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(Die Tuilerien wurden bekanntlich 1871 während des Kommune-Aufstandes zerstört.) - Von der weiteren Entwicklung der Renaissance-Baukunst im 17. Jahrhundert wird bei der Behandlung des nächsten Zeitraumes die Rede sein.
Bildnerei nach 1450. Bei der Besprechung der französischen Bildnerei in der gotischen Zeit habe ich bereits erwähnt, daß die heimische Eigenart durch die Einflüsse der niederländischen Künstler völlig zurückgedrängt wurde. Stammen ja die bedeutendsten Werke aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die wir auf französischem Boden finden, von Claus Sluter: nämlich der Moses-Brunnen und das Grab Philibert des Kühnen zu Dijon. Die eigen-französische Bildnerei leistete zwar immerhin noch Anerkennenswertes, aber nichts für die Gesamtentwicklung der Kunst Bedeutsames. Die Kunstfertigkeit hat nicht nachgelassen, aber der Kunstgeist ist ermattet und besitzt keine rechte schöpferische Kraft. Man schwankt zwischen der älteren «idealistischen» Auffassung und der aus der Fremde eindringenden, auf scharfe Wirklichkeitstreue abzielenden Richtung, ohne eine eigene, dem Volksgeiste entsprechende zu finden.
Der niederländische Einfluß wurde dann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch den italienischen verdrängt, der unter Franz I. maßgebend wurde, da dieser nicht nur Kunstwerke, sondern auch Künstler aus Italien bezog. Während aber die französischen Baumeister die italienische Renaissance selbständig in heimischem Geiste auffaßten und umbildeten, ließen die meisten Bildner eine solche Selbständigkeit vermissen. Auch die besten Meister, die Frankreich zu Beginn des 16. Jahrhunderts besaß - Jean Juste und Pierre Bontemps - folgen italienischen Vorbildern, immerhin bahnen sie aber bereits den neuen Aufschwung der Bildnerei an. Das Grabmal Ludwigs XII. (von Juste) und jenes des Königs Franz I. (von Bontemps) in St. Denis zeichnen sich durch großzügige Auffassung, scharfe Lebenstreue und seelischen Ausdruck in den Köpfen, sowie gefällige Behandlung des Gewandes aus. - Die weitere Entwicklung wurde nun einerseits bestimmt durch die umfassende Bauthätigkeit unter Franz I. und seinen Nachfolgern, andrerseits durch die französische Eigenart, welche auf das Zierliche und Anmutige ausgeht. Die Prachtschlösser bedurften eines reichen bildnerischen Schmuckes, namentlich an Flachbildwerken, und das feinsinnige Verständnis für den Einklang zwischen Bau und Zierwerk, welches die französischen Künstler immer besaßen, wies nun auch den Weg zu einem entsprechenden bildnerischen Stil.
Jean Gouyon. Der hervorragendste Meister, welcher der französischen Bildnerei wieder eine besondere Eigenart giebt, ist Jean Gouyon, der auch als Baumeister bei dem Louvre beschäftigt war. Er hatte sich zwar auch nach italienischen Mustern gebildet aber sich von der «malerischen» Richtung ferngehalten und es verstanden, gefällige Anmut mit würdiger Einfachheit und Lebenswahrheit zu verbinden, vor allem
^[Abb.: Fig. 500. Goujon: Diana.
Paris. Louvre.] ¶
aber zeichnet er sich durch feine Durchführung der Flachbildwerke aus. - Zu seinen besten Schöpfungen zählen die Flachbildwerke, mit denen der Brunnen bei der Kirche der «Unschuldigen Kinder» geschmückt war, sowie die Gruppe der Diana, ursprünglich zu einem Brunnen im Schlosse Anet gehörig, die sich jetzt im Louvre befinden. Die Gestalten sind überaus schlank gebildet - noch ein Nachklang der gotischen Zeit - aber von einer gewählten Anmut und liebenswürdigen Zartheit in der Ausführung (Fig. 500).
Prieur und Cousin. Pilon. Zierliche Behandlung des Gewandes, Wahrheit und Innigkeit des Ausdrucks in den Köpfen, würdevolle Haltung finden wir auch in den Werken von Barthélémy Prieur und Cousin, während ein anderer ungemein fruchtbarer Meister, Germain Pilon, ganz der malerischen Auffassung huldigt und dabei vielfach willkürlich verfährt.
Ein berühmtes Werk Pilons, die drei Grazien (Fig. 501), zeigt auch, wie die Kunst bereits allmählich jetzt dahin gedrängt wurde, das Aeußerliche, die glatte Formbehandlung auf Kosten der inneren Wahrheit und des geistigen Gehaltes zu betonen. Die Gruppe wurde im Auftrage der Katharina von Medici für die Cölestiner-Kirche als eine Art Grabdenkmal für König Heinrich II. ausgeführt; ursprünglich trugen die Grazien auf ihren Häuptern eine Urne mit dem Herzen des Königs. Es ist jedenfalls ein etwas seltsamer und sicherlich kein «frommer» Gedanke, der in diesem Denkmal zum Ausdruck gebracht wird.
^[Abb.: Fig. 501. Pilon: Drei Grazien.
Paris. Louvre.] ¶