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Die Strafuntersuchung gegen den Schweizer Ex-Botschafter in Luxemburg ist abgeschlossen. Der Schlussbericht wird am Freitag der Bundesanwaltschaft übergeben.
Peter Friederich wird verdächtigt, für ein internationales Drogenkartell über 2 Mio. Franken gewaschen zu haben.
Das Schicksal des unter Geldwäscherei-Verdachts stehenden ehemaligen Schweizer Botschafters Peter Friederich ist weiter ungewiss. Auf juristischer Ebene jedoch ist eine wichtige Etappe erreicht: Der Eidgenössische Untersuchungsrichter Paul Perraudin hat seine Untersuchung gegen den Ex-Diplomaten abgeschlossen, wie er am Donnerstag gegenüber swissinfo bestätigte. Über den Inhalt seines Berichts wollte sich Perraudin nicht äussern.
"Der rund 200-seitige Schlussbericht wird am Freitag der Bundesanwaltschaft übergeben", so Perraudin. Danach liegt der Fall Friederich bei Bundesanwalt Valentin Roschacher.
Fall für Bellinzona
Roschacher wird danach den Untersuchungsbericht prüfen. Falls die Verdachtsmomente für eine Anklage ausreichen, kommt es zum Prozess gegen Friederich. Dieser würde vor dem neu geschaffenen Bundesstrafgericht in Bellinzona stattfinden. Wann dies der Fall sein könnte, ist jedoch noch nicht klar.
Wie die Westschweizer Zeitung "Le Temps" in einem Bericht am Donnerstag schrieb, hatte Friederich Gelder erhalten und weitergeleitet, die aus dem Drogenhandel eines internationalen Kokain-Kartells stammten. Die Zeitung stützte sich dabei auf Informationen aus dem Untersuchungsbericht.
Spezialisierter Mittelsmann
Konkret habe Friederich von einem Spanier und dessen Helfer insgesamt 2,2 Mio. Franken in kleineren Scheinen entgegengenommen. Gemäss den spanischen Untersuchungsbehörden handelt es sich beim Spanier um einen "auf Geldtransfers spezialisierten Mittelsmann, der im Dienste mehrerer kolumbianischer Drogenkartelle stand".
Mehrmals seien dem Ex-Diplomaten in Hotels in Holland und Luxemburg Koffer übergeben worden, die Geld in kleinen Scheinen enthalten hätten. Dabei handelte es sich, laut den spanischen Quellen, um so genanntes "Street Money", also um Gelder, die aus dem Strassenverkauf von Drogen in ganz Europa stammten.
Vor dem Rücktransfer nach Kolumbien habe dieses Drogengeld gewaschen werden müssen. "Peter Friederich ist eine der zahlreichen Personen, die dafür verwendet wurden", zitiert die Zeitung weiter. Dabei hätten die spanischen Mittelsleute nie längere Zeit mit denselben Personen gearbeitet.
Weitere gravierende Vorwürfe
Im Bericht Perraudins gehe es neben den Geldwäscherei-Vorwürfen auch um mögliche Veruntreuung, sagte Rechtsanwalt Bernard de Chedid, Anwalt eines Zivilklägers gegen Friederich.
Neben dem Handel mit Uhren, Zigarren und Antiquitäten habe sich Friederich in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre auch als Vermögensverwalter betätigt. Der damalige Postenchef in Kuba habe dabei rund 20 Personen aus dem Bekannten- und Familienkreis über dem Markt liegende Renditen versprochen.
An der Börse verspekuliert
Im Jahre 2000 verlor Friederich dem Anwalt zufolge bei Börsenspekulationen rund fünf Mio. Franken. Wie beim Glücksspiel im Casino habe der Diplomat diese Verluste zu vertuschen versucht und weitere Gelder zur Anlage entgegengenommen.
De Chedid geht davon aus, dass der Druck der Gläubiger auf den Diplomaten am Anfang der Geldwäscherei stand. Der Anwalt vertritt einen Klienten, der Friederich rund eine Mio. Franken anvertraut hatte.
Aufgefallen
Die Affäre Friederich war 2002 ins Rollen gekommen, weil die Luxemburger Bank, bei der er die Barsummen einbezahlt hatte, dies den Behörden gemeldet hatten. Im Februar 2002 informierten die Luxembuger Behörden die Schweiz. Fünf Monate später wurde Friederich in Bern verhaftet, aber nach 38 Tagen Untersuchungshaft wieder freigelassen.
Nach der Abberufung als Missionschef in Luxemburg durch den Bundesrat quittierte er noch im gleichen Jahr den diplomatischen Dienst und liess sich frühpensionieren. Friederich hat den Vorwurf der Geldwäscherei immer bestritten.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Peter Friederich trat 1971 in den diplomatischen Dienst des Schweizer Aussenministeriums ein.
Nach Botschafter-Posten in Vietnam und Kuba kam er 1999 nach Luxemburg.
Aufgrund des Verdachts auf Geldwäscherei wurde er im Juli 2002 in Bern verhaftet, nach 38 Tagen aber wieder aus der Untersuchungshaft entlassen.
Er wurde darauf vom Amt suspendiert und trat in den vorzeitigen Ruhestand.
In Kürze
Der Schweizer Ex-Diplomat Friederich wird verdächtigt, für ein kolumbianisches Kokain-Kartell Geld gewaschen zu haben.
Der eidgenössische Untersuchungsrichter Paul Perraudin hat die Untersuchung gegen Friederich abgeschlossen.
Am Freitag übergibt er den Bericht der Schweizerischen Bundesanwaltschaft.
Diese entscheidet, ob Friederich vor Bundesstrafgericht kommt.