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Heilquellen, im Meereswasser, in dem Caliche, aus dem durch Raffination der Chilesalpeter dargestellt wird, in sehr vielen
Landpflanzen und den daraus dargestellten Produkten, reichlicher in Meerespflanzen und in den im Meere lebenden Tieren. In
verhältnismäßig größter Menge tritt es in den Meeresalgen, Fucus, Laminaria u. a., auf.
Diese Gewächse haben eine besondere Befähigung für dle Aufspeicherung von Jodverbindungen. Dieselben
sind daher auch, solange man in Europa
[* 4] J. dargestellt hat, der Ausgangspunkt seiner Fabrikation gewesen; in den letzten Jahren
hat jedoch die europ. Fabrikation in der steigenden Einfuhr von chilenischem J. eine
so erhebliche Konkurrenz erfahren, daß viele Fabriken ihren Betrieb eingestellt haben.
In Europa sind drei Distrikte der Jodgewinnung vorhanden, die Umgegend von Glasgow,
[* 5] die norweg. Küste und die Westküste von
Frankreich. Die chilen. Salpeterwerke liefern jährlich etwa 400 t, Schottland und Irland 130 t und Frankreich 50 t J. Zur Jodgewinnung
dienen an der schott. Küste Laminaria digitata (mit 0,29 bis 0,45 Proz. J.) und saccharina
Lamour. (0,28 Proz.), FucusserratusL. (0,09 Proz.), Fucus nodosusAg. (0,06 Proz.), Fucus vesiculosusL. (0,03 Proz.); an der franz.
Küste werden dieselben und einige andere Fucusarten verarbeitet. Diese Algen,
[* 6] die zum Teil tief unter Wasser wachsen, werden
auf mühsame Weise geerntet, an der Sonne
[* 7] getrocknet und meist in Gruben verbrannt. Die dabei zurückbleibende
Asche heißt in SchottlandKelp, in FrankreichVarec. Bei der Darstellung der Asche geht eine große Menge J. durch die übermäßige
Hitze verloren.
Bei Glasgow wird der Kelp mit warmem Wasser ausgelaugt und die erhaltene Lauge in offenen Pfannen verkocht,
wobei die sich abscheidenden Salze, namentlich Kochsalz, Chlorkalium, schwefelsaures Kalium und Natrium, herausgefischt werden.
Die verbleibende letzte Mutterlauge, die Jodlauge, enthält alle Jodverbindungen in konzentrierterer Form, daneben aber noch
kohlensaure Alkalien, Schwefelalkalien, schwefligsaure Salze u. s. w. Durch Ansäuern mit Schwefelsäure
[* 8] werden diese Salze
zersetzt, unter Abscheidung des in den Sulfiden und Sulfiten enthaltenen Schwefels.
Die von letzterm getrennte Flüssigkeit wird in einem eisernen Kessel unter Zusatz von Braunstein erwärmt, wobei das freigemachte
J. mit den Wasserdämpfen sich leicht verflüchtigt. Um das J. zu verdichten, ist der Kessel mit einem Bleideckel versehen,
von dem die Dämpfe durch zwei weite Röhren
[* 9] in zwei Reihen von thönernen Vorlagen, die so ineinander gefügt
sind, daß der Hals der ersten in eine Bodenöffnung der folgenden reicht, geführt werden. In denVorlagen sammelt sich das
J. als krystallinische Kruste, während das gleichzeitig verdichtete Wasser durch eine im Bauch
[* 10] befindliche, nach unten gekehrte
kleine Öffnung abtropft. Das so gewonnene J. wird in kleinen aus Eichenholz gefertigten Fässern zu
einem engl. Centner Nettogewicht verpackt und in den Handel gebracht. Die als Nebenprodukte gewonnenen Salze machten früher
die Jodindustrie gewinnbringend; allein dieser Vorteil ist gering geworden, seitdem Staßfurt
[* 11] den Handel der Kalisalze beherrscht
und deren Preis herabgedrückt hat.
Die franz. Jodfabrikation unterscheidet sich von der schottischen durch
die Art der Abscheidung des J. aus der Jodlauge mittels eingeleiteten Chlorgases. Der Preis schwankte zwischen 12 M. in den
J. 1862, 1883 und 1889 und 90 M. 1871. Im J. 1893 betrug er 28 M. für 1 kg. Die Einfuhr
von J. ins deutsche Zollgebiet betrug 1892 169000 kg, wovon 104000 kg aus Chile
[* 12] stammten.
Das käufliche J. bildet grauschwarze, dem Graphit ähnliche Stücke oder schuppige Massen. Durch Sublimation läßt es sich
leicht in schöne, glänzend schwarzgraue Krystalle verwandeln; ganz dünne Krystalllamellen sind braunrot durchscheinend.
Sein spec. Gewicht ist 4,948 bei 17°. In Wasser ist es sehr schwer löslich, doch erteilt es dem Wasser,
das nur 1/7000 J. enthält, eine schwach gelbbraune Farbe;
ein Zusatz von Jodkalium befördert die Löslichkeit sehr. In Weingeist
und Äther ist J. leicht löslich, die Lösungen sind intensiv braun;
letztere beiden Agentien entziehen selbst geringe Spuren desselben seinen wässerigen Lösungen beim
Schütteln und dienen durch die dabei eintretende charakteristische Färbung als sichere Nachweisungsmittel des J. Es schmilzt
bei 113-115° C. und siedet über 200° C.;
sein schon bei geringstem Erwärmen entstehender Dampf
[* 13] ist dunkelviolett, der
gesättigte Dampf bei höchsten Temperaturen blau gefärbt.
Die Dampfdichte des J. ist bis gegen 600° = 8,8, entsprechend
einem aus zwei Atomen bestehenden Molekül, bei 1570° ist sie nur noch 5,67. Man hat daraus geschlossen, daß das Molekül
des J. bei höhern Temperaturen in seine Atome zerfällt. J. färbt Stärkemehl intensiv blau. Fügt man
zu einer wässerigen Jodlösung verdünnten Stärkekleister, so wird die Flüssigkeit bei Spuren von J. himmelblau, bei größeren
Mengen undurchsichtig dunkelblau. Das Stärkemehl dient daher als Nachweisungsmittel für J., und umgekehrt wässerige Jodlösung
als Erkennungsmittel für Stärkemehl. Hierbei ist aber zweierlei zu beachten, nämlich die Jodstärkereaktion tritt
nur in kalten, nicht in warmen Flüssigkeiten auf, und ferner wird sie nur durch freies, nicht durch gebundenes J. hervorgerufen.
Will man daher Salze auf einen Jodgehalt prüfen, so ist das J. daraus frei zu machen, was am zweckmäßigsten durch Zusatz
von wenigen Tropfen roter rauchender Salpetersäure geschieht.
Das J. und seine Verbindungen finden Verwendung in der Medizin (bei Syphilis, Skrofulose, Drüsenleiden u. s. w.),
in der Photographie, namentlich aber wird das J. in größten Mengen bei der Darstellung verschiedener Teerfarbstoffe gebraucht.
Die Bemühungen, es hier durch das leichter zugängige Brom zu ersetzen, sind bisher meist fruchtlos gewesen.
In seinen Verbindungen zeigt J. große Analogien mit Chlor und Brom; es unterscheidet sich von diesen im
allgemeinen durch schwächere Affinität zum Wasserstoff und den Metallen und wird infolgedessen sowohl durch Brom wie namentlich
durch Chlor aus seinen Metallverbindungen abgeschieden. Umgekehrt vermag es aber Chlor und Brom aus ihren Sauerstoffverbindungen
zu verdrängen. Näheres über die Verbindungen des J. s. die Einzelartikel.