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Selbstorganisation und Evolution im Spiegel von ``Faust II´´
Prof. Frank Schweitzer (ETH Zurich)
Forschungskolloquium, 28 November 2013, Collegium Helveticum, Zurich, Switzerland
Multimedia-Aufzeichnung des Vortrages
Die Selbstorganisationstheorie, so modern sie sich gibt, hat konzeptionelle Vorlauefer bereits in der Naturphilosophie des 18. und 19. Jahrhunderts. Die damals vorherrschenden Entwicklungstheorien, Praeformationslehre und Epigenese, intrepretieren die Ursache der organischen Entwicklung zwar unterschiedlich, aber immer als Organisation von aussen. In der Goethezeit gab es Versuche, diese widerstreitenden Theorien zu versoehnen und gleichzeitig organische Entwicklung als Organisation von innen zu verstehen. Goethe selbst hat mit seiner Morphologie eine solchen Ansatz vorgelegt. Damit stellt sich die spannende Frage, welchen Niederschlag diese naturwissenschaftlichen Arbeiten in Goethes literarischem Werk gefunden haben.
Diese Frage werde ich anhand des Zweiten Teils des Faustdramas beantworten. Was kompliziert klingt, wird einfach erklaert und bringt vierfachen Gewinn: (a) Verstaendnis fuer das wissenschaftliche Denken im ausgehenden 18. Jahrhundert, (b) eine Illustration heutiger Selbstorganisationstheorien, (c) einen Einblick in Goethes naturwissenschaftliche Auffassungen, und (d) den originellen Blick auf ein Drama, das zu Unrecht den Spezialisten ueberlassen wurde.