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Zwischen April und Juli 1994 wurden beim Genozid gegen die Minderheit der Tutsi in Ruanda und bei Massakern an Oppositionspolitikern 800‘000 Frauen und Männer auf grausamste Weise getötet. Die Schweiz war wie der Rest der Welt schockiert und blieb nicht tatenlos.
Kontextgerechte Hilfe
Ab 1994 beteiligte sich die DEZA an der internationalen humanitären Hilfe für Hunderttausende von Flüchtlingen, die durch den Konflikt vertrieben wurden. Ende der 1990er-Jahre reduzierte sie die humanitäre Hilfe und begann, zahlreiche Projekte im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau in Ruanda zu unterstützen. Sie finanziert unter anderem ein Programm zur Unterstützung von Gerechtigkeit und Versöhnung, partizipative Workshops zur Bewältigung der starken Bevölkerungszunahme in den Städten nach dem Krieg und Weiterbildungskurse für Psychiater.
Das DEZA-Engagement in Ruanda wurde seither ohne Unterbruch weitergeführt und trug zum Wiederaufbau funktionierender Institutionen bei. Dank dem langfristigen Einsatz der Schweiz im Gesundheitssektor konnte ein nationales Krankenkassensystem eingeführt werden, so dass heute fast alle Ruanderinnen und Ruander Zugang zu medizinischen Leistungen haben. Trotzdem herrschen in Ruanda immer noch prekäre Lebensbedingungen, und fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze.
Regionale Kooperationsstrategie
Heute entsprechen die Programme und Projekte in Ruanda dem verstärkten Engagement der Schweiz in fragilen Kontexten. Seit 2009 ist die Tätigkeit der Schweiz in der Region der Grossen Seen in einer Kooperationsstrategie geregelt, die für die ganze Region (Ruanda, Burundi und Demokratische Republik Kongo) gilt und die Aktivitäten der verschiedenen Bereiche (Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe, Friedenspolitik, Diplomatie) koordiniert. Gemäss dieser Strategie sind Frieden, Gerechtigkeit und Stabilität grundlegende Voraussetzungen für die Armutsbekämpfung.
Im Moment führt die DEZA in Ruanda sechs Projekte in den Bereichen Gesundheit, Berufsbildung und Umwelt durch. Mit den Aktivitäten vor Ort soll die Arbeitsweise der staatlichen Institutionen verbessert werden. Dabei verfolgt die DEZA zwei Hauptziele: Sie will das Land befähigen, der Bevölkerung qualitativ hochstehende Grunddienstleistungen anzubieten, und ein Umfeld schaffen, das neue Arbeitsplätze begünstigt.
1. Projektbeispiel: Psychosoziales Programm
Der Gesundheitsbereich ist beim Engagement in Ruanda seit jeher ein Schwerpunkt. Seit 2011 geht ein ursprünglich von der Humanitären Hilfe geleistetes DEZA Programm die Frage der geschlechtsspezifischen Gewalt an. Das Programm unterstützt Frauen und Männer, die Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind. In Ruanda werden Überlebende des Genozids und anderer Konflikte in Heilworkshops («Ateliers de guérison») dabei unterstützt, ihre Trauer zu überwinden und sich auf eine Versöhnung einzulassen. Das psychosoziale Programm erstreckt sich auch auf Burundi und die Demokratische Republik Kongo. Opfer, die im häuslichen Umfeld oder in bewaffneten Konflikten physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt waren, werden gepflegt und können gemeinsam über ihre Situation und ihre Bedürfnisse sprechen.
2. Projektbeispiel: Berufsbildungsprogramm
Über 80% der ruandischen Bevölkerung lebt von der Subsistenzlandwirtschaft. Das Land muss seine Wirtschaft diversifizieren. Die DEZA hat ein Projekt lanciert, das die Berufsbildung in Ruanda gezielt verbessern soll. Seit 2012 konnten dank dem Projekt schon vier neue Berufsbildungszentren gebaut und eingerichtet werden. Zudem wurden sechs Ausbildungsgänge entwickelt, in denen so verschiedene Berufe wie Maurer, Schweisser und Automechaniker gelernt werden können.