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Am 7. Mai 2019 hat der Loosli-Biograf Erwin Marti im Dichtermuseum Liestal zum Verhältnis zwischen Carl Spitteler, C. A. Loosli und Ferdinand Hodler gesprochen.
Loosli lernte Spitteler 1908 persönlich kennen, als jener am 30. Januar zu einer Lesung nach Bern kam. Am nächsten Vormittag konnte er mit ihm zwei Stunden unter vier Augen sprechen. An seinen Freund Jonas Fränkel schrieb er danach: «Spitteler selbst lerne ich je länger je mehr lieben und verehren. Er ist ein herzensguter Mensch, ein Idealist im besten Sinn und wohl der vielseitigste und gescheiteste Kopf, mit dem ich jemals in Berührung kam.» Für Loosli sei Spitteler von da an zum Freund und Mentor geworden, so Marti. Gleichzeitig wird Looslis Freund, der Philologe und Literaturwissenschaftler Jonas Fränkel, in der folgenden Jahren Spittelers Vertrauter und Privatsekretär.
Als Scharnierfigur führt Loosli in dieses Netz einige Jahre später seinen zweiten väterlichen Freund ein: Ferdinand Hodler. Loosli überzeugt Hodler, dass sie am 18. April 1915 zusammen nach Luzern fahren, um Spitteler zu besuchen. Kunstgeschichtliches Resultat dieses Treffens, das bis zum 20. April dauert, ist Hodlers Spitteler-Gemälde, das den Dichter im Linksprofil zeigt.
Jahrzehnte später – 1956 – verfasst Loosli seine «Erinnerungen an Spitteler». Im Zusammenhang mit diesen Tagen in Luzern schreibt er unter anderem: «Als wir voneinander schieden, waren Spitteler und Hodler Freunde geworden. Sie waren nicht nur geistig, sondern auch ihrem Schicksal nach einander viel enger verwandt, als ich mir je geträumt haben würde. Ihr Aufstieg, ihr Streben, ihr Kampf und ihr Werk boten geradezu herausfordernde Vergleiche und Ähnlichkeiten. Es möchte sich wohl lohnen, ihnen einmal gründlich und sachkundig nachzugehen. Dazu aber müsste freilich die längst vorbereitete, nun aber unglücklicherweise auf alle Zeiten verunmöglichte Spitteler-Biographie von Jonas Fränkel erst vorliegen.»
Loosli selber hat zwischen 1921 und 1924 in vier Bänden die Hodler-Biografie «Ferdinand Hodler. Leben, Werk und Nachlass» veröffentlicht. Und Fränkels «längst vorbereitete» Spitteler-Biografie… das wäre eine andere Geschichte.
In Liestal hat Marti als einen gemeinsamen Nenner von Spitteler, Loosli und Hodler herausgearbeitet, dass alle drei gleichermassen die «Autonomie» und die «Führungsrolle der Kunst im gesellschaftlichen Leben» verteidigt und «die einseitige akademische Aneignung und Vermittlung von Poesie und bildender Kunst» bekämpft hätten.
Etwas von diesem gleichzeitig «elitären» und «volksverbundenen» Selbstbewusstsein (Marti) wäre eigentlich den heutigen Kulturschaffenden zu wünschen: Sie backen allzu oft allzu kleine Brötchen, nur um ab und zu Pausenclowns der Kulturindustrie sein zu dürfen.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Carl Albert Loosli-Facebookseite «Ich schweige nicht», dort unter dem Titel «Spitteler, Loosli, Hodler».