Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/183034

<h2>SubmittedText<h2><p>Laut Professor Norbert Thom zeigt die Forschung der Universität Bern, dass es verbreitet Altersdiskriminierung gibt. So existierten in den untersuchten Firmen weder Laufbahnberatungen noch Weiterbildungen für ältere Arbeitnehmende. Viele würden auf weniger interessante Posten abgeschoben, zitiert der "Tages-Anzeiger" am 22. April 2016 Professor Thom, "bis sie ihre Arbeitsmarktfähigkeit definitiv verlieren".</p><p>- Wie beurteilt der Bundesrat die Ergebnisse der erwähnten Studie?</p><p>- Verfügt der Bund über detaillierte Untersuchungen zur Unterbeschäftigung dieser Altersgruppe?</p><p>- Wie hoch ist die Teilzeitbeschäftigung von Frauen und Männern in dieser Altersgruppe, obwohl sie mehr arbeiten möchten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Professor Norbert Thom verweist in seinem Interview im "Tages-Anzeiger" nicht auf eine bestimmte Studie, sondern generell auf die Forschung der Universität Bern. Die Situation von älteren Arbeitnehmenden wurde in den letzten Jahren auch in verschiedenen Studien im Auftrag des Bundes untersucht. So hat die OECD 2014 die gesamte Forschung zum Thema in einer umfassenden Studie aufgearbeitet. Sie stellt fest, dass ältere Personen in der Schweiz im internationalen Quervergleich sehr gut im Arbeitsmarkt integriert sind, womit die Schweiz für andere Länder Vorbildcharakter hat. Gleichzeitig konstatiert die OECD, dass es unter anderem in den Unternehmen noch Möglichkeiten gibt, das Arbeitskräftepotenzial von älteren Mitarbeitern besser zu nutzen. Mit der Alterung der Bevölkerung und dem raschen technischen Wandel gewinnt der Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit deshalb noch an Bedeutung.</p><p>Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) wird im Auftrag des Bundesrates bis im November 2017 ein Programm zur Unterstützung der Weiterbildung von Arbeitnehmenden im Bereich Grundkompetenzen erarbeiten. Das Programm soll gering qualifizierten und insbesondere älteren Arbeitnehmenden ermöglichen, länger im Erwerbsleben zu verbleiben. Diesem Auftrag kommt angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung eine zusätzliche und vom WBF nicht unterschätzte Bedeutung zu. Bereits heute unterstützt der Bund Projekte mit diesem Ziel, beispielsweise ein Projekt, das Arbeitslosigkeit von älteren Fachkräften aus dem Mint- und MEM-Bereich durch Höherqualifizierung verhindern hilft.</p><p>Die Altersdiskriminierung war schliesslich ein zentrales Thema der diesjährigen, dritten nationalen Konferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende. Die Verbundpartner sprachen sich unter anderem dafür aus, in die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit einer insgesamt alternden Bevölkerung zu investieren und benachteiligende Praktiken abzulehnen.</p><p>Zur Frage der Teilzeitbeschäftigung: 2016 waren 7,1 Prozent der 55- bis 64-jährigen Erwerbspersonen unterbeschäftigt; diese Personen waren teilzeiterwerbstätig, hätten aber mehr arbeiten wollen und können. Die Unterbeschäftigung von älteren Personen liegt damit im Durchschnitt aller Altersgruppen. Frauen weisen, weil sie häufiger teilzeiterwerbstätig sind, eine deutlich höhere Unterbeschäftigungsquote auf als Männer. Im Jahr 2016 lag diese Quote bei den 55- bis 64-jährigen Frauen bei 11,5 Prozent, dies gegenüber 3,5 Prozent bei den Männern.</p>