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Kino | La teta asustada
Publiziert am 07. Oktober 2009
Publiziert am 07. Oktober 2009
Synopsis: Die junge, bildhübsche Fausta (Magaly Solier) leidet an der Krankheit «La teta asustada» (Die verängstigte Brust), ein in Peru bekanntes Syndrom, das für den Schrecken steht, den vergewaltigte oder misshandelte Frauen während dem Terror zwischen den 70er und 90er Jahren über die Muttermilch an ihre Kinder übertragen haben. Der Krieg ist beendet, aber Fausta wird von den Erinnerungen daran verfolgt, weil die «Krankheit der Angst» ihr die Seele genommen hat. Der plötzliche Tod ihrer Mutter zwingt sie dazu, sich ihren Ängsten und dem Geheimnis zu stellen, das sie in ihrem Inneren versteckt: Sie hat eine Kartoffel in ihre Scheide eingeführt, als Schutzschild, so dass niemand es wagt, sie zu berühren. Fausta lebt bei ihrem Onkel in einem Armenviertel am Rande Limas. Ihre tote Mutter möchte sie in der andinen Heimat, in ihrem Dorf begraben, doch sie hat kein Geld für den Transport. Als Hausmädchen bei einer wohlhabenden weissen Dame erhält sie die Chance, die Mittel aufzutreiben – und noch viel mehr als das … Regie & Crew: Die Drehbuchautorin und Regisseurin Claudia Ilosa Bueno wurde 1976 in Lima geboren. Nach ihrem Universitätsabschluss der Kommunikationswissenschaften in Peru, absolvierte sie einen Studiengang für Drehbuch und Film in Spanien. Zunächst arbeitete sie in der Werbung und beim Fernsehen für verschiedene peruanische und ausländische Firmen, bis sie sich mit dem überaus erfolgreichen Film «Madeinusa» (2005) in den Bereich des Kinos begab. Mit ihrem zweiten Spielfilm «La teta asustada» gewann sie in Berlin den Goldenen Bären und den Preis der internationalen Filmkritik.
art-tv-Wertung: Mit langen Einstellungen, die sich auf die Figuren konzentrieren, zieht der Film «La teta asustada» den Zuschauer in seinen Bann, und überlässt es ihm selbst, die Spuren und Wunden des Krieges in den Gesichtern der Menschen herauszulesen. Doch Claudia Ilosa Bueno scheint es hier vor allem um den Heilungsprozess und der Wiederherstellung eines gesunden Selbstwertgefühls zu gehen. Dabei verliert der Film sich jedoch nicht in einem Einzelschicksal, sondern vermag auch immer wieder Parallelen auf die Ebene des kollektiven Leids aller Opfer dieses Krieges herzustellen. Der Prozess der jungen Fausta lässt sich somit auch auf die schwierige Epoche übertragen, die ganz Peru durchmacht nach einer dunklen und schwierigen Epoche, wo während Jahrzehnten Angst, Vergewaltigung und Ignoranz regierten. Und auch auf dieser Ebene bleibt der Film lobenswerterweise nicht haften. Losgelöst von den Schrecken des Krieges in Peru, vermag er allgemein zu einer selbstkritischen Reflektion über die eigenen Verteidigungsmechanismen und die Möglichkeiten eines Umgangs mit psychischen Verletzungen anzuregen. Fazit: «La teta asustada» ist eine Reise aus der Furcht in die Freiheit und zu sich selber, die vom verborgenen Schmerz erzählt und dies in einer von der ersten Einstellung an radikalen Form.
Isabel Bures
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