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In Aarburg fliesst die Aare rückwärts. Die Aarewaage, ein Naturphänomen, war einst die wirtschaftliche Grundlage des Städtchens.
Im Hafen kreuzten sich die Transportwege von Nord nach Süd und von Ost nach West.
Treibgut wird bis zu 300 Meter weit den Fluss hinaufgetragen, manchmal mehrere Male, bevor es den Weg flussabwärts nimmt. Die Aare wird vom Aarburger Festungsfelsen in ein Knie gezwungen. Mitten im Fluss treffen die starke Strömung und das ruhige Wasser im naturgeformten Hafen aufeinander.
Sperre aus Wirbeln
Mächtige Wasserwirbel markieren diese Grenze. Das Wasser im Becken wird von ihnen zurückgehalten und flussaufwärts gedrängt. Erst wenn nach ein paar Minuten der Druck zu stark wird, entleert sich das Becken.
Der Wasserstand im Hafen sinkt dann jeweils um ein paar Zentimeter. Verstärkt wird die Gegenströmung von zwei Bächen, die bei der "Woog" (Waage), wie die Aarburger ihr Naturwunder nennen, in die Aare fliessen.
Wichtiger Umschlagplatz
"Bis im 19. Jahrhundert war die Stadt ein wichtiger Hafen", erzählt Max Roth, Konservator des Heimatmuseums. Baumstämme wurden von Aarburg aus aare- und rheinabwärts in die europäischen Schiffswerften geflösst. Wein und Salz wurden in Aarburg umgeschlagen.
Die Ausfahrt aus dem Hafen hatte ihre Tücken. "Wer es falsch machte, dem schwammen die Baumstämme einzeln nach Olten hinunter", lacht Roth.
Die Eisenbahn als neues und schnelleres Transportmittel konkurrierte die Schifffahrt zusehends. Und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts versperren Kraftwerke die Wasserstrasse.
"Seine Vergangenheit sieht man Aarburg immer noch an", sagt Roth. Die Flösser und Schiffer hatten einen harten Beruf und führten ein raues Leben.
Das Städtchen könne nicht mit so viel Pracht und Reichtum aufwarten wie die Bürgerstädte Olten und Zofingen.
Kampf um die Waage
Für seine "Woog" hat Aarburg gekämpft. In den 50-er Jahren hätten die SBB das Kraftwerk Ruppoldingen erneuern und die Fliesskapazität der Aare erweitern wollen, erinnert sich der ehemalige Gemeinderat Peter Wullschleger. Dem Vorhaben hätte das Hafenbecken geopfert werden müssen.
In den 70-erJahren hätte dicht neben der Aarewaage eine Bahnbrücke gebaut werden sollen. "Zu Gunsten des Landschaftsschutzes wurde dann der teurere Tunnel gebaut", sagt Wullschleger. Selbst Bundesrat Ludwig von Moos kam für einen Augenschein nach Aarburg.
Wullschleger regte in den 70-er Jahren die Schaffung der Natur- und Heimatschutzkommission an, die sich für die Erhaltung der Aarewaage einsetzen sollte.
Seit 1985 ist die Aarewaage im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN).
Mechanik wird erklärt
Inzwischen kümmert sich die Aarburger Tourismus-Kommission um die "Woog". Wie die rückwärts fliessende Aare Fremde ins Städtchen locken könne, müsse noch diskutiert werden, erklärt Präsident Fritz Rudolf.
Einen Anfang gemacht hat die "Schifferzunft zur Woog", der Peter Wullschleger als ehemaliger Pontonier angehört. Sie stiftet eine farbige Tafel, welche die komplizierte Mechanik der Waage erklärt und demnächst aufgestellt wird.
Derweil lassen sich die Enten von der Strömung elegant treiben. Und eine leere Flasche wird in einem weiten Bogen den Fluss hinaufgetragen.
swissinfo und Agenturen