Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03493.jsonl.gz/640

1586
P. Justus (Peter Franz) Füeg von Pruntrut
Geburtsjahr: 1750 |
Todesjahr: 1803
Professbuch:
Band B, Nr. 452
Kapitel:
11. Professen unter Abt Nikolaus Imfeld 1734-73.
P. Justus (Peter Franz) Füeg von Pruntrut
Professjahr: 1770
Professbuchtext:
P. Justus (Peter Franz) Füeg von Pruntrut. Geboren den 22. November 1750 als Sohn des Ratsherrn Peter Füeg und der Maria Ursula Deschler. Man nahm ihn hauptsächlich wegen der Kenntnis der französischen Sprache ins Kloster auf. Profeß 9. September 1770. Priester 24. September, Primiz 29. September 1774.
P. Justus wirkte zuerst als Lehrer an der Klosterschule. Aber schon 1779 bemerkt P. Otmar Ruepp in seinem Tagebuch463
: «Er ist ein eigensinniger, von weniger Demuth und Unterwürfigkeit, daher ihn nicht nur die Patres nicht mögen, sondern er ist auch den Obern beschwerlich, sich selber aber im Kloster unerträglich. Zwar hat er auch noch einige Tugenden an sich, als Amor solitudinis, Occupatio in cubili etc.» Schon damals hatte er auch wegen dem Beichtstuhl Schwierigkeiten. Den 5. Januar 1781 kam er nach Bellenz, von wo er bereits den 21. Januar 1782 wieder zurückkehrte. Wegen zu großer Strenge im Beichtstuhl wurde er im Juni 1784 davon suspendiert. In der Fastenzeit 1785 erlaubte ihm der Abt, sich mit einer Handarbeit zu beschäftigen, auch durfte er wieder Deutsche beichthören. Den 13. Februar 1789 mußte man ihn in seiner Zelle internieren. Er wandte sich nun an die Kurie in Konstanz, um von dort die Aufnahme in das Kloster auf der Reichenau zu erwirken, wo damals aus verschiedenen Klöstern Mönche die Seelsorge und den Gottesdienst besorgten. Man stellte ihm am 16. April frei, ob er nach St. Gerold oder nach der Reichenau gehen wolle. Er ging nun am 20. April für P. Dominik Andermatt nach St. Gerold. Von da aber floh er im Juli 1789 heimlich nach der Reichenau. Aber auch dort beklagte man sich im Juli 1790 über ihn in Einsiedeln. Da erschien er unaufgefordert am 9. August 1792 in Einsiedeln; der Abt befahl ihm, innert einer Stunde das Gebiet der Abtei zu verlassen. Im März des folgenden Jahres bat er um Wiederzulassung in Einsiedeln; man beschloß, ihn zurückkehren zu lassen. Er kam am 18. März und nahm die ihm auferlegte Buße willig an. Den 23. August wurde ihm auch das Beichthören wieder gestattet. Aber am 7. Dezember 1794 mußte er auf ein neues interniert werden. Der Abt empfahl ihn, gelegentlich des Fastenkapitels 1795, dem Gebete des Konventes. Als der Nuntius Gravina 1795 zur Engelweihe kam, legte man ihm den Fall vor; er sandte seinen Sekretär Falchini zu P. Justus, dem er sich aussprechen konnte; auch durfte er schriftlich dem Nuntius seine Klagen einreichen. Er blieb aber weiter inhaftiert. Unmittelbar bevor die Franzosen ins Kloster einbrachen, wurde er laufen gelassen. Er floh in die Gegend von Yberg, wo ihn die Franzosen nach drei Tagen bei der Kirche in Euthal aufspürten und zum Verhör nach Einsiedeln führten. Man sah aber bald, daß P. Justus um die Vorgänge wenig wußte und ließ ihn gehen. Er hielt sich fortan im Dorfe auf, legte freilich das Ordenskleid ab und erschien in gelben Lederhosen, grauem Rock und gleichfarbener Kappe. Er suchte sich auch in die Seelsorge einzumischen, doch wünschten die neuen Behörden selbst am 19. Oktober 1798 seine Entfernung; statt dessen sprach ihm das Direktorium für seine Anhänglichkeit an die neue Ordnung am 5. Dezember 10 Louisdor als Zeichen der besondern Zufriedenheit zu. Am 18. Mai 1700 wurde er nach Luzern geschafft, kehrte aber bald wieder zurück, und als die Patres im Sommer wieder zurückkehrten, gesellte sich auch P. Justus zu ihnen. Nach deren erneuter Vertreibung blieb er weiter in Einsiedeln, zog aber später doch ins Ausland. Im Dezember 1799 weilte er im Kloster Beuron. Er wandte sich 1800 an die helvetische Regierung, um eine Pension zu erlangen. Am 24. September 1800 wurden ihm monatlich 42 Franken zugesprochen; auch sollte er auf eine Pfründe empfohlen werden. Doch mußte er in die Schweiz zurückkehren, wofür man ihm 160 Fr. Reisegeld auswarf. Er hielt sich nun zuerst auf dem Gubel bei Menzingen, dann in Einsiedeln und seit 1802 in Pruntrut auf. Die Pension bezog er bis zur Rückkehr der Patres. Man lud ihn ein, wieder nach Einsiedeln zu kommen. Er wollte aber davon nichts mehr wissen und schied in aller Form aus dem Stiftsverband aus. Er lebte als Weltpriester in Frankreich, wo er den 31. Oktober 1803 im Alter von 53 Jahren starb. Mit Recht bemerken die Kapitelsakten: «Absit ut ejus modi farinae homines in Capitulum ac Monasterium istud adeo illustre aciscamus in posterum»464
.