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Werde ich gefragt, welches Buch ich zurzeit lese und meine Antwort lautet „Brüste und Eier“, wandelt sich die Miene meines Gegenübers zum grossen Fragezeichen, zum ‚Brauenheben’ oder zum Grinsen. Ohne Zweifel, ein reisserischer Titel, doch so provokativ wie er sich liest, ist er mitnichten. Der Roman aus dem Japanischen ist sehr gut und eindrucksvoll geschrieben. Es geht um Schönheitsnormen, Geschlechterrollen und künstliche Befruchtungen.
Natsuko, aufgewachsen in Osaka und mit sieben Jahren vaterlos geworden, lebte zusammen mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Makiko, die als Hostess einem Verdienst nachging, in Armut.
Zu Beginn der Geschichte erhält Natsuko, die nun in Tokyo wohnt, den Besuch ihrer Schwester, die, unzufrieden mit ihrem alternden Körper, ihre Brust vergrössern lassen möchte. Makiko bringt auch ihre Tochter Midoriko mit, die seit längerem das Sprechen verweigert. Das Erwachsenwerden scheint so schwierig; sie ist ausserstande zu kommunizieren, und viele Fragen bleiben offen.
Die Hauptperson des Romans ist die asexuelle Schriftstellerin Natsuko, die sich ende 30 nach einem eigenen Kind sehnt; vielleicht aus der Samenbank? Sie hadert mit der Frage, welche Rolle ihr bleibt als unverheiratete Frau, die nicht mehr Tochter ist und vielleicht nie Mutter sein wird.
Eine aktuelle Zeitgeschichte, die das Denken und Handeln der heutigen Gesellschaft aufzeigt. Es mag Anregung bringen, sich Gedanken zu machen über die Art und Weise der Weiterentwicklung der Menschheit in der heutigen Welt.