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Nasenbär Giancarlo muss bei Fehlern immer niesen
Oft hilft es Kindern, wenn man ein Problem von ihrer Person trennt und ihm die Form eines Stofftieres oder Fantasiewesens gibt.
«Giancarlo hat sich im Schulrucksack meines Sohnes versteckt und kommt zu allen Kindern im Schulalter. Er erschnüffelt Fehler und muss schrecklich niesen, wenn er einen entdeckt. Manchmal fällt er dabei auch um. Hat also mein Sohn seine Hausaufgaben selbständig gemacht und für sich kontrolliert, springt Giancarlo auf das Pult. Mein Sohn erklärt ihm, was er gemacht hat, und lässt ihn dann schnüffeln. Niest der Nasenbär, sucht mein Sohn selber den Fehler und korrigiert ihn. Das Vieh ist für uns eine Erlösung, es entstehen keine Fronten. Wir haben richtig Spass beim Korrigieren. Giancarlo ist hingegen etwas grummelig, er findet fast keine Fehler mehr. Aber damit können wir leben. Er bekommt dafür selbst gesammelte Haselnüsse.»
«Das Vieh ist für uns eine Erlösung. Es entstehen keine Fronten. Wir haben richtig Spass beim Korrigieren.»
«Das Problem ist das Problem, die Person ist nicht das Problem»
Jüngere Kinder können sich oft mühelos auf eine solche Vorstellung einlassen und gestalten sie begeistert mit: Sie beschreiben ihr Angstmonster als dickes, zottelig-schwarzes Wesen, das bei der Prüfung aus der Tasche kriecht, oder sprechen darüber, was ihr Muttier ihnen einflüstert.
Vielen Kindern macht es Freude, dieses neu entdeckte Wesen näher kennenzulernen. Plötzlich können sie eine Schwierigkeit angehen, vor der sie sonst vielleicht zurückschrecken oder sich verschliessen würden. Dabei helfen Fragen der folgenden Art:
- Wie schaut das Wesen aus? Kannst du es mir beschreiben? Willst du es vielleicht malen?
- Wie heisst es?
- Wann kommt es hervor?
- Was macht es, wenn es nicht bei dir ist? Wo steckt es dann?
- Was sagt es zu dir?
- Hat es denn immer Recht?
- Hat es auch etwas Gutes? Wobei hilft es dir?
- Wann wäre es gut, wenn du es ein wenig zähmen könntest? Wie könnte das gehen?
- Konntest du es schon mal besiegen? Wie war das genau?
- Aha, manchmal stört es dich? Wo könnte es dann hingehen? Wie kannst du ihm zeigen, wo sein Platz ist?
Lösung in Form eines Helfertiers
Eine helfende Figur muss nicht unbedingt vom Kind selbst entwickelt werden. So brachte eine Lehrerin ihrer ersten Klasse einen Plüschhund mit Leine und einem Körbchen mit. Sie stimmte mit den Kindern über dessen Namen ab und erzählte ihnen, dass dieser Hund unbedingt regelmässig Auslauf brauche. Wurde eine Schülerin oder ein Schüler im Unterricht hibbelig und unruhig, sagte sie: «Gehst du kurz mit unserem Hund Gassi? Ich glaube, der braucht ein wenig Bewegung.» Das Kind lief die zuvor vereinbarte Strecke ab und setzte den Hund danach wieder ins Körbchen. Ist das nicht eine wunderbare Möglichkeit, die Situation zu entspannen, ohne einzelne Schülerinnen und Schüler zurechtzuweisen oder zu beschämen?
Eine Lehrerin erzählte mir von einem ADHS-betroffenen Jungen, der auf Ermahnungen und Kritik sehr explosiv reagierte. Ein Problem, das sie unbedingt mit ihm angehen wollte, war sein andauerndes Plappern und Singen während der Stillarbeit, das zunehmend auch die anderen Kinder störte.
«Wo ist der Ausknopf für dein Radio?»
Kindern macht es Freude, das neue Wesen kennenzulernen. Plötzlich können sie eine Schwierigkeit angehen, vor der sie sich sonst verschliessen.
Stefanie Rietzler
Stefanie Rietzler lebt mit ihrem Mann in Zürich.
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Stefanie Rietzler schreibt diese Kolumne im Wechsel mit ihrem Kollegen Fabian Grolimund.
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