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Als John van Moyland 2014 zu Kensho Technologies stiess, konzentrierte sich das Unternehmen auf die Analyse nordkoreanischer Raketenstarts, Erdbeben und Wahlen. Zu den frühen Geldgebern gehörte auch der US-Geheimdienst CIA.
Nun hat sich der Fokus auf die Finanzierung verlagert. S&P Global erwarb die Gesellschaft im vergangenen Jahr, und das Startup für künstliche Intelligenz stellte sich einer weiteren technischen Herausforderung: der Entwicklung der nächsten Generation von Indexfonds. Laut van Moyland sind Maschinen so weit, dass sie bessere Indizes entwerfen, um Investmentvehikel zu unterstützen, die in den USA 7,3 Billionen US-Dollar passiv verwalten.
"Wir machen das, was viele Research-Unternehmen in der Vergangenheit mit menschlicher Hilfe gemacht haben - und zwar in höchst vorhersehbarer, hoch automatisierter und effizienter Weise", sagte van Moyland, geschäftsführender Direktor und globaler Leiter S&P Kensho Indices, in einem Bloomberg-Interview. "Warum sollten Sie sich auf alte Finanzdaten beschränken, wenn es draussen eine Fülle von Informationen gibt?"
Schwierig, herauszuragen
Das Rennen um die Entwicklung von Roboter-ETFs ist in vollem Gange. Dabei setzen die Unternehmen darauf, dass sich Anleger lieber auf Investment-Vehikel verlassen, die mit breit gestreuten Daten erstellt wurden, welche mit Natural-Language Processing, maschinellem Lernen und KI ausgewertet wurden. Goldman Sachs - die zusammen mit Google Ventures Kensho in den frühen Jahren ebenfalls unterstützte - startete eine Reihe von börsengehandelten Fonds (ETFs), die von Maschinen entworfene Indizes verfolgen. BlackRock bietet ebenfalls einige von Bots entwickelte Produkte an.
Allein in den USA gibt es mehr als 2.000 ETFs. Das macht es für Manager schwer, sich von der Masse abzuheben. Emittenten und Indexierer von Fonds benötigen verstärkt spezialisierte Produkte, die höhere Gebühren einbringen können, da passive Anlagen die Erträge verringern. Während ein ETF, das den breiten Aktienmarkt abbildet, für 1.000 Dollar Anlagekapital jeweils Gebühren von nur 20 Cent erzielt, bewegen sich die von KI entwickelten ETFs zwischen 1,80 Dollar und 8 Dollar.
Die Maschinen von Kensho helfen S&P bei der Entwicklung von Indizes mit fortschrittlichen Methoden zur Ermittlung relevanter Aktien. Die Bots erfassen alle Möglichkeiten, wie eine Branche beschrieben wird - suchen beispielsweise nach Hinweisen für selbstfahrende Autos und automatisierte Fahrzeuge - wobei verwandte Branchen wie Lithiumbatterien hinzugefügt werden. Zu den Kreationen zählt der Final Frontiers Index von Unternehmen, die an der Erforschung des Weltraums und der Ozeantiefen beteiligt sind.
Sobald Programmierer ein Universum an Wertpapieren haben, verwenden sie Natural Language Processing (NLP = Verarbeitung natürlicher Sprachen), um den Kontext zu verstehen, und bestätigen, dass Hinweise eher auf neue Produkte oder Dienstleistungen als auf Risiken bezogen werden. Dadurch können sie den Index entsprechend gewichten.
Mehr Marketing als Inhalt?
Aber nachdem die Begeisterung zunimmt, besteht die Gefahr, dass es mehr um das Marketing als den Inhalt geht. Van Moyland warnte, dass die Bots "Fachwissen und Disziplin erfordern, wenn Sie ein Qualitätsprodukt herstellen wollen." Und Peter Zangari, globaler Leiter für Research und Produktentwicklung bei MSCI, sagte, dass es keinen Ersatz für die menschliche Analyse gebe.
"Diese Sachen, die an eine Maschine übergeben werden, sind damit keinesfalls abgeschlossen", sagte Zangari. Aber in steigendem Masse wird dieses maschinelle Lernen, KI, wie auch immer wir es nennen, eine zunehmend wichtige Rolle im Anlageprozess spielen.
Roboter sind die idealen Datendurchforster - gründlich, ausdauernd und in der Lage, riesige Informationsmengen im Handumdrehen zu verarbeiten. Mindestens 20 Fonds behaupten nun ausdrücklich, künstliche Intelligenz als Baustein zu verwenden, zum Leidwesen einiger früher Befürworter, die fürchten, dass ihre Bedeutung verwässert wird. Ein KI-gesteuerter ETF ist bereits gescheitert, nachdem es ihm nicht gelang, Vermögenswerte anzuziehen.
"In vielen Fällen sagen Institutionen, dass sie KI verwenden. Alles, was sie getan haben, ist die Automatisierung einiger Prozesse", sagte Art Amador, Mitbegründer von EquBot, die zwei ETFS, die die Watson-Plattform von IBM verwenden, betreut. "Es macht alles zunichte, was wir tun."
«Niemand hat es bisher wirklich verstanden»
Hedgefonds und Fondsmanager haben seit einiger Zeit KI-ähnliche Instrumente eingesetzt, aber insbesondere der Aufstieg von Robo-Beratern hat die Aufmerksamkeit von Indexern und ETF-Emittenten erregt. Von Anfang an nutzten Robos wie Betterment und Wealthfront Technologie, um etablierte Konkurrenten zu unterbieten. Unternehmen folgen ihrem Beispiel, um eine Fülle von neuen ETFs an den Markt zu bringen.
BlackRock, der grösste Vermögensverwalter der Welt, bietet Fonds mit KI-Technologie an, bekannt unter dem Namen iShares Evolved. Auch bei den ETFs von State Street - die Kenshos "New Economies"-Indizes verwenden, und den Motif-Markenfonds von Goldman Sachs sind Maschinen im Einsatz. Amador von EquBot sagte, sein Unternehmen habe sich zum Ziel gesetzt, das "Google des Finanzsektors" zu werden. In Zusammenarbeit mit Vermögensverwaltern werden zwei Indizes erstellt, die in diesem Jahr lanciert werden sollen.
"Es ist eine aussergewöhnliche und aufregende Zeit", sagte Jeff Shen, Co-Chief Investment Officer von Active Equity und Co-Leiter von systematischem Active Equity bei BlackRock. "Niemand hat es bisher wirklich verstanden", sagte er. "Die Zeit ist nun reif dafür."
(Bloomberg)