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Seit eh und je gehört zu jedem Trämler eine Personalnummer. Als eindeutiges Identitätsmerkmal vereinfacht es die Administration ungemein. Jahrzehntelang trug das Personal die Nummer öffentlich, zwanzig Jahre lang sogar in übergrossen Ziffern auf der Mütze. Damals wurde die Zahl «Kontrollnummer» genannt, was auch wörtlich zu verstehen war. Denn sie diente auch zur raschen und zweifelsfreien Identifizierung, etwa in Zusammenhang mit Reklamationen. Für die Einreichung einer Beschwerde brauchten die Fahrgäste nur die Nummer abzulesen.
Archivbilder des Quartals 2024/1
Personalnummern ‒ auch ein Führungsinstrument
Die Nummerierung des Personals
Der Mann mit Kontrollnummer 242 ist Johann Bucher (1866‒1946), Depot Heuried, Wagenführer der ersten Stunde. Bei seiner Mütze handelt es sich um die erste Version von 1898. Später (um 1910) wurden die Initialen «St. Z.» verkleinert und mit der Nummer getauscht, so wie das auf dem Wandbild im Tram-Museum zu sehen ist. Mützennummern waren zu dieser Zeit weit verbreitet, auch bei LSB und ZOS und in vielen andern Städten.
Manche Trämler störte es gewaltig, «nur als Nummer» gesehen zu werden. Es war die Rede von «verletzter Manneswürde», in Gewerkschaftsversammlungen fielen deftige Voten; ein Sträfling trage eine Nummer, ein Zuchtmuni auch, da könne man doch dem Personal gleich die Nummer auf die Stirn einbrennen, überhaupt sei das Ganze eine Einladung an das Publikum zur Bespitzelung des Personals. Aber sämtliche Vorstösse zur Abschaffung der Nummerierung wurden abgelehnt, selbst ein Vorstoss im Gemeinderat blieb erfolglos. Die Nummern seien notwendig im Interesse der Vorgesetzten und des Publikums, für die Aufrechterhaltung der Disziplin unerlässlich. Ohnehin sei es nur eine Minderheit, welche sich an den Nummern störe und Bedienstete, die sich korrekt verhielten, brauchten nichts zu befürchten.
Als es 1918 überall in der Arbeiterschaft zu gären begann, gab es immerhin einen Teilerfolg. Die Trämler durften ihre Nummern von der Mütze abmontieren und sie am 1. Juli 1918 dem Depotchef bzw. dem Abrechner abgeben. Die Kondukteure blieben jedoch 30 weitere Jahre nummeriert und zwar in Form einer Plakette an ihrer Ausrüstung.
Im Februar 1948 wurde die Angelegenheit ein weiteres Mal in der städtischen Strassenbahnkommission diskutiert. Ausgerechnet Kommissionsmitglied Ernst Heiniger, damals Betriebsinspektor bei den SBB, setzte sich vehement für die Beibehaltung der Nummerierung ein und betonte deren erzieherische Wirkung. (Heiniger wurde 1950 VBZ-Direktor). Auch der Betrieb argumentierte in gleicher Weise. Demgegenüber wollte der Vorsteher der Industriellen Betriebe, Stadtrat Baumann, beherzt ein Zeichen setzen und mit der Abschaffung der Nummerierung dem Personal sein Vertrauen aussprechen. Ein wenig Eigennutz war auch dabei. Man hoffte, dadurch die Beschwerdeflut etwas einzudämmen, zumal es sich oft um Bagatellen oder gar ungerechtfertigte Anschuldigungen handelte; da konnte es nicht schaden, die Hürde etwas heraufzusetzen. Offensichtlich war die Sache dermassen delikat, dass sie auch im Gesamtstadtrat behandelt wurde. Hier stellte Polizeivorstand Sieber den Gegenantrag. Er wurde überstimmt. Seither sind die Zürcher Trämler nicht mehr öffentlich nummeriert.