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Bei Halsschmerzen handelt es sich um Schmerzen im Bereich des Halses und des Rachens. Sie sind keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das auf verschiedene Erkrankungen hinweisen, aber auch nach Überbeanspruchung der Stimme oder durch Reizung auftreten kann. Abhängig von ihrer Dauer, lassen sich Halsschmerzen einteilen in
- eine akute Form, die meist nach ein paar Tagen, spätestens jedoch innerhalb von 14 Tagen wieder abklingt. Akutes Halsweh tritt meist im Rahmen eines Infekts auf. Jedes Jahr leiden Erwachsene durchschnittlich etwa dreimal, Kinder sogar circa achtmal unter diesen lästigen Beschwerden.
- eine chronische Form, bei denen die Halsschmerzen länger als 14 Tage bestehen. Meistens treten keine anderen Anzeichen eines Infekts auf. Ursache sind häufig äussere Einflüsse wie Rauchen, Umweltfaktoren oder Erkrankungen.
Halsschmerzen beginnen in der Regel mit einem leichten Kribbeln im Hals, dem ein Kratzen folgt. Der Hals ist rau sowie gerötet, die Schleimhäute im Hals- und Rachenbereich schwellen an, das Schlucken und manchmal auch das Reden schmerzt.
Ursache akuter Halsschmerzen sind in den meisten Fällen Infekte mit Viren, allen voran Erkältungsviren (z.B. Rhinoviren). Das Immunsystem reagiert auf die Krankheitserreger in den oberen Atemwegen mit einer Entzündungsreaktion. Die Folge sind gerötete, angeschwollene Schleimhäute und Schluckbeschwerden. Je nachdem, welche Stelle von der Entzündung betroffen ist, unterscheiden Ärzte zwischen
- einer Stimmband- oder Kehlkopfentzündung (Laryngitis)
- einer Rachenentzündung (Pharyngitis) oder einer kombinierten Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut (Rhinopharyngitis)
- einer Mandelentzündung (Angina tonsillaris, Tonsillitis).
Manchmal stecken aber auch potenziell schwerwiegende Erkrankungen hinter den Halsschmerzen wie z. B.
- eine bakterielle Epiglottitis, eine durch Bakterien verursachten Entzündung des Kehldeckels
- das durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose)
- Scharlach
- Mumps
- Grippe (Influenza)
- Diphtherie, die aufgrund der Impfungen jedoch sehr selten geworden ist.
- Entzündung der Schilddrüse
- Allergien
- Verbrennungen
- ein Fremdkörper in der Speiseröhre
Auslöser chronischer Halsschmerzen oder Schmerzen beim Schlucken sind beispielsweise:
- Rauchen
- Schnarchen oder das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, bei der es im Schlaf wiederholt zu Atemaussetzern kommt
- bestimmte Medikamente wie beispielsweise die bei Bluthochdruck eingesetzten ACE-Hemmer oder inhalative Kortikosteroide („Kortison-Spray")
- Umweltfaktoren wie z.B. Luftverschmutzung, trockene Luft
- starke Beanspruchung bzw. Fehlbelastung der Stimme (z. B. bei Sängern, Lehrern, Rednern)
- Sodbrennen (Reflux-Erkrankung)
- Gefässentzündungen (Vaskulitiden)
- Schilddrüsenerkrankungen
- wiederkehrende Mandelentzündung (Tonsillitis)
- selten: gutartige (beninge) oder bösartige (maligne) Schwellungen der Lymphknoten (Lymphadenopathien) wie das Hodgkin-Lymphom oder die Lymphknotenentzündung (Lymphadenitis).
Hinter den meisten Halsschmerzen steckt eine Virusinfektion, die nicht ursächlich behandelt werden kann. Welche Arzneimittel zum Einsatz kommen, richtet sich vielmehr nach den vorhandenen Beschwerden (symptomatische Therapie). Möglich sind:
- Lokalanästhetika; betäuben die Schmerzen. Wirkstoffe dieser Gruppe können die Geschmackswahrnehmung beeinträchtigen und ein Taubheitsgefühl auf der Zunge hervorrufen. Beides ist jedoch nur vorübergehend.
- Antiphlogistika; werden als Tabletten bzw. Lutschtabletten eingenommen und wirken schmerzstillend, entzündungshemmend sowie fiebersenkend
- desinfizierende Wirkstoffe; sollen die Keimzahl im Rachenbereich verringern. Ihr Nutzen ist jedoch umstritten, da sie nur oberflächlich wirken und nicht in tieferen Geweben, wo sich die Infektion eigentlich abspielt.
- Lutschtabletten mit Antibiotikum; ihr Wirkstoff wird beim Verschlucken durch die Salzsäure im Magen inaktiviert und damit nicht vom Körper aufgenommen. Der Einsatz ist umstritten, da Antibiotika auf der einen Seite bei Infektionen verursacht durch Viren nicht helfen. Auf der anderen Seite reicht die Wirkung von Antibiotika, die nur gelutscht werden, bei bakteriellen Infektionen nicht aus.
- salzhaltige Lutschpastillen, die schleimhautabschwellend wirken
- Halstabletten mit dem Wirkstoff Hyaluronsäure; bilden ein Gel, das sich schützend über die angegriffene Schleimhaut legt
Halsschmerzen aufgrund von bakteriellen Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Bei Pilzerkrankungen helfen Antipilzmittel (Antimykotika).
Doch nicht nur der Wirkstoff, auch die Form des Arzneimittels (Darreichungsform) spielt eine wichtige Rolle:
- Lutschpastillen befeuchten die Schleimhaut im Rachen. Sie erreichen den hinteren Rachenbereich, jedoch nicht den Kehlkopf.
- Sprays können meist gezielter eingesetzt werden als Lutschpastillen und dringen auch in tiefe Rachenbereiche vor. Bei der Einnahme ist darauf zu achten, dass sie nicht beim Einatmen angewendet werden dürfen (anders als bei Asthmamedikamenten). Vielmehr werden sie bei geöffnetem Mund direkt in den Mund- und Rachenbereich eingesprüht.
- Gurgellösungen wirken schnell und lassen sich individuell dosieren. Sie erreichen nur den vorderen Rachenbereich. In tieferen Regionen lösen sie einen Würgereflex aus.
Viele pflanzliche Arzneimittel wirken auf mehrere Arten. Sie werden in Form von Teemischungen, zur Herstellung von Gurgellösungen, als Halstabletten, Tropfen oder Saft angeboten (eine Auswahl):
- Salbei (Salvia officinalis) wirkt gegen Bakterien und Viren, löst Krämpfe und hemmt übermässiges Schwitzen.
- Kamille (Matricaria chamomilla) wirkt gegen Bakterien, fördert die Wundheilung und hemmt Entzündungen.
- Isländisch Moos (Certaria islandica) ist eine Flechte, die unter anderem in Teemischungen, Halstabletten oder Säften zu finden ist. Eingesetzt wird sie bei trockenem Husten oder Halsschmerzen. Ihre Schleimstoffe bilden eine Schutzschicht auf der Schleimhaut.
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wirkt reizlindernd sowie antibakteriell.
- Königskerze (Verbascum densiflorum) enthält Schleimstoffe, die reizlindernd wirken.
- Thymian (Thymus vulgaris) wirkt auswurffördernd und antibakteriell.
- Pfefferminze (Mentha piperita), das z.B. in Halssprays angenehm kühlend wirkt.
- Eichenrinde (Quercus robur) für Gurgellösungen hemmt Viren und wirkt auf die Schleimhäute zusammenziehend (adstringierend).
- Ringelblumen (Calendula officinalis) in Gurgellösungen fördern die Wundheilung und hemmen Entzündungen.
Folgende Hausmittel kommen bei Halsschmerzen zum Einsatz:
- Viel trinken. Die Flüssigkeit hält die Schleimhäute im Hals feucht, so dass Viren schwerer in tiefere Bereiche vordringen können. Besonders bewährt haben sich beispielsweise Tees aus Salbei, Kamille, Spitzwegerich oder Thymian. Pfefferminztee ist aufgrund seiner Schärfe bei Halsschmerzen ungeeignet.
- Gurgeln mit Salzwasser (1 Teelöffel auf 250 ml Wasser), Apfelessig, Zitrone oder abgekühltem Kamillen- bzw. Salbeitee. Gurgellösungen lindern Halsschmerzen und hemmen Bakterien. Zu beachten ist, dass Gurgeln bei eitriger Mandelentzündung nicht durchgeführt werden sollte, da dies das Eindringen der Krankheitserreger in die Blutbahn begünstigen kann.
- Inhalieren mit warmem Dampf, eventuell mit Zusatz von Kamillenblüten oder ätherischem Eukalyptusöl. Dies hält die Atemwege feucht und lindert Schmerzen. Für Kinder und Menschen mit Asthma sind ätherische Öle jedoch ungeeignet, da sie Luftnot auslösen können.
- Lüften! Trockene Luft (z. B. Heizungsluft) trocknet die Schleimhäute im Rachen aus, so dass diese anfälliger für Viren werden.
- Warmhalten, z.B. mit einem Schal; dies fördert die Durchblutung und sorgt so dafür, dass Abwehrzellen schneller zum Ort der Entzündung gelangen.
- warme Halswickel z.B. aus Kartoffeln; sie lindern Schmerzen
- übermässiges Schwitzen vermeiden
- Verzicht auf Rauchen, Alkohol und scharfes Essen, um die Schleimhaut nicht zusätzlich zu reizen
- bei Heiserkeit: Stimme schonen
Halsschmerzen heilen in der Regel von alleine wieder ab. Komplikationen treten nur selten und infolge einer bakteriellen Infektion auf:
- Bildung einer Eiteransammlung, welche sich abkapselt (Abszess). Breitet diese sich über den Rachen in den Brustraum aus, besteht Lebensgefahr. Behandelt werden Abszesse mit Antibiotika.
- Blutvergiftung (Sepsis), wenn die Erreger einer Mandelentzündung in die Blutbahn gelangen. Eine Sepsis ist ein Notfall.
- rheumatisches Fieber
- Entzündung der Gelenke (Gelenkrheumatismus)
- Entzündung des Herzens (Endo-, Myo-, Perikarditis)
- akute Nierenentzündung (akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis), welche meistens Schulkinder betrifft.
Weitere Komplikationen sind möglich, wenn hinter den Halsschmerzen Erkrankungen wie Pfeiffersches Drüsenfieber, Scharlach etc. stecken oder wenn sie Folge einer Grunderkrankung, wie z.B. dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, sind.
Ursache der meisten Halsschmerzen ist eine durch Viren ausgelöste, grippale Erkrankung. Die Beschwerden treten dann nur wenige Tage auf. Ein Arztbesuch ist in diesen Fällen nicht notwendig. Sinnvoll wird ein Arztbesuch immer dann, wenn die Halsschmerzen
- sich nach etwa drei Tagen nicht bessern oder sogar verschlimmern
- häufig wiederkehren oder chronisch sind
- von Beschwerden wie hohem Fieber oder einem schweren Krankheits- und Schwächegefühl begleitet werden
- mit starken Schluckbeschwerden einhergehen
- einseitig und vor allem beim Mundöffnen auftreten
- von Ohrenschmerzen oder geschwollenen Lymphknoten begleitet werden
- mit geröteten, geschwollenen und mit Belägen überzogenen Mandeln einhergehen
- zusammen mit einem Hautausschlag auftreten
- nicht wieder abklingen und eine Schwellung im Rachen- oder Zungenwurzelbereich zu spüren ist.
Ein sofortiger Arztbesuch wird notwendig bei Halsschmerzen
- aufgrund von Insektenstichen bzw. -bissen in den Hals oder Rachen
- aufgrund von verschluckten Fremdkörpern
- aufgrund von Verätzungen und Verbrennungen im Rachen oder in der Speiseröhre
- mit Luftnot
- mit Krämpfen oder Nackensteife
Alle Tätigkeiten, die die Mund- und Rachenschleimhaut schädigen, erhöhen das Risiko für Halsschmerzen, da sich dann Krankheitserreger leichter ausbreiten können. So können beispielsweise Rauchen und Passivrauchen oder ungewohnt lautes, anstrengendes Reden Entzündungen im Hals- und Rachenbereich verursachen. Das gleiche gilt für trockene Luft, Staub und Chemikalien oder eine nicht bzw. unzureichend behandelte Allergie.
Halsschmerzen lassen sich mit folgenden Massnahmen vorbeugen:
- Stärken des Immunsystems. Erkältungen, die Hauptursache für Halsschmerzen, lassen sich mit Sauna, Wechselduschen, Bewegung an frischer Luft sowie einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung reduzieren. Stress, Schlafmangel und regelmässiger Alkoholkonsum dagegen schwächen die Abwehrkräfte und erhöhen daher das Erkrankungsrisiko.
- Regelmässiges Stosslüften in Wohnräumen, um die Luftfeuchtigkeit zu verbessern
- Viel trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten. Denn trockene Schleimhäute sind anfälliger für Krankheitserreger.
- Einhalten der Hygieneregeln, wie z.B. Abstandhalten zu erkälteten Personen oder Hände waschen
Kleinkinder können den Schmerz noch nicht genau zuordnen. Schmerzen im Rachenbereich werden manchmal sogar als Bauchweh angegeben. Aber eine gerötete Rachenschleimhaut, Schluckbeschwerden oder das Ablehnen von Essen und Trinken deuten auf eine Halsentzündung hin.
Behandlung der Halsschmerzen:
- In den ersten Tagen nach Krankheitsbeginn können bei starken Beschwerden Schmerzmittel gegeben werden (auf Dosierung achten!). Vorsicht: keine Acetylsalicylsäure, da dies das Risiko für die Kinder erhöht, an dem Reye-Syndrom zu erkranken, einer schweren Erkrankung von Gehirn und Leber
- ausreichend trinken
- heisse Milch mit Honig, einen warmen Schal um den Hals oder andere Hausmittel empfinden Kinder häufig als wohltuend
- Gurgeln mit Salbeitee lindert die Beschwerden im Rachenraum. Etwa ab vier Jahren kann dieses Hausmittel eingesetzt werden, doch sollte vorher mit dem gesunden Kind das tonlose Gurgeln zuerst geübt werden.
- Lutschpastillen, vorausgesetzt, die Kinder verschlucken diese nicht mehr
Selbstbehandlung kommt nur bei Kindern ab sechs Monaten infrage und auch nur dann, wenn die Beschwerden leicht sind. Bei Fieber, stark geröteten oder geschwollenen Schleimhäuten, belegten Mandeln, Atemnot, einem typisch bellend-pfeifenden Husten oder bei Unsicherheit der Eltern ist ein Arztbesuch zu empfehlen.
Halsschmerzen sind während der Schwangerschaft keine Seltenheit und stellen für das Ungeborene keine Gefahr dar. Da das Immunsystem während dieser Zeit anfälliger für Erkältungsviren sind, leiden Schwangere sogar etwas häufiger unter ihnen. Bei Halsentzündungen helfen Lutschpastillen, Bonbons und Tees oder Gurgellösungen. Ziel ist, die Schleimhäute feucht zu halten und ausreichend zu schlucken. Arzneimittel, die die Schmerzen im Rachenraum betäuben oder den Hals desinfizieren, sind nicht notwendig. Vorsicht ist auch bei Salbei angezeigt, da diese Heilpflanze den Milchfluss hemmt und daher während der Stillzeit nicht ratsam ist.
Eine der häufigsten derzeit gestellten Fragen lautet, ob man bei Halsschmerzen lieber daheimbleiben sollte. In den vergangenen Jahren ist es fast schon zur Normalität geworden, trotz eines grippalen Infekts mit Halsschmerzen oder Schnupfen weiter zur Arbeit, in die Schule etc. zu gehen. Doch es ist sinnvoll, sich bei leichten Beschwerden mit dem Arbeitgeber abzustimmen, ob das Erscheinen im Büro gewünscht ist. Menschen mit schwereren Symptomen wie Fieber, Atemnot usw. sollten auf jeden Fall zu Hause bleiben und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen.