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Wer nicht gerade ein digital Native ist, erinnert sich noch gut an die schweren Telefonbücher mit den hauchdünnen, engbeschriebenen Seiten. Regelmässig hat man sie bis in den 1990er-Jahren in die Hand genommen – um eine vergessen gegangene Telefonnummer zu suchen, mit Herzklopfen ein Date zu erfragen oder einfach für einen kindlichen Telefonstreich. Heute sind sie selten geworden.
Die Geschichte der Telefonbücher ist mit der technischen Entwicklung der Telefonie eng verknüpft. Erste Versuche mit dem neuen Medium Telefon finden in der Schweiz bereits 1877 zwischen Bern und Thun über eine Telegrafenleitung statt. Als Ergebnis hielt ein Adjunkt fest: «Nach den Versuchen, die ich bisher angestellt habe, habe ich den Eindruck erhalten, dass das Telephon ein Wunder im Zustande der Kindheit ist, das noch verschiedene Verbesserungen zu erfahren hat.»
Die Wirtschaft war hingegen von dem neuen Kommunikationsmittel überzeugt. Wilhelm Ehrenberg, ein Unternehmer, der in Zürich aktiv ist, stellt 1880 dem Post- und Eisenbahndepartement ein Konzessionsgesuch, um in Zürich ein Telefonnetz zu bauen. Der Bundesrat entscheidet sich, die Konzession zu erteilen. Damit erscheint das erste Telefonbuch in der Schweiz mit der Bezeichnung «Liste der Sprech-Stationen der Zürcher Telephon-Gesellschaft» 1880 in Zürich. In diesem ersten Telefonbuch der Schweiz – eine dünne Broschüre – gibt es 99 Einträge.
Kurz nach diesem Entscheid bereute der Bund diesen wohl, denn bereits im Folgejahr tritt der Bund, gestützt auf die «Verordnung über [die] Errichtung von öffentlichen Telephonstationen» von 1880, aktiv beim Bau und Betrieb öffentlicher Telefonstationen und -netze auf. Nach dem Rückkauf des Zürcher Netzes hat der Bund schliesslich ab 1886 alle öffentlichen Netze unter seiner Führung. Es werden Telefonleitungen in der ganzen Schweiz verlegt, erst in den Wirtschaftszentren, dann folgen die interurbanen Verbindungen zwischen diesen. Damit können auch Telefonanrufe zwischen Städten geführt werden und nicht mehr nur in einem Stadtnetz.
Die erste solche interurbane Telefonlinie entsteht zwischen Zürich und Winterthur und wird 1883 in Betrieb genommen. Es ist ein ambitioniertes Projekt für den Bund, denn die Kosten für den Aufbau des Telefonnetzes sind sehr hoch. Die Telegrafendirektion rechnet mit rund 400 Franken pro Kilometer. Das entspricht einem heutigen Gegenwert von rund 128‘000 Franken pro Kilometer. Dennoch versucht der Bund, die Taxen für die Telefonie nicht zu hoch werden zu lassen, damit sich mehr und mehr Leute ein Telefon leisten können.
Gleichwohl sind die Anschaffungskosten sowie die Taxen für die Gespräche für ein Privattelefon in den Anfangsjahren der Telefonie teuer und – wie bei allen Telekommunikationserrungenschaften –, die Skepsis bei weiten Teilen der Bevölkerung gross. So haben 1881 nur wenige hundert Haushalte einen Telefonanschluss.
Der Nutzen eines Telefons ist aber so gross, dass sich die Skepsis abbaut. Per 1882 gibt es bereits 1‘000 Anschlüsse. 1895 sind es 21‘000 Anschlüsse, 1905 dann 50‘000 Anschlüsse und bis 1915 rund 80‘000 Anschlüsse in der ganzen Schweiz. Dennoch haben aufgrund der hohen Kosten für einen Anschluss und der Gesprächsgebühren in der Regel nur vermögende Privatpersonen ein Telefon. Dafür gibt es viele Gewerbetreibende im Telefonbuch, da ein Telefon als schnelles Kommunikationsmittel berufliche Vorteile bringt.
Das bleibt bis in die 1920er Jahre so. Auch ein Stadt-Land-Gefälle ist bei den Einträgen der Telefonbücher deutlich zu erkennen, denn es werden die Telefonlinien erst nach und nach in den ländlichen Raum verlegt. So verwundert es nicht, dass sich das Telefon in städtischen Zentren früher durchsetzt als in ländlichen.
Ab 1925 haben in der Schweiz bereits 154‘000 Personen einen Telefonanschluss; dies bei einer Bevölkerung von rund 3,8 Millionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg steigt die Zahl der Anschlüsse weiter an. So sind im Geschäftsbericht der PTT von 1945 rund 415‘000 Anschlüsse aufgeführt. Ein eigener Telefonanschluss wird langsam zur Norm. Damit Kinder möglichst früh lernen, mit einem Telefon und Telefonbuch umzugehen, lernt man im Schulunterricht mit den Telefonwälzern umzugehen und die Telefonnummer vom Bäcker oder der Tante darin zu finden.
Mit jedem neuen Anschluss sinken die Kosten und die Zunahme der Anschlüsse geht durch das wirtschaftliche Wachstum in den Nachkriegsjahren rasant weiter. Im Jahr 1965 gibt es bereits 1'466'000 Anschlüsse, 1985 folgt ein weiterer Anstieg auf 3'277'000. Die Spitze ist 1995 mit 4'318'000 Anschlüssen erreicht. Auf Grund einer Weisung der PTT von 1992, die bis zur Liberalisierung 1997 Gültigkeit hat, ist ein Eintrag im Telefonbuch für alle Festnetzanschlüsse obligatorisch.
Zwischen 1980 und 1997 besitzt praktisch jeder Haushalt in der Schweiz einen Telefonanschluss. Damit ist jeder dieser Haushalte durch einen Telefonbucheintrag erfasst. Da nicht alle Gemeinden Adressverzeichnisse herausgegeben haben, sind die Telefonbücher öffentlich zugängliche Einwohnerverzeichnisse für diese Jahre.
Diese Massenproduktion an Telefonbüchern ist eine komplexe Aufgabe in der Herstellung und ein unglaublicher Papierberg. Richard Erismann, ehemaliger CEO Swisscom Directories AG, erinnert sich an eine Schätzung, dass man mit dem Papier aller Telefonbücher eines Jahres einen Eisenbahnwagen von Bern nach Zürich hätte füllen können.
Bis 2022 erschienen jährlich neue, analoge Telefonbücher für jede Gemeinde der Schweiz, aber die Auflagenzahl und die Zahl der Einträge sinkt kontinuierlich. Ende 2022 endet diese Ära und Telefonbücher sind dann Zeitzeugen einer analogen Welt.
Das Abstimmungsergebnis vom Sonntag war deutlich. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der vier Gemeinden Buseno, Calanca, Rossa und Santa Maria sagten mit Ja-Anteilen zwischen 76 und 100 Prozent Ja zur Parkcharta. Damit kann der Parco Val Calanca definitiv für die Zeitspanne von 2024 bis 2033 eingerichtet werden.