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Seit 1934 gibt es in der Schweiz eine landesweite Tourismusstatistik, die alle Hotelbetriebe mit mehr als zwei Gästebetten erfasst. Aufgrund des Entlastungsprogramms des Bundesrates kündigte das Bundesamt für Statistik (BFS) im Mai 2003 an, dass die Beherbergungsstatistik eingestellt werde, das BFS aber für Vorschläge zur externen Zusammenarbeit und Finanzierung offen sei, um den Fortbestand dieser Statistik zu sichern. Unter Federführung des Schweizer Tourismus-Verbands (STV) mobilisierten sich in der Folge die Kantone, Regionen und Tourismusverbände. Am 1.Januar 2005 wurde die neue Beherbergungsstatistik (Hesta) auf der Basis einer Kofinanzierung eingeführt.
Datenerhebung und Datendiffusion
Die Informationen zu Angebot und Nachfrage werden monatlich bei allen Hotel- und Kurbetrieben (Hotellerie) sowie bei den Campingplätzen und Jugendherber-gen, die im Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) geführt werden, erhoben. Die Daten der Hotellerie werden 25 Werktage nach Ende des Berichtsmonats veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen Daten zur Beherbergungskapazität (Anzahl Betriebe, Zimmer und Betten) und zur Nachfrage (Ankünfte und Logiernächte nach Herkunftsland der Gäste). Weitere Indikatoren wie die Netto-Bettenauslastung oder die Aufenthaltsdauer werden ebenfalls veröffentlicht. Alle Erhebungsresultate sind auf einer sehr detaillierten räumlichen Gliederungsstufe verfügbar. Die kleinste Einheit ist die Gemeinde, sofern alle Datenschutzbedingungen erfüllt sind. Die Resultate der Parahotellerie (ausschliesslich Campingplätze und Jugendherbergen) werden jährlich veröffentlicht und sind nach Monaten gegliedert. Dabei werden ähnliche Inhalte präsentiert wie bei der Hotellerie, jedoch weniger detailliert bezüglich Herkunftsland der Gäste und räumlicher Gliederungsstufe.
Die Benutzer der Daten
Die Resultate der Hesta werden von zahlreichen Akteuren für die Erstellung von Konjunkturanalysen verwendet – nebst den touristischen Kreisen auch von den öffentlichen Verwaltungen, der Forschung und der Privatwirtschaft. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beispielsweise verwendet die Logiernächtezahl der ausländischen Gäste für die Zahlungsbilanz der Schweiz und die Logiernächtezahl der inländischen Gäste für Analysen und Prognosen des privaten Konsums. Die Informationen der Beherbergungsstatistik werden darüber hinaus für die Quartalsschätzungen des Bruttoinlandprodukts (BIP) berücksichtigt, die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) durchgeführt werden. Auch für das Satellitenkonto Tourismus und die Fremdenverkehrsbilanz greift das BFS auf diese Daten zurück.
Internationale Vergleiche
Durch die Statistikkooperation im Rahmen der bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU sind die Schweizer Daten mit jenen der europäischen Partner vergleichbar. Eurostat veröffentlicht in regelmässigen Abständen Informationen zum Beherbergungsbereich. Auf internationaler Ebene machen die Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) regelmässig Gebrauch von den Beherbergungsdaten der Schweiz für Ländervergleiche zu Beherbergung und Tourismus.
Nachfrageentwicklung in der Hotellerie: Touristische Wintersaison 2009
Ab 2005 verzeichnete die Hotellerie eine stetige Zunahme der Logiernächte. Die touristische Wintersaison 2009 (November 2008 bis April 2009) brachte jedoch im Vergleich zur Vorjahresperiode ein negatives Wachstum (vgl. Tabelle 1). Die weltweite Wirtschaftskrise dürfte für den Nachfragerückgang bei den Hotelbetrieben während dieser Periode mitverantwortlich sein. Die Logiernächte gingen bei den ausländischen Gästen stärker zurück als bei den Touristinnen und Touristen aus der Schweiz. Diese negative Tendenz zeichnete sich bei den Gästen vom amerikanischen und asiatischen Kontinent sowie von Ozeanien bereits in der Sommersaison 2008 (Mai 2008 bis Oktober 2008) ab. In der Wintersaison 2009 war ebenfalls in allen Schweizer Tourismusregionen – mit Ausnahme von Neuenburg/Jura/Berner Jura, wo die Nachfrage leicht zunahm – ein Logiernächterückgang zu beobachten. Nach Monaten betrachtet weist die Nachfrageentwicklung während dieser Periode (vgl. Grafik 1) gegenüber der Vorjahresperiode in den meisten Monaten negative Veränderungen auf. Einzig die Monate Dezember und April registrierten eine Zunahme. Die positive Entwicklung im April ist darauf zurückzuführen, dass im Jahr 2009 Ostern in diesen Monat fiel; 2008 lag Ostern im Monat März. Für ein vergleichbares Resultat müssen die Ergebnisse daher bereinigt werden, d.h. die Logiernächtezahlen der Monate März und April müssen kumuliert werden. Das Ergebnis der beiden Monate im Jahr 2009 zeigt ein negatives Logiernächtewachstum gegenüber der Vorjahresperiode. Da für diesen Zeitraum noch keine aktualisierten europäischen Daten vorliegen, kann noch nicht abgeschätzt werden, ob der Negativtrend in allen EU-Ländern festzustellen ist.
Die Zukunft der Beherbergungsstatistik
Die Hesta muss an die europäischen Normen angepasst werden und wird in diesem Zusammenhang einige Änderungen erfahren. Ab 2010 werden die Herkunftsländer der Gäste detaillierter erfasst. Damit kann für dieses Merkmal ein umfassender Vergleich zwischen der EU und der Schweiz vorgenommen werden. Gleichzeitig wird geprüft, ob eine umfassende Parahotelleriestatistik erstellt werden soll, die Informationen zu Kollektivunterkünften und Ferienwohnungen beinhaltet. Die Erstellung dieser Statistik birgt einige Herausforderungen, namentlich die Definition der Stichprobengrundlage sowie das Bestimmen zuverlässiger und beständiger Datenquellen. Diese beiden Elemente sind unabdingbar für eine amtliche Statistik, die modernen methodischen Anforderungen genügen will.
Grafik 1 «Hotel- und Kurbetriebe: Monatliche Veränderung der Logiernächte, touristische Wintersaison 2008/09»
Tabelle 1 «Hotellerie: Logiernächte (in 1000) nach Herkunft der Gäste und nach Tourismusregionen, touristische Sommersaisons 2006-2008 und Wintersaisons 2007-2009»
Kasten 1: Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in der Schweiz
Die gesamte touristische Verwendung in der Schweiz belief sich im Jahr 2005 gemäss dem Satellitenkonto Tourismus (BFS) auf 32,6 Mrd. Franken. Daraus resultierte eine Bruttowertschöpfung von 12,6 Mrd. Franken, was einem Anteil von 2,9% an der gesamten Wertschöpfung der schweizerischen Volkswirtschaft entspricht. Die 138203 direkt dem Tourismus zurechenbaren vollzeitäquivalenten Stellen entsprechen gar 4,4% der schweizerischen Gesamtbeschäftigung im Jahr 2005.Die ausländischen Besucher trugen im Jahr 2005 mit touristischen Ausgaben von 12,0 Mrd. beinahe 40% zur direkten touristischen Nachfrage bei. Diese Ausgaben haben für die schweizerische Volkswirtschaft die gleiche Wirkung wie der Export von Waren. Damit betrug der Anteil des Tourismus 5,3% an den gesamten Exporten der Schweiz (Güter und Dienstleistungen).