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Unbekanntes Deutschland – unterwegs im Pfälzerwald
Es gibt auch im dicht besiedelten Westen Deutschlands noch Gebiete, die ursprüngliche Natur aufweisen und wo die schnelllebige Industriegesellschaft fernab scheint. Eine solche Region ist der Pfälzerwald.
Das romantisch anmutende Waldgebirge liegt im Bundesland Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Frankreich und findet seine Fortsetzung in den Wäldern der nördlichen Vogesen.
Grösstes Waldgebiet in Deutschland
Der Pfälzerwald bildet das grösste zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Fast 1600 Quadratkilometer macht seine Fläche aus. Während das Mittelgebirge selbst nur dünn besiedelt ist, finden sich an seinen Rändern einige bedeutende urbane Zentren. Kaiserslautern, Ludwigshafen, Mannheim und Speyer sind bekannte Namen. Zum Ostrand hin fällt das Bergland in die Rheinebene ab.
Die grossen Siedlungsströme zogen im Lauf der Geschichte meist am Pfälzerwald vorbei. Bis ins frühe Mittelalter war das Gebiet praktisch menschenleerer Urwald. Erst danach setzte eine systematische Kolonisation und Besiedlung ein. Ihren Höhepunkt fand sie im Zeitalter der Salier- und Staufer-Kaiser im 10. bis 13. Jahrhundert. Damals bildete das Gebiet ein Machtzentrum im Heiligen Römischen Reich. Danach bewirkten Kriege und später die Industrialisierung wieder eine Entvölkerung. Die wenigen Bewohner hatten nur ein kärgliches Auskommen. Dieser Tatsache verdankt der Pfälzerwald heute seine geschlossene Erscheinung.
Eine ursprüngliche Waldlandschaft
Es handelt sich um eine typische Mittelgebirgsregion. Der höchste Berg ist der Kalmit mit einem Gipfel von rund 673 Metern. Der Pfälzerwald wird durch den Buntsandstein geprägt, an vielen Stellen haben Verwitterung und Erosion zu bizarren Felsformationen geführt. So gibt es viele frei stehende Felstürme, Felswände und -klötze. Die Bergformen des Pfälzerwaldes sind ausgesprochen vielgestaltig und von zahlreichen Tälern durchzogen.
Sie geben der Region zusammen mit dem Wald, der sich weitflächig ausbreitet, ihr charakteristisches Bild. Kiefern und Buchen sind die dominierenden Baumarten, daneben kommen auch häufiger Fichten und Eichen vor. Der Pfälzerwald ist eine wasserreiche Region. Etliche Quellen entspringen in dem Gebiet und versorgen eine Vielzahl von Bächen mit Wasser. Es gibt auch einige Moore und Moorseen. Der Eiswoog im nördlichen Pfälzerwald ist ein künstlicher Stausee. Da das Gebiet kaum berührt ist, bietet es Platz für eine reichhaltige Fauna. Typische mitteleuropäische Waldbewohner sind hier zu finden, darunter auch bedrohte und seltene Arten wie Wildkatzen und Luchse.
Burgen und Schlösser mit grosser Vergangenheit
Der Pfälzerwald ist ein Land der Burgen und Schlösser. Die Gebirgslage bot in früheren Zeiten strategisch günstige Plätze für solche Bauten. Historisch herausragend sind vor allem zwei Bauwerke. Die Reichsburg Trifels im südöstlichen Teil der Region erhebt sich eindrucksvoll auf einem dreifach (daher Trifels) gespaltenen Felsen. In ihr wurden im Mittelalter die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches aufbewahrt. Bekannt ist das Baudenkmal auch als zeitweiliges Gefängnis für Richard Löwenherz.
Ebenfalls bedeutend ist das Hambacher Schloss. Es liegt am Ostrand des Pfälzerwalds oberhalb der Rheinebene. Das hier veranstaltete Hambacher Fest war 1832 eine der ersten Initiativen für Demokratie in Deutschland. Das Hambacher Schloss ist daher heute Ziel vieler Staatsgäste. Neben diesen beiden Highlights bietet der Pfälzerwald aber noch eine Vielzahl schöner Burgen oder Burgruinen. Oft sind es wunderbare Aussichtsplätze.
Ein Wanderparadies
Das Waldgebirge ist eine typische Region zum Wandern. Es gibt rund 12’000 Kilometer Wanderwege, die ständig gepflegt werden. Das Wegenetz schliesst auch bekannte Fernwanderwege mit ein. So verläuft der Pfälzer Jakobsweg auf einer seiner Routen mitten durch den Pfälzerwald. Daneben gibt es auch Möglichkeiten für Radtouren oder Mountainbiking. Für Wander- und Erholungsferien eignet sich die Region im Umfeld von Rhein und Elsass hervorragend.
Oberstes Bild: Der Slevogthof mit dem Felsen der Burg Neukastel (© Ulli1105, Wikimedia, CC)