Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03299.jsonl.gz/1788

Schon früh manifestierte sich bei Christoph oder Zopf, wie er aus unbekannten Gründen von allen genannt wird, das musikalische Genie. Es wird gar behauptet, er habe schon im Mutterleib, zwar unsanft und nicht im Takt aber immerhin deutlich vernehmbar, gegen den Bauch seiner Mutter gepocht, und dazu früh-embrionale Grunzlaute von sich gegeben.
Fakt ist, dass er bereits im zarten Alter von 10 Jahren zusammen mit einigen gleichaltrigen Buben die Gruppe „Old Timers“ gründete, bei welcher er voller Inbrunst die Ukulele traktierte, und als blondgelockter Leadsänger sämtliche liebestollen Mädchen der Umgebung, und vor allem auch deren Mütter bezirzte. Schon damals erstritt er sich den Nimbus eines „everybody’s Darling“.
Im Laufe der Jahre wurde die Ukule durch eine Gitarre ersetzt, und Zopf wuchs nach und nach zu einem Meister des Entertainments heran. Allerdings gab es auch Rückschläge zu verzeichnen. So sackte seine zuvor engelsgleiche Stimme im Verlaufe der Pubertät um etwa vier Oktaven ab, von einem brachialen Stimmbruch förmlich erdrosselt. Jedenfalls hört sich seine Stimme seither zeitweise so an, als habe er eine Dose rostiger Nägel geschluckt. Erstaunlicherweise gefällt das den Frauen noch immer, also was soll’s: Sein Publikum liebt ihn, und er liebt sein Publikum.
Da Zopf seine musikalische Tätigkeit immer nur als Hobby betrachtete, und sich sein Engagement diesbezüglich in engen Grenzen hielt, blieb ihm genügend Zeit, um seine privaten Ziele zu verwirklichen. So gelangte er schon in jungen Jahren zu einem Achtungserfolg, als es ihm gelang, seine langjährige Freundin Therese vor den Traualtar zu zerren. Was hat er dem armen Würmchen wohl alles versprochen?
Was gibt es sonst noch zu erzählen über Zopf?- Vielleicht, dass er ein grossartiger Organisator ist, und dass er daher von Rolf, Peter und mir auf den Chefsessel der Gruppe „4-lefanz“ hochgewuchtet wurde, und in Ausübung seines Amtes all die Dinge getreulich erledigt, die seine Mitstreiter um keinen Preis übernehmen möchten. So gehört es beispielsweise zu seinen Aufgaben, uns bei Auftritten mit Tranksame und Nahrung zu versorgen. Chefsache ist eben Chefsache!
Ach ja…natürlich darf Zopfs neueste Marotte nicht unerwähnt bleiben: Jeden Morgen, wenn sich anständige Christenmenschen noch in der tiefsten REM - Schlafphase befinden, quält sich Zopf in hochgradig masochistischer Art aus dem Bett, um mit seiner holden Angetrauten, (die das gar nicht nötig hätte) seine 5 Kilometer herunter zu spulen. Zopf, dessen Art sich fortzubewegen in verblüffender Weise dem Laufstil des „Herr der Ringe-Monsters“ Gollum gleicht, „rennt“ also in der vergeblichen Hoffnung, dass seine kleine Wampe, die übrigens durchaus altersgerecht und nur dezent über dem Hosenbund hervor quillt, sich einer Gletscherendmuräne des 21. Jahrhunderts gleich zurückbilde, und er wieder dastehen möge, in formvollendeter Schönheit.
Natürlich sind seine Bemühungen nicht wirklich von Erfolg gekrönt, weil er danach beim Essen wieder zulangt wie ein Scheunendrescher. Ich sag’s ja: Zopf ist wirklich ein liebenswerter Typ…Ich habe ihn ja vor 28 Jahren nicht grundlos zum Paten meiner ältesten Tochter ernannt…
Verfasst vom Gruppenpsychologen und - Betreuer M.H.