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Klimafreundliche Agrarinitiativen auf dem Vormarsch
Die indische Regierung kündigt ein neues Multi-Milliarden-Dollar-Programm an, um Solarstrom bei der Bewässerung von landwirtschaftlichen Betrieben voranzutreiben.
Es war ein Moment der Bestätigung für die wissenschaftliche Gemeinschaft, als Indien in seinem jüngsten Haushalt ein neues Programm namens Kisan Urja Suraksha Evam Utthaan Mahaabhiyan (KUSUM) zur Förderung der solaren Landwirtschaft vorstellte. Mit 21,8 Milliarden US-Dollar will die Regierung mit dem Bau von 10.000-MW-Solaranlagen auf kargen Böden beginnen und 1,75 Millionen netzunabhängige landwirtschaftliche Solarpumpen bereitstellen. Die Einkommen der Landwirte sollen stark ansteigen, da sie überschüssigen Strom an die lokalen Stromversorgungsunternehmen (DISCOM) verkaufen können.
Freude herrscht bei den Forschern des International Water Management Institute (IWMI) und des CGIAR Research Program on Climate Change, Agriculture and Food Security (CCAFS), die die erste Solarpumpen-Bewässerungsgenossenschaft im Dorf Dhundi im Bundesstaat Gujarat gegründet haben. Diese klimaschonende Initiative haben die von Bauern betriebenen Genossenschaften in die Wege geleitet; seit ihrer Gründung 2015 gilt sie als ökologisches Referenzmodell. Indiens Finanzminister versprach im Januar: «Viele Landwirte installieren Solarwasserpumpen, um ihre Felder zu bewässern. Die indische Regierung wird die notwendigen Massnahmen ergreifen und die Regierungen der Bundesstaaten ermutigen, einen Mechanismus einzurichten, der es ihn ermöglicht, überschüssigen Solarstrom von den Verteilungsunternehmen oder Lizenznehmern zu einem angemessenen Preis zu kaufen.»
Solarstrom wird zur lohnenden Kulturpflanze
Das Modell nennt sich SPaRC – Solar Power as Remunerative Crop, da der Strom aus der Sonne nicht nur wirtschaftliche Vorteile für die Landwirte bringt, sondern auch zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell beiträgt. Mit dem Ziel, die Klimaverträglichkeit von Bewässerungssystemen in landwirtschaftlichen Betrieben zu fördern, wurde die SPICE (Solar Pump Irrigators‘ Cooperative) mit sechs Kleinbauern zu einer Plattform zusammengeschlossen und bot Solarbewässerungspumpen an, die in einem Mikronetz miteinander verbunden waren. Die Genossenschaftsmitglieder stellten rund 5% der Kapitalkosten für Solarmodule, Pumpen und Mikronetz zur Verfügung, der Rest wird durch das Projekt gefördert. Darüber hinaus wurde mit dem lokalen Stromversorger ein Stromabnahmevertrag auf 25 Jahre abgeschlossen.
Die Behandlung der Solarenergie als lohnende Kulturpflanze und die Entwicklung eines nachhaltigen Geschäftsmodells begannen, Dhundi rasch zu verändern, am direktesten das Leben der sechs Bauern in der Genossenschaft. Bis Anfang 2016 wurden fast 48'000 kWh überschüssigen Stroms verkauft, das brachte den Landwirten ein zusätzliches Einkommen von rund 5300 USD ein. Als die Vorteile klar wurden, traten drei weitere Landwirte der Genossenschaft bei. Noch mehr wollten beitreten, aber der Vertrag begrenzte die Gesamtkapazität von Dhundi SPICE. Seit Beginn des ersten Verkaufs im Mai 2016 liegt der Gesamtabsatz an überschüssigem Strom bei rund 98'000 kWh und soll bald die 100'000er-Marke überschreiten. Im Januar verkaufte eines der Mitglieder allein von seinem Hof 4300 Einheiten Strom und erzielte damit ein zusätzliches Einkommen von rund 470 US-Dollar.
Auch die DISCOMS und die Regierung profitieren – sie werden von den lähmenden Agrarsubventionen befreit. In einem Szenario, in dem die Landwirte Zugang zur Netzanbindung haben, wäre die DISCOM verpflichtet, nicht nur einen hohen Zuschuss zu gewähren, sondern auch die zusätzlichen Kosten für die Installation der Infrastruktur zu tragen.
Am wichtigsten ist, dass solche Initiativen die Erreichung der von Indien beabsichtigten nationalen Beiträge (INDCs) zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Gang setzen. In Dhundi wurden die Kohlendioxidemissionen um 56,5 Tonnen reduziert, indem der Diesel durch eine saubere Energiequelle ersetzt wurde. Der Vorteil des Modells liegt darin, die Bewässerung des Grundwassers klimaschonend zu gestalten, da das Potential für den Verkauf von überschüssigem Strom den massvollen Verbrauch von Wasser fördert. Auch die Landnutzung hat sich verändert, da die Landwirte auf ihren Feldern auf einer Anhöhe Sonnenkollektoren installiert haben, die es ihnen ermöglichen, schattenspendende Pflanzen unter den Kollektoren anzubauen.
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1956 geboren, Studium Anglistik und Germanistik in Zürich. Unterrichtete Englisch und Deutsch an Höheren Fachschulen bis 2011, seither Kulturredaktor bei Thurgauer Zeitung/St. Galler Tagblatt, seit Juli 2017 in Teilzeit. Redaktion/Layout „Gallispitz“ Winterthur.