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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
XVIII. Kapitel
162.
1. Unser Gnostiker beschäftigt sich immer mit dem Wichtigsten; wenn er aber einmal Zeit und Gelegenheit zur Ausspannung von der Beschäftigung mit der Hauptsache hat, dann befaßt er sich nicht mit den anderen unnützen Dingen, sondern auch mit der griechischen Philosophie, indem er sie nachträglich, gleichsam wie einen Nachtisch [S. 351] nach der Mahlzeit,1 genießt und dabei das Wichtigere nicht vernachlässigt, sondern auch sie, soweit es sich geziemt, aus den Gründen, die ich früher nannte, noch mit hinzunimmt.
2. Wer aber auf die nicht notwendigen und überflüssigen Teile der Philosophie Wert legt und seinen Sinn nur auf die der Streitsucht dienenden Trugschlüsse richtet, der entfernt sich von dem Notwendigsten und Wichtigsten und jagt geradezu dem Schatten der Wörter nach.
3. Nun ist es freilich schön, alles zu wissen; wessen Seele aber zu schwach ist, um sich nach einer ausgebreiteten Gelehrsamkeit auszustrecken, der wird nur die Hauptsache und das Beste für sich wählen.
4. Denn das wahre Wissen, das, wie wir behaupten, nur der Gnostiker besitzt, ist ein sicheres Erfassen, das durch wahre und sichere Gründe zur Erkenntnis des Urgrundes emporführt;2 wer aber weiß, was in irgendeiner Beziehung wahr ist, der weiß sofort auch, was in der gleichen Beziehung falsch ist.
5. Denn auch jener Satz scheint mir doch wohl recht zu haben: "Wenn man Philosophie treiben muß, so muß man Philsophie treiben; denn das folgt aus der Annahme selbst; aber man muß es auch, wenn man nicht Philosophie treiben soll; denn man darf nichts verurteilen, bevor man es kennengelernt hat; man muß also Philosophie treiben."3
1: Vgl. Plut. Moral. p. 133 C; Pindaros Fr. 124 c Schroeder.
2: Vgl. Strom. II 9,3.
3: Vgl. Aristoteles Fr. 51 Rose.