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Die französische Luxusmarke Delahaye – unter Sammlern heiss begehrt
In den 1930er Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Fahrzeuge von Delahaye das französische Gegentück zu den britischen Edelmarken wie Bentley und Jaguar und fanden eine breite Kundschaft.
Émile Delahaye (1843-1905) war Besitzer eines Unternehmens im französischen Tours, das Motoren, Eisenbahnwagen und Maschinen für die Backsteinindustrie fertigte und bereits seit 1845 existierte. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Automobile auf den Markt kamen, war er sogleich begeistert von der neuen Technik. Vor allem der Benz-Motorwagen hatte es ihm angetan. 1890 gründete er in seiner Heimatstadt seine erste Werkstatt, aber schon vier Jahre später begann er mit der Eigenproduktion und stattete seine Fahrzeuge mit Zwei- und Vier-Zylinder-Motoren aus.
Ab 1896 versuchte Delahaye ausserdem, im Rennsport Fuss zu fassen, konnte dort aber keine nennenswerten Erfolge feiern. Nach dem Rennen Paris-Wien im Jahr 1902 stellte er sein Engagement deshalb wieder ein. Die steigenden Absatzzahlen in der Pkw-Sparte veranlassten Delahaye, eine Kooperation mit Léon Desmarais und dem Flugzeughersteller Morane einzugehen. Émile Delahaye selbst zog sich 1902 aus dem Unternehmen zurück, warb aber vorher noch Charles Weiffenbach an und machte ihn zum Chefkonstrukteur. Weiffenbach brachte frischen Wind in die Produktion, indem er beispielsweise mechanische Vorrichtungen modernisierte und verstärkt Lehren einsetzte. Die Fahrzeuge erhielten abnehmbare Zylinderköpfe sowie zwei Bremspedale.
In einer neuen Fabrik in Paris stellte die Societé des Automobiles Delahaye ab 1901 neben Pkw auch Omnibusse und Lkw her und rüstete Feuerwehrfahrzeuge aus. Die Motorenentwicklung wurde vorangetrieben: 1903 gab es den ersten Vier-Zylinder-Motor mit 4,4 Litern Hubraum, 1908 mit 1,5 und 2,1 Litern. Nach und nach wurde die Prominenz auf Delahaye aufmerksam. Ein 45-60-CV, präsentiert auf dem Pariser Automobilsalon, ging an den damaligen spanischen König, Alfonso XIII.
In den nächsten zwei Jahrzehnten stieg das Unternehmen zu einem der innovativsten Hersteller Europas auf. Ein 2,6-Liter-V6-Motor entstand, ausserdem kleinere und mittelgrosse Vier-Zylinder-Modelle, die als sehr robust und anspruchslos galten. Da sie nur wenig Kraftstoff verbrauchten, fanden sie eine weite Verbreitung als Taxis. Von 1911 bis 1914 wurde der 18/24 CV angeboten, der eine kleine Revolution auf dem Automarkt darstellte. Er verfügte über eine V6-Monoblock-Maschine mit stehenden Ventilen, die zur Kühlung mit einem Wassermantel umgeben war. Der Antrieb erfolgte bereits per Kardanwelle. Der Erste Weltkrieg brachte – wie für die meisten anderen Autohersteller auch – einen Einbruch in der Pkw-Sparte. In diesen Jahren verdiente Delahaye das meiste Geld mit Lastkraftwagen.
In den 1920er Jahren trieb Weiffenbach die Standardisierung von Bauteilen wie Rädern, Achsen und Federn sowie die Rationalisierung bei der Produktion voran, um mit Konkurrenten wie Citroën und Renault technisch gleichzuziehen. Dazu bildete Delahaye ein Konsortium mit anderen Herstellern, das aber nicht lange Bestand hatte. Immerhin wurde so die Weltwirtschaftskrise einigermassen glimpflich überstanden.
1933 stellte Delahaye auf dem Automobilsalon in Paris die ersten sogenannten Superlux-Modelle vor, ausgestattet mit Vier- und Sechs-Zylinder Motoren, ein Jahr später den 12 CV und den 18 CV. Die 1930er Jahre sollten das erfolgreichste Jahrzehnt der Marke werden. In Zusammenarbeit mit Karosseriebauern wie Chapron, Figoni & Falaschi oder Letourneur et Marchand entstanden zahlreiche Luxuslimousinen, die bis heute zu den schönsten der Epoche gezählt werden und als Oldtimer sehr begehrt sind. Auch im wiederaufgenommenen Rennsport feierte Delahaye zahlreiche Erfolge, so bei verschiedenen Rallyes wie Paris-Nizza, bei Bergrennen und Grand Prix und den 24 Stunden von Le Mans. Eine besondere Werbewirkung erzielten mehrere Weltrekorde über 4’000 und 5’000 Meilen sowie über 10’000 Kilometer.
1935 übernahm Delahaye die Markenrechte des Konkurrenten Delage, der ebenfalls luxuriöse und vor allem sportliche Autos für eine gut betuchte Kundschaft herstellte. Die Rennwagen von Delage waren insgesamt erfolgreicher, aber das Unternehmen steckte auf Grund der Wirtschaftskrise in grossen finanziellen Schwierigkeiten. Die Kooperation lief am Ende darauf hinaus, dass die Fahrzeuge im Wesentlichen von Delahaye stammten und nur noch den Kühler und das Logo von Delage trugen – dies allerdings noch bis 1953.
Delahaye hatte weiterhin Erfolg, sportlich wie finanziell. 1935 erschien das Modell 135, das sich in verschiedenen Versionen gut verkaufte. Zu den grössten Triumphen gehörte der Sieg beim sogenannten Million-Franc-Rennen 1938, einem Prestigekampf zwischen den deutschen Nationalsozialisten und der französischen Regierung. Die Nazis taten alles, um die Rennwagen von Mercedes und Auto-Union an die internationale Spitze zu bringen. Bei diesem Rennen gewann allerdings René Dreyfus in einem Delahaye 145 gegen den berühmten Rudolf Caracciola, ein Sieg, der den Umsätzen noch einmal einen Schub gab, bis die Deutschen im Zweiten Weltkrieg Frankreich besetzten.
Nach dem Krieg wurde die Produktion fortgesetzt, aber es war keine gute Zeit für Luxuslimousinen. Die Absätze gingen so stark zurück, dass Delahaye in die Insolvenz gehen musste. Hotchkiss übernahm 1954 die Marke, legte die Pkw-Sparte aber sofort still. Für kurze Zeit entstanden noch Lkw mit Namen Hotchkiss-Delahaye, doch 1956 kam das endgültige Aus. Unter Oldtimer-Sammlern erfreuen sich Delahaye-Limousinen aber bis heute grösster Wertschätzung.
Oberstes Bild: Das Ex-Auto von Diana Dors – Delahaye 175S roadster (1949 (© Simon Davison, Wikimedia, CC)