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Heidis Geschichte

von Carol Leibich
Bobbie, eine meiner Freundinnen, besuchte eine Züchterin, die mehrere Rassen züchtet, um zwei Sheltie Welpen rauszuholen. Dabei entdeckte sie eine acht Wochen alte Pembroke Hündin, die ihre Hinterläufe nicht gebrauchen konnte. Wenn sie versuchte, aufzustehen, grätschten die Beine auseinander. Sie bewegte sich vorwärts wie ein Seehund.
Bobbie erkundigte sich nach dem Welpen und die Züchterin war sehr entgegenkommend mit Auskünften. Der Dreierwurf sei bis zum Alter von drei Wochen völlig normal gewesen. Dann wurden die Welpen in die Küche mit dem glatten Boden überführt. Der Erstgeborene, ein Rüde, hatte keine Probleme damit. Der zweite Welpe, eine Hündin, kam nicht auf die Hinterbeine und sah aus wie ein "Schwimmerwelpe". Dem dritten Welpen, Heidi, erging es wie ihrer Wurfschwester.
Der Rüde wurde mit 6 Wochen verkauft, ohne Kontrakt und mit allen Papieren. Im Alter von fünf Wochen wurden die beiden Hündinnen angeblich einem sehr angesehenen Tierarzt in Little Rock gezeigt. Der habe gesagt, dass was auch immer mit den beiden Hündinnen los war, nicht "von der Mutter stamme". Später stellte es sich heraus, dass dieser Tierarzt weder den einen noch den anderen Welpen gesehen hatte. Er ist einer der besten in der Region, wenn es um Röntgenaufnahmen von Corgi-Hüften für die OFA-Auswertung geht. Es ist ausgeschlossen, dass er die beiden Welpen gesehen hat, ohne die Seltenheit ihres Zustands zu erkennen.
Mit sieben Wochen kam Heidis Schwester auf die Beine und wurde umgehend verkauft, ebenfalls ohne Kontrakt und mit allen Papieren. Als Bobbie sie sah, war Heidi acht Wochen alt und auf die Frage, was die Züchterin mit ihr zu tun gedenke, antwortete diese, dass sie eingeschläfert werden solle. Darauf sagte Bobbie, dass sie Heidi übernehmen möchte, vielleicht könne sie sie auf die Beine kriegen. Falls es ihr gelingen sollte, würde sie mit ihr einen Wurf machen und dann könnten sie sich den Gewinn aus dem Verkauf der Welpen teilen. Die Züchterin war sofort einverstanden und gab ihr die Registrierungspapiere.
Natürlich hatte Bobbie nicht die Absicht, mit Heidi zu züchten. Sie nahm sie mit nach Hause und brachte sie zu ihrem Tierarzt zur Untersuchung und zum Impfen. Der hatte noch nie einen Welpen wie Heidi gesehen und wusste nicht, was er mit ihr anstellen sollte, worauf Bobbie sich mit mir in Verbindung setzte.
Ich holte Heidi und brachte sie zu meinem Tierarzt. Inzwischen hatte ich mich auf der Corgi-L (einer Mailingliste im Internet) erkundigt, ob jemand schon einmal etwas von Heidis Zustand gehört hatte. Ich beschrieb sie als "Schwimmerwelpen ohne Schwimmer-Syndrom". Nur so konnte ich Heidis merkwürdigen, einem Seehund ähnlichen Gang beschreiben. Sofort bekundeten alle Corgi-L-Mitglieder ihre Sympathie mit Heidi und wollten, dass ich sie auf dem Laufenden halten sollte, was weiter mit ihr geschah.
Heidi wurde von Dr. Amy Sukman untersucht. Als Erstes stellte die Tierärztin eine schlimme Patellaluxation fest, indem beide Kniescheiben einen 2,5 cm breiten Abstand zum Knochen aufwiesen. Wir erhielten den Bescheid, dass wir mit Heidi täglich Physio- und Wassertherapie machen sollten. Nach zwei Wochen konnte Heidi ab und zu für 1-2 Sekunden stehen. Wieder beim Tierarzt wurde Heidi von Dr. Chris Gentry untersucht. Röntgenaufnahmen zeigten, dass beide Hüften und Kniescheiben voll luxiert waren.
Wir setzten die Therapie fort, bis ein Veterinär-Orthopäde sie untersuchen konnte. Heidis Zustand war aber so selten, dass kein Tierarzt in unserer Region jemals so etwas gesehen hatte. Daher entschied mein Tierarzt, dass Heidi von Dr. Fitch von der Louisiana State University untersucht werden sollte. Dr. Gentrys Ehefrau persönlich nahm Heidi mit und blieb bei ihr. Dr. Fitch konkludierte, dass eine Hüftkopfosteotomie an beiden Hinterläufen Heidis einzige Chance war. Im schlimmsten Fall würde sie den Rest ihres Lebens in einem Rollstuhl verbringen.
Weil dieser Fall so selten und Heidi ein Corgi in Not war, hofften wir, dass die Universität die Operation kostenlos durchführen würde. Aber das Angebot blieb aus und man teilte uns mit, dass die Operation 1200 Dollars kostete, zusätzlich zu den 350 Dollars für die Konsulation.
Zu diesem Zeitpunkt fragten mich die Moderatoren der Corgi-Liste, ob nicht die Mitglieder der Liste vielleicht einen Teil der Operationskosten bezahlen könnten. Zu diesem Zweck sollte ein Heidi-Fonds errichtet werden. Ein spezielles Konto wurde eröffnet und Corgi-L Mitglieder aus ganz USA begannen zu spenden. Mein Tierarzt gab seiner Frau Bescheid, sie solle mit Heidi zurückkehren, er selbst und Dr. Amy Sukam würden die Operation durchführen. Zwei Wochen später wurde Heidi das erste Mal operiert und verbrachte zwei Wochen in der Klinik.
Dann kam sie zu mir zurück, um die tägliche Physio- und Wassertherapie fortzusetzen. Dr. Gentrys Ehefrau hatte uns nur die direkten Auslagen berechnet, so dass wir eigentlich alles zum Kostenpreis erhielten, nur wussten wir das damals noch nicht. Corgi-L sammelte also weiterhin Geld.
Heidi begleitete mich an die Klubschau des PWCCA und wurde nicht nur von Corgi-L Mitgliedern begrüsst, die gerne diese bezaubernde Hündin kennen lernen wollten, sondern auch vom grössten Teil der Klubmitglieder. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass alle restlos von ihr begeistert oder über ihre Fortschritte erstaunt waren. Sie hoppelte über das ganze Ausstellungsgelände und manchmal versuchte sie gar, mit ihren neuen vierbeinigen Freunden mitzuhalten. Sie wurde auch vom Ausschuss für Corgis in Not eingeladen, der anlässlich der Klubschau tagte. Alle wollten sie knutschen, wenn sie sich einfangen liess. Heidi und ihre Geschichte wurden von Millie Williams auch auf der Generalversammlung präsentiert, wobei ich sie rein- und rausschmuggeln musste, weil Hunde am Tagungsort nicht zugelassen waren.
Heidi überstand auch die zweite Operation. Die Erholungszeit nach jedem Eingriff war 10 Wochen. Sie steht auf ihren Beinen und es geht ihr gut. Sie wurde auch sterilisiert.
Dank dem Mitgefühl der Corgi-L Mitglieder wurde ein Nothilfe-Fonds in ihrem Namen errichtet (heute CorgiAid Inc.). Man bat um ihre DNA, um bei der HD-Forschung zu helfen. Heidi hat viel für die Rasse getan. Sie hat Leute zusammen gebracht und die Züchter darauf aufmerksam gemacht, dass sie mehr darauf achten sollen, wem sie einen Welpen verkaufen.
Nancy Moncrieff setzte Heidis Foto und Geschichte auf ihre Webseite für Corgi-Vermittlung und es kamen viele Anfragen für Heidi, aber nur wenige vermochten Heidis speziellen Anforderungen zu genügen. Dafür konnten Dank dem ursprünglichen Interesse an Heidi etliche andere Corgis an gute Plätze vermittelt werden.
Heute lebt Heidi in Weatherford, Texas, mit ihrem grossen Pembroke Bruder Emmet. Sie hat einen riesigen Garten zur Verfügung, wo sie pausenlos spielt und herumrennt. Um ins Haus zu kommen, muss Heidi zwei Stufen überwinden, die sie jeweils blitzschnell meistert. Heidi und Emmet verstehen sich gut, obwohl er zuerst nicht sicher war, ob er eine kleine Schwester wollte, vor allem eine derart aktive und herrische wie Heidi. Als Heidi von ihrer neuen Besitzerin zum Tierarzt gebracht wurde, war dieser erstaunt, was mit dem kleinen Hund alles gemacht worden war. Heidis neue Familie treibt gerne Sport und die beiden Hunde begleiten sie wann immer möglich.
Heidi ist nun offiziell unter dem Namen Corgi-L's Heidi Braveheart registriert. Die Mitglieder von Corgi-L hatten viele Namen vorgeschlagen. Schliesslich einigte man sich fast einstimmig auf diesen wahrhaft passenden Namen für die tapfere kleine Heidi.
Zum Schluss noch etwas Stoff zum Nachdenken: solltet ihr jemals die Gelegenheit haben, einem Corgi in Not zu helfen, dann zögert nicht. Was ihr an Zeit und Liebe investiert, wird euch hundertfach vergeltet werden.
Übersetzung ANo mit freundlicher Genehmigung von CorgiAid.