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Literatur aus Chile
An dem Tag, an dem zum ersten Mal ein Mensch den Mond betritt, startet D. seine Karriere als Handelsreisender für Kramp-Produkte: Nägel, Fuchsschwänze, Türklinken. Wenige Jahre später beginnt die „Parallelerziehung“ seiner siebenjährigen Tochter M. Sie wird seine Gehilfin. Auf ihren Touren in dem alten R4 durch die chilenischen Dörfer wird aus den beiden ein gewieftes Vertreterduo. Eines Tages sitzt der Fotograf E. mit im Auto, der mit seiner Kamera auf „Gespensterjagd“ gehen will. Doch plötzlich werden diese Gespenster auf unheilvolle Weise real. Mit feinem Gespür bewegt sich Ferrada in diesem Roman zwischen Nostalgie und dem Grauen der jüngeren Geschichte Chiles.
Für Sie ausgewählt für den Büchergilde-Weltempfänger!
Liebe Leserin, lieber Leser, vor 50 Jahren, im September 1973, putschte sich General Pinochet in Chile an die Macht. In der Folge wurden Tausende Menschen verhaftet, ermordet oder sie verschwanden. María José Ferrada wuchs in der Diktatur auf, genau wie die junge Protagonistin in ihrem Roman ‚Kramp‘. Die Schatten legen sich allerdings erst allmählich auf die Kindheit der Siebenjährigen. Zu den vielen Dingen, die sie auf den Reisen mit ihrem Vater lernt, gehört auch das: ‚Eine einzige Schraube, die nicht ordentlich festsitzt, kann das Ende der Welt herbeiführen.‘ Wie wahr. Selten habe ich einen derart schmalen Roman gelesen, der eine ganze Welt so klug und leichtfüßig erzählt.