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[* 3] (wahrscheinlich v. kelt. alp oder alb, s. v. w.
»hoch,
Berg«),
Hochgebirge, welche, unähnlich gewöhnlichen
Gebirgsketten, aus einzelnen Gebirgsstöcken
(Gruppen) zusammengesetzt
sind. Die einzelnen
Berge sind durch sattelförmige
Erhebungen
(Cols) und schmale
Rippen
(Joche), oft auf
langen
Distanzen, zusammengeknüpft. Von bedeutender absoluter
Höhe, steigen sie öfters über die
Schneelinie empor und haben
gemeiniglich eine breite
Basis.
Ihre Gehänge sind tief gefurcht, zerrissen, gezackt, mit schroffen, oft lotrecht abstürzenden,
häufig sehr tiefen Schluchten. Die Alpen werden gewöhnlich nach dem Land benannt, in welchem
sie liegen. Schlechthin führt den
NamenAlpen das große Hochgebirge Zentraleuropas (bestehend aus den
Schweizer, Savoyischen,
Tiroler,
Salzburger, Steirischen etc. Alpen). Außerdem sind zu nennen: die Siebenbürgischen,
die
Skandinavischen in
Europa,
[* 4] die Abessinischen in
Afrika,
[* 5] die
NordamerikanischenSeealpen etc.
[* 3] (hierzu
Karte»Höhenschichten der Alpen«). Der
Name dieses mächtigen Hochgebirges im mittlere
Europa, des höchsten dieses
Erdteils und zugleich des vollkommensten und am besten entwickelten aller Hochgebirge der
Erde,
wurde schon von den
Römern bei der
Bevölkerung
[* 6] vorgefunden und ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs (alb, s. v. w. hoch).
Die Alpen erstrecken sich vom untern Rhônethal gegen O. bis an die
Ebenen Oberungarns und erscheinen, von
N. wie von S. gesehen, schon aus der
Ferne wie eine durch
Höhe und
Reichtum der
Formen überwältigende Gebirgsmauer, auf dem
größten Teil ihrer
Länge von Hochgipfeln überragt, die mit ewigem
Schnee
[* 7] bedeckt sind. An allen Seiten erheben sich die
Berge schroff und von den daran grenzenden
Landschaften scharf geschieden; den schroffsten Abhang wenden sie jedoch der Südseite
zu, wo auch die relative
Höhe die bedeutendste ist.
Dasselbe dehnt sich hiernach über zwölf Längengrade (6-18° östl. L. v. Gr.)
von dem untern
Rhône bis zum Donauthal bei
Wien 1036 km weit aus, während die
Breite
[* 14] im W. kaum 75, im O. dagegen durch das
strahlenförmige Auslaufen der
Ketten bis über 300, durchschnittlich etwa 175 km beträgt. Die Alpen nehmen
also, von 43-48° nördl.
Br. liegend, fast genau die Mitte zwischen
Äquator und
Nordpol ein. Sie bedecken ohne die angrenzenden
Hochebenen ein Gebiet von etwa 240,000 qkm und haben eine mittlere
Erhebung von 1400 m. Man erhält ein
Bild von der
Masse des
Gebirges, wenn man bedenkt, daß
¶
dasselbe, auf der Oberfläche Europas gleichmäßig ausgebreitet, diese um 6½ m erhöhen würde. Während die Westalpen sich
von S. nach N. allmählich mehr und mehr erheben, nimmt die Höhe von den höchsten Punkten aus in östlicher Richtung wieder
ab. Vom Montblanc, dem höchsten Berg nicht nur der Alpen, sondern ganz Europas (4810 m), bis zu den Quellen
der Etsch liegen die Gipfel zwischen 4800 und 2600 m, östlich davon zwischen 4000 und 1600 m; dort beträgt die Kammhöhe
der Hauptrücken nicht unter 2600 m, hier sinkt sie bis 2000 m herab, und ähnlich verhält es sich mit der Paßhöhe. Die
Ebenen und Thäler, welche die Alpen umgeben, haben sehr verschiedene Meereshöhe. Im W. liegt Valence 104, Lyon
[* 18] 174 m, im S. Turin
[* 19] 239, Mailand
[* 20] 114, Brescia 139, Bassano 149, Udine 108 m, im N. Wien 157, Passau
[* 21] 279, München
[* 22] 520, Konstanz
[* 23] 400, Zürich
[* 24] 412, Bern
[* 25] 540 m hoch;
die Ebenen am Nordabhang haben also eine weit bedeutendere Erhebung als die an den übrigen Seiten.
Die Alpenthäler, die von so hervorragender Bedeutung sind, da sie den größten Teil der Bevölkerung, gegen 8 Mill. Bewohner,
und der Kultur des Hochgebirges in sich schließen, teilt man nach dem Verhältnis zu den Gebirgszügen, in
denen sie liegen, in Längen- und Querthäler, nach ihrer Zusammengehörigkeit und Abhängigkeit voneinander in Haupt- und
Seitenthäler. In den Längenthälern, die dem Hauptzug des Gebirges folgen, zeigen sich die großen Vorzüge, welche den Bau der
Alpen vor dem aller andern Hochgebirge der Erde auszeichnen, ganz vorzüglich; sie sind so zahlreich und
ausgedehnt wie verhältnismäßig in keinem andern Hochgebirge, ja von solchem Umfang, daß sich in einzelnen sogar eigne
Staaten haben entwickeln können.
IhreBildung zeigt eine gewisse Regelmäßigkeit, ja Einförmigkeit; es sind gewöhnlich tiefe, in gerader Linie sich hinziehende,
breite und von hohen Bergwänden eingeschlossene Furchen, die mit allmählicher Steigung bis tief in das
Herz des Gebirges führen. Ist der Thalboden, was nicht selten der Fall ist, versumpft, so liegen die Dorfschaften mit ihren
Feldern und Gärten auf den sich häufig längs der Wände meist gleichförmig hinziehenden höhern Stufen oder auf den Schutthalden
an den Mündungen der in das Hauptthal einfließenden Bäche.
Besonders in den Zentralalpen bestehen sie oft aus einer Reihe stufenartig übereinander gelagerter, oft runder, meist aber
länglicher Weitungen, die in frühern Zeiten Seebecken gewesen sind, sich aber mit der Zeit entleert
haben. Der Bach, der sie durchströmt, fließt anfangs zwischen flachen Ufern mäßig schnell, gräbt sich aber später immer
tiefer in dem Boden ein und tritt endlich in einer durch das Zusammenrücken der begrenzenden Bergwände gebildeten Schlucht,
in der er oft schöne Katarakte bildet, in das tiefer liegende Becken ein. In den Weitungen liegen die Dörfer,
deren Bewohner meist Viehzucht
[* 28] treiben. Beispiele von Querthälern sind die Thäler des Rhône unterhalb
Martigny, der Aare, Reuß,
[* 29] Linth, des Rheins unterhalb Chur,
[* 30] das Gasteiner, Ötz- und Möllthal.
In den Kalkalpen sind dagegen die Höhen nicht selten arm an Wasser, das durch Spalten und Risse in höhlenartige Räume im
Innern der Berge eindringt, um später in starken Quellen am Fuß der Höhen wieder hervorzubrechen. Aus den Bächen in den hoch
gelegenen Thälern entstehen tiefer unten Flüsse, welche das Wasser in die Ebene hinausführen. Während sie in den obern Teilen
gewöhnlich starken Fall haben, schleichen sie in den Thalweitungen oft langsam dahin und bilden große
Sümpfe.
In denPässen, welche die Anfänge der an entgegengesetzten Teilen einer Kette entstehenden Thäler verbinden, zeigen sich die
Vorzüge des Baues der Alpen ganz besonders. Bei keinem andern Hochgebirge ist der Unterschied zwischen
der Durchschnittshöhe der Kämme und der Gipfel so bedeutend wie bei ihnen; die Folge davon ist die leichte Passage der über
die Höhen führenden Straßen. Wenn alle Hochgebirge auf die sie umgebenden
¶
Der geologische Bau der Alpen ist zwar in den letzten Jahrzehnten in einzelnen Stücken von zahlreichen Forschern
auf das genaueste untersucht worden; über die Bewegung der Erdrinde aber, durch die der gewaltige Bau der Alpen aufgerichtet wurde,
ist man trotzdem nicht zu einer allseitig angenommenen Ansicht gelangt. Indessen scheint die Meinung besondere Berücksichtigung
zu verdienen, nach welcher das ganze Alpengebirge durch eine horizontal, im allgemeinen von S. her wirkende
Kraft
[* 36] emporgehoben wurde.
Damit ist zugleich auch die veraltet scheinende Ansicht verlassen, als seien durch das Hervordringen halbstarrer oder flüssiger
Massen aus dem Erdinnern die sedimentären Schichten der Erdrinde gehoben und durchbrochen worden und so die mantelförmige
Bekleidung eruptiver Gesteine
[* 37] durch sedimentäre zu erklären. Entsprechend der angedeuteten Entstehungsursache
der Alpen durch einen von S. herkommenden seitlichen Druck, ist auch die Streichungsrichtung des westlichen und nördlichen Saums
des Gebirges angeordnet.
Überall, wo dem Stoß ältere Massen entgegenstanden, zeigt sich eine weit mannigfachere Faltung der Schichten als da, wo solche
Hindernisse nicht vorhanden waren. Diese Abhängigkeit tritt auch im innern Bau derKetten hervor. Betrachtet man die Alpen auf
einer geologischen Karte, so unterscheidet man deutlich drei verschiedene Zonen: eine mittlere oder Zentralzone und eine nördliche
und eine südliche Seitenzone. Die Massen der Zentralzone bestehen überwiegend aus Gneisgranit von verschiedenen
Formen, seltener aus echtem Granit und werden von weiten, mantelartig sie umgebenden Lagen von Schiefer (Gneis, Hornblendegesteinen,
Glimmerschiefer, namentlich den sogen. grünen und grauen Schiefern) umschlossen, von denen Versteinerungen ergeben haben, daß
sie in den östlichen Alpen, zum Teil wenigstens, der silurischen und devonischen, sogar (wie auch im Westteil des
Hochgebirges) der Kohlenformation angehören.
Auch sind in den Westalpen bedeutende Höhen der Zentralzone von jurassischen und Kreidegesteinen, ja selbst von Gliedern der
eocänen Formation gebildet, wie denn auch manche der die Zentralmassen umgebenden Schiefer metamorphische Bildungen sein mögen.
Diese Schiefer sind durch die sie durchdringenden kristallinischen Massen nicht selten auf höchst merkwürdige
Weise zusammengedrängt und umgebogen. Die Seitenzonen sind zum größten Teil aus kalkigen Bildungen der sekundären und tertiären
Formationen zusammengesetzt, in denen kristallinische Gesteine nur
isoliert hervortreten.
Von einer südlichen Nebenzone der Alpen kann jedoch nicht in dem Sinn die Rede sein wie von der nördlichen; denn hier im
S. vom Lago Maggiore an östlich lagert zwar eine große Menge tertiärer Gesteine der zentralen Zone vor, aber von einer regelmäßigen
Faltung ist nirgends die Rede wie im N. Die konkave Südseite des bogenförmig gestalteten Alpengebiets ist steil abgebrochen
und zeigt da, wo wirklich tertiäre Formen vorgelagert sind, andern Charakter als in der nördlichen Seitenzone.
Die Zentralzone ist es, welche ganz besonders den großen Reichtum an seltenen und geschätzten Mineralien, auch an Erzen enthält,
obgleich der Bergbau
[* 38] nur in einigen Teilen derselben Bedeutung erlangt hat; ihr gehören die in dem ganzen Gebirge verbreiteten
Goldablagerungen sowie die Gänge an, welche Kupfer,
[* 39] Blei,
[* 40] Nickel, Kobalt, vor allem Eisenerze liefern, die
besonders in Steiermark
[* 41] die Veranlassung zu einem wichtigen Bergwerksbetrieb gegeben haben. Was die Nebenzonen betrifft, so
ist in den östlichen Alpen namentlich die Triasformation
[* 42] ausgedehnt verbreitet, während sich davon in den westlichen nicht
viel mehr findet als einige Quarzite (der sogen. Verrucano); sie erhält eine erhöhte Wichtigkeit durch
die Einlagerung von Erzen (besonders Blei), namentlich aber durch die großen Steinsalzlager, von denen die berühmten Salzwerke
von Berchtesgaden, Hallein und des Salzkammerguts abhängen.
In den östlichen Alpen tritt die Juraformation
[* 43] dagegen zurück, welche in den westlichen in ausgezeichneter Weise entwickelt ist
und hier (im Liaskalk) den Grund zu den Salzwerken von Bex geliefert hat; auch die einzelnen Glieder
[* 44] der
Kreideformation
[* 45] sind in den westlichen Alpen viel ausgedehnter verbreitet als in den östlichen. Nicht geringe
Bedeutung besitzen endlich die Gesteine der Eocänformation (des Nummulitenmergels und Sandsteins und des fukoidenreichen Mergels
oder des sogen. Flysch der Schweizer), die besonders längs des ganzen Nordrands des Gebirges eine so hervorragende
Stellung einnehmen, aber auch im Innern der Thäler sich finden und namentlich das Hochland zwischen dem Adriatischen Meer und
der Save zusammensetzen; auch die jüngern Tertiärbildungen finden sich am Rande der Alpen wie in ihren Thälern, und
besonders tritt darin die Molasse hervor mit der Nagelfluhbildung, die in der Schweiz und im Algäu ihre höchste Erhebung besitzt.
Diluvialbildungen finden sich besonders in den Thälern und den Ebenen am Fuß des Gebirges; ihnen schließen sich die großen
Massen der erratischen Blöcke an, die ohne Zweifel das Resultat einer ausgedehnten Vergletscherung der Ebenen
am nördlichen Rande der Alpen und von den Gletschern aus der Zentralzone hierher geführt sind, wie noch jetzt fortwährend durch
das eindringende und beim Gefrieren sich ausdehnende Wasser selbst bis zu den höchsten Kämmen und Gipfeln hinauf eine zerstörende
Thätigkeit ausgeübt wird, von der die großen Schutthalden in den Thalsohlen und den Mündungen der
Bäche, die Lawinen und BergstürzeZeugnis ablegen. In der südlichen Nebenzone erscheinen noch zwischen den sedimentären Gesteinen
zerstreut einzelne ältere, wie Granit, kristallinische Schiefer, vor allen die berühmten Feldspat und Augitporphyre, und mit
ihnen verbunden die Dolomite am Luganer See und in Südtirol. Die äußern Formen der einzelnen Teile der
Alpen sind nach der Gesteinsbeschaffenheit und Art der Lagerung verschieden. In der Zentralzone
¶
Diese römische Alpenbenennung hat sich seither jahrhundertelang fast bis in die Gegenwart hinein in der
Litteratur erhalten. Erst als man gegen Ende des vorigen Jahrhunderts durch topographische Kartierungen und geologische Aufnahmen
mit dem Bau des Gebirges näher bekannt wurde, brach sich die ErkenntnisBahn, daß die Begrenzung der Gebirgsgruppen den dieselben
trennenden Thälern und tiefsten Paßeinsenkungen folgen müsse. Von diesem Gesichtspunkt aus hat vor allem
Karl v. Sonklar versucht, das Gebirge nach dem Verlauf der tiefsten Flußläufe zu zergliedern.
Die Alpeneinteilung v. Sonklars wurde in neuerer Zeit mit mehr oder weniger bedeutenden Veränderungen von verschiedenen Seiten
angenommen und verbreitet. Neben der Aufstellung von
zahlreichen Gebirgsgruppen hat man aber auch die Alpen wie
in longitudinaler Beziehung auch in große transversale Hauptabschnitte zerlegt, deren man bald zwei, bald drei angesetzt
hat, und über deren gegenseitige Begrenzung man nicht minder uneinig ist, als über jene der einzelnen Gebirgsgruppen, aus
denen sie sich zusammensetzen.
Die Zweiteilung in östliche und westliche Alpen ist die ältere und überdies diejenige, welche
den geologischen Verhältnissen der am besten entspricht. Nach ihrer Entstehungsgeschichte, Struktur und Zusammensetzung zerfallen
die in zwei große Abschnitte, welche in der Gegend des Adulagebirges aneinander stoßen. Bei einer Dreiteilung sind die Ansichten
nicht bloß über die Abgrenzung der West- und Mittelalpen geteilt, sondern ebenso und noch mehr über
diejenige der Mittel- und Ostalpen.
Überdies gibt die Bezeichnung des mittlern transversalen Hauptabschnittes als Mittelalpen Anlaß zu Mißverständnissen,
indem von einer Seite auch die kristallinische Zentralzone mit demselben Namen belegt wird. Bei der Zweiteilung fällt diese
Zweideutigkeit des Ausdrucks zwar weg, doch ist es immerhin besser, für Zentralalpen die Bezeichnung Gneisalpen
zu setzen. Die bisherigen Einteilungsversuche der Alpen gingen fast ausschließlich von den plastischen Verhältnissen
des Gebirges aus, indem man den Verlauf des Flußnetzes zu Grunde legte und den geologischen Aufbau vollkommen vernachlässigte.
Bei einer naturgemäßen Einteilung müssen aber beide Momente, das oroplastische und geologische, gleichmäßig berücksichtigt
werden; beide zusammen bedingen die Physiognomie eines Gebirges, die den besten Anhaltspunkt zur Beurteilung von orographischer
Gleichartigkeit und Verschiedenheit liefert.
Kärtchen: Einteilung der Ostalpen, nach Alpen. Böhm. Von diesem Grundsatz ausgehend hat Alpen. Böhm eine neue »natürliche« Einteilung
für die Ostalpen durchgeführt (s. obige Kartenskizze). Das Alpensystem setzt sich aus
zwei gegen NW. gerichteten Bogenstücken zusammen; dort, wo der westliche Bogen
[* 47] auf den östlichen stößt, tritt eine auffallende
Unterbrechung in dem Höhenzug ein, in
¶
forlaufend
die man am besten die Grenze zwischen West- und Ostalpen verlegt. Diese verläuft demnach als eine fast gerade Linie vom Bodensee
durch das Rheinthal, über den Splügenpaß zum Comersee und über den Luganer See zum Lago Maggiore. Entsprechend dem scharfen
Unterschied, der in physiognomischer und geologischer Hinsicht zwischen der kristallinischen Zentralzone
und den diese auf beiden Seiten begleitenden Kalkgebirgen besteht, teilt man die Ostalpen in Gneisalpen und Nördliche und
Südliche Kalkalpen.
Die Grenze zwischen den einzelnen Zügen ist im N. viel einfacher und deutlicher als im S. Da die Alpen durch einen von S. nach
N. gerichteten Druck in Falten gelegt sind, der Steilabfall der Gebirgsglieder also immer nach S. gerichtet
ist, so kehren die Nördlichen Kalkalpen der Zentralzone ihren Steilrand zu, der vom Rhein bis Wiener-Neustadt sich ununterbrochen
verfolgen läßt. Zwischen die Nördlichen Kalkalpen und die Gneiszone schiebt sich ein verschieden breiter Streifen paläozoischer
Schiefergesteine, so daß also die nördliche Grenze der Gneisalpen nicht mit der südlichen Grenze der
Nördlichen Kalkalpen zusammenfällt. Im S. fehlt eine entsprechende Zone von Schiefern; eine besondere Stellung nimmt hier
das Becken von Klagenfurt
[* 49] ein. Für die Einteilung der Ostalpen läßt sich folgendes Schema aufstellen:
2) Nordtiroler Kalkalpen. Hochgebirgszug: a) Wettersteingruppe; b) Karwendelgruppe; c) Brandenberger
Gruppe; d) Kaisergebirge. - Voralpenzug: a) VilserGebirge; b)Ammergauer Alpen; c) Altbayrische Alpen.
3) Salzburger Kalkalpen. Hochgebirgszug: a) Waidringer Alpen; b) Berchtesgadener Alpen; e) Ausseer Alpen. Voralpenzug: a) Wolfganger
Alpen; b) Grünauer Alpen; c) Oberösterreichischer Seehügel.
In einer Länge von 1200 km erstrecken sich die Alpen als gewaltiger Bogen von Savona (bei Genua)
bis nach Wien. Die durchschnittliche Breite beträgt 180 km, die Fläche, welche sie bedecken, 220000 km2. Die mittlereHöhe der ganzen Massenerhebung ist 1400 m; d. h. so hoch
wäre die ganze Fläche, wenn das Gebirge auf derselben ausgeebnet
würde. Begrenzt wird das Alpengebiet auf 3 Seiten von Tiefebenen: der Rhoneebene im W., der Poebene im
S. und den Donautiefebenen im O. Einzig im N. gehen die Alpen in die schweizerisch-schwäbisch-bayrische Hochebene über,
welche sich in einer mittlern Höhe von 400-600 m von Genf
bis Linz ausdehnt, während z. B. der Südfuss der Alpen aus etwa 200 m
Meerhöhe aufsteigt. Der Südabhang geht aber nicht bloss tiefer hinunter, er ist auch schmäler, also
aus doppeltem Grunde steiler als der Nordabhang. Z. B. ist die Distanz MonteRosa-Biella = 45 km, der Höhenunterschied = 4222 m,
das Gefäll des Südabhangs daher = 9,38% = 5° 22'. Auf der Nordseite dagegen ist die Distanz MonteRosa-Bern
= 115 km, die Höhendifferenz 4096 m; daher das Gefäll = 3,48% oder 1° 59'.
A. OROGRAPHIE.
Die Einteilung der Alpen fällt verschieden aus, je nachdem man den geologischen oder den orographischen Gesichtspunkt voranstellt.
Die Geologen unterscheiden nur zwei Hauptteile: Westalpen, von Savona bis zu der Linie Rheinthal (bis
Reichenau)-Greina-Tessin-Langensee, und Ostalpen (von da bis Wien). - Mit Rücksicht auf die Orographie empfiehlt sich
aber die alte Dreiteilung besser: a) Westalpen von Savona bis zur Linie Arve-MontBlanc-Aostathal; b) Zentralalpen von da bis
Reschenscheideck-Etschthal; c) Ostalpen von da bis zur Donau bei Wien.
Bei dieser Einteilung zeigt sich dann als prinzipieller Unterschied der drei Teile: die Westalpen bestehen
aus einer Hauptkette, ohne grosse Längsthäler;
die Querthäler beherrschen die Terrainformen vollständig.
Die Zentralalpen
bilden im W. 2, im O. 3 Parallelketten mit grossen Längsthälern ersten Ranges; in den Ostalpen endlich finden wir, auch
von W. nach O. an Zahl zunehmend, 3-5 solcher parallelen Ketten mit der entsprechenden Zahl von Längsthälern.
Für die Schweiz kommen nun einzig die Zentralalpen zwischen den beiden Eckpfeilern Mont Blanc und Ortler in Betracht. Die
weitere Einteilung, welche in erster Linie auf orographische Momente gestützt ist, ergibt sich aus der Kartenskizze. Die
erste Teilung ist gegeben durch das grosse Längenthal, eine Furche, welche von S.-W. nach N.-O. sich
hinzieht, und welche zugleich eine geologische Trennungslinie ist. Sie setzt sich zusammen aus dem Chamonixthal, Col de Balme,
Rhonethal von Martigny bis Furkapass, Urserenthal, Oberalppass, Vorderrheinthal bis Chur. Von da an folgt sie dem Querthal des
Rheins bis zum Bodensee. Dadurch erhält man zwei Teile, die man am besten als Nordalpen und Südalpen unterscheidet. - Quer
zu dieser tektonischen Linie geht nun eine zweite Hauptfurche, gebildet durch die Querthäler der Reuss und des Tessin.
So entstehen
aus den Zentralalpen vier grosse Abschnitte, die sich z. T. mit den alten landläufigen Benennungen:
Berner-A., Glarner-A., Walliser-A., Bündner-A. decken, aber meistens etwas grössere Gebiete umfassen, als man gewöhnlich
mit obigen Namen bezeichnet.
Die Hauptwasserscheide liegt ganz nahe an der Rhone; nach S. gehen nur kurze, steile Thäler, während auf der sanftem Nordseite
sich eine grosse Zahl bedeutender Querthäler ausgebildet hat. Dies drückt sich auch in folgenden Zahlen aus:
Der horizontale Abstand zwischen Wildstrubel und Sierre ist 10 km, der Höhenunterschied 2728 m, also das Gefäll 27,28% oder
15° 16'. Dagegen ist der Abstand vom Wildstrubel bis Bern
65 km, der Höhenunterschied 2730 m;
das gibt ein Gefäll von 4,20%
oder 2° 20'. Die einzelnen Gruppen sind:
¶
3. Die Finsteraarhorngruppe, die gewaltigste Hochgebirgspartie der ganzen Nordalpen, bildet nicht nur die hohe geschlossene
Mauer wie die vorige Gruppe, sondern dehnt sich auch noch so in die Breite aus, dass hier Raum entsteht
für die Entwicklung eines der bedeutendsten Gletschergebiete. Die Grenzen der Gruppe sind: W. Kanderthal bis Kandersteg, Gemmipass 2302 m;
Die ganze Gruppe zerfällt
landschaftlich und geologisch in zwei Teile: eine Linie von Kandersteg über Mürren, die Kleine und Grosse Scheidegg, trennt
den nördlichen niedrigern Teil, der nur aus Sedimenten (Kalk und Schiefern) besteht und schon mildere Formen aufweist, vom
südlichen, welcher fast ganz aus krystallinen Gesteinen aufgebaut ist und mit seinen Hörnern und Zacken
den Typus des Hochgebirges am reinsten darstellt.
Weil die Finsteraarhorngruppe in ihrem hochalpinen Teile also aus 2-3 parallelen Ketten besteht, so bietet sie viele grosse
Hochthäler, welche die Sammelgebiete zahlreicher und grosser Gletscher bilden. So finden sich denn hier 16 Gletscher I. Ordnung
oder Thalgletscher, darunter mit Abfluss nach N.: Kandergletscher, Tschingelgl., Unterer Grindelwaldgl.,
Oberer
Grindelwaldgl., Rosenlauigl., Gauligl., Unteraargl., Oberaargl.;
mit Abfluss nach S.: Lötschengl., Ober Aletschgl., Mittel
Aletschgl., Grosser Aletschgl. und Fieschergl. - Dazu kommen noch über 100 Gletscher II. Ordnung oder Hängegletscher. So
macht die gesamte Schnee- und Eisfläche der Finsteraarhorngruppe ca 500 km2 aus.
4. Dammagruppe. Grenzen: W. Haslithal und Grimsel, S. Furkapass und Urserenthal, O. Reussthal bis nördlich von Erstfeld, N. Surenenpass-Engelberg-Jochpass-Genthal.
- Die Gruppe bildet geologisch die Fortsetzung der hochalpinen Partie der vorigen. Sie zeigt auch den gleichen Charakter
in Höhe, Gletscherbildung etc., wenn auch in geringern Dimensionen. Da die beiden grossen Querthäler
Haslithal und Reussthal einander ziemlich nahe liegen, herrscht in der Bodenform der Querkamm S.-N. vor; gegen diesen treten
die Längsketten ebenso zurück, wie die kleinen Längsthäler: Gadmenthal, Genthal, Göschenenthal, Maienthal (z. T.) gegenüber
den grossen, die Gruppe begrenzenden Querthälern der Aare und Reuss.
Dieser Hauptkamm hat ausser den begrenzenden Pässen: Furka 2436 m im S. und Jochpass 2208 m und Surenenpass 2305 m im N., nur
eine einzige tiefere Scharte, den Sustenpass 2262 m, welcher das Gadmenthal mit dem Maienthal verbindet.
Durch diesen Einschnitt entstehen zwei Mittelpunkte der Gletscherausstrahlung: Dammastock und Titlis. Vom erstern aus gehen
ausser zahlreichen Hängegletschern: der Rhonegletscher nach S., der Triftgletscher nach N.-W., der Steingletscher nach N.
und der Kehlegletscher nach O. Am Titlis und seiner Fortsetzung nach N.-O., Spannörter, Schlossberg etc.,
kommt es nur noch zur Bildung von Gletschern II. Ordnung.
im O. die Rhone von Monthey abwärts und im
N. der Genfersee. Da die Querthäler hier vorherrschen (Rhone, Drance), so entsteht ein Hauptkamm, der vom Col de Coux der Schweizergrenze
folgend nach N. geht, und als Hauptgipfel les Hautforts 2466 m, les Cornettes de Bise 2439 m und les Dents
d'Oche 2225 m zeigt.
Aehnliche, nur etwas geringere Höhen zeigen die Teile, welche ganz auf savoyischem Boden, zwischen
Drance und Arve, liegen.
ziehen, wird die äussere Form beherrscht durch die Querthäler der Rhone, Saane, Simme und Kander. Allerdings wechseln oft beim
gleichen Fluss Querthal und Längsthal ab; z. B. ist das Pays d'en Haut ein Stück Längenthal,
ebenso das Thal der Simme von
Boltigen bis Wimmis. Durch die genannten Thäler wird die ganze Gruppe in drei Abschnitte geteilt:
das mächtigste Gebirge Europas und im Herzen dieses Erdteils, in der Mitte zwischen Äquator
und Nordpol, zwischen 43½ und 48° nördl. Br. und 5 und 16½° östl. L. von Greenwich gelegen, dem allgemeinen Umriß nach
ein langgezogener, quer gegen den Meridian gerichteter, von S. über N. in NO. verlaufender Schlangenbogen, dessen im W. sehr
scharfe Krümmung sich gegen O. zusehends verflacht. Die Länge dieses Bogens von Savona bis Wien mißt
etwa 1100 km. Ihrem plastischen Aufbau und ihrer geolog.
Zusammensetzung nach bestehen jedoch die Alpen aus zwei gegen NW. und N. konvexen Bogen, die sich zwischen dem Lago Maggiore und
dem Bodensee schräg gegeneinander legen. Beide Bogen enthalten je in ihrer Mitte die größten Massenerhebungen:
die Gebirgsstöcke des Montblanc und Monte-Rosa im W. und die Ötzthaler Alpen im O. Dort aber, wo der westalpine
Bogen auf den ostalpinen stößt, befindet sich eine Unterbrechung in dem stetigen Höhenzuge. Diese Zweiteilung tritt
auf jeder guten Übersichtskarte (besonders auf Schichtenkarten) deutlich zu Tage.
Grenzen. Die Grenzen des Alpengebirges lassen sich nicht allenthalben durch eine scharfe Linie bezeichnen,
weil der Übergang vom Gebirge zur Ebene nicht immer sprungweise, sondern oftmals sehr allmählich erfolgt; in letzterm Falle
wird daher die Grenze durch einen mehr oder weniger breiten Saum vergegenwärtigt, dessen Lage am besten beim Anblick aus
großer Ferne
bestimmt wird, da an Ort und Stelle die unbedeutenden Aufragungen der nächsten Umgebung
gegenüber der höhern, aber weiter abstehenden Hauptmasse des Gebirges unverhältnismäßig stark zur Geltung kommen. Im
allgemeinen können folgende Orte als Markpunkte für den Verlauf der Alpengrenze betrachtet werden:
3) östlicher Saum: Marburg, Eibiswald, Stainz, Graz,
[* 61] Hartberg, Friedberg,
[* 62] Güns, Kirchschlag, Ödenburg,
[* 63] Neudörfel, Neunkirchen,
[* 64] Wurflach, Leobersdorf, Baden,
[* 65] Wien. Innerhalb dieser Umgrenzung umfassen die Alpen ein Gebiet von 176000 qkm; ihre größte Breite
findet sich in der Mitte des ganzen Gebirgszugs und mißt von Kempten nach SanBonifacio 275 km; der schmalste
Durchschnitt ist jener von Chambery nach Avigliana mit 125 km. Mitunter werden die Grenzen des Alpengebietes weiter gezogen,
indem jenes ganze Gebiet ins Auge
[* 66] gefaßt wird, das in hydrogr.
Beziehung von den Alpen abhängig ist, und das sich beispielsweise im W. bis zur Rhône, im
N. bis zur Donau, im S. bis zum Po und zur Adria erstreckt. Daher findet man häufig weit größere Zahlen als Ausmaß der
Alpen verzeichnet, doch gelten dieselben nicht dem Gebirge allein, sondern auch einem Teile der angrenzenden Ebenen. Diese, die
als Basis des Gebirges zu betrachten sind, liegen in sehr verschiedener Höhe, und zwar im Süden weit tiefer
als im Norden.
[* 67] Während der Südfuß der Alpen auf der Poebene zwischen 50 und 300 m schwankt, liegt der Nordfuß
auf der schweiz. Hochebene zwischen 400 und 600 m, auf der oberbayr.
Ebene zwischen 600 und 900 m und im österr. Donaulande zwischen 200 und 500 m.
Die westl. Begrenzungslinie erhebt sich von 50 bis gegen 400 m, die östliche hält sich ziemlich
regelmäßig zwischen 300 und 400 m. Den mächtigsten Anblick gewähren deshalb die von Süden aus betrachtet, und zwar nicht
nur wegen der tiefern Lage des Standortes, sondern auch, weil man sich dort innerhalb der Krümmung des
Gebirgszugs befindet. Am berühmtesten ist mit Recht die Alpenansicht vom Mailänder Dom, die vom Monte-Viso bis zu den Gipfeln
an den Quellen des Oglio reicht; sehr schön ist auch die vom Markusturme zu Venedig,
[* 68] vom Ortler bis zum Triglav.
Auf der Nordseite genießt man den schönsten Anblick der Alpen vom Gipfel des Feldberges oder
von dem des Belchen im Schwarzwalde, von wo aus man dieselben, den herrlichen Gipfeln des Berner Oberlandes gegenüberstellend,
vom Montblanc bis zum Zugspitz übersieht. Auch der Frauenturm zu München gewährt eine umfassende Ansicht. Innerhalb der Alpen selbst
sind von den leicht erreichbaren Gipfeln ihrer Rundsicht wegen am berühmtesten: Faulhorn, Pilatus, Rigi, Säntis, Pfänder,
Hohe Salve, KitzbühlerHorn, Schmittenhöhe, Gaisberg, Schafberg, Dobratsch u. a. m.
Höhe. Der Höhe nach unterscheidet man in den Alpen die Region der Niederalpen, die bis zur Grenze
¶
forlaufend
des Baumwuchses, also ungefähr bis 1800 m reicht; die Region der Mittelalpen, von der Baumgrenze bis zur Firnlinie reichend,
also von 1800 m bis 2800 m; die Region der Hochalpen, das Gebiet des «ewigen Schnees» (Firn) umfassend.
Am reichlichsten sind diese Stufen auf der Nordseite der Alpen, besonders in den Ostalpen, entwickelt, da
sich dort das Gebirge sehr allmählich zur Ebene abdacht. Der Südabfall ist steiler, so daß man dortselbst im Abstiege häufig
die verschiedensten Klima- und Vegetationsgebiete durchschreitet und in wenigen Stunden aus der Eisregion in Kastanienwaldungen
herabgelangt. Die Mehrzahl der hervorragendern Alpengipfel erreicht 3000-4300 m Höhe. Die Westalpen
sind höher als die Ostalpen, welche nur einen einzigen Gipfel von über 4000 m Höhe, den Piz Bernina (4052 m), aufweisen.
Die sechs höchsten Alpengipfel sind: Montblanc (4810 m), Monte Rosa (4638 m) Dom (4554 m), Lyskamm (4538 m), Weißhorn (4512
m), Matterhorn (4505 m);
die übrigen Gipfel messen schon unter 4500 m. Die Durchschnittshöhe beträgt 1400 m.
GeologischerBau. Die Alpen sind gleich den meisten übrigen großen Gebirgszügen der Erde ein Faltungsgebirge, entstanden
durch einen tangentiellen Zusammenschub der festen Erdkruste. Der Betrag der Faltung ist sehr bedeutend; man hat gefunden,
daß die Alpen, wenn man ihre Falten ausgleichen könnte, 120 km an Breite gewinnen würden, so daß also
das Alpenland durch den Zusammenschub beinahe auf die Hälfte seiner ursprünglichen Breite gebracht wurde. Trotzdem sind
in den Alpen die Falten nicht das eigentlich formgebende Element; das Gebirge tritt uns vielmehr als gewaltige Ruine eines Baues
entgegen, dessen ursprünglich tektonischen Grundzüge durch die Einwirkung von Denudation und Erosion
[* 70] stellenweise bis ins Unkenntliche verändert wurden. Mächtige Bergketten verlaufen heute, wo sich nach dem tektonischen
Grundriß des Gebirges ein tiefes Faltenthal befinden sollte, und an Stelle eines hochgeschwungenen Faltenzugs begegnet man
nicht selten einer tiefeinqeschnittenen Thalung. Die Menge des durch Wasser abgetragenen und weggeführten
Materials dürfte die Hälfte der ursprünglichen Gesamtmasse betragen.
Die Felsarten der Alpen sind teils krystallinisch, teils sedimentär. Das Grundgerüste der Alpen wird von
einem krystallinischen Kern gebildet, der von einem Mantel sedimentärer Gesteine umgeben ist. Der krystallinische Kern bildet
aber kein zusammenhängendes Ganzes, sondern teilt sich in einzelne (etwa 36) «Centralmassen»,
die durch geschichtete Gesteine voneinander getrennt werden. Die am vollkommensten krystallinisch ausgebildeten Gesteine,
besonders Gneis und Granit, bilden stets den Kern des Massivs, während die unvollkommen ausgebildeten Gneise, Amphibolgneise,
Glimmerschiefer, Talkschiefer, Chloritschiefer, Kalkglimmerschiefer, grüne und graue Schiefer mit krystallinischen Kalklagen,
Kalkthonschiefer u. s. w. nach außen zu folgen.
Die Struktur der Centralmassen ist entweder eine fächer- oder eine gewölbeartige, je nachdem der Betrag
der Faltung ein größerer oder ein geringerer gewesen. In den westlichen Alpen haben die Centralmassive eine ellipsoidische
Gestalt, in den östlichen Alpen treten mehr rückenartig fortlaufende Längsmassen hervor. In ihrer Gesamtheit bilden
die Centralmassen die Mittelzone der Alpen, die nördlich und südlich von je einer Zone sedimentärer
Gesteine begleitet wird.
Diese
Anordnung kommt jedoch erst in den Ostalpen zur vollen Geltung, da in den Westalpen die südl.
Sedimentärzone größtenteils niedergebrochen und daher heute nicht mehr vorhanden ist. Die Art und Weise, in der die einzelnen
sedimentären Formationen in den Alpen auftreten, läßt erkennen, daß die letztern aus ursprünglich
vereinzelten Gebieten von eigenartiger geolog. Entwicklungsgeschichte bestehen, die erst in verhältnismäßig junger Zeit
von gleichsinnigen dynamischen Bewegungen erfaßt und zu einem einheitlichen Kettengebirge umgestaltet worden sind.
Die paläozoischen Formationen sind im allgemeinen spärlich entwickelt, was darauf hindeutet, daß die
Alpen zu jener Zeit größtenteils Festland gewesen sind. Silur und Devon
[* 71] sind mit Sicherheit nur in den Ostalpen
nachgewiesen, Carbon und Perm dagegen finden sich schon in größerer Verbreitung sowohl in den Ost- wie Westalpen; die letztern
Bildungen sind jedoch nicht marinen Ursprungs, sondern kamen in Binnenseen oder in Ästuarien zur Ablagerung.
Erst zu Beginn der mesozoischen Periode fand eine umfassende Submersion eines Teils des Alpengebietes statt, indem die Ostalpen,
bislang mit den Westalpen und dem böhm. Festlande zusammenhängend, sich durch Senkung von beiden lostrennten.
Die Senkung erfolgte allmählich und hielt durch lange Zeit an, was aus der enormen Mächtigkeit der
ostalpinen triasischen Bildungen und aus dem häufigen Wechsel der Facies, der die Ablagerung aus einer Tiefsee ausschließt,
hervorgeht. In ähnlichem Maße, als die Senkung vorschritt, lagerten sich die Sedimente aufeinander, so daß das Meer immer
verhältnismäßig seicht blieb und gewiß niemals jene Tiefe von mehrern tausend Metern erreichte, wie
sie der Mächtigkeit jener Sedimente entsprechen würde.
Die Westalpen waren zur Triaszeit größtenteils Festland und sanken erst mit Anbruch der Juraperiode allmählich unter den
Meeresspiegel hinab, weswegen auch das westalpine Kalkgebirge im Gegensatze zu dem ostalpinen vorzugsweise aus Malm- und Kreidebildungen
besteht. Die Ostalpen hinwieder begannen schon vor und während der Kreidezeit neuerdings über den Meeresspiegel
sich zu erheben, und zwar begann die Hebung im Osten und schritt von da gegen Westen vor, was aus dem Umstande ersichtlich
wird, daß in der angegebenen Richtung immer jüngere Formationsglieder über die ältern die Oberhand gewinnen.
Nur die Wiener Randstein- oder Flyschzone scheint zur Kreide- und ältern Tertiärzeit, im Gegensatze
zu den sich hebenden Nordostalpen, einen langsam, aber stetig sich senkenden Meeresstrich gebildet zu haben und ist demnach
als die eigentlich geologische und nur der Ausbildung nach veränderte Fortsetzung der schweiz.
Kalkalpen zu betrachten. Während zur jüngern Tertiärzeit die Gebirgsbildung
[* 72] der Ostalpen schon beendet
war, hatten die Westalpen und die Flyschzone erst während des Miocäns begonnen, sich über den Meeresspiegel zu erheben,
und die Aufwölbungen und Überschiebungen der schweiz. Molasse bekunden, daß der Faltungsprozeß
bis in die allerjüngste Zeit hinein andauerte. Die Grenze zwischen diesen beiden großen, in ihrer Entstehungsgeschichte
so sehr verschiedenen Teilen des Alpengebietes wird im N. durch die Rheinlinie, im S. durch den Lago Maggiore
bezeichnet. Der Trias-Lias-Zug, der den ganzen Nordrand der Ostalpen von Wien her begleitet, setzt nicht über den Rhein hinüber,
sondern wendet
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(Doppelseitige Farbkarte)
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Maßstab 1:2.550.000
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forlaufend
sich im Rhätikon, der eingangs erwähnten allgemeinen Biegung des ostalpinen Gebirgsbogens entsprechend, gegen SW. und S.,
woselbst er durch transversal von W. herübergreifende Kreidebildungen plötzlich abgeschnitten wird. Weiter südlich, jenseit
des Einsturzgebietes des Prättigaus, tauchen triasische Kalke wieder auf und verbreiten sich bis in die Gegend der Bernhardin-
und Splügenpässe, nach Oberhalbstein und über den Albulapaß bis zum Ortler. In den Alpen westlich vom
Rhein fehlen die Ablagerungen der Trias- und Liasperiode entweder ganz, oder treten nur in einzelnen Streifen auf, ohne zusammenhängende
Gebirgszüge von größerer Ausdehnung
[* 76] zu bilden. Im Süden fehlen die Kalkalpen westlich vom Lago Maggiore ganz.
Weitere Unterschiede zwischen Ost- und Westalpen sind in letzter Linie durch die geogr. Verteilung der
dem Alpengebirge im N. vorgelagerten alten krystallinischen Massen bedingt. Während die Ostalpen bei ihrer Entstehung nur
an ihrem östl. Ende mit der Südspitze der «BöhmischenMasse» zusammenstießen, stellten sich der Entfaltung der Westalpen
der Schwarzwald, die Vogesen und das Französische Centralplateau entgegen; infolgedessen wurde die faltende
Kraft, die sich in den Ostalpen über weitere Entfernungen verteilen konnte, in den Westalpen gewissermaßen konzentriert
und mußte deshalb hier eine stärkere Aufbäumung der Gebirgsmassen bewirken.
Der Mangel an großen Längenthälern ist eine unmittelbare Folge dieser Erscheinung; den drei großen
Längsthalzügen der Ostalpen: Inn-Salzach-Enns, Mur-Mürz, Rienz-Drau, ist in den Westalpen als gleichwertig nur der Thalzug
Rhône-Rhein gegenüberzustellen. Ost- und Westalpen bestehen nämlich nach den neuern geolog. Forschungen aus einzelnen aneinandergeschobenen
Parallelketten, die ebensovielen Faltenzügen entsprechen. In den Ostalpen war der Zusammenschub gering, der Faltenwurf beschränkte
sich auf Gewölbebildung, die Ketten blieben voneinander getrennt, so daß sich in den Mulden zwischen
ihnen Längsthäler herausbilden konnten; ja im äußersten Osten treten die Ketten sogar fingerförmig auseinander.
In den Westalpen dagegen war der Zusammenschub äußerst heftig, die Ketten konnten sich nach Norden nicht ungehindert ausbreiten
und wurden infolgedessen so heftig an- und ineinander gepreßt, daß sie in der Plastik des Gebirges nicht
allenthalben selbständig hervortreten, sondern vielfach nur von dem Geologen nachgewiesen werden können. So sehr wurden
die Falten zusammengepreßt, daß es zur vollständigen Überkippung kam, zur sog. Fächerbildung,
die, im Gegensatze zu der Gewölbestruktur der Ostalpen, für einen großen Teil der Westalpen charakteristisch
ist.
Die starke Krümmung des westalpinen Gebirgsbogens und die damit Hand
[* 77] in Hand gehende Verkürzung seines innern Randes gegenüber
dem äußern, hatte in dem erstern auch seitliche Druckwirkungen zur Folge, die senkrecht auf die allgemeine Faltung gerichtet
waren und stellenweise das Übergewicht über diese gewannen. Daher kommt es, daß die Umbiegung des
Adulasystems, die unter dem Widerstände der Ostalpen erfolgte, nicht das einzige Beispiel ihrer Art geblieben ist, sondern
sich im Innern des Gebirgsbogens auch anderwärts wiederholt.
Das meridiane Streichen einzelner Glieder der Tessiner und der Monte-Rosa-Gruppe, sowie die Hinneigung zu der Bildung von Ringgebirgen
in den östl. Teilen der Grajischen und der Cottischen Alpen sind Folgen der Behinderung, die der Faltungsprozeß
an der Innenseite
des großen Bogens in sich selbst gefunden hat, und die Bedeutung dieser Erscheinung wird dadurch nicht
wenig vermehrt, daß ähnliche Vorkommnisse an der Außenseite der Alpen gänzlich fehlen.
Das verwickelte innere Gefüge der Westalpen, ihre große Höhe und die häufige Wiederkehr der fächerförmigen
Aufrichtung der Schichten erscheinen also in gleicher Weise durch den passiven Einfluß der alten ruhenden Massen bedingt, die
sich einer weitern Ausbreitung des Gebirges gegen W., NW., N. und NO. entgegenstellten. Die bedeutende Höhe und die geringe
Breite dieses Gebirgsgürtels wiederum verursachen, daß man in demselben einer so außerordentlichen
Tiefe der Thaleinschnitte begegnet.
Denn da sich hier das Gefälle der Flüsse jederzeit auf eine kürzere Strecke verteilte als in den breitern Ostalpen, die
noch dazu nicht gerade auf den kürzesten Wegen entwässert werden, so war die Wirkung der Erosion gesteigert,
und es konnte eine raschere Tieferlegung der Thalsohlen erzielt werden. Am Fuße des gewaltigsten Bergriesen der Alpen, des 4810 m
hohen Montblanc, ist Chamonix in einer Höhe von nur 1052 m gelegen! Einen auffallenden Zug
besitzen die Westalpen ferner in dem
stark zickzackförmigen Verlauf ihrer Hauptwasserscheide, der als eine unmittelbare Folge der überwiegenden
Querthalbildung zu betrachten ist.
In den Ostalpen, deren Entwässerung durch Längenthäler geregelt wird, nimmt der Höhenzug des Gebirges, und mit ihm die
Wasserscheide, einen mehr geradlinigen Verlauf. Die Querthäler sind hier zu kurz, als daß sich wesentliche Unterschiede
hinsichtlich ihrer Verzweigung geltend machen könnten, und vermögen deshalb die Wasserscheide nur zu
ganz geringen Ausweichungen zu bewegen. Der nach Süden einspringende Winkel der Wasserscheide in ihrem Verlaufe vom St. Gotthard
über die Bernina zur Reschenscheideck ist jedoch durch den fast rechtwinkligen Aufeinanderstoß des westl.
und des östl. Alpenbogens bedingt.
Die Thäler in den Alpen unterscheidet man als Längs- und Querthäler; erstere stimmen mit der
Richtung der Gebirgsketten überein und zeichnen sich bei meist geringem Gefälle durch eine bedeutende Längenausdehnung
aus; letztere verlaufen senkrecht zu der Gebirgsrichtung und sind meist kurz und steil. Beispiele ersterer Art sind die bereits
erwähnten Thäler der Rhône, des Rheins, Inns, der Salzach, Enns, Mur, Mürz, Drau u. s. w., Beispiele
der letztern Art sind die Thäler der Neuß,
[* 78] des Tessin,
Oglio, das Ötzthal, Zillerthal, Gasteiner Thal u. a. m. Bezeichnend für die
Querthäler ist ihre Stufenbildung, die darin besteht, daß in verschiedener Höhe gelegene, mehr ebene Thalböden durch
Steilabfälle miteinander verbunden sind.
Ist der Abfall jäh und kurz, dann bildet der Thalbach daselbst einen Wasserfall (Handeckfall, Krimmler
Fälle, Gasteiner Fall, Gößnitzfall, Waldbachstrub u. s. w.); verteilt sich die Abstufung
jedoch auf eine längere Strecke, und fließt daselbst der Bach in einer tiefen Schlucht, dann nennt man dies eine «Klamm» (Kitzlochklamm,
Liechtensteinklamm, Wimbachklamm u. s. w.). Eine dritte Gruppe von Thälern bilden die Durchbruchsthäler,
die Gebirgsketten quer durchbrechen (Rhônethal zwischen Martigny und Genfer See, Innthal zwischen Wörgl und Kufstein, Salzach
zwischen Bischofshofen und Salzburg, Enns zwischen Admont und Steyr u.s. w.).
Die Alpen sind das Hauptquellengebiet von Mitteleuropa, doch nehmen sie nur auf einer kurzen
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