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Von Gregor Loepfe
Der Pianist Herbie Hancock, lebende Jazzlegende, mittlerweile bald 78 Jahre alt und Mitglied im zweiten Miles Davis Quintet, hat «Watermelon Man» zu Beginn der 1960er-Jahre geschrieben und auf seinem Album «Takin' Off» veröffentlicht. Es war das erste Musikstück, das Hancock mit kommerziellem Hintergedanken auf Papier brachte. Die Melodie seiner Komposition sei inspiriert vom Ruf eines Wassermelonen-Verkäufers, den er als Jugendlicher in der Chicagoer Südstadt beim Feilbieten seiner Ware beobachtet habe, meinte Hancock einmal. In Hancocks Jugend gehörten Wassermelonen-Verkäufer zum typischen Stadtbild der schwarzen Quartiere Chicagos. Das Stück hat somit einen gewissen Bezug zu den Wurzeln der afroamerikanischen Kultur. Hancock jedenfalls hielt seine klingende Hommage an den Wassermelonen-Mann dank deren «mathematischer Balance» für eine seiner besten Kompositionen.
Ein klassischer Blues besteht aus 12 Takten. Hancocks «Watermelon Man» dauert vier Takte länger, durchläuft aber den für einen Blues üblichen harmonischen Weg. Das Hauptmotiv sei in den ersten vier Takten dem Ruf eines Wassermelonen-Verkäufers nachempfunden. Hancocks Originalversion ist kein Swing, sondern eine typische Hardbop-Nummer in geradem Groove mit Gospelelementen in Melodie und Harmonie.
Frühe und wichtige Aufnahmen
Nach seiner eigenen Erstveröffentlichung auf dem Album «Takin' Off» erschien «Watermelon Man» auch noch 1973 als moderne, sechsminütige Funk- und Fusion-Version auf Hancocks Bestselleralbum «Head Hunters» und 1976 auf dem Album «V.S.O.P.». Anfang der 1960er-Jahre half Hancock in Mongo Santamarías Band an einem Gig in einem Nachtclub in der Bronx aus. Trompeter Donald Byrd wünschte sich das Stück «Watermelon Man". Santamaría kannte es noch nicht und begleitete es an seinen Congas. Es gefiel ihm so gut, dass er es im Dezember 1962 als Latinjazz-Version aufnahm. Santamarías Einspielung wurde äusserst populär, erreichte 1963 Platz 10 in den US-Popcharts, brachte Hancock Einiges an Tantiemen ein und half dem 23-Jährigen in der Folgezeit, seine Rechnungen begleichen zu können. Jazzsänger und -texter Jon Hendricks fügte dem Stück als Erster Worte bei und nahm es 1963 für sein Album «Jon Hendricks Recorded in Person at the Trident» auf. In seinem Text gibt Hendricks beim Wassermelonen-Mann ganz konkret seine persönliche Bestellung auf. «Watermelon Man» wurde bis heute über zweihundert Mal aufgenommen.
Interpretationen im Programm von Radio Swiss Jazz
An den Anfang dieser Auflistung gehört selbstverständlich Hancocks Originalversion von 1962 – authentisch, groovig und mit den bekannten musikalischen Details im Arrangement. Der Perkussionist Mongo Santamaría nahm das Stück über 30 Jahre nach seiner ersten Einspielung nochmals auf, diesmal zusammen mit Perkussionskollege Poncho Sanchez und natürlich wieder als Latinjazz-Version. Die Schweizer Band KonFusion bietet eine funkige Variante, ebenfalls mit einem dezenten Schuss Latin. Eine ziemlich klassische Fassung nahe am Original spielt der dominikanische Pianist Michel Camilo auf seiner Standards-CD «Thru My Eyes». Eine Bigband-Einspielung gibt’s vom Benny Carter Orchestra und eine recht rasante Interpretation mit Posaunen und leicht veränderter Melodie stammt von Two Bones und Dado Moroni, live aufgenommen 2007 im Salzhaus Brugg.
In der Reihe «Radio Swiss Jazz Evergreens» sind bereits erschienen:
Summertime, Autumn Leaves und Misty und Round Midnight.