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Klugheit schützt vor Torheit nicht! In Irrtümer der Wissenschaft von Luc Bürgin geht es um kapitale Fehleinschätzungen der Wissenschafts- und Technikgeschichte.
Ignaz Semmelweis entdeckte die Ursache des Kindbettfiebers – doch die Fachwelt wollte nichts davon wissen und verfrachtete Semmelweis schliesslich in eine psychiatrische Klinik. Noch schlimmer erging es Ludwig Boltzmann, einem Pionier der Atomtheorie – er floh in den Suizid. Hermann Oberth wurde spöttisch belächelt, als er schon in den Zwanzigerjahren erklärte, Mondraketen und sogar bemannte Mondflüge seien, wissenschaftlich betrachtet, durchaus möglich. Theophrastus von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus, floh einst Hals über Kopf aus Basel. Mit seinen aus heutiger Sicht sehr fortschrittlichen medizinischen Ansichten hatte er sich an der Universität zu viele Feinde gemacht. Selbst Sigmund Freud musste sich in jungen Jahren als „Wiener Wüstling“ beschimpfen lassen.
Neben den Forschern haben auch die Erfinder ein schweres Leben. Entweder kräht kein Hahn nach ihrer Arbeit oder sie werden von Kollegen überflügelt. Als Philipp Reis 1861 das erste Telefon präsentierte, hatte niemand Interesse. Gustav Weisskopf leistete einen grossen Beitrag zur Erfindung des Flugzeugs, versank aber für die Nachwelt im Schatten seiner Zeitgenossen, der Gebrüder Wright. An der Weltausstellung in Wien 1873 präsentierte Siegfried Marcus einen Benzinmotor mit elektrischer Zündung – die erste Ahnung des Automobils. Der „verrückte Graf“ Ferdinand von Zeppelin fand lange Zeit niemanden, der sein lenkbares Luftschiff finanzieren wollte. Auch für eine Vermarktung des 1904 vorgestellten „Telemobiloskops“ (zu deutsch: des ersten Radargeräts) von Christian Hülsmeyer interessierte sich damals keiner.
Verkannte Genies hat es wohl schon immer gegeben. Wer weiss, was da draussen heute so herumläuft…