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Ichamama AA Filterkaffee: Sascha zu Besuch in Kenia
Kenia, wo Kaffee nach Zitrone, Aprikose oder Blumen schmeckt
«Kellner, wenn das Tee ist, will ich Kaffee und wenn es Kaffee ist, dann will ich Tee!», mit diesen Worten entrüstete sich Abraham Lincoln seinerzeit über die Kaffeequalität in einem angesehenen Hotel. Wir persönlich hätten uns sehr über eine solche Tasse gefreut, denn fruchtige Kaffees bieten unserer Meinung nach eine wunderbare Trinkfreude. Vielleicht stammte die Kaffeebohne, die Mr. Lincoln widerstrebte, aus Kenia, denn afrikanische Kaffees können bei heller Röstung durchaus wie Schwarztee mit Zitrone schmecken.
Verglichen mit anderen Ländern, die Kaffee produzieren, begann der Anbau in Kenia erst spät zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Französische Missionare förderten zunächst den Anbau der Arabica Varietät «Bourbon» und aus Ostafrika gelangte später die Varietät «French Mission» nach Kenia. Aus dieser wurden später die Varietäten «SL34»/«SL28» und im Jahre 1995 «Ruiri» gezüchtet. Letztere ist in Kenia aufgrund der hohen Erträge weit verbreitet und sehr resistent gegenüber Schädlingen und Krankheiten, liefert aber im Vergleich ein qualitativ schlechteres Aroma.
Einmal waschen und trocknen bitte…
Ähnlich wie in Äthiopien stammen die Kaffeekirschen auch in Kenia aus den Farmen vieler Kleinbauern, welche sich zu Kooperativen zusammengeschlossen haben. Kenia produziert mehrheitlich «washed», also gewaschen aufbereiteten Kaffee. Die Produzenten liefern die Kaffeekirschen – je nach Tagesausbeute jeweils nur paar wenige Kilos - täglich erntefrisch zu den «Wet Mills». Dort wird penibel darauf geachtet, dass nur die reifen Kirschen weiterverarbeitet werden.
So kommt es, dass die Bauern vor Ort die grünen unreifen Bohnen aussortieren. Erst dann gelangen die Kaffeekirschen zur weiteren Verarbeitung in den Entpulper, eine Maschine, die die rote Haut entfernt und die Kaffeebohnen mit noch wenigen Fruchtfleisch-Rückständen «ausspuckt». Anschliessend werden die Bohnen in einem grossen Becken fermentiert, also solange gelagert, bis die zuckerhaltigen Rückstände komplett entfernt sind. Je nach Reifegrad der Kirschen kann dies zwei bis vier Tage dauern. Getrocknet wird unter regelmässigem Wenden während bis zu drei Wochen an der frischen Luft auf «Drying Beds». Zuletzt werden die Bohnen nach Grösse und Qualität sortiert und für den Export in 60kg Jutesäcke vernäht.
Januar 2020: Ein Traum geht in Erfüllung
Obwohl die Arabica-Bohne in Kenia keine allzu lange Tradition hat und die Einheimischen tatsächlich mehrheitlich Tee bevorzugen, gehören die kenianischen Bohnen zu den besten. Dies bestätigt die Tatsache, dass Kaffees bei Meisterschaften regelmässig in den besten Rängen platziert sind. Die Lust die afrikanische Lebensfreude im Ursprung in aber auch ausserhalb der Kaffeetasse zu erleben, führte dazu, dass uns unsere jüngste Kaffeereise im Januar 2020 nach Kenia führte.
Benjamin Hohlmann von den Kaffeemacher in Basel entdeckte 2014 einen grossartigen kenianischen Kaffee, mit welchem er im gleichen Jahr den Brewers Cup in der Schweiz gewann. Mit diesem Kaffee haben wir uns einen lang ersehnten Traum erfüllt und zusammen mit den Kaffeemacher direkt ab Farm eingekauft.
ICHAMAMA AA 2020: Rhabarber, Aprikose, saftig
Im zentralen Hochland, am Fuss des Mount Kenia in den Bergen von Nyeri auf 1700 m.ü.M., haben sich 927 Kaffeebauern zu der Othaya Farmer’s Cooperative zusammengeschlossen. Die Kooperative betreibt insgesamt 17 Verarbeitungsfabriken (wet mills) in dem Gebiet, in denen der Kaffee gewaschen aufbereitet wird. Ichamama ist der Name einer solchen «wet mill» und AA bedeutet, dass dies die beste Qualität in Kenia ist. Mit den klassischen kenianischen Arabica-Varietäten SL 28 und SL 34 verkörpern diese Bohnen alles, was wir von einem ausbalanciertem und spannenden afrikanischen Filterkaffee erwarten: schöne Fruchtnoten, eine eingebundene Säure, einen eleganten und runden Körper und ein superweiches Mundgefühl.
Der Kaffee wird im Grundsatz gewaschen aufbereitet aber mit dem Zusatz, dass die Bohnen vor der Trocknung zusätzlich noch etwa 24h unter Wasser gelagert werden (Anaerobe Fermentation).
Wir haben in den letzten zwanzig Jahren bisher doch schon einige Plantagen besucht. Was in Kenia jedoch hervorsticht, ist der akribische Aufwand, der betrieben wird und nur die reifsten Kaffeekirschen verarbeitet werden. Unreif geerntete Bohnen sind in vielen Ländern ein grosses Problem, denn dies bedeutet, dass sie bei der Röstung mangels Zucker nicht korrekt geröstet werden und in der Tasse erdnussartige negative Aromen ergeben. Bei unserem Besuch in der Othaya Kooperative hatten wir die Gelegenheit alle Kaffees der 17 Wet Mills zu cuppen – und wir können nun bestätigen: Ichamama produziert den elegantesten, süssesten aller Kaffees mit im 2019 deutlichen Waldbeeren-Noten und im 2020 Rhabarber-Noten und etwas Aprikose.
Shop
Produzentenbesuche in die Ursprungsländer des Kaffees sind immer mit sehr grossem Aufwand verbunden. Zum einen die Reise in die Ferne an sich, zum anderen aber auch die Transfers in die oft abgelegenen Anbau-Regionen. Zudem staunen wir immer wieder über die Herzlichkeit der Gastgeber vor Ort und möchten es nicht unterlassen allen beteiligten Personen für ihre Zeit und die herzliche Gastfreundschaft zu bedanken: Phyllis, Ian und alle Leute der Othaya Farmers Coop. sowie der Ichamama Wet Mill!