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Unbekannte weckten Argwohn
Stadtmauern waren früher überlebenswichtige Schutzvorrichtungen. Bis gegen Abend waren die Tore geöffnet. Wer sie passierte, wurde von den Torwächtern streng beäugt. Diese Wachleute verfügten, berufsbedingt, über ein gutes Gedächtnis für Personen, für Erscheinungen, für Gesichter. Unbekannte weckten ihren Argwohn und wurden beim Eintritt genauer überprüft.
Bedrohliche Dunkelheit
Wenn dann die Dunkelheit über das Land zog, wurden die Tore geschlossen. Die Welt ausserhalb der Wälle und Mauern wurde dann bedrohlich, unkontrollierbar. Zum Beispiel jenseits des Aeschenplatz, wo die Wälder begannen und die Räuber wohnten und wirkten.
Wer zu spät kommt...
Kurz vor Torschluss riefen die Wächter jeden Abend ihren Spruch: «Wär no yyne möcht, söll renne.» Danach wurde für die Nacht zugemacht. Wer danach noch nach Basel hinein wollte, musste durch die so genannten Nadelöhre eintreten, Mini-Tore neben den mächtigen Stadttoren. Diese späten Gäste wurden, wenn es sich nicht um Ratsherren oder bekannte, wohlhabende Bürger handelte, penibel genau angeschaut und musste einen Obulus entrichten, eine Art Bearbeitungsgebühr.
Die ersten beiden Stadtmauern
Die Römer bauten in Basel bereits befestigte Anlagen für ihre Stützpunkte, doch die erste richtige Stadtmauer wurde im späten 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung errichtet. Das Bauprojekt war damals durch Burkhard von Fenis (1040 – 1107) angerissen worden, einem burgundischen Adligen, der von Kaiser Heinrich IV. zum Bischof von Basel ernannt worden war. Sein Bruder war übrigens Bischof von Lausanne; so war das damals. Die Form und der Verlauf dieser ersten Befestigung sind heute nicht mehr genau bekannt. Ab 1230 wurde dann eine neue Mauer gebaut, sie war der Burkhard’schen einige Meter vorangestellt, die Zwischenräume zwischen den beiden Bauwerken hat man aufgefüllt. Dieses Bauwerk nennt man heute die «Innere Stadtmauer».
Die äussere Stadtmauer
Nach dem grossen Erdbeben von 1356, das bekanntlich eine verheerende Feuersbrunst auslöste, mussten Teile Basels neu aufgebaut werden. Dazu passte, dass der Rat unserer Stadt 1362 den Bau einer neuen Stadtmauer beschloss, welche auch die Vorstädte umschliessen sollte, die vorher über eigene, einfachere Bollwerke und Schutzwälle verfügten. Dieses neue Bauwerk umschloss nun das Grossbasel und das Kleinbasel. Die beiden Stadtteile waren ja 1392 wieder zusammengekommen, als der Stadtrat die mindere Stadt dem Bischof von Lausanne abgekauft hatte. Die «Äussere Stadtmauer», wie sie heute genannt wird, war 1398 fertig.
Schwarzpulver und Kanonen
Sieben Tore wies diese mächtige Befestigungsanlage auf: Spalentor, St. Johanns-Tor, St. Alban-Tor, Steinentor, Aeschentor, Bläsitor und Riehentor. Kriegsgeschichtlich betrachtet kam der Neubau gerade zur falschen Zeit. Denn kurz nach Fertigstellung der Mauer wurde das Schwarzpulver perfektioniert und die schwere Artillerie erfunden. Einem derartigen Bombardement hätte die äussere Stadtmauer nicht standgehalten. Deshalb wurde sie – an strategisch wichtigen Stellen – durch Bollwerke verstärkt.
Bevölkerungsexplosion
Im 19. Jahrhundert erlebte Basel eine Bevölkerungsexplosion. 1850 lebten noch etwa 27'000 Menschen in der Stadt, 1900 waren es bereits an die 113'000. Durch die vielen Zuzüge wurde die Stadt zunächst planlos erweitert, jeder freie Fleck, viele Hinterhöfe und Gassen wurden schnell und teilweise fast provisorisch zugebaut. Mit diesem Wachstum wurden die Hygienischen Verhältnissen immer schlechter, Abfall und Abwasser waren omnipräsent, Seuchen breiteten sich aus. Deshalb beschloss der Grosse Rat im Juni 1859 hastig ein Gesetz zur Stadterweiterung. Dazu gehörte der Abbruch aller Befestigungsanlagen und Tore.
Abbruch, leider
1860 wurde damit begonnen, die Arbeiten dauerten 19 Jahre. Vier der sieben Stadttore fielen ihnen zum Opfer, das Steinen-, das Aeschen-, das Bläsi- und das Riehentor überlebten dieses Programm nicht. Es ist dem Engagement von Teilen der Bevölkerung zu verdanken, dass wenigstens das St- Alban-Tor, das St- Johanns-Tor und das Spalentor bis heute erhalten geblieben sind. Denn auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder Bestrebungen, die verbliebenen Tore abzureissen. Stellen Sie sich vor, wenn der Grosse Rat 1859 nicht derart hastig und panisch auf das Bevölkerungswachstum reagiert hätte, wären die Stadtmauer und die Stadttore erhalten geblieben. Basel hätte dann ein hübsches mittelalterliches Flair, ein Mont Saint Michel am Rheinknie, nur um einiges grösser. Doch es hat nicht sollen sein. Leider.
Tag der Stadttore
Am 20. August ist in Basel übrigens «Tag der Stadttore», zwischen 10 Uhr und 17 sind die Tore zugänglich und können besichtigt werden.
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