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Oktober 2006
Auf
dem Weg vom Grand Canyon Richtung Süden statteten wir dem Wupatki National
Monument, einer alten Indianersiedlung, einen Besuch ab. Auf dem 140 km²
großen National Monument wurden bisher gegen 2600 prähistorische Fundstellen
entdeckt, darunter die heute renovierten Ruinen von Pueblos der Anasazi-Indianer.
Die Geschichte dieser Siedlungen ist stark beeinflusst vom Ausbruch des benachbarten Vulkans Sunset Craters, in den Jahren 1064/1065. Warum nach dem Ausbruch die vorher nur spärliche Siedlungstätigkeit in diesem Gebiet stark zunahm, ist bislang noch unbekannt, möglicherweise trug die verbesserte Wasserspeicherung der vulkanischen Asche zur grösseren Fruchtbarkeit der Böden bei. Die Wupatki Ruine war im 12. Jahrhundert das grösste bekannte Bauwerk auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Nach
einem extrem erlebnisreichen September gönnen wir uns nun zuerst einmal eine
kleine, wohlverdiente Ruhepause
hatte ich gedacht.
Für
uns war Flagstaff eine ruhige und, ausser der untypisch geschmackvoll gestalteten
Innenstadt mit Geschäften, ein normale US-Kleinstadt. Es ist echt ein hübscher
Ort mit gut 57'000 Einwohnern und liegt auf einer Höhe von ca. 2000 m, im
Norden des US-Bundesstaates Arizona. Flagstaff ist Sitz der Verwaltung des Countys
und heute ein beliebter Wintersportort. Oft wird sie auch als Tor zum Grand Canyon
bezeichnet, von welchem wir, bezeichnenderweise, ja gerade gekommen sind.
Durch
Flagstaff führt die alte, legendäre Route 66. Unser Weg, vom Campground
zum Internetcafé in der Innenstadt, führte uns immer auf diese Strasse
leider nicht stilgerecht mit einer Harley Davidson, sondern nur mit unseren
Stahlrädern.
Unfreundliches
Kalifornien und der Sequoia National Park
Nachdem
wir in Flagstaff endlich alles erledigt hatten, fuhren wir auf der Interstate
40 Kalifornien zu. Kurz vor der Grenze wurde nochmals voll getankt. Bei unserem
Tankvolumen und da der Benzinpreis in Arizona um ca. 40 Cent pro Gallone billiger
ist, lohnte sich das durchaus. Dann erreichten wir Kalifornien.
Zum
ersten Mal fühlte ich mich hier in den USA nicht richtig willkommen.
Wenn ich hier, aus meiner ersten Enttäuschung heraus, vielleicht etwas zu abschlägig über einen kleinen Landstrich von Kalifornien schreibe, habe ich natürlich die grosse Hoffnung, dass wir dann das "echte" Kalifornien, während der Westküstenreise mit unserem Segelboot, erleben dürfen.
Den jetzigen Abstecher in diesen State, machten wir ja nur wegen den Riesenmammutbäumen im Sequoia National Park. Dieser Park liegt im Süden der kalifornischen Sierra Nevada und wurde im Jahre 1890 eingerichtet. Hier wachsen zahlreiche Exemplare dieser überdimensionierten Bäume.
Eine der
spektakulärsten Attraktionen dieses Parks ist der Baum mit Namen "General
Sherman Tree". Er erreicht heute eine Höhe von 84 Metern und hat einen
Stammdurchmesser von über 11 Metern.
In
den ersten beiden Tagen nach unserer Ankunft, erwanderten, bestaunten und genossen
wir die Anmut, Kraft und Energie dieser majestätischen Baumriesen. Die Stimmung,
welche diese Urgiganten ausstrahlen ist nicht zu beschreiben. Als Mensch kommst
du dir hier so winzig und unbedeutend vor, was dir persönlich aber eigentlich
nur gut tut.
Als
wir eines Tages von einer längeren Biketour zum Campground zurückkamen,
stand doch da tatsächlich ein Cämper mit einer Schweizer Fahne im Heckfenster.
Da der Sequoia National Park auf einer Höhe von 2'000 bis 2'500 Metern liegt, waren die Temperaturen in der Nacht doch schon recht kühl geworden. Am Morgen waren die Wasserpfützen, ums MOMObil herum, regelmässig gefroren. Als dann noch die nächste Schlechtwetterfront angesagt war, entschlossen wir uns, wieder in wärmere Regionen runter zu fahren. Unser Cämper ist super, doch leider halt nur ein Warmwettervehikel.
Death Valley National Park
Nach
den gut überstandenen unter 0° Temperaturen auf 2'500 Metern, fuhren
wir nun zu der Landschaft mit dem tiefsten Punkt und der heissesten, je gemessenen
Temperatur der westlichen Hemisphäre.
Auf dem Weg dahin durchquerten wir wiederum einen Teil der Wüste der Sierra Nevada. Nun will ich nicht verschweigen, dass ich hier etwas sehr Positives zu sehen bekam. Da standen doch tatsächlich dutzende, wenn nicht sogar hunderte, von grossen Windgeneratoren auf den Hügelzügen. Anscheinend stimmt es doch, dass die Kalifornier langsam auf saubere und erneuerbare Energie umsteigen wollen, oder müssen.
Der Death Valley National Park (Tal des Todes) liegt in der Mojave-Wüste und ist der absolut trockenste Nationalpark in den USA. Diese Region ist ein regelrechter Hitzepool. Die höchste, jemals in Nordamerika registrierte Temperatur betrug 57 °C und wurde 1913, natürlich hier im Death Valley, gemessen.
Der Park liegt östlich der Sierra Nevada, zum grössten Teil auf dem Gebiet Kaliforniens und zu einem kleineren in Nevada.
Während
sich nur 135 Kilometer weit entfernt der Mount Whitney 4'418 Meter hoch erhebt,
befindet sich bei Badwater der tiefste Punkt des Tales. Er liegt 85,5 Meter unter
dem Meeresspiegel und ist somit der niedrigste Punkt in der westlichen Hemisphäre.
Trotz eines durchschnittlichen jährlichen Niederschlags von weniger als 50 Millimetern sind im Death Valley eine große Zahl an Pflanzen und Tieren beheimatet, die allerdings spezielle Anpassungen an die Wasserknappheit zeigen.
So absurd es auch erscheinen mag, im Death Valley gibt es eine ergiebige Quelle. Rund um die Oase der Furnace Creek Ranch sprudelt das Wasser nur so aus dem Boden. Ca. 2'300 Liter/Minute des kostbaren Nass stehen den Amerikanern zur Verfügung.
Was macht man nun hier also mit diesem Überfluss an kostbarem Frischwasser? Ja, richtig geraten, selbstverständlich einen Golfplatz erstellen. Inmitten der trockensten Wüstenregion entstand hier eine, beinahe pervers anmutende, sattgrüne Golfanlage, natürlich auch mit angrenzendem grossem Swimmingpool. Dattelpalmen, Pappeln, Mahagonibäume, Tamarisken und eine übergrosse grüne Liegewiese runden das ungewöhnliche Bild ab. Dies alles gehört zu einem modernen Hotelkomplex, welcher hier in dieser sonst ausgetrockneten Wildnis entstanden ist.
Im Tal des Todes hat man, leider waren wir nicht dabei, Gold gefunden. Ausserdem werden heute noch Silber, Kupfer und Blei, sowie bereits seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, die berühmten Boraxvorkommen abgebaut. Aus diesem Grunde hatte man damals im Death-Valley-Gebiet wilde Esel gezähmt, um sie in den Borax-Minen als Lasttiere dienen zu lassen. Der Abtransport des Boraxes war zu dieser Zeit eine überaus harte Arbeit. Es waren "20-Mulis-Teams", welche immer 33 Tonnen des kostbaren Materials, nach dem 165 Meilen entfernten Mojave transportierten.
Unsere
ersten beiden Nächte im Tal verbrachten wir in Stovepipe Wells Village, am
Rande der grossen Sanddünen.
Der
Campground bei der Oase der Furnace Creek Ranch, war etwas sehr spezielles. Zum
einen, weil es hier tatsächlich Wasser im Überfluss hat und dies, in
einer total ausgetrockneten Landschaft. Auch war der eine Campingplatz immer noch
geschlossen, weil er vor einem Jahr, bei einem Unwetter, zum Teil einfach weggespült
wurde.
Mit
ihrem, in Kanada neu gekauftem "Doge", ging es dann zuerst auf den höchsten
Aussichtspunkt. Nachher folgte eine 5-stündige Wanderung im Golden Canyon
Interpretive Trail und das bei einer Temperatur von, natürlich für Death
Valley-Verhältnisse, nur ca. 35-40 Grad.
Der Unterschied hätte nicht grösser sein können. Am Morgen standen wir noch auf der ausgetrockneten Erde im Tal des Todes und kurz nach Mittag vor den geschlossenen Toren eines Motorhomeplatzes in Las Vegas. Der Name Las Vegas rief bei uns, wie auch bei den jährlich 37 Millionen Besuchern, spezielle Vorstellungen und Erwartungen hervor.
Während wir also die Mittagspause des Campgroundbüros mit dem Studium
der erhaltenen Vegas-Touristeninformationen überbrückten, tauchten plötzlich
wieder Micha und Martin (die Schweizer Flitterwöchler) mit ihrem Campingtruck
auf. Auch sie hatten sich entschieden, als sie von den horrenden Übernachtungspreisen
der anderen Campingplätze erfuhren, hier mit diesem recht günstigen
Platz vorlieb zu nehmen.
Laut offiziellen Informationen ist Las Vegas die grösste Stadt im US-Bundesstaat Nevada und ist ein global bedeutendes Touristikzentrum. Die Stadt bezeichnet sich selbst als " Die Welthauptstadt der Unterhaltung".
Da
Nevada ausserordentlich unkomplizierte Eheschließungs- (und Scheidungs-)
Gesetze hat, gibt es auch eine grosse Anzahl an Hochzeitskapellen. Das geht schon
soweit, dass es hier so genannte "Drive-Thru-Chappels" gibt. Da bleibt
das Hochzeitspaar sogar während der gesamten Trauzeremonie im Auto sitzen,
gleich wie beim Hamburgerkauf bei MC Donald. Das ist bestimmt sehr romantisch
. und ob die Scheidungen später auch so funktionieren, konnte ich nicht
in Erfahrung bringen.
Apropos
Steve Wynn. Nachdem in den 1970ern und 1980ern die Stadt zunehmend heruntergekommen
war, leitete 1989 dieser Mann, mit der Eröffnung des Casinokomplexes Mirage,
die Trendwende ein. Er stellte noch einige weitere Casinos auf, welche er aber
später allesamt wieder verkaufte. Heute gehört im das teuerste Luxus
Casino-Hotel "Wynn", welches beim Bau satte 2,7 Milliarden US-Dollar
gekostet hatte.
Immer
wieder waren wir, beim Besuch dieser absolut aussergewöhnlichen Stadt, in
einer Gewissenszwickmühle.
Mein
Fazit von dieser Stadt:
Hoover-Staudamm
Nachdem wir das uns geklaute Benzin im MOMObil wieder ersetzt und noch gerade einen neuen Tankdeckel, diesmal aber einen abschliessbaren, gekauft hatten, verliessen wir das pulsierende Las Vegas. Über Boulder City, welches im Jahre 1931 extra für die Arbeiter des Hooverdammes erbaut wurde, erreichten wir den Staudamm. Ganz erstaunt waren wir, als wir den extrem tiefen Wasserstand des Stausees erblickten. Anscheinend ist dies noch immer keine richtige Warnung, für den energieverschlingenden Lebensstil der amerikanischen Industrie und der Bevölkerung.
Eigentlich
wollten wir, wie üblich, das Visitor Center besuchen, um einen Überblick
über das gesamte Projekt zu erlangen. Als wir das Prozedere der Eingangskontrolle
(wie auf einem Flughafen) hinter uns hatten, waren wir zum zweiten Male sehr erstaunt.
Von irgendwo hatten wir den Typ erhalten, dass es sich lohnt, diesen Abstecher nach Chloride zu machen. Hier im Süden der USA gibt es viele Geisterdörfer, welche normalerweise sehr zerfallen und voller Schmutz sind. Dieses Dorf hier war aber jetzt wiederum ein wenig neu bewohnt worden und wirkte somit ganz einladend und originell. Dementsprechend waren seine Bewohner, sehr freundlich und alle, auf ihre Art, ein Original.
Die echt alten und schon auch dem Zerfall preisgegebenen Häuser, wirkten irgendwie recht gemütlich. Heute ist sogar das alte US-Post-Office wieder in Betrieb. Die Tankstelle ist zwar nur noch eine Attrappe, doch der alte Dorfladen ist zu neuem Leben erwacht. Wenn ich mich an das alte Feuerwehrauto erinnere, so kann ich nur hoffen, dass es im Dorf nie einen schlimmeren Brand geben wird.
Der Friedhof ist eine Geschichte für sich. Es wurde uns ans Herz gelegt, diesen unbedingt zu besuchen. Obschon er etwas ausserhalb des Dorfes liegt, marschierten wir dorthin. Da die Gräber in dieser extrem trockenen Gegend nicht mit Blumen geschmückt werden können, bedient man sich hier einer anderen Art des Grabschmuckes. Da werden zum Beispiel das alte Telefon des Toten, die benützten Stiefel, oder die Autofelgen des Autos zum dekorieren des Grabes verwendet. An Halloween wird dann das Ganze, kurzerhand und zeitgemäss, umgestaltet.