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Manilahanf
(Abaca, frz. chanvre de Manille, abaca; engl. abacca) heißen die Fasern aus den scheidenartigen Blattstielen mehrerer Arten Pisang oder Banane (Musa), welche in den Tropenländern Asiens einheimisch sind. Der Paradiespisang (Musa paradisiaca) ist als Lieferant der wohlschmeckenden Bananen eine wichtige Nährpflanze und als solche auch in die heißen Gegenden Afrikas und Amerikas, besonders nach Mexiko verpflanzt; bei uns ist derselbe in Warmhäusern gewöhnlich anzutreffen. Der Stamm dieser 2-6 m hohen Gewächse wird fast ganz aus den unteren rinnenartigen Teilen der Blattstiele zusammengesetzt und ist beim Herausarbeiten der Faser in seine Teile zu zerspalten.
Obschon mehrere Musaarten brauchbare Fasern geben, so benutzt man dazu doch vorzüglich den sog. Affenpisang, der deshalb auch in der botanischen Nomenclatur als Musa textilis (Gewebepisang) aufgeführt ist. Die Früchte dieser Art taugen nicht zum Essen. Umgekehrt läßt sich von dem Paradiespisang neben den Früchten nicht auch noch Hanf gewinnen. Der Grund davon ist der geringe Wert der Fasern in der reifen Pflanze. Deshalb schneidet man auch den Affenpisang im Alter von etwa 1½ Jahr, wenn er eben in Blüte treten will. Das Gewächs ist auf mehreren indischen Inseln heimisch, namentlich auch auf den Philippinen und Molukken; ¶
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auf Luzon und einigen andern Inseln der erstern Gruppe wird dasselbe aber auch im großen kultiviert und der Absatz von Hanf gewährt dort das hauptsächlichste Einkommen. Auch die Striche, wo die Pflanze wild wächst, sind dort in Eigentum gegeben und wilde wie kultivierte Pflanzen werden ohne Unterschied benutzt. Man läßt die abgehauenen Stämme einige Zeit unter Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit macerieren, reinigt hierauf die Fasern von dem verrotteten Zellgewebe, indem man sie wiederholt zwischen eisernen Stäben durchzieht, und gewinnt so mannslange Baststreifen, die durch Hecheln feiner teilbar sind. Man scheidet die Fasern gleich in zwei Sorten, stärkere, die an den äußern Partien des Stammes gelegen haben und zu Tauwerk dienen, und feinere aus den innern Schichten, zu feinern Arbeiten bestimmt. Aus letztern fertigen die Eingebornen selbst Kleiderstoffe.
Ein großer Vorzug der Faser ist ihre außerordentliche Zähigkeit, Dauer und Leichtigkeit, derzufolge Seilwerk daraus besser
ist als hänfenes. Manillataue und -Seile kommen daher im Seewesen immer mehr in Aufnahme, in der englischen
sowohl als der nordamerikanischen und andern Marinen. Die Ausfuhr von Manila an Seilerwaren ist daher im Wachsen. Die Einfuhr
an Fasern betrug 1879 in Europa etwa 357500 Ballen von 120 kg. Die Fasern sind etwa 2 m lang,
teils weiß, teils bräunlichgelb, öfter noch zu schmalen Baststreifen vereinigt und daher noch klar
zu hecheln. Die weißen, zu feinem Arbeiten tauglichen Fasern bilden immer nur ⅛-⅙ der Masse; das Übrige ist Material
für den Seiler. Aus den besten und glänzendsten Fasern fertigt man bekanntlich Klingelzüge, Gürtel, Arbeitsbeutel und
andre geflochtene Sachen, Schnüre u. dgl.
Das Verspinnen des
Manilahanfes auf Maschinen ist von verschiednen englischen Firmen versucht worden und hat jetzt in England
Eingang gefunden. - Zoll: M., zollfrei; Garn daraus gem. Tarif im Anh. Nr. 22 a
oder b;
Taue, Gurte etc. Nr. 22 d;
geflochtene Gegenstände Nr. 35 c;
feinere Gewebe Nr. 22 e oder 22 f.