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Die zwischenmenschliche Kommunikation ist ein zweischneidiges Schwert. Wie kann es gelingen, dass die Kommunikation die Versorgung selbst in Notfall- und Krisensituationen erleichtert oder bereichert, und nicht zum Hindernis wird? Um diese Frage zu beantworten, muss zuerst klar sein, wie die Kommunikation die Versorgung behindert oder erschwert. Diesbezüglich wurden in den letzten Jahren bereits zahlreiche Schadensfälle aus Spitälern kommunikationswissenschaftlich analysiert. Nun gibt es ein neues Projekt, das untersucht, wie sich die zwischenmenschliche Kommunikation in der Bergrettung entfaltet, wo interprofessionelle Teams unter Extremkonditionen eine sichere Versorgung gewährleisten müssen. Die ersten Studienergebnisse zeigen, dass eine suffiziente (S), akkurate (A), klare (C), kontextbezogene (C), interpersonell angepasste (IA) Kommunikation gemäss dem SACCIA-Modell den Faktor Mensch «sicherer» macht, und zudem ein «übermenschliches» Potenzial in Teams aktivieren kann.
Bei den Bergrettungseinsätzen, die 2020 wissenschaftlich begleitet wurden, ist z. B. ein Helikopterpilot nicht über die Planänderung informiert worden, dass er den Herzinfarkt-Patienten nun doch ins Spital fliegen muss (ungenügende Kommunikation – vgl. S), was zu einer Behandlungsverzögerung führte, woraufhin der Patient starb. Zuvor war eine falsche Kommunikation des Arztes nicht korrigiert worden, der die langsamere Ambulanz anforderte, statt den Helikopter zu nehmen, mit der Fehlaussage, dass der Heli «hier nicht landen könne», obwohl der Pilot das Team kurz zuvor dort abgesetzt hatte (keine Überprüfung der Richtigkeit der Information – vgl. A). Unklar kommunizierte geografische Koordinaten (vgl. C) führten in einem anderen Fall dazu, dass die Ambulanz den Patienten erst über eine Stunde später behandeln konnte, obwohl der Ort einfach zu finden gewesen wäre. Der unbeachtete Kommunikationsversuch einer Ehefrau, dass ihr Mann mittags «ein oder zwei Bier» getrunken habe, führte zu einer Fehlmedikation (ungenügender Kontextbezug – vgl. C), die den Körper des Verletzten versteifte und es fast verunmöglichte, ihn aus einer Gletscherspalte zu befreien. Und die fehlende Bereitschaft eines Arztes, während einer Reanimation auf die kommunikativen Bedürfnisse des Sanitäters einzugehen (mangelhafte interpersonelle Anpassungsfähigkeit – vgl. IA), war für den Sanitäter derart kräfteraubend, dass er bei der Reanimation «nicht mehr alles geben» konnte.
Diese Beispiele zeigen, wie die Kommunikation die Versorgungssicherheit schwer gefährden kann. Gleichzeitig gibt es aber auch Beispiele, wie die Kommunikation Übermenschliches aus dem Faktor Mensch herausholen kann. Die Bergung eines Verunglückten auf 4000 Metern Höhe nachts bei Nebel war zum Beispiel nur möglich, weil das Rettungsteam sich immer wieder gegenseitig motivierte, nicht aufzugeben, und damit das Unmögliche möglich machte. Bei einer anderen kommunikativen Konstellation wäre der Verletzte zu spät geborgen worden. Dasselbe trifft auf Reanimationen und andere gängige Versorgungsszenarien zu, wo Patienten aufgrund genau dieser Art von zwischenmenschlicher Ausrichtung entweder überleben, oder sterben.
Fotos: A. Hannawa