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Am 6. Juli 1941 hielt der Theologe Karl Barth (1886–1968), Professor an der Universität Basel, vor rund 2000 Mitgliedern der Jungen Kirche in Gwatt eine Rede zum Thema «Im Namen Gottes des Allmächtigen!», die wegen kritischen Äusserungen zum Nationalsozialismus grosses Aufsehen erregte. Die Auslieferung der gedruckten Fassung, im Anhang der GMS-Schrift publiziert, wurde am 23. Juli von der Abteilung Presse und Rundfunk verboten. Barths Telefon und Postzustellung wurden bis Frühling 1943 überwacht.
Der Meilemer PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer analysiert die Rede aus militärhistorischer Sicht und ordnet sie ins damalige politische Umfeld ein. Karl Barth ging es um die Problematik des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, den der Theologe als existenzielle Gefahr für die Schweiz im Allgemeinen und für die christliche Kirche im Besonderen einschätzte. Sein Kampf gründete in der Überzeugung, dass die Ideologie des Nationalsozialismus und der Führerkult gegen das Erste Gebot verstossen und aus biblischen Gründen bekämpft werden müsse. Hitler spiele sich auf als sei er Gott; Rassenlehre und Judenfeindlichkeit seien als unchristlich abzulehnen.
Dr. Niklaus Peter, Pfarrer am Zürcher Fraumünster, würdigt Karl Barth, der seit 1930 als Professor an der Universität Bonn lehrte, aus theologischer Sicht. Da er sich 1934 weigerte, den Beamteneid auf Hitler zu leisten, verlor Barth seine Stelle und nahm 1935 Wohnsitz in Basel. Von hier aus kämpfte er mit Vorträgen, Offenen Briefen und Radiobotschaften weiter gegen den Nationalsozialismus, der die freie Verkündigung des Wortes Gottes verunmögliche. Im geistigen Widerstand gegen Hitler-Deutschland spielte er eine wichtige Rolle. So auch mit der Rede von 1941. Niklaus Peter greift vier Aspekte heraus: Die Präambel der Bundesverfassung, den Begriff Eidgenossenschaft, das Schweizerkreuz sowie die Worte «Dominus providebit» am Rand des Fünffrankenstücks.
Als dritter Autor erzählt Max Rudolf anhand von Tagebucheinträgen, wie er als Kadett die Mobilmachung von 1939 und die Bundesfeier 1941 erlebt hat.
An Geschichte, Politik, Theologie und Biografien interessierte Leserinnen und Leser werden aus dieser spannenden, gut formulierten und mit zahlreichen Anmerkungen versehenen Schrift viele Anregungen gewinnen und manch Neues erfahren.
Hans Rudolf Fuhrer, Niklaus Peter, Max Rudolf: Karl Barths «Schweizer Stimme» – Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Geschichte der Schweiz. Fenster in die Vergangenheit XIV, Schweizerische Gesellschaft für militärhistorische Studienreisen, Heft 44, 2021.