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Einmal mehr wird Iqbal Khan als möglicher Konzernchef der UBS gehandelt. Die «NZZ am Sonntag» schrieb vergangene Woche, er und Sabine Keller-Busse seien Kandidaten für die Ermotti-Nachfolge. Die Zeitung sieht Khan als klaren Favoriten: Bei ihm im Departement sei die Stimmung geradezu euphorisch, es zählten Leistung und Meritokratie. Keller-Busse dagegen sei eine Mikromanagerin, die in stundenlangen Sitzungen alles zu Tode diskutiere.
Khans Problem: seine Rolle im Greensill-Skandal, der wesentlich zum Niedergang der Credit Suisse beigetragen hatte. Als die Fonds lanciert wurden, war Khan Chef der Vermögensverwaltung und des Asset-Managements der Credit Suisse. Unter seiner Leitung entstanden die sogenannten Supply Chain Funds. Er trommelte die Manager zusammen, holte Eric Varvel aus den USA zurück und machte ihn zum Chef des Asset Managements. Er segnete die Fonds ab.
Sie wurden aggressiv vermarktet. «Vor allem Khan pushte die Fonds massiv», schreibt Dirk Schütz in seinem Buch «Zu hart am Wind» über den CS-Untergang. Rund 70 Prozent der Investitionen stammten aus seinem Bereich, etwa 20 Prozent aus Asien und 10 Prozent aus der Schweiz. Als Khan Mitte 2019 von der CS zur UBS wechselte, lagen 8,2 Milliarden Dollar in den Fonds. Als sie im Frühjahr 2021 geschlossen wurden, betrug das Volumen 10 Milliarden.
Die Finma geht in ihren Untersuchungen zum Greensill-Skandal nicht auf die Entstehungsgeschichte der Fonds ein. Sonst hätte sie Khan im Zusammenhang mit dem Enforcement-Verfahren befragen müssen. Was sie aber nicht tat, wie die UBS bereits vor Monaten bestätigte. Warum sie sich offenkundig nur für die Schlussphase ab 2019 interessiert, bleibt ihr Geheimnis. Als Tippinpoint und SonntagsBlick vor zwei Monaten das Enforcement-Verfahren gegen den ehemaligen CS-Chef Thomas Gottstein publik machte und auch die Rolle von Khan kritisch beleuchtete, meldete sich die UBS mit einem langen E-Mail.
Wesentliche Aussagen des Artikels seien nicht korrekt. Auf eine Richtigstellung verzichtete die Bank jedoch. Stutzig machte der Hinweis, dass das Volumen «bei seinem Abgang laut Finma bei 6 Milliarden» gelegen habe. Die Finma schreibt auf Anfrage, die Behörde habe lediglich publik gemacht, dass zum Zeitpunkt der Schliessung Kundinnen und Kunden insgesamt rund zehn Milliarden Dollar in den Fonds investiert hätten. Zu den Fonds-Volumina im Fall Greensill habe sich die Finma nicht weiter geäussert und werde dies auch nicht tun.
Ein Dokument, das es nicht gibt
Gibt es ein geheimes Dokument, in dem diese Zahl genannt ist? Selbst wenn es eines gäbe – warum sollte Khan es besitzen, zumal es dem Amtsgeheimnis unterläge und er selbst nie Teil der Untersuchung der Finma war? Zudem ist er seit 2019 Mitarbeiter der UBS, die ebenfalls nicht Partei im Verfahren ist. Wie kommt die UBS also zu der Behauptung, die Finma habe diese Zahlen erhoben?
Die Bank will dazu nicht Stellung nehmen. Die Informationen im E-Mail stammen von Iqbal Khan selbst. Sie wurden von der Person übernommen, die es verfasst hat – ohne sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
Es entsteht der Eindruck, dass die Bank um jeden Preis verhindern will, dass der Chef des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts in die Nähe des Greensill-Skandals gerückt wird.
Es wäre nicht das erste Mal, dass im Zusammenhang mit Iqbal Khan falsche Informationen auftauchen. Schon während des berüchtigten Spygate-Skandals kam es zu Verdrehungen der Wahrheit, die unter anderem von der renommierten «Financial Times» verbreitet wurden. Es geht um seine Villa in Herrliberg, die an das Grundstück seines damaligen Vorgesetzten Tidjane Thiam grenzt.
Thiam habe sich bedrängt und durch die Bauarbeiten belästigt gefühlt, schrieb die «FT». Als Thiam sich bei Verwaltungsratspräsident Urs Rohner beschwerte, habe sich Khan damit verteidigt, dass die von ihm gekaufte Liegenschaft seit Jahren der Familie seiner Frau gehöre und er nichts Unrechtes getan habe. Das war nachweislich falsch. Die Liegenschaft hatte andere Vorbesitzer.
Ermotti und UBS-Verwaltungsrat stärken Khan den Rücken
In den Tamedia-Zeitungen sagte UBS-CEO Sergio Ermotti auf die Frage, ob Khan angesichts des Greensill-Skandals und der Probleme im CS Wealth Management der richtige Mann sei, er habe «grosses Vertrauen» in Khan. «Zudem hat keine Behörde festgestellt, dass er für die Greensill-Probleme der CS verantwortlich ist.»
Interessant ist, dass sich Ermotti auf die Behörden bezieht. Er sagte nicht, dass die UBS selbst den Sachverhalt abgeklärt habe. Gemäss einer gut unterrichteten Quelle soll dies nachgeholt werden. Der oberste Risikoverantwortliche der Bank, Chief Risk Officer Christian Bluhm, soll die Rolle Khans im Greensill-Skandal klären.
Die UBS nimmt dazu nicht direkt Stellung. In einem Statement schreibt die Bank: «Der CEO und der Verwaltungsrat haben grosses Vertrauen in Iqbal Khan, der bei UBS hervorragende Arbeit leistet. Es bestehen keine Ermittlungen oder Verfahren gegen Iqbal Khan.»
Für die UBS wäre es leicht, ein eigene Untersuchungen zum Fall durchzuführen. Da ihr die Credit Suisse gehört, könnte sie der Sache auf den Grund gehen und die Rolle und Verantwortlichkeiten ihres Topmanagers abklären.