Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03275.jsonl.gz/54

|Osteoporose

Beschreibung
Osteoporose ist eine Erkrankung, die durch eine niedrige Knochenmasse und eine Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochengewebes charakterisiert ist, wodurch es zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit und zu einem gesteigertem Frakturrisiko kommt.
Mit zunehmendem Lebensalter sieht sich der Mensch einem Abbau-, Verschleiß- und Degenerationsprozess ausgesetzt. Damit verbunden ist etwa ab dem 35. 40 Lebensjahr ein normaler, altersbedingter Verlust an Knochenmasse, der bei gesunden Menschen ca. 0,5 -1,5 % pro Jahr beträgt. D.h., dass der Mensch unter normalen Lebensumständen zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr etwa ein Drittel seiner Knochenmasse verliert.
Der beschleunigte Verlust an Knochenmasse, der über diesen altersbedingten Knochenmasseverlust von ca. 0,5 -1,5 % pro Jahr hinausgeht, wird als Osteoporose bezeichnet.
In Deutschland leiden bereits 5 - 7 Millionen Menschen an Osteoporose
Formen
Typ I: Postmenopausale Osteoporose
1/3 aller Frauen in den Wechseljahren sind bedroht.
Diese auch als "Osteoporose der Wechseljahre" bezeichnete Osteoporose, ist die häufigste primäre Osteoporoseform und tritt praktisch ausschließlich bei Frauen während und nach den Wechseljahren auf.
Ursache
Mangel an Sexualhormonen
Symptome
Betroffen sind hauptsächlich die Wirbel der Wirbelsäule mit Bruch der Wirbelkörper
Typ II: Senile Osteoporose
Diese erst in späteren Jahren auftretende Osteoporose (über 70 Lebensjahre) betrifft zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer gleichermaßen.
Ursache
Hormonmangel, Mangel an Kalzium, Vitamin D, Bewegungsmangel
Symptome
Betroffen sind die Wirbelkörper sowie die Röhrenknochen (Arme), Oberschenkelhalsbruch
80.000 Oberschenkelhalsbrüche sind pro Jahr in der BRD registriert.
Anzeichen für eine Osteoporose
Die Osteoporose ist ein schleichender Prozess, der keine eindeutigen Symptome hat und nicht von Anfang an erkennbar ist.
Auffällig ist, dass der Osteoporosebetroffene häufig über Rückenschmerzen klagt, die unter Belastung oder im Laufe des Tages zunehmen. Oftmals sind die Rückenschmerzen im Nacken, im mittleren Brustwirbelbereich und im mittleren Bereich der Lendenwirbelsäule lokalisiert.
Ein verlässliches, aber spätes Zeichen ist ein stark gerundeter Rücken, der so genannte "Witwenbuckel". Mit ihm geht, bedingt durch die vorhandenen Wirbelkörpereinbrüche, eine Rumpfverkürzung einher. Die Betroffenen können zum Teil bis zu 10 cm und mehr kleiner werden. Auch das so genannte "Tannenbaumphänomen", das sind quer verlaufende Hautfalten im Rumpfbereich, erhärtet den Verdacht auf eine bestehende Osteoporose. Menschen, die bereits bei leichten Unfällen Knochenbrüche erleiden, kann man ebenfalls als osteoporosegefährdet einstufen.
Osteoporose bei Männern und Kindern
Waren von der Osteoporose bislang vor allem Frauen nach dem Einsetzen der Wechseljahre betroffen, so kommen heute zunehmend mehr Männer im mittleren und höheren Lebensalter hinzu. Etwa 10 % der Osteoporosefälle betreffen derzeit die Männer, wobei die Zahlen eine steigende Tendenz aufweisen. Osteoporose kann man also nicht mehr als reine Frauenkrankheit bezeichnen.
Bei Männern stehen nicht vorrangig hormonelle Ursachen im Vordergrund, sondern es wird auf folgende Risikofaktoren verwiesen:
- Chronischer oder Langzeitbewegungsmangel
- Rauchen
- Alkohol
- Langjährige Cortisonbehandlung
- Leber- und Darmerkrankungen
- Mangelernährung
- Mangel des männlichen Geschlechtshormons "Testosteron"
In der letzten Zeit häufen sich die Informationen in den Medien über die Osteoporose bei Kindern. Als eine Hauptursache werden gravierende Ernährungsmängel genannt. Zu den größten "Kalziumräubern" gehören Softdrinks (z.B. Cola-Getränke, Limonade) sowie Süßwaren (z.B. Gebäck, Kakao, Schokolade), die viel Phosphor enthalten. Phosphorreiche Ernährung und Kalziummangel führen letztendlich zu brüchigen Knochen.
Diagnose
Wenn der begründete Verdacht auf eine Osteoporose besteht, sind Untersuchungen zur Bestätigung der Diagnose notwendig und sinnvoll. Zur Abklärung bedient sich der Facharzt spezieller Diagnostiktechniken. Der Knochenzustand kann z.B. durch eine Röntgenaufnahme, Knochendichtemessung, Blutuntersuchung oder eine Knochenprobe festgestellt werden. Es ist zu empfehlen, dass diagnostische Untersuchungen bei ein und demselben Facharzt und mittels gleicher Apparaturen vorgenommen werden, da nur so ein Vergleich des Knochenzustandes bzw. seiner Veränderungen möglich ist.
Röntgenbild
Ein Röntgenbefund ist erst möglich, wenn bereits 30-40 % der Knochenmasse fehlen. Der Knochen ist dünner und wirkt durchscheinend.
Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)
Bei dieser Methode wird der aktuelle Gehalt der Knochenmineralien festgestellt. Es werden zwei unterschiedliche Verfahren genutzt, das Durchstrahlverfahren und die Computertomographie.
Die Osteodensitometrie ist das einzige wissenschaftlich anerkannte Verfahren, das frühzeitig eine Verminderung der Knochendichte erkennen lässt, bevor die für die Osteoporose charakteristischen Spätkomplikationen, die Knochenbrüche, aufgetreten sind. Dass vom anwendenden Arzt spezielles Fachwissen und Verantwortung zu fordern ist, gilt für die Knochendichtemessung wie für alle anderen medizinisch-diagnostischen Techniken.
Blutuntersuchung
Ziel der Blutuntersuchung ist es, andere oder ähnlich verlaufende Knochenstoffwechselerkrankungen abzugrenzen; z.B. Vitamin-D-Mangel, ein Überschuss an Nebenschilddrüsenhormon, Erkrankungen des Knochenmarks oder bösartige Tumore.
Knochenmarkspunktion
Die Knochenprobe wird meist aus dem Beckenknochen entnommen. Es kann dann eine Diagnose mit größter Sicherheit gestellt werden.
Für Frauen in den Wechseljahren, bei denen weitere Risikofaktoren vorliegen, ist eine vorbeugende Behandlung mit Östrogen/ Gestagen zu überlegen.
Männer mit Sexualhormonmangel sollten darüber mit einem Arzt mit entsprechender Erfahrung sprechen.
Bewegung und Osteoporose
Ausreichende, regelmäßige und gezielte Bewegung ist eine wesentliche Hauptsäule der Osteoporoseprophylaxe und -therapie.
Die Phase der primären Prävention umfasst im allgemeinen Sinne den gesamten Zeitraum vor dem Auftreten einer möglichen Osteoporoseerkrankung. Das kann bei dem einen ein ganzes Leben, bei dem anderen fünf Jahrzehnte sein. Sportliche Aktivitäten sollen in dieser Phase, vorrangig im Zeitraum bis zum 35. Lebensjahr, den positiven Knochenmasseaufbau unterstützen. Damit wird ein hohes Ausgangsniveau in der Spitzenknochenmasse angestrebt. In den weiteren Lebensphasen sollte die sportliche Betätigung dazu beitragen, den altersbedingten Knochenabbau einzuschränken.
Bewegung wird weiter als Schutzfaktor gegen die Osteoporose genutzt.
Als geeignet erweist sich dafür ein gesundheitsförderliches Fitnesstraining. Es ist nicht unwichtig, welche Sportart genutzt und welche Belastungsdosierung gewählt wird. Allgemeines Sporttreiben ist keine Garantie für Osteoporoseprävention, da es auch hier darum geht, Bewegungen effektiv für den Knochenaufbau zu nutzen.
Folgende Sportarten lassen sich besonders empfehlen:
Regelmäßige Kräftigungsgymnastik mit oder ohne Zusatzgeräte, Training an Fitnessgeräten, Aerobic mit seinen verschiedenen Varianten u.a. auch Spielsportarten. Besonders die letztgenannten Sportarten belasten alle Teilsysteme des Skeletts mechanisch hoch intensiv. Beliebte Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren, die unumstritten ihren gesundheitlichen Stellenwert besonders im Herz-Kreislauf-Training haben, sind jedoch durch ihre reduzierte Schwerkrafteinwirkung zur Osteoporoseprävention nur bedingt zu empfehlen. Die Kraftreize für die Muskulatur und für eine Verbesserung der Knochenmasse sind zu gering.
Im Verlauf des ganzen Lebens ist die Calcium-Zufuhr wichtig. Die wichtigsten Calciumlieferanten sind Milch und Milchprodukte, calciumreiche Mineralwässer sowie grüne Gemüse (Grünkohl, Brokkoli, Lauch).
Für einen gesunden Knochen ist auch Vitamin D von großer Bedeutung. Es ist vor allem in Seefisch enthalten, wird aber auch (im Sommer) in unserer Haut durch den Einfluss der Sonne (UV-Licht) gebildet.
Bewegungsangebote in der sekundären Prävention
Die sekundäre Prävention ist die Phase nach den ersten Anzeichen für eine beginnende bzw. bereits manifeste Osteoporose. Der Betroffene muss jetzt lernen, mit der beginnenden oder auch vorhandenen Erkrankung umzugehen. Auch hier ist die Bewegung Schutzfaktor und therapeutisches Mittel. Ziel der Bewegungen ist es, den osteoporotisch bedingten Knochenmasseverlust zu stoppen bzw. in Grenzen zu halten und somit den Risikofaktor Bewegungsmangel einzuschränken.
Grundsätzlich ist der Schweregrad der Krankheitsausprägung und die individuelle Belastbarkeit Ausgangspunkt für die Vorgehensweise im Umgang mit den Bewegungsangeboten. Es ist deutlich zu machen, dass die Einbeziehung der Bewegung zur Behandlung der Osteoporose große Sensibilität und Vorsicht erfordert, da es sich um einen vorgeschädigten bzw. bruchgefährdeten Knochen handelt.
Folgende allgemeine Absichten werden an die Bewegung geknüpft:
Durch körperliche Bewegung wird die allgemeine Belastbarkeit für die Lösung von notwendigen Alltagsaufgaben erhalten bzw. gefördert
Durch spezifische Bewegungsprogramme ist die Schulung und Verbesserung der motorischen Grundfähigkeiten einerseits und die positive Beeinflussung der muskulären Situation andererseits möglich
Durch Bewegung ist eine gezielte Einflussnahme auf die aufrechte Körperhaltung und die Mobilisierung der Gelenke möglich
Bewegungsprogramme bieten die Möglichkeit, positiv in der Schmerzbewältigung und der Mobilität eingesetzt zu werden (z.B. Entspannungstechniken, autogenes Training usw.)
Bewegungsprogramme in einer Gruppe durchgeführt, fördern auch die sozialen Kontakte untereinander
So kann der negative Kreislauf durchbrochen werden und auch mit bestehender Behinderung eine positive Lebensqualität erreicht werden.
Inhaltliche Schwerpunkte der Bewegungsprogramme
Koordinative Fähigkeiten
Die meisten Knochenbrüche sind die Folge von Sturzverletzungen. Osteoporosegefährdete neigen in einem starken Maße dazu, durch ungeschickte Stürze, Frakturen zu erleiden.
Günstig ist, im Falle des Stolperns, schnell und geschickt reagieren zu können. Je besser also das Reaktionsvermögen, die Orientierungsfähigkeit, die Gleichgewichtsfähigkeit ausgeprägt sind, umso geringer ist die Gefahr eines Sturzes. Ebenso führen koordinative Übungen zur Verbesserung der Auge-Hand-Koordination oder zum dosierten Krafteinsatz zur Erweiterung der Bewegungserfahrungen.
Koordinationstraining sollte in einem ausgeruhten Zustand stattfinden, da eine sichere Ausführung wichtig für den Lernprozess ist. Die neu erlernten Bewegungsformen werden im Zentralnervensystem gespeichert.
Zur Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten eignen sich vielfältige Übungsformen wie z.B. kleine Spiele, Übungen aus der Psychomotorik, der Einsatz von Spiel- und Sportgeräten.
Beweglichkeit
Für die Lösung zahlreicher Alltagssituationen wird die Beweglichkeit ständig gebraucht. Sie wird bestimmt durch die Beweglichkeit der Gelenke und die Dehnfähigkeit der Muskulatur, Sehnen und Bänder. Den im Altersgang sich entwickelnden Einschränkungen ist ebenfalls durch entsprechende Übungsformen entgegenzuwirken. Dabei ist weder eine Überbeweglichkeit noch eine eingeschränkte Beweglichkeit wünschenswert. Ziel ist vielmehr, durch entsprechende Übungen und Techniken eine normale individuelle Beweglichkeit zu erhalten.
Kraft
Man kann davon ausgehen, dass das kraftorientierte Training eine besonders wichtige Rolle für die Stimulierung des Knochenwachstums spielt. Dabei ist der knochenaufbauende Effekt bei jüngeren Menschen ausgeprägter als bei älteren Menschen. In zahlreichen Untersuchungen wurde jedoch der Nachweis erbracht, dass auch bei älteren Menschen der altersbedingte Verlust an Knochenmasse gerade durch Kräftigungsübungen positiv beeinflusst werden konnte.
Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist, dass durch jahrelange Fehlbelastungen und Schonhaltungen das Muskelkorsett nur noch unzureichend funktioniert und somit dem Muskelaufbautraining besondere Aufmerksamkeit zukommt. Bekannt ist, dass die Kraft sich nicht im Selbstlauf erhält. Vielmehr benötigt die Muskulatur regelmäßige, kraftherausfordernde Beanspruchung. Denn das beste Korsett zur Unterstützung des Knochengerüsts ist die gut trainierte, gekräftigte Muskulatur.
Ausdauer
Allgemein lässt sich feststellen, dass Ausdauertraining zu einer verbesserten Herz-Kreislauf-Situation fährt. Kardiovaskuläres Training steigert generell das Wohlbefinden.
Mit der Verbesserung der Herz-Kreislauf-Leistung kann dazu beigetragen werden, die Stoffwechselprozesse bei der Neubildung von Knochensubstanz zu optimieren. Physiologische geht mit einer guten Ausdauerleistungsfähigkeit eine ökonomische Herz-Kreislauf-Tätigkeit einher. Durch regelmäßiges Ausdauertraining kann u.a. die Durchblutung des Körpers verbessert, Bluthochdruck und zu niedriger Blutdruck normalisiert werden. Übungsprogramm zur Förderung der Ausdauer sollten in Osteoporose-Präventionsprogrammen enthalten sein. Ein alleiniges Ausdauertraining (z.B. Walking, Jogging, Fahrradergometer usw.) genügt jedoch nicht, um den altersbedingten Knochenmasseverlust auszugleichen.
Eine Osteoporose kann um so erfolgreicher therapiert werden, je früher die Behandlung begonnen wird. Bei ausreichend frühem Behandlungsbeginn ist eine Heilung der Osteoporose möglich.
Behandlung der eingetretenen Osteoporose
Dem behandelnden Arzt stehen heute eine Reihe von wirksamen Medikamenten zur Verfügung, die bei richtigem Einsatz die Anzahl der Knochenbrüche entscheidend vermindern können.
In jedem Falle sollten die typischen Osteoporose-Medikamente Bisphosphonate, Calcitonine, Fluoride, Östrogene/ Gestagene und SERMs = Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren) von einer ausreichenden Calcium- und Vitamin D-Zufuhr und sportlicher Bewegung mit Muskelaufbau begleitet sein.
Die Beurteilung des Therapieeffektes durch den Arzt erfolgt mittels Knochendichtemessung, durch Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule und ggf. auch durch die Messung des Knochenumsatzes.
Begleitende Maßnahmen
Die Remobilisierung der Osteoporose-Kranken ist erforderlich, denn ohne Bewegung werden die Medikamente weniger wirksam sein. Physiotherapie mit dem Ziel der Muskelstärkung und Bewegungsübungen sowie auch, wenn nötig, Schmerzbehandlung, sind wichtige Komponenten der Osteoporose-Therapie.
Selbsthilfegruppen unterstützen die Motivation und verbessern die Möglichkeiten zur Mobilisierung. Eine aktive Beteiligung der Betroffenen ist eine wichtige Voraussetzung zur erfolgreichen Besserung der Erkrankung.