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Ein massiver orangefarbener Quader, dessen Frontseite ineinander verschlüsselte Buchstaben zeigt: Als solches ist Lukas Zimmermanns (geb. 1977) Plakat ohne grössere Anstrengung lesbar. Erst bei genauerer Betrachtung entziffert man jedoch im regelmässigen Wechsel von Orange zu Weiss und den immer kleiner werdenden Buchstaben ein Wort, das für sich zunächst ebenfalls rätselhaft bleibt: Danslieu.
Danslieu, dies war der Name einer Fassadenstadt, die 2008 als «Kreis 13» an der Zürcher Seepromenade über kurze Zeit hinweg ein grosses Publikum anzog. Als Protestaktion gegen Ausgrenzung und Kriminalisierung von Randständigen sowie die Totalsanierung und Kommerzialisierung des Lebensraums gedacht, spielt die Bezeichnung mit dem französischen Begriff Banlieue. Während vor allem die Pariser Vorstädte als soziale Brennpunkte immer wieder in den Medien erscheinen, appelliert die Begriffsfindung Danslieu an die Wichtigkeit, im Herzen der Städte ein finanzierbares Zuhause für unterschiedliche Einkommensklassen zu bieten. Lukas Zimmermanns Plakat ist im Eigenauftrag entstanden und setzt diese Botschaft typografisch um. Die einzelnen Buchstaben dienen dabei als Stellvertreter für Häuser, Parzellen und Plätze und ergeben als Ganzes eine (Stadt-) Ansicht aus der Vogelperspektive, die gleichzeitig die Idee der Integration bildlich darstellt. Bereits 2005 gestaltete Zimmermann ein Plakat für Shantytown, die zwei Jahre früher an der Sihl als Freiraum für ein selbstbestimmtes Leben realisierte Hüttensiedlung. Beide Plakate ergänzen sich formal. Zimmermanns sorgfältig im Hochdruckverfahren umgesetzte Plakate sind beispielhafter Ausdruck einer subkulturellen Grafikszene, die in der Handmadeästhetik neue Gestaltungsansätze sucht. In ihrer hohen Präzision und Sorgfalt sowie in der konzeptuellen Anlage widerlegen sie aber alle Vorurteile gegenüber einer Do-it-yourself-Gestaltung. (Bettina Richter)