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Zielsetzung
Auf der Grundlage der ausgewerteten Literatur und der qualitativen Studie wurde beschlossen, 2002 eine Befragung zur Gesundheit schwuler Männer in Genf durchzuführen. Ziel war die Erhebung von Standard-Daten über den Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten und die Einstellung zur Gesundheit. Die Daten sollten es erlauben, die häufigsten Gesundheitsprobleme Homosexueller zu benennen, um daraus die Prioritäten für Interventionsprojekte abzuleiten und die Gesundheitsbehörden zu sensibilisieren. So weit als möglich sollte die Befragung den Vergleich der Ergebnisse mit der Gesamtbevölkerung erlauben, um eventuelle Besonderheiten oder sogar Benachteiligungen in Fragen der Gesundheit zu erkennen.
Die Antworten der schwulen und bisexuellen Männer des Genferseebogens auf den Gesundheitsfragebogen des Projekts wurden mit den Antworten auf die gleichen Fragen der Männer der Gesamtbevölkerung bei der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) verglichen. Für die Basisbefragung 2002 wurden die Befragten verknüpft: Jeder Teilnehmer an der Befragung zur schwulen Gesundheit wurde mit einem gleichaltrigen Mann mit dem gleichen Wohnort und der gleichen Staatsangehörigkeit aus der SGB 2002 verglichen. Einige Fragen aus unseren Fragebögen kommen in der SGB nicht vor. Hier wurden zum Vergleich die Resultate von Gesundheitsbefragungen bei Männern aus der Gesamtbevölkerung in Ländern herangezogen, die mit der Schweiz vergleichbar sind. Die Quelle der Vergleichsstatistik wird unter der jeweiligen Grafik genannt.
Der Fragebogen
Um unsere Ergebnisse mit denjenigen aus der Gesamtbevölkerung vergleichen zu können, haben wir die gleichen Fragen verwendet wie die Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB). Wo europäische Standards für Gesundheitsbefragungen vorhanden waren, haben wir deren Fragen ausgewählt. Schliesslich wurden eine Reihe von Fragen aus der kanadischen Gesundheitsbefragung National Population Health Survey (NHPS) aufgenommen, da diese die psychosozialen Aspekte und die Lebensbereiche besonders gut abdecken.
Der Fragebogen der Basisbefragung zur schwulen Gesundheit 2002 beinhaltete 550 Fragen, 95% davon aus bestehenden standardisierten Tools und Erhebungen. Das Beantworten der Fragen dauerte eine bis anderthalb Stunden. Der Fragebogen war als vom Befragten selbst steuerbarer Katalog konzipiert, den man direkt auf dem Laptop oder online ausfüllen konnte. Aufgrund seiner Länge wurde er in zwei Teile geteilt, die man in einer einzigen Sitzung oder aber in wiederholten Sitzungen bearbeiten konnte, mit einem persönlichen Code und auf einer zu diesem Zweck eingerichteten Ad-hoc-Webseite.
Stichprobe
Bei Studien zu Minderheiten, die zudem schwer zu erreichen sind, ist die Frage der Repräsentativität eine Herausforderung. Basispopulation für unsere Befragung waren Männer, die sich als schwul oder bisexuell bekennen oder mindestens eine sexuelle Beziehung mit einem Mann gehabt hatten und Homosexuellen-Treffpunkte aufsuchen. Wir haben uns für das von den US-amerikanischen CDC (Centers for disease Control and Prevention) für schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen entwickelte Time-Space sampling entschieden. Alle von Genfer Schwulen frequentierten Treffpunkte, kommerzielle und nicht-kommerzielle, reale und virtuelle, wurden vorab analysiert, um die Besucherzahlen je nach Öffnungszeiten zu kennen und ein Porträt der Benutzer zu erstellen. Auf dieser Basis wurde ein Einsatzplan erarbeitet, der festlegte, wann, wo und an wie viele Besucher der Fragebogen nach dem Zufallsprinzip verteilt werden sollte.
|Anzahl Teilnehmer||Teilnahmequote|
|schwule Gruppen, Organisationen||69||86%|
|Bars, Cafés||69||61%|
|Discos, Partys||220||69%|
|Sex-Clubs||28||76%|
|Saunas||97||53%|
|Parks, öffentliche Toiletten||41||38%|
|Gays im Internet||47||15%|
|Total||571||50%|
Zwischen Oktober und Dezember 2002 sprachen unsere Rekrutierer 1153 Männer an, die den Kriterien für die Befragung entsprachen. 63% davon waren zur Teilnahme bereit. Schliesslich haben 571 Männer (50%) den Fragebogen auch ausgefüllt. Die Quote war an echten Treffpunkten am höchsten (62%), am schwächsten fiel sie auf den virtuellen Treffs im Internet aus (15%).
Die Ergebnisse der Basisbefragung wurden mit denjenigen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) 2002 verglichen. Konkret wurde jeder an der Basisbefragung teilnehmende, in der Schweiz wohnhafte schwule oder bi Mann mit einem gleichaltrigen Mann aus der SGB verglichen, der in der gleichen Region lebt und die gleiche Staatsangehörigkeit besitzt.