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Bericht von: Ruedi Zuppinger
Im Juli 1953 konnte man im Blättlein "Allgemeine Mitteilungen" eine Bekanntmachung des Tennis-Clubs Kloten lesen: "Eröffnung der Tennisplätze im Spitz. Sonntag, den 5. Juli event. 12. Juli 1953. 15.00 Uhr: Beginn der Veranstaltungen. Bei zweifelhafter Witterung erteilt Telefon Nr. 11 ab Sonntag 11.00 Uhr Auskunft. Festwirtschaft auf dem Platz."
Damit ein solches Einweihungsfest zustande kommen kann, braucht es einen Verein, und der war erst einige Monate vorher gegründet worden. Hauptinitiant war der im Bankfach tätige Emil Hegner. Er war ein Routinier in Sachen Vereinsgründung, hatte er doch bereits 1934 den Eishockeyclub Kloten aus der Taufe gehoben. Jetzt, achtzehn Jahre darnach, fand er, ein Tennisclub würde der Gemeinde wohl anstehen und vielleicht auch gute Steuerzahler anlocken. Das Ehepaar Fischer unterstützte ihn tatkräftig, indem es möglichst viele Leute von der Notwendigkeit des Clubs zu überzeugen versuchte. Die Interessierten-Liste, in der Konditorei Hofmann aufgelegt, vergrösserte sich stetig, bis 84 Namen darauf standen. Die Zahl schmolz allerdings wie Eis an der Sonne, als eine erste Zahlung ohne irgendeine Garantie für das Gelingen des Unterfangens hätte geleistet werden müssen. Die Initianten liessen sich nicht entmutigen und am 16. Oktober 1952 wurde eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, die für den am 7. Oktober gegründeten Club wichtige Entscheide zu fällen hatte.
An der Versammlung im Säli des "Löwen" war Emil Hegner in der Lage, einen Standort für zwei Tennisplätze bekannt geben zu können. Als Präsident der Rechnungsprüfungskommission pflegte er engen Kontakt mit den Behörden, Gemeindepräsident Heinrich Benz hatte sich von seiner Begeisterung anstecken lassen und so war die Suche nach Land speditiv verlaufen. Oben "im Spitz" in einem lauschigen, romantischen Waldwinkel, war man schliesslich fündig geworden. Der Vorsitzende berichtete über das geplante Bauvorhaben und von der Offerte, die eine Zürcher Tennisplatzbaufirma eingereicht hatte. Ein weiteres wichtiges Traktandum war die Genehmigung der Statuten und des Spiel- und Platzreglementes. Das letztere hielt unter anderem fest, dass Tennisbälle nur für besondere Veranstaltungen (Interclubspiele, Finalspiele der Clubmeisterschaften, Exhibitions) auf Clubkosten abgegeben würden und die Entschädigung für die Ballbuben bis auf weiteres 50 Rappen pro Stunde betrage.
Der Verein hatte also nun seine Strukturen bekommen, ein Zurück gab es nicht mehr, und der Ernst des Lebens begann. Möglichst rasch sollten die Plätze realisiert werden. Man war optimistisch, obschon am 24. Januar 1953 schriftlich festgehalten wurde: "Das für die Erstellung der Plätze vorgesehene Terrain ist stark coupiert und macht nicht unerhebliche Erdbewegungen notwendig. Die Erstellung der beiden ersten Plätze haben wir gemäss Plan 1: 500 im südlichen Teil des Grundstückes geplant, um die Erdbewegungskosten auf ein Minimum zu beschränken. "Der Vorstand scheute sich nicht, an die Ehre der männlichen Mitglieder zu appellieren und sie aufzufordern, beim Platzbau eigenhändig mitzuhelfen. Das Aufgebot besagte, das starke Geschlecht habe sich erstmals am Samstag, den 9. Mai um 13.30 Uhr im Arbeitstenue "im Spitz" einzufinden. Der Text liess erahnen, dass weitere sogenannte Freiwilligen-Einsätze vonnöten sein würden. Kurz und gut, alle auftauchenden Schwierigkeiten wurden bravourös bewältigt, die zwei Plätze waren da und somit stand eigentlich den Eröffnungsfeierlichkeiten am 5. Juli 1953 nichts mehr im Wege. Nur Petrus zeigte absolut kein Verständnis und liess es dermassen regnen, dass die am Sonntagnachmittag vorgesehene Festlichkeit buchstäblich ins Wasser fiel. Immerhin, am darauf folgenden Wochenende hatte er nichts mehr einzuwenden und bei leicht bewölktem Himmel, aber doch begleitet von Sonnenschein, ging die offizielle Eröffnung über die Bühne.
Schon damals hielt man sich an die Devise "ohne Reden kein Fest" und demzufolge ergriffen gleich zwei Herren das Wort. Club-Präsident Emil Hegner konnte hochrangige Vertreter von Behörden, Verbänden und Vereinen begrüssen und natürlich eine grosse Zahl von Tennisfreunden. In seiner Ansprache zeichnete er noch einmal kurz die Entstehungsgeschichte auf und meinte: "Die Finanzierung eines solchen Projektes, das nicht nur Tausende, sondern Zehntausende von Franken erheischt, ist immer einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Punkt. Unsere beiden Plätze kommen ohne das Terrain, das uns freundlicherweise von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde, auf ziemlich genau Fr. 30’000.—zu stehen. An diese Summe erhielten wir einen Drittel vom Sport-Toto à fonds perdu zugesichert, wie auch ein rückzahlbares Darlehen. Für die Restfinanzierung musste der Club besorgt sein, wobei er auf die Grosszügigkeit wohlwollender Gönner zählen durfte. "Die Ausführungen des Gemeindepräsidenten fielen erfreulich kurz aus. Er sprach wohl allen Anwesenden aus dem Herzen, als er gestand, er selber ziehe den Anblick eines spannenden Matches einer langen Rede vor. Seinen Worten folgten die Taten, indem Spieler des befreundeten Tennis-Clubs Zürich zu den Rackets griffen. Das veranlasste den "Zürichbieter" zu dem Kommentar: "Die folgende Tennis-Demonstration wurde durch Herrn Ing. A. Fischer erläutert und zeigte den zahlreichen Zuschauern nicht nur die Schönheiten des Tennis-Sportes, sondern- und das wurde mit dieser Exhibition eigentlich bezweckt- vor allem das, was für ein jedes Mitglied mit einiger Uebung in dieser Sportart erreicht werden kann. "Das Fest klang, wie könnte es anders sein, bei einem Nachtessen mit fröhlichem Zusammensein von geladenen Gästen und Clubmitgliedern im Restaurant "Frohsinn" aus.
Im ersten Jahresbericht durfte Emil Hegner eine durchaus positive Bilanz über die Entwicklung des Clubs ziehen. Der Mitgliederbestand setzte sich aus 12 Junioren, 48 Aktiv- und 10 Passivmitgliedern zusammen. Besonders betonte er die erfreuliche Zahlungswilligkeit aller Mitglieder, was dem Kassier unnötige Arbeit ersparte. Der Spielbetrieb beschränkte sich hauptsächlich auf Lehr- und Uebungsstunden, da 90 % der Aktivmitglieder in die Kategorie Anfänger gehörten. Zufrieden war er mit dem Einsatz des ungarisch-österreichischen Studenten-Trainers Endre Koppany, der eifrig und unermüdlich seines Amtes waltete und aus seiner Begeisterung für unser Land kein Hehl machte. Soweit, so gut, und doch enthielt der Bericht zwei eher negative Meldungen. Die eine betraf das Bauliche. Die Erstellung von Umkleide-und Materialräumlichkeiten klappte leider nicht. Das von Architekt Müller in zuvorkommender Weise ohne Kosten für den Verein verfasste Projekt ging weit über das hinaus, was verantwortet werden konnte. Daher sah man sich gezwungen, die Realisierung um ein Jahr zu verschieben und eine Studienkommission einzusetzen. Die zweite Meldung hatte mit dem Präsidenten selber zu tun. Obschon der Tennisclub immer noch stark in der Aufbauphase steckte und Emil Hegner gerne an der Spitze gestanden hatte, sah er sich gezwungen, aus beruflichen Gründen den Rücktritt zu erklären.
Sein Nachfolger wurde Jakob Schmid, der sich zusammen mit dem Platzchef Emil Schefer an die Realisierung eines Clubhauses machte. Am 1. April 1954 wurde ein Schreiben an die Subventionskommission des Kantonalzürcherischen Verbandes für Leibesübungen geschickt. Man beschrieb darin in bewegten Worten die unhaltbaren Zustände in Bezug auf Hygiene, natürlich auf einen finanziellen Zustupf für das Bauvorhaben hoffend: "Während der letztjährigen Saison hat es sich für die Spieler wie auch für den Trainer und den Platzwart als sehr unangenehm erwiesen, dass sich in der Umgebung der Plätze weder Toilettenräume noch Duschen und Garderoben befinden. Da sich diese Tennisplätze zudem in erhöhter Lage ausserhalb des Dorfes befinden, ist der Weg nach Hause für die meisten Mitglieder ziemlich weit und das Fehlen jeglicher Waschgelegenheit wird daher doppelt unangenehm empfunden. Der Tennisclub Kloten hat sich nun entschlossen, den Bau eines Garderobe-, Duschen- und Toilettenhauses an die Hand zu nehmen. "Im Jahre 1956 stand es da, das neue Clubhaus. Der Stolz des Präsidenten liess sich aus seinen Eröffnungsworten an die Gäste heraushören: "Die gut durchdachte Einteilung in zwei Garderoberäume mit je einem separierten Duschenraum, einer kleinen Küche und einem Geräteraum hat sich bereits aufs beste bewährt. Sie können sich vorstellen wie wir es schätzen, nicht mehr im Tennisanzug durchs Dorf radeln zu müssen, und welch eine Wohltat es für den Spieler bedeutet, sich nach einem anstrengenden Spiel unter der Dusche zu erfrischen. Auch die Küche, was die Grössenordnung anbelangt recht modern anmutend, lernten wir während der Saison schätzen. Ganz besondere Bedeutung hat für uns der gedeckte Vorplatz, gelegentlich auch die gesellschaftliche Ecke genannt, erhalten. Hier trifft man sich gerne nach einem hitzigen Kampf zu einem munterenGespräch. Selbstverständlich bei einem Glas Tee, serviert durch unsere immer fröhliche Frau Gerber."
Die Mitgliederzahl wuchs stetig. Schon wenige Jahre nach der Gründung des Clubs musste eine Warteliste angelegt werden und an schönen Sommer- und Herbstabenden waren die Plätze dermassen ausgelastet, dass man für ein viertelstündiges Spiel bis zu einer Stunde warten musste. Die Zustände waren unhaltbar geworden und der Wunsch nach einer Erweiterung der Anlage wurde immer stärker. Der Gemeinderat zeigte Gehör für das Anliegen und bald darauf linderten zwei neue Plätze die grösste Not. Jetzt flogen also auf vier Plätzen die Bälle hin und her, was meistens in einer Atmosphäre der Sportlichkeit und Harmonie geschah, aber nicht immer. Deshalb sah sich die Spielkommission gezwungen, ein Papier herauszugeben, in dem auf die wichtigsten Verhaltensregeln hingewiesen wurde. Da konnte man lesen: "Es wird niemals durch das Spielfeld der Nebenspieler gegangen. Zuschauer sollen ihre ev. Beifallskundgebungen nur durch Händeklatschen äussern, nie durch Zurufe wie "Bravo" oder "Säuguet". Es wird mit dem Schiedsrichter nicht diskutiert, seine sämtlichen "Fehlurteile" werden eingesteckt ohne eine Miene zu verziehen. Es wird immer nur in weissem Tenue gespielt. Es wird immer mit relativ neuen Bällen gespielt. Es wird immer nur mit höchstens 6 Bällen gespielt, die gut gekennzeichnet sind; sobald sich ein Ball auf den Nebenspielplatz verirrt, wird er von den dortigen Spielern sofort und zuvorkommend zurückgeschoben (nicht geworfen), was jedes Mal mit einem freundlichen "Thank you" quittiert wird. "Der Aufruf schien gewirkt zu haben. Auf alle Fälle konnte die Spielkommission in ihrem Jahresbericht 1957 vermelden, dass im allgemeinen sportlich und fair gekämpft worden sei.