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Kaisten besitzt eine besonders reiche archäologische Vergangenheit. Die Grabung an der Herrengasse in Kaisten brachte 2014 nicht weniger als 18 verschiedene Schichten übereinander zum Vorschein. Fünf davon stammen von Menschen, die einst in Kaisten siedelten. In den Jahren 2015 bis 2016 ging die Erforschung der Kaistener Vergangenheit weiter.
Die Kantonsarchäologie untersuchte nämlich zwei grosse Areale in der Leberimatt und im Hofacher, bevor sie überbaut wurden. Denn durch Sondierungen im Jahr 2015 wusste man bereits, dass auch hier archäologische Überreste im Boden liegen.
Beliebte Wohnlage am Hangfuss
In der Vergangenheit liebten die Menschen eine Wohnlage direkt an einem Hangfuss. So auch in der Leberimatt in Kaisten. Die Fundstelle liegt am östlichen Hang des Altenberges, nur durch ein schmales Flusstal von der Fundstelle Kaisten-Herrengasse am Fuss des Lumberges getrennt.
Im Zeitraum von neun Wochen grub die Grabungsequipe die Fläche von über 1000 Quadratmeter aus. Es waren verschiedene Siedlungsphasen zu erkennen. Die obersten Strukturen stammten aus der Römerzeit, aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Es war eine einfache Bebauung: ein Pfostenbau und zwei Feuerstellen oder Öfen. Ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. war die Siedlung dann verlassen.
Fundobjekte aus der Römerzeit
Die Funde aus der römischen Siedlung bestehen vorwiegend aus lokaler Keramik. Jedoch weisen vereinzelte Keramikfragmente auf Importe von gehobenem Tafelgeschirr aus Oberitalien und von Lebensmitteln aus dem Rhonetal hin.
Zur Kleidung einer Person, wahrscheinlich einer Frau, gehörte eine Fibel (Gewandnadel). Diese sogenannte Hülsenspiralfibel ist in der Nordwestschweiz um die Mitte des 1. Jahrhunderts n, Chr. verbreitet. Vermutlich wurde sie sogar dort hergestellt.
Vor den Römern: Prähistorische Siedlungen dicht übereinander
In der Urgeschichte gab es hier mehrere Siedlungen. Die Überreste davon bezeugen, dass hier von der Mittelbronzezeit (1600−1300 v. Chr.) bis in die Eisenzeit (800 v. Chr. bis um Christi Geburt) Menschen lebten.
Auf eine eisenzeitliche Besiedlung (um 400 v. Chr.) deutete ein Entwässerungsgraben hin, der am Hangfuss angelegt wurde. Jedoch waren von der Siedlung selber, die vom Hangwasser geschützt werden sollte, kaum Strukturen fassbar.
Aus der Bronzezeit stammten dagegen zahlreiche Reste von Siedlungen. Ein Pfostenbau beeindruckte mit seiner Grösse von 7 x 12 Metern. Von einem zweiten Bau rührten weitere Pfostenlöcher her. Der Hof zwischen den Gebäuden planierten die Menschen mit Kalkschotter, damit man besser darauf gehen konnte.
Neben den Pfostenbauten gab es einen Graben, der die Gebäude zum Tal hin bzw. einem benachbarten Hof abgrenzte. Die vielen Keramikfunde zeigen, dass die Menschen hier in der Zeit zwischen 1550 und 900 v. Chr. lebten.
Ein modisches Accessoire aus der Bronzezeit
Auch in der Bronzezeit verloren Personen Kleidungsaccessoires. Die Nadel, mit der man damals die Kleidung verschloss, war richtigen Modeströmungen unterlegen. Form, Verzierung und Aussehen veränderten sich schnell. Darum können Archäologen und Archäologinnen mit solchen Nadeln hervorragend datieren. Diese sogenannte doppelkonische Lochhalsnadel mit waagerechten Strichverzierungen ist demnach im Zeitraum zwischen 1550 und 1450 v. Chr. getragen worden.
Beidseits eines Baches
Das zweite Areal im Hofacher, das die Kantonsarchäologie ausgegraben hat, war 5560 Quadratmeter gross. Die Baufläche erstreckt sich auf beiden Seiten des Chaisterbaches.
Auf der östlichen Seite gruben die Archäologen nicht flächig aus, sondern begleiteten nur den Aushub für das Bauprojekt. Es kam ein Pfostenbau einer spätmittelalterlichen-frühneuzeitlichen Siedlung zum Vorschein. Dokumentiert werden konnte auch ein kurzer Abschnitt einer früheren, hölzernen Bachverbauung.