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Das vorliegende Werk ist der vierte von fünf Bänden welche dem merowingischen Weiler von Develier-Courtételle (Kanton Jura, Schweiz) gewidmet sind. Es stellt die anhand von einer Reihe von spezialisierten Analysen erhaltenen Umweltdaten der archäolo-gischen Fundstelle und ihres nahen Umfelds dar. Die Ergebnisse der insgesamt sechs Untersuchungen führen zu einer abschliessenden Synthese.
Zu Beginn wird der natürliche Umfeld vorgestellt und durch Archivdaten ergänzt (Kap. 1). Der Fundplatz von Develier-Courtételle liegt in einem Schwemmgebiet, auf einer Höhe von 450 m im Delsbergerbecken, mitten im Faltenjura, im Nordwesten der Schweiz. Seine Fläche beträgt 3,5 Hektaren und er befindet sich in einem Seitental durch welches der Bach " La Pran " fliesst und das von Quartärablagerungen, zwischen der Würmeiszeit und dem jüngeren Holozän, verfüllt wurde. Abgestützt auf eine Beschreibung der stratigrafischen Zusammenhänge, folgt auf diese Einführung der sedimentologische Ansatz (Kap. 2). Die Fundstelle wird in acht Bereiche unterteilt, während zusammenfassende Profile eine Erfassung der Schichtgeometrie ermöglichen. Die Charakterisierung der Sedimente erfolgte durch die Methode von Passega, das heisst der Erstellung eines C/M-Diagrammes der Schwemmablagerungen. Dies führt zu einer paläogeografischen Rekonstruktion des Platzes unter Einschluss einer Betrachtung zu den Böden. Diese Studie ergibt ebenfalls eine paläohydrologische und klimatische Entwicklung zwischen 500 und 800 n. Chr. Eine sedimentologische Untersuchung vom Platz Delémont, La Communance vervollständigt diese Ergebnisse (Kap. 3). Die dort erhaltene Feuchtbodensequenz erlaubt die Erstellung der Wasserbilanzvariationen zwischen dem 6. und 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung.
Drei der folgenden Kapitel sind den archäobotanischen Unter-suchungen gewidmet. Die Pollenanalytik weist auf landschaftliche Veränderungen, sowie auf die Bodennutzung während der merowingerzeitlichen Besiedlung hin (Kap. 4). Die Pflanzenreste offenbaren eine grosse Vielfalt von Pflanzen die im Frühmittelalter angebaut worden sind (Kap. 5). Die Pflanzenwelt in der Umgebung des Weilers, sowie die menschlichen Einflüsse werden aufgrund der bestimmten Wildpflanzen wieder hergestellt. Ein geobotanischer Beitrag schlägt danach eine Aufteilung in Wald- und Kulturland im 7. Jh. vor ; dieser Ansatz beruht auf dem heutigen Bewuchs (Kap. 6). Zuletzt weisen in der archäozoologischen Studie die Knochenreste, welche aus den Abfällen in Siedlungsnähe stammen, auf die Essgewohnheiten der Bewohner hin (Kap. 7). Die Zusammensetzung des Tierbestandes, sowie die Schlachtalter zeigen die Tierzuchttendenzen in der Merowingerzeit auf. Die sehr schwach vertreten Wildtiere wurden ebenfalls bestimmt.
Die abschliessende Synthese ist thematisch dreigeteilt (Kap. 8). Zuerst werden der klimatische Kontext und die landschaftliche Entwicklung im Frühmittelalter behandelt. Nach einer ersten Bestandesaufnahme folgt eine ereignisbezogene Rekonstruktion. Vor 550 n. Chr. ist die hydrologische Aktivität in Develier-Courtételle ziemlich intensiv. Da in der Spätantike eine Wiederbewaldung erfolgte, dominiert der Wald im Landschaftsbild. Zwischen 550 und 750 wird die hydrolo- gische Aktivität auf dem Fundplatz sehr intensiv, mit Höhepunkten um 580 und 650, während sich die Wasserbilanz von La Communance als überschüssig erweist. Der Waldbestand nimmt seit Beginn dieser Phase ab: die Rodungen lassen sich durch die Entwicklung des Ackerbaus und der Eisenverarbeitung erklären. In Folge dessen kommt es zu Auswaschungen in den Abhängen. Mehrere Indizien weisen auf regionaler Ebene auf feuchtere und vielleicht auch kältere Klimaschwankungen hin ; dies stimmt ebenfalls mit gleichzeitigen, weiträumigeren Daten überein. Die Zeitspanne von 700 bis 830-890 erscheint als eine Übergangsphase zu einer trockneren Atmosphäre, die sich auf der Fundstelle durch ein Wasserrückgang ausdrückt, welcher über 800 hinaus andauert. In La Communance wird die Wasserbilanz erst um die Mitte, oder sogar am Ende des 9. Jh. negativ. Der Waldbestand verändert sich nicht wesentlich. Die klimatische Verbesserung bestätigt sich von 830-890 bis zum Jahr 1000: die Wasserbilanz ist für mehrere Feuchtbodensiedlungen im Delsbergerbecken negativ und die Bodenbildung beeinflusst die oberflächlichen Ablagerungen. Mit Beginn des Spätmittelalters kann ein Abbruch des Gleichgewichtes in der lokalen Landschaft aufgrund der zunehmenden menschlichen Tätigkeiten, insbesondere des Eisenhandwerks, festgestellt werden.
Die Landschaft welche den Weiler in der Mitte des 7. Jh. umgab, wird in der Synthese als zweites Thema angegangen. Eine bild- liche Rekonstruktion ermöglicht festzustellen, dass die Aufteilung des Territoriums den Bachmäandern entsprechend ausgeführt wird. Die für die handwerklichen Tätigkeiten notwendige Nähe des Wasserlaufes scheint den Dorfbewohnern wichtiger zu sein als die Überschwemmungsgefahren. Das sumpfige Gelände, welches nahe bei den Behausungen liegt, eignet sich als Weideland, der Ackerbau erfolgt jedoch in etwas grössere Entfernung. Der Übergang vom Kulturland zum Wald ist progressiv, was der Landschaft ein gut strukturiertes Aussehen verleiht. Im Waldbild überwiegen Buche und Weisstanne ; die Waldausbeutung führt zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung. Die bewaldeten Flächen werden ebenfalls zur Weidung verwendet.
Das Werk endet schliesslich mit einigen Gedanken zu den verfüg- baren Mitteln und der Urbarmachung des Bodens. Der Bach konnte nicht zum Materialtransport verwendet werden. Die ausge- beuteten Flächen umfassen bepflanzte Felder, Wiesen und Weideland. Es wurden vorwiegend Getreide und Hülsenfrüchte angepflanzt, ölhaltige und Faserpflanzen waren weniger wichtig, während Früchte und Gemüse einen sehr schwachen Anteil darstellen. Die Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten ist also unerlässlich: es handelt sich um eine Unterhaltswirtschaft. Die Herstellung von Textilfasern stellt nur eine Nebenaktivität dar. Die Wälder und Hecken liefern das Bauholz, besonders aber auch das Feuerholz. Was die Haustiere betrifft, überwiegen Ochsen, die meist zum Schlachten bestimmt sind : es ist denkbar, dass Fleisch ausgeführt wurde. Ziegen und vor allem Schafe folgen zahlenmässig in den Knochenresten. Schweine schliessen an dritter Stelle an, nehmen jedoch den zweiten Platz im Fleischverzehr ein. Geflügel, hauptsächlich Huhn, ist zuerst nützlich wegen ihrer Eier.
Die sehr abwechslungsreiche Wildfauna stellt nur einen sehr kleinen Teil der verzehrten Arten dar ; letztere spiegeln dennoch gut die Umwelt des Weilers wider. Das Vorhandensein von Hirsch und Bär weist darauf hin, dass vom Menschen noch wenige berührte Biotope bestehen.
Übersetzung: Ludwig Eschenlohr