Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03148.jsonl.gz/2591

Der Gripen E des schwedischen Herstellers Saab scheidet aus dem Evaluationsverfahren für die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs aus. Dies entschied das Bundesamt für Rüstung Armasuisse, nachdem Saab angekündigt hatte, an den Flugtests nicht teilzunehmen.
Ein Nachholen der Flug- und Bodenerprobung zu einem späteren Zeitpunkt würde der Gleichbehandlung aller Kandidaten widersprechen und sei keine Option, teilte Armasuisse am Donnerstag mit.
Saab hatte zuvor mitgeteilt, dass der Entwicklungsterminplan von Gripen E nicht auf das Schweizer Vorhaben ausgerichtet sei, bereits 2019 voll einsatzfähige Flugzeuge zu testen. Saab habe verschiedene Alternativvorschläge unterbreitet, um an den Flugtests von 2019 teilnehmen zu können.
Das Angebot, für die Flug- und Bodenerprobungen im Juni 2019 neben einem Gripen-E-Testflugzeug einen voll einsatzbereiten Gripen C zur Verfügung zu stellen, sei von Armasuisse abgelehnt worden.
Der schwedische Hersteller weist darauf hin, dass auch andere Mitbewerber ihre Fähigkeiten auf bestehenden Plattformen demonstriert hätten, die sich von den zu liefernden Versionen unterschieden.
Im Evaluationsverfahren für ein neues Kampfflugzeug als Ersatz für die F/A-18 verbleiben nach dem Rückzug von Saab das Tarnkappenflugzeug F-35 von Lockheed Martin, die F/A-18 Super Hornet von Boeing, der Rafale des französischen Herstellers Dassault und das Airbus-Flugzeug Eurofighter. Sie haben sich in Payerne VD umfassenden Flugtests unterzogen.
Die Flugtests sind Teil des Evaluationsverfahrens im Hinblick auf die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs ab 2025 für maximal sechs Milliarden Franken. Den Typenentscheid wir der Bundesrat fällen.
Saab sieht im Gripen «beste Wahl»
Saab äusserte sich in der Mitteilung überzeugt, dass Gripen E die beste Wahl für die Schweiz darstelle. Gripen E zeichne sich unter seinen Mitbewerbern im Schweizer Beschaffungsverfahren dadurch aus, dass es das neuste Kampfflugzeugsystem sei. Die Fertigung sei bereits angelaufen und die ersten Flugzeuge würden noch in diesem Jahr ausgeliefert.
Das im vergangenen Januar unterbreitete Angebot gelte nach wie vor. Saab sei bereit, sich zur termingerechten Lieferung von mindestens 40 Gripen-E-Kampfflugzeugen zu verpflichten und sich dabei an alle Vorgaben sowie an das geplante Budget zu halten. Dazu gehöre auch ein umfassendes Supportprogramm mit Einbindung lokaler Lieferanten zur Gewährleistung der günstigsten Betriebskosten und der grösstmöglichen Autonomie.
Gripen-Beschaffung bereits 2014 gescheitert
Beim letzten Beschaffungsprozess für ein neues Schweizer Kampfflugzeug habe Saab der Schweiz angeboten, Gripen E gemeinsam mit der schwedischen Luftwaffe zu beschaffen. Damals sei der Entwicklungszeitplan auf eine Auslieferung an die Schweizer Luftwaffe im Jahr 2021 ausgerichtet gewesen.
Als die Schweiz 2014 entschieden habe, die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge zu stoppen, sei der Zeitplan geändert und an die Bedürfnisse Schwedens und Brasiliens angepasst worden. Das Schweizer Stimmvolk hatte in einer Volksabstimmung vom 18. Mai 2014 die Beschaffung von 22 Gripen-Kampfjets für 3,1 Milliarden Franken abgelehnt.
Vergleich im zweiten Halbjahr 2020
Die Erkenntnisse aus der Analyse- und Erprobungs-Phase werde Armasuisse in Zusammenarbeit mit Armeestab, Luftwaffe, Logistikbasis der Armee und der Führungsunterstützungsbasis in Fachberichten für jeden Kandidaten separat zusammenfassen. Diese Fachberichte seien die Grundlage für einen systematischen und umfassenden Vergleich zwischen den Kandidaten, der im zweiten Halbjahr 2020 durchgeführt werde. Die Fachberichte dienten auch dazu, für jeden Flugzeugtyp die erforderliche Flottengrösse zu bestimmen.
Armasuisse wird gemäss gegenwärtigem Zeitplan auf dieser Grundlage eine zweite Offertanfrage erstellen und den Kandidaten übergeben. Mit den Erkenntnissen aus der zweiten Offerte werde Armasuisse die Kandidaten auf Basis der Fachberichte miteinander vergleichen und den Gesamtnutzen pro Kandidat ermitteln. Dann werde der Evaluationsbericht erarbeitet, in dem der jeweilige Gesamtnutzen den Beschaffungs- und Betriebskosten für 30 Jahre gegenübergestellt werde.