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Alan Smith, der Pferdesportfachmann der Londoner Tageszeitung «Daily Telegraph», starb am 14. September 2022. Er wurde 89 Jahre alt. Neben dem Pferdesport betreute Alan Smith bei seiner Zeitung auch den Skisport, wo er allerdings kaum britische Erfolge zu vermelden hatte. Er war bei zehn Olympischen Sommerspielen und acht Winterspielen als Medienvertreter akkreditiert. Er schrieb auch mehrere Sachbücher über den Pferdesport in Grossbritannien und einen Roman über Snowy, das «Welsh Mountain Pony». (Auf Deutsch erschienen 1985 im Albert Müller Verlag, Rüschlikon.)
Als 1978 der Weltcup der Springreiter ins Leben gerufen wurde, erkannte man die Notwendigkeit der Schaffung einer Kontrollinstanz, gebildet mit Vertretern aller am Weltcup beteiligten Parteien. Als der neu ernannte Weltcupdirektor auf Schloss Windsor dem damaligen FEI-Präsidenten, Prinz Philip, die Komposition des neu zu gründenden Weltcupkomitees unterbreitete, war der Prinz sofort mit den FEI-Vertretern (je ein Mitglied der Springkommission und der Finanzkommission) einverstanden. Ebenfalls, dass die Weltcuporganisatoren in Europa und Nordamerika je einen Vertreter delegieren konnten. Auch die zwei Reitervertreter, je einer aus der Europa- und der Amerikaliga, wurden diskussionslos akzeptiert. Nicht aber mein Vorschlag, der wenige Jahre zuvor gegründeten Internationalen Pferdesportjournalistenvereinigung einen Sitz im Weltcupkomitee zuzuteilen. «Was soll ein Journalist in diesem Komitee?» war die Frage des Prinzen. Erst als ich erwähnte, der vorgesehene Journalistenvertreter sei Alan Smith, lenkte der FEI-Präsident ein. In der Folge war Alan Smith über 20 Jahre Mitglied des Weltcupkomitees bis zur Saison 1998/99.
Der Erste seiner Zunft
Über 20 Jahre zuvor hatte Alan Smith den 1964 neu zum FEI-Präsidenten gewählten Prinz Philip getroffen und ihn gefragt, ob es nicht möglich wäre, der kommenden FEI-Generalversammlung vom Dezember 1965 in Brüssel als Pressevertreter beizuwohnen. Prinz Philip, zu Alan Smith‘ freudiger Überraschung, stimmte zu. So war Alan Smith 1965, im 44. Jahr seit der Gründung der FEI 1921, im Palace Hotel in Brüssel der erste Journalist, der über die jährliche Zusammenkunft der FEI berichtete. Bald waren jedes Jahr bei der FEI-GV eine Handvoll Journalisten dabei – 1973, nach meiner Rückkehr nach zehn Jahren in New York, – auch ich.
Allerdings waren wir Journalisten nicht allen aus der FEI-Familie willkommen. Als ich mich in einer Pause mit einem französischen Delegierten unterhielt, warnte der vorbeigehende damalige FEI-Direktor meinen Gesprächspartner mit den Worten «Attention mon Colonel, c’est un journalist!» Trotz seinen Verpflichtungen als Ski-Korrespondent des «Daily Telegraph» besuchte Alan Smith bis zu seinem Rücktritt nach den Olympischen Spielen von Peking/Hongkong 2008 Jahr für Jahr die Weltcupturniere der Europaliga, darunter damals Genf. Im Sommer war er bei sämtlichen FEI-Championaten im Springen und in der Military dabei (die britischen Dressurreiter waren damals knapp Mittelklasse). Dazu besuchte er jedes Jahr den CHIO Aachen und natürlich die grossen Militarys in Badminton, Burghley, Boekelo oder Luhmühlen.
Die grosse Hobbyliebe von Alan Smith war der Pferderennsport. Er schrieb wenig darüber (der Telegraph hatte einen separaten Mann für den Turf). Aber er verfolgte aufmerksam die Aktivitäten auf den britischen Rennplätzen, im Dialog mit seinem Freund Brian Giles, dem Renn- und Concoursverantwortlichen des «Daily Mail.»
Mr. Smith und sein Harem
Auf Auslandsreisen waren Alan Smith und Brian Giles die beiden einzigen männlichen Journalisten aus Grossbritannien. Daneben über ein halbes Dutzend Frauen, die für die «Times», den «Guardian», den «Independent» und andere berichteten. Die britische Mediendelegation bei den grossen Turnieren war nicht zu übersehen, wozu auch eine Handvoll Fotografen gehörte. Die Gruppe mit der überwältigenden Frauenmehrheit unter der Führung von Alan Smith (der auch Präsident des britischen Pferdesportjournalistenverbandes war) wurde liebevoll «Alans Harem» genannt.
In die Schweiz kam Alan Smith jedes Jahr mindestens einmal: zu den FEI-Championaten in St. Gallen und Frauenfeld sowie zu den CSIOs und CSI-W in Luzern und Genf. Sein letzter Besuch war vor einigen Jahren, als er und seine Frau, der Volvo-Pferdesportverantwortliche Ulf Bergqvist und seine Frau und der frühere Weltcupdirektor und seine Frau einige Tage lang über alte Zeiten sprachen und dabei das Nationale Gestüt in Avenches, das NPZ und das Freilichtmuseum Ballenberg besuchten.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 38/2022)
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