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Blei ist das am weitesten verbreitete anorganische Umweltgift. In den letzten Jahrzehnten haben industrielle Emissionen und schwermetallhaltige Düngemittel zu einer Anreicherung von Blei in Böden und Gewässern geführt. Bleihaltige Wasserleitungen und vermehrte Blei-Aufnahme mit der Nahrung, insbesondere von Lebensmitteln aus Obst-, Gemüse- und Fischkonserven erweisen sich häufig als Ursache von Belastungen.
Ein erhöhter Bleigehalt kann ferner auf beruflichen Umgang mit bleihaltigen Materialien zurückgeführt werden. Die technische Anwendung dieses Schwermetalls ist äusserst vielfältig, insbesondere in der Galvanotechnik, in Druckereien, in der Kunststoffindustrie, in Steingut- und Kachelfabriken und in der Glas- und Batterieindustrie. Weitere mögliche Ursachen von Bleibelastungen sind: Abgase (Auto, Flugzeug), Zigaretten, Rauch, Smog und Staub (Zement, Strassenstaub).
Übermässige Belastung mit Blei schädigt das periphere und zentrale Nervensystem und hemmt die Bildung des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). In toxischen Konzentrationen hemmt Blei SH-Enzyme, insbesondere Enzyme der Porphyrinbiosnythese, ATPasen und die Dihydrolipoat-Dehydrogenase (Bestandteil des Pyruvatdehydrogenase-Komplexes bei der dehydrierenden Decarboxylierung von Pyruvat im Fettsäruestoffwechsel). Allgemein wirken Schwermetalle als Enzymgifte und verdrängen Co-Enzyme wie Zink, Eisen und Kupfer von ihren Bindungsstellen.
Anzeichen der akuten Bleivergiftung sind Anämie, Koliken und Encephalopathien; die chronische Intoxikation äussert sich durch Hautblässe, Kopfschmerzen und Appetitmangel. Bei Ablagerung im Knochen, kann Blei zu gestörter Frakturheilung führen, im peripheren Nervensystem löst es Lähmungen im zentralen Nervensystem Depressionen, Hyperaktivität, Stimmungsschwankungen, Lernschwierigkeiten oder Gedächtnisstörungen aus. Weiterhin können zu hohe Bleispiegel Zittern, Energielosigkeit, Schwindel, Immunschwäche, Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Gicht, Verdauungsstörungen und Lebererkrankungen verursachen. Die Eisenverwertung sowie wichtige Immunreaktionen und Enzyme können bei Blei-Belastung blockiert werden, was den Antioxidantienbedarf des Organismus erhöht.
Oft unerkannt bleiben subtoxische Bleibelastungen mit schleichendem Verlauf, die klinisch eine uneinheitliche Symptomatik hervorrufen, weil sie auf Störungen verschiedener Enzymsysteme beruhen. Insbesondere werden dabei Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktionen von Schwermetallen gestört.
Mangelzustände von Kalzium, Eisen, Kupfer und Proteinen erhöhen die Resorption, Retention und Toxizität von Blei. Zweiwertiges Blei kann bei unzureichender Versorgung mit Kalzium (ebenfalls ein zweiwertiges Element) viele Kalzium-abhängigen, biochemischen Reaktionen beeinträchtigen. Bei verminderter Kalzium-Zufuhr wird Blei vermehrt in Leber, Nieren und Knochen abgelagert. Zink, der essentielle Bestandteil vieler Enzyme, wird durch Blei von vielen Bindungsstellen kompetitiv verdrängt.
Die Akkumulation von Blei im Bindegewebe und dessen Toxizität können durch Vitamin E vermindert werden. Vitamin E schützt auch die Erythrozyten vor der erhöhten peroxidativen Instabilität, die durch Blei verursacht wird. Aus diesen Gründen erhöht ein Vitamin E-Mangel die Anfälligkeit des Organismus gegenüber den toxischen Wirkungen von Blei (z.B. Hämolyse).
Labordiagnostik
Im Blut bzw. Urin wird nur die momentane Blei- bzw. Schwermetallbelastung erfasst. Dabei kann keine Verlaufsbeobachtung erfolgen und es können keine Aussagen über eine Dauerbelastung gemacht werden, weil resorbierte Metalle schnell aus dem Blut in das Gewebe abwandern. Am besten werden Schwermetallbelastungen durch Messungen im Haar oder Dentin von ausgefallenen Milchzähnen erfasst.
Bei zu hohen Bleiwerten sind Einnahmen von Calcium, Zink sowie Vitamin B6 und Vitamin C sinnvoll (Verdrängung von Blei von den Enzymstellensowie Resorptionsverminderung).