Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03127.jsonl.gz/2219

Für Seebach war das Kriegsgeschehen mit zahlreichen Erschwernissen verbunden, welche sich wohl kaum von denen anderer Gemeinden unterschieden. In Erinnerung geblieben sind sicher die vier Sprengbombenabwürfe eines britischen Flugzeuges. Ferner die Lebensmittelrationierung, wo staatlich zwei fleischlose Tage verordnet wurden. Ferner stellte man jenen Seebacher Haushalten das Gas während Monaten ab, wenn sie einen zu grossen Verbrauch aufwiesen. Es gab bald nur noch Einheitsbrot. Es wurden Ortswehren gebildet und sehr provisorisch mit Kaputt und Policemütze sowie mit historischen Langgewehren ausgestattet, welche man bei der Bevölkerung einsammelte. Zur Erkennung wurden diese Ortswehren mit einer Armbinde ausgestattet. Sie hatten die Aufgabe, auf Saboteure und Fallschirmspringer zu schiessen. Angeordnet war ebenfalls eine Verdunkelung. Leute, bei welchen die Fenster nicht ausreichend abgedeckt waren, wurden gebüsst.
Auf den Turnwiesen des Schulhauses Buhnrain pflanzten Leute ohne eigenes Land ihr Gemüse an (Anbauschlacht). Manchmal wurde es für die Mütter, speziell ab 1942 schon recht schwierig, ihren Kindern etwas Anständiges auf den Tisch zu stellen. Dienstpflichtige Männer absolvierten soviel Dienst, dass mancher auf 1000 Diensttage kam. Erinnert sei auch an die Ã?hrenleseaktionen. 1943 sammelten 260 Freiwillige nicht weniger als zusätzliche 20 Tonnen Brotgetreide ein. Bekannt ist auch, dass die Bauern mit Freiwilligen nach dem Ernten der Kartoffeln, mit Hacke und Korb ganze Ã?cker nochmals von Hand durchforsteten und so noch viele hundert Kilogramm zusätzliche Kartoffeln fanden. Selbst Firmen wurden verpflichtet, Zuckerrüben anzupflanzen!!!! Die Versorgung des Militärs mit Lebensmitteln war gut und mancher Soldat fand damals, dass er im Dienst vielleicht nicht besser ass, aber er bekam mit grösserer Zuverlässigkeit etwas zum Beissen.
Autos sah man fast keine mehr auf den Strassen, ausser jenen Unentwegten, welche sich einen grossen Holzvergaser (Emser Wasser) im Kofferraum einrichteten. Eine bekannte Zürcher Firma mit Hauslieferdienst spannte gar ein Pferd vor ihren Lieferwagen und erledigte die Arbeit mit einem PS. Das war allerdings nicht in Seebach, vermittelt aber irgendwie, welche Alltagsprobleme die Leute damals zu bewältigen hatten. Auf dem Schulhaus Buhn wurden militärische Beobachter postiert.
Ã?berliefert ist auch, dass Seebacher Hobbyfunker in Ermangelung geeigneter Geräte mit kleinen Sonnenspiegeln, welche sie abdeckten und öffneten, Morsesignale vom Schulhausdach Buhn zum Asp hinüber sandten. Bei den anbetroffenen «Funkern» handelte es sich allerdings «nur» um grössere Primarschüler. Als die Bürgerwehr dies beobachtete, schritt sie ziemlich ruppig ein und es setzte lange Verhöre ab, ehe den Bürgerwehren klar wurde, dass die Sache harmlos war. Sie kamen dann mit einer strengen Verwarnung davon.
Quellen: - Schilderungen älterer Seebacher - Ernst Benninger - OGS-eigene