Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/1219

Zur Familie der Papageien gehören auch die Sittiche. Seit tausenden von Jahren währt die Beziehung des Menschen zu einem grünen, länglichen, eleganten Sittich mit rotem Schnabel aus Asien, dem Indischen Halsbandsittich. Die Männchen tragen ihrem deutschen Namen entsprechend ein dünnes, schwarzes Halsband, das von einem roten Hauch umrandet ist – eine Besonderheit bei den Papageien. Meistens sehen nämlich Männchen und Weibchen genau gleich aus.
Halsbandsittiche werden auch als Kleine Alexandersittiche bezeichnet. Das weist auf Alexander den Grossen (356 – 323 vor Christus) hin, den makedonischen Herrscher und Feldherrn, dessen Feldzug ihn von Griechenland bis nach Indien führte. Dort trafen seine Krieger an Fürstenhöfen auf grüne, sprechende Vögel in kleinen, kunstvollen Käfigen. Es waren Indische Halsbandsittiche. In Residenzen und Palästen indischer Fürsten waren sie hochgeschätzte Hausgenossen.
Diese Papageien spielten im altindischen Volksglauben eine besondere Rolle und galten als Symbole für die Liebe. Papageien kamen in Indien des dritten Jahrhunderts vor Christus in der Religion, in Fabeln und in Märchen vor und wurden auch in Stein gemeisselt. Eine Skulptur zeigt beispielsweise die hinduistische Göttin der Lust, Rati, die einen Papagei als Reittier benutzt. Eine andere Steinskulptur stellt eine Frau dar, die dem Papagei ihren Ohrschmuck in den Schnabel steckt, damit er nichts ausplaudert. Neben ihr steht ein Mann mit nachdenklichem Gesichtsausdruck. Wenn es im alten Indien darum ging, Schlauheit und überragende Klugheit zu verkörpern, war der Held häufig ein Papagei. Und meist handelte es sich dabei um Indische Halsbandsittiche.
Jetzt auch in Europa heimisch
Die Kriegsherren um Alexander den Grossen brachten erste Sittiche von Indien zurück in den östlichen Mittelmeerraum. Dort wurden die Exoten, die sogar sprechen konnten, als Kostbarkeiten betrachtet. Im 2. Jahrhundert vor Christus wurde ein Grosser Alexandersittich auf einem Mosaik aus Pergamon dargestellt. Pergamon war eine antike Stadt, die an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei lag. Schliesslich kamen auch die Römer über die Griechen mit den Halsbandsittichen in Kontakt und lehrten sie, den Kaiser zu grüssen. Gemäss Überlieferung soll ein Papagei in Rom mehr als einen Sklaven gekostet haben.
Heute fliegen Halsbandsittiche in Indien um alte Bauwerke, nisten als Höhlenbrüter in Felsspalten zerbröselnder Paläste und machen sich in Stadtparks im tosenden Verkehr über ausgestreute Körner her. Um sie freilebend zu sehen, braucht man aber nicht so weit zu reisen, ein Ausflug nach Mannheim in Deutschland reicht bereits. Dort haben sie sich in der milden Gegend angesiedelt und nisten beispielsweise in Höhlen der Platanen des Luisenparks. Praktisch in jeder grösseren mediterranen Stadt sind Halsbandsittiche eingebürgert, offenbar, weil sie aus Volieren entflogen sind. Doch auch in London, Köln und Wiesbaden fühlen sie sich heimisch.
Solche Kosmopoliten sind die Afrikanischen Halsbandsittiche nicht. Sie unterscheiden sich durch die schwärzlich-roten Schnäbel von ihren asiatischen Verwandten. Bis heute sind die Indischen Halsbandsittiche auch in der Schweiz begehrte Volierenvögel, die an Ausstellungen zu sehen sind. Züchter haben sich so intensiv mit dieser Art befasst, dass es heute zahlreiche Farbabmutationen gibt. Markus Lienhart aus Wynau BE beispielsweise züchtet besondere Farbenschläge in Blau, Violett und so klingenden Namen wie Pallid grün und Pallid blau türkis.