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Thiem warf alles in die Waagschale, was er hatte. Der 24-jährige Österreicher zeigte, weshalb er aktuell der zweitbeste Sandplatzspieler der Welt ist. Und dennoch: Am Monument Nadal konnte er nicht ernsthaft rütteln. Bis zum 4:5 im ersten Satz hielt er mit, und im dritten Satz - als Nadal scheinbar unbeirrt Richtung 11. Titel marschierte - kam nochmals kurz Hoffnung auf.
Urplötzlich, beim Stand von 2:1 und 30:0, lief der Spanier zum Schiedsrichter und klagte, er könne den Mittelfinger der linken (Schlag-)hand nicht mehr bewegen. "Ich hatte einen Krampf", erzählte der 32-jährige Mallorquiner später. "Ich bekam grosse Angst." Er musste sich aber keine Sorgen machen. Zwar beging er nach kurzer Pause einen Doppelfehler, schlug in der Folge langsamer auf, ansonsten geriet er aber nicht mehr in Bedrängnis. Nach einem weiteren Break nutzte Nadal nach 2:42 Stunden seinen fünften Matchball zum 11. Titel im Stade Roland-Garros.
Für den Weltranglisten-Achten Thiem war es der erste Final bei einem Grand-Slam-Turnier. Der Österreicher hielt über weite Strecken gut mit und trug viel zur hochklassigen Partie bei. Die entscheidenden Punkte gewann aber Nadal, der kurze Schwächeperioden des acht Jahre jüngeren Thiem konsequent ausnützte. "Du wirst hier schon bald gewinnen", versprach ihm Nadal bei der Siegerehrung. Vorerst muss der Kronprinz aber warten bis der König abdankt.
Es war auch die grössere Routine in solch grossen Finals, die am Ende zu Nadals Sieg beitrug. Ein schlechtes Game von Thiem am Ende des ersten Satzes genügte, um der Weltnummer 1 den letztlich vorentscheidenden Vorteil zu überlassen. Bei 4:5 spielte der Niederösterreicher ein miserables Game und schenkte dem Spanier den ersten Satz mit vier Fehlern geradezu. Und wenn Nadal, vor allem auf Sand, mal führt, ist er erst recht kaum zu stoppen. Er nahm Thiem auch im zweiten Satz gleich den Aufschlag zum 2:0 ab und war in der Folge näher an einem zweiten Break als dieser am Ausgleich.
Überhaupt agierte Nadal bei eigenem Aufschlag deutlich stärker als auf dem Weg in den Final. Das einzige Break gestand er Thiem im ersten Satz zum 2:1 zu, nachdem er selber mit einem Blitzstart in Führung gegangen war. Letztlich biss sich der Österreicher an den Konterqualitäten und der Spielübersicht des Linkshänders aus Manacor die Zähne aus. Nadal hatte auf fast alles eine Antwort, so dass Thiem oft zu viel Risiko eingehen musste. Er schlug zwar acht Winner mehr als Nadal (34:26), beging aber auch 18 einfache Fehler mehr als der Spanier (42:24). Allerdings ist ein Fehler gegen das "Sandmonster" kaum je wirklich "unerzwungen".
Im dritten Satz wehrte der Fussball- und Skisprungfan zunächst noch fünf Breakbälle ab, ehe er den Service zum 1:2 doch abgeben musste. Danach hätte nur noch eine Verletzung Nadal stoppen - oder ein aufziehendes Gewitter zumindest einbremsen können. Letztlich blieb Thiems Effort ähnlich unbelohnt wie vor einem Jahr derjenige Stan Wawrinkas. Der Österreicher gewann im Final neun hart erkämpfte Games, beim Waadtländer waren es noch drei weniger gewesen.
"Was du hier geleistet hast und noch immer tust, ist etwas vom eindrücklichsten, was je ein Sportler gemacht hat", meinte Thiem an die Adresse von Nadal. Dessen unfassbare Bilanz in Paris steht mittlerweile bei 86 Siegen und 2 Niederlagen. Mit nun 17 Grand-Slam-Titeln schloss er wieder bis auf drei Siege zu Roger Federer, der Roland Garros zum dritten Mal in Folge ausliess, auf. Er bleibt auch vor dem Schweizer, der diese Woche in Stuttgart auf Rasen zurückkehrt, die Nummer 1 der Welt.
(sda)