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Der Begriff P. (franz. denier, ital. denaro) bezeichnet sowohl eine Münze als auch eine Recheneinheit und eine Gewichtseinheit (Denier). Der dt. Ausdruck P. (altengl. penning) ist vermutlich vom fries. panding (Pfand) abgeleitet. Denier und denaro leiten sich vom lat. denarius ab. Als Recheneinheit ist der P. die Basis des karoling. Münzsystems (1 Pfund=20 Schilling=240 P.), das in der Schweiz bis ins 19. Jh. Verwendung fand. Als Gewichtseinheit ist der P. (Richtpfennig) eine Untereinheit der Mark.
Vom 8. bis ins 13. Jh. waren der P. und sein seltenes Halbstück (lat. obolus) die einzigen geprägten Silbermünzen. In karoling. Zeit wurde der P. in mehreren Münzstätten des fränk. Reichs mit gleichem Gewicht und Feingehalt hergestellt (Münzprägung). Ab dem 10. Jh. ist eine Regionalisierung festzustellen, die sich auch auf die Machart der Münzen auswirkte. Im deutschsprachigen Teil der Schweiz (ab Ende 12. Jh.) und zeitweise auch in Freiburg und Neuenburg (14. und 15. Jh.) entwickelte sich der zweiseitige Denar zum dünnen, nur einseitig geprägten P. (Brakteat). Im Gegensatz zu den zweiseitigen Münzen trugen diese einseitigen P.e in der Regel keine Umschrift (sog. stumme Darstellungen). Da die Verbreitung der Münzen mit verschiedener Machart in etwa den Sprachregionen entsprach, verwies der Ausdruck P. ab dem Ende des 12. Jh. in der Regel auf einseitig geprägte Münzen, während mit denier (franz.) und denaro (ital.) zweiseitige Münzen gemeint waren. Diese Prägungen zirkulierten im SpätMA in mehr oder weniger abgeschlossenen Währungsgebieten und überschritten deren Grenzen nur selten.
Ab dem 13. Jh. wurden vermehrt Halbstücke (Obole oder später Hälblinge) des P.s geprägt. Deren Namen gehen in der deutschsprachigen Schweiz oft auf ein Element des Münzbilds (z.B. Stäbler auf den Baslerstab) oder fremde Münzsorten (z.B. Haller in Anlehnung an den süddt. Heller) zurück. Ab dem 14. Jh. sind die Halbstücke in diesem Gebiet kaum noch von den durch Gewichts- und Feingehaltsreduktion entstandenen leichten P.en zu unterscheiden. Gleichzeitig wurde hier der Hälbling oft anstelle des P.s zur Grundeinheit des Münzsystems. Neben diesen Stäbler- und Hallerwährungen sind auch solche bekannt, die auf dem doppelten P., dem Angster, beruhen. Die West- und Südschweiz waren von dieser Entwicklung nicht betroffen.
Vor allem im Reich wurden ab dem 14. Jh. P.e als Mehrfachwerte geprägt. Der Bf. von Lausanne und die Stadt Freiburg liessen trésels und sesens prägen, in der Südschweiz (Misox, Bellinzona) wurden trilline, quattrini und sesini geschlagen, in der deutschsprachigen Schweiz neben Zweiern auch Vierer, Fünfer und Sechser. Der fort entsprach in der Westschweiz anderthalb P., der quart (Viertel eines Groschen) drei P.en Sehr zahlreich waren in der Deutschschweiz die Äquivalente des halben (Stäbler, Haller) oder doppelten P.s (Angster, Rappen).
In der frühen Neuzeit prägten versch. Münzherrschaften der deutschsprachigen Schweiz (Stadt und Bistum Chur, Schaffhausen, Stadt und Abtei St. Gallen, Appenzell Innerrhoden) sowie Freiburg weiterhin einseitige P.e, während Genf vereinzelt zweiseitige deniers schlug. Im 19. Jh. wurde der P. endgültig vom Rappen verdrängt, nur noch die Ostschweizer Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden prägten P.e.
Im SpätMA nahm die Bezeichnung P. zusätzlich die Bedeutung von Münze oder sogar Geld an. So wurde z.B. dem Kaiser der Steuerpfennig geschuldet, und die Kirche zog den Peterspfennig ein; 1495 wurde der Gemeine Pfennig als Reichssteuer eingeführt. Die ersten grösseren Silbermünzen, die ab 1482 in Bern geprägten Dicken, wurden von den deutschsprachigen Zeitgenossen als Dick-P.e bezeichnet.
Literatur
– Wb. der Münzkunde, hg. von F. von Schrötter, 1930, 128-131, 506 f.
– Von Aktie bis Zoll, hg. von M. North, 1995, 79 f.
Autorin/Autor: Daniel Schmutz, Benedikt Zäch