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Nach zweijähriger Tätigkeit als Assistenzärztin plane ich ein Jahr Weiterbildung im Ausland zu absolvieren. Anschliessend möchte ich erneut eine Anstellung im Kantonsspital, in welchem ich jetzt arbeite, annehmen. Welche Garantien bezüglich einer Wiederanstellung nach meiner Rückkehr gibt es und zu welchen Bedingungen wäre eine solche möglich?
Im Obligationenrecht gibt es keine Bestimmungen, die diese für Weiterzubildende wichtigen Fragen regelt. Hingegen kann ein Gesamtarbeitsvertrag oder ein in Ihrem Spital gültiges internes Reglement diesbezügliche Bestimmungen enthalten. Wenn dies der Fall ist, können Sie sich darauf beziehen.
Fehlt eine spezifische Regelung in Ihrem Spital, müssen Sie einen unbezahlten Urlaub von der Dauer Ihrer Weiterbildung im Ausland mit Ihrem Arbeitgeber aushandeln. So können Sie bestmöglich Ihre Rechte wahren. Wenn Sie in den Genuss eines unbezahlten Urlaubs kommen, läuft Ihr Arbeitsvertrag weiter, auch wenn dieser während des Auslandaufenthaltes ausser Kraft ist. Sie hätten so die Garantie, nach Ihrer Rückkehr wieder eine Stelle zu finden. Zudem würde das gleiche Arbeitsverhältnis fortgesetzt, so dass sämtliche aus dem Dienstalter resultierenden Vorteile erhalten blieben (Lohnentwicklung, Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Mutterschaft sowie Kündigungsschutz).
Wenn die Parteien hingegen keinen solchen unbezahlten Urlaub vereinbaren, gilt das Arbeitsverhältnis vom Zeitpunkt Ihrer Abreise an als aufgelöst. Damit müssten Sie nach der Rückkehr einen neuen Arbeitsvertrag abschliessen, um wieder bei Ihrem früheren Arbeitgeber arbeiten zu können. Dabei wäre es möglich, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen schlechtere Bedingungen anbietet als diejenigen, die vor Ihrer Abreise gültig waren. Der Arbeitgeber könnte sogar versucht sein, Ihnen zu Beginn des neuen Anstellungsverhältnisses eine neue Probezeit aufzuerlegen. Da sich die Vertragsparteien aber bereits kennen, ist es nicht sicher, dass die Gerichte ein solches Vorgehen zulassen würden.
Falls sich Ihr Arbeitgeber wegen einer Schwangerschaft weigert, Sie nach Ihrer Rückkehr aus dem Ausland anzustellen, muss dies als diskriminierend im Sinne des Gesetzes über die Gleichstellung von Mann und Frau betrachtet werden. Die von einer solchen Diskriminierung betroffene Person wird lediglich eine Entschädigung in der Höhe von maximal drei Monatsgehältern einfordern können sowie ein allfälliger Schadenersatz für den erlittenen Schaden. In diesem Fall müssen Sie aber ein Gerichtsverfahren anstrengen und beweisen, dass es eine solche Diskriminierung gegeben hat.
Christian Bruchez, Jurist Sektion Genf (AMIG), Fachanwalt SAV Arbeitsrecht