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Develier JU
Am 19. Mai 1980 ziehen die Karmelitinnen in ihr nagelneues, aus Beton, Backsteinen und Holz gebautes Kloster ein.
Der Karmel fügt sich immer mehr in die jurassische Landschaft ein ; Bande der Freundschaft bilden sich mit der Bevölkerung, kraftvoll und tief wie die Furchen ihrer fruchtbaren Äcker.
Seit ihrer Ankunft in der Schweiz trägt die Gemeinschaft den schönen Namen « Carmel de l’Unité ».
Aufgrund der politischen Lage, in der sich der Kanton Jura in den ersten Jahren seines Bestehens befindet, empfiehlt es sich, diesen Namen vorerst nicht beizubehalten. Nach Beschwichtigung der politischen Spannungen wechseln die Schwestern zu Beginn des neuen Jahrtausends den Namen ihres Karmel « Notre Dame de la Solitude » erneut in « Notre Dame de l’Unité ».
Im Zeichen dieses Namens möchten sie mit allen Menschen den Pilgerweg des Glaubens gehen !
Ahnen die Karmelitinnen jedoch, dass es zu jener Zeit in der Schweizerischen Bundesverfassung noch die sogennanten Ausnahmeartikel gibt, die die Niederlassung von Jesuiten und die Neugründung von Klöstern verbieten ? Fürs erste nehmen sie mit Dankbarkeit das Angebot der Marianisten an, die ihnen den Herrensitz von Middes – ein ehemaliges Bildungshaus ihrer Kongregation – zur Nutzung anvertrauen.
Auf diese Weise wird die Zeit bis zur Aufhebung der Ausnahmeartikel im Jahr 1973 überbückt. Von da an können die Karmelitinnen aktiv einen definitiven Niederlassungsort suchen.
Unter allen in Betracht gezogenen Möglichkeiten fällt die Wahl schliesslich auf den kürzlich gegründeten Kanton Jura, ein Gebiet, aus dem die Französische Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts jegliche monastische Präsenz hat verschwinden lassen. Nun sind es gerade Französinnen, die das kontemplative Leben in die Gegend zurückbringen !
Am 25. März, dem Fest der Verkündigung des Herrn, wird das Kloster kanonisch anerkannt und dem besonderen Schutz der Heiligen Dreifaltigkeit und der Kleinen Theresia vom Kinde Jesu anvertraut. An jedem Jahrestag gedenkt die Gemeinschaft der Gnade ihrer Gründung und macht sich das damals gesprochene Gebet an Maria, Mutter von Jesus und Mutter der Kirche, zu eigen :
Verwehre dem Geist der Unabhängigkeit und
der Zwietracht den Zutritt,
Unterhalte in ihm vielmehr die Flamme der Liebe und
des apostolischen Eifers,
den Geist des Gebetes und ein Leben nach dem Evangelium.
Auf Deine Fürbitte mögen sich alle verstreuten Kinder Gottes
von Christus zur Einheit zusammenführen lassen (vgl. Joh 11.52) !
Möge dieser kleine Karmel dem Wunsch von Jesus :
« Dass alle EINS seien » (Joh 17.21) immer mehr entsprechen !
Denn nur indem er selber ein Ort der Liebe und der Einheit wird,
kann er seine apostolische Aufgabe einer geistlichen Ausstrahlung
in diesem Bistum und
in der ganzen christlichen Gemeinschaft wahrnehmen.
Doch zwanzig Jahre später muss erneut ein Aufbruch ins Auge gefasst werden : das mit den Jahren so schön und zweckmässig gewordene Kloster verlassen und weiterziehen. In der Tat werden die übertriebenen Forderungen der „Wohltäterin“, welche den Grundbesitz seinerzeit dem Bistum übergeben hat, unerfüllbar.
Doch wohin gehen ? Frankreich zählt zu jener Zeit noch 130 Karmelklöster. Der Blick der Karmelitinnen von Marseille/Montélimar richtet sich auf ein Land, in dem es weniger Karmel gibt, in dem auch französisch gesprochen wird und in welchem die Ökumene im Alltag gelebt wird : die Schweiz.
Der zweite Weltkrieg ist in vollem Gang. Das nahe der Eisenbahnschienen gelegene Quartier « La Belle de Mai » ist den Bombardierungen besonders ausgesetzt.
Seine Bewohner fliehen, so auch die Gemeinschaft der Karmelitinnen, die im Departement Drôme Zuflucht sucht. Unter der Leitung der jungen, kürzlich gewählten Priorin Mutter Elisabeth, einer gebürtigen Marseillerin, durchlebt die Gemeinschaft diese Monate des Exils. Nach Beendigung des Krieges schickt sie sich an, nach Marseille zurückzukehren. Doch da äussert der Bischof von Valence den Wunsch, dass sich einTeil der Gemeinschaft definitiv in seinem Bistum niederlässt.
Dank der beachtlichen Grösse der Gemeinschaft kann dem Wunsch des Bischofs entsprochen werden. Einge Schwestern kehren nach Marseille zurück, die restlichen Karmelitinnen wagen mit Mutter Elisabeth das Abenteuer einer Neugründung.
Das Bistum Valence stellt ihnen in Montélimar einen Grundbesitz zur Verfügung. Während dieser neu bewohnbar gemacht wird, leben die Karmelitinnen in einem Nebengebäude der Zisterzienserinnen von Maubec. Sie werden sich stets mit grossen Dankbarkeit daran erinnern, dass ihre Gemeinschaft auf dem marianischen Boden der altehrwürdigen Abtei von Aiguebelle entstanden ist.