Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03353.jsonl.gz/1055

Ampanihy ist eine kleine Stadt im Südwesten von Madagaskar. Der Name bedeutet «Ort der Fledermäuse».
Nicht viele Touristen finden den Weg nach Ampanihy, aber jene, die das Abenteuer lieben, sollten hier einen Stopp einplanen. Denn hier erhalten sie einem Einblick in ein Handwerk von Madagaskar, das die meisten vorerst mit Madagaskar gar nicht in Verbindung bringen würden.
In Ampanihy hat man nur ein einfaches Hotel zur Auswahl und im Ortskern gibt es nebst Streetfood bloss ein kleines Restaurant, das jedoch sehr gute lokale Gerichte serviert. Aber nur wegen der Kulinarik reist man eigentlich nicht nach Ampanihy.
Einer der Gründe ist die lokale Produktion von Mohairwolle und die Teppiche, die aus der Wolle geknüpft werden.
Vor über 100 Jahren wurden erstmals Angoraziegen nach Madagaskar eingeführt. Nicht nur die trockene Region von Ampanihy eignete sich sehr gut für diese Ziegenrasse, auch die hier ansässige Ethnie erlaubte das Halten von Ziegen, im Gegensatz zum Hochland, wo Ziegenhaltung als «fady» (Tabu) gilt.
Leider wurden die Angoraziegen sehr schnell mit den lokalen Rassen gekreuzt und so nahm die gute Qualität der Wolle schnell ab und die Produktion wurde eingestellt.
Ein zweiter Versuch fand dann in den 1930er-Jahren statt, indem nochmals reinrassige Angoraziegen nach Madagaskar importiert wurden. Daraus entwickelte sich eine beachtliche Herde und die Tradition des Knüpfens von Teppichen aus Mohairwolle.
Die von Hand geknüpften Teppiche hatten Erfolg und wurden gar ins Ausland verkauft. Eine lokale Kooperative organisierte ab 1949 die Aktivitäten rings um die Teppichweberei. Sie ging allerdings ein und eine private Initiative versuchte, dem Gewerbe neues Leben einzuhauchen. Das gelang ziemlich, bis diese private Initiative auch stockte.
Derweil knüpfen einige lokale Frauen fleissig weiter. Bei Ankunft vor Ort werden Sie schnell von Wiederverkäuferinnen begrüsst, die alle behaupten, dass die Teppiche von ihnen selbst und aus reiner Angorawolle geknüpft seien. Hier lohnt es sich jedoch genauer hinzuschauen und nicht zu schnell zuzuschlagen. Denn die meisten dieser Teppiche sind leider nicht mehr aus reiner Angorawolle, sondern aus Kunststoff oder aus Mischstoffen gefertigt.
Nehmen Sie sich lieber genügend Zeit und besuchen Sie eine der kleinen Familienbetriebe, die immer noch nach alter Tradition arbeiten. Sie können zudem in Ihrem Hotel (oder bei uns) erfragen, wo Sie einen zuverlässigen Kontakt im Ort finden können.
Wenn Sie einen dieser Betriebe besuchen, sind Sie nicht verpflichtet etwas zu kaufen, aber eine kleine Spende (Süssigkeiten, Kaffee etc.) wird von den Frauen immer mit grosser Freude und Dank-barkeit entgegengenommen.
Es ist auch möglich einen der Ziegenbauern zu besuchen, um zu sehen, wie eine Angoraziege wirklich aussieht. Die Angoraziegen, die Sie in Ampanihy finden, sind nach Aussagen der Halter die fünfte Generation der Angoraziegen, die importiert wurden. Sie versuchen, die Qualität der Rasse zu erhalten und kleine Familienbetriebe, die ebenfalls auf die Qualität der Wolle achten, kaufen nur bei diesen Ziegenhaltern ein.
Einer dieser kleinen Familienbetriebe wird von Armelle, einer jungen Frau, geleitet. Wir haben Armelle vor Ort besucht und für Sie ein paar Fotos, sowie ein kleines Interview erstellt:
Armelle hat sich nach ihrem Studium entschieden, etwas für die Frauen vor Ort zu unternehmen und probiert daher die Teppiche zu vermarkten. Sie nennt Ihre Firma «Tapis Mohair Ampanihy» und verkauft ihre Produkte hauptsachlich über Facebook. Armelle hat auch in Ivato, einem Stadtteil von Antananarivo, einen Show-Room, wo Sie nach Absprache die Teppiche anschauen und auch kaufen können.
Wenn auch Sie Interesse an einem Angorateppich aus Ampanihy haben oder diesen Familienbetrieb besuchen möchten, nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf!