Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/386

Panzerturm
Diese Lafettierungsart bestand aus einem Geschützraum, neben und unterhalb diesem der Gegengewichtsraum bestand. Der Panzerdeckel sowie der Ring waren versenkbar, ein eingemauerter Hartguss-Vorpanzer schützte die Stellung. Verschossen wurden Patronenmunition, Gusseisengranaten, Schrapnells und Kartätschen. Um den Turm in Feuerstellung zu heben, zog der Hilfsrichter eine Zugstange und stiess sie nach unten, worauf das Gegengewicht gesenkt und der Turm angehoben wurde. Dann wurde das Rohr an einem Seil nach vorn gezogen. Durch Herunterklappen des Verschlusswart-Sitzes wurde der Schlitten in der Feuerstellung blockiert. Nach der Schussabgabe erfolgte der Vorgang in umgekehrter Reihenfolge.
Folgende Beschreibung stammt aus: Die Panzerlaffeten auf den Schiessplätzen des Grusonwerkes bei Magdeburg-Buckau und Tangermünde von Julius von Schütz, Ingenieur des Grusonwerkes. Zweite vervollständigte Auflage. 1889.
Die auf der Zeichnung dargestellte versenkbare Panzerlaffette besteht aus einer Panzerhaube, welche mittelst einer Säule auf einem Traghebel ruht, dessen anderes Ende durch ein Gegengewicht belastet ist. Das Heben und Senken der Panzerlaffete wird demgemäss durch Schwingen des Traghebels bewirkt.
Auf dem Bild II ist A die Panzerdecke, welche mit Holzunterlagen auf den beiden Laffetenwänden B ruht. Letztere sind mit dem Panzerring C fest verbunden und der ganze Bau balancirt mit dem Zapfen a auf der Pivotsäule D. Diese ist in dem Führungsbock E vertikal verschiebbar und ruht auf einem um den Punkt b schwingenden Traghebel F, dessen Gegengewicht G die Laffete ausbalancirt.
Zieht man an der mit dem Traghebel F verbundenen Stange k,so sinkt die Laffete und legt sich mit dem Rand der Panzerdecke auf den Vorpanzer H auf; drückt man auf die Stange k, nachdem man die sich auf den Unterbau aufstützende Nase k1 derselben ausgelöst, so steigt die Laffete.
Die Kanone ruht mit ihren Schildzapfen auf einem Rohrträger welcher in entsprechenden Führungen der Laffetenwände B verschiebbar ist, so(lass das Rohr beim Versenken der Laffete vollständig in denRing zurückgezogen werden kann. Sobald die Laffete gehoben ist,wird dasselbe in die Feuerstellung vorgerückt und durch zwei Riegel in derselben festgehalten, welche den Rücklauf vollkommen aufheben.Letztere sind in entsprechenden Aussparungen der Führungsbahnender Laffetenwände vertikal verschiebbar und stehen mittelst einerStange mit einem Hebel in Verbindung, an welchem der auf- und niederklappende Sitz e befestigt ist.
Bei zurückgezogener Kanone werden die Riegel durch einenHaken, welcher sich darüber legt, verhindert, aus den Führungsbahnen vorzutreten. Zieht man den Rohrträger mit Hülfe einer überRollen geführten Schnur vor, so wird der Haken ausgelöst, doch werden die Riegel erst dann frei und durch das Gewicht des nieder-klappenden Sitzes vorgedrückt, wenn der Rohrträger über dieselbe hinweggeglitten und in der Feuerstellung angelangt ist.
Da der Kanonier die Kanone sitzend bedient, so kann derselbe nicht früher zum Laden übergehen, als bis der Sitz e niederklappt und die Rücklaufhemmung eine vollständige ist. Der Rückstoss äussert sich nur darin, dass sich der Panzerring gegen den Vorpanzer H anlegt,doch ist die Schwerpunktslage des ganzen Baues so angeordnet, dass sich derselbe alsbald auf dem Zapfen a wieder aufrichtet und ins Gleichgewicht kommt.
Der Vorpanzer H ruht auf einer Blechconstruction überderen speciellen Zweck als Munitionsgelass weiter unten die Redesein wird. Zu erwähnen ist noch, dass bei versenkter Laffete die Stösseauftreffender Geschosse nur von der Panzerdecke und dem Vorpanzeraufgenommen werden, da erstere auf dem Vorpanzer ruht. EinVerschieben und Drehen der Decke A auf dem Ringe C wird bei gehobener Laffete durch Winkeleisen, welche an der Decke befestigt sind, verhindert. Der Vorpanzer H besteht aus Hartguss, die Panzerdecke ausSchmiedeeisen und der Panzerring aus Stahl. Die Dicke der Panzerdecke beträgt 100 mm, die des Panzerringes ebenfalls 100 mm.
Die Höhenrichtung der Kanone wird mit Hülfe einer Richtschraube i genommen, deren Anordnung aus der Zeichnung ersichtlich ist.
Die Seitenrichtung der Kanone wird von dem Kanonier, welcher rittlings auf dem Sitz e Platz nimmt, mit den Füssen durch Drehung eines Trittrades f genommen. Dieses überträgt seine Bewegung auf ein Zahnrad, welches an dem drehbaren Obertheil angebracht ist und auf einem an der Pivotsäule D befestigten Zahnkranz rollt, wodurch der Obertheil in Drehung versetzt wird. Ein auf dem Trittrade f angebrachter Theilring ermöglicht es, eine bestimmte Richtung auch ohne direktes Visiren stets wieder aufnehmen. Ausserdem aber kann die Laffete mit Hülfe einer Bremse durch Drehung des Hebels h festgestellt werden. Zum direkten Zielen dient ein neben der Scharte angebrachtes Richtlineal. In dem Panzerring C ist der Schiessscharte gegenüber ein Beobachtungsschlitz angebracht.
Als Munitionsgelass dient eine mit Fächern versehene Blechconstruction H1, welche die Wandungen des Bedienungsraumes bekleidet. In diesen Fächern ist Raum zur Aufnahme von 700 Patronen,welche durch einen zweiten Mann handgerecht für den Kanonier auf einen zwischen den Laffetenwänden angebrachten Tisch gelegt werden.Der Blechring H, ist an seinem oberen Theile, soweit das Eindringen von Granaten zu befürchten ist, durch einen schmiedeeisernen Mantelring verstärkt. Der Hauptzweck der Blechconstruction besteht darin, dass sie die Anlage besonderer Munitionsgelasse überflüssig macht, ausserdem aber die Ringmauer für den Thurm ersetzt.
Die Ventilation und Beleuchtung der Panzerlaffete erfolgt durch die verschiedenen Oeffnungen, insbesondere durch das Loch imScheitel der Decke. Bei versenktem Zustande der Laffete wird zum Schutze gegeneindringendes Regenwasser die Fuge zwischen Panzerdecke und Vorpanzer durch eine am Rande der ersteren angeschraubte Traufe verdeckt.
Das Gewicht der ganzen Construction beträgt, inclusive Vorpanzer, circa 12’500 kg.
Zur Bedienung der Panzerlaffete für eine 5,3 cm Schnellfeuerkanone genügen 2, Mann. No. 1 bewirkt durch Niederdrücken derStange k das Heben der Laffete, No. 2 zieht die Kanone vor, woraufNo. 1 den inzwischen niedergeklappten Sitz besteigt und die Kanone richtet, ladet und abfeuert. No. 2 legt während des Feuerns die Munition auf den Tisch und zieht auf Commando die Kanone zurück, nachdem No. 1 den Sitzverlassen und hochgeklappt hat. Hierauf bewirkt No. 1 durch Ziehen an der Stange k das Versenken der Laffete. Das Heben und Senken der Laffete kann auch ohne wesentlichenZeitverlust von No. 2 ausgeführt werden, so dass No. 1 nur dieBedienung der Kanone obliegt.
5,3 cm Kanone in Panzerturm
5,3 cm Kanone in Panzerturm
5,3 cm Kanone in Panzerturm