Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03151.jsonl.gz/1402

Ich war dreizehn, als ich von zu Hause wegging. Eine Schule habe ich nie besucht. Ich habe zu Hause auf dem Bauernhof geholfen. Ich wollte ein berühmter Kampfsportler werden. Ungefähr zwei Jahre war ich im Iran und habe dort gearbeitet. Das Leben im Iran war hart und unsicher. Es gab keine Bewilligung, und wenn man erwischt wurde, wurde man nach Afghanistan zurückgeschickt. So zog ich mit einem Kollegen, der seine Familie in der Schweiz hatte, weiter.
Es waren schwierige Monate. Als ich in der Schweiz ankam, war ich fünfzehn Jahre alt, ohne Schulbildung. Bis ich achtzehn Jahre alt war, konnte ich in einem Heim für unbegleitete Minderjährige (UMA) wohnen und die UMA-Schule besuchen. Ich lernte lesen, schreiben, rechnen und viele weitere Fächer. Kaum war ich achtzehn, musste ich aus dem UMA-Heim weg. Ich wohnte in verschiedenen Männerunterkünften, auch in einer Zivilschutzanlage mit 20 bis 30 Leuten. Dort zu lernen ist unmöglich. Es ist nie ruhig.
Als ich in eine WG nach Wettingen zog, konnte ich mich endlich auf die Schule und die Lehre konzentrieren. Vor kurzem habe ich meine Vertiefungsarbeit fertiggeschrieben, bald kommt die praktische und nachher die schriftliche Abschlussprüfung als Haustechnikpraktiker. Ich kann in meinem Lehrbetrieb weiterarbeiten und mache vielleicht noch den EFZ-Abschluss – und ich trainiere weiter Kickboxen. Wer weiss, vielleicht werde ich doch noch ein berühmter Kampfsportler.
Eltaf, 20, aus Afghanistan, wohnt in Wettingen