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Fernhandel in Antike
und Mittelalter
Artikel vom 31. Oktober 2008
Fernhandel in Antike und Mittelalter,
Theiss-Verlag Stuttgart 2008, 128 Seiten, durchgehend farbig, ISBN
978-3-8062-2148-0. Buch bestellen bei
Amazon.de.
Der Untertitel des diesjährigen Sonderbandes der Geschichts-Zeitschrift DAMALS
könnte statt „Von fernen Ländern und reichen Händlern“ auch „Frühgeschichte der
Globalisierung“ heißen. In sieben einprägsamen Kapiteln stellen die Autoren die
Entwicklung des Fernhandels in vormoderner Zeit dar.
Als Auftakt gibt Karen Radner einen Einblick in das Handelsnetz assyrischer
Kaufleute und führt dabei geschickt in die Kriterien wirtschaftsgeschichtlicher
Forschung ein. Sie schildert die Ursprünge des Fernhandels und die politische
Dimension der wirtschaftlichen Kontakte, geht auf Fragen der Finanzierung, des
Transportes und das Spiel der Märkte im alten Orient ein. Bereits der erste
Artikel ist ein „Globalisierungsreport“, der aufzeigt, in welchem Umfang seit
dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend Güter gehandelt wurden. Dabei geht es in
dem Buch ausdrücklich nicht um die regional komplementären Wirtschaftssysteme,
sondern nur um den Fernhandel, den Handel über Kontinente und Kulturgrenzen
hinweg, der nicht immer auf den ersten Blick als solcher erkennbar wird, wenn
zum Beispiel die Transporte häufig umgeladen oder über den Zwischenhandel
vermittelt werden.
Michael Sommer präsentiert unter dem Titel
„Wie Frösche um einen Teich“ den antiken Wirtschaftsraum Mittelmeer und macht
deutlich, wie intensiv Phönizier, Griechen und Römer diese Autobahn der Antike
nutzten. Er belegt die zentrale Rolle des Fernhandels in Kolonisation und
Versorgung der städtisch organisierten Gesellschaften und legt den Schwerpunkt
seines Artikels auf den römerzeitlichen Orienthandel, für den die syrische
Oasenstadt Palmyra eine Scharnierfunktion zwischen römischem und parthischem
Einflussbereich erfüllte.
Das folgende Kapitel fehlt in keinem Werk
zum Handel. Die Seidenstrasse wird von Folker Reichert vor allem in ihrer Rolle
als Vermittlerin chinesischer Exporte wie zum Beispiel Seide gewürdigt und
anhand der Berichte der nach China und zu den Mongolen reisenden Europäern
beschrieben. Spannend, aber etwas kurz ausgefallen ist dagegen die Beschreibung
der Europareise des Bar Sauma, eines nestorianischen Priesters aus der
chinesischen Steppe, durch dessen Sichtweise die eurozentristische Anlage des
Bandes etwas aufgelockert wird.
Stephan Conermann geht von einem
erfrischend neuen Ansatz aus. Er stellt weder Menschen (mit ihren stets
kulturell bedingten Vorurteilen) noch Handelsgüter (die den Interessen der
Menschen dienen) ins Zentrum, sondern untersucht primär den Raum, durch den die
Kontakte erfolgen. Er beschreibt die Nutzung der Seewege im indischen Ozean und
dem südchinesischen Meer als Haupthandelsweg zwischen der islamischen Welt,
Indien und China – in Konkurrenz und Ergänzung der Seidenstraße. Der Monsun
bestimmt rund um den indischen Ozean Produktion und Transport aller Güter.
Stabile Winde und kalkulierbare Jahreszeiten erlaubten einen intensiven
Fernhandel, der auch für Importe asiatischer Produktion nach Europa genutzt
wurde. Erst Ende des 15.Jahrhunderts konnten die Portugiesen mittels der
Umrundung Afrikas das islamische Monopol im Handel mit dem fernen Osten brechen.
Ihre von einem Vizekönig in Goa verwalteten Handelsstationen (Estado da Índia)
kontrollierten im 16. Jahrhundert den Gewürzhandel mit Europa.
China als Seemacht bildet den Mittelpunkt des Beitrages von Ralph Kauz, der
dessen überragende Stellung in Ostasien während der Tang- und der Songdynastien
(618-907 bzw. 960-1274) untersucht.
Kontakte zum Westen bestanden aber trotz einer Ausrichtung auf das chinesische
Meer schon seit römischer Zeit. Der Handel wurde durch Beamte kontrolliert und
ist entsprechend gut dokumentiert. Die Schiffe schienen im europäischen Maßstab
gigantisch. Marco Polo, Ibn Battuta und Zhou Qufei beschreiben unabhängig
voneinander Dschunken mit 150-300 Mann Besatzung, rund 60 Kabinen und Schotten
gegen das Volllaufen des Rumpfs; die Ladung solcher Schiffe betrug wohl gegen
1000 Tonnen.
Transalpiner Handel steht im Mittelpunkt
des folgenden Artikels von Marie-Claude Schöpfer Pfaffen. Sie analysiert
Handelsvolumen und -intensität hauptsächlich anhand der westlichen
Alpenübergänge, die in den savoyischen Quellen ausnehmend gut dokumentiert sind.
Interessant ist dabei die Aussage, dass „der Winter dem Warenverkehr keinen
Abbruch tat“. Dies mag vielleicht für
wenige, bedeutende Alpenübergänge wie die öfters angeführten Mont Cenis und den
Simplon gelten, nicht aber für die Mehrzahl der Pässe, die als
Sekundärverbindungen von November bis Februar meist als unpassierbar galten, bis
ins späte Mittelalter hinein aber auch wichtige Träger des Fernhandels waren.
Das abschliessende Kapitel von Robert Bohm
ist der Hanse gewidmet. Dieser lockere Städtebund war ganz auf den Nordhandel
ausgerichtet und spielte im späten Mittelalter an Nord- und Ostsee eine
dominierende Rolle. Dabei entwickelten sich sozusagen als Nebenprodukte
gemeinsamer Handelsinteressen der städtischen Eliten ein weitgehend
einheitlicher Rechtsraum (lübisches Recht) und ein eigenes Handelssystem
(Kontor), die von Nowgorod bis Brügge den Teilhabern Rechts- und Handelsvorteile
sicherten.
Im Buch fehlen gewichtige Kapitel europäischer Handelsgeschichte, so zum
Beispiel zum Zinnhandel seit der Bronzezeit, dem römischen Handelsnetz in den
Provinzen, den italienischen Seerepubliken oder Byzanz als Drehscheiben des
Fernhandels im Mittelalter. Doch ist es natürlich nicht möglich, auf 128 Seiten
eine umfassende Geschichte des Handels zu präsentieren. Deshalb bieten die klug
ausgewählten Themen einen leicht verständlichen und sinnstiftend illustrierten
exemplarischen Überblick. Schade nur, dass der Standort der hochwertigen
Abbildungen im Nachweis nicht durchgehend genannt wird und eine Vertiefung, bzw.
Ausweitung der gewählten Themen durch die sehr kurz gehaltene Bibliographie
eingeschränkt wird.
Fernhandel in Antike und Mittelalter,
Theiss-Verlag Stuttgart 2008, 128 Seiten, durchgehend farbig, ISBN
978-3-8062-2148-0. Buch bestellen bei
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Fernhandel in Antike und Mittelalter,
Theiss-Verlag Stuttgart 2008, 128 Seiten, durchgehend farbig, ISBN
978-3-8062-2148-0. Buch bestellen bei
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