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Einleitung
Die KB ermöglicht bei Schaf und Ziege den vermehrten Einsatz züchterisch wertvoller Böcke, eine Vermeidung der Inzuchtdepression und gezielte Tierseuchenbekämpfung.
Nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Gesamtpopulation von Schafen und Ziegen wird künstlich besamt. Dies liegt einerseits an der komplizierten und aufwändigen Anwendung der KB bei diesen Tierarten, andererseits in den wenig ansprechenden Erfolgsquoten der KB begründet.
Gewinnung
Die Spermagewinnung kann entweder mit einer künstlichen Vagina oder durch Elektroejakulation erfolgen. Die künstliche Vagina entspricht dem Modell beim Rind in kleinerer Ausführung. Schafböcke brauchen einen lebenden Sprungpartner, am besten eine bockige Partnerin, da Phantome von Schafböcken meist gar nicht akzeptiert werden. Einige Ziegenböcke können mit Phantom abgesamt werden. Eine Absamungsfrequenz von 3 Mal pro Woche mit jeweils zwei Sprüngen hat sich während der Decksaison bewährt.
Das Sperma wird nach der Gewinnung wie üblich untersucht. Ein Volumen von 0.5-2 ml ist normal, die Farbe weisslich, mit einer rahmigen Konsistenz. Pro Mikroliter erwartet man 1.2-5 Millionen Spermien. Über 70% der Spermien sollten eine Vorwärtsbewegung zeigen und weniger als 30% morphologisch verändert sein.
Verwendung
Das gewonnene Sperma kann entweder als Frischsperma (Nativsperma), flüssigkonserviertes oder gefrorenes Sperma verwendet werden. Für die letzten beiden Methoden muss das Ejakulat verdünnt werden. Für die Tiefgefrierung wird die verdünnte Flüssigkeit zentrifugiert, um einen Teil des Seminalplasmas zu entfernen und so dessen aktivierende Einflüsse zu mindern.
Frischsperma kann sofort nach der Gewinnung unverdünnt übertragen werden, eine unverdünnte Aufbewahrung für 20-30 Minuten ist möglich. Mit flüssigkonserviertem, verdünntem Sperma können auch noch nach 12 Stunden gute Konzeptionsraten erzielt werden. Im Gegensatz dazu lassen die Konzeptionsraten nach Übertragung tiefgefrorenen Spermas vor allem beim Schaf zu wünschen übrig (20-40%). Bei der Ziege liegt die Konzeptionsrate nach Übertragung tiefgefrorenen Spermas deutlich höher, bei 55-70%.
Transfer
Die intrazervikale Besamung erfolgt unter Verwendung eines Spekulums und einer Lichtquelle. Das Spekulum wird zum äusseren Zervixeingang (Ostium uteri externum) geschoben und verbleibt dort. Der Besamungskatheter wird bei der Ziege in die Cervix uteri eingeführt, wo die Abgabe des Spermas erfolgt. Aufgrund der engen Zervixverhältnisse beim Schaf wird das Sperma in der Regel cervikal deponiert. Die Alternative zur transzervikalen/zervikalen Samenübertragung ist die Laparotomie. Sie bringt vor allem für tiefgefrorenen Samen die besseren Trächtigkeitsresultate, ist aber mit viel Aufwand und Kosten verbunden und aus tierschützerischen Gründen zu hinterfragen.
Die Brunstdauer beträgt um die 30-36 Stunden, die Ovulation findet beim Schaf 25-30 Stunden nach Brunstbeginn statt, bei der Ziege einige Stunden nach Brunstende. Der richtige Besamungszeitpunkt wird anhand von Brunstkontrollen bestimmt. Die Brunstsymptome der Ziege können leichter adspektorisch erfasst werden.
Beim Schaf empfiehlt sich aufgrund der undeutlichen Brunsstymptome der Einsatz eines Suchbocks. Wichtige Hinweise liefert zudem die Beschaffenheit des Zervikalschleims, der bei der Samenübertragung beurteilt wird. Im optimalen Besamungszeitpunkt ist der Schleim klar bis weisslich. Käsiger Schleim ist ein Hinweis auf das Abklingen der Brunst und die Konzeptionsraten fallen dementsprechend schlechter aus. Sind hingegen 12 Stunden nach Erstbesamung noch immer deutliche Brunstsignale erkennbar, so empfiehlt sich eine Nachbesamung.