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Wo die Risiken in China lauern
Wieder einmal herrscht Katerstimmung – dieses Mal wird sie von China ausgelöst. Die Probleme in China unterscheiden sich aber deutlich von der Asienkrise 1997 und der globalen Finanzkrise 2007.
Wieder einmal treibt die Angst vor einer Finanzkrise umher – diesmal betrifft es China. Die Blase am dortigen Immobilienmarkt ist geplatzt, und als Folge davon ist die Bautätigkeit eingebrochen. Erste Immobilienentwickler sind in finanzielle Schieflage geraten. Einzelne Schattenbanken können die Finanzprodukte nicht mehr bedienen. Dies führt wiederum dazu, dass die Aktienkurse unter Druck geraten und die Regierung die eigene Währung – den Renminbi – stützen musste.
Dieser Krisenverlauf erinnert stark an die vergangenen zwei Finanzkrisen 1997/98 (Asienkrise) und 2007/08 (US-Immobilienkrise). Ihnen gemeinsam ist, dass alle drei Krisen sich in einer Phase abspielten, in der die US-Notenbank die Geldpolitik gestrafft hat. Dennoch unterscheidet sich die aktuelle Immobilienkrise deutlich von früheren Krisen. Das hat zwei Gründe: Erstens ist Chinas Finanzsektor weitgehend abgeschottet, die Gefahr einer internationalen Ansteckung ist deshalb viel weniger gross als 1998 und 2008. Und zweitens ist der Hypothekenmarkt praktisch vollständig ein Binnengeschäft, ausländische Anleger sind nur sehr begrenzt investiert.
Wichtig zu wissen ist auch, dass Chinas Banken unter staatlicher Kontrolle sind. So kann der Staat die Krise besser eindämmen und dafür sorgen, dass das Finanzsystem nicht kollabiert. Bereits sind erste Massnahmen initiiert worden, um das angeschlagene Immobiliengeschäft wieder anzukurbeln. So hat eine erste Metropole die Hypothekarbedingungen gelockert. Zusätzlich wollen mehrere Staatsbanken die Zinsen für bereits bestehende Hypotheken lockern. Der zu Ende gegangene Boom geht einher mit einer Zunahme der Verschuldung, vor allem über Bankkredite und Finanzierungen von Schattenbanken.
Heute ist China bezüglich Schulden bereits auf Augenhöhe mit den Industrieländern (vgl. Grafik). Das ist untypisch für Schwellenländer, wie etwa das Beispiel von Indien zeigt. Schwellenländer haben eine geringere Schuldentragfähigkeit, ein weniger solides Finanzsystem oder eine geringere Bonität.
Im Gegensatz zu früheren Krisen in Schwellenländern hat China dank hohen Leistungsbilanzüberschüssen und grossen Währungsreserven die finanziellen Mittel, um die Krise zu meistern. Dennoch wird die Immobilienkrise nicht spurlos an der restlichen Welt – und damit auch an der Schweiz vorbeigehen. Die Folgen davon betreffen hauptsächlich ein niedriges Wachstum der Weltwirtschaft, eine schwächere Nachfrage nach Exporten aus der Schweiz und sinkende Preise für Roh- und Baustoffe.
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