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Giovanni Moriggia, Basel, um 1838
Ölmalerei auf Leinwand
H. 54,5 cm, B. 44,7 cm
Inv. 2010.117.
Effektvoll inszenierte sich der italienische Maler Giovanni Moriggia (1796–1878) auf diesem Selbstporträt, das während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Basel entstand: Mit forschendem, prüfenden Blick hat er sein Spiegelbild etwa lebensgross auf die Leinwand gebannt. Die markanten Gesichtszüge des ins Dreiviertelprofi l gewendeten Kopfes treten vor dem neutralen Bildgrund prägnant hervor. Sein dunkler Mantel mit glänzender Verschlusskette, unter dem der weisse Hemdkragen und eine schwarze Halsbinde hervorschauen, zeichnet den Künstler als eleganten Herrn gehobenen Standes aus.
Das Porträt lässt nichts von der bewegten Vergangenheit des Dargestellten erahnen, der wenige Jahre zuvor aus politischen Gründen aus seiner norditalienischen Heimat ins Schweizer Exil fl iehen musste. Nach seiner Ausbildung an der Akademie in Bergamo und Reisen nach Rom, Paris und Parma war Moriggia in Cremona als Porträtmaler tätig und stattete einige Kirchen mit Wandgemälden aus. 1832 schloss er sich der von Giuseppe Mazzini im Vorjahr gegründeten politischen Vereinigung «Junges Italien » an, die sich für einen einheitlichen Nationalstaat einsetzte.
Im Zuge der Verfolgung des «Giovine Italia» musste auch der Künstler im Jahre 1834 fl iehen. Als Fuhrmann verkleidet gelang ihm – mit der Unterstützung einiger einfl ussreicher Bekannter – die Flucht über Lugano nach Basel. Während dieser Zeit wurde der Anführer der politischen Vereinigung in Cremona, Pietro Strada, im Verhör zu einer Aussage über Moriggia gezwungen. Seine möglicherweise bewusst verfälschende Beschreibung – Moriggia sei von mittlerer Statur, bleich im Gesicht, voller Pockennarben, habe schwarze dichte Haare, die ihm in die Stirn fallen und sei stets kränklich – zeichnet ein anderes Bild, als es der Künstler der Nachwelt hinterlassen hat.
Als das Selbstporträt entstand, hatte sich Moriggia bereits in Basel etabliert und sich in der Spalenvorstadt eine Werkstatt eingerichtet (das Adressbuch der Stadt Basel von 1839 führt ihn unter den Kunstmalern als «Moritzica, Joh.» auf). In Basel erfreute sich die Porträtmalerei des Italieners grosser Beliebtheit bei den wohlhabenden Bürgern: Neben dem Bürgermeister Felix Sarasin- Burckhardt beauftragten ihn Apotheker, Handelsleute und Professoren mit Bildnissen. Allein im Historischen Museum Basel haben sich elf Porträts seiner Hand von Mitgliedern der Familien Burckhardt, Merian, Sarasin und Bernoulli erhalten. Insbesondere mit der Familie Bernoulli stand der lombardische Gast wohl in enger Verbindung, fertigte er doch im Auftrag des Apothekers Leonhard Bernoulli-Bär mehrere Porträts von Mitgliedern der Familie, wie beispielsweise das Doppelbildnis der Söhne Johannes und Wilhelm Leonhard als Schmetterlingsjäger (Inv. 1991.162.). Leonhard Bernoulli gehörte vermutlich auch das Selbstbildnis Moriggias, das aus altem Bernoullischem Familienbesitz erworben werden konnte. Es ist gut denkbar, dass der Drogeriehändler neben den Porträts seiner Familienmitglieder auch ein Bildnis des italienischen Künstlers in Auftrag gab oder von ihm als Geschenk erhielt.
Nach fünfjährigem Aufenthalt verliess Moriggia Basel im April 1839. Nachdem Kaiser Ferdinand I. am Tage seiner Krönung zum König von Lombardo-Venetien (6. 9. 1839) eine allgemeine Amnestie für die politischen Vergehen seiner Untertanen in den italienischen Provinzen erteilt hatte, konnte der Maler in seine Heimat zurückkehren.