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Heinrich Danioths Werke, vorab das 1950 entstandene Teufelsbild an einer schroffen Felswand in der Schöllenenschlucht (das Original wurde beim Bau eines Strassentunnels weggesprengt und später rekonstruiert), sind vertraut. Doch ihr Schöpfer ist über die Urner Region hinaus ein unbekannter Bekannter geblieben. Erstaunlich, denn der Vielbegabte setzte auch als Schriftsteller, Karikaturist, Theater- und Hörspielautor künstlerische Akzente.
Nun widmet der Urner Filmer Felice Zenoni (Oh mein Papa, Charlie Chaplin – Die Schweizer Jahre) Heinrich Danioth ein vortrefflich gelungenes Porträt, das seiner Biografie folgt: 1896 geboren erkrankt Danioth im Ersten Weltkrieg schwer, unternimmt 1920 eine Studienreise nach Rom. 1923 beginnt er für die Satirezeitschrift «Nebelspalter» zu arbeiten. 1925 erfolgt seine künstlerische Initiierung in der Meisterklasse seines Mentors August Babberger in Karlsruhe; ein schicksalsträchtiges Jahr, weil mit dem Volksmusiker und Hitkomponisten Bärti Jütz («Zogän am Bogà») ein herznaher Freund stirbt.
Danioths Talent ist offenkundig. Doch anders als viele Künstler zieht es ihn nicht in die weltoffene Fremde. Er verharrt in der überschaubaren Heimat, wo er, der lange die Kompositionsprinzipien Ferdinand Hodlers beherzigte, mit seinem Expressionismus das traditionalistische Innerschweizer Publikum provoziert. Dennoch entstehen Gemälde im öffentlichen Raum: im Tellspielhaus Altdorf, im Bundesbriefmuseum Schwyz, im Schweizer Pavillon der Pariser Weltausstellung 1936 und an der Landessaustellung 1939 in Zürich.
1931 heiratet Danioth, und bis 1941 ist er Vater eines Sohns und zweier Töchter. Die Malerei ist ein harter Brotberuf, der die Familie ernähren muss. Er führt auch die Arbeit für den «Nebelspalter» weiter und manifestiert dort bis 1942 couragiert seine Verachtung für den Hitler-Faschismus. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin verfasst er das kultische «Urner Krippenspiel», und 1949 ist er für das Bühnenbild und die Kostüme der Inszenierung von Calderons «Das grosse Welttheater» in Flüelen verantwortlich.
Felice Zenoni dokumentiert diese und weitere Eckpunkte in Danioths Vita mit einer Fülle von Archivmaterialien, die er dramaturgisch geschickt zusammenfügt. Zudem hat er die letzten Zeitzeugen interviewt, etwa die Töchter Madeleine und Cilli, deren Schulgefährten, den Publizisten Karl Luönd, und den 105-jährigen populären Malerkollegen Hans Erni.
Seit Danioth 1953 an einem Gehirntumor verstorben ist, sind über sechs Jahrzehnte vergangen. Einsichtig, dass die Statements derer, die dem Meister persönlich begegnet sind, berühren. Es ist spürbar, dass Danioth ein eigenwilliger Charakter war, sein Privatleben bis heute auch traumatische Spuren hinterlassen hat. Zenoni geht auch damit respektvoll um. Er neigt nicht zu thesenjournalistischen, psychologisierenden Kurzschlüssen, um das «Phänomen Danioth» zu erklären. Er integriert die Statements in Bilder der harschen Urner Berglandschaft und in die seelentiefe, mystische Kultur, die zu Danioths Universum wurde.
Danioth – Der Teufelsmaler ist ein Film mit Nachhall, auch weil er das oft abschätzige Etikett vom «Heimatmaler» korrigiert. Danioth war ein bewegter Künstler, der im wörtlichen und metaphorischen Sinn den Teufel an die Wand gemalt, sich mit dem Dämonischen an sich und in seinem Innersten auseinandergesetzt hat. Nicht im Elfenbeinturm, sondern im besten Sinne volkstümlich. Zu überprüfen wäre das auch im Haus der Kunst in Altdorf, wo Danioths Werk liebevoll gepflegt wird. Und in manchem Privathaus seiner Heimatregion, wo sich viele kleinere Arbeiten finden. Man wird sie alle, mit Zenonis Hommage vor Augen, mit geschärftem Blick betrachten oder neu entdecken.