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Die Ausbeute an Brotmehl variiert je nach Getreideart und gewünschtem Mehltyp, im Schnitt liegt sie bei knapp 80 Prozent. Neben 800 kg Mehl fallen bei der Verarbeitung von einer Tonne Brotgetreide daher gut 200 kg Nebenprodukte wie Kleie und Bollmehl an. Bei rund 650 000 t Brotgetreide, die jährlich in der Schweiz für die menschliche Ernährung verarbeitet werden, entstehen so über 140 000 t Nebenprodukte aus der Mehlmüllerei.
In der Schweizer Lebensmittelverarbeitung fallen aber noch einige andere pflanzliche Nebenprodukte an. Bei der Gewinnung von Speiseölen entstehen Ölkuchen, beim Pressen von Süssmost Obsttrester und in den Brauereien fällt Biertreber an. In den Schweizer Zuckerfabriken entstehen als Nebenprodukt der Zuckergewinnung Rübenschnitzel und Melasse.
Die genannten Nebenprodukte finden nur selten und in sehr geringen Mengen den Weg auf den menschlichen Speiseplan. Durch die Verfütterung an Nutztiere können diese Nebenprodukte weiter zur Produktion von Lebensmitteln verwendet werden. Dabei spielt der Einsatz im Mischfutter eine wesentliche Rolle.
Rohware, Lebensmittel und Nebenprodukt
In einer Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) wurde die Bedeutung der Nutztiere für die Verwertung von Nebenprodukten evaluiert. Dabei wurden in einem ersten Schritt die in der Schweiz anfallenden Nebenprodukte und deren Mengen eruiert. Dazu wurden anhand von Anbau- und Importstatistiken die in der Schweiz verarbeiteten pflanzlichen Rohwaren erfasst. Anhand der Ausbeute an Lebensmitteln konnten die anfallenden Mengen an Nebenprodukte geschätzt werden. Berücksichtigt wurden Nebenprodukte, die bei der Verarbeitung in der Schweiz anfallen, unabhängig von der Rohstoffherkunft. Importierte Nebenprodukte wurden hingegen nicht berücksichtigt.
In einem nächsten Schritt wurde der gesamte Mischfutterkonsum der Schweizer Nutztiere geschätzt. Dies geschah über Statistiken zum Tierbestand sowie einem durchschnittlichen Mischfutterverzehr pro Tier. Die ermittelte Mischfuttermenge liegt für die Schweiz bei rund 1,4 Millionen Tonnen für die drei Haupttierarten Rind, Schwein und Geflügel.
Einsatz begrenzt
Der Anteil an Nebenprodukten, der einem Mischfutter zugefügt werden kann, ist aus mehreren Gründen limitiert. So kann beispielsweise Weizenkleie wegen des hohen Phosphorgehaltes nur begrenzt in einem stickstoff- und phosphorreduzierten (NPr) Schweinefutter eingesetzt werden. Im Legehennenfutter ist der Einsatz von Weizenkleie ebenfalls eingeschränkt, weil ein zu grosser Prozentsatz zu einem höheren Verzehr und schlechteren Leistungen führen kann. Auch Ölkuchen können zum Beispiel bei Mastschweinerationen aufgrund der Anforderungen an die Fettqualität der Schlachtkörper nicht beliebig eingesetzt werden. Die möglichen Einsatzgrenzen der Nebenprodukte für die verschiedenen Mischfutter wurden in Zusammenarbeit mit dem technischen Dienst der Futtermittelbranche erarbeitet.
365 000 t Nebenprodukte
Schweizweit fallen pro Jahr rund 365 000 t pflanzliche Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie an. Mengenmässig sind die Nebenprodukte der Mehlmüllerei am wichtigsten (siehe Grafik). Beim Brotgetreide stammt im Vergleich zu den anderen Nebenprodukten ein grösserer Teil der Rohwaren aus dem Import. Bei den Ölkuchen entfallen gut drei Viertel der Menge auf Rapskuchen. Sonnenblumen stellen die zweitwichtigste Ölsaat dar. Der Inlandanteil an Rohwaren ist bei den in der Schweiz gepressten Speiseölen hoch. Braugerste hingegen, welche das Ausgangsmaterial für Biertreber bildet, wird kaum in der Schweiz produziert.
Schwein und Geflügel
Die jährlich verfütterte Mischfuttermenge beläuft sich auf 629 000 t Schweine- und 367 000 t Geflügelfutter. Unter Berücksichtigung der Höchstanteile an Nebenprodukten im Mischfutter können so im Schweinefutter 138 000 t und im Geflügelfutter 58 000 t Nebenprodukte verwertet werden. Insbesondere die Nebenprodukte aus der Zuckergewinnung finden im Geflügelfutter keine Verwendung.
Kraftfuttereinsatz beim Milchvieh macht Sinn
Es bleiben somit rund 170 000 t pflanzliche Nebenprodukte, welche über die Rindviehfütterung verwertet werden müssen. Aufgrund der hohen Nährwerte zählen die meisten Nebenprodukte zum Kraftfutter. Daher ist ein gewisser Kraftfuttereinsatz beim Rindvieh notwendig, um sämtliche Nebenprodukte verwerten zu können. Dabei stellen die Milchkühe den mit Abstand wichtigsten Kraftfutterkonsumenten unter dem Rindvieh dar. Zur Verwertung der 170 000 t Nebenprodukte ist bei 570 000 Milchkühen ein Konsum von mindestens 300 kg pro Tier und Jahr erforderlich. Während Zuckerrübenschnitzel, Melasse und Biertreber auch direkt, also ohne Umweg über die Futtermühle, in die Rindviehration gelangen, ist dies bei Mühlennebenprodukten eher unüblich. Sie werden überwiegend in Form von Mischfutter verfüttert. Wie die Grafik zeigt, können nur etwas über die Hälfte der Mühlennebenprodukte in Form von Schweine- und Geflügelfutter verwertet werden. Die Verfütterung an Tiere der Rindergattung ist deshalb für eine vollständige Verwertung der Mühlennebenprodukte unverzichtbar.
Mischfutter hat wichtige Rolle
Der Mischfutterindustrie kommt bei der Verwertung der Nebenprodukte aus der Schweizer Lebensmittelherstellung eine wesentliche Rolle zu. Über alle Tierarten gesehen, enthalten Schweizer Mischfutter im Durchschnitt gut 20 Prozent Nebenprodukte aus der inländischen Lebensmittelgewinnung.
Die Futtermühlen leisten daher einen wesentlichen Beitrag, die Nebenprodukte aus der Schweizer Lebensmittelindustrie für die weitere Nahrungsmittelproduktion mit Nutztieren wiederzuverwerten und so die Nährstoffkreisläufe zu schliessen.