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Studienauftrag: 2018
Bauherrschaft: Anlagestiftung Turidomus vertreten durch Pensimo Management AG
Mitarbeit: Tenzin Dawa Tsamdha, Lea Frauenfelder, Johannes Walterbusch, Jonas Ringli
Baufeld Nord: Baubereiche N1 und N2, Ziegeleipark-Areal, Horw
Das disperse urbanisierte Gebiet im Grenzgebiet der Gemeinden Horw und Kriens bildet das Umfeld für die Bebauung auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei. Dieses soll schrittweise umgenutzt werden, die Setzung der zukünftigen Bebauung ist im Gestaltungsplan festgehalten. Die beiden trapezförmigen vom Bachlauf des Schlimbachs getrennten Baufelder N1 und N2 südlich der stark befahrenen Ringstrasse stossen wie Schollen terrassenartig an den neu gelegten Bachraum des Steinbachs und den Ziegeleipark. Zwei massive Baukörper – ein stehender und ein liegender – sind als Findlinge auf die beiden Geländeterrassen gesetzt. Ihre kubische Form korrespondiert mit den rechtwinklig geschnittenen Bauten der ehemaligen Ziegelei und mit den neuen Wohnbauten auf dem Ziegeleipark-Areal. Sie werden so in die polygonalen Baubereiche gesetzt, dass zwei grosszügige laterale Aussen- bzw. Erschliessungsräume zur Ringstrasse oder zum Ziegeleipark entstehen. Die zur Ringstrasse orientierten Gewerbeflächen erhalten dadurch einen angemessenen Vorraum für die Anlieferung. Auf dem Baufeld N2 gliedert zusätzlich ein grosses Baumfeld mit Besucherparkplätzen den strassenseitigen Ankunftsraum.
Auf der terrassenartigen Südseite der beiden Baubereiche, entlang des mit Sitzmauern und einer Baumreihe gefassten Bachraumes, sind die Spiel- und Aufenthaltsbereiche für die BewohnerInnen und eine durchgängige Fahrrad- und Fussgängererschliessung angeordnet. Eine dritte Längserschliessungsachse wird im Erdgeschoss der beiden Baukörper durch eine innenliegende «rue corridor» gebildet. Drei Brücken schliessen die drei Längserschliessungen über den trennenden Schlimbach kurz und verbinden die beiden Baubereiche N1, N2 in Ost–Westrichtung. Am westlichen Ufer des Schlimbachs befindet sich der mit mächtigen Trauerweiden bepflanzte Ankunftsplatz der neuen Bebauung. Er bildet zusammen mit der Arealerschliessung, einem karussellähnlichen Fahrrad- und Entsorgungspavillon, den drei Brücken über den Schlimbach und einer Brücke über den Steinibach den eigentlichen Dreh- und Angelpunkt für die BewohnerInnen, Fussgänger, Fahrrad- und Autofahrerenden der neuen Bebauung. Die beiden Haupteingänge – die Adressen der beiden neuen Wohngebäude orientieren sich zum neuen Ankunftsplatz. Der zum Bahnhof Horw und zur neuen übergeordneten Promenade hin gelegene Platz im Osten zum Brünigweg mit einem prominent gestalteten Eingang in die «rue corridor» des Längsbaus bindet die neue Bebauung ans übergeordnete Fahrradnetz und an den öffentlichen Verkehr an.
Das Erdgeschoss wird in Längsrichtung durch eine interne Verbindung gegliedert. Diese «rue corridor» quert das Areal als innen liegende Strasse für Fussgänger in seiner ganzen Länge und vereint die einzelnen Häuser jedes Baufeldes zu einem übergeordneten Ganzen mit der Hauptadresse am Ziegeleiweg. Verschiedene Ausgänge sowie Velo- und Kinderwagenräume rhythmisieren und beleuchten dieses Erschliessungsrückgrat und binden die «rue corridore» durchlässig allseitig an die Umgebung an. Nach Norden richten sich hohe Gewerberäume unterschiedlicher Grösse aus. Sie sind direkt an die Steigzonen angeschlossen und durch die Mieter flexibel ausbaubar. Alle Flächen sind sowohl direkt von aussen als auch über die «rue corridor» erschlossen. Zum südlich gelegenen Park hin werden Hochparterrewohnungen zum Wohnen und Arbeiten angeordnet.
Die unterschiedlichen im Programm geforderten Wohnformen werden im Baukörper N1 von aussen ablesbar in der Vertikalen aufeinander gestapelt. Jeweils drei oder vier Wohnungen pro Geschoss werden durch einen zenital belichteten, attraktiven Lichthof erschlossen, in dessen Mitte sich der Lift mit den dazwischen gehängten Treppenläufen und Erschliessungsbrücken befindet. Die drei Treppenhöfe spannen sich zwischen die erdgeschossige «rue corridor» und die grosse Dachterrasse für die Studierenden. Die Wohnungen an den Gebäudeenden sind jeweils über Eck zweiseitig orientiert und verfügen alle über einen Balkon nach Osten, Süden oder Westen. Die dazwischen liegenden Wohnungen spannen sich über die ganze Gebäudetiefe von der nordseitigen Ringstrasse zum Ziegeleipark im Süden. Die tiefen Grundrisse der Nord-Süd Wohnungen in den Obergeschossen werden durch tiefe Einschnitte belichtet. Die Zimmer an der Ringstrasse sind mit einer Lärmschutzloggia ausgerüstet. Eckfenster richten die an den schmalen und tiefen Gebäudeeinschnitten gelegenen Räume in der Diagonalen aus und schaffen trotz der räumlichen Nähe attraktive Aussenraumbeziehungen und Ausblicke. Die Mittelzone der Wohnungen erhält durch grosse Befensterungen zusätzliches Licht von den Treppenhöfen. Die langgezogenen Wohnräume auf der Gebäudesüdseite werden mittels tiefen Gebäudeeinschnitten und raumhohen Fenstern belichtet. Ein Lamellenparavent aus Gussglas (Profilit) vor der Isolierverglasung schützt vor dem direkten Einblick der Nachbarn und gibt den Wohnungen eine eigenständige charakteristische Atmosphäre. Die Wände der Einschnitte nach Norden werden zum Schutz vor grosser Schallbelastung absorbierend mit stehenden Backsteinen belegt.
Die 45 Studentenwohnungen befinden sich in den unteren 4 Geschossen. Als gemeinschaftlichen Fläche des Aufenthalts ist in diesen Wohnungen nur eine Wohnküche vorgesehen. Zu Gunsten einer etwas grösseren Wohnküche schlagen wir vor in den Studentenwohnungen die private Aussenfläche auf einen minimalen Steh- oder Kräuterbalkon zu beschränken. Grossflächig öffenbare Faltfenster verwandeln die Wohnküche im Sommer zu einer grosszügigen Küchenveranda. Das begehbare Dach bietet sich für die Studierenden als alternativer, aneigenbarer Aussen- und Begegnungsraum zur Verandaküche an. Die 55 Mietwohnungen befinden sich in den oberen 5 Geschossen. Auf das südseitige Schlafzimmer der Studentenwohnungen wird verzichtet und es entsteht ein länglicher Wohnbereich mit einem attraktiven Koch- und Essraum. Das angrenzende Badezimmer wird mittels eines über dem Küchenschrank angeordneten Oberlicht natürlich belichtet. Die Mietwohnungen verfügen jeweils über eine dem Wohnbereich vorgelagerte Südveranda. Die nach Süden zum Park gelegenen 6 Wohnungen im Hochparterre eignen sich zum Wohnen und Arbeiten. Sie verfügen über eine zur erdgeschossigen «rue corridor» gelegene Cockpitküche und einen direkten Zugang vom Balkon in den angrenzenden Grünraum.
Der lange Baukörper N2 ist zum Park hin mit vier tief eingeschnittenen Höfen gegliedert. Sie dienen der Belichtung und der Blickbeziehung aus allen Wohnungen zum Park. Fünf vierspännig organisierte Häuser mit jeweils 22 Wohnungen sind um diese Höfe organisiert. Sie bilden überschaubare Gemeinschaften innerhalb des grossen Blocks. Die grösseren 3.5- und 4.5-Zimmer-Wohnungen werden durch die grosse Wohnhalle betreten. Diese spannt sich in der Diagonalen mittels der vorgelagerten Veranden von der nordseitigen Ringstrasse zum südseitigen Hof und bildet den zentralen und zweiseitig belichteten Erschliessungs- und Aufenthaltsraum für die ganze Wohnung. Ein ummauerter Küchenkörper und einspringende Mauerwinkel formen Nischen und zonieren die Halle. Die an den Fassaden angeordneten Zimmertüren erlauben bei geöffnetem Zustand interessante und grosszügige Raumverbindungen und -bezüge.
Die Erdgeschosse werden – als Referenz zur ehemaligen Ziegelproduktion – massiv mit Ziegelsteinen errichtet. In den oberen Geschossen werden die einfachen Volumen durch unterschiedlich tiefe vertikale Zäsuren gegliedert. Sie sorgen für eine bestmögliche Belichtung der vorgegebenen tiefen Baukörper, bilden private Balkone und dienen dem Schallschutz. Die Aussenräume werden von gemauerten Ziegelstützen getragen und unterstreichen die vertikale Gliederung. Beim zehngeschossigen Haus auf dem Baufeld N1 bilden zwei übereinanderliegende Pakete mit verschiedenen Wohnungstypen für Studenten oder Familien das unterschiedliche Raumprogramm nach aussen hin ab. Diese wechselnden Fassadenbilder gliedern zusammen mit dem Gebäudesockel den Baukörper in der Vertikalen. Durch die Fassadengliederung wird das kürzere aber höhere Gebäude mit dem länglichen und gedrungenen Nachbargebäude auf dem Baufeld N2 in Beziehung gesetzt.
Das Untergeschoss, die Wohnungstrennwände und die Decken aller Geschosse sind in Ortbeton gegossen und bilden das aussteifende Gerüst für die effiziente und kostengünstige Bauweise der Wohngeschosse in sichtbar gefügtem tragendem Mauerwerk. In beiden Häusern werden alle Materialien aus ökonomischen und atmosphärischen Überlegungen möglichst roh und mit der ihnen eigenen Materialqualität verwendet: Beton, Mauerwerk und günstiges Kiefernsperrholz für die Wände, weiss gestrichener Beton für die Decken, ein eingefärbter und versiegelter Anhydritüberzug als Bodenbelag. In allen Zimmern und in den Wohnbereichen der tiefen Grundrissen des Baufelds N1 wird das Mauerwerk zur besseren Lichtausbeute weiss geschlämmt. Die Backsteinwände in den Wohnräume des Baufelds N2 werden in ihrer natürlichen Farbigkeit belassen und vermitteln so eine zusätzliche Materialqualität. Auf den Balkonen, in den Bädern sowie in der «rue corridor» und vor den Wohnungseingängen transportiert ein robuster Klinkerboden das Bild der Ziegel. Die Fassadenflächen der Obergeschosse werden von aussen gedämmt und grob verputzt. Die lindgrüne Farbgebung kontrastiert mit dem Braunrot des Mauerwerks und verbindet sich mit dem grünen Gussglas in den Einschnitten und der Farbigkeit des umgebenden Parks.
Die vorgeschlagenen Gebäude weisen eine hohe Kompaktheit, eine Tragstruktur mit geringen Spannweiten und direkter Lastabtragung und eine einfache Bauweise auf. Die massiven Beton- und Mauerwerkswände stellen genügend aktivierbare Speichermassen zur passiven Nutzung der Solarenergie bereit. Auf den grossen Dachflächen des Baufelds N2 werden Solarpanels angeordnet. Die gewählten Materialien sind robust und einfach im Unterhalt und gewährleisten einen langen Werterhalt. Die Haustechnikräume im Untergeschoss sind einfach an die in der Vertikalen durchlaufenden Steigzonen anzuschliessen. Frischluft wird über kontrollierte Öffnungen (z.B. Helios ZLA Zuluftautomat) passiv in der Fassade angesogen und jeweils in den Küchen und Nassräumen abgesogen.