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Arbeitsorte
In dieser Rubrik werden einige ausgewählte Regionen und Städte in Europa kurz beschrieben, in denen besonders viele der in den Künstler I - und Künstler II - Listen aufgeführten Auswanderer tätig waren.
Das Hauptinteresse gilt dabei der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Situation zur Zeit ihres Wirkens: wer regierte und erteilte Aufträge, welcher künstlerische Geschmack herrschte vor, wie hoch war die Bezahlung, welche Möglichkeiten zur Weiterbildung und Entfaltung des eigenen Könnens boten sich, auf welche Unterstützung von Landsleuten konnte man zählen. Zum Beispiel in Venedig, Wien, München, Prag oder St. Petersburg.
Aber nicht nur solche heutigen Metropolen waren magische Anziehungspunkte, sondern auch viele kleinere und mittelgroße Städte, die vor der Eingliederung in ein größeres Staatsgebilde eine wichtige Rolle spielten. Wenn man bedenkt, daß es in Deutschland an die 250 größere und kleinere Herzogtümer, Fürstbistümer, Grafschaften, freie Handelsstädte usw. gab, die finanziell unabhängig waren, wie etwa Passau, Würzburg, Hamburg, Dresden und viele andere.
Ein bedeutender Auftraggeber war neben dem Adel auch die katholische Kirche - insbesondere nach dem Konzil von Trient (1545-1563) als Antwort auf die Reformation - nicht nur in Italien, sondern auch in den überwiegend katholischen Gebieten nördlich der Alpen: über Süddeutschland, Österreich, Tschechien und Polen ergoß sich eine Welle von italienisch-sprachigen Architekten und Künstlern, die mit der katholischen Tradition vertraut waren. Allein in Tschechien finden wir Vertreter von über 70 Familien, die dank ihrer effizienten Arbeitsorganisation im 17. und 18. Jahrhundert den Markt beherrschten.
Viele blieben für immer in der neuen Heimat, in der sie zu Wohlstand und Ansehen gekommen waren, zum Beispiel Domenico Fontana in Rom, Enrico Zuccalli in München, Santino Bussi in Wien oder Domenico Trezzini in St. Petersburg.
Februar 2011