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Der 183-seitige Bericht zu Reaktionen auf Ölkatastrophen im Gebiet von Alaska zeichnet eine Reihe von Mängeln im Wissenstand über natürliche Ressourcen, Eisbedingungen, Wettermuster und sogar grundlegende Geographie in der Region auf. Eine adäquate Infrastruktur, um auf eine Ölpest in den arktischen Gewässern Alaskas zu reagieren fehle genauso, heisst es im Bericht. «Der Mangel an Infrastruktur in der Arktis würde ein signifikantes Problem im Fall eines grossen Ölunfalls darstellen», heisst es weiter. «Es ist unwahrscheinlich, dass Notfallhelfer schnell auf eine Ölpest reagieren könnten, ausser es gäbe verbesserten Hafen- und Luftfahrtzugang, bessere Versorgungsketten und eine verbesserte Möglichkeit in der Handhabung von Geräten, Nachschub und Personal».
Der Bericht, der von der US Arktiskommission, dem amerikanischen Petroleuminstitut und mehreren Bundesbehörden in Auftrag gegeben worden war, macht 13 Vorschläge für ein verbessertes Katastrophenmanagement in den arktischen Gewässern vor Alaska. Die Vorschläge gewannen die Zustimmung von einem breit gefächerten Komitee, welches 18 Monate lang den Bericht ausgearbeitet hatte, erklärt Mark Myers, Vizekanzler der Universität von Alaska Fairbanks (UAF) und Mitglied des Komitees. Die Gruppe bestand aus Vertreter der Ölindustrie, der Universitäten, der Ressourcenbehörden und der lokalen Bewohner. Der Bericht ist sehr breit gefächert, meint Myers. «Das Risiko einer Ölpest besteht nicht nur wegen Öl und Gas», sagt er, «sondern auch wegen Seefahrt und sogar Öltanks im Boden». Die Empfehlungen beinhalten vermehrte Umwelt- und wissenschaftliche Forschung, verstärkte Präsenz der US-amerikanischen Küstenwache, Training von Notfallhelfern in den lokalen Gemeinden, neue Ölkatastrophenlösungen und deren Forschung, eine umfangreiche Studie über den Schiffsverkehr in der Beringstrasse, verbesserte Meereis- und Wettervorhersagen und vor allem verbesserte Zusammenarbeit mit den russischen und kanadischen Nachbarn.
Ein stärkerer wissenschaftlicher Aufwand wird benötigt, weil Grundlagen und historische Informationen sehr dünn sind, schreibt das Komitee im Bericht. Und die Forschung müsse auf jeden Fall weitergeführt werden, da die Arktis sich dank dem Klimawandel im Umbruch befinde, führen sie weiter an. Hochaufgelöste Satellitenaufnahmen und Luftbildmaterial der Küstenlinien und küstennahen Gebieten werden ebenfalls benötigt und sollten regelmässig erneuert werden, weil die Küstengebiete erodieren und sich verändern, heisst es in der Studie weiter. Vermehrte Nutzung von unbemannten Luft- und Seefahrzeugen, die schon von der UAF und anderen Institutionen verwendet werden, könnten helfen, die Regionen zu kartographieren.
Doch es gibt auch kontroverse Bereiche im Bericht. Beispielsweise fordert er, für die Erforschung von realistischen Aufräumszenarien «kontrollierte Freisetzung» von Öl in die arktischen Gewässer zu erlauben, um Aufräummaterial und -methoden zu testen. Im Bericht heisst es, dass Labortests bis anhin sehr nützlich gewesene seien, aber die momentanen und neuen Technologien für die Bekämpfung von Ölkatastrophen sollten «unter realistischen Umweltbedingungen» getestet werden, d.h. in der richtigen arktischen Umwelt. Zurzeit ist das Auslaufenlassen von Öl in den US-amerikanischen Arktisgewässern für Trainings- und wissenschaftliche Zwecke nicht erlaubt.
Der Bericht empfiehlt auch eine engere Zusammenarbeit mit Alaskas Nachbar, Russland, Die Küstenwache «sollte ihr existierendes bilaterales Abkommen mit Russland auf Verschmutzungsszenarien in der Arktis ausweiten und regelmässige Übungen abhalten um gemeinsame Massnahmen unter arktischen Bedingungen zu etablieren», und ein gemeinsames Notfallkonzept mit Russland und Kanada zu entwickeln.
Einige der Empfehlungen, wie beispielsweise verbessertes Kartographieren, überlappen mit den Zielsetzungen, die in einem Aktionsplan der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) vorgestellt wurden. Es ist noch unklar, ob die Regierung oder andere Instanzen finanzielle Beteiligungen planen, um die Empfehlungen des Berichts umzusetzen. Der Bericht nennt einige potentielle Finanzierungsquellen. Einkünfte aus der Ölwirtschaft könnten geteilt werden in einer Art «Öffentlichkeit-Privat-Gemeinde-Partnerschaft», schlägt der Bericht vor. Kosteneffizienz könnte erreicht werden, wenn Daten geteilt werden, einschliesslich mit den Ölgesellschaften, sagt Myers weiter. Der Gesetzgeber Alaskas scheint bereit zu sein, eine Vorlage zu genehmigen, die die Etablierung eines Arktis-Infrastrukturentwicklungsfonds vorsieht, der von der staatlichen Industrieentwicklung und Exportbehörde verwaltet wird. Dieser Fonds könnte helfen, neue Einrichtungen in der Region zu bezahlen. Die Abgeordneten haben noch keine Anstalten gemacht, Geld in diesen Fonds einzubezahlen und es seien auch keine entsprechenden Fördermittel bis zum Jahr 2016 dafür geplant, heisst es in einer Veröffentlichung.
In Bezug auf die verstärkte Zusammenarbeit mit den russischen Behörden zur Stärkung der Seesicherheit, meint Myers, sei er sehr optimistisch trotz der steigenden Spannungen über die Ukraine. «Politische Ereignisse kommen und gehen. Die Ressourcen und die Herausforderungen aber bleiben immer dieselben».
Quelle: Yereth Rosen, Alaska Dispatch, eyeonthearctic.rcinet.ca
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