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Der Film «Can You Ever Forgive Me» erzählt die Geschichte einer Schriftstellerin, die ihren grössten Erfolg feierte, als sie begann, sich als andere auszugeben. Portraitiert wird sie von einer überraschend ernsten Melissa McCarthy in einer oscarnominierten Performance.
«Can You Ever Forgive Me» ist ein Biopic über die amerikanische Schriftstellerin und Dokumentenfälscherin Lee Israel (Melissa McCarthy), basierend auf ihrem gleichnamigen Bestseller. Israel war während den Siebzigerjahren eine erfolgreiche Biographin und ein gefragter Name in New Yorks Literaturszene. Unter anderem schrieb sie zwei Bestseller zum Leben der Schauspielerin Tallulah Bankhead und der Society Reporterin Dorothy Killigan. Doch ihr drittes Buch war ein Flop – die Verlagsszene in New York begann sich rapide zu verändern. Die Ära der Bestseller und Autoren und Autorinnen als «Marken» war angebrochen und Israel fand sich sehr bald in einer finanziellen Notlage wieder. Ihre Geldprobleme gingen so weit, dass sie, als sich die Gelegenheit bot, einmal einige Briefe der Filmschauspielerin Fanny Brice aus einem Archiv mitgehen liess – welche sie dann für vierzig Dollar pro Brief verkaufte.
Dies war der Anstoss zu Israels kriminellen Karriere. Sie begann Briefe zu fälschen und diese als das Werk berühmter Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie etwa Dorothy Parker oder Ernest Hemingway auszugeben. Israel studierte nicht nur den Schreibstil der Autorinnen und Autoren, sie schaffte sich sogar dieselbe Schreibmaschine an, welche die Schreibenden verwendet hatten. Manchmal erfand sie überdies zusätzliche Passagen und platzierte diese auf echten Briefen, um höhere Preise zu erzielen. Ihre Fälschungen waren so gut, dass sogar Experten darauf reinfielen und ihr die Briefe abkauften. Sie begann auch Briefe aus Archiven zu klauen und sie mit ihren Fälschungen zu ersetzen. Nach ihren eigenen Angaben fälschte sie während ihrer kriminellen Karriere um die 400 Briefe.
Drama statt Komik
Portraitiert wird Israel im Film von Melissa McCarthy, welche eher für Komödien und regelmässige TV-Auftritte bei Saturday Night Live bekannt ist. Doch in diesem Film stellt McCarthy ihr dramatisches Talent unter Beweis: Auch wenn es immer noch komödiantische Momente im Film gibt, so handelt es sich dennoch um ein Drama mit der Geschichte einer nicht ganz so einfachen Persönlichkeit im Zentrum. Visuell kann McCarthy definitiv überzeugen. Im Make-up ist sie kaum wiederzuerkennen und ähnelt der echten Lee Israel tatsächlich stark. Ihr «Partner in Crime» ist hierbei der Kleinkriminelle Jack Hock (Richard E. Grant). Die Beiden sind ein ungewöhnliches Paar – was sie vereint, ist dass sie der Gesellschaft den Mittelfinger zeigen wollen und einfach ihr Ding machen, auch wenn das nicht immer ganz legal ist. Sowohl McCarthy als auch Grant sind dieses Jahr für ihre Performance mit dem Oscar nominiert. Auch das Drehbuch, welches auf Lee Israels Memoiren basiert, erhielt eine Nomination in der Kategorie «Bestes Adaptiertes Drehbuch».
Anti-Heldin in der Hauptrolle
Regie führte Marielle Heller und sie ist damit eine der wenigen Frauen, deren Filme dieses Jahr Beachtung an den Oscars fanden. Heller wechselte von ihrer Karriere als Schauspielerin zur Drehbuchautorin und dann zur Regie, wo sie mit ihrem Erstlingswerk «The Diary of a Teenage Girl» sowohl Kritiker wie auch Publikum überzeugen konnte. Heller sagte, dass sie sich zu Israels Figur hingezogen fühlte, da es sich um eine Rolle handle, die sonst nur Männer bekommen: eine echte Anti-Heldin mit Ecken und Kanten. «Ich fand es aufregend und an der Zeit, eine Frau zu zeigen, die auch so tickt. Eine komplizierte, schwierige Person, die Verbrechen begeht, dennoch aber beherzt, schlau, schlagfertig und ehrgeizig ist.»
Die echte Lee Israel wurde schlussendlich im Jahre 1993 erwischt und kam vor Gericht – bekam aber lediglich sechs Monate Hausarrest und fünf Jahre auf Bewährung. Sie veröffentlichte ihre Memoiren im Jahre 2008 in denen sie ihre kriminelle Karriere schilderte und verstarb 2014 im Alter von 75 Jahren.
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Die Verlosung ist beendet.