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Fritz Mühlenweg (1898–1961), aufgewachsen in Konstanz, Kaufmannssohn. Ein Klassenbester, der kein Abitur machen wollte und 1914 lieber eine Drogistenlehre in Bielefeld begann. Aus französischer Kriegsgefangenschaft befreite er sich 1919 durch tollkühne Flucht, blieb aber lebenslang frankophil. Nach Absolvierung der Braunschweiger Drogistenakademie war er mehrere Jahre als Drogist im Rhein-Main-Gebiet tätig. Damals begann er zu malen.
Mit 28 Jahren brach er – inzwischen Geschäftsführer des Familienbetriebs in Konstanz, Mitglied in Sportvereinen – aus der vorgezeichneten Bahn aus. Von Berlin aus kam er als Angestellter der neu gegründeten »Luft Hansa« mit der Mongolei-Expedition Sven Hedins nach China. Die Luft Hansa erkundete damals die klimatischen Bedingungen für die Einrichtung einer Fluglinie Berlin-Peking.
Zwischen 1927 und 1932 verbrachte Mühlenweg auf Forschungsreisen viele Monate in der Gobi, zuletzt als Karawanenführer. Er lernte Mongolisch von den Kamelmännern, gab chinesischen Wissenschaftlern der Expedition Deutschunterricht. Zurückgekehrt nach Europa, begann er 1932 ein Maler-Studium in Wien, heiratete die österreichische Malerin Elisabeth Kopriwa und lebte mit ihr und schließlich sieben gemeinsamen Kindern als freischaffender Maler und Schriftsteller in Allensbach am Bodensee.
Schon vor dem (zwangsweisen) Zolldienst im Zweiten Weltkrieg begann er, Gedichte aus dem chinesischen Shijing zu übersetzen (“Tausendjähriger Bambus”). Unter schwierigen Bedingungen der Nachkriegsjahre setzte er sich daran, seine Erfahrungen aus der Mongolei in Erzählungen und Romane zu verwandeln. Er wurde – von seinem Verlag strikt im Bereich Jugendbuch vermarktet – der Autor, der die Mongolei in die deutsche Literatur brachte. Wirksam wurde er vor allem durch die erzählerisch spannende Umsetzung einer Lehre des Respekts gegenüber der Kultur der Nomaden.
In den letzten Jahren seines Lebens machten ihn u. a. seine Bücher »In geheimer Mission durch die Wüste Gobi« und »Nuni«, sowie seine Arbeit als Übersetzer von Fatio/Duvoisins “Der glückliche Löwe” (Herder Verlag) zu einem renommierten und geliebten Autor.
Mühlenwegs früher Tod 1961 unterbrach seine literarische Wirkung, bald war nur noch die gekürzte Fassung eines einzigen Buchs auf dem Markt.
Nach langer Vergessenheit wird das Werk dieses faszinierenden Erzählers mit seiner eigentümlich alterslosen Prosa seit 1991 im Libelle Verlag neu entdeckt. Gelingen konnte das, weil die Dankbarkeit älterer LeserInnen, die diesem All-Age-Autor eines ihrer bestimmenden Leseerlebnisse verdanken, den Neuausgaben aufhalfen. In den letzten Jahren haben sich Menschen aus allen Bereichen öffentlich als Mühlenweg-Fans geäußert: der Philosoph Ludger Lütkehaus, die Mongolistin Veronika Veith, die Filmemacherin Ulrike Ottinger, der Sinologe Tilmann Spengler, der Autor Otto A. Böhmer, der Politiker Joschka Fischer…
In einer Produktion des SWR wurde “In geheimer Mission durch die Wüste Gobi” als Hörspiel ab 2008 mehrfach gesendet; ein Hörspiel von 165 Minuten Länge gibt es beim Hörverlag. Im Freien Werkstatt Theater Köln läuft immer noch eine Inszenierung von “Nuni”. 2011 erschien in Ulaanbaatar die erste mongolische Übersetzung eines Mühlenweg-Buchs (“Der Familienausflug”). (Wird fortgesetzt…)