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Titel
Risk in primary care of colorectal cancer from new onset rectal bleeding: 10 year prospective study.
Autoren
du Toit J, Hamilton W, Barraclough K
Quelle
BMJ. 2006 Jul 8;333(7558):69-70. Epub 2006 Jun 21
Abstract
Fragestellung
Wie hoch ist das Risiko, bei neu aufgetretener rektaler Blutung an einem Rektumkarzinom zu leiden?
Hintergrund
Die rektale Blutung ist ein häufiges und schwieriges Problem für den Allgemeinpraktiker. Obwohl 40% aller Patienten mit kolorektalem Karzinom bluten, hat die Mehrheit der Patienten mit rektaler Blutung kein kolorektales Karzinom. Das Risiko scheint also relativ gering zu sein. Ziel dieser Studie war es, das Risiko für ein kolorektales Karzinom oder ein kolorektales Adenom zu definieren für Patienten in der Allgemeinpraxis mit neu aufgetretener rektaler Blutung.
Methoden
Studiendesign
Kohortenstudie. Allgemeinpraxis im ländlichen England.
Einschlusskriterien
Patienten >45 Jahre mit neu aufgetretener rektaler Blutung.
Zielparameter
Prozentualer Anteil der Patienten mit kolorektalem Karzinom oder kolorektalem Adenom nach Dickdarmuntersuchung.
Resultate
Während einer 10-jährigen Beobachtungsperiode wurden 265 Patienten mit neu aufgetretener rektaler Blutung eingeschlossen. 15 Patienten (5.7%, 95% Konfidenz-Intervall: 3.2% to 9.2%) hatten ein kolorektales Karzinom, 13 Patienten (4.9%, 95% Konfidenz-Intervall: 2.6% to 8.4%) ein kolorektales Adenom. Nur zwei Patienten mit Karzinom litten an Durchfall.
Schlussfolgerung der Autoren
Einer von 10 Patienten (älter als 45 Jahre) mit einer neu aufgetretenen rektalen Blutung leidet an einer kolorektalen Neoplasie. Alle Patienten älter als 45 Jahre mit dem Symptom einer rektalen Blutung sollten deshalb abgeklärt werden.
Kommentar
Bei Patienten über 45 Jahre mit Blut im Stuhl ist eine Abklärung immer notwendig. Wie die vorliegende Arbeit zeigt, hat jeder 10. Patient eine kolorektale Neoplasie. Bei Blutabgang ab ano ist der Tumor oft schon fortgeschritten; deshalb ist eine Abklärung unverzüglich einzuleiten. Ein zweiter wichtiger Befund der Arbeit ist, dass eine Änderung der Stuhlgewohnheiten im frühen Stadium selten vorkommt: nur 2 von 15 Patienten mit einem Karzinom litten unter Durchfall. Zielsetzung ist es deshalb, Patienten möglichst früh zu erfassen, in einem Stadium, wo die Krankheit noch heilbar ist. Das kolorektale Karzinom eignet sich wegen seiner Häufigkeit und aufgrund seiner Entstehung aus langsam wachsenden, leicht erkennbaren und entfernbaren adenomatösen Polypen besonders gut für ein Screening. Mehrere wirksame Methoden stehen zu diesem Zweck zur Verfügung. Die anerkannten und empfohlenen Screeningstrategien sind der jährliche Bluttest im Stuhl (Hämoccult-Test), die flexible Sigmoidoskopie alle 5 Jahre, die Kombination der beiden Methoden oder die Kolonoskopie alle 10 Jahre.
Prof. Dr. med. Christoph Beglinger, Ateilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsspital Basel