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Philippe Lathion, Sie sind Buchprüfer bei Duchosal RFF und Präsident von Télénendaz. Sie arbeiten zudem seit zwei Jahren an der Entwicklung eines Anlagefonds für den Schweizer Tourismus. Was halten Sie vom Projekt des Bundes zur Schaffung einer Tourismusbank, das vom Schweizer Tourismus-Verband begrüsst wird?
Das finde ich positiv, wie jede Initiative, die erlaubt, die Schweizer Hotellerie zu fördern. Falls Sie kein Multimillonär sind, ist es heute unmöglich, ein Projekt zu realisieren. Die Familienhotellerie ist nicht mehr rentabel. Die Baukosten sind zu hoch, ungefähr zweieinhalbmal höher als bei unseren europäischen Nachbarn, zum Beispiel den Österreichern. Ausserdem verlangen die Banken 40% Eigenmittel mit einem Rückzahlungsplan über 15 Jahre. Diese Belastung ist zu gross und beruht auf einer Systematik der Gewinnmaximierung. Wir verfügen über kein Finanzierungsinstrument im Sinne der nachhaltigen Entwicklung.
Und das begünstigt Ihrer Meinung nach den Bau von Zweitwohnungen?
Es ist einfach, die Zubetonierung der Alpen und die Zweitwohnungen zu kritisieren; aber mit den aktuellen Finanzierungen gibt es gar keine andere Möglichkeit. Abgesehen von Zermatt, wo man die Station dank dem Matterhorn im Sommer wie im Winter betreiben kann. Die Lex Weber bringt nichts, die einzige Methode, um die Spekulation zu bremsen, ist die starke Besteuerung des Mehrwerts während der ersten drei Besitzjahre
Wie weit ist Ihr Modell des Anlagefonds Mountain Resort Real Estate gediehen?
Es kommt voran. Die technischen Fragen wurden von der FINMA, der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht, untersucht. Eine der Ausnahmen, die wir von ihr verlangen besteht darin, dass unser Anlagefonds bauen kann, um im Einklang mit den ausgeschütteten Erträgen zu bleiben. Das Ziel für unseren Fonds ist, den Anlegern langfristig einen korrekten Ertrag zu bieten und Besitzer der für die Vermietung bestimmten Immobilien zu bleiben. Damit ist der Fonds alles andere als spekulativ.
Dann handelt es sich aber nicht mehr um Hotellerie, sondern eher um Touristenwohnungen?
Ja, es ist eine Form der Parahotellerie. Man erstellt günstig ein Gebäude, indem das Land vor allem von den Gemeinden oder den Seilbahngesellschaften erworben wird, die das Konzept direkt betrifft. Dann beauftragen wir ein internationales Beherbergungsunternehmen damit, die Ferienaufenthalte zu verkaufen, den Empfang der Gäste zu betreuen und die Zimmer einmal wöchentlich reinigen zu lassen, ohne jedoch sämtliche Hotellerieleistungen zu bieten. Dadurch verringern wir die mit der Logistik verbundenen Kosten. Da diese Immobilien zudem ausschliesslich für die Vermietung bestimmt sind, haben die Gäste nicht mehr mit einer Vielzahl privater Besitzern zu tun.
Glauben Sie nicht, dass dieses neue Modell der klassischen Hotellerie schaden kann?
Die Tourismuswirtschaft der Bergkantone kann nur mit einem guten Mix von Hotellerie, Touristen- und Zweitwohnungen funktionieren. Die Hotellerie lebt ebenfalls von den Zweitwohnungen; wenn Freunde deren Besitzer besuchen, wollen sie oft nicht stören und nehmen lieber ein Hotelzimmer. Wir müssen von allem etwas haben. Echte Zweitwohnungsbesitzer kaufen sich Skipässe von langer Dauer und werden treue Kunden der Sportorte. Ihre Kaufkraft ist bedeutend, was insbesondere den Betrieb mehrerer gehobener Restaurants im Berggebiet ermöglicht. Schliesslich mieten die Gäste solcher Touristenwohnungen häufig im nächsten Jahr ein ganzes Chalet oder eine luxuriösere Wohnung. Die Touristenwohnung ist oft ein Einstiegsprodukt. Damit ergänzen sich all diese Formen der Beherbergung.
Wie ist Ihr Fonds konstruiert, und auf was für Partner stützt er sich?
Es handelt sich um einen SICAV-Fonds, eine Immobiliengesellschaft mit variablem Kapital), ein gutes Vehikel für Anleger, das eine Aufteilung des Risikos auf mehrere Standorte und Wohnungskategorien bietet. Darüber hinaus kann der Fonds nicht bauen, wenn der theoretische Vermietungsetat ungenügend ist, was zur Sicherung des Ertrags beiträgt. Eine erste Tranche von 50 Millionen reicht aus, um die Projekte auszuwählen und die ersten Realisationen in die Wege zu leiten. Wir arbeiten mit institutionellen Investoren. GEFI Suisse und Solufonds leiten das Projekt; Depositenbank ist die Banque Cantonale Vaudoise, die Walliser Kantonalbank besorgt den Vertrieb und PWC die Buchprüfung.
Übersetzung: Robert Schnieper