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Der Geist des Crètzillan musste schrecklich leiden. Seine Klagen erfüllten die Bevölkerung der ganzen Gegend mit Trauer. Immer wieder hörte man: «Wenn ich gewusst hätte... Ich möchte hier begraben sein.»
Die Bewohner dieses schönen Dorfes waren immer zu Streichen aufgelegt. Sie waren aber auch immer sehr gläubig. Alle gingen zur Messe und wussten zu beten, wie man dies vor vier oder fünf Jahrhunderten zu tun pflegte.
Ein einziger alter Geizhals, Crètzillan, bildete eine Ausnahme. Jeden Sonntag ging er als letzter auf den Weg zur Kirche. Beim Waldrand, von wo man einerseits die Kirche und andererseits das neue Dorf sah, setzte er sich nieder bis zum Ende der Messe und war dann als erster wieder daheim. So ging es zwanzig oder dreissig Jahre. In einer Winternacht lag er am Sterben und als der Pfarrer kam, hatte er das Bewusstsein bereits verloren. Man trug seinen Sarg zum Friedhof. Als die Träger am Waldrand vorbeikamen, wo er immer gewartet hatte, wurde der Sarg so schwer, dass ihn nicht einmal zehn Männer weitertragen konnten. Er wurde an der Stelle begraben, wo er das Gebot Gottes verletzt hatte.
Von da an kam der Geist des Crètzillan immer wieder zu seinem Grab. Man stellte ein Kreuz hin und er wurde ruhiger. Von dem Tage an, als dann die Bevölkerung von Grandvillard mit Missionaren in einer Prozession vorbeikamen, blieb der Geist des Crètzillan weg.
Quelle
Themenpfad :
Im Land der Greyerzer Sagen
Text :
Marie-Alexandre Bovet, aus "les légendes de la Gruyère", Editions Gruériennes, 2004