Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03615.jsonl.gz/484

Elemente
Australien.
[* 2] Die Bevölkerung [* 3] der brit. Kolonien auf dem Australkontinent und Neuseeland betrug 3,672,803 Seelen, davon entfielen auf
|Victoria||1090869|
|Neusüdwales||1085740|
|Neuseeland||607340|
|Queensland||387463|
|Südaustralien||313065|
|Tasmania||146149|
|Westaustralien||42134|
In allen Kolonien zeigte sich eine Zunahme der Bevölkerung gegen das Vorjahr (von 5,95 Proz. in Queensland bis 0,21 in Südaustralien), nur Westaustralien hatte einen Verlust und zwar von 351 Personen aufzuweisen. Die Einwohnerzahl vermehrte sich durch Einwanderung in Victoria, [* 4] Neusüdwales u. Queensland und verlor durch Auswanderung in Südaustralien, Westaustralien und Neuseeland. Der Viehstand der sechs Kolonien des Kontinents beläuft sich auf 96,487,000 Schafe, [* 5] 9,248,949 Rinder, [* 6] 1,136,683 Pferde. [* 7]
Forschungsreisen.
Das Forschungswerk in dem Australkontinent ist zwar noch lange nicht abgeschlossen, denn die Karte weist noch ungeheure weiße Flecke auf; da es aber in hohem Grade unwahrscheinlich ist, daß neue Reisen ein wesentlich andres Bild von den natürlichen Verhältnissen des Landes geben werden als das, welches uns die Forschungen früherer Jahre geschaffen haben, so hat sich die Thätigkeit der Forscher mehr auf die genauere Kenntnisnahme schon bereister Gebiete beschränkt. So durchzog J. Forrest 1883 den Kimberleydistrikt im nordöstlichen Westaustralien, Ernest Favenc erforschte das Gebiet des in den Golf von Carpentaria mündenden Mac Arthur-Flusses, während Carrington die vor der Mündung dieses Flusses liegende Sir Edward Pellew-Gruppe näher untersuchte.
Die Entdeckung von Silbererzlagern von großer Ausdehnung [* 8] und überraschendem Reichtum in der Barrierkette an der westlichen Grenze von Neusüdwales machte diese öde Gegend auf einmal zu einem vielgesuchten, volkreichen Gebiet, und Mitte 1884 entdeckte Johnston am Ordfluß unter 17° 30' südl. Br. und 28° 40' östl. L. v. Gr. Gold. [* 9] Zugleich wurden die das Nordterritorium durchfließenden bedeutenden Gewässer (Daly, Adelaide, [* 10] Victoria) von ihrer Mündung ins Meer aus untersucht. Vom Cambridgegolf an der Nordküste machte Stockdale einen Vorstoß ins Innere, der von sehr günstigen Resultaten begleitet war. Dieselben Gegenden wurden auch 1885 wiederholt untersucht. Der Geolog Hardman forschte hier im Auftrag der Regierung von Westaustralien, ¶
forlaufend
ebenso von Port Darwin aus O'Donnell; Stockdale untersuchte den Cambridgegolf genauer sowie auch die um denselben liegenden Landschaften. Der zentrale Teil der australischen Alpen [* 12] wurde im Auftrag der Regierung von Neusüdwales von dem Geologen R. v. Lendenfeld untersucht und dabei festgestellt, daß nicht, wie man bisher annahm, Mount Kosciuszko ^[heute: Kosciusko] (2827 m) der höchste Berg Australiens ist, vielmehr dem von dem Forscher entdeckten und benannten Mount Clarke (3216 in) dieser Platz gebührt.
Von weitern Forschungsreisen im Australkontinent sind besonders zu nennen die Reise Lindsays vom zentralen Teil des Überlandtelegraphen
zu dem in den Golf von Carpentaria mündenden Mac Arthurfluß, die Reise von Giles und Laurie vom Überlandtelegraphen
zum Kimberleydistriit im J.1886 sowie die Untersuchung der mineralischen Reichtümer des Nordterritoriums durch den Geologen
Tenison Woods, welche außerordentlich günstig ausfielen, ebenso wie die 1888 ausgeführte Reise von Lindsay und von Brown und
East ins zentrale
Australien. Die Thätigkeit fast aller Forschungsreisenden hatte zum Zweck die Auffindung für
Ackerbau oder Viehzucht
[* 13] geeigneten Landes oder die Entdeckung mineralischer Schätze, insbesondere von Goldlagern.
Weit bedeutender war die Thätigkeit, welche in der Erforschung des neuerdings in den Besitz von England und Deutschland [* 14] übergegangenen Teils von Neuguinea entfaltet wurde. Eine 1884 von der Melbourner Zeitung »Age« ausgesandte Expedition unter Strachan drang vom Baxterfluß 195 km weit ins Land, entging aber nur mit Not den Angriffen der feindseligen Eingebornen; eine andre Zeitung: »Argus«, entsandte Armit, welcher mehrere der Inseln an der Südküste erforschte.
Ende des Jahrs heißten England an der Südküste, Deutschland an der Nordküste ihre Flaggen. [* 15] Die englische Regierung sprach zuerst ihre Schutzherrschaft über das Gebiet aus, übernahm aber in der Folge die Verwaltung, ebenso sprach Deutschland die Schutzherrschaft aus, überließ aber die Verwaltung der neu gebildeten Neuguinea-Kompanie. Im S. auf englischem Gebiet forschte 1885 Forbes, der zum Owen Stanley-Gebirge ging, die Australische Geographische Gesellschaft entsandte unter Everill eine wissenschaftliche Expedition, welche den Flyfluß 644 km aufwärts ging und bis nahe an die Grenze des deutschen Neuguinea gelangte, Strachan machte eine Fahrt auf dem Baxter und entdeckte mehrere neue Flüsse, [* 16] forschte auch sonst noch wiederholt an der Küste.
Der Russe Miklucho Maclay, welcher sich mehrere Jahre an der Nordostküste von Neuguinea aufgehalten hatte, kehrte 1886 mit reichen Sammlungen zurück, seine Ansprüche auf das ihm angeblich von den Eingebornen abgetretene Gebiet fanden bei der russischen Regierung keine Unterstützung. Auf englischem Gebiet machte Euthbertson Vermessungen und erstieg 1887 den 3120 in hohen Mount Obree; eine geplante Ersteigung des Mount Owen Stanley konnte nicht ausgeführt werden. Wiederholt wurden außerdem kleinere Vorstöße nach dem Innern sowie Befahrungen von Küstenflüssen, Untersuchungen der Küste vorliegender Inseln ausgeführt, die indes keine sehr wesentliche Bereicherung unsrer Kenntnis des Landes ergaben.
In dem deutschen Teil Neuguineas wurde emsig gearbeitet. Nachdem schon 1884 Finsch die Küste befahren und einzelne Punkte untersucht hatte, ging 1886 Kapitän Dallmann den Kaiserin Augusta-Fluß aufwärts, eine wissenschaftliche Expedition unter Schrader mit dem Botaniker Hollrung und dem Geologen Schneider wurde abgesandt, und der Landeshauptmann Freiherr v. Schleinitz beteiligte sich selbst eifrig an der Erforschung des Gebiets. Sitz der Verwaltung wurde Finschhafen, im Huongolf fand man eine ganze Anzahl vorzüglicher Häfen, Schrader drang mühelos auf dem Kaiserin Augusta-Fluß 600 km weit aufwärts, und auch sonst wurden überall Vorstöße ins Innere gemacht; 1888 unternahm Zöller vom Konstantinhafen in der Astrolabebai mit mehreren andern eine Expedition in das Finisterregebirge, welches bis 2750 m erstiegen wurde, dann besuchte Zöller auch die Salomoninseln. Ein Bericht des Kapitäns Strachan, wonach im holländischen Neuguinea die Geelvinkbai und der Mac Cluergolf durch eine Wasserstraße verbunden sein sollten, erwies sich bei genauer Untersuchung als falsch.
Im Juni 1885 war durch ein deutsches Kriegsschiff von den Karolinen, wo deutsche Interessen stark vertreten sind, Besitz ergriffen worden; doch machte Spanien [* 17] ältere Ansprüche geltend, welche auch von dem zum Schiedsrichter erwählten Papst anerkannt wurden, worauf Deutschland seine Ansprüche zurückzog.
Die in den jüngsten Jahren eingetretenen Besitzveränderungen in der Südsee sind sehr bedeutend. Außer der Teilung des bisher
noch unabhängigen Neuguinea und der Salomoninseln zwischen England und Deutschland, welch letzteres auch
Besitz vom Bismarck-Archipel und den Marshallinseln ergriff, fanden zahlreiche Annektierungen kleinerer Inseln seitens Englands
und Frankreichs statt. England heißte seine Flagge auf den Inseln Fanning, Christmas, Savage, der Cooks-oder Herveygruppe, Penrhyn
und Suwarow, Frankreich auf den Gesellschaftsinseln unter dem Wind, auf Futuna und den zum Australarchipel
gehörigen Inseln Rurutu und Rimitara. Neuere Litteratur: Graf Anrep-Elmpt,
Australien, eine Reise quer durch den ganzen Weltteil (Leipz.
1885, 3 Bde.);
v. Lendenfeld, Forschungen in den australischen Alpen (Ergänzungsheft 87 zu »Petermanns Mitteilungen«, Gotha [* 18] 1887);
Curr, The Australian race (Lond. 1888, 4 Bde.);
Favenc, History of Australian exploration (Sydney [* 19] 1889).