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Elemente
Ätherische
Öle,
[* 2] eine Reihe stark riechender, flüchtiger, bei gewöhnlicher
Temperatur meist flüssiger organischer
Substanzen, die sich größtenteils im
Pflanzenreich fertig gebildet vorfinden und zwar hauptsächlich
in den
Blüten, Samen
[* 3] und Fruchtschalen der stark riechenden
Pflanzen. Sie sind meist sehr leicht beweglich im Gegensatz zu
den fetten
Ölen, mit Wasser wenig, mit
Alkohol und
Äther leicht mischbar, brennen lebhaft mit rußender Flamme
[* 4] und sind chemisch
ziemlich indifferent. Einzelne Ö., wie
Terpentinöl und
Citronenöl, waren schon den Alten bekannt, besonders
aber wurden sie aus zahlreichen
Pflanzen von den Alchimisten dargestellt, die in ihnen die wirksamen
Bestandteile der
Pflanzen
(ihre
Quintessenz) vermuteten.
Die Ö. fehlen fast in keiner Pflanze, kommen jedoch nur in einer beschränkten Anzahl in großen Mengen vor. Entweder finden sie sich im Zellsaft gelöst oder in besondern Zellen und Gefäßen, den Öldrüsen und Olgängen, aufgespeichert. Manche Ö. erhält man durch Fermentwirkung, Einwirkung von Säuren oder trockne Destillation auf andern Pflanzenprodukten, wie das Bittermandelöl. Mehrere der hierher gehörenden Substanzen hat man auch auf künstlichem Wege erhalten.
Die
Darstellung der Ö. geschieht entweder aus frischen, sehr vielfach aber auch aus getrockneten
Pflanzen.
Im erstern Falle ist sie an den Ort des Wachstums der
Pflanzen gebunden, wo dann häufig zu diesem Zweck Massenkulturen dieser
Pflanzen ausgeführt werden, wenn sie nicht durch klimatische Verhältnisse in reichlicher Menge wild wachsen;
im andern Falle wird die Abscheidung der
Öle in eigenen Fabriken vorgenommen, in denen die aus allen
Ländern und allen
Weltteilen
zusammengebrachten Pflanzenteile verarbeitet werden. Bei der Herstellung kommen folgende Methoden in Betracht:
1) Auspressen der frischen Pflanzenteile. In den äußern Schichten der Schalen der Orangen, Citronen und anderer Früchte findet sich das Öl in großen Drüsen; diese Früchte werden auf einer Art Reibeisen abgeraspelt, aus der so erhaltenen Masse fließt durch das Pressen das Öl mit dem Safte ab und wird von letzterm auf mechan. Wege getrennt.
2) Destillation [* 5] der frischen Pflanzenteile, angewandt z. B. bei der Gewinnung des Rosenöls. Die frischen Blüten oder sonstigen Pflanzenteile werden mit Wasser so lange destilliert, als das Übergehende noch riecht. Je nach dem Gehalt der Pflanzen scheidet sich aus dem Destillat mehr oder weniger Öl ab, oder es bleibt auch alles gelöst; nach Abscheidung des Öls [* 6] unterwirft man das wohlriechende Wasser einer zweiten Destillation, wobei das darin noch enthaltene Öl mit den ersten Anteilen der Wasserdämpfe übergeht. Man erhält so wieder einen Anteil Öl nebst wohlriechendem Wasser, letzteres wird wieder der gleichen Behandlung unterworfen u. s. w.
3) Destillation trockner Pflanzenteile. Die auf diese Weise zu verarbeitenden Substanzen, Samen, Kräuter, Holz, [* 7] Wurzeln, werden zunächst durch Zerquetschen, Zerschneiden, Raspeln, Mahlen auf geeignete Weise vorbereitet und dann entweder unter Zusatz von Wasser oder ohne Wasser in Destillationsapparaten durch direkt einströmenden Dampf [* 8] erhitzt, wobei die Öe mit den Wasserdämpfen sich verflüchtigen und mit diesen gemeinsam verdichtet werden. Nachdem das Öl vom Wasser mittels der Florentiner [* 9] Flasche [* 10] (s. d.) getrennt ist, wird das noch mit Öl gesättigte Wasser entweder sofort in den Destillationsapparat zurückgeleitet oder in einem besondern Apparat der Rektifikation, wie bei der Destillation frischer Pflanzenteile, unterworfen.
4) Extraktion. Die trocknen Pflanzenteile werden in geeigneten
Apparaten mit flüchtigen Lösungsmitteln, wie
Äther, Petroleumäther,
Schwefelkohlenstoff, ausgezogen, das Extrakt in Destillierapparaten gelinde erwärmt, wobei das Lösungsmittel
verdunstet, während das
ätherische Öl, gemengt mit Fett, Harz und dergleichen
Substanzen, zurückbleibt und durch
Destillation
mit Wasser gereinigt wird.
Manche Pflanzendüfte sind so subtiler Beschaffenheit, daß sie sich nur fixieren lassen, indem man sie auf einen andern Körper, der sie festzuhalten vermag, überträgt. Hierzu eignet sich nichts so gut wie vollkommen frisches, gut geläutertes Fett, das man schmelzt und bei möglichst niedriger Temperatur mit den Pflanzenteilen maceriert. Das so mit Wohlgeruch beladene Fett dient entweder zur Herstellung von Pomaden, oder es wird mit feinem Alkohol geschüttelt, an den es das Riechende abgiebt. Einzelne Riechstoffe widerstehen dieser Behandlung: sie lassen sich aber auf kaltes Fett übertragen, indem man die Blüten zwischen mit weichem Fett bestrichene Glastafeln legt, wobei der Geruch vom Fett aufgenommen wird. (S. Enfleurage.)
Die meisten Ö. sind bei gewöhnlicher Temperatur flüssig, manche scheiden aber bei niedriger Temperatur feste krystallinische Substanzen aus, die man nach Berzelius als Stearoptene (auch Kampfer) bezeichnet, während der flüssige Teil Eläopten genannt wird. Im reinen Zustande sind die A. Ö. meist farblos, manche aber gelb bis braun, selten grün oder blau gefärbt. Neben einem starken, oft sehr angenehmen Geruch besitzen sie einen brennenden, scharfen Geschmack. Sie sind zumeist leichter als Wasser, lösen Fette und Harze auf, sieden bei einer Temperatur von über 100°, verflüchtigen sich aber schon bei gewöhnlicher Temperatur ziemlich schnell und erzeugen daher auf Papier und Tuchstoffen keinen bleibenden Ölfleck. ¶
forlaufend
31 Die Ö. bilden keine abgeschlossene chem. Gruppe. Sehr viele gehören zwar zu den Terpenen (s. d.), wie das Terpentinöl, Bergamottöl u.s.w., Kohlenwasserstoffen von der Zusammensetzung C10H16;
andere aber enthalten sauerstoffhaltige Verbindungen, z. B. Aldehyde, wie das Zimmetöl;
Ketone, wie das Rautenöl;
Säuren, wie das Nelkenöl;
Ester, wie das Wintergrünöl;
auch Alkohole und Phenole.
Von einem gleichartigen chem. oder physik. Verhalten kann daher keine Rede sein, von ihren nähern
Eigenschaften wird aus diesem Grunde bei den einzelnen
Ölen in besondern Artikeln gehandelt.
An der Luft absorbieren die meisten A. Ö. Sauerstoff, wobei die nicht zur Klasse der Terpene gehörenden sich in
nichtflüchtige harzartige Produkte verwandeln. Die Anwendung der O. ist eine sehr mannigfaltige. Vorzugsweise benutzt man
sie in der Parfümerie zur Darstellung wohlriechender Seifen,
Öle, Pomaden, Esprits, Wässer u. dgl.; ferner zu Liqueuren
(Kümmel, Anis u. s. w.), zum Würzen von Speisen; auch als Heilmittel werden einige benutzt, und die billigen dienen
als Lösungsmittel für Harze zur Firnisbereitung.
Infolge ihres oft hohen Preises sind viele Ö. Verfälschungen ausgesetzt, und wohl auf keinem Gebiete der chem. Industrie
wird diese Fälschung so offenkundig, so systematisch betrieben wie auf diesem, da die chem.
Analyse nur sehr unvollkommene Mittel zur Unterscheidung und Erkennung der echten A. Ö. darbietet. Gewisse
Zusätze, wie fette
Öle, Alkohol, Chloroform, sind allerdings leicht nachzuweisen, allein diese bilden die Ausnahme; die Regel
ist die Fälschung mit andern wohlfeilen Ö. (Terpentinöl, Citronenöl, Eukalyptusöl), die sich oft weder durch Reaktionen
noch durch ihre Zusammensetzung von den der Verfälschung unterworfenen unterscheiden, und bei denen man
einzig und allein auf den Geruch angewiesen ist, der sich zwar durch Übung sehr schulen läßt, aber dennoch Täuschungen
unterworfen ist. –
Vgl. Husemann-Hilger, Die Pflanzenstoffe (2. Aufl., Berl. 1848);
Bornemann, Die
Öle des Pflanzen- und
Tierreichs (2 Tle., 5. Aufl., Weim. 1889–91).