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Habilitationsprojekte
Dr. Maria Cáceres, Bern
Overlapping Arts Management Trends. Musical Patronage and Soft Diplomacy at Fin-de-Siècle International Exhibitions
Recently scholars have extended their attention beyond the constructions of nation (Hobsbawm & Ranger 1992) to notions of internationalism and globalisation (Stokes 2012). Simultaneously, there has been a move away from inscribed forms of knowledge towards those embodied in ‘performance’ (Taylor 2003). This project responds to these currents with a comparative study of three highly significant events taking place between 1892 and 1893: The Viennese International Exhibition of Music and Theatre, the Columbian Historic Exposition of Madrid, and the World’s Columbian Exposition held in Chicago. These three encounters displayed the breaking of status quo between the European Monarchies and the American Republics. Beyond the themed matters, these three exhibitions were a turning point of diplomatic relations in a changing moment of representation of nation in terms of culture. The arts management patterns displayed on these international exhibitions, especially those related with music, became a fruitful symbol of empowerment and civilization. Although these exhibitions were extremely different in terms of size, repercussion, and themed area, the three shared a cluster of common organisers and interlocutors. Furthermore, the active engagement of a selected group of cosmopolitan women on these events highlights how music the management and patronage patterns related with elite networks go beyond the analytical categories of nationalism. In addition, these encounters represented an arena where different social groups, such as old aristocracy, liberal professionals, and economical bourgeoisie displayed their power and identity struggles. These intergroup tensions mirrored the unstable economical balance between the musical patronage typical of the Ancient Regime, the State commission, and the emerging globalised music industry, rooted in the economic framework of the electric revolution and the colonial expansion of capitalism. The main goal of this project is to investigate the role of International Exhibitions in the standardisation and globalisation of musical practices, labelled as Western, at the turn of the 20th century. The main research sources are bilateral diplomatic papers, the catalogues of manifold exhibited objects, personal correspondence of individuals involved on these three events, and a selection of different media records, such as traveler reports, social chronicles, and musical criticism. Through a methodological approach based on the historical social network analysis, the aims of this research project are (i) to investigate the origins of the musical industries based on entertainment and tourism, (ii) to research the emergence of the ‘Western music’ as a canonised global trademark, and (iii) to evaluate the role of inter-nationalisms in shaping narratives of the academic discourses.
Dr. Margret Scharrer, Bern
Klanglichkeit in burgundisch-habsburgischen Riten
Musikalische und klangliche Darbietungen spielten in der Inszenierung höfischer Festlichkeiten eine wesentliche Rolle. Ihre Wirkung entfalteten sie jedoch vor allem in der Verbindung mit anderen Medien. Erst die Kulmination unterschiedlicher medialer Elemente führte zu der angestrebten Überwältigung, die im Vorfeld herausragender festlicher Ereignisse detailliert geplant, über lange Zeiträume vorbereitet und im Anschluss gezielt in idealisierenden Festberichten oder bildlichen Darstellungen Verbreitung erfuhr. Die Festbeschreibungen zum Fasanenfest, das Philipp der Gute 1454 in seiner Residenz in Lille ausrichten liess, oder zu den Feierlichkeiten, die anlässlich der Vermählung Karls des Kühnen mit Margarethe von York 1468 in Brügge stattfanden, zeigen eindrücklich, wie sich die Herzöge mittels klanglicher, bildlicher, akrobatischer, kriegerisch-sportlicher, tänzerischer und gustatorisch-olfaktorischer Elemente inszenierten, dass deren Ineinandergreifen einer geplanten Strategie unterlag, die eine bestimmte Performation verlangte.
Anhand des weiter gefassten Begriffs von «Klanglichkeit», der sich bewusst gegen das paradigmatisch aufgeladene Verständnis von Musik als Kunstwerk in der Auffassung der Musikgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts wendet, sollen musikalisch-akustische Phänomene dieser beiden sowie weiterer herausgehobener und besonders gut dokumentierter Festlichkeiten der burgundisch-habsburgischen Sphäre in intermedialer Perspektive untersucht werden. Gefragt wird dabei, wie akustisch-musikalische Momente Festverläufe räumlich, zeitlich und emotional im intermedialen Gefüge strukturierten, wie sie Bedeutungen transportieren, die sinnliche Ausgestaltung von Festräumen gestalteten, aber auch wie sie von den Festbesuchern wahrgenommen wurden. Der klanglich-intermediale Zugriff erfolgt dabei auf der Basis verschiedener Materialitäten, schriftlich-musikalische Quellen werden dabei ergänzt von textilen, bildlichen, figürlichen Darstellungen sowie weiteren Artefakten der Schatzkunst, die im Rahmen der Hoffeste präsentiert und benutzt wurden.
Dr. Sarah Ross, Bern
Musikalische Zeitlandschaften:
Überlegungen zu einer Musikethnologie der Nachhaltigkeit am Beispiel jüdischer Musik in der Deutschschweiz
Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung hat sich in der Schweiz ein jüdisches Musikschaffen herauskristallisiert, dass sich von lokalen (Volks-)Musiktraditionen inspirieren lies und lässt. Mein musikethnologisches Habilitationsprojekt untersucht daher die lokale Verortung jüdischer Musik in der Deutschschweiz und fragt dabei nach den Wechselwirkungen schweizerischer und jüdischer Musik und Kultur, und somit danach, ob es eine prononciert schweizerisch-jüdische Musikkultur gibt. Auf dieser Basis fragt das Projekt weiter nach den kulturpolitischen Implikationen zur Erforschung jüdischer Musik in der Schweiz. Vor dem Hintergrund des Konzeptes der kulturellen Nachhaltigkeit/des „intangible cultural heritage“ geht es der Frage nach, ob und ab wann jüdische Musik auch als Teil der gesamtschweizerischen Kulturlandschaft wahrgenommen und als solche für die Zukunft bewahrt wird.
Auf der Grundlage der bisherigen Feldforschung in der Deutschschweiz und unter Auslandsschweizern/innen in Israel hat sich gezeigt, dass dem Erhalt und Bewahren des schweizerisch-jüdischen Musikerbes ein Bewusstseins- und Sensibilisierungsprozess für die Eigenheiten dieser musikalischen Traditionen vorausgehen muss. Im Sinne der „Applied Ethnomusicology“, bzw. einer „Musikethnologie der Nachhaltigkeit“, wird daher zunächst nach der Rolle der Musikethnologie im Kontext dieses Sensibilisierungsprozesses gefragt. Des Weiteren werden alternative (angewandte) Wissenschaftskonzepte und Strategien erarbeitet, die helfen sollen, das nicht nur das ohnehin schon Bekannte (und damit nicht primär gefährdete) bewahrt wird, sondern auch das Neue, Überraschende und Verborgene (zu Tage) gefördert, der Öffentlichkeit zugänglich und somit für die Zukunft bewahrt wird.