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Braunscheidtieren 31
Die Baunscheidt-Therapie gehört zu den ausleitenden Verfahren und ist eine Hautreiztherapie, bei der durch Sticheln und anschliessendes Einreiben mit einem speziellen Öl ein künstlicher Hautausschlag erzeugt wird.
Die Baunscheidt-Therapie geht auf den deutschen Mechaniker und Erfinder Carl Baunscheidt (1809-1873) zurück. Er litt unter Rheuma (anderen Literaturangaben zufolge unter Gicht). An einem Sommerabend im Jahr 1847 wurde er von Mücken in seine heftig schmerzende rechte Hand gestochen und stellte fest, dass daraufhin die Schmerzen nachliessen. Aufgrund dieser Erfahrung entwickelte Baunscheidt ein Nadelgerät und ein Kräuteröl, das die Wirkung des Mückensekrets nachahmen sollte. Die Baunscheidt-Therapie wurde von der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn klinisch untersucht und empfohlen und wurde in den 1860er Jahren von vielen Ärzten angewendet. Heute wird das Verfahren hauptsächlich von Naturheilpraktikern und naturheilkundlich orientierten Ärzten eingesetzt.
Wie allen ausleitenden Verfahren liegt auch der Baunscheidt-Therapie das Konzept der Humorallehre zugrunde. Diese basiert auf der Vorstellung, dass die Körperfunktionen von den vier Säften Blut, Schleim, schwarze und gelbe Galle gesteuert werden. Die Ausgewogenheit der vier Säfte ist die wichtigste Voraussetzung für Gesundheit, Krankheiten entstehen aufgrund einer falschen Mischung der vier Körpersäfte. Dieses Ungleichgewicht kann beseitigt werden, indem man überflüssige Säfte nach aussen ableitet. Dies geschieht entweder über die Haut oder über andere Organe wie den Darm oder die Nieren.
Darüber hinaus ist die Baunscheidt-Therapie auch eine Reiztherapie, bei der man sich das Prinzip der Reflexzonen zu Nutze macht: Verschiedene Hautbereiche, sogenannte Head-Zonen, sind über Nervenbahnen mit bestimmten inneren Organen verbunden. Aufgrund dieser Nervenverbindungen können Störungen eines inneren Organs reflexartig Schmerzen oder Veränderungen (Überempfindlichkeit, Eindellungen, Quellungen) in dem zugehörigen Hautareal und dem darunter liegenden Bindegewebe auslösen. Diese Verbindung nutzt man bei den Reiz- oder Reflextherapien in umgekehrter Richtung: Übt man mechanisch oder mit Wärme oder Medikamenten einen Reiz auf ein bestimmtes Hautgebiet aus, so beeinflusst man auf diese Weise auch das mit diesem Hautbereich verbundene erkrankte Organ.
Beim der Baunscheidt-Therapie wird durch die Reizung der Haut sowohl die lokale Durchblutung angeregt als auch die Durchblutung der inneren Organe, die mit den behandelten Hautsegmenten reflektorisch verbunden sind. Dadurch wird eine allgemeine Kräftigung (Tonisierung) erreicht. Ausserdem wird der Lymphfluss sowohl nach innen als auch nach aussen gefördert, wodurch Gift- und Krankheitsstoffe sowie Schmerzmediatoren abgeleitet werden. Die künstlich gesetzte Entzündung wirkt zudem immunstimulierend.
Quelle: EMR Schweiz
Notwendige Ausbildungsdauer in Std. für die Krankenkassenanerkennung in der Schweiz:
Methodenausbildung: 150
Schulmedizinische Ausbildung: Heilpraktiker oder Arzt
EMR-Methode Nr. 31