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Im Vorfeld der historischen Weltwasserkonferenz der Vereinten Nationen warnt UNICEF vor den lebensbedrohlichen Gefahren für Kinder durch verschmutztes Wasser, fehlende Sanitärversorgung und den Klimawandel. Täglich sterben weltweit mehr als 1000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser, fehlende Sanitäreinrichtungen und mangelnde Hygiene verursacht werden.
190 Millionen Kinder in zehn afrikanischen Ländern sind laut einer neuen UNICEF-Analyse durch eine dreifache Wasserkrise besonders gefährdet. Bei ihnen kommen eine unzureichende Versorgung mit Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene (WASH), eine hohe Last an durch schmutziges Wasser verursachte Krankheiten und hohe Risiken durch den Klimawandel zusammen.
Die dreifache Bedrohung ist der Analyse zufolge am akutesten in Benin, Burkina Faso, Kamerun, Tschad, Côte d'Ivoire, Guinea, Mali, Niger, Nigeria und Somalia. Damit gehört West- und Zentralafrika zu den Regionen mit der größten Wasser- und Klima-Unsicherheit der Welt. Viele der am schlimmsten betroffenen Länder, insbesondere in der Sahelzone, leiden unter Instabilität und bewaffneten Konflikten, was den Zugang von Kindern zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zusätzlich erschwert.
«Afrika steht vor einer Wasserkatastrophe»
«Afrika steht vor einer Wasserkatastrophe», sagte UNICEF-Programmdirektor Sanjay Wijesekera. «Während klima- und wasserbedingte Schocks weltweit zunehmen, verschärfen sich die Risiken für Kinder nirgendwo sonst auf der Welt so stark wie in Afrika». Verheerende Stürme, Überschwemmungen und historische Dürren würden bereits jetzt Einrichtungen und Häuser zerstören, Wasserquellen kontaminieren sowie Krankheiten verbreiten und Hungerkrisen verursachen. «Aber so herausfordernd die gegenwärtigen Bedingungen auch sind, ohne massive Gegenmassnahmen könnte die Zukunft noch viel düsterer aussehen.»
Für den Bericht hat UNICEF analysiert, welchen Zugang weltweit Haushalte zur Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung haben, wie viele Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten sterben, die im Zusammenhang mit verschmutztem Wasser stehen, und wie hoch die Klima- und Umweltgefahren sind. Dadurch wird sichtbar, in welchen Ländern und Regionen Kinder am stärksten gefährdet sind und wo dringend in Lösungen investiert werden muss, um unnötige Todesfälle zu vermeiden.
In den zehn Hotspot-Ländern hat fast ein Drittel der Kinder zu Hause keinen Zugang zu wenigstens einer Basis-Versorgung mit sauberem Wasser, und zwei Drittel haben nicht einmal einfache sanitäre Einrichtungen. Ein Viertel der Kinder hat keine andere Wahl, als die freie Natur als Toilette zu benutzen. Auch die Hygiene ist eingeschränkt, da drei Viertel der Kinder sich zu Hause die Hände nicht mit Wasser und Seife waschen können.
In der Folge tragen diese Länder auch die größte Last an Todesfällen bei Kindern aufgrund von Krankheiten wie Durchfallerkrankungen, die durch unzureichende Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene verursacht werden. Beispielsweise waren sechs der zehn Hotspot-Länder im vergangenen Jahr mit Cholera-Ausbrüchen konfrontiert.
Klimawandel und Konflikte verschärfen Wasserkrise
Diese Hotspots gehören zu den Ländern mit besonders hohem Risiko, Klima- und Umweltbedrohungen ausgesetzt zu sein. Die Temperaturen steigen in Teilen West- und Zentralafrikas noch schneller an als im globalen Durchschnitt. Auch der Grundwasserspiegel sinkt, was einige Gemeinden dazu zwingt, doppelt so tiefe Brunnen zu graben wie noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig sind die Regenfälle unregelmässiger und intensiver geworden, was zu Überschwemmungen führt, die die knappen Wasservorräte verseuchen.
Alle zehn Hotspot-Länder werden ausserdem von der OECD als fragil oder extrem fragil eingestuft. Die Belastungen durch bewaffnete Konflikte drohen in einigen Ländern, bisherige Fortschritte bei sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zunichte zu machen. Beispielsweise haben in Burkina Faso Angriffe auf Wasseranlagen als Taktik zur Vertreibung von Menschen zugenommen. 2022 wurden 58 Wasserstellen angegriffen, im Vergleich zu 21 im Jahr 2021 und drei im Jahr 2020. Infolgedessen verloren mehr als 830 000 Menschen – mehr als die Hälfte davon Kinder – im letzten Jahr den Zugang zu sauberem Trinkwasser.
UNICEF-Forderungen zur UN-Wasserkonferenz
Die neue Analyse erfolgt im Vorfeld der UN-Wasserkonferenz 2023, die vom 22. bis 24. März in New York stattfindet. Weltweit führende Politikerinnen und Politiker, relevante Organisationen und andere Teilnehmende werden zum ersten Mal seit 46 Jahren in diesem Rahmen zusammenkommen, um die Fortschritte beim Ziel des Zugangs zu Wasser und sanitären Einrichtungen für alle zu überprüfen. Auf der Konferenz fordert UNICEF:
- Schnelle Erhöhung der Investitionen in die Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung, auch aus den für Klimaschutz vorgesehenen Mitteln.
- Stärkung der Klima-Resilienz sowohl im Sektor der Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung als auch in Städten und Gemeinden.
- Priorisierung der am stärksten durch die Wasserkrise gefährdete Gemeinschaften in den politischen Richtlinien und Hilfsprogrammen.
- Ausweitung von effektiven und zuverlässigen Systemen, bessere Koordination und größere Kapazitäten zur Bereitstellung von Wasser- und Sanitärversorgung.
- Investitionen in die globale Initiative zur rascheren Umsetzung von SDG6, dem Entwicklungsziel der Vereinten Nationen für sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen, das bis 2030 erreicht werden soll.
«Investitionen in klimaverträgliche Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste sind nicht nur eine Frage des Schutzes der Gesundheit von Kindern heute, sondern auch der Sicherung einer nachhaltigen Zukunft für kommende Generationen», sagte Wijesekera.