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Architektur + Technik 7-8/20 Dossier Siedlungsbau S. 32+33
Links
Projektbilder & Renderings
Pläne
Situation
Grundriss Ebene 0
Grundriss Ebene 1
Grundriss Ebene 2 und 3
Grundriss Ebene 4
Südfassade
Westfassade
Nordfassade
Längsschnitt
Querschnitt
Detailplan
Kurzbeschrieb
Das Wettbewerbsprogramm von 2011 forderte einen Kirchgemeindesaal, Wohnungen und eventuell einen Ersatzneubau mit Wohnungen anstelle des Pfarrhauses. Unser Beitrag suchte die Lösung in einem wahrnehmbare Dorfteil mit hochwertigem öffentlichem Raum und hoher Lebensqualität für die Wohnenden.
Ausgangslage
Das bestehende Altersheim neben Kirche und Pfarrhaus wurde an einen nahe gelegenen Standort verlegt. Es war durch Wohnbauten und einen neuen Kirchgemeindesaal, der bisher im Altersheim untergebracht war, zu ersetzen. Die bisherige Erschliessung des Areals ohne wahrnehmbaren Anschluss an das Wegnetz der Gemeinde war nicht alltagstauglich. Das Wettbewerbsprogramm sah für die Projektierung das Planungsinstrument des Quartierplans vor, was eine höhere Ausnutzung und freiere Anordnung der Baukörper ermöglichte.
Entwurfsidee
Die direkte Wegverbindung vom Dorfzentrum bis zur Langegasse verläuft direkt und übersichtlich. Ab der Langegasse war der Zugang zur reformierten Kirche bisher kaum erkennbar und spielte eine untergeordnete Rolle. Das Projekt setzt den Weg vom Dorfzentrum im eigenen Areal mit einer breiten Treppenkaskade fort und lässt ihn in einem kleinen Platz vor der Kirche enden. Gefasst wird der öffentliche Platz von der bestehenden Kirche im Osten, dem neuen Kirchgemeindesaal im Norden und dem damit abgestimmten Wohnungsbau im Süden. Der öffentliche Raum kann seine Aufgabe ohne Emissionen in die bestehende Wohnzone erfüllen. Das neue, vielseitige Wegnetz, die bessere Erreichbarkeit, der Platz und die räumliche Führung entlang der Kaskade zwischen Pfarrgartenmauer und Wohnbauten stärken die Bedeutung des Ortes mit selbstverständlichen Mitteln. Während der häufig stattfindenden Anlässe kann der neue Platz dank eines eingebauten Rasters an grossflächigen Sonnenschirmen differenziert bespielt werden. Auf der neuen, darüber liegenden Pfalz bietet ein langes raumbildendes Dach Sonnen- und Regenschutz und Planungssicherheit für Anlässe.
Während der öffentliche Raum vor der Kirche vorwiegend mit Hartbelägen und einzelnen bestehenden und neuen Bäumen strukturiert ist, ist der Grünraum auf der Südseite dicht mit unterschiedlich begrünten Flächen und Bäumen ausgestattet, welche nicht nur optisch und durch Beschattung, sondern auch durch die Verdunstung zum angenehmen Klima beitragen.
Projektierung
Für die Wohnenden entsteht eine attraktive Situation mit Einblick in den neu geschaffenen öffentlichen Raum und zur Südseite der Bezug zum ruhigen, gut besonnten Grünraum. Die Wohnungen sind mit beiden Raumqualitäten verbunden. Der zweite Baukörper schliesst den gemeinsamen Grünraum zur Therwilerstrasse ab. Trotz des scheinbaren Nachteils der Lage des Gebäudes an der viel befahrenen Therwilerstrasse wurden die Wohnungen in beiden Gebäuden gleich schnell vermietet. Die unauffällige, schallabsorbierende Fensterkonstruktion zur Therwilerstrasse mag die rasche Vermietung unterstützt haben. Ausschlaggebend war offenbar der Anschlusses der Wohnungen an beide Raumqualitäten, den lebendigen öffentlichen Raum und an den ruhigen Grünraum, unbesehen ob es sich im einen Fall um eine aktive Verkehrsachse und im anderen um gesellschaftliche Aktivität handelt.
Das wohlproportionierte Raster der Fassade der Wohngebäude ermöglicht die Variation der Fensteranordnung zu einem vielfältigen und gleichzeitig ruhigen Auftritt. Die beiden Wohngebäude sind von öffentlichen und halböffentlichen Aussenräumen umgeben. Grosszügige Mauerflächen und eingezogene Loggien gewähren Privatheit direkt anschliessend an die öffentlichen Räume. Raumhohe Fenster lassen das Licht in die Tiefe des Raums fliessen und die zu den Loggien verglasten Zimmer erzeugen ein weites, offenes Raumgefühl.
Realisierung
Die Gebäude stehen auf lehmigem Boden. Zu Beginn war eine Stabilisierung des Bodens und eine Fundierung mit Betonsporen und Pfählen notwendig.
Geheizt wird mit Erdsonden mit Rückführung der Wärme im Sommer. Eine Fotovoltaikanlage ergänzt die energetische Versorgung. Gelüftet werden die Wohngebäude mit einer einfachen Zwangslüftung, welche die Frischluft via Fensterventile bei den Fenstern abholt und mehrmals am Tag automatisch einschaltet. Die bisherigen Rückmeldungen sind ausgesprochen positiv.
Besonderheiten
Zentral ist die Neupositionierung des ganzen Areals innerhalb Oberwils durch den besseren Anschluss an das Wegenetz und die selbstverständliche Aufwertung der öffentlichen Räume als Bereicherung in einem Wohnquartier.