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Bilalé Porgo,
Medizinischer Koordinator des Nothilfeprogramms in Burkina Faso
«Wir tragen dazu bei, neun von zehn mangelernährten Kindern zu heilen»
Immer mehr Kinder in Burkina Faso werden nicht mehr satt. Bilalé Porgo arbeitet täglich mit Familien, die Schwierigkeiten haben, sich zu ernähren. Er erklärt, wie dank der Früherkennung von Mangelernährung und einer geeigneten Behandlung Leben gerettet werden können.
Kinder unter fünf Jahren und stillende Frauen stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Terre des hommes. Warum?
Für Kinder unter fünf Jahren ist Mangelernährung besonders gefährlich, weil sie sich im Wachstum befinden. Einige ihrer Organe und Körperteile sind noch nicht vollständig entwickelt, weshalb sie eine gesunde und ausreichende Ernährung benötigen. Die Folgen eines Nahrungsmangels können vielfältig und schwerwiegend sein. Viele Studien zeigen, dass jedes dritte kranke Kind in Burkina Faso mangelernährt ist.
Weil Mangelernährung die Entwicklung des Immunsystems der Kinder schwächt, sind sie anfällig für Krankheiten wie Atemwegsinfektionen und Malaria. Wir nennen dies auch den Teufelskreis «Mangelernährung – Infektion – Mangelernährung», der zum Tod führen kann, wenn das Kind keine geeignete Behandlung erhält.
Eine weitere Folge ist, dass die kognitive und geistige Entwicklung beeinträchtigt wird. Ein mangelernährtes Kind wird Lernschwierigkeiten haben und in der Schule weniger gute Resultate erzielen als ein angemessen ernährtes Kind. Die Folgen werden sein Leben lang spürbar sein.
Stillende Frauen sind ebenfalls für Mangelernährung gefährdet, da das Stillen ihren Nahrungsbedarf erhöht. Bei Frauen im gebärfähigen Alter kann die Tatsache, dass sie nicht genug zu essen haben, zu Fehlgeburten, Totgeburten und Babys mit einem niedrigen Geburtsgewicht von weniger als 2,5 kg führen.
Wie wird die Versorgung von hilfsbedürftigen Personen organisiert?
Tdh bietet werdenden Müttern, wenn sie zur Schwangerschaftskontrolle kommen, Ernährungsberatung an. Diese Beratung betrifft ihre eigene Ernährung und die ihres Kindes. Sie dient auch dazu, einer Reihe von Erkrankungen der Mutter vorzubeugen.
Wir organisieren zudem Screening-Kampagnen in den Gemeinschaften, um mangelernährte Kinder zu identifizieren und an Gesundheitszentren zu überweisen. In diesen Zentren geben wir den Familien Beratung und therapeutische Fertignahrung, namentlich eine energiereiche Paste auf Erdnussbasis mit hohem Nährwert. Vorbeugend verteilen wir auch angereichertes Kindermehl für Säuglinge von 2 bis 23 Monaten.
Worin besteht die Betreuung eines mangelernährten Kindes?
Ein Kind, das an schwerer akuter Mangelernährung leidet, wird von seiner Mutter einmal pro Woche ins Spital gebracht, wo wir überprüfen, ob es die von uns verabreichte therapeutische Nahrung genommen hat. Bei Kindern mit mittelschwerer akuter Mangelernährung geschieht dies alle zwei Wochen. Unsere Teams geben der Mutter die bis zum nächsten Besuch notwendige Menge therapeutischer Nahrung mit. Das Kind kehrt so lange ins Spital zurück, bis es wieder das Normalgewicht für sein Alter und seine Grösse erreicht hat. Dies dauert im Allgemeinen vier bis acht Wochen. Das Monitoring unserer Aktionen zeigt, dass wir eine Genesungsrate erreichen, die über der Norm liegt. Wir tragen dazu bei, neun von zehn mangelernährten Kindern, die wir identifiziert haben, zu heilen. Dank Früherkennung und Behandlung können Leben gerettet werden.
Sobald ein Kind wieder gesund ist, bitten wir die Mutter, seine Entwicklung zu Hause weiter zu überwachen. Dabei wird sie von GemeindeanimatorInnen unterstützt, die von Tdh ausgesucht und geschult wurden. Sie führen die Sensibilisierungsarbeit in den Gemeinschaften fort, damit diese Kinder nicht erneut an Mangelernährung leiden. Wir geben Lebensmittel und Bargeld ab, um die Bedürfnisse der Haushalte für Nahrung, Miete oder die Gesundheitsversorgung zu decken. Dies trägt dazu bei, das Behandlungsumfeld der Kinder zu verbessern.
Welche Befriedigung verschafft Ihnen Ihre Arbeit?
Wir sind in einem schwierigen Kontext tätig, denn einige Gebiete sind unerreichbar oder gefährlich. Die Herausforderung unserer Arbeit besteht jedoch gerade darin, vor Ort und mit der Bevölkerung in Kontakt zu sein. Wir arbeiten mit Stolz daran, vertriebenen Menschen ihre Würde zurückzugeben. Letzte Woche war ich in einem Gesundheitsposten in der Region Nord, wo wir Untersuchungen organisieren und kostenlos Medikamente abgeben. Ich wurde mit einem Lächeln empfangen. Wenn wir einen Kranken betreuen, ihn nach einiger Zeit wiedersehen und er uns dankbar ist, weil wir ihm geholfen haben und es ihm besser geht, empfinde ich eine tiefe Befriedigung.