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- Künstler: Tonio (Antonio) Ciolina ( * 19.11.1898 Bern, † 8.1.1988 Bern) .
- Titel: Nummer 858.
- Jahrgang: 1985.
- Format: 540 x 650 mm.
- Technik: Oel auf Leinwand über Keilrahme.
- Bezeichnet: Signiert und datiert, verso monogrammiert, datiert, betitelt und mit der Grössenangabe und Werksnummer versehen.
- Auflagehöhe: Original / Unikat.
- Zustand: Ordentlich.
- Literatur: ---
- Anmerkung: Vom Künstler gerahmt.
- Zu Künstler und Werk: Bevor sich Tonio Ciolina der Kunst zuwandte, besuchte er in seiner Geburtsstadt das Gymnasium und absolvierte eine kaufmännische Lehre im elterlichen Textilgeschäft. 1920 begann er in Colombier beim französischen Landschaftsmaler Alcide-Marie Le Beau, der während des Ersten Weltkrieges in der Schweiz interniert gewesen war, Malunterricht zu nehmen. Darauf folgte 1921 die Einladung nach Frankreich, und die Lehr- und Wanderjahre durch Europa begannen. Als Schüler von Le Beau malte Ciolina von 1921 bis 1926 in den Sommermonaten im südfranzösischen Sanary-sur-Mer. Im Winter studierte er jeweils in Paris an der Académie moderne bei Othon Friesz und später zusammen mit seinen Berner Kollegen Albert Lindegger (Lindi) und Hans Seiler an der Akademie von André Lhote. 1922 erster Erfolg mit fünf Werken am Salon d’automne. Schon in dieser Zeit reiste Ciolina viel (Tunesien, Kleinasien, Rhodos). 1929–1930 arbeitete er in Paris und Hamburg. Zusammen mit Lindi, Seiler und Max von Mühlenen gründete er 1931 die Berner Künstlergruppe Der Schritt weiter. 1933 liess er sich in Bern nieder und unternahm weiterhin viele Reisen. Ciolinas Werk wurde in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. 1946–1952 engagierte sich der Maler als Präsident der Sektion Bern der GSMBA, die ihn 1984 zum Ehrenmitglied wählte.
Ciolinas Arbeit ist geprägt von technischer Vielfalt und künstlerischer Beweglichkeit. Die Ausbildung beginnt er als Maler, doch setzt das Studium druckgrafischer Techniken schon in den 1920er-Jahren ein. Im Rahmen von Auftragsarbeiten in der Stadt Bern gestaltet er Glasfenster und Wandgemälde. Erfolgreich ist er mit seinen Buchillustrationen (zum Beispiel Zeichnungen für Johann Christoph Wohlgemuths Sommerliche Serenade, Bern, 1949). Die Druckgrafiken sind meistens figürlich, geprägt durch sparsame und elegante Linearität. Die dokumentarischen Tuschzeichnungen von seinen Reisen bilden einen Kontrast zu seinen Ölgemälden. Ciolinas malerische Auseinandersetzung mit der gegenständlichen Welt lässt sich in zwei Werkphasen teilen. Zunächst setzt er sich mit der Kunst von Cézanne, Gauguin, Picasso und Braque auseinander, das heisst mit der abstrahierenden Umsetzung der Realität in ein Bild (Café-concert, 1924). Die Gründung der Künstlergruppe Der Schritt weiter ist nicht nur durch die Unzufriedenheit mit dem Kunstbetrieb motiviert, sondern stellt auch einen künstlerischen Wendepunkt dar. In der zweiten Werkphase steht die Verwirklichung einer abstrakten Bildidee im Vordergrund. Die Stilleben, seine bevorzugte Gattung, haben nicht mehr primär abbildende Funktion, sondern thematisieren Beziehungen von Formen und Farben, Bildordnungen und Rhythmus. Die Farbgebung ist spannungsvoll und eigenständig. Mit Konsequenz verfolgt Ciolina seine künstlerischen Anliegen und gelangt zu einem eigenständigen Stil (Stilleben mit Schlagläden, 1951, Composition orientale, 1985, beide Kunstmuseum Bern).
Werke: Aarau, Aargauer Kunsthaus; Kunstmuseum Bern; Bern, Obergerichtsgebäude, Glasfenster, 1949–1950; Bern, Schulhaus Stöckacker, Glasfenster, 1958; Köniz, Sekundarschulhaus Liebefeld, Wandmalerei, 1963; Kunstmuseum Thun; Zürich, Graphische Sammlung der ETH.
Anita Haldemann, 1998, aktualisiert 2016 (-> Sikart).
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