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Mit dem Alter nimmt das Risiko für eine Vielzahl an Erkrankungen zu. Dazu gehören auch die Substanzabhängigkeitserkrankungen. Eine Abhängigkeit entwickelt sich je nach Person unterschiedlich schnell. Dabei spielen neben der Substanz selber auch Persönlichkeitsfaktoren, soziale Faktoren, die Umwelt der betroffenen Person und ihr Lebensabschnitt eine Rolle.
Risikofaktoren
Risikofaktoren können sowohl psychischer, physischer als auch soziokultureller Art sein. Zudem können die Folgen einer Abhängigkeit ihrerseits wieder zu einem Risikofaktor werden. Zu den häufigsten Ursachen für eine Abhängigkeitserkrankung im Alter gehören Veranlagung, Stressfaktoren sowie Selbstmedikation.
Die Veranlagung beschreibt eine genetische Vulnerabilität gegenüber gewissen Substanzen. Oftmals sind in der Familie bereits Abhängigkeitserkrankungen oder andere psychische Erkrankungen vorhanden. Zu den Stressfaktoren gehören im Alter die Pensionierung, der Eintritt ins Pflegeheim, der Tod nahestehender Personen, soziale Rollenwechsel sowie physische Einschränkungen. Selbstmedikation meint zum Beispiel das unkontrollierte Weiterführen von einer Medikation, die ursprünglich aufgrund einer Erkrankung ärztlich verordnet wurde. Auch ein Umfeld, in dem die Substanz, meist Alkohol, häufig konsumiert und deren Konsum verharmlost wird, ist ein Risikofaktor.
Ein chronischer Konsum zieht oftmals psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angst- oder Schlafstörungen nach sich. Diese Erkrankungen wiederum verschlechtern sich bei reduziertem Konsum. Daraus ergibt sich ein Teufelskreis, der nur schwer durchbrochen werden kann.
Als primäres Suchtverhalten wird jenes Verhalten bezeichnet, das durch Veranlagung oder negativen Einfluss des Umfeldes zustande gekommen ist. Sekundäres Suchtverhalten kommt aufgrund der Behandlung vorhergehender Erkrankungen zustande. Diese Form der Erkrankung ist bei älteren Menschen häufiger als das primäre Suchtverhalten. Sekundäres Suchtverhalten ist eine Folge von Schmerzen, Schlafstörungen, Angstzuständen oder Depressionen. Diese Erkrankungen können entweder zur Selbstmedikation mit Alkohol oder Tabletten oder zum unkontrollierten Weiterführen einer ursprünglich ärztlich verordneten Medikation führen. Über die Zeit entwickelt sich sowohl eine psychische als auch körperliche Abhängigkeit. Aufgrund der körperlichen Abhängigkeit kann die plötzliche Abstinenz schwere gesundheitliche Folgen haben.
Wechselseitige Beeinflussung
Der wechselseitigen Beeinflussung zwischen der Substanz und der psychischen sowie physischen Verfassung kommt im Alter eine besondere Bedeutung zu. Mit der Pensionierung gilt es verschiedene kritische Lebensereignisse zu bewältigen. Aufgrund dieser Belastung kommt es häufig zu Depressionen. Allerdings gilt es zu unterscheiden, ob die Abhängigkeitserkrankung eine Folge der Depression ist oder die Depression eine Folge der Abhängigkeit. Ein problematischer Substanzkonsum kann zudem die kognitiven Fähigkeiten negativ beeinflussen. Somit kommt es bei einer Abhängigkeit zu neurologischen Defiziten. Es gibt Hinweise darauf, dass diese kognitiven Fähigkeiten nach längerer Abstinenz wiederhergestellt werden können. Allerdings ist es schwierig zu differenzieren, welche Beeinträchtigung aufgrund der Abhängigkeitserkrankung auftritt und welche aufgrund einer neurologischen Erkrankung.
Diagnose
Die Diagnose einer Abhängigkeitserkrankung erfolgt mittels einer Suchtanamnese, körperlichen Untersuchung sowie Beurteilung des Befindens. Zu den Kriterien einer Substanzabhängigkeitserkrankung gehört der starke, beinahe zwangartige Wunsch, die Substanz zu konsumieren. Dabei geht die Kontrolle bezüglich des Beginns, der Menge und der Dauer des Konsums verloren. Es treten körperliche Entzugserscheinungen auf, wenn weniger oder gar nichts konsumiert wird. Zudem erhöht sich die Toleranz für die Substanz nachweislich. Betroffene vernachlässigen ihre anderen Interessen zugunsten des Konsums. Sie betreiben einen erhöhten Zeitaufwand für die Beschaffung der Substanz, deren Konsum und die Erholung von dessen Folgen. Zuletzt konsumieren sie auch bei nachweislich negativen Konsequenzen wie zum Beispiel körperlichen Schäden sowie sozialen oder beruflichen Problemen, und auch in Situationen, in denen sie durch die Intoxikation gefährdet sind.
Im Rahmen der Diagnostik werden die Herz- und Kreislauffunktion sowie die Blutwerte untersucht. Diese Werte können auf eine Schädigung aufgrund des Konsums hinweisen. Zudem werden weitere Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen sowie chronische Schmerz- und Schlafstörungen abgeklärt.