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Abbildung: Auf der Alp la Schera dominieren Hochrasen mit Grashorsten das Bild.
Auf nährstoffärmeren, nicht bewässerten Weiden wie auf der Alp la Schera oder Alp Stabelchod im SNP dominieren sogenannte Hochrasen. Diese bestehen aus horstbildenden Pflanzen wie dem Borstgras (Nardus stricta) oder der Immergrünen Segge (Carex sempervirens). Hinzu kommt ein weiteres Gras, die Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum), welche durch ihre gelbgrüne Farbe und die kreisrunde Ausbreitung auffällt.
Fieder-Zwenke, Segge und Borstgras haben allesamt dieselben Auswirkungen: sie werden von den Huftieren nicht beäst und die Artenvielfalt innerhalb solcher Gras-Kolonien nimmt mit der Zeit ab. Konkret: in einem Quadratmeter einer Fieder-Zwenken-Kolonie verschwindet durchschnittlich alle 25 Jahre eine Pflanzenart (und solche Kolonien können mehrere Hundert Jahre alt werden). Auch in den anderen Grashorsten im SNP geschieht eine Abnahme der Vielfalt.
Jahr für Jahr wird der Radius einer Fieder-Zwenken-Kolonie rund 5 cm grösser. Die Horste der Immergrünen Segge auf der Alp Stabelchod beispielsweise sind zwar mit durchschnittlich 20 cm sehr viel kleiner als die Fieder-Zwenken-Kolonien, jedoch gibt es sehr viel mehr Seggen als Fieder-Zwenken (mehr als 100'000 Seggen-Horste stehen auf der Alp Stabelchod den aktuell 11 Fieder-Zwenken-Kolonien gegenüber).
Dass sich diese Grashorste überhaupt ausbreiten konnten, hängt mit der Aufgabe der Nutzung dieser subalpinen Weiden zusammen, und im Falle der Fieder-Zwenke, mit dem Klimawandel. Nach der Gründung des SNP konnten sich Pflanzenarten wie die Immergrüne Segge, die davor hauptsächlich oberhalb der Baumgrenze (also in der alpinen Stufe) vorkamen, nach unten in die subalpinen Wiesen hin ausbreiten, was davor aufgrund der Weidewirtschaft nicht möglich war. Dies so lange, bis ab den 1950er Jahren die Rothirschdichte und damit der Druck auf diese Weiden stark zunahm, und die oben beschriebenen Kurzrasen entstanden, die sich vor allem in den besonders nährstoffreichen Gebieten rund um die ehemaligen Alphütten konzentrieren.
Anders bei der Fieder-Zwenke. Diese wurde vermutlich versehentlich durch den Menschen im Ofenpassgebiet verbreitet und bildet im Zuge der fortschreitenden Klimaveränderung in zunehmend höheren Lagen reife Samen aus.
Die Expansion der Hochrasen ist jedoch begrenzt. Gegen Bäume haben sie langfristig keine Chance. Nur oberhalb der Waldgrenze – und in diese Höhen wird auch die Fieder-Zwenke irgendwann vordringen – können sich diese Gräser ungefährdet ausbreiten.
Die Gras-Kolonien auf ehemaligen Alpweiden führen zwar zu einer Abnahme der Anzahl Pflanzenarten innerhalb der Horste, sie begünstigen jedoch das Vorkommen von Kerbameisen, welche wiederum die Verbreitung verschiedener Samen begünstigen.
Literatur:
Krüsi, B.O. (2013): Ein Gras auf dem Weg nach oben. Bedroht die Fiederzwenke die Artenvielfalt? In: Haller, H., A. Eisenhut & R. Haller (Hrsg.): Atlas des Schweizerischen Nationalparks. Die ersten 100 Jahre. Nat.park-Forsch. Schweiz 99/1. Bern: Haupt Verlag: 94-95 ►Mehr zum Atlas
Krüsi, B.O. (2013): Die Immergrüne Segge. Zu Gast auf den ehemaligen subalpinen Weiden. In: Haller, H., A. Eisenhut & R. Haller (Hrsg.): Atlas des Schweizerischen Nationalparks. Die ersten 100 Jahre. Nat.park-Forsch. Schweiz 99/1. Bern: Haupt Verlag: 96-97 ►Mehr zum Atlas