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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
32. Kapitel: Verhältnis der Gnostiker zu Jesu Lehre von den guten Werken
2.
Wenn sie nun weiter sagen, sie müßten jegliche Tat und Lebensweise durchmachen, um womöglich in einer Herabkunft alles zu vollenden und zum Vollkommenen überzugehen, so trifft man sie nirgends bei dem Versuch, jene Werke zu verrichten, die sich auf die Tugend beziehen, die Mühe kosten, Ehre bringen, Kunst verlangen und von allen Menschen als gut gelobt werden. Wenn es nämlich nötig ist, alle Werke, alle Tätigkeit durchzumachen, dann müßten sie zunächst alle Künste lernen, sowohl die, welche Geist, als die, welche Geschicklichkeit erfordern, die durch Selbstzucht gelernt werden und die durch Anstrengung, Ausdauer und Nachdenken erworben werden, also Musik jeglicher Art, Arithmetik, Geometrie und Astronomie und alle Künste des Geistes, die gesamte Medizin, Botanik und Hygiene, Malerei und Bildhauerei, die Bearbeitung des Erzes, des Marmors usw., ferner Agrikultur, Tierarzneikunde und Viehzucht, die sämtlichen Handwerke, soviel ihrer sind, Seefahrt, Gymnastik, Jagd, Kriegskunst und Staatswissenschaft und all das übrige, wovon sie nicht den zehnten, nicht den tausendsten Teil in ihrem ganzen Leben mit aller Mühe lernen können. Auf diesen Gebieten versuchen sie nun nichts zuzulernen, obwohl sie sagen, daß sie alles durchmachen müßten; auf Vergnügungen aber, Lust und Schändlichkeit stürzen sie sich. So werden sie nach ihrer eignen Lehre gerichtet: da ihnen die obengenannten Künste abgehen, so werden sie hingehen in das verzehrende Feuer. Nach Epikurs Philosophie und des Zynikers Lehre vom Indifferentismus leben sie, und Jesum preisen sie als ihren Lehrmeister, ihn, der nicht allein die bösen Werke, sondern auch solche Reden und Gedanken, wie wir gezeigt haben, seinen Schülern verbietet.