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Der Architekt Nils Wagner lebt mit seiner Familie in Shanghai. Für unsere Sommerserie «Hipstamatic China» dokumentiert er eine Gesellschaft, die gerade eine grossartige Umwälzung durchläuft.
Wer sich heute an der Shanghaier Bund-Promenade durch die Menschenmenge bewegt und über die schwarzhaarigen Köpfe hinweg Richtung Westen schaut, sieht auf der gegenüberliegenden Seite des Huangpu-Flusses die neue Skyline von Pudong. Der Jin Mao Tower lehnt sich and die Pagodenarchitektur an – der Flaschenöffner ist längst zur Ikone geworden. Nun schraubt sich mit dem Shanghai Center das zweithöchste Hochhaus der Welt in die Höhe. Diese Skyline ist Ausdruck des zeitgenössischen chinesischen Selbstverständnisses: Der Welt wird gezeigt, das China eine Grossmacht ist, Shanghai soll in Sachen Finanzplatz an der internationalen Spitze mitmischen. Schweift der Blick wieder Richtung Westen, so sieht man den in steinerne Fassaden gegossene Anspruch des alten, imperialen Shanghais: Der Stadt, die nach dem Frieden von Nanking 1843 als Konzession an die Briten gegründet wurde. Damals zwangen die Engländer mit ihren Kanonenboten das darbende Kaiserreich, sich weiter für fremden Handel zu öffnen. Neue offenen Hafenstädte sollten den riesigen Markt für westliche Handelsflotten zugänglich machen. Die chinesischen Beamten dachten, die Engländer würden das Sumpfgebiet nördlich der kleinen Fischer- und Handelsstadt Shanghai bald wieder verlassen. Sie täuschten sich: die Engländer legten die Sümpfe trocken und befestigten das Flussufer. Damit entstand der «Bund». Weitere Nationen folgten und in dieser florierenden Stadt Geschäfte machen. Unter der Führung der Briten enstand aus der Exklave über die nächsten Jahrzehnte eine der bedeutendsten interationalen Metropolen. Das «Paris des Ostens» konnte in den 1930er Jahren mit Städten wie London und New York in jeglicher Hinsicht mithalten.Heute, fast hundert Jahre später, bildet der alte Bund mit seinen ehemaligen Banken, Handelshäusern, Prachthotels und dem Zollamt eine Kulisse, die an diese alten Zeiten erinnert. Die chinesis...
Hipstamatic China: Der Bund damals und heute
Der Architekt Nils Wagner lebt mit seiner Familie in Shanghai. Für unsere Sommerserie «Hipstamatic China» dokumentiert er eine Gesellschaft, die gerade eine grossartige Umwälzung durchläuft.