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kuratiert von Dietikon Projektraum
burble, gurgle, splash (settling at the river) ist eine Ausstellung zu Wasser-Geschichten und Fluss-Poli-tiken. Mit Fokus auf städtische Wassersysteme, beginnen wir das Denken-mit Wasser von der Limmat aus, mit dem Ziel, die planetarische Krise verwundeter Gewässer zu thematisieren. Die Frage, wohin das Denken-mit Wasser uns bringen kann, ist zentral in der Ausstellung und hilft uns, die Verbindung zwischen Repräsentation und Politik zu verstehen. Genau wie die Fische sind wir nicht im Wasser, sondern mit dem Wasser. Diese Abhängigkeit verdeutlicht, wie sehr unsere Körper in unsere konstruierten Umwelten verwickelt sind. Wenn wir uns bewusst machen, dass die Flüssigkeiten, die uns durchfliessen, viele lebende Organismen ernähren oder komplexe Infrastrukturen durchqueren, ergeben sich neue ethische Fragen der Verbindungen.
Die Ausstellung beginnt mit zwei Geschichten rund um die Limmat. Im linken Fenster zeigen wir Archivmaterial zur “Limmatkorrektion”, einem im späten 19. Jahrhundert begonnenen Geoengineering-Projekt, das den Flusslauf veränderte, um dessen Wasser zu kontrollieren, regelmäßige Überschwemmungen zu vermeiden und den Strom zu kanalisieren, und so in Zeiten industriellen Wachstums effizienter Wasserkraft zu gewinnen. Im rechten Fenster zeigen wir Bilder von der Limmat “Renaturierung”, einem seit den 1990er Jahren bis heute andauernden Programm, dessen Hauptidee es ist, die durch menschliche Eingriffe zerstörten Flussökologien wiederherzustellen und zu schützen. Obwohl man diese beiden Projekte auf den ersten Blick als gegensätzlich betrachten könnte (das zweite scheint zu reparieren, was das erste zerstört hat), schlagen wir vor, dass sie in ihrem Kern ähnliche Vorstellungen von Beherrschung und Kontrolle haben, die symptomatisch sind für eine allgemeine Haltung gegenüber Gewässern. In beiden werden die komplexen Wasserökologien durch die Logiken des Ressourcenmanagements und intensiven Terraformings bearbeitet und verändert, wobei die Bedeutung der tierischen und pflanzlichen Lebewesen bei der Herstellung der Hydrocommons untergraben wird.
PAULA KÖNIG
Die Arbeit Ein Versuch eine Mauer zu bauen birgt mehrdeutige Lesarten. Eine könnte sich auf den klaren Gegensatz zwischen dem dargestellten Bild und dem Material, auf dem das Bild erscheint, beziehen. Das Gewicht einer Steinmauer wird in ein dünnes, fast transparentes Material gesetzt, das als Fotostudiokulisse arrangiert ist und hierin auf die Produktion von Bildern als Träger von scheinbaren Geschichten verweist. König baut auf den Ruinen einer Mauer zur Bildung von Terras-sen im steilen Flusstal, eine architektonische Struktur im Dienste der Landwirtschaft, diese Mauer wieder auf und verweist so auf die archäologische Erinnerung an den Ort des Flusses als einen Ort der Abhängigkeit und Kontrolle. Der Postkartenstapel zeigt eine Serie von Aquarellzeichnungen, die die Bewegung des Flusses in diesem Tal darstellen. Der Titel der Arbeit spielt mit einer ähnlichen Idee von Versuch und Scheitern, die die Grenzen solcher Vorhaben aufzeigt. Die Postkarten verdeutlichen die Aktion der Darstellung und ihre Werkzeuge. Die poetische Geste der Arbeit liegt für uns in der Redundanz des Zeichnens einer flüssigen Substanz mit Wasserfarbe, aber auch in der Verteilung des Bildes, wobei die Postkarten den Ausstellungsraum verlassen und zirkulieren.
MÉLIA ROGER
Die Arbeit Humeurs nimmt uns mit auf einen Klang-Spaziergang entlang der Tonlandschaft der Limmat. Hier wird die Hoffnung, in die Idylle der „Natur“ einzutauchen, durch die Präsenz der umliegenden Infrastrukturen, Baustellen, Fabriken und Wasserkraftwerke gestört. Diese Schnittstelle markiert die klanglichen Grenzen des Wassers. Die Wasserkörper erscheinen teils unhörbar und ihre flüchtige Präsenz wird nur im Kontakt mit anderen Entitäten spürbar. Wir hören das Wasser entweder als subtile Stille oder als starkes weißes Rauschen, das alle anderen Geräusche absorbiert. Die Arbeit ist auch eine intime Erzählung, denn Mélia Roger sammelte Klänge an Orten, die ihrem Gedächtnis eingeschrieben sind. Wir können den Titel Humeurs — was Stimmungen bedeutet — auch als Verbindung zu den organischen Flüssigkeiten verstehen, die nach der “Humorallehre“ in unserem Körper zirkulieren. Die Klangarbeit kann als Resonanz von Rogers “Stimmungen” an der Limmat gehört werden.
MARIE GRIESMAR
Marie Griesmar schuf die Bilder hinter den Fenstern, inspiriert von Videoaufnahmen, vom Tauchen in der Seine. Diese Malereien schaffen eine räumliche und metaphorische Trennung zwischen dem Ausstellungsraum und der Straße. Die Idee war, an die Atmosphäre eines Flussbettes zu erinnern, indem sie sich auf den Effekt der Wasseroberfläche beziehen: ihre Bewegung, Transparenz und Farbe, die sich ständig ändern, je nach Position der Betrachtenden, der Tageszeit und dem Wetter. Zusammen mit den Malereien zeigt die Künstlerin mehrere im Raum verteilte Steine. Diese wurden bei verschiedenen Ruinen rund um Dietikon gesammelt, einen Monat lang in den Fluss Reppisch getaucht und in den Ausstellungsraum gebracht. Einige dieser Steine sind materielle Zeugen von Geschichten der Urbanisierung - wie die des ehemaligen Gebäudes des Bauamts. An diesen ins Wasser gelegten architektonischen Relikten, erwartet die Künstlerin, Prozesse der Erosion und des Wachstums kleiner Organismen zu beobachten. Wir stellen uns diese Ruinen als experimentelle Modelle für Formen der Koexistenz zwischen Menschen und Nicht-Menschen vor.
LISTENING WALK mit Mélia Roger (8. Mai 2021)
Listening Walk in Dietikon mit Mélia Roger.
weitere Lektüre:
Kunstbulletin 6/2021 von Gianna Rovere
Limmattaler Zeitung 15/04/2021
Besonderer Dank an:
Ortsmuseum Dietikon
Kultur - Stadt Dietikon
Muthesius Kunsthochschule Kiel