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Die Tata Familie ist vermutlich die wichtigste Unternehmerfamilie Indiens. Gemessen am BIP ist Indien die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt. Die Tata Familie kontrolliert die Holdinggesellschaft Tata Sons und dadurch mehrere indische Grosskonzerne. Tata Sons ist das grösste sich mehrheitlich in Familienbesitz befindende Unternehmen Asiens. Es gibt aber noch grössere familienkontrollierte Unternehmen in Asien, die sich jedoch offiziell nicht in Familienbesitz befinden, beispielsweise Samsung und Toyota.
Die Tata Familie ist seit über 150 Jahren in der indischen Industrie tätig und gehört damit zu den ältesten noch aktiven Industriellenfamilien Indiens. Jamsetji Tata (1839-1904), der Gründer der Familiendynastie, gilt auch als der Gründervater der indischen Industrie. In der Anfangszeit machte er sein Vermögen mit dem damals noch legalen Opiumhandel nach China (Quelle).
Eigentlich würde die Tata Familie die reichste Familie Indiens sein. Da sie aber den grössten Teil ihres Geldes für wohltätiges spendet, ist dies nicht der Fall. Ratan Tatas (*1937) Vermögen beträgt nach offiziellen Angaben eine Milliarde US-Dollar. 2010 schätzte das Forbes-Magazin Ratans eigentliches Vermögen auf 291 Milliarden US-Dollar und er wäre damit noch reicher als ein Jeff Bezos oder Bill Gates (Quelle).
Die Tata Familie ist traditionell mit der britischen Elite verbunden. Indien war bis 1947 eine britische Kolonie und gehört heute noch zu den Commonwealth-Staaten, die politisch eng mit Grossbritannien verbunden sind. Der Gründer der Familiendynastie Jamsetji Tata und seine Söhne liessen sich auf einem Friedhof in England begraben (Quelle). Die Tata Familie sind Parsen. Die Parsen sind eine ethnisch-religiöse Minderheit, die hauptsächlich in Indien und Pakistan lebt. Die Parsen haben beträchtliche Beiträge zur Geschichte und Entwicklung Indiens geleistet, was umso bemerkenswerter ist angesichts ihrer geringen Anzahl. Hier eine (nicht vollständige) Liste bemerkenswerter Parsen. Die wohlhabenden parsischen Familien sind traditionell mit der britischen Elite verbunden. Sie beherrschten zur Kolonialzeit die Stadt Bombay im Interesse der Briten (Quelle). Die britischen Banken in Indien während der Kolonialherrschaft hatten alle Parsen unter ihren Mitarbeitern (Quelle). Auch heute hat die Tata Familie immer noch Kontakt zu einflussreichen parsischen Familien (wird unten ausführlich erläutert).
Die Tata Familie gründete und kontrolliert über ihre Holding folgende Unternehmen:
- Tata Motors, der grösste Automobilhersteller Indiens. Er produziert auch Militärfahrzeuge. Tata Motors ist eines der grössten Unternehmen Indiens.
- Tata Steel, war 2019 der neuntgrösste Stahlproduzent der Welt und eines der grössten Unternehmen Indiens.
- Tata Consultancy Services, der IT-Konzern ist eines der grössten Unternehmen Indiens.
- Tata Power, das grösste indische Energieunternehmen.
- Tata Chemicals, eines der grössten indischen Chemieunternehmen.
Sie besitzen noch weitere kleinere Unternehmen. Deren Geschäftsfelder umfassen Tee- und Einzelhandel, Versicherung, Telekommunikation, Uhr- und Schmuckherstellung sowie die Hotelbranche.
Sie gründeten 1919 die New India Assurance, eines der führenden Versicherungsunternehmen Indiens. (Quelle)
1932 gründeten sie Tata Airlines, der Vorgänger der heutigen Fluggesellschaft Air India.
1917 gründeten sie die Tata Industrial Bank. Sie wurde 1923 von der Central Bank of India übernommen, die bis heute in Betrieb ist (Quelle auf Seite 16). Diese ist aber nicht die Zentralbank, auch wenn ihr Name so klingt. Sie ist heute eine der grössten indischen Banken. Sie wurde 1911 gegründet und war die erste indische Geschäftsbank (Kredithändler), die von Indern geführt wurde, da die anderen Geschäftsbanken den Briten gehörten (Quelle). Die Central Bank of India wurde vom indisch-parsischen Bankier Sorabji Pochkhanawala gegründet. Er arbeitete für die britische Chartered Bank (Quelle). Diese ist der Vorgänger der heutigen Standard Chartered, die eine der grössten britischen Banken ist und sich traditionell auf Asien konzentriert. Sorabji Pochkhanawala erhielt vom britischen König den Titel eines Ritters.
Bemerkenswerte Familienmitglieder
JRD Tata (1904-1993) war Freimaurer (Quelle: 1, 2, 3). Die Freimaurerei wurde von Briten nach Indien gebracht. Die ersten Inder, die von den Briten in die Freimaurerei aufgenommen wurden, waren Parsen (Quelle: Seite 27).
Ratan Tata (*1937) ist vermutlich einer der einflussreichsten Akteure der indischen Elite. Er führte mehrere Unternehmen der Tata Familie. Er ist Mitglied des Rates für Handel und Industrie des indischen Premierministers. Er ist oder war im Vorstand folgender Unternehmen:
- JPMorgan, die grösste US-amerikanische Bank.
- American International Group, der US-amerikanische Versicherungskonzern ist einer der grössten der Welt.
- Booz Allen Hamilton, das US-amerikanische Beratungsunternehmen steht den US-Geheimdiensten nahe.
- Mitsubishi Corporation, ein japanischer Mischkonzern.
- Alcoa, der US-amerikanische Aluminiumkonzern wurde von der Mellon Familie gegründet. Er ist einer der grössten Aluminiumproduzenten und der grösste Bauxitproduzent der Welt.
- Mondelez, der US-amerikanische Lebensmittelkonzern ist einer der weltweit grössten Hersteller von Süsswaren.
Ratan Tata war im Kuratorium der RAND Corporation und ist derzeit im Kuratorium der „Carnegie Endowment for International Peace“ (Quelle: 1 und 2). Die beiden US-amerikanischen Denkfabriken gehören zu den mächtigsten der Welt. Im Kuratorium der „Carnegie Endowment for International Peace“ sind derzeit auch Mitglieder der Milliardärsfamilien Oppenheimer, Birla und Pritzker sowie ein Mitglied der jordanischen Königsfamilie (stand 4.8.2021).
Ratan Tata ist oder war Mitglied der Atlantik-Brücke (Quelle). Sie ist die wohl einflussreichste deutsche Denkfabrik.
Dorabji Tata (1859-1932) war Freimaurer (Quelle). Er wurde vom britischen König Edward VII. (Freimaurer) zum Ritter geschlagen. Sein Cousin Shapurji Saklatvala wurde ins britische Parlament gewählt. Die indische Saklatvala Familie sind Parsen, wie die Tata Familie.
Dorabjis Bruder Ratanji Tata (1871-1918) wurde ebenfalls zum Ritter geschlagen und wurde in Grossbritannien sesshaft.
Naval Tata (1904-1989) war Direktor der Bank of Baroda, eine der grössten Banken Indiens.
Verbundene Familien und Personen
Ratan Tata (*1937) kennt den indischen Milliardär Azim Premji. Die beiden trafen sich mit dem US-Milliardär Bill Gates (Quelle).
Ratan Tata kennt den indischen Milliardär Cyrus Poonawalla, der wie Tata Parse ist (Quelle). Er gehört mit einem Vermögen von 11,5 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Indern. Er gründete und kontrolliert das „Serum Institute of India“. Das Biotechunternehmen ist der weltweit grösste Impfstoffhersteller, gemessen an der Anzahl der weltweit produzierten und verkauften Dosen. Poonawalla ist mit der Stiftung von Bill Gates verbunden und traf ihn auch persönlich (Quelle). Die Stiftung von Bill Gates spendete 4,7 Millionen US-Dollar an die Tata-Stiftung, damit diese eine Denkfabrik zur Förderung des indischen Gesundheitssystems einrichtet (Quelle).
Ratan Tata besuchte zusammen mit der Poonawalla Familie den 71. Geburtstag des britischen Prinzen Charles. Auch der indische Multimilliardär Mukesh Ambani war auf der Geburtstagsfeier. (Quelle) Prinz Charles kennt noch weitere indische Milliardäre, darunter Mittal, Hinduja, Godrej, Mahindra, Bajaj und Vandrevala (Quelle: 1, 2, 3, 4, 5, 6).
Sylla Tata heiratete Baron Dinshaw Petit (1901-1983). Die indische Petit Familie sind ebenfalls Parsen. Sie wurden 1890 in den britischen Adel aufgenommen und besitzen seither den Titel eines Barons. Die Schwester von Sylla Tatas Ehemann heiratete Muhammad Ali Jinnah (1876-1948). Dieser war der Gründer Pakistans. Pakistan gehörte davor zu Indien. Seither ist das Verhältnis der beiden Länder angespannt.
Die Familien Tata und Petit sind mit der indisch-parsischen Bhabha Familie verwandt. Homi Bhabha (1909-1966) gilt als der Gründervater des indischen Atomprogramms. Indien und Pakistan besitzen Atomwaffen.
Muhammad Ali Jinnah (der Gründer Pakistans) und seine Frau aus der Petit Familie hatten eine Tochter, die in die indisch-parsische Wadia Familie heiratete. Der indische Milliardär Nusli Wadia (*1944) kennt Ratan Tata, aber sie haben scheinbar kein gutes Verhältnis zueinander (Quelle).
Der Freimaurer JRD Tata (1904-1993) war ein guter Freund von Jawaharlal Nehru (Quelle). Nachdem sich Indien 1947 von Grossbritannien unabhängig machte, wurde Nehru der erste Premierminister des Landes. Er kam aus der Nehru-Gandhi Familie, die wohl wichtigste Politikerfamilie Indiens. Sie brachte drei indische Premierminister hervor, die alle die Tata Familie kannten. Die Nehru-Gandhi Familie hat parsische Vorfahren, da die Familie Gandhi ursprünglich Parsen waren und in die Nehru Familie heiratete, die Hindus waren. Motilal Nehru war übrigens Freimaurer (Quelle: 1 und 2). Trotz ihres Familiennamens sind sie nicht mit dem berühmtem Mahatma Gandhi verwandt. Übrigens schätzte Mahatma Gandhi die Tata Familie sehr (Quelle).
Ratan Tata kennt den indisch-parsischen Milliardär Nadir Godrej (Foto).
Die Tatas kennen die indisch-parsische Mistry Familie. Bis Ende 2020 war sie neben der Tata Familie der grösste Aktionär der Tata-Gruppe. Pallonji Mistry lebt in Irland und gilt derzeit mit einem Vermögen von 14,7 Milliarden US-Dollar als der reichste Ire.
Die Tatas kannten den parsischen Bankier Ardeshir Darabshaw Shroff (1899-1965). Shroff war Vorsitzender der Bank of India, einer der grössten Banken Indiens. Er war auch Vorsitzender der Versicherungsgesellschaft „New India Assurance“, die von der Tata Familie gegründet wurde. Er war Delegierter der Bretton Woods Konferenz. Das historisch wichtige Treffen stand im Interesse der Finanzelite.
Jamsetji Tata (1839-1904), der Gründer der Familiendynastie, gehörte zum Komitee des Parsi Lying-in Hospital und kannte dadurch höchstwahrscheinlich den Parsen Temulji Bhicaji Nariman. Dieser war Freimaurer und Grossmeister der indischen Freimaurergrossloge, die von britischen Freimaurern gegründet wurde. Die ersten Inder, die in die Freimaurerei aufgenommen wurden, waren Parsen. Dann folgten Muslime und später schliesslich die ersten Hindus. (Quelle: auf Seite 24-27) Der Parse Manockjee Cursetjee gilt als einer der Gründerväter der indischen Freimaurerei (Quelle).
Jamsetji Tata war in der indischen Stadt Navsari geboren. Dadurch könnte er wohlhabende parsische Familien aus Navsari gekannt haben. Zwei bedeutende Parsen aus Navsari wären Jamsetjee Jejeebhoy (1783-1859) und Dadabhai Naoroji (1825-1917). Jejeebhoy war der erste Inder, der in den britischen Adel aufgenommen wurde. Naoroji war der erste Inder, der ins britische Parlament gewählt wurde. (Quelle) Die beiden Männer waren Freimaurer (Quelle: 1 und 2). Jejeebhoy machte ein Vermögen als Opium- und Baumwollhändler. Die Jejeebhoy Familie besitzt bis heute den Titel eines britischen Barons (Quelle). Die parsische Jehangir Familie gehört seit 100 Jahren zum britischen Adel. Weitere bemerkenswerte indische Freimaurer wären Rajendra Prasad und Sarvepalli Radhakrishnan, die ersten beiden Präsidenten Indiens (Quelle). Auch Mitglieder aus indischen Aristokratenfamilien traten der Freimaurerei bei (Quelle).
Ratan Tata traf Karim Aga Khan IV. (Freimaurer) (Foto). Die Aga Khan Familie sind die geistlichen Oberhäupter der Nizariten, die weltweit zweitgrösste schiitische Glaubensgemeinschaft. Der grösste Teil der Nizariten lebt wie die Parsen in Indien und Pakistan. Sie sind ebenfalls eine Minderheit. Die Aga Khan Familie lebte zu Kolonialzeiten in der indischen Stadt Bombay, in der auch viele wohlhabende Parsen lebten. Die Khans freundeten sich mit britischen Kolonialisten in Bombay an. Die Briten knüpften auch Kontakte und Freundschaften mit wohlhabenden indischen Juden aus Bombay (darunter die Familien Sassoon und Kadoorie), die heute zur britischen Elite gehören. Auch die Khans leben inzwischen in Europa und verkehren mit der britischen High Society.
Indien war die wichtigste Kolonie des britischen Kolonialreiches. Viele Inder mochten die Briten aber nicht. Patriotisch eingestellte Inder wünschten sich Unabhängigkeit und auch konservative indische Hindus hatten keine Lust sich irgendwelchen weissen Christen von der anderen Seite der Welt unterzuordnen. Daher halte ich es für vorstellbar, dass die britische Kolonialelite aus taktischen Gründen Minderheiten in Indien anwarb. Diese wurden von der hinduistischen Mehrheit diskriminiert und lebten meist in eigenen Gemeinden. Die Briten setzten sich für deren Schutz und Toleranz in Indien ein. Die Briten hatten einen guten Ruf in den Gemeinden der Parsen, der Juden und der Nizariten. Die Briten belohnten die Parsen für ihre Aufgeschlossenheit mit hochrangigen Finanz-, Handels- und Büroposten (Quelle). Viele parsische und indisch-jüdische Geschäftsleute kamen durch Geschäfte mit den Briten zu Wohlstand. Darauf spendeten sie viel Geld an ihre Gemeinden und finanzierten den Bau von Krankenhäuser, Schulen und Gotteshäuser in ihren Gemeinden. Für manche Minderheiten war die britische Kolonialherrschaft in Indien also ein Segen, während viele Hindus die Kolonialherrschaft als Übel betrachteten.
Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.