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Roger Federer sammelt weiter eifrig Titel–leider nicht mehr auf, sondern im Moment nur noch neben dem Platz. Diese Woche wurde er im Rahmen der ATP-Finals zum «Liebling der Fans» gekürt, erhielt als Favorit der Journalisten den «Stefan Edberg Sportsmanship Award», und für seine Stiftung, die Kinder in Afrika unterstützt, den «Arthur Ashe Humanitarian Award». Das waren an einem Abend dreimal so viele Titel, wie Federer dieses Jahr auf dem Platz gewonnen hat. Und es ist ungefähr so, als würde man gleichzeitig «Miss Amitié», «Meister der Herzen» und Gewinner der Fairplay-Wertung werden–ziemlich schlimm also.
Klar, Federer hat solche Preise schon früher zuhauf gewonnen, gleichzeitig hat er aber die ATP Tour dominiert–eine wunderbare Kombination. Gewinnt ein Athlet jedoch nur noch die Rudolf-Steiner-Titel, dann ist das in der Sportwelt eher frustrierend, weil es den schalen Beigeschmack von Mitleid in sich birgt. Und bemitleidet zu werden ist bekanntlich nicht nur für einen Sportler eines der schlimmsten Gefühle überhaupt. Der Bayern-Fan mit der T-Shirt-Aufschrift «Euer Hass ist unser Stolz», der mir kürzlich über den Weg gelaufen ist, wird kaum das Gegenteil behaupten.
Jedenfalls scheint auch Federer die gut gemeinten Schulterklopfer mitunter sattzuhaben. Als ihn am Dienstag nach der Niederlage gegen Novak Djokovic ein Journalist an der Pressekonferenz mit dem Hinweis aufzumuntern versuchte, er habe in zwei Partien gegen den Serben immerhin zwei Sätze gewonnen, war Federer leicht genervt und antwortete mit einer dicken Portion Ironie: «Es war grossartig, zwei Sätze gegen Novak zu gewinnen und vier zu verlieren. Niederlagen sind wirklich aufregend …»