Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03580.jsonl.gz/2696

Wasserversorgung
Der «Pfrundsod» beim Schloss St. Andreas, südlich des Kaplanenhauses, aus welchen früher das Wasser in einem eichenen Kübel an schwerer Kette gehoben wurde, die über den eichenen Wellbaum mit grossem Schwungrad geführt wurde. Um 1848 wurde das ihn schützende Sodhäuschen «von 12 Schuh Länge und 8 Schuh Breite» entfernt, der Schacht ausgeputzt, mit neuen Tücheln versehen, mit Steinplatten abgedeckt und durch einen steinernen Trog ergänzt. [1]
Die Chamerinnen und Chamer versorgten sich früher mit Wasser aus Sodbrunnen und teilweise auch mit dem eher spärlich vorhandenen Quellwasser. 1887 bekam Cham einen Anschluss an die Wasserversorgung Zug. Seither ist Cham ausreichend mit Trinkwasser versorgt.
Inhaltsverzeichnis
Chronologie
1859 Michael Hess verkauft am 30. März «sein im Hirsgarten befindliches Wasser». Die Quellen im Hirsgarten, die damit gemeint sind, speisten einst das Lorzenbad an der Obermühlestrasse. Neben vereinzelten Quellfassungen holen die Chamerinnen und Chamer ihr Wasser aus Sodbrunnen.
1880 George Ham Page (1836–1899), der Generaldirektor der Chamer «Anglo-Swiss Condensed Milk Company», verhandelt mit der Wasserversorgung Zug über eine Verlängerung der Wasserleitungen bis nach Cham. Eine Einigung kommt nicht zustande, was Page erzürnt: Er müsse demnach Wasser aus dem Jordan nach Cham leiten! Im gleichen Jahr erstellt Pages Milchsüdi auf eigene Kosten ein Leitungsnetz für die Milchfabrik. Ein Pumpwerk am rechten Lorzenufer speist die Leitung, die der Zugerstrasse entlang führte und bis zu den Arbeiterhäusern im Quartier Enikon reichte. [2]
1887 Eine Versammlung im Restaurant Bären befasst sich am 23. Januar mit der Wasserversorgung in Cham. Ein Komitee wird bestimmt, welches mit der Wasserversorgung Zug einen Liefervertrag aushandeln soll. Die Milchfabrik sichert zu, Wasser im Wert von 1500 Franken pro Jahr zu beziehen. Zusätzliche 104 Personen oder Betriebe geben an, Wasser beziehen zu wollen, sodass der geforderte Minimalumsatz von 4000 Franken garantiert ist. [3] Bereits am 26. April steht der «Wasserversorgungs-Vertrag» zwischen Zug und Cham (Original-Wortlaut unten). Darin wird festgehalten, dass die Wasserversorgung Zug ihre Leitungen, die derzeit im Gebiet Chollermüli enden, weiter bis nach Cham zieht. Somit erhält Cham Trinkwasser aus Zug und eine funktionierende Versorgung mit fliessendem Wasser. An diesem Tag genehmigt die Generalversammlung der Wasserversorgung Zug die Verlängerung der Wasserleitung nach Cham. Der Aufwand dafür beträgt 47'600 Franken. [4] Falls ausreichend Wasser vorhanden ist, kann auch das Chamer Gewerbe Triebwasser beziehen, um damit Maschinen in den Werkstätten anzutreiben. Cham ist zudem berechtigt, im Dorf «eine beliebige Anzahl Hydranten» aufzustellen, allerdings mit «Zugersystem mit schweiz. Normalschlauchgewinde». Am 27. November feiert Cham die Einführung der Wasserversorgung mit einem grossen Fest. Das ganze Dorf ist mit Fahnen geschmückt. Abends leuchtet sogar elektrische Beleuchtung. Auf der Zugerstrasse ist eine Blechtafel angebracht, aus der folgende Buchstaben und Zahlen ausgestanzt sind: «18 H W 87». Cham ehrt damit Heinrich Wyss (1854–1935), den initiativen Aktuar des Gründerkomitees (später wird Wyss Kantonsrat und Ehrenbürger). [5]
1910 Die Wasserwerke Zug erweitern ihr Wasserleitungsnetz bis nach Enikon und zum Teuflibach.
1916 Cham wird nach zähen Verhandlungen mit den Wasserwerken Zug tariflich der Stadt Zug gleichgestellt; zuvor musste Cham 20 Prozent höhere Tarife entrichten. [7]
1922 Das Kloster Heiligkreuz bezieht sein Wasser vom «Wasserwerk Hünenberg».
1929 Die Gemeinde Cham kündigt vorsorglich den Wasserlieferungsvertrag mit den Wasserwerken Zug auf das Jahr 1934 und fasst die Erstellung einer eigenen Wasserversorgung ins Auge.
1932 Die Gemeindeversammlung beschliesst Projektierungskredite zur Prüfung des Wasserbezugs aus Hünenberg. Zudem soll der Gemeinderat verhindern, dass die WWZ eine zweite Druckwasserleitung nach Cham ziehen. Man glaube, «dass die Eigenversorgung bedeutende Bauten nach sich ziehe, die in der gegenwärtigen Krise und der mit ihr verbundenen Arbeitslosigkeit sehr willkommen wären.» [8]
1934 Trotz Zweifeln genehmigt die Einwohnergemeinde Cham den neu ausgehandelten Wasserlieferungsvertrag mit den Wasserwerken Zug. [9]
1935 Ein Wasserlieferungsvertrag zwischen der Wassergenossenschaft Hünenberg und den Wasserwerken Zug kommt zum Abschluss. Danach wird ein Teil von Cham ab 1. Juni künftig mit Hünenberger Wasser beliefert. [10]
1971 Der Verwaltungsrat der Wasserwerke Zug spricht einen für den Ausbau der Wasserversorgung Zug-Cham-Hünenberg. Vorerst werden zwei neue Grundwasserpumpwerke in der Reussebene mit einer Fördermenge von je 2500 l/min. erstellt. [11]
1977 Nach der Übernahme der Wassergenossenschaft Hünenberg bauen die Wasserwerke Zug das Netz im Ennetsee um und aus, damit auch die Leitungen in Cham. [12]
Technische Zeichnungen
Längsschnitt Hydrant. Mit der Inbetriebnahme der fabrikeigenen Wasserversorgung durch die Milchsiederei 1880 kam Cham zu den ersten Hydranten. Ihre moderne Form entsteht aus Grauguss: Ventilführung, Spindelmutter und Schlauchanschlüsse sind aus Bronze, die Ventilstangen und Seitenventile aus Stahl und können als Entlüftungs- und Entwässerungsorgane in Versorgungsleitungen verwendet werden. [13]
Längsschnitt Sodbrunnen. Durch die Pumpbewegung wird der Kolben hochgezogen und dessen Ventil geschlossen. Dadurch entsteht unter dem Kolben ein Unterdruck, der die Klappe im Fusse des Brunnenstockes (Stiefel) öffnet und Wasser aus der Tiefe «nachzieht». Bei der Gegenbewegung steigt das Wasser durch den Kolben und wird schliesslich durch die Röhre in den Trog befördert. [14]
Die Wasserqualität in Cham in den Jahren 2010/2011
Gemäss Art. 5 der Verordnung des Eidgenössischen Departements des Inneren (EDI) über Trink-, Quell- und Mineralwasser vom 23. November 2005 sind alle Wasserversorgungen verpflichtet, ihre Konsumentinnen und Konsumenten mindestens einmal pro Jahr über die Trinkwasserqualität im Verteilnetz zu informieren. Die WWZ Netze AG versorgt im Kanton Zug unter anderem die Gemeinden Cham und Hünenberg mit Trinkwasser. Die Trinkwasserversorgung erfüllt die Anforderungen an die Wasserqualitätssicherung (WQS) des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW).
Zwischen dem 1. Oktober 2010 und dem 30. April 2011 wurden im Verteilnetz 170 Trinkwasserproben entnommen.
1. Wasserhärte in französischen Härtegraden Cham/Hünenberg: Gesamthärte schwankt zwischen 22,1 und 24,8 °fH
2. Nitrat in Milligramm pro Liter Cham/Hünenberg: Nitratgehalt schwankt zwischen 10,5 und 17,9 mg/l
3. Wasserherkunft In Zug, Cham und Hünenberg wird Mischwasser bestehend aus 57,2 % eigenem Quellwasser und 42,8 % eigenem Grundwasser verteilt.
4. Behandlung Für den Netzschutz kommen kleinste Mengen Javelwasser zum Einsatz. Zusätzlich wird in vier Anlagen das Trinkwasser mit ultravioletter Strahlung desinfiziert. Das verteilte Quell- und Grundwasser benötigt keine weitere Aufbereitung. [15]
Dokumente
Wasserpreise
Der Wasserversorgungs-Vertrag von 1887
Der Wasserversorgungs-Vertrag vom 26. April 1887 zwischen Zug und Cham hat folgenden Wortlaut: «Kund und zu wissen sey hiemit, dass zwischen der Wasserversorgung Zug und dem Comite für Anstrebung einer Wasserversorgung in Cham nachfolgender Vertrag abgeschlossen worden ist:
I.
Die Wasserversorgung Zug verlängert innert den nächsten acht Monaten ihre Wasserleitung vom derzeitigen Ende bei der Kollermühle in die Dorfschaft Cham & Umgebung zur Abgabe von Trinkwasser an die dortigen Einwohner.
II.
So lange es der Wasserzufluss erlaubt, wird auch für kleinere Triebkräfte Wasser abgegeben; solche Abonnements-Verträge bedürfen der besondern Genehmigung des Verwaltungsrathes der Wasserversorgung Zug.
III.
Die Wasserabgabe erfolgt nach dem aufgestellten Reglement; es wird daselbe [sic!] mitunterzeichnet & bildet mit nachfolgenden näheren Bestimmungen einen Bestandteil dieses Vertrages. a. Der Gesellschaft bleibt das Recht gewahrt, die Reglements-Bestimmungen abzuändern; ausgenommen hievon sind die für Cham angesetzten Tarifansätze (Wasserpreis), welche in dort von der Wasserversorgung Zug bis zum 1. Dec. 1889 nicht erhöht werden können; b. Bei Übernahme des Wasserwerkes durch die Einwohner-Gemeinde Zug ist solche an keinerlei Bedingungen durch diesen Vertrag gebunden; c. Macht die Einwohner-Gemeinde Zug vom Rückkaufsrecht keinen Gebrauch & bleibt die Gesellschaft für eine neue Vertragsdauer Eigenthümerin des Wasserwerks, so dürfen auch während dieser Zeit abbemeldete Maximal-Preisansätze in Cham nicht erhöht werden.
IV.
Die Wasserversorgung von Zug gestattet der Einwohnergemeinde Cham auf ihre Kosten unter Vorbehalt der in Art III. lit. b aufgestellten Bedingungen eine beliebige Anzahl Hydranten (Zugersystem mit schweiz. Normalschlauchgewinde) anzubringen. Bei Feuersgefahr steht der Wasserzufluss nach Cham der dortigen Feuerwehr gänzlich zur Verfügung. Feuerwehrproben mit Hydrantenbetrieb bedürfen der Zustimmung der Verwaltungsbehörden der Wasserversorgung Zug.
V.
Die Wasserversorgung Zug übernimmt die Anlage des Wasserwerkes nach Cham unter der Voraussetzung, dass der Canton die Bewilligung zur Einlegung der Leitungen in den Cantonsstrassen von der Kollermühle bis zu den jeweiligen Endpunkten in der Gemeinde Cham ertheile & zwar unendgeldlich.
Das Comite zur Anstrebung einer Wasserversorgung in Cham sorgt dafür, dass die Einwohnergemeinde Cham der Wasserversorgung Zug: a. die Concession ertheilt, die Wasserleitung von der Zug-Chamer-Grenze bis in das Dorf Cham und Umgebung zu erstellen zur Abgabe von Trinkwasser beziehungsweise Wasser zu gewerblichen Zwecken, b. die Berechtigung gibt, in sämtlichen, jeweiligen Gemeindestrassen ohne Entschädigung Wasserleitungen einzulegen, c. für die Benutzung der Hydranten eine Entschädigung leistet in dem Betrag, der je zur Zeit an die Einwohnergemeinde Cham zu entrichtenden Steuer.
VII.
Das Comite zur Anstrebung einer Wasserversorgung in Cham verpflichtet sich nach Übergabe von rechtsverbindlichen AbonnementsVerträgen den Nachweis zu leisten, dass der Wasserversorgung von Zug für die Wasserabgabe in Cham eine Einnahme von 4000 Franken per Jahr gesichert sey. Sollte diese Minimalsumme nicht erreicht & jeweils vom Comite nicht gut gemacht werden, so ist die Wasserversorgung Zug nicht mehr an die Bestimmung von Art. III. lit. a dieses Vertrages betreffend Maximaltarif für Wasserabgabe gebunden.
VIII.
Die Rechte der Einwohner-Gemeinde Zug laut deren Vertrag mit der Wasserversorgungs-Gesellschaft d. d. 17. März 1878 bleiben hier allseitig gewahrt.
IX.
Allfällige zwischen dem Comite zur Anstrebung einer Wasserversorgung in Cham & der Wasserversorgung Zug aus diesem Vertrage entstehenden Streitigkeiten sind von einem Schiedsgerichte nach Massgabe der Zug. Zivilprocessordnung zu entscheiden. – Dasselbe hat aus 3 Mitgliedern, die in der Regel Fachmänner sein sollen, zu bestehen & wird derart bestellt, dass jede Partei einen Richter & das Cantonsgericht den Obmann wählt. Das tit. Cantonsgericht bestimmt die Fristen, innert welchen die Richter und der Obmann zu ernennen sind. Werden diese Fristen nicht beachtet, so trifft das Cantonsgericht die bezügl. Wahl.
Dieser Vertrag, unterem 31. März 1887 vereinbart, tritt mit heute, als am Tage der Genehmigung durch die Actionaire-Versammlung der Wasserversorgung Zug in Kraft.
Zug und Cham, den 26. April 1887
Namens der Wasserversorgung Zug Der Präsident: Nussbaumer Der Actuar: Alb. Utinger
Namens des Comites f.A.d. W.Ch. Der Präsident: H. Baumgartner Der Actuar: Heinr. Wyss»
Einzelnachweise
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 10
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 11
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 11f.
- Zuger Neujahrsblatt 1889, Chronik 16.07.1887
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 15
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 19
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 17
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 18
- Zuger Kalender 1935, Chronik 28.01.1934
- Zuger Kalender 1936, Chronik 26.03.1935
- Zuger Kalender 1972, Chronik 16.06.1971
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 22–24
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 22
- Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 10
- Factsheet WWZ AG, abrufbar unter: www.rfgpf.ch [Stand: 24.11.2016]