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Der Etat zeigte damals ein Defizit von mehr als 5 Mill. Anstatt der von v. d. Heydt beabsichtigen Einführung neuer Steuern erklärte
sich Camphausen für eine Steuerreform und eine Verminderung der Schuldentilgung durch Umwandlung der 4½proz. und
der 4proz. Staatsschuld in eine gleichmäßige 4½proz. Rentenschuld. Diese Vorschläge wurden angenommen,
die Konvertierung mit dem günstigsten Erfolg durchgeführt und das Defizit beseitigt. Ja, die französische Kriegsentschädigung
und die reichen Erträgnisse der industriellen Staatsetablissements nach dem Krieg führten Camphausen einen Überfluß an Geldmitteln
zu, welche er zur allzu eiligen Rückzahlung von Staatsschulden, teilweise auch zu Steuererlassen benutzte.
So ward aus seinen Vorschlag 1872 die Mahl- und Schlachtsteuer als Staatssteuer aufgehoben und die Klassensteuer kontingentiert,
ferner ansehnliche Summen zur Erhöhung der Beamtengehalte und zu öffentlichen Bauten bewilligt. E. ward dadurch sehr beliebt,
um so mehr, da er durch streng konstitutionelle Haltung im Landtag das Vertrauen der Liberalen sich erwarb.
Ludolf, 1) preuß. Staatsmann (gest. 1890), beschäftigte
sich nach seinem Rücktritt von den Geschäften auf seiner Privatsternwarte zu Rüngsdorff bei Bonn mit astrophysikalischen
Studien und schrieb Abhandlungen: Ȇber Erweiterung des
Douwesschen Problems«, »Über die Theorie der Cylinderlinse in Verbindung mit einem geradsichtigen Prisma«
[* 39] und Ȇber Verwendung
des Objektivprismas in Verbindung mit dem Spaltspektrostop zur Beobachtung des Sonnenrandes«.
Wilhelm, einer der bedeutendsten Maler der Schlachten und des Soldatenlebens, geb. zu
Düsseldorf, trat, im Zeichnen von Alfred Rethel unterrichtet, 1834 als Schüler der dortigen Akademie in die Vorbereitungsklasse.
Nach vierjährigem Studium in derselben unter der Leitung Sohns arbeitete er fünf Jahre in der ersten
Klasse, erhielt dann ein Atelier in der Meisterklasse, in der er mit kurzen Unterbrechungen bis 1850 blieb. Den Stoff zu
seinen ersten Bildern nahm er meistens aus dem kecken Soldatenleben des Dreißigjährigen Kriegs und aus der Zeit Cromwells
und zeigte sich besonders glücklich in der Schilderung der Konflikte zwischen englischem Puritaner-
und Königtum.
Dann wandte er sich mit noch mehr Geschick und Glück der Zeit Friedrichs d. Gr. und den deutschen Freiheitskriegen zu und
zeigte auch hierin wie in den jener Zeit angehörenden Reiterporträten überall eine große Frische und Leichtigkeit der
Darstellung, Richtigkeit der Zeichnung und echt künstlerischen Realismus. Als Bilder dieses Inhalts
und dieser Zeit nennen wir nur zunächst: die Reiterporträte von Seydlitz und von Zieten, des Feldmarschalls Keith (bei
Hochkirch), Schwerins (bei Prag) und des alten Dessauers sowie Friedrich II. und das Dragonerregiment Baireuth bei Hohenfriedberg,
Blüchers Gefangennehmung als schwedischer Kornett, Friedrich II. an der Leiche Schwerins, Friedrich d. Gr.
auf einer Parade bei Potsdam, Choral der Preußen nach der Schlacht bei Leuthen und namentlich Blüchers Rheinübergang bei
Kaub am Neujahrsmorgen 1814. Ein neues Feld seiner Thätigkeit eröffnete ihm der schleswig-holsteinische Krieg, den er 1864 mitmachte,
und wiederum zwei Jahre später der preußisch-österreichische Krieg, in welchem er dem Hauptquartier
des Kronprinzen in Böhmen folgte. Dahin gehören aus jenem die trefflichen Bilder: Erstürmung der Düppeler Schanze Nr.
2, Übergang nach Alsen (1866, Kunsthalle in Bremen) und Düppel nach dem Sturm (1867, Nationalgallerie in Berlin);
aus
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diesem namentlich die Eroberung einer Standarte durch das 10. Dragonerregiment, Zusammentreffen des Kronprinzen mit Prinz
Karl bei Chlum und König Wilhelm bei Königgrätz, der dem Kronprinzen den Orden pour le mérite verleiht. Selbstverständlich
bot ihm auch der Krieg von 1870/71 manchen Stoff für seine Bilder, unter denen aber, abgesehen von den
Reiterporträten, keins seinen frühern gleichkommt, am wenigsten der Einzug des Kaisers Wilhelm in Berlin nach Beendigung
des Kriegs.
Meisterhaft sind dagegen, noch mehr als seine frühern, die lebensgroßen Reiterporträte gerade aus diesem letzten Krieg.
Schon früher hatte er z. B. gebracht: Friedrich d. Gr. auf einem Schimmel mit Seydlitz, Zieten und dem
Prinzen Heinrich voransprengend (1870) und der Große Kurfürst auf einem Schecken mit dem alten Derfflinger;
dann aber folgten
aus der neuesten Zeit: Kaiser Wilhelm auf einem Fuchs mit Roon, Bismarck und Moltke (1872, Museum in Köln), Kaiser Wilhelm
auf einem Braunen mit Moltke (1873, im Besitz des Kaisers) und (1879) für den sogen. Intormentissaal
des Potsdamer Schlosses der Gründer der preußischen Armee, Friedrich Wilhelm I., mit dem alten Dessauer im Hintergrund, ein
Bild, das ein Stück preußischer Geschichte in lebendiger Wahrheit vor die Augen stellt.
Weniger gelungen war 1878 ein Bild
von der Schlacht bei Fehrbellin. Auch als Porträtmaler und als Zeichner ernster und humoristischer Illustrationen
hat er Treffliches geleistet. Für den Düsseldorfer «Malkasten» lieferte
er zahlreiche Gedichte und Festspiele und schrieb eine Chronik desselben in mittelalterlichem Stil; bekannter wurde sein
Tagebuch aus dem schleswig-holsteinischen Feldzug unter dem Titel: «Der Maler
auf dem Kriegsfeld» (Leipz. 1865). Er ist Mitglied der Akademien in
Berlin und in Wien, seit 1859 Professor an der Akademie in Düsseldorf.
Ludolf, preuß. Staatsmann, geb. zu
Hünshoven im Reg.-Bez. Aachen, widmete sich dem Handel und gründete 1825 mit dem ältern Bruder ein Bankgeschäft zu Köln,
wo er Mitglied des Stadtrats und der Handelskammer wurde. In verschiedenen Schriften wirkte er als einer der ersten
in Deutschland
[* 41] auf den Bau von Eisenbahnen hin. 1841 rief er die Kölner
[* 42] Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft ins Leben. 1843 wählte
ihn die Stadt Köln zu ihrem Vertreter auf dem rhein. Provinziallandtage, wo er den Antrag auf Preßfreiheit und 1845 den auf
Vollziehung der Verordnung vom betreffend die Bildung einer Volksvertretung, einbrachte.
Auf dem ersten Vereinigten Landtage von 1847, wo er sich zu der mehr rechts stehenden Fraktion der liberalen Partei hielt,
beantragte er den periodischen Zusammentritt dieser Versammlung. Infolge der Märzereignisse wurde er an die Spitze
des preuß. Staatsministeriums berufen, geriet aber sofort in Kampf mit den demokratischen Elementen.
Als der von Hansemann ausgearbeitete Verfassungsentwurf, den C.der Nationalversammlung vorlegte, der liberalen Majorität
nicht genügte, nahm er 20. Juni seine Entlassung.
Ende Juli wurde er BevollmächtigterPreußens bei der Deutschen
Centralgewalt in Frankfurt; in dieser Stellung vertrat er im
allgemeinen das Gagernsche Programm (s. Gagern) und suchte dasselbe mit den
Ansprüchen der Regierungen zu vereinigen; die preuß. Cirkularnote vom ist
von ihm entworfen. Als Preußen die Ablehnung der Reichsverfassung aussprach, reichte er seine Entlassung ein und verließ
Frankfurt Als Mitglied der preuß. Ersten Kammer machte er 1849 - 50 seine vermittelnde
Politik mit Erfolg geltend; im Volkshause zu Erfurt verteidigte er als Referent des Verfassungsausschusses die en bloc-Annahmeder Verfassung für den engern DeutschenBund. In der Session der preuß. Ersten Kammer von 1850 und 1851 gehörte er zur Opposition.
Später wurde er Mitglied des preuß. Herrenhauses. Nach einer kurzen neuen
Beteiligung an der Leitung des Kölner Bankhauses A. undL. Camphausen zog er sich ins Privatleben zurück und beschäftigte
sich auf seiner Sternwarte
[* 43] in Rüngsdorff bei Bonn mit astrophysik. Arbeiten. Er starb in Köln.
Otto, Bruder des vorigen, preuß. Staatsmann, geb. zu Hünshoven
im Reg.-Bez. Aachen, studierte in Bonn, Heidelberg, München und Berlin Jurisprudenz und Kameralwissenschaften, trat im Herbst 1834 als
Referendar bei der Bezirksregierung zu Köln ein und wandte nun, angeregt durch seinen Bruder Ludolf, auch dem Handel und der
Industrie eifrige Teilnahme zu. Nachdem er 1837 - 40 als Assessor bei der Regierung zu Magdeburg gearbeitet,
wurde er nach Berlin als Hilfsarbeiter in das Finanzministerium bei der Abteilung für Etats- und Kassenwesen berufen. Im Dez. 1840 ward
er an die Regierung zu Koblenz, im Febr. 1842 an die Regierung zu Trier versetzt und bei letzterer 1844 zum Regierungsrat
ernannt.
Bald darauf wieder in das Finanzministerium nach Berlin berufen, übernahm er die Bearbeitung der auf die
Grundsteuer bezüglichen Angelegenheiten; 1845 ward er zum Geh. Finanzrat ernannt. Camphausen ist der Verfasser des 1847 dem Vereinigten
Landtage vorgelegten Gesetzentwurfs wegen Einführung einer Einkommensteuer sowie der dem Entwurfe beigefügten ausführlichen
Denkschrift. Als Mitglied der Zweiten Kammer von 1849 und während der Legislaturperiode 1850 - 52 sowie
auch des Erfurter Volkshauses von 1850 gehörte er, gleich seinem Bruder, der gemäßigt liberalen Partei an und war namentlich
bei finanziellen Fragen als Berichterstatter thätig. Camphausen wurde 1854 zum Präsidenten der Seehandlung, 1860 zum
Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt und an Stelle von der Heydts mit dem Portefeuille
der Finanzen betraut.
Das Budget zeigte damals ein Deficit von beinahe 5½ Mill. Thlrn., das Camphausen zum Teil durch eine Verminderung der Schuldentilgung
deckte. Er schlug vor, die gesamte in den ältern Landesteilen bestehende 4½ prozentige und 4prozentige
Staatsschuld in eine gleichmäßige 4½prozentige Rentenschuld umzuwandeln und auf die Tilgung derselben nicht im voraus festgesetzte
Beträge alljährlich zu verwenden, sondern mit deren Rückkauf vorzugehen, wenn und soweit es den Staatsinteressen entspreche.
In diesem Sinne wurde dann die Rentenkonversion gesetzlich festgestellt und praktisch mit günstigem Erfolge durchgeführt.
Die bedeutenden Mittel, die dem preuß. Staate aus der franz. Kriegskostenentschädigung und dadurch, daß
der preuß. Kriegsschatz nach
^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]
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Gründung eines eigenen Reichskriegsschatzes disponibel wurde, zuflossen, verwendete Camphausen vorzugsweise zur Schuldentilgung und
zum Bau von Eisenbahnen. Am wurde er nach Roons Rücktritt zum Vicepräsidenten des preuß.
Staatsministeriums ernannt und übte als solcher während der längern Beurlaubungen des Fürsten Bismarck einen hervorragenden
Einfluß aus.
Die nach der wirtschaftlichen Krisis von 1873 immer mehr Boden gewinnende agrarische und schutzzöllnerische
Bewegung richtete ihre Angriffe auch gegen den freihändlerisch gesinnten Camphausen, und andererseits beklagte sich Bismarck über
C.sUnfruchtbarkeit auf dem Gebiete der Reform und Weiterbildung des Reichsfinanzwesens. Ein von Camphausen 1875 vorgelegtes Tabakssteuerprojekt
wies er zurück. Bei Beratung eines neuen Tabakssteuerentwurfes im Reichstage 22. und erklärte
Bismarck offen das Tabaksmonopol als sein Ideal und betonte, daß er die alleinige Verantwortung für C.sVorlagen nicht mehr
übernehmen könne.
Zwar erklärte er sich durch C.s Ausführungen, daß vorerst ein Übergangsstadium zum Monopol notwendig sei, für überzeugt;
aber Camphausen fühlte sich durch diese Vorgänge doch bewogen, 27. Febr. seine Entlassung einzureichen,
die ihm 23. März gewährt wurde. Im Herrenhaus geriet Camphausen als er den von der Regierung vorgeschlagenen
Steuererlaß bekämpfte, in eine scharfe Auseinandersetzung mit Bismarck, der ihm vorwarf, in einer Zeit des finanziellen Überflusses
zu wenig für die Zukunft gesorgt zu haben. Camphausen verteidigte sich mit dem Hinweis auf sein
Tabakssteuerprojekt von 1875. Seitdem ist Camphausen politisch nicht mehr hervorgetreten.
Der Deutsch-FranzösischeKrieg veranlaßte die Gemälde: Napoleon im Granatfeuer bei Sedan,
[* 55] Begegnung des Fürsten Bismarck
mit Napoleon, die Fahrt Napoleons zu König Wilhelm bei Sedan, das Reiterbild Kaiser Wilhelms mit der Landschaft von Gravelotte,
Kampf des 8. Husarenregiments mit Chevaulegers bei Waterloo
[* 56] 1815, die Erstürmung von Königinhof durch
das 1. Garderegiment zu Fuß, schließlich der Einzug des Kaisers Wilhelm in Berlin (1875; Berlin, königl. Schloß-Bildergalerie).
Ein großes Wandgemälde in der Ruhmeshalle zu Berlin, darstellend die Huldigung der schles. Stände im Fürstensaale zu Breslau
1741, wurde 1882 vollendet. Des Künstlers Stärke
[* 57] lag in der schlichten und gründlichen Treue seines
Vortrags, welcher freilich etwas Illustrationsartiges anhaftete. Camphausen, seit 1859 Professor an der Akademie zu Düsseldorf, auch
Mitglied der Akademien in Berlin und Wien,
[* 58] starb in Düsseldorf.