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Es gibt Dämonen, die man besser loswerden möchte. Das galt nicht für den „Démon blond“, wie Guy Lafleur ehrfürchtig genannt wurde. Er trug diesen Spitznamen, weil er die Gegner mit seiner läuferischen Eleganz und Dominanz heimsuchte, indem er dynamisch und elegant wie kein anderer mit seinen wehenden, halblangen blonden Haaren über das Eis flitzte. Nun starb Guy Lafleur im Alter von 70 Jahren in Montréal an einem Lungenkarzinom. Guy Lafleur war zunächst ein Playboy, danach aber ein Gentleman durch und durch und ein Idol einer gesamten Generation in der Provinz Québec. „Flower“, wie er ebenfalls genannt wurde, hatte die Gabe, die Fans in den Bann zu ziehen. „Wenn er in seiner unnachahmlichen Art über die Bande sprang und sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zog, hielten alle im Stadion den Atem an. Das war Guy Lafleur“, sagen Zeitzeugen.
Eine Aura und ein Alleinstellungsmerkmal wie kaum ein anderer
Viele pilgerten nach der traurigen Nachricht zum Centre Bell, wo auch die Statue von Guy Lafleur steht. Diese zeigt ihn in seiner typischen Bewegung mit den wehenden blonden Haaren. Lafleur war wohl der Erste, der in den 70er Jahren als Einzelspieler spielerisch und läuferisch so richtig dominant war, so dass er zu einer Ikone wurde. Und er war auch in gewissem Sinne ein sanfter Revoluzzer und einer, der sich nicht anpasste. Sogar zu seiner aktiven Zeit blieb er Kettenraucher, was ihm nun zum Verhängnis wurde. Aber er genoss sein Leben als Lebemann und Charmeur in vollen Zügen – ähnlich wie die Formel Eins-Stars der 70er Jahre. Im berüchtigten Nachtleben Montréals war er oft anzutreffen. Später liess er es etwas lockerer angehen und wurde zu einem Meinungsmacher. Egal zu welchem Thema er sich äusserte, die Menschen in der Belle Province hingen an seinen Lippen. Er hatte auch im höheren Alter nie etwas von seiner Aura eingebüsst. Doch zuvor war der 24. Oktober 1981 ein Game Changer in seinem Leben, als Lafleur mit seinem Cadillac auf dem Highway in die Leitplanken raste und wie durch ein Wunder überlebte. Lafleur änderte konsequent seinen Lebenstil und der Playboy wurde zum Familienmenschen.
Tausend Skorerpunkte in 720 Partien und fünf Titel in sieben Jahren
Was aber allen immer im Gedächtnis bleiben wird, sind seine sportlichen Höhenflüge. Und speziell auch die Art und Weise, wie er diese Erfolge erreichte. Keiner war so elegant und dennoch so dominant auf dem Eis. Schon in seiner Rookie-Saison erreichte er mehr als 50 Skorerpunkte und eine Saison später kam er bereits auf 119 Punkte. 50 Tore pro Saison wurde ab diesem Moment für Lafleur zum Standard. Sechsmal nacheinander gelang ihm dieses Kunststück. Mit ihm gewannen die Habs fünfmal innerhalb von sieben Jahren den Titel (1973, 1976, 1977, 1978, 1979), bevor es dann als dominierendes Team von den New York Islanders um ihren Goalgetter Mike Bossy abgelöst wurde. Lafleur erhielt viele Einzelauszeichnungen, aber eine Leistung wird immer alle überstrahlen: In der Saison 1976/77 stellte er mit 80 Vorlagen und 136 Punkten seinen persönlichen Rekord auf und in der Folgesaison erreichte er mit 60 Toren eine Bestmarke. Kein anderer Spieler hatte vor ihm in sechs aufeinander folgenden Spielzeiten über 50 Tore und 100 Punkte erzielt. In seinem 720. Spiel in der NHL erreichte er die 1000-Punkte-Marke. Keinem Spieler war das vor ihm schneller gelungen. 1985 beendete er dann die Karriere und wurde 1988 in die Hall of Fame aufgenommen. Überraschend streifte er sich einige Wochen später doch wieder ein NHL-Trikot über: Die New York Rangers hatten ihn mit einem Angebot gelockt, das er annahm. Somit wurde er nach Gordie Howe der erst zweite Spieler, der nach der Aufnahme in die Hall of Fame noch in der NHL aktiv wurde.
Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.