Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03395.jsonl.gz/797

| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Elftes Buch
3. Niemand versteht, was Moses über die Schöpfung geschrieben, es sei denn, daß Gott ihn erleuchte.
Ich will nun hören und verstehen, wie du geschaffen hast "im Anfange Himmel und Erde"1. So hat Moses geschrieben; er hat es geschrieben und ist geschieden, ist hinübergegangen von hinnen von dir zu dir und ist nun nicht mehr vor mir. Denn wäre er noch hier, so würde ich ihn festhalten und ihn fragen und ihn bei dir beschwören, daß er mir diese Worte erkläre; und meine Ohren würden lauschen auf die Worte, die seinem Munde entströmten. Wenn er aber hebräisch spräche, so würde er vergebens an mein Ohr anklopfen, und ich würde nichts verstehen; doch spräche er lateinisch, so wüßte ich wohl, was er meinte. Doch woher soll ich wissen, daß er die Wahrheit spricht? Und wenn ich dies wüßte, wüßte ich es dann wohl von ihm? Denn [S. 274] innen in der Wohnstätte meiner Gedanken würde mir die Wahrheit, nicht in hebräischer, nicht in griechischer, nicht in lateinischer, nicht in einer anderen fremden Sprache, sondern ohne das Mittel von Mund und Zunge und ohne den Schall der Silben sagen: "Er redet die Wahrheit", und ich würde vertrauensvoll sofort deinem Diener sagen: "Du redest die Wahrheit". Da ich nun ihn nicht fragen kann, so flehe ich zu dir, o Wahrheit, so flehe ich zu dir, o mein Gott, denn von dir erfüllt, hat er die Wahrheit gesprochen: Sieh nicht auf meine Sünden, und wie du es deinem Knechte verliehen hast, die Wahrheit auszusprechen, so laß mich sie verstehen.
1: Gen. 1,1.