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Während Jahrzehnten bis Ende der 1990er-Jahre betrieb die Ems-Chemie auf ihrem Werkgelände eine Deponie. 1995 untersuchte der Kanton erstmals das Grundwasser unterhalb der Ems-Chemie auf mehrere Dutzend Chemikalien, und fand Spuren von Trichlorethylen, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die Chemikalie wurde breit in der Industrie und im Gewerbe verwendet und gilt als krebserregend.
Betroffen war auch ein Grundwasserbrunnen der Gemeinde Domat/Ems, der für Trinkwasser genutzt wurde. Die Konzentration des Stoffs lag um den Faktor 25 unter dem erlaubten Höchstwert – doch eigentlich dürfte im Trinkwasser nichts nachweisbar sein.
Was lagert in der Deponie?
Die Deponie im hinteren Teil des Werkgeländes der Ems-Chemie umfasst laut dem Kanton 350'000 Kubikmeter. Das entspricht einem Fussballfeld, das mit einer knapp 50 Meter hohen Abfallschicht bedeckt ist. Abfälle wurden seit 1950 bis Ende der 1990er-Jahre abgelagert.
Laut dem Kanton befinden sich in der Deponie «Gips, Schutt, Schlacke, Produktionsabfälle, Metallfässer, Verpackungsmaterial (PE, Karton) und Kunststoffabfälle». Nicht bekannt ist, welche chemischen Stoffe dort gelagert wurden. Die entsprechenden Passagen im historischen Bericht (siehe weiter unten) sind geschwärzt.
Seither untersucht der Kanton Graubünden regelmässig das Grundwasser. Über die Jahre blieb das Niveau des gemessenen Trichlorethylens tief. Nachgewiesen wurde es auch oberhalb der Ems-Chemie. In der Nähe des Werkgeländes jedoch steigen die Konzentrationen und tauchen auch Spuren anderer Chemikalien auf.
Sickern giftige Stoffe aus der Deponie?
Erste Antworten auf diese Frage gab ein Bericht von 2005, erstellt von einem externen Büro im Auftrag der Ems-Chemie. Das Dokument liegt Radio SRF in einer teilweise geschwärzten Fassung vor.
Die vorhandenen Grundwasserdaten zeigen, dass das Grundwasser im oberen Churer Rheintal belastet ist.
Der Bericht identifizierte auf dem Gelände der Ems-Chemie 18 mögliche Altlasten. Das Fazit: «Die vorhandenen Grundwasserdaten zeigen, dass das Grundwasser im oberen Churer Rheintal belastet ist.» Um abschliessend beurteilen zu können, ob die Deponie oder andere Standorte sanierungsbedürftig seien, brauche es weitere Untersuchungen.
«Rasch durchzuführende Abklärungen»
Seit 15 Jahren laufen unterdessen die Abklärungen – eine lange Zeitdauer für die Klärung der Sanierungsbedürftigkeit. Das Bundesamt für Umwelt schreibt dazu in einem Leitfaden, es handle sich um «relativ oberflächliche und rasch durchzuführende Abklärungen».
Remo Fehr, Leiter des Amts für Natur und Umwelt, weist den Vorwurf zurück, das Geschäft sei liegengeblieben. Das Grundwasser sei immer gut überwacht worden, von der Deponie gehe keine Gefahr für das Trinkwasser aus. Es handle sich um ein «relativ komplexes, mehrstufiges Verfahren mit verschiedenen Schritten». Schliesslich hätten die nötigen personellen Ressourcen gefehlt, andere Projekte seien prioritär gewesen.
2017 habe man die Arbeiten wieder aufgenommen, sagt Fehr. In der Folge forderte der Kanton von der Ems-Chemie weitere Messungen ein.
Diesen Frühling liess das Unternehmen auf seinem Gelände drei weitere Grundwasserbohrungen machen. Die Ems-Chemie schreibt auf Anfrage: «Die EMS-Chemie hat die Untersuchung immer sehr ernst genommen. Die entsprechenden Messungen wurden von einem externen, behördlich zugelassenen Ingenieurbüro durchgeführt.»
Entscheid bis im Herbst 2021
Von diesen jüngsten Messungen liegen seit Kurzem die Resultate vor. Gefunden wurden Spuren diverser Chemikalien, darunter Trichlorethylen und Vinylchlorid.
Von der Deponie geht keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung und das Grundwasser aus
Für Amtsleiter Fehr bestätigt das Ergebnis, «was wir immer gesagt haben: Von der Deponie geht keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung und das Grundwasser aus». Notwendig sei noch eine zweite Grundwassermessung. Bis im Herbst 2021 will das Amt entscheiden, ob die Deponie saniert werden muss.
Anders schätzt die Ems-Chemie den Fahrplan ein: «Soeben wurden Messungen gemacht, die zeigen, dass kein Handlungsbedarf besteht. Wir gehen davon aus, dass die Untersuchung nächstens abgeschlossen ist». Auf dem Gelände der Deponie stehen heute mehrere Gebäude. Falls es zu einer Sanierung käme, müssten diese wohl abgerissen werden.
Geheimsache Deponie «Rusna da Furns»
Der bisher ausführlichste Bericht mit Informationen zur Deponie stammt aus dem Jahr 2005 und umfasst rund 50 Seiten. Radio SRF forderte gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz und die Aarhus-Konvention Einblick. 2019 verweigerte das Amt für Natur und Umwelt den Zugang. Diesen Entscheid stiess das Bündner Umweltdepartement im September 2020 teilweise um und gewährte Zugang zum grössten Teil des Berichts.
Geschwärzt sind jedoch alle Informationen zu den vier Standorten, die noch untersucht werden, darunter die Deponie. Als Begründung schreibt das Umweltschutzdepartement, der Bericht enthalte wichtige Fakten im Hinblick auf den Entscheid: «Eine vorzeitige Veröffentlichung dieser Angaben könnte die entscheidende Behörde unter unnötigen Druck setzen und sie in ihrer freien Meinungsbildung beeinflussen.»