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Zinkätzung
Die Zinkätzung wir dem Hochdruckverfahren zugeordnet, ist aber genau betrachtet eine Ätztechnik. Sie wurde vom Engländer William Blake (1757-1827) erfunden.
Der Künstler bringt seine Zeichnung mit Asphaltlack auf die gereinigte, blanke Zinkplatte. Wenn der Lack trocken ist, wird die Platte in verdünnte Salpetersäure gelegt. Der Asphaltlack schützt die Zeichnung, während jene Partien, die nicht drucken sollen, weggeätzt werden. Die Säure frisst das Metall aber nicht nur senkrecht in die Tiefe, sondern auch seitlich an. Feine Linien und Punkte können so unterhöhlt werden und die Stege brechen ab. Um dies zu verhindern wird die Platte stufenweise geätzt. Nach dem ersten Anätzen wird Farbe eingewalzt, wobei darauf geachtet wird, dass auch die Ätzränder bedeckt sind. Über die Farbe wird Asphaltpuder gestäubt und angeschmolzen, um das entstehende Relief vor weiterer Ätzwirkung zu schützen. Dieser Vorgang wird wiederholt bis - normalerweise nach sechs Stufen - die notwendige Ätztiefe für eine solide Druckplatte erreicht ist. Nach dem Säurebad wird der Asphaltlack entfernt und die Platte eingefärbt, wobei die vertieften Partien farblos bleiben und nur die als Relief stehengebliebene Zeichnung druckt. Kombinationen mit der Spritz- und Aquatintatechnik treten bei diesem Verfahren häufig auf.
Der Prägedruck führt das Verfahren der Zinkätzung weiter und bereichert die Technik um einen zusätzlichen Effekt. Von der Druckplatte wird ein Abguss gefertigt, der beim Druck als Gegenform verwendet wird. Beim Druck wird das befeuchtete Papier zwischen die beiden Druckstöcke gequetscht, und nimmt so nach dem Druckvorgang die erwünschte, gewölbte Prägung an. Oft wird der Prägedruck ohne Farbe, als sog. Blindprägung angewendet. Hierbei wird der obere Druckstock statt mit Farbe mit einem Glanzmittel versehen, das nach dem Trocknen eine Wirkung wie Email-Lack erzielt.
Eine weitere Abart der Zinkätzung, die jedoch einen fotografischen Schritt beinhaltet und deshalb mehrheitlich in der grafischen Industrie Verwendung findet, ist der Cliché-Druck. Als Druckvorlage erfordern Motive mit nur einem Farbtonwert einen anderen Aufwand als Motive mit mehreren Grautönen, weshalb man zwischen Strichvorlagen und Halbtonvorlagen unterscheidet:
Von der Strichvorlage wird eine fotografische Aufnahme auf extrem hartes Filmmaterial gemacht, die im Kontakt auf eine mit lichtempfindlichem Material präparierte Zinkplatte kopiert wird. Nach dem Entwickeln ist die Zeichnung auf der Platte ätzfest. Geätzt wird stufenweise, wie bei der Zinkätzung.
Halbtonvorlagen müssen in der Reproduktionskamera durch ein Raster hindurch auf Film aufgenommen werden (Autotypiecliché). Das Raster, ein System von gleichmässig verteilten, je nach Stärke des Grautons grösser oder kleiner ausfallenden Punkten, ist so fein, dass die einzelnen Punkte von Auge nicht erkennbar sind. Der Rasterfilm, auf die lichtempfindliche Zinkplatte kopiert, durchläuft denselben Ätzvorgang wie die Zinkätzung, nur erfordert er viel Sorgfalt, da die winzigen Punkte als druckende Elemente sehr empfindlich sind. Beim Druck spielt auch auf die Papierqualität eine wichtige Rolle, die Punkte sollten nicht ineinander zerfliessen.
Die herausgearbeiteten, ebenmässig vorstehenden Druckflächen der Zinkätzung, des Prägedrucks und des Cliché-Drucks mit Strichvorlage geben sehr gleichmässige Farbflächen wieder. Die Farbe wird beim Druck an die Ränder gedrängt und druckt ein wenig über die geätzte Form hinaus, was die Ränder der Druckelemente stark betont. Durch das Relief des Druckstocks ergibt sich auf der Rückseite der Abzüge eine fühlbare eingedrückte Struktur der gedruckten Linien und Flächen, was Zinkätzungen von Flachdrucken unterscheidet. Die fehlende Prägung des Plattenrandes verhindert eine mögliche Verwechslung mit Tiefdrucken.
Beim Autotypiecliché wird die Farbe an den einzelnen Rasterpunkten ebenfalls an die Ränder gedrängt, was diese scharf betont. Der Offsetdruck unterscheidet sich durch unscharfe Ränder der Rasterpunkte vom Autotypiecliché.
Der Schweizer Künstler Max Hunziker schuf anfangs der 1940er Jahre einige Mappen mit Hand-Zinkätzungen, die der Technik wieder Beachtung verschafften. Vor ihm wendete u.a. Wilhelm Busch für seine Illustrationen zinkografische Verfahren an.