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Ein denkwürdiges Jubiläum
Vor ziemlich genau vierzig Jahren kam es zu einer der folgenreichsten Entscheidungen der schweizerischen Währungsgeschichte: Am 23. Januar 1973 stellte die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Einvernehmen mit dem Bundesrat ihre Dollarkäufe zur Stützung des Wechselkurses ein.
Obwohl der Übergang zu einem flexiblen Wechselkurs nur als vorübergehende Massnahme gedacht war, begann damit eine völlig neue Epoche für die schweizerische Wirtschaftspolitik. Seither ist der Franken nie mehr Teil eines internationalen Währungssystems gewesen. Wie radikal sich die Verhältnisse seit Beginn der 1970er Jahre geändert haben, zeigt der Dollarkurs des Schweizer Frankens seit dem späten 19. Jahrhundert:
Aus heutiger Sicht mag es selbstverständlich sein, dass ein kleines Land mit einer offenen Volkswirtschaft mit einem flexiblen Wechselkurs leben kann. Es ist ja nicht nur der Schweizer Franken, der ohne permanente Fixierung an den Dollar oder den Euro auskommt, sondern zum Beispiel auch die Währungen Australiens, Neuseelands, Norwegens oder Schwedens. Sogar die isländische Krone kommt ohne Anbindung an einen grösseren Währungsraum aus.
Damals aber gab es grosse Bedenken. So waren etwa die Banken vehement gegen eine Änderung des Währungssystems. Ein Vertreter einer Zürcher Grossbank schrieb 1971, man sei sich in Bankenkreisen vollkommen einig
in der unbedingten Ablehnung des Gedankens, die strukturbedingten Grenzen der Geldpolitik durch flexible Wechselkurse erweitern zu wollen, müsste doch ein solcher Eingriff wesentliche Grundlagen zerstören, auf denen die schweizerische Aussenwirtschaft und damit der schweizerische Volkswohlstand ruht.
Auch in der SNB lehnte man die Abkehr von fixen Wechselkursen lange Zeit ab. Aufschlussreich war etwa die Unterhaltung, die Max Iklé, von 1956 bis 1968 Mitglied des Direktoriums, mit dem Ökonomen Milton Friedman, einem vehementen Befürworter von flexiblen Wechselkursen, führte. Max Iklé fasste seine Opposition gegen flexible Wechselkurse, die er Friedman gegenüber äusserte, wie folgt zusammen:
Der Wechselkurs eines kleinen Landes könne viel leichter durch Geldströme beeinflusst werden als derjenige eines grossen oder mittelgrossen Landes. Ein kleines Land wie die Schweiz, mit einem starken Finanzzentrum, sei stärker von Geldströmen abhängig als ein Land, dessen Bankensystem weniger stark ausgebildet sei. In der Schweiz fielen die Geldströme weit stärker ins Gewicht als die Warenströme, da kurzfristige Gelder zeitweise ins Land strömten, zeitweise dieses wieder verliessen. Dazu komme das Vertrauen in den Schweizerfranken, welches dazu führe, dass die Schweiz bei gestörten Währungsverhältnissen als Zufluchtshafen diene. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass sich in einem System flexibler Wechselkurse der «richtige» Wechselkurs automatisch herausbilde. (Erinnerungen, publiziert 1984, S. 318 f.)
Iklé hatte zweifellos recht mit seinem Argument, dass ein flexibler Frankenkurs nicht immer schön im Gleichgewicht bleiben würde. Seit 1973 ist es immer wieder zu enormen Schwankungen des Wechselkurses gekommen. Die Grafik zeigt den realen Frankenkurs gegenüber dem US-Dollar und der DM bzw. dem „deutschen Eurokurs“. (Der Kurs 100 ist der Gleichgewichtswert : je höher der Wert desto stärker der Frankenkurs.)
Aber Iklés Argument ist insofern unvollständig, als das Problem der kurzfristigen Geldströme auch bei einem fixen Wechselkurs existiert. Es äussert sich einfach auf andere Weise: Statt Aufwertung gibt es Inflation, weil die hereinströmenden Kapitalien die Geldmenge aufblähen. 1973 gelangten SNB und Bundesrat zur Auffassung, dass die Geldströme aus dem Ausland so stark geworden seien, dass die Preisstabilität nicht mehr gewährleistet werden könne. Aus demselben Grund ist auch die aktuelle Untergrenze nicht für die Ewigkeit gedacht.
Kein Währungssystem ist perfekt, aber wenn man die letzten vierzig Jahre bilanziert, ist die Schweiz mit ihrem flexiblen Frankenkurs gut gefahren. Der Entscheid von 1973 war richtig.