Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03632.jsonl.gz/2482

Freitags, wenn die Spitze am höchsten ist, dann empfiehlt es sich nicht, schwimmen zu gehen. Ich habe es heute probiert, da der Nachmittag so schrecklich unproduktiv war, dass ich beschlossen hatte, ich mache besser Sport, da hab ich mehr von. Allerdings war ich nach einer halben Stunde derart angenervt und habe das Training abgebrochen. Auf der einen Bahn neben wir waren zwei der schnelle Crawler sehr spritzig unterwegs, auf der anderen Bahn verdrängte ein etwas beleibterer Herr (definitiv einer derer, wegen die Kinosessel hier ausgewechselt werden mussten) so viel Wasser, was auf meiner Bahn viele Wellen warf. Man schwimmt hier üblicherweise im Uhrzeigersinn, also Linksverkehr, auf einer Bahn aber im Gegenuhrzeigersinn - ich bin mir nicht sicher, ob das bei uns auch üblich ist. In dem kleinen Bad, in welchem ich sonst schwimme, herrscht auf beiden Bahnen Rechtsverkehr.
Auf meiner Bahn crawlte dann auch noch ein eher betagter Herr, der jedoch viiiel langsamer als alle anderen war, sich daran aber überhaupt nicht störte. Es wäre wahrscheinlich extrem unhöflich (und etwas deutsch) gewesen, wenn ich ihn gebeten hätte, doch bitte auf die langsamere Bahn zu wechseln. Es gibt nämlich nicht nur eine Gegenuhrzeigersinn-Bahn, sondern auch eine für die Langsamen. "Wenn einem Engländer etwas nicht passt, wird er sich allerdings selten lautstark darüber beschweren. Er murmelt lediglich etwas in seinen Bart und geht unzufrieden davon oder er verschiebt den Ärger auf später und schreibt einen langen Beschwerdebrief" heisst es im Kulturschock Grossbritannien Band... Ich habe mich für die englische Variante entschieden und muss mich wohl oder übel sowieso an die Tatsache gewöhnen, dass die Zeiten, in denen ich eine Bahn fast für mich alleine habe, spätestens Ende Jahr vorbei sind. Im Hirschengraben ist das nämlich eh nie der Fall. Insofern muss ich wohl meine Atmung auch bei nervigen Nachbarn in den Griff kriegen.