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Empfehlungen zur Startdüngung in Getreide und Raps 2011
Raps - die Blattzahl entscheidet über Zeitpunkt und Höhe der ersten N-Gabe
Die beobachteten Rapsbestände haben den Winter mehrheitlich gut überstanden. Es konnten kaum nennenswerte Frost- oder Auswinterungsschäden festgestellt werden. Optimale Rapsbestände sollten jetzt über 8-12 Blätter pro Pflanze aufweisen. In solchen Beständen muss die erste N-Gabe zwischen 40 und 50 % der gesamten N-Düngermenge umfassen, will man hohe Erträge erzielen. In diesen Fällen empfehle ich als erste N-Gabe 55 - 70 kg N/ha, bei besonders hohen Ertragserwartungen bis 80 kg.
In üppigeren Beständen sollte die erste N-Gabe eher zurückhaltend bemessen werden, um ein weiteres „Ins Krautschiessen“ zu verhindern. Daher eher die unteren Empfehlungsmengen einsetzen. In schwächeren Beständen hingegen muss die erste N-Gabe mit 50 und 60 % der gesamten N-Düngermenge etwas höher ausfallen. In diesen Fällen empfehle ich 70 – 80 kg N/ha. Sofern es die Standorts- und Witterungsbedingungen erlauben ist die erste N-Gabe auf Ende Februar/Anfang März zu legen. In schwächeren Beständen eher auf Ende Februar, in üppigeren Beständen eher auf Anfang bis Mitte März.
Um die weitere N-Versorgung anschliessend sicherzustellen, ist zu Beginn des Streckens die restliche N-Düngermenge zu verabreichen.
Wie jedes Jahr ist bei der Rapsdüngung auch dem hohen Schwefelbedarf Rechnung zu tragen. Auf Hochrisikostandorten (leichte, flachgründige, humusarme Böden, fehlende Zufuhr organischer Dünger) sind rund 60 kg S/ha einzusetzen; auf den übrigen Standorten dagegen reichen 20 - 40 kg. Mehr sollte nicht eingesetzt werden (Auswaschung!). Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss Schwefel bzw. die Hauptschwefelmenge in die erste Gabe fallen. Als Dünger empfehle ich Bor-Ammonsalpeter mit Schwefel (N26/S14). Damit wird auch gleichzeitig die erforderliche Bor-Versorgung sichergestellt. Kommen keine borhaltigen N/S-Dünger zum Einsatz, kann Bor auch in einem späteren Zeitpunkt mittels einer Borspritzung verabreicht werden.
Noch bestehende Schwefeldefizite können im Zeitpunkt der Abschlussgabe entweder über Mineraldünger (Bor-Ammonsalpeter + S, Mg-Ammonsalpeter + S) oder über Gülle gedeckt werden.
Wintergetreide – bei der Startdüngung zurückhalten
Auch Wintergetreide hat den Winter meist schadlos überstanden. Es konnten keinerlei gravierende Blatterfrierungen festgestellt werden. Falls Erfrierungen beobachtet werden konnten, dann beschränken sie sich lediglich auf die Blattspitzen. Hoch gefrorene Bestände hingegen können regelmässig beobachtet werden. Zwecks Bodenschluss sind solche Bestände bei nächster Gelegenheit unbedingt zu walzen. Aufgrund der langen Saatzeit bestehen bei Winterweizen wie immer die grössten Entwicklungsunterschiede. Die aktuellen Entwicklungsstadien reichen vom 1-Blattstadium (EC11) bis hin in die Bestockung (EC24).
Wer sich im Herbst an die empfohlenen Saatmengen hielt, hat bezüglich des erreichten Entwicklungsstandes gute Voraussetzungen für das Erreichen einer optimalen Ertragsstruktur von 500 - 550 starken Trieben/m2.
Für hohe Erträge braucht Weizen in der Bestockungsphase bis zum Schossen wie schon mehrmals erwähnt nur gerade 60 - 70 kg N/ha. Da der Boden erfahrungsgemäss mindestens 20 - 30 kg N/ha nachliefert, dürften 40 - 50 kg N/ha als erste Gabe auch dieses Jahr ausreichen, um die Versorgung der ersten Entwicklungsphase sicher zu stellen.
Auch Spätsaaten, die in ihrer Entwicklung deutlich zurückliegen, müssen nicht höher angedüngt werden. Da Spätsaaten zudem über kein gut ausgebildetes Wurzelwerk verfügen, sind sie mit Vorteil mit einem nitrathaltigen Mineraldünger anzudüngen.
Auch Wintergerste, -roggen und -triticale befinden sich aufgrund des früheren Saattermins weitgehend in der Bestockungsphase. Die meisten Bestände sind gut entwickelt. Extrem üppige Bestände können noch nicht beobachtet werden. Weit weniger als in anderen Jahren, sind stark aufgehellte, gelbe Wintergerstenbestände anzutreffen. Dies deutet darauf hin, dass die N-Versorgung stets gewährleistet war bzw. sich die N-Verluste im Rahmen hielten.
Aufgrund dieser Beobachtungen empfehle ich in Wintergerste als erste N-Gabe 30 – 40 kg, in Winterroggen 20 – 30 kg und in Triticale rund 40 kg N/ha einzusetzen. Bestände, die Gefahr laufen zu üppig zu werden, sind zurückhaltend anzudüngen.
Um die Schwefelversorgung in Wintergetreide sicherzustellen, empfehle ich den Einsatz von schwefelhaltigem Mg-Ammonsalpeter. Gülle kann ebenfalls zur ersten Gabe eingesetzt werden.
In der Regel reicht es, die erste N-Gabe in Wintergetreide Anfang bis Mitte März auszubringen. Wintergerste ist stets die erste Getreidekultur, die im Frühjahr angedüngt werden muss, sofern sie nicht schon zu üppig ist!
Wie früh muss gedüngt werden – Januar, Februar oder März?
Die Tendenz Winterkulturen immer früher andüngen zu wollen, nimmt weiter zu. Es gibt Bauern, die Raps bereits Anfangs Februar oder noch früher andüngen wollen. Es besteht die grosse Gefahr, dass bei so frühen N-Gaben das Pflanzenwachstum während einer längeren Wärmephase zu stark angeregt wird, was die Winterhärte herabsetzt und bei neuerlichem Wintereinbruch ohne Schneedecke entsprechende Schäden verursachen kann.
Die Risiken und Konsequenzen bei unsachgemässer Düngung sind in Artikel „Hofdünger im Winter“ erwähnt.