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Es klingt wie ein schlechter Scherz: Trumps Corona-Taskforce zahlte viel Geld für Beatmungsgeräte an einen Elektrotechniker, welcher nie etwas mit solchen am Hut hatte.
«General Motors muss DRINGEND mit der Herstellung von Beatmungsgeräten beginnen, und zwar JETZT!!!» – das postete Trump auf Twitter am 27. März. Auf Antworten musste er nicht lange warten, denn kurze Zeit später meldete sich Yaron Oren-Pines, ein Elektrotechniker aus Silicon Valley, mit folgender Antwort: «Wir können invasive und nicht-invasive Beatmungsgeräte liefern. Ruft mich DRINGEND an.»
Wie Buzzfeed berichtet, bewilligte Trumps Corona-Taskforce drei Tage später eine Zahlung von 69 Millionen US-Dollar, das sind 47'656 Dollar pro Beatmungsgerät (dreimal so viel wie der Marktpreis für solche Geräte) – doch die Beatmungsgeräte kamen niemals an. Kein Wunder!
Denn Yaron Oren-Pines ist ein Spezialist in Telefontechnologie mit 75 Followern auf Twitter. Er hat keinerlei Erfahrung in der Herstellung von medizinischen Geräten.
Wie ein anonymer Staatsbeamter berichtet, kam der Vertrag zwischen dem Bundesstaat New York und Oren-Pines auf Anordnung des Weissen Hauses zustande.
Als einen Monat später klar wurde, dass die Beatmungsgeräte wohl nicht ankommen werden, kündigte New York den Vertrag und versucht nun, das gesamte Geld wieder zurück zu erhalten. Beamte wollen keine genauen Angaben machen, wie viel sie bereits wieder zurückgeholt haben. «Wir führen derzeit Diskussionen über einige verbleibende Probleme», sagte Heather Groll, Sprecherin des New Yorker Office of General Services
Auch Oren-Pines möchte sich nicht äussern. Auf eine telefonische Anfrage von Buzzfeed antwortete er: «Weder ich noch meine Firma geben dazu einen Kommentar ab» – und hängte auf. Auf schriftliche Anfragen reagierte er erst gar nicht, berichtet das Newsportal weiter.
«Der Typ wurde uns von der Corona-Taskforce vorgeschlagen, weil sie anscheinend schon Geschäfte mit ihm gemacht haben», sagte der Beamte, welcher anonym bleiben will, über Oren-Pines. «Ich denke, jeder war wirklich bemüht, einander zu helfen und die Ressourcen zu beschaffen.»
Katie Miller, Sprecherin des Vize-Präsidenten Mike Pence, welcher Vorsitzender der Taskforce ist, sagte in einem Statement dass «die Corona-Taskforce nie über den Vertrag informiert wurde und nicht in die Sache involviert sei».
Diese etwas bizarre Angelegenheit unterstreicht die Angst vor überfüllten Krankenhäusern der Politiker im ganzen Land – und insbesondere in New York – welche sie dazu veranlasste, sich an ungetestete und manchmal unqualifizierte Anbieter zu wenden.
«Wir hatten keine andere Wahl, als jeden Stein umzudrehen, um an Beatmungsgeräte und andere benötigte Ausrüstung zu kommen», sagte Rich Azzopardi, ein leitender Berater von New Yorks Gouverneur Andrew Coumo.
Das zeigt sich auch in den anderen Beschaffungen der Staaten: 735 Millionen US-Dollar wurden bewilligt, um medizinische Ausrüstung zu beschaffen. Davon ging aber ein grosser Teil an Unternehmen, von denen viele wenig oder keine Erfahrung in der Medizin haben: gehobene Mode und andere Bekleidungsmarken; chinesische Eisenerz- und Werkzeugimporteure; ein Unternehmen, das Produkte zur Haar- und Faltenentfernung verkauft; eine Reihe von Private-Equity- und Investmentfirmen; und sogar der Qatar Fund for Development, der staatliche Aussenhilfearm der erdölreichen Nation am Persischen Golf.
Hinzu kommt, dass viele Staaten manchmal ein Vielfaches des normalen Handelspreises bezahlt haben. So zum Beispiel der US-Bundesstaat Kalifornien, welcher 2 Millionen Masken zum Preis von 7.25 US-Dollar pro Stück gekauft hat – das 10-fache des normalen Preises – nur um die Bestellung dann wieder zu stornieren, weil sie doch nicht lieferbar waren.
Ist der vermeintliche Gerätebeschaffer Oren-Pines Teil einer systematischen Abzockerei? Buzzfeeds Untersuchungen haben Hinweise dafür gefunden. Auf einem Twitter-Account eines israelischen Unternehmers, Segev Binyamin, befindet sich ein Tweet, in dem er dem israelischen Verteidigungsminister anbot, Beatmungsgeräte zu liefern.
«Ich besitze ein chinesisches Unternehmen und kann 1400 Maschinen versenden», lautet der Tweet. Zufälligerweise handelt es sich fast genau um die Anzahl an Beatmungsgeräten, mit welchen der Staat New York Oren-Pines beauftragt hat.
Groll, Sprecher des New York Office of General Services, beantwortete keine weiteren Fragen zu den Geschäften mit Oren-Pines. Er meinte nur, dass sie «beendet» worden sein und dass «ein Grossteil des Geldes an den Staat zurückgegeben wurde». (cki)
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