Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03662.jsonl.gz/1696

Chronik der Photographischen Gesellschaft Winterthur
Vorbemerkung
In den Archiven der Photographischen Gesellschaft Winterthur (PGW) schlummern unzählige “Schätze” und Protokolle von Vorstands- und Monatssitzungen sowie von Generalversammlungen. Insbesondere in den ersten Jahrzehnten wurden die Sitzungen akribisch dokumentiert, allerdings in einer zwar wunderschönen, aber für uns heute schwer leserlichen Schrift. Die folgenden Ausführungen und Zitate der einzelnen Vorkommnisse aus den Protokollbüchern erfolgen nicht systematisch oder auf Grund eines bestimmten Rasters, sondern sind eine subjektive Auswahl. Mit der nachfolgenden Chronik soll ein lebhaftes und spannendes Bild der PGW gezeichnet und ein Einblick in die abwechslungsreiche Geschichte unseres Vereins vermittelt werden. Die PGW erlebte viele Höhen und Tiefen. Den Protokollen ist zu entnehmen, dass einige Probleme, welche viele Vereine in der heutigen Zeit haben, bereits damals zu Diskussionen Anlass gaben und den Club in diverse Krisen führten: Mangelndes Interesse am Clubleben der Mitglieder oder das Aufkommen neuer Technologien. Die PGW durchlebte – und überlebte – aber auch sehr schwierige Zeiten, die Kriegsjahre und die Wirtschaftskrise dazwischen. Umso eindrücklicher ist der Werdegang des Clubs und die Wiederauferstehung nach einer mehrjährigen Auflösung von 1909 bis 1922.
Die Gründung Und die Anfangszeit (1892 – 1898)
Die Geschichte der Photographischen Gesellschaft Winterthur begann kurz vor Weihnachten im Jahr 1892. Am Freitag, dem 16. Dezember, abends um 5 Uhr trafen sich fünf Herren in der Schlangenmühle zu einer ersten vorbereitenden Sitzung. Es waren dies: R. Jakob Furrer aus Oberwinterthur, D. Theodor Hanhart-Howald aus Winterthur, Eduard Sulzer-Ziegler, Dr. med. L. Alfred Brunner und Alfred Ulrich.
Schon am 7. Januar 1893 laden die 5 Gründungsmitglieder zur ersten “constituierenden” Sitzung ein, welche am Freitag, dem 13. Januar 1893 im “Obern Local” des Restaurants Ochsen in der Schlangenmühle stattfand. Die Zahl “13” hatte für den Club wohl eine glücksbringende Wirkung, denn es trafen sich 13 Mitglieder. Der Vorstand setzte sich aus R. Jakob Furrer (Präsident), Dr. med. L. Alfred Brunner (Vicepräsident), D. Theodor Hanhart-Howald (Quästor), Alfred Ulrich (Actuar), H. Hofmann (Bibliothekar), Hermann Linck sowie Klaus Stephan als Beisitzer zusammen. Sowohl Linck als auch Stephan waren Berufsfotografen.
Das Gründungslokal befand sich dort, wo heute das Warenhaus Coop City am Bahnhofplatz steht. In früheren Jahrhunderten war es eine Mühle, daher ja auch der Name. Ein Arm der Eulach floss als Mühlebach an der Südseite des Gebäudes vorbei und lieferte die nötige Energie, um das Mühlerad anzutreiben. Im Jahr 1872 wurde das Wohn- und Mühlengebäude verkauft und diente bis 1930 als Gaststätte zum Ochsen. 1930 musste das Gebäude der EPA (Einheitspreise AG) weichen, die dort ihr erstes Warenhaus erstellte. 2003 übernahm dann die Coop Schweiz die EPA und eröffnete das Warenhaus Coop City.
Eines der fotografischen Aushängeschilder der Gründerjahre war Hermann Linck, welcher aus einer Fotografenfamilie aus Winterthur und Zürich stammte. Er wurde am 16. August 1866 in Winterthur geboren und verstarb am 13. Januar 1938 in Winterthur. Die Familie Linck war während drei Generationen als Salonfotografen des Schweizerischen Bürgertums tätig. Hermann erlernte das fotografische Handwerk im Atelier seines Vaters Johann (1831 – 1900). Das Fotoatelier in Winterthur wurde 1864 an der St. Georgenstrasse 38 gegründet. Später zogen sie an die Jakobstrasse 4 weiter. Hermann Linck besuchte die “II. Klasse der Schule für kunstgewerbliches Zeichnen und Modellieren” am “Zürcherischen Technikum” in Winterthur. Seine Wanderjahre führten ihn nach Leipzig, Lyon und Paris, wo er seine künstlerischen und fotografischen Fertigkeiten vertiefte. Nach seiner Rückkehr nach Winterthur arbeitete er im Atelier seines Vaters, welches er 1894 übernahm und bis einige Jahr vor seinem Tod führte. Sein Sohn Hans (1902 – 1949) führte das Geschäft weiter, doch bedeutete sein früher Tod gleichzeitig auch das Ende der bekannten Fotografenfamilie.
Hermann Linck gewann während seiner Laufbahn verschiedene internationale Auszeichnungen in Brüssel, Amsterdam, Marseille, Paris, St. Petersburg, Genua, Frankfurt a.M. und Turin. Zudem erhielt er 1907 ein Ehrendiplom der “Photographers Association of America”.
Das umfangreiche künstlerische Werk von Hermann Linck kann heute in verschiedenen Museen bewundert werden.
Neben der Mitgliedschaft in der Photographischen Gesellschaft Winterthur war Hermann Linck auch Mitglied und von 1904 bis 1910 Präsident des “Schweizerischen Photographischen Vereins (SPhV)”, dem heutigen Verband “Schweizerischer Berufsfotografen und Fotodesigner” (SBG).
Eduard Sulzer-Ziegler (geboren am 23. September 1854 in Winterthur – gestorben am 31. Januar 1913, ebenfalls in Winterthur) war ein Enkel des Firmengründers der Gebrüder Sulzer. Von 1873 bis 1877 studierte er Recht, Ökonomie und Maschinenbau in Genf, Berlin und Dresden. Von 1880 – 1902 war er im Grossen Gemeinderat von Winterthur, von 1892 – 1902 im Zürcher Kantonsrat und von 1900 bis 1913 auch im Nationalrat. Als überzeugter Liberaler trat er für die Verringerung der täglichen Arbeitszeit auf 10 Stunden und für den freien Samstagnachmittag ein.
In den ersten 17 Jahren der PGW trafen sich die Mitglieder regelmässig einmal pro Monat und protokollierten ihre Sitzungen minutiös. Am 4. April 1897 beispielsweise referierte Nationalrat Dr. L. Furrer über “Urheberrechte an Werken von Literatur, Kunst und speziell der Fotografie”. Am 14. Juni des gleichen Jahres hielt der Profifotograf Hermann Linck einen Vortrag über die “Retusche von Landschafts-Negativen”. Im Protokoll der damaligen Sitzung wurde folgendes explizit festgehalten: “Für die Grün-Partien besser heraus zu bekommen empfiehlt er spezielle Platten oder die einfachere Methode, eine Gelbscheibe der Linse vorzuschalten. Allerdings steigt dann die Belichtungsdauer je nach der Intensität der Gelbscheibe auf das 4-6-10-fache. Auch auf die Verwendung von 5%er Bromkalilösung kommt er zu sprechen. Alle Negative sollte man “lakiren”, indem sie dadurch viel haltbarer werden. Auch die Glasseite wird “lakirt.”
Im Februar 1894 wurde die 1. Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur mit über 250 Bildern durchgeführt. Im Winterthurer Tagblatt vom 21. Februar hiess es: ” Neben Zeit- und Momentaufnahmen finden sich auch sogenannte Blitzaufnahmen, vermittelt durch das Magnesiumlicht, Reproduktion eines Briefes; Reproduktion nach Zeichnungen, Holzschnitten, Vergrösserungen usw. Die Bilder zeigen uns landschaftliche Aufnahmen aus nah und fern, Wintersujets, Gruppen, Porträts, Interieurs von Wohnungen, Aufnahmen aus Maschinensälen und Werkstätten; ungemein anziehend sind u.a. Bilder aus Herzogowina, Bosnien, Syrien und dem Libanon; diese sind die wirksamste Reklame für die Bestrebungen der Gesellschaft. Unstreitbar lässt sich aus den vielseitigen Kopierverfahren erkennen, wie der Amateur selbst sich ausbildet und da etwas Bleibendes schafft, wo der Fachphotograph nicht immer sein kann.”
1895 fand das Eidgenössische Schützenfest in Winterthur statt, welches von der Schützengesellschaft Winterthur organisiert wurde. Die PGW war auserwählt, die Fotoreportage für das prachtvolle Photoalbum das Schützenfeste zu erstellen. Als Dank für ihre tolle Arbeit erhielt die PGW einen reich verzierten Festbecher mit entsprechender Widmung. “Der Landbote” vom 12. März 1896 hielt folgendes fest: “Die hiesige Photographische Gesellschaft, ein aus Amateur- und Berufsphotographen gebildeter rühriger Verein, wird demnächst der Schützengesellschaft – zur Erinnerung an das eidgenössische Schützenfest von 1895 – ein prachtvolles Album als Geschenk übermachen. Die Photographische Gesellschaft wollte es sich nicht nehmen lassen, auch ihrerseits etwas zum eidg. Schützenfest beizutragen, und ist dabei auf den originellen Gedanken gekommen, durch ihre Mitglieder vor und während des Festes zahlreiche Aufnahmen vom Festplatz, den Bauten und der festgeschmückten, von Tausenden durchzogenen Stadt zu machen. Die besten dieser Aufnahmen (über 100) sind nun zu einem in der Zusammenstellung und Ausstattung gleich hübschen Album vereinigt und bilden so eine bleibende Erinnerung an die herrlichen Festtage vom 27. Juli bis 8. August 1895. In bunter Folge treffen wir da die verschiedenen Ansichten des Festplatzes, der Festbauten, der Festzüge, der geschmückten Strassen, einer Anzahl “Komitirter”, verschiedener Ankünfte und Empfänge, Gruppen aus den Zügen und aus dem Festspiel, den Reigen und Tänzen, vom Eschenberg. Neben dem feierlichen Ernst der “Festkomitirten” ist auch den köstlichen Humor ein gutes Blätzchen eingeräumt. Der Einband des Albums, erstellt von W.H. Schoch, Buchbinder dahier, muss als musterhafte Arbeit bezeichnet werden; kunstvolle Ausführung und Solidität stehen auf gleicher Höhe.”
1896 hatte die PGW bereits 28 Mitglieder (alles Männer) und seit März 1895 bereits ein Ehrenmitglied, nämlich F. Hirzel, alt Stadtrat (+ 10.2.1897). Der Präsident der PGW J. Furrer richtete folgendes Schreiben an F. Hirzel: “Die Photographische Gesellschaft Winterthur in Anerkennung Ihrer Eigenschaft als ersten Photographen in unserer Stadt, lässt es sich zur Ehre gereichen, Sie Geehrter Herr, durch beiliegendes Diplom, als Ehrenmitglied in ihren Verein aufzunehmen & gibt sich der Hoffnung hin, Sie oft in ihrer Mitte begrüssen zu dürfen”!
1897 wurde ein Vergrösserungsapparat angeschafft, allerdings war es für die Clubmitglieder nicht einfach, an ihren Treffen in “Wirtschaftslocalen”, Vergrösserungen zu erstellen. So wird denn im Monatsprotokoll vom 28. September 1898 festgehalten, der Apotheker Furrer habe die Gesellschaft zu sich in die Apotheke eingeladen. Vergrössert wurde das Bild “Bei Arosa” ab einem Negativ 9/12 auf N.P.G.I. im Format 38×50 cm, was offenbar recht hübsch ausfiel. Entwickelt wurde das Bild mit Eisenoxalat.
Im Dezember 1898 wurden die Statuten des Vereins erstmals geändert.
Im 19. Jahrhundert gab es bereits eine breite Palette von fotografischen Zeitschriften. Die PGW führte akribisch Buch über ihre Abonnemente:
|2 Ex. Photogr. Rundschau||Fr. 32.–|
|1 Ex. Photogr. Mitteilungen||Fr. 16.–|
|1 Ex. Atelier v. Photographen||Fr. 21.35|
|1 Ex. Photogr. Zeitung||Fr. 13.35|
|1 Ex. Amateur Photograph||Fr. 6.70|
|1 Ex. Laterna Magica||Fr. 4.–|
|Total||Fr. 93.40|
Die Jahrhundertwende und die Kriegsjahre – Dunkle Wolken am Horizont und die temporäre Auflösung des Vereins (1899 – 1921)
1899 hatte der Club 29 Mitglieder. Die aufkommende Krise des Club begann sich allerdings abzuzeichnen. Nachdem man im Jahr 1899 noch einen Fotoauftrag für das Festalbum des Technischen Vereins Winterthur zu seinem 25jährigen Bestehen ausführen durfte, beschränkte sich die Tätigkeit im Jahr 1901 auf eine Sitzung im April und einen Ausflug nach Weesen.
An der 9. Generalversammlung am 30. Januar 1902 erschienen lediglich 9 von 24 Mitglieder. Nach einem “trefflichen Nachtessen zu 3 Franken” pro Person, einschliesslich 3dl Wein, eröffnete der Präsident Albert Sulzer die Sitzung mit dem Jahresbericht. Allerdings konnte das Protokoll der letzten Generalversammlung nicht verlesen werden, da der Aktuar nicht anwesend (!) und im Protokoll kein Bericht zur Versammlung vom 7. Januar 1901 enthalten war. Nicht registriert wurden auch die Neu- und Austritte. Ebenfalls waren keine Angaben zur Zusammensetzung des Vorstandes protokolliert. Der Präsident Sulzer hat seinen Rücktritt eingereicht und liess sich um keinen Preis zu einer Mandatsverlängerung motivieren. Die Herren Hüni und Dändliker haben daraufhin den Apotheker Furrer als neuen Präsidenten vorgeschlagen. Dieser lässt sich gemäss GV-Protokoll “erweichen” und nimmt die einstimmige Wahl an.
Auch im Jahr 1902 beschränkte sich die Tätigkeit des Clubs auf nur zwei Sitzungen. An der ersten Sitzung im 9. April im Kasino erschienen 13 Personen zum Vortrag von H. Linck zum Thema “Landschaften neuerer Richtung”. Das Protokoll jener Sitzung hält folgendes fest: “Das Bestreben der neuern Landschaftsphotographie ist, stimmungsvolle Bilder zu erzeugen, was sich mit den einfachsten Sujets erreichen lässt. Es handelt sich dabei nicht, “scharfe” Bilder zu erhalten, sondern es soll im Gegenteil der Hintergrund unscharf gehalten werden. Die modernen Doppelanastigmate eignen sich hiefür nicht sehr gut. Man darf daher bei Verwendung solcher Instrumente nur wenig abblenden, weil sonst keine plastischen Bilder entstehen. Landschaften ohne Wolken sind nicht mehr auf der Höhe der Zeit und werden solche bei Beurteilung auf Ausstellungen keine grosse Beachtung mehr finden. Zur Beurteilung einer Landschaft empfiehlt es sich, dieselbe durch ein graues Glas zu betrachten, weil das so gesehene Bild dem Negativ, das man erhalten wird, am meisten ähnlich sieht und man durch die Farben der Natur nicht getäuscht wird. Das Bild soll ruhig wirken, die grossen Massen sollen gut verteilt und alles Nebensächliche untergeordnet sein. Man scheue sich nicht, die Bilder nötigenfalls gehörig zu beschneiden, namentlich aber suche man zu viel Vordergrund zu vermeiden. Hr. Linck illustriert seine Ausführungen durch eine grössere Anzahl Bilder in Pigmentdruck in verschiedenen Farben, alles nach Aufnahmen, die Hr. Linck in jüngster Zeit in der nächsten Umgebung von Winterthur gemacht hatte. Die prächtigen, künstlerisch vollendeten Bilder finden allgemeinen Beifall. Zu den Aufnahmen wurden Isolarplatten verwendet.”
Zur zweiten Versammlung am 17. November 1902 erschienen noch 9 Männer. Herr Furrer präsentierte seinen Kollegen einen Hypergon-Doppelanastigmat Goerz, sowie eigene Aufnahmen mit demselben, ein Stativ mit Kugelgelenk, zum befestigen an Bäumen, Tischen etc., Trichterflaschen, Kopien auf Lenta- und Pan-Papier sowie diverse neue Handkameras.
Der Clubvorstand machte sich im Protokoll jener Sitzung Sorgen um das Fortbestehen des Clubs, indem er festhielt: “Die Tätigkeit des Vereins war leider wieder eine geringe, indem im Jahre 1902 nur 2 Monatssitzungen abgehalten wurden. Der projektierte Ausflug kam ebenfalls nicht zu Stande; nachdem derselbe verschiedene Male verschoben werden musste, fanden sich schliesslich an einem schönen Morgen 3 Vorstandsmitglieder am Bahnhof ein, die dann mit grosser Mehrheit beschlossen, auf den Ausflug zu verzichten”.
Auch im Folgejahr wurden nur zwei Monatssitzungen durchgeführt und am Ausflug nach Ermatingen beteiligten sich nur der Präsident und der Vizepräsident.
An der XI. Generalversammlung vom 30. April 1903, welche wiederum im Aktionärszimmer des Casinos durchgeführt wurde, erschienen immerhin 13 Mitglieder. Nach dem üblichen Nachtessen wurde über den Eintritt der PGW in den “Schweizerischen Amateur-Photographen-Verein” (heute PhotoSuisse) diskutiert.
1905 fand die Generalversammlung nicht statt, weil einfach keine vollständigen Vorstandssitzungen zusammengebracht wurden. Im Folgejahr wurde die Reduktion des Jahresbeitrags auf 5 Franken beantragt. Aus der Mitgliederliste jenes Jahres ist ersichtlich, dass von den 23 Mitgliedern immer noch einige prominente Herren jener Zeit mitmachten, wie Nationalrat Dr. E. Sulzer-Ziegler, der Ingenieur Albert Sulzer, Robert Sulzer sowie der Berufsfotograf Hermann Linck. Es ist zu vermuten, dass die wenigen Anlässe auch darauf zurückzuführen waren, dass diese prominenten Herren wenig Zeit für das Clubleben hatten. Immerhin fand am 10. Dezember 1905 ein Projektionsabend statt, an welchem mit dem “Projections-Apparat” des technischen Vereins einige Clubmitglieder eine grosse Anzahl von Diapositiven zeigten, Herr Leuzinger sogar “stereoscopische”.
Nachdem auch im Jahr 1907 wiederum nur die Generalversammlung im Casino stattfinden konnte, an der 10 von 23 Mitglieder anwesend waren, machte sich der Clubvorstand über das Fortbestehen des Clubs Gedanken. An der Vorstandssitzung vom 27. Februar 1908 wurde über die Demission verschiedener Vorstandsmitglieder diskutiert sowie über die Auflösung des Clubs. Infolge gänzlichen Mangels an Interesse seitens der Mitglieder wurde beschlossen, der nächsten Generalversammlung die Auflösung der Photographischen Gesellschaft Winterthur zu beantragen.
Die Generalversammlung fand am 4. März 1908 statt. Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass die an der Vorstandssitzung erwähnten Themen diskutiert wurden. Allerdings konnte kein neuer Vorstand bestimmt werden. Herr Dr. Brunner schlägt deshalb vor, die Photographische Gesellschaft in eine Lesegesellschaft umzuwandeln. Dieser Vorschlag wird mit 7 zu 2 Stimmen abgelehnt. Dafür wurde mit dem gleichen Stimmverhältnis die Auflösung der PGW angenommen.
Interessanterweise wurde dann ein Jahr später, am 2. Juli 1909, trotzdem die XV. Generalversammlung der PGW abgehalten, zu der 13 Mitglieder erschienen. Es wurde beantragt, dass das Vereinsvermögen der Ferienversorgung Winterthur übermittelt werde. Zudem wurde beschlossen, den Vereinsbecher nebst Protokoll und Cassabücher etc. Herrn Furrer zur Aufbewahrung zu übergeben mit der Bestimmung, dass, wenn sich binnen 5 Jahren keine neue Photographische Gesellschaft bildet, der Becher der Schenkerin, der Schützengesellschaft Winterthur, zurückerstattet werden soll. Nach 5 Jahren wird Herr Furrer die Mitglieder zu einer Zusammenkunft (Nachtessen) einladen, bei welcher Gelegenheit dann über das Schicksal der Bücher etc. bestimmt werden wird.
Die Kasse wird aufgehoben. Der Saldo von Fr. 50.80 wird wie folgt aufgeteilt:
|– Auslagen für Telefongespräche||Fr. 0.80|
|– Beitrag an Ferienkolonie Winterthur||Fr. 50.00|
Die Jahre bei der Gesellschaft Schweizerischer Amateur Photographen (G.S.A.P.) (1922 – 1929)
Im Jahr 1922 schrieb Adolphe Furrer, welcher den Vereinsbecher, die Protokolle sowie die “Cassabücher” aufbewahrte, an die ehemaligen Mitglieder der Photographischen Gesellschaft Winterthur folgenden Brief:
“An die ehemaligen Mitglieder Photographischen Gesellschaft Winterthur:
Nachdem auf meine Einladung vom 6. Januar d.J. zu einer Zusammenkunft im Casino, auf den 16. Jan. 1922, von 14 Mitgliedern, nur fünfe zu & 2 abgesagt & die übrigen 7 gar keine Rückantwort gegeben haben, hat diese Versammlung eben nicht stattgefunden.
Um nun diese Angelegenheit endlich einmal definitiv zu erledigen, möchte ich auf diesem Wege Ihre Zustimmung einholen, den bei mir in Verwahrung stehenden Becher & die noch vorhandenen Protocolle der früheren “Photographischen Gesellschaft Winterthur” der “G.S.A.P.Winterthur (Gesellschaft Schweizerischer Amateur-Photographen, Winterthur)” zu Eigentum abzutreten.
Dieser junge Verein zählt über 100 Mitglieder, steht unter einem sehr rührigen Präsidenten & weist eine äusserst rege Vereinstätigkeit auf, sodass ich Ihnen diese Lösung wohl als die Beste glaube anempfehlen zu dürfen!
Mit höfl. Gruss, Hochachtungsvollst”
Unterzeichnet mit A. Furrer, Apothr.
Mit dem Antrag von A. Furrer erklärten sich 14 Mitglieder einverstanden.
Im G.S.A.P.-Protokoll der Monatsversammlung vom 9. Dezember 1922 im Restaurant Steinbock ist festgehalten: “Eine Überraschung angenehmer Art brachte uns der Abend; indem dem Verein von Herr Tacchella, ein silberner Becher, den im Jahre 1895 die frühere Photogr. Gesellschaft von der hiesigen Schützengesellschaft als Ehrung für das von ihnen gemachte Album am schweiz. Schützenfest, erhalten hatten. Die Gabe, die seit der Auflösung der Gesellschaft (PGW) bei Herr Furrer in Verwahrung war, bedeutet für uns eine grosse Ehrung und danken wir den Spendern aufs beste”.
Die G.S.A.P. hatte damals rund 100 Mitglieder, 61 Aktiv-und 39 Passivmitglieder. Doch auch dieser grössere Verband kämpfte mit Problemen, wie der Protokollauszug der Monatsversammlung vom 12. Mai 1923 im Restaurant Steinbock zeigt: “Der vorgesehene Lichtbilder Vortrag konnte leider wegen Störung in der Lichtleitung nicht abgehalten werden. In Zukunft sollen alle Mitteilungen des Vereins, bei den hiesigen Photogeschäften durch Anschlag bekannt gegeben werden, & wird dies zur Beachtung empfohlen.”
Allerdings fanden, wohl auch aufgrund der grösseren Mitgliederzahl, vermehrt Anlässe statt, wie beispielsweise am 14. Juli 1923, an welchem der Präsident über das Thema “Innenaufnahmen” referierte. Dem Protokoll jener Sitzung kann entnommen werden: “Es gehören dieselben zu den schwierigsten im Gebiete der Photographie, erfordern grosse Übung. Die Belichtung ist reichlich zu nehmen, eine Überbelichtung ist nicht leicht zu befürchten. Man nehme gut, orthochromatische, lichthoffreie Platten, entwickle dieselben wegen den grossen Lichtgegensätzen möglichst weich. Als Belichtungsmesser eignen sich die optischen & chemischen besser als Tabellen. Einige Aufnahmen die er vorzeigte, bestätigten die Richtigkeit seiner Angaben.”
Am 11. August 1923 konnten 25 Mitglieder die neue Dunkelkammer einweihen.
Das aktive Clubleben und die grosse Mitgliederzahl führten allerdings auch zu (angenehmen) Herausforderungen. Im Sitzungsprotokoll vom 10. November 1923 heisst es: “Das Lokal “Steinbock” ist infolge starken Mitgliederzuwachses & auch anderem zu klein geworden; der Vorstand hat sich um ein grösseres umgesehen & ein solches im “Rössli” an der Technikumstrasse gefunden. Die Versammlung hat dieses Vorgehen einstimmig genehmigt.”
Am 8. Dezember 1923 fand der Familienabend statt. Eingeleitet wurde dieser Abend durch einen “flotten Marsch” des aus den eigenen Reihen gebildeten Orchesters.
Wie aktiv die G.S.A.P. war, beweist das GV-Protokoll vom 19. Januar 1924. Sage und schreibe 91 Mitglieder waren anwesend. Im Jahresbericht wird erwähnt, dass ein Anfängerkurs mit 52 Teilnehmenden ein voller Erfolg war. Zudem konnte die neue Dunkelkammer dank der “Opferwilligkeit” der Mitglieder im Berichtsjahr gut ausgerüstet werden. Obwohl die Bibliothek mittlerweile rund 200 Bücher umfasste, wurde sie aber offenbar wenig frequentiert und genutzt.
Im Protokoll der GV vom 17. Januar 1925 im Restaurant “Rössli” wird von einer hitzigen Debatte über die Höhe der Mitgliederbeiträge berichtet.
Im Protokoll der Mai-Sitzung wird über den durchgeführten Anfängerkurs berichtet: “27 Interessenten, davon 6 des zarten Geschlechts folgten unserer Einladung. Der Kurs umfasste 10 Übungen zu 2-3 Stunden, die in der Dunkelkammer im Heiligbergschulhaus & in Gottes freier Natur gehalten wurden.” In diesem Sitzungsprotokoll wurden zum ersten Mal auch die Damen erwähnt.
Im Jahr 1925 wurde auch der Fotowettbewerb geboren. Am. 11. Juli wurde ein Wettbewerbsreglement verabschiedet.
An der GV des Jahres 1926 erschienen “nur” noch 42 Mitglieder, dafür dauerte die Sitzung von 8.17 abends bis 2 Uhr morgens. Wie dem Protokoll zu entnehmen ist, wurden unzählige Traktanden diskutiert: “Der Präsident, Herr M. Dreyer, begrüsst die gut besuchte Versammlung mit dem Wunsche, dass die heutige Versammlung vom Geiste des Verständnisses und der Liebe zur Sache getragen sei und die Beschlüsse zum Wohle der Mitglieder und des Vereines gereichen. (…) Das neue Vereinsjahr hat also begonnen mit 135 Mitgliedern, und ist damit z. Zeit die grösste Sektion des Verbandes an Mitgliederzahl, jedoch noch nicht an Qualität und Leistung der Bilder. (…) Die Vereinskasse schliesst dank den Sparmassnahmen mit einem Saldo von 291.35 Frk. ab . (…) Die Lesefrist für die Lesemappe wird durch Versammlungsbeschluss auf 4 Tage festgesetzt für Alle Orts- & auswärtige Mitglieder; (bei den letzteren vom Empfang durch Post bis zur Abgabe an die Post gerechnet).”
“Das bisherige Mitglied, Herr X. in Amriswil wird wegen Nichtbezahlung der Beiträge aus der G.S.A.P.W. ausgeschlossen.”
Dem Jahresbericht kann entnommen werden, dass die Monatsversammlungen jeweils von 35 – 45 Mitgliedern besucht wurden. Das Programm war abwechslungsreich und interessant. So hat am 13. März 1926 Herr Tacchella eine Ausstellung gemacht mit Bildern aus dem Balkan und der Türkei, “wo Herr Tacchella türkischen Damen im Festgewande den Schleier lüftete & die Schönheit im Bilde, mit seiner Camera, festhielt”, wie es im Protokoll wörtlich hiess.
An der Monatsversammlung vom 10. April 1926 in der Dunkelkammer Heiligberg nahm die “Recordziffer” von 45 Mitgliedern an einem Demonstrationsvortrag über das Bromoelverfahren von Herrn Fischer aus Wien teil. Am 10. September 1926 wurden Lichtbilder über Künstlerische Aktphotographie gezeigt.
Das Jahr 1927 wurde “überschattet” durch ein besonderes Ereignis. Aus dem Protokoll der Vorstandssitzung vom 4. Juli 1927 ist zu entnehmen, dass ein Herr W. der G.S.A.P.W. beitreten wollte, das Gesuch aber abgelehnt wurde. Herr W. war als Bürochef bei der Firma Sulzer entlassen worden und hatte ein Photogeschäft eröffnet. Gemäss Protokoll nannte er sich “Photograph” und war auf der Suche nach Kunden. Aus diesem Grund sei er nicht mehr als Amateur zu bezeichnen, weshalb sein Beitrittsgesuch abgelehnt werden müsse. Offenbar verärgert über diesen Entscheid ist dann ein Vorstandsmitglied zurückgetreten. An der GV vom 21. Januar 1928 im “Rössli” wurde das Thema ebenfalls diskutiert, denn es wurde beschlossen, dass der Name “Ges. Schweiz. Amateurphotographen” genügend präzisiert sei, um die Eintrittsgesuche von Berufsphotographen abzulehnen.
An der Monatsversammlung vom 10. August 1929 hielt Herr Marti einen interessanten Vortrag zum Thema “Vom Knipser zum Amateur”. Aus dem Protokoll: “In anschaulichen Worten schildert der Referent den Werdegang des Amateurphotographen, der gar bald nach dem Kameraerwerb auf allerlei Probleme und Schwierigkeiten stösst, die ihn zu intensiver Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen der Photographie veranlassen. Ausführlich behandelte Hr. Marti die Frage der Blende zur Regulierung der Tiefenschärfe und die Wirkung der Gelbscheibe. Als erfahrener Praktiker weiss der Referent in diesen beiden Fragen auch dem erfahrenen Amateurphotographen noch neues zu sagen. Zahlreiche Bilder dokumentieren den Entwicklungsgang des Referenten und legen Zeugnis ab von der hohen Stufe seiner photographischen Tätigkeit. In der Diskussion weist Hr. Dreyer darauf hin, dass neuerdings unter dem Einfluss der Kleinkamera eine rückläufige Entwicklung vom Amateur zum Knipser eingesetzt hat.”
Die Auferstehung der Photographischen Gesellschaft Winterthur (1930 – 1992)
1930 markiert die Rückkehr zum früheren Namen und die Auferstehung der Photographischen Gesellschaft Winterthur. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 8. März 1930 ist erstmals wieder von “Photographischer Gesellschaft Winterthur” die Rede. Es werden neue Statuten verabschiedet und die alten der G.S.A.P. von 1924 ersetzt.
Eine Ausstellung im Gewerbemuseum zu “100 Jahre Photographie” im Jahre 1939 fand allerdings noch ohne die Beteiligung der PGW statt.
Im Jahre 1943, also mitten im Zweiten Weltkrieg, erhielt die PGW ein Ehrendiplom beim Sektionswettbewerb “Italienbilder” des Schweizerischen Amateur-Photographen-Verband SAPV (heute PhotoSuisse).
1951 gab sich die PGW ein neues Wettbewerbsreglement.
Die PGW hatte 1961 die Ehre, die Delegiertenversammlung der SAPV zu organisieren. Im Jahresbericht des Präsidenten heisst es: “Der PGW fiel die Ehre zu, die Delegiertenversammlung unseres Verbandes SAPV (Schweizerischer Amateur-Photographen-Verband) in Winterthur zu organisieren. Unserem Stadtpräsidenten, Herrn Dr. Rüegg, wollen wir von Herzen danken für den freundlichen und prachtvollen Empfang, den er im Namen unserer Stadtbehörde unseren Delegierten zuteil werden liess”.
Die PGW hatte 1961 94 Mitglieder, allerdings hatten im Berichtsjahr 13 Mitglieder aus Zeitmangel den Club verlassen. Die Mitglieder waren an Wettbewerben der SAPV recht erfolgreich.
Die Mitgliederzahlen nahmen in den Folgejahren weiterhin ab. Offenbar lag auch die Beteiligung an den Clubwettbewerben unter den Erwartungen, wie aus dem GV-Protokoll von 1962 zu entnehmen ist: “Gerade in diesem wesentlichen Teil unserer Weiterbildung fehlt es immer noch an der Teilnahme unserer Mitglieder und an Begeisterung oder Willen, eigene Arbeiten zu zeigen und bewerten zu lassen. Selbst die Prämierung der Quartalsaufgaben, hat nur einigen Einzelnen eine Verlockung bedeutet. Vor allem die schwarz-weiss Aufnahmen sind es, die nur Vereinzelte pflegen.”
Die damalige Zeit war geprägt vom Aufkommen der Farbfotografie. Auch hierzu eine interessante Passage aus dem erwähnten GV-Protokoll: “Die seit einigen Jahren im Zunehmen begriffene Farben-Photographie ist uns ja bekannt. An uns selbst liegt es, das Nötige zu tun, um die schwarz-weiss Photographie nicht ganz zu verdrängen. In den meisten Fällen ist dieser Mangel der gegenwärtigen beruflichen Hochkonjunktur zuzuschreiben. Dem Amateur wird es zu umständlich sich mit Vergrössern von Negativen abzugeben, weshalb er zum bequemeren und weniger zeitraubenden Mittel der Farbenphotographie greift”.
Die rückläufigen Mitgliederzahlen in der PGW gipfelten in folgender Aussage im GV-Protokoll: “Denn es ist nicht zu verkennen, dass sich unsere Gesellschaft (PGW) zur Zeit in einer Krise befindet, deren Remedur lautet: Überwinden! Im Besonderen ist diese Schwierigkeit durch Trägheit und Gleichgültigkeit der Mitglieder gekennzeichnet. Der Kern wird wahrscheinlich im Unvermögen des Präsidenten zu suchen sein, der es nicht fertig bringt, die Mitglieder unserer Gesellschaft zu sammeln und zu binden”.
Der damalige Vorstand suchte nach Möglichkeiten, diesem Trend entgegenzuwirken. Im Vorstandsprotokoll vom 9. Januar 1963 wurde der Vorschlag gemacht, moderne Literatur anzuschaffen und der Bibliothek, dem “Sorgenkind” der PGW, Sorge zu tragen. Es wurden auch Briefe an die Mitglieder der PGW versandt, um sie für die Vorstandstätigkeit zu gewinnen. Offenbar aber ohne Erfolg.
Ende der 60er-Jahre schlitterte die PGW in eine weitere Mitgliederkrise. Dem Rücktrittsschreiben des technischen Leiters ist folgendes zu entnehmen: “Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich mit Wirkung auf 30. September 1968 mein Amt als technischer Leiter an den Klub zurückgebe. Vorerst möchte ich festhalten, dass die Arbeit im neuen Vorstand ausserordentlich angenehm war und in absolut keinem Zusammenhang mit diesem Austritt steht. Es ist mir ein Bedürfnis, den Mitgliedern mitzuteilen, dass im Vorstand, vor allem durch den Präsidenten Hr. Brenner, sehr viel und sehr gut gearbeitet wurde. Leider hat sich auch dieses Jahr bestätigt, dass die Mehrheit der Mitglieder ausser an Ferien-Erinnerungsbildern und ähnlichem “Bildmaterial” kein Interesse hat. Dies soll kein Vorwurf sein, sondern die Einsicht bestätigen, dass der Klub entweder einen technischen Leiter für Repräsentationszwecke oder andere Mitglieder braucht. Immer wieder war festzustellen, dass von verschiedenen Vorstandsmitgliedern grosse Arbeit zur Vorbereitung von lehrreichen Abenden (z.B. wir fotografieren Glas etc.) aufgewendet wurde, dies jedoch praktisch nie mit einem entsprechenden Besuch beantwortet wurde. Es ist mir in Anbetracht meiner ohnehin knappen Freizeit einfach nicht möglich, diese mit überflüssigen Arbeiten noch zu schmälern, deshalb dieser Rücktritt.”
Die Preise für die Mitgliedschaft in der PGW betrugen 1969 17 Franken und für die Mitgliedschaft bei der PhotoSuisse 6 Franken, wie aus den GV-Beschlüssen vom 17. Januar 1969 zu entnehmen ist. Die Beiträge wurden an dieser Sitzung um zwei bzw. drei Franken erhöht.
Die PGW organisierte 1971 eine Fotoausstellung im Gewerbemuseum. Im “Der Landbote” vom 10. Juni 1971 hiess es: “Gegenwärtig beherbergt das Gewerbemuseum am Kirchplatz eine sehenswerte Ausstellung von fotografischen Aufnahmen. Anlässlich der Vernissage sprach am letzten Samstagnachmittag Schulamtssekretär E. Roth einführende Worte. Wie er dabei erklärte, zeichnet der Fotoclub Winterthur für die abwechslungsreiche Schau verantwortlich. In dieser Vereinigung sind Amateure der unterschiedlichsten Berufsrichtungen zusammengeschlossen. Sie alle fühlen sich durch das Interesse an der gepflegten Fotografie verbunden. Die heute gezeigten Bilder geben recht eigentlich dem Wesen unserer Zeit Ausdruck. Sie zeichnen sich vor allem durch guten Geschmack und durch reichhaltige Wahl der Themen aus. Als Präsident des Fotoclubs dankte anschliessend K. Brenner dem Schulamt für die Überlassung der Räumlichkeiten im Gewerbemuseum. Auch das “Technorama”, das eine Reihe von alten Fotoapparaten zur Verfügung stellte, würdigte der Sprechende gebührend. Gelungene folkloristische Einzelheiten, vortreffliche Aktwiedergaben und einige ungewohnte fototechnische Experimente runden die überzeugend gestaltete Schau harmonisch ab. Eine der Ausstellung angegliederte Tonbildschau, die ebenfalls aus Werken von Clubmitgliedern aufgebaut wurde, beginnt mit Impressionen von unberührtem Gebirge und mündet im Wohlstandsabfall der modernen Zivilisation”.
Fünf Jahre später organisierte die PGW erneut eine Fotoausstellung im Gewerbemuseum. Vom 12. Januar bis zum 29. Februar 1976 stellten 16 Fotografen rund 200 Bilder aus und erfreuten die Besucher auch mit Dia-Schauen. Als Gäste waren zudem auch einige Fotografen aus Yverdon zugegen. In der Ausgabe vom 12. Januar schrieb “Der Landbote”: “Hinsichtlich der Wahl der Motive und der künstlerischen Auffassung vermittelt die vielfältige Bildersammlung einen recht aufschlussreichen Querschnitt. Vorzügliche Darstellungen in Schwarz und Weiss sind ebenso häufig vertreten wie farbige Aufnahmen. Sogar die Besucher sind zur Mitwirkung aufgerufen, können sie doch an einer freigelassenen Wand ihre eigenen Erzeugnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen. Eine weitere willkommene Ergänzung des temporären Anlasses bildet eine kurzweilige, wohlgeglückte Tonbildschau. Im Vorfeld der am letzten Freitagabend durchgeführten Ausstellungseröffnung nahm eine Jury eine sachverständige Beurteilung der Werke vor. Mit dem ersten Preis wurde Hanspeter Rudin für seine ausgezeichnete Bilderfolge “Bewegung” bedacht.”
1984 machte sich der Präsident ein weiteres Mal Sorgen um den Fortbestand der PGW und appellierte an die Mitglieder: “Ich bitte alle Mitglieder bei der Neuwerbung von aktiven Amateuren mitzuhelfen. Nach unserer Zielsetzung wollen wir vor allem jüngere Frauen, Mädchen und Herren aufnehmen. Damit erreichen wir, dass einer der ältesten Foto-Clubs der Schweiz auch längerfristig fortbestehen kann. Sicher haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis Leute, die sich über eine unverbindliche Einladung zum “Schnuppern” freuen würden.” Um neue Mitglieder zu werben, wollte der Vorstand Einführungskurse für Amateur-Fotografie organisieren.
1987 organisierte die PGW eine weitere Ausstellung, diesmal im Einkaufszentrum Rosenberg, vom 13. bis 31. Oktober. Auf dem Flyer zur Ausstellung hiess es: “Der Fotoclub Winterthur zeigt in beeindruckender Art und Weise, dass Photographie ein Hobby mit sehr grossem Spektrum ist. Vielleicht macht’s dadurch bei vielen Besuchern “klick” für dieses Sehen mit der Kamera.
Eine sehenswerte Ausstellung!”
Im Folgejahr kaufte der Vorstand einen neuen Kleinbild-Diaprojektor. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf 1’500 Franken. Die beiden alten Projektoren von Kodak und Leitz wurden verkauft. Die Mitgliedschaftsbeiträge wurden auf CHF 120.00 mit dem Magazin “Foto-Amateur”; CHF 90.00 ohne Foto-Amateur; CHF 90.00 für Vorstandsmitglieder festgelegt.
Der Mitgliederbestand stabilisierte sich in den Folgejahren und betrug 1990 rund 30 Mitglieder.
1990 durfte die PGW vor rund 700 begeisterten Zuschauern im Berner Kursaal eine Tonbildschau am “Internationaler Heissluftballon Festival” präsentieren.
1990 entstand eine Koordinationsstelle “Pro Foto Winterthur”. Diverse Fotoclubs in Winterthur, PGW, Fotoclub Sulzer/SLM, Focus Foto Club Seen, Fotoklub V 99 sowie das FTS Foto Team Seen, wollten enger zusammenarbeiten. Diese Koordinationsstelle bestand einige Jahre, wurde dann aber aufgelöst. Im Jubiläumsjahr 2018 existieren nur noch die PGW sowie der Fotoklub Sulzer.
1992 wurde die “Alte Kaserne Kulturzentrum” feierlich eröffnet. Die PGW erstellte eine Dia-Show für die Eröffnungsfestivitäten. Seit 2002 hat die PGW ihr Clublokal in der Alten Kaserne.
Die Jahre um die Jahrtausendwende
Bereits wenige Jahr nach dem Grossanlass “Jahrhundertfeier” (siehe separaten Text von Carl Mani) durfte die PGW im Herbst 1999 den nächsten bedeutenden Anlass organisieren.
Die PhotoSuisse, der Schweizerische Verband für die Fotografie, hatte die Organisation des 50. Kongresses der FIAP (Federation Internationale de l’Art Photographique) und deren 25. Biennale übernommen. Der PGW fiel dabei die Ehre zu, innerhalb dieser einwöchigen internationalen Veranstaltung unter der Leitung ihres damaligen Präsidenten Arthur Wegmann die Organisation und Ausstellung der schwarz-weiss Biennale-Bilder im grossen Saal des Kulturzentrums der alten Kaserne in Winterthur zu übernehmen. Der Stadtpräsident Dr. Martin Haas eröffnete die Ausstellung. Mitfinanziert wurde der Anlass vom Stadtmarketing im Rahmen eines Projektförderpreises mit 5’000 Franken sowie mit Beiträgen der Stadt Winterthur. Parallel zur Biennale präsentierten die PGW-Mitglieder in den Stockwerken der alten Kaserne Bilder ihres breiten Schaffens der Winterthurer Öffentlichkeit. Sowohl die Biennale als auch die Ausstellung der PGW waren ein grosser Erfolg.
Leider stürzte die PGW schon wenige Jahre später in eine Krise. Wegen Organisations- und Führungsmängeln sowie infolge vieler Absage von Anlässen häuften sich die Austritte. An den Anlässen, die durchgeführt wurden, nahmen immer weniger Mitglieder teil. Zu diesen chaotischen Zeiten passte auch, dass der Wanderpokal vermisst wurde und niemand mehr wusste, wo sich dieser befand. Der Pokal blieb rund 10 Jahre verschollen. Erst vor wenigen Jahren hat sich die Firma, bei welcher der Pokal für die Gravur abgegeben wurde, bei der PGW gemeldet.
Hinzu kam ein an sich banaler Konflikt um den Verkauf und den Preis von Projektoren. Der Streit eskalierte derart, dass am Ende sogar ein Mitglied aus dem Club ausgeschlossen werden musste.
2002 übernahm ein neuer Präsident das Ruder des schlingernden Clubs. Diesem Präsidenten und auch seinem Nachfolger gelang es, den Club zu stabilisieren und die Mitgliederzahlen nahmen langsam, aber beständig zu. Seit 2005 entwickelte sich der Mitgliederbestand von 17 auf mehr als das Doppelte. Im August 2017 hatte der Club 40 Mitglieder, der höchste Bestand seit mehr als 30 Jahren.
2009 wurden die aus dem Jahr 1930 stammenden Statuten überarbeitet und modernisiert.
Auch das Wettbewerbsreglement wurde neu gestaltet und an die neuen technischen Gegebenheiten angepasst. Um den Club auch finanziell auf eine gesunde Basis zu stellen, wurde der zweite interne Fotowettbewerb gestrichen und es wurden die Beiträge der Vorstandsmitglieder erhöht.
Die PGW durfte sich in den Jahren 2007 bis 2009 im “Charly-Fitnesscenter” der Öffentlichkeit präsentieren. Im 3-Monatsrythmus wurden Wechselausstellungen durchgeführt mit Bildern der Mitglieder der PGW.
Der Durchbruch der digitalen Fotografie
Die Digitalisierung in der Fotografie machte auch vor der PGW nicht Halt. Ein Mitglied nach dem anderen vollzog den Wechsel. Einige blieben ihrer bisherigen Marke treu, andere nahmen die Gelegenheit wahr und wechselten auch die Marke. Der letztlich doch langsame Systemwechsel führte dazu, dass im Club einige Jahre lang die beiden Welten der analogen und der digitalen Fotografie parallel nebeneinander bestanden.
Ab 2002 wurden an einzelnen Anlässen digitale Themen diskutiert und behandelt. Zu Beginn der Digitalisierung wurden vorwiegend technische Fragestellungen besprochen und es wurde darüber debattiert, welches Kamerasystem das beste sei. Die Fotowettbewerbe wurden eine Zeit lang sowohl digital als auch analog durchgeführt, und schon früh kam die Idee auf, eine eigene Homepage zu lancieren, ein Projekt, welches dank initiativer Mitglieder auch realisiert wurde.
Heute haben alle Mitglieder digitale Kameras, viele mit mehreren Gehäusen und zahlreichen Objektiven. Dennoch, ein paar wenige experimentieren nach wie vor mit analogen Kameras, einer sogar mit einer Lochkamera. Dadurch, dass nunmehr alle Mitglieder digital fotografieren, wird an den Anlässen wieder mehr Gewicht auf Bildgestaltung und -betrachtung gelegt.
In den letzten Jahren nahmen die internen und externen Fotowettbewerbe einen immer grösseren Stellenwert im Club ein. So beteiligt sich die PGW seit 2005 regelmässig am Clubwettbewerb der “PhotoMünsingen”. 2008 und 2011 resultierten ein dritter bzw. ein fünfter Rang von rund 60 teilnehmenden Fotoclubs aus dem In- und Ausland. 2016 konnte auch ein PGW-Mitglied sogar eine Bildserie in der Fotoarena der “PhotoMünsingen” präsentieren. Der interne Fotowettbewerb gewann an Interesse und die Jurierung und die Bildbesprechungen führen zu lebhaften Diskussionen.
Einigen Clubmitgliedern gelingt es regelmässig, an Wettbewerben von nationalen oder internationalen Organisationen oder von Zeitschriften, sich in den vorderen Rängen zu klassieren oder sogar in einzelnen Kategorien zu gewinnen.
In den letzten Jahren wurden regelmässig auch ein- bis mehrtägige Ausflüge durchgeführt, wobei neben dem fotografischen auch das gesellige Erlebnis nicht zu kurz kommt.
Dank einer Doppelmitgliedschaft eines Mitglieds entwickelte sich seit 2014 eine Zusammenarbeit mit dem Fotoklub “ESV Feldkirch” in Österreich. Abwechselnd wurden Städtereisen, Fotoshootings und Workshops organisiert. Solche Anlässe geben neue Impulse und Fotofreundschaften.
Neue Impulse ergeben sich neuerdings auch durch die vielfältigen Möglichkeiten, welche “Social Media”, das Internet und die Smartphone-Fotografie bieten. Regelmässig tauchen an den internen Fotowettbewerben auch Bilder auf, die mit einem Smartphone aufgenommen wurden.
Obwohl viele Clubmitglieder schon sehr lange dabei sind und die Mehrheit im Pensionsalter ist, stossen in den letzten Jahren erfreulicherweise auch vermehrt jüngere Mitglieder dazu. Die Altersspanne zwischen dem jüngsten und dem ältesten Mitglied beträgt stolze 54 Jahre. Die neuen Mitglieder bringen viele neue Impulse in den Club, welche die ältere Generation auch ermuntern, sich mit den neuen Errungenschaften auseinander zu setzen. Umgekehrt profitieren die Jüngeren von der langjährigen Erfahrung der älteren Mitglieder.
Im Jubiläumsjahr 2018 werden einige langjährige Vorstandsmitglieder zurücktreten und dadurch einer jüngeren Vorstandscrew die Möglichkeit geben, den Club zu führen.
Die PGW organisiert zur Feier ihres 125-jährigen Bestehens eine Ausstellung in der “Alten Kaserne Kulturzentrum” Winterthur. 45 Bilder werden einen Monat lang in den ehrwürdigen Gängen des Kulturzentrums ausgestellt. Am 2. Februar 2018 wird eine Vernissage durchgeführt, an welcher die heutigen Clubmitglieder, deren Partner sowie ehemalige Mitglieder und weitere Gäste eingeladen sind.
Zudem publiziert die PGW ein Fotobuch, in welchem die abwechslungsreiche Geschichte erzählt wird und sich ein Grossteil der Mitglieder mit einem Kurzportrait und Bildern präsentiert.
Die PGW wird das Jubiläum auch zum Anlass nehmen, ihre Homepage, die damals von Christian Stauffer gestaltet und anschliessend von Bruno Demostene während vieler Jahre mit grossem Engagement betreut wurde, neu und moderner zu gestalten.
Peter Bihr / Giovanni Pelloni