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Durchschnittlich werden Spitex-Patienten und -Patientinnen parallel mit 16 Präparaten versorgt. Bereits die gleichzeitige Einnahme von fünf Wirkstoffen wird als problematisch erachtet. Die Hälfte der Betroffenen bekam im Jahr 2019 eine sogenannt inadäquate Medikation. Das heisst, die Medikamente oder die Kombinationen sind ungeeignet für ältere Patienten. Laut des Arzneimittelreports waren das vor allem schlaffördernde Mittel mit dem Wirkstoff Benzodiazepine. Eine potenziell inadäquate Medikation, PIM, steht nachweislich mit einer unerwünschten Arzneimittelwirkung, einem erhöhten Hospitalisierungsrisiko verbunden mit zusätzlichen Kosten sowie einer erhöhten Mortalität im Zusammenhang. Benzodiazepine zum Beispiel sollten wegen des Suchtpotentials nur über kurze Zeit genommen werden. Ältere Patienten nehmen dieses Medikament oft über Monate oder auch Jahre. Gedächtnisstörungen, Schwindel und Gangunsicherheit sind nur einige der unterwünschten Folgen dieser Therapie. Eine Studie aus Lausanne fand unter anderem einen Zusammenhang zwischen Benzodiazepin-Gebrauch und unfallbedingtem Spitalaufenthalt.
Begehrte Magensäureblocker
Am meisten bezogen wurden Medikamente gegen Schmerzen und Fieber, gefolgt von einem Mittel gegen Ödeme bei Herzinsuffizienz und gegen Bluthochdruck. An dritter Stelle stehen Magensäureblocker. Über 40 Prozent der Spitex-Klienten nehmen sie. Nach Kosten aufgeteilt steht die Gruppe der Krebsmedikamente an erster Stelle. Sie werden Spitex-Patienten eher selten verabreicht, verursachen aber aufgrund ihres Einzelpreises fünf Prozent der Gesamtkosten. Auf Platz zwei stehen Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung. Zwei Drittel aller Spitex-Klienten bezogen mindestens ein Medikament dieser Gruppe, die unter anderem Acetylsalicylsäure niedrig dosiert wie zum Beispiel Aspirin Cardio beinhaltet. An dritter Stelle standen Augenmedikamente zur Behandlung von Makulaödemen und Makuladegeneration. Der Einsatz von Biosimilars, Nachahmerpräparate, wäre von Kostenseite her wünschenswert, wird aber leider nur selten benutzt. Die gesamten Medikamentenkosten beliefen sich 2019 in der Schweiz auf rund 7.6 Milliarden Franken.
Systematische Überprüfung
Helsana fordert eine periodische, systematische Überprüfung der verordneten Medikamente bei Spitex-Patienten. Die Spitex könnte künftig eine unterstützende Rolle übernehmen. Laut Francesca Heiniger, Leiterin Kommunikation von Spitex Schweiz, übernehmen die Pflegeexpertinnen der Organisation diese Rolle schon. Die APN, Advanced Practice Nurse, steht in regelmässigem Austausch mit Hausärzten und -ärztinnen, und sie spricht diese auf eine Übermedikation an. Spitex-Mitarbeitende können nicht selbständig Medikamente abgeben. Das Fachpersonal richtet und verabreicht die Medikamente, die vom Hausarzt verordnet wurden. «Es gehört auch zu den Aufgaben des Spitex-Personals, den Arzt auf eine Übermedikation hinzuweisen, damit er diese überprüft», sagt Francesca Heiniger. Keinen Einfluss hat das Pflegepersonal auf die Verabreichung von Biosimilars anstelle von Original-Präparaten. «Das ist alleine die Aufgabe von Pharmazeutinnen und Hausärzten.»