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> NISHABD
Liebesdrama. Indien. Hindi
Alternativer Titel Sprachlos
Regie
Ram Gopal Varma
Drehbuch Kusum Punjabi
Produktion Ram Gopal Varma
Musik Amar Mohile
Kamera Amit Roy
Darsteller Amitabh Bachchan, Jiah Khan, Revathi, Shraddha Arya, Nasser, Aftab Shivdasani
Länge 108 Min.
Kinostart 2.3.2007
Box office classification Flop
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 12
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
© Text Marco,
molodezhnaja 6.4.07
© Bilder Eros Entertainment, Screenshots molodezhnaja
STORY
Der 60-jährige Fotograf Vijay (Amitabh Bachchan) führt ein unspektakuläres, aber harmonisches Leben auf einer riesigen Tee-Plantage in Munnar, Kerala. An seiner Seite seine treue Ehefrau Amrita (Revathi) und seine nette Tochter Ritu (Shraddha Arya). Die bringt eines Tages ihre beste Freundin Jia (Jiah Khan) mit nach Hause. Die 18-Jährige wirbelt während ihres mehrtägigen Aufenthalts das Leben von Vijay gehörig durcheinander: Er ist fasziniert von ihrer rebellischen Art und ihren knappen Kleidern, sie von seiner Ruhe und Gelassenheit. Schon bald kommen sie sich gefährlich nahe.
REVIEW
Geschichten um ältere Herren, die sich in jüngere Damen verlieben, gibt es nicht erst seit "Lolita". Vladimir Nabokov hat kein Copyright auf eine derartige Ausgangslage. "Nishabd" ist denn auch kein Remake von "Lolita", ebenso wenig wie eines von anderen Filmen ähnlichen Inhalts - "American Beauty", "Poison Ivy" oder jüngst "Venus" mit Peter O'Toole. Es gibt ein paar Szenen, bei denen sich Regisseur Ram Gopal Varma für "Nishabd" inspirieren liess, bis auf den Lollipop weniger von Stanley Kubricks erster "Lolita"-Verfilmung von 1962, als von Adrien Lynes unterschätzter Version aus dem Jahr 1997. So kopiert er etwa den legendären Promo-Shot mit Dominique Swain (Bildvergleich) und lässt sein Mädchen ebenfalls Kontakt mit einer Wasserfontäne schliessen. Doch das sind minimale Überschneidungen.
Der Rest von "Nishabd" ist durchaus eigenständig und zeigt Ram Gopal Varma ausnahmsweise mal wieder auf der Höhe seines Talents als Geschichtenerzähler. Über die Jahre hat Varma sein technisches Know-how konstant vergrössert, mit seinem Schaffen assoziierten Bollywood-Fans hippes, modern gefilmtes Kino. Doch die Handlungen rutschten immer weiter ab. Episodenfilme (Darna Zaroori Hai) oder immergleiche Gangstergeschichten aus RGVs Produktionshaus haben mehr Wert auf Ästhetik und Hollywood'sches Auftreten gelegt, als auf die Geschichte und die Figuren. "Nishabd" kehrt das um. Es ist sogar so, dass hier die Technik für einmal das grösste Manko ist.
Varma filmt seine Lolita-eske Story nämlich mit unnötigem Blaufilter, der die grünen Landschaften bis zum Gehtnichtmehr verfärbt. Klar ist das Ziel, den Look herunterzuschrauben und eine Atmosphäre von angekündigtem Unheil zu vermitteln, doch das nutzt sich rasch ab. Mit weniger Filter wäre hier viel zu erreichen gewesen. Dasselbe gilt für Varmas Hang zu Kamerafahrten. In Bollywood herrscht leider der Irrglaube, nur eine hyperaktive Kamera sei eine gute - und während ich das bei einem Masalafilm oder einem Spektakel durchaus zu schätzen weiss (Bollywood ohne Exzess wäre ja nicht mehr Bollywood), so ist es hier schlicht fehl am Platz. Es braucht keine Schwenks, Kranfahrten und dutch tilt angles (schräge Bilder), es braucht die Close-ups, die ruhigen Shots, denn die sind intensiv genug - nein, intensiver als das "schaut her, was meine Kamera kann"-Ästhetik.
Kameramann Amit Roy (Sarkar) erweist sich ansonsten als gute Wahl, denn er spielt kess mit Vorder- und Hintergrund, hält bei wichtigen Szenen lange auf die Gesichter und holt den inneren Tumult der Figuren heraus. Genau das steht denn auch dramaturgisch im Zentrum. Erst die Verführung durch das Fleisch. Immer wieder schielt die Kamera voyeuristisch an Jias unbekleideten Schenkeln vorbei, blinzelt zwischen ihre leicht geöffneten Beine, huscht über ihre Lippen. Dass Vijay dadurch angeregt wird, ist klar, doch auch als Zuschauer fühlt man sich ertappt und erregt - und dadurch vielleicht etwas beschämt. Doch die Anziehung der beiden wächst bald über sexuelle Anziehung hinaus. In einer Verhör-ähnlich eingefangenen Beichte erklärt Vijay, im Alter fürchte man den Tod und suche nach Jugend. Diese entdeckt er in der lebensfrohen Jia. Doch Jugend lasse sich nicht zurückbringen, das Aufblühen sei flüchtig.
Dieses Aufblühen ist vielleicht der schönste Teil des Films, wenn Amitabh mit viel Ruhe und Beständigkeit spielt und dadurch das Interesse seines jungen Gegenübers weckt. Jiah Khan (1988-2013), eine wunderbare Entdeckung Varmas, ist angezogen von diesem Fels in der Brandung, dem Mann, der seine Weisheit fast versteckt und mit seiner Gelassenheit ihren Verführungstrieb herausfordert. Sie wiederum ist in ihrer Ehrlichkeit und Direktheit oft schon arrogant und negativ, ihr ständiges "take light" (soll heissen: "nimms easy, Mann") geht fast schon auf den Wecker. Doch die gegenseitige Anziehung ist glaubhaft. So wie Varma sie filmt, fast schon zwingend.
Nur weiss man schnell, dass dies ins Unglück führen muss. In welches, sei nicht verraten, doch hier trennt sich Varma deutlich von "Lolita", denn seine Story geht alltäglichere Wege und endet fast schon zu überhastet - aber wie ich finde, eigentlich gelungen. "Love hurts", Liebe schmerzt, bleibt als Botschaft zurück - doch sie hält auch am Leben. Amitabhs Schlusssatz ist ungeheuer gut und beendet den Film so, dass man gerne noch etwas über ihn sinniert. Das liegt aber auch an den Figuren, die man alle mag. Auch ein Nebencharakter wie Amritas Bruder, gespielt vom südindischen Altstar Nasser, der Vijay ganz ruhig fragt "glaubst du, du seist der Richtige für sie?". Oder Amrita, mit der wir Mitleid bekommen, weil sie in ihrer Naivität nicht sieht, was unter ihren Augen abgeht. Und weil klar ist, dass sie nie mithalten kann mit dem, was die Jugend zu bieten hat. All das, was sie offeriert (Beständigkeit, Treue, Halt, Liebe), lässt sich nicht marktschreierisch abbilden mit einem Kamerashot vorbei an ihren Beinen. Wenn ihr Gatte plötzlich in der Nacht glücklich loslacht, ist das ein herzerwärmender Moment für ihn - aber ein schockierender für sie, denn von da an hat sie verloren.
Im Fokus bleiben dennoch stets die beiden Hauptdarsteller, die eine überragende Leistung zeigen. Das gilt für Altstar Bachchan ebenso wie für die 19-jährige Newcomerin Jiah Khan. Ihre Chemie ist vorzüglich und sie tragen einen in Indien kontrovers aufgenommenen, aber letztendlich durchaus unspektakulären, jedoch emotional intensiven Film bis zum Schluss. Die zweite Hälfte birgt vielleicht nicht die Energie der ersten und der Film hält nie einem Vergleich mit dem doppelt so schlauen "American Beauty" oder dem verführerischen "Lolita" stand, doch "Nishabd" bleibt kurzweilig und involvierend. Der Look hat mich etwas gestört, ein paar Klischees ebenso - doch dies bleibt Varmas bester Film seit fünf Jahren. Keine Altherrenphantasie, sondern ein intelligentes und stellenweise rührendes Gedankenspiel über die Anziehung der Jugend und die Reife des Alters. Inkompatibel? Wer weiss. Aber beide brauchen einander.
MEINE DVD
Eros (USA), Code 0, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Hindi 5.1 mit englischen und arabischen Untertiteln
Disk Rating * * ½ (Mässig scharf und, wohl gewollt, sehr dunkel).
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nehaflix (USA)
EXTERNE REVIEWS
imdb
indiafm.com (2/5) - Spoiler!
Rediff.com (3½/5)
SCREENSHOTS
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