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, Einleitung: Enchiridion d.h. Handbüchlem für den Laurentius oder Buch vom Glauben, von der Hoffnung und von der Liebe. In: Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus ausgewählte Schriften / aus dem Lateinischen übers. (Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus ausgewählte Schriften Bd. 8; Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 49) Kempten; München : J. Kösel : F. Pustet, 1925.
Einleitung: Enchiridion d.h. Handbüchlem für den Laurentius oder Buch vom Glauben, von der Hoffnung und von der Liebe
[S. 389] Das „Handbüchlein”, dem man nach den bei Augustinus selbst vorkommenden Zitaten vielleicht besser den Titel „Vom Glauben, der Hoffnung und der Liebe“ (De fide, spe et caritate, vgl. Scheel, Einleitung) geben sollte, wurde von Augustinus wohl im Jahre 421, als die ungestüme Ruhelosigkeit seiner jungen Jahre bereits einer abgeklärten Mannesreife gewichen war, auf den Wunsch eines gewissen Laurentius verfaßt. Wer dieser Laurentius war, wissen wir nicht, wahrscheinlich kein Kleriker, sondern ein Laie aus vornehmer römischer Familie, den Augustinus in dem vorliegenden Büchlein selbst als einen Mann von Bildung und Gelehrsamkeit schildert und der nach dem Schlußwort der Schrift zu schließen vermutlich dem heiligen Kirchenlehrer sehr nahe gestanden ist; vielleicht verdankte er dem heiligen Augustinus nicht wenig für seine innere Entwicklung (vgl. Scheel).
Das Interesse, welches das Enchiridion zu bieten vermag, ist ein theologisches. Katholiken und Protestanten haben sich in gleicher Weise von dem Schriftchen angezogen und zu mannigfachen Lobeserhebungen veranlaßt gesehen. Die größte Ehre wurde dem Büchlein damit zuteil, daß sich ein heiliger Thomas von Aquin für sein Compendium Theologiae das Enchiridion Augustinus’ zum Vorbilde nahm. Den Maurinern galt es z. B. als ein „opus aureum, nocturna et diuturna manu versandum“; die antirömische Polemik der Reformatoren und Jansenisten nahm das Buch ihrerseits für sich in Anspruch; in unserer Zeit glaubte Harnack (Lehrbuch der Dogmengeschichte, Tübingen 19104, III. 220 ff.) seine langen Ausführungen über die Stellung des heiligen Augustinus in der Dogmengeschichte nicht besser zusammenfassen zu können, als wenn er die von Augustinus in seinem Enchiridion gebotenen Darlegungen über den Inhalt der katholischen Glaubenslehre ausführlich erörterte. Ganz ähnlich tat auch Seeberg [S. 390] in seinem Lehrbuch der Dogmengeschichte (Leipzig 1910². II. 489 ff.).
Augustinus umschrieb in einer längeren Einleitung (§ 1―8) den Stoff seiner Darlegung selbst dahin, daß die ganze christliche Lehre eingeschlossen sei in dem Glauben, der durch die Liebe wirksam ist und Hoffnung hat. Den weitaus größten Teil des Buches nehmen die Ausführungen über die christliche Glaubenslehre ein (§ 9―114), wobei sich der Verfasser im großen und ganzen an die Reihenfolge hielt, die er schon im apostolischen Symbolum vorgezeichnet fand. Von einer ausführlichen Erörterung der christlichen Hoffnung und der Liebe konnte er absehen, weil er in der bis ins Einzelne gehenden Behandlung des Glaubens schon alle wesentlichen Punkte der christlichen Lehre dargelegt hatte. So beschränkte er sich auf die Feststellung, daß die Hoffnung lediglich das umfasse, was auch Gegenstand der Bitten des Vaterunsers sei (§ 114―116); bezüglich der Liebe bemerkte er nur kurz, sie sei die Krone der christlichen Tugenden (§ 117―121).
Das Enchiridion ist schon frühe durch Sonderausgaben weiter verbreitet worden1. Der älteste, weder Druckort noch auch Druckjahr verzeichnende Sonderabdruck ist nach C. T. G. Schönemann, Bibliotheca historico-litteraria patrum latinorum (Leipzig 1794, Bd. II. p. 297) noch vor 1477 erschienen. Zufolge einer handschriftlichen Bemerkung, die sich in einem Exemplar der Münchener Staatsbibliothek befindet, soll er bereits aus dem Jahre 1473 stammen. Das Reformationszeitalter zeitigte mehrere Neudrucke, von denen die von Lamb. Danaeus besorgte, zuerst 1575 in Genf erschienene textkritische Ausgabe am weitesten verbreitet war. Zur Zeit gilt als die beste die von Jo. Georg Krabinger bearbeitete, auf handschriftlichen Vergleichungen beruhende und mit einem reichen textkritischen Apparat versehene Ausgabe (Tübingen 1861). Da sie [S. 391] aber vergriffen ist, erschien in der „Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengeschichtlicher Quellenschriften“ (II. Reihe, IV. Heft. Tübingen-Leipzig 1903) eine auf der Krabingerschen Ausgabe beruhende Bearbeitung des Enchiridions von Lic. Otto Scheel, die ich meiner Übersetzung zugrunde gelegt habe (vgl. Scheel, Einleitung VIII f.).
Das Enchiridion ist natürlich auch schon frühe übersetzt worden. Ältere nichtdeutsche Übersetzungen führt Schönemann a. a. O. an. 1533 übersetzte Hedion das Buch ins Deutsche. Eine Anzahl älterer deutscher Übertragungen erwähnt J. Molzberger in der Einleitung seiner in der ersten Auflage unserer „Bibliothek der Kirchenväter“ gebotenen Übersetzung, die auch mir gute Dienste geleistet hat. In neuester Zeit hat Paul Simon „Das Handbüchlein des heiligen Augustinus” in einer sehr guten Sonderausgabe erscheinen lassen (Paderborn 1923, Schöningh), die durch umfangreiche und wertvolle Erläuterungen besonders verdienstlich ist. Ich konnte sie erfreulicherweise für die vorliegende Übertragung in unserer Sammlung noch beiziehen.
1: Über ältere Ausgaben des „Enchiridion“ vgl. Notitia litteraria in S. Augustinum (Supplementum ad opera S. Augustin. Migne, Patrol. S. lat. 47), Sp. 164 ff. — Siehe auch Bardenhewer, Gesch. d. altkirchl. Lit. 1924, IV, S. 460.