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Die Darmchirurgie ist ein Schwerpunkt im AMEOS Spital Einsiedeln. Es wird das gesamte operative Spektrum angeboten, wobei in den meisten Fällen die Laparoskopie (minimal invasive Methode) zum Einsatz kommt. Auf die Stoma-Anlage wird, wenn immer möglich, verzichtet.
Der Magen leitet den Speisebrei in den Dünndarm, der aus den Anteilen Zwölffinderdarm (Duodenum), Jejunum und Ileum besteht und meist fünf bis acht Meter lang ist. In diesen Abschnitten findet die Verdauung statt. Es schliesst sich der Dickdarm an, in dem der verdaute Brei eingedickt und zu Stuhl geformt wird. Der Dickdarm beginnt im rechten Unterbauch mit dem Blinddarm und Wurmfortsatz, ein evolutionäres Überbleibsel, steigt auf, verläuft im Oberbauch quer, um dann linksseitig in Richtung Becken abzusteigen und nach S-förmigem Verlauf in den Enddarm zu münden, wo der Stuhl gesammelt und portioniert ausgeschieden wird (Stuhlgang).
Im Dünndarm gibt es nur wenige Bakterien, hingegen wimmelt es im Dickdarm von Bakterien, deren Funktionen noch gar nicht alle bekannt sind.
In der Chirurgie ist dieser Unterschied von allergrösster Bedeutung, denn Bakterien können die Heilung ganz massgeblich stören. So sind Dünndarmnähte sicherer als Dickdarmnähte. Je näher die Naht ans Ende des Darms rückt, desto höher wird das Risiko eines Nahtbruchs. In Risikosituationen wird eine Darmnaht durch ein vorübergehendes «Stoma» geschützt, das bedeutet eine Stuhlumleitung mittels vorgeschalteten künstlichem Seitausgang. Damit kann die Naht unbelastet heilen. Das Stoma wird später zurückverlegt. Stomata sind nachvollziehbar eine Belastung für den Betroffenen, aber die Lebensqualität wird meist weniger beeinträchtigt als erwartet. Die modernen Operationsverfahren haben insgesamt die Rate an dauerhaften Stomata deutlich senken können.
Chirurgische Erkrankungen des Dünndarms sind Verletzungen, Geschwüre, Blutungen, Entzündungen, Fehlbildungen, Tumoren. Karzinome sind interessanterweise sehr selten. Die chronisch entzündliche Darmerkrankung M. Crohn wird heute möglichst Darm-sparend reseziert.
Viel häufiger sind entzündliche und tumoröse Erkrankungen des Dickdarms. Es gibt Entzündungen des Wurmfortsatzes (Appendicitis) und des S-Darms (Sigmadivertikulitis), solche nach Bestrahlung und bei bakterieller Fehlbesiedlung. Der Krebs des Dick- und Enddarms verlangt eine radikale Operation mit Entfernung des Tumor-tragenden Darmabschnitts und des entsprechenden Lymphabflussgebiets. Die Prognose ist meist gut. Dazu tragen auch die Vorsorgedarmspiegelung und gegebenenfalls die zusätzliche Chemo- und Strahlentherapie bei. Die bestmögliche onkologische Behandlung wird in einem interdisziplinären Expertengremium besprochen. Dafür gibt es die Zusammenarbeit mit einem onkologischen Zentrum in Zürich.
Symptome
Die Symptome von Darmerkrankungen sind Durchfall, Blähungen, krampfartige Schmerzen, Verstopfung und Darmverschluss, Blutbeimengungen im Stuhl. Als Faustregel gilt: Wenn sich die Darmfunktion nach jahrelanger Beschwerdefreiheit ändert, sollte eine Abklärung erfolgen.
Diagnostik
Die Endoskopie kann von oben her nur den Zwölffingerdarm einsehen. Der übrige Dünndarm ist mittels Routineendoskopie nicht einsehbar und verlangt Spezialuntersuchungen (z.B. Kapsel-Endoskopie). Die Darmwand kann mittels CT und MRI untersucht werden, was insbesondere bei Entzündungen wie dem M. Crohn wichtig ist.
Der Dickdarm ist mit der Darmspiegelung vollständig und sehr gut untersuchbar.
Der Endo-Ultraschall ist für bestimme Fragestellungen (z.B. Carcinom) im Enddarm zur Therapieplanung wichtig. Zur Abklärung der Darmumgebung (z.B. bei Entzündung) werden Computer-Tomogramm und MRI eingesetzt.
Therapie
Die moderne Darmchirurgie - auch die des Darmkrebses - ist eine minimal-invasive. Sie ist komplikationsärmer, sicherer und weniger belastend als die klassische, offene Operation. Die meisten Darmoperationen sind Entfernungen (Resektionen), Umleitungen (Bypässe), Stoma-Anlagen und Rückverlagerungen. Darmresektionen können in der geplanten Situation mit grosser Umsicht und Sicherheit durchgeführt werden. In der Notsituation steigt die Komplikationsrate allerdings an, sodass versucht wird, Akutsituationen in eine geplante (elektive) Operation zu überführen.
Aufgrund der Länge des Dünndarms (im Mittel 5-8 m) und dessen Kompensationsmöglichkeiten können auch grössere Anteile des Dünndarms ohne Folgen für die Verdauung entfernt werden. Wenn aber mehr als 1-2 m des letzten Dünndarmabschnitts (Ileum) verloren gehen, drohen wegen der eingeschränkten Gallesäure-Resorption Durchfälle.
Die Entfernung des gesamten Dickdarms beeinflusst die Verdauung nicht, indes kann aufgrund der fehlenden Eindickung der Stuhl sehr weich werden.
Nur noch ausnahmsweise. Selbst nach vollständiger Entfernung, z.B. wegen Krebs gibt es moderne Rekonstruktionsmöglichkeiten (z.B. Colon-Pouch). Nicht selten muss aber die Darm-Naht im tiefen Becken mit einem vorübergehenden Stoma geschützt werden.
Verletzungen der Nerven im kleinen Becken können die Funktionen von Harnblase und Sexualorganen beeinträchtigen. Die geplante Resektion kann bei grossen Tumoren notwendig werden, ansonsten wird heute aber die Nerven-erhaltende Operation durchgeführt, was mittels Laparoskopie und deren Vergrösserungsoptik möglich geworden ist. Strahlentherapie und Chemotherapie können ebenfalls Nervenfunktionen negativ einschränken. Bitte sprechen Sie darüber im Vorfeld ganz konkret mit dem Chirurgen.
Die Stuhlportionen können kleiner werden und die Stuhlfrequenz kann steigen. Die Stuhlentleerung kann drangartig werden und dann auch die Kontinenz beeinträchtigen. Schmerzhafte Entleerungen sind indes selten. Solche Veränderungen sind abhängig vom Operationsverfahren und müssen vorher mit dem Chirurgen intensiv besprochen werden.
Perforationen mit Sepsis müssen notfall-mässig operiert werden. Ansonsten gibt es keine strenge Regeln mehr wie früher. Entscheidend sind die Prognose und Einschränkung der Lebensqualität durch wiederholte Entzündungsattacken.
Die meisten Fälle der Obstipation sind funktioneller Natur und lassen sich mit Abführmitteln und Medikamenten gut einstellen. Es gibt aber viele Patienten mit unerkannten und unterschätzten anatomischen Problemen. Dazu gehört die sog. «neuronale Dysplasie», bei der die Nerven des Darmes fehlen oder verkümmert sind, der überlange und stark gewundene S-Darm und die Beckenbodensenkungen mit Abknickung des Darms. Eine detaillierte Abklärung wird anatomische Ursachen aufdecken und dann ggf. zu einer chirurgischen Therapie führen.