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Die Geschichte der Konfirmation erforscht
Der reformierte Langenthaler Pfarrer und Stadtchronist Simon Kuert hat in einer aufwändigen Arbeit die Geschichte der Kinderlehre, der Unterweisung und der Konfirmation in der Bernischen Landeskirche erforscht und in einem Buch zusammengefasst. Die Frage, ob es legitim sei, sich konfirmieren zu lassen, ohne genau zu wissen, was dies bedeute, habe ihn dazu gedrängt, mehr über dieses Thema zu erfahren, nennt er einen der Gründe für die Realisierung des Buches «350 Jahre kirchliche Unterweisung in Bern».
«Während meiner theologischen Tätigkeit habe ich immer wieder festgestellt, dass ein grosses Manko darüber besteht, wie die Unterweisung im Kanton Bern entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat», berichtet Simon Kuert, ehemaliger reformierter Pfarrer und heutiger Stadtchronist von Langenthal. Er habe sich als Pfarrer immer wieder gefragt, ob es legitim sei, dass man sich konfirmieren lasse, ohne genau zu wissen, was dies bedeute. Simon Kuert machte sich auf die Suche nach der Geschichte der Kinderlehre, der Unterweisung und der Konfirmation in der Bernischen Landeskirche und musste feststellen, dass darüber kaum geschichtliche Grundlagen vorhanden sind.
Ein grosses Puzzle zusammengesetzt
Der heute 67-jährige Pfarrer forschte und suchte etliche Jahre. Vor einigen Wochen konnte er das Resultat seiner jahrelangen, aufwändigen Arbeit in Form eines 500-seitigen Buches unter dem Titel «350 Jahre kirchliche Unterweisung in Bern» präsentieren. Gegenüber dem «Unter-Emmentaler» erwähnte Kuert, dass das Werk nicht zuletzt aus Dokumenten entstanden sei, die er im Rahmen der Erarbeitung einer neuen Unterweisungsstruktur im Kanton Bern zwischen 1986 und 1992 sammelte. In den Jahren 1984/85 hatte nämlich eine Kommission des Synodalrates ein neues Unterweisungskonzept erarbeitet, das die seit 1877 gültige Unterweisungsstruktur der reformierten Landeskirche vollkommen verändern sollte. Das Projekt unter dem Namen «Neuaufbau der kirchlichen Unterweisung» galt als das Jahrhundertprojekt der Berner Kirche, dem Simon Kuert von 1986 bis 1992 als Leiter vorstand.
In dieser Funktion sammelte er zahlreiche historische Dokumente. Er spricht von einem riesengrossen Puzzle, das er nach seiner Pensionierung begonnen habe zu ordnen und zusammenzusetzen. In seinem Buch wolle er in erster Linie aufklären, wie etwas entstanden sei, dieses wolle er aber ganz bewusst nicht werten, betont er. Der Blick in die Geschichte der Berner Kirche decke auf, dass nach der Reformation zwar inhaltlich klar gewesen sei, was der Jugend zu vermitteln sei, in Bezug auf die Unterrichtsstruktur habe aber stets eine grosse Vielfalt geherrscht.
Die inhaltlichen Differenzen verstärkten sich mit dem ersten Kirchengesetz von 1874, das die Autonomie der Einzelgemeinden und die Freiheit der Lehrmeinung festschrieb. «Weil man sich nicht mehr einig war, was eigentlich zu unterweisen sei, versuchte man dem Unterricht wenigstens äusserlich eine feste Struktur zu geben, was mit dem Regulativ für den pfarramtlichen Unterricht 1877 denn auch geschah. Ähnliches erfolgte 100 Jahre später mit dem Neuaufbau der kirchlichen Unterweisung», beschreibt Simon Kuert in seinem Buch.
Wissen und nicht Glaube vermittelt
Auch nach Abschluss seines Buch-Projektes beschäftigen Simon Kuert Fragen zur Unterweisung und Konfirmation. Vor allem frage er sich, ob es richtig und sinnvoll sei, dass die Konfirmation so vielfältig inszeniert werde wie heute. «Sollte die Kirche nicht in erster Linie mit dem identifiziert werden, was die Kirche macht?», fragt Kuert, der die Meinung vertritt, dass gewisse Rituale auch weiterhin gepflegt werden sollten. «Gerade die Konfirmation ist ein Ritual, dazu sollte man stehen», bemerkt Kuert, der sich damit nicht gegen eine Veränderung der Kirche aussprechen will. «Ganz im Gegenteil, die Kirche soll sich in der heutigen Zeit verändern, dabei aber nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren», gibt er zu verstehen.
Er selber habe während seiner Aktivzeit als Pfarrer stets sehr gute Erfahrungen mit Konfirmanden gemacht, erwähnt er weiter. «Mein Unterricht war in erster Linie auf Bildung und nicht auf Glaubensvermittlung ausgelegt. Ich wollte Inhalte vermitteln, die die jungen Menschen in der Schule nicht vermittelt bekommen.» Simon Kuert ist sich bewusst, dass er mit dieser Haltung in kirchlichen Kreisen auf Kritik stiess, aber er ist nach wie vor überzeugt: «Glauben kann man nicht vermitteln, das ist eine ganz persönliche Angelegenheit, aber man kann Grundlagen vermitteln, die zum Glauben führen können. Der Glaube ist in erster Linie eine Frage des Wissens und dieses Wissen wollte ich den Konfirmanden vermitteln.»
Von Walter Ryser