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Luftseilbahn Gornergrat - Hohtälli - Stockhorn, LGS
Betrieb auf beiden Sektionen eingestellt. Anlagen ersatzlos demontiert.
Der Gornergrat, ein Höhenzug zwischen Gorner- und Findelgletscher oberhalb von Zermatt, war schon seit je her ein beliebtes Ausflugsziel von Touristen aus dem In- und Ausland. Seit dem 20. August 1898 kann dieser einmalige Aussichtspunkt, der von einem eindrücklichen Kranz von Viertausendern umgeben ist, durch eine Zahnradbahn von Zermatt aus erreicht werden. Angeregt durch den boomenden Skisport ab den 50er-Jahren wurde die Idee geboren, mit einer Fortsetzung der Gornergratbahn in Form einer Luftseilbahn, die über den Hohtälligrat auf das Stockhorn führen sollte, weitere grosse und einzigartige Skigebiete zu erschliessen. Auch Fussgänger sollten von einer derartigen Bahn profitieren, da der Panoramagenuss durch eine Fahrt auf das Stockhorn noch weiter gesteigert werden kann.
Am 26. November 1952 reichte die Gornergratbahn-Gesellschaft dem Eidg. Post- und Eisenbahndepartement ein Konzessionsgesuch für eine zwei Sektionen umfassende Luftseilbahn ein, die vom Gornergrat aus über den Hohtälligrat auf das Stockhorn führt. Vorgesehen war eine konventionelle Pendelbahn mit Kabinen für je 40 Personen. Jede der beiden Sektionen sollte aber vorerst mit nur einer Fahrbahn und einer Kabine ausgerüstet werden, so dass bei Bedarf die Kapazität der Bahn zu einem späteren Zeitpunkt verdoppelt werden kann. Nach einer Überarbeitung des von der Gesellschaft der Ludwig von Roll' schen Eisenwerke AG, Werk Bern, verfassten Projektes wurde die Konzession am 18. August 1954 erteilt. Nach der Auftragsvergabe konnte mit den Bauarbeiten Ende Mai 1955 begonnen werden, die Dank mildem Wetter bis in den Spätherbst hinein zügig fortschritten. Die erste Sektion Gornergrat-Hohtälli wurde am 9. August 1956 kollaudiert, so dass sie für den Bautransport der zweiten Sektion verwendet werden konnte. Am 8. März 1957 wurde auch der Personenverkehr vorübergehend aufgenommen, bis die neue Bahn ab dem 10. Mai wieder ganz den am Bau der zweiten Sektion beteiligten Firmen zur Verfügung stand. An der Bergstation auf dem Stockhorn wurden zwischen Ende August 1957 und Ende November die Verankerungssockel betoniert und auch während des folgenden Winters kamen weitere Arbeiten zur Ausführung. Bruchsteine für die Verkleidung der Betonbauwerke konnten jeweils an Ort und Stelle gewonnen werden. Die Betonierung der Fundamente für die 37 Meter hohe Stütze 2 unterhalb der Bergstation wurde am 11. Juli 1958 in Angriff genommen. Dazu musste ein mittels Motorwinde angetriebener Schlittenlift erstellt werden, mit dem man die über eine Tonne schweren Betonbehälter zum Bauplatz transportieren konnte. Nach der am 16. Oktober 1958 durch das Eidg. Amt für Verkehr vorgenommenen Kollaudation konnte auch die zweite Sektion der damals höchstgelegenen Luftseilbahn der Schweiz am 23. Oktober 1958 feierlich eingeweiht werden.
Bereits im Jahre 1963 wurde die von Anfang an vorgesehene Verdoppelung der Förderleistung beider Sektionen realisiert. Zu diesem Zweck wurden auch auf der rechten Fahrbahnseite Tragseile eingezogen und die Firma FFA Altenrhein lieferte zwei weitere, (fast) baugleiche Leichtmetall-Kabinen mit einem Fassungsvermögen von je 40 Personen. Mit diesen Massnahmen konnte die anfängliche Kapazität der Bahn von 200 Pers./h auf 400 Pers./h je Sektion gesteigert werden.
Folgende Firmen waren am Bau der Luftseilbahn Gornergrat-Stockhorn, deren Gesamtkosten damals über 2,3 Mio. Fr. (!) betrugen, beteiligt: Gesamtprojektierung, Lieferung und Montage der mechanischen Ausrüstung: Von Roll AG, Werk Bern. Elektrischer Teil: Brown Boveri & Cie., Baden. Telefon- und Sicherungsanlagen: Chr. Gfeller AG, Bern-Bümpliz. Kabinen: Flug- und Fahrzeugwerke AG, Altenrhein SG. Stützen: Hans Kissling Eisenbau AG, Bern. Gebäude und Stützenfundamente: Architekt Hermann Rüfenacht, Bern; Ing. Jakob Schneider, Bern; Sulag AG (Summermatter & Lauber AG, Zermatt).
Der Vollständigkeit halber müssen hier noch zwei weitere Luftseilbahnen erwähnt werden, die das Gebiet um den Hohtälligrat erschliessen: Zum Einen wäre das die kurze, 687 m lange Verbindungsbahn Hohtälli-Rote Nase, die im Jahre 1986 als einspurige Von Roll-Pendelbahn in Betrieb genommen wurde. Auch diese Luftseilbahn, deren Bergstation unmittelbar neben der Talstation der zweiten Sektion der Stockhornbahn auf Hohtälli errichtet wurde, liesse sich bei Bedarf auf zwei Fahrspuren erweitern. Durch diese Bahn wird die Verbindung mit der Bergstation des Skiliftes Triftji, der vom Findeltal zur Roten Nase hinaufführt, sichergestellt. Die zweite Luftseilbahn, die ihre Bergstation ebenfalls auf Hohtälli hat, ist die von Garaventa erstellte und am 18. Dez. 1998 eröffnete Pendelbahn Gant-Hohtälli, welche das Skigebiet von Gornergrat / Stockhorn mit demjenigen von Blauherd / Rothorn verbindet. Diese Luftseilbahn birgt zudem einen Rekord: Mit der 94 Meter hohen Stütze 2 hat diese Bahn den höchsten Seilbahnmast in der Schweiz.
Übersichtskarte des Gebietes Gornergrat / Stockhorn. (Grafik: Zermatter Bergbahnen) G: Gornergratbahn (Zahnradbahn), H1: Luftseilbahn Gornergrat-Hohtälli (1. Sektion), H2: Luftseilbahn Hohtälli-Stockhorn (2. Sektion), H3: Verbindungsbahn Hohtälli-Rote Nase, H4: Luftseilbahn Gant-Hohtälli. K3: Skilift Triftji. K1: Sesselbahn Gifthittli.
Beide Sektionen der Stockhornbahn befanden sich bis zuletzt praktisch noch im Zustand von 1963 und waren somit erneuerungsbedürftig. Einzig auf der etwas stärker frequentierten ersten Sektion wurden die alten FFA-Kabinen durch modernere, gleichgrosse von der Firma Gangloff ersetzt. Im April 2007 waren die beiden Abschnitte der Luftseilbahn Gornergrat-Hohtälli und Hohtälli-Stockhorn zum letzten Mal für den öffentlichen Personenverkehr im Betrieb. Die Anlagen wurden nicht mehr erneuert und daher leider abgebrochen. Das Hohtälli bleibt über den Skilift Triftji und die beiden Pendelbahnen Rote Nase sowie Gant-Hohtälli weiterhin erschlossen, während für die Erschliessung des Freeride-Gebietes am Stockhorn ein neuer Skilift errichtet wurde, so dass dieser Aussichtspunkt auch in Zukunft erreichbar bleibt, wenn auch nur für Skifahrer. Mit den Stockhorn-Luftseilbahnen verschwanden zwei wichtige Zeugen aus der Boomzeit der mechanischen Erschliessung des Zermatter Skigebietes, die durch ihren fast unveränderten Bauzustand eindrücklich den Stand der Seilbahntechnik der Fünfzigerjahre dokumentierten.
Technische Daten und Fotos der Luftseilbahn Gornergrat-Hohtälli (1. Sektion):
|Erbaut durch||Von Roll, Werk Bern|
|Inbetriebnahme||8. März 1957|
|Ausbau auf 2 Fahrbahnen||1963|
|Fahrbahnlänge||1585 m|
|Höhe Talstation||3114 m.ü.M.|
|Höhe Bergstation||3279 m.ü.M.|
|Höhendifferenz||165 m|
|Grösste Neigung||38 %|
|Anzahl Zwischenstützen||1, Höhe 30,5 m|
|Grösstes Spannfeld||1413 m|
|Tragseile||2 pro Fahrbahn, ø 37 mm|
|Zugseile||2, ø 23 mm|
|Gegenseile||2, ø ? mm|
|Hilfsseil||ø 15 mm|
|Spannvorrichtungen f. Trag- u. Zugseile||Talstation|
|Kabinen||2 à 40 Pers., von FFA (ersetzt durch Gangloff)|
|Eigengewicht eines Fahrzeuges||2125 kg|
|Fahrgeschwindigkeit||6 m/sek.|
|Antrieb||Talstation|
|Schaltung||Ward-Leonard|
|Max. Antriebsleistung||200 kW|
|Hilfsantrieb||Benzinmotor, 48 kW|
|Förderleistung||400 Pers./h|
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Abb.1: Die Endstation der Gornergratbahn auf 3089 m.ü.M. Bereits hier geniesst man ein atemberaubendes Panorama auf die Zermatter Bergwelt; markant in Bildmitte das Matterhorn, rechts im Hintergrund der Dent Blanche. Abb.2: Wenige Meter oberhalb des Endbahnhofes der Gornergratbahn befindet sich die Talstation der Luftseilbahn zum Hohtälligrat. Abb.3: Das Kulmhotel Gornergrat mit seinem Observatorium, rechts davon die Talstation der Luftseilbahn. Abb.4: Talstation Gornergrat mit ausfahrender Kabine. Abb.5: Die Antriebsmaschine der 1. Sektion in der Talstation. Der Keilriementrieb im Vordergrund gehört zum Hilfs-Benzinmotor, der nur im Störungsfall zum Einsatz kommt. Abb.6: Blick aus der Talstation auf die Strecke gegen die Bergstation Hohtälli.
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Abb.7: Die einzige Stütze der 1. Sektion, mit Dom und Alphubel im Hintergrund. Abb.8: Streckenaufnahme aus der Bergstation. Abb.9: Blick aus der Bergstation gegen Gornergrat und Trockener Steg. Am linken Bildrand ist das Klein Matterhorn zu erkennen, das ebenfalls von einer Luftseilbahn erschlossen ist. Abb.10+11: Kabine bei der Einfahrt in die Bergstation. Abb.12: Das 16-rollige Kabinenlaufwerk. Gut zu erkennen sind die mittig angeordneten Fangbremsen und die doppelte Zug- bzw. Gegenseilbefestigung.
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Abb.13+14: Ungewöhnlich bei beiden Sektionen der Stockhornbahn sind die offen gehaltenen Gegenseilumlenkungen mit den Befestigungen für die Tragseile. Die Einrichtungen sind in einem kompakten Gerüst zusammengefasst, das in der Bergstation an der Rückwand der Einfahrhalle verankert ist. Abb.15: Bergstation der ersten Sektion auf Hohtälli. Das gefällige Betongebäude mit einfachen, zeitlos schönen Formen ist zwecks noch besserer Einfügung in die Hochgebirgslandschaft mit Bruchsteinen verkleidet. Abb.16+17: Zwei Bilder aus vergangenen Tagen, als noch die alten FFA-Kabinen mit ihren Stahlrohrgehängen im Einsatz waren.
Fotos: 1 -15: C. Gentil
Technische Daten und Fotos der Luftseilbahn Hohtälli-Stockhorn (2. Sektion):
|Erbaut durch||Von Roll, Werk Bern|
|Inbetriebnahme||23. Okt. 1958|
|Ausbau auf 2 Fahrbahnen||1963|
|Fahrbahnlänge||1595 m|
|Höhe Talstation||3279 m.ü.M.|
|Höhe Bergstation||3413 m.ü.M.|
|Höhendifferenz||134 m|
|Grösste Neigung||34 %|
|Anzahl Zwischenstützen||2, Höhen 22 m u. 37 m|
|Grösstes Spannfeld||1162 m|
|Tragseile||2 pro Fahrbahn, ø 36 mm|
|Zugseile||2, ø 20 mm|
|Gegenseile||2, ø ? mm|
|Hilfsseil||ø 15 mm|
|Spannvorrichtungen f. Trag- u. Zugseile||Talstation|
|Kabinen||2 à 40 Pers., von FFA|
|Eigengewicht eines Fahrzeuges||2125 kg|
|Fahrgeschwindigkeit||6 m/sek.|
|Antrieb||Talstation|
|Schaltung||Ward-Leonard|
|Max. Antriebsleistung||200 kW|
|Hilfsantrieb||Benzinmotor 48 kW|
|Förderleistung||400 Pers./h|
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Abb.1: Die Talstation der zweiten Sektion der Stockhornbahn auf Hohtälli. Links daneben die Endstation der einspurigen Verbindungsbahn Rote Nase-Hohtälli. Abb.2+3: In die Talstation einfahrende Kabine. Auf dieser Sektion sind immer noch die alten Leichtmetallkabinen der Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA) vorhanden. Stilecht dazu sind auch die Gehänge in Fachwerkbauweise; allerdings handelt es sich dabei um neuere Profil-Konstruktionen, die die alten Stahlrohrgehänge ersetzt haben. Abb.4-6: Stockhornbahn bei der ersten Stütze nach der Talstation mit dem markanten Monte Rosa und der Dufour Spitze. Der Grenzberg zu Italien ist mit seiner Höhe von 4634 Metern die höchste Erhebung der Schweiz.
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Abb.7: Auf der Bergfahrt zum Stockhorn mit talwärts fahrender Kabine. Abb.8: Bereits während der Fahrt geniesst man ein eindrückliches Panorama auf die Zermatter Bergwelt. Abb.9: Mast 2 der zweiten Sektion hat eine Höhe von 37 Metern und ist damit die höchste der insgesamt drei Stützen der Stockhornbahn. Abb.10: Panoramablick von der Bergstation gegen Westen. Zu erkennen sind auch die zurückliegenden Stationen von Hohtälli und Gornergrat. Abb.11: Durch das Teleobjektiv rücken Kabine und Matterhorn optisch nahe zusammen. Abb.12: Blick nach Nordwesten mit Dent Blanche, Ober Gabelhorn und Zinalrothorn.
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Abb.13: Kabine Nr.3 bei der Bergstation, im Hintergrund das Zinalrothorn und das Weisshorn. Interessant ist die unterschiedliche Fensterteilung der beiden Kabinen (vergl. mit Bild 2), die von den verschiedenen Baujahren herrührt. Abb.14+15: Die Bergstation auf dem Stockhorn liegt auf einer Höhe von 3413 m.ü.M. Abb.16: Einfahrende Kabine. Abb.17: Kabine in der Bergstation. Abb.18: Wie bei der ersten Sektion sind auch hier die mechanischen Stationseinrichtungen offen ausgeführt. Abb.19: Frisch revidiertes Laufwerk der Kabine Nr.3.
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Abb.20: Wie die übrigen Gebäude der Stockhornbahn ist auch die Bergstation eine sehr gefällige, bruchsteinverkleidete Betonkonstruktion. Abb.21: Verbindungsbahn Hohtälli-Rote Nase mit Liskamm, den Zwillingen Castor und Pollux und dem Breithorn. Abb.22: Da keine Stützen zu befahren sind, konnte das Kabinengehänge der Verbindungsbahn zur Roten Nase symmetrisch ausgeführt werden. Abb.23: Kabinenkreuzung vor dem Rimpfischhorn. Abb.24: Parallelfahrt zwischen den Kabinen der Stockhorn- und der Verbindungsbahn. Abb.25: Die moderne Luftseilbahn Gant-Hohtälli von Garaventa.
Fotos 1 - 22: C. Gentil; Fotos 23 - 25: A. Stiefenhofer, Goldau.
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