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Im Green Valley etwa 30 km südlich von Tucson Arizona befindet sich das letzte verbleibende Titan II Interkontinental-Raketensilo, das heute als „Titan Missile Museum“ betrieben wird. Ab 1963 waren total 54 Raketen-Silos einsatzbereit. Jeweils ein Drittel der Raketen mit nuklearem Sprengkopf befand sich in Kansas, Arkansas und eben in Arizona. Der Sprengkopf hatte eine Leistung von etwa 9 Megatonnen TNT Äquivalent, was etwa dem 650-fachen der Hiroshima-Bombe entspricht.
Collage
- Kommandoraum
- Verbindungsgang zwischen Kommandoraum und Silo
- Ausfahrbare Antennen
- Dopplerradar zur Überwachung der Anlage auf Eindringlinge
- Hinter dem Jeep befindet sich der halbgeöffnete Silodeckel mit der Glaskuppel über der Rakete
- Titan II Rakete mit einer Länge von 32 m, Durchmesser 3.05 m und einem Startgewicht von 152 t
Die dunkle Spitze beinhaltet den Gefechtskopf und ist das Einzige, das von der Rakete wieder auf die Erde zurück kommt.
Bei der geführten Besichtigung konnte man hautnah miterleben, wie das Startprozedere ausgesehen hätte und wie das „Leben“ in einer Kommandozentrale so war. Das Raketensilo war über einen Durchgang mit dicken Schleusentüren mit der Kommandozentrale verbunden und bildete eine Einheit, die rund um die Uhr von 4 Mann betrieben wurde. Die ganze Anlage war auf Federn gelagert, so dass bei Erschütterungen durch feindliche Einwirkung eine Dämpfung in alle Richtungen möglich gewesen wäre. Die Rakete stand mit einem Zweikomponententreibstoff vollbetankt im Silo, der von einem 740 t schweren Betondeckel geschützt war. Die nächste Umgebung des Silos wurde mit einem Dopplerradarsystem auf Eindringlinge überwacht. Da im Alarmfall die Besatzung auf keinen Fall selber hätte nachschauen dürfen, wurde direkt die Polizei alarmiert. Um die Kommunikationsfähigkeit auch unter gegnerischer Einwirkung aufrecht zu erhalten, gab es nebst den festmontierten Antennen auch solche, die aus der Anlage ausgefahren werden konnten.
Die Befehlsgewalt über die Atomwaffen obliegt einzig dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Im Ernstfall wäre der Startbefehl via Kommunikationsmittel angeordnet worden. Der Anrufer musste sich mit dem übereinstimmenden Code autorisieren, der versiegelt in einem Tresor der Kommando-zentrale unter Verschluss lag. Ebenfalls über ein Codesystem musste der Rakete eines der drei vorprogrammierten Ziele mittels Knopfdruck übermittelt werden. Niemand in der Zentrale kannte die drei möglichen Ziele. Nach dem Auslösen der Startsequenz dauerte es 58 Sekunden bis die Rakete abhob um 30 Minuten später im Zielgebiet einzuschlagen. Eine Zündung der Rakete im eigentlichen Sinne war nicht erforderlich, denn das Zusammenführen der beiden Treibstoffe in der Brennkammer reichte aus, um die gewaltige Leistung der Triebwerke zu entfesseln. Waren die Treibstoffklappen erst mal geöffnet, so war der Start nicht mehr abzubrechen.
Das Titan-II-Programm war ursprünglich für lediglich 5 Jahre gedacht und wurde letztlich 1981 nach 24 Jahren durch die Reagan-Regierung aufgehoben. Im Rahmen eines Abrüstungs-vertrags wurden sämtliche Silos, bis eben das heutige Museum, nach einem bestimmten Procedere gesprengt. Danach mussten die explodierten Anlagen eine vorgegebene Dauer verbleiben, damit sich die Russen via Satelliten von der Zerstörung überzeugen konnten.
01.11.2015/HJO