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Zürich, den 14. October 1871.
Hochgeehrter Herr Geheimrath!
Vor allem gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß Sie nach den Strapazen, die Sie in der letzten & in der gegenwärtigen Woche durchzumachen hatten, wohlbehalten in der heimatlichen Porte angekommen seien.
Die Uebersetzung der beides Verträge & der Statuten sowie der Druck dieser drei Actenstücke in beiden Sprachen sind bereits bewerkstelligt & es werden Ihnen gemäß Ihrem Wunsche 50 deutsche & ebenso viele französische Exemplare gleichzeitig mit diesem Briefe zukommen.
Ich habe die wichtige Frage, ob wirklich alle zu Gebote stehenden Maaßregeln ergriffen werden sollen, um die Verträge & die Statuten nur in thunlichst wenige & in möglichst enge Kreise gelangen zu lassen, einer eingehenden Besprechung mit unsern Mitintereßenten in der Schweiz unterstellt & wir sind zu der einmüthigen Ueberzeugung gelangt, daß es nach der Beschaffenheit der Verhältnisse absolut unmöglich sei, bis zur Ratifikation des Hauptvertrages betreffend die Beschaffung des Baukapitales das Geheimniß über jene Actenstücke zu bewahren. Wir stimmen in Fernern in der Ansicht überein, daß, wenn man, obgleich ohne alle Aussicht auf Erfolg, das Geheimniß aufrecht erhalten wollte, dieß den doch ganz | ungegründeten Verdacht erweiten müßte, als handelte es sich darum etwas, das man geraume Zeit sorgfältig verborgen gehalten, dann plötzlich gewissermaßen auf dem Wege der Ueberraschung oder des Handstreiches durchzusetzen. Wir hegten endlich einmüthig die Befürchtung, es möchte von feindseliger Seite, nachdem vielleicht einzelne Bestimmungen des Vertrages, herausgelöst aus dem Zusammenhange & dazu noch entstellt & verdreht, in die Oeffentlichkeit gedrungen, die Initiative in der Presse in einer gehäßigen Weise ergriffen & dadurch von vornherein ein später nur schwer oder gar nicht mehr zu beseitigender ungünstiger Eindruck in der öffentlichen Meinung hervorgerufen werden. Wir hielten es daher übereinstimmend für angezeigt, ja geradezu für geboten, daß von unserer Seite das Präveniren gespielt & die wesentlichen Bestimmungen des Hauptvertrages betreffend die Beschaffung des Baukapitales durch die Presse zu öffentlicher Kenntniß gebracht werden. Herr Director Stoll, dessen tactvolle & gewandte Feder Ihnen bekannt ist, hat es übernommen, diese Aufgabe in der «Neuen Zürcher Zeitung» zu erfüllen. Ich wollte nicht verfehlen, Ihnen von dem Vorgehen, zu dem wir uns entschlossen haben & das, wie ungewohnt es auch anderswo wäre, doch bei der Besonderheit unserer Schweizerischen Verhältnisse nach unserer festen Ueberzeugung vor allem auch im Interesse des Consortium's | liegt, Mittheilung zu machen.
Im übrigen bin ich vollauf damit beschäftigt, die Frage der Betheiligung des Schweizerischen & des Italienischen Kapitales bei dem Consortium zur Abwicklung zu bringen. Ich hoffe, bis um die Mitte der künftigen Woche in der Lage zu sein, Ihnen Nachrichten über den Gang dieser Verhandlungen auf telegraphischem oder brieflichem Wege zukommen zu lassen.
Künftigen Dienstag wird sich der Ausschuß der Gottvereinig ung versammeln, um der großen «ständigen Commißion» derselben sein Gutachten über die endliche Ratifikation des Vertrages abzugeben.
Betreffend den definitiven Beitritt der Kgl. SeehandlungsSocietät zu dem Consortium habe ich noch keine Mittheilungen von Ihnen erhalten.
Mit vorzüglicher Hochachtung & Ergebenheit 1