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Für Kalifen, Kaiser, Könige… - Interkulturelle diplomatische Geschenkpraktiken zwischen Al-Andalus, Byzanz und lateinisch-christlichen Mächten im 10. Jahrhundert
Um die Mitte des 10. Jahrhunderts bildete sich in Zentral- und Südeuropa mit Al-Andalus, dem Byzantinischen sowie dem Ottonischen Reich eine Dreierkonstellation von sich zunehmend auf Augenhöhe begegnenden europäischen Großreichen heraus, die – zusammen mit einigen weiteren christlich-lateinischen Regionalmächten – verstärkt in diplomatischen Austausch traten. Gesandtschaftsmissionen, oftmals unter der Führung von Klerikern, wurden dafür an die fremden Herrscherhöfe beordert, um die Anliegen des eigenen Herrn vorzubringen und diesen gemäß seines Selbstverständnisses würdig zu repräsentieren. So dienten diese mitunter neuen Kanäle unter anderem der Rangabklärung, der Anbahnung von Allianzen oder der Beilegung von Konflikten.
Trotz teils beträchtlicher kultureller Unterschiede kam es im Rahmen solcher Gesandtschaftsmissionen – wohl aufgrund gemeinsamer euromediterraner Wurzeln – wie selbstverständlich zum Austausch von Geschenken zwischen Gästen und Gastgebern. Die Palette an Gesandtschaftspräsenten war dabei breit gefächert und reichte von Menschen (Sklaven und spezialisierten Handwerkern/Gelehrten), über (exotische) Tiere, bis zu einer Vielzahl an wertvollen (Handwerks-)Produkten und selbst Wissen in Form von Büchern. Dass dieser Geschenkeaustausch je nach aktueller politischer Lage, dem konkreten Thema des Ansuchens, dem persönlichen Geschick der Gesandten oder selbst der ‚Sympathie’ der Herrscher zueinander durchaus unterschiedlich ausfallen konnten, scheint wenig verwunderlich. Vereinzelt erhaltene Berichte über solche interkulturellen Gesandtschaftsmissionen geben einen Einblick in die Geschenkpraktiken zwischen den genannten Reichen im 10. Jahrhundert und zeichnen dabei ein interessantes Bild, das von erwünschten, ja gleichsam bestellten und auf jeden Fall individuell wertvollen Präsenten, über mehr oder weniger wertvolle ‚Standardgeschenke’ bis hin zu abwertenden beziehungsweise kränkenden und eigentlich relativ wertlosen Gaben reicht. Gerade diesem Thema soll im Rahmen des Vortrags anhand von Fallbeispielen nachgegangen werden.