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Daraus ergibt sich eine spannende, nicht chronologisch aufgezählte Philosophiegeschichte, die von Platon über Montaigne bis zu Levinas reicht. Braig bewegt sich weg von einer Philosophie der Wahrheit hin zu einer konkret anwendbaren Lebensphilosophie. Denn: «Eine Panoramaperspektive, die das grosse Ganze erklären will, birgt die Gefahr des Totalitarismus.» Wegweisend ist Wittgenstein: er habe diese Wende im Denken vollzogen, von seinem ersten Werk «Die Wahrheit», in dem er seine Gedanken als unantastbar und definitiv darstellte, bis zum letzten Werk, in dem «philosophische Gedanken wie Landschaftsskizzen» ausgelegt werden. Braig folgert, das gerade die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden die Wahrheitskämpfe beendet und die gemeinsame Suche nach Lösungen fördert. Schön das Bild der Justitia, die er nicht mehr als blinde, absolut gerechte Göttin sieht, sondern «wie eine fürsorgliche Mutter, die jedem Kind in seiner Individualität gerecht wird». Dass er dem Christentum nur in Form des Wahrheitsanspruchs begegnet ist, verwundert nicht. Spannend wäre zu diskutieren, inwiefern ein dialogisch verstandener Glaube ebenso weg vom Kampf um Wahrheiten zur gemeinsamen Lösungsfindung führt.