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Prince Roger Nelson (1958 - 2016)
prince: Nachruf auf einen kreativen Exzentriker
Er hiess wirklich so. Als Prince Roger Nelson kam er am 7. Juni 1958 in Minneapolis zur Welt. Die Eltern hatten den Bühnennamen seines Vaters ausgesucht, einem ausserhalb Minnesota kaum bekannten Amateur Jazzpianisten, der zwar eine Profi Karriere anstrebte, jedoch nicht erreichte. Immerhin war er Co-Autor einiger Prince Songs. Sein Wunsch, sein Sohn möge die musikalischen Ziele erreichen, die er für sich erträumt hatte, sollte mehr als in Erfüllung gehen. Prince sollte eine der schillerndsten Figuren der zeitgenössischen, amerikanischen Musik werden. Am 21. April 2016 ist er im Alter von nur 57 Jahren wahrscheinlich als Folge einer Grippe gestorben.
Prince war offensichtlich ein geborener Musiker. Er beherrschte rund 25 Instrumente, die meisten davon virtuos, das Spielen hatte er sich selbst beigebracht. Auf einigen seiner Studioalben spielte er sämtliche Instrumente. Er schrieb an die sechshundert Titel, einige davon für andere Künstler, die damit grosse Erfolge feiern konnten, zum Beispiel Nothing Compares 2 U, mit dem Sinéad O’Connor 1990 den Durchbruch schaffte. Er bot eine Bühnenshow, die sich nicht in Äusserlichkeiten erschöpften. Zwar trat er stets eigenwillig kostümiert auf, mal in Rüschenhemden, mal wie Zorro verkleidet, mal halbnackt, dann wieder in Tanga und Regenmantel, oder High Heels und Strapsen und die Choreographie seiner Auftritte war bis ins letzte Detail geplant. Trotzdem lag der Schwerpunkt seiner Shows immer in der Musik und da zeigte sich sein Genie. Es gibt wohl wenige Musiker, die so experimentierfreudig waren, wie Prince. Stilgrenzen waren ein Fremdwort für ihn. Wie selbstverständlich bediente er sich bei Blues, R&B, Soul, Funk, Rock, Psychedelic Rock, Jazz, oder Disco. Damit gewann er einerseits Fans mit unterschiedlichem Musikgeschmack, verschreckte aber auch Puristen aller Gattung.
Wo andere Künstler eine fast voraussehbare Show abliefern, sorgte er immer für eine Überraschung. Es konnte durchaus sein, dass er keinen einzigen seiner Smash Hits darbot, oder überhaupt kaum aus seinem Oeuvre schöpfte, sondern ein Programm aus Covern darbot. In Montreux waren seine drei Auftritte im Jahre 2013 komplett unterschiedlich. Er hatte es nicht nötig und wollte es wohl auch nicht, auf irgendetwas festgelegt zu werden.
Legendär war auch sein Streit mit der Musikindustrie, mit dem er nicht nur sich selbst freischwimmen konnte, sondern generell Einfluss auf den Umgang der Musikverlage mit «geistigem Eigentum» und die Haltung der Künstler dazu nahm.
Seine Arbeit wurde auch und vor allem von der Fachwelt honoriert. Er konnte 7 Grammy Awards einheimsen, erhielt einen Oskar für die beste Filmmusik im Film Purple Rain, wurde mit einem Golden Globe ausgezeichnet und wurde 2004 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Das Musikmagazin «Rolling Stone» wählte vier seiner Alben für die 500 besten Alben aller Zeiten aus und nahm sogar 6 seiner Songs in die 500 besten Songs aller Zeiten auf. Ausserdem setze das Magazin ihn in die Liste der 100 besten Künstler aller Zeiten auf Platz 27 und auf Platz 18 der 100 besten Songwriter aller Zeiten.
Prince erkrankte während seiner letzten Tournee und wurde in einem Spital ambulant behandelt, es wurde von einer Grippe gesprochen. Zwei Konzerte musste der Künstler absagen. Am Morgen des 21. April 2016 fand man ihn in seinem Studio leblos im Lift. Wiederbelebungsversuche blieben leider ohne Erfolg. Ein grossartiger Künstler ist damit von uns gegangen.