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Ziel des Wiener Übereinkommens von 1985 ist der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen des Abbaus der Ozonschicht. Ziel des Montrealer Protokolls von 1987 ist die Erhaltung der Ozonschicht durch die weltweite Verminderung und schlussendlich den vollständigen Verzicht auf Herstellung und Verbrauch von ozonschichtabbauenden Stoffen. Mit der letzten Erweiterung des Montrealer Protokolls von 2016 – dem sogenannten „Kigali Amendment“ – werden zudem auch die teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffe geregelt. Diese Substanzen werden aktuell als Ersatz für die ozonschichtabbauenden Stoffe genutzt und wirken als starke Treibhausgase.
1. Die internationalen Abkommen zum Schutz der Ozonschicht
Nachdem in den 70er Jahren der Mechanismus der Ozonzerstörung durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) nachgewiesen und in den 80er Jahren der Abbau der Ozonschicht beobachtet worden war, wurden unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zwei internationale Verträge zum Schutz der Ozonschicht unterzeichnet: das Wiener Übereinkommen (1985) und das Montrealer Protokoll (1987).
Diese Verträge sind mittlerweile von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen ratifiziert worden. Dank ihrer Umsetzung konnten zwischen 1986 und 2016 die Herstellung und der Verbrauch der ozonschichtabbauenden Stoffe um mehr als 98% gesenkt werden.
Ziel des Wiener Übereinkommens ist der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen des Abbaus der Ozonschicht. Das Übereinkommen fördert die Forschungstätigkeit, die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen den Staaten sowie die nationale gesetzgeberische Tätigkeit, ohne jedoch konkrete Massnahmen vorzuschreiben.
- Verabschiedung: 1985
- Inkraftsetzung in der Schweiz: 22. September 1988
Ziel des Montrealer Protokolls ist die Erhaltung der Ozonschicht durch die weltweite Verminderung und schlussendlich den vollständigen Verzicht auf die Herstellung und den Verbrauch von ozonschichtabbauenden Stoffen.
Da viele der Ersatzstoffe (teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe, HFKW) starke Treibhausgase sind, die mehrere tausend Mal stärker als CO2 wirken und damit zur Klimaerwärmung beitragen, beschlossen die Vertragsparteien des Montrealer Protokolls im Oktober 2016 in Kigali (Rwanda), das Montrealer Protokoll auf HFKW zu erweitern (Kigali-Amendment) und die Herstellung und den Verbrauch dieser Stoffe mittelfristig um 85% zu vermindern. Diese Regelungen treten ab dem 1. Januar 2019 in Kraft.
Das Montrealer Protokoll enthält einen Zeitplan für die Verringerung der im Protokoll geregelten Stoffe. Den Entwicklungsländern werden dabei gegenüber den Industriestaaten verlängerte Fristen eingeräumt. Ein multilateraler Ozon-Fonds gewährt den Entwicklungsländern die für die Umsetzung des Protokolls nötige finanzielle und technische Hilfe.
- Verabschiedung des Protokolls 1987 und seiner Änderungen: London, 1990; Kopenhagen, 1992; Montreal, 1997; Beijing, 1999; Kigali, 2016
- Inkraftsetzung in der Schweiz des Protokolls 1988 und seiner Änderungen: London, 1992; Kopenhagen, 1996; Montreal, und Beijing, 2002
- Weltweite Ratifizierung (Montrealer Protokoll sowie die ersten vier Änderungen): 2014
|Geregelte Stoffe||Industriestaaten||Entwicklungsländer|
|Einstellung von Herstellung und Verbrauch|
|FCKW, Tetrachlorkohlenstoff||1996||2010|
|Halone||1994||2010|
|Trichloroethan||1996||2015|
|Methylbromid||2005||2015|

HFCKW

2030

2040
|Bromochlormethan||2002||2002|
|Reduktion von Herstellung und Verbrauch (% der Ausgangsmenge)|
|HFKW||2036 (15%)||

2045 (20%)
2047 (15%)*
2. Der multilaterale Fonds zur Umsetzung des Montrealer Protokolls (Ozonfonds)
Hauptzweck des Fonds ist die Unterstützung der Entwicklungsländer bei ihren Anstrengungen, innerhalb der gesetzten Fristen auf die Verwendung der ozonschichtabbauenden Stoffe – und nach 2019 auch der HFKW – zu verzichten.
Der Fonds finanziert Projekte in den Entwicklungsländern und setzt sie mit Hilfe der folgenden vier Organisationen um: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), Organisation der Vereinten Nationen für die industrielle Entwicklung (UNIDO) und Weltbank.
Der Ozonfonds wurde 1990 in London von der zweiten Vertragsparteienkonferenz des Montrealer Protokolls gegründet.
Zwischen 1991 und Ende 2016 hat der Fonds 7677 Projekte und Tätigkeiten in Höhe von insgesamt ca. 3.45 Milliarden US$ in 145 Entwicklungsländern finanziert. Dadurch werden sich Herstellung und Verbrauch der ozonschichtabbauender Stoffe gesamthaft um ca. 468,717 Tonnen FCKW11-Äquivalente verringern lassen.
Die Schweiz betrachtet den Ozonfonds als wichtiges Instrument, um die Ziele des Protokolls in den Entwicklungsländern rasch zu erreichen. Sie legt grossen Wert darauf, dass die unterstützten Projekte nicht nur die Ozonschicht, sondern die Umwelt als Ganzes schonen.
Die Schweiz bezahlt aktuell jedes Jahr etwa 2 Millionen US$ an den Fonds (Gesamtbudget 150 Millionen US$ pro Jahr). In den Jahren 1997/1998 sowie 2010/2011 war sie Mitglied des Exekutiv-Ausschusses des Fonds, welches Handlungsgrundsätze erarbeitet und die Aktivitäten des Fonds überwacht. Auch in der Periode 2020/2021 wird sich die Schweiz wieder im Exekutiv-Ausschuss engagieren.
Die Schweiz unterstützt die Umsetzung des Montrealer Protokolls in den Entwicklungsländern auch direkt. So hat sie sich in Indien, Indonesien, Argentinien, Chile und Costa Rica in bilateralen Projekten im Bereich der Kältetechnik engagiert.
3. Umsetzung des Montrealer Protokolls aus Schweizer Sicht
Seit der Unterzeichnung ist das Montrealer Protokoll im Allgemeinen erfolgreich umgesetzt worden. Die betroffenen Industriezweige und Gewerbebranchen haben Lösungen zum Ersatz der durch das Protokoll geregelten Stoffe entwickelt und die meisten Industrieländer konnten so die eingegangenen Verpflichtungen weitgehend einhalten. In der Schweiz wird die Einhaltung der internationalen Verpflichtungen über die entsprechenden Regelungen der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) erreicht.
Die Konzentration ozonschichtabbauender Stoffe in der Atmosphäre verringert sich (mit Ausnahme der HFCKW von Halon 1301), und das Ozonloch über der Antarktis scheint seine grösste Ausdehnung erreicht zu haben. Es wird jedoch mindestens bis Mitte des 21. Jahrhunderts dauern, bis die Ozonschicht den Stand von vor 1980 wieder erreicht haben wird, da ozonschichtabbauende Stoffe weiterhin aus bestehenden Gegenständen, Produkten und Abfällen entweichen und diese Stoffe eine lange Lebensdauer aufweisen.
Umweltverträgliche Ersatztechniken und -produkte
Als Ersatz für Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (HFCKW) werden noch zu oft Produkte verwendet, die ihrerseits umweltschädlich sind. Teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW) zum Beispiel wurden trotz ihrer schädlichen Auswirkung auf das Klima und entgegen gewisser Bestimmungen des Protokolls in den Entwicklungsländern stark gefördert und subventioniert. Sie wurden von einigen Industriekreisen als Universalersatz für FCKW und HFCKW angeboten, dies trotz ihres beträchtlichen Treibhauspotenzials. Ihr Einsatz trägt somit zur weltweiten Klimaerwärmung bei, welche das Übereinkommen von Paris über Klimaänderungen zu verhindern sucht.
Ziel der Erweiterung des Montrealer Protokolls von 2016 (Kigali-Amendment) ist es daher, so weit wie möglich die umweltschonendsten Produkte und Techniken voranzutreiben, wobei die HFKW nur dort einzusetzen sind, wo keine Alternativen verfügbar sind. Diese Regelung wurde erst durch die Entwicklung einer neuen Generation von Alternativstoffen, der teilhalogenierten Fluorolefine (HFO), ermöglicht. Diese werden innert wenigen Tagen in der Luft abgebaut. Ihr Abbauprodukt jedoch, die Trifluoressigsäure, weist eine pflanzentoxische Wirkung und eine extrem lange Lebensdauer in Oberflächengewässern auf. Deshalb muss aus Sicht der Schweiz verstärkt auf die Entwicklung von Technologien mit natürlichen Gasen, wie etwa Kohlenwasserstoffe oder Ammoniak, gesetzt werden.
Rasche Umsetzung des Protokolls in den Entwicklungsländern
Nachdem die Anforderungen des Protokolls in den Industrieländern weitgehend erfüllt worden sind, muss ihre Umsetzung auch in den Entwicklungsländern gewährleistet werden. Die Industrieländer unterstützen sie bei der Einführung von Ersatzprodukten und -technologien, finanziert über den vom Protokoll eingerichtete Ozon-Fonds. Die Entwicklungsländer ihrerseits haben ihre Verpflichtungen hinsichtlich der Umsetzung der Bestimmungen des Protokolls einzuhalten. Unter diesen Rahmenbedingungen konnte das Protokoll bisher erfolgreich umgesetzt werden.
Letzte Änderung 27.09.2018