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- Medienforscher Klaus Thiele-Dormann schrieb:

"Klatsch gibt es, solange es Sprache gibt."
"Klatsch betrifft das verhüllte Leben der anderen, er greift ins Intimleben ein.
Ein Indiz für Klatsch ist das ungute Gefühl, das man hat, wenn man ihn hört oder verbreitet."

- Psychologe Frank Mc Andrew will herausgefunden haben, dass schon in
grauer Vorzeit das Wissen und die Verbreitung von Personalnachrichten
überlebenswichtig gewesen sei. Wer über andere schlecht reden konnte,
verbesserte seinen Status. Im Mittelalter trafen sich die Waschfrauen am
Fluss und "klatschten" beim Waschen (Klatschen) der Wäsche. Beim Sichten
der Flecken in Männerhosen wurde Böses und Intimes weitergereicht.
Arbeitsbegleitend wurden Geschichten "mit dem Maule gewaschen".
Auch in winterlichen Munkel- und Kunkelstuben, die allegorisch mit dem
"Klatschen" in Verbindung gebracht wurden, wie etwa beim Nähen und
Flicken ("jemandem am Zeug flicken"), oder bei der Flachsverarbeitung
("jemanden durchhecheln").
- Beim Klatsch handelt es sich nach Birgit Althans von der Freien Universität in
Berlin), um
"Ein spezifisches, ins Auge fallendes, weibliches Geniessen des Sprechens
bei langwieriger, monotoner und teilweise sehr harter körperlicher Arbeit,
die durch die Lust der arbeitenden Frauen am Klatsch, am Gespräch über
das "allerletzte", kompensiert wurde".
(Quelle: Dissertation von Birgit Althans "Der Klatsch der Frauen und das
Sprechen bei der Arbeit" auch als Buch im Campus Verlag erschienen).
Die Männer waren ihrerseits bestrebt, ihre "Informationskultur" zu
maskieren, zu rationalisieren und den Klatsch als etwas Weibliches
abzutun.
Im Kaffeehaus, wurde angeblich sachlich diskutiert. Der Klatsch der
Männer wurde als Ritual der Rationalität entwickelt, das es erlaubte, aus
Gerüchten seriöse, "verlässliche" Nachrichten zu machen, die man für
Geschäftsabschlüsse und politische Entscheidungen zu nutzen wusste.
Doch die Geschäftsmänner des 18. Jahrhunderts klatschten in Kaffeehäusern
(Kaffeeklatsch) ebensoviel wie die Frauen.
Doch installierten die Männer das Sprechen als Arbeit.
- Der Aufklärer Rousseau erfand mit seiner Konzeption des "typisch"
schamhaften weiblichen Sprechens die moderne indirekte
"Klatschkommunikation" ("Ich will ja nichts gesagt haben, aber..."), das
Spiel mit Andeutungen, mit dem selbst Freud in der Psychoanalyse zu
kämpfen hatte. Der Philosoph Ernst Bloch beschrieb den Klatsch als die

"schiefe Art, unzufrieden zu sein."
Klatsch riecht die Treppen auf und ab, hält die Menschen zusammen,
indem er sie trennt.

Die nette Botschaft vom Treffer im Lotto ist keine übermittlungswürdige
Nachricht, sehr wohl aber das geflüsterte Gerücht, dass der Geizhals vom
Gewinn nichts abgeben will.
Das Klatschgewerbe strauchelt an einem Interessenkonflikt:
Die Prominenz gibt sich her, solange gut geschrieben wird über sie. Wenn
jedoch auch Unangenehmes veröffentlicht wird, dann folgt das grosse
Klagelied. Beispiele: Kanzlers Haarfarbe,
Borer oder
Sabine Christianses Lippen.
- "Bild" - Unterhaltungschef Jandek soll gesagt haben:

"Wer mir seine Hochzeit teuer verkaufen will, bei dem hole ich mir die
Scheidung umsonst."

Das heimliche Wissen, wer homosexuell ist, wer völlig betrunken einer
Prominenten in den Ausschnitt gegriffen hat, dieses Wissen macht Klatschreporter
mächtig und fördert den Kuhhadel zwischen Wahrheit und Vermutung.
Die Redaktionen hüten sorgsam ihre Giftschränke mit Geschichten und
Fotos. Irgendwann ist die Zeit immer reif und der Klatsch kann dann gut
verkauft werden.