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Süssgetränke und Medizin
Getränkehersteller Coca-Cola verfügt in Afrika über ein vielfältiges und effizientes Distributionsnetz. Der Engländer Simon Berry sieht darin die Möglichkeit, mehr als nur Süssgetränke zu verteilen.
Als Simon Berry 1988 in Sambia als Entwicklungshelfer tätig war, wies das Land eine Kindersterblichkeit von rund 20 Prozent auf. Die Todesursachen waren oft leicht behandelbare Krankheiten wie Durchfall. Doch meist fanden billige und wirksame Medikamente den Weg in die entlegenen Dörfer nicht. Berry merkte jedoch schnell, dass der Weg durchaus zu meistern war, denn einer schaffte es schliesslich immer: Coca-Cola. Das ausgeklügelte Netz müsste auch für die Verteilung von Medikamenten nutzbar sein, dachte sich der Engländer. Rund 80 Prozent wird in standardisierten Harassen transportiert, der Leerraum zwischen den Flaschenhälsen bleibt jedoch ungenutzt. Von Afrika aus versuchte Berry, seine Idee in die Welt zu tragen, aufgrund der schlechten Kommunikationsmöglichkeiten jedoch scheiterte seine Kontaktaufnahme mit Coca-Cola und die Idee versandete. Vorerst. Gut 20 Jahre später – Berry wohnte mit seiner Familie seit längerem wieder in England – publizierte er die Idee in seinem Blog sowie einem Forum der BBC erneut. Dieses Mal wurde der Aufruf erhört, die BBC vermittelte und schliesslich erhielt Berry in der Europa-Zentrale von Coca-Cola in Brüssel einen Termin. Mit einem Namen (ColaLife) und dem sogenannten Aidpod (eine Eigenerfindung, die es erlaubt, den Leerraum zwischen den Flaschenhälsen optimal zu nutzen) machte er sich auf den Weg. Die Idee gefiel, zusammen mit der Academy for Educational Development (AED) und den Logistikexperten von Coca-Cola wird dieser Tage ein Konzept erarbeitet, das in Tansania getestet werden soll. Eine grosse Herausforderung, sind doch in ganz Afrika rund 13 000 Distributoren verantwortlich für die Verteilung an die etwa 450 000 Verkaufstellen. Welche Medikamente wohin gebracht werden sollen und wer die Verantwortung für deren Verteilung übernimmt, soll kein weltweit agierendes Hilfswerk und schon gar nicht Coca-Cola bestimmen, sondern lokal ansässige Organisationen. Man fragt sich, was gewesen wäre, hätte Berry seinen Geistesblitz schon früher hartnäckiger verfolgt, denn gemäss WHO starben seit 1988 in ganz Afrika 30 Millionen Kinder allein an den Folgen von Durchfallerkrankungen.