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Serge Chaloff wurde am 24. November 1923 in Boston geboren, seine Eltern waren beide berühmte und beliebte Musiker. Sein Vater Julius Chaloff war Pianist beim Boston Symphonie Orchester, und seine Mutter
Margaret Stedmann Chaloff war die Pianolehrerin von Berühmtheiten wie Leonard Bernstein, George Shearing, Dick Twardzik, Herbie Hankock, Chick Corea und Keith Jarret.
Serge erhielt zwischen seinem 6. und 12. Lebensjahr Klavierstunden von seiner Mutter und Klarinetten-Unterricht von einem Herrn Manuel Valerio, der auch bei den Boston Symphonikern tätig war. Mit 12 Jahren wechselte Serge Chaloff zum Baritonsaxofon, was er sich weitgehend selbst beibrachte.
Sein Vorbild war Harry Carney, dem er aber wegen laufender Tourtätigkeit nicht folgen konnte. Serge Chaloff gilt als einer der ersten Baritonisten, der die Eigenheiten des Bebob erfasst hat [ein Zeitgenosse von ihm ist Leo Parker). Beide Herren waren schon ab 1947 im modernen Jazz tätig, während Gerry Mulligan erst Anfang der 50-er Jahre berühmt wurde.
Serge Chaloff hat einen eigenen, sehr persönlichen Stil entwickelt und sein Ton ist durch eine Art dramatisches Vibrato erkennbar. Als Mitglied des Second Herd von Woody Hermann, wurde er erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er war damals schon sehr stark heroinsüchtig und war zeitweise nicht spielfähig. In jungen Jahren schon durchlief er eine Hodenkrebsoperation, wobei die eigentliche Todesursache ein Krebs im Rückenmark war (im Jahre 1957).
Serge Chaloff galt als zwiespältige Persönlichkeit, der nüchtern von ausserordentlicher Liebenswürdigkeit, geistreich und witzig war. Unter Heroineinfluss jedoch ekelhaft und unfreundlich. Um an Heroin zu kommen, bat er einmal in Minneapolis seine geliebte Mutter um 1000 USD für einen Heimflug. Die Mutter, die ihren Pappenheimer kannte, schickte ihm aber ein Flugbillet für die Rückreise nach Boston, die er aber nie antrat.
Bei einer seiner letzten Aufnahmen erschien er mit Krückstöcken und Rollstuhl, er war so schwach, dass ein Ersatzbaritonist seine geschriebenen Sätze der Four Brothers spielen musste, während Cherge Chaloff nur die Soli selber spielen konnte.
Milt Buckner [1915-1977), der lebenslustige Meister des „block chord" Stils auf dem Piano, ist aus dem Jazz nicht wegzudenken. In den vierziger Jahren hat er den Klang des Lionel Hampton Orchesters mitgeprägt.
Sein Aktionsradius erstreckte sich vom Pianisten, Organisten und Vibrafonisten bis zum Arrangeur, Komponisten und Bandleader. Er war ein hervorragender Boogie Woogie Interpret, fühlte sich aber genau so wohl in trickreichen Be Bop Nummern wie zum Beispiel Round About Midnigh
Wynton Marsalis gehört zu einem leider aussterbenden Typus im Jazz: der weltberühmte Superstar. Alle Bisherigen sind schon verstorben und, obwohl es viele sehr gute und engagierte Jazzmusiker gibt, scheint es als ob
diese Rolle noch zu vergeben ist. Wynton hat sie verdient, nicht nur als phänomenaler Trompeter, auch als unermüdlicher Vorkämpfer für eine Musik, die viele am Erlöschen sehen. Seine Karriere begann schon in
seiner ungewöhnlich musikalischen Familie (Vater Ellis ist ein hochgeschätzter Jazzpianist und Bandleader und drei Brüder sind alle Musiker/Bandleader geworden). Damit war ihm die Vernetzung zu vielen Jazzgrössen
quasi in die Wiege gelegt worden.
Als 17-jähriger durfte er unter Aufsicht des Vaters bei Art Blakey's Jazz Messengers mitwirken, und dort schlug er wie eine Bombe ein. Danach folgten nur Engagements auf der höchsten Stufe, z. B. mit Herbie Hancock's VSOP und dann mit dem eigenen Quintet und später dem Septet, mit denen er weltweit tournierte.
Ebenfalls in guter Erinnerung ist sein glorreicher Big Band - Auftritt in "Jazz At The Opera" in Zürich - das zu den Eckpfeilern der Musikdarbietungen im Lincoln Centre in New York gehört, wo er als künstlerischer Leiter fungiert. Seine dortigen Programme "Jazz For Young People" und viele Jazzkonzerte mit fast allen, die Rang und Namen haben, haben zu seinem Ruhm und dem des Jazz beigetragen. Spannend, an diesem Abend zu erleben, was er schon geschafft hat!
Da ich an meinem offiziellen Vortrag aus technischen Gründen die vorgesehenen Musikstücke nicht abspielen konnte, werden diese nun nachgeholt. Unter Anderem hören wir Paul Gonsalves auch mit dem Instrument
aus seiner Jugend, der Gitarre, die er als Jazzmusiker dann und wann einsetzte. In seiner Jugend betätigte er dieses Instrument, um das gemeinsame Singen kapverdischer Lieder in seiner Herkunftsfamilie zu begleiten.
Im Übrigen versuche ich noch die Ausstrahlung von Paul Gonsalves auf andere, spätere Musik zu zeigen. Das ist aber rein subjektiv, ohne Ambitionen, ein neues Evangelium zu verkünden.
Als Trompeter wie als Sänger war Hot Lips Page stark von Louis Armstrong beeinflusst. Der eher unterbewertete Kansas City-Musiker steht zwischen Satchmo und Roy Eldridge. "Blues ist seine Domäne". Wir betrachten einige Stufen seiner Musikerlaufbahn mit verschiedenen Formationen. Mary Lou Williams sagte über den phantasievollen Growl-Spezialisten mit dem mächtigen Ton: "Hot Lips Page war das Leben vieler Kansas City-Sessions".
Die erste DVD beinhaltet die Aufzeichnung eines Auftritts der Gruppe "James Blood UImer / SamRivers" an den 14. Leverkusen-Jazztagen. Das Schwergewicht liegt dabei auf den grossartigen Soli von Sam Rivers auf dem Tenorsax, dem Sopransax und der Flöte. Daneben hört und sieht man natürlich James Blood Ulmer mit seinem speziellen Spiel auf der EI-Gitarre und seinem Sprechgesang.Auf der zweiten DVD hören wir einen Auftritt der Gruppe "'Sweet Honey In The Rock". Der A-cappella-Auftritt dieser Gruppe aus dunkelhäutigen Frauen ist absolut faszinierend. Es ist keine Gospel-Gruppe; ihr Auftritt enthält auch Stücke mit politischer Bezugnahme. Wer die Darbietung der "Sweet Honey In The Rock" verpasst, verpasst ein grossartiges musikalisches Erlebnis.
"Papa" Jo Jones, der Inbegriff des Swing-Schlagzeugers, war einer der Ersten, der die "time" auf die Becken und die Hi-Hat verlegte und so einen leichten, gleichmässig fliessenden Legato-Rhythmus schuf. Die Basstrommel, die bei seinen Vorgängern den Fundamentalrhythmus geliefert hatte, setzte er für unerwartete Akzente ein. Damit revolutionierte er die Spielweise des Schlagzeuges, wies der nächsten Generation den Weg und wurde zum Vater aller modernen Jazzdrummer. Jo Jones spielte die gleiche Rolle wie sein lebenslanger Freund Lester Young für die Tenorsaxophonisten, Charlie Christian für die Gitarristen und Jimmy Blanton für die Bassisten. Seine Nachfolger nannten ihn respektvoll "Papa Jo".
Eines Tages packte er seine Trommeln zusammen und verliess Count Basies Band, ohne irgendjemandem einen Ton zu sagen - nach 14 Jahren. Er war inzwischen ein Star und spielte mit alten Bekannten und jüngeren Musikern, wie Lester Young, Flip Phillips, Ben Webster, Art Tatum, Phineas Newborn und unterstützte Art Blakey bei seiner "Drum Suite".Duke Ellington schrieb in seiner Autobiografie, Jo Jones sei der Antriebsmotor gewesen, der die Band und Paul Gonsalves am Newport Jazzfestival in eine rhythmische Orgie hinein getrieben habe, die sein Orchester schlagartig in die Topliga zurückkatapultierte - indem er in den Kulissen, und unsichtbar für das Publikum - mit einer zusammengerollten Ausgabe des "Christian Science Monitor" den Takt angab.
Wir verfolgen Jo Jones' Karriere als Sideman mit einigen swingenden Aufnahmen aus den Jahren 1940 bis 1957.
Der brillante Mainstream-Trompeter wurde am 16. März 1927 in Boston geboren und starb am 9.Februar 2003 in Chatham, Massachusettes. Seine elegante, hochmelodische Spielweise erinnert an Henry Red Allen, Bix Beiderbecke, Buck Clayton und Louis Armstrong.
In den 1950er Jahren war er wegen der Biegsamkeit und Wärme seines Klanges auch technisch ein Vorbild. Aus dieser Zeit werden wir einige Kostproben hören.
"Mam und Dad waren noch Kinder, als sie heirateten. Er war achtzehn, sie war sechzehn, und ich war drei." Das ist der erste Satz aus der Autobiografie "Lady sings the Blues".
Man sollte Aussagen von Jazzmusikern nicht immer zum Nennwert nehmen. Ihr Vater, Clarence Holiday, spielte im Orchester Fletcher Henderson Gitarre und war mit Billies Mutter nie verheiratet. Von den etwa dreihundert Aufnahmen, die Lady Day machte, sind höchstens ein Dutzend Blues. Aber sie legte in viele Stücke eine Art "Blues Stimmung".
Ihr Leben war ein gelebter Blues, gezeichnet von harten Entbehrungen, abscheulicher Rassendiskriminierung, phänomenalen Triumphen und tiefen Abstürzen in den Drogensumpf.
Als Schwarze ohne Ausbildung hatte die junge Billie so gut wie keine Chance auf eine "normale" Arbeit. Sie arbeitete als Prostituierte, wurde verhaftet und kam ins Gefängnis. Als sie entlassen wurde, suchte sie einen Job als Tänzerin und begann, an den Tischen der Gäste zu singen. Verstärker hatte sie keinen. Sie sang die Lieder leise, immer wieder die gleiche Melodie, aber immer anders. Dabei entwickelte sie ihren höchst eigenwilligen Stil, wo sie mit Melodien, Harmonien und dem Rhythmus ungehemmt spielt.
Als Sängerin in der Band von Count Basie lernte sie den Tenorsaxophonisten Lester Young kennen, mit dem sie ein Leben lang wie mit einem Bruder verbunden war. Ihre Aufnahmen mit Musikern aus der Crème de la Crème der damaligen Zeit (u.a. unter der Leitung des Pianisten Teddy Wilson) gelten heute zur recht als Klassiker.
Wir hören einige Aufnahmen aus allen Perioden ihres kurzen Lebens und sehen sie in Filmschnipseln als Sängerin und als Schauspielerin in einem Machwerk aus Hollywood.
In dieser jüngsten Periode haben vorab weisse Erneuerer das Heft zu neueren harmonischen Entwicklungen in die Hand genommen. Ein Teil davon entstand im Umkreis der New Yorker "Knitting Factory". Zu diesen Erneuerungs-bestrebten Kräften gehören Leute wie Chris Potter (ts), Uri Caine (p) und Dave Douglas (tp).
Absichtlich werden Musiker des "Third Stream", "Free Jazz" und "Hormologic"-Anhänger (à la Ornette Coleman etc.) dabei nicht vor-gespielt; alle Beispiele können als "tonaler Jazz" durchgehen.
Neben harmonischen Erweiterungen hat sich der jüngste Jazz auch in Richtung einer "Weltmusik" entwickelt, wobei gewisse Ethnien- und Folklore-Einflüsse erkennbar sind.