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Eine Schweizer Gemeinde plante ein Hochaus-Bauprojekt mit rund 100 neuen Wohnungen. Angesichts der Bevölkerungszahl stellt dies einen wesentlichen möglichen Zuwachs durch Zuzügerinnen und Zuzüger dar. Die Gemeinde besitzt zu diesem Zeitpunkt ein Primarschulhaus mit Kindergarten. Die Oberstufe besuchen die Kinder in den umliegenden Gemeinden. Vor der Abstimmung zum Zonenplan wurde Wüest Partner beauftragt abzuschätzen, ob die Überbauung zusätzlichen Schulraumbedarf auslöst.
Innovative Schülerprognose von Wüest Partner
Schülerprognosen bedürfen Abschätzungen zur Bautätigkeit. In diesem Fall lagen konkrete Angaben vor:
- Anzahl Wohnungen,
- Anzahl Zimmer pro Wohnung,
- Wohnfläche in m2 pro Wohnung,
- Wohneigentumstyp (Miet- oder Eigentumswohnungen).
Zudem handelt es sich um ein Hochhaus, was eine spezielle Typologisierung ist. Als Datengrundlage für diese Gemeinde wurden Schweizer Haushaltsdaten, welche vergleichbar mit Zuzüger:innen in neue Hochhäuser sind, verwendet. Die untersuchten Daten erfüllten die folgenden Kriterien kumulativ:
- die Wohnung befindet sich in einem Hochhaus,
- der Haushalt wohnt in einer Mietwohnung,
- das Hochhaus steht nicht in einer der sechs grössten Städte der Schweiz, da diese soziodemografisch weniger vergleichbar sind mit der Gemeinde und
- die befragten Personen wohnen seit maximal 5 Jahren in der Gemeinde, somit kann der Haushalt als neuzugezogen betrachtet werden.
Die für die Anwendung relevanten 459 Haushalte der Datenbasis wurden im Rahmen der Strukturerhebung in den Jahren 2015 bis 2019 durch das Bundesamt für Statistik (BFS) befragt. Von diesen Haushalten ist bekannt, wie viele Zimmer und welche Wohnfläche die jeweiligen Wohnungen haben. Ebenfalls bekannt ist, wie viele Kinder im Alter zwischen 5 und 15 Jahren dort wohnen.
Ergebnisse der Schülerprognose durch Wüest Partner
Den Zusammenhang zwischen Kinderzahl, Zimmerzahl der Wohnung und Wohnfläche ermittelt Wüest Partner mit etablierten statistischen Methoden. Konkret wenden wir eine «weighted least square»-Regression an. Den so berechneten Zusammenhang zwischen Kinderzahl, Anzahl Zimmern und Wohnfläche wenden wir auf den Wohnungsspiegel des Hochhauses an. So können wir für jede Wohnung in Abhängigkeit der Zimmerzahl und der Wohnfläche schätzen, wie viele Kinder im Kindergarten- oder Primarschulalter einziehen werden. Die Anzahl der Kinder dividieren wir durch 11 Jahre und multiplizieren den Wert mit 8, um die Anzahl Kinder in den 8 Jahren von Kindergarten und Primarschule zu erhalten. Das Ergebnis wird in der nächsten Tabelle jeweils für die Summe eines Wohnungstyps ausgewiesen.
Mittels dieser Methodik schätzt Wüest Partner, dass 7 Kindergarten- oder Primarschulkinder in das Hochhaus einziehen werden: In den 31 Wohnungen mit 3.5 Zimmern dürften insgesamt 3 Kinder wohnen. In den 8 Wohnungen mit 4.5 Zimmern sowie in den 52 Wohnungen mit 2.5 Zimmern dürften je 2 Kinder wohnen. Eine Sensitivitätsanalyse zeigt, dass die wahrscheinliche Anzahl Kinder auch bei rund 50% weniger oder 100% mehr liegen könnte. Das heisst, die Spannweite der geschätzten Ergebnisse reicht von 4 bis 15 Kinder, wobei 7 die Punktschätzung innerhalb dieser Spannweite darstellt.
Über die Anzahl Kinder und die Anzahl Wohnungen lässt sich eine Quote ermitteln, die sich dann mit der Quote der Gemeinde vergleichen lässt. Daraus kann bestimmt werden, ob das neue Wohnbauprojekt mehr oder weniger Kinder in Relation zur Anzahl Haushalte in der Gemeinde bisher beherbergen wird. Im Fall dieses Hochhauses, handelte es sich um weniger Kinder pro Haushalt im Vergleich zur Gemeinde, was grundsätzlich sinnvoll ist. Denn der Zugang zu Grünflächen ist eingeschränkt und in Hochhäusern werden tendenziell kleinere Wohnungen geplant.
Was bedeuten die Ergebnisse für den Schulraumbedarf?
Wüest Partner schätzt, dass 7 Kindergarten- und Primarschüler:innen im neuen Hochhaus leben dürften. Die in diesem Mass erwartete Zunahme der Anzahl Kinder durch den Neubau allein bedingt keine Erweiterung des Schulraums. Für eine abschliessenden Beurteilung des Schulraumbedarfs sind noch andere Entwicklungen zu bedenken. Namentlich sind weitere Bauprojekte sowie die heutige Auslastung der Schulzimmer relevant, zumal die Bildung in kleineren Gemeinden durch Sprungfixkosten gekennzeichnet ist. Gemäss dem Kenntnisstand von Wüest Partner präsentiert sich die aktuelle Grösse der Schulklassen in der Gemeinde jedoch so, dass ein leichter Anstieg der Schülerzahlen weder den Neubau eines zusätzlichen Schulhauses noch den Ausbau an Primarschullehrpersonen bedarf.
Die Resultate der innovativen Schülerprognose von Wüest Partner und die Beurteilung ermöglichen einer Gemeinde Planungssicherheit.
Schülerprognosen geben Planungssicherheit
Bei der Entwicklung und Planung von Bauarealen für Wohnliegenschaften fallen für Gemeinden eine Vielzahl von Fragen an. Dazu gehören neben den infrastrukturellen, finanziellen und steuerlichen Fragen immer auch Soziodemografische, da all diese Faktoren in Wechselwirkung zueinander stehen.
Je nach Grösse des Bauprojektes und damit der Anzahl Zuzügerinnen und Zuzüger stellen sich infrastrukturelle Fragen, insbesondere auch in der Schulraumplanung. So könnte das Wohnbauprojekt dazu führen, dass eine zusätzliche Schule gebaut werden muss, da die Kapazitäten bereits zuvor ausgeschöpft waren. Dies würde dann auch eine Nachfrage nach Schulpersonal auslösen. Um diese Planungsunsicherheit bei Wohnbauprojekten zu reduzieren, hat Wüest Partner eine innovative Methode zur Schülerprognose entwickelt.
Autor: Jürg Schläpfer, WüestPartner