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Psychodynamische Modelle
Das psychodynamische Modell
Die psychodynamisch ausgerichteten Theoretiker glauben, dass das Verhalten einer Person in starkem Masse von untergründigen psychischen Kräften bestimmt wird, deren sich die Person nicht bewusst ist. Diese inneren Kräfte werden als dynamisch betrachtet — das heisst, sie interagieren miteinander, und ihre Interaktion formt das Verhalten, Denken und Fühlen der Person. Gestörtes Verhalten gilt als Folge innerpsychischer Konflikte zwischen diesen Kräften oder als unbewusster Versuch, diese Konflikte zu lösen und einen schmerzlichen inneren Aufruhr zu dämpfen (Comer, 2008, S. 38).
Die psychodynamische Betrachtungsweise psychischer Phänomene beruht auf der grundlegenden Begrifflichkeit der psychoanalytischen Theorie. Dazu gehört das Unbewusste, das sich in Konflikten, Abwehrmechanismen und Symptombildungen äussert, das aber auch Phantasien, Bewusstseinszustände und die Art der Verarbeitung von Konflikten und Traumata beeinflusst.
Psychische Prozesse laufen zum grossen Teil unbewusst ab. Bewusste Vorgänge werden davon beeinflusst und gesteuert. Seelisches Leben ist nicht statisch, sondern befindet sich in einer kontinuierlichen Bewegung, immer auf der Suche nach der Befriedigung von Wünschen und Bedürfnissen, die mit der Realität in Einklang gebracht werden müssen (Mertens, 2014, S.756).
Psychodynamik und Psychoanalyse
Im Zentrum des psychodynamischen Modells steht die Psychoanalyse, eine psychologische Theorie und eine psychotherapeutische Behandlungsform, die um 1890 vom Wiener Neurologen Sigmund Freud begründet wurde. Psychoanalyse ist das älteste Paradigma der Psychologie und wird von Laien häufig mit Psychologie gleichgesetzt, was nicht zutrifft.
Im Jahre 1896 prägte Sigmund Freud den Begriff Psychoanalyse für die von ihm begründete und entwickelte Wissenschaft von den unbewussten Vorgängen im Seelenleben. In seiner späteren Arbeit Psychoanalyse und Libidotheorie (1923, GW XIII, S. 211) wählte er die Definition, die seitdem in der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft der Psychoanalytiker als verbindlich anerkannt wird. Dort hat Freud geschrieben:
Psychoanalyse ist
1) der Name eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind;
2) eine Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich auf diese Untersuchung gründet;
3) eine Reihe von psychologischen, auf solchem Wege gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen.
(Quelle: Homepage Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV))
Gewisse Psychotherapieverfahren werden als psychodynamisch bezeichnet, nämlich solche Verfahren, die sich von der Psychoanalyse im engeren Sinn abgrenzen, aber dennoch dem psychodynamischen Modell verpflichtet sind.
Als Psychodynamische Psychotherapie werden Verfahren bezeichnet, die den unbewusst ablaufenden Prozessen eine wichtige Bedeutung für das menschliche Erleben und Verhalten sowie für die Entstehung und Chronifizierung bestimmter seelischer Erkrankungen beimessen.
Siehe Kapitel «Weitere psychodynamische Ansätze»