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Eine Forschergruppe um die Direktorin des Instituts, Prof. Corinna Schramm, konnte zeigen, dass die grossflächigen Windturbinen-Anlagen das Oberflächenklima «bis zu 40 Kilometer über die Windparks hinaus» verändern. «Zusätzlich erhöhen die Windkraftanlagen die Durchmischung in der vertikalen Säule der Atmosphäre, indem sie feuchte und kalte Luft nach oben transportieren. Dadurch werden die Luftschichten unterhalb des Rotorbereichs wärmer und trockener und die Luftschichten oberhalb des Rotorbereichs kälter und feuchter.» Letztere Veränderungen erhöhen die Bewölkung, was zu einer Zunahme der Niederschläge um etwa fünf Prozent innerhalb der Windparkgebiete führt. Eine Folge davon sind Veränderungen der physikalischen und biogeochemischen Prozesse im Meer. Horizontale und vertikale Strömungen verändern sich.
Dass sich die Strömung und Schichtung des Wassers durch die Wirbelschleppen (Luftverwirbelungen, die durch Windturbinen verursacht sind) verändert, zeigen auch Forschungen eines Wissenschaftler-Teams um Prof. Nils Christiansen. Ein weiteres Team um Dr. Naveed Akhtar dokumentierte, dass das Klima knapp über der Wasseroberfläche verändert wird. In einer aktuellen Studie zeigte Dr. Ute Daewel, dass sich dadurch die Verteilung von pflanzlichen und tierischen Lebewesen verändert. Auch wird die Nahrungsgrundlage von bodenlebenden Organismen beeinträchtigt. Für tiefere Meeresregionen stellten die Forscher fest, dass die Sauerstoffkonzentration «in einem Gebiet sinkt, in dem sie ohnehin sehr niedrig ist».
Auch weit über die Windparkgebiete hinaus verändert sich die Produktion von Phytoplankton um zehn Prozent. Das hat negative Konsequenzen für die Nahrungsgrundlage vieler Fischarten und «nachhaltige Auswirkungen auf das gesamte Nahrungsnetz in der südlichen Nordsee». Insbesondere Jungfische sind oft auf die Verfügbarkeit von Zooplankton «zur richtigen Zeit am richtigen Ort» angewiesen. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass der umfangreiche Ausbau der Offshore Windparks einen erheblichen Einfluss auf die Strukturierung der marinen Küstenökosysteme haben wird», so Dr. Ute Daewel.
1 https://doi.org/10.1038/s41598-022-22868-9 ; https://doi.org/10.1038/s43247-022-00625-0
Meldung aus factum 02/2023