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Weshalb der Beginn einer Freundschaft anstrengend sein kann und wie man eine Freundin fürs Leben findet.
Lange Zeit schrammte ich mit den Akkorden der «Bessire-Methode», bis mir jemand die übliche Stimmung (E-A-D-G-H-E) der Saiten und die wichtigsten richtigen Akkorde zeigte, damit ich «The House Of The Rising Sun» der «Animals» spielen konnte. Die auf den a-Moll-Akkord im ersten Takt folgenden Akkorde sprengten mein eingeschränktes Wanderlieder-Schema. Ich lernte die Muster eines a- und d-Moll-, E7-, C-, F7-, D-, D7 und G7-Akkords, verwendete für andere Tonarten aber nach wie vor den Kapodaster. Das reichte, um Blues zu spielen, aber leider nie, um Songs der Rolling Stones oder der Beatles nachzuspielen. Ich wollte nun von Grund auf Gitarre spielen lernen.
Migros Klubschule In der Ex Libris Zeitschrift wurde ich auf die Musikkurse der Migros Klubschule aufmerksam und meldete mich an. Der Unterricht in einem Bürohaus an der Schaffhauserstrasse für die mit Jugendlichen und Erwachsenen gemischte Gruppe war ganz zu Beginn nicht gerade mitreissend. Wir sassen gut beobachtet von der Lehrerin in einem Kreis. Sie bestand darauf, eine korrekte Haltung einzunehmen, also die Gitarre auf dem linken Bein abzustützen und nicht etwa auf dem rechten, über das linke geschlagene Bein. Dies beeinträchtigte die Spielfreude doch ziemlich stark. Ehrlich gesagt ist mir diese Haltung auch heute noch unbequem.
Als Erstes lernten wir, die Gitarre zu stimmen. Mit der Stimmpfeife musste die A-Seite gestimmt werden. Anschliessend wurden damit die übrigen Saiten gestimmt. Das war gar nicht einfach. Stimmte man eine Saite unsorgfältig, übertrug sich der Fehler auf die nachfolgenden Saiten. Manchmal war die A-Saite längst wieder verstimmt, wenn man endlich bei der hohen E-Saite angelangt war. Das Stimmen ist heute mit den elektronischen Stimmgeräten schon viel einfacher und auch genauer.
Notenlesen konnte ich damals nur der Spur nach. Aber den damals gelernten Merkspruch, um die Saiten zu kennen, habe ich nicht vergessen: «Ein Anfänger der Gitarre habe Eifer». Es ist zweifellos anspruchsvoll, blutige Anfänger ins Gitarrenspiel einzuführen. Auch viele Jahre später wird einem immer wieder bewusst, wie schwierig dieses Instrument zu spielen ist bzw. wie unbequem im Vergleich mit einem Klavier die Noten angeordnet sind. Möchte man wie Joe Pass und andere Gitarrengötter Soli und Akkorde kombinieren, ein Vorhaben, das sich mit dem Klavier nach relativ kurzer Zeit verwirklichen lässt, schaut einen der Gitarrenlehrer schräg an und sagt, das sei die ganze hohe Schule.
Die Lehrerin fand nach der notwendigen, aber trockenen Einführung rasch den Zugang zu allen Mitgliedern der sehr gemischten Gruppe. Sie wusste auch, welche Musik wir spielen wollten und eroberte mit Bob Dylans «Blowin’ In The Wind» unsere Herzen. Bis auf den F-Dur Akkord, der nicht immer auf Anhieb gut klang, weil dabei mit dem Zeigefinger das F auf der E-Saite und das C auf der H-Saite gleichzeitig gedrückt werden mussten, gelang das nicht schlecht, ebenso das abwechselnde Zupfen der tiefen und hohen Töne. Schon bald sangen wir den Song mit ähnlich näselnder Stimme wie das grosse Vorbild.
Meinen Mitschülern an der Handelsschule erzählte ich wenig von meinen Gitarrenkünsten. Die Klasse war sehr musikalisch. Die meisten spielten ein Musikinstrument, zum Teil so hervorragend, dass ein paar von ihnen eine Band gründeten und Songs im Stil der Rolling Stones spielten. Dort mitzuwirken stand nie zur Diskussion. Ich hätte gar nicht zu fragen gewagt. Die meisten spielten ihre Instrumente schon von klein auf, waren mir also meilenweit voraus. Zudem bildeten die Bandmitglieder eine abgeschottete Clique.
Eine richtige Gitarre Gianni war die Ausnahme. Sein Vater besass in Dietikon ein Musikgeschäft. Ich erzählte ihm von meiner Wandergitarre und dass ich mir eigentlich eine richtige klassische spanische Gitarre wünschte. Am nächsten freien Nachmittag besuchten wir das Musikgeschäft. Es empfing mich nicht nur der freundliche Vater von Gianni, sondern auch der Geruch der Hölzer im Raum mit den vielen Gitarren. Ich liebe den Duft so sehr, dass ich auch heute noch gelegentlich die Nase ins Instrument stecke.
Giannis Vater ahnte meine beschränkten finanziellen Möglichkeiten vermutlich sofort und zeigte mir eine japanische «Zen-on» Gitarre, die er seit kurzem in seinem Sortiment führte. Instrumente aus Fernost waren damals noch selten. Er spielte darauf, dann auch auf einer der bekannten spanischen Gitarren. Die «Zen-on» sei einiges günstiger als eine spanische Gitarre und auch nicht so empfindlich. Ich konnte keinen Unterschied feststellen. Giannis Vater bot mir einen sehr grosszügigen Rabatt, so dass ich mir das Instrument aus eigenen Mitteln leisten konnte. Trotzdem musste ich daheim zuerst um Erlaubnis bitten. Mit welchen Argumenten ich meine Eltern überzeugen konnte, erinnere ich mich nicht mehr, jedenfalls konnte ich ein paar Tage später meine neue Gitarre abholen, die ich nie weggegeben habe und die auch heute immer noch schön klingt. Ich hatte damals das Gefühl, sie sei riesig gross. Nehme ich sie heute aus dem Koffer, erscheint sie mir eher zierlich.
Songwriter Diese Geschichte liess sich in der Klasse nicht verheimlichen. Ich nahm die Gitarre ab und zu mit und liess mich auch dazu hinreissen, Lieder von Joan Baez, Bob Dylan und Leonhard Cohen – «Suzanne» natürlich – zu singen. Alan, der aus meiner damaligen Sicht überirdisch gut Piano spielte, sich aber kaum je mit mir unterhielt, sagte bei einer solchen Gelegenheit beiläufig, diese Folksongs passten zu mir. Damit sollte ich doch weitermachen. Ich nahm die Bemerkung wahr, wagte mich darüber aber nicht richtig zu freuen. Ich dachte, Alan wolle sich über mich lustig machen. Doch ich lag falsch. Ein paar Jahre später fragte er mich an einem Klassentreffen, ob ich in der Zwischenzeit eigene Songs schriebe. – Das würde noch eine Weile dauern.