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Lebe ich in einer guten Beziehung? Ist mein Partner der Richtige für mich? Und werde ich seinen Bedürfnissen gerecht? Fragen, die nicht nur die Titelblätter zahlreicher Frauenzeitschriften zieren, sondern die Menschheit seit jeher beschäftigen. Und dies zu Recht: Eine starke Beziehung verschafft ungehörige Reproduktionsvorteile.
Doch was macht eine starke, „gute“ Beziehung aus? Evolutionstheoretisch gesprochen geht es nicht in erster Linie um Mondscheinspaziergänge und Schmetterlinge im Bauch, sondern um Ressourcen. Und das nicht zu knapp. Wir bemühen uns darum, einen Partner finden, der auf möglichst vielen Ebenen Versorgung garantiert: Eine zuverlässige Beteiligung an der Nahrungssuche, körperlicher Schutz, Nähe und Aufmerksamkeit sind nur einige Vorteile einer geschickten Partnerwahl. Die Vorlieben moderner Menschen (und zahlreicher anderer Arten) basieren auf ebendieser Evolutionslotterie. Das Auswahlverfahren sieht für die beiden Geschlechter allerdings nicht genau gleich aus: Für Frauen macht es primär Sinn, sich einen Partner zu suchen, der zu einer langfristigen Beziehung gewillt und fähig ist. In der evolutionären Vergangenheit sah sich der weibliche Teil der Schöpfung sonst gezwungen, sich allein um die Nachkommen kümmern zu müssen, wodurch deren Reproduktionschancen sanken.
Ein unmoralisches Angebot
1998 wurde dieser Eigenart des weiblichen Auswahlverfahrens ein popkulturelles Denkmal gebaut: „I’ve noticed you around. I find you very attractive. Would you go to bed with me?“ – Diese explizite Ansage ist Inhalt des Songs «Would you…“ der Band „Touch and Go“. Der schmissige Trompeteneinsatz bleibt auch nach 20 Jahren unvergessen. Doch was viele nicht wissen: Diese Liedzeilen wurden wortgetreu einer psychologischen Studie entnommen, welche amerikanische Studenten auf ihre Zustimm-Rate testete (Clark und Hatfield, 1989). Fünf Freiwillige aus einem Kurs über experimentelle Sozialpsychologie positionierten sich als Lockvögel auf dem Campus der Florida State University. Alle waren etwa 22 Jahre alt und wurden von Clark und Hatfield als „slightly unattractive to moderatly attractive“ eingestuft. Sie wurden angewiesen, nur jene Studenten anzusprechen, an denen sie unter normalen Umständen auch Interesse gehabt hätten, das Verslein aufzusagen, das „Touch and Go“ in ihrem Hit zu zitieren, und dieses mit einer der folgenden drei Fragen zu beenden: „Would you go out with me tonight?“, „Would you come over to my apartment tonight“ oder „Would you go to bed with me tonight?“. Das Ergebnis: 56% der angesprochenen Frauen hätten sich auf ein Date eingelassen – die Frage nach einer gemeinsamen Nacht wurde hingegen ausnahmslos verneint. Bei den Männern nahmen 75% das unverblümte Angebot an. Auffällig: Zu einem klassischen Rendezvous hätten sich nur 50% hinreissen lassen. Bemerkenswert sind auch die Reaktionen der umschmeichelten Studenten: Bei den Frauen überwiegte die Antwort „What is wrong with you? Leave me alone!“, wobei einige Männer mit einem schlagfertigen „Why do we have to wait until tonight?“ parierten.
Der freie Markt der Liebe
Dass Liebe blind macht, lässt sich mit der Evolutionstheorie also nicht bestätigen – oder zumindest nicht für beide Geschlechter gleichermassen. Partnerwahl ist vielmehr das Produkt eines klaren Nutzen-Kosten-Mechanismus. Wer mehr investiert, will auch mehr geboten kriegen. Bei allen 4000 Säugetier- und bei über 200 Primatenarten sind die Weibchen die wählerischen Partner. Bei Mormonengrillen und Panameischen Giftpfeilfröschen – den Hausmännern des Tierreichs – ist es genau umgekehrt. Die Aufzucht der Nachkommen verbraucht aufwändige und wertvolle Fortpflanzungsressourcen – und davon soll natürlich nur der bestmögliche Partner profitieren. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Geschlechtsakt dank der Entwicklung verlässlicher Verhütungsmittel nicht mehr automatisch an eine Schwangerschaft geknüpft ist. Die Jahrmillionen haben ihre Spuren hinterlassen: Wenn es um die Liebe geht, hören wir auf unseren inneren Höhlenmenschen.
Welche Eigenschaften der Mensch bevorzugt, ist jeoch keine statische Angelegenheit: So sind nicht nur jene Charakterzüge wichtig, die für die aktuelle Beziehungsphase entscheidend sind, sondern auch das Potential für die gemeinsame Zukunft. Die Einschätzung dieses Potentials lässt sich natürlich auch geschickt manipulieren: Man denke nur an Hochstapler, Heiratsschwindler und den Jungbrunnen Schönheitschirurgie. Bei Frauen verläuft die Einschätzung des partnerlichen Potentials nach folgendem unterbewussten Fragemuster:
– Was kann ein Partner investieren? (Geld, Status, …)
– Was möchte ein Partner investieren? (Bindungswille, Zuverlässigkeit, …
– Kann der Partner die Frau körperlich beschützen? (Athletische Fähigkeiten, Kraft, …)
– Taugt er zu einem guten Vater? (Positiver Umgang mit Kindern, Stabilität, …)
– Ist der Partner mit der Frau kompatibel? (Ähnliche Werte, Alter, Persönlichkeit, …)
– Ist der Partner gesund? (Attraktivität, Vitalität, …)
Dieser Kriterienkatalog wird dank einfach verfügbaren Indizien durchexerziert. So wird etwa ein teures Geschenk zum Selektions-Trumpf, weil es als Zeichen für den langfristigen Bindungswillen des Partners intepretiert wird.
Hormone und Hugh Hefner
Noch effizienter (und unbezahlbarer) als Schmuck und Parfum sind körpereigene Hormone. Thornhill und Gangestad (1990) liessen für ihre Untersuchung eine Vielzahl von Frauen an T-Shirts schnuppern, welche in den Tagen davor von verschiedenen Männern getragen worden waren – ohne die verzerrende Wirkung von Seife, Deodorant oder Knoblauch. Ergebnis: Die Frauen mochten die Gerüche jener Männer am liebsten, die besonders symmetrische Gesichtszüge hatten und damit besonders „stark“ und „männlich“ wirkten. Dieser Effekt liess sich jedoch nur dann nachweisen, wenn die Frauen sich gerade in der fruchtbaren Phase ihres Zyklus befanden. In diesen Tagen ist der weibliche Geruchssinn ausserordentlich stark ausgebildet.
Ebenfalls statistisch nachgewiesen wurde die Vorliebe von Frauen für ältere Männer. Diese verfügen tendenziell über einen höheren Status und mehr Respekt. Sind sie jedoch zu alt, steigt das Risiko eines baldigen Todes. Eine 37 Kulturen umfassende Studie ergab, dass 3,5 Jahre der beliebteste Altersunterschied sind – im frankophonen Kanada sollen es allerdings nur 2, im Iran am liebsten 5 Jahre sein. Playboy-Gründer Hugh Hefner und Madonnas junger Latino-Gespiele waren in der Stichprobe wohl nicht enthalten.
Dieser Beitrag ist eine Reflexion und Zusammenfassung nach Arbeiten von Buss (1994), Clark und Hatfield (1989).