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Mitte November 2020 wurden in allen Gemeinden Brasiliens die Bürgermeister*innen und Gemeindeparlamentarier*innen gewählt.
Die Wahlen endeten für den aktuellen Präsidenten Bolsonaro und für die Partei des ehemaligen Präsidenten Lula in einem Fiasko.
Gewählt wurden hauptsächlich Frauen und Männer, welche dem konservativen Lager zugerechnet werden.
Dem Gast aus dem betulichen und zurückhaltenden Alpenstaat fielen ab Ende Oktober die Fahnen schwingenden Personen im Zentrum der Kleinstadt Joaçaba auf, welche lautstark Wahlkampf machten.
Der Eidgenosse verstand die Lebhaftigkeit des Wahlkampfs sehr lange nicht. Er wusste eben nicht, wie viel Geld ein politisches Amt einbringt.
So verdient der wieder gewählte Bürgermeister von Joaçaba monatlich ca. 19’710 Reais, was ca. 3’390 Franken entspricht.
Jedes Mitglied des Gemeindeparlaments, welches dieses Amt neben dem ordentlichen Beruf ausübt, verdient monatlich ca. 6000 Reais, dies sind knapp 1’034 Franken, ein stolzer Betrag für eine bis zwei wöchentliche Sitzungen.
Diese Löhne kontrastieren sehr stark zum Einkommen vieler Frauen und Männer, welche wöchentlich 40 Stunden arbeiten und am Monatsende ca. 1500 Reais erhalten, was etwa 258 Franken entspricht.
Die tiefen Löhne erklären teilweise auch, wieso es in etlichen Supermärkten und Einkaufsläden mehr Personal als Kund*innen gibt.
So wartet beispielsweise bei jeder Kasse in einem Supermarkt mindestens eine Person darauf, die gekaufte Ware in Plastiksäcke zu verpacken und, wenn gewünscht, diese zum Auto der Kundschaft zu transportieren.
Dem Ehepaar aus dem europäischen Zwergstaat fiel die Verdrossenheit und die Frustration vieler Brasilianer*innen gegenüber der politischen Elite auf, welcher Korruption und Vetternwirtschaft nachgesagt wird.
Das fehlende Vertrauen und eventuell auch der Respekt betreffend die aktuelle COVID-Situation führten zu einer tiefen Wahlbeteiligung, obwohl es bei Strafe untersagt ist nicht zu wählen.
Scheinbar schreckte aber die angedrohte Busse von 3,51 Reais viele Leute nicht davon ab, das Wahllokal nicht aufzusuchen.
28. Dezember 2020