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Autor A.B. - Würdest du nach meinem Tod wieder heiraten?
Nach der obligatorischen Schulzeit musste man zuerst in den Landdienst. Ich aber wollte Coiffeuse werden. Mein Vater sagte aber immer: „Lehr du kochen. Gegessen wird immer.“ Als der Krieg fertig war, kam ich in den Kanton Schwyz und arbeitete als Kindermädchen. Eine Tante in Andermatt brauchte dringend jemanden für die Mitarbeit im Restaurant. So ging ich nach Andermatt. Mein Chef war der letzte Gotthard-Postkutschen-Fahrer. Mit fünf Pferden und einer Kutsche konnten 8 Personen über den Pass gefahren werden. Eine Touristenattraktion. Weil es damals sehr viele kleine Restaurants gab, musste man neben dem Restaurantbetrieb noch eine andere Einkommensquelle haben. Lange konnte ich in Andermatt nicht bleiben. Der Kanton Uri hatte ein anderes Gesetz. Man durfte im Gastrogewerbe als Minderjährige, d.h. vor dem zwanzigsten Lebensjahr nicht arbeiten. So ging ich zurück in den Kanton Schwyz, wo dies möglich war. Kurze Zeit darauf lernte ich einen sympathischen jungen Mann kennen. Seine Eltern schafften es nach Amerika auszuwandern, mussten aber im Jahr 1936 wegen gesundheitlichen Problemen seines Vaters zurück in die Schweiz kommen. Nach der Behandlung wollten sie zurück in ihre Wahlheimat reisen, weil sie in Tacoma im Bundesstaat Washington das Hotel „San Francisco“ führten. Ihr Plan, in die USA zurückzukehren, konnten sie aber nie umsetzen, weil im Jahr 1939 der Krieg ausbrach. Ich wollte diesen Mann heiraten. Mein Vater willigte mit seiner Unterschrift ein und mein Wunsch ging in Erfüllung. Mein Mann und ich führten während vielen Jahren das ehemalige Restaurant „Alpenrösli“ in Schwyz. Als es meinem Mann gesundheitlich schlechter ging, fragte er mich immer wieder: „Würdest du nach meinem Tod wieder heiraten?“ Ich wusste lange nicht, was ich auf eine solch schwierige Frage antworten sollte. Bevor mein Mann 1980 im Spital starb, konnte ich ihm eine Antwort auf seine Frage geben: „Ich weiss es nicht“, sagte ich, „aber einen Besseren bekomme ich nicht. Und einen gleich Guten möchte ich nicht.“ Mit dieser Antwort war er zufrieden und konnte friedlich einschlafen. Nach seinem Tod musste ich unser geliebtes Restaurant verkaufen und arbeitete fortan bis zur Pensionierung als Angestellte in verschiedenen Tankstellenshops. Meiner Antwort, die ich meinem Mann vor über 40 Jahren gegeben habe, bin ich treu geblieben. Einen Besseren habe ich nicht bekommen, und einen gleich Guten wollte ich nicht.
Episode 6 - A.B. Würdest du nach meinem Tod wieder heiraten