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Seit der Rebellion vor siebzehn Jahren sitzt König Robert Baratheon (Mark Addy) auf dem Eisernen Thron der sieben Königreiche von Westeros. Nach dem Tod von Jon Arryn, der rechten Hand des Königs, reist Robert mit seinem Hofstaat in den Norden nach Winterfell und bietet seinem alten Freund Eddard "Ned" Stark (Sean Bean) die Position als sein Stellvertreter an. Als Ned aus einem geheimen Brief erfährt, dass Jon Arryn ermordet wurde, nimmt er das Angebot widerwillig und gegen den Wunsch seiner Frau Catelyn (Michelle Fairley) an.
Während Neds Bastardsohn Jon Snow (Kit Harington) sich der Nachtwache anschliesst, welche die grosse Mauer im Norden bewacht, reist Ned mit seinen Töchtern nach Süden. Schnell merkt er, dass den Lannisters, der Familie der Königin Cersei (Lena Headey), nicht zu trauen ist. Und auch die anderen Berater des Königs scheinen alle ihre eigenen Pläne zu schmieden.
Jenseits des Meeres auf dem Kontinent Essos hat Prinz Viserys Targaryen (Harry Lloyd) unterdessen seine Schwester Daenerys (Emilia Clarke) an Khal Drogo (Jason Momoa), den Anführer der barbarischen Dothraki, verheiratet. Als letzter männlicher Überlebender des einstigen Herrschergeschlechts würde Viserys alles tun, um seinen Thron wiederzuerlangen. Doch es ist Daenerys, die sich als wahre Nachfahrin des Drachengeschlechts herausstellt.
Während im Osten die Targaryens ihre Rückkehr planen, naht in Westeros das Unheil gleich an mehreren Fronten: Im Norden sind die Weissen Wanderer zurückgekehrt - mythische Wesen, welche Tote wieder auferstehen lassen können. Und Ned Stark kommt im Süden einer Verschwörung auf die Spur, welche das gesamte Königreich ins Chaos stürzen könnte.
Dem Autoren- und Produzentenduo David Benioff und D. B. Weiss war klar, dass ein Mammutprojekt wie George R. R. Martins Fantasy-Romanreihe A Song of Ice and Fire (bisher fünf Bände à je über 1000 Seiten) nur als TV-Serie umgesetzt werden konnte, bei der jede Staffel je ein Buch der Reihe umspannt. Als Serientitel wurde der Titel des ersten Bandes gewählt, denn es sind die politischen Spielchen, Intrigen und Interessen der einzelnen Parteien, welche die Schicksale der Figuren bzw. der ganzen Fantasywelt entscheidend beeinflussen.
Wer bei Fantasy und Fernsehserien an Kitschorgien wie Hercules - The Legendary Journeys, Xena: Warrior Princess oder Legend of the Seeker denkt, dürfte eine Überraschung erleben. Die visuelle Umsetzung ist schlicht grandios: Die in Nordirland und Malta gedrehten Landschaftsbilder sind atemberaubend, Kostüme und Kulissen strotzen nur so vor wunderbaren Details, und die CGI-Effekte lassen sich sehen. Auch die Story ist viel komplexer, als man es von anderer Fantasy-TV-Kost kennt. Hintergrundinformationen werden angedeutet, aber nie mit dem Holzhammer vermittelt, Sex und Gewalt sind ständige Themen und werden gezielt für die Figurenzeichnung eingesetzt. Zudem gibt es wiederholt unerwartete Wendungen, welche von Anfang an klar machen: Dies ist keine heile Märchenwelt, sondern Fantasy für Erwachsene.
Die "Geheimwaffe" der Serie sind neben der spannenden Story die Darsteller. Mit Sean Bean hat man einen bekannten Schauspieler als Herz der Geschichte gewählt, der Sympathien bei den Zuschauern wecken kann. Das hochkarätige Cast überzeugt bis zur kleinsten Nebenrolle mit gestandenen Darstellern, versammelt aber auch beachtliche Nachwuchstalente. Emilia Clarke, die erst in letzter Minute besetzt wurde, kann die anfängliche Unsicherheit von Daenerys ebenso wie ihre zunehmende Stärke umsetzen. Toll sind auch sämtliche Stark-Kids, allen voran die erst 13-jährige Maisie Willliams, die als Arya schlicht alle an die Wand spielt. Der heimliche Held der Serie ist jedoch Peter Dinklage als "Gnom" Tyrion Lannister: Charmant, witzig, unverschämt und manchmal auch tragisch beweist er immer wieder, dass er nicht bloss besetzt wurde, weil er wie die Figur im Buch kleinwüchsig ist, sondern ein toller Schauspieler ist und seine Auszeichnungen für die Rolle (je einen Golden Globe und Emmy) absolut verdient hat.
Game of Thrones beweist, dass komplexe Fantasy im TV nicht nur möglich ist, sondern auch grossartig sein kann. Fans, Neueinsteiger und vielleicht sogar Fantasy-Nichtmöger dürften hier neues Suchtpotential entwickeln. Kleine Abzüge in der Wertung gibt es für die übertriebene "Sexposition" (Erklärungen "dekoriert" mit unnötigen Sexszenen) und dafür, dass zehn Folgen einfach nicht genug sind, um alle Figuren umfassend zu zeigen.
Die Blu-ray besticht durch grossartige Bild- und Tonqualität und enthält jede Menge Bonusmaterial: Making-ofs, informative Audiokommentare, Folgen- und Weltenführer sowie versteckte "Dragon-Eggs". Wer wichtige Informationen aus den Büchern vermisst oder mehr über vergangene Ereignisse erfahren möchte, kann sich diese zudem in animierten Features ansehen.
Petra Schrackmann [pps]
Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).
Wirklich eine Serie die zu empfehlen ist. Zuerst befürchtete ich, es wäre etwas ähnliches wie Rome, denn auch da gab es verschiedene Familien, die mit Intriegen und bösen Machenschaften um Macht und Einfluss kämpften. Selbst wenn dies auch sehr gut gespielt und Umgesetzt war, das Szenario hatte bald sein Limit ereicht und konnte ausser neuen Figuren oder neuen Schachzügen nicht viel Neues bieten. Da hat Game of Thrones einen riesigen Vorteil. Es hat eine rund 8000 Jährige Mythologie im Nacken, was der Handlung - welche sich ebenfalls um verschiedene Häuser dreht, die um Macht und Einfluss kämpfen - eine enorme Tiefe gibt, da man eine sehr Interessante Welt antrifft. Neben der grossartigem visuellen Umsetzung sowie einer durchwegs hochkarätigen Besetzung, bietet Game of Thrones eine Qualitativ enorm gute Unterhaltung, bei denen man den verschiedenen Figuren regelrecht zusehen kann, wie sie ihren Platz in der Welt finden und darin aufblühen oder zu Grunde gehen.
Besonders Sean Bean ist hier zu betonen, der weit mehr bietet als seine Boromir Routine und sehr schnell nicht nur der Sympathieträger wird, sondern auch jener welche den Zuschauer auch in die vielschichte Welt einführt. Ich bin jedenfalls gespannt auf Season 2, denn da gibt es sicher noch viel zu erzählen...