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Der Kanton stimmt wie Oberuzwil
Welche St.Galler Gemeinden stimmen am ähnlichsten ab wie der ganze Kanton, welche weichen am stärksten ab? Eine Auswertung von 200 Abstimmungen ergibt ein ziemlich deutliches Resultat.
Zu diesem Zweck wurde für 200 Abstimmungen seit 2008 berechnet , um wie viele Prozentpunkte die Zustimmung in jeder Gemeinde jeweils vom kantonalen Ergebnis abweicht. Im Folgenden werden diese durchschnittlichen Abweichungen betrachtet, für alle Abstimmungen sowie separat für kantonale und eidgenössische Vorlagen.
Über alle Abstimmungen hinweg liegen drei Gemeinden besonders nahe am kantonalen Mittel, nämlich Oberuzwil, Uzwil und Flawil, die auch geografisch benachbart sind. Die Abstimmungsergebnisse dieser Gemeinden lagen im Mittel weniger als zwei Prozentpunkte neben den Kantonswerten. Unter den ersten zehn Gemeinden liegen ferner fünf zwischen der Kantonshauptstadt und dem Bodensee, nämlich Rorschacherberg, Goldach, Wittenbach, Thal und Steinach. Dazu kommen Uznach und Degersheim.
Unterscheidet man nach eidgenössischen und kantonalen Vorlagen (G1), so zeigen sich teilweise grosse Unterschiede innerhalb einer Gemeinde. So liegt Thal bei den kantonalen Vorlagen auf Rang 2, bei den eidgenössischen auf Rang 19. Bei Grabs ist es gerade umgekehrt: Rang 40 bei den kantonalen, Rang 8 bei den eidgenössischen Abstimmungen.
Auf den Karten (G1) sind die Ränge in Blautönen abgebildet (je dunkler, desto weiter weg vom Kantonsergebnis).In die Berechnung wurden 199 Abstimmungsvorlagen seit 2008 einbezogen, 130 eidgenössische und 69 kantonale. Für jede Gemeinde und jede Vorlage wurde der Abstand des Ja-Stimmen-Anteils (ohne Vorzeichen) zum kantonalen Resultat berechnet und eine Rangliste vom kleinsten zum grössten Abstand erstellt. Von diesen Rangwerten wurde der Mittelwert errechnet, aus dem wiederum Ranglisten erstellt wurden, für alle Abstimmungen sowie je für kantonale und eidgenössische. Diese Rangreihenfolge bildet die Grundlage für die Kartendarstellungen. Für die Grafik wurde das arithmetische Mittel der Abstandwerte benutzt.
G1 Abweichung vom kantonalen Mittel
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Am anderen Ende der Rangliste, wo die Differenzen zum ganzen Kanton am grössten sind, stehen Flums, Niederbüren, Quarten und Mosnang. Dies gilt sowohl für kantonale wie eidgenössische Vorlagen. Die Abstände zum Kantonsmittel betragen bei diesen Gemeinden zwischen acht und zwölf Prozentpunkte. Ebenfalls zu dieser Gruppe gehören Oberriet, Oberbüren, Eichberg, Benken und Rüthi, aber auch die Stadt St.Gallen.
In Grafik G2 sind die mittleren Unterschiede zwischen kantonalen und eidgenössischen Vorlagen pro Gemeinde dargestellt. So liegen Gemeinden nahe am Nullpunkt sehr nah an den kantonalen und eidgenössischen Vorlagen (wie Oberuzwil). Unterhalb der Diagonale liegen Gemeinden, die bei kantonalen Vorlagen stärker vom Kantonsmittel abweichen als bei eidgenössischen, etwa Wattwil, Walenstadt oder Lichtensteig. Oberhalb der Diagonale sind die Abweichungen bei eidgenössischen Vorlagen stärker, am ausgeprägtesten in der Stadt St.Gallen. Die im Text fett markierten Gemeinden sind in der Grafik farblich hervorgehoben.
G2 Mittlere Abweichungen vom kantonalen Mittel in ProzentpunktenKantonale vs. eidgenössische Abstimmungen
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Eine einzelne Ursache für Nähe oder Distanz in Bezug auf das Abstimmungsverhalten gibt es nicht. Es ist zu vermuten, dass «nähere» Gemeinden bei gewissen soziodemographischen Merkmalen (Altersstruktur, Einkommensverteilung usw.) eine grössere Übereinstimmung mit dem kantonalen Mittel aufweisen als «fernere». Fest steht, dass der Kanton St.Gallen weder durch sehr ländliche und eher «konservative» Gemeinden noch durch die politisch eher «progressive» Stadt St.Gallen vollständig repräsentiert wird. Unter den Städten liegt übrigens Wil am nächsten beim kantonalen Mittel (kantonale Abstimmungen: Rang 26, eidgenössische: Rang 14).
Bei alledem zu berücksichtigen ist ferner, dass nur erwachsene Schweizerinnen und Schweizer abstimmen dürfen. Die Unterschiede zwischen kantonalen und eidgenössischen Vorlagen dürften etwas mit der persönlichen Betroffenheit zu tun haben, die bei ersteren eine grössere Rolle spielt.