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Über 150‘000 Personen strömen jährlich in die Kantonshauptstadt, um am sogenannten „Rabadan“ (auf Deutsch „Lärm“) teilzunehmen. Damit hat Bellinzona einen der grössten Karnevale der Schweiz.
Die Karnevalsgesellschaft bestimmt jedes Jahr den König. Am schmutzigen Donnerstag startet der Karneval jeweils mit der traditionellen Schlüsselübergabe. Dabei übergibt der Stadtpräsident die Schlüsseln der Stadt dem König, der für 5 Tage das Oberhaupt der Stadt sein darf. Höhepunkt bildet der grosse „Corteo“ (auf Deutsch „Umzug“) am Sonntag.
Auch in der Grenzstadt Chiasso wird gebührend gefeiert. Hier regiert während den närrischen Tagen der „Premierminister der freien Republik Nebiopoli“. Das Risottoessen unter freiem Himmel fehlt auch in Chiasso nicht. Diese Tradition entstand im 19. Jahrhundert. Sie war eine Wohltätigkeitsgeste der Reichen für die Armen, denen damals der Reis zu teuer war.
In manchen Regionen des Tessins beginnen die Fasnachtsfeierlichkeiten erst nach dem Aschermittwoch. Die „ambrosianische Fasnacht“ findet in den Regionen Capriasca, Valle Blenio, Biasca und Brissago statt. Laut einer Legende sollen sich diese Orte dem römischen Ritus wiedersetzt haben, um die darauffolgende Fastenzeit zu verkürzen. Der Grund der unterschiedlichen Auslebung der Bräuche liegt vermutlich darin, dass gewisse Gebiete des Tessins damals dem Bistum Como unterstanden, andere dem Bistum Mailand. Die unterschiedlichen Zelebrierungen der Fasnachtsbräuche führten in früheren Zeiten oft zu Unstimmigkeiten. So untersagten manche Dorfpfarrer dem Volk in der närrischen Zeit das Gebiet der anderen Ortschaften zu betreten.