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Stephan Huber wird 1554 in Ingolstadt geboren. Als er 1586 in Landsberg das Noviziat bei der Gesellschaft Jesu beginnt, ist er Bildhauergeselle. Im Nekrolog wird erwähnt, dass er sich in Rom als Kunstgiesser («statuarius») weitergebildet hat. Er arbeitet vorerst als Bildhauer und Altarbauer in Landsberg, wo er bis 1588 den Hochaltar der neuen Jesuitenkirche baut. Sein Ruf als guter Altarbauer dringt auch über die Provinzgrenzen. So fertigt er 1603 einen Hochaltar in Brünn. Zur Baukunst gelangt er vorerst, zwischen 1593 und 1595, mit kleineren Werken in Ingolstadt und Regensburg. 1604 wird er nach Konstanz berufen und baut dort bis 1608 Kirche,[1] Kollegbau und Gymnasium der Jesuiten. Dann plant und baut er in Hall bis 1610 die Allerheiligenkirche, ähnlich der Konradskirche von Konstanz, richtet sie ein und baut anschliessend während zweier Jahre den alten Kollegbau um. 1612 finden wir ihn wieder in Landsberg, wo er den Osttrakt des Kollegs als Erweiterungsbau für die Novizen erstellt. Hier hat er als Gehilfen den jungen Br. Jacob Kurrer (1585–1647), ebenfalls aus Ingolstadt, der ein Jahr vorher als Maurergeselle in Landsberg eingetreten ist. Kurrer wird später als Erbauer der Luzerner Hofkirche und als erster Planer für einen neuen Abteibau in Einsiedeln bekannt.
1613 wird Br. Stephan als Planer der neuen Konventbauten nach Ochsenhausen vermittelt. Er ist dort Anfang Januar 1614 für Planungsgespräche anwesend und erstellt im gleichen Jahr die Planung. Nach dieser entsteht ab 1615 eine Konventanlage, welche die nüchterne Architektur jesuitischer Kollegbauten mit dem symmetrischen, residenzähnlichen süddeutschen Schlossbau verbindet. Seine Planung ist damit am Anfang einer langen Tradition von Klosterresidenzen des süddeutschen Barock, an deren Ende Weingarten, Einsiedeln, Ottobeuren, St. Blasien und Wiblingen stehen.
Die Planung für Ochsenhausen ist gleichzeitig sein letztes bekanntes Werk. 1616 geht er, nun erschöpft und krank, wieder nach Konstanz, wo er am 24. Mai 1619 mit 65 Jahren stirbt.
Die Lebensbilder der Jesuitenbaumeister vom Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts sind sich ähnlich. Sie treten dem Orden als ausgebildete und erfahrene Bauleute oder Kunsthandwerker bei. Sie wechseln entsprechend den Ordensgewohnheiten in rascher Folge die Ordensniederlassungen. Diese städtischen Kollegien bieten Möglichkeiten zur Weiterbildung auf dem Gebiet der Baukunst, sei es in direkter Anschauung, sei es durch Vorlagenwerke, oder einfach in der Zusammenarbeit mit ihren hervorragend geschulten Vorgesetzten. Ihre Kirchenbauten sind noch klar der Renaissance verhaftet.[2] Sie bereiten aber den Barock vor, der dann, völlig unabhängig von römischen Vorbildern, im Sakralbau mit der Dillinger Jesuitenkirche 1610–1617 und im Residenzbau mit der Klosteranlage von Ochsenhausen beginnt.
Pius Bieri 2010
Benutzte Literatur:
Braun, Joseph SJ: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten. Freiburg im Breisgau 1910.
Herold, Max (Hg.): Ochsenhausen. Von der Benediktinerabtei zur oberschwäbischen Landstadt. Weissenhorn 1994.
Anmerkungen:
[2] Die Kirchen sind dabei keineswegs in Anlehnung an italienische Ordensbauten erstellt. In der oberdeutschen Provinz ist das einschiffige Langhaus fast immer ohne Querschiff. Die versteifenden Wandpfeiler sind innen gelegen, sie bilden Nischen, die nur bis unter das Längsgesims am Gewölbeansatz reichen. Ein schmuckloses Tonnengewölbe mit Stichkappen ist die Regel. Der Chor ist um die Nischentiefe eingezogen. Die Fassade hat die Augsburger Renaissance und nicht Rom zum Vorbild. Beim Bau der Dillinger Jesuitenkirche 1610–1617 durch den Misoxer Hans Alberthal in Anlehnung an die deutschen Hallenkirchen erstellt, werden die Pfeilernischen zu gewölbetragenden Wandpfeilern, der süddeutsche Barock beginnt hier.
|Br. Stephan Huber SJ (1554–1619)>|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|1554||Ingolstadt||Bayern D|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Kurfürstentum Bayern||Eichstätt|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|24. Mai 1619||Konstanz||Baden-Württemberg D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Vorderösterreich||Konstanz|
|Kurzbiografie|

Stephan Huber ist einer der Jesuitenbaumeister, welche die Kolleg- und Kirchenbauten der Jesuiten am Übergang zum Barock entscheidend mitprägen. Seine Kirchen in Konstanz und Hall im Tirol nehmen mit der Doppelgeschossigkeit der Seitenschiffe bereits die späteren Wandpfeilerkirchen vorweg, Innenraum und Strassenfassaden sind aber noch Renaissancearchitektur. Die heutigen barocken Innenräume mit dem Gewölbestuck entstehen erst nach dem Dreissigjährigen Krieg. Seine Neubauplanung des Klosters Ochsenhausen ist hingegen frühes Signal und Vorbild. Ochsenhausen steht am Anfang einer langen Tradition von Klosterresidenzen des süddeutschen Barock, an deren Ende Weingarten, Einsiedeln, Ottobeuren, St. Blasien und Wiblingen stehen.