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Eine wunderbar verständliche Zusammenfassung der klassischen Public-Choice-Argumente. Was fehlt, ist die Weiterentwicklung des "Demokratie-Versagens" durch jüngere Empiriker wie Bryan Caplan ("The Myth of the Rational Voter") und Jason Brennan ("Against Democracy"). Es sind zwei Aspekte, die dabei interessieren:
1. Der Rückgriff auf verlässliche Umfragedaten und deren statistische Auswertung zeigt einen systematischen Bias gegen "Markt" und das Preissystem in der Bevölkerung (Nicht-Ökonomen), was für Caplan und Brennan bedeutet, dass dies eine schlechte Wirtschaftspolitik begünstigt. Dies wiederum heisst, dass der indiviuelle Beitrag schlecht informierter Leute zu einer schlechten Wirtschaftspolitik bei den anderen negative Externalitäten verursacht, dies ganz im Unterschied zu schlechten persönlichen Eintscheidungen in der Marktsphäre.
2. Das Konzept der "rational ignorance" leuchtet zwar theoretisch ein, ist aber falsch, weil es von rationalem Wählerverhalten ausgeht. Wahlen und Abstimmungen vermitteln aber auch emotionalen Gewinn, der in die Kosten-Nutzen-Rechnung betreffend Teilnahme oder Nichtteilnahme an demokratischen Entscheidungen eingeht. Beispiel: Man stimmt auch ohne viel darüber zu wissen für das Energiegesetz, um dazu beizutragen, dass "Blocher das Referendum nicht gewinnt". Nur mit einem solchen Kalkül kann man erklären, warum überhaupt so viele Leute wählen oder stimmen, obwohl ihre Stimme praktisch nicht zählt.
Ich stimme mit Hans' Ergänzungen überein - bis auf die Qualifikation "falsch" in Punkt 2. Es ist ja letztlich eine empirische Frage, ob mit rationaler Ignoranz etwas erklärt werden kann oder nicht. Ich würde sagen, dass mit diesem Konzept ein erheblicher Teil der Abstimm- oder Wahlabstinenz erklärt werden kann. Für diejenigen, die nichtsdestotrotz abstimmen scheinen Hans' Erklärungen besser passend.
Wenn die Erkenntnis darin bestehen soll, dass die Präferenzen der Wählerschaft durch den Repräsentanten, der die Medianposition einnimmt, schlecht abgebildet ist, dann scheint mir der Beweis nicht überzeugend. Bei einer symmetrischen Verteilung mit den meisten Wählern an den Polen, spielt es keine Rolle, wo der Gewählte steht, wenn man die Präferenzenübereinstimmung mit dem Abstand zwischen Wähler und Repräsentant einbezieht und dies für eine Gewichtung des individuellen Wählers benützt. Da die Verteilung als symmetrisch gezeigt wird, vergrössert sich mit einer Verschiebung nach rechts der Abstand vom linken Pol, verkleinert sich aber gleichzeitig in gleichem Mass der Abstand zum rechten Pol, was sich aufhebt. Die Präferenzenübereinstimmung bleibt genau gleich bis in die Mitte zum Medianwähler.