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Patellaluxation/ Patellafixation beim Pferd
Das Kniegelenk des Pferdes ist besonders komplex: Neben seiner Funktion als kraftübertragendes Gelenk der schubgebenden Hinterhand des Fluchttieres Pferd, beinhaltet es einen Mechanismus, der dem Pferd ein Ausruhen («Schlafen») im Stehen ermöglicht. Anatomisch gesehen liegt die Besonderheit darin, dass das Pferd drei Kniescheibenbänder hat, ein inneres, ein mittleres und ein äusseres. Um Auszuruhen, kann die Patella (Kniescheibe) nach oben gezogen und mit einer Einwärtsdrehung über den inneren Knochenhöcker des Oberschenkelknochens (medialen Rollkamm) gezogen werden, wo sie mit der «Schlinge», gebildet durch das innere und mittlere Ligament fixiert wird. Normalerweise kann diese Fixierung vom Pferd leicht durch eine Muskelkontraktion und Drehung wieder gelöst werden. Für das «Ein- und Aushängen» der Patella muss die Muskulatur optimal zusammenspielen. Besteht ein Ungleichgewicht der inneren und äusseren Oberschenkelmuskulatur und/oder ist die Koordination zwischen den Muskeln gestört, kann es zur sogenannten Patellafixation kommen. Dabei bleibt die Kniescheibe auf dem Rollkamm des Oberschenkels hängen und das Bein ist in Streckung fixiert.
Bei Shetland- Ponies, Mini- Shetland- Ponies und anderen kleinen Pferderassen, kommt es auch vor, dass die Kniescheibe nach aussen verlagert wird und dort einhakt. Die Ursachen dafür sind oft anatomisch bedingt durch eine geringe knöcherne Führung (Abflachung des äusseren Rollkammes) und eine Steilstellung der Hinterhand*. Da bei der physiotherapeutischen Untersuchung sowieso immer das ganze Tier angeschaut und die funktionellen Zusammenhänge evaluiert werden, ist die Vorgehensweise trotz den verschiedenen Luxationsmechanismen die Gleiche.
Therapie
Die Behandlung erfolgt in der Regel konservativ, wobei der gezielte Muskelaufbau im Vordergrund steht. Bevor damit begonnen werden kann, müssen auf jeden Fall die Hufe kontrolliert, und immer wieder angepasst, werden. Die Zehenachse und Hufstellung müssen korrekt sein, um die Patellafixation langfristig in den Griff zu bekommen. Es empfiehlt sich auch, die Zähne kontrollieren zu lassen, da eine Zahnfehlstellung beim Pferd weitreichende Folgen haben kann.
Auch als Physiotherapeutin schaue ich mir immer das ganze Tier an. Häufig liegt die Grundursache eines Problems nicht dort, wo es am offensichtlichsten erscheint. Über die Faszien sind die Muskeln grossflächig miteinander verbunden und bilden sogenannte Muskelketten (von vorne nach hinten, diagonal, von aussen nach innen, etc.). Ein Ungleichgewicht an einer Stelle kann sich somit auf die gesamte Kette auswirken, wobei die Ursache fern der Stelle, wo sich die Symptome auswirken, liegen kann. Genauso sind auch die inneren Organe über ihre Hüllen und Aufhängung mit der äusseren Körperhülle verbunden und können den gesamten Bewegungsapparat beeinflussen. Und nicht zu vergessen das Nervensystem, welches mit dem Gehirn als Schaltzentrale, den gesamten Körper steuert und beeinflusst.
Bei der Patellafixation besteht an der/n betroffenen Gliedmasse oft ein Ungleichgewicht zwischen der inneren und äusseren Oberschenkel-muskulatur. Um optimal Voraussetzungen für das Training zu schaffen, werden lokal verspannte und verkürzte Muskeln gelöst (detonisiert und gedehnt). Zusätzlich kann mit elastischem Kinesiotape die Muskelfunktion unterstützt werden.
Sind alle diese Massnahmen nicht erfolgreich, kann ein chirurgischer Eingriff, eine Desmotomie des medialen Kniescheibenbandes**, Abhilfe schaffen.
*Weitere Info’s unter: www.cofichev.ch
**Müller- Kirchenbauer D., Fürst A., Geissbühler U., Kaegi B. und Auer J. (2001). Die Desmotomie des medialen Kniescheibenbandes zur Therapie der pathologischen proximalen Patellafixation – Eine Studie bei Pferden und Ponys. Pferdeheilkunde 17: 3; 208–216.