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Blutrünstige Geschichten und Juwelen – Ein Rundgang durch den Tower of London
Er zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Londons – der Tower. In ihrer fast tausendjährigen Geschichte diente die Festung als Hinrichtungsstätte, Zeughaus, Zoo, Münzprägestätte und Juwelenhaus. Bei einem Rundgang tauchen Besucher tief in die Geschichte des britischen Empires ein. Wer den Tower of London besuchen möchte, fährt am besten mit der U-Bahn bis zur Station Tower Hill.
Blutrünstige Geschichten und historische Folterinstrumente
Wilhelm der Eroberer begann im Jahr 1066 mit dem Bau eines Holzforts an Stelle des heutigen Towers. Ihm sollte die Festung als sicherer Wohnsitz dienen. Im Jahr 1078 entstand zunächst der White Tower als ältestes Gebäude der Anlage. Touristen finden im White Tower heute eine Ausstellung unter dem Motto „Fit for a King“ aus der Royal-Armories-Sammlung mit Rüstungen Heinrichs VIII. und Karls I. Bei den historischen Folterinstrumenten läuft den Besuchern ein leichter Schauder über den Rücken. Weiter geht es in die zweite Etage des Towers, wo Mutige sich selbst im Bogenschiessen üben können. Bis zum 17. Jahrhundert diente der White Tower als Regierungssitz der britischen Monarchen.
Doch nicht nur die Geschichten rund um die Könige machen den Tower interessant. Es sind vor allem die blutrünstigen Ereignisse, die bis heute faszinieren. Als erster Gefangener sass Ralf Lambard, der Bischof von Durham im Jahr 1101 im Tower ein. Ihm blieb Schlimmeres erspart, denn er konnte sich in einem Weinfass verstecken und aus seinem Gefängnis fliehen. Im Verlauf der weiteren Zeit sassen hier zahlreiche Gefangene ein – unter anderem Charles d’Orleans, ein Neffe des französischen Königs Karl VI., der im 15. Jahrhundert etwa 25 Jahre gemeinsam mit seinem Hofstaat in den Verliesen verbrachte. Schlimmer wurde es mit der Regentschaft von Richard II., der seine Feinde in den Gemäuern des Towers hinrichten liess. Weitere Könige, Intrigen, Morde und Hinrichtungen folgten.
Heinrich der Achte und seine Frauen
Legendär ist vor allem Heinrich VIII., unter dessen Herrschaft unter anderem Thomas Morus im Bell Tower gefangen gehalten wurde, bevor er auf dem Tower Hill zusammen mit dem Bischof John Fisher hingerichtet wurde. Die Köpfe wurden als Abschreckung an Pfeilern der London Bridge aufgespiesst. Jeder weiss, dass Heinrich VIII. auch vor der Hinrichtung seiner eigenen Ehefrauen nicht zurückschreckte. Anna Boleyn und Catherine Howard bezahlten Ehebruch mit ihrem Leben. Anna von Kleve war Heinrichs vierte Frau. Sie liess er zwar am Leben, da aber Thomas Cromwell diese als Braut ausgesucht hatte, liess Heinrich kurzerhand seinen Minister ins Jenseits befördern. Eine ähnlich blutrünstige Herrschaft führte Heinrichs Tochter, die als „Bloody Mary“ in die Geschichte einging. Das Verrätertor und der Schafottplatz zeugen noch heute von der grausamen Herrschaft. Im Beauchamp Tower und im Bloody Tower sassen ebenfalls hochrangige Gefangene ein. Besucher, die sich für diesen Teil der britischen Geschichte interessieren, erhalten im Rahmen einer Führung über die zahlreichen Gefangenen wissenswerte Informationen.
Das Highlight im Tower – Die Kronjuwelen
Highlight eines jeden Tower-Besuchs ist eine Besichtigung der Kronjuwelen, die bereits seit dem 14. Jahrhundert ihren Platz in den sicheren Gemächern gefunden haben. Im Juwelenhaus, das als eines der am besten bewachten Gebäude der Welt gilt, können Besucher einen Blick auf die Kronjuwelen und die Insignien der britischen Monarchen werfen. Die Imperial State Crown, die Queen Elizabeth II. bei der jährlichen Eröffnung des Parlaments trägt, ist ebenso zu sehen wie die St. Edward’s Crown aus dem Jahr 1661. Auch der weltberühmte Kooh-i-Noor-Diamant ist Teil der kostbaren Sammlung.
Besonders schön ist ein Spaziergang über die alten Mauern, die den riesigen Tower umgeben. Wer über die gewaltigen Burgmauern schlendert, kann sich einen Überblick über das riesige Anwesen verschaffen. Dabei werden Besucher sicher auch einen Blick auf die legendären Raben werfen, die ihr eigenes Domizil direkt neben dem Wakefield-Tower haben. Sechs Kolkraben sollen angeblich den Fortbestand des britischen Empires sichern, denn wenn sie fortfliegen, soll ganz Britannien untergehen. Zur Sicherheit hat man heute den Tieren die Flügel gestutzt – dem Fortbestand des britischen Weltreichs steht also nichts entgegen!
Traditionelle Schlüsselzeremonie am Abend
Nicht weniger legendär als die Raben sind die Yeoman Warders oder Beefeaters, die von jeher für die Sicherheit des Towers sorgten. Heute führen sie in viktorianischen Uniformen Touristen über das Gelände und zieren so manches Erinnerungsfoto. Spektakulär ist die allabendliche Schlüsselzeremonie um 21.30 Uhr, bei der einer der Yeoman Warders das Haupttor abschliesst und den Schlüssel dem Resident Governor of the Tower überreicht. Besucher, die sich dieses einmalige Schauspiel nicht entgehen lassen wollen, müssen sich vorher schriftlich anmelden. Aber auch ohne schriftliche Anmeldung können Besucher traditionellen Zeremonie beiwohnen: Um 8.45 Uhr wird das Tor in der Frühe geöffnet, um 14.45 Uhr marschieren die Wachen gemeinsam zum Bryant Tower. Dort wird ihnen das Losungswort für den nächsten Tag verraten, ohne das sie den Tower sonst nicht betreten könnten.
Traditionen, Geschichte und Legenden, wohin das Auge reicht. Ein Rundgang durch das weitläufige Towergelände offenbart einen wunderbaren Einblick in die Geschichte des britischen Empires und sollte bei keinem London-Besuch fehlen!
Oberstes Bild: Tower of London aus der Vogelperspektive (Bild: Rafa Esteve, Wkimedia, CC)