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In meiner Reprise von Alvin Plantingas Leben und Werk (siehe diesen und diesen Beitrag). las ich fasziniert den rahmenden Aufsatz seines Freundes seit den 1950er Jahren am Calvin College, Nicholas Wolterstorff, “Then, Now, and Al” in Reason, Metaphysics, and Mind: New Essays on the Philosophy of Alvin Plantinga.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts dominierte innerhalb der angelsächsischen Philosophie die Überzeugung des logischen Positivismus.
Im Mittelpunkt der positivistischen Bewegung stand die Behauptung, dass ein Satz nur dann eine echte Behauptung ist, wenn man etwas gesagt hat, das entweder analytisch wahr oder falsch oder empirisch überprüfbar ist.
Es herrschte nahezu Einigkeit darüber, dass ein großer Teil, wenn nicht sogar der größte Teil der Sprache der der Ethik, der Kunstkritik und der Religion den positivistischen Test der assertorischen Bedeutung versagt; wir verwenden solche Sätze nicht, um wahr-falsche Behauptungen aufzustellen.
Auf diesem Hintergrund schildert Woltertorff dann den Beitrag Plantingas:
Al betitelte sein erstes Buch, das 1967 erschien, God and other Minds (Online-PDF). Man beachte: nicht Rede von Gott (God-talk), sondern von Gott. … Damals wurde viel über die Rede von Gott diskutiert, denn es wurde weithin davon ausgegangen, dass solche Reden nichts anderes bezwecken als sich auf Gott zu beziehen und Behauptungen über Gott aufzustellen. Ein junger Philosoph mischte sich in diesen Trubel ein und kündigte ein Buch über Gott an.
Das Hauptargument ist ein Paritätsargument: Wenn es rational ist, an einen anderen (menschlichen) Verstand zu glauben, dann ist es rational, an Gott zu glauben. … Das Buch trug entscheidend dazu bei, dass sich das Hauptthema der analytischen Religionsphilosophie von der religiösen Sprache zur Erkenntnistheorie des Glaubens wandelte.
Daraus entwickelte sich die Lebensaufgabe Plantingas:
Al wählte nicht nur ein Thema, bei dem er seine Talente als Systematiker zu schärfen und zu zeigen gedachte; er wollte einen Vorwurf gegen den theistischen Glauben im Allgemeinen und den christlichen Glauben im Besonderen entkräften, der tief in der Mentalität der Moderne verwurzelt ist – der Vorwurf, es sei nicht rational, solche Überzeugungen zu vertreten.
Dafür musste er eine Position, die bisher implizit als Denkvoraussetzung galt, als eigene Position herausarbeiten und benennen: Den klassischen Fundationalismus.
In dem Aufsatz “Reason and Belief in God” (PDF online) ging er einen Schritt zurück und fragte, warum so oft behauptet wird, der Glaube an Gott sei nicht rational gerechtfertigt. Niemand sagt das über Überzeugungen von Wahrnehmungen, Erinnerungen bzw. das Gedächtnis oder über den Glauben an den Geist (mind) anderer.
Es wurde allgemein angenommen, dass etwas um rational gerechtfertigt zu sein auf der Grundlage angemessener Evidenz beruhen müsse. Dies wurde die Evidentialismus-These in Bezug auf theistische Überzeugungen genannt. Kritiker gingen davon aus, dass diejenigen, die theistische Überzeugungen hegten, diese Anforderung nicht erfüllen. … Al war der erste, der den klassischen Fundationismus als als eine eigenständige erkenntnistheoretische Position formulierte (und kritisierte). … Al’s Beitrag zu diesem Gebiet gipfelte in seinen drei Bänden über Gewährleistung (warrant), die zwischen 1993 und 2000 veröffentlicht wurden, in denen er den Angriffsmodus verließ und mit großer Genauigkeit und Detailreichtum eine eine eigene Darstellung der Natur des Wissens, die so genannte proper functioning account entwarf (u. a. Warranted Christian Belief; PDF online).
Was mit God and Other Minds begann als Veränderung des Themas innerhalb der Religionsphilosophie weg von der Sprache hin zur Erkenntnistheorie der Religion, entwickelte sich in den folgenden dreißig Jahren zu einem einen kreativen und transformativen Beitrag zu einer ganzen philosophischen Unterdisziplin, nämlich der Erkenntnistheorie.
(D)as vorherrschende Thema in Als Schriften ist das Thema der Antwort auf den Vorwurf, theistischer Glaube im Allgemeinen und christlicher Glaube im Besonderen sei irrational. Manchmal wird der Vorwurf erhoben, dass der theistische Glaube auf die eine oder andere Weise erkenntnistheoretisch unzureichend sei. … Aber manchmal lautet der Vorwurf auch, dass der Inhalt des theistischen Glaubens in irgendeiner Weise intellektuell fehlerhaft, nämlich inkonsistent oder inkohärent sei.