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Kaum eine Musikrichtung vermittelt ungezähmte Leidenschaft, Melancholie und Sehnsucht zwischen Frau und Mann wie der Tango. In der Entstehung ist der Tango eine Mischung aus Tanz und Musik. Sein Thema sind Liebesschmerz, schmerzvolle Gefühle, gesellschaftliche Missstände sowie der Kampf um das tägliche Überleben. Die Musik und der Tanz fanden ihren Ursprung nahezu ausschließlich in den Armenvierteln von Argentinien und Uruguay. Von der Oberschicht war er zunächst verpönt. Über Umwege kam der Tango nach Paris und erlebte dort seine Glanzstunde. Er galt hier als elegant. Darauffolgend wurde er nach und nach in den Oberschichten von Argentinien und Uruguay akzeptiert. Die Epochen der Tango-Musik werden als La Guardia Vieja und La Guardia Nueva bezeichnet.
Tango gestern und heute
Wer bei der Tango-Musik genau hinhört, wird auch hier verschiedene Musikrichtungen nebst Instrumenten ausmachen, die von unterschiedlichen Kulturen beigemischt werden. Der größte Tangosänger aller Zeiten war der aus Uruguay stammende Carlos Gardel, der als eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Tangos galt. Seine Lieder sind immer noch voller Melancholie und Sehnsucht, denn sie leben in der Erinnerung fort.
Beim Tanz ist dies einerseits der afro-lateinamerikanische Tanz Candombe, der als der Ursprungstanz bezeichnet wird, und andererseits der Tanz Habanera aus Kuba. Anfangs wurde der im 2/4-Takt, aber ab den 20er Jahren wurde der behäbigere 4/8-Takt bevorzugt. Frühere Tango-Kompositionen waren meist dreiteilig, etwa um 1920 wurde Zweiteiligkeit formtypisch. Eine weitere Kunstform neben der Musik sind die einzigartigen Interpretationen des Tanzes und der lyrische Anteil der Textdichtung. Ein beliebtes Musikinstrument beim Tango ist das aus Deutschland stammende Bandoneon. Es wurde von Heinrich Band entwickelt. Das Instrument war ein Bestandteil des Tango und erreichte durch diesen größte Beliebtheit, die auch im Tango Nuevo beibehalten wurde. Der schnelle Rhythmus, auch Milonga genannt war, damals eine beliebte Form des Tanzes, gewissermaßen der Vorläufer des Tangos. Jedoch ist das Bandoneon ziemlich schwer zu spielen. Daher bevorzugten die Südamerikaner den Typ 142-tönig, die sogenannte Rheinische Lage. Ihr Ton ist schneidend bis mild sowie schwermütig und geheimnisvoll zugleich. Der einstmals fröhliche Tanz wurde damit zum wehmutsvollen und mystischen Tanz, so wie wir ihn kennen. Langsame, intensive und individuelle Improvisationen machen den Tango noch heute zu den schönsten Tänzen. Auch wenn er heute nicht mehr ganz so beliebt wie in den 1920er-Jahren ist.
Außer auf der Bühne gibt es beim Tango keine verankerten Regeln für Schritte und Drehungen. Der Tango versteht sich als Improvisations-Paartanz. Lediglich einige Grundelemente sind einzuhalten, die den Tänzern je nach Musik und Interpretation überlassen sind.
Das Auffordern zum Tango funktioniert über den Blickkontakt. Das bedeutet aber, den anderen nicht niederzustarren. Hier ist Feingefühl gefragt. Das Auffordern ist ein dezenter Blickkontakt und ein dezentes Nicken, welches zu erlernen und zu üben ist. Es nennt sich Cabeceo und bedeutet auf Deutsch Kopfnicken. Der Herr sucht den Blick der Dame und ist diese gewillt, richtet sie den Blick auf seine Augen. Durch ein Kopfnicken gibt er ihr zu verstehen, dass er mit ihr tanzen möchte, worauf die Dame auch nickt. Beide Blicke bleiben dabei in Verbindung. Die Dame bleibt solange sitzen, bis der Herr zu ihr kommt.