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Die Steinalp liegt am östlichen Ende des Gadmentales im Kanton Bern. Das Tal beginnt auf 2'715 m ü.M. auf der Steinlimi und verläuft in nordöstlicher Richtung 5 km talbwärts bis zum Berghotel Steingletscher auf 1'865 m ü. M. an der Sustenpassstrasse. Die Sustenpassstrasse wurde erst 1945 fertig gestellt.
Durch das Tal fliesst der Steinlimibach, welcher das Schmelzwasser vom Steinlimigletscher und vom oberen Teil des Steingletschers sammelt und dem Steinwasser bzw. dem Gadmenwasser zuführt. Die Einleitung des Steinlimibachs in den Steinsee wurde geplant und die Idee später wieder verworfen.
Die Steinalp: Eine beeindruckende Naturlandschaft
Gletscher am Sustenpass auf dem Rückzug
Der Bau der Sustenpassstrasse am Ende des 2. Weltkrieges wurde vor allem von strategischen Überlegungen geleitet. Die Strasse, welche durch das Berner Gadmental und das Urner Meiental führt, wird bis heute noch auf beiden Talseiten von Gletschern begleitet. In den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts reichten die Gletscherzungen dieser Gletscher nach einer kurzen Vorstossphase noch bis weit hinunter in tiefere Tallagen. Die Gletscher waren von der Sustenpassstrasse aus gut sichtbar.
Einige Gletscher wie der Stein- und der Steinlimigletscher im Gadmental sowie der Chalchtalfirn- und der Tschingelgletscher im Meiental flossen weit in die Talsohle hinunter. Auf der Steinalp oder dem Wendenboden, zwei Seitentäler im Gadmental, oder bei auf der Guferalp im Meiental konnte man bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts zu Fuss zur Gletscherzunge dieser Gletscher gelangen.
Der Steingletscher und der Steinlimigletscher haben sich seit Beginn des des 21. Jahrhunderts weit zurückgezogen. Die Gletscherzungen können nicht mehr über einen Fusspfad erreicht werden. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war es noch möglich, die Gletscherzungen nach einem kurzen Fussmarsch aus der Nähe zu bewundern. So war die oberste, östlich gelegene Gletscherzunge des Steingletschers noch 2006 bequem vom Parkplatz Steinsee aus erreichen.
Noch 2010 floss die westlichste Gletscherzunge des Steingletschers bis hinunter in die Talsohle in der Nähe des Parkplatzes Tierbergli. Bereits 2013 waren beide Gletscherzungen nicht mehr ohne alpinistische Fähigkeiten zu erreichen.
Die Gletscherzunge des Steinlimigletschers lag bereits im Jahr 2000 ausserhalb der Reichweite von Normaltouristen. Es ist absehbar, dass das Eis des Steingletschers in einigen Jahren von der Steinalp aus nicht mehr oder nur noch an wenigen Stellen hoch oben erkennbar sein wird.
Die öffentlich frei zugängliche Steinalp ist in Privatbesitz
Das Tal ist im Besitz des Kraftwerksunternehmens KWO (Kraftwerke Oberhasli). Das Alpgelände wird von einem Pächter landwirtschaftlich genutzt. Eine öffentlich zugängliche, aber gebührenpflichtige Strasse mit Festbelag führt zu drei grossen Parkplätzen, von wo aus man die faszinierende und immer noch gletschergeprägte Bergwelt bewundern kann.
Der erste Parkplatz liegt nahe beim am Steinsee, welcher sich erst 1940 im Vorfeld des Steingletschers gebildet hat. Dem Steinsee gelang es, nach Starkregenereignissen ab und zu auszubrechen. Die KWO begegnete der drohenden Ausbruchgefahr durch eine Absenkung der Sohle des Abflusskanals.
Auf der Steinalp im Gebiet Umpol befindet sich ein Schiessplatz, welcher zivil und militärisch genutzt wird. Die Schiessanlage liegt abseits der Strasse und kann ohne Beeinträchtigung der touristischen Nutzung des Tales betrieben werden. Die für den Schiessbetrieb und den vorgängigen Sprengbetrieb aufgehäuften Kieswälle waren vor einiger Zeit Gegenstand von juristischen Auseinandersetzungen.
Tragisches Ereigniss auf der Steinalp
In der Nähe des heutigen Schiessplatzes explodierten am 2. November 1992 aus bis heute ungeklärten Gründen in einer Felskaverne über 200 Tonnen gelagerte Munitionsreste der Schweizer Armee. Die Druckwelle löste einen massiven Bergsturz aus, welcher die von aussen sichtbaren Gebäudeteile vollkommen unter sich begrub. Der ganze Felskörper hob sich damals an und liess gewaltige Felsmassen abrutschen. Riesige Felsblöcke wurden sogar bis auf die andere Talseite geschleudert. 6 Mitarbeiter der ehemaligen Munitionsfabrik Thun (heute Ruag Ammotec) fanden bei diesem Unglück den Tod.
Die Munitionsvernichtungsanlage, auf welcher unter freiem Himmel Munition mit heftigen Explosionen unschädlich gemacht wurde, arbeitete noch bis 1996 mit einer Spezialbewilligung weiter.
Es war einmal: Ein Skilift auf dem Steinlimigletscher
Im Talabschnitt, welcher vom Steinlimigrat über den Steinlimigletscher hinunter nach Umpol auf der Steinalp reichte, wurde 1971 ein Skilift für den Sommerskibetrieb eröffnet. Bereits 1974 wurde die Skiliftanlage wieder aufgegeben, weil die Betreibergesellschaft die hohen Kosten für den Betriebsunterhalt nicht mehr tragen konnte. In den Wintermonaten wurden die Skiliftanlagen immer wieder von Lawinenniedergängen und Steinschlag beschädigt. Die Drahtseile, die Skiliftstützen und andere betriebsnotwendige Installationen wurden grösstenteils auf der Gletscheroberfläche zurückgelassen. Ein Gebirgsdetachement der Schweizer Armee säuberte zu einem späteren Zeitpunkt das Gletscherareal von einigem Unrat.
Eldorado für geübte und lernbegierige Bergsteigerinnen und Bergsteiger
Das Gelände auf der Steinalp im Vorfeld der beiden Gletscher wird zur Schulung des alpinistischen Nachwuchses genutzt. In den Sommermonaten kann man jeden Tag bei akzeptablen Wetterverhältnissen Gruppen von jungen Bergsteigerinnen und Bergsteigern beim Üben in den Felsen beobachten. Unter kundiger Anleitung absolvieren die meist jungen Alpistinnen und Alpinisten eine Grundschulung im Gelände.
Wanderungen auf der Steinalp
Die Talsohle der Steinalp lässt sich auch zu Fuss erkunden.
Von den drei Parkplätzen aus können interessierte Naturbeobachterinnen und Naturbeobachter, welche ein Auge für grosse und kleine Naturwunder haben, mit kurzen Fussmärschen in die alpine Landschaft "eintauchen".