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Die längste Mauer, die längste Brücke, den längsten Tunnel und den längsten Kanal der Welt haben die Chinesen bereits gebaut. Im Fünfjahresplan von 2016 bis 2020 ist nun ein neuer Rekordbau vorgesehen. Die Regierung plant den längsten Unterwassertunnel der Welt.
Das hat ein klares Ziel. Mit dem U-Tunnel sollen Arbeitsplätze geschaffen werden. Gleichzeitig spart die Volkswirtschaft in Zukunft Zeit und Treibstoff, weil keine Umwege mehr nötig sind. Bis Ende Januar definiert die staatliche Kommission für Entwicklung und Reform der Volksrepublik China die Rahmenbedingungen. Wenn die Machbarkeitsstudie positiv ausfällt, könnte der Bau bereits im Jahr 2016 beginnen.
Atemberaubende Dimensionen
Der Bohai-Tunnel soll Yantai mit Dalian verbinden und so für einen zusätzlichen Schub für die Wirtschaft in den beiden Regionen sorgen. Das Bauwerk unterquert die Bohai-Bucht über eine Strecke von 90 Kilometern und ist damit fast doppelt so lang wie der Eurotunnel (50 Kilometer). Je nach Routenwahl dauert die Reise auf der Landstrecke von 1'400 bis 1'700 Kilometern mindestens 14 Stunden. Bereits die Fährverbindung reduziert die Reisezeit auf 8 Stunden. Mit dem neuen Tunnel könnte sie in Zukunft nur noch 40 Minuten dauern. Eine grosse Zeitersparnis für etwa 6,5 Millionen Reisende jährlich.
Das Verkehrsaufkommen ist mit dem Gotthard vergleichbar, aber die Baukosten bewegen sich in einer anderen Dimension. Mit umgerechnet 36 Milliarden Franken ist das Bauvorhaben etwa dreimal so teuer wie der neue Gotthard-Basistunnel. Aufgrund der seismischen Aktivität in der Region äusserten bereits einige chinesische Geologen ihre Bedenken. Auch das Ministerium für Bau und Stadtentwicklung erachtet eine Hochgeschwindigkeitsverbindung auf dem Landweg aus Sicht der Kosten- und Risikoanalyse als besser geeignet. Dennoch scheint der Prestigebau mit einer ersten Aufnahme in die Fünfjahresplanung gute Chancen zu haben.
Konjunkturstützung mit ungewisser Konsequenz
«Es ist sinnvoll, in einem wirtschaftlichen Abschwung die Investitionen in die Infrastruktur zu erhöhen, um Kapital und Arbeitskräfte besser zu nutzen», sagt David Dollar, der ehemalige Regionsleiter China bei der Weltbank gegenüber der «New York Times». Gleichzeitig dürfen die Investitionen ein gesundes Mass nicht überschreiten, damit danach nicht eine verschwenderische Überkapazität ausgewiesen wird.
Huang Yukon, ein Ökonom einer Denkfabrik in Washington, sieht gute Chancen für die Umsetzung von weiteren Grossprojekten in China. Nach der Ausarbeitung der Pläne werden im September an der dreitätigen Konferenz kleinere Änderungen vorgenommen um den Plan danach am 14. März 2016 abzusegnen. Sehr wahrscheinlich auch mit dem längsten Unterwassertunnel der Welt.