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Im Norden der Schweiz sah ich kürzlich aus der Luft ein Gebäude, das auf den ersten Blick wie ein Gefängnis aussah. Kurze Abklärungen nach dem Flug zeigten aber, dass es sich um das Data Center von SWIFT in der Schweiz handelte.
Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication, abgekürzt SWIFT, vernetzt die globale Finanzindustrie. Mit SWIFTNet werden die Transaktionen von mehr als 10’000 Banken, Börsen und anderen Akteuren auf den Finanzmärkten abgewickelt.
Das Data Center auf dem Luftbild befindet sich in Diessenhofen am Rhein an der nördlichen Grenze der Schweiz zu Deutschland.
Den Standort in Diessenhofen betreibt SWIFT seit 2013, nachdem bereits seit 2009 ein provisorisches Operating Center in Zürich-Altstetten in Betrieb war:
«Ende März 2008 gab SWIFT bekannt, in der Schweiz im Einzugsbereich von Zürich ein neues Rechenzentrum einzurichten. Die ursprünglich für Ende 2009 geplante Inbetriebnahme des neuen Rechenzentrums wurde plangemäß umgesetzt, um die europäischen Zahlungsverkehrsdaten nicht länger in dem in den USA angesiedelten Operating Center in Culpeper spiegeln zu müssen. Hierdurch sollen die Transaktionsdaten dem Zugriff der US-amerikanischen Behörden entzogen werden. Ab 2010 wurde in Diessenhofen ein eigenes, neues Gebäude für das Zürcher Operating Center gebaut. 2013 erfolgte dann die Inbetriebnahme.»
Auf dem Foto zählen nur die rötlichen Gebäude zum Data Center. Die grossen Hallen gleich daneben gehören zu einer Bootswerft.
An der Oberfläche befindet sich nur ein Teil der Infrastruktur von SWIFT in Diessenhofen:
«Äusserlich wirkt das Swift-Rechenzentrum, nur wenige hundert Meter von der deutschen Grenze entfernt, wie eine Festung. Fünf der sieben Etagen sind unterirdisch angelegt. Das Gelände wird sichtbar geschützt mit Stacheldraht, Überwachungskameras und hohen Mauern. Während der Bauphase sagte 2011 ein Vertreter der Swift […], die Anlage werde nach Massgabe neuster technologischer Höchststandards errichtet. Sie berücksichtige ‹sämtliche Sicherheitsrichtlinien und -verfahren für jeden denkbaren Eventualfall›.»
Nach dem Angriff auf die Ukraine wurde Russland aus SWIFT ausgeschlossen. In der Folge steht der Standort unter erhöhtem Schutz.
In Zukunft soll die Stromversorgung für das Data Center auch mit SWIFT-eigenem Solarstrom erfolgen.
Siehe auch: Das 100-Millionen-Franken-Ding der Banken (finews.ch)