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Gerade mal 750 Dollar Einkommenssteuer hat der angebliche Milliardär 2016/17 entrichtet.
Leona Helmsley war eine reiche und eingebildete Erbin und Mitglied der New Yorker High Society. Berühmt wurde sie nicht dank grosszügigen Spenden an Museen oder Konzerthallen, sondern als «Queen of Mean» (Königin der Fiesen). Diesen Titel hatte Helms sich mit dem legendären Ausspruch verdient: «Wir zahlen keine Steuern. Nur die kleinen Leute zahlen Steuern.» Sie wurde Ende der Achtzigerjahre des Steuerbetrugs überführt und musste 19 Monate ins Gefängnis.
Donald Trump ist offensichtlich in die Fussstapfen der Queen of Mean getreten. Die «New York Times» hat am Sonntag enthüllt, wie der angebliche Milliardär es verstanden hat, über Jahre hinweg praktisch keine Steuern zu entrichten. So soll er 2016/17 dem Fiskus nur 750 Dollar an Einkommenssteuer bezahlt haben. In 11 von 18 Jahren, welche die Zeitung analysiert hat, soll Trump gar überhaupt keine Einkommenssteuern bezahlt haben.
An einer hastig einberufenen Pressekonferenz hat Trump diesen Bericht dementiert und als Fake News verurteilt. Wirklich glaubwürdig wirkte er dabei jedoch nicht. Denn anstatt mit Fakten den Gegenbeweis anzutreten, griff er auf seine längst widerlegte Ausrede zurück, die Steuerbehörde würde seine Unterlagen noch überprüfen. Deshalb dürfe er keine Auskunft geben.
Die «New York Times» hingegen wartet mit einer Fülle von Fakten auf. Sie reichen vom Lächerlichen – Trump hat beispielsweise 70’000 Dollar Honorar für seinen Coiffeur bei den Dreharbeiten zum «Apprentice» als Geschäftsauslagen deklariert – bis zum Bedrohlichen: Der Präsident hat bei Banken Kredite in der Höhe von mehr als 400 Millionen Dollar ausstehend.
Seit er die Rolltreppe im Trump Tower in New York hinunter glitt und seine Präsidentschaftskandidatur angekündigt hat, sind Trumps Steuern ein Thema. Dass Anwärter auf das Weisse Haus ihre finanziellen Verhältnisse offenlegen, ist in den USA seit Richard Nixon Tradition.
Trump jedoch weigerte sich bisher standhaft, er hat gar eine Armada von Anwälten damit beauftragt, alles zu unternehmen, damit seine Steuererklärungen niemals an die Öffentlichkeit geraten. Immer noch sind mehrere juristische Verfahren in dieser Sache hängig.
Der «New York Times» ist es nun offenbar gelungen, diese Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Um ihre Quellen zu schützen, will die Zeitung sie nicht offenlegen. Der Bericht ist jedoch so detailliert, dass er sehr glaubwürdig wirkt.
Bereits vor einiger Zeit hatte die «New York Times» aufgedeckt, dass Trump keineswegs als brillanter Geschäftsmann reich wurde, sondern dass er mehr als 400 Millionen Dollar von seinem Vater geerbt hatte. Die Unterlagen zu dieser Enthüllung lieferte Trumps Nichte Mary Trump.
Dank der «New York Times» ist es nun möglich, sich ein Bild von Trumps Vermögensverhältnissen und seinem Geschäftsgebaren zu machen. Es ist kein schönes Bild:
Das Erbe seines Vaters hat Trump mit seinen Kasinos in Atlantic City vernichtet. Dieses Abenteuer hat ihn an den Rand des Bankrotts gebracht. Das einzige Positive, das davon übrig geblieben ist, ist die Tatsache, dass Trump diese Verluste noch jahrelang von seinen Steuern absetzen konnte.
Gerettet hat Trump die TV-Serie «The Apprentice». Sie hat ebenfalls mehr als 400 Millionen Dollar in seine Kassen gespült. Doch auch dieses Geld hat Trump verbrannt, hauptsächlich mit dem Erwerb von Golfplätzen. Die meisten von ihnen sind hoch defizitär, vor allem der grösste, Doral in der Nähe von Miami, und die drei Plätze in Schottland und Irland. Ebenfalls hoch defizitär ist sein Nobelhotel in Washington.
Einnahmen hat Trump heute dank dem Trump Tower in New York und der Vermarktung seines Namens. Ebenfalls besitzt er noch lukrative Beteiligungen an Geschäftsimmobilien.
Nicht bestätigen kann die «New York Times» die zahlreichen Gerüchte, wonach russisches Geld Trump über Wasser hält. Der 2013 von ihm mitorganisierte «Miss Universe»-Wettbewerb in Moskau war zwar äusserst lukrativ. Anzeichen für Geldwäscherei sind jedoch – zumindest bisher – keine gefunden worden.
Trotzdem sieht Trumps finanzielle Situation alles andere als rosig aus. Gemäss «New York Times» musste er die meisten seiner Wertpapiere verkaufen. Zudem hat er 421 Millionen Dollar an ausstehenden Krediten, von denen 300 Millionen Dollar in den nächsten Jahren fällig werden. Ebenso streitet sich Trump noch mit den Steuerbehörden. Im schlimmsten Fall muss er rund 170 Millionen Dollar Nachsteuer entrichten.
Wie weit werden dem Präsidenten diese Enthüllungen schaden? Immerhin zeigen sie ihn als «König der Fieslinge», wie man in Anlehnung an Leona Helmsley sagen könnte. Den harten Kern seiner Fans wird auch dies nicht erschüttern. Doch im sogenannten «rust belt» (Rostgürtel) von Amerika könnte ihm das schaden.
2016 hat Trump in diesem Rostgürtel die Wahlen gewonnen. Die Arbeiter in Staaten wie Ohio, Pennsylvania, Wisconsin und Michigan hatten eine Stinkwut auf Hillary Clinton, die sie als Verräterin ihrer Sache betrachten. Deshalb hat Trump in diesen traditionell demokratisch wählenden Bundesstaaten hauchdünn obsiegt.
Derzeit sieht es für ihn gerade in diesen Staaten schlecht aus. Joe Biden stammt nicht nur aus dieser Gegend, er ist auch beliebt und führt in den Umfragen zum Teil deutlich. Wenn Trump nun als Steuerhinterzieher dasteht, wird das seiner Beliebtheit kaum förderlich sein und könnte den Ausschlag in einem engen Rennen geben.
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