Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03429.jsonl.gz/41

Bei der Endometriose bildet sich Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter, beispielsweise in der Bauchhöhle oder in Organen wie der Blase oder dem Darm. Diese Endometrioseherde werden durch die Hormone des Zyklus beeinflusst: «Sie wachsen im Rhythmus der Menstruation, fangen an zu bluten und sind sehr schmerzhaft. Unbehandelt vermehren sie sich und die Schmerzen nehmen zu», erklärt Prof. Michael Mueller, Chefarzt für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie in der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Bern.
Rätselhafte Ursachen
Die Ursache der Erkrankung ist trotz intensiver Forschung noch nicht abschliessend geklärt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit der sogenannten «retrograden Menstruation». Dabei gelangt während der Periode Blut über die Eileiter in den Bauchraum. Rund 90 Prozent aller Frauen weisen allerdings eine solche retrograde Menstruation auf. Weshalb nur einige davon eine Endometriose entwickeln, ist nach wie vor unklar.
Ebenso besteht der Verdacht, dass verschiedene genetische Faktoren, gewisse Autoimmunkrankheiten, aber auch Umwelteinflüsse an der Entstehung beteiligt sind. «Wir konnten beispielsweise zeigen, dass Dioxin einen direkten Effekt auf die Entwicklung von Endometriose hat», so Prof. Mueller. Dioxine entstehen bei Verbrennungsprozessen und werden hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen.
Schmerzen nicht nur während der Periode
Endometriose kann zu zahlreichen Beschwerden führen:
- 95 Prozent der Betroffenen leiden an invalidisierenden Schmerzen während der Periode,
- 85 Prozent an chronischen Unterbauchschmerzen,
- 64 Prozent an Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,
- 60 Prozent an chronischen Rückenschmerzen, vor allem während der Periode,
- 44 Prozent an Schmerzen beim Stuhlgang während der Periode
- und 25 Prozent an Schmerzen beim Wasserlassen während der Periode.
Die Krankheit hat auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit: Etwa die Hälfte der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sind von einer Endometriose betroffen. «Die Erkrankung kann einerseits die Eierstöcke befallen, andererseits zu ausgedehnten Verwachsungen führen. Starke Entzündungen behindern zudem die Einnistung des Embryos», weiss der Experte.
Diagnose von Endometriose
Häufig reichen eine klinische Untersuchung und ein Gespräch über die Schmerzen bereits aus, um die Krankheit zu vermuten. Bessern sich die Beschwerden unter einer entsprechenden Behandlung innerhalb von zwei bis drei Monaten, gehen die Ärzte davon aus, dass tatsächlich eine Endometriose vorliegt.
«Im Bereich der Eierstöcke kann die Erkrankung, sofern sie Zysten bildet, auch mit einer Ultraschalluntersuchung nachgewiesen werden. Wenn sie in andere Organe wie Darm oder Blase einwächst, ist sie meistens auch im MRI und durch spezielle Untersuchungstechniken erkennbar. Das ist vor allem bei der Planung eines operativen Eingriffs von grösster Wichtigkeit», so Prof. Mueller.
Mit Sicherheit kann die Erkrankung – vor allem im Bereich des Bauchfells – nur durch eine Bauchspiegelung diagnostiziert werden. Stossen Ärzte während der Spiegelung auf Endometrioseherde, können sie diese direkt chirurgisch entfernen.
Dennoch bleibt Endometriose weiterhin eine unterdiagnostizierte Krankheit. «Viele Frauen müssen mehrere Jahre leiden, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Durch aktive Selbsthilfegruppen und die Tatsache, dass immer mehr Frauen realisieren, dass invalidisierende Schmerzen während der Periode nicht normal sind, hat das Bewusstsein für die Erkrankung allerdings zugenommen», meint der Chefarzt.
Therapie von Endometriose
Im Mittelpunkt der Therapie steht die individuelle Beratung und Behandlung. «Je nach Befund, Wunsch, Alter und Vorgeschichte der Patientin haben wir heute verschiedene Optionen, Endometriose zu behandeln», meint Prof. Mueller. Medikamentöse Therapien können die Schmerzen lindern und die Entstehung von neuen Herden verhindern. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Herde operativ mittels Laser zu verdampfen oder herauszuschneiden.
Die Krankheit ist mit dem heutigen medizinischen Wissen nicht endgültig heilbar, umso wichtiger ist eine gemeinsame Langzeit-Planung von Arzt und Patientin. «Die Planung besteht meist aus einer Kombination von Supportivtherapien und Alternativtherapien. Eine primäre Rolle spielt dabei die interdisziplinäre Kooperation mit einem Schmerzteam, einer kompetenten Physiotherapie und einer speziell ausgerichteten Ernährungsberatung», so der Experte.
Verstärkende und lindernde Faktoren
So individuell wie die Therapie sind auch die Faktoren, die die Beschwerden verstärken oder lindern können. Bei Stress und Schlafmangel kommt es zu einer Negativspirale: Aufgrund der Schmerzen können viele Betroffene nicht richtig schlafen. Die zunehmende Müdigkeit verstärkt wiederum die Schmerzen. Auch der Verzehr von rotem Fleisch kann möglicherweise die Beschwerden intensivieren.
Körperliche Bewegung, Entspannungsübungen und komplementärmedizinische Anwendungen – etwa Akkupunktur – helfen hingegen, die Schmerzen zu reduzieren. Und: Nach den Wechseljahren klingen die Beschwerden bei den meisten Betroffenen ab.