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Angaben zur Person:
Name: Thomas Zumtaugwald
Beruf: Bergführer und Rettungsspezialist
Tätig in diesem Beruf: Bergführer seit 15 Jahren und Rettungsspezialist seit 10 Jahren
Aktueller Betrieb: Zermatters und Rettungsstation Zermatt
7 Fragen an Thomas:
Jedes Jahr verleiht der Beobachter den Prix Courage an inspirierende Menschen, die durch unerschrockenes Handeln und mutige Taten beeindrucken. Dir wurde dieses Jahr der Prix Courage überreicht. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?
Ehrlich gesagt habe ich nicht wirklich erwartet, dass mir letztendlich der Prix Courage verliehen wird. Am Abend der Verleihung habe ich von den mutigen Taten der anderen Nominierten erfahren. Jeder von ihnen hätte die Auszeichnung gleichermassen verdient. Die Tatsache, dass am Ende ich ausgezeichnet wurde, stellt für mich eine grosse Anerkennung dar. Diese gebührt jedoch nicht nur mir allein, sondern dem gesamten Team, das an der Rettungsaktion beteiligt war. Ohne die Zusammenarbeit im Team hätte der Patient nicht überlebt. Ich werde den Prix Courage zusammen mit dem Team feiern. Und wenn noch etwas Geld übrigbleibt, werde ich es für einen guten Zweck spenden.
Während der Rettung wurde dir bewusst, dass das Leben des Patienten im eiskalten Wasser auf dem Spiel stand, wenn ihr nicht sofort handelt. Erinnerst du dich an diesen Augenblick?
Ja, diesen Moment werde ich wohl niemals vergessen. Es dauerte eine Weile, bis wir den Skifahrer unter dem Schnee im Bergbach orten konnten. Es grenzt an ein Wunder, dass der Mann trotz des eiskalten Wassers so lange bei Bewusstsein war und wir mit ihm kommunizieren konnten. Doch plötzlich verstummte der Patient. Wir wussten, es würde noch rund 20 Minuten dauern, bis der Rettungstaucher vor Ort sein würde. In diesem entscheidenden Moment musste eine Entscheidung getroffen werden, und ich entschied mich dazu, in das Eisloch hinabzusteigen und zu versuchen, den Mann aus dem eiskalten Bergbach zu bergen.
Wie hast du die Zeit in der kalten, nassen Dunkelheit persönlich erlebt?
Meine volle Aufmerksamkeit galt der Rettung des Patienten. Es war sehr dunkel, man konnte nicht viel sehen. Es war schwierig, sich zu orientieren. Ich war unter einem Wasserfall und hatte die Augen und das Gesicht voller Wasser. Es war kalt. Der Patient war stark unterkühlt und nicht mehr ansprechbar, also mussten wir uns beeilen. Der Verletzte wurde mithilfe eines Dreiecktuchs nach oben gezogen. Dann war ich allein. Zum ersten Mal während der Rettungsaktion konnte ich darüber nachdenken, was ich eigentlich hier unten tue. Es wurde mir bewusst, dass die Strömung Steine mit sich riss und meine Finger vor Kälte kaum noch spürbar waren. Dann hatte ich doch einen Moment Angst.
Würdest du die Rettung nochmals tun?
Ich wünsche mir nie, dass ich eine Rettung nochmals tun muss. Dennoch sind wir Rettungsspezialisten, und wenn jemand unsere Hilfe benötigt, geben wir gemeinsam mit dem Team der Air Zermatt unser Bestes.
Die Rettung ereignete sich am 1. Mai 2022 im Furggbach oberhalb Zermatt. War dieser Tag für dich als Bergretter ein Tag wie jeder andere?
Rettungen sind für uns Alltag. Doch die Rettung im Furggbach war definitiv ungewöhnlich. Ein Einsatz im Wasser ist für uns nicht alltäglich. In unserem Einsatzgebiet sind Spaltenrettungen oder Evakuationen von blockierten Bergsteigern eher an der Tagesordnung. Für Einsätze im Wasser rücken für gewöhnlich die Taucher aus. Auf den konnten wir aufgrund des Zeitdrucks nicht warten. Der Einsatz im Wasser war deswegen für uns eine besondere Herausforderung.
Was hat dich dazu veranlasst, Rettungsspezialist zu werden?
Ich bin Hauptberuflich als Bergsteiger unterwegs. In diesem Beruf ist die Bergwelt dein Zuhause. Man kennt die Gegebenheiten im Gebirge. Und so kam eins zum anderen. Rettungsspezialisten haben jedoch sicherlich auf gewisse Weise ein Helfer-Gen. Wenn Menschen in Not sind, helfen wir gerne.