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927 Plätze hat Dominic Stricker, die grösste Schweizer TennisHoffnung seit Stan Wawrinka, in einem Jahr gut gemacht. Ziel war es, Ende 2021 unter den besten 500 zu rangieren, jetzt hat der Grosshöchstetter schon einen Sprung von Position 1168 auf Platz 241 gemacht.
Seit 2019 betreut der Berner Sven Swinnen, einst die Nummer 451 im ATP-Ranking, den aufstrebenden jungen Tennis-Profi. Swinnen selbst spielte von 2001 bis 2004 für die Oregon Ducks, die Mannschaft der Uni im nordamerikanischen Küstenstaat im Pazifischen Nordwesten der USA.
Sven Swinnen, ist es richtig, dass die Ente Ihr Lieblingstier ist?
(Lacht) Ich weiss, worauf sie anspielen.
Weshalb?
Die Ente ist das Wappentier der Oregon Ducks, das Team, für das ich während meiner Studienzeit in den USA spielte. Ja, die Ente ist mein Lieblingstier, aber essen tue ich sie nicht. Bei den Ducks war es übrigens verboten, Ente zu essen.
Bei ihrem Start in Oregon, bei den Ducks, sorgten Sie mit zwölf Siegen in Folge für fette Schlagzeilen. Weshalb gelang Ihnen der Durchbruch auf der Tour nicht?
Ich habe zu spät realisiert, was es alles braucht, wie man spielen muss, um nach vorne zu kommen. Erst in den USA, als ich bereits 21 war, habe ich gemerkt, mit welchem Spiel ich erfolgreich sein kann, was mein Spiel ist. Offensiv, Serve-and Volley, den Gegner stets unter Druck setzen und den Rhythmus wechseln.
Ihr Schützling Dominic Stricker verzückt spätestens seit seinem Sieg am Junioren-Grand-Slam-Turnier in Roland Garros und den Erfolgen im Davis Cup die Schweizer Tennisfans. Was ist für den Berner möglich? Gibt es Grenzen nach oben?
Tennis ist ein Sport, in dem es schwierig ist, Voraussagen zu machen. Aber Dominic hat ohne Zweifel enormes Potenzial, das hat er schon bei den Junioren gezeigt und jetzt in seinem ersten Profijahr bestätigt. Tennis ist ein sehr hartes Business, es braucht Konstanz während des ganzen Jahres, um nach oben zu kommen.
Wie wichtig war der Sieg am Challenger in Lugano, als Stricker fünf deutlich höher klassierte Spieler schlug, im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Saison?
Lugano war in jeder Hinsicht sehr wichtig. Dominic hat im ATP-Ranking einen riesigen Schritt gemacht, was ihm erlaubte, die Turniere auf Future-Stufe zu überspringen und bei den Challengers anzutreten. Auch punkto Selbstvertrauen war der Sieg in Lugano Gold wert.
Bei den zwei Viertelfinal-Qualifikationen an den ATP-250-Turnieren in Genf und Stuttgart, auf verschiedenen Belägen notabene, schlug er unter anderem den US-Open-Sieger Marin Cilic und Hubert Hurkacz, der beim ATPFinal dabei war und gegen den Finalisten Daniil Medwedew einen Satz gewann. Heisst das, dass er schon heute mit den Weltbesten mithalten kann?
Er kann mithalten, aber noch nicht an jedem Tag. Mit diesen Erfolgen hat er bewiesen, dass er keine Angst vor grossen Namen hat, auch das hat sein Selbstvertrauen sicher weiter gestärkt.
Immer wieder trainiert Dominic Stricker auch mit Roger Federer. Wie wichtig sind diese Trainings und die Tipps des Maestros?
Sehr wichtig. Schon allein mit Roger auf dem Platz zu stehen, ist eine einzigartige Motivation. Roger gibt sein Wissen weiter, er hat Dominic viele Tipps gegeben und ihm von seiner Karriere erzählt. Das ist einmalig und unbezahlbar. Auch die Trainings im Vorjahr in London beim ATP-Final mit den acht Weltbesten waren sehr wertvoll.
Bei Swiss Tennis in Biel sind Sie und Ihr Schützling nur noch selten anzutreffen. Sie reisen auf der Jagd nach ATP-Punkten an Challenger-Turniere in ganz Europa. Gibt es noch Zeit zu trainieren?
Das dürfen wir nicht vergessen. Auch während der Turniere arbeiten wir weiter, streuen eine Konditions- oder Krafteinheit ein und trainieren auch auf dem Platz. Die Bedingungen an Challengers sind gut, viel besser als an den Futures, auch deshalb war es wichtig, dass er den grossen Sprung in Lugano gemacht hat.
Was unternehmen Sie zusammen mit Dominic, wenn Sie unterwegs sind und nicht gerade auf dem Tennisplatz stehen?
Beim Turnier in Eckental gab es in der Nähe einen Golfplatz mit einer Driving Range, wo Dominic ein paar Bälle schlagen konnte, hin und wieder machen wir Kartenspiele. Zuletzt in Bari waren wir auch auf einem Spaziergang in der schönen Innenstadt.
Pierre Benoit