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Darauf ist wenig Verlass
Neben der symptothermalen Methode werden unter dem Begriff "natürliche Familienplanung" oft auch andere Methoden aufgeführt. Diese heute noch gängigen Methoden beruhen auf Forschungserkenntnissen aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Zwar führten diese Erkenntnisse im Zuge weiterer Forschungen zur Entwicklung der symptothermalen Methode, sie waren aber noch nicht weitreichend genug, um als Basis für eine sichere Methode der Familienplanung zu dienen. Die hier vorgestellten Methoden haben die Gemeinsamkeit, dass sie keinen ausreichenden Schutz vor einer ungeplanten Schwangerschaft bieten.
Die Kalendermethode (Knaus-Ogino-Methode)
Diese geht zurück auf den japanischen Gynäkologen Kyusaku Ogino und seinen österreichischen Kollegen Hermann Knaus, die in den Dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts unabhängig voneinander entdeckten, dass der Eisprung etwa in der Mitte des Menstruationszyklus stattfindet. Basierend auf den Daten der vorangehenden Zyklen werden die fruchtbaren Tage errechnet. Dazu wird über 6 bis 12 Monate der Zyklus in einem Zykluskalender notiert. Um das fruchtbare Fenster zu errechnen, werden vom kürzesten beobachteten Zyklus 18 Tage und vom längsten beobachteten Zyklus 11 Tage abgezogen. Dauerte der kürzeste Zyklus 25 Tage, würde sich als erster fruchtbarer Tag der 7. Zyklustag ergeben (25 - 18 = 7). Dauerte der längste Zyklus 31 Tage, wäre der letzte fruchtbare Tage der 20. Zyklustag (31 - 11 = 20). Für ein Paar, das nach dieser Methode verhütet, würde dies also bedeuten, dass es zwischen dem 7. und dem 20. Zyklustag keinen oder nur geschützten Geschlechtsverkehr haben darf. Der grösste Nachteil der Kalendermethode ist, dass zum Feststellen der Fruchtbarkeit keine körperlichen Symptome berücksichtigt werden. Einzig die Daten der vorangehenden Zyklen geben Aufschluss auf den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage, der aktuelle Zyklus wird in den Berechnungen nicht berücksichtigt. So kann es sein, dass laut Kalender ungeschützter Geschlechtsverkehr möglich sein sollte, während sich die Frau aufgrund einer Verschiebung im Zyklus gerade in der fruchtbaren Phase befindet.
Die Temperaturmethode
Diese basiert auf der Tatsache, dass die Körpertemperatur nach dem Eisprung um 0.2 bis 0.4° Celsius ansteigt und bis zur nächsten Menstruation in einer Hochlage bleibt. Die Frau misst täglich nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen ihre Körpertemperatur und trägt sie auf einem Zyklusblatt ein. Vom Ende der fruchtbaren Phase wird ausgegangen, wenn die Körpertemperatur an drei Tagen in Folge um mindestens 0.2 ° Celsius höher liegt als an den vorangehenden sechs Tagen. Die unfruchtbaren Tage nach dem Eisprung können dadurch ziemlich zuverlässig festgestellt werden. Schwieriger ist es, den Beginn des fruchtbaren Fensters festzustellen, da ausser der Körpertemperatur keine weiteren Indikatoren beigezogen werden. Um den Beginn des fruchtbaren Fensters zu erkennen, wird während 6 bis 12 Monaten der Verlauf des Zyklus notiert. Vom frühesten beobachteten Temperaturanstieg werden 8 Tage abgezogen, um den Beginn der fruchtbaren Zeit zu errechnen. Wenn also beispielsweise der früheste beobachtete Temperaturanstieg am 13. Zyklustag stattfand, gilt der 5. Zyklustag als der Beginn der fruchtbaren Phase (13 - 8 = 5). Unregelmässigkeiten im Zyklus können jedoch dazu führen, dass Unfruchtbarkeit angenommen wird, obschon eine Empfängnis bereits möglich ist. In der ersten Zyklushälfte zwischen Menstruation und Eisprung ist deshalb kein zuverlässiger Schutz vor einer ungeplanten Schwangerschaft gegeben, es sei denn, das Paar übe sich während dieser Zeit in Abstinenz.
Die Billings-Methode (Zervixschleim-Methode)
Der Name dieser Methode geht auf den Australier John Billings zurück, der in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts beobachtete, dass sich die Beschaffenheit des Zervixschleims im Verlaufe des Menstruationszyklus verändert. Ist er kurz nach der Menstruation kaum oder gar nicht feststellbar, wird er in den Tagen vor dem Eisprung trübe, gelblich oder weiss und klebrig. Um den Eisprung herum, wenn der Östrogenspiegel am höchsten ist, wird der Zervixschleim flüssig und klar. Er fühlt sich glitschig an, ist zwischen zwei Fingern spinnbar und lässt sich in Aussehen und Konsistenz mit rohem Eiweiss vergleichen. Nach dem Eisprung nimmt die Menge des Zervixschleims deutlich ab, er wird wieder dicklich und klebrig und ist am Scheidehausgang oft gar nicht mehr feststellbar. Die Beobachtungen werden auf einem Zyklusblatt eingetragen, der letzte Tag, an dem fruchtbarer Zervixschleim feststellbar war, wird im Nachhinein als sogenannter "Peak-day" markiert. Ab dem 4. Tag nach diesem Schleimhöhepunkt ist ungeschützter Geschlechtsverkehr wieder möglich.
Die Beschaffenheit des Zervixschleims dient zwar auch in der symptothermalen Methode als wichtiger Indikator für fruchtbare und unfruchtbare Tage. Zur Verhütung einer ungeplanten Schwangerschaft eignet sich die Billings-Methode dennoch nicht. Erstens ist es zu unsicher, den Beginn der fruchtbaren Tage alleine mithilfe des Zervixschleims zu bestimmen, da der Schleim bereits vorhanden sein kann, wenn er am Scheidenausgang noch nicht bemerkbar ist. Zweitens können Rückstände von Samenflüssigkeit die Beobachtung erschweren. Um Verwechslungen zu vermeiden, wird Paaren empfohlen, auch in "trockenen" Phasen nur jeden zweiten Tag Geschlechtsverkehr zu haben. Drittens lässt sich ohne gleichzeitige Beobachtung der Körpertemperatur nicht feststellen, ob ein Eisprung stattgefunden hat, weshalb es leicht zu Fehlinterpretationen kommen kann, wenn ausserhalb des fruchtbaren Fensters Ausfluss bemerkbar ist.
Gänzlich ungeeignet zur Verhütung einer Schwangerschaft ist der Coitus Interruptus, also das Unterbrechen des Geschlechtsverkehrs vor dem Samenerguss.
Letzte Aktualisierung : 26-09-18, TV