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Ein von Greenpeace veröffentlichter Bericht zeigt, wie Produzenten von schnelllebigen Konsumgütern (FMCG) wie Nestlé, Coca-Cola und PepsiCo die Ausweitung der Plastikproduktion vorantreiben. Sie bedrohen damit das globale Klima und Gemeinschaften auf der ganzen Welt. Der Bericht «Klimakrise unverpackt: Wie Konsumgüter-Konzerne die Plastikexpansion der Erdölkonzerne anheizen» deckt die geschäftlichen Verbindungen zwischen den weltweit grössten FMCG-Unternehmen und den Erdölunternehmen auf.
Nestlé verbraucht jährlich 1’524’000 Tonnen Plastik – das entspricht 7’620’000 Tonnen CO2-Emissionen – und ist Mitglied in verschiedenen konservativen Lobbyorganisationen. Um das Klima und die Umwelt zu schützen, muss Nestlé seine Abhängigkeit von Erdölkonzernen und Einwegverpackungen beenden und konsequent in Mehrweg-Lösungen investieren.
«Die immergleichen Lebensmittelgiganten, die die Plastikkrise anheizen, tragen auch zur Klimakrise bei», sagt Matthias Wüthrich, Zero-Waste-Experte bei Greenpeace Schweiz. «Trotz ihrer Bemühungen, klimafreundlich zu erscheinen, arbeiten multinationale Unternehmen wie Nestlé mit Erdölkonzernen zusammen, um die Plastikproduktion auszuweiten. Diese Expansion steht im Widerspruch zum Ziel, die globale Erwärmung unter 1,5°C zu halten.»
Wie multinationale Konsumgüter- und Ölkonzerne kooperieren
Die Ursprünge des Plastiks und seine Entwicklung
Über 99 Prozent des Plastiks wird aus Erdöl und Erdgas hergestellt, der in jeder Phase seines Lebenszyklus (Gewinnung, Raffinierung, Produktion, Verarbeitung, Transport, Entsorgung und auch Recycling) Treibhausgasemissionen verursacht. Die Erdölindustrie sieht ihre Geschäfte in den Sektoren Verkehr und Energie bedroht und investiert massiv in die Produktion von Neuplastik und von Plastik, der durch sog. «chemisches Recycling» hergestellt wird. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Recycling, sondern um Plastik-zu-Erdöl-Technologien, wie der Greenpeace-Bericht erläutert. Einwegverpackungen machen den grössten Anteil (ca. 40 Prozent) der weltweiten Endverwendung von Neuplastik aus. FMCG-Unternehmen gehören zu den grössten Abnehmern und spielen damit eine Schlüsselrolle bei der Ausweitung der Plastikproduktion.
Obwohl die Plastik-Lieferketten weitgehend undurchsichtig sind, deckt Greenpeace im Bericht auf, dass alle neun untersuchten grossen Konsumgüter-Firmen Beziehungen zu mindestens einem grossen Erdöl- und/oder Petrochemie-Unternehmen haben. Dem Bericht zufolge kaufen Nestlé, Coca-Cola, PepsiCo, Mondelēz, Danone, Unilever, Colgate Palmolive, Procter & Gamble und Mars ihre Verpackungen bei Herstellern, die von bekannten Konzernen wie ExxonMobil, Shell, Chevron Phillips, Ineos und Dow mit Kunststoffgranulat oder Petrochemikalien beliefert werden. Wegen der mangelnden Transparenz in diesen Beziehungen können sich die Konsumgüterhersteller weitgehend der Verantwortung für Umwelt- oder Menschenrechtsverletzungen entziehen, die von den Unternehmen begangen werden, die den Plastik für ihre Verpackungen liefern.
Recycling und Lobbyismus
Multinationale Lebensmittelkonzerne arbeiten ausserdem seit Jahrzehnten mit der Erdöl-Industrie zusammen, um den Mythos Plastikrecycling zu fördern, obwohl dieses nicht funktioniert. Der Greenpeace-Bericht zeigt, dass die beiden Industrien kooperieren, um Gesetze zur Beschränkung von Einwegverpackungen zu verhindern und für das sogenannte «chemische Recycling» zu lobbyieren. FMCG-Unternehmen haben sich mit Erdöl-Konzernen zusammengetan, um Pyrolyseanlagen zu entwickeln (die Plastik in erdöl-ähnliche Stoffe zurückverwandeln, was – wie oben ausgeführt – fälschlicherweise als «Recycling» bezeichnet wird). Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit von Nestlé und Mars mit Total und Recycling Technologies.
Darüber hinaus arbeiten diese Lebensmittel- und Ölgiganten oft über Front-Organisationen zusammen, darunter die Alliance to End Plastic Waste und der American Chemistry Council. Sie propagieren falsche Lösungen für die Plastikkrise. Diese Bündnisse scheinen sich von Keep America Beautiful inspirieren zu lassen, einer Organisation, die in den 1950er Jahren in den Vereinigten Staaten gegründet wurde, um die Idee zu fördern, dass die Verantwortung für den Abfall bei den Konsumenten und nicht bei den Unternehmen liege. Die Organisation ist nach wie vor aktiv und hat BlueTriton Brands (bis vor kurzem Nestlé Waters North America), Mars, PepsiCo und Dow Chemical in ihrem Vorstand.
Nestlé ist auch Mitglied der Recycling-Partnerschaft, die zu Investitionen in das Recycling aufruft, während sie die Einführung von Gesetzen für ein Flaschenpfand hinauszögert. Diese Lobbyarbeit findet auch in Europa statt: Nestlé, Coca-Cola, Danone und eine Reihe von Kunststoff-Herstellern sind Mitglieder von Verpackung mit Zukunft, einer österreichischen Front-Organisation, die sich für die Verbreitung von Plastikverpackungen einsetzt und die Einführung von Mehrwegquoten für Verpackungen im Einzelhandel bekämpft.
«Es ist klar, dass viele Konsumgüterunternehmen ihre engen Beziehungen zu Erdöl- und petrochemischen Unternehmen verbergen wollen. Aber dieser Bericht zeigt, in welchem Ausmass sie auf gemeinsame Ziele hinarbeiten, die den Planeten verschmutzen und Gemeinschaften weltweit schaden. Wenn diesen Konzernen die Umwelt wirklich am Herzen läge, würden sie diese Allianzen beenden und sofort von Einwegplastik abrücken», fasst Matthias Wüthrich von Greenpeace Schweiz zusammen.
Wachsende Plastik-Produktion
Wenn sich nichts ändert, könnte sich die Plastikproduktion bis 2050 verdreifachen, so die Schätzungen der Industrie. Das CIEL (Center for International Environmental Law) schätzt, dass dieses Wachstum die weltweiten Lebenszyklus-Emissionen von Plastik bis 2030 im Vergleich zu 2019 um mehr als 50 Prozent erhöhen wird. Das entspricht der Leistung von fast 300 Kohlekraftwerken. Um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssten die Emissionen im gleichen Zeitraum gemäss IPCC aber um fast 50 Prozent gesenkt werden.
Greenpeace fordert die Konsumgüterhersteller auf, dringend auf Mehrwegsysteme und verpackungsfreie Produkte umzustellen. Die Konzerne müssen alle Einweg-Plastikprodukte eliminieren und ihren Plastik-Fussabdruck, einschliesslich des Klima-Fussabdrucks ihrer Verpackungen, transparenter gestalten.
Greenpeace fordert die Regierungen auf, ein ehrgeiziges globales Abkommen über Kunststoffe zu unterstützen, das den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen berücksichtigt, und Rechtsvorschriften und politische Massnahmen einzuführen, um von Einwegprodukten wegzukommen.