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Das Keltentum als solches bestand eigentlich aus einem eher lockeren Verbund aus regional unterschiedlich geprägten Kulturen. Die historischen Druiden kennen wir vor allem vom ollen Cäsar und ein paar anderen gelahrten Schreiberlingen. Fakt ist, dass sich die Aufgaben der keltischen Druiden mit dem Übergang vom Nomadenleben zur Sesshaftigkeit deutlich gewandelt haben. Die Bestimmung der Jahreszeiten durch Sonnenstand und Tierzeichen, die Wettervorhersage durch Wolken, Tier und Naturbeobachtung waren essentiell für das Überleben einer Ackerbaugesellschaft. Eben so wichtig wurde es, Nachrichten zwischen den einzelnen Stämmen zu überbringen um Bündnisse zu schliessen, zu verhandeln oder sich vor kriegerischen Bedrohungen zu warnen. Ausserdem verfügten die Druiden über ein immenses Heilwissen und die Fähigkeit mit Tieren, Bäumen und anderen Wesen in Kontakt zu treten.
Hintergrund:
Zu Beginn der Sesshaftigkeit wählten keltische, wie auch vorgriechische und gewisse germanische Stämme jedes Jahr einen neuen König. Dieser hatte in einer rituellen Vereinigung, dem Hierogamus als Stellvertreter des Fruchtbarkeits- beziehungsweise Stammesgottes die Stammeserde, dargestellt durch eine weisse Stute respektive die Hohepriesterin zu befruchten. Nach Ablauf seiner Regierungszeit wurde er mehr oder weniger rituell geopfert. In Irland beispielsweise ging er rituell „unter die Erde“, um danach wieder auf zu erstehen. Einzige Ausnahme war, wenn er von allen seinen Untertanen begnadigt wurde. Die Auswahl möglicher Kandidaten und die rituelle Leitung dieser Königschaft durchs Jahr oblag der Priesterkaste, vertreten durch die weis(s)en Frauen und die Druiden.
Die weissen Frauen, die Druidinnen verfügten über ein immenses Heilwissen, kannten sich in allen Angelegenheiten rund um die Kräfte des Mondes und des Wassers, sowie sämtliche Fruchtbarkeitsbelange aus. Ihre krankenpflegerischen Fähigkeiten sind eben so legendär wie die Folgen ihres Zorns. Parzen, Moiren, Nornen(doch!), Banshees… Bis ins Mittelalter waren sie in Europa bekannt und geschätzt für ihre Fähigkeiten.
Die männlichen Druiden wurden schon früh durch Krankheit, spezielle Fähigkeiten oder Omen auf den „Weg der Alten“ berufen. Nach einer intensiven theoretischen und praktischen Grundausbildung spezialisierten sie sich in einem von drei möglichen Ästen. Das ist es, was Cäsar als Ovaten, Barden und Druiden bezeichnet. Ovaten waren seiner Meinung nach für den Orakel und Opferdienst zuständig, Barden quasi das „Radio“ der Kelten untereinander und die Druiden die seiner Meinung nach Höchstgestellten als Königsberater und Politiker. – Typisch Römer!
Glücklicherweise haben die Druiden nicht nur in neuromantischen Neodruidenorden überlebt. Deshalb wissen wir, das ein zentrales Dictum des Druidentums besagt: „Keines Herrren Untertan, keines Untertanen Herr“. Eine Rangfolge ist der ursprünglichen Druidenphilosophie völlig wesensfremd. – Wo doch sogar das Königsamt, wie oben beschrieben, eine höchst unkomfortable Ehre war.
Die drei Wege:
Die drei Äste des Druidentums verliefen bei Männern wie bei Frauen entlang von Triskelen, welche nicht voneinander gelöste, sondern verbundene Einheiten darstellten. So umfasste nur schon die Grundausbildung nicht nur Auswendiglernen und Beeinflussung durch Wort und Musik, sondern auch das Heilwissen und eine vertiefte Ausbildung in Astronomie und Naturbeobachtung.
Die mächtigsten Heiler(innen) unter ihnen, verschrieben sich voll und ganz dem Frieden, der Harmonie und dem Wissen um die heilsamen Kräfte der Gedanken, Kräuter, Steine und der verschiedenen Wässer. Bekannt sind hier die Weisse Dame vom See, oder die Herrin der Apfelinsel (ein Hinweis auf Idun oder die Hesperiden).
Die wenigen welche sich mit der Kraft der Sexualität und der Fruchtbarkeit, sowohl des Landes als auch der Menschen befassten, gingen den roten Weg. Ihre Aufgabe bestand darin, immer und immer wieder Hass durch Vermittlung und Liebe aufzulösen und so Krieg zu verhindern. Als dieses Wissen in Vergessenheit geriet, fiel das Matriarchat und die Macht des letzten Zweiges wurde stärker. Bekannt sind heute noch die Bacchantinnen, die „roten Häuser“ und Fragmente im indischen Raum.
Ursprünglich wäre der schwarze Weg eigentlich der dualistische Weg des Männlichen gewesen doch leider, wie überall gab es Druiden, welche nach Macht trachteten. Diese waren es auch, welche den Pfad des Todes der Angst und der Menschenopfer gingen. Schwarzkutten, welche bis und vor allem im Mittelalter ihre Scheiterhaufen im Namen des Herrn(!) entzündeten. Erkennbar an Freudlosigkeit, Strenge und inhaltsentleerter Faktengelehrsamkeit trifft man sie heute noch zuweilen auf Kanzeln, Gerichten und unter Gelahrten an.
Kehren wir in bessere Zeiten zurück: Die Fähigkeiten der Druiden waren unvergleichlich: Manche Barden wie Amyrgin vermochten durch ihren Gesang ganze Heere davon abzuhalten aufeinander los zu gehen. Druiden wie Merlin ernannten durch Weissagung Könige und sagten ihren Untergang voraus. Heilerinnen wie die Herrin vom See schliesslich vermochten Todgeweihte dem Grab zu entreissen und sie ins Leben zurück zu führen. Doch vergessen wir nie wieder: Sie taten dies nach bestem Wissen als „Keines Herren Untertan, keines Untertanen Herr“.
Der bekannteste Druide ist, neben Miraculix selbstverständlich, Merlin. In jungen Jahren verfiel er, als Teilnehmer einer Schlacht angesichts des Leidens und der Grausamkeit des Krieges in den „Wahnen-Sinn“. Er floh in den Wald, damals ein sehr gefährlicher Ort, und überlebte – Immer noch im Wahn. Durch dieses extreme, unfreiwillige Leid erwarb er gewisse Fähigkeiten. Ihn wieder völlig in die Gesellschaft zu integrieren, schlug auf fürchterliche Weise fehl. Im Kreise seiner Bäume und Tiere allein war ihm das Leben auf Dauer erträglich. Dort ging er schliesslich konsequent den Weg der Harmonie und des Gleichgewichts zwischen den Kräften. Er erwarb den Ruf grosser Weisheit. Auf Drängen beriet er einen König bei gewissen Bauproblemen, ja liess ein ganzes Schloss durch seinen Gesang aus dem Boden emporsteigen. Demselben König verhalf er auf Drängen auch durch Täuschung zu Liebesglück. – Und sagte die gravierenden Folgen voraus. Er war es, welcher den jungen Artus durch das Schwertorakel zum neuen König bestimmte. Er verpflichtete ihn dazu eine runde Tafel zu bauen, an der keiner höher gestellt sei als der andere – Auch der König nicht. Aber Artus war nur ein Mensch, so war er durch Liebe und Macht angreifbar. Als das Reich Artus, wie von Merlin vorausgesagt unterging, liess sich Merlin von einer seiner Schülerinnen, Morgana in ein Gefängnis aus Luft oder Kristall einschliessen, um die Zeiten bis zur Wiederkehr des neuen Königs zu überdauern. – Glaube es oder nicht, aber nicht unweit vom offiziellen „tombeau de Merlin“ findet sich eine Quelle, welche direkt unterhalb zweier uralter Bäume entspringt, deren Wurzeln in dichter Umarmung verwoben sind.