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Urbane Waldgärten erobern die Grossstädte
Waldgärten dürften die wohl ältesten Anbausysteme der Menschheit gewesen sein. Deutsche Forscher wollen sie in Grossstädten wieder etablieren - und sie können auch im Hausgarten aufgebaut werden.
Waldgärten sind essbare Wälder. Sie bestehen aus Kombinationen mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Wildobst, Wild- und Kulturkräutern und Gemüse, letzteres vorwiegend mehrjährig und sich selbst aussäend. Darin integriert ist die Kultivierung von Speisepilzen. Im heissen Sommer sorgt das Blätterdach für Schatten und Kühle, und der Waldgarten ist auch eine Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere.
Neu ist die Idee nicht: Heinrich Cotta, einer der Begründer der Forstwissenschaften in Deutschland, schrieb schon 1819, dass wir in der Landwirtschaft Systeme schaffen sollten, die Holzproduktion, Viehhaltung und den Anbau von Feldfrüchten kombinieren. Dadurch würden sich die Fruchtbarkeit und die Stabilität massgeblich erhöhen und die Menschen seien langfristig mit Nahrung und anderen wichtigen Produkten besser versorgt.
In den Tropen waren und sind kleinbäuerliche Waldgartensysteme hochaktuell. Die so genannten «Home Gardens» wurden und werden allerdings von Soja-, Mais- und Palmöl-Monokulturen verdrängt, auf staatliche Anordnung.
Der Baumpfleger und Klima-Aktivist Florian Hurtig schreibt in einem Artikel im Magazin Oya über die «Vereinheitlichung von Anbausystemen, von Fläche, von Arbeitspraktiken, verordnet von einer zentralen Stelle. Dieser zentrale und vereinheitlichende Akteur war, wie der Anthropologe James C. Scott ausführte, historisch gesehen stets der Staat (oder seine Vorläufer) – seine Macht beruhte auf der Eintreibung von Steuern. Für diese benötigte er einheitlich gestaltete Felder, deren Ertrag leicht zu errechnen war, deren Früchte zudem kalorienreich, lange haltbar, leicht zu wiegen und einzuteilen waren: Getreide. Selbstverständlich wurde nicht nur in Staaten Ackerbau betrieben, aber in einem Staat tendierte er stets in Richtung Monokultur, während sich außerhalb von Staatsstrukturen eher Polykulturen ausbildeten. Die Geschichte des monokulturellen Ackerbaus ist also eng an die Geschichte von Staaten geknüpft, genauso wie Staatsstrukturen eine Vereinheitlichung des gesellschaftlichen Lebens erzeugten.»
Potsdamer Forscher wollen nun Waldgärten als weitere Form des «Urban Gardenings» etablieren. Auf einem Gelände im Süden Berlins wollen sie mit Freiwilligen einen rund 5000 Quadratmeter grossen Waldgarten anlegen, bewirtschaften und das Projekt wissenschaftlich begleiten. Weitere Städte sollen folgen. Mehr über das Projekt erfahren Sie hier auf der Website von «Urbane Waldgärten».
Um einen Waldgarten anzulegen, braucht man übrigens keinen riesigen Umschwung: Er kann auch auf der Fläche eines Hausgartens aufgebaut werden. In Permakultur-Systemen werden Waldgärten in der Zone 2 angelegt. Mehrere Anbieter veranstalten dazu Kurse - auch in der Schweiz.
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