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Die Landleute zu Appenzell, Hundwil, Urnäsch, Gais und Teufen verbünden sich mit 15 schwäbischen Reichsstädten, darunter St.Gallen
Druck: Chartularium Sangallense IX (1373-1381), bearbeitet von Otto P. Clavadetscher und Stefan Sonderegger, St.Gallen 2003, S. 286, Nr. 5613.
Die Urkunde, mit welcher sich die Landleute zu Appenzell, Hundwil, Urnäsch, Gais und Teufen am 26. September 1377 mit 15 Schwäbischen Reichsstädten verbanden, ist in einer schönen, gleichmässigen Kanzleischrift geschrieben. Damit das Bündnis rechtsgültig wurde, musste das Dokument wie ein Vertrag beglaubigt werden. Dazu dienten im Mittelalter Siegel, die wie heute Unterschriften verwendet wurden. Stellvertretend für die Gesamtheit der Appenzeller Landleute siegelten die Ammänner Ulrich Häch, Heinrich auf der Halten und Konrad Geppensteiner. Ein Landessiegel, welches das ganze Land Appenzell vertrat, fehlte damals noch und wurde erst im Gefolge dieser politischen Entwicklung neu geschaffen.
Hinweise zur Transkription
Transkribieren Sie u/v nach dem Lautwert (also z.B. «und» für «vnd», «uff» für «vff» oder «gevaerde» für «geuaerde»). Beachten Sie, dass Distinktionszeichen über dem u, welche der Unterscheidung vom Buchstaben n dienen, weggelassen werden. Zeichen über dem u, die nach heutigem Lautwert ein ü meinen, werden hingegen als solche ergänzt. Fügen Sie über der Zeile stehende Vokale hinter dem darunter stehenden Vokal ein. Beachten Sie die Grosschreibung bei den Eigennamen.
Wir, dis nachgenemten Uolrich Haech, amman ze Appacelle, Hainrich uff der Haltun, amman ze Huntwille, und Cuonrat
Geppenstainer, amman ze Gaiss, und darnach wir, die lantlüt alle gemainlich ze Appacelle, ze Huntwille, ze Urnaeschen und ze
Gaiss, und alle die, die in du selben aempter gehoerent, und darnach wir, die von Tüffen, rich und arm, künden und veriehen
offenlich mit disem brief, won das ist, das des hailgen richs stett Ulme, Costentz, Rotwile, Wile, Rütlingen, Überlingen, Maem-
mingen, Bibrach, Ravenspurg, Lindowe, sant Gallen, Kouffbürron, Liutkilch, Wangen und Isnin, Got ze lob, dem hailgen
riche ze trost und ze eren in selb und dem land ze frid und ze gemach sich selb verbunden und ainer lieplichen frünt-
schaft überain komen und ze samen verstrikt hant mit aiden, ainander bestendig, beholffen und beraten ze sinde nach
des buntbriefs sag, den ouch si darumb ainander geben und besigelt hant.
Die Bündnispartner werden alle namentlich erwähnt. Es handelt sich um die damals bereits durch frühere Verträge miteinander verbundenen und zum Teil auch einzeln in wirtschaftlichem und politischem Austausch stehenden Reichsstädte Ulm, Konstanz, Rottweil, Weil der Stadt, Reutlingen, Überlingen, Memmingen, Biberach, Ravensburg, Lindau, St.Gallen, Kaufbeuren, Leutkirch, Wangen im Allgäu und Isny. Sowohl wirtschaftlich als auch als Sitz des grossen Bistums, dem im Mittelalter auch St.Gallen und Appenzell angehörten, war Konstanz für die Region bis Mitte des 15. Jahrhunderts führend.
Im Vergleich mit den Grössen von anderen Bündnisurkunden fällt auf, dass diese mit 28.5 x 14 cm klein ist. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass dieses Bündnis der Appenzeller Ländlein explizit Bezug nimmt auf ein bereits existierendes Bündnis, das die Städte untereinander geschlossen hatten. Die dort in allen «Punkten, Meinungen und Artikeln» ausgeführten Einzelbestimmungen wurden hier also nicht wiederholt. Welche Verpflichtungen und Rechte das Bündnis für die Appenzeller mit sich brachte, wurde ebenfalls in einer späteren, umfangreicheren Vereinbarung vom 22. Mai 1378 festgehalten.
Erklärungen
amman: Ammann, Gemeinde- oder Gerichtsvorsteher
nachgenemten: die nachfolgend genannten
lantlüt: Landleute, Bewohner des Landes Appenzell, Einwohner, Einheimische
aempter: Landesteile, Verwaltungseinteilung
veriehen: verkünden
offenlich: öffentlich
mit disem brief: mit dieser Urkunde
gemach: Friede, Ruhe, Annehmlichkeit
verstrikt: verbunden
Doch dem hailgen rich sinu recht ze haltenn
und ze tuende an alle gevaerde mit namen usgesetzt, das wir uns alle ainberlich darumb ietzo mit guoten fuersaetzen
und mit wolberatem sinne und muot nach unsers gnaedigen herren abt Georyen des gotzhus ze sant Gallen guotem
willen und gunst unbetzwungenlich mit aiden, die wir liplich zuo Got und ze den hailgen ietzo darumb gesworn
haben, mit disem brief zuo den vorgenemten stetten ouch verstriket und verbunden haben, den selben bund mit in
ze haltenn, ze laistenn und ze vollfuerenn ungevarlichen nach allen puncten, mainungen und artikeln, als ouch si sich darumb
ze samen verschriben und verbunden hant und als ouch der selb buntbrief von wort ze wort begriffen und verschriben
stat, ane alle gevaerde.
Das Bündnis der Appenzeller mit den schwäbischen Reichsstädten diente ihrer politischen Stärkung. Aus der Urkunde geht aber deutlich hervor, dass die legitime Herrschaft des Königs trotz der Tendenz zur Emanzipation der Städte von diesen nicht grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Die Rechte des Reichs und somit des Reichsoberhauptes sollten nämlich eingehalten werden. Andernfalls hätte der Abt von St.Gallen als lokaler Herrschaftsträger kaum seine Einwilligung zum Bündnis erteilt.
Diese erste Städtebundsurkunde, in der die Appenzeller vertreten sind, lässt erkennen, dass für jene Zeit noch nicht von einem Land Appenzell als politischem Territorium gesprochen werden kann. Die politischen und rechtlichen Organe wie beispielsweise ein Landrat fehlten noch.
Erklärungen
ze tuende: zu tun
an alle gevaerde: ohne jegliche Gefahr
ainberlich: einmütig, einhellig, einheitlich
vorgenemten: die oben genannten