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den Botaniker ein wahres Dorado, da hier die alpine Flora sich mit derjenigen der insubrischen Seenregion vereinigt. Das Edelweiss z. B. geht bis zu 1200 m hinab, wo es seine weissen Blütensterne neben der rostblätterigen Alpenrose entfaltet, die selbst wieder bis zum Ufer des Zangensees hinabsteigt und hier in Gemeinschaft mit Kakteen, amerikanischer Agave, Zistrose (Cistus salvifolius) und den schönen Gramineen Bartgras (Andropogon glaber) und Grannenhirse (Oplismenus undulatifolius) auftritt.
Besonders reich entfaltet sich die Vegetation an den Felshängen zwischen Muralto und Ponte Brolla, Losone und Brissago. Die rote Spornblume (Centranthus ruber) blüht in Masse an den Mauern der Madonna del Sasso. Hier kann man auch die seltensten Farne der Schweizer Flora sammeln, wie Osmunda regalis, Pteris cretica, Adiantum capillus Veneris, Notholaena Marantae und Gymnogramme leptophylla (1903 entdeckt), ferner die Zypergräser Carex praecox und Fimbristylis annua.
Die anbaufähige Fläche des Bezirkes wird zu 30940 ha veranschlagt und umfasst somit 56% der Gesamtfläche. Der Gartenbau wäre trotz der gerade in dieser Hinsicht besonders eifrigen Tätigkeit des landwirtschaftlichen Vereins noch grösserer Ausdehnung fähig. Sehr geschätzt wird der im Bezirk gekelterte Rotwein, von dem jährlich im Durchschnitt 20000 hl im Wert von einer halben Million Franken gewonnen werden. Die einst bedeutende Zucht der Seidenraupe ist von einer Produktion von 16705 kg Cocons im Jahr 1871 auf 2500 kg jährlich zurückgegangen.
Der Wiesenbau wird noch lange nicht so rationell und intensiv betrieben, wie dies in andern Kantonen der Schweiz der Fall ist, da der Grundbesitz dafür zu stark zerstückelt ist. Die Wälder umfassen eine Fläche von 11000 ha und bestehen der Hauptsache nach aus Kastanienbäumen, Eichen (Robur sessiliflora und Quercus robur). Weiss- und Rottannen, Lärchen, Eschen, Weiden, Ulmen, und Haselsträuchern. Diese Waldungen liefern Brennholz, Pfähle für die Weinreben, Rinden für die Gerberei und Holzkohle, die über den Langensee und auf dem untern Tessinfluss nach Mailand ausgeführt wird. Die unsinnige Waldverwüstung, die während der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts allgemein üblich war, hat grosse Ueberschwemmungen zur Folge gehabt, so dass die kantonale Forstverwaltung mit Hilfe von eidgenössischen Subventionen die Aufgabe der Aufforstung aller kahlen Hänge energisch an Hand hat nehmen müssen.
Die Viehstatistik ergibt folgende Resultate:
|1886||1896||1901|
|Rindvieh||9696||8132||8004|
|Pferde||139||295||338|
|Schweine||1109||1632||1581|
|Schafe||2409||1580||1553|
|Ziegen||17425||13503||13959|
|Bienenstöcke||1002||1862||1957|
Eine grosse Anzahl von jüngeren und älteren Männern ¶
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pflegt nach Kalifornien, Italien, Frankreich und periodisch auch in die übrigen Schweizerkantone auszuwandern, um sich als Sennen, Hirten, Maurer, Pflasterträger, Kastanienbrater, Kaminkehrer, Kellner, Gastwirte, Küchenchefs, Maler, Architekten, Ingenieure etc. ihr Brot zu verdienen. Neuerdings beginnt sich auch die industrielle Tätigkeit im Bezirk zu entwickeln. Es bestehen Bierbrauereien, Zigarren-, Teigwaren-, Konserven- und Zuckerwarenfabriken, Papier-, Bürsten- und Pinselfabriken, Schreinereien und Möbelfabriken.
Zwei grosse Sägen und Parketterien und verschiedene Mühlen. Im Verzascathal gewinnen die Granitbrüche immer mehr an Bedeutung. Die durch ein sehr mildes Klima ausgezeichneten und vor den Nordwinden geschützten Orte Muralto und Locarno sind wichtige Fremdenstationen. Den Verkehr erleichtern die Eisenbahnlinie Bellinzona-Locarno, die Dampfschiffe auf dem Langensee und ein vollständiges Netz von Poststrassen, das bis in die entlegensten Thäler hinaufreicht.
Ueber die erste Besiedelung dieser Gegenden durch den Menschen herrscht noch Dunkel; doch glaubt man, dass an den Ufern des Langensees zuerst die Lepontier und später die Etrusker gesessen haben. Ums Jahr 600 v. Chr. nahmen die Kelten oder Gallier Besitz von diesen Gebieten und erbauten hier Burgen (Gordola, Locarno, Ascona). Sie wurden 198-196 v. Chr. von den Römern unterworfen, die nun das Land als Herren besetzten. Eine grosse Anzahl von Grabstätten bezeugt, dass die Herrschaft der Römer bis zum Einfall der Goten (400 n. Chr.) gedauert haben muss.
Dann folgten als Herren des Landes der Reihe nach die Longobarden, Karl der Grosse, der Bischof von Como, der Herzog von Mailand, Barbarossa und Otto IV., die Geschlechter Orelli, Muralti und Magoria und endlich die Grafen Rusca und Rusconi, bis der Herzog Maximilian Sforza 1513 Locarno an die 12 alten Kantone abtrat, die es bis 1798 als Landvogtei regierten. 1510 predigte Giovanni Beccaria in Locarno die Reformation, der eine Anzahl von Familien beitrat. Dies hatte zur Folge, dass im Land selbst und mit den herrschenden Kantonen schwere Streitigkeiten ausbrachen.
Die als Schiedsrichter bestellten Kantone Appenzell und Glarus verfügten, dass die Anhänger des neuen Glaubens entweder zur katholischen Kirche zurückkehren oder auswandern müssten. Nun verliessen (nach Franscini) 93 Familien mit zusammen 211 Köpfen ihre Heimat und begaben sich nach Zürich, wo sie mit offenen Armen aufgenommen wurden. Diese Familien (die Muralti, Orelli, Duni etc.) führten in der Folge in ihrer neuen Heimat die Seidenindustrie ein. 1803 wurde der Bezirk Locarno dem neugegründeten Kanton Tessin einverleibt.