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Die Schweiz hat konzeptionell ein intelligentes und ausgewogenes Vorsorgesystem, das wirtschaftliche, demographische und politische Risiken unterschiedlich auf die drei Säulen der Vorsorge verteilt und diese Risiken im Prinzip differenziert auffangen kann. Im Rahmen des Pensionskassensystems, d.h. der zweiten Säule, findet für jeden Arbeitnehmer ein individueller Kapitalauf- und -abbau statt. Basis der zweiten Säule ist also das Kapitaldeckungsverfahren. Sowohl die Kapitalbildung als auch die Kapitalentnahme sind je in einen Generationenvertrag eingebunden. Die erste ist essentiell für die Funktionsweise der zweiten Säule; die zweite ist essentiell für deren Probleme. Aber der Reihe nach.
Pensionskassen funktionieren nicht nach dem «Eichhörnchen-Prinzip». Sie horten also keine Güter, die in der Zeit der Pensionierung konsumiert werden könnten. Pensionskassen können auch nicht wie Zentralbanken aus sich heraus Geld schaffen, um die Wünsche der Versicherten zu erfüllen. Sie können nur die Ersparnisse ihrer Mitglieder in Form von Bargeld oder in Form von Geldmarktanlagen, Obligationen, Aktien, Immobilien, Commodities etc. halten. Damit unterliegen sie wie alle anderen Anleger den relativen Preisen und Kapitalerträgen, die am Kapitalmarkt realisiert werden. Vereinfacht ausgedrückt, sind diese Kapitalerträge entweder risikolos bzw. risikoarm – und damit relativ tief und im Zeitpunkt der Anlage bekannt – oder risikobehaftet – und damit relativ hoch und bis am Schluss der Anlageperiode unbekannt.
Der Arbeitgeber und die aktiven Versicherten einer Pensionskasse gewähren einander im Rahmen eines Generationenvertrags eine Kapitalgarantie dahingehend, dass die jährliche Gutschrift («Mindestzins») auf den Altersguthaben der Versicherten nicht negativ wird. (Art. 15 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) schliesst zwar einen negativen Mindestzins nicht aus; passiert ist das aber seit Bestehen noch nie.) Ist der Kapitalertrag auf dem tatsächlich vorhandenen Kapital, beispielsweise wegen eines Börsenkrachs, einmal stark negativ, werden in der Folge Sanierungsbeiträge von Arbeitgeber und Arbeitnehmern erhoben, um das Kapital wieder aufzustocken. Auf diese Weise übernehmen in der Tendenz die jüngeren Arbeitnehmer (und der Arbeitgeber) eine Kapitalgarantie zugunsten der älteren Erwerbstätigen. Vorausgesetzt, es existiert eine zweite Säule, so ist es aus ökonomischer Sicht ein effizientes Verfahren, solch langlaufende Garantien, die an den Kapitalmärkten nicht angeboten werden, über die Zeit hinweg zu organisieren. Das ist wohl auch die einzige stichhaltige Begründung für die Kollektivierung der beruflichen Vorsorge. Über die regelmässige Anpassung des Mindestzinses kann sichergestellt werden, dass der Wert der Kapitalgarantie fair entschädigt wird.
Auch zwischen den Erwerbstätigen und dem Arbeitgeber auf der einen und den Rentnern auf der andern Seite existiert ein Generationenvertrag. Über diesen Vertrag wird die Rente auf der Basis von Art. 65d BVG bis zum Lebensende garantiert. Weil die Rentner die Risikogemeinschaft ihrer Pensionskasse über diese Rentengarantie resp. über einen vollständigen oder partiellen Kapitalbezug in allen Fällen verlassen und weil diese Rentengarantie über den Markt kostengünstiger eingekauft werden kann, als wenn die Pensionskassen dazwischengeschaltet werden, ist sie – anders als jene zwischen den Erwerbstätigen – nicht notwendig, im Gegenteil: sie ist überflüssig und zudem schädlich. Es ist nämlich genau diese Rentengarantie, die alle jene Verzerrungen und falschen Anreize mit sich bringt, die heute allgegenwärtig sind und den Kapitalstock der zweiten Säule progressiv aushöhlen und die Erwerbstätigen in grossem Stil enteignen.
Worum geht es bei dieser Rentengarantie? Unterstellen wir für einen Augenblick, die Rentengarantie werde über den Markt organisiert. Unabhängig davon, ob dies über Rentnerkassen, die ihr Kapital fristenkongruent anlegen, über eine Ausfinanzierung der Rentner zu Marktkonditionen oder auf einem anderen Weg organisiert wird – die Eigenschaften einer nachhaltig finanzierbaren Rente sind immer gleich: nachhaltig finanzierbar ist eine sichere Altersrente logischerweise genau dann, wenn das vorhandene Alterskapital samt Kapitalertrag – zusätzlich zu den Ansprüchen Dritter (Witwen, Waisen, Witwer etc.) – bis zum erwarteten Lebensende ausreicht, diese Rente auszurichten. Stehen für einen Versicherten, beispielsweise, 1’000’000 Franken zur Verfügung und…