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Der Premierminister der Bahamas, Hubert Minnis, erklärte am Dienstagabend (Ortszeit) zwei Menschen, die aus den besonders betroffenen Abaco-Inseln in ein Krankenhaus geflogen worden waren, seien ihren Verletzungen erlegen. Weitere Opfer würden erwartet.
«Dies sind nur vorläufige Informationen», sagte er. Zuvor hatte sich Premierminister Minnis erstmals aus der Luft ein Bild der Lage auf den Abaco-Inseln gemacht. Der Ort Marsh Harbour, in dem rund 6000 Menschen lebten, sei zu mehr als 60 Prozent beschädigt, sagte der Regierungschef.
Der Slum The Mudd, in dem vor allem haitianische Einwanderer lebten, sei komplett zerstört worden. Bei dem Überflug entdeckte das Regierungsteam nach Worten von Minnis auch 30 Menschen, die von der Aussenwelt abgeschnitten waren. Diese seien gerettet worden.
Hilfe aus Grossbritannien und den USA
In der Nacht werde ein Schiff der britischen Marine die Abaco-Inseln erreichen und die Bewohner mit Lebensmitteln versorgen, sagte Minnis. Die US-Küstenwache war bereits seit Montag im Rettungseinsatz. Der Regierungschef sprach von weiteren Hilfsangeboten und bat um Spenden. Es handle sich um eine der schwersten nationalen Krisen der Geschichte des Landes. Er kündigte auch den Einsatz von Sicherheitskräften an, um die öffentliche Ordnung zu bewahren.
Zum Zeitpunkt seiner Ankunft in dem karibischen Inselstaat hatte «Dorian» Windböen von fast 300 Kilometern pro Stunde entwickelt - und gehörte damit zu den Hurrikans der gefährlichsten Kategorie fünf.
Rettungseinsätze waren unter den Wetterbedingungen zunächst unmöglich. Es handelte sich um den verheerendsten Wirbelsturm auf den Bahamas seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Er traf zunächst am Sonntag die Abaco-Inseln und zog dann sehr langsam über die Insel Grand Bahama. Die Lage dort war am Dienstag noch völlig unübersichtlich.
Das Rote Kreuz schätzte die Zahl der beschädigten oder zerstörten Häuser auf 13'000. Mindestens 61'000 Menschen sind nach Uno-Schätzungen auf Lebensmittellieferungen angewiesen.
Königin Elisabeth II. spricht Anteilnahme aus
Grossbritanniens Königin Elisabeth II. hat den Angehörigen der Opfer des Hurrikans «Dorian» auf den Bahamas ihre Anteilnahme ausgesprochen. «Prinz Philip und mich hat es schockiert und betrübt, von der Verwüstung zu erfahren, die der Hurrikan Dorian verursacht hat, und wir übermitteln den Familien und Freunden derjenigen, die nach diesem schrecklichen Sturm ums Leben gekommen sind, unser aufrichtigstes Beileid», hiess es in einer Mitteilung am Dienstag.
Elisabeth ist Staatsoberhaupt der Bahamas, obwohl der karibische Inselstaat seit 1973 von Grossbritannien unabhängig ist. Sie wird durch einen Generalgouverneur vertreten.
Trump warnt Bevölkerung Floridas
Der zuletzt leicht abgeschwächte Wirbelsturm zog am Dienstag weiter in Richtung des US-Bundesstaats Florida. US-Präsident Donald Trump rief die Bevölkerung dazu auf, trotz der Herabstufung von «Dorian» zu einem Sturm der Kategorie zwei wachsam zu bleiben.
«Viele sehr schlechte und unvorhersehbare Dinge können passieren», schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Bis Mittwochabend (Ortszeit) dürfte sich «Dorian» nach Angaben der Wetterbehörden der Ostküste Floridas nähern.
Den Prognosen des Nationalen Hurrikan-Zentrums der USA zufolge sollte «Dorian» zwischen der Nacht zum Mittwoch und der folgenden Nacht der Küste Floridas «gefährlich nah» kommen und dann in Küstennähe am US-Bundesstaat Georgia vorbeiziehen. Weiter nördlich, in South Carolina und North Carolina, könnte der Hurrikan auch direkt über die Küste wegziehen, warnten die Experten.
Der Sturm war auf beständige Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 Stundenkilometern abgeschwächt und wurde am Dienstag zu einem Hurrikan der Kategorie zwei herabgestuft. Er galt aber weiterhin als extrem gefährlich und wurde auch grösser - die Hurrikan-Winde erstreckten sich bis zu 95 Kilometer vom Zentrum.
Als Vorläufer des Hurrikans gab es an der Ostküste Floridas bereits starke Windböen und heftige Regenfälle. In Küstennähe war kaum mehr jemand auf der Strasse zu sehen, abends verhängten die Behörden in manchen Orten ein Ausgangsverbot. Südlich des Zentrums der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Cape Canaveral wurden am Dienstagabend Windböen mit einer Geschwindigkeit von 85 Kilometern pro Stunde gemessen.