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Im Jahr 2020 schrumpfte die Schweizer Wirtschaft um 2,9 Prozent und damit weniger stark als andere Volkswirtschaften in Europa, wie der IWF in seinem Jahresbericht festhält.
Abfedernd wirkten laut IWF etwa die solide Ausgangslage öffentlicher und privater Haushalte, die wettbewerbsfähigen Exportindustrien (z.B. Pharma, Chemie) und der grosse und gut kapitalisierte Finanzsektor. Die Reaktion der Politik auf die Pandemie sei «früh, stark und nachhaltig» erfolgt. Die Behörden hätten schnell Notmassnahmen im Umfang von mehr als 10 Prozent des Bruttoinlandproduktes für Haushalte und Unternehmen zur Verfügung gestellt.
Unsicherheiten bleiben bestehen
Die Unsicherheiten blieben jedoch hoch, dominiert von der Dynamik der Pandemie. Wie schnell geimpft werde, und wie sich die dritte Welle entwickle, spiele eine Rolle. So oder so werde die Krise wahrscheinlich «Narbeneffekte» haben - Auswirkungen, die auch lange nach der Pandemie noch sichtbar sein werden. Dies insbesondere in Sektoren, in denen sich die Nachfrage möglicherweise langsamer erhole (z.B. Gastro- oder Event-Branche). Obwohl die Arbeitslosigkeit, Verschuldung und Insolvenzen nicht stark angestiegen seien, könne sich dies ändern, wenn die Unterstützungsmassnahmen des Bundes aufgehoben würden.
Dass die Massnahmen 2021 fortgeführt würden, sei richtig. Eine stärkere Koordination zwischen Bund und Kantonen könne zu effizienteren Lösungen führen, die schneller umgesetzt werden könnten, hält der IWF weiter fest.
Die Massnahme auf dem Arbeitsmarkt sollten laut IWF bis zum «Einsetzen einer nachhaltigen Erholung» aufrechterhalten werden, um Arbeitsplätze zu erhalten.
Expansive Geldpolitik weiterführen
Die Reaktionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Finanzaufsichtsbehörde Finma hätten zur Aufrechterhaltung der Liquidität von Franken und Dollar sowie der Bankkredite beigetragen.
Mit Blick auf die weiterhin gedämpften Inflationsaussichten empfiehlt der IWF zudem, die expansive Geldpolitik weiterzuführen. Diese könne auch Devisenmarktinterventionen einschliessen, wenn es zu grossen Kapitalzuflüssen in die Schweiz und einem starkem Aufwertungs-Druck auf den Franken kommt.
Der IWF empfiehlt der Schweiz zudem, die Preisentwicklung bei den Immobilien weiter zu beobachten, die Risikokontrollen und -puffer der Finanzmarktteilnehmer zu überwachen und bei Bedarf frühzeitig Massnahmen zu ergreifen.
Fortschritte im Austausch mit der EU
Der IWF weist darauf hin, dass es bei den Gesprächen mit der EU «Fortschritte braucht, um den bisherigen Zugang zum EU-Markt zu gewährleisten». Sobald die Impfungen fortgeschritten seien, könne die Wirtschaft in der EU auch schneller wachsen als erwartet.
Als wichtig erachtet der IWF auch die längerfristige Sicherung der Altersvorsorge. «Das Schweizer Rentensystem ist nicht gut auf die demografischen (Alterung, Lebenserwartung) oder wirtschaftlichen Trends abgestimmt.» Ohne entscheidende Reformen werde die erste Säule bis 2030 erhebliche Finanzierungslücken aufweisen. Es seien weitgehende Reformen erforderlich, einschliesslich einer stärkeren Erhöhung des Rentenalters.
Schliesslich brauche die Schweiz einen klaren, überprüfbaren Plan, um die Klimastrategie umzusetzen. Andere Staaten würden «Green New Deal»-Programme lancieren, um die Klimaziele zu erreichen. Obwohl die Schweiz umweltfreundliche Investitionen in öffentliche Verkehrsmittel, Strassen und Schienen tätige und plane, «sollten weitere gezielte Massnahmen in Betracht gezogen werden».
Die Delegation des IWF hat das diesjährige Länderexamen vom 17. März bis am 7. April via Videokonferenz durchgeführt. Vergangenes Jahr fand wegen der Pandemie keine Prüfung statt.
Der IWF ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (Uno). Die wichtigste Aufgabe des IWF besteht darin, Finanzkrisen vorzubeugen und Krisenländer zu unterstützen. Der Fonds untersucht zu diesem Zweck regelmässig die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten und zeigt dabei gegebenenfalls Risiken auf.