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Krähenbühls kleiner Blödsinn
Der 42-Jährige läuft als bester Freiburger auf den 13. Rang
Es deutete sich in den vergangenen Wochen an, dass der 42-jährige Jacques Krähenbühl (Freiburg) den besten Freiburgern auf den Zahn fühlen würde. Nun hat er sie in den Schatten gestellt. Er lief 55:28 Minuten und nahm ihnen anderthalb Minuten ab.
Von GUIDO BIELMANN
Jacques Krähenbühl war im Jahr 1986 Zweiter und 1989 Dritter, beide Male in 53er-Zeiten. Dann gab er im Frühling 1990 völlig unerwartet seinen Rücktritt. Vor zwei Jahren plötzlich tauchte er wieder an den Freiburger Läufen auf. Schnell mischte er sich wieder unter die schnellsten regionalen Läufer. Dass er nun am Murtenlauf allen Freiburgern die Fersen zeigen würde, ist doch etwas überraschend. Denn von Rolf Rüfenacht und Michel Brügger hätte man doch mehr erwartet.
Langsamer Start als Vorteil
Krähenbühl war mit dem 13. Rang und den 55:28 Minuten mehr als zufrieden: «Wir sind sehr langsam gestartet, das war ein Vorteil für mich.» In der Tat sah man am Murtenlauf schon etliche Jahre nicht mehr so lange eine so grosse Spitzengruppe. Krähenbühl lief von Beginn weg in der Spitze. Erst bei Pensier verlor er den Anschluss. Da hatte er schon eine knappe Minute Vorsprung auf Rüfenacht.
Wer Krähenbühl kennt, der weiss von seinen unvorhergesehenen, taktischen Einlagen. So lief er beim dritten Kilometer (vor Gurwolf) mehrere hundert Meter nicht auf der Strasse, sondern neben der Strasse auf dem schmalen Kiesweg. Dann landete er in Courtepin einen Konter, als ein afrikanischer Läufer angriff: «Das war ein kleiner Blödsinn, das hätte ich nicht machen sollen.» Krähenbühl hatte im Jahr 1986, als er Zweiter wurde, gegen die Bise geführt, dann musste er den im Windschatten wartenden Portugiesen de Oliveira ziehen lassen.
Der Spurt zwischen
Stähli und Rüfenacht
Der für den TV Bösingen laufende Berner Stephen Stähli startete zum ersten Mal am Murtenlauf. Mit dem 17. Rang und 56:48 Minuten gelang ihm ein sehr guter Einstand. Gegen Rolf Rüfenacht (CA Marly), 18. und eine Sekunde langsamer, mussten die letzten Meter entscheiden.
Von GUIDO BIELMANN
Am Murtenlauf ist das Thema «Freiburger» ebenso wichtig wie dasjenige der Sieger. Stephen Stähli (26) ist ein Berner, der für die Bahnrennen beim TV Bösingen lizenziert ist. Der «Halbfreiburger» lief gestern als 17. in 56:48 Minuten ins Ziel. Ein sehr guter Einstand also. Er trainiert des Öftern mit Rolf Rüfenacht: «Der Spurt gegen ihn war sehr hart.» Auf die Frage, ob er sich als Freiburger fühle, meinte er: «Ich weiss nicht, für die Berner bin ich Freiburger, für die Freiburger bin ich Berner. Mein Ziel war einen schönen Lauf zu erleben, und ich habe es genossen.»
Rüfenacht: Nicht speziell vorbereitet
Die 56:00 ist für die Freiburger eine magische Zeit. Gestern gelang es nur Krähenbühl, diese Marke zu unterbieten. Zwei blieben knapp darüber. Der beim CA Marly lizenzierte Stadtfreiburger Rolf Rüfenacht (22) hatte im Vorfeld gesagt, dass er sich nicht speziell für den Murtenlauf vorbereite, sondern bereits für die Cross-EM im Dezember. Rüfenacht war vor zwei Jahren am Murtenlauf in 56:20 auf dem 15. Rang gewesen. Gestern war er 17. in 56:48: «Das Wetter war schlecht, ich habe das nicht so gerne.»
Michel Brügger: «Mittelmässig»
Der Alterswiler Michel Brügger (TV Bösingen) lief in 59:22 auf den 24. Rang. Das ist deutlich schlechter als im Vorjahr, als er Zwölfter in 57:01 gewesen war. «Ich habe es zwar gerne, wenn es regnet, aber am Ende regnete es doch zu heftig.» Brügger hatte eine 56er-Zeit zum Ziel. So lief er zu Beginn in der Spitzengruppe: «Ich habe schnell gemerkt, dass es zu schnell ist. Deshalb liess ich mich zurückfallen. Mehr war heute nicht möglich. Ich bin mittelmässig zufrieden.»
Eine magische Grenze für die Murtenläufer ist die Stunde. David Girardet (Belfaux) war fünf Sekunden darunter. Trotzdem war er nicht zufrieden, denn im Vorjahr war er in 58:34 auf den 23. Rang gelaufen. Gestern war er 28.: «Ich habe heuer zu viele Läufe gemacht.» Adrian Jenny (TV Wünnewil), der im Vorjahr 30. in 59:27 gewesen war, war diesmal etwas langsamer. In 1:00:04 erreichte er den 29. Rang. Nach vier Kilometern lief er noch mit Michel Brügger. «Ich habe am Anfang etwas riskiert und bin mit der Spitze gelaufen. Beim siebten Kilometer hatte ich eine Krise.»
Veteran Joseph Brügger erstaunlich
Der 44-jährige Joseph Brügger (Plaffeien) lief für sein Alter ein erstaunliches Rennen: In 1:00:16 lief er auf den 31. Rang. Brügger verhehlte im Vorfeld nicht, dass er gerne zum ersten Mal unter einer Stunde laufen würde. Im Vorjahr fehlten ihm 32 Sekunden. Aber Brügger startete gestern mit einer Grippe: «Bis Lavapesson lag ich 30 Sekunden unter den Zwischenzeiten vom Vorjahr. Dann verpasste ich den Anschluss an Girardet, lief den Schluss alleine und habe viel Zeit verloren. Das fuchst mich.»
Nach zehn Kilometern lag der 20-jährige Rudolf Biedermann (Plaffeien) noch knapp vor Joseph Brügger. Am Ende war er mit 1:01:45 Stunden genau 1:29 Minuten hinter dem Veteran.
Regula Zahno auf sich konzentriert
Die Rechthaltnerin wird wie vor zwei Jahren Fünfte
Nach der Babypause im Vorjahr startete Regula Zahno (35) wieder am Murtenlauf. Sie erfüllte die Erwartungen vollauf. Lange hatte sie Angéline Joly auf Sichtweite.
Wie bei ihrer letzten Teilnahme vor zwei Jahren lief Regula Zahno auf den 5. Rang. In 1:05:25 war sie 26 Sekunden langsamer als 2003. Die Zeitdifferenz störte sie überhaupt nicht: «Ich bin sehr zufrieden. Ich habe seit einiger Zeit ein verschobenes Becken. Ich spürte es am Anfang, dann verging es, und es lief mir sehr gut.»
«Das Wetter ist für alle gleich»
Sie startete absichtlich nicht schnell und konzentrierte sich nur auf sich selber. Dabei hatte sie lange Angéline Joly in Sichtweite: «Aber sie war zu weit vorne, um aufschliessen zu können.» So lief Regula Zahno das meiste alleine. Der Regen machte der Rechthaltnerin nichts aus. «Das Wetter ist für alle gleich», meinte sie dazu.
Die für den CA Romont laufende Ruth Gavin (Chésalles/Moudon) lief auf den 11. Rang: «Für meine Verhältnisse ging es gut. Aber eine Zeit kann ich nicht anvisieren», meinte die 41-Jährige.
Es fehlte die Vorjahresvierte Vera Notz (Kerzers), die kürzlich an einer Achillessehne operiert wurde. Sie hatte einen Teilriss der Sehne während Monaten mitgeschleppt.
Daniela Lehmann (LAT Sense), im Vorjahr Achte und zweitbeste Freiburgerin, war nicht am Start. Sie läuft seit dem Frühling nicht mehr. Grund: Ein Magenbruch, der sie am Laufen hindert. bi