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Radhas Familie lebte wirtschaftlich und sozial benachteiligt. Das Einkommen des Vaters als Taglöhner ernährte die fünfköpfige Familie kaum. Sie hatten weder eine Toilette noch fliessendes Wasser. Die Eltern, beide Analphabeten, konnten sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Seit drei Jahren ist die Familie der 7-jährigen Radha Teil des SOS-Familienstärkungsprogramms Itahari. Das Mädchen erzählt, was sich dadurch in ihrem Leben verändert hat.
«Ich lebe mit meinem Vater, meiner Mutter und meinen beiden Geschwistern in Labipur. Das ist bei Itahari in Nepal. Mein Bruder und meine Schwester sind jünger als ich. Unser Haus besteht aus Bambus, mit einem Dach aus Blech. Drin ste- hen Betten zum Schlafen, und wir haben genug zu essen. Wir halten uns einige Schweine und Ziegen. Mein Vater geht jeden Tag in die Stadt und schaut, ob er Arbeit findet. Meine Mutter hat einen kleinen Laden direkt vor unserem Haus. So ist sie immer da, wenn ich sie brauche. In meinem Zuhause bin ich glücklich.
Als wir ins SOS-Familienstärkungsprogramm kamen, wurde ich als Erstes in die Schule geschickt. Dafür erhielt ich eine Schuluniform, einen Schulsack und in der Schule immer ein warmes Mittagessen. Danach half SOS uns, eine Toilette zu bauen. Wir bekamen Ziegel, Zement, Rohre, ein Becken und ein Tuch, das als Türe dient. Uns wurde gezeigt, wie man die Toilette richtig benützt und dass man sich danach die Hände wäscht. Auch haben wir jetzt einen Brunnen. Aus dem kann ich sauberes Wasser trinken.
Meine Mutter erhielt 10 000 nepalesische Rupien (etwa 90 Franken), damit sie ihren Laden auf- bauen konnte. Dort verkauft sie Kekse, Schoko- lade, Nudeln, Seife, Duftstäbchen und Waschmittel. Habe ich meine Schulaufgaben gemacht, helfe ich meiner Mutter im Laden und schaue zu meinen Geschwistern. Mit ihnen lerne ich für die Schule oder wir spielen zusammen.
Dank SOS geht es uns viel besser. Es ist nicht mehr schmutzig, und wir waschen uns. Unsere Betreuer kommen einmal in der Woche vorbei und schauen, wie es uns geht. Sie schlagen uns auch vor, was wir noch verbessern können. Zur Schule gehe ich regelmässig, schon in dritte Klasse. Das macht mir Spass. In unserer Klasse sind wir 35 Kinder. Viele davon sind meine Freunde. Die Lehrer sind sehr nett und helfen uns. Wir lernen Nepali, Englisch, Rechnen und Sozial- kunde. In der Pause spiele ich mit meinen Freun- den Seilhüpfen. Das ist ganz schön anstrengend, aber sehr lustig. Dabei lachen wir viel.
Wenn ich gross bin, möchte ich Lehrerin werden. Die Mushahars, von wo ich herkomme, finden Schule nicht wichtig, und viele schicken ihre Kinder nicht hin. Als Lehrerin kann ich helfen, dass Kinder Lesen und Schreiben lernen.»