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DVD-Review: Verzeihen und Lieben geht vor Schmollen und Hassen
Im Film The painted veil geht es um die selbst bezogene Engländerin Kitty (Naomi Watts), die aus einer wohlhabenden Familie stammt und den nüchternen Bakteriologen Walter Fane (Edward Norton). Die beiden lernen sich in den 20er Jahren auf einer Party kennen. Walter verliebt sich Hals über Kopf in Katty und bittet um ihre Hand. Sie willigt ein ihn zu heiraten, aber nicht aus Liebe, sondern damit sie von ihrer Familie weggehen kann. Di beiden ziehen nach China, wo er sich nützlich machen möchte gegen die dort herrschende Choleraepidemie.
In Schanghai verliebt sich Kitty in Charlie Townsend (Liev Schreiber), der ist allerdings schon verheiratet und nicht bereit seine Frau für sie zu verlassen. Als Walter hinter die Affäre seiner Frau kommt und mit der Scheidung droht, reist sie mit ihm in eine ländliche Region des Landes, wo die Cholera extrem viele Opfer gefordert hat. Kitty bereut ihr Verhalten gegenüber ihrem Mann und sieht immer mehr Seiten an ihm, die ihr gefallen, so dass sie sich fest in ihn verliebt. Als plötzlich ihre Schwangerschaft bekannt wird, ist sie unsicher ob Walter oder Charlie der Vater des Kindes ist. Für Walter spielt es keine Rolle, er verzeiht ihr und will einen Neustart mit ihr wagen. Doch damit sind noch lange nicht alle Probleme aus der Welt geschafft...
Im Film The Painted Veil wurde an den Orten Peking, Schanghai und Guangxi gedreht. Die ländliche Natur Chinas als Filmkulisse fasziniert einem besonders mit seinen kräftig grünen Reisfeldern und dem romantischen, grün schimmernden Fluss. Der Film ist aber nicht nur ein Hochgenuss fürs Auge, sondern auch für die Ohren. Die Musik wurde für die einzelnen Szenen des berührenden Films derart treffend gewählt, dass Alexandre Desplat sich im Jahre 2007 den Golden Globe abholen durfte in der Kategorie "Beste Filmmusik".
Edward Norton spielt im Film den Bakteriologen Walter Fane. Mit seiner verschlossenen, nüchternen Rolle, mit der er sich in The Painted Veil zu identifizieren hatte, beweist Norton wie vielseitig und wandelbar er eingesetzt werden kann und dabei erst noch ein gutes Resultat für den Film herausholt. Er kann nicht nur gut den harten Kämpfer spielen wie in The Italian Job oder Fight Club, sondern ebenso den verletzlichen, in sich gekehrten Bakteriologen Fane. Es ist toll, dass er nicht nur Actionrollen annimmt wo es rund geht, sondern auch Mal mit der ruhigeren Kugel das Publikum, wahrscheinlich vor allem die Frauen darunter, überzeugen kann.
Naomi Watts als Rollenfigur Kitty nimmt man die pure Verzweiflung wegen der Liebeskrise total ab. Man sieht ihr das Leid ins Gesicht geschrieben, hat Mitleid mit ihr und würde die gebrechliche, zierliche Frau am Liebsten in den Arm nehmen und trösten. Sie spielt die Veränderung der Kitty von der egoistischen, verwöhnten Stadtlady in Selbstfindungsphase zur sozialen, bescheidenen, hilfsbereiten, erwachsenen Frau ausgezeichnet gut.
Einziger Punkt, der Fragen aufwirft, ist der erste Filmteil. Der erste Teil vom Kennenlernen Kittys mit Walter und ihrem darauf folgenden Ja-Wort erscheint so, als würde alles innert zwei Tagen behandelt. Die Filmemacher haben den ersten Teil bewusst kurz gehalten, weil es im zweiten Teil erst richtig um die Geschichte geht, aber irgendwie fehlt dem Anfang trotzdem etwas die Ausgehbasis. Dies tut der Qualität aber keinen Abbruch und der Filmlänge von 120 Minuten sowieso nicht.
The Painted Veil eignet sich für einen emotionalen Pärchen- oder Frauenabend. Geschichtlich Interessierten kann der Film ebenfalls empfohlen werden, weil die politische Umwälzung in China vor dem 2. Weltkrieg thematisiert wird. Taschentücher darf man ruhig bereit legen, denn die traurigen Szenen, nicht nur betreffend Liebesschmerz sondern auch Choleraepidemie, durchziehen den ganzen Film.