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Herrn Dr. Alfred Escher
Präsidenten des Großen Rathes
u. s. w.
in Zürich1
Karlsruhe den 24ten Merz 1869.
Hochgeehrter Herr.
Es ist Ihnen ohne Zweifel bekannt, daß vor einigen Tagen die italienischen Gesandtschaften hier und in Berlin angewiesen worden sind, einen gemeinschaftlichen Schritt bei dem schweizerischen Bundesrath zu Gunsten der Gotthardbahn vorzuschlagen, und daß somit Ihre Bestrebungen den gewünschten Erfolg gehabt haben. Wir werden hier nicht säumen, den Vorschlag in Berlin eifrig zu unterstützen. Wie Sie aber aus der in den Zeitungen erwähnten Antwort des preußischen Handelsministers auf die Interpellation des Abgeordneten von Sybel wohl entnommen haben, will man dort vor der Entscheidung die Vorlage eines bestimmten «Projects» abwarten.
Es wäre mir sehr erwünscht, wenn ich dort in vertraulicher Weise näheren Aufschluß über den Stand des Projectes des Gotthardcommite, und insbesondere die Aussichten für Bildung einer Gesellschaft geben könnte.
Ihre frühere Mittheilung enthält über den Bau, die Bauzeit und die erforderlichen Mittel nähere Angaben, aber nur Andeutungen über die Bildung der Gesellschaft und | über die in Aussicht genommene Repartition der Subventionen.
Italien ist nach zuverlässigen Mittheilungen bereit 30 Millionen aus der Staatskasse und 10 Millionen von den zugesagten Subsidien der alta Italia zu geben, wozu noch die Zuschüsse verschiedener Städte und Korporationen kommen, im Ganzen vielleicht 55 Millionen. Welcher Betrag aber wird in der Schweiz aufgebracht werden? Und welchen Zuschuß glaubt das GotthardComite von dem preußischen Staat erwarten zu können? Ich möchte mir noch weiter die Frage erlauben, ob das Gotthardcomite mit den Betheiligten deutschen (ausserbadischen) und französischen Eisenbahnverwaltungen wegen Beiträgen in Unterhandlungen getreten ist, und von diesen vielleicht Zusicherungen bereits vorliegen.
Die möglichste Beschleunigung der Bildung einer Gesellschaft für den Bau scheint mir sehr erwünscht, um den mächtigen Einflüssen der Gegner des Gotthard zuvorzukommen. Die Actienzeichnung könnte vielleicht schon ehe die Vertheilung der Subventionen feststeht unter der Voraussetzung einer festen, wo möglich noch unter die 90 Millionen zu ermässigenden | Subvention, eröffnet werden.
Da um in Berlin mit Erfolg zu wirken, die Sache in einer möglichst festen Gestalt muß vorgelegt werden können, so möchte ich Sie ergebenst ersuchen, mir Ihre Ansicht über den fernern Gang des Projectes mitzutheilen.
Mit der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung und freundschaftlichster Ergebenheit
G v Dusch