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Ob es nicht an der Zeit wäre, den Gesellschaftsvertrag noch einmal neu auszuhandeln angesichts einer Überwachungskultur als Folge der Nutzung des Internets mit seinen Applikationen und der Vernetzung aller Dinge? Das fragte Manfred Schneider, emeritierter Professor für deutsche Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, kürzlich am NZZ-Podium.
Wir würden heute keine Technologien entwickeln, um damit etwas zu tun, sondern wir tun einfach, was uns eine entwickelte Technik aufdränge. Für den Soziologen Zygmunt Baumann sei diese Tatsache Symptom einer „unaufhaltsamen Befreiung unseres Handelns von moralischen Skrupeln“. Damit würden Todesfurcht und die Dauerverlockung zu bequemem Leben, die beiden grundlegenden gesellschaftlichen Antriebe für die Bildung eines vernünftigen Staates, heute ganz neu technisch implementiert und sozial wirksam.
Thomas Hobbes, der englische Staatstheoretiker und Philosoph, erklärte bereits im 17 Jahrhundert, warum sich die Menschen dazu entschliessen, sich einer staatlichen Macht zu unterwerfen: weil sie den Tod fürchteten und weil sie sich nach einem bequemen Leben sehnten. Nach Hobbes bilden Todesangst und der Wunsch nach Bequemlichkeit die Grundlage für den modernen Gesellschaftsvertrag.
Manfred Schneider sagt, die Verfassungen der westlichen Welt würden zwar eher von der Garantie des Lebens und Sicherung der Freiheit reden, doch sei es heute die Überwachungskultur, die unter den Vorzeichen von allgegenwärtiger Todesangst vor dem weltweiten Terror und dem unübersehbaren Angebot an Bequemlichkeitstechnologien das Leben in westlichen Gesellschaften wirklich revolutioniere. – So gesehen und ohne Korrekturen keine erfolgversprechende Entwicklung. Mehr