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Lärm stresst und kann die Gesundheit schädigen. In der Schweiz sind tagsüber 1.6 Millionen Menschen und somit jede fünfte Person schädlichem oder lästigem Strassenverkehrslärm ausgesetzt; 70'000 Einwohnerinnen und Einwohner sind von übermässigem Eisenbahnlärm und 65'000 von übermässigem Fluglärm betroffen. Der Verkehrslärm verursacht jedes Jahr Kosten von rund 1.9 Milliarden Franken. Der Bund fördert zunehmend den Lärmschutz an der Quelle.
1. Verkehr, Industrie und Gewerbe, Freizeitaktivitäten und Bauarbeiten (Ursachen)
Die Mobilität nimmt in der Schweiz immer weiter zu: Der motorisierte Personenverkehr hat sich seit 1970 verdoppelt, der Handelsverkehr verdreifacht.
Der Strassenverkehr ist der Lärmverursacher, von dem schweizweit am meisten Personen betroffen sind. Nach ihm folgen die Eisenbahn und der Flugverkehr.
Weitere Lärmquellen sind Schiessanlagen, Industrie- und Gewerbeanlagen, Maschinen, Baustellen und Alltagsaktivitäten (Nachbarschaftslärm, Musik, Rasenmäher usw.)
Hauptquelle von Erschütterungen und abgestrahltem Körperschall ist der Eisenbahnverkehr.
2. Lärmimmissionen und Erschütterungen (Belastungen)
Lärm ist störender Schall. Das physikalische Mass für den Schall ist das Dezibel (dB). Das Dezibel ist ein logarithmisches Mass. Konkret heisst das:
- Eine Erhöhung um 10dB entspricht einer Verdoppelung der empfundenen Lautstärke.
- Kommen zwei gleich laute Lärmquellen zusammen, erhöht sich der Pegel um 3 dB.
Ruhige Räume weisen Schallpegel von 20 bis 30dB auf. Ein normales Gespräch liegt im Bereich von 60 dB und Strassenverkehr im Nahbereich hat einen Schallpegel um 70 dB. Die Schmerzgrenze des Gehörs liegt bei 130dB und ein Düsenflugzeug erreicht über 140dB.
Die Immissionsgrenzwerte sind mit der Intensität von Geräuschen (Schallpegeln) nur bedingt vergleichbar, da für die Beurteilung einer Lärmsituation der korrigierte, sogenannte Beurteilungspegel massgebend ist.
Bei der subjektiven Wertung des Schalls als unerwünschte Störung spielen neben den Eigenschaften des Lärm (Lautstärke, Frequenz, Tonalität, Impulshaltigkeit, Zeitpunkt des Auftretens und Dauer) auch weitere Einflussgrössen eine Rolle. Dazu gehören z.B. individuelle oder gesellschaftliche Einstellung und Werturteile zur Lärmquelle, psychische Situation und gegenwärtige Aktivität des Betroffenen sowie biologische Rhythmen und anderweitige Belastungen. Die Empfindung von Lärm ist also auch von persönlichen Faktoren abhängig.
Ein vorbeifahrender Zug verursacht Erschütterungen, die sich im Boden und in Gebäuden fortpflanzen. Teile der Gebäude, die vibrieren (Decken, Wände usw.) geben die Schwingungen an die Luft weiter (abgestrahlter Körperschall). Die Bewohner der Gebäude nehmen dies dann als dumpfes Grollen wahr.
3. Bevölkerung noch ungenügend geschützt (Zustand)
In der Schweiz ist tagsüber jede 5. Person (21% der Bevölkerung) an ihrem Wohnort Verkehrslärmbelastungen ausgesetzt, die über den Immissionsgrenzwerten der Lärmschutzverordnung liegen. Auch während der Nacht leidet jede 6. Person (18% der Bevölkerung) unter schädlichem oder lästigem Verkehrslärm.
Die subjektiv empfundene Lärmbelastung wird periodisch erhoben. Die Befragungen zeigen, dass der Anteil der Bevölkerung, die sich zuhause bei offenem Fenster durch Verkehrslärm gestört fühlen, ähnlich hoch ausfällt wie die objektiv berechnete Lärmbelastung.
Unter Erschütterungen im Bereich der Immissionsgrenzwerte leiden in der Schweiz gemäss Schätzungen des BAFU rund 40'000 Personen.
Trotz der Realisierung von umfangreichen Massnahmen an zu lärmigen Anlagen ist die Bevölkerung noch nicht genügend vor Lärm und Erschütterungen geschützt. Lärmschutzmassnahmen können die Lärmzunahme durch das Verkehrswachstum nur teilweise kompensieren.
4. Gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen (Auswirkungen)
Die ständige Lärmbelastung durch Umgebungslärm (Verkehrs-, Nachbarschafts- oder Freizeitlärm) führt selten zu einer direkten Schädigung des Gehörs. Hingegen macht die dauernde Lärmbelastung krank. Der menschliche Körper reagiert auf störende Geräusche mit der Ausschüttung von Stresshormonen.
- Die Folgen sind eine erhöhte Herzfrequenz und erhöhte Blutdruckwerte, was zu Herzkrankheiten bis hin zum Herzinfarkt führen kann.
- Wird der Mensch nachts im Schlaf beeinträchtigt, kann er sich nicht mehr im nötigen Umfang erholen. Unmittelbare Folgen davon sind chronische Ermüdungszustände, Nervosität, erhöhte Reizbarkeit und eine reduzierte Leistungsfähigkeit.
- Die Schweizer Bevölkerung verliert jedes Jahr rund 46‘000 Lebensjahre (DALY), die ohne Verkehrslärm bei einwandfreier Gesundheit hätten gelebt werden können (WHO Schätzungen)
Auch volkswirtschaftlich führt Lärm zu Einbussen: Exponierte Liegenschaften verlieren an Wert, verlärmte Gebiete sind weniger attraktiv zum Wohnen und Arbeiten und die gesundheitlichen Folgen der Lärmbelastung gehen ins Geld. Die externen Kosten, die Verkehrslärm verursacht, beliefen sich im Jahr 2015 auf 2'611 Mio. Franken. Davon entfielen 2'090 Mio. Franken (80%) auf den Strassenverkehr.
Mit steigendem Lärm verändert sich in der Regel auch die soziale Zusammensetzung der Wohnbevölkerung am betreffenden Ort. Es findet eine soziale Entmischung statt: Wer es sich leisten kann, zieht an einen ruhigeren Ort.
5. Lärm an der Quelle und an belasteten Orten vermindern (Massnahmen)
Gesetzliche Grundlagen für die Lärmbekämpfung sind das Umweltschutzgesetz und die Lärmschutzverordnung. Das Gesetz sieht vor, den Lärm primär an der Quelle zu reduzieren, indem jeweils der neueste Stand der Technik zur Lärmvermeidung verwendet wird. Werden die Belastungsgrenzwerte nicht eingehalten, muss der Inhaber der lärmigen Anlage weitere Massnahmen ergreifen.
Im Strassenverkehr kann der Lärm z. B. mit folgenden Massnahmen reduziert werden:
- Lärmarme Strassenbeläge
- Einsatz leiser Reifen
- Angepasste Fahrweise
- Wo nötig Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit
Da in der Schweiz die Siedlungsentwicklung mit verdichtetem Bauen vermehrt nach innen gelenkt wird, die Bevölkerung zunimmt und der Verkehr wächst, werden Massnahmen an der Quelle immer wichtiger, um einen akustisch angenehmen Wohn- und Lebensraum zu sichern. Aber auch die Ressource «Ruhe» muss konsequent geschützt werden. Die Bevölkerung benötigt erreichbare, ruhige Gebiete innerhalb und ausserhalb der Siedlungsgebiete.
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Letzte Änderung 29.04.2016