Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03183.jsonl.gz/2125

Den Geschichten seiner Oma lauschte Gabriel García Márquez schon als Kind. Doch erst Jahre später, während einer Autofahrt, überkam den Kolumbianer der Impuls zum Schreiben eines der berühmtesten Werke der Weltliteratur.
Zwei Zeigefinger, 28 Tasten einer Schreibmaschine und eine gehörige Prise Magischer Realismus - das waren die Zutaten, die Gabriel García Márquez für sein Meisterwerk «Cien años de soledad» («Hundert Jahre Einsamkeit») benötigte. 50 Jahre ist es heute am 30. Mai her, dass der kolumbianische Schriftsteller sein Buch veröffentlichte und damit einen weltweiten Boom der lateinamerikanischen Literatur befeuerte.
Sein Verweben von Fantasie und Realität - dem Magischen Realismus - blieb der 2014 im Alter von 87 Jahren Gestorbene auch in späteren Werken treu. Der Lohn: 1982 bekam er den Nobelpreis für Literatur.
Missgeschick schürte die Vorfreude
Dabei war das erstmalige Erscheinen der Geschichte um die Familie Buendía am 30. Mai 1967 von allerlei Problemen umrankt - vor allem finanzieller Art. So konnte Gabo, wie García Márquez in Lateinamerika genannt wurde, an den Verlag Sudamericana in Buenos Aires erst einmal nur die Hälfte des Manuskripts schicken: Das Geld reichte nicht aus, um das Porto für das komplette Werk zu zahlen.
Denn Gabo, in seinem Alltag Journalist und Drehbuchautor, hatte während der 18 Monate, die er unablässig an «Hundert Jahre Einsamkeit» schrieb, keinen Rappen verdient. Und dann passierte erst noch ein Missgeschick: Statt der ersten Buchhälfte schickte er aus Versehen die zweite ein.
Binnen drei Wochen ausverkauft
«Aber bevor wir uns das Geld borgen konnten, um den Rest nachzuliefern, schickte uns Paco Porrúa, unser Mann in dem Verlag, schon einen Teil des Honorars zu, weil er so gespannt auf die erste Hälfte war», erinnerte sich Gabo einst. Von da an nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf.
Die erste Auflage des Jahrhundertromans mit 471 Seiten - 8000 Bücher - war binnen drei Wochen ausverkauft. Schnell musste eine zweite Auflage gedruckt werden, wie Gabos Bruder Eligio García Márquez erzählt.
Erst Geldknappheit, dann der grosse Lohn
Die Idee zu «Hundert Jahre Einsamkeit» war Gabo lange im Kopf herumgegeistert. Doch erst viel später, während einer Spazierfahrt mit der Familie in Richtung des mexikanischen Badeortes Acapulco Anfang 1965, kam der Impuls, mit dem Buch zu beginnen. «Ich war plötzlich derart überwältigt von einer heftigen seelischen Erschütterung, dass ich nur knapp einer Kuh ausweichen konnte, die über die Strasse lief», schrieb der preisgekrönte Autor in einem 2002 veröffentlichen Artikel in der kolumbianischen Zeitschrift «Cambio», die heute nicht mehr existiert.
Ein Kredit des mit ihm befreundeten kolumbianischen Autors Álvaro Mutis ermöglichte es Gabo schliesslich, sich eineinhalb Jahre zurückziehen und nur auf das Schreiben konzentrieren zu können. Das geliehene Geld verwaltete Gabos Ehefrau Mercedes. Doch auch damit war es nicht einfach, all diese Monate über die Runden zu kommen. Mercedes musste die Ausgaben aufs Äusserste kürzen und den Hauseigentümer sogar bitten, die Mietzahlungen zu stunden. Gabo witzelte denn auch gerne, dass die Art, wie die beiden und ihre Kinder diese Zeit überstanden, Stoff für ein weiteres Buch hergäbe.
(sda/ccr)
Kuriositäten und allerlei unnützes Wissen aus der Welt der Bücher: