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Willy Guhl – Vom Zeichenbrett in die Werkstatt
Willy Guhl hat als Gestalter eine Sonderstellung in der Schweizer Designgeschichte. Er trug sein eigenes Schaffen direkt in die Lehre, und die Themen der Lehre prägten wiederum seine Entwürfe. Die Fachklasse «Innenausbau», wie sie Guhl unter Wilhelm Kienzle an der Zürcher Kunstgewerbeschule (heute ZhdK) in den 1930er-Jahren noch besucht hatte, wurde unter seiner Leitung erweitert zur «Innenarchitektur und Produktgestaltung». Entworfen wurde nicht mehr ausschliesslich am Zeichenbrett, sondern auch in der Werkstatt, wo die Schüler:innen Modelle bauten, um ihre Vorstellungen zu überprüfen. Das direkte Ausprobieren im Material, Entwerfen im Machen ist eine eigene Denkart, die im Ausstellungs-Projekt als «Denken mit den Händen» bezeichnet wird. Als verkörpertes Wissen, das auf der Wahrnehmung aller Sinne beruht, lässt es sich nicht verschriftlichen, sondern kann in Zeichnungen, Modellen oder Fotografien entdeckt werden. Guhl entwarf Paketmöbel in der Kriegszeit, als sich die Schweiz ab 1940 am Wiederaufbau im weitgehend zerstörten Europa beteiligte und Materialien knapp waren. Sein Designansatz und seine Lehre entwickelten sich weiter, von der Hochblüte der «guten Form» in den 1950er-Jahren über den Nonkonformismus der 1970er-Jahre bis zur boomenden Designindustrie der 1980er-Jahre. Guhl blieb sich und seinen Werten treu und war doch stets offen für neue Technologien und die sich wandelnden Herausforderungen der Zeit.