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Eine hochwertige Ausbildung ist eine der wichtigsten Grundlagen, auf denen man seine Zukunft aufbaut. Und doch gibt es in Israel, wie in zahlreichen anderen Ländern auch, einen grossen Unterschied im Bildungsstand zwischen ländlichen und städtischen Kommunen. Laut dem Israelischen Zentralbüro für Statistik werden 83 Prozent der in Tel Aviv und Umgebung lebenden Kinder an einer Schule angemeldet, während diese Prozentzahl bei den Kindern, die im weiteren Umkreis der Städte leben, lediglich 62 Prozent beträgt.
Von Lucy Anderson
An dieser Stelle kommt Ofanim ins Spiel, eine 2004 gegründete Non-Profit-Organisation, die sich dafür einsetzt, Bildung dorthin zu bringen, wo sie am meisten benötigt wird. Mithilfe von Bussen, die zu mobilen Klassenzimmern umkonstruiert wurden, unterhält Ofanim ergänzende Bildungsprogramme für Hunderte von Kindern in den ländlichen Regionen im Norden und Süden Israels.
In diesen Klassenzimmern auf Rädern unterrichten Lehrkräfte paarweise kleine Gruppen von Schülern vom dritten bis zum sechsten Schuljahr in den Fächern Wissenschaft und Technik. Während des Schuljahrs 2014/2015 nahmen über 1.200 Kinder an dem Programm teil, das eine breite Palette von Fächern abdeckt, darunter Medizin, Comics, Computeranimation und Robotik.
Gefördert von israelischen und US-amerikanischen Geldgebern, darunter Freunden und Unterstützern von Ofanim, der Bank Hapoalim, der Ted Arison Family Foundation, Applied Materials und dem israelischen Telekommunikationsunternehmen Bezeq, verfügt Ofanim über ein Jahresbudget in Höhe von ungefähr 1,5 Millionen Dollar für den Unterhalt von insgesamt sechs Bussen und einer Flotte von Vans, welche die Ausrüstung von einer Ortschaft zur nächsten transportieren.
Kinder, die an dem Programm teilgenommen haben, beschreiben es als „einen kleinen Ort mit grossen Träumen“, und mehrere unabhängige Evaluierungsberichte zeigen, dass das Programm das Selbstbild und das Selbstvertrauen der Kinder sowie ihre Motivation erfolgreich sein zu wollen, positiv beeinflussen. Die Arbeit der Organisation hat derart weitreichende Auswirkungen, dass das israelische Wohlfahrtsministerium sie im Jahr 2009 mit ihrem Excellence Award auszeichnete.
Die meisten Lehrkräfte sind Studenten der ersten oder fortgeschrittener Semester, die „einen strengen und anspruchsvollen Simulations- und Vorbereitungsprozess durchlaufen, bevor sie für diese Arbeit ausgewählt werden“, berichtet Adir Kan, CEO von Ofanim. „Sie sind sozial orientiert und fühlen sich den Kindern und unserer Sache extrem verpflichtet.“
Ofanim wurde von dem israelischen Unternehmer Haim Dahan gegründet, der im Viertel D aufwuchs, einem benachteiligten Stadtviertel in der im Süden Israels gelegenen Stadt Be’er Sheva. Seine Mutter, die ihn und seine neun Geschwister grosszog, arbeitete als Köchin in einem örtlichen Gemeindezentrum. Dort lernte sie Madeline Bergman kennen, die Ehefrau von Prof. Samuel Bergman, Gründer des ersten Fachbereichs für Informatik an der Ben Gurion Universität. Als Dahans Mutter eines Tages den Professor und seine Frau zum Mittagessen einlud, fragte Prof. Bergman Dahan, ob er denn etwas über Computer wisse. Dahan, damals im ersten Jahr am Gymnasium, antwortete, er habe nicht die geringste Ahnung davon.
„Einen Richtungssinn“
Bald darauf lud der Professor Dahan in die Universität ein und verschaffte ihm die erforderlichen Werkzeuge, um eine Grundausbildung in Sachen Computer zu erhalten. Diese Erfahrung veränderte Dahans Leben für immer; sie öffnete Türen, die ihm womöglich auf ewig verschlossen geblieben wären, wenn er nicht den Professor getroffen hätte. Laut Dahan ist Prof. Bergman „eine Person, die mir einen Richtungssinn verliehen und meine Fantasie beflügelt und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft entzündet hat.“ Resultierend aus Bergmans Einfluss, wollte Dahan anderen Kindern dieselbe Chance geben, die er erhalten hatte.
Heute, im 11. Jahr des Bestehens, experimentiert Ofanim mit einem neuen Bildungsmodell, das von Prof. Gad Yair, Leiter der Ausbildungsabteilung an der Hebräischen Universität, empfohlen wurde. „Es gibt drei wesentliche Veränderungen, die wir künftig in der Organisation umsetzen wollen: die Begleitung der Kinder ab dem dritten Schuljahr bis zur weiterführenden Schule, die Einbeziehung der Eltern und Lehrer der Kinder in das Programm sowie die Aufnahme weiterer Programme zum Aufbau von Entwicklungskompetenzen wie z. B. Debattieren und kreatives (‚out-of-the-box‘) Denken“, sagt Kan. … in diesem Falle wohl eher ‚out-of-the-bus‘-Denken!