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"Now if 6 turned out to be 9/I don't mind, I don't mind/(...) White collared conservative flashing down the street/Pointing their plastic finger at me/They're hoping soon my kind will drop and die/But I'm gonna wave my freak flag high, high", singt Jimi Hendrix in dem Song "If 6 Was 9" aus dem Jahre 1967 und tatsächlich stand die Welt zwei Jahre später Kopf: "Now if 6 turned out to be 9". 1969 war das Jahr von Nixon, Ennio Morricone, Charles Manson, Apollo 11 und Altamont, dem Free Festival der Rolling Stones, bei dem ein Mann starb und der das Ende der Hippie-Ära einläutete. Aber 1969 war auch das Jahr von "Easy Rider".
Von Cowboys und Pferden
Die Aufblende von "Easy Rider" zeigt die mexikanische "La Contenta" Bar, wo Wyatt (Peter Fonda) und Billy (Dennis Hopper) Kokain bei den Armen kaufen, um es bei den Reichen wieder zu verkaufen. Ein echter Wyatt Earl & Billy, the Kid deal, denn mit dem Geld kaufen sie sich ihre Motorräder, um sich auf ihre Reise in die Freiheit zu machen. Das damals darniederliegende Unternehmen Harley Davidson unterstützte den Film übrigens wider Erwarten nicht, dabei verdankt es seine Rettung gerade eben "Easy Rider". Vor dem Antritt der Reise wirft Wyatt übrigens seine Uhr in den Dreck, eine höchst symbolische Geste. Die Freiheit, die die beiden suchen, endet aber schon bei der Türe eines Hotels, denn Langhaarige waren damals Menschen zweiter Klasse und so müssen sie in der freien Natur vor einem Lagerfeuer schlafen. Insgesamt fünfmal während des Filmes.
Road Movie durch die USA
Das Ziel von "Captain America und Billy" ist das Mardi Gras von New Orleans, aber auf dem Weg dorthin haben sie eine Menge Abenteuer zu bestreiten. Als sie einen Platten haben, rollen sie ihre Maschine in die Scheune eines Bauern, der gerade ein Hufeisen aufschlägt: zwei unterschiedliche Gesten, verbunden mit demselben Gedanken nach Freiheit, wie sie einst auch die Pioniere suchten, allerdings auf dem Rücken von Pferden und nicht auf Motorbikes. Rosaroter Himmel, Canyons, Berge begleiten die beiden, bis sie einen Hitchhiker mitnehmen, der sie in eine Hippie-Kommune in einem Pueblo in Arizona mitnimmt. Als sie wegen illegaler Teilnahme an einem Umzug eingesperrt werden, lernen sie den Anwalt George (Jack Nicholson) kennen. Für ihn wird auch der Begriff "dude", der es in Hollywood noch zu weiterer Berühmtheit brachte.
50 Jahre Kulturkampf
Immer wenn George trinkt macht er Geräusche wie etwa "Wuah nik nik nik Indians". Auf ein Marihuana-Angebot durch Wyatt erwidert er: "I can’t afford to get hooked, you know with the booth and stuff...". In der dritten Lagerfeuernacht unterhalten sie sich über Satelliten und reden über UFOs und "Venusians". Am Ende meint Wyatt zu George, der den Joint sichtlich genossen hat: "We’re gonna save it for tomorrow: It gives you a whole new way to look at the day." Doch dann entwickelt sich ein harmloses Frühstück in einem Café zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den dortigen Rednecks, wohl weil ihre Mädels die Langhaarigen so lieben. In weiser Voraussicht meint George in der wohl vierten Lagerfeuernacht zu Wyatt und Earl über die Freiheit, die sie meinen: "Oh, yeah, that's right. That's what's it's all about, all right. But talkin' about it and bein' it, that's two different things. I mean, it's real hard to be free when you are bought and sold in the marketplace. Of course, don't ever tell anybody that they're not free, 'cause then they're gonna get real busy killin' and maimin' to prove to you that they are. Oh, yeah, they're gonna talk to you, and talk to you, and talk to you about individual freedom. But they see a free individual, it's gonna scare 'em." Und genau das macht sie so gefährlich. Und so wird aus einem humorvollen Film plötzlich ein politischer Film: bald 50 Jahre nach Erscheinen immer noch brandaktuell.
"Easy Rider" ist die Bestandsaufnahme einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft. Während die einen sich mit Drogen zudröhnten, planten die anderen schon den gesellschaftlichen Rollback. Aber wer den Kulturkampf am Ende gewinnt, ist auch 50 Jahre später noch nicht sicher.