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Das Dekor muss meiner Meinung nach vor allem Stimmung schaffen. Im idealen Fall bildet es die Verbindung zu dem was hier geschieht. Es führt also den Zuschauer unmittelbar in das Spiel das auf der Bühne abläuft. Nicht mit genauer Wiedergabe erreicht man das was man „Theater-Illusion“ nennt. Diese soll ja nicht realistisch sein, sondern verspielt. Ja, ich wage zu sagen, sie soll ein „überzeugender Traum“ sein. Man vergisst zu oft, dass das Theater nicht Realität ist, sondern seine eigene Realität hat. Ein einziges Detail genügt, ein Drama in Raum und Zeit zu stellen.
Théodore Strawinsky
(im Gespräch mit Celia Bertin, maschinengeschriebener Text, Archivgut der Stiftung, 1945)
Von 1932 bis 1966 entstanden vierzehn Theaterdekorationen mit entsprechenden Kostümen, vorwiegend für musikalische Werke seines Vaters. Dazu kommen verschiedene Dekors für das Theater in Genf, wo er seit 1942 lebt. Diese Arbeiten sind eng verknüpft mit seinem allgemeinen künstlerischen Werk. In einem Artikel „L’illusion théâtrale sous l’angle de la poésie optique“, erklärt er : „[…] für den Dekorateur gilt zwingend, dass er die Scheinwelt nicht einer optischen Täuschung opfert, denn dies müsste eher als Täuschung der Sinne bezeichnet werden, wie dies Jean Cocteau ausdrückte“ (Journal de Genève, 1966). Strawinsky gehört nicht zur Avantgarde des Theaters, die zu einer gewissen „Abstraktion“ tendiert. Er lässt sich im Gegensatz von Picasso inspirieren mit der Equipe der Ballets Russes und überträgt sein erworbenes grafisches Können für die Theaterszenen und die Illustrationen von Noces et autres histoires. Diese „Hochzeiten und andere Geschichten“ sind populäre russische Lieder und Erzählungen, 1943 publiziert.
Philippe Kaenel