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Biologie | Umwelt
Milan Pestalozzi, 2001 | Binningen, BL
Im Kanton Baselland kommen das Braune Langohr und das Graue Langohr in denselben Gebieten vor. Aufgrund ihrer morphologischen und biologischen Ähnlichkeit stellt sich die Frage, ob sich diese beiden Arten in Bezug auf ihren Lebensraum unterscheiden. Beide Langohrfledermausarten sind auf der Roten Liste als gefährdet oder vom Aussterben bedroht eingestuft. In dieser Arbeit wurde untersucht , ob sich die beiden Langohrarten in Bezug auf ihren Lebensraum unterscheiden und welche Ansprüche sie an diesen haben.
Fragestellung
(I) Wie unterscheiden sich das Graue und das Braune Langohr in ihren Lebensraumansprüchen*? Mit Lebensraumansprüchen werden hier der Flächenanteil der verschiedenen Jagdlebensräume in der Untersuchungsfläche und die Distanzen zu den nächsten potenziellen Jagdlebensräumen bezeichnet. (II) Haben Wochenstuben andere Lebensraumansprüche als Einzeltiere? (III) Wie gut sind die verschiedenen Jagdlebensraumtypen mit dem Quartier vernetzt (absolute Nähe, Vergleich Luftlinie und effektive Flugwege [Flugroute])?
Methodik
Für 28 Langohrschlafplätze wurde die Landschaft direkt um den Schlafplatz (Radius: 1 km) auf den Flächenanteil relevanter Habitatstrukturen untersucht. Für jedes Quartier wurde die Entfernung zum nächstgelegenen offenen, dichten und halboffenen Jagdhabitat gemessen, und zwar sowohl entlang von Strukturen wie auch als Luftlinie. Die verschiedenen Schlafplätze wurden teilweise auch hinsichtlich ihrer Funktion (Wochenstuben oder Einzelquartiere) untersucht, um mögliche Unterschiede in den Lebensraumansprüchen innerhalb einer Art und zwischen den beiden Arten aufzuzeigen.
Ergebnisse
Die Landschaft um die Quartiere des Grauen Langohrs zeichnet sich durch einen grösseren Flächenanteil an Siedlungsraum, diejenige um die Quartiere des Braunen Langohrs dagegen eher durch mehr dichten Jagdlebensraum aus. Der Flächenanteil an halboffenem und offenem Jagdlebensraum ist bei beiden Arten etwa gleich gross. Im prozentualen Flächenanteil von Einzelstrukturen unterscheiden sich die beiden Arten vor allem bei Hecken, Weinreben und Hochstammobstgärten. Quartiere des Grauen Langohrs haben durchschnittlich einen grösseren Flächenanteil an Weinreben und Hecken beim Braunen Langohr ist der Flächenanteil an Hochstammobstgärten grösser. Quartiere des Braunen Langohr liegen durchschnittlich unabhängig von Luftlinie oder Flugdistanz näher an jedem Jagdlebensraum. Der nächstgelegene Jagdlebensraum bei Quartieren beider Arten ist halboffen. Aufgrund des Stichprobenumfangs konnten nur die Daten der Wochenstuben des Braunen Langohrs ausgewertet werden. Die Quartiere mit und ohne Wochenstube unterscheiden sich im Flächenanteil bezüglich Jagdlebensräumen. Die Unterschiede im Lebensraumanspruch von Wochenstuben werden vor allem im halboffenen Jagdlebensraum deutlich. Die Quartiere mit Wochenstuben hatten eine dreimal grössere Jagdfläche im halboffenen Jagdlebensraum als Quartiere ohne Wochenstuben (16,91 % vs. 5,62 %, n=14). Bei dem Vergleich der gesamten potenziellen Jagdfläche liess sich keine nennenswerte Abweichung feststellen. Durchschnittlich haben Quartiere ohne Wochenstuben sogar mehr potenzielle Jagdfläche als Quartiere mit Wochenstuben.
Diskussion
Die Resultate legen nahe, dass beide Arten spezifische Jagdlebensräume bevorzugen und sich auch in diesen Ansprüchen unterscheiden. In Bezug auf den halboffenen Jagdlebensraum zeigen die beiden Arten allerdings keinen Unterschied (bei beiden Arten 5 %). Ich gehe aufgrund meiner Resultate davon aus, dass der halboffene Jagdlebensraum wohl nicht nur für das Graue Langohr relevant ist, sondern für beide Arten von Bedeutung sein muss. Quartiere des Braunen Langohrs sind durchschnittlich an jedem Jagdlebensraum näher als Quartiere des Grauen Langohrs. Dieses Ergebnis liesse sich erklären mit den Erkenntnissen aus einer früheren Studie, dass das Braune Langohr eher kleinräumig jagt und auch einen kleineren Aktionsradius hat. Im Hinblick auf die gesamte Jagdfläche unterscheiden sich Quartiere mit und ohne Wochenstuben nur wenig, Quartiere ohne Wochenstuben haben durchschnittlich sogar eine grössere Gesamtjagdfläche: Quartiere mit Wochenstuben haben also nicht einfach grundsätzlich einen grösseren Jagdflächenanteil, sondern nur einen grösseren halboffenen Jagdlebensraum.
Schlussfolgerungen
Generell ist bei meinen Ergebnissen zu beachten, dass der Flächenanteil nicht unbedingt eine Aussage über die Nutzung des entsprechenden Jagdlebensraums zulässt. Um genauere Aussagen bezüglich der effektiven Nutzung der potenziellen Jagdlebensraumtypen durch die beiden Langohrarten treffen zu können, müsste eine Radio-Tracking-Studie durchgeführt werden. Vor allem bei sympatrischem Vorkommen könnte dies zu interessanten Ergebnissen führen.
Würdigung durch den Experten
Elias Bader
Milan Pestalozzis Arbeit zeugt von Engagement und Begeisterung für das bearbeitete Thema. In minutiöser Kleinarbeit hat er die Lebensräume zweier bedrohter Fledermausarten analysiert, um die Grundlagen zu deren Schutz zu verbessern. Er hat sich dabei eines hochkomplexen Themas angenommen. Trotz dieser Komplexität und der vergleichsweise geringen Stichprobengrösse konnte die Arbeit dank des durchdachten Studiendesigns Unterschiede zwischen den Arten aufzeigen. Überdies deckte sie Defizite bei verschiedenen Quartieren auf, welche nun direkt in zukünftige Schutzbemühungen einfliessen können.
Prädikat:
gut
Rudolf Steiner Schule Basel
Lehrer: Georg Jost