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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
38.
Sekundus, ein Zeitgenosse des Ptolemäus, sagt folgendermaßen: es gebe eine rechte und eine linke Vierzahl und Licht und Dunkel; und die Kraft, die sich entferne und sich verspäte, stamme nicht von den dreißig Äonen, sondern von ihren Früchten. Ein anderer ihrer Lehrer, ein glänzender, stellt auf: Das Urprinzip war unbegreiflich und unaussprechlich und unnennbar, er nennt es Monotes1; mit diesem zugleich existiert eine Kraft, er nennt sie Henotes2. Diese Monotes und Henotes brachten, ohne hervorzubringen, das Prinzip aller Dinge hervor. Das, was erkennbar, ungezeugt und unsichtbar ist, nennt er Monas; zugleich mit dieser Kraft existiert eine ihr wesensgleiche Kraft, die er auch selbst das Hen3 nennt. Diese vier Kräfte brachten die übrigen Äonenprodukte hervor. Andere wieder nennen die erste und Urachtzahl mit folgenden Namen: erstens das Urprinzip, dann das Unbegreifliche, als drittes das Unaussprechliche und als viertes das Unsichtbare. Aus dem ersten Urprinzip sei an erster und fünfter Stelle das Prinzip hervorgebracht worden, aus dem [S. 177] Unbegreiflichen an zweiter und sechster Stelle das Unfaßliche, aus dem Unaussprechlichen an dritter und siebter Stelle das Unnennbare, aus dem Unsichtbaren das Ungezeugte, das Pleroma der ersten Achtzahl. Nach ihnen sollen die Kräfte dem Bythos und der Sige präexistieren. Über den Bythos selbst gibt es viele verschiedene Meinungen. Die einen sagen, er sei ungepaart, weder männlich noch weiblich, die anderen wieder, die weibliche Sige sei bei ihm, und dieses sei die erste Paarung. Die Schüler des Ptolemäus aber sagen, der Bythos habe zwei Gattinnen, die sie auch Zustände nennen, Ennoia4 und Thelesis5; zuerst dachte er nämlich daran, etwas hervorzubringen, wie sie sagen, dann wollte er es. Daher wurden, da die beiden Zustände und Kräfte, Ennoia und Thelesis, sich gleichsam vermischten, der Monogenes6 und die Aletheia durch Paarung hervorgebracht. Diese Typen und Bilder der zwei Zustände des Vaters gingen sichtbar aus dem Unsichtbaren hervor, aus dem Thelema7 der Nus, aus der Ennoia die Aletheia, und deswegen ist das Bild des nachgeborenen Thelema männlich, das der ungezeugten Ennoia weiblich, weil das Thelema gleichsam die Kraft der Ennoia wurde. Die Ennoia nämlich stellte sich immer das Hervorbringen vor, konnte freilich, auf sich allein angewiesen, nicht hervorbringen, sondern es blieb bei der Vorstellung; da nun die Kraft des Thelema dazukam, da brachte sie hervor, was sie sich vorgestellt.
1: Einzigkeit, Einheit.
2: Einheit.
3: Das Eine.
4: Gedanke.
5: Wille.
6: Der Eingeborene.
7: Wille.