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Rückkehr der Zugvögel
Seit wenigen Tagen ziehen die Felsenschwalben ihre Kreise wie Blätter, die im Wind schaukeln, vor den Felswänden der Sonnenseite. Jahr für Jahr kommen sie anfangs März, gelegentlich schon in den letzten Februartagen zurück, mit der Regelmässigkeit eines Uhrwerkes. Die frühzeitige Rückkehr wird von den wenigsten Menschen wahrgenommen, weil sie nur die an den Häusern nistenden Schwalben kennen: Mehlschwalben und Rauchschwalben. Die Felsenschwalbe in ihrem bescheidenen erdfarbenen Federkleid mit weissen Flecken in der Spitzenhälfte des gespreizten Schwanzes trifft als erste ein. Sie verteilt sich in der Schweiz auf die Felswände der Alpen, der Voralpen und seit kurzem auch hier und dort im Jura. Sie besiedelt selten Kunstbauten, Fabrikeingänge, Stationen von Schwebebahnen oder Brücken; sie nistet hingegen in Tunneleingängen, vorausgesetzt, diese seien nicht betoniert. Dann streift sie beinahe die Fahrzeuge, die den Tunnel benützen. Im März, wenn die Wetterbedingungen schlecht sind, sieht man sie über Gewässern, vor allem in Pouta-Fontana, wo sie Mücken jagt. Zu normalen Zeiten fliegt sie vor den Felswänden, wo sie ihr Nest unter einem Überhang verankert hat. In der Nähe von Bex hat sich vor kurzem in einer von einem Steinbruch halb abgetragenen Felswand ein Paar niedergelassen, und zwar nach dem fast völligen Verschwinden einer Turmfalkenkolonie. Aus der Gehässigkeit der Schwalben den Falken gegenüber muss man schliessen, dass diese sie von dem Ort vertrieben.
Der Hausrotschwanz befindet sich auch unter den Erstankömmlingen; wie die Felsenschwalbe überwintert er im Mittelmeerraum. Mit seinem Gesang, der wie das Zerknüllen von Papier tönt und den er von einem Hausgiebel oder von der Höhe eines elektrischen Drahtes herabschmettert, zeigt er die Ankunft des Frühlings an. Dieses schwarze Knäuel, in welchem ein roter Schwanz steckt, ist der am meisten verbreitete, wenn nicht gar der häufigste Vogel, da man ihn sowohl in den grossen Städten des Mittellandes wie auch in den Geröllhalden nahe von 3000 m ü. M. antrifft. Da er nicht zögert, sein Nest in den Winkel eines Fensters zu stellen, werden Sie vielleicht das Leben seines Geleges verfolgen können.
Die Wanderbewegung ist ausgelöst. Offnen Sie Augen und Ohren und Sie werden die sich folgenden Ankünfte erleben können: am Himmel Ringeltauben, Gruppen von Kiebitzen auf den feuchten Feldern, schwarze und weisse Flecken des Steinschmätzers auf den gepflügten Äckern, Mönchsgrasmücken in den Büschen, monotoner Singsang des Zilpzalps, dessen wissenschaftlicher Name collybita lautet, was "Batzenzähler" bedeutet, weil seine Liedstrophen dem Geräusch einzeln hingeworfener Geldstücke nicht unähnlich tönen. In unserem Gebirgsland ist der Frühling nicht überall derselbe: auf 1000 bis 1500 m kündigen der Gesang der Misteldrossel und die Gegenwart der Ringamsel auf den Wiesen am Rand des weichenden Schnees den Frühlingseinzug an. In den Niederungen des Chablais kommt der März zusammen mit dem Schwarzen Milan. In Pouta-Fontana und auf einigen Kanälen unterstreichen Löffelenten, Knäckenten oder die ersten Kämpfe der Blässhühner den Wechsel.
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