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Wer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Freiburg ein Porträt von sich oder seinen Angehörigen anfertigen lassen wollte, beauftragte damit gerne den Maler Hiram Brülhart (1878–1947). Der Stadtfreiburger hatte in Paris studiert und dort nebst der Landschaftsmalerei, die er seit jeher praktizierte, auch zum Porträt gefunden. Zurück in der Heimat, erwarb er sich rasch einen Ruf als herausragender Porträtmaler und verewigte über die Jahre Persönlichkeiten wie Staatsrat Georges Python, Cardinal-Direktor Achille Blancpain oder seinen Freund und Mäzen, den Botschafter René de Weck. Dennoch ist der Maler nach seinem Tod etwas in Vergessenheit geraten, auch weil nie jemand sein Leben und sein Werk aufgearbeitet hat.
Noch viele unbekannte Werke
Der Kunsthistoriker Philippe Clerc hat dies nun geändert: Im Rahmen der Schriftenreihe des Vereins Pro Fribourg ist soeben ein 80 Seiten starkes Büchlein über Hiram Brülhart erschienen, das auf Clercs Initiative entstanden ist. «Eigentlich war schon vor zwanzig Jahren in einer Kunst-Reihe ein Buch über Brülhart geplant, doch wurde dieses schliesslich nicht realisiert», sagte Clerc bei der Präsentation des Pro-Fribourg-Hefts vor den Medien. Clerc recherchierte in Museen und privaten Sammlungen und suchte über die traditionellen und die sozialen Medien nach Werken Brülharts. Sein Aufruf in den FN im Oktober etwa sei erfolgreich gewesen; er habe in der Folge Kenntnis von mehreren bisher unbekannten Werken Brülharts aus dem Sensebezirk erhalten. Der Kunsthistoriker geht davon aus, dass Brülhart bis zu 3000 Werke hinterlassen haben könnte, von denen bisher aber nur knapp 500 bekannt sind. «Die Suche geht weiter, und ich hoffe, durch die Publikation von Pro Fribourg weitere Informationen zu erhalten.»
Eine schöne Entdeckung hat Philippe Clerc zusammen mit Christophe Mauron, Konservator im Greyerzer Museum, bereits gemacht: Im Museum ist im Zuge der Nachforschungen eine in Vergessenheit geratene Originalmappe von Hiram Brülhart mit 147 Zeichnungen aus seiner Studienzeit in Paris aufgetaucht. Die Mappe sei zwar im Inventar des Museums aufgeführt gewesen, nicht jedoch der genaue Inhalt, erklärte Mauron. Sie enthält vor allem Architektur- und Aktzeichnungen, ausserdem Skizzen wie zum Beispiel einen Entwurf für ein Werbeplakat für Chocolat Villars. Das Fundstück sei nicht zuletzt darum von Interesse, weil über Brülharts Pariser Zeit bisher wenig bekannt gewesen sei, so Mauron. «Einige Zeichnungen tragen sogar den Stempel der Ecole nationale des Beaux-Arts und zeugen davon, dass der Freiburger an der angesehensten Kunstschule von Paris studiert hat.»
Das Heft ist für 25 Franken in ausgewählten Buchhandlungen und bei Pro Fribourg erhältlich: www.pro-fribourg.ch
Vom 22. Februar bis zum 28. März findet in der Schalterhalle der Freiburger Kantonalbank in Freiburg eine Ausstellung mit Werken Brülharts aus der Sammlung der Bank sowie aus Privatsammlungen statt.