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Sonntag, 4. Dezember 2022, 11.30 Uhr, Remise
Programm- und Besetzungsänderung
Anstelle von Bertrand Chamayou, der aus Programmgründen sein Rezital nach Drucklegung des Konzertprogramm-Flyers auf einen späteren Zeitpunkt verschieben musste, spielt der junge, grossartige Pianist Lucas Debargue am 4. Dezember 2022 in der Kartause Ittingen.
Lucas Debargue, Klavier
Wolfgang Amadeus Mozart
Sonate a-Moll KV 310
Frédéric Chopin
Ballade Nr. 2 F-Dur op. 38
Prélude cis-Moll op. 45
Polonaise-Fantaisie As-Dur op. 61
Charles-Valentin Alkan
Allegro assai aus dem Concerto pour piano seul op. 39 Nr. 8
Über Lucas Debargue
Die meisten Musiker und Komponisten haben ihre Berufung früh erkannt. Nicht so Lucas Debargue. Der junge Star-Pianist hat sich erst mit 20 Jahren auf das Klavier konzentriert. Davor war er E-Bassist, studierte Literatur und sorgte für einen Streit bei einem renommierten Wettbewerb.
Von grossen Pianisten und Komponisten ist man gewohnt, dass sie in jüngsten Jahren mit dem Musizieren oder sogar dem Konzertieren beginnen: Mozart war vier Jahre alt, Chopin fünf, Philip Glass sechs Jahre. Ganz anders ist es bei Lucas Debargue. Der französische Pianist kommt aus keiner Musikerfamilie. Er hat zwar mit elf Jahren schon Klavier gespielt, aber nur nebenher. Mit fünfzehn hörte er dann ganz auf. Er fing an, E-Bass in einer Rockband zu spielen, und zwei Jahre später begann er zudem ein Literaturstudium.
Erst 2010, als Lucas Debargue 20 Jahre alt war, widmete er sich wieder dem Klavier - und das mit riesigem Erfolg. Den holprigen Weg hin zu dem Entschluss, das Klavier zum Beruf und zur Berufung zu machen, bereut Debargue keineswegs: "Das Leben hat seine eigene Kraft, die man nicht planen oder vorhersehen kann", sagt der Pianist. "Selbst dann, wenn man mit drei Jahren darauf programmiert wird, Klavierwettbewerbe zu gewinnen, heisst das nicht, dass man wirklich irgendwas gewinnt - vor allem nicht die Herzen der Leute. Ich kann mir sehr schwer ein Kind mit drei, vier oder fünf Jahren vorstellen, das sich ganz sicher ist, Musik machen zu wollen."
Der Weg zum Konzertpianisten war lang, die Strecke von dort ins Rampenlicht dann aber sehr kurz. Es begann mit einem kleinen Eklat: beim Tschaikowsky-Wettbewerb im Jahr 2015. Als klarer Aussenseiter spielte sich Lucas Debargue von Runde zu Runde in die Kritikerherzen dieses bedeutenden Klavierwettbewerbs. Letztendlich belegte er den vierten Platz. Viele Kritiker waren empört, sie hielten ihn für den besten. Andere hielten ihn für überschätzt, es kam zu einem Streit in der Jury. Valery Gergiev, der damalige Schirmherr des Tschaikowsky-Wettbewerbs, lud Debargue schliesslich zum Preisträgerkonzert ein, obwohl er keinen Preis bekommen hatte – nicht ganz regelkonform und in der Geschichte des Wettbewerbs einmalig. Lucas Debargue erinnert sich an den Wettbewerb und bedauert, dass seine Kritiker ihre Zweifel nicht persönlich erklärten: "Schade eigentlich, denn das interessante an Zweifeln ist natürlich, sie zu äussern, sie zu erklären – was findest du gut und was nicht."
Der Eklat brachte Lucas Debargue wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit, als es eine Erstplatzierung je hätte bringen können. Er bekam einen Vertrag und war in aller Munde. Debargue spielt bunt durchmischt Stücke von Scarlatti bis Ravel, von Liszt über Chopin bis hin zu Rachmaninow. Die Informationen über das Stück entnimmt er einzig und allein der Partitur: "Alles, was wir zu einem Stück wissen müssen, steht in den Noten. Das ist auch alles, was wir haben. Wir können zwar Biografien und Briefe lesen, aber die sogenannte stilistische Tradition ist doch eine Illusion. Woher sollen die Leute wissen, wie es früher wirklich war. Es geht nicht darum, durch die Musik über sein eigenes Leben seine eigene Persönlichkeit zu erzählen, sich die Musik anzueignen. Nein, umgekehrt! Es geht darum, sich von der Musik einnehmen zu lassen."
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