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2013 | 2014 | 2015 |
FILM ALS FILM
Der griechisch-amerikanische Avantgarde-Filmemacher Gregory J. Markopoulos war für den Experimentalfilm der Nachkriegsjahre eine Schlüsselfigur. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden seine frühen und bekanntesten Filme. Mit Jonas Mekas, Robert Frank, Shirley Clarke und anderen gründete er 1960 die New American Cinema-Gruppe. Eikones - NFS Bildkritik und das Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel veranstalten aus Anlass der im September 2014 erschienenen Publikation der gesammelten Schriften von Markopoulos, die seinem filmischen uvre eine theoretische Reflexion zugrunde legen, eine zweitägige, öffentliche Tagung. Das Stadtkino Basel präsentiert als erste umfassende Hommage an Gregory J. Markopoulos in der Schweiz drei Filmprogramme, die einen Einblick in das reiche Schaffen des Filmemachers ermöglichen.
Gregory J. Markopoulos (1928-1992) ist als Visionär des experimentellen Films bezeichnet worden. Als Zeitgenosse von Kenneth Anger, Stan Brakhage oder Andy Warhol war er Teil einer Bewegung, die eine neue, unabhängige Form für den Film entwarf. Markopoulos filmisches uvre, aber auch seine theoretischen Schriften sind durch ein ausserordentliches Engagement für den Film als Medium des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet.
Viele seiner frühen Filme, die seit den späten 1940er-Jahren bis Mitte der 1960er-Jahre entstanden sind, sind von literarischen oder mythologischen Quellen inspiriert, die Markopoulos in einen zeitgenössischen Kontext übertrug. Während des Filmstudiums bei Josef von Sternberg an der University of Southern California entstand sein erster 16mm-Film Psyche, der von der gleichnamigen Novelle des französischen Lyrikers Pierre Louÿs ausging. Wie Psyche, der heute zur Trilogie Du Sang, de la Volupté et de la Mort (1947-1949) zählt, stehen auch Swain (1950), Twice a Man (1963) oder The Illiac Passion (1964-1967) mit Andy Warhol und Jack Smith für einen sinnlichen Einsatz von Farbe, die Emotionen vermittelt, aber auch als abstraktes Mittel dient und Verbindungen zwischen einzelnen Filmbildern evoziert. 1963, als Markopoulos Twice a Man drehte, verfasste er einen seiner wichtigsten Texte zur Frage, was filmische Narration bedeutet, wenn sie nicht mit einer Handlung verknüpft ist. In «Towards a New Narrative Form» entwirft der Filmemacher eine Theorie des Einzelbildes, welches den filmischen Verlauf und die thematisch-narrative Kontinuität aufbrechen soll.
Ab Mitte der 1960er-Jahre drehte Markopoulos zahlreiche Filmportraits mit Protagonisten aus der Kunstszene, etwa Jasper Johns, Susan Sontag, Giorgio de Chirico (Galaxie, 1966, Political Portraits, 1969). Es entstehen auch «portraits of places», Filme, die bestimmte Orte, oft auch kultische Schauplätze porträtieren (Sorrows, 1969; Bliss, 1967). Gegen Ende der Sechziger verliess Markopoulos gemeinsam mit seinem Partner, dem Filmemacher Robert Beavers, die USA. Auf diese Rückwendung hin zu seinen kulturellen Wurzeln nach Europa und Griechenland folgte ein weiterer Rückzug, als er Anfang der 1970er-Jahre alle seine bisher veröffentlichten Filme den Verleihen des unabhängigen Films entzog. Die letzten Jahre seines Lebens widmete er einem achtzigstündigen monumentalen Filmwerk mit dem Titel Eniaios (1947-1991), das auf dem Re-Editing seines bisherigen uvres sowie auf neu gedrehtem Filmmaterial beruht. Markopoulos selbst hat Eniaios nie projiziert gesehen. Seit 2004 werden - dank Robert Beavers Einsatz - alle vier Jahre die neu restaurierten Zyklen von Eniaios auf einer dafür von Markopoulos bestimmten Wiese auf dem Peloponnes, eingebettet in die hügelige Landschaft Arkadiens, aufgeführt. Diese On-Site-Events, welche ein internationales Publikum anziehen, haben nach der ersten postumen Retrospektive 1996 am Whitney Museum of American Art die Wiederentdeckung von Markopoulos Werk eingeleitet - weitere Retrospektiven in den USA und im vergangenen Jahr am Österreichischen Filmmuseum in Wien folgten -, zu der auch unsere Tagung einen Beitrag leisten möchte.
Konzeption und Organisation: Maja Naef, Markus Klammer