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Die Wallet Exercise wurde von der d.school in Stanford entwickelt. Es ist eine Übung, bei welcher ein einfacher Gegenstand als Requisit verwendet wird, um die Bedürfnisse zu ermitteln, Lösungen zu entwerfen und Prototypen zu erstellen, sowie Nutzerfeedback einzuholen. Sie gibt die Möglichkeit, den menschenzentrierten Designprozess schnell zu durchlaufen. Wobei die Teilnehmenden durch eigenes Tun lernen, anstatt nur durch Theorie.
Durch Design Thinking zwingen wir uns, zuerst wirklich das Problem zu verstehen, bevor wir in die Lösungsfindung gehen. In der Realität gehen wir oft anders vor. Gerade deshalb lernen wir durch Design Thinking unsere Einstellung gegenüber der Problemfindung zu verändern.
Sprung ins kalte Wasser
Die Teilnehmenden bilden Paare, wobei jeweils eine Person die Rolle des Interviewers übernimmt, während der/dier andere die Rolle des potenziellen Kunden spielt. Der Interviewer verbringt ein paar Minuten damit, die andere Person zu verstehen und sich in sie einzufühlen. Der/die Befragte holt sein/ihr Portemonnaie heraus. Sie unterhalten sich über die darin enthaltenen Gegenstände und deren Bedeutung. Der Interviewer stellt Fragen, um herauszufinden, wie die Brieftasche in das Leben des Kunden passt Das Ziel ist es, Probleme oder «Pain points» im Zusammenhang mit der Brieftasche herauszufinden, wie beispielsweise: «Benutzt du im Ausland ein anderes Portemonnaie?» oder «Hast du jemals dein Portemonnaie verloren?» oder «Hast du Gegenstände darin, die du oft herausnimmst»? Nach wenigen Minuten werden die Rollen getauscht und die Befragungen durchgeführt.
Nachdem die Teilnehmenden die Kunden und ihre Geldbörsen besser verstanden haben, geht es im nächsten Schritt darum, einen «Point of View» (Standpunkt) zu den Bedürfnissen und verpassten Chancen in Bezug auf ihre Geldbörsen zu entwickeln. Diese bedürfnisbasierten Standpunkte können die Form eines Satzes haben wie: «Mein Kunde braucht eine Möglichkeit, … [Nutzerbedürfnisse] … auf eine Art und Weise, die ihm das Gefühl gibt …[Bedeutung/Emotion] … weil … [Erkenntnis]». Beispielsweise «Meine Kundin braucht eine Möglichkeit, den Inhalt ihres Portemonnaies kontrollieren zu können, weil das unsichere Gefühl, nicht zu wissen, was im Falle eines Verlusts fehlt, schlimmer ist, als der Verlust des Bargeldes darin.»
Im nächsten Schritt – einer Art Mini-Brainstorming – entwickelt jeder Teilnehmende einige Konzepte für neue Objekte. Es muss sich dabei gar nicht um physische Portemonnaies handeln. Wichtig ist, dass mit den Lösungen die Bedürfnisse erfüllt werden, welche im vorangehenden Schritt erhoben wurden.
Anschliessend geht es um die Umsetzung: In dieser Phase der Wallet Exercise bauen die Teilnehmenden Prototypen. Mit unterschiedlichen und bunten Bastelmaterialien (siehe Prototyping) werden die Ideen zum Leben erweckt. Aus Papier, Knete, Legosteinen, Büroklammern und Leim entsteht der Prototyp. Dieser ist dazu da, um die Idee greifbar zu machen, so dass sie ein Feedback der zukünftigen Kunden eingeholt werden kann können (siehe Waterhole).
Zu guter Letzt nutzen die Teilnehmenden ihre Fähigkeit zum Geschichten erzählen, um ihrem Kunden (und natürlich auch allen in der Runde) ihr neues Geldbeutelkonzept vorzustellen.
Tipps und Tricks
- Bei der Wallet Exercise geht es um die Reise, nicht um das Ziel. Der Wert liegt im Tun (Erleben statt nur Theorie).
- Bring unbedingt Musik mit, es regt die Kreativität an. Wir empfehlen Upbeat Playlists.
- Bilde möglichst Paare, die sonst nicht zusammenarbeiten oder sich noch nicht so gut kennen.
- Lass dem gegenseitigen Austausch am Schluss genügend Raum und die verdiente Würde. Wir sind jedesmal beeindruckt, was in kürzester Zeit möglich ist und welche grossartigen und persönlichen Lösungen entstehen.
- Das zackige Format eignet sich für viele Arten von Herausforderungen. Wer schon einmal die Wallet Exercise durchgearbeitet hat, kann auch eine neue Innovations-Challenge in Angriff nehmen (z.B. die Neugestaltung des Arbeitsweges).
Hast du Fragen zur Durchführung oder sollen dich erfahrene Facilitatoren bei deiner nächsten Design Challenge unterstützen? Schick mir eine Nachricht. Ich freue mich auf deine Gedanken zum Thema unten in den Kommentaren. Weiterführend kannst du dir das Bootleg Deck der d.school, unsere erfolgreichen Workshops oder alles rund um Methoden und Tools lesen. Und noch ein Buchtipp: Creative Confidence von IDEO Gründer und Stanford d.school creator David Kelley und sein Bruder Tom Kelley, IDEO Partner und Autor von The Art of Innovation