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«Ich gebrauche jetzt die besseren Wörter nicht mehr.» In «Eiscafé Europa» zitiert Enis Maci Ilse Aichinger. Und in diesem Satz verbirgt sich auch ein Zugeständnis ans eigene Geheimnis, das Macis Essayband durchstreift – und dabei verwebt und verstrickt.
Die 1993 in Gelsenkirchen geborene Maci schreibt über Identitäten und Figuren, fast ausschliesslich weibliche: über den ersten Kontakt mit einer albanischen Männin, einer Burrnesha; über – aber niemals für – die identitären Frauen in den Spiralen ihrer Instagram- und Tumblr-Kontos; über Jeanne d’Arc, Nonnen und Nornen. Sie wirft mythologische Figuren auf, wie Kassandra, Medea oder auch Doruntina, und lässt die Dichterin Monika Rinck oder die Feministin Andrea Dworkin sprechen.
Erinnerungen tauchen auf und werden in den Text geknallt. Darin findet sich die Geschichte ihrer immigrierten albanischen Eltern. Diese Geschichte und beide Elternteile bleiben eine Halbwelt. Die albanische Sprache entpuppt sich darin als eine weitere Halbwelt. Etwa in einer der vielen Randnotizen: «Sieh!, Veleda, sieh!, Pythia, die auch heisst: Pytja, die Frage.» Wie kommt es, dass eine weissagende Priesterin von Delphi beinahe den gleichen Namen hat wie das Wort «Frage» auf Albanisch? Weiter misst Maci an der deutschen Sprache selbst die ominöse Anwesenheit des Geheimnisses, wenn sie den grammatischen Modus Optativ als unlogisch aufzeigt.
Man kann von einer teils autobiografischen Prosa sprechen, die die eigene Biografie und die der anderen verteidigt, verschleiert, verwaltet und verwüstet. Auf Wikipedia beobachtet Maci dagegen einen Lärm rund um die kollaborative Eindeutigkeit. Die Frage, welcher Widerstand heute nötig ist, wird nicht beantwortet. Es scheint jedoch, dass das Geheimnis Widerstand und Verweigerung zugleich ist. Und vielleicht eine Verführung: Das Buch endet mit einer Übersetzung eines weiblichen Namens: «Afërdita», nah der Tag, oder anders gesagt: die Morgendämmerung.