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UMBAU / SANIERUNG WOHNHAUS DORFSTRASSE 14 3126 KAUFDORF
Das Haus an der Dorfstrasse 14 oder wie man in Kaufdorf sagt, das „Abwartshaus“, stand schon mehrere Jahre leer, als wir Ende 2008 den Auftrag für die Sanierung und den Umbau des Gebäudes erhalten haben.
Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Laut den Unterlagen der Denkmalpflege, wurde das Haus in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Für das damals sehr arme Gürbetal, war ein Gebäude mit einem gemauerten Erdgeschoss und Sandstein Fenstergewänden sehr speziell. Der Erbauer musste sicherlich über ein gewisses Vermögen verfügt haben, sonst hätte er nicht ein solches Gebäude bauen können. Bei einem Fenstergewände im Erdgeschoss, ist die Jahrzahl 1774 in den Sandstein eingeritzt. Dies untermauert die Schätzung der Denkmalpflege, dass das Gebäude aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt.
Dass die Täferverkleidungen im Erdgeschoss, im Gegensatz zu den Verkleidungen im Obergeschoss, erst im Laufe der Zeit eingebaut wurden, war schon vor den Umbauarbeiten klar. Die Verkleidungen wurden schon maschinell zugeschnitten, was erst ab dem 19. Jahrhundert möglich war. Wir waren dann jedoch sehr erstaunt, als die Verkleidungen entfernt waren und darunter nicht ein rohes, sondern ein verputztes Bruchsteinmauerwerk zum Vorschein kam.
Schon vor der Sanierung waren die grossen Fenster im Erdgeschoss auffällig und deuteten darauf hin, dass dort eventuell einem Handwerk nachgegangen wurde. Die verputzten Aussenwände unterstützten nun diese These.
Der Riegbau des Obergeschosses war, wie im 18. Jahrhundert üblich, nicht naturbelassen, sondern auch die Holzbalken waren gestrichen. Bei einigen Balken, waren noch die letzten Reste Farbe ersichtlich. Diese Farbe wurde aber nicht erneuert.
Von der Geschichte vor dem 20. Jahrhundert, ist nichts bekannt, ausser dass im Erdgeschoss das 1. Postbüro von Kaufdorf betrieben wurde. Laut der Jahrzahl beim Sitzofen wurde dieser 1909 eingebaut. Die Namen zu den Initialen sind auch bekannt. S.S. steht für Samuel Siegenthaler und A.E.S. für Anna Elisabeth Siegenthaler.
Das Haus wurde dann in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts verkauft. Nun begannen diverse Umbauarbeiten, die dem Gebäude sehr zusetzten und das Erscheinungsbild stark veränderten, oder gar, verunstalteten. Anfangs der Siebziger Jahre enteignete dann die Gemeinde das Gebäude, nicht wegen den für die Gebäudestruktur schlechten Umbauarbeiten, sondern weil die Gemeinde das Land vor dem Haus für den Turnhallen Neubau brauchte.
Das grösste Vergehen am Gebäude wurde dann aber 1975 durch die Gemeinde verursacht. Damit bei den damals anstehenden Dachsanierungsarbeiten eine kleinere Dachfläche neu belegt werden konnte, wurde aus Kostengründen, der nicht mehr benötigte Ökonomieteil auf der Westseite, die Tenneinfahrt auf der Nordseite und der Brunnenschärm auf der Südwestseite abgebrochen. Das Erscheinungsbild des Gebäudes wurde dadurch grundlegend und irreparabel verändert. Das Gebäude wirkt nun viel zu kurz und man merkt, dass ein Gebäudeteil auf der Westseite fehlt.
Bis Anfangs des 21. Jahrhundert wurde das Gebäude von diversen Abwartsfamilien des Schulhauses bewohnt. Daher erhielt es den Namen „Abwartshaus“.
Bei der Projektierung der Sanierungs– und Umbauarbeiten haben wir darauf geachtet, die noch vorhandene Grundstruktur des Gebäudes zu erhalten und wo möglich, diese wieder herzustellen. Deshalb wurde die Innentreppe verschoben, um den vor Jahren abgebrochene 2. Teil des Sitzofens wieder herzustellen. Die Trennwand zum ehemaligen Ökonomieteil wurde freigelegt und saniert. Im Aussenbereich wurde der Brunnen an seinen alten Standort zurück verschoben und der Brunnenschärm neu erstellt.
Das Gebäude wurde vollumfänglich saniert und technisch wie auch im Wärmedämmbereich auf den neusten Stand gebracht. Es erfüllt nun den Minergiestandard und hat die Minergie – Zertifikatnummer BE – 1523 erhalten.
Die nicht alltägliche Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes hat uns gefordert, aber auch sehr viel Freude bereitet. Der Umgang mit der alten Bausubstanz war nicht immer einfach und verlangte häufig nach neuen und anderen Lösungen, um die alte Substanz zu erhalten.
Das Haus ist für die nächsten Jahrzehnte vorbereitet und wir wünschen den jetzigen und allen künftigen Bewohnern viel Freude und Geborgenheit in einem nicht alltäglichen Daheim.
Postkarte aus dem Jahr 1940
vor dem Umbau
nach dem Umbau
Baujahr: 2009 / 2010