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Ein Team von Anwälten hat in Texas ein Camp besucht, in welchem Migranten-Kinder aufgefangen werden. Was sie dort gesehen haben, hat sie derart schockiert, dass sie damit an die Öffentlichkeit gingen.
Warren Binford, eine Anwältin, die vor Ort war, schilderte etwa folgende Szene:
Darauf hätten die Grenzschutzbeamten Laus-Shampoo und zwei Lauskämme verteilt, so Binford weiter. Den Kindern sei gesagt worden, dass sie die Bürsten teilen sollten, was man bei einem Läuseausbruch nie tue.
Einige Kinder seien bis zu drei Wochen inhaftiert gewesen, sagte Binford, obwohl gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Migranten-Kinder innerhalb von drei Tagen in das Sorgerecht des Gesundheits- und Sozialwesens überführt werden sollen.
Weiter seien etwa Eltern nicht über den Verbleib eines Kindes informiert worden, obschon die Telefonnummer auf einem Armband stand.
Die Liste an Missständen könnte noch lange weiter geführt werden. So schmeckte etwa das Trinkwasser im Camp nach Bleichmittel.
Momentan sollen nach Angaben der Behörden rund 15'000 Kinder in Camps untergebracht sein. Platz hätten diese eigentlich nur für 4000 Personen, schätzt die Nachrichtenagentur AP. Unter Trumps «Zero-Tolerance-Politik» werden die Kinder von ihren Eltern getrennt.
Vergangene Woche wurde die Abgeordnete Sarah Fabian vor ein Gericht in San Francisco geladen. Die Richter wollten überprüfen, ob sich die Regierung an das sogenannte «Flores Agreement» hält. Dieses besagt etwa, dass die Kinder ein Recht auf «Hygiene und Sicherheit» haben.
Wenn man keine Zahnbürste, keine Seife und keine Bettdecke habe, dann sei das doch nicht «sicher und hygienisch», sagte der Richter zur Regierungsvertreterin. «Da würde doch jeder zustimmen, nicht?»
Fabian, die sich sichtlich unwohl fühlte, antwortete nach langem Zögern und erst nach mehrfachem Nachhaken. Es gäbe Umstände, in denen man diese Dinge nicht benötige, sagte sie. Ein Zusammenschnitt von Fabians Auftritt ging in der Folge viral.
Donald Trump wurde am Sonntag in einem Fernseh-Interview auf die Zustände an der Grenze angesprochen. Der US-Präsident meinte, dass man unter den gegebenen Umständen «einen fantastischen Job» mache. Er gab den Demokraten die Schuld, dass sie kein zusätzliches Geld sprechen würden. «Wo ist das Geld? Wissen Sie was? Die Demokraten halten die humanitäre Hilfe auf.»
Vizepräsident Mike Pence meinte in einem CNN-Interview gab zwar zu, dass Zahnbürsten und Seifen notwendig seien, um für Sicherheit und Hygiene zu sorgen, doch auch er machte die Demokraten für die Zustände in den Camps verantwortlich.
«Das ist eines der reichsten Länder der Welt», entgegnete Interviewer Jake Tapper, «wir haben Geld, um diesen Kindern in dieser Einrichtung im Bezirk El Paso Zahnpasta, Seife und Decken zu geben.»
«Natürlich haben wir das», sagte Pence.
«Und warum machen wir es nicht?», fragte Tapper.
Und wiederum gab Pence den Demokraten die Schuld.
«Es ist absolut unvorstellbar, auch nur einen weiteren Dollar zur Unterstützung der Abschiebetruppe dieses Präsidenten in Betracht zu ziehen, die offen Menschenrechtsverletzungen begeht», schrieben die Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Ayanna Pressley und Rashida Tlaib in einem gemeinsamen Statement.
Bereits heute lässt sich die Regierung jedes einzelne Kind in den Grenz-Camps 775 US-Dollar kosten. Ein Aufenthalt in einer permanenten Einrichtung oder bei den Eltern der Kinder käme den Staat um ein Vielfaches günstiger.
Derweil können Anwohner der Situation nicht mehr länger zuschauen und schreiten selber zur Tat. Die «Texas Tribune» berichtete etwa von fünf Freunden, welche für 340 US-Dollar Windeln, Seifen und Spielzeug kauften und sich zum betroffenen Camp aufmachten.
Doch dort angekommen, standen sie vor verschlossenen Türen. Spenden werden keine akzeptiert.