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Die Luzerner Begegnungen begannen mit der Hirschhorn-Debatte und werden nun bereits seit fünf Jahren durchgeführt. Sie stehen unter dem Patronat der Uni Luzern und der Pro Senectute. Die Website NZZ-Campus ruft dazu auf, die Veranstaltung trotzdem zu besuchen.
Am Anfang sind viele Worte. Erst von der delegierten Dame von der Uni, dann von einem Herrn von der Pro Senectute, der sich über die zunehmende Diskriminierung des Alters beklagt. Warum sind eigentlich an allen Veranstaltungen, die ich in letzter Zeit frequentiere, bloss alte Leute?
Franz Gertsch, Jahrgang 1930, ist ein Maler und Holzschnitzer. Internationale Bekanntheit erreichte er mit seinen grossformatigen hyperrealistischen Porträts. Die ersten dieser Bilder wurden in den 70er-Jahren im Luzerner Kunstmuseum ausgestellt und von der lokalen Presse gehörig verrissen und in primitiver Art beschimpft. Darunter befanden sich auch Portraits der Künstler-Clique um Luciano Castelli. Er habe nie provozieren wollen, merkt er an, doch seine Bilder hätten provoziert. Eigentlich habe er eher als Aussenstehender die Szene dokumentiert und sei nicht direkt Teil davon gewesen.
Endo Anaconda erzählt von seiner Karriere als unterdrückter Internatszögling im post-nationalsozialistischen Österreich, die in ihm bereits früh radikal antiklerikale Reflexe auslöste. Aus Protest gegen die unaufgearbeitete Vergangenheit des Landes und den Vietnamkrieg trat er dann auch erst der kommunistischen Partei, später der marxisitisch-leninistischen bei. Er sei das einzige Mitglied im Umkreis von 30 Kilometern gewesen, schmunzelt er. Dafür habe er bei Feuerwehrfesten regelmässig eins auf die Kappe gekriegt. Dieses Engagement nahm jedoch ein jähes Ende, als er, als Vorsitzender des ZKs, das kommunistische Albanien besuchte, an der Grenze seine Jeans abgeben, die Haare schneiden und erkennen musste, dass die dort gar kein Hasch rauchen.
Auf dem Monte Lema hatte der Maler Franz Gertsch – der mit Sergius Golowin die Schulbank drückte – eine Art Vision. Er wollte von nun an die Welt malen als sähe er alles zum ersten Mal, als käme er vom Mars und wüsste absolut nichts von der Erde und ihren Bewohnern. Alle Stile aufzugeben um stillos zu malen. Der Hyperrealismus war geboren. Der Betrachter ist nicht länger der Beobachter, sondern das Modell.
Über ein Portrait von Robert Mapplethorpe entdeckte er Patti Smith. Gertsch beschloss Bilder von ihr zu malen, ergo besuchte er ein Konzert und knipste sie mit seiner alten Nikon-Kamera, bis sie sich so sehr darüber aufregte, dass sie ein Blatt Papier mit Gedichten zerknüllte und ihm an den Kopf warf. Diesen Moment fotografierte er natürlich auch.
Die Anfänge von Stiller Has sind bei Rhythm and Blues, einer Dachkammer und ner Orgel von Hanns Dieter Hüsch zu suchen. Die ersten Projekte wurden durch Kanton und Stadt Bern unterstützt, laut Endo weil sie so lästig waren. So wurde die Band immer professioneller und zieht heute gar mehr Publikum an als Stefanie Heinzmann. Eigentlich habe er Gangster werden wollen, merkt Endo an, doch nach einigen dilletantischen Versuchen beliess er es und wandte sich der Musik zu, da es auf der Bühne immer dieses schöne High gab, unter Anderem dank den ENDO-rphinen.
Nach gut anderthalb Stunden und keinen Fragen aus dem Publikum endet die Diskussion – eine Ansammlung von spannenden Episoden und Anekdoten aus dem Leben zweier Künstler, die beide ihren Weg verfolgen, unbeachtet von Trends und Journalistengelaber.
Das im Anschluss folgende Konzert in Zweierformation (Endo Anaconda/Schifer Schafer) zeigt auf, dass der Stille Has auch zu zweit ghörig bluesen kann. Endo betritt die Bühne etwas konfus, da das Konzert pünklich beginnt und er mitten aus einer privaten Diskussion mit Franz Gertsch gerissen wurde. Es folgt eine Melange aus Ansagen, Anekdoten, alten Songs, Geisterbahntracks und neuem Stoff, der einerseits durch das gewohnt geniale Spiel mit der Sprache, andererseits durch eine tiefwundschürfende Melancholie besticht.
«Vellecht esch ou d'Liebi das wo bsoffe a eim bliibt chläbe, lieber tot, lieber tot, als ohni Liebi läbe», heisst es da zum Beispiel. Nach anderthalb Stunden und der Zugabe «Chole» ist dann endgültig aus, vorbei. Das Publikum strömt heraus in die Sonntagnacht. Viele trifft man im Magdi wieder.
Noch etwas zu Schifer Schafer: Dieser Mann ist schlicht und einfach begnadet. Als Musiker, als Background-Sänger, als Pendant zu Endo. Völlig beeindruckend wie der Herr zwei Instrumente gleichzeitig spielt und dazu noch – ab und zu – singt. Chapeau! - et au revoir...