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Als ein fröhlicher Sommermorgen erwachte, stolzierte eine hübsche Dame die Gassen entlang. In ihrer Hand trug sie eine rosarote Tasche, in der sich ein weißes, gesticktes Hochzeitskleid befand. Auf einmal blieb sie stehen und ging auf einen unscheinbaren Laden zu. Es klingelte und die Ladenglocke baumelte an der Eingangstüre. ,,Guten Tag, ich brauche dieses Hochzeitskleid nun nicht mehr. ’’Weiter gab die schicke Frau noch einen Stapel Jeans ab: ,, die Hosen sind von meiner Schwester, welche diese leider nicht mehr anziehen möchte, weil zurzeit weite Jeans modischer sind’’. Sie lief aus dem kleinen Secondhandshop hinaus und verschwand in den engen Gassen der Stadt.
Einige Tage zuvor wachte die Frau aus einem glücklichen Schlaf in ihrem Himmelbett auf und stieg in ihre Hausschuhe. Sie packte ihre Guccitasche mit vielen, unbrauchbaren Dingen voll und verließ ihre Villa. Die Frau wurde mit einer Limousine von ihrem Verlobten abgeholt, woraufhin sie neben einem teuren Hochzeits-Kleidergeschäft parkten. Sie sahen sich Festkleider in allen Farben an und entschieden sich schließlich für ein weißes, gesticktes und wunderschönes Hochzeitskleid. Anschließend gingen sie zum Supermarkt direkt neben dem Geschäft, in dem sie eine riesige, weiss-pinke Hochzeitstorte bestellten. Einen Monat später wurde eine prunkvolle Hochzeit in einer vollends geschmückten Kirche gefeiert. Nach der Kirche wurden Luftballons fliegen gelassen, welche sich kurze Zeit später in den Tannen am Waldrand verfingen. Es waren über 300 Leute zur Feier eingeladen, welche Schlange standen, um dem Brautpaar Glück zu wünschen. Als das frisch vermählte Ehepaar im Hotelzimmer ankam, schliefen sie nach dem ereignisvollen Tag müde ein.
Pedro bückte sich und griﬀ nach einem hochwertigen weisslichen Stoﬀ, welcher geschützt von einem Stapelberg fortgeworfener, hierhin verfrachteter Kleider, hervorragte. Entlang der chilenischen Wüste, am kilometerlangen Kleiderabfall, arbeitete er oftmals, um nach Knöpfen, Reißverschlüssen und nutzbaren Überresten für die Näherinnen im Dorf zu suchen. Überrascht vom Fund pochte ihm das Herz. Es war die Gelegenheit, mit seiner Verlobten jetzt eine kleine Hochzeit zu feiern. Die Vermählung hatten die beiden bereits beschlossen, nun aber konnte sie sich zudem noch sehr hübsch ankleiden. Sie hatten nicht viel Besitz und gehörten wie die meisten im Dorf zu den ärmeren Leuten. Er betrachtete das wunderschöne Hochzeitskleid, welches mit Stickereien verziert war. Pedro begab sich auf die lange Heimkehr zu seiner Frau. Sie ﬁel ihm um den Hals und weinte vor Glück, denn sie freute sich sehr auf die Hochzeit. Eine solche Hochzeit hatte sie sich nicht erträumen lassen. Schon näherten sich die benachbarten, spielenden Kinder und bestaunten mit großen Augen das Kleid. Nun war es soweit: die Frauen zogen ihre farbigen Röcke und die Männer ihre schönsten Hüte an. Ebenso suchten die Kinder nach ihren schönsten Kleidungsstücken. Alle nahmen ihr selbstgemachtes Geschenk mit und versammelten sich in der Kapelle mitten im Dorf. Es waren wenige Leute, aber die besten Freunde und die gesamte Verwandtschaft feierten mit. Es wurde laut gesungen, großherzige Glückwunschsprüche gesprochen und viel gelacht. Abends, als es dunkel wurde, zündeten alle eine Kerze an, die rund um Pedro und seine Frau ein Herz bildete. ,,Ich liebe dich’’, sagte sie zu Pedro. Sie genossen noch die halbe Nacht, bevor sie nach Hause gingen.
Was wohl die Sternschnuppen am Himmel bedeuteten? Das Kleid wurde angepasst, umgenäht, erweitert und gekürzt, denn dieses Brautkleid wurde ebenfalls an die Schwester und noch an unzählige Personen weitergegeben, sodass die Freude und das Glück immer wieder von Neuem begann.
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