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Das neue Datenleck «Luanda Leaks» deckt auf, dass die Familie des ehemaligen Staatspräsidenten von Angola, José Eduardo dos Santos, von hunderten Millionen öffentlicher Gelder profitierte. Möglich wurde das Ganze durch verschachtelte Firmenkonstrukte und zahlreichen weltweit verstreuten Helfern wie Anwälten, Bankern und Treuhändern. Doch mittendrin finden sich auch zwei Schweizer Akteure: Ein ehemaliger CVP-Lokalpolitiker und eine Juwelier-Firma mit Sitz in Genf.
Wir haben die wichtigsten 5 Punkte aus dem Bericht des «Tages-Anzeiger» zusammengefasst:
Beim Datenleck «Luanda Leaks» handelt es sich um mehr als 700'000 Dokumente mit genauesten Informationen über das Imperium von Isabel dos Santos, der Tochter des angolanischen Langzeitpräsidenten José Eduardo dos Santos. Die Frau gilt mit einem Vermögen von mehr als zwei Milliarden Dollar als reichste Frau Afrikas.
Die «Luanda Leaks»-Dokumente landeten bei der «Platform to Protect Whistleblowers in Africa» (PPLAAF) mit Sitz in Paris, von wo aus sie den Weg zum «International Consortium of Investigative Journalists» (ICIJ) fanden.
Ausgewertet wurden die Dokumente von über 120 Journalisten aus 36 Medienhäusern wie der «New York Times», «BBC», «Süddeutsche Zeitung» und «TX Group». Über die Quellen äussert sich die PPLAAF nicht.
2011 stand die Schweizer Firma De Grisogono vor dem Konkurs. Der Star-Juwelier war hoch verschuldet. Sodiam, die staatliche Diamantenfirma aus Angola und Sindika Dokolo, der Schwiegersohn des damaligen angolanischen Präsidenten, traten als Retter in Not auf. Je zur Hälfte übernahmen sie die Firma, das Geld stammte jedoch gemäss «Luanda Leaks» von Sodiam alleine.
Der angolanische Staat liess laut den Berichten mindestens 140 Millionen Dollar in De Grisogono einfliessen. Ein Verlustgeschäft, da zu keinem Zeitpunkt ein Gewinn herausschaute. Die Schmuckfirma schrieb gar sehr hohe Verluste von mehr als 20 Millionen pro Jahr. Das angolanische Staatsgeld setzte die Firma ein, um pompöse Partys zu schmeissen und unrealistische Expansionspläne zu verfolgen. So veranstaltete De Grisogono regelmässig Luxus-Partys in Cannes, St. Moritz und Gstaad. Bei den Anlässen wurden jeweils Uhren präsentiert, die für Unsummen produziert worden waren und doch niemand kaufen wollte. Eines der Exemplare, eine Uhr in Totenkopf-Form, kostet rund 700'000 Franken.
Der Schwiegersohn von José dos Santos bestreitet die Vorwürfe, dass das gesamte Geld für die Übernahme der Schmuckfirma aus Angola stammt. Er habe die Hälfte, insgesamt 115 Millionen Dollar, selbst übernommen. Beweise liefert Sindika Dokolo jedoch nicht. Die «Luanda Leaks» deuten jedoch in eine andere Richtung: Im November 2015 hatte Dokolo der Firma ein Darlehen von rund 17 Millionen gewährt, der Staat hingegen liess damals bereits 110 Millionen einfliessen. Dokolo war trotzdem zur Hälfte beteiligt.
Ein weiterer Schweizer Name taucht in den Dokumenten auf. Es handelt sich dabei um einen ehemaligen CVP-Lokalpolitiker und Wirtschaftsanwalt aus Zug. Er betreute gemäss dem Datenleck eine wertvolle Holding, deren wichtigste Beteiligung von einem angolanischen Staatsunternehmen finanziert wurde. Aussergewöhnlich ist dabei, dass dabei auf mehrere hundert Millionen möglichen Gewinns für Angola verzichtet wurde.
Der ehemalige Politiker soll gemäss «Tages-Anzeiger» einst gesagt haben, dass er «gegen das ‹Bonzentum› und für Bescheidenheit» sei. Zu diesem Zeitpunkt half er Angola bereits als Anwalt bei dubiosen Geschäften.
Nachdem die angolanischen Machenschaften durch die «Luanda Leaks» publik wurden, sagte der Wirtschaftsanwalt gemäss «Tages-Anzeiger»:
Dabei hätte der Anwalt durchaus stutzig werden können: Ab 2010 gerieten die Geschäftspraktiken der Familie dos Santos/Dokolo immer wieder in die Schlagzeilen. Ihnen wurde bereits damals Korruption vorgeworfen.
Doch das schien den Zuger Lokalpolitiker wenig zu stören, er arbeitete weiterhin fleissig für die Holding: «Die Tochtergesellschaften verfügen über eigene Organe, und diese führen ihre Geschäfte eigenständig. Meine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass bei der Schweizer Holding alles korrekt läuft und dokumentiert wird; dass sie über revidierte Jahresabschlüsse verfügt und so weiter». Dafür soll er gemäss eigener Aussage jährlich 100'000 Franken verdient haben.
Die «Luanda Leaks» liessen den Druck auf den Anwalt zu gross werden: Er hat sein Mandat als Verwaltungsratspräsident der Holding per sofort niedergelegt, berichtet der «Tages-Anzeiger» weiter.
Angola ist reich an Bodenschätzen wie Diamanten und Erdöl. Das Land in Afrika ist gar der zweitgrösste Erdölproduzent auf dem Kontinent. Das schwarze Gold macht den Staat reich: Rund zwei Drittel der Einnahmen werden dank Erdöl gemacht. Die Bevölkerung leidet trotzdem – vier von zehn Angolanern leben in Armut.
Beim angolanischen Erdölgeschäft ist die staatliche Ölgesellschaft Sonangol federführend. Der Präsident hat direkten Einfluss auf die Firma. Im Jahr 2006 verfolgte Angola mit Sonangol Expansionspläne und stieg bei Galp, einem Energieriesen aus Portugal ein. Zu diesem Zeitpunkt gründete der Anwalt aus Zug die Holding für Dokolo. Eine lukrative Investition, schliesslich war der Ölpreis damals im Aufschwung.
Doch es sollte anders kommen: Trotz Aussicht auf hohe Gewinne durch die Übernahme von Galp, verkaufte Sonangol noch im selben Jahr 40 Prozent der Anteile an eine Tochter der Zuger Holding – faktisch also an Dokolo, den Schwiegersohn des Präsidenten. Der Zuger Lokalpolitiker war als Verwaltungsratspräsident der Holding bei einem wichtigen Vertrag für den Deal Unterzeichnender.
Die Beteiligung machten Dokolo noch reicher: Er kann sich bis heute einen Buchgewinn von circa 400 Millionen Euro notieren. Dieser hätte eigentlich auch bei Sonangol stehen können – dann wären die 400 Millionen in die Staatskasse von Angola gewandert.
Und wie finanzierte Dokolo das Aktienpaket? Nun, für den Grossteil bezahlte er laut dem Bericht zunächst gar nichts. Die staatliche Erdölfirma gewährte ihm ein Darlehen, das zehn Jahre lang unangetastet blieb. Im Juni 2016 wurde Dokolos Frau Isabel dos Santos Chefin bei Sonangol – er war folglich Schuldner der Firma seiner Frau.
Doch damit nicht genug: Sonangol machte die Rückzahlungsbedingungen für Dokolo deutlich lukrativer: Statt seinen Anteil in Euro zu bezahlen, wurde ihm gewährt, die Schuld in der angolanischen Staatswährung Kwanza zu tilgen. Die «Luanda Leaks» zeigen, dass Dokolo dank Wechselkurs rund 10 Millionen Euro weniger bezahlen musste. Unterzeichnet hatte den Deal Isabel dos Santos.
Im Herbst 2017 begann in Angola ein neuer Wind zu wehen: Der neue Staatspräsident João Lourenço versprach, Korruption und Vetternwirtschaft zu bekämpfen. Eine der ersten Handlungen im Amt war es, Isabel dos Santos aus dem Chefposten bei Sonangol zu heben. Ihr Nachfolger akzeptierte die Möglichkeit für Dokolo, seinen Anteil in Kwanza zurückzuzahlen, nicht. Seine Zahlung wurde an seine eigene Firma zurücküberwiesen und nun streiten sich die Parteien, ob die Schuld von 2006 beglichen ist oder nicht.
Dieser Streit und die von De Grisogono verlochten Stattsmillionen waren Auslöser für die Sperrung von Bankkonten von Isabel dos Santos und ihrem Mann Sindika Dokolo. Angeblich soll Angola wegen der Machenschaften der Familie über 1,1 Milliarden Dollar verloren haben. Das Ehepaar dos Santos und Dokolo bestreitet jegliche Vorwürfe und spricht von einer politischen «Hexenjagd». (mim)