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Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Früher hatten die Salomoner mit ihren lockigen Haaren meist einen kurzen Afro. Heute wollen sie moderne Frisuren. Seit letztes Jahr das Prinzenpaar William und Kate die Salomonen besucht hat, möchten Frauen einen Pony à la Kate. Die Männer hingegen wollen wie David Beckham aussehen.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Da Einheimische sehr viele und zudem dicke Haare haben, benutze ich oft eine spezielle Schere. Die kürzt die Haare nicht, sondern dünnt sie nur aus.
Warum sind Sie Coiffeuse geworden?
Ich bin gelernte Sekretärin, habe jahrelang im australischen Darwin für die Territorialverwaltung gearbeitet und nebenbei eine Ausbildung in Betriebsökonomie gemacht. Haare, Styling und Hautpflege haben mich aber schon immer fasziniert, genauso wie das Führen einer Firma. Als ich vor fast dreissig Jahren auf den Salomonen Heimaturlaub machte, war das Geschäft einer Freundin zum Verkauf ausgeschrieben. Ich habe drei Monate überlegt und dann zugeschlagen.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
Nach dem Kauf habe ich mich in Australien zur Coiffeuse ausbilden lassen und hier zunächst eine Hairstylistin angestellt.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Mein Ziel ist es, auch ausserhalb der Hauptstadt Fuss zu fassen. Zuerst möchte ich in Auki auf meiner Heimatinsel Malaita ein neues Geschäft eröffnen. Ich bin oft dort, um meine Familie zu besuchen oder um mein Amt als Mitglied der Häutplingsversammlung wahrzunehmen.
Haben Sie viele Stammkunden?
Ja. Aber seit mein Geschäft direkt an der Mendana-Avenue liegt, kommt auch mehr Laufkundschaft. Mein Kunden sind in der Mehrheit Salomoner, aber auch Expats, die für eine diplomatische Vertretung, die Uno oder NGO arbeiten. Und auch einige der asiatischen Geschäftsleute kommen zu mir.
Wem würden Sie gerne die Haare schneiden?
Nicole Kidman oder Halle Berry würde ich gerne begrüssen. Meine Favoritin wäre aber schon Prinzessin Kate. Sie hat den grössten Bezug zu den Salomonen. Immerhin sind wir eine ehemalige britische Kolonie.
Welche Reaktionen haben Sie schon erlebt?
Die stärksten Emotionen entstehen, wenn Kunden fast nicht glauben können, wie verändert sie aussehen. Einige umarmen mich, andere wollen mehr bezahlen als den festgelegten Preis.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Stadt?
Honiara ist die einzige grössere Stadt auf den Salomonen. Menschen aus allen Provinzen leben hier. Ich mag den Mix, auch wenn Differenzen zwischen Zuwanderern und Einheimischen 1998 zum Ausbruch von schlimmen Unruhen geführt haben. Seitdem 2003 die Friedensmission Ramsi ins Land kam, ist die Lage wieder friedlich.
Wo waren Sie zuletzt in den Ferien?
Ich bin eben aus Malaita zurückgekehrt, wo ich meinen Häuptlingsaufgaben nachkommen und in einer Landstreitigkeit schlichten musste. Ich bin zwecks Beweisaufnahme im Dschungel die Grundstücksgrenze zweier Familien entlanggelaufen.
Streitereien um Land standen auch am Anfang der ethnischen Unruhen, die zwischen 1998 und 2003 200 Tote forderten. Wie sieht die Lage heute aus?
Wirtschaftlich geht es uns besser, aber die Wurzel des Übels bleibt: Landstreitereien. Land ist für uns heilig und wird über Generationen weitergegeben. Wir haben aber keine Dokumente, in denen das festgehalten wird. Das führt bei Migration rasch zu Unklarheiten, über die nur die Häuptlinge in den Dörfern befinden können. Sie kennen die Traditionen, es fehlt ihnen aber an modernem Wissen. Die ausländischen Experten könnten hier helfen, doch sie konzentrieren sich lieber auf den Zentralstaat, der viele Menschen nicht erreicht.