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Gigi Campi
geboren am 15.12.1928 in Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
gestorben am 6.1.2010
Links www.campi-im-funkhaus.de (Deutsch)
Gigi Campi
Pierluigi Gigi Campi (* 15. Dezember 1928 in Köln; 6. Januar 2010) war ein in Köln lebender italienischer Jazz-Produzent, Architekt und Gastronom.
Leben
Campis Eltern gründeten 1925 in Köln die erste italienische Eisdiele. Zwischen 1949 und 1980 betrieb er, zunächst mit seiner Mutter und seiner Schwester, auf der Hohe Straße ein Eiscafé, das er unter anderem durch die Auswahl der dort gespielten Jazzmusik zum Treffpunkt internationaler Prominenz machen konnte. Dort trafen sich neben Jazzmusikern unter anderem Beniamino Gigli, Juliette Gréco, Luise Rinser, Heinrich Böll, Ingeborg Drews, Joseph Beuys, Karlheinz Stockhausen oder Maria Callas.
Jazz-Produktionen
Der Jazzfan und angehende Architekt Campi wurde bereits früh zum Jazz-Produzenten. 1954 gründete er mit Mod-Records das erste europäische Plattenlabel, das sich ganz dem Modern Jazz verschrieben hatte.[1] Bei dem auf Cool Jazz aus Europa spezialisierten Label erschienen Schallplatten von Künstlern wie Hans Koller, Jutta Hipp oder Attila Zoller. 1955 folgte als Äquivalent sein Label Old. Außerdem organisierte er über 400 Konzerte, zunächst vor allem in Köln. Damit trug er dazu bei, den zeitgenössischen Jazz aus den Kellern in die Konzerthallen zu holen und ihm den Weg zur künstlerisch anspruchsvollen Musik und zur bürgerlichen Anerkennung zu ebnen. Des Weiteren organisierte er Festivals am Kölner Tanzbrunnen.
Als Gast bei den Proben der Band von Kurt Edelhagen war Campi wie elektrisiert von den Arrangements, die der Belgier Francy Boland schrieb. 1959 engagierte Campi während des Kölner Karnevals diesen und fünf weitere Jazzmusiker als Band zur Unterhaltung der Gäste in seinem Eiscafé: Dies sollte die Geburtsstunde der Kenny Clarke/Francy Boland Big Band werden. Die Musik begeisterte Campi nämlich so sehr, dass er um diesen Kern herum eine größere Band aufbaute. Im Mai 1961 spielte das zum Oktett erweiterte Ensemble zunächst unter dem Namen The Golden Eight seine erste Platte mit Bolands Arrangements ein (mit u.a. Dusko Goykovich, Carl Drewo, Derek Humble, Jimmy Woode). Zusammen mit Wolfgang Hirschmann als Tonmeister produzierte er beinahe alle Musikaufnahmen dieser Jazzband. Der erste Live-Auftritt der international besetzten und weltweit gerühmten Big Band um Schlagzeuger Kenny Clarke und Pianist Francy Boland folgte allerdings erst 1966. In den folgenden drei Jahren fungierte Campi als Bandmanager und organisierte Gastspiele der Gruppe. Die Presse feierte die Band begeistert als Vulkan musikalischer Überraschungen. Zu den Gaststars der Band gehörten Stan Getz, Albert Mangelsdorff und Dave Pike, aber auch Schlagersängerin Gitte, die ihrer Plattenfirma ein Album mit dieser Band abtrotzte.
Gastronomie
Gemeinsam mit Alfred Biolek und Juniorpartnern mietete Campi 1983 von der Deutschen Bundesbahn den Alten Wartesaal unter dem Kölner Hauptbahnhof. Nach aufwändiger Restaurierung der Art déco-Räume durch ihn finden dort Konzert-, Fernseh und Tanzveranstaltungen statt. Ebenfalls nach den Plänen Campis wurde 1997 die ehemalige Kantine des WDR-Funkhauses am Wallrafplatz umgebaut, die von der Familie Campi als Bistro bewirtschaftet wurde. Das Campi auf der Hohe Straße war Treffpunkt internationaler Prominenz (u. a. Maria Callas, Romy Schneider, John Cage, Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen oder Theodor W. Adorno) und wurde Mitte 2012 geschlossen. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) verlängerte aufgrund einer anderen Vorstellung des Gastronomiekonzeptes von Campi den Pächtervertrag nicht mehr.[2]
Campi gehört zu den wenigen Gastronomen, die durch eine Festschrift zum 70. Geburtstag geehrt wurden.
Einzelnachweise
- Martin Woltersdorf: Eine Kölner Legende ist gestorben ksta.de, Nachruf im Kölner Stadt-Anzeiger, 7. Januar 2010. Abgerufen am 8. Januar 2010.
- Frankfurter Allgemeine - Feuilleton (Hrsg.): Ciao, Campi!. 30. Juli 2012 (Zugriff am 26. September 2012)
Literatur
- Robert von Zahn (Hrsg.): Campiana: ein Stück vor dem Beat. Verlag Dohr, Köln 1998, ISBN 3-925366-72-5.