Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/1893

Japans Gangnam Style
Der Südkoreaner Psy hat mit Gangnam Style die Welt erobert. Selbst in die renommierte amerikanische Billboard Hitparade erschien der Song auf Platz 1. Über 1 Milliarde Views zählt das Musikvideo inzwischen auf Youtube.
Japan erlebte ein ähnliches Phänomen vor exakt 50 Jahren. Damals eroberte der japanische Sänger Kyu Sakamoto mit Liebeslied Ue o muite aruko zuerst Japan und schliesslich die Welt. Im Westen wurde das Lied der Einfachheit halber zum Sukiyaki-Song umgetauft.
Der erste asiatische Welthit
Das US-Labe Capitol Records brachte das Lied schliesslich auf den amerikanischen Markt, wo es zwischen dem 15. und 29. Juni Platz 1 der Billboard-Charts einnahm. Es war das erste Mal überhaupt, dass ein japanisches, ja gar ein asiatisches Lied in den USA die Spitze der Hitparade erklomm – und dies nicht einmal 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis heute ist keinem japanischen Musiker dieses Kunststück mehr gelungen.
Kyu Sakamoto ging mit dem Sukiyaki-Song auf Welttournee. Der damals 21-jährige Japaner wurde in den USA als Star gefeiert. In der damals populären Steve Allen Show auf NBC hatte Sakamoto seinen grossen Auftritt. Eine Einladung in der Ed Sullivan Show auf CBS musste er wegen Terminkollisionen ausschlagen. Das tat seinem Erfolg keinen Abbruch. Über 13 Million Mal verkaufte sich der Sukiyaki-Song.
Das wiederentdeckte Zeitdokument
Der japanische Fernsehsender TBS machte aus Sakamotos USA-Tour eine 25-minütige Reportage, die noch 1963 ausgestrahlt wurde. Kyu-chan Amerika de utau (dt. «Kyu singt in Amerika») hiess der Beitrag, der Sakamotos Überraschungserfolg in den USA nochmals unterstrich. Danach verschwand das wertvolle Filmmaterial scheinbar spurlos.
Die Gruppe Sukiyaki 50 Project, die im Andenken an den 50 Jahre alten Hit ins Leben gerufen wurde, hat sich auf die Suche nach dem verschollenen Material gemacht. In einem Archiv von TBS in der Stadt Yokohama wurde sie offenbar fündig, wie die Nikkei Shimbun berichtet. Das historische Zeitdokument soll gemäss der Gruppe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Der plötzliche Tod
Den Erfolg des Sukiyaki-Songs konnte Kyu Sakamoto in den Jahren danach nicht mehr wiederholen. Am 12. August 1985, im Alter von nur 43 Jahren, wurde sein Leben abrupt beendet. Sakamoto sass im JAL-Flug 123, das auf dem Weg von Tokio nach Osaka am Berg Takamagahara zerschellte. Sakamoto verunglückte mit 519 weiteren Passagieren. Nur 4 Menschen überlebten. Es ist bis heute das Unglück mit den meisten Todesopfern in der Geschichte der Zivilluftfahrt geblieben.
Kyu Sakamoto wurde in Tokio begraben. Der plötzliche Tod machte den Musiker endgültig zur Legende. Sakamotos Hit wurde unzählige Male gecovert und in Fernsehwerbungen eingesetzt. Es gibt wohl keinen kein Abend in Japan, in dem sein Sukiyaki-Song nicht im Karaoke gesungen wird.
Folgen Sie Jan Knüsel und Asienspiegel auf YouTube, Instagram und Facebook:
UNTERSTÜTZEN SIE DEN ASIENSPIEGEL
Sponsoring-Beiträge vieler treuer Leser ermöglichen diesen Blog, den Jan Knüsel seit 2009 täglich schreibt. Ohne diese Grosszügigkeit würde es diesen Blog nicht geben. Arigatō gozaimasu!
- Zahlungsmittel: Master, Visa, PayPal
- Für Einzahlungsschein hier klicken.