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Eine SwiSCI Studie zeigt, dass viele Menschen mit Querschnittlähmung ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung haben. Dies manifestiert sich häufig bereits in der Erstrehabilitation.
Oft steht eine unzureichende Nährstoffversorgung im Zusammenhang mit der Rückenmarksverletzung selbst, denn durch sie hat der Körper einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen. Häufig nehmen Betroffene nicht genügend auf, zum Beispiel aufgrund von Appetitlosigkeit, Schluckstörungen oder weil sie auf Hilfe bei der Essenseinnahme angewiesen sind. Dies führt zu einer Mangelernährung. Eine SwiSCI Studie zeigt, dass die Nährstoffversorgung von Patienten bereits während der Erstrehabilitation viel enger kontrolliert werden sollte: 40% verlassen die Klinik mit einem mangelhaften Ernährungsstatus. [1]
Die Studienautoren identifizierten folgende Personengruppen, die ein besonders hohes Risiko für Mangelernährung während der Erstrehabilitation entwickeln: Personen mit künstlicher Beatmung, Lungenentzündung, Dekubitus, und Personen, die nicht selbstständig essen können. Generell haben Tetraplegiker aufgrund der höheren Rückenmarksläsion ein höheres Risiko für Mangelernährung als Paraplegiker.
«Oftmals deutet eine Gewichtsabnahme auf eine Mangelernährung hin. Aber auch Übergewicht, das unter Betroffenen weit verbreitet ist, kann mit einem Mangel an essentiellen Nährstoffen einhergehen. Dies wird aber oftmals nicht erkannt.»
Ernährungsberaterin Schweizer Paraplegiker-Zentrum
Diese Situation ist problematisch, weil Menschen mit einer Querschnittlähmung ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen haben. Durchschnittlich leidet jede querschnittgelähmte Person an 6-7 Begleiterkrankungen. [2] Dazu gehören Störungen der Darmfunktion, Harnwegsinfektionen und Druckstellen. Genau diese Erkrankungen stehen aber in einem Zusammenhang mit dem Ernährungsstatus und treten bei mangelernährten Personen eher auf.
Eine Mangelernährung kann aber auch als Folge einer Erkrankung - zum Beispiel eines Dekubitus - entstehen. Dies liegt zum einen am erhöhten Bedarf an Proteinen, zum anderen an der gleichzeitig geringeren Zufuhr von Nährstoffen, weil Patienten in der Bettruhe oftmals keinen Appetit haben.
Die Mangelernährung kann also sowohl eine Ursache als auch Folge eines medizinischen Problems sein, und sie kommt sowohl bei unter- als auch übergewichtigen Personen vor.
Die Studienautoren empfehlen deshalb, die Aufmerksamkeit für Mangelernährung im klinischen Alltag deutlich zu erhöhen und Ernährungsscreenings standardisiert einzusetzen. Diese sollten sowohl bei Eintritt, danach in regelmässigen Abständen und kurz vor Austritt der Patienten wiederholt werden. So können Mangelzustände viel schneller erkannt und gezielt behandelt werden. Die Dokumentation des Ernährungszustandes in den Austrittsunterlagen würde auch bei den nachbetreuenden Ärzten mehr Aufmerksamkeit für das Thema generieren.
[1] Flury Irène: Das Risiko einer Malnutrition bei Patient*innen mit einer Querschnittlähmung während der stationären Erstrehabilitation. Eine retrospektive longitudinale Kohorten-Studie. Unveröffentlichte Studie, wird 2022 bei Clinical Nutrition (ESPEN) eingereicht.
[2] Brinkhof MWG, Al-Khodairy A, Eriks-Hoogland I, Fekete C, Hinrichs T, Hund-Georgiadis M, Meier S, Scheel-Sailer A, Schubert M, Reinhardt JD: Health conditions in people with spinal cord injury: Contemporary evidence from a population-based community survey in Switzerland, Journal of Rehabilitation Medicine, 2016 Feb;48(2).