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Danaë soll etymologisch „ausgedörrt“, „am Verdursten“ bedeuten, also vom griechischen Adjektiv δανóς her kommen, so hergeleitet z.B. in Wikipedia .
Obwohl das angesichts der möglicherweise nach Liebe dürstenden Danaë, welche ja auch mit einem goldenen Regen beglückt wird, inhaltlich plausibel erscheint, sprechen m.E. sprachliche Gründe dagegen:
- Das erste „a“ in δανάη ist kurz, während dasjenige in δανóς =„trocken, dürr“ lang ist. Vokallängen in Wortstämmen sind sprachgeschichtlich aber eher konservative Elemente.
- Das Adjektiv δανóς ist endbetont, während δανάη auf der zweitletzten Silbe betont wird.
- Der Wortstamm „dăn“ mit kurzem „a“ bedeutet im indoeuropäischen „Wasser“.
- Der Wortstamm „dān“ mit langem „a“ bedeutet im semitischen „Richter“ und findet sich auch in der Bibel. Eine Verbindung zur Danaë und dem Stamm der Danaër in der antiken Argolis ist nicht ersichtlich.
- Ein „αν–“ oder „α–“ als Präfix könnte im griechischen durchaus eine Negation („wasserlos“) sein.
Dass dies auch für ein nachgestelltes „-α(ν)“ gälte, ist mir als Laien noch nie begegnet.
Die Verbindung zum Wortstamm für „Wasser“ passt gut für Danaë, deren mutmassliches Vorbild in der matrifokalen Zeit eine Wasser- oder Regengöttin gewesen ist, die deshalb auch Fruchtbarkeitsgöttin war. In möglicherweise älteren Danaë-Sagen befruchtet Zeus sie auch nicht mit einem Goldregen, sondern einem echten Regen, der natürlich für die Fruchtbarkeit des Landes „Gold wert“ war. Die Geschichte der Vorfahren von Danaë (Danaos, Danaiden) ist ebenfalls eng mit dem Wasser verknüpft. Im Stammland der Danaier (Argolis) sind die Flüsse Inachos und Charadros für eine gewisse Fruchtbarkeit (Frühling-Frühsommer) im Flusstal verantwortlich, während im Sommer-Herbst und die Landschaft sehr trocken ist. Eine wichtige Tat der sagenhaften Einwanderer unter der Führung des Danaos war, genügend Wasser für die Besiedlung zu besorgen. Es gibt da allerdings auch noch die mythologisch wichtigen Sümpfe von Lerna, wo Herakles mit der Hydra kämpfte.
Die Befruchtung der Danaë durch den Regen ist also grundsätzlich ein Symbol für die Fruchtbarmachung der Erde, weshalb Danaë auch als Aspekt der grossen Erdgöttin betrachtet werden kann. Die Kelten kannten übrigens eine Erdgöttin namens Dana oder Danu.
In der Anwendung auf den menschlichen Zyklus von Zeugung und Geburt ist der himmlische Regen mehr die Erhöhung der Empfängisbereitschaft der Frau als die Zeugung selber, obwohl diese biologische Unterscheidung der Mythologie eher fremd ist.
In der Geschichte der Danaë kommt übrigens noch ein weiteres zentrales Motiv der „heiligen Frauen“ vor: die jungfräuliche Empfängnis.
Als spirituelles Symbol geht es schliesslich um die heilige Hochzeit des männlichen Prinzips (Sonnengott, „heiliger Geist“) mit dem weiblichen Prinzip (Erdgöttin, eng mit dem Wasser verbunden), welche die Kontinuität der Schöpfung ermöglicht.