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Carla Gabriela Engler, M.A.
Referentin: Prof. Dr. Fabienne Liptay
Das Dissertationsprojekt untersucht zeitgenössische Künstlerpositionen, die sich innerhalb der medialen Konstellation von Film und Textilien mit Formatierungsprozessen im industriellen und postindustriellen Zeitalter sowie mit Praktiken der Standardisierung, Normierung und Skalierung im Kontext von Handelsbeziehungen auseinandersetzen. Ausgehend von David Summers (Real Spaces), der Formate als Verhältnisbestimmungen zwischen Bildinhalt und Betrachter begreift, und David Joselit (After Art), der Kunstwerke als global zirkulierende Objekte fasst, soll die spezifische Handhabung respektive Inszenierung von Textilien im Film auf unterschiedlichen Ebenen theoretisch verhandelt werden.
Zum einen können Textilien medial im Gebrauch von Messung und Wiedergabe zeitbasierter Vorgänge stehen. So etwa, wenn Frank B. Gilbreths chronozyklegraphische Studien vom richtigen Bügeln eines Herrenhemdes zu «Bildern der Effizienz» (Scott Curtis) werden, die wiederum in Diller+Scofidios multimedialer Installation Bad Press. Dissident Housework Series (USA 1993-1998) durch die subversive Geste des ineffizienten, dysfunktionalen Bügelns als Zeitregime und Körperdressur zurückgewiesen werden.
Zum anderen können Textilien in Katalogen und Musterbüchern nach Logiken des Sammelns und Klassifizierens angeordnet werden. Prägnant verhandelbar wird diese Praktik zum Beispiel in Sascha Regina Reichsteins Kurzfilm Patterns of the Conquerors (A/GB 2017), in dem John Forbes Watsons 1866 kompilierte Textil-Musterbücher The Textile Manufacturers vermessen und kritisch kommentiert werden, womit Watsons Idee eines kleinskalierten «mobilen Museums» (Felix Driver) in Form eines Kurzfilms weitergesponnen wird.
Ferner lässt sich anhand der Herstellung und des Handels von Textilien auch nach der soziopolitischen Wirkmacht von Masstab, Konfektionierung und Muster fragen, was sich beispielsweise in Elizabeth Prices zweikanaliger Filminstallation K (GB 2015) beobachten lässt, in der digital animierte Damenstrümpfe in industrieller Manier rhythmisch verpackt und mit dem programmatischen Bildtitel «woman trying to escape a pattern» konterkariert werden.
Aus diesen drei Perspektiven heraus werden die politischen Implikationen von Formatierungspraktiken untersucht, die den Textilien als Material kultureller Identitäten und dem Film als Instrument der Vermessung und Verbreitung entsprechender Weltentwürfe und Wissensordnungen zugrunde liegen, womit es gleichsam zu fragen gilt, unter welchen Bedingungen eine kritische Reflexion westlicher hegemonialer Praktiken möglich wird.