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Luzern ist eine der wenigen Städte, deren mittelalterlichen Festungsbauten nie auf die Probe gestellt wurden. Nur im Sommer 1513 gab es eine kurze Belagerung durch die eigene Landbevölkerung. Diese war unzufrieden mit der eigenen Regierung, beendete den Protest aber ohne Waffengewalt.
Dennoch war eine mittelalterliche Stadt ohne Festungsmauern unvorstellbar. Mauern und Türme symbolisierten Macht und Eigenständigkeit, vor allem in der Durchsetzung des Rechts. Und zu einer Stadtmauer gehörte auch ein Festungsgraben, wenn möglich ein Wassergraben.
Luzern war auf beiden Seiten der Reuss von einem Wassergraben umgeben, auf der Kleinstadtseite umfloss er die Stadtmauern von Baseltor bis Freienhof, das heisst von Spreuerbrücke bis Kapellbrücke. Gleichzeitig mit der Verwandlung der Kapellbrücke von einem Festungswerk in einen Schmuckbau, nämlich mit der Anfertigung des Bilderzyklus, hatte auch der Wassergraben rund um die Kleinstadt ausgedient. 1613/14 wurde er trockengelegt, schon bald darauf wurden die ersten Damhirsche "zur Ergötzung von Jung und Alt" angesiedelt. 1623 werden die "Damhirtzen" in Quellen erwähnt, 1742 ist die Rede von zwölf Hirschen und einer Stallung hinter dem Kesselturm. Hirschgräben in Festungsanlagen waren auch in anderen Städten beliebt, etwa in Bern und Zürich.
Mit der „Entfestigung“ der Stadt, mit dem Schleifen der Mauern und Türme, mit dem Freimachen der Durchgangsräume für den Strassenverkehr waren Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Tage des Hirschengrabens gezählt. 1855 wurde er im unteren Teil zugeschüttet, 1860 war auch der Abschnitt zwischen Bürgerspital und Freienhof planiert. Heute ist er zwischen Kasernen- und Pilatusplatz eine der meistbefahrenen Strassen der Stadt. Geblieben ist nur der Name.
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