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Ursachen für die Anlage eines Stomas
In der Schweiz werden jedes Jahr rund 3'500 neue Stomata angelegt. Aktuell gibt es ca. 7'500 Menschen in der Schweiz, die ein dauerhaftes (definitives) Stoma tragen.
Prinzipiell wird unterschieden zwischen einem definitiven (dauerhaften) Stoma und einem vorübergehend angelegten (temporären) Stoma. Eine dritte Kategorie sind die sogenannten Schutzstomata, das heisst, die geplante Anlage eines meist doppelläufigen Stomas zur vorübergehenden Entlastung einer heiklen Darmnaht (Anastomose).
Ursachen für Stomatas:
- Darmverschluss
- Bösartige Tumore (Krebs des Dick- und Mastdarmes)
- Entzündliche Darmerkrankungen: a) Divertikulitis, b) Colitis ulcerosa, c) Morbus Crohn
- Fistel am Enddarm
- Inkontinenz
- Verletzungen
- Strahlenschäden
- Heikle Darmnähte
- Schlechter Allgemeinzustand der Patienten (Alter, Medikamente, Ernährungszustand, Raucher)
Darmverschluss
Beim Darmverschluss handelt es sich um eine Notfallsituation, bei der der Dick- oder Mastdarm aus verschiedenen Gründen (Tumore, schwere Entzündungen) verschlossen sein kann. Die Patienten leiden an fehlendem Stuhlgang, Völlegefühl und Bauchschmerzen und beim fortgeschrittenen Darmverschluss an Erbrechen. In der Regel muss notfallmässig operiert werden, um das Hindernis zu entfernen. In der Notfallsituation kann die vorübergehende Anlage eines Stomas notwendig werden, wenn der vorgeschaltete (vor dem Hindernis) Dickdarmanteil zu überbläht ist, um mit dem übrigen Darm wieder vernäht werden zu können. Wenn der Darmverschluss beispielsweise bedingt ist durch einen bösartigen Tumor, welcher sich operativ nicht entfernen lässt, kann auch ein definitives Stoma notwendig werden.
Bösartige Dick- und Mastdarmtumore
Der Dickdarmkrebs ist in der Schweiz sehr verbreitet und ist bei Männern die dritt- und Frauen die zweithäufigste Krebsart. Wegen der Häufigkeit wird bei allen über 50-jährigen Menschen heute eine sogenannte Vorsorgedickdarmspiegelung empfohlen. Man weiss, dass der Dickdarmkrebs in der Regel aus einem gutartigen Polypen entsteht. Wird der Polyp frühzeitig entdeckt, bevor er entartet, kann er meistens problemlos ohne eine Operation mittels Dickdarmspiegelung entfernt werden. Wenn ein Dickdarmkrebs nachgewiesen ist, wird meist eine Operation notwendig. Ist der Krebs im Dickdarm (bestehend aus Colon ascendens, Colon transversum, Colon descendens und Sigma) lokalisiert, kann er meistens problemlos ohne die Anlage eines Stomas entfernt werden. Anders sieht es beim Mastdarmkrebs aus. Hier spielt es eine Rolle, wie weit entfernt vom Schliessmuskelapparat (After) sich der Krebs gebildet hat. Je näher der Krebs an den Schliessmuskelapparat herangewachsen ist, desto grösser wird das Risiko, dass auch der gesamte Schliessmuskelapparat bei der Operation mitentfernt werden muss (Amputation des Mastdarmes) und dann wird ein definitives endständiges Dickdarmstoma notwendig. Kann hingegen der Rest des Mastdarmes operativ mit dem Dickdarm wieder vernäht werden (Anastomose), wird zum Schutz dieser heiklen Nähte vorübergehend eine sogenannte Schutzileostomie angelegt. Dadurch wird das Risiko, dass es zu einem Nahtbruch (Leck) kommt, deutlich verringert.
Dickdarmkrebs
Die Krebsliga Schweiz stellt einfach verständliche und übersichtliche Informationen zur Verfügung:
Darmkrebs-Screening-Programm
https://www.krebsliga.ch/krebs-vorbeugen/krebs-frueh-erkennen-und-vorbeugen/darmkrebs/darmkrebs-screening-programm/
Behandlungspyramide bei neurologischen Darmerkrankungen
Zur Beratung von Betroffenen mit Querschnittlähmung, Spina Bifida, MS, Parkinson, Tumoren
Warum ist ein gutes Darmmanagement so wichtig?
Ein gutes Darmmanagement sorgt für eine Verbesserung Ihres körperlichen und emotionalen Wohlbefindens und hilft Ihnen dabei, regelmässige und schmerzfreie Darmentleerungen zu haben, Verstopfung (Obstipation) und unfreiwilliger Stuhlverlust (Inkontinenz) vorzubeugen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.
Behandlungsmöglichkeiten bei neurogenen Darmfunktionsstörungen
Für ein optimales Darmmanagement zur Vermeidung von Komplikationen im Rahmen der neurogenen Darmfunktionsstörungen stehen eine ganze Reihe von Behandlungsmethoden von den konservativen bis hin zu den operativen Maßnahmen zur Verfügung.
Diese Pyramide zeigt Behandlungsmethoden in aufsteigender Reihenfolge (4)
Quellen:
1 Patientenedukationsordner «Leben mit einer Querschnittlähmung», SPZ Nottwil, 1. Auflage 2017
2 «Neurogene Darmfunktionsstörung bei Querschnittlähmung», Arbeitskreis Darmmanagement Querschnittgelähmter, 2011
3 «Ernährung und Verdauung Querschnittgelähmter, Manfred-Sauer-Stiftung, 2015
4 Emmanuel, A V., Krogh, K., Bazzocchi G et al.Consensus review of best practice of transanal irrigation in adults Spinal Cord (2013) 51, 732–738;
Entzündliche Darmerkrankungen
Die häufigste entzündliche Darmerkrankung ist die sogenannte Sigmadivertikulitis. Dabei handelt es sich um eine gutartige Erkrankung meist im linksseitigen Anteil des Dickdarmrahmens (Sigma) mit Ausbildung von Wandausstülpung (Divertikeln). Diese Divertikel (sackförmige Ausstülpung der Wand eines Hohlorgans, z.B. des Dickdarms) können sich entzünden, und wenn es dabei zu einem Durchbruch in die Bauchhöhle kommt, wird gelegentlich eine Notfalloperation notwendig. Wenn die Verschmutzung (Stuhl im Bauch) zu einer Bauchfellentzündung führt oder der Allgemeinzustand des Patienten wegen der Bauchfellentzündung zu schlecht ist oder Risikofaktoren bestehen, wie schlechter Ernährungszustand, schwerer Raucher oder andere Erkrankungen, wäre es zu gefährlich, den Darm direkt wieder zu vernähen. In diesen Situationen wird vorübergehend für einige Wochen ein Stoma angelegt.
Nebst der Divertikulitis gibt es noch den Formenkreis der entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa). Beim Morbus Crohn muss gelegentlich bei Notfallsituationen (Darmdurchbruch) oder zur Behandlung von ausgedehnten Fistelsystemen am Mastdarm ein Stoma angelegt werden. Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine entzündliche Darmerkrankung, die chirurgisch geheilt werden kann, indem der gesamte Dick- und Mastdarm operativ entfernt wird. Danach kann der fehlende Mastdarm mit einer sogenannten Dünndarmtasche (J-Pouch) ersetzt werden. Dabei wird diese Dünndarmtasche von innen an den Schliessmuskelapparat genäht. Da diese Naht sehr heikel ist, wird eine Schutzileostomie angelegt, welche ca. sechs bis acht Wochen nach Heilung der Naht wieder zurückverlagert werden kann. Patienten, die in dieser Situation keine Wiederherstellung der Darmpassage mit einer Dünndarmtasche möchten (funktionelle Resultate sind nicht immer befriedigend, das heisst, die Patienten leiden häufig an hohen Frequenzen von Durchfall), bei denen kann man auch ein definitives Dünndarmstoma anlegen.
Unter dem Sammelbegriff chronisch entzündliche Darmerkrankung werden Krankheitsbilder zusammengefasst, die sich durch schubweise wiederkehrende oder kontinuierlich auftretende, entzündliche Veränderungen des Darms auszeichnen. Diese Erkrankungen führen zu Beschwerden wie Durchfall mit Blut oder Schleim im Stuhl, heftige Bauchschmerzen sowie Symptome von anderen Organsystemen. Grund dieser Entzündung ist eine übermässige Reaktion des Immunsystems auf körpereigene Keime oder Zellen, die sich normalerweise im Darm befinden. Der Auslöser dieser Reaktion bleibt bislang trotz intensiver Forschung unklar. Es gibt immer wirksamere Therapien, doch bis heute keine Heilung. Eine Reihe von Medikamenten und Unterstützung aus der Komplementärmedizin stehen zur Verfügung, die vor allem die Entzündung unterdrücken und die Entwicklung von Komplikationen verhindern sollen. In schweren Fällen kommen auch chirurgische Eingriffe in Frage. Die häufigsten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Weitere Informationen unter www.smccv.ch
Fisteln oder Abszesse am Enddarm
Fisteln oder Abszesse am Enddarm sind ein relativ häufiges Problem. Die Ursache dafür ist meistens eine lokale Entzündung von Drüsen im Bereich des Enddarmes. Dabei kann sich ein Abszess (Eiteransammlung bilden) und im ungünstigsten Fall kann der Abszess vom Enddarm her in die Haut um den After herum durchbrechen und es entsteht eine sogenannte Fistel (Verbindung zwischen Enddarm und Haut). Kommt es zu sehr ausgedehnten Fistel-Systemen (typischerweise bei einem Morbus Crohn), kann sich die Situation ergeben, dass sich diese Fistel-Systeme durch den dauernden Stuhlfluss nicht rückbilden können. In einer solchen Situation kann in seltenen Fällen ebenfalls die Anlage eines vorübergehenden Stomas notwendig werden.
Inkontinenz
Vor allem ältere Menschen und hier speziell die Frauen (Beckenbodenschwäche nach Geburten, Alter usw.) leiden häufig an einer Stuhlinkontinenz (Unfähigkeit, den Stuhl zurückhalten zu können). Falls konservative Massnahmen wie Stuhleindickungen oder Beckenbodentraining die Symptome dieser Menschen nicht lindern und der Leidensdruck zu gross wird, ist manchmal ein definitives Stoma eine gute Lösung.
Verletzungen
Verletzungen im Enddarmbereich können vor allem durch sogenannte Pfählungsverletzungen oder Einbringen von Fremdkörpern in den Enddarm entstehen. Muss ein Riss am Enddarm wegen einer Verletzung genäht werden oder sogar ein Stück Enddarm entfernt werden, kann ebenfalls vorübergehend ein Schutzstoma notwendig werden.
Strahlenschäden
Patienten, die sich wegen einer Krebserkrankung im kleinen Becken oder im Bauch einer Bestrahlung unterziehen mussten, können in der Folge ebenfalls an Problemen mit der Darmperistaltik (Beweglichkeit) oder der Stuhlkontinenz leiden. Heutzutage sind aber die Strahlenbelastungen für die Patienten vor allem durch gezielte Anwendung viel geringer geworden und werden deutlich seltener beobachtet.
Heikle Darmnähte
Je näher zum Schliessmuskel hin eine Darmnaht (Anastomose) angelegt werden muss, desto grösser ist das Risiko, dass sie nicht auf Anhieb teilt (Durchblutung). In diesen Fällen wird häufig ein Dünndarmschutzstoma angelegt. Der Sinn ist es, die heikle Naht während einigen Wochen nicht dem Stuhlfluss auszusetzen, damit sie besser abheilen kann. Ein schlechter Allgemeinzustand der Patienten oder notwendige Einnahme von heiklen Medikamenten (Cortison, Chemotherapeutika), ein schlechter Ernährungszustand oder Nikotin tragen generell dazu bei, dass Darmnähte schlechter heilen und sind deshalb häufig auch ein Grund, dass in diesen Situation vorübergehend ein Stoma angelegt wird.
Fachbeitrag von:
Prof. Dr. med. Jürg Metzger
FRCS, Schwerpunkt Viszeralchirurgie
Departementsleiter Chirurgie
Klinikleiter Allg.- und Viszeralchirurgie
Chefarzt Viszeralchirurgie
Luzerner Kantonsspital | Tumorzentrum
Spitalstrasse | 6000 Luzern 16