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Wie im vorangegangenen Film Tania la Guerillera erzählt Heidi Specogna in ihrem neuen Film vom Leben einer Frau, die aus politischer Überzeugung im Untergrund gegen ein totalitäres System kämpfte. Anhand des Schicksals von Margarete B. vermittelt die Filmerin gleichzeitig ein Stück Schweizer Geschichte während und nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Margarete B. arbeitete ab 1941 für die Schweizer Sektion der Roten Kapelle, eine Kundschaftergruppe der Roten Armee. Sie funkte unter dem Decknamen „Rosa“ von Genf aus Nachrichten über das nationalsozialistische Deutschland nach Moskau. 1943 wurde der illegale Sender entdeckt und „Rosa“ verhaftet. Noch 1947 verurteilte ein Schweizer Gericht sie mit der Begründung, sie habe Deutschland und Italien geschadet. Bis in die siebziger Jahre mußte sie sich regelmäßig bei der Polizei melden. Deckname: Rosa klärt - einmal mehr - über die Verflechtungen der Schweiz mit dem Faschismus auf.
Heidi Specogna stützt ihren Film auf die Erzählungen von Zeitzeugen. Darin liegen seine Stärken - aber auch seine Schwächen. Margarete B. antwortet nur sehr verhalten auf die Fragen Specognas. Manche ihrer Aussagen wirken naiv. Ihr Auftreten und ihre Umgebung erwecken den Eindruck, als habe sie unter dem Schock der Verfolgung durch die Schweizer Behörden hartnäckig versucht, eine bürgerliche „Normalität“ zurückzugewinnen. Einen befreienden „Kontrapunkt“ zu der Befangenheit „Rosas“ bildet Ruth Werner, die andere wichtige Frauengestalt des Films, die im Auftrag der Roten Armee in der Schweiz eine Funkstation einrichtete und Mitarbeiter ausbildete. Während sich Margarete B. als „Opfer der Geschichte“ darstellt, begreift sich Ruth Werner als aktiv handelndes, Geschichte machendes Subjekt.
Der Schwierigkeit, treffende Bilder zu Kommentaren zu finden, die historische Zusammenhänge beleuchten, ist Heidi Specogna durch Beschränkung auf einige prägnante Motive begegnet. So begleiten zum Beispiel Aufnahmen von der kapellenartigen Architektur der St. Petersburger Untergrundbahn Texte zur Tätigkeit der Roten Kapelle.
Deckname: Rosa ist ein sorgfältig gearbeiteter Dokumentarfilm. Er hätte noch mehr Profil gewinnen können, wenn Heidi Specogna den persönlichen Tonfall des Films vertieft und beispielsweise mit ihren Fragen den rechtfertigenden Tenor von Margarete B.s Erzählungen stärker durchdrungen hätte.