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Die tausenden von Dinosaurier-Fussspuren, die im Schweizer Jura entdeckt wurden, bilden einen der weltweit grössten Spuren-Wanderwege.
Die Spuren entstanden, als die Tiere vor rund 150 Mio. Jahren einen Jura-Sandstrand durchquerten. Entdeckt wurden sie während der Bauarbeiten für eine Autobahn.
"Wir haben es hier mit einem der wichtigsten, wenn nicht dem wichtigsten Fussspuren-Weg der Welt zu tun", sagt Wolfgang Hug, Chef der Paläontologie-Sektion des Kantons Jura.
Die Spuren wurden erstmals vor zwei Jahren entdeckt, während Vorarbeiten am Trassee für die transjurassische Autobahn A 16. Seither wurden rund 1500 Dino-Spuren ausgegraben, alle in der Umgebung des Dorfes Courtedoux.
Noch bis 5000 weitere Spuren
Die jüngsten Spuren kamen im letzten August ans Licht. Geologen gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren 4000 bis 5000 weitere Spuren ans Licht kommen.
Wissenschafter konnten aufgrund der Spuren in den Kalkstein-Schichten vor allem zwei Dinosaurier-Arten identifizieren: Sauropoden und Therapoden.
Sauropoden waren riesige, pflanzenfressende Vierbeiner, die eine Höhe von 20 bis 25 Meter erreichten. Sie besassen sehr lange Hälse und Schwänze und elefantenartige Körper.
Therapoden hingegen waren wilde Fleischfresser, die sich auf zwei Beinen bewegten.
Jura-Lagunen und Inselwelt
Hug und sein Team wissen, dass diese Saurier in einer Region lebten, die völlig anders aussah als die heutige Jura-Bergkette.
"Diese Gegend hier sah damals aus wie die Bahamas heute", sagt Hug. "Breite Lagunen und dazwischen grosse Inseln."
Die Spuren selbst kamen zustande, als die Saurier über die sandbedeckten Inseln wanderten. Die Fussstapfen trockneten aus und wurden von Schlamm überdeckt.
Auf Schlamm folgte Versteinerung
Mit den Jahren bildeten sich mehrere Schichten, die mit der Zeit versteinerten. So wurden die Fussspuren perfekt konserviert.
Laut Hug zeigen die Spuren, sowohl jene von jungen als auch von ausgewachsenen Sauriern, dass die Dinos hier in der Region gelebt und sie nicht nur durchquert haben.
Es wurden drei separate Spuren-Wege entdeckt, über eine Fläche von rund 4000 Quadratmetern.
Dreissig Spezialisten arbeiten an den Fundorten und übernehmen sämtliche Konservierungs-Aufgaben. Eine Spurenstelle wird zuerst maschinell und dann sorgfältig von Hand ausgegraben.
Die Spuren – einige erreichen einen Durchmesser von über einem Meter – werden dann analysiert und dokumentiert.
Jurassic Park: Niemand vorher hat es je gesehen
Die Entdeckungen und das grosse Interesse an der Region haben die Behörden dazu bewogen, aus den Fundstellen touristische und archäologische Attraktionen zu machen.
Laut Hug würde der "Geopark" ein Museum einschliessen, das in der Nähe der Fundstellen zu errichten wäre. Es sei wichtig, die Fundstellen zu erhalten, damit sich auch künftige Generationen daran erfreuen könnten.
"Das Faszinierende daran ist, dass diese Spuren zum ersten Mal in 150 Millionen Jahren entdeckt wurden", sagt Hug gegenüber swissinfo. "Niemand vorher hat sie je gesehen."
swissinfo
In Kürze
Die Bezeichnung "jurassic" stammt von den bedeutenden Marinekalkstein-Vorkommen im Juramassiv, einer Region, die sich über Deutschland, Frankreich und die Schweiz erstreckt.
Unter Paläontologie versteht man die Wissenschaft von der Entwicklung des Lebens auf der Welt, über alte Pflanzen und Tiere, auf der Basis von Fossilen.
Ikonologie ist eine Teildisziplin innerhalb der Paläontologie und beschäftigt sich mit fossilen Funden von Fussstapfen, Wegen und Gängen.