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Das Karpaltunnelsyndrom beruht auf einer Schädigung durch Druck (Kompression) des für die Hand wichtigen Medianusnervs. Der „Medianus“ verläuft an der Beugeseite des Handgelenks durch den Handwurzelkanal, den Karpaltunnel. Dieser Nerv führt sensible und motorische Fasern, so dass die Beeinträchtigung seiner Funktion sich sowohl auf die Sensibilität (Fühlen) als auch auf die Motorik auswirkt. Die sensible Komponente wird zumindest anfangs deutlicher wahrgenommen.
Am häufigsten sind Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr betroffen. Bekannt ist auch das Auftreten eines Karpaltunnelsyndroms während der Schwangerschaft.
Die hauptsächlich gebrauchte Hand erkrankt häufiger. Bei der Mehrzahl der Betroffenen lassen sich jedoch früher oder später auch Symptome auf der anderen Seite nachweisen.
Eine Schädigung durch Druck ist aufgrund der Anatomie des Handgelenks möglich. Der Nerv unterquert an der Beugeseite des Handgelenks eine derbe Sehnenplatte (Abb. a), die den Karpaltunnel überdeckt. Entsteht dort ein erhöhter Druck, engt dieser den Nerv ein, presst ihn zusammen und behindert seine Durchblutung. Gründe für die Nervenkompression im Karpaltunnel sind:
Das Karpaltunnelsyndrom tritt gehäuft zusammen mit anderen Krankheiten auf, wobei ein Kausalzusammenhang unklar bleibt. Es handelt sich um:
Die Entstehungsgeschichte zieht sich meist über Monate oder Jahre hin. Anfangs machen sich die Symptome überwiegend in der Nacht oder am frühen Morgen bemerkbar. Sie umfassen drei Symptomkreise:
Sie sind ein Zeichen von Druck auf den Nerv und betreffen vor allem Zeige- und Mittelfinger, seltener den Daumen. Typisch ist das Ausstrahlen der Schmerzen in den Unterarm oder bis in die Schulter.
Störungen des Gefühls (Sensibilität) können schon früh auftreten und weisen an der Handfläche ein Befallsmuster auf, das den vom Medianusnerv versorgten Fingern entspricht (Abb. b). Typisch sind Kribbeln und ein Taubheitsgefühl (wie eingeschlafen), überwiegend gegen Morgen. Tagsüber können die Beschwerden durch Halten des Steuerrads, Telefonieren, Schreiben oder Arbeit am Computer ausgelöst werden. Sie lassen sich bisweilen durch Schütteln oder Waschen der Hände mit kaltem Wasser zum Verschwinden bringen.
Ein ständig, auch tagsüber anhaltendes Taubheitsgefühl ist Zeichen einer schon fortgeschrittenen Nervenschädigung. Besonders störend ist Ungeschicklichkeit beim Berühren von Gegenständen und beim Verrichten feinmechanischer Tätigkeiten (Handarbeiten, Schreiben).
Ein äusserlich sichtbares Zeichen des Karpaltunnelsyndroms ist die Rückbildung (Atrophie) der Daumenballenmuskulatur mit Schwäche des Daumens. Die Atrophie ist ein Spätsymptom, das oft nicht selbst wahrgenommen wird.
Beschwerden geringeren Ausmasses klingen bisweilen nach kurzer Dauer von selbst ab. Insbesondere ein in der Schwangerschaft auftretendes KTS hat gute Chancen, nach der Geburt des Kindes von selbst zu verschwinden.
Solange Beschwerden anhalten:
Eine Konsultation ist nötig bei Monate dauernden, zunehmenden oder bei akut einsetzenden Beschwerden, bei sichtbarer Atrophie des Daumenballens im Vergleich zur nicht betroffenen Hand. Tritt Taubheitsgefühl in den Fingern auf, ist die Behandlung dringlich.
Der Arzt sichert die Diagnose durch Messung der Nervenleitfähigkeit (Elektroneurographie) und der Muskelfunktion (Elektromyographie). Eine Röntgenaufnahme macht etwaige knöcherne Deformitäten sichtbar. Seltener sind eine Computer-Tomographie (CT) oder eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) erforderlich.
Die Behandlung ist bei geringeren und erst seit Kurzem dauernden Symptomen konservativ und besteht im Ruhigstellen der Hand mit einer Vorderarmschiene, eventuell mit Injektionen von Kortison.
Voraussetzung für den Operationserfolg ist, dass der Nerv nach Entlastung überhaupt noch erholungsfähig ist. Operiert wird insbesondere in folgenden Situationen:
Die Operation besteht in der Durchtrennung des Handgelenkbandes. Der Karpaltunnel wird dadurch eröffnet und der Nerv entlastet (Abb. c).
Gegebenenfalls werden Knochenvorsprünge und entzündlich verdicktes Gewebe entfernt. Die Druckentlastung hat meist ein sofortiges Nachlassen des Schmerzes zur Folge, während die Erholung der sensiblen Funktionen (Tastsinn) und das Wiedererlangen der vollen Kraft in der Hand längere Zeit benötigt.
Wenn allzu lange mit dem Eingriff gewartet wird, kann der Nerv bleibend geschädigt sein. Der Schmerz und sensible Reizerscheinungen (Ameisenlaufen) bessern zwar noch, aber verlorenes Gefühl kehrt nur teilweise oder im schlimmsten Fall nicht mehr zurück.
In einigen Kliniken wird eine minimal-invasive Operationstechnik („Knopfloch-Chirurgie“) angewendet. Die Spaltung des Bandes erfordert einen oder zwei kleine Schnitte, durch welche eine Optik und die Instrumente eingeführt werden. Rascheres Heilen der Operationswunde ist der Vorteil des Verfahrens. Es ist indessen nicht zum allgemeinen Standard geworden, ist nicht in jedem Fall einsetzbar und es besteht ein höheres Risiko von Nebenverletzungen als bei einer „offenen Operation“.