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Erica und Calluna vulgaris
Heidekraut oder Erika, was ist denn richtig?
Der Begriff Heidekraut ist synonym für zwei verschiedene Gattungen der Heide:
Die Besen-oder Sommerheide (Calluna), die das Landschaftsbild der Lüneburger Heide prägt, und die Winter-oder Schneeheide (Erica). Letztere ist das „echte“ Heidekraut und auch namensgebend für die Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae).
Mehr als 850 Arten zählen zu den Heidekrautgewächsen.
Im Unterschied zu den meisten Erica-Arten ist die Besenheide sommergrün und blüht im Spätsommer (Juli bis Dezember).
Die Sorten der Schneeheide (Erica) hingegen zeigen ihre Farben von November bis April und unterscheiden sich von der Calluna durch ihre nadelförmigen Blätter, die jeweils zu viert in Quirlen an den verholzten Stängeln sitzen und einen hellen, knorpeligen umgerollten Rand aufweisen. Bei der Schneeheide sind alle Sorten winterfest, bei den Calluna nur einige Sorten. Die Blätter von Calluna sind moosartig verzweigt, wie Thujas. Die Besenheide ist ein niedriger Strauch, der vom Flachland bis ins Gebirge vorkommt. Die Schneeheide ist in den Alpen ein häufig anzutreffender, immergrüner Zwergstrauch, der häufig ausgedehnte Bestände ausbildet. Um Heideflächen zu erhalten, müssen diese regelmässig gepflegt werden. Früher wurden mit sogenannten “Plaggehauen” die Pflanzen mitsamt Wurzeln ausgegraben, um die Heiden zu verjüngen. Die ausgegrabenen “Plaggen” wurden als Einstreu oder als Dachmaterial beim Bau von Hütten und Ställen verwendet oder als Firstverkleidung von reetgedeckten Dächern. Heute wird schweres Gerät eingesetzt, um die Heiden vor überwucherndem Gras und Bäumen zu schützen. In Norddeutschland werden auch noch Heidschnucken, eine kleine Schafrasse, zum Freihalten der Landschaft eingesetzt.
Heidepflanzen gibt es in einer riesigen Farbauswahl: Die Laubtöne reichen von Hellgrün über zartes Gelb bis hin zu tiefem Jadegrün. Die Blüten gibt es neben klassischem Weiss und Rosa auch in allen erdenklichen Nuancen der Rottöne bis ins Violett.
(Verschiesene Arten der Calluna)
Damit lässt sich zum Beispiel Tischdekoration aus Heide perfekt an das Interieur anpassen. Heide lässt sich prima mit anderen Pflanzen kombinieren. Oftmals reicht aber ein schöner Topf aus, um allein die Heidepflanze zur Geltung zu bringen. Im Topf oder als Kranz: Heide pur sieht einfach super aus. Wohl am bekanntesten sind die Callunen mit ihren winzigen Knospenblüten und die Eriken mit ihren dickeren Blütenglöckchen. Aber es gibt noch andere Arten. Wer einmal die buschige Baumheide oder die etwas grösser blühenden Daboecien im Haus und Garten verwendet hat, wird auf Dauer ein Fan der pflegeleichten Pflanzen. Und wer ihre Widerstandsfähigkeit schätzt, den wird die ursprüngliche Schönheit der Heidepflanzen umso mehr erfreuen.
(Daboecia Cantabrica = Irische Glockenheide)
Der lateinische Name Calluna stammt vom griechischen Wort “kalynein”, das bedeutet “sauber machen, reinigen, fegen”. Auch der deutsche Name weist darauf hin, dass die Zweige der Pflanze früher zu Besen verarbeitet wurden. Das Wort "Heide" leitet man aus dem Germanischen ab, man bezeichnete damit unbebautes Land "Kait". Dieses Wort entwickelte sich im Althochdeutschen dann zu "Heida" und schliesslich zu "Heide". Die Gattung Erica wird volkstümlich ebenfalls als Heide oder Heidekraut bezeichnet. Der Name entstammt dem Griechischen "Ereike", der Bezeichnung für die im Mittelmeergebiet heimische Baum-Heide.
Die Besenheide ist eine fast vergessene Heilpflanze, die stärkend auf Psyche und Körper wirkt. Pfarrer Kneipp entdeckte die gesundheitsfördernde Wirkung dieser Pflanze im 19. Jahrhundert wieder und schätzte sie insbesondere wegen ihrer blutreinigenden Wirkung. Kräuterpfarrer Künzle empfiehlt einen Tee gegen Milzleiden und Durchfall. Er rät, dass wegen der Schärfe dieser Tee nicht rein genossen werden sollte, sondern in einer Mischung mit Wacholderbeeren oder Salbei oder verdünnt mit Rotwein. Warme feuchte Auflagen mit Heidekrautblüten mildern die Ischiasschmerzen. Mességué (franz. Naturarzt) empfiehlt Heidekrautbäder gegen Rheuma. Die Pflanze ist die allerbeste Arznei gegen ein Übermass an Harnsäure, sei es im Fall von ungenügender Nierenarbeit oder von Nierensteinen, selbst wenn bereits die Gelenke angegriffen sind. Aber ausser harntreibenden und blutreinigenden Wirkung ist das Heidekraut in allen Fällen von Infektion der Harnwege anzuwenden, also bei trübem Urin und Harnblasenentzündung, so Mességué.
Als Bachblüte Heather steht das Heidekraut für Selbstbezogenheit und Bedürftigkeit.
Jetzt im Herbst hat das Heidekraut seinen grossen Auftritt, die kleinen Sträucher sorgen für gute Laune in der Tristesse der nasskalten Jahreszeit. Auch auf dem Grab sorgt das Heidekraut für eine schöne Farbharmonie. Da es nur wenig Pflege benötigt, ist es bestens für die Grabbepflanzung geeignet. Blühende Heidegärten sind nicht nur eine Augenweide, sondern gleichzeitig wertvoller Lebensraum für viele Insekten, Vögel und andere Kleinstlebewesen.
Aus dem Nektar der Besenheide entsteht der sogenannte “Heidehonig”. Dieser kräftige Honig wird gerne als Zutat für Gewürzbrot verwendet.
Nun wünsche ich Ihnen noch einen schönen Herbst mit diesen farbenprächtigen Heidepflanzen.