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Ein «Espresso»-Hörer schaut sehr gerne Tennis-Matches von Grand-Slam-Turnieren am Fernsehen. Da wird jeweils die Geschwindigkeit des Aufschlags angezeigt. «Mich würde nun interessieren, wie und wo genau diese Geschwindigkeit gemessen wird», schreibt der Hörer der «Espresso»-Redaktion.
«Espresso»: Unmittelbar nach dem Aufschlag erscheint jeweils die Geschwindigkeit auf der Anzeigetafel – wie funktioniert die Messung bei Grand-Slam-Turnieren?
Heinz Günthardt: Die Aufschlaggeschwindigkeit wird mit dem sogenannten Doppler-Radar gemessen. Das heisst, es wird ein Radar-Signal geschickt und dann kommt wieder eins retour. Dazu stehen bei grossen Turnieren auf der Grundline Radarmessgeräte. Sie messen die Geschwindigkeit genau zu dem Zeitpunkt, wenn der Ball den Schläger verlässt. Es ist die Ausgangsgeschwindigkeit ab dem Schläger, die gemessen wird. Nachher nimmt das Tempo des Balls stark ab.
Welche ist der schnellste Service, den es je gegeben hat?
Es gibt inoffizielle Weltrekorde: Sam Groth hat mal mit 263 Kilometern pro Stunde serviert. Allerdings wurden an diesem kleinen Turnier in Südkorea 2012 nicht offiziell kalibrierte Geräte verwendet. Aber rund 240 Kilometer pro Stunde können die Tennis-Profis servieren, wenn sie 100 Prozent geben. Allerdings ist dies meist nicht der Fall. Die Profis servieren nur mit 95 Prozent Kraft, damit sie eine bessere Kontrolle und Präzision haben.
Welches sind die stärksten Aufschläger auf der Tour?
Die grössten Spieler sind jeweils auch die besten Aufschläger, das hat mit der Hebelwirkung zu tun. Reilly Opelka ist 2.11 Meter gross – John Isner 2.09 Meter. Beide servieren auch sehr schnell. Aber auch Roger Federer hat einen sehr guten Service. Zwar nicht so gut wie John Isner, aber er braucht diesen auch nicht so stark, weil sein Return viel besser ist als der von John Isner.
Warum ist der Service beim Tennis eigentlich so wichtig?
Es ist der erste Schlag im Spiel. Wenn man beim Aufschlag ein Ass oder einen Winner spielt, gibt es ja keinen zweiten Schlag mehr. Und es ist auch der einzige Schlag, den ich als Spieler oder Spielerin voll kontrollieren kann. Ich kann entscheiden, wohin ich serviere, wie ich den Ball aufwerfe und wie viel Drall ich gebe. Es ist der einzige Moment, wo ich die volle Kontrolle habe.
Wäre ein Sieg an einem Grand Slam-Turnier ohne guten Aufschlag überhaupt möglich?
Theoretisch wäre es auf einer langsamen Unterlage wie Sand möglich. Allerdings schlagen die männlichen Tennisprofis so gut auf, dass man dies zuerst kompensieren müsste. In Wimbledon beispielsweise werden etwa 40 Prozent der Services nicht retourniert, geben also einen direkten Punkt. Darum ist der Aufschlag auf Rasen extrem wichtig und ein schlechter Service kann fast nicht kompensiert werden.
Das Gespräch führte Nicole Roos.