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Die Rolle des Englischen als Welt- und Wissenschaftssprache par excellence war Thema der Dies-Rede von Rektor Andreas Fischer. In einem historischen Rückblick zeichnete er nach, wie das Englische im Laufe der Jahrhunderte andere wichtige europäische Sprachen aus der Rolle der Lingua Franca verdrängte. Im Vergleich mit dem Lateinischen, das in der nachrömischen Zeit eine reine Gelehrtensprache gewesen sei, liege die Stärke des Englischen als heutiger Wissenschaftssprache darin, dass es Erst- und Zweitsprache von vielen Millionen Menschen sei.
Wenn Sprachen verstummen
Für eine Schwächung oder Relativierung der Stellung des Englischen als Wissenschaftssprache sieht Fischer keine Anzeichen, zu gross seien in einer globalisierten Welt die Vorteile einer «von sehr vielen Menschen verstandenen, beinahe universalen Wissenschaftssprache». Eine Lingua Franca, wie es das heutige Englisch darstelle, sei heute ungleich wichtiger als etwa im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts, das von der Idee des Nationalen geprägt gewesen sei.
Fischer machte auch darauf aufmerksam, dass die Dominanz des Englischen Konsequenzen für andere Sprachen wie Deutsch, Französisch oder Italienisch habe, die sich als Wissenschaftssprachen kaum mehr weiterentwickeln könnten. Englischsprachige Universitäten seien im Vorteil – etwa im Wettbewerb um Studierende. «Wollen kontinentaleuropäische Universitäten in diesem Markt agieren, müssen auch sie mindestens einen Teil der Lehre auf Englisch anbieten», konstatierte Fischer.
Vielfalt der Hochschullandschaft retten
Sylvie Fee Michel, Präsidentin StuRa, schlug in ihrer Ansprache zum Thema «Wo studieren wir hin?» kritische Töne an. Die Vielfalt in der Lehre der Schweizer Hochschullandschaft gehe im Bologna-Prozesses verloren, meinte die Präsidentin des Studierendenrats. «Doch fürchten wir nicht nur um die Vielfalt in der Schweizer Hochschullandschaft, sondern auch um die Vielfalt und die Wahlmöglichkeiten an unserer Universität, der Universität Zürich: Dass einige Fächer, die im Liz-System im zweiten Nebenfach studiert werden konnten, heute nicht mehr als ein kleines Nebenfach angeboten werden, ist für uns inakzeptabel!», sagte Sylvie Fee Michel.
Ehrendoktorwürde an sechs Professoren verliehen
Im Rahmen der Feier wurde folgenden Personen die Ehrendoktorwürde verliehen: Prof. Dr. Peter B. Machinist in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Erforschung der Hebräischen Bibel und der altorientalischen Religions- und Kulturgeschichte und seines Einsatzes für eine Grenzen überschreitende wissenschaftliche Kommunikation und Kooperation.
Paul Brenzikofer in Anerkennung des langjährigen wissenschaftlichen und praktischen Engagements für die Reform des Strafvollzugs, des Strafrechts und der Kriminalpolitik, seiner Pioniertätigkeit im In- und Ausland und seiner Gabe, Theorien erfolgreich in die Strafvollzugspraxis umzusetzen.
Prof. Dr. Gilles Lavigne in Anerkennung seiner fundamentalen Beiträge zur Klärung der Zusammenhänge zwischen Schlaf-Wach-Zyklus, Schmerzen und Bewegungsstörungen im Bereich des Kauapparates. Insbesondere die Erforschung der Neurobiologie des Bruxismus hat durch seine Arbeiten wesentliche neue Impulse erfahren, was zu neuen diagnostischen und therapeutischen Strategien geführt hat.
Prof. Dr. Jean-Laurent Casanova in Anerkennung seiner hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiet der genetischen Diagnose und Therapie bei Kindern mit erhöhter Infektanfälligkeit und der seit vielen Jahren engen und freundschaftlich geprägten Verbindung zur UZH, im Besonderen zur Medizinischen Universitäts-Kinderklinik.
Dr. Stephen J. O’Brien in Anerkennung seiner grossen Verdienste auf dem Gebiet der Genetik und ihrer Bedeutung bei Erkrankungen bei Mensch und Tier, insbesondere bei Feliden. Seine Arbeiten stellen Meilensteine dar und beeinflussten nachhaltig die Forschung in den Gebieten der Genetik, der Infektiologie und Zoologie.
Dr. Jochen Greven in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Wiederentdeckung des Schweizer Dichters Robert Walser. Mit der Edition des Gesamtwerks und einem unermüdlichen publizistischen Wirken begründete und beförderte er die inzwischen weltweite Geltung Robert Walsers als eines der wichtigsten Autoren der klassischen Moderne.
Die Erweiterte Universitätsleitung ernannte Herrn Dr. Hans Vontobel in Anerkennung seiner grossen Verdienste, die er sich mit seiner Grosszügigkeit und seinem Engagement für das Gemeinwohl und die universitäre Forschung, insbesondere auf den Gebieten der Krebs-, der Alters- und der Alternsforschung wie auch im Bereich Finance, erworben hat, zum Ständigen Ehrengast der Universität Zürich.
Jahrespreise
Jahrespreise wurden im Auftrag der Fakultäten folgenden Personen überreicht:
Theologische Fakultät: Christian Moser. Seine Dissertation zu Heinrich Bullingers Reformationsgeschichtsschreibung setzt neue Massstäbe für künftige Bullinger-Studien und bereichert gleichzeitig die gesamte Reformationsforschung.
Rechtswissenschaftliche Fakultät: Stefan Schürer. Er entwickelt in seiner Dissertation eine «verfassungsgemässe Theorie historischer Gerechtigkeit», welche den Menschen und seine Verletzlichkeit in den Mittelpunkt stellt und die offizielle Geschichtsschreibung, die den Staat zum Verwalter einer historischen Wahrheit werden lässt, in die verfassungsrechtlichen Schranken weist.
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät: Dr. Beat Fluri. In seiner Dissertation definiert er eine neue Technik zur retrospektiven Analyse von Software-Änderungen. Mit dieser Technik wird es erstmals möglich, fehlerhafte Software-Teile mit historisierten Programm-Änderungen abzugleichen und konkrete Vorschläge zur Fehlervermeidung in der Programmierung anzuführen.
Vetsuisse-Fakultät: Dr. Silke Ruhl. In ihrer Doktorarbeit identizfiert sie erstmals das Bakterium Parachlamydia als Abortursache beim Rind. Damit gelingt es ihr, einen grossen Anteil der bislang unbestimmten Abortursachen aufzuklären.
Philosophische Fakultät: Dr. Jana Nikitin wird für ihre sowohl theoretisch als auch methodisch äusserst anspruchsvolle und kreative Dissertation ausgezeichnet, in der sie Wichtigkeit einer gleichzeitigen Betrachtung der sozialen Annäherungs- und Vermeidungsmotivation für das Verständnis kognitiver und verhaltensbezogener Prozesse in sozialen Situationen belegt.
Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät: Ricarda J.C. Hilf. In zwei wissenschaftliche Arbeiten zeigt sie die detaillierte Raumstruktur von petameren ligandengesteuerten Ionenkanälen auf und erklärt ihren Öffnungsmechanismus. Die Resultate sind Lehrbuchmaterial und Grundlage weiterer Entwicklungen.
Weitere Auszeichnungen
Weitere Auszeichnungpen gingen an folgende Personen: Dr. med. Daniel Barthelmes, Assistenzarzt an der Augenklinik des Universitätsspitals Zürich, erhielt für seinen geplanten Forschungsaufenthalt am am Sydney Eys Hospital das Forschungsstipendium 2009 der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung. Er wird dort erforschen, inwieweit retinale Gefässe, die im Rahmen des Diabetes Mellitus geschädigt wurden, mit Hilfe von Stammzellen des Knochenmarks zu reparieren sind.
PD Dr. med. et. phil. Daniel Konrad, Oberarzt in der Abteilung Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie am Kinderspital Zürich, erhielt den Wissenschaftspreis 2008 der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung in Anerkennung seiner Arbeit «Entstehung der Adipositas-assoziierten Insulinresistenz im Fettgewebe».
Prof. Dr. Brigitte Tag, Ordinaria für Strafrecht, Strafprozessrecht und Medizinrecht, erhielt den Credit Suisse Award for Best Teaching.
Der Linguist PD Dr. Guido Seiler wurde mit dem UBS Habilitationspreis ausgezeichnet.
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