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Herausforderungen für den Schutz von Wachtelköniglebensräumen in bewirtschafteten Auenwiesen
Susanne Arbeiter, Universität Greifswald
Im landwirtschaftlich genutzten Grünland bestimmen der Zeitpunkt und die Intensität der Bewirtschaftung in hohem Maße den Bruterfolg von bodenbrütenden Vogelarten. Aufgrund ihrer späten und langen Brutzeit sind Wachtelkönige Crex crex besonders durch häufige Mahd gefährdet, die eine Zerstörung von Nestern, eine erhöhte Jungvogelsterblichkeit und den Verlust von Lebensraum zur Folge hat.
Ziel dieser Dissertation war es, Kenntnisse über bevorzugte Habitateigenschaften sowie erfolgreiche Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der Grünlandnutzung zu gewinnen, um daraus Vorschläge für den Erhalt von Wachtelköniglebensräumen in Auenwiesen abzuleiten. Untersuchungsgebiet war der Nationalpark Unteres Odertal, der den größten Wachtelkönigbestand Deutschlands beheimatet. Die Studie umfasste zwei Zeiträume, vor (1998-2000) und nach (2012-2015) der Einführung von neuen Schutzmaßnahmen.
Während 1998-2000 die Hälfte des Untersuchungsgebiets bis Ende Juli bewirtschaftet war, wurde 2012-2015 die Flächennutzung auf den meisten von Wachtelkönigen besiedelten Wiesen bis zum 15. Juli oder 15. August aufgeschoben. Auf Wiesen, die zwischen 15. Juli und 15. August gemäht wurden, wurde eine Mahd mit Schutzstreifen angewendet. Durch Mahdaufschub bis zum 15. August werden 80% der Küken im Untersuchungsgebiet ohne Störung flügge. In 65% der Bruten erreichen die Küken bis zum 15. Juli ihre Selbständigkeit (> 14 Tage alt) und könnten durch eine Wachtelkönig-freundliche Mähweise geschützt werden, da sie dann groß genug sind, um während der Mahd erfolgreich zu flüchten. Sowohl Altvögel als auch Jungvögel überlebten in 10 m breiten Schutzstreifen. Da die meisten Vögel jedoch versuchten, den ungemähten Block bereits bei bis zu 30 m Breite zum ersten Mal zu verlassen und nur breitere Streifen als vorübergehender Lebensraum für flugunfähige Küken von der Mahd bis zum Abflug dienten, sollten 10 m als absolute Mindestbreite für Schutzstreifen betrachtet werden.
Wachtelkönigmännnchen zeigten eine hohe Abwanderungsrate während der Brutzeit und verließen ihre Aktionsräume entweder spontan oder aufgrund von Mahd. Im Vergleich zu 1998-2000 wurde 2012-2015 die Gesamtabwanderung Anfang Juli um 50% reduziert, als mehr Rufplätze vor Mahd geschützt wurden. Obwohl Wachtelkönige eine hohe intra-saisonale Ausbreitung zeigen, sollte der Aufschub der Nutzung die Paarungsmöglichkeiten und damit die Zweitbruten im ursprünglichen Brutgebiet erhöhen.
Bruten wurden nur auf Wiesen mit einem hohen Krautanteil, niedrigen Seggenanteil und geringer Streuhöhe nachgewiesen. Vegetationsmerkmale an Tagerufplätzen von Männchen zeigten eine größere Ähnlichkeit mit Flächen mit Brutnachweis als mit Standorten, die nur für nächtliches Rufen genutzt wurden, was die Annahme stützt, dass Tagrufer das Vorkommen von Weibchen anzeigen. Bevorzugte Vegetationsstrukturen wurden am besten durch vorjährige Mahd geschaffen. Ohne Bewirtschaftung überwuchern die Wiesen in eutrophen Auen schnell und es bildet sich eine dichte Streuschicht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial was den Laufwiderstand für Wachtelkönige erhöht. Wachtelkönigmännchen haben Rufplätze auf länger ungenutzten Wiesen nicht mehr besiedelt.
Neben der Verfügbarkeit geeigneter Brutplätze hängen auch das Nahrungsangebot und das Prädationsrisiko mit der Vegetationsstruktur zusammen und beeinflussen indirekt die Lebensraumqualität. Kotproben von Wachtelkönigen bestanden hauptsächlich aus Käfern und ihren Larven, gefolgt von Schnecken, Spinnen und Regenwürmern. Die mit Barberfallen beprobte Biomasse an Wirbellosen war im ersten und zweiten Jahr nach Nutzungsaufgabe am höchsten, ging danach jedoch auf ein ähnliches Niveau wie unter jährlicher Bewirtschaftung zurück. Raubsäuger (Rotfuchs und Marderartige) verursachten die Mehrzahl der beobachteten Prädationen an künstlichen Bodennestern. Das Prädationsrisiko war auf vorjährig ungenutzten Wiesen höher als auf bewirtschafteten Wiesen, da möglicherweise eine höhere Anzahl an Nagetieren auch das Risiko von zufälligen Nestprädationen erhöht.
Der Wachtelkönigschutz in eutrophen Auenwiesen ist mit der Herausforderung verbunden, Bruten vor Mahd zu schützen aber gleichzeitig günstige Lebensraumbedingungen zu erhalten. Im Nationalpark Unteres Odertal wurde ein dynamisches Grünlandmanagement etabliert, das ein flexibleres Mähregime erlaubt, welches an das Vorkommen von geschützten Vogelarten angepasst ist. Dies erfordert eine fachkundige Beratung der Landwirte, die auf einem intensiven Monitoring von rufenden Wachtelkönigen beruht. Wiederholte nächtliche Zählungen im Mai und Juni werden dringend empfohlen, da die geringe Entdeckungswahrscheinlichkeit in Kombination mit stetiger Abwanderung die Anzahl der anwesenden Männchen erheblich unterschätzt. Darüber hinaus könnte die Tagrufaktivität der Männchen die Identifizierung von Flächen mit Brutverdacht verbessern und der Zeitpunkt verwendet werden, das Alter der Küken im Juli zu schätzen, um Wiesen für eine Wachtelkönig-freundliche Mahd auszuwählen. Zum Habitaterhalt sollte die Mahd nach dem 15. August noch stärker gefördert werden, da derzeit aufgrund von Nährstoffeinbußen späte Mahdtermine für Landwirte unattraktiv sind. Neben finanziellen Ausgleichszahlungen könnte eine thermische Verwertung der Biomasse zur Energieerzeugung ein alternatives Einkommen für Landwirte darstellen, die in Schutzgebieten mit Mahdaufschub tätig sind, und die Akzeptanz von Wachtelkönig-Schutzmaßnahmen steigern.
Publikationen:
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