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Die neue Clubhütte der Sektion Randen im Martinsmaad
Seit dem Jahre 1894 trug sich die Sektion Randen mit dem Gedanken, an der Erschließung des Hochgebirges mit einer eigenen Hütte teilzunehmen. Es wurde ein Hüttenfonds gegründet, und diesem Jahr für Jahr Beiträge zugewiesen. Lange schien es jedoch, als würde der Fonds nie auf die nötige Höhe gebracht werden können, bis sich im Jahre 1904 ein Freund unserer Sache entschloß, durch Einlage einer schönen Gabe uns dem Ziele näher zu bringen. Durch weitere reichliche Spenden vieler Sektionsmitglieder und den Ertrag eines Vortragszyklus wurde der Fonds so geäufnet, daß im Jahre 1905 nach einem Standorte Umschau gehalten werden konnte. Die Baukommission glaubte zunächst, im Brunnital einen günstigen Standort gefunden zu haben, brachte aber dann das Martinsmaad, auf das sie von Herrn Dr. Ed. Naef aufmerksam gemacht worden war, in Vorschlag. Auf ein Referat des Präsidenten, Herrn Dr. Schwarz, der die Sache stets mit aller Energie gefördert hat, wurde im November 1905 einstimmig mit jubelnder Begeisterung beschlossen, die Hütte im Martinsmaad zu errichten. In alpinen Kreisen des Glarnerlandes fand die Wahl lebhafte Zustimmung. Der Gemeinderat Elm zeigte sich sehr entgegenkommend und stellte uns sofort an beliebiger Stelle des Maads 1000 Quadratmeter Boden gratis für den Bau zur Verfügung. Auch unsern Wünschen betreffs Wasser, Wegrecht und Brennholz für die Versorgung der Hütte wurde in weitgehender Weise entsprochen. Die Baupläne wurden von unserm Clubgenossen, Herrn Kantonsbaumeister Bahnmaier, verfertigt, und er war es auch, der den Bau stets geleitet und überwacht hat. Die Erstellung übernahmen die Herren Baumeister Marti in Matt und Bergführer und Zimmermann Zentner in Elm. Das Holz wurde im Spätjahr 1906 und im darauffolgenden Winter verarbeitet und bereitgestellt, im Frühjahr 1907, sobald die Witterung den Transport erlaubte, auf den Hüttenplatz geschafft, und der Bau im September 1907 fertiggestellt. Die Kosten belaufen sich mit Mobiliar, aber ohne Einweihung, auf zirka Fr. 10,500, wozu die Zentralkasse einen Beitrag von Fr. 4500 beigesteuert hat. Die Einweihung konnte am 8. September 1907 in Anwesenheit von zirka 100 Personen bei herrlichem Wetter vorgenommen werden und gestaltete sich zu einem intimen Bergfeste.
Die Hütte ist ein wohl verankerter, stattlicher Holzbau von zwei Stockwerken, mit einem Windfang vor dem Eingang. Sie ist vor Lawinen geschützt, sonnig und trocken gelegen und besitzt einen besonderen Damenraum und einen gemauerten Keller für Holz und anderes Material. Sie bietet 35 Personen Platz und ist ausgerüstet mit guten Matratzen von Crin d' Afrique, 35 wollenen Decken, 2 Kochherden, Sanitätsmaterial, Rettungsgeräten, Finken und Holzschuhen und der übrigen vorschriftsmäßigen Ausrüstung in genügender Menge und bester Qualität. Holz ist stets vorhanden, zur Taxe von 50 Cts. pro Person und Tag für Mitglieder des S.A.C. und gleichgestellter Vereine. Wasser findet sich in nächster Nähe in einer Quelle und im Maadbach, der an der Hütte vorbeifließt.
Von Elm aus ist die Hütte in 3 bis 3 1/2 Stunden erreichbar. Zunächst auf dem bekannten Segnespaßweg durch die wildromantische Tschingelschlucht wird die Niedernalp erstiegen. Dort verläßt man den Segnespaßweg und gewinnt über rasch aufeinanderfolgenden Talstufen, über deren Wände der wasserreiche Gletscherbach donnernd und schäu- mend in mehreren prächtigen Kaskaden zur Tiefe stürzt, das Martinsmaad. Dieses, 1970 m. hoch gelegen, ist eine prächtige, im Hintergrund von hohen, firnbehangenen Felswänden halbkreisförmig eingeschlossene Erosionsmulde, in welche die Séracs des Bündnerbergfirns drohend herabschauen. Talaus schweift der Blick über grüne Alpenmatten und dunkle Tannenwälder in eine prächtige Bergwelt. Schon der Anstieg zur Hütte ist überaus lohnend; der Zugang, gut und sicher für den Bergsteiger, ist in seiner alpinen Ursprünglichkeit belassen worden und wird allzu großen Besuch durch bloße Spaziergänger fernhalten.
Die Hütte ist stets unverschlossen, der Aufsicht von Bergführer Mathias Zentner unterstellt, aber unbewirtschaftet, und liegt auf dem äußersten Rand eines Felskopfes, direkt über dem obersten Wasserfall. Schon von Matt im Sernftal aus und auch im Aufstieg, nach Verlassen der Tschingelschlucht, ist sie stets sichtbar. Sie dient besonders der Besteigung des aussichtsreichen Vorab, die von 8 auf 4 1/2 Stunden abgekürzt wird. Außer dem Vorab, der von der Hütte aus auf drei verschiedenen Wegen erreicht wird, und zu dem ein vierter, direkter Anstieg ohne Zweifel noch gefunden werden kann, sind das Mittaghorn, die dolomitähnlichen Zwölfihörner, der Ofen und der Piz Grisch das spezielle Exkursionsgebiet, da sie den prächtigen Felsenzirkus bilden, in dem die Hütte liegt. Erreichbar von der Hütte sind ferner Piz Sardona, Piz Segnes, Piz Dolf, die kühnen Tschingelhörner und das Mörderhorn. Von Paßübergängen, die in Verbindung mit diesen Besteigungen zu machen sind, mögen erwähnt werden: Segnespaß, Sardonapaß, Bündner-bergfirnpaß, Panixerpaß, Trinserfurka und Surajoch. So bietet das Exkursionsgebiet dieser Hütte eine seltene Abwechslung schöner Gletschertouren mit prächtigen Felsklettereien. J. Fehr ( Sektion Randen ).