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Basierend auf dem gleichnamigen Buch von J. D. Vance, bringt Oscar-Preisträger Ron Howard eine Familiensaga mit Starbesetzung zu Netflix. Über drei Bundesstaaten und ein ganzes Jahrhundert verteilt, wird in «Hillbilly Elegy» die von Flucht, Disziplin, (Liebes-)Entzug und Gewalt geprägte Geschichte der Vances aufgearbeitet.
Der junge J.D. (Owen Asztalos) ist mit seiner Familie in den Ferien, irgendwo im ländlichen Kentucky. Es is der Ort, an dem seine Grossmutter Mawmaw (Glenn Close) aufgewachsen ist und welchen sie Jahrzehnte zuvor fluchtartig verlassen hat. Als er von lokalen Jungs drangsaliert wird, kommt ihm seine Familie umgehend zu Hilfe. Die rauen Umfangsformen sind nicht so seins, und sie stehen in starkem Kontrast zu den von ihm geforderten Umfangsformen in der Zukunft.
Eigentlich lebt J.D. mit seiner Mutter Bev (Amy Adams), seiner Schwester Lindsay (Haley Bennett) und seinen Grosseltern Mawmaw und Papaw (Bo Hopkins) in einer Vorortgegend in Ohio. Vom wirtschaftlichen Aufschwung 50 Jahre zuvor, als Mawmaw und Papaw dorthin flüchteten, nachdem sie mit Bev schwanger geworden war, ist nicht mehr viel übrig. Während Kentucky von sattem grün, plätschernden Flüssen und grenzenloser Freiheit geprägt scheint, herrscht in der Vorstadt Trost- und Hoffnungslosigkeit.
«You know, I thought your mama was going to be alright, be happy. I know I could have done better. But you, you got to decide you want to be somebody or not.»
Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die Drogenabhängigkeit von Mutter Bev. Ihr Bewältigungsmechanismus stürzt die Familie, insbesondere aber J.D., nach und nach ins Verderben. Verzweifelt versucht J.D., der Untätigkeit des Rests der Familie entgegenzuwirken. «You let her get away with this every time», schreit er seine Grossmutter an. Auch Bev, in einer finalen Szene mit Mawmaw, antwortet verzweifelt «Who, huh?! Who? You?!», als diese meint, dass wohl bald mal jemand einschreiten muss: «You’ve always got a reason! But it’s always someone else’s fault! At some point, you’re going to have to take responsibility. Or someone else is going to have to step in!». Schuldtragen, Schuldgefühl und Verantwortung sind bis zum Schluss die Eckpfeiler des Films.
«Hillbilly Elegy» erzählt von J.D.s Kindheit in Ohio und Kentucky, aber auch von seinem Jurastudium an der Yale-Universität in Connecticut. Das Leben dort mit seiner Freundin Usha (Freida Pinto) könnte sich kaum stärker von seiner Kindheit unterscheiden. Als sich bei einem erneuten Zwischenfall mit seiner Mutter zu Hause in Ohio die beiden Leben zu vermischen drohen, stürzt dies J.D. in ein Dilemma, das gleichzeitig eine uralte und die zentrale Frage des Films aufwirft: Bin ich es meiner Familie schuldig, zurückzukehren, zurück in eine Welt, aus der ich jahrelang zu fliehen versucht habe, oder verdiene ich es, nach vorne zu schauen und mein eigenes Leben zu leben?
Der Roman «Hillbilly Elegy» erschien im Sommer 2016, kurz vor der Wahl von Donald Trump ins Weisse Haus, und wurde in der Folge zum Text, mit dem versucht wurde, das politische Erdbeben, das sich in Amerika abspielte (und immer noch abspielt), etwas einzuordnen. Passend ebenfalls, dass sich die Geschichte in Kentucky, dem Inbegriff von «Trump-Land», Ohio – einem einstigen «Swing State», der inzwischen zunehmend republikanisch tendiert – und der langjährigen demokratischen Hochburg Connecticut abspielt. Auch wenn in der Verfilmung von der kritischen Auseinandersetzung mit der Politik und Gesellschaft im Buch viel abhanden gekommen ist – die Zerrissenheit lässt sich auch in J.D. spüren.
«Man fühlt sich zeitweise so, als ob man stets zwischen Social-Studies und Soap-Opera hin- und herzappt.»
«Hillbilly Elegy» lässt einen aber auch als Zuschauer*in etwas hin- und hergerissen zurück. Auf der einen Seite hat man ein schön anzusehendes Familienepos zur Hand, das getragen wird von durchs Band tollen Darbietungen von Amy Adams und Glenn Close, aber auch von Gabriel Basso (der den älteren J.D. mimt) und Haley Bennett. Die Kameraarbeit und das dynamische Hin und Her zwischen den Zeitperioden lassen ebenfalls nicht viel zu wünschen übrig. Und doch wirkt das ganze etwas aufgesetzt, hat teilweise fast etwas von einer Parodie. Man fühlt sich zeitweise so, als ob man stets zwischen Social-Studies und Soap-Opera hin- und herzappt.
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Kinostartdeutschschweiz: 12.11.2020 / Netflix-Start: 24.11.2020
Filmfakten: «Hillbilly Elegy» / Regie: Ron Howard / Mit: Gabriel Basso, Glenn Close, Amy Adams, Owen Asztalos, Haley Bennett, Freida Pinto / USA / 115 Minuten
Bild- und Trailerquelle: Lacey Terrell/NETFLIX © 2020
Ein zwischen Social-Studies und Seifenoper angesiedeltes Drama, das von starken Darbietungen und emotionalen Punches erfolgreich über Wasser gehalten wird.