Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/54710

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, alle Massnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, um sicherzustellen, dass an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) sämtliche Kurse für Studierende und Doktorandinnen und Doktoranden in der Sprache des jeweiligen Standortkantons angeboten werden.</p><p>Den Absichten gewisser ETH-Verantwortlicher, das Englische als Lingua Franca vorzuschreiben, muss die politisch verantwortliche Behörde klar und deutlich das Argument entgegensetzen, dass ein in der jeweiligen Landessprache gehaltener Unterricht notwendig ist.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Englisch hat sich als universelle Sprache der Forschung etabliert. Wissenschaftliche Veröffentlichungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich werden beinahe ausnahmslos in englischer Sprache publiziert. Auch in der Lehre hat sie grosse Bedeutung gewonnen. Dies erleichtert die Mobilität der Studierenden und die internationale Kooperation im Hochschulbereich. Im Rahmen der 2003 abgeschlossenen Revision des ETH-Gesetzes wurde dieser Tatsache Rechnung getragen, indem Englisch, neben Deutsch, Französisch und Italienisch, zur vierten offiziellen Unterrichtssprache erklärt wurde.</p><p>Diese gesetzliche Neuregelung war in den eidgenössischen Räten unbestritten, nicht zuletzt auch deshalb, weil es bisher mit einer Bewilligung der Schulleitung einer ETH möglich war, in englischer Sprache zu unterrichten. Die Bewilligungspflicht für das Abfassen von Doktorarbeiten in dieser Sprache wurde bereits 1987 aufgehoben, was zur Folge hatte, dass seither an den beiden ETH die Dissertationen praktisch ausschliesslich auf Englisch verfasst werden.</p><p>Mit der Einführung der gestuften Studiengänge gemäss der Bologna-Erklärung, d. h. der Schaffung von Bachelor- und Master-Studiengängen, hat die Frage des Englischen als Unterrichtssprache zusätzliche Bedeutung erlangt. Neben einer generellen Modernisierung des Studiums betrachten die beiden ETH die Umsetzung der Bologna-Erklärung als besondere Chance, die besten Studierenden für ihre Master-Studiengänge weltweit zu rekrutieren. Die neue Studienorganisation sieht vor, dass Bachelor-Studiengänge an der ETH Zürich mehrheitlich auf Deutsch und an der ETH Lausanne auf Französisch angeboten werden. Auf Stufe Master-Studium und Doktorat soll es Studierenden, die nicht über Kenntnisse der deutschen oder französischen Sprache verfügen, ermöglicht werden, ihr Studium in englischer Sprache zu absolvieren. Dies bedeutet nicht, dass sämtliche Lehrveranstaltungen des Master-Studiums und Doktorates in englischer Sprache angeboten werden.</p><p>Die Förderung der Mehrsprachigkeit ist ein erklärter Mehrwert der universitären Ausbildung in Europa. Ziel der beiden ETH ist es, die Sprachkompetenzen ihrer Absolventinnen und Absolventen im Rahmen des Studiums zu erweitern. Der englischen Sprache als Lingua franca der Wissenschaft ist dabei besondere Beachtung zu schenken. Darüber hinaus sollen auch die Studierenden nicht deutscher bzw. nicht französischer Muttersprache in ihren Bemühungen, die deutsche bzw. die französische Sprache und allenfalls weitere Landessprachen zu erlernen, nachdrücklich unterstützt werden.</p><p>Die beiden ETH richten sich damit nach dem Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Bereich für die Jahre 2004-2007. Dieser wurde von der Bundesversammlung am 1. Dezember 2003 genehmigt und gibt als Ziel 1 vor, dass der ETH-Bereich über eine im internationalen Vergleich erstklassige und attraktive Lehre verfügen soll.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.