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So entwickelt sich der Schweizer Markt für Rechenzentren
Der Schweizer Markt für Rechenzentren entwickelt sich weiter und konsolidiert sich. Grosse Player wie Interxion oder Safe Host haben den Besitzer gewechselt und betreiben ihre Rechenzentren jetzt unter anderen Namen.
Der Schweizer Markt für Rechenzentren hat sich in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt. Nach wie vor gibt es hierzulande pro Kopf die meisten Rechenzentren Europas. Gemessen an der absoluten Zahl der Rechenzentren liegt die Schweiz im kontinentalen Vergleich auf Rang 16. Einige RZ-Betreiber nahmen seit 2022 neue Datacenter in Betrieb, andere verkauften Einheiten und wieder andere operieren unter neuem Namen.
Alte Bekannte mit neuem Namen
Interxion wurde Ende 2019 vom kalifornischen RZ-Giganten Digital Realty übernommen und betreibt seine Rechenzentren mittlerweile auch in der Schweiz unter diesem Namen. 2023 eröffnete das Unternehmen sein 11 400 Quadratmeter grosses Rechenzentrum "ZUR3" in Glattbrugg im Kanton Zürich, das dritte an diesem Standort. Ab 2024 oder 2025 soll in Rümlang, unweit des Flughafens Zürich, das vierte RZ, "ZUR4", entstehen. Es soll in etwa die gleiche Grösse haben wie das bestehende "ZUR2" und über eine Gesamtleistung von 14 Megawatt verfügen.
Auch der Name Acdalis, Dauergast in der Rechenzentren-Übersicht, ist dieses Jahr nicht mehr in der Liste zu finden. Das liegt daran, dass die Acdalis AG und damit auch das Datacenter Acdalis in Baar von Convotis Schweiz übernommen wurde.
Safe Host und seine Rechenzentren (darunter jenes in Gland, das grösste in der Schweiz) gingen im Mai 2022 in den Besitz des Investmentunternehmens IPI Partners über. Safe Host wurde im Zuge dessen in die Stack Infrastructure Platform von IPI integriert, die zuvor bereits Rechenzentren in Italien und Skandinavien umfasst hatte. Unter dieser Marke betreibt Safe Host nun auch seine Schweizer Datacenter. Wenige Kilometer entfernt vom Schaffhauser Rheinfall baut Stack Infrastructure aktuell ein weiteres Rechenzentrum. Es ist auf 8000 Quadratmetern angesiedelt und soll bis zu 350 Gigawattstunden Strom pro Jahr benötigen – knapp drei Viertel des Bedarf des ganzen Kantons Schaffhausen, was für rote Köpfe in der Politik sorgt.
Neubauten, Ausbauten und ein Umzug
Green nahm Anfang 2023 das 5600 Quadratmeter grosse Datacenter M auf seinem Green Metro Campus in Dielsdorf in Betrieb. Die Datacenter N und O befinden sich derzeit im Bau, sie sollen weitere 11'600 Quadratmeter Fläche sowie eine Leistung von 24 MW bieten.
NorthC eröffnete im Juli 2023 in Winterthur sein viertes Rechenzentrum in der Schweiz. Wie die drei übrigen Datacenter des Anbieters, die dieser 2022 von Netrics übernommen hatte, ist auch jenes in Winterthur Tier-III-zertifiziert. Es hat eine Nutzfläche von 1100 Quadratmetern und eine Leistung von 1,8 Megawatt. NorthC plant im Rahmen seiner Expansionsstrategie bereits die Eröffnung weiterer Rechenzentren in der Schweiz, wie es auf Anfrage heisst.
Rechenzentrum Ostschweiz (RZO) baute Ende 2023 einen zweiten Standort in einem bestehenden, älteren Datacenter in Gossau (SG) auf, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. Es öffnete 2024 seine Tore und bietet eine Nutzfläche von 300 Quadratmetern. RZO könne nun eine eigene Georedundanz innerhalb von 40 Kilometern Glasdistanz anbieten. Das Unternehmen ist Untermieter im 15 Jahre alten Datacenter, das von einer Grossbank betrieben wird.
EKT will 2024 einen Vollausbau für sein Rechenzentrum in Frauenfeld umsetzen und auf die leerstehenden Flächen Platz für Racks bauen. "Wir werden 3 Cubes zu je 26 ganzen Racks à 47HE bauen", schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Dazu komme die Erweiterung der adiabatischen Kühlung mittels Rückkühlanlagen und einer zusätzlichen Netzersatzanlage.
Eniwa hat sein RZ im Aargauer Buchs von 120 auf 200 Quadratmeter ausgebaut. Ein weiterer grossflächiger Ausbau ist laut Unternehmen in der Planungsphase. Zudem erweiterte Eniwa die DC-Interconnect- und Cloud-Connect-Features in seinem Center und bietet neu private Equipment-Schliessfächer an. Umfangreiche Effizienz- und Umweltzertifikate seien in Planung, schreibt Eniwa.
Bedag Informatik hat seine Secondary Site im Sommer 2023 von Wettingen nach Zollikofen verlegt. Mit dem Umzug an den neuen Standort könne die Betriebsredundanz dank kürzerer Leitungsdistanz und somit kürzerer Latenzzeiten verbessert werden, schreibt der Anbieter auf seiner Website. Damit liessen sich bessere Verfügbarkeitskonzepte für den Katastrophenfall – etwa den kompletten Ausfall einer Site – realisieren. Das Rechenzentrum wurde laut Angaben von Bedag Informatik innert drei Tagen abgebaut, an den neuen Standort verlegt und wieder in Betrieb genommen.
Bei IWB läuft gerade der Ausbau der Leistungsdichte in seinem Basler Rechenzentrum. Zudem arbeitet das Unternehmen an Optimierungen im Bereich der Energieeffizienz und an weiteren Zertifizierungen. Bei den Rechenzentren der Stadt Zürich, Organisation und Informatik (OIZ) gab es ebenfalls kleine Änderungen.
Das Datacenter in Albis hat nun einen PUE-Faktor von 1,30, jenes in Hagenholz einen von 1,28. Colobale bastelte nicht an seinen Rechenzentren, stellte aber laut eigenen Angaben Räumlichkeiten für das Computermuseum beider Basel zur Verfügung.