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Mit dem Kyoto-Protokoll ist eine neue Waldfunktion ins Blickfeld gerückt: der Wald als Kohlenstoffspeicher. Diese neue Waldfunktion beinhaltet jedoch Konfliktpotential. Wir erforschen deshalb, wie und wo intensive Holznutzung sowie eine erhöhte Kohlenstoffaufnahme der Wälder möglich ist.
Die Schweiz entschied sich, „Waldsenken durch Waldbewirtschaftung“ im Kyoto-Protokoll (Art. 3.4) anrechnen zu lassen. Die Waldpolitik 2020 des Bundes sieht vor, das nachhaltig nutzbare Holznutzungspotential auszuschöpfen. Dies hat regional steigende Holznutzungsmengen zur Folge. Wir führten eine Studie durch, in der wir verschiedene Waldbewirtschaftungen untersuchten. Wir erforschten, wie sich bei bestimmten Waldbewirtschaftungsformen die langfristige Holznutzungsmenge verändert und wie viel CO2 Wälder aufnehmen können.
Im Zentrum stand folgende Frage: In welchen Regionen ist sowohl eine gesteigerte Holznutzung sowie eine erhöhte Kohlenstoffaufnahme der Wälder möglich? Die Szenarien erstrecken sich von einer reduzierten Waldbewirtschaftung und entsprechender CO2-Senkenbildung bis hin zu einem Vorratsabbau mit entsprechender CO2-Quellenbildung.
Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Schweizer Regionen
Wir erstellten die Modellrechnungen einerseits für die gesamte Schweiz und andererseits für zwei grundsätzlich unterschiedliche Regionen: Mittelland und Alpen. Die Resultate zeigen, dass gesamtschweizerisch für eine gewisse Zeit sowohl die Holznutzung leicht gesteigert als auch eine Kohlenstoff-Senke gebildet werden könnte. Im Alpenraum jedoch, wo die Bewirtschaftung oft ökonomisch nicht gewinnbringend wäre, ist nur eine limitierte CO2-Senkung möglich. Diese Wälder weisen meist einen deutlich geringeren Zuwachs auf als Bestände im Mittelland. Zudem werden sie zur Aufrechterhaltung der Schutzfunktionen meist minimal gepflegt. Im Mittelland zeigen die Resultate, dass eine starke Erhöhung der Erntemengen zu einer Kohlenstoffquelle und oft auch zu einem leichten Absenken des langfristigen Zuwachses führen würde. Wir kommen zum Schluss, dass
- mit der Erzeugung eines möglichst grossen, nachhaltigen Zuwachses und
- der Abschöpfung dieses Zuwachses durch Holzernte sowohl eine minimale Senke im Wald, wie auch eine leichte Steigerung der Holznutzung erreichen lässt.
Bei einer starken nationalen Steigerung der Nutzungsmengen ist es unerlässlich, die regionale Entwicklung von Vorrat und Zuwachs im Auge zu behalten, um eine allfällige Übernutzung zu verhindern. In weiteren Untersuchungen sollten Wechselwirkungen mit anderen Waldfunktionen wie die Erhaltung der Biodiversität, aber auch Waldschäden und die Auswirkungen von Klimaänderungen vermehrt berücksichtigt werden.
Neben den hier präsentierten CO2-Auswirkungen der Waldwirtschaft wurden in einer vom BAFU finanzierten Studie auch die Substitutions- und Lagereffekte verschiedener Holzverwendungen untersucht. Diese Studie zeigt, dass sich die Schweizer Holzwirtschaft mit folgenden Empfehlungen hinsichtlich CO2-Senkung optimieren lässt:
- Verarbeitung des geernteten Holzes in einer Kaskadennutzung. Das heisst, Holz soll so hochwertig wie möglich in langlebigen Holzprodukten eingesetzt und gegebenenfalls wiederverwendet werden.
- Nicht mehr weiter verwendbares Abfall- und Altholz soll energetisch verwertet werden.