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Dachte Jaspers zunächst in europäisch-abendländischen Dimensionen, so öffnete er sich ab 1937 dem fernöstlichen Denken. Der befreundete Indologe Heinrich Zimmer hatte ihn zum Stu dium von Konfuzius, Laotse und Nagarjuna angeregt. Jaspers gewann daraus die Einsicht vom dreifachen Ursprung der Philosophie in China, Indien und Europa. Danach durfte das fernöstliche Denken nicht länger als blosse Entwicklungsstufe eines Geistes betrachtet werden, der erst im europäisch-abendländischen Denken zu sich selbst kam. Für Jaspers war es vielmehr ein eigenständiger, ausdifferenzierter und unabhängiger Teil dessen, was er „Weltphilosophie“ nannte: eine Philosophie auf dem vorweggenommenen Standpunkt des Weltbürgertums, in der regionalisierende Zuschreibungen wie „europäisch-abendländisch“ und „fernöstlich“ zwar nicht ihren Sinn, aber ihre Geltung verloren.
Die Idee einer kommenden Weltphilosophie hatte einen historischen und einen systematischen Aspekt. Der systematische fiel weitgehend mit der von Jaspers als Logik universaler Kommunikation entworfenen Vernunftphilosophie zusammen, der historische musste dagegen im Rahmen einer „Weltgeschichte der Philosophie“ erst noch entwickelt werden. Jaspers griff dabei sehr weit aus. Er differenzierte die Philosophiegeschichte nach sechs Gesichtspunkten, einem historischen, sachlichen, personalen, genetischen, pragmatischen und dynamischen.
Von diesem monumentalen Projekt erschienen zu Lebzeiten die Monografien „Schelling. Größe und Verhängnis“ (1955) und „Nikolaus Cusanus“ (1964) sowie „Die großen Philosophen“ (1957), ein Werk, das wie die Monografien dem personalen Gesichtspunkt verpflichtet war. Quer zur Zeit wurden darin verschiedene Denker, darunter Konfuzius, Laotse und Nagarjuna, nach charakteristischen Merkmalen ihres Denkens und ihrer Persönlichkeit zu Gruppen zusammengefasst. Mit knapp 1.000 Seiten blieb das Buch immer noch Fragment. Zwei weitere Bände mit ausgearbeiteten Textteilen und stichwortartigen Notizen erschienen 1981 aus dem Nachlass.
1982 wurde unter dem Titel „Weltgeschichte der Philosophie“ die Einleitung in das geplante Gesamtwerk publiziert.