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| Anton Stegmann, Einleitung zu den Reden gegen die Arianer. In: Des heiligen Athanasius ausgewählte Schriften / aus dem Griechischen übers. (Athanasius Band 1; Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 13) Kempten; München : J. Kösel, 1913

Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
Inhalt der ersten Rede.
In der Einleitung (cc. 1—4) gibt Athanasius nach einer kurzen Charakterisierung der arianischen Häresie als der Vorläuferin des Antichrist und als einer solchen, die sich im Gegensatz zu den andern Häresien mit Vorliebe durch Schriftstellen zu decken sucht, den Zweck seines Schreibens an, nämlich, die Abscheulichkeit und Torheit der Häresie aufzudecken, um bei den noch Rechtgläubigen den Abscheu vor ihr zu erhöhen, die bereits Getäuschten zur Einsicht zu bringen und die des Irrtums zu überführen, die den Arianismus harmlos finden (c. 1).
Der letzten Kategorie, den Indifferenten, gilt dann die spezielle Polemik in cc. 2 und 3, worin er den Arianern den Christennamen abspricht, da ja Sekten stets ihrer Stifter Namen annähmen.
In c. 4 leitet Athanasius zu der von ihm scharf gegeißelten Schrift des Arius, der „Thalia" über, deren Hauptinhalt er in cc. 5 und 6 referiert. In cc. 7 und 8 redet Athanasius die Sprache der Entrüstung gegen die Gottlosigkeit des Arius und gegen die, die sich täuschen ließen durch seine Berufung auf Schriftstellen, und stellt in c. 9 die katholische Lehre vom Verhältnis des Sohnes zum Vater der Häresie des Arius gegenüber. Daran schließt sich in c. 10 kurz die Beurteilung der katholischen und arianischen Lehre und nach nochmaliger Anschuldigung der Arianer wegen Heuchelei eine Verurteilung ihrer Lehre, die dem allgemeinen Gottesbewußtsein wie der Hl. Schrift widerstreite.
Mit c. 11 beginnt die Widerlegung der einzelnen arianischen Thesen und zwar zunächst der These: „Es war einmal, da er (der Sohn) nicht war“, und es wird in cc. 11 und 12 auf dialektischem Wege und mit Berufung auf zahlreiche Schriftstellen die Unrichtigkeit genannter Behauptung dargetan. — Die Ausdrücke: „er war nicht“, „bevor“ und „da“, aus denen die Arianer die [S. 11] Zeitlichkeit des Sohnes erschließen wollten, werden in der Schrift nur von Geschöpfen gebraucht. Wenn Häretiker dem Ausdruck: „Es war einmal, da er nicht war" nicht auch ausdrücklich das Wort „Zeit" beisetzen, so geschehe dies nur, um die Einfältigen zu hintergehen (c. 13). c. 14 enthält die Entgegnung des Athanasius auf den Einwand, daß das Wort, wenn es ewig wäre, nicht „Sohn", sondern „Bruder" des Vaters sein müßte. In c. 15 folgt die Widerlegung der arianischen Behauptung, der Sohn sei nicht die eigene Zeugung aus der Substanz des Vaters, sondern werde nur wegen seiner Teilnahme an Gott Sohn genannt, und in c 16 die nähere philosophische Begründung der wesenhaften und ewigen Sohnschaft des Wortes.
Die Ewigkeit des Sohnes folgt ferner aus der Bezeichnung Gottes als des „Schöpfers", die sein „Schöpferwort" und seine „Schöpferweisheit" voraussetze (c. 17). Die Leugnung der Ewigkeit des Schöpferwortes fordere die Leugnung einer ewigen Dreiheit, da diese dann ja erst im Laufe der Zeit entstanden wäre. Doch die Dreiheit sei nicht erst geworden noch einer Abnahme oder eines Zuwachses fähig, wie die Schrift zeige (cc. 17—19). Ferner müsse der Sohn als Bild und Abglanz des Vaters, als Gestalt und Wahrheit gleich dem Vater ewig sein (c. 20). Die gegensätzliche Lehre der Arianer sei unhaltbar. Ihr Einwand, der Sohn müsse, wenn wahres Bild des Vaters, gleichfalls zeugen wie der Vater, sei widersinnig, weit man bei Beurteilung göttlicher Dinge nicht von menschlichen Verhältnissen ausgehen dürfe (c. 21) und man ebensogut auch die Frage aufwerfen könnte, warum der Vater keinen Vater habe (c. 22). In c. 22 wird auch noch das ehrlose Treiben der Arianer geschildert und deren verfängliche Fragen angeführt, mit denen sie Kinder und Frauen betören wollten. Die Erwiderung auf diese verfänglichen Fragen folgt in den cc. 23—52.
Nach einer allgemein gehaltenen Erörterung in c. 23, daß man Gott sich nicht wie einen Menschen vorstellen dürfe, wird die erste Frage der Arianer, ob der Seiende den Seienden oder den Nichtseienden gemacht habe, in cc. 24—29 in Angriff genommen und widerlegt. [S. 12]
Zunächst wird die an sich dunkle Frage der Arianer, die sich absichtlich über das Seiende und Nichtseiende nicht deutlich aussprechen, in ein helles Licht gestellt und dahin präzisiert: „Hat der seiende Vater das nichtseiende Wort gemacht, oder hat er das Wort, das eine Zeugung aus seiner Substanz ist, immer bei sich?" In c. 25 hält Athanasius den Arianern eine andere Frage entgegen: „Ist der seiende Gott, da er nicht war, geworden, oder ist er, bevor er geworden ist?" Diese Frage bezeichnet und erweist er als ungereimt und blasphemisch, aber der arianischen gleichlautend. In c. 26 wird dann die Behauptung der Arianer, Gott habe sich den Sohn aus dem Nichtseienden bereitet zum Werkzeug, um durch ihn alles zu erschaffen, ad absurdum geführt, da aus ihr ja auf die Ohnmacht des Schöpfers geschlossen werden müsse; die weitere von den Arianern an die Frauen gerichtete Frage: „Hattest du einen Sohn, bevor du ihn gebarest?" erledigt er mit dem Verbot, die Zeugung Gottes mit der Natur des Menschen zu erklären und einzuschränken. Zudem hätten die Arianer auch noch fragen sollen: „Wenn du einen Sohn hast, erwirbst du ihn von außen?", um so das zwischen Erzeuger und dem Erzeugten bestehende Verhältnis der Natürlichkeit und Eigenheit zu erkennen. So sollten die Arianer, fährt Athanasius im c. 27 fort, auch zugeben, daß das Wort vom Vater abstamme und zwar von Ewigkeit her, da der ewige Gott durch nichts gehindert worden sei, immer der Vater des Sohnes zu s6in. In c. 28 findet die Vorstellung, daß der Sohn ein Teil Gottes oder die Zeugung mit einem Leiden verbunden sei, ihre Widerlegung: Gott sei unteilbar, ganz einfach und leidensunfähig. Auch des Menschen Wort sei nicht ein Teil des Geistes oder ein Leiden. In c. 29 wird noch der von den Arianern erhobene Einwand, daß, wenn Gott ewig Schöpfer sei, auch die Geschöpfe ewig sein müssen, mit der Darlegung des Unterschiedes zwischen Zeugung und Geschöpf zurückgewiesen und nebenbei auch die spitzfindige Frage: „Warum Gott, wenn er doch immer erschaffen könne, nicht immer erschaffe?", mit dem Hinweis auf Röm. 11, 34 und 9, 20 abgefertigt.
Von cc. 30—34 entgegnet Athanasius auf die [S. 13] arglistige Frage der Arianer, ob das Unentstandene eins oder ob es zwei seien. Es gelte nur zunächst die Bedeutung des Wortes XXX, dessen ungerechtfertigter Gebrauch seitens der Arianer schon an sich tadelnswert sei, festzustellen und diese Bedeutung sei eine vierfache: 1) Einmal verstehe man unter XXX das, was noch nicht entstanden ist, aber werden kann; 2) sodann das, was weder geworden ist, noch je werden kann; 3) das, was existiert, aber aus Nichts entstanden ist, und gar keinen Vater besitzt, und 4) endlich das, was nicht gemacht wurde, sondern immer ist — In der ersten Bedeutung sei das Unentstandene ein Vielfaches, in der zweiten gebe es nichts Unentstandenes, in der dritten Bedeutung konnte man nur an den Einen und einzigen unentstandenen Vater denken, und in der letzten bezeichnet man mit „unentstanden“ den Vater, aber auch den Sohn. Man sage daher auch vom Sohne nicht, daß er entstanden, sondern daß er gezeugt sei (c. 31). Übrigens würde, so lesen wir in c. 32, auch aus der Lehre des Arianers Asterius, der das Wort „unentstanden" im letztgenannten Sinne nahm, folgen, daß es zwei Unentstandene gebe. In c. 33 fährt Athanasius aus, daß das Wort „unentstanden“ nicht mit Bezug auf den Sohn, sondern in Hinsicht auf das Entstandene, auf die Geschöpfe gebraucht werde, während die Bezeichnung „Vater" auf den Sohn weise, durch den der Vater die Welt erschuf, der aber nicht selbst zur Schöpfung gehört — Man möge daher den nicht schriftgemäßen Terminus „unentstanden" beiseite lassen, und sich des Namens „Vater" bedienen, den auch der Herr gebrauche (c. 34).
Die cc. 35—52 enthalten die Lehre des Athanasius von der Unveränderlichkeit des Sohnes, näherhin wird die Frage der Arianer behandelt, ob sich der Sohn verändern könne, oder ob er wie Holz und Stein keinen freien Willen habe.
In c. 35 wird unter bitterer Auslassung gegen die abscheulich klingende arianische Lehre von der Veränderlichkeit des Sohnes dessen Unveränderlichkeit als des Bildes des unwandelbaren Vaters mit Vernunftgränden verteidigt und in c. 36 folgen die Schriftbeweise nach. [S. 14]
Von cc. 37—64 geht Athanasius auf die Behandlung der Schrittstellen ein, die von den Arianern als Beweise für die Veränderlichkeit und Geschöpflichkeit des Sohnes ausgebeutet wurden, und legt diese von den Häretikern falsch interpretierten Stellen im richtigen Sinne aus. Es werden in c. 37 zunächst die beiden Stellen Phil. 2, 9. 10 „Darum erhöhte ihn Gott auch...“ und Ps.44,8 „Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Öle der Freude gesalbt vor deinen Genossen" zitiert aus denen die Arianer folgerten, daß der Sohn eine Belohnung für seinen Willen empfangen habe und er daher, weil er mit Willen gehandelt habe, notwendig veränderlicher Natur sein müsse. Athanasius führt in cc. 37—39 aus, daß der Sohn, wenn er das, was er besaß, als Belohnung empfangen hätte, nicht wahrer Sohn wäre und den Namen „Sohn" auch im Anfang nicht geführt hätte. Denn wenn er erst durch seine Erhöhung Gott, Sohn und Wort geworden, so war er vorher etwas anderes, nämlich Mensch. Doch Christus wurde nicht aus einem Menschen Gott, sondern er, der von Ewigkeit her Gott ist, wurde in der Zeit Mensch, um auch uns zu Göttern zu machen. Wenn schon im Alten Testamente Menschen als Söhne und Götter bezeichnet wurden, so setzt dies die Existenz des wahren Sohnes voraus, da nur durch die Teilnahme an ihm die Menschen in dieses Verhältnis zu Gott treten konnten und „Erstgeborener der Schöpfung" ist der Herr nur, wenn er vor den Söhnen und Göttern des Alten Testaments existierte.
In cc. 40-45 erfährt die Stelle Philipp. 2,5-11 eine umständliche Auslegung im Sinne der mystischen Erlösungstheorie der Alexandriner. Die Stelle zeugt nicht für einen Zuwachs des Wortes, da der Herr nach den Worten der Schriftstelle vor seiner Selbsterniedrigung Gott, also der Höchste war, so daß man nicht sagen kann, er sei nach seiner Erniedrigung höher geworden als vor seiner Erniedrigung. Die Erhöhung wie die Erniedrigung kann daher nur dem Fleische, das er anzog, zukommen. In seiner Menschwerdung nahm der Herr die menschliche Natur, die Menschheit an, und so wurden in seiner Menschheit die Menschen, wir alle erhöht Denn der Mensch bedurfte der Erhöhung wegen der [S. 15] Niedrigkeit des Fleisches und des Todes. In diesem Sinn ist auch das „er gab ihm einen Namen ..." zu verstehen, da er keinen höheren Namen empfangen konnte, als den er schon vor seiner Erniedrigung hatte. Christus nahm als Mensch an, was er als Gott immer hatte, damit diese mitgeteilte Gnade dem Menschengeschlechte zuteil wurde. Für uns und unsertwegen wird vom menschgewordenen Sohn gesagt: „Er erhöhte ihn“ und „er gab ihm“. Man könnte übrigens jene Stelle, meint Athanasius, auch auf die Auferstehung von den Toten beziehen. Da das Wort im Leibe sei, so werde auch das Wort als Mensch mit dem Leibe erhöht, wodurch uns, der ganzen Menschheit, die Auferstehung und Erhöhung gewährleistet sei. Mit unserer Erhöhung werde auch der Sohn erhöht.
Von cc. 46-52 stellt Athanasius die Psalmstelle Ps. 48,7.8 ins richtige Licht und kämpft gegen deren Mißdeutung durch die Arianer mit Vernunftbeweisen und Schriftstellen. Zunächst knüpft man das Wort „Genossen" an, aus dem ihm der Wesensunterschied des Wortes von den Menschen klar wird. Und wenn das Wort gesalbt wurde, so wurde es in seiner Menschheit gesalbt, damit es die menschliche Natur heilige. Und so stieg auch der Heilige Geist über den Herrn im Jordan herab, da er unsern Leib trug, und in Wirklichkeit waren wir es, die von ihm und in ihm das Bad empfingen. Der Herr heiligte sich selbst für uns und gab uns die Herrlichkeit, die er empfing. Wenn es also heißt, daß er mit dem Geiste gesalbt wurde, obschon er den Geist gibt, so kann dies nur auf seine menschliche Natur bezogen werden. Aus den Worten: „Du hast die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehaßt", läßt sich die Möglichkeit einer gegenteiligen Willensbestimmung des Wortes im Sinne der Arianer und damit dessen Veränderlichkeit nicht erschließen.
In c. 53 werden dann vier Stellen: Sprichw. 8,23; Hebr.1,4; Hebr.3,1.2 und Apg.2,3.6 angeführt, welche die Arianer den Orthodoxen als Beweise für die Geschöpflichkeit des Wortes entgegenhielten. In dieser ersten Rede befaßt sich Athanasius aber nur noch mit der Erklärung der Stelle im Hebräerbrief 1, 4: „Er ist [S. 16] um soviel vorzüglicher geworden als die Engel, als er einen hervorragenden Namen vor ihnen ererbt hat". Erst stellt er die Forderung, bei der Schrifterklärung sich stets an die exegetische Norm zu hatten, d. h. auf Personen, Sache und Zeit Rücksicht zu nehmen (c. 54). Indem er selbst sich an diese Norm hält und den Unterschied zwischen „vorzüglicher“ und „größer“ eingehend würdigt und herausstellt, spricht er aus, daß hier nicht der Herr mit den Engeln als gleichartigen Wesen verglichen, sondern als von ihnen wesentlich verschieden erklärt werde. Der Nachdruck liege hier nicht auf „geworden“; dies sei vielmehr mit „vorzüglicher“ verbunden. Das „geworden“ bedeute hier soviel als „gezeugt“, da es ja für das Gezeugte gleichgültig bleibe, ob man sage: „Es ist entstanden“ oder „es ist gemacht worden“. Auch die Schrift zeuge an vielen Orten für den Wesensunterschied des Sohnes von den Engeln. Der Sohn ist wesensgleich mit dem Vater und gehört daher nicht zu den entstandenen Dingen, noch ist er überhaupt mit ihnen vergleichbar (cc. 55—58). Der Unterschied der Bestrafung im Alten und Neuen Bund (Hebr. 2,3) beweist gleichfalls den Unterschied der Naturen von Sohn und Engel (c. 59). „Geworden“ bezieht sich nicht auf die Natur des Wortes, sondern auf seine Menschheit, sein Amt und seine Beziehung zu uns (cc. 60—61). Endlich führt Athanasius noch Parallelstellen an, in denen der Terminus „werde" und „geworden" auf den ewigen Vater angewandt sei. Wie auch dort nicht auf einen Anfang der Existenz Gottes geschlossen werden kann, sondern nur Gottes Beziehung zu uns zum Ausdruck gebracht sein will, so auch sprechen die Worte: „Er ist vorzüglicher geworden als die Engel" nicht für ein erst in der Zeit erfolgtes Dasein des Wortes, bezeichnen vielmehr die aus seiner Menschwerdung uns erwachsene Wohltat (cc. 62—64).