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Anna Behr
1875
The Isabella Geriatric Center
1875, Manhattan, New York
The Isabella Geriatric Center was established on May 15, 1875, as the Isabella Heimat Home for the Aging by Anna Uhl Ottendorfer (1815-1884) and was named for the founder's daughter Isabella Uhl who died at the age of 27 (1846-1873). Anna came to New York City from Germany and married Jacob Uhl who went into the publishing business. When Uhl died in 1852, Anna rejected offers from potential purchasers of the publishing operation. She married her collaborator Oswald Ottendorfer and remained in the business. Anna had directed her energies to help suffering people which enabled her to create the home.
The Home initially cared for 25 aged and indigent women. The Home relocated to Washington Heights from Astoria on November 9, 1889. During the better part of the Nineteenth Century many institutions, including Isabella, purchased land above Central Park at a cheap price. It provided a rustic setting for its residents, since this part of Manhattan still had farms and a woodland setting.
The original building for Isabella's Washington Heights location was a four-storied structure. The first floor was used for offices and social rooms. The upper floors were bedrooms. The top floor had a Mansard roof with dormered windows with a cupola that graced the top of the building. The porch and balconies on the front of the building were used for the residents to get fresh air. The main entrance of Isabella faced Audubon Avenue. In 1969 the building was razed to make room for the expansion of its facilities.
1883
Anna Ottendorfer to German Hospital & Dispensary Promissory note
Date 23 March 1883
New York March 23rd 1883
I promise to pay to the Treasurer of the German Hospital & Dispensary of the City of New York One hundred thousand dollars 00/00, which sum is to be applied principally to buy and erect a dispensary building and payable, whenever required for that purpose
Anna Ottendorfer
Back side
Paid on account of this note ??.??.1883 purchase money for Lots 135 & 137 ??? Fourty thousand dollars
Os Ott (Oswald Ottendorfer)
Paid on account of this note 8/1883 for payment to ??? ??? twenty five thousand dollars
Os Ott (Oswald Ottendorfer)
Paid the balance of this note, thirty five thousand dollars in full for all claims on that account.
Os Ott (Oswald Ottendorfer)
1883
NEW YORKER STAATS-ZEITUNG, 16. SEPTEMBER 1883
Eine Überraschung. Frau Anna Ottendorfer, welche durch Unwohlsein schon längere Zeit ganz ans Haus gefesselt ist, erhielt durch Vermittlung der deutschen Gesandtschaft in Washington ein Packet mit folgendem Schreiben der deutschen Kaiserin zugestellt:
An Frau Anna Ottendorfer, New York
Ich habe mit besonderer Genugtuung von Ihrem menschenfreundlichen Wirken, namentlich zu Gunsten unserer Landsleute in Amerika gehört, und wünsche Ihnen durch Übersendung des beifolgenden Verdienstzeichens zu beweisen, daß auch in der Heimat die in der Ferne geübte Wohltätigkeit dankbare Anerkennung findet.
Homburg v. d. H., den 16. September 1883. Augusta
Die an weißer Schleife in einem blauen Sammet-Etui ruhende Dekoration von Silber zeigt das Kreuz in der Mitte, umgeben von einem Silberband mit der Aufschrift: „Für Verdienst“ in blauem E-Mail und einem ebenso ausgeführten Eichenkranz. Den Fuß des Kreuzes schmückt das gekrönte Monogramm der Kaiserin, während die preußische Königskrone (...) überragt. (...) sicherlich ein schönes Zeichen edler (...), daß die deutsche Kaiserin an den Bestrebungen deutscher Frauen im (...) so reges Interesse zeigt und die- (...)zu ehren und (...).
1884
Anna Sartorius Uhl Ottendorfer, geb. Anna Sartorius oder Anna Behr (geb. 13. Februar 1815, Würzburg, Bayern [jetzt in Deutschland] – gest. 1. April 1884, New York, N.Y., USA), Verlegerin und Philanthropin, die an der Gründung mitgewirkt hat eine große deutsch-amerikanische Zeitung und leistete großzügige Beiträge zu deutsch-amerikanischen Institutionen.
Anna Sartorius erhielt eine spärliche Ausbildung. Um 1836 wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in New York City nieder. Die Quellen sind geteilter Meinung darüber, ob ihre Heirat mit Jacob Uhl, einem Drucker, vor oder nach ihrem Umzug in die Vereinigten Staaten stattfand. In jedem Fall hatten sie bis 1844 eine Druckerei gekauft und damit auch den Auftrag zum Druck der wöchentlich erscheinenden New-Yorker Staats-Zeitung. Sie kauften die Zeitung direkt im folgenden Jahr. Gemeinsam – Anna Uhl teilte sich die Redaktion, das Geschäft und sogar die Setzerei und die damit verbundene Pressearbeit – bauten sie die Zeitung zu einer erfolgreichen Institution aus, die auch in andere Städte mit größeren deutschen Gemeinden verbreitet wurde. Es wurde bald dreiwöchentlich und dann 1849 täglich. Ab dem Tod ihres Mannes 1852 leitete Anna Uhl den gesamten Betrieb. 1859 heiratete sie Oswald Ottendorfer, einen mährischen Einwanderer, der 1851 in die Staats-Zeitung eingetreten und 1858 Redakteurin geworden war. Danach war sie Generaldirektorin der Zeitung.
In späteren Jahren widmete sich Anna Ottendorfer der Philanthropie. 1875 steuerte sie 100.000 US-Dollar zum Bau des Isabella-Heims für ältere Frauen deutscher Abstammung in Astoria, Long Island, bei. Eine ähnliche Spende gründete 1881 den Hermann Uhl Memorial Fund, benannt nach einem verstorbenen Sohn, um das Studium der deutschen Sprache an amerikanischen Schulen zu unterstützen, hauptsächlich durch das German-American Teachers’ College of Milwaukee, Wisconsin. Dem New York German Hospital schenkte sie 1882 einen Frauenpavillon und 1884 eine deutsche Apotheke und einen Lesesaal, Geschenke in Höhe von insgesamt 225.000 Dollar. Sie spendete kleinere Beträge an andere Institutionen in Brooklyn, New York, in Newark, New Jersey und anderswo, und ihr Testament hinterließ weitere 250.000 Dollar für verschiedene deutsch-amerikanische Institutionen.
Anna Uhl Ottendorfer, Geschäftsleiterin 1845-1884. Die Staats-Zeitung wurde 1834 von deutschen Einwanderern gegründet. Jacob Uhl erwarb die Zeitung 1845, damals eine Wochenzeitung mit sehr geringer Auflage, herausgegeben von Gustav Adolph Neumann. Jacob Uhl und seine Frau Anna Uhl, die als Setzer, Sekretärin und Geschäftsführerin tätig war,[1] vergrößerten das Blatt umgehend und entwickelten es in Kürze zu einer Tageszeitung weiter. Als Jacob Uhl 1852 starb, übernahm Anna Uhl die Leitung der Zeitung, unterstützt von Oswald Ottendorfer, der in der Zählstube angestellt worden war. 1858 wurde Ottendorfer Redakteur, 1859 heiratete er Anna Uhl. Anna Ottendorfer blieb bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 1884 Geschäftsführerin, als ihr Sohn Edward Uhl ihre Nachfolge antrat. Gemeinsam entwickelten Anna und Oswald Ottendorfer die Staats-Zeitung zu einer großen Zeitung. In den 1870er Jahren war ihre Auflage vergleichbar mit englischsprachigen Zeitungen wie der New York Tribune und der New York Times.
April 4, 1884
Rede des Herrn Carl Schurz, gehalten am Sarge im Trauerhause, am 4. April, 1884.
Verehrte Anwesende! Als einem Freunde der trauernden Familie und auch als einem verehrer dessen, was es in der Menschenwelt Edles und Tüchtiges gibt, ist mir die ehrenvolle Aufgabe geworden, an dem Sarge dieser Verewigten den Gefühlen, die uns heute Alle bewegen, in kurzen Worten Ausdruck zu geben.
Hier hat nicht allein ein Mann seine treue und liebe Gattin, hier haben nicht allein Kinder ihre theure, liebevoll und verständig sorgende Mutter verloren. Hier ist den Armen und Nothleidenden eine der werkthätigsten Freundinnen, ihrem Geschlecht eines der besten Muster, dieser Republik eine der nützlichsten Bürgerinnen, der Menschheit eines der glänzendsten Vorbilder großartigsten Gemeingeistes gestorben. Ohne die geringste Uebertreibung darf ich sagen, daß wir heute eine der bedeutendsten Frauen unseres Landes und Unserer Tage in's Grab legen. Wenn menschliche Größe darin besteht, daß man unter den obwaltenden Bedingungen der Existenz das Bestmögliche leistet, so war sie wirklich eine große Frau. Ihre Liestungsfähigkeit schien beschränkt zu sein nur durch die Grenzen ihres Wirkungskreises. An ihrer Wiege hat nicht das blinde Glück gestanden. Das alte Vaterland, von welchem sie auswanderte, gab ihr weder eine außergewöhnliche Bildung, noch materielles Vermögen mit auf den Weg. Als sie vor etwa acht und vierzig Jahren an dieser Küste landete, besaß sie nichts, als gesundes Blut, einen hellen Verstand, einen starken Willen und ein braves Herz. Das war das Kapital, ans dem Alles entstand, was sie geworden ist und gethan, gewonnen und geschaffen hat. [8] Wie sie im Verein mit ihrem ersten Gatten Schwierigkeiten, welche sich dem mittellosen Einwanderer entgegenzustellen pflegen, mit resolutem Streben überwand und allmählig einen kleinen Besitz erwarb und den Grund zu einem journalistischem Institut legte; wie sie dann, als Wittwe, ohne männliche Hülfe, mit scharfem, sicherm Blick in die Zukunft sah und deren Möglichkeiten erkannte und dann, auf das eigene Urtheil und die eigene Kraft vertrauend, dieses Institut festhielt und es mit erstaunlicher Umsicht und rastloser Thätigkeit zu außerordentlicher Prosperität und Macht entwickelte, schon ehe ihr trefflicher, jetzt so tief gebeugter Gatte, mit dem sie die letzten fünfundzwanzig Jahre glücklich vereinigt war, dem Unternehmen seine fähige und ersprießliche Leitung gab; wie sie Alles das that, bot ihre Laufbahn ein seltenes Exempel nicht etwa günstiger Glückslaune, sondern eines durch ungemeine Klugheit, Thatkraft und Ausdauer ehrlich verdienten und gewonnenen Erfolges. Aber wir finden darin viel Höheres noch. Lehrt dieses Beispiel, wie ein umsichtig praktischer Sinn mit Ehren Viel Erwerben mag, so lehrt es uns um so mehr, wie ein edles Herz, das von dem Einzelnen Erworbene Allen zum Segen macht. Man darf wohl die Achsel zucken über Diejenigen, welche mit emsiger Selbstsucht Dollar auf Dollar häufen, um dann das Gewonnene entweder mit noch größerer Selbstsucht als untastbaren Schatz für sich zu bewahren, oder es in roher Genußsucht zu vergeuden, oder mit brutaler Selbstüberhebung zur Schau zu stellen. Aber die höchste Achtung verdient der edelpraktische Sinn, der im Kleinen sammelt, um im Großen zu geben, der das Kleine erwirbt und zu Rathe hält, um das Große zu leisten. Und nun blicken wir auf ihr Wirken zurück. Das war nicht das eigennützige Streben nach Gewinn, des bloßen Besitzes wegen. Das war auch nicht jene testamentarische Wohlthätigkeit, welche, wie schätzbar sie auch sonst sein mag, an den Gütern dieser Welt festhält, so lange noch die Möglichkeit des Selbstgenusses bleibt, um sie dann, wie das Geschenkte, dem Spiel des Zufalls in einer ungewissen Zukunft zu überlassen. [9] Auch war es nicht die leichtfertige Generosität, welche, wenn auch reichlich, aber oft halb gedankenlos von angehäuftem Ueberfluß hergibt, zuweilen weil sie nicht Nein sagen kann, oder weil reifliches Ueberlegen Zeit nehmen und Mühe machen würde. Nein, die Wohlthätigkeit dieser Frau war die Frucht der denkenden Sorge, die mit gewissenhafter Untersuchung das Feld auskundschaftet,
auf welchem die Gabe die besten Früchte tragen kann, und die, wenn dieses Feld gefunden ist, mit um so volleren Händen gibt, und auch dann noch sorgt und plant und wacht, damit die ausgestreute Saat gut bestellt und gepflügt werde, eine ebenso weise als großherzige Wohlthätigkeit, die fürstlich spendete, ohne zu verschwenden. So finden wir denn diese Frau, noch ehe sie reich war, inmitten ihrer Erwerbsthätigkeit, im Kleinen Rath und Hülfe schaffend, wo sich Gelegenheit und Möglichkeit bot; dann in Vereinen und Ausschüssen nicht allein als thätiges, sondern als leitendes, regierendes Element, und endlich mit der warmen Lust des Helfen- Könnens ihre Hunderttausende hergebend, hier um hülflosen Frauen ein behagliches Obdach zu schaffen, zum Andenken an ihre gestorbene Tochter; da um den Unterricht in der deutschen Sprache, die der echt deutschen Frau stets theuer blieb, zu fördern, zum Gedächtniß ihres gestorbenen Sohnes – denn jeder Schicksalsschlag, der sie selbst traf, war ihr stets ein Anstoß, das Schicksal Anderer zu mildern oder zu verschönern; – dann um das deutsche Krankenhaus in New York durch den Frauen-Pavillon zu erweitern; dann um dem Dispensarn ein neues Gebäude zu schaffen; dann um das deutsche Krankenhaus in Newark von seiner Schuldenlast zu befreien; dann um durch Unterstützung von Schulen und Seminarien und durch Stiftungen mannichfaltiger Art nah und fern die Erziehung Deutscher in Amerika zu erleichtern; und dazwischen zahllose Wohlthaten, ausgestreut mit ungesehener Hand, bei denen die linke nicht wußte, was die rechte that. Alles dies das Werk eines hellen Verstandes, von einem großen Herzen erwärmt, und eines großen Herzens, von einem hellen Verstande geführt und bewacht. [10] Und nun ist dieses thätige reiche Leben zu Ende. Der letzte Rest ihrer einst so gewaltigen Arbeitskraft war, in Schmerz und Hinfälligkeit, noch dem schriftlichen Verkehr mit Denen gewidmet, welchen sie Gutes gethan. Sie konnte in der That sterben mit dem Bewußtsein, nicht umsonst gelebt zu haben. Denn nicht allein hat sie die Thränen vieler Elenden getrocknet, nicht allein mancher strebenden Fähigkeit den Weg geebnet, sondern sie hat Allen ein leuchtendes Beispiel gesetzt als Inspiration für edeln Ehrgeiz. Wer das gethan, der hat nicht nur die, welche die helfende Hand unmittelbar fühlen, glücklicher, sondern auch die Welt besser gemacht. Bis in weite Ferne ist der Ruf ihrer hülfreichen Tugend gedrungen. Die Kaiserin des mächtigsten Reiches der alten Welt hat sich selbst geehrt, indem sie der schlichten Größe dieser republikanischen Bürgerin den Tribut ihrer Achtung zollte. Und nun kommt von nah und fern die Stimme trauernder Verehrung, und es ist, als drängten sich ungezählte Tausende heran, um ihr den Kranz der Dankbarkeit auf das Grab zu legen. Die Reichen und Mächtigen mögen auf diese Bahre schauen und sich fragen: Wer möchte nicht in ähnlichem Geiste gelebt haben, um so zu enden? Welch' herrlicheres Monument gibt es, als die schönen Thaten, die sie überleben! Wenn unser Volk seine Wohlthäter aufzählt, wenn die Deutschen Amerika's Diejenigen nennen, auf die sie mit dem höchsten Stolz hinweisen, so wird sicherlich der Name Anna Ottendorfer stets in erster Reihe stehen. Ihr Andenken wird für immer gesegnet bleiben, wie ihr Werk.
April 9, 1884
MRS. OTTENDORFER'S ESTATE (New York Times)
A WILL WHICH BEQUETHS LARGE SUMS TO CHARITY.
The will of the late Anna Ottendorfer, wife of Oswald Ottendorfer, of the Staats- Zeitung, was, presented for probate in the Surrogate's 0ffice yesterday. In it Mrs. Ottendorfer gives to her daughter Emma Schalk, wife of Adolph Schalk, a set of pearl ornaments; to her daughter Anna Woerishoffer, wife of Charles F. Woerishoffer, a large diamond brooch, a bracelet set with rubies, and an onyx brooch set with diamonds; to her daughter Mathilda Riedl von Riedenstein, wife of Frederick Riedl von Riedenstein, of Vienna, a set of jewelry, consisting of a gold chain, a cross and a bracelet set with diamonds; to her daughter-in-law, Jane M. UhI, widow of her late son, Hermann UhI, a cameo set consisting of a brooch and a bracelet; to her grandson Hermann UhI, the gold watch and chain which she wore during the closing years of her life. She directs her Executors to present to each of her grandchildren as a memento an article of jewelry to be selected from those not otherwise bequeathed. The remainder of her jewelry and personal adornments and wearing apparel is given to her three daughters in equal parts. To her husband, Oswald Ottendorfer, is given all the household furniture, plate, pictures, books, horses, carriages, and harness, for his use during life, and on his death to her three daughters.
The "Deutscher Frauenverein zur unterstutzung hulssbedurstiger Wittwenwaisen und Kranken" of New-York" is given $10,000; the German Hospital and Dispensary of New-York:" $10,000; the Society for the Prevention of Cruelty to Children, $5,000· and the German Hospital in Newark, N.J. $5.000. Charlotte Worch, widow of Freiderich Worch, formerly in the office of the New-Yorker Staats-Zeitung, is given $5,000, which in case of her death goes to her children; John Lauckhardt, of the Staats-Zeitung, is given $6,000; Theophil Reust and Edward Brion, also of the Staats-Zeitung, $5,000 each.
To her son Edward UhI, Mrs. Ottendorfer gives one-half of all her shares and stock in the Staats-Zeitung corporation, and to her Executors the remaining half in trust for her three grandsons, Hermann, Oswald, and Manfred Uhl, minor children of her deceased son Hermann. The dividends on this stock are to be applied so far as needed to the education and maintenance of the grandsons. In a codicil which accompanies the wiII, this bequest is changed so that Edward UhI gets 102 shares and the grandsons 48 shares of the Staats-Zeitung stock. To her son, Edward UhI, is given all Mrs. Ottendorfer's lands in Kansas, and to her husband all her real estate in Manhattanville, which is bounded by the Boulevard, the Hudson River, One Hundred and Thirty- seventh and One Hundred and Thirty-eighth streets; her house and lot at No.7 East Seventeenth-street, and a stable at No. 10 East. Eighteenth-street. Mr. Ottendorfer may surrender this property to the residuary estate if he so wishes. It is provided that all the bequests must be paid out of the personal estate and that none shall constitute a charge or lien upon the real estate. The remainder of the estate is given to the Executors as Trustees to be divided into five shares for Emma Schalk, Anna Woerishoffer, Mathilda Riedl von Riedenstein, Edward UhI, and the three grandsons.
In addition to changing the bequests of the shares in the corporation the codicil gives to the "Isabella Heiruath" corporation, of New-York, $25.000; to the United Relief works of the Society for Ethical Culture, of New-York, $10,000; to the "Das Nationale Deutsch-Amerikanische Lehrer Seminar" corporation, of New-York, $10,000, and sets apart $25,000 to be divided among those employes of the Staats- Zeitung who give their whole time find attention to the work of the newspaper. The will is dated March 25, 1881, and the codicil March 23, 1883. The Executors are Oswald Ottendorfer, Emma Schalk, Mathilda Riedl von Riedenstein, Anna Woerishoffer, Edward Uhl, and Andrew H. Green.
The New York Times
Published: April 9, 1884
Copyright © The New York Times
September 17, 1911
SONNTAGSBLATT DER NEW YORKER ZEITUNG, 17. SEPTEMBER 1911 UNTER UNS FRAUEN
„Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht“
Der Moloch unserer Tage, das Automobil, hat in dieser Woche, wie in allen anderen des Jahres, seine Opfer gefordert. Eines derselben ist eine junge Dame, deren Hinscheiden an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben kann – aus verschiedenen Gründen. Es ist zunächst eine Pflicht der Pietät, die ich erfülle, wenn ich hier erwähne, da? Frl. Clara Wörishoffer, die Enkelin der Gründerin und einstigen Besitzerin dieses Blattes, der zu Ehren dieses Departement seinen Namen trägt, in bemerkenswerther Weise die Geistesrichtung und die Tathkraft ihrer Großmutter geerbt hatte und wie Mutter und Großmutter das Gefühl in sich trugund in die Praxis übersetzte: daß Reichthum verpflichtet! Das Bibelwort von den Pfunden, die treu zu verwalten sind, ist von ihnen allen hoch gehalten worden.
Müßiggang, Verschwendung, jene Art raffinierten Lebensgenusses, der sich aufdringlich bemerkbar macht und in den Stiefkindern des Schicksals Erbitterung erzeugt, das sind Dinge, die man in dieser Familie nicht an sich heran kommen ließ. Was die ältere Generation in unermüdlicher Arbeit erwarb und durch vorsichtige Verwaltung vermehrte, das wurde von jeher dem Dienste der Menschenliebe geweiht. Und dieses Erbe hatte nach dem Tode der Eltern die Tochter in vollem Umfang angetreten. Es ist nicht meine Absicht, und ist wohl auch nicht nöthig, daß ich heute und hier alles das aufzähle, was zwei Generationen für das Deutschthum der Stadt New York, für all die armen Menschen gethan haben, die trotz besten Willens nicht soweit kommen konnten, in den Tagen der Noth sich selbst helfen zu können. Wohl aber möchte ich in diesem Augenblicke darauf hindeuten, daß Werte der Menschenliebe geübt wurden, von denen nur ich allein weiß, und die kein anderer Mensch je erfahren soll. Solches Beispiel vor Augen, solche Atmosphäre im Hause, konnten nicht verfehlen, auf das heranwachsende Mädchen einen bestimmten Einfluß auszuüben. Eine natürliche, hohe Begabung, der wie oben angedeutet, auf das Praktische und Thatsächliche gerichtete Sinn, zusammen mit einer sorgfältigen häuslichen Erziehung und einer gründlichen modernen Ausbildung auf dem College Bryn Mawr, wo Frl. Wörishoffer außer den allgemeinen Fächern Sozialwissenschaft und Jurisprudenz studirte, führte sie auf den Weg einer sozialen Wirksamkeit, die sicherlich bahnbrechend genannt werden darf.
Entsagend jeder Annehmlichkeit, die ihre Mittel ihr gestatteten, verzichtend auf jeden Genuß, wie er selbst Minderbemittelten ein Bedürfniß ist, widmete sich Frl. Wörishoffer mit tiefem Ernst und großer Aufopferung dem Studium der Lebensverhältnisse von armen Arbeiterinnen. Sie gab die gewohnte alljährliche Europareise auf, denn sie wollte die Verhältnisse genau kennen lernen, wollte studiren, wie die sommerliche Geschäftsflauheit und Verdienstlosigkeit in materieller Beziehung, und wie die Sommerhitze in den Massenquartieren in hygienischer Beziehung das Leben der Armen beeinflussen.
Frl. Wörishoffer hatte sich namentlich drei Dinge zum Ziel gesetzt: Sie wollte den ums tägliche Brot hart ringenden Schwestern bessere soziale Zustände in die Wege leiten; sie wollte die Arbeiterfürsorge fördern, namentlich die Sicherstellung der arbeitenden Klassenfür Zeiten der Arbeitslosigkeit, und wollte die betreffenden Klassen dazu erziehen helfen, aus eigenem Bedürfniß heraus ein menschenwürdigeres und hygienischeres Privatleben anzustreben. Um unparteiisch urtheilen zu können, um nicht auf die einseitigen Auskünfte des einen oder anderen Theiles angewiesen zu sein, nahm sie selbst die Stelle einer Arbeiterin an und richtete dabei ihr Augenmerk auf den Grad der Gefahren, die der Industriearbeiterin im Betriebe drohen und auf den Umfang der Haftpflicht des Arbeitgebers.
Sie meldete sich dann zur Arbeit im Bureau des „State Department of Labor“ und begleitete dort die Stelle einer Arbeits-Inspektorin (nebenbei gesagt, war es in Erledigung dieser Pflicht, daß sie den frühen Tod erlitt. Auf einer Fahrt verlor sie anscheinend die Kontrolle über die Maschine und der Kraftwagen stürzte einen Abhang hinunter). Letzten Winter studirte sie, um ihren Schützlingen besser helfen zu können, zwei orientalische Sprachen, wohl wissend, daß die Klasse von Arbeiterinnen, deren Wohl sie anstrebte, am leichtesten und vollkommensten dem vertrauen, der ihre Sprache spricht. Die Hauptsprachen beherrschte sie ohnehin.
Sie ist dahin gegangen, in der Blüthe ihrer Jahre, den Geist erfüllt von großen, weittragenden Plänen, das Herz zugeneigt denen, die sie emporzuheben gedachte zu einer menschenwürdigen Existenz, zu einer mehr intelligenten Bewerthung des Daseins, die eine erste Bedingung zum Menschenglück ist. Man braucht sich an der Bahre des Frl. Wörishoffer nicht erst auf den Spruch zu besinnen, daß man den Todten nur Gutes nachsage, es ist vielmehr eine Wahrheit, die sich jedem Menschen aufdrängen muß: hier ist ein großer Zukunftswert unterbrochen worden durch den erbarmungslosen Allbezwinger Tod! Wenn man das unentwegte Wirken der Todten beobachtet hat in den wenigen Jahren, seit sie von Bryn Mawr graduierte, da fühlt man, daß die Zukunft zu hohen Erwartungen berechtigen musste. Und daß nicht ich allein, trotz der eben betonten Pflicht der Pietät, in dieser Weise urtheile, beweist unseren Lesern der nachstehend zitierte Leitartikel aus einem unserer anglo- amerikanischen Blättern, der „Evening Post“ vom 12. September. Es ist überhaupt unmöglich, anders zu urtheilen. Und dieses Eingehen auf das Streben einer Frau der jüngeren Generation, ist eben eine weitere Pflicht, der in dieser Abteilung, wi eoben erwähnt, genügt werden muß. Es heißt da also:
„Wenn man sagt, daß Staat und Stadt durch den Tod des Frl. Carola Wörishoffer bei einem Auto-Unfall einen schweren Verlust erlitten haben, mag das manchem der Leser als Übertreibung erscheinen. Die junge Dame war nur 25 Jahre alt, ihr Name in weiteren Kreisen nicht bekannt, und daß sie reich war, gab ihr, so interessant es auch sein mag, im Allgemeinen keine Ausnahmestellung in dieser Stadt des Reichthums. Und doch möchten wir obige Behauptung nicht um ein Jota modifizieren. Frl. Wörishoffer ererbte mit ihrem Vermögen eine seltene Erkenntnis öffentlicher Pflichten, die moralisch mit großen Mitteln verknüpft sind. Von ungewöhnlichen Fähigkeiten, widmete sie sich in früher Jugend dem Problem des arbeitenden Volkes, nicht lediglich durch theoretisches Studium, sondern indem sie thatsächlich sich unter sie Leute mischte und ihre Lasten mit ihnen trug. So war sie bereit und willens in Wäschereien zu arbeiten, um die Lage der Arbeiterinnen in diesen zu erkunden. Den reichen Nichtsthuern von Newport oder der Fünften Avenue würde ein solches Vorgehen zweifellos nicht nur einen plebejischen Beigeschmack verrathen, sondern direkt vulgär erscheinen. In der That muß frl. Wörishoffer ein Räthsel für sie alle gewesen sein. Sie, die es in ihrer Macht hatte, wenn sie wollte, in der Presse, die persönlichen Nachrichten kultiviert, in der Rolle einer Erbin und Schwester einer Gräfin an hervorragender Stelle zu erscheinen, Bälle und „Functions“ zu besuchen und ihre Loge in der Oper zu besitzen, zog in Wirklichkeit die bescheidene Thätigkeit einer staatlichen Arbeits-Insprektorin vor, und dieser ging sie nach, als der Unfall sich ereignete. Nach unserem Empfinden hatte Frl. Wörishoffer schon ausgezeichnete Dienste in dem Kreuzzuge der Humanität geleistet. Ihr leuchtendes Beispiel sollte viele andere bewegen, in ihre Fußstapfen zu treten“.
Soweit die „Evening Post“. – Ich knüpfe an die Schlussworte des Artikels an, indem ich der Überzeugung Ausdruck verleihr, daß das so früh abgeschlossene Wirken der Dahingeschiedenen wohl kaum ganz umsonst gewesen ist. Der Same ist gesäet und die Saat ist aufgegangen, wenn auch nicht zur Reife gelangt. Es werden, durch ein derart erhabenes Beispiel aufgerüttelt, sich hoffentlich Andere finden, die die Arbeit da aufnehmen, wo die im Tod erstarrenden Hände sie sinken lassen mußten. Es werden sich Andere finden, die ihrem Vorbild folgend, den Besitz unter dem Goethe’schen Gesichtspunkte betrachten: „ Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb’ es, um es zu besitzen“. An dieser Bahre muß auch der rabiateste „Feind der Besitzenden“ ehrfurchtsvoll sein Haupt entblößen. Die Dahingeschiedene hat es verstanden, wie ihre älteren Familienmitglieder, Unzufriedenen die Waffe zu entwinden und ihnen zu beweisen, daß reiche Mittel nicht jedes Herz verhärten.
Sie hat diesen Mitteln für sich selbst nicht mehr entnommen, als den einfachsten Lebensbedarf, aber die Oeffentlichkeit wird nie erfahren, was sie im Stillen Guthes gethan hat. Sie hatte ein Recht auf den Lebensgenuß der Jugend und des Reichthums, sie hat ihm entsagt um ihrer ärmeren Schwestern willen. Ganz verloren kann ein solches Beispiel und ein solches Wirken niemals sein. Die Früchte werden reifen, und wenn es eine Gerechtigkeit in der Welt gibt, dann wird der Name Carola Wörishoffer in den Reihen derer fortleben, die Gutes und Edles zu schätzen wissen, und namentlich in den Reihen derer, denen diese Früchte zugute kommen.
(...) und kindlichen Uebermuthes. Dieses kräftige, überschäumende Naturell, verbunden mit den äußeren Verhältnissen, ließ vermuthen, daß sie dereinst das Leben so recht froh und aus dem Vollen genießen werde. Nie hätte ich es für möglich gehalten, daß sie sich in so ernster Wiese den Weg der Pflicht bahnen würde. Die letzten 10-11 Jahre haben der Familie schwere Schicksalsschläge zugefügt, eins um das andere sah die Mutter der nun Verstorbenen ihre Lieben um sich herum dahin gehen; vor mehreren Jahren sank die älteste Tochter, Gräfin Seilern ins Grab, ungefähr im gleichen Alter als jetzt die Schwester, da wurde es stiller und stiller um die schwer geprüfte Frau. Diese jüngste Tochter war alles was ihr geblieben, nun ist auch sie dahin. Nur jenseits des Oceans leben noch zwei Schwestern von Frau Wörishoffer. Ich habe mich kaum je so bis ins Innerste erschüttert gefühlt, so geradezu erbittert, bei einem Schlage, der Andere getroffen, als in diesem Falle. Wer das leben der Dame kennt, so still, so ernst, so gänzlich dem Wohle der leidenden Menschheit gewidmet, nichts für sich begehrend, das Herz und Gemüth offen für fremde Leiden, der muß sich sagen: hier ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dieser letzte, entsetzliche Schlag hätte dieser edlen, ohnehin so einsamen Frau erspart bleiben müssen! Vor einem Jahre, als ich selbst Schweres erlitten, da hatte sie von Europa aus schriftlich, nach ihrer Rückkehr persönlich alles Liebe und Gute auf mich gehäuft, denn „ich weiß wie es thut“ meinte sie. Und nun, was soll man sagen und thun, um sie zutrösten, die ihr Letztes, Liebstes hergeben musste, unter so entsetzlichen Umständen (die Mutter weilte bei Eintritt der Katastrophe noch zum Besuche der Schwestern in Europa. Die Tochter wollte hier ihre Pflichten nicht verlassen). Was soll man thun, um zu trösten, trozdem man „weiß wie es thut?“
Da kann man, nachdem man eigenes Schicksal gefasst getragen, nicht umhin, anzuklagen! Wohlzuthun und mitzutheilen in dem fürstlichen maße, wie sie es thut, nach allen Richtungen hin, schafft wohl innere Befriedigung, aber ganz und allein kann es ein Menschenleben denn doch nicht erfüllen, ein bischen Glück, ein einziges, muß der Mensch für sich behalten dürfen.
Briefkasten der Frau Anna
Adresse: „Frau Anna“, „N.Y. SAATS-ZEITUNG, P.O.B 1207 New York City.
February 7, 1915
SONNTAGSBLATT DER NEW YORKER STAATSZEITUNG, 7. FEB. 1915
ZUM HUNDERDSTEN GEBURTSTAGE ANNA OTTENDORFER’S
„Vergeblich sucht man Deines Gleichen,
Und nie soll die lebendige
Erinnerung an Dich entweichen,
Du Gute, Du Verständige.“
Der Geist Anna Ottendorfers wird uns ewig leben. Am kommenden Samstag, den 13. Februar, jährt sich der Tag, an dem vor hundert Jahren Frau Anna Ottendorfer als Anna Behr in Würzburg in Bayern zur Welt kam. Sie erhielt als Tochter einfacher Bürgersleute nur eine Durchschnittserziehung und irdische Güter besaß sie auch nicht, als sie im Jahre 1836 nach Amerika kam. So gut deutsch von Herz und Gesinnung sie auch war, hier im neuen Vaterlande waren doch die eigentlichen Wurzeln ihrer Kraft. Mit den Tugenden, die die deutschen Frauen schmücken, vereinigten sich in ihr die Vorzüge der Amerikanerin. Karl Schurz nannte sie bei ihrem Tode eine der nützlichsten Bürgerinnen dieser Republik – nie wurde ein wahreres Wort gesprochen. Sie hat ihrer Zeit ihren Stempel aufgedrückt – sie hat den Besten ihrer Zeit genug gethan und dem Dichterwort zufolge „gelebt für alle Zeiten“. Sie leuchtet als unerreichtes Vorbild in unsere Zeit hinein - sie fehlt uns heute! Mit ihrer starken Persönlichkeit hätte sie in diesen bewegten Tagen, wo der Deutsch-Amerikaner, der Amerikaner „mit dem Bindestrich“, ob seiner Sorge um die alte Heimath von allen Seiten befehdet wird durch beredtes Beispiel gewiß manchen Angriff entwaffnet. Ihre schlichte Einfachheit und der nicht auf äußeren Prunk gerichtete Sinn würde dem sich steigernden Luxusbedürfnis der Jetztzeit ein wohltuendes Gegengewicht gehalten haben, ihr großzügig auf den Fortschritt gerichteter Geist wäre gewiß befruchtend für die Arbeit erwerbender Frauen von heute gewesen. Ihre Wohltätigkeit endlich hätte vor allem Anderen aber den Amerikanern zeigen können, wie eine Frau, die im Herzen deutsch ist, es versteht, die Früchte ihrer Arbeit in großzügiger Weise wieder dem neuen Vaterlande zuzuwenden, daß man deutsch und doch eine gute amerikanische Bürgerin sein kann. Eine Bürgerin, die durch ihr Wirken, ihre Arbeit und ihr Wohlthun dem Lande zum Segen wurde. Ohne viele Worte, durch stillschweigende That, durch ihr ganzes Wesen und Sein bewies sie, daß sie längst das war, was wir Frauen von heute als höchste Errungenschaft der Frau betrachten: Ihrem Manne nicht nur die treue Gattin, das liebevolle Wein, die Mutter seiner Kinder, sondern auch die kameradschaftliche Gefährtin zu sein, verständnisvoll und gleichberechtigt an Freude und Leid und Arbeit. Als Philantropin reichte sie weit über ihre Zeit hinaus, sie steht als einzige deutsche resp. deutsch-amerikanische Frau auf hohem Piedestal. Arbeits- und Gabefreudigkeit gingen bei ihr hand in hand. Als sie im Jahre 1839 Jacob Uhl heiratete, der damals Setzer bei der „New Yorker Staats-Zeitung“ war, waren die Verhältnisse denkbar bescheidenst. Im Jahre 1844 eröffneten die Uhls in No. 11 Frankfort Str. eine Druckerei, die zum Teil auf Abzahlung übernommen war! Aber was verschlug das den jungen Leuten? Wenn Frau Uhl ihren Haushalt besorgt hatte, half sie ihrem Manne am Setzkasten und durch rastlosen Fleiß und eiserne Sparsamkeit ging es aufwärts, bis nach einigen Jahren die „New Yorker Staats-Zeitung“ übernommen werden konnte. Von da an ging es bergauf, aber immer mit Frau Uhl als verständiger und verstehender, treibender Kraft. Was sie aber zu leisten und auszuführen im Stande war, zeigte sich nach ihres Gatten Tode am 25. April 1852, als sie mit sicherer Hand die Leitung des Geschäftes übernahm. Sie wies alle Kaufangebote für die „Staats-Zeitung“ zurück und energisch, mit weitem Blick für das Kommende und Nothwendige brachte sie das Geschäft glänzend in die Höhe. Am 23. Juli 1859 fand sie denn in Oswald Ottendorfer einen zweiten Gatten, der die „Staats-Zeitung“ zu höchster Blüte brachte. Mit dem Erfolg wuchsen die irdischen Güter und nun konnte Frau Ottendorfer ihrem guten Herzen genug thun. Immer hatte sie für fremdes Leid eine offene Hand, auch während ihrer bescheidenen Erwerbstätigkeit hatte sie für Alle Rath und Hülfe im Kleinen. Aber jetzt gab sie im Großen. Ihr waren die Reichtümer keine Schätze zum Sammeln und Aufspeichern, der Besitz machte ihr nicht Freude, um des Besitzes willen und so machte sie im Jahre 1875 die erste große Stiftung, die zum Andenken an ihre Tochter Isabella Uhl zur Gründung der Isabella-Stiftung führte. Ein Sohn Hermann Uhl, kam 1881 auf tragische Weise um’s Leben und zum Andenken an ihn stiftete sie die Hermann Uhl Memorial Fonds mit $ 35,000, dessen Zinsen dem deutschen Lehrer- Seminar in Milwaukee, sowie verschiedenen deutschen New Yorker Schulen, zufließen. Für das Normal College errichtete sie einen Fonds, zur Beschaffung einer silbernen und goldenen Medaille, für die jährlich besten Fortschritte im Studium der deutschen Sprache.
Ihr größtes Interesse aber wandte Frau Ottendorfer dem 1861 gegründeten deutschen Hospital zu, für das sie immer eine offene Hand hatte. Im Jahre 1882 dankte ihr der „Frauenflügel“ sein Entstehen, dem sich 1884 die Anna Ottendorfer Dispensary anschloß, erst an 8. Str. und 2. Ave., seit einigen Jahren aber an 76. Str. und Park Ave. Aber auch das deutsche Hospital in Newark trägt Frau Ottendorfer’s Namen auf der Ehrentafel – eine drückende Schuldenlast wurde durch sie getilgt. Deutsch-englische Schulen in Jersey City, Brooklyn, Newark, Meriden, Conn., wissen von ihrer Freigebigkeit zu erzählen. Es konnte ja natürlich nicht ausbleiben, daß sie auch überall in einschlägigen Vereinskreisen tonangebend war. Bei ihrer Energie und zielbewußtem Wirken spielte sie überall eine führende Rolle, im Frauenverein des deutschen Hospitals, Deutschen Frauenverein, State Charity Aid Association, Children’s Aid Association u.v.A. Überschwemmungen in der Rhein- und Weichselgegend führten ihre Beiträge auch über das Meer, und als die deutsche Kaiserin der hochherzigen Frau als Auszeichnung eine Verdienstmedaille sandte, war wohl nie eine würdigere geschmückt. Am 1. April 1884 setzte ein älteres Herzleiden diesem reichen Leben ein Ziel. Mit dem Gatten und noch vier Kindern aus erster Ehe (Edward Uhl, Frau Emma Schalk, Frau Mathilde von Riedl und Frau Anna Wörishoffer) trauerte ganz New York um diese außerordentliche Frau und Mutter. Sie wurde unter unbeschreiblicher Theilnahme der Bevölkerung in die Erde gesenkt. Nie vorher, nie nachher wurden einer Frau gleiche Ehrentribute gezollt. Karl Schurz hielt ihr eine tief ergreifende, unvergleichliche Grabrede, und der damalige Redakteur der Staatszeitung, Franz Rittig, widmete ihr ein Gedicht, dessen Schlussvers ich diesen Zeilen vorangestellt habe. Wenn es möglich gewesen wäre, daß durch ihr Testament die Trauer um ihr Hinscheiden noch vertieft werden konnte, hätte es geschehen müssen, denn noch eine weitere Viertelmillion war für wohltätige Zwecke vorgesehen – mit königlicher Freigebigkeit streute sie ihre Gaben aus! Und so bleibt ihr Andenken als Inspiration für edlen Ehrgeiz lebendig – wo ist die Anna Ottendorfer unserer Zeit?
February 13, 1926
ZWITTAUER NACHRICHTEN, 13. FEBRUAR 1926
Anna Ottendorfer.
Vergeblich sucht ihr ihresgleichen;
Wer wußt’ im Kranze edler Frau’n
Wie sie die milde Hand zu reichen
Und fremden Weh ins Aug’ zu schau’n?
Welch weibliches Gemüt erlauchte
So sinnig und so tief bewegt,
Was durch des Volkes Adern rauschte,
Als Pulsschlag sich in ihm geregt?
Sie streute Hilfe, Trost und Frieden,
Wie Blumen ringsum reichlich aus,
Und selber hat sie sich beschieden,
Mit stillem Glück im trauten Haus.
Kein Glanz der Welt, kein bunt Geflimmer,
Kein Prunk, der Tausende entzückt,
hat je mit seinem eitlen Schimmer,
Dies schlichte Frauenherz berückt.
Verlaß’ner bitteres Entbehren,
Ward ihr zum eig’nen herben Leid,
Die Perlenschnur der Dankeszähren,
zum liebsten, köstlichsten Geschmeid.
Und wenn in der Parteiung Toben,
Der Haß dem Hader Worte lieh,
Hat dieses Herz sich nur gehoben:
Gericht zu sein – und wanke nie!
„Vergeblich sucht man Deinesgleichen;
Und nie soll die lebendige
Erinnerung an Dich entweichen,
Du Gute, Du verständige!“
(N. St.)
Anna Ottendorfer. *)
Deutsch-amerikanisches Frauenbild von Th. Herm. Lange.
Am Nachmittage des 4. April bewegte sich ein Trauerzug in New-York von Nr. 7 Ost 17. Straße zunächst nach Union Square, dann die vierte Avenue hinab bis zur Bowery und durch die Centrestreet und über die Hängebrücke hinüber nach Brooklyn dem Greenwood-Friedhofe zu. Es war die Leiche einer Frau, welche als arme und völlig mittellose deutsche Einwanderin im Jahre 1839 hier landete und an deren Sarge nunmehr Exminister Schurz, Oberst Richard W. Hoe, Supremecourt-Richter Charles P. Daly und andere hervorragende Bürger als Bartuchträger fungierten. Ein echter Frühlingstag war hereingebrochen, den man um so freudiger begrüßte, als Orkane, Schneestürme und Regengüsse seit Ende März abwechselnd gewütet hatten. Tausende gaben der Verblichenen das letzte Geleit, hunderttausende standen auf den Plätzen und an den Straßenecken, welche der imposante Condukt passierte.
Schon seit zwei Tagen wußte es jeder Deutsch-Amerikaner von der Küste des Atlantischen Meeres bis hinüber zu den Gestaden des stillen Ozeans, daß seine größte Landsmännin, daß die beliebteste Frau der Vereinigten Staaten gestorben war. Als ich am Morgen des 2. April wie gewöhnlich von Gree-Point mit dem „Ferry-Boote“ nach New-York hinüberfuhr, standen neben mir zwei einfach, aber sauber gekleidete ältliche Arbeiterinnen. „Ich kannte sie schon vor mehr als 40 Jahren, als sie unten kaum ausgeschifft war und noch nicht einmal zwanzig Thaler ihr Eigen nennen konnte“, sagte die eine derselben, indem sie mit der Hand nach
Castle Garden zeigte. „Ja“, erwiderte die andere, „damals mag es ihr oft recht trüb gegangen sein, selbst für fremde Familien musste sie bisweilen waschen und nähen...“ Eine halbe Stunde später befand ich mich am City-Hall in New York. Von einem der stolzesten Paläste, die diesen Platz, den kommerziellen Brennpunkt der Millionenstadt, krönen – von dem Turme des Staatszeitungs-Gebäudes herab wehte das sternenbanner halbmast als Trauerflagge; denn die Eigentümerin der genannten Zeitung, Frau Anna Ottendorfer, war den Abend zuvor in einem Alter von 69 Jahren verschieden. Vor wenig mehr denn drei Decennien kämpfte Anna Ottendorfer noch den schweren Kampf um’s Dasein. Mit Sorgen stand sie am frühen Morgen auf, mit Sorgen ging sie abends zur Ruhe. Aber als sie starb, da weinten Tausende und Abertausende, denn die Helferin der Bedrängten war nicht mehr, die Frau hatte ihre iridsche Laufbahn beendet, welche allein im Jahre 1882 außer zahlreichen anderen Spenden 350.000 Mark für das deutsche Hospital gab, um eine eigene Abteilung zur ausschließlichen Aufnahme von weiblichen Kranken errichten zu lassen. Und doch hatte Anna Ottendorfer, die begeisterte Vorkämpferin des Deutschtums in der Union, erst das Jahr zuvor, in dem ihr Lieblingssohn Hermann in blühendster Jugendkraft vom Tode dehingerafft worden war, nicht weniger als 220.000 Mark als Fonds für deutsche Schulen und das deutsche Lehrerseminar in Milwaukee gestiftet. Und vor acht Jahren (1873), als sie ihre erstgeborene Tochter Isabella verlor, schuf sie mit einem Kostenaufwande von zunächst 130.000 Mark die „Isabella-Heimat“ in Astoria, zur Unterkunft betagter Frauen bestimmt, die ohne Familie und Freunde in der Welt hilflos dastehen.
Trotz alledem waren diese hochherzigen Taten nur die letzten Glieder einer Kette des Wohltuns und der aufopfernden Mildtätigkwit, die bis etwa 1859 zurückreicht. Denn erst vor fünfundzwanzig Jahren war aus der armen Schriftsetzersfrau eine mehrfache Millionärin geworden, die Besitzerin einer der größten täglichen deutschen Zeitungen nicht nur Amerikas, sondern überhaupt auf beiden Kontinenten.
Anna Ottendorfer war von armer Familie zu Würzburg in Bayern geboren. Noch vor ihrer Uebersiedlung nach Amerika heiratete sie einen Buchdrucker namens Uhl, mit dem sie sich 1839 in New York niederließ. Drüben in Deutschland war es dem jungen Ehepaar recht schwer geworden, sich das Nötige zum Lebensunterhalte zu erwerben und die ersten Jahre wollte es in dem gepriesenen Amerika auch nicht besser gehen. Doch wenn der Gatte Uhl bisweilen den Mut verlor, die Frau Uhl ließ ihn nicht sinken. Sie führte den Haushalt so sparsam wie möglich, sie las Korrekturen, sie arbeitete abwechselnd in fremden Häusern und 1844 konnten die jungen Leute eine kleine Buchdruckerei in Nr. 11 Frankfort-Street kaufen. Das Geschäft hob sich rasch, die junge neunundzwanzigjährige Frau war unermüdlich in demselben tätig, und wieder ein Jahr später erstand das strebsame Ehepaar die „New Yorker Staatszeitung“. Damals war dieses Pressorgan nur ein Wochenblättchen von sehr geringer Bedeutung, in Format und Ausstattung den kleinen preußischen „Kreisblättern“ sehr ähnlich, wie sie noch heutzutage an der deutsch-russischen Grenze in den Provinzen Possen, Schlesien u.a. angetroffen werden. „Die Staatszeitung“, so sagte mir einmal Frau Ottendorfer lächelnd, „hatte auch damals schon Abonennten, aber die „geehrter Leser“ zahlten schlecht oder gar nicht. Wir hatten auch Annoncen“, fuhr die edle Verblichene fort, „aber wir nahmen sie meist unentgeltlich von unseren Freunden auf. Unser Schuhmacher lieferte meinem Manne ein Paar Stiefel, die dieser nicht zu bezahlen brauchte, wogegen er gezwungen war, dem Handwerker ein Vierteljahr lang ein Gratis-Inserat in unserer zeitung zu gestatten. In ähnlicher Weise bezogen wir unsere Waren vom Grocer (Spezereienhändler), vom Schneider etc. Das waren ganz dieselben Zustände, wie man sie noch heute in kleinen westlichen, soeben erst gegründeten Städten bei neuen Zeitungen vorfinden kann.“
Aber bereits 1846 gestalteten Herr und Frau Uhl ihr Wochenblättchen zu einer täglichen Zeitung und führten dasselbe bei stets wachsendem Erfolge gemeinschaftlich bis zum Jahre 1852 fort. Da starb Jakob Uhl und hinterließ seine Frau als Witwe mit sechs Kindern. Der plötzlich Alleinstehenden wurden höchst vorteilhafte Anerbietungen im Falle des Verkaufes ihrer Zeitung gemacht, welche die meisten Frauen unbedingt angenommen hätten. Nicht so die Witwe Jakob Uhl’s. Ihrem Scharfblick entzog sich die große Zukunft des deutschen Elementes in den Vereinigten Staaten nicht und sie fühlte die Fähigkeit in sich, das Ihrige zur Erhaltung und zum Wachstum des Blattes beizutragen, das sich als Organ jenes Elementes erst zu entfalten begonnen hatte. Um diese Zeit entwickelte Frau Ottendorfer (damals eigentlich immer noch Frau Uhl) eine Tätigkeit, die ihre Umgebung ins höchste Erstaunen versetzte. Von früh bis in die Nacht hinein war sie auf dem Platze und überwachte alle Zweige des sich ständig vergrößernden Geschäftes. Die Einnahmen desselben verwandte sie auf Verbesserungen aller Art und hierbei bewährte sich vornehmlich ihre Einsicht und ihr Unternehmungsgeist. Zwei wichtige Schritte, die von großem Einfluß auf das Emporkommen der „Staatszeitung“ waren, erfolgten in der Zeit als Anna Ottendorfer als Herausgeberin waltete: der Beitritt zur „associierten Presse“ (1854) und die Errichtung eines eigenen Zeitungspalastes (1858). Die Einweihung dieses Gebäudes ist bis zu ihrem Tode eine ihrer Lieblingserinnerungen geblieben. Es gipfelte darin der Erfolg ihrer persönlichen Bemühungen um den Aufschwung der „Staatszeitung“.
Ein Jahr später tret sie die Leitung an Oswald Ottendorfer ab, den sie im Januar 1859 geheiratet hatte und der seit einer Reihe von Jahren schon als Redakteur bei ihr beschäftigt gewesen war. Ottendorfer, ein ehemaliger österreichischer Offizier und späterer Journalist, war 1848 nach Amerika gekommen. Dennoch nahm sie bis zum Oktober 1881 den regsten Anteil an der geschäftlichen Leitung der „Staatszeitung“ und erst als ihre Leiden ihr eine solche Wirksamkeit nicht mehr gestatteten, gab sie den Platz an dem Pulte auf, den sie über dreißig Jahre lang eingenommen.
Wahr und ergreifend sagte an ihrem Sarge Chefredakteur Dr. Paul Loeser:
„...Sie besaß vor allem jenes tiefsinnige Gemüt, das wir für unsere deutschen Frauen, gewiß nicht mit Unrecht, vorzugsweise beanspruchen; dann den ernsten Trieb, mitzuschaffen an der menschlichen Gesellschaft. In dieser Beziehung gehörte sie entschieden zu den Vorkämpferinnen der Frauenrechte, so widerlich ihr die Ausdehnung der Ansprüche von Frauen auf Rechte und Pflichten war, deren Erfüllung sie physisch nicht gewachsen sein können. Sie ist trotz ihrer exceptionellen Stellung niemals aus der Sphäre der edelsten Weiblichkeit herausgetreten und wußte den Mut, mit dem sie die Stelle des ihr durch den Tod entrissenen ersten Gatten einnahm und dessen eben erst begonnenes Werk fortsetzte, mit der zärtlichsten Mutterliebe und den wärmsten Empfindungen, mit denen ein liebevolles Frauenherz in die Sorgen und Freuden des Familienlebens eingreift, wohl zu vereinigen. Sie hatte ihren reichen Teil an diesen sorgen und Freuden erlebt. Von den sechs Kindern, die sie ihrem ersten Gatten geboren, überleben sie vier in den glücklichsten Verhältnissen: ein Sohn und drei Töchter, welche letzteren ihr eine muntere Enkelschar zubrachten, die, nebst den Kindern des ihr im Tode vorausgangenen ältesten Sohnes, zur Erheiterung ihres Lebensabendes beitrug. So ist denn die in Hinsicht auf ihre Schicksale, Ihr Wirken und Walten bedeutendste deutsche Frau in den Vereinigten Staaten uns für immer entrissen worden. Sie ist in dem Lande, das ihr eine so große Lebensstellung bot, stets eine deutsche Frau geblieben, wenn sie auch eine warme amerikanische Patriotin war. Sie war durchdrungen von der Zukunft des deutschen Elementes in unserem Lande und in manchen Punkten, z.B. hinsichtlich der Erhaltung der deutschen Sprache, geradezu eine Enthusiastin...“
Jetzt hat sich die Erde über dem geschlossen, was sterblich war an Anna Ottendorfer. Ihr Leben aber möge den Hundertausenden, welche alljährlich europamüde die neue Welt betreten, gewöhnlich mit einem Herzen voll von Hoffnungen und einem Beutel leer an Geld – ein Evangelium und eine Gewissheit sein, daß nur ernste Arbeit, gepaart mit klugem Sinn, Rechtschaffenheit und Sparsamkeit, in dieser Republik zu Wohlstand und Reichtum führen können.
*“Gartenlaube“ 1884 S. 302
Zwittauer Chronik.
Ottendorfer-Gedenkfeier.
Der Zwittauer Stadtrat veranstaltete Donnerstag, den 11. Feber 1929 um 7 Uhr abends, also am Vorabend von Oswald Ottendorfers hundertstem Geburtstag, im Festsaal der Ottendorfer’schen Volksbibliothek eine Gedenkfeier, an der die gesamte Stadtvertretung sowie Vertreter der Körperschaften und Vereine teilnahmen. Der schöne Saal war bis aufs letzte Plätzchen besetzt. Das prachtvolle Wandgemälde, das Ottendorfer in Lebensgröße darstellt, war mit einem prächtigen Lorbeerkranz geschmückt. Ein Musikvortrag des deutschen Musikvereines: Hochzeitsmarsch aus „Sommernachtstraum“ von Mendelsohn leitete die Feier ein, worauf Direktor Josef Hawlik als Obmann des deutschen Büchereirates die Versammlung mit folgenden Worten begrüßte:
Hochverehrte Anwesende!
Namens des Büchereirates erlaube ich mir, Sie aufs herzlichste zu begrüßen und Sie willkommen zu heißen in diesen Räumen, die Oswald Ottendorfer an der Stätte seines Geburtshauses so prachtvoll errichten ließ.
Damals, als er sich der Waisen, der Armen, der Kranken annahm, gedachte er auch aller jener, die da geistigen Hunger litten, die sich sehnten nach Belehrung und Wissen und schenkte uns das Buch. Das gute Buch, das ist unser verläßlicher, stets unbestechlicher Ratgeber, unser bester Freund, der uns unterhält, aufheitert und belehrt, uns in kranken Tagen tröstet, der uns als wahrer Sorgenbrecher über die Mühsal und Plage des Alltags hinweghilft und uns neue Kraft und frischen Mut im Kampfe um das tägliche Brot verleiht.
Unsere Bücherei, dieses kostbare Geschenk Ottendorfers, nimmt unter allen Gemeindebüchereien der Tschechoslowakei in jedem Belang die erste Stelle ein. Als Kulturfaktor von höchster Bedeutung steht sie im Dienste der allgemeinen Volkserziehung und Bildung; denn jedes Buch, auch ein solches, das der Unterhaltung dient, wirkt mittelbar auch belehrend, ebenso wie nach der Meinung eines Berufenen ein wissenschaftliches Werk auch unterhalten muß, wenn es seinen Zweck erreichen will. Seit mehr als drei Jahrzehnten waren alle Kuratorien und Büchereiräte dieser Bibliothek bestrebt, in diesem Geiste den Bücherschatz zu mehren und für das Bildungsbedürfnis – nicht bloß für das Unterhaltungsbedürfnis – aller Alterstufen und Volksschichten zu sorgen.
Mit Erfolg! Um nur eines hervorzuheben – es sind im letzten Jahre mehr als 70.000 Bände entlehnt worden, jedes einzelne Buch war ein Bote, der die Hochherzigkeit des Stifters und seine Bedeutung als Volkserzieher verkündete.
An dieser Stelle entwickelte vor mehr als 33 Jahren Ottendorfer Ziel und Zweck seiner Gründung. Wenn wir heute sein Andenken feiern, tun wir es in freudigem Bewußtsein, daß sein Wille, den er damals ausgesprochen, zur Tat geworden ist und wir dürfen die begründete Hoffnung hegen, daß sein Werk noch in den fernsten Tagen fortleben wird.
Wir danken dem edlen Stifter heute nicht mit leeren Worten, sondern mit der Tat, indem wir seinen Absichten nachstreben, den Bücherschatz benützen und ausnützen und ihn unter dem fürsorglichen Schutze der der Gemeindevertretung als kostbares Erbe bewahren.
In diesem Geiste, mit diesem Gelöbnis entrichten wir an Ottendorfers Namen unsere große Dankesschuld.
Möge die Lesehalle allzeit blühen und gedeihen und ebenso wie alle seine Schöpfungen Glück und Segen verbreiten!
In machtvollen Tönen brachten sodann die beiden Gesangvereine (Männergesangverein und Frohsinn) den herrlichen Chor „Des Schäfers Sonntagslied“ von Conrad Kreuzer zum Vortrage. Hierauf ergriff Bürgermeister Carl Lick das Wort zu der an anderer Stelle veröffentlichten Gedenkrede. Der Redner gedachte auch der hochsinnigen Gattin Ottendorfers, Anna Ottendorfer. Ihr zu Ehren ließ er in seine Rede eine Unterbrechung eintreten, während der die Bürgerschülerin Irma Hauschild das bei Frau Ottendorfers Tod in der New Yorker Staatszeitung erschienene sinnige Gedicht „Anna Ottendorfer“ vortrug. Ein Musikvortrag „Eriksgang“ und „Krönungsmarsch“ aus der Oper „Die Folkunger“ von Kretschmer, vom Musikverein in vorbildlicher Weise gespielt, beschloß die Feier, die – so schlicht und einfach sie war – einen überaus würdigen Verlauf nahm und allen Teilnehmern in steter Erinnerung bleiben wird. Nach der Feier trugen die Teilnehmer zu dauerndem Andenken ihre Namen in das Gedenkbuch der Ottendorfer’schen Volksbücherei ein.
Biography Anna Behr
Anna BEHR was born on the 13th February 1815 in Würzurg, Bavaria into a poor family. She had only a basic education and no possessions when she arrived in the US in 1836, aged 21.
In 1839 she married Jacob Uhl, an employee of the New-Yorker Staats-Zeitung, circumstances were very meager.
In 1844 they opened a printing shop at 11 Frankfort Street and after years of hard work were able to take over the New-Yorker Staats-Zeitung.
Her husband died on 25th April 1852 (she was 37 at the time) and she took over managing the business refusing to sell it.
On the 23rd July 1859 she married Oswald Ottendorfer who helped her take the paper to new heights.
In 1875 she made her first large donation in remembrance of her daughter Isabella Uhl who died in 1873, aged 26.
Her son Hermann Uhl died tragically in 1881, aged 38, and she created the Hermann Uhl Memorial Fund with a $35’000 donation.
From 1881 on, her greatest interest was the German hospital and in 1884 she funded the women’s section which became in 1884 the Anna Ottendorfer Dispensary. First on 8th Street and 2nd Ave., then after a few years on 76th Street and Park Avenue.
She also gave generously to the German Hospital in Newark and many other German- American institutions and received a Verdienstmedaille from the German Kaiserin.
She died after a long illness on 1st April 1884, aged 69 leaving four living children – Edward Uhl, Emma Schalk, Mathilde von Riedl and Anna Woerishoffer.
American National Biography / Ottendorfer page 841
Anna Ottendorfer, born Behr
OTTENDORFER, Anna Behr Uhl (13 Feb. 1815 - 1 Apr. 1884), newspaper owner and philanthropist, was born in Würzburg, Bavaria, the daughter of Eduard Behr, a storekeeper of modest background, and a mother whose name is unknown. Little is known of Anna Behr's early life in Germany. She immigrated in 1837 to the United States, where she joined her brother on a farm in Niagara County, New York.
In 1838 Anna Behr married Jakob Uhl, another immigrant from Bavaria who worked as a printer in New York City. In 1844 Uhl acquired his own print shop in New York; a year later, he purchased the New-Yorker Staats-Zeitung, a German-language newspaper for which he had been the printer. Together the couple developed the weekly paper, which had been founded in 1834, into a daily, and saw its circulation grow as the city's German population expanded. It became the principal German-language organ for the Democratic Party in New York City. Although occupied with the raising of the couple's six children, Anna Uhl played an active role in the business management of the paper. After Jakob Uhl died in 1852, she refused to sell the paper and took over control of its publication. She relied for assistance on Oswald Ottendorfer, who had been a staff member of the paper since 1851 and whom she married in 1859. The Ottendorfers had no children.
From 1859 onward, Anna Ottendorfer left most of the editorial functions of the newspaper to her husband while continuing to play a strong part in the paper's business management. Virtually every business day until shortly before her death found her in the newspaper's offices. The Staats-Zeitung prospered in the years during and after the Civil War and became the preeminent German-language journal of New York City and the most widely circulated German paper in the United States. By the early 1870s the newspaper rivaled in circulation the city's major English language newspapers such as the New York Times and the New York Tribune. The Staats-Zeitung occupied an imposing five-story Victorian structure built especially to house it at "Printer's Square" on Park Row, where the other major New York newspapers were located. As proprietor of the largest German newspaper in the country, Anna Ottendorfer became the most influential woman in German-language journalism in the United States.
The newspaper's prosperity by the 1870s brought considerable social status to Anna Ottendorfer, both within the German community and in New York society generally. It also allowed her to devote herself to philanthropy at the same time that her husband became involved in the politics of the city. The principal objects of her charitable activity were the welfare of women and children and the fostering and preservation of German language and culture. In 1875 her benefactions established the Isabella Home (named for her deceased daughter Isabella who died in 1847 aged 26) for aged German women in Astoria, New York. In 1881 she contributed $35,000 for German education in memory of her late son Hermann Uhl (who died in 1881 aged 38); these gifts supported the national German - American Teachers' Seminary in Milwaukee and various German-language schools in New York City. She also established a fund at the New York Normal School for prize awards for scholarship in German. In 1882 the German Hospital of New York City opened a new Women's Pavilion at Seventy-seventh Street and Fourth Avenue through a gift of $100,000 from Anna Ottendorfer. In 1882 and 1883 she made extensive contributions for the relief of flood victims in Germany; in gratitude for these efforts she was awarded a medal by Empress Augusta of Germany.
At the time of Anna Ottendorfer's death, work was being completed on a new building for the German Dispensary, a branch of the German Hospital for out patients at Ninth Street and Second Avenue. She had paid for the building and its land and also acquired adjacent tracts of land to house the Ottendorfer Branch of the New York Free Circulating Library. She had donated the land and the building for the library; benefactions from her husband furnished it and stocked it with 8,800 volumes, about half of them in German. Both the new dispensary and the library were opened after her death in 1884. Her will bequeathed an additional $250,000 to various charities, bringing the total of her charitable gifts to at least $750,000.
Anna Ottendorfer died at her home on East Seventeenth Street in New York City. Her funeral was judged by the New York Times to be the largest ever held for a woman in New York City. The flags at City Hall were flown at half-mast, over two hundred carriages joined the procession, and the principal eulogy was delivered by Carl Schurz, the most prominent German-American leader of the day.
• Files of the New- Yorker Staats-Zeitung during Anna Ottendorfer's career are in the New York Public Library. Detailed information about the paper can be found in Karl J. R. Arndt and May E. Olson, 77, The German Language Press of the Americas, vol. I, History and Bibliography, 1732 to 1955 (3d rev. ed., 1976). A biographical memoir by Heinrich A. Rattermann, "Ein deutsch- amerikanische Philanthropin: Frau Anna Ottendorfer," is in Deutsche Pionier 16 (1884): 293-301. An article about the dedication of her library is in the New York Times, 7 Dec. 1884. 'The Staals- Zeitung published a memorial volume, Zur Errinerung an Anna Ottendorfer (1884). A lengthy obituary appeared in the Sonntagsblat der New-Yorker Staats-Zeitung, 6 Apr. 1884. Other obituaries are in the New York Times. 2, 5 Apr. 1884, and in Harper's Bazar, 3 May 1884.
JAMES M. BERGQUIST
The National Encyclopaedia of American biography. V.1-13. 1989, 1893-1909.
OTTENDORFER, Anna Behr, philanthropist and journalist, was born at Würzburg. Bavaria, Feb. 13.1815. A brother having migrated to New York State, settling in Niagara County, Miss Behr left for this country in 1837, and for some time resided with him at his home. In the following year she married Jacob Uhl, a printer by trade, who in 1844 started a job office in New York city and in the following year purchased the « New Yorker Staats Zeitung » then a small weekly paper, which became the foundation of the great German organ of New York. With the diligent assistance of his young wife, Mr. Uhl was soon enabled to change his paper to a tri- weekly and in 1840 to a daily newspaper. In 1852 he died, leaving his widow, in addition to the care of her children, the burden of the management of the newspaper. Mrs. Uhl, however, had thoroughly familiarized herself with the details of newspaper management. possessed executive abilities and business skill, and by perseverance, energy and pluck succeeded in making her newspaper not only remunerative but a power in the land. Many offers of purchase were made her but she declined them all, and from 1852 until 1859 was sale manager. In July 1859, she became the wife of Mr. Oswald Ottendorfer, who had been for a long time on the staff of the paper; and after that Mr. Ottendorfer occupied the chief editorial chair while his wife, up to a period near to her death, was business manager. Mrs. Ottendorfer was famous for her works of charity. In addition to innumerable acts of private benevolence, of which the public never learned, she devoted a large portion of her great wealth to creating enlarging or endowing charitable and other institutions. In 1875 she built, in memory of her daughter Isabella, the Isabella Home foraged women, in Astoria, Long Island, on which she spent altogether $ 50,000. In 1881 she contributed about $ 40,000 to a memorial fund in support of several institutions, and the following year she spent about $ 75,000 in building and furnishing the woman’s pavilion of the German Hospital of New York City. She also paid out over $ 100,000 for the German Dispensary in Second Avenue and at her death bequeathed $ 25,000 to be divided among the employees of the “Staats Zeitung”. One year before her death, Mrs. Ottendorfer received a medal from the Empress Augusta of Germany in recognition of her many acts of charity. These were continued in her last will and testament in which she provided most liberally for the institutions already aided, and included several others among her beneficiaries. Mrs. Ottendorfer died in New York City, April 1, 1884.