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Neu definierter Berufsauftrag
Ferienanspruch ab 50
Mit dem Wechsel auf das neue Arbeitszeitmodell würden nach der Meinung der Lehrpersonalverbände die Lehrpersonen benachteiligt, die eben erst in den Genuss der altersbedingten Pensenreduktion gekommen sind oder kurz davor stehen. Gibt es eine Besitzstandsregelung?
Nein.
Die geänderte Lehrpersonalverordnung (LPVO) sieht keine Besitzstandsregelung vor. Für die Einführung einer solchen müsste der Regierungsrat nochmals eine weitere Änderung der LPVO beschliessen. Da dadurch die Arbeitszeit betroffen wäre, müsste diese Vorlage auch noch vom Kantonsrat genehmigt werden. Die Einführung einer Besitzstandsregelung würde entweder zu einer Verminderung der in der Schule vorhandenen Ressourcen oder zu einer finanziellen Mehrbelastung für die Gemeinden führen. Beides ist nicht erwünscht.
Die Lehrpersonalverordnung* sieht in § 2c Abs. 2 lit. h vor, dass die Gemeinde den zusätzlichen Mittelbedarf aufgrund des erhöhten Ferienanspruchs mit zusätzlichen kommunalen Mitteln ausgleichen kann. Wegen der Kann-Formulierung braucht es einen Beschluss.
Im alten System läuft die Kompensation der altersbedingten Pensenreduktion ganz automatisch. Wenn die Schule 28 WL vergeben muss und eine Lehrperson mit altersbedingter Pensenreduktion einen Beschäftigungsgrad von 100 % hat, unterrichtet sie nur 26 WL. Da die 2 verbleibenden WL abgedeckt werden müssen, werden diese beiden Lektionen einer anderen Lehrperson zugehalten. Damit steigt deren Pensum. Mit anderen Worten: Bisher konnte die Gemeinde gar nicht darüber entscheiden, ob sie den Zusatzaufwand aufgrund der altersbedingten Pensenreduktion gewähren möchte oder nicht. Dieser Zusatzaufwand ergab sich einfach automatisch aus dem System mit den Lektionen.
*Lehrpersonalverordnung vom 19. Juli 2000 (LPVO; LS 412.311; Änderungen vom 18. März 2015)
- pro Lehrperson zwischen 50 und 60: ca. 0.02 VZE x Beschäftigungsgrad
(42 : 1932 = 0.0217)
- pro Lehrperson über 60: ca. 0.04 VZE x Beschäftigungsgrad
(84 : 1932 = 0.0434)
Die Problematik kann man sich am besten mit zwei gleich grossen Schulen (d.h. gleich viele VZE) vorstellen.
In der Schule A arbeiten Lehrpersonen, die alle noch nicht 50jährig sind und deshalb erst 4 Wochen Ferien haben. In der Schule B gibt es im Lehrerteam insgesamt 6 Lehrpersonen zwischen Alter 50 und 59 (mit je einem Beschäftigungsgrad von 100 %) und 2 Lehrpersonen im Alter 60+ (ebenfalls je mit einem Beschäftigungsgrad von 100 %). Diese 8 Lehrpersonen haben 5 bzw. 6 Wochen Ferien.
Ohne Kompensation steht der Schule A insgesamt 420 Stunden mehr Netto-Arbeitszeit als der Schule B zur Verfügung. Grund: Die 6 Lehrpersonen zwischen Alter 50 und 59 haben jährlich je 42 Stunden mehr Ferien (6 x 42 h) und die 2 Lehrpersonen im Alter 60+ haben jährlich je 84 Stunden mehr Ferien (2 x 84 h) als die unter 50-jährigen Lehrpersonen. Bei gleichen Ressourcen kann die Schulleitung der Schule B also 420 Stunden weniger verteilen. Wenn die Schulpflege dies nun bewilligt, bedeutet dies, die Schulleitung der Schule B gleich viele Netto-Arbeitsstunden verteilen kann wie die Schulleitung der Schule A.
Eine 61jährige Lehrperson hat zwei zusätzliche Ferienwochen. Kann sie wie bisher dafür 2 Lektionen weniger unterrichten?
Grundsätzlich ist es möglich, den zusätzlichen persönlichen Ferienanspruch auch in Form einer Reduktion von Lektionen umzusetzen (wobei die 60%-Regelung zu beachten ist).
Die LP muss dann in den anderen Tätigkeitsbereichen etwas mehr leisten. Es ist aber auch denkbar, die Unterrichtsverpflichtung beizubehalten und die anderen Tätigkeitsbereiche zu reduzieren. Diese Flexibilität ist ein grosser Vorteil des neu definierten Berufsauftrags.
Letztlich muss dies zwischen Schulleitung und Lehrperson ausgehandelt werden, wobei abschliessend die Schulleitung darüber entscheidet.