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Gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft
Breitenbach liegt im Lüsseltal an der Strasse zum Passwang und am südlichsten Rand des Laufener Beckens im Schwarzbubenland. Das moderne Breitenbach erstreckt sich entlang der Lüssel und ist heute fast lückenlos mit seinen Nachbargemeinden Büsserach und Brislach zusammengewachsen. Nicht immer in seiner Existenz war Breitenbach eine solch günstige Siedlungslage beschieden. Die Lüssel war während Jahrhunderten nicht zähmbar. Deshalb lag das ursprüngliche Breitenbach nicht am Ufer der Lüssel, sondern weiter oben am Hang, am Rüttenenbach.
Die breite Talmulde und die durch die Jurahänge des Passwangs geschützte Lage boten später jedoch gute Voraussetzungen für die Entwicklung einer Siedlung und der Landwirtschaft. Breitenbach gehörte dem Kloster Beinwil, welches in Breitenbach einen «Dinghof» unterhielt – einen Gutsbetrieb, auf dem die Abgaben der Bauern eingezogen wurden. Dort wurden aber auch die jährlichen Gerichte abgehalten und die Urteile bis ins 16. Jh. auch vollzogen, zum Beispiel am Galgen, der an der Stelle des heutigen Spitals stand.
Grosse Armut im Dorf
Breitenbach war damals kleinbäuerlich geprägt, das Prinzip der Dreifelderwirtschaft bestimmte den Anbaurhythmus. 1765 gab es im Dorf nur 15 Vollbauern, die über genügend Vieh und Pflüge verfügten. Erst 1836 wurde der Zehnten, die Abgabe, die die Bauern an das Kloster zu entrichten hatten, aufgehoben. Die Armut blieb dennoch gross. Das Dorf besass bloss je eine Sägerei, Gerberei und Färberei, die jedoch um 1850 schliessen mussten.
Die Bevölkerung war wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation, der hohen Kindersterblichkeit, zahlreichen Epidemien, aber auch mit den Auswanderungen mittelloser Menschen rückläufig. 1852 beispielsweise wanderten 25 Personen mit finanzieller Hilfe der Gemeinde Breitenbach nach Amerika aus.
Landwirtschaftsprodukte: Ausländische Konkurrenz
Zu Beginnn des 20. Jh. begannen sich im Bauerndorf als Reaktion auf das neue wirtschaftliche Umfeld und auf die ausländische Konkurrenz mit ihren exotischen Früchten aus den damaligen Kolonien erste Veränderungen abzuzeichnen: 1905 wurde die landwirtschaftliche Genossenschaft Thierstein in Breitenbach gegründet. Vermehrt wurde auch auf den Obstbau gesetzt.
1919 wurde der Obstbaumverein Breitenbach gegründet mit dem Zweck, den Obstbau zu fördern, Kenntnisse über die Obstbaumpflege zu vermitteln sowie Geräte zur Schädlingsbekämpfung gemeinsam anzuschaffen. Denn Breitenbach war bereits reich an Obstbäumen. 1884 hatten die Dorfbewohner beschlossen, dass jeder Bürger, der vier Parzellen Kulturland besass, zwei Obstbäume nach freier Wahl pflanzen musste. Dieser Entscheid bescherte dem Dorf einen grossen Kirschbaumbestand auf der Allmend
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Veränderungen in der Landwirtschaft
In den 1950er-Jahren verschwanden die Obstbäume sehr schnell. Sie behinderten die mechanisierte Landwirtschaft und die Arbeit auf dem Feld. Die Bäume wurden gefällt, dafür rund 150 neue Obstbäume an die Wege gepflanzt. Ende der 1960er-Jahre erstellte die Bürgergemeinde im Flurgebiet Läger und später auch im Gebiet Neumattrütti eine Plantage mit Kirschen- und Zwetschgenbäumen. Der Fortbestand des beliebten Naherholungsgebiets scheint gesichert, Erweiterungsgesuche der Schiessanlage oder die Erstellung einer Piste für Modellflugzeuge wurden abgelehnt.
2011 stimmte Breitenbach über die Gründung einer Flurgenossenschaft Breitenbach/Büsserach ab. Die Gründung der Flurgenossenschaft bildete die Grundvoraussetzung für das Zustandekommen einer Güterregulierung. Die Einwohnergemeinde Breitenbach besitzt in der Landwirtschaftszone 16 Parzellen.
Wirtschaftsförderung: Isola, Brac und Bandfabrik
Obwohl mit dem Ausbau der Passwangstrasse um 1730 das Gewerbe und der Handel zunahmen, blieb der grosse Aufschwung aus. 1853 fasste die Gemeinde deshalb den Beschluss, gezielt Wirtschaftsförderung zu betreiben. Allerdings vergeblich. Die kinderreichen Bauernfamilien arbeiteten lieber in Heimarbeit für die Seidenbandwebereien in Basel, als dass sie in einer Fabrik im Dorf arbeiteten.
Trotzdem siedelte sich ab 1850, von Basel aus gesteuert, Industrie an, weil Wasserkraft und Arbeitskräfte vorhanden waren. Zwischen 1860 und 1885 entstanden vier Holzdrechslereien, die Spulen für die Basler Seidenfabriken herstellten. Der grosse Aufschwung, der auch die Auswanderung stoppte, kam mit dem Bau der Schweizerischen Isola-Werke 1903 (Isolationen, Kabel) und 1904 mit der Gründung der Uhrenfabrik Breitenbach Brac. Als 1910 auch die Bandfabrik («Bängelifabrik») ihre Tore öffnete, war der Strukturwandel nicht mehr aufzuhalten.
Ein Dorf zwischen Solothurn und Basel, zwischen Politik und Wirtschaft
Innerhalb von 100 Jahren hat sich das Bauerndorf Breitenbach zu einem Industrie- und Gewerbeort entwickelt und sich seiner bäuerlichen Strukturen entledigt. Die Nachkommen verkauften die Betriebe und das landwirtschaftlich genutzte Land. 1990 wurde die landwirtschaftliche Genossenschaft aufgelöst, 2002 der Obstbaumverein.
Heute pendeln viele Zugezogene und auch Breitenbacher nach Basel. Charakteristisch für den Ort ist die Situation, dass das solothurnische Breitenbach als Agglomerationsgemeinde zwischen dem Wirtschaftsstandort Basel und der Kantonshauptstadt Solothurn in einem wirtschaftlichen und politischen Spannungsfeld steht.
MJ