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Der ehemalige Bundesstaatsanwalt Olivier Thormann, der das Fifa-Verfahren seinerzeit eröffnete, wurde als Zeuge gehört.
In der mit Spannung erwarteten Einvernahme von Platini vor Bundesstrafgericht erklärte dieser, wie es 1998 zur Zusammenarbeit mit Blatter gekommen war. Dieser habe ihn gefragt, sein technischer Berater zu werden. «Er hat mich gefragt, wie viel ich wolle – und ich sagte: eine Million», so Platini. Dabei sei nicht festgehalten worden, ob es sich um Peseten, Lira oder eine andere Währung handele. Erst später sei dann klar gewesen, dass es sich um Franken ging.
Er habe auf Grund der mündlichen Vereinbarung begonnen, ab September 1998 für die Fifa zu arbeiten. Auch ein Büro in Paris wurde ihm gestellt und Spesen garantiert wie Flugreisen 1. Klasse. 1999 sei klar geworden, dass es einen Vertrag brauche.
Blatter habe ihm bei einem persönlichen Treffen gesagt, dass er den Betrag von 1 Million Franken pro Jahr nicht bezahlen könne. Er erhalte 300'000 Franken Salär wie der Generalsekretär, der Rest werde zu einem späteren Zeitpunkt beglichen. Platini erklärte wiederholt, dass er sich nicht für Finanzen und Geld interessiert habe.
Dass er seine Restforderung erst 2011 erhob, erklärte Platini damit, dass andere Forderungen beglichen wurden für Personen, die für die Fifa gearbeitet und diese verlassen hatten. Dass er eine Nachforderung von 2 Millionen Franken, statt 2,8 Millionen Franken (vier Mal 700'000 Franken) stellte, sei sein Fehler gewesen.
Platini erhob schwere Anschuldigungen gegen die Bundesanwaltschaft und die Fifa: "Was die Fifa mit mir und ihrem Ex-Präsidenten gemacht hat, ist ein Skandal. Das Ziel war, das wissen alle, dass ich nicht Fifa-Präsident werden sollte." Als weltbekannte Persönlichkeit sei es schwierig, so beschuldigt zu werden: «Doch die Wahrheit wird ans Licht kommen.»
Blatter weist alle Vorwürfe zurück
Vor Platini hatte zum Auftakt des zweite Tages bei der Hauptverhandlung vor Bundesstrafgericht Blatter zu seiner Person, zur Anklage und zur Sache ausgesagt. In der Einvernahme wies Blatter die in der Anklageschrift enthalten Vorwürfe entschieden zurück, das heisst insbesondere den Vorwurf, dass Platini rechtswidrig im Jahr 2011 zwei Millionen Franken plus Sozialabgaben überwiesen worden seien. Dieses Geld sei geschuldet gewesen. Er verstehe nicht, warum es ein Strafverfahren für einen administrativen Vorgang in einem Verein wie der Fifa gebe.
Blatter rekonstruierte die Zusammenarbeit mit Platini, die 1998 nach seiner Wahl zum Fifa-Präsidenten begonnen hätte. «Platini sagte mir, er sei als Berater eine Million Franken pro Jahr Wert, und ich sagte Ja», erläuterte Blatter. Dies sei so mündlich in einem Gentleman-Agreement festgehalten worden.
1999 sei in einem schriftlichen Vertrag die Summe von 300'000 Franken festgehalten worden, weil sich die Fifa in einer schlechten finanziellen Lage befunden hätte. «2002 waren wir praktisch pleite», so Blatter.
Warum die Nachforderungen von Platini für seine Beraterdienste zwischen 1998 und 2002 erst 2011 gekommen seien, könne er nicht sagen. Er bestritt, dass die in seinem Schreibtisch gefunden Rechnung von Platini ein "Faustpfand" sein sollte, um diesen als Fifa-Präsidenten zu verhindern
Auf eine Nachfrage der Fifa-Verteidigerin antwortet Blatter nicht: "Fifa-Präsident Gianni Infantino antwortet mir sei 2016 nicht, daher antworte ich auch nicht auf Fragen der Fifa." Die Fifa hatte wissen wollen, warum die Überweisung der 2 Millionen Franken nicht in den Unterlagen und Protokollen vermerkt sei, obwohl Blatter behauptete, die Zahlung sei von allen Gremien der Fifa abgesegnet worden.
Blatter kritisierte auch, dass man ihn nach der Aktion der Bundesanwaltschaft von 2015 schon medial vorverurteilt habe, obwohl der nur seinen Pflichten nachgekommen sei: «Ich bin schon bestraft – und das seit sieben Jahren.» Die ganze Familie habe darunter gelitten. Er sei froh, dass nun die Geschehnisse von damals vom Gericht beurteilt würden.
Blatter erklärte zu seiner persönlichen Situation, dass er in Visp eine Wohnung habe, aber sein soziales Leben sich in Zürich abspiele. Er lebe von der AHV und seinen Ersparnissen, die er nicht näher bezifferte. Seinen monatlichen Finanzbedarf gab er mit rund 25'000 Franken an.
Ehemaliger Bundesstaatsanwalt als Zeuge einvernommen
Zum Abschluss des Verhandlungstages wurde der ehemalige Bundesstaatsanwalt Olivier Thormann als Zeuge einvernommen, der seinerzeit die Fifa-Ermittlungen geleitet hatte und mittlerweile selbst als Richter am Bundesstrafgericht tätig ist. Er berichtete, dass die Untersuchung anfänglich auch die Vergabe von TV-Rechten beinhaltete sowie Unregelmässigkeiten bei der Vergabe der Weltmeisterschaften nach Russland (2018) und Katar (2022), nachdem ein ehemaliger Fifa-Mitarbeiter entsprechende Aussagen gemacht hatte.
Dass die Strafuntersuchung zur 2 Millionen-Zahlung zuerst nur Blatter galt und erst später auf Platini als Zahlungsempfänger ausgeweitet wurde, erklärte Thormann mit dem Umstand, dass ungetreue Geschäftsführung als Straftatbestand im Vordergrund stand und damit sozusagen Blatter als Geschäftsführer. «Das war wohl ein Fehler, wenn ich Platini heute hier im Saal sehe», so Thormann.
Die Verteidigung von Platini versuchte durch geschickte Fragen, Unterstützung für die Komplott-These zu finden, wonach die Untersuchung der Bundesstaatsanwaltschaft dazu diente, Platini als Fifa-Präsidenten zu verhindern. Doch Thormann lieferte die erhofften Antworten nicht.
Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.