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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

17. Vortrag.
14.
Laßt uns nun die Antwort der Wahrheit betrachten: "Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke". Hat also die Schrift fälschlich gesagt, daß "Gott von all seinen Werken ruhte am siebten Tage"1 ? Und gegen diese durch Moses überlieferten Schriftworte redet der Herr Jesus, da er zu den Juden sagt: "Wenn ihr dem Moses glauben würdet, würdet ihr auch mir glauben; denn von mir hat er geschrieben"2 ? Sehet zu, ob etwa Moses etwas andeuten wollte mit den Worten, daß "Gott ruhte am siebten Tage". Gott war ja nicht müde geworden durch Hervorbringung der Geschöpfe und bedurfte nicht der Ruhe wie ein Mensch. Wie sollte der müde geworden sein, der durch ein Wort erschaffen hat? Doch ist sowohl dies wahr, daß "Gott von seinen Werken ruhte am siebten Tage", als auch dies, was Jesus sagt: "Mein Vater wirkt bis zur Stunde". Aber wer mag mit Worten erklären,ein Mensch den Menschen, ein Schwacher den Schwachen, ein Ungelehrter den Lernbegierigen, einer, der vielleicht, wenn er es versteht, nicht imstande ist, es wiederzugeben und verständlich zu machen solchen Menschen, die es vielleicht schwer begreifen, auch wenn erklärt werden könnte, was erfaßt wird. Wer, sage ich, meine Brüder, mag mit Worten erklären, wie Gott sowohl ruhend wirkt als auch wirkend ruht? Ich bitte euch, daß ihr dies verschiebet, bis ihr fortgeschritten seid; denn diese Einsicht fordert den Tempel Gottes, fordert die heilige Stätte; traget den Nächsten und wandelt; dort werdet ihr ihn sehen, wo ihr nicht Worte von Menschen notwendig habt.
1: Gen 2,2
2: Joh 5,46