Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03591.jsonl.gz/2877

Reden, die von sich reden machen
Wer möchte das nicht können, Reden halten, die begeistern. Die Realität sieht leider oft anders aus. Das muss nicht sein: Mit der richtigen Herangehensweise und dem Befolgen einiger simpler Tricks fesseln Sie Ihr Publikum und bleiben positiv in Erinnerung.
Eine gute Vorbereitung ist der Grundstein eines jeden gelungenen Auftritts. Und dazu gehört, sich auf das Publikum einzustellen. Vergegenwärtigen Sie sich als allererstes, vor wem Sie sprechen: Über welchen Wissensstand verfügen die Zuhörer und was erwarten Sie von mir? Umgekehrt sollten Sie festlegen, welche Kernaussage Sie den Zuhörern vermitteln wollen. Wenn Sie diese Fragen beantwortet haben, können Sie sich an die eigentliche Arbeit machen.
So gliedern Sie Ihre Rede
Notieren Sie erstmal alle Ihre Gedanken. Was weiss ich zum Thema? Was fällt mir spontan dazu ein? Was könnte die Zuhörer interessieren? Was muss ich recherchieren? Nachdem Sie diese Fragen beantwortet haben, erstellen Sie ein Grobkonzept und überprüfen Sie, ob der Aufbau logisch und sinnvoll ist. Danach verfassen Sie ein Manuskript. Teilen Sie Ihre Rede in Einleitung, Hauptteil und Schluss ein und formulieren Sie dann den Text. Oder schreiben Sie Stichwortkarten: Diese erlauben ein freies Formulieren, wodurch die Präsentation authentischer und glaubwürdiger wirkt.
Unabhängig von der Wahl Ihrer Gedankenstütze: Achten Sie darauf, dass sich ein roter Faden durch die Rede zieht. Bleiben Sie einfach, kurz und formulieren Sie pro Satz nur einen Gedanken. Abstrakte Substantive, Passivkonstruktionen sowie Einschubsätze gilt es zu vermeiden. Fachbegriffe sind zurückhaltend einzusetzen. Schliesslich überlegen Sie sich, welche Hilfsmittel Sie einsetzen wollen. Halten Sie PowerPoint-Präsentationen simpel und illustrativ, verzichten Sie auf Grafiken, Animationen und Tabellen. Flipcharts eignen sich ideal für Zusammenfassungen.
Üben, üben, üben
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das gilt auch für Auftritte. Üben Sie Ihre Rede, am besten vor dem Spiegel, und lassen Sie Versprecher und spontane Formulierungen zu. Achten Sie nicht nur darauf, was Sie sagen, sondern vor allem auch, wie Sie es sagen. Verzichten Sie jedoch darauf, bestimmte Gesten einzuüben oder rational darüber nachzudenken, wie Sie authentisch wirken können. Wenn es Ihnen gelingt, sich offen und begeistert zu zeigen, mit dem Publikum Verbindung aufzunehmen und auf seine Gemütslage zu reagieren, wird sich Ihre Körpersprache von alleine anpassen.
Üben Sie nicht nur, was Sie sagen, sondern vor allem auch, wie Sie es sagen.
Versuchen Sie sich vorzustellen, dass Sie Ihren Vortrag vor jemandem halten, zu dem Sie ein völlig entspanntes Verhältnis haben. Genau in diesem Zustand müssen Sie sich befinden, um offen und sympathisch zu wirken und eine authentische Beziehung zu Ihren Zuhörern aufzubauen. Stellen Sie sich bewusst ein Gespräch mit dieser Person vor und merken Sie sich, wie es sich anfühlt. Genau mit diesem Gefühl sollten Sie vor das Publikum treten.
Mit Gefühl referieren
Üben Sie Ihre Rede erneut. Dieses Mal stellen Sie sich vor, dass sich im Publikum ein Ihnen bekanntes Kind befindet, das Ihnen aber nicht zuhört. Sie wollen unbedingt die Aufmerksamkeit dieses Kindes wecken. Dafür entwickeln Sie keine Strategien, sondern tun einfach, was natürlich und passend erscheint: Sie erhöhen die Eindringlichkeit oder Lautstärke Ihrer Stimme oder treten näher an das Kind heran.
Bei einem erneuten Üben fragen Sie sich, wofür genau Ihr Herz schlägt. Konzentrieren Sie sich nochmals darauf, auf das Gefühl, das Sie mit Ihrer Rede vermitteln wollen und das Sie damit verbinden. Lassen Sie dieses Gefühl bei jedem Wort, das Sie während der Übungsrunde aussprechen, mitschwingen. Sie werden sofort menschlicher und gewinnender wirken.
Zum Abschluss Ihrer Übungsrunde bereiten Sie sich auf Aussetzer vor. Etwa bei Blackouts, technischen Pannen, Versprechern oder Störenfrieden im Publikum gilt es, natürlich zu reagieren und das Thema allenfalls anzusprechen. Jetzt müssen Sie sich nur noch um eine angemessene Kleidung kümmern, dann sind Sie bereit.
Reagieren Sie auf das Publikum
Vergegenwärtigen Sie sich während Ihrer Präsentation nochmals die abgespeicherten Gefühle. Bleiben Sie entspannt und halten Sie Blickkontakt zum Publikum. Versuchen Sie, die emotionale Verfassung Ihres Publikums zu erkennen. Was könnte Ihren Zuhörern durch den Kopf gehen, wenn Sie ans Rednerpult treten? Wenn Sie die Botschaften entziffern, die Ihre Zuhörer aussenden, werden Sie möglicherweise das Tempo beschleunigen, Ihre Sprachebene ändern, vielleicht auch Teile Ihrer Rede ändern oder ganz weglassen.
Formulieren Sie zum Schluss Ihrer Rede einen klaren Appel, fassen Sie das Gesagte nochmals kurz zusammen oder wiederholen Sie Ihre Kernbotschaft. Wenn die Zuhörer nach Ihrem Vortrag Fragen stellen, dann hören Sie mit ihrem ganzen Körper zu und seien Sie physisch und psychisch so präsent, wie zuvor während Ihrer Rede. So hinterlassen Sie mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck bei Ihrem Publikum.
Quellen:
Bücher von Patrick Rohr, «Setz dich doch anständig hin ...» Körpersprache – (Ohn-) Macht ohne Worte?» von Ruth Pink, «Körpersprache – Entschlüsseln Sie den geheimen Code» der Coach Academy und «Mit einer guten Rede begeistern» von Nick Morgan, Harvard Business Manager.
Buchtipp: «Reden wie ein Profi»
In diesem Werk zeigt Kommunikationsprofi Patrick Rohr, wie jeder Auftritt vor Publikum gelingt. Mit rhetorischen Kniffen, die garantiert funktionieren, und mit praktischen Checklisten, die helfen, Reden vorzubereiten und das Lampenfieber zu besiegen. «Reden wie ein Profi», von Patrick Rohr, Beobachter-Buchverlag, 4. überarb. Auflage, 2016.
Buchtipp: «So meistern Sie jedes Gespräch»
Eine Sitzung leiten, ein Entlassungsgespräch führen, Kritik anbringen – Kommunikationsprofi Patrick Rohr zeigt in seinem Bestseller, wie man Gespräche souverän führt, überzeugend argumentiert und sich in jeder Diskussion behauptet.
Bestellinfos: «So meistern Sie jedes Gespräch. Mutig und souverän argumentieren – im Beruf und privat», von Patrick Rohr, Beobachter-Buchverlag, 3. überarb. Auflage, 2012.