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Entscheidungen zu fällen, die niemanden als Verlierer zurücklassen, gelingt leider längst nicht in jedem Fall. Demokratische Methoden haben da ihre Grenzen: Mehrheitsentscheide hinterlassen oft Gräben zwischen den Siegern einer Abstimmung und der unterlegenen Minderheit.
In einer Weiterbildung konnte ich letzte Woche die „Soziokratie“ genauer kennenlernen, ein Hilfsmittel zur Unternehmensführung und Organisationsentwicklung, bei der die Entscheidungsfindung einen zentralen Stellenwert einnimmt. Alle Teams und Bereiche sind in Kreisen organisiert mit klar definierten Entscheidungsfreiheiten für die Umsetzung der Ziele.
Die Kreise finden Ergebnisse im Konsent. Sie kommen ohne Befehle von oben und ohne Abstimmungen aus. Konsent unterscheitet sich vom Konsens, der Einstimmigkeit erfordert. Vielmehr werden die wichtigen Informationen gesammelt und die Meinungen in zwei Runden ausgetauscht. Dies berücksichtigend schlägt die Leiterin oder der Moderator eine Lösung vor. Jedes Mitglied äussert sich nun, ob es mit der Lösung leben kann, oder es nennt einen schwerwiegenden begründeten Einwand dagegen. Die Einwände werden behandelt und die Lösung wird angepasst. Sobald kein Einwand mehr vorliegt, steht der Konsent.
Es gibt Organisationen, Vereine, kleinere und mittlere Betriebe, welche die Soziokratie bereits anwenden. Der Konsent mag manchen Entscheidungsweg verlängern. Zugleich erhöht er die Qualität der Ergebnisse. Dass jede Stimme gehört wird, schafft Zufriedenheit und Zugehörigkeit. Ich wünsche mir, dass diese Weise des Entscheidens noch bekannter wird. Übrigens gibt es auch einen persönlichen inneren Konsent: das Wahrnehmen und Ernstnehmen meiner verschiedenen inneren Stimmen, und das Entscheiden, nachdem ich deren schwerwiegende Bedenken berücksichtigt habe.