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DMZ – POLITIK ¦ Dirk Specht ¦
KOMMENTAR
Die „Verteidigung“ des „Manifests“ (ein m.E. maßlos überzogener Begriff) durch Prantl halte ich für eine intellektuelle Bankrotterklärung. Man fragt sich, ob er es wirklich so gering durchdrungen hat oder ob er irgendwie die Orientierung verliert.
Der eingangs geradezu konstruierte Schwenk zu Böll ist bereits überflüssig und leer. Dessen Kritik am Prinzip der Abschreckung gehört erwiesenermaßen nicht zu seinen besten intellektuellen Leistungen. Prantl nutzt das hier rein rhetorisch, da ist er natürlich immer noch klasse, für seinen eigentlichen Adressaten: Die Grünen. Inhaltlich bietet er keinen einzigen Grund und keinen Versuch der Einordnung, weshalb er die damaligen Überlegungen von Böll heute für relevant oder anwendbar hält. Gibt seinem Text aber so eine Art fundamentale Weitsicht, von der aber rein gar nichts enthalten ist. Das geht so weiter, weil er anschließend prominente Namen aufzählt und so viele Unterzeichner insgesamt nennt. Wer diesem Null-„Argument“ einen ganzen Absatz widmet, hat nicht viel zu sagen.
Ich halte diese Schrift vor allem deshalb für so unfassbar schwach, weil sie trotz der ausreichend vorliegenden strukturellen Kritik am „Manifest“, die Prantl angeblich antreibt, diese Gegenrede zu verfassen, keinen Millimeter darüber hinaus kommt, genau die anämische Idee des „Manifests“ einfach nur zu wiederholen: Demnach lesen wir darin eine Initiative für den Frieden, die alleine deswegen wohl in Prantls Augen (Denke?) bereits sakrosankt ist. So schreibt er jede Menge gewaltiger Worte gegen diese Kritik, namentlich gegen Münkler, geht aber an keiner einzigen Stelle auf diese ein. Statt dessen dreht er nur die Behauptungen weiter, es werde nicht verhandelt, niemand habe daran ein Interesse und daher schließt er, es gebe außer diesem „Manifest“ keine Friedens- sondern nur Eskalationsinitiativen.
Seine Zwischenüberschriften umfassen so gewaltige Worte wie „Grundgesetz“, „Fundamentalfragen“ und die „Warnung vor Eskalation“. Wir finden aber zu diesen Überschriften schlicht keinerlei Inhalt. Auch damit folgt er dem „Manifest“, denn die eigentlichen Forderungen – Friedensinitiative und Waffenlieferungen – werden auch von Prantl wortreich und rhetorisch blumig gänzlich umgangen. Setzt also hier endlich ein Denker, der sich berufen fühlt, das „Manifest“ gegen seine Kritiker zu verteidigen, mit den Fragen auseinander, die angeblich im Zentrum stehen, nämlich eine angeblich bessere Friedensinitiative sowie eine angeblich für was auch immer förderliche Veränderung der Waffenlieferungen? Nein, natürlich nicht. Der Kern der Kritik geht auf diese – um Prantls Worte zu nutzen – fundamentale Leere des „Manifests“ ein und eben diese Leere liefert Prantl hier nun auch.
Das ist nach dem intensiven Austausch über dieses „Manifest“ maximal schwach. Namentlich Münkler hat seine Kritik bestens begründet. Den sogar zu nennen und einfach nur platt abzukanzeln, ist nur mit einer besonderen Hybris erklärbar. Man kann Prantl allenfalls so erklären, dass er ein intellektuelles Problem mit der Entwicklung der Grünen hat und ausschließlich von einzelnen Aussagen diverser Akteure auf deren Seite getriggert wird.
Tatsächlich schreibt Prantl nämlich rein gar nichts über das „Manifest“ oder gar die Kritik an demselben, sondern er setzt sich mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Grünen auseinander, mit der er wohl nicht zurecht kommt. Weshalb das so ist und was das mit bestimmten intellektuellen Denkrichtungen macht, wäre sogar tatsächlich ein sehr wichtiges Thema. Aber auch das erreicht Prantl leider nicht, im Gegenteil, er unterliegt ihm.
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