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Einen solchen Privatbau hatte Luzern noch nicht gesehen. Längst bevor die Hirschmatt zu einem Boomgebiet wurde, hatte sich Wilhelm Keller (1823–1888) mit seinem Privat- und Geschäftssitz ein Denkmal gesetzt. Der aus Schongau stammende Baumeister, der durch den Bau von neugotischen Kirchen bekannt geworden war, liess sich 1865 in der Stadt Luzern nieder und begann ein Jahr später mit den Arbeiten an seinem Kellerhof. An der Ecke der Pilatus- und der Hirschmattstrasse, auf der „falschen“ Seite der Bahnlinie, errichtete er einen repräsentativen Wohn- und Geschäftssitz.
In drei Etappen – 1866/67, 1873 und 1883/84 – entstand ein Palast, der nicht nur durch seine schiere Grösse auffiel, sondern auch durch seinen romantisch-gotisierenden Stil, durch seine Türmchen und Zinnen, durch die verspielten Details in der Fassadengestaltung. „Kellergotik“ wurde damals zu einem Begriff – vor allem mit Bezug auf die rund vierzig Kirchen, die Wilhelm Keller in der Schweiz gebaut hatte.
1887, ein Jahr vor seinem Tod, trat er das Geschäft an seine drei Söhne ab. Diese investierten häufig ihr eigenes Geld, um Bauvorhaben voranzutreiben. Sie bauten auch verschiedene Hotels – unter anderen das Hotel Victoria, das 1890 auf der gegenüberliegenden Seite der Pilatusstrasse entstand, oder das Gebäude des nachmaligen Hotels Furka an der Winkelriedstrasse 7 (1897), die Pension Moos an der Frankenstrasse 18 (1899) und das Hotel De Paris (1900) an der Pilatusstrasse 17.
Im Originalzustand trat der Geschäfts- und Familiensitz selbstbewusst in Erscheinung: „Kellerhof“ prangte am Eckturm über dem künftigen Viktoriaplatz. Der neugotische Palast war noch von Vorgärten umgeben.
Der Kellerhof war wegweisend für die Entwicklung der Hirschmatt. Er bildete den frühen Kern des neuen Quartiers; von hier aus breitete sich die Erschliessung aus. Sowohl die Häuserzeile entlang der Centralbahn an der Pilatusstrasse (mit dem Hotel Jura) als auch das Hotel Victoria entstanden noch vor der Verlegung der Centralbahn (1896). Vor allem das Hotel Victoria wertete den neuen Kern auf. In unmittelbarer Nähe des Kellerhofs wirkte es wie ein zweiter Magnet an dieser prominenten Stelle.
In seiner Substanz und Erscheinungsweise ist der Kellerhof eines der am besten erhaltenen Gebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine deutliche Veränderung erfuhr lediglich – und dies schon früh – das Erdgeschoss. Dort verschwanden die Vorgärten zugunsten von Ladenauslagen, die sich dezent in das Gesamterscheinungsbild einpassen.
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