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Berner Grossratspräsidentin 1986 – 1987
«Die politische Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau lässt sich nur sehr langsam realisieren.»
31.5.1986, Der Bund, Bd. 137, Nr. 124, S. 31
Margrit Schläppi-Brawand (*1925) verpasst 1974 die Wahl zur SP-Grossrätin nur ganz knapp. 1976 rutscht die Frauenstimmrechtskämpferin nach und ist damit die elfte Frau im bernischen Grossen Rat. Sie gehört dem Rat bis 1990 an. Margrit Schläppi wird 1985 Vizepräsidentin des Grossen Rats. 1986 wird sie als erste Frau als Präsidentin des Grossen Rates vereidigt. In dieser Funktion leitet sie die Sitzungen des Grossen Rates und vertritt den bernischen Grossen Rat innerhalb und ausserhalb des Kantons.
Im Grossen Rat sitzt Margrit Schläppi in der Justizkommission, in der Staatswirtschaftskommission und in vielen vorberatenden Kommissionen des Grossen Rates. Zudem wirkt sie in der Aufsichtskommission des Frauenspitals. Lange Zeit nimmt sie Einsitz im Verwaltungsrat der Hypothekarkasse des Kantons Bern. Sie engagiert sich vorwiegend in der Gesundheits- und Bildungspolitik.
Die Oberländer Vorkämpferin für das Frauenstimm- und -wahlrecht engagiert sich zwischen 1946 und 1971 dafür, Menschen aus ländlichen Regionen vom Frauenstimmrecht zu überzeugen. Um Hausfrauen für ihr Anliegen zu gewinnen, arrangiert sie Frauengruppentreffen, an denen gestrickt und debattiert wird. Margit Schläppi hält viele Reden in Gemeinden, macht auf die Dienste der Frauen für die Gesellschaft aufmerksam und wirbt für das den Frauen zustehende Recht der politischen Mitbestimmung.
Margrit Schläppi wächst in Grindelwald als Tochter von Gross-, Regierungs- und Nationalrat Samuel Brawand auf. Sie lernt das Politisieren von klein auf am Küchentisch. Dass die Gesellschaft Frauen benachteiligt, stört sie schon als Kind: Die Erzählungen darüber, wie ungerecht ihre jung verwitwete Grossmutter behandelt wurde, sensibilisiert Margrit Schläppi und macht sie zur Vorkämpferin.
Margrit Schläppi absolviert das Lehrerinnenseminar und findet eine Anstellung in Unterseen. Dort gründet sie als Zwanzigjährige die SP-Frauengruppe und sitzt dieser als Präsidentin vor. Sie heiratet den späteren Gemeindepräsidenten von Unterseen und bringt vier Kinder zur Welt.