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In Memoriam Günther Scharf
Verstorben am 16. August 2020 im 82sten Lebensjahr
Günter Robert Scharf war von 1970 bis 2006 ordentlicher Professor für theoretische Physik an der Universität Zürich. Insbesondere war er eine Kapazität der mathematischen Physik.
Günter Scharf wurde am 19. September 1938 in Nordhausen (Thüringen, in der späteren DDR) geboren. 1958 nahm er das Physikstudium in Göttingen auf, um ein Jahr später nach Giessen zu wechseln. In diese Zeit fällt ein schwerer Motorradunfall, der zum Verlust eines Beines führte, dessen Folgen Günter Scharf mit eiserner Disziplin überwand. Mit einem Auslandsstipendium setzte er sein Studium an der ETH Zürich fort, wo er 1962 bei Prof. Res Jost diplomierte. 1965 promovierte Scharf bei Prof. Armin Thellung am Institut für theoretische Physik der Universität Zürich. Seine Dissertation über fastperiodische Potenziale trug dazu bei, seinen Ruf als mathematisch präzise arbeitender theoretischer Physiker zu begründen. 1969 erfolgte die Habilitation und 1970 die Berufung als Professor für theoretische Physik an die Universität Zürich. 2006 wurde er emeritiert, blieb als Forscher aber bis kurz vor seinem Tode aktiv.
Günter Scharfs Arbeiten zeichneten sich durch mathematische Klarheit, fundamentale physikalische Fragestellungen und eine beträchtliche Themenbreite aus. So hat er oft abseits und im zeitlichen Vorfeld von Modeströmungen einige Gebiete der theoretischen Physik weitergebracht. Dazu zählen vor allem seine Arbeiten zur Renormierung von Eichtheorien und zur Gravitation, in welchen er die Methodik von Epstein und Glaser entscheidend weiterentwickelte. Einflussreich waren auch seine Studien zur linearisierten Boltzmann-Gleichung, zur Theorie von Lasern sowie zu Spinwellen in Ferromagneten.
Klarheit der Begriffe und Zusammenhänge haben Scharfs Vorlesungen ausgezeichnet. Seine Bücher über klassische und quantisierte Feldtheorien bestechen durch ihren klaren und intuitiven Zugang und sind für viele Forscher zu Standardwerken geworden. Seinen Diplomanden und Doktoranden war er stets ein zuverlässiger Betreuer.
Eine weitere, vielleicht überraschende Seite Scharfs war sein Bezug zur angewandten Physik. So hat er in Zusammenarbeit mit Kardiologen und Ingenieuren in den letzten Jahren ein neuartiges System zur Lokalisation von Herzrhythmusstörungen entwickelt, aus welchem eine erfolgreiche Start-up-Firma hervorgegangen ist.
Daniel Wyler