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In einem Workshop mit Marshall Rosenberg ereignete sich nachfolgender Dialog. Nach einer halben Stunde Präsentation erhob ein Teilnehmer seine Hand und erklärte:
“Sie sind der arroganteste Referent, den wir je hatten!”
Rosenberg, reagierte folgendermassen (Zitiert aus"Gewaltfreie Kommunikation - eine Sprache des Lebens", Marshall Rosenberg, Junfermann Verlag, Paderborn, 2013, Kapitel "Beobachten ohne zu bewerten"):
"Wenn Leute mich so ansprechen, dann stehen mir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Eine Möglichkeit ist, diese Aussage persönlich zu nehmen; ich weiss, dass ich das dann tue, wenn ich den starken Wunsch habe, entweder um etwas herumzureden, mich zu verteidigen oder mich zu entschuldigen. Eine andere Möglichkeit (auf die ich sehr gedrillt wurde) ist, die andere Person anzugreifen für das, was ich als ihren Angriff gegen mich betrachte. In dieser Situation entschied ich mich für eine dritte Möglichkeit und lenkte meine Aufmerksamkeit auf das, was sich möglicherweise hinter der Aussage des Mannes abspielte.
MBR: (Stellt Vermutungen über das an, was er beobachtet hat.) Sprechen Sie davon, dass ich 30 geschlagene Minuten für meine Präsentation gebraucht habe, bevor Sie eine Chance hatten, etwas zu sagen?
TN: Nein, bei Ihnen klingt das alles so einfach.
MBR: (Versucht, mehr Klarheit zu bekommen.) Meinen Sie, dass ich gar nichts darüber gesagt habe, wie schwierig es für manche Leute ist, das Modell anzuwenden?
TN: Nein, nicht für manche Leute - für Sie!
MBR: Sie sprechen also davon, dass ich nicht gesagt habe, dass das Modell auch mir manchmal Schwierigkeiten bereitet?
TN: Ja, das stimmt.
MBR: Ärgern Sie sich, weil Sie gerne etwas gehört hätten, was darauf hindeutet, dass ich selbst mit dem Modell manchmal Probleme habe?
TN: (nach einer kleinen Pause) Ja, das stimmt.
MBR: (Es entspannt mich, dass ich jetzt mit seinem Gefühl und Bedürfnis in Kontakt bin, und ich konzentriere mich darauf, was er eventuell von mir möchte.) Möchten Sie gerne, dass ich jetzt sofort zugebe, wie schwer es mir manchmal fällt, diesen Prozeß anzuwenden?
TN: Ja.
MBR: (Ich habe seine Beobachtung, sein Gefühl, sein Bedürfnis und seine Bille geklärt und schaue jetzt bei mir, ob ich bereit bin, seine Bitte zu erfüllen.) Ja, dieser Prozess ist oft schwer für mich. Im Verlauf des Workshops werden Sie wahrscheinlich hören, wie ich verschiedene Situationen beschreibe, wo ich zu kämpfen hatte ... oder ganz den Kontakt verlor ... mit diesem Prozess, diesem Bewusstsein, das ich Ihnen hier vorstelle. Was mich dennoch durchhalten lässt, sind die berührenden Verbindungen mit anderen Menschen, die entstehen, wenn ich mich an das Modell halte."
Praxisnahe Anwendungstipps
In der Gewaltfreien Kommunikation geht es darum, Brücken zu bauen, anstatt Mauern zu errichten. Indem ich empathisch zuhöre und mich verletzlich zeige, erhöhe ich die Chance für echte Verbindung. Wenn die Verbindung da ist (und erst dann), kann eine Lösung gesucht werden.
Selbstreflexion: Wenn ich kritisiert werde, kann ich versuchen, eine Pause zwischen der Kritik und meiner Reaktion herzustellen. In dieser Zeit atme ich durch und frage mich, welche Reaktionsmöglichkeiten mir zur Verfügung stehen: Persönlich nehmen, angreifen, Empathie. Welche Wahl treffe ich?
Selbstempathie: Einen weiterren Atemzug lang gebe ich mir selbst Empathie, indem ich wahrnehme, wie ich mich gerade fühle und welches Bedürfnis bei mir zu kurz kommt. Zum Beispiel: "ich bin gerade so frustriert. Und ich hätte gerne gegenseitiges Verständnis".
Wenn ich mich für Empathie entscheide, versuche ich, die Bedürfnisse und Gefühle hinter den Worten meines Gegenübers zu erkennen, wie im Diaolg oben.