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Kapuziner – Reformfranziskaner
Kapuziner sind die jüngste weltweite Reform innerhalb des Franziskanerordens. Ihr Name leitet sich von der Kapuze ab, welche die Reformer unterwegs wirkungsvoll schützte, die ab 1525 aus den grossen Klöstern der Franziskaner auszogen, um entschieden am Wanderleben des Franziskus anzuknüpfen. Neben dem Zweig der Kapuziner, die heute rund 11’000 Brüder zählen, gehen auch die stärker städtisch geprägten Minoriten (Konventualen) mit schwarzem Habit und die Franziskaner als 1897 erfolgte Fusion aller anderen Zweige (brauner Habit) auf Franziskus zurück.
Von den Anfängen
Im Frühsommer 1216 reist der französische Chorherr Jacques de Vitry über die Alpen nach Perugia. Dort weilt er ein paar Wochen am päpstlichen Hof, dessen Leben ihn anwidert. In seinem Reisebericht vom Herbst beschreibt der neu geweihte Bischof als erster die noch junge Bewegung um Franziskus von Assisi:
„Ich habe in Umbrien einen Aufbruch vorgefunden, der mich mit Hoffnung erfüllt: Männer und Frauen, Reiche und Laien, die um Christus willen auf allen Besitz verzichtet haben … Sie nennen sich kleine Brüder und kleine Schwestern und werden auch vom Papst und den Kardinälen in Ehren gehalten … Sie leben nach der Form der Urkirche. Tags begeben sie sich in die Städte und Dörfer, wo sie sich abmühen …, nachts ziehen sie sich in Einsiedeleien und an einsame Orte zurück, um sich der Betrachtung hinzugeben. Die Frauen leben dagegen in der Nähe der Städte in verschiedenen Hospizien (Herbergen) zusammen; sie nehmen keine Güter an, sondern leben von der Arbeit ihrer Hände … Ich glaube tatsächlich, dass der Herr vor dem Ende der Welt viele Seelen durch diese armen und schlichten Menschen retten will zur Beschämung der Prälaten, die mittlerweile stummen Hunden gleichen …“
Der „kleine Bruder aus Assisi“ fand einen besonderen Weg zu intensiverem Leben – persönlich und gemeinsam mit anderen. Sein Menschsein zeichnete sich durch «Tiefe und Weite» aus:
Geerdetes Leben – als Geschöpf in einer Mitwelt, die sich von Gott kunstvoll geschaffen als universale Familie erweist. Die Erde wird zum Lebensraum, den Pflanzen, Tiere und Menschen miteinander vernetzt teilen. Leben, eingebunden in eine menschliche Gesellschaft, die sich nach komfortabler Freiheit sehnt – diese aber oft auf Kosten anderer ausweitet: Nur das sensible Zusammenspiel aller Menschen bringt ihr auch Frieden. Franziskus sucht als Kaufmann zunächst Profit und Vergnügen, stolpert über seine ehrgeizigen Pläne und sucht schliesslich, was mehr als alles ist. Franziskus findet sein erfüllendes Leben schrittweise – inspiriert von einem DU, das über allem ist, auf das alles hinweist und das zugleich eigene Fussspuren in unserer Welt hinterlassen hat. Dem Leben und der Menschlichkeit des Jesus von Nazaret folgend, staunt Franziskus über das schlichte DU Gottes mit uns, das mit Leib und Seele Mensch wurde und das in der Welt bleibt “alle Tage bis zur Vollendung”: hörbar in den Evangelien, sichtbar und kostbar im geteilten Brot der Altares, gegenwärtig auch mitten unter den Ärmsten. Gottes leise Gegenwart in jedem Menschen, sein DU in uns, findet er in inspirierten Menschen und auch in anderen Religionen, und er gibt dieser Kraft, Weisheit und Liebe Gottes im Innersten viele weibliche Namen.
Die Bewegung des Poverello umfasst bereits zu seinen Lebzeiten Menschen aller Stände, Berufe und Lebensweisen: innerhalb und ausserhalb der Kirche. Franziskus hat diese Kirche ebenso bejaht wie er in ihr einen ganz neuen Weg zu gehen wagte. Seine Kunst, Mystik und Politik zu verbinden, den inneren Reichtum aus Tradition und grösserer Gemeinschaft auszuschöpfen und zugleich der Inspiration jedes einzelnen zu trauen, lässt die franziskanische Bewegung kirchlich, sozial und politisch in jeder Zeit neu innovativ werden.