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Phänomen: Tektonisches Durcheinander
Geologieweg Panorama Piz Champatsch
Wenn sich zwei tektonische Platten aufeinander zu bewegen, taucht eine von ihnen, in der Regel die schwerere, die mit einer ozeanischen Kruste verbunden ist, unter die andere und wird langsam in Richtung des Erdzentrums abgelenkt. Dieses Abtauchen einer tektonischen Platte wird als Subduktion bezeichnet. Bei diesem Vorgang treten an der Grenze zwischen den beiden Platten sehr starke Reibungs- und Scherkräfte auf. Sedimente, die auf der ozeanischen Kruste liegen, werden in die Tiefe geschleppt und gleichzeitig von der oberen Platte an die Oberfläche geschabt. Dabei kann auch ein Teil der kontinentalen Kruste mit in die Tiefe geschleift werden. Dies führt in einigen Fällen zu einem derartigen „Durcheinander“ verschiedener Gesteinsarten mit sehr unterschiedlichen Ursprüngen und Eigenschaften. Im Gelände können diese Schuppen meist nicht über grössere Distanz verfolgt werden, so dass Geologen solche Zonen als „Tektonisches Mélange“ zusammenfassen.
Ein solches Mélange bildet den Boden, auf dem wir in Motta Naluns wandern und Ski fahren. Diese Schuppen-Struktur erlaubt es uns, auf engstem Raum sehr unterschiedliche Gesteinsarten zu beobachten – von Schiefer und schiefrigen Sand- und Kalksteinen, die aus Tiefseesedimenten entstanden sind, über metamorphe, vulkanische Gesteine (Metabasalt, Metagabbros und Grünschiefer), die Reste der alten ozeanischen Kruste darstellen, bis hin zu Linsen aus Granit und Gneis, Gesteinen, die in grösseren Tiefen erstarrt sind. Auch findet man Sedimentgesteine eines flachen Meeres wie Dolomit, Gips und Kalk, die von der kontinentalen Platte stammen. Sogar einige Gesteine aus dem Erdmantel (Serpentinite), können innerhalb des Mélanges beobachtet werden. Ein schönes Gesteinsmosaik – nur nicht selber durcheinander geraten.