Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03398.jsonl.gz/388

Wer Twitter nur als Arena für bösartige Scharmützel kleingeistiger Ideologen betrachtet, vergisst, dass es auf diesem sozialen Netzwerk auch veritable Perlen zu entdecken gibt. Zu ihnen gehört mit Sicherheit der Account des deutschen Geografen Simon Küstenmacher – die Tweets von @simongerman600 sind ein Muss für Leute, die Karten lieben.
Kürzlich hat Küstenmacher eine Sammlung von Redewendungen aus diversen europäischen Ländern vorgestellt, die Bezug auf Tiere nehmen:
Wir haben einige Beispiele herausgepflückt und illustriert. Noch viel mehr davon gibt es auf der Seite Europeisnotdead.com.
Wenn man von etwas nicht einmal so viel hat, um damit die nicht allzu geräumigen Nasenlöcher eines Stubentigers zu füllen, dann hat man zu wenig davon.
Das ursprüngliche Sprachbild bestand darin, dass ein Frosch aus dem Mund hüpfte. Damit beschrieb man eine dumme Äusserung oder einen peinlichen Versprecher. Daraus entwickelte sich die weiter gefasste Bedeutung «einen Fauxpas begehen», «einen Bock schiessen».
Auch in Kroatien gibt es musikalisch wenig talentierte Menschen. Diese Redewendung dient dazu, jemanden auf etwas undiplomatische Art darauf aufmerksam zu machen, dass die Melodie nicht ganz stimmt. Im Russischen gibt es einen ähnlichen Spruch: Медведь наступил на ухо (Medved' nastupil na ukho – «der Bär ist aufs Ohr getreten»).
In den Niederlanden und im flämischen Teil Belgiens kommt der sprichwörtliche Affe aus dem Ärmel, wenn plötzlich deutlich wird, wie sich etwas wirklich verhält, oder wenn der wahre Charakter oder die wahren Absichten einer Person sich offenbaren. Am Ursprung der Redewendung sollen Gaukler gestanden haben, die tatsächlich einen Affen im Ärmel verborgen hielten und diesen zum Vorschein kommen liessen, wenn es das Publikum nicht erwartete.
Es leuchtet ein, dass Hunde nicht mit Würstchen angebunden werden – doch was will uns die Redewendung sagen? Mit atar los perros con longanizas drückt man aus, dass die Dinge dort luxuriöser sind, wo Hunde mit Würstchen angebunden sind. Der Legende nach stammt die Wendung aus Salamanca, wo eine bekannte Wurstfabrik steht. Ein Angestellter dort soll einen Hund mit einer Wurstkette angebunden haben, weil er in Eile war und nichts Besseres zur Hand hatte. Ein Junge, der dies sah, erzählte dann überall, man sei dort so reich, dass man sogar Hunde mit Würsten anbinde.
Das rumänische Sprachbild drückt aus, dass jemand in einer neuen Situation desorientiert, verwirrt, zumindest aber erstaunt ist.
Bären können ziemlich ungemütlich werden, wenn man sie reizt. Und ein Schuss ins Hinterteil dürfte Reiz genug sein. Die etwas vulgäre Redewendung beschreibt jemanden, der sehr verstimmt oder wütend ist.
Hier haben wir ein Sprachbild, dessen wörtliche Übersetzung Deutschsprachige vermutlich ratlos zurücklässt – oder einige davon zu einer sehr vulgären, aber falschen Deutung veranlassen wird.
Hähne krähen – zum Leidwesen von Langschläfern – am frühen Morgen. Und in manchen Sprachen bezeichnet das Wort für «Hahn» zugleich das männliche Genital. Denkt man daran, ist es nicht so erstaunlich, dass «Frühstück des Hahns» für morgendlichen Sex steht. Übrigens: Der bisher erfolgreichste slowenische Film trägt den Titel Petelinji zajtrk.
Was diese Redewendung bedeutet, muss man im deutschen Sprachraum höchstens einem Kind erklären. Da männliche Katzen rein gar nichts mit exzessivem Alkoholgenuss zu tun haben, dürfte es wohl stimmen, dass sich der Kater in der Redewendung aus dem Wort «Katarrh» entwickelt hat. Der eng verwandte Begriff «Katzenjammer» ist dagegen die verschleiernde Version des mittlerweile längst vergessenen Ausdrucks «Kotzen-Jammer».