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In den Wirtschaftswunderjahren blühte auch Volvo auf. Die Positivität der Zeit spiegelte sich in den Modellen wider, wie zum Beispiel beim verspielten Sportcoupé oder dem ikonenhaften Amazon, der zum richtigen Strassenfeger wurde.
SPORT P1900 (1956–1957) – der Volvo mit Seltenheitswert
Der Volvo Sport P1900 ist eine wunderschöne Seltenheit – leider. Dabei hatte alles so gut angefangen: Nach einer Nordamerikareise entschied Volvo Mitbegründer Assar Gabrielsson, einen Sportwagen nur für den Export zu bauen. Er stellte fest, dass es in Nordamerika ein grosses Interesse an kleinen, europäischen Sportwagen gab. Besonders fasziniert war er von der Leichtbauweise, die er in Kalifornien kennenlernte. Damit wollte er den ersten Sportwagen von Volvo bauen. Als 1954 der offene, zweisitzige Sportwagen mit glasfaserverstärkter Polyester-Karosserie vorgestellt wurde, war das eine Sensation. Der Volvo Sport P1900 ging 1956 in Produktion, wurde aber schon 1957 wieder eingestellt. Mehr Zeit wollte der neue Geschäftsführer Gunnar Engellau dem P1900 nicht geben. Dies, nachdem er ein Wochenende lang den Volvo Sport selbst gefahren hatte. Er beschloss, die Produktion des Volvo P1900 sofort einzustellen, weil das Kunststoff-Auto nicht den Qualitätsanforderungen von Volvo entsprach. So kam es, dass insgesamt nur 67 Exemplare vom Volvo Sport produziert wurden. Eigentlich waren es 68 Stück. Wie man später feststellte, bekamen zwei Autos versehentlich die gleiche Fahrgestellnummer 20. Trotz der vermeintlichen Qualitätsmängel existieren heute noch die meisten der produzierten Volvo Sport – von rund 50 Exemplaren ist der Verbleib bekannt.
Volvo PV544 (1958–1965) – der schnelle Buckel
Eigentlich handelte es sich beim PV544 um eine modernisierte Version des erfolgreichen Volvo PV444. Doch der Buckel Volvo entwickelte sich erneut zu einem Bestseller – mehr noch, einem Rennwagen, der Geschichte schrieb. Auch was die Sicherheit betraf, schlug er ein neues Kapitel auf. Im PV544 wurden erstmals serienmässig Dreipunktgurten eingebaut. Die Karosserie wurde für eine bessere Sicht mit einer gewölbten Windschutzscheibe und einer grösseren Heckscheibe ausgestattet. Auch in technischer Hinsicht erfuhr das Modell immer wieder eine Weiterentwicklung. Dazu gehörte 1961 der legendäre «B18»-Motor.
Die Kunden liebten den Buckel Volvo: Der PV544 war während vieler Jahre der meistverkaufte Personenwagen in Schweden. Die Produktion der Limousine endete 1965. Auch danach feierte der Volvo PV544 noch viele Rallye-Erfolge. Dazu gehörten zahlreiche Siege an den wichtigsten und härtesten Rallyes der Welt.
Vom PV544 gab es ebenfalls eine Kombiversion, der PV210 «Duett», der 1960 vorgestellt wurde. 1962 wurde nicht nur die Bezeichnung in Volvo P210 geändert. Auch der Kastenwagen erhielt den B18-Motor und hatte nun eine Leistung von 75 PS. Der letzte Wagen dieser Serie rollte im Februar 1969 vom Band.
Volvo Amazon P120 (1956–1966), P130 (1961–1970), P220 (1962–1969) – die vielseitige Ikone
Der Volvo Amazon ist nicht einfach ein Auto, es ist eine Design-Ikone. Gezeichnet wurden die schönen Linien vom damals 26-jährigen Jan Wilsgaard. Es war der erste Streich des später langjährigen Volvo Designchefs. Der junge Zeichner wählte für den Amazon die Pontonform, die mit den schlanken Flanken und den integrierten Kotflügeln die Moderne im Autodesign einläutete. Er orientierte sich dabei an den italienischen Auto-Silhouetten jener Zeit. Bei den Käufern kam der Wagen sehr gut an.
Auch in Sachen Sicherheit: Dank des gepolsterten Armaturenbretts, einer Windschutzscheibe aus Verbundglas und Sicherheitsgurten vorn und hinten war der Volvo Amazon 121/122 S für damalige Verhältnisse sehr sicher. Der Viertürer Volvo P120 wurde bis Herbst 1966 hergestellt. Im September 1961 wurde die zweitürige Version P130 eingeführt. Aus technischer Sicht gab es zwischen den beiden Modellen keinen Unterschied. Da der Zweitürer aber etwas leichter war, galt er als sportlicher und wurde bei Rallyes und Motorsportrennen eingesetzt. 1966 kam die schnelle Volvo 123GT-Version mit dem sogenannten B20, einem neuen 2,0-Liter-Motor, auf den Markt. Der Volvo P130 wurde bis zum 2. Juli 1970 produziert: 667 323 Exemplare wurden vom zweitürigen Volvo Modell gebaut.
Den Amazon gab es auch als Kombi. Der P220 hatte sein Debüt auf der «Stockholm Motor Show» im Februar 1962. Mit dieser Erweiterung der Modellpalette gelang es, das Programm einer Modellreihe vielseitiger auszubauen als je zuvor. Mit dem Volvo Amazon Kombi begann auch das Zeitalter der Freizeitkombis. Es war das perfekte Auto für den aufkommenden Freizeit-Lifestyle der 1960er-Jahre. Der Volvo P220 schaffte die Metamorphose vom Lastesel zum vielseitig einsetzbaren Kombi und war der Beginn einer neuen Modell-Ära von Volvo. Insgesamt wurden zwischen 1962 und 1969 mehr als 73 000 Einheiten des Volvo Amazon Kombi gefertigt.
Volvo P1800/1800 S (1961–1972) – schön wie ein Boot
Ein Volvo, der so schick aussieht wie ein italienischer Gran Turismo, so spektakulär fährt wie ein britischer Sportwagen und trotzdem so robust ist wie ein Schweden-Taxi? Der Volvo P1800 war eine Mischung aus allem. Entworfen wurde der P1800 von Pelle Petterson, einem erfolgreichen Segelsportler und Boot-Designer. Der damals erst 25-jährige Petterson legte 1957 für das italienische Design-Studio Frua einen Entwurf vor, der so zeitlos war, dass er auch nach 60 Jahren immer noch fesch aussieht. Er tut dies nicht nur optisch, sondern auch technisch. Der Motor (aus dem Volvo Amazon) gehört zu den zuverlässigsten Aggregaten überhaupt.
Allerdings legte der Volvo P1800 einen klassischen Fehlstart hin. Die ersten 250 Stück, die 1961 bei Jensen Motors in England montiert wurden, waren so schlecht gefertigt, dass sie vor der Auslieferung zur Nachbesserung in die Werkshallen nach Göteborg mussten. Nach nur zwei Jahren endete die Zusammenarbeit mit den Briten, die Fertigung wurde nach Schweden verlegt. Die fortan gefertigten Modelle bekamen ein «S» für Sverige (Schweden). Der Volvo 1800 S hatte eine Leistung von zunächst 100 PS, später 108, 115 und schliesslich 120 PS. Das scheint heute nicht viel, aber damals waren das Sportwagen-Werte. Aber die Werte von Volvo bestanden sowieso mehr in der Sicherheit. Der Volvo P1800 war das weltweit erste Sportcoupé, das serienmässig über Sicherheitsgurten für alle vier Passagiere verfügte.
Legendär wurde der P1800 als Dienstfahrzeug von Simon Templar in der britischen Krimiserie «The Saint» (1962–1969), der von Roger Moore verkörpert wurde. Der spätere James-Bond-Darsteller war von seinem Film-Auto so begeistert, dass er auch privat einen polarweissen Volvo P1800 S fuhr. Und nicht nur er: Auch der schwedische König Carl XVI. Gustaf fuhr ab seinem 18. Geburtstag mehrere Varianten des Coupés.
Immer verbunden mit diesem Auto bleibt auch Irv Gordon, der dafür berühmt wurde, dass er mit seinem roten Volvo P1800 zeitlebens über 5 Millionen Kilometer zurück legte und damit immer noch den Weltrekord inne hat.