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Stirbt eine Sprache aus, geht eine Kultur verloren
Gegenwärtig werden auf der Erde über 5000 verschiedene Sprachen gesprochen. Jede zweite Woche stirbt eine aus. Sprechen wir in hundert Jahren nur noch Englisch?
Im 10. Jahrtausend vor Christus gab es laut dem Linguisten Michael E. Kraus die grösste Sprachdiversität. Seither geht die Zahl der gesprochenen Sprachen immer schneller zurück. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
Viele der heute gefährdeten Sprachen werden nur noch von einigen Tausend Menschen gesprochen, die oft über 60 Jahre alt sind. Tofa, eine Sprache in Zentralsibirien, beherrschen nur noch ca. 25 Personen. Aka-Bo, eine in Indien gesprochene Sprache, ist 2010 ausgestorben.
Stirbt eine Sprache aus, geht auch ein Grossteil der jeweiligen Kultur verloren: die Geschichte eines Volkes, seine Philosophie, Gebete, Mythologie, Zeremonien, Gedichte, Begrüssungs- und Verabschiedungsformen, Gesprächs- und Verhaltensweisen, Humor, die Art mit Kindern zu sprechen, Gewohnheiten und Gefühle. All diese Dinge müssen nun in einer anderen Sprache ausgedrückt werden – mit anderen Wörtern, Lauten und einer anderen Grammatik. Während dieses Prozesses verschwinden viele Traditionen und werden durch die kulturellen Gepflogenheiten der neuen Gemeinschaft ersetzt.
Über viele Jahrhunderte hinweg können sich aber auch komplett neue Sprachen bilden. So sind aus verschiedenen Dialekten des Lateins die romanischen Sprachen entstanden. Viele Sprachen und die damit verbundene Kultur haben sich seit Beginn der Menschheit weiterentwickelt.
Sollte Englisch tatsächlich eines Tages die Weltsprache werden, würde es vermutlich Zehntausende von Jahren dauern, bis auch nur eine annährend ähnliche kulturelle Diversität vorhanden wäre, wie wir sie heute haben.
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