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Ein sehr gutes Jahr für die Wintergerste in den Versuchen
Die Wintergerstensortenversuche 2017 von swiss granum (ÖLN-Anbau) und Agroscope (Extenso-Anbau) weisen sehr gute Erträge und Körner von guter Qualität auf. Die Ergebnisse dienen ausschliesslich zur Beurteilung der Sortenversuche und sind keine Beurteilung der Gerstenqualität in der Schweiz.
Ein sehr gutes Jahr
Der Ertragsdurchschnitt im ÖLN-Anbau liegt bei 93.2 dt/ha, das heisst rund 20 Dezitonnen höher als im 2016 (74.7 dt/ha). Im Extenso-Anbau war das Jahr ebenfalls sehr einträglich. Der Versuchsdurchschnitt liegt bei 79.4 dt/ha und ist somit um 25.5 dt/ha höher als derjenige von 2016 (53.9 dt/ha). Die Spätfrostperioden Ende April haben die Erträge nur sehr lokal beeinflusst. Der Ertrag der Sorten, welche sich während der Kälteperiode im Befruchtungsstadium der zukünftigen Körner befanden, ist aufgrund der fehlenden Körner in den Ähren gesunken. Die schon im Juni aufgetretene Hitzeperiode hat die Kornfüllung nicht beeinträchtigt. Sie hat jedoch zu einem früheren Erntezeitpunkt geführt. Der Krankheitsdruck war dieses Jahr mittelmässig.
Körner von guter Qualität
Die Hektolitergewichte weisen wie die Proteingehalte gute Resultate auf. Der Durchschnitt des ÖLN-Versuchsnetzes liegt bei 68 kg/hl, 4.8 kg/hl mehr als im Vorjahr (63.2 kg/hl). Im Extenso-Anbau liegt der Durchschnitt 2017 bei 67.9 kg/hl und entspricht einem Unterschied von mehr als 10 Kilo im Vergleich zu 2016 (57 kg/hl)! Der durchschnittliche Proteingehalt im ÖLN-Anbau liegt bei 12.5% und bei 11.4% im Extenso-Anbau (2016: 12.5% bzw. 11.8%).
KWS Tonic, die ertragsreiste Sorte
KWS Tonic zeichnet sich seit nunmehr vier Jahren, seit ihrer Aufnahme auf der Liste der empfohlenen Sorten (LES) von swiss granum, erneut als die ertragsreichste Sorte der Versuche aus. Sie übersteigt die 100 dt/ha-Grenze im ÖLN-Anbau (102.2 dt/ha). Im Extenso-Anbau ist sie mit 81.1 dt/ha die zweitbeste Sorte. Im ÖLN-Anbau ist ihr Hektolitergewicht mit 67.6 kg/hl für eine sechszeilige Sorte dieses Jahr gut. Gewöhnlich ist dies ihre ausgeprägteste Schwachstelle. Es ist vergleichbar mit demjenigen von Semper (67.8 kg/hl) oder KWS Meridian (67.1 kg/hl). Im Extenso-Anbau hat KWS Tonic für diesen Parameter mehr Mühe mit dem Rest der auf der Sortenliste eingetragenen Sorten mitzuhalten und erreicht dieses Jahr mit 66.8 kg/hl eines der tiefsten Resultate.
Wootan, die zweite Hybridsorte der LES, erzielt mit 94.5 dt/ha den zweitbesten Ertrag im ÖLN-Anbau. Sie eignet sich ebenfalls gut im Extenso-Anbau mit 79.9 dt/ha. Sie scheint fähig, Qualitätskörner mit gutem Hektolitergewicht zu bilden (68.2 kg/hl sowohl im ÖLN als auch im Extenso-Anbau). Sie ist damit insbesondere mit KWS Cassia vergleichbar (68.8 kg/hl im ÖLN-Anbau und 68.4 kg/hl im Extenso-Anbau), eine Sorte, die für ihre Kornqualität bekannt ist.
Hobbit und KWS Meridian sind mit 92.9 dt/ha bzw. 92.4 dt/ha vergleichbar in Bezug auf den Ertrag im ÖLN-Anbau. Wie gewohnt erreicht die sechszeilige Sorte Hobbit ein sehr gutes Resultat beim Hektolitergewicht (69.3 dt/ha) und befindet sich auf dem Podium zwischen den zwei zweizeiligen Sorten Maltesse und KWS Cassia. Im Extenso-Anbau erzielt Hobbit den besten Ertrag der Versuche 2017 (81.5 dt/ha). KWS Meridian wird hingegen leicht von den besten Sorten distanziert, mit nur 77.3 dt/ha im Ertragsdurchschnitt.
Azrah, die letzte der dieses Jahr auf der LES aufgenommenen sechszeiligen Sorten, erreicht durchschnittliche Resultate im ÖLN-Anbau (90.2 dt/ha). Ihr Ertragspotential ist jedoch tiefer als dasjenige der Sorten an der Spitze. Sie scheint eher für den Extenso-Anbau interessant zu sein, in welchem sie mit 80.5 dt/ha das drittbeste Resultat erreichte. In Bezug auf die Kornausfüllung belegt sie den letzten Platz der Versuche: sowohl im ÖLN- als auch im Extenso-Anbau (66 kg/hl und 66.6 kg/hl).
Maltesse, eine zweizeilige Sorte, die ebenfalls dieses Jahr auf der LES aufgenommen wurde, ist die Sorte mit den besten Hektolitergewichten der Versuche (70.6 kg/hl im ÖLN- und 69.9 kg/hl im Extenso-Anbau). Sie erreicht ein mit KWS Cassia vergleichbaren Ertrag (83.8 dt/ha gegen 83.6 dt/ha im ÖLN-Anbau; 71.5 dt/ha gegen 72.7dt/ha im Extenso), dennoch sind die zweizeiligen Sorten von den ertragreicheren sechszeiligen Sorten in der Regel deutlich distanziert.
|Beschreibung der Wintergerstenversuchen 2017 von swiss granum |
In Zusammenarbeit mit Agroscope, der Groupe Cultures Romandie, dem Forum Ackerbau und DSP (Delley Samen und Pflanzen AG) testet swiss granum 16 Wintergerstensorten im ÖLN-Verfahren (ökologischer Leistungsnachweis), die ebenfalls im Extenso-Versuchsnetz von Agroscope getestet werden. Das Versuchsnetz umfasst 6 Standorte in der ganzen Schweiz, wo die Versuche auf kleinen Parzellen mit 3 Wiederholungen durchgeführt werden. Dieses Versuchsnetz ermöglicht es, eine statistische Auswertung der Ergebnisse vorzunehmen. Dadurch können die Kenntnisse über das agronomische Verhalten jeder Sorte im ÖLN- und Extenso-Verfahren vertieft werden. Zusätzlich zu den offiziellen Versuchen im Extenso-Verfahren von Agroscope stellen diese Versuche eine wertvolle Grundlage dar, um die Sorten für die Liste der empfohlenen Sorten (LES) auszuwählen.
Um in die LES von swiss granum aufgenommen zu werden, muss eine Wintergerstensorte die zweijährigen Versuche im Extenso-Versuchsnetz von Agroscope und parallel die zweijährigen Versuche im ÖLN-Versuchsnetz von swiss granum erfolgreich bestanden haben. Diese Versuche erfolgen in Zusammenarbeit mit der Groupe Cultures Romandie und dem Forum Ackerbau. Das Saatgut wird von DSP vorbereitet und geliefert. Die Erntebehandlung und die ersten Qualitätsmassnahmen werden von Agroscope Reckenholz vorgenommen. Agroscope Changins koordiniert das Netz und wertet die Ergebnisse aus.
Die durchschnittliche Saatdichte liegt bei 180 Körner/m2 für Hybridsorten, 280 Körner/m2 für die sechszeiligen Sorten und 300 Körner/m2 für die zweizeiligen Sorten. Die Stickstoffdüngung wird aufgrund der Grundlagen für die Düngung im Acker- und Futterbau (GRUDAF) für jeden Standort spezifisch errechnet. Im Extenso-Anbau wird die Stickstoffzufuhr um rund 30 Einheiten vermindert. Im ÖLN-Netz erfolgen zudem eine bis zwei Fungizidapplikationen sowie ein bis zwei Wachstumsreglerapplikationen.