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Am kommenden Mittwoch wird der neue Bundesrat gewählt. Einer Umfrage zufolge liegt der Tessiner Kandidat Ignazio Cassis deutlich vor den anderen Kandidaten.
Wenige Tage vor der Bundesratswahl befindet sich der Tessiner Kandidat Ignazio Cassis in der Pole-Position. Bei einer Umfrage von Tamedia erreichte er die höchste Zustimmung: Von den Befragten fanden 41 Prozent, dass der Tessiner neue Bundesrat werden soll.
Der Genfer Pierre Maudet erreichte bei der Umfrage 24 Prozent, die Waadtländerin Isabelle Moret lediglich 13 Prozent Zustimmung, wie die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» berichteten. 22 Prozent wussten nicht, wer am kommenden Mittwoch von der Vereinigten Bundesversammlung gewählt werden soll.
Grosse Unterschiede in Sprachregionen
51 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die Herkunft und das Geschlecht des neuen Regierungsmitglieds nicht wichtig seien. 32 Prozent sprachen sich jedoch «eher für einen Tessiner» aus. Für eine Frau waren nur 15 Prozent der befragten Personen.
Grosse Unterschiede zeigten sich bei den Präferenzen in den verschiedenen Sprachregionen: 59 Prozent der Tessiner würden Cassis wählen, bei den Deutschschweizern wären es noch 42 Prozent und bei den Romands 35 Prozent. Trotzdem erhielt Cassis auch in der Westschweiz am meisten Stimmen. Für den Genfer Maudet sprachen sich 32 Prozent der Romands aus, für die Waatdtländerin Moret noch 16 Prozent.
Bei den Befragten aus der Deutschschweiz erhielt Maudet 21 Prozent der Stimmen und Moret 13 Prozent. In der italienischen Schweiz stimmten 16 Prozent für Moret und 11 Prozent für Maudet. Die restlichen Befragten konnten keine Angaben machen. Für die Online-Umfrage von Tamedia wurden 11'921 Personen befragt. Der Stichprobenfehler beträgt 1/- 1,3 Prozent.
Kandidaten ziehen alle Register
Am Wochenende vor der Wahl waren die drei FDP-Kandidaten in den Medien omnipräsent. So kämpfte der «Shootingstar» Pierre Maudet um jede Stimme, wie er im «Blick» vom Samstag sagte. Laut dem Genfer braucht es frischen Wind im Bundesrat. Doch sei er sich seiner Grenzen bewusst: «Ich bin nicht die Betty Bossy der Politik - das heisst, ich habe nicht für alles ein Rezept.»
Cassis äusserte seine Meinung gegenüber «Blick Online» zum Thema Suizid, dies ganz volksnah im Hinblick auf den am Sonntag ausgestrahlten Schweizer «Tatort». Der Tessiner Arzt ist der Meinung, dass möglicherweise Filme und Serien dazu beitragen könnten, das Thema Suizid zu enttabuisieren.
14 politisch brisante Fragen zu Themen wie Zuwanderung, Budget und Armee beantworteten Moret und Maudet in der «Schweiz am Wochenende». Sie wurden auch nach früheren «Sünden» befragt, doch beide verneinten gegenüber dem Blatt, je gekifft zu haben.
SP für Sadis
In einigen Artikeln ist von der früheren Tessiner FDP-Regierungsrätin Laura Sadis die Rede, der Wunschkandidatin der SP. So sagte SP-Fraktionschef Roger Nordmann in der «Zentralschweiz am Sonntag»: «Einer wilden Kandidatur wären wir nicht abgeneigt.» Doch fehle dazu der Support von der Mitte. SP-Präsident Christian Levrat sagt dazu in der «Schweiz am Wochenende», die FDP hätte die Gelegenheit gehabt, jemanden zu portieren, der alle Kriterien erfülle, nämlich Sadis. Sie stamme aus dem Tessin, sei eine Frau und habe Exekutiverfahrung.
Im Kommentar der «Basler Zeitung» vom Samstag ruft der Politikwissenschaftler und ehemalige SP-Nationalrat Andreas Gross gar dazu auf, sich der Diktatur der FDP zu widersetzen. Doch laut einem SP-Nationalrat, der sich in der «NZZ am Sonntag» unerkannt äussert, ist es ein riskantes Spiel, Stimmen für die Wunschkandidatin der Linken abzugeben.
Endspurt am Dienstag
Am Dienstag gilt es Ernst, dann laden die Fraktionen von SP, GLP und BDP die drei Kandidaten zu den Hearings. Für die SVP ist Cassis der Favorit, wie bereits letzte Woche nach der Fraktionssitzung bekannt wurde. Einzig die Landwirte sind nicht begeistert über Cassis Aussagen zur Landwirtschaftspolitik.
Die CVP hat sich noch nicht entschieden, ob sie einen bestimmten Kandidaten oder eine Kandidatin unterstützen will. Alle drei seien wählbar, sagte Fraktionschef Filippo Lombardi letzte Woche. Traditionell mache die CVP keine Wahlempfehlung.
Nach der «Nacht der langen Messer» soll dann am Mittwoch endlich feststehen, wer neu im Bundesrat Einsitz nimmt.
(sda/cfr)