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Die Sachstandsberichte des Uno-Klimarates IPCC werden immer in drei Teilen abgehandelt und anschliessend zu einer Synthese vereinigt:
- Teil 1 enthält jeweils die Grundlagen zur Entwicklung des Klimas.
- Teil 2 beschreibt die Verletzlichkeit der Umwelt und empfiehlt geeignete Anpassungen an die Einflüsse des Klimawandels (Adaptation).
- Teil 3 fasst die Vorgaben zur Verhinderung (Mitigation) der Belastung durch menschgemachte Treibhausgase zusammen.
Im Vordergrund steht die Dekarbonisierung der gesamten Umweltkreisläufe. Die Teilnehmer der Weltklimakonferenzen (COP) feilschen vor allem über Teil 3. Sie schätzen insbesondere ab, welche Mengen an Treibhausgasen die einzelnen Staaten noch emittieren dürfen, damit die weltweite Mitteltemperatur nur um ein bestimmtes Mass (1,5 oder 2 Grad) steigt. Dies führt teilweise zu fragwürdigen Berechnungen oder zu einer gewissen Genügsamkeit.
Nach der Konferenz von Paris im Jahr 2015 machte sich Optimismus breit, und allgemein galt die Hoffnung, dass die oben genannten Temperaturziele noch zu erreichen sind. Nicht zuletzt aufgrund der Energiemangellage seit Beginn des Ukrainekrieges ist dieser Optimismus der zunehmenden Einsicht gewichen, dass die Erdmitteltemperatur eher auf 2,5 bis 3 Grad ansteigen wird – dies mit zum Teil massiven Ausschlägen bei den Extremwerten.
Deshalb sind immer mehr Menschen pessimistisch oder sogar verzweifelt. Das äussert sich im Extremfall dadurch, dass sie demonstrativ Verkehrsachsen blockieren oder Finanzinstitute angreifen. Dabei stellt sich die Frage, ob solche Aktionen nicht kontraproduktiv sind.
Die Presse verurteilt dieses Vorgehen zum grossen Teil. Wirtschaftsorientierte Organe wie die NZZ veröffentlichen vermehrt Beiträge, in denen sie dafür plädieren, dass der Schwerpunkt in Zukunft bei den Massnahmen zur Anpassung an die höheren Temperaturen liegen sollte. Dies vor allem deshalb, weil die Erfolge bei den Anstrengungen zur Verhinderung des Temperaturanstiegs ausgeblieben sind. Dieses Vorgehen empfehlen sie vor allem für inländische Massnahmen – verbunden mit dem Hinweis, dass der Beitrag der Schweiz an den globalen Treibhausgas-Ausstoss ohnehin gering sei.
Anpassungsmassnahmen wie die Begrünung von Städten, die Sicherung unserer Alpentransversalen gegen das Auftauen des Permafrosts oder die Renaturierung der Flusssysteme im Hinblick auf Starkniederschläge und Überschwemmungen sind zweifellos zu begrüssen. Sie genügen jedoch keinesfalls, und sie entsprechen einem Abschottungsdenken, da es dabei nur um die Verhältnisse im Inland geht.
Erstens genügen sie nicht, weil die Schweiz im Rahmen der Finanzierung der globalen Verkehrs- und Energiesysteme auch global eine sehr bedeutende Rolle spielt. Sie ist demzufolge dazu aufgerufen, sich an den Verhinderungsmassnahmen entscheidend zu beteiligen.
Zweitens müsste sich die Schweiz fragen, ob sie bei der Verhinderung von Emissionen und bei der Bekämpfung des Klimawandels die massiv betroffenen, meist armen Länder der Subtropen und des Mittelmeerraumes nicht deutlich stärker mit dem Einsatz von Technik und mit Geld unterstützen müsste. Denn diese Länder sind es, die unter der Dürre und der Erhöhung des Meeresspiegels leiden.
Greifen die Schweiz und andere reiche Staaten diesen Ländern nicht direkt und massiv unter die Arme, wird das Klima in Zukunft zu einer starken Zunahme der Migrationsströme beitragen. Wer sich gegen klimaschonende Massnahmen wie das neue Klimaschutzgesetz wendet, trägt folglich indirekt zur Steigerung der bereits jetzt sehr grossen Migrationsströme bei.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Der Autor war Professor am Geographischen Institut der Universität Bern und ist Seniorwissenschaftler am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Berner Universität. Er leitete von 2001 bis 2007 den Nationalen Forschungsschwerpunkt Klima der Schweiz, war Co-Vorsitzender des internationalen Past Global Changes Programms PAGES und bis 2015 Mitglied des UNO-Klimarates IPCC.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.