Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03529.jsonl.gz/1895

„Meine Eltern waren Hippies und mein Vater baute ein Haus an der Südküste von New South Wales“, erklärt sie. „Ich fühle mich mit diesem Teil der Welt wirklich immer noch sehr verbunden, obwohl ich schon mit sieben nach Sydney gezogen bin.“ In der Dreieinhalb-Millionenstadt sammelte Lenka schon als Teenager erste Erfahrungen als Schauspielerin, wurde von Cate Blanchett unterrichtet und erhielt in der Folge Hauptrollen in Theaterstücken, Fernsehproduktionen und Independent-Filmen. Daneben übernahm sie den Part der Sängerin/Keyboarderin bei der angesagten Indie-Electro-Ambient-Band Decoder Ring.
Mittlerweile hat sie ihren Lebensmittelpunkt von Australien nach Kalifornien verlagert und firmiert als Solo-Künstlerin. Doch ganz egal, wo es Lenka hin verschlägt, die frühen Kindheitserinnerungen begleiten sie. Andere Menschen mögen mit zunehmendem Alter Probleme damit haben, das Kind in sich selbst wiederzuentdecken - Lenka hat den Kontakt nie verloren.
Typisch für ihre Herangehensweise ist auch der Song „The Show“. Die eher ernüchternde Prämisse – das Leben ist eine einzige Show, und oft eine ziemlich schlechte – geht mit unerwarteter Souveränität in einen mitreißenden Refrain über, der in einem Finale endet, in dem die Sängerin forsch „I want my money back!“ skandiert. „Ich hatte Idee, alle meine Freunde ins Studio einzuladen, damit sie den Refrain wie ein betrunkener Tavernen-Chor singen“, erklärt sie. „Die australische Folksängerin Missy Higgins war auch dabei.”
Obwohl ihr Vater Jazzmusiker ist, waren Lenkas erste musikalische Gehversuche für sie lediglich Mittel zum Zweck. „Ich wurde gezwungen, Klavier und Trompete zu lernen, aber ich habe es einfach nur gehasst“, erinnert sie sich. „Meine Eltern haben mich bestochen, indem sie mir versprachen, ich dürfte mir Ohrlöcher stechen lassen, wenn ich eine bestimmte Note in meiner Musikprüfung schaffe. Sobald ich das Zeugnis hatte, ließ ich mir die Ohren stechen und hängte den Musikunterricht an den Nagel.“
Die Aufnahmen zu ihrem Debütalbum begannen im vergangenen Dezember in Montreal, noch bevor der Vertrag überhaupt unterschrieben war. Nach Sessions dort und in Los Angeles, schloss Lenka die Produktion schließlich in Woodstock ab. In Ermangelung anderer Verpflichtungen nahm sie abschließend noch eine eigenwillige Auswahl an Coversongs auf, darunter „Gravity Rides Everything“ von Modest Mouse, „My Favourite Things“ aus dem Musical „The Sound Of Music“ und M. Wards „Vincent O’Brien“. In den Pausen stromerte sie im Wald umher und nahm kleine Videoclips auf, die man bestimmt irgendwann auf YouTube sehen kann, wenn Lenka die Zeit finden sollte, die Filmchen zu editieren. Woodstock ist zwar nicht wirklich „Zuhause“, aber fürs erste kommt es dem, was Lenka „Heimat“ nennt, nah genug.
Veröffentlichung 17. Juli 2009