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Bestürzt haben die Besitzer festgestellt, dass sich die junge Malinois-Hündin offenbar im Freilaufgehege verletzt hat: Sie lahmt am rechten Hinterbein stark und hat sich zwei kleine Wunden an der Innenseite des Knies zugezogen, welche aber nicht tiefer in die Unterhaut zu führen scheinen. Die ganze Knieregion scheint schmerzhaft, das Gelenk selbst aber stabil, so dass ein Kreuzbandriss ausgeschlossen werden kann. Die Hündin erhält ein Schmerzmittel sowie wegen der Verletzung ein Antibiotikum.
Leider verbessert sich in den nächsten 2 Tagen die Lahmheit überhaupt nicht, weshalb der Hund nochmals vorgestellt wird.
Erneut wird das verletzte Knie untersucht: Die beiden Hautwunden scheinen schön zu heilen, allerdings lässt sich nun feststellen, dass die Kniescheibensehne deutlich verdickt und schmerzhaft ist und sich weicher anfühlt als die Sehne im linken Knie. Die Patellarsehne (Ligamentum Patellae) zieht von der Kniescheibe zum Schienbein und ermöglicht dem Oberschenkelmuskel das Knie zu strecken. Röntgenaufnahmen der beiden Knie bestätigen, dass die Sehne stark verdickt ist. Unklar bleibt, ob sie gerissen oder nur stark überdehnt ist - in ersterem Fall muss das Problem zwingend chirurgisch angegangen werden. Wir überweisen Adlin deshalb zu einem MRT an eine Spezialistenklinik.
Gleichentags wird Adlin in Narkose gelegt und das Knie mittels Magnetresonanz-Tomografie (MRT) untersucht. Glücklicherweise zeigt sich, dass die Sehne nicht komplett gerissen, sondern nur stark überdehnt ist. Der Hund erhält einen Verband mit einer Schiene, welche das Knie in einer etwas gestreckten Position fixiert, um so die Sehne zu entlasten.
Der Verband wird jede Woche gewechselt. Langsam aber stetig beginnt die Hündin, das verletzte Bein besser zu belasten. Ein Vergleichsröntgen nach zwei Wochen zeigt, dass die Längendifferenz der rechten zur linken Sehne nicht zugenommen hat - ein Zeichen, dass auch die Überdehnung nicht weiter zugenommen hat. Nach drei Wochen wird die Schiene im Verband weggelassen, nach total 6 Wochen wird dann, wenn die Heilung weiterhin so befriedigend verläuft, auch der letzte Verband entfernt und der Hund vorsichtig stärker belastet. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Sehnenverletzung genügend vernarbt sein, um stabil zu bleiben.
Die Verletzung von Adlin stellt eine Seltenheit dar. Wie sich der Hund das Sehnentrauma zugezogen hat, bleibt unklar - möglicherweise hat sie sich das Bein im Gehege eingeklemmt und dann beim Befreiungsversuch das Knie verletzt?
Für die Funktion des Hinterbeines ist die Sehne von zentraler Bedeutung: Sie überträgt die Kraft des grossen Oberschenkelmuskels (Quadriceps) via der "Umlenkrolle" Kniescheibe an den Schienbeinkopf und erlaubt so die Streckung des Knies. Reisst die Sehne, so ist der Hund nicht mehr in die Lage, über das Bein Kraft auszuüben, wodurch es funktionslos wird. In diesem Fall ist die chirurgische Reparatur des Risses zwingend.