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eigennamengrossschreibung
= substantivkleinschreibung, gemässigte kleinschreibung
Gross geschrieben werden die satzanfänge, die eigennamen und die höflichkeitsfürwörter der dritten person.
Im weiteren gilt: ph → f, th → t, rh → r
Das ist der ursprüngliche brauch. (Bild: kirche zu Predigern, Zürich.)
So gilt es in allen sprachen, die unsere oder eine ähnliche schrift verwenden.
Die eigennamengrossschreibung aus der sicht des schreibers
Die eigennamengrossschreibung aus der sicht des lesers
Zitate
Ronald Lötzsch, sprachwissenschafter, 1997
Die mit dem »grammatischen Prinzip« motivierte Großschreibung der Substantive ist ein Anachronismus sondergleichen.
Daß ohne irgend einen Nachtheil der Gebrauch, alle Dingwörter mit einem großen Anfangsbuchstaben zu schreiben, unterbleiben kann, erweist der Schriftgebrauch aller anderen europäischen Völker, welche, wie bis zu 16. Jahrhundert auch das deutsche Volk, außer den Eigennamen nur das erste Wort am Anfange eines Lesestückes und nach einem Punkte durch einen großen Anfangsbuchstaben zu dem Zwecke hervorheben, dem Lesenden den Ueberblick zu erleichtern.
W.-F. Schubert, 1817
Die gewohnheit, die hauptwörter mit grossen anfangsbuchstaben zu schreiben, hat gar keinen grund in der sprache selbst und beruht so wenig auf einer allgemeinen sicheren regel, dass wir in vielen fällen gar nicht wissen, wie wir schreiben sollen.
in lateinischen büchern blieben auszer den initialen nur die eigennamen durch majuskel hervorgehoben, wie noch heute geschieht, weil es den leser erleichtert. im laufe des 16 jh. führte sich zuerst schwankend und unsicher, endlich entschieden der misbrauch ein, diese auszeichnung auf alle und jede substantiva zu erstrecken, wodurch jener vortheil wieder verloren gieng, die eigennamen unter der menge der substantiva sich verkrochen und die schrift überhaupt ein buntes, schwerfälliges ansehen gewann, da die majuskel den doppelten oder dreifachen raum der minuskel einnimmt.
Leo Weisgerber, sprachwissenschafter, 1974
Eigennamen gehören nicht in derselben weise zum bestand einer bestimmten sprache wie wörter; es ist also zweckmässig, sie im zuge des geschriebenen zu signalisieren, und dafür sind grosse anfangsbuchstaben ein geeignetes mittel.
Heinrich Böll, deutscher schriftsteller, 1973
Eine sprache verliert weder an informationswert noch poesie, wenn sie — wie die englische und die dänische — von der gross- zur kleinschreibung übergeht.
H. C. Artmann, österreichischer schriftsteller, 1999
die kleinschreibung ist viel sinnlicher.
substantive gehören vom sockel gestossen und eingereiht, um material und geist in ein neues gleichgewicht zu bringen. nebenbei: auch elfriede jelinek setzt sich für die gleichwertigkeit aller wortarten ein. gegner der idee behaupten zwar, dann wisse keiner mehr, warum spinnen spinnen, was die sucht sucht oder wie man dichter dichtet. aber wäre es nicht ein neuer interpretationsspielraum für verkrustete gebrauchstexte? schliesslich haben schon die lieben genossen die liebe genossen und mit konsequenter kleinschreibung helfen wir auch den armen vögeln. es ist also ökologisch, sich mit brüsten zu brüsten.
Lukas Hartmann, Neue Zürcher Zeitung, 16. 8. 2004
Natürlich ist dies eine halbherzige Reform; natürlich hätte man entschieden weiter gehen und zum Beispiel die gemässigte Kleinschreibung einführen müssen.