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Am vergangenen Wochenende hätte in Oliver das beliebte, jeweils mit einer Kunstausstellung im Community Centre verbundene „Festival of the Grape“ stattgefunden. Es musste, wie schon im Herbst 2020, wegen Covid-19 abgesagt werden. Erinnerungen tauchen auf.
Der Anlass wurde mit Begrüssungsworten und vor allem mit den Trommlern des portugiesischen Klubs eröffnet.
Wer eine Eintrittskarte kaufte, bekam dazu ein Glas, mit dem sie und er zu den Zelten pilgern konnten, in denen ihnen vorsichtig dosierte „Müsterchen“ eingeschenkt wurden.
Eine Hauptattraktion neben dem Auftritt bekannter Musik-Gruppen war der Traubenstampf-Wettbewerb.
Einmal beteiligten sich unter der Aufsicht eines Teufelchens sogar Engelchen an der munteren Saftpresserei. Kein wirklicher Ersatz für das Festival, aber trotzdem einen Abstecher wert, ist das etwa fünf Autominuten von uns entfernte, noch nicht ganz fertig gebaute „Wine Village“.
Mehr über das „Weindörfchen“ in meinem nächsten Beitrag.
Eine Tafel an der Zufahrt zum Reservat der Penticton Indian Band erinnert daran, dass Ende Mai mit Bodenradar auf dem Areal der ehemaligen Indian Residential School in Kamloops 215 nicht markierte Kindergräber entdeckt wurden. (Blog-Beiträge „Trauer und Empörung“ vom 7. Juni und „Vier Kirchen in Flammen“ vom 29. Juni.)
In Oliver rief Clarence Louie, Chief der Osoyoos Indian Band, zu einem gemeinsamen Gang von „Indigenous and non Indigenous people“ vom Community Centre zur neu errichteten Gedächtnis-Mauer auf dem Reservat auf.
Hunderte von „Indigenous and non Indigenous people “ fanden sich beim Community Centre ein und brachten kleine Steine mit, um sie an der Mauer niederzulegen. Ich musste zur Zeit der Denkmal-Enthüllung die RipOff Artists-Ausstellung hüten. Marianne trug auch für mich ein Steinchen mit und fotografierte den Zug.
In die Memorial Wall sind links und rechts Backsteine eingelassen, die von den ehemaligen Indian Residential Schools in Kamloops und Cranbrook stammen.
Auf der Rückseite der Mauer ist u.a. zu lesen, das Ziel dieser Schulen sei es gewesen, indianische Sprache und Kultur zu zerstören und so „den Indianer im Kind zu töten“.
Hier die Gedenktafel aus der Nähe:
Unter der Tafel sollen schliesslich die Namen aller Kinder der Osoyoos Indian Band angebracht werden, die Residential Schools hatten besuchen müssen.
Vorläufig erinnern die mitgebrachten bunten Steine, eine kleine Puppe und ein Teddybär an sie.
Schon bald werden uns die letzten Kolibris wieder in Richtung Kalifornien und vor allem Mexiko verlassen. Von Mitte April bis Mitte September besuchen sie die Blumen in unserem Garten und die „Zuckerwasser-Tankstellen“ auf unserer Porch.
Einmal in der Woche untersucht der Hummingbird-Spezialist Barry unsere kleinen schwirrenden Besucher. Er fängt sie mit einem Fangnetz, das er über einen unserer „Feeder“ stülpt. Das geöffnete Netz ist mit einer langen Schnur verbunden, mit der Barry es von seinem Klappstuhl aus blitzartig schliessen kann.
In seinem Jeep liegen die Messinstrumente und die für die Eintragung der Messresultate vorbereiteten Listen bereit. Hier untersucht Barry die Flügelfedern.
Auch die Länge des Schnabels wird gemessen.
Ob der winzige Vogel wohl genug Fettvorräte für den langen Flug hat anlegen können?
Solange der Kolibri liegt, kann er sich nicht bewegen.
Die vier Hummingbird-Sorten, die uns besuchen, wiegen zwischen 2.7 und 4.3 Gramm. Bevor der gefangene Kolibri wegfliegen darf, wird er beringt. Mit dem winzigen Ringlein bekommt jeder Kolibri eine eingravierte eigene Nummer, die in eine Liste eingetragen wird. Aus der Liste lässt sich später herauslesen, in welchem Jahr er beringt wurde.
Einzelne unserer gefiederten Gäste untersuchte und beringte Barry vor fünf Jahren.
Dazu braucht es Geduld und vor allem auch ruhige Hände!
Als wir vor etwa zwei Monaten am wohl beliebtesten „Mural“ in Oliver vorbeifuhren, sagte Marianne: „In diesem Licht geht der gemalte Himmel ja in den wirklichen über.“ Wir hielten an und ich fotografierte.
„Ich fuhr vom Einkaufen heim und bam! ich meine BAM! Dort war es… oder es war nicht. Ich kam beinahe von der Strasse ab!“, sagte laut „Times-Chronicle“ die an der Gestaltung des Wandbildes beteiligte Künstlerin Leza Macdonald.
„Ich habe so sehr genug von Covid-19, den Waldbränden und Hitzewellen und jetzt dies, Kunst wird übermalt… what the hell!“
Sehen wir uns mein inzwischen „historisches“ Foto noch einmal an.
Das Wandbild zeigte die Hügelzüge, die Obstplantagen und die Rebberge von Oliver. Künstlerin Sally Franks war ebenfalls empört. Auch sie hatte um die hundert Arbeitsstunden in das Projekt investiert.
„Ich fuhr beinahe in den Wagen vor mir, als ich es sah. Ich konnte es nicht glauben.“ Von offizieller Seite heisst es, die Stadt habe dem neuen Besitzer eine Geschäftslizenz erteilt und ihn nicht davon abhalten können, seinem Gebäude einen neuen Anstrich zu geben.
So präsentiert sich die Wand jetzt und liesse sich stilistisch vielleicht der „Pop art“ zuordnen.
Der Poster zeigt das Bild „Hills Killarney (Nellie Lake)“ von A.Y. Jackson, von dem wir uns dieses Jahr für unsere „RipOff“- Woche im „Quail’s Nest“ hatten inspirieren lassen.
So signierte der Künstler das Bild:
Das „Fundstück“ in meiner Version ist ein abgebrochener rostiger Auto-Rückspiegel, den mir eine Freundin von uns vor Jahren gab: „Du wirst ihn eines Tages sicher brauchen können.“ Mein Bild liegt jetzt im Auto zum Transport ins „Community Centre“ bereit.
Im Rahmen des Oliver 100X100 Jubiläums wird der A.Y. Jackson gewidmeteTeil unserer Ausstellung hier auf der Bühne noch einmal gezeigt.
Weil die Covid-19-Erkrankungen im Tal drastisch zugenommen haben, ist das Tragen der Schutzmasken für uns beim Einrichten der Ausstellung und dann für die erfreulich vielen Besucherinnen und Besucher obligatorisch.
Jetzt steht das Bild wieder in meinem Atelier.
Die singende Familie des mexikanischen Künstlers Rufino Tamayo („RipOff“-Challenge 2018) freut sich darüber.
Sollten wir es riskieren, trotz Covid-19-Einschränkungen und möglicherweise glühender Hitze und Waldbrandrauch im „Quail’s Nest Arts Centre“ in Oliver eine Ausstellung einzurichten?
Wir gingen das Risiko ein, nahmen den Aufwand auf uns und hatten Glück: Wir blieben von Hitze und Rauch verschont.
Vor einem Jahr hatten wir uns von Chagalls blauem Zirkus inspirieren lassen. Der strengen Covid-19- Bestimmungen wegen konnten wir aber nicht wie in all den früheren Jahren im „Quail’s Nest“ während einer Woche vor Publikum arbeiten. Der blaue Zirkus wurde zur Hausaufgabe, und wir zeigten die Resultate im Internet. Ich entschied mich, die Trapezkünstlerin mit einem von Chagalls Geigenspielern auftreten zu lassen.
Die Melodie beschwingt beide.
Bei meinen „RipOff“-Installationen baue ich jeweils ein „Fundstück“ ein.
In diesem Fall wählte ich den „Verteiler“ einer Reibkäse-Dose.
Die Ausstellung ist bereit und erfreulich viele Besucherinnen und Besucher finden zur Eröffnung den Weg ins „Quail’s Nest“.
Meine „Blue Circus“-Installation:
Weil die Ausstellung ein Anlass im Rahmen der Oliver 100X100 Jubiläumsfeier ist, wird sie gefilmt…
…und mit Interviews mit den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern ergänzt.
Nach vier Tagen mit (trotz Covid-19- Einschränkungen) erstaunlich viel Publikum wird die Ausstellung abgebaut.
Der dieses Jahr (Blog-Beitrag vom 13. Juli) während der „RipOff-Woche“ vor Publikum entstandene, von A.Y. Jacksons Bild „Hills Killarney (Nellie Lake)“ inspirierte Teil der Ausstellung wird ins Community Centre gefahren und dort auf der Bühne als Beitrag für den nächsten Oliver 100X100-Anlass neu eingerichtet.
Nicht nur die hundert Jahre des Städtchens Oliver, sondern auch die über zehntausendjährige Geschichte der First Nations im Okanagan Valley sollen dieses Jahr gefeiert werden.
An eine gemeinsame Feier mit der Osoyoos Indian Band hatte beim 75. Jubiläum von Oliver niemand gedacht . Die Zeiten haben sich zum Glück im Zeichen der Wahrheitsfindung, der Entkolonialisierung und der Versöhnung geändert. In der Festschrift von 1996 wurde auf die „native community“ nur mit zwei historischen Fotos hingewiesen. Die erste wurde 1936 aufgenommen, als Chief Baptiste George mit einer königlichen Medaille ausgezeichnet wurde.
Die zweite Aufnahme zeigt den legendären Long Alec mit seiner Frau Agnes um 1898. Als „Mann des Gesetzes“ patroullierte er auch im Goldstädtchen Fairview, und ich stelle mir gern vor, dass er zu einem Schwatz in die Tipis auf dem Secrest Hill zu Besuch kam.
Aber was hat das Foto einer vom Bach an der Grenze zu unserem Land freigelegten Hochdruck-Gaspipeline mit „Oliver 100 X 100“ zu tun?
Ist sie ein inzwischen wohl etwa siebzigjähriger „archäologischer“ Fund?
Die Warntafel weist darauf hin, dass sie noch in Betrieb ist. Seit zwei Jahren sollen mit Schotter gefüllte Säcke das Rohr schützen.
Das folgende Foto stellt nun die Verbindung zu „Oliver 100 x 100“ her. Auf einem Spaziergang von unserem Land aus trafen wir ein Team, das im Auftrag der Osoyoos Indian Band nach indianischen Fundstücken suchte. Finanziert wurden die Nachforschungen von der Firma, der die Pipeline gehört.
Hier die Sieb-Einrichtung aus der Nähe:
Als vor Jahren der Plan bestand, die Pipeline doppelt zu führen, waren bei den damaligen Grabungen Pfeilspitzen aus Obsidian zum Vorschein gekommen.
Dieses Mal förderten die Nachforschungen keine Funde zu Tage. Trotzdem regten sie meine Fantasie an. In Gedanken sah ich, wie auf dem Secrest Hill vom Frühling bis in den Herbst hinein Tipis standen.
Das Foto machte ich im „Desert Centre“ der Osoyoos Indian Band. Im Hintergrund wird ein „Kekuli“, eine Winter-Wohngrube, eingerichtet. Ebenfalls im „Desert Centre“ nahm ich diese Silhouetten auf.
Sie zeigen Frauen, die mit ihren Grabstöcken nach essbare Wurzeln suchen.
Fünf Jahre vor unserer Auswanderung feierte die Stadt Bern ihr achthundertjähriges Bestehen. Mit unserer Einwanderung in Kanada 1996 kamen wir gerade rechtzeitig zur 75-Jahrfeier des Städtchens Oliver.
In der Zeitungsbeilage ist auch ein Artikel über Alberto zu finden, bei dem wir vor fünfundzwanzig Jahren die Keramikplatten für unseren Gang-und Küchenboden kauften.
Wir unterbrachen unsere Bauarbeiten auf dem Secrest Hill, um uns in Oliver unten den Jubiläumsumzug anzusehen.
Mit diesem Wagen wurde auf die kräftige Oliver-Sonne und den damit verbundenen Früchtesegen hingewiesen.
Der Schwarzpulver-Klub knallt auch heute noch gern und entsprechend laut.
Eine gemütliche Art, am Umzug teilzunehmen:
Fünfundzwanzig Jahre nach unserer Einwanderung feiert Oliver dieses Jahr sein hundertjähriges Bestehen.
Die Covid-19-Einschränkungen werden die Festivitäten in engem Rahmen halten.