Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03568.jsonl.gz/1032

Better together?
Kritische Auseinandersetzung mit der Legitimation der Arbeit von fremden Sozialarbeitenden in Moshi, Tansania
Soziale Arbeit in Moshi, Tansania, ist durch die koloniale Vergangenheit und bis heute durch den Einfluss von fremden Menschen geprägt. «Fremd» bezeichnet hierbei den Gegenbegriff von «lokal». In allen Bereichen der Sozialen Arbeit ist die Frage der Legitimation bedeutsam. Im vorliegenden Papier wird eine kritische Auseinandersetzung bezüglich der Legitimation von fremden Sozialarbeiter*innen in Moshi vorgenommen. Diese wird unter anderem vor dem Hintergrund der daraus folgenden positiven sowie negativen Auswirkungen diskutiert. Die Thematik ist von Wichtigkeit, da in Moshi eine starke internationale Involvierung innerhalb des sozialen Sektors festzustellen ist. Daher erfordert es eine professionsrelevante Reflexion und Sensibilität seitens der fremden Sozialarbeiter*innen. Es stellt sich die Frage, inwiefern die Arbeit von fremden Sozialarbeitenden in Moshi legitimiert werden kann. Um diese Fragestellung anzugehen wird methodisch auf die Literatur wie auch auf den aktuellen Forschungsstand zurückgegriffen. Weiter wird eine qualitative Studie in Moshi durchgeführt, um die Sicht der Lokalen, mithilfe von semistrukturierten Interviews, zu ermitteln.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Frage der Legitimation komplex und nicht einfach zu beantworten ist. Allgemein gibt es erforschte Voraussetzungen für eine legitime Involvierung der fremden Sozialarbeitenden, welche eine Orientierung geben können. Die Landessprache Swahili zu sprechen, sowie über einen längeren Zeitraum in Moshi tätig zu sein, gilt gemäss den Interviewergebnissen als Voraussetzung. Über interkulturelle Kompetenzen zu verfügen, sowie eine Haltung des Interesses und der Neugierde einzunehmen, bilden die Grundlage der sozialarbeiterischen Tätigkeiten. Damit der Reproduktion von kolonialistischen Strukturen entgegengewirkt wird, ist ein selbstreflektierender Prozess unabdingbar. Den eigenen Normalitätsvorstellungen, wie auch den persönlichen Motivationen und Beweggründen bewusst zu sein, ist zentral für die internationale Tätigkeit. Diese werden durch individuelle Prägungen, sowie vorgängige Sozialisationsprozesse gebildet. Im Kontext Moshi sind die internationalen Sozialarbeitenden fremd und es ist zentral, sich dieser eigenen Fremdheit bewusst zu sein. Die Ergebnisse zeigen, dass die Interessen und Ideen der Lokalen priorisiert werden müssen und bei der Durchführung die Leitung bei ihnen liegen soll.
Als Schlussfolgerung für die Soziale Arbeit zeigt sich, dass die Frage der Legitimation kontextabhängig ist. Es muss beachtet werden, wer sich in der Autoritätsposition befindet und bestimmt, wann etwas legitimiert werden kann. Der Kontext der Legitimationsfrage ist geprägt von Dilemmata. Diesen ausreichend Bedeutung zukommen zu lassen, ergibt sich nicht lediglich mit dem Abschluss des Studiums, sondern fordert von den Fachpersonen der Sozialen Arbeit eine ständige Wissenserweiterung und wiederholte Reflexionsprozesse.