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Bern d. 21. Dec. 1861.
Mein lieber Freund!
Deine werthen Zeilen vom 19. huj. verdanke ich Dir bestens, namentlich auch die darin enthaltene Zusicherung des Ersatzes der dem Reppischcomite für seine Studien erlaufenen Kosten durch die Direktion der NOB. Gegen die Verträge wird sich eine begründete Einwendung gewiß nicht mehr erheben lassen, nachdem noch verschiedene, den Interessen der Kantone günstige Veränderungen getroffen worden sind. Hr. Stehli schrieb mir, sie hätten sehr gewünscht, daß während der Bauzeit eine höhere Verzinsung eintrete. Für die Gemeinden wäre dieß allerdings sehr wünschbar gewesen. Indessen wird man sich, denke ich, beruhigen können, nachdem nunmehr festgestellt ist, daß auch die dießfällige Differenz später zurückbezahlt wird, wenn die Bahn einmal besser rentirt.
Es hat mich sehr gefreut, daß Du im größ. Stadtrath so zwingend gesiegt hast &. nachher in der Gemeindsversammlung. Ich betrachte es als ein gutes Vorzeichen für den Sieg im Großen Rathe.|
Was diesen anbelangt, so hätte ich sehr empfohlen, die Angelegenheit in der bevorstehenden Sitzung definitiv abzuthun &. sie nicht, wie mir der gestern hier anwesende Hr. Benz andeutete, auf eine 2te Hälfte der Wintersitzung zu verschieben. Es kann eine Kommission, wenn doch eine solche nothwendig ist, füglich am zweiten Tag rapportiren. So wars auch bei der Frage der Staatssubvention an der Nordostbahn. Eine Verschiebung macht die Sache nicht lauterer, sondern nur trüber.
Betreffend die Haltung des rechten Seeufers, so werde ich sofort, Deiner Andeutung entsprechend, noch Schritte thun, daß nichts Ungeschicktes geschieht. Ich kann mir übrigens nicht recht denken, wie man eine Sache, die noch ganz ungeprüft ist, für die sogar unter Umständen noch eine Konzession od. jedenfalls außerord. Präcautionen nothwendig wären, mit dieser Angelegenheit in Verbindung setzen könnte. Aber auch darum schiene mir eine sofortige Entschließung am Platze.
Ich begreife, daß Dich diese Angelegenheit bis zur Erschöpfung in Anspruch nimmt &. möchte Dich bitten, so sehr mir die Sache am Herzen | liegt, Du möchtest Dich doch vor Ueberanstrengungen hüten; Du kennst ja deren Folgen genugsam. Hier faßt man übrigens die Frage, der Du Deine Anstrengungen widmest, in ihrer ganzen eisenbahn- &. übrigen politischen Bedeutung auf &. zwar Freund wie Feind. Ich war gestern in einer Gesellschaft von Stadtbernern, die sich über diesen Deinen Hauptcrux freuten, weil Du damit die wahnsinnigen Projekte ihrer Regierung brechest. Bei diesem Anlaß erfuhr ich auch einige interessante Sachen aus der Sitzung der Großrathsmitglieder, in der Schenk seinen Rapport vortrug. Stockmar soll am Schlusse in furibundster Art über die Eisenbahnspaziergänge Schenks vom Leemann bis zum Bodensee, während er erst zuletzt an den Jura gekommen, losgezogen haben. Schenk selbst habe damit geschlossen, er sehe ein, daß sich der Kt. Bern auf sein Gebiet beschränken müsse &. nicht ein einziges Mitglied habe seine Projekte unterstützt!
Im übrigen wäre ich der Ansicht, man sollte diesen Herrn Schenk, der in einem offiz. Rapport (es war ein Bericht der Eisenbahndirektion an die Regierung) einem Eidg. Mitstande solche Sottisen machte, einmal gehörig absatteln. Vorläufig scheint zwar die Wirkung dieser Sottisen im Kt. Zürich doch eine | günstige zu sein.
Stämpfli hat in letzter Zeit einige höchst empfindliche Niederlagen erlitten &. Du wirst sehen, daß sich hier im Kt. Bern eine bedeutende Opposition gegen ihn &. seine Pläne bilden wird.
Das Neuste ist, daß ich von Delarageaz höre, Fornerod werde in vi[...?]r in den Gr. Rath des Kts Waadt gewählt &. nachher an die Spitze der dortigen neuen Regierung. Ich glaube aber, er suche dort nur ein Zutrauensvotum &. werde nicht gehen. Positiv ist, daß er Hoffnungen macht, er komme. Sei dem, wie ihm wolle, so halte ich dafür, daß die ganze Operation den Zweck hat, sich von Stämpfli etwas zu entfernen.
Im Bundesrath geht es die Zeit her sehr ruhig zu. Belgien erklärt sich zum Abschluß eines Handelsvertrags geneigt, stellt aber viele schwierige Bedingungen. Mit Frankreich sind noch alle Fragen hängig, drohen aber sämmtlich einzuschlafen. St. hat ein Projekt für Zusätze zur Militärorganisation eingebracht, das unsere Kriegsobersten Ziegler &. Benz, denen ich es mitgetheilt, scharf bekämpfen.
Für den Gotthard zeige sich, wie mir Knüsel sagt, eine englische Gesellschaft mit einem Kapital von 25. Millionen, was freilich nicht weit reicht.
Indem ich Dir nun einen glänzenden Sieg &. hernach eine freundliche Weihnacht im Familienkreise wünsche, grüßt Dich aufs freundschaftlichste
Dein
Jb. Dubs.
Challet-Venel verläßt mich so eben, nachdem er sich aufs Verbindlichste über die von Dir geleistete Unterstützung bezüglich des Genfer Anleihens ausgesprochen. Zürich habe durch diese Betheiligung den thatsächl. Beweis geleistet, daß es Genf nicht preisgeben wolle.