Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/170205

<h2>SubmittedText<h2><p>Am Terni-Festival, zu dessen Sponsoren auch Pro Helvetia (mit 6000 Euro) zählt, wurde eine Koproduktion aus Österreich, Holland, Belgien und Deutschland mit dem Titel "Schönheitsabend" aufgeführt, die explizite Sexszenen zwischen der Darstellerin und dem Darsteller enthält. Deshalb frage ich den Bundesrat:</p><p>1. Wie viele und welche Theaterproduktionen finanziert Pro Helvetia im Ausland?</p><p>2. Gestützt auf welche Bestimmung der Verordnung über Beiträge der Stiftung Pro Helvetia (SR 442.132.2) hat Pro Helvetia beschlossen, ein Theaterfestival in Umbrien mit 6400 Franken zu unterstützen?</p><p>3. In Bezug auf Artikel 4 (Eignungskriterien) der obengenannten Verordnung: Welchen "Bezug zur Schweiz" und welches "gesamtschweizerische Interesse" hat das fragliche Theaterstück?</p><p>4. In Bezug auf Artikel 4 Absätze 2 und 3 (Bezug zur Schweiz und gesamtschweizerisches Interesse): Ist der Bundesrat der Ansicht, dass die obenerwähnte Theaterproduktion in irgendeiner Weise ein "wichtiges Thema des kulturellen Lebens der Schweiz" behandelt? Wenn ja, welche kulturelle Tradition ist genau gemeint?</p><p>5. In Bezug auf Artikel 7 Absatz 2: Ist der Bundesrat der Meinung, dass die Finanzhilfe für das Terni-Festival der Schweizer Bevölkerung den Zugang zur Kultur erleichtert und einen Beitrag zur kulturellen oder sprachlichen Vielfalt unseres Landes geleistet hat? Wenn ja, in welcher Weise?</p><p>6. Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu treffen, um in Zukunft die Finanzierung von kulturellen Projekten zu vermeiden, die die Voraussetzungen der Verordnung über Beiträge der Stiftung Pro Helvetia nicht erfüllen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Aufführung "Schönheitsabend" am Terni-Festival im September 2016 wurde von Pro Helvetia weder direkt noch indirekt unterstützt. Auch das Festival an sich wurde nicht mit Betriebsbeiträgen oder anderen pauschalen Zuwendungen unterstützt. Pro Helvetia sprach hingegen einen Projektbeitrag in Höhe von 5570 Schweizerfranken für eine Vorstellung der Schweizer Produktion "Five Easy Pieces" des Berner Regisseurs und Theaterautors Milo Rau sowie für vier Vorstellungen des Stücks "Twilight" des Tessiner Duos "Trickster-p".</p><p>Diese Unterstützung entspricht dem gesetzlichen Auftrag von Pro Helvetia, dazu beizutragen, Schweizer Kultur im Ausland vorzustellen und zu verbreiten (Art. 3 Bst. e und Art. 21 Abs. 2 des Kulturförderungsgesetzes, KFG; SR 442.1). Auch in den strategischen Zielen des Bundesrates für die Stiftung Pro Helvetia 2016-2020 (BBl 2015 9309) wird die Stärkung der internationalen Präsenz von Schweizer Kulturschaffenden als prioritäres Ziel aufgeführt. Mit der Förderung der Präsenz von Milo Rau sowie des Ensembles Trickster-p am Terni-Festival in Umbrien, einem der renommiertesten Theaterfestivals Italiens, trug die Stiftung zur Erfüllung ihres Auftrags bei.</p><p>1. Pro Helvetia publiziert die von ihr gewährten Unterstützungsbeiträge im Internet (https://prohelvetia.ch/de/gefoerderte-projekte). Die Datenbank wird jährlich aktualisiert, jeweils im Frühling werden die Beiträge des Vorjahres aufgeschaltet. Aktuell sind die Angaben zu Projekten bis und mit 2015 öffentlich zugänglich. So wurden beispielsweise im Jahr 2015 im Theaterbereich 95 Gesuche für Auslandsvorhaben gutgeheissen und damit rund tausend Vorstellungen im Ausland ermöglicht.</p><p>2. Wie in der Einleitung ausgeführt, wurden ausschliesslich die Gastspiele der Schweizer Theatergruppen am Terni-Festival unterstützt, nicht jedoch das Festival an sich. Diese Unterstützung entspricht vollumfänglich dem gesetzlichen Auftrag der Stiftung gemäss KFG sowie der Verordnung über Beiträge der Stiftung Pro Helvetia (SR 442.132.2).</p><p>3.-5. Da die Aufführung "Schönheitsabend" von Pro Helvetia nicht unterstützt wurde, kann keine Antwort auf diese Fragen gegeben werden.</p><p>6. Die Unterstützung der Auftritte von Milo Rau und Trickster-p am Terni-Festival erfolgte in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben sowie mit den strategischen Zielen des Bundesrates für die Stiftung Pro Helvetia 2016-2020. Vor diesem Hintergrund sieht der Bundesrat keinen Handlungsbedarf.</p>  Antwort des Bundesrates.