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Das im gutem Zustand sich befindende und bewohnte Schloss ist eine der bestbesuchten Wehranlagen der Ostschweiz. Von einem Wassergraben vollkommen umgeben, steht es romantisch in der leicht hügeligen, mit Obstbäumen durchsetzten Landschaft. Den Kern der um 1200 entstandenen Burg bildet der mächtige Bergfried von rechteckigem Grundriss. Aus Findlingen gefügt und mit einem hölzernen, vorkragenden Obergaden mit gewalmten Satteldach oben abgeschlossen, erinnert er an die Türme von Mammertshofen und Frauenfeld. Auch hier ist der Holzaufbau mit hölzernen Spriessen auf die Mauern abgestützt.
Im Geviert misst der Turm aussen 13.2 auf 10 Meter. Der Kantenschlag an den Eckverbänden ist in der einzig freien Südwestecke nur im oberen drittel feststellbar. Vom zweiten Stockwerk an zeigt sich eine andere Struktur aus sandsteinernen Buckelquadern. Ein Auf- und Umbau muss hier, entsprechend den zugefügten Ziegelbrocken, im 16. Jahrhundert stattgefunden haben. Die Mauerstärke bewegt sich um 1.7 Meter. Die beiden Tore im Erdgeschoss, auf der West- und Ostseite, sind später ausgebrochen worden. Die westliche Rundbogentür trägt das Datum 1551. Zur ursprünglichen Bausubstanz gehören aber drei nach innen sich weitende Luftschlitze mit horizontaler Abdeckung. Im ersten Stockwerk bringt ein spätgotisches Fenster Licht in den Raum. Das zweite Obergeschoss weist auf der Südseite ein Flachbogenfenster mit zwei steinernen Seitensitzen auf.
Einst war der Turm nur mit einer Ringmauer geschützt. Originale Substanz dieser Umgürtung ist vor allem auf der Südseite, wo sich der Zugang zum Burghof befindet, noch feststellbar. Dort öffnen sich vier Rundbogenschlitze. In der Errichtungszeit der Anlage reihten sich wohl Holzbauten, Ställe, Scheunen und Knechtebehausungen an die Ringmauer. Davon ist aber keine Spur mehr festzustellen. Das erste steinerne Gebäude dürfte im Norden an den Turm angebaut und auf der Ringmauer abgestützt worden sein. In diesem heute noch erhaltenen Trakt befindet sich auf der Westseite eine Scharte, welche aus dem Hochmittelalter stammt. Vielleicht ruht dieser Bau auf den Fundamenten eines Palas, eines Herrenhauses, aus der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, wie wir ähnliche Bauten auf vielen Burgen der Ostschweiz nachweisen können.
Die übrigen Gebäude sind jüngeren Datums. Die meisten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Lediglich der östliche Bau mit dem Treppenhaus und dem langgezogenen Obergeschoss wurde zusammen mit dem Eingangsflur und der darüber eingefügten schlichten Kapelle erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgeführt, als das Kloster St. Gallen die Burg als zeitweiligen Aufenthaltsort der Äbte ausbaute. Aus dieser Zeit stammt auch das heutige Haupttor mit dem Datum 1741 und die romantisch wirkende Zugbrücke mit den Schwingruten.
Hagenwil par Escher en 1920 (graphica-antiqua.ch)
Es ist auffallend, dass diese Wasserburg, eine der besterhaltenen unseres Landes, nicht in einer Talsenke, sondern an einem leichten Hang liegt. Der Weiher muss künstlich ausgehoben worden sein. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, die heutige Burg stehe anstelle einer wesentlich älteren, welche einst als Motte errichtet wurde. Wer diesen Ringgraben ausgehoben und das dabei gewonnene Erdmaterial in der Mitte zu einem Hügel aufgeschüttet und darauf ein hölzernes Bauwerk errichtet hatte, wissen wir nicht. Es ist möglich, dass diese Bewohner noch auf Rodungsland als freie Leute, wohl im 10. oder 11. Jahrhundert, siedelten. Für diese These sprechen die Lage der heutigen Weiherburg, die entsprechend der Bauweise des älteren Kerns, des massiven Bergfrieds im Zentrum, aus Vergleichen mit ähnlichen Türmen im frühen 13. Jahrhundert errichtet wurde, und die Tatsache, dass damals in dieser Region, da kein Rodungsland mehr vorhanden war, die Herren von Hagenwil diesen Turm und das zugehörige Gelände als Eigengut besassen. Die Herren von Hagenwil lassen sich urkundlich seit dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts nachweisen. Der für unsere Betrachtungen interessanteste Vertreter des Geschlechts war Rudolf, welcher 1227 an einem Kreuzzug ins Heilige Land teilnahm. Graf Werner von Kyburg war auch dabei und hatte in Akkon das leben verloren. Da das unter der Führung Friedrichs II, des Hohenstaufen, stehende Unternehmen scheiterte, traf Rudolf bereits im folgenden Jahr wieder in der Heimat ein. Schon vor dem Kreuzzug hatte er dem Kloster St. Gallen einen teil seines Besitzes verkauft, mit der Bedingung, dass er ihn um denselben Preis zurückkaufen könne, falls er heil zurückkehre. Da er ohne männliche Erben war, begann er, wesentliche Teile seiner Güter der Kirche zu stiften, wie dies im Hochmittelalter unter dem weltlichen Adel, aus Gründen des Seelenheils, oft geschah. Die Herren von Heitnau, Schwiegersöhne Rudolfs, selbst toggenburgische Ministerialen, befürchteten durch diese Vergabungen eine Schmälerung ihres zukünftigen Erbes, bemächtigten sich des Schwiegervaters und schleppten ihn auf ihre Burg. Der Abt von St. Gallen, Berchtold von Falkenstein, selbst im Namen des Klosters höchst interessiert an Rudolfs Gütern, zog mit bewaffneter Macht vor die Heitnau, befreite den Gefangenen und zerstörte die Burg, die nie mehr aufgebaut wurde. Aus Dankbarkeit für die Rettung enterbte Rudolf seine Schwiegersöhne und schenkte sein gesamtes Hab und Gut der Abtei. Er erhielt dafür ein Leibgeding; für sein Fortkommen sorgte bis zu seinem Ableben das Kloster. In der Folge ging die Burg Hagenwil mit der Herrschaft als äbtisches Lehen erst an die Herren von Güttingen und hernach an die Herren von Breitenlandenberg. Während der Appenzellerkriege wurde die Burg die Landenberger standen auf der Seite der Habsburger von Bürgern der Stadt St. Gallen, den Verbündeten der Appenzeller, belagert und erobert, jedoch offenbar nicht zerstört. Nach Friedensschluss bekamen die Landenberger ihre Feste wieder zurück. Durch Erbschaft ging sie an die Paygrer, ein konstanzisches Ministerialgeschlecht. Ulrich Paygrer musste aber der Abtei St. Gallen den Lehenseid schwören, da Hagenwil ein Burgsäss des Klosters war. Sein Bruder Konrad trat 1421 mit Einwilligung Ulrichs für achte Jahre in das Burgrecht der Stadt St. Gallen und erklärte damit neben anderen Besitzungen Hagenwil als offene Burg. Die beiden Brüder waren 1446 gestorben. Vier Jahre später verkaufte Hans Ulrich, Truchsess von Diessenhofen, der Vormund von Konrads Kindern, die ganze Herrschaft dem Stiefvater Burkhard Schenk von Castell. Sein Stiefsohn Jakob Paygrer vermochte 1470 Hagenwil wieder zurückzukaufen. 1504 erbten die Bernhausen, ebenfalls konstanzische Ministerialen, die Herrschaft. 180 Jahre blieb der Besitz in der gleichen Familie. Im Dreissigjährigen Krieg plünderten die Schweden die Burg und die umliegenden Höfe. Erst 1684 verkauften die Bernhausen die Feste mit der gesamten Herrschaft um 25000 Gulden dem Abt Gallus. Damit löste sich ein alter Besitzstreit zwischen der Abtei und den Bernhausen in Minne. Ein klösterlicher Statthalter wurde eingesetzt und die Burg mehr und mehr zum Sommersitz für die Äbte ausgebaut.
Das heutige Konzept der Anlage stammt aus äbtischer zeit. Unter Statthalter Pater Beat Schumacher wurde das östliche Gebäude auf der Ringmauer am Bergfried erbaut. 1806 verkaufte, im Nachgang zu den politischen Umwälzungen in unserem Land und der damit verbundenen Aufhebung des Klosters, eine Liquidationskommission das Schloss samt zugeschlagenen Liegenschaften, Reben und Wäldern an den bisherigen Pächter Benedikt Angehrn. Seine Nachkommen bewirtschaften das Gut noch heute und betreiben in der Burg eine gemütliche Burgschenke.
Photos d'intérieurs par Birgit Muller
Bibliographie