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Es wird davon ausgegangen, dass unabhängig von der tatsächlichen Staatsform die prägenden ökonomischen Bedingungen des Massenwohnungsbaus gleichbleibend sind und sich die daraus resultierenden architektonischen Diskurse ähnlich abspielten. Dazu gehören die Debatten über die Ästhetik oder das Generische und Alltägliche. Zentral ist nicht nur die Frage der Planbarkeit oder ob die Entwicklung lenkbar und damit die Zukunft kontrollierbar gemacht werden kann, sondern auch die Frage nach der Wissenschaftlichkeit. Können Erhebungen und Umfragen, Standards und Normen die Lebensqualität der Bewohner verbessern und deren Lebenswandel beeinflussen?
Ziel ist eine komparative und systemübergreifende Analyse der Verhältnisse zwischen den am Wohnungsbau beteiligten Akteuren, also den staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen, den Architekten und Planern, den Bewohnern und Theoretikern. Bauten und Diskurse dieser architekturgeschichtlich kurzen Phase, begrenzt vom Wirtschaftswachstum und dessen Ende, sowie deren Nachwirken bis heute sollen untersucht werden. Darüberhinaus soll das sozioökonomische Unterfangen Massenwohnungsbau als Teil der Architekturgeschichtsschreibung verankert werden.
Gegenwärtige Entwicklungen wie die Erosion der westlichen Wohlfahrtstaaten, der fast gänzliche Ruckzug der öffentlichen Hand aus dem Wohnungsbau in den postsozialistischen Staaten und die rapide Urbanisierung der Schwellenländer berühren das Forschungsprojekt unmittelbar. Die heute wieder akut gewordene Wohnungsfrage macht es möglich, die wohnungspolitischen und zugleich gestalterischen Experimente der Nachkriegszeit aus neuer Perspektive zu untersuchen und Zusammenhänge darzustellen, die für die jüngere Vergangenheit bisher schwer zugänglich waren.