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Seeotter
Großes Lexikon der Tiere, Stichwort Otter, Band 4
Der Meer- oder Seeotter, Enhydra lutris, wurde erstmals 1751 von Steller beschrieben und bald danach ebenfalls wegen seines wertvollen Fells so stark bejagt, daß er Ende des 19. Jahrhunderts fast ausgerottet war. Seit 1911 ist er geschützt und vermehrt sich inzwischen wieder, so daß seine Gesamtzahl heute 30000 bis 40000 betragen dürfte. Während der Meerotter ursprünglich von den Kurilen Japans über die Aleuten bis zur Westküste Amerikas, etwa bis Südkalifornien, verbreitet war, findet man heute in diesem Verbreitungsgebiet nur noch einige örtliche Bestände. Der Meerotter, der am meisten von allen Otterarten vom allgemeinen Ottertypus abweicht, lebt fast ausschließlich im Meer und geht ganz selten an Land. Der massive Kopf mit seiner großen Nase und dem kurzen, abgestumpften Gesicht ist viel heller gefärbt als der übrige Körper, dessen Färbung vom hellen Braun fast bis Schwarz reicht. Im Gegensatz zu den anderen Ottern besitzen Meerotter nur einen kurzen Schwanz, seehundähnliche Flossen und kleine, kräftlige Vorderpfoten. Erwachsene Tiere erreichen eine Körperlänge von ca. 1,5 m, den 30 cm langen Schwanz eingerechnet, und wiegen bis zu 36 kg.
Ihre Backenzähne sind breit und abgerundet und dadurch geradezu dafür bestimmt, Seeigel und Muscheln aufzuknacken. Sie sind tags munter und leben friedlich in Gruppen von 10 bis 90 Tieren in der Nähe von Tangwiesen. Beim Fressen schwimmen sie auf dem Rücken. Steine, die sie vom Meeresgrund geholt haben, dienen als Amboß, auf dem sie die Seeigel oder Muscheln aufschlagen. Dabei wird der Stein auf die Brust gelegt, der Seeigel oder ein anderes Schalentier mit den Vorderpfoten ergriffen und auf den Stein geklopft. Damit ist der Meerotter eines der wenigen werkzeugbenutzenden Säugetiere außer den Primaten. Der Stein wird sogar mehrmals benutzt, wofür er beim Tauchen unter den Arm geklemmt wird.
Der Meerotter kann sich zu jeder Jahreszeit nach etwa neunmonatiger Tragzeit vermehren, allerdings nur durch ein, seltener zwei Junge. Das Junge ist weiter entwickelt als alle anderen Neugeborenen der Marder. Die Augen sind geöffnet; der gesamte Körper ist schon dicht behaart; das Milchgebiß ist voll ausgebildet; und das Jungtier kann sofort neben seiner Mutter herschwimmen. Beim Säugen liegt es auf ihrer Brust. Das Junge bleibt mindestens ein Jahr, meistens länger bei der Mutter. Die Mutter wirft nur alle zwei Jahre ein Junges. Die Tiere werden im dritten Lebensjahr geschlechtsreif. Während der Paarungszeit werden keine Kämpfe unter den Männchen ausgetragen. Die natürlichen Feinde des Meerotters sind der Schwertwal, eventuell auch Seelöwen und unglücklicherweise auch der Mensch.
Auszug aus der "Encarta Encyclopaedia 1999"
Seeotter, an den amerikanischen und asiatischen Küsten des Nordpazifiks lebender Otter. Er ähnelt im Aussehen und Schwimmverhalten den eurasischen und nordamerikanischen Ottern.
Der Seeotter ist kräftig gebaut und erreicht eine Kopfrumpflänge von 120 bis 145 Zentimetern. Seeotter ernähren sich hauptsächlich von Mollusken und Seeigeln, die sie mit ihren großen, stumpfen Zähnen aufknacken. Sie öffnen Schalentiere, indem sie diese auf dem Rücken schwimmend mit Hilfe von Steinen aufbrechen. Das Weibchen bringt pro Wurf nur ein Junges zur Welt. Dieses wird gesäugt, während das Muttertier auf dem Rücken im Wasser schwimmt.
Der Seeotter ist das einzige im Meer lebende Säugetier ohne eine isolierende Speckschicht, die ihn vor dem eisigen Wasser des Ozeans schützen könnte. Als Ausgleich für das Fehlen der Speckschicht muss der Seeotter ständig sein Fell putzen, es sorgfältig sauber halten und einfetten und so dafür sorgen, dass seine Haut von einer schützenden Luftschicht umgeben ist, die das Fell umschließt. Wenn das Fell mit Tankeröl verschmutzt wird, verliert es seine Fähigkeit, den Körper vor dem kalten Meerwasser zu schützen: Das Fell verfilzt durch das Öl, und die Bildung eines Luftpolsters wird verhindert. Außerdem nimmt der Otter bei der Fellreinigung das Öl in sich auf, wodurch er zumeist krank wird und stirbt.
Der Pelz des Seeotters gehört zu den wertvollsten Pelzen überhaupt. Das braune Unterfell ist weich, dicht und wollig. Darüber liegt das grobere äußere Fell, welches längere Deckhaare mit grauen Spitzen aufweist. Der Seeotter war einst in großer Zahl verbreitet, wurde jedoch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast bis zur Ausrottung gejagt. Spätere Schutzmaßnahmen führten zum Anwachsen des Bestands entlang der Küsten Kaliforniens und Alaskas.
Systematische Einordnung: Der Seeotter gehört zur Familie Mustelidae in der Ordnung Carnivora. Seine wissenschaftliche Bezeichnung lautet Enhydra lutris.
"Seeotter", Microsoft(R) Encarta(R) 99 Enzyklopädie. (c) 1993-1998 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
Ergänzung in der "Encarta Encyclopaedia 2000"
"Wie US-amerikanische Meeresforscher 1998 im Wissenschaftsmagazin Science berichteten, werden Seeotter vor der Küste Alaskas seit 1991 intensiv von Schwertwalen erbeutet. Dies führt zu einer Bestandszunahme von Seeigeln und damit zum Rückgang von Seegras-Wiesen."
Unter "Biologische Vielfalt"
"In manchen Lebensräumen spielen sogar einzelne Arten eine wichtige Rolle für die biologische Vielfalt: So erhalten die Seeotter an der nordamerikanischen Pazifikküste die Artenvielfalt in der Gezeitenzone, weil sie sich von Seeigeln ernähren, die bei hohen Individuenzahlen die Kelpwiesen fast bis zum Aussterben abweiden. Die Kelpwiesen bilden wiederum den Lebensraum für Wirbellose und Fische.
Exxon Valdez
In der Nacht zum 24. März 1989 lief der Tanker Exxon Valdez auf Grund bei Bligh Reef im Prince William Sound. Es liefen Unmengen von Rohöl aus (10.9 Million Barrel). Die Massnahmen, die durch die Exxon Corporation und die Alyeska Pipeline Service Company durchgeführt wurden, trugen dazu bei, dass die Küste Alaskas in einer Länge von 1770 Kilometer mit Öl verschmutzt wurde - südlich bis zum südlichen Ende der Shelikof Strait zwischen der Insel Kodiak und der Alaska Halbinsel. Etwa 2,6 Millionen Seevögel sowie Tausende von Meeressäugern, insbesondere Seeotter kamen als Folge der Verschmutzung mit Öl um. Erst spät wurden große Anstrengungen unternommen, um die Folgen der Ölpest zu bekämpfen und das gestörte Ökosystem des Prince William Sound wiederherzustellen.
Das zerbrechliche Netzwerk der Natur
aus Jane Goodall & Marc Bekoff: Das Leben retten - 10 Pflichten, um uns und das Königreich der Tiere zu retten
Eines der beängstigendsten Szenarien wurde im Januar 1999 in der New York Times ausgebreitet. Die Schlagzeile lautete: "Mysteriöser Riss im Gewebe des Lebens" Berichtet wurde, dass die Überfischung zusammen mit klimatischen Veränderungen zu einem Zusammenbruch der Herings- und Seelachs-Populationen geführt hat. Dies wiederum hatte eine starke Dezimierung der Seelöwen und Robben zur Folge, die sich von ihnen ernähren. Seelöwen und Robben sind aber eine wichtige Beute für die Orcas, sodass die Orcas sich nun andere Beutetiere suchen mussten, unter anderem Meerotter, und zwar in viel flacheren Gewässern als jenen, die sie normalerweise aufsuchen. Dadurch nahm die Zahl der Meerotter um 90 Prozent ab, in manchen Gegenden verschwanden sie gänzlich.
Die Kelp-Wälder (Meeralgen), in denen Meerotter leben, wurden nun von plötzlich anschwellenden Seeigel-Populationen heimgesucht, einer bevorzugten Nahrung der Meerotter und gleichzeitig der wichtigste Fressfeind der Algen. Die Zerstörung der Kelp-Wälder schädigte die Vielfalt des Lebens unter Wasser, die normalerweise von ihnen aufrechterhalten wird. Muscheln, Fische, Enten, Möwen und Weißkopfseeadler wurden sämtlich beeinträchtigt, ebenso die bereits angegriffenen Populationen der Meerotter, Seelöwen und Orcas. Zusätzlich zu dieser katastrophalen Kettenreaktion muss sich das Unterwasserleben auch noch gegen die industrielle Wasserverschmutzung und die militärischen Sonartests behaupten.
Verhalten der Seeotter
"The Unusual Behavior of These Strange Animals..."
Auszug aus "The Otter Raft, Summer 1988"
Eine der ersten Wissenschaftlerinnen, die die neu entdeckte Kolonie von Seeottern in der Nähe der Bixby Creek Bridge eingehend untersucht hat, war Dr. Edna M. Fisher von der Universität von Californien, Berkeley. In ihrer Studie mit dem Titel "Habits of the Southern Sea Otter," veröffentlicht am 14. Februar 1939 im Journal of Mammalogy (vol. 20, No. 1, pages 21-36), beschreibt sie genau, was die Otter tun. Sie bemerkt, das das ungewöhnliche Verhalten dieses bemerkenswerten Tiers sofort grosse Aufregung bei der Einwohnern verursachte.
"Die gebräuchlichste Ruheposition ist Kopf oben und das Kinn ruht auf der Brust; die kleinen Pfoten oder Hände über der Brust gefaltet."
"Oft verdecken sie ihre Augen mit den Pfoten, so dass sie auch tagsüber schlafen können."
"Im Schlaf halten sie alle vier Beine in die Luft, als wären sie auf der Stelle angebunden."
"Der Otter rollt wieder und wieder - ohne das Kopf, Arme, Füsse oder der Schwanz ins Wasser tauch - sie machen es häufig und mit größter Leichtigkeit; es wird so glatt vollzogen, dass es unmöglich ist herauszufinden wie's gemacht wird."
"Die Teile, die die größte Aufmerksamkeit bei der Körperpflege verlangen sind der Kopf, die Arme, das gesamte Gesicht und die Beine, insbesondere die großen Füße mit ihren Schwimmhäuten."
"Es ist nicht ungewöhnlich ein scharfes klickendes Geräusch zu hören ... dieser Klang wird verursacht durch einen Otter, der etwas zu öffnen versucht ... das Objekt wird mit beiden Pfoten gehalten und von oberhalb des Kopfes mit voller Wucht auf einen Stein geschlagen, der auf der Brust des Otters liegt ... dieses Geräusch ist so unverwechselbar, dass es bereits aus einiger Distanz gegen das Geräusch der Wellen zu hören ist."
"Oft wird eine Möwe beobachtet, die in der Nähe eines Otters bei seiner Mahlzeit auf den Wellen reitet und die darauf wartet, dass der Otter von seiner Mahlzeit etwas fallen lässt."
"Die Gewohnheit sich in Tang einzuwickeln verhindert dass der Otter während der Nacht abdriftet."
"Es ist oft zu beobachten, dass zwei Otter auf Wache sich aufrichten und schnüffeln, ob Gefahr droht."