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Sehr geehrter Patient
Sehr geehrte Patientin
Bei Ihnen ist ein Lipom diagnostiziert worden oder Sie vermuten dies als Diagnose.
Fettzellen gibt es überall im Körper. Diese befinden sich im Bindegewebe unter der Haut und in der Tiefe sowie neben den Organen. Die Funktion ist die Speicherung von Fett als Energielieferant. Neben dieser Aufgabe gibt es noch andere Aufgaben wie Wärmeisolation und Polsterung. Die Anzahl der Fettzellen ist von Geburt an praktisch gleich. Bei vermehrtem Angebot von Nahrung werden die Zellen einfach grösser.
Beim Lipom vermehren sich einzelne Fettzellen plötzlich und verdrängen die anderen Fettzellen und das nebenliegende Gewebe. Auch ist neben der gutartigen Teilung noch eine Grössenzunahme der Zellen zu verzeichnen. Die Gründe für die plötzliche Teilung, oder ob die Lipome aus einer Art Stammzellen entstehen, sind unbekannt. Zum Glück sehr selten ist die bösartige Variante des Lipoms, das Liposarkom. Dieses zerstört das nebenliegende Gewebe und wächst in dieses hinein.
Normalerweise liegen die meisten Lipome im Unterhautfettgewebe, das heisst direkt unter der Haut. Andere liegen tiefer und können entweder direkt in der Tiefe entstehen oder durch Druck zum Beispiel in die Muskulatur gutartig eindringen und von der Muskulatur umhüllt werden. Die Grösse eines Lipoms kann von wenigen Millimetern im Durchmesser bis zur Melonengrösse variieren. Lipome können überall am Körper auftreten. Besonders in den Bereichen des Rumpfes und der Extremitäten kommen die beschriebenen intramuskulären Lipome vor. Einige wenige Lipome sind in der Tiefe des Körpers, zum Beispiel im oder hinter dem Bauchraum oder zwischen Knochen und Muskulatur, zu finden. Manchmal ist es schwierig gewisse Lipome von einem Atherom (eine Talgzyste, siehe atherom.ch), zu unterscheiden
Diagnose und Behandlung
Das Lipom erkennt man an der Schwellung unter der Haut, wobei die Haut über der Schwellung verschiebbar ist. Dies im Gegensatz zum Atherom bzw. Talgzyste. Diese entstehen aus der Haut beziehungsweise aus einem Hautanhangsgebilde. Darum sind die Atherome mit der Haut verwachsen und können darum nicht unabhängig von der Haut verschoben werden. Falls das Lipom nur gegen die Haut verschiebbar ist, aber nicht von der Unterlage, so muss man von einer Anhaftung oder einem Einwachsen in die Unterlage, zum Beispiel Muskulatur, ausgehen.
Das Hauptproblem der Lipome ist nicht nur, dass sie wachsen und kosmetisch störend sind, sondern dass sie durch Verdrängen oder Einwachsen in die Umgebung Beschwerden verursachen können. So können sie, je nach Lage, verschiedene Symptome verursachen, wie Kopfschmerzen bei einem Lipom im Bereich des Nackens, Muskelverspannungen bei Lipomen intramuskulär am Rücken oder Gefühlsstörungen, wenn das Lipom auf einen Nerv drückt.
Leider ist es nicht so, dass nach der Entfernung eines Lipoms alle Beschwerden verschwinden. Ein Lipom am Rücken kann für die Verspannungen und Rückenschmerzen verantwortlich sein. Aber oft sind es andere Ursachen. Wichtig zu wissen ist, dass Lipome nicht verschwinden, sondern meistens langsam wachsen. Die Gründe für eine Entfernung sind Wachstum, unangenehmer Ort und Beschwerden. Da die Lipome oft unbemerkt wachsen, wachsen sie, da die Haut gegen ein Wachstum nach aussen Wiederstand leistet, in die Tiefe. So kommt es zu einem einwachsen in die Umgebung ohne dass sich die äusserliche Grösse stark verändert.
Da die meisten Lipome unter der Haut liegen, müssen auch bei grösseren Lipomen keine spezielle Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden. In wenigen Fällen, bei sehr tief liegenden, grossen, nicht verschieblichen Lipomen und in schwieriger anatomischer Lokalisation wird ein MRI durchgeführt. Aus diesen Gründen sollte man nicht zu lange warten, da normalerweise die Entfernung eines Lipoms, das nicht sehr, sehr gross und nicht speziell fest eingewachsen ist, problemlos und in Lokalanästhesie in der Praxis möglich ist. Das kosmetische Ergebnis ist sehr gut. Sehr grosse oder Lipome an einer schwierigen anatomischen Stelle z.B. am Hals, operiere ich im Spital unter Vollnarkose.
Eine wichtige Frage ist ob man Lipome anders als durch eine klassische Operation (Schnitt und Naht) behandeln lassen kann. Es werden mehrere Möglichkeiten angeboten:
- Absaugung (Liposuction)
- Einfrieren (verschiedene Kryotherapien)
- Fettauflösung (Lipolyse)
Da auch ich finde, dass man als Chirurg offen sein muss für Innovationen und an mir selbst nur Operationen durchführen lasse, wenn es nötig ist, habe ich diese Methoden studiert und ausprobiert.
Bei der Liposuction saugt man Fettgewebe durch ein Rohr, in dem es zerstückelt wird. Da aus jedem kleinen verbliebenen Stück ein neuer Tumor entstehen kann, kommt es fast immer zu einem Wiederauftreten des Lipoms (Rezidiv). Bei naher Lage eines Nervens oder Muskels können diese verletzt werden, da dies blind in der Tiefe passiert ohne visuelle Kontrolle. Ideal für die Liposuction sind diffuse Fettansammlungen wie Reithosen etc.
Die Kryotherapie funktioniert leider weder bei Lipomen noch bei vermehrtem Unterhautfettgewebe, da nicht genügend gekühlt werden kann, ohne dass die Haut Schaden nimmt oder abstirbt.
Die Lipolyse ist hervorragend geeignet um kleine diffuse Fettzellansammlungen, zum Beispiel unterhalb des Kinns, durch eine Entzündung zum Schrumpfen zu bringen. Bei Lipomen gibt es oft nur eine Delle, die sehr stark mit Umgebung verwachsen ist und so die problemlose Entfernung erschwert.
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