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70 Prozent der Menschen in Bolivien sind informell tätig, ohne soziale Absicherung und Ersparnisse. Wie überlebten sie im Lockdown?
Pérez: Eine halbe Million Menschen stand ohne Einkünfte da, sieben von zehn Hausangestellten verloren ihre Stelle. Die Gemeinden verteilten Gutscheine, aber das war ein Tropfen auf den heissen Stein. Wir unterstützten Jugendliche, damit sie ihre kleinen Unternehmen nicht wieder schliessen mussten, und informierten Hausangestellte über ihre Rechte, damit sie ihnen zustehende Sozialleistungen einfordern konnten. Covid-19 hat eine verheerende Wirkung auf die Ökonomie und die Gesundheit und verstärkt das strukturelle Problem, dass viele Menschen informell ohne soziale Absicherung arbeiten.
Gibt es auch positive Effekte der Pandemie?
Kudelka: Die Koordination zwischen den Institutionen wird die Pandemie überdauern, ebenso wie die Akzeptanz digitaler Medien: Auch indigene Frauen haben die Angst davor verloren. Doch die unbezahlte Arbeit ist speziell für Frauen enorm gestiegen, da die Rollenverteilung immer noch die alte ist.
Pérez: Die virtuelle Uni kann für Leute auf dem Land auch zugänglicher sein. Aber unsere Arbeit basiert auf Vertrauen: Um es aufzubauen, braucht es den direkten Kontakt. Positiv könnte sein, dass die Pandemie ein Bewusstsein hinterlässt, was wirklich wichtig ist für die Entwicklung von Bolivien: ein würdiges Leben ohne Gewalt mit Zugang zu Gesundheit und Bildung.