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Mit dem Literaturnobelpreis für den US-Sänger und Songschreiber Bob Dylan hat die Jury eine Sensation geschafft. Die schwedische Akademie lobt den Amerikaner als Dichter und Ikone.
Dylan erhält den wichtigsten Literaturpreis der Welt für seine poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition. «Er ist ein grossartiger Dichter», sagte die Chefin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, nach der Bekanntgabe am Donnerstag in Stockholm. «Seit 45 Jahren erfindet er sich immer wieder neu.»
Dylan schreibe, um mit seinen Werken aufzutreten, erklärte die Jurorin. Nichts anderes habe der Dichter Homer vor einigen Jahrtausenden auch getan. Zu den berühmtesten Songs des als Robert Allen Zimmerman im US-Staat Minnesota geborenen Dylan gehören «Blowin' In The Wind» und «Like A Rolling Stone».
Der Musiker habe «den Status einer Ikone», begründete die Nobelpreisjury ihre Wahl. «Sein Einfluss auf die zeitgenössische Musik ist tiefgreifend.»
Für den 75-Jährigen dürfte die Zuerkennung des Preises eine genauso grosse Überraschung gewesen sein wie für alle anderen. Die Jury habe vor der Verkündung nicht mit ihm gesprochen, sagte Danius. Sie wollte ihn aber so schnell wie möglich anrufen. «Ich denke, ich habe eine gute Botschaft.»
Erst zwei Preisträger mit Schweizer Pass
Im vergangenen Jahr hatte die Jury die weissrussische Schriftstellerin und Journalistin Swetlana Alexijewitsch «für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt», ausgezeichnet.
In diesem Jahr waren rund 220 Autoren für den Preis nominiert. Den Preisträger wählt die Schwedische Akademie, die aus Schriftstellern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Historikern besteht, aus fünf Kandidaten auf einer Shortlist aus. Letzte deutschsprachige Preisträgerin war die Schriftstellerin Herta Müller 2009. Einzige Schweizer Preisträger waren Carl Spitteler 1919 und Hermann Hesse 1946; letzterer hatte seit 1923 das Berner Bürgerrecht.
Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 897'000 Franken) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember - dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) - gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen in Stockholm verliehen.
Nur der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht. Damit hatte das norwegische Nobelkomitee in diesem Jahr Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos für seine Bemühungen um ein Ende des Bürgerkriegs in dem Land geehrt. Jurys in Stockholm hatten in der vergangenen Woche ausserdem Preisträger in Medizin, Physik und Chemie gekürt. (sda/dpa)