Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03186.jsonl.gz/2541

Kapitel 4.7.1 - Wirkung und Effekte der audiosensiblen Wahrnehmung
Aus den Resultaten ihres 2011 publizierten randomized clinical trial, welcher den Einfluss der audiosensiblen Wahrnehmung auf das Schmerzempfinden sowie auf das Funktionieren des sympathischen Nervensystems aufzeigen sollte, zogen Sillevis und Cleland die folgende Schlussfolgerung: das Auftreten oder Ausbleiben von sogenannten joint sounds bei den SHVLAM, ausgeführt auf das Wirbelsegment Th3-4 hatte weder auf das klinische Schmerzempfindens noch auf die Funktion des sympathische Nervensystems einen signifikanten Einfluss (vgl. Sillevis/Cleland 2011: 43). Flynn und Mitarbeiter bewiesen, dass Patienten mit chronischen, nicht radikulären lumbalen Rückenbeschwerden, die in intensiver physiotherapeutisch Behandlung waren, positiv auf zusätzlich applizierte vertebrale Thrustmanipulationen reagierten. Der audible pop, welcher bei 84% der Probanden ausgelöst werden konnte, hatte keinen weitere Einfluss auf die Schmerzlinderung, das Bewegungsausmass der Bewegungssegmente des lumbosakralen Übergangs oder auf das Funktionieren im tägliche Leben (vgl. Flynn et al. 2006: 43). Auch Bialosky und Koautoren kamen bei Patienten mit lumbalen Schmerzen zur Schlussfolgerung, dass die positive Wirkung der SHVLAM nicht beeinflusst wurde vom Auftreten eines audible pop (vgl. Bialosky et al. 2010: 123). Kritisch betrachtet muss hier angemerkt werden, dass Bialosky und Mitarbeiter mit der so genannten Chicago-Technik eine Manipulationstechnik benutzt haben, welche das sakroiliakale Gelenk anspricht und wenn schon, die lumbale Wirbelsäulensegmenten nur indirekt und unspezifisch tangiert. Evans unterscheidet mit den mechanischen und den neurovegetativen Effekten der SHVLAM zwei unterschiedliche Wirkungen, bei welchen das al dann nicht auftreten der mechanische Komponenten völlig lose stehen von und irrelevant sind für das Eintreten von neurovegetative Effekten (vgl. Evans 2002: 251ff.). Cleland und Mitarbeitende konnten keinen Beweis dafür erbringen, dass der audible pop, welcher bei den SHVLAM auftreten kann, appliziert auf hoch thorakale Wirbelsegmente einen Einfluss auf die quantitative Beweglichkeit der zervikale Wirbelsäule oder das Schmerzempfinden hat (vgl. Cleland et al. 2007: 152).
Clark und Mitarbeitende zogen aus ihrer Studie über die neurophysiologischen Effekte der SHVLAM bei Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen die Schlussfolgerung, dass die audible response eine beträchtliche Reduzierung des short latency strech reflex hat (also das schnelle Reagieren der paravertebralen Muskulatur auf kurze Dehnungsimpulse durch Aktivierung der 1a Afferenten aus der Muskelspindel. SLSR werden zusätzlich über andere Rezeptoren und den Motorcortex reguliert) (vgl. Clark et al. 2011: 177).
Leutel und Koautoren belegten, dass eine Reduzierung der Durchblutung in der Wadenmuskulatur eine Reduzierung der short-latency der Strechreflexen des M. Soleus bringt (vgl. Leutel et al. 2009: 1056f.). Dies könnte das oben erwähnte Resultat von Clark und Mitarbeitern erklären, weil die Manipulation und damit die audiosensible Wahrnehmung eine kurzzeitige Steigerung der Sympathikusaktivität hervorruft. Daraus folgt eine Vasokonstriktion der paravertebralen Arteriolen (vgl. Kapitel 6), sowie auch eine Reduzierung des Short-Latency Strech Reflexes.
„Ein Gelenkknacken in Zusammenhang mit einer HVLA-Technik bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass eine Reflex- oder Gewebeveränderung eingetreten ist“ (Gibbons/Tehan 2004: 39).