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Auf einem Tuffsteinspor erhebt sich über dem steilen Ufer der Aare die Burg Biberstein. Die Feste sowie der durch einen Graben abgetrennte Hof werden von hohen unterbauten und Terrassenmauern gestützt. Die Anlage bildet im Grundriss ein unregelmässiges Viereck. Als mittelalterlicher Baubestand können nur noch Teile der Aussenmauern und das im Gebäude erhaltende Mauerwerk des ehemaligen Bergfrieds betrachtet werden. Die übrigen Mauern sind später mehrmals umgestaltet worden. Das Mauerwerk des unregelmässigen Gebäudes besteht aus Kalksteinen. Der Bergfried wurde, soweit er über die Anlage hochragte, nach 1670 niedergelegt. Im Keller und im ersten Wohngeschoss sind die Mauern des Bergfrieds indessen noch erhalten.
Burg und Städtchen Biberstein wurden im Lauf des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Habsburg-Laufenburg gegründet. Die Siedlung wird 1319 in den Quellen als Stadt bezeichnet, obwohl sie nicht mit dem Stadt- oder Marktrecht ausgestattet war. Die Grafen von Habsburg, welche die niedere und hohe Gerichtsbarkeit in der Herrschaft Biberstein ausübten, verkauften 1335 Burg und Stadt Biberstein an das Johanniterhaus in Klingnau. Biberstein diente fortan als Sitz des Johanniterordens. Der zermürbende, ständig wieder aufflackernde Kleinkrieg zwischen den Eidgenossen und Österreich wurde 1368 im sogenannten Torberger Frieden wieder einmal mehr kurzfristig beigelegt. In der Folge waren die Herzöge von Österreich bemüht, ihre geschwächte Stellung im Aargau durch Neuerwerbungen zu festigen und die Besitzgrenzen zu sichern. Die Herrschaft Biberstein hätte sich dazu bestens geeignet. Ein Dienstmann der Herzöge begann als Strohmann Verhandlungen mit den Besitzern von Biberstein, doch lehnten die Johanniter jegliches Tauschgeschäft ab. In den militärischen Auseinandersetzungen des Schwabenkrieges (1499) besetzten die berner die Feste. Auch in den Reformationswirren wurde 1527 die der Kommende Leuggern angegliederte Verwaltung von Biberstein kurzerhand einem bernischen Vogt unterstellt. Dies führte zu verschiedenen Klagen und Protesten der Johanniter, und auch die Eidgenössische Tagsatzung hatte sich damit zu befassen. Auf Antrag der Orte Zürich, Schwyz, Zug und Glarus wurden die Johanniter dazu angehalten, zur Beilegung des Konflikts die Anlage dem Stand bern zu verkaufen. Der Meister des Johanniterordens in den deutschen Landen, Johann von Hattstein, veräusserte schliesslich 1535 höchst ungern Schloss Biberstein mit sämtlichen Besitzungen und Rechten an bern. Zu diesem Zeitpunkt wird die Siedlung Biberstein, die 1416 bereits durch eine Feuersbrunst zerstört worden war, zum letzten Mal als Stadt erwähnt. Aus der Anlage des heutigen Dorfes Biberstein lässt sich die ehemalige geschlossene städtische Siedlung ableiten. Sie zählte wohl zwanzig Häuser, Mauern und zwei Tore. Die bernische Herrschaft Biberstein umfasste die Dörfer Erlinsbach, Küttingen und Biberstein. Das Schloss selbst wurde bis 1798 als bernischer Landvogteisitz benutzt.
Aus dem Jahr 1514 ist ein Bauvertrag zwischen dem Komtur Jacob Kreys und Meister Christian Murer erhalten. Die Abmachung regelte die Neubedachung von Haus und Turm sowie den Abbruch von drei Erkern. 1587 wurde das Gebäude durch einen Brand verwüstet. Aarau und Lenzburg sandten Hilfskräfte für die Räumungsarbeiten. Die Brandstifterin wurde ins Gefängnis gesteckt. Die Berner liessen die Anlage bald wieder aufbauen. Der gekehlte Rundbogen des Eingangs sowie die spätgotisch profilierten, gekuppelten Fenster stammen von diesem Neubau. Hans Balthasar Fisch malte das von weitem sichtbare Berner Wappen mit der Jahreszahl 1643 an die Hauptfassade. Eine Feuersbrunst im Jahr 1784 liess sich dank dem rechtzeitigen Eingreifen der Aarauer Feuerwehr auf den Dachstuhl beschränken. 1804 wurde das schloss dem neuen Kanton Aargau zugeteilt. Die Benutzung der ehemaligen Burg als Heim für minderbegabte Kinder hatte 1889 verschiedene bauliche Änderungen zur Folge.
Bibliographie