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Manuel aus Portugal
Mein Name ist Manuel, ich bin 31 Jahre alt und lebe seit 10 Jahren in Solothurn. Ich bin nicht verheiratet, habe aber ein Kind. Es ist 2 Jahre alt.
Meine Mutter war eine starke, schöne und fröhliche Frau. Sie war nie verheiratet. Sie hat immer einen guten Ehemann gesucht, aber nie einen gefunden. In meiner Fantasie habe ich mir meinen Vater vorgestellt: er war gross, stark und sehr lieb zu mir. Oft habe ich in Gedanken mit ihm gesprochen.
Wir Kinder spielten meistens zusammen im Haus oder schauten fern. Wir durften nicht draussen spielen, denn dort gab es gefährliche Banden. Meine Mutter arbeitete viel und kam jeweils erst spät am Abend nach Hause. Sie hat für uns vorgekocht, und wir Kinder haben zusammen gegessen. Mein älterer Bruder war der Chef. Was er sagte, haben wir gemacht. Ich finde, er war ein guter Chef.
Meine Mutter arbeitete als Dienstmädchen bei verschiedenen Familien. 14 Stunden pro Tag! Vom Staat bekam sie wenig Kindergeld.
Ich bin 9 Jahre zur Schule gegangen. Es gab dort immer gratis Mittagessen. Der Weg zur Schule war gefährlich wegen der Banden, deshalb sind wir Geschwister immer zusammen hingegangen. Am Anfang war ich ein guter Schüler, doch später hatte ich kein Interesse mehr. Mit 15 Jahren habe ich die Schule verlassen und Gelegenheitsjobs am Strand angenommen.
Als ich 10 Jahre alt war, schloss ich mich mit meinem grossen Bruder einer Bande an, um mehr Schutz zu haben. Leider haben wir auch kriminelle Dinge gemacht: in den Supermärkten Süssigkeiten und später Zigaretten und Alkohol gestohlen. Wir hatten bald Probleme mit der Polizei. Das hat uns aber wenig beeindruckt. Wir waren bald schneller und geschickter als sie und haben uns nicht so leicht erwischen lassen.
Als ich bereits nicht mehr in der Schule war, habe ich meinen früheren Sportlehrer am Strand getroffen. Er meinte: «Du kannst surfen lernen.» Ich habe mir dann ein Surfbrett mit 3 anderen Jugendlichen geteilt. Das hat immer Streit gegeben. Ich habe sehr gut surfen gelernt. Ich war süchtig danach! Wir alle träumten davon, nach Hawaii zu fliegen und auf einer wirklich grossen Welle zu surfen. Plötzlich war ich braun gebrannt, mit starken Muskeln und vielen Verehrerinnen. Doch ich hatte keine Zeit für Mädchen, wollte nur auf meinem Brett stehen. Damals lebte ich nicht mehr zu Hause. Da ich die Mitglieder meiner früheren Bande nicht treffen wollte, besuchte ich meine Familie nie. Ich vermisste sie sehr. Sie hat mich nie am Strand besucht.
Nach dem Militär habe ich keine Arbeit gefunden. Über das Arbeitsamt habe ich eine Stelle in einem Restaurant in der Schweiz bekommen. Weil ich keine krummen Dinge mehr drehte, war ich kein Risiko mehr. Mein Schweizer Chef war sehr zufrieden mit mir, denn ich war schnell und flexibel: Ich konnte bleiben. Später lernte ich im portugiesischen Verein eine Frau kennen, und sie wurde bald schwanger. Wir leben jetzt zusammen und haben ein Kind. Wir sind glücklich, möchten aber nicht heiraten.
Ich mache alles für meinen kleinen Sohn. Ich wünsche mir, dass er disziplinierter wird als ich und einen guten Beruf erlernt.