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Für eine umfassende Wohlfahrtsmessung ist es wichtig, nicht nur das Niveau, sondern auch die Verteilung des Einkommens zu kennen. Diese zeigt an, wie sich wirtschaftliche Entwicklung und staatliche Massnahmen auf die verschiedenen Haushaltstypen auswirken und welche Unterschiede bei der materiellen Situation bestehen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist ein wichtiges Ziel der Legislaturplanung. Sehr ungleiche Verteilungen erhöhen die Gefahr der Polarisierung.
Das Quintilverhältnis S80/S20 ist ein Mass zur Beschreibung der Ungleichverteilung und lässt sich wie folgt interpretieren: Das Einkommen der reichsten 20% der Bevölkerung ist um einen Faktor X höher als das Einkommen der ärmsten 20%. Mit dem Vergleich der Einkommen des obersten und untersten Quintils basiert die Bewertung der Ungleichheit jedoch nur auf den beiden äusseren Bereichen der Einkommensverteilung. Für eine detaillierte Untersuchung der Einkommensungleichheit können komplexere Masse verwendet werden, die die gesamte Verteilung berücksichtigen (z.B. Gini-Koeffizient, Atkinson-Masse).
Für eine umfassende Wohlfahrtsmessung ist es wichtig, nicht nur das Niveau, sondern auch die Verteilung des Einkommens zu kennen. Diese zeigt an, wie sich wirtschaftliche Entwicklung und staatliche Massnahmen auf die verschiedenen Haushaltstypen auswirken und welche Unterschiede bei der materiellen Situation bestehen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist ein wichtiges Ziel der Legislaturplanung. Sehr ungleiche Verteilungen erhöhen die Gefahr der Polarisierung.
Stand 7. November 2019
Die wichtigsten Ergebnisse
Der Indikator Quintilverhältnis zeigt, dass die Einkommen vor staatlichen und privaten Transfers (Primäreinkommen) deutlich ungleicher verteilt sind als die Einkommen nach Umverteilung (verfügbares Einkommen). Dies entspricht der Absicht der Sozialpolitik, die ungleiche Verteilung der am (Arbeits- und Kapital-)Markt erzielten Einkommen durch Steuern und Sozialtransfers zu reduzieren.
Die Entwicklung der Quintilverhältnisse von 1998 bis 2016 zeigt insgesamt betrachtet und unter Berücksichtigung der teils breiten Vertrauensintervalle keine grosse Veränderung. Tendenziell ist bei den verfügbaren Einkommen bis 2001 eine leichte Abnahme der Ungleichheit zu beobachten, in den Jahren 2003 bis 2007 sowie 2009 bis 2013 nimmt die Ungleichheit hingegen leicht zu. Seit 2013 ist die Tendenz leicht rückläufig, bewegt sich jedoch innerhalb der statistischen Schwankungsbreite. Diese Tendenzen sind beim Primäreinkommen wesentlich ausgeprägter. Anstiege der Ungleichheit in den Primäreinkommen wurden durch die staatliche Umverteilung ausgeglichen und wirken sich daher nur geringfügig auf die verfügbaren Einkommen aus.
Kontext
Die Entwicklung der Einkommensungleichheit vor und nach staatlicher Umverteilung kann zu einem Teil mit gesamtwirtschaftlichen Einflüssen erklärt werden: Die Einkommen vor staatlichen Transfers werden wesentlich geprägt durch die Lohnentwicklung, die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der Vermögenseinkommen. Änderungen auf dem Arbeitsmarkt wirken auf die personelle Einkommensverteilung, indem sie die Möglichkeiten zur Generierung von Erwerbseinkommen verändern und damit auch die Zusammensetzung von Primär-, Brutto- und verfügbarem Einkommen beeinflussen. Für den Übergang vom Primär- zum verfügbaren Einkommen bedeutsam sind vor allem staatliche oder staatlich geregelte Transferleistungen (z.B. Renten der AHV/IV und der beruflichen Vorsorge, Sozialleistungen und Taggelder), die einen dämpfenden Einfluss auf die Ungleichheit haben. Ihr Anteil bestimmt damit neben der Progressivität des Steuersystems wesentlich das Ausmass der Umverteilung. In konjunkturell schwächeren Phasen steigt die Bedeutung der staatlichen Transferleistungen, insbesondere der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfeleistungen. Damit ist das Ausmass staatlicher Umverteilung in Rezessionsphasen grösser als in Boomphasen.
Vergleich mit subjektiven Daten
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Internationaler Vergleich
|Quintilverhältnis|
|Schweiz||4,6|
|Italien||5,9|
|Frankreich||4,4|
|Deutschland||4,5|
|Österreich||4,3|
|USA||--|
|EU (28 Länder)||5,1|
|OECD - Total||--|
Tabellen
Methodologie
Die Auswertungen basieren auf den Daten der Haushaltsbudgeterhebung (HABE) des BFS, welche in der heutigen Form seit 1998 durchgeführt wird.
Die Untersuchung der Einkommensungleichheit anhand der Quintilverhältnisse erfolgt auf Personenebene und basiert auf einem bedarfsgewichteten Einkommen (Äquivalenzeinkommen). Untersuchungseinheit ist hier genau genommen die «Äquivalenzeinheit» (zur Berechnung des Äquivalenzeinkommens vgl. Indikator Verfügbares Äquivalenzeinkommen). Diese Gewichtung ermöglicht den Vergleich des Lebensstandards von Haushalten unterschiedlicher Grösse und Zusammensetzung.
Der internationale Vergleich der Quintilverhältnisse der verfügbaren Äquivalenzeinkommen ist nur auf Basis von EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) und erst seit 2007 möglich.
Definitionen
Definition des Indikators
Eine Bevölkerung kann ausgehend von den der Höhe nach geordneten Einkommen der Haushalte oder Personen in gleich grosse Gruppen eingeteilt werden, die allgemein als Quantile und je nach Unterteilung als Dezile (Einteilung in zehn Gruppen), Quintile (Einteilung in fünf Gruppen) oder Quartile (Einteilung in vier Gruppen) bezeichnet werden.
Zur Berechnung des Quintilverhältnisses S80/S20 werden fünf Einkommensgruppen gebildet, sodass 20% der Haushalte oder Personen Einkommen von weniger als dem ersten Quintil(wert) haben, 20% der Haushalte oder Personen Einkommen zwischen dem 1. und dem 2. Quintil(wert) usw. Anschliessend werden die Mittelwerte der Einkommen berechnet, über die jedes dieser Fünftel der Bevölkerung verfügt.
Das Quintilverhältnis S80/S20 setzt die Mittelwerte der Einkommen der obersten 20% der Bevölkerung in Relation zu jenen der untersten 20%. Je stärker dieser Quotient von 1 abweicht, desto ungleicher sind die Einkommen zwischen diesen Bevölkerungsgruppen verteilt.
Publikationen
Links