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Das Schloss in 1767 Herrliberger
Weitere Luftaufnahmen von Niedergösgen
Wenn sich die Aare unterhalb der Stadt Olten zwischen Hard und Winznau gegen Osten wendet, öffnet sich zwischen Jura und Engelberg eine weite Talmulde, die beiderseits terassenförmig zum Strome niedersteigt und sich zwischen Niedergösgen und Schönenwerd wieder schliesst. Diese Talengen waren für Burgenbauten sehr geeignet, da von hier aus die Ein- und Ausgänge leicht zu beherrschen waren. Auf den Felsen westlich von Winznau soll eine Burg gestanden haben, und gegenüber am nördlichen Ende des Hardwaldes sind die Spuren der Ruine Kienberg noch heute deutlich zu sehen. Bei Schönenwerd drunten lebten auf dem "Bühl" die reichbegüterten Chorherren von Werd. Der jenseits der Aare auf dem linken Ufer vorspringende Fels von "Bözach" lud verlockend zu einer Befestigung ein.
An dieser Stelle legte um 1230 Freiherr Gerhard I. von (Ober-)Gösgen eine trotzige Burg an. Da aber der Bauplatz dem Stifte von Werd gehörte, so musste das neue Schloss gegen einen jährlichen Zins von 7 Pfund Wachs von den Gösger Herren aus den Händen der Chorherren als Lehen in Empfang genommen werden. Dieser Burgbau hing gewiss mit der gleichzeitigen Übertragung der Kastvogtei über das Stift und seine Besitzungen als Lehen des Bischofs von Strassburg an Gerhard I. zusammen. Später ging die Lehensherrlichkeit an der Kastvogtei an Österreich über. Die Freiherren von Gösgen, Gerhard II., Konrad I., Markwart und Johann I. trachteten darnach, die Kastvogtei in eine vollständige Herrschaft umzuwandeln, was zu scharfen Auseinandersetzungen mit den schwer bedrohten geistlichen Herren führte. Da Johann I. (1317-1351) sich mit einer Edelknechtstochter namens Adelheid, verheiratet hatte, verlor sein Sohn Johann II., der infolge des unfreien Standes seiner Mutter als Unfreier geboren war, die Kastvogtei, weil nur ein freier Herr die Hochgerichtsbarkeit ausüben durfte, behauptete sich aber im Besitze der Burg Niedergösgen. Er hatte keine Leibeserben und übergab deshalb am 31. Dezember 1383 die Veste seinen Neffen Hans und Rudolf von Falkenstein. Nach den neuen Herren wurde Niedergösgen auch Falkenstein genannt. Die Belehnung durch das Stift Werd an Junker Hans von Falkenstein erfolgte erst 1399, als auch die Kastvogtei von Österreich an den Falkensteiner verpfändet wurde. Das Eigentumsrecht an der Kastvogtei scheint 1415 an Bern und Solothurn übergegangen zu sein, nachdem sie den Aargau erobert hatten. Als Thomas von Falkenstein im alten Zürichkriege die Partei Österreichs ergriff und Brugg überrumpelte, liessen die beiden Städte 1444 Gösgen zerstören. In demütigender Weise musste der Freiherr 1453 mit den übermächtigen Orten Frieden schliessen; ohne deren Einwilligung durfte er das Schloss nicht mehr aufbauen. Am 24. März 1458 verkaufte Thomas die Herrschaft und den Burgstall Gösgen mit der Kastvogtei Werd an Solothurn.
Erst nach vier Jahrzehnten, als im Jahre 1498 Kriegsgefahr mit dem deutschen Reichesdrohte, richtete Solothurn die Burg wieder wehrhaft und wohnlich her, und der solothurnische Vogt verlegte seinen Wohnsitz von Wartenfels nach Niedergösgen. Ohne direkte Gefahr ging der Schwabenkrieg vorüber. In den folgenden Jahrhunderten brachen stille Zeiten für das Schloss an der Aare herein. Ein Ritt zu den Chorherren hinüber brachte in das einförmige Vogtleben einige Abwechslung. Beim Einfall der Franzosen 1798 fiel das Schloss der Zerstörung anheim.
Die alte Burg stand auf einem nach Südosten vorspringenden Felsen. Nach Nordwesten trennte ein Halsgraben die Burgstelle von dem dahinter liegenden, bewaldeten Plateau. Die Ansicht Büchels gibt den Bestand vor der Zerstörung 1798. In den Jahren 1903 wurde die damals noch ansehnliche Ruine leider niedergelegt und eine katholische Kirche auf der Burgstelle erbaut, wobei der ehemalige Bergfrit als Kirchturm Verwendung fand.
Bibliographie