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Frauenzentrum Zürich
Frauenzentrum in Zürich 1974-2008 und Verein Frauenzentrum seit 1981
Geschichte
Lavaterstrasse 1974-1980
"Frauen gemeinsam sind stark!" Mit dieser Parole stehen die Frauen der FBB (Frauenbefreiungsbewegung) am 8. März 1974 am Stauffacher und sammeln über 2'000 Unterschriften für die Petition "Wir wollen ein Frauenzentrum". Die Feministinnen vertreten ihren Anspruch auf öffentliche Räume für Frauen offensiv. Ein Frauenzentrum sei der Ort, wo frau sich treffen und informieren, diskutieren und arbeiten könne.
Die Stadt lässt sich schliesslich auf Verhandlungen ein und die FBB kann am 1. August 1974 das erste Frauenzentrum der Schweiz an der Lavaterstrasse 4 in 8002 Zürich, in einer 6-Zimmer Wohnung, eröffnen. Der Sprung ist geschafft. Die eigenen Räume ermöglichen fortan den kontinuierlichen Austausch zwischen Frauen. Sie bilden die Basis für deine Weiterentwicklung der Bewegung.
Eröffnung mit einer Frauenwoche vom 21.-27. Oktober 1974[1]
Von Beginn an im Frauenzentrum mit dabei ist die HFG - Homosexuelle Frauengruppe, welche als eigener Verein organisiert ist und im Frauenzentrum ein eigenes Zimmer gemietet hat. An der Vollversammlung der FBB und an Festen und politischen Aktionen sind die Lesben der HFG beteiligt.
|Elisabeth Joris zum Thema Lesbenzimmer an der Lavaterstrasse.|
|Mitte der siebziger Jahre wurde das erste autonome Frauenzentrum der Schweiz an der Lavaterstrasse, eine Wohnung in einem Abbruchhaus in der Enge, bezogen. Starken Auftrieb erhielt die FBB in ihrem Kampf um autonome Räume und Strukturen durch die Lesbenbewegung, die sich nach anfänglichem gemeinsamem Vorgehen mit der männerdominierten Homosexuellenbewegung HAZ, von dieser getrennt hatte. Neben dem Zimmer der Beratungsstelle Infra war das Lesbenzimmer wohl der am liebevollsten eingerichtete und schönste Raum in der Lavaterstrasse.[2]|
Arbeitsgruppen
- Autonome Kindergärten
- INFRA Informationsstelle für Frauen
- öffentlich inszenierte Abtreibungsfahrten nach Holland
Slogans dieser Zeit
- Das Private ist politisch
- Kinder oder keine entscheiden wir alleine
- Gegen den Zwang zur Heterosexualität
- Hexen lieben besser
Mattengasse 1980-2008
1980 zog das Frauenzentrum an der Mattengasse 27 in 8005 Zürich ein. Die Homex hat dazu ein Video gedreht.
Vollversammlung jeden ersten Montag im Monat, 20 Uhr.
1998: Das Autonome Frauenzentrum Zürich hat das Wort "Autonom" aus seinem Namen gestrichen. Dies beschloss die Jahresversammlung des Vereins Ende Juni. Die Begründung lautet, dass das Frauenzentrum sowieso schon lange nicht mehr autonom im Sinn von unabhängig war und es insofern höchste Zeit gewesen sei, "dieses historische Anhängsel abzustossen". Ausserdem verabschiedeten sich die Vereinsfrauen an dieser Sitzung endgültig von der basisdemokratischen Organisation des FZ.[3]
Als Zusammenschluss von verschiedenen eigenständige Projekten unter einem Dach bietet das FZ: Raum für kulturelle und politische Aktivitäten und organisiert selber solche; Stellungnahmen zu aktuellen, geschlechterpolitischen Fragen; Dienstleistungen für Frauen mit dem Schwerpunkt Beratung, Information und Hilfe zur Selbsthilfe; monatlich das Infoblatt mit Veranstaltungshinweisen und Berichten aus den Projekten; ein Angebot von und für Lesben als weiteren Schwerpunkt; Freiraum für kreatives Denken und Handeln [4]
Projekte an der Mattengasse
- Restaurant und Galerie Pudding Palace: Dienstag bis Freitag, 17 bis 23 Uhr
- HalloBar, jeden Freitag bis Ende 1999[5]
- FrauenAmbulatorium: Frauengesundheitspraxis und Beratungsstelle zu frauenspezifischen Gesundheitsfragen und gynäkologischen Problemen
- Lesbenzeitschrift Lesbenfront/Frau ohne Herz/die
- Frauen-Lesben-Bibliothek schema f
- Rechtsberatung
- Lesbenberatung
- Floh - Frauen lesbisch oder homosexuell
- FramaMu - Frauen machen Musik
- FRAZ - Frauenzeitung
- Lesben mit Kindern: jeweils 1. Sonntag im Monat ab 17.00
- Räume: 40m2 Freiraum zu vermieten im 1. Stock des FZ; oder Musikraum im Keller zu günstigen Preisen.
Karin Moser untersuchte in ihrem Buch Hier muss ich mich als Lesbe nicht erklären, u.a. lesbenspezifische Gruppierungen und Aktivitäten, Motive der Nutzerinnen, vertretene Definitionen lesbischer Identitäten und damit einhergehende Handlungsstrategien.
Bye-bye Mattengasse
Abschluss Sommerfest im Pudding-Garten. Sommer-Grillfest an der Mattengasse - Essen / Trinken mit Grilladen am Donnerstag, 26. Juni 2008, 17 Uhr, an der Mattengasse. Ab 20 Uhr: Damenkapelle Moos am Ruggä - mit Regula Bickel (Saxophon / Handorgel), Ruth Aeberli (Handorgel / Schwyzerörgeli), Kathrin Staehelin (Kontrabass). [6]
Bremgartnerstrasse ab 2008
Der Verein Frauenzentrum zieht 2008 ins Frauendienstleistungs-, Gewerbe- und Kulturzentrum an der Bremgartnerstrasse 18 um.
der Verein ab 1981
Der Verein Frauenzentrum entstand 1981 und betrieb das Frauenzentrum an der Mattengasse. Nach der Aufgabe des Hauses im Juni 2008 wurden die Unterlagen, Broschüren und Schriften sortiert und der Historikerin Angela Zimmermann übergeben, die sie im Auftrag des Schweizerischen Sozialarchivs systematisch aufgenommen hat. Der Quellenbestand ist detailliert auf der Webseite des Sozialarchivs einsehbar.[7]
Leitbild Frauenzentrum von Juli 1998
Das Frauenzentrum (FZ) ist ein Treffpunkt von Frauen für Frauen. Es ist ein unverzichtbares Naherholungsgebiet für alle Grossraum-Zürcherinnen, eine hochwirksame Kurpackung gegen Störungen des Allgemeinbefindens, eigentlich der Frauenort in der schweizerischen Finanzmetropole seit 1974.
Unsere Grundhaltung: Das FZ ist aus der Neuen FrauenLesbenbewegung entstanden. Wir verstehen uns als Feministinnen, welche eigene, frauenspezifische Perspektiven entwickeln und dadurch die männerdominierte Gesellschaft verändern wollen. Die verschiedenen Lebensbereiche sollen zum Wohl aller miteinander in Verbindung gesetzt werden. Die geschlechtsspezifische Hierarchisierung der Gesellschaft und die damit einhergehenden Diskriminierungen sollen aufgehoben werden. Wir pflegen die Auseinandersetzung mit neuen Impulsen in der feministischen Diskussion, treiben diese Diskussion voran und setzen sie in konkrete Aktivitäten um.
Unser Angebot: Wir erbringen Dienstleistungen und bieten Raum für Frauen.
Schwerpunkte bilden Kultur, Beratung, Information und Hilfe zur Selbsthilfe. Das Angebot für Lesben bildet einen thematischen Schwerpunkt. Wir fördern die Eigenaktivität der Frauen. Wir bieten Freiraum für kreatives Denken und Handeln. Wir decken Bereiche ab, die weder von staatlicher noch von privater Seite angeboten werden. Das FZ vereinigt eigene Projekte und Gastprojekte unter einem Dach. Es führt eine zentrale Auskunftstelle, die zu regelmässigen Bürozeiten erreichbar ist.
Unsere Organisationsform: Die Basis des FZ sind die eigenen Projekte. Das oberste Organ des FZ ist die Jahresversammlung der Vereinsfrauen. Sie wählt den Vorstand. Dieser ist seinerseits der Jahresversammlung rechenschaftspflichtig. Der Vorstand setzt sich aus drei bis max. 5 von der JV gewählten Frauen zusammen. Er führt die laufenden Geschäfte des FZ. Er beschliesst insbesondere, welche Leistungen vom FZ erbracht werden sollen und vereinbart diese mit den einzelnen Projekten. Zur Förderung der Kommunikation findet regelmässig ein offenes Forum statt.
Unsere Finanzierung: Das FZ ist eine gemeinnützige Non-Profit-Organisation in Vereinsform. Für einen Teil der Finanzierung beansprucht (!) das FZ öffentliche Gelder. Um sich Unabhängigkeit zu sichern finanziert sich das FZ zudem durch Fundraising und Eigenmittel. Alle Projekte sind für die Sicherung der Finanzierung des FZ mitverantwortlich. Der Vorstand verteilt die finanziellen Mittel, die dem FZ als Gesamtorganisation zur Verfügung stehen, auf die verschiedenen Projekte, gemäss den vereinbarten Leistungen. Für die Beschaffung und Verwendung weiterer Mittel (Eigenmittel und Fundraising) sind die Projekte selbst verantwortlich. Unsere Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung
Das FZ tritt regelmässig mit seinen Angeboten und Aktivitäten an die Öffentlichkeit.
Die Projekte treten wenn immer möglich als Teil des gesamten FZs auf.
Das FZ ist ein Teil des internationalen feministischen Frauennetzwerkes. Es arbeitet mit verwandten Organisationen zusammen und pflegt einen regelmässigen Informationsaustausch.
Zürich, Juli 1998 [4]
2006 betrug der Jahresbeitrag Fr. 100.- für Einzelfrauen und Fr. 70.- für Wenigverdienende, Fr. 250.- für Vielverdienende, Fr.500.- als Mitfrau/Gönnerin und Fr.1000.- als Mitfrau/Unterstützerin. Das Betriebsbüro hatte fixe Öffnungszeiten. Im Vorstand waren Regula Bickel (Präsidentin), Monika Saxer, Therese Blöchlinger, Marianne Egli, Brigit Ruf, Gaby Müller[8]
Die Jahresversammlung des Vereins Frauenzentrum hat 2009 hat eine Neuausrichtung beschlossen: Zukünftig soll der Verein mit den einbezahlten Mitfrauenbeiträgen feministische Projekte unterstützen.
Das Betriebsbüro des Vereins FZ ist seit 2008 im Frauen Dienstleistungs-, Gewerbe- und Kulturzentrum eingemietet. Das Haus an der Bremgartnerstrasse 18 ist im Besitz der Frauen im Zentrum AG, bei der ausschliesslich Frauen Aktien besitzen. Vermietet wird nur an Frauen, wobei auch Männer im Hause ein und aus gehen.[7]
- Webseite Verein Frauenzentrum
- Webseite Bücherraum f
- Webseite bis 2007 im WebArchive.org
- Akten des Frauenzentrum Zürich im Sozialarchiv Zürich: Ar 465
- Fotos im Sozialarchiv Zürich: Bestand F 5060
Literatur
- Marti, Madeleine; Rock, Sabine; Simonett, Katrin (Hrsg.innen). Frauen im Zentrum – Fotos und Texte zu 30 Jahren Frauenzentrum Zürich. Bern/Wettingen, efef-Verlag, 2005.
- Moser, Karin. „Hier muss ich mich als Lesbe nicht erklären“: Ethnographische Zugänge zur Lesbenkultur im Frauenzentrum Zürich. Zürcher Beträge zur Alltagskultur, Band 9. Zürich, 2001.
- Banz, Claudia. Das männerfreie Naherholungsgebiet. In: Tages-Anzeiger, 22.5.1999, S. 15. Online als pdf verfügbar.
Einzelnachweise
- Frauenbefreiungsbewegung Zürich - Tätigkeiten, Angebot, Demonstrationen], ca. 1974-1976 (möglicherweise Kompilation von SRF-Beiträge, ca. 1995) im Sozialarchiv. Online verfügbar auf bild-video-ton.ch, zuletzt aufgerufen am 14.12.2022
- Historie, Geschichte der FBB, FraZ, Nr. 30, Juni/Juli/August 1989, S.5
- Tagesanzeiger 24.6.98
- Das Frauenzentrum Zürich: Ein Porträt. Auf: frauenzentrum.fembit.ch. August 2006. Online verfügbar auf WebArchive.org, zuletzt aufgerufen am 14.12.2022
- Moser, Karin. „Hier muss ich mich als Lesbe nicht erklären“: Ethnographische Zugänge zur Lesbenkultur im Frauenzentrum Zürich. Zürcher Beträge zur Alltagskultur, Band 9. Zürich, 2001. S. 70, 91.
- bye-bye Mattengasse. Auf: frauenzentrum.fembit.ch. Juli 2008. Online verfügbar auf WebArchive.org, zuletzt aufgerufen am 14.12.2022
- Der Verein Frauenzentrum Zürich. Auf: verein-frauenzentrum.ch. o.J. Online verfügbar auf verein-frauenzentrum.ch, zuletzt aufgerufen am 14.12.2022
- Verein und Vereinsfrauen. Auf: frauenzentrum.fembit.ch. August 2006. Online verfügbar auf WebArchive.org, zuletzt aufgerufen am 14.12.2022