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Der Westfalia Jules Verne ist etwa in derselben Klasse wir der Kult-California von VW, der Marco Polo von Mercedes (ebenso bei Westfalia gebaut) oder der Westfalia Kepler, der dem Jules Verne im Innenausbau gleicht, aber auf dem VW T6 mit langem Radstand basiert.
Warum fiel unsere Wahl gerade auf den Jules Verne?
Vollintegriert vs. Teilintegriert vs. Van vs. Camper (Bus)
Zunächst einmal eine kurze Einteilung von Wohnmobilen in Klassen:
- „Vollintegrierte“ sind meist sehr lange und breite Wohnmobile, bei denen von Aussen gar nicht mehr erkennbar ist, auf welcher Fahrzeugbasis der Aufbau steht. Die Original-Führerhauskabine wird ersetzt durch einen (meistens) Kunststoffaufbau, der nahtlos bis zum Ende des Wohnmobils durchgeht und dem Ganzen einen Reisebus-ähnlichen Charakter verleiht.
- „Teilintegrierte“ haben vorn das ganz normale Führerhaus des Basisfahrzeugs (oft Fiat Ducato, es gibt aber auch VW Crafter, Mercedes Sprinter, Renault Master etc.). Daran schliess sich ein Aufbau an, der breiter und senkrechter ist als das ursprüngliche Fahrzeug, und oft einen Alkoven über der Fahrerkabine hat. Teilintegrierte haben in der Regel, wie Vollintegrierte auch, eine kombinierte WC/Dusch/Badkabine und ein Bett im Heck.
- Kastenwagen sind innen ausgebaute aber äusserlich unveränderte Transporter wie VW Crafter, Mercedes Sprinter, Renault Master. Sie haben oft einen sehr hohen Aufbau für Etagenbetten und um eine luftige Stehhöhe im Innern zu bieten, und üblicherweise auch eine WC/Bad-Kabine und feste Betten im Heck. Preislich gibt es hier am Meisten für’s Geld.
- Camper basieren auf Fahrzeugen, die eine Klasse unterhalb der Kastenwagen angesiedelt sind. Populäre Beispiele sind Renault Trafic/Open Movado/Nissan NV300, VW T6, Citroën Spacetourer/Peugeot Traveller/Toyota ProAce und Mercedes Vito/V-Klasse. Sie haben keine Festen Betten im Heck, keinen Alkoven, üblicherweise ein hochzustellendes Dach mit Seitenwänden aus Zeltstoff, eine kleine Küche, eine Kühlbox (Deckel oben) und weder Bad noch WC. Vorteil: sie sind meist unter oder genau 2 m hoch und damit Parkhaus-tauglich, und lassen sich ansonsten auch beinahe wie ein PKW bewegen und nutzen.
Kriterien für uns
Für uns war klar, dass ein Camper auch das ganze Jahr über als einziges Auto dienen muss. Einkauf, Kurzstrecke, lange Reisen zu Familienbesuchen — all das muss unser Wunschfahrzeug problemlos erledigen. Die Abmessungen müssen unbedingt verträglich mit den eher knappen Einstellplätzen vor dem Haus sein, um problemlos einparken zu können und die Nachbarn nicht mit einer riesigen Blechburg zu verärgern. Der Verbrauch sollte auch im Rahmen bleiben.
Der Westfalia Jules Verne
Folgende Kandidaten sprangen schnell ins Auge:
- Westfalia Nugget auf Ford Transit Basis.
-
- Innen recht hässlich
- Sehr einfaches unattraktives Cockpit
- Mehr als 2 m hoch und damit nicht parkhaustauglich.
- Schlauer Grundriss mit L-Förmiger Küche im Heck und Kühlschrank in Bauchhöhe
- Eher preiswert
- VW California
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- Teuer
- Kultig
- T6 Basis mit kurzem Radstand. Kompakt
- VW Diesel mit fragwürdiger Unternehmenspolitik und Kunden-Verarsche (Schummelsoftware)
- Nur eine von oben befüllbare Kühlbox
- Fahrerseitig eingebaute Küche
- Kleiner Klapptisch, der vor der Küche eingehängt wird und diese dann verdeckt
- Hinter der Sitzbank nur noch nicht begehbarer toter Stauraum
- Mercedes Marco Polo: wird unten im Detail besprochen
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- Basis V-Klasse
- Sehr umständliche Sitzbank, die manuell nach vorn gezogen werden muss, dann aber elektrisch und im Schneckentempo flachgelegt werden muss, um ein Bett zu bauen
- Sehr schöne längs fahrerseitig eingebaute Küche
- Kleiner Klapptisch, der vor der Küche eingehängt wird und diese dann verdeckt
- Nur von oben zu beladende Kühlbox
- Hinter der Sitzbank nur nicht begehbarer toter Stauraum
- Teuer
- Westfalia Kepler:
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- VW T6 Basis, aber mit langem Radstand (5.40 Länge!)
- Wie auch der Marco Polo und der Jules Verne von Westfalia gebaut
- Sehr stylish, schön
- VW Diesel mit fragwürdiger Unternehmenspolitik und Kunden-Verarsche (Schummelsoftware)
- Küche auf der Beifahrerseite
- Kühlschrank mit Türe und Eisfach und kluger Einteilung in Bauchhöhe
- L-förmige Sitzbank und grosser, durch Klappmechanismus auf sehr gross verdoppelbarer Tisch
- Bis zum Fahrzeugende begehbar.
- Im Heck WC (!) und Duschwanne und Anschluss für Duschschlauch. Man kann theoretisch im Heck duschen (das Mobiliar wird von einem am Dach einzuhängenden Duschschlauch vor Wasser geschützt) oder, praktikabler, unter der geöffneten Heckklappe. Zum Beispiel nach dem Surfen, dem Bad im Meer oder einem langen Triathlon- oder Laufwettkampf
- Westfalia Jules Verne (Details siehe unten)
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- Basis Mercedes Vito
- Länger als der kurze T6 (California), kürzer als der lange T6 (Kepler)
- Wie der Marco Polo und Kepler bei Westfalia gebaut
- Küche auf der Beifahrerseite
- Kühlschrank mit Türe und Eisfach und kluger Einteilung in Bauchhöhe
- L-förmige Sitzbank und grosser, durch Klappmechanismus auf sehr gross verdoppelbarer Tisch
- Bis zum Fahrzeugende begehbar.
- Im Heck WC (!) und Duschwanne und Anschluss für Duschschlauch. Man kann theoretisch im Heck duschen (das Mobiliar wird von einem am Dach einzuhängenden Duschschlauch vor Wasser geschützt) oder, praktikabler, unter der geöffneten Heckklappe. Zum Beispiel nach dem Surfen, dem Bad im Meer oder einem langen Triathlon- oder Laufwettkampf
Wir haben uns für den Jules Verne entschieden.
Unterschiede zum Marco Polo
Der Jules Verne steht auf einer Mercedes Vito Basis, während der Marco Polo auf der V-Klasse basiert. Letztere wird von der Mercedes PKW Abteilung vermarktet, während der Vito von Mercedes Nutzfahrzeuge kommt. Die V-Klasse hat ein superschickes Cockpit, ganz ähnlich der aktuellen S-Klasse und C-Klasse, aber es wirkt auch irgendwie überladen, kitschig, und mit zuviel bling-bling. Kommt bei den Scheichs, in Russland und in China sicher super an. Der Vito hat ein klar und einfach gehaltenes Armaturenbrett ohne Chrom-Akzente, ohne Klavierlack und ohne Holzeinlagen. Es erinnert mich an die schlichte Klarheit der letzten Saab Modelle (9000, 93, 95). Von Aussen unterscheiden sich die beiden durch das Vorhandensein oder Fehlen von Chrom im Kühlergrill, an den Aussenspiegeln und an der Heckklappe. Ausserdem hat die V-Klasse vorn und hinten eine hübsche Leuchtengrafik mit LED Scheinwerfern und einem schmalen Lidstrich als Tagfahrlicht, der Vito dagegen kommt mit konventionellen und schlichten Leuchten aus.
Im Innenraum zeigen beide einen sehr ähnlichen Stil (hell/dunkle Möbel), aber ein radikal anderen Grundriss. Und genau das ist die Stärke des Jules Verne. Während beim Marco Polo der bewohnbare Raum mit und bei der schrecklich umständlich verstellbaren Sitzbank endet, und die Küche fahrerseitig eingebaut ist, kann man beim Jules Verne bis zur Heckklappe durchgehen. Die Küche befindet sich auf der Beifahrerseite an der Schiebetür. Es gibt einen vollwertigen in Brusthöhe eingebauten 51 l Kühlschrank mit einer „normal“ öffnenden Türe. Der Marco Polo hat lediglich eine von oben zu öffende Kühlbox. Der Jules Verne hat vorn eine L-förmige Sitzbank und einen grossen stabilen Tisch, während der Marco Polo nur eine Bank und einen kleinen Klapptisch zum Einhängen bietet.
Der entscheidende Unterschied findet sich allerdings im Heck: dort hat der Jules Verne ein fest eigebautes WC! (Und eine Duschwanne und eine Dusche, die man wohl nie benutzen wird). Das WC ist vor Allem nachts ein Segen. Anstatt 250 m über den Zeltplatz zum WC-Haus zu schleichen, wenn die Blase drückt, oder beim wild campen in den Wald zu tapern, hat man hier alles „im Haus“. Auch die Nachbarn danken es, wenn nicht für jeden Gang auf’s Klo zweimal die Schiebetüre geöffnet und geschlossen werden muss.
In den zahlreichen Schubladen und Schränken findet sich erstaunlich viel Platz für Klamotten, Küchenutensilien, Campingzubehör etc.
Es gibt einen Frischwassertank, einen Boiler für heisses Wasser und eine Diesel-Standheizung.
Das Bett unter dem nach vorn aufklappbarem Dach ist zwar nicht ganz einfach zu entern, aber dann sehr bequem und mit 1.18 breit genug. Wer Zweifel hat, soll einfach mal zwei Isomatten oder zwei Schlafsäcke nebeneinander legen und sieht dann schnell, dass man im Zelt auch nicht mehr Platz hat und braucht.
Erfahrungen während der Fahrt und des Campings folgen in separaten Artikeln.
Alle Fotos (c) Karsten Seiferlin