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Ein Pinguin, etwas so alt wie du, sitzt vor einem Schneehaufen und dreht sich um sich selbst. Seine Welt ist weiss, schneeweiss, teilweise mit gelben Spuren oder schwarzen Sprenkeln. Der Schnee ist mal weich, mal hart wie Eis. Das Eis wirkt nur weiss, aber in Wirklichkeit ist es durchsichtig mit eingeschlossenen Luftblasen und blauem Schimmer, wenn die Sonne hineinscheint. Das ist die Welt, welche der Pinguin kennt und welche für ihn vertraut und natürlich ist. Der Pinguin ist gerne hier. Er hat genug zu essen, Freunde und Familie und es herrscht ein angenehmes Klima. Für ihn kann das Leben so bleiben wie es ist.
In seiner Zufriedenheit bemerkt, der Pinguin nicht, dass sein Zuhause immer kleiner wird. Die riesige Eisscholle schmilz. Eines Tages spürt der Pinguin eine Erschütterung. Seine Welt scheint für ein paar Sekunden zu beben. „Das kann nicht sein!“, denkt sich der Pinguin. „Meine Welt ist stabil und fällt nicht so leicht aus den Fugen.“ „Rumms“, schon wieder. Langsam wird es dem Pinguin ungemütlich, er beginnt sich Sorgen zu machen, was das wohl sein könnte und beschliesst eine Runde zu watscheln. Weit weit weg von seinem Schlafhügel, sieht er zum ersten Mal, dass er sich nicht am Südpol, auf festem Boden befindet, sondern auf einer unglaublich grossen Eisscholle, die im Meer treibt und an deren Grenzen riesige Eisberge abbrechen. Sein ganzes Weltbild fällt mit einem Schlag zusammen. Die vermeintliche Stabilität ist nichts als Illusion.
Sein ganzes Weltbild fällt zusammen. Die vermeintliche Stabilität ist nichts als Illusion. Nach dem ersten Schock über die unvollständige Vorstellung von seinem Zuhause, denkt er darüber nach, inwieweit seine Welt eine Relative sei.
Nach dem ersten Schock über die unvollständige Vorstellung von seinem Zuhause, denkt er darüber nach, inwieweit seine Welt eine Relative sei. Er erinnert sich, dass er früher viele Fragen hatte: Ob es noch mehr Schattierungen von weiss gebe, als man hier sehen könne? Ob es auch Orte gebe, die vielleicht «nicht-weiss» seien? Auf seine Fragen bekam der Pinguin nur ein mitleidiges Lächeln, ein Achselzucken oder ein genervtes Stöhnen als Antwort. So hörte er auf zu fragen.
Der Pinguin, welcher sein Leben lang nie etwas anderes als weiss gesehen hat, glaubt nicht wirklich, dass es ausser weiss etwas gibt. Aber was wäre, wenn doch? Auch wenn der Pinguin keine Vorstellung von «nicht-weiss» hat, heisst das nicht, dass es «nicht-weiss» nicht gibt. Der Pinguin erwacht aus seiner Bequemlichkeit und macht sich auf eine Reise ins Ungewisse, um sich überraschen zu lassen. Sein Plan ist zuerst eine bisschen Eisschollen-Hopping zu machen und sich dann vorsichtig immer weiter von seinen vertrauten Gefilden weg zu bewegen und auf der anderen Seite des Horizonts in eine vollkommen andere Welt – eine «nicht-weisse» Welt – einzutauchen.
Auch wenn der Pinguin keine Vorstellung von «nicht-weiss» hat, heisst das nicht, dass es «nicht-weiss» nicht gibt.
Die Idee zur Geschichte entstammt einem Bild von Prof. Dr. E. Forster, HS2018 Uni Fribourg und der Diskussion: Was «menschlich» ist? Was als normal empfunden wird? Was es bedeutet in eine andere Kultur einzutauchen? Ob wir bereit sind anderen Werten und Normen die gleiche Akzeptanz zukommen zu lassen, wie Unseren (auch wenn wir sie absolut nicht nachvollziehen können)?
Ich dachte mir, dass die Geschichte gut zu Weihnachten passt, da sie den solidarischen Gedanken der Gleichwürdigkeit aller Menschen und ihrer Ideen illustriert und gleichzeitig auch ermuntert eine Reise in eine neue unbekannte (Gedanken-) Welt anzutreten.