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DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern
Was bedeutet das?
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Stimmen hören ist nicht einfach krank. Es gibt viele Menschen überall auf der Welt (3%), die Stimmen hören und noch nie mit der Psychiatrie in Kontakt kamen. Sie fühlen sich oft auch nicht beeinträchtigt, sondern haben einen Umgang mit ihren Stimmen gefunden.
Für Menschen mit Psychosen ist dies nicht in jedem Fall gleich. Die Stimmen können in direktem Zusammenhang mit einer erneuten psychotischen Krise stehen. Dann sollte unbedingt auf bewährte (medikamentöse und/oder stressabbauende) Bewältigungsstrategien zurückgegriffen werden.
Es gibt aber, wie schon erwähnt, auch Betroffene, welche immer, also auch in symptomfreien Zeiten, Stimmen hören. Die Stimmen können die Aktivitäten der Betroffenen kommentieren, Gespräche über den Betroffenen führen, den Betroffenen vor Gefahren warnen, ihn beraten oder ihm sogar Befehle erteilen, die er glaubt, ausführen zu müssen. Sie können laut oder leise, verständlich oder unverständlich, sinnlos oder geordnet, bekannt oder unbekannt, freundlich oder bösartig, im Kopf sein oder ausserhalb, es kann eine einzige oder es können viele sein.
Betroffene empfinden das Vorhandensein von Stimmen unterschiedlich. Einige fühlen sich dadurch belästigt und beeinträchtigt, andere fürchten sich (z.B. weil ihnen die Stimmen beängstigende Dinge befehlen) und wieder andere empfinden die Stimmen als Bereicherung und Hilfe. Wichtig ist, dass Betroffene einen Umgang mit ihnen finden, der es ermöglicht, dass sie am Leben teilnehmen, sich nicht isoliert fühlen und die Dinge tun können, die sie für sich als wichtig erachten.
Was ist wichtig zu wissen im Umgang mit Stimmen?
Die Phase des Erschreckens
Die meisten Betroffenen beschreiben den Beginn als plötzliches, erschreckendes und Angst verursachendes Erlebnis. Das Alter, in dem zum ersten Mal Stimmen gehört wurden, ist verschieden, ebenso die Intensität des Schreckens. Stimmen werden häufig von traumatischen oder emotional belastenden Ereignissen ausgelöst (z.B. Krankheit).
Die Phase der Reorganisation
Wer Stimmen hört, kann von ihnen so verwirrt sein, dass er ihnen zu entfliehen sucht. Manche fühlen diesen Drang zur Flucht nur kurze Zeit, andere jahrelang. Will man sich aber mit den Stimmen arrangieren oder will man sie erfolgreich in sein Leben aufnehmen, dann erfordert das eine bewusste Akzeptanz und einen Lernprozess.
Die Phase der Stabilisierung
Es ist möglich, in positiver Weise mit den Stimmen umzugehen und mit ihnen ein Gleichgewicht zu finden. In dieser Phase können Betroffene entscheiden, ob sie dem Rat einer Stimme oder den eigenen Vorstellungen folgen wollen.
Strategien im Umgang mit Stimmen
- Den Stimmen antworten
Hier sind kurze Antworten wie „ja, du hast recht“ oder „nein, du hast unrecht“ gemeint. Es geht nicht darum, mit den Stimmen zu diskutieren, sondern ehrlich zu antworten, ohne Probleme zu provozieren. Diese Technik wirkt auch bei Kritik und Beleidigung. Stimmenhörende Menschen sollen bei den Tatsachen bleiben, d.h. dabei, was tatsächlich gesagt wurde und nicht, was sie vermuten, was die Stimmen eigentlich meinen. Es ist wichtig, nicht in Diskussionen verwickelt zu werden. Es geht darum, die eigene Position zu definieren, und zu lernen, für die eigenen Entscheidungen gerade zu stehen.
- Zeitpunkt und Dauer für die Stimmen festsetzen
Für diese Technik benötigt man Disziplin und es ist besser, wenn der stimmenhörende Mensch nicht mehr so viel Angst vor den Stimmen hat. Der Betroffene verabredet sich mit den Stimmen für einen eingeschränkten Zeitraum, z.B. für 30 Min., zu einer festgesetzten Tageszeit. Am besten sollten diese Verabredungen im späteren Nachmittag oder abends erfolgen, in jedem Fall aber nach Ablauf der täglichen Verpflichtungen. Zu allen anderen Zeiten sollen die Stimmen zurückgewiesen werden im Sinne von „nein, nicht jetzt, sondern um…“. Dabei ist es wichtig, systematisch vorzugehen und die Verabredungen täglich zur selben Zeit und mit derselben Dauer – min. 5 Min. / max. 1 Std. – einzuhalten. Diese Technik funktioniert besser, wenn eine Tagesstruktur vorhanden ist.
- Stimmen für eine bestimmte Zeit wegschicken
Die obengenannte Technik funktioniert dann nicht, wenn die Stimmen dauernd da sind. Betroffene können dann auch versuchen, die Stimmen für eine bestimmte Zeit, z.B. 1 Std., wegzuschicken, um einer bestimmte Tätigkeit nachzugehen. Am Ende dieser Zeit muss es den Stimmen gestattet werden, wiederzukommen. Eine Variation dieser Technik – wenn die Stimmen nicht so oft da sind, aber in ungünstigen Momenten auftauchen – besteht darin, sich zu entschuldigen und z.B. zur Toilette zu gehen, um dort für 2 Min. den Stimmen zuzuhören oder mit ihnen zu reden. Anschliessend kann zur vorher ausgeübten Beschäftigung zurückgekehrt werden.
- Aufschreiben, was die Stimmen sagen und fordern
Manche Menschen sind durch die Stimmen so verängstigt, dass sie ihnen nicht richtig zuhören können. Hier können sich stimmenhörende Menschen helfen, indem sie aufschreiben, was die Stimmen sagen, und später entscheiden, wie sie mit dem Gesagten umgehen.
- Überprüfen, ob das was die Stimmen sagen, zutrifft
Diese Technik eignet sich gut für alle, die sich ihren Handlungen, ihrer äusseren Erscheinung oder ihren Aussagen nicht sicher sind. Wenn sich z.B. eine Stimme kritisch über das Aussehen äussert, reicht ein Blick in den Spiegel, um die Aussage zu überprüfen. Danach kann der Betroffene selbst entscheiden, ob er den Stimmen recht gibt und etwas verändern möchte oder nicht. Üblicherweise macht es den stimmenhörenden Menschen noch unsicherer, wenn er nicht überprüft, was die Stimmen sagen, und seine Beziehung zu den Stimmen ändert sich nicht. Die Überprüfung festigt die Selbstsicherheit, ermutigt, selbst Entscheidungen zu treffen, und zwingt sowohl den stimmenhörenden Menschen als auch die Stimmen, der Realität mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
- Grenzen setzen
Sobald die Stimmen etwas sagen, das man einem anderen Menschen unter keinen Umständen durchgehen lassen würde, muss die Stimme weggeschickt werden. Wenn dies konsequent durchgeführt wird, kann es sein, dass der Betroffene immer mehr die Bedingungen für ihr Erscheinen bestimmen kann.
- Forderungen nicht sofort ausführen
Wenn die Stimmen stark insistieren und die Betroffenen sich gezwungen fühlen, sofort alles zu tun, was diese fordern, wird diese Technik notwendig, da sie diesen Druck reduziert und die dadurch entstandenen Gefühle löst. Viele dieser Gefühle dauern üblicherweise nicht länger als ½ Std. an. Das Ziel dieser Technik ist, abzuwarten und zu sehen, was passiert, wenn der Betroffene gar nichts tut. Je länger der stimmenhörende Mensch die Ausführung der Befehle hinauszögern kann, desto besser. Es kann mit einer Minute Wartezeit begonnen werden, welche dann langsam gesteigert werden soll.
- Befehle mit etwas anderem befolgen und lernen, Ärger zu äussern
Diese Technik deckt sich mehr oder weniger mit der Technik, Forderungen nicht sofort auszuführen, eignet sich aber besonders, wenn es sich um bedrohliche, beunruhigende Forderungen handelt, wie Verletzung oder Tötung anderer oder sich selbst. Solche Aufforderungen habe viel mit der Unfähigkeit eines stimmenhörenden Menschen zu tun, Ärger zu äussern. Stimmenhörende Menschen, die diese Technik anwenden, sollten folgendermassen vorgehen: Hören Sie sorgfältig auf das, was die Stimmen sagen, schreiben Sie es nach ein paar Minuten auf, nachdem Sie sich versichert haben, dass Sie richtig gehört haben, denken Sie sich zehn alternative Reaktionen aus und schreiben Sie sie auf.
- Die Stimmen antizipieren (vorhersehen)
Mit dieser Technik werden Lösungen erarbeitet, bevor die sie erfordernden Situationen entstehen. Situationen erfolgreich im Voraus zu planen, heisst, mögliche Auslöser zu erkennen, und Lösungen für sie zu entwickeln.
- Mit anderen über die Stimmen sprechen
Wenn stimmenhörende Menschen mit anderen über ihre Stimmen sprechen, können sie lernen, Gefühle der Angst und Scham zu überwinden.
Quellen:
- Netzwerk Stimmenhören e.V. Online verfügbar unter http://stimmenhoeren.de.
- Schizoprenia.com. Online verfügbar unter http://www.schizophrenia.com.
- Knuf, Andreas; Seibert, Ulrich; Aderhold, Volkmar (2006): Selbstbefähigung fördern – Empowerment und psychiatrische Arbeit. 4. Aufl. Bonn: Psychiatrie-Verl. Online verfügbar unter http://www.socialnet.de/rezensionen/isbn.php?isbn=978-3-88414-253-0.
- Romme, M. A. J.; Escher, Sandra (2000): Making sense of voices. The mental health professional’s guide to working with voice-hearers. London: Mind Publications.