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Mit Dick Cheney und Hegel in Guantánamo
Richard Bruce «Dick» Cheney beugte sich vor und schaute direkt in die Kamera. Dann sagte er: «Der Report ist voller Scheisse.» Die Moderatorin bei Fox News war begeistert. «Herr Vizepräsident, der Folterreport des Geheimdienstausschusses im Senat ist doch nur ein Machwerk der Demokraten», sagte sie. Cheney lächelte knapp wie immer. Dann stieg er wieder ein und bestritt vehement, der Vater von Luke Skywalker und Prinzessin Leia Organa zu sein. Er sei nicht Darth Vader, behauptete er.
Und was die Foltervorwürfe angehe – Cheney starrte wieder direkt in die Kamera –, so habe er mit dem Terrorverdächtigen Abu S. wunderbare Stunden im Salon seiner Residenz in Washington verbracht. Herr Abu S. sei bekanntlich von der CIA aufgegriffen worden, weil er den Stromzähler der Familie Bin Laden in Abottabad abgelesen habe. Von Guantánamo sei er sodann an ihn, Dick Cheney, überstellt worden.
Im Salon habe man ausgedehnte und geistreiche Konversationen auf allerhöchstem Niveau geführt: 180 Stunden und länger am Stück und stets bei zugezogenen Vorhängen im Licht eines starken Scheinwerfers. Eine «Stressposition» habe Herr Abu S. lediglich eingenommen, wenn ihn der Bauhaus-Stuhl des Mies van der Rohe am Gesäss gedrückt habe. Auch seien dem Gast dick mit gepökeltem Schweinefleisch belegte Bagels zum Bier der Marke Pabst Blue Ribbon gereicht worden.
Gern erinnere er sich an die anregenden Unterhaltungen mit Herrn Abu S. «Ergo aeternitas est mensura esse, die Ewigkeit ist das Mass für alles Sein», habe er einmal Thomas von Aquin in einer besonders ergötzlichen Nacht – oder war es draussen Tag? – zitiert, worauf Herr Abu S. umgehend Heidegger bemüht habe: «Das Gewissen redet einzig und ständig im Modus des Schweigens.»
Zu schweigen sei indes nicht Sinn der Sache gewesen. Sei zu lange geschwiegen worden, habe Herr Abu S. im Beisein mehrerer Psychologen ein erquickendes Bad genommen, ehe er das Gespräch etwas erschöpft fortgesetzt habe. «Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe», habe er in solchen Situationen oft Hegel zitiert. Er, Cheney, sei mit Hegel hingegen der Meinung gewesen, dass alle Dinge «sich selbst» widersprächen.
So seien die Stunden dahingeplätschert, unterbrochen bisweilen nur, wenn Herr Abu S. aus ungeklärten Gründen geradewegs in die Wand des Salons marschiert und danach umgefallen sei. Den heideggerschen «Modus des Schweigens» habe er, Cheney, immer aufzulockern versucht durch laute Musik der Rapper von Insane Clown Posse. Besonders ihr Song «Miracles» habe die Stimmung mit lyrischen Elementen verzaubert. Ob er zitieren dürfe? «Fucking Magneten, wie funktionieren sie?/Ich will nicht mit einem Wissenschaftler darüber reden.»
Das sei doch stark, zumal man ja auch Paul Ankas Song «You’re Having My Baby» und den Klängen von Vanilla Ice gelauscht habe. Sogar Filme seien im Repertoire gewesen, darunter Paris Hiltons epischer Streifen «The Hottie and the Nottie» aus dem Jahr 2008! Ab und an sei Herr Abu S. von den vielen Ablenkungen allerdings so erschöpft gewesen, dass er aus dem Mies-van-der-Rohe-Stuhl gekippt und mit dem Kopf auf eine zufällig im Weg befindliche Tischkante geschlagen sei.
Aber dann habe man schnell Schwermetall der Gruppe Anthrax gespielt – eine zugegebenermassen brisante Wahl! –, die mit Songs wie «Belly of the Beast» das Ambiente entschlackt und Herrn Abu S. an die musikalischen Kostbarkeiten seiner Heimat erinnert hätte. Insgesamt gelte es festzuhalten, dass der Senatsreport wie bereits gesagt eine Fäkalie sei und es darin von Unwahrheiten wimmele. Herr Abu S. könne dazu allerdings nicht befragt werden. Er sei unauffindbar.
Dick Cheney bei Fox News am 10. Dezember 2014
Quelle: Youtube