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Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS)
Historische Verkehrswege hinterlassen Spuren in der Zeit, schlagen Brücken von der Vergangenheit in die Gegenwart. Ziel des Bundesinventars der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) ist es, diese wichtigen Zeitzeugen zu erhalten und zu pflegen.
Aktuelles Fallbeispiel: Historische «Brückenpracht» auf engem Raum
Bei der Klosterhalbinsel in Wettingen stehen zwei der bedeutendsten historischen Brücken im Kanton Aargau. Zum einen die 1819 erstellte Klosterbrücke, die Wettingen mit Neuenhof verbindet. Und rund 500 Meter Limmat abwärts befindet sich die «Gwagglibrugg» aus dem Jahr 1863. Diese gehört zu den ältesten Drahtseilhängebrücken der Schweiz. Die beiden Bauwerke werden fast zeitgleich instand gestellt.
Die denkmalgeschützte Klosterbrücke gehört zum Inventar historischer Verkehrswege (nationale Bedeutung mit viel Substanz) und liegt unterhalb des Wettinger Stauwehrs beim Kloster Wettingen. Sie besteht aus einer rund 20 Meter langen, genieteten Eisenbrücke und einer knapp 40 Meter lange Holzbrücke, die zusammen eine Einheit bilden. Schon seit dem 13. Jahrhundert verband an dieser Stelle ein Fährbetrieb die beiden Limmatufer. 1766 gab der Abt des Klosters den Auftrag für die erste, 60 Meter lange Holzbrücke. Sie wurde jedoch 1799 ein Raub der Flammen, als französische Truppen sie in Brand setzten.
1819 errichtete man eine neue Holzbrücke über die Limmat. Sie bestand aus zwei Abschnitten (Jochen) und einem Mittelpfeiler, der in der Limmat steht. Heute existiert davon nur noch die Holzkonstruktution auf der linken Limmatseite flussabwärts. Das ursprüngliche Holzjoch auf der rechten Seite wurde um 1886 beschädigt und durch eine genietete Eisenkonstruktion ersetzt. So entstand die zweigeteilte «Patchwork-Brücke» aus Holz und Eisen.
Die Klosterbrücke steht seit 1971 unter kantonalem Denkmalschutz. Heute dient die Brücke ausschliesslich dem Langsamverkehr. Nachdem im Laufe der letzten Jahre die Schäden mehr und mehr zugenommen hatten, war ein vollständige Instandsetzung der Holz- und Eisenbrücke notwendig geworden, die das ASTRA mit einer Finanzhilfe unterstützt.
Eisenkonstruktion neu vernietet
In einer ersten Etappe wurde 2020 die Holzbrücke instandgesetzt. Sie erstrahlt heute wieder im Glanz ihres ursprünglichen Aussehens. 2021 folgte die rechtsufrige Eisenbrücke. Das 130-jährige Tragwerk befand sich in einem sehr schlechten Zustand. In Absprache mit der Denkmalpflege des Kantons Aargau wurde die Eisenkonstruktion für die Instandsetzung vollständig auseinandergenommen und neu vernietet.
Da eine Instandsetzung vor Ort nicht möglich war wurde die Brücke in einem Stück ausgebaut und nach Villmergen transportiert, wo sie in einem Sandstrahlwerk fachgerecht auseinandergebaut wurde,. Die noch funktionsfähigen Elemente, wurden sandgestrahlt und neu beschichtet. Anschliessend wurden die Bauteile mit handgefertigtem Nietmaterial neu vernietet. Damit behält das Brückenwerk sein ursprüngliches Erscheinungsbild. Das Vorgehen bei dieser Instandsetzung ist ein Beispiel, wie denkmalschützerische Anliegen und «handfeste» Argumente bezüglich der langfristigen Stabilität der Brücke in Einklang gebracht werden konnten.
Instandsetzung der «Gwagglibrugg»
Ein paar Meter flussabwärts wird 2021 auch die «Gwagglibrugg» (Paul-Fischer-Brücke) instandgesetzt. Die Hängebrücke über die Limmat wurde 1863 von Johann Wild, dem Besitzer der Spinnerei Wettingen, in Auftrag gegeben. Sie verkürzte den Weg zwischen der Fabrik und dem Kosthaus, in dem die Arbeiterinnen und Arbeiter wohnten. Nach über 100 Jahren wurde sie 1981/82 von Grund auf erneuert und die Sicherheit wieder hergestellt. Dabei konnte ein grosser Teil der originalen Konstruktion erhalten bleiben. Doch die letzten Jahre haben dem Korrosionsschutz der «Gwagglibrugg» stark zugesetzt, und auch an den Holzelementen hatte der Zahn der Zeit spürbar genagt. Daher entschloss sich die Gemeinden Neuenhof und Wettingen, die Brücke instand zu setzen. So können weitere Schäden vermieden und die Stabilität des «gwaggligen» und geschichtsträchtigen Brückenwerks sichergestellt werden. (Fotos Slider: zweiweg / Foto Brücke: Gruner)
Im Fokus
Erschliessung des IVS Archivs in der Nationalbibliothek
Die Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek hat die Originaldokumente der Grundlagenarbeiten für das Bundesinventar der historischen Verkehrswege archiviert und erschlossen. Das IVS-Archiv wurde in die EAD-Sammlung (Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege) eingebunden und ist dort nun für alle zugänglich: Bericht über die ErschliessungFinanzhilfegesuche
Erläuternder Bericht VIVS
Der erläuternde Bericht zur «Verordnung über das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (VIVS)» ist die unverzichtbare Wegleitung für eine aktive Umsetzung der Verordnung – und damit auch für erfolgreiche Finanzhilfeprojekte.