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Documentary, Photography,
2018
Die «Carretera Austral» bahnt sich den Weg durch das Dickicht. Blühendes Gestrüpp überwuchert die Ränder der schmalen Schotterstrasse und holt sich das Kiesband langsam wieder in sein Reich zurück. Ein riesiges Eisfeld im Norden, 4200 Quadratkilometer gross, der «Campo de Hielo Norte», entfernt die chilenische Provinz Capitán Prat von der übrigen Welt. Die Region ist dünn besiedelt. Leer aber ist das Land nicht. Immer wieder versuchen einzelne Familien, sich hier eine Existenz aufzubauen und der Natur Weideland für ein paar Pferde, Kühe oder Schafe abzuringen. Das reicht selten zum grosszügigen Landgut, zur «Estancia», sondern nur zu ihrem bescheidenen Verwandten, dem «Fundo».
Dem Haus sieht man die harten Winter an. Der Kamin, ein einfaches, verrostetes Blechrohr ragt aus dem Wellblechdach. In der Mitte des Wohnraumes befindet sich ein mit Holz befeuerter Herd, um den sich das Leben schart. Man hilft sich im «Fundo Elizabeth», die Aufgaben werden geteilt, genau so wie der Mate-Tee. Die Zeit scheint hier still zu stehen. Doch der Schein trügt, denn der sympathische Familienbetrieb entzieht sich so mancher Klischeevorstellung.
Die «Gauchos», die man hier «Huasos» nennt, tragen schon lange keine Stiefel aus Fohlenleder, keine Pumphosen und keine Halstücher mehr. Wahrscheinlich haben das auch ihre Väter und Grossväter nicht getan. Sie leben und arbeiten jenseits von romantischer Verklärung, tragen Hoodies und Baseball-Caps.