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Mit dem S.T.-Tisch gelang es Jürg Bally (1923–2002), die praktisch motivierte Höhenverstellbarkeit eines Tischs spielerisch-elegant zu lösen. Mit dem unsichtbaren Mechanismus, den sich beidseitig verjüngenden Beinen aus Ahornholz und der mit schwarzem Linol belegten Platte wird das Prinzip des Kolonial- oder Campingmöbels salonfähig.
Jürg Bally, ausgebildet als Architekt, Inhaber eines Ateliers für Innenarchitektur und Design in Zürich, begann Mitte der 1950er-Jahre in einer eigenen kleinen Werkstatt eine Phase intensiven experimentellen «Tüftelns». Zusammen mit einem angestellten Schreiner entwickelte er Wohnmöbel, die er ab 1956 am Zürcher Neumarkt zum Verkauf anbot. Der Prototyp für den runden S.T.-Tisch entwarf er bereits 1951 für seine Frau, kurz vor einem zweijährigen Aufenthalt in den USA, wo er auch für Knoll arbeitete. Der Entwurf kommentiert vielleicht Hans Bellmanns ebenfalls dreibeinigen Kolonialtisch, den Knoll International seit 1947 als Tripod Table in einer niedrigen und einer hohen Version herstellte. Die wesentliche Innovation von Ballys elegantem, technisch und formal ausgefeiltem Modell besteht in der stufenlosen Höhenverstellbarkeit. Der Name «S.T.-Tisch» meint ja, laut ausgesprochen, den doppelten Einsatz als hoher «Ess»- oder als niedriger «Tee»-Tisch, bezeichnet aber auch dessen Gesamtqualität: «äs-the-tisch». Drei verschiedene Versionen sind bekannt: Eine frühe Anfertigung mit einer Holzkugel als Verbindungsstück der Beine sowie zwei für die Serienproduktion entwickelte Versionen, die sich primär im Material der Beine unterscheiden. Dreht man einen unter dem Tisch befestigten Hebel nach links oder rechts, wird ein Stahlband in einer Trommel auf- oder abgewickelt. Die Beine gleiten dann unter der Platte auf radial angeordneten Schienen und senken oder heben so die Tischplatte. (Arthur Rüegg)