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In der Weltgesellschaft zirkuliert das Thema Liebe in verschiedenen Medien wie Musik, Liebesromanen, Fernsehdramen, Kinofilmen und dgl. und wird überall mit großem Interesse konsumiert. Dieses Phänomen verleitet häufig zu der Annahme, dass die Liebessemantik moderner und westlicher Prägung universal gültig sei und sich auf eine anthropologische Konstante stützen könnte. Jedoch wissen wir seit langem, dass dies nicht der Fall ist. Die gegenwärtige Liebessemantik "westlicher" Prägung – Zusammenführung von Liebe, Ehe, Sexualität, Freundschaft, Leidenschaft, Dyadizität – ist ein historisches, kulturelles Produkt und die Entstehung dieser Semantik steht im Zusammenhang mit dem Übergang der traditionellen, stratifikatorisch differenzierten Gesellschaft zur modernen, funktional differenzierten Gesellschaft. Niklas Luhmanns Gesellschaftstheorie zufolge werden die "persönlichen, intimen Beziehungen" nur unter den Voraussetzungen ermöglicht: (a) der funktionalen Differenzierung der Gesellschaft, (b) einer klaren Differenz von Interaktion und Gesellschaft, sowie (c) einer Differenz von psychischem und sozialem System.[1]
Das gesamte Forschungsprojekt besteht derzeit aus zwei jeweils vom SNF geförderten Teilprojekten: (a) dem Forschungsprojekt Transformation der Liebessemantik in Japan. Von der Frühen Neuzeit in die Neuzeit (Projektleitung: Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Bearbeitung: Dr. Takemitsu Morikawa) und (b) dem Tagungsprojekt: Semantische Traditionen der Liebe und Ausdifferenzierung der Intimität. Divergenz und Konvergenz im Kulturvergleich (Leitung: Dr. Takemitsu Morikawa, Mitarbeit: Dr. Daniel Šuber). In dem Forschungsprojekt soll die Semantik des Kommunikationsmediums »Liebe« in Japan ermittelt, beschrieben und in ihrem Wandel im Übergang von der stratifikatorischen zur funktionalen Gesellschaftsdifferenzierung von der Frühen Neuzeit bis ca. 1920 verfolgt werden. Ziel ist es, in Auseinandersetzung mit verschiedenen Textgattungen der literarischen Tradition Japans wie Romanen, Novellen, Erzählungen, Dramen u. dgl. die Frage zu analysieren, inwieweit sich Luhmanns theoretische Konstruktion des wechselseitigen Verhältnisses von Evolution der Semantik und Differenzierung der Gesellschaft nicht nur in heuristischer, sondern auch in explanatorischer Hinsicht bewährt und welche Modifikationen oder Ergänzungen angebracht sind, um diese Konstruktion auf ein Gebiet mit einem anderen kulturellen Hintergrund anzuwenden. Darüber hinaus möchte das Projekt feststellen, was die Evolution der Liebessemantik in Japan von derjenigen in Westeuropa unterscheidet, und erklären, wie diese Unterschiede entstanden sind. In dem Tagungsprojekt soll der Anschluss der Forschungsergebnisse an die Weltgesellschaftstheorie gesucht werden. Deshalb liegt der Fokus dabei bei dem Spannungsverhältnis zwischen der sich durchsetzenden, globalen funktional spezifizierten Kommunikation einerseits und der selektiven Wiederentdeckung und intensivierten Pflege der lokalen Besonderheiten andererseits.
Forschungsprojekt und dessen bisheriges Ergebnis
Von den oben genannten Fragen ausgehend haben wir repräsentative belletristische Schriften zum Thema Liebe aus der Epoche der frühen Neuzeit (Edo-Zeit: vom beginnenden 17. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts) einerseits und gesellschaftliche und technische Bedingungen für die Entwicklung der Liebessemantik andererseits untersucht. Als Untersuchungsgegenstand haben wir aus jener Zeit Erzählungen von Ihara Saikaku (1642-1693), Dramen von Chikamatsu Monzaemon (1653-1724) und dann Liebesromane in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (die so genannten ninjôbon) ausgewählt.
Es ist nicht nur aus Japan, sondern aus zahlreichen Gesellschaften bekannt, dass Liebe und Sexualität vermeintlich eine destruktive Kraft für gesellschaftliche Ordnungen besitzen. Daher hat man verschiedene Mechanismen und Einrichtungen erfunden, diese Kraft zu kanalisieren, unter Kontrolle zu bringen und zu steuern. Homosexuelle Knabenliebe ist z. B. ein bekanntes Kanalisationsinstrument, das nicht nur im alten Griechenland, sondern auch im frühneuzeitlichen Japan fungierte. Neben der Knabenliebe richteten Japaner im ausgehenden 16. Jahrhundert und zu Beginn des 17. Jahrhunderts in jeder Stadt ein Vergnügungsviertel (yûkaku) ein, das das nichtjapanische Publikum zumeist mit dem Wort und der Repräsentation von Geishas zu assoziieren pflegt. Kurtisanen wurden zwangsweise dorthin umgesiedelt und Liebe und Sexualität wurden somit aus der Gesellschaft exkludiert. Die Einrichtung des Vergnügungsviertels trug dazu bei, die Ehe als Institution von Liebe und Erotik zu trennen und als politische Institution zur Fortpflanzung der Samurai-Häuser zu stabilisieren. Aber zugleich ermöglichte diese Trennung die Differenz von Interaktion und Gesellschaft und erschloss neue Möglichkeiten für die Semantik der persönlichen Beziehung bzw. Intimität. In der Tat wurde das Vergnügungsviertel als Ort jenseits der politischen und der ökonomischen Macht und des sozialen Prestiges repräsentiert – selbstverständlich abgesehen von der Realität dort, wie die Schriften des Saikaku bezeugen. Dieses Viertel war aber nicht von den gesellschaftlichen Kommunikationen ausgeschlossen. Im Gegenteil: Es spielte sogar zu jener Zeit eine zentrale Rolle für Kultur und Mode, und bot Möglichkeiten an, sich nicht nur innerhalb eines Teilsystems, d. h. des Standes, sondern über die Grenzen der Stände hinaus, salonmäßig zu treffen. Ereignisse sowie Verhalten der Personen (Gäste und Kurtisanen) wurden beliebte Themen der medialen Beobachtung. Infolgedessen stimulierte die Einrichtung des japanischen Vergnügungsviertels die Evolution der Liebessemantik ebenso wie die Entstehung der französischen Salongesellschaft die Liebessemantik in Westeuropa. In diesem Viertel entwickelte sich zunächst die Semantik der Geselligkeit und Interaktion, die iki heißt, welche die soziale Reflexivität regulierte. [2] Dort gedieh auch die Kunst der Liebe, ars amandi, ebenso wie sich dort Coquetterie und Galanterie entwickelten. Gerade deshalb, weil man allen Gästen Interesse an plaisir unterstellen konnte, kam es dazu, dass der Unterscheidung von plaisir / amour sowie der Unterscheidung von vorgetäuschter / wahrer Liebe ein grosser Wert beigemessen wurde, wie dies Luhmann für den Fall Westeuropas nachgewiesen hat (Luhmann, N.: Liebe als Passion, Frankfurt/ M. 1982: 108-109). [3]
Die Entwicklung der gesellschaftlichen Kommunikationstechnik, vor allem Etablierung der Druckmedien und der marktorientierten Buchproduktion leistete für diese Ausdifferenzierung der Liebessemantik entscheidenden Vorschub. Damit wurden Ereignisse, Verhalten der Personen im Vergnügungsviertel zum Gegenstand der medialen Beobachtung und gesellschaftlichen Reflexion, und zwar nicht ausschliesslich unter den Anwesenden dort. Sie ermöglichte auch ihre schriftliche Dokumentation und Verbreitung über die standesgesellschaftliche Systemgrenze hinaus. Ein marktorientiertes Verlagsgewerbe entstand in Japan zuerst in Kyôto in den Jahren von Kan’ei (1624-1644). Zur festen Etablierung entsprechender Unternehmen kam es in der Genroku- Epoche (1688-1704). Der Gesamtbücherkatalog wurde 1666 zum ersten Mal in Japan abgedruckt. Er war für Verleger vorgesehen und führte 2589 Titel. Er ist ein Beleg für die fortschreitende Kommerzialisierung der Literatur. Die gesamte Zahl der Titel vermehrte sich in den folgenden Jahren: 3866 Titel in der Ausgabe von 1670, dann 5934 Titel im Jahr 1685. In der Ausgabe von 1692 betrug die Zahl der eingetragenen Titel bereits 7181. Zugleich setzten sich das Lesen zum Vergnügen und die Gewohnheit der extensiven Einmallektüre allmählich durch. Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert schritt die Kommerzialisierung der Literatur voran. Zu jener Zeit betrug die Auflage eines Titels der Unterhaltungsliteratur höchstens bis zu 10.000 Exemplare, wobei jedes Jahr zwischen 50 bis 70 Titel erschienen. [4] Das Netz der gesellschaftlichen Kommunikation von Autoren, Lesepublikum und Verlegern wurde durch die Leihbuchhändler verdichtet. Die steigende Zahl der Leihbuchhändler geht mit den anwachsenden Leserkreisen einher. Im Hinblick auf dieses Netzwerk von Verlagswesen und Leihbuchhändlern sowie das Vorhandensein eines funktionierenden Büchermarkts als auch die Entstehung des Berufsautors lässt sich schlussfolgern, dass die damalige Unterhaltungsliteratur als eine Reflexion der Gesellschaft anzusehen ist.
Es war Ihara Saikaku, der die Unterhaltungsliteratur namens ukiyo zôshi entwickelte. Kôshoku ichidai otoko [6] ist wahrscheinlich das erste und bekannteste Werk des Schriftstellers Saikaku, aber auch jener literarischen Gattung, welche die Sexualität, Erotik und Liebe im Vergnügungsviertel thematisierte und in Form der Fiktionsprosa sublimierte. In Yonosuke wurde zum ersten Mal das Leben der Bürger zum Gegenstand literarischer Reflexion. Die Dramen des Chikamatsu befassten sich mit dem Thema "Liebestragödie" deutlicher als die Erzählungen des Saikaku. Er verfasste neben den mehr als 80 historischen Dramen 24 Dramen zum Thema zeitgenössischer Ereignisse (Sewamono). Dazu gehören auch Dramen, die einen Doppelselbstmord eines Liebespaars wie Sonezaki shinjû (shinjû mono) behandeln. Das Hauptmotiv der Tragödie zu jener Zeit ist der Konflikt der persönlichen Intimwelt gegen das Ständesystem, gegen das Geld und die Macht, aber vor allem gegen das Haus als ökonomisch-politische Einheit. Die von einem Zufall ausgelöste Liebe steigert sich an den ständischen, familiären Hemmnissen und führt zumeist zu einem tragischen Ende, weil sich die Liebe immer noch außerhalb der Gesellschaft bzw. gegen die ständischen gesellschaftlichen Ordnungen abspielte. [7]
Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert erfasste die extensive Lesegewohnheit auch die Frauen ständeübergreifend. Dies transformierte auch die Liebessemantik, wie die Romane zu jener Zeit belegen. Man kann hierbei vier Hauptunterschiede zu den Schriften der vorhergegangen Epoche festhalten: (1) die Liebe endet nicht mehr in einer Tragödie, sondern mit einem Happy-End. Dies lässt sich bereits als Schritt in die Richtung des (Wieder-)Einschlusses der Liebe in die Gesellschaft deuten. (2) Die Leitdifferenz der Liebessemantik ist nicht mehr die von Vernunft / Liebe bzw. plaisir / amour, sondern von der vergänglichen Welt / der dauernden Liebe. Der Beweis einer Liebe ist nun weniger Exzess als Dauer. Dies ist auch von der Zeitsequenz der Romane bedingt, die ein stark zukunftsorientiertes Bewusstsein darstellen. (3) Dabei sei auf die aktive Rolle der Frauen hingewiesen. [8] (4) Reflexivität der Liebe: Geliebt wird nicht mehr ein Mann bzw. eine Frau, sondern: man liebt sich als Liebenden und Geliebten und auch den anderen als Liebenden und Geliebten. Denn ohne Reflexivität des Liebens – das Lieben des Liebens – wäre der immer größere Bedarf nach der Lektüre von Liebesromanen – was man auch immer unter Liebe verstehen mag – sicherlich ausgeblieben.
Nach einer allgemein verbreiteten Auffassung gab es im Edo-Japan weder die "moderne" Liebe noch die "moderne" Familie (bzw. Intimität). Nach dieser Ansicht waren es die vom Christentum beeinflussten Intellektuellen wie Kitamura Tôkoku (1868-1894), die in Japan das Ideal der "modernen" Liebe einführten. Die "moderne" dyadische Familie entstand einerseits auf der sozioökonomischen Ebene bedingt durch die Industrialisierung des Landes und andererseits auf der semantischen Ebene durch die Aufklärungsarbeit solcher Intellektueller. Es geht hier auch um die Definition der "modernen" Liebe, aber unser Forschungsergebnis lässt schlussfolgern, dass die moderne Liebe im Sinne der Selbstreferenz des Codes in Japan bereits im beginnenden 19. Jahrhundert entstanden ist.
Tagungsprojekt: Semantische Traditionen der Liebe und Ausdifferenzierung der Intimität. Divergenz und Konvergenz im Kulturvergleich
Im Zentrum der geplanten Tagung (am 7./8. Oktober 2011 in Luzern) soll das Spannungsverhältnis von Globalität und Lokalität im Hinblick auf die Liebessemantik stehen. Einerseits gibt es in jeder Kultur eine lokal gepflegte Semantik der Liebe. Denn Liebe als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium (im Sinne der Systemtheorie) hat Bezug zur organischen Faktizität des Zusammenlebens, d. h. Sexualität (symbiotischer Mechanismus). Die Sexualität deutet als anthropologische Konstante an, dass es in jeder Kultur – abgesehen von ihrem Geltungsgebiet – eine Semantik gibt, die das Verhältnis von Liebe und Sexualität reguliert. Die Liebessemantiken werden vor allem in Form von Literatur gespeichert und gepflegt. Anderseits verbreiten sie sich in der Weltgesellschaft durch die verschiedenen, oben genannten Medien. Dann stellen sich Anschlussfragen: Wie ist der globale Konsum von Liebe möglich? Was geschieht, wenn lokale und „globale“ Semantiken zusammenstoßen? Fördert dieses „Zusammentreffen“ die Evolution der Liebessemantik oder behindert es sie? Welche Modifikationen finden dabei statt? Gibt es eine Wahlverwandtschaft zwischen gewissen sozialen Schichten und bestimmten Semantiken in diesem Prozess? Hat es die Ausdifferenzierung des Systems der Intimität positiv oder negativ beeinflusst?
Während der geplanten Tagung sollen erstmalig und auf systematische Weise Erkenntnisse über die Unterschiede von lokalen und traditionellen Liebessemantiken, die unterschiedliche Rezeption der modernen, westlich geprägten Liebesemantik in verschiedenen Kulturkreisen und sozialen Schichten und die Modifikation der Semantik durch den Zusammenstoss präsentiert und diskutiert werden. Um einen dyadischen Vergleich zu vermeiden und der Gefahr des Orientalismus zu entgehen, will der Organisator möglichst viele Lokalkulturen in Betracht ziehen wie Europa, USA, Ostasien, Lateinamerika, Naher Osten und Indien. Zu diesem Zweck werden die Hauptreferentinnen und -referenten interdisziplinär ausgewählt. Mit der Tagung verbindet sich die Hoffnung, detaillierte Erkenntnisse über dieses neben Wirtschaft und Politik wichtige globale Phänomen systematisch zu sammeln. Darüber hinaus wird erwartet, dass die Tagung zur weiteren Entwicklung der Weltgesellschaftstheorie einerseits und der sozial- und kulturwissenschaftlichen Theorie der Liebe andererseits beitragen wird. Es ist geplant, die Beiträge zur Tagung in Form eines Sammelbandes zu publizieren.
Literaturangaben und Anmerkungen
[1] Im Einzelnen siehe auch Luhmann, N.: Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M. 1997: 618 ff., 743 ff., 813 ff.
[2] Das Iki-Konzept, das seit der bekannten Schrift des Philosophen Kuki Shûzô (1888-1941) als philosophisches bzw. ästhetisches Problem besprochen wurde, steht für die Ausdifferenzierung der Interaktionssemantik jenseits der Ständeunterschiede im Vergnügungsviertel (Vgl. Morikawa T.: Iki-Semantik und die soziale Struktur. Eine Revision der Struktur des Iki Kuki Shuzos, in: Zusammenhänge. Jahrbuch für Asiatische Philosophie, Bd.2 [in Bearbeitung]).
[3] Es ist bekannt, dass zahlreiche Techniken im Vergnügungsviertel entwickelt wurden, um die "wahre" Liebe von der "vorgetäuschten" zu unterscheiden, und sie auf die Probe zu stellen wie Tätowierung u. dgl.
[4] Als repräsentative Beispiele der Unterhaltungsliteratur zu jener Zeit gelten Nisemurasaki inaka Genji [Eine falsche Prinzessin Murasaki und ein Prinz Genji auf der Provinz; Parodie von der Geschichte des Prinzen Genji] von Ryûtei Tanehiko (1783-1842) und Tôkai dôchû hizakurige [Reise zu Fuss auf dem Tôkaidô: Reisebeschreibung von fiktiven Personen auf dem Weg Tokaidô] von Juppensha Ikku (1765-1831). Seit dem Erscheinen des Ersten Hefts 1829 wurden bis 1842 insgesamt 38 Hefte von Inaka Genji publiziert und von jedem Heft wurden 10.000 Exemplare verkauft. Von Hizakurige wurden von 1802 bis 1822 insgesamt 43 Hefte publiziert.
[5] 1808 gab es in der Stadt Edo (die heutige Tokio) 656 Leihbuchhändler und 1810 in der zweiten Grossstadt, Ôsaka ca. 300.
[6] Auf Deutsch: Yonosuke. Der dreitausendfache Liebhaber. Wiesbaden 1965. Im Folgenden abgekürzt als Yonosuke.
[7] "Der Liebestod treibt einen Grundzug des Liebescodes ins Extrem, der darin besteht, die Intensität der Liebe qua Relationierung sichtbar werden zu lassen. Die Liebenden negieren die Institution der Ehe, die Vernunft und die Moral, sie ordnen Herkunft und Sozialstatus, ja selbst ihr Leben dem Gefühl füreinander unter. Diese Semantik – am Präferenzcode entlang erzeugt – ist geeignet, zur Passion hinzuführen, mit der sich Liebe der rationalen Kontrolle entzieht und zum Exzess wird." (Braun, M.: Ehe, Liebe, Freundschaft. Semantik der Vergesellschaftung im frühneuhochdeutschen Prosaroman. Tübingen 2001: 233)
[8] Radway zufolge sind die Frauen in den europäischen, modernen romantischen Romanen als unabhängige und energische Personen gezeichnet, während den Heldinnen in den mittelalterlichen romantischen Geschichten nur passive Rollen zugewiesen sind. (Radway, J.: Reading the Romance. Women, Patriarchy, and Popular Literature, Chapel Hill/ London 1991)
Bisherige Veranstaltungen
Internationale und interdisziplinäre Tagung, Universität Luzern 7. / 8. Oktober 2011
Semantische Traditionen der Liebe und Ausdifferenzierung der Intimität. Divergenz und Konvergenz im Kulturvergleich