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Der Panpsychismus ist ein "exotischer" Lösungsvorschlag für das Körper-Geist Problem. Für diesen Aussenseiterstatus gibt es gute Gründe, auch wenn der Panpsychismus auf den ersten Blick überzeugend zu sein scheint, wie Patrick Spät in seiner Dissertation mit dem Titel "»PANPSYCHISMUS EIN LÖSUNGSVORSCHLAG ZUM LEIB-SEELE-PROBLEM" zeigt. Die Dissertation war am 2.2.2014 im Internet abrufbar.
Kritik am Physikalismus
Patrick Spät zeigt im ersten Teil seiner Dissertation die Schwierigkeiten auf, mit denen sich der physikalische Naturalismus konfrontiert sieht. Als Fazit zum ersten Teil schreibt er auf Seite 103f.: "Der physikalistische Naturalismus hat drei Möglichkeiten, das Geistige in seine Welt des rein Physischen zu integrieren: (1) Er kann die Existenz geistiger Eigenschaften leugnen und so das Leib-Seele-Probleme umgehen. Dieser eliminative Physikalismus scheitert an der Unbezweifelbarkeit des bewussten Erlebens und der implizierten Selbstwidersprüchlichkeit: Nur ein geistbegabtes Wesen kann überhaupt erst eine Theorie formulieren, die die Existenz des Geistigen negiert. (2) Er kann versuchen, die geistigen Eigenschaften auf physische zu reduzieren. Dieser reduktive Physikalismus scheitert an den qualitativen und subjektiven Eigenschaften des Geistigen, die der rein physische Bereich nicht aufweist. (3) Er kann die besonderen Eigenschaften des Geistigen anerkennen und zugleich postulieren, dass sie aus dem rein Physischen hervorgehen. Der hierbei implizierte qualitative Sprung ist jedoch nicht intelligibel und verletzt sämtliche uns bekannten naturwissenschaftlichen und metaphysischen Überlegungen."
Der Panpsychismus
Als Alternative zu einem solchen Naturalismus sieht Patrick Spät den Panpsychismus, dessen Kernargumentation er wie folgt darstellt:
"Die bisherige Kritik am physikalistischen Naturalismus kann in ihrer Struktur als eine abgeschlossene Argumentation für einen Panpsychismus angesehen werden. Konkret lässt sich die Kernargumentation für den Panpsychismus wie folgt darstellen:
(T1) Es gibt physische Eigenschaften.
(T2) Es gibt geistige Eigenschaften.
(T3) Geistige Eigenschaften sind nicht identisch mit physischen Eigenschaften.
(T4) Geistige Eigenschaften sind keine emergenten Produkte der physischen Wirklichkeit.
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(F) Die gesamte physische Wirklichkeit birgt geistige Eigenschaften." (Spät 2010, S. 107)
Der Panpsychismus ist logisch unmöglich
Das Problem mit dem Panpsychismus liegt in (F). Spät spricht wohl nicht ohne Grund von "geistigen Eigenschaften" ohne näher zu klären, was man sich darunter vorzustellen hat. Damit das Argument aufgeht, muss es sich dabei aber auf jeden Fall um etwas grundsätzlich Nichtphysisches handeln. Das bedeutet aber, dass (F) auch so formuliert werden kann: "Die gesamte physische Wirklichkeit birgt nichtphysische Eigenschaften." Oder um es noch klarer auf den Punkt zu bringen: "Die gesamte Wirklichkeit ist zugleich physisch und nichtphysisch", was einen offenen Widerspruch darstellt. Dies ist wohl auch der Grund, warum ein Panpsychismus kaum disktuiert wird und warum sich der Naturalismus in den Wissenschaften durchgesetzt hat: lässt sich das Nichtphysische nicht auf etwas Physisches zurückführen bleiben nur die folgenden Optionen: das Physische lässt sich auf das Geistige zurückführen (»Idealismus) oder Physisches und Nichtphysisches können nicht interagieren (»Dualismus). Der Panpsychismus kann aufgrund seiner inneren Widersprüchlichkeit augeschlossen werden (»Prämissen).
Der Panpsychismus ist empirisch unmöglich
Der Panpsychismus scheitert aber auch daran, dass der Begriff des "Geistigen" viel zu unklar ist. Vieles, was wir als "geistig" bezeichnen ist nicht bewusst und wird nie bewusst. Es handelt sich dabei unter anderem um Information und um informationsverarbeitende Prozesse. Diese können allerdings durchaus physikalisch gefasst und zum Physischen gezählt werden. Das wirkliche Problem betrifft die sogenannten "Qualia", das "wie es ist, etwas bewusst wahrzunehmen". Der Panpsychismus ist deshalb insofern ein Etikettenschwindel, als der Begriff des "Psychischen" ganz unterschiedliche Dinge bezeichnet und das qualitative Bewusstsein quasi in den Begriff mit hineingeschmuggelt wurde. Denn gesteht man ein, dass gemäss dem Panpsychismus alles Physische nicht nur psychisch, sonder auch bewusst sein muss, verliert der Panpsychismus schnell an Attraktivität.
So hätte Bewusstsein gemäss dem Panpsychismus nichts mit Gehirnen und Sinnesorganen zu tun, sondern jedes Atom, jedes Elektron müsste über Bewusstsein verfügen. Es liesse sich damit weder erklären, warum gerade Menschen als "Materieanhäufung" über Bewusstsein verfügen sollten und nicht jeder Mensch über "Aberbillionen Bewusstseine", noch warum ein Haus oder Stein über kein Bewusstsein verfügt. Vor allem aber wäre unklar, wie "die gesamte physische Wirklichkeit" geistige Eigenschaften "bergen" könnte, wie Spät schreibt: schliesslich geht es nicht darum, dass das Universum über Bewusstsein und geistige Eigenschaften verfügt, sondern jeder einzelne kleine, unbedeutende Mensch und wohl viele Tiere, welche das Universum bevölkern. Gegen dieses Argument kann eingewandt werden, dass eben einfach alles auch "geistig" und damit "potentiell bewusst" sei, damit ergeben sich aber neue Schwierigkeiten.
Der Panpsychismus existiert gar nicht
So handelt es sich bei den meisten panpsychischen Vorstellungen um verborgene Leib-Seele Dualismen: Da gemäss der Panpsychisten Materie kein Bewusstsein hervorbringen kann wird eine "geistige" Substanz konstatiert, welche Bewusstsein hervorbringen kann, respektive Bewusstsein ist. Lässt sich diese "geistige" oder "psychische" Substanz aber nicht kausal auf Materielles zurückführen, muss sie auch unabhängig vom Materiellen existieren - die Vorstellung des Leib-Seele Dualismus.
Anders formuliert: Ist alles Materielle auch psychisch, dann müssen Materielles und Psychisches entweder identisch oder direkt kausal miteinander verbunden sein. In beiden Fällen landet man beim Materialismus (Begründung dafür im Artikel »Was ist das Körper-Geist Problem). Sind das Materielle und das Psychische aber weder identisch noch direkt kausal verbunden, landet man beim »Leib-Seele Dualismus. Der Panpsychismus löst sich also bei genauerer Betrachtung selbst auf, was bei seiner widersprüchlichen Grundannahme auch nicht weiter verwundert
Fazit
Man kann es drehen und wenden wie man will - ein Panpsychismus kann sowohl empirisch wie auch logisch ausgeschlossen werden.