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Was ist historisches Fechten?
Dieser Post dient als eine Einführung an diejenigen, die Interesse daran haben, historisches Fechten auszuprobieren aber noch nicht genau wissen, was es ist.
Wie unterscheidet sich denn historisches Fechten von dem "normalen" Fechten? Wieso heisst historisches Fechten nicht einfach Schwertkampf? Und wieso benutzt man die Abkürzung HEMA, statt historischem Fechten?
Ich hoffe in diesem Blog einige Antworten auf diese Fragen geben zu können. Diese Antworten ergeben sich aus meiner persönlichen Erfahrung und sind keineswegs absolut. Dennoch denke ich einen Einblick in den Gesellschaftlichen Kontext von historischem Fechten, oder genauer genommen HEMA zu geben.
Beginnen wir mit der ersten Frage: Wie unterscheidet sich historisches Fechten von Sportfechten?
Die kürzeste Antwort auf diese Frage ist, dass sich historisches Fechten vom Sportfechten durch die Ausrüstung unterscheidet, die man verwendet.
Ich möchte aber noch eine etwas längere Antwort anführen:
Wenn man sich die Etymologie des Wortes für Fechten im englischen betrachtet, sieht man eine Verwandtschaft zum Wort für Verteidigung. "Fencing" und "de-fence" teilen einen Wortstamm. Das weist darauf hin, dass Fechten in seinem eigentlichen Sinn etwas mit Verteidigung zu tun hat. Entsprechend hat historisches Fechten seinen Ursprung darin, wie sich Menschen zu früheren Zeiten sich verteidigt haben. Und hier kommt die Geschichte und die Rolle der gebrauchten Gegenstände zur Geltung.
Von den überlebenden Schwertern aus dem Mittelalter und der Neuzeit sowie aus historischen Quellen wissen wir, dass die Schwerter gewisse Eigenschaften hatten, was bestimmte Qualitäten angeht. Sie waren scharf, spitzig, hatten ein gewisses Gewicht und waren überhaupt hervorragende Werkzeuge der Verteidigung und des Angriffs.
Manche dieser Qualitäten sind aber für ein Training ausgeschlossen. Es wäre schlicht und einfach lebensgefährlich mit solchen Gegenständen zu trainieren. Dennoch gibt es einen Anspruch daran, dass die Übungswaffen, auch Simulatoren genannt, die meisten Qualitäten mit den echten Waffen teilen. Daher verwenden wir beim historischen Fechten Übungswaffen, welche viele Qualitäten mit echten Waffen Teilen. Im Gegensatz dazu orientiert sich die Ausrüstung des Sportfechtens an anderen Qualitäten. Diese sind Qualitäten, die aus Bedenken des Komforts (z.B. das geringe Gewicht), der Zugänglichkeit (z.B. der ergonomische Griff) oder des Wertesystems (z.B. das elektronische Punkterfassungssystem) entspringen.
Interessanterweise haben historisches Fechten und Sportfechten einen gemeinsamen theoretischen Ursprung. Dieser ist in seiner klarsten Form in der klassischen Fechttheorie formuliert. Kurzgefasst ist fechten eine komplizierte Art Schere-Stein-Papier. Und wenn wir bei diesem Vergleich bleiben, dann lässt sich auch das Sportfechten aus der Sicht des historischen und klassischen Fechtens beschreiben.
Aus dieser Sicht hat man im Laufe der Geschichte des Sportfechtens entschieden, dass die Schere aus Metall zu gefährlich ist. Man hat sie also einfach mit einer Schere aus Gummi ersetzt. Diese Gummischere ist sehr sicher aber sie kann weder Papier schneiden, noch kann sie vom Stein zerbrochen werden. Man hat sich ausserdem geeinigt, dass wenn die Schere das Papier bloss berührt, ein Lauter Piepton erzeugt wird. Und obwohl keine echte Schere so schneiden kann wie was man der Gummischere zuschreibt, wurde diese Veränderung angenommen. Wie man sich an dieser Stelle wohl denken kann, hat sich so die Schere als die ultimative Technik hervorgetan. Und der Stein wurde seither nie mehr gesehen.
Ersetzt man Stein mit Parade, Papier mit zusammengesetztem Angriff und Schere mit einfachem Angriff so erhält man eine Karikatur des Sportfechtens.
Überträgt man diese Metapher auf das historische Fechten, ist die Schere einfach nicht geschärft. Das bedeutet zwar dass das Papier zugeben muss, wenn es geschnitten worden wäre, ansonsten bleibt das Spiel aber dem Original treu. Und wenn hier jemand einwendet, dass ein Papier das nicht verlieren kann das Spiel zerstören mag, dann hat diese Person selbstverständlich Recht. Mitunter deshalb legen wir grossen Wert auf persönliche Entwicklung und Tugenden. Dazu gehört nun mal auch, dass man mit Würde verlieren kann.