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Eine Analyse des Hirnwassers (Liquor) kann bei Menschen mit Symptomen, die auf eine neurologische Erkrankung hinweisen, dazu beitragen, die richtige Diagnose zu stellen. Wie Dr. med. Axel Regeniter (Medica Labor Zürich) erklärte, war 1937 erstmals ein Gerät verfügbar, mit dessen Hilfe die Proteinbestandteile des Serums (Blut nach Entfernen der Blutzellen) voneinander getrennt und ihre Menge bestimmt werden konnte. Fünf Jahre später, 1942, wurde das gleiche Gerät für die erste Analyse einer Liquorprobe eingesetzt. Dabei stellte man fest, dass sich die Protein-Zusammensetzung von Serum und Liquor stark unterscheidet.
Dank der heutigen modernen Analysegeräte ist es mittlerweile möglich, in kleinen Mengen Blut oder Liquor die Konzentration vieler unterschiedlicher Proteine zu bestimmen. Besteht der Verdacht, dass hinter gewissen Symptomen, an denen eine Person leidet, eine MS stecken könnte, kann die Art und Konzentration bestimmter Proteine in einer Liquorprobe Hinweise auf das tatsächliche Vorliegen entzündlicher Prozesse im Zentralnervensystem liefern. Zusammen mit anderen Untersuchungsbefunden kann dies schliesslich zur Diagnose einer MS führen. Dr. Regeniter zeigte während seines Vortrags auch auf, was bei der Interpretation der Resultate von Liquoranalysen berücksichtigt werden muss, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.
Liquorbestandteile liefern neue Erkenntnisse
Dr. med. Johanna Oechtering (Universitätsspital Basel) stellte anschliessend verschiedene neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die auf der Analyse von Liquorproben basieren. So wurden von den Teilnehmenden der Schweizer MS Kohorte (ein von der Schweiz. MS-Gesellschaft unterstütztes Forschungsprojekt) die zu Beginn der Erkrankung im Rahmen der Routinediagnostik erhaltenen Liquorproben analysiert. Dazu gehört auch die Bestimmung des Immunoglobulin M (IgM), einer Antikörper-Klasse, die Teil des menschlichen Immunsystems ist und dessen Produktion im zentralen Nervensystem bei etwa 25% der Personen mit MS vorliegt. Es zeigte sich, dass eine intrathekale IgM-Synthese mit einem aktiveren und schwereren Krankheitsverlauf einhergeht und dass deshalb früher und häufiger der Einsatz höher effektiver Therapien erforderlich ist. Damit könnte intrathekales IgM dazu genutzt werden, den Verlauf der Erkrankung besser vorherzusagen und die Therapie schon frühzeitig im Krankheitsverlauf anzupassen, um dadurch womöglich Behinderung zu verhüten.
Dr. Oechtering präsentierte im Weiteren die Resultate aktueller Untersuchungen, die sich mit den ebenfalls im Liquor nachweisbaren, als freie Leichtketten vom Typ Kappa (κFLC) bezeichneten Proteinen befassten. Wie sich herausstellte, könnten sich diese Proteine, in Ergänzung zu den bisher verwendeten Analysen, gut für die Diagnose einer MS eignen. Allerdings müssten die Methoden zum Nachweis der κFLC dazu noch weiter verbessert und vereinheitlicht werden. Zudem konnte gezeigt werden, dass es bei Personen mit einem ersten, auf eine MS hinweisenden Ereignis und höheren Spiegeln dieser freien Leichtketten im Liquor, rascher zu einer definitiven MS kam.