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Rückenschmerzen
Rückenschmerzen, das heisst Schmerzen im Bereich von Brust- und Lendenwirbelsäule, gehören in der Schweiz zu den häufigsten körperlichen Beschwerden. Etwa acht von zehn Schweizerinnen und Schweizern werden innerhalb eines Jahres davon heimgesucht. Am häufigsten sind dabei Kreuzschmerzen, das heisst, der untere Rücken ist betroffen; die Schmerzen werden dann im Bereich der Lendenwirbelsäule, des Kreuzbeins und des Gesässes gespürt, häufig mit Ausstrahlung ins Bein. Plötzlich auftretende, heftige Kreuzschmerzen nennt man umgangssprachlich auch Hexenschuss.
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Symptome
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Rückenschmerzen bezeichnet man innerhalb der ersten sechs Wochen ihres Bestehens als akut. Von subakuten Rückenschmerzen spricht man, wenn sie weitere sechs Wochen lang anhalten. Rückenschmerzen, die bereits länger als zwölf Wochen bestehen, nennt man chronisch.
Meist unspezifische Rückenschmerzen
Bei circa neun von zehn Betroffenen sind Rückenschmerzen unspezifisch, das heisst, sie können nicht eindeutig durch einen körperlichen Defekt oder eine Organerkrankung erklärt werden. Man spricht dann auch von nicht-spezifischen oder funktionellen Rückenschmerzen. Solche Schmerzen werden in der Regel durch Muskelverspannungen oder Fehlbelastungen von Zwischenwirbelgelenken und den benachbarten Strukturen verursacht.
Unspezifische Rückenschmerzen betreffen in der Regel den unteren Rücken, das Gesäss und die Oberschenkel. Der meist dumpfe, ziehende Schmerz ist mal stärker, mal schwächer; er verstärkt sich bei bestimmten Körperhaltungen und -bewegungen, etwa beim Beugen oder Drehen der Wirbelsäule in eine bestimmte Richtung. Ebenfalls für unspezifische Rückenschmerzen spricht, wenn die Beschwerden erstmalig im Alter zwischen 20 und 55 Jahren aufgetreten sind.
Selten Nervenwurzelschmerzen
In weniger als 5 von 100 Fällen liegt den Rückenschmerzen die Irritation einer Nervenwurzel zugrunde, das heisst, einer der Nervenstränge, die durch die knöchernen Seitenlöcher der Wirbelsäule laufen, ist in Bedrängnis geraten, etwa durch einen Bandscheibenvorfall. Das heisst übrigens nicht, dass jeder Bandscheibenvorfall zu einer Nervenwurzelirritation und dadurch zu Nervenschmerzen führt; die meisten Bandscheibenvorfälle verursachen keine starken Schmerzen und bleiben oft sogar gänzlich unbemerkt.
Bei Nervenschmerzen – etwa aufgrund einer Reizung des Ischiasnervs oder dessen Nervenwurzeln – ist der Schmerz im Bein meistens stärker als der eigentliche Rückenschmerz und strahlt bis in den Fuss oder die Zehen aus. Der Schmerzcharakter wird als scharf, elektrisierend und immer wieder plötzlich einschiessend beschrieben; das allein ist allerdings kein Beweis für Nervenschmerzen. Empfindungsstörungen der Haut oder Lähmungserscheinungen sowie eine verminderte Grundspannung der Muskulatur können hinzukommen. Echte Nervenschmerzen wie Ischiasschmerzen sind selten und werden oft fälschlicherweise angenommen, wenn eigentlich nur die Muskulatur verspannt oder die Wirbelgelenke und Bänder überlastet sind, letztlich also unspezifische Rückenschmerzen vorliegen. Das kann der Arzt nur aufgrund einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung unterscheiden.
Notfall im Rückenmarkskanal
In sehr seltenen Fällen können das untere Ende des Rückenmarks oder die darunter im Rückenmarkskanal verlaufenden Nervenwurzeln, etwa durch einen Bandscheibenvorfall, so stark in Bedrängnis geraten, dass schnelles Handeln angezeigt ist, um bleibende Nervenschäden bis hin zur Querschnittslähmung zu vermeiden. Wichtige Warnsignale sind unfreiwilliger Stuhl- oder Urinabgang, Berührungsunempfindlichkeit im Bereich des Afters und ein rasches Fortschreiten ausgeprägter Lähmungserscheinungen der Beine. Dann sollten Sie unverzüglich eine operative Klinik aufsuchen.
Andere seltene Ursachen
In etwa 1 bis 2 von 100 Fällen liegt den Rückenschmerzen eine andere Erkrankung, eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule oder eine Verletzung, etwa ein Wirbelbruch durch einen schweren Unfall oder aufgrund von Knochenschwund (Osteoporose), zugrunde. Zu den seltenen Ursachen von Rückenschmerzen zählen unter anderem Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, andere Autoimmunerkrankungen, etwa eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Tumore oder eine Infektionskrankheit – beispielsweise eine Borreliose oder eine HIV-Infektion. Meistens sind die Rückenschmerzen dann von weiteren Symptomen begleitet, die auf die zugrunde liegende Ursache hinweisen.
Eine entzündliche Erkrankung als Schmerzursache kommt in Betracht und sollte vom Rheumatologen abgeklärt werden
- wenn sich tief sitzende Kreuzschmerzen langsam steigernd vor dem 40. Lebensjahr entwickelt haben.
- bei ausgeprägter Steifigkeit der Wirbelsäule oder der Hand- und Fingergelenke, besonders morgens.
- bei Schuppenflechte.
- wenn Durchfall oder blutige Stühle auftreten.
- bei Ausfluss aus der Harnröhre.
- wenn nahe Verwandte von chronisch entzündlichen/rheumatischen Erkrankungen betroffen sind.
Eine andere zugrunde liegende Erkrankung oder Verletzung könnte vorliegen, wenn
- neu aufgetretene Rückenschmerzen durch Ruhe und Hinlegen nicht besser werden.
- die Beschwerden erstmalig vor dem 20. oder nach dem 55. Lebensjahr aufgetreten sind.
- die Schmerzen nach einem Unfall aufgetreten sind, etwa nach einem Sturz aus grosser Höhe oder einem schweren Verkehrsunfall.
- Schmerzen im Brustkorb und Atemnot auftreten.
- bereits eine Tumorerkrankung festgestellt wurde.
- die Rückenschmerzen bei ihrem erstmaligen Auftreten von Fieber begleitet waren.
- kortisonähnliche Medikamente (Glukokortikoide) eingenommen werden.
- eine Gürtelrose (Herpes zoster) festgestellt wurde.
- der Betroffene eine Suchterkrankung hat oder HIV-positiv ist.
- Beinschmerzen nach einem Zeckenstich aufgetreten sind.
- ein ausgeprägter Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache vorliegt.
Treffen einer oder mehrere dieser Punkte zu, dann ist eine besonders sorgfältige ärztliche Abklärung ratsam.
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Behandlung
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Bei Nervenwurzelschmerzen und bei Rückenschmerzen, die auf einer anderen Erkrankung oder Verletzung beruhen, orientiert sich die Behandlung an der jeweiligen Ursache. Bei unspezifischen Rückenschmerzen, das heisst in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle, ist das wichtigste Behandlungsziel, zu verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden oder wiederkehren. Die wichtigste Massnahme, um dies zu erreichen, ist in Bewegung bleiben und zwar vom ersten Tag der Beschwerden an. Experten empfehlen, die gewohnten Bewegungsabläufe zu Hause und bei der Arbeit nicht wegen der Schmerzen einzustellen, auch wenn es in den ersten Tagen schwerfällt. Die früher häufig verordnete Bettruhe ist Gift: Stärkere und länger anhaltende Schmerzen sind die Folge. Alle passiven Massnahmen wie Schmerzmittel oder Wärmeanwendungen stehen in der zweiten Reihe: Sie dienen nur dazu, die Schmerzen so weit zu reduzieren, dass man seinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen und sich regelmässig sportlich betätigen kann. Niemals sollten passive Behandlungen dazu verleiten, die Bewegung zu vernachlässigen.
Mix aus Bewegung und Entspannung
Bei neun von zehn Betroffenen gehen unspezifische Rückenschmerzen innerhalb von vier Wochen vorbei, ohne dass weitere Behandlungen erforderlich wären. Spätestens wenn die Schmerzen länger als sechs Wochen anhalten, ist es notwendig, mit physiotherapeutischen Übungen und einem systematischen Bewegungsprogramm unter Anleitung des Physiotherapeuten zu beginnen. Dabei kann man ruhig die Bewegungsform auswählen, die einem am meisten Spass macht; entscheidend ist nämlich nicht, was man macht, sondern ob man am Ball bleibt. Infrage kommen dabei unter anderem Pilates, funktionelle Bewegungsschulung im Rahmen der Rückenschule, Yoga, Qigong, Schwimmen und Wassergymnastik. Wenn man regelmässige Bewegung mit Psychotherapie kombiniert, etwa mit Verhaltenstherapie, können ungünstige Schmerzverarbeitungsmuster schrittweise «umgelernt» und der Schmerzchronifizierung noch wirksamer Einhalt geboten werden. Eine der effektivsten verhaltenstherapeutischen Schmerzbehandlungen ist das Biofeedback. Eine sinnvolle Ergänzung sind auch Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Übungen nach der Feldenkrais-Methode oder die Mindfulness-basierte Stressreduktion (MBSR).
Physikalische und manuelle Therapien
Sowohl Wärmebehandlungen wie etwa heisse Bäder, Sauna, Fangopackungen oder Wärmepflaster als auch Kälteanwendungen wie kalte Wickel oder Kühlpacks können Rückenschmerzen lindern. Bei neu aufgetretenen Schmerzen, etwa einem Hexenschuss, kommt eher Kälte, bei länger dauernden Schmerzen und Muskelverspannungen eher Wärme infrage; was als wohltuend erlebt wird, ist aber auch individuell unterschiedlich. Eine Kombination aus kurzfristiger Kühlung und anschliessender Wärmeproduktion kann durch Einreibung mit gewissen ätherischen Ölen erreicht werden. Während der Schwangerschaft ist bei der Verwendung von ätherischen Ölen jedoch Vorsicht geboten, wenden Sie sich bei Fragen an ihren Gesundheits-Coach.
Die mit einer Wärme- oder Kälteanwendung gewonnene Lockerung der Rückenmuskulatur kann unmittelbar im Anschluss für krankengymnastische Übungen oder die Bewegungstherapie genutzt werden. Massagen und andere manuelle Behandlungen wirken sowohl über physikalische Faktoren als auch über die wohltuende körperliche Zuwendung entspannend und schmerzlindernd. Manche Rückenschmerzgeplagte scheinen von Akupunktur zu profitieren, andere von Schröpfen, Blutegelanwendungen oder dynamischen Magnettherapien, das heisst der Anwendung magnetischer Wechselfelder.
Medikamentöse Behandlung
Um eine ausreichende Beweglichkeit wiederherzustellen, kann die kurzfristige Behandlung mit Schmerzmitteln über einen Zeitraum von maximal 14 Tagen sinnvoll sein. Als Schmerzmittel kommen unter anderem Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol infrage. Ebenfalls wirksam und besonders gut verträglich sind pflanzliche Schmerzmittel, etwa auf Basis von Weidenrinde oder Teufelskrallenwurzel. Bei Magnesiummangel können Magnesiumpräparate muskelentspannend und damit auch schmerzlindernd wirken. Bei chronischen Rückenschmerzen kann die Einnahme bestimmter Antidepressiva unter Umständen sinnvoll sein. Diese Mittel helfen nämlich nicht nur gegen Depressionen, sondern erhöhen auch die Schmerzschwelle und wirken dadurch schmerzlindernd.
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Verlauf, Komplikationen, Besonderheiten
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Die meisten Menschen mit unspezifischen Rückenschmerzen machen sich grosse Sorgen, dass etwas in ihrem Rücken nachhaltig beschädigt ist. Diese Sorge ist aber unbegründet – unspezifische Rückenschmerzen sind gewissermassen der Schnupfen unter den Rückenschmerzen. Sie sind zwar lästig, aber harmlos und vergehen in der Regel innerhalb von vier bis sechs Wochen. Bei höchstens 7 von 100 Betroffenen dauern sie länger als zwölf Wochen an, das heisst, sie werden chronisch. Dann ist eine multimodale Schmerztherapie angezeigt, das heisst ein Therapiemix aus Bewegung, psychotherapeutischen Elementen und je nach Problemstellung aus weiteren Bestandteilen wie Entspannungsverfahren oder Ergotherapie.
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Ursachen, Risikofaktoren und Häufigkeit
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Der Rücken ist ein sehr komplexes System aus Wirbeln, Bandscheiben, Bändern, Muskeln und einem dichten Netz von Nervenfasern, das untrennbar mit den Wahrnehmungs- und Steuerungsfunktionen des Gehirns in Verbindung steht. Das System Rücken ist mit einem sehr komplizierten Mobile vergleichbar. Kommt es an einer Stelle zu einem Ungleichgewicht, kann das zu Muskelverspannungen und Schmerzen an einer ganz anderen Stelle führen. Eine Muskelverspannung macht Schmerzen, die wiederum zu weiteren Verspannungen und Fehlhaltungen führen – ein Teufelskreis. Ebenfalls in einen Teufelskreis kann die Angst münden, die Schmerzen würden ein schweres gesundheitliches Problem anzeigen. Angst verstärkt Anspannung und Schmerzen, was wiederum beängstigend wirkt.
Filterfunktion des Gehirns
Wie stark ein Schmerzreiz, etwa durch einen verspannten Muskel, sein muss, um eine bewusste Schmerzwahrnehmung auszulösen, hängt überwiegend vom Zustand des Gehirns ab. Das Gehirn wirkt dabei wie eine Art Filter – je durchlässiger dieser ist, desto niedriger ist die Schmerzschwelle. Sorgen, Dauerstress, Depressionen, Bewegungsmangel, Schlafmangel und vieles mehr schwächen die Filterfunktion des Gehirns und machen empfindlicher für Schmerzreize. Lebensmut, die Erfahrung, dass Schmerzen nach einiger Zeit nachlassen, Bewegung, Lebenszufriedenheit, menschliche Zuwendung und Intimität dagegen stärken die Filterfunktion und erhöhen die Schmerzschwelle. Alles, was die Filterfunktion beeinträchtigt, erhöht dementsprechend das Risiko für Schmerzerkrankungen und vor allem auch für chronische oder wiederkehrende Rückenschmerzen.
Volkskrankheit unspezifische Rückenschmerzen
In den westlichen Industrieländern leiden neun von zehn Menschen mindestens einmal in ihrem Leben unter unspezifischen Rückenschmerzen. Etwa die Hälfte hat innerhalb des vergangenen Jahres zumindest zeitweise Rückenschmerzen gehabt. Bei etwa sieben von zehn Betroffenen kehren die Schmerzen innerhalb eines Jahres wieder.
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Vorbeugung
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Ein gut trainiertes Muskelkostüm ist der beste Schutz für Wirbelgelenke und Bandscheiben. Die wichtigste Massnahme zur Vorbeugung von chronischen oder wiederkehrenden Rückenschmerzen ist deshalb regelmässige Bewegung. Besonders rückenfreundliche Sportarten sind unter anderem Schwimmen, Wassergymnastik (Aquafitness), Radfahren und Wandern. Wer Übergewicht hat, kann seine Wirbelsäule entlasten, indem er abnimmt – ebenfalls durch regelmässigen Ausdauersport und durch eine gesunde, kalorienreduzierte Ernährung. Genügend trinken ist Balsam für die Bandscheiben, denn sie bestehen zu etwa 80% aus Wasser und büssen an Elastizität und Tragfähigkeit ein, wenn sie unter Wassermangel leiden. Wer Dauerstress und Burn-out vermeidet, schützt sich zusätzlich vor chronischen oder wiederkehrenden Rückenschmerzen. Menschen, die eine psychische Erkrankung haben, etwa eine Depression oder eine somatoforme Störung, können durch eine geeignete Behandlung dieser Erkrankung ihr Risiko für unspezifische Rückenschmerzen nachhaltig verringern.
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Wirkstoffe
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