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Sie sind völlig verschiedene Typen, aber ihre Wege kreuzten sich immer wieder. Nun erreicht ihr Konkurrenzkampf erstmals eine offizielle Stufe.
Brady Dougan bei Credit Suisse, Oswald Grübel bei UBS: Dieses Duell wird wohl noch viel zu reden geben. Das «Deal Journal», also die Branchen- und Blogsite des «Wall Street Journal», verglich die Affiche Dougan vs. Grübel gar mit dem legendären Oedipus-Konflikt in der amerikanischen Hochfinanz: Jamie Dimon gegen Sandy Weill.
Der eine, Weill, feuerte Dimon im Jahr 1998 bei Citigroup – so dass der andere, Dimon, bei J.P. Morgan eine Karriere hinlegen konnte, in deren Folge er auch Citi in Bedrängnis brachte.
Allerdings hinkt der Vergleich in mancherlei Hinsicht: Grübel und Dougan standen nie im offenen Konflikt – zumindest bis zu dieser Woche –, und keiner feuerte je den anderen. Doch CS-intern gilt es ebenfalls als offenes Geheimnis, dass die beiden Spitzenleute nie recht warm wurden miteinander. Dougan ist ein eher spröder Workaholic, der oft vor fünf Uhr aufsteht, joggt, sich als Exzess ein paar Coke Zero erlaubt und bis in die Nacht durcharbeitet. Grübel schämte sich nie für seine barocken Züge, schon als junger SKA-Trader in der Londoner City machte es ihm wenig aus, mit einem gelben Ferrari aufzufallen.
Und so traf einst im Hause Credit Suisse eine ebenso fanatische wie begnadete Händlernatur auf einen eher vorsichtigen, exakten Meister der effizienten Abwicklung: der Deutsche und der Amerikaner. Kaderleute, die beide kennen, erinnern sich, dass Oswald Grübel dem fast zwei Jahrzehnte jüngeren Amerikaner lange distanziert gegenüberstand. Er empfand ihn als eher undynamisch und arg zurückhaltend.
«...wie wenn man Lenin nach Moskau schicken würde»
Dass sich Dougan gut mit dem gemeinsamen Verwaltungsratspräsidenten Walter Kielholz verstand, trug auch nicht eben zur Annäherung bei: Denn auf der Gegenseite blieb das Verhältnis von Grübel und Kielholz stets im kühlen Bereich.
Brady Dougan war vom Bankers Trust zur Credit Suisse gestossen, sein Mentor war Allen Wheat, der später Chef des Investmentbanking-Arms CSFB wurde. Mitte der Neunzigerjahre arbeiteten Grübel und Dougan erstmals direkt zusammen, als der Jüngere in New York die Equities-Division leitete, wo er dem Älteren unterstand. Eine Annäherung der beiden erfolgte aber erst, als John Mack, der neue CSFB-Chef und spätere Co-CEO der CS, Dougan zu bremsen begann. Mack versetzte seinen Landsmann Anfang 2004 von New York nach London – und eröffnete ihm damit ungewollt neue Chancen. «Brady nach Europa zu schicken, das war ungefähr so, wie Lenin in einen Zug nach Moskau zu stecken», witzelte später ein CSFB-Kadermann gegenüber dem «Wall Street Journal».
Der Jüngere führt die Arbeit des Älteren fort
Denn von London aus näherte sich der so zuverlässig und korrekt wirkende Dougan der Zürcher Zentrale an und tauschte sich regelmässig mit Kielholz und Grübel aus. Dies soll stark dazu beigetragen haben, ihm den Weg an die Spitze des CS-Investmentbanking zu ebnen. Denn auch wenn Grübel persönlich eher auf Distanz hielt zu Dougan: Strategisch spielten sie einander in die Hände, der eine respektierte gewisse Qualitäten des anderen, und in einem waren sie sich einig – der Rivalität zu John Mack.
Dass Brady Dougan 2007 sein Nachfolger wurde, war Grübel denn sehr willkommen. Der Alternativlösung – Private Banker Walter Berchtold – traute man weniger zu, er wäre als Konzernchef lediglich in Frage gekommen, wenn Grübel Präsident geworden wäre. Doch Kielholz verhinderte Grübel als Chairman. Der Weg war frei für Brady Dougan.
Vor allem: In den Monaten seither setzte Dougan die One-Bank-Strategie von Oswald Grübel zuverlässig fort. Selber markierte er kaum viele neue Akzente. Doch für den risikoaversen Dougan, der in seiner Karriere mehrmals die Fahrlässigkeiten seiner untergebenen Investmentbanker (in Tokio, Mumbai und London) verantworten musste, ist das normal. Er will auf gar keinen Fall einen Fehler begehen und gibt sich daher besonders zurückhaltend. Für den Haudegen Grübel mag das eine Spur zu viel Vorsicht sein. Und so lautet die persönliche Ausgangslage zwischen den Konzernchefs von UBS und CS: viel Distanz, gesunder Wettbewerb, aber keine offenen Rechnungen. No bad feelings.