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Project Description
Projektbericht – Projekt MeGOS
Medizinische Grundversorgung Obersimmental-Saanenland
PD Dr. Peter Berchtold
Dr. Christof Schmitz
Claudia Berlin
Prof. Dr. André Busato
EXECUTIVE SUMMARY
Vor dem Hintergrund der sich verändernden Gesundheits- und Krankheitsversorgung in ländlichen Regionen hatte das vorliegende Projekt zum Ziel, die ambulanten und stationären Leistungsinanspruchnahmen im Obersimmental-Saanenland und das Verhalten der Patienten bzw. der Bevölkerung zu charakterisieren. Um diese Befunde besser einordnen zu können, wurden dazugehörige urbane Regionen (Thun) sowie vergleichbare periphere Regionen (Unterengadin, Münstertal) untersucht. Darüber hinaus wurden die Versorgungsfunktionen der peripheren Spitäler in diesen Regionen sowie Erfolgsfaktoren und Herausforderungen der ambulanten und stationären Grundversorgung und Unterschiede zwischen den untersuchten Regionen evaluiert.
Die Auswertungen der ambulanten und stationären Leistungsinanspruchnahmen zeigen, dass Patienten in peripheren Regionen im Bereich der Grundversorgung grossmehrheitlich und angemessen das lokale Leistungsangebot nutzen: bei den hausärztlichen Konsultationen waren das rund 90%, während von den stationären Behandlungen im Rahmen des SPG Basispakets rund 2/3 der Fälle bzw. 50-60% der Kostengewichte im peripheren Spital in der Wohnortregion betreut wurden. Mit anderen Worten hält ein Grossteil der Bevölkerung jenen Teilen der lokalen ambulanten und stationären Versorgung die Treue, welche im engeren Sinne versorgungsnotwendig sind. Bemerkenswert ist zudem, dass die lokale Leistungsinanspruchnahme bei Geburtshilfe und Neonatologie noch höher liegt, indem rund 80% der Neugeborenen im wohnortnahen peripheren Spital entbunden werden. Wir interpretieren diese Ergebnisse im Sinne einer „angemessenen“ Abwanderung, das heisst, dass Patienten in ländlichen Gegenden speziell dann weg vom lokalen Angebot wechseln, wenn die Art der Erkrankung dies tendenziell auch opportun erscheinen lässt.
Bezüglich der Versorgungs-Funktionen peripherer Spitäler zeigen die Ergebnisse, dass 2011 zwischen drei Viertel und fünf Sechstel aller Hospitalisationen der untersuchten peripheren Spitäler auf das (obligatorische) Basispaket und Geburtshilfe entfielen. Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Bandbreiten der übrigen Leistungsbereiche der vier peripheren Häuser. Mit 19 Leistungsbereichen bzw. 28 Leistungsgruppen wies das Spital Zweisimmen das grösste Spektrum auf, während die übrigen Spitäler eine ähnliche Bandbreite zeigten (Spital Saanen: 13 Leistungsbereiche bzw. 20 Leistungsgruppen, Ospidal Scuol: 13 Leistungsbereiche bzw. 23 Leistungsgruppen, Spital Samedan: 14 Leistungsbereichen bzw. 23 Leistungsgruppen). Für ein Spital, seine Patientenbetreuung,
Betriebswirtschaft und Management ist die Bandbreite der Leistungsbereiche relevant, weil Leistungsbereiche ihre je eigenen Fachkompetenzen und klinischen Abläufe aufweisen und entsprechende personelle wie infrastrukturelle Anforderungen stellen. Je breiter diese Anforderungen ausfallen, desto grösser werden die Auswirkungen wie auch die Risiken für Führung und Betrieb dieser Häuser sein.
Wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Spital-Führung wie zur Gewährleistung einer funktionierenden regionalen Gesundheitsversorgung scheint eine übereinstimmende Klarheit unter den Akteuren zu sein, was im Spital bzw. der Region angeboten wird und was für die Region notwendig und sinnvoll ist. In den Interviews, die wir mit verschiedenen Akteuren in allen Regionen führten, fanden wir eine solche übereinstimmende Klarheit im Unterengadin und Münstertal. Im Gegensatz dazu war in der Region Saanenland-Obersimmental-Thun eine erhebliche Bandbreite an Meinungen über ein erfolgversprechendes stationäres Leistungsangebot in Zweisimmen wie auch an Annahmen über die Bedürfnisse und Erwartungen der Bevölkerung in dieser Region festzustellen. Insbesondere die Bandbreite zum Spital Zweisimmen reichte von der Meinung, dass die Idee eines „Spitals“ im gegenwärtigen Sinn aufzugeben wäre bis zur Ansicht, dass das aktuelle Angebot angemessen und ausbaufähig sei.
Zusammenfassend sind aus den Ergebnissen dieses Projekts vier Aspekte hervorzuheben: (1) Seitens der Bevölkerung in den peripheren Regionen finden wir die stärkste Treue zum lokalen Angebot in den Leistungsbereichen der Grundversorgung (Basispaket, Geburtshilfe), d.h. in den für diese Regionen versorgungsnotwendigen Bereichen. (2) In Übereinstimmung dazu bestehen die Leistungsspektren der untersuchten peripheren Spitäler zu drei Viertel bis fünf Sechstel aus dem (obligatorischen) Basispaket und Geburtshilfe. Gleichzeitig bestehen bedeutsame Unterschiede zwischen den einzelnen peripheren Häusern, insbesondere was die Bandbreite des übrigen Leistungsspektrums betrifft. Im Gegensatz zum Spital Zweisimmen zeigten die peripheren Bündner Spitäler kleinere Leistungsbandbreiten. (3) Im Gegensatz zu den Berner Regionen finden wir unter den Akteuren der beiden Bündner Regionen eine übereinstimmende Klarheit, was im Spital bzw. der Region angeboten wird und was für die Region notwendig und sinnvoll ist. (4) Das Leistungsangebotsspektrum von Spitälern kann nicht nur aufgrund von Fallzahl- und Vergütungsvolumen festgelegt werden, sondern benötigt eine differenzierende und priorisierende herangehensweise, welche zwischen Leistungsbereichen unterscheidet, welche zwingend anzubieten sind, und solchen, welche mit tieferer Priorität angeboten werden könnten.
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