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Die Wallfahrt nach Einsiedeln ist fast so alt wie das Kloster Einsiedeln selbst. Sie reicht sicher ins 11. oder beginnende 12. Jahrhundert zurück. Erste schriftliche Zeugnisse aus dem frühen 14. Jahrhundert sprechen ganz selbstverständlich von Wallfahrten nach Einsiedeln und auch davon, dass sie recht bedeutend gewesen sind. Wallfahrtsmotive waren zunächst die Verehrung der Muttergottes in den verschiedensten Anliegen wie auch die Verehrung des heiligen Meinrad, des ersten Eremiten im Einsiedler Hochtal. Schon bald wurde auch die Kapelle, die über der Zelle Meinrads errichtet worden war (unsere heutige Gnadenkapelle in der barocken Klosterkirche), ein besonderes Wallfahrtsmotiv. In den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts kam ein weiteres hinzu: die Verehrung des ehrwürdigen Dieners Gottes Br. Meinrad Eugster (1848-1925).
Im 13. Jahrhundert wurde die Wallfahrt zur heiligen Kapelle erklärt und gedeutet durch die sogenannte "Engelweih-Überlieferung". Diese Überlieferung berichtet, Christus sei in der Nacht vom 13. auf den 14. September 948 vom Himmel herabgestiegen, um die Kapelle des hl. Meinrad eigenhändig seiner Mutter Maria zu weihen, damit Maria hier einen Gnadenthron besitze und unser Ort Einsiedeln zu einem Ort der Gnade und der Vergebung der Sünden werde. Die "Engelweih-Überlieferung" wurde im ausgehenden Mittelalter zum tragenden Grund der Wallfahrt nach Einsiedeln. Die Einsiedler Gnadenkapelle wurde zum eigentlichen Wallfahrtsziel.
Nach der Reformation und dann vor allem in der Barockzeit wurde Einsiedeln mehr und mehr zu einem marianisch geprägten Wallfahrtsort und ist es bis heute geblieben. Einsiedeln wurde religiöser Mittelpunkt der Eidgenossenschaft und des ganzen süddeutschen Sprachraumes. Heute pilgern Gläubige aus allen Ländern der Welt nach Einsiedeln.
Nach einem zeitbedingten Einbruch in der Zeit der Reformation erreichte die Wallfahrt im 18. Jahrhundert einen neuen Höhepunkt. Mit dem Aufkommen moderner Verkehrsmittel (Postkutsche, Schifffahrt, Eisenbahn) setzte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Wandel in der Form des Pilgerns ein. Mit dem Anschluss Einsiedelns an das Bahnnetz gingen die Fusswallfahrten zurück; es kamen die "Massen-Pilgerzüge". Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Einsiedeln eine zweite Umgestaltung der Wallfahrt. Moderne Reisecars und Omnibusse veränderten das Gesicht der Wallfahrt und erschwerten die pastorale Betreuung der Pilger. Heute vollzieht sich eine weitere Umgestaltung der Wallfahrtsform; die "Gross-Wallfahrten" lösen sich mehr und mehr in Klein- und Kleinstgruppen auf. Man kommt für einen Gottesdienst oder für ein kurzes Gebet bei der Gnadenkapelle nach Einsiedeln oder man nimmt Einsiedeln auf einer anderen Fahrt (z.B. auf einer Urlaubsfahrt) noch rasch mit.
Für das Kloster Einsiedeln war es alle die Jahrhunderte hindurch selbstverständlich, dass Gott Einsiedeln als einen Ort der Gnade, der Begegnung, der Besinnung auserwählt hat. Das Kloster Einsiedeln sieht weiterhin in der zeitgemässen Pilgerbetreuung eine seiner grossen Aufgaben.