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Affry, Charles d’ - Sohn des Ludwig August Philipp. Oberst, Inspektor der Schweizer Truppen
Historisch interessanter Brief aus Belfaux (Château), datiert 13. März 1816, von Charles d'AFFRY an den Schweizer Auguste de FORESTIER in Paris (überbracht durch den Chevalier de Buman). Forestier lebte den grössten Teil seines Lebens in Paris und war Adjudant des Herzogs von Bordeaux, Schatzmeister der Schweizer Garde und der Schweizer Regimenter in Frankreich, Chevalier de l'Ordre de St. Louis und im weiteren auch ein hervorragender Landschaftsmaler.
Briefübersetzung:
«...Ich schicke Ihnen, mein teurer Auguste, Herrn Chevalier de Buman, Offizier bei den Cent-Suisses, der mein erster Aide-de-Camp im letzten Feldzug war. Ich empfehle und erbitte Ihre Gunst für diesen hervorragenden Mann und ausgezeichneten Offizier, der mein Freund ist, und bitte Sie, ihm Wohlwollen und Vertrauen entgegenzubringen. Sie werden sich seiner bedienen können, wenn Sie mir etwas ausrichten lassen wollen. Unsere Verhandlungen gehen langsam voran, es gibt hierbei eine liebenswerte Anhäufung von Protesten, Feindseligkeit, Eifersucht, Neid etc. Nichts ist schwieriger als mit unseren Kantonen zu verhandeln. Ich hoffe jedoch, dass dies schnell gehen wird und hoffe, wenn kein Unglück geschieht, Sie bald umarmen zu können. Euprosinne, der heute hier diniert hat, geht es sehr gut...»
Das Geschlecht der von AFFRY war ein Freiburger Geschlecht, das sich dort seit dem 12. Jahrhundert nachweisen lässt. Dort bekleideten sie vom 15.-19. Jh. hohe zivile und militär. Ämter. Wilhelm von Affry führte im Jahr 1476 das Freiburger Aufgebot in der Schlacht bei Murten. Franz, Franz Peter und Josef Niklaus waren Gouverneure des Fürstentums Neuenburg vor 1707. In der Periode 1536-1818 waren die von Affry fast ohne Unterbrechung Offiziere im Dienste Frankreichs. Am bedeutendsten waren Franz Ludwig August Augustin und Ludwig August Philipp, der 1803 der erste Landammann der Schweiz wurde. Trotz ihrer Militärkarrieren in Frankreich, welche sie gesellschaftlich und kulturell vom in der Schweiz gebliebenen Patriziat entfernten, verbanden sie sich durch Heirat meistens mit Freiburger Patrizierfamilien, v. a. mit den von Diesbach.
Charles d'AFFRY (*1772 - †1818) war Sohn vom berühmten Ludwig August Philipp, dem 1. Landammann der Schweiz. Charles war im Alter von 20 Jahren Unterleutnant in der Schweizergarde in Paris. Er wurde am 7. August 1792 mit einem Detachement in die Normandie entsandt, so dass er dem Schicksal der meisten seiner Waffengefährten entging, welche anlässlich des Tuileriensturms (10. August 1792) ums Leben kamen. Er trat in der Folge in österreichische Dienste ein und nahm bis 1796 an den italienischen Feldzügen teil. 1797 wurde er Hauptmann der freiburgischen Miliz, 1804 Oberst und 1806 Bataillonskommandant im 3. Schweizerregiment in Neapel. Er kämpfte 1808 in Spanien, 1812 in Russland und wurde 1812 Offizier der Ehrenlegion. Er kehrte später nach Frankreich zurück und nahm 1815 seinen Rücktritt. Im selben Jahr wurde er Oberst der 3. Division der Schweizer Armee und Inspektor der Schweizer Truppen. Später übersiedelte er nochmals nach Frankreich und wurde dort Oberst des 2. Schweizerregiments der königlichen Garde.
Grösse und Beschaffenheit der Dokuments: 24x22 cm, Papier, mit rotem Siegel.