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Felix Giesa
Zusammenfassung
Jenseits der Graphic-Novel-Debatte, die im Kern eine Nobilitierung der Comics als Literaturform anstrengt, werden Comics gemeinhin als ‚männliche‘ Erzählform wahrgenommen. Comics werden nach dieser Auffassung vornehmlich von männlichen Künstlern geschaffen, propagieren daher ein männliches Blickregime und werden in der Schlussfolge daher auch bevorzugt von einem männlichen Publikum gelesen. Insbesondere scheint im ureigenen Comicgenre, der Superheldenerzählung, über die Etablierung eines Heldentypus in antiker Tradition eine visuelle Manifestation hegemonialer Männlichkeit gegeben zu sein. Damit einhergeht auch eine entsprechende Darstellung von Weiblichkeit, die tatsächlich einen male gaze zu favorisieren scheint. Demgegenüber existieren in den Mainstreamsuperheldencomics der letzten Jahre vermehrt auch weibliche Superheldinnen wie Ms. Marvel oder die neue Thor, die nicht nur – wie etwa Batgirl oder Supergirl schon aufgrund ihrer desavouierenden Bezeichnung als ‚Mädchen‘ – in konkreter Abhängigkeit eines männlichen Helden stehen. Vorbereitet wurden solche Entwicklungen jedoch bereits in den Underground Comix der 1970er Jahre sowie den Alternative Comics der 1990er Jahre, die erstmals männliche Sexualität und männliches (meist adoleszentes) Gefühlserleben psychologisch differenziert, wenn auch teilweise äusserst subversiv auf die Comicseite bringen. In den 2000er Jahren entstehen aus diesem Einfluss heraus mit den Adoleszenzcomics auch im deutschsprachigen Bereich Bildgeschichten, die ein Männlichkeitsbild jenseits hegemonialer Blickregime etablieren und dieses teilweise als Grundlage für ihre Figurenzeichnungen heranziehen. Der Beitrag illustriert dies, indem er sowohl die (Selbst-)Inszenierung von Männlichkeit durch die Zeichner als auch die Inszenierung von Männlichkeit durch die Comiczeichnerinnen einem close-reading unterzieht. Dabei kann deutlich gemacht werden, dass Adoleszenzcomics ein deutliches Bild ‚neuer‘ Männlichkeit zeichnen.