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Zwei starke Erdbeben innerhalb von 48 Stunden erschütterten im April 2016 den Südwesten Japans.
Wegen seiner Lage an der Grenze mehrerer tektonischer Platten wird Japan immer wieder von starken Erdbeben getroffen. Im Süden des Landes schiebt sich die Philippinische Platte vier Zentimeter pro Jahr unter die Eurasische Platte. Am 14. April 2016 löste die dadurch entstandene Gesteinsspannung eine Folge von Beben auf der Insel Kyushu nahe der Stadt Kumamoto aus: Auf ein Vorbeben der Stärke Mw 6,2 und kleineren Nachbeben folgte am 16. April frühmorgens das Hauptbeben mit einer Stärke von Mw 7,0. Im Anschluss gab es weitere Nachbeben. Vielerorts kam es zu Erdrutschen und Bodenverflüssigungen.
Die Beben fanden an sogenannten krustalen Verwerfungen weit entfernt von den eigentlichen Grenzen der Erdplatten in einer geringen Tiefe von zehn Kilometern statt. Beide Beben erzeugten laut Japan Meteorological Agency (JMA) aussergewöhnlich hohe Bodenbewegungen. Der Bruch des Hauptbebens erreichte in Kumamoto die Oberfläche. Stellenweise wurden Bodenrisse mit einer horizontalen Verschiebung von mehr als zwei Metern beobachtet. Die Folgen: 69 Tote, viele Verletzte, 300'000 Menschen wurden evakuiert.
Trotz der seit 1981 geltenden hohen Baustandards stürzten in der Präfektur Kumamoto und in den umliegenden Städten 8'000 Häuser ein, mehr als 140'000 Gebäude wurden beschädigt, 24'000 davon stark. Mehrere Kulturerbe-Stätten genauso wie Infrastruktur (z.B. Strassen, Brücken, Bahnlinien) wurden durch das Beben oder Erdrutsche zerstört. Zudem kam es zu industriellen Schäden bei Produktionsstätten für Autos, Elektronikkomponenten und Arzneimittel, insbesondere durch eine kurzfristige Unterbrechung der Lieferkette. Zwar waren viele Industrieanlagen nur leicht beschädigt, die Produktion ruhte dennoch für eine längere Zeit, zum Teil für Wochen. Das Kumamoto-Erdbeben in Japan verdeutlichte daher erneut die Komplexität von Lieferketten in der international vernetzten Weltwirtschaft.
Seit dem Kobe-Beben von 1995 hat sich der Anteil der gegen Erdbeben versicherten Haushalte in Japan mehr als verdreifacht – eine Entwicklung, die sich in der Höhe des versicherten Schadens 2016 widerspiegelt. Dennoch ist der Anteil der versicherten Schäden in Japan im Vergleich zu anderen Industrieländern immer noch gering. Gemessen an den Gesamtschäden war das Kumamoto-Beben das drittteuerste in Japan nach dem Tohoku-Erdbeben von 2011 und Kobe 1995.
Als wären die Schleusen geöffnet
Versiegelte Städte, enge Flussläufe: Überschwemmungen treten in China häufiger auf als in anderen Regionen der Welt. Nach Jahren relativer Ruhe kam es im Sommer 2016 wieder zu aussergewöhnlichen Flutschäden.
Schon im Frühjahr hatten die chinesischen Behörden vor einer verschärften Hochwassergefahr im mittleren und unteren Jangtse-Gebiet gewarnt. Die letzte grosse Flutkatastrophe hatte sich 1998 ereignet, als Hochwasser an den Flüssen Jangtse und Songhua China wochenlang in Atem hielten. Das Besondere am Hochwasser 2016: Die Niederschläge während der Überschwemmungssaison am mittleren Jangtse 2016 waren bis zu zehn Prozent höher als 1998. Und die Überschwemmungen setzten sich aus vielen intensiven, oft lokalen Einzelereignissen zusammen. Die kritischen Hochwasserstände traten an insgesamt 363 kleinen und mittelgrossen Flüssen auf.
Die folgenreichste Überschwemmungsperiode ereignete sich ab Mitte Juni 2016 in Mittel- und Südchina. Die dortigen Provinzen wurden beinahe einen Monat lang zur Zeit des "Pflaumenregens" ("Mei-yu") von Regenstürmen, Gewittern und Hagel durchzogen.
China hatte nach den schweren Überschwemmungen von 1998 ein umfangreiches Hochwasserschutz-Programm angestossen. Allein in den folgenden 10 Jahren investierte die Regierung mehr als 620 Mrd. Yuan (87 Mrd. US$). In der Folge haben die Auswirkungen der alljährlichen Hochwasser abgenommen, obwohl die Werte massiv gestiegen sind. Allerdings wurden in erster Linie Flusshochwasser ins Visier genommen. Für die Folgen der lokalen Starkniederschläge war dies nicht ausreichend.
Haiti stark betroffen
Hurrikan Matthew verwüstete die Karibik und streifte die Südostküste der USA. Es war der erste atlantische Wirbelsturm seit fast zehn Jahren, der die höchste Kategorie 5 erreichte.
Mit einer Windgeschwindigkeit von bis zu 250 km/h wütete Matthew zunächst in der Karibik über Haiti, Jamaika, Kuba und Teilen der Dominikanischen Republik. Am stärksten betroffen: der Westen Haitis. In dem äusserst armen Land hinterliess Matthew bei seinem Landfall am 4. Oktober 2016 vollkommen zerstörte Landstriche und Ortschaften. Hunderte Menschen starben, die Ernte im Südwesten Haitis wurde weitgehend zerstört. Eine humanitäre Katastrophe für das erst 2010 durch ein schweres Erdbeben verheerte Land, die durch verseuchtes Trinkwasser und eine dadurch verursachte Cholera-Epidemie verschärft wurde.
Die Auswirkungen Matthews machten klar, wie stark Naturkatastrophen Menschen in armen Ländern bedrohen. Die Gesamtschäden auf der Insel belaufen sich auf etwa 1,4 Mrd. US$. Für Industrieländer ein verkraftbarer Betrag, für Haiti ein substanzieller Schaden von 16 % des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Nur ein verschwindend geringer Teil war versichert. Allerdings ist Haiti Mitglied der Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF), einem Public Private Partnership-Versicherungspool. Um die nationalen Bemühungen im Bereich Risikomanagement zu unterstützen, übernahm die karibische Enwicklungsbank in den vergangenen Jahren die Zahlung von Haitis Versicherungsprämien für den CCRIF. Wenige Wochen nach der Katastrophe zahlte der CCRIF dem Land 23,4 Mio. US$ aus. Munich Re ist als Rückversicherer Teil des CCRIF.
Auf seiner weiteren Zugbahn in Richtung Bahamas und der Südostküste der USA verlief Matthew glimpflicher als befürchtet. Der vorhergesagte Volltreffer des Hurrikans auf Nassau, der bevölkerungsreichsten Stadt der Bahamas, blieb aus. In New Providence und Grand Bahama waren Sturmflut und Niederschlagsmenge kleiner als angenommen. In Florida traf Matthew nicht direkt auf die Küste, sondern streifte an ihr vorbei. Vorsorglich wurde in mehreren US-Bundesstaaten jedoch der Notstand ausgerufen. Rund elf Millionen Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, etwa eine Million Menschen waren zeitweise ohne Strom. Es war Glück im Unglück, dass Matthew bei seiner Zugbahn Richtung Norden weitgehend über dem Meer blieb. Weder kam es zu einem Landfall mit hoher Windstärke noch führte die Zugbahn in unmittelbarer Nähe der Küstenlinie entlang, was verheerende Schäden hätte anrichten können. Dennoch entstand auf den Bahamas und in den USA insbesondere durch die starken Niederschläge und dadurch ausgelösten Überschwemmungen ein Schaden in Milliardenhöhe.
Ein ortsfestes Tief
Andauernde, heftige Regenfälle führten im August 2016 im US-Bundesstaat Louisiana zu Überschwemmungen. Ganze Landstriche standen unter Wasser.
Entsetzliche Superlative: Es war die schwerste Naturkatastrophe in den USA seit dem Hurrikan "Sandy" 2012 und eine Regenmenge, die das Dreifache des Hurrikans Katrina 2005 erreichte. Betroffen war vor allem der Süden Louisianas inklusive der Hauptstadt Baton Rouge. Stellenweise fiel zwischen dem 12. und 14. August 2016 die gewaltige Regenmenge von ca. 650 Liter/m2 (Livingston). Neben Sturzfluten traten viele Flüsse über die Ufer, es mussten 30'000 Menschen vor den Wassermassen gerettet werden. Mindestens 13 Menschen verloren ihr Leben, rund 60'000 Gebäude wurden zerstört. Ca. 100'000 Menschen stellten Anträge auf Soforthilfe.
Eine wissenschaftliche Studie zur Ursachenanalyse stufte das Ereignis dieser Intensität innerhalb der zentralen Golfküstenregion mit einer Wiederkehrperiode von etwa 30 Jahren ein. Gemäss dieser Studie ist ein solches Ereignis im Vergleich zu einer Modellrechnung ohne den Klimawandel bereits um einen Faktor von 1,4 wahrscheinlicher geworden.
Starkniederschläge und Hochwasser trafen Mitteleuropa im Mai und Juni 2016.
Eine ganze Serie von Unwettern und Starkniederschlägen trafen im Mai 2016 und Juni 2016 Deutschland, Frankreich und angrenzende Länder. Verheerende Sturzfluten und grossflächige Hochwasser waren die Folge. Bemerkenswert: die alles steuernde Grosswetterlage, die die Unwetter über Wochen nicht enden liess.
Ab Ende Mai 2016 kam es in Süd- und Mitteldeutschland zu starken Gewittern, Hagel und Blitzeinschlägen. Da sich die Gewitter kaum verlagerten, regnete der gesamte Niederschlag über wenigen Quadratkilometern Fläche ab. Die Folge: schwere Schäden durch plötzliche und kaum vorhersagbare Sturzfluten und Erdrutsche. Mehrere Ortschaften wurden durch reissende Ströme weitgehend zerstört, industrielle Produktionen vorübergehend gestoppt. Im bayerischen Simbach beschädigte der gleichnamige Bach, der binnen kurzer Zeit von 0,5 Meter auf 4,8 Meter anschwoll, rund 5'000 Häuser. An einigen Orten wurden Tagesniederschläge gemessen, die statistisch nur alle 200 Jahre auftreten.
Nahezu zeitgleich führten Unwetter in Frankreich und der Benelux-Region zu Hochwasser, zunächst an kleineren Flüssen, später an der Loire und der Seine. Immerhin gab es hier eine gewisse Vorwarnzeit durch Frühwarnsysteme. Südwestlich von Paris wurden tausende Menschen evakuiert. In Paris wurden Kunstwerke in den grossen Museen nahe der Seine in höher gelegenen Stockwerken in Sicherheit gebracht.
Auch danach kam es in der ersten Junidekade in Mitteleuropa, insbesondere in Deutschland, noch wiederholt zu lokalen Schäden aus schweren Gewittern.
Die Überschwemmungen in Mitteleuropa beruhten auf einer besonderen Grosswetterlage, die sich ungewöhnlich lang vom 27. Mai bis zum 9. Juni 2016 hielt. Sie war insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass das Band der schnellen Höhenströmung (Jetstream) eine Wellenform mit einem grossen Bogen über Europa ausbildete, die dem griechischen Grossbuchstaben Omega ähnelte. Typisch für diese Art von Wetterlagen ist die lange Verweildauer, da sie den normalen Wetterverlauf von West nach Ost blockieren (siehe: Omega-Wetterlage).
Erschüttertes Italien
In der Nacht auf den 24. August2016 wurde die historische Altstadt von Amatrice (ca. 2'500 Einwohner) und weitere Dörfer im Appenin-Gebirge Mittelitaliens von einem schweren Erdbeben der Stärke Mw 6,0 getroffen. Es folgten zwei weitere Beben am 26. und 28. Oktober 2016 sowie zahlreiche kleinere Erschütterungen.
Die Sequenz gipfelte am 30. Oktober 2016 im grössten Beben Italiens seit 35 Jahren mit einer Stärke von Mw 6,5. Durch die hohen Bodenbewegungen und die vielen historischen Gebäude in der Region des Epizentrums kam es zu sehr grossen Schäden, auch an kunsthistorisch bedeutenden Sakralbauten. Mehrere hundert Menschen starben bei den ersten schweren Erdstössen. Bei den schwersten Erschütterungen im Oktober2016 kam dagegen zum Glück niemand ums Leben. Viele Einwohner hatten die Region verlassen, die zuvor am stärksten betroffenen Orte wie Amatrice waren gesperrt. Zum anderen befand sich nach den mittelstarken Beben und den daraus resultierenden Nachbeben zum Zeitpunkt des stärksten Bebens kaum jemand in seinem Haus.
2009 wurde bereits das weiter südlich gelegene L'Aquila von einem Erdbeben getroffen, 1997 die Region Umbrien Marche nördlich des jetzigen Bebenherdes. Wissenschaftler sehen einen seismischen Zusammenhang zwischen all diesen Beben und erwarten noch weitere Erdstösse in dem Gebiet. Auch in anderen Landesteilen kam es in den vergangenen Jahren zu starken Beben. 2012 wurde die norditalienische Provinz Emilia Romagna von zwei Beben getroffen, die volkwirtschaftliche Schäden von 16 Mrd. US$ (13 Mrd. €) verursachten.
Nach dem Beben von Amatrice hat die italienische Regierung das Projekt "Casa Italia", das Haus Italiens, ins Leben gerufen. Es soll dazu beitragen, den Erdbebenschutz landesweit zu verbessern, was enormer Anstrengungen in den kommenden Jahren bedarf. Schon vorher hatte das italienische Forschungszentrum Consiglio Nazionale Ingegneri (CNI) errechnet, dass es knapp 94 Mrd. € kosten würde, den gesamten privaten Gebäudebestand Italiens erdbebensicherer zu machen. Jedoch können auch deutlich standfestere Gebäude nicht verhindern, dass gelegentlich schwere Schäden auftreten.
Nach Daten des NatCatSERVICE von Munich Re betrugen die Erdbebenschäden in Italien zwischen 1980 und 2015 rund 56 Mrd. US$ (51 Mrd. €), davon waren nur rund 1,8 Mrd. US$ (1,6 Mrd. €) versichert. Insbesondere bei Wohngebäuden ist die Versicherungsdichte nach wie vor sehr gering.
Der zwei Monate andauernde Waldbrand bei Fort McMurray nahe der grossen Ölsand-Förderanlagen der Provinz Alberta verursachte den bislang teuersten versicherten Schaden im kanadischen Markt.
Der verheerende Waldbrand wurde vermutlich durch Menschen ausgelöst, aber durch einen trockenen und milden Winter sowie ein aussergewöhnlich warmes Frühjahr begünstigt. Das Feuer entzündete sich am 1. Mai 2016. Ausgangspunkt war der nördliche Nadelwald Kanadas, dessen Vegetation durch die ungewöhnliche Trockenheit leicht entzündlich war. Durch starke Winde und überdurchschnittliche Tagestemperaturen von mehr als 30°C geriet der Brand schnell ausser Kontrolle und erreichte schliesslich Fort McMurray. Die 80'000 Einwohner der Stadt wurden komplett evakuiert. Rund 2'400 Gebäude, etwa 10% der Stadt, wurden zerstört. Damit nicht genug: Fort McMurray liegt inmitten der grössten Ölsandlagerstädte Albertas. Durch die Feuergefahr ruhte die Ölförderung in der Region für Wochen.
Von dem Feuer waren 590'000 Hektar Fläche betroffen, ein Gebiet doppelt so gross wie Luxemburg. Erst Anfang Juli war der Brand unter Kontrolle. Das Fazit: Der kostspieligste Waldbrand weltweit und die bisher teuerste Naturkatastrophe für den kanadischen Versicherungsmarkt.
Der gewaltige Schaden verdeutlicht, wie das Waldbrandrisiko in der Region zugenommen hat. Wegen der steigenden Förderung von Ölsand ist die abgelegene Stadt Fort McMurray seit den 1970er-Jahren stark gewachsen. Es kam zu einer Anhäufung von Werten in den gefährdeten Gebieten in unmittelbarer Nähe des Waldes. Für das Risikomanagement der Versicherer werden Waldbrände als Naturkatastrophe zukünftig eine noch bedeutendere Rolle spielen.
Starkes Beben auf der Südinsel Neuseelands
Nach der Erdbebenserie von 2010 und 2011 nahe der zweitgrössten Stadt Christchurch bebte nun etwas weiter davon entfernt erneut die Erde.
Das Epizentrum des Bebens, das Neuseeland am 13. November mit einer Stärke von Mw 7,8 erschütterte, lag bei Hammer Springs im Norden der Südinsel, knapp 100 Kilometer von Christchurch entfernt. Das Beben entstand durch den gleichzeitigen Bruch eines komplexen tektonischen Systems von sechs einzelnen Verwerfungen. Auswirkungen waren im ganzen Land zu spüren, es folgte eine Serie von Nachbeben. Die Bruchlänge betrug mehr als 200 km.
Dank der hohen Baustandards kamen bei dem Beben gemessen an der Stärke vergleichsweise wenig Menschen zu Schaden. Es stürzten nur wenige Gebäude komplett ein, jedoch waren Beschädigungen an Gebäuden und Infrastruktur beträchtlich. In der Hauptstadt Wellington wurden vor allem höhere Gebäude von 8 bis 15 Stockwerken betroffen. Diese Gebäude reagieren besonders auf die sehr starken langperiodischen Bodenbewegungen, die aus dem komplexen Bruchvorgang des Bebens und den weichen Untergrundbedingungen resultierten. Kleine Einfamilienhäuser in Wellington zeigten ein schwächeres Schadenbild. Auch Christchurch, die nach Einwohnern zweitgrösste Stadt des Landes, wurde nur geringfügig betroffen.
Neuseeland gilt als sehr erdbebengefährdet. Christchurch im Südosten wurde Ende 2010 und 2011 von einer Serie von schweren Erdbeben getroffen. Nach dem Erdbeben im Herbst 2010 bebte die Erde am 22. Februar 2011 erneut. Die Erderschütterungen hatten katastrophalere Auswirkungen und forderten 185 Todesopfer. Fünf Jahre danach ist der Wiederaufbau noch immer im Gange.