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Von der einst mächtigen Wehranlage hat sich der Stumpf des wohl um 1200 erbauten Bergfrieds, im Grundriss ein unregelmässiges Sechseck bildend, erhalten. Er ist auf einem mächtigen Felsklotz, der sich aus der Ebene erhebt, aufgesetzt. Gefügt ist er aus aussen geglätteten Kalksteinen. Der Hocheingang ist noch erhalten, hingegen stammt der über eine Steintreppe erreichbare, tiefer liegende Zugang wohl erst aus der Zeit, da Zürich hier eine Vogtei errichtete. Schmale Luftschlitze, nach innen geweitet, gestatteten in den unteren Bereichen im Innern ein fahles Licht. Im zweiten Geschoss sind Fenster, teils mit Stichbogen, teils mit flachem Abschluss, in der Landvogteizeit ausgebrochen worden. Ein gekoppeltes Rundbogenfensterchen ist mit nachgearbeiteten Gewänden versehen. Das Innere wurde durch mehrere eingestellte Wände in verschiedene Räumlichkeiten geteilt. Ein Durchgang ist noch intakt. Die Stockwerkgliederung lässt sich anhand der vorhandenen Balkenlöcher gut ablesen. Aussen sind die Fundamente eines Rundtürmchens mit Treppenspindelansatz ausgegraben worden.
Im 12. Jahrhundert meldeten mehrere neue Adelsgeschlechter Ansprüche auf Herrschaftsgebiete im Bereich des heutigen St. Galler Rheintals an. Unter anderen erwähnten wir die Herren von Wildenberg und von Sax-Misox. Vor allem die Saxer drangen am weitesten nach Norden vor, setzten sich im wenig besiedelten Gebiet fest und rodeten an den Hängen des Hohen Kastens und der Kreuzberge sowie in den vorgelagerten hügeligen Partien gegen die versumpfte Rheinebene hinaus. Sie errichteten deshalb in dieser Region zwei feste Stützpunkte um 1200, die Burg Hopfensack und die Burg Forstegg. Letztere war wohl eine Gründung Heinrichs von Sax. Er war ein bedeutender Mann. Als Kustos des Klosters St. Gallen und als Vogt zu Disentis und Pfäfers regelte er die weltlichen Angelegenheiten dreier Klöster und war auch für deren Schutz besorgt. Daneben war er Herr zu Wartenstein ob Ragaz und wurde vom Hohenstaufenkaiser Friedrich II mit der Grafschaft Blenio und der Herrschaft von Monte Dongo am Comersee belehnt. Sein Bruder Ulrich VI war Abt zu St. Gallen, ein Freund des Minnesängers Ulrich von Singenberg und ebenfalls ein treuer Parteigänger der Hohenstaufen.
Der Niedergang des staufischen Hauses schwächte die Stellung der Sax, und mancher Besitz und manches Recht, das sie der Krone zu verdanken hatten, ging ihnen verloren. Die Familie spaltete sich in zwei Haupt- und mehrere Nebenzweige. Derjenige, welcher die beiden Burgen Hohensax und Forsteggg besass, nannte sich forthin Sax oder Hohensax. Ulrich (IV) Stephan, der Enkel des Stammvaters Ulrich (II), erhielt die Herrschaft Forstegg um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Ihr wurden auch die Dörfer Büssnig, Frümsen und Sulz zugeschlagen. 1395 kaufte er auch das Dorf und Gericht Sennwald. Mehr und mehr stellten sich die Sax in der Folge auf die Seite der ihnen benachbarten Appenzeller und der erstarkenden Eidgenossenschaft, um sich auf diese Weise langsam der österreichischen Vasallität zu entziehen. Damit blieben ihre Burgen und somit auch Forstegg während der Appenzellerkriege vor Brandschätzungen verschont, während allenthalben die äbtisch-österreichischen Festen der Region erobert und zerstört wurden.
Forstegg gegen 1630
Einer der markantesten Besitzer der Forstegg und treuer Parteigänger der Eidgenossen war Ulrich (IV) von Sax zu Forstegg. Er kämpfte bei Grandson, wurde vor Murten zum Ritter geschlagen und nahm das Bürgerrecht von Zürich an. Nachdem sein Vater völlig verarmt verstorben war und die Stadt St. Gallen die Vormundschaft über die unmündigen Kinder übernommen und zur Beschaffung von Finanzen Forstegg an Lütfried Mötteli verpfändet hatte, löste Ulrich, offenbar während der Burgunderkriege zu Geld gekommen, das Pfand wieder ein. Seine wertvolle Mithilfe während der Schwabenkreige belohnten die Eidgenossen mit ihrem Anteil am Dorf und Gericht Gams-Frischberg und mit den hohen Gerichten im benachbarten Lienz. Auch amtete Ulrich als kaiserlicher Gesandter zweimal bei den Eidgenossen und betrieb als ihr Freund 1509 die Erneuerung der Erbteilung (ein Vertrag zwischen Kaiser Maximilian I und den zwölf Orten, Stadt und Kloster St. Gallen sowie Appenzell) mit Österreich, welche dann 1511 zu Baden ratifiziert wurde. Auch in den oberitalienischen Feldzügen finden wir Ulrich von Sax als eidgenössischen Hauptmann. Hernach nahm er Sold im Dienst Frankreichs. Als Bürger von Zürich trat er zur Reformation über, schloss sich aber nach dem Rückschlag von Kappel, 1531, wieder dem alten Glauben an. Von seinen Nachkommen waren mehrere über Jahre hinweg in ausländischen Kriegsdiensten. Die beiden letzten des Geschlechts, zwei Vettern, verkauften die gesamte Herrschaft Sax-Forstegg um 115000 Gulden an die Stadt Zürich. Diese vergrösserte und verstärkte die Wehranlagen zwischen 1622 und 1627 zur Sicherung der neuen Herrschaft. Es war mitten im Dreissigjährigen Krieg. Die damalige Kriegsführung mit Artillerie und Sappeuren verlangte nach modernen Befestigungen. Deshalb beauftragte Zürich den in ihrem Dienst stehenden Bündner Festungsbaumeister Johann Ardüser mit der Errichtung von Sternschanzen und vorgelegten Gräben. Aus dieser Zeit stammt auch das Zeughaus, denn in allen zürcherischen Vogteien waren für die allfälligen Aufgebote Waffen gelagert. Das Haus ist vollständig renoviert worden, zeigt an der Front das aufgemalte zürcherische Standeswappen und dient heute als sorgsam eingerichtetes Wohnhaus. Von den Schanzen sind nur noch im Gelände einzelne Erhebungen und Andeutungen zu vermuten. Die Umwallungen und Gräben wurden 1870 eingeebnet. Bis 1798 amteten auf Forstegg zürcherische Landvögte. Während der Helvetik wurde Forstegg zum Kanton Linth geschlagen und 1803 dem jungen Kanton St. Gallen angegliedert, dem im folgenden Jahr Zürich Schloss und Domäne um 24 000 Gulden abtrat. In der Folge kam es in mehrere private Hände. Ein Fabrikant erwarb es und liess das Zeughaus und die Ruine wieder instand stellen.
Bibliographie