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News
21-Gen-Test prädiktiv für den Nutzen einer Chemotherapie
Oncotype DX® bei frühem Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs
WIEN – Vier grosse Studien zeigen, dass der Gentest Oncotype DX® in einer breiten Patientinnenpopulation mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs unabhängig vom menopausalen und nodalen Status verlässlich ist. Laut aktueller Datenlage brauchen Frauen mit einem niedrigen Recurrence Score (RS) keine adjuvante Chemotherapie, fasste Professor Dr. Christy Russell, USA, an einem Symposium* im Rahmen der
15. St. Galler Brustkrebskonferenz zusammen.
Oncotype DX® ist ein auf Reverse-Transkription-PCR basierender 21-Gen-Test. Er wird mit fünf internen Referenzgenen kalibriert und misst die Aktivität von 16 für die Tumorbiologie relevanten Genen (Ki-67, ER, PR, HER2 und andere).1 Aus den gewichteten Genexpressionsdaten wird ein Recurrence Score® (RS) im Bereich 0–100 errechnet. Dieser ist prognostisch für das individuelle Fernrezidiv-Risiko und kann auch zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante Chemotherapie herangezogen werden.
In der Validierungsstudie NSABP B-20 bei nodalnegativen, ER-positiven Patientinnen wurde in drei Risikogruppen eingeteilt: niedrig (0–17), mittel (18–30) und hoch (31–100). In dieser Studie profitierten nur Hochrisikopatientinnen von einer zusätzlichen Chemotherapie, bei den beiden anderen Risikogruppen war kein Nutzen ersichtlich.
Daten aus grossen prospektiven Studien
In der TAILORx-Studie wurden 10 253 nodalnegative Patientinnen risikoadaptiert behandelt.2 Wegen Bedenken einer potenziellen Untertherapie in der Intermediate-Risk-Gruppe wurden die RS-Grenzwerte adaptiert auf < 11, 11–25 und > 26. Diese Grenzwerte spiegeln die oberen Konfidenzintervalle aus der Validierungskurve der NSABP-B-20-Studie für ein Rezidivrisiko von 10 % bzw. 20 % wider, erläuterte Prof. Russell. Patientinnen mit einem RS < 11 erhielten eine alleinige endokrine Therapie und hatten damit ein ausgezeichnetes Ergebnis. Das 5-Jahres-Fernrezidiv-freie Überleben betrug 99,3 %, die Fernrezidiv-Rate also nur 0,7 %. Prof. Russell betonte, dass weder Alter noch Tumorgrad oder -grösse einen Einfluss hatten. Die Ergebnisse der Intermediate-Risk-Gruppe, die randomisiert endokrine Therapie mit oder ohne Chemotherapie erhielt, liegen noch nicht vor.
In die PLAN-B-Studie wurden über 2600 nodalnegative Frauen mit hohem Rezidivrisiko nach pathologischen Kriterien und nodalpositive Patientinnen (N1–3) eingeschlossen.3 Insgesamt 348 Frauen (N0–3) hatten einen RS ≤ 11 und erhielten ausschliesslich endokrine Therapien, während jene mit RS > 12 oder stärkerem Lymphknotenbefall (N4+) auch eine Chemotherapie erhielten. Für die RS ≤ 11-Gruppe merkte Prof. Russell an, dass hier auch Fälle mit hohem Ki-67-Index vertreten waren. Das 5-Jahres-krankheitsfreie Überleben war für die Gruppen mit RS ≤ 11 und RS 12–25 identisch und betrug 94 %. Prof. Russell hält deshalb auch für die Intermediate-Risk-Gruppe mit RS 12–25 und N0 oder N1 eine Übertherapie beim Einsatz von Zytostatika für möglich. Weitere Auswertungen dazu werden noch 2017 erwartet.
Einsatz in der
klinischen Praxis
Eine Auswertung des amerikanischen SEER-Registers mit 38 568 Patientinnen der Altersgruppe 40–84 Jahre (N0, HR+, HER2-) fand bei 55 % der Fälle einen niedrigen RS (< 18). In dieser Gruppe wurde ohne Chemotherapie eine sehr niedrige 5-Jahres-brustkrebsspezifische Mortalität von 0,4 % verzeichnet.4 Ähnliche Ergebnisse gibt es auch aus dem israelischen CLALIT-Register, bei dem eine Testung mit Oncotype DX® und Therapie gemäss des RS verpflichtend waren – also bei RS<11 keine Chemotherapie.5 Die 5-Jahres-Fernrezidiv-Rate betrug bei nodalnegativem Status oder Befall eines Lymphknotens mit Mikrometastasen (N0 und N1mic) ohne Chemotherapie für RS< 11 nur 0,9% und war in der Gruppe RS 11–25 mit 1,4% nur geringfügig höher.
Hoher Evidenzlevel
Professor Dr. Joseph Gligorov, Paris, stufte Oncotype DX® im Vergleich mit anderen Multigentests als den Test mit dem höchsten Evidenzlevel für klinische Validität und Nutzwert ein. Der Test sei nicht nur prognostisch, sondern auch prädiktiv für den Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie. Anerkannte Guidelines empfehlen Oncotype DX® bei Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs mit Nodalstatus N0 bzw. N1–3.6–9 An der 15. St. Galler Konsensuskonferenz stimmten 94% für die Zuverlässigkeit des Tests zur Vermeidung überflüssiger Chemotherapien bei nodalnegativen Patientinnen. Die neue achte Auflage der AJCC-TNM-Brustkrebs-Klassifizierung 2018 sieht vor, den Oncotype DX® RS<11 in das Tumorstaging einzubeziehen.
*Symposium der Firma Genomic Health: «Genomics in Breast Cancer: Raising the bar with strong evidence»; Wien, 15.3.2017, 10.30–12.00 Uhr
1 Paik S et al. A multigene assay to predict recurrence of tamoxifen-treated, node-negative breast cancer. N Engl J Med. 2004; 351(27): 2817–2826.
2 Sparano JA et al. Prospective Validation of a 21-Gene Expression Assay in Breast Cancer. N Engl J Med. 2015; 373(21): 2005–2014.
3 Gluz O et al. Prospective WSG Phase III PlanB trial: Clinical outcome at 5-year follow up and impact of 21 Gene Recurrence Score result, central/localpathological review of grade, ER, PR and Ki67 in HR+/HER2- high risk node-negative and –positive breast cancer. EBBC 2016. Abstract 8 LBA.
4 Petkov VI et al. Breast-cancer-specific mortality in patients treated based on the 21-gene assay: a SEER populationbased study. npj Breast Cancer 2016; 2: 16017–16026.
5 Stemmer SM et al. Real-life analysis evaluating 1594 N0/Nmic breast cancer patients for whom treatment decisions incorporated the 21-gene Recurrence Score result; SABCS 2015. Poster P5-08-02.
9 Duffy MJ et al. Clinical use of biomarkers in breast cancer: Updated guidelines from the European Group on Tumor Markers (EGTM). Eur J Cancer. 2017; 75: 284–298.
Hinweis:
Webcasts der Vorträge der 15. St. Galler Brustkrebskonferenz und des Satellitensymposiums der Firma Genomic Health sind frei zugänglich auf: http://webcast.oncoletter.ch