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Am 11. Februar 1934 kam Ruedi als Sohn von Karl Neuenschwander und Martha Stalder zur Welt. Ruedi hat zwei Schwestern, Meieli und Marteli, und zwei Brüder, Fritz und Hansueli. Ruedi war das drittälteste Kind.
Es war eine schwierige Jugendzeit für die ganze Familie. Seine Mutter starb an den Folgen der Geburt seiner Schwester, als Ruedi zwei Jahre alt war. Danach hat sein Vater Karl Neuenschwander nochmals geheiratet, Berta Krähenbühl aus dem Emmental wurde Ruedis Stiefmutter, mit der er sich gut verstanden hat.
Die Familie wurde auseinandergerissen. Die Schwestern wuchsen bei Verwandten auf, nur die Buben blieben zu Hause und mussten schon in frühem Alter in der Hausweberei aushelfen. Ruedi wuchs mit seinen Brüdern in ärmlichen Verhältnissen in Gstaad, in der Nähe des jetzigen Cheseryplatzes, auf. Trotz der schwierigen Familienverhältnisse haben die Geschwister immer zueinander gehalten und noch heute verbindet sie ein enges Verhältnis.
Ruedi besuchte die Schule im Ebnit. Nach Abschluss der Oberstufe machte er eine Lehre als Schlosser bei von Siebenthal in Gstaad. Er war schon früh ein sehr sportlicher Junge. Er war im Turnverein, im Schützenverein, konnte sehr gut Ski fahren und entdeckte schon damals das Eishockeyspielen. Der Cheseryplatz wurde im Winter zum Eisfeld und die Jugendlichen trafen sich täglich zum Eishockeyspiel. Für ihn war das eine wunderbare Abwechslung zu seinem oft «strengen» Alltag.
Von seinem Götti bekam er im Alter von 14 Jahren ein Kaninchen geschenkt: auch das der Startschuss für eine seiner vielen Leidenschaften.
Nach der Lehre war Ruedi noch länger bei der Firma von Siebenthal beschäftigt.
Mit 24 Jahren lernte er seine Edith Kübli kennen und lieben. Sie heirateten am 17. Mai 1959 in Köniz. Die beiden waren von da an ein gutes, liebevolles Team, das sich in allen Lebenslagen gegenseitig unterstützte. Frisch verheiratet zog das Paar ins Waadtland nach Pully, in die Nähe von Lausanne. Das war für beide eine wunderschöne Zeit. Schliesslich zog es sie aber doch für vier Jahre zurück nach Gstaad.
Im Dezember 1964 kam Sohn Philipp auf die Welt. Zu dieser Zeit war Ruedi gezwungen, sich beruflich zu verändern. Und so kam es, dass sie all ihr Hab und Gut einpackten und mit dem knapp einjährigen Jungen nach Zug umzogen. Hier sollte die Familie sehr glücklich werden – im Hertiquartier. Philipp bekam 1966 Schwester Nicole und 1969 Schwester Marianne geschenkt. Nun war die Familie komplett.
Ruedi fand bei der Firma Zehnder und Söhne in Zug eine Anstellung, wo er bis zu seiner Pensionierung 35 Jahre lang mit Herzblut arbeitete. Er war ein kompetenter, tüchtiger und sehr verlässlicher Arbeiter. Der Firma war er sehr verbunden und die Eigentümer der Firma waren stets voll des Lobes für Ruedi. Er arbeitete sich zum Vorarbeiter hoch und war sehr stolz, für die Firma Zehnder und Söhne zu arbeiten. Gleichzeitig war er zusammen mit seiner Edith Abwart von 24 Wohnungen im Hertiquartier.
Ruedi war ein liebevoller Vater, der mit seinen Kindern viel unternahm. Oft machten sie Ausflüge, Wanderungen, sie gingen Ski fahren und natürlich auf die Eisbahn.
Neben der Arbeit als Schlosser spielte Ruedi im Eishockeyteam des EV Zug. Nachdem er schon als junger Mann beim Hockeyclub Gstaad gespielt hatte, ist er nach dem Umzug nach Zug zuerst im EHC Baar eingestiegen. Der EHC Baar ist der Vorgängerklub des EVZ, der 1967 gegründet wurde. Bis 1974 spielte Ruedi mit viel Leidenschaft und Freude beim EVZ. Im Team war er sehr geschätzt und wenn etwas während dem Spiel vorwärtsgehen sollte, dann hiess es jeweils «Neuenschwander uf ds Ys». Auch nach seiner aktiven Zeit blieb er weiter als Juniorentrainer seinem Hobby treu (unter anderem auch als Trainer von Philipp). Bis heute sind ihm viele Freunde aus dieser Zeit geblieben.
Irgendwann kam sein ebenso grosses Hobby, das Kaninchenzüchten, dazu. Er war über mehrere Jahre Präsident des Kaninchen- und Geflügel-Züchter-Vereins Zug und hatte viele Jahre einen Stall in der Nähe der Wohnung in Zug. Nach dem Umzug ins Gstaad hat er sich einen Stall gleich neben dem geliebten «Küblihuus» aufgebaut und sich wieder mit grosser Hingabe den Kaninchen gewidmet. Immer wieder wurden seine Tiere ausgestellt und er hat auch oft Preise für sie erhalten.
Ebenso viel bedeutete ihm das Fischen. Er liebte es, ganz frühmorgens loszuziehen zu den Bächen und mit Glück mit ein paar grossen Forellen zurückzukehren. Er war bis letztes Jahr dem Fischerverein Gstaad treu. Er hat immer nur in Gstaad gefischt.
Ruedi war ein äusserst natur- und tierliebender Mensch. Er ging oft «id Schwümm» und brachte Eierschwämme und Steinpilze nach Hause. Er fütterte immer gerne die Raben im Garten und mit Edith zusammen hat er die Liebe zu den Hunden entdeckt.
1999, als Ruedi pensioniert wurde, erfüllte er seiner Edith den Wunsch und zog mit ihr zurück ins Gstaad ins «Küblihuus». Auch wenn es der Familie in Zug wohl war, so hatten sie doch immer auch noch ein zweites Zuhause: das «Küblihuus» im Gstaad. Wann immer Ferien waren, fuhren sie ins Saanenland und verbrachten dort ihre Zeit. Die ganze Familie genoss die Tage im Gstaad immer sehr. Das «Küblihus» war nebst seinen Kindern und Grosskindern sein ganzer Stolz.
Ruedis Leben war gefüllt mit Familie, Arbeit, Hobbys und Freunden und ihm war nie langweilig. Der einen oder anderen Bierrunde konnte er nicht widerstehen, und wenn er mal etwas Ruhe wollte, ging er in sein Budeli und schmiedete noch die schönsten Gegenstände. Er hegte und pflegte das «Küblihuus» bis zum Schluss und dies am liebsten mit der Pfeife im Mund. Als bei Edith Demenz diagnostiziert wurde, umsorgte Ruedi sie so lange er konnte und so gut es ihm irgendwie möglich war. Irgendwann musste er seine Edith ins Maison Claudine Pereira geben. Das war für ihn eine sehr schwere Zeit. Er hat seine ganze Energie und Liebe eingesetzt, um so oft er konnte bei seiner Edith zu sein. Er nahm sie immer wieder ins Küblihuus zurück. Ihr Tod 2017 war für ihn sehr schmerzhaft. Er probierte, sein Leben ohne Edith so gut wie möglich zu meistern.
Eine grosse Freude erlebte er zusammen mit seinem Sohn Phlipp: Als sie nach Tarifa in Spanien geflogen sind – und er das erste Mal das Meer gesehen hat. Sand unter den Füssen und im Mund, grosse Fische und Delfine, das war für ihn ein riesen Highlight. Wieder zu Hause wurden seine körperlichen Beschwerden immer einschneidender.
Bis zuletzt waren seine Kaninchen, seine Nachbarn, seine Familie und Freunde sein Anker und seine Begleiter. Auch im Maison Claudine Pereira verlor er seinen guten Mut und seinen Humor nie. Leider wurde sein Körper immer schwächer und hatte irgendwann keine Kraft mehr.
Am 4. Dezember 2018 ist Ruedi Neuenschwander im Beisein seiner Lieben im Spital Zweisimmen gestorben.
Ruedi war eine ehrliche, gesellige, bodenständige, naturverbundene Persönlichkeit mit viel Witz und Charme. Den Schalk in seinen Augen werden wir nie vergessen.
DIE TRAUERFAMILIE