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Der heilige Bernhard von Clairvaux lebte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und gilt als bedeutender Mystiker des Mittelalters. Über ihn wird folgende Geschichte erzählt:
Ein Ritter ging mit dem heiligen Bernhard von Clairvaux eine Wette ein. Er wettete, dass Bernhard nicht fähig sei, ein einziges Vaterunser zu beten, ohne gedanklich vom Beten abzuschweifen. Der Ritter war sich seiner Sache so sicher, dass er dem berühmten Mystiker sein Pferd versprach, für den Fall, dass er die Wette verlieren sollte. Bernhard ging darauf ein, bat aber darum, das Vaterunser in einer Kirche beten zu dürfen. Der Ritter willigte ein. Als Bernhard nach dem Beten aus der Kirche kam, fragte ihn der Ritter, ob es ihm gelungen sei. «Nicht ganz», sagte Bernhard. «Als ich fast fertig war, fragte ich mich, ob ich den Sattel wohl auch bekäme.»
Für mich zeigt diese Geschichte, dass es ein unsinniger Anspruch ist, das Vaterunser ohne abzuschweifen beten zu müssen.
Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wenn ich mit einer anderen Haltung an dieses Gebet herangehe. Was mich gerade beschäftigt, lasse ich nicht aussen vor. Ich erlaube mir diese Gedanken mitzudenken, wenn ich das Vaterunser spreche. Dadurch hat das Gebet etwas mit meinem eigenen Leben zu tun.