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Die Swissair Group geriet Anfang 2001 in eine Existenzkrise. Managementfehler brachten das Traditionsunternehmen an den Rand des Bankrotts. Die Terroranschläge in den USA spitzten die Lage weiter zu. Am 2. Oktober war die Airline am Boden.Dieser Inhalt wurde am 27. September 2002 - 14:47 publiziert
Nachstehend die wichtigsten Etappen des Debakels im Zeitraffer.
23. Januar:
SAirGroup-Konzernchef Philippe Bruggisser wird fristlos entlassen. Verwaltungsratspräsident Eric Honegger übernimmt die Konzernleitung, Crossair-Chef Moritz Suter das Fluggeschäft. Beat Schär wird Swissair-Chef.
3. Februar:
Paul Reutlinger, Ex-Chef der belgischen Sabena und Verantwortlicher der französischen Beteiligungen, tritt zurück.
14. Februar:
Marc Rochet wird Reutlinger-Nachfolger.
7. März:
Suter tritt als Fluggeschäftschef zurück.
9. März:
Neun von zehn SAirGroup-Verwaltungsräten erklären den Rücktritt in zwei Etappen bis April 2002. Honegger will noch ein Jahr Präsident, Nestle-Finanzchef Mario Corti über 2002 hinaus im Amt bleiben.
16. März:
Corti löst Honegger als Verwaltungsratspräsident und Konzernchef ab.
2. April:
Corti gibt einen Jahresverlust von 2,9 Milliarden Franken für 2000 bekannt.
23. April:
Die Swissôtel-Kette wird für 410 Millionen Franken an Raffles in Singapur verkauft. Honegger begnügt sich im Streit um Abgangsmodalitäten mit einem Jahresgehalt.
25. April:
Die SAirGroup-Generalversammlung bewilligt eine Sonderprüfung und erteilt einzig Corti die Entlastung fürs Geschäftsjahr 2000. Der Konzern wird in Swissair Group umgetauft. Drei Grossbanken stellen eine Kreditlinie von einer Milliarde Franken bereit.
23. Mai:
Finanzchef Georges Schorderet wird die Texanerin Jacqualyn Fouse von Nestle ersetzt.
5. Juni:
Das Sparprogramm "Change" soll bis Ende Jahr mindestens 500 Mio. Franken Kosten sparen.
15. Juni:
AOM/Air Liberté deponieren die Bilanzen. Die Swissair stellt die finanzielle Unterstützung ein, weil sich die Hauptaktionärin Marine-Wendel nicht an der Sanierung beteiligt.
19. Juni:
Flightlease zieht sich aus dem Leasinggeschäft für Dritte zurück. Nachlassstundung für AOM/Air Liberte.
29. Juni:
Die Swissair-Beteiligung an der französischen Air Littoral wird von deren Ex-Chef Marc Dufour übernommen.
12. Juli:
Corti präsentiert das Sanierungsprogramm für die Swissair-Group. Auf einen massiven Stellenabbau wird vorerst verzichtet.
17. Juli:
Belgien und Swissair einigen sich auf eine weitere Finanzspritze von 650 Mio. Franken, von der die Swissair 60% übernimmt. Dafür wird sie aus der Verpflichtung entlassen, ihre Beteiligung auf 85% aufzustocken.
27. Juli:
Ein französisches Handelsgericht stimmt der Übernahme der bankrotten Fluggesellschaft AOM/Air Liberté durch das Projekt Holco des Air-France-Piloten Jean-Charles Corbet zu.
9. August:
Begleitet von einer Serie von Streiks stellt die Sabena einen neuen Sanierungsplan mit dem Abbau von 1'600 Stellen vor.
30. August:
Corti gibt einen Halbjahresverlust von 234 Mio. Franken bekannt und kündigt den Abbau von 1'250 Stellen an. Die Schuldenlast wird auf 15 Mrd. Franken nach oben korrigiert. Das Eigenkapital ist auf 555 Mio. Franken geschrumpft. Aus Geldnot müssen entgegen den ursprünglichen Plänen auch die profitablen Töchter Swissport und Nuance verkauft werden. Corti bekräftigt, dass er die Sanierung ohne Kapitalschnitt und Bundeshilfe durchziehen will.
5. September:
Der Bundesrat schliesst staatliche Hilfe an die Swissair aus.
11. September:
Die Terroranschläge in den USA zwingen die Swissair zum Unterbruch des Nordatlantikverkehrs. An der Börse setzt ein dramatischer Kurssturz ein.
17. September:
Corti spricht bei Finanzminister Villiger vor. Im Parlament wird eine Bundeshilfe neu thematisiert.
20. September:
Swissair beziffert die Verluste wegen des Unterbruchs im Nordatlantikverkehr auf 65 Mio. Franken und erwartet einen Einbruch beim Passagieraufkommen von bis zu 15%.
21. September:
Der Bundesrat schliesst eine Bundeshilfe nicht mehr aus. Voraussetzungen sind ein Erfolg versprechender Sanierungsplan und die Führungsrolle der Wirtschaft bei der dringend nötigen Rekapitalisierung.
22. September:
An einem Krisengipfel beschliessen die Bundesräte Leuenberger und Villiger, Corti und Economiesuisse-Chef Leuenberger, den Freisinnigen alt-Nationalrat Ulrich Bremi mit der Geldsuche für die Rekapitalisierung zu beauftragen.
24. September:
Corti stellt den neuen Sanierungsplan vor. Swissair und Crossair werden zusammengelegt. Neuer Chef des Fluggeschäfts wird Crossair-Chef André Dosé. Tausende von Stellen sollen gestrichen werden.
29. September:
Die Finanzlage der SAir Group ist viel dramatischer als bisher angenommen. Neben dem Schuldenberg von rund 17 Mrd. Franken bedrohen nun auch akute Liquiditätsprobleme den Fortbestand des Flugkonzerns. Die Oktober-Löhne seien nicht garantiert, warnt Corti.
30. September:
Die Piloten der angeschlagenen Fluggesellschaft Sabena setzen ihren wilden Streik fort. Am 1. Oktober sollte Swissair der Sabena 200 Mio. Franken überweisen.
1. Oktober:
Die Grossbanken UBS und Credit Suisse Group bieten Hand für eine kurzfristige Hilfe an die finanziell am Abgrund stehende SAir Group. Das Projekt Phoenix wird präsentiert. Kernpunkt ist der Aufbau einer neuen Gesellschaft auf dem Fundament und der Kostenstruktur der Crossair.
2. Oktober:
Die Swissair ist am Boden, sie muss mangels genügender finanzieller Mittel den Flugbetrieb einstellen. Der Überbrückungskredit der Banken sei nicht für das Tagesgeschäft, sondern für die flugnahen Betriebe gedacht, heisst es bei der UBS.
3. Oktober:
Die Swissair-Flugzeuge bleiben weiterhin am Boden. Die Crossair übernimmt einen Teil der Flüge. Der Bundesrat bewilligt einen Überbrückungskredit von 450 Mio. Franken für den Flugbetrieb der Swissair bis zum 28. Oktober.
4. Oktober:
Swissair nimmt einen Teil ihres Linienbetriebs wieder auf. Für die SAir Group und einen Teil der Tochtergesellschaften wird der Antrag auf Nachlassstundung gestellt.
5. Oktober:
Die Task Force "Luftbrücke" des Bundes nimmt ihre Arbeit auf.
8. Oktober:
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) ruft seine interne Task Force "Big Lift" ins Leben.
22. Oktober:
Der Bundesrat spricht sich für die Variante 26/26 aus, das heisst, die Ergänzung der Crossair-Flotte von 82 Flugzeugen mit je 26 Mittel- und Langstrecken-Maschinen der Swissair. Dafür bewilligt er einen weiteren Überbrückungskredit von 1. Mrd. Franken, dank dem die Swissair bis Ende März 2002 in der Luft bleiben soll, und 600 Mio. Franken als Beteiligung an der neuen Fluggesellschaft.
16./17. November:
Das Schweizer Parlament heisst an seiner Sondersession die Bundeskredite über gesamthaft 2,05 Mrd. Franken für das "Redimensionierungskonzept für die nationale Zivilluftfahrt" gut.
6. Dezember:
Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) erteilt der Crossair die Konzessionen für 31 Kurz- und Mittelstreckenlinen. Eine ausserordentliche Crossair-GV stimmt einer Kapitalerhöhung auf 2,74 Mrd. Franken zu und wählt einen neuen, elfköpfigen Verwaltungsrat unter der Führung des ehemaligen KLM-Chefs Pieter Bouw. Der "alte" Crossair Patron, Moritz Suter, tritt zurück.
11. Dezember:
3827 Swissair-Angestellte haben den "blauen Brief" erhalten. In den kommenden Monaten kommt es zu weiteren 6'000 Entlassungen. Hart vom Swissair-Debakel betroffen ist der Kanton Zürich: Mit 2,4% verzeichnet dere Kanton die höchste Arbeitslosenquote der Deutschschweiz.
12. Dezember:
Das BAZL fordert die Crossair auf, bis Mitte Februar 2002 das Gesuch um eine Erweiterung der Betriebsbewilligung für Langstreckenverkehr einzureichen.
20. Dezember:
Das UVEK stellt der Crossair Konzessionen für 15 weitere Kurz- und Mittelstrecken-Verbindungen aus.
31. März/1. April 2002
Nachtrag: Am 31. März 2002 fliegt hebt das erste "swiss"-Flugzeug ab, am 1. April landet das letzte Swissair-Flugzeug von Buenos Aires kommend in Kloten.
swissinfo, Jean-Michel Berthoud und Agenturen
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