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Immer wieder werde ich auf`s Holz angesprochen. Viele Kunden möchten gerne wissen, welche Hölzer für den Kontrabass verwendet werden und welche dieser Hölzer bedroht sind. Denn in den Medien trifft man regelmässig Beiträge zu diesem Thema an. Erst kürzlich strahlte der Kassensturz eine Sendung zum Ebenholz aus, die teils heftige Reaktionen auslöste. Dabei muss bemerkt werden, dass auch die Medien ihre Vorteile aus diesen Themen zu ziehen suchen und manchmal etwas oberflächlich und plakativ informieren.
Zum Bau eines Kontrabasses und des Kontrabassbogens verwendet man hauptsächlich folgende Hölzer:
1) Fernambuk zum Bau der Bogenstange. Aus Brasilien, heisst dort „Pau Brasil“
2) Ebenholz zum Bau des Griffbrettes und der Wirbel, des Bogenfrosches und manchmal auch des Saitenhalters. Aus Afrika oder Ceylon, weichere Sorten aus Indien
3) Ahorn zum Bau des Halses, des Rückens, der Zargen und des Steges. Vorallem aus Bosnien oder den Karpaten.
4) Fichte aus dem Alpenraum zum Bau der Decke.
5) Diverse, eher selten verwendete Varietäten, wie Weide, Pappel, Linde, Nussbaum usw. Meistens einheimische Hölzer.
Teil 1 Fernambuk
Zum Bau der Bogenstange hat sich in den letzten 250 Jahren das Holz von Caesalpinia Echinata klar als Favorit durchgesetzt. Dieses Holz, in Brasilien „Pau Brasil“, Pernambuco oder Fernambuk, wegen seiner stark färbenden Wirkung auch „Feuerholz“ genannt, ist immerhin der Namensgeber von Brasilien. An der Ostküste Brasiliens, der Mata Atlantica, früher im damals grossen Küstenwald häufig anzutreffen, wurden die Bestände massiv abgeholzt, um Platz für landwirtschaftliche Nutz- und Wohnflächen zu schaffen. Die Bestände wurden also nicht nur wegen ihrer Nutzbarkeit dezimiert, sondern auch wegen des Bodens, auf dem sie wuchsen. Nur mehr 5-7 % der ursprünglichen Waldfläche ist vorhanden und somit ist auch der Lebensraum dieser Baumsorte stark eingeengt.
1999 realisierte eine Gruppe von Bogenmachern die zunehmenden Schwierigkeiten, Fernambuk Holz in der geeigneten Qualität zu beschaffen und beschloss, sich für die nachhaltige Nutzung einzusetzen. Die IPCI wurde gegründet. IPCI steht für International Pernambuco Conservation Initiative und ist inzwischen eine weltweite Organisation, die mit Massnahmen wie Bestandsermittlung, Forschungs- und Wiederanpflanzungsprogramme einige Erfolge vorzuweisen hat.
Durch die geschickte Einbindung der einheimischen Bevölkerung und der ansässigen Kakao-Pflanzern konnte in wenigen Jahren das Ziel, 500 000 Setzlinge auszubringen, erreicht werden. Die Symbiose mit den Kakao Pflanzen ist ideal. Diese Pflanze braucht Schatten, um gedeihen zu können. Schatten , die der Fernambuk Baum zu spenden vermag. Von diesem Argument liessen sich die Kakao Pflanzer überzeugen und pflanzten die zur Verfügung gestellten Setzlinge von Caesalpinia Echinata auf ihrem Boden ein. Eine klare Win / Win Situation.
Da Brasilien durch seine klimatische Lage ein viel besseres Pflanzenwachstum aufweist als etwa unsere Breitengrade, kann schon nach 30 Jahren Nutzholz gefällt werden. Die vielen parallelen Programme wie Vermessung der Bestände, Forschung des Wachstumsverhaltens, Bestimmung der DNA und möglicher Schädlinge, Sammlung von Samen oder das Fördern von musikalischen Projekten und die Sensibilisierung der Bevölkerung sind genau so wichtig und werden in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden geführt.
So hat die staatliche Forstbehörde IBAMA eine massgebende Rolle in diesem Projekt. Professor Haraldo vom Forschungsinstitut begleitet die Projekte auf wissenschaftlicher Basis. Zudem ist der Handel mit dem Holz zertifiziert worden und kann nur mehr gegen genaue Schriften geführt werden. Zum Wohle des Musikers wurde aber klar bestimmt, das die Reise mit einem Fernambuk Bogen ungehindert möglich ist und nicht, wie das z.B. beim Elfenbein ist, in manchen Ländern zu Beschlagnahmung durch den Zoll führt.
Für mich war es ein Erlebnis der besonderen Art, mir diese Organisation erklären zu lassen. Klaus Grünke, der Präsident der deutschen Bogenmacher Vereinigung nahm sich persönlich Zeit, mich in seiner schönen Werkstatt zu empfangen und mir die Arbeit der IPCI vorzustellen. Inmitten einer Auswahl von feinsten Bögen und einem ansehnlichen Stapel dieses seltenen Holzes als Kulisse wurden seine geschilderten Erlebnisse aus dem Küstenwald lebendig und die kompromisslose Hingabe zu seinem Beruf war in jedem Moment spürbar. Besten Dank !
In diesem Sinne, bis gleich wieder Mal……. Euer
Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer
© copyright Text Giorgio Pianzola, Bern 2012 . Fotos by IPCI