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Das Playoff nach dem Meisterschafts-Abbruch
Denis Vaucher, der Ligadirektor, spricht nach dem vom Coronavirus erzwungenen Abbruch der Saison von einem «schwarzen Tag» fürs Schweizer Eishockey.
Der Spuk dauerte am Donnerstagvormittag bloss wenige Minuten. Telefonkonferenz um 9 Uhr: Die Stimmung bei den Klubvertretern war gedrückt. «Aber es bot sich uns gar keine andere Wahl, als die Saison abzubrechen», so Denis Vaucher. «Die Umstände im Tessin liessen keinen anderen Schluss mehr zu. Die Klubs im Tessin hätten nicht einmal mehr trainieren können. Die Behörden haben entschieden.»
Für den Meisterschafts-Abbruch bedurfte es einer Dreiviertel-Mehrheit in der Abstimmung der Klubs. Die Liga kommuniziert generell keine Abstimmungsergebnisse, aber das erforderliche Mehr wurde gemäss Vaucher «gut erreicht».
Erst zum zweiten Mal in der Geschichte wird die Schweizer Eishockey-Meisterschaft nicht entschieden. Vor 80 Jahren, damals wegen der Mobilmachung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde die Saison nicht einmal begonnen. Interessantes Detail am Rand: Damals wie heute besass der Zürcher SC die besten Aussichten auf den Titelgewinn. Der ZSC verfügte im ersten Kriegswinter über das stärkste Team. Gespielt wurden damals reichlich Freundschaftsspiele. Gegen den HC Davos, den Meister der Jahre 1937 bis 1939, gewann der ZSC drei von vier Begegnungen.
In die aktuellen Playoffs wären die ZSC Lions aus der Pole-Position gestartet. Sie sicherten sich vor zwei Wochen mit einem 4:1 über den EV Zug in der letzten Qualifikationsrunde in einem Geisterspiel den Gewinn der Regular Season. Werden die ZSC Lions als Qualifikationssieger am Freitag an der ausserordentlichen Ligaversammlung nun zum Meister ernannt?
Damit ist nicht zu rechnen. Es gibt Gründe, warum in jenen Ländern, die vor der Schweiz die Eishockey-Saison vorzeitig beendet haben (Deutschland, Österreich, Slowakei, Norwegen, Dänemark, Polen, Frankreich), kein Meister ernannt worden ist. Die ZSC Lions werden auch kaum einen Antrag auf den Meistertitel stellen. Jeder Klub steht wegen ausbleibenden Erträgen vor riesigen, finanziellen Herausforderungen. Da will niemand die Spieler auf die Idee bringen, sie hätten noch eine Meisterprämie zu gut.
So oder so beginnt nach der Absage der Playoffs nun das Playoff neben dem Eis. Und die meisten dieser Probleme sind schwieriger zu lösen als die Vergabe des fünften Platzes in der nächsten Champions League, der an Biel gehen wird, den Fünften der Qualifikation. Schon vor den Playoffs hatten die ZSC Lions (1. der Qualifikation), der EV Zug (2.), Davos (3.) und Genf-Servette (4.) ihre Teilnahme sicher gelöst.
In der Swiss League strebt der EHC Kloten als Qualifikationssieger den Wiederaufstieg an. Die Klotener können wegen des Abbruchs ihre Aufstiegschance nicht wahrnehmen, ebenso wie der EHC Visp, der sich ebenfalls für die National League beworben hatte. Kloten will am Freitag an der Ligaversammlung in Ittigen den Antrag auf Aufstieg stellen. Als im Frühling 2003 die Abstiegs-Playoffs ausfielen (wegen eines Freiburger Lizenzfehlers), wurde in der darauffolgenden Saison mit 13 Teams und Aufsteiger Basel gespielt.
Klotens Antrag dürfte aber einen schweren Stand haben: Eine nächste Saison mit 13 Teams würde bedeuten, dass sich die National-League-Klubs die Fernsehgelder mit einem zusätzlichen Team teilen müssten. Das würde für die übrigen zwölf Teams 200'000 Franken weniger Einnahmen bedeuten. In der aktuellen Lage, in der das Coronavirus alle Sportunternehmen in die finanzielle Zwickmühle bringt, ist nicht mit einem Entscheid «Pro Kloten» zu rechnen.
A propos Fernsehgelder: Ob die Hoffnungen der Liga und der Klubs in Erfüllung gehen und die Rechteinhaber (UPC und SRF) keinen Anspruch auf einen Regress haben, weil der Saisonabbruch von den Behörden faktisch erzwungen worden ist (Höhere Gewalt), steht alles andere als fest. Diese Causa verspricht zu Juristen-Futter zu werden, wobei die Diskussionen gewiss nicht zu einer Schlammschlacht ausarten werden.
Generell nahmen die Hockey-Fans, und nicht nur jene in der Schweiz, den Abbruch der diversen Hockey-Saisons zwar mit grossem Bedauern, aber auch mit grossem Verständnis auf. Jene Sportarten, die in diesen Zeiten weiter spielen, als ob nichts wäre, verspielen wohl mehr Goodwill.