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Lieder für einen «dunklen Gott»: Paula Ludwig (5. Januar 1900 - 27. Januar 1974)
«Du hast ein heiliges Brennen in dir, das längst nichts mehr mit irdischem Holz zu tun hat. Bewahre es ängstlich in deinem Blut - auch vor mir!» Als Ivan Goll am 13. August 1931 Paula Ludwig aus Paris diese vielsagenden Sätze schrieb, gehörte die 31jährige zu den Hoffnungen der jungen Literatur. Zuerst Aktmodell in Breslau und München, hatte die aus dem Vorarlberg gebürtige Mutter eines unehelichen Kindes 1919 mit dem naiv-schwärmerischen Versbuch «Die selige Spur» überrascht und in Schwabing George, Else Lasker-Schüler, Waldemar Bonsels und die Geschwister Mann kennengelernt. In Goll aber begegnete sie der Leidenschaft ihres Lebens, ihrem «dunklen Gott», den sie 1932 im Lyrikband dieses Titels ekstatisch feierte: «Unter seinen Blicken ward ich zur Tänzerin - / Dunkel schlug seine Stimme den Gong meines Herzens. / Unter seinen Händen erblühte / die Iris meines Leibes.»
Goll, der in der bäuerlichen Frau mit dem holzschnitthaften Kopf eine «christliche Lasker» verehrte, antwortete mit «Malaischen Liebesliedern», die - sehr zum Unwillen seiner Partnerin Claire Goll, der er die Geschichte bald schon beichtete - seine eigene, nicht geringere Verliebtheit deklarierten: «Seit du mich kennst / Kenne ich endlich auch mich/ Mein Leib war mir fremder / Als ein ferner Kontinent...» 1938, als Paula Ludwig nach dem «Anschluss» Österreichs nach Paris floh, kam es zu dramatischen Szenen mit Claire Goll, denen erst der Krieg und die Emigration der Golls in die USA ein Ende machten. Paula Ludwig konnte 1940 aus dem Lager Gurs nach Brasilien entkommen, wo sie als Dekorationsmalerin überlebte. 1953 erst kam sie nach Europa zurück und musste erfahren, dass ihr treuloser dunkler Gott bereits zwei Jahre tot war. Sie selbst starb am 27.Januar 1974 mit 74 Jahren in Darmstadt und muss mit ihren intimen, expressionistisch impulsiven Hymnen auf die Liebe, die Sehnsucht und den Tod als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der jüngeren deutschen Literatur angesehen werden.