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Kürzlich bezeichneteRosemarie Quadranti (BDP/ZH), Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates (SiK), im Namen der BDP-Fraktion die Wiedererlangung der Kompetenzen zur Erdkampffähigkeit der Luftwaffe eine «Bubenspielerei». Die Autorin dieser Qualifikation wohnt in der nächsten Umgebung des Militärflugplatzes Dübendorf und hat sich als Mitglied besagter Kommission bis heute nie als Fachperson von militärischem Wissen oder der Armee hervorgetan. Peter Bosshard vom Forum Flugplatz Dübendorf stellte in der Folge Nationalrätin Quadranti einige Fragen und erhielt eine ungeheuerliche Antwort. Doch lesen Sie selbst:
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Sehr geehrte Frau Nationalrätin
Im Zusammenhang mit Ihrer Äusserungen «…absurde Bubenspielerei» im Nationalrat betr. Rückgewinnung der Erdkampffähigkeit der Schweizer Luftwaffe bitte ich Sie um die Beantwortung nachfolgender Fragen:
- Was genau meinen Sie mit dieser Aussage?
- Was verstehen Sie persönlich von der «Erdkampffähigkeit der Luftwaffe» und welche Waffen kämen für diese Kompetenz einer glaubwürdigen Luftwaffe überhaupt in Frage?
- Bedeutet für Sie die Luftwaffe eine von der Armee losgelösten Organisation allein zum Zweck der Luftraumsicherung und deren «Luftpolizeiaufgaben» oder hat die Luftwaffe auch eine andere Funktion?
- Welcher Truppenkörper der Armee könnte insbesondere für den Schutz der Bodentruppen in einem Konfliktfall in Frage kommen?
- Von woher nehmen Sie die Sicherheit zu sagen, «…es gäbe kein Szenario, das eine Wiedererlangung der Erdkampffähigkeit rechtfertigen würde»?
- Kennen Sie ein glaubwürdige Armee auf der Welt, die ohne einen Luftschirm und die Unterstützung aus der Luft jemals erfolgreich war?
- Glauben Sie tatsächlich daran, die durch die Liquidierung der Hunterflugzeuge entstandene Fähigkeitslücke des Erdkampfes könnte bei der Anschaffung neuer Kampfflugzeuge faktisch «im Handumdrehen» zurückerlangt werden?
Ich bitte Sie mir diese Fragen baldmöglichst zu beantworten damit ich u.a. ersehen kann, ob das Zitat der BDP auf Ihrer Webseite «Nichts gereicht einen Staat mehr zum Schaden, als dass die Schlauen für klug gelten» seine Gültigkeit hat.
MfG, Peter Bosshard
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Grüezi Herr Bosshard
Ich habe mich gegen zusätzliche 20 Millionen (wie eine deutliche Mehrheit des Parlamentes) ausgesprochen. Mit den 20 Mio. wäre keine tatsächliche Erdkampffähigkeit möglich. Und in diesem Zusammenhang wäre es einfach das Spielzeug für einige wenige und ich meine nicht die Piloten, die gute Arbeit leisten. Die Armee hat ein Budget von 5 Mrd. und innerhalb von diesem kann und soll sie sich bewegen können.
Freundliche Grüsse, Rosmarie Quadranti
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Sehr geehrte Frau Nationalrätin
Ich bin nicht nur enttäuscht sondern erschüttert über Ihre Stellungnahme, die ich von einem Mitglied der SiK-NR niemals erwartet hätte. Nicht nur begründen Sie nicht, wer und was Sie mit «Bubenspielerei» gemeint, bzw. bezeichnet haben sondern Sie vermögen meine Fragen offenbar auch nicht zu beantworten. Etwas gar peinlich für eine Volksvertreterin, die sich berufen fühlt, öffentlich und in der Tagesschau über die Beschaffung von Rüstungsgütern und insbesondere über die Luftwaffe urteilen zu müssen. Ihre Interessensbindungen lassen ja auch nicht erkennen, dass die Armee zu Ihrer Kernkompetenz gehört.
Ich stimme zu, dass Sie im Nationalrat die Mehrheit vertreten haben – was an sich noch keine Leistung darstellt -, aber wie ich der Medienmitteilung der SiK-NR entnehmen kann, waren Sie dort in der Minderheit, die Mehrheit hat den 20 Mio offenbar wohlweislich und weitsichtig zugestimmt, also sind Sie mit Ihrem Votum im NR der Mehrheit in der SiK-NR ganz einfach in den Rücken gefallen um der Mehrheit im NR zu gefallen.
Es macht mir Angst, wie klein gegenüber früheren Jahren der Anteil von Mitgliedern im Nationalrat geworden ist, die von der Armee noch etwas versteht, sei es aus eigener Erfahrung oder sei es, weil sie den Sinn einer glaubwürdigen Landesverteidigung erkennen. Mit Ihrer negativen Haltung zur Wiedererlangung der Kompetenz Erdkampf übernehmen Sie auch die Verantwortung, unsere Bodentruppen in einem Konfliktfall ohne wirksamen Waffenschutz aus der Luft auszusetzen. Mit Verlaub Frau Nationalrätin, nur ein Tor von einem Truppenkommandanten würde das leichtfertig tun.
Und noch etwas zu Ihrem Kommentar zum fehlenden Szenario: In Deutschland schätzt man die Lage u.a. auf Grund der Situation in der Ukraine und den massiven Rüstungsanstrengungen in Russland realistischer ein, dort heisst es nämlich: «Das Heer muss wieder mit Panzerschlachten rechnen. Weil diese nach dem Fall des Eisernen Vorhangs als Spukbild der Vergangenheit galten, hatte die Bundeswehr 100 ihrer Leopard 2- Panzer an die Rüstungsschmiede Krauss-Maffei verkauft, für rund eine Viertelmillion Euro pro Stück. Nun kauft sie die Panzer zurück und modernisiert sie.» (Faktenreport Bundeswehr, Focus 10/2017).
Bedenken Sie Frau Nationalrätin, die Ewiggestrigen sind nicht die Bösen und die WEA-Turbos sind nicht die Guten. Ich beobachte das Geschehen um unsere Armee seit sehr vielen Jahren und war über 25 Jahre Präsi des Forums Flugplatz Dübendorf. Ich werde Ihre Stellungnahme bei Gelegenheit an geeigneter Stelle verwenden.
MfG, Peter Bosshard
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Sehr geehrter Herr Bosshard
Ich habe ihnen auf die zur Zeit relevante Frage geantwortet.
Ich kann mir durchaus vorstellen, auch Ihre Mailaussagen bei Gelegenheit zu verwenden.
Noch etwas zu Mehrheit und Minderheit: die SiK-N hat mit einer knappen Mehrheit + 20 Mio. vorgeschlagen. Die BDP hat in der Fraktion ganz klar hier nein gesagt und das habe ich auch – wie auch schon in der SiK – vertreten. In der Regel vertritt man die Haltung der eigenen Fraktion und nicht die Kommissionsmehrheit.
Da ich im FHD und im Zivilschutz war, verstehe ich sehr wohl etwas. Trotzdem teile ich Ihre Haltung nicht. Und offenbar hat die Tagesschau entschieden einen Auszug aus meinem Votum zu senden, die Tagesschau bringt jeweils Beiträge ohne dass man etwas dazutut.
Es braucht keine WEA-Turbos. Die WEA ist beschlossen und soll umgesetzt werden. Das 5 Mrd.-Budget dazu muss reichen, zumal die WEA von 4,7 Mrd. ausgegangen war. Und ja, sehr geehrter Herr Bosshard, ich gebe zu, dass ich viel eher von einer Cyberbedrohung ausgehe, denn von einer Panzerschlacht die mit Bombern unterstützt werden müsste.
Und ja, wir sind uns ja nicht das erste Mal nicht einig. Auch bezüglich Nutzung Militärflugplatz Dübendorf sind wir nicht am gleichen Ort.
Freundliche Grüsse
Rosmarie Quadranti
Nationalrätin
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Kommentar Peter Bosshard:
Es ist in der Tat unglaublich, mit welcher Oberflächlichkeit und Verantwortungslosigkeit ein militärisches Thema von gewissen PolitikerInnen abgehandelt wird. Die Nationalrätin hat sich nicht mit unserer Vergangenheit auseinandergesetzt und sich offenbar nie die Frage gestellt, warum die Schweiz das einzige Land ist, das in den letzten 170 Jahren keine kriegerischen Auseinandersetzungen erdulden musste. Ob da nicht eine starke Armee, bei der der Bürger auch Soldat war und die Bevölkerung eine gewisse Wehrhaftigkeit an den Tag legte, eine wesentliche Rolle spielte? Und daher die Verteidigungsausgaben von 1850 bis 1995 gemessen am Bundesbudget zwischen 15 und 80% lagen und diese seit 1995 bis heute auf 7% absackten.
Sie fragt sich auch nicht, warum diese Kriegsverhinderungsattribute von damals heute nicht mehr gelten sollen. Und sie vergleicht in keiner Art und Weise den Materiellen und organisatorischen Aufbau der Armeen unserer umliegenden Ländern oder von analogen Kleinstaaten in Europa. Und wundert sich nicht, warum alle NATO Staaten Europas versuchen ihre finanziellen Verteidigungsanstrengungen gegen 2% des BIP anzuheben, während die Schweiz ganz am Schluss der Liste mit Malta, Luxemburg und Irland zusammen bei 0.7% verharrt.
Frau R. Quadranti ist sich auch nicht bewusst, dass niemand die Zukunft vorhersagen kann und es daher weise wäre für einen neutralen, unabhängigen Staat wie die Schweiz, gute Voraussetzungen zu schaffen mit einer starken Armee, um auch unseren Enkeln die gleiche Sicherheit bieten zu können, wie Frau Nationalrätin für sich als selbstverständlich in Anspruch genommen hat.
Mit der Beantwortung dieser Sinnfragen wird automatisch die Vorbereitung für eine gewisse Erdkampffähigkeit zur Selbstverständlichkeit und bei den Varianten bezüglich der Anzahl Kampfflugzeuge kommt nur die grösste Anzahl in Frage.