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Gertrude wurde traurig, als sie all die Engel sah, die die anderen Kinder gebastelt hatten. Die Mädchen und Jungs hatten wunderschöne Engel geformt mit federleichten Flügeln, lieblichen Gesichtern und goldigem Haar. Der Kopf ihres Engels war viel zu gross geraten, die Flügel sahen aus wie Hutfransen und der Körper unförmig. Schnell sah sie sich um und als sie sicher war, dass sich niemand für ihren Engel interessierte, liess sie ihn schnell in der Schultasche verschwinden. Sie wollte nicht, dass die anderen Kinder ihn sahen, denn bestimmt würde sie wieder ausgelacht und verspottet werden. Wann immer es ging, hänselten die Mitschüler sie. Darum war sie immer alleine auf dem Pausenplatz oder auf dem Nachhauseweg.
So machte sie sich auch heute alleine auf den Heimweg, während die anderen Kinder zusammen lachten und stolz ihre perfekten Engel präsentierten. „Niemand hat mich lieb, weil ich so hässlich bin“, dachte sie trübselig und zog ihre Mütze über beide Ohren.
Zuhause setzte sie sich an den Tisch, um ihre Hausaufgaben zu machen. Als sie ihre Mappe aus der Schultasche hervorkramte, fiel der Engel heraus, den sie einfach zwischen die Blätter gestopft hatte. Sie hob den Engel auf und begutachtete ihn. „Oh je“, sagte sie zu dem Engel. „Du siehst aber gar nicht gut aus.“ Sein Kopf und seine Flügel waren zwar noch intakt, aber ein Ohr war stark verknittert. Gertrude versuchte, das Ohr wieder glattzustreichen, aber leider hatte es zu sehr in der Schultasche gelitten. Tränen stiegen in ihre Augen. „Oh nein, lieber Engel, ich wollte dir doch nicht wehtun.“ Jetzt bereute sie, dass sie den Engel so unachtsam in die Schultasche gesteckt hatte. Jetzt hatte sie einen Engel mit einem verknitterten Ohr. Traurigkeit überfiel sie und sie weinte still vor sich hin.
Da wurde der Engel plötzlich ganz warm in seinen Händen, als hätte ihm jemand Leben eingehaucht und sie hörte ihn flüstern: „Ich hab dich lieb, denn ich bin wie du." Gertrude drückte ihn an ihr Herz und strich sich dabei über ihr eigenes verknittertes Ohr.