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Vor hunderten von Jahren wuchsen drei Nesselschwestern einträglich nebeneinander auf eine Wiese mitten im Wald. Die eine trug purpurrote Blüten, die zweite gar goldene. Die dritte hatte keine farbigen Blüten. Auf ihr jedoch tummelten sich Rauppen, und ihre grünen Blätter enthielten wertvolle Stoffe, die bei manchen menschlichen Gebresten zur Heilung verhalfen.
Eines Tages kam eine Gruppe Menschen auf die Wiese und beschloss, hier eine Hütte zu errichten. Der Platz schien ihnen aus verschiedenen Gründen sehr geeignte. „Hei!“, sagte die Frau, „schaut diese schönen Blumen von goldener und purpurroter Farbe. Sie sind eines Königs würdig. Genau hier werde ich meinen Blumengarten anlegen.“ Und sie hiess ihre drei Töchter, ihr beim Graben zu helfen. Derweil verschwand der Mann mit den Söhnen im Wald, um Holz für die Hütte zu schlagen.
Nach einiger Zeit kamen sie mit dem ersten Baumstamm zurück und berieten, wo denn der beste Platz für die Behausung wäre. Sie einigten sich auf eine sanfte Mulde, in der es besonders viele Nesseln hatte. Schon wollten sie mit schwerem Werkzeug in das Blumenmeer eindringen, als ihnen die Frau befahl, zuerst alle goldenen und purpurroten Blumen auszugraben und ihnen im Blumengarten ein neues Zuhause zu geben. Frohgemut machten sich die Männer ans Werk, gruben die blumentragenden Nesselschwestern aus, die grünen, blütenlosen aber zerrten sie unsanft aus dem Boden und warfen sie auf einen Haufen.
Die drei Schwestern weinten bitterlich, denn sie waren noch nie getrennt gewesen. Sei weinten noch, als es schon längst tiefste Nacht war und die Menschen in einen traumlosen Schlaf gefallen waren, weil sie so hart gearbeitet hatten. Da kam eine Waldfee auf die Lichtung, um nachzusehen, wer denn hier so traurig war. Sie fand die Nesseln, die er unter Schluchzen ihr Leid klagten. Die Fee sagte: „Grämt euch nicht mehr länger, ich werde euch helfen. Nicht nur Schönheit soll euch vor den Menschen Respekt bringen. Wartet ab, was geschieht. “ Sie murmelte ein paar unverständliche Zauberworte und verschwand so leise wie sie gekommen war.
Am anderen Morgen, als die Männer sich erneut über die grünen Nesseln hermachten, heulte der erste auf. „Aua, mich brennts!“. Der zweite wimmerte los: „Huhuuu, das brennt wie die Hölle.“ Und der dritte vollführte einen Tanz, denn er war mit seinen blossen Füssen in den Nesselhaufen gestanden. Er schrie: „Ich habe Feuer unter den Füssen.“ Und alle rannten zum Bach, um den Brand zu kühlen. Aber dort hatte es noch mehr grüne Nesseln, und die Männer verbrannten sich nur noch mehr.
Den grünen Nesseln war nicht Herr zu werden. Sie mussten sie stehen lassen und ihr Haus an anderer Stelle bauen. Die drei Nesselschwestern nannten sie von da an Goldnessel, Taubnessel und Brennnessel. Und obwohl die goldenen und purpurroten Becher der Nesseln sehr schön anzuschauen sind, haben die Menschen bis heute vor der Brennnessel am meisten Respekt. Und wers nicht glaubt, soll nur versuchen, sie auszurupfen.