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Alfred Escher und Gottfried Keller sind im gleichen Jahr und in nächster Nachbarschaft geboren. Keller verdankt Escher einiges, nicht zuletzt seine Stellung als Staatsschreiber. Alfred Escher, Schöpfer der Gotthardbahn und Begründer der ETH, starb 1882, nur ein halbes Jahr nach Eröffnung der Bahn. Politische Gegnerschaft und das Defizit des Gotthardtunnels hatten ihn seine Stellung als Nationalrat gekostet. Die Wahl zum Bundesrat hatte er von sich aus abgelehnt. Am 13. Mai 1884 erschien in der Neuen Zürcher Zeitung ganz überraschend der Aufruf für ein Alfred-Escher-Denkmal, dessen Verfasser vermutlich Gottfried Keller war. Mit der Ausführung wurde der Solothurner Richard Kissling beauftragt, von dem auch das Telldenkmal in Altdorf stammt. Er verband das Monument mit einem bereits auf dem Bahnhofplatz sprudelnden Springbrunnen und schuf so den Alfred-Escher-Brunnen: Escher wird im Gehrock als erhabene Gestalt dargestellt; unter ihm halten zwei nackte Knaben die wasserspeienden Drachen an Ketten. Die Enthüllung fand am 23. Juni 1889 statt. Der Festplatz musste abgesperrt und militärisch bewacht werden, da sich die Arbeiterschaft gegen dieses Denkmal wehrte. Es sei eine Beleidigung und es komme der Tag, wo es wieder entfernt und umplatziert werden müsse, hiess es. Bis zum heutigen Tag haben sie allerdings nicht Recht bekommen. Weichen musste der Brunnen nur vorübergehend, nämlich als das Shop-Ville gebaut wurde. Er konnte aber praktisch wieder am selben Ort aufgestellt werden. Ein feinsinniger Basler Kunsthistoriker sagte einmal: "Despoten setzen sich Denkmäler, Demokraten bauen ihren Bürgern Brunnen."
Amazonenbrunnen, Rennweg
Einer der ersten öffentlichen Laufbrunnen von Zürich ist der Amazonenbrunnen an der Ecke Rennweg/Strehlgasse. Er wurde vermutlich 1430 in Betrieb genommen und ab der kurz zuvor vollendenten Leitung aus Albisrieden mit frischem Quellwasser gespiesen. Bis zum Bau der Albisriederleitung deckte die Stadt ihren Bedarf praktisch ausschliesslich mit Wasser aus der Limmat oder aus Sodbrunnen. Unschwer sich vorzustellen, dass die Errichtung von öffentlichen Laufbrunnen eine sehr grosse Verbesserung darstellte. Auf Murers Stadtplan besitzt der Amazonenbrunnen bereits 1576 eine Figur, deren Motiv aber nicht genau erkennbar ist. Figuren und Säulen als empfindlichste Teile sind bei allen historischen Brunnen im Laufe der Zeit mehrfach verändert, ersetzt oder auf andere Becken versetzt worden. Bemerkenswert ist noch, dass der Amazonenbrunnen erstmals nicht nur der profanen Nutzung diente, sondern zugleich als öffentliches Kunstwerk betrachtet wurde.
Brunnen Peterhofstatt
Bereits 1538 ist ein Brunnen auf der Peterhofstatt erwähnt. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts stand im Zentrum der Peterhofstatt ein grosser Brunnen mit mächtiger Stud. Dieser musste schliesslich dem Verkehr weichen und an seiner Stelle wurde eine Linde gepflanzt. Im Zusammenhang mit der Renovation der Kirche St. Peter wurde auch der Wunsch nach einem Brunnen wieder laut. 1974 erhielt die Bildhauerin Charlotte Germann-Jahn den Auftrag dazu. Frau Germann wurde 1921 in Zofingen geboren und war später in Zürich-Höngg wohnhaft. Mit Rücksicht auf die Linde, welche beherrschend beinahe in der Platzmitte steht, wurde ein Standort am Rande gewählt. Seine bewusst kleine Dimension ergibt sich aus dem Standort. Die eigentliche Gestaltung ist jedoch ein Produkt künstlerischer Phantasie, sorgfältig massstäblich eingegliedert und mit formalen Bezügen zu der baulichen Umgebung. Das Material ist Gussstahl, dunkel patiniert und überall dort poliert und als blanker Stahl erkennbar, wo Wasser sich sammelt oder fliesst. Alt und Neu wurden hier mit viel Takt und Sorgfalt miteinander verflochten.
Brunnen Rämi- Waldmannstrasse
Der Schalenbrunnen gilt als die klassische Grundform des Schaubrunnens. Er ist nicht zum Trinken, sondern alleine zum Betrachten bestimmt: Das wie ein Schleier fallende Wasser glitzert im Licht und sprüht im Wind. Einen Schalenbrunnen beschreibt auch eines der bekanntesten deutschsprachigen Gedichte von Conrad Ferdinand Meyer:
Der römische Brunnen
Aufsteigt der Strahl und fallend giesst er voll der Marmorschale Rund.
Die, sich verschleiernd, überfliesst In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.
Auch in Zürich steht ein Schalenbrunnen. Er befindet sich an der Stelle des ehemaligen Kartoffelmarktes an der Ecke Rämistrasse/Waldmannstrasse. Geschaffen wurde die Brunnenanlage mit den beiden Frauenfiguren vom Innerschweizer Bildhauer Eduard Zimmermann im Jahre 1935. Der bekannte Kunsthistoriker Professor Peter Meyer schrieb zu diesem Werk: "Die beiden Figuren haben etwas Stilles, Sympathisches, und man ist dankbar dafür, dass das Wasser einmal frei aus einer Schale herabfliessen darf."
Napfbrunnen, Napfplatz
Der 1576 errichtete Brunnen stand über dreihundert Jahre lang direkt vor dem mittelalterlichen Brunnenturm am Napfplatz. Dieser inoffiziell so genannte Ort war ein einst bedeutender Altstadtplatz, an dem die Napfgasse, die Spiegelgasse und die oberen Zäune zusammentreffen. 1876 wurde er in das untere Drittel des Platzes verschoben, die lädierte Säule samt Standbild entfernt und das alte Becken durch ein Marmorbett ersetzt. Die heutige Brunnenfigur stammt aus dem Jahr 1937 von Arnold Hünerwadel und Johann Riegendinger.
Stüssibrunnen, Stüssihofstatt
Der vermutlich 1575 errichtete Stüssibrunnen am Stüssihofstatt nimmt unter den zahlreichen alten Brunnen eine Sonderstellung ein: Als einziger Zürcher Brunnen ist er mehrfarbig. Ob die Figur tatsächlich den Rudolf Stüssi zeigt, der hier an der Hofstatt gewohnt und 1443 sein Leben im Alten Zürichkrieg verloren hat, ist ungewiss. Die Bezeichnung Stüssibrunnen taucht erst in jüngeren Akten auf. Doch für eine Darstellung des einstigen Bürgermeisters spricht die Art der geharnischten Figur. Mit dem wallenden Federbusch verkörpert sie nicht irgendeinen alten Krieger oder Bannerträger, sondern einen echten Ritter. Sehr porträthaft wirkt überdies die stolze Gestalt, und das Gesicht trägt ungewöhnlich individuelle Züge. Durch Gottfried Kellers "Grünen Heinrich" kam der Stüssibrunnen in die Weltliteratur, wo Keller das Rauschen der nahen Limmat und das Plätschern des Brunnens schildert.
Zentralhofbrunnen, Zentralhof
Der einstmalige Posthof (heute Zentralhof) bildete in der Mitte des 19.Jahrhunderts das Zentrum des ostschweizerischen Postkutschenverkehrs. 1877 wurde die einstige Pferdetränke durch einen mächtigen gusseisernen Brunnen ersetzt. Ein ähnliches, nur wenige Jahre älteres Beispiel der damaligen Giessereikunst steht beim Bahnhof Stadelhofen. 1986 wurde der Brunnen einer gründlichen Verjüngungskur unterzogen. Mit seinen vier wasserspeienden Flügellöwen bildet der Brunnen heute eine stille Oase in Zürich hektisch-belebtem Zentrum. Der Brunnen ist insbesondere im Winter ein beliebtes Fotomotiv, dann wenn die drei Flügellöwen, die drei Putten samt Musikinstrumenten und Delphin sowie die palmettenverzierten Brunnenschalen von einer dicken Eisschicht überzogen sind.
Geiserbrunnen, Bürkliplatz
Der Winzerbrunnen auf dem Weinplatz und der Geiserbrunnen beim Bürkliplatz haben auf den ersten Blick keinerlei Gemeinsamkeiten. Es bestehen allerdings durchaus Anknüpfungspunkte: Der Erschaffer des Winzerbrunnens, Johann Regel, war ein enger Freund des Stadtbaumeisters Arnold Geiser (1844-1909). Beide wurden später nebeneinander bestattet. Bei seinem Tod hinterliess Geiser ein Legat "für ein Denkmal zur Verschönerung der Stadt". Die Stadt schrieb darauf unter den Zürcher Künstlern einen Wettbewerb aus. Der Sieger, Jakob Brüllmann, war erstaunlicherweise kein Zürcher, sondern Bürger von Weinfelden und dazu noch in Stuttgart wohnhaft. Brüllmann arbeitete im Monumentalstil und erhielt wohl deshalb nach dem Ersten Weltkrieg viele Aufträge für deutsche Kriegerdenkmäler. Der Unterbau für die wuchtige Plastik wurde vom Architekten Jean Freytag entworfen. Am 20. Oktober 1911 wurde die Gesamtanlage als "Stierbändiger-Brunnen" der Öffentlichkeit übergeben.
Junobrunnen, Züghusplatz / Paradeplatz
Juno, Gattin des Jupiters und Göttin der Ehe und Familie, wurde von den Römern jeweils am 14. Februar geehrt. Der Valentinstag wird auf diesen Brauch zurückgeführt. Der Junobrunnen am Paradeplatz, zwischen dem «Grieder» und dem «Savoy», stammt aus dem Jahr 1872. Im Auftrag der Wasserversorgung erneuerten 1995 der Zürcher Bildhauer Romano Fenaroli die Figur und der Bildhauer Horst Bohnet die Brunnensäule. Diese Arbeiten waren nötig, da die aus dem Jahre 1944 stammende und 1975 sanierte Kopie von Brunnenfigur und -säule zahlreiche Risse aufwies. Ausgehend von alten Fotografien wurde von der Brunnenfigur vorerst ein möglichst originalgetreues Gipsmodell geschaffen, welches als dreidimensionale Vorlage für die "neue" Juno diente. Anschliessend wurde Punkt um Punkt vom Gipsmodell auf den Stein übertragen. Bei der neuen Juno kam erstmals Obernkirchener Quarzsandstein zum Einsatz, ein Material, welches bezüglich Wetterbeständigkeit den einheimischen Sandsteinen weit überlegen ist. Das Gipsmodell der Juno wurde im städtischen Magazin für Altertümer eingelagert. Dort befindet sich auch die Jupiterfigur des Neumarktbrunnens, welche 1992 ersetzt werden musste. So hat sich das Götterpaar gewissermassen wieder gefunden...
Jupiterbrunnen, Neumarkt / Spiegelgasse
Der Jupiterbrunnen am Neumarkt / Spiegelgasse heisst heute Nike-Brunnen und steht an prominenter Stelle.
Bereits auf dem Murer-Plan von 1576 ist am selben Ort ein Brunnen mit Figur zu sehen.
Um was für eine Figur es sich handelt, ist allerdings nicht zu erkennen.
Es wird vermutet, dass diese Figur im Jahre 1550 bemalt wurde.
Etwa um 1750 wurde die Götterstatue des Jupiters geschaffen und seitdem mehrmals restauriert.
Im Dezember 1987 wurde die Statue des Jupiter durch einen nächtlichen Sprengstoffanschlag zerstört.
Gerade weil eine Restaurierung nur mit erheblichen Einbussen der Originalität möglich gewesen wäre,
wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben, um eine neue Brunnenfigur zu gestalten.
Dabei erhielt die Bildhauerin Barbara Roth den Auftrag, eine zeitgemässe Umsetzung der
vorherigen Brunnenfigur zu schaffen. Dies gelang ihr mit «l'étranger» - und so wurde aus dem Gott Jupiter die Göttin Nike.
Die Figur wurde in der Giesserei Jäger in Pfäffikon SZ gegossen. Der Bildhauer Thomas Ehrler bearbeitete den Brunnentrog.
Die Einweihung fand im Juni 1992 statt.
Lindenhofbrunnen, Lindenhof
Der Brunnen auf dem Lindenhof hat eine bewegte Geschichte. Er wurde im Jahre 1667 im Zusammenhang mit der Pumpanlage an der Limmat und dem an der Mauer stehenden Reservoirhäuschen gebaut. Auf der Brunnensäule stand eine repräsentative Löwenfigur mit Wappenschild. Der Brunnen wechselte mehrmals den Standort. Zudem wurde 1730 das Becken vergrössert. 1754 erhielt der Brunnen aus dem Erbe des Zunftmeisters Füssli zwei «Fratzen-Gsicht» mit neuen Brunnenröhren. Beides hielt jedoch nicht lange, da das Geschenk von «Nachtbuben» zerschlagen wurde. Vermutlich verschwand in demselben Jahr die Löwenfigur auf unerklärliche Art und Weise. Auch der 1868 auf den Brunnen gesetzte Löwe ist nicht mehr erhalten. Der heutige Brunnen wurde 1912 gebaut. Die Brunnenfigur besteht aus einer geharnischten Frauengestalt. Sie erinnert an die Legende der tapferen Zürcherinnen, die 1292 in Kampfmontur das Heer von Herzog Albrecht von Österreich abschreckten, als dieses der Stadteroberung schon beängstigend nahe war. Die Frauengestalt wurde vom Künstler Gustav Siber geschaffen.
Winzerbrunnen, Weinplatz
Von 1630 bis 1674 diente der Weinplatz dem Handel mit einheimischen Weinen. Zur Erinnerung an diese Zeit befindet sich unter einem Baldachin ein in Bronze gegossenes Weinbauer-Figürchen. Mit einer Weintanse auf dem Rücken schreitet es in den Platz hinaus. Ähnliche Figuren können übrigens im Landesmuseum bewundert werden. Als Tafelaufsätze schmückten sie seinerzeit festliche Zunftmähler. Der Entwurf zu dieser Arbeit stammt vom Oberösterreicher Johann Regl. Regl war später auch der erste Professor für Kunstgeschichte an der Zürcher Kunstgewerbeschule. Er hatte sich vor allem durch seinen sicheren Kunstsinn und nicht unbedingt durch schöpferische Neuerungen ausgezeichnet. Auch der Winzerbrunnen stellt sozusagen einen Klon dar: In Bruck an der Mur in der Steiermark steht ein bis ins kleinste Detail übereinstimmender Brunnen. Allerdings wurde dieser bereits 1626 geschaffen, der Zürcher Brunnen entstand erst 1908. Geschaffen wurde der Bruckner Brunnen durch einen Schmiedemeister namens Prasser. Dass er nicht nur ein hervorragender Handwerker war, sondern auch Witz hatte, zeigt folgende Inschrift:
"Ich, Hans Prasser, trink lieber Wein als Wasser. Tränk ich das Wasser so gern wie den Wein, könnt ich ein reicher Prasser sein." Beim Zürcher Brunnen steht jedoch nichts dergleichen.
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