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Besuchsbericht Yangon, Myanmar, November 2018
Gemeinsam mit Vertretern des Stiftungsrates und Freunden durfte ich im vergangenen November eine Reise zu unseren Projekten in Yangon, Myanmar antreten.
Ich besuche das Land nun regelmässig seit 2012. Welche Veränderungen Myanmar in rasantem Tempo erfährt! Das Land stand seit 1962 unter einer Militärherrschaft und war politisch und wirtschaftlich weitgehend isoliert, bis 2011 ein ziviler Präsident als Staatsoberhaupt eingesetzt wurde und 2015 (fast) freie und faire Parlamentswahlen folgten. Seither hat die Welt viele Erwartungen an die Regierung und die Wirtschaft, aber auch an die Massnahmen zur Bekämpfung der eklatanten Armut. Tatsächlich gibt es nun im Vergleich zu vorher viele Hotels und einige Shoppingcenter, von denen aber nur Touristen und eine Minderheit profitieren können.
Im Laufe der Jahre, in denen ich Myanmar nun besuche, kann ich bei der Armut leider keine positive Entwicklung feststellen. Da das Land durch die immer noch aktuelle Rohingya Krise (obwohl die an der westlichen Grenze liegt und ein Besuch dort untersagt ist) ständig in den Schlagzeilen ist, bleiben viele Touristen fern. Eine wichtige Einnahmequelle des Landes wird dezimiert.
Ausserhalb der Innenstadt von Yangon, die übrigens sehr sauber und grün ist, leben die Menschen in grauen, trostlosen Slums. Dort befinden sich die Lotus Klinik und das Children’s Home Waisenheim. Beides wurde durch die SANNI Foundation gebaut und wird noch heute von uns unterhalten. Gemanagt werden die Einrichtungen vom holländischen Arzt Dr. Frank Smithuis, früher für Médecins Sans Frontières tätig, und seiner burmesische Frau Dr. Ni Ni Tun. Beide haben die Organisation Medical Action Myanmar (MAM) gegründet, die ein Netzwerk von Kliniken in den ärmsten Regionen Myanmars betreut.
Mit grosser Professionalität und unermüdlichem Einsatz kämpft das Team um das Leben unterernährter Kinder, HIV-Patienten und Tuberkulose-Kranken. Besonders liegt uns die Lebensrettung der Kleinsten am Herzen, die oftmals vereinsamt, schutzlos, ohne Familie und schwerkrank, unterernährt und mit HIV infiziert auf dieser Welt sind.
Unsere Tagesklinik, die wir zusammen mit der Organisation Rolf Schnyder Foundation gebaut haben und unterhalten, ist in einem tollen Zustand. Hunderte von Menschen warteten geduldig im Eingangsbereich, um an die Reihe zu kommen. Sie haben die unterschiedlichsten Krankheiten wie Malaria, Dengue Fieber, einige von ihnen Tuberkulose oder sie sind HIV infiziert. Teilweise kommen sie von weit her. Dass sie hier kostenlos und mit viel Mitgefühl umsorgt werden, hat sich inzwischen rumgesprochen. Pro Jahr werden derzeit rund 55.000 Patienten kostenlos behandelt.
Ein weiteres, für uns sehr wichtiges Programm, ist das der Patenschaften. Für 360.- CHF pro Jahr oder einer einmaligen Spende in unseren Kinderfonds unterstützten wir Kinder aus ärmlichsten Verhältnissen. Die Kleinen bekommen die lebenswichtigen Medikamente, vitaminreiche Nahrung, Liebe und Fürsorge.
Es ist jedes Mal ein Höhepunkt, die Kinder in dem eigens für sie gebauten Spielbereich zu besuchen!
Welch Freude, diese noch vor Jahren unterernährten und schüchternen Kinder zu sehen! Sie trugen alle die nur für sie gemachten SANNI T-Shirts, durch die sie sich nun als Teil von einer Gemeinschaft fühlen. Die Kleinen sehen von Jahr zu Jahr gesünder aus und haben ihr Lächeln wiedergefunden. Das Wissen, dass jemand an sie glaubt, ihre Familie unterstützt und sie in die Schule schickt, gibt ihnen das nötige Selbstvertrauen.
Das Waisenheim, welches für Kinder gebaut wurde, die überhaupt niemanden haben, ist sehr gepflegt. Unser Ziel ist nicht, ein Heim mit vielen Kindern zu betreiben, sondern eine häusliche Atmosphäre zu bieten. Die Kinder sangen uns Lieder vor und machten jedem von uns ein Geschenk, was uns sehr rührte!
Am nächsten Tag besuchten wir mit den Kindern einen Amusement Park. Viele der Kinder konnten noch nie die Slums verlassen und staunten nicht schlecht, Achterbahn, Wasserrutsche und Boxautos zu sehen! Die Angestellten von MAM bereiteten hingebungsvoll Spiele wie Eierlaufen etc. für die Kinder vor, die uns mindestens so viel Spass wie ihnen bereiteten! Am Ende des Nachmittags kamen kleine Kinder auf mich zu und umarmten mich so fest, da sie sich für den für sie und auch für uns unglaublichen Tag bedanken wollten.
Die Jugendlichen, Kinder und Erwachsenen zu sehen, ihre erfreuliche Entwicklung zu erleben, ihre Begeisterung zu spüren und zu wissen, dass unsere finanziellen Mittel vertrauensvoll und zweckgebunden dort eingesetzt werden, wo sie dringend benötigt werden, ist die grösste Motivation für unsere Arbeit. Sie spornt uns immer wieder dazu an, weiterzumachen, um noch mehr Menschen zu einem besseren Leben verhelfen zu können.
Susanne Schroff, Januar 2019