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stettler kunstglaserei & glasmalerei gmbh
bern
Frühgotik (13. Jahrhundert)
Zeitbild der Gotik
Nachdem im 12. Jahrhundert viele Städte gegründet wurden folgte eine Zeit der Aufklärung. Die wiedererlangte Handels- und Verkehrstätigkeit verlangte eine grössere geistige Beweglichkeit. Auch Kaufleute und Handwerker mussten lesen, schreiben und rechnen können. Über die Handelswege wurde ein reger Kulturaustausch ermöglicht. Durch die Kreuzzüge fand dieser Austausch bis in den arabischen Raum statt.
Dieser Prozess löste eine geistige Blütezeit aus, die in der so genannten Scholastik (den Glauben vernünftig begründen) ihren Ausdruck findet. An den neu gegründeten Universitäten werden Theologie, Philosophie und Wissenschaft betrieben.
Architektur / Der gotische Skelettbau
Die Mittel dieser architektonischen Revolution sind der Spitzbogen, das Kreuzrippengewölbe und das Strebewerk.
Das Gewicht der Gewölbedecke wird von den Strebebögen in den äusseren Bereich der Kathedrale geleitet und von den massigen, mit Fialtürmen beschwerten Strebepfeilern aufgefangen. So entsteht ein Gefüge aus geordneten Kraftlinien, das das Bauen in bisher unerreichten Dimensionen ermöglicht.
Tragendes Mauerwerk ist gänzlich überflüssig und wird durch riesige Fensteröffnungen ersetzt. Diese Fensteröffnungen werden ihrer Grösse wegen in mehrere Lanzetten unterteilt, welche sich gegen oben in ein Masswerk auflösen.
Glasmalerei
„Nach dem Weltuntergang wird eine heilige Stadt aus dem Himmel niederfahren.“
So sieht es Johannes in seiner endzeitlichen Vision (Offenbarung 20.21). Es ist das "neue Jerusalem", in dem die Herrlichkeit Gottes leuchtet wie ein heller Edelstein.
Die gotische Kathedrale ist ein Sinnbild des neuen, utopischen Jerusalems. Die Mauern sind aus Edelsteinen und wurden vom göttlichen Licht durchdrungen.
Dieser mystische Gedanke wurde im Bau der gotischen Kathedralen umgesetzt.
Das Sonnenlicht musste, um in den Kirchenraum zu gelangen, die farbigen Bilder mit Bibelszenen durchdringen. In der Vorstellung der mittelalterlichen Menschen wurde das Sonnenlicht so mystisch „angereichert“.
Die Kirche und ihre Besucher wurden also dank den Glasmalereien in gleichsam "getauftes Licht" getaucht.
In diesem Sinn ist es verständlich, wenn die Baumeister und Architekten bemüht waren, die Mauern mit immer grösseren Fensteröffnungen zu durchbrechen.
Fünf Merkmale frühgotischer Glasmalerei:
• Durch das Grösserwerden der Fensterflächen werden die Glasbilder dunkler ausgeführt.
• Die grösseren Fensterflächen werden in verschiedene "Medaillons" unterteilt. In die höher gelegenen Obergadenfenster werden monumentale Figurenfenster eingesetzt.
• Die dominierenden Farben sind Rot und Blau (besonders in französischen Einflussgebieten).
• Die Faltenwürfe der Gewänder werden allmählich realistischer.
• Räumliche Darstellung wird durch Überschneidung der Figuren erreicht.
Saint Chapelle, Paris
Kathedrale von Lausanne, 13. Jh.