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Filippo ist 39 Jahre alt und stammt aus Ragusa, Sizilien. Er besuchte die Krankenpflegeschule des Roten Kreuzes in Bologna und lebt seit 15 Jahren in Pamplona, Spanien. Filippo hat in vielen verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet: in Palliativstationen, psychiatrischen Krankenhäusern und in ländlichen Einrichtungen in den Bergen. Zusätzlich hat er sich auf die Notfallversorgung spezialisiert.
Im Jahr 2016 begann Filippo in Griechenland als Freiwilliger für die NGO Salvamento Marítimo Humanitario (SMH) zu arbeiten. Sein Einsatz war zunächst für 15 Tage geplant, schlussendlich blieb er jedoch sieben Monate. Anfangs war er die einzige Person, welche für die Betreuung der ankommenden Menschen auf der Insel Chios zuständig war. “Es war ein totales Chaos, es gab keine Koordination, keine Behörden. In den ersten Wochen nach meiner Ankunft sind zwei Babys gestorben”. Filippo wurde innert kürzester Zeit zum Koordinator des gesamten Projekts auf Chios und überwachte die Einsätze des Krankenwagens und des Schnellbootes von SMH.
Nach seiner Zeit in Griechenland wurde Filippo medizinischer Berater und Koordinator im Hauptsitz von SMH in Spanien. Während fünf Jahren, bis Dezember 2020, war Filippo für die Vorbereitung der Freiwilligen, die nach Griechenland gehen, verantwortlich. Zu dieser Zeit kaufte die SMH die Aita Mari, um Menschen im zentralen Mittelmeer zu Hilfe zu kommen. Auf diesem Schiff absolvierte Filippo drei Einsätze als Krankenpfleger und medizinischer Teamleiter.
“Was auf dem Meer geschieht, ist für mich nichts Neues. Ich bin mir der Situation seit meiner Geburt bewusst. Als ich fünf Jahre alt war, kam ein grosses Holzboot selbstständig in Sizilien an. Es zerschellte nur 100 Meter vor meinem Haus an den Felsen. Ich war schockiert. Seitdem träumte ich davon, auf einem professionellen Rettungsschiff wie der Ocean Viking zu arbeiten.”
Dieses Gefühl wuchs 2017, als Italien ein Abkommen mit der libyschen Regierung schloss.
“Ich war schockiert zu sehen, wie sich die europäischen Staaten gegenüber den Menschen verhalten, die nach Sicherheit suchen. Ich möchte an Bord sein, um zu zeigen, dass ich mit diesen rechtswidrigen Praktiken nicht einverstanden bin. Wir müssen die Lücke schliessen, die die europäischen Staaten in der Seenotrettung hinterlassen haben, aber das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe, sondern ihre.”
Filippo kam im April 2021 als Krankenpfleger zu SOS MEDITERRANEE.
“Nach meiner ersten Erfahrung mit einem Schiffswrack im Frühjahr weiss ich, was für ein Wetter uns im Winter erwarten kann. Die Risiken machen mir Angst, aber ich bin sicher, dass wir bereit sind, uns diesen herausfordernden Bedingungen zu stellen.”
Fotonachweise:
- Flavio Gasperini / SOS MEDITERRANEE
- IFRC