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14. Dezember 2022 | Geschichte
Verfasser: Werner Lüthi, Burgdorf
Nach der «Encyclopedia Brittannica» sind immergrüne Bäume, Kränze und Girlanden schon bei den alten Ägyptern, Chinesen und Hebräern als Symbol für das ewige Leben verwendet worden. Die Verehrung von Bäumen ist auch von den heidnischen Europäern bekannt. Aus Skandinavien kennt man den Brauch, Haus und Scheune zu Neujahr mit immergrünen Pflanzen zu schmücken, um böse Geister abzuhalten. Auch zur Wintersonnenwende, der Wiedergeburt des Lichtes und der Hoffnung, wurden Häuser mit Tannenzweigen geschmückt. Die Wintersonnenwende fiel vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders nicht auf den 21., sondern auf den 25. Dezember. Um es den heidnischen Völkern möglichst einfach zu machen, zum christlichen Glauben überzutreten, wurden viele traditionelle Feste einfach übernommen und mit einer neuen Bedeutung belegt, so auch das christliche Weihnachtsfest.
Den ersten Weihnachtsbaum sollen Bäcker 1419 in Freiburg im Breisgau mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen geschmückt haben. Vom Schmücken der Wohnstube mit grünen Tannenzweigen, den «Weihnachtsmeien», wurde bereits Ende des 15. Jahrhunderts aus Ortschaften des Oberrheins berichtet. Als Wiege des Christbaums gelten deshalb das Elsass und die Gebiete auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins. So wird auch bereits 1539 der Verkauf von Tannenbäumen für das Christfest in Strassburg dokumentiert. Tannenbäume waren zunächst selten und teuer, und nur die reiche Bürgerschaft konnte sich einen Weihnachtsbaum leisten. Der erste Lichterschmuck an einem Weihnachtsbaum wird 1660 am Hannoverschen Hof dokumentiert. Im 17. und 18. Jahrhundert werden mit Kerzen geschmückte Weihnachtsbäume zunehmend auch bei häuslichen Familienfesten verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich der lichtergeschmückte Weihnachtsbaum endgültig durch, zunächst in reformierten, später auch in katholischen Familien.
Die Weihnachtsbäume waren anfangs vor allem mit roten Äpfeln geschmückt. Später kamen Gebäck und Nüsse dazu. Der Baumschmuck wurde in den Familien selber angefertigt. Im Laufe der Zeit wurden die Äpfel und Nüsse in Goldfolie verpackt, was dem Baum eine besondere Wirkung verlieh.
Der preussische König Friedrich der Grosse liess den Weihnachtsbaum mit vergoldeten Kartoffeln schmücken, die die Paradiesfrucht auf besondere Art darstellen sollte. Jedes Jahr mussten die Äpfel, die irgendwann verfaulten, neu angefertigt werden, was sich damals nicht alle Leute leisten konnten. Der Legende nach war es ein armer Glasbläser aus dem thüringischen Städtchen Lauscha, der sich die teuren Äpfel und Baumnüsse nicht leisten konnte und deshalb im Jahre 1847 ein Glasfläschchen zur ersten Christbaumkugel aufgeblasen haben soll, damit er den Weihnachtsbaum der Familie dennoch schmücken konnte. Damit war die Christbaumkugel geboren.
In Nürnberg wurde 1610 das Lametta erfunden. Es symbolisiert Eiszapfen und wurde zuerst nur silbrig, später auch als Goldlametta hergestellt. Es besteht aus schmalen, dünnen, glitzernden Metallstreifen und ist ein traditioneller Schmuck für den Weihnachtsbaum. Das ursprüngliche Lametta, das leicht an seiner schweren Qualität zu erkennen ist, besteht aus Blei mit Zinnauflage. Galt es früher als unbedenklich, muss es heute als Sondermüll entsorgen werden. Ein Grund, weshalb der letzte Hersteller von "echtem" Lametta in Deutschland 2015 die Produktion endgültig einstellte. Heute gibt es Lametta aus metallisiertem Kunststoff.