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«Alles, was ich über Moral und Verpflichtungen des Menschen weiss, verdanke ich dem Fussball», so hat die Londoner Initiative «Philosophy Football» vor etlichen Jahren einen apokryphen Spruch von Albert Camus rekonstruiert, der als gelegentlicher Torhüter die existenzielle Angst ebendesselben vor dem Elfmeter gefühlt und sich dabei mit Sisyphus verglichen hatte, der den (runden!) Stein ewig vor sich hinstösst, nur um ihn immer wieder aus den Tiefen des Abgrunds holen zu müssen. Des eingedenk sei an dieser Stelle eine tief schürfende Frage zur philosophischen Debatte gestellt: Ist ein Spitzkick eine zulässige Waffe, um im Direktschuss ein Tor zu erzielen? Auf der einen Seite entspricht er, solange er diesseits der Mittellinie in der gegnerischen Hälfte abgefeuert wird, den herkömmlichen Regeln des Hallenfussballs. Auf der andern Seite birgt er doch etliche Verletzungsgefahr, wenn er dröhnend in jene Körpergegend einschlägt, die wir hier als Weichteile bezeichnen wollen, und darüber hinaus, und in diesem Zusammenhang wichtiger, mag er ethisch jenem Gebot widersprechen, wonach wir uns doch, bitte schön, nicht irgendwelcher Brechstangenmethoden bedienen, sondern uns dazu verpflichten sollten, das SCHÖNE SPIEL zu pflegen, mit butterweichen Pässen, raffinierten Kombinationen, imaginativen Spielfeldverlagerungen, atemberaubenden Tricks (wobei allerdings ein toller Weitschuss auch innere Qualitäten haben mag). So müsste dann der Hinweis auf die formale Berechtigung des Mittels (das womöglich instrumentalistisch jeden Zweck rechtfertigt!) mit dem Verweis auf eben jene ethischen Werte widerlegt werden, die sich der formalen Verbriefung entziehen, sondern sich im freien Aushandeln freier Individuen untereinander und mit ihrem Gewissen, diesem inneren «Gerichtshof» oder «Leuchtturm» unseres besseren Selbst (Kant und/oder Novalis) ergeben. Hinwiederum allerdings hat Marx darauf hingewiesen, dass auch Ethik, Gewissen etc. pp. in die Klassenverhältnisse eingebunden sind, in denen Interessen wirken, die sich in jenen ausdrücken, so dass also, im aktuellen Beispiel, derjenige, der ein mittels Spitzkick erzieltes Tor abkriegt, dieses mit scheelerem Blick betrachtet als derjenige, der es gerade erzielt hat und im Triumph sich abdreht und beschwingt ein paar Minuten später den Kunstschuss wiederholt, diesmal freilich mit dem Innenrist, was natürlich einen kategorialen Wechsel und einen qualitativen Sprung bedeutet und damit für die aktuelle Diskussion ausser Abschied und Traktanden fällt.
Item, vorweihnächtlich hatten sich am vergangenen Freitag nur acht Spieler eingefunden, so dass die beiden Dreierteams, jeweils mit einem Auswechselspieler, pausenlos im Einsatz standen, wobei es viel zu bewundern gab. Cz., Sä, M. und St. erwiesen sich als erstaunlich kampfstark und reihten Tor an Tor und Sieg an Sieg, was die sich durchaus redlich abmühenden A., K., C., Sil. doch ein wenig erstaunte. Insbesondere M. hypnotisierte die Gegner mit seinen raffiniert tempoarmen Dribblings und versenkte, nachdem er sich solcherart ein wenig Raum verschafft hatte, seine Schüsse zielgenau in die rechte, wahlweise auch linke, obere Torecke. Auch St. gelang es gelegentlich, einem Gegner an der Mittellinie den Ball abluchsen und daraus ein Tor zu erzielen, doch erweis er sich mit zunehmender Spieldauer als Chancentod, da er insbesondere im vierten Spiel beim Stand von 4 : 4 einen Kopfball aus dreissig Zentimetern an den Pfosten setzte und dann einen Ball achtzehn Zentimeter vor der Torlinie verstolperte, wobei im Gegenzug das 4 : 5 fiel.
Der pausenlose Einsatz führte allerdings zu einem beträchtlichen Verschleiss an Muskeln und zuweilen auch an Nerven, wovon der oben aufgeworfene philosophische Disput Zeugnis ablegen mag. Nach einem vorübergehenden Unterbruch stürzte man sich jedoch nochmals ins Getümmel, wobei St. – «jetzt der auch noch» – zwei Tore erzielte und M. weitere zwei Tore zu einem berauschenden 5 : 0 beitrug; doch dann überschattete eine Zerrung in der linken Wade das persönliche Comeback und ging in Dul-X-Schwaden unter; und was den Spitzkick betrifft, ist das letzte Wort zwischen Regelkonformität und Ethik noch nicht gesprochen.