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Methoden der Ethik
Bei ethisch schwierigen Situationen stehen sich verschiedene Meinungen gegenüber. Es gibt gute Gründe für ein bestimmtes Handeln, aber auch gute Gründe dagegen. Es gibt nicht einfach eine richtige oder falsche Lösung. Doch je nach Gewichtung der Werte und Normen findet der oder die Einzelne eine Lösung verantwortungsvoll oder eben nicht. Im Zusammenhang mit der Gentechnik geht es um so komplexe ethische Fragen wie:
- Darf man gentechnisch veränderte Tiere in Tierversuchen einsetzen, um die Entstehung und Behandlung schwerer Krankheiten zu erforschen, oder darf ein Tier unter keinen Umständen leiden? („Ethik und Tierversuche“)
- Darf man mithilfe eines Gentests bestimmen, welcher Embryo zum Kind heranwachsen soll, oder haben alle Embryonen ein Recht auf Leben?(„Ethik und Gentests“)
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Bei den drei Fragen geht es um ganz unterschiedliche Themen. Aber überall gibt es Gründe dafür und dagegen, überall müssen positive und negative Aspekte gegeneinander abgewogen werden. In der Ethik hat es sich bewährt, bei solch komplexen Fragen nach der 6-Schritte-Methode vorzugehen und eine Güterabwägung zu machen.
6-Schritte-Methode
Die folgenden sechs Schritte helfen, zu einer guten Entscheidung zu kommen.
SEHEN
1) Wissen zusammentragen: Worum geht es? Sachliche Informationsquellen sind Lehrbücher, Fachleute, und auch seriöse Zeitungsartikel sowie die Internetplattformen vertrauenswürdiger Institutionen. Wer ist alles betroffen? Verschiedene Interessensgruppen können unterschiedliche Meinungen haben, wie ein Problem gelöst werden sollte. Auch die Interessen von indirekt Betroffenen und Umweltbelange sollten einbezogen werden.
URTEILEN
2) Ethisches Nachdenken: Welche ethischen Prinzipien, Normen und Werte spielen eine Rolle?
3) Gute Gründe nennen: Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Welche guten Gründe sprechen dafür und dagegen?
4) Güter abwägen: Wie schwer wiegen die verschiedenen Gründe? Dabei hilft eine Güterabwägung (siehe unten).
HANDELN
5) Meinung formulieren: Mit Hilfe der oben genannten gedanklichen Schritte kann ein ethisches Urteil gefällt, begründet und vertreten werden.
6) Umsetzung entwerfen: Ein letzter Schrit ist der Entwurf von konkreten Handlungsanleitungen und Massnahmen, um verantwortungsvoll mit dem ethischen Problem umzugehen.
Die Güterabwägung
Bei der Güterabwägung werden alle guten Gründe für oder gegen eine Lösung aufgelistet. Anschliessend wird jeder Grund bewertet und erhält mehr oder weniger Gewicht. Man kann sich dabei eine Waage vorstellen: In der einen Waagschale liegen die Argumente, die für eine Lösung sprechen, in der anderen Waagschale diejenigen Argumente, die dagegen sprechen. Eine der beiden Waagschalen wird schwerer wiegen als die andere.
Es ist normal, dass nicht alle gleicher Meinung sind und die Gründe unterschiedlich bewerten. Wenn eine Schulklasse über Gentechnik diskutiert, wird sich rasch herausstellen, dass nicht alle Personen finden die gleichen Werte wichtig finden. Entscheidend ist, dass ein ethisches Urteil auf guten Gründen beruht und Konflikte nicht mit Gewalt, sondern durch vernünftiges und faires Argumentieren gelöst werden!
Lösungen finden
In einer fairen ethischen Diskussion mit allen Betroffenen kann es gelingen, dass sich bestimmte Argumente ohne Zwang durchsetzen, weil alle erkennen, dass es die besseren Argumente sind. Die 6-Schritte-Methode trägt dazu bei, zu einer differenzierten Meinung zu kommen, und so eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten ethisch vertretbar ist. Manchmal kann man sich jedoch nicht einigen, da die Werte und Interessen zu verschieden sind. Bei der Gewichtung der Argumente gibt es allerdings Vorzugsregeln. Neben der Dringlichkeit ist die Ranghöhe der Argumente entscheidend: Viel Gewicht erhalten Argumente, die auf hohe ethische Werte und Normen bzw. auf ethische Prinzipien abzielen – wie Gerechtigkeit, die Nichtschadensregel oder die Wahrung der Menschenwürde. Im konkreten Fall entscheiden aber nicht nur die Kenntnis und die Beachtung der Prinzipien. Die Urteilsfindung wird auch beeinflusst durch Erinnerungen an ähnliche Situationen und persönliche Erfahrungen. Und es kommt darauf an, wie offen eine Person (oder eine Gesellschaft) ist für die Anerkennung von neuem Wissen und wie viel Gewicht sie der Vorsicht gegenüber möglichen Folgen gibt.