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Der lateinische Name dieser Orchidee – Dactylorhiza cruenta – sagt schon einiges über sie aus: Ihre Wurzelknolle (vom griechischen rhiza) ist in Finger (vom griechischen daktylos) geteilt. Die Blüten sind blutrot gefärbt (vom lateinischen cruor = rohes Blut). Wer es weniger blutig mag, könnte die Blütenfarbe auch als dunkelrosa bis rot-purpur beschreiben. Die zehn bis dreissig Blüten stehen dicht aneinandergedrängt. Sie sind klein, aber mit einer auffälligen Lippe, die mit einer komplexen Ring- und Schleifenzeichnung verziert ist. Die Blutrote Fingerwurz kann 15 bis 30 Zentimeter hoch werden, ihre Gestalt wirkt eher gedrungen und kräftig. Am einfachsten zu bestimmen ist sie, wenn man ihre Laubblätter näher betrachtet: Diese sind nämlich auf beiden Seiten, also auch auf der Unterseite, purpurn gefleckt.
Die Blutrote Fingerwurz ist eine Orchidee, die «nasse Füsse» mag. Das heisst, sie fühlt sich dort wohl, wo es feucht ist, zum Beispiel in nassen Wiesen, in einem Hangmoor oder in der Nähe eines Baches. Die Blutrote Fingerwurz ist in der Schweiz vor allem im Engadin verbreitet, daneben eher selten noch im Albulatal und in den südlichen Walliser Tälern. Man darf sie deshalb getrost als «Engadiner Orchidee» bezeichnen. Auch im Schweizerischen Nationalpark ist sie von Mitte Juni bis Ende Juli an den Wanderwegen anzutreffen, zum Beispiel auf Champlönch oder im Val Mingèr.
Genauere Angaben finden sich im Buch «Orchideenwanderungen im Schweizerischen Nationalpark», Verlag Wartmann Natürlich, ISBN 978-3-9523218-9-8.