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Desertieren, nicht einrücken, fahnenflüchtig werden und die Waffen strecken: Im Krieg ist ein Soldat, der nicht mitmacht, gefürchtet wie ein Gegner. Aber muss eine Milizarmee auch in Friedenszeiten alle Männer (und Frauen) rekrutieren? Nein, befand die Schweizer Bevölkerung und stimmte im Mai 1992 für die Einführung eines zivilen Ersatzdienstes. Zehn Jahre früher schien das noch undenkbar: Als Franz Hohler seinen „Dienschtverweigerer" zum Besten gab, weigerte sich das Schweizer Fernsehen, das Lied auszustrahlen.
Als sich Franz Hohler im Oktober 1983 dem Thema Zivildienst annahm, war das Ende der Denkpausen besiegelt. In der Fernsehsendung äusserte sich der Autor, Liedermacher und Kabarettist jeweils pointiert zu aktuellen Themen. Aber weil Hohlers „Dr Dienschtverweigerer" ─ eine Übersetzung von Boris Vians „Le déserteur" ─ den Verantwortlichen des Schweizer Fernsehens zu provokant erschien, strahlten sie die 38. Episode nicht aus. Diese Massnahme verstand Hohler als Zensur und zog sich von der Sendung zurück. Die berühmte Archivschachtel, aus der Hohler immer wieder Zeitungsartikel oder Bilder gezogen hatte, kam nie wieder zum Einsatz. Heute zählt sie selbst zum Archivgut des Schweizerischen Literaturarchivs in der Nationalbibliothek.
Fast zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger hatten 1977 und 1984 Vorlagen zur Aufweichung der Dienstpflicht verworfen. Die Dienstverweigerung war ein rotes Tuch. Das änderte sich 1992. Am 17. Mai stimmten über 80% der Schweizerinnen und Schweizer für eine Änderung der Verfassung. Jungen Männern war es fortan erlaubt, den Militärdienst aus Gewissensgründen zu verweigern. Was war passiert? Mit dem Untergang der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Kriegs hatte sich das Selbstverständnis der Schweiz und ihrer Armee grundlegend geändert. Nach 1992 liess sich „Dr Dienschtverweigerer" ganz unbehelligt singen.