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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2014 von Peter Ziegler
Der Samariterverein Wädenswil feiert am 29. November 2014 das 125-jährige Bestehen: Anlass, auf die wechselreiche Vereinsgeschichte zurückzublicken. Als Grundlage dienen die Jahresberichte und Protokolle, die im mustergültig geordneten Vereinsarchiv lückenlos erhalten sind.
VON DER GRÜNDUNG BIS 1914
Am 20. Juli 1889 erschien im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» ein Bericht über die Gründung eines «Vereins vom Roten Kreuz in Winterthur», der bereits einen theoretisch-praktischen Kurs für Krankenpflege durchgeführt hatte. Dies gab in Wädenswil den Anstoss, sich ebenfalls mit der Tätigkeit des von Henri Dunant (1828–1910) gegründeten Roten Kreuzes zu befassen.
An der Generalversammlung der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Horgen, die am Sonntag, 10. November 1889 im Hotel Engel in Wädenswil stattfand, sprach Pfarrer Hartmann Hirzel (1849–1917) aus Aussersihl über die «Genfer Konvention vom Roten Kreuz». «Leider war die Versammlung schwach besucht», hiess es später im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee», «und namentlich machte sich das Gefühl geltend, dass auch das weibliche Geschlecht zur Anhörung dieses Vortrages hätte herbeigezogen werden sollen.» Die Lesegesellschaft Wädenswil verpflichtete daher den Referenten zur Wiederholung seines Vortrages am 8. Dezember 1889 im Sekundarschulhaus, der nun «sehr zahlreich, namentlich vom schönen Geschlecht besucht» wurde.
Im Anschluss versammelten sich viele Zuhörer und Zuhörerinnen im Restaurant Frohsinn und beschlossen, eine Rotkreuzsektion Wädenswil zu gründen. Zur Ausarbeitung von Statuten und für die Mitgliederwerbung wurde eine Kommission gewählt, der die folgenden sieben Herren angehörten: Pfarrer Jakob Pfister, Präsident; Arnold Hauser-Sträuli, Quästor; Dr. Robert Haab, Aktuar; Louis Diezinger, Hans Blattmann-Wehrli, Dr. med. Robert Ganz und Dr. med. Florian Felix.
Die Generalversammlung vom 16. März 1890 wählte die vorbereitende Kommission zum ersten Vorstand und genehmigte einstimmig die Statuten. Damit stellte sich die «Sektion Wädensweil des Schweizerischen Vereins vom Roten Kreuz» die Aufgabe, «in Wädensweil die freiwillige Hülfstätigkeit für den Sanitätsdienst im Kriegsfall zu organisieren und möglichst nutzbar zu machen». Und dies sollten gemäss § 2 die Aufgaben in Friedenszeiten sein: «Sammlung von Barmitteln; Anlegung eines Krankenutensilien- und Verbandmaterialdepots; Ausbildung von Sanitätshülfspersonal bzw. Veranstaltung von Samariterkursen; Förderung der Sache des Roten Kreuzes». Die Mitgliederwerbung war von Erfolg gekrönt, konnte doch Kassier Arnold Hauser von 133 Mitgliedern – 67 Herren und 64 Frauen und Töchtern – den ersten Jahresbreitrag von einem Franken einziehen.
Pfarrer Jakob Pfister, von 1889 bis 1914 erster Präsident des Samaritervereins.
Bis 1914 beschränkte sich die Vereinstätigkeit vor allem auf die Durchführung von Samariterkursen. Der erste Kurs fand 1891 statt. Dr. Florian Felix (1858–1931) bildete 15 Herren aus, Dr. Robert Ganz (1848–1913) 37 Damen. Im Winter 1893/94 folgte ein zweiter Samariterkurs für 34 Damen. Der Kurs für Herren musste ausfallen, weil zu wenige Anmeldungen eingegangen waren. Auch der dritte und der vierte Kurs beschränkten sich 1896 und 1899 aus den gleichen Gründen auf die Damen. 1902/03 und 1905/06 leitete der Wädenswiler Arzt Dr. Josef Hess (1875–1933) je einen Samariterkurs und 1911 im Sekundarschulhaus einen von Damen gut besuchten Kurs über häusliche Krankenpflege.
Ein Blick in die Statistik zeigt, dass 1898 mit 201 Aktiven ein Höchststand erreicht wurde, der sich bis 1913 auf 165 Mitglieder reduzierte.
Dr. med. Robert Ganz.
Dr. med. Florian Felix.
Ausschreibung des ersten Samariterkurses im "Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee" vom 1. Oktober 1891.
SAMARITERVEREIN WÄDENSWIL
Manche Wädenswiler und Wädenswilerinnen fanden, die 1889 gegründete Samaritersektion sei zu wenig aktiv. Nur sieben Kurse in 24 Jahren sei kein Leistungsausweis. Die Kritiker wurden daher aktiv. Am 8. Januar 1914 besuchten rund 30 Personen im Alkoholfreien Restaurant Sonne in Wädenswil einen Vortrag der Samaritervereinigung des Bezirks Horgen über Zweck und Ziele des Schweizerischen Roten Kreuzes und des Samariterwesens. Die Anwesenden waren so begeistert, dass sie am gleichen Abend die Gründung eines Samaritervereins Wädenswil beschlossen – des neunten Vereins im Bezirk Horgen – und einen provisorischen Vorstand wählten.
Bereits Ende Januar 1914 organisierte der neue Verein einen Samariter-Anfängerkurs im Alten Eidmattschulhaus, zu dem sich 96 Interessierte angemeldet hatten. Instruiert wurden die Theorie von Dr. med. Conrad Bürgi (1874–1945) und die praktische Tätigkeit vom Rotkreuzkolonnen-Instruktor Alfred Kunz in Horgen.
Die Gründungsversammlung des Samaritervereins Wädenswil fand am 26. Februar 1914 statt. Lehrer Hans Häberling (1886–1969) wurde zum Präsidenten gewählt: ein Mann, welcher das Wädenswiler Samariterwesen während vieler Jahre prägen sollte. August Furrer übernahm das Vizepräsidium, Frl. Elise Eugster das Aktuariat, Frl. Elsy Brupbacher das Quästorat und Huldreich Schmid und Albert Strecker besorgten die Materialverwaltung. Für den Vereinsbetrieb orientierte man sich an den Statuten des Samaritervereins Richterswil.
FUSION DER BEIDEN VEREINE
Gemäss § 6 der Statuten des Schweizerischen Roten Kreuzes durfte es am gleichen Ort nur einen Rotkreuz-Zweigverein des Bezirks Horgen geben. Dies führte durch Beschluss vom 24. Mai 1914 zur Vereinigung der beiden Vereine zur «Sektion Wädenswil des Rotkreuz-Zweigvereins des Bezirks Horgen». Die Übergangsbestimmungen der Statuten vom 30. Mai 1915 formulierten es so:
«Die Sektion Wädenswil des Rotkreuz-Zweigvereins des Bezirks Horgen rekrutiert sich aus den bisherigen Mitgliedern der „Sektion Wädenswil des Schweizerischen Vereins vom Roten Kreuz“ und des im Januar 1914 gegründeten „Samaritervereins Wädenswil“. Vermögen und Material der beiden Vereine bilden vereinigt die Aktiven der neuen „Sektion Wädenswil des Rotkreuz-Zweigvereins des Bezirkes Horgen“». Die Neuorganisation bedingte an der Generalversammlung vom 30. Mai 1915 die Genehmigung neuer Statuten und die Wahl folgender Vorstandsmitglieder:
Hans Häberling, Präsident; Jakob Leimbacher, Vizepräsident; Marie Rometsch, Aktuarin; Elise Eugster, Quästorin; Huldreich Schmid und Albert Strecker, Materialverwalter; Dr. med. Conrad Bürgi, Beisitzer.
Mit der Statutenrevision von 1960 änderte die Vereinsbezeichnung in «Rotes Kreuz Wädenswil, Untersektion der Sektion Horgen-Affoltern des Schweizerischen Roten Kreuzes». Ab 1987 galt der Name «Samariterverein Rotes Kreuz Wädenswil». Die aktuelle Benennung «Samariterverein Wädenswil» geht auf das Jahr 1997 zurück.
Die weitere Vereinstätigkeit wird nicht mehr chronologisch, sondern thematisch gewürdigt.
Hans Häberling, Präsident des Samaritervereins von 1914 bis 1919 und von 1931 bis 1959.
1918/19: GRIPPE-NOTSPITAL
Nachdem in Wädenswil die Spanische Grippe aufgetreten war, erteilte der Gemeinderat dem Samariterverein Wädenswil am 14. Oktober 1918 den Auftrag, im Alten Eidmattschulhaus – der Schulbetrieb war eingestellt – ein Notspital für Grippekranke einzurichten und zu betreiben. Der zum Leiter bestimmte Präsident Hans Häberling suchte sofort mit einem Aufruf im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» das benötigte Pflegepersonal. Das Echo war enttäuschend: «Der Erfolg war derart, dass ich den Glauben und das Zutrauen an meine Sektion verlor», notierte Häberling später. Doch weitere Anstrengungen zahlten sich aus. An verschiedenen Orten wurden zwanzig Betten aufgetrieben, dazu kamen Tragbahren und Sanitätsmaterial aus dem Vereinsbestand. Am 15. Oktober trafen die beiden ersten Patienten ein. Das Spital war bis am 25. Januar 1919 in Betrieb. 70 im Pflegedienst beschäftigte Personen betreuten 102 männliche und 99 weibliche Patienten, von denen neun starben. Insgesamt verzeichnete man im Notspital 4189 Pflegetage.
Verlad von Betten und Matratzen nach der Aufhebung des Notspitals, 1919.
Verlad der Bahre in den Krankenwagen. Im Hintergrund das Pfarrhaus.
Aufhebung des Grippe-Notspitals im Alten Eidmattschulhaus Ende Januar 1919.
Ärzte und Pflegepersonal - zum Teil Mitglieder des Samaritervereins Wädenswil - vor dem Notspital im Alten Eidmattschulhaus, Januar 1919.
WELTKRIEG 1939–1945
Immer wieder wurden die weiblichen Mitglieder des Samaritervereins zu Sondereinsätzen ins Lokal aufgeboten. So 1936, als es für das Schweizerische Rote Kreuz 200 Kopfkissenüberzüge zu nähen galt. Gross war der Einsatz am Zürcher Kantonalturnfest von 1938. Damals musste an zwei Abenden genäht und an zwei weiteren Wäsche gebügelt werden. 1945 versammelten sich die Frauen zu einer Strickaktion und verarbeiteten abgegebene Wolle zu 113 Paar Kniestrümpfen für in Adelboden einquartierte Franzosenkinder.
Bereits 1938 machte sich der Vorstand des Samaritervereins Gedanken, was im Hinblick auf einen möglichen Krieg vorzukehren sei. Auf einen Aufruf hin meldeten sich im Dezember 24 Frauen für ein Samariter-Detachement für den Fall der Allgemeinen Mobilmachung. Im März 1939 unterstützte die Rotkreuz-Sektion Wädenswil einen Aufruf des Oberfeldarztes und rief Frauen und Töchter von Wädenswil auf, den Armeesanitätsdienst mit freiwilligem Hilfsdienst zu unterstützen. Bis zum 3.Mai erklärten sich 20 Frauen dazu bereit.
Um dieselbe Zeit erstellte die Rotkreuzsektion Wädenswil eine Liste jener Personen, die sich auf einen Aufruf in der Lokalpresse hin der Armee als Blutspender zur Verfügung stellen würden. Es meldeten sich 96 Frauen und Töchter sowie 30 Männer.
Nach der Mobilmachung galt es im September 1939 und verschiedentlich im Jahre 1940 bei Truppeneinquartierungen in Wädenswil behilflich zu sein. 1941 kam es zu koordinierter Zusammenarbeit von Samariterverein, Luftschutzsanität und Ortswehrsanität. Im gleichen Jahr rief der Verein zur «Sammlung von Leibwäsche für unsere Soldaten im Kriegsfall» auf. Im Februar gingen folgende Spenden ein: 149 Hemden, 102 Paar Unterhosen, 101 Leibchen, 162 Paar Socken und Strümpfe, 412 Taschentücher, 204 Handtücher und 105 Waschlappen. Mit gespendetem Bargeld – Fr. 739.80 – wurden zusätzlich 75 Paar Unterhosen und 53 Leibchen gekauft.
Anfang September 1943 bestimmte das Armeekommando das Krankenhaus Wädenswil als Territorialspital. Im Falle eines Luftangriffs auf die Stadt Zürich war geplant, einen Teil des Kantonsspitals in Land- und Notspitäler sowie Notunterkünfte zu verlegen. Das Spital Wädenswil hätte dann 150 Patienten aufnehmen müssen. Zuständig war in erster Linie der Luftschutz. Aber er brauchte Verstärkung. Spitalpräsident Ernst Felber ersuchte daher den Samariterverein Wädenswil, im Ernstfall 30 bis 40 Personen für die Pflege und 20 bis 30 Personen für die Mithilfe in der Hauswirtschaft zur Verfügung zu stellen.
Im Jahre 1944 setzte sich das Schweizerische Rote Kreuz mit einer besonderen Aktion für die Kinderhilfe ein. Es rief dazu auf, nicht benötige Rationierungsmarken zu spenden. In Wädenswil konnte der Samariterverein 242'476 Coupons entgegennehmen. Sie berechtigten zum Bezug von 2'447,5 kg Brot, 140 kg Mehl, 10'837,5 kg Hülsenfrüchten, 895 kg Hirse, 257 kg Gerste, 239,4 kg Hafer, 210 kg Teigwaren, 56 kg Reis, 25 kg Mais, 88 kg Zucker, 70 kg Butter, 45 kg Fett, 5'215 Liter Milch, 210 kg Käse, 4'000 Eier und 25 kg Tafelschokolade. Überdies gingen 827'000 Fleischpunkte, 105'000 Confiseriepunkte, 79'500 Schuhpunkte und 5'700 Textilpunkte ein.
Ebenfalls 1944 wurde zum ersten Mal die Beckeli-Sammlung lanciert. Zugunsten des Kinderhilfswerks des Schweizerischen Roten Kreuzes wurden Sparkässeli in Form einer kleinen Milchtasse aus gebranntem Ton verkauft, die man zu Sammelstellen bringen konnte. Dort wurden die Kässeli mit dem Hammer zerschlagen, das Geld gesammelt und an das Rote Kreuz weitergeleitet. In Wädenswil konnten 1946 Beckeli unter die Leute gebracht werden. Der Inhalt von 627 abgelieferten und zertrümmerten Kässli ergab die Summe von 2'429.65 Franken. Im Jahre 1'945 trug die Aktion mit 2'600 Beckeli 779.29 Franken ein. 1946 – im letzten Jahr der Sammelaktion – waren noch einmal 2'000 Beckeli im Umlauf.
Mahlzeitenkarte, gültig ab 1. Dezember 1942.
Beckeli-Sammlung 1944.
Während des Zweiten Weltkrieges und in den Monaten nach Friedensschluss 1945 führte der Samariterverein Wädenswil weitere Sonderaktionen durch. Erwähnt sei die Kleidersammlung von 1945 für das Schweizerische Rotekreuz und im selben Jahr die Sammlung von Dörrobst für hungernde Kinder in Wien. Insgesamt konnten aus Wädenswil 380,4 Kilogramm Dörrgut zur Weiterleitung an die zentrale Sammelstelle in Bern geschickt werden.
KRANKENZIMMER FÜR DAS MILITÄR
Wenn Truppen in Wädenswil mobilisierten oder demobilisierten, richtete der Samariterverein mit eigenem Material ein Krankenzimmer ein. Erstmals war dies 1924 der Fall. Für den WK des Bat 71 stellte der Verein im Freischulhaus zwei Betten, eine Tragbahre und Krankenpflege-Utensilien bereit, was die Gemeinde Wädenswil mit 400 Franken entschädigte. 1932 stellte man der San Abt 5 das Übungslokal im Alten Eidmattschulhaus als Krankenzimmer zur Verfügung.
Wieder Krankenzimmer brauchte es nach der Mobilmachung 1939, als in Wädenswil Truppen zur Bewachung der Eisenbahn einquartiert waren. In verschiedenen Räumen standen 18 neue Betten mit Rosshaarmatratzen. Gross war die Zahl benötigter Betten im Kriegsjahr 1940. Das Thurgauer Bat 76 zum Beispiel bezog ein Krankenzimmer mit elf Betten und das Ter Bat 186 gar 19 Betten und 6 Notbetten sowie 86 Leintücher.
1945: DIPHTERIE-NOTSPITAL
Im Herbst 1945 breitete sich in Wädenswil die Diphtherie aus, eine ansteckende Infektionskrankheit. Als das Spital Wädenswil keine neuen Erkrankten mehr aufnehmen konnte, erteilte die Gesundheitskommission der Gemeinde Wädenswil der Rotkreuz-Sektion den Auftrag, im Neuen Eidmattschulhaus ein Notspital einzurichten, das am 15. November eröffnet wurde. Zur Verfügung standen 87 Betten: 30 vom Roten Kreuz Wädenswil, 30 von der Luftschutzkompanie und 27 Betten des Rotkreuzzweigvereins der Bezirke Horgen und Affoltern. Das Magazin stellte die gesamte Wäsche zur Verfügung, so 240 Leintücher, 280 Hand- und Küchentücher sowie 70 Schürzen für die Pflegerinnen und Pfleger. Zum Leiter des Notspitals wurde der vom Schuldienst dispensierte Lehrer Hans Häberling bestimmt, der schon 1918/19 das Grippe-Notspital geführt hatte und auch jetzt wieder mit Inseraten das Pflegepersonal – insgesamt 22 Personen – suchte. Die ärztliche Leitung lag bei Dr. med. Emil Ochsner, für die Verpflegung war der Alkoholfreie Gasthof Zur Sonne zuständig. Die Wädenswiler Industrie stellte Pflegerinnen und Mobiliar zur Verfügung und übernahm Fuhrleistungen. Während fünf Wochen galt es total 79 Patienten zu pflegen. Der Höchststand wurde am 4. Dezember mit 61 Erkrankten zwischen 1¾ und 18 Jahren erreicht. Im November waren 620 Pflegetage zu verzeichnen und im Dezember weitere 928. Am 21. Dezember 1945 konnte das Diphtherie-Notspital wieder aufgehoben werden.
ALARMSYSTEM
Am regnerischen Sonntagmorgen des 23. Juni 1918 wurden die Gruppenchefs des Vereins erstmals vom Bürgerheim aus per Telefon alarmiert. Da der Zeitpunkt vorher publik geworden war, kamen manche Sanitäter gemächlich an die Unfallstelle. Der zweite Alarm an einem schönen Sommerabend funktionierte dann besser.
1962 änderte die Alarmorganisation. Bisher wurden von der Alarmzentrale im Bürgerheim nur einige Gruppenchefs und ihre Stellvertreter angerufen, die dann ihrerseits die Angehörigen ihrer Gruppe zu alarmieren hatten. Das brauchte viel Zeit. Künftig waren neben Arzt und Leitung des Krankenmobilien-Magazins 17 Mitglieder des Vereins direkt an das Alarmsystem angeschlossen. Diese mussten dann noch maximal vier weitere Samariter benachrichtigen. Im Aufgebot zur Übung vom Oktober bewährte sich die neue Organisation.
1965 hatte der Samariterverein fünf Linien der Alarmorganisation an den Seerettungsdienst abzutreten. Somit konnten die Samariter nur noch in zwei Stufen aufgeboten werden, was nicht befriedigte. Erst nach der Einrichtung einer neuen Telefonzentrale im Jahre 1968 erhielt der Samariterverein wieder zwanzig Anschlüsse für den Alarm zugeteilt. Ab 1970 konnten 56 Samariter per Telefon aufgeboten werden. 1995 vertrat der Zivilschutz Wädenswil die Ansicht, der Samariterverein werde im Katastrophenfall nicht gebraucht. Mit der guten Versorgung durch die Rettungsdienste seien Alarmgruppen nicht mehr nötig. Die Alarmgruppe wurde deshalb 1997 aufgelöst.
KATASTROPHEN-EINSÄTZE
Zu einem Aufgebot von Wädenswiler Samaritern kam es beim Eisenbahnunglück vom 13. Mai 1944. Der Spätzug nach Zürich kollidierte bei der Einfahrt ins Stationsgebiet in der Gegend Rothaus mit dem Ende eines ins Einfahrtprofil hineinragenden Güterzugs. Die Lokomotive des Personenzugs wurde arg beschädigt, der Post- und der verschlossene erste Personenwagen vollständig zerstört. Samariter waren mit Bahre und Sanitätsmaterial vor Ort. Hans Häberling barg einen verletzten und einen toten Fahrpostbeamten.
Am 22. Februar 1948 konnte der Skizug von Sattel nicht mehr bremsen und musste – um ein grösseres Unglück zu vermeiden – in das Industriegeleise der Obst- und Weinbaugenossenschaft am Zürichsee geleitet werden, wo er ein Gebäude zum Einsturz brachte. Die Katastrophe forderte 22 Tote und viele Verletzte, darunter 18 Schwerverletzte. Zahlreiche Mitglieder des Samaritervereins halfen bei der Bergung und Versorgung der Verunfallten tatkräftig mit und leisteten mit Bahren und Wolldecken wertvolle Hilfe.
Eisenbahnkatastrophe vom 22. Februar 1948. Der verunglückte Sportzug vor dem Gebäude der Obst- und Weinbaugenossenschaft am Zürichsee.
SAMARITERPOSTEN
Im Jahre 1916 brachte die Rotkreuzsektion Wädenswil der Bevölkerung von Wädenswil zur Kenntnis, dass sie sechs Samariterposten errichtet habe, um bei Unfällen sachgemässe Erste Hilfe zu leisten. Eingerichtet waren Posten in Privathäusern im Giessen, an der Eintrachtstrasse, in der Seefahrt, in der Langrüti, im Küfer und im Unterort. Eine Emailtafel an der Fassade machte auf die Hilfsstelle aufmerksam. Ausgerüstet war jeder Posten mit einer Tragbahre, mit Schienen, Polstermaterial, Gazen, Binden, Schere, Pinzette und Jod. 1923 kam einer neuer Posten bei den Schwestern Brupbacher an der «exponierten» Zugerstrasse hinzu, der bis 1958 bestand. 1932 wurde der Posten Sandhof eingerichtet, nachdem sich in der dortigen Kurve der Schönenbergstrasse Unfälle ereignet hatten. 1954 hob man die Posten Langrüti und Unterort auf. Dafür entstanden die neuen Posten Steinacher, Vordere Rüti und Bachgaden. Dank erhöhter Mobilität und modernstem Nachrichtenwesen sind solche Samariterposten heute nicht mehr nötig. Der letzte ständige Samariterposten, im Bachgaden, wurde 2003 aufgelöst.
KRANKENMOBILIENMAGAZIN
Die Generalversammlung 1922 beschloss, in Wädenswil ein Krankenmobilienmagazin einzurichten. Als Standort wurde ein Zimmer im Südostflügel der Gemeinderatskanzlei gewünscht. Der Gemeinderat erteilte aber eine Absage, da man den Platz für die Erweiterung der Gemeindeverwaltung benötige. Als Ersatz bot die Behörde einen Raum im ersten Stock des Feuerwehrhauses an der Schönenbergstrasse an. Hier wurde das von Frau Pfister geleitete Magazin 1923 eröffnet. Im ersten Ausleihe-Angebot standen folgende Artikel: Wasserkissen, Luftring, Eisbeutel, Gummiunterlagen, Sitzbadewanne, Bronchitis Kessel, Irrigator, Calora-Kissen, Bettheber, Krankentisch, Krücken, Kissenstellrahmen, Bettbogen, Schnabeltasse, Bettschüssel, Urinflasche und Fieberthermometer.
Apotheke für Samariterposten, um 1940.
Das Magazin fand in der Bevölkerung bald Beachtung. 1925 stellte der Vorstand fest: «Die Neuschöpfung Krankenmobilienmagazin erfreut sich eines lebhaften Zuspruchs. In 78 Fällen wurde Material abgegeben, was zirka Fr. 200.- an Miete eintrug.» 1927 standen im Magazin 75 Gegenstände zur Verfügung, im folgenden Jahr bereits deren 139. Besonders gefragt waren elektrische Heizkissen, deren Bestand man darum aufstockte. 1933 wurde das Magazin bereits 332 Mal beansprucht.
Ab 1923 hatte die jeweilige Mieterin der Wohnung im Feuerwehrhaus gegen eine Entschädigung auch das Krankenmobilienmagazin betreut. 1939 kam es zu einem Wechsel. Weil die neue Mieterin das Magazin nicht mehr führen wollte und die Feuerwehrkommission für den Raum neu eine Miete verlangte, sah sich der Samariterverein nach einer neuen Lösung um. Denn auch die Platzverhältnisse im Feuerwehrhaus waren wegen der vielen Neuanschaffungen eng geworden.
1939 stellte Frau Lina Engelschall-Gessner, die jüngste Tochter des Seidenindustriellen August Gessner-Theiler, dem Samariterverein für das Krankenmobilienmagazin kostenlos Raum im Erdgeschoss ihrer Liegenschaft Rosenhof zur Verfügung. Die Sanitätsmannschaft der Luftschutzorganisation übernahm den Umzug an den neuen Standort. Als neue Leiterin konnte Frau E. Gattiker am Kirchenweg gewonnen werden. Dass das Magazin einem Bedürfnis entsprach, zeigten die 416 Ausleihen im Jahre 1943. 1971 gab es noch 290 Bezüge, 2006 wurde der Dienst nur noch von 160 Personen beansprucht, da viele eignes Material kauften. Bezogen wurden Gehstöcke, Rollstühle, Toiletten-Sitzerhöhungen, 4-Rad-Rollatoren, Toiletten-Nachtstühle, Alu-Gehböckli, fahrbare Betttischchen, Gummisitzringe, Badewannensitze, Inhalier Apparate und 3-Rad-Rollböckli.
Die Kundschaft profitierte von der langjährigen Erfahrung jener Samariter, die während langer Zeit das Magazin betreuten: Ida Schärer-Temperli von 1946 bis 1971, Gilbert Pause von 1973 bis 1998, Josef Bachmann ab 2000 bis heute, unterstützt von vier weiteren Personen.
1994 wurde das Krankenmobilienmagazin im Rosenhof reorganisiert. Ältere Gegenstände schied man zuhanden des Archivs aus, man reduzierte den Bestand und schaffte neue Gerätschaften an. Seit 1998 befindet sich das Magazin am jetzigen Standort Schönenbergstrasse 3. Durch die Gründung des Fachmarktes Vitarum in Wädenswil im Jahre 2013 erwuchs dem Krankenmobilienmagazin Konkurrenz. 2012 hatte man noch 130 Vermietungen registriert; im folgenden Jahr verzeichnete man lediglich 90 Ausleihen.
Krankenmobilienmagazin im Haus Schönenbergstrasse 3.
MATERIALVERKAUF
Der Samariterverein lieh nicht nur Materialien aus dem Krankenmobilienmagazin aus, er bot seinen Mitgliedern und der Bevölkerung auch die Möglichkeit, Sanitätsmaterial zu kaufen. Verkaufsstelle war nebst Präsident Häberling ab 1921 auch die Drogerie zur Alpina des Vizepräsidenten Huldreich Schmid. Als Fräulein Christine Steiner 1922 in ihrem Laden am Plätzli ebenfalls solche Artikel zum Verkauf anbieten wollte, opponierte Schmid energisch. 1924 übertrug der Vorstand den alleinigen Materialverkauf der Quästorin Fräulein Margrit Brupbacher, wozu das Protokoll vermerkt: «Wir schienen ihr zwar damit keine sehr grosse Freude zu bereiten!» Später – so 1971 – wurde eine Viertelstunde vor Beginn der Übungen das «Verkaufslädeli» geöffnet, damit sich die Mitglieder wieder mit Sanitätsmaterial ausrüsten konnten.
SANITÄTSDIENSTE
Wenn viele Leute sich zu einem besonderen Anlass versammeln, sorgt der Samariterverein im Auftrag des Veranstalters für den Sanitätsdienst. Die in den Jahresberichten erwähnten Einsätze markieren wichtige Ereignisse in Wädenswil. Die erste sanitätsdienstliche Betreuung stellte der Verein 1920 bei einem Wettlauf um den Zürichsee sicher. 1923 übernahm er den Sanitätsdienst an den Maifestspielen. 1925 unterstützte man den Arbeiterturnverein bei der Fahnenweihe und den Turnverein Wädenswil am Schwingertag. Ab 1930 waren die Samariter alljährlich an der Springkonkurrenz im Geren zugegen. Erwähnt seien nur noch die folgenden grösseren Ereignissee: 1930 Gewerbeausstellung «Arbeit und Fortschritt»; 1934 Nordostschweizerischer Schwingertag; 1936 Feier Hundert Jahre Sekundarschule; 1938 Zürcher Kantonalturnfest im Oedischwänd; 1948 Hundert Jahre Turnverein Wädenswil; 1949 Freilichtspiel «D Stäckliherre» im Rosenmattpark; 1951 Jubiläumsschiessen 50 Jahre Schützenverein Wädenswil; 1954 Nordostschweizerisches Jodler fest; 1956 Einweihung der St.-Anna-Kapelle; 1963 Pikettdienst am Wochenende während der Seegfröörni vom 26. Januar bis 17. Februar; 1967 Feier Zweihundert Jahre reformierte Kirche; 1968 Einweihung der Kläranlage in der Rietliau; 1970 Organisation eines Pikettdienstes zur Ablösung der Krankenwagen-Chauffeure am Wochenende; 1986 erstmalige Beteiligung an der Aktion «Ferienpass», bei der sich 85 Mädchen und Burschen für das Samariterwesen interessieren; 1987 Wädi-Fäscht; 1991 Feier 700 Jahre Eidgenossenschaft auf der Halbinsel Au; 1994 Gewerbeausstellung; 2000 Gewerbeausstellung; 2001 Schulreise des Bundesrates; 2005 Jubiläum 30 Jahre Freizeitanlage; 2007 Gewerbeausstellung; 2012 Zürcher Kantonalturnfest in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen; 2014 Chilbi und Gewerbeausstellung.
Der Postenwagen des Samaritervereins an der Gewa 2014.
POSTENWAGEN
Bei Einsätzen an Veranstaltungen benötigten die Samariter während vieler Jahre ein Lokal auf dem Festgelände oder benützten ihr Zelt. Dann beschloss die Generalversammlung 1996 den Bau eines «Sampohuks», eines Behandlungs-, Material- und Bürocontainers in der Art eines Baucontainers. Der von Samaritern konstruierte mobile Samariterposten leistete bis 2013 gute Dienste. Dann wurde er durch einen moderneren Postenwagen der Firma Stuker in Melchnau ersetzt. Er wird mit einem Zugfahrzeug an den jeweiligen Einsatzort gefahren, wo man bei Ernstfällen die moderne Ausrüstung des auch mit Bahre zugänglichen Innenraums schätzt.
Der 1996 gebaute "Sampohuk", im Dienst bis 2013, vor der Kulturhalle Glärnisch.
Vorhanden sind zwei durch Vorhang getrennte Liegeplätze und in Schubladen finden sich pro Bett Medikamente, Verbandmaterial und Kühlbeutel. Ferner sind Sauerstoff und Defibrillator greifbar. Separat gelagert und von aussen zugänglich sind Bergerbahre, Schaufelbahre mit Vakuummatratze und ein modernes Rettungsbrett. Ermöglicht wurde die Anschaffung des Postenwagens – wie die Aufschrift zeigt – dank Beiträgen der Stiftung Schwerpunktspital Wädenswil und von Bocciodromo Wädenswil.
Einweihung des neuen Postenwagens, 23. Oktober 2013.
SAMARITERLOKALE
Bis 1939, dem Bezug des Rosenhofs, wo nun auch ein Sitzungszimmer- und Übungslokal zur Verfügung standen, war der Samariterverein für Übungen, Vorträge und Samariterkurse auf gemietete Räume angewiesen. In der Regel tagte man in einem Kindergartenzimmer des Alten Eidmattschulhauses. Hier standen auch die Kästen mit dem Übungsmaterial. In der Ferienzeit wechselte man in den Saal des Hotel Du Lac, wo man sich auch zu den Generalversammlungen einfand. Durch Testament von Frau Lina Engelschall-Gessner vom 22. Juli 1942 erhielt die Rotkreuz-Sektion Wädenswil im Rosenhof ein unbefristetes Wohnrecht in ihren bisherigen Räumen. 1975 konnte das neue Übungslokal im alten Gewerbeschulhaus bezogen werden.
1998 verkaufte die Stadt Wädenswil den Rosenhof, weshalb das Vereinslokal und das Krankenmobilienmagazin geräumt werden mussten. Im Gegenzug offerierte die Stadt Räume im Erdgeschoss des Nachbargebäudes Schönenbergstrasse 3. Diese wurden durch die Samariter renoviert und modernisiert und dienen noch heute als Kurslokal und Magazin.
Das von den Samaritern umgebaute Kurslokal im Haus Schönenbergstrasse 3.
ÜBUNGEN
Die monatlichen Übungen fanden ursprünglich – so 1921 – an verschiedenen Wochentagen statt. Dann setzte die Generalversammlung vom 16. Januar 1926 die Übungen auf jeden ersten Mittwoch des Monats fest. Diese Regelung gilt noch heute.
Ursprünglich war Hans Häberling einziger Instruktor. Ihn unterstützte von 1917 bis 1922 Fräulein Berta Rusterholz als erste «Hülfslehrerin». Dann konnte man immer wieder Männer und Frauen aus den eigenen Reihen dazu bewegen, einen Hilfsleiterkurs zu besuchen. Manche wurden später auch Mitglieder des Vorstandes, wie etwa Gottfried Aschmann, der 1943 den Kurs absolviert hatte. Häufig wurde zu einer Übung auch ein Arzt, eine Krankenschwester oder eine Kinderschwester zugezogen. Heute wird unterschieden zwischen Kursleitern und Technischen Leitern. Der Kursleiter leitet sämtliche Kurse, der Technische Leiter die Übungen zur Fortbildung der Mitglieder.
An einer Übung im Jahre 1933 wurde gar mit der Stoppuhr gemessen, wer am schnellsten einen korrekten Verband anlegen konnte. Die Übungen im Lokal machen mit neuen Techniken und der Handhabung von Geräten vertraut und geben zum Beispiel Gelegenheit, verschiedene Verbandtechniken (Fuss-, Unterarm-, Ellbogen-Finger-, Hand-, Oberarm-, Brust-, Achsel-, Kopf- und Ohrenverband) zu üben. Viele Übungen standen schon früher unter einem Motto, wie 1934 «Ski- und Schlittel Unfälle», 1936 Bau eines Skischlittens, 1937 Betrieb des Pull Motors, 1939 Knotenlehre, 1941 Knochenbrüche und Fixationen, 1944 Transport von Rückenverletzten ...
Pulmotor, eines der ersten Beatmungsgeräte.
Alter Bronchitiskessel.
Originelle Ankündigungen wurden auch später beibehalten und unter ein Jahresthema gestellt. 1998/99 hiessen die Übungen unter anderem: «Kei Pfuus mee» (Atemwegstörungen), «Schön rot» (Sonnenbrand), «Gebisssen und gestochen» (Vergiftungen und Verletzungen durch Tiere), «Blaui Möse» (Verstauchungen und Prellungen). Auch künftig mangelte es nicht an interessanten Übungsthemen. Ob «Müüslitee und Essigsocke» (1993) oder das Ampel-Schema aus dem Nothelferkurs (1993), immer gab es wieder etwas Neues zu lernen. Wer am Mittwochabend verhindert war, die Übungen zu besuchen, erhielt ab 2005 die Gelegenheit, sich an drei Samstagnachmittagen an Intensivübungen weiterzubilden.
Fixation der Halswirbelsäule.
FELDÜBUNGEN
Schon früh wurden Feldübungen ins Jahresprogramm aufgenommen. Sie dienten der praktischen Tätigkeit bei Nacht, schlechter Witterung und unter anderen erschwerten Bedingungen. 1917 etwa galt es, einen «Halbtoten» im Rötibodenholz zu bergen. 1926 supponierte man ein Eisenbahnunglück nach Brückeneinsturz bei der Säge Samstagern, 1922 übte man auf der Burgruine und 1931 auf einer Baustelle am Mülibachweg. 1932 war in der Kiesgrube Hänsital ein Verschütteter zu bergen. Bei der Feldübung 1940, als man des Nachts im Töbeli einen Verletzten retten musste, kamen erstmals Akkumulator und Scheinwerfer zum Einsatz. 1946 führte man im Strandbad eine Demonstration im Rettungsschwimmen durch. Rettungsübungen im Strandbad, zusammen mit der Sektion Wädenswil der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft, gehören noch immer zum Kursprogramm.
An weiteren Themen seien erwähnt:
1945 Velounfall; 1951 Verhalten bei Verkehrsunfällen; 1959 Nächtliche Suchaktion im Winterbergholz; 1962 Bergungsübung im Aabachtobel; 1981 Einsatz bei einem Flugzeugabsturz; 1985 Rettungsübung auf der Beichlenstrasse, mit Einsatz von Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und Helikopter; 2000 Verkehrsunfallübung im Steinacher; 2002 Unfälle auf dem Bauernhof.
Grossübung vom 7. September 1985 auf der Beichlenstrasse, zum Thema die "Rettungskette vom Samariter bis zur Rettungsflugwacht".
Rettungsübung 2014 im Strandbad Wädenswil. zusammen mit den Richterswiler Samaritern und der Sektion Wädenswil der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft.
VORTRÄGE
Vorträge bereicherten jedes Jahresprogramm. Besonders die Arztvorträge machten mit neusten Strömungen im Gesundheitswesen vertraut. Die Themen – hier in Auswahl – widerspiegeln auch die Bedrohung durch neue Krankheiten und die Fortschritte in der Medizin:
1920: Der Kropf 1921: Elektrizität, Infektionskrankheiten 1924: Bekämpfung der Krebskrankheit 1925: Tuberkulose und deren Bekämpfung 1926: Rachitis 1931: Fusshygiene 1934: Gasvergiftungen 1939: Grippe 1943: Starrkrampf und Tollwut 1947: Diät bei verschiedenen Krankheiten 1957: Gefahren des Atomkriegs 1958: Wundinfektionen 1960: Herzinfarkt 1961: Blut 1963: Augenverletzungen 1967: Geisteskrankheiten 1972: Drogen
1977: Elektrounfälle 1978: Heilkräuter 1981: Paraplegie 1985: Moderne Röntgendiagnostik 1986 Seelische Aspekte beim Rheumatismus 1990 Sofortmassnahmen bei Sportverletzungen 1991 Folgen von Tschernobyl 1996 Schutz vor sexueller Gewalt 1997 Chiropraktik 2000 Parkinson 2002 Hundeeinsatz in Katastrophengebieten 2003 Hitzeschäden 2007 Traditionelle Chinesische Medizin 2009 Palliative Care; 2010 Ernährung 2011 Umgang mit Epilepsie im Alltag 2013 Vom Mythos bis zur modernen Medizin.
BESICHTIGUNGEN
Auch Besichtigungen dienten der Weiterbildung der Samariterinnen und Samariter. Dies waren einige der Ziele: 1924 «Anstalt» Bühl; 1926 «Anstalt» Balgrist; 1938 Kantonsspital Glarus; 1952 Anatomie Kantonsspital Zürich; 1976 Seepolizei Oberrieden; 1978 Paraplegiker-Zentrum Basel; 1984 Flughafensanität in Kloten; 1991 Feuerwehr Wädenswil; 2001 Autobahnstützpunkt Neubüel; 2003 Bezirksgefängnis Horgen; 2008 Spital Zimmerberg; 2009 Rega; 2010 Ligthhouse Zürich.
PRÄMIEN FÜR GUTEN BESUCH
In den Jahresberichten ist wiederholt von schlechtem Besuch der monatlichen Übungen die Rede. Um hier Gegensteuer zu geben, wurden jene Mitglieder, die nie gefehlt hatten, mit einem Geschenk – bis 1924 zwei Gazebinden – geehrt. Diese Ehrung der «Unfehlbaren» bildete jeweils einen Höhepunkt der Generalversammlung. 1925 wurden erstmals acht Mitglieder mit «niedlichen Landschaftsbildern als Wandschmuck» belohnt. Ab 1938 winkten neue Prämien für lückenlosen Besuch der Übungen: Im ersten Jahr eine kleine Schere und eine Pinzette, im zweiten ein Nierenbecken und eine Watteschachtel, im dritten ein Inhalier-Apparat, im vierten ein Thermometer, im fünften eine Taschenapotheke, im sechsten eine Gummibettflasche, im siebten ein Drehstift und im achten eine Glasschale.
Wer sich über lückenlosen Besuch während neun Jahren ausweisen konnte, durfte einen kleinen Schrank für die Hausapotheke entgegennehmen. In den 1930er und 1940er Jahren wurden immer um die zwölf Personen ausgezeichnet. 1938 waren es sogar 18 Mitglieder. Ab 1951 gab es als Auszeichnung im ersten Jahr eine Schere, im zweiten eine spitze und eine stumpfe Pinzette, im dritten Jahr eine Taschenapotheke, im vierten ein gebogene Schere und ein Paket Flockwatte, im fünften eine Idealbinde und eine Rolle Heftpflaster, im sechsten einen Fieberthermometer und ein grosses Paket Watte. An der Generalversammlung 1973 wurden als «Auszeichnung an gute Samariter» erstmals Silberlöffel abgegeben (bis 2012), denen ab 1984 auch Gabeln und 1996 Gutscheine als Alternative folgten. Einen Zinnteller mit Widmung gab es laut Beschluss der Generalversammlung 1943 für 20-jährige Mitgliedschaft im Roten Kreuz Wädenswil. Und die 25-jährige Zugehörigkeit zum Verein berechtigt noch heute zur Auszeichnung mit der Dunant-Medaille.
Henry Dunant-Medaille. Auszeichnung für verdienstvolle Arbeit im Samariterwesen nach 25-jähriger Mitgliedschaft im Verein.
SAMARITERKURSE
Ab 1917 wurde in der Sektion Wädenswil des Schweizerischen Vereins vom Roten Kreuz nach Möglichkeit jedes Jahr ein Samariterkurs angeboten, wie dies die Statuten forderten. Die sanitätsdienstlichen Aspekte brachten Hans Häberling und Mitarbeitende ein, die medizinische Leitung war einem Wädenswiler Arzt übertragen, so1918 Dr. med. Josef Hess und 1921 Dr. med. Emil Ochsner.
Die Schlussprüfung des Samariterkurses fand 1918 im Singsaal des Sekundarschulhauses statt und war öffentlich. Anwesend war ein Experte des Rotkreuz-Zweigvereins des Bezirks Horgen, der sich lobend über den Verlauf der Prüfung äusserte und den erfolgreichen Absolventen gratulierte. Wörtlich sagte er: «Wenn auch an der Prüfung selbst hin und wieder in der Hitze des Gefechtes ein Knochen einen falschen Namen bekam oder ein armes Herzlein im Examenfieber schnell anders eingeteilt oder mit andern Ventilen versehen wurde, so zeigte doch die geleistete Arbeit, dass nicht jeder von unsern jungen Samaritern in Obhut genommene Verunglückte ein Kind des Todes werden müsste.» Den Abschluss des Kurses bildete ein gemeinsames Nachtessen im Hotel Du Lac. Lobend auch das Urteil über die Schlussprüfung des Samariterkurses 1925: «Die Verbände sassen gut und wurden schulgerecht angelegt, und im Theoretischen mag ich mich keiner einzigen falschen Antwort zu erinnern.»
Später wurden die Schlussprüfungen in die Säle von «Du Lac», «Engel» oder «Hirschen» verlegt, wo auf das Nachtessen allerlei Darbietungen und Tanz folgten, bis die Polizeistunde zum Aufbruch mahnte. Mit der Erneuerung der Ausbildungsunterlagen für Samariterkurse fiel 1995 die Schlussprüfung weg. Seither werden in Wädenswil die jährlichen Samariterkurse nur noch als Wochenendkurse durchgeführt, was sehr geschätzt wird.
Schlussfeier des Samariterkurses 1979. Von links: Die Vereinsärzte Dr. med. Ueli Berghof und Dr. med Cornel Fürst, Samariterlehrerin Ida Lehmann und Gottfried Aschmann, Präsident von 1974 bis 1981.
KRANKENPFLEGKURSE
Ab Anfang Januar 1916 wurde an 16 Abenden zum ersten Mal ein Krankenpflegekurs erteilt. Dr. med. Conrad Bürgi machte 46 Damen u.a. anhand eines Skeletts mit dem Knochenbau des menschlichen Körpers vertraut, behandelte Knochen- und Hauerkrankungen, erklärte die Tätigkeit des Herzens und sprach über die Erkrankung der inneren Organe. Gemeindeschwester Anna Reimers leitete in der Herstellung von Krankenbetten an und zeigte das Wechseln der Bettwäsche vor. Beendet wurde der Kurs mit einem «Examen» im «Engel»-Saal.
An der Schlussprüfung des Krankenpflegekurses 1920 mit Dr. med. Josef Hess und Gemeindeschwester Marie hatten die 50 Teilnehmenden die Tagespflege eines an schwerer Lungenentzündung Erkrankten samt Umbetten zu demonstrieren, ehe sie zum Nachtessen ins «Du Lac» gehen konnten. Der von 57 Personen besuchte Krankenpflegekurs 1923 stand unter der Leitung von Dr. med. Emil Ochsner und der Gemeindeschwester Anna. Weitere Kurse fanden 1927, 1929, 1931, 1933, 1935, also in zweijährigem Turnus statt. In den 1940er Jahren scheint das Interesse etwas erlahmt zu sein. Kurse wurden nur 1941 und 1947 angeboten, und der Kurs 1949 musste wegen mangelnder Teilnahme abgesagt werden. 1981 dagegen konnte der Krankenpflegekurs doppelt geführt werden. 1993 wurden diese Kurse eingestellt.
NOTHILFEKURSE
1966 führte der Samariterverein den ersten Nothelferkurs durch. Seit 1972 galt in der Schweiz die Regel, dass man sich über den Besuch eines Samariter- oder mindestens eines Nothelferkurses ausweisen musste, um den Lernfahrausweis für Motorfahrzeuge beantragen zu können. Am 10. Januar 1972 bot der Samariterverein Wädenswil daher über fünf Wochen einen Nothelferkurs an. 1977 wurden an vier Kursdaten insgesamt 247 Nothelferinnen und Nothelfer ausgebildet und 1981 in sechs mehrfach geführten Kursen 230 Teilnehmende. Auch heute noch sind diese Kurse eine wichtige Einnahmequelle. 2011 halfen Kursleiter aus dem Verein dem Schweizerischen Samariterbund mit Pilotkursen bei der Ausarbeitung der E-Learning-Version, bei welcher der Teilnehmer die Theorie am Computer erarbeitet und nur noch den praktischen Teil vor Ort besucht. Auf Initiative des Elternrates der Oberstufenschule Wädenswil führt der Samariterverein seit 2012 jährlich mehrere Nothilfekurse für Schüler und Schülerinnen der dritten Oberstufe durch.
Nothilfekurs.
Nothilfekurs für Schüler und Schülerinnen der dritten Oberstufe.
WEITERE KURSE
1926 bot der Samariterverein erstmals einen Säuglingspflegekurs an, den 27 Frauen besuchten. Erteilt wurde er von Dr. med. Emil Ochsner und von Schwester Rosa von der Kinderkrippe Wädenswil. Periodisch wurden solche Kurse wiederholt. An die Stelle der Säuglingspflegekurse traten ab 1988 solche über «Notfälle bei Kleinkindern».
1983 führte der Samariterverein erstmals einen Kurs für angehende Babysitter durch. Dann vermittelte er während vielen Jahren Babysitter an Eltern, welche gerne einen freien Abend geniessen wollten. 2003 wurde diese Aufgabe an den Frauenverein Wädenswil abgetreten.
Nicht nur Kleinkinder sind gefährdet, auch im Alter steigt die Gefahr von Verletzungen. Dieser Tatsache trug der Samariterverein Rechnung, indem er 1989 zum ersten Mal zwei Seniorenkurse anbot und fortan Alterskurse ins Jahresprogramm aufnahm.
1995 fanden die ersten zwei CPR-Kurse statt. Das Kürzel steht für «Cardiopulmonale Reanimation». Dabei geht es um die lebensrettenden Sofortmassnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung in Theorie und Praxis. Abgelöst wurde dieser Kurs 2011 vom Basic Life Support (BLS) und Automatisch Externen Defibrillator (AED). Seit 2014 läuft diese Ausbildung unter dem Namen Reanimationskurs. Dieses Wissen gab der Samariterverein auch an Kursen bei der Feuerwehr und an Angestellte von Wädenswiler Firmen weiter.
CPR-Kurs.
TECHNISCHER AUSSCHUSS
Zur Entlastung des Vorstandes wurde mit Beschluss der Generalversammlung 1984 ein diesem untergeordneter Technischer Ausschuss gebildet. Ihm gehören von Amtes wegen an: die Samariterlehrer, der oder die Vereinsärzte, der Vereinspräsident und der Materialverwalter. Der Technische Ausschuss stellt das Jahresprogramm für Aus- und Weiterbildung zusammen, betreut die Samariter- und Nothelferkurse, leitet den Sanitätsdienst, bereitet Materialanschaffungen vor und übernimmt die vereinsbezogene Aus- und Weiterbildung.
BLUTSPENDE
Am 28. Mai 1951 fand im Kirchgemeindehaus Rosenmatt die erste Blutspende-Aktion statt. Es stellten sich 129 Spendende zur Verfügung. In den folgenden Jahren wurde in Zusammenarbeit mit dem Blutspendezentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes in Bern je eine Blutspende im Frühling und im Herbst organisiert.
An der Generalversammlung 1969 gab die Abwerbung von Blutspendern durch das Spital Wädenswil, das Leute als Direktspender für sich reservieren wollte, viel zu diskutieren. Um neue Spender zu gewinnen, liess der Samariterverein durch die Post in alle Haushaltungen eine Propagandaschrift verteilen. Zudem vermerkte die Kassiererin in einer Kartothek alle Blutspendenden der letzten Jahre, damit sie fortan persönlich aufgeboten werden konnten.
Am 1. Oktober 1974 fand die Blutspende-Aktion zum ersten Mal in der Sanitätshilfsstelle Fuhr statt, und zwar mit der erfreulichen Zahl von 401 Spendenden. 1977 war die Blutentnahme-Equipe zweimal in Wädenswil. Zur Betreuung der 743 Spendenden wurden 125 Vereinsmitglieder aufgeboten. 1980 konnte die tausendste Blutspenderin gefeiert werden. Dank einer Werbeaktion bei der Migros im Jahre 1984 spendeten 1066 Einwohnerinnen und Einwohner von Wädenswil und der Au Blut. Dies bedeutete mit rund 420 Litern Blut einen Rekord, der aber 1985 mit 1'171 Spendenden übertroffen wurde.
Seit 1951 organisiert der Samariterverein in Wädenswil die Blutspende-Aktionen.
Seit 2009 finden die Blutspenden zweimal jährlich im Etzelzentrum statt. Leider nimmt die Zahl der Spendenden ab. 2002 liessen sich 487 Personen je 400 Gramm Blut abnehmen, 2013 nur noch deren 357.
SAMMLUNGEN
Eine wichtige, jährlich wiederkehrende Aufgabe war die Durchführung der Haussammlung zugunsten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. 1921 setzte man statt der Sammlung von Haus zu Haus auf Sammelbüchsen in den drei Pfarrhäusern, den beiden Banken, und bei der Sparkasse, auf den Redaktionen des «Allgemeinen Anzeigers vom Zürichsee» und der «Nachrichten vom Zürichsee» sowie bei einigen Mitgliedern.
Später – so 1928 – waren die Mitglieder des Vereins – wieder wie ursprünglich – in ihrem zugeteilten Kreis in Wädenswil mit einer Liste unterwegs, läuteten an den Haus- oder Wohnungstüren, baten um Spenden und trugen den Namen des Spendenden und den übergebenen Betrag in die Sammelliste ein. 1985 wurden die Rotkreuzsammlung und die Samaritersammlung erstmals getrennt durchgeführt. Seither dient die schweizweite Samaritersammlung der Bekanntmachung der Samariterarbeit, der Mitgliederwerbung und der Geldmittelbeschaffung. Da immer mehr Haustüren verschlossen waren und es immer schwerer fiel, Mitglieder zum Sammeln zu bewegen, entschloss man sich im Jahre 2000, per Post Einzahlungsscheine in die Haushaltungen zu verschicken. 6000 Briefe mussten in freiwilligem Einsatz eingepackt und gestempelt werden. So wird es noch heute gehandhabt.
Zur Geldsammlung kamen immer wieder weitere Sammelaktionen. So galt es, Augustfeierkarten (1917), Rotkreuz-Kalender (1922), Rotkreuz-Marken (1923) oder Rotkreuz-Abzeichen (1928) zu verkaufen. Die Hälfte der Einnahmen floss 1928 und auch später in die Vereinskasse. 1938 konnten 1444 Verbandspatronen abgesetzt werden. Seit den 1980er Jahren wurde die Sammlung von Altkleidern immer bedeutender.
Container für die Sammlung von Altkleidern beim Samariterlokal Schönenbergstrasse 3.
1992 zum Beispiel kamen 21‘929 Kilogramm nicht mehre gebrauchte Textilien zusammen. Ergänzend zur Strassensammlung, die nicht mehr den früheren Erfolg zeigte, trat 1999 ein Container beim Samariterlokal an der Schönenbergstrasse 3, in dem Altkleider deponiert werden können. 2002 verfügte der Samariterverein an verschiedenen Standorten in Wädenswil bereits über fünf Container. Heute sind es deren zehn. Sie haben das Sammeln der Kleidersäcke an den Strassen durch die Samariter unnötig gemacht.
FINANZIELLES
Die Rotkreuz-Sektion Wädenswil finanzierte ihre Aufgaben aus verschiedenen Quellen. Zu den Mitgliederbeiträgen kam im Jahre 1921 erstmals ein Gemeindebeitrag von 400 Franken, der 1934 auf 360 Franken gekürzt, später auf 600 und 1945 auf 1'500 Franken erhöht, aber 1994 gestrichen wurde. Seit 2010 richtet die Behörde wieder einen Beitrag von jährlich 500 Franken aus.
1924 bezifferte sich das Vermögen inklusive Material auf 9'060 Franken. Bald stieg es dank weiterer Einnahmen von Kursen und der Ausleihen im Krankenmobilienmagazin. Aber auch Jubiläumsspenden von Banken und Industrie sowie testamentarische Verfügungen halfen die Ziele des Samaritervereins finanziell zu unterstützen. 1993 erreichte das Vermögen mit 74‘779 Franken einen Höchsttand. Neuanschaffungen und Mindereinnahmen durch Rückgang der Mitglieder- und Gönnerbeiträge reduzierten es später wieder. Heute finanziert sich der Verein vor allem aus den Kurseinnahmen und den Ausleihen des Krankenmobilienmagazins. Dazu kommen Einnahmen aus den Sanitätsdiensten und der Samaritersammlung.
JUGENDGRUPPE HELP
Am 4. September 1990 gründeten Samariterlehrer Daniel Gehrer und weitere Mitglieder des Samaritervereins Wädenswil mit 22 Kindern die Jugendgruppe Help, Teil einer gesamtschweizerischen Jugendorganisation des Schweizerischen Samariterbundes. An der Generalversammlung 1991 nahm der Verein die «Help»-Gruppe offiziell auf, was die Unterstützung seitens des Vorstandes und der Samariterlehrer garantierte. Fortan trafen sich immer um die 30 Kinder alle 14 Tage zu Helfen, Lernen, Erleben und Plausch (HELP). 1999 erhielt die Gruppe für ihre samaritertechnischen Übungen einen eigenen Raum im neuen Samariterlokal an der Schönenbergstrasse 3 zugeteilt. Da drei Leiter die Lehrabschlussprüfung oder den Militärdienst zu absolvieren hatten, keine neuen Leiter gefunden wurden und ausserdem bei den Kindern mangelndes Interesse festzustellen war, 2007 zählte man noch fünf, wurde die Samariter-Jugendgruppe Help auf 1. Januar 2008 aufgelöst.
Jugendgruppe Help, aktiv von 1990 bis 2007.
JUBILÄEN
Im Abstand von 25 Jahren gedachten die Wädenswiler Samariter der Gründung ihres Vereins am 8. Dezember 1889. Zum 25-Jahr-Jubiläum liessen sie 1915 eine vierseitige Festschrift drucken, welche das Vereinsgeschehen seit der Gründung zusammenfasste. Die 50-Jahr-Feier fiel in die Anfangszeit des Zweiten Weltkriegs. Das Jubiläum wurde deshalb am 9. Dezember 1939 in bescheidenem Rahmen gefeiert. Der Vorstand traf sich im Sitzungszimmer des Rosenhofs, das Frau Lina Engelschall durch ihren Gärtner hatte mit Blumen schmücken lassen. «Einige Vorstandsmitglieder sorgten in trefflicher Weise für das leibliche Wohl.» Im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» erschien bereits Ende November ein längerer Bericht «50 Jahre Rotkreuz-Sektion Wädenswil», der vor allem die Tätigkeit von Hans Häberling würdigte, der gleichzeitig auf 25 Präsidialjahre zurückblicken konnte.
Das Jubiläum des 75-jährigen Bestehens wurde 1964 in zwei Teilen gefeiert. Am 22. Februar hielt man im «Hirschen» in Anwesenheit von Delegationen der befreundeten Samaritervereine aus den Nachbargemeinden und eines Vertreters des Gemeinderates Wädenswil die Generalversammlung ab. Vizepräsident Hans Eschmann hielt die Festansprache «75 Jahre Rotes Kreuz Wädenswil», die am 10. März 1964 im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» abgedruckt wurde. Eine zweitägige Jubiläumsreise führte Ende Juni ins Avers Tal, wo die Zentrale Innerferrara der Kraftwerke Hinterrhein und die Staumauer in Val di Lei besucht wurden.
Der Vorstand an der 50-Jahr-Feier, 9. Dezember 1939. Von links: Margrit Schwarzenbach, Margrit Brupbacher, Martha Christen, Hans Häberling (Präsident), Franz Gmünder (Gast), Frau Hauser, Elsy Brupbacher, Sepp Ferrari (hinten links), Oskar Schudel (hinten rechts.)
Die Mitglieder des Samaritervereins im Jubiläumsjahr 1989.
Das 100-Jahr-Jubiläum wurde am 9. März 1989 mit Behördenmitgliedern und befreundeten Vereinen im Hotel Engel gefeiert. Präsident Josef Bachmann verfasste eine Festschrift. Ein Tag der offenen Tür vermittelte Einblick ins Krankenmagazin und im Schaufenster der Sparkasse waren alte und neue Sanitätsartikel zu besichtigen. Ein Samaritertag mit neun Samaritervereinen im Geren beendete die Aktivitäten des Jubiläumsjahres. Der Verein zählte damals 122 Aktivmitglieder, darunter fünf Ärzte, und 251 Passivmitglieder.
GESELLIGKEIT
Im Samariterverein wurde stets Wert gelegt auf gute Kontakte und Geselligkeit. Besonders beliebt waren und sind alle zwei Jahre die Reisen. Die erste führte 1928 auf die Rigi. Hier einige ausgewählte weitere Reiseziele:
An der Dezember-Übung 1962 erschien erstmals der Samichlaus im Vereinslokal und begründete damit eine Tradition, die zum Teil bis heute gepflegt wird. 1981 traf man sich zum Raclette-Essen in der Truppenunterkunft Untermosen, 1982 zum Fondue im Etzelsaal. Zur Vertiefung der Kameradschaft im Verein wurde an der Generalversammlung 1986 das vertraute «Du» eingeführt.
Vereinsreise zum Wildkirchli, 1929.
Vereinsausflug 2013. Die Samariter vor der Talstation der Reichenbachfall-Bahn bei Meiringen.
"Nur wer Spass an der Arbeit hat, ist zu Höchstleistungen fähig." Samariter an der Gewa 2014.
BILANZ
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zog der Samariterverein Wädenswil Bilanz: Die Mitgliederzahl ist rückläufig und der Verein mit vielen älteren Mitgliedern hat, wie andere auch, Nachwuchssorgen. Und dies trotz Homepage im Internet unter www.samariter-waedi.ch seit dem Jahr 2000. Vor allem die Jungen finden das Samariterwesen nicht mehr so attraktiv, Sportvereine ziehen mehr. Die Nothelferkurse werden nur besucht, damit man Auto fahren lernen kann. Die Motivation für den Beitritt in den Verein ist gering. Viele Kursteilnehmenden sind Ausländer und haben eigene Verbindungen. Dass an die Samariter und Samariterinnen immer höhere Anforderungen gestellt werden und sie grosse Verantwortung übernehmen, hat im Weiteren dazu geführt, dass einige Aktivmitglieder ausgetreten sind. Andere Rücktrittsgründe sind grössere berufliche Belastung, Wohnortwechsel, aber auch fehlende Motivation. Im Jahresbericht 2001 äusserte der Präsident Bedenken hinsichtlich der Zukunft des Samaritervereins: «Jedes Jahr haben wir weniger Mitglieder. An die Übungen kommen jeweils nur 20 bis 30 Mitglieder. Für Anlässe wie Postendienst oder Blutspendenaktionen muss lange nach Freiwilligen gesucht werden.»
Das technische Vereinskader, 2014 bestehend aus zwei kantonalen Instruktorinnen, zwei Kurs- und Technische Leiter, vier Assistenten und dem Vereinsarzt, geben sich jedes Jahr grosse Mühe, ein attraktives Programm zusammenzustellen. Leider werden manche Monatsübungen nur schwach besucht. Auch Figuranten für die Übungen zu finden, erweist sich als schwierig. Zudem ist Zahl der Blutspendenden rückläufig: Wädenswil ist für solche Aktionen ein steiniger Boden!
Ende 2011 zählte der Samariterverein nur noch 28 aktive Mitglieder: 19 Frauen und 9 Männer. Im Jubiläumsjahr 2014 liegt der Aktivmitgliederbestand bei 20 Frauen und 10 Männern.