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Es war einmal ein Vater, der besass dreizehn Söhne. Er war arm und hatte daher die grösste Mühe, sie alle zu ernähren. Den jüngsten, namens Tredicino, hätte er sogar nicht ungern verlieren mögen. Deshalb rief er ihn zu sich und sprach zu ihm: «Tredicino, wärest du imstande, zum Zauberer zu gehen und ihm die Reliquien zu rauben, womit man Sturm und Unwetter zum Aufhören bringen kann?» Tredicino gab zur Antwort: «Ja freilich kann ich das.»
Er nahm einen Sack, füllte ihn mit Steinen und machte sich auf den Wog zu dem Hause des Magiers. Endlich langte er bei dunkler Nacht dort an. Der Zauberer und seine Frau waren schon zu Bett gegangen. Da stieg Tredicino auf das Dach und fing an, Steine dar über hinunterrollen zu lassen; Es war stockfinster, ein Gewitter zog heran und es donnerte. Da meinte die Zauberin, es hagle und stellte eiligst die Reliquien vor das Haus, um das Unwetter zum Stillschweigen zu bringen. Jetzt kletterte Tredicino vom Dach herunter, nahm schnell die Reliquien und trug sie fort nach Hause.
Der Vater glaubte schon, sein Sohn sei umgekommen. Als er ihn aber mit den Reliquien zurückkehren sah, war er ziemlich missvergnügt und konnte sich damit nicht zufrieden geben. Er rief ihn zu sich und sagte: «Tredicino, bist du imstande, dem Magier die Bettdecke zu stehlen, obgleich, wie du weisst, dass Glöcklein daran hängen?» Tredicino dachte ein wenig nach und sagte dann: «Vater, gib mir einen Sack voll Baumwolle, damit ich die Glöcklein der Decke einwickeln kann.» Der Vater verschaffte ihm die gewünschte Baumwolle. Dann nahm der Sohn den Sack auf den Rücken und ging fort.
Es war schon dunkle Nacht, als er beim Haus des Magiers anlangte. Dieser schlief bei offenem Fenster. Tredicino kletterte leise aufs Fenstergesimse, trat in das Schlafzimmer, versteckte sich unter dem Bett und fing an, ein Glöcklein nach dem andern mit Baum-wolle einzuwickeln. Dann begann er plötzlich an der Decke zu zupfen. Der Magier meinte, es sei seine Frau und rief ihr zu: «Heda, lass doch meine Decke in Ruhe!» Und sie: «Ich rühre sie ja gar nicht an!» Tredicino wartete ein Weilchen. Dann fing er wieder an zu zerren. Zornig schoss jetzt der Zauberer in die Höhe und wollte seine Frau schlagen; aber sie lag schnarchend neben ihm. Nach einer Weile begann Tredicino noch stärker zu zupfen. Da sprach der Magier zu seiner Frau: «So nimm doch die Decke ganz, wenn du sie willst», und liess sie los. Die Decke fiel auf den Boden. Flink hob Tredicino sie auf, schlich damit, so still er konnte, zum Fenster hinaus und brachte sie seinem Vater nach Hause.
Als dieser sah, wie sein Sohn wirklich mit der Bettdecke des Zauberers dahergelaufen kam, blieb er zunächst vor Erstaunen wie versteinert und wusste nicht was sagen. Eine Weile später fragte er ihn: «Tredicino, bist du wohl auch imstande, dem Zauberer den Papagei zu stehlen?» «O ja, das wird mir nicht schwer fallen», versetzte der Sohn bereitwillig. Er liess sich ein Säcklein voll Bonbons und verzuckerter Früchte geben und machte sich damit auf nach der Wohnung des Zauberers. Dort trat er in die Schlafkammer, hielt dem Papagei die Zuckersachen hin und streckte dann die Hand aus, um ihn zu fassen. Der Vogel aber schrie sogleich: «Mein Herr und Meister, Tredicino will mich nehmen!» Schnell versteckte sich der Knabe hinter dem Vorhang. Der Magier kam sogleich dahergelaufen, sah aber niemand im Zimmer und glaubte, der Papagei halte ihn wie schon öfters zum Narren. Eine Weile darauf nahm Tredicino den Papagei und brachte ihn nach Hause.
«Ach, du Tausendskerl von einem Dieb!», sprach der Vater zu ihm, als er ihn wieder daherkommen sah, «ist es möglich, dass der Zauberer dich gar nicht behalten will?» Er nahm den Papagei in Empfang und fügte dann hinzu: «Jetzt musst du hingehen und mir den Zauberer selbst samt seiner Frau herbringen!»
Tredicino dachte ein wenig darüber nach, wie er dies anstellen könnte. Dann verschaffte er sich eine Perücke und einen falschen Bart, verkleidete sich bis zur Unkenntlichkeit, liess einen grossen Sarg machen, trug diesen auf seinen Schultern unter das Fenster des Magiers und fing daselbst an zu rufen: «Wer will diesen Totenschein kaufen?» Die Zauberin lehnte sich zum Fenster hinaus, um nachzuschauen, und sagte dann zu ihrem Mann: «Wir könnten doch den Sarg kaufen, dann ist er, falls wir sterben, schon fix und fertig bereit.» Der Zauberer rief Tredicino zu sich und sprach zu ihm: «Ich würde diesen Sarg wohl kaufen, nur möchte ich vorher noch prüfen, ob er gross genug ist für mich.» «Oh, er dürfte gerade passen in der Grösse», gab Tredicino zur Antwort. Da legte sich der Zauberer seiner ganzen Länge nach hinein, und der Sarg passte ausgezeichnet in der Grösse. Darauf stieg die Zauberin ebenfalls hinein, und auch sie hatte neben ihrem Manne ganz bequem Platz.
Nun wollte Tredicino auch prüfen, ob der Deckel immer noch passe, und sobald er ihn richtig hingelegt hatte, setzte er sich oben drauf, nagelte den Totenschrein zu, und die beiden Ungeheuer waren schön in die Falle gegangen. Hernach lud er den Sarg auf seinen Rücken und brachte ihn zum König, der demjenigen eine grosse Belohnung versprochen hatte, der ihm die Bösewichter tot oder lebendig überbrächte.
Der König schenkte ihm auch in der Tat einen Sack Gold, und Tredicino brachte den Reichtum seinem Vater nach Hause. Jetzt umarmte ihn dieser voller Freude und sah wohl ein, dass Tredicino, obwohl der jüngste und kleinste, soviel wert war wie alle andern zwölf Söhne zusammen und noch einen Soldo dazu.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.