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|Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im|
«Berufliche Vorsorge: Kapital oder Rente?» Unter diesem Titel lud die Credit Suisse letzte Woche zu einer Medienkonferenz. Ob man sich das Pensionskassenkapital auszahlen oder auf eine lebenslängliche Rente setzen soll, ist zweifellos ein folgenschwerer Entscheid und beschäftigt viele Leute.
Ich hatte befürchtet, die Grossbank würde ein Plädoyer für den Kapitalbezug halten. Banken haben ein ureigenes Interesse daran, dass sich Kunden die Pensionskasse auszahlen lassen, damit sie es gewinnbringend anlegen können. Ob gewinnbringend für die Bank oder für die Kunden, sei dahingestellt. Idealerweise gewinnbringend für beide.
Meine Befürchtung war unbegründet. Der Studienautor stellte nüchtern Zahlen und Fakten auf den Tisch und zeigte auf, wann sich der Kapitalbezug, wann sich die Rente lohnt. Logischerweise basieren solche Berechnungen auf Annahmen.
Die CS rechnete beim Kapitalbezug mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 2 Prozent und einer Lebensdauer von noch 25 Jahren. Zudem muss man wissen, dass beim einmaligen Kapitalbezug eine Sondersteuer fällig wird. Diese ist von Gemeinde und Gemeinde verschieden. Je höher diese Steuer, desto weniger bleibt für die Vorsorge.
Ich kann mit solchen Berechnungen wenig anfangen. Es handelt sich stets um Durchschnittswerte. Sobald man vom Durchschnitt abweicht, sieht die Situation anders aus. Und wenn die CS eine Studie vorstellt oder ein Berater einen Finanzplan erstellt, geht es stets um die einzige Frage, welche Variante mehr rentiert. Also um die Frage: Ob ich pro Monat mit der Rente oder mit dem Kapital mehr Geld zur Verfügung habe.
Mich interessiert eine andere Frage: Welche Variante macht mich glücklicher? Schlafe ich besser mit der Rente oder mit dem Kapital? Ich sags offen: Ich werde mein ganzes Guthaben der 2. Säule als Rente beziehen, obschon ich mir durchaus zutrauen würde, das Geld mit einer positiven Rendite anzulegen. Unter dem Strich käme ich mit dem Kapital wohl besser davon wenn man bedenkt, dass ich die Rente als Einkommen versteuern muss.
Doch wie werde ich in 10 oder zwanzig Jahren ticken? Etwa wie mein Vater, der als ehemaliger Bundesbeamter eine ansehnliche Rente erhielt und im hohen Alter trotzdem völlig unbegründete Existenzängste bekam? Meine Eltern haben mich zum Sparen erzogen. Das habe ich meinen Lebtag gemacht. Werde ich in der Lage sein, Jahr für Jahr das Vermögen zu verzehren und zusehen, wie der Kontostand abnimmt? Ich bewundere Leute, die das können. Wohlverstanden: Was für mich gut ist, muss für andere nicht automatisch auch gut sein.
Jüngst stellte mich ein Nationalrat auf die Probe und fragte mich in der Wandelhalle: Herr Chatelain, in einem Satz, was ist besser: die Rente oder das Kapital? Meine Antwort: Das Kapital für die Rendite, die Rente fürs Wohlbefinden.