Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/181553

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, die Perspektiven zu prüfen, die aus einer Kombination von High- und Low-Tech-Medizin entstehen. Einfache therapeutische Massnahmen wie eine besondere Ernährung können die Wirksamkeit der Spitzenmedizin stärken und zu wissenschaftlich nachgewiesenen Ergebnissen führen. Verschiedene wissenschaftliche Stossrichtungen zeichnen sich ab. Forschungsprogramme sollten mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Dadurch liessen sich gleichzeitig die Gesundheit der Patientinnen und Patienten verbessern und die Kosten bestimmter Behandlungen senken.</p><p>Das Berliner Universitätsspital Charité hat 2013 eine Studie (1) veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Krebszellen, denen man die Zuckerzufuhr abstellt (glukosefreie Diät oder punktuelles Fasten), so geschwächt werden, dass eine Chemotherapie sie mit grösserer Sicherheit neutralisieren und damit das Metastasen-Risiko verringern oder gar beseitigen kann. </p><p>Das gleiche Spital schlägt den Diabetes-2-Patientinnen und -Patienten dreitägige Haferkuren vor: Dadurch verringert sich ihr Bedarf an Insulin nach einer personalisierten Berechnung während mehreren Wochen deutlich. Nur mit einem starken politischen Willen lassen sich die Möglichkeiten der Kombination von High-Tech-Medizin und einer Medizin, die weder Medikamente einsetzt noch chirurgische oder chemische Eingriffe vornimmt, also Low-Tech-Medizin, ausloten. Diese einfachen therapeutischen Massnahmen bringen natürlich der Pharmaindustrie nichts ein.</p><p>Die Forschung auf diesem Gebiet verdient unbedingt eine Chance, durchgeführt zu werden, damit die Qualität der Behandlungen verbessert, die Behandlungsdauer verkürzt und die Nebenwirkungen für die Patientinnen und Patienten vermindert werden können. Sie würde auch die Schweiz stärken und sie zu einem Leuchtturm in der weltweiten Forschung machen. </p><p>(1) Synthetic lethal metabolic targeting of cellular senescence in cancer therapy. Nature (2013, Aug. 14). DOI: 10 1038/nature12437.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die bewährten Grundsätze der Forschungsförderungspolitik des Bundes orientieren sich an der Stärkung der Autonomie, des Wettbewerbs und der Exzellenz.</p><p>Die Fördermittel werden grundsätzlich kompetitiv und nach dem Bottom-up-Prinzip vergeben. Für die im Postulat angesprochenen klinischen Studien zur Wirkung von einfachen bzw. nichtmedikamentösen Begleitmassnahmen zu bestehenden Therapien (z. B. im Bereich der Ernährungswissenschaften) existieren in der Schweiz verschiedene Fördermöglichkeiten, die im Bericht des Bundesrates in Beantwortung des Postulates 14.4007 ausführlich beschrieben werden. Mit dem 2015 eingeführten Förderinstrument des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zur Finanzierung von akademisch initiierten klinischen Studien (IICT) besteht zusätzlich zur regulären Förderung von medizinisch/klinisch ausgerichteten Forschungsprojekten eine wichtige Finanzierungsquelle für derartige industrieunabhängige Studien.</p><p>Im Bereich der Programmforschung führt der SNF im Auftrag des Bundesrates periodisch nationale Forschungsprogramme (NFP) durch, mit welchen Forschungsprojekte gefördert werden, die Orientierungs- und Handlungswissen zur Lösung aktueller Probleme von Gesellschaft und Wirtschaft erarbeiten. Der Themenwahlprozess für NFP erfolgt jeweils bottom-up, indem interessierte Kreise beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) Vorschläge einreichen.</p><p>Das vom Bundesrat 2015 lancierte NFP 74, "Gesundheitsversorgung", wird mit rund 20 Millionen Franken finanziert. Es soll Erkenntnisse über Struktur und Verwendung der Gesundheitsversorgung in der Schweiz gewinnen und Wege finden, wie sich deren Wirkungen verbessern und auch entsprechend Kosten reduzieren lassen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Prävention und Behandlung von Patienten mit chronischen Erkrankungen. Es werden auch Projekte betreffend die im Postulat adressierten Anliegen unterstützt, die neuartige diagnostische, präventive und therapeutische Leistungen für (multimorbide) chronisch Kranke entwickeln, in Pilotversuchen testen und evaluieren. Der Ansatz der Forschungsprojekte ist nicht auf eine hochspezialisierte Versorgung ausgerichtet, die nur relativ wenige Patientinnen und Patienten erreicht, sondern auf grosse Patientengruppen anwendbar. Der Bundesrat erwartet, dass die Ergebnisse der laufenden Forschungsprojekte neue Erkenntnisse über die Wirkung von therapeutischen Massnahmen in der Medizin generieren werden.</p><p>Für die im Postulat angesprochenen Fragestellungen braucht es nicht zwingend nationale Lösungen. Vielmehr muss sichergestellt werden, dass aktuelle, validierte Forschungserkenntnisse wie z. B. aus dem NFP 69, "Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion", in der medizinischen Praxis zur Anwendung kommen und der Förderung einer gesunden Ernährung zur Vorbeugung von nichtübertragbaren Krankheiten besser Rechnung getragen wird. Hier sind die medizinischen Fachgesellschaften angesprochen, die im Rahmen von Leitlinien definieren, was in den Fachgebieten der State of the Art der Behandlung ist.</p><p>Damit Modelle guter Praxis sowie Erkenntnisse aus unterschiedlichen Forschungs- und Versorgungsbereichen in der Gesundheitsversorgung Anwendung finden, bedarf es einer koordinierten Zusammenarbeit von Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen. Um die interprofessionelle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zu stärken, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Januar 2017 das Förderprogramm "Interprofessionalität im Gesundheitswesen" lanciert.</p><p>Die Anliegen des Postulanten werden bereits mit den bestehenden Förderinstrumenten und den laufenden Initiativen des Bundes adressiert.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.