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Erste Hilfe bei Verbrennungen im Kindesalter
Kommt es trotz aller Vorsichtsmassnahmen zu einem Brandunfall, muss jede Brandwunde möglichst sofort unter fliessendem kaltem Wasser gekühlt werden. Bitte kein Eiswasser, sondern normales Wasser aus der Wasserleitung (ca. 15° C): Die Anwendung von eiskaltem Wasser, Cool-Packs oder Eiswürfeln wird wegen der Gefahr von Unterkühlung und einer Verzögerung der Wundheilung nicht mehr empfohlen. Denn durch den Kältereiz ziehen sich die feinen Gefässe im verletzten Hautareal zusammen und die Durchblutung kommt zum Erliegen, was weitere Schäden an der Haut zur Folge habe.
Einfache Vorsichtsmassnahmen: So vermeiden Sie Verbrennungen bei Ihrem Kind!
Die Kühlung mit normalem Leitungswasser ist selbst fünf bis zehn Minuten nach dem Verbrennungsereignis noch nützlich und Schmerz lindernd. Sie verhindert eine Ausdehnung der Verbrennung auf tiefere Schichten (in denen immer noch Hitze sitzt), das sogenannte Nachbrennen. Ausserdem wird der Schmerz betäubt und die Gefahr späterer Komplikationen vermindert. Die Kühlung sollte zehn bis 15 Minuten andauern, bei kleineren Verbrennungen solange, bis der Schmerz nachlässt. Die Kaltwasserbehandlung kann auch mit nasskalten Umschlägen (saubere, nasse Handtücher) vorgesetzt werden.
So handeln Sie richtig bei kleineren Verbrennungen oder bei Verbrühungen mit heissen Flüssigkeiten:
- Bei Verbrühung: Kleider sofort entfernen (sie speichern die Hitze).
- Bei Verbrennung: Kleider nur entfernen, wenn sie nicht haften.
- Kleine Verbrennungen geringen Grades (ohne Blasenbildung) an der Luft heilen lassen und nicht mit einem Pflaster oder Verband abdecken. Keine Hausmittel wie Salben, Puder, Gels, Öle oder Desinfektionsmittel anwenden! Sie erschweren dem Arzt die Beurteilung und Behandlung der Wunde und könnten die Infektionsgefahr erhöhen.
Kleinere, oberflächliche Verletzungen ersten Grades äussern sich durch gerötete Haut, verursachen aber keine Blasen. Sie heilen in der Regel folgenlos innerhalb von drei bis zehn Tagen auch ohne ärztliche Hilfe ab.
Wichtig: Hat sich das Kind eine Verbrennung zugezogen, die grösser ist als sein Handteller, muss es ärztlich behandelt werden. Sind bei Kindern unter vier Jahren mehr als acht Prozent der Hautfläche verbrannt (bei Kindern über vier Jahren: mehr als zehn Prozent), muss das Kind in einem Krankenhaus behandelt werden. Das gilt übrigens auch für alle Verbrennungen der Hände oder Füsse und auch für Verbrennungen über Gelenken, im Gesicht und an den Genitalien. Zur Berechnung: Die Handfläche inklusive Finger des Kindes entspricht etwa einem Prozent seiner Körperoberfläche. Je jünger das Kind, umso eher gehört es bei einem Brandunfall ins Krankenhaus. Für den Transport in die Klinik genügt es, das verletzte Kind mit sauberen Küchentüchern oder gekochter Wäsche einzupacken. Mit dem Ausziehen sollte man keine Zeit verlieren.
Kinder, die einen Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall erlitten haben, benötigen intensive schmerzstillende Massnahmen, um lang dauernde psychische Spätfolgen des traumatischen Erlebnisses möglichst zu verhindern. Das wird jedoch häufig vernachlässigt: Da die Verbrennung einen extremen Stress darstellt, sind die Kinder häufig still, in sich zurückgezogen und verschüchtert und äussern wenig Schmerzen. Die Intensität ihrer Schmerzen wird deshalb auch von Ärzten oft unterschätzt. So ergab eine Untersuchung, dass Kleinkinder mit Verbrennungen nur zu 50 Prozent überhaupt eine Betäubung erhielten, während es bei Schulkindern immerhin 75 Prozent waren.
Die Gefahr von Verbrennungen für Kinder ist - nicht sehr überraschend - ungerecht verteilt. Bei den Unfällen spielen nämlich die sozioökonomischen Risikofaktoren eine wichtige Rolle. So ermittelten britische Wissenschaftler in einer viel zitierten Studie, dass Kinder von Eltern mit dem niedrigsten beruflichen Status ein 16-mal grösseres Risiko hatten, an einem Wohnungsbrand zu sterben. Kinder aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten, Kinder aus Migrantenfamilien, Kinder, die in beengten Wohnverhältnissen oder in kinderreichen Familien leben, aber auch Kinder allein erziehender Eltern haben ein erhöhtes Risiko, durch Feuer Schaden zu erleiden. Auch ein geringer Bildungsgrad der Eltern, Drogen- und Alkoholkonsum und Arbeitslosigkeit erhöhen die Gefahr für Verbrennungsunfälle.
Ausführliche Informationen zum Thema Brandunfälle bietet im Internet die "Elterninitiative brandverletzte Kinder" auf der Seite www.paulinchen.de. Über die Vermeidung von Wohnungsbränden und den verantwortungsbewussten Umgang mit Kerzen informiert die Beratungsstelle für Brandverhütung www.bfb-cipi.ch.
Newsticker
Vorsicht heiss! | 06.02.2018
Auf den meisten Bettflaschen findet sich der Warnhinweis "Kein kochendes Wasser einfüllen". Das hat seine Berechtigung: Kochendes Wasser entwickelt Wasserdampf, der Platz braucht, um sich auszudehnen. Dabei kann die Wärmflasche platzen und zu schwersten Verbrennungen führen. Kochendes Wasser ist sowieso unnötig: Für Kinder genügt eine Temperatur von etwa 40 Grad, für Erwachsene etwa 60 Grad. Wasser aus dem Wasserhahn hat bis zu 65 Grad. Sie können die Wärmflasche also auch mit heissem Kranenwasser befüllen. Alternativ können Sie es nach dem Aufkochen etwa fünf Minuten lang abkühlen lassen. Grundsätzlich nie ganz voll füllen, sondern nur zu etwa zwei Drittel. So hat allfälliger Wasserdampf Platz, sich auszudehnen.
Feuer unterm Dach | 09.11.2017
Mit der wachsenden Anzahl technischer Geräte, Akkus und Batterien, Lichtquellen und Plastikteilen wächst das Brandrisiko im Kinderzimmer - nicht selten entstehen Kurzschlüsse durch Überlastung, etwa wenn zu viele und veraltete Geräte an eine Steckdose angeschlossen werden. Ein neuer Eltern-Ratgeber informiert über die häufigsten Ursachen von Zimmerbränden und zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie folgenschwere Brände im Kinderzimmer verhindern können, welche Feuermelder und Feuerlöscher für Privatwohnungen geeignet sind und zu welchen lebensrettenden Sofortmassnahmen die Feuerwehr im Falle eines Wohnungsbrandes rät. Auch wichtig: Wie führt man Kinder zum verantwortungsvollen Umgang mit Feuer? Zum vollständigen Elternratgeber "Brandschutz und Sicherheit im Kinderzimmer"…
Letzte Aktualisierung : 01.2018, BH