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Das NFP 56

Die schweizerische Sprachenpolitik soll das Verständnis zwischen den Sprachgruppen, die sprachbezogenen Identitätsbildung der Individuen und ihre erst- und mehrsprachigen Kompetenzen fördern. Das NFP 56 will die wissenschaftlichen Grundlagen für diese Politik legen.
Das Programm ist in fünf Schwerpunkte aufgegliedert:
Sprache und Schule
In diesem Schwerpunkt geht es zum einen um die Effizienz des traditionellen schulischen Sprachunterrichts sowohl in der Erstsprache wie in den Zweit- und Drittsprachen. Andererseits interessiert auch die Erhebung eventuell unkonventioneller, aber unter Umständen wirkungsvoller Lernstrategien und Lernmethoden, besonders auch solcher, die ausserhalb der Schule ihre Wirksamkeit bewiesen haben. So weiss man, dass Deutschschweizer Kinder bereits vor dem Schuleintritt über Hörverstehens- und Sprech-Kompetenzen in der Schriftvarietät verfügen, doch der schulische Deutschunterricht baut kaum darauf auf. Die Untersuchung der Modalitäten und der Effizienz des Spracherwerbs durch Migranten und Migrantinnen kann mithelfen, soziokulturelle und sozioökonomische Faktoren zu ermitteln, die den Erwerb einer neuen Sprache fördern oder behindern: «Minderheiten» und «Randgruppen» lassen Schwierigkeiten und Möglichkeiten sichtbarer werden, die für alle Lernenden eine Rolle spielen.
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Sprachkompetenz der Erwachsenen
Der Begriff Sprachkompetenz meint hier die Fähigkeit, sprachliche Mittel speziellen Zwecken und Erwartungen entsprechend einsetzen zu können. Sprachkompetenz beschränkt sich nicht auf die Fähigkeit, korrekte Sätze in der Erstsprache bilden und erkennen zu können. So wird zwar jeder Mensch in alltäglichen Situationen seiner Gruppe korrekte erstsprachliche Sätze bilden können, aber nicht jeder wird in der Lage sein, eine Ansprache zu halten, die den Erwartungen aller in Bezug auf sprachliche Korrektheit und Angemessenheit entspricht. In diesem Sinne gibt es viele Kompetenzen (je nach der zu bewältigenden Aufgabe), und es gibt unterschiedliche Kompetenzgrade (je nach den Erwartungen der Rezipienten). Untersucht werden Bedingungen, die die gesellschaftlich geforderte Kompetenz der Bevölkerung zu Kenntnissen in den vier Landessprachen fördern bzw. hemmen.
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Sprache, Recht und Politik
Die Regelung des Zusammenlebens der Sprachen spielte im schweizerischen Recht bis vor kurzem eine geringe Rolle; Herkunft und ungeschriebene Prinzipien waren ausschlaggebend. In neuerer Zeit ist eine verstärkte Neigung zu verbindlicher Regelung sprachlicher Fragen auf Verfassungs- und Gesetzesebene zu beobachten. Dabei gehen die Meinungen über die Opportunität und die Wirksamkeit solcher Regelungen auseinander, nicht selten sind die Stimmen, die gesetzliche Regelungen als kontraproduktiv und als den Sprachenfrieden eher gefährdend bezeichnen. Ziel des Schwerpunktes ist es, allgemeine Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sprachrechtliches und sprachpolitisches Handeln beschaffen sein muss, damit es akzeptiert wird und auch unter den komplizierten Bedingungen des labilen Gleichgewichts erfolgreich sein kann, die den traditionsreichen mehrsprachigen Staat kennzeichnen.
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Sprache und Wirtschaft
Der gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit der Schweiz entsprach nie eine ebenso profilierte individuelle Mehrsprachigkeit der Bevölkerung. Zwar hat der flächendeckende Unterricht in einer zweiten Landessprache Tradition, aber die individuelle Beherrschung mehrerer Sprachen wurde trotzdem nur für die Angehörigen gewisser Berufe für unabdingbar gehalten. Die gegenwärtige wirtschaftliche, soziale und politische Situation macht nun aber individuelle Mehrsprachigkeit für immer mehr Menschen aller Berufsrichtungen zu einem Schlüsselfaktor ihres wirtschaftlichen Erfolgs. Mehrsprachigkeit ist auch grundlegend für Qualität und Vielfalt der internationalen Beziehungen, in die das Land eingebunden ist, und sie ist grundlegend für die Schaffung und Weitergabe von Kenntnissen in einer modernen Gesellschaft, die auf den Zugang zum Wissen und die Vielfalt der Information angewiesen ist. Angesichts der internationalen Herausforderungen und der neuen Bedürfnisse der Wissensgesellschaft muss die Mehrsprachigkeit des eigenen Landes vermehrt als ein Potenzial begriffen werden, das für den Wirtschaftsstandort Schweiz und für alle Bewohner und Bewohnerinnen des Landes Möglichkeiten bietet, die noch zu wenig ausgeschöpft werden.
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Sprache und Identität
Bereits Ungeborene gewöhnen sich an ihre Muttersprache, der kindliche Erwerb der Sprache verläuft zusammen mit der kognitiven Entwicklung und mit dem «Erlernen der Welt». Die Rolle der Sprache für die Selbstdefinition des Individuums und seine soziale Verortung steht deshalb ausser Zweifel. Schwieriger zu bestimmen ist die Rolle der Sprache für die Identität des Individuums in einer Gemeinschaft. Das Identitätserlebnis des Individuums beruht darauf, dass es sein Selbst in der Kontinuität erfassen kann. Es kann deshalb gefragt werden, ob und inwiefern fremde Sprachen in Schule, Beruf, Medien und Umfeld das Identitätserlebnis verändern oder gar stören und wie eventuelle negative Auswirkungen einer ständigen Konfrontation mit fremden Sprachen aufgefangen werden können, resp., ob sie überhaupt aufgefangen werden müssen. Zu fragen ist nämlich auch, ob die Irritationen, die durch die Konfrontation mit anderen Sprachen ausgelöst werden können, nicht eher auf ideologische Gründe zurückzuführen sind als auf psychologische Mechanismen.
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