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Keller, Conrad (1848-1930)--DB1867
Person
Lebensdaten
24.01.1848-23.03.1930
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Felben (TG)
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Sohn des Metzgers Jakob Keller und der Susanna Wiesmann
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Promotion 1874 bei Ernst Haeckel; Zoologiestudium an den Universitäten Zürich und Lausanne
Berufsausübung
ETH Zürich: Ordinarius für spezielle Biologie 1898; Honorarprofessor 1889, Lehrauftrag für Land- und Forstwirte ab 1876
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
Funktionen in anderen Institutionen
Geographisch-ethnographische Gesellschaft: Mitgründer; Volkshochschule des Kantons Zürich, 1920: Mitgründer
Funktionen in der Politik
Biographische Skizze
Conrad Keller kam 1848 im thurgauischen Dorf Felben als Sohn einer kleinbäuerlichen Familie zur Welt. Mit dem Berufsziel, später Lehrer zu werden, durchlief er die Kantonsschule Frauenfeld. Nachdem er das Maturitätsexamen im Herbst 1866 bestanden hatte, studierte er an den Hochschulen Lausanne und Zürich Naturwissenschaften und Zoologie. 1874 promovierte er bei Ernst Haeckel in Jena über Tintenfische. 1875 habilitierte er sich am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich und an der Universität für Zoologie.
Der Schweizerische Schulrat übertrug ihm im Jahr 1876 die Vorlesung über Zoologie für Land- und Forstwirte. Um Material für spätere Forschungen zu sammeln, unternahm er Reisen nach Neapel, 1882 nach Ägypten und Nubien, 1886 nach Madagaskar und den Maskarenen und 1891 durchstreifte er mit Fürst Ruspoli die Somali- und Gallaländer. In späteren Jahren bereiste er Spanien, die Balearen, Kreta, den Kaukasus und Hocharmenien. 1889 wurde er zum Honorarprofessor am Polytechnikum ernannt und 1898 zum Ordinarius für spezielle Zoologie an die ETH Zürich befördert. Bei den Studierenden waren besonders die Exkursionen beliebt, die er zuweilen mit Schröter, Carl (1855-1939)--DB3251 veranstaltete. Diese führten nicht nur in die Umgebung von Zürich, sondern auch ins Wallis, ins Tessin und ins Bündnerland.
In seinen Publikationen widmete sich Conrad Keller zunächst marinen Tieren, über die er sich in Neapel orientiert hatte. Er legte Studien über die Korallenriffe von Suakim im Roten Meer vor und publizierte über die Bedeutung des Suezkanals als Wanderstrasse für die Fauna. Als grösseres Werk legte er 1895 die Monografie Das Leben des Meeres vor. Später wandte er sich dem Gebiet der Forstzoologie und der Landwirtschaft zu. 1897 erschien der Zoologische Exkursionsführer. In den Fussstapfen des von ihm bewunderten Basler Zoologen Ludwig Rütimeyer befasste er sich auch mit der Haustiergeschichte.
Conrad Keller war freisinnig-demokratisch gesinnt, exponierte sich politisch jedoch kaum. Während Jahrzehnten arbeitete er bei der Neuen Zürcher Zeitung mit. Er trat auch dafür ein, Darwins Entwicklungslehre anzuerkennen und popularisierte naturwissenschaftliches Wissen. Die veterinär-medizinische Fakultät der Universität Zürich ernannte ihn im Jahr 1920 zum Ehrendoktor der Tierheilkunde.
Autor: Peter Moser, Beat Bächi
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
- Werkverzeichnis, in: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 1930, S. 465-479
Quellen
- Straumann, Lukas: Nützliche Schädlinge. Angewandte Entomologie, chemische Industrie und Landwirtschaftspolitik in der Schweiz 1874-1952, Zürich 2005
- Düggeli, Max: Dr. phil. et med. vet. h.c. Conrad Keller, in: Landwirtschaftliche Monatshefte 8 (1930), S. 93-96
- Hartmann-Frick, Hanspeter: Conrad Keller - ein berühmter Zoologe, in: Thurgauer Jahrbuch 55, 1980, S. 104-113