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Mit der Ablösung der Postkutsche durch die Eisenbahn ging auch die Hauptaufgabe der Postbeförderung an die Bahnen über. Erst in der neueren Zeit wurde diese Aufgabe den Bahnen wieder weggenommen, indem die Post die Güter mit Wechselcontainern sowohl auf der Strasse als auch auf der Schiene transportiert. Die Briefsortierung im Postwagen verschwand im Jahre 2000 komplett vom Schweizer Schienennetz.
Bereits das erste Eisenbahngesetz sah die Einrichtung von Postbüros in speziellen Bahnwagen vor. Die Verarbeitung der Post sollte möglichst effizient und schnell funktionieren. Die ersten gemischten Personen- und Postwagen für Schmalspur wurden bei der Waldenburger Bahn in Betrieb genommen. Die ersten Bahnpostwagen kamen bei der Landquart-Davos-Bahn um 1889 in Betrieb. Die Wagen befanden sich im Eigentum der PTT, allfällige Revisionen und Ausbesserungen wurden durch die Rhätische Bahn vorgenommen.
Den ersten drei Postwagen auf der LD bzw. späteren RhB von 1890 folgten bis 1913 26 weitere Wagen, wobei die Wagengrösse dreimal gesteigert wurde. Die letzte Serie Postwagen mit einem Radstand von 6 m gehörte zu den grössten Schmalspur-Zweiachswagen, die es je gab. Gleichzeitig mit der Inbetriebnahme dieser Wagen auf der Rhätischen Bahn, konnten die älteren Wagen auf andere Meterspurbahnen verschoben. Die relative grosse Anzahl an Postwagen ist auf die langen Wagenumläufe und langen Fahrzeiten zurückzuführen. Die Endstationen St.Moritz, Davos, Scuol-Tarasp und Disentis mussten mehrmals pro Tag angefahren werden. Die letzte Serie an Postwagen lehnte sich weitgehend an die gleichzeitig beschafften Gepäckwagen F 4025-4045 an.
Einige Wagen fanden eine weitere Verwendung bei den Bahnen Solothurn-Bern, Lausanne-Bercher, Locarno-Bignasco, Biasca-Acquarossa, Lugano-Ponte Tresa sowie Chur-Arosa. Von diesen Wagen sind heute nur noch wenige Exemplare vorhanden. 13 der Zweiachs-Postwagen wurden in den 50er Jahren in den Werkstätten der SWS zu vierachsigen Wagen umgebaut.
Gleich zweimal in den Bestand der RhB gerieten die an die Chur-Arosa-Bahn veräusserten Wagen. Es handelte sich um die beiden Postwagen Z 13 und 14, die 1903 in Betrieb gesetzt wurden. 1928 teilte man die Wagen der damals eigenständigen Chur – Arosa-Bahn zu, wobei Heizung, Beleuchtung und Puffer an deren Normalien anzupassen war. Mit der Fusion ChA/RhB kamen die beiden Wagen wieder zurück zur RhB.
Die Postwagen der SBB Brüniglinie schlossen an die Nummern der RhB an (Nr. 331-334)
Ende der zwanziger Jahre konnte die RhB ihren Fahrzeupark erheblich erneuern. Die Schweizerische Postverwaltung liess ebenfalls im Jahre 1931 weitere Postwagen für das Netz der Rhätischen Bahn bauen. Die Schweizerische Waggons- und Aufzügefabrik Schlieren lieferte drei Zweiachser Z 33-35, die mit ihrem Achsstand von 6500 mm den der neuen Gepäckwagen sogar noch übertrafen. Mit den beschrieben Wagen endete die Beschaffungsphase vor dem Zweiten Weltkrieg bei den Postwagen.
Z-Wagen wurden auf folgenden Strecken eingesetzt:
Chur – Davos, Chur – St.Moritz, St.Moritz – Scuol/Schuls-Tarasp, Chur – Disentis/Mustèr.
In DZ-Wagen wurde die Post auf folgenden Strecken befördert:
Chur – Arosa, St.Moritz – Tirano, Bellinzona – Mesocco.
Das Postabteil dieser Wagen wurde sowohl durch die Post- als auch durch Bahnpersonal bedient. So wurde das Postabteil des DZ bis Alp Grüm durch Post-, ab Alp Grüm durch Bahnpersonal begleitet. Auf der Strecke Bellinzona – Mesocco wurde die Bahnpost ausschliesslich durch Bahnpersonal abgefertigt.
Um aber der bündnerischen Volkswirtschaft zu dienen und im grössten, aber dünn besiedelten Kanton der Schweiz eine gute und doch wirtschaftliche Postbedienung zu gewährleisten, war die Postverwaltung mit der Rhätischen Bahn übereingekommen, dass auch in den Zügen, in denen weder Z- noch DZ-Wagen eingereiht sind, Postsäcke in den Gepäckwagen und -abteilen der Rhätischen Bahn befördert werden können. Auch war es der Post gestattet, Expressbriefe und -pakete allen Zügen mitzugeben. Expresssendungen wurden, sofern sie durch die Postangestellten nicht innert nützlicher Frist dem Empfänger zugestellt werden konnten, im Ortsrayon von Bahnhöfen und Stationen durch das Bahnpersonal zugestellt.
Über die Festtage, wie Weihnachten, Neujahr und Ostern, wenn sich die Postsendungen zu Bergen türmten, stellte die Bahn für die Postbeförderung ihre Güterwagen zur Verfügung. Das gestattete der Post, ihren Wagenpark auf einen durchschnittlichen Verkehr auszurichten. Der Spitzenverkehr wurde mit bahneigenen Wagen bewältigt. Aber auch im Laufe des Jahres wurden in Verbindungen mit einem grösseren Verkehrsaufkommen werktäglich für die Postbeförderung Güterwagen eingesetzt. Güterwagen für die ausschliessliche Postbeförderung verkehrten auf folgenden Strecken:
Chur – Davos, Chur – St.Moritz, Chur – Thusis, Chur – Arosa, Chur – Klosters, Chur – Ilanz, Chur – Domat/Ems
Mit der Beförderung von Briefen, Zeitungen, Wertsachen und Paketen durch die Bahn hatte aber die Zusammenarbeit mit der Post nicht ihr Bewerden.
Briefe, die an Sonntagen in die jedem Bahnhof oder jeder Station angebrachten Briefkasten eingeworfen worden sind, wurden in dazu bestimmten Abendzügen durch das Bahnpersonal befördert. Die Briefkasten wurden durch das Stationspersonal geleert und Briefe in einem durch die Abgangsstation des Zuges beigegebenen Postsack befördert. Die Wertzeichen dieser Briefe und Karten wurden durch diese RhB-Dienststellen entwertet. Sie trugen anstelle des runden Poststempels den rechteckigen Stempel der Bahndienststellen.
Neue Postwagen ab 1948
Die Postwagen der RhB waren bisher ausschliesslich zweiachsig. Die RhB erhöhte nach dem Zweiten Weltkrieg die Maximalgeschwindigkeit auf ihrem Streckennetz. Beschaffungen von vierachsigen Postwagen wurden immer dringlicher. 1948 liess die Postverwaltung die vorhandenen Postwagen Z 31-35 durch die SWS verlängern. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Neubau unter Verwendung von Teilen aus den alten Wagen. Diese neuen Wagen erhielten die Bezeichnung Z4o 81-85. Vier weitere Wagen wurden auf die gleiche Art und Weise im Jahre 1954 umgebaut. So entstanden die Wagen Z4o 86-89. 1960 liess die PTT nochmals vier Wagen, dei Z4o 77-80 in ähnlicher Weise herstellen.
1964 wurden auf der Berninalinie neue Fahrzeuge benötigt, die die alten Postwagen aus der Zeit der Berninabahn ablösen sollten. Die beiden Wagen Z 11-12 wurden ausrangiert. Noch verwendbare Teile davon in die neuen Wagen mit derselben Nummer eingebaut. Der Wagenkasten wurde von der Firma Pfingstweid in Zürich hergestellt.
Die Modernisierung des Postbeförderung auf der Chur-Arosa-Linie wurde mit der Einführung des Pendelzugebtriebes 1969 vorgenommen. Die RhB beschaffte bei der SWS kombinierte Gepäck- und Postwagen.
1966 stellte die PTT vier neue Postwagen Zo 91-94 auf dem RhB-Stammnetz in Diesnt, die wiederum von SWS gebaut wurden und deutlich grösser als die bisherigen Wagen waren. 1969 wurden nochmals fünf Wagen gleicher Bauart beschafft, die die Umbauwagen 81-85 von 1948 ersetzten.
Die letzte Beschaffung der PTT für die RhB war der Postwagen Zo 100, der 1966 von der SWS für den Einsatz auf der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) gebaut worden war. 1978 wurde er modernisiert und für den Einsatz auf den Strecken der RhB und der FO angepasst. Er erhielt moderne Drehgestelle des Typs SWP74 davon eines mit Bremszahnrad. Der auf die RhB verschobene WSB-Postwagen war ein Einzelgänger, da sich seine Bauart den Besonderheiten dieser Bahn anlehnt und derjenigen von zwei bereits vorhandenen DZ entspricht, die in Zukunft dem Postdienst auf der Furka-Oberalp Bahn dienstbar gemacht werden.
Bahnpostwagen Z 100 Einbau einer Zahnradbremse
Im Auftrage der PTT wurde beim Z 100 ein Drehgestell mit einer Zahnradbremse eingebaut. Dieses Fahrzeug (Eigentum der PTT) war für den wechselweisen Einsatz auf der RhB und der FO (ohne Schöllenen) vorgesehen, Der jeweilige Einsatz wurde von der PTT bestimmt. Datum der Wiederinbetriebnahme war Dezember 1983.
Die Zahnradbremsklötze wurden durch das Personal der FO gewartet, diejenige der Adhäsionsbremse von derjenigen Bahn, bei der dieser Wagen im Moment im Einsatz stand. Das Zahnrad blieb ganzjährig eingebaut. Seit 18.08.2000 ist der Wagen Z 100 auch unterhaltsmässig nur noch bei der FO.
Der Postverkehr nach Disentis und Scuol wurde 1996 eingestellt. Die Postwagen wurden auf die zehn Vierachser 91-100 reduziert. Seit 1996 setzt die Post zwei Postwagen für den Transport von Paket-Rollbehältern ein. Die Hauptwerkstätte Landquart hat die beiden Wagen Z 91 und 92 im Mai 1996 für den Rollbehälter-Transport umgebaut. Die Büro-Einrichtung wurde komplett entfernt und die mittleren Schiebetore durch Rolltore ersetzt. Damit konnte eine grössere lichte Weite für den Verlad der Rollbehälter mit dem Gabelstapler erzielt werden. Gleichzeitig erhielten die beiden Wagen auch einen Neuanstrich und die Aufschrift „Für Pakete DIE POST“. Mit der Einführung der Nachmittagszustellung und der Einführung der Briefpost 2000 und der damit verbundenen Automatisierung in den Briefszentren nahmen die Bahnpostkurse laufend ab. Am 9. August 2004 rollte der letzte Bahnpostwagen über das schweizer Schienennetz.
Werkfotos
Fahrzeugfotos
Typenskizzen, Zeichnungen, Schemata
(Quellen: EA Nr. 10 1981, EA Nr, 11 1981, EA Nr. 2 1982, Archiv RhB, Rhätische Bahn AG, Die elektrischen und Diesel-Triebfahrzeuge schweizerischer Eisenbahnen, Die Rhätische Bahn (Stammnetz) / Claude Jeanmaire, Bahnmuseum Albula)
(sonstige Quellen: Gian Brüngger)