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Wir haben Georgia verlassen, um nach Florida zu gehen, das Land der Seekühen und reichen Leuten.
Nach Florida
Am Freitagabend erhielten wir endlich unser lang ersehnte Farbe und Filtern. So verließen wir St. Simons Island am Samstagmorgen am 10 November Richtung Florida. Mit dem neu lackierten und sauberen Unterwasserschiff bewegt sich unser Segelboot vela dare viel schneller. Wir mussten sogar mitten in der Nacht reffen (Großsegel verkleinern), weil der Wind immer stärker wurde und wir nicht nachts in Fort Pierce ankommen wollten. Eigentlich wäre der Wind ideal gewesen, um direkt auf die Bahamas zu segeln. Aber da unser Windgenerator immer noch nicht funktionierte, müssten wir zuerst zum Händler in Fort Lauderdale, Florida, gehen.
ICW zwischen Fort Pierce und Fort Lauderdale
Am Morgen kurz vor Fort Pierce gab es Gewitter, der Wind drehte und kam direkt aus dem Süden, also gegen uns. Wenn man schon motoren muss, dann mindestens auf dem Intracoastal Waterway (ICW). So kann man mindestens die Landschaft am Ufer des Kanals anschauen.
Wir machten einen ersten Halt am Peck Lake. Ein idyllischer Ankerplatz, an dem man nur das Geräusch von Wellen und Vögeln hören konnte. Leider verschwand in der Nacht der Wind und die „Gnats“ kamen an. Es sind schreckliche Minimücken die durch das Moskitonetz fliegen können. Die Stiche jucken mindestens für 4 Tage danach….
Der ICW-Kanal an dieser Stelle ist noch sehr wild und wir haben eine Seekuh gesehen. Oder eher wir haben den Kopf einer Seekuh für ein paar Sekunden gesehen. Seekühe, oder auf Englisch Manatee, werden so genannt, weil sie Algen in den Kanalen fressen, wie Kuhe Grass fressen. Überall gibt es Schilder, die den Bootsfahrer auffordern, mit niedriger Geschwindigkeit zu fahren und keine Wellen zu machen, um diese Tiere nicht zu stören. Was nicht wirklich respektiert wird, auch wenn wir einen Sheriff gesehen haben, der ein zu schnelles Motorboot stoppte.
Wir ankerten am Lake Worth, nördlich von West Palm Beach. Wir wollten in West Palm Beach in einem Hafen für zwei Nächte zu bleiben und ein Auto zu mieten, um nach Fort Lauderdale zu fahren und unsere Windturbine reparieren zu lassen. Aber als wir die Preise der Marinas in West Palm Beach und den Mietpreis des Autos sahen, beschlossen wir, weiter nach Fort Lauderdale mit dem Boot zu motoren. Der Vorteil von Fort Lauderdale ist, dass es etwas weiter südlich ist und so ist der Navigationswinkel, um den Golfsteam zu überqueren und auf die Bahamas zu gelangen, besser. Wir wussten, dass es in Fort Lauderdale fast keine Ankerplätze gibt und wir wahrscheinlich in einer Marina bleiben müssten. Wir hatten aber Angst, dass unsere Windturbine nicht in einem Tag reparierbar sein würde und dass wir zweimal nach Fort Lauderdale mit einem Mietauto fahren müssten. Also buchten wir ein Liegeplatz in Las Olas Marina in Fort Lauderdale für 4 Nächte. Dies in der Hoffnung, dass sich der Wind Anfang der Woche ändern würde, so dass wir Fort Lauderdale schnell in Richtung der Bahamas verlassen können.
Zwischen West Palm Beach und Fort Lauderdale ist der ICW-Kanal von Wohngebieten gesäumt. Es gibt wunderschöne Villen mit Palmen und exotischen Pflanzen und mit luxuriösen Motorbooten. Es ist schön, vom Boot aus, in den Gärten der Reichen sehen zu können! An anderen Stellen gibt es für die weniger reichen Leuten Wohnblöcke mit Balkonen und einem Gemeinschaftspool.
Dieser Teil des Kanals hat auch viele Brücken, die sich in der Regel alle 30 Minuten zu festen Zeiten öffnen lassen. Wir mussten den Motor von vela dare hart puschen (7,2 Knoten!), um die Strecke zwischen den Brücken rechtzeitig fahren zu können. Es ist mühsam und schwierig, 25 Minuten vor einer Brücke zu warten und „stehen“ zu müssen, wenn es Strömung, Wind und andere Boote gibt. Und an manchen Tagen mussten wir unter 8-9 Brücken durchfahren.
Fort Lauderdale
Las Olas Marina ist einer der weniger teuren Häfen in Fort Lauderdale, obwohl es immer noch $75 pro Nacht kostet. Und wir haben auf Strom verzichtet, der hätte noch zusätzlichen $15 pro Nacht gekostet. Die Las Olas Marina ist direkt neben einer Brücke und neben einer Baustelle, so dass es ziemlich laut ist. Zusätzlich gibt es jedes Mal Wellen wenn Boote vorbeifahren. Aber gut, wir haben uns entschieden, unsere letzten Tage in den USA zu genießen und das amerikanische Venedig mit seinen vielen Kanälen zu besichtigen. Aber zunächst mussten wir das Problem des Windgenerators lösen. Ohne der Windgenerator können wir nicht genug Strom produzieren, um unseren neuen Kühlschrank und die Navigationsinstrumente in der Nacht zu betreiben….
Also nahmen wir einen Uber (eine Art Taxi) zu Emarine, der Windgeneratorvertreiber. Als wir ankamen, sagte man uns, dass der Mechaniker am Freitag nicht da war, dass das Ersatzteil nicht am Lager war und dass nichts gemacht werden könnte bis der Boss da war. Er käme gegen 13 Uhr und wir könnten bis dahin frühstücken gehen. Wir hatten aber extra vorher angerufen, um zu erklären, was wir brauchen! Wir beschwerten uns bis der Mitarbeiter rumtelefonierte und die Reparatur unserer Windturbine organisierte. Er versprach uns, dass diese bis zum Ende des Nachmittags repariert werden sollte. Also nahmen wir einen Uber zurück, um zu den anderen 5 Geschäften für nautische Ausrüstung zu gehen. Leider hatten wir viele Wellen nach Steuerbord (auf der rechten Seite) während der zweitägigen Seefahrt und Salzwasser trat in das Duschabflussrohr im Boot. Der Abfluss befindet sich oberhalb der Wasserlinie und bis jetzt hatten wir noch nie Salzwasser, aber ein Boot scheint immer Überraschungen zu bringen… Also brauchten wir eine Rückschlagventile und verschiedene Schläuche um dies zu reparieren.
Am Freitag um 16 Uhr war unsere Windturbine fertig. Sie wechselten ein komplett rostiges Teil und ersetzten eine Dichtung (das bei einem Gerät der fast 2000 frs kostete und angeblich aus Edelstahl besteht….). Nun, wir haben auch 40 Dollar extra für eine Expressreparatur bezahlt. Aber es sind weniger als die Uber-Kosten, wenn wir nächste Woche hätten wiederkommen müssen….
Schließlich, um das zu feiern, gingen wir noch einen Drink am Strand nehmen. Hier in Florida ist das Wasser blau und nicht bräunlich wie in Georgia. Es war lange her, dass wir auf einer belebten Touristenstraße unterwegs waren. Wir verbrachten eine gute Zeit damit, die vorbeiziehenden Leute zu beobachten: einige waren für Partys gekleidet und andere für den Strand. Das ist einer der Vorteilen, wenn das Boot in einer Marina in einer Stadt liegt, man kann am Abend ausgehen.
Am Samstag fuhren wir mit dem „Sun Trolley“ in das Gebiet des New River. Es ist ein sehr schöner Ort mit einem Park, einer Promenade, Geschäfte und Restaurants. Wir liefen dann zurück zu Marina Las Olas und bewunderten die riesigen Häuser mit Luxusautos und Booten entlang der Kanäle. Willi meinte dass solche Booten ein paar Millionen kosten… Ein paar Häuser waren schon mit Weihnachtsdekorationen geschmuckt.
Dann begann der weniger lustige Teil des Tages. Wir mussten unsere Windturbine wieder auf dem Geräteträger hieven und installieren. Und es war nicht einfach, weil es viele Wellen in der Marina gab. Willi konnte die elektrischen Kabeln nicht anschließen und die Windturbine gleichzeitig an der Oberseite des Gerätehalters halten. Schlussendlich haben wir Kissen auf dem Solarmodul gestapelt, um die Windturbine anzuheben, so dass Willi die Kabeln verbinden konnte. Als er die Windturbine am Mast schraubte, flog eines der Kissen weg und fiel ins Wasser. Ich musste auf einem anderen Ponton rennen, um das Kissen zu holen bevor es von der Strömung zu weit getragen wurde… Nun, endlich funktioniert unsere Windturbine wieder. Jetzt gibt es nur noch die Probleme mit dem Salzwasser in der Dusche, die Pumpe zum Waschen der Brücke, die dreht aber kein Wasser rausgibt und die Dieselanzeige, die spinnt…..
Inzwischen prognostizieren die Wettermodelle für die ganze nächste Woche wieder Nordwind oder Ostwind. Wir können also den Golfstream nicht überqueren. Dieser geht nach Norden und wenn der Wind in die entgegengesetzte Richtung geht, bilden sich hohe Wellen. Also müssen wir zum Ankerplatz am Lake Silvia gehen, um zu sehen, ob es dort noch Platz für uns gibt, denn der Preis der Marina ist hoch (und es gibt leider auch keinen Rabatt, wenn wir länger bleiben). Oder wir riskieren eine Überquerung mit dem Motor am Dienstag mit Ostwind…