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Der Philosoph Louis Althusser vertritt die These, dass Individuen von Ideologie als Subjekte angerufen werden (vgl. Althusser 1977). Ideologie entfaltet sich dabei „in Ritualen der Anerkennung und des Wiedererkennens, die ohne nachzudenken und ohne Zweifel (also evidenterweise) mich und den anderen als Subjekte wahrnehmbar machen, also eine Identifizierung vornehmen“ (Holert 2002: 151). Diese Akte des gegenseitigen Identifizierens - des Selbst- und Fremderkennens - bringen Subjekte hervor und werden von Althusser Interpellation - also Anrufung - genannt.
Dazu eine kurze Erläuterung. Der Ausspruch „Es ist ein Mädchen!“ oder „Es ist ein Junge!“ ist eine dieser machtvollen ideologischen Anrufungen, wovon sich Babys adressiert finden. Wie machtvoll das Operieren von Ideologie ist, verdeutlicht sich in der Annahme, dass eine Anrufung nicht erst durch die Einzelnen bestätigt werden muss - wozu bspw. Babys vor oder bei ihrer Geburt überhaupt nicht fähig sind. Jedoch vollzieht sich die Subjektivierung als Mädchen oder Junge bereits dann, wenn das Baby von anderen als Mädchen oder Junge identifiziert, erkannt, ja anerkannt wird. Also wenn bspw. durch die Ärzte in den Babypass weiblich oder männlich eingetragen wird und sich eine Vielzahl von anschliessenden Entscheidungen an dieser Zuordnung ausrichten. Diese Subjektivierung kann bzw. muss von der einzelnen Person im späteren Leben immer wieder erneuert und bekräftigt werden, denn Situationen von konkreten Anrufungen als Frau bzw. Mann gibt es genug - bspw. jedes Mal, wenn man_frau die 'richtige' Tür einer öffentlichen Toilette finden muss.