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Griechisch-Orthodoxe Kirche (Patriarchat von Konstantinopel)
Das Christentum war seit seiner Entstehung in Griechenland anzutreffen. Es entstanden anfangs einzelne, unabhängige Gemeinden. Erst als die, im Verständnis der Gläubigen vom Apostel Andreas gegründete, Kirche in Byzanz entstand und ihren Einfluss ausbreitete, wurde die Stadt zu einem wichtigen Zentrum der griechischsprachigen Christen. Unter Kaiser Konstantin wurde einerseits das Christentum gefördert, andererseits Byzanz zur zweiten Hauptstadt des römischen Reichs erklärt. Die Bedeutung der Gemeinde in Byzanz, die dennoch lange Zeit dem Patriarchat von Rom angehörte, wuchs durch diese Entwicklungen weiter.
Beim grossen Schisma von 1054 trennte sich das Patriarchat von Konstantinopel als Teil der griechischen Kirche endgültig von Rom resp. von der lateinischen Kirche.
Während der Osmanischen Herrschaft über Konstantinopel (ab 1453) war das Patriarchat eng mit den herrschenden Osmanen verbunden. Unabhängigkeitsbewegungen wollten sich daher nicht nur von den herrschenden Osmanen, sondern auch vom Patriarchat lösen. So trennten sich einige Völker vom Patriarchat in Konstantinopel ab und gründeten ihre eigenen Kirchen. Das Verhältnis zu den Osmanen änderte sich und zwischen 1914 und 1923 wurden Griechen im Osmanischen Reich verfolgt und die Region um Konstantinopel verlor durch die daraus resultierende Abwanderung an Einfluss. Nach wie vor ist das Verhältnis zur Türkei angespannt.
Das Oberhaupt des Patriarchats von Konstantinopel versteht sich in der Nachfolge des Apostels Andreas. Seit dem zweiten ökumenischen Konzil von 381 steht der Patriarch von Konstantinopel über jenen von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem, hat jedoch im Unterschied zum Papst der römisch katholischen Kirche keine Weisungsbefugnisse gegenüber den autokephalen Kirchen. Seit 1991 ist Bartholomeos I. Patriarch und damit Oberhaupt der Griechisch-Orthodoxen Kirche.
Die Region um den Amtssitz des Patriarchen in der heutigen Türkei beheimatet nur noch einen sehr geringen Teil der Anhänger. Die absolute Mehrheit der Gläubigen lebt in Griechenland. Zudem entstanden weltweit Metropolien (Diözesen), unter anderen eine in der Schweiz. Als Ehren-Oberhaupt der gesamten orthodoxen Christenheit koordiniert der Patriarch die Zusammenarbeit der orthodoxen Kirchen. Die Zahl der ihm offiziell unterstellten Gläubigen entspricht daher der Zahl rund 150 Mio. orthodoxen Gläubigen insgesamt.
Andere orthodoxe Kirchen wehren sich gegen die Stellung des Patriarchen von Konstantinopel. Seine Macht ist daher sehr eingeschränkt, denn Weisungsbefugnisse hat der Patriarch nur über den viel kleineren Anteil von rund 15 Mio. Gläubigen, vorwiegend in Griechenland, wobei zu beachten ist, dass ein relativ grosser Teil Griechenlands nicht dem Patriarchen, sondern dem Erzbischof von Athen unterstellt ist.
Der Begriff „griechisch-orthodox“ kann zu Verwirrung im Umgang mit religiösen Gemeinschaften führen. So können unter dem Begriff die Kirche von Griechenland oder Zypern, die Patriarchate von Antiochien, Jerusalem, Alexandria oder das oben beschriebene Patriarchat von Konstantinopel gemeint sein. Das Verhältnis zwischen diesen verschiedenen Kirchen ist nicht immer positiv und die Vormachtstellung, die Konstantinopel für sich beansprucht ist umstritten. Der Begriff ist also breit gefasst und bezeichnet mehrere Strömungen die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden.