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Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
Diese altmodischen Läden, die Haushaltprodukte mit einem Sammelsurium von Leim, Schrauben, Pinseln, Putzmitteln und DIY-Produkten verkaufen, sind am Aussterben, ersetzt vom Angebot der Ketten. Der Käufer ist gezwungen, aus langen Regalen seine Wahl zu treffen. Dort finde ich mich schlecht zurecht. Das Personal kann mich nicht beraten.
Im “Cunningham's Hardware Store” in der Kingston Road werde ich von Jim D. ausgezeichnet bedient und beraten. Seit 1984 führt er dort als Inhaber seinen Laden. Kaum betrete ich seinen Laden, bin ich im “Old Curiosity Shop” aus Dickens' Zeit. Im wirren Durcheinander seines Angebots greift er im Nu genau das, was ich suche aus hochgestapelten Gestellen.
Jim ist 77 Jahre alt. “Sie dürfen deswegen ihren Laden nicht aufgeben", sagte ich und fragte ihn, ob er Nachwuchs habe. “Leider nicht", antwortete er achselzuckend.
Jim wohnt allein im Stockwerk überm Laden. Seine Frau ist vor fünfzehn Jahren gestorben. Nichts, rein gar nichts, hat er seit ihrem Hinschied in der Wohnung verändert. Das Hochzeitsfoto hat seinen Platz auf dem Kaminsims behalten. Das Geschirr ist im Küchenschrank genauso geordnet, wie es seine Frau gepflogen hatte. Einmal in der Woche putzt er die Wohnung, genauso, wie es seine ordnungsliebende Frau getan hatte.
*
Abends setzt er sich an den Tisch in der Küche und wünscht seiner Frau guten Appetit. Nach der gemeinsamen Mahlzeit schaltet er das Radio an und setzt sein imaginäres Gespräch mit seiner Frau, Erika heisst sie, fort. “Zum Wohl”, hebt er das Glas Wein. Die Wanduhr schlägt neun Uhr: Zeit zum Schlafen. Jim sucht das Ehebett auf. Erika folgt ihm, nachdem sie ihre Toilette gemacht hat. Leicht findet Jim seinen Schlaf. Dieses Ritual wiederholt sich alltäglich.
Solche intensive Liebe über den Tod hinweg ist wohl einmalig und erübrigt jeden Kommentar.