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Hirschmatt BuchhandlungKontakt
Von der Flusskapelle zur Hirschmatt BuchhandlungDort, wo einst die Flusskapelle stand, wurde 1866 der Kellerhof erbaut. Und seit 1947 befindet sich darin eine Buchhandlung. Kommen Sie mit auf eine spannende Zeitreise!
Die FlusskapelleDie Liegenschaft Hirschmatt war bis Mitte 19. Jahrhundert ein riesiges, aber liebliches Landgut mit Bauernhaus, Scheune und ab 1738 in der Gegend des späteren Kellerhofs einer Kapelle. Zur "Flusskapelle" pilgerten mit Ohren-, Augen- oder Beinflusskrankheit behaftete Menschen. 1856 wurde sie abgetragen, und die Liegenschaft zerbröckelte mit dem aufkommenden Bauboom.
Der KellerhofAls erstes Geschäfts- und Mietshaus auf der Hirschmatte wurde 1866 der Kellerhof vom Baumeister Wilhelm Keller in drei Etappen in neugotischem Stil gebaut. Anstelle der heutigen Ladenlokale waren anfänglich kleine Vorgärtchen angelegt. Auf der Seite der heutigen Pilatusstrasse passierten die Güterzüge der Luzern-Kriens-Bahn den Kellerhof. Später zeichneten Keller und seine drei Söhne für viele weitere Wohn-, Geschäfts- und sakralen Gebäude in Luzern und der Schweiz verantwortlich. Die Gebrüder Keller hatten ihr Baugeschäft im Haus Hirschmattstrasse 24; offiziell hiess dann dieser Teil des Gebäudes "Kellerhof".
Der WollenhofAus der seit 1932 bestehenden Tradition der Strickwaren und Wollgarngeschäfte an der Hirschmattstrasse 26 entstand für diesen Teil die Bezeichnung "Wollenhof". Die Geschwister Helen und Margrit Habicht führten ab 1953 das gleichnamige Geschäft, bevor es 1971 an die Gebrüder Weber an die Pfistergasse überging. Margrit Habicht arbeitete zuvor für die Elektrofirma Frey + Co. im Haus nebenan. Der Familie Frey gehörten auch Hotels auf dem Bürgenstock, deshalb erhielten die Habichts dann und wann prominenten Besuch: Sophia Loren, die sich warme Mützen stricken wollte, oder 1960 Audrey Hepburn, die nach drei Fehlgeburten im Kantonsspital Luzern ihren Sohn Sean zur Welt brachte und mit ihrer Mutter Wolle für eine Babygarnitur aussuchte.
Das Ladenlokal im schönen, aber alten und teilweise baufälligen Gebäude hatte vor allem im Winter seine Nachteile. Wenn der Schnee auf der Terrasse oben schmolz, tropfte es beim Eingang durch die Decke auf den Boden. Die Geschwister Habicht stellten ein Becken hin, was ihnen gegenüber der Kundschaft ziemlich peinlich war.
Die Buchläden1947 gründete Max Gaisser seine Buchhandlung neben dem Wollenhof. Er galt als höchst kompetenter Buchhändler; die Auswahl im Laden war allerdings nicht sehr gross, betrug die Verkaufsfläche doch gerade mal 36 Quadratmeter. Es gab zu dieser Zeit acht weitere Buchhandlungen in der Stadt Luzern, drei davon in unmittelbarer Nähe von Max Gaisser.
13 Jahre später übernahm Angela Frye-Siegrist den Bücherladen. Der Mietzins wurde damals von der "Kantonalen Preiskontrolle Luzern" bewilligt: "Ladenlokal mit Hinterraum und einem Büro im 1. Stock: 2'535 Franken" - pro Jahr!
1971 wurden die Räumlichkeiten des Wollenladens von der Buchhandlung Frye übernommen, und die Gesamtfläche inklusive Büroräume im Parterre entsprach dem heutigen Verkaufslokal der Hirschmatt Buchhandlung. Aber erst mit der Übernahme und dem anschliessenden Umbau durch die Hirschmatt Buchhandlung im Jahr 1988 wurde die Trennwand entfernt. Zwei Stützpfeiler mussten aber stehen bleiben, was auch heute noch zuweilen zu Versteckspielen mit der Kundschaft führt.
Die Hirschmatt BuchhandlungVor 30 Jahren begann die Hirschmatt Buchhandlung mit Geschäftsführer Jörg Duss, seinem Stellvertreter, dem viel zu früh verstorbenen Andreas Wolfisberg, der Buchhändlerin Gabriella Wietlisbach-Kronenberg und zwei Lehrlingen. Angela Fryes Tochter Uta und Sohn Urban sowie Jörg Duss zeichneten als AktionärInnen. Man arbeitete mit drei mechanischen und einer elektrischen Schreibmaschine und bestellte via Telex. Erst vier Jahre später wurden ein Computer und ein Faxgerät angeschafft. Die Kataloge waren noch nicht online, sondern gedruckt und zu schweren Wälzern gebunden. Die BuchhändlerInnen beherrschten meisterhaft die Disziplinen Katalogestemmen und Hochgeschwindkigkeitsblättern.
2001 baute die Hirschmatt Buchhandlung nochmals um und übernahm vom Porzellangeschäft Antal Gyukity die renovierten Räume im ersten Stock. Die Ladenfläche betrug jetzt rund 150 Quadratmeter. Inzwischen waren neun Computer und ein Faxgerät in Betrieb.
2 Einbrüche, 2 Einbruchversuche, 1 eingeschlagenes Schaufenster, 1 Diebstahlserie, 2 Geld- und 1 Schlüsselbunddiebstähle sowie 4 Einschleichdiebstähle in den Pausenraum – das sprach für den solventen Ruf der Buchhandlung und für die Qualität der Pausenverpflegung...
2018 feierte die Hirschmatt Buchhandlung ihr 30-jähriges Jubiläum – zusammen mit 9 MitarbeiterInnen, einem Lehrling und 80 AktionärInnen. Unglaublich viel veränderte sich in diesen Jahrzehnten seit der Gründung der Buchhandlung Max Gaisser. Und auch wenn 2020 das Faxgerät entsorgt wurde und während der Corona-Krise das Ladengeschäft während acht Wochen schliessen musste - eines ist geblieben: Das gedruckte Buch ist als Lektüre und als Geschenk nach wie vor beliebt.