Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03615.jsonl.gz/1970

Die Region von Tschernobyl
In Tschernobyl sind in Folge der Reaktorexplosion im Jahre 1986 viele Familien in der Ukraine in grösste Not geraten. Tausende Familien wurden ausgesiedelt und das Gebiet im Umkreis von 30 km wurde entvölkert und zur «verbotenen Zone» erklärt. Mit Erlaubnis der ukrainischen Regierung konnten sich P. Rolf und Bischof Hnilica ein persönliches Bild von der aktuellen Situation der Bevölkerung in dieser Region machen.
Die Menschen in der Sperrzone
Viele der Ausgesiedelten sind in der Zwischenzeit in die Sperrzone zurückgekehrt und leben in den verlassenen und baufälligen Häusern ohne Strom und Wasser. Auch arbeiten dort noch immer rund 8000 Polizisten und Armeeangehörige. Den Menschen in diesem Gebiet fehlt es an allem. Es gibt keine Medikamente oder Vitamine für die Behandlung von Strahlenschäden. Da die Häuser nicht mehr geheizt werden können, werden dringend Wolldecken benötigt. Viele Menschen haben keine richtigen Schuhe und laufen in Filzpantoffeln herum. Auch gibt es keine Geigerzähler, damit sie jene Orte aufsuchen können, die weniger radioaktiv kontaminiert sind. Viele Menschen sind in der Zwischenzeit an den Folgen der radioaktiven Strahlung gestorben. Auf die Frage, warum sie hier arbeiten, antworteten die Armeeangehörigen: «Wir sind dazu verpflichtet, auch wenn wir wissen, dass wir in einigen Jahren tot sein werden».
Die meisten Männer sind unfruchtbar geworden und haben Probleme mit ihren Familien. Viele von ihnen sind deshalb geschieden und leben allein.
Elementarste Nothilfe für die Landbevölkerung
Vor allem diese Region, der innere Kreis der Sperrzone, hat in den Jahren nach der Katastrophe viel Hilfe von uns bekommen. Jede Woche wurde ein Sondertransport organisiert, der die Hilfsgüter in Kiew abgeholt hat. Tausende von Militärschuhen, die wir von der Schweizer Armee erhielten, haben wir dorthin gebracht; Hilfsgüter jeder Art, damit die Menschen dort einigermassen menschenwürdig leben konnten.
Die Folgen des Reaktorunglücks sind katastrophal. Mehr als 3 Millionen Behinderte und Invalide hat dieses Unglück in der ukrainischen und weissrussischen Bevölkerung verursacht. Noch heute existiert in der Sperrzone ein riesiger Parkplatz für Einsatzwagen, Feuerwehrfahrzeuge, Krankenwagen und Armeehelikopter, die hoch verstrahlt sind und auf ihre Vernichtung warten. Trotzdem trinken die Menschen die Milch von den Kühen, die dort weiden, sammeln Pilze und essen die Fische aus den verseuchten Flüssen der Region. Als wir sie fragten «Warum tut ihr das? Es ist doch alles verstrahlt» haben wir die Antwort erhalten: «Wir müssen leben, wir haben keine andere Wahl».