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Die Urner wussten nicht wie sie die wilde Schöllenenschlucht mit einer Brücke überwinden sollten. In ihrer Ratlosigkeit rief der Landammann verzweifelt: «Nur der Teufel kann so eine Brücke bauen!» Schon stand der Leibhaftige vor ihnen und schmeichelte: «Einverstanden, wenn der erste, der über die Brücke geht, mir gehört.» Die Urner willigten ein. Nach drei Tagen stand das Wunderwerk. Am anderen Ufer sass der Teufel und wartete auf den versprochenen Lohn. Die listigen Urner schickten einen wilden Geissbock los. Der Teufel zerriss den Bock und verschwand Richtung Göschenen, wo er einen haushohen Felsen packte, um die Brücke zu zertrümmern. Unterwegs kritzelte ein mutiges Mütterchen ein Kreuz auf den Felsen. Er liess sich nicht mehr von der Stelle bewegen. Der Teufel soll in einer Pech- und Schwefelwolke verschwunden und seitdem im Urnerland nicht mehr gesehen worden sein. So wird die Geschichte des Baus der Teufelsbrücke seit rund 500 Jahren erzählt. Die richtigen Teufelskerle aber waren die Ursner. Sie machten die Schöllenenschlucht schon 300 Jahre früher passierbar. Die Ursner kamen ursprünglich aus dem Wallis und waren es gewohnt, steilen Felshängen entlang Wasserkanäle, sogenannte Suonen und über Schluchten Brücken zu bauen. Sie mussten nicht den Teufel fragen, sondern überliessen den Bau des Stegs, der sogenannten «Twärrenbrücke», entlang dem Chilchbergfelsen und der hölzernen Brücke über die Reuss ihren meisterhaften Bauleuten.
Urner − die wahren Meister des Gotthards
Mit der Ursner Pionierarbeit wurde der Gotthard um 1250 passierbar. Dies weckte das Interesse der Urner. 1410 mussten sich die Ursner, dem Anspruch fügen, dass die Urner über den Gotthardverkehr sowie Krieg und Frieden bestimmten. Mit der Erfindung der Teufelssage wollten die Urner wahrscheinlich zeigen, dass sie die wahren Meister des Gotthards sind. Trotz des Verlusts an Selbständigkeit profitierte das Urserental vom Schutz der Urner und vom Passverkehr. Die Säumerei war neben der Landwirtschaft im kargen Hochtal ein wichtiger Nebenerwerb. Säumer transportierten Güter, unterhielten die Wege und schaufelten im Winter den Pass frei. Gasthäuser beherbergten Kaufleute, Pilger, Soldaten und neugierige Gelehrte wie Johann Wolfgang Goethe. Um 1600 bauten die Urner in der Schöllenen eine steinerne Brücke. 1708 folgte der erste Tunnel der Alpen, das 64 Meter lange Urnerloch. Es ersetzte den Weg über die wacklige Twärrenbrücke. Dramatischer Höhepunkt war 1799: die Schlacht zwischen dem russischen General Alexander Suworow und den Truppen Napoleons. Obwohl der populäre russische General spektakulär scheiterte, mit seinen Truppen nach Zürich zu ziehen, um die Franzosen aus der Schweiz zu jagen, errichteten die Russen den gefallenen Soldaten 1896 ein eindrückliches Denkmal. Heute kann eines der wichtigsten Natur- und Kulturdenkmale der Schweiz auf einem Rundweg in 20 Minuten bequem und hautnah erlebt werden. Es zeigt, warum die Urner auf den Teufel gesetzt haben und was die Ursner für geschickte Bauleute gewesen waren.
Die 1830 errichtete obere dritte Brücke war mit Kutschen und Fuhrwerken befahrbar. Die untere zweite Brücke wurde um 1600 errichtet. Sie war die erste steinerne Brücke, die gegen 1898 in die Reuss stürzte.
Anfahrt: mit dem Treno Gottardo nach Göschenen. Von da aus ca. 60 Minuten Fussweg.
Text geschrieben von: Kilian T. Elsasser