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«Lehren aus vergangenen Krisen»
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- Montag, 04. Mai 2009 10:38
Zuerst drehen die Aktien, dann die Wirtschaft, dann die Inflation, lautet der Befund des Luzerner Privatbankiers Karl Reichmuth.
Karl Reichmuth, geboren 1939, begann seine Karriere als Bankier bei der Schweizerischen Kreditanstalt und bei der Luzerner Kantonalbank. 1995 gründete er als unbeschränkt haftender Gesellschafter die Privatbankiers Reichmuth & Co in Luzern.
Die bisherigen Erfahrungen aus sieben Finanzkrisen seit 1900 stimmen zuversichtlich. Sechs haben innert zwei Jahren gedreht, nur die Krise 1929-1936 dauerte länger. Drei grosse Krisen möchte ich kurz beschreiben:
Die Wirtschaftskrise 1907-1909
Nach einer mehrjährigen Hausse stürzte der US-Aktienmarkt zwischen Januar 1906 und November 1907 um 44,1Prozent ein. Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) schrumpfte 1908 um 10,8Prozent. Die Konsumentenpreise gaben um 3,2 Prozent nach und die Arbeitslosigkeit erreichte mit 16,4 Prozent 1909 den Höchststand. Die Börse jedoch stieg bereits 1908 um 89Prozent an, nachdem J.P. Morgan mit seinen Bankkollegen für eine kräftige Ausweitung der Geldmenge gesorgt hatte.
Die Weltwirtschaftskrise 1929-1936
Die US-Börse brach vom September 1929 bis im Juli 1932 im Sog der Weltwirtschaftskrise um fast 90 Prozent ein. Das reale Bruttoinlandprodukt sank bis 1933 um über einen Viertel. Die Konsumentenpreise kamen im deflationären Umfeld stark unter Druck (rund-25 Prozent) und die Arbeitslosigkeit stieg bis ins Jahr 1933 auf 25 Prozent. Trotzdem begann 1933 ein Börsenaufschwung von 110 Prozent bis Ende 1934. Der Wendepunkt erfolgte mit dem sogenannten «New Deal», mit dem der neue Präsident Roosevelt Ende 1932 eine starke Geldmengenausweitung betrieb.
Die Rezessionsjahre 1974-1982
Das Bruttoinlandprodukt sank zwischen 1974 und 1975 um 2,5 Prozent (in der Schweiz 1975 sogar um über 6 Prozent). Untypisch im Vergleich zu den anderen Krisen entwickelten sich die Konsumentenpreise. Geleitet vom hohen Ölpreis legten sie in den Jahren 1973-1975 um 30 Prozent zu. Das Budgetdefizit, getrieben durch höhere Staatsausgaben, erreichte in USA mit 4,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts im Jahre 1976 seinen Höhepunkt. Die Arbeitslosigkeit stieg bis im Mai 1975 auf 9 Prozent an. Der amerikanische Dollar brach 1973/75 gegenüber dem Franken von 4.30 auf 2.35 ein. Die Börse verlor rund 45 Prozent, stieg aber ab Mitte 1975 bereits wieder um 76 Prozent an.
Die Finanzkrise 2007 bis ?
Die Börse hat seit dem Höchststand im Oktober 2007 bis zum bisherigen Tief im März dieses Jahres über 50 Prozent an Wert verloren. Das reale Bruttoinlandprodukt ist im zweiten Halbjahr 2008 um 1,8 Prozent eingebrochen und wird weiter sinken. Die Inflation sinkt und ist teilweise bereits negativ. Das US-Budgetdefizit wird 2009 mit 12,3 Prozent vermutlich so hoch sein wie letztmals im zweiten Weltkrieg. Die Arbeitslosenrate steigt und liegt in USA bereits bei 8.5 Prozent. Wann drehen die Finanzmärkte dieses Mal?
Unsere Lehren daraus
Keine Vergleichsperiode bietet exakte Orientierungspunkte. Sicher ist nur, es wird immer wieder Frühling. Aus der Vergangenheit lernen wir, dass die Aktienmärkte Vorläufer einer realwirtschaftlichen Erholung sind. Mit 1 bis 1,5 Jahren Verzögerung erholt sich die Realwirtschaft und ungefähr zeitgleich wird auch Inflation wieder zu einem Thema.
Ich bin noch immer überzeugt, dass wir uns 2009 in einer zyklischen, das heisst vorübergehenden Deflation befinden und nicht in eine Depression abrutschen. Deshalb erwarte ich in den nächsten 12-24 Monaten eine Entwicklung hin zu einer Stagflationsphase und raten zu breiter Diversifikation mit schrittweisem Umbau des Portfolios Richtung Inflationsschutz, das heisst mehr reale statt nominelle Werte.
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