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© 1992 Markus Kappeler
Grenadinen von St.Vincent
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)
Über die genaue Zahl der Grenadinen, die zum karibischen Kleinstaat St.Vincent gehören, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Manche zählen nur die ständig von Einheimischen bewohnten Inseln; das sind 4. Andere rechnen noch die Inseln dazu, auf denen sich Hotelanlagen befinden; das sind dann 8. Nochmals andere zählen zusätzlich die unbewohnten, aber zumindest betretbaren Inseln hinzu; das gibt 34. Und wieder andere rechnen sogar die schroffen Klippen und Felsen im Meer mit; das gibt ungefähr 100.
Sicher ist nur, dass südlich von Petit St.Vincent die Landesgrenze verläuft, welche die St.Vincent-Grenadinen von den Grenada-Grenadinen trennt. Eindeutig ist auch - gemäss offizieller Darstellung wenigstens - die Gesamtfläche der Grenadinen von St.Vincent: Sie bemisst sich auf 43 Quadratkilometer, was 11 Prozent der Landesfläche entspricht. Unbestritten ist ferner, dass die Grenadinen von St.Vincent mit ihrem glasklaren Wasser, den weissen Sandstränden und den malerischen Buchten in höchstem Mass unserer Vorstellung von paradiesisch-zauberhaften Tropeninseln entsprechen. Und einig sind sich die Jachtbesitzer aus aller Herren Länder, dass die St.Vincent-Grenadinen zu den attraktivsten Segelrevieren der Karibik - und damit wohl der ganzen Welt - gehören.
Erreichbar sind die bewohnten St.Vincent-Grenadinen Bequia, Mustique, Canouan und Union Island mit den mehrmals wöchentlich verkehrenden Postbooten und Fährschiffen von St.Vincents Hauptstadt Kingstown aus. Alle vier verfügen heute auch über Landebahnen und können mit Taxiflügen von der Mutterinsel her schnell und bequem angeflogen werden. Und von hier lassen sich dann mit Charterbooten leicht die restlichen «Perlen in der Karibik», wie die St.Vincent-Grenadinen schon bezeichnet wurden, ansteuern.
High-Society in der Ostkaribik
Die nördlichste Grenadineninsel ist Young Island
, das sich keine 200 Meter von St.Vincent entfernt aus dem Wasser wölbt. Das winzige Inselchen befindet sich in Privatbesitz und beherbergt eine luxuriöse Hotelanlage. Der Hotelier holt seine Gäste persönlich mit der «African Queen» in St.Vincent ab, und schon zwei Minuten später landen sie auf seiner Insel, begrüsst vom ersten Drink und dem Gekreisch zahmer Papageien. Es sind zumeist gutbetuchte Urlauber, die hier in den Bambus-Bungalows inmitten des Blumengartens logieren, auf den beleuchteten Spazierwegen quer über das Eiland wandeln, sich von einer der besten Küchen der Karibik verwöhnen lassen - und während der Hochsaison 200 bis 250 US-Dollar für die Übernachtung bezahlen.
Etwa 15 Kilometer südlich von St.Vincent befindet sich Bequia
, die grösste und bevölkerungsreichste der St. Vincent-Grenadinen. Rund 4000 Personen wohnen auf der etwa 18 Quadratkilometer grossen Insel. Die Bequianer lebten einst grossenteils vom Meer - als Fischer, Walfänger, Schiffer und Bootsbauer. Und sie tun es teils noch immer: So trifft man an verschiedenen Stellen entlang der Küste auf Boote, die auf traditionelle Weise aus Holz gebaut werden, und kann den geschickten Bootsbauern bei ihrem Handwerk zuschauen. Zunehmend grössere wirtschaftliche Bedeutung haben aber auch auf Bequia die Segler, Kreuzfahrtteilnehmer und Urlauber, die hier ihr Geld lassen. Immer zahlreicher werden die blendend weissen Segeljachten aus aller Welt, die in der Admiralty Bay beim Hauptort Port Elizabeth neben den bunten Holzbooten der Fischer vor Anker liegen. Und immer mehr der pastellfarbenen kreolischen Häuschen erweisen sich als Touristenunterkünfte. Bereits verfügt Bequia auch über eine Nobelherberge für bessergestellte Inselbesucher. Sie befindet sich an erhöhter Lage im Herzen des Eilands und ist aus dem Herrenhaus einer ehemaligen Zuckerrohrfarm hervorgegangen. Schöne, teils versteckte Badebuchten mit herrlichen Sandstränden finden sich rund um die Insel verstreut. Erwähnenswert ist die Friendship Bay im Süden der Insel. Hier befand sich in der Vergangenheit eine bedeutende Walfangstation; heute ist die Bucht für den Tourismus erschlossen. Das vor ein paar Jahren eröffnete «Whaling and Sailing Museum» erinnert aber noch an die Glanzzeiten des Walfangs und Bootsbaus im 19. Jahrhundert, als die bequianischen Walfänger bis zu zwei Millionen Liter Walöl exportierten und die ansässigen Bootsbauer zu den besten der Welt zählten.
2 Kilometer südlich von Bequia liegt das kleine, unbewohnte Inselchen Petit Nevis
. Mit etwas Glück kann man hier den letzten bequianischen Walfängern beim Zerlegen ihrer Beute zuschauen. Hie und da, besonders zwischen März und Mai, brechen sie nämlich auch heute noch mit ihren beiden 8 Meter langen Segelbooten aus Zedernholz zu einer ihrer traditionellen Waljagden auf.
Etwa 4 Kilometer südlich von Bequia befindet sich das beschauliche, ebenfalls unbewohnte Inselchen Isle à Quatre
, das - wie die meisten Grenadinen - mit seinem umliegenden Korallenriff ein Paradies für Taucher und Schnorchler bildet. Kaiserfische, Riffbarsche und Venusfächer sind nur ein paar der zahlreichen Meeresbewohner, denen man in den farbenprächtigen Unterwassergärten begegnet.
Die Grenadineninsel Mustique
liegt etwa 25 Kilometer südlich von St.Vincent, hat eine Fläche von 6 Quadratkilometern und eine Einwohnerschaft von etwa 500 Personen, die in den beiden Siedlungen Lovell Village und Dover's Village an der Westküste der Insel wohnen. 1959 hatte der schottische Brauereieigentümer und Multimillionär Colin Tennant das einstige Zuckerrohr-, Baumwoll- und Zitrusfrüchte-Inselchen gekauft; mittlerweile gehört es zu den exklusivsten und teuersten Reisezielen im ganzen karibischen Raum. Das liegt daran, dass Prinzessin Margaret von England, Rockstar Mick Jagger und andere führende Vertreter des internationalen Jet-set hier ihre Ferienvillen haben. Neuerdings ist die Prominenteninsel auch für «gewöhnliche» Gäste zugänglich, denn 39 luxuriöse Villen, allesamt im Besitz bekannter Persönlichkeiten, können gemietet werden - zu «fairen» Preisen von 3000 bis 15 000 US-Dollar je Woche, wobei Butler, Koch, übriges Hauspersonal, Auto usw. selbstverständlich im Preis enthalten sind. Abends begibt man sich auf Mustique in die legendäre «Basil's Bar» an der Britannia Bay, wo Villenbesitzer, Gäste des exklusiven Hotels «Cotton House», das aus einer Baumwollfarm hervorgegangen ist, und Grenadinen-Segler auf Landgang einander rasch näher kommen. Wem das nicht genügt, dem stehen im übrigen neun wirklich einsame Bilderbuchstrände rund um die Insel zur Auswahl.
Etwa 7 Kilometer nördlich von Mustique liegen die beiden verträumten Inseln Battowia
und Baliceaux
, ungefähr 2 Kilometer weiter südlich das beschauliche korallengesäumte Eiland Petit Mustique
und rund 8 Kilometer entfernt die stillen Savan Islands
. Sie alle sind unbewohnt und werden von den Grenadinenseglern als erholsame Plätze sehr geschätzt.
8 Quadratkilometer gross und von 700 Personen bewohnt ist die halbmondförmige Grenadineninsel Canouan
, rund 40 Kilometer von St.Vincent entfernt. Bis vor wenigen Jahren fristete das hügelige Eiland ein Mauerblümchendasein und galt als Geheimtip unter den «Jachties». Dank seiner ausgezeichneten Badestrände kommen aber neuerdings auch nach Canouan immer mehr Touristen, und bereits wurden vielfältige Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen, darunter ein Strandhotel, das zu den besten Gästehäusern der östlichen Karibik zählt und entsprechend teuer ist. Wer nicht nur baden, schnorcheln und surfen will, kann einen Spaziergang zu dem verlassenen Dorf im Norden von Canouan unternehmen, das bei einem Hurrikan im Jahr 1921 mit Ausnahme der Kirche vollständig zerstört wurde. Besonders interessant ist der Besuch der Insel im übrigen während der Regattatage, welche jeweils Anfang August stattfinden und von einem mehrtägigen Volksfest mit viel Musik begleitet sind.
Union Island
, 7 Quadratkilometer gross und von 2000 Personen bewohnt, ist wegen seines gebirgigen Charakters eine landschaftlich besonders reizvolle Grenadineninsel. 305 Meter über die Fluten erhebt sich der Mount Parnassus im Zentrum der Insel, und immerhin 194 Meter sein nördlicher Nachbar Mount Olympus. Der Blick von diesen steil aufragenden Gipfeln auf die umliegenden Grenadineninseln ist atemberaubend. Hauptort der Insel ist Clifton an der Südostküste; weiter westlich befindet sich das Dorf Ashton. Beide verfügen über einen gut geschützten und vielbesuchten Segelboothafen. Union Island hat zwar nur wenige Badebuchten. Chatham Bay im Westen, Bloody Bay im Nordwesten und Richmond Bay im Norden der Insel werden aber allen Wünschen gerecht.
Union Island ist dank seines kleinen Flugplatzes und seiner zentralen Lage in der «Perlenkette» der Grenadinen der ideale Umsteigeort für den Besuch einiger kleinerer Grenadineninseln, welche von hier aus mit einem gecharterten Motorboot schnell erreichbar sind. Mayreau
, etwa 3 Kilometer nördlich von Union Island gelegen, ist ein malerisches Tropeninselchen in Privatbesitz mit einer hübschen Hotelanlage. Die Tobago Cays
, etwa 7 Kilometer von Union Island entfernt, sind eine Schar kleiner, unbewohnter Eilande, die durch ein eindrucksvolles, hufeisenförmiges Riff vor der Dünung des Atlantiks geschützt werden. Die Tobago Cays zählen wegen ihrer traumhaft schönen Palmenstrände, dem türkisblauen Wasser und der vielfältigen Unterwasserwelt zu den berühmtesten Ankerplätzen der Karibik. Hier schmeckt der selbstgefangene Barsch am Lagerfeuer so richtig nach Freiheit und Abenteuer. Das idyllische Palm Island
, nur 1,5 Kilometer östlich von Union Island gelegen, befindet sich im Privatbesitz des einstigen Abenteurers und heutigen Millionärs John Caldwell aus Texas. Ringsherum von weissen Sandstränden umgeben ist es eine wunderschöne Ferieninsel mit Tausenden von Kokospalmen, einer perfekten kleinen Luxusherberge und ausgezeichneten Bade-, Schnorchel-, Tauch- und Surfmöglichkeiten. Etwa 8 Kilometer südöstlich von Union Island befindet sich schliesslich Petit St. Vincent
, die südlichste der St. Vincent-Grenadinen. Es ist eine ebenfalls in Privatbesitz befindliche Ferieninsel mit einer Hotelanlage, welche Mitglied der «Leading Hotels of the World» ist und das exklusive Ziel vermögender Jachtbesitzer bildet. Ein weisser Sandstrand umsäumt fast den gesamten, nur 0,5 Quadratkilometer grossen paradiesischen Flecken und lädt zum Baden und Bummeln.
John und George
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Karibik ist nicht nur eine paradiesisch schöne, sondern auch eine von den ehemaligen Kolonialmächten geschundene, ausgelaugte Welt, in der noch heute viele Nachfahren der seinerzeit hierher verschleppten Negersklaven am Rand der Existenzmöglichkeit leben. Die wahre Geschichte von John und George ist ein Musterbeispiel für die menschliche Problematik in der Karibik, von welcher in den Hochglanzbroschüren der Verkehrsbüros kein Wort steht.
Der Amerikaner John Caldwell, heute 74, besitzt seit 1966 am Rand des tiefblauen karibischen Meers jenen Traum, den Millionen träumen: das Inselchen Palm Island, kaum einen Quadratkilometer gross und mit Kokospalmen bedeckt. Für 99 Jahre hat John das Tropenparadies seinerzeit gepachtet, zum symbolischen Preis von 1 Ostkaribischen Dollar im Jahr. Fast umsonst deshalb, weil er die Insel, als sie noch «Prune Island» hiess, als wildes Sumpfland übernahm, für das niemand sonst Interesse gezeigt hatte. Für wenig Lohn legten dann Bewohner der Nachbarinsel Union Island das Land trocken, rodeten die Vegetation, schütteten den Strand auf und pflanzten Palmen. Und bauten schliesslich ein Bungalow-Hotel, das heute zum Exquisitesten gehört, was die Karibik zu bieten hat: 200 bis 300 US-Dollar (je nach Saison) kostet hier die Übernachtung.
Mit ganzen 7000 Dollar «Startkapital» war John seinerzeit in die Karibik gekommen - und ist Millionär geworden. Sein Leben vorher war recht abenteuerlich gewesen. Er hat ein Buch darüber geschrieben mit dem Titel «Desperate Voyage» («Reise der Verzweiflung»). Als Lehrer und Sozialarbeiter hatte er in den USA gearbeitet, dann kaufte er sich ein Segelboot, taufte es auf den Namen «Pagan» und kehrte der öden Zivilisation den Rücken. Als erstes beabsichtigte er, seine Geliebte in Australien zu besuchen, und entschloss sich deshalb zu einem verrückten Abenteuer: Ohne jemals eine Segel- oder Navigationsausbildung gemacht zu haben, brach er mit der «Pagan» zur Pazifiküberquerung auf.
Die Seefahrt wurde eine Katastrophe: John geriet in einen Hurrikan, trieb zwei Monate lang steuerlos - hungernd und durstend - über den Pazifik, ass seine Schuhe und trank sein Haarwasser. Und wurde schliesslich halbtot auf dem Riff der winzigen Fidschiinsel Tuvutha von Eingeborenen aus der zerschellten «Pagan» geborgen und gesund gepflegt. Seiner Abenteuerlust tat dies keinen Abbruch: Er heiratete seine Angebetete und machte sich mit ihr zusammen auf die Suche nach einer eigenen Insel, die er schliesslich in den St.Vincent-Grenadinen auch fand.
Wohl kaum einer von den Kreuzfahrttouristen, die einmal in der Woche für einen ruhigen, sonnigen Badenachmittag nach Palm Island kommen, kennt Johns abenteuerliche Vorgeschichte. Umsorgt und bedient werden die Sonnenhungrigen auf dem Palmeninselchen von gut zwei Dutzend Einwohnern der Nachbarinsel Union Island, die jeden Tag mit dem Boot herüberkommen, um in Johns Hotel zu arbeiten. Ohne John gäbe es hier keine vergleichbaren Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Aber manche Probleme wären auch nicht entstanden...
George Oliverre, heute 32, bewohnt in Clifton auf Union Island ein kleines, karges Häuschen mit nur einem Raum, in welchem ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Radio und ein paar Kleinigkeiten stehen - Georges ganzer Besitz. Durch zwei fenstergrosse Öffnungen in der Wand kann George auf das benachbarte Palm Island sehen, auf das er gar nicht gut zu sprechen ist.
Georges Vater war arm gewesen, hatte ihm aber trotzdem den Grundschulbesuch bis zum Abschluss ermöglicht, was hier keine Selbstverständlichkeit ist. Der wichtigste Besitz von Georges Vater, dank dem er die Familie zu ernähren vermochte, waren ein paar Ziegen, die er auf Palm Island grasen liess. Auf dem sumpfigen, unbewohnten Inselchen wuchs mehr als auf dem saisonal trockenen Union Island. Als aber John Caldwell Palm Island übernahm, um es zum Touristen-Traumziel zu entwickeln, da mussten die Ziegen verschwinden. Das war für Georges Vater ein schwerer, existenzbedrohender Verlust.
George ist ein intelligenter Kopf. Ohne dafür ausgebildet zu sein, bekam er auf seiner Heimatinsel einen Job als Lehrer - bei über 40 Kindern in der Klasse eine recht anspruchsvolle Arbeit. Sein Gehalt betrug jedoch weniger als 50 US-Dollar im Monat, was kaum zum Leben ausreichte, um so mehr als der neue Luxustourismus in der Region die Preise ständig höher trieb. Nach drei Jahren ehrbarem, jedoch kärgstem Lehrerdasein gab George auf und bat schliesslich den Mann um einen besseren Job, der weitherum die einzigen zu vergeben hatte: John Caldwell.
George bekam von John eine Arbeit: Er durfte in dessen Tauch-Shop Gasflaschen auffüllen und reinigen, für immerhin 10 US-Dollar am Tag. Doch George hat es psychisch nicht durchgestanden, ausgerechnet für den Mann zu arbeiten, der seinem Vater die Existenz geraubt hatte. Und auch den Reichtum der Touristen hat George nicht ertragen: «Da rennen weisse Kinder mit Armbanduhren im Wert von mehreren hundert Dollar am Handgelenk über den Strand», sagt er, «und meine Leute auf der Insel gegenüber wissen nicht, wo sie ihr Essen herbekommen sollen.»
George wird jetzt Union Island verlassen, wahrscheinlich nach Trinidad gehen, wo der Arbeitsmarkt vielfältiger ist. Und niemand wird sich wundern, dass George von den «Segnungen» des Tourismus überhaupt nichts hält. Er fühlt sich verjagt und vertrieben von einer Entwicklung, die für ein paar wenige mehr Wohlstand und Verdienst mit sich brachte, für die meisten aber das Bewusstsein der eigenen Armut und Chancenlosigkeit nur noch steigerte.
John und George sind die Personifizierung eines karibischen Konflikts. Es ist ein Konflikt zwischen arm und reich, schwarz und weiss. Ein Konflikt, der von niemandem gewollt, aber so oder so ähnlich überall in der Karibik immer wieder vorhanden ist. Ein Konflikt, der deutlich zeigt, dass die Karibik mehr ist als eine Ansammlung exotischer Trauminseln.
Legenden
Reichlich die Hälfte jener Schar kleiner und kleinster Eilande, welche zwischen den Antilleninseln St.Vincent und Grenada aus dem Meer aufragen und gesamthaft als «Grenadinen» bezeichnet werden, gehören zum Staatsgebiet von St.Vincent. Die grösste der St. Vincent-Grenadinen ist mit 18 Quadratkilometern Bequia, dessen Bewohner seit Generationen vom Meer leben - als Bootsbauer, Schiffer, Fischer, Walfänger und Langustensammler. Das Bild zeigt Bequias Hauptort Port Elizabeth an der Admiralty Bay.
Den grössten Bekanntheitsgrad aller St.Vincent-Grenadinen hat zweifellos Mustique, dessen Nordwestspitze mit Dover's Village und der Sandy Bay auf diesem Bild zu sehen ist. Prinzessin Margaret von England, Rockstar Mick Jagger, Modefotograf Lord Richfield und andere prominente Vertreter der internationalen High-Society besitzen hier prachtvolle Ferienvillen - und haben Mustique zu dem gemacht, was es heute ist: eines der exklusivsten und teuersten Reiseziele im ganzen karibischen Raum.
Die Grenadinen gelten als eines der attraktivsten Segelreviere der Welt - besonders von Oktober bis März, wenn der beständige Nordostpassat bei Temperaturen um angenehme 26°C weht. Launischer ist das Wetter während der Sommermonate mit Gewittern, Regengüssen und gelegentlich sogar Hurrikanen. Wie hier bei Clifton, dem Hauptort von Union Island, liegen überall in den gut geschützten Naturhäfen der Grenadinen stets zahlreiche Jachten vor Anker.
Etwas über 7000 Personen leben insgesamt auf den St.Vincent-Grenadinen. Zum weit überwiegenden Teil sind sie Nachfahren der einst von den Engländern und Franzosen hierher verschleppten afrikanischen Negersklaven. Manche von ihnen lassen im übrigen in ihren Gesichtszügen «Spuren» der Inder und Portugiesen erkennen, welche Mitte des letzten Jahrhunderts, nach der Aufhebung der Sklaverei, als Arbeitskräfte auf die Inseln geholt worden waren.
Viele der dunkelhäutigen Bewohner der St.Vincent-Grenadinen sind bettelarm. Sie halten sich mit etwas Fischfang und dem Anbau von Gemüse und Früchten mehr schlecht als recht über Wasser und bewohnen wie hier auf Union Island (oben) karge Häuschen ohne jeglichen Komfort. Das krasse Gegenteil hiervon steht in Form des luxuriösen Hotels «Cotton House» auf Mustique (unten). In der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Villa eines Plantagenbesitzers (mit umgebauter Zuckerrohrmühle im Vordergrund) bezahlen die gutbetuchten Gäste mehrere hundert US-Dollar pro Nacht und lassen sich anlässlich der wöchentlichen «Barbecue Night» im Fackelschein die köstlichsten Speisen und Getränke servieren.
Bedenkt man den oft problematischen Alltag der Grenadinenbewohner sowie die Ungerechtigkeiten, die ihre Vorfahren während der Kolonialzeit durch die Europäer erfuhren, so ist man über ihren freundlichen Umgang mit den weissen Touristen immer wieder erstaunt. Ihr fröhliches, unbekümmertes Wesen bleibt einem denn auch noch lange vor Augen, besonders wenn man zu Hause wieder mit den oft mürrischen Gesichtern und ruppigen Umgangsformen der eigenen Landsleute konfrontiert ist.
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