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Toleranz PharmakodynamikToleranz bedeutet, dass dieselbe Dosis eines Arzneimittels bei einer wiederholten Verabreichung einen schwächeren pharmakologischen Effekt hervorruft. Dies führt oft zu einer selbständigen Dosissteigerung durch die Patientinnen und Patienten oder zu einer Verkürzung des Dosierungsintervalls. Die möglichen Folgen sind unerwünschte Wirkungen und schlimmstenfalls eine Vergiftung. Als Massnahmen können bei einer Toleranz eine vorübergehende Dosisreduktion, Therapiepausen und ein Wechsel des Arzneimittels in Betracht gezogen werden.Definition
Ein typisches Beispiel sind die Benzodiazepine, deren dämpfende, angstlösende und schlaffördernde Wirkungen bei regelmässiger Einnahme nicht mehr gleich stark ausgeprägt sind. Dasselbe gilt auch für die schmerzlindernden und psychotropen Opioide.
Es ist möglich, dass von der Toleranzentwicklung nicht alle pharmakologischen Effekte des Arzneimittels betroffen sind.Beispiele
Im Folgenden sind einige Wirkstoffe aufgeführt, unter denen sich eine Toleranz entwickeln kann:
- Abführmittel wie Senna
- Antiepileptika wie Carbamazepin und Barbiturate
- Genussmittel wie Coffein und Alkohol
- Nitrate wie Nitroglycerin
- Opioide wie Morphin und Heroin
- Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Drugs
- Stimulanzien wie Amphetamine
- Sympathomimetika wie Ephedrin
Eine mögliche Folge der Toleranz ist eine selbständige Dosiserhöhung durch die Patientinnen und Patienten. Dies birgt die Gefahr unerwünschter Wirkungen und einer Überdosierung und kann lebensgefährlich sein.
Alternativ wird das Dosierungsintervall verkürzt, d.h. die Abstände zwischen der Verarbeichung.Körperliche Reaktion
Der Grund für die Toleranzentwicklung liegt in einer körperlichen Anpassung an die Wirkstoffe des Medikaments. So wird beispielsweise die Anzahl der Rezeptoren auf einer Zelle reduziert, mit denen sie interagieren (Downregulation). Es wird von einer pharmakodynamischen Toleranz gesprochen.
Patientinnen und Patienten mit einer Toleranz vertragen in der Regel eine höhere Dosis. Bei Drogenabhängigen kann daraus ein Problem entstehen. Wer sich bei einem Rückfall nach einem Entzug dieselbe Dosis verabreicht, kann sich in Lebensgefahr bringen.
Die Toleranzentwicklung bedeutet nicht automatisch, dass eine Abhängigkeit oder Sucht vorliegt. Und eine Toleranz ist nicht dasselbe wie eine Resistenz. Eine Resistenz bedeutet einen Wirkungsverlust oder eine Abschwächung aufgrund einer in der Regel evolutionären genetischen Anpassung eines Mikroorganismus, eines Virus oder einer Tumorzelle an Medikamente wie Antibiotika, Antiviralia und Krebsmedikamente.Positive Effekte
Ein positiver Effekt der Toleranz ist, dass sie sich auch bei unerwünschten Wirkungen ausbilden kann. Die Nebenwirkungen treten nur zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden im Verlauf oder sind zumindest weniger stark ausgeprägt.Massnahmen
- Therapiepausen
- Wechsel auf ein anderes Medikament
- Die Dosis des Medikaments vorübergehend senken (statt erhöhen!)
Nach dem Absetzen des Medikaments stellt sich der die Empfindlichkeit in der Regel nach einiger Zeit wieder ein.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
- Bakker A., Fazey C. Methadone tolerance testing in drug misusers. BMJ, 2006, 333(7577), 1056-9 Pubmed
- Bespalov A. et al. Drug Tolerance: A Known Unknown in Translational Neuroscience. Trends Pharmacol Sci, 2016, 37(5), 364-378 Pubmed
- Ramsay D.S., Woods S.C. Biological consequences of drug administration: implications for acute and chronic tolerance. Psychol Rev, 1997, 104(1), 170-93 Pubmed
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.