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Sankt
Bernhardin, italienisch
Monte di
San Bernardino (Kt. Graubünden).
2063 m. Passübergang zwischen dem Rheinwaldthal und dem
Misox,
dem
Splügen parallel und wie dieser mit einer schönen Poststrasse versehen. Auf der Passhöhe steht ein einsames grosses
Berghaus, eine Art
Hospiz, wo man gute Unterkunft findet und in dem seit 1864 eine meteorologische Station
untergebracht ist. Deren Beobachtungen haben ergeben, dass der
Sankt Bernhardin die grösste jährliche Niederschlagssumme
(2240 mm) der ganzen
Schweiz aufweist.
Der auf dem Passscheitel liegende Moësolasee ist 0,5 km lang, hat drei kleine Inselchen und wird vom
Kirchalphorn (3039 m),
Marscholhorn (2902 m) und
Piz
Uccello überragt. Die
Bernhardinstrasse von
Bellinzona bis
Splügen hat eine Länge von 73,4 km
(wovon 7 km auf Tessinergebiet, der Rest auf Bündnergebiet liegt, und zwar 48 km in der
Mesolcina und 18,4 km im
Rheinwald)
und eine Breite von 4-7 m; die Steigung beträgt 5-7%. Sie zählt 54 Brücken. Ihre Erbauung fällt in
die Jahre 1818-1823 und geschah unter der bewährten Leitung des Ingenieurs Poccobelli
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gleichzeitig mit der Strasse über den Splügenberg. Die Baukosten für beide Strassen beliefen sich auf 3197400 Fr. (von
Chur bis Chiavenna einerseits und bis Bellinzona andererseits), ungerechnet die unentgeltliche Abtretung des benötigten Rohmateriales
- Holz, Steine und Kies - von Seite der Gemeinden und die erforderlichen Kiesfuhren sowohl für den Bau
als für den Unterhalt der Strasse. Beide Strassen werden auch im Winter offen gehalten (Postwagenkurse) und weisen einen
ziemlich lebhaften Verkehr auf, der zwar seit der Eröffnung der Gotthard bahn stark benachteiligt worden ist. 1880 überschritten 8023 Reisende
den St.
Bernhardin und 18798 den Splügen, 1890 deren 3703 den erstern und deren 10090 den letztern.
Beide Pässe wurden schon im Altertum benutzt. Der St.
Bernhardin trägt seinen Namen zu Ehren des h. Bernhard von Siena
(† 1444), dem hier im 15. Jahrhundert eine Kapelle errichtet wurde. Sein früherer Name Vogelberg (Mons Avium) verblieb allein
dem ihn überragenden Pizzo Uccello. Eine Römerstrasse führte von Bellinzona über den St.
Bernhardin
nach Chur; bis Sufers folgte sie ziemlich genau der heutigen Strasse, während sie sich von Sufers bis Thusis hoch oben am linksseitigen
Gehänge des Schams und hoch über der Via Mala und von Thusis bis Rhäzüns ebenfalls ziemlich hoch oben
am Heinzenberg hielt.
Einzelne Stücke dieser via strata sind heute noch an verschiedenen Stellen deutlich zu erkennen. Ueber den Pass zogen 1413 Kaiser
Sigismund nach der Lombardei und 1799 der französische General Lecourbe an der Spitze eines Heeres. Die Strasse über den
St.
Bernhardin ist eine der schönsten und abwechslungsreichsten Routen der Schweizer Alpen. Im N. wechseln
die lieblichen Thalschaften des Domleschg, Schams und Rheinwald mit den grossartigen Schluchten der Via Mala und Rofna ab, während
man im S. aus dem rauhen obersten Misox mitten in eine südliche Landschaft mit üppiger Vegetation (Maisfelder, Weinlauben,
Kastanienwälder, Maulbeerbaumpflanzungen etc.) gelangt. Den Reisenden überrascht hier in ganz besonderem
Mass der Kontrast zwischen dem ernsten Norden und dem lachenden Süden. Auch die diesseits und jenseits des Passes
sitzenden
Bewohner zeigen grosse Unterschiede der Rasse, Sprache, Konfession, Sitten und Gebräuche. Vergl. Alpenpässe, die schweizerischen;
offiz. illustr. Posthandbuch. 2. Aufl. Bern
1893.