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Im freien Fall an einem Griff festhalten und dann wieder hochklettern. Das schafft wohl nichtmal Joe Simpson, jedoch sein Landsmann Sherlock Holmes – jedenfalls im Kriminalroman von Conan Doyle.
„Aufs Ganze gesehen war es also am besten, daß ich den Aufstieg wagte. Das war, weiß Gott, keine angenehme Sache, Watson. Unter mir tobte der Wasserfall. Ich leide nicht unter Einbildungen, aber ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß mir war, als schreie Moriartys Stimme auf der Tiefe zu mir herauf. Ein Fehler hätte verderbliche Folgen gehabt. Mehr als einmal, wenn ich mit den Händen unvermittelt Grasbüschel herausriß oder wenn mein Fuß in den nassen Spalten wegrutschte, dachte ich, es sei aus mit mir.“
Ein Ausschnitt aus der Erzählung „Das leere Haus (The Empty House)“, worin der englische Schriftsteller Arthur Conan Doyle die Wiederauferstehung von Sherlock Holmes beschrieb. Doyle hatte ihn in der im Dezember 1893 veröffentlichten Erzählung „Sein letzter Fall (The Final Problem)“ im Reichenbachfall ob Meiringen beerdigt, weil der Erfinder genug von seinem Serienhelden, von den Erwartungen und Ansprüchen des Publikums hatte. Ein Stern an der Felswald neben dem niederschiessenden Wasser kennzeichnet die Stelle, wo Holmes und sein Gegner am 4. Mai 1891 den Halt verloren. „Killed Holmes“ notierte Doyle befriedigt im Tagebuch. Doch Leser und Verleger verlangten gebührlich nach weiteren Erzählungen mit dem smarten Detektiven. Deshalb erfand Doyle die Story, dass der „grösste Detektiv der Welt“ (so eine Inschrift bei der Talstation der Reichenbachfallbahn) im Gegensatz zu Professor Moriarty, dem König der Londoner Unterwelt, eben nicht in den nassen Abgrund fiel, sondern sich vor dem freien Fall an einem Griff festhalten und wieder hochklettern konnte. Ein Pilgerort für die Sherlock-Holmes-Fans aus aller Welt. Zum Beispiel am 22. Mai 2009, am 150. Geburtstag von Arthur Conan Doyle.
„Sherlock Holmes – Seine sämtlichen Abenteuer“ sind am besten greifbar in der Edition des Insel Verlages von 2008.