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Hoch- und Flachmoore
Moore sind nasse Lebensräume, die vor allem über einer undurchlässigen Unterlage in Tal- oder auf Hanglagen entstehen. Sie zeichnen sich durch einen erschwerten Wasserabfluss aus. Dementsprechend sind ihre Böden luft- und sauerstoffarm. Nur spezialisierte, charakteristische Pflanzenarten können solche Böden besiedeln. Die Pflanzenreste zersetzen sich wegen Sauerstoffmangels nicht vollständig, wie etwa tote Blätter auf dem Waldboden, sondern werden zu kohlenstoffreichen Substanzen umgewandelt. Mit den Jahren bilden sich Torfe, das Material, aus dem die Moorböden bestehen. Sie setzen sich zum grössten Teil aus organischen Verbindungen zusammen und sind der Beweis dafür, dass die Produktion von organischer Substanz durch die Vegetation während einiger Zeit grösser war als deren Abbau. Aufgrund von Herkunft und Nährstoffgehalt des Wassers, von Vegetation, Torfbeschaffenheit sowie Gestalt des Moores unterscheidet man zwischen Hoch- und Flachmooren.
Die Bildung eines typischen Hochmoores ist ein sehr langsamer Prozess, der sogar bei günstigem, ungestörtem Ablauf Jahrhunderte bis Jahrtausende dauert. Die Oberfläche der Hochmoore hat sich infolge des Wachstums von Torfmoosen und der Torfbildung über den Grundwasserspiegel hinaus erhoben. Die oberste Torfschicht wird allein vom Niederschlagswasser vernässt, das wesentlich saurer und nährstoffärmer ist als das Grundwasser.
Natürliche Hochmoore bilden für zahlreiche hochspezialisierte Pflanzenarten den einzigen Lebensraum. Es sind dies über ein Dutzend Torfmoos-, Lebermoos- und Blütenpflanzen. Diese Arten sind an äusserste Nährstoffarmut und hohen Säuregrad besonders gut angepasst. Vom Sonnentau beispielsweise nimmt man an, das er seinen Stickstoffbedarf durch die Insekten deckt, die er mit seinen klebrigen Blättern fängt. Mehrere Hochmoorpflanzen, unter anderem auch der Sonnentau sowie die Rosmarinheide, sind in der „Roten Liste" der gefährdeten und seltenen Gefässpflanzen der Schweiz verzeichnet. Mehrere Tierarten sind ebenfalls auf Hochmoore angewiesen, zum Beispiel der Hochmoor-Gelbling und die Hochmoormosaikjungfer. Weitere, ursprünglich nicht nur moorbewohnende Lebewesen sind heute auf Hochmoore angewiesen, weil ihr ursprünglicher Lebensraum vor allem Magerweisen, vom Menschen stark zurückgedrängt wurde.
Hochmoore gehören zu den empfindlichsten Lebensräumen, die es in unserem Lande gibt. Dies gilt insbesondere gegenüber Eingriffen wie Entwässerung, Düngung, Stoffeintrag über die Atmosphäre sowie Trittbelastung.
Während Hochmoore durch die Niederschläge geprägt werden, sind Flachmoore oder Niedermoore bis zur Oberfläche mit Grund- oder Hangwasser vernässt. Entsprechend den unterschiedlichen Eigenschaften des Wassers, seinem Säure- und Härtegrad, dem Nährstoffgehalt und den Wasserspiegelschwankungen ist die Vegetation der Flachmoore artenreicher und vielfältiger als jene der Hochmoore. Regelmässig geschnittene Flachmoore gehören zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Sie werden kaum gedüngt und durch den meist späten Schnitt können auch die spät blühenden Arten absamen. Extensiv beweidete, nicht gedüngte Flachmoore zeichnen sich ebenfalls durch ihren Artenreichtum aus. Die Vegetation wird im Wesentlichen von Kleinseggen, Binsen und Wollgräsern geprägt. Zu den typischen Flachmoorarten gehören Davalls Segge (Carex davalliana), Mehlprimel (primula farinosa), Breitblätteriges Wollgras (Eriophorum latifolium), Sumpfveilchen (Viola palustris) und Weisse Sumpfwurz (Epipactis palustris). Wegen ihrer grossen botanischen Vielfalt findet man in Flachmooren zahlreiche Insektenarten, aber auch eine reiche Vogelwelt. Insbesondere für Bodenbrüter sind Flachmoore Inseln in der intensiv bewirtschafteten Kulturlandschaft, wo sie bisweilen ohne Störung ihre Brut aufziehen können.
Hoch- und Flachmoore sind bedrohte Lebensräume. Die heute noch in der Schweiz vorhandenen Hochmoore sind Reste von einst ausgedehnten Hochmoorflächen. Im 17. Jahrhundert herrschte infolge der Abholzung der Wälder in der Schweiz Brennholzmangel. Es galt, den Rohstoff- und Energiebedarf einer rasch wachsenden Bevölkerung und des aufkommenden Gewerbes zu decken. Damit gewannen die Torflager der Moore erstmals Bedeutung als Energieressource. In der Folge wurden zahlreiche –Moore vollständig abgetorft. Notzeiten brachten jeweils eine Intensivierung des Abbaus, letztmals während des zweiten Weltkriegs. In praktisch jedem Hochmoor des Mittellandes und des Juras wurde zweitweise Torf gestochen und somit die Hochmoore weitgehend zerstört. Die Zerstörung der Moore beschränkte sich nicht nur auf die Hochmoore, sondern nahm ihren Verlauf auch in vielen Flachmoorflächen. In grossen Meliorationswerken (Juragewässerkorrektion, Linthkanal etc.) wurden die Flüsse eingedämmt und begradigt, die Talebenen entsumpft und in Kultur- und Bauland umgewandelt.
Obwohl die Moore heute unter Schutz stehen, sind sie immer noch in einem hohen Masse gefährdet. Düngeeinträge, Entwässerungen und die touristische Nutzung bilden heute die grössten Gefahren für die Moore.