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Daniel durfte den ganzen Tag nach seinem Sturz nicht mehr hinaus. Seine Mutter war besorgt aber auch ein bisschen wütend, dass er bei so einem Wetter auf einem Hocker herumgeturnt hatte. Dabei war er doch so aufgeregt und wollte den Schneemann genau untersuchen. Und er wollte ihm natürlich das Auge zurückgeben! Er ging früher schlafen als sonst, denn er hoffte, dass der Tag dann schneller verginge. Er schlief unruhig und träumte viel.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück bettelte er seine Mama an, dass er endlich wieder nach draussen dürfte. «In Ordnung», sagte sie, «aber nur, wenn du nicht wieder auf den Hocker steigst.» «Dann musst du mir aber helfen. Denn dem Schneemann fehlt ein Auge.» Und zum Beweis hielt er ihr den kleinen Tannenzapfen hin. «Na gut, gib her, aber dann muss ich schnell duschen.» Sie nahm den Tannenzapfen, flitzte hinaus und drückte ihm den Schneemann eilig ins Gesicht. Daniel zog sich schnell Jacke und Stiefel an. Dann flitzte sie wieder hinein an Daniel vorbei, der schnell «Danke» sagte und von aussen die Haustür schloss.
Er ging vorsichtig an den Schneemann heran und erwartete irgendetwas. Aber nichts passierte. Als er sich umdrehte und den Schlitten holen wollte, machte es hinter ihm «Puh!». Daniels Herz klopfte. Er wollte es jetzt wissen, drehte sich wieder um und konnte nur flüstern «Karl, lebst du?» Doch der Schneemann machte kein Geräusch. Daniel ging noch etwas näher heran und jetzt sagte er etwas lauter «Hallo? Karl?»
«Hallo…» hauchte Karl. Daniels Herz machte einen Satz! Sein Gesicht fing an zu leuchten. «Hallo», antwortete er. Der Schneemann bewegte seine Tannenzapfen-Augen etwas, sodass er Daniel jetzt anblickte. «Ich heisse Karl?», fragte er. «Ja! Ich hab dich so genannt! Ich heisse Daniel!», seine Stimme überschlug sich beinahe, aber er durfte nicht so laut reden. Seine Mutter war zwar im Bad, aber man weiss ja nie… «Schön, dich kennenzulernen», sagte der Schneemann und Daniel fühlte sich wie in einem Traum. Er nahm etwas Schnee und rieb ihn sich durch das Gesicht. Aber Karl blickte ihn immer noch an. «Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken», gab Karl zu und senkte den Blick. Doch Daniel freute sich so: «Ach Quatsch, ich hätte nur nie gedacht, dass ein Schneemann reden kann.» «Das tun wir auch eigentlich nicht, wenn Menschen da sind. Aber ich habs irgendwie vermasselt. Es ist eben passiert.»
Immer noch schaute er auf den Boden. Daniel war verwirrt, er wollte Karl trösten. Und so fragte er ihn, ob er sich denn auch bewegen könnte, ob er Freunde hätte und Eltern, und was sein Lieblingsessen wäre. Karl berichtete, dass er so etwas wie Eltern nicht hätte, ausser vielleicht ihn, Daniel, denn er hätte ihn ja gebaut. Angefreundet hätte er sich mit dem Schneemann vom Nachbarn. So erzählten sie, bis Daniels Mutter ihn rief. Nach dem Mittagessen ging Daniel wieder hinaus und sie flüsterten weiter, sodass niemand bemerken konnte, dass sie miteinander sprachen. Seine Mutter wunderte sich zwar, aber fand es gut, wenn Daniel an der frischen Luft war. Also fragte sie nicht. Ganz lange Zeit ging es so, bis es anfing zu tauen. Darüber hatte Daniel bisher gar nicht nachgedacht. Er überlegte, wie er es anstellen konnte, dass Karl nicht irgendwann weg war. Ob er ihn die Kühltruhe bekam?
Karl merkte, dass Daniel besorgt war. «Was ist los?», fragte er. «Es taut», sagte Daniel, mehr brauchte er nicht zu sagen. Ihm stiegen Tränen in die Augen. «Das macht nichts», antwortete Karl, «erstens tut es nicht weh und zweitens kann ich im nächsten Winter wiederkommen.» «Wirklich?» «Ja, wenn du wieder dieselben Tannenzapfen, Steine und so weiter nimmst und damit einen Schneemann baust, dann können wir uns wiedersehen.» «Das mache ich!», versprach Daniel.
Am nächsten Tag war Karl schon wenig in sich zusammengesackt. Daniel und seine ganze Familie waren eingeladen und wahrscheinlich den ganzen Tag nicht da. Daniel hatte kein gutes Gefühl, daher ging er auf dem Weg zum Auto ganz dicht an Karl vorbei und sagte «Bis bald…». Den ganzen Tag konnte er an nichts anderes denken und sein Vater wunderte sich, was mit Daniel los sei. Doch seine Mutter beruhigte ihren Mann: «Er ist traurig, weil sein selbst gebauter Schneemann schmilzt.»
Als sie zu Hause ankamen, war Karl weg.
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