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Welche Krankheiten können Zecken übertragen?
Die bekanntesten von Zecken verursachten Krankheiten sind Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Ein Zeckenstich kann aber weitere, seltene Erkrankungen wie Fleckfieber, Anaplasmose, Ehrlichiose, Babesiose und Tularämie mit sich bringen. Lesen Sie hier alles zu den Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten.
Fleckfieber: Ansteckung, Symptome und Behandlung
Fleckfieber ist auch als Läusefieber, Zecken-Fleckfieber und Rickettsiose bekannt. Die Krankheit beruht auf einer Ansteckung mit dem Bakterium Rickettsia prowazekii hervorgerufen wird.1 Die Infektion erfolgt in seltenen Fällen durch Kleiderläuse, häufiger jedoch über tropische Zecken wie die Hyalomma-Zecke. Die Zeckenart stammt ursprünglich aus Afrika und Asien, breitet sich im Zuge des Klimawandels aber zunehmend auch in der Schweiz aus. Dank ihrer auffällig gestreiften Beine und Körpergrösse von etwa 2 Zentimetern ist sie leicht vom einheimischen Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) zu unterscheiden.2
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit, beträgt 1 bis 2 Wochen.3 Bei der Rickettsiose treten oft grippeähnliche Symptome auf. Neben Fieber und Schüttelfrost kommt meist aber auch etwa 5 Tage nach Infektion ein Hautausschlag (Exanthem) hinzu.4 Rote, lila- oder rosafarbene Flecken (Makulae) gehen dabei vom Rumpf aus auf Arme und Beine über. Weitere Fleckfieber-Symptome sind Unruhe, Sprach- und Bewusstseinsstörungen sowie Händezittern. Bleibt die Rickettsiose unbehandelt, endet sie bei etwa 40 Prozent der Patienten tödlich.5 Mit der richtigen Therapie heilt die Krankheit mit den verbundenen Symptomen aber meist aus. In der Regel helfen Antibiotika und ein Malariamittel. Ausserdem sind Medikamente zum Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts nötig.
Der Volksmund kennt für Fleckfieber auch die Bezeichnungen Läusetyphus und Flecktyphus. Rickettsiose ist aber nicht mit Typhus zu verwechseln, dessen Ursache Salmonellen sind. Die Verwirrung entstammt dem Englischen: Fleckfieber heisst dort typhus, Typhus hingegen typhoid fever.
Zeckenkrankheit Anaplasmose
Anaplasmose betrifft überwiegend Hunde, Katzen, Rinder und Schafe. Es gibt jedoch auch eine Unterform, die den Menschen befallen kann: Humane Granulozytäre Anaplasmose (HGA). Auslöser ist das Bakterium Anaplasma phagocytophilum, das in Europa vorwiegend durch einen Zeckenstich des gemeinen Holzbocks übertragen wird.6 Die Inkubationszeit liegt bei 7 bis 11 Tagen.7
Folgende Symptome sind typisch für Anaplasmose:8
- Fieber
- Schüttelfrost
- Kopf- und Muskelschmerzen
In seltenen Fällen können auch Magen-Darm- und Atembeschwerden sowie Hautausschläge auftreten.9 Die Sterblichkeitsrate beträgt lediglich 0,6 Prozent.10 Durch die 1- bis 2-wöchige Gabe eines Breitband-Antibiotikums lässt sich die Krankheit behandeln.11
Ehrlichiose: Wie äussert sich die Zeckenkrankheit?
Die Ehrlichiose betrifft hauptsächlich Hunde. Aber auch hier existiert eine Variante, die den Menschen befallen kann: Humane Monozytäre Ehrlichiose (HME). Überträger der Bakterien Ehrlichia chaffeensis sind vor allem die Zeckenarten braune Hundezecke und Amblyomma americanum.12 Der Zeitraum zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch beträgt 7 bis 10 Tage.13
Früher hielten Mediziner Anaplasmose und Ehrlichiose fälschlicherweise für ein und dieselbe Erkrankung, da sich die Symptome stark ähneln. Beide Krankheiten tragen landläufig auch den Namen Zeckenfieber.
Klassische Symptome der Ehrlichiose sind:14
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Muskel- und Gelenkschmerzen
Ausserdem treten bei bis zu 60 Prozent der Kinder und 30 Prozent der Erwachsenen Hautausschläge sowie Haut- und Schleimhautblutungen auf.15 Das Gesicht ist meist nicht betroffen. Die Sterblichkeitsrate liegt mit 2 bis 3 Prozent ebenfalls niedrig.16 In der Regel erfolgt die Behandlung durch den Einsatz von Antibiotika.
Neoehrlichiose ist eine Verwandte der Ehrlichiose, die auf einer Infektion mit dem Bakterium Neoehrlichia mikurensis beruht17. Die ebenfalls durch Zecken übertragene Krankheit äussert sich in hohem Fieber bis 40 Grad Celsius, Übelkeit und Gewichtsverlust18..
Babesiose in der Schweiz
Babesiose, auch Babésiose oder Piroplasmose genannt, wird überwiegend durch Ixodeszecken übertragen.19 Dazu gehört in der Schweiz neben dem gemeinen Holzbock auch die Auwaldzecke und die braune Hundezecke. Infizierte Menschen können den Erreger nur über Transfusionen oder in der Schwangerschaft auf andere Personen übertragen. Etwa 3,5 bis 8,9 Prozent aller Holzbock-Zecken tragen Babesien in sich.20 Dabei handelt es sich um circa 0,5 bis 1,5 Mikrometer grosse Einzeller, die überwiegend in Süd- und Osteuropa, zunehmend aber auch in der Schweiz vorkommen.21
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Die Inkubationszeit kann sich von 5 auf bis zu 33 Tage erstrecken.22 Typisch für Babésiose ist zunächst eine 1- bis 9-wöchige Phase ohne Symptome.23 Danach können folgende Beschwerden auftreten:24
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Durchfall
- hohes Fieber (40 bis 41 Grad Celsius)
- Leberschwellungen
- Blut im Urin
- Anämie (Blutarmut)
Wie schwer die Krankheit verläuft, hängt unter anderem vom Gesundheitszustand des Patienten ab. Personen mit Immunerkrankungen leiden oft unter schweren Verläufen und Komplikationen wie Nierenschädigungen, Sepsis (Blutvergiftung) oder Ikterus (Gelbsucht).25
In leichten Fällen heilt Babesiose häufig von allein wieder aus. Ruhe und Schmerzmittel kommen zur Linderung der Beschwerden zum Einsatz. Wenn nötig, verschreibt der Arzt eine Kombination aus Malariamedikamenten und Antibiotika.26
Die Symptome der Babesiose ähneln denen von Malaria. Sie ist deshalb umgangssprachlich auch als Hundemalaria bekannt.
Symptome und Therapie von Tularämie
Tularämie tritt hauptsächlich in Nordamerika auf. Dort werden jährlich etwa 100 bis 200 Fälle verzeichnet.27 Vereinzelt kommt die Zeckenkrankheit aber auch in der Schweiz vor: Im Jahr 2020 (Stand Oktober) gab es 45 Fälle.28 Auslöser der Erkrankung ist der Erreger Francisella tularensis.29 Seit 2004 gilt eine Meldepflicht für Tularämie in der Schweiz. Bei 56 Prozent der Betroffenen beruht die Krankheit auf einem Zeckenstich.30 Weitere mögliche Ursachen sind die Aufnahme von kontaminiertem Wasser, Staub oder Fleisch sowie ein Haut- oder Schleimhautkontakt mit befallenen Tieren. Je nach Ursache treten bei der Tularämie nach einer 1- bis 14-tägigen Inkubationszeit verschiedene Symptome auf:31
- Hautkontakt mit den Keimen: zum Beispiel Geschwüre
- Trinken von infiziertem Wasser: Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen
- Einatmen der Erreger: Husten, Brustschmerzen, Atemstörungen und Atemnot
Eine möglichst schnelle Therapie der Tularämie ist notwendig, um einen schweren Verlauf zu vermeiden. In der Regel verschreibt der Arzt ein Antibiotikum.