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Die Geschichte um die Vorgänge im Chief Investment Office der Credit Suisse wird immer verworrener. Dort hat Chef Michael Strobaek in den letzten 3 Jahren unzählige Topleute gefeuert.
Nun taucht ein Name auf, der aufhorchen lässt. Kyriacos Papoui lautet er, gemäss Moneyhouse, das sich aufs Handelsregister bezieht, ein Engländer, wohnhaft im Raum Zürich, in Diensten der CS.
Der Moneyhouse-Link erscheint in der Google-Suche nach Kyriacos Papoui zuoberst. Gleich darunter findet sich folgender Eintrag: „List of trading losses – Wikipedia“. Und dort findet sich zum Banker, nun als Kyriacos Papouis, also mit einem „s“ am Schluss, weniger Gutes.
Platz 45 in der ewigen „Bestenliste“ der grössten Handelsverluste. 150 Millionen Dollar, verspielt mit „Interest Rate Options“ im Jahr 1997 bei der NatWest, eine englische Bank.
Der dritthöchste Google-Link führt sodann zu einer Story der englischen Zeitung Independent von März 1997. Titel: „US bank fires trader linked to NatWest loss“.
Darunter steht: „Kyriacos Papouis, the trader linked to NatWest Markets‘ pounds 50m options loss, last night resigned from Bear Stearns, the US investment bank.“
Weiter unten wird klar, was damals im Frühling vor 22 Jahren zum Karrierebruch des Engländers geführt hatte.
„Last week NatWest disclosed mispricing errors in its interest rate options book and said it had suspended a senior trader, named by banking sources as Neil Dodgson, for alleged „failure to supervise“. It also reported a former options trader, allegedly Mr Papouis, to the SFA.“
SFA, das ist das Serious Fraud Office von England. Auf dessen Webseite steht: „The SFO investigates and prosecutes serious or complex fraud, bribery and corruption.“
Als 20 Minuten auf dem Höhepunkt der letzten Finanzkrise im Herbst 2008 „Die grössten Spekulationsskandale aller Zeiten“ auflistete, erschien Händler Papouis prominent im führenden Online-Medium der Schweiz.
„Die National Westminster Bank verlor 1997 ihren Junior-Trader Kyriakos Papouis an Bear Stearns“, schrieb 20 Minuten. Und fuhr fort:
„Die damals noch existierende Investmentbank wollte sich die Dienste des neuen Talentes sichern. Leider hatte dieser getrickst und seit 1995 zwei Jahre lange Portfolios zu hoch bewertet.“
„Das kostete die Bank 125 Millionen Dollar und den guten Ruf: Die Analysten waren einhellig der Meinung, dass die Risikokontrolle den Betrug hätte erkennen sollen.“
Auf die Frage, ob es sich bei diesem Kyriacos oder Kyriakos (mit „k“) Papouis um den gleichen handle, der heute im Handelsregister mit der Credit Suisse als Arbeitgeberin aufleuchte, blieb es ruhig bei der Bank. Man würde sich melden, hiess es zunächst, danach kam nichts mehr.
Auf den später erfolgten konkreten Hinweis, dass es tatsächlich den Anschein mache, dass der damalige Grosstrickser heute unter Michael Strobaek bei der CS arbeite, gab die Grossbank erneut keinen Mucks von sich.
Am Telefon schliesslich meinte gestern eine Sprecherin darauf angesprochen, dass man sich nicht „zu Mitarbeitern“ äussern würde.
Kyriacos Papoui (Moneyhouse) oder Kyriakos Papouis (20 Minuten) dürfte somit ein und diesselbe Person: der Mann, der es mit seinen Verlusten vor zwei Jahrzehnten in den USA zu Berühmtheit gebracht hatte. Eine Art Kweku Adoboli der damaligen Zeit quasi.
Und nun ist bei der CS aktiv, im Bereich Vertrieb des Chief Investment Office. Dieser steht neben dem Anlage-Bereich, wo die vermeintlich gescheitesten Köpfe des Finanzriesen sich ihr Hirn zermartern mit dem Ziel, für die Kunden die besten Anlage-Ideen zu finden.
Die Personalie Kyriacos gibt zu reden vor dem Hintergrund der Turbulenzen im „Laden“ von CS Chief Investment Officer Michael Strobaek.
Der hochgelobte Ökonom hat in den letzten Jahren immer mehr bekannte Figuren zur Seite geschoben, darunter auch ehemalige Mitglieder seiner einstigen UBS-Seilschaft wie Jose Blanco – ein Mann mit gutem Ruf in der Szene.
Noch mehr Aufregung verursachen die Frauen, welche unter Strobaek ihre Karriere gefährdet sehen, allen voran die bekannte Nannette Hechler. Sie galt bis vor kurzem als weibliches Aushängeschild einer Bank, die sich die Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben hat.