Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/1582

Über ADHS gibt es sehr viele Artikel und Literatur, wobei sich zum Teil widersprüchliche Aussagen finden. In diesem Abschnitt haben wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst und hoffen, dass Sie diese als hilfreich empfinden.
ADHS ist eine gut bekannte Verhaltens- und Lernstörung, welche immer im Kindesalter beginnt und schon im 19. Jahrhundert vom Frankfurter Psychiater Heinrich Hoffmann im berühmten „Struwwelpeter“ in all seinen typischen Erscheinungsformen beschrieben wurde.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat der englische Kinderarzt Still das Störungsbild erstmals für Mediziner in einer Fachzeitschrift ausführlich erläutert und betont, dass ursächlich eine angeborene Konstitution und nicht etwa eine schlechte Erziehung oder ungünstige Umweltbedingungen im Vordergrund stehen.
Folgende Kriterien werden für die ADHS-Diagnose gefordert:
1) Kriterien der Unaufmerksamkeit:
- Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit
- Mühe mit der Daueraufmerksamkeit
- Schwierigkeit zuzuhören
- Mühe mit Anleitungen und bei alltäglichen Verrichtungen
- Organisationsschwierigkeiten
- Mühe sich länger geistig anzustrengen
- Häufiges Verlieren und Verlegen
- Leichte Ablenkbarkeit durch äussere Reize
- Übermässige Vergesslichkeit im Alltag
2) Kriterien der Hyperaktivität und Impulsivität
- Ständige Unruhe in Händen und Füssen
- Mühe ruhig sitzen zu bleiben
- „Zappelphilipp“
- Schwierigkeit ruhig zu spielen
- „Innerlich wie von einem Motor angetrieben“
- Übermässiges Reden
- Antworten bevor Frage vollständig gestellt wurde
- Unmöglichkeit zu warten
- Störendes Verhalten gegenüber anderen
Je nach Vorhandensein dieser Symptome werden das Vollbild (= ADHS) oder die Teilstörungen mit vorwiegender Aufmerksamkeitsproblematik, resp. Hyperaktivität/Impulsivität unterschieden.
Lange wurde die Hyperaktivität überbewertet und leider wurden somit viele Betroffene mit einer vorherrschenden Aufmerksamkeitsproblematik nicht erfasst und die Chance einer hilfreichen Behandlung wird für den unaufmerksamen Typ (“Hans-Guck-in-die-Luft“) verpasst. Entsprechend entwickeln sich nicht selten Zusatzstörungen. Die deutsche Kinderärztin H. Simchen schreibt zutreffend, dass „die Seele eines Kindes schon geknickt werde, bevor sie sich entfalten könne und niemand bemerke dies“. Diese Kinder und Jugendliche fallen leider eben verhaltensmässig nur wenig auf, erscheinen häufig als „brave und ruhige Mädchen“, leiden aber genau so unter ihrem „Handicap“, wenn nicht sogar noch mehr.
Im Verlaufe der Zeit bringen die zunehmenden Anforderungen der Schule die angeborenen Defizite der Aufmerksamkeitsstörung immer mehr zum Vorschein. Fälschlicherweise werden dann diese Kinder als dumm, unbegabt, verträumt oder gar widerspenstig bezeichnet.
Zur Diagnosestellung ist der Beginn im Kindesalter, das Vorhandensein der Symptome über mindestens 6 Monate und das Auftreten von relevanten Problemen, Beeinträchtigungen sowie ein zunehmender Leidensdruck in unterschiedlichen Lebensbereichen, das heisst in Kindergarten, Schule, Freizeit, zu Hause (oder am Arbeitsplatz) vorauszusetzen. Die Diagnose wird durch Erfragen der alltagsrelevanten Symptome, der Familiengeschichte und der Verwendung strukturierter störungsspezifischer Fragebogen gestellt, ergänzt mit der Durchführung einiger Aufmerksamkeitstests , sowie einer körperlichen Untersuchung. Dies lässt die häufig begleitenden Teilleistungsstörungen (Leseschwäche, Rechenschwäche) und eine evtentuell vorhandene leichte motorische Koordinationsstörung erkennen.
Es darf nicht vergessen werden, dass viele ADHS-Betroffene häufig auch sehr kreative, spontane und originelle Persönlichkeiten sind. Als Ursache für die ADHS wird heute eine vorwiegend genetisch bedingte, neurobiologisch erklärbare Funktionsstörung im Bereich derjenigen Hirnabschnitte angenommen, die übergeordnete Steuerungs- und Koordinationsaufgaben in der Informationsverarbeitung übernehmen. Neuere Untersuchungen zeigen eine verminderte Aktivität und mangelhafte Regulation der Nervenbotenstoffe Dopamin, Noradrenalin und z.T. auch Serotonin.