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Von Sarah Heiniger und Prof. Dr. Marc Höglinger
Während der Covid-19-Pandemie erliess der Bundesrat zur Verlangsamung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 unter anderem eine Homeoffice-Empfehlung bzw. -Pflicht. Arbeitnehmende wurden angehalten, wenn immer möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Homeoffice wurde so für viele Unternehmen und Arbeitnehmende erst möglich. Wie hat sich das Ausmass der Homeoffice-Tätigkeit während und nach der Covid-19-Pandemie entwickelt? Und hatte das Homeoffice negative Effekte auf das physische und psychische Wohlbefinden der betroffenen Arbeitnehmenden? Diesen Fragen sind wir für das SECO in einer Studie nachgegangen.
Nachhaltiger Wandel hin zu mehr Homeoffice
Während der Pandemie kam es zu einer starken und anhaltenden Zunahme des Homeoffice. Rückblickend erstaunt es nicht, dass im Frühlingslockdown 2020 der Anteil der Angestellten im Homeoffice innert kürzester Zeit stark zu nahm: Der Anteil der ausschliesslich im Homeoffice Arbeitnehmenden stieg von 1% auf 29%, der Anteil der «teilweise oder mehr» im Homeoffice Arbeitnehmenden von 21% auf 54%. Dieser Wert sank danach wieder und schwankte im weiteren Verlauf der Pandemie zwischen 30% und 40%. Während vor der Pandemie 21% «teilweise odermehr» im Homeoffice arbeiteten, lag dieser Anteil im November 2022, lange nach Aufhebung der Homeoffice-Pflicht bzw. Empfehlung, bei 35%. Darunter sind auch viele Angestellte, welche vor der Pandemie nicht im Homeoffice arbeiteten: Rund 24% dieser Gruppe arbeitet im Herbst 2022 zumindest teilweise im Homeoffice.
Keine negativen Effekte auf die Gesundheit
Zur Beurteilung des Wohlbefindens sowie der psychischen und physischen Gesundheit der Angestellten haben wir diverse Indikatoren betrachtet. Insgesamt lassen sich die befürchteten negativen Effekte des Homeoffice nicht bzw. nicht in relevantem Ausmass feststellen. Es zeigt sich nur ein leicht negativer Effekt des Homeoffice auf die «Allgemeine Lebenszufriedenheit», eine Abnahme um 1%-Punkt beim Anteil der Angestellten mit «guter Lebensqualität» und eine Zunahme des Anteils mit «stark erhöhter psychischer Belastung» um 1%-Punkt. Positiv zu vermerken ist eine Zunahme der Angestellten, die zum Training/Sport gehen, von 2%-Punkten. Bei Stress und diversen somatischen Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen oder Schlafproblemen, sowie bei der physischen Aktivität lassen sich keine Veränderungen erkennen. Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Homeoffice wurde in der Schweiz insbesondere zu Beginn der Pandemie vorwiegend positiv wahrgenommen und es zeigten sich keine starken Effekte auf Stress und Wohlbefinden.
Homeoffice ist die neue Normalität
Die Arbeit im Homeoffice ist für einen beträchtlichen Teil der Angestellten zu einer neuen Normalität geworden. Dennoch wird das geschätzte Homeofficepotential in der Schweiz mit 35% vermutlich nicht ganz ausgeschöpft – eine Studie schätzt dieses auf 47%. Erfreulicherweise lassen sich kurz- und mittelfristig keine negativen Effekte auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Angestellten feststellen. Die Arbeitsbedingungen und die Intensität des Homeoffice sollten jedoch weiter beobachtet werden, um langfristige Effekte analysieren zu können.
Die ganze Studie «Arbeitnehmende im Homeoffice während der Covid-19-Pandemie – Ausmass und Effekte. Ergebnisse des COVID-19 Social Monitors» finden Sie hier.
Sarah Heiniger ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Versorgungsforschung am WIG.
Marc Höglinger ist Leiter Team Versorgungsforschung am WIG.