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1. Die Zeit drängte noch mehr als sonst
Wer heute eine abendfüllende Oper komponiert, braucht dafür in der Regel mehr als ein Jahr. Das musste zu Donizettis Zeiten deutlich schneller gehen. Er schrieb bis zu fünf Opern pro Saison.
Rekordverdächtig in puncto Schnelligkeit war seine Arbeit an «L’elisir d’amore»: Nur gut zwei Wochen nachdem er als Einspringer den Auftrag zur Komposition erhielt, musste das Stück über die Bühne gehen (Proben- und Kopierarbeit inklusive).
Donizetti schrieb am 27. April 1832 fast stolz: «Ich habe mich verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen eine Oper zu schreiben». Er liess sich nicht aus der Ruhe bringen und schaffte alles bis zur Uraufführung am 12. Mai.
Kaum vorstellbar diese Effizienz, aber damals gab es ja noch keine ablenkenden Social-Media und keinen Fernseher. Ausserdem waren die Opern dieser Zeit einigen Schemata unterworfen, was beim Komponieren Zeit spart.
2. Dieser Herr ruinierte beinahe eine der schönsten Arien
Um ein Haar wäre eine der schönsten Tenorarien nicht geschrieben worden. Der Librettist von «L’elisir d’amore», Felice Romani, war offenbar nicht sehr teamfähig. Oft stritt er mit Komponisten, für die er Libretti verfasste. So auch mit Donizetti.
Es ging um eine Tenorarie, die Donizetti für den zweiten Akt vorschlug. Romani war aus dramaturgischen Gründen komplett dagegen, weil der Fluss der Handlung durch eine grössere Solonummer gestört werde.
Donizetti insistierte aber und setzte sich schliesslich durch. Zur Freude aller Tenöre und Opernfans komponierte er die unsterbliche Romanze «Una furtiva lagrima».
3. Die angekündigte Barcarole ist eine Polka
Zu Donizettis Zeiten konnte das Opernpublikum sehr genau zwischen einer Barcarole und einer Polka unterscheiden. Könnten Sie das auch?
Im zweiten Akt erklang nicht, wie von Dulcamara gross angekündigt, eine Barcarole, sondern eine Polka (noch dazu eine mit dem äusserst geistreichen Text «Ich bin reich und du bist schön»).
Damals bemerkten das die Zuhörenden sofort. Dieser Gag dürfte für so manchen Lacher gesorgt haben. Statt eines sanft wiegenden, venezianischen Gondellieds im 6/8-Takt, kam ein stampfender, böhmischer Tanz im 2/4-Takt. Das wäre etwa so wie, wenn man heute einen Reggae ankündigt und dann Tech House spielt.