Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03184.jsonl.gz/1741

Mit der Wortendung "-ik" verweise ich im Falle von Pragmatik auf eine relative Indifferenz zwischen Gegenstand und Widerspiegelung, die ich beispielsweise durch die Wortendung "-logie" in Technologie aufhebe, weil ich damit im Sinne eines re-enrtys eine Lehre zur Technik bezeichne, die im Ausdruck Techn-ik mitgemeint ist.

Als Pragmatik bezeichne ich - in Anlehnung an C. Morris -, dass ich Symbole in einem konsensuellen Bereich auf Referenzobjekte beziehe, die für mich jenseits von den Bezeichnungen existieren, weil ich sie sehen und zeichnen kann. Mit einem Wort referenziere ich einen Gegenstand, der zu einer Objektklasse gehören, für die ich das Wort in Beschreibungen verwende.
Beispiel:

Bildquelle: Wikipedia
Erläuterungen:
Es gibt sehr verschiedene Tische und es gibt Gegenstände, bei welchen ich nicht entscheiden kann, ob es Tische sind. Ich kann Tische aber gut von Stühlen, Bananen oder Strassenbahnen unterscheiden. Tische sehen hinreichend ähnlich aus um eine Objektklasse zu bilden. Genau deshalb kann ich von einem Tisch sprechen.
Im konsensuellen Bereich, den ich sprechend unterstelle, ist klar, was als Tisch bezeichnet wird, auch wenn völlig unklar ist, wie der konsensuelle Bereich zustande gekommen ist. Ich spreche naturwüchsig mit anderen Menschen, bevor ich darüber nachdenke, was ich dabei tue und was für Folgen es hat.
Als Pragmatik bezeichne ich eine Lehre über den konsensuellen Bereich, in welchem ich spreche und schreibe. Pragmatik wird oft den Sprachwissenschaften zugerechnet - vielleicht weil Linguisten auch von Pragmatik sprechen - aber der Gegenstand der Pragmatik ist, dass ich spreche und was ich dabei - sehr oft - unterstelle; nämlich dass ich über Gegenstände spreche, von denen ich annehmen, das es sie gibt und dass andere sie gleich oder wenigstens vergleichbar beobachten und bezeichnen.
Pragmatik beschreibt das Verhältnis der Bezeichnung und dem Bezeichneten, während die eigentliche Sprachwissenschaft sich nur mit Sprachen, also mit der Grammatik von Sprachen, wozu auch die Semantik gehört, befasst. Die sogenannte Sprechakttheorie gehört zur Pragmatik.
Das Referenzieren von Gegenständen ist - pragmatisch gesehen - eine naturwüchsige Praxis, die ich mir beim Lernen einer Sprache aneigne. Wenn ich sprechen lerne, lerne ich zwei Sachen gleichzeitig. Ich lerne die Semantik der jeweiligen Sprache, also welche Sätze gesagt werden können und wie ich sie innerhalb der Sprache durch andere Formulierungen ersetzen kann, und ich lerne, worauf ich mich pragmatisch beziehe, also wie ich die bezeichneten Gegenstände unterscheide, abgerenze und klassifiziere.
Als Kleinkind sage ich beispielsweise "wauwau", wenn ich ein Tier meine. Meine Mutter korrigiert mich: "Das ist ein Hund, man sagt Hund". Angesichts einer Kuh, sage ich: "Hund". Meine Mutter korrigiert mich: Das ist kein Hund, das ist eine Kuh. Dabei lerne ich, Hund und Kuh zu unterscheiden, weil ich zwei verschiedenen Bezeichnungen gelernt habe, die zunächst für meine Mutter je eine zu unterscheidende Sache richtig sind.
Es geht hierbei nicht darum, wie ein Kind die Sprache lernt, sondern um eine Auffassung der Kognition, die J. Piaget entwickelt hat. Wenn ich die Kuh als Hund bezeichne, assimiliere ich, indem ich Objekte als gleichartige auffasse, wenn ich die Kuh nicht mehr als Hund bezeichne, akkommodiere ich, indem ich neue Begriffe oder Kategorien aneigne und damit verbunden verschiedene Gegenstände unterscheide. Zum Gegenstand wird etwas genau dadurch, dass ich in bezeichne. Die Bezeichnung wauwau ist in diesem Sinne eine - noch vorsprachliche - Keimform.
Die Gegenstände, die ich pragmatisch unterscheide, gehören nicht zu Sprache, aber ich verbinde sie mit sprachlichen Symbolen durch Vereinbarungen, im einfachsten Fall durch Zeigedefinitionen, so wie es die Mutter im Beispiel mit der Kuh gemacht hat.
Die gemeinten Referenzobjekte sind Gegenstände der Anschauung, inwiefern sie wirklich existieren, spielt dabei keine Rolle. Ich kann ein Einhorn so gut beschreiben wie eine Kuh oder einen Tisch. Was ich als Gegenstand begreife und bezeichne, ist nicht durch die Sprache definiert. Artefakte - wie ein Tisch - sind idealtypische Gegenstände mit einer hergestellten Bedeutung, die ich in der Bezeichnung referenziere. Was ich bezeichne ist aussen-orientiert, vom Gegenstand bestimmt, wie ich es bezeichne und beschreibe, ist innen-orientiert, durch die Kategorien, die ich verwende. Ich kann beispielsweise die Kuh und den Tisch als Vierbeiner eine gemeinsamen Klasse zuordnen.
Pragmatisch lassen sich nur Verhältnisse beschreiben, in welchen Referenzobjekte vorkommen, für welche ich eine Anschauung habe. Ich kann beispielsweise sagen, dass jemand einen Tisch aus dem Fenster wirft. Damit beschreibe ich eine Situation oder ein Ereignis, in welchem der Tisch als Objekt der Anschauung vorkommt. Ich kann aber pragmatisch nicht über Freiheit oder Bewusstsein sprechen, weil ich dazu keine Anschauung habe (was in meinem Fall zutrifft, aber für viele Philosophen natürlich nicht).
C. Morris hat die Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik, also zwischen einer innersprachlichen Lehre und einer Lehre, die sich mit der Verwendung der Sprache beschäftigt, 1946 vorgeschlagen, also lange bevor die Semantik durch die generative Grammatik ihren eigentlichen Sinn bekommen hat. Die Pragmatik ist im Unterschied zur Semantik kein Teil der Sprachwissenschaft, sondern einfach eine Lehre von der (Sprach-)Welt, eine empirische Lehre darüber, wie die Menschen ihre Sprache einsetzen (vgl. das Vorwort von Searle's Sprechakte). Die Pragmatik, nicht die Semantik, beschreibt, welches Zeichen jeweils für welche Gegenstandsbedeutung steht (Todesco, 1992:184).
Pragmatik wird in der Literatur teilweise recht unscharf oder gar nicht von Semantik unterschieden. Das hängt damit zusammen, dass mit Bedeutung sehr verschiedene Sachen bezeichnet werden. Die Pragmatik verortet die Bedeutung im Gegenstand, nicht im Begriff. In der traditionellen Linguistik kommen aber natürlich keine Gegenstände vor, weil sie sich nur mit der Sprache befasst. Als Bedeutung gilt dort bezeichnet, was als Erläuterung oder als Definition eines Wortes bezeichnet wird. Diese Unschärfe hat C. Morris veranlasst, die Pragmatik anhand des semiotischen Dreiecks zu erläutern.
Anhand dieses Schemas kann man sehen, dass das Symbol semantisch oder pragmatisch gedeutet werden kann.
Die pragmatische Deutung impliziert, dass sprachliche Symbole nicht einen Gegenstand, sondern eine Klasse bezeichnen, die die entsprechenden Gegenstände umfasst. Ich kann jede Tisch zeichnen, aber ich kann den Tisch nicht zeichnen. Gemeint sind aber Tische, nicht begriffliche Vorstellungen.
Brandoms normative Pragmatik[Bearbeiten]
Für Brandom ergibt sich die Bedeutung einer Aussage aus den impliziten Schlussfolgerungen und Prämissen, zu denen sie einen kompetenten Sprecher berechtigt oder verpflichtet. So repräsentiert die Aussage 'Heute ist Mittwoch' nicht einen bestimmten objektiv gegebenen Sachverhalt. Vielmehr ist sie nur verständlich im Rahmen bestimmter sozial geprägter Sprachregeln, nach denen sich beispielsweise als Schlussfolgerung die Aussage 'Morgen ist Donnerstag' ableitet.[3] Mit dem Verweis auf die Regeln des Sprachgebrauchs versucht Brandom daher, die inferentielle Semantik auf einer normativen Sprachpragmatik zu begründen.
##Robert B. Brandom: Begründen und Begreifen. Eine Einführung in den Inferentialismus, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1689, Frankfurt am Main 2001.
[wp]