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Der Franzose Jaques Barrot ist der EU-Kommissar für Justiz und Vizepräsident der Europäischen Kommission. In einem Interview mit Café Babel gibt er Antworten zu Fragen der Immigration in Europa und thematisiert auch den Islam.
Barrot betont in dem Interview, dass die demografische Lage Europas eine Migration bedinge. Europa fühle sich dazu berufen, den Austausch zwischen den Ländern zu fördern. Die Einwanderung sei gleichzeitig eine wirtschaftliche und eine moralische Voraussetzung. Das neue Immigrations-Pakt, den die französische Präsidentschaft durchgesetzt hat, sei ein ausgewogener Pakt, der zugleich den legitimen Wunsch berücksichtige, die irreguläre Einwanderung abzulehnen, und ein Europa zu schaffen, das bei der Aufnahme von Einwanderern dynamischer sei.
Barrot spricht sich für ein „offenes Europa, aber mit sehr klaren Spielregeln“ aus. Dies sehe er beispielsweise gegeben in der juristischen Abgrenzung der regulären Migration mit der Blauen Karte für qualifizierte Arbeitskräfte, „welche die Möglichkeit haben werden, nach Europa zu kommen, das Recht zum Familien-Nachzug haben werden und die durch eine zirkulierende Migration eventuell ihren Landsleuten Kenntnisse weitergeben können, die sie in Europa erworben haben.“
Zum Vorwurf, dass man mit der Forderung, illegale Einwanderer zurückzuschicken, selbige kriminalisieren würde, betont der EU-Kommissar, dass dies nicht der Fall sei. „Sie gibt im Gegenteil einen Rahmen für die Rückkehr irregulärer Einwanderer. Sie sieht im Besonderen sehr strikte Bedingungen für die Berufungsprozeduren vor, die sie in Anspruch nehmen können, und setzt einen Rahmen für die Inhaftierung. Das wird uns ermöglichen, von den Mitgliedsstaaten zunehmend geeignetere Haftbedingungen zu erwirken. und auch die Priorität auf freiwillige Rückkehr zu legen. Letztere kann auch durch finanzielle Anreize erreicht werden und nicht einfach durch Ausweisungen.“
Zur Problematik mit dem Islam in Bezug auf die Vereinbarkeit mit der europäischen Demokratie äussert sich der EU-Kommissar nicht zu allen relevanten Punkten. Er betrachtet die Art, den Islam als Gegenspieler der europäischen Werte zu sehen, als eine einseitige und fehlerhafte Sicht und urteilt: „Der Islam ist eine monotheistische Religion, die mir mit den Prinzipien der Laizität übereinstimmend scheint.“ Zwar räumt er ein, dass das auf Fundamentalismen nicht zutreffe, fügt aber an: „Da der Pluralismus vom Islam akzeptiert wird, jedenfalls in Europa, ist der Islam willkommen.“ Die Unterdrückung von Christen in islamischen Ländern streift Barrot dabei nur am Rande: „Es stimmt, dass wir immer gegen die Tatsache kämpfen werden, dass im islamischen Milieu die christlichen Gemeinschaften nicht respektiert werden, wie sie sein müssten. Aber das trifft auf eine Anzahl islamischer Staaten zu, nicht auf Europa selbst. Europa ist zugunsten des religiösen Pluralismus eingestellt und offensichtlich muss jeder Islam, der in Europa präsent sein will, diesen Pluralismus akzeptieren.“ Aussen vor bleibt auch die Frage, welche Auswirkungen es auf die europäische Demokratie hätte, wenn der Islam zu einer grossen Minderheit bzw. zur Mehrheit in Europa werden sollte.