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Programm
Juris Karlsons
Vakara lūgšana / Abendgebet 1999
Pēteris Vasks
Klātbūtne / Presence 2012
Konzert No. 2 für Cello
Urs-Joseph Flury
Sinfonietta für Streichorchester 1978
Fabian Müller
Weinberger Divertimento 2008
Komponisten
Juris Karlsons
*1948, Rīga
Juris Karlsons ist einer der berühmtesten Komponisten in Lettland. Sein Engagement spielt auch heute eine wichtige Rolle im lettischen Kulturleben. Seine Arbeit umfasst neben vielen Werken für Klavier, Kammerorchester, Sinfonieorchester, Chor und Orgel auch Theatermusik.
Der ehemalige Musikredakteur beim Lettischen Rundfunk, musikalische Leiter des Daile-Theaters und Rektor der Lettischen Musikakademie erhielt neben vielen Auszeichnungen im Jahr 1998 den Drei-Sterne-Orden (höchste Auszeichnung des Landes) und im Jahr 2000 den grossen Lettischen Musikpreis.
«Das Abendgebet» für Streichorchester wurde 1999 für ein Konzert in der Jaunpiebalga’s Kirche komponiert. In der Komposition steht ein Gebet als Rezitativ im Zentrum. Es stellt ein Gespräch eines Pfarrers (gespielt von Cello solo) mit seiner Gemeinde dar, welches von Engelsstimmen umgeben ist. Es beginnt mit einem von Violinen imitierten Vogelgesang, der in eine pastorale Volksmelodie überleitet. Die Naturklänge tauchen durch das ganze Stück hindurch zwischen den Melodien wieder auf.
Pēteris Vasks
*1946, Aizpute
Der in Riga wohnhafte Komponist, Professor der Komposition an der Musikschule Emils Dārziņš, hat dreimal den Grossen Lettischen Musikpreis und den Herder-Preis erhalten und wurde mit dem lettischen Drei-Sterne-Orden ausgezeichnet. Er hat mit dem Kronos-Quartett, Gidon Kremer und Kremerata Baltica, The Hilliard Ensemble, David Gering und vielen anderen zusammengearbeitet. Seine im neuromantischen Stil komponierten Werke sind auch bei Choreographen beliebt und werden für Balletts gebraucht. Im Sommer 2017 wurden Werke von Vasks auch am berühmten Lucerne Festival unter der Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla aufgeführt.
Die Zeitung «Zeit Online» zählt Vasks «zu den bedeutendsten lebenden Komponisten des Baltikums». Er fühle sich wie ein Idealist in der materialistischen Welt, er wolle der Seele Nahrung geben. Das macht er meistens piano und geniesst das nach dem Verklingen der letzten Note in Stille verharrende Publikum als Zeichen der Verbundenheit.
Das Zweite Cellokonzert von Pēteris Vasks wurde Sol Gabetta gewidmet. Der strukturelle Plan des Werks folgt einem vertrauten Bogen, welcher die Stationen des Lebens von der Geburt bis zum Tod beschreibt. Gemäss dem Komponisten widerspiegeln die wiederkehrenden fragmentarischen Notenmuster der unbegleiteten Cello-Soli «die ersten vorsichtigen Schritte, die ein Mensch in der Welt macht». Es folgt ein lyrischer erster Satz, eine «Hymne der Liebe und des Idealismus» für Cello und Streicher. Als starker Kontrast bringen schnelle Bewegungen einen aggressiveren und sarkastischen Charakter mit Dissonanzen ins Spiel. Der letzte Teil wartet mit einer melodischen Überraschung auf: Der Cellist singt ein Wiegenlied.
Urs Joseph Flury
*1941, Bern
Als langjähriger Präger der Solothurner Kulturlandschaft erhielt der in Biberist wohnhafte und aktive Komponist 2016 den Solothurner Kunstpreis. Auch schon im Jahr 1993 wurde Flury ein Musikpreis des Kantons Solothurn zuerkannt.
Der Sohn des Solothurner Komponisten Richard Flury bekam die ersten musikalischen Eindrücke in seinem Elternhaus. Er ist der neuromantisch-impressionistischen Tradition seines Vaters treu geblieben. Der Komponist ist als Solist und Kammermusiker in Konzerten und am Radio aufgetreten, leitet seit 1970 das Orchestre du Foyer in Moutier und seit 1971 das Solothurner Kammerorchester. Sein Werkverzeichnis umfasst u.a. Orchesterwerke, Messen, Weihnachtsoratorium, Violinkonzerte, Cellokonzert, Kammermusikwerke und Sololiedern mit Klavier.
«Flury nimmt Motive von Walzer und Tango auf, zuerst einzeln und verwebt sie dann. Einzelne Besucher wippen den Takt mit dem Fuss, ein junger Mann nimmt den Rhythmus mit der Hand auf und unterstützt die Dirigentin. Fast erstaunt es, dass niemand aufsteht und anfängt zu tanzen. Das Orchester meistert die schwierigen Passagen souverän. Flury, der selbst ein hervorragender Geiger ist, mischte sich – von den meisten unerkannt – unter die Zuhörer. Ob ihm das Stück gefallen hat? So unbemerkt, wie er kam, war er wieder weg.»
aus «Applaus für das Dream Team», Schwyzkultur
Fabian Müller
*1964, Zürich
Massgeblich gefördert wurde Fabian Müller durch David Zinman, der mit dem Philharmonia Orchestra London 2002 eine Portrait- CD eingespielt hat. Eine weitere Aufnahme mit Kammermusik für Streicher erschien 2004 mit dem Petersen Quartett. Müllers Werke werden international von namhaften Orchestern und Ensembles gespielt. Auftragswerke schrieb er für das Lucerne Festival, die Interlakner Musikfestwochen oder die Vestfold Festspillene in Norwegen. Seine Werke kamen zur Aufführung beim Festival La Chaise Dieux in Frankreich, beim Aspen Music Festival in Colorado oder beim Festival Internacional de Ushuaia in Argentinien.
Nebst seiner Tätigkeit als Komponist interessiert sich Fabian Müller vor allem für Musikethnologie. Während zehn Jahren (1991 bis 2002) arbeitete er an der Herausgabe der Hanny Christen-Sammlung, einer zehnbändigen Schweizer Volksmusik-Anthologie mit über 10`000 Melodien aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
«Weinberger Divertimento» ist für das Weinberger Kammerorchester geschrieben worden. Der Komponist beschreibt sein Werk folgendermassen: «Eingebettet in reine Orchestermusik sind nun fünf charakteristisch und atmosphärisch unterschiedliche Soli entstanden: ein virtuoses Solo für den Konzertmeister, abgelöst durch ein elegisches Thema des ersten Violoncello das in ein Solo mit einem augenzwinkernd-ironischen Ländler für die Solobratsche übergeht. Anschliessend übernimmt der Stimmführer der zweiten Geige den Solopart, ein besonders dankarer Part, um für einmal nicht die ‚zweite‘ Geige zu spielen, und schliesslich kommt ein virtuoses Solo für den Bassisten. Der solistische Teil mündet dann in eine Art Concerto grosso, wo alle Solisten mit dem Orchester dialogisieren. Das ‚Divertimento‘ kokettiert mit musikalischen Elementen der Schweizer Volksmusik, insbesondere beim Bratschensolo wodurch auch ein Bezug zur Musiksprache des Divertimentos Béla Bartóks entsteht.»