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Wendelin wurde 1942 in Termen geboren als ältestes Kind von Franz und Gertrud Walker-Gemmet. Drei Jahre später erhielt er mit Luise eine Schwester, mit der er sich zeitlebens ausgezeichnet verstand.
Während der Primarschulzeit stand im „Winterhalbjahr“ vor allem der Unterricht in Termen im Vordergrund. Im „Sommerhalbjahr“ ging’s hinauf nach Schallbett, wo die Kinder die väterliche Landwirtschaft durch Viehhüten unterstützten. Allerdings liess es sich Wendelin nicht nehmen, daneben (und dabei) kistenweise Bücher zu lesen.
1955 setzte Wendelin seine Schulzeit in Fribourg am Institut St. Raphael fort, das von Marianisten geleitet wurde – einer Ordensgemeinschaft, die in Frankreich nach den Wirren der Revolution gegründet wurde und sich vorwiegend der Seelsorge, der Erziehung und dem Unterricht widmet. Gemeinsam mit mehreren Gleichaltrigen fand er Interesse am Ordensleben.
Ab 1959 folgte die Studentenzeit am Kollegium St-Michel in Fribourg, das Wendelin 1965 mit der Matura Typ A abschloss. Zwischendurch, von 1962 – 63, absolvierte er in Österreich das Noviziat, die Einführung ins Ordensleben als Marianist, und legte die ersten Gelübde ab.
In der Zeit von 1965 – 1967 konnte Wendelin erstmals die „andere Seite“ des Unterrichts kennenlernen: Er wirkte als Lehrer der 3. und der 4. Klasse an der von den Marianisten geleiteten Primarschule von Altdorf / UR und engagierte sich in der Jungwacht. Da erhielt er auch den Namen „Joe“, ein Name, der ihm vor allem bei Vertrauten und Bekannten zeitlebens blieb.
Am 15. Oktober 1967 legte er in Termen die definitiven („ewigen“) Gelübde als Ordensmitglied der Marianisten ab.
In den folgenden Jahren setzte Wendelin seine Ausbildung fort, diesmal in den Vorlesungssälen der Universität Fribourg, wo er Philosophie, Literatur und Germanistik studierte und das Gymnasiallehrerdiplom erwarb. Daneben leitete er auf Wunsch der Pfarrei St-Nicolas mit viel Begeisterung die dortige Jungwachtschar.
1975 brachte einen grossen Wechsel. Die Ordensoberen beriefen Wendelin nach Kara, einer Stadt in Togo (Westafrika), wo die Schweizer Marianisten das Kollegium Chaminade (benannt nach dem Gründer der Marianistengemeinschaft) leiteten. Die klimatischen Gegebenheiten, grosse Klassen – was sich besonders beim Korrigieren auswirkte – und eine ansehnliche Fächerpalette (vor allem Philosophie, Deutsch, Geschichte und Musik) machten den Einstieg alles andere als leicht.
Ursprünglich war ein zweijähriger Einsatz vorgesehen. Doch nach einigen Jahren als Lehrer wurde er stellvertretender Direktor des Kollegiums und ab 1991 übernahm er die Leitung. Ausserdem wurde er zunächst mit dem Amt des Direktors der Kommunität (Gemeinschaft der Mitbrüder des Kollegiums) betraut und von 1992 – 1997 war er Verantwortlicher aller Marianisten in Togo. Daneben war er auch sehr aktiv in der Pfadfinderbewegung und als Leiter einer Choralgruppe und er arbeitete bei der Organisation und Durchführung der landesweiten Abschlussprüfungen mit.
Ein grosser Wunsch von Wendelin begann sich 1997 zu realisieren. Bereits zur Zeit der definitiven Gelübde – 20 Jahre zuvor – hatte er gewünscht, Priester zu werden. Da er damals dringend in Afrika gebraucht wurde, musste er seinen Wunsch während zwei Jahrzehnten zurückstellen. Nun konnte er endlich an der Universität Fribourg sein Theologiestudium beginnen und am 4. Juli 1999 fanden dann in Termen die Priesterweihe durch Mgr. Paul Vollmar, ebenfalls Marianist, und die Primiz (erste Messe eines Neupriesters) statt.
Als Priester zog Pater Wendelin erneut nach Afrika, diesmal in die Elfenbeinküste, wo er in der Stadt Abidjan erneut mit der Leitung eines Kollegiums, Saint-Jean Bosco, betraut wurde. Aus den vorgesehenen drei Jahren wurden auch diesmal mehr, nämlich 9 Jahre. Um- und Neubauten, Unterrichtsreformen, Fortbildungen für das Lehrpersonal und eine klare Führung liessen die Schülerzahl von 400 auf über 1300 ansteigen.
In die Zeit seiner dortigen Arbeit fielen heftige politische Auseinandersetzungen bewaffneter Gruppen. Dass es zu keinen massiven Plünderungen kam, verdankte er unter anderem ehemaligen Schülern des Kollegiums in Kara / Togo, die als Offiziere der UNO-Friedenstruppe in einer kritischen Situation intervenierten und in der Folge das Kollegium im Auge behielten.
Zugleich mit seiner Arbeit als Rektor des Kollegiums nutzte er jede verfügbare Zeit als Priester für die Seelsorge.
Bei seinen sommerlichen Heimataufenthalten übernahm er nach der Priesterweihe regelmässig für einen Monat die Ferienvertretung in Termen und Ried-Brig mit Gottesdiensten auch in Berisal und auf dem Rosswald und bei Bedarf noch an weiteren Orten, so bei den Ursulinenschwestern auf dem Simplon.
Aber auch schon in den Jahrzehnten zuvor zog es ihn im Sommer immer wieder für einige Wochen zurück nach Schallbett. Ein gern gesehener Gast war er jederzeit auch bei seiner Schwester und ihrer Familie in Bern, und auch zu seinen Neffen und ihren Familien hielt er herzlichen Kontakt.
Nachdem 2008 die Nachfolge in Abidjan geregelt war, zwei Jahre bevor er definitiv in die Schweiz zurückkehrte, zeigten sich weitere seiner Fähigkeiten in einem grossen Landwirtschaftsbetrieb in Sotouboua / Togo, wo er nicht nur organisierte, sondern auch tatkräftig mitwirkte und weder Schweiss noch Technik fürchtete. Aber auch hier gab es harte Momente, so etwa, als ein Feuer die Hälfte der Reisernte vernichtete oder dringend benötigte Maschinen den Geist aufgaben. Trotz allem liess sich P. Wendelin nicht unterkriegen, doch seine Gesundheit erforderte schliesslich die Rückkehr in die Schweiz.
Bereits kurze Zeit nach seiner Rückkehr übernahm er 2011 die Leitung der deutschsprachigen Pfarreien St. Theodul in Sitten und Heilig Geist in Siders, auch hier mit viel Einsatz und Freude. Aus gesundheitlichen Gründen musste er jedoch im April 2016 schweren Herzens seine Demission einreichen.
Nach Aufenthalten in verschiedenen Spitälern und stetiger Verschlechterung der Gesundheit siedelte er im Januar 2017 ins Heim Santa Rita in Ried-Brig über. Während einiger Wochen gehörte es zu seinen grossen Freuden – und auch zu den Freuden vieler Heimbewohner – dass er mit ihnen die Abendmesse feiern konnte, auch wenn er dabei im Rollstuhl sitzen musste.
Am 30. März konnte er in den Abendstunden seinen irdischen Lebenslauf beenden in Anwesenheit seiner Schwester, einer Katechetin aus seinen beiden früheren Pfarreien und einem Mitbruder der Ordensgemeinschaft.
R. Gruber sm