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Der verräterische Pfeil von Heinrich von Hünenberg, der weise Hofnarr von Hans Kuoni von Stockach oder die Herabrollenden Baumstämme und Steinblöcke sind bekannte Sagen. Historische Fakten zur Schlacht am Morgarten werden mit fiktiven Elementen verbunden und so zu regelrechten Heldenepen gesponnen.
Alle Sagen und Legenden rund um die Schlacht am Morgarten mögen einzelne historische Tatsachen enthalten. Die realen Begebenheiten wurden dynamisch mit fantastischen Ergänzungen verwoben. Die einzelnen Geschichten wurden zu glaubhaften Ereignissen hochgebauscht.
Die rollenden Baumstämme und Steinblöcke
Am Tage vor St. Otmar ist das Habsburger Heer unter Herzog Leopold I. Richtung Schwyz marschiert. Das Heer ging dabei am Ägerisee entlang bis zum Morgarten. Im Schornen, wo die enge Passstrasse über den Sattel nach Schwyz führt, wurden die Krieger in die Enge getrieben und mit Steinen und Holzstämmen, die von den Hängen gelöst wurden, erschlagen.
Der verräterische Pfeil
In dieser weitum bekannten Sage geht es um den Edelmann oder Ritter Heinrich von Hünenberg, der von den Plänen von Herzog Leopold I. wusste, dass dieser die Waldstätte Schwyz über Morgarten einnehmen wollte. Heinrich von Hünenberg hat den Habsburger Herrscher an seine Miteidgenossen verraten und den Schwyzern die Marschroute bekannt gegeben. Er band eine Botschaft an einen Pfeil, darauf stand «Hütet euch am Morgarten, am Tag vor St. Otmar». Er schoss den Pfeil Richtung Arth über die Letzimauer, wo die Warnung gelesen wurde. Die Schwyzer konnten so Verstärkung nach Morgarten schicken, worauf das österreichische Heer geschlagen wurde.
Der Hofnarr hatte recht
Eine weitere Sage berichtet über Hans Kuoni von Stockach (oder Stocken), den Hofnarr von Herzog Leopold I. Am Abend vor der Schlacht hat der Herzog sich mit all seinen Verbündeten auf der Zuger Burg versammelt und die Schlachtpläne besprochen. Die versammelten Edelherren waren sich des Sieges schon ziemlich sicher, als einer der Anwesenden den Hofnarr von Herzog Leopold nach seiner Meinung über den geplanten Einmarsch in Schwyz über Morgarten fragte. Dieser gab darauf zur Antwort: «Ihr alle redet nur, wie ihr in die Waldstätte Schwyz hineinkommt. Keiner von euch hat aber bisher berichtet, wie ihr aus dem Land dieser Wilden wieder herausfindet.»
Die Anwesenden quittierten dies als lustigen Scherz. Der Herzog, der die Schlacht überlebte, erinnerte sich an die Worte seines Hofnarren und zeigte sich dankbar über die weisen Worte. Er erlaubte ihm daraufhin, einmal im Jahr in seiner Heimat Stockach das «Hohe und Grobgünstige Narrengericht» zu halten. Dieses richtet bis zum heutigen Tag über Sitte und Anstand der Bürger während der Fasnachtszeit.
Wen das alles noch harmlos war, so wird es mit der nächsten Geschichte um Einiges grusliger. Der Morgartenkrieg fand im Totenmonat November statt. Zu dieser Zeit des Jahres sind – wie auch im Winter – die Dämonen und Geister auf ihren Pfaden und Wegen unterwegs und ganz besonders zu spüren.
«D Ritter im Ägerisee»
D Schlacht am Morgarte isch für jedes Chind en Begriff. Es isch en bluetigi und truurigi Schlacht gsii. En huuffe jungi Österricher händi i däm Chrieg müesse stärbe. Sie sind vo schwäre Hellebarde abegstoche und vo Morgestärn erschlage worde und händ im Ägerisee s nasse Grab gfunde.
All Jahr am 15. Novämber, em Jahrestag vo dere Schlacht, passiert sither Eigenartigs. S Wasser tued sich bluetrot färbe, und de faats a schüüme und choche wie en Suppe, und es git riesig höchi Wälle. Denn stiigt de Vetter Tod uf eme schwarze Ross us dere Wälle, i der einte Hand het er en Sanduhr und i de ander en grossi Sägisse. Hindere m chunnt en ganzi Heerschar wildi Ritter us em Wasser und riitet gfürchig schnäll ufs Ufer zue. Die Geischterritter jaget und fäget und stürmet s Ufer duruf und durab. Wenn di Chileuhr z Oberägeri die erschti Nachtstund schlaat, cheeret alli wider is Wasser zrugg, bis wider es Jahr ume isch.
Nachstehend die hochdeutsche Übersetzung der Geschichte.
Die Schlacht am Morgarten ist für jedes Kind ein Begriff. Es war eine blutige und traurige Schlacht. Zahlreiche junge Österreicher mussten in diesem Krieg sterben. Sie wurden von Hellebarden abgestochen oder von Morgensternen erschlagen und fanden im Ägerisee ihr nasses Grab.
Jedes Jahr am Jahrestag der Schlacht, am 15. November, passiert etwas Eigenartiges. Das Wasser des Sees beginnt sich blutrot zu färben und fängt an zu kochen und schäumen wie eine Suppe. Dann steigt Vetter Tod auf einem grossen schwarzen Pferd aus dem Wasser. In der einen Hand hält er eine Sanduhr, in der anderen eine Sense. Hinter ihm kommt eine Heerschar junger wilder Ritter aus dem Wasser. Fürchterlich schnell jagen sie auf das Ufer zu, stürmen und fegen umher. Wenn die Kirchuhr in Oberägeri die erste Nachtstunde schlägt, kehren alle wieder ins Wasser zurück, bis das Jahr um ist.
Ob sich dieses Spektakel nach wie vor zuträgt, kann ich nicht beantworten. Aber grundsätzlich gilt zu beachten, dass Geisterwege oder Wegkreuzungen nicht betreten werden sollten. Die Geisterritter nehmen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellt. Ein Ausflug zum Morgartendenkmal und zum Informationszentrum, das zur 700-Jahr-Feier der Schlacht errichtet wurde, lädt mit einem Lehrpfad zu gemütlichen Spaziergängen ein. Eine weitere Attraktion auf demselben Gelände ist das «Niederöst Haus» aus dem Jahr 1176, das zu den ältesten Hozhäusern Europas zählt.