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Nicht-antibiotische Behandlungsstrategien
Cranberry-Produkte
Cranberries reduzieren möglicherweise die Adhärenz von Bakterien am Uroepithel. Die Untersuchungen zur Wirksamkeit ergeben allerdings keinen gesicherten Nutzen im Sinne einer Prävention von Harnwegsinfekten. In der britischen Übersicht sind Studien und Meta-Analysen
erwähnt, die einen solchen Nutzen vermuten lassen. Eine neue, nach den Prinzipien der Cochrane Collaboration durchgeführte Meta-Analyse
, die 24 Studien umfasst, kann jedoch keine signifikante präventive Wirkung von Cranberry-Produkten nachweisen.(7)
Während Frauen, die Cranberry-Produkte einnahmen, in 32% Harnwegsinfekte hatten, waren es mit Placebobehandlung 35% (relatives Risiko
0,86, 95%-Vertrauensintervall
0,71-1,04). Gründe für die negative Bilanz sind u.a. in einer geringen Compliance und einer ungenügenden Dosierung zu vermuten.(7)
Cranberry-Produkte können mit oralen Antikoagulantien zusammen zu riskanten Interaktionen führen, da sie das Zytochrom CYP2C9 hemmen und so eine verstärkte Gerinnungshemmung verursachen. Auch kann der zuckerhaltige Saft zur Gewichtszunahme führen und wird geschmacklich nicht immer vertragen.
Laktobazillen
Das Vaginalepipthel ist von Laktobazillen besiedelt, wobei angenommen wird, dass dadurch die Kolonisierung durch pathogene Keime verhindert wird. Obwohl in verschiedenen systematischen Übersichten kein
signifikanter Effekt auf die Harnwegsanfälligkeit etabliert werden konnte, gibt es Hinweise, dass Milchsäurebakterien möglicherweise eine vorteilhafte Wirkung bieten, wenn effiziente Laktobazillenstämme benutzt werden.
In einer Doppelblindstudie zur oralen Harnwegsinfektprophylaxe bei Frauen nach der Menopause wurde ein Laktobazillen-Probiotikum während 12 Monaten mit Cotrimoxazol verglichen. In der Probiotikum-Gruppe nahm die Zahl der Rezidive durchschnittlich um 3,5 ab, in der Cotrimoxazol-Gruppe aber signifikant stärker (um 4,1). In der Schweiz ist nur ein Kombinationspräparat (Laktobazillen + Estriol, Gynoflor®) zur vaginalen Anwendung erhältlich.
Östrogene
Eine vaginale Östrogengabe reduziert bei Frauen nach der Menopause die Rückfallrate der akuten Harnwegsinfekte signifikant. Gemäss einer Cochrane-Review senken sowohl Estradiol-Crèmen als auch östrogenhaltige Vaginalringe das Rezidivrisiko. Als Nebenwirkungen wurden Vaginalblutungen, vaginaler Ausfluss, lokale Irritation, Brennen und Juckreiz beschrieben. Unklar bleibt, wie lange Östrogene verabreicht werden sollen und in welcher Darreichungsform (Crème, Pessar, Vaginalring). Die orale Gabe von Östrogenen scheint unwirksam zu sein. In der Schweiz sind in erster Linie Estriol-Präparate (z.B. Ortho-Gynest®) erhältlich.
Immunstimulation mit E. coli
Uro-Vaxom® enthält ein Coli-Bakterienlysat zur Immun¬stimulation. Eine systematische Übersicht
zu diesem Präparat kam zum Schluss, dass die Immunstimulation einen günstigen Einfluss zur Prävention von Harnweginfekten hat. Innerhalb von sechs Monaten hatten 42% der mit dem Bakterienlysat behandelten Frauen Blasenentzündungen, gegenüber 62% in der Placebogruppe.(8)
Weitere Möglichkeiten
Die Verwendung von Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat, beides Glykosaminoglykane, kann theoretisch die Blasenschleimhaut – die mit einem Glykosaminoglykan-Schutzfilm überzogen ist – vor bakteriellen Infekten schützen. In einer kleinen Doppelblindstudie hatten die intravesikal mit Hya¬luronsäure und Chondroitinsulfat behandelten Frauen viel weniger Harnwegsinfekte als die Frauen einer Placebo-Kontrollgruppe. Der bemerkenswerte Erfolg muss in weiteren Studien überprüft werden.
Die Wirksamkeit von Akupunktur wurde in zwei kleinen, kontrollierten Studien untersucht. Die Resultate dieser beiden Studien sind widersprüchlich, so dass keine zuverlässige Aussage möglich ist.
Meerrettich und Kapuzinerkresse enthalten pflanzliche Öle mit antibakteriellen Eigenschaften. In einer Doppelblindstudie traten aber unter einem entsprechenden Kombinationspräparat nicht weniger Harnwegsinfekte auf als unter Placebo.