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Ein Auftakt mit Misstönen – so hatte es sich das Komitee, das die Feierlichkeiten für den Thronwechsel organisiert, nicht ausgedacht. Vielmehr hofften die mehrheitlich prominenten Mitglieder, ihr geplantes Königslied könnte gar zu einer zweiten Landeshymne werden. Sie beauftragten deshalb den bewährten Hit-Komponisten John Ewbank und forderten die Bevölkerung auf, sich textlich zu beteiligen. Letzteres hätten sie wohl besser nicht getan. Die Promis, die schlussendlich die Worte zur Musik schrieben, fühlten sich dadurch nämlich verpflichtet, die zahlreich eingegangenen «Vox populi» in den Text einfliessen zu lassen.
So entstand ein zuckersüsses Potpourri mit blamablen Reimen und Formulierungen wie «Ich baue einen Deich mit blossen Händen und halte das Wasser von dir fern» und einem Schunkel-Refrain, der mit den Worten «Ich beschütze dich, solange ich lebe» endet. Im Rap-Teil ist die Rede von «der W von Willem, wach, ‹stamppot› essen (‹stamppot› ist ein typisch niederländischer Winter-Eintopf) und Millionen Nationaltrainer, die es besser wissen.» Kein Wunder, dass die fünf Minuten dauernde Aufnahme einen Sturm der Kritik auslöste, nachdem sie von gut fünfzig zur Crème de la Crème der niederländischen Rock-, Pop-, und Rap-Szene gehörenden Musikerinnen und Musikern eingesungen worden war.
Ein Lied für die Oma?
Besonders auf Twitter wurden Komponist und Textschreiber massiv attackiert: «Ich bin für eine milde Steinigung eines jeden, der an diesem monströsen Dreckszeugs mitgearbeitet hat», schrieb ein bekannter Kolumnist. Ein anderer fand den Text «schockierend» und kam zum Schluss: «Wir leben in einer offenen Anstalt.» Eine junge Frau schrieb, dass dieses Königslied den Anschein mache, «als ob wir alle für den König sorgen müssten – es könnte also auch für meine Grossmutter sein.» Zudem wurde eine Online-Petition unter dem Titel «Ich sage Nein zum Königslied» gestartet, der sich inzwischen mehrere 10'000 Menschen anschlossen haben.
Kaum 48 Stunden nach dem Release kündigte Komponist Ewbank an, er ziehe das Königslied zurück: «Liebe Landsleute, nachdem ich schon wieder eine Beleidigung auf meinem Twitter-Profil löschen musste, habe ich jetzt endgültig genug.» Doch damit war die Seifenoper um die königliche Thronwechsel-Hymne keineswegs zu Ende. Im Gegenteil: Ein Tag nach seinem Rückzug wurde der vergällte Liederschreiber vom Festkomitee wieder umgestimmt: Nun steht die kontroverse Schnulze abermals auf dem Festprogramm.
Kritik aus dem Bildungsministerium
Das Twitter-Gewitter hat sich seither etwas beruhigt. Dafür liess die Bildungsministerin von sich hören: Bevor der Blaublütersong geschmettert werde, seien sämtliche Sprach- und Rechtschreibefehler zu korrigieren, verlangte die Oberlehrerin der Nation. Offensichtlich hat sie sich an jenem Tweet gestört, in dem es hiess: «Das Königslied ist der Beweis, dass der höhere Unterricht seit Jahrzehnten versagt hat.»
Mit oder ohne Schnitzer soll das Lied am Tag der Zeremonie abends Punkt halb acht von allen Untertanen von Groningen bis Maastricht und von Rotterdam bis Nijmegen gesungen werden. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen überträgt die Gesangskunst der Volks live, wobei ständig von einem Ort zum andern geschaltet und das Ganze landesweit auf grosse Leinwände übertragen wird. Das frisch gebackene Königspaar, das zu dem Zeitpunkt eine Rundfahrt durch den Amsterdamer Hafen machen wird, kann vom Wasser aus zuschauen. Es gilt abzuwarten, ob König Willem-Alexander, Königin Màxima und ihre drei Prinzessinnen-Töchter mitträllern werden.