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Video
Titel:
Jahrmarkt Herisau
Thema: Wirtschaft
Datum: --.09.1924
Masse: 12,5 cm Durchmesser
Standort: Filmarchiv Kino Leuzinger, Rapperswil
Urheber/-in: Willy Leuzinger, Rapperswil
Beschreibung:
Stummer Dokumentarfilm zum Herisauer Jahrmarkt im Sept. 1924. In der ersten Szene wird der Viehhandel auf dem Ebnet gezeigt vor dem Hintergrund der alten Chälblihalle. Das hölzerne Gebäude wurde nach einem Brand 1943/44 durch einen Neubau ersetzt. In der zweiten Szene sieht man Pferdefuhrwerke der Markthändler auf dem Obstmarkt. Im Hintergrund das 1912 von Gemeindebaumeister Ramseyer erbaute Markthäuschen. Die dritte Szene zeigt die Besuchermassen auf Poststrasse, Platz und Obstmarkt. Die vierte Szene führt den Betrachter in die beeindruckende Budenstadt auf dem damals noch unbebauten Ebnet. Der Herisauer Jahrmarkt war weit herum bekannt und es fehlte an nichts: Schifflischaukel, Tanzbärenvorführung, elektrisch angetriebene Karusselle und natürlich der Wander-Kinematograph von Willy Leuzinger. Der Rapperswiler Kino-Unternehmer betrieb nicht nur fest eingerichete Kinosäle, sondern 1919-1942 auch ein mobiles Kinozelt. Dieses erfreute sich grosser Beliebtheit, nicht zuletzt, weil Leuzinger neben Spielfilmen selber gemachte Dokumentarfilme zeigte, in denen die Ortschaften seiner Jahrmarkttourneen zu sehen waren.
Geschichte:
Die beiden Hauptorte des Appenzellerlandes Appenzell und Herisau verfügten im Verlaufe der Geschichte nie über ein Stadtrecht. Sie dürften sich jedoch beide im Verlaufe des 15. Jahrhunderts zu Marktflecken mit Wochenmärkten entwickelt haben. Ein Herisauer Jahrmarkt wird erstmals 1518 erwähnt, ein Wochenmarkt 1537. Ende des 16. Jahrhunderts wies Letzterer bereits überregionale Bedeutung auf. Herisau war der wichtigste Warenumschlagplatz im Appenzellerland. Seine Ausstrahlung reichte weit in die fürstäbtische Landschaft und bis ins Toggenburg. Im 18. Jahrhundert fanden im Ausserrhoder Hauptort nicht weniger wie vier Jahrmärkte statt, im Februar, April, September und November. Hauptanziehungspunkt war der September-Herbstmarkt, welcher seit 1786 zwei Tage dauerte.
Von grösserer Bedeutung waren die Wochenmärkte, von denen es ebenfalls mehrere gab, einen für Dinge des täglichen Bedarfs, einen für Garn- und Flachs, einen für Leinwand, einen für Getreide und seit 1792 auch einen Viehmarkt. 1804 schufen die Gemeindebehörden eine einheitliche Marktordnung. Dies war nötig um den Überblick zu behalten, führt das Krämerverzeichnis von 1815 doch nicht weniger wie 175 Marktfahrer auf, von denen die Hälfte aus anderen Kantonen stammte. 1912 liess die Gemeinde ein solides Markthaus nach Plänen von Gemeindebaumeister Ramseyer errichten, das die Obstmarkt-Kreuzung auf gefällige Art und Weise strukturierte. Das gemauerte Kleingebäude verfügte über einen gedeckten Marktstand, eine Brückenwaage zum Wägen der Marktwagen und eine meteorologische Messstation, die über das Marktwetter Auskunft gab. Erst nach dem zweiten Weltkrieg verlor der Herisauer Wochenmarkt an Bedeutung. Konkurrenziert durch Einkaufszentren ist er in der Gegenwart nur noch ein bescheidenes Überbleibsel vergangener Tage. Das schmucke Markthäuschen musste 1972 den Anforderungen des modernen Verkehrs weichen und wurde zum Leidwesen vieler Herisauer abgebrochen.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
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