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Auf Wunsch der Stadtgemeinde Brig-Glis hat die Schweizerische Stiftung für das Stockalperschloss die rund 13'000 m2 umfassende Gartenanlage des Stockalperschlosses 2000 bis 2002 neu gestaltet. Nachdem ein Studienauftrag an vier Garten- und Landschaftsarchitekturbüros erteilt war, wählte die Jury einstimmig das Projekt von Kienast Vogt und Partner, Zürich und Bern, das durch seine Klarheit und präzise Einfachheit bestach. In moderner Gartenarchitektur (Garten in der Natur) adäquater Formensprache wussten die Landschaftsarchitekten die Vorgaben, welche die Kunsthistorikerin Patricia Cavadini-Bielander in einer historischen Analyse zusammengetragen hatte, umzusetzen, ohne die hergebrachten Nutzungen des Gartens zu beeinträchtigen.
Es ist nicht bekannt, wie der historische Stockalpergarten im 17. Jahrhundert gestaltet war, zumal der barocke Palastneubau noch nicht vollendet war, als der zu mächtig gewordene Erbauer 1677/78 gestürzt wurde, und auch bildliche Darstellungen sind keine überliefert. Die Strukturen aber, die Kaspar Stockalper vom Thurm der ehemals weitaus grösseren Gartenlandschaft (einige 10'000 m2) verpasst hat, sind in den historischen Quellen präzis zu fassen. Die Grundeinteilung ist von der ältesten bekannten Ansicht von 1829 abgeleitet. Der Garten ist in das mit Wasserelementen und Carrés ausgestatte Parterre mit Lustgarten (Viridarium) und den mit Sorten von Pro Specie Rara bestückten Park mit Obstgarten (Pomarium) gegliedert. Der Bereich der ehemaligen Ökonomiegebäude wird durch den neu erstellten Pavillon angedeutet.
Die vielseitig bepflanzten Flächen belassen der Anlage Grosszügigkeit. Mit der spannungsvollen Baumbesetzung bindet das Projekt die verschiedenartigen Teilflächen räumlich zusammen. Von Bäumen freigehalten ist die Wiesenböschung, die einen schönen Übergang zum Rebhang und eine spannende Sichtachse zum Schloss schafft. Über den Kellergewölben setzt der Rosengarten einen kleingliedrigen Gegenpunkt zu den weiten Flächen.
Marie-Claude Schöpfer (Hg.), «[...] plateas et hortos fac elegantes» oder die Wiederherstellung der verlorenen Ehre des Schlossgartens (Schriften des Stockalperarchivs in Brig, H. 45), Brig 2013.