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retour Tango
Weib und Kerl weiter
... endlich mal wieder Weib und Kerl sein dürfen
In drei Teilen skizzieren die Autoren die Geschichte des argentinischen Tangos. Der erste Abschnitt, «Von den Anfängen bis zur Guardia Vieja (1880-1917)», schildert die europäische Einwandererwelle am Rio de la Plata und ihre Einflüsse auf die Entstehung des Tangos. Der zweite Abschnitt beleuchtet die Guardia Nueva bis zum Ende der Goldenen Ära (1917-1955). Ein dritter Teil umfasst die Erneuerung durch Astor Piazzolla bis zu den «Post-Piazzollanos» von heute (1955-2000).
Die Autoren widmen sich ausführlich dem sozialen und musikalischen Umfeld des Themas. Die Fotos in grosszügiger ganzseitiger Aufmachung sind ein Blickfang. Mit eingestreuten Tango-Texten in Originalsprache und deutscher Übersetzung kann man in das Lebensgefühl der Tango-Poeten eintauchen.
Die Entstehungsgeschichte ist knapp und informativ beschrieben. Die Heldinnen und Helden des Tangos werden in ihrem gesellschaftlichen Milieu jenseits nostalgischer Verklärung fassbar. Im Einwandererland Argentinien herrschte Frauenmangel. Der Mädchenhandel war um die Jahrhundertwende in Buenos Aires ein schwunghaftes Unternehmen. Seine Opfer, die «Milonguitas», werden in den Tangotexten oft selbst für ihr Schicksal verantwortlich gemacht. Statt brav in den Mietskasernen der Vorstädte zu bleiben, lassen sie sich von den Lichtern der Grossstadt verlocken.
Die Doppelmoral hinter solchen Texten ist offensichtlich. Einmal dem Glamour der Halbwelt erlegen, hatten die «importierten» Europäerinnen und die Mädchen vom Lande kaum eine andere Wahl. Als eine romantische Alternative zum Dienstmädchenlos oder zur Ehe mit einem ausgelaugten Arbeiter wollen die Autoren das Leben als «Sumpfblume» denn auch nicht gelten lassen. Die «Flor de Fango» wurde in Tanzcafés und Bordellen dennoch zur Muse des Tangos. In den Texten schimmert auch die Tragik der «Milonguitas» durch. Das Rotlichtmilieu entwurzelte sie in einer Gesellschaft, die sich - wie die heutige - zwar der Prostitution als Ventil und Wirtschaftszweig bediente, den Rückweg ins bürgerliche Leben aber nicht vorsah.
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