Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03295.jsonl.gz/2163

Zu Beginn dieser Berichtsperiode waren die Verhältnisse vor allem am Alpennordhang im Hochgebirge gebietsweise winterlich. Mit der ersten Sonneneinstrahlung gingen in der Folge viele Lockerschneelawinen aus dem Neuschnee nieder (vgl. Bildstrecke). Danach stabilisierte sich die Situation rasch. Die Hauptgefahr ging vom Neuschnee, welcher in lokalen Schauern oder Gewittern fiel, und von Gleitschneelawinen aus.
Am Mittwoch liessen die Schneefälle im Norden deutlich nach und bis Donnerstagabend kamen nur noch im Nordosten ein paar Zentimeter Neuschnee hinzu. In Summe fielen am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis Liechtenstein, in Nordbünden nördlich des Vorderrheins und im Prättigau oberhalb von rund 2500 m in zwei Tagen 30 bis 50 cm Schnee, in den übrigen Gebieten weniger (vgl. Abbildung 1). Die Schneefallgrenze sank vorübergehend bis 2000 m. Der Schneefall war begleitet von zeitweise mässigem Wind aus Sektor Nord. Im Süden war es an beiden Tagen, im Westen nur am Donnerstag ziemlich sonnig.
Nach einem oft sonnigen Freitag, 18.05. gab es am Pfingstsamstag und –sonntag mehr Wolken und zeitweise fiel Niederschlag. Im Hochgebirge am Alpenhauptkamm vom Rheinwaldhorn bis ins Berninagebiet kam mit 10 bis 20 cm am meisten Neuschnee zusammen. Ähnliche Neuschneemengen fielen am Pfingstmontag im Hochgebirge des Oberwalliser Alpenhauptkamms und der oberen Maggiatäler. Bis Donnerstag, 24.05. stieg die Nullgradgrenze kontinuierlich an bis rund 3400 m. Dabei war es zeitweise sonnig. Immer wieder gab es aber auch Schauer, besonders über den Voralpen und dem Tessin, wo die gesamte Niederschlagsmenge als Regen fiel.
Nach einem sonnigen Freitag, 25.05. war im Osten und Süden auch das Wochenende sehr sonnig und mild. Die Nullgradgrenze stieg gegen 4000 m. Etwas mehr Wolken gab es im Westen. Im Tagesverlauf gingen aber Schauer und Gewitter nieder. Schnee fiel nur im Hochgebirge. Aus den Niederschlagsmengen zu schliessen, dürften am Sonntag, 27.05. in den Gipfellagen des Berninagebietes etwa 30 cm Neuschnee gefallen sein.
Am Montag, 28.05. und am Dienstag, 29.05 fiel im Süden erneut Niederschlag. Im Hochgebirge des Walliser Alpenhauptkammes kamen an zwei Tagen 20 bis 40 cm Neuschnee zusammen. Im Osten war es am Montag noch meist sonnig, am Dienstag dann wechselhaft mit Schauern. Die Nullgradgrenze sank wieder etwas und lag am Dienstag im Westen bei 3300 m und im Osten bei 3700 m.
Am Mittwoch 30. und am Donnerstag 31.05. war es oft sonnig mit Quellwolken, Schauern und Gewittern im Tagesverlauf. Am Mittwoch traf es vor allem den Süden, am Donnerstag dann zusätzlich auch den Westen. Schnee fiel dabei vor allem im Hochgebirge des südlichen Wallis. In der Region Arolla und in den Vispertälern dürften es am Mittwoch 15 bis 30 cm gewesen sein.
Die zweite Maihälfte stand insbesondere in hohen Lagen im Zeichen der Schneeschmelze (vgl. Abbildung 2).
Steile Südhänge aperten zunehmend bis über 3000 m hinauf aus. Auch an Nordhängen hoher Lagen schmolz der Schnee ab und die Schneedecke wurde zunehmend von steinigen und grasigen Inseln unterbrochen. Je nach Gelände und Schneeverteilung reichten aber lokal noch zusammenhängende Schneezungen bis gegen 2000 m hinunter, sodass von den hochgelegenen Ausgangspunkten an den Alpenpässen auch Ende Mai noch Touren ohne lange Tragstrecken gemacht werden konnten. Im Hochgebirge herrschten oft noch günstige Tourenbedingungen.
Durch die Schmelze näherten sich die Schneehöhen auch an hoch gelegenen Messfeldern verbreitet durchschnittlichen Werten an. Einzig am westlichen Alpennordhang, im Unterwallis und im nördlichen Oberwallis lag an Stationen oberhalb von rund 2200 m noch das ein- bis eineinhalbfache der üblichen Schneehöhen, im südlichen Oberwallis war es sogar das eineinhalb bis dreifache der üblichen Schneehöhe. Gegen Osten lagen die Schneehöhen auch oberhalb von rund 2200 m zunehmend unter den langjährigen Durchschnittswerten.
Mit dem kontinuierlichen Abschmelzen der Schneedecke verringerte sich auch das Potential für Frühjahrshochwasser im Zusammenhang mit rascher, durch Starkregen verursachter Schneeschmelze (vgl. Abbildung 3).
Auch den zahlreichen Zeugen des lawinenreichen Winters ging es aufgrund der Wärme zunehmend an den Kragen (vgl. Abbildung 4).
In der zweiten Maihälfte wurden dem Lawinenwarndienst nur sehr wenige Lawinen gemeldet. Dabei handelte es sich oft um Lockerschneelawinen aus dem Neuschnee (vgl. Bildstrecke) oder um Gleitschneelawinen (vgl. Abb. 5 und Abb. 7), bei welchen teils beachtliche Schneemengen in Bewegung kamen. Solche Lawinen können auch auf Bergwanderungen eine Gefahr darstellen.
Der im Mai oft beobachtete Nassschneelawinen-Zyklus an Nordhängen hoher Lagen blieb dieses Jahr weitgehend aus. Das einsickernde Wasser führte kaum zu Abgängen von nassen Schneebrettlawinen. Der Hauptgrund dafür dürfte der günstige Schneedeckenaufbau sein. Kantig aufgebaute, grobkörnige Schwachschichten, welche sehr sensitiv auf einsickerndes Wasser reagieren, waren diesen Winter nicht in genügender Mächtigkeit vorhanden oder durch die Überlast der Schneedecke zusammengedrückt worden.
In der zweiten Maihälfte wurden dem Lawinenwarndienst zwei Lawinenunfälle gemeldet:
In der zweiten Maihälfte erschien am 16., am 18. und zuletzt am 20. Mai jeweils ein Lawinenbulletin in Form eines Textbulletins.
Im Sommer und im Herbst publiziert das SLF nur bei grossen Schneefällen Lawinenbulletins.
Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte vor allem bei Neuschnee die Lawinensituation auch im Sommer beachtet werden. Sie können sich via Push-Alert, SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.