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Ein Afroamerikaner, der wegen eines Vierfachmords sechs Mal vor Gericht stand und schliesslich zum Tode verurteilt wurde, ist unter Auflagen aus dem Gefängnis freigelassen worden. Ein Richter gab am Montag einem Bewährungsantrag des Anwalts von Curtis Flowers statt.
Flowers muss allerdings eine elektronische Fussfessel tragen und eine Kaution von 250'000 Dollar (224'000 Euro) zahlen, wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht. Der 49-Jährige, der fast 23 Jahre lang im Gefängnis sass, hat stets seine Unschuld beteuert.
Im Juli 1996 waren in einem Möbelgeschäft in Winona im Bundesstaat Mississippi vier Menschen erschossen worden. Flowers hatte vor dem Mord kurz in dem Laden gearbeitet. Zwei Zeugen gaben an, ihn in der Nähe des Tatorts gesehen zu haben. Flowers wurde verhaftet und sechs Mal vor Gericht gestellt. Immer war der weisse Bezirksstaatsanwalt Doug Evans für den Fall verantwortlich und immer waren die Geschworenen fast ausschliesslich weiss.
Nach US-Recht darf ein Angeklagter eigentlich nicht zwei Mal für dieselbe Tat verurteilt werden - doch in Flowers' Fall war dies möglich, da es nie zu einem rechtskräftigen Urteil kam: In drei Prozessen wurde er schuldig gesprochen, ein Berufungsgericht kippte die Urteile aber wegen Fehlern der Anklage. In den zwei weiteren Prozessen konnten sich die Geschworenen nicht einigen. In seinem sechsten Prozess im Jahr 2010 wurde Flowers zum Tode verurteilt.
Der Oberste Gerichtshof der USA hob das Todesurteil im Juni aber auf, weil der Bezirksstaatsanwalt mit dem systematischen Ausschluss schwarzer Geschworener gegen die Verfassung verstossen habe. Das Gericht befasste sich allerdings nicht mit der Frage, ob Flowers schuldig oder unschuldig ist.
Die Justizbehörden in Mississippi haben noch nicht entschieden, ob sie einen siebten Prozess gegen Flowers anstrengen. Bis dahin bleibt er nun aber auf freiem Fuss. Flowers' Fall war durch den Podcast «In the Dark» (Im Dunkeln) landesweit bekannt geworden. (aeg/sda/afp)