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Im Silicon Valley entsteht ein neuer Weltraum, der sich zum ersten Mal allein auf den Menschen und seine Bedürfnisse richtet», sagt Sean Chasey, CEO des Silicon Valley Space Center in Santa Clara, CA. Wir sitzen an einem schlichten Konferenztisch der «Sandbox Suites» auf rückenschonenden Herman-Miller-Stühlen, an den Wänden keine Tapete, sondern das Würfeldesign Mondrians und kubistische Bilder von Sci-Fi-Stars: Darth Vader, Superman, Hulk, R2D2.
«Man fragt sich, warum es stets die Start-ups des Valley sind, die Neues schaffen – warum hat Chrysler zum Beispiel keinen Tesla entwickelt? Geld genug dafür hätten sie gehabt», fährt Chasey fort und stützt seinen rechten Arm auf; die grün angelaufene Groblinigkeit des grossen, verzierten Ankers, der darauf tätowiert ist, verleiht der Eleganz des Raumes einen Hauch Verwegenheit. «Stattdessen war es Elon Musk, Gründer von PayPal, der ihn entwickelt hat. Dann hat er SpaceX gegründet, die erste Weltraumfirma, die Raumschiffe billiger, schneller und besser entwickeln kann als die NASA.» Für viele ist Elon Musk nach Steve Jobs der neue Visionär des Silicon Valley. Vor ein paar Monaten hat SpaceX der Presse das erste bemannte Raumschiff der Serie «Dragon» vorgestellt, das bis zu sieben Astronauten auf Missionen ins Weltall schicken kann.
Der «alte» und «neue» Weltraum
Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert schrieb Lukian erste Erzählungen von der Entdeckung fremder Planeten. In seinen «Wahren Geschichten» begibt er sich zusammen mit seinen Gefährten auf Segelfahrt, die, als der Wind das Schiff in die Höhe treibt, zur Luftfahrt wird. In der Höhe sehen die Reisenden andere, feuerfarbene runde Erden, landen auf dem Mond, dem Morgenstern und vielen anderen Planeten und bestehen Abenteuer. Lukian beschreibt seine Vision als Mischung aus Neugierde auf eine Welt jenseits der eigenen Grenzen und als Glauben an etwas, das er bisher weder gehört noch gesehen hat, kurz, als den Glauben an das unbedingt Neue. Die natürliche Grenze von Lukians Welt war das Meer. Im Silicon Valley, am äussersten Punkt der westlichen Welt, am Ufer des Pazifiks, schreibt sich die Geschichte Lukians fort.
Seit ein paar Jahren richtet sich, im Schatten des Hype um iPhone, Steve Jobs, Google und Twitter fast unbemerkt, die Imagination des Silicon Valley auf das Weltall. Start-ups wie SpaceX, Skybox Imaging, Planet Labs oder Moon Express initiieren die Privatisierung der Raumfahrt, die Kommerzialisierung des Weltalls und erweitern die Grenzen der Weltraumtechnologie. Dabei gehen sie laut Chasey fast beiläufig vor: Viele Weltrauminvestoren des Silicon Valley sind nicht nur Astrophysiker, Aerothermodynamiker oder Weltraumstationsleiter, sondern gleichzeitig Softwareentwickler, Ökonomen, Juristen oder Venture Capitalists, entwerfen nebenbei andere Projekte oder entwickeln Programme für Google, Facebook oder Quickpay. Chaseys Firma, das Silicon Valley Space Center, berät solche junge Start-ups, die die Entwicklung des «New Space», des «neuen Weltraums», vorantreiben wollen, im Hinblick auf Investition, Forschung und Marketing.
Der «alte» Weltraum ist für Chasey ein vor allem seit dem Kalten Krieg politisierter, ideologischer Nichtort, eine von der Erde aus gesteuerte abstrakte politische Drohung – denn kaum jemand bereist ihn je, nur knapp 500 Astronauten waren im Weltraum, seit Yuri Gagarin 1961 als erster ins All geflogen war. Der «neue» Weltraum hingegen sei, so Chasey, ein kommerzieller Ort, der durch die Mischung entstanden sei, die das Silicon Valley kennzeichnet: Dekonstruktion überkommener Firmenstrukturen auf der einen und Innovation neuer Produkte auf der anderen Seite.
106 000 Dollar pro Nanosatellit
Um die Bedürfnisse der Klienten einer transparenten Welt zu befriedigen, entwirft das in San Francisco gegründete Start-up Planet Labs Minisatelliten von der Grösse eines Brotkastens. Skybox Imaging, ein Start-up in Mountain View, baut kühlschrankgrosse Satelliten, Nanosatisi, ein weiteres Start-up ein Stück die Strasse runter fast neben Skybox Imaging, entwirft in etwas weniger als einem Jahr kostengünstige Nanosatelliten für 106 000 Dollar…