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Berlin/Comiso (gro) Zwei Flughäfen (Palermo und Trapani) im Westen der Insel, einer (Catania) im Osten, aber bislang keine Flüge in den Süden. Das dürfte sich demnächst ändern, unter Umständen mit etwas Schubhilfe aus Brüssel. Der passende Flughafen ist jedenfalls schon da: der ehemalige Militärflughafen von Comiso in der Provinz Ragusa, wo die UNESCO den Sizilianischen Barock als Weltkulturerbe unter Schutz gestellt hat. Von dem neuen Airport, der fix und fertig und auch schon abgenommen ist, verspricht man sich touristischen Aufschwung für den Süden Siziliens. Vincenzo Magliocco heisst der neue Airport, benannt nach einem Piloten der einst königlichen italienischen Luftwaffe, der bei der Besetzung Äthiopiens 1936 ums Leben kam.
Ein Aiport mit bewegter Geschichte
Der Äirport Comiso ganz im Süden Siziliens wurde 1937 bis 1939 unter Mussolini als Militärflugplatz gebaut, und zwar im Hinblick auf die Besetzung Äthiopiens durch das damals faschistische Italien. Der Flugplatz wurde bis 1943 von der italienischen und deutschen, nach der Landung der Alliierten in Sizilien bis Ende 1945 von der US-amerikanischen Luftwaffe genutzt. Bis 1973 war der Flugplatz Stützpunkt des 41. Geschwaders der italienischen Luftwaffe. 1982 übernahm ihn erneut die US Air Force und stationierte dort nach dem NATO-Doppelbeschluss vorübergehend über 100 Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit atomaren Sprengköpfen.
Für 50 Millionen Euro „zivilisiert“
Als die Marschflugkörper nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts abgezogen worden waren, kam es 2002 zu einem 50 Millionen Euro teuren Umbau des Airports zu einem zivilen Verkehrsflughafen, mit dem der Tourismus in der Südregion der Insel weiter entwickelt werden soll. Leuchtendes Beispiel dafür ist der Aufschwung in Westsizilien, wo ebenfalls über einen ehemaligen Militärflugplatz, den umgebauten Airport Trapani-Birgi, vom Billigflieger Ryanair täglich bis zu 2000 Fluggggäste herangebracht werden.
Vom Aussenminister bereits eingeweiht
Der umgebaute, moderne Flughafen bei Comiso am Fusse der Monti Iblei im Südwesten von Syrakus ist voll betriebsbereit, lizensiert, abgenommen und offiziell eingeweiht, und zwar von Massimo d’Älema, der diesen Festakt bereits vor sechs Jahren am Aussenminister vollzog. D’Alema, ehemaliges Mitglied der italienischen Kommunisten und Mitbegründer des Partito Democratico della Sinistra (PDS), ist inzwischen nicht mehr Minister, aber nach wie vor ein einflussreicher Politiker, der auch in Brüssel gut vernetzt ist. Nun hofft man im Süden Siziliens auf die Mithilfe des Politikers.
Comiso bietet den idealen Ausweich-Flughafen
Kritik am neuen Flughafen kommt vor allem in Catania, dessen Flughafen an der Ostküste der Insel nur 75 Kilometer weit weg ist und wo man deshalb Geschäftsausfälle fürchtet. Doch der Flughafen Catania ist nie ganz sicher. Denn der Ätna, der grösste aktive Vulkan Europas, ist theoretisch in der Lage, den Luftraum um den Flughafen Fontanarossa (Roter Brunnen), wie der Airport von Catania heisst, jederzeit mit Asche zu vernebeln. Der Airport bei Comiso ist dann der ideale Ausweich-Flughafen.
Die Region Sizilien will Fluglotsen finanziell absichern
Dass bis heute keine Fluglinien gewonnen wurden, den neuen Flughafen im Süden der Sonneninsel ins Programm zu nehmen, liegt daran, dass lange nicht klar war, wer die Anschubfinanzierung übernimmt, wobei vor allem die Kosten fürs technische Personal zu Buche schlagen. Die Betreiberin des Airports, die SOACA S.p.A. ist zwar privat verfasst, gehört aber der (armen) Gemeinde Comiso. Sie hat jetzt aber Unterstützung bekommen, und zwar von Palermo, dem Sitz der Regionalregierung. Sie hat signalisiert, für die notwendigen Anlaufkosten gerade zu stehen.
Optimisten rechnen mit baldigem Flugbetrieb
In massgeblichen politischen Kreisen in der Provinz Ragusa ist man zuversichtlich, dass der Flugbetrieb noch dieses Jahr aufgenommen werden kann. Das Ziel liegt nicht nur mit in einer Ferienregion mit wunderschönen und noch nicht überlaufenen Stränden, sondern auch mitten im schönsten Sizilianischen Barock des 17. Und 18. Jahrhunderts mit seinen vor Lebensfreude überquellenden Palazzi, Kirchen und Promenaden. Die Barockstädte Ragusa, Modica und Scicli sowie das sagenhafte Noto sind vom Flughafen bequem zu erreichen. Und auch in die ehemalige Metropole von Byzanz, nach Syrakus, ist es nicht weit.