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Am 9. Dezember 2015 starb der bekannte Architekt und visionäre Planer Heinrich Th. Uster im 83. Altersjahr. Er hat nicht nur in Wädenswil Spuren hinterlassen. In mehr als sechs Jahrzehnten des Wirkens schuf er über 150 Objekte und entwickelte und verwirklichte unzählige Pläne und Ideen.
Heinrich Theodor Uster kam am 24. Februar 1932 als erster Sohn von Heinrich und Martha Uster-Baumgartner in Küsnacht zur Welt. Drei Monate nach der Geburt des Bruders Peter verunglückte der Vater 1934 in den Bergen und starb kurz darnach an den Folgen. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten hätte dieser Schicksalsschlag die Familie beinahe auseinandergerissen. Doch der Grossvater mütterlicherseits, Theodor Baumgartner (1878–1945), half über die Runden. Er wirkte in Küsnacht als Gemeindeingenieur und Ortsplaner und liess in Heinrich den Wunsch aufkommen, selber Architekt zu werden.
Um die Familie durchzubringen, eröffnete Martha Uster im Jahre 1939 einen kleinen Mercerie-Laden.
Heinrich Th. Uster.
Als Geschäft, Haushalt und Erziehung der beiden Buben die Mutter gesundheitlich zu stark belasteten, kamen die Knaben während dreier Jahre ins Waisenhaus Küsnacht, durften jedoch jeweils am Sonntag nach Hause. Dank tapferer Mutter und umsorgenden Grosseltern erlebte Heinrich Th. Uster, wie er später schrieb, eine frohe Jugendzeit.
Heinrich Th. Usters Vater hatte in Küsnacht eine Schreinerei besessen, die an Rudolf Schmid verkauft wurde. Hier begann der Jugendliche im Jahre 1947 eine dreijährige Lehre als Bau- und Möbelschreiner. Der Lehrmeister, ein Freund des verstorbenen Vaters, förderte seinen Lehrling wo immer er konnte. Unter anderem legte er ein Sparbuch an, das er dem ausgelernte 18-Jährigen mit der Bemerkung überreichte, er solle sich mit den 2000 Franken seine Wünsche erfüllen.
Die Möbelschreinerei legte den Grundstein für die Weiterbildung in Architektur. Angezogen von der Modernität des skandinavischen Designs, entschied sich Heinrich Th. Uster für einen Aufenthalt in Skandinavien. Drei Wochen nach dem Lehrabschluss bestieg er 1950 in Zürich den Zug nach Kopenhagen. Von dort aus reiste er nach Budafors weiter, einem Ort zwischen Malmö und Stockholm.
Elternhaus in Küsnacht.
Hier bemühte er sich um ein Praktikum in einer der grössten Möbelfabriken Schwedens. Danach arbeitete er als Architekt im Schiffsbau in der Werft von Göteborg.
Dann schaffte er die Aufnahme an die norwegische Kunstgewerbeschule in Oslo. Um das Studium zu finanzieren, arbeitete er am Abend bis spät in die Nacht als Anschläger von Schiffsausbauten in der grossen Ankerwerft im Hafen von Oslo. In der spärlichen Freizeit betätigte er sich im Ruderclub Christiania in Oslo.
Nach Abschluss des Studiums blieb Heinrich Th. Uster bis 1957 in Skandinavien. Hier sammelte er in verschiedenen Architekturbüros projektbezogen weitere Erfahrungen, unter anderem beim finnischen Designer Alvar Aalto (1898–1976).
Heinrich Th. Uster - der Ruderer.
Nach der Rückkehr in die Schweiz baute Heinrich Th. Uster ein eigenes Architekturbüro auf. Zunächst schloss er sich für kurze Zeit der Baugruppe 7 an der Storchengasse in Zürich an, untergebracht in einer Fünfzimmerwohnung und karg ausgerüstet mit Zeichentischen, Zeichengerät, dem Rechner und einer Schreibmaschine. Bald mehrten sich die Aufträge, es wurde ein Lehrling angestellt und kurz danach eine Halbtagssekretärin.
Nun durfte der Sprung in die Eigenständigkeit gewagt werden. In Egg am Pfannenstiel gründete er 1958 die Uster AG mit Sitz in einem Mehrfamilienhaus. Gleichzeitig bildete sich der Architekt am Technikum Winterthur in Verkehrs- und Ortsplanung weiter. Einer seiner Professoren war Hans B. Barbe, der spätere technische Leiter der Regionalplanung Zürich und Umgebung. 1959 gründete Heinrich Th. Uster mit Armella Eberle eine Familie, in der die Tochter Beatrice und der Sohn Heinrich geboren wurden. Als die Kinder fertig ausgebildet waren, wurde die Ehe geschieden.
Architekt Uster hatte Erfolg: Sein Architektur- und Planungsbüro wuchs von drei Angestellten auf 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an. Darum musste für das Unternehmen ein zusätzlicher Standort gesucht werden. In Zürich konnte im Jahre 1970 die alte Liegenschaft Glockengasse 5 erworben und umgebaut werden. Zu dieser Zeit besuchte Heinrich Th. Uster an der Universität Zürich Vorlesungen zum Thema Immobilientreuhand. Dies bewog ihn, seinem Architektur- und Planungsbüro auch ein Immobilienunternehmen anzugliedern.
Gulmenstrasse, 1962.
Hirschen, 1975.
Autostern Au, 1990.
Trubengass, 1993.
Zentrum Ochsen/Ceder, 1975.
Studie Bahnhofplatz, 2006.
Studie mittlere Zugerstrasse, 2006.
Studie Hirschenplatz, 2006.
Zopfstrasse Au, 1993.
Florhof, 2000.
Central, Engelstrasse 1, 2005.
Usters planerische Tätigkeit und sein fast sechzigjähriges Wirken als Architekt und Planer ging weit über Wädenswil hinaus und erstreckte sich auf viele Gemeinden rund um den Zürichsee, auf die Stadt Zürich und den Bezirk Affoltern. Maria Uster erinnert sich: «Die Spannbreite reichte von grossen Anlageobjekten wie der Siedlung im Bifang in Egg (1972–1974) über Miet- und Eigentumswohnungen im Zentrum von Affoltern am Albis (2009/2015) bis zu Umnutzungen und Restaurierungen geschützter Gebäude. Oft führte Heinrich Th. Uster jahrelange Verhandlungen, um die unterschiedlichen Interessen unter den Hut einer Gesamtlösung zu bringen. Die Beispiele gelungener Umsetzungen sind zahlreich: Vom Gestaltungsplan Residenz Schübelpark in Küsnacht am Rand eines heiklen Naturschutzgebiets (1972) über den grossflächigen Quartierplan Appital in der Au (1975) und die Quartierpläne für die gemeindeübergreifende Industriezone Niederhasli/Niederglatt (1991–1998) bis zum ersten kantonalen Gestaltungsplan Erlen in Richterswil (2006).»
Mitte der 1980er Jahre setzte sich eine neue technologische Entwicklung durch: «Computer Aidet Design» (CAD) und veränderte die Berufsbilder in den Architektur- und Planungsbüros stark. Die Uster AG setzte früh auf diese Technologie und eröffnete an der Schlossstrasse in Stuttgart einen Zweigbetrieb. Als Geschäftsführerin amtete die Kunsthistorikerin Maria Stelzer, die Heinrich Th. Uster in einem Kochkurs bei Starkoch Andreas Hellrigl in Meran kennen gelernt hatte. 1998 schlossen Heinrich Th. Uster und Maria Stelzer den Bund der Ehe.
Im Jahre 2001 löste die Uster AG den Zweigbetrieb Stuttgart auf und baute das Büro Wädenswil schrittweise aus. 2004 wurden auch die Betriebe in Egg und Zürich liquidiert und an der Zugerstrasse 15 in Wädenswil unter einem Dach vereinigt. 2007 feierte die Uster AG – Planer, Architekten, Immobilientreuhänder – und die Uster AG, Immobilien Portfolio-Management, das 50-Jahr-Jubiläum. 2009 wurden die beiden Gesellschaften Uster in einer Betriebsgesellschaft zusammengefasst. Diese sichert die Nachfolgereglung und damit auf unbestimmte Zeit den Arbeitsplatz der rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eigentümerin der Uster AG ist die Unternehmensstiftung. Gilbert Brossard (Vorsitz Planung und Architektur), Jürg Hadorn (Immobilientreuhand) und Roland Aeby (Bauausführung) bilden die Geschäftsleitung.
Im Jahre 2009 gründete das Ehepaar Uster die Maria und Heinrich Th. Uster-Stiftung. Diese bezweckt die Verbesserung der Lebensqualität und der Umwelt. Sie fördert Massnahmen in der Praxis und stellt Beiträge bereit für die Forschung in den Bereichen Energie, Luft, Schall sowie für die Revitalisierung von Brach-, Frei- oder Siedlungsflächen. Sie unterstützt zudem die berufliche Aus- und Weiterbildung von begabten Jugendlichen und Fachkräften. Die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Umwelt- und Raumplanung, der Architektur und im Immobilienwesen ist ein zentrales Anliegen der Stiftung. Sie kann auch Institutionen unterstützen, die sich denselben oder naheliegenden Bereichen widmen. Deshalb durfte auch das Jahrbuch der Stadt Wädenswil immer wieder auf Beiträge aus der Stiftung zählen.
Heinrich Th. Uster und Maria Uster.
Heinrich Th. Uster - Koch und Gastgeber.
Peter Ziegler
Heinrich Th. Uster. Lebenslauf (Manuskript)
Familiengeschichte Uster (Manuskript)
Peter Weiss. Lebenslauf (Manuskript)
Peter Weiss. Predigt (Manuskript)
Daniela Haag. Heinrich Th. Uster ist gestorben. «Zürichsee-Zeitung», 19. Dezember 2015.
Maria Uster. Zum Gedenken an Heinrich Th. Uster. «Zürichsee-Zeitung», 24. Februar 2016.
Maria und Heinrich Uster-Stiftung (Internet) www.usterstiftung.ch