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Fagaras Mountains
Report by Iulian Cozma
Karpaten - Romania
Das Fagaras-Gebirge (sprich: Fagarásch) gehört zur Gebirgskette der Südkarpaten. Es ist das höchste Gebirge Rumäniens, zu dem acht der vierzehn Gipfel, die über 2500m hoch sind, gehören, darunter der höchste Berg Rumäniens: der Moldoveanu mit 2544m. Der Hauptkamm ist eine lange Reihe von Gipfeln, die voneinander durch nicht sehr tief eingeschnittene Gebirgssättel getrennt sind. Wenn man ihn von Norden aus betrachtet, wirkt er wie ein Sägeblatt, dessen Zähne in die Höhe ragen. Die Gipfel des zentralen Abschnittes wirken rauh, während sie an den Rändern des Gebirges sanfter werden und auch an Höhe verlieren. Der Kamm hat eine Gesamtlänge von 70km, wobei seine Höhe auf einer Strecke von 55km nicht unter 2100m fällt.
Die nördlichen Seitenkämme sind kurz (bis 10km). Sie zweigen vom Hauptkamm ab und verlaufen parallel zueinander, wobei sie sich nur wenig verzweigen. Im Winter bieten Sie, wie auch der Hauptkamm, Gelegenheit für anspruchsvolle Touren für erfahrenen Alpinisten. Der Schwierigkeitsgrad des Hauptkamms im Winter liegt bei 5B, währen die nördlichen Seitenkämme im Winter Schwierigkeitsgrade bis 3B bieten. Eine Wintertour auf den nördlichen Seitenkämmen und dem Hauptkamm des Fagaras empfiehlt sich nur für gut trainierte Alpinisten mit entsprechender Ausrüstung für Übernachtungen im Biwak.
Das gilt insbesondere für die unter rumänischen Alpinisten berühmte Wintertour über den Arpasel-Kamm (sprich: Arpaschél), auf die ich im folgenden etwas näher eingehen will. Da dieser Weg über die wildesten Teile des Hauptkamms des Fagaras-Gebirges führt, sind ausreichend Erfahrungen mit Touren in Schnee und Eis unabdingbar notwendig. Man kann den Weg von Ost nach West oder in der entgegengesetzten Richtung gehen, wobei man den Kamm des Virtopel unter Umständen auslassen kann. Eine besonders lange und anspruchsvolle Tour ergibt sich, wenn man den Weg über den Arpasel-Kamm mit dem nördlichen Albota-Kamm verbindet. Ich habe beide Touren im Winter unternommen, aber jeweils einzeln. Der Schwierigkeitsgrad des Arpasel-Kamms liegt im Winter bei 5B, im Sommer bei 3B. Der Arpasel-Kamm hat zehn Seillängen, und der des Virtopel noch einmal sechs. Für die Tour über diese Kämme benötigt man 2 Halbseile von mindestens 40m Länge, Seilschlingen, mindestens 4 Seilschlingen mit Karabinern und die geeignete Ausrüstung: Steigeisen, Eispickel, Eishammer.
Die Tour beginnt am Drachenfenster (Fereastra Zmeilor), wenn man auch den Virtopel-Kamm begehen will, oder am Gipfel Fintina (2370m), wenn man nur den Arpasel-Kamm gewählt hat, und endet im Arpas-Sattel (sprich: Arpásch). Der beste Ausgangspunkt für diese Tour ist die Berghütte am Bilea-See, 2004m. Wir empfehlen, so früh wie möglich von der Hütte aufzubrechen.
Als ich die Tour am 14.und 15. März 1999 gemeinsam mit einem Freund unternahm, sind wir morgens um 4.30 Uhr aufgebrochen. Schon bald nach dem Aufbruch mussten wir die Steigeisen anlegen, weil der Schnee sehr hart gefroren war. Nach dem ersten recht anstrengenden Aufstieg in den Gemsensattel (Saua Caprei) folgt ein sanfter Abstieg zum Gemsensee. Von hier aus steigt man zu einem Felsen auf, der "Revolver" genannt wird. Von dort steigt man zum Gemsengrund (Fundul Caprei) hinunter, den man am Südhang des Arpasel-Kamms durchquert. Wenn man den Weg von Westen nach Osten begeht, ist grösste Vorsicht geboten. Da man sich an einem südlichen Hang befindet, steigt die Lawinengefahr im Laufe des Tages rasch an.Am Revolver angekommen, begannen wir den Abstieg in den Gemsengrund, und nach der Durchquerung den Aufstieg zum Drachenfenster, wo die eigentliche Tour beginnt. Es war an jenem Tage ziemlich kalt, etwa -15°C, und es herrschte dichter Nebel. Wegen des dichten Nebels haben wir den Virtopel-Kamm angeseilt überwunden, obwohl man ihn normalerweise ohne diese Sicherung bewältigen kann. Nach diesem Kamm erreichten wir den Adams-Gipfel, den Punkt, an dem sich Albota-, Virtopel- und Arpasel-Kamm treffen. Hier beginnen die schwierigen Passagen. Nachdem wir einen kurzen Grat überschritten hatten, standen wir vor dem Aufstieg auf das erste "Hasenohr". Die Hasenohren sind zwei etwa 50m hohe Felstürme, deren Gestein wie Dachziegel gelagert ist, so dass man sie nur mit äusserster Vorsicht besteigen kann. Es gibt hier einige Haken, aber es hängt von der Schneedecke ab, ob man sie überhaupt finden kann. Als wir auf dem Gipfel des ersten Hasenohr angekommen waren, breitete sich plötzlich der Arpasel-Kamm in seiner ganzen Pracht vor uns aus, und die Sonne begann uns langsam zu erwärmen. Nach einem kurzen Abseilen befanden wir uns in dem kleinen Sattel zwischen den beiden Hasenohren. Der Aufstieg auf das zweite Hasenohr ist etwas schwieriger, aber mit Vorsicht und etwas Mut kann man ihn ohne Probleme bewältigen. Der Abstieg ist allerdings etwas länger, hier muss man sich 40m abseilen. Nach den Hasenohren wird des Arpasel-Kamm sehr steil, und die Wächten
neigen dich bedrohlich zum Nordhang, der fast senkrecht abstürzt. Da man von hier an genau auf der Kammlinie gehen muss, und die Wächten leicht über den genauen Verlauf dieser Linie täuschen können, ist hier äußerste Vorsicht geboten. Auf den Fotos kann man die Wächten gut erkennen.
Am Ende des Arpasel-Kamms befindet sich eine kleine Plattform, auf der wir damals eine Nacht im Biwak zubringen mussten, weil wir die letzte Abseilpassage falsch eingeschätzt hatten. Diese letzte Wand über dem Arpas-Sattel ist 80m hoch, und man kann sie in zwei Abseiletappen auf dem südwestlichen Grat bewältigen, während wir versucht hatten, über die Nordwand abzusteigen, was kaum möglich ist, weil der Fels hier zu brüchig und ausserdem überhängend ist. Schliesslich ist es uns aber doch gelungen. Normalerweise steigt man von dieser Plattform zum Portita-Gipfel auf und von dort ein wenig seitlich links ab, bis man einen Felsvorsprung findet, an dem eine Seilschlinge befestigt ist, mit deren Hilfe man die erste Abseiletappe bewältigen kann. Danach trifft man auf drei solide eingeschlagene Haken, mit deren Hilfe man schliesslich am Fusse der Wand
anlangt. Hier befinden wir uns nun in einem sehr abschüssigen Korridor, durch den man allerdings wegen der grossen Lawinengefahr nicht absteigen sollte. Für den Rückzug ersteigt man einen Grat, der zu einem Nebengipfel der Vinatoarea lui Buteanu führt. Das ist in allen Wetterbedingungen der sicherste Rückzugsweg. Von diesem Gipfel aus folgt man dem Kamm bis zum Gipfel Vaiuga, von wo aus man in den Gemsensattel und in einer weiteren Stunde schliesslich zur Hütte am Bilea-See absteigt. Wir haben damals die Seile in der Wand zurücklassen und einen recht gefährlichen Abstieg in den Arpas-Sattel unternehmen müssen. Einen Monat später kehrten wir wieder zurück, um die Seile zu holen, die allerdings von der Sonne so verbrannt waren, dass man sie nicht mehr verwenden konnte. Wir haben dann aber die Westwand des Portita-Gipfels erstiegen, mit der die Tour beginnt, wenn man von Osten nach Westen geht. Wenn Sie weitere Informationen über diese berühmte Tour oder die Berge Rumäniens wünschen, schreiben Sie an:
<email-pii>
Ich hoffe, dass diese kurze Geschichte aus den rumänischen Bergen Ihr
Interesse geweckt hat, und stehe Ihnen gern mit weiteren Informatioen
oder auch als Bergführer in den rumänischen Bergen zur Verfügung.
Iulian Cozma
www.mountainguide.home.ro
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