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Zwiefältigkeit in der Sprache
Veränderung an einem selbst ist ohne Ambivalenz (Deutsch: Zwiespältigkeit) kaum möglich. Oft ist Ambivalenz in der Tat der erste Schritt zur Veränderung. Ambivalenz beinhaltet simultan zwei sich widersprechende Motivationen und kann deshalb als unbequem erfahren werden. Stellen Sie sich eine Frau vor, die zwischen zwei Liebhabern hin- und hergerissen ist oder wir möchten etwas Bestimmtes haben und wissen gleichzeitig, dass dies Konsequenzen haben könnte, die wir bereuen. Der Konflikt in solchen Ambivalenzen, das Sich-unwohl-fühlen, kann uns motivieren, rasch zu entscheiden, kann aber auch Grund sein, dass wir uns lieber anderem zuwenden und den Schmerz verdrängen.
Die Dynamik dieses Konfliktes macht das Dilemma verständlich. Als Konzept bieten sich vier Varianten für ambivalente Konflikte an:
|Annähern/Annähern||Hin und hergerissen zwischen zwei positiven Optionen|
|Vermeiden/Vermeiden||Hin und hergerissen zwischen zwei negativen Optionen|
|Annähern/Vermeiden||Eine positive Option, jedoch mit negativen Konsequenzen|
|Doppelt Annähern/Vermeiden||Zwei positive Optionen mit negativen Konsequenzen, jedoch wenn für A entschieden, verliert B an Negativität|
Alle haben gemeinsam, dass sie in eine Richtung ziehen und gleichzeitig Druck in der Gegenrichtung entsteht. Je mehr wir uns in die eine Richtung, die eine Wahl, bewegen, umso klarer werden uns die Nachteile und in desto besserem Licht erscheint uns die Alternative. Dieses Schlamassel der bewussten Ambivalenz führt entweder dazu, die ganze Sache ad acta zu legen oder zu entscheiden, das der Status Quo gar keiner Veränderung bedarf.
Der Psycholinguist Paul Amrhein hat im Hinblick auf Veränderungs-Gespräche, ob im internen Dialog oder im Gespräch mit anderen, vier Sprach-Stufen definiert, die quasi als Vorbereitung für Veränderung (William R. Miller) erkannt werden können, nicht aber zur Veränderung selbst führen:
Wünsche, Können, Begründungen und Bedürfnisse
Sich verändern beinhaltet Gespräche, entweder im internen Dialog, mit einem Freund oder einer Vertrauensperson. Die Argumente, die wir dann normalerweise einsetzen, um zu einer uns adäquaten Lösung zu kommen, sind sowohl Argumente für die Veränderung als auch solche, die gegen eine Veränderung sprechen. Das ist die Ambivalenz und bedeutet, dass wir beide Motivationen zeitgleich im Hirn haben.
Wünsche
sind universal, in jeder Sprache und Kultur zu finden und erklären, dass wir etwas wollen, was wir noch nicht haben.
„Ich möchte ein paar Kilo abnehmen.“
„Ich hätte lieber einen besseren Job.“
„Ich wünschte, ich wäre lockerer im Umgang mit fremden Menschen.“
„Ich hoffe, ich schneide nächstes Jahr in der Prüfung besser ab.“
Etwas wollen ist ein Teil der Motivation für Veränderung. Es mag helfen, sich zu verändern, ist aber dazu nicht notwendig. Menschen behalten Verhalten oft bei, obwohl sie sich etwas anderes, eine Veränderung eigentlich wünschen.
Können
Ein zweiter Aspekt der Motivation für Veränderung ist die Fähigkeit, zu glauben dass man es kann. Motivation ist selten anzutreffen, wenn wir glauben, dass wir es sowieso nicht vollbringen können.
„Ich würde gerne einen Marathon laufen (Wunsch), aber ich denke nicht, dass ich das je durchführen kann (Können).“
Diese Sprache „Ich könnte…“, „Ich wäre fähig…“ taucht meistens im Konditional auf, gerne dann, wenn jemand glaubt, er könne es, aber er/sie sich nicht wirklich verbindlich verpflichtet hat. „Können“ in der Sprache bedeutet nur, dass Veränderung möglich wäre.
Begründung
Die dritte Variante ist die der Begründung, eines rationalen Argumentes. Um, zum Beispiel, mit einen Trainingsprogramm zu beginnen, könnte man sagen:
„Ich hätte wahrscheinlich mehr Energie.“
„Ich würde besser schlafen.“
„Es würde mir helfen, mein Diabetes besser zu kontrollieren.“
„Ich würde besser aussehen und hätte bessere Chancen beim anderen Geschlecht.“
„Ich würde gesünder und länger leben und meine Enkel sehen und beobachten können.“
Begründungen wie diese beinhalten weder Wunsch noch Können, obwohl es Ziele sein könnten, die Veränderung nach sich ziehen. Begründungen folgen oft dem internen Dialog „wenn X, dann Y“ und X ist mit Aufwand verbunden.
Bedürfnis
Obwohl häufig angefüllt mit Imperativ und beinahe Stress, dass das doch so wichtig sei, fehlt bei Bedürfnissen nicht selten die Begründung, warum denn dieses Bedürfnis wichtig für einen ist. Das klingt meistens so:
„Ich soll….“
„Ich muss….“
„Ich müsste eigentlich….“
„So kann es nicht weiter gehen….“
„Da muss sich was ändern….“
Obgleich des Befehlstons, Veränderung finden damit selten statt. Selbst wenn man tiefer geht, wird man zwar Begründungen erklärt bekommen, aber die Aussagen alleine beinhalten nicht, warum die Person „soll, muss“ etc..
Will man Veränderung tatsächlich, dann ist keines der vier Sprachbeispiele, weder eines alleine noch alle vier zusammen, ausreichend, um sich zu motivieren, etwas zu tun. Zu sagen, „Ich möchte ein paar Kilo abnehmen (Wunsch)“ ist nicht dasselbe wie „Ich werde abnehmen“. „Ich kann das Rauchen aufhören“ oder „Ich könnte aufhören zu rauchen“ ist kein Sich-bekennen (Commitment) um aufzuhören. Gute Argumente und Begründungen anzuführen, bedeutet nicht, dass man tatsächlich vorhat, etwas zu ändern. Selbst „Ich muss“ ist keine Verpflichtungserklärung und ist nicht das gleiche wie „Ich werde“.
Commitment-Sprache wird benutzt, wenn Menschen Versprechen eingehen. Verträge beinhalten die Sprache des Commitments. Vor Gericht wird mit Verpflichtung gesprochen (frei aus dem amerikanischen):
„Werden Sie die Wahrheit sagen, die gesamte Wahrheit und nichts als die Wahrheit?“
Stellen Sie sich obige Antworten vor:
„Ich möchte….“
„Ich könnte….“
„Ich hätte gute Gründe dafür….“
Oder
„Ich sollte….“
Verpflichtungen hat man nicht nur anderen gegenüber, sondern auch sich selbst gegenüber und doch geht man manchmal mit den eigenen Verpflichtungen stiefmütterlich um. Es kann Spass machen, andere, Fremde, Freunde, Verwandtschaft und sich selbst beim Gebrauch der Sprache zu beobachten. Wahrscheinlich ist die einfachste Form, „Ich werde….“ und man kann ja im Hinterkopf behalten, „Ich verspreche….“, „Ich garantiere….“ und „Ich gebe dir mein Wort….“.
Es kommt nicht aufs Denken, es kommt aufs Machen an.
Johann Wolfgang von Goethe
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