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Einführung
Im Jahr 2021 erlebte das Ethereum-Netzwerk mit der wachsenden Akzeptanz und der zunehmenden Nutzung eine noch nie dagewesene Überlastung, was zu extrem hohen Nutzungsgebühren führte. Schon einfache Transaktionen konnten 20 bis 100 USD an Gebühren kosten. Dadurch wurde die Nutzung des gesamten Netzwerks extrem teuer, was die Einstiegshürde für neue Nutzer erhöhte und in vielen Fällen die Teilnahme unwirtschaftlich machte.
EVM-Netzwerke ermöglichen es, einige dezentrale Anwendungen (Dapps) für einen Bruchteil der Kosten zu nutzen. Bei einigen EVM-Netzwerken (z.B. Sidechains) gehen die günstigeren Gebühren jedoch auf Kosten der Dezentralisierung, da es im EVM-Netzwerk weniger unabhängige Knoten als im Ethereum-Mainnet gibt, die die Transaktionen validieren.
Praktisch alle DeFi-Dienste und Dapps haben neben Ethereum ein weiteres EVM-Netzwerk implementiert. In vielen Fällen werden gleich mehrere Netzwerke in einer Anwendung unterstützt. Diese Unterstützung wird von den Nutzern eindeutig begrüßt. Im September 2021 überholte das Polygon-Netzwerk sogar kurzzeitig Ethereum, was die Anzahl der aktiven Adressen anging.
Was ist die EVM?
Die Ethereum Virtual Machine (EVM) ist die Rechenmaschine, auf der die Smart Contracts laufen und welche Anweisungen im Ethereum-Netzwerk ausgeführt. Jeder Ethereum-Node führt eine EVM-Instanz aus, welche den Programmcode der Smart Contracts ausführt, und die netzwerkweit die gleichen Ergebnisse erzielen. Alle DeFi-Anwendungen sind eine Reihe von Smart Contracts, die in der Regel in einer höheren Programmiersprache (wie z.B. Solidity) geschrieben werden.
Warum ist es wichtig, EVM-kompatibel zu sein?
EVM-kompatible Netzwerke sind von Ethereum unabhängige Netzwerke, auf denen jedoch die Ethereum Virtual Machine (EVM) läuft. Ein Netzwerk welches EVM-kompatibel ist, kann problemlos Ethereum Smart Contracts ausführen. Auf diese Weise können sich EVM-Netzwerke als Plattform für viele existierende Dapps und DeFi-Dienste anbieten, welche ursprünglich für Ethereum entwickelt wurden. Das macht es auch für Ethereum-Entwickler einfacher, ihre Projekte auf ein EVM-kompatibles Netzwerk zu migrieren. Außerdem erleichtern EVM-Netzwerke das Onboarding von Ethereum-Nutzern, da die Nutzer ihre bestehende Ethereum-Wallet weiter nutzen können, um mit EVM-Netzwerken zu interagieren.
Was sind die verschiedenen Arten von EVM-Netzwerken?
Jedes EVM-Netzwerk ist eine eigenständige Implementierung mit unterschiedlichen Attributen, je nachdem, was die gesteckten Ziele des Netzwerks sind. Einige EVM-Netzwerke sind als “Layer 2”-Skalierungslösung (L2) für Ethereum gedacht, während andere komplett unabhängige Netzwerke sind.
Bei L2-Netzwerken gibt es zwei Haupttechnologien: Sidechains und Rollups.
Was sind Sidechains?
Eine Sidechain ist eine Blockchain, die parallel zu Ethereum läuft. Sie verfügt über einen eigenen Konsensmechanismus, d.h. sie funktioniert unabhängig von Ethereum. Um die Sidechain mit dem Ethereum-Netzwerk zu verbinden, wird eine Zwei-Wege-Bridge verwendet. Diese “Brücke” ist ein Smart Contract, der dazu dient, digitale Assets von Ethereum auf die Sidechain zu übertragen. Bei der Verwendung der Bridge sind die Vermögenswerte auf einer Blockchain gesperrt. Dies wird auch als Zwei-Wege-Sperre bezeichnet und stellt sicher, dass die Vermögenswerte nicht gleichzeitig auf beiden Chains verfügbar sind. Die Verwendung einer Bridge birgt jedoch auch Risiken. Die Bridge ist ein Smart Contract und daher anfällig für Bugs. Es gab Fälle von Bridge-Exploits, die zu gestohlenen oder verlorenen Coins führten.
Was sind Rollups?
Ähnlich wie Sidechains sind Rollups unabhängige Blockchains, die auf einer EVM-kompatiblen virtuellen Maschine laufen. Diese ermöglicht es, Ethereum Smart Contracts unabhängig von Ethereum auszuführen. Rollups sollen jedoch die Sicherheit von Sidechains verbessern, indem sie Transaktionsdaten, die außerhalb der Blockchain (auf dem Rollup) getätigt werden, bündeln und dann im Ethereum-Mainnet veröffentlichen. Dies wird durch Smart Contracts im Ethereum-Netzwerk erreicht, die für die Verarbeitung von Einzahlungen, Abhebungen und die Verifizierung von Proofs zuständig sind.
Es gibt zwei Hauptimplementierungen von Rollups: optimistische Rollups und zk-Rollups. Der Unterschied zwischen den beiden Varianten besteht darin, wie Proofs zur Validierung der Transaktionen verwendet werden. Optimistische Rollups gehen davon aus, dass eine Transaktion gültig ist, es sei denn, ein Prüfer bestreitet dies und reicht einen Betrugsnachweis ein. Im Gegensatz dazu liefern zk-Rollups standardmäßig Beweise, die belegen, dass die Transaktion gültig ist, und erfordern daher keinen Prüfer, der eine Transaktion anfechten muss. Zurzeit ist die Entwicklung optimistischer Rollups ausgereifter als die von zk-Rollups.
Was sind unabhängige EVM-Netzwerke?
Komplett unabhängige EVM-Netzwerke betreiben zwar die EVM, sind aber nicht als Skalierungslösung für Ethereum gedacht. Auf technischer Ebene funktionieren sie ähnlich wie eine Sidechain. Ihr Hauptzweck besteht jedoch darin, EVM-kompatibel zu sein, damit Ethereum-Entwickler ihre Projekte einfach auf das jeweilige EVM-Netzwerk portieren können. Mit anderen Worten: Durch die EVM-Kompatibilität erhalten diese Netzwerke Zugang zu Talenten und Projekten, die bereits im Ethereum-Ökosystem aktiv sind.
Warum brauchen EVM-Nutzer Hardware-Wallets?
Decentralized Finance (DeFi) und Apps (Dapps) haben zum Ziel, zentralisierte Institutionen für Finanzdienstleistungen überflüssig zu machen. Das bedeutet jedoch, dass die Nutzer/innen für die Verwaltung ihrer eigenen digitalen Vermögenswerte verantwortlich sind.
Wenn du mit einer DeFi-Anwendung interagierst, brauchst du eine Wallet, um Transaktionen zu signieren. In der Wallet befinden sich deine privaten Schlüssel, die dir den Zugang zu deinen digitalen Vermögenswerten ermöglichen. Das bedeutet aber auch, dass jeder, der diesen privaten Schlüssel erhält, Zugang zu deinem Vermögen hat.
Handelt es sich bei der Wallet um eine Software-Wallet wie Metamask, sind deine privaten Schlüssel auf deinem Computer gespeichert und damit anfällig für Computerviren. Wenn dein Computer kompromittiert wird, sind deine digitalen Assets in Gefahr.
Deshalb profitieren DeFi-Nutzer von der Verwendung einer Hardware-Wallet. Eine Hardware-Wallet ist ein spezielles Gerät, das deine privaten Schlüssel sicher offline aufbewahrt, sie aber auch nutzbar hält. Du kannst deine Hardware-Wallet mit Anwendungen von Drittanbietern wie Metamask oder Rabby verbinden, sodass du sicher mit DeFi-Anwendungen interagieren kannst. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Hardware-Wallet nicht überprüfen kann, ob der Smart Contract selber bösartig ist oder einen Fehler hat. Wenn du die Transaktion auf deiner Hardware-Wallet unterschreibst, musst du dem Smart Contract vertrauen und dir sicher sein, dass die Transaktionsdaten nicht manipuliert wurden (z. B. durch Schadsoftware). Dies wird als "Blind Signing" bezeichnet.
Wie funktioniert das mit der BitBox02?
BitBox02-Nutzer können über Rabby mit praktisch jeder DeFi-Anwendung interagieren. Rabby ist eine Browsererweiterung, die, wie Metamask, auf einfache Bedienung und Multinetzwerk-Unterstützung ausgerichtet ist. Sie funktioniert auch mit jeder Anwendung, die Metamask unterstützt.
MyEtherWallet unterstützt auch ausgewählte EVM-Netzwerke, wie z.B. BSC und Polygon.
Seit dem Firmware-Update 9.10 unterstützt die BitBox02 mehrere EVM-Netzwerke explizit, darunter BSC, Polygon, Arbitrum, Optimism und Fantom. Zusätzlich zu diesen Netzwerken kann die BitBox02 Transaktionen in jedem anderen EVM-Netzwerk signieren. Allerdings zeigt sie dir die Chain-ID des entsprechenden EVM-Netzwerks als eindeutige Kennung anstelle des Netzwerknamens an.
Wie bereits erwähnt kann die BitBox02 nicht überprüfen, was der Smart Contract genau tut. Du musst also darauf vertrauen, dass der Smart Contract das tut, was erwartet wird, und dass keine Malware die Transaktion manipuliert. Ein bösartiger oder fehlerhafter Smart Contract kann deine Coins stehlen oder sie unzugänglich machen. Das ist eine generelle Herausforderung für alle Wallets.
Fazit
EVM-Netzwerke ermöglichen es allen Ethereum-Anwendungen, exponentiell zu skalieren. Das bedeutet, dass du mit DeFi-Diensten interagieren kannst, ohne für jede Transaktion hohe Gebühren zahlen zu müssen. Dies wird erreicht, indem die Nutzung von DeFi-Anwendungen von der Ethereum-Blockchain auf EVM-kompatible Blockchains ausgelagert wird, welche Transaktionen effizienter ausführen können, da sie Kompromisse bei der Dezentralisierung eingehen. Es werden jedoch Fortschritte gemacht, um die Sicherheit der EVM-Netzwerke zu verbessern, zum Beispiel durch den Einsatz von Rollups.
Die Nutzer von DeFi-Diensten sind für ihre eigenen digitalen Vermögenswerte verantwortlich, da DeFi-Anwendungen von Natur aus ohne zentralisierte Instanz auskommen. Daher ist es unerlässlich, dass die privaten Schlüssel durch eine Hardware-Wallet gesichert werden. Nur so können diese sicher offline aufbewahren und trotzdem mit dem DeFi-Ökosystem interagieren.
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