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Solide und gut finanzierte Service-public-Medien sind ein Zeichen einer gesunden und starken Demokratie. Dies ist die Kernaussage einer Studie, die von der Europäischen Rundfunkunion (European Broadcasting Union EBU) in Genf erstellt wurde.
Die Studie Trust in Media 2016externer Link stützt sich auf Daten, die zweimal jährlich im Rahmen des Eurobarometersexterner Link von der Europäischen Kommission gesammelt werden. Die Studie bezieht sich auf die 28 EU-Mitgliedstaaten (vor dem Brexit) sowie die fünf Beitrittskandidaten Serbien, Montenegro, Mazedonien, Albanien und die Türkei.
Erste Feststellung: Das Radio, ob öffentlich oder privat, geniesst in der Bevölkerung die grösste Glaubwürdigkeit. 55% schenken dem Radio Vertrauen, auch wenn dieses Vertrauen auf dem Balken, in Griechenland und der Türkei etwas schwächer ist.
An zweiter Stelle steht das Fernsehen, mit einer Vertrauensquote von 48%, gefolgt von der gedruckten Presse mit 43%. Das Internet hingegen stösst bei den Europäern im Durchschnitt mit 38% auf weniger Rückhalt. Etwas mehr ist es in Italien und in Osteuropa. Alle in der Studie erfassten Länder, mit Ausnahme von Albanien, misstrauen hingegen Informationen, die über die sozialen Medien verbreitet werden. Hier liegt die durchschnittliche Glaubwürdigkeits-Quote nur gerade bei 20%.
Die Schweiz wurde für diese europäische Studie nicht berücksichtigt. Um eine Idee zu erhalten, wie hoch das Vertrauen der Schweizer in ihre Medien ist, muss man das "Sorgenbarometer"externer Link zu Rate ziehen, das jedes Jahr vom Institut gfs.bern im Auftrag der Grossbank Credit Suisse erstellt wird. Ersichtlich wird dabei, dass die Resultate ähnlich sind wie im übrigen Europa, wobei die Kategorien etwas enger beieinander liegen: Am meisten Vertrauen geniesst das Radio (52%), es folgen die gedruckten kostenpflichtigen Zeitungen und Zeitschriften (51%) und das Fernsehen (50%). Das Internet kommt auf 48%, die Gratiszeitungen erhalten 46%.
Und die Demokratie?
"Unsere Studie zeigt, dass Service-public-Medien, die gut aufgestellt und korrekt finanziert sind, nicht nur gut informieren und unterhalten, sondern auch eine positive Rolle in Sachen Demokratie spielen", schreibt Roberto Suárez Candel, Leiter der EBU-Forschungsabteilung und Verfasser der europäischen Studie.
Für ihre Studie hatten die Forscher die Zusammenhänge zwischen den politischen und sozialen Indikatoren und der Situation der Service-public-Medien in den verschiedenen untersuchten Ländern analysiert.
"Man kann sicherlich nicht behaupten, dass ein solides und dynamisches Radio und Fernsehen automatisch zu mehr Demokratie und weniger Korruption führt", meint Roberto Suárez Candel. "Aber wir konnten erstmals zumindest aufzeigen, dass es zwischen den verschiedenen Faktoren Verknüpfungen gibt."
Die Studie, die von der grössten Allianz öffentlicher Radio- und Fernsehanstalten weltweit realisiert wurde und sich für einen starken Service public einsetzt, gilt logischerweise nicht als völlig unparteiisch.
Debatte auch in der Schweiz
Die Debatte über den Service public wird auch in der Schweiz geführt, seit Jahren und heftig. Vor der Sommerpause hatte der Bundesrat, die Landesregierung, einen Berichtexterner Link veröffentlicht, der zum Schluss kam, dass das Angebot eines öffentlichen Radios und Fernsehens notwendig sei – mit einigen Anpassungen.
Die parlamentarischen Kommissionen werden sich nun mit diesem Thema befassen. Von Seiten rechtsbürgerlicher Politiker ist mit kritischen Äusserungen zu rechnen. Rechte Kreise gehören zu den vehementesten Kritikern der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), zu der auch swissinfo.ch gehört.
Sind Sie auch der Meinung, dass Service-public-Medien zur Stärkung der Demokratie beitragen? Ihre Meinung interessiert uns!
(Übertragung aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein), swissinfo.ch