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Curitiba – die Ökologische Musterstadt – (aus der Tupi-Sprache „Viele Pinienkerne“. Die Portugiesen, die die Stadt 1693 gründeten, gaben ihr den Namen Vila Nossa Senhora da Luz e Bom Jesus dos Pinhais. 1721 wurde der Name dann in Curitiba geändert.
Gründung: 29. März 1693
Lage: 934 Meter über Meer
Bevölkerungszahl: 1.751.907 (Stand 11/2010)
Grösse/km2: 435 km2
Bevölkerungsdichte/km2: 4.024,84 Einw./km2
Regenzeit: unterschiedlich je nach Jahreszeit
Von Paranaguá am Atlantischen Ozean ausgehend, erreicht ein Fähnlein der Bandeirantes aus São Paulo das Hochplateau im Jahr 1649 – sie sind auf der Suche nach Indianersklaven und Gold. Sie gründen eine kleine Siedlung, die sie, in Anbetracht der vielen Araukarien-Wälder (Pinheiros) und ihrer Schutzpatronin, Nossa Senhora da Luz dos Pinhais nennen – offizielle Gründung später am 29. März 1693, unter der Administration der Capitania de São Paulo. Ab 1721 nennt sich die Siedlung „Curitiba“ (coré – Pinienkern, etuba – viel oder Kurit – Pinie, Yba – grosse Menge) – frei übersetzt „Viele Pinienkerne“, in der Sprache der Tupi-Guarani-Indianer.
Seit 1842 mit Stadt-Status, wuchs Curitiba besonders durch europäische Emigranten, vornehmlich Polen, Deutsche, Italiener, Ukrainer, Franzosen, Engländer und Holländer. Am Anfang dieses Jahrhunderts kamen noch Japaner, Syrier, Libanesen und Juden hinzu, die alle durch ihre technischen Kenntnisse und ihre Kultur die Stadt in besonderem Masse prägten, ihre schnelle wirtschaftliche Entwicklung und urbane Struktur beeinflussten und trotz allem die ihnen eigenen Sitten und Gebräuche bewahrten.
Während anfänglich der Anbau, die Industrialisierung und der Handel mit Mate-Teepflanzen Curitibas Wirtschaft Auftrieb gab, war es der Kaffee, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts massgebender Wirtschaftsfaktor wurde. 1940 hatte Curitiba nur 140.000 Einwohner – diese Zahl hat sich bis heute praktisch verzehnfacht. Unterstützt durch eine gut funktionierende heimische Wirtschaft, hat die Stadt es geschafft, sich auf gesunde Weise zu modernisieren: Man nennt Curitiba auch die Capital Ecológica do Brasil – Brasiliens Öko-Hauptstadt, aber sie ist nicht nur hinsichtlich ihres Naturschutzes und ihrer Grünanlagen Vorbild (52 m2 Grünfläche pro Einwohner), sondern auch Modellstadt betreffs ihres unvergleichlichen Transportsystems: Erstaunlicherweise schuf der fortschrittliche Bürgermeister Jaime Lerner – von Haus aus selbst Architekt – unter vielen Anreizen, auch besonders niedrige Fahrpreise in den Bussen und brachte die Einwohner der Stadt dazu, von ihrem PKW auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen – ein einmaliger Erfolg in Brasilien.
Der eine Erfolg zog andere Erfolge in dieser Stadt nach sich: Die Verkehrsdichte ging stark zurück – das Verhalten der Fahrer im Verkehr ist besser als in anderen brasilianischen Städten – sie halten tatsächlich bei Rot an, und der Fussgänger kann ohne Herzklopfen über die Strasse gehen – und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass auch die Zahl der Scheidungen, Herzanfälle und Selbstmorde in dieser Stadt niedriger ist als anderswo – was allerdings noch nachzuprüfen wäre.
Historische Gebäude sind beispielhaft gut erhalten worden, mehrere Strassen wurden für den Verkehr gesperrt und viele Parks, Gärten und breite Boulevards angelegt. Auf den Strassen der Innenstadt markieren aufgezeichnete Pinien-Zapfen Richtung und Entfernung zu den einzelnen historischen Sehenswürdigkeiten – die Linha Pinhão (Pinienzapfen-Linie). Übrigens war Curitiba die erste brasilianische Stadt mit einer Fussgänger-Zone, die erste Stadt mit einer Strasse, in der alle Geschäfte 24 Stunden durchgehend geöffnet sind (die Rua 24 horas) – und ist immer noch die einzige Stadt Brasiliens in der schon vom Bürger eine Trennung des Abfalls nach Materialien vorgenommen wird – in verschiedenen Abfallbehältern und dann ein Recycling des Abfalls von der Präfektur erfolgt. An die fünfzig öffentlichen Schulen sind fünfzig öffentliche Bibliotheken angeschlossen, die den bezeichnenden Namen „Farois do Saber“ (Licht des Wissens) tragen. Diese Bibliotheken bestehen aus Modulen von je 88 m2 und einem Turm von 10 m Höhe mit Blinksignal – sie stehen jedermann mit einem Bestand von jeweils 5.000 Büchern zur Verfügung.
Curitiba ist eine Stadt, die man bisher völlig zu Unrecht touristisch eher „links liegen gelassen“ hat, wenn man zu solch aufregenden Zielen wie den Wasserfällen von Iguaçú oder, in umgekehrter Richtung, nach Rio de Janeiro oder gar dem Amazonas unterwegs war. Üblich ist höchstens einmal eine kurze Zwischenlandung in Curitiba, und vielleicht – wenn der Anschluss erst am nächsten Morgen erfolgen kann – eine Übernachtung.
Wir sind davon überzeugt, dass dies nur die Schuld fehlender Informationen sein kann, denn nicht nur in Curitba selbst gibt es viel Interessantes zu sehen und zu erleben, auch seine nähere und weitere Umgebung ist es wert, dass man sich ihr ein paar Tage widmet!
Gerne geben wir Ihnen in unserem Brasilien-Portal einen Einblick in die fast unbekannte Stadt Curitiba und den noch unbekannteren Bundesstaat Paraná.
Auf dem Praça Tiradentes, im historischen Zentrum, fährt zwischen Dienstag und Sonntag, von 09:00 bis 17:30, alle 30 Minuten, ein Bus ab, mit dem man insgesamt 22 touristische Sehenswürdigkeiten anfahren kann.
Der Fahrschein berechtigt, ausser dem Ersteinstieg, zu drei weiteren Wiedereinstiegen innerhalb des gleichen Tages!! Der Name des Busses ist „Linha Turismo„!
Und jetzt führen wir Sie mal ein bisschen herum und geben Ihnen einen kleinen Vorgeschmack der Sehenswürdigkeiten dieser schnuckeligen, sauberen Stadt, voller Überraschungen und für jeden Geschmack etwas dabei – dass wir mit den Kirchen anfangen, ist rein zufällig – stellen Sie sich einfach das Programm zusammen, welches Ihnen am meisten zusagt.
Die Historische Altstadt von Curitiba erreichen Sie durch einen Fussgängertunnel: Die Strassen des Largo da Ordem haben Kopfsteinpflaster – die Restaurierung einiger historischer Gebäude ist besonders gut gelungen. Abends ist es hier angenehm etwas zu trinken und der Musik von Strassenmusikanten zuzuhören. Einige der folgenden Sehenswürdigkeiten liegen in diesem Viertel und viele der anderen nicht weit davon:
Steht an der Stelle, wo Curitiba einst als Siedlung seinen Anfang nahm – heute dem Praça Tiradentes. Zuerst eine winzige Kapelle aus Holz, die 1715 zur Primeira Igreja Matriz erhoben wurde. Die heutige Kirche ist bereits der vierte Tempel an der gleichen Stelle, eingeweiht im Jahr 1893, errichtet in neo-gothischem Baustil, inspiriert an der Catedral da Sé in Barcelona. Die zentrale Heiligenfigur der Nossa Senhora da Luz (Schutzheilige von Paraná) kam aus Portugal und wurde erstmals 1640 aufgestellt. Heute befindet sie sich im Museu Paranaense – die aufgestellte Figur ist die dritte einer Serie. Das Innere der Kirche hat schöne Glasfenster, die von traditionellen curitibanischen Familien gestiftet wurden, schöne Möbel und Kanzel in Imbuia-Holz geschnitzt. 1993 restauriert, befindet sich die Basilika in der Rua Barão do Serro Azul, 31, Innenstadt.
Errichtet 1737, ist dies die älteste noch intakte Kirche der Hauptstadt. Ihr ursprünglicher Name war Nossa Senhora do Terço, er wurde vom Orden der Franziskaner im Jahr 1746 geändert. Die Franziskaner bauten ein Kloster an die Kirche (1752), das sie bis 1783 leiteten. Im Jahr 1834/35 stürzte ein Teil der Kirche ein, wurde wieder rekonstruiert, aber die ursprüngliche Perfektion wurde nicht mehr erreicht. Als die ersten polnischen Einwanderer in Curitiba ankamen, diente ihnen diese Kirche als Gemeindezentrum. 1880, mit dem bevorstehenden Besuch des Kaisers Dom Pedro II. in der Hauptstadt, wurde eine definitive Restaurierung des Gotteshauses vorgenommen. Der Kirchturm wurde 1883 fertig und die Glocken gespendet von Unternehmern der Mate-Plantagen. Jetzt übernahm die deutsche Kolonie die Kirche als ihr Gemeinde-Zentrum – bis 1937 wurden die Messen dort in deutscher Sprache zelebriert. Die vielen Reformen haben ihren ursprünglich kolonialen Baustil stark beeinträchtigt – und der eher neo-gothische Turm will nicht so recht zum Rest des Gebäudes passen – aber die Kirche ist, zusammen mit ihren mehr oder weniger geglückten Reformen, eine authentische Remineszens aus den Anfängen der Besiedelung Südbrasiliens.
(Die Kirche befindet sich auf dem Largo da Ordem – im Setor Histórico)
Das Museum Sakraler Kunst des Erzbistums Curitiba ist die Krönung des Restaurationsprozesses der ältesten existenten Kirche der Stadt – der Igreja da Ordem Terceira de São Francisco das Chagas – und es befindet sich in einem Anbau derselben Kirche.
(Largo da Ordem – im Sektor Histórico)
Das zweitälteste Gebäude der Stadt – nach der „Igreja de Ordem Terceira de São Francisco“, an deren Seite es steht. Ein Haus im Kolonialstil aus dem 18. Jahrhundert, wurde 1970 von der Präfektur übernommen und 1973 innen und aussen restauriert – eine besonders delikate Arbeit, denn die vielen unqualifizierten Eingriffe im Lauf von zwei Jahrhunderten hatten das Gebäude, innen wie aussen, seinem ursprünglichen Aussehen vollkommen entfremdet. Die durch seinen Namen berechtigte Annahme, dass Paranás brillanter Schriftsteller und Historiker in diesem Haus einst gewohnt habe, ist falsch – das Haus wurde vielmehr posthum ihm zu Ehren so genannt und Ende 1973, im Anwesenheit seiner Tochter Azurita Martins Alice, neu eingeweiht. Das Gebäude soll Ausstellungen paranaensischer Künstler der Gegenwart zur Promotion dienen.
(Largo da Ordem, 35 – Setor Histórico).
Wie in verschiedenen anderen Städten auch, hatten die schwarzen Sklaven ihre eigene Kirche, die auch von ihnen selbst, im Kolonialstil der damaligen Zeit, errichtet worden ist – sie hiess damals Igreja dos Pretos de São Benedito. Mit der gesetzlichen Abschaffung der Sklaverei verlor sie ihren ursprünglichen Sinn, wurde aber, da sie sich auf dem Weg zum Friedhof befand, weiterhin instand gehalten – der Volksmund nannte sie nun „Igreja dos Mortos“ (Totenkirche).
1931 war sie so baufällig, dass man sich entschloss, sie abzureissen und eine neue Kirche an ihrer Stelle zu errichten, die 1946 eingeweiht wurde: die Igreja do Rosário ist im Stil des Spätbarock gehalten, ihre Vorderfront mit den Original-Kacheln der antiken Kapelle verkleidet.
Im Eingang befindet sich das Grab des Monsenhor Celso, der während 21 Jahren Vikar der Stadtkirche war und 1931 starb. Sonntags um 8:00 wird in diesem Gotteshaus die „Missa do Turista“ (Messe für den Touristen) zelebriert!
(Auf der Praça Garibaldi, im Setor Histórico).
Der erste buddhistische Tempel der Stadt, eingeweiht am 28. April 1996. Das Geld für seinen Bau kam aus Japan und wurde von der lokalen japanischen Kolonie ergänzt. Der Bau vereint eine moderne Architektur mit traditionellen japanischen Stilelementen in beispielhafter Harmonie. Seine Inneneinrichtung wurde für Kulthandlungen, Seminare und andere Veranstaltungen konzipiert. Der Buddhismus stammt aus Indien – im 5. Jahrhundert vor Christus – breitete sich später über China bis nach Japan hin aus und hat heute in etwa 500 Millionen Anhänger auf der ganzen Welt. 55 buddhistische Tempel gibt es allein in Brasilien. Im Bundesstaat Paraná schätzt man seine Anhängerschaft auf zirka 10.000 Personen. Weitere Tempel stehen in Londrina und in Maringá.
(Rua Gilda Pitarch Forcadell, 155 – im Stadtteil Vila Ouro Verde).
Der etwas kompliziertere Name dieser Moschee ist „Mesquita de Al Imam Ali Ibn Abi Taleb“ – sie besitzt nicht ganz so komplexe Details, wie die entsprechenden Moscheen des Orients, wird aber als ein Tempel von grosser Ähnlichkeit mit einer Original-Moschee bezeichnet – besonders ihre Türme. Sie wurde 1977 gebaut, in ihr finden sehr ausdrucksvolle Veranstaltungen statt, die von den fünf Grundsätzen des Islam als Basis des spirituellen Lebens getragen werden: dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, dem Fasten während des Monats Ramadan, Zakat und Pilgerreise nach Mekka. Besuche für Gruppen nach vorheriger Vereinbarung.
(Rua Dr. Kellers, 383 – im Stadtteil São Francisco).
Das älteste Museum des Bundesstaates Paraná wurde 1876 von dem Historiker Agostinho Ermelino de Leão gegründet und hat seither mehrmals seinen Standort wechseln müssen. Das heutige Gebäude, in neo-klassischem Stil, wurde 1916 errichtet, um die Präfektur aufzunehmen, welche auch bis 1969 dort untergebracht war. Das interessante Museum präsentiert ethnologische und historische Exponate, antike Objekte aller möglichen Genres, numismatische Sammlungen, Fotografien, Kunstwerke und archäologische Funde. Die Sammlung steht unter Denkmalschutz.
(Praça Generoso Marques).
Der Palácio São Francisco, ein Gebäude aus den 20er Jahren, beherbergt dieses interessante Kunstmuseum, das am 10. März 1987 eingeweiht wurde und in seiner Sammlung eine Reihe bekannter brasilianischer Künstler präsentiert, wie zum Beispiel: Andersen, Guido Viaro, Poty, Bakum, De Bona, Lange de Morretes und viele andere. Neben der permanenten Ausstellung, ist dem Museum eine Bibliothek angeschlossen und ein „Salon des Künstlers“, in dem monatlich eine aktuelle Ausstellung paranaensischer Künstler promoviert wird.
(Praça João Cândido, 40 – Rua Dr. Kellers, 289).
Dieses Museum für Naturgeschichte gehört zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt! In Zusammenarbeit mit dem Sekretariat für Umweltschutz führt das Museums-Team verschiedene Studien auf dem Gebiet der Zoologie durch, die sich mit Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien, Fischen, Insekten, Spinnentieren, Muscheln und Parasiten befassen – jede dieser Tierarten ist ebenfalls in wissenschaftlichen Sammlungen ausgestellt. Darüber hinaus werden Studien von gefährdeten Spezies in allen Teilen des Bundesstaates durchgeführt. Das Museum beansprucht ein Areal von 36.000 m2, inklusive eines externen Ausstellungsgeländes, in dem, innerhalb eines Wäldchens, die Ausstellung „No Caminho das Araucárias“ (Auf dem Weg der Araukarien), mit 12 Vitrinen entlang eines angehobenen 400-Meter-Laufsteges, die verschiedenen Inter-Relationen innerhalb eines Araukarien-Waldes demonstriert.
Ein Lehrpfad zur Umweltschutz-Erziehung. Die interne Ausstellung stellt das Thema „Brasilianische Ökosysteme“ aus dem gleichen Motiv heraus, in der Beispiele des Araukarien-Waldes, des Tropischen Regenwaldes, des Cerrado und des Banhado präsentiert werden, die besonders die aussergewöhnliche Vielfalt animalischen und vegetativen Lebens in diesen Regionen aufzeigen.
(Rua Benedito Conceição, 407, im Stadtteil Capão da Imbuia).
Das Haus, in dem der Baron von Serro Azul gewohnt hat, wurde zwischen 1880 und 1883 errichtet. Das Gebäude besteht aus drei Teilen: dem zentralen Block – von grösstem historischen Wert, dem Block B – in dem die Baronin nach dem Tod ihres Mannes gewohnt hat und dem Block C – der als Anbau vom Militär, vor etwa 40 Jahren konstruiert wurde. Das Gebäude wurde erst kürzlich vollkommen restauriert und wird derzeit für diverse künstlerische Zwecke verwendet – verschiedene Kurse werden hier gegeben, Proben von Orchestern finden hier statt, als Auditorium wird es benutzt, für Ausstellungen, als fotografisches Labor, als Kunstgalerie, als Workshop für Theater, als Atelier für Holzschnitt, Lithografie und Kupferstich und auch als Museum.
(Rua Presidente Carlos Cavalcanti, 533).
Man nimmt an, dass dieses Gebäude um 1880 errichtet wurde, und zwar von Fridolin Wolf, dem Sohn des Joseph Wolf, dem ersten Mitglied dieser österreichischen Familie, die um 1854 nach Curitiba kam. Trotz verschiedener Vermietungen und Untervermietungen befand sich das Haus bis zum Jahr 1974 in Familienbesitz, als es in den Besitz der Präfektur wechselte, die es einer gründlichen Restauration unterzog und 1975 zum Sitz des Kulturdezernats von Curitiba machte. In seinem äusseren Baustil erinnert das Gebäude stark an die germanische Architektur dieser Zeit, während sein Inneres vom luso-brasilianischen Einfluss geprägt ist. Böden, Decken, Ballustraden und Veranden wurden meisterhaft restauriert.
(Praça Garibaldi, 7 im Setor Histórico).
Eins der ersten grösseren Gebäude der Stadt, wurde von dem libanesischen Emigranten Feres Merhy konstruiert, der 1895 nach Brasilien kam, und sich in Curitiba etablierte. Im Jahr 1927 begann er mit dem Bau des ersten Filmtheaters von Paraná, dem „Avenida“, das am 4. April 1929 eingeweiht wurde. Ausser dem Kino beherbergte es noch ein Café, die folkloristische Bar Guairacá und andere Etablissements. Am Standplatz des Avenida befand sich bis dato das „Schlacht-Wurst-Geschäft“ des Willy Krause – die Wurstfabrik eines Deutschen von 1894, die zum Studenten-Treff der damaligen Zeit geworden war.
Das bedeutende architektonische Monument besetzt ein Areal von 17.700 m2 und wurde von einem Architekten-Trio (Valentim Freitas, Bortolo Bergonse, Bernardino d’Assumpção Oliveira) ausgeführt. Nach vier Reformen, die letzte wurde am 4. März 1991 fertig, ist die Fassade vollkommen erhalten worden, während man das Innere in eine supermoderne architektonische Konstruktion verwandelt hat. Es dient einer Bank als Schalterraum und administratives Büro, sowie als Auditorium für 250 Plätze, und hat weiteren Platz, um kulturelle Aktivitäten zu entwickeln – man denkt da zum Beispiel an ein „Weihnachten im Avenida“ für bedürftige Kinder und alte Leute. (Travessa Oliveira Belo, 11).
Ist der erste Wolkenkratzer von Curitiba aus dem Jahr 1927 – sein Erbauer war der Ingenieur João Moreira Garcez. Ein architektonisch kurioses Gebäude im Art-Deko-Stil, ganz mit schwarzem Stein-Staub verputzt. Es hat gerade Linien, ohne Schnörkel, und anstelle von Betonpfeilern wird es von riesigen Holzstämmen gestützt, die mit Rohöl behandelt sind. Die Aufzüge wurden erst 1934 installiert, und das oberste Stockwerk erst 1946 fertig gestellt. Das Gebäude hat bereits Schulen in sich aufgenommen, öffentliche Ämter, Vereinigungen etc. schliesslich am 6. Oktober 1988 – nach einer gründlichen Reform – unter seinem neuen Besitzer, der Gruppe Hermes Macedo, wiedereröffnet. Sie haben 1989 die begehrte US-amerikanische Trophäe „Worldstore“ mit dem Gebäude gewonnen. Heute enthält das Gebäude ein kommerzielles Zentrum.
(Avenida Luiz Xavier, 103).
Auf einem Terrain von ungefähr 10.000 m2 errichtete der Mate- und spätere Kaffee-Plantagenbesitzer Luiz Guimarães sich ein persönliches Schloss – nachdem er sich auf seinen Reisen durch Frankreich in die Schlösser der Loire verguckt hatte. Er beauftragte den Ingenieur Dr. Carvalho Chaves mit dem Bau eines solchen Schlosses, und der reiste extra nach Frankreich, um sich vor Ort die entsprechende Inspiration zu holen. 1928 war sein Nach-Schöpfung fertig – 20 Jahre später kam sie in den Besitz der Familie Lupion, die noch einige Ergänzungen vornahm. Im Lauf der Zeit haben verschiedene Künstler an der Dekoration des Interieurs gearbeitet – an Wand- und Deckenmalereien sowie der Gestaltung von Glasfenstern.
Persönlichkeiten aus Brasilien und dem Ausland haben hier schon genächtigt – 1974 wurde das Schlösschen unter Denkmalschutz gestellt. Hier funktioniert heute das Fernseh-Studio des Kanals 12 von Paraná.
(Avenida Batel, 1.323).
Der als historisches und architektonisches Erbe denkmalgeschützte Palast wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts (1866 – 1907) in neo-klassischem Stil, von Cândido de Abril errichtet. Auftraggeber war der reiche Mate-Plantagenbesitzer Agostinho Ermelino de Leão Júnior – seine Familie zog im Jahr 1902 in den Palast ein. Das Gebäude ist eins der luxuriösesten von Curitiba – mit Türen, Fenstern, Wandverkleidungen und Schnitzereien aus Brasilholz – Gläser und Porzellan importiert aus Frankreich und Belgien. Der Besitz wurde vollkommen restauriert, diese Arbeit dauerte beinahe zwei Jahre. Am 24. Oktober 1987 neu eingeweiht, um nunmehr einem kulturellen Zweck zu dienen – hier werden jetzt Informationen betreffs der Geschichte, der Wirtschaft, des gesellschaftlichen Lebens und der Kunst gesammelt, organisiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ein Intelligenz-Zentrale und Erinnerungs-Speicher des Staates von Paraná.
(Avenida João Gualberto, 530 / 570 im Stadtteil Alto da Glória).
Ein Gebäude, das auf den Trümmern des antiken Teatro São Teodoro von 1884 errichtet worden ist – 1953 wurde seine Neukonstruktion eingeweiht. 1970 wurde das Theater von einem Brand heimgesucht – sein Dach zerstört und 90% aller seiner bemalten Glasfenster, darüber hinaus wurde die Beton-Struktur des grossen Auditoriums und der Hauptbühne ernstlich kompromittiert. Seine erneute Restauration nahm vier Jahre in Anspruch, sodass man es erst 1974 erneut einweihen konnte, mit dem Stück „Paraná, Terra de todas as Gentes“ (Paraná, die Erde aller Menschen). Der Bau besitzt drei Theater-Säle: „O Grande Auditório“ (Hauptsaal) mit einer Kapazität für 1.200 Zuschauer, den Guairinha – mit einer Kapazität für 504 Zuschauer und das Mini-Auditório für 113 Zuschauer. Der Architekt ist Rubens Meister. Das Grosse Auditorium ist eines der grössten und modernsten Südamerikas – mit sechs Bühnenaufzügen, anhebbarer Orchester-Bühne, und technischen Einrichtungen, die das Wechseln der Szenen-Bilder in wenigen Sekunden vollziehen. Das Theater unterhält in seinen verschiedenen Sektoren u.a. einen Kurs für szenische Kunst auf höchstem Niveau, klassische Tanzkurse, ein Amateur-Theater, eine Bibliothek, die Produktioszentrale und die der Kommunikation, sowie ein Theater- Museum. Darüber hinaus ist hier das bekannte Ballet Guaíra zuhause.
(Rua XV de Novembro).
Anmerkung
Soweit einige der bemerkenswerten Gebäude dieser interessanten Stadt – es folgen ein paar Tipps für Spaziergänge und Aktivitäten im Grünen:
Mitten in der Stadt ein Stück geschützte Natur, in der sich die Bürger vom Stress erholen können – auf einem Areal von zirka 70.000 m2, mit 35 verschiedenen Sehenswürdigkeiten! Die Anlage wurde am 2. Mai 1886 eingeweiht – sein Hauptportal, an der Kreuzung der Rua Presidente Faria mit der Avenida João Gualberto, ist eine originalgetreue Kopie eines Friedhofsportals in Paris. Der Park besitzt drei Seen mit je einer Insel in der Mitte, ein Aquarium, eine schwimmende Bühne, einen Kinderspielplatz, das traditionelle Restaurant „Pasquale“, mit typischem Menu und einen kleinen Zoo – der erste Tiergarten von Curitiba – mit kleineren Tieren.
(Rua Luiz Leão, im Zentrum).
Der Botanische Garten von Curitiba besitzt ein Territorium von 245.000 m2 und wurde am 5. Oktober 1991 eingeweiht. Paradestück ist ein Gewächshaus, das von den englischen Kristallpalästen des vergangenen Jahrhunderts inspiriert, besonders empfindliche Pflanzen aus allen Teilen Brasiliens permanent ausstellt. Die Französischen Gärten sind besonders sehenswert, und viele Pfade, quer durch den Wald, erlauben schöne Spaziergänge und informieren über Bäume und Sträucher an denen man vorbeikommt. Das Projekt ist vom Architekten Abrão Assad. Angeschlossen ist ein botanisches Museum, mit spezialisierter Bibliothek, einem wissenschaftlichen Zentrum, einem Auditorium und einem Saal für Ausstellungen.
(Rua Ostoja Roguski, im Stadtteil Jardim Botânico).
Eingeweiht am 8. Dezember 1980, ein Areal von 50.000 m2, das nach dem Papstbesuch in Curitiba als Denkmal der polnischen Einwanderung in Paraná eingerichtet wurde: es handelt sich hierbei um das Gelände einer alten Kerzenfabrik, die stillgelegt, zusammen mit den antiken Wohnbaracken der Arbeiterfamilien von 1883, für dieses Projekt zur Verfügung gestellt wurden. In der alten Kapelle, die jetzt Capela João Paulo II. heisst, befindet sich eine Figur der Nossa Senhora de Czestochowa, der Schutzheiligen von Polen.
Der Geräteschuppen, eine Konstruktion aus dem Jahr 1876, dem Jahr der polnischen Einwanderung, sowie die anderen Holzhäuser unterschiedlicher Baudaten, sind von den ehemaligen Bewohnern mit den verschiedensten Utensilien, wie Möbeln, Hausgeräten und landwirtschaftlichen Werkzeugen, für diesen Ausstellungszweck belassen worden. Die historische Siedlung polnischer Emigranten liegt inmitten eines kleinen Pinien-Wäldchens und ist täglich für Besucher geöffnet. (Rua Mateus Leme – Centro Cívico).
Das Amazonien gewidmete Erholungsgebiet hat eine Gesamtfläche von 36.000 m2, davon nimmt der Wald 18.000 m2 ein und ein Platz in der Mitte 6.590 m2. Hier steht ein Denkmal des Naturschützers Chico Mendes aus Amazonien, ermordet im Dezember 1988. In Gedenken seines Kampfes für die Erhaltung des Regenwaldes, hat man seinen Brief an den Richter in Xapuri/Acre (in dem er die Todesdrohung seiner Widersacher denunziert) in Stein graviert – er ist permanent vom Mineralwasser-Vorhang einer Quelle umgeben, die in dem Wäldchen entspringt, und derer sich auch die Besucher, mittels verschiedener Wasserhähne, bedienen können, um ihren Durst zu löschen. Die Anlage besitzt weiterhin zwei Seen, Beobachtungs-Pfade, das „Haus des Gummi-Sammlers“, die „Amazonas-Schule“ und das „Institut für Amazonensische Studien“, das sich für die Unterstützung der Menschen und der Umwelt Amazoniens einsetzt. Die Anlage wurde am 22. März 1989 eingeweiht.
(Rua Jacarezinho – zwischen den Stadtteilen Vista Alegre und Mercês).
Der den Portugiesen gewidmete Park hat eine Grünfläche von 20.850 m2 im Tal des Flüsschens Tarumã. Das Wäldchen ist bestückt mit Elementen der luso-brasilianischen Architektur – sieben Säulen stehen symbolisch für die sieben Länder der portugiesischen Sprache, deren Namen in sie eingraviert sind: Portugal, Mozambique, Sankt Thomas, Brasilien, Cap Verde, Angola und Guinea Bissau. Eine Laufpiste verbindet mit der „Alameda dos Cantares Portugueses“, einem mit Kies bestreuten Fussweg, der das Wäldchen entlang des Flüsschens durchquert, in dessen Verlauf der Wanderer an 22 Monumenten mit handgemalten Kacheln vorbeikommt, auf denen poetische Verse aus der portugiesischen Literatur zu lesen sind. Eingeweiht im März 1994, unter der Anwesenheit des portugiesischen Präsidenten Mário Soares.
(Rua Osório Duque Estrada, Ecke Rua Fagundes Varela, im Stadtteil Jardim Social).
Der den deutschen Emigranten gewidmete Park hat eine Fläche von 38.000 m2, zum grössten Teil mit nativen Original-Waldbeständen. Am Eingang des oberen Teils des Parks befindet sich eine kleine Holzkirche, „Oratório Bach“ genannt, in der ab und zu Konzerte für bis zu 100 Personen gegeben werden. An ihrer Seite führt ein Brückchen über einen Teich zu einem Aussichtsturm von 15 m Höhe. Ein anderer Weg führt zum „Casa dos Contos“, einem dem Grimm-Märchen von „Hänsel und Gretel“ nachempfunden Hexenhäuschen, in dem sich eine Kinder-Bücherei befindet. Wenn man einen anderen Teich überquert, gelangt man zu einer Freilichtbühne, die, Blumen bekränzt, ein Bühnenbild aus dem „Faust“ an der Rückwand präsentiert. Zwölf Wandbilder aus handbemalten Kacheln erzählen die weltbekannte Geschichte von Hänsel und Gretel der Gebrüder Grimm.
(Im Stadtteil Jardim Schaffer, zwischen den Strassen Rua Franz Schubert, Nicollo Paganini und Francisco Schaffer).
Der Park wurde 1989 zu Ehren des deutschen Geologen und Forschers geschaffen, der sich in Paraná niedergelassen hat, und dessen Arbeit sehr viel zu Schutz der Umwelt des Bundesstaates beigetragen hat. Eine Fläche von 78.000 m2 beherbergt einen schönen Restbestand mit Araukarien-Wald – einzigartig in dieser Region – Wanderwege über zirka 900 Meter, erzieherische und ökologische Spielzeuge, Freizeiteinrichtungen, ein Haus zur Umwelterziehung und Parkplatz, sowie Toiletten.
(Im Stadtteil Vila Hauer).
Park mit einer besonders guten Freizeit-Infrastruktur, angelegt auf 73.000 m2 Grünfläche. Mit einer Freilichtbühne, Sportplätzen, Spielplätzen, Grillplätzen und ökologischen Wanderpfaden. Innerhalb des Waldgebiets hat man sich bemüht, die Geschichte der Fazendinha nachzuzeichnen – eines antiken Bauernhofs, der zwischen São José dos Pinhais und den Campos Gerais gelegen, der Familie Klemtz gehörte. Franz Klemtz hatte auf seinem Grundstück eine Ziegel-Brennerei errichtet, deren Schornstein heute noch als Orientierungshilfe aus der Landschaft emporragt. Das Haus, gebaut 1896 in neo-klassischem Stil, wurde von der Präfektur restauriert – und beherbergt heute das städtische Kinder-Sekretariat.
(Im Stadtteil Fazendinha – Rua Carlos Klemtz).
Dieser 1972 gegründete 1.400.000 m2 grosse Park besitzt 500.000 m2 Wald, in dessen Schatten man schöne Grillplätze angelegt hat, auf denen die Bürger ihr Wochenend-Picknick veranstalten.
Ausgerüstet mit einem Ausstellungs-Zentrum (8.700 m2), mit Parkplätzen und zusätzlichem externen Ausstellungsgelände. Darüber hinaus gibt es hier ein Convention-Center, Pisten für Flugmodell-Sport und Bike-Cross, Plätze für Fuss- und Volley-Ball, Wanderwege und Laufpisten, einen Vergnügungspark, einen Bahnhof für die Dampfeisenbahn, einen See mit Tretbooten, Ruinen einer alten Ziegelei, die teilweise in eine Gymnastik-Akademie umgebaut worden ist – und einen Schnellimbiss. Ein Museum für alte Autos (von 1969) ist eine der Hauptattraktionen, mit einer Sammlung von Dutzenden antiker Automobile und anderen mechanischen Antiquitäten – plus einer Bibliothek über dieses Thema. (Zu erreichen über die BR-277 in Richtung Ponta Grossa oder über die Avenida Cândido Hartmann).
In der südlichen und südwestlichen Region von Curitiba – zwischen der RFFSA-Bahnlinie und dem Fluss Rio Iguaçú – liegt dieser Park von zirka 8.265.000 m2, der im Jahr 1982 gegründet wurde. Er ist in sieben unterschiedliche Sektoren unterteilt: dem Sport-Sektor – mit Sportplätzen, Turngeräten und Baseball-Stadion, dem Nautik-Sektor – mit Ruderbooten, einer Fischerei-Station und einem Flussstrand, den öffentlichen Fruchtgärten, den natürlichen Wäldern, den Angel-Sektor, ergänzt von Parkplätzen, Grillplätzen, Umkleideräumen, Toiletten, Schnellimbissen und dem Zoo – mit einer Fläche nativen Waldes von 530.000 m2. Hier sind zirka 80 verschiedene Tierarten untergebracht – eine Einrichtung zum Studium der Tiere, mit besonders guten Reproduktions-Erfolgen der gehaltenen Tiere.
(Zufahrt über die Avenida Marechal Floriano Peixoto).
Grünfläche von 203.918 m2 auf dem Gelände einer antiken Leimfabrik. Unter anderen Einrichtungen gibt es hier eine Spezial-Piste für Seifenkisten-Rennen. Sein Mittelpunkt ist das „Kreativ-Zentrum“ – eingeweiht 1972 – es befasst sich mit der Realisation von Aktivitäten, die mit Bildender Kunst zusammenhängen oder dem Studium von Sound, Licht und Bewegung. Es gibt eine Bibliothek, einen Ausstellungsraum, ein Auditorium, einen Projektionsraum – und während des laufenden Jahres finden Kunstkurse unter Anleitung professioneller Personen statt – das alles innerhalb des Gebäudes der alten Leimfabrik von 2.500 m2: die Präfektur hat die Fabrik und ihr Gelände, 1970 nach einem Betriebsunfall, enteignet und mit Architekten und Landschaftsgestaltern seiner neuen Bestimmung angeglichen. Die schwereren Maschinen und riesigen Leim-Koch-Behälter wurden an ihrem Platz belassen, bemalt und sind jetzt als dekorative Elemente ein besonderer Reiz der Inneneinrichtung.
(Rua Mateus Leme).
Ist einer der schönsten Parks der Hauptstadt. Er hat eine Fläche von 275.380 m2, mit Schnellimbiss, Grillplätzen, Parkplatz, drei von Quellen geformten Seen, ein Wäldchen mit mehr als 200.000 m2 typischer Vegetation, einer Bibliothek für Kinder, Spielplätze, einer rustikalen Hütte, Toiletten und einen Garten der Präfektur. Sein bevorzugter Zugang liegt an der Avenida Garibaldi. Dem angeschlossenen Garten der Präfektur kommt eine edukative und wissenschaftliche Funktion zu: auf einer Fläche von 125.380 m2 werden jährlich zirka 100.000 Pflanzenarten produziert, die dann auf städtischen Grünflächen ausgesetzt werden.
(Im Stadtteil Barreirinha).
In der Absicht, das Tal des Rio Barigüi und seine jährlich überschwemmte Landschaft zu erhalten, wurde dieser Park am 1. Oktober 1994 gegründet – auf einer Fläche von 380.000 m2. Sein Name ist eine Referenz an einen Indianerstamm, welcher einmal in der Region von Curitiba gelebt hat – er bedeutet „Schmalnase“ (so wurden die ersten Portugiesen von den Indianern genannt). Im Park befindet sich auch ein Denkmal des Häuptlings Tindiqüera, der laut Überlieferung den ersten weissen Siedlern die beste Stelle für die Errichtung ihrer Siedlung Vila de Nossa Senhora da Luz dos Pinhais (später Curitiba) gezeigt haben soll. Ausserdem befindet sich im Park ein Denkmal der Ukrainischen Emigranten, welches eine der für die Entwicklung des Distrikts bedeutendsten ethnischen Einwanderungsgruppen ehrt.
Der Komplex wird ausserdem von der Replika eines kleinen ukrainischen Kirchleins ergänzt – der Igreja de São Miguel Arcanjo – deren Original im vergangenen Jahrhundert im Ort Serra do Tigre, im Distrikt von Mallet, errichtet wurde – das älteste ukrainische Monument in Brasilien. Die Konstruktion folgt ukrainisch-katholischen Richtlinien, mit einer achteckigen Kuppel, aussen mit Kupfer überzogen. Der Altar ist nach Osten ausgerichtet und das Kirchendach mit Pinienschindeln gedeckt. Der Ort und das Kirchlein haben keine religiöse Bedeutung, sondern wurden als Beispiel und Muster ukrainischer Tradition eingerichtet – auch die Ikonen und die Pêssankas (bemalte Eier) sind Teile einer folkloristischen Darstellung an diesem schönen Ort. Weitere Teile sind: ein schöner Glockenturm, eine Bühne für folkloristische Darbietungen und ein Portal.
(Zwischen den Strassen Rua Fredolin Wolf und Rua José Valle).
Ein Park am Ufer des Stausees gleichen Namens, der ein Drittel des in der Hauptstadt konsumierten Wassers liefert – er wurde am 10. März 1991 eröffnet, auf einer Fläche von 6.500.000 m2. Hier gibt es einen ökologischen Wanderpfad entlang des Seeufers, zirka 3,5 km, mit zahlreichen Pflanzen- und Tierarten, Boots-Anlegestellen, Hütten, Angelplätze, Kinderspielplätze, Schnellimbiss und ein Aussichtsturm von 46 m Höhe und 27 m Länge. Innerhalb des Parks, in einer umgebauten alten Ziegelei, befindet sich eine Biologische Station, mit einem Zentrum für Naturschutz-Erziehung – einem Museum und ein keramisches Atelier.
(Im Stadtteil Bairro Augusta – 12 km ausserhalb des Stadtzentrums).
Anmerkung
Es gibt in Curitiba tatsächlich noch wesentlich mehr Grünflächen, Anlagen und Parks – wir haben lediglich die interessantesten herausgesucht!!!
Praça Tiradentes
Der nach dem Freiheitshelden aus Minas Gerais benannte Platz im historischen Stadtzentrum war um die Jahrhundertwende als „Largo da Matriz“ bekannt, weil er sich vor der kleinen Kapelle erstreckte, um die herum sich die erste Siedlung Vila Nossa Senhora da Luz dos Pinhais entwickelte. An derselben Stelle der kleinen Kapelle steht heute die Catedral Metropolitana. Hier stehen eine ganze Anzahl Denkmäler berühmter brasilianischer Persönlichkeiten. Mittelpunkt ist der Marco Zero (Punkt Null) von dem aus sämtliche Entfernungen um Curitiba gemessen werden. Der älteste Platz der Stadt.
(Im Setor Histórico).
Vielen noch als Praça do Rosário bekannt, ist dieser Platz von einigen der bedeutendsten historischen Gebäuden umgeben, die Zeugen der Entwicklung dieser Stadt waren. Einige Beispiele sind: der Sitz der Fundação Cultural, die Igreja do Rosário, die Relógio das Flores (Blumenuhr), Kunstgalerien, die Sociedade Garibaldi, Antiquariate und viele, viele andere. An Sonntagen findet auf diesem Platz die Feira de Arte e Artesanato statt, ein offener Markt mit Antiquitäten, Skulpturen und Holzschnitzereien, Keramikarbeiten, Glas-, Leder- Metall- und anderes Kunsthandwerk. Manchmal auch gute musikalische Darbietungen.
(Im Setor Histórico).
Ebenfalls im historischen Stadtzentrum gelegen – zwischen den Strassen Rua Jaime Reis, Dr. Kellers und Ermelino de Leão – bewahrt der Platz noch Reste aus den Anfängen der Stadt, wie zum Beispiel die Mauern einer unvollendeten Kirche zu Ehren des São Francisco de Paula, angefangen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Hier befindet sich auch das Museu de Arte do Paraná, und andere interessante Gebäude.
Praça Generoso Marques
Ein Platz, der von antiken Gebäuden aus der ekletischen Epoche eingefasst wird. Eins davon trägt die Aufschrift „Tigre Royal“. Innerhalb des Komplexes hebt sich ein Gebäude im Stil der Art-Nouveau, aus dem Jahr 1916 ab, welches heute das Museu Paranaense beherbergt.
(Innenstadt).
Praça Santos Andrade
Man nennt ihn auch Praça da Cultura – den Platz der Kultur, weil er u. a. umgeben ist von den Gebäuden der Universidade Federal und dem Teatro Guaíra. Viele Denkmäler berühmter Persönlichkeiten – in Referenz an die paranaensische Kultur stehen sie alle mit dem Gesicht zum Uni-Gebäude. Viele Pinien – die älteste stammt aus dem Jahr 1922. In der Mitte ein Springbrunnen – für viele der schönste der Stadt.
(Innenstadt).
Praça 19 de Dezembro
Liegt in der Nähe des Passeio Público, zwischen den Strassen Rua Barão do Serro Azul und Rua Riachuelo, am Anfang der Estrutural Norte. Der Name bezeichnet das Datum der politischen Unabhängigkeit des Bundesstaates Paraná von São Paulo – am 19. Dezember 1853. Die Statue, O Homem Nu (Der Nackte Mann), von Erbo Stenzel, versinnbildlicht den emanzipierten Bundesstaat Paraná ohne Furcht vor der Zukunft. Die andere Statue, A Mulher Nua (Die Nackte Frau), von Humberto Cozzo, versinnbildlicht die Gerechtigkeit.
Praça Rui Barbosa
Liegt zwischen den Strassen Desembargador Westphalen, 24 de Maio, André de Barros und Pedro Ivo. Der Platz wurde im Lauf seiner Geschichte schon zig-mal umgebaut und neu gestaltet – das letzte Mal im Jahr 1997 – als man auf ihm 558 Boxen ambulanter Händler untergebracht hat, die jetzt den Mercado Popular bilden.
Darüber hinaus gibt es dort ein Auditorium mit Platz für 80 Personen und ein Restaurante Popular (volkstümliches Restaurant – für die armen Leute). Neu sind die 20 Terminals der Internet, die jedem Bürger freien Zutritt gewähren.
Praça 29 de Março
Ist einer der grössten und meist frequentierten Plätze der Stadt. Der Name erinnert an den Gründungstag der Stadt, im Jahr 1693. Auf ihr gibt es ein Relief von Poty Lazzarotto, das die Geschichte Curitibas bis ins Jahr 1970 erzählt. Es behandelt auch die Folklore von Paraná, welche die Beteiligung des Indianers, des lusitanischen Bauern und die der europäischen Einwanderer an der Entwicklung von Paraná hervorhebt.
Im historischen Zentrum gelegen, das sich darüber hinaus noch auf die Rua São Francisco, sowie die Plätze Garibaldi, João Cândido und Generoso Marques erstreckt, ist dieser Platz besser bekannt als „Largo da Ordem“, denn auf ihm befindet sich die berühmte Kirche Igreja da Ordem Terceira de São Francisco das Chagas, das älteste Gotteshaus der Stadt. Der Platz spielt eine bedeutende kulturhistorische und gesellschaftliche Rolle im Leben des Curitibano, denn in seinem unmittelbaren Umfeld befinden sich diverse Beispiele der Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts, heute restauriert und neuen Zwecken angepasst – in der Mehrheit kultureller Art. Seit dem 18. Jahrhundert steht der „Largo“ für intensiven, unterschiedlichen Kommerz – zum Beispiel als die Kolonisten mit ihren Pferdewagen hier vorfuhren und ihre Gemüse und Früchte gegen Waren eintauschten, die sie zuhause zum täglichen Leben brauchten. Ihre Pferde benutzten die am Platz vorhandene Tränke – aus dem Jahr 1853 – mit einer Fussbedienung aus Stein und einem Becken aus Eisen.
Die „Blumenuhr“ wurde 1972 eingeweiht – sie hat einen Durchmesser von 6 Metern und ihre Zeiger sind aus Glasfaser-Material. Ihr Uhrwerk wurde auf der Basis eines in Quarz gelagerten Systems konstruiert, das eine minimale Abweichung von höchstens dreissig Sekunden pro Jahr garantiert.
(Auf dem Praça Garibaldi, im Setor Histórico).
Die Hauptstrasse der Fussgängerzone von Curitiba. Schon um 1720 war die Rua das Flores Zentrum der Geschehnisse in der Kleinstadt. 1846 wurde sie als eine der ersten Strassen gepflastert und bekam die ersten Gas-Lampen zu ihrer nächtlichen Beleuchtung. 1880 wurde sie zu Ehren des kaiserlichen Besuchs in Rua da Imperatriz umbenannt und 1889 in Rua XV de Novembro, angesichts der ausgerufenen Republik. Sie wurde 1926 asphaltiert und seit 1972 wieder in Rua das Flores umbenannt, bekam ein Pflaster aus „Petit-Pavé“ – von der Praça Osório bis zur Rua Presidente Faria. Heute gleicht sie einem grossen Garten und gehört wieder ihren ehemaligen Besitzern, den Fussgängern.
Ihre geschichtliche Rolle war immer die eines allgemeinen Treffpunkts aller Bürger dieser Stadt, und daher stammen auch ihre vier Basis-Funktionen: die gesellschaftliche, die wirtschaftliche, die kulturelle und die politische. Und deshalb findet man in ihr Blumen, Bäume, das berühmte Pflaster, Ruhebänke, ein vielgestaltiges Kommerz-Zentrum, eine Uhr mit Thermometer, Schnellimbisse, Restaurants, Kinos, eine gediegene Beleuchtung und eine exzellente Konservierung der sie begrenzenden antiken Häuser. Eine der Hauptattraktionen in der Rua das Flores ist der Boca Maldita (verdammtes Maul), ein Treffpunkt von Männern der verschiedensten Berufszweige, zu einem Schwatz bei einem guten Espresso. Die Strasse bekam im Jahr 2000 zur Sicherheit Videokameras, einen Springbrunnen und eine modernere Beleuchtung. Die Rua das Flores befindet sich an der „kleinsten Avenida der Welt“ der Avenida Luiz Xavier.
(Innenstadt)
Diese bekannte und beliebte Strasse, in der alle Geschäfte rund um die Uhr geöffnet sind, ist vollkommen von transparentem Glas überdacht, das von Metallbögen getragen wird – 116 Meter insgesamt lang. Hier kann man ausserhalb der üblichen Geschäftszeiten fast alles bekommen – auch ein paar Supermärkte gehören zum Angebot. (Zugang über die Strassen Rua Cândido Lópes, Rua Carlos de Carvalho, Rua Visconde de Nácar).
Das erste integrierte Freizeit-Zentrum Brasiliens, mit den Attraktionen: Vergnügen, Unterhaltung und Gastronomie – es bietet täglich die unterschiedlichsten Attraktionen auf der Bühne vor der Praça de Alimentação (Platz der Ernährung), auf dem „Platz des Disk-Jockeys“ und in den „Strassen“ des Freizeit-Zentrums. Der „Platz der Ernährung“ hat 490 Restaurants und Bars, und die bieten alles, was es auf dem Gebiet an brasilianischen, japanischen, chinesischen und italienischen Leckereien gibt – an Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten oder Fast Food.
Die Architektur des Freizeit-Zentrums kontrastiert seltsam mit den historischen Remineszensen der Eisenbahn von Paraná, deren Bahnhofsplattform 130 Ständen einerseits als Verkaufsbühne dient und zum andern das Eisenbahn-Museum beherbergt – mit dem bedeutendsten Ausstellungsstück, einer Lokomotive aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und einem Waggon, in dem der ehemalige Präsident Getúlio Vargas genächtigt haben soll.
(Avenida Sete de Setembro, 2775).
Die ersten italienischen Emigranten installierten sich in Kolonien an der Küste – aber diese Kolonien entwickelten sich nicht, also siedelten sie in der Umgebung von Curitiba. Im Jahr 1878 entstand die Kolonie Santa Felicidade, deren Name sich von einer gewissen Dona Felicidade Borges ableitet, die den italienischen Emigranten ein Stück Land zur Verfügung stellte und nur zur Bedingung machte, das die Kolonie dann ihren Namen tragen sollte. Dieser Bedingung wurde nur zu gerne entsprochen, und ob es nun aus tiefen religiösen Motiven geschah oder ebenso tiefer Dankbarkeit – jedenfalls stellte man dem Namen der Spenderin noch den Zusatz „Santa“ (Heilige) vor und nannte die Kolonie Santa Felicidade. Die Italiener befassten sich mit dem Gartenbau, der Pflanzung von Mate, der Produktion von Wein und Käse, sowie dem Flechten von Korbwaren.
Die Kirche Igreja Matriz de São José war eine der ersten bedeutenden Gebäude der Kolonie, mit ihrer Fassade aus romanischen, klassischen Elementen und dem eleganten Glockenturm, vom Hauptgebäude getrennt, nach bester italienischer Tradition. Fast vor der Kirche befindet sich der Friedhof mit seinem Pantheon aus 18 Kapellen in neo-klassischem Stil, eingeweiht 1886 und unter Denkmalschutz gestellt (1977).
Entlang der Via Veneto und der Avenida Emílio Ribas stehen einige Gebäude der populären Architektur, wie zum Beispiel das Casa dos Gerâneos von 1891, gebaut von Nicolau Boscardim, das Casa dos Painéis, aus dem vergangenen Jahrhundert – mit Gemälden von Landschaften an der Vorderfront, das Casa das Arcadas, gebaut von Marco Mosselini vor zirka 100 Jahren, mit Bogenportalen, und das Casa Culpi von 1897.
Allerdings die grösste Attraktion des Stadtteils Santa Felicidade heute, ist sein Ruf als erstes Zentrum der Gastronomie in Curitiba! Eine grosse Zahl typisch italienischer Restaurants bietet hier, ausser den exzellenten hausgekelterten Weinen, die ganze Palette italienischer Menus an. Und um einen Gang durch Santa Felicidade abzurunden, gibt es Weinproben und kleine Weinstuben, Souvenir-Geschäfte und solche mit Flechtarbeiten oder Möbeln aus Flechtmaterial. Ein suggestives Portal steht am Eingang zu diesem originellen Stadtteil.
Als der Stadtteil Santa Felicidade noch auf der Route lag, die zum paranaensischen Nordterritorium führte, war das „Armazém Culpi“ der beliebteste Treffpunkt der LKW-Fahrer – eines der ersten Gebäude, das von italienischen Einwanderern in Curitiba konstruiert worden ist (1897). Am 1. April 1990 – nach einer detaillierten Restauration – hat die Präfektur es in ein Denkmal der italienischen Emigration verwandelt – mit einer Ausstellung, die den Lebensstil der italienischen Einwanderer in Curitiba um die Jahrhundertwende demonstriert. Darüber hinaus funktioniert hier eine Bücherei für Kinder, Kurse der italienischen Sprache, Kurse für Gitarre, Mundharmonika und Bildende Kunst – ausserdem permanente und temporäre Kunstausstellungen.
(Avenida Manoel Ribas, 8.450 im Stadtteil Santa Felicidade).
Anmerkung
Und jetzt wollen wir Ihnen noch ein bisschen zum selbst entdecken übriglassen, denn das Potential dieser überraschend kreativen und fortschrittlichen Stadt ist tatsächlich noch lange nicht ausgereizt! Wenn Sie in dieser Stadt und ihrer schönen Umgebung ein bisschen spazieren gehen, wird Ihnen noch so manche Überraschung begegnen – viel Spass in Curitiba!