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Sechs Schweizer setzen auf Bahn-WM in Antwerpen
An der am Mittwoch beginnenden Bahn-WM in Antwerpen ist die Schweiz mit sechs Fahrern vertreten, mit dem seit Jahren grössten Aufgebot. Die Ziele sind unterschiedlich: In der Madison und im Punktefahren werden Spitzenränge angepeilt, während die Kurzzeit-Disziplinen für den Aufbau im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2004 genutzt werden.
In vier Disziplinen haben sich die Schweizer Bahnspezialisten bei den Weltcup-Anlässen aus eigener Kraft qualifiziert, im olympischen Sprint sogar erstmals seit der Einführung dieser Sparte. Im Kilometer-Zeitfahren und im Keirin erhielten sie vom europäischen Verband (UEC) eine Wildcard.
Ziel schon erreicht
Mit der Qualifikation für die WM haben die Kurzzeit-Spezialisten ihr erstes Ziel schon erreicht. Für Martial Heer, Michael Lato und Philipp Michel geht es an den Weltmeisterschaften im olympischen Sprint, im Keirin und im Kilometer-Zeitfahren in erster Linie darum, Erfahrung zu sammeln und allenfalls persönliche Bestzeiten zu unterbieten.
"Der Weg ist hart, schwierig und setzt einen langen Aufbau voraus", sagt Trainer Roy Salveter, dem als früherem nationalem Sprint-Meister (1991) die Kurzzeit-Disziplinen besonders am Herzen liegen. Für seine Athleten stellt jede Klassierung einen Erfolg dar. Jeder des Trios ist erst 20 Jahre alt. Jede Saison ist eine Steigerung zu erwarten, das Fernziel Athen 2004 also zeitlich richtig gewählt.
Doch wie sieht es um die Bestreitung des Lebensunterhaltes dieser Bahnfahrer aus, die sich an Gegnern messen müssen, die längst den Status eines Berufssportlers geniessen, ohne dass sie gross als Werbeträger in Erscheinung treten? Die Schweizer sind zu mindestens 60 Prozent mit Arbeit oder Studium beschäftigt und wenden die restliche Zeit für ihren Sport auf. "Es ist nicht ganz einfach. Ich bleibe dran und ich versuche, ein Olympia-Projekt aufzubauen", hält Salveter fest, der sich aber noch nicht in die Karten blicken lassen will.
Dieses Jahr hat Salveter mit einem Budget von 125'000 Franken für alle Kategorien gearbeitet und damit die Trainings und die Teilnahme an den wichtigsten Rennen finanziert. Nächstes Jahr werde die Situation mit der Eröffnung des Trainingszentrums des Rad- Weltverbandes UCI in Aigle besser. Zudem steige das Interesse des Nachwuchses am Bahnsport.
"Im Herbst 1998 habe ich im Trainingslager kaum zehn junge Athleten gehabt. Jetzt sind es schon 30, die mitmachen wollen. Aber es ist klar, das der Strassenrennsport noch immer attraktiver ist", erklärt Roy Salveter, der sich seit vier Jahren um den Bahnrennsport kümmert.
Nachfolger von Risi/Betschart?
Bei den von Fritz Brühlmann betreuten Ausdauer-Spezialisten haben Franco Marvulli und Alexander Aeschbach die Weltcup-Gesamtwertung für sich entschieden. Die beiden 22 und 27 Jahre alten Athleten hoffen, dereinst die Nachfolge der "Alpen-Tornados" Bruno Risi/Kurt Betschart anzutreten. Ein Medaillengewinn würde dem Zürcher und dem Aargauer die Tür zum Sixdays-Geschäft ein Stück weit öffnen. Ansonst fällt es Neulingen schwer, sich im engen Zirkel der arrivierten Fahrer festzusetzen.
In der Einzelverfolgung hat Marvulli letzte Woche im Rahmen der österreichischen Meisterschaften mit 4:27,14 Minuten eine Schweizer Bestleistung erzielt. Die Zeit findet keinen Eingang in die Rekordliste, weil vom Veranstalter keine Dopingkontrolle vorgesehen war.
Nachdem Betschart auf die Wiederholung schlechter Erfahrungen bei früheren Titelkämpfen verzichten wollte, entschloss sich Risi, seine Chance wenigstens im Punktefahren wahrzunehmen, in dem er auf drei WM-Titel (1992/94/99) zurückblickt. Risi erbte den Platz von Aeschbach, wobei die Abtretung keine Meinungsdifferenzen nach sich zog. Madison und Punktefahren sind zeitlich so eng angesetzt, dass für die Athleten, die in beiden Rennen antreten, die Erholung nicht gewährleistet ist.
Aus internationaler Sicht werden Deutschland, Frankreich, Australien, Spanien, USA und Grossbritannien tonangebend bleiben. Mangels finanziellem Support sind die Italiener etwas in den Hintergrund getreten. In Ivan Quaranta haben sie jedoch für Silvio Martinello im Madison einen starken Ersatz gefunden, der sowohl über eine grosse Endschnelligkeit wie auch über Tempofestigkeit verfügt.
swissinfo und Agenturen
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