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Der Antarktische Krill ist eine der am häufigsten vorkommenden Arten auf unserem Planeten. Seine Gesamtbiomasse kann von Jahr zu Jahr jedoch stark schwanken, was Auswirkungen auf das Gedeihen seiner Fressfeinde haben kann. Von einem solchen Zusammenhang berichtet jetzt eine neue Studie, die von Forschenden der University of California Santa Cruz geleitet wurde und in der Fachzeitschrift Global Change Biology veröffentlicht wurde. Sie fanden heraus, dass eine gute Krillverfügbarkeit zu mehr schwangeren Buckelwalweibchen führt. Umgekehrt konnten sie in schlechten Krilljahren viel weniger Schwangerschaften unter Buckelwalen beobachten. Die neuen Erkenntnisse könnten Auswirkungen auf die industrielle Krillfischerei in der Antarktis haben.
Buckelwale der südlichen Hemisphäre verbringen den Sommer in der Antarktis, um ihre Fettreserven aufzufüllen. Besonders für die Weibchen ist eine gute Verfügbarkeit von Krill von entscheidender Bedeutung, da sie viel Energie für die bevorstehende Schwangerschaft benötigen.
Das internationale Forschungsteam untersuchte über einen Zeitraum von acht Jahren (2013 – 2020) die Schwangerschaften von Buckelwalen in den Gewässern westlich der Antarktischen Halbinsel — einer Region, in der sich die Krillfischerei konzentriert. Sie fanden heraus, dass im Jahr 2017, in dem Krill im Überfluss vorhanden war, 86 Prozent der untersuchten Buckelwalweibchen schwanger waren. Hingegen waren im Jahr 2020, als es weniger Krill gab, nur 29 Prozent der Buckelwalweibchen schwanger.
Die Studie zeige zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen Populationswachstum und Krillverfügbarkeit bei antarktischen Walen, so Logan Pallin, Postdoktorand im Fachbereich der Ozeanwissenschaften an der UC Santa Cruz und Hauptautor der Studie.
«Dies ist bedeutsam, denn bisher ging man davon aus, dass Krill für die Wale in der Antarktis im Wesentlichen eine unbegrenzte Nahrungsquelle darstellt», sagt Pallin. «Die anhaltende Erwärmung und die verstärkte Fischerei entlang der Westantarktischen Halbinsel, die die Krillbestände weiter reduzieren, werden sich wahrscheinlich auf die Buckelwalpopulation und andere Krillfresser in der Region auswirken.»
«Diese Informationen sind von entscheidender Bedeutung, da wir nun proaktiv steuern können, wie, wann und wie viel Krill von der Antarktischen Halbinsel entnommen wird», fügt er hinzu. «In Jahren mit schlechter Krillrekrutierung sollten wir dies nicht noch verschlimmern, indem wir Krill aus kritischen Futtergebieten für Bartenwale entfernen.»
Ari Friedlaender zufolge, Professor für Ozeanwissenschaften an der UC Santa Cruz und Co-Autor der Studie, ist die jährliche Meereisausdehnung im Durchschnitt 80 Tage kürzer als noch vor 40 Jahren. «Der Krillvorrat hängt von der Meereismenge ab, denn der junge Krill ernährt sich von Algen, die auf dem Meereis wachsen, und ist außerdem auf das Eis als Schutz angewiesen», so Friedlaender. «In Jahren mit weniger Meereis im Winter überleben weniger junge Krill bis zum nächsten Jahr. Die Auswirkungen des Klimawandels und wahrscheinlich auch der Krillfischerei tragen dazu bei, dass die Reproduktionsraten der Buckelwale in Jahren mit weniger Krill für die Wale sinken.»
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass äußerst vorsorgliche Managementmaßnahmen erforderlich sind, um alle Meeresbewohner der Antarktis zu schützen, die für ihre Überleben auf Krill angewiesen sind, darunter Blau-, Finn-, Buckel-, Zwerg- und Südliche Glattwale sowie Robben, Fische, Tintenfische, Pinguine und andere Seevögel, sagt Chris Johnson vom WWF, Co-Autor der Studie.
«Krill ist keine unerschöpfliche Ressource, und es gibt immer mehr Überschneidungen zwischen der industriellen Krillfischerei und der gleichzeitigen Nahrungsaufnahme von Walen», erklärt Johnson. «Buckelwale ernähren sich einige Monate im Jahr in der Antarktis, um ihren jährlichen Energiebedarf für die Tausende von Kilometern lange Wanderung zu decken. Wir müssen vorsichtig vorgehen und diesen einzigartigen Teil der Welt schützen, was den Walen in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet zugute kommen wird.»
Julia Hager, PolarJournal