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Dwight L. Moody – vom Schuhverkäufer zum Erweckungsprediger
Als Dwight Lyman Moody am 5. Februar 1837 in einem Dorf in Massachusetts zur Welt kam, geschah das nicht gerade unter besten Bedingungen. Er war das sechste von neun Kindern in einer armen Familie. Seine Eltern hatten eine kleine Farm, der Vater arbeitete ausserdem als Maurer. Er starb aber bereits, als Moody vier Jahre alt war. Seine Mutter brachte die Familie irgendwie durch – Schulbildung spielte dabei keine grosse Rolle. So arbeitete Moody nach der Grundschulzeit erst auf der Farm und zog, als er 17 war, nach Boston.
Erfolg im Schuhgeschäft
In der Stadt suchte er eine lukrative Arbeit, doch die einzige Stelle, die er fand, war die eines Hilfsverkäufers im Schuhgeschäft seines Onkels Samuel. Der beschäftigte ihn allerdings nur unter der Bedingung, dass er regelmässig die Kirche besuchte. Zwangsläufig liess Moody sich darauf ein. Überraschenderweise begeisterte ihn die Sonntagsschule, und er liebte Edward Kimball, seinen Sonntagsschullehrer. Dem lag Moody sehr am Herzen, so besuchte er ihn einmal im Schuhgeschäft. Er fand ihn beim Verpacken von Schuhen im Lagerraum und begann ein Gespräch über den Glauben mit ihm. Er erklärte dem jungen Mann, dass er einen Erlöser bräuchte, und das sah Moody ein. Am Samstagnachmittag, den 21. April 1855, gingen die beiden Männer im Schuhlager auf die Knie und Moody entschied sich für ein Leben mit Christus.
Eine Weile danach zog er nach Chicago, um dort ein eigenes Schuhgeschäft zu führen. Das tat er mit sehr viel Energie und Erfolg. Trotz seiner Bildungslücken muss er ein brillanter Verkäufer gewesen sein. Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wie hoch sein Verdienst in dieser Zeit war, aber er wurde reich.
Ein Herz für Arme
Damals sammelten sich in Chicago Einwanderer aus Deutschland und Skandinavien, die ihr Glück in den USA suchten, aber hier unter erbärmlichen Bedingungen in Slums lebten. Moody wurde bald klar, dass er als Christ keine Reichtümer anhäufen wollte, also gründete und finanzierte er eine Art Missionsstation mitten in den Slums. Die Armen waren jedoch misstrauisch und liessen sich nicht einfach in eine Kirche einladen. Da bot Moody den Kindern etwas Süsses zum Essen und Ponyreiten an, den Erwachsenen dagegen Englischkurse, um die Sprache besser zu lernen. Schon nach kurzer Zeit platzte die neue Kirche aus allen Nähten. Er war überzeugt: «Wenn Menschen dir glauben, dass du sie liebst, dann hast du sie bereits gewonnen.»
1860 hängte er seinen Schuhverkauf an den Nagel und arbeitete nur noch für die Kirche, für den CVJM und als Sozialarbeiter. Die Mittel dafür gewann er durch seine alten Kontakte zu Geschäftsleuten in Chicago und den restlichen USA. Wenn er etwas brauchte, wandte er sich direkt an sie.
Während der Gemeindearbeit lernte er eine seiner Sonntagsschullehrerinnen besser kennen und lieben. Er heiratete Emma C. Revell, und sie bekamen drei Kinder. 1864 bauten sie ein Gemeindehaus, doch es sollte nicht sehr lange in Betrieb sein. Am Sonntag, den 8. Oktober 1871 – Moody hatte gerade den Abendgottesdienst beendet –, ertönte die Feuerglocke. Das geschah in dieser Zeit häufiger, und zuerst dachte sich niemand etwas dabei, doch beim folgenden Grossen Brand von Chicago wurden weite Teile der Innenstadt und vor allem die Armenviertel völlig zerstört.
Für Moody wurde dieses Ereignis ein Wendepunkt in seinem Leben: Bis dahin war er vorangegangen und hatte Gott jeweils um seinen Segen gebeten. Nun fragte er ihn nach seinem Plan – und er bekam die Gewissheit, dass er als Verkündiger des Evangeliums unterwegs sein sollte.
Reise nach Europa
Ein erster Kontakt ergab sich nach England, und so reiste Moody mit seiner Familie und dem Musiker Ira Sankey nach Europa. Als ihr Schiff in Liverpool anlegte, waren ihre Gastgeber allerdings gerade verstorben, sodass niemand auf sie wartete. Moody liess sich davon nicht beirren und begann mit evangelistischen Versammlungen im ganzen Königreich, die im Laufe der Zeit immer grösser wurden.
Ähnlich wie bei ProChrist und anderen heutigen Evangelisationen wandte er sich dabei nicht nur an eine Kirche, sondern an alle Protestanten wie Katholiken am Ort gleichermassen. Dieser verbindende Ansatz war neu – und überzeugte viele Besucherinnen und Besucher. Es kam zu einer regelrechten Erweckungsbewegung. Nach zwei Jahren reisten Moody und Sankey wieder zurück in die USA.
Missionszeit
Dort begann die effektivste Zeit des «Vaters der Grossevangelisation». Sein Ruf eilte ihm schon voraus, und in den USA füllte er bald die grössten Hallen. Dabei entwickelte Moody einige Neuerungen beim Evangelisieren oder er etablierte sie. Vielleicht konnte er dies deshalb so leicht, weil er kein Theologe war, sondern ein pragmatischer Geschäftsmann. Er wollte viele Menschen erreichen, also ging er nicht in Kirchen, sondern in öffentliche Säle oder Zelte. Er rief zu einer Entscheidung für Christus auf und nutzte dazu den sogenannten «Altarruf», den er dahingehend weiterentwickelte, dass er ihn durch ein aufforderndes Lied seines Freundes Ira Sankey begleiten liess. Anschliessend gab es die Möglichkeit zum Gebet oder zur Seelsorge in einem separaten Raum – ebenfalls eine Idee Moodys.
Vieles, was heute selbstverständlich zu jeder evangelistischen Veranstaltung gehört, wurde damals entwickelt. Spannenderweise gerade von einem Mann, der nicht besonders gut reden konnte. Wegen seiner fehlenden Schulbildung tat sich Moody zeitlebens schwer mit grammatikalisch korrekten Sätzen – und seine Rhetorik war auch nicht besonders. Doch er wusste sich berufen und meinte: «Wenn diese Welt erreicht werden soll, dann kann das nach meiner Überzeugung nur geschehen, wenn sich Männer und Frauen mit durchschnittlicher Begabung dafür einsetzen.» So sah er sich selbst – und deshalb setzte er sich mit immenser Energie für die Verbreitung des Evangeliums ein.
Viele Zeitgenossen und spätere Theologen kritisierten Moodys Art der Evangelisation. Karl Barth zum Beispiel stellte fest, dass «die Apostel die Menschen nie aufforderten, das Evangelium anzunehmen». Er schätzte Moody für seinen Erfolg, warnte andere aber davor, dies als Methode nachzumachen. Kritik oder nicht: Genau das taten und tun Moodys Nachfolger bei der Evangelisation bis heute. Der Musikstil mag sich geändert haben, aber immer noch ist ein Bekehrungsaufruf ohne begleitendes Lied kaum vorstellbar.
Doch Moody war mehr als ein Evangelist: Er engagierte sich für Bildung und gründete Schulen, er schuf Ausbildungsplätze für Frauen, er nahm Kinder für voll und setzte sich in allen Belangen für sie ein.Am 22. Dezember 1899 starb Dwight L. Moody.
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Datum: 15.02.2021
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet