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|DAS KULTURKABINETT|

Protokoll vom 4. April 97
Nachtessen am Gartenweg
Nach dem ersten zusammenstoss am Gartenweg hier eine kurze Zusammenfassung des Abends und eine Einladung für das Essen vom 25. April, 20.15 am Gartenweg. Es waren da: Paola Di Valentino, Judith Huber, Michael Wolf, Beni Weber, Adi Blum und Judith Albisser. Zu essen gab es Gulasch. Der Abend begann mit einem Glas Wein. Dann kam das Essen. Nach dem Essen beim Kaffee eröffnete Adi den Diskussionsteil, indem er zusammenfasste, was die Idee von diesem und den weiteren Treffen sei.
In einer ersten, kürzeren Phase wurden exemplarisch Themen vor geschlagen, die zu einer künstlerischen Auseinandersetzung führen könnten: soziale Utopien (mit Konzentration auf das Thema "Arbeit"), der menschliche Körper (insbesondere die neurologische Medizin, evt. körperliche Missbildungen), und Peter Greenaway. In einer zweiten, längeren Phase wurde eine der künstlerischen Stossrichtungen des zusammenstoss diskutiert, das spartenübergreifende Schaffen. Michael meinte, dass es schwierig sei, die Diskussion über ein formales Thema zu führen, ohne einen "Inhalt" zu haben. Beni erklärte, dass er sich im Medium Film bewege, und von "Theater" nicht viel verstehe. Judith Albisser erzählte von ihren Arbeiten (Kyoku, Amor und Psyche), " und von der animierenden Wirkung einer Zusammenarbeit über den Fachbereich hinaus. Adi versuchte den Begriff "spartenübergreifend" zu verteidigen, indem er die "Kunst" in den Hintergrund schob, und die "Kommunikation" ins Zentrum stellte.
Das Medium Theater und gemeinschaftliches Schaffen wurden Thema. Adi wies auf die Schwächen des Regietheaters hin und plädierte für die Suche nach neuen gemeinschaftlichen Formen. Beni erkannte in diesem Votum eine Unklarheit der Position. Eine klare Regie bedeute für ihn nichts schlechtes. Michael machte für Adis Haltung seine Biografie verantwortlich (als Musiker wird man im Theater von Regisseuren "benutzt"). Es wurde klar, dass der Begriff "spartenübergreifend" auch eine durchaus unangenehme Wirkung hat. Jeder und jede Schaffende wird zuerst auf seine Sparte verwiesen und dann zu einer kommunikativen Haltung aufgefordert. Das ist einer Diskussion nicht immer dienlich.
Um der Diskussion des Abends eine Wendung zu geben schlug Michael vor, den Einakter Ich spiel auf der Harmonika von Dimitrij Prigov zu lesen. Dies geschah. Eine weitere Flasche Wein wurde geöffnet.
Für die folgenden Essen gilt: jeden dritte Freitag findet ein Treffen am Gartenweg statt. Ich werde nach jedem Treffen ein Protokoll verschicken (wer sein Interesse an der Diskussion verloren hat, soll mir doch das sagen und ich werde nichts mehr schicken! Ich lege dem Protokoll eine jeweils aufgearbeitete Adressliste bei. Wunsch an die Eingeladenen: vom Denkbaren ausgehen. Spielregel: der Diskussion geht ein Nachtessen voraus. Ziel der Treffen: das Initiieren von Projekten. Mit lieben Grüssen. Adi.