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In Mexiko konnte in der Stadt Puebla im Mai 2023 eine neue Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X. konsekriert werden. Das Mitteilungsblatt sprach mit dem aus dem Elsaß stammenden Pater Marc Gensbittel, der die Bauarbeiten initiiert hat und der viele Jahre im deutschen Distrikt segensreich tätig war. Er wurde 1988 von Erzbischof Marcel Lefebvre geweiht und wirkt seit 2014 in Mexiko.
Mitteilungsblatt: Hochwürdiger Herr Pater Gensbittel, es gibt freudige Nachrichten aus Mexiko: Am 13. Mai wurde in Puebla eine neue Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X. geweiht. Wie kam es zu dem Neubau?
Pater Marc Gensbittel: Don Ulises und Doña Oliva Aburto, zwei mexikanische Wohltäter, hatten 2007 der Priesterbruderschaft ein Grundstück geschenkt, auf dem sich neben Zitronen- und Pfirsichbäumen ein Hühnerstall befand. Darin wurde eine sehr bescheidene Behelfskapelle mit etwa 40 Sitzplätzen eingerichtet. Als ich im Herbst 2014 nach Mexiko kam, betraute mich Pater Trejo, der damalige Distriktobere, mit der Aufgabe, den Hühnerstall durch eine richtige Kapelle zu ersetzen. Im November 2014 stand schon alles bereit, um mit einem schlichten Bau zu beginnen. Dann kam jedoch Don Miguel, ein Nachbar, und bot uns ein weiteres Grundstück an. Er beharrte darauf, dass wir es kaufen sollten, weil hier, wie er sagte, „laut Prophezeihungen eine richtige Kirche und nicht nur eine Kapelle entstehen sollte“. Es würden einmal so viele Menschen hierher kommen, dass eine Kapelle sie nicht fassen werde. Am 29. September 2015 konnte der Kaufvertrag unterschrieben werden, und wir begannen mit der Planung einer richtigen Kirche.
MB: Vor einigen Jahren kursierte ein Foto, auf dem Sie in Soutane auf der Kirchenbaustelle arbeiten. Wie viel mussten Sie beim Bau selbst Hand anlegen?
Pater Marc Gensbittel: Hier in Mexiko muss man selber mit anpacken und auch immer dahinter her sein, will man, dass ein Projekt voran geht und einigermaßen korrekt ausgeführt wird.
MB: Was waren für Sie die größten Herausforderungen?
Pater Marc Gensbittel: Vielleicht, unseren Mitarbeitern zusehen zu müssen, die in oft schwindelerregender Höhe ohne jegliche Sicherung gearbeitet haben! Doch, im Grunde genommen hat es die Vorsehung derart gut mit uns gemeint, dass es ansonsten bei diesem Kirchenbau keine größeren Herausforderungen für uns gab. Wir konnten acht Jahre lang ohne Unterbrechungen durcharbeiten. Auch Covid vermochte es nicht, trotz der vielen hier zu beobachtenden absurd-kontraproduktiven Maßnahmen, den Bau aufzuhalten. Dann waren immer wieder, wie vom Himmel gesandt, die richtigen Handwerker und Künstler vor Ort: Menschen aus ärmeren Verhältnissen, die aus der näheren Umgebung mit dem Fahrrad zur Arbeit kamen und Erstaunliches geleistet haben. Ich möchte hier einige Namen stellvertretend nennen, den sie haben diese Kirche mit ihren Händen erbaut: Joel der Steinhauer, Gabino der Maler, Diego der Gipser, Bernabé der Vergolder, Martin der Schnitzer, Anselmo der Schreinermeister, Narciso der Maurermeister und viele andere mehr: eine außergewöhnlich talentierte Truppe. Ich hätte mir keine besseren Künstler und Handwerker wünschen können. Und das ist ja einer der wichtigsten Punkte für das Gelingen eines solchen Werke:. Du kannst die genialsten Ideen haben, aber wenn keiner da ist, um sie zu verwirklichen, bleiben sie Hirngespinste.
MB: Wie sehen sie die Entwicklung des Wirkens der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Mexiko?
Pater Marc Gensbittel: Mexiko ist sechsmal so groß wie Deutschland, und die Priesterbruderschaft betreut hier schätzungsweise dreimal so viele Gläubige wie der Deutsche Distrikt. Es stehen für diese vielen Seelen jedoch nicht einmal die Hälfte der Priester wie in Deutschland zur Verfügung. Ein Beispiel: Von Orizaba aus betreuen drei Priester nebst einem Vorseminar acht Kirchen und Kapellen auf einer Fläche, die im Vergleich einer Ausdehnung von Freiburg bis nach Salzburg entspricht. Und die Gemeinden wachsen stetig. In Puebla, wo wir gerade die wunderschöne Kirche konsekrieren durften, kommen am Sonntag derzeit fast 400 Gläubige zur Hl. Messe, wo es noch vor zehn Jahren nur etwa 40 waren. Die Bischöfe hier haben Covid zum Anlass genommen, die Handkommunion einzuführen und vielerorts den Priestern verboten, die Mundkommunion zu spenden. Das hat viele Gläubige wachgerüttelt. Diese tapferen Katholiken suchten jetzt nach würdigen Messzelebrationen und haben bei uns Hilfe in ihrer Not gefunden.
MB: Unterscheidet sich das Apostolat in Mexiko von dem in anderen Ländern?
Pater Marc Gensbittel: Gewiss! Der Glaube ist in den Herzen der Mexikaner allgemein noch fest verankert. Die Menschen hier lieben den Priester und benötigen ihn. Wenn man die Soutane trägt und sich als Priester zu erkennen gibt, ist man in Mexiko nie arbeitslos. Zu Covid-Zeiten war ich in Puebla manchmal bis in die frühen Morgenstunden für Kranke und Sterbende unterwegs. Das kann man sich in Europa leider nicht mehr vorstellen.
MB: Mexiko ist für Sie nicht die erste Auslandsmission. Hätten Sie als junger Mann, der seine Berufung verspürte, gedacht, dass Ihr priesterliches Leben derart abwechslungsreich, vielleicht sogar abenteuerlich, verliefe?
Pater Marc Gensbittel: Dieses abwechslungsreiche Leben im Dienste der katholischen Tradition begann für mich schon vor dem Seminar. In den 70er- und 80er-Jahren war die Verteidigung, Aufrechterhaltung und das Organisieren der Hl. Messe aller Zeiten noch ein beseelendes, spannendes Abenteuer. Jetzt läuft alles schon eher geregelter und unauffälliger ab. Ich glaube kaum, dass sich die Jugend von heute zur Einnahme einer Kirche wie Saint Nicolas du Chardonnet animieren ließe oder den Boykott blasphemischer Filme schaffen würde. Obwohl… wer weiß?
MB: Ist mit dem Bau Ihrer jüngsten Kirche Ihre Aufgabe in Puebla abgeschlossen, oder haben Ihre Oberen weitere Pläne?
Pater Marc Gensbittel: So ein Kirchenbau ist für uns Priester immer nur eine Nebenaufgabe. An erster Stelle kommen das Gebet, das Studium und natürlich das Apostolat. Hierbei wird es wohl nie zum Feierabend kommen.