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anschliesst. Die Nordalpen dagegen bestehen zum grössten Teil aus Sedimenten, die im allgemeinen um so jünger sind, je mehr man nach N. vorschreitet. Mit scharfer, einheitlicher Grenze, die fast geradlinig vom Genfersee bis zum Bodensee verläuft, schliessen die alpinen Gesteine mit dem Eocän ab und beginnt das Mittelland mit dem Miocän.
Die einzelnen Systeme und Gesteine sind, nach dem Alter geordnet, folgende:
a) Archæisches Zeitalter (auf der beigegebenen Karte rosa). Die Gesteine, welche diesem Zeitalter zugeschrieben werden müssen, sind zum grössten Teil Gneisse in den verschiedensten Abänderungen, dazu kommen, der Menge nach untergeordnet, Glimmerschiefer. Diese beiden setzen z. B. fast das ganze Monte Rosa-Massiv und die Maggia-Gruppe zusammen. Vielfach sind mit den gewöhnlichen Gneissen wechsellagernd Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer zu finden.
Ein grosser Zug solcher Gesteine geht z. B. im W. des Langensees durch, nördlich an demselben vorbei und setzt sich südlich vom Bergell bis gegen die Bernina fort. Ebenso finden sich Sericitgneisse und Sericitschiefer, so genannt nach dem Gehalt an Sericit, einem weissen feinschuppigen Glimmer, der sich fast seifig anfühlt. Die Sericitgneisse und -schiefer sind wohl meistens die jüngern Glieder des archäischen Systems, vielfach auch durch den ungeheuren Druck bei der Gebirgsbildung aus ächten Sedimenten des paläozoischen Zeitalters entstanden (z. B. der Zug vom Maienthal zum Maderanerthal). - Durch den gleichen Gebirgsdruck sind auch sehr alte Eruptivgesteine, die infolge ihres vulkanischen Ursprungs ursprünglich massig waren, mehr oder weniger schiefrig geworden. Dahin gehören vor allem der weitverbreitete Protogin oder Alpengranit, wie er sich am Mont Blanc, Grimsel, Gotthard etc. findet; dann auch verwandte Eruptivgesteine wie Hornblendegranit und Hornblendediorit am Piz Ner, im Puntaiglasthal, Berninagebiet u. s. w. - In manchen Fällen ist es bis jetzt nicht möglich gewesen, das Alter vieler krystallinen Schiefer sicher zu bestimmen, obschon sie entschieden jünger als archäolithisch sind; durch den Gebirgsdruck sind sie eben in ihrer mineralischen Zusammensetzung und in ihrer Struktur den ältern, ächten Gneissen und Glimmerschiefern fast vollkommen gleich geworden.
b) Palæozoisches Zeitalter (in der Karte orange). Die Schichtsysteme des Silur und Devon sind in den Zentralalpen bis jetzt noch nirgends nachgewiesen worden. Es ist zwar höchst wahrscheinlich, dass sie nicht ganz fehlen, aber sie sind, wie oben angedeutet, durch den Druck bei der Faltung der Alpen so metamorphosiert worden, dass krystalline Schiefer daraus entstanden sind.
1. Karbon. Wie fast überall, sind die Ablagerungen der Karbonzeit auch in der Schweiz vorwiegend Festlands- oder Uferbildungen. Es sind Konglomerate und dunkle Thonschiefer. In den letztern finden sich vielfach Pflanzenreste und, leider selten und in geringer Mächtigkeit, auch Kohle. Die Karbonschichten finden sich in einem schmalen Streifen nordwestlich vom Mont Blanc, von Argentières bis Vernayaz; etwas mächtiger sind sie südöstlich vom Mont Blanc; sie streichen hier von Morgex (Aostathal) am Grossen St. Bernhard vorbei über Chable (Val de Bagnes) bis Chandolin (Val d'Anniviers). Im letztern Teil enthalten die Karbonschichten abbauwürdige Kohle; immerhin beträgt die durch einen primitiven Raubbau gewonnene Menge doch nur 60-80000 Z. jährlich. Bezeichnend ist es, dass die Kohle als Anthrazit auftritt, obschon sie nicht älter ist als die gewöhnlichen Steinkohlen; die Kohlenpflanzen sind eben durch Gebirgsdruck viel ¶
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stärker umgewandelt worden, als dies in den flacher liegenden Kohlenrevieren Deutschlands oder Frankreichs der Fall gewesen ist. - Schichten der Karbonzeit sind dann weiter noch vorhanden am Nordabhang des Bristenstocks, auf der Bifertenalp und im Val Medels, aber nur mit Kohlenflözchen von ½-2 cm Mächtigkeit.
2. Perm (Dyas). Das Permsystem tritt unter dem Namen Verrucano an zwei Orten in bedeutender Ausdehnung und eigentümlicher Ausbildung auf, im Wallis in einem Streifen südlich von der Rhone, und zwischen Walensee und Linth. Vorwiegend ist es ein konglomeratisches Gestein, also eine Uferbildung; manchmal gehen die grobkörnigen Konglomerate in tonige Schiefer über. An vielen Stellen finden sich parallel zu den Schichten Eruptivgesteine eingelagert, wie der Melaphyr im Kärpfstockgebiet und Quarzporphyre im Verrucano Graubündens. Südlich vom Walensee, im Murgthal und Sernfthal, findet sich jene rote konglomeratische Abart des Verrucano, die von Oswald Heer als Sernifit bezeichnet wurde, und die im Gebiet des ehemaligen Linthgletschers erratisch als roter Ackerstein bekannt ist. - Wie es bei einer Uferbildung zu erwarten ist, schwankt die Mächtigkeit des Verrucano sehr; sie kann von ein paar Metern bis zu 700 m anschwellen.
c) Mesozoisches Zeitalter.
1. Trias (zusammen mit Lias violett). Sie kommt im schweizerischen Alpengebiete in zwei verschiedenen Fazies (Ausbildungsarten) vor. Die Linie vom Bodensee über Chur, Reichenau, Greinapass, Langensee ist eine geologische Grenze. Oestlich davon treffen wir die ostalpine oder mediterrane Fazies der Trias, die aus mächtigen Kalkstein- und Dolomitschichten besteht, welche zum grossen Teil als alte Korallenriffe aufzufassen sind. Für den Aufbau der Berge spielen hier die Triasschichten die gleiche Rolle, wie westlich von der Rheinlinie der Hochgebirgskalk (Malm): sie setzen eine grosse Zahl von Hochgipfeln zusammen.
Westlich vom Rhein, im Gebiet der helvetischen Fazies, ist die Trias in einem etwas tieferen Meer abgelagert worden; ihre Mächtigkeit beträgt nur 30-100 m. Als Gesteine trifft man da den Röthidolomit, einen dolomitischen und kieseligen Kalkstein, der inwendig hellaschgrau ist und aussen rauh, gelblich oder rötlich anwittert; ferner den Quartenschiefer, meist dunkel kirschrote Tonschiefer, die gelegentlich auch grün gefleckt sind. An vielen Orten gesellen sich dazu noch Zellendolomit und da und dort grössere Gipsmassen oder auch Anhydrit. In der Trias findet sich auch das einzige Salzbergwerk der Zentralalpen, in Bex, wo jährlich 30000-40000 Z. Salz gewonnen werden. - Während die ostalpine Trias ziemlich reich an Petrefakten ist (in den Ostalpen finden sich in der oberen Trias die ältesten Ammoniten), haben Röthidolomit und Quartenschiefer bis jetzt noch kein Petrefakt geliefert.
2. Jura. Derselbe zerfällt auch für die Alpen wie gewöhnlich in Lias, Dogger und Malm.
a) Lias (mit Trias zusammen violett). Beim Lias sind auch zwei Fazies zu unterscheiden, eine ausseralpine und eine inneralpine (Bündnerschiefer). Die erstere ist die normale; sie tritt am ganzen Nordabhang der Zentralalpen auf und besteht aus Thonschiefern, wechselnd mit weissen und grauen Quarziten, oft mit Rostflecken. Die Gesamtmächtigkeit beträgt 10-200 m. Versteinerungen kommen vor, sind aber bei weitem seltener als im Lias des Juragebirges. Man findet unter anderm: Belemnites brevis, Ammonites raricostatus, Trigonia navis, Cardinia depressa, Lima gigantea, Gryphäa arcuata, Posidonomya Bronni, Terebratula numismalis. - Die Gesteine und Tierreste weisen auf ein nicht sehr tiefes Meer und auf eine nicht zu ferne Küste hin.
Die inneralpine Fazies (Zone des Briançonnais, Bündnerschiefer) finden wir zwischen den nördlichen und südlichen Gneissmassen, im Wallis und in Bünden. Es ist eine 1500-2000 m mächtige Ablagerung von abwechselnd thonigen, kalkigen und quarzhaltigen Schiefern. Dabei ist es sehr wohl möglich, dass in dem Komplex der Bündnerschiefer (Schistes lustrés) auch noch ein Teil obere Trias steckt. Die Trennung ist aber nicht möglich, weil die ganze Masse durch den Druck stark metamorphosiert worden ist: aus Kalksteinen ist stellenweise Marmor oder Cipolin entstanden, aus den kalkigen oder tonigen Mergeln wurden Kalkphyllite, oft mit Glimmer oder Granat, Zoisit, Staurolith, Disthen etc. -
An einigen Orten (Nufenen, Scopi, Piz Terri, Stätzerhorn) finden sich in den metamorphen Schiefern Belemniten, sowie Gryphäa arcuata, welche auf unterjurassisches Alter hinweisen. - Einen wesentlichen Anteil an der Zusammensetzung der Bündnerschiefer machen auch Eruptivgesteine aus, wie z. T. Gabbro, Diabas, oder deren Umwandlungsprodukte wie grüne Schiefer, Serpentin etc.
b) Dogger (mit Malm zusammen blau). Am ganzen Nordabhang der Zentralalpen ist der Dogger gleichmässig ausgebildet. Er zerfällt von unten nach oben in drei Stufen:
Eisensandstein, 3-10 m; flaserig, knollig, mit Rostflecken; enthält Ammonites Murchisonae.
Echinodermenbreccie, 3-10 m; ein oft eisenschüssiger Kalkstein, fast ganz aus Bruchstücken von Echinodermen: Pentacrinus, Cidaris etc. gebildet;
enthält Amm. Sowerbyi und Amm.
Humphriesianus.
Eisenoolith, ½-5 m, eisenschüssiger, oolithischer Kalkstein, oft so reich an Eisen, dass Bergbau darauf getrieben wurde: Windgälle, Erzegg (zwischen Genthal und Melchthal). Gewöhnlich ist der Eisenoolith sehr reich an Petrefakten, um so mehr, je geringer seine Mächtigkeit. Leitfossil ist. Amm. Humphriesianus; ferner kommen vor Amm. Parkinsoni, Belemnites giganteus, Bel. canaliculatus, Ostrea Marshi, Rhynchonella varians, Terebratula etc. etc.
c) Malm (mit Dogger zusammen blau). Er zerfällt in folgende Stufen:
Schiltkalk, 10-30 m, ein grauer Kalkstein mit gelben Flecken, die von undeutlichen Petrefakten (Schwämmen) herrühren. Oft ist er durch Quetschung schiefrig geworden. Er enthält zahlreiche Ammonitenarten, aber meist schlecht erhalten.
Hochgebirgskalk, 400-600 m. Er ist ein dichter, inwendig schwarzblauer Kalkstein, der blaugrau anwittert. Stellenweise geht er durch Quetschung in Marmor über: bei Grindelwald, in der Mulde vom Oberwallis über Andermatt bis Disentis. Ueberall ist der Hochgebirgskalk durchaus eine Tiefmeerbildung und enthält daher fast nur die Schalen pelagischer Tiere: Ammoniten und Belemniten. - Vermöge seiner gewaltigen Mächtigkeit spielt er die Hauptrolle beim Aufbau der Hochgipfel, die nicht aus Gneiss etc. bestehen, also z. B.: Altels, Blümlisalp, Eiger, Titlis, Grosse Windgälle, Tödi etc.
Balfriesschiefer (Berrias) von sehr wechselnder Mächtigkeit; dunkle, kalkige Tonschiefer, die z. B. am Walensee zu Zement gebrannt werden.
Troskalk (Tithon), ebenfalls von wechselnder Mächtigkeit; gewissermassen die Fortsetzung des Hochgebirgkalkes. Er ist nur etwas heller, aschgrau, wittert fast weiss an und besteht vielfach ganz oder teilweise aus Korallen; dazu finden sich Nerinäa und Diceras Luci.
Die beiden letzten Stufen können einander auch vertreten, so dass die eine oder die andere fehlt.
3. Kreide (in der Karte grün). Die alpine Kreide lässt sich am natürlichsten in vier Stufen teilen: Neocom, Schrattenkalk, Gault und Seewerkalk. Alle Abteilungen sind durchaus marine Ablagerungen.
a) Neocom, 100-400 m. Es besteht je nach den Lokalitäten wechselnd aus harten dunkeln Kieselkalken, welche oft (Axenstrasse) ausserordentlich viele, 20-30 cm dicke Bänke bilden, oder aus dunkeln knolligen Mergelschiefern mit einzelnen Kalkbänken; oben kommen oft noch einmal Kalksteine mit Kieselknollen (Säntisgebiet). - Petrefakten: Exogyra Couloni, Ostræa rectangularis, Toxaster complanatus. Rhynchonella multiformis, Nautilus, Ancyloceras, Crioceras etc.
b) Der Schrattenkalk (Urgon), 100-250 m, ist ein hellgrauer, weiss anwitternder Kalkstein, der häufig aus Korallen entstanden ist; in den oberen Partien ist er oft Echinodermenbreccie. Vermöge seiner Festigkeit bildet er sehr steile Felswände und gleicht darin dem Hochgebirgskalk. In seiner mittlern Partie ist häufig eine mergelige Bank von wenigen Metern, welche Orbitulina lenticularis enthält. Im untern Teil finden sich besonders Requienia ammonia, Pteroceras Pelagi und Nerinäen;
im obern Teil: Requienia Lonsdali, Heteraster oblongus, Terebratula Moutoniana.
c) Gault (Albien), meist 1-3, selten bis 60 m; Grünsand ¶