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bei der obigen abbildung handelt es sich um ein lehralphabet, dass aus den schriften des nürnberger dichters harsdörffer stammt und auf die mitte des 17. jh. zurückgeht. die idee ist es, das lernen der buchstaben zu erleichtern, indem man sich jeweils ein schlüsselwort einprägt, so dass die durch dieses wort bezeichnete sache (gegenstand/tier) von der form her an den zu lernenden buchstaben erinnert. für das w merkt man sich beispielsweise das wort wurm, und wenn man sich dann das geringelte tier vor dem geistigen auge vorstellt, erinnert man sich, wie der buchstabe <W> auszusehen habe. genauso funktioniert es mit einem aal für das <A>, mit einem gedärme für das <G> usw.
das zugrundliegende prinzip, nach dem jedem schriftzeichen ein mit diesem zeichen beginnender ‘name’ zugeordnet wird, nennt man das akrophonische prinzip. es ist seit langer zeit ein bewährtes didaktisches hilfsmittel und war u.a. schon den germanen eine mnemotechnische stütze, um die runenzeichen zu memorisieren (ᚠ f: , *fehu ‘vieh, besitz’; ᚢ u: *ūruz ‘auerochse’ usw.).
interessant ist nun, dass es genau dieses akrophonische prinzip war, das in der geschichte der schrift überhaupt erst zur ausbildung von buchstaben geführt hat. aller anfang von schrift war zunächst piktographisch; kleine ‘zeichnungen’ von gegenständen sollten die dinge repräsentieren, die mit ihnen gemeint waren, im stil einer bilderschrift. als zweiter schritt fand ein übergang zu einem ikonographischem system statt, indem die zeichen abstrakter, stärker konventionalisiert, und damit sprachgebunden wurden. dies lässt sich einerseits an der entwicklung der keilschrift, andererseits an der ägyptischen hieroglyphenschrift (abbildung unten) gut nachvollziehen. war dieser zustand einmal erreicht, konnten die zeichen auch einen lautwert erhalten, indem sie – eben nach dem akrophonischen prinzip – für den anfangslaut des bezeichneten wortes stehen konnten. das resultat waren buchstaben mit lautwerten, wie wir sie uns heute gewohnt sind.
solche lehralphabete wie dasjenige von hausdörffer stellen also eine art rückkehr zu den ursprüngen der schrift dar, indem eine art “re-piktographisierung” der abstrakt gewordenen buchstabenformen vorgenommen wurde. da die ursprünglichen buchstabennamen längst vergessen waren, erfand man neue, indem man das akrophonische prinzip gewissermassen “rückwärts” anwendete: zu den bereits bestehenden buchstaben erfand man neue ‘namen’ dazu, um den einstmal vorhandenen direkten bezug zwischen zeichenform und gemeinter sache wiederherzustellen.
referenzen
coulmas, f.: the writing systems of the world. oxford 1989.
hundt, markus: “spracharbeit” im 17. jahrhundert: studien zu georg philipp harsdörffer, justus georg schottelius und christian gueintz. berlin 2000.