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Sibylle Bergs neuer Roman beginnt in Rochdale, UK, wo der Neoliberalismus besonders gründliche Arbeit geleistet hat. Die Helden: vier Kinder, die nichts anderes kennen als die Realität des gescheiterten Staates. Ihr Essen kommt von privaten Hilfswerken, ihre Eltern haben längst aufgegeben. Die Hoffnung, in die sie sich flüchten, ist Grime, kurz GRM. Grime ist die größte musikalische Revolution seit dem Punk. Grime bringt jeden Tag neue YouTube-Stars hervor, Grime liefert immer neue Role-Models. Als die vier begreifen, dass es zu Hause keine Hoffnung für sie gibt, brechen sie nach London auf. Hier scheint sich das Versprechen der Zukunft eingelöst zu haben. Jeder, der sich einen Registrierungschip einpflanzen lässt, erhält ein wunderbares Grundeinkommen. Die Bevölkerung lebt in einer perfekten Überwachungsdiktatur. Auf der Straße bleibt nur der asoziale, vogelfreie Abschaum zurück. Die vier Kinder aber – die fast keine Kinder mehr sind -, versuchen außerhalb des Systems zu überleben. Sie starten ihre eigene Art der Revolution.
Sigi Oswald: “ Ich tat mich bisher schwer mit ihr und wich ihr aus. Dieses Buch habe ich nun gelesen. Als hätte sie gewusst, was auf uns zukommt. Wahrhaft eine Dystopie, d.h. das Gegenteil einer positiven Utopie wie es auf dem Buchdeckel vermerkt ist. Ich verneige mich vor der Gewalt ihrer Worte und all der Arbeit, die diesem Werk zugrunde liegt. Diese Frau ist definitiv ein Haken im Fleisch der saturierten Gesellschaft.“
Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 25 Theaterstücke, 14 Romane und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Sie erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, u.a. den Wolfgang-Koeppen-Preis (2008), den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis (2016), den Schweizer Buchpreis (2019), den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (2019), den Thüringer Literaturpreis (2019) sowie den Schweizer Grand Prix Literatur und den Bertolt-Brecht-Preis (2020).