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Wir schauen selten herum: für uns sind Städte unsichtbar geworden.
Die Städte, die Metropolen, sind die bestimmten Orten einer Kultur, die jeden persönlichen Gegenstand überschritten haben. Die sozialen Beziehungen der Metropolenbewohner sind intellektuell anstatt mündlich und emotional. Die städtischen Beziehungen sind schnell, basierend auf Aussehen und Blicke. Alles ist schnell, hektisch. Selten hat etwas die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit für mehr als ein paar Sekunden zu fesseln.
Und wir haben die Fähigkeit verloren anzuhalten.
Walter Benjamin reflektierte bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über die Ablenkung/ Zerstreuung des Stadtbewohners: müde, gelangweilt, überwältigt von der Flut von visuellen Reizen in der modernen Stadt.
Den urbanen flâneur aufspürend, lobte Benjamin die Kunst des langsamen Gehens in der Stadt als ein Werkzeug für die moderne Stadtplanung und als ein Kampf gegen den schnelllebigen und pulsierenden Takt einer Stadt, die niemals schläft.
Die Figur des Wanderers, einem Dandy gleichend, war komplementär zu einer eher subversiven Vorstellung: derjenigen des Vagabunden/Touristen; der einzige Fähige, den Zustand der aufmerksamen Konzentration zu erreichen, -charakteristisch für den Kunstliebhaber- und mit Achtung die Stadt, deren Architektur, deren Gebäude, Straßen, Menschen zu beobachten.
Um wirklich die Stadt zu sehen, sagte Benjamin, dass der moderne flâneur (ein Wort, welches durch den französichen Dichter Charles Baudelaire eingeführt wurde, um einen Gentlemann zu beschreiben, der durch die Straßen wandert), die Fähigkeit besitzen musste, sich ganz von der Stadt bezaubern zu lassen, ständig in einem Zustand der Ungewissheit zu leben. Nur auf diese Weise würden die Störungen und die Schmerzen, verursacht durch die Entfremdung in einer Großstadt, vergessen.
Benjamins Reflexionen sind sehr aktuell. Die Bewohner unserer modernen Städten scheinen die Fähigkeit verloren zu haben, beobachten zu können, sich bezaubern zu lassen.
Stephan Anastasia, jedoch, ist ein zeitgenössischer flâneur: er verliert sich in seiner Stadt (Basel) und in den Städten, die er besucht und er lebt sie. Er lebt die Städte mit einer anderen Zeit, einer persönlichen Zeit, verlangsamt.
Gemäss Stephan, ist das erste, was wir tun müssen, das wichtigste, nämlich in einer Stadt zu spazieren: das taktile Wissen des städtischen Labyrinth ist die grundlegende Voraussetzung für eine wirkliche Kenntnis der Stadt.
Der erste Schock des Neuen wird durch Gewohnheit ausgelöscht, welche den Abstand zwischen Vorder-und Hintergrund kollabieren lässt, im Sinne, dass die Perspektive verschwindet. Kaum danach finden wir unsere Bezugspunkte, die Landschaft verschwindet plötzlich. Und wenn wir beginnen uns wohl zu fühlen, kann das vorherige Bild nicht mehr wiederhergestellt werden.
Aber für Stephan gibt es jeden Tag eine neue Entdeckung: etwas , was erstaunt; etwas, was am Tag zuvor nicht gesehen worden war.
Es sind nicht gedachte Fotografien, sie sind improvisiert. Aber deswegen sind sie nicht zufällig, im Gegenteil. Alle Perspektiven sind in seinen Fotografien sorgfältig recherchiert, gut durchdacht und nach Jahren der Praxis als Autodidakt erlernt. Es sind keine menschlichen Anblicke, sie sind tiefer. Es ist eine ungewöhnliche Vision, eine die nicht mit dem Takt des Lebens, dass die Menschen heute führen gesehen werden kann.
Wir sind gewohnt, die Außenwelt von oben zu sehen: aus dem Fenster der Straßenbahn, aus dem Fenster des Hauses, aus dem Fenster des Büros, wo wir arbeiten. Stephan gibt uns eine neue Welt zu entdecken.
Mit den Farben ist alles schön und fröhlich, aber auch verwirrend. Schwarz und weiß immobilisiert, setzt Akzente, lässt die Wirklichkeit sehen. Schwarz und weiß braucht kein Schnickschnack oder Aufhebens um ein Thema beschönigen: etwas ist schön, weil wir die Zeit haben, es schön zu sehen und es zu schätzen wissen. Schwarz und weiß wird verwendet, um die Welt zu reduzieren. Es ist ein programmatischer Schrei: geht langsam durch die Stadt und öffnet die Augen, lässt es zu, dass die Außenwelt euch nach innen rutscht!
Stranded ist die Ästhetisierung einer kleinen Tragödie. Eine unbedeutende Tragödie, weil sie für die meisten unbemerkt bleibt. Die Menschen lesen in den Zeitungen über das Hochwasser im Rhein, sie sehen es, wenn sie die Brücke mit der Straßenbahn überqueren aber sie sehen nicht die Tragödie der kleinen Fische, die auf dem Asphalt gestrandet sind.
Es ist nur eine Metapher für das mangelnde Interesse, welches unsere Gesellschaft quält, zu beschäftigt mit gehen, aber wer weiß wohin.
Es ist die Ästhetisierung des Hässlichen durch eine andere Schönheit, ein Tod so sinnlos, gegen die Überbelichtung der Bilder, denen das Individuum heute ausgesetzt ist. Camilla Crescini