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Es waren die Glocken der Kirche Saint-Pierre von Freiburg, die Pascal-André Dumont (48) zum Glauben führten. Das Geläut weckte den ältesten Sohn einer nicht sehr religiösen Familie an einem Sonntag vor rund 20 Jahren. Er blieb liegen. Am darauf folgenden Sonntag ging er in die Messe, nachdem ihm die Glocken erneut den Schlaf geraubt hatten: «Jesus gab mir ein Zeichen, ihm zu folgen.»
Später verpasste Dumont, der 1991 sein Jurastudium an der Universität Freiburg abschloss und zunächst mit einer Politikerkarriere liebäugelte, keine Messe mehr. Der junge Katholik besuchte oft die Zisterzienserabtei Hauterive, ein paar Kilometer ausserhalb von Freiburg.
Als er seinen Eltern eröffnete, dass er Pfarrer werden wolle, seien diese zuerst schockiert gewesen, sagt er. «Sie gaben mir aber alle Freiheiten, obwohl sie meine Berufswahl nicht verstanden.»
Und wieder erhielt Dumont ein Zeichen. Er traf vier junge Priester, die sehr glücklich wirkten, immer wieder lachten und in der religiösen Gemeinschaft Sankt Martin in Frankreich lebten. «Mit dieser Begegnung wollte mir Jesus mitteilen, dass ich in die Gemeinschaft Sankt Martin eintreten sollte», sagt Dumont.
Die Sankt-Martin-Gemeinschaft stellt ihre Mitglieder den Bischöfen der Weltkirche und dem Heiligen Stuhl zur Verfügung. Die Priester werden mindestens zu dritt ausgesandt. Sie leben, beten und arbeiten gemeinsam. Die Gemeinschaft ist in Frankreich, Italien und in Kuba vertreten. 1997 wurde Pascal-André Dumont nach seinem Philosophie- und Theologiestudium zum Priester geweiht.
Grösste Ausbildungsstätte für Priester in Frankreich
Seither kümmert sich der Schweizer um die Ausbildung in der Gemeinschaft mit den über 100 Seminaristen. Mit dieser Zahl ist Sankt Martin in Evron, rund drei Autostunden westlich von Paris, die grösste Ausbildungsstätte für Priester in Frankreich. Die Kosten für jeden angehenden Priester belaufen sich auf 16'000 Euro jährlich, inklusive Verpflegung und Unterkunft. Weil Kirche und Staat in Frankreich getrennt sind, müssen die Studiengelder privat finanziert werden.
Abbé Dumont arbeitet als Lehrer, ist aber auch für die Finanzen verantwortlich. «Vielleicht, weil ich Schweizer und sehr organisiert bin, vielleicht, weil ich mich im Kirchenrecht weitergebildet habe.»
Das Vertrauen in ihn hat sich für die religiöse Gemeinschaft schon mehrfach ausbezahlt. Im Sommer 2012 entschied er sich zu einem aussergewöhnlichen Schritt: Er lancierte mit einer Fondsverwaltungsfirma den Anlagefonds Proclero. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und steht «für den Klerus».
Das Anlagevehikel aus 20 Prozent Aktien und 80 Prozent Obligationen steht für private Investoren und Unternehmen offen, denen ethisch saubere Firmen wichtig sind. Mit Titeln wie Pneuhersteller Michelin, SEB/Rowenta oder Geberit erreichte Proclero in den ersten drei Jahren eine Performance von knapp 14 Prozent oder eine jährliche Wertzunahme von gegen 5 Prozent. Diese Zahlen liest der Kirchenmann von seinem Laptop ab.
«Weil sich viele Eltern der Seminaristen die Ausbildung ihrer Söhne nicht leisten können oder wollen, muss ich mit dem Fonds jährlich gut 1,2 Millionen Euro erwirtschaften, um den Hauptteil unserer Priesterausbildung zu finanzieren», erklärt der kirchliche Finanzverwalter.
Aus christlicher Sicht sei seine Initiative, die im Vatikan bei Papst Franziskus bestens bekannt sei, nicht verwerflich. «Wir stellen den Menschen ins Zentrum unserer Anlagekriterien, indem wir uns auf sozialethische und umweltbezogene Aspekte stützen.»
Die Wirtschaft soll den Menschen dienen, damit diese ihre Existenz sichern können
Auch Wachstum sei nicht a priori falsch, sagt Dumont, «solange man den goldenen Mittelweg findet und den Pfad der Menschlichkeit nicht verlässt.»
Heute trägt der Ethikfonds wesentlich zur finanziellen Gesundheit der Gemeinschaft bei. Die Wirtschaft sei dazu da, den Menschen zu dienen, damit sie ihre Existenz sichern können. «Selbstverständlich haben aber gewisse Managerlöhne heute skandalöse Ausmasse angenommen.»
Rund zwei Tage pro Woche wendet Don Pascal-André Dumont für Proclero auf, reist zu potenziellen Anlegern in Frankreich, Belgien, Luxemburg oder in die Schweiz und tritt an Konferenzen auf. Selbst von Banken wird er seit der Finanzkrise 2008 mehr und mehr als Redner eingeladen, muss aber gleichzeitig damit leben, dass viele Geldinstitute Proclero nicht erwähnen, weil sie lieber eigene Fonds verkaufen.
Von seiner Wohnung hinter den Mauern einer einstigen Benediktinerabtei zu seinem Büro sind es nur ein paar Schritte. Trotzdem bleibt dem Freiburger kaum Zeit zum Lesen. Wenn er mal einen freien Moment hat, vertieft er sich gern in Themen aus der Wirtschaft und der Finanzwelt – und er liest alles, was der Papst publiziert.
Der Heimwehfreiburger, der seine Sommerferien gerne in seinem Kanton verbringt, fühlt sich in Frankreich zu Hause. «Ausbildner und Seminaristen leben unter einem Dach – wie eine grosse Familie.»
Autor: Reto E. Wild
Fotograf: Julien Benhamou