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Schreibübung: Suche dir ein Zitat, dass dir besonders gut gefällt. Ob von einem Philosophen, Promi oder Politiker ist egal, genauso wie das Thema des Zitates.
Nun denke dir eine Geschichte aus, deren abschliessendes Fazit (oder auch «die Moral von der Geschicht’») dein gewähltes Zitat ist.
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Albert Einstein
Philip war ein Träumer. Das war er immer schon gewesen. Schon als kleiner Junge, hatte er lieber stundenlang im Gras gelegen und Wolken beobachtet, als tatsächlich etwas Produktives zu tun. Seine Mutter brachte das manchmal zur Weissglut. Überhaupt konnte sie nicht verstehen, wie man seine Zeit mit so etwas Langweiligem, wie dem Betrachten von Wolken, verbringen konnte.
Philip fand seinen Zeitvertreib jedoch alles andere als langweilig. Die Wolken änderten ständig ihre Form. So wurden aus Elefanten und Giraffen plötzlich Drachen und Ritter, die gegeneinander kämpften. Meist genügte es ihm, diesem Treiben zuzusehen und sich die verschiedensten Geschichten dazu auszumalen und dabei war er vollkommen zufrieden und glücklich.
Manchmal erzählte Philip diese Geschichten jedoch seinem besten Freund. Max kriegte leuchtende Augen, wann immer Philipe ihm von den Abenteuern berichtete, die er beobachtet hatte. Er sah diese Dinge nie. Er hatte keine Ahnung, wie Philipe das machte. Aber vielleicht waren die Wolken bei ihm zuhause auch einfach anders, als jene die Max von seinem Garten aus sehen konnte? Das musste es sein.
Philips Wolken mussten magisch sein. Anders konnte sich Max nicht erklären, woher die vielen Geschichten kamen. So überlegte er sich nachts, wenn er nicht einschlafen konnte, wie wohl die Wolken in Philips Garten an diesem Tag ausgesehen hatten. Er stellte sich dabei ganze Schlösser mit hohen Türmen und Ziehbrücken vor, oder riesige Wälder, die von wilden Raubtieren bewohnt wurden.
Allzu oft machte sich Max allerdings keine Gedanken darüber. Denn er hatte häufig erlebt, wie Philip von seinen Eltern oder den Lehrern Rüpel kassiert hatte, weil er nicht bei der Sache war. Das wollte Max nicht riskieren, und so beschränkte er die Reisen in Philips Wolkenwelt auf die Nacht. Oder auf Tage an denen er mit seinem Grossvater alleine war.
Max’ Grossvater war ein alter Mann, der bestimmt schon ewig lebte. (Das behauptete jedenfalls Philip.) Immer am Donnerstag, wenn die Schule aus war, durfte Max seinen Grossvater besuchen. Nichts liebte er so sehr, wie diese Nachmittage. Gemeinsam mit seinem Opa lag er jeweils in dessen Schaukelstuhl, draussen im Garten.
Nun mag man vielleicht denken, ein Schaukelstuhl hätte im Garten nichts verloren. Aber das war bei Max’ Opa anders. Er war wie Philip. Wenn Max bei seinem Opa war, war sein Schaukelstuhl ein Piratenschiff oder ein Pferd, manchmal war es auch eine fliegende Untertasse. Und Max erlebte mit seinem Opa Geschichten, die jenen ähnelten, die Philip auch in seiner Wolkenwelt erlebte.
An einem schönen Donnerstag, war jedoch alles anders. Philip war in der Schule zum Nachsitzen verdonnert worden, weil er sein Matheheft anstatt mit Matheaufgaben mit Fabeltieren gefüllt hatte. Max fühlte sich ganz schlecht deswegen. Wenn man durch das Zeichnen von Fabeltieren, zum Nachsitzen geschickt werden konnte, hiess das doch, dass Fabeltiere zu zeichnen, etwas Schlechtes war? Genauso wie Gegenstände im Klassenzimmer umherwerfen, anderen wüste Namen sagen oder sich mit jemandem zu prügeln. Dafür hatten nämlich auch schon andere Kinder in Max’ und Philips Klasse nachsitzen müssen.
Als er dann gemeinsam mit seinem Opa auf dem Schaukelstuhl sass, und Opa mit ihm in einem U-Boot durch die Tiefen des Meeres fahren wollte, schüttelte Max den Kopf.
Besorgt schaute der Grossvater ihn an. «Was hast du denn Max?»
«Ach nichts.» Max zupfte verlegen am Polster des Schaukelstuhls.
«Na gut», meinte Opa, «wenn nichts ist können wir ja jetzt unsere Tiefsee-Erkundungstour starten.»
Max holte tief Luft. «Ist es schlecht?»
Sein Grossvater schaute ihn fragend an.
«Ich meine, ist es falsch auf Fantasiereisen zu gehen, oder Fabeltiere in ein Heft zu zeichnen? Sollte man in dieser Zeit nicht besser Matheaufgaben lösen?» Max wagte es kaum, seinem Grossvater in die Augen zu sehen, so sehr fürchtete er sich vor der Antwort. Was, wenn sein Grossvater auch so dachte, wie seine Lehrer und Philips Eltern?
«Wie kommst du denn auf diese Idee?», fragte sein Opa und schaute Max besorgt an.
Da erzählte dieser ihm von seinem Morgen in der Schule. Wie Philip nachsitzen musste, weil er in sein Heft gezeichnet hatte, anstatt zu rechnen. Das der Lehrer gesagt hätte, dass die Dinge, die Philip tat, Zeitverschwendung waren und aus ihm nie etwas werden würde, wenn er nicht jene Sachen lernte, die wichtig waren im Leben.
Als Max fertig geredet hatte, nahm ihn sein Opa auf den Schoss. «Das ist nur das Gerede von Erwachsenen, Max. Lass dich deswegen nicht entmutigen. Sie haben einfach etwas wichtiges vergessen.»
«Was denn?», Max betrachtete seinen Opa gespannt.
«Sie haben vergessen, dass Phantasie wichtiger ist als Wissen. Wissen ist nämlich begrenzt.»
Max musste lächeln. Er hatte einfach den schlausten Opa. Der wusste einfach, wie die Welt funktioniert. Nun, da er selbst das ebenfalls wusste, war ihm auch klar, was er als nächstes tun wollte.
«Opa», sagte er entschlossen, «lass uns U-Boot fahren.»