Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03309.jsonl.gz/2787

(Latreille, 1804)
- DE: Südliche Grille | Bordeaux-Grille
- EN: Verge Cricket | Bordeaux Cricket
- FR: Le Grillon bordelais
- Syn.: Gryllus arvensis Rambur, 1838 | Acheta bordigalensis Charpentier, 1825 | Gryllus cerisyi Serville, 1838 | Acheta chinensis Weber, 1801 | Gryllus cinereus Costa, 1852 | Gryllus eversmanni Jakovlev, 1871 | Gryllodes ferdinandi Bolívar, 1899 | Gryllus geminus Serville, 1838 | Gryllus hygrophilus Krauss, 1902 | Gryllus chinensis intermedia Bolívar, 1927 | Gryllus marginatus Eversmann, 1859 | Gryllus minusculus Walker, 1869 | Gryllus pygmaeus Walker, 1869
Morphologie
Die Grundfarbe von Eumodicogryllus bordigalensis ist ockerfarben bis bräunlich mit unterschiedlich stark ausgeprägter, dunkler Marmorierung und Fleckenzeichnung. Diese kann ausgedehnt sein, so dass die Tiere fast schwarz erscheinen. Zwischen den dunklen Augen verläuft eine scharf abgegrenzte, helle Linie. Der Scheitel ist unterschiedlich dunkel und verfügt über 2-4 helle Längslinien, die bei dunklen Tieren nur andeutungsweise vorhanden sind. Die Vorderflügel erreichen das letzte Hinterleibsviertel, überragen den Hinterleib jedoch nicht. Die nach der Imaginalhäutung abgeworfenen, langen Hinterflügel überragen sowohl die Vorderflügel als auch den Hinterleib deutlich. Charakteristisch sind 2-3 gewellte Adern in der Harfe der männlichen Vorderflügel. Die Legeröhre der Weibchen ist gerade und am Ende lanzettspitzenförmig verdickt.
Gesang
Der mässig laute Gesang von Eumodicogryllus bordigalensis gehört zur typischen Geräuschkulisse einer Frühsommernacht in der Südschweiz und im Mittelmeergebiet. Er erklingt im Tessin oft erst in der Abenddämmerung. In Süd- und Osteuropa singen die Tiere teilweise auch tagsüber. Sie singen stets am Boden, unter Steinen oder in Gesteinsschotter. Der Spontangesang besteht aus langen Folgen von "grriii"-Lauten, die 1-4 Mal pro s wiederholt werden. Die Verse bestehen aus 11-20 Silben und sind durch kurze Pausen getrennt. Die ersten Silben eines Verses sind leiser. Es kommen auch Verse vor, die nur aus leisen Silben bestehen. Die Verslänge ist konstant, nur selten stottert der Gesang, wenn ein kurzer unvollständiger Vers erzeugt wird. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum zwischen 3,5 und 5,5 kHz. Der Werbegesang besteht aus surrenden Versen, die zwischendurch mit einigen deutlich lauteren Silben enden.
Spontangesang von Eumodicogryllus bordigalensis bei hohen Temperaturen - AT, Burgenland, Breitenbrunn, 30 °C, sonnig.
Spontangesang von Eumodicogryllus bordigalensis - CH, TI, Arzo, 18 °C, nachts.
Werbegesang von Eumodicogryllus bordigalensis - ES, Mallorca, Pollença, 16 °C, nachts.
Drei Verse aus dem Spontangesang von Eumodicogryllus bordigalensis - CH, TI, Arzo, 18 °C, nachts.
Verbreitung
Das grosse Verbreitungsgebiet von Eumodicogryllus bordigalensis reicht von Portugal über das gesamte Mittelmeergebiet. Die nördlichsten Beobachtungen liegen auf der Höhe von Paris. Im Osten reicht das Areal bis in die Mongolei. Im Mittelmeerraum ist sie teilweise sehr häufig. In der Schweiz sind das Tessin und die Umgebung von Genf besiedelt. Bei Basel wurde sie im alten Güterbahnhof gefunden, von wo sie auch auf der deutschen Seite bekannt ist. In Deutschland wurde die Art in den letzten Jahren entlang des Rheins an verschiedenen Stellen gefunden.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere können von Mai bis in den September beobachtet werden.
Die Larven durchlaufen 8 Stadien und überwintern im Boden. Nach der Imaginalhäutung sind die Tiere ausgesprochen langflügelig und gut flugfähig. In Griechenland konnten wir beobachten, dass dabei Distanzen von 5-10 m zurückgelegt werden und in Frankreich sahen wir langflügelige Tiere, die vom Licht angezogen, angeflogen kamen. Die Hinterflügel werden nach der Ausbreitungsphase abgestossen. Danach sind sie nicht mehr flugfähig. Die Tiere leben stellenweise in hohen Dichten gut versteckt im Lückensystem von Gesteinsschotter, unter Steinen oder in Erdritzen. Da sie erst in der Abenddämmerung zu singen beginnen, findet man sie tagsüber kaum. Auch singende Individuen sind meist äusserst schwierig zu finden.
Lebensraum
Im Norden des Verbreitungsgebietes ist Eumodicogryllus bordigalensis nur in wärmebegünstigten und vorwiegend trockenen Lebensräumen zu finden. Dazu gehören Gleisschotter von Bahnanlagen, Steinbrüche, Schotterflächen oder ausgetrocknete Schlammflächen an Gewässerufern sowie Ruderalstandorte. Im Mittelmeergebiet findet man Eumodicogryllus bordigalensis fast überall, wo sie ausreichend Versteckmöglichkeiten wie Gesteinsschotter oder Erdritzen (Schwundrisse) findet. Hier findet man sie oft auch in Äckern oder vegetationsarmen Wiesen und Weiden.
Gefährdung & Schutz
Beobachtungen und Entdeckungen der letzten Jahre deuten darauf hin, dass sich Eumodicogryllus bordigalensis Richtung Norden ausbreitet. Dabei wird der Schotter von Bahnanlagen gerne als Ausbreitungskorridor genutzt. Es ist wahrscheinlich, dass die Art auch passiv bei Transporten verschleppt wird.
- CH: NT (Potenziell gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: DD (Ungenügende Datengrundlage)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Eumodicogryllus bordigalensis gleicht Acheta domesticus, Modicogryllus frontalis und verschiedenen anderen kleinen Grillen. Achtea domesticus ist in der Grundfarbe heller, etwas grösser und der Scheitel ist hell. Modicogryllus frontalis ist wesentlich dunkler. Bis auf eine schmale, helle Linie zwischen den Augen ist sie dunkel bis fast schwarz. Zudem sind die Flügel kürzer. Nemobius sylvestris ist bräunlich, die Flügel sind deutlich kürzer und es fehlt eine gerade helle Linie zwischen den Augen. Besonders die Larven können mit Gryllomorpha dalmatina verwechselt werden. Diese ist heller, es fehlt die helle Linie zwischen den Augen und die 2-4 Längslinien auf dem Scheitel. Sie ist immer flügellos. Der Spontangesang von Eumodicogryllus bordigalensis kann mit jenem von Melanogryllus desertus und Gryllus campestris verwechselt werden. Deren Verse sind aber durch grössere Pausen getrennt. Oecanthus pellucens singt durchdringender, deutlich lauter, und die wesentlich längeren Verse sind unregelmässiger in ihrer Länge. Die Paarungsrufe der ebenfalls nachtaktiven Kreuzkröte (Bufo calamita) können aus grosser Entfernung an Eumodicogryllus bordigalensis erinnern.