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Pini Group
Andrea, wie ist die Anstellung einer Architektin aus der Ukraine bei der Pini Group zustande gekommen?
Andrea Galli: Kateryna erhielt die Information über unser Angebot von der ukrainischen Vereinigung der Ingenieure und Architekten und schrieb eine E-Mail, in der sie angab, dass sie für ein Unternehmen in der Schweiz arbeiten will. Wir haben sofort versucht, für sie eine Stelle in Lugano zu finden.
Wie geht es weiter?
A.G.: Sie arbeitet jetzt bei der Abteilung Architektur und wirktbei Bauprojekten mit, bei denen das BIM-System eingesetzt wird. Sie wird zusammen mit ihrer Schwester für einen noch festzulegenden Zeitraum, der von der Entwicklung des Konflikts abhängt, mindestens bis Ende 2022, in der Schweiz bleiben. Somit hat sie genug Zeit, um die Sprache zu lernen und sich in unser Arbeitssystem zu integrieren. In Zukunft werden auch neue Formen der Fernarbeit bzw. hybriden Arbeit möglich sein.
Hat die Pini Group vor, weitere Architekten aus der Ukraine anzustellen?
A.G.: Wir sind hauptsächlich ein Ingenieurbüro, welches insbesondere im Tiefbau für grosse Infrastrukturen tätig ist. Daher fällt der Architekturanteil bei uns eher klein aus. Dennoch sind wir interessiert und gewillt, diese Erfahrung beispielsweise mit IngenieurInnen in anderen Niederlassungen zu wiederholen. Im Moment haben wir Kontakt mit zwei Bauingenieurinnen, die per Zufall aus dem Südosten der Ukraine ins Tessin gekommen sind. Diese konnten wir in einem derzeit leer stehenden Haus unterbringen, für welches wir die Baugenehmigung für eine neue Wohnanlage beantragt haben.
Kateryna, kannst Du uns etwas über den Krieg und Deine Einreise in die Schweiz erzählen?
Kateryna Chaplynska: Ich und meine Schwester Sophia erlebten die blutigste Phase des Krieges nur am Rande, da wir in Kiew wohnten, wo die Bombardierung nicht unmittelbar war. Es gelang uns, das Land rechtzeitig zu verlassen. Meine Eltern und zwei Brüder, die vor kurzem volljährig wurden, blieben in ihrer Heimat unweit von Kiew. Meine Grosseltern, die im Osten in der Nähe von Russland leben, mussten in den letzten Wochen in den Westen ziehen, um das Schlimmste zu vermeiden.
Der Einreise in die Schweiz ging eine ziemlich anstrengende Reise voraus. Zuerst mussten wir zur polnischen Grenze, dann nach Budapest. Von dort aus konnten wir einen Flug nach Mailand buchen. Es war sehr kompliziert, die nötigen Unterlagen bzw. Dokumente zu Organisieren, welchen wir für die Einreise in die Schweiz benötigten. Wir mussten die S-Bewilligung in Chiasso, die Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung im Kanton Graubünden, wo wir jetzt wohnen, die Perspektiven für die Ukraine.
Andrea, kannst Du uns ein persönliches Statement zu deiner tollen Aktion geben, um andere Unternehmen dazu zu motivieren ebenfalls ArchitektInnen, PlanerInnen oder IngenieurInnen anzustellen?
A.G.: Ich glaube, dass Offenheit gegenüber anderen die Grundlage für ein Leben in einer gesunden, toleranten und glücklichen Gesellschaft ist. Heute sind sie es, die uns brauchen und morgen brauchen wir vielleicht Hilfe von anderen Ländern. Ausserdem ist es eine innere Befriedigung, Dankbarkeit zu erfahren und zu sehen, dass unser Handeln Erleichterung bringt. Diese Erfahrung wird sich unseren MitarbeiterInnen und unseren Kindern ins Gedächtnis einbrennen und uns hoffentlich dazu bringen, das «Normale» mehr zu schätzen, weil es nicht selbstverständlich ist.
Basler & Hofmann
Wie ich gehört habe, haben Sie eine flüchtende Ukrainerin bei sich angestellt.Wer ist sie und wie kam sie in die Schweiz?
Dominik Courtin: Lena ist am 4. April – per Auto – bei uns angekommen. Ausgehend von unserer Verbandsinitiative hat sie sich von Kiew aus gemeldet. Sie ist Innenarchitektin und arbeitet nun in unserem BIM-Entwicklungsteam IDA-Lab.
Wie geht es weiter?
D.C.: Wir haben mit ihr bewusst einen unbefristeten und keinen zeitlich befristeten Arbeitsvertrag geschlossen, da wir ihr Sicherheit vermitteln wollten. Untergebracht ist sie in einer unserer eigenen Wohnungen. Sie ist sehr dankbar und will auch beweisen, dass sie die Stelle zurecht bekommen hat. Dies haben wir bereits gespürt.
Haben Sie vor, weitere Flüchtende bei Basler & Hofmann anzustellen?
D.C.: Ja, wir sind bereit weitere Flüchtende anzustellen. In der Zwischenzeit haben sich schon weitere Personen – auch Männer – für die von uns ausgeschriebenen Stellen gemeldet. Wir versuchen, diese Bewerbungen mit viel Goodwill zu beurteilen und werden alle Teams unterstützen, die sich bereit erklären Personen in ihre Teams aufzunehmen und rasch in die Projektarbeit zu integrieren