Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/587

Unkomplizierte geistige Aktivitäten wie Lesen, Schreiben und Spielen halten die Hirne von Seniorinnen und Senioren gesund, behauptet eine brandneue Studie der Radiologischen Gesellschaft Nordamerikas, die Anfang Woche an der Jahrestagung vorgestellt wurde.
Schon frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Fähigkeit, etwas wahrzunehmen, im fortgeschrittenen Alter den Scharfsinn beflügelt. Die neue Studie von Professor Konstantinos Arfanakis und seinen Kollegen von der Medizinischen Abteilung der Rush-Universität zeigt aber, welchen Effekt die Fähigkeit, etwas wahrzunehmen, auf die Zellen im Hirn hat, auf die Substantia alba, die verantwortlich sind für den Transport von Informationen. «Das bedeutet, dass ein Buch zu lesen, Briefe zu schreiben, in der Bibliothek nach einem bestimmten Werk zu suchen, bei einem Spiel zuzuschauen oder selber Schach zu spielen zu einem gesünderen Hirn beitragen», erklärt Professor Arfanakis.
Die Substantia alba ist deshalb so wichtig, weil sie die verschiedenen Hirnregionen miteinander verbindet. So können überhaupt komplizierte mentale Vorgänge zustande kommen. «Geistige Aktivität hält das Gehirn gesund», sagt Arfanakis, «es ist schwer zu glauben, dass sich nicht auch komplexe Vorgänge wie das Lernen einer neuen Sprache positiv auf die Gesundheit des Hirns auswirkt. Wir haben das aber einfach nicht untersucht.» Das höchst Interessante an dieser Studie ist die Erkenntnis, dass selbst simple Vorgänge das Hirn leistungsfähig halten. Man muss also nicht Ulysses von James Joyce lesen, der Blick tuts auch.
Die Studie wurde mit 152 älteren Patienten durchgeführt, die im Durchschnitt 81 Jahre alt waren und nicht an Demenz litten, allenfalls an einer leichten Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten. Forscher befragten die Probanden nach ihren mentalen Aktivitäten im abgelaufenen Jahr. Auf einer Skala von 1 bis 5 mussten sie deren Häufigkeit angeben. Sie stellten einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Intensität der Tätigkeit wie Lesen, Spielen und dem Zustand des Gehirn in diesem Alter her.
«Das Hirn zu beanspruchen hat für Seniorinnen und Senioren einen sehr positiven Effekt», sagt Professor Arfanakis. Ihre Erkenntnis sei sehr fundiert, weil sie im Gegensatz zu früheren Studien in das Hirn der Patienten mittels MRI hineingeschaut hätten. In die Black Box des Gehirns. Sie hätten die microstrukturellen Zusammenhänge der Substantia alba studiert, also die Verdrahtung des Gehirns.
Die Empfehlung der Wissenschaftler: Mentale Gymnastik bis ins hohe Alter. Damit der Verstand scharf bleibt.
Wie kann die Gedächtnisleistung verbessert werden?
Obwohl das Hirn nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichtes ausmacht, benötigt es rund einen Viertel unseres Sauerstoffverbrauchs. Gönnen Sie sich viel frische Luft. Auch auf Flüssigkeitsverlust reagiert das Gehirn sehr sensibel. Wer zu wenig trinkt, ist weniger konzentriert. Körperlich fitte Personen schneiden bei Hirnleistungstests deutlich besser ab als nicht fitte.
Soziale Kontakte verbessern die Hirnleistung. Tauschen Sie sich oft mit Bekannten und Freunden aus; besuchen Sie Theater- und Musikvorstellungen; nehmen Sie an einem Tanzkurs teil oder lernen Sie ein Musikinstrument oder eine Fremdsprache. Ändern Sie Ihr tägliches Verhalten. Wenn Sie neue Anreize für das Hirn in den Alltag integrieren, klappt es mit dem Gedächtnistraining automatisch und ohne grossen zeitlichen Aufwand.
Gehirntraining am Computer mit Übungen zu Konzentration und geistiger Fitness sind eine perfekte Ergänzung zu den oben beschriebenen Möglichkeiten. Viel Spass und gutes Gelingen.