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Ererbt oder erworben?
Fähigkeiten und Eigenschaften, Stärken und Schwächen des Kindes – woher kommen sie?
Jeder Mensch hat besondere Charakterzüge, eine eigene Art zu sprechen und zu handeln, bestimmte Fähigkeiten oder auch verschiedene Fehler. All das macht aus ihm ein einzigartiges Individuum. Eigenschaften wie Mut, Entschlossenheit, Geduld oder besondere künstlerische oder praktische Veranlagungen sind bei gewissen Menschen auffallend ausgeprägt, während sie bei anderen kaum in Erscheinung treten.
Woher kommen diese Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen?
Frühere Völker dachten, daß der Mensch seine Stärken oder Schwächen von den Göttern zugeteilt erhält; man müsse mit seinem persönlichen Schicksal daher so gut wie möglich zurechtkommen. In Märchen und Legenden werden auch Feen an der Wiege des Neugeborenen geschildert, die ihm bestimmte "Gaben", also Eigenschaften verleihen.
Heute glaubt man infolge des wissenschaftlichen Fortschritts nicht mehr an solche Erklärungen und verweist auf die Vererbung, also auf den Einfluß der väterlichen und mütterlichen Gene. Man nimmt an, daß die physischen und auch psychischen Eigenschaften jedes neuen Individuums von dessen Vorfahren stammen. Daher die Ausdrücke: "Das hat er von seinem Vater!" oder: "Ganz die Mutter!"
Aber vererben die Eltern dem Kind wirklich seinen Charakter? Bewirken bestimmte Gene oder Gen-Kombinationen, daß das eine Kind gut und voller Nächstenliebe ist und das andere ein Lügner und gewalttätig?
Nein. In Wirklichkeit können über die Gene, die ihrerseits ja physischer Art sind, auch nur physische Eigenschaften übertragen werden, wie die Augenfarbe oder die Form der Nase, nicht aber Charaktereigenschaften, die ihrerseits ja geistiger Art sind. Es gibt nur eine körperliche Vererbung, jedoch keine geistige! Die psychische Ähnlichkeit zwischen Eltern und Kindern ist das Ergebnis der Anziehung der Gleichart, eines großen Schöpfungsgesetzes, dessen Wirken in dieser Serie bereits beschrieben wurde.
Daß die psychische Komplexität eines Menschen nicht nur genetisch bedingt ist, kann man auch aus neuen wissenschaftlichen Entdeckungen schließen. Zum Beispiel stellte man fest, daß sich die Überlegenheit des Menschen gegenüber anderen Lebewesen nicht, wie ursprünglich erwartet, in der Anzahl seiner Gene zeigt. Statt, wie zunächst angenommen, 140.000 Genen besitzt der Mensch nur 30.000 – das sind lediglich fünfmal mehr Gene als eine Bakterie oder doppelt so viele wie eine Fliege. Und nur ein Prozent der Gene sind bei uns Menschen anders als bei Schimpansen, die übrige genetische Ausstattung ist identisch!
Außerdem haben Forschungen gezeigt, daß zwei beliebige Menschen von verschiedener Rasse und Kultur zu 99,9 Prozent die gleichen Gene haben. Daher geht man heute davon aus, daß nicht die Zahl der (unterschiedlichen) Gene der bestimmende Faktor ist, sondern die genetischen Wechselwirkungen.
Tatsache bleibt jedoch, daß Gene materieller Art sind und daher nur Informationen übertragen können, die das Materielle, also den Körper des Menschen betreffen.
Zwillinge als Forschungsobjekte
Daß geistige Fähigkeiten nicht vererbt werden, sondern zwischen Eltern und Kindern das Gesetz der Gleichart wirkt, findet man auch bestätigt, sobald man Menschen betrachtet, deren genetischer Schlüssel identisch ist, wie dies bei eineiigen Zwillingen der Fall ist.
Normalerweise erzeugt der Körper jeder Frau im Monatsrhythmus eine Eizelle. Wird diese befruchtet, so führt dies zur Entstehung eines Kindeskörpers. Ausnahmsweise allerdings kann sich eine befruchtete Eizelle nicht sofort weiterteilen, sondern sich zunächst in zwei Eizellen mit identischem genetischen Vermögen spalten. Erst diese beiden Eizellen beginnen danach ihre Zellteilung auf die übliche Weise. Dadurch entstehen zwei Kinder, die körperlich völlig gleich aussehen, das gleiche Geschlecht haben und die gleiche Blutgruppe mit gleichem Rhesusfaktor besitzen – eineiige Zwillinge. (Im Gegensatz dazu gibt es bei nicht-eineiigen Zwillingen keine so große Ähnlichkeit, weil die Embryos in diesem Fall aus zwei unterschiedlichen Eizellen stammen, die beide unabhängig voneinander befruchtet wurden; es handelt es sich dabei also nicht um genetische Zwillinge, sondern nur um Geschwister, die auch unterschiedlichen Geschlechts sein können.) Daß eineiige Zwillinge einander körperlich ähnlich sind, ist klar. Aber wie sieht es mit der "psychischen Übereinstimmung" aus?
Zunächst zeigten wissenschaftliche Studien große Ähnlichkeiten in den Persönlichkeiten von eineiigen Zwillingen, ihre Intelligenz, die Interessen, die Verhaltensweisen und ihre Wesensart betreffend. Doch alle diese Zwillinge besuchten jeweils die gleichen Schulen, lebten in der gleichen Familie, Nachbarschaft usw. So konnten die Ähnlichkeiten teilweise auch durch den Einfluß der gleichen Umgebung erklärt werden. Daher konzentrierten sich die folgenden Studien auf eineiige Zwillinge, die von frühester Kindheit an voneinander getrennt lebten und keinen Kontakt mehr miteinander hatten. Derartige Fälle ergeben sich manchmal nach einer Scheidung oder infolge von Kriegen.
Auch wenn die Zwillinge in verschiedenen Ländern und Familien und in unterschiedlichen kulturellen und sozialen Verhältnissen gelebt haben, zeigen sich große Ähnlichkeiten. Zum Beispiel wird vom Fall zweier Männer berichtet, von denen einer in Deutschland und der andere in der Karibik aufwuchs. Die beiden lebten 47 Jahre, ohne etwas voneinander zu wissen. Beide haben jedoch ähnliche Verhaltensweisen, Geschmacksrichtungen und sehr persönliche Gewohnheiten: Sie lieben zum Beispiel Likör, sammeln elastische Bänder, die sie um ihre Handgelenke tragen, und lesen Zeitschriften von hinten nach vorn.
Muß man aus solchen Fällen nun schließen, daß der genetische Faktor doch die entscheidende Rolle für die Bildung der Persönlichkeit spielt? Nein. Grundsätzlich müssen wir dennoch davon ausgehen, daß jeder Mensch geistig eine eigene Persönlichkeit ist. Aber es gibt Menschen mit bestimmten Gleicharten – und dies kann auch zu einer gemeinsamen Inkarnation als "eineiige Zwillinge" führen.
Wenn man sich nicht so sehr auf die Gemeinsamkeiten, sondern auf die Unterschiede konzentriert, dann fällt – nicht auf der körperlichen, aber auf der psychischen Ebene – auch bei eineiigen Zwillingen vieles auf. Denn trotz vorhandener Ähnlichkeiten von Interessen und Verhaltensweisen gehen sie die Dinge oft sehr unterschiedlich an: Der eine ist vielleicht extravertiert, der andere introvertiert, der eine oberflächlich, der andere sorgenvoll oder besonders tiefsinnig. Es ist auch gut bekannt, daß bei manchen Zwillingen einer den anderen deutlich dominiert.
Die Unterschiede zwischen eineiigen Zwillingen spürt man auch. Man hat ihnen gegenüber trotz der körperlichen Gleichart nie den Eindruck, sich in Gegenwart von zwei identischen Persönlichkeiten zu befinden. Jeder Zwilling strahlt etwas anders aus.
Auffallende Unterschiede im Charakter fand man übrigens auch bei geklonten Tieren, deren genetischer Schlüssel ja identisch ist. So zeigten sich zum Beispiel in einer Gruppe von geklonten Kühen einige als sehr streitlustig, andere dagegen als überaus ängstlich. Bei einer Katze mit dem Namen "Rainbow", die selbst sehr scheu sehr reserviert war, konnte man beobachten, daß sich ihr Klon ganz anders, nämlich neugierig und verspielt zeigte.
Diese auffallenden Unterschiede im Charakter erklären sich dadurch, daß auch Tiere – genauso wie wir Menschen – einen lebendigen Kern haben, der den Körper belebt und der schon lange existiert hat, bevor der physische Körper entstand.
Wir Menschen erben also nichts Geistiges von unseren Vorfahren. Der Charakter, die Persönlichkeit, die Eigenschaften, Stärken und Schwächen jedes Kindes stammen von ihm selbst. Sie sind die Folge seiner bisherigen Entwicklung, die sich schon lange vor der Geburt in diesseitigen und in jenseitigen Ebenen vollzogen hat.
Künstliche Befruchtung in neuem Licht
Auf der Grundlage dieser Tatsache erscheinen auch die Vorgänge rund um die "künstliche Befruchtung" in neuem Licht.
Bei dieser Technik werden durch eine Punktation mehrere mütterliche Eizellen entnommen; diese werden dann in einem Reagenzglas in Kontakt mit dem Sperma des Vaters gebracht. Anschließend wird die befruchtete Eizelle wieder in die Gebärmutter übertragen, wo sie, wenn alles gut geht, ihre Entwicklung fortsetzt. In solchen Fällen gleicht das Kind, wie jedes andere Kind auch, körperlich seinen Eltern. Auch eine gewisse geistige Gleichart wird bestehen, da es sich im weiteren Verlauf ja um eine "normale Schwangerschaft" handelt.
Bei künstlichen Befruchtungen kann es aber auch darum gehen, eine Schwäche bei den Eltern zu überbrücken und zu diesem Zweck entweder auf die Eizelle oder das Sperma eines Spenders zurückzugreifen. Das genetische Gepäck eines so entstehenden Kindeskörpers stammt also zur Hälfte von einem fremden Spender. In einer solchen Situation hat der Geist des Spenders keinen Anteil an dem folgenden Inkarnationsgeschehen, denn die Spende findet anonym statt und die Schwangerschaft vollzieht sich, ohne daß der Spender davon weiß oder sich in der unmittelbaren Umgebung der werdenden Mutter befindet. Körperlich gleicht das Kind demnach zwar nur einem Elternteil, aber die geistige Gleichart verbindet es mit beiden Eltern, da es von diesen ja angezogen wurde.
Die Frage, wer nun in einem solchen Fall die "wirkliche" Mutter des Kindes ist, müßte aus geistiger Sicht also in jedem Fall zugunsten der Schwangeren entschieden werden, da nur sie eine innere Gleichart mit dem Kind verbindet.
Wenn "Leihmütter" echte Mütter werden
Es kommt jedoch vor, daß eine Frau keine Kinder zur Welt bringen kann und daß eine "Leihmutter" dies für sie tut – eine Frau, die bereit ist, sich einen Embryo einpflanzen zu lassen und das Kind nach der Schwangerschaft seinen legalen Eltern zu geben.
Körperlich gesehen gleicht dieses Kind natürlich seinen offiziellen Eltern; auf geistiger Ebene zeigen sich die Dinge anders. Da die legalen Eltern nicht dauerhaft in der Nähe des Embryos sind, kann sich die Inkarnation auf Grund der Anziehung zwischen dem Geist der Leihmutter und dem des Kindes vollziehen. Dies hat schon manches Drama ausgelöst. Leihmütter fühlen sich oft innerlich zerrissen, wenn sie sich von ihrem Kind trennen müssen. Sie weigern sich sogar manchmal, dies zu tun. Die unsichtbaren Bande, die sich zu dem Kind im Verlauf der Schwangerschaft entwickelt haben, sind so intensiv geworden, daß die Mutterliebe nun jede Trennung zurückweist – eine Liebe, welche sich bei der legalen Mutter erst noch entwickeln muß, wenn man ihr das Kind übergibt.
Adoption und die Anziehung der Gleichart
Die Situation von Eltern, die sich einer Leihmutter bedienen, ist im Grunde – geistig gesehen – einer Adoption sehr ähnlich. Auch hier wurde ein Kind fern von Ihnen geboren, und es besteht theoretisch auch keine Gleichart mit diesem Kind.
Dennoch können sich die Dinge in Wirklichkeit anders zeigen. Denn das "Gesetz der Anziehung der Gleichart" wirkt ja nicht nur während einer Schwangerschaft, sondern überall im Leben. Ununterbrochen begegnen wir bestimmten Menschen, die wir durch unsere Gleichart anziehen. Durch gleiche Charaktereigenschaften, Wünsche oder Interessen kreuzen sich die Wege von Menschen.
Das gilt auch für ein Paar, das ein Kind adoptieren möchte. Ihr tiefer Wunsch, Eltern zu sein, strahlt aus und zieht letztlich eine passende Seele an. Das Paar kann also ein Kind finden, das, obwohl es anderswo geboren wurde, gut zu ihnen paßt. Wie zahlreiche Fälle zeigen, vollziehen sich die Dinge dann so, daß es zwischen Adoptivkindern und Adoptiveltern große Ähnlichkeiten im Charakter, und manchmal sogar im Körperlichen gibt.
Christopher Vasey
Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft