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- Veröffentlicht: 08. August 2012
«Auf der Dorfdarstellung von 1678 besteht mit vereinzelten Ausnahmen die ganze Siedlung bereits aus Steingebäuden mit ziegelgedeckten Satteldächern. Dieser – im Gegensatz zu vielen Oberbaselbieter Dörfern – früh erfolgten Versteinerung haben wir den heute erhaltenen Reichtum an frühneuzeitlicher Bausubstanz– vor allem aus dem 17., aber auch älteren Jahrhunderten (15. und 16. Jahrhundert) – zu verdanken. Substanz der vorgängigen Holzgebäude wurde nicht in jedem Fall abgerissen, sondern durch den Neubau ein- oder ummauert, stand bei späteren Umbauten nicht im Fokus von Modernisierungen und wurde dadurch bis heute konserviert. Lediglich die radikalen, in den 1960er bis 1990er Jahren durchgeführten Totalsanierungen mit Auskernungen und Giebeldrehungen (u.a. Geispelgasse 20 und 22, Hauptstrasse 3, Oberdorf 18) fügten dem historischen Bestand unwiederbringliche Verluste zu.»
Aus der Zusammenfassung Dorfinventar Muttenz, 2021, S. 28, Autorin Anita V. Springer
Anmerkung zum Plan von G.F. Meyer
«Zur Genauigkeit von Meyers Dorfansicht ist Folgendes anzumerken: Die Befunde lassen vermuten, dass die Darstellung der Bebauung an den Dorfrändern unpräzise ist. So scheinen unter anderem die Areale Baselstrasse/Tubusweg, Burggasse Ost, Geispelgasse Südwest, Gempengasse Süd und die Hofstattbereiche an der Hauptstrasse West und der Westseite des Oberdorfs trotz 1678 fehlender Darstellung bereits damals teils überbaut gewesen zu sein.»
Aus der Zusammenfassung Dorfinventar Muttenz, 2021, S. 12, Autorin Anita V. Springer
In Muttenz findet man häufig das traufständige Mehrzweckhaus, bei dem der Dachfirst parallel zur Strasse verläuft.
Bei diesem Kleinbauernhaus sind Wohnteil, Stall und Scheune unter einem Dach zusammengefasst. Das Dach ragt beim Scheunen- und Stallteil weit über das Haus hinaus und dient so als Wetterschutz für abgestellte Wagen und Geräte. Typisch für Muttenz ist das Scheunentor mit seiner zusätzlichen Funktion als Hauseingang.
Die Gebäude, die also seit dem späteren 18. Jahrhundert von einer eingreifenden Fassadenerneuerung verschont blieben, besitzen daher immer noch den lokaltypischen Seiteneingang in die Küche auf der freistehenden Giebelseite und einen Durchgang vom Tenn her ebenfalls in die Küche.
Das bäuerliche Wohnhaus bestand ursprünglich nur aus einem Geschoss mit einer Küche im hinteren und einer Stube im vorderen Teil. Der Küchen- und damit Wohnhauseingang lag im hinteren Teil der Scheune. Erst später wurde das Wohnhaus zweigeschossig und erhielt im Obergeschoss oft eine zweite Wohnung und später zwei Schlafkammern für die Wohnung im Erdgeschoss. Kachelöfen finden sich erst seit dem 18. Jahrhundert. Die Wohnverhältnisse waren demnach sehr eng. Der Speicher und später der Keller finden sich in der Regel hinter dem Haus, oft auch freistehend.
Geispelgasse 6
Bild: Heimatkunde Muttenz, Barbara Sorg, 2009
Bei den Architekturelementen überwiegen bis ins 18. Jahrhundert hinein der Rundbogen für Türen und Tore und das gotische ein- bis zweiteilige Fenster mit gekehrten Gewänden.
Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte sich das Rechteckfenster, gegen Ende des Jahrhunderts das stichbogige Fenster und im 19. Jahrhundert das überhöhte Rechteckfenster durch.
© Fotos Barbara Sorg und Museen, Muttenz