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Die schmerzhafte Hüfte beim Sportler
Hüftschmerzen: Wie kann man sie behandeln? Braucht es wirklich eine Operation? Unser Running-Doc Dr. med. Martin Narozny-Willi* gibt Auskunft.
«Hüftimpingement? Nie davon gehört. Was ist das?», war die erstaunte Antwort des Laufsportlers, dem ich diese Diagnose eröffnet habe.
Symptome
Vor einem halben Jahr hatte alles angefangen: Langes Sitzen im Auto oder am Arbeitsplatz verursachte einen Leistenschmerz. Das Anziehen von Socken und der Hose war plötzlich schmerzhaft. Beim Wandern verursachten die Schritte bergauf dieselben Beschwerden. Als dann auch noch das Lauftraining von den Schmerzen betroffen war, entschloss er sich, zum Arzt zu gehen. Bei genauerem Nachfragen berichtete mir der Patient, dass er bereits als Jugendlicher in der Hüfte nicht besonders beweglich gewesen sei. Auch jetzt in der Laufgruppe können seine Kollegen viel besser in der Hüfte dehnen. Bis zum Beginn der Symptome hatte er sich aber keine Gedanken darüber gemacht, da er keine Beschwerden hatte.
Ursache
Beim Hüftimpingement handelt es sich um ein geometrisches Problem des Hüftgelenkes. Der Hüftkopf schlägt zu stark gegen den Pfannenrand. Man unterscheidet zwei Formen. Beim Cam-Impingement ist der Hüftkopf nicht schön rund, sondern asphärisch mit einem zusätzlichen knöchernen Rand. Dieses Plus an Knochen, die sogenannte Offset-Störung, ist das eigentliche Problem. Beim Pincer-Impingement ist die Hüftpfanne zu tief oder zu weit nach vorne geneigt. Somit umschliesst die Panne den Hüftkopf zu stark, so dass dieser immer wieder zu heftig an den Pfannenrand prallt. Die Hüftpfanne wird zirkulär vom Labrum umschlossen, wie ein Dichtungsring bei einem Dampfkochtopf. Das Labrum ist ein aus Faserknorpel bestehender Ring, welcher mit sensiblen Nervenfasern versorgt wird. Kommt es durch das Impingement zu einer entzündlichen Reizung, dann verursacht dies den Schmerz.
Risikofaktoren
Das Hüftimpingement entwickelt sich aus einer Kombination genetischer Faktoren, welche zu ungünstigen geometrischen Verhältnissen an der Hüfte führen, und Umwelteinflüssen. Dazu gehört Leistungssport im frühen Kindesalter, was zu repetitiven kleinen Verletzungen der Wachstumsfuge am Hüftkopf führen kann. Das Cam-Impingement ist deutlich häufiger bei Männern, eine Veranlagung findet sich bei 25 Prozent. Bei einer solchen Veranlagung gelten Sportarten mit hohen Impact-Kräften und/oder repetitiver starker Hüftbeugung als Risiko: Kampfsport, Fahrradfahren, Rudern, Ballett, Tennis, Eishockey und Fussball. Das Pincer-Impingement ist bei Frauen häufiger. Ein familiäres Risiko ist um 2- bis 3-mal erhöht.
Untersuchung
Bei der ärztlichen Untersuchung fällt v. a. die eingeschränkte Hüftbeugung und die schmerzhafte Innenrotation auf, der sogenannte Impingementtest. Weiter müssen noch andere Ursachen für einen Leistenschmerz, wie z. B. ein Leistenbruch oder Adduktorenbeschwerden ausgeschlossen werden.
Bildgebung
An erster Stelle steht das Röntgenbild. Hier kann man bereits erkennen, ob es sich um ein Cam- oder Pincer-Impingement handelt. Als nächster diagnostischer Schritt muss das Hüftgelenk mittels MRI und einer Kontrastmittelinjektion untersucht werden. Das MRI ist eine harmlose Untersuchung ohne Belastung von Röntgenstrahlen. Das Bild wird durch ein starkes Magnetfeld erzeugt. Auf den Bildern wird ersichtlich, wie stark das Labrum und der dahinter liegende Knorpel geschädigt sind.
Therapie
Bei einem schmerzhaften Hüftimpingement kann nur eine Operation das Problem definitiv lösen. Man sollte damit nicht allzu lange zuwarten. Wichtig zu wissen ist, dass mit zunehmendem Schaden am Labrum auch der dahinter liegende Knorpel zugrunde geht, was dann zu einer Früharthrose führt. Heute sind viele Formen des Hüftimpingements arthroskopisch zu behandeln. Mit dieser schonenden Schlüssellochmethode wird im Vergleich zur offenen Operation viel weniger Flurschaden erzeugt, die Rehabilitation ist damit deutlich kürzer. Bei der Operation wird das Plus an Knochen am Hüftkopf abgefräst und das beschädigte Labrum refixiert.
Return to sports und Prognose
Trotz der schonenden Operationsmethode muss mit einer Rehabilitationsphase von 4 bis 6 Monaten bis zur vollen körperlichen Leistungsfähigkeit gerechnet werden. Die besten Resultate werden erzielt, wenn zum Zeitpunkt der Operation noch kein wesentlicher Knorpelschaden vorhanden war. Dann ist auch Spitzensport uneingeschränkt möglich.
*Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. Medbase Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base.