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Mit der Erfindung des Typendruckes hat die Verbreitung von weltlichen undgeistlichen Liedern nicht mehr ausschließlich mündlich stattgefunden. Aufgrundder zahlreich erhaltenen gedruckten Liedflugschriften sind wir heute in derLage, diese ausgesprochen vielfältige, vormals orale Liedkultur festzuhaltenund zu bestimmen. Über Liedflugschriften konnte das Medium Lied zu einemgeringen Preis und in hoher Stückzahl verbreitet werden (z.T. in bis zu 4‘000Exemplaren pro Liedflugschrift). Hausierer und Krämer, welche die Aussicht aufeine hohe Gewinnmarge lockte, sorgten für den Vertrieb. Als Abnehmer dieserHandelsware sind u.a. Unterschichten belegt. Falls auf der Liedflugschrift ausnahmsweiseauch der Notentext abgedruckt wurde, so konnte es sich bis zu einervierstimmigen Aussetzung des Liedes handeln. Der Quellentypus der eidgenössischenLiedflugschriften soll ausgewertet und dieses erste musikalische Massenmedium imGebiet der Eidgenossenschaft als Phänomen untersucht werden.
Es zeigt sich, dass die Ersteller von Liedflugschriften nicht lediglichüber den poetischen Text, sondern auch über die Musik kommuniziert haben. Ineinem kulturgeschichtlichen Sinne soll summarisch der Frage nachgegangenwerden, wie in der Frühen Neuzeit auf der Ebene von Liedern Identitäten – seienes regionale, nationale, ökonomische, religiöse oder konfessionelle –geschaffen wurden und diese Melodien selbst zu Trägern von Botschaften werdenkonnten.