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Carlo Ciussi
20. März 2022 – 21 August 2022
Carlo Ciussi (Udine, 1930 – 2012) ist einer der wichtigsten italienischen Künstler des 20. Jahrhunderts: Sein Werk, das die gesamte zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts überspannt und bis ins neue Jahrtausend hineinreicht, hat trotz der großen Vielfalt der Arbeiten, die er in den verschiedenen Perioden seines künstlerischen Schaffens erstellt hat, eine grundlegende Kohärenz bewahrt. Dem Künstler gelang es, gleichzeitig den Strömungen seiner Zeit nahe und autonom in seinem unablässigen Forschen zu sein. Die Ausstellung bietet die Gelegenheit zu einer umfassenden Lektüre seines Œvre und ermöglicht es, die Geschichte des Künstlers nachzuvollziehen.
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und bietet ab 1965 – nach der ersten Teilnahme an der Biennale in Venedig 1964 – bis ins Jahr 2012 einen Überblick über die verschiedenen Phasen seines künstlerischen Schaffens.
Die 27 ausgestellten Werke stehen exemplarisch für die entscheidenden Etappen in Ciussis Entwicklung: Die frühen Arbeiten, in denen die geometrische Aufmachung des Bildes in grau-schwarzen Tönen im Vordergrund steht, – darunter III.65 (1965), das zur Sammlung der Ghisla-Stiftung gehört und später mit Farben gefüllt wurde – gefolgt von seiner sich über mehrere Jahrzehnte erstreckenden Weiterentwicklung bis hin zu seinen jüngsten Arbeiten.
Einige seiner Gemälde waren in den 1960er Jahren in den ersten Mailänder Ausstellungen der Galleria Stendhal zu sehen; andere, wie XLI (1967), in der wichtigen Ausstellung, welche die Galerie Paul Facchetti für Ciussi 1967 in Paris sowie 1971 in Zürich, in den Räumlichkeiten der Galerie, ausrichtete. Ebenfalls 1967, auf der 9. Biennale von Sao Paolo in Brasilien wurde XXIII ausgestellt, um 1974 anlässlich der ersten Retrospektive, die dem Künstler im Palazzo Torriani in Gradisca d’Isonzo gewidmet war, erneut gemeinsam mit den anderen Bildern präsentiert zu werden.
Nach zwanzig Jahren, in denen sich Ciussis Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Geometrie zu richten schien, nimmt in den 1970er Jahren in seinem Werk die Farbe eine zentrale Rolle ein, mit einer Vereinfachung der Geometrie zu fluktuierenden rechteckigen Figuren, wie in den Werken XXIV (1976) und XXX (1979); dieser Übergang ermöglicht es, sich bewusst zu machen, wie wichtig die Farbe für den Künstler bereits in seinen früheren Forschungen war. In den 1980er und 1990er Jahren taucht die dynamische Energie eines schlangenförmigen Zeichens auf, zu sehen in aus 1990 stammenden Gemälden. Ab 1995 tritt ein kantiges Zeichen auf, zu beobachten in Werken wie Struttura (1995), einem selbsttragenden dreidimensionalen Werk. Nachdem der Künstler 1986 mit zwei Skulpturen an der Biennale von Venedig teilgenommen hatte, waren wichtige Momente der Synthese die anthologische Ausstellung im Museo Revoltella in Triest im Jahre 1997 und 1998 dann die Einzelausstellung im Esslinger Kunstverein Villa Merkel in Deutschland.
Im neuen Jahrtausend nimmt Ciussi in seinen Arbeiten die zerlegten Quadrate wieder auf – wenn auch auf radikal neue Weise, aufgeladen durch all die Jahre, die er dem Studium der Farbe und der Analyse der bildnerischen Mittel gewidmet hatte. Sie tauchten bereits 1965 in seinen Gemälden auf und dann erneut in 2005, wie in Senza titolo (Ohne Titel), das ebenfalls zur Sammlung der Ghisla-Stiftung gehört.
Zu Beginn der 2000er Jahre gab es viele große Anthologie- und Retrospektivausstellungen, sowohl in Italien als auch im Ausland. Wichtige Ausstellungen fanden 2005 im Palazzo Isimbardi in Mailand statt, 2007 im historischen Palazzo dei Sette in Orvieto sowie 2009 in Deutschland, im Neuen Kunstverein in Aschaffenburg, und Österreich, in den Stadtgalerien von Klagenfurt. Im selben Jahr wurde er mit seinen Werken zur Ausstellung Temi & Variazioni in die Peggy Guggenheim Collection in Venedig eingeladen, während er 2005 bereits eine großformatige Skulptur auf der Piazza della Scala in Mailand ausgestellt hatte.
Seine Forschungen erstrecken sich schließlich auf die Möglichkeit, die Quadrate selbst zu füllen, wie in „Ohne Titel“ aus 2009, oder die Oberfläche des Gemäldes anzukratzen, wie in den jüngsten Werken aus 2011 und 2012, die zum ersten Mal in der anthologischen Ausstellung im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in der Casa Cavazzini in Udine zu sehen waren.