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Neben den routinemässigen chirurgischen Eingriffen wie auch Kaiserschnitt, haben wir auch schon anspruchsvollere Operationen mit Erfolg durchgeführt. So z.B
- Operationen von Darmgeschwür
- Darmverschluss, bei dem in einem Fall z.B. das Herausschneiden eines ca. 1-Meter langen Darmabschnittes nötig war
- perforierende Stichverletzung in den Bauchraum, bei der der Dünndarm auch durchstochen wurde und deshalb, das Herausschneiden von ca. 30 cm Dünndarm erforderte
- Pansenschnitt bei geblähten Kühen in stark lebensbedrohlicher Situation
- Fremdkörperoperation (Eröffnung des Pansens, Entfernung des Fremdkörpers)
- gerissene Sehnen, wie z.B. eine komplett durchgeschnittene Achillessehne
Eines Morgens wurde ich zur Kuh Cortina gerufen, weil sie überhaupt nichts mehr gefressen hatte.
Befund: Kreislaufkollaps (stark eingefallene Augen etc.) infolge eines starken Überwurfes 2-3 Wochen vor der erwarteten Geburt.
Therapie: Ausdrehen des Überwurfes mit Brettwälzmethode, anschliessend Installieren von Dauertropfinfusion mit einer Geschwindigkeit von 10 Litern innert 12 Stunden.
Am Abend desselben Tages
Befund: fehlender Kotabsatz, nur wenig zäher pappiger Schleim, keine Besserung des Allgemeinzustandes,
Verdacht: Darmverschluss durch starkes Zusammendrücken der hochträchtigen Gebärmutter.
Massnahme: Mit Medikamenten und Infusionen versuchte ich eine weitere Stabilisierung des Kreislaufes und eine Durchgängigkeit des Darmes zu erreichen.
Nächster Morgen
Befund: der Kreislauf hatte sich zwar stabilisiert, Cortina frisst aber nach wie vor nichts und hatte im Mastdarm nur sehr wenig dicken, stark mit Schleim überzogenen Kot.
Massnahmen: Kaiserschnitt; es konnte ein lebendes Maststierkalb entwickelt werden, das zwar auch noch seine Behandlungen brauchte, aber später gut ausgemästet werden konnte.
Am Abend des gleichen Tages
Befund: Kreislauf wieder verschlechtert. Noch immer kein Kotabsatz und keine Fresslust.
Verdacht: Darmverschluss, konnte trotz Entlastung mittels Kaiserschnitt nicht behoben werden.
Therapie: Trotz der ungünstigen Prognose entschied ich mich, das Tier nun an der rechten Seite zu öffnen, um mit dieser Operation das Problem des Darmverschlusses eventuell beheben zu können. Ausserdem wurde die Infusionstherapie weitergeführt und den neuen Kalium-Blutwerten angepasst.
Befund mit der OP: In der Nähe des Labmagenausganges konnte in den Dünndärmen tatsächlich die vermutete Stelle eines Darmverschlusses ausfindig gemacht und behoben werden. Die Operation konnte ohne Probleme zu Ende geführt werden, der Allgemeinzustand der Kuh war aber sehr schlecht.
Ich werde den Blick und den leidenden Ausdruck der Kuh wohl nie vergessen. Nach der Verabreichung von Schmerzmitteln und Antibiotika verliess ich den Stall zwar im Glauben, alles richtig gemacht zu haben, aber dennoch mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Schuldgefühle, die Kuh nicht endgültig erlöst zu haben, plagten mich während der ganzen Nacht.
Folgender Tag
Befund: Der erste Blick zeigte es sofort: der Kuh geht es besser. Die Augen waren nicht mehr so matt, der Ausdruck lebhafter und Cortina zeigte sogar etwas Appetit. Ausserdem setzte sie wieder etwas Kot ab, der später in starken Durchfall überging.
Mit den entsprechenden Medikamenten inkl. Infusionen wurde Cortina in der Folge nachbehandelt. Heute präsentiert sie sich wieder (galt) in sehr guter Kondition und ist auch auf Anhieb wieder trächtig geworden.
Lohnt sich ein derart grosser Aufwand für den Besitzer?
Ja! - Die Kuh war nicht versichert und wäre im Fall einer Schlachtung mit Sicherheit nicht genusstauglich gewesen. Ohne alle Massnahmen hätte dies für den Besitzer den vollen Verlust einer Kuh und eines Mastkalbes bedeutet. Obschon die Kuh nicht zu den züchterisch wertvollsten gehört, liegt ihr Marktwert ca. SFr 2000.- über den entstandenen Kosten! Hinzu kommt noch das Kalb, das bei der Geburt einen Wert con ca. SFR 300.- hatte.