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Volkschor und volkstümliches Theater am Théâtre du Jorat
1908 wird in Mézières das Théâtre du Jorat eingeweiht. Bis 1947 werden dort ausschliesslich Theaterstücke von seinem Gründer, dem Schriftsteller René Morax, gegeben, der anstrebt eine volkstümliche welsche Schauspielkunst zu schaffen. In seinen Stücken spielt die Musik eine wichtige Rolle. Sowohl aus ästhetischen als auch aus finanziellen Gründen werden für diese Bühnenmusik Amateurchöre bevorzugt.
Zwischen 1908 und 1947 werden dreizehn Theaterstücke von Morax aufgeführt. Ihre Musik schreiben vier Komponisten: Gustave Doret (Henriette,Aliénor, La Nuit des Quatre-Temps, Tell, Davel, La Terre et l’Eau, La Servante d’Evolène), Arthur Honegger (Le Roi David,Judith, La Belle de Moudon, Charles le Téméraire), Frank Martin (Roméo et Juliette) und André-François Marescotti (La Lampe d’argile).
Mit Ausnahme der Oratorien von Honegger und einiger Chöre von Doret sind diese Musikstücke heute wenig bekannt. Bestenfalls hat man die Meinungsverschiedenheiten zwischen Doret und Honegger bemerkt und die Gruppierungen, die sich in ihrer Folge entwickelten. Allerdings bringen die ihnen durch das Komponieren für Amateure und das Genre der Bühnenmusik auferlegten Zwänge mehr stilistische Gemeinsamkeiten mit sich, als man anhand der Kontroversen zwischen Doret und Honegger glauben möchte. Beide setzten sich übrigens für eine Kunst ein, die sich direkt an jedermann wendet.
Wir möchten die dauerhaften Elemente der für das Théâtre du Jorat geschriebenen Chöre herausstellen, sowohl auf Ebene der Arten von Themen (regional, religiös, geschichtlich, alltäglich), der Funktion der Chöre (als Bestandteil der Handlung oder als Kommentar an das Publikum) als auch der Kompositionsstrategien. In Abwägung mit den Unterschieden sind wir so in der Lage, aufzuzeigen, auf welche Art und Weise die am Théâtre du Jorat gesungenen Chöre zur Verbreitung eines bestimmten Bildes der Westschweiz beitrugen und den Begriff der volkstümlichen Musik in der Romandie prägten.