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Ökobilanz von Schweizer Wein aus ÖLN- und biologischer Produktion
Der Konsum von Alkoholika und anderen Genussmitteln trägt neben tierischen Lebensmitteln massgeblich zur Umweltbelastung der Ernährung bei. Im Jahr 2014 war Wein mit 35 Liter pro Kopf und Jahr nach Bier das meist konsumierte alkoholische Getränk. Die Bewirtschaftung von Rebbergen ist mit einem hohen Ressourcen- und Energieverbrauch verbunden sowie mit produktionsbedingten Emissionen in die Luft, in Böden und in Gewässer. Eine Reduktion der Emissionen erfolgte mit der Einführung der Integrierten Produktion (IP). Einen Schritt weiter geht die biologische Produktion mit dem Verbot von chemisch-synthetischen Pestiziden und dem vermehrten Anbau von pilzwiderstandsfähigen (PIWI‑)Sorten.
Das Ziel der vorliegenden Studie besteht darin, mit einer Ökobilanz die Umweltauswirkungen der Weinproduktion in der Schweiz mit den beiden erwähnten Produktionssystemen und dem Anbau von PIWI-Sorten zu beurteilen und die wichtigsten Einflussfaktoren hervorzuheben. Zudem wurde eine Biodiversitätsbewertung durchgeführt, um die Auswirkungen unterschiedlicher Produktionssysteme auf die Biodiversität aufzuzeigen.
In den drei Weinbauregionen der Schweiz (Genfer-See-Region, Drei-Seen-Region und Deutschschweiz) wurden auf je vier Bio- und ÖLN-Betrieben und insgesamt 24 Parzellen Datenerhebungen von der Trauben- und Weinproduktion durchgeführt. Zu weiteren 28 Betrieben standen in der «Zentralen Auswertung von Agrarumweltindikatoren» der Agroscope detaillierte Erhebungen zur Verfügung. Für die Biodiversitätsbewertung wurde das Artenverlustpotenzial eines Bio-Betriebs mit dem Szenario verglichen, dass derselbe Betrieb nach ÖLN-Richtlinien bewirtschaftet wird.
Das Treibhauspotential der untersuchten Rot- und Weissweine ab Produktionsstätte liegt bei 0.6 kg CO2‑eq und 1.4 kg CO2-eq pro Flasche Wein, wobei die Flaschenherstellung (0.3 – 0.5 kg CO2-eq) und die Traubenproduktion (0.2 – 0.5 kg CO2-eq) die Hauptbeiträge verursachen, gefolgt von der Infrastruktur und dem Energieverbrauch in der Weinproduktion. Falls die Weinflaschen vom Konsumenten selbst abgeholt werden, kann sich das Treibhauspotential jedoch verdoppeln. Der Anteil der Traubenproduktion am Treibhauspotenzial variiert aufgrund unterschiedlicher Ertragsziele für verschiedene Rebsorten deutlich.
Die Gesamtumweltbelastung gemäss der Methode der ökologischen Knappheit 2013 wird durch die Einträge von kupferhaltigen und synthetischen Pflanzenschutzmitteln im Rebberg dominiert. Wein aus PIWI-Sorten hat aufgrund des tieferen Spritzmittelbedarfs 21 % bis 61 % tiefere Umweltauswirkungen als Wein aus Europäersorten. Die biologische Traubenproduktion weist, wenn die dominante Umweltwirkung von den Kupfereinträgen in den Boden des Rebbergs ausgeblendet wird, im Schnitt tendenziell tiefere Umweltauswirkungen auf als die ÖLN-Traubenproduktion. Die Unterschiede sind jedoch sehr variabel und hängen stark vom Wirkungsindikator und davon ab, ob PIWI-Sorten angebaut werden oder nicht.
Die Biodiversitätsbewertung weist unter biologischer Bewirtschaftung, sowohl auf eine Hektare Betriebsfläche als auch auf eine Flasche Wein bezogen, ein deutlich geringeres Artenverlustpotenzial auf als unter der angenommenen ÖLN-Bewirtschaftung. Dies zeigt das Potenzial der biologischen Weinproduktion für die Biodiversität auf.
Schweizer Wein ist dann besonders umweltfreundlich, wenn in der Traubenproduktion hohe Erträge bei gleichzeitig tiefen Pflanzenschutzmitteleinträgen erzielt werden, die Rebflächen ein geringes Artenverlustpotenzial aufweisen, der Wein in leichte Flaschen abgefüllt wird und die Distribution auf Konsumentenseite ohne Transporte mit Privatautos erfolgt.
Unter Download PDF ist die Studie verfügbar.