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Enttarnung
Im selben Gästebuch - aber auch in jenem von Weibels Villa in Ascona - taucht der Name Walter Boesch von 1931 bis 1962 zehn Mal auf. Dazu gehören die Anwesenheit Walter Boeschs bei Weibels 70. und 80. Geburtstagsfest und zwei verlängerte Wochenendaufenthalte. Auch in einer Skizze zur Tischordnung für den 90. Geburtstag ist Walter Boesch vermerkt. Offenbar musste eine langjährige freundschaftliche Verbindung zwischen den beiden Männern und Berufskollegen bestanden haben.
An der Jubiläumsfeier 1957 setzte sich "yx" nach seiner Ansprache und nach unserem kurzen persönlichen Gespräch an den vordersten Tisch neben Walter Boesch, den er offensichtlich kannte. Mit Walter Boesch war ich (Ernst Ostertag) seit 1954/55 befreundet. Ich erinnere mich, dass auch er meine Frage zur Identität von "yx" nicht beantwortete. "KREIS-Kameraden bleiben anonym, du weisst das" oder so ähnlich wird er gesagt haben.
Im Nachlass von Eugen Laubacher / Charles Welti fand ich Ende 1999 eine Fotografie, die Karl Meier / Rolf zusammen mit "yx" zeigt. Beide stehen auf der Bühne, reichen sich die Hände und blicken nach unten. Rolf hatte "yx" offenbar nach seiner Rede an der Jubiläumsfeier gedankt und begleitete ihn nun achtsam zu den Stufen, die vom Podium hinunterführten. "yx" hält noch die Notizen in der Hand.
Vorn sieht man einen klatschenden jungen Mann von hinten. Am Anzug, Haarschnitt und den Händen erkannte ich mich selbst. Röbi Rapp bestätigte das später. Diese Aufnahme hatte Eugen Laubacher / Charles Welti wohl selber gemacht. Im Saal zu fotografieren war streng verboten, nur er konnte sich so etwas leisten.
Am 13. Juni 2005 zeigten wir diese Fotografie dem 89jährigen Fredi Brauchli, der damals als Karl Meier / Rolfs Lebenspartner natürlich auch dabei war. Er holte seine grosse Lupe mit Beleuchtung und sagte sofort: "Das ist Rolf und Weibel. Der war bei der NZZ und gehörte zur 'Intellektuellengruppe' um Walti Boesch, Nico Kaufmann und Kurt Stäheli."
Damit war es klar, "yx" musste mit Dr. Walther Weibel identisch sein, was Fredi bestätigte: "Weibel übersetzte auch den Kinsey-Report"1. Endlich war das Rätsel des Pseudonyms "yx" gelöst.
Ernst Ostertag, Mai 2005