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Sehenswürdigkeiten
Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt besass Samedan schon im Mittelalter grosse Bedeutung. Hier kreuzten sich die Saumkolonnen von Süden nach Norden, von Osten nach Westen über die Pässe ziehend. Die Rechte dieser Einkünfte lagen grösstenteils in den Händen der Plantas und der Salis, jener mächtigen Adelsgeschlechter, die eng mit der Geschichte Samedans verbunden waren. Diese zeigten sich auch der Gemeinde Samedan gegenüber grosszügig durch Schenkungen aller Art. Einnahmen durch den Transitverkehr, die Landwirtschaft und den Bergbau förderten hier einen gewissen Reichtum, zu dem auch die Gemeinde ihren Anteil hatte. So entstanden im 16., 17. und 18. Jahrhundert verschiedene stolze Patrizier- und stattliche Engadinerhäuser.
Dorfkern
Auch im alten Dorfkern von Samedan, in Crappun, Crasta und Surtuor begegnen wir manch altem, gut erhaltenem Engadinerhaus aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit Erkern und zierlichen Sgraffiti. Berühmte Persönlichkeiten haben einst in diesen Häusern gewohnt, wie z.B. der Reformator und Bibelübersetzer Giachem Bifrun, Herausgeber des "Nouv Testamaint" 1560, dem ersten gedruckten Werks ladinischer Literatur oder die Jenatschs, aus deren Sippe der berühmte Freiheitsheld Georg Jenatsch hervorging. Überhaupt war Samedan zu jener Zeit reich an tüchtigen Männern, welche dem Lande bedeutende Dienste leisteten.
La Tuor
In Surtuor treffen wir den restaurierten Wachturm La Tuor an.
Dieser wird urkundlich 1281 erstmals erwähnt und war Sitz der Herren von Samedan, später im Besitze des Martinus del Brand. Der Turm erfuhr im Laufe der Zeit verschiedene bauliche Veränderungen, war vierstöckig und trug wahrscheinlich einen Zinnenkranz. Auch war er Sitz des Gerichts Sur Funtauna Merla, diente als Kreisgefängnis und auch als Archiv. Seit 1980 ist "La Tuor" in Gemeindebesitz. In den Jahren 2009/2010 wurde der Turm mit der Absicht, das wertvolle Gebäude langfristig zu erhalten, seine Geschichte sichtbar zu machen und als Ausstellungsgebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, saniert und ausgebaut. Im Dezember 2010 wurde der ausgebaute Turm eröffnet und der Fundaziun La Tuor zur Nutzung übergeben.
Chesa Planta
Das mächtige Patrizierhaus ist Zeugnis traditionsreicher Bündner und Engadiner Kulturgeschichte. Seit 1943 ist es Sitz der Stiftung de Planta-Samedan und der Öffentlichkeit als Kulturzentrum zugänglich. Der im 16. Jh. ursprünglich als Bauernhaus errichtete einstige Stammsitz der von Salis-Samedan ging 1817 in den Besitz der von Planta-Samedan über. Das ehemalige Landwirtschaftsgebäude erfuhr vom 17. bis 19. Jh. verschiedene bauliche Veränderungen und entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zum stattlichen Patrizierhaus.
Das unter einem Walmdach zusammengeführte prächtige Doppelhaus ist das grösste Privathaus im Engadin. Nachdem das Haus 1943 durch einen irrtümlichen Bombenabwurf beschädigt worden war, restaurierte der Architekt Max Alioth die Nord- und Westfassade und schuf die heutigen Bibliotheksräumlichkeiten.
Es ist der Verdienst der drei letzten Damen der Linie Planta-Samedan, die ihr wertvolles Stammhaus in die Fundaziun de Planta-Samedan umwandelten und der Öffentlichkeit übergaben. Das Museum zeigt patrizische Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Seit der Eröffnung der Bibliothek 1946 gilt das Plantahaus als Hort rätoromanischer Kultur, Sprache und Tradition. Die Fundaziun (Stiftung) ist auch Trägerin und Organisatorin der jährlich stattfindenden rätoromanischen Sprachkurse. Dieses Haus beherbergt auch das Kulturarchiv Oberengadin und das Kreisgericht.
Kulturarchiv
Das Kulturarchiv Oberengadin ist eine von einem privaten Verein getragene, der Öffentlichkeit zugängliche Institution, die Dokumente zur Kultur des Oberengadins und der umliegenden Regionen sammelt und interessierten Kreisen zur Verfügung stellt.
Gemeindehaus
Das neben der Chesa Planta gelegene Gemeindehaus war eine Schenkung der Familie Planta aus dem Jahre 1876. Es beherbergt heute in seinen stilvollen Räumen die Gemeindeverwaltung. Im Innern dieses Hauses wird der Besucher von eleganten Rokoko-Stukkaturen begleitet. Als berühmtester Bewohner gilt der Jurist Gaudenz von Planta, genannt der "Bär". Diese Persönlichkeit war auserkoren mit Napoleon Bonaparte 1797 um die besetzten bündnerischen Untertanenlande Veltlin und Chiavenna zu verhandeln, um sie zurückzugewinnen. Trotz seines grossen Bemühens blieb ihm der Erfolg verwehrt.
Salis Haus
Das Salis-Haus, heute auch Chesa Gensler genannt, ist das dritte Patrizierhaus, das den Plazzet ziert. Der heutige Bau dürfte Anfangs 17. Jahrhundert von den Salis errichtet worden sein. Johannes de Salis liess 1651 im 1. Stock eine Prachtstube im Renaissance-Stil errichten. Das Salische Haus blieb Sitz dieser Familie bis Ende des 18. Jahrhunderts, dann ging es in anderen Besitz über. Es diente in der Folge als Gasthaus, als Fuhrhalterei und nach dem 1. Weltkrieg wurde hier sogar eine Haushaltungsschule eröffnet. Heute ist das Haus in Privatbesitz und steht unter Denkmalschutz.
Bautenführer
In der Publikation "Bauen und Architektur in Samedan" werden in einem Architekturführerteil 40 Bauten ab 1200 dokumentiert. Informationen zum Bautenführer finden Sie hier.
Kirchliche Bauten
Auf dem Hügel oberhalb des Dorfes thront die alte Kirche San Peter mit dem romanischen Turmbau aus dem 12. Jahrhundert. Diese Kirche diente bis zur Errichtung der Dorfkirche in Plaz als Pfarrkirche. Die beiden österreichischen Meister Stefan Klain und Andreas Bühler erstellten in den Jahren 1491/92 den spätgotischen Sakralbau. Bemerkenswert sind die vielen Grabtafeln in Gang- und Chorboden eingelegt. Es sind die Zeugnisse einstiger bedeutender Samedner Patriziergeschlechter, der Plantas und der Salis aus dem 17. - 19. Jahrhundert.
Zu den schönsten Kirchenbauten des Kantons Graubünden gehört die evangelische Pfarrkirche in Plaz. Dieses Baudenkmal, das uns heute so einheitlich erscheint, entstand aus mehreren Umbauten im Laufe der Zeit. Im Jahre 1682 wurde die Raumform errichtet, um 1770 das Festkleid und der Turm im Stil des Spätbarocks, durch den Mailänder Architekten Antonio Carlo Ribordi. Er soll der zierlichste Barockturm der Schweiz sein. Die Orgel in ihrem festlichen Kleid wurde 1772 eingebaut
Aus dem Jahre 1910/1911 stammt die katholische Herz-Jesu-Kirche in Surtuor, im romanischen Stil erbaut mit angefügtem Pfarrhaus. Architekt war Nicolaus Hartmann aus St. Moritz. Die kleinen und grossen Glocken im Turm stammen aus der Bergsturzkapelle von Goldau. Die grosse Glocke trägt die Jahreszahl 1505.
Früher stand an der Weggabelung beim heutigen Hotel des Alpes die Kapelle San Bastiaun. Im Schweizerischen Landesmuseum haben sich kostbare Teile von Decke, Empore und Chorgestühl dieses Gotteshauses aus der gotischen Zeit (16. Jahrhundert) erhalten. Die alte Kapelle wurde im Jahre 1914 abgerissen. Die englische Kirche stand in der Nähe der heutigen Schulhausanlage, wurde von einem englischen Architekten im neugotischen Stil entworfen und 1974 beim Schulhausneubau abgebrochen. Diese Kirche gehörte zusammen mit denjenigen von Pontresina und Davos zu den wichtigsten Denkmälern des damaligen Tourismus in Graubünden.