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von Lea Mörsdorf
Psychologische Studien konnten bislang zeigen, dass positive im Vergleich zu negativer Stimmung die Zeit subjektiv schneller vergehen lässt. Doch ob positive Stimmung die Zeit schneller oder negative die Zeit langsamer vergehen lässt, ist aus der bisherigen Forschung nicht ableitbar. Zudem bleibt die Frage offen, welche Mechanismen für die verzerrte Wahrnehmung verantwortlich sind.
Gable und Poole wollten diesen Fragen auf den Grund gehen und rückten dazu einen potenziellen Einflussfaktor in den Vordergrund: die Motivation zu Annäherungs- oder Vermeidungsverhalten, die mit einer guten oder schlechten Stimmung einhergeht. Von Vermeidungsmotivation wird gesprochen, wenn man sich von etwas fernhalten möchte (z.B. aus Angst oder Ekel), während Annäherungsmotivation das Bedürfnis beschreibt eine Situation aufzusuchen. Eine starke Annäherungsmotivation wird beispielsweise angenommen, wenn überlebenswichtige Ressourcen wie Nahrung oder Wasser in Aussicht stehen. Sie steht in Verbindung mit einem Gefühl des Verlangens und tritt für gewöhnlich bei der Verfolgung eines Ziels ein. Eine schwache Annäherungsmotivation geht mit einem Gefühl der Zufriedenheit einher und taucht häufig nach Erreichen eines Ziels auf. Bisherige Forschung hat gezeigt, dass wenn man dazu motiviert ist, sich einem Ziel anzunähern, man seine Aufmerksamkeit stärker auf relevante Aspekte eines Ziels fokussiert und gleichzeitig irrelevante ausblendet. Gable und Poole vermuteten, dass eine starke Annäherungsmotivation mit dem Eindruck, die Zeit vergehe schneller, verknüpft sein sollte, da man durch das Fokussieren der Aufmerksamkeit auf das Zielwenig Anderes um sich herum wahrnimmt und somit die Zeit aus den Augen verliert.
Um ihre Vermutung zu überprüfen, führten die Autoren drei Experimente durch.
Im ersten Experiment nahmen 140 Psychologiestudierende an einer Zeiteinschätzungsaufgabe teil. Während der Aufgabe sahen die Studierenden Bilder für eine bestimmte Dauer. Am Anfang wurde ihnen ein langes und ein kurzes Zeitintervall mehrfach gezeigt, sodass sie sich die Dauer einprägen konnten. Danach sollten sie bei jedem Bild einschätzen, ob die Dauer eher dem kurzen oder langen Zeitintervall entsprach. Gleichzeitig wurde die Annäherungsmotivation variiert, indem neutrale Bilder gezeigt wurden, sowie Bilder, die eine schwache (z.B. Blumen) oder starke (z.B. leckere Desserts) Annäherungsmotivation auslösen. Zudem wurden die Teilnehmenden gefragt, wann sie das letzte Mal gegessen hatten, um einschätzen zu können, wie motiviert sie zur Nahrungsaufnahme waren.
Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden die leckeren Dessertbilder im Vergleich zu den anderen Bildern vermehrt den kurzen Zeitintervallen zuordneten. Wie erwartet schätzten diejenigen Teilnehmer, die länger nichts mehr gegessen hatten und somit als besonders motiviert zur Nahrungsaufnahme galten, die Zeitintervalle bei den Dessertbildern am kürzesten ein.
Im zweiten Experiment variierten die Autoren die Stärke der Annäherungsmotivation auf eine andere Weise: Der Hälfte der Teilnehmenden wurde bereits im Vorhinein mitgeteilt, dass sie nach dem Ansehen von Dessertbildern einige der Desserts essen durften (starke Annäherungsmotivation). Die restlichen Teilnehmenden bekamen diese Information nicht, durften am Ende aber ebenfalls Desserts probieren (schwache Annäherungsmotivation). Gemessen wurde per Fragebogen, wie schnell oder langsam die Zeit aus Sicht der Teilnehmenden verging. Es zeigte sich, dass die starke Annäherungsmotivations-Gruppe eher den Eindruck hatte, die Zeit vergehe schnell.
Im letzten Experiment wollten die Autoren herausfinden, ob der gefundene Effekt ausschliesslich für positive Bilder in Verbindung mit einer starken Annäherungsmotivation zutrifft. Dazu führten sie die gleiche Zeitwahrnehmungsaufgabe wie in Experiment 1 durch. Anstatt Blumen und neutrale Bilder zu zeigen, wurden diesmal negative Bilder mit einer hohen Vermeidungsmotivation präsentiert. So konnten die Autoren sichergehen, dass die positiven und negativen Bilder zu einem ähnlichen Grad „erregend“ waren bzw. zum Handeln motivierten, wenn auch in entgegengesetzte Richtung (sich annähern vs. etwas vermeiden).
Wie von den Autoren erwartet, schätzten die Teilnehmenden die Dauer der positiven Bilder kürzer ein als die Dauer der negativen Bilder.
Insgesamt sprechen die Studien dafür, dass eine starke Annäherungsmotivation dazu führt, dass für uns die Zeit „wie im Flug“ vergeht. Diese Verzerrung könnte uns dabei helfen, länger an angestrebten Zielen festzuhalten, da wir nicht merken wie lange wir uns tatsächlich schon mit der Sache beschäftigen.
Die Studie von Gable und Poole untersuchte die Zeitwahrnehmung ausschliesslich im Sekundenbereich. Inwiefern längere Zeiten wie Minuten oder Stunden verzerrt wahrgenommen werden, bleibt daher zunächst offen.
Literaturangaben:
Gable, P. A., & Poole, B. D. (2012). Time flies when you’re having approach-motivated fun: Effects of motivational intensity on time perception. Psychological Science, 23, 879-886.
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