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Wer sich näher mit der Gemeinde Beinwil (Freiamt) befasst, trifft unweigerlich auf den Begriff der "Gerechtigkeit". Heute bestehen noch in Beinwil/Dorf, Wiggwil und Winterschwil gut organisierte Gerechtigkeitsvereine als anschauliche Zeugen althergebrachter Nutzungsrechte. Ihre Entwicklung und Ausgestaltung reicht zurück bis ins ausgehende 16. Jahrhundert. Dabei handelte es sich ursprünglich um gemeinsame Nutzungsrechte am ganzen Allmend- und Waldareal im Rahmen der Dorf- und Hofgemeinschaften. In der Zeit der Helvetik (1798 bis 1803) wurden auch die Wälder in privatrechtliche Waldkorporationen geteilt. Aus dieser Zeit haben sich drei solche Korporationen erhalten, eine in Beinwil mit 11 Gerechtigkeiten, eine in Wiggwil mit 13 und eine in Winterschwil mit 6 Gerechtigkeiten. Das bewirtschaftete Gut umfasst heute ausschliesslich Wald. Bis ins 15./16. Jahrhundert hinein bedurfte ein Dorfansässiger keiner besonderen Bewilligung für den Holzhau im nahen Wald. Die Zunahme der Bevölkerung und der gesteigerte Holzbedarf führten nun aber zwangsweise zu Einschränkungen bei den Nutzungsansprüchen jedes Einzelnen. Bürgergemeinden wurden gegründet, welche die Rechte an den gemeinsam zu nutzenden Allmend- und Waldarealen neu fassten und überwachten. Damit man der Übernutzung der vorhandenen Güter einen Riegel schieben konnte, wurden die Einbürgerungen zunehmend erschwert oder überhaupt verunmöglicht. Man schloss sich gegenüber Fremden richtiggehend ab und verhinderte die Errichtung oder den Ausbau von Häusern. Halbe und auch Viertelswohnungen konnten nur noch spärlich mit Holz versorgt werden, und es wurde mit Grund befürchtet, dass sich die Waldfrevel mehren würden. Die Nutzungsberechtigung in unseren Dörfern wurde nämlich nicht an eine Person, sondern an einen besonderen Grundbesitz gebunden. Nur wer Eigentümer eines Hauses/Hofes war/ist, konnte/kann in genau umschriebener Weise am gemeinsamen Gut des Nutzungsverbandes teilhaben. Ein solches dingliches Nutzungsrecht erhielt den Namen "Gerechtigkeit" und sein Besitzer war der "Gemeinder". Die Zahl der Nutzungsrechte wurde in einem bestimmten Zeitpunkt unabänderlich abgeschlossen, so dass weitere Rechte nicht mehr entstehen können. Obschon der wirtschaftliche Zweck der Gerechtigkeiten heute an Bedeutung stark eingebüsst hat, dürfen die Anteile noch immer nicht ausserhalb des Ortes verkauft oder vererbt werden.
Huwyler-Frei Erhard, Gemeindeschreiber
1987 / 1999 / 09.2006