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Apps für die Lärmmessung
Wie misst man Lärm und was taugen Apps?
Leider kann man Lärm nicht messen. Es gibt kein Messgerät, das anzeigen würde, wann der Lärm gerade noch zumutbar oder schon unzumutbar ist. Eine Fachperson muss nach gesetzlich vorgeschriebenen Regeln Lärm beurteilen. In der Schweiz wird Lärm nach den Regelungen der Lärmschutz-Verordnung (LSV) getrennt nach Lärmquellen (Strassen-, Bahn-, Fluglärm, usw.) beurteilt. Die Anhänge der LSV enthalten kochbuchartige Rezepte zur Beurteilung des jeweiligen Lärmereignisses. Grundlage dieser Beurteilung ist immer ein ermittelter (gemessener oder berechneter) Schalldruckpegel.
Wie Schalldruckpegelmessungen oder -berechnungen funktionieren
Den Schalldruckpegel kann man mit geeigneten Geräten messen. Die schweizerische Rechtsetzung (Lärmschutz-Verordnung) schreibt jedoch die Berechnung des Schalldruckpegels bzw. dessen Messungen über einen längeren Zeitraum und zu unterschiedlichen Tageszeiten vor. Die Störwirkung hängt neben der Höhe des Schalldruckpegels auch vom zeitlichen Verlauf eines Schallereignisses ab. So ist zum Beispiel an wenig befahrenen Strassen oder Schienenwegen die Störwirkung wegen der grösseren Abstände zwischen den einzelnen Fahrzeugen geringer als dies der ermittelte Schalldruckpegel erscheinen lässt. Dieses Phänomen wird mit einer Pegelkorrektur korrigiert. Einen so korrigierten Schalldruckpegel nennt man Beurteilungspegel. Nur ein solcher Pegel darf mit einem Grenzwert verglichen werden.
Um eine rechtlich abgesicherte Bewertung gemäss der eidg. Lärmschutz-Verordnung zu erhalten, muss der gerechnete oder gemessene Schalldruckpegel zeitlich gemittelt (Mittelungspegel=Leq) und unter Berücksichtigung seiner Charakteristik mittels Korrekturfaktoren korrigiert werden. Eine kurzzeitige Lärmmessung wäre bloss eine Momentaufnahme und würde nicht alle Einflüsse berücksichtigen. Insbesondere bei Flug-, Strassen- und Schienenlärm ist der Beurteilungspegel die Basis sowohl für die Lärmvorsorge als auch für die Lärmsanierung und damit das Anrecht auf Massnahmen zur Lärmminderung. Gerade bei stark variierenden Lärmquellen (Bahnlinie und Strasse) ist es jedoch kaum möglich den gesetzlich vorgeschriebenen Jahres-Mittelungspegel zu messen. In diesen Fällen wird solange gemessen, bis eine den Verkehrsmix repräsentierende Anzahl Fahrzeuge den Messort passiert haben. Während dieser Zeit wird die Anzahl Fahrzeuge gezählt. Der gemessene Mittelungspegel (äquivalenter Dauerschallpegel Leq) wird anschliessend auf das jahresdurchschnittliche Verkehrsaufkommen hochgerechnet, sogenannt standardisiert.
Was taugen Schallpegelmessungen mit Smartphone-Apps?
Es gibt für Smartphones eine Reihe von Apps, die zur Schalldruckpegelmessung dienen. Für Laien ist die Anwendung jedoch schwierig zu verstehen und die Genauigkeit der Resultate unsicher. Für eine rechtlich abgesicherte Ermittlung von Verkehrs- oder Gewerbelärm ist zusätzlich zu einem genauen Schalldruckpegelmessgerät mit Mittelungsfunktion (Leq-Messung) Fachwissen über Messtechnik und die Regelungen der Lärmschutz-Verordnung notwendig.
Smartphones verfügen über sämtliche Elemente (Mikrophon, A/D-Wandler, Prozessor für die Signalverarbeitung), die zum Bau eines Schallpegelmessers benötigt werden. Folgerichtig sind verschiedenste Apps verfügbar, die versprechen, ein Smartphone in ein akustisches Messgerät zu verwandeln.
Von den über 100 bestehenden Schallpegelmess-Apps waren jedoch die meisten unbrauchbar. Die sechs als genügend eingestuften Apps wurden von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA im Auftrag des BAFU auf ihre Tauglichkeit als Schallpegelmessgerät untersucht.
Da sowohl die Hardware (immer neue Smartphones) als auch die Software (neue Versionen des Betriebssystems und Aktualisierung der Apps) ständig ändern, kommen nur Schallpegelmessapps in Frage, die kalibriert werden können. Werden noch Minimalanforderungen berücksichtigt, so bleibt gerademal noch ein App für Apple-Geräte und ein App für Androyd-Geräte übrig.
Testsieger
SPL Pro ist eine Schallmessapp für das iPhone. Die App beinhaltet viele flexible Einstellungsmöglichkeiten, beispielsweise kann der Messmodus manuell gewählt werden und auch ob die Bewertung über einen A oder C-Filter laufen soll. Die App kann für 8 Franken im App-Store gekauft werden.
NoiseCapture ist eine gratis Android-App, welche Schallmessungen mit dem Smartphone erlaubt. Als Zusatzfeature können die Messungen mittels GPS auf einer Karte dem Messort zugeordnet werden. Die App kann im Google Play Store oder im gratis Aptoide Store heruntergeladen werden.
Tutorials
Um die Apps zur Schallmessung zu benutzen, müssen diese zuerst eingerichtet und kalibriert werden. Dazu können sie die unten verlinkten Video-Tutorials der Fachstelle für Lärmschutz Zürich anschauen:
Schallmessung per App: SPL Pro
Schallmessung per App: NoiseCapture
Für Deutschland hat die Bergische Universität bereits ein Video zur Kalibration von Schallmessapps produziert. Die verwendeten Materialien im Video sind dabei speziell auf Deutschland zugeschnitten.
(Quelle: Lärm.ch)
Firmenverzeichnis Lärmschutz und -messungen
Ein Verzeichnis verschiedener Firmen, die Lärmmessungen oder Lärmschutz anbieten finden Sie, aufgegliedert nach Kantonen, hier: www.laerm.ch