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Gott und ich sind eins
Vor kurzem las ich einen Text über das Gebet. «Das Gebet hat grosse Kraft»«» von Anselm John und Michael Maas. Obwohl dieser Text in Bezug auf Berufungen und Gebete für kirchliche Berufungen geschrieben wurde, zeigt dieser Text eine Logik auf, wie in Gebete hingewachsen werden kann. Meine Inspiration aus diesem Text war: Zuerst als Individuum eine Beziehung zu Gott pflegen und ein betender Mensch werden, dann sich mit den überall auf der Welt betenden zu einer Gemeinschaft verbinden um letztlich die daraus wachsende Kraft auf die Menschen zu übertragen.
Ich denke, das Bittgebet ist das beliebteste und die einfachste Form des Gebets. Dies kommt aus einer Erwartung, dass Gott uns alles schenken wird. Es ist ein Gebet an jemanden, der ausserhalb von uns ist. Was passiert, wenn Gott in mich kommt? Und sind dann Meditation oder sogar Kontemplation? Für mich sind dies keine Gebete, aber eine persönliche Ausrichtung und Haltung, wo Gott eins werden kann mit mir, weil ich mich ihm wie eine offene Schale zuwende. Die alte indische Lehre von Advaida oder der Non-Dualität lehrt, dass alles eins ist. In diesem Sinne sucht eine Person, die «befreit» ist, Gott nicht ausserhalb, sondern lässt Gott eins werden in der jeweiligen Person.
Es wird gesagt, dass die Menschen in Indien seit ungefähr 12000 Jahren den Berg Kailash zum Meditieren betreten. Selbst in tiefkaltem Klima meditieren dort die Gurus nackt und besitzlos. Sie leben alleine in Höhlen und werden eins mit Gott. Sie meditieren in dieser stillen persönlichen Zurückgezogenheit, weil sie nicht daran denken, jemandem zeigen zu müssen, dass sie kontemplativ sind. Sie schauen nicht, ob andere sie beachten und sie prüfen auch nicht, ob und wie andere meditieren.
Ich denke, der Moment, in dem sich jemand wirklich aufrichtig und befreit fühlen kann, ist, wenn er oder sie niemandem (mehr) zu zeigen oder zu beweisen braucht, dass er oder sie eine betende oder meditierende Person ist. Weil Gott in mir ist, gibt es nur ein einziges ›Sein’. Selbst für Gott gibt es nichts zu beweisen.
Meinen besten Eindruck zu dieser Welt des Gebets und der Meditation erlebte ich in einem Bildungshaus der Jesuiten. Ich ging frühmorgens in ihrem Garten spazieren. Von dort sah ich, dass einige Zimmerfenster geöffnet waren und einige Jesuiten in ihrem Zimmer auf ihren Betten sassen und wohl wie jeden Morgen meditierten. Niemand sieht sie, niemand wird sagen, dass sie Heilige sind, und sie haben niemanden dem sie beweisen, dass sie kontemplativ sind. Dies ist der sehr private Moment ihres Lebens, befreit in der verinnerlichten Liebe Gottes. Dies ist der Anfang von ›Nirvana’.
Zum Nachsinnen: 1. Korinther 13: 1,2 (Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besässe und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.)