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In wenigen Jahren soll eine Brücke die Städte Hongkong, Macau und Zhuhai verbinden. Die gigantische Metropolregion ist der Wirtschaftsmotor Chinas. Das Megaprojekt soll ihr nochmals Schub verleihen.
Die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke nähert sich einem Meilenstein. Noch April soll der Hongkonger Abschnitt des 17 Milliarden Dollar teuren Projekts vollendet sein. Eigentlich hätte die Brücke schon Ende 2016 eröffnen sollen. Doch inzwischen rechnet man mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2020. Trotz der Verzögerung sind die Erwartungen auf beiden Seiten des Perlflussdeltas riesig.
Von der Brücke soll die gesamte Region profitieren. Das Perlflussdelta ist einer der Wirtschaftsmotoren Chinas und umfasst die Sonderwirtschaftszonen Shenzhen und Zhuhai, die Millionenstädte Shenzhen, Guangzhou und Foshan sowie die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau. Rund 75 Millionen Menschen leben in dieser weitgehend zusammengewachsenen Stadtlandschaft, dem wichtigsten Wirtschaftsmotor Chinas.
Chance für Produzenten
Mit der neuen Brücke soll die Finanzmetropole Hongkong im Osten des Deltas mit dem Glücksspiel- und Tourismus-Paradies Macau und dem festlandchinesischen Zhuhai im Westen verbunden werden. Die insgesamt 55 Kilometer lange Schnellstrasse wird über mehrere Tunnels und Brücken geführt, von denen die längste 29,6 Kilometer misst. Die Fahrzeit durch die Flussmündung sinkt nach Vollendung des Bauwerks von heute vier auf eine halbe Stunde.
Die Brücke sei bedeutsam, sagt Christopher Balding von der Peking University HSBC Business School gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «Caixin». «Es gibt in der Region noch Gegenden in denen billig produziert werden kann, doch sie dürfen nicht zu nahe an Shenzhen liegen.» Mit der Brücke könnten Hersteller auf die billigere Westseite des Deltas ausweichen und gleichzeitig den Anschluss an Shenzhen behalten. Die Boommetropole ist für viele Fabriken zu teuer geworden.
Renaissance der «Werkstatt der Welt»
Die Region, die China einst zur «Werkstatt der Welt» gemacht hatte, könnte mit der Verbindung eine industrielle Wiedergeburt erleben, glauben Ökonomen. Sie ist Teil eines grösseren Plans zur Integration des Perlflussdeltas. Ähnliche Bemühungen finden im rivalisierenden Mündungsgebiet des Jangtsekiang um Shanghai und in der Region Peking statt. Dort plant die Regierung eine Megastadt für mehr als 100 Millionen Einwohner.
Die Brücke ist denn auch nicht das einzige Grossprojekt im Perlflussdelta. Hongkong soll demnächst ans Netz chinesischer Hochgeschwindigkeitszüge angebunden werden und auch eine Pendlerlinie zwischen Hongkong, Shenzhen und Guangzhou steht kurz vor der Fertigstellung.
Kulturelle Integration Hongkongs
Für Balding macht die Integration Sinn. Die wirtschaftliche und finanzielle Verknüpfung von Hongkong und Festlandchina sei eine Realität, die man akzeptieren müsse. Dennoch ist klar, dass dies in der Sonderverwaltungszone nicht allen passt. Denn der Regierung in Peking gehe es nicht nur um die Wirtschaft, sagt Balding. «Sie wollen Hongkong in den kulturellen Einflussbereich des Festlandes bringen.»