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Rechtsquellen
Unter einem Mandat versteht man in Basel eine von der städtischen Kanzlei oder vom Stadtschreiber unterzeichnete Verordnung des Rates, die gedruckt und damit einem weiten Kreis der Bürger, Hintersassen und Untertanen bekanntgemacht wurde. Die Mandate wurden an verschiedenen Orten angeschlagen und auch von den Kanzeln der Kirchen herab verlesen, besonders in der Landschaft. Sie bilden in Basel die Fortsetzung der sogenannten Rufbücher (Ratsbeschlüsse und Weisungen, die ausgerufen wurden); parallel zu den Mandaten läuft die Serie der sogenannten (ungedruckten) "Zedul in alle Zünft", d.h. jener Bekanntmachungen, die in allen Zünften verlesen werden mussten (Rufbücher und "Zedul in alle Zünft" siehe Ratsbücher J). Die natürliche Fortsetzung der Mandate bilden das ab 1798 existierende Kantonsblatt und die mit dem Jahre 1803 einsetzenden Gesetzessammlungen, die in der Drucksachensammlung unter den Signaturen DS BS 2 (Kantonsblatt) und DS BS 1 (Gesetzessammlung) vorliegen. Zudem liegt unter STA Bf 1 C eine Sammlung von Gesetzen, Verordnungen und Erlassen von 1803 bis 1896 in 12 Bänden vor.
Die Mandate sind eine typische Erscheinung des sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert ausprägenden Verwaltungsstaates. Man kann sie allgemein als Gelegenheitsgesetze des betreffenden Landherren oder seiner Verwaltung bezeichnen. Juristisch gesehen hat man die Mandate während langer Zeit unter dem Oberbegriff "Polizeiordnungen" behandelt; dieser Begriff ist aber viel zu eng, denn die Mandate betreffen nicht nur das Polizeirecht, sondern auch Privat- und Strafrecht und greifen in sämtliche Lebensbereiche ein.
Mandate 1452 bis 1497 (STA Bf 1 A)
In der Bibliothek des Staatsarchivs Basel-Stadt befanden sich früher mehrere Serien der Mandate, meist privater Herkunft. Sie überschnitten sich vielfach und viele der dreizehn Bände befanden sich in einem prekären Zustand. Zu dieser Sammlung wurde 1880 ein chronologisches Register angelegt (siehe STA Bf 1 R 1). Ausserdem verwahrte das Staatsarchiv im Aktenmagazin eine weitere, unsignierte und auch nicht vollständige Serie der Mandate amtlicher Herkunft; das chronologische und sachsystematische Register dazu ist unter der Archivsignatur Räte und Beamte U 25,9 zu finden.
Im Jahre 1986 wurden alle bestehenden Mandatenbände aufgelöst. Die einzelnen Mandate wurden in die hier vorliegende, streng chronologisch geordnete Sammlung gebracht. Das jeweils am besten erhaltene Exemplar wurde gewaschen, wo nötig restauriert und auf Conqueror-Karton montiert. Aus diesen 1'262 Mandaten wurden 16 Schraubenbände gebildet. Die Doubletten wurden in die Doublettensammlung überführt.
Aus der Sammlung entfernt wurden alle jene gedruckten Stücke, die nicht Mandate im engeren Sinne sind (z.B. Tabellen über die Ankunft und den Abgang der Post), wobei die Abgrenzung nicht immer leicht war und nur für das 18. Jahrhundert konsequent gehandhabt werden konnte. Entfernt wurden auch alle handschriftlichen Dokumente jeglicher Natur, die in einzelnen Bänden zahlreich vorhanden waren. Diese aus der Mandatensammlung entfernten Archivalien wurden in die entsprechenden Akten eingeordnet; bei allen aus den ehemaligen Bänden entfernten Stücken wurde der neue Standort in den Akten im oben erwähnten chronologischen Register erfasst.
Drucksachen aus der Helvetik (STA Bf 1 B)
1987 wurden die zahlreich vorhandenen Drucksachen aus der Zeit der Helvetischen Republik (Erlasse, Beschlüsse, Dekrete, Proklamationen, Mitteilungen) zu einer einzigen chronologisch geordneten Sammlung in 12 Schraubenbände mit rund 830 Blättern vereinigt; darin wurden auch die bis dahin unter Politisches Z 16 signierten helvetischen Drucksachen integriert. Für die Zeit der Helvetik war es allerdings nicht möglich, Regierungserlasse von anderen Drucksachen zu trennen, so dass alle zeitgenössischen gedruckten Stücke in der Sammlung aufgenommen wurden. Auch diese Drucksachen sind mehrheitlich im oben erwähnten chronologischen Register erfasst worden (siehe STA Bf 1 R 1). An dieser Stelle sei zudem auf die „Amtliche Sammlung der Acten aus der Zeit der helvetischen Republik“ verwiesen, die in der Bibliothek unter der Signatur Aq 48 vorliegt.
Mandate zu den Trennungswirren
Nur ein Band aus der ehemaligen Mandatensammlung blieb bestehen: Drucksachen aus der Vorgeschichte und Geschichte der Basler Trennunngswirren. Dieser Band wurde 1986 aus der Bibliothek entfernt und zu Trennung Z 2 signiert.
Sammlung von Gesetzen, Verordnungen und Erlassen 1803 bis 1896 (STA Bf 1 C)
An die Mandatsammlung angeschlossen wurde im Frühjahr 2015 eine Sammlung von Gesetzen, Verodnungen und Erlassen vom 19. Februar 1803 (Vermittlungs-Akte des ersten Consuls der französischen Republik) bis zum 3. Oktober 1896 (Bekanntmachung betreffend die Wahl von vier Mitgliedern in den Nationalrat), die bisher nirgends verzeichnet war. Es handelt sich dabei um 12 Bände, in welchen die Drucksachen chronologisch eingebunden und mit einer Launummer von 1 bis 1835 versehen wurden. Dazu liegt ein Verzeichnis nach Nummern, welches zudem ein Sachregister aufweist, vor (siehe STA Bf 1 R 2).
Digitalisierung und Nacherschliessung der Mandate
Im Zuge der Vorbereitung der Ausstellung "Von Lastern und Missbräuchen - Basler Mandate und Kirchenordnungen im 16. und 17. Jahrhundert" der Universitätsbibliothek Basel wurde die Digitalisierung und Online-Stellung der Sammlung beschlossen. Die Digitalisierung der Mandate selber erfolgte im Januar und Februar 2015 als Arbeitspaket des Digitalisierungsprojekts "Sicherung und Nutzbarmachung". Da bislang die Mandate nur summarisch im IDS Basel/Bern erschlossen waren, wurde beschlossen, die Mandate neu als Sammlungsgut im Archivinformationssystem des Staatsarchivs als einzelne Dokumente zu verzeichnen und über den Archivkatalog Query zugänglich zu machen. Der Zugriff auf die Digitalisate erfolgt von dort über den StABS-Viewer.
Bei der Verzeichnung der einzelnen Mandate wurden nur wenige Metadaten erhoben. Es sind dies neben der Signatur die genaue Datierung des Mandats, der Originaltitel (im Feld Originalbezeichnung) und eine knappe Beschreibung des Inhalts (im Feld Enthält). Zusätzlich wurde ein Kunsttitel gebildet aus dem Begriff Mandat und der Datierung. Auf die Angabe der Provenienz resp. des Ausstellers wurde verzichtet, da es sich bei den Mandaten stets um den Kleinen Rat der Stadt Basel handelt, der die Mandate erlässt.