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Die Ära der Überschall-Passagierflüge ging mit dem Ende der Concorde im Jahr 2003 zu Ende. Lange hiess es danach, dass solche Flüge kaum gewinnbringend sein könnten, dazu gab es Kritik am Treibstoffverbrauch und der Lautstärke. Ausser der russischen Tupolew 144 gab es keine fertig entwickelten Konkurrenzentwicklungen.
Doch seit ein paar Jahren sind mehrere Unternehmen dran, doch wieder einen Überschall-Passagierjet zu entwickeln. Etwa Boom Technology, ferner auch die NASA mit Lockheed Martin, oder auch Airbus mit Aerion; gleichzeitig haben moderne Raketenbauer wie SpaceX oder Virgin Galactic damit geliebäugelt, auch im Personentransport innerhalb des Planeten aktiv sein zu wollen.
Der Flugzeugbau-Gigant Boeing hielt sich bislang zurück. Doch diese Woche hat Boeing im Rahmen einer Konferenz des American Institute of Aeronautics & Astronautics in Atlanta ein Rendering eines möglichen Prototypen veröffentlicht. Zwar hat Boeing nicht bestätigt, dass man in den Überschall-Passagierverkehr einsteigen will und dafür auch die nötigen (grossen) Mittel bereitgestellt hat, sondern lediglich erklärt, dass der präsentierte Prototyp für Passagierverkehr wie auch für militärische Zwecke genutzt werden könnte. Das hat natürlich für viel Wirbel in der Airline-Szene gesorgt.
Mit über 6000 km/h unterwegs
Klar ist, dass der aktuell noch namenlose Jet - in den Medien bislang als «Boeing Hypersonic» betitelt - eine Geschwindigkeit von Mach 5 (6174 km/h) erreichen soll, womit die Strecke London-New York in zwei Stunden bzw. die Strecke Los Angeles-Tokio in drei Stunden bewältigt werden könnte. Um diese Geschwindigkeit zu erreichen, soll die Flughöhe bei 29‘000 Metern liegen, also fast drei Mal so hoch wie bei herkömmlichen heutigen Passagierflugzeugen. Aktuelle Konkurrenzprojekte im Überschallbereich planen mit Mach 1 oder 2 und Flughöhen von maximal 15‘000 Metern. Der Hypersonic von Boeing ist also offenbar ganz anders konzipiert.
Die Dimensionen sind noch nicht festgelegt, aber das Flugzeug soll laut Boeing «grösser als ein Business Jet und kleiner als eine 737» sein. Damit könnte es wohl zwischen 20 und 100 Passagiere befördern. Ähnlich wie die Concorde ist das vorgestellte Flugzeug auf dem Bild mit Deltaflügeln und spitzem Rumpf versehen. Der erste Prototyp könnte in 5-10 Jahren bereits vorhanden sein; für eine Kommerzialisierung rechnet Boeing mit 20-30 Jahren.
Im Übrigen ist es aber nicht das erste Mal, dass Boeing an einem Überschall-Passagierjet tüftelt. Bereits in den 60er-Jahren war man dran, eine Konkurrenz zur Concorde zu erbauen, die Boeing 2707. Obwohl Bestellungen für 122 Flugzeuge vorlagen, wurde das Projekt letztlich fallen gelassen, wegen der Ölkrise und fehlender staatlicher Unterstützung.