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Man munkelt, es gebe da die eine Frau.
Die eine Frau, die sich selbst gern auf eine Bühne hebe.
Die Frau auf der selbst errichteten Bühne.
Die Selbstdarstellerin auf der Selbstdarstellerbühne.
Die Selbstdarstellerin auf der Selbstdarstellerbühne, die niemand betreten darf ausser ihr selbst.
Frohlockend zeigt sich die Selbstdarstellerin, wenn sie dem Publikum einen ihrer Gedanken zum Besten geben darf. Ansehen, stilles Nicken und Applaus entzücken sie zutiefst. «Ganz gleich, ob mein Gedanke jemanden im Publikum interessiert oder nicht, er muss dargeboten werden, jawohl!»
Aber wehe dem, der in Interaktion treten möchte.
Wehe dem, der ungefragt die Bühne betritt.
Wehe dem, der mitspielen möchte.
«Aber hallo, ich bin die Selbstdarstellerin!»
Sie erwartet, dass ihr dargebotener Gedanke, ihr tolles Stück unzerkaut geschluckt und verinnerlicht wird. Bei Rückfragen sieht sie sich bedroht. Bedroht in ihrer Persönlichkeit, bedroht in ihren Ansichten, bedroht in ihrem Ansehen.
Dennoch wagt es ein Gast. Er betritt die Bühne und stellt der Selbstdarstellerin eine einfache, wohlwollende Frage zu ihrer Darbietung. Und er ahnt nicht, was er damit anstösst.
Ja er kann es nicht ahnen, da er die Selbstdarstellerin nicht kennt, sondern lediglich hin und wieder eine ihrer Darbietungen geniesst.
Die Frage des unangenehmen Gasts interpretiert die Selbstdarstellerin so, dass der Gast zu viel in ihre Darbietung interpretiere. Sie interpretiert, er interpretiere. Und just erklärt sie, sich nicht erklären zu wollen. Sie spricht: «Erklär mir, warum ich mich erklären sollte. Ich habe die Kraft für solche Interpretationen nicht. Manchmal will ich einfach nur etwas mitteilen und GUT ist. Das, mein Lieber, ist keine Rechtfertigung, sondern eine Ansage!»
Der Gast versteht gar nicht, wie um ihn geschieht. So hatte er doch schlicht eine Frage zur Vorführung gestellt und keinerlei sonstiges Interesse an der Selbstdarstellerin
gehegt. Warum diese harte Reaktion? Was berechtigt sie dazu, sich so wichtig zu nehmen?
Tja, lieber Gast, die Selbstdarstellerin hält einen Spiegel in der Hand und richtet ihn direkt auf dich. Du kannst nichts dafür! Nein im Gegenteil. Sie widerspiegelt ihre Interpretationskünste und ihre Erklärungsnöte auf dich. Sei beruhigt, ihre Tage werden einsam und lang. Denn wir wissen: Karma is a bitch!
PS: Das Geschriebene enthält Passagen aus einem reellen Austausch mit der Selbstdarstellerin, um die die Geschichte dreht.
Es grüsst
Lex van Ikon
Schwarzmalerin