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Dutzende von Ländern kennen und anerkennen im eigenen Land mehrere Sprachen. Unter den grossen Ländern ist Kanada ein gutes Beispiel: Englisch und Französisch sind gleichberechtigte Amtssprachen, etwa drei Fünftel der Bevölkerung spricht Englisch, ein Fünftel Französisch und ein letzter Fünftel irgend eine andere Sprache: Chinesisch, Deutsch, Italienisch, und andere Sprachen. Unter den kleinen Ländern ist die Schweiz ein gutes Beispiel: Deutsch, Französisch, Italienisch sind amtlich gleichberechtigt und zur Erhaltung einer kleinen sprachlichen Minderheit, des Rätoromanischen, wird sogar viel Geld ausgegeben. Es funktioniert bestens, im grossen Kanada ebenso wie in der kleinen Schweiz und in vielen anderen Ländern auch.
Auch die Ukraine wäre so ein Land. Mindestens 30 Prozent der Bevölkerung hat Russisch als Muttersprache, nach einigen Schätzungen sind es sogar bis zu 50 Prozent. Im Süden und Osten der Ukraine ist die russische Sprache klar vorherrschend. Aber in der Ukraine sind die Sprachen ein beliebtes Thema – um nicht zu sagen: ein beliebtes Kampffeld – des immer stärker werdenden Nationalismus. Das Russische muss – «auf Teufel komm raus» – einfach unterdrückt und verdrängt werden. Selbst jetzt, vier Tage nach der Wahl des neuen Präsidenten am 21. April, hat das Parlament in Kiev, die Werchowna Rada, es fertiggebracht, ein neues Sprachengesetz durchzupeitschen. Klares Ziel: Die ukrainische Sprache muss massiv bevorteilt und gefördert, die russische Sprache aber benachteiligt, nach Möglichkeit unterdrückt und langfristig ausgemerzt werden.
Dieser Streit hat jetzt auch Andrej N. Lushnicky, seines Zeichens Präsident der «Ukrainischen Gesellschaft Schweiz» und ukrainischer Honorarkonsul in Fribourg (Schweiz) veranlasst, einen Kommentar zu schreiben. Und was schreibt er? Etwa dass die Schweiz ein gutes Beispiel im Umgang mit sprachlichen Minderheiten ist?
Pustekuchen! Seine These ist, dass die russische Sprache der ukrainischen Nation im Verlauf der Geschichte von fremden Herrschern aufgezwungen worden sei. Und es sei Zeit, das zu korrigieren! Also auch er, wenn auch in langen und komplizierten Ausführungen um den Teig herum: Das neue Sprachengesetz vom 25. April ist eine positive Wende, die russische Sprache muss zurückgedrängt werden.
Schweizerische Vorstellungen?
Schaut man genauer hin, wer dieser Andrej N. Lushnycky ist und wo dieser Chef der ukrainischen «Gesellschaft Schweiz» seinen Kommentar publiziert hat, wird etliches schon ziemlich transparent: Der Kommentar ist publiziert auf der Internet-Plattform der Organisation «Atlantic Council». Ein kurzes Video auf der gleichen Website (in Englisch) erklärt, woher Friede, Freiheit und Wohlstand kommen: natürlich von der transatlantischen Wertegemeinschaft («transatlantic values»). Und, notabene, die Leute hinter dem «Atlantic Council» verstehen sich nicht etwa nur als Ideengeber, sondern als Macher, als «Change-Makers» – also eben auch als «Regime Change-Makers» – man denke an den Maidan – , auch wenn auf der Website des «Atlantic Council» dieser Begriff nicht direkt aufgeführt ist.
Und, zweite Frage, was tut Andrej N. Lushnycky beruflich? Er ist «Executive Director» des «American College Program» an der (Schweizer) Universität in Fribourg. Also auch hier so richtig Schweizerisch …
Unter dem Kommentar von Andrej Lushnycky auf der Website des «Atlantic Council» steht: «Andrej Lushnycky is president of the Ukrainian Society of Switzerland.» Sein Kommentar hat mit der Schweizer Sprachpolitik allerdings nichts zu tun. Es geht einmal mehr um reine, in den US-amerikanischen Propaganda-Think-Tanks entwickelte Interessen-Politik der USA gegen Russland, aber gut «verkauft» unter einem sympathischen Schweizer Label.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Es gibt keine Interessenkollisionen.