.?
Ausgerechnet eine Woche vor dem ersten Teil der Lehrabschlussprüfung hatte ich einen Trainingssturz und brach mir das Schlüsselbein. Ansonsten hatte ich bisher glücklicherweise nur kleinere Dinge.
Unterstützung von Partner Clément Lheureux
Gerade für Ladys ist der Beruf Jockey ein hartes Pflaster. Nach wie vor bekommen die Männer mehr Ritte und meistens auch die besseren Ritte. Wie gehst du damit um, dich in einer Männerdomäne ständig beweisen zu müssen und wie motivierst du dich immer wieder von neuem?
Ich mache einfach mein Ding, bleibe ruhig und versuche den Trainer und die Besitzer durch gute Leistungen zu überzeugen. Wir Frauen wissen, dass der Rennsport von Männern dominiert wird und erleben es nicht als böse Überraschung, wenn der Jockeykollege das bessere Pferd bekommt. Die Motivation ist für mich die Liebe zum Pferd und die Freude am Rennen reiten.
Du bist mit dem Jockey-Champion 2017 Clément Lheureux liiert. Allerdings arbeitet er bei Trainer Andreas Schärer und du bei Miro Weiss. Kann er dich trotzdem unterstützen beziehungsweise ihr euch gegenseitig, obwohl ihr nicht zusammen arbeitet? Ist es vielleicht sogar von Vorteil, dass ihr nicht ständig zusammen seid?
Wir können uns sicher unterstützen. Clément hat viel mehr Erfahrung als ich und kann mir entsprechend viele Tipps geben. Mental können wir uns auch gegenseitig unterstützen, da es im Rennsport ständig auf und ab geht. Dass wir nicht zusammen arbeiten, ist eindeutig ein Vorteil, da wir beide unseren Freiraum brauchen. Wir sind beide manchmal recht stur und beharren – vor allem ich – gelegentlich zu lange auf der eigenen Meinung. Da ist es gut, wenn man nicht ständig zusammen ist und etwas Abstand hat.
Zukunft ist offen
Mehr als du in der vergangenen Saison erreicht hast, kann eine Schweizer Rennreiterin eigentlich gar nicht erreichen. Wie siehst du deine Zukunft? Hast du weitere konkrete Ziele oder vielleicht sogar den Traum, in einem Rennsportland wie Frankreich oder England erfolgreich zu werden?
Dass man als Schweizer Rennreiterin nicht mehr erreichen kann, als ich bereits erreicht habe, ist traurig. Es ist für eine Frau unmöglich, in den top Drei des Gesamtchampionats zu landen. Obwohl ich bei Miro Weiss letztes und vorletztes Jahr so viele gute Ritte bekam wie sonst keine Schweizer Reiterin, bin ich weit weg vom Drittplazierten. Wobei ich natürlich auch noch jung bin und wenig Erfahrung habe. Doch auch mit mehr Erfahrung, ist die Aussicht auf mehr und noch bessere Ritte schlecht. Ich habe nun bei Miro Weiss gekündigt, weil ich einfach eine Pause brauche, vor allem körperlich. Ich bin ausgelaugt. Der Preis des Erfolgs ist hoch, auch weil die finanzielle Situation für Jockeys im Allgemeinen und Rennreiterinnen im Speziellen nicht gerade berauschend ist.
Momentan habe ich entsprechend keine konkreten Ziele und weiss noch nicht wie es weiter geht. In einem grossen Rennsportland ist man als Frau chancenlos, das hat mir Philipp Schärer sogar schon vor der Lehre gesagt. Damals habe ich ihm nicht geglaubt und von der grossen Karriere geträumt, heute bin ich schlauer. Aber meine Liebe zu den Vollblütern besteht nach wie vor. Ich werde sicher auch in Zukunft das eine oder andere Lot reiten und im Galoppsport präsent bleiben.
Die meisten Leser kennen dich und auch Clément nur aus der Galoppszene. Habt ihr neben eurem zeitintensiven Beruf noch Zeit für ein «normales» Privatleben mit Hobbys, Ausgehen oder Reisen?
Jetzt, wo wir beide voll im Rennstall arbeiten, haben wir kaum Zeit für ein normales Privatleben. Während der Saison war der Renntag mein freier Tag. Wenn ich Ritte hatte, habe ich aber natürlich doch in gewisser Weise gearbeitet und Clément ebenso. Wir hatten also höchstens die Abende. Um mich fit zu halten gehe ich gerne mit meiner Freundin ins Zumba und natürlich liebe ich shopping wie die meisten Frauen. Damit ist die wenige Freizeit dann auch schon ausgefüllt. Gemeinsame längere Reisen in ferne Länder müssen Clément und ich wohl auf nach der Rennkarriere verschieben…
Herzlichen Dank, liebe Chéryl, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Die Leser von galoppszene.ch und ich wünschen dir und auch Clément Lheureux eine schöne Adventszeit, frohe Festtage und einen guten Rutsch ins kommende Jahr.
Merci gliichfalls.