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Für die sozialwissenschaftliche Forschung stellt die Beteiligung an internationalen Umfragen ein wichtiges Element dar. Sie erlaubt es, die Schweiz in Bezug auf andere Länder einzuordnen und den Forschenden die Möglichkeit zu geben, sich an internationalen wissenschaftlichen Debatten zu beteiligen. Aus diesen Gründen wurde FORS das Mandat erteilt, ausgewählte internationale Befragungen in der Schweiz einzuführen. FORS realisiert fünf solcher Projekte, welche allesamt Messinstrumente für vergleichende Analysen bieten:
European Social Survey
Das European Social Survey (ESS) Programm wird seit 2002 im Zweijahresrhythmus in der Schweiz sowie in über 20 europäischen Ländern durchgeführt. Diese europaweite Studie besteht aus einem Basis-Fragebogen zu politischen und gesellschaftlichen Fragen, die in jeder Befragung gestellt werden. Dieser standardisierte Fragebogen wird ausserdem durch länderspezifische Fragen sowie wechselnde Schwerpunktthemen ergänzt. Ziel des langfristig angelegten Projektes ist es, hochwertige Daten in Bezug auf die Repräsentativität sowie die Vergleichbarkeit zwischen den beteiligten Ländern zu produzieren. Deshalb werden für die Stichprobenbildung sowie für die Fragebogenübersetzung besondere Verfahren eingesetzt. Aufgrund der repräsentativen Stichprobe von 1500 Personen ist es möglich, die Entwicklung von Einstellungen, Überzeugungen und Verhaltensmustern der Bevölkerung im Längsschnitt zu beschreiben und zu vergleichen.
- European Social Survey in der Schweiz
- ESS für Teilnehmende in der Schweiz
- European Social Survey – internationale Website
MOSAiCH-ISSP
Die MOSAiCH-ISSP Befragung stellt den schweizerischen Teil des International Social Survey Program (ISSP) dar. Das ISSP wird seit über 20 Jahren in mehr als vierzig Ländern weltweit durchgeführt. Jede Auflage des ISSP deckt ein spezifisches Thema ab, welches in regelmässigen Intervallen wieder aufgegriffen wird. In der Schweiz wurden ISSP-Module bis 1999 punktuell in andere bereits existierende Forschungsprojekte integriert. Von 2000 bis 2003 war das ISSP an die Eurobarometer-Studie angegliedert, welche sich mit Politik und den Lebensbedingungen in der Europäischen Union und in der Schweiz beschäftigt. Seit 2005 wird die ISSP-Erhebung in der Schweiz nun alle zwei Jahre im Rahmen der MOSAiCH-Studie durchgeführt. Pro Erhebung werden zwei ISSP-Module, ein Modul mit demographischen Fragen und ein weiterer Fragenkomplex zu schweiz-spezifischen Themen integriert, welcher vom MOSAiCH-Team entwickelt wird.
SHARE
Die Studie SHARE (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe), die in 2002 begonnen hat, ist das erste multidisziplinäre Umfrageprojekt über die wirtschaftliche, gesundheitliche und soziale Lage älterer Menschen in Europa. SHARE wurde durch ähnliche Studien in den Vereinigten Staaten (HRS, Health and Retirement Survey) und Grossbritannien (ELSA, English Longitudinal Study of Ageing) angeregt und handelt von vielfältigen Themen wie Gesundheit, Konsum von Pflegeleistungen, Arbeit, verwandtschaftliche Beziehungen, Konsum, Wohnung, Einkommen und Sparen. Kurz gesagt, SHARE beschreibt ein älter werdendes Europa und füllt eine wichtige Datenlücke über ältere Menschen in Europa aus.
European Values Study
FORS führt auch die European Values Study (EVS) durch. Diese europäische Umfrage, welche sich mit Werten beschäftigt, wird alle 9 Jahre durchgeführt. Die Schweiz hatte sich im Jahr 1990 beteiligt und war 2008 wieder unter der Leitung von FORS eingestiegen. Die Daten dieser Erhebungswelle stehen der Öffentlichkeit seit 2010 zur Verfügung.
Comparative Study of Electoral Systems (CSES) and Comparative Candidate Survey (CCS)
Die Swiss Electoral Studies (Selects) sind Teil von zwei bedeutenden internationalen Vergleichsstudien. Die Comparative Study of Electoral Systems (CSES) ist ein internationales Netzwerk von nationalen Wählerstudien. Die CSES besteht aus drei eng miteinander verknüpften Teilen: Ein allgemeines Modul mit Fragen zur öffentlichen Meinung ist in der Nachwahlbefragung in jedem Teilnehmerland enthalten. Diese Mikrodaten beinhalten neben standardisierten soziodemographischen Massen den Wahlentscheid, die Kandidaten- und Parteienevaluation, gegenwärtige und retrospektive ökonomische Evaluationen sowie die Evaluation des Wahlsystems an sich. Ein zweiter Teil besteht aus Wahlkreisebene-Daten, die für jeden Teilnehmer erhoben werden, inklusive Wahlbeteiligung, Wahlausgang, und die Anzahl Kandidaten. Das dritte Set von Daten beinhaltet Makrolevel Daten und gibt Auskunft über Aggregat-Wahlbeteiligungen, Wahlsysteme, sowie Regierungscharakteristiken. Dieses Design ermöglicht es, sowohl cross-level wie auch cross-nationale Analysen durchzuführen, indem es die Auswirkungen von Wahlsystemen auf die Einstellungen und Verhalten der Stimmbürger, das Vorkommen und die Eigenschaften von sozialen und politischen Spaltungen, sowie die Evaluation von demokratischen Institutionen über unterschiedliche politische Regierungen hinweg untersucht. Die dritte Runde des CSES Moduls wurde in den Fragebogen von Selects 2007 integriert und Selects war an den beiden vorherigen Runden ebenfalls beteiligt.
Selects ist ausserdem am neu geschaffenen Netzwerk Comparative Candidate Survey (CCS) beteiligt, welches Umfragen unter sämtlichen Kandidaten der nationalen Wahlen in den teilnehmenden Ländern durchführt. Die CCS ist eine international koordinierte Studie. Sie kombiniert einen international vereinbarten und lokal angepassten Kernfragebogen mit Fragen, welche die nationalen und wahlspezifischen Eigenschaften zu erfassen versuchen. Der Kernfragebogen fokussiert vorallem auf die Thematik der Individualisierung der Wahlkampagnen, z.B. auf die empirische Frage, in welchem Ausmass die Kandidaten eine der angehörenden Partei abweichende Kampagne führen. Die Schweiz hat diese zusätzliche Umfrage 2007 das erste Mal und in Zusammenarbeit mit Smartvote durchgeführt.