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Südwestdeutschland, um 1370
Lindenholz, geschnitzt, farbig gefasst
H. 96, B. 40, T. 17 cm
Inv. 1913.104.
Für die Darstellung Mariens war seit frühchristlicher Zeit die thronende Gottesmutter der dominierende Bildtypus; nur selten wurden andere Heilige in dieser Art ausgezeichnet. Unsere im 14. Jahrhundert im deutschen Sprachraum verbreitete Spielart zeigt Maria sitzend mit dem halb stehenden, halb von ihr gehaltenen Jesuskind, das im Unterschied zum 15. Jahrhundert bekleidet ist. Dem Spiel mit dem Vögelchen in der Hand des Kindes gilt auch eine tiefere Bedeutung: Nach einer apokryphen Bibelstelle wurde das aus Ton geformte Tier, das der Gottessohn in die Luft warf, zum Leben erweckt und als Symbol der erlösten Seele verstanden. Eine Krone auf dem Kopftuch und in der Rechten ein Szepter sind als Insignien der Himmelskönigin zu ergänzen. Die sehr flach gearbeitete, nur 17 cm tiefe Figur wurde aus Freiburg/Breisgau erworben und ist formal eng mit einem entsprechenden Madonnensitzbild in Rottweil verwandt. Die im 14. Jahrhundert blühende schwäbische Reichsstadt im Schwarzwald prägte am Rande des Oberrheingebiets einen Lokalstil, in dessen Umkreis das für die Sammlung frühe Bildwerk einzuordnen ist.