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«Jiddisch hat für Macht, Strategie, Politik ganz wenige Wörter, weil sie nie in der Regierung war. Für Natur gibt es wenige Wörter, aber dreimal so viel wie im Deutschen für zwischenmenschliche Beziehungen.» peggy lukac, glbt-news
Geschichte
Jiddisch, oder yiddish, ist eine Sprache ohne Land, die überall auf der Welt gesprochen wird. Es ist die Sprache der Aschkenasim und stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Etwa 15 Prozent des Vokabulars stammen aus dem Hebräischen (es wird auch mit hebräischen Buchstaben und von rechts nach links geschrieben), mit zahlreichen Einflüssen aus dem Polnischen, Russischen, Ukrainischen, Rumänischen und Slowenischen. Das Westjiddisch wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Niederlande und nach Oberitalien gesprochen, das Ostjiddisch in Osteuropa. Aufgrund der Auswanderungen sind heutzutage Israel und Nordamerika die Zentren der jiddischen Kultur. Ein jiddisches Wort kann viele verschiedene Schreibweisen haben im Deutschen (Jiddisch) und im amerikanischen Englischen (yiddish) – zuweilen verwirrend und vielleicht nichts für Puristen. Viele rümpften früher die Nase über das Jiddisch und bezeichneten es als „jargon“. Wegen seiner Fähigkeit, Wörter aus anderen Sprachen aufzunehmen, ist es unglaublich reichhaltig, offen, und es hat viel Geschichte.
Jiddisch heute
Jiddisch wird heute noch gesprochen, in Amerika, besonders in New York, Kanada, in Südamerika, in Frankreich, Australien, Südafrika, auch hier in der Schweiz (es gab sogar ein Schweizer Jiddisch). Es besteht eine grosse literarische Tradition, berühmte Autoren sind zum Beispiel Scholem Alejchem und Isaac Bashevis Singer. Es gibt in Israel eine reichhaltige Szene des jiddischen Theaters, Abraham Goldfaden gilt als dessen Vater der ersten „Jiddischen Bühne“ in Jassy, Rumänien. Vor dem Zweiten Weltkrieg sprachen über 11 Millionen Menschen Jiddisch. Das unfassbare Unglück dieses Krieges und des Naziterrors fügten dem Jiddisch einen unermesslichen Schaden zu. Die „mames un tates“ lebten nicht mehr, um ihre Sprache liebevoll ihren Kindern weiterzugeben. – Grosse Anstrengungen gab es und gibt es, besonders in Israel und in Amerika, dass die Sprache weiterlebt. Und die orthodoxen Juden sprechen sie immer noch, in den verschiedensten Länden. Auch hier in der Schweiz, wie der kleine Auschnitt aus der NZZ beschreibt:
«In der Schweiz werden noch ostjiddische Dialekte gesprochen, die mit der jüdischen Einwanderung Anfang des 20. Jahrhunderts aus Osteuropa in die Schweiz gelangten und vor allem in orthodoxen Familien weiter tradiert wurden. Das Schweizer Jiddisch – Surbtaler oder Endinger Jiddisch genannt – ist hingegen Ende des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Lediglich einzelne Redewendungen und Ausdrücke haben sich in der Alltagssprache bewahrt. Einige werden auch von Nichtjuden rege verwendet, beispielsweise "Stuss" für "Unsinn"». NZZ, 8.2.2013, Sibilla Bondolfi