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Organisierte Sozialhilfe
Eine Anwendung von soziologischen und gesellschaftstheoretischen Konzepten für die individuelle Sozialhilfe sowie ein Beitrag für eine offensive soziale Praxis
Die vorliegende Bachelor-Thesis beschäftigt sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem beruflichen Handeln der Sozialarbeitenden und der individuellen Sozialhilfe, die nach dem Muster der bürokratischen Organisation strukturiert ist. Aufgrund ihrer Zweckrationalität bevorzugt sie das Systemintegrative zu Lasten der sozialarbeiterischen und sozialpädagogischen Realität. Dadurch gerät die Lebenswelt der Sozialhilfebeziehenden mit ihren Problemlagen in den Hintergrund, was den sozialintegrativen Prozessen einer Gesellschaft widerspricht und zur Verwaltung der Klientel führt.
Vor diesem Hintergrund geht die vorliegende Bachelor-Thesis der Frage nach, inwiefern Sozialarbeitende dazu beitragen können, dass sich die Klientel in der Sozialhilfe von den Zwängen eines „blossen Verwaltet-Seins“ lösen kann.
Im Theorieteil erfolgt eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Anomietheorie nach Robert K. Merton, der Theorie des kommunikativen Handelns nach Jürgen Habermas sowie der Sprachspiel- und Interaktionstheorie nach Alfred Lorenzer. Abgerundet werden die theoretischen Bezüge mit dem gesättigten Diskurs nach Martin Graf sowie dem Emanzipationsprozess nach Gerhard Schwarz. Zudem wird das „Modell des gesellschaftlichen und familialen Wandels“ nach Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny genutzt, um Veränderungsmöglichkeiten aus der Position relativer Machtlosigkeit aufzuzeigen.
Die Bachelor-Thesis zeigt auf, dass die Erhöhung der emanzipatorischen Effekte sowohl seitens der Klientel als auch seitens der Sozialarbeitenden möglich ist, wodurch sich die Zwänge und Abhängigkeiten beiderseits vermindern. Zudem haben Letztere die Möglichkeit, die Organisationsstruktur und die Institutionskultur eines Sozialdienstes zu hinterfragen, eigene Deutungsmuster zu entwickeln und diese in der Institutionskultur zu initiieren. Durch diesen Prozess nehmen Sozialarbeitende die Rolle als kulturelle Innovateurinnen und Innovateure wahr. Dadurch können Sozialarbeitende einen Wandel bewirken, indem sie einerseits ihrem Anspruch gerecht werden, den Sozialhilfebeziehenden zu helfen und deren Situation zu verbessern, und indem sie andererseits im bestehenden System der individuellen Sozialhilfe ihren Aufgaben nachkommen.