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Im Kommen: Reiseland Vietnam
Lange war das Image Vietnams durch die Erinnerung an den Vietnamkrieg und eines der letzten kommunistischen Regimes dieser Welt geprägt. Und obwohl beides – Krieg und Kommunismus – nach wie vor im Bewusstsein und Leben der Vietnamesen präsent sind, hat sich das Land gewandelt. Längst hat sich Vietnam ausländischen Investoren geöffnet, mittlerweile hält auch hier die Marktwirtschaft Einzug. Mit der Öffnung hat der Tourismus das südostasiatische Land entdeckt.
Vietnams Geografie wird mit manchmal mit einer Bambusstange mit zwei Reisschalen am oberen und unteren Ende verglichen. Dieses Bild spielt auf die eigenartige Form des Landes an. Es erstreckt sich über eine Länge von gut 1650 Kilometern von Norden nach Süden, wobei der mittlere Teil nur einen schmalen Landstreifen darstellt, der an seiner engsten Stelle gerade mal 50 Kilometer breit ist. Hier scheint Vietnam zwischen seinem Nachbarn Laos und dem Südchinesischen Meer geradezu eingezwängt zu sein. Im Norden – um die Hauptstadt Hanoi – und nach Süden hin wird das Territorium dagegen auch in Ost-West-Richtung breiter. Die Fläche Vietnams ist fast genauso gross wie die unseres Nachbarn Deutschland – bei einer Bevölkerung von über 90 Millionen Menschen.
Vietnam ist ein gebirgiges Land. Rund drei Viertel seines Gebiets bestehen aus Bergen oder Hochland. Im Norden an der Grenze zu China ist es das Yunnan-Hochland, das die Landschaft bestimmt. Hier liegt mit dem Phan-xi-pang (3144 m) der höchste Gipfel des Landes. In der Mitte und bis in den Süden erstreckt sich das Annamiten-Gebirge, nur ein kleiner Küstenstreifen ist flacher. Das Delta des Roten Flusses im Norden und das Mekong-Delta im Süden sind dagegen ausgedehnte Flusslandschaften mit intensivem Reisanbau – daher der Vergleich mit den zwei Reisschalen.
Im Aufbruch: Ho-Chi-Minh-Stadt
In keiner anderen Stadt wird der Aufbruch Vietnams so sichtbar wie in Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Metropole des Südens – das frühere Saigon – spiegelt am besten den Wandel des Landes wider. Im Grossraum der Stadt leben heute über sieben Millionen Menschen. Das ist der grösste Ballungsraum des Landes.
Ein Besuch von Ho-Chi-Minh-Stadt bietet vor allem Gelegenheit, das moderne und dynamische Vietnam zu erleben. Die baulichen Sehenswürdigkeiten sind begrenzt. Es gibt einige eindrucksvolle Relikte der französischen Kolonialzeit und interessante Pagoden. Den Franzosen sind auch einige repräsentative Boulevards im Zentrum zu verdanken. Die Erinnerung an den Vietnamkrieg wird bei einer Besichtigung des früheren südvietnamesischen Präsidentenpalastes – heute Wiedervereinigungspalast – wieder gegenwärtig.
Vornehmes Dalat und Traumstrände
Das nördlich von Ho-Chi-Minh-Stadt gelegene Dalat war früher ein vornehmer Rückzugsort der Saigoner Oberschicht und der Franzosen. Villen und der kaiserliche Sommerpalast wurden in einer grünen Berglandschaft mit zahlreichen Wasserfällen angelegt. Dalat wird daher auch heute gerne von Touristen besucht.
Im Süden gibt es weitere interessante Ziele. Im äussersten Südwesten – schon vor der Küste Kambodschas – liegt Vietnams grösste Insel Phu Quoc. Die bergig-tropische Insel steht zu grossen Teilen unter Naturschutz. Sie bietet neben einer wunderschönen Landschaft Traumstrände, die touristische Infrastruktur ist bereits gut entwickelt. Abgelegen ist dagegen die Con-Dao-Inselgruppe südöstlich des Mekong-Deltas. Ihre wundervollen Strände sind etwas für Individualisten.
In Mui Ne rund 220 Kilometer nordöstlich von Ho-Chi-Minh-Stadt vermischen sich Badetourismus und der Charme eines alten Fischerdorfs. Ein traditioneller Badeort ist dagegen das noch weiter nördlich gelegene Nha Trang. Schon die Franzosen bezeichneten den Ort mit seinen kilometerlangen Sandstränden, Korallenriffen und vorgelagerten Inseln als „Nizza des Ostens“. Nha Trang ist heute das beliebteste Ferienziel in Vietnam.
Alte Kaiserstädte: Hue und Hanoi
Besonders sehenswert in Zentralvietnam ist die alte Kaiserstadt Hue – im 19. Jahrhundert und bis 1945 Hauptstadt des Landes. An diese Zeit erinnert die Zitadelle von Hue mit der Verbotenen Stadt – ganz nach Pekinger Vorbild. Aus der Kaiserzeit stammen auch noch mehrere Grabmäler und Pagoden. Etwas weiter südlich, etwa 20 Kilometer von der Hafenmetropole Danang entfernt, liegt die Stadt Hoi An. Sie besitzt eine noch vollständig erhaltene Altstadt aus der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert.
Hanoi im Norden – die heutige Hauptstadt Vietnams – diente bereits im 11. Jahrhundert als Kaisersitz. Im Stadtbereich befinden sich zahlreiche Seen mit sehenswerten Pagoden und Tempeln. Interessant sind auch die Überreste der Zitadelle Thang Long, wo die Kaiser einmal residierten. Hanoi besitzt noch zahlreiche Bauten im französischen Kolonialstil, zum Beispiel die Oper. Mehrere Museen und Gedenkstätten erinnern an den Staatsgründer Ho Chi Minh und die Zeit des Vietnamkriegs.
Wo der Drache untertaucht
Als landschaftliches Highlight im Norden Vietnams gilt die Halong-Bucht. Die „Bucht des untertauchenden Drachens“ bietet Besuchern auf einer Fläche von 1500 Quadratkilometern eine einzigartige Insel- und Felslandschaft. Fast 2000 – zum Teil bizarre – Felseninseln sind hier in den Golf von Tonking hineingetupft. Viele besitzen Höhlen und Grotten. Ein grosser Teil des Gebietes ist seit einigen Jahren UNESCO-Weltnaturerbe.
Viele Städte und Regionen harren noch der Entdeckung. Mit der weiteren Entwicklung des Landes wird die Zeit Vietnams als Reiseziel noch kommen. Es bleibt dem Land und seinen Menschen zu wünschen, dass seine wunderschöne Natur und die Zeugnisse seiner Vergangenheit dabei bewahrt werden können.
Oberstes Bild: Halong-Bucht im Norden Vietnams (© Thierry Borie, Wikimedia, CC)