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Grundlegende Entscheidungsprozesse
bei der dokumentarischen Filmarbeit
von CHRISTIAN ISELI
Seit den sechziger Jahren ist im dokumentarischen Genre eine ausgeprägte Vielfalt des gestalterischen Ausdrucks festzustellen. Spontan aufgezeichnete Werke mit wackeligen und verrauschten Bildern stehen neben aufwendigen Hochglanzproduktionen, die ästhetisch und dramaturgisch an Mainstream-Spielfilme erinnern. Filme, in denen die Macherinnen und Macher selber intervenierend zu sehen sind, finden sich neben solchen mit zurückhaltender Beobachtung. Diese unterschiedlichen Verfahrensweisen und Haltungen sind auf Entscheidungen zurückzuführen, die Filmemacherinnen und Filmemacher während oder vor ihrer Arbeit treffen. Im vorliegenden Beitrag sollen grundlegende Entscheidungen während des filmischen Produktionsprozesses definiert und systematisch zueinander in Bezug gesetzt werden. Dadurch lassen sich strategische Grundmuster erkennen und in grafischen Profilen darstellen.
1. Entscheidung und Strategie
Während des filmischen Produktionsprozess treffen wir laufend Entscheidungen. Einerseits sind das Ja/Nein-Entscheidungen, andererseits entscheiden wir uns sehr oft, ob wir etwas mehr oder weniger tun wollen.
Nehmen wir als Beispiel die Frage, ob bei einem Dokumentarfilm zusätzliches Licht eingesetzt werden soll. Das ist zunächst eine Ja/Nein-Entscheidung. Und es gibt es Kolleginnen und Kollegen, die diese Frage aus grundsätzlichen Überlegungen verneinen. Sobald die Frage aber mit Ja beantwortet wird, ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie und in welchem Umfang künstliches Licht eingesetzt werden kann. – Wird nur aufgehellt? – Setzen wir ein Führungslicht ein? – Gibt es ein Spitzlicht auf die Haare? – Setzen wir ein Effektlicht auf den Hintergrund? Das Mehr oder Weniger des eingesetzten Lichts können wir uns modellhaft als einen Schieberegler auf einem Mischpult vorstellen. Wir legen damit das Ausmass einer bestimmten Massnahme fest. [... weiter –> PDF ]