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Eine Blasenatonie bezeichnet die Unfähigkeit, die Blase selbständig entleeren zu können.
Definition
Nach radikalen Operationen im kleinen Becken egal ob es sich dabei um Operationen am Enddarm, an der Prostata oder an der Gebärmutter handelt treten bei bis zu 40 Prozent der Patienten Blasenentleerungsstörungen auf. Die schwerwiegendste Störung ist die Blasenatonie, die direkt im Anschluss an eine Operation auftreten kann. Die betroffenen Patienten können nicht mehr Wasserlassen. Wurden sämtliche Nerven für die Steuerung der Blasenentleerung zerstört, bleibt der Funktionsverlust bestehen. Dann müssen die Patienten ihre Blase ein Leben lang mehrfach am Tag mit einem Katheter selbst entleeren. Dies ist ein Beispiel dafür, weshalb nervenschonende Methoden bei Operationen im kleinen Becken so wichtig sind.
In den meisten Fällen tritt die Blasenatonie jedoch nicht sofort in ihrem endgültigen Ausmass auf. Klassischerweise kommt es nach radikalen Operationen im kleinen Becken auch zu einer vorübergehenden Blasenentleerungsstörung. Daher wird nicht selten schon während der Operation ein Dauerkatheter durch die Blasenwand eingesetzt. Nach der Operation wird ein sog. Blasentraining bei zunächst verbleibendem Katheter durchgeführt. Erst ab einer Restharnmenge unter ca. 80 ml wird dieser Katheter wieder entfernt. Häufig verringert sich der Restharn, weil die Patienten mit der Zeit gelernt haben, durch andere Massnahmen wie Stellungswechsel, Bauchpresse oder sonstige Veränderungen ihre Blase besser entleeren zu können. Trotz dieser Massnahmen können sich der Blasendruck und die Menge des Restharns stetig erhöhen und die Blase allmählich vergrössern. Dies kann zu einer Überdehnung der Blase mit nachfolgender, vollständiger Blasenatonie führen. Die Folge ist, dass der Patient zur Harnentleerung einen Katheter anwenden muss.