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Hans Peter Duerr schildert in seinem neuesten Buch die Suche nach dem legendären Ort Rungholt.
Bevor die eigentliche Suche jedoch beginnt, berichtet er im ersten Viertel des Buches, wie er, als Ethnologe, zur Universität Bremen kam und über seine wenig herzliche Aufnahme. Ausführlich beschreibt er, wie er durch verschiedene Archäologen, die Universität und vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holsteins bei seinen Forschungen behindert wurde. Ein Teil dieser Auseinandersetzungen wurde in den 1990er-Jahren in der regionalen und überregionalen Presse ausgetragen.
Erst danach beginnt der Teil, der sich mit der Suche nach der versunkenen Handelsstadt Rungholt beschäftigt. Rungholt lag in der Nähe von Husum und ist durch eine Sturmflut am 16. Januar 1362 untergegangen. Daran anschließend bildeten sich zahlreiche Legenden. Obwohl der historische Ort Rungholt bereits lokalisiert schien, misstraute Duerr der gängigen Forschungsmeinung und machte sich selbst auf die Suche. 1994 unternahm er mit seinen Studenten und Mitarbeitern eine Exkursion ins Watt, was ihm große Schwierigkeiten einbrachte, da Suchen und Graben nach "Kulturdenkmalen" nur mit vorheriger Genehmigung erfolgen darf. Trotzdem hielt er unbeirrt an seiner Idee fest und führte in den folgenden Jahren insgesamt elf Exkursionen durch. Bei diesen Grabungen wurden verschiedene Siedlungsreste wie z.B. Scherben von Keramikgefäßen, ein Holzfässchen, glasierte Importkrüge, Münzen oder Gewürze gefunden.
Die Analyse und Interpretation der Funde lässt Duerr zu dem Schluss kommen, dass die bisherige Forschung mit der Lokalisierung von Rungholt falsch lag und dieser Ort nördlich der Hallig Südfall zu finden sei. Zudem widerspricht er der Aussage, dass die Gegend um Rungholt erst seit dem Mittelalter besiedelt worden war und 1362, nach der großen Sturmflut, endgültig aufgegeben worden sei. Seiner Meinung nach wurde die Gegend erst in den folgenden Jahrzehnten nach und nach aufgegeben. Er kommt zu dem Schluss, dass die Gegend um Rungholt, wenn auch nicht kontinuierlich, seit dem Neolithikum besiedelt war.
Seine Aussagen erfolgen auf Grund der Interpretation der Funde, wofür Duerr verschiedenste Quellen von mittelalterlichen Kirchenbüchern über Mythologie und frühneuzeitliche Chroniken bis hin zu antiken Reiseberichten heranzieht.
Ist der Beginn noch äußerst spannend zu lesen, bleibt anschließend zu fragen, ob der Leser Duerrs Thesen immer folgen kann oder will. Leider fehlt dem Buch ein abschließendes Fazit. 418 Seiten Text folgen 192 Seiten Anmerkungen und 138 Seiten Bibliographie. Ein reges kulturgeschichtliches Interesse muss für ein genussvolles Lesen vorausgesetzt werden.