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Halten Braunbären Winterschlaf? Diese Frage zu beantworten, ist gar nicht so einfach. Fakt ist: Zwischen Oktober und Dezember begeben sich Braunbären in eine sogenannte Winterruhe. In der Regel graben die Bären dazu eine Höhle, die sie über mehrere Jahre hinweg benutzen. Auch auf natürliche Höhlen oder Felsspalten greifen die Bären gern zurück, wenn es um ein gemütliches Winterquartier geht. Vor dem Winter polstern sie das Ruhelager gemütlich mit Gras, Laub, Farnen, Moos und Flechten aus. So lässt es sich hier bequem dösen.
Oft wird angenommen, die Kälte würde die Braunbären in ihre Höhlen treiben. Das ist falsch: Im Vergleich zu uns Menschen ist der Bär gegen Minusgrade, Schnee und Frost relativ unempfindlich. Der Winterschlaf dient einem anderen Zweck: Die Tiere überbrücken damit eine Jahreszeit, in der sie nur wenig Nahrung finden können. Während der Winterruhe verlieren Braunbären viel Gewicht – etwa ein Drittel dessen, was sie normalerweise auf die Waage bringen.
Bevor Bären Winterruhe halten, müssen sie sich daher eine ordentliche Fettschicht anfressen. Im Herbst gibt es ein üppiges Angebot an Nahrung für Bären: fett- und zuckerhaltigen Früchte – wie Nüsse, Bucheckern, Samen oder Beeren. Im Winter ermöglicht es ihm die zugelegte Fettschicht, bis zu drei Monate lang ohne Nahrung zu überleben. Dafür muss er seinen Energieverbrauch jedoch reduzieren. Und genau dafür ist das Ruhen eine wichtige Voraussetzung.
Halten Bären Winterschlaf?
Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich uneins über die Bezeichnung des winterlichen Ruhezustandes von Bären: Winterschlaf, Winterruhe, Torpor, Hibernation – viele Begriffe kursieren hier. Die Winterruhe der Braunbären ist jedoch nicht zu vergleichen mit einem tiefen Winterschlaf, wie ihn zum Beispiel Igel oder Murmeltiere halten.
Bären verlangsamen zwar ihre Herz- und Atemfrequenz, sind aber leicht aufzuwecken. Einen feindlichen Angriff können sie auch in der Winterruhe abwehren. Ein Murmeltier reduziert seine Stoffwechselrate im Winterschlaf auf ein Zehntel. Pro Minute atmet es nur ein- bis zweimal und sein Herz schlägt höchstens fünfmal. Die Körpertemperatur sinkt auf gerade einmal drei Grad Celsius.
Ein Bär fährt dagegen Kreislauf, Atmung und Herzschlag nur so weit herunter, dass er jederzeit seine Höhle verteidigen kann. Würde er seinen mehrere hundert Kilo schweren Körper auf drei Grad absenken, käme er ohne fremde Energie nie mehr «auf Touren». Die genaue Bewerkstelligung seines Energiehaushaltes, die Gestaltung der Temperaturkurven oder seine eingeschränkte Nierenfunktion – all das ist nach wie vor weitestgehend ein Geheimnis.
Für die Humanmedizin sind diese Fragen aber von grossem Interesse. Ein Bär liegt wochenlang unverändert, ohne dass seine Haut dabei wund wird. Auch baut er in dieser Zeit weder Knochen- noch Muskelmasse ab. Zu wissen, wie er all dies bewerkstelligt, könnte gerade für die Geriatrie ein wichtiger Erkenntnisgewinn sein. Zudem können Bären offenbar ihre Nierenfunktion je nach Bedarf «aus- und einschaltet» – während Nierenpatienten oft lebenslang zur Dialyse müssen.
Anpassungskünstler Bär
Schwangere Eisbär-Weibchen graben sich im November in einer Schneehöhle ein. Dort bleiben sie den ganzen Winter über ohne zu jagen. Hierbei fällt der Herzschlag auf durchschnittlich acht Schläge pro Minute. Im Frühjahr bringen sie den Bären-Nachwuchs zur Welt.
Jeder Bär ist anders
Viele Fragen drehen sich um die Winterruhe von Bären: Wie lange ruhen sie, wie viel Grad kühlen sie dabei ab, wie viel Kilogramm nehmen sie davor zu? Die einzig richtige Antwort auf all diese Fragen lautet: Das kommt darauf an! Bären sind ausserordentliche Individualisten. Das heisst, dass sich kein Bär wie der andere verhält. Die Lebensweisen von Bären können sich durchaus voneinander unterscheiden, und auch jeder Winter ist anders.
Wie bei allen biologischen Phänomenen herrscht hier also hohe Flexibilität. Das ist auch wichtig, denn Starrheit hat oft das Aussterben von Tierarten bei sich ändernden Umweltbedingungen zur Folge gehabt. Vereinzelt gibt es sogar Bären, die gar keine Winterruhe halten – vielleicht, weil sie gute Jäger sind und sich darauf spezialisiert haben, im Winter alte, schwache oder verletzte Waldbewohner zu erbeuten. Oder weil sie gelernt haben, alternative Nahrungsquellen für sich zu nutzen – wie Rehfütterungen, Winteräcker und Abfälle des Menschen.
Genauso gibt es keine festen Anfangs- und Endtermine der Bären-Winterruhe. Ein Bär kann kurzfristige Wärmeperioden nutzen, um etwa im frostfreien Waldboden nach Wurzeln zu graben, und verschwindet dann bei neuerlichem Wintereinbruch wieder in der Höhle und legt sich zur Ruhe.
Bären-Winterruhe in Gefangenschaft
Oft wird die Frage, ob Bären in Gefangenschaft Winterruhe halten, als Gradmesser dafür herangezogen, wie artgerecht ein Gehege ist. Hier treten verschiedene Halter nahezu in Konkurrenz miteinander: Je mehr und länger Bären schlafen, desto besser soll das Gehege angeblich sein.
Diese Interpretation ist zwar berechtigt, dennoch ist das Fehlen der Winterruhe kein sicherer Indikator für nicht artgerechte Haltung. Keine Form der Haltung kommt dem natürlichen, wilden Bärenleben gleich. Dafür müsste das Gehege etwa hundert Hektar gross sein – pro Bär.
Manche Bären vertragen das Umfeld in einer Umzäunung besser als andere. Viele haben durch Defizite in der Jugendentwicklung auch so starke Verhaltensschäden, dass diese ihr Leben fast völlig dominieren.
Entscheidend ist die Wahlfreiheit: Wenn Wildtiere schon in Gefangenschaft leben müssen, ist es zumindest wichtig, ihnen möglichst viele Gelegenheiten zur Selbstbestimmung zu geben. Dies liegt uns auch in unseren Bären-Projekten ganz besonders am Herzen.
Tipp: Mehr Erstaunliches rund um diese faszinierenden Tiere finden Sie unter 10 Fakten über Braunbären!