Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03131.jsonl.gz/2496

2D. Chronologie Psycho-Physiognomik
Carl Huter, 1861 – 1912, Privatgelehrter, Schriftsteller, Vortragsredner
Er ergänzte das vorhandene physiognomische Wissen mit eigenen Entdeckungen (u.a. Naturelle) und eigenen Erkenntnissen (u.a. über die vier Temperamente). Er schuf auf diese Weise ein neues System der physiognomischen Menschenkenntnis und bezeichnete es mit „Psycho-Physiognomik“.
Dieses neue System hat er in der Praxis erprobt und grosse Erfolge erzielt. Es ist eine lernfähige Menschenkenntnis.
Amandus Kupfer (1879-1952) und andere persönliche Schüler von Carl Huter, zwischen 1910 und 1960
Sie stellten unter Beweis, dass die von Huter begründete Psycho-Physiognomik tatsächlich lernbar ist und bei sorgfältiger Anwendung zu erstklassigen Ergebnissen führt. Gerade auf dem Gebiete der Charakterologie gelangt man mit der Psycho-Physiognomik viel einfacher, rascher und sicherer zur Erkenntnis der Grundanlagen eines Menschen. Obwohl Huter viele Schüler ausbildete haben nur rund ein halbes Dutzend die Huter-Lehre in Wort und Schrift öffentlich gelehrt.
Nachfolgende Generationen von Referenten und Beratern, ab 1925 bis heute
Aus den Vorträgen von Amandus Kupfer in Deutschland und in der Schweiz in den 20-er und 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts gingen folgende Referenten hervor, welche die Psycho-Physiognomik in Wort und Schrift über Jahrzehnte hinweg verbreitet haben: Otto Malig (D), Richard Glaser (D), Maria Knirr (D), Walter Alispach (CH), Hermann Bürkler (CH), Hans Nisple (CH).
In den 50er und 60-er Jahren nahmen u.a. folgende Referenten ihre Tätigkeit auf: Theodor Werner (D), Otto Gerhold (D), Paul Schärer (CH), Lieselotte Eder (CH).
Das beste Lehrmittel zur Erlernung der Psycho-Physiognomik sind seit vielen Jahrzehnten die "Grundlagen der Menschenkenntnis" (Erstauflage 1911). Das Buch wurde laufend überarbeitet und verbessert. Es erschien im Carl-Huter-Verlag, Schwaig bei Nürnberg (von ca. 1920 bis ca. 1995). In diesem Verlag erschienen die Zeitschrift "Der gute Menschenkenner" (1932-1941 und 1953-1979) und die Nachdrucke der Huter-Werke.
Entwicklung seit den 1970er Jahren
Seit den 1970er Jahren steigt die Anzahl Personen, die im Haupt- oder Nebenberuf als Referent oder als Berater (mit eigenen Praxisräumen) auftreten, gleichmässig an, wenn auch nur in bescheidenem Umfang. Diese Entwicklung bezieht sich auf Deutschland und die Schweiz. In andern Ländern wird die Huter-Lehre kaum gelehrt oder angewendet.
- Es sind viele neue Lehrbücher erschienen.
- Es sind neue Fachzeitschriften entstanden. Zum Teil sind sie wieder verschwunden
- Es sind neue Vereine entstanden; meist um Huter-Freunde zusammenzuschliessen und gelegentlich als Fachorganisation für Referenten und andere Fachpersonen. Zum Teil sind sie wieder verschwunden.
- Verschiedene Referenten und Organisationen bieten eine Ausbildung zum Psycho-Physiognomen und Referenten an.
Wer sich näher dafür interessiert, kann sich an die Carl-Huter-Stiftung wenden oder im Internet gezielt nach diesen Themen suchen.
125 Jahre Psycho-Physiognomik: 1893/94 bis 2018/19
Im Jahre 1893 hat Carl Huter an den naturwissenschaftlichen Grundlagen der Psycho-Physiognomik gearbeitet und 1894 erste Vorträge gehalten.
In diesen 125 Jahren haben Hunderttausende von Menschen, die Huterschen Lehren an Vorträgen und aus Schriften kennen gelernt. Dennoch ist die Huter-Bewegung heute immer noch vergleichsweise klein und schwach. Das zeigt sich u.a. daran, dass bisher erst rund 15 Personen in der Lage waren - ein gutes Dutzend - mit der Huter-Lehre eine berufliche Existenz zu begründen, Stand 1.1.2019.*), **)
*) Personen, die während mindestens 5 Jahren in Folge und bei einem Beschäftigungsgrad von mindestens 60% als Referent, Schriftsteller, Berater tätig waren mit Schwerpunkt "Hutersche Psycho-Physiognomik". Eine medizinal-therapeutische Tätigkeit zählt in der Regel nicht dazu, da hier die Hutersche Psycho-Physiognomik meist nicht im Zentrum der Tätigkeit steht.
**) Oft nur, da der Ehepartner und weiteren Familienmitgliedern mitarbeiteten. Das erzielte Einkommen war meist vergleichsweise bescheiden. Zum Teil lag das auch an der Person selbst: zu wenig praktischer Sinn; "Quereinsteiger", d.h. keine anerkannte Fachausbildung in einem vergleichbaren Fachgebiet und keine praktische Berufserfahrung in einer vergleichbaren Tätigkeit.
Ergänzung:
Nonverbale Kommunikation, nicht Hutersche Richtung
Unabhängig von der Huterschen Psycho-Physiognomik entstand in Europa und in den USA das Fachgebiet „nonverbale Kommunikation“. Darunter versteht man die charakterologische Interpretation der Mienen und Gesten, der Körperhaltung, der Ausdruck der Haare und der Stimme sowie der sonstigen Erscheinung einer Person.
Während die Hutersche Psycho-Physiognomik die Beobachtung und Beschreibung sowohl der konstanten Erscheinung des Menschen als auch der veränderlichen Erscheinung umfasst, beschränkt sich die nonverbale Kommunikation nur auf letzteres.
Die Fachleute der nonverbalen Kommunikation beschreiben die veränderliche Erscheinung des Menschen meist in ganz ähnlicher Weise wie die Fachleute der Huterschen Psycho-Physiognomik. Deshalb wird dieses Fachgebiet hier, bei der Beschreibung der Geschichte der Psycho-Physiognomik, ebenfalls betrachtet.
Das Fachgebiet "non-verbale Kommunikation" (Einzelheiten siehe unten) wird von ihren Fachpersonen sehr professionell betrieben, d.h. im Hauptberuf und sehr praxis-orientiert. Das Zielpublikum sind in erster Linie Kader- und Leistungspersonen, die sich und die Mitmenschen besser kennen lernen und verstehen möchten. Die Vertreter dieses Fachgebietes treten als Fachbuch-Autoren und meist auch als Referent und Ausbildner in Erscheinung. Zu den bekanntesten Vertretern gehören
- Desmond Morris (USA)
- Paul Ekman (USA)
- Samy Molcho (A)
- und viele mehr, z.B. Joe Navarro (USA), Monika Matschnik (D)
Fast alle diese Personen betreiben ihr Fachgebiet in einer besonderen Weise:
- Sie beschränken sich auf die Interpretation der Mienen und Gesten. Ihre Deutungen sind rein subjektiv. Es fehlt ein naturwissenschaftliches Fundament. Anatomie und Physiologie werden nicht einbezogen.
- Jede Person arbeitet sehr autonom, entweder ganz allein oder mit wenigen Mitarbeitern, oft sind es Familienmitglieder. Sie sind in jungen Jahren eher zufällig auf das Thema gestossen und ihr Fachwissen autodidaktisch erworben, d.h. abseits von Fachhochschulen, Universitäten, etc.
- Es ist daher bezeichnend, dass es für dieses Fachgebiet keine nennenswerten Fachorganisationen gibt! Es gibt auch keine nennenswerten Fachzeitschriften, keine Standesorganisation (welche die Richtlinien für Berufsausübung aufstellt, etc.).
- Diese Person halten Vorträge vor Hunderten von Menschen, jährlich, und verkaufen zehntausende von Büchern, jährlich. Die Menschen sind begeistert. Es gibt indessen kaum Nachweis, ob jemand das Wissen tatsächlich praktisch anwendet und welcher Nutzen daraus resultiert.
Es ist zu wünschen, dass das Fachgebiet möglichst bald nicht mehr in der oben gezeichneten Einseitigkeit betrieben wird.