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(Neu mit dabei? Interessiert an der ganzen Entwicklung von „1 Jahr 1 Roman“? Starte bei der Writing Excuses Masterclass Woche 1!)
Weiter geht es mit Woche 14 der Writing Excuses Masterclass!
→ Beginne mit dem Schreiben deiner Geschichte! Schreibe 500 Worte, konzentriere dich dabei auf eines der Versprechen, welches du zu deiner Geschichte identifiziert hast. Dann breche ab uns schreibe 500 andere Wörter zu einem anderen Versprechen.
Wenn ich diese Aufgabe vorausgesehen hätte, hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr Gedanken gemacht bei meinen ‚Versprechen‘. Aber gut, ich bleibe bei »Hacking the Planet« und den Versprechen, die ich bei Aufgabe zur Woche 11 definiert habe.
Versprechen Nr. 1: Der Leser verfolgt die Geschichte eines entlassenen Polizisten, der mehr nach seiner Moral handelt anstatt nach dem, was das Beste für ihn ist.
»Donovan«, sprach der Chief Constable tadelnd, während er sich gegenüber Mikolaj hinsetzte.
Dieser verkrampfte sich bereits jetzt schon, denn der Tonfall mit dem Constable Johnson ihn ansprach, strotzte nur so von Bevormundung. Und er wusste ganz genau, dass er damit bei dem älteren Inspector nicht gut ankam. Das war auch der Grund, weshalb er es tat, dessen war sich Mikolaj sicher.
»Constable«, antwortete er so neutral wie möglich und überschlag die Arme vor seiner Brust.
Für einen Moment herrschte Schweigen, während dem Johnson ihn direkt anblickte. Mikolaj erwiderte den Blick ohne mit der Wimper zu zucken.
»Donovan«, wiederholte der Constable und öffnete die Akte, mit der er den Raum betreten hatte.
Eine richtige Akte aus Papier von denen Mikolaj in jüngeren Jahren, als er noch nicht so lange bei Scotland Yard gewesen war, hunderte ausgefüllt hatte. Bevor alles nur noch über den Computer geloffen war und er selber eine Karriere in der digitalen Forensik angefangen hatte.
Diese Akte kannte er jedoch noch gut genug. Es war seine eigene, wenn auch diese ebenfalls schon längstens von einem Pendant aus Nullen und Einsen abgelöst worden war.
Johnson blätterte durch die verschiedenen Einlagen, doch sein Blick blieb nicht auf den einzelnen Seiten ruhen. Es war reine Demonstration. Ein Akt des Kräftemessens. Er hatte die Akte, also entschied er, wo es lang ging.
Mikolaj wartete geduldig.
»Ich habe mir Ihre Fälle in der Vergangenheit durchgesehen, Donovan. Etwas ist mir dabei aufgefallen«, erklärte Johnson schließlich. »Sie hatten während zwanzig Jahren aktiven Dienstes zehn Disziplinarverfahren gegen sich laufen. Das ist ein Verfahren alle zwei Jahre.«
Als könnte er nicht selber rechnen, dachte sich Mikolaj, nickte dann aber.
»Keines davon endete in einer Sanktion«, merkte er an.
»Stimmt. Aber auch nicht jeder Verstoß endete in einem Verfahren«, meinte Johnson und lehnte sich etwas über den Tisch. »Wissen Sie, ich schätze Männer wie Sie. Beamte der alten Garde.« Er sprach den Begriff aus, als wäre es ein Schimpfwort. »Doch leider ändern sich die Zeiten und Prozesse sind da, dass man sich daran hält, nicht wahr?«
Nun wurde Mikolaj hellhörig. Es war normal, dass er dieses Gespräch mit jedem neuen Vorgesetzten einmal führte, doch Johnson war nun schon eine Weile bei ihnen und es wusste längst von Mikolajs Vergangenheit bei SY.
»Das letzte Verfahren war vor acht Jahren«, teile Mikolaj mit.
»Das letzte offizielle Verfahren, ja«, präzisierte Johnson. »Aber um ehrlich zu sein waren auch ihre letzte Jahre hier gespickt von gewissen … Inkonsistenzen.« Bevor Mikolaj etwas erwidern konnte, sprach Johnson weiter. »Sie wissen doch, wenn die Spurensicherung schlampt, können alle nach Hause gehen. So sagte man das doch früher, oder?«
»Digitale Forensik kann nicht denselben Regeln folgen wie die normale Spurensicherung, Chief Constable. Darüber haben wir schon gered…«
»Natürlich, das verstehe ich. Aber dennoch gibt es Regeln, oder? Zum Beispiel ihr letzter Fall, als dieser Fußballspieler …«
»Herrgott nochmal, dieses Thema wieder?«, erboste sich Mikolaj und spürte, wie seine Wangen feuerrot wurden. »Ja, wir haben sein Apartment ausgeräumt, bevor der offizielle Durchsuchungsbefehl da war. Ja, es war nicht gemäß den Vorschriften, es bestand aber kein Zweifel daran, dass wir ihn noch kriegen würden.«
»Genau«, rief Johnson mit einem Lächeln aus. »Kein offizieller Durchsuchungsbefehl.«
»Hätten wir gewartet, wären die Daten dahin gewesen. Und dann wäre der Kerl davongekommen.«
»Er hätte den Prozess anfechten können, das wissen Sie«, sagte Johnson nun ernst.
»Er hätte noch drei weitere Mädchen vergewaltigen können, hätten wir ihn nicht festgesetzt!«
Versprechen Nr. 2: Der eher einzelgängerische, misstrauische Protagonist wird zu einem Teamplayer.
»Wie sieht es aus, Donovan?«, rief eine Frauenstimme zu ihm herüber.
Mikolaj wandte unwillig den Kopf von seinem Monitor ab und drehte ihn in Richtung seiner Bürotür.
»Wie gestern, Margerite«, sagte er ungeduldig. »Ich melde mich, wenn ich was habe.«
»Okay«, sagte Margerite, machte aber keine Anstalten, ihre Position in der Tür zu verlassen.
»Sonst noch was?«, fragte er und unterdrückte seine Ungeduld. Immerhin war sie in diesem Fall sein Vorgesetzter, also war es auch ihr gutes Recht, seinen Status abzufragen.
»Ja«, sagte sie. »Wir gehen später noch ins Pub. Jim hat Geburtstag, wissen Sie.«
Er wusste es. Zum einen stand ein übergrosser Schokoladenkuchen mit seinem Namen in der Kaffeeecke, zum anderen war die Woche zuvor eine Mail an alle gegangen, wo man diskutiert hatte, was man ihm vom Team aus schenken sollte. Beides hatte er ignoriert.
»Ahja?«, stellte er sich unwissend.
»Kommen Sie mit?«
Mikolaj legte die Stirn in Falten und tat so, als würde er nachdenken. Er wusste, dass er kein schauspielerisches Talent besaß, doch irgendwie glaubte er, dass er sie damit dennoch glücklicher machen würde.
»Tut mir Leid, heute geht nicht.«
Margerite nickte.
»Alles klar. In dem Fall einen schönen Abend.«
»Euch auch.«
Als sie endlich gegangen war, widmete sich Mikolaj wieder den Auswertungen auf seinem Monitor. Irgendwo hinter einem Dutzend geöffneter Fenster lag der Report mit den Ergebnissen, die Margerite so dringend wollte und den er zu schreiben seit zwei Tagen vor sich herschob. Der Fall war nicht besonders wichtig und es war deutlich, dass die Inhalte der analysierten Festplatte nicht zu seiner Auflösung beitragen würden.
Im Gegensatz zu dem Baby, dass er jetzt gerade auseinandernahm. Es handelte sich dabei ziemlich sicher um einen neuen Lead in Sachen Menschenhandel im Londoner Untergrund. Noch hatte er nichts Handfestes und er würde die Sache auch so lange für sich behalten, bis es soweit war. Es hatte keine Lust darauf, die Analyse jemandem anderen abzugeben, nur weil auf seinem Schreibtisch noch drei zu beendende Rapporte lagen.
Vor seiner Bürotür wurde es laut und das Rascheln von Stoff mischte sich mit Stimmengewirr. Mikolaj schaute auf die Uhr, welche Punkt 17:30 Uhr anzeigte. Feierabend für das Team und Zeit für die Happy Hour im Pub nebenan. Er hoffte, dass nicht noch jemand auf die Idee kam, ihn zu fragen, ob er mit wollte.
Es war nicht so, dass er seine Mitarbeiter nicht mochte oder schätzte. Sie alle waren gut in dem, was sie taten. Viel mehr interessierte ihn an ihnen aber auch nicht. Und er hasste es, wenn Arbeiten unnötigerweise in die Länge gezogen wurden, nur, um ›sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten‹. Wie dieser Fall mit den Menschenhändlern. Wenn er seine Gedanken jetzt teilte, würde jeder mit seiner eigenen Theorie kommen. Lieber er verifizierte sie heute Nacht noch alleine und trat morgen mit einer neuen Fährte, oder aber halt den nackten Daten vor sie hin. Diskussionen würde es danach noch zu genüge geben.
Fazit Woche 14:
Mein Problem mit den ‚Versprechen‘ bleibt wie schon bei der Woche 11 bestehen. Aber es tat gut, mal eine konkrete Szene mit Mikolaj zu schreiben, wie es am Anfang ist. Das alleine hat mir schon viel über ihn beigebracht.
Nun meine Fragen an euch: Wie geht es den Autoren unter euch? Beginnt ihr eure Geschichte immer mit der ersten Szene oder startet ihr lieber mittendrin?