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Neben den «Unwörtern des Jahres» gibt es auch «Zeitlose Unwörter», zum Beispiel den «Kompromiss». Offiziell gilt ein Kompromiss als das Nonplusultra demokratischer Problemlösung, aber wer gegenüber dem professionellen Geschwafel von Parlamentariern immun ist, merkt schnell, dass ein Kompromiss praktisch immer ein intransparenter Kuhhandel ist. Die richtige Problemlösung dagegen heisst Profil, Konkurrenz, Toleranz und Offenlegung. Kuhhändel bewähren sich nie, profilierte Konkurrenzlösungen aber entweder sehr gut oder dann halt überhaupt nicht. Das schafft sofort klare und verständliche Verhältnisse: Erfolge sind direkt und unverblümt nachweisbar und Misserfolge werden ebenso direkt und unverblümt offensichtlich. Szenario 1 bedeutet «Weiter so», und mit Szenario 2 weiss man ganz genau, was warum schieflief und kann dann umso besser «korrigieren».
Ein anderer Dauerbrenner unter den zeitlosen Unwörtern ist das «Missverständnis»: Das Wort kommt immer dann auf, wenn jemand offensichtlich gelogen hat, das aber nicht zugeben will oder kann. D.h. man hat in einer Affäre alle Fragen und Kommentare wohl sehr gut verstanden, sich aber einfach so lange gegen die «Wahrheit» gestemmt, bis das aus irgendwelchen Gründen nicht mehr ging. Also: Missverständnisse sind gar keine Missverständnisse, sondern faule Ausreden nach gescheiterten Verdunkelungsmanövern.