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Beschreibung: Folk war zu Beginn der 60er Jahre strikt akustische Musik mit ernsten Themen. Bob Dylan und die Byrds hybridisierten die Folkmusik und Rock/Beat zu diesem damals neuen und in Folkkreisen sehr umstrittenen Stil. Neu war die Elektrifizierung des Folk und dass Folk von Beat- bzw. Rock-Bands gespielt wurde, d.h. mit Schlagzeug, elektrischem Bass und elektrischen Gitarren. Folkrock entstand an der Ost- und Westküste; im wirkungsmächtigen Westcoast-Folkrock steckt viel vom entspannten, sonnigen, unbeschwert positiven Lebensgefühl der jungen Hipsters, die Mitte der 60er Jahre nach Kalifornien zogen (oder bereits dort lebten): Das Bild von David Hockney, A Bigger Splash, repräsentiert dieses Gefühl.
Die Folkrock-Sparte ist für die Rockmusik äusserst bedeutsam, weil sie durch die Hybridisierung mit dem ernsten Folk aus ihren Teenpop-Wurzeln herauswächst.
Entstehung: Folk war am Anfang der 60er Jahre eine Szene und eine Musik, die nichts mit Rock zu tun hatte. Eine äusserst intellektuelle, engagierte Musik, von und für Leute die alles andere als oberflächlich sein wollten. Amerikas Tradition war reich an ruralen und urbanen Folk-Exponenten. In New York waren die Weavers, Pete Seger, das Kingston Trio, Peter Paul and Mary, später Joan Baez und Bob Dylan Folk-Stars.
Am 25. Juli 1965 trat Bob Dylan mit Musikern der Paul Butterfield Blues Band am Newport Folk Festival auf. Dieser provozierende Auftritt kann aus der Sicht der Folktradition als der Beginn von Folkrock gesehen werden. Folk-Puristen mögen Dylan damals ausgebuuht haben, das Gelärm um diesen sagenumwobenen und vielzitierten Auftritt, an dem
Dylan seine Gitarre an einen Verstärker anschloss entstammt aber eher der mieserablen Soundqualität dieses Konzerts. Das Publikum verstand die Lyrics nicht - und das war es, was die Leute beleidigte, nicht die elektrischen Instrumente. Das Konzert jedenfalls markiert für die Geschichtsschreibung das Ende der Protest-Folkbewegung (und damit des American-Folkmusic-Revivals).
Zur selben Zeit arbeiteten in Los Angeles verschiedene Beat- bzw. Rock-Bands an der elektrischen Verison der Folkmusik: die Byrds, die Beau Brummels, die Turtles, Buffalo Springfield an der Westküste oder The Lovin' Spoonful an der Ostküste. Die Byrds formierten sich mit der Absicht, den Sound der 12-saitigen Rickenbacker Gitarre (zu hören auf A Hard Day's Night) von George Harrison von den Beatles mit dem zeitgenössischen Protestsong von Bob Dylan zusammen zu bringen.
Es war vor allem die Szene, die in Los Angeles entstand, die Musiker/-innen, die im Laurel Canyon lebten, die die Geschichte der elektrischen Folkmusik in der zweiten Hälfte der 60er Jahre bis in die 70er hinein prägten. Diese geografische Verschiebung des Epizentrums der Folkmusik von Boston und New York nach Los Angeles vollzog sich deshalb, weil einige ambitionierte Folkies, für die es in New York zu spät war, sich Meriten zu verdienen, nach Los Angeles auswanderten. O-Ton Stephen Stills: Wenn ich zwar als Musiker dort auch pleite bin, so habe ich in Kalifornien wenigstens sonnengebräunte Haut (Barney Hoskyns, 2006, S.4). Kalifornien war zuvor Heimat des Surf- und Hotrod-Sounds (Dick Dale, Jan And Dean, Beach Boys). Folkclubs waren dünner gesäht als in New York aber es gab welche: Unicorn Coffe Shop, Troubadour Club, Ash Grove. In ihnen bildete sich die Folkrock-Szene und deren Musik. Mit dem Monterey Pop Festival (16. bis 18. Juni 1967) wurde sie dann kommerzieller Mainstream.
Auch in Grossbritannien formierten sich am Ende der 60er Jahre Folkrockgruppen: Pentangle, Fairport Convention oder Steeley Span. Diese werden hier als British-Folkrock geführt.
Instrumente: George Harrison spielte eine Rickenbacker 12-String auf A Hard Day’s Night. Die Gitarre wurde ihm auf der ersten Amerika-Tournee vom Hersteller geschenkt. Das Modell war damals eine Neuheit und sie klang einzigartig. Man sprach von ihrem Chime-Sound (Glocken-Sound). Prominent zu hören ist sie in Ticket To Ride. Wenn man darauf einfache Folk-Akkorde als Arpeggios auf den oberen Saiten spielt spricht man auch von Jangle-Sound. Die Byrds strickten daraus ihren typischen Sound (wiederum eine Rickenbacker gespielt von Jim/Roger McGuinn). Ihr erster Hit Mr. Tambourine Man, das Dylan-Lied mit den Zeilen «Hey ! Mr. Tambourine Man, play a song for me / In the jingle jangle morning I'll come following you».
Ende: Man kann den Folkrock als kurze Episode der Rockgeschichte betrachten, wie es
Paul Nelson in The Rolling Stone Illustrated History Of Rock & Roll tut: «Although its duration was modestly brief, folk rock furnished an immodest number of previews to comming attractions, some of them important» (p. 117). Man kann aber ebenso diese kommenden Attraktionen zum Folkrock rechnen, dann hat diese Sparte eine lange Geschichte, die die Singer-Songwriter und den Psychedelicfolk mit beinhaltet.
Wichtige Acts: Bob Dylan [D], Byrds [D], Beau Brummels [D], Turtles [D], Buffalo Springfield [D], Crosby, Nash And Young [D]