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Woran denkst du beim Wort “Grenzen”? An die Grenzzäune und Mauern, die derzeit wieder hochgezogen werden, um Flüchtlinge aufzuhalten? An deine eigenen Grenzen, an die du bei der letzten Bergwanderung so schmerzlich gestossen bist? An Kindheitserinnerungen, als du im Familienauto auf der Hinterbank sassest, dein Vater im Schritttempo auf das Zollamt zufuhr und ihr mit Ausweisen eure Identität bezeugen musstet, bevor ihr die Grenze passieren durftet?
Berühmte Anzeige von 1913
„Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, bittere Kälte, monatelange völlige Dunkelheit, ständige Gefahr. Sichere Heimkehr zweifelhaft. Ehre und Ruhm im Erfolgsfalle.“ Mit dieser Anzeige warb der Polarforscher Sir Ernst Shackleton 1913 die Mitglieder seiner legendären Polarexpedition in die Antarktis an. Die Expedition ging als “Endurance” in die Geschichte ein – und sie misslang. Das Schiff mitsamt seiner Mannschaft blieb fast 22 Monate im Packeis stecken, bis eine waghalsige Rettungsaktion die Männer wieder in die Zivilisation zurückbrachte. Die Expedition zeigt beispielhaft, dass mit dem Erkunden des Neuen eine Grenzüberschreitung verbunden ist. “Endurance” ist eine Metapher für das Wagnis, die Terra incognita, die jeder Mensch – ob im Grossen oder Kleinen – in sich trägt. Zu neuen Ufern aufzubrechen, braucht Mut und die Bereitschaft, unter Umständen auch zu scheitern.
Grenzsituationen
Karl Jaspers, deutscher Psychiater und Philosoph, hat im Jahre 1919 den Begriff der Grenzsituationen im philosophischen Sinne geprägt. Dazu gehören Situationen, die uns als Mensch radikal erschüttern und uns an die Grenzen unseres Seins bringen, zum Beispiel im Todeskampf, im Erleben von Leiden und Schmerz. Nach Jaspers gibt es in solchen Situationen nur dann eine Befreiung, wenn wir ihnen offenen Auges entgegentreten und sie annehmen.
Was ist eine Grenze?
Die Grenze ist eine Stelle, an der etwas endet und etwas Neues beginnt. Der Mensch hat das Bedürfnis, zwischendurch seine Grenzen auszuloten, denn das Gefühl, die eigenen Möglichkeiten nicht ausgereizt zu haben, macht unzufrieden. Dass eine Grenze erreicht wurde, heisst oft, sie bereits überschritten zu haben. Wer sich auf eine Reise zu eigenen Grenzgebieten begibt, zum Beispiel zu den Grenzen der eigenen Vorstellungskraft oder des bisher Gedachten, macht sich auf zu einer Reise zu sich selbst. Eine solche Reise kann inspirieren, einen aber auch verändern. Denn an den Grenzen – an den Rändern – entsteht oft Neues. Seit mehreren Jahren findet auf dem Lilienberg in Ermatingen eine Konferenz statt, auf die ich kurz hinweisen möchte:
Grenzdenken auf dem Lilienberg: 26./27. April 2019
“Verändern Sie die Welt ein bisschen mit – denken Sie zwei Tage quer” – unter diesem Motto steht die Konferenz “Grenzdenken” auf dem Lilienberg, einem prächtig gelegenen Ausbildungszentrum in Ermatingen. Renommierte Referenten, Querdenker und Vordenker halten Kurzreferate, die zum Nachdenken, Nachfragen und Diskutieren einladen – oft bis spät in die Nacht. Es gilt, Denkgewohnheiten zu hinterfragen und allenfalls zu revidieren. Die Konferenz ist auf 100 Personen begrenzt. Ich werde mir diese Konferenz nicht entgehen lassen. Wie sieht es bei dir aus? Lässt du dich darauf ein?