Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03605.jsonl.gz/657

Die Kirche Santa Maria della Misericordia in Ascona ist neben der Kirche San Francesco in Locarno eine der Aufführungsorte der Settimane Musicali.
Den Grundstein der Kirche wurde 1399 gelegt, während der schlanke Kirchturm erst im Jahre 1488 hinzugefügt wurde. Dem schlichten, rechteckigen Grundriss von 26 mal 10 Metern, und der hölzernen Kassettendecke verdankt die Kirche ihre ideale Konzertakustik. Auch der Chorraum wurde, im Gegensatz zur üblichen Bauweise der damaligen Zeit, als Rechteck angelegt. Hier haben verschiedene Maler unterschiedlichster Prägung eine Folge von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament hinterlassen, deren stilistische Bandbreite von volkstümlicher Kunst bis hin zu feinsinnigen Arbeiten reicht.
Es handelt sich um eine in dieser Form wohl einzigartige "Biblia Pauperum", eine Armenbibel, entstanden zwischen der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Der Zyklus beeindruckt durch die aussergewöhnliche Authentizität der Ausführungsweise sowie durch die langwährende Entstehungsphase. Im Zentrum des Chorraumes steht das wunderbare Altarbild von Antonio de Lagaia, dem hervorragenden Asconeser Maler, der das Werk 1519 schuf. Ein reichgeschmückter wertvoller Holzrahmen umfasst das Gemälde.
An den Seitenwänden lassen sich einige Gemälde der Muttergottes und verschiedener Heiliger bewundern, vor allem Darstellungen des heiligen Karl Borromeo. Er bemühte sich im Jahr 1583 für die Vollstreckung des Testamentes von Bartolomeo Papio, einem gebürtigen Asconeser und römischen Patrizier, der seinem Heimatort das Kollegium stiftete.

Die Gründung des Franziskanerklosters geht auf das Jahr 1229 zurück, als Antonio von Padova durch eine Schenkung Land in Locarno erhielt, um hier ein Kloster zu errichten. Wahrscheinlich wurde eine erste Kirche bereits im Jahr 1230 geweiht, urkundlich erwähnt wurde jedoch eine feierliche Kirchweihe im Jahr 1316, die gemäss einer Verordnung des Bischofs von Como drei volle Tage dauerte. Den Auftrag für einen Neubau der Kirche San Francesco im Jahr 1538 erhielt der Architekt Giovanni Beretta aus Brissago, welcher sich von der mittelalterlichen Kirche San Francesco Grande in Mailand (im 19.Jh. zerstört) inspirieren liess, damals Vorbild aller Franziskaner in der Mailänder Provinz, die auch Locarno einschloss.
Der Neubau begann 1538, wobei Material des teilweise geschleiften Schlosses Visconti, des ehemaligen Hafens sowie des Turmes von San Vittore in Muralto verwendet wurde. Die Fassade zeigt romanischen Einfluss und spiegelt mit ihren Eck-und Mittellisenen die Dreiteilung des Innenraums wieder. Das hohe Mittelschiff ruht auf fünf monolithischen Säulenpaaren, hat drei laterale polygonale Apsiden und wird durch einen rechteckigen Hochchor abgeschlossen.
Die Seitenkapellen mit Stuckdekorationen und Illusionsmalereien von Giuseppe Antonio Felice Orelli stammen aus dem 17. und 18. Jh. Die Kirche San Francesco war den adeligen Locarnesen vorbehalten und zur Landvogtzeit Stätte der Eidablegung der Abgeordneten. Im Zug der Säkularisation erfolgte 1848 die Schliessung der Kirche bzw. deren Nutzung als Salzlager. Seit 1924 wird sie von den deutschsprachigen Katholiken Locarnos wieder sakral genutzt.
Das ehemalige Kloster, heute kantonales Lehrerseminar, schliesst sich südlich an die Kirche. Die ursprüngliche Bauweise mit zwei Innenhöfen und eleganten Säulengängen wurde weitgehend erhalten. Im früheren Refektorium, 1716 von Baldassare Orelli ganz mit Fresken bemalt, kann man die "Hochzeit zu Kana" und das "Abendmahl" bewundern, nebst allegorischen Darstellungen der Kardinaltugenden und einer Gloriole des Hl. Franz von Assisi.