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Francisco, der Mann auf der Packung
Wie oft trifft man die Person, die auf der Packung einer Schokoladentafel aufgedruckt ist? Während meiner Reise nach Kolumbien hatte ich diese fantastische Gelegenheit.
Diese Schokoladetafel stammt von Cacao Hunters
Als ich Francisco traf, stand er nicht in dieser epischen Pose wie im Bild. Er trug Jeans, genau wie ich, und wir trafen uns in einem riesigen, modernen Einkaufszentrum in Bogotá, Kolumbien. Helle LED-Lichter und dröhnende Beats dröhnten aus jedem Geschäft. Wir entschieden uns für ein Café, tauchten direkt in Schokoladenthemen ein und vergassen so rasch unsere Umgebung...
Die Geschichte der Arhuacos
Francisco erzählte mir die Geschichte seines Volkes, die wie viele Geschichten der Ureinwohner die Geschichte der Vertreibung ist. Als die Spanier den Norden Kolumbiens eroberten, waren die Arhuacos überwiegend Bauern im Tiefland der Sierra Nevada im Norden Kolumbiens. Sie pflanzten Bohnen und Mais und Cacao unter anderem Pflanzen spielte eine wichtige Rolle für sie. Die Spanier zwangen sie zur Flucht, hoch in die Berge, wo sie einen Grossteil ihres Kulturellen Erbes verloren. Sie mussten sich an eine andere Landschaft anpassen, da die Sierra bis auf 5000 Höhenmeter hinaufführt.
Später, währdend der Kriegs- und Guerillajahren (1970 - 1990) wurden im Flachland zuerst Marihuana und später Coca angebaut. Beim Kampf gegen den illegalen Anbau vergiftete die Regierung das Land durch Versprühen von Glyphosat.
Bei der Ausarbeitung des Friedensvertrages hat die Regierung die illegalen Bauern schliesslich ausgewiesen und die indigenen Gemeinschaften haben einen Teil ihres angestammten Landes zurückerhalten. Die Arhuacos haben sofort angefangen grosse Gebiete wieder aufzuforsten.
Die Arhuacos heute
Jetzt sind sie dabei, alle ihre traditionellen Gewohnheiten wiederherzustellen. Kakao spielt dabei eine entscheidende Rolle. Zusammen mit Cacao de Colombia (die unter der Marke Cacao Hunters bekannt sind) und anderen Entwicklungsgruppen haben sie Techniken zur Ernte und Erntaufbereitung erlernt. Die Qualität ihrer Kakaobohnen ist so gut, dass sie mit Cacao Hunters bereits mehrere internationale Schokoladenpreise gewonnen hat (siehe Rangliste der International Chocolate Awards von z.B. 2015 mit Gold und 2018 mit drei Auszeichnungen). Aber es gibt auch andere Bean-to-Bar Schokoladenhersteller, die ebenfalls den Kakao der Arhoacos verwenden.
Während die Arhuacos selbst einige kleine Maschinen zur Herstellung von Bean-to-Bar Schokoladen haben, ist Francisco nach Bogotá gekommen, um das Handwerk professionell mit internationaler Qualität zu lernen. Er hat mittlerweile ein Praktikum bekommen und fängt an, seinen Traum zum Leben zu erwecken.
Ich bin unglaublich beeindruckt und demütig darüber, wie weit er und seine Leute gekommen sind und sich total in einheimisches Unternehmertum verliebt haben.
Tusiara Bean-to-Bar Schokolade
Besuch beim Volk der Arhuaco in der Sierra NevadaFrancisco brachte mir drei Bars von seinem Praktikum. Ich war so überrascht vom unglaublich süssen und fruchtigen Geschmack, dass wir nach unserem Gespräch eine verrückte Taxifahrt durch Bogotás Nacht unternahmen, damit ich noch mehr von diesen Tafeln nach Hause in die Schweiz bringen kann. Wer ein paar von denen probieren will, kontaktiert mich vorerst am besten direkt.
Natürlich wollte ich mehr über das mythische Arhuacos erfahren, also reiste ich in die Sierra Nevada, einem grossen Gebirgszug, der an der Nordküste Kolumbiens liegt. Ich war auf der Suche nach Franciscos kleinem Bruder Dugunawin.
Zuerst zeigte er mir die Kakaoplantagen, das Nacherntezentrum und die winzige Schokoladenfabrik. Der Kakao von ungefähr 183 einheimischen Familien wird gesammelt, fermentiert, getrocknet und dann größtenteils an Cacao de Colombia verkauft.
Seit sie begonnen haben, ihr Land wiederzugewinnen, haben sie enorme Vortschritte gemacht, die mit viel Arbeit von ihrer Seite, aber auch mit technischer Unterstützung von aussen erreicht wurde. Die Erkenntnis, Ihr Kakaopflanze als ihr Erbe anzusehen und diese nun im Wert und Qualität zu steigern hat eine Flamme in der gesamten Gemeinschaft entzündet. Sie haben gelernt, auf körperlicher und geistiger Ebene mit ihren Kakaobäumen umzugehen. Sie verwenden verschiedene Methoden. Alle stehen im Einklang der Natur und die Kakaobohne der Arhuacos stammt somit aus biologischem Anbau (auch wenn nicht zertifiziert). Jede Chemikalie, so ihr Glaube, bringt ihr Land aus dem Gleichgewicht. So versuchen sie immer, Probleme mit natürlichen Lösungen zu bekämpfen. Ein Beispiel, das mich zum Lächeln brachte, ist, dass Eichhörnchen, wenn sie die Kakaoschoten essen, Mangobäume pflanzen, damit die Eichhörnchen stattdessen die Mangos essen.
Dann werden alle Pflanzen spirituel geheilt, um das Gleichgewicht in der Natur wiederherzustellen. Krankheiten werden als ein Defizit des spirituellen Wissens interpretiert. Die Natur reagiert immer auf Ungleichgewichte. Die Heilung hält jede Krankheit fern und bringt ihren Kakao auf ein anderes Niveau. Ich denke, einige von uns im Westen würden es zeremoniellen Kakao nennen.
Treffen mit Dugunawin
„Iss es mit gutem Gewissen und denke darüber nach, woher deine Schokolade kommt.“ Dies ist der Wunsch von Dugunawin.
Ihn zu treffen war eine Offenbarung. Er arbeitet nicht nur in der Fermentierungs- und Trocknungsanlage von ihrem Kakao, sondern er wird gerade ausgebildet, um einer der spirituellen Führer seiner Arhuaco-Gemeinschaft zu werden. Da ihre Kultur in gewisser Weise der Inbegriff moderner Umweltschützer ist, wollte ich so viel wie möglich von ihrere Weltsicht lernen.
Für sie ist die Sierra Nevada das Herz der Erde und ihre Aufgabe ist es, sie zu schützen. Sie glauben, dass das Leben von Natur aus das Gleichgewicht zwischen dem, was vorher war und jetzt, stört. Sie glauben, dass Ungleichgewichte erkannt und behoben werden muss. Balance kann durch entsprechende Intervention erhalten werden.
Mit 19 Jahren lernen die Jungen, sich mit Mutter Erde zu verbinden, zu meditieren und zu reflektieren. Sie lernen die Beziehung zwischen dem Ozean, der Mutter Erde und den heiligen Bäumen kennen. Sie lernen, was Mutter Erde ihnen sagen muss, und dass Stille Weisheit ist. Eine Möglichkeit sich mit Mutter Natur zu verbinden entsteht durch das kauen von Kokablätter mit gemahlenen Muscheln.
Ich erkläre, dass Theobroma cacao auf Latein „Speise der Götter“ bedeutet und ich möchte wissen, was es für sie bedeutet. Er erklärt: „Mutter Erde hat viele heilige Bäume; Alle diese Bäume sind durch ein unsichtbares Spinnennetz verbunden. Der Baum symbolisiert einen heiligen Ort. Nicht alle Bäume sind so heilig wie andere. Es ist dem Mamo, dem spirituellen Führer, diese zu identifizieren und ihnen Tribut zu zollen.“
Wie stehen Sie zu den Missbräuchen von Land, die stattgefunden haben und stattfinden? "Unsere jüngeren Brüder (damit bezieht er sich auf uns in der westlichen Welt) haben noch kein Gewissen, sie wissen nicht, was sie tun. Du solltest nicht nehmen, was du nicht brauchst, und missbrauche nicht die Macht die Du hast."
Da sitzen wir voreinander. Ich mit all meinem geschäftlichen Wissen und er mit all seinem spirituellen Wissen und merken, wie viel wir voneinander lernen können.
Weitere Erfolgsgeschichten aus Kolumbien
Diese Geschichte ist nur ein Beispiel für ein landesweites Bestreben, die Entwicklung auf dem Land voranzutreiben. Es ist der Dreh- und Angelpunkt, um illegale Betäubungsmittel in Schach zu halten, den Frieden zu wahren und die langfristige Stabilität Kolumbiens zu gewährleisten. Ein ganz andere Geschichte, aber mit ähnlichen Auswirkungen für Soziales und die Umwelt, brachte unser Besuch bei Juan Choconat zutage.