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Weltcup in Chamonix und München.
In den Monaten Juli und August fanden in Chamonix (F) und München (D) die ersten Weltcupver-anstaltungen der Wettkampf saison 2000 statt. Beide Anlässe, als Outdoor-Veranstaltungen geplant, waren von ausserordentlichem Wetterpech betroffen.
Während in Chamonix nach einer völlig verregneten Schwierigkeitskonkurrenz wenigstens am zweiten Tag des anschliessenden Boulder-weltcups einigermassen gute Wetterbedingungen herrschten, fiel die Veranstaltung an der Ispo in München in eine sintflutartige Regenperiode, in der rund um München gar der Notstand ausgerufen werden musste.
Trotz diesen ungünstigen Rahmenbedingungen konnten aber schliesslich beide Anlässe durchgeführt und mit aus sportlicher Sicht akzeptablen Resultaten abgeschlossen werden. In beiden Fällen zeigte sich, dass bei Outdoor-Veranstaltungen die nötigen Vorkehrungen für eine ausreichende Überdachung bereits im Vorfeld des Wettkampfs getroffen werden müssen. Sonst kann die Chancengleichheit für die Sportlerinnen und Sportler kaum garantiert werden. Outdoor-Anlässe mit attraktiven Standorten -wie jenen von Chamonix vor der faszinierenden Kulisse des Montblancs -vermögen das Publikum in Scharen anzulocken, drohen aber zum sportlichen und wirtschaftlichen Fiasko zu werden, wenn das Wetter nicht mitspielt.
In Chamonix mussten die Viertelfinals im Schwierigkeitsklettern praktisch unter Ausschluss der Öffentlich- keit an der bestehenden Wand der ENSA geklettert werden. Da die Routen zu wenig selektiv angelegt waren, qualifizierten sich sowohl bei den Damen als auch bei den Herren aussergewöhnlich viele für den Halbfinal - erfreulicherweise auch alle angetretenen Mitglieder der Equipe Suisse. Als Folge davon musste der Halbfinal an der grossen Wand auf dem Marktplatz von Chamonix bereits morgens um acht Uhr bei nasskalten Bedingungen gestartet werden. Die zuerst startenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei praktisch chancenlos. Roman Felix und Simon Wandeler nutzten die im Laufe des Tages sich deutlich verbessernden Verhältnisse und qualifizierten sich für den am Abend vorgesehenen grossen Final. Auch Martin Felix holte sich mit 30. Rang gerade noch einen Weltcuppunkt.
Etwa eine Stunde vor dem eigentlichen Höhepunkt, der zum ersten Mal mit zwei Schweizer Vertretern in der Herrenkonkurrenz über die Bühne gehen sollte, setzte wiederum starker Dauerregen ein. Auch wenn sich die Favoriten oder die bekanntesten Namen schliesslich durchsetzten, konnte kaum mehr von regulären Bedingungen gesprochen werden.
Dennoch war dieser erste Wettkampf der laufenden Saison für die relativ grosse Schweizerdelegation mit drei Damen und drei Herren in den begehrten Punkterängen ein grosser Erfolg. Herausragend waren dabei der ausgezeichnete 14. Platz der Juniorin Alexandra Eyer aus Zürich und vor allem die souveräne Finalqualifikation des Jugendwelt-meisters Roman Felix aus Rothenbrunnen im ersten Weltcup seiner noch jungen Karriere. Zusammen mit fünf weiteren Kletterern - alles bekannte Namen - realisierte er im Halbfinal eine beeindruckende Topbe-gehung in der sehr selektiven Route. Im abschliessenden Final erreichte er schliesslich - nicht zuletzt wegen der äusserst schwierigen Bedingungen - den achten Schlussrang unmittelbar vor Simon Wandeler aus Nottwil, der mit der völlig durchnässten Wand ebenfalls nicht zurecht kam. Abgerundet wurde diese ausgezeichnete Bilanz durch einen achten Rang von Annatina Schultz aus Bern, ihre drittbeste Weltcupklassierung. Auf Grund einer umstrittenen Quoten-regelung konnte sie zusammen mit fünf weiteren Kletterinnen leider nicht mehr zum Final antreten.
Nach einem Ruhetag und einem weiteren Regentag mit zahlreichen Verschiebungen und Programmänderungen wurden die Qualifikationsrunden und die Finalrunde für den Boulderweltcup an einem Tag durchgeführt. Dabei qualifizierte sich Matthias Müller aus Reichenbach überraschend, aber sehr souverän für den Final der besten Zwanzig. Mit nur einem Fehlversuch schaffte er alle Boulderprobleme auf eindrückliche Art und Weise. Auch im anschliessenden Final vermochte er trotz einem Fehlstart am ersten Boulder die Konzentration und Ruhe zu bewahren und den Wettkampf auf dem sensationellen zehnten Rang abzuschliessen. Dies ist ein Versprechen für die Zukunft, sollen doch künftig auch die Weltcup-Boulderwettkämpfe mit einer leistungsstarken Mannschaft beschickt werden.
Um in dieser neuen Disziplin des Weltcups Fuss zu fassen und weitere Erfahrungen zu sammeln, wurde der im Rahmen der «ispo summer games»
Während Matthias Müller mit einem 28. Rang unmittelbar hinter Urs Schönenberger aus Schaffhausen und Simon Wandeler etwas zurückgebunden wurde, sorgte Annatina Schultz in einem dramatisch verlaufenden Final für das absolute Spitzenresultat. Ohne speziellen Erwartungsdruck gestartet, erreichte sie mit dem dritten Schlussrang ihren ersten Podestplatz im Weltcup. Vor allem ihre Leistung am letzten Boulder der Damenkon-kurrenz war beeindruckend. Sie schaffte dieses Problem als einzige Teilnehmerin - gleich im ersten Versuch. Mit einem 22. Rang verpasste die Juniorin Stéphanie Louis aus Genf den Einzug in den Final nur knapp.
Bleibt zu hoffen, dass der Aufwärtstrend die Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften Anfang September in Amsterdam und die Akti-ven-Europameisterschaften Anfang Oktober in München überdauert. Die Basis ist mit den ersten beiden Wettkämpfen auf jeden Fall gelegt.