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Bayreuth (Herstellung), Basel (Vertrieb), um 1960
Inv. 2017.304.1.-4.
In der 1908 erschienen siebten Auflage der „Basler Kochschule“ von Amalie Schneider-Schlöth finden sich zwei Rezepte für Schildkrötensuppe. Das erste beginnt mit der Tötung des Tieres und dem Ablösen des Panzers. Das zweite Rezept greift auf in Blechbüchsen eingemachtes Schildkrötenfleisch zurück, das damals offenbar ebenso im Basler Handel erhältlich war wie lebendige Suppenschildkröten. Als drittes erscheint eine „Falsche Schildkrötensuppe“, bei der Fleisch vom Kalbskopf das der Schildkröte ersetzte. Die im 18. Jahrhundert in England erfundene Schildkrötensuppe galt lange als die „Königin der Suppen“, nicht zuletzt wegen der exotischen Zutaten und der damit verbundenen hohen Kosten. Sie krönte bis in die 1960er Jahre hinein besondere Feste wie Hochzeiten oder hohe Geburtstage.
Um die Exklusivität zu betonen, wurde Schildkrötensuppe im 20. Jahrhundert in eigens dafür konzipierten, sehr kleinen Henkeltassen gereicht; meist wies eine entsprechende Darstellung auf den Inhalt hin.
Nach der Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs die öffentliche Kritik am Verzehr der Schildkröten, deren Bestände durch die Jagd bereits seit langem gefährdet waren. Seit dem Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen von 1988 ist der Handel mit der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas), wie diese Schildkrötenart heisst, illegal. Trotz dieser Massnahme und der Überwachung der Strände, wo die Weibchen ihre Eier ablegen, durch freiwillige Tierschützer ist die Arterhaltung noch nicht gesichert. Die Grüne Meeresschildkröte steht nach wie vor auf der Roten Liste.