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Fotografie als Kunstform hat ohne Zweifel nicht die Jahrhunderte alte Tradition wie Malerei, Bildhauerei oder Theater. Aber seit der französische Erfinder Joseph Nicéphore Niépce in Chalon-sur-Sâone 1826 mit dem Bild “Blick aus dem Arbeitszimmer” sein vermutlich weltweit erstes dauerhaftes Foto der Welt belichtet hatte, dauerte es nur wenige Jahrzehnte, bis Fotografen auch auf die Strasse gingen und Alltagsszenen einfingen.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Aufnahmen von Paris und seinen Vororten, die der Street Photography zugerechnet werden können. Die Blütezeit dieser Kunstrichtung begann aber in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von Kleinbildkamera und illustrierten Zeitschriften. Zu den heute in Auktionen zu Spitzenpreisen gehandelten Koryphäen dieser Gattung zählen Künstler wie der Franzose Henri Cartier-Bresson, der Schweizer Robert Frank, die Deutsche Hildegard Ochses oder in neuerer Zeit die Amerikaner Bruce Davidsons, Bruce Gilden, Vivian Maier, Alex Webb, Saul Leiter, der Engländer Martin Parr oder der Japaner Daidō Moriyama. Vor allem für die Entwicklung der künstlerischen Fotografie in Amerika spielte die Street Photography eine wichtige Rolle.
Street Photography werde oft mit dokumentarischer Fotografie gleichgesetzt, heisst es im lesenswerten Beitrag “The Art of Street Photography” in Christie’s Online-Magazin luxurydefind.com. Die beiden Genres seien aber sehr verschieden. Dazu der New-Yorker Fotograf Matthew Pillsbury: “Mit der Strassenfotografie erzählen Sie eine Geschichte…. machen eine Fiktion aus Elementen, die in der realen Welt zu finden sind. Die dokumentarische Fotografie ist zu mehr Akkuratesse verpflichtet. Sie soll eine Berichterstattung über das Reale sein.” Das Festhalten des Lebens auf der Strasse ist für viele Fotografen ein sehr subjektiver Prozess; sie stellt die Dinge nicht so dar, wie sie sind, sondern wie sie der Fotografierende sieht.