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Sabrata, auch Sabratha geschrieben, ist eine der drei antiken Städte, die Tripolitanien den Namen gaben. Die Stadt liegt 70 km westlich von Tripolis und war von Kolonisten aus Tyros gegründet worden. Archäologische Funde gibt es erst aus der Zeit, als Karthago zur beherrschenden Seemacht im Mittelmeerraum geworden war. Seit 46 v. Chr. gehört Sabrata zum Römischen Kaiserreich. Das Aussehen der Städte an der nordafrikanischen Mittelmeerküste wurde von der Monumentalarchitektur des römischen Kaiserreichs bestimmt, Marmor war das bevorzugte Baumaterial. Die meisten Relikte stammen aus der zweiten Hälfte des zweiten und dritten nachchristlichen Jahrhunderts. Das Geld für die gewaltigen Anlagen wurde durch Handel mit Gold, Sklaven, Tieren, besonders Elefanten, erwirtschaftet, durch den Bau gigantischer Wasseranlagen (Nymphäen) hatte man den trockenen Boden landwirtschaftlich nutzbar gemacht.
Das historische Stadtgebiet von Sabrata ist in drei Regionen eingeteilt: das punische Wohnviertel (ausserhalb der byzantinischen Stadtmauer), das Forumsgelände, hauptsächlich aus augusteischer Zeit (innerhalb der Mauer) und das „Neubauviertel“ mit dem Theater aus der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts als Mittelpunkt.
Nahe beim archäologischen Gelände befinden sich zwei Museen, die die bei Grabungen gefundenen Objekte beziehungsweise bei Restaurierungsarbeiten an den Monumenten demontierten Bauteile beherbergen. Im grössere der beiden Museen sind Wandmalereien, Statuen und prachtvolle Mosaiken aus Thermen und Villen der antiken Stadt ausgestellt. Sie gewähren dem Besucher einen Einblick in den Wohlstand des damaligen Bürgertums. Faszinierend sind Bildkompositionen in der so genannten Emblemata-Technik und aufwändig sind die Bodenbeläge in der Opus sectile-Technik, mit Hilfe derer Bodenbeläge aus verschiedenartigen kostbaren Marmorplatten in komplizierten Mustern zusammengefügt wird. Die Qualität der Mosaiken ist hoch, teilweise sind die Muster rein ornamental. Die Motive der Bildkompositionen entstammen dem mythologischen Bereich sowie dem Alltagsleben: aus dem Badebereich stammt ein „Salvom-Lavisse“-Mosaik mit der Darstellung von antiken „Flipflops“, Waschschwamm und Schabeisen (strigilis – „striegeln“).
Eine besondere Attraktion des Museums bildet der Raum mit dem Mosaikfussboden aus der dreischiffigen christlichen Basilika, die unter Justinian unmittelbar am Meer in Sabrata erbaut worden war. Es könnte sich bei dieser Basilika um die Kirche handeln, die Kaiser Justinian nach Aussage des byzantinischen Geschichtsschreibers Prokopius von Caesarea gestiftet hat. Das Mosaik aus dem Hauptschiff ist auf dem Boden des Ausstellungsraumes ausgelegt, die Mosaiken der beiden Seitenschiffe sind an den Seitenwänden des Raumes angebracht. Der Treppenaufgang zur Kanzel ist nachgebaut, das Original wurde in der Basilika belassen. Am Rande des Mosaiks sind Säulenbasen aus der Basilika aufgestellt, ebenso die Säulen, über die sich über das Cimborium, das vermutlich aus Holz gewesen war, gewölbt hat. Das Mosaik des Hauptschiffes zeigt figürliche und ornamentale Motive, im Zentrum steht das Bild eines Vogels in einem Käfig – Symbol für die Seele, die im Körper gefangen ist – so wird das Bild jedenfalls in der Forschung interpretiert.
Am Rande des Punischen Viertels steht der weithin sichtbare Grabturm, der auch als Grabturm des Bes bezeichnet wird. Er wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaut, hatte aber keine lange Lebensdauer, denn seine Blöcke wurden für die umliegenden Wohnbauten als Baumaterial verwendet. Bei Ausgrabungen wurden die Blöcke wieder aufgefunden und der Turm konnte rekonstruiert und wieder aufgebaut werden. Jetzt ist die Aussenmauer ockergelb, aber ursprünglich war der Turm bunt bemalt, denn die Römer und Griechen liebten knallige Farben. Stilistisch wurden griechische und ägyptische Architekturelemente verarbeitet: griechische Kapitelle sowie Hohlkehle und ein Uräen-Fries schmücken den Turm, bekrönt ist er von einer Pyramide. Die eigentliche Grabkammer befand sich unter dem Sockel des Grabturmes. Da Inschriften fehlen, ist unbekannt, wer hier bestattet wurde. Im Punischen Museum werden vor allem originale Teile des punischen Grabturmes aus dem punischen Viertel aufbewahrt.
Im Bereich des südlichen Forums befindet sich eine Basilika, die berühmt wurde, weil hier der Prozess gegen den antiken Schriftsteller Apuleius stattgefunden hat, der der Hexerei angeklagt worden war. Apuleius hatte die reiche Witwe Pudentilla geheiratet, was man ihm anscheinend nicht gegönnt hatte, denn er wurde der Zauberei verdächtigt, und es hiess, er habe die Witwe nur aufgrund unredlicher Machenschaften für sich gewinnen können. Man hatte einen Hexenprozess gegen ihn eingeleitet, aber Apuleius hatte in einer brillanten Rede nachweisen können, dass angebliche Zeugen bestochen worden waren, und er war freigesprochen worden. Diese Rede hat Apuleius hier niedergeschrieben, und sie ist die einzige Gerichtsrede aus der Zeit der römischen Antike, die erhalten blieb. Die Basilika war ursprünglich eine römische Gerichtsbasilika, in welche im 4. Jahrhundert eine christliche Kirche mit zwei Apsiden eingebaut wurde – mit Ost- und Westausrichtung, eine nordafrikanische Besonderheit im christlichen Kirchenbau. Im 5. Jahrhundert wurde der Bau nochmals erweitert, indem eine aufwändige Taufpiscina angefügt wurde.
Von der Kultstätte für den Liber Pater, eines punischen Fruchtbarkeitsgottes, sind noch einige Säulen erhalten, vom Tempel für den vergöttlichten Antonius Pius und dessen Familie existieren nur noch der Unterbau und ein Freitreppe zur Plattform hinauf.
Am östlichen Rand des Grabungsgeländes liegt der Isis-Tempel. Isis als universelle ägyptische Göttin war in griechischer und römischer Zeit im ganzen Mittelmeerraum verehrt worden, und zahlreiche Heiligtümer waren ihr geweiht. Die Tempelplattform steht auf riesigen Tonnengewölben, die gewaltigen Säulen, die umgestürzt waren, wurden im Zuge der Restaurierungsarbeiten wieder aufgerichtet
In der Nähe des Tempels befinden sich zwei Thermen-Komplexe – die See-Thermen und die Neptun-Thermen. Eine besondere Attraktion der See-Thermen bildet ein kleiner Anbau mit Latrinen (2.-3. Jh.) – Sitzbänke und Wasserrinnen sind aus Marmor, die ganze Installation schien ziemlich luxuriös gewesen zu sein. In situ befindet sich hier auch ein schöner Mosaikboden mit geometrischen Mustern, ausserdem eine sehr schöne, leider kopflose Venus-Statue.
Auch in den Neptun-Thermen, so genannt nach einem Mosaikbild des Neptun, das man aber aus dem Fussboden geschnitten und ins örtliche Museum verbracht hat, befinden sich Mosaikbilder in situ, ganz besonders witzig ist das Flip-Flop-Mosaik als Wegweiser für die Badegäste.
In diesem Gebiet, ausserhalb der ummauerten Stadt, liegen auch zwei christliche Basiliken, deren Apsiden nach Westen und nicht nach Osten ausgerichtet sind. Die beiden Kirchen stehen ungewöhnlich nahe nebeneinander. Sie wurden aus Bruchsteinen „zusammengeklaubt“, es ist unbekannt, wann die Kirchen gebaut bzw. geweiht wurden. Ungewöhnlich ist auch das Adlerkapitell einer Säule, eine architektonische Besonderheit, die nur bei ganz bedeutenden Kirchen zu finden ist.
Das Highlight des archäologischen Geländes von Sabrata ist das Theater, in welchem einst 5000 Zuschauer Platz gefunden haben. 1990 war es von italienischen Archäologen ausgegraben und so weit wie möglich wieder aufgebaut worden. Die Fassade des Bühnenhauses gilt als die schönste aller Theater der römischen Welt. Als architektonische Besonderheit wurden die Zuschauerränge und das Bühnenhaus gleich hoch gezogen, es wurden raffinierte unterirdische Eingänge für die Zuschauer angelegt, auch Pausenräume sowie ein Garten. Die Fassade des Bühnenhauses scheint jedoch unvollendet zu sein. Ganz aussergewöhnlich an diesem Theater sind die Reliefs auf dem Proszeniumfries, dem so genannten Pulpitum. Dargestellt sind mythologische Szenen, Szenen aus dem Alltag sowie pantomimische Szenen. Leider sind die Reliefs zum Teil ziemlich beschädigt oder auch gänzlich zerstört. Das Theaterprogramm bestand vorwiegend aus römischen Lustspielen (Plautus) und aus einer Art Variétédarbietungen. Will man Apuleius Glauben schenken, so waren die Aufführungen brutal realistisch: „Todeskandidaten“, dargestellt von Sklaven, sollen beispielsweise bei lebendigem Leibe verbrannt worden sein!