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Eine kürzlich von einer Forscherin der Universität Lausanne durchgeführte Studie zeigt das grosse Potenzial universeller Programme der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung (FBBE), um Ungleichheiten zwischen Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten zu verringern. Diese Programme zur Förderung aller Kinder stärken die Chancengleichheit von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen.
Üblicherweise sind es gezielte Initiativen im Bereich der FBBE wie die Perry Preschool oder das Carolina Abecedarian Project in den Vereinigten Staaten, welche die Zukunftsperspektiven von Kindern aus benachteiligten Familien deutlich verbessert haben. Diese Projekte umfassten verschiedene Lebensbereiche von der Bildung über die Beschäftigung bis hin zur Gesundheit.
Die Wirkung von universellen FBBE-Programmen
Nun ändert sich aber das Gesamtbild: Eine neue Studie hat bedeutende Effekte von universellen FBBE-Programmen für die Kinder aufgezeigt. Im Gegensatz zu gezielten Programmen, die für Kinder in Abhängigkeit vom Familieneinkommen entwickelt werden, sind allgemeine FBBE-Programme allen Kindern zugänglich.
Es hat sich gezeigt, dass auch universelle Programme in der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung von grossem Nutzen sind, um soziale Ungleichgewichte zu bekämpfen, insbesondere zugunsten von Kindern aus benachteiligten Schichten. Diese Programme scheinen sich besonders stark auf die nicht-kognitiven Kompetenzen von Kindern aus sozioökonomisch schwachen Verhältnissen auszuwirken und so den Weg zum Bildungserfolg zu ebnen.
Zudem gilt gemäss Studie: Je früher desto besser. Die Anmeldung für ein FBBE-Programm vor dem Alter von drei Jahren ist ein Schlüsselfaktor für bessere Ergebnisse, insbesondere für benachteiligte Kinder. Beim Vergleich verschiedener Regionen zeigt sich, dass sich benachteiligte Kinder in entwickelten Ländern, insbesondere in Europa, tendenziell besser entfalten. Hier verbessern die FBBE-Programme verschiedene Ergebnisse, insbesondere die kognitiven Kompetenzen.
Die Studie zeigt auch die langfristigen Vorteile der FBBE und widerlegt das Auftreten eines «Fade-Out-Effekts» (das Verschwinden des positiven Effekts über die Jahre). Kinder aus benachteiligten Verhältnissen profitieren nicht nur kurzfristig, die positiven Folgen der FBBE-Programme begleiten sie ein Leben lang.
Politische Massnahmen für mehr Inklusion in der FBBE
Es gibt jedoch ein Problem. Trotz der offensichtlichen Vorteile profitieren benachteiligte Kinder in bestimmten Situationen nicht von diesen Programmen. Deshalb ist eine inklusive Politik nötig, die sicherstellt, dass alle Kinder Zugang zu den FBBE-Angeboten erhalten, insbesondere jene, die am meisten profitieren könnten. Die Eidgenössische Kommission für Familienfragen (EKFF) hat in einem Policy Brief dargelegt, dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen und mit Migrationshintergrund in der Regel seltener in einer Kindertagesstätte betreut werden als Kinder aus guten sozioökonomischen Verhältnissen.
In der Studie wird betont, wie wichtig es auf politischer Ebene ist, gleiche Zugangschancen zu FBBE-Programmen von hoher Qualität zu gewährleisten. Dadurch könnte die Situation im Kampf gegen Ungleichheiten geändert und allen Kindern faire Erfolgsaussichten geboten werden, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund.
Insgesamt werden in der Studie überzeugende Argumente für universelle Angebote im Bereich frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung präsentiert – ein wichtiger Hebel im Kampf gegen soziale Ungleichheiten. Die politischen Entscheidungsträger:innen, die Fachpersonen und die Gesellschaft sind aufgefordert, das Potenzial von vorschulischer Bildung und Betreuung anzuerkennen und darauf zu achten, dass diese allen Kindern zugänglich ist. Dadurch wird eine gerechtere und vielversprechendere Zukunft möglich.