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Die Richtung des Windes wird vermittelst einer Windfahne bestimmt, welche hoch und frei angebracht ist und
sich leicht drehen lassen muß. Um die Windrichtung in den höhern Luftschichten zu bestimmen, pflegt man den Zug
der Wolken zu
beobachten. Die Richtung des Wolkenzugs in verschiedener Höhe kann unter sich und von der Windrichtung an der Erdoberfläche
verschieden sein. Nach einem Beschluß des ersten Meteorologenkongresses zu Wien
[* 5] 1873 sind die englischen
Bezeichnungen der Windrichtungen für den internationalen Gebrauch allgemein eingeführt.
Die Richtung und Stärke des Windes ist an der Erdoberfläche von den örtlichen Verhältnissen stark beeinflußt. Auf dem Meer
wehen die Winde
[* 9] in größerer Stärke und Regelmäßigkeit als über dem Festland, und auf diesem findet man wiederum in Ebenen
und Tiefländern im allgemeinen gleichmäßigere, regelmäßigere und frischere Winde als in den Bergländern,
wo infolge der Terrainunterschiede der Luftbewegung ein größerer Widerstand sich entgegenstellt. Je höher man sich über
die Erde erhebt, desto freier und unbehinderter wird die Bewegung der Luft und desto größer die Kraft
[* 10] des Windes.
Um die Windverhältnisse eines gegebenen Ortes zu ermitteln, bestimmt man, wie oft während eines längern
Zeitraums ein jeder der acht Hauptwinde (N, NE, E, SE, S, SW, W, NW) weht. Trägt man die Zahlen, welche dies angeben, auf die
entsprechenden Punkte eines in acht gleiche Teile geteilten Horizontalkreises auf, so erhält man die Windrose des betreffenden
Ortes. Zum Überblick der Häufigkeit der verschiedenen Winde für einen bestimmten Zeitraum gibt man meistens
Prozentzahlen der beobachteten Windrichtungen inkl. der Windstillen an und trägt diese nach einem bestimmten Maßstab
[* 11] nach
den acht Hauptstrichen der Windrose auf.
Auf diese Weise findet man, daß in den meisten Gegenden der Erde eine Windrichtung während des ganzen
Jahrs oder zu einer bestimmten Zeit desselben am häufigsten auftritt (die vorherrschende Windrichtung). In manchen Gegenden
und zu manchen Jahreszeiten
[* 12] ist diese letztere von einer Häufigkeit, gegen welche alle andern Windrichtungen zurücktreten;
in andern Gegenden und Zeiten ist dieselbe weniger hervortretend. An einigen Punkten herrscht dieselbe Windrichtung das ganze
Jahr hindurch, an andern wiederum wechselt sie mit den Jahreszeiten.
Man unterscheidet demnach 1) konstante Winde, die das ganze Jahr hindurch aus derselben Richtung in überwiegender Häufigkeit
wehen, so die Passatwinde (s. d.);
2) periodische Winde, welche in bestimmten Jahres- und Tageszeiten eine überwiegende Häufigkeit haben, deren Richtung aber
mit den Jahres- und Tageszeiten wechselt: Monsune (s. d.), Land- und Seewinde;
3) gewöhnliche vorherrschende Winde. In Europa
[* 13]
sind im Januar im allgemeinen die südwestlichen Winde vorherrschend, mit Ausnahme
der östlichen Länder des Mittelmeers,
[* 14] wo nordöstliche Winde überwiegen. Die Ostküste von Island
[* 15] hat nördliche Winde, die
Nordküste und Westküste südöstliche. Im ganzen nordwestlichen Asien
[* 16] herrschen südwestliche Winde, im
östlichen Asien nordwestliche bis nördliche, im südlichen Asien nördliche bis nordöstliche (Nordostmonsune) und im südwestlichen
Sibirien östliche Winde vor. Im Juli sind die herrschenden Winde in Europa im ganzen westlicher als im Januar. In Osteuropa und
Westasien gehen sie in nordwestliche und nördliche, im südlichen Asien in südwestliche, an der chinesischen
Küste in südliche, weiter im N. in südöstliche und östliche Winde über, und an der sibirischen Nordküste sind östliche
und nördliche Winde die vorherrschenden.
Die hauptsächlichste Ursache des Windes ist die verschiedene Größe des Luftdrucks, und zwar weht der Wind aus den Gegenden,
welche höhern Luftdruck besitzen, nach denjenigen Gegenden hin, in welchen ein niedrigerer Luftdruck besteht
(vgl. Wetter).
[* 17] Rings um ein Maximum des Luftdrucks (s. unten) müßte, wenn die Differenz im Luftdruck die einzige Ursache für
die Richtung des Windes wäre, der Wind auf allen Seiten nach außen hin, d. h. auf der Nordseite
von S. nach N., auf der Westseite von O. nach West, auf der Südseite von N. nach S., auf der Ostseite von West nach O. wehen,
und ebenso müßte rings um ein Minimum des Luftdrucks (s. unten) der Wind auf allen Seiten nach innen wehen, nämlich auf der
Nordseite von N., auf der Westseite von West, auf der Südseite von S., auf der Ostseite von O. Diese
ursprüngliche geradlinige Richtung vom höhern nach dem niedrigern Luftdruck wird aber durch die Umdrehung und die Kugelgestalt
der Erde sowie durch die Zentrifugalkraft
[* 18] verändert.
Die Umdrehung der Erde von West nach O. bewirkt nämlich, daß der Wind auf der nördlichen Halbkugel in Bezug
auf seine Richtung nach rechts, auf der südlichen nach links abgelenkt wird. Ein Luftteilchen, welches sich z. B.
auf der nördlichen Halbkugel von S. nach N. in Bewegung gesetzt hätte, würde, während die Erde sich unter ihm von West nach
O. hinwegdreht, seine Richtung nach und nach immer mehr in eine westliche verwandeln, d. h. seine Bahn
hat eine Drehung nach rechts oder im Sinn der Zeiger einer Uhr
[* 19] erfahren.
verkleinert. Die Wirkung dieser beiden Einflüsse und die Beziehung der Windrichtung zu dem Luftdruck läßt sich in folgender
Regel (Buys-Ballotsche Windregel) darstellen: »Wendet man dem jeweilig wehenden Wind den Rücken zu, so hat man auf der nördlichen
Halbkugel den höchsten Luftdruck zur Rechten und etwas nach hinten, den niedrigsten zur Linken und etwas
nach vorn; auf der südlichen Halbkugel aber den höchsten zur Linken und etwas nach hinten und den niedrigsten zur Rechten
und etwas nach vorn«.
Nach dieser Regel kann man also aus dem zu irgend einer Zeit an einem bestimmten Ort wehenden Wind die
Richtungen bestimmen, in welchen der zu derselben Zeit stattfindende höchste und niedrigste Luftdruck
vorhanden ist. Die Luft, welche infolge der Druckdifferenzen aus den Gegenden mit höherm Luftdruck nach denen mit niedrigerm
geführt wird, kann hier nicht angehäuft werden, sondern muß beständig abfließen und zwar auf einem andern Weg, als auf
welchem sie zuströmte.
Daher wird sich in den Gegenden eines barometrischen Minimums ein aufsteigender Luftstrom bilden, der in
den obern Schichten der Atmosphäre ebenfalls zu Bewegungen der Luft Veranlassung gibt. Aus demselben Grund wird sich über einem
barometrischen Maximum ein absteigender Luftstrom bilden. Das bekannte und durch langjährige Beobachtungen als sicher und
richtig festgestellte Dovesche Drehungsgesetz der Winde (auch nur als Regel, wie die Buys-Ballotsche, aufzufassen),
nach welchem der an einem bestimmten Orte der Erde und im regelmäßigen Verlauf sich im Sinn der Zeiger einer Uhr oder mit der
Sonne dreht, also auf der nördlichen Halbkugel von N. durch O., S. und West bis wieder N., auf der südlichen
Halbkugel von S. durch O., N. und West bis wieder S., läßt sich ebenso wie die zahlreichen von Dove selbst anerkannten Abweichungen
von diesem Gesetz, nämlich das Zurückspringen oder Krimpen des Windes gegen die Richtung der regelmäßigen Drehung, durch
die oben dargestellten Beziehungen zwischen Luftdruck und Windrichtung einfach als Folge derselben erklären,
während Dove diese Drehung des Windes an einem Ort früher durch das gegenseitige Verdrängen und Zurückweichen der beiden
hauptsächlichsten Luftströmungen, des warmen, feuchten Äquatorial- und des kalten, trocknen Polarstroms, zu erklären versucht
hat. Gegenwärtig faßt man diese Erscheinung der zuerst von Dove als thatsächlich vorhanden erkannten
Drehung des Windes als Folgen der Einwirkung der verschiedenen Verteilung des Luftdrucks auf.
Nicht nur die Windrichtung, sondern auch die Stärke des Windes hängt von den Differenzen im Luftdruck ab. Da, wo auf einem
größern Flächenraum der Luftdruck sehr gleichmäßig ist, und wo die Unterschiede desselben nur sehr
gering sind, ist die Luft wenig bewegt, und es herrschen dort Windstillen oder nur leichte Winde vor; je größer aber der Unterschied
des Drucks (oder des Barometerstandes) zwischen zwei verschiedenen Stationen ist, desto stärker weht der an dem Ort mit dem
niedrigern Luftdruck.
Sowohl in Bezug auf die Richtung des Windes als auch in Bezug auf seine Stärke haben die neuern Untersuchungen eine tägliche
Periode nachgewiesen. In Bezug auf die Windrichtung hat sich ergeben, daß, außer dem bekannten Wechsel von Land- und Seewinden
sowie vonBerg- und Thalwinden, in Gegenden, in welchen die Windverhältnisse weder durch zu große Nähe
des Meers noch durch Gebirge beeinflußt werden, eine entschiedene Tendenz des Windes vorherrscht, sich von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr
nachmittags mit der Sonne, also in der Richtung NOSW. zu drehen und dann bis zum Abend wieder in seine ursprüngliche
Richtung zurückzukehren.
Auf hohen Berggipfeln ist die tägliche Periode in der Winddrehung in umgekehrter Weise beobachtet. Die Größe dieser Schwankung
ist bei östlichen Winden
[* 23] und klarem Himmel
[* 24] bedeutender als bei trüber Witterung und westlichen Winden. In Bezug auf die tägliche
Periode der Windstärke hat sich gezeigt, daß sie auf dem Meer nur schwach auftritt und sich vorzugsweise
auf Landstationen zeigt. Auf diesen ist die Windstärke am schwächsten in der Nacht und am größten zur Zeit der größten
Tageswärme. Auf Berggipfeln ist die Windstärke ebenso wie auf dem Meer am geringsten um Mittag und am größten in der Nacht
oder in den Morgenstunden.