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Schreiben mit aufgerichteten Schnurrhaaren
Von Daniele Cuffaro
Seit Jahrhunderten schleichen sich Katzen in die Literatur, sei dies als Protagonisten in Erzählungen und Gedichten oder als Freunde und Begleiter der Künstler. Einer, der sich von ihrer Schönheit und ihrem rätselhaften Wesen besonders angezogen gefühlt hat, war der Dichter Federico Hindermann.
Federico Hindermann ist eine interessante Figur für die Literaturlandschaft der Schweiz: Nach den Jugendjahren in Basel und ersten auf Deutsch verfassten Gedichten arbeitete er als Lektor an der Universität Oxford und bekleidete von 1966 bis 1969 die Professur für Romanische Philologie an der Universität Erlangen. Zurück in Zürich widmete er sich einer intensiven Übersetzertätigkeit. Hindermanns erste Gedichtveröffentlichungen in italienischer Sprache stammen aus den Siebzigerjahren.
In den Siebzigerjahren begann auch Hindermanns Tätigkeit für den Manesse Verlag, dem er bis 1986 als Direktor vorstand. Unter anderem gab er die namhafte Klassikerreihe Manesse Bibliothek der Weltliteratur heraus. Einer der Bände trägt den Titel Katzen (1982). Die darin vereinigten Texte, die dem Leser neben Bekanntem auch Vergessenes oder auf Deutsch bis anhin Unveröffentlichtes anbieten, sind illustriert mit siebenunddreissig Zeichnungen des Berners Gottfried Mind (1768-1814). Im 18. Jahrhundert war der Künstler in ganz Europa als «Katzen-Raffael» bekannt. Die ausgewählten Texte ihrerseits decken die gesamte Weltliteratur ab und reichen von Thomas Gray bis Baudelaire, von Minamoto Takakuni bis Goethe. Wie das Beispiel dieses Bandes zeigt, hat sich Federico Hindermann auch intensiv darum bemüht, die italienische Literatur ausserhalb ihres Sprachraums bekanntzumachen. Folgende Übersetzungen stammen denn aus seiner Feder: Auf die Katzen im Irrenhaus St. Anna aus Le rime di Torquato Tasso, Katzenaugen von Emilio Cecchi oder auch Geburt, Kindheit, Emanzipation der Katze sowie Die Katze, ein Freiheitssymbol von Giovanni Raiberti.
Das Motiv der Katze findet sich nicht zuletzt auch in Hindermanns eigenen Werken, dies sowohl in seinen kritischen Texten wie in den Gedichten. In einem Aufsatz, der sich den Sprachquellen widmet, bemerkt der Schriftsteller treffend: «ohne nach vorne gerichtete Schnurrhaare gerät man in den Jahrhunderten und den Landschaften durcheinander», während in seinen eleganten Versen zwischen Pflanzen und Blumen etwa rosa Pfotenballen, ein rotblondes Fell, eine Schwanzspitze oder eine kecke Schnauze auftauchen. Und wir treffen auch auf Beaux-yeux, die Katze im Hause Hindermann, die in L'anima che quadrata (Fügsam dagegen / Docile contro, 2009) den Dichter mit einer Maus beglückt. Freude und Schrecken liegen
in einem einzigen Blick, der gleich in der Spitzmaus
und in der getigerten Beaux-yeux leuchtet,
die noch lebend mir als Geschenk überbracht wird.
Vielleicht sind das Schnurren und Kreischen
nichts als Stimmen einer einzigen Güte.
Seine Wortwahl sachte abwägend ist es Federico Hindermann gelungen, harmonische Widersprüche zu schaffen. Die Bezüge zur Katzenwelt erlauben es dem Leser - ausgehend von der Alltagsszene -, in universelle Fragen einzutauchen. Hinsichtlich ihrer Leichtigkeit und Aufmerksamkeit den kleinen Dingen gegenüber aber auch ihrer Fähigkeit, immer wieder das Gleichgewicht zu finden, der Stille zu lauschen oder die Krallen auszufahren, erinnert die Dichtung Hindermanns in vielerlei Hinsicht an die typischen Eigenschaften der Katze: «Sie bleibt, so anhänglich sie auch sein mag, doch immer unabhängig, unberechenbar, ein Geschöpf, das feine Freiheit zu behaupten weiss.»