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Stell dir vor: Dein Haus wird von einer Lawine vollkommen zerstört. Aber ihr hattet Glück im Unglück, denn zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs wart ihr nicht zu Hause.
Leider hatten viele Menschen im letzten Jahrhundert weniger Glück. Im Lawinenwinter 1950/51 gab es in der Schweiz rund 1300 Schadenslawinen und 98 Todesopfer zu beklagen. Diese Katastrophe brachte ein grosses Umdenken im Lawinenschutz. Wo früher kleine Steinmauern zum Schutz standen, baute man wirksamere Verbauungen aus Stahl, Aluminium, Holz oder Beton.
Gefährdete Zonen
Woher weiss man, ob ein Gebiet lawinengefährdet ist und wo es sicher ist, ein Haus oder eine Strasse zu bauen? Dafür gibt es die Lawinengefahrenkarten: Sie zeigen, welche Zonen von Lawinen bedroht sind. Gefahrenkarten gibt es nicht nur für Lawinen, sondern auch für Hochwasser, Rutschungen und Sturzprozesse. Wir konzentrieren uns auf dieser Seite auf die Lawinengefahrenkarten.
Rot, blau, gelb oder weiss
Die Gefahrenkarten sind bunt. Verschiedene Farben zeigen, wie gross die Gefährdung in den jeweiligen Zonen ist. Je nach Farbe gelten unterschiedliche Bauregeln.
- In den roten Gebieten ist die Gefahr erheblich. Bei einem Lawinenniedergang rechnen die Fachleute mit der plötzlichen Zerstörung von Gebäuden. Personen sind innerhalb und ausserhalb von Gebäuden gefährdet. In den roten Gebieten dürfen keine neuen Häuser und Anlagen errichtet oder erweitert werden.
- In den blauen Gebieten treten Lawinen selten und nur noch mit kleinen Druckwirkungen auf. Personen sind innerhalb von Gebäuden kaum bedroht, ausserhalb davon sind sie hingegen gefährdet. Gefährdete Gebäudeteile müssen zum Beispiel mit Hausmauern oder Sicherheitsglas (statt normalem Fensterglas) geschützt werden.
- In den gelben Gebieten herrscht eine geringe Gefährdung. Personen sind kaum gefährdet und es muss nur mit geringen Schäden an Gebäuden gerechnet werden.
- In weissen Gebieten herrscht keine oder eine minimale Gefährdung.
Gefahrenkarten werden immer besser
Die ersten Gefahrenkarten wurden bereits 1960 erstellt. Als Basis dienten damals einzig Lawinenbeobachtungen von Experten. Berechnungen wurden noch keine gemacht. Im Lawinenwinter 1968 waren zahlreiche Lawinen viel grösser als angenommen und gingen über die bestehenden Gefahrenzonen hinaus. In Davos beispielsweise starben vier Menschen in einer Lawine und 29 Gebäude wurden zerstört.
Das SLF erarbeitete daraufhin einheitliche Kriterien für die Gefahrenkarten. Alle Fachleuten mussten diese Richtlinien beim Erstellen der Gefahrenkarten berücksichtigen.
Der Lawinenwinter 1999 zeigte, dass die Gefahrenkarten ziemlich gut waren.. Nur selten sind Lawinen weiter vorgestossen als angenommen. Nach dem Lawinenwinter 1999 wurden Luftbilder gemacht, auf denen die Lawinenbahnen zu erkennen waren. Dank diesen Informationen konnten SLF-Forschende ihre Simulationsmodelle weiterentwickeln und die Karten verbessern.
Wer erstellt heute die Gefahrenkarten?
In der Schweiz müssen die Kantone festlegen, welche Gebiete durch Naturgefahren wie z.B. Lawinen bedroht sind. Zuständig sind die kantonalen Naturgefahrenfachstellen, welche die Gefahrenkarten wiederum von Ingenieurbüros erstellen lassen.
Wenn Ingenieure heute Gefahrenkarten machen, verwenden viele zur Unterstützung das am SLF entwickelte Simulationsprogramm RAMMS. Mit dieser Computersoftware können die Fachleute beispielsweise berechnen, wie weit eine Lawine fliesst und wie hoch die Drücke sind. Heute haben 99% der Gemeinden mit lawinengefährdeten Gebieten eine Gefahrenkarte.