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Ohren, Hörsinn und Gleichgewicht:
häufige Symptome
Missempfindungen in den Ohren:
Verstopfte Ohren/ Druckgefühl / Juckreiz
Das Gefühl, ein „verstopftes Ohr“ zu haben, kann ganz verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten sind die Ohren mit Ohrschmalz verstopft (Cerumen obturans). Dieses Problem kann mit einer Ohrreinigung schnell und einfach gelöst werden. Manchmal entstehen die Symptome aber auch dadurch, dass der Druckausgleich zwischen Nase- / Nasenrachenraum und Mittelohr nicht ausreichend funktioniert (Tubenbelüftungsstörung) oder der luftgefüllte Raum im Mittelohr eingeschränkt ist (z.B. durch Flüssigkeit bei einem Tubenmittelohrkatarrh). Druckgefühle können auch im Zusammenhang mit akuten Hörstörungen (Hörsturz) oder in Kombination mit Schwindel beim Morbus Menière auftreten.
Juckreiz ist ein sehr häufiges Symptom und oftmals auf eine sehr trockene Gehörgangshaut, manchmal auf ein Gehörgangsekzem, eine Pilzinfektion oder eine Allergie zurückzuführen. In den allermeisten Fällen ist Juckreiz gut behandelbar.
Ohrschmerzen (Otalgie)
Der Ohrschmerz ist das Leitsymptom aller entzündlichen Erkrankungen des Ohres. Dabei kann es sich um Entzündungen der Haut (z.B. ein infiziertes Atherom), der Ohrmuschel (Perichondritis), des Gehörganges (Otitis externa) oder des Mittelohres (Otitis media) handeln. Alle diese Erkrankungen sind mit Medikamenten gut behandelbar, sei das durch eine lokale Behandlung oder in selteneren Fällen mit Tabletten.
In einigen Fällen lassen sich im Bereich des Ohres keine Ursachen für die Ohrschmerzen finden. Man spricht dann von einer sekundären Otalgie, also von über die Nerven ins Ohr einstrahlenden Schmerzen, deren Ursachen im Bereich des Halses, des Zahn-/ Kieferbereichs (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) oder der Halswirbelsäule liegen können. Eine genaue Untersuchung mit entsprechender Therapie ist auch hier angezeigt.
Tinnitus und Geräuschüberempfindlichkeit
Unter Tinnitus versteht man jede Art von Ohr- oder Kopfgeräuschen. Oft wird Tinnitus als Pfeifen, Rauschen, Zischen, Summen oder Brummen wahrgenommen. Es kann ständig oder immer wieder hörbar sein, auch pulssynchron. Von Tinnitus sind in der Schweiz 15% der Bevölkerung betroffen, meist nur vorübergehend. Ursachen dafür sind Hörstörungen, Probleme im Bereich von Kiefer und Halswirbelsäule, aber auch internistische oder neurologische Erkrankungen können Ursache sein. Häufig steht der Tinnitus in Zusammenhang mit negativem Stress oder Burnout. Jeder länger andauernde Tinnitus sollte vom HNO-Arzt untersucht werden, um eine eine behandelbare Ursache beheben zu können oder im Falle eines chronischen Tinnitus begleitende Massnahmen anbieten zu können, welche die Patienten in ihren Bewältigungsstrategien unterstützen.
Eine Hyperakusis ist eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen. Die Betroffenen erleben normale Umweltgeräusche als unangenehm laut, die vom Normalhörigen als völlig unproblematisch beurteilt werden. Von der Hyperakusis abzugrenzen ist die Phonophobie, eine spezifische Angststörung gegenüber bestimmten Geräuschen.
Hydrops cochleae
Der Hydrops cochleae ist eine Sonderform der akuten Hörstörung und es gibt dafür (leider) keinen umgangssprachlichen Namen. Die Patienten bemerken eine einseitige Hörminderung (zum Besispiel Fingerreiben wird einseitig deutlich leiser wahrgenommen), manchmal verbunden mit einem Völlegefühl und Rauschen im betroffenen Ohr oder auch mit Schwindelgefühlen. Im Hörtest zeigt sich ein Abfall der Hörschwelle vorwiegend in den tiefen Tönen. Man geht davon aus, dass es bei einem Hydrops („Wassersucht“) durch eine Vermehrung der Flüssigkeit (Endolymphe) in der Hörschnecke (Cochlea) zu einer Verletzung der hauchdünnen Membran (Reissner-Membran) kommt, welche den Schneckengang (Ductus cochlearis, Endolymphe) von der Vorhoftreppe (Scala vestibuli, Perilymphe) trennt und damit zu einer Vermischung der beiden Flüssigkeiten, wodurch die Funktionsfähigkeit der Sinneszellen in der Hörschnecke beeinträchtigt werden kann. Die Ursachen dafür sind weitgehend unklar, doch scheinen Stress und psychische Belastung für die Entstehung eines Hydrops cochleae eine Rolle zu spielen. Da die Ursachen des Hydrops cochleae andere zu sein scheinen als beim klassischen Hörsturz, ist auch die Therapie eine andere (Betahistidin), aber auch ohne Therapie ist die spontane Erholungsrate sehr hoch (> 70%). Manche Autoren empfehlen zusätzlich eine Reduktion des Salzkonsums und auf jeden Fall ist auf eine Enlastung des vegetativen Nervensystems (Stress) zu achten. Da die Symptome eines Hydrops cochleae auch bei anderen Ohrerkrankungen auftreten können, zum Beispiel bei verstopften Ohren durch Schmalz oder einer Funktionsstörung der Eustachischen Röhre bei einem Schnupfen, ist eine Kontrolle innert 48-72h bei einem Facharzt empfohlen.
Sehr selten, und auch nur dann, wenn die Hörminderung mit starkem Drehschwindel verbunden ist, kann es sich beim Hydrops cochleae um einen ersten Anfall eines M. Menière handeln.
Akute und chronische Hörminderung, Hörgeräteexpertisen
Am häufigsten treten Hörminderungen langsam zunehmend und beidseitig auf im Sinne einer natürlichen Abnahme der Hörfähigkeit im Laufe des Lebens. Ist der Moment erreicht, wo die Hörleistung die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt, kann es sinnvoll sein, über eine Hörgeräteversorgung nachzudenken. Wir sind als Expertenärzte der SVA gerne bereit, diesbezügliche Abklärungen und Beratungen durchzuführen und allenfalls eine Hörgeräteversorgung einzuleiten.
Auch eine Verknöcherung der Gehörknöchelchenkette (Otosklerose) kann zu einer langsam zunehmenden Hörminderung führen.
Manchmal treten Hörstörungen plötzlich und meist einseitig auf. Wir sprechen in diesem Fall von einem Hörsturz. Es handelt sich dabei um Störungen des Innenohrs und sollten innert 24-72 h abgeklärt und eine Therapie eingeleitet werden. In einzelnen Fällen sind Abklärungen mittels Blutentnahmen und/oder bildgebender Verfahren nötig (MRI, Magnetresonanzaufnahme).
Bei einer anfallsartigen Hörminderung mit Tinnitus und heftigem Drehschwindel, oft auch mit Druckgefühlen in den Ohren, könnte es sich um die erste Attacke eines Morbus Menière handeln, einer Innenohrerkrankung, die möglichst bald diagnostiziert und therapiert werden sollte.
Ohrfluss (Otorrhoe)
„Fliessende Ohren“ können viele Ursachen haben. Bei Kindern treten sie am häufigsten im Rahmen einer Mittelohrentzündung auf oder wenn ein Fremdkörper lange Zeit unbemerkt im Gehörgang stecken bleibt („beliebt“ sind Glasperlen und kleine Lego-Teile). Bei Erwachsenen sind sie in den allermeisten Fällen Ausdruck von harmlosen Veränderungen des äusseren Gehörgangs, insbesondere schmerzloser Entzündungen durch Pilze (Otitis externa mycotica), verstopfter Ohren (Cerumen) und Gehörgangsekzeme. Manchmal stecken Entzündungen des Mittelohres dahinter und besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn der Ohrfluss einen unangenehmen Geruch aufweist. Dann sollte durch den Facharzt eine Kontrolle durchgeführt werden, ob dahinter eine chronische Knocheneiterung (Cholesteatom) oder in sehr seltenen Fällen ein Tumor verbirgt.
Schwindel
Schwindel ist ein häufiges Symptom und für den Patienten sowie den behandelnden Arzt gleichermassen eine Herausforderung. Die Ursachen von Schwindel können sehr unterschiedlich sein und führen oft zu einer Odyssee vom einen zum anderen Facharzt. Dies lässt sich oft nicht vermeiden und verlangt vom Patienten Geduld und von den Fachärzten eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wir HNO-Ärzte klären ab, ob die Schwindelbeschwerden ihre Ursachen im Gleichgewichtsorgan des Ohres haben könnten (peripher vestibuläre Störung). Wenn wir den Verdacht haben, es handle sich um einen zentralen Schwindel (z.B. einen Morbus Parkinson, einen Hirninfarkt, eine degenerative Erkrankung oder eine Multiple Sklerose), dann überweisen wir den Patienten an die entsprechenden Fachärzte. Der Schlüssel zu einer gezielten Untersuchung liegt in einer ausführlichen und exakten Anamnese (Gespräch und Fragebogen), so dass die teils aufwändigen und durch medizinisch-technische Hilfsmittel unterstützten Abklärungen auf ein Minimum beschränkt werden können.
Die häufigsten peripher vestibulären Schwindelarten sind gut therapierbar.
Am dankbarsten ist der gutartige Lagerungsschwindel (Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel), der oft eindeutig diagnostiziert und mit einem einfachen Repositionsmanöver behandelt werden kann. Eine weitere häufige Schwindelart ist der sogenannte phobische Schwankschwindel, ein Schwindel, der vor allem unter Belastung auftreten kann und im weitesten Sinne zu den psychosomatischen Erkrankungen bzw. den Angststörungen gezählt wird. Weitere häufige peripher vestibuläre Schwindel sind der Morbus Menière und die vestibuläre Migräne. Bei heftigsten und über Stunden auftretenden Drehschwindelattacken kann es sich auch einmal um eine Entzündung (Neuropathia vestibularis) und bei kurzfristigen Attacken um eine Neuralgie (Vestibuläre Paroxysmie) des Gleichgewichtsnervs handeln.
Hörminderungen bei Kindern
Sollten Sie den Eindruck haben, Ihr Kind würde nicht gut hören und sind unsicher, ob es sich um ein „nicht hören können“ oder ein „nicht hören wollen“ handelt, dann führen wir entsprechende Hörabklärungen durch, sobald das Kind in der Lage ist, einen Hörtest durchzuführen (ab ca. 4 Jahren). Ergänzend kann der Zustand des Mittelohres geprüft werden und bei Kindern im Vorschul- und Schulalter im Gespräch und durch validierte Fragebogen die Wahrscheinlichkeit eines Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungssyndroms AVWS. Bei unklaren Situationen arbeiten wir mit der Abteilung für Pädaudiologie des Universitätsspitals und mit dem Kinderspital zusammen.
Wird eine Hörminderung festgestellt, die durch einen Erguss in der Paukenhöhle bedingt ist, der sich nicht von selbst zurückbildet (Tubenmittelohrkatarrh, Glue Ear), kann die operative Einlage von Paukenröhrchen ins Trommelfell notwendig sein.
Tauchtauglichkeit
Wir führen Tauchtauglichkeitsprüfungen durch und stellen Ihnen ein Zeugnis gemäss SUHMS aus. Diese Leistung ist nicht krankenkassenpflichtig.