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Differenzierung und Weltkrieg 1925-1945
Krisen
Die vielseitigen kulturellen Initiativen werden nach Rudolf Steiners Tod weitergeführt, differenzieren und entfalten sich in ersten Anfängen international. Albert Steffen wird Weihnachten 1925 Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und prägt sie neben und durch sein dichterisches Schaffen bis Anfang der 60er-Jahre. In 15 Ländern bestehen Landesgesellschaften. 1928 findet die Eröffnung des zweiten Goetheanum statt.
Steffens Stellung in der Gesellschaft und insbesondere im Vorstand war nicht leicht. Unterschiedliche Auffassungen unter den Vorstandsmitgliedern, die sich schon zu Lebzeiten Steiners bemerkbar gemacht hatteen, unvereinbare Temperamente und Charaktereigenschaften, aber auch die Altersunterschiede führten zunehmend zu Reibungen, die ein Zusammenwirken im Vorstand erschwerten, im Laufe der Jahre sogar verunmöglichten. Die Krise der Jahre 1933-35 und auch später der Nachlasskonflikt wurden zu einer schweren Belastung aller Beteiligten.
Diese internen Differenzen führen 1935 zum Ausschluss von Mitgliedern und zur Abberufung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand. Dadurch arbeiten bis in die 50er- und 60er-Jahre die medizinische und heilpädagogische Bewegung sowie große Teile der holländischen und englischen Landesgesellschaften ohne einen Zusammenhang mit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft.
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Marie Steiner inszeniert die vier Mysteriendramen, Goethes „Faust“ und Dramen von Goethe, Schiller, Hamerling, Schuré und Albert Steffen; mit einem aus dieser Arbeit entstandenen künstlerischen Sprechchor und Eurythmie-Ensemble gastierte Sie in vielen europäischen Städten. Sie gehörten in Europa zu dieser Zeit zum bekanntesten Ausdruck der anthroposphischen Arbeit. Nach Voraufführungen des „Faust“ bei der Pariser Weltausstellung 1937 findet die Welturaufführung in beiden Teilen ungekürzt im Sommer 1938 am Goetheanum statt. Bis heute bilden die Mysteriendramen und der „Faust“ einen Schwerpunkt der Goetheanum-Bühne.
1935 wird die deutsche Landesgesellschaft von den Nationalsozialisten verboten, bald darauf die meisten anthroposophischen Kulturinitiativen. Verbot und Weltkrieg drängen die anthroposophische Arbeit ins Exil oder in die Verborgenheit. Einzelne Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft versuchen eine Kollaboration mit den Nationalsozialisten. Die Aktivitäten am Goetheanum werden eingeschränkt, insgesamt prägen gesellschaftsinterne Auseinandersetzungen das Geschehen bis Anfang der 1950er Jahre.
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Mit diesem Buch ist es dem Autor Uwe Werner gelungen, erstmals eine umfassende Studie über die Behandlung der Anthroposophischen Gesellschaft und ihrer Einrichtungen durch die Nationalsozialisten vorzulegen. Seine Darstellung zeigt die Konflikte, die aufkommen mußten, als die totalitäre Ideologie und Organisation des Nationalsozialismus und die Anthroposophie aufeinanderprallten. Vom Verbot der Schriften Rudolf Steiners bis zur Schließung der Waldorfschulen und der Massenverhaftung von Pfarrern der anthroposophischen "Christengemeinschaft" reicht das Spektrum, das Werner dem Leser eröffnet. Durch die Erschließung neuer Quellen in Archiven der ehemaligen DDR konnte er zudem eine wichtige Forschungslücke schließen.