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Bamberger Hofstuckateur
Agostino wird am 30. August 1740 als vierter Sohn der Eheleute Natale Bossi und Clara Daldini in Porto Ceresio geboren. Mit 15 Jahren kommt er mit seinem älteren Bruder Materno nach Würzburg, wo er in der Werkstatt des Onkels Giuseppe Antonio ausgebildet wird. Nach seiner Lehrzeit geht er, wieder mit Materno, zu Ludovico Bossi, dem in Stuttgart als Hofstuckateur tätigen ältesten Bruder. 1764 sind alle drei Brüder im Dienste des Würzburger Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim in Würzburg und Werneck tätig. Ludovico kehrt 1766 nach Stuttgart zurück, Agostino und Materno bleiben in Würzburg, wo Materno als Hofstuckateur eine erfolgreiche Werkstatt führt. 1771 wird Agostino, der sich nun Augustin nennt, eine Bestallungsurkunde als fürstlich-bambergischer Hofstuckateur ausgestellt, die allerdings nur als Titelverleihung betrachtet werden muss. Denn Augustin Bossi ist so in die Würzburger Werkstatt seines Bruders integriert, sodass eine Zuordnung seines Anteils am Schaffensprozess nicht möglich ist. Praktisch alle Werke der Bossi-Werkstatt müssen als gemeinsame Arbeiten der beiden Brüder Materno und Augustin betrachtet werden, wobei Augustin vor allem im Fürstbistum Bamberg selbstständig tätig ist. Dies trifft auch für den 1778 erstellten freistehenden Hochaltar der Wallfahrtskirche von Dettelbach zu. Dieser wird in Entwurf und Ausführung allein Augustin zugeschrieben. Hier in Dettelbach lernt Augustin die Tochter des Gotteshauspflegers Johann Heinrich Zehr, Maria Agnes (1757–1816), kennen und heiratet sie im gleichen Jahr. Wohnsitz nimmt das junge Ehepaar im elterlichen Gasthaus «Zum Wilden Mann» in der Falterstrasse. Bei vier der acht Kinder aus dieser Ehe sind Materno Bossi und dessen Ehefrau die Paten. Allerdings erreichen nur zwei Töchter und der erstgeborene Sohn das Erwachsenenalter, dieser stirbt aber noch vor dem 20. Lebensjahr. Augustin Bossi stirbt am 9. Dezember 1799 im Alter von 59 Jahren in Dettelbach.[4]
Pius Bieri 2011
Sedlmaier, Richard und Pfister, Rudolf: Die fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg. München 1923.
Röhlig, Ursula: Bossi, Materno, in: Neue Deutsche Biographie 2, Seite 486. München 1955.
Friedrich, Verena: Die Stukkatorenfamilie Bossi in Franken, in: Frankenland, Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kultur, Heft 12. Würzburg 1999.
Visosky-Antrack, Iris: Materno und Augustin Bossi. München Berlin 2000.
Rheinfelder Konrad: Dettelbachs Stuckator Augustin Bossi und seine Nachkommen, in: Dettelbacher Geschichtsblätter Nr. 251 im 32 Jahrgang, 2006.
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119533421.htmlhttp://www.treccani.it/enciclopedia/materno-bossi_%28Dizionario-Biografico%29/
Stammbaum der Künstlerfamilie Bossi in: www.tessinerkuenstler-ineuropa.ch
[1] Joseph Anton Petrolli (1753–1817) und Joseph Ignaz Petrolli (1757–1828), in Würzburg geboren, als Söhne eines aus Lugano eingewanderten «Jos Petroly, civis et Scriniariy zu Lucana in Welschland». Taufpaten sind 1753 Giuseppe Antonio Bossi und Felice Bossi.
[2] Er stirbt während der Arbeit in Triefenstein 78-jährig. Die Ausführung übernimmt Januarius Zick.
[3] Auf dem Epitaph ist das Alter falsch mit 63 Jahren vermerkt. Da die Tauf- und Sterbeeinträge Materno Bossis quellenmässig belegt sind, zeigt dies die Fehlerwahrscheinlichkeit aufgrund von überlieferten Altersangaben auf Grabsteinen. Siehe auch Augustin Bossi.
[4] Der Sterbeeintrag gibt hingegen das Alter von 54 Jahren und sechs Monaten an.
|Jahr||Arbeitsort||Werk||Zustand|
|1767–1770||Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz.||Stuck der nördlichen Paradezimmer.||Rekonstruiert.|
|1767–1769||Fuchsstadt. Kirche Mariä Himmelfahrt.||Stuck, Altäre und Kanzel.||Erhalten.|
|1770–1771||Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz.||Opernsaal und Bühne im Nordblock.||Zerstört.|
|1770–1775||Memmelsdorf. Schloss Seehof.||Grotte.||Zerstört.|
|1771||Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz.||Fürstensaal im Nordblock.||Rekonstruiert.|
|1771–1774||Veitshöchheim. Schlosspark.||Gartenpavillon. Grotte.||Teilzerstört.|
|1772–1773||Bamberg. Fürstbischöfliche Residenz.

Strassenflügel und Eingangsflügel.
|Stuckausstattung der Räume 40–47, 17 und 18 im ersten Obergeschoss.||Erhalten.|
|1772–1774||Würzburg. Kollegienkirche (St. Michael).||Stuck im Langhaus. Kanzel. Fresken Joseph Ignaz Appiani.||Zerstört.|
|1770–1774||Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz.||Treppenhaus. Hängeleuchter.||Zerstört.|
|1772–1776||Kissingen. Obere Saline.||Raumstuckierungen und Kapelle.||Zerstört.|
|1773||Aub. Fürstbischöfliches Landschloss.||Stuck und Zimmereinrichtungen.||Zerstört.|
|1774||Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz.||Kanzel in der Hofkirche.||Erhalten.|
|1774–1788||Kissingen. Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä.||Stuck, Altäre, Kanzel.||Erhalten.|
|1775||Forchheim. Oberamtshaus.||Stuck im zweiten Obergeschoss.||Erhalten.|
|1776–1777||Gaukönigshofen. Pfarrkirche.||Stuck.||Erhalten.|
|1776–1779||Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz.||Stuck der «Ingelheim-Zimmer».||Rekonstruiert.|
|1776–1787||Ebrach. Zisterzienserabtei. Stiftskirche Mariä Himmelfahrt.||Gesamt-Neuausstattung mit Stuck, Altären und Gestühl.||Erhalten.|
|1777–1779||Ansbach. Katholisches «Bethaus».||Raumstuck und Altäre.||Teilzerstört.|
|1778–1779||Dettelbach. Wallfahrtskirche Maria in den Weinbergen.||Gnadenaltar.||Erhalten.|
|1780 (um)||Würzburg. Wohnhaus Blasiusgasse 9.||Festsaal.||Zerstört.|
|1780||Mergentheim. Deutschordensschloss.||Kapitelsaal.||Erhalten.|
|1781–1782||Eichstätt. Schönbornhof, heute Hof Walderdorff.||Raumstuckierungen in der Beletage.||Teilzerstört.|
|1783–1784||Heidenfeld. Augustinerchorherrenstift. Stiftskirche St. Maurizius||Stuck. Ausstattung (heute verlegt). Fresken Joseph Ignaz Appiani.||Zerstört.|
|1784||Würzburg. Wohnhaus Materno Bossi Theaterstrasse 20.||Stuck der Beletage.||Zerstört.|
|1784–1786||Triefenstein. Augustinerchorherrenstift. Stiftskirche St. Peter und Paul.||Stuck, Altäre, Kanzel und Chorgestühl. Fresken Joseph Ignaz Appiani und Januarius Zick.||Erhalten.|
|1786–1787||Wipfeld. Pfarrkirche St. Johannes Baptist.||Stuck und Hochaltar.||Erhalten.|
|1787–1788||Zellingen. Pfarrkirche St. Georg.||Stuck, Altäre und Kanzel.||Erhalten.|
|1788 (um)||Bocklet. Kuranlagen. Fürstenbau.||Stuck.||Zerstört.|
|1789–1790||Würzburg. Kirche St. Kilian im Juliusspital.||Raumstuck. Hochaltar. Kanzel.||Zerstört.|
|1789–1790||Amerdingen. Schloss der Schenken von Stauffenberg.||Raumstuck.||Erhalten.|
|1790 (um)||Würzburg. Wohnhäuser Theaterstrasse 22 und Hofstrasse 3.||Stuck diverser Räume und einer Enfilade.||Zerstört.|
|1790–1796||Kirchheim. Pfarrkirche St. Michael und St. Sebastian.||Raumstuck. Altäre. Kanzel.||Erhalten.|
|1790||Bamberg. Curia St. Pauli. Obere Karolinenstrasse 5.||Stuck der Beletage.||Erhalten.|
|1793||Werneck. Schlosskapelle.||Kanzel.||Erhalten.|
|1793–1794||Kitzingen. Pfarrkirche St. Johannes Baptist.||Kanzel||Erhalten.|
|1794||Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz. Gesandtenbau.||Stuck im Treppenhaus und in den Räumen.||Zerstört.|
|1796–1797||Würzburg. Kollegienkirche (St. Michael).||Stuck im Chor und Altäre.||Zerstört.|
|Materno Bossi (1737–1802)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|18. Juli 1737||Porto Ceresio||Varese I|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Herzogtum Mailand||Como|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|28. August 1802||Würzburg||Bayern D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Hochstift Würzburg||Würzburg|
|Kurzbiografie|
|Bei allen Werken des in Porto Ceresio geborenen, aber schon mit 18 Jahren bei seinem Onkel in Würzburg arbeitenden Materno Bossi muss auch sein Bruder Augustin Bossi mit erwähnt werden. Denn die beiden Brüder arbeiten und entwerfen gemeinsam. Materno wird nur deshalb fast immer als einziger genannt, weil alle Aufträge über ihn laufen. Materno und Augustin schaffen den Übergang vom Rokoko zum Frühklassizismus spielend. Ihre Werke integrieren sich auch in barocke Umgebungen, wie die Kanzel in der Hofkirche oder die nördlichen Paradezimmer der Residenz Würzburg. Wirklicher Höhepunkt ihres Schaffens ist die Umgestaltung des (schon barockisierten) Innenraums der gotischen Stiftskirche von Ebrach.