Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03619.jsonl.gz/272

Operation
Operative Therapie
Der Tumor in der Brust.
Meist steht bei der Diagnose „Brustkrebs“ die Operation an erster Stelle bei den möglichen Therapien. Ziel ist dabei die vollständige Entfernung des Tumors. Über viele Jahrzehnte hinweg war die komplette Entfernung der Brust (Mastektomie) die typische Operation. Dies hat sich jedoch in den letzten 25 Jahren grundlegend geändert. Heute muss die Brust nur noch in wenigen Fällen komplett entfernt werden; in etwa zwei Drittel der Fälle kann brusterhaltend operiert werden. Es ist klar, dass eine brusterhaltende Operation, insbesondere, wenn sie mit modernen onkoplastischen Techniken ausgeführt wird, deutlich ansprechendere kosmetische Ergebnisse erbringt als eine Mastektomie. Wir wissen heute auch, dass das Konzept der brusterhaltenden Therapie (es beinhaltet nach der Operation dann auch eine Bestrahlung) für die Patientin keine Einschränkungen bezüglich der onkologischen Sicherheit mit sich bringt.
In manchen Fällen muss aber auch heute noch die Mastektomie empfohlen werden. Dabei werden unter anderem die Tumorgrösse und -lokalisation, die Brustgrösse und selbstverständlich auch die persönlichen Präferenzen der Patientin berücksichtigt.
Wenn die Patientin, die sich einer Mastektomie unterziehen muss, einen Wiederaufbau der Brust wünscht (entweder primär, das heisst direkt mit der Mastektomie, oder sekundär, das heisst zu einem späteren Zeitpunkt), können die plastisch-rekonstruktiv-chirurgischen Operateure des Brust-Zentrums alle international etablierten Möglichkeiten für den Wiederaufbau anbieten. Diese reichen von Silikonprothesen bis hin zum Aufbau der Brust mit Eigengewebe.
Lymphknoten in der Achselhöhle
Hat sich bei den Brustoperationen in den letzten zwei Jahrzehnten eine klare Tendenz zu weniger Radikalität und Aggressivität durchgesetzt, so gilt dieses fast noch mehr für die Operation der Lymphknoten in der Achselhöhle (Axilla). Diese Lymphknoten sind wichtig, da bei der gefürchteten Ausbreitung des Brustkrebses die Zellen zunächst dorthin metastasieren. Für die weitere Therapie ist es wichtig, zu wissen, ob axilläre Lymphknoten Metastasen aufweisen. Wurde in früheren Jahren in allen Fällen von Brustkrebs das Lymph-Fettgewebe jeweils komplett entfernt, so ist dieses heute nur noch in ca. 20–25 Prozent der Fälle notwendig. Mithilfe neuer Techniken können heute einzelne repräsentative Lymphknoten, die sogenannten Sentinel-Lymphknoten (oder Wächter-Lymphknoten), intraoperativ aufgesucht und gezielt entfernt werden. Die deutlich geringere Anzahl der entfernten Lymphknoten mit der Sentinel-Technik, meistens werden nur 1–2 Lymphknoten entfernt, führt zu deutlich geringeren Folgeerscheinungen als die „klassische“ Operation mit etwa 10–20 entfernten Lymphknoten; insbesondere die früher gefürchteten Lymphödeme sowie eine eingeschränkte Sensibilität und Beweglichkeit des Arms werden darunter praktisch nicht mehr beobachtet.
Das massgeschneiderte Therapiekonzept: OP vor oder nach systemischer Therapie?
In ausgewählten Fällen mit aggressiven Brustkrebsformen, die ohnehin eine Chemotherapie notwendig machen, stellen wir diese an den Beginn der Therapie. Bei diesem sogenannten neoadjuvanten Konzept folgt die Operation dann der systemischen Vorbehandlung. In den meisten Fällen gelingt es der Chemotherapie, die Tumorausdehnung in Brust und Achselhöhle so zu verkleinern, dass weniger ausgedehnte Operationen durchgeführt werden können. Das bedeutet für die Patientin meistens günstigere kosmetische Ergebnisse und weniger funktionelle Einschränkungen.
Das koordinierte Ineinandergreifen der Haupttherapieformen bei Brustkrebs (Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie) zu einem für die jeweilige Patientin massgeschneiderten Therapiekonzept macht eine enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen notwendig. Jeder Fall einer Patientin mit Brustkrebs wird daher in unserem Brust-Zentrum in einem interdisziplinären Tumorboard diskutiert. Operateure, Radiologen, Pathologen, Medizinische Onkologen und Radioonkologen formulieren dann die Therapieempfehlung, die nach heutigem Stand des medizinischen Wissens die höchsten Heilungschancen bietet.
Operationen bei gutartigen Herden in der Brust.
In früheren Zeiten wurden auch gutartige Veränderungen oder Läsionen unklarer Dignität „offen“ operiert. Die „offene Operation“ umfasst üblicherweise eine Vollnarkose, eine stationäre Behandlung im Krankenhaus und eine mehrere Zentimeter lange Narbe an und in der Brust. Mit den heute zur Verfügung stehenden diagnostischen Möglichkeiten, vor allem durch gezielte Biopsien, können Läsionen unklarer Dignität meistens zuverlässig abgeklärt werden. Gutartige Tumoren, wie zum Beispiel Fibroadenome, können bis zu einer gewissen Grösse mit wenig Aufwand mit einer Vakuumbiopsie entfernt werden: Wenig Aufwand ist in diesem Fall gleichbedeutend mit einem ambulanten Eingriff in Lokalnarkose und einer wenige Millimeter grossen Narbe an der Haut. Grössere Operationen für gutartige oder unklare Herdbefunde können so meistens vermieden werden.
Radiotherapie (Strahlentherapie)
Radiotherapie (Strahlentherapie)
Trotz vollständiger Entfernung eines bösartigen Brusttumors wird häufig eine Nachbestrahlung empfohlen. Grund dafür sind eventuell noch vorhandene, mikroskopisch kleine Tumorzellen, die dem Blick des Chirurgen verborgen bleiben und zu einem Krankheitsrückfall – lokal oder im übrigen Körper – führen können. Bestimmte Vorstufen von Brustkrebs (zum Beispiel Duktales Carcinoma in situ – DCIS) können zu einem Rückfall in der Brust führen, weshalb die Radiotherapie auch beim DCIS häufig durchgeführt wird. Selbst nach Entfernung der Brust wird je nach Risikokonstellation eine Nachbestrahlung empfohlen.
Die Bestrahlung wird heutzutage fast ausschliesslich mit einem Linearbeschleuniger durchgeführt. Dabei werden ionisierende Strahlen abgegeben (Photonen oder Elektronen), die mit dem durchstrahlten Gewebe Wechselwirkungen eingehen, die zum Absterben von Zellen führen können. Ein Vorteil des Linearbeschleunigers besteht darin, dass die Dosisleistung hoch ist und die Bestrahlungszeiten dementsprechend kurz sind. Für eine eventuelle intraoperative Bestrahlung steht das sogenannte INRABEAM® zur Verfügung.
Bei sorgfältiger Planung und Durchführung lassen sich relevante Nebenwirkungen normalerweise gering halten. Zu unterscheiden sind akute Nebenwirkungen (z.B. Hautrötung, oberflächliche Hautläsionen, Brustschwellung, Müdigkeit) während der Therapie, die sich gewöhnlich komplett zurückbilden, von späten Nebenwirkungen, die sich Wochen oder Monate nach Behandlungsende zeigen und bleibend sein können (z.B. Hautveränderungen, Verhärtungen der Brust). Nebenwirkungen an Rippen, Lunge und Herz sind selten. Zur bestmöglichen Schonung von Lunge und insbesondere Herz kann mithilfe neuer Technologien eine atemabhängige Bestrahlung erfolgen, das heisst, die Bestrahlung erfolgt zum Beispiel nur beim Einatmen. Müssen auch die Lymphknotenregionen bestrahlt werden, steigt das Risiko eines geschwollenen Armes (Armlymphödem) leicht an.
Chemotherapie
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist eine weitverbreitete medikamentöse Therapieform bei Krebs. Bei einem Teil der Patientinnen mit frühem oder fortgeschrittenem Brustkrebs werden die Krebszellen mittels Verabreichung sogenannter Zytostatika in ihrem Wachstum gehindert oder zerstört. Zytostatika schädigen den Kern und andere Bestandteile von Tumorzellen und hemmen somit ihre unkontrollierte Vermehrung. Bei einer Chemotherapie kann ein einziges oder eine Kombination aus verschiedenen Zytostatika zum Einsatz kommen. Eine Chemotherapie wirkt auf den ganzen Körper (systemisch), sodass auch gesunde Zellen (wie beispielsweise Haarfollikel, Darmschleimhaut) betroffen sein können. Dank sorgfältiger Planung und Durchführung der Chemotherapie lassen sich relevante Nebenwirkungen normalerweise gut kontrollieren. Ausserdem erholen sich die allermeisten gesunden Zellen nach Therapieende rasch wieder. Eine Chemotherapie kann über die Blutgefässe (Infusion) oder auch in Tablettenform verabreicht werden.
Immuntherapie (Antikörpertherapie)
Immuntherapie (Antikörpertherapie)
Eine Antikörpertherapie wirkt überwiegend durch die Kraft des körpereigenen Immunsystems. Sie unterscheidet sich damit in ihrer Wirkungsweise grundlegend von der Chemotherapie. Das Prinzip der Antikörpertherapie beruht auf der gezielten Erkennung spezifischer Krebszellen. Die sogenannten monoklonalen Antikörper unterbrechen dabei Signalwege der Tumorzellen und können diese mithilfe des Immunsystems eliminieren. Eine Antikörpertherapie – bei Mammakarzinom oftmals die gegen HER2 gerichteten Wirkstoffe Trastuzumab und Pertuzumab – erfolgt über die Blutgefässe mittels Infusion. Trastuzumab kann neu auch mit einer subkutanen Spritze verabreicht werden.
Antihormonelle (endokrine) Therapie
Antihormonelle (endokrine) Therapie
Etwa 80 Prozent aller bösartigen Brusttumore weisen Rezeptoren bezüglich der weiblichen Hormone (Östrogen und Progesteron) auf, das heisst, das Wachstum von Krebszellen wird durch diese Hormone gesteuert und verstärkt. Diese Hormonabhängigkeit macht sich die endokrine Therapie zunutze, indem sie entweder die Hormonrezeptoren (Tamoxifen) oder die Bildung der die Krebszellen stimulierenden Hormone blockiert (Aromatasehemmer). Auf diese Weise kann nicht nur die Entwicklung von Fernmetastasen verhindert werden, sondern auch die kontralaterale (nicht krebsbefallene) Brust prophylaktisch vor einer Tumorbildung bewahrt werden.
Die endokrine Therapie erfolgt üblicherweise mit einer Tablette, die einmal pro Tag eingenommen wird. Bei jüngeren Frauen vor der Menopause erfolgt häufig eine zusätzliche Blockade der Eierstöcke mit einer Spritze, die im 3-Monats-Takt appliziert wird. Da die endokrine Therapie auch Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Knochen-, Muskel- und Gelenkbeschwerden hat, besteht ein Ziel unserer Nachsorgekontrollen darin, Begleiterscheinungen der endokrinen Therapie mit geeigneten Massnahmen zu lindern und unsere Patientinnen so durch die mehrjährige Therapie zu leiten zu begleiten.
Studienabteilung
Studienabteilung Brust-Zentrum Zürich
Die Betreuung von Patientinnen im Rahmen von Studien ist ein wichtiger Qualitätsfaktor eines Brustzentrums.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde in der Früherkennung, Abklärung und Behandlung von Brustkrebs viel erreicht. Die meisten neuen Erkenntnisse stammen aus Studien, in denen die bekanntermassen besten Therapien mit neueren – möglichst noch besseren – verglichen werden. Im Zentrum stehen dabei immer die Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind.
Kulturelle Gegebenheiten und die persönlichen Verhältnisse werden stets respektiert. Es erfolgt eine ganzheitliche Behandlung – auch für den Fall, dass eine Studienteilnahme abgebrochen wird.
Die Resultate solcher Studien liegen normalerweise erst nach einigen Jahren vor, sodass der Nutzen für die Patientinnen mit Brustkrebs nicht sofort erkennbar ist. Die persönlichen Studiendaten einer Patientin werden zum Datenschutz stets verschlüsselt verwendet.
Die Ärztinnen und Ärzte des Brust-Zentrums Zürich geben gerne Auskunft, welche Studien für welche Patientinnen geeignet sind.
Studien helfen
- unnötige Therapien zu vermeiden
- genauere Informationen über Dosis und Wirkung zu erhalten
- Lebensqualität und Nebenwirkungen der Therapie zu messen
- zusätzliche Untersuchungen auf ihren Wert hin zu prüfen
- die neuen Erkenntnisse über ein weltweites Netz von zusammenarbeitenden Studiengruppen zu verbreiten
- Leben zu verlängern unter Wahrung der Lebensqualität
Von 2007 bis 2018 wurden am Brust-Zentrum Zürich rund 600 Patientinnen in klinische Studien eingeschlossen.