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Werden aber die Pflanzenkörper eingeäschert und die Aschen mit Wasser ausgelaugt, so erhalten wir hauptsächlich immer nur kohlensaures Salz, da bei der Verbrennung die Pflanzensäuren zerstört, aber sogleich durch Kohlensäure ersetzt werden, die als Verbrennungsprodukt in Menge entsteht. Alle holz- und krautartigen Gewächse geben mehr oder weniger Asche und daraus kohlensaures Kali, die Kräuter im allgemeinen reichlicher als die Hölzer. In den Steppen des innern Rußland schießen im Sommer mannshohe krautige Gewächse auf, die keine andre Benutzung als auf P. zulassen; auch verwendet man hierzu die Stengel der in Rußland häufig zur Ölgewinnung gebauten Sonnenblumen; sonst liegen die Pottaschbrennereien wohl immer nur in den Wäldern und natürlich nur da, wo für das Holz oder wenigstens für den Abraum gar keine andre Benutzung möglich ist.
Die Gewinnung von P. kann nun entweder eine dauernde Waldnutzung bilden oder sie findet nur einmal statt, in dem Falle nämlich, wo Wälder auszuroden sind, um Feldern Platz zu machen. Das Letztere ist noch immer, aber leider in zu ausgedehntem Maßstabe, in Nordamerika der Fall, woher denn auch schon lange viele und gute P. an den Markt gekommen ist, außerdem aus den waldreichen Gegenden Rußlands, in Schweden, Illyrien, Ungarn, Galizien etc. Doch hat die Produktion in diesen Ländern schon bedeutend abgenommen, seitdem man auch hier genötigt ist, die Wälder zu schonen.
Während Rußland 1864 noch 11 Millionen Kilo produzierte, verminderte sich die Produktion 1873 schon auf 5 Millionen Kilo. Die Gewinnungsweise ist eine sehr einfache und besteht im Verbrennen der trocken gewordenen Hölzer unter Windschutz. Einfüllen der gesammelten Asche in Laugenfässer und Übergießen mit warmem Wasser. Die zuerst erhaltene Lauge zeigt etwa 20° B. und ist sogleich zum Eindampfen brauchbar, während man durch wiederholte Übergießungen noch schwächere Laugen erhält, die bei folgenden Auslaugungen statt Wasser genommen werden.
Die Eindampfung erfolgt in Pfannen oder Kesseln bis zur trockenen Konsistenz der Salzmasse, die dann die Rohpottasche darstellt. Sie erscheint im Handel unter zweierlei Formen, als ausgerührte und als ausgeschlagene Ware. Die erstere entsteht, wenn die Masse beim Schluß des Eindampfens mit eisernen Rührscheiten gerührt wird, wodurch sich dieselbe zu runden Klumpen gestaltet, die noch stark wasserhaltig sind. Bei der zweiten Form wird das Rühren unterlassen und die Masse geht in der Pfanne in eine so feste Konsistenz über, daß sie nachgehends mit Hammer und Meißel herauszuschlagen ist; sie ist dann natürlich weniger wasserhaltig. Beide Sorten der Rohpottasche sind tief braun gefärbt von brenzlichen Stoffen, welche bei unvollständiger Verbrennung des Holzes entstanden und mit in die Asche und Lauge übergegangen waren.
Durch sog. Kalzinieren wird sie entfärbt und in die gewöhnliche P. verwandelt. Wo aber die Ware zu Verwendungen dienen soll, bei denen sie ohnehin hohen Hitzegraden ausgesetzt ist, wie beim Glasmachen, der Fabrikation von Blutlaugensalz, ist die vorherige Kalzination entbehrlich und die braune Ware ebenso brauchbar als weiße. Das Kalzinieren besteht darin, daß man den Rohstoff unter fleißigem Umrühren einer nicht zu hohen Glühhitze aussetzt, am besten dem Zugfeuer eines Flammenofens. Hierbei werden die letzten Wasserreste ausgetrieben und die braunen Stoffe verbrannt. Die Ware erscheint dann weiß oder durch einen kleinen Gehalt an Eisenoxyd rötlich, auch wohl durch etwas entstandenes mangansaures Kali bläulich und heißt im letztern Falle Perlasche. Sonst aber versteht man unter dieser Benennung auch wohl eine ganz weiße reine amerikanische Sorte.
Der Name P. kommt von Pot, Topf, da die Ware, im kleinen wenigstens, wegen ihrer großen Begierde, Wasser aus der Luft anzuziehen, in Töpfen verkauft wurde, die mit einer luftabhaltenden Decke verschlossen waren. Diese wasserziehende Eigenschaft ist dem kohlensauren Kali unter allen Umständen eigen, während dagegen das kohlensaure Natron - die kristallisierte Soda - an der Luft mehr und mehr austrocknet; nur die kalzinierte Soda zieht aus der Luft etwas Feuchtigkeit an, aber zerfliesst nicht, wie die P. Größere Posten von P. werden in Fässer verpackt und es kommt auf den Dichtegrad dieser an, ob der Inhalt sich trocken erhält, oder naß und schmierig wird, oder gar als Lauge durch die Fugen dringt.
Die gewöhnliche, aus Gewächsasche stammende P. ist noch kein reines kohlensaures Kali, sondern enthält nur solches in sehr wechselnden Mengen von 40-75%, woneben sich finden können schwefelsaures Kali 3-40, Chlorkalium bis 20, kohlensaures Natron bis 6%, auch etwas unlösliche Bestandteile, die durch die Filter gegangen oder beim Kalzinieren als Asche eingeflogen sind. Der Gehalt an kohlensaurem Kali gibt natürlich immer den Wertmesser für eine Ware ab. Die Anwesenheit fremder Stoffe kann für gewisse Verwendungen keinen Übelstand bilden, während man sie für andre Zwecke reiner braucht.
Zur weitern Reinigung kommt der Umstand zu statten, daß das kohlensaure Kali löslicher in Wasser ist als das schwefelsaure und das Chlorkalium oder, anders ausgedrückt, daß die letztern beiden in einer gesättigten Lösung des erstem unlöslich sind. Löst man daher das zu reinigende Salz in möglichst wenig heißem Wasser, so kristallisieren die fremden Salze größtenteils heraus und man erhält durch Wiedereindampfen der abgezogenen Lauge eine viel reinere Ware. In dieser Weise reinigt man z. B. die für das böhmische Kristallglas bestimmte P. Die gereinigte P. des Handels wird öfter durch Ausziehen der ordinären Ware mit so wenig kaltem Wasser erhalten, daß die andern Salze ungelöst bleiben. Ganz rein, wie es nur zu chemischen Arbeiten und in Apotheken gebraucht wird, erhält man das kohlensaure Kali, wenn man gleiche Gewichtsteile gereinigten Weinsteins und desgleichen Salpeter mischt und in einem eisernen Tiegel kalziniert. Durch die Hitze wird, wie schon bemerkt, der Weinstein in kohlensaures Kali und Kohle zersetzt, und letztere zersetzt wieder den Salpeter und verwandelt ihn ebenfalls in ¶
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kohlensaures Kali. Diese Sorte heißt Kali carbonicum e Tartaro; sie wurde früher auch Sal tartari (Weinsteinsalz) genannt. Für die Technik wäre es natürlich eine zu teure Prozedur, sich P. durch Umarbeitung des Weinsteins zu verschaffen; doch bezieht auch sie von dem Kali des Weinstocks einigen Beitrag, indem sie dasjenige ausnutzt, was in der Weinhefe wie in den Trestern und Kämmen der Trauben enthalten ist. Nachdem man diese Substanzen vorher auf Weinbeeröl und Weingeist ausgenutzt hat, trocknet und verbrennt man sie und zieht aus der Asche ein sehr reines kohlensaures Kali.
Übrigens erhält man jetzt auch sehr reines kohlensaures Kali auf andern Wegen; so z. B. aus dem Wollschweiß und den Wollwaschwässern, sowie aus den Rückständen der jetzt so großartig dastehenden Rübenzuckerindustrie. Wenn der hierbei massenhaft abfallende schlechte Sirup in Gärung versetzt und der Spiritus abdestilliert worden, bleibt eine Schlempe, die nicht zum Verfüttern taugt und selbst weggegossen noch Übelstände erzeugt. Somit bildet nur die Benutzung der Schlempe auf ihren Gehalt an Salzen (etwa 10%) einen Weg zur Beseitigung der lästigen Massen, der aber seine Schwierigkeiten hat und bei teurem Brennmaterial nicht einmal gut praktikabel ist.
Die Verarbeitung der Schlempe beruht ebenfalls auf Eindampfung, Kalzinierung, Auslaugung und Wiedereindampfung, letztere unter der Rücksichtnahme, daß soviel als möglich die fremden Salze, schwefelsaures Kali, Chlorkalium, kohlensaures Natron, durch Herauskristallisieren aus der Pottaschelauge abgetrennt und isoliert erhalten werden. Die aus der Schlempe erhaltene P. ist in der Regel weit reicher an Natronsalz als die aus Holzasche, und beträgt dieser Gehalt etwa 10%. Diese Fabrikation wird namentlich in Österreich und Deutschland betrieben; ebenso wird in diesen Ländern viel P. aus den Wollwaschwässern gewonnen, in Belgien und Frankreich auf letztgenannte Weise über eine Million Kilo jährlich. Somit läßt sich auch von Rübenfeldern und Weinbergen P. beziehen, freilich nur unter der Bedingung, daß ihnen diese Verluste an Kali auf andre Weise wieder ersetzt werden, wenn sie nicht ihre Ertragfähigkeit einbüßen sollen.
Es war daher für die Landwirtschaft nicht minder wie für die Technik die Erschließung des ungeheuren Steinsalzlagers Staßfurt mit seinen kalihaltigen Abraumschichten ein hochwichtiges Ereignis, welches die Versorgung mit Kalipräparaten sehr vereinfacht und Deutschland in dieser Beziehung vom Auslande weit unabhängiger gemacht hat. In diesem ungeheuren Salzstocke, dem Rückstand eines ausgetrockneten Meeres, sind die oben aufliegenden Abraumschichten vermöge ihres Kaligehalts viel wertvoller als das Steinsalz selbst. Die Landwirtschaft bezieht davon Millionen von Zentnern als Düngesalz für kalibedürftige Felder, indes die Technik nicht minder ansehnliche Mengen von Kalipräparaten von dort erhält.
Das in dem dort vorkommenden Karnallit (s. d.) enthaltene Chlorkalium wird in mehreren Fabriken teils zu P., teils zu Salpeter verarbeitet, wodurch in ersterer Hinsicht Nordamerika und Rußland, in zweiter England ihre bisherige Bedeutung verloren haben, denn früher beherrschte England den kontinentalen Markt mit seinem Ceylonsalpeter, welcher jetzt von hier verschwunden ist und nur noch für England selbst Bedeutung hat. Die Salpeterfabrikation in Staßfurt besteht in einer Verwandlung des weniger brauchbaren Chilisalpeters (Salpeter saures Natron) in den gewöhnlichen Kalisalpeter im Wege der doppelten Zersetzung des ersteren Salzes mit Chlorkalium, wobei sich salpetersaures Kali und Chlornatrium (Kochsalz) bilden. Die Darstellung von P. ihrerseits geht ungefähr in derselben Weise vor sich wie die der Soda aus Kochsalz.
Bietet somit Staßfurt die längst gesuchte Gelegenheit, Kaliverbindungen statt aus der Pflanzenwelt direkt aus dem Mineralreich entnehmen zu können, und zwar allem Anschein nach eine so gut wie unerschöpfliche Gelegenheit, so ist sie doch schon nicht mehr die einzige, denn man hat in den Salzlagern von Kalusz in Galizien, am Westabhange der Karpathen, ebenfalls Kalisalze gefunden; nicht allein die Sole hat dort einen Gehalt von 6-10% Chlorkalium, sondern es ist auch eine trockne Salzschicht von ähnlicher Beschaffenheit wie die Staßfurter Abraumsalze erschürft worden. -
Das kohlensaure Kali, rein und wasserfrei gedacht (Kali carbonicum depuratum), besteht in 100 Teilen aus 68,2 Kali und 31,8 Kohlensäure. Dasselbe, sowie die der Hauptsache nach daraus bestehende P. hat einen scharfen ätzenden Geschmack und eine stark alkalische Reaktion, zieht aus der Luft begierig Wasser an und zerfließt damit, ist also auch in sehr wenig, ungefähr der gleichen Gewichtsmenge Wasser löslich, unlöslich dagegen in Alkohol. Die gewöhnliche P. ist eine bröcklige, unkristallinische Masse; aus einer konzentrierten Lösung schießt das Salz in Kristallen an, die 20% Wasser enthalten und ebenfalls an der Luft zerfließen. In der Glühhitze gerät das Salz in feurigen Fluß und ist dann flüssig wie Wasser, bleibt aber dabei in seinem vollen Bestande und läßt durchaus keine Kohlensäure fahren.
Der Kaufwert der P. wie der Soda bestimmt sich nach ihrem Gehalt an kohlensaurem Salz, und die Ermittelung desselben ist daher eine Sache von Wichtigkeit, aber keineswegs leicht, sondern nur von geübten Laboranten auszuführen. Die Bestimmung erfolgt entweder mittels eines kleinen, aus zwei durch Glasrohrleitung verbundenen Flaschen bestehenden Apparats, in welchem auf eine abgewogene Menge des Salzes aus dem andern Fläschchen Schwefelsäure übergeführt wird, bis alle Kohlensäure ausgetrieben ist.
Eine vor- und eine nachherige Wägung des Apparats ergeben den Gewichtsverlust an fortgegangener Kohlensäure und nach diesem berechnet sich das vorhanden gewesene kohlensaure Salz. Oder es wird die sog. maßanalytische Methode angewandt, indem man nicht die Kohlensäure wiegt, sondern eine verdünnte Schwefelsäure von genau bestimmtem Gehalt (Normalsäure) aus einer graduierten Röhre so lange der gewogenen Salzlösung zusetzt, bis das kohlensaure Salz völlig ¶