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Das sandsteinrote Rheintor mit dem angebauten zweiten Torbogen war eines der stärksten Bollwerke im Befestigungsgürtel der Stadt. Während des Erdbebens 1356 stürzte es ein, wurde aber acht Jahre später wieder aufgebaut. Bei dieser Gelegenheit erhielt es ein grosses Gemälde, das einen geharnischten Standartenträger zeigte; dieses Gemälde musste 1531 einer grossen Turmuhr weichen. Uhren an öffentlichen Gebäuden waren um diese Zeit eine Seltenheit.
Der einzige Stadteingang vom Rhein her war ursprünglich mit einer Fallbrücke gesichert gewesen, die später durch bequemere Einfahrtstore ausgewechselt wurden. Unter dem doppelten Torbogenbau reihten sich Stände und Buden von Kleinhändlern und Handwerkern, vor allem von Messerschmieden. 1619 verfügte dann die Obrigkeit, dass diese "Krämerlädelin" weggeschafft werden, doch wurde dieser Erlass nur halbherzig eingehalten.
Die Fundamente des Rheintors, von den Fluten des Stroms ständig umbrandet, waren dauernd einer kostspieligen Abnutzung ausgesetzt. So wurde es 1617 höchste Zeit, das schadhafte Tor samt Nebengewölbe, Zollhäuschen und Treppe (die zum Fischfloss führte) auszubessern. Im Februar 1619 wurde das neue Rheintor aufgeführt und mit behauenen Zinnen bekrönt. Hans Bock wurde beauftragt, Fassadenmalereien anzubringen. Nach kaum 50 Jahren waren jedoch die Grundmauern wieder unterhöhlt und defekt. So wurde einstweilen die Durchfahrt von schweren Lastkarren untersagt und auf der Höhe der Pfalz eine den Wasserzug hemmende Salmenwaage in den Rhein gerammt.
Das Rheintor als Gefängnis
Der rechteckige Turm diente, wie so viele Türme und Tore, sowohl als Festungswerk wie auch als Gefängnis. Das Verlies, das von Fledermäusen bewohnt und für Geldschuldner und als Haftlokal des Gerichts bestimmt war, war der Obhut des Gerichtsknechts anvertraut. Im Rahmen der 1691er Unruhen wurde Dr. Fatio im Rheintor inhaftiert. Seine Befreiung misslang, und er wurde auf dem Kornmarkt enthauptet. Anschliessend wird Fatios Kopf "zum Schrecken und Exempel" am Rheintor, oberhalb des Uhrwerks, zur Schau gestellt. Noch 1806 wurde für den sicheren Gewahrsam der Gefangenen im Rheintor ein "Mahlenschloss" angebracht.
Der Lällekönig
Zählt das Rheintor wegen seiner mächtigen Konstruktion, seiner dekorativen Fassade und seiner kostbaren Uhren zu dein eindrücklichsten Bauten der Stadt, so ist es doch der Lällekönig, der seinen Ruhm über die Grenzen hinaus trug. Wann dem unheimlich anmutenden schwarzbärtigen Kopf links neben der Turmuhr ein Platz zugewiesen wurde, ist nicht bekannt. Vermutungen datieren die Anbringung auf das Jahr 1639, als Daniel Neuenberger und David Stambler dem Rat "ihre mit grossen uncosten zur hand gebrachten künstlichen uhrwerkh" vorführten. 1697 erhielt der Lällekönig ein eigenes Triebwerk, worauf seine rote Zunge und die rollenden Augen viermal pro Minute betätigt wurden. Auf Intervention des helvetischen Ministers Rengger musste der Königskopf vom Turm hinunter steigen und einige Jahre im Dunkeln verbringen. Zur Mediation wurde er dann rehabilitiert und wieder an seinem angestammten Ort angebracht, wo er bis zum Abbruch des Rheintors seine "schrecklich lange Zunge" gegen das Kleinbasel streckte. 1938 wurde die Regierung ersucht, den Lällekönig wieder in Dienst zu nehmen und ihn am Rathaus anzubringen. Stattdessen wurde er jedoch 1941 über dem Eingang des Restaurants "zum Lällenkönig" (zwischenzeitlich als "Churasco" bekannt, jetzt wieder "Lällekönig") angebracht.
Abbruch
1830 forderten die Anwohner der Eisengasse den Abbruch des Rheintors, das zwar ehrwürdig sei, aber mit seinem "doch sehr düsteren Aussehen unsere Strassen merklich verfinstert". Mit der Sanierung des Brückenkopfs verschwand im Februar 1839 das stolze Rheintor, wodurch das Stadtbild wohl luftiger, aber keinesfalls freundlicher wurde.
Quelle: Meier 1995