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Dr. Robert Zingg, das zoologische Gewissen des Zoo Zürich, geht in Pension und blickt zurück. Hier erzählt er von der Ankunft zweier Arabischer Oryxe, die nur im Zahlensinn ein Paar waren.
Robert Zingg und die Arabischen Oryx.
Copyright: Zoo Zürich, Dominik Ryser
Ursprünglich war die Arabische Oryx, erkennbar an ihren langen, säbelartigen Hörnern und einer schwarz-weissen Gesichtsmaske, in den Wüsten der Arabischen Halbinsel bis Sinai und Mesopotamien verbreitet. Schon im 19. Jahrhundert begann der Rückgang ihrer Bestände, und 1972 galt sie als im Freiland ausgerottet. Bereits 1962 starteten die ersten internationalen Bemühungen zur Erhaltung dieser Art. In einer Fangexpedition gelang es noch, drei Tiere zu fangen. Mit weiteren acht Tieren aus Zoos und privaten Sammlungen bildeten sie den Grundstock der «Weltherde», die zunächst in Phoenix (USA) aufgebaut wurde.
Aus dieser Weltherde kamen 1979 erste Tiere nach Europa, u.a. nach Zürich, wo sechs Tiere den Grundstock einer äusserst erfolgreichen Zucht bildeten. In Europa geborene Tiere – auch aus Zürich – kehrten in der Folge für verschiedene Wiederansiedlungsprojekte in das ursprüngliche Verbreitungsgebiet zurück.
Um für das Zuchtprogramm neue Blutlinien in den europäischen Bestand der Arabischen Oryx zu bringen, importierte der Zoo Zürich 1994 ein Männchen aus dem Zoo Rabat in Marokko. Das gleiche Ziel hatten Kontakte nach Abu Dhabi, wo sich in der privaten Kollektion des nunmehr verstorbenen H. H. Sheik Zayed Bin Sultan Al Nahyan, früherer Emir sowie Gründer und langjähriger Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, grössere Oryx-Bestände befanden. Mit Unterstützung des damaligen Schweizer Botschafters in den VAE, Herrn Kurt W. Welte, konnten wir den Austausch je eines Paares Arabischer Oryx vereinbaren.
Am 10. März 1999 war es dann soweit, ein Paar Arabische Oryx kam aus Abu Dhabi nach Zürich. Angereist kamen auch zwei Mitarbeiter des Emirs, ein Tierarzt und der Direktor der Fachstelle Umwelt- & Wildtier-Management. Aus Anlass der Ankunft der Tiere und in Würdigung dieses Austausches wurde ein ausserordentlicher Medien-Apéro organisiert. Auf dem Weg zu diesem Medien-Apéro unterhielt ich mich mit dem traditionell arabisch gekleideten Direktor. Beiläufig fragte ich ihn (gewitzt durch Erfahrungen bei anderen Transporten), ob das Oryx-Weibchen allenfalls trächtig sein könnte. Er warf mir darauf einen Blick zu, der mir augenblicklich klar machte, dass ich die falsche Frage gestellt hatte. Wir wechselten auch sogleich das Thema.
Das eingetroffene Oryx-Paar bestand aus zwei Männchen. Drückten Männchen eine höhere Wertschätzung aus oder konnte mit einem zweiten Männchen das Konfliktpotential am Herkunftsort reduziert werden? Wie auch immer. Zwei Monate später schickten wir unsererseits zwei in Zürich geborene Arabische Oryx, ein «echtes» Paar, nach Abu Dhabi.
Die beiden neu eingetroffenen Männchen erhielten die Namen Abu und Zabi. Abu blieb in Zürich, Zabi reiste ein gutes Jahr später weiter nach Belgien. Beide Männchen haben zahlreiche Nachkommen hinterlassen, bis hin zu Urururenkeln. Und von beiden Männchen leben aktuell je eine Urenkelin und deren je zwei Jungtiere im Zoo Zürich – der jüngste Ururenkel kam am 10. Januar dieses Jahres zur Welt. So trägt dieser «Paar-Tausch» bis heute auch in Zürich Früchte.
Ein paar Arabische Oryx, aber kein Paar.
Coypright: Zoo Zürich, Enzo Franchini