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Gwangju (-> Wikipedia) ist eine 1.4 Millionen-Stadt. Heute werden wir aber Schulen ausserhalb, im ganzen Südwesten Südkoreas besuchen und erst am Abend für ein Seminar an der Gwangju University of Education (GNUE) wieder in die Stadt zurückkehren. Ein Lehrer, der jetzt ein Masterstudium an der GNUE macht, hat einen Kleinbus aufgetrieben und fährt uns jetzt den ganzen Tag über mehrere hundert Kilometer von Schule zu Schule.
Durch eine schöne Gegend mit bewaldeten Hügeln und Reisfeldern fahren wir nach Mokpo (-> Wikipedia), einer Hafenstadt mit einer Werft von Hyundai. Wir besuchen hier eine „affiliated school“ der GNUE, die Mokpo Elementary School (-> Website, koreanisch).Die Schulbesuche verlaufen meist nach einem ähnlichen Muster.
Schon am Eingang werden wir mit Plakaten begrüsst.Danach wird im Büro des Principals, das immer sehr gross ist und über ein Sitzgruppe verfügt, Tee serviert, man stellt sich gegenseitig vor und plaudert etwas.In diesem Fall haben wir auch nachgefragt, was denn auf all den Zetteln im Hintergrund stehe.Der Lehrer, der uns nachher die Schule zeigen wird, erklärt uns, dass es ein „Dreamboard“ sei. Schülerinnen und Schüler konnten hier aufschreiben, welche ihrer Träume schon in Erfüllung gegangen sind. Hintergrund ist die „Happiness Education“, man möchte Schülerinnen und Schüler dazu anregen, auch darüber nachzudenken, wann und warum sie glücklich sind. „Ein Fussballspiel gewinnen“ oder „den Principal begrüssen“, sind solche Wünsche, die schon in Erfüllung gegangen sind.
Nachher werden uns die Ziele der Schule und ihre Struktur, meist mit Powerpoint erläutert, dann besichtigen wir die Schule und können Klassen beobachten, schliesslich folgt eine (meist sehr kurze) Question & Answer-Session, bei der wir nochmals Fragen stellen können.
Das Motto der Schule steht schon über dem Eingang:Die Mokpo-Elementary hat 476 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse und 37 Lehrpersonen, die alle Vollzeit arbeiten und an einer Klasse sämtliche Fächer (d.h. auch Musik, Sport, Kochen usw.) unterrichten. Ein Tagesablauf sieht folgendermassen aus:
- Nach dem Eintreffen lesen alle Schülerinnen und Schüler bis 08:50 Uhr. Dem Lesen wird ohnehin ein grosser Stellenwert eingeräumt, alle Schülerinnen und Schüler müssen in einem Jahr 50 Bücher lesen.
- 08:50 – 09:00 folgt eine Schulfernseh-Übertragung, z.B. eine Rede des Principals. Die Schule hat ein eigenes Studio.
- 09:00 – 10:40 Unterricht in Klassen
- 10:40 – 11:20 Unterbruch mit Lunch und gemeinsamen Gymnastikübungen
- 10:40 – 14:00 Unterricht in Klassen
- 14:00 – 16:30 Extracurriculare Aktivitäten
Als Spezialitäten der Schule werden uns genannt: das gute Benehmen der Schülerinnen und Schüler, auch gegenüber Kolleginnen und Kollegen, das sich höflich Begrüssen (Bild links), Sport (mit Schwimmen im Sommer und Schlittschuhlaufen im Winter) und das „3 step thinking program“: Problem analysieren, miteinander Lösungen finden, sich die Lösungen gegenseitig vorstellen). Weitere wichtige Punkte sind das Leseprogramm, das Kunstprogramm (v.a. Bildnerisches Gestalten), das „Career education program“, bei dem man sich Ziele setzt (Pilot, Lehrerin) und zur Einsicht gelangt, dass dafür sehr hartes Lernen nötig ist und schliesslich die verschiedenen extracurricularen Aktivitäten, für jede Altersstufe wird etwas anderes angeboten.
Danach machen wir einen Rundgang mit dem englischsprechenden Lehrer. Vor allem im Bereich Kunst und Sport haben wir den Eindruck, die Zeit könnte intensiver genutzt werden. Die Schüler machen zwar Weitsprung aus dem Stand, aber wer nicht gerade am Springen ist, wartet einfach. Hier im Format .mov eine Sequenz aus einer Singstunde (alle Lektionen finden mit dem Klassenlehrer statt, Musik gehört zu den extracurricularen Aktivitäten, aber Singstunden sind in den Stundenplan integriert): Singstunde.mov
Die Fächer Sprache und Mathematik finden tendenziell im Klassenunterricht, in sehr geordnetem Rahmen und „frontal“ statt:Bei freieren Aktivitäten wie dem Produzieren eines Tricksfilms mit Knetfiguren, Smartphones und Tablets, ist der Geräuschpegel zum Teil recht hoch und wir kommen schnell in Kontakt mit den Kindern. Weil die Zimmer gegen den Korridor alle offen sind, ist der Geräuschpegel zum Teil recht hoch, uns würde es beim Unterrichten ablenken, Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen hier nehmen den Lärm aber kaum zur Kenntnis.Debattieren, das hören wir diese Woche an verschiedenen Orten, hat einen hohen Stellenwert. Für den Schülerrat wurde eigens ein Zimmer eingerichtet. Der Lehrer steht hier hinter seinem Stuhl, wo er den Rat coacht, Präsidium und Vizepräsidium (vorne) und die Stühle der Abgeordneten sind für die Schülerinnen und Schüler. Gerne hätten wir einmal eine solche Debatte verfolgt. Unser Eindruck bei Diskussionen mit Studierenden und Lehrerbildnern ist, dass die Diskussionskultur wenig ausgeprägt ist und man sich im Zweifelsfall nach der Autorität richtet. Die Question and Answer-Session lassen wir heute aus, der Minibus wartet schon, wir werden in der nächsten Schule erwartet, das Gruppenbild fällt deshalb auch etwas hastig aus: