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Meerfeuer - Ahnenforschung
Wie es begann
Der Hausherr war etwas verlegen, als er mich, die fremde Besucherin, durch sein Schlösslein Sergy im Westen von Genf führte. Er habe sich oft gefragt, in wessen Ahnengalerie er da lebe, gestand er. Die vielen Gemälde (meiner Vorfahren!) habe er auf dem Estrich entdeckt, zusammen mit Briefen und einem Ehrendoktordiplom für Ständerat und alt Bundesrichter Rudolf Niggeler - alles Dokumente, die er mir gern schenke. Als er auch noch die Brüsseler Adresse meines Cousins zweiten Grades, des früheren Schlössleinbesitzers, für mich aufschrieb, war ich in der Forschung zu meinen Urgrosseltern Augustine und Rudolf einen guten Schritt weiter.
Alle Fäden laufen auf Sergy zusammen, wo Augustine zuletzt gelebt hat, sagte mein Vater, als ich vor einigen Jahren an eine Fortsetzung meines Romans "Berner Lauffeuer" zu denken begann, und er erzählte mir, was er von seiner Grossmutter Augustine selbst erfahren hatte. Vor allem schenkte er mir das Büchlein mit Rudolfs Gedichten, in denen mein Urgrossvater viel von sich, seiner Abneigung gegen die Religion und von seiner romantischen Liebe zu Augustine preisgibt.
Der neu entdeckte Cousin aus Belgien schenkte mir übrigens weitere Briefe, Fotos und Augustines Hochzeitsschmuck. Vor allem gab er mir Namen von entfernten Verwandten in den USA. Das Abenteuer Ahnenforschung über www.ancestry.com begann: Ich folgte den Spuren von Augustines Familie vom Kanton Solothurn nach New Orleans und dort zu einer Baumwollplantage am Mississippi, die während des Sezessionskriegs in Flammen aufging.
Von Cousins und Cousinen dritten Grades in New Orleans erfuhr ich einiges über die beiden Schwestern meiner Urgrossmutter Augustine. Die jüngste, Eugénie, war nie verheiratet. Louise Pyramid hingegen, so verriet mir ein Verwandter, Jeb Sellers, per E-mail, verliebte sich in den galanten Tom Sellers, der sich das Leben mit Kartenspielen auf Mississippidampfern verdiente. Einmal musste Louise mit Sack und Pack eine Plantage verlassen, die ihr Mann einst im Spiel gewonnen und nun wieder verloren hatte.
Auch die entfernten Cousinen waren dankbar über unseren E-mail-Wechsel, erfuhren sie doch nun endlich, weshalb sie selber und schon ihre Mütter oder Grossmütter und Tanten den Zweitnamen Louise oder Pyramid trugen oder tragen.