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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

26. Vortrag.
13.
[S. 447] „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ Deshalb lebendig, weil ich vom Himmel herabgekommen bin. Vom Himmel kam auch das Manna herab, aber das Manna war ein Schattenbild, er ist die Wahrheit. „Wer von diesem Brote ißt, wird leben in Ewigkeit, und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ Wann sollte wohl das Fleisch begreifen, daß er das Brot Fleisch nannte? Fleisch wird genannt, was das Fleisch nicht begreift, und umsomehr begreift es das Fleisch nicht, weil es Fleisch genannt wird. Davor nämlich schreckten sie zurück; das, sagten sie, sei zu viel für sie; das, meinten sie, sei unmöglich. „Es ist mein Fleisch, sagt er, für das Leben der Welt.“ Die Gläubigen kennen den Leib Christi, wenn sie es nicht versäumen, der Leib Christi zu sein. Sie sollen der Leib Christi werden, wenn sie vom Geiste Christi leben wollen. Vom Geiste Christi lebt nur der Leib Christi. Verstehet, meine Brüder, was ich gesagt habe. Du bist ein Mensch, du hast einen Geist und hast einen Leib. Geist nenne ich das, was meine Seele heißt, durch diese existierst du ja als ein Mensch; du bestehst nämlich aus Seele und Leib. Du hast also einen unsichtbaren Geist, einen sichtbaren Leib. Sage mir, was von dem andern lebt; lebt dein Geist von deinem Leibe, oder dein Leib von deinem Geiste? Es antwortet jeder, der lebt ― der aber darauf nicht antworten kann, von dem weiß ich nicht, ob er lebt ―, was antwortet jeder, der lebt? Mein Leib lebt sicherlich von meinem Geiste. Willst also auch du leben vom Geiste Christi? Sei im Leibe Christi. Denn lebt etwa mein Leib von deinem Geiste? Mein Leib lebt von meinem Geiste, und der deinige von deinem Geiste. Der Leib Christi kann nur vom Geiste Christi leben. Darum sagt der Apostel Paulus, indem er uns dieses Brot erklärt: „Ein Brot, ein Leib sind wir viele“1. O Sakrament der [S. 448] Pietät! O Zeichen der Einheit! O Band der Liebe! Wer leben will, weiß, worin er leben soll, weiß, wovon er leben soll. Er trete hinzu, er glaube; er lasse sich einverleiben, um Leben zu empfangen. Er scheue sich nicht vor der Verbindung mit den Gliedern, er sei kein faules Glied, das abgeschnitten zu werden verdient, er sei kein verkrüppeltes, dessen man sich schämen muß; er sei ein schönes, er sei ein zweckdienliches, er sei ein gesundes Glied; er bleibe beim Körper, er lebe für Gott von Gott; er arbeite jetzt auf Erden, damit er später herrsche im Himmel.
1: 1 Kor. 10, 17.