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Kolumne
Am 27. Dezember 1789 wird der Visionär und Freimaurer Alessandro Graf von Cagliostro von der Römischen Inquisition in die Engelsburg deportiert und vor Gericht gestellt. Zunächst zum Tode verurteilt, wird das Urteil unverhofft von Papst Pius VI. in eine lebenslange Haft umgewandelt. Bis zu seinem Tod am 26. August 1795 verbringt er unter menschenunwürdigen Bedingungen seine letzten Tage. Noch heute wird seine Zelle im Forte di San Leo bei Urbino besucht und Blumen für einen missverstandenen, unterschätzten Visionär und Freimaurer niedergelegt.
Mit seinen heilenden Kräften und seinem System der «Ägyptischen Freimaurerei» soll er in Strassburg über 15.000 Männer, Frauen und Kinder geheilt haben. Er hat von seinen Patienten kein Geld verlangt und muss sich auf Geschenke sowie Subventionen seiner wohlhabenderen Gönner verlassen. Dort lernt er 1782 den wohlbetuchten Basler Fabrikanten und Seiden-Händler Jacob Sarasin kennen. Seine Ehefrau Gertrud (geborene Battier) litt wahrscheinlich an einer psychosomatischen Erkrankung. Nach anderthalb Jahren ist sie durch ihn geheilt worden. In den 1780er Jahren ist er ein gern gesehener Gast in Basel. Er und seine Ehefrau Seraphina Feliciani bewohnen den ersten Stock des sogenannten Weißen Hauses der Familie Sarasin. Er hat sich darin ein saalartiges Laboratorium eingerichtet, das heute mit einer Gedenktafel an ihn erinnert und ebenfalls andachtsvoll besucht wird.
Die Gestalt des Grafen von Cagliostro löst bei den meisten Menschen verschiedene Emotionen aus. Zumeist wird der Graf mit Giuseppe Balsamo identifiziert und fälschlicherweise als Scharlatan abgestempelt.
Daher wird am 27. August 2022 ein öffentliches Kolloquium in der Orangerie im Park der Familie Sarasin (Rössligasse, 4125 Riehen) von der neugegründeten Wolfstieg-Gesellschaft veranstaltet und neuste Recherchen vorgestellt. Jedermann ist willkommen.
Die kostenpflichtige Anmeldung findet sich hier: www.wolfstieg-gesellschaft.org
G. Grippo