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Geprägte Verhaltensmuster sind bei Knaben und Mädchen nach wie vor stark verankert und beeinflussen den Bildungsweg. So sind Knaben im Alter von 15 Jahren empfänglicher dafür, der Schule den Rücken zu kehren, und Mädchen begeistern sich tendenziell weniger für wissenschaftliche Studien.
Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten OECD-Bildungsbericht hervor, der den Fokus auf die Geschlechter gelegt hat. Die Untersuchung stützt sich auf die Ergebnisse in 65 Ländern. Die Schweiz bewegt sich im Mittelfeld.
Immerhin gehört die Schweiz zusammen mit Deutschland, Portugal, der Slowakei und Tschechien zu jenen wenigen OECD-Ländern, in denen der prozentuale Anteil diplomierter Frauen im Wissenschaftsbereich zwischen 2000 und 2012 um mindestens zehn Prozentpunkte angewachsen ist.
Fundamentale Unterschiede von Knaben und Mädchen
Gemäss dem Bericht unterscheidet sich die Einstellung gegenüber Mathematik und Naturwissenschaften, und damit einhergehend auch das Interesse an Karrieren in einem naturwissenschaftlichen oder technischen Feld, zwischen Jungen und Mädchen fundamental.
Im OECD-Durchschnitt könne sich weniger als eines von 20 Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später in einem sogenannten MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu arbeiten. Bei den Knaben seien es immerhin vier von 20.
Dieses Ergebnis wird von den OECD-Experten als erstaunlich bezeichnet, zumal beide Geschlechter im PISA-Test Naturwissenschaften ähnliche Leistungen erbracht haben. Und es sei problematisch, weil es gerade die MINT-Berufe seien, die zu den bestbezahlten Karrieren führten.
Mädchen schneiden besser ab
Auf den ersten Blick schienen die Ergebnisse des PISA-Tests die Geschlechter-Präferenzen zu bestätigen: In vielen teilnehmenden Ländern hätten Knaben bei den mathematischen Aufgaben besser abgeschnitten, während die Mädchen ihre Altersgenossen beim Lesen in allen Ländern hinter sich liessen.
Bei genauerer Betrachtung falle allerdings auf, dass Mädchen in besonders leistungsstarken Volkswirtschaften in Mathematik mit den Jungen gleichauf seien und weit bessere Ergebnisse erbrächten als die Knaben der meisten anderen Länder.
Von der Gesamtheit der besonders leistungsschwachen Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sind 60 Prozent Knaben, wie es im Bericht weiter heisst. In der Schweiz liegt der Anteil bei 56,5 Prozent. Ihr Risiko, die Schule abzubrechen, sei dementsprechend höher als das von Mädchen.
Einstieg ins Lesen erleichtern
Deshalb sei es besonders wichtig, die Lesefähigkeiten der Knaben zu verbessern. Eltern und Lehrer sollten das unterschiedliche Lese- und Freizeitverhalten der Buben berücksichtigen, und ihnen den Einstieg ins Lesen durch passende Lektüre erleichtern.
So begeisterten sich Jungen häufiger für Comics, während Mädchen eher zu Romanen oder Magazinen griffen. Selbst ein gemässigter Konsum von Videospielen, für die Jungen eher Interesse zeigten als Mädchen, könne die digitalen Lesekompetenzen verbessern.
Ebenso sei das Leseverständnis der Jungen in in den zumeist asiatischen Ländern höher als das der Mädchen in schwächeren Teilnehmerstaaten. Die Geschlechterdifferenzen begründen sich laut OECD also nicht durch angeborenes Unvermögen oder Vermögen, sondern vielmehr durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie, der Schule beziehungsweise dem Lernen ganz allgemein.
Unterschiede verringert
"Wir haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Unterschiede in der Bildung von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen enorm verringert. Aber wir dürfen nicht aufhören, unsere Kinder dazu zu motivieren, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen", sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung des Berichts.
Eine Möglichkeit, Jungen und Mädchen zu hohen Leistungen anzuspornen, besteht laut dem Bericht in Lehrstrategien, die darauf ausgerichtet seien, dass die Schüler erklärten, wie sie zum Beispiel eine Mathematikaufgabe gelöst hätten. Erhielten die Schülerinnen und Schüler darüber hinaus noch Gelegenheit, das Gelernte in einem anderen Kontext oder in der Praxis anzuwenden, habe sich das Ergebnis für beide Geschlechter verbessert, vor allem aber bei den Mädchen.
SDA-ATS