Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03204.jsonl.gz/75

Volle Ladung Schnee
Keine Frage, das Thema des heutigen Blogs ist ganz dem Schnee gewidmet. Die intensiven Schneefälle im Flachland von gestern haben sich in der Nacht und bis Freitagvormittag fortgesetzt. Ein kleines Teiltief, welches über die Alpen gezogen ist, hat die kräftigen Schneefälle noch aufrechterhalten. Erst am Mittag liessen die Schneefälle von Norden her allmählich nach. Wieviel Neuschnee es gegeben hat und ob es neue Rekorde gab - dies behandelt der heutige Blog.
Warum gab es so viel Neuschnee?
Die meteorologischen Voraussetzungen für viel Schnee im Flachland und in den Alpen waren gestern geradezu ideal.
Eine Luftmasse mit feuchter Atlantikluft, eingebettet in eine starke nordwestliche Höhenströmung, welche auf die Alpen gerichtet war und sich praktisch stationär verhielt.
Diese Situation führt typischerweise (je nach Schneefallgrenze) zu markanterem Schneezuwachs in den mittleren oder höheren Lagen der Alpen, vor allem am Alpennordhang.
Im Flachland bleibt es dabei oft bei Regen. Drei Tage vor dem Ereignis prognostizierte man für den Donnerstag im Flachland ein Ansteigen der Schneefallgrenze auf 700 bis 1100 Meter. Es gab aber auch schon Hinweise, dass auch im Flachland der Niederschlag als Schnee fallen könnte.
Mit jedem weiteren Tag zeichnete sich immer mehr die Situation ab, dass die Schneefallgrenze auch bis ins Flachland absinken könnte. Verursacht hat dies ein Tief, welches über Osteuropa südwärts zog und bodennah kalte Polarluft zur Alpennordseite führte. Diese schob sich aus Nordosten unter die mildere und feuchte Atlantikluft der quasistationären Warmfront. Die Front blieb dabei praktisch stationär, während sich die unteren Schichten aus Nordosten abkühlten.
In der Nacht auf Donnerstag regnete es zunächst noch unterhalb von 900 Metern. Am Donnerstagmorgen ging der Regen in der Nordostschweiz mit dem Einfliessen der Kaltluft rasch in Schnee über.
Die einströmende Kaltluft hat die darüber liegende mildere Luftmasse dabei angehoben und den Niederschlagsprozess verstärkt.
Und so schneite es in der Deutschschweiz (vor allem im Nordosten) anhaltend und intensiv.
Gemessene Neuschneemengen
Im nordöstlichen Flachland wurden verbreitet 25 bis 35 cm Neuschnee gemessen, in Widnau (Rheintal) sogar bis 52 cm. In leicht erhöhten Lagen oberhalb von 700 Metern wurden an unseren Messstationen 45 bis 60 cm registriert, lokal vermutlich noch mehr.
Im Vorderrheintal staunte man heute Morgen auch nicht schlecht. In Höhenlagen um 800 Meter betrug die Neuschneehöhe 60 bis 80 cm.
Auch in der Höhe war der Neuschneezuwachs beträchtlich. Oberhalb von 1500 Metern betrug die 1-Tages Neuschneesumme von den Urner- bis zu den Glarner Alpen zwischen 60 und 110 cm, am übrigen zentralen und östlichen Alpennordhang 50 bis 80 cm.
In den Alpen war vor allem die 3-Tagessumme des Neuschneezuwachses beeindruckend, da es dort schon vorher markante Schneefälle gab.
Vom Obergoms und Haslital über die zentralen Alpen, östlicher Alpennordhang, Nordbünden und Teile Mittelbündens sowie Unterengadin gab es oberhalb von 700 Metern zwischen 80 und 150 cm.
In den zentralen und westlichen Voralpen, im westlichen Wallis, den Berner Alpen wurden oberhalb von 1200 Metern zwischen 50 und 100 cm Neuschnee realisiert.
Klimatologische Einordnung
Östliches Mittelland
Das Neuschnee-Ereignis (1-Tages-Neuschneesumme) vom 14. auf den 15. Januar 2021 gehört im östlichen Mittelland regional zu den sehr seltenen in den Messreihen. Momentan zeigt der Messstandort Zürich-Flughafen den höchsten Wert von 33 cm. Im westlichen Mittelland wurde vielerorts gar kein Neuschnee gemessen.
Am Messstandort Zürich-Fluntern ist es mit 30 cm die vierthöchste 1-Tages Neuschneesumme seit Messbeginn 1931, zusammen mit dem Ereignis vom 23. Februar 1986. Auf dem Flughafen wurden 33 cm gemessen, Rang 3 in der Messreihe seit 1958. Hallau am Nordrand der Schweiz registrierte 26 cm und damit Rang 5 in der Messreihe seit 1963.
In der rund 90-jährigen Messreihe von Zürich-Fluntern treten 1-Tages-Neuschneesummen um 30 cm oder mehr im Durchschnitt alle 10 bis 15 Jahre einmal auf.
Ostalpen:
Besonders betroffen waren auch die Ostalpen. In den Alpen war es allerdings ein 2-Tages Ereignis vom 13.01. bis am 15.01.2021.
Elm registrierte mit 96 cm die zweithöchste 2-Tagessumme seit Messbeginn 1960. In Arosa fiel eine 2-Tages Neuschneesumme von 106 cm. Das ist Rang 7 in der Messreihe seit 1931. In Disentis gab es mit 99 cm ebenfalls Rang 7 in der Messreihe seit 1961. Davos erhielt 97 cm. Das liegt nicht unter den zehn höchsten 2-Tagessummen in der Messreihe ab 1931. Scuol schaffte es mit 71 cm gerade noch unter die zehn höchsten 2-Tagessummen in der Messreihe ab 1931.
Chur erlebte mit einer 2-Tagessumme von 61 cm einen extrem seltenen Neuschneefall. In der weit über 100-jährigen Churer Messreihe ist es erst das zweite Ereignis über 60 cm.