Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03437.jsonl.gz/454

Das betrifft beispielsweise die Darstellung der zahlreichen Sprachfamilien: Da wandert man durch Afrika oder Asien und wird mit einer Unzahl an Sprachen, Zusammengehörigkeiten und gegenseitigen Beeinflussungen bekannt gemacht, die man wenige Seiten später bereits wieder vergessen hat. So heißt es beispielsweise im Abschnitt über Afrika: “Den größten und komplexesten der sechs primären Zweige bildet die Familie der (6) Volta-Kongo-Sprachen. Diese gliedern sich nun ihrerseits in einem inneren Kreis […]: im Nordwesten die Kru-Sprachen (in Liberia und Elfenbeinküste jeweils etwa 1 Mill. Sprecher), im Nordosten die die Gur-Sprachen (u. a. Mòoré mit 5 Mill Sprechern), im Grenzgebiet zwischen Elfenbeiküste, Mali und Burkina Faso die kleine Gruppe der Senufo-Sprachen, weit im Osten – um die Adamau-Region und den Ubangi-Fluss herum bis nach Südsudan – die Adamawa-Ubangi-Sprachen und ganz imn Süden – von der Elfenbeiküste bis Togo – die Kwa-Sprachen (u. a. Akam mit 8,3 Mill. Sprechern in Ghana).” Das geht noch eine Zeitlang so dahin und überfordert mein Gedächtnis bzw. mein Aufmerksamkeitspotential, weil es in diesem Zusammenhang an zusätzlichen Erklärungen mangelt, durch die man das in seinem eigenen Wissenskosmos entsprechend einzuordnen imstande wäre.
Man könnte noch zahlreiche entsprechende Beispiele anführen, würde dem Buch aber damit vielleicht Unrecht tun: Denn es gibt durchaus viel Interessantes, Lesbares, etwa die Beeinflussung sprachlicher Strukturen durch Zuwanderung, durch Einheiraten oder Eroberung, wobei es für die neu entstehende Sprache von großer Bedeutung ist, ob es erwachsene Sprecher sind, die sich eine neue Sprache aneignen oder aber Kinder (durch Fremdsprachigkeit der Mutter) zweisprachig aufwachsen. Auch der Abschnitt über die Sprachentstehungstheorien liest sich sehr gut (wenn man auch dem Autor nicht überall hin zu folgen gewillt ist) oder etwa jener über die Abhängigkeit von Sprachen von geographischen Umständen, dem Erwerbsleben (ob landwirtschaftliche Struktur, Nomadenleben bzw. Jäger und Sammler). Während der Schluss über die Sprachuniversalien (im übrigen fast ohne Chomskys Sprachmodul zu erwähnen) mich einigermaßen verwirrt zurückließ: Von basalen Strukturen abgesehen (Nomen und Verb gibt es in jeder Sprache) ist kaum eine klare Aussage auszumachen, die Beispiele sind teils instruktiv, dann aber auch wieder verwirrend und führen zur Anfangskritik zurück: Zu viel (Fakten), zu wenig (ausführlich) und dadurch nicht wirklich erhellend. Als Nachschlagewerk brauchbar, allerdings sollte zu diesem Zweck das lieblos angefertigte Sachregister eine Überholung erfahren.
Dieter Wunderlich: Sprachen der Welt. Darmstadt: WBG 2015-

Zum Hören: