Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03244.jsonl.gz/26

Ein Dreier-Rhythmus und der Klang einer Celesta machen Alexandre Desplat über Nacht berühmt. 2003 wird seine Filmmusik zu «Das Mädchen mit dem Perlenohrring» für den Golden Globe, den British Academy Film Award und den Europäischen Filmpreis nominiert.
Plötzlich wird Desplats Musik wahrgenommen: «Ich durfte seitdem viele talentierte Regisseure treffen, die mir Filme wie ‹The Grand Budapest Hotel›, ‹Imitation Game› oder ‹The King's Speech› vorgelegt haben», sagt Desplat: «Wenn man das Kino liebt, ist das geradezu zauberhaft.»
Multi-Instrumentalist und Kino-Fan
Schon als Jugendlicher verliebt sich der Franzose in die Filmmusik. Als er zum ersten Mal «Star Wars» sieht und die Musik von John Williams hört, beschliesst er, selbst Filmkomponist zu werden. Seine Eltern fördern ihn von Beginn an. Als Kind lernt er zunächst Klavier spielen, dann kommen die Trompete und die Flöte dazu, später Saxofon und Tuba.
«Heute ist das Komponieren mein Hauptinstrument, das Klavier brauche ich nur noch zum Schreiben oder Akkorde hören. Aber Flöte spiele ich manchmal noch aus Spass. Das verlernt man nicht, das ist wie Fahrradfahren», sagt Desplat.
Und so spielt er heute manchmal sogar selbst die Flötenstimme für seine Soundtracks ein. Der 60-Jährige hat unter anderem Orchestrierung in den USA und bei Iannis Xenakis in Paris studiert. Ausserdem setzte sich Desplat mit brasilianischer und afrikanischer Musik auseinander.
Despats Erfolg war Zufall
Nach seinem Studium versucht er als Komponist Fuss zu fassen. Gerade in den Anfängen seiner Karriere habe er sehr viel Glück gehabt, erzählt Desplat: «Meine Familie war überhaupt nicht im Filmgeschäft oder in der Musik tätig. Sie konnte mir also nicht helfen. In Frankreich hatte ich Freunde, die Kurzfilme drehten. Also habe ich ein paar Kurzfilme vertont und irgendwann brachte mich ein Agent mit einem Regisseur zusammen. Vieles war Zufall.»
Rückblickend ist seine Karriere beeindruckend: So hat Alexandre Desplat in den letzten 35 Jahren die Musik für mehr als 150 Film- und Fernsehproduktionen komponiert, ausserdem Theater- und Ballettmusiken, Werke für den Konzertsaal und 2019 eine Oper. Er wurde immer wieder für wichtige Filmpreise nominiert und hat auch einige davon gewonnen, darunter zweimal den Oscar, Grammy und Golden Globe Award.
John Williams als Inspiration
John Williams ist bis heute eines der grössten Vorbilder von Alexandre Desplat. Besonders für seine Komposition zu «Harry Potter und die Heiligtümer des Todes» liess sich er sich von Williams inspirieren. Denn von diesem stammt die Musik der ersten «Potter»-Filme: «Es ist überwältigend und auch beängstigend zugleich, sich mit einer Partitur von John Williams zu beschäftigen. Ich musste eine eigene Ästhetik finden. Niemand schreibt wie er.»
Für den Soundtrack zu «Harry Potter und die Heiligtümer des Todes» hatte der Komponist gerade einmal drei Monate Zeit. Bei «The Queen» oder «The Imitation Game» waren es sogar nur zwei Wochen. «Ich habe die Disziplin eines Samurais», sagt Desplat, «Ich stehe sehr früh auf, ich habe einen genauen Zeitplan, wann ich Tee trinke, Sport treibe, wieder zur Arbeit gehe. Sonst kann man diese Deadlines nicht einhalten.»
Von der Leinwand in den Konzertsaal
Immer öfter kann man die Filmmusiken von Alexandre Desplat auch im Konzertsaal erleben. Manchmal dirigiert er solche Filmmusikkonzerte sogar selbst, wie im Mai am Basel Film Music Festival mit dem Sinfonieorchester Basel.
Er sei immer aufgeregt, wenn er auf die Bühne gehe. «Wenn man diese Menschenmenge im Konzertsaal sieht, die nur gekommen ist, um einem zuzuhören, dann ist das sehr schön und macht einen gleichzeitig demütig.»
Filmhinweis
Für die Filmmusik des 2022 erschienenen Kinofilms «The Outfit – Verbrechen nach Mass» wurde Alexander Desplat engagiert. Ein Kinostart in der Deutschschweiz ist noch nicht bekannt.