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Arena «Sendung» «Sollen Tamynique heiraten dürfen?» beanstandet
5478
Mit Ihrer E-Mail vom 22. Mai 2018 haben Sie eine Aussage in der «Arena» vom 18. Mai 2018 mit dem Titel «Sollen Tamynique heiraten dürfen?»[1] beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Ich möchte hiermit eine Falschaussage in der Sendung «Arena» 175 vom 18. Mai 2018 mit dem Thema «Ehe für alle» beanstanden.
Darin wurde es fälschlicherweise so dargestellt, dass wenn die „Ehe für alle“ angenommen werden würde, auch die Leihmutterschafft für Homosexuelle legalisiert wird.
Es wurde zwar nicht explizit so ausgesprochen, jedoch wurden die 2 Themen so vermischt, dass es diese Aussage zulässt.
Ich bitte die SRG dies klar zu stellen, da es einen Ausgang der möglichen Initiative beeinflussen könnte.
Dies betrifft unteranderem auch das Kurzvideo auf Facebook[2].
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Jonas Projer, Leiter Fachredaktion «Talk», schrieb:
Mit Mail vom 22. Mai 2018 beanstandet X die «Arena»[3] vom 18. Mai 2018, Geschäftsnummer 5478. Gerne nehmen wir dazu wie folgt Stellung.
Wir sind uns mit dem Beanstander völlig einig, dass mit einer Annahme der parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» keineswegs auch die Leihmutterschaft für Homosexuelle legalisiert würde. Dies hat die Redaktion in der «Arena» vom 18. Mai auch zu keinem Zeitpunkt behauptet. Richtig ist hingegen, dass in der Frage der «Ehe für alle» die Sichtweisen beider Seiten (Ja und Nein) fair thematisiert wurden:
- Die Befürworter der «Ehe für alle» argumentieren mit Gleichberechtigung. Dieses Anliegen wurde in der Sendung vom 18. Mai 2018 sehr ausgiebig diskutiert.
- Die Gegner hingegen befürchten, in ihren eigenen Worten, eine «Salamitaktik»: Sie prognostizieren, dass nach der registrierten Partnerschaft nun die Ehe, danach die Adoption und schliesslich der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin gefordert werden wird. Zu dieser Fortpflanzungsmedizin könnte zukünftig, wie es in den USA bereits heute Realität ist, auch die Leihmutterschaft zählen. Dass diese heute im Parlament nicht gefordert wird, war in der Sendung klar erkenntlich – insbesondere distanzierte sich GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy davon.
Die Annahme, dass solche nächsten Schritte folgen könnten, scheint uns nicht nur zulässig, sondern auch plausibel. Insbesondere fordert die Schwulenorganisation Pink Cross in einem Positionspapier[4] zu «Regenbogenfamilien» schon heute die Leihmutterschaft.
Der Beanstander würde uns wohl beipflichten, dass die Frage nach der Leihmutterschaft nicht einmal nur mit den Anliegen von Homosexuellen verbunden ist. Es ist vielmehr eine Frage, die sowohl Heterosexuelle wie auch Homosexuelle betrifft. Besondere Relevanz hat sie allerdings für homosexuelle Männer, da sie für diese den einzigen Weg darstellt zu einer (zumindest teilweise) biologischen Vaterschaft zu kommen, was erneut u.a. durch den Positionsbezug von Pink Cross verdeutlicht wird.
Kurzum: Die Frage, was eine Annahme der «Ehe für alle» für Folgen hätte oder nicht hätte, wurde in der «Arena» vom 18. Mai 2018 eben gerade diskutiert. Beteiligt an der Debatte waren nicht nur zwei bestens informierte und laut vielen Reaktionen sehr sympathische homosexuelle Männer, die dank einer Leihmutterschaft Väter wurden, sondern auch der Co-Präsident der Schwulenorganisation Pink Cross, Michel Rudin.
Inkorrekt ist die Behauptung, dass die verschiedenen Fragen im Publikums-Aufruf (siehe Facebook-Link) nicht unterschieden worden wären. Sie wurden vielmehr klar abgegrenzt durch die Formulierungen «ausserdem» (Adoption) sowie «und was ist mit...» (Leihmutterschaft).
Wir danken für die Möglichkeit, zur Beanstandung Stellung nehmen zu können.[5]
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Die «Grünliberale Partei» findet, dass auch homosexuelle Paare in der Schweiz ein Recht auf die Ehe haben sollen. Die «Arena» nahm diesen Standpunkt auf und ging unter dem Titel «Sollen Tamynique heiraten dürfen?» der übergeordneten Frage nach, was für und was gegen die «Ehe für alle» spricht. Die Gegner argumentieren, dass als nächstes das Recht auf Adoption für homosexuelle Paare gefordert wird – und dann die Leihmutterschaft.
Sie monieren, dass in dieser Sendung eine «Falschaussage» gemacht wurde. Nämlich, dass bei einer Annahme der parlamentarischen Initiative «Ehe für alle»[6] auch die Leihmutterschaft für Homosexuelle legalisiert werde. Sie betonen, dass dieser Punkt «zwar nicht explizit so ausgesprochen wurde». Sie halten aber fest, dass die beiden Themen so vermischt wurden, dass das Publikum dies so aufnehmen könnte.
Ich habe mir die Sendung noch einmal angesehen. Dabei ist mir nirgends aufgefallen, dass die Verantwortlichen der «Arena»-Redaktion» in irgendeiner Weise gesagt bzw. angedeutet hätten, dass bei der Annahme der parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» die Leihmutterschaft für Homosexuelle legalisiert würde. Auch konnte ich keine aktive oder bewusste Vermischung der beiden Themen seitens des «Arena»-Moderators, Jonas Projer, erkennen.
Der Publikumsaufruf im Kurzvideo auf Facebook und Twitter vermischt ebenfalls nichts. Jonas Projer sagt wörtlich: «[...] Was finden Sie? Sollen auch Schwule und Lesben heiraten dürfen? Sollen sie ausserdem Kinder adoptieren dürfen wie andere Paare auch? Und was ist mit schwulen Männern? Sollen diese auch eine Leihmutter suchen dürfen – ganz legal – die für sie ein Kind auf die Welt bringt? [...]». Die Aussagen sind klar voneinander getrennt.
In der von Ihnen beanstandeten Sendung gab es seitens der «Arena»-Verantwortlichen also keine «Falschaussage». Das Publikum wurde nicht in die Irre geführt und konnte sich frei eine Meinung bilden.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Manfred Pfiffner
Stellvertretender Ombudsmann
[5] Der erwähnte Publikums-Aufruf bei Twitter: https://twitter.com/jonasprojer/status/996786682035875842
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Mehrsprachige «Arena» war zulässig
Ombudsmann Roger Blum behandelte eine Beanstandung der «Arena» zum Europarat. Ein Fernsehzuschauer fand die Sendung eine Zumutung für Leute, die nicht gut Französisch verstehen. Roger Blum kann die Beanstandung nicht unterstützen.
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