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Was ist Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit ist zum Modewort geworden. Alle möglichen Produkte und Handlungen werden heute als nachhaltig bezeichnet. Doch Nachhaltigkeit ist mehr als hier und dort sein Konsumverhalten und seine Lebensweise etwas anzupassen. Wenn ein Individuum weniger auf Individual- und stattdessen mehr auf ÖV setzt, ist das ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit, aber die Verhaltensänderung begründet noch keine Nachhaltigkeit an sich. Und ein Unternehmen, das ein Umweltmanagement-System einführt, ist noch nicht automatisch nachhaltig. Nachhaltigkeit entsteht, wenn in einem Prozess, die Zielkonflikte auf individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene gelöst werden können. Wie das gelingen kann, erklären wir in diesem Beitrag.
Was ist Nachhaltigkeit?
Dem Thema Nachhaltigkeit kann man sich aus verschiedenen Perspektiven nähern, die alle miteinander verknüpft sind und interessante Aspekte hervorbringen.
Die Brundtland-Definition für Nachhaltige Entwicklung, die heute die allgemein anerkannt ist, entstammt der Entwicklungsdebatte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Grundgedanke von Entwicklung besteht darin, dass Individuen, Organisationen und Gesellschaften in der Zukunft mehr Wahlmöglichkeiten haben sollen.
Einige dieser Wahlmöglichkeiten können dazu führen, dass andere erschwert oder verunmöglicht werden. Wenn ein Individuum eine Ressource verbraucht z.B. Wasser, dann steht sie womöglich anderen nicht mehr zur Verfügung und schränkt deren Wahlmöglichkeiten ein. Die gleiche Problematik besteht, wenn unser Handeln Umweltschäden wie z.B. die Einschränkung einer Ökosystemdienstleistung wie die Nährstoffversorgung in einem See mit sich bringt.
Ressourcen, die wir heute verbrauchen, stehen nachfolgenden Generationen nicht mehr zur Verfügung und schränken deren Wahlmöglichkeiten und somit deren Entwicklung potentiell ein. ‚Potentiell‘ deshalb, weil wir nicht genau wissen, was zukünftige Generationen brauchen.
Nach der Brundtland-Definition ist Nachhaltige Entwicklung eine Entwicklung, die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen zu kompromittieren. Aufgrund der genannten Beispiele liegt es nahe anzunehmen, dass Effizienz-Steigerung und Wirtschaftswachstum eine zentrale Rolle für die Entwicklung heutiger und zukünftiger Generationen spielen. Das ist grundsätzlich richtig, doch ist Effizienzsteigerung eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung für Nachhaltigkeit. In wie weit Wachstum eine notwendige oder gar hinreichende Bedingung für mehr Nachhaltigkeit ist, wird gerade von Ökonomen diskutiert. Diese Diskussionen und empirische Daten deuten darauf hin, dass eine differenziertere Vorstellung vom Begriff Wachstum hilfreich sein könnte.
Positive und negative externe Effekte
Komplizierend kommt hinzu, dass es bei den Handlungen von Akteuren externe Effekte gibt. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein. Externe Effekte sind solche, bei denen Unbeteiligte von einer Handlung profitieren, oder Nachteile erleiden, ohne, dass es dafür eine Kompensation gibt.
So beruhen wichtige Technologien heute auf Erkenntnissen der Quantentheorie, z.B. Laser oder LEDs. Die Wissenschaftler, die wichtige Grundlagen der Quantentheorie erforschten und nie ein Patent veröffentlichten, werden für den heutigen Nutzen der Quantentheorie aber nie entlohnt werden können. Ein solcher nicht abgegoltener Nutzen für die Gesellschaft wird als positiver externer Effekt bezeichnet.
Umweltverschmutzung ist ein Beispiel für einen negativen externen Effekt. Wir verbrauchen wichtige Umwelt-Ressourcen, wie ökologische Dienstleistungen (z.B. saubere Luft durch einen Wald) ohne dass die Natur dafür in irgendeiner Weise entschädigt wird. Diese Umweltschäden wirken sich auch negativ auf die Gesundheit des Menschen aus, führen zu Kosten des Gesundheitssystems usw. Auch für diese Kosten gibt es oft keine Entschädigung.
Es ist bekannt, dass zu grosse Einkommens- und Vermögensunterschiede in einer Gesellschaft zu negativen externen Kosten führen: Menschen in den untersten Einkommens- und Vermögensschichten haben einen geringeren Anteil an politischer Partizipation, ernähren sich schlechter und haben einen schlechteren Gesundheitszustand. Weder werden diese Menschen für diese Nachteile noch die Gesellschaft für die höheren Kosten des Gesundheitssystems entschädigt.
Man sieht daran zweierlei:
- Entwicklungsmöglichkeiten haben etwas mit Zielkonflikten zu tun.
- Und, negative externe Kosten sind eine Form von Schulden – ein entstandener Schaden wird nicht abgegolten
Die von der Brundtland-Definition geforderte uneingeschränkte Entwicklung heutiger oder zukünftiger Generationen hängt davon ab, ob man die Zielkonflikte lösen kann und wie man mit den negativen externen Effekten, d.h. den Schulden umgeht.
Auf Basis dieser Überlegungen kam der 1992 in Rio abgehaltene Weltgipfel zum Thema Entwicklung zu zwei weiteren wichtigen Schlussfolgerungen.
- Die Forderung nach Entwicklungsgerechtigkeit sowohl innerhalb einer Generation, als auch zwischen den Generationen.
- Entwicklung soll nicht auf Kosten der Umwelt gehen, sondern es soll gleichberechtigte Ziele auf Ebene der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Umwelt geben [1]
Die erste Forderung verlangt, dass wir bei Handlungen weder Schulden bei der heutigen Generation noch bei der zukünftigen Generation anhäufen. Auch wenn es schwerfällt sich auszumalen, was ein Mensch in einem Entwicklungsland braucht, fällt es nicht schwer einzusehen, dass Enteignung und Umweltzerstörung, die bei der Befriedigung von Bedürfnissen von Menschen entwickelter Staaten in einem Entwicklungsland anfallen, den betreffenden Menschen im Entwicklungsland nicht voranbringen, die Person dort also in Ihrer Entwicklung einschränken. In diesem Sinne machen wir dort Schulden.
Auch wenn wir nicht wissen können, welche Bedürfnisse zukünftige Generationen haben, so fällt es nicht schwer einzusehen, dass eine verminderte Biodiversität, die massive ökonomische Folgekosten mit sich bringt (z.B. durch künstliche Pollination), Menschen zukünftiger Generationen keine Vergrösserung ihrer Wahlmöglichkeiten bringt. In diesem Sinne machen wir heute Schulden bei zukünftigen Generationen.
Die zweite Forderung anerkennt, dass Menschen nicht nur als Individuen existieren und funktionieren, sondern auch von ihrer Umwelt und zwar sowohl der natürlichen als auch der gesellschaftlichen abhängen.
Was ist Nachhaltigkeit nicht?
Nachhaltigkeit ist zum Modewort geworden. Alles mögliche, alle möglichen Handlungen werden mittlerweile als nachhaltig bezeichnet. Aufgrund der Vielzahl der oben genannten Zielkonflikte, aufgrund der großen Komplexität kann man nicht von Nachhaltigkeit sprechen, wenn man lediglich eine Handlungsweise ändert. Nachhaltigkeit bedeutet, dass man die Zielkonflikte auf breiter individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene löst. D.h., dass man eine Vielzahl von Massnahmen benötigt. Ein Unternehmen, dass ein Umweltmanagement-System einführt ist dadurch noch nicht automatisch nachhaltig, obwohl es einen sehr wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit liefert. Wenn ein Individuum weniger auf Individual- und stattdessen mehr auf Öffentlichen Verkehr setzt, dann ist das ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit, aber die Verhaltensänderung begründet noch keine Nachhaltigkeit an sich.
Da Nachhaltigkeit sich aus dem Entwicklungsgedanken ableitet, ist der Prozess-Gedanke wichtig.
Was sind die SDGs der UN? Zusammenhang zu Nachhaltigkeit
Es fällt auf, dass ‚Nachhaltigkeit‘ auf zweierlei Arten verwendet wird, als Substantiv und dann als Adjektiv wie im Begriff der nachhaltigen Entwicklung.
Das wirft die Frage auf, welche Kriterien es gibt, um zu beurteilen, ob Entwicklung nachhaltig ist? Strenggenommen wissen wir das nicht. Man kann auch nicht davon sprechen, dass ein bestimmtes Verhalten nachhaltig oder nicht-nachhaltig sei, denn es ist unmöglich zu wissen, welche zukünftigen Auswirkungen eine Handlung haben wird.
Man hat deshalb bereits früh begonnen die Eigenschaft ‚Nachhaltigkeit‘ über die Negation zu operationalisieren. So geht die Nachhaltigkeitsstrategie der EU davon aus, dass es eine Reihe von Trends gibt, deren Fortführung nicht nachhaltig ist; oder besser gesagt, deren Fortführung nicht zu mehr Entwicklungsmöglichkeiten führt. Der Grundgedanke ist der: Gelingt es, diese Trends aufzuhalten oder umzukehren, dann wird das sicher positiv für die Gesellschaft sein; die Wahlmöglichkeiten sollten sich vergrössern, die Schulden sollten sich verringern. Zu diesen nicht-nachhaltigen Trends zählen der Klimawandel, die Zunahme von Armut und die Ausbreitung von multi-resistenten Keimen.
Ganz ähnlich gehen die Vereinten Nationen bei den Sustainable Development Goals (SDGs) vor. Diese 17 Ziele, verabschiedet 2015 und gültig bis 2030, sollen dazu beitragen, dass Gesellschaften grössere Entwicklungschancen haben. Es ist leicht nachvollziehbar, dass die Verringerung des Anteils der Bevölkerung, der an Unterernährung oder gar Hunger leidet, eine Gesellschaft auf lange Sicht stärkt indem sich die Entwicklungschancen vergrössern, gleiches gilt für besseren Zugang zu Wasser, höhere Einschulungsraten usw.
Ob die heutigen Massnahmen, die mittelfristig zur Erreichung der SDGs führen, dazu führen, dass diese Ziele auch langfristig bewahrt oder gar übertroffen werden können, also ob auch zukünftige Generationen davon profitieren können, das wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass dazu strukturelle Veränderungen nötig sind. Hilfslieferungen helfen kurzfristig, führen aber vermutlich nicht zu längerfristigem Erfolg.
Wir wissen auch nicht, ob heutige oder mittelfristige strukturelle Veränderungen langfristig Erfolge bei der Erreichung eines Ziels bringen, gleichzeitig aber vielleicht Nachteile für die Erreichung eines anderen Ziels mit sich bringen.
Um dieser Verknüpfung von Interaktionen und diesen potentiellen Zielkonflikten zu begegnen, gibt es verschiedene Massnahmen:
- Ein Monitoring auf Basis ausgesuchter Indikatoren hilft, die Zielerreichung zu überwachen und gleichzeitig negative Auswirkungen auf andere Ziele zu
- Ein Monitoring auf Basis ausgesuchter Indikatoren hilft, die Zielerreichung zu überwachen und gleichzeitig negative Auswirkungen auf andere Ziele zu entdecken.
- Realistische mittelfristige Ziele tragen dazu bei Fehlentwicklungen früh zu bemerken und schaffen die Möglichkeit zum Umsteuern.
- Das wachsende Wissen und Bewusstsein für die gegenseitigen Abhängigkeiten verschiedenster Faktoren bei der Zielerreichung führen zu einem systemischen Bild der Situation, das eine deutlich relevantere und realistischere Perspektive liefert als eine auf die individuellen Ziele gerichtete.
- Durch den Zyklus von Zielsetzung, Monitoring, Evaluation und angepasster neuer Zielsetzung wird ein Prozess geschaffen, der schrittweise zu mehr Nachhaltigkeit führen soll.
Was ist nötig, um die SDGs zu erreichen?
Die Ziele selbst sind auf der gesellschaftlichen Ebene angesiedelt und grundsätzlich weltweit gültig. Viele Ziele werden in unterschiedlich entwickelten Ländern bereits zumindest teilweise erfüllt. Aber auch in hoch entwickelten Industrieländern sind nicht alle SDGs erreicht.
Die Bedeutung der SDGs liegt darin begründet, dass sie eine Orientierung für das liefern, was getan werden muss. Und: die SDGs sind von der Völkergemeinschaft anerkannt. Das ist besonders wichtig, da immer wieder darüber gestritten wurde, wie denn Nachhaltigkeit zu definieren ist.
Die Umsetzung der Ziele erfolgt auf verschiedenen Ebenen:
- Politische Massnahmen auf nationaler und internationaler Ebene können dazu beitragen, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen; Rahmenbedingungen, die den Raubbau an der Natur eindämmen, die Ungleichheiten angehen, die Institutionen schaffen, die rechtliche Entwicklungshemmnisse ausräumen und die neue Impulse für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung setzen.
- Förderprogramme, die nötige ökonomische aber auch institutionelle oder praktische Hilfestellung geben.
- Jede einzelne Organisation, privat wie öffentlich, kann sich fragen, auf welche Weise sie die SDGs unterstützen kann
- Jedes Individuum kann sich fragen wie es die SDGs unterstützen kann
Für die beiden letzten Gruppen von Akteuren stellt sich die grundlegende Frage wie man als Organisation bzw. Individuum z.B. dazu beitragen kann, dass die CO2-Emissionen gesenkt werden, bzw. dass es besseren Zugang zu Trinkwasser oder Schulen gibt. Während im Fall der CO2-Emissionen die individuellen Handlungen leicht überprüft werden können, ist es bereits eine Herausforderung, sich darüber Klarheit zu verschaffen, welchen Einfluss man auf die Situation in anderen Teilen der Welt hat, z.B. beim Zugang zu Wasser und Bildung.
Niemand ist in der Lage alle möglichen Folgen seines Handelns abzuschätzen, speziell, was die Erhöhung oder Verminderung von Entwicklungschancen angeht. Wie kann man dann als Organisation oder als Individuum den eigenen Beitrag zur Nachhaltigkeit abschätzen und das eigene Handeln daran ausrichten?
Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihre Aktivitäten an Konzepten ausgerichtet, die Nachhaltigkeit fördern. Dazu zählen z.B. das Konzept der Ökoeffizienz und die Triple Bottom Line (TBL). Letzteres basiert auf einer Balanced Score Card, bei denen ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Ziele gleichzeitig verfolgt werden.
So erfolgreich diese Konzepte sind, ihre Effektivität ist begrenzt. Das liegt daran, dass Effizienzsteigerungen auf Unternehmensebene angestrebt werden. Diese müssen aber nicht automatisch zu Effizienzsteigerungen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene führen; oft stehen sie diesen entgegen. Individuelle und unternehmerische Nachhaltigkeit müssen diese Herausforderung – das Micro-Macro-Gap – überwinden.
Individuen wie Unternehmen nehmen das Thema Nachhaltigkeit oft negativ wahr, da es ihrer Meinung nach mit Einschränkungen assoziiert wird. Dies ist aber eine verkürzte Sicht. Es stimmt zwar, dass das Modell einer massiv ressourcen-verbrauchenden und umweltschädigenden Wirtschaft nicht als Vorbild geeignet ist. In erster Linie geht es aber darum, Langzeit-Risiken im Rahmen eines Veränderungsprozesses zu reduzieren.
Als Beispiel dafür möge das Ziel der Kreislaufwirtschaft dienen. Das Erreichen einer Kreislaufwirtschaft beinhaltet einen massiven Umbau unserer heutigen Industriegesellschaften, bei dem keinerlei Ressourcen mehr verschwendet werden. Das bedeutet, dass es zu gewaltigen Effizienzsteigerungen kommen wird. Dorthin zu kommen beinhaltet Wandel mit bestimmten Randbedingungen sowie Innovation. Wandel, das Agieren angesichts von Randbedingungen sowie Innovation sind die üblichen Ingredienzen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels.
Den Übergang von einer linearen zu einer Kreislaufwirtschaft mag man sich so vorstellen, dass die linearen Ressourcenströme und Wertschöpfungsketten schrittweise zu Kreisen geschlossen und miteinander vernetzt werden. Die bereits existierenden Öko-industriellen Pärke mögen das als Beispiel im Kleinen illustrieren.
Zu Anfang dieses Prozesses wird bei den meisten Unternehmen nach wie vor die Maximierung ihres eigenen Nutzens stehen, also die Effizienzsteigerung auf mikro-ökonomischer Ebene. Irgendwann wird man feststellen, dass das Verfolgen höherer, gemeinschaftlicher Ziele neue Optimierungsräume schafft. D.h. Maximierung wird durch Optimierung ersetzt. Die technologische und unternehmerische Entwicklung findet nur innerhalb dieser Randbedingungen die für die gemeinschaftlichen Ziele stehen, statt. Im Beispiel des Öko-industriellen Parks bedeutet das, dass man nicht mehr alleine, sondern gemeinschaftlich optimiert, da man erkennt, dass man voneinander abhängig ist. Das beinhaltet auch, dass man sich auf bestimmte Entwicklungspfade konzentriert, während man andere ausser Acht lässt. Beides ist nicht anders als bei Verknüpfungen entlang heutiger Wertschöpfungsketten.
Dass sich Entwicklung auf bestimmten Pfaden abspielt ist weder ungewöhnlich noch charakteristisch für die nachhaltige Entwicklung. Die Tatsache, dass unsere heutige Energieversorgung überwiegend auf fossilen Brennstoffen beruht, ist ein gutes Beispiel für einen Technologie-Pfad. Um ihn zu verlassen sind enorme Anstrengungen nötig. Aber auch wenn man auf diesem Pfad bleibt, werden die Anstrengungen zur Erzielung von Effizienzsteigerungen immer grösser – bei gleichzeitiger Gefährdung anderer Technologie- und Entwicklungspfade.
Um auf das Beispiel der Kreislaufwirtschaft zurückzukommen: die Konzentration auf höhere, gemeinschaftliche Ziele bedeutet einen weiteren, grossen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. In dem Masse, wie bei Optimierung und Innovation höhere, gemeinschaftliche Ziele berücksichtigt werden, wächst die Chance nachhaltiger zu werden.
Dieses Suchen nach höheren, gemeinschaftlichen Zielen entspricht dem Einnehmen einer neuen Unternehmens-Perspektive: der auf sich selbst d.h. auf das eigene Unternehmen fokussierten Perspektive folgt die Perspektive auf die Gesellschaft: welche Rolle hat mein Unternehmen im grösseren Gefüge der Gesellschaft? ‚Gesellschaft‘ kann hier der eigene lokale oder regionale Kontext bedeuten, der öko-industrielle Park dem das eigene Unternehmen angehört, die Ökonomie eines Landes, oder einen Teilaspekt im internationalen Kontext. Das Einnehmen dieser Perspektive und das Auffinden dieser gesellschaftlichen Rolle, quasi die Koppelung mit gesellschaftlichen Zielen, wird nach Dyllick und Muff als ‚True Business Sustainability‘, also als wahre unternehmerische Nachhaltigkeit bezeichnet.
Man sieht daran, dass Unternehmen im Wesentlichen zwei Dinge tun können, um einen grösseren Beitrag zur Nachhaltigkeit zu liefern:
- Einnahme einer neuen Perspektive und das Auffinden der eigenen Rolle innerhalb der Gesellschaft.
- Das Erkennen der daraus resultierenden langfristigen Entwicklungspfade.
Man erkennt, dass Nachhaltigkeit etwas mit dem Langzeit-Management von Risiken zu tun hat – nämlich ob mein Unternehmen auf dem richtigen Entwicklungspfad ist. Weiterhin wird klar, dass das Verteidigen überholter Geschäftsmodelle weder mit der Kopplung von gesellschaftlichen Zielen noch mit erfolgreichem Langzeit-Management von Risiken einhergeht.
Das negative Bild der Nachhaltigkeit bei Unternehmen basiert oft auf einer Mischung aus Unkenntnis und Missverständnissen, als auf Fakten. Wir zeigen die grossen Potenziale auf, die in der Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit und langfristigen Risiken liegen, für die Gesellschaft aber auch und gerade für Unternehmen, durch höhere Wertschöpfung und mehr Handlungsmöglichkeiten.
[1]: Diese Sicht wird heute eher wieder relativiert und zunehmend durch hierarchische Ansätze ersetzt. Z.B. kann eine heutige Gesellschaft nicht ohne intakte Umwelt funktionieren. Eine Wirtschaft bedarf wiederum einer Gesellschaft.