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Desmond Tutu im Jahr 1998 zu Besuch im SOS-Kinderdorf Pietermaritzburg - Foto: SOS-Archiv
Im Interview spricht der frühere Erzbischof Desmond Tutu über die Bedeutung der Fussball-WM und der SOS-Kinderdörfer für Afrika (August 2005).
Exzellenz, welche Bedeutung hat die Fussball-Weltmeisterschaft, die nach 2006 in Deutschland als nächstes in Südafrika ausgetragen wird, für Ihr Land?
Desmond Tutu:
Sie ist eine unglaubliche Errungenschaft. Wie Sie vielleicht wissen, haben wir 1995 die Rugby-WM gewonnen. Das hat damals Wunder gewirkt. Der sportliche Erfolg hat die Menschen auf eine Art und Weise verbunden, wie es nur wenigen Politikern bisher gelungen ist. Wir freuen uns auf ähnliche Ergebnisse bei der Fussball-WM 2010. Die Fussball-WM lässt die Südafrikaner selbstbewusster werden. Dies ist das erste Mal, dass ein Wettbewerb dieser Grössenordnung auf afrikanischem Boden ausgetragen wird - nicht nur ein Sieg für Südafrika, sondern eine Errungenschaft für den gesamten afrikanischen Kontinent. Und wir sind sicher, dass die WM wunderbare Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben wird, dass sie Jobs schafft, und dass uns viele Menschen besuchen werden.
Sind Sie selbst Fußball-Fan?
Desmond Tutu:
Ich bin ein Fan vieler Sportarten - Fußball, Rugby, Cricket, Tennis. Und ich bin sehr gut darin - allerdings nur vom sicheren Sofa aus.
Sie haben vor einigen Jahren das SOS-Kinderdorf in Mamelodi eröffnet. Nun wurde in Rustenburg gerade der Grundstein für ein neues SOS-Kinderdorf gelegt. Ist dies aus Ihrer Sicht auch ein erstes Zeichen dafür, welchen Einfluss eine Fussball-Weltmeisterschaft auf ein Land haben kann?
Desmond Tutu:
Ich hoffe natürlich, dass dies der Anfang einer guten Entwicklung ist. Ich freue mich ausserordentlich, dass es dieses neue SOS-Kinderdorf in Rustenburg geben wird. Wir leiden hier sehr unter den Folgen der AIDS-Epidemie. Es gibt hier sehr viele AIDS-Waisen. Dieses Dorf ist ein Weg, die Auswirkungen der Epidemie zu bekämpfen. Ich bin mir sicher, dass es ein gutes Vorbild und auch Ermutigung für andere sein wird, hier noch mehr zu investieren.
Verknüpfen Sie bestimmte Hoffnungen mit dem neuen SOS-Kinderdorf?
Desmond Tutu:
Ich hoffe, dass es wächst und immer grösser wird. SOS-Kinderdorf ist eine hervorragende Organisation und ich zolle jedem, der da mitarbeitet, grosse Anerkennung. Sie machen wirklich einen grossartigen Job und ich wünsche ihnen viel Erfolg - sie haben ihn verdient.
Haben Sie einen persönlichen Wunsch für die verlassenen Kinder in Südafrika und für den Rest der Welt?
Desmond Tutu:
Ich wünsche mir eine ruhige Welt. Dass wir nicht mehr so viel Geld - so obszön viel Geld - für Verteidigungshaushalte ausgeben. Es müsste nur ein Bruchteil dessen dafür investiert werden, dass Kinder sauberes Wasser zu trinken und genug zu essen hätten, dass Kinder ein Zuhause hätten und medizinisch versorgt wären. Ich wünsche mir Frieden, vor allem Frieden. Und dass wir uns alle dafür einsetzen, diese Welt eine kinderfreundliche Welt werden zu lassen.
Desmond Tutu gilt als eine der Schlüsselfiguren bei der Überwindung des Apartheidregimes in Südafrika. 1984 wurde ihm der Friedensnobelpreis für sein Engagement verliehen. Auch nach Ende der Apartheid spielte Tutu eine wichtige Rolle im Prozess der Versöhnung und Vergangenheitsbewältigung in seinem Land. Heute gilt sein Engagement vor allem dem "Tutu Peace Center".
Neben dem früheren Präsidenten Nelson Mandela zählt Tutu zu den prominentesten Fürsprechern von SOS-Kinderdorf in Südafrika. Die Organisation engagiert sich seit 1979 in Südafrika.