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724 gründete der Wanderprediger Pirmin auf der vom fränkischen Landvogt Sintlaz geschenkten Insel ein Kloster - mit dem Ziel der Christianisierung der umliegenden Alamannen. Die Insel hiess in der ersten Zeit denn auch die "Sintlazau".
Das Kloster erlangte bald eine wichtige geistliche und kulturelle Stellung, die sie fast 1000 Jahre lang innehatte. Es ist auch schon die "Wiege des Abendlandes" genannt worden.
Heute gehören die drei Kirchen der Reichenau zum Welterbe der UNESCO.
Den Flyer von Tourismus Reichenau über das Welterbe finden Sie hier.
Die folgenden Links verweisen auf informative Seiten von www.reichenau-tourismus.de:
Die feste und mächtige Kirche St. Georg Oberzell in typisch romanischem Baustil strahlt Ruhe in den oberen Untersee aus.
Acht grossflächige, mehr als 4 m breite und über 2 m hohe Wandbilder im Mittelschiff zeigen Wundertaten Jesu und illustrieren die Macht Jesu über Naturgewalten, Krankheiten, Leben und Tod.
Die Wandbilder entstanden Ende des 10. Jahrhunderts. Sie gehören damit zu den frühesten Zeugnissen ihrer Art nördlich der Alpen und stehen in engem Zusammenhang mit der Reichenauer Buchmalerei.
Die Wandbilder im Mittelschiff
Dieses Wandbild heisst "die Geschwätzigkeit der Frau geht auf keine Kuhhaut".
Ich frage mich nur, woher die ledigen Mönche das wissen wollten...
Bei den Erblehen wurden ein Hof mit Grundstücken einem Lehensnehmer überlassen, der diesen nach seinem Tode an seine Nachkommen weitervererbte.
Als Gegenleistung hatte er Grundzinsen, Zehnten und andere Abgaben zu bezahlen und seinem Herrn Fron- und andere Dienste zu leisten.
Es gab nur wenige freie landwirtschaftliche Betriebe, die meisten waren Erblehen. Daneben gab es auch die Schupflehen:
Wer ein Schupflehen bewirschaftete, hatte keinen Anspruch auf Besitzkontinuität und konnte jederzeit von seinem Grundherrn vom Lehen "geschupft" werden, was häufig geschah.
Das verminderte die Motivation zu investieren oder langfristig und nachhaltig zu wirtschaften.
Schupflehen warfen im Allgemeinen weniger ab; so waren denn auch die Abgaben auf Schupflehen geringer als bei Erblehen.
Mit dem Krummstab war der Bischofsstab gemeint - geistliche Herren (Bischöfe; Klöster) sorgten sich oft wohlwollender und nachsichtiger um ihre Untertanen als weltliche Herren.
Trotzdem mussten die Zehnten und Grundzinsen pünktlich und zuverlässig abgegeben werden; sie wurden im örtlichen Kehlhof eingesammelt.
Diese - oft stattlichen - Kehlhöfe am Untersee zeugen aus jener Zeit:
Im Kehlhof Ermatingen (der in dieser Form erst 1695 erbaut wurde) mussten Grundzins und Zehnten abgegeben werden.
In der Gerichtsstube wurden auch Fälle der niederen Gerichtsbar-keit (die "nicht ans Blut gingen") behandelt.
Den Zehntenhof Salenstein nenn man heute noch "s'Chloster".
Kehlhof Berlingen
Der "Keller" oder "Dorfmeier" war der Verwalter eines solchen Kehlhofes.
Er war im Auftrag des Klosters verantwortlich für den Einzug der Zehnten, das Aus-pressen des Weines und den Transport aller Abgaben zur Reichenau.
Kehlhof Steckborn
Der Zehnten war ursprünglich ein Privileg der Kirche und geht auf die Bibel zurück.
Bereits früh konnten diese Rechte an den Zehnten aber verkauft werden, was häufig geschah.
Der Zehnten war ursprünglich eine biblisch begründete Abgabe und sollte den geistlichen Grundherrn, also das Kloster oder den Bischof, ernähren. Später wurden solche Zehntrechte oft an Adelige weitergegeben. Die Offnung von Ermatingen nennt zum Beispiel den Vogt von Klingenberg, der vor 1400 die Zehntenrechte für Ermatingen vom Kloster Reichenau erkauft hatte.
Es gab den kleinen und den grossen Zehnten. Der kleine Zehnten lag auf Heu, Obst, Flachs oder Hanf. Da er meist in eine feste Abgabe (in Geld oder in natura) umgewandelt worden war, wurde er selten als drückend empfunden.
Anders der grosse Zehnten, der vom Wein und Getreide entrichtet werden musste. Beim Wein zog der Zehnteneinnehmer jeden zehnten Eimer und beim Getreide jede zehnte Garbe ein.
Dazu kam der Grundzins, der meist aus einer festen Geldabgabe bestand.
Insgesamt musste ein Bauer von seinem Ertrag etwa einen Sechstel für Zehnten und Zins abgeben, einen weiteren Sechstel behielt er für die neue Saat zurück und die restlichen zwei Drittel verbrauchte er im eigenen Haushalt.
(aus P. Giger, "Geschichte Tägerwilens")
Aber auch für das Fischereirecht mit der "Segi" auf den Gangfisch (eine Felchenart) vor Weihnachten mussten die Ermatinger Fischer dem Kloster Reichenau einen Zins von 1200 geräuchten Gangfischen entrichten.
Zehnten und Zinszahlungen wurden aber auch bei wohlwollenden Herrschaften als drückend empfunden:
"Dass es entmuthigend und verdriesslich seyn müsse, den Zehntherrn an dem nur durch gesteigerten Fleiss und Mehraufwand erhöhten Ertrage Theil nehmen zu lassen, ohne dass derselbe etwas dazu beigetragen hat, ist allerdings nicht zu läugnen." (J.A. Pupikofer, der Kanton Thurgau, 1831)
Eine Offnung war eine Art Gemeinde-Gesetzgebung, in der Rechte und Pflichten der Ermatinger gegenüber dem Herrn von Ow (der Reichenau) geregelt wurden.
Der Name kommt daher, dass eine Gerichtsverhandlung resp. eine Gemeindeversammlung mit dem Vorlesen derselben eröffnet wurde.
Lesen Sie, ...
- wann eine Schwangere ein geköpftes Huhn zu essen bekam
- wann der Keller das Vieh selbst hüten musste
- warum der Pfarrer einen halben Eimer Wein zu Weihnachten bekam
- was der Keller dem Habicht des Herrn zu fressen geben musste
- wer ein Fasnachtshuhn abliefern musste
- oder was nach dem Tod eines Familienvaters geschah:
Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten die Lehensbauern ihren Hof für ca. 5-6 Jahreszehnten "auskaufen". Damit stürzten sich allerdings etliche in grosse Schulden.
Nicht nur im Dreissigjährigen Krieg fuhren hungernde Bewohner der Seegemeinden und des Seerückens regelmässig über den See ins Kloster Mittelzell, um dort zu einer einfachen Mahzeit zu kommen. Man stelle sich ihre Not und den Zeitaufwand für eine einfache Suppe vor...
Einmal ist ein solches Schiff gekentert, wie in der Chronik der Kirchgemeinde Raperswilen (als "Filialgemeinde" von Wigoltingen) zu lesen ist:
Louis Napoleon scheint auch Initiant für den Bau des Dammes auf die Reichenau gewesen zu sein. Diese mit einer doppelten Pappel-Allee gesäumte Landzufahrt ist 1834 aufgeschüttet worden.
Die 1833 erbaute Hochwart auf dem höchsten Punkt der Insel Reichenau bekam auch ein "Belvédère", also ein Aussichtszimmer (Belvédère bedeutet "schöne Sicht" - und so hiess ja auch der historische Napoleonturm). So konnte man also 21 Jahre lang von einem Belvédère zum anderen sehen.
http://www.io-home.org/portfolios/m/showAjaxImage?k_BildDB=31066&k_User=1222
Das Lehenswesen hatte rund 1000 Jahre Bestand: Grund genug, es in der Schule zu thematisieren.
Verschiedene Aspekte dazu finden Sie auf dieser Website:
- das Lehenswesen an sich mit den Zehnten und Zinsen auf dieser Seite der Reichenau, die ja ein "Grossgrundgrundbesitzerin" gewesen ist
- die Dreizelgenwirtschaft als Landwirtschaftsform bei der Landwirtschaft
- die häufige Flachsverarbeitung zu Leinen als Nebeneinkunft bei der Wirtschaft
- die Dorfgesetzgebungen bei den Offnungen in der Ortsgeschichte von Wäldi
Gehen Sie am besten von einem bestimmten alten Bauernhof in der Umgebung aus. Wie hat das Leben dieser Bauern bis vor 200 Jahren wohl ausgesehen?
- lassen Sie die Schüler auf diesen Seiten zu diesen Teilthemen recherchieren und Notizen nehmen
Aus dem Tagebuch eines Lehensbauern:
Lassen Sie einen fiktiven Tagesablauf erzählen (kaum ein Bauer konnte schreiben...), mit den äusserlichen Arbeiten, aber auch den Freuden, Problemen und Sorgen.