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Magnificat
«Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde», schreibt Dietrich Bonhoeffer über das Magnificat, dem sich die von Alexandra Weidlich, Orgel und Thomas Mory, Rezitation, gestaltete Orgelvesper vom Samstag, 27. November 2021, 17.30 Uhr in vielschichtiger Weise widmet. Lassen Sie sich diese musikalische Einstimmung auf die Adventszeit in der stimmungsvoll erleuchteten Kirche nicht entgehen!
Nach der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel besucht Maria ihre Cousine Elisabeth. Auf deren prophetischen Willkommensgruss antwortet Maria mit einem Lobgesang im Stil der Psalmen, der nur im Lukasevangelium enthalten ist: «Magnificat anima mea Dominum» («Meine Seele preist den Herrn»). Darin lobt Maria Gott als den, der sich ihr und allen Geringen und Machtlosen zuwendet, um sie aufzurichten, dagegen die Mächtigen, Reichen und Hochmütigen von ihren Thronen stürzt.
Neben zahlreichen Vokalvertonungen sind vor allem im 16. und 17. Jahrhundert verschiedene Kompositionen für Orgel entstanden, die die gregorianische Melodie des Magnificat als Basis verwenden. Die einzelnen Verse des Textes wurden hierbei ursprünglich alternierend mit einem Chor ausgeführt. Zu diesen Werken gehört das Magnificat von J.S. Bachs grossem Vorbild und Lehrer Dietrich Buxtehude, das zum Auftakt der Orgelvesper erklingt.
Ab dem 18. Jh. wurde dem für das Magnificat typischen IX. Psalmton, also einem Melodiemodell, das beim Singen des Psalms dem Text angepasst wird, der deutsche Text («Meine Seele erhebt den Herren») unterlegt. Daraus entstand eines der bekanntesten evangelischen Kirchenlieder, das zahlreichen Kompositionen der
Barockzeit und der Romantik zugrunde liegt, so auch einem der sogenannten «Schübler»-Choralbearbeitungen von J.S. Bach (BWV 648) und der Sonate Nr. 4 a-Moll op. 98 des deutschen romantischen Komponisten Josef Rheinberger. Zum Abschluss der Vesper erklingen das «Saluto angelico» des Reger-Zeitgenossen Sigfrid Karg-Elert sowie drei Teile aus den die Mutterschaft Mariens preisenden
Orgelmeditationen «La Nativité du Seigneur» von Olivier Messiaen (1908-1992), der einleitend dazu schreibt: «Gefühl und Ehrlichkeit gebühren der Vorrang, doch sollen sie dem Hörer mit sicheren und klaren Mitteln dargestellt werden.»
Dominique von Hahn, Kirchenpflege