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Potentilla anserina
Wie kam das Gänsefingerkraut zu seinem Namen?
Das Wort „Anser“ im Volksnamen „Anserine“ bedeutet „Gans“. Gänse fressen die Pflanze sehr gerne. Die Gänse mögen das Kraut und das Kraut wächst genau da, wo Gänsemist den Boden düngt und so mancher Landwirt kennt das Kraut als Wundheilmittel für seine Tiere. Auch bei Koliken von Pferden soll es helfen.
Der Name Potentilla ist vermutlich die Verkleinerungsform vom lateinischen potentia, was „Macht“ bedeutet und auf die grosse Heilkraft der Pflanze weist. Weitere Namen sind Gänsefutter (weil das zerkleinerte und mit Kleie vermengte Kraut den jungen Gänsen zur Aufzucht gefüttert wurde), Gänsegarbe und Gänsekraut, Krampfkraut (nach dem Volksmund ist es ein so mächtiges Heilkraut bei Krämpfen in Magen, Gedärmen und Periodenkrämpfen, dass sie ihm diesen Namen verliehen), Stierkraut (sie sollen dadurch fruchtbarer werden), Maukekraut, Silberkraut.
Das zu den Rosengewächsen gehörende, niedrig kriechende Gänsefingerkraut wächst mit dunkelgrün gefärbten Blättern.
Diese sind gefiedert und bilden auf der Unterseite eine silbrige, feine Behaarung. Die Pflanze bildet eine grundständige Blattrosette, von der sich viele Ausläufer verbreiten. Ab Mai - September beginnt das Gänsefingerkraut an länglichen Stielen gelbe Blüten auszubilden. Ihre Heimat sind die kühleren Gebiete auf der nördlichen Halbkugel, deswegen war es den Ärzten der Antike nicht geläufig und in der Mittelmeerregion nicht zu finden.
Es wird häufig als Unkraut verpönt, denn wo es einmal wächst, nimmt es schnell grosse Flächen ein und überzieht Äcker und Wegränder mit dem zarten Gelb seiner Blüten.
Frauen wussten schon in früheren Zeiten das Gänsefingerkraut zu schätzen, denn die „Krampflindernde“ half bei schmerzhaften Regelblutungen. Einen Tee, dem man auch Kamille und Schafgarbe bei geben kann. Es wird empfohlen, diesen Tee schon vor dem Beginn der Periode regelmässig zu trinken. Durch seine krampflösende, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung wird es auch bei anderen Beschwerden verwendet, z.B. bei Darmkrämpfen. Nach Kräuter Pfarrer Künzle festigt Gänserichtee wackelige Zähne und heilt die Mundfäule. Bei Fieber benutzte er das frische Kraut, stampfte es mit Essig und Salz und band es dem Patienten auf die Fusssohle. Dies leitet die Hitze und das Fieber vom Kopf hinunter. Pfarrer Kneipp heilte sogar den Starrkrampf, indem er dem Kranken Milch, in der Gänserich gekocht wurde zu trinken gab. Kräuter in Milch auszuziehen, hat schon Hildegard von Bingen propagiert, auch bei den Germanen, in der assyrischen und babylomischen Heilkunst war die Zubereitung von Heilpflanzen in Milch üblich. Im Gegensatz zum Tee, wo nur wasserlösliche Stoffe gelöst werden, löst die Milch auch fettlösliche Stoffe. Bei Wunden wurde diese Milch auch zum Schutz vor Wundstarrkrampf und Blutvergiftung getrunken und das in Milch gekochte Kraut auf die Wunde gelegt. Dazu wird frisches Kraut in Milch aufgekocht und für einige Minuten ziehen gelassen. Auch Kinder mögen die Krampfmilch mit Honig. Ein Tee kann aus getrocknetem oder frischem Gänsefingerkraut bereitet werden. Es wird das gesamte Kraut (auch mit Blüten) verwendet. Drei Teelöffel des Krauts mit 250 ml kochendem Wasser aufgiessen und zugedeckt für 10 Minuten ziehen lassen.
Für eine Tinktur die Blätter zerkleinern und in ein Schraubglas geben. Mit 45 % Schnaps oder Trinkalkohol aus der Apotheke übergiessen, drei Wochen unter gelegentlichem Schütteln an einen warmen Ort stellen. Abseihen und in eine dunkle Tropfflasche füllen.
Es ist sehr Vitamin-C-reich und man kann alles verwenden. Zarte Blätter können wie Spinat gekocht werden. Sie sind relativ mild im Geschmack und somit gut mit anderen Wildkräutern oder Gemüse zu mischen. Als Beigabe zum Salat oder im Smoothie eignen sie sich ebenfalls. Die gelben Blüten können als Dekoration über einen Salat gegeben werden. Aus den Wurzeln lässt sich ein Wurzelgemüse zubereiten. Roh geraspelt können sie in den Salat gegeben werden.
Gänsefingerkraut soll die Aufnahme von Mineralstoffen begünstigen, besonders bei Kalziummangel kann sich das Kraut positiv in Kombination mit kalziumreichen Pflanzen wie Brennnessel, Franzosenkraut, Huflattich und weissem Gänsefuss auswirken.
Verwechseln kann man es mit dem kriechenden Fingerkraut (Potentilla reptans).
Foto: Hans Hillewaert
Dessen Blätter sind 5-zählig, sehr tief geteilt, auf beiden Seiten dunkelgrün. Die Teilblätter sind verkehrt herum eiförmig und haben lange Stiele. Die Pflanze enthält viele Gerbstoffe, ist aber ansonsten nicht wirksam. Weiterhin besteht eine Verwechslungsgefahr mit den Blättern des kleinen Odermennigs, dessen untere Blätter in Rosetten stehen, ebenfalls behaart sind, jedoch rauer, seine Blätter wachsen am Stängel und sind ebenfalls unpaarig gefiedert.
Foto: J.F. Gaffard Jeffdelonge
Oder mit den Blättern des Rainfarns. Die Blüten sind jedoch vollkommen anders.
Foto: Kristian Peters
Personen die Probleme mit einem Reizmagen haben, sollten bei einer Behandlung mit dem Gänsefingerkraut vorsichtig sein, da die Beschwerden verstärkt werden können.