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Das vergessene Mahnmal in Hiroshima
Am 6. August 1945 warfen die USA eine Atombombe über die japanische Hafenstadt Hiroshima. Rund 90’000 Menschen starben sofort. Weitere 90’000 bis 160’000 starben an den Spätfolgen. Die Stadt wurde nach dem Krieg wieder komplett aufgebaut. Heute ist Hiroshima ein moderner lebendiger Ort. An die früheren Zeiten erinnern nur noch wenige Elemente. Das wohl bekannteste Überbleibsel ist die sogenannte «Atombombenkuppel» (Asienspiegel berichtete). Die Ruine dieser ehemaligen Produktausstellungshalle der Präfektur Hiroshima ist zum Mahnmal jenes verheerenden Tages geworden (siehe Foto unten). Seit 1966 ist diese Ruine unter Denkmalschutz. Täglich suchen Touristen diesen Ort auf.
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Das vergessene Mahnmal
Es ist jedoch nicht das einzige grosse Gebäude in Hiroshima, das aus der Vorkriegszeit stammt. Nur 2,7 Kilometer vom Epizentrum der Bombe entfernt befinden sich vier riesige Gebäude aus Backstein. Es handelt sich um einen Komplex, der 1913 für die Herstellung und Reparatur von Uniformen und Schuhen der Armee gebaut wurde. Die Mauern waren derart dick, dass sie der Wucht der Atombombe standhielten. In den Tagen nach der Zerstörung der Stadt dienten die Lagerhäuser als Zufluchtsort und Erste-Hilfe-Station.
Nach dem Krieg wurden die Häuser zu einer provisorischen Schule umfunktioniert. Später nutzte ein Transportdienst die Gebäude als Lagerhäuser. Heute sind die Gebäude nicht mehr in gutem Zustand. Ein starkes Erdbeben werden sie kaum überstehen. Die Präfekturregierung hat aus diesem Grund geplant, zwei der drei Gebäudekomplexe, die ihr gehören, abzureissen. Ein Lagerhaus wollte sie stehen lassen, wobei nur die Fassade erhalten bleiben soll.
Doch der Widerstand von Überlebenden der Atombombe, Politikern und Stadtbewohnern hat Wirkung gezeigt, wie die Mainichi Shimbun berichtet. Die Regierung wartet nun mit dem Abriss fürs Erste ab. Zuerst wolle man weitere Gespräche mit allen Beteiligten führen. Die Zukunft eines weiteren Komplexes, das dem Finanzministerium gehört, bleibt ebenfalls ungewiss.
Filmausschnitte von 1935
Immerhin sind diese Gebäude eine der wenigen existierenden Erinnerungen an das Hiroshima vor der Bombe. Denn wie das Leben in Hiroshima vor dem 6. August 1945 ausgesehen hat, weiss heute kaum noch jemand. Erst vor wenigen Jahren publizierte das Friedensmuseum von Hiroshima Filmausschnitte, welche die Stadt an einem Tag im April 1935 zeigt. Die dreiminütigen Sequenzen wurden in aufwendiger Arbeit aufgearbeitet und online gestellt. Auf den Filmaufnahmen, die von Genjiro Kawasaki stammen, sieht man zahlreiche Alltagsszenen: Passanten, Strassenbahnen, Autos und Geschäfte während der Kirschblütenzeit. In einer kurzen Szene ist sogar die Atombombenkuppel in ihrem ursprünglichen Zustand zu sehen. Der Film erlaubt zugleich einen lebendigen Einblick in das alte Nakajima-Honmachi-Viertel (Asienspiegel berichtete), dem späteren Epizentrum der Bombe und dem heutigen Friedenspark.
Der Standort der historischen Lagerhäuser
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