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Zum Kriminalroman bin ich gekommen, weil ich die leichten Seiten des Lebens besonders liebe, weil die sogenannte E-Literatur sich irgendwann schmollend von mir abgewandt hat, weil ich mit Begeisterung Jazz höre und an B-Movies meine besondere Freude habe.
Ich hatte während meiner gesamten beruflichen Laufbahn – als Journalist, Übersetzer und schließlich als Werbetexter – immer mit Sprache zu tun, doch mit meinem ersten Roman habe ich mir Zeit gelassen. Obwohl die Idee zu einer echten Detektivgeschichte schon länger in meinem Kopf herumspukte und auch die Figur des Remzi Ünal allmählich Form annahm, habe ich mir die Niederschrift eigentlich mehr als Zeitvertreib während des angestrebten frühen Ruhestands vorgestellt. Doch dann sind zwei Faktoren zusammengefallen, die mich veranlasst haben, die Arbeit früher in Angriff zu nehmen. Zum einen eine gewisse Ermüdung bei meiner Arbeit in der seit dreizehn Jahren zusammen mit Kollegen geführten Werbeagentur, zum andern der Wettbewerb, der vom Café Kaktüs 1999 zum ersten Mal ausgeschrieben wurde. Als ich die Ankündigung sah, dachte ich: Dies ist ein Wink des Schicksals. Ich nahm Urlaub und begann zu schreiben.
Jetzt, nachdem ich den Preis erhalten und meine Anteile an der Werbeagentur veräußert habe, fühle ich mich wie jemand, der sich einen Jugendtraum erfüllt hat. Auf jeden Fall möchte ich weiter schreiben - auch wenn ich vorläufig noch unterrichte, um mich und meine Familie über Wasser zu halten. Der zweite Remzi-Ünal-Roman liegt bereits vor, der dritte wird demnächst erscheinen.
Meine Beziehung zum Krimi - ich meine damit die echte »Detective-Story« im Gegensatz zu den später im Kalten Krieg entstandenen Agenten- und Spionageromanen - geht auf meine frühe Kindheit zurück. Mike Hammer und Konsorten habe ich reihenweise verschlungen. Während der Studienzeit war Agatha Christie eine wichtige Autorin für mich. Mit Çağlayan Yayinlari hatte in den Sechzigerjahren die Türkei einen Verlag, der ausschließlich Kriminalromane verlegte. Und wenn die Nachfrage beispielsweise nach Mike-Hammer-Abenteuern nicht durch Übersetzungen zu befriedigen war, ergänzte man die Serie durch namhafte türkische Autoren. Die so entstandenen Originalausgaben waren von den »echten« kaum zu unterscheiden! Doch Remzi Ünal ist nicht der erste türkische Privatdetektiv, er hat einen berühmten Vorgänger: Murat Davman, den Helden der Romane von Ümit Deniz. Ihm habe ich mit einigen Anspielungen zu Beginn von Schnee am Bosporus meinen Respekt gezollt.
Ich möchte hier ausdrücklich die Vorliebe des letzten Kalifen Sultan Abdülhamid für diese Literaturgattung hervorheben. Seine Bibliothek soll Tausende von Originalen und eigens für ihn übersetzte Werke enthalten haben. Es wird sogar behauptet, dass er überhaupt nichts anderes las! Ich teile übrigens die Meinung vieler Autoren und Fachleute, dass keine andere Literaturgattung in der Lage ist, die Welt von heute in ihren vielen verschiedenen Realitäten so gut und packend zu schildern wie der Kriminalroman.
Mit Remzi Ünal wollte ich ganz bewusst eine eher unauffällige Gegenfigur zu den unbesiegbaren, damenverschleißenden Bond-ähnlichen Typen der Agentenliteratur schaffen. Als ehemaligem Piloten konnte ich ihm Scharfsinn, Welterfahrung, Risikobereitschaft und Entschlusskraft zueignen und ihm außerdem zwei meiner eigenen Hobbys unterschieben: Aikido und das Spielen mit dem Flugsimulator. Ein dunkler Punkt in seiner Vergangenheit wird angedeutet: Ein Alkoholproblem hat ihn seine Pilotenkarriere gekostet. Doch das ist inzwischen überwunden, Remzi Ünal hält sich an Mineralwasser und Cola!
Mein Protagonist zeichnet sich dadurch aus, dass er auf keinen Fall in irgendeiner Weise die Justiz oder auch nur die Sicherheitskräfte ersetzen will. Stattdessen verteilt er gute Ratschläge, ob die nun gern gehört werden oder nicht. Das trifft sich gut, denn meine Bekanntschaft mit den Ordnungshütern beschränkt sich auf gelegentliche Verkehrsdelikte, ansonsten weiß ich nicht, wie diese Organisation funktioniert. Absolute Genauigkeit und Wahrhaftigkeit sind gerade beim Krimi unabdingbar. Darum habe ich die Polizei und ihre Organe nur am Rande erwähnt. Dafür hat sich als Hauptschauplatz die Bosporus-Universität von Istanbul dadurch ergeben, dass ich natürlich keine andere türkische Universität so gut kenne wie die meiner eigenen Studienjahre.
Immer wieder werde ich gefragt, warum mein Detektiv so ungewöhnlich viel Abstand zum weiblichen Geschlecht hält, auch wenn er offensichtlich weibliche Reize durchaus zu schätzen weiß. Eine eindeutige Antwort kann ich nicht geben. Ich möchte jede Art von Sentimentalität vermeiden, vielleicht lasse ich meinen Detektiv deshalb als Einzelgänger auftreten. Natürlich wollte ich im ersten Roman auch nicht mein ganzes Pulver verschießen! Wie in allen guten Krimis soll der Leser die Hauptfigur erst nach und nach richtig kennenlernen, obwohl ich mich bemüht habe, Remzi Ünal gleich bei seinem ersten Auftritt durch unverwechselbare Konturen lebendig zu machen.