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Die Tiere fanden sich auf einer grossen Lichtung ein, die mitten im afrikanischen Urwald gelegen war. Es gehe darum, so begann der Löwe, der König der Tiere, einen neuen Herrscher über die Erde zu krönen. Er sei des ewigen Regierens überdrüssig, viel lieber würde er in der Savanne sein Verdauungsschläfchen halten. Es werde daher jemand gesucht, der so mächtig wie die Saurier, so geschickt wie der Schimpanse und so schlau wie der Fuchs sei. Doch die Tiere wollten lieber ihren Beschäftigungen nachgehen, als sich um das Wohl des Planeten zu kümmern. Wütend darüber drohte der Löwe, jemanden zu bestimmen, da meldete sich der Schimpanse zu Wort. Er schlug seinen Cousin, den Menschen, vor. Dieser war das neuste Produkt der unermüdlich arbeitenden Evolution. Schnell fand sich eine Mehrheit um den kleinen, etwas dümmlichen, aber liebenswürdigen Menschen zu wählen. Nur der Löwe war von der Wahl enttäuscht, er glaubte nämlich, seinem Nachfolger assistieren zu müssen; mit dem Haifisch dachte er aber einen guten Polizisten für die Meere gefunden zu haben. Ihn fuchste bloss, dass kein Wesen gefunden worden war, welches wie die Saurier damals, zugleich das Land, das Wasser und die Luft kontrollieren konnte.
Jahrtausende vergingen, in denen Tier und Mensch einträchtig miteinander lebten. Allmählich begann sich der Mensch aber weiterzuentwickeln. Er wurde nicht nur grösser, geschickter und gefährlicher, er machte sich auch noch eine gefürchtete Waffe zu Nutze: das Feuer. Einige Tiere, wie der Hund, die Katze, das Pferd oder das Kamel halfen ihm, sein diktatorisches Weltregime zu errichten und seine Feinde wie den Säbelzahntiger, das Mammut oder den Höhlenbären auszurotten. Mit steigendem Unbehagen verfolgten die anderen Tiere die Vorkommnisse. Als der Mensch schlussendlich die grossen tropischen Regenwälder zu roden, lange graue Linien durch die Landschaften zu ziehen, mit komischen Dingen auf und unter dem Wasser zu schwimmen, ja sogar mit Blechröhren in die Luft und in den Weltraum aufzusteigen begann, da sah der Löwe den Zeitpunkt gekommen, eine weitere Konferenz einzuberufen.
Die Teilnehmerzahl hatte sich seit der letzten Zusammenkunft arg dezimiert. Zu Beginn las der Löwe die menschlichen Sünden vor: Nicht nur, dass er viele seiner animalischen Mitbrüder umbrachte und dass er die Umwelt zerstörte, nein, was den Löwen am meisten beängstigte war, dass der Mensch mit einem Knopfdruck die Erde zerstören konnte. Wie vor einem Tribunal mussten zuerst die engsten Vertrauten des Menschen erzählen, was sich aus ihrer Sicht abgespielt hatte.
«Er ist verrückt geworden!», gackerte das Huhn nervös.
«Er betet ein ausserirdisches Wesen an, das er Gott nennt, und bezeichnet dieses auch als Lamm Gottes» , schimpfte das Schaf.
«Er bekämpft sich selbst. Je mehr er von seinen Brüdern töten kann, desto wohler fühlt er sich», meldete die Taube.
«Trotzdem gibt es in meiner Region zu viele Menschen, die meinen Lebensraum zerstören», klagte der Tiger.
«Er baut Maschinen, um noch schneller von einem Ort zum anderen zu kommen», beschwerte sich das arbeitslose Pferd.
«Er verklebt meine Artgenossen mutwillig mit Öl, wenn er seine Megatanker reinigt» , empörte sich der Kormoran.
«Aber er macht so wunderbare Musik», schwärmte die Nachtigall.
«Bedenkt, liebe Freunde, es gibt auch Menschen, welche die Natur erforschen, um sie besser schützen zu können», verteidigte der Schimpanse seinen Vetter.
«Wieder andere leben nur noch von Gemüse und Pflanzen», berichtete die Kuh.
«Mich hat er zum Glück noch nicht entdeckt!» , frohlockte das Qualax. Nun, meinte der Löwe, sei es an der Zeit, darüber zu entscheiden, was mit dem Menschen geschehen sollte. Ein heftiger Streit entbrannte darüber. Absetzen wollten ihn die einen. Nutzniesser, wie die Hunde wollten ihn aber unbedingt als Herrscher über die Welt behalten, denn sie befürchteten, ihre gute Position im Tierreich zu verlieren. Wieder andere Tiere – und das war die Mehrheit – hatten gar keine Meinung.
Während die Tiere wild miteinander über die Zukunft des Menschen diskutierten, landeten unbemerkt fliegende Untertassen auf der Erde. Die weisshäutigen Ausserirdischen nahmen sich alles, was sich in ihre Raumschiffe packen liess. Sie machten weder vor Tier, Mensch oder Pflanze halt. Alles terrestrische sollte als Beute mit auf ihren fernen Planeten genommen werden. Und so fanden sich die Tiere und der Mensch eingesperrt in einem interplanetarischen Zoo auf einem fernen Planeten wieder.
«Da sitzen wir nun, und wissen nicht, wie es weiter geht», konstatierte der Mensch. Worauf ihm sein Gehegenachbar, der Löwe, seit Jahrtausenden zum ersten Mal wieder beipflichten konnte.
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