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Weshalb soll das Projekt auf der wichtigsten Winterweidefläche der Südsami gebaut werden?
Das Projekt war ursprünglich deutlich grösser. Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens wurde das Projekt verkleinert. Anliegen bezüglich Winterweideflächen wurden berücksichtigt. Zentral ist: Das Weideland ist auch mit dem Bau des Windparks weiterhin nutzbar. Erfahrungen in Schweden – und übrigens auch bei einem Windpark etwas weiter nördlich von Storheia – zeigen, dass die Rentiere nach der Bauzeit wieder zurückkommen. Sogar wenn der Bau noch nicht abgeschlossen ist.
Effektiv beeinträchtigt durch den Windpark sind rund drei Prozent der Weidefläche. Und genau dafür sind Entschädigungszahlungen gedacht. Während der intensiven Bauzeit von 2018 bis 2020 ist die Beeinträchtigung grösser, danach aber ist die Fläche wieder frei nutzbar.
Die Präsidentin des norwegischen Sami-Parlaments, Aili Keskitalo, sagt, der südlichste Teil der Südsamischen Kultur sei durch dieses Projekt akut bedroht. Eine ganze Sprache und Kultur drohe zu verschwinden. Was sagt Nordic Wind Power dazu?
Wenn diese Gefahr effektiv bestehen würde, dann wäre das Projekt nie bewilligt worden. Norwegen ist ein etablierter Rechtsstaat, welcher die Belange der indigenen Bevölkerung in der Verfassung garantiert und in der Rechtsprechung berücksichtigt. Die Rentierzüchter werden nicht von dieser Tätigkeit abgehalten. Anpassungen in der Baubewilligung sorgten gar dafür, dass sich die Bedingungen verbessern. Ausserdem unterstützt das Projekt die Züchter – beispielsweise bei der elektronischen Markierung der Tiere – oder bezüglich Fütterung. Bei diesen Massnahmen geht es ja darum, die Kultur zu erhalten.
Warum hat das Konsortium mit dem Bau des Windparks im Süden begonnen, obwohl eine Einsprache der Südsamen hängig ist?
Das Projekt Fosen Vind hat ein strenges Bewilligungsverfahren durchlaufen, bei dem die rentierzüchtende Südsami-Gemeinschaft konsultiert wurde. Wir haben dies und die Einhaltung aller relevanten Vorschriften überprüft. Die Baubewilligung ist rechtskräftig. Sie wurde auch mehrfach bestätigt. Offen ist weiterhin die Frage nach der Entschädigung von drei Familien von Rentierzüchtern. Das sollte sich im nächsten Jahr klären.
Weshalb beteiligt sich das Konsortium an einem Projekt, das offenbar die Rechte der lokalen, indigenen Bevölkerung verletzt?
Wir nehmen solche Anschuldigungen ernst. Wir haben das erneut vertieft abgeklärt, auch mit unseren Partnern in Norwegen, welche das Projekt verantworten. Diese Abklärungen haben bestätigt, dass dieses Projekt durch ein intensives Mitwirkungsverfahren geplant worden ist und alle rechtlichen Schritte im Rahmen des rechtsstaatlichen Prozesses abgelaufen sind sowie der aktive Dialog mit betroffenen Bevölkerungsgruppen gesucht worden ist. Das zeigt sich auch dadurch, dass das Projekt mit verschiedenen Gruppen der samischen Minderheit erfolgreich eine Einigung erzielt hat.
Was sagt das Konsortium dazu, dass bei diesem Projekt die OECD Standards nicht eingehalten werden, denen ihre Unternehmen sich verpflichten?
Damit sind wir nicht einverstanden und unsere Abklärungen haben gezeigt, dass alle relevanten nationalen und internationalen Richtlinien ausnahmslos eingehalten wurden.
Die Naturschutzorganisation "Naturvernforbundet" hat gegen die Konzessionserteilung Klage eingereicht. Sie kritisieren, der Windpark würde in einem Gebiet gebaut, das von hohem Wert ist, was die Biodiversität anbelangt. Storheia sei unter anderem der Nährboden für diverse gefährdete Vogelarten, wie zum Beispiel den Uhu. Was sagt die BKW dazu?
Zum Zeitpunkt des Investitionsentscheids war das Bewilligungsverfahren bereits abgeschlossen. Da waren wir nicht involviert. Wir haben den ganzen Prozess kritisch hinterfragt bei der Prüfung der Investition. Statkraft hat uns aufgezeigt, dass alles Notwendige getan worden ist und Mensch und Umwelt ins Projekt miteinbezogen werden. Wir müssen uns bewusst sein, dass alle Projekte – auch jene der erneuerbaren Energien – einen Eingriff in die Natur darstellen. Es gilt die Verantwortung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass dieser so klein wie möglich ist. Das wird laufend kontrolliert.
Die Mehrheit des Projekts "Fosen" komme in unberührter Natur zu stehen, sagt "Naturvernforbundet". Diese Gebiete würden in Norwegen dramatisch schrumpfen. Stark davon betroffen sei die Region Trondheim. Der geplante Windpark nehme einen grossen Teil unberührter Natur, die noch geblieben sei, weg. Sei ein Windpark gebaut, werde das Gebiet zur Industriezone. Wieso unterstützt dies die BKW?
Wir als Gesellschaft wollen und müssen auch in Europa den CO2-Ausstoss reduzieren und damit von den fossilen Energieträgern wegkommen. Um das zu erreichen, ist der Ausbau der Windenergie wichtig. Der Vorteil der Windenergieanlagen ist, dass sie sich relativ leicht wieder zurückbauen lassen, sollten sie nicht mehr benötigt werden. Ursprünglich waren in der Gegend bedeutend mehr Anlagen und Windparks geplant gewesen. Aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes und aus Rücksicht auf die indigene Bevölkerung und die Rentierzucht wurde die Zahl der Parks reduziert und die Fläche deutlich verkleinert.