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Anfang des 20. Jahrhunderts lebten etwa 2 Milliarden Menschen auf unserem Planeten und 9 Millionen Autos waren auf den Strassen unterwegs. Begriffe wie Umweltschutz und Ressourcenschonung standen anno dazumals in keiner politischen Agenda. Doch einer dachte bereits an die Zukunft und hinterfragte die Konsequenzen eines rein kapitalistischen Systems: Arthur Cecil Pigou.
Der englische Ökonom veröffentlichte in den 1920er-Jahren sein Werk «Economics of Welfare» (dt.: Die Ökonomie der Wohlfahrt). Darin stellte er unter anderem die Idee vor, dass der Staat das wirtschaftliche Verhalten mithilfe von Steuern lenken sollte. Wer negative externe Effekte verursacht, soll dafür aufkommen.
Wenn ein Fabrikbesitzer beispielsweise einen Fluss verschmutzt und so die Einnahmen eines Fischers minimiert, gilt das als externer Effekt. Der Fabrikant verursacht also mit seinem Gewinn einen wirtschaftlichen Schaden beim Fischer. Mithilfe einer Pigou-Steuer würde dieser Schaden dem Fabrikanten angelastet.
Pigou erntet(e) unter anderem Kritik, weil der Staat für jede Handlung berechnen müsste, welche sozialen Kosten sie nach sich zieht. In der Realität ist dies kaum beziffer- und umsetzbar. Ebenfalls gibt es moralische Bedenken: Der amerikanische Philosoph Michael Sandel kritisiert zum Beispiel, dass Lösungen dieser Art schlechtes Verhalten legitimieren können.
Der Kritik zum Trotz gibt es Lenkungssteuern nach Pigous Idee: Beispielsweise in Grossbritannien, wo auf Plastiksäcke in grossen Supermärkten eine Steuer erhoben wurde. Die Nutzung von Plastiksäcken reduzierte sich um 85%. Ähnliche Beobachtungen machten Schweizer Detailhändler, die freiwillig eine Gebühr auf Plastiksäcke erhoben.
Auch für Umweltabgaben legte Pigou mit seinem Modell den Grundstein. Verschiedene Staaten haben Steuern für CO2-Emissionen erhoben. Gerade bei dieser Abgabe zeigt sich allerdings die Schwierigkeit der Theorie: Wie beziffert man die volkswirtschaftlichen Kosten, welche eine Tonne CO2 verursacht? Die Antwort fällt von Land zu Land unterschiedlich aus.
Die Schweiz erhebt seit 2008 eine Lenkungssteuer auf fossile Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas. Derzeit bezahlen Unternehmen für eine Tonne CO2 96 Franken. Diese Steuereinnahmen fliessen zu etwa zwei Dritteln zurück in die Wirtschaft und zur Bevölkerung. Ein Drittel wird ins Gebäudeprogramm zur Förderung CO2-wirksamer Massnahmen gesteckt.