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In ihrer Sitzung vom 4. Juli 1916 behandelte die Regierung den Fall eines Jugendlichen: Am 5. Juni l.J. [laufenden Jahres] machte die Jugendschutzkommission Rheineck dem Bezirksamt die Anzeige, dass der 13-jährige Knabe Ernst Hanselmann sich wiederholt des Diebstahls schuldig gemacht habe. In der darauf folgenden Untersuchung wurde festgestellt, dass der Beschuldigte am 3. Juni l.J. dem Gemüsehändler Lutz im Bauhof Rheineck aus der Ladenkasse eine 20 Franken Note entwendet hat. Ferner wurde festgestellt, dass seitens des Beklagten diesem Diebstahlsfalle vorgängig, beinahe auf ein Jahr zurück[,] schon eine ganze Reihe von Entwendungen verschiedener Waren in diversen Ladengeschäften stattgefunden hatten. So entwendete Hanselmann Feigen, Konditoreiwaren, Landjäger [Würste] und bei einer Witwe Bannwart unter 9 Malen Schokolade und einmal einen Barbetrag von Fr. 4.65. Er stieg im letzern Falle durch ein Fenster in den Keller und musste noch durch 3 Türen passieren, um in den Laden zu gelangen. Wegen Strafunmündigkeit des jugendlichen Beklagten wurde die Untersuchung ad acta gelegt. Dagegen beantragt das Bezirksamt die Unterbringung des Rubrikaten in einer Erziehungsanstalt auf die Dauer von 3 Jahren. Der Vater Heinrich Hanselmann ist mit einer Anstaltsversorgung seines Sohnes einverstanden, erklärt aber, an die Kosten nichts bezahlen zu können, da er bei seiner Fabrikarbeit als Sticker nur Fr. 3.- per Tag verdiene. Die Mutter des Knaben ist schon vor vielen Jahren gestorben, und da seine Schwester, die den Haushalt führt, zu wenig Autorität über ihn besitzt, bleibt er meistens sich selbst überlassen. Die Lehrer stellen ihm ein ungünstiges Zeugnis aus und empfehlen ebenfalls dringend die Versorgung. Die Heimatgemeinde Sennwald hat sich mit der Übernahme der Anstaltsversorgung einverstanden erklärt. (Nr. 1553) In welche Anstalt der Jugendliche schliesslich versorgt wurde, steht nicht im Regierungsratsbeschluss. Abbildungen von Erziehungsanstalten findet man wenige. Es ist anzunehmen, dass Ernst Hanselmann in eine evangelische Institution eingewiesen wurde, da er selber dieser Konfession war. Was für Schokolade er entwendet hatte, wird ebenfalls nicht erwähnt. Im Kanton St.Gallen gab es zur Zeit des Ersten Weltkriegs zwei Fabriken: Munz in Flawil und Maestrani in St.Gallen-St.Georgen.
Ausserdem befasste sich der Regierungsrat mit folgenden Themen:
Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und ZNH 22/005b (Einpackpapier für Munz-Schokolade)