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Begattig und Trächtigcheit
[Begattung und Trächtigkeit]
Wenn die Brunst am Abflauen ist, soll man das weibliche Tier zum Stier führen ga ferggu. Dem Stier bringt man als Entgelt eine Hand voll Salz a Hampfleta Salz mit. Ein Pfiff des Bauern, etwa begleitet vom Ruf juks ks ks oder niaks ks ks, genügt, daß der Stier aufsitzt springt. Nach dem Sprung läßt man die Kuh etwa 15 Minuten lang stehen. Man muß verhindern, daß sie einen Buckel macht an Puggil macht und den Samen zurückgibt. Zu diesem Zwecke ergreift man ein Stück Haut am vordern Kreuz oder schüttet kaltes Wasser über den Bücken, dann streckt sich die Kuh. Mitunter bekommt sie 'Druck' Druck in. oder 'Brand' Munibrant. Dem wird vorgebeugt, indem man der Kuh 'Schnaps einlöst' Schnaps ileeschtt, Eier eijar, Kartoffeln oder einen Frosch eingibt und Eiszapfen, Iischcherze in die Scheide stößt.
Begattig und Trächtigcheit
Ein weißlicher, oft etwas blutigrot gefärbter Ausfluß drei bis fünf Tage nach dem Sprung wird als gutes Zeichen bewertet, daß die Kuh 'behalten' phaaltu, agnu, üffgnu hat.
Ist die Bespringung erfolglos verlaufen, so erscheint die Brunst wieder, die Kuh ist 'wieder zurückgekommen' wider zruggcho, arwunnu. Um gewiß zu sein, daß die Kuh gefaßt hat, muß man abwarten, bis drei Wochen vorüber sind. Wird sie dann nicht mehr brünstig, so ist sie 'über die Wochen' uber d Wuche.
In der Zeit zwischen Empfängnis und Geburt ist die Kuh tragend trägundi.
Es besteht die Möglichkeit, daß die junge Frucht einige Zeit nach dem Sprenge aus irgend einem Grunde absteht. Dies ist zu befürchten, wenn die Kuh einen schmutzig-eitrigen Saft ausscheidet. schii suwwot oder schwiinot.
Als normale, willkommene Erscheinung hingegen betrachtet man die Tragbänder Trääglächterra, Träägolter einen bräunlich-bändrigen Auswurf, der sich etwa zehn Wochennach dem Geführtsein einstellt und bis zum Kalben stets zunimmt.
Ein anderer Erweis der Trächtigkeit läßt sich am Euter beobachten. Etwa in halber Tragzeit bekommt das Rind ein volleres, größeres Euter, 'es flamet' äss flaamet. Während das weibliche Tier das werdende Geschöpf noch in sich mit seinem eigenen Fleisch und Blut nährt, schwillt es um Euter und Nabel oft bis zur Brust hinauf an. Diese Anschwellung, 'Fluß' Fluss, 'Geschwulst' Gschwulscht, 'Schlier' Schliera, 'Schwune' Schwiina, prägt sich am deutlichsten bei den zum ersten Male trächtigen Rindern aus, tritt aber auch bei Kühen mit dem zweiten und dritten Kalb auf. Sie verschwindet erst acht bis vierzehn Tage nach der Geburt wieder. Solange die Schwellung nach dem Kalben währt, pflegt die Milchleistung dauernd anzusteigen
Vor dem Kalben sollen die Kühe 'galt' gaalt, sein, das heißt keine Milch mehr geben. Sechs bis acht Wochen vor dem neunten Monat der Trächtigkeit muß der Milchfluss eingedämmt werden, man muß die Kühe'ergelten' la ergaalte, wenn sie nicht von selbst 'ergalten'. Dies erreicht man durch knappbemessenes Füttern, durch Abwaschen des Euters mit Enzianschnaps (Gentiana lutea) Jänzinuschnaps oder durch unregelmäßiges Melken. Drei- bis viermaliges Melken im Tag ist den Kühen zuwider, so daß sie die Milch nicht mehr gehen lassen. Meist werden Umgekehrt Melkzeiten Mälchine übersprungen, zuerst eine, dann umgekehrt zwei, drei, bis man schließlich ganz mitdem Melken aufhört. Diese Methode der Milchabdrosselung nennt man 'malen' maalu. Die auf diese Weise gemolkene Milch darf man nicht in die Sennerei Sännerii bringen. Sie ist mürbe määrwi hat einen salzigen Geschmack an reecke, gspässige Guscht und läßt sich nicht mehr kochen arwellu. Man verwendet sie zur Herstellung von 'Brocke' Brocheta einer rahmähnlichen Masse, die am ehesten mit Joghurt verglichen werden kann.
Bei hochträchtigen Bindern kann geprüft werden, ob alle vier Zitzen offen sind und Milch geben werden. Versucht man kurz vor dem Kalben zu melken, so muß dem Euter eine gelblich klebrige Milchsubstanz, das Harz Leertschina entrinnen.
Quelle:
- Hans Ulrich Rübel: Viehzucht im Oberwallis, Huber, Frauenfeld, 1950