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Electronic Appendix
Verbesserte Milcherzeugung in den Peruanischen Hochanden
Katrin Bartl, Institut für Nutztierwissenschaften, ETH Zürich
Verbesserte Futterpflanzen können die Qualität und Verfügbarkeit des Futters für Milchkühe erhöhen und sich dadurch auch positiv auf die Erzeugung und Zusammensetzung der Milch und das Haushaltseinkommen von Kleinbauernfamilien auswirken.
Die Milcherzeugung ist eine wichtige Einkommensquelle für landwirtschaftliche Familienbetriebe in den Peruanischen Anden. Die grosse Höhenlage der Produktionsgebiete, die Knappheit von qualitativ hochwertigen Futtermitteln vor allem in der Trockenzeit und das niedrige Produktionsniveau der einheimischen Criollo-Kühe (ein an die Verhältnisse in grossen Höhenlagen angepasster Kuhtyp) wirken sich negativ auf die Milcherträge aus.
Forschungsprojekt:
Das Forschungsprojekt sollte aufzeigen, welche Futterpflanzen in den Peruanischen Anden auf 3800 m als Trockenzeitfutter für Milchkühe geeignet sind. Ausserdem sollte erforscht werden, inwieweit sich die Milchbildung und Milchzusammensetzung von Criollo- und Brown Swiss-Kühen in verschiedenen Höhenlagen und mit verschiedenen Futterqualitäten voneinander unterscheidet. Schliesslich war es auch ein Ziel des Projektes, die ökonomischen Auswirkungen einer verbesserten Milchkuhfütterung auf das Haushaltseinkommen typischer andiner Kleinbauernfamilien abzuschätzen. Um diese Forschungsziele zu erreichen wurden wissenschaftliche Versuche (Fütterungsversuch, Anbauversuch) mit partizipativen Methoden (Workshops, Arbeitseinsätze der lokalen Bevölkerung, Bauernbefragungen, Weiterbildungsveranstaltungen) kombiniert.
Projektpartner in Peru waren die Universidad Nacional Agraria La Molina (UNALM, Prof. Carlos Gómez), die landwirtschaftliche Cooperative S.A.I.S. Tupac-Amaru, Produktionseinheit Pachacayo und 56 Landwirte aus den Hochlandgemeinden Aramachay, Chalhuas, Llacuari und Sallahuachac (Bezirk Sincos). Ausserdem wurden auch Kontakte zu anderen Universitäten, Forschungs- und Beratungsorganisationen und der Bezirksverwaltung von Sincos hergestellt und diese in Entscheidungsfindungsprozesse miteinbezogen. Ein weiterer wichtiger Projektpartner war Dr. Federico Holmann vom CIAT/ILRI, Kolumbien.
Erzielte Resultate:
Die Ergebnisse dieser Arbeit verdeutlichen, dass der Anbau verbesserter Futterpflanzen und Änderungen in der Anbaupraxis die Verfügbarkeit und Qualität von Futtermitteln für Wiederkäuer während der Trockenzeit erhöhen und sich auch positiv auf das Haushaltseinkommen von bäuerlichen Familienbetrieben in den Anden auswirken. Unter der Annahme der Einführung der neu entwickelten Gerstensorte Hordeum vulgare L. var. UNA wurde eine Erhöhung des landwirtschaftlichen Einkommens eines Familienbetriebes von 518 auf 693 US$/Jahr geschätzt.
Ein zusätzlicher Effekt einer verbesserten Fütterung ist die Erhöhung der Anteile von, aus gesundheitlicher Sicht erwünschenswerten Fettsäuren im Milchfett. Es wurde gezeigt, dass die grosse Höhenlage dieser Betriebe keine negativen Auswirkungen auf die Produktivität und die Stoffwechselsituation der untersuchten Milchkuhtypen hat, die Milchfettzusammensetzung jedoch beeinflusst. Anders als erwartet waren die Anteile von konjugierten Linolsäuren (CLA) und α-Linolensäure im Milchfett auf 3600 niedriger als auf 200 m. In Hinblick auf die Stoffwechselstrategien als Reaktion auf Mangelernährung und Sauerstoffarmut der Luft wurden keine wesentlichen Unterschiede zwischen Criollo- und Brown Swiss-Kühen offensichtlich. Das Milchfett der Brown Swiss- enthielt im Vergleich zu den Criollo-Kühen jedoch mehr CLA.
Anwendung / Umsetzung / Nutzen:
Insgesamt wurden 19 Workshops mit 511 Teilnehmern abgehalten. Für die Bauern in der Projektregion wurde ein Handbuch entworfen, das eine Beschreibung verschiedener Futterpflanzen und Richtlinien für ein verbessertes Futtermanagment enthält. Einige Bauern haben bereits vom Projekt vorgeschlagene neue Futterpflanzen angebaut und/oder auch den Prozess der Heugewinnung verbessert. Ausserdem haben die UNALM und die Gemeinde Sincos vereinbart, die entstandene Kooperation zu vertiefen. Des weiteren wurden 4 referierte Zeitschriftenpublikationen, eine Doktorarbeit, 2 Master- bzw. Diplomarbeiten und 5 Bachelorarbeiten (zum Teil noch in Arbeit) erarbeitet. Die Projektdaten bilden die Basis für ein Life-Cycle Assessments (LCA) eines andinen Milchproduktions-systems (Projekt: Ecological sustainability of Andean and coastal dairy production systems in Peru; Seed Money Projekt; North-South Center) und werden in einem bewilligten ETH-Projekt zum Thema LCA (Assessing and Compensating the Ecosystem Impacts of Agricultural Products in the North-South Context - "myEcosystem"; CHIRP1) Verwendung finden.
Bauern beim Anlegen einer Versuchsfläche in Sallahuachac
Key-messages
- Der Anbau verbesserter Futterpflanzen und eine standorts- und pflanzenbedarfsangepasste Düngung verbessern den Ertrag und die Qualität von Trockenzeitfutter in den Hochanden deutlich.
- Veränderungen der Milchfettqualität von im Hochland geborenen Kühen sind weniger ausgeprägt als von gesömmerten Kühen in den Alpen.
- Verbesserungen der Futterqualität, der Milchkuhernährung und die Vewendung von Brown Swiss- statt Criollo-Kühen erhöhen das Haushaltseinkommen von Kleinbauernfamilien in den Anden, sind aber je nach Art der zur Verfügung stehenden Futterressourcen, der Lage relativ zu den Märkten im Tal und der Wasserversorgung unterschiedlich wirksam.
Involvierte Institutionen und ihre Kernkompetenzen:
UNALM (Departamento de Nutrición, Instituto de la Pequeña Producción Sustentable): Tierernährung, Produktionssysteme, landwirtschaftliche Beratung
SAIS Tupac Amaru: Erzeugung von Schaf-, Alpaca-und Milchprodukten in einem hochandinen Weidesystem
CIAT/ILRI Kolumbien: Landwirtschaftlichen Produktion und Ressourcennutzung in den Tropen
ETH Zürich (Institut für Nutztierwissenschaften): Genetik, Tierzucht, Ernährung, Physiologie, Tierhaltung
Projektverantwortliche:
ETH Zürich, Departement Agrar- und Lebensmittelwissenschaften, Institut für Nutztierwissenschaften, Karin Bartl,
k_bartl @hotmail.com
Projektförderung: Nord-Südzentrum der ETH Zürich / Direktion für Entwicklungszusammenarbeit
Criollo Kühe im Fütterungsversuch in Pachcayo
Workshop mit Bauern in Llacuari