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Kavernome oder auch kavernöse Malformationen sind Gefässmissbildungen, die aus irregulären kleinen Gefässkammern bestehen. Sie weisen kein Hirngewebe und keine grossen Arterien oder Venen im Inneren auf. Der Blutfluss ist langsam und gering. Kavernome sind meistens von einer Gliosezone (Hirnnarbe) und unterschiedlich alten Blutabbauprodukten umgeben. *, * Das Risiko einer Blutung ist abgesehen vom Hirnstamm relativ klein. Trotzdem kann ein Kavernom eine Epilepsie, Kopfschmerzen oder auch neurologische Defizite verursachen. Die meisten dieser Gefässknäuel verursachen jedoch keine Beschwerden und werden nur zufällig im Rahmen einer Bildgebung wie der Magnetresonanztomografie (MRT bzw. MRI von engl. Magnetic Resonance Imaging) entdeckt.
Ob und wie ein Kavernom behandelt werden sollte, muss für jeden Patienten individuell entschieden werden. Wir am Inselspital führen hierzu regelmässige interdisziplinäre Besprechungen durch und führen eine Datenbank, in der wir die Daten aller betroffenen Patienten erfassen, um die Behandlung dieser seltenen Erkrankung stetig zu verbessern.
Kavernom treten bei ca. 0,5 % der Bevölkerung auf. * Sie können sporadisch vorkommen oder auch familiär gehäuft (ca. 6 %). Kavernome sind dabei interessanterweise nicht immer angeboren, sondern können sich auch im Laufe des Lebens bilden. Kavernome im Hirnstamm haben ein höheres Blutungsrisiko im Vergleich zu Kavernomen an anderen Lokalisationen. *, * Wenn es bereits zu einer Hirnblutung durch ein Hirnstammkavernom gekommen ist, wird das 5-Jahres-Blutungsrisiko auf ungefähr 30,8 % geschätzt. Asymptomatische Hirnstammkavernome haben ein deutlich geringeres Blutungsrisiko, wobei dieses immer noch signifikant höher liegt als bei Kavernomen ausserhalb des Hirnstamms, nämlich bei ca. 8 % innerhalb von 5 Jahren. * Im Vergleich dazu beträgt das jährliche Blutungsrisiko für Kavernome ausserhalb des Hirnstamms ungefähr 2,3 %. *
Ungefähr 20–40, % der Kavernome sind symptomlose Zufallsbefunde, die im Rahmen einer MRI-Untersuchung wegen anderer Beschwerden mitentdeckt werden. Kavernome sind allerdings relativ häufig, in ca. 60 % der Fälle, mit venösen Anomalien verbunden, die auch das operative Vorgehen beeinflussen können.
Das häufigste Symptom eines Kavernoms ist die Epilepsie. Weitere Symptome können sehr unterschiedlich sein und hängen in der Regel von der Lokalisation und Grösse der kavernösen Gefässmissbildung ab. Häufig treten kleinere Einblutungen oder Thrombosen innerhalb des Kavernoms auf. Deshalb können zusätzliche Beschwerden wie Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Sprach- oder Sehstörungen, Schwindel oder Kopfschmerzen einen schwankenden Verlauf zeigen.
Im Inselspital Bern werden alle Patienten, bei denen ein Kavernom diagnostiziert wird, in einer Datenbank erfasst. Das durchschnittliche jährliche Blutungsrisiko beträgt dabei ca. 2,3 %. * Interessanterweise konnte anhand unserer Patientendaten kein signifikanter Zusammenhang zwischen Blutungsrisiko und Einnahme von thrombozytenhemmenden Medikamenten (Aspirin, Plavix) nachgewiesen werden. * Eine weitere Studie in internationaler Zusammenarbeit zeigte sogar, dass die Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern das Risiko für eine durch ein Kavernom verursachte Blutung verringert. *
Ob Kavernome operativ entfernt werden sollen oder nicht, hängt von zahlreichen Faktoren ab und muss für jeden Patienten im Einzelfall entschieden werden. Wichtige Faktoren hierbei sind Symptomatik und Lokalisation. * Kavernome im Grosshirn sind im Vergleich zu Kavernomen im Hirnstamm deutlich harmloser im Verlauf. *, *
Eine operative Therapie wird meist nur bei Kavernomen empfohlen, die symptomatisch geworden sind. Je näher ein Kavernom an funktionell wichtigen Arealen liegt, umso früher wird es auch symptomatisch. Dies ist der Grund, warum Kavernome eine Besonderheit in der operativen Neurochirurgie darstellen: Es muss oft in unmittelbarer Nähe wichtiger funktioneller Areale operiert werden.
Dies bedeutet, dass die Indikation für eine Operation sehr sorgfältig gestellt werden muss. Die Anforderungen an die Sicherheit der Operation sind darum auch sehr hoch. Moderne Operationsverfahren wie die neuronavigationsgestützte Operationsplanung, funktionelle Navigation, mikroskopische Operation und intraoperatives Monitoring sind notwendig, um das Kavernom sicher, schonend und vollständig zu entfernen. *
Die Diagnose eines Kavernoms wird im Rahmen einer MRI-Untersuchung mit Gabe von Kontrastmittel gestellt. Mit Hilfe spezieller Sequenzen (SWI-Sequenzen) können Blutabbauprodukte dargestellt werden und eine Aussage darüber getroffen werden, ob ein Kavernom bereits einmal geblutet hat oder nicht.
Typisch für Kavernome ist ihr dynamisches Verhalten. Obwohl die wenigsten Kavernome grosse und dramatische Blutungen verursachen, kommt es häufig zu kleineren Einblutungen in die nahe Umgebung, wenn eine Kaverne sich entleert oder reisst. Daher sind Kavernome fast immer von einer Gliosezone und unterschiedlich alten Blutabbauprodukten umgeben, die radiologisch dargestellt werden können.
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