Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03514.jsonl.gz/844

von Peter Holzer und Gabi Meier
Umbauten im Schloss St. Andreas in Cham (Kt. Zug) gaben der Kantonsarchäologie Zug 2009/2010 die Gelegenheit die Schlossanlage und die unmittelbare Umgebung in Teilen zu untersuchen. Unter der heutigen Umfassungsmauer fanden sich kleinste Reste einer älteren Mauer, die als Bauphase 1 noch in die Zeit vor dem 12. Jh. datiert werden muss. Die jüngst verworfene These, dass der in einer Urkunde aus dem Jahr 858 n. Chr. erwähnte Hof "Cham" an Stelle des heutigen Schlosses lag, ist in Anbetracht der hier gemachten Befunde wieder aufzugreifen. In Bauphase 2 wurde die Burg errichtet, deren Mantelmauer im heutigen Schloss noch bis zu 12,05 m hoch erhalten ist. Ein Sondierschnitt ausserhalb des Schlosses zeigte, dass die Anlage zusätzlich mit Wall und Graben gesichert war.
Im Nordosten des Burghofs war ein rechteckiges Steingebäude mit der Mantelmauer im Verband errichtet worden. Holzkohleproben aus dem Mauermörtel verweisen auf eine Datierung der Mantelmauerburg, in den Zeitraum zwischen der zweiten Hälfte des 11. und dem ersten Drittel des 13. Jh.
Die bestehende Anlage wurde in Bauphase 3 um ein weiteres Steingebäude im Osten ergänzt. Im 13./14. Jh. war um die Burg eine stadtartige Siedlung entstanden, welcher Kaiser Karl IV. 1360 das Marktrecht und das Recht auf Bürgeraufnahme verlieh. St. Andreas wurde 1385/1386 während der Sempacherkriege von den Zugern und Schwyzern gestürmt.
1533 wurde die Anlage in Bauphase 4 unter Landvogt Heinrich Schönbrunner instand gestellt. In Bauphase 5 wurde das östliche Steingebäude in zwei Räume unterteilt, wobei der nördliche Raum mit Herdstelle und Ausgussvorrichtung offenbar als Küche genutzt wurde. Es ist zu vermuten das dieser Umbau unter Kaspar Brandenberg erfolgte, welcher das Schloss zwischen 1620 und 1671 ausbaute. Im 18. Jh. ging die Anlage an den Kartografen und Oberstleutnant Franz Fidel Landtwing, der den Burgwall ausplanieren und den Burggraben aufschütten liess. Schaden erlitt die Anlage während der Besetzung durch die Franzosen 1798. Der Ausbau zur heutigen Schlossanlage erfolgte 1908 in Bauphase 6 durch die Architekten Fred Page und Dagobert Keiser.
/
: Schloss St. Andreas in Cham (Kt. Zug): Auswertung der Untersuchungen 2009/2010 , Gabi
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 17. Jahrgang 2012, Heft 1, 34 - 61.