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Crystal Pite
Schweizer Erstaufführung
Choreographie der international renommierten Kanadierin Crystal Pite
«A Picture of You Falling» ist ein Stück aus der vierteiligen «The You Show», die 2012 im Mousonturm in Frankfurt am Main Premiere hatte. Das LT zeigt als erste Compagnie in der Schweiz eine Neueinstudierung bei «Tanz 24: TIMELESS», Premiere am 6. Mai 2017.
Sandra Marín Garcia, ehemaliges Mitglied in Crystal Pite’s Company Kidd Pivot, hat diese Choreographie mit unseren Tänzerinnen und Tänzern einstudiert. Es handelt sich um ein Duett Frau / Mann, eine Dekonstruktion einer Beziehung, voll extremer Emotionen. Ein Neu-Durchspielen von Erinnerungen. Pite versucht, keine Bewegung zu vergeuden, d.h. jede Bewegung bekommt einen Sinn. Sie liebt erzählende Elemente, in diesem Fall die Erinnerungen eines Paares. Das Stück beginnt mit der Stimme einer Frau, die das Publikum einlädt, sich in den Tänzer und die Tänzerin hinein zu versetzen:
«This is a picture of you, falling. Knees, hip, hands, elbows, head. This is how you collapse. This is the sound of your heart hitting the floor.»
Diese Identifikation des Publikums mit dem Tänzer sucht Crystal Pite, und sie ist auch das Erfolgsgeheimnis der berühmten Choreographin, wie man von ihr in dem folgenden Interview erfährt:
Frau Pite, Sie wenden sich in Ihrem neuen Stück «The You Show» direkt an an das Publikum, indem Sie sagen: Sie sind eingeladen, sich im Körper des Tänzers wiederzufinden. Wie meinen Sie das?
2008 choreographierte ich ein Stück mit dem Titel «A Picture of You Falling». Darin gibt es einen Off-Text, in dem die Zuschauer aufgefordert werden, sich vorzustellen, ein Tänzer zu sein. Die Leute konnten sich in die Rolle des jungen Mädchens und des jungen Mannes auf der Bühne hineinversetzen, wenn sie wollten. So kam ich auf die Idee, ein Stück in der zweiten Person zu schreiben. Ich will, dass die Leute nicht bloss zuschauen, sondern vom Körper des Tänzers Besitz ergreifen.
Wie können sie das tun?
Nun, wir alle haben einen Körper, wir bewegen uns. Das ist eine Erfahrung, die uns alle verbindet. Wir können also gewissermaßen mitgehen, wenn wir Tanz sehen. Mein zweiter Ansatzpunkt geht auf ein Sprichwort zurück: «Sprich mit jemanden über ihn selbst und er wird dir stundenlang zuhören.» Das ist ein Schlüssel. Dinge, von denen man glaubt, sie haben mit einem selbst zu tun, nimmt man aufmerksamer wahr. Meist identifiziert man sich in einem Stück mit dem Helden, in «The You Show» soll der Zuschauer der Held seiner eigenen Geschichte sein.
Wollen Sie die Grenze zwischen Tanzenden und Publikum einreissen?
Diese Grenze beschäftigt mich nicht so sehr. Es geht mir vor allem um die Versuchsanordnung mit der zweiten Person. Aber warum glauben Sie, dass diese Grenze so unüberwindlich ist?
Weil die Tänzer so gut tanzen und die Zuschauer nicht.
Das ist natürlich wahr, das geht mir auch so, wenn ich grossartigen Tänzern zuschaue.
Sie sind jetzt mit Kidd Pivot Frankfurt RM seit einem halben Jahr in Frankfurt. Wie läuft es bisher?
Ich habe fantastische Tänzer, mit denen ich dank der Finanzierung des Projekts hier jetzt kontinuierlich arbeiten kann. Vorher musste alles immer im Eiltempo ablaufen und immer nur Projekt für Projekt. Jetzt habe ich den Luxus, mehr Zeit zu haben und meine Tänzer das ganze Jahr über beschäftigen zu können. Dafür bin ich dem Mousonturm sehr dankbar.
Arbeiten Sie nun entspannter?
(lacht) Nein. Der kreative Stress, die Anspannung sind genauso gross wie vorher. Es bleibt eine furchteinflössende Angelegenheit, die eigene Choreographie auf die Bühne zu bringen.