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Text und Bilder: Kurt Meyer
Die Industrialisierung des Glarnerlandes im 19. Jahrhundert brachte vermehrt Handelsleute in den Kanton. Diese mussten untergebracht und verpflegt werden. Deshalb sahen es die Netstaler Fabrikanten gerne, als der wohlhabende Bauer und Ratsherr Felix Weber-Aebli 1837 an der Molliserstrasse das Hotel und Restaurant "Schwert" bauen liess. Er hatte das Bedürfnis nach einer Gaststätte für gehobene Ansprüche erkannt. Der Bauplatz, den er vom Tagwen kaufte, schien ihm verkehrstechnisch günstig, lag er doch an der Gabelung der beiden nordwärts führenden Strassen nach Mollis und Näfels.
Es entstand der grösste Wohnraum des Dorfes. Die Gaststube war im Erdgeschoss, ein Säli im ersten Stock und die Gastzimmer darüber. Mit dem geschweiften Giebel gegen Süden erinnerte das "Schwert" an die herrschaftlichen Bürgerhäuser des bekannten Baumeisters Grubenmann.
Die Kundschaft des Hotels waren meistens Handelsleute, die hauptsächlich mit den grossen Betrieben des Dorfes zu tun hatten. Zu diesen zählten: die Baumwolldruckerei "Rappenfabrik" (heute Wiggispark), die "Fabrik am Löntschen" (Gebäude mit markantem "Hänggiturm" südlich des Firmengeländes der A. & J. Stöckli AG), die Textilfirma Gabriel Spälty "in der Lerchen" und die "Fabrik im Langgüetli" (damals Zweiggschäft der "Fabrik am Löntschen").
Felix Weber und sein Sohn führten das "Schwert" von der Eröffnung bis zum Verkauf an Verena Spelty-Tschudi aus Schwanden im Jahre 1870. Unter ihr und ihren Nachfolgern wurde das "Schwert" als gutes Speiserestaurant im ganzen Lande bekannt.
Am 6. Juni 1910 brannte der Saal vollständig aus und wenige Jahre später wurde ein Teil der Remise ein Raub der Flammen. Weitere Ereignisse, die in der damaligen Zeit für Aufsehen sorgten, waren die Inbetriebnahme des ersten Radioempfängers im Dorfe 1920 und das Zeigen von Filmen durch die 1920 gegründete "Kino AG Netstal". Es war das erste Kinounternehmen im Kanton, das mit Erlaubnis des Regierungsrates jährlich ein Dutzend vom Gemeinderat bewilligte Filme im Saal zeigen durfte.
Der letzte Wirt auf dem 1837 erbauten "Schwert", Werner Niederberger, schlug sich 1947 mit dem Gedanken herum, das Haus zu verkaufen. Das St. Galler Textilunternehmen Stoffel & Co, welches die ehemalige "Rappenfabrik" (Gasser & Co, Seidendruckerei) gekauft und diesen Betrieb zur gutgehenden Textilveredelung AG gebracht hatte, wollte das "Schwert" kaufen und anstelle des Hotels Wohnraum für seine pendelnden Mitarbeiter schaffen. Der Schwert-Wirt Niederberger erzählte zu vorgerückter Stunde den Netstaler Unternehmern Gabriel Spälty-Lehmann und Alfred Stöckli-Rüegg von seinen Verkaufsabsichten. Beide Fabrikanten waren der Ansicht, dass das traditionsreiche Hotel Schwert der Gemeinde erhalten bleiben müsse. Sie setzten sich mit dem Firmenchef von Stoffel, Dr. H. A. Wiegner, in Verbindung und konnten ihn für das Projekt eines Hotel-Neubaus mit angebautem Wohntrakt gewinnen.
Mit weiteren Netstaler Industriellen konnte noch im Frühjahr 1947 das "Konsortium Neues Schwert Netstal" gegründet werden. Nach verschiedenen Abklärungen wurde der ortsansässige Architekt Walter Schlumpf mit der Projektierung beauftragt. Im Hotel "Mineralbad" in Niederurnen gründeten am 22. April 1948 die beteiligten Firmen zwei tragende Gesellschaften: die Schwert AG mit einem Aktienkapital von Fr. 62'000 und die Immobilien AG mit Fr. 50'000 Aktienkapital. Die Aktien wurden von folgenden Firmen gezeichnet:
Grasser & Co. AG, Seidendruckerei, Netstal
Alfred Stöckli Söhne, Metallwarenfabrik, Netstal
Vereinigte Papierfabriken Netstal AG, Netstal
Maschinenfabrik & Giesserei Netstal AG, Netstal
Kalkfabrik Netstal AG, Netstal
Spälty & Co, Baumwoll-Spinnerei und -Weberei, Netstal
Sauter, Bachmann & Co, Zahnräderfabrik, Netstal
Blesi & Olsen, Immobilien, Glarus
Brauerei Wädenswil, Weber & Co, Wädenswil
Die sieben in Netstal domizilierten Aktionärsfirmen erhielten für die zwölf Wohnungen im Wohntrakt ein Vor-Mietrecht zur Vermietung an ihre Arbeiter. Am 18. Januar 1948 lud der Wirt Niederberger zum Schlussball mit Austrinket ein. Die Fertigstellung des Neubaus wurde auf den 1. Februar 1949 festgelegt. Die von Walter Schlumpf vorgelegten Varianten wussten zu gefallen und kamen termingerecht zur Ausführung. Die offizielle Eröffnung fand mit verschiedenen Darbietungen des Männer- und des Frauenchors, einem Theater und einer Tombola am 12. Februar 1949 statt.
Auf einem Prospekt im Eröffnungsjahr 1949 liest man folgende Angebote:
- Zimmerpreis: Fr. 5.00
- Frühstück: Fr. 2.25
- Hauptmahlzeit: ab Fr. 4.50
Weil die Kinovorführungen nicht rentierten, beschloss die Generalversammlung unter dem Vorsitz von Alfred Stöckli-Rüegg am 24. Juni 1952, nach dreijähriger Betriebsdauer, die Filmvorführungen einzustellen.
Unter verschiedenen Pächtern erlebte das Schwert viele gelungene Bankette, Hochzeiten und Vereinsanlässe. Die Maskenbälle waren während vielen Jahren über die Kantonsgrenze hinaus bekannt.
Pächter auf dem neuen Hotel Schwert waren:
- 1949 bis 1957 Hans Mürner
- 1957 bis 1969 Kurt Zimmermann
- 1969 bis 1970 Fred Dürst
- 1970 bis 1977 Robert Zurbriggen
- 1977 bis 1986 Gilbert Schwizer
- 1986 bis Januar 1987 Stefan Käslin (ad interim)
- Seit Februar 1987 Jürg und Marlène Weber-Müller
Im Jahre 1986 renovierte die Schwert AG den Bereich der Küche und des Restaurants und schloss mit Jürg und Marlène Weber-Müller einen Mietvertrag ab.
Um der Zeit gerecht zu werden, baute man 1988 einen Personenlift ein und renovierte sämtliche Gästezimmer, den Saal und die Wohnung im obersten Stock. Es entstanden zehn komfortable Doppelzimmer mit Bad, respektive Dusche und WC. Im Jahr darauf gab es eine bessere Aufteilung im Restaurant und ein neues Buffet.
Der Ruf von Jürg Weber als kreativer Küchenchef, der auf frische Produkte aus der Region setzt, breitete sich rasch aus. Auch der bekannte Restaurant-Führer Gault-Millau wurde auf den initiativen Küchenchef aufmerksam und bewertete ihn über Jahre mit 15 Gault-Millau-Punkten. Unter Jürg und Marlène Weber ist das Schwert zu einem richtigen Gourmet-Tempel und zur besten Adresse in der Region geworden.
Im Jahre 1995 schlossen sich die beiden Gesellschaften "Schwert AG" und "Immobilien AG" zur heutigen "Schwert AG" zusammen.
Einen Totalumbau im Parterre, der das Restaurant, das Wiggisstübli, die Lounge, den Eingang und die Küche umfasst, ging 1996 über die Bühne. Die grosse Zahl an Stammgästen, mit zum Teil langen Anfahrtswegen, die vielen Hochzeiten, Firmenessen und Geburtstagsfeiern zeugen von der guten Führung des Lokals durch das Wirte-Ehepaar Jürg und Marlène Weber-Müller. Mit ihnen und vielen Gästen konnte die Schwert AG im Jahre 1999 das 50-Jahre Jubiläum feiern. Der Verwaltungsrat im Jubiläumsjahr setzte sich folgendermassen zusammen: Dr. Alfred Stöckli-Kuoni, Mollis (Präsident), Gabriel Spälty-Husner, Riedern, Mathias Jenny, Glarus und Dr. Matthias Auer, Netstal.
Der Verwaltungsrat war auch in den folgenden Jahren sehr darauf bedacht, mit der Zeit zu gehen und das Wirte-Ehepaar mit Renovationen und Neuerungen in ihren Tätigkeiten zu unterstützen. So wurde auf der Westseite des Hauses 2001 eine Terrasse angebaut. Im Jahre 2007 erneuerte man die Webers Lounge, die für bis zu zwölf Gästen Platz bietet. In diesem Raum darf geraucht werden. Auch das Speiserestaurant entsprach nicht mehr der heutigen Zeit und erhielt 2018 ein neues, modernes Aussehen, das bei den Gästen Anklang findet. Aus der nüchternen Gaststube der 80er Jahre ist die moderne, helle Wiggisstube mit freundlichem Ambiente entstanden. Ein Gast formulierte es so: «Endlich passt auch das Lokal zu den gediegenen Speisen!»
Das Hotel Schwert bietet für alle Gäste etwas. Man kann sich in der «Wiggisstube» mit ihren 40 Plätzen von den Kochkünsten und der Kreativität des Küchenchefs Jürg Weber überzeugen. An schönen und warmen Tagen wird das Gourmet-Menü auch auf der Terrasse (35 Plätze) serviert.
Für eine Familien- oder eine Firmenfeier, eine Tagung oder eine Informationsveranstaltung ist der Saal mit bis zu 110 Plätzen die richtige Räumlichkeit. Auch im grösseren Rahmen kann man sich aus der Schwertküche verwöhnen lassen.
Im «Glarnerstübli» (20 Plätze) treffen sich die Gäste zum Stamm, zum Jassen oder um eine kleine Mahlzeit einzunehmen. Beliebt ist der «Sabel-Schmatz», bei dem an Werktagen jeden Abend ein Teller
mit Köstlichkeiten serviert wird. Monatlich wird die Speisekarte geändert.
Für Sitzungen oder Anlässe im kleineren Rahmen steht Webers Lounge (12 Plätze) zur Verfügung. Der Erfolg des Schwertes kommt nicht von ungefähr. Es ist die gute Zusammenarbeit des initiativen Wirte-Ehepaars mit dem Verwaltungsrat der Schwert AG. Dieser besteht aus: Dr. Matthias Auer (Präsident), Martin Reithebuch und Martin Sauter.
Quelle: Jubiläumsschrift «50 Jahre Hotel Schwert», Netstal
Bilder zum Hotel Schwert:
Terrasse
Webers Lounge
Glarnerstübli