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Die Osteopathie
Durch meine Ausbildung und meine Arbeit sind meine Hände extrem sensibilisiert. Es findet eine Art Kommunikation zwischen meinen Händen und dem Gewebe statt.
Osteopathie ist wie Blindenschrift lesen auf einem Körper
Bei einer Behandlung ist meine Aufmerksamkeit ganz bei meinen Händen. So werden kleinste Veränderungen im behandelnden Körper wahrgenommen. Ich fühle, wenn sich eine Struktur zum Beispiel: heisser, wärmer, kälter, härter, fester, weicher, angespannter, verspannter, erhöhter, flacher, eingezogener, abweisender anfühlt.
Das setzt natürlich voraus, dass man die physiologischen Strukturen des Körpers genau kennt. Nur wenn man weiss, wie sich eine Struktur physiologisch, also im normalen Zustand anfühlt, kann ein pathologischer, also eine krankhafter Zustand erkannt werden. Ich spreche jedoch lieber von verändertem Zustand, anstelle von krankhaftem Zustand. Denn ein veränderter Zustand ist nicht zwingend immer pathologisch!
In der Wirbelsäule befindet sich das zentrale Nervensystem (ZNS). Zwischen zwei Wirbeln treten jeweils ein Paar Spinalnerven, welche zum peripheren Nervensystem (PNS) gehören, aus dem Wirbelkanal. Jeder Spinalnerv innerviert ein Organ oder eine Struktur. Man kann sich also vorstellen, dass ein blockierter Wirbel sehr grosse Auswirkungen haben kann, wenn der Nerv in seiner Funktion eingeschränkt ist.
Wenn wir ein Skelett aufstellen, benötigen wir unzählige Schrauben und Drähte, damit das Skelett nicht in sich zusammenfällt. Beim lebendem Organismus halten Bänder, Sehnen, Muskeln und Faszien den Knochen an seiner Position. Ist ein Muskel auf der einen Seite verspannt und somit verkürzt, zieht er den dazu gehörigen Knochen auf die verkürzte Seite und blockiert deshalb das Gelenk. Wir müssen also in erste Linie den Muskel durch Massage- und Dehnungstechniken mit behandeln.
Es gibt verschiedene Methoden, um einen Knochen eines Gelenkes (zum Beispiel eines Wirbels) wieder in seine physiologische Position zu bringen.
Bei direkten Techniken wird der Knochen des Gelenkes mit viel Kraft oder sogar Hebelkraft direkt manipuliert und somit in die Ursprungsposition gebracht.
Bei der Osteopathie arbeitet man jedoch mehr mit indirekten Techniken, bei welcher man den Knochen in die Läsion hinein schiebt. Dadurch wird ein Inpuls im Hirn ausgelöst, was für den Therapieerfolg von Bedeutung ist. Denn im Hirn ist der Tonus jedes einzelnen Muskels gespeichert. Im Gewebe wird bewusst eine Spannung aufgebaut, welche man benötigt, um den Wirbel ohne viel Kraftaufwand in seine physiologische Position zurück zu begleitet.
Im Vergleich: eine Schublade welche klemmt.
Bei der direkten Technik wird die Schublade mit Kraft aufgerissen.
Bei der indirekten Technik schliessen wir die Schublade nochmals, machen sie wieder auf und wiederholen diesen Vorgang so oft, bis sich die Schublade ohne Kraftaufwand öffnen lässt.
Bei einer osteopathischen Behandlung können auch Organe (viscerale Osteopathie) mit einbezogen werden.
Es braucht jedoch einiges an Übung, wenn man die Organe, besonders bei einem Pferd, durch die dicken Muskelschichten ertasten möchte. Man kann sich das so vorstellen: Wenn man einen Gegenstand unter einem Tuch ertasten muss, ist es wesentlich einfacher, als wenn man einen Gegenstand unter einer dicken Decke oder Matratze ertasten muss.
Bei einer Behandlung an einem Körper, muss man somit oft alle anderen Sinne ausschalten und sich ganz auf seine Hände konzentrieren, damit man spürt, wo Veränderungen vorhanden sind.