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Bichsel Therese
Grossfürstin Anna
Flucht vom Zarenhof in die Elfenau. Roman
Erstausgabe 2012, 4. Auflage 2016 ISBN 978-3-7296-0851-1
Geb., SU, 13 × 21 cm, inkl. Bildstreifen, 304 S.
CHF 36.00 / EUR 30.00
mal
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Therese Bichsel porträtierte in früheren Romanen u. a. die schöne Schifferin und Catherine von Wattenwyl. Nun liegt eine weitere bewegende Frauen-Biografie vor: das Schicksal der Prinzessin Juliane von Sachsen-Coburg, die als Grossfürstin Anna Feodorowna (1781–1860) in die Geschichte einging.
Die vierzehnjährige Juliane, Prinzessin von Sachsen-Coburg, reist auf Befehl der Zarin (Katharina die Grosse) mit Mutter und Schwestern nach St. Petersburg: Der Enkel von Katharina, Konstantin, soll sich unter den drei Schwestern eine Frau aussuchen. Er wählt und heiratet die jüngste, die hübsche, lebhafte Juliane. Sie wird damit zur russischen Grossfürstin Anna und begründet den Aufstieg des Hauses Coburg an die Spitze der europäischen Königsfamilien: Ihr Bruder Leopold wird zum ersten König der Belgier, ihre Nichte zur grossen englischen Queen Victoria.
Aber sie selbst ist unglücklich, flieht vor ihrem grausamen Ehemann zurück nach Coburg und weiter in die Schweiz. In Bern wird sie heimliche Geliebte und Mutter zweier Kinder, die sie verstecken muss. Der angesehene, verheiratete Medizinprofessor Rudolf von Schiferli steht – in verschiedenen Rollen – an ihrer Seite. Bern hofiert der Grossfürstin, deren Schwager, Zar Alexander, nun der mächtigste Herrscher Europas ist. Man erhofft sich Vorteile von Anna, hält aber wegen ihres Lebenswandels gleichzeitig argwöhnisch ein Auge auf sie.
In der ‹Elfenau› – ein von ihr so benanntes, wunderschönes Gut an der Aare – findet sie eine neue Heimat. Aber auch dort bleibt sie von Irrungen und Wirrungen um ihre Kinder und die Scheidung nicht verschont.
Anna wünschte sich lediglich ein kleines bisschen Privatheit, Liebe und Wärme. Aber die Glücksmomente waren rar und flüchtig. Das Leben, das sie sich erträumt hatte, gelang nur in Ansätzen und jenseits der Konventionen.
Alles war so unwirklich – dieser Stern, der keiner war, die nächtliche Landschaft, die sich um sie ausbreitete, die Leute, die sich in ihren Häusern längst zur Ruhe gelegt hatten. Nur sie beide waren noch wach, schien ihr, und holperten in ihrem kleinen Wagen durch die Nacht. Sie lehnte sich an ihn, die Fahrt hätte noch viel länger dauern können, aber nun brachte der Kutscher das Pferd plötzlich zum Stehen, sie waren zurück vor dem gelben Haus. Was nun?
Mit freundlicher Unterstützung der Burgergemeinde Bern
«Wer war Prinzessin Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld, spätere Grossfürstin Anna Fjodorowna (oder Feodorovna), Schwägerin des Zaren Alexander I.? Und warum liess sie sich ausgerechnet in der Schweiz nieder? Mit dem Buch ‹Grossfürstin Anna› wird der Leser in die Geschichte des Adels und in ein Stück Geschichte Anfang des 19. Jahrhunderts geführt.
Wer so schöne und locker lesbare historische Biographien über interessante Frauen verfasst hat wie die Berner Oberländerlin Therese Bichsel, scheut sich nicht, auch über eine Grossfürstin zu schreiben. 1998 erzählte die Autorin von der schönen Schifferin am Brienzersee, 1999 ging sie auf die Suche nach dem ‹Einhorn›, 2001 beschrieb sie ‹Das Haus der Mütter›, 2004 ‹Catherine von Wattenwyl› , Pfarrfrau und Spionin, 2006 wurde die Schriftstellerin Marianne Ehrmann-Brentano aus dem 18. Jahrhundert in einem Buch gewürdigt.
Nun kommt Juliane von Sachsen, spätere Grossfürstin Anna Fjodorowna, zu Wort und das romanhaft locker, aber auch so, dass man eine Portion Geschichtsunterricht mitgeliefert bekommt und dabei zudem ganz nebenbei erfährt, wann die schweizerische Neutralität begründet und vom russischen Zaren begünstigt worden war. Neben den historischen Schauplätzen aber werden das Leben am Hof und die Gepflogenheiten fürstlicher und königlicher Häuser beleuchtet. Langweilig? Ganz und gar nicht. Es passiert auch Schicksalhaftes.
Schriftstellerin Therese Bichsel hat ein feines Gespür für Frauen wie Anna, die ein Leben führten, das in vielen Belangen der Öffentlichkeiet verborgen blieb und das, Geschichtsüberlieferungen zufolge, äusserst interessant ist. Wer sich ins Buch vertieft, kommt unweigerlich mit zahlreichen Namen aus fürstlichen und königlichen Häusern in Berührung und Stammbäumen, die auf den ersten Blick verwirrend scheinen. Die Autorin geht damit aber geschickt um, findet immer wieder einen neuen Blickwinkel, um Situationen zu schildern und Namen erneut zu erwähnen, damit man mit den Figuren wie selbstverständlich vertraut wird. Mit Sensibilität und Gespür für das Menschliche führt sie in jene alte Zeit von 1795 bis 1837, um die Verhältnisse zu spiegeln, in denen scich der Adel bewegte.»
Susi Hofmann, Rütner Mitteillungsblatt
«Der Roman erzählt Annas Lebensweg mit aussergewöhnlich vielen Auf und Abs. Sie flüchtet nach einigen Jahren neben dem wankelmütigen und zuweilen grausamen Ehemann Konstantin und den kalten russischen Wintern in die Schweiz. Stets ist die junge Frau auf der Suche nach etwas Geborgenheit und Liebe, schwankt dabei zwischen ihrer gesellschaftlichen Position, die sie mit Bravour ausfüllt, und den eigenen persönlichen Interessen. Wie kompliziert das Leben der Adligen war zu einer Zeit, als man morgens nicht einfach in Jeans und T-Shirt steigen konnte, sondern das Leben sich stets um Rang und Namen drehte! Es könnte so gewesen sein, oder auch anders. Egal – man taucht gerne ein ins Leben der Grossfürstin Anna.»
Annette Marti, Jungfrau Zeitung
«Therese Bichsel beschreibt das Leben der Prinzessin Juliane von Sachsen-Coburg, die als Jugendliche als Braut von Konstantin nach Russland geht, von dort flieht und in Bern trotz gescheiterter Ehe die Türen für ihre Geschwister in die höchsten Adelshäuser öffnet.
Was soll so eine Adelsgeschichte in unsere Zeit? Das frage ich mich vor allem zu Beginn des Romans auch. Da kam mir einiges zu sehr im Stil der Schweizer Illustrierten daher. Aber je länger der Roman dauert, um so besser kommen die gesellschaftlichen Zwänge zum Zuge, wird aus dem Buch über eine junge, leicht deplatzierte Frau ein spannendes Schachspiel, bei dem mir die Frau immer sympathischer wurde.»
Koni Loepfe, P.S.
«Bern hofiert der Grossfürstin, deren Schwager, Zar Alexander, der mächtigste Herrscher Europas ist. Man erhofft sich wegen dieser Verbindung von Anna Vorteile, da der Zar bei den Verhandlungen am Wiener Kongress 1815 eine Schlüsselfigur war. Ein wunderschönes Gut an der Aare, das sie erwerben kann, wird zu ihrer neuen Heimat. Doch viele Probleme um ihre geliebten unehelichen Kinder, die Scheidung 1820 von Konstantin und andere schmerzliche Ereignisse prägen ihr Leben. Gut recherchierter, berührender Roman für geschichtlich Interessierte.»
Margrit Lustenberger, Sempacher Woche
«Schöne Reisen – Coburg, London und St. Petersburg. Immer wieder Aufenthalt in der Elfenau in Bern, zu jeder Tages- und Jahreszeit. Viele Stunden im Archiv. Endlose, aber erfüllte Stunden in meinem Dachzimmer beim Schreiben. Überarbeitung, Auswahl des Titelbildes, Lektorat, Umbruch korrigieren. Und jetzt ist es da, das neue Buch. Ich durfte es bei der Vernissage in Bern letzte Woche einem grossen, interessierten Publikum vorstellen.Und ich lese aus dem Buch und erzähle Hintergründe zu Annas Geschichte bei kommenden Auftritten: Vom vierzehnjährigen Mädchen, das nach Russland an den Zarenhof verheiratet und dort unglücklich wurde. Vor der Flucht zurück nach Coburg und weiter in die Schweiz nach Bern, wo sich Anna in der Elfenau ein Zuhause abseits der grossen Welt schuf. Und trotzdem pilgerte die grosse Welt dorthin: die bernische Obrigkeit. Ihre Schwester Victoire, Mutter der grossen englischen Queen Victoria; ihr Bruder Leopold, der zum König der Belgier berufen wurde. Grossfürstin Anna jedoch führte ein unkonventionelles Leben, zu dem zwei uneheliche Kinder gehörten, die sie verbergen musste. Reisen ins Oberland, ein Sommeraufenthalt in Interlaken, zählten zu ihren Vergnügungen. Die Elfenau – das Herrenhaus und der weite Park, den Anna über der Aare anlegte – gehört inzwischen der Stadt Bern und ist ein Naherholungsgebiet. Ich besuche die Elfenau auch nach Abschluss des Buches oft, setze mich unter die alten Bäume, von denen einige aus der Zeit der Grossfürstin stammen, und höre dem Rascheln der Blätter zu. So manches haben sie mir erzählt von Anna, das in keinem Archiv zu finden war.»
Aus der Literaturkolumne der Autorin, Jungfrau-Zeitung
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