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Frage No 11
11 Verändert die Entwicklung von Wissenschaft und Kunst den Stellenwert derselben?
Hier entfaltet Rousseau seine Dekadenz-These weiter: Weil Kunst und Wissenschaft in der aktuellen Gesellschaft einen besonderen Stellenwert haben, wirkt dies auf die Wertmassstäbe zurück, an denen besonders die Kunst gemessen werden. Kunst und Wissenschaft geniessen zwar hohe Aufmerksamkeit. Doch gerade deswegen wird auf ihren schnellen Erfolg geschielt, statt auf „ewige“ Werte. Was diese sein könnten, lässt Rousseau allerdings im Ungefähren: Wunderwerke der Harmonie.
„Ein jeder Künstler braucht den Beifall. Die Anerkennung durch seine Zeitgenossen ist der kostbarste Teil seiner Belohnung. Was wird er also tun, um sie zu erlangen, wenn er zu seinem Unglück in ein Volk und eine Zeit hineingeboren ist, in denen Gelehrte, die gerade in Mode sind, einer unbedarften Jugend gestattet haben, den Ton anzugeben; in denen die Männer ihren Geschmack den Tyrannen ihrer Freiheit geopfert haben; in denen man, da eines der Geschlechter nur das gutzuheißen wagt, was die Kleinmütigkeit des anderen erlaubt, Meisterwerke der dramatischen Dichtung durchfallen lässt und Wunderwerke der Harmonie verwirft? Was, meine Herren, wird er tun? Er wird seinen Genius auf das Niveau seines Jahrhunderts herabsenken und lieber gemeine Werke verfassen wollen, die man zu seinen Lebzeiten bewundert, als wundervolle, die vielleicht erst lange nach seinem Ableben Anerkennung finden.“
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