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Niederwasser-198
stände das Ertragsergebnis bedeutend. Zur Förderung des derart in finanzielle Bedrängnis geratenen Unternehmens ist von der Regierung mit der Gesellschaft ein Übereinkommen abgeschlossen worden, welches durch entsprechende staatliche Beihilfe (jährlich 250,000 Guld. unverzinsliche, nicht rückzahlbare Subvention und 250,000 Guld. unverzinslicher, rückzahlbarer Zuschuß, beides für die Dauer von 10 Jahren) den Fortbestand des unentbehrlichen Unternehmens sichern und die Gesellschaft befähigen soll, die dagegen übernommenen Verpflichtungen in Bezug auf die Erhaltung der Personenschiffahrt auf der österreichischen obern Donaustrecke und die Aufrechthaltung, event. Erweiterung der Güterschiffahrt sowie die Rekonstruktion des Schiffsparkes zu erfüllen.
Anderseits läßt die der
Regierung gesicherte
Teilnahme an der
Verwaltung und der derselben in Bezug auf
Tarife und
Reglements vorbehaltene Einfluß erwarten, daß die
Gesellschaft zu einer den Wirtschaftsinteressen entsprechenden
Tarifpolitik bestimmt werden wird. Zur nachhaltigen
Hebung
[* 3] der
Dreisinnige-Dampfschiffahrtsgesellschaft muß allerdings auch mit der
ungarischen
Regierung eine Verständigung herbeigeführt werden. Ebenso werden sich die beiden
Regierungen
über die Fortsetzung der von der
Gesellschaft betriebenen
Fahrten von
Galatz nach
Odessa
[* 4] und
Batum,
[* 5] welche dieselbe als gänzlich
passiv an die russische fürstlich Gagarinsche
Dreisinnige-Schiffahrtsgesellschaft abzutreten willens war, zu einigen haben.
Der Aufschwung des Unternehmens ist jedenfalls von der gänzlichen Beseitigung der Schiffahrtshindernisse (des
Strudels bei
Grein, der
Untiefen bei
Gönyö und der
Klippen
[* 6] am
Eisernen
Thor) und von der dauernden
Erhaltung des
Stromes
in schiffbarem Zustand abhängig. Die im
Oktober 1890 auf der obern
Dreisinnige abgehaltene Stromschau und die seitens
Ungarns beim
Eisernen
Thor in
Angriff genommenen Regulierungsarbeiten bieten die Gewähr, daß in Bezug auf Fahrbarmachung dieser Hauptwasserstraße
radikale Abhilfe geschaffen wird.
Die Umwandlung des Donaukanals bei
Wien
[* 7] in einen
Handels- und Winterhafen bildet einen Teil der projektierten
Wiener Verkehrsanlagen.
Lebhaft befürwortet wird endlich die Herstellung eines in
Wien einmündenden
Dreisinnige-Oderkanals, durch welche Wasserstraße ein
neuer
Verkehr zwischen dem
Norden
[* 8] und
Süden des
Reiches geschaffen und die Zufuhr von Massenartikeln, insbesondere
von
Kohle, nach der Reichshauptstadt erleichtert und gefördert würde.
Döpfner,
Joseph,
Freiherr von, österreich.
General (Bd.
18), starb in
Wien, nachdem er im April d. J. zum lebenslänglichen Mitglied des
Herrenhauses ernannt worden war.
Dorn, 1)
Heinrich,
Komponist, starb in
Berlin.
[* 9] Dowsongas zum Betrieb von Gasmaschinen (s. d.).
Drehstrom, s. Mehrphasenstrom. Drehstrommaschine, s.
Elektrische Maschinen.
[* 10] Drehstrommotoren, s.
Elektromotoren. Dreiklangpfeife,
s.
Dampfpfeife.
[* 11]
Dreisinnige (Taubstummblinde) und deren
Erziehung. Unter den bedeutsamen Fortschritten, welche die letztvergangenen
Menschenalter der Erziehungskunst brachten, steht unbestritten die erziehliche
Pflege der
Vier sinnigen in erster
Reihe.
Bis
auf den
Abbé de l'Epée (gest. 1789) und
Samuel
Heinicke (gest. 1790) galten die Taubstummen mit verschwindenden
Ausnahmen für unfähig jeder geistigen
Ausbildung und wurden demgemäß behandelt; sie waren eine unfruchtbare
Last der
Erde
und der menschlichen
Gesellschaft.
Wenn die
Blinden etwas besser daran waren, so blieb doch auch bei ihnen ganz der
Gunst
der Umstände überlassen, ob der einzelne auf den Weg einer praktischen
Ausbildung der ihm verliehenen
Gaben gelangte oder
nicht. Erst seit
Valentin
Hauy (gest. 1822) gibt es planmäßige Blindenbildung in eigens dafür errichteten Anstalten.
Die von diesen verdienten Männern gestreute Saat mußte erst durch eine Reihe von Jahrzehnten heranwachsen und erstarken, bevor man den Gedanken fassen konnte, für viersinnige Kinder ebenso wie für vollsinnige allgemeine Schulpflicht gesetzlich einzuführen. Auch heute noch fehlt viel an der Verwirklichung dieser Forderung, aber sie gehört zu denen, die, einmal aufgestellt, nicht wieder verstummen können und, wenn nicht ganz unvorgesehene Hemmnisse den Strom der Kultur gewaltsam unterbrechen, in absehbarer Zeit innerhalb der geistig führenden Nationen der Erde sicher befriedigt werden.
Schon gilt es der öffentlichen Meinung als selbstverständlich, daß für die Erziehung taubstummer und blinder Kinder nach den Regeln der neuern Pädagogik gesorgt werden muß; und der Weg, auf dem dies für alle solche ermöglicht werden wird, ist durch die steigende Zahl und die stets zunehmende Tüchtigkeit der Anstalten gewiesen, die bereits nicht mehr als Stätten heroischer, außergewöhnlicher Menschenliebe, sondern als notwendige Glieder [* 12] im heutigen Schulwesen angesehen werden.
Aber wie oft erst durch das helfende Entgegenkommen die
Größe des menschlichen
Elends zu
Tage tritt, so
auch hier. Daß es auch
dreisinnige oder taubstummblinde
Kinder gibt, hat man vor dem Aufkommen der Heilpädagogik in deren
beiden angedeuteten
Zweigen kaum geahnt. Glücklicherweise kommt eine derartige Verkümmerung der menschlichen
Natur nicht
häufig vor.
Blinde und Taubstumme kommen ungefähr je1 auf 1000
Menschen, für Blindtaubstumme gibt es noch keine
Statistik.
Indes steht fest, daß in verschiedenen Ländern auch solche Unglückliche wiederholt gefunden wurden, und die moderne Pädagogik darf es als einen ihrer schönsten Triumphe ansehen, daß es gelungen ist, auch eine Anzahl solcher, scheinbar für die Außenwelt durchaus unzugänglicher Geschöpfe zu einer gewissen und in mehreren Fällen gar nicht besonders niedrigen Stufe der Bildung zu erheben. Der berühmteste und zugleich der erste allgemeiner bekannt gewordene Fall dieser Art ist der der Amerikanerin Laura Dewey Bridgman, die, in Hanover (New Hampshire) geboren, seit 1837 in der von Samuel Howe (1801-76) geleiteten Blindenanstalt zu Boston [* 13] mit Erfolg ausgebildet ward.
Ihr in
Boston erfolgter
Tod hat das rege
Interesse, das in den 40er
Jahren und darüber hinaus ihre Bildungsgeschichte
auf beiden Seiten des Weltmeeres fand, neu erweckt und in
Amerika
[* 14] eine kleine Litteratur von
Schriften wachgerufen, die von
verschiedenen Standpunkten aus das seltene
Phänomen betrachten. In deutscher
Sprache
[* 15] gibt vom
Leben und
Ergehen der berühmten
Dreisinnigen wie von dieser Litteratur eine genaue, auch philosophisch- und besonders psychologisch-kritische
Übersicht die ansprechende
Schrift des
Wiener
Professors
Wilhelm
Jerusalem:
[* 16]
Laura Bridgman;
Erziehung einer Taubstummblinden, eine
psychologische
Studie (2. Aufl.,
Wien 1891). Über den äußern Lebensgang der
Laura Bridgman erfahren wir
von ihm das Folgende: Sie wurde ihren Eltern, wohlhabenden Farmern von mäßiger
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Bildung, als gesundes Kind 1829 geboren. Mit zwei Jahren hatte sie bereits einige Worte plappern und einzelne Buchstaben des Alphabets kennen gelernt, als sie durch ein Scharlachfieber Gehör [* 18] und Gesicht [* 19] verlor. Das Gehör war sofort gänzlich geschwunden; das rechte Auge [* 20] blieb noch einige Jahre so weit empfänglich für Lichteindrücke, daß eine im Dunkel brennende Kerze, [* 21] das von der Sonne [* 22] erhellte Fenster oder ein nahe gebrachter weißer, vielleicht auch scharlachroter Gegenstand ihre Aufmerksamkeit erweckte, ohne jedoch ihr Eindrücke zu geben, die irgend geistbildend hätten wirken können. Da auch Geruch und Geschmack des Kindes nicht besonders scharf waren, blieb sie für den Verkehr mit ihrer Umgebung fast ausschließlich auf den Tast- und Gefühlssinn angewiesen.
Dennoch lernte sie im wesentlichen sich sicher durch das elterliche Haus zu tasten und hatte, wie spätere schriftliche Aufzeichnungen beweisen, ein gewisses Verständnis für das wirtschaftliche Thun der Mutter, die begreiflicherweise das hilflose Kind selten von der Seite ließ. Auch eine begrenzte Anzahl natürlicher Gebärden, die sich allmählich zur anerkannten Zeichensprache über die unentbehrlichsten Bedürfnisse des Verkehrs befestigten, war in Übung. So bedeutete Streicheln des Gesichts Zufriedenheit, Schlagen des Rückens Unzufriedenheit der Eltern, Ausstrecken der Hand [* 23] Hunger des Kindes, Streichen einer Hand über die andre den Wunsch, Butter zum Brote zu erhalten etc. Oft genug jedoch ward Laura nicht verstanden und geriet dann in Wut, die nur durch väterliche Züchtigung eingedämmt werden konnte.
Mütterliche Geduld brachte dem unglücklichen Mädchen, das die Thätigkeit der Mutter mit tastenden Händen zu verfolgen liebte, auch die Anfangsgründe des Strickens, Flechtens, Nähens bei. Howe, der in jungen Jahren den griechischen Freiheitskrieg mitgemacht und beschrieben, hatte inzwischen die Blindenanstalt in seiner Vaterstadt begründet und zu Blüte [* 24] gebracht. Er hörte von der kleinen Blindtaubstummen und erreichte von den Eltern, daß sie ihm zur Ausbildung anvertraut ward. Im 8. Lebensjahr trat Laura in die Anstalt ein.
Die Geschichte ihrer Erziehung und ihres Unterrichts kann hier in ihren einzelnen Stufen nicht verfolgt werden. Durch ein sinnig erdachtes Verfahren brachte man der Kleinen zunächst bei, daß Gegenstände, später auch Eigenschaften, Thätigkeiten etc., durch momentan dargestellte Zeichen, Typen in Blindenschrift, dargestellt werden könnten. Leichter ging es dann von der Zusammensetzung der Worte aus Metalllettern zur Fingersprache der Taubstummen und endlich zur Blindenschrift fort, da mit der Übung die Findigkeit zunahm und jeder Fortschritt in Können und Verstehen der Schülerin selbst die innigste Freude bereitete.
»Im Laufe von 2 Jahren hatte Laura die Sprache sich so weit angeeignet, daß sie sich mit denjenigen Personen, welche die Fingersprache der Taubstummen kannten, direkt verständigen und auch schriftlich mit ihren Lieben verkehren konnte«; dies selbstredend damals erst im bescheidensten kindlichen Sinne. Auch in die ideale Welt erhob sich ihr Geist immer sicherer, so daß sie über Gott, Schöpfung, Vorsehung, selbst über die geschichtlichen Grundlagen und die Hauptlehren des Christentums in der Art schlichter Leute, deren Gefühl lebendiger wirkt als ihr kritischer Verstand, mit gutem Urteil zu reden vermochte.
Selbst einige Gedichte von ihr gibt es, die eigenartige, wenngleich nicht gerade ausgezeichnete Vorstellungen zum Ausdruck bringen. 50 Jahre nach ihrem Eintritt in die Bostoner Anstalt (1887) bereitete diese ihrer berühmtesten Schülerin eine Jubelfeier, wozu die Gefeierte eine erbauliche Ansprache verfaßte, die den Festgästen vorgelesen ward. Ihre Grundstimmung in Hinsicht des eignen Daseins drückt, obzwar sie die Mängel ihrer körperlichen Ausrüstung wohl erkannte und empfand, ein Wort aus, das als ein Zeugnis von ihr, der fast grausam von der Natur Geprüften, Howe und seine Mitarbeiterinnen mit gerechtem Stolz erfüllte: »Wie froh bin ich, daß ich geschaffen bin!« Unter voller Würdigung der humanitären und philanthropischen Seite des Falles unterzieht Jerusalem ihn nach allen in Betracht kommenden Seiten eingehender wissenschaftlicher Analyse, worin ihm der amerikanische Gelehrte Stanley-Hall, Präsident der Clark University zu Worcester (Massachusetts), bereits durch Versuche und Beobachtungen physiologischer Art an der noch lebenden Laura Bridgman (1879) vorangegangen ist.
Nur einzelnes kann hier daraus hervorgehoben werden. Wichtig erscheint der Anteil, den die Erlernung der Sprache auch ohne
Laut bei der kleinen
Dreisinnigen für die Entwickelung eines höhern Geisteslebens überhaupt, namentlich
für die Verwandlung der einzelnen Vorstellungen in feste, allgemeine Begriffe ausgeübt hat; nicht minder für den stufenweisen
Fortschritt der begrifflichen Abstraktion und die dadurch bedingte Denkfähigkeit des Kindes, das übrigens auch wie andre
Blinde es zu einem verhältnismäßig hohen Grade der Einbildungskraft brachte, welche ihm z. B. ermöglichte,
genaue geographische und topographische Kenntnisse über ein nicht allzu enges Gebiet sich anzueignen.
Lebhaft entwickelt war Lauras Empfänglichkeit im Aufnehmen wie Sicherheit im vergleichenden Abschätzen und treuen Bewahren von Zeitvorstellungen. Jerusalem widmet dieser Erscheinung besondere Aufmerksamkeit und erblickt darin eine Stütze für seine schon anderweit vorgetragene geistreiche Hypothese, wonach die Zeitvorstellungen überhaupt aus dem Bewußtwerden der innern Spannung bei geistiger Arbeit erwachsen. Sehr erklärlich, daß das Bewußtsein der innern Arbeit bei der Einschränkung auf den einen Kanal [* 25] zur Aufnahme äußerer Eindrücke ein besonders lebhaftes und unzerstreutes war.
Endlich wird besonderes Gewicht darauf gelegt, daß Laura Bridgman eine Anzahl zunächst unwillkürlicher Töne (ihr selbstverständlich nur durch Tastsinn und Muskelgefühl als Bewegungen bewußt), die sie bei Berührung mit den Personen ihrer nächsten Umgebung ausstieß, allmählich zu bewußt festgehaltenen Quasinamen für die einzelnen erhob; allerdings eine sehr merkwürdige Thatsache, welche die Ansicht zu bestätigen scheint, daß menschliche Sprache überhaupt aus den vom Momente des Ursprunges allmählich gelösten und selbständig ausgebildeten Gefühlslauten entstanden ist.
Noch nicht benutzen konnte Jerusalem den Befund der Sektion des Gehirns der Laura Bridgman, der nach der Angabe seines Rezensenten
im »Litterarischen Zentralblatt« (Nr. 45 des Jahrganges 1891) inzwischen von Donaldson im »American Journal of
Psychology« veröffentlicht worden ist. Wie bereits angedeutet, steht der im vorigen etwas ausführlicher besprochene
Erfolg der Taubstummblinden-Bildung nicht ganz einzeln da. Jerusalem führt am Schlusse seines Berichtes drei
Dreisinnige auf, deren kürzere
oder längere Behandlung im Bostoner Institut die Bildungsfähigkeit solcher Unglücklichen ebenfalls bestätigt. Genauer geht
er dann auf ein noch in der Erziehung begriffenes Mädchen, Helene Keller aus Tuseumbia (Alabama), ein, das
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Taubstumme
Blinde, Personen, die in früher Jugend, vor dem schulpflichtigen Alter, taub und blind geworden sind. Da sie somit von den fünf Sinnen des Menschen nur auf drei (Fühlen, Riechen, Schmecken) beschränkt sind, so nennt man sie auch Dreisinnige. Auf etwa 1 Mill. Menschen wird ein taubstummer Blinder gerechnet. In neuerer Zeit ist es gelungen, auch ihnen die Kenntnis des Lesens (durch Betastenlassen allgemein gebrauchter Dinge, wie Messer, [* 27] Gabel, Löffel, Schlüssel, auf denen die Benennung in Blindenschrift angebracht ist) und der Fingersprache (wobei sie die Hände des mit ihnen Sprechenden anfassen) beizubringen, sowie sie in den Stand zu setzen, ein Handwerk (Drechslerei, Korbmacherei, Bürstenbinderei) zu betreiben. Der bekannteste Fall ist die taubstummblinde Amerikanerin Laura Bridgman (1829-89), die in der Blindenanstalt zu Boston lesen und schreiben lernte. Andere Fälle kamen vor in Lausanne, [* 28] Dresden [* 29] (Jahresbericht der dortigen Blindenanstalt von 1861) und an andern Orten Deutschlands. [* 30] -
Vgl. Charles Dickens, American notes (Lond. 1842; betrifft die Laura Bridgman);
Stötzner, Altes und Neues aus dem Gebiet der Heilpädagogik (Lpz. 1868);
Jerusalem, Laura Bridgman.
Eine psychol. Studie (Wien 1890).