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Die Wirtschaftskrise der 30er-Jahre legte offen, dass dem Bund oftmals Daten fehlten, um objektiv über die Konjunkturentwicklung urteilen zu können. Dies war der Grund für die Schaffung der heutigen KOF, der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich.
Regelmässige Treffen mit Unternehmen
Der erste Vorsteher der KOF, Eugen Böhler (1938-1964), organisierte zur Informationsbeschaffung regelmässige Treffen mit Unternehmern, um die aktuelle Konjunkturlage zu erfassen. Schon bald wurden diese Treffen um schriftliche Befragungen von Unternehmen ergänzt. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Kommission für Konjunkturbeobachtung des Bundes (später umbenannt in Kommission für Konjunkturfragen) wurde Böhler häufig als Berater des Bundesrats bei wirtschaftlichen Themen herangezogen. In der Folge baute er an der KOF die Konjunkturumfragen weiter aus.
Unter seinem Nachfolger in der KOF-Leitung, Hans Würgler (1964-1993), wurde der so genannten Konjunktur-Artikel erarbeitet, der auch heute noch in der Bundesverfassung (Art. 100) zu finden ist. Zudem wurden erste Modelle zur Analyse der Schweizer Wirtschaft entwickelt.
Der dritte Leiter, Bernd Schips (1993-2005), stand für die Einführung des auch noch heute verwendeten makroökonometrischen Modells zur Prognose der Schweizer Konjunktur. Zudem baute er das Fundament der KOF, die Unternehmensbefragungen, weiter aus unter Einbezug weiterer Branchen (Bauwirtschaft, Finanzinstitute) in die KOF Konjunkturumfragen.
Förderung der internationalen Präsenz
Das Anliegen von Jan-Egbert Sturm (seit 2006), dem nun vierten Leiter des KOF war es, die internationale Präsenz zu erhöhen durch Förderung der akademischen Forschung und den gleichzeitigen Ausbau der angewandten Konjunktur- und Wirtschaftsanalysen. Dieser Ausbau schlägt sich nieder in der Anzahl Publikationen in international referierten Fachzeitschriften. Eine externe wissenschaftliche Evaluation des gesamten Departements Management, Technologie und Ökonomie (D-MTEC) der ETH Zürich, an das die KOF angeschlossen ist, stellte dem Institut im vergangenen Jahr exzellente Noten aus. Als Teil des D-MTEC hat die KOF zum starken Wachstumder wirtschaftswissenschaftlichen Forschung an der ETH Zürich in den letzten Jahren beigetragen. Derzeit sind 18 Doktoranden an der KOF und den assoziierten Lehrstühlen tätig.
Die KOF heute
Seit ihrem Bestehen setzt die KOF in der wirtschaftspolitischen Diskussion in der Schweiz Akzente. So hatte sich die KOF bereits im Vorfeld der Intervention der Schweizerischen Nationalbank im September 2011 für die Festsetzung eines Mindestkurses eingesetzt. Seit 2010 betreut die KOF zudem die Plattform «Ökonomenstimme» (www.oekonomenstimme.org
). Dort werden volkswirtschaftliche Fragen diskutiert. Mit inzwischen Hunderten von Autoren und Tausenden Lesern hat sich die Ökonomenstimme einen prominenten Platz in der Informationslandschaft der deutschsprachigen Ökonomenwelt erarbeitet.
Auch nach 75 Jahren Tätigkeit bleibt die KOF ihren Wurzeln treu. Nach wie vor gehören die Konjunkturumfragen bei über 11 000 Unternehmen in der Schweiz sowie Konjunkturprognosen, die Innovationsforschung und die Analyse der schweizerischen Wirtschaftsstruktur zu ihren Kernaufgaben. Hinzu kommt heute eine Vielzahl von neuen Forschungsgebieten wie der Analyse des Zusammenhangs von Terror und Demokratie, der Arbeitsmarktströme zwischen der Schweiz und dem Ausland, dem Einfluss des kulturellen Hintergrunds von Wirtschaftsakteuren auf denHandel. Die bereits in den Anfangsjahren als wichtige Informationsquelle eingerichteten regelmässigen Treffen mit Unternehmen finden auch heute noch unter dem Titel «KOF Wirtschaftsforum» statt.
Fünf Forschungsbereiche
Die KOF umfasst heute fünf Forschungsbereiche: Wirtschaftsprognosen, Konjunkturumfragen, Öffentliche Finanzen, Innovationsökonomik und Bildungssystemforschung. Unterstützt werden diese Forschungsbereiche durch die Lehrstühle für Angewandte Wirtschaftsforschung, für Öffentliche Finanzen und für Angewandte Ökonomie: Innovation und Internationalisierung. (mai)
Für das Jubiläum hat die KOF eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben. Sie kann auf der Jubiläumswebsite der KOF heruntergeladen werden: www.kof.ethz.ch/de/75-jahre-kof/