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Das Ruinendorf Prada gibt zahlreiche Rätsel auf. Wann wurde es erbaut? Wie lebten seine Bewohner? Und vor allem: Warum wurde es verlassen? Fest steht, dass die auf halber Berghöhe (577 m ü. M.) gelegene Ansiedlung Prada zusammen mit Ravecchia zum Gemeindegebiet von Bellinzona gehörte.
Sie war seit dem Mittelalter bewohnt (erste Erwähnung 1381) und beherbergte im Jahr 1583 noch 40 Familien (160 bis 200 Personen), die dieselben Rechte und Privilegien genossen wie die Bewohner der Stadt, unter anderem die Teilnahme an den Sitzungen des Stadtrats von Bellinzona. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde das Dorf dann aus unbekannten Gründen aufgegeben. Man vermutet mehrere Ursachen hierfür, unter anderem eine Pestepidemie, die zwischen 1629 und 1630 in der Gegend wütete, sowie widrige Witterungsbedingungen. In Prada kann man über 30 Ruinen von Gebäuden besichtigen, die ursprünglich bis zu drei Stockwerke hoch waren. Sie sind dank einer ausgefeilten Bautechnik bis heute erhalten geblieben, bei der die Gebäudekanten mit grösseren eckigen Steinen verstärkt wurden, wobei man Kalkmörtel als Bindemittel verwendete.
Die Hauswände waren im Inneren verputzt, während sie vermutlich aussen einen Fugenverstrichputz mit freiliegenden Steinköpfen aufwiesen. Die Dächer waren überwiegend als Satteldachkonstruktion gebaut und mit Plattengneis bedeckt, während die Fussböden aus Holz gefertigt waren. Im Dorf finden sich mehrere aneinander gebaute Häusergruppen, die an moderne Reihenhäuser erinnern. In dieser ausgeprägten Form findet man diese Besonderheit nur in Prada vor. So hat sich die Stiftung Prada auch zum Ziel gesetzt, diese Besonderheit im Zuge der Befestigungsarbeiten herauszustellen, die sie in Kürze an einigen Bauten der mittelalterlichen Siedlung vornehmen will, zusammen mit Informationen über das Leben der Dorfbewohner. Ebenfalls vorgesehen ist die Restaurierung eines der am besten erhaltenen Gebäude, dessen fehlende Teile ergänzt werden sollen, um es als informatives und didaktisches Zentrum nutzen zu können.
Die den Heiligen Hieronymus und Rocchus geweihte Kirche, die 1498 erstmals Erwähnung findet, aber vermutlich schon vorher existierte, ist das am besten erhaltene Gebäude des alten Dorfes. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweitert und 1816 wurde der Kirchturm errichtet. In den 1980er Jahren wurde das Gotteshaus durch den Verein Nümm da Prada restauriert. In ihrem Inneren finden sich im Triumphbogen interessante Fresken aus dem Spätmittelalter, die 2009 restauriert wurden.