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KSOW, 20.02.2017
Lumbale Spinalkanalstenose – wenn es eng wird im Rücken
Bei vielen älteren Menschen führen abnutzungsbedingte Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS) zu einer sogenannten Spinalkanalstenose (SKS), d.h. zu einer Verengung im Wirbelkanal. Das typische Beschwerdebild sind ausstrahlende Schmerzen oder eine Schwäche in den Beinen und eine zunehmende Einschränkung der Gehstrecke. Zuerst werden häufig konservative Therapieoptionen mit ambulanter Physiotherapie, Schmerzmedikamenten und evtl. Infiltrationen (Spritzen) durchgeführt. Bei ausgeprägtem oder zunehmendem Leidensdruck sowie Schwäche oder Gefühlsstörungen, wird – wenn die Röntgenbilder bzw. die Magnetresonanz-Tomographie (MRI) dies bestätigen - eine Operation nötig, damit der verengte Wirbelkanal in der LWS erweitert werden kann.
Die lumbale Spinalkanalstenose (SKS) ist ein Beschwerdebild, welches durch eine Einengung des Spinalkanals durch das umgebende Knochen- und Weichteilgewebe verursacht wird. Typischerweise sind Abnutzungen mit Knochenumbau und -abbau sowie Gelenks- oder Bandverdickungen die Ursache. Gelegentlich zeigt sich auch ein Wirbelgleiten. Diese Spinalkanalverengung kann zu einer Quetschung von Neven und Gefässen im Spinalkanal führen. Die Beschwerden beginnen typischerweise ab dem 50. Lebensjahr, mit zunehmender Häufigkeit mit fortschreitendem Alter.
Beschwerden
Das Leitsymptom ist die sog. Claudicatio spinalis, bei der es nach einer bestimmten Gehstrecke zu ein- oder beidseitig auftretenden Schmerzen im Bereich des Gesässes und der unteren Extremität kommt. Die Beschwerden lassen sich typischerweise durch Gehen oder Stehen mit Aufrichtung der Lendenwirbelsäule (LWS) provozieren. Viele Patienten haben im Sitzen oder im Liegen keine oder nur wenig Beschwerden. Die auftretenden Beschwerden werden in der Regel durch eine Gehpause, Absitzen oder Vorbeugung (z.B. beim Velofahren oder Einkaufswagen schieben), deutlich verbessert. Die Mehrzahl der Betroffenen leidet zusätzlich an Gefühlsstörungen in den Beinen und beklagt eine Gangunsicherheit und ein Schwächegefühl in den Beinen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zusätzlich zu Blasen- und Mastdarmstörungen kommen. Rückenschmerzen sind häufiger Begleiter dieser Beschwerden und Hinweis auf eine mögliche Instabilität der Wirbelsäule.
Abklärung
Die Diagnose wird normalerweise anhand der Patientengeschichte, der beschriebenen Symptome und der körperlichen Untersuchung sowie einer entsprechenden Bildgebung gestellt. Letztere ist im Idealfall eine Magnetresonanz-Tomographie (MRI) oder Computertomographie (CT). Differentialdiagnostisch muss an eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (vaskuläre Claudicatio) und Probleme mit den Hüftgelenken (z.B. Hüftgelenksarthrose) gedacht werden.
Therapie
Die Behandlung, ob konservativ oder operativ, hat neben einer Schmerzlinderung zusätzlich die Verbesserung der körperlichen Mobilität und allgemeinen Lebensqualität zum Ziel. Falls keine Schwäche oder Störung der Urinkontrolle vorliegt, sollte eine konservative Behandlung mittels ambulanter Physiotherapie inklusive Rücken- und Gangschule, Muskelaufbautraining sowie medikamentöser Analgesie erfolgen. Eine Therapie mit Infiltrationen sollten in Erwägung gezogen werden, wenn diese Therapieformen keine Wirkung zeigen.
Wann ist eine Operation nötig?
Eine Operation wird dann empfohlen, wenn die Beschwerden auf die konservative Therapiemassnahmen nicht (mehr) ansprechen oder bei sehr ausgeprägtem Beschwerdebild, wie z.B. einer maximalen Gehstrecke von wenigen Metern, Dauerschmerzen oder zunehmenden Lähmungen und Gefühlsstörungen sowie Blasen- oder Mastdarmfunktionsstörungen.
Als wichtigstes Ziel eines chirurgischen Eingriffes gilt die Dekompression (also Entlastung) der gedrückten Nervenstrukturen im verengten Spinalkanal. Es gibt dabei verschiedene Dekompressionsverfahren, wobei heute meist minimal-invasive Methoden angewendet werden, zu denen auch die „mikrochirurgische“ Mikroskop-assistierte Entlastung zählt.
In speziellen Fällen, z.B. bei zusätzlichem Vorhandensein eines Wirbelgleitens, einer sogenannten degenerativen „Spondylolisthese“ oder einer ausgeprägten Fehlstellung der Wirbelsäule („Skoliose“), muss eine zusätzliche Wirbelkörperblockierung (Fusionsoperation oder „Spondylodese“) der betroffenen Segmente durchgeführt werden. Diese erweiterte Operation, kommt zum Einsatz, wenn die betroffene Stelle im Wirbelkanal instabil ist, d.h. wenn zu viel Bewegung vorhanden ist.
Die Erfolgsrate nach operativer Behandlung liegt zwischen 60 und 96%. Entscheidend für das postoperative Ergebnis sind der Allgemeinzustand des Patienten und sein Aktivitätsgrad. Die schnellstmögliche postoperative Mobilisation und eine frühestmögliche Re-integration in die „Aktivtäten des alltäglichen Lebens“ sind von grosser Bedeutung für einen langfristigen Erfolg. Das Alter per se hat keinen Einfluss auf das klinische Ergebnis nach Dekompression, sodass auch bei über 80-Jährigen mit guten Ergebnissen gerechnet werden kann.
Oliver N. Hausmann
Urs M. Mutter
Oliver P. Gautschi
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