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Schweizer Schulen haben einen guten Ruf, auch im Ausland. Ende 2019 lebten mehr als 770′000 Schweizerinnen und Schweizer, ungefähr 11% der Schweizer Bevölkerung, im Ausland. Viele Auslandschweizer besuchen eine der achtzehn Schweizerschulen weltweit. Die Schulen garantieren Schweizer Qualität, stehen aber vor einigen Herausforderungen.
In den achtzehn Auslandschweizerschulen verteilt auf insgesamt zehn Länder und drei Kontinente gehen 7500 Kinder und Jugendliche zur Schule. Allerdings haben nur zwanzig Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Schweizer Herkunft. Die restlichen achtzig Prozent der Schüler setzen sich aus der einheimischen Bevölkerung zusammen. Die meisten Schweizerschulen unterrichten auf allen Stufen, vom Kindergarten bis hin zum Gymnasium. An allen Schulen ist Deutsch neben der Landessprache beziehungsweise neben Englisch die zweite Unterrichtssprache. Einige Schulen, etwa diejenige in Bangkok, bieten die Möglichkeit an, die Schule mit einer eidgenössisch anerkannten Maturität abzuschliessen.
Laut educationsuisse, dem Interessenverband der Schweizerschulen im Ausland, verfolgen die Schulen in der ganzen Welt folgende Ziele: die Förderung der kulturellen und wirtschaftlichen Präsenz der Eidgenossenschaft im Ausland, die Stärkung der Beziehung zwischen Schülerinnen und Schülern mit Schweizer Wurzeln und deren Heimat und den erleichterten Anschluss an Schweizer Schulen oder Universitäten. Die Schweizerschulen erweisen sich als wichtiges Instrument zur Vermittlung der Schweizer Kultur im Ausland. Für die Schweizer Identität wichtige Werte wie Tradition und Innovation, Solidarität, Forschung und Demokratie sollen gelehrt und in die Welt hinausgetragen werden.
Die ersten Auslandschweizerschulen entstanden in Italien. Sie wurden auf Initiative von protestantischen Kreisen oder als Schulen für die Kinder von Angestellten gegründet. Die erste Schweizerschule entstand 1839 in Neapel. Die Schule in Mailand wurde 1860 eröffnet.
1919 öffnete die Schweizerschule in Barcelona ihre Pforten, musste allerdings während der spanischen Bürgerkriege temporär schliessen. Ein Aufschwung erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg. Während der Zeit des Faschismus in Italien, in den 30er und 40er Jahren, erwachte der Wunsch nach unabhängigen Schweizer Schulen in Florenz und Rom. 1946 wurden die Schweizerschulen in Rom und in Florenz gegründet.
Die Schule in Santiago de Chile entstand 1939, um eine Alternative zu den faschistischen Deutschen Schulen zu bieten. Es folgten in den 40er Jahren die Schulen in Lima und Bogotá. Schuleröffnungen in Rio de Janeiro, Mexiko-Stadt, Accra und São Paulo fanden zwanzig Jahre später statt. 1948 wurde das Colegio Helvetia in Bogota gegründet. Da der zweisprachige Kanton Wallis das Patronat übernahm, verfügt die Schule als einzige Schweizerschule im Ausland über eine deutschsprachige und französischsprachige Abteilung. Ganz nach dem Vorbild des Kantons Wallis besteht die Möglichkeit, eine bilingue Matura zu absolvieren.
Später entstanden Schweizerschulen in Singapur (1967), Madrid (1970) und Curitiba (1981). Erst 2017 öffnete die Swiss School Beijing ihre Türen. Es gilt anzufügen, dass viele Schulen später wieder geschlossen wurden, darunter etwa die Schule in Florenz.
Ein Ziel der Auslandschulen besteht darin, selbstständige Bürger auszubilden. Den Schülerinnen und Schülern wird viel Vertrauen entgegengebracht und es wird verlangt, dass diese verantwortungsbewusst mit der aus diesem Vertrauen resultierenden Freiheit umgehen. Die Förderung des Eigenen, kritischen Denkens bildet einen wichtigen Unterschied zu den öffentlichen Schulen der jeweiligen Auswanderungsländer, in denen oft Gehorsamkeit und Pauken im Vordergrund stehen.
Die Schweizerschulen orientieren sich am Lernplan 21. Somit stehen nicht das theoretische Lernen im Vordergrund, sondern die Kompetenzentwicklung, die Mehrsprachigkeit und der Bezug zur Praxis. Die Verbindung von Theorie und Praxis gilt im Ausland als Merkmal des Schweizer Schulsystems. Damit heben sich die Schweizer Auslandschulen von gewissen Schulen im Ausland ab, die den Fokus nach wie vor auf das klassische Auswendiglernen legen.
Einen Grundpfeiler der Auslandschweizerschulen bilden die Schweizer Lehrkräfte. Die Schweizer Lehrpersonen haben im Ausland aufgrund ihrer qualitativ hochwertigen Ausbildung ein hohes Ansehen und sind somit für den guten Ruf der Schulen von zentraler Bedeutung.
Schweizerschulen im Ausland sind Non-Profit Organisationen. Ein Viertel bis ein Drittel des Budgets erhalten die Schulen mittels Subventionen. Falls die Schweizerschulen die Anforderungen des Bundesgesetzes über die Vermittlung schweizerischer Bildung im Ausland erfüllen (unter anderem ist eine Mehrheit von Schweizer Lehrern vorgeschrieben) erhalten sie finanzielle Unterstützung von Seiten der Eidgenossenschaft. Der Bund unterstützt die Schweizerschulen mit einem Beitrag von rund 18 Millionen Franken pro Jahr.
Da es sich bei den Schweizerschulen um eine gemeinnützige Organisation handelt, entstehen oft finanzielle Spannungen. Das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben muss stets aufrechterhalten werden. Die Schweizerschulen müssen oft auf Investitionen verzichten, die eigentlich notwendig wären.
In vielen Ländern der Welt ist die Nachfrage nach hochwertigen Privatschulen gross. Aufgrund des guten Rufs des Schweizer Bildungssystems, zeigen Investoren oft grosses Interesse an einer Partnerschaft mit der Schweiz. Da die Schweizer Schulen aber eine gemeinnützige Organisation sind, erweist sich die Partnerschaft als schwierig.
Schweizer Auslandschulen haben mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Laut Barbara Sulzer Smith, Geschäftsführerin von „educationsuisse“, wird der Wettbewerb in der Bildungsbranche immer härter. Es gebe immer mehr Akteure, sprich Privatschulen, auf dem Markt. Diese würden oft über die besseren finanziellen Mittel verfügen.
Auch die Rekrutierung geeigneter Schweizer Lehrpersonen erweist sich als schwierig. Einerseits herrscht in der Schweiz Lehrermangel, was die Suche generell erschwert. Andererseits sind nur wenige Lehrpersonen dazu bereit, im Ausland zu unterrichten. Die niedrigen Gehälter im Ausland sowie steuerliche Probleme können ebenfalls abschreckend wirken. „Educationsuisse“ will dieses Problem bekämpfen, indem die Lehrpersonen in Zukunft einen international rechtsbeständigen Status erhalten.
Die Auslandschulen stehen für Schweizer Qualität. Doch das Label der „Swissness“ kann problematisch werden. So schmücken sich einige Schulen im Ausland mit dieser Bezeichnung, welche nicht den Anforderungen dieses Labels gerecht werden. Rechtlich gegen diese Schulen vorzugehen, erweist sich allerdings als äusserst schwierig. Im Jahr 2012 verzichtete die „German Swiss International School Accra“ auf die Anerkennung als Schweizerschule. Der Anteil Schweizer Kinder lag unter dem vom Bund geforderten Mindestanteil. Einige Schulen, so etwa die „Swiss International Scientific School“ in Dubai, gehören zwar nicht offiziell den Schweizer Auslandschulen an, erfüllen aber das Kriterium der „Swissness“. Diese stellen für „educationsuisse“ kein Problem dar. Der Verband stellt gar in Betracht, mit solchen Schulen Partnerschaften einzugehen.
Eine der Schweizerschulen im Ausland befindet sich in Mailand. Swissinfo hat die Schule 2018 besucht. Die Schweizerschule in Mailand zählt 380 Schülerinnen und Schüler, wovon 27% den Schweizer Pass besitzen. Unter den 64 Lehrpersonen befinden sich 28 Schweizer Bürger. An der Schweizerschule Mailands können die Schülerinnen und Schüler die gesamte Schulzeit absolvieren; vom Kindergarten bis hin zur Matura. Als Basis für den Unterricht dient die deutsch-italienische Zweisprachigkeit. Das schulische Niveau ist den Behörden der Kantone Graubünden und Tessin unterstellt. Da sich die Schuldirektion am Schweizer System orientiert, können die Schülerinnen und Schüler nach vier Jahren im Gymnasium ihre Matura erlangen und erhalten ihren Abschluss somit ein Jahr früher als ihre italienischen Altersgenossen.
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