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Am 11. April schockte IP seine Leserinnen und Leser mit dem knalligen Titel „CS – House of Cards“ und warf der Bank vor, für 2022 „nur“ einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken anzugeben, statt 24 Milliarden gemäss der Einladung zur Aktionärsversammlung.
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Im Verlauf des Tages klärte sich die Situation, und das Thema wurde ad acta gelegt: Der Verlust von 7,3 Milliarden ist das Resultat der Konzernrechnung der Credit Suisse Group, die 24 Milliarden das Ergebnis der Stammhausrechnung.
So weit, so gut. Oder doch eher nicht? Was bedeutet der Unterschied zwischen den beiden Resultaten? Dieser Frage gehe ich im Folgenden etwas nach.
Zum Unterschied zwischen den beiden Rechnungen:
In der Konzernrechnung werden die einzelnen Posten der Erfolgsrechnungen und der Bilanzen der über 70 Konzerngesellschaften zusammengezählt und die gegenseitigen Beziehungen zwischen diesen Gesellschaften miteinander verrechnet.
Die Stammhausrechnung zeigt die Konten der Credit Suisse Group AG, einer in Zürich domizilierten Holding-Gesellschaft.
Sie legt Rechenschaft ab nach den Rechnungslegungsvorschriften des schweizerischen Obligationenrechts: Auf der Aktivseite der Bilanz steht vor allem der Buchwert der über 70 Konzerngesellschaften (CHF 86,4 Mrd.).
Der Ertrag in der Erfolgsrechnung besteht im Wesentlichen aus den Zins- und Dividendenerträgen der 70 Gesellschaften (CHF 3,4 Mrd.). Diese Erträge reichen zur Deckung der gut 3 Milliarden Aufwendungen (vor allem Finanzierungskosten).
Die Credit Suisse Group AG musste aber den Wert ihrer Konzerngesellschaften um 24,4 Mrd. abschreiben, was zum ausgewiesenen Verlust von 24 Mrd. führt.
Die Abschreibungen von 24,4 Mrd. Franken erfolgten nicht etwas freiwillig oder aus besonderer Vorsicht, sondern waren für den Verwaltungsrat zwingend.
Im Geschäftsbericht erwähnt er einerseits die Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds (steigende Zinsen), andererseits die strategische Überprüfung vom 27. Oktober 2022, die Abflüsse von Kundengeldern im vierten Quartal sowie die damit verbundenen Liquiditätsprobleme.
Die verheerenden Folgen zeigen sich in der Stammhausbilanz der Credit Suisse Group AG.
Der Wert des Eigenkapitals reduzierte sich von 2021 auf 2022 von 42,7 Mrd. Franken auf 22,7 Mrd., und dies trotz der Kapitalerhöhung um 3,9 Mrd. Franken.
Ohne Kapitalerhöhung hätte die Credit Suisse Group AG innerhalb eines einzigen Jahres 56 Prozent des Eigenkapitals verloren, 24 Milliarden in einem Jahr.
Die Konzernbilanz dagegen weist Ende 2022 ein Eigenkapital von 45,3 Mrd. Franken aus, 2 Prozent mehr 2021 (43,9 Mrd.). Dies dank der Kapitalerhöhung und einer Freigabe von Rückstellungen.
Der Vergleich von Stammhaus- und Konzernrechnung zeigt ein brutales Bild für das Jahr 2022:
Ende 2020 lag das Eigenkapital des Stammhauses noch 4 Prozent über dem konsolidierten Wert, 2021 3 Prozent darunter. Und Ende 2022 betrug es gerade noch 50 Prozent.
Man kann den Wert des Eigenkapitals auch an der Marktkapitalisierung an der Börse messen: Diese ging von Ende 2021 auf 2022 von CHF 23,3 Mrd. um 53 Prozent auf CHF 11,1 Mrd. zurück.
Der prozentuale Rückgang ist praktisch gleich wie in der Stammhausbilanz.
Damit bewertete der Markt die Credit Suisse Group Ende 2022 nur noch halb so hoch wie die Stammhausbilanz und viermal tiefer als die Konzernbilanz.
Man kann es drehen, wie man will, die Zahlen zeigen, dass der Titel des IP-Artikels richtig war: „Kartenhaus“.
Aber stimmen die im Geschäftsbericht ausgewiesenen CS-Zahlen auch wirklich? Das ist nicht so sicher.
Revisor PwC hat sowohl bei der Konzernrechnung wie beim Stammhausabschluss darauf hingewiesen, dass die Geschäftsleitung über keinen wirksamen Risikobewertungsprozess verfügt, um wesentliche falsche Angaben in den Abschlüssen zu identifizieren und analysieren.
Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Credit Suisse Group AG dürften über diese Vorbehalte von PwC nicht überrascht sein.
Reuters hat kürzlich aufgrund von Veröffentlichungen der amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC berichtet, dass die SEC erstmals im Juli 2022 mit entsprechenden Fragen an die Credit Suisse gelangte.
Am 9. März dieses Jahres verschob die Credit Suisse unerwartet die Publikation des Jahresberichtes. Begründet hat sie dies mit „a late call on the evening of March 8“ der SEC.
Inside Paradeplatz berichtete darüber unter dem Titel „Mayday, mayday: Hat CS ihre Zahlen falsch dargestellt?“
Das sah für mich nach einem Showdown der Amerikaner gegen die Credit Suisse aus, wie ich am Nachmittag des 9. März in einem Video ausführte.
Tatsächlich war es eine Verwedelungsaktion der Bank.