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Unter der Leitung des Paläogenetikers Joachim Burger von der Universität Mainz haben die Wissenschaftler Teile des Erbguts (die mütterlich vererbte mitochondrielle DNA) von fünf Jungsteinzeit-Menschen sequenziert. Diese hatten vor 6500 bis 4000 Jahren im heutigen Griechenland und der Türkei rund um die Ägäis von der Landwirtschaft gelebt.
Die DNA-Sequenzen dieser fünf Bauern verglichen die Forscher mit jenen von frühen Bauern in Europa, sowie von “modernen” Europäern. Von ihren Ergebnissen berichten die Wissenschaftler im Fachjournal “PNAS”.
“Wir wussten, dass sich die Landwirtschaft vor rund 8000 Jahren in Europa verbreitet hat”, sagte Studienautor Mathias Currat von der Universität Genf gegenüber der Nachrichtenagentur sda. “Ob das Wissen um landwirtschaftliche Techniken durch kulturelle Diffusion oder durch Migration von Bauern nach Europa kam, war jedoch nicht klar.”
Die DNA-Analysen zeigten, dass die frühen Bauern in Zentral- und Südeuropa aus der Ägäis stammten. Womit die Verbreitung der Landwirtschaft durch Migration sehr wahrscheinlich ist. “In anderen Regionen Europas könnte es sich jedoch anders verhalten”, gibt Currat zu bedenken.
“Die Herausforderung bei dieser Studie war, alte DNA aus dem Süden zu analysieren”, sagte Daniel Wegmann von der Universität Freiburg gegenüber der sda. Denn je trockener und wärmer das Klima, desto schlechter erhalten sei die Erbinformation in Knochenfunden. “Wir konnten die Abstammungslinie dank neuer statistischer Methoden nach Süden verlängern, bis zum griechischen und türkischen Teil der Ägäis.”
Ausserdem konnten die Wissenschaftler zwei Routen identifizieren, über die sich die frühen Siedler ausgebreitet haben: Einerseits strömten die Siedler über die Balkanroute ins Zentrum Europas, und fast zeitgleich drangen sie auch über das Mittelmeer bis zur Iberischen Halbinsel vor.
Auch Ötzi, die berühmte Eismumie aus den Alpen, stamme von ägäischen Ur-Ackerbauern ab, erklärte Studienautorin Barbara Horejs von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA.
Der Vergleich mit der DNA “moderner” Europäer ergab, dass die eingewanderten Bauern wesentlich mehr zum Genpool heutiger Europäer beigetragen haben also die lokalen Jäger und Sammler. “Es gab offenbar Kontakte, aber wenige”, sagte Wegmann.
“Alle modernen Populationen in Europa tragen eindeutig den ägäischen Schriftzug auf ihrem Erbgut”, präzisierte Horejs. Von der ursprünglichen Bevölkerung sei – weder in Europa noch am Genom – nicht mehr viel übrig geblieben.
Die Forschenden wollen nun weitere Knochenfunde auch aus anderen Regionen Europas analysieren. “Ausserdem wollen wir den zeitlichen Verlauf der Kontakte zwischen den Bauern aus der Ägäis und den Jägern und Sammlern studieren”, so Currat.
(SDA)