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May December
Die verheiratete Gracie war 36, als sie sich in den 13-jährigen Joe verguckte. Die skandalöse Liaison brachte Gracie für kurze Zeit ins Gefängnis. Zwanzig Jahre später sind die beiden immer noch zusammen und haben zwei gemeinsame Kinder. Ihre Liebe scheint intakt, als die Schauspielerin Elizabeth auftaucht. Der Soap-Opera-Star soll in einer Fernsehproduktion über den damaligen Skandal Gracie verkörpern. Um sich auf die Rolle vorzubereiten, möchte sie das Paar in deren Alltagsleben eine Zeitlang begleiten. Nach einigem Zögern willigt Gracie ein, doch der scharfe Blick, den die Schauspielerin auf das Paar wirft, lässt bald erste Haarrisse in der vordergründig so glücklichen Beziehung sichtbar werden. Dabei ist es nicht nur Joe, dem Elizabeth während ihrer Recherchetätigkeit verträumt hinterherzublicken beginnt … "May December" ist in Hollywood die Kurzformel für Liebesbeziehungen mit grossem Altersunterschied. Todd Haynes spielt in seinem neunten Spielfilm ein virtuoses Spiel mit Spiegelungen und erweist sich einmal mehr als genialer Regisseur grosser Gefühle. Geoffrey Macnab schreibt in The Independent: "In einem Plot, der direkt einer lüsternen TV-Soap entsprungen sein könnte, erzeugt Haynes eine Intensität, die Erinnerungen an einige von Ingmar Bergmans tiefgründigsten Charakterstudien weckt. Die Faszination, die der Film erzeugt, liegt zu einem grossen Teil in seinem Aufeinanderprallen der Stile. In gewissen Momenten trashig und voyeuristisch, nähert er sich an anderen Stellen – etwa wenn Elizabeth und Gracie allein sind – Bergmans"Persona" an, zitiert gar die berühmte Einstellung, in der die Gesichter von Liv Ullmann und Bibi Andersson zu verschmelzen scheinen. Dabei ist bei Haynes aber nie ganz klar, wer hier eigentlich wen ausbeutet. So hat Gracie Elizabeth wohl nur deshalb in ihr Haus eingeladen, weil sie dafür bezahlt wird, derweil Elizabeth ihr Method Acting so weit verinnerlicht hat, dass ihr darin jegliche ethische Verantwortung abhanden gekommen scheint. "May December" ist eine eng fokussierte Charakterstudie, die durch die grossartigen Leistungen von Julianne Moore und Natalie Portman glänzt und dabei in Bereiche vordringt, in die sich konventionellere Dramen nie wagen würden."