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Joseph Blatter will dem Weltfussball weitere vier Jahre seinen Stempel aufdrücken. Die Verhaftungen seiner Vertrauten macht die Wahl spannender. Der Walliser bleibt haushoher Favorit.
Joseph Blatters Bestätigung als Fifa-Präsident ist am heutigen Kongress im Hallenstadion Zürich erst unter Punkt 17 traktandiert. Seine Wahl ist sozusagen die Hauptattraktion des Anlasses und findet am späten Nachmittag statt.
Wird Sepp Blatter heute wirklich die Fifa für weitere vier Jahre regieren können? Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr gross. Dennoch gibt es vier Szenarien, wie die Ausmarchung ablaufen könnte:
1. Blatter wird im ersten Wahlgang gewählt
Insgesamt 209 Verbände sind wahlberechtigt. Im ersten Wahlgang braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Das heisst, 139 Verbände müssten für Joseph Blatter stimmen. Die meisten Europäer ausser den Russen stimmen sicher nicht für Blatter (+/- 50 Stimmen). Es kommt darauf an, wieviele der 35 Verbände der Nord- und Zentralamerikanischen und karibischen Fussballkonföderation Concacaf weiterhin auf Blatter setzen.
Die Concacaf ist führerlos, ihr Chef Jeffrey Webb sitzt in Auslieferungshaft und kann seine Mitglieder nicht direkt kontrollieren. Ob die vielen Inselstaaten stramm auf Blatter-Kurs bleiben, ist fraglich. Die USA und Kanada wählen ihn sicher nicht. Von den 159 Reststimmen müssten also 21 weitere abweichen. Ozeanien mit 11 Stimmen ist nicht auf vollem Blatter-Kurs. Es könnte also gut einen zweiten Wahlgang brauchen, was aber schon ein aussergewöhnliches Ergebnis wäre.
Prognose: Möglich.
2. Blatter wird im zweiten Wahlgang gewählt
Ab dem zweiten Wahlgang ist eine einfache Mehrheit möglich. Es stehen nur zwei Kandidaten zur Wahl: Joseph Blatter und Ali Bin Al Hussein. Stimmen die Verbände der afrikanischen (CAF) und asiatischen Region (AFC) geschlossen für Blatter, kommt er schon auf 100 Stimmen. Schon nur mit Abweichlern aus dem Europaverband Uefa - die Stimme der Russen hat er auf sicher - und einigen Stimmen aus der Karibik würde Blatter ohne Probleme gewählt.
Prognose: Sehr wahrscheinlich.
3. Blatters Wahl wird auf einen späteren Termin verschoben
Die Uefa hat in einer Medienmitteilung eine Verschiebung der Präsidentenwahl angemahnt. Blatter soll höchstens noch sechs Monate Präsident sein, dann müsste die Nachfolge geregelt werden. Doch die Europäer sprechen nicht mit einer Stimme und ob sie den Antrag durchbringen, ist nicht klar: Die Tagesordnung eines ordentlichen Kongresses kann abgeändert werden, wenn drei Viertel der am Kongress anwesenden und stimmberechtigten Mitglieder einem entsprechenden Antrag zustimmen.
Prognose: Eher unwahrscheinlich.
4. Blatter verliert gegen Bin Al Hussein
Auch wenn es heisst, im Fussball sei alles möglich: Dass der jordanische Herausforderer Ali Bin Al Hussein gegen Sepp Blatter gewinnt, darauf wettet niemand. 5. Blatter tritt zurück. Prognose: Unmöglich. Sepp Blatter meint, ohne ihn könne die Fifa nicht funktioneren. Er ist auf einer Mission - und die ist für ihn noch lange nicht beendet. Dabei hilft ihm die Umverteilungsmaschine Fifa.
Prognose: Sehr unwahrscheinlich.
Die aktuellen Entwicklungen zum Fifa-Kongress und den Korruptionsvorwürfen finden Sie hier in unserem Live-Ticker.