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Champagnerkorken knallten und Pailletten funkelten wie tausend kleine Sterne in Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos, wo ein internationales Modelcasting auf der Suche nach dem Gesicht der Zukunft war.
Elizabeth Elohor ist sich sicher, dass es ein afrikanisches sein wird. Das ehemalige Topmodel gründete 2004 die erste Modelagentur in Nigeria, als es auf dem afrikanischen Kontinent noch keine Fashion Week gab, kaum einheimische Designer und wenig High-End-Mode. Mit ihrem „Future Face Africa”-Casting hofft Elohor nun, die Suche nach zukünftigen Talenten von Nigeria auf den Rest des Kontinents auszuweiten.
Vor den 2000er Jahren gab es nur wenige schwarze Gesichter, die die Titelseiten von Frauenmagazinen zierten, mit Ausnahme von ikonischen Figuren wie Naomi Campbell, Donyale Luna und Beverly Johnson.
In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, waren die wenigen, die sich damals ins Modelbusiness wagten, zwar unabhängig, aber auch verletzlich und sie mussten ihre eigenen Portfolios an Firmen verteilen, die auf Events und Werbung spezialisiert waren.
Als Elohor 2004 aus London zurückkehrte, um die Beth Model Agency zu gründen, betrat sie Neuland, sagt Marius Isikalu, ein ehemaliges Topmodel im Alter von etwa 30 Jahren, der jetzt mit ihr zusammenarbeitet. „Elizabeth war eine Pionierin. Sie hat damals alle bekannten Models unter Vertrag genommen und gesagt: ‚Wenn ihr sie haben wollt, dann zahlt ihr so viel, und das sind die Bedingungen‘“, sagte Isikalu auf dem roten Teppich der Veranstaltung. „Sie legte die Regeln fest, die Preise, und sie gab das Tempo vor.“
Der Wendepunkt für Afrikas Modelwelt kam 2010, als Südafrika und Nigeria Fashion Weeks organisierten, die auf der internationalen Szene der Modewelt als „erlesen“ anerkannt wurden. Die jüngste „Black Lives Matter“-Bewegung und hochkarätige Fürsprecher für die Schönheit schwarzer Frauen tragen ebenfalls dazu bei, die Trends weltweit zu verändern. Die Gründe sind aber auch ökonomischer Natur.
„Internationale Designer wie Louis Vuitton, Dolce & Gabbana, Balmain haben angefangen zu erkennen, dass viele ihrer Kunden tatsächlich aus Afrika kommen“, sagt Elohor, die in einem senfgelben Sessel eines nigerianischen Designers sitzt. „Früher hatte man von 50 Agenturen vielleicht fünf Models und jetzt kann eine Agentur bis zu 10, 15 afrikanische Models haben.“
Future Face Africa: Hoffnung für das afrikanische Mode-Business
Tobi Momoh ist eines der Models der neuen Generation. Lächelnd und voller Leben geht die 19-Jährige in ihrem taillierten schwarzen Kleid von Tisch zu Tisch und begrüßt Stars aus Nigerias Nollywood-Filmszene, Afropop-Musikgrößen oder Reality-TV-Stars. „Ich wuchs mit dem Gedanken auf, dass ich wie jedes andere Mädchen sein würde, das nach der Schule um einen Job kämpft. Aber Elizabeth sah mich auf der Straße, sie bat meine Mutter um Erlaubnis, mich in ihrer Agentur unter Vertrag zu nehmen und jetzt! Seht mich an! Es war so einfach“, sagt sie. Tobi war gerade 15, als sie den Elite Model Look Africa Wettbewerb gewann, was sie auf die Laufstege in Mailand, Paris und in mehrere internationale Agenturen katapultierte. „Wir haben die Schönheiten, um die Laufstege zu rocken“, sagt sie. Das weiß auch Elizabeth. Und auch wenn sie keine Zeit mehr hat, durch die Straßen oder über die Märkte von Lagos zu schlendern, ihre Leidenschaft für die Suche nach den seltenen Perlen afrikanischer Schönheit ist ihr geblieben.
Mit „Future Face Africa“, einem riesigen Casting zunächst über soziale Netzwerke und dann in Face-to-Face-Castings, will sie ihre Suche auf den ganzen Kontinent ausweiten und die Mode in Afrika zum Beben bringen. Die wachsenden Branche brachte viele neue Schauspieler, Designer, Make-up-Künstler, aber auch Fotografen hervor. Auch Kola Oshalusi, ein berühmter nigerianischer Modefotograf, hat die Explosion der Nachfrage und die Professionalisierung des Modelns in Afrika im letzten Jahrzehnt miterlebt.
Selbst Nigerias wachsende Sicherheitsprobleme, hohe Inflation und wirtschaftliche Sorgen können den Glanz und das Gefühl der Hoffnung nicht wegnehmen. „Afrika ist die Zukunft“, sagt Oshalusi mit einem eleganten beigen Hut und einer Baumwolljacke. „Nigeria ist Afrika. Nigerianische Models sind selbstbewusst, sie bringen so viel Energie auf die Laufstege, sie wissen, was sie wollen, und das hat dazu beigetragen, einen unglaublichen Ruf in der internationalen Szene aufzubauen.“(AFP)
Dieser übersetzte Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Bild: Pius Utomi Ekpei / AFP