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Impotenz, fachlich präziser spricht man auch von Erektionsstörung oder Erektiler Dysfunktion, bedeutet, dass ein Mann nicht in der Lage ist, eine Erektion zu bekommen oder lange genug zu halten, um ein befriedigendes Sexualleben zu führen. Impotenz tritt häufiger auf, als vielleicht vermute: Bis zur Hälfte der deutschen Männer im Alter von 40 bis 70 Jahren sind betroffen, wobei das Risiko einer Erektionsstörung mit zunehmendem Alter steigt.
Früher wurde Impotenz von Ärzten als ein primär psychologisches Problem betrachtet, das durch Leistungsangst oder Stress verursacht wird. Heute wissen die Mediziner aber, dass viele Fälle von Impotenz eine körperliche Ursache haben, die meist behandelt werden kann. Oftmals trägt aber auch eine Kombination von physischen und psychischen Faktoren zur Erektionsstörung bei.
Physische Ursachen der Impotenz
Physische Ursachen für Impotenz können sein:
- Beeinträchtigte Blutzirkulation im Penis
- Schädigung der Nerven, die für die Signale vom zentralen Nervensystem an den Penis verantwortlich sind und seltener
- Mangel an Testosteron oder anderen Hormonen
Auch einige Medikamente können zu Impotenz führen, ebenso bestimmte Operationen und Strahlentherapiebehandlungen.
Reduzierter Bluttransport zum Penis durch verstopfte Gefäße
Eine sehr häufige Ursache für Impotenz ist ein verminderter Blutfluss zum Penis. Ursächlich kann eine Atherosklerose sein, gemeinhin als Arterienverkalkung bekannt. Bei einer Atherosklerose werden die Arterien als Folge von Kalkablagerungen verengt, wodurch die Durchblutung des Körpers beeinträchtigt wird.
Zu den Risikofaktoren für Atherosklerose gehören:
- hoher Cholesterinspiegel
- Bluthochdruck
- Fettleibigkeit
- Schlafapnoe
- Diabetes
- Rauchen
Wenn Ihre Erektionsprobleme auf eine Atherosklerose zurückzuführen sind, kann es sein, dass auch die Arterien anderer Körperteile von Atherosklerose betroffen sind (z. B. die Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel versorgen). Insofern können Erektionsstörungen auch das erste Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit sein.
Da die Arterien zum Penis enger sind als die zum Herzen, können bei Ihnen Symptome einer Erektionsstörung auftreten, lange bevor Sie etwaige Anzeichen einer Herzkrankheit wie z. B. Angina Pectoris bemerken. Daher kann es für Ihre allgemeine körperliche Gesundheit durchaus wichtig sein, Ihren Arzt über Erektionsstörungen zu informieren. Impotenz kann auch durch ein Blutgerinnsel verursacht werden, das verhindert, dass genügend Blut für eine hinreichende Erektion in den Penis fließt.
Venöse Leckage
Bei einigen Männern gelangt das Blut zwar ungehindert in den Penis hinein, aber es tritt zu schnell wieder aus, um eine Erektion aufrechterhalten zu können. Dieses Phänomen wird als venöses Leck oder Leckage bezeichnet. In der medizinischen Forschung besteht keine einhellige Meinung zu möglichen Ursachen des venösen Lecks, dennoch ist eine Operation möglich und erfolgsversprechend.
Medikamente, die Impotenz verursachen können
Als Nebenwirkungen vieler Medikamente treten Erektionsprobleme auf. Hierzu zählen:
- Diuretika –zur vermehrten Ausschwemmung von Urin (oft bei Bluthochdruck eingesetzt)
- Medikamente gegen Bluthochdruck
- Cholesterinsenker (einschließlich Statine)
- einige Neuroleptika
- Antidepressiva
- Krebstherapien
- einige Medikamente zur Behandlung von Sodbrennen und Magengeschwüren
- Antihistaminika
- einige Schmerzmittel
- bestimmte Antiepileptika
Wenn Sie nach der Einnahme eines neuen Medikaments an Impotenz leiden, informieren Sie Ihren Arzt, der Ihnen möglicherweise ein anderes Medikament verschreiben kann. Setzen Sie aber ein Medikament nicht ab, ohne vorher Ihren Arzt zu konsultieren. Ihr Arzt sollte auch über alle rezeptfreien Medikamente oder Ergänzungsmittel informiert werden, die Sie zusätzlich einnehmen.
Die folgende Tabelle enthält eine Liste spezifischer Wirkstoffe, die eine Erektionsstörung verursachen oder dazu beitragen können. Diese Liste umfasst möglicherweise nicht alle Arten von Medikamenten, die eine Erektionsstörung auslösen können, also fragen Sie bitte im Zweifelsfall immer auch Ihren Arzt. Für einige dieser Wirkstoffe ist eine erektile Dysfunktion nur eine sehr seltene Nebenwirkung, d. h. die meisten Männer haben keine Erektionsstörungen durch die Einnahme von Medikamenten mit diesen Wirkstoffen.
Wirkstoffe, die eine Erektionsstörung verursachen können.
|Wirkstoffe||Beispiele|
|Beispiele||u. a. Captopril (Capoten), Enalapril (Renitec), Perindopril (Perindo), Ramipril (Tritace)|
|Antidepressiva||u. a. Amitriptylin (Endep), Clomipramin (Anafranil), Desvenlafaxin (Pristiq), Fluoxetin (Prozac), Paroxetin (Aropax), Sertralin (Zoloft), Venlafaxin (Altven, Efexor)|
|Antiepileptika||Clonazepam (Rivotril), Pregabalin (Lyrica)|
|Antimykotika||Itraconazol (Sporanox)|
|Wirkstoffe gegen Geschwüre||u. a. Cimetidin (Magicul), Nizatidin (Tazac), Ranitidin (Zantac)|
|Betablocker||u. a. Propranolol (Inderal), Metoprolol (Betaloc, Lopresor)|
|Andere Blutdrucksenker||Clonidin (Catapres), Lercanidipin/Enalapril (Zan-Extra), Losartan (Cozaar), Perindopril/Amlodipin (Coveram), Olmesartan/Amlodipin (Sevikar), Telmisartan/Amlodipin (Twynsta), Valsartan/Hydrochlorothiazid (CoDiovan)|
|Calciumantagonisten||Diltiazem (Cardizem), Felodipin (Plendil), Nifedipin (Adalat)|
|Cholesterinsenker||u. a. Atorvastatin (Lipitor), Ezetimib/Simvastatin (Vytorin), Fluvastatin (Lescol, Vastin), Gemfibrozil (Ausgem), Pravastatin (Pravachol), Simvastatin (APO-Simvastatin, Lipex, Zocor)|
|Diuretika||u. a. Bumetanid (Burinex), Chlorthalidon (Hygroton), Spironolacton (Aldactone)|
|Schizophreniemittel||Amisulprid (Solian, Sulprix), Haloperidol (Haldol, Serenace), Olanzapin (Lanzek, Ozin, Zypine, Zyprexa), Paliperidon (Invega), Risperidon (Rispa, Risperdal), Ziprasidon (Zeldox)|
|Kombination von cholesterin- und blutdrucksenkender Wirkung||Amlodipin/Atorvastatin (Caduet, Cadatin)|
|Schmerzmittel||Fentanyl (Denpax, Durogesic), Hydromorphon (Jurnista), Morphin (Momex SR, MS Contin), Oxycodon (OxyContin, OxyNorm, Targin), Tramadol|
|Diverse||Östrogene, Antiandrogene, Krebsmittel und einige Chemotherapien, Baclofen (Clofen, Lioresal); Cyproteronacetat (Androcur, Cyprohexal, Cyprostat), Degarelix (Firmagon), Etoricoxib (Arcoxia), Finasterid (Proscar, Propecia), Flutamid (Flutamin), Rotigotin (Neupro), Triptorelin (Dipherelin)|
*Die Namen in Klammern sind beispielhafte Handelsnamen, unter denen die jeweiligen Wirkstoffe vermarktet werden. Die einzelnen Wirkstoffe können auch unter anderen Handelsnamen vertrieben werden.
Übermäßiger Alkoholkonsum. Alkoholismus kann zu dauerhaften Nervenschäden und damit auch zu Impotenz führen. Man spricht in diesem Fall von peripherer Neuropathie. Langfristiger Alkoholkonsum kann die Funktionsfähigkeit der Leber beeinträchtigen. Hierdurch kann es bei Männern zu einer verstärkten Ausschüttung des weiblichen Sexualhormons Östrogen kommen, was zu einem Hormonungleichgewicht führt. Kurzfristig schwächt Alkohol das zentrale Nervensystem und beeinträchtigt das sexuelle Verlangen.
Konsum illegaler Drogen. Illegale Drogen wie Marihuana, Kokain, Heroin, Barbiturate und Amphetamine wirken auf das zentrale Nervensystem und beeinträchtigen die Fähigkeit des Körpers, auf sexuelle Stimulanz zu reagieren.
Bestimmte Sportarten. Längeres Radfahren oder die ausgiebige Benutzung eines Rudergeräts können Nerven- und Arterienschäden hervorrufen, was die Erektion beeinträchtigen kann. Oft reicht es zur Wiedererlangung der sexuellen Potenz aus, zu harte Fahrradsattel und Sitze von Trainingsgeräten auszutauschen oder die jeweiligen Sitze korrekte zu positionieren.
Eine Operation an Organen, die in der Nähe der Nervenbahnen des Penis liegen, wie z. B. Blase, Rektum oder Prostata, kann zu Nerven- oder Arterienschäden am Penis führen und infolgedessen zu erektiler Dysfunktion.
Verletzungen. Verletzungen des Rückenmarks, der Geschlechtsorgane oder eine Beckenfraktur können die Nervenbahnen oder Blutgefäße zum Penis affektieren. Ein verminderter Blutfluss zum Penis wiederum löst Erektionsprobleme aus.
Arzneimittel. Auch Medikamente wie Psychopharmaka können, wie oben bereits erwähnt, Impotenz hervorrufen.
Erkrankungen des Nervensystems. Multiple Sklerose (MS) und andere degenerative Erkrankungen des Nervensystems, wie z. B. Parkinson, können an der Erektion beteiligte Nerven schädigen.
Psychologische Ursachen der Impotenz
Zwar hat in den meisten Fällen eine Erektionsstörung physische Ursachen, bei einigen Männern sind jedoch psychologische Faktoren als Hauptursache auszumachen.
Psychologisch bedingte Impotenz tritt bei Männern, die sexuell noch unerfahren sind, häufiger als bei erfahrenen auf. Eine erektile Dysfunktion mit psychologischem Hintergrund kann auf den sexuellen Kontakt mit einer ganz bestimmten Person beschränkt sein. Und im Gegensatz zur physisch bedingten Impotenz sind morgendliche Erektionen oder Erektionen beim Masturbieren bei psychologischen Dysfunktionen sehr viel wahrscheinlicher.
Im Folgenden werden einige psychologische Faktoren aufgelistet, die einen Einfluss auf Ihre Erektion haben können.
Stress und Angstzustände
Wenn Sie gestresst sind und sich daher beim Sex von anderen Themen ablenken lassen, kann sowohl Ihr sexuelles Verlangen als auch Ihre sexuelle Leistungskraft nachhaltig beeinträchtigt werden. Die Eliminierung der Stressursache dürfte sich dann auch im Schlafzimmer positiv auswirken.
Angst vor dem Scheitern
Schon allein die Angst vor dem sexuellen Versagen (eine spezifische Form der Leistungsangst) kann ihre tatsächliche sexuelle Potenz beeinträchtigen. Indem Sie Druck auf sich selbst ausüben, werden Sie unsicher und bekommen womöglich keine zum Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion.
Viele Männer haben schon vereinzelte Erektionsstörungen erlebt. Aber auch dann, wenn eine womöglich nur zeitweilige körperliche Ursache überwunden ist, kann die Angst, dass sich ein Versagen wiederholen könnte, eine Erektion ausbleiben lassen. Angst, sei es eine spezifisch sexuelle oder eine breiter angelegte Angststörung, beeinträchtigt die Ausübung von Sexualität.
Probleme in Ihrer Beziehung und Impotenz
Impotenz kann Ausdruck einer unglücklichen Paarbeziehung oder einer problematischen Phase in einer Beziehung sein. Sexuelle Langeweile, Anspannung oder Streit zwischen den Partnern sowie ein Mangel an Intimität und Kommunikation sind mögliche Auslöser einer Erektionsstörung. In solchen Fällen kann eine Paarberatung hilfreich sein.
Bedenken Sie in jedem Fall: Eine erektile Dysfunktion ist ein medizinisch höchst komplexer Befund, der mehr als eine Ursache haben kann. Auch wenn beispielsweise die Impotenz primär aus einer Nebenwirkung von Medikamenten oder einer Grunderkrankung resultiert, kann auch nach der erfolgreichen Behandlung dieser körperlichen Ursache die Erektionsstörung weiter bestehen, etwa wegen einer nun in den Vordergrund tretenden Versagensangst.
Nahezu jede chronische (permanente) körperliche oder geistige Gesundheitsstörung kann einen signifikanten Einfluss auf die Sexualität, das sexuelle Selbstbild und die Erektionsfähigkeit haben – einschließlich solcher Störungen, die an sich keine direkte Auswirkung auf die Penisnerven oder die genitale Blutversorgung haben.
Wenn Sie sich Sorgen um Ihre sexuelle Leistungsfähigkeit oder Ihre Erektionsstärke machen, scheuen Sie sich nicht, einen Arzt zu konsultieren, der über vielversprechende Behandlungsoptionen verfügt.