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An der Volksabstimmung vom 13. Juni 2021 wurde das Covid-19-Gesetz mit 60.2 % angenommen. Dieses Covid-19-Gesetz schafft in Art. 6a die Grundlagen für die Covid-19-Zertifikate (Änderungen vom 19. März 2021), welche für den Nachweis der Impfung, der Genesung oder des Testergebnisses verwendet werden. Am 7. Juni 2021 ist die Verordnung über die Covid-19-Zertifikate in Kraft gesetzt worden (Covid-19-Verordnung Zertifikate).
Diese Verordnung regelt die Einzelheiten zu den drei Zertifikaten (dem Impf-, Genesungs- und Testzertifikat) und soll bis am 31. Dezember 2022 gültig sein, denn auch der Artikel 6a des COVID-19- Gesetzes hat eine Gültigkeit bis Ende 2022. Die Verordnung regelt beispielsweise die Form, Inhalt, Ausstellung und Widerruf der drei Zertifikate, die Vorgaben zur Überprüfung, die Anerkennung ausländischer Zertifikate, die Informationssysteme des Bundes im Zusammenhang mit diesen Zertifikaten, die angebotenen Apps und die Aufgaben der Kantone in diesem Zusammenhang.
Schauen wir uns im Folgenden das Covid-19-Genesungszertifikat genauer an. Dieses ist im 5. Abschnitt der Verordnung geregelt. Art. 16 nennt als Voraussetzung zur Ausstellung, dass eine Person sich angesteckt hat und als genesen gilt. Der zweite Satz des Artikels lautet: «Der Befund, dass die Person sich angesteckt hat, muss sich auf ein positives Ergebnis einer molekularbiologischen Analyse auf Sars-CoV-2 stützen». Dieser Satz scheint auf den ersten Blick nachvollziehbar. Auf den Zweiten stellt sich aber die Frage, ob mit dieser molekularbiologischen Analyse tatsächlich nur der PCR-Test gemeint ist. Wenn dem so ist, weshalb kann eine durchgemachte Infektion nicht auch anhand eines IgG-Antikörpertests oder eines T- oder B-Zellen-Tests nachgewiesen werden?
Die beiden Fragen lassen sich durch die Konsultation der Erläuterungen zur Verordnung beantworten: «Serologische Tests werden gemäss der Regelung der EU bisher nicht als Nachweis der Genesung verwendet, weil sich das Datum der Erkrankung nicht feststellen lässt, was für die Festlegung der Gültigkeitsdauer des Zertifikats wesentlich ist» (Seite 15 in den Erläuterungen zur Verordnung; Version vom 4. Juni 2021). Es ist also zwingend ein positiver PCR-Test notwendig, um ein Genesungszertifikat zu erhalten. Dabei sollte man wissen, dass serologische Tests Blutuntersuchungen sind, welche z.B. beim Nachweis von Antikörpern oder B- und T-Zellen (zelluläre Immunabwehr) eingesetzt werden.
Einerseits ist es nachvollziehbar, dass aufgrund des internationalen Reisens die Zertifikate mit ausländischen Regelungen kompatibel sein sollen. Andererseits bedeuten diese Regelungen, dass eine Person, welche ihre durchgemachte Infektion serologisch nachweisen will, kein Genesungszertifikat erhält, wenn nicht auch ein Nachweis eines positiven PCR-Tests vorliegt. Es drängen sich unweigerlich die Fragen auf, ob denn ein serologischer Nachweis einer durchgemachten Infektion schlechter ist, als ein positiver PCR-Befund und ob eine vorhandene Immunität wirklich nach 180 Tagen wieder verschwindet (weshalb offenbar die Gültigkeit des Zertifikates begrenzt wurde, vgl. Anhang 3 der Verordnung).
Dieszubeantworten,istderzeitsichernicht einfach.Einerseitswurdebereitswiederholtdarauf hingewiesen, dass ein positiver PCR-Test zwar Erbinformationsmaterial nachweist, aber ohne weitere Untersuchungen nicht verlässlich Aufschluss darüber geben kann, ob man tatsächlich krank wurde, ansteckend war und ob man danach immun ist. Auch kann aufgrund des Testresultats keine Aussage darüber getroffen werden, wann genau der Kontakt mit dem Erreger stattgefunden hatte. Ein solcher Test wird zudem offenbar selbst dann noch als positiv ausgewiesen, wenn kaum noch Virus- Erbinformationsmaterial gefunden wird und das Resultat auch als negativ gewertet werden könnte (z.B. bei einem Zyklus-Schwellenwert von mehr als 35). Zudem sind diese Tests nicht 100% genau (z.B. nicht 100% spezifisch), was bereits rein mathematisch zu Falsch-Positiven-Resultaten führt. Die
Falsch-Positiven-Rate steigt, je niedriger das Vorkommen des Erregers zu einem bestimmten Zeitpunkt (oder einer bestimmten Zeitspanne) ist (Prävalenz).
Andererseits kann dieser Punkt auch gegen die Genauigkeit der IgG-Antikörpertests (IgG-AK) verwendet werden. Hatte nämlich eine Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt noch wenig Kontakt mit einem Erreger (tiefe Seroprävalenz), liegt auch bei solchen Tests eine höhere Falsch - Positiven-Rate vor. Auch kann aufgrund eines positiven IgG-AK nicht in jedem Fall ein Infektionsschutz abgeleitet werden, aber er scheint doch wahrscheinlich und auch langlebig zu sein. Zudem verschwinden Antikörper nach einer gewissen Zeit wieder aus dem Blut und sind dann nicht mehr nachweisbar (dies dürfte biologisch Sinn machen). Die Antikörper werden von B-Zellen produziert, die sich später in Gedächtniszellen umwandeln. Mittels serologischer Laboruntersuchung auf vorhandene T- und/oder B-Zellen (Gedächtniszellen), könnte also eine solche Immunität nachgewiesen werden. Diese Zellen bleiben offenbar nachhaltig und über lange Zeit (einiges deutet auf mehr als 6 Monate hin) für eine erneute Immunabwehr vorhanden.
Es scheint also nicht so, dass ein positiver PCR-Test – welcher die Immunität ja höchstens indirekt über eine Infektion nachweist – für den Nachweis einer Genesung den serologischen Tests überlegen wäre. Auch deutet einiges auf eine längerfristige Immunität nach durchgemachter Erkrankung hin.
Diese Covid-19-Zertifikate diskriminieren also nicht nur Gesunde, welche ohne Symptome und bei niedriger Prävalenz (wie es z.B. in den Sommermonaten der Fall ist) nicht bei Massentests mitmachen wollen und die sich nicht einen Impfstoff verabreichen lassen möchten, welcher beschleunigt zugelassen wurde, für welchen es keine Langzeitbeobachtungen gibt und der möglicherweise nicht zu einer sterilen Immunität führt. Mit dem Genesungszertifikat werden nun auch Immunisierte benachteiligt, die keinen positiven PCR-Test-Nachweis haben, ihre Immunität aber mittels serologischer Untersuchung darlegen können.
Die Sache zeigt: Auch PCR-Falsch-Positive erhalten offenbar ein Genesungszertifikat. Der Immunisierte hingegen bekommt es, trotz durchgemachter Krankheit und serologisch nachgewiesener Immunität, nicht – ausser er unterwarf sich rechtzeitig dem Testregime.
Um sich (unter anderem) gegen diese Ungleichbehandlung zu wehren, werden zurzeit Unterschriften für ein Referendum («Covid-Gesetz Referendum II») gesammelt, welches sich gegen die Änderungen vom 19. März 2021 im Covid-19-Gesetz richtet. Die Referendumsfrist läuft schon am 8. Juli ab - jede Unterschrift ist jetzt wichtig (covidgesetz-nein.ch).
Quellen:
- https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2020/711/de
- https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2021/325
- ErläuterungenzurVerordnungüberZertifikatezumNachweiseinerCovid-19-Impfung,einerCovid-19- Genesung oder eines Covid-19-Testergebnisses (Covid-19-Verordnung Zertifikate) (admin.ch)
- Amtsgericht-Weimar-9-F-148-21-EAO-Beschluss-anonym-2021-04-08_online.pdf (2020news.de) (inkl. Gutachten v. Prof. Dr. rer. biol. hum. Ulrike Kämmerer zur Beweisfrage „Welche Aussagekraft zur Erkennbarkeit einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 liefern der RT-qPCR-Test und die derzeit verwendeten Schnelltests“, Seite 144 ff.)
- https://infekt.ch/2021/01/covid-antikoerper-test-ist-er-wirklich-wertlos/
- https://tkp.at/2020/11/20/positiver-test-auf-sars-cov-2-spezifische-t-zellen-nach-infektion-zu- jahresbeginn-immunitaet-nach-10-monaten-aufrecht/
- Neue Studie von Immunologen aus Kalifornien: Immunität gegen Covid hält jahrelang - (tkp.at)
- So kommt man zu einem T-Zellen Test zur Bestimmung der Immunität - (tkp.at)
- T-Zellen von Corona Rekonvaleszenten erkennen mindestens 30 bis 40 Merkmale des Virus - (tkp.at)
- The Trouble With PCR Tests – Swiss Policy Research (swprs.org)
- https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/indikation -und- interpretation-der-sars-cov-2-antikoerperdiagnostik.html
- https://www.insidecorona.ch/2021/06/10/eine -impfung-von-bereits-mit-covid-19-infizierten- personen-bringt-keinen-nutzen/