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Seit 55 Jahren ein Bindeglied
Schulkinder in Kiwenda, Uganda
"Natürlich sind wir nicht schuld, aber wir hängen mit drin. Deshalb verstehe ich Entwicklungshilfe als eine Pflicht." Mit diesen zwei kurzen Sätzen begründet die Philosophin Barbara Bleisch unsere gemeinsame Verantwortung für diese eine, gemeinsame Welt. Seit 55 Jahren ist "Partner sein" ein Bindeglied zwischen der Christkatholischen Kirche und dieser Welt.
Sowohl in der Schweiz als auch innerhalb der Utrechter Union ist Partner sein heute das grösste Hilfswerk der altkatholischen Kirchen. Es unterstützt jährlich gegen 35 Projekte in Afrika und Asien mit einer Summe von rund 260'000 Franken. Bei den Projekten in Afrika arbeitet das Hilfswerk wenn immer möglich mit der Anglikanischen Kirche zusammen. Auf den Philippinen darf es sich auf eine langjährige, freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Unabhängigen Philippinischen Kirche stützen. Bewusst konzentriert sich Partner sein auf wenige Länder, um sich nicht zu verzetteln. Schwerpunktländer sind heute die Philippinen, Uganda, die Demokratische Republik Kongo sowie Tansania.
Seit 1972 tätig
Die Entstehung des christkatholischen Hilfswerkes geht auf einen Beschluss der 87. Session der Nationalsynode 1961 in Zürich zurück. Diese beschloss: "Die Synode der Christkatholischen Kirche der Schweiz empfiehlt den Kirchgemeinden, ihre Aufmerksamkeit der Heidenmission zuzuwenden und das Kirchenopfer des Dreifaltigkeitssonntags dem Synodalrat dafür zur Verfügung zu stellen." Nach intensiven Vorarbeiten nahm die Nationalsynode 1972 in Rheinfelden das Statut der "Zentralstelle für Mission, Entwicklungs- und Katastrophenhilfe" an. Dieses regelte die Beschaffung und die Verwendung der finanziellen Mittel wie auch die Rechenschaftsablage. 1973 legte Pfr. Franz Murbach, der erste Präsident des Hilfswerks, seinen ersten Tätigkeitsbericht vor.
Gemeinsame Fastenkampagne
Anfangs der 1990er Jahre kam es zur ökumenischen Öffnung des Werks und zur Zusammenarbeit in der Fastenkampagne mit den Hilfswerken der beiden Schwesterkirchen, Fastenopfer und Brot für alle. Dabei wurde auch die offizielle Sammlungszeit für das Hilfswerk im ganzen Bistum in die Fastenzeit gelegt. Als weitere regelmässige Partner können auf der Einnahmenseite nicht nur die anglikanischen Gemeinden der Schweiz genannt werden, sondern auch die Organisation „Solidarität Dritte Welt“ und die Weltgebetstagskollekte, welche der Verband Christkatholischer Frauen der Schweiz VCF erhält und dem Hilfswerk anvertraut. Sehr dankbar ist
Partner sein auch für Legate und Zuwendungen ausserhalb der Fastenzeitsammlung. Selbstverständlich ist es auch jederzeit möglich, ein einzelnes Projekt von Partner sein zu unterstützen. Über 95 Prozent der Spendeneinnahmen fliessen direkt in die Projekte. Dies ist nur möglich, weil die Gesamtkirche in sehr verdankenswerter Weise einen wesentlichen Teil der administrativen Kosten trägt.
Ohne Eigeninitiative geht nichts
Entwicklungszusammenarbeit ist keine exakte Wissenschaft. Das Spektrum ist sehr breit, und es gibt verschiedene Aspekte, bei denen man in guten Treuen unterschiedliche Haltungen vertreten kann. Sich darüber intensiv Gedanken zu machen ist ein Muss für eine Organisation, die sich für mehr Gerechtigkeit, Solidarität und bessere soziale Chancen einsetzt. Die Spendengelder sollen nicht einfach das Gewissen beruhigen. Die Hilfe soll immer wieder als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden und weder abhängig noch lethargisch machen. Sie soll die Eigeninitiative stärken und anstreben, dass mittelfristig Projekte möglichst selbsttragend und eigenverantwortlich fortgeführt werden können. Dies stellt für ein kleines Hilfswerk wie Partner sein eine besondere Herausforderung dar, weil es sich in der Regel keine direkte eigene Betreuung der Projekte vor Ort leisten kann; es ist auf kompetente, verlässliche Partner angewiesen.
Partner sein hat in den letzten zwei Jahren seine Arbeit auf mehr Schultern verteilt. Die Kommission setzt sich heute aus vier Geistlichen und fünf Laien zusammen und wird von einer Geschäftsstelle mit einem 10-Prozent-Pensum unterstützt. Ziel ist es, mit jedem Spendefranken sorgfältig umzugehen und ihn bestmöglich für ein Stück mehr Gerechtigkeit auf dieser Erde einzusetzen. Mit grossem Herzen, aber auch mit klarem Kopf.