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«Das Zeitalter der grossen Offroader ist vorbei», erklärte der Chef der grössten amerikanischen Autohandelsfirma 2008. Es war ein aussergewöhnliches Jahr: Die Finanzkrise stürzte die Wirtschaftswelt in Tumulte, die Zentralbanken senkten die Zinsen und fluteten den Geldmarkt. Zugleich schoss der Erdölpreis auf zeitweise über 140$ pro Fass.
«Wenn die Zinsen tief sind, suchen die Investoren nach anderen Anlagemöglichkeiten», sagt der Ökonom Basil Oberholzer. «Eine davon ist das Termingeschäft im Erdölhandel.» Aufgrund der tiefen Zinsen wurde massiv in diese Erdöl-Futures investiert. Das gab Impulse für die Ölförderung. Mitte 2009 waren in den USA rund 200 Bohrtürme aktiv – drei Jahre später waren es über 1’400. Auch der Boom des Frackings war eine Folge der Ölpreisspekulation. Insgesamt wurde die Produktion massiv ausgeweitet, inzwischen liegt der Ölpreis deshalb nur noch bei rund 40$ und die SUV-Verkäufe brechen alle Rekorde.
Der Erdölpreis ist eine umweltpolitische Quadratur des Kreises. «Ist er tief, wird viel Öl konsumiert», sagt Oberholzer. «Ist er hoch, werden neue Förderkapazitäten geschaffen. Beides ist ökologisch nicht wünschenswert.» In seiner Dissertation schlägt er deshalb vor, den Preis künstlich festzulegen. Mit einem Eingriff der Zentralbank.
«Die Idee ist gar nicht so revolutionär. Im Devisenhandel beispielsweise gibt die Schweizer Nationalbank seit Jahren Kursziele vor und verteidigt diese über Zu- und Verkäufe von Währungen.» Im Erdölgeschäft könnte die Zentralbank eines Landes ein Preisziel festlegen und dieses über den Zu- und Verkauf sogenannter Futures verteidigen. Futures sind Versprechen, eine bestimmte Menge an einem bestimmten Termin zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Legt die Nationalbank einen hohen Ölpreis fest, sinkt der Verbrauch und die Investitionen in ökologischere Alternativen nehmen zu. Doch wie verhindert man, dass auch die Erdölförderung hochschnellt?
«Mit einer Steuer. So treibt man einen Keil zwischen Angebot und Nachfrage: Für die Konsumenten ist der Preis hoch, aus Sicht der Ölindustrie aber ist er tief, weil ein Teil des Ertrags abgeschöpft wird.» Doch wie weiss die Zentralbank, wie hoch sie die Steuer ansetzen muss? «Über die Futures hat sie einen guten Indikator. Muss sie viele aufkaufen, um den von ihr festgelegten Ölpreiskurs zu halten, weiss sie, dass der Ölpreis unter Druck ist und die Steuer erhöht werden muss.» Die Kurse von Kohle und Erdgas liessen sich genau gleich regulieren. Und für den internationalen Handel könnte die Steuer beim Import von Erdöl erhoben und beim Export zurück-erstattet werden.
Oberholzer hat sein Modell in einem Buch dokumentiert. «Meine Dissertation als Buch statt als Artikelsammlung zu schreiben, war ein Privileg. Es half mir, die Thematik von A bis Z durchzudenken». Und das tat er mit Erfolg: Für seine Arbeit erhielt Oberholzer am 15. November im Rahmen des Dies Academicus den Umweltforschungspreis der Universität Freiburg 2018.
Unser Experte Basil Oberholzer hat in Zürich studiert und am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Freiburg doktoriert. Er arbeitet derzeit als Umweltökonom beim Bundesamt für Umwelt. Seine Dissertation mit dem Titel Monetary Policy and Crude Oil erschien 2017 im Verlag Edward Elgar.