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Neuromythos Nr. 3: Aktivierung umfangreicher Gehirnareale
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Aktivitäten, bei denen umfangreiche Gehirnareale aktiviert werden, fördern das Lernen bzw. die kognitive Entwicklung.
Gerade im Zusammenhang mit dem Musikunterricht ist immer wieder zu hören, dass sich aktives Musizieren doch positiv auf das Lernen bzw. die kognitive Entwicklung auswirken müsste, weil dabei - wie bildgebende Verfahren zu belegen scheinen - besonders umfangreiche Gehirnareale gleichzeitig aktiviert werden. Diesem Neuromythos liegt die Voraussetzung zugrunde, dass es einen direkten positiven Zusammenhang zwischen dem Umfang der Gehirnaktivierung und der Qualität bzw. der Komplexität der damit einhergehenden geistigen Leistungen besteht. Die neurowissenschaftliche und psychologische Forschung zeigt allerdings, dass die naive Gleichung "mehr Gehirnaktivierung = mehr kognitive Leistung" nicht gilt.
Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Gehirne von Personen mit höherer Intelligenz ein geringeres Aktivierungsniveau beim Lösen bestimmter Aufgaben benötigen als die Gehirne von Personen mit geringerer Intelligenz. Dieser Sachverhalt wird mit dem Fachbegriff der neuralen Effizienz bezeichnet: Personen mit höherer Intelligenz haben demnach ihr Wissen besser organisiert als Personen mit geringerer Intelligenz, so dass die Gehirne intelligenterer Personen bei der Bewältigung von Aufgaben weniger Energie aufwenden müssen und daher weniger Stoffwechselaktivitäten aufweisen als die Gehirne weniger intelligenter Personen. Der Züricher Psychologe Roland Grabner und seine Kollegen (Grabner et al. 2006) konnten zudem zeigen, dass sich solche Unterschiede in der neuralen Effizienz nicht nur zwischen den Gehirnen von Personen mit unterschiedlicher Intelligenz, sondern auch zwischen den Gehirnen von Personen mit unterschiedlichem Wissen in einem bestimmten Inhaltsbereich nachweisen lassen. Die Gehirne der Personen mit großem Vorwissen zeigten deutliche größere neurale Effizienz als die Gehirne der Personen mit geringerem Vorwissen. Beide Faktoren: Intelligenz und Vorwissen, wirken sich also positiv auf die Effizienz der Informationsverarbeitung im Gehirn aus und gehen gerade mit geringeren Stoffwechselaktivitäten einher.
Literatur
- Grabner, R., Neubauer, A., & Stern, E. (2006). Superior Performance and Neural Efficiency. Brain Research Bulletin, 69, 422 - 439.