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Jedoch wuchsen diese Sorten nicht in den ursprünglichen Weinbauregionen (naher Osten und Mittelmeerraum), sondern waren - von Menschen praktisch unbeachtet - in Teilen Nordamerikas und Asien verbreitet.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden von interessierten Botanikern die ersten amerikanischen Reben nach Europa eingeführt. Zusammen mit den unterschiedlichsten, in Übersee neu entdeckten Pflanzen wurden zur selben Zeit aber auch verschiedene Erreger wie z.B. die beiden Pilzkrankheiten echter und falscher Mehltau sowie die Reblaus eingschleppt, welche sich zuerst in England und von da aus in ganz Europa schnell verbreiteten.
Bald schon stellte man fest, dass die amerikanischen Rebsorten gegen diese Pilzkrankheiten und auch die Reblaus resistent sind. Leider konnte aus den „wilden Amerikanern“ kein Qualitätswein gewonnen werden.
Einige Rebbauern begannen nun, traditionelle Rebsorten auf amerikanischen Unterlagen zu veredeln. So konnte zwar die Reblausplage besiegt werden, jedoch müssen die Reben seither pro Jahr je nach Wetter 5 – 10 x mit Fungiziden gegen Mehltau behandelt werden.
Andere Winzer versuchten, durch Kreuzungszüchtungen neue Rebsorten zu schaffen, die die Qualität der Europäerreben mit der Pilzresistenz der amerikanischen Sorten vereinten. So entstanden die ersten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten für den Weinbau, welche damals noch Hybrid-Reben genannt wurden. Vor allem in Frankreich wurden um 1900 etliche solcher Hybrid-Sorten gezüchtet und angebaut. Diese Sorten waren bei den Winzern sehr beliebt, einerseits wegen dem geringeren Arbeitsaufwand durch Wegfall der Spritzarbeiten, aber auch aufgrund der Tatsache, dass die neuen Sorten tendenziell etwas mehr Traubenertrag abwarfen.
Viele Neuzüchtungen wurden aber leider nie richtig ausgetestet, sondern direkt in grossem Stil angepflanzt. Einige dieser Sorten brachten, im richtigen Terroir angepflanzt, durchaus schöne Weine hervor. Die Mehrheit der Winzer musste im Umgang mit diesen neuen Sorten jedoch einiges an Lehrgeld bezahlen, so dass die Weinqualität arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Qualitätsabfall und die gleichzeitige Steigerung der Weinmenge durch den Mehrertrag zwang die Regierung schliesslich zum Eingreifen. Die traditionellen Weinhäuser übten zusätzlich Druck auf den Staat aus und auch von Seiten der Agro-Chemie wurde bereits seit Ende des 1. Weltkrieges in Paris erfolgreich Lobbying gegen die resistenten Sorten betrieben, so dass mit der Einführung der Ursprungsbezeichnung (Appellation d’Origine) 1955 die Hybriden in Frankreich definitiv verboten wurden und von der Bildfläche verschwanden.
Auch in den grossen Weinregionen in Italien und Spanien konnten sich die Piwi‘s nie richtig durchsetzen. In Deutschland, wo die neuen Sorten ebenfalls lange verboten waren, wird seit 1980 an staatlichen Forschungsanstalten wieder intensiv mit Kreuzungszüchtungen gearbeitet. In der Schweiz wird seit 1990 auf privater Ebene ebenfalls vermehrt gezüchtet und selektioniert und vor ein paar Jahren startete auch die Schweizerische Forschungsanstalt Agroscope in Changins ein Piwi-Zuchtprogramm. So sind zahlreiche vielversprechende pilzwiderstandsfähige Rebsorten entstanden. Sie werden mittlerweile in den meisten europäischen Weinbauländern angebaut - jedoch noch in sehr bescheidenem Rahmen.
Wir sind aber fest davon überzeugt, dass diese Sorten den Durchbruch in den nächsten Jahren definitiv schaffen werden.
Mehr über Piwi erfahren Sie auf www.piwi-international.org