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Die Eltern sind in der Regel zusammen mit den Verwandten die nächsten und wichtigsten Vorbilder im Hinblick auf das Erlernen der Geschlechterrolle (ALFERMANN, 1996). Das Mädchen orientiert sich stark an seiner Mutter bzw. deren Erwartungen und kopiert unbewusst deren Verhaltensweisen gegenüber dem Vater (vgl. V. MENS-VERHULST / SCHREURS u. WOERTMAN, 1996). In analoger Weise stellt der Vater das Vorbild für den Jungen dar. Der Knabe identifiziert sich mit dem Vater bzw. dessen Erwartungen in Hinblick auf dessen Reaktionen gegenüber der Mutter.
Das Mädchen erlebt den Vater aber auch als Mann und Partner der Mutter und verinnerlicht dieses "Männerbild" zu ihrem eigenen "männlichen Anteil". Entsprechend verhält es sich beim Knaben. Er entwickelt im Erleben seiner Mutter die Beziehungsmuster zum weiblichen Geschlecht und eignet sich anhand ihres Verhaltens sein eigenes "weibliches Ich" an. Und die Beziehung zwischen Vater und Mutter stellt für das Kind ein Grundschema der zwischengeschlechtlichen Kommunikation dar. In ihr spiegelt sich letztlich auch das "androhzentristische" (männlichkeitszentristische) Vorurteil der gesellschaftlichen Wertmuster (MERTENS, 1996).
Das Kind wird das Verhalten zwischen den Eltern und das Energiefeld, das sie zwischen sich aufspannen, als verhaltenswirksames Muster für den allgemeinen partnerschaftlichen Kontakt in die Ich-Struktur aufnehmen. Dieses Modell wird als Matrix für alle zukünftigen zwischenmenschlichen Wahrnehmungs- bzw. Verhaltensweisen dienen und das partnerschaftliche Verhalten in gewissem Rahmen auch in der nächsten Generation beeinflussen.
Diese Aussagen lassen erahnen, welche schwerwiegenden Folgen eine defizitäre bzw. destruktive Kommunikation zwischen den erwachsenen Familienmitgliedern auf das spätere Sozialverhalten der Kinder haben kann. Das gilt besonders, wenn sich die Eltern gegenseitig abwerten und bekämpfen. Die Kinder eignen sich dann eine Geschlechteridentität, ein geschlechtsspezifisches Rollenverhalten und ein Kommunikationsrepertoire an, das für eine gelingende Partnerschaft denkbar ungeeignet ist. Im Gegenteil, sie lernen und verinnerlichen ein Verhalten, das wie bei den Eltern zu unlösbaren Konflikten führen muss.