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Zurück in der Schweiz musste nun die Saison 2015 mit allen internationalen Regatten vorbereitet werden. Damit wir alles planen konnten, brauchte ich jetzt noch die definitive Zusage vom Headcoach aus Brasilien. Wir nahmen mit ihm Kontakt auf und fragten ihn, wer an den ersten Weltcup nach Bled fahren würde. Die Frage war so gestellt, da wir wussten, es werden mit uns 4 Boote gehen. Die 2 leichten Doppelzweier, die Leichtgewicht-Ruderin Fabiane Beltrame und ich. Die Auswahl wurde knallhart bis zur Komastelle verteilt. Nun, ich hatte zwar alle meine Konkurrenten ausgestochen, jedoch nicht die Marke von 93% erreicht.
Wie werden die 93% berechnet? Man nimmt die Bestzeit, die jemals gefahren wurde (diese macht 100% aus), also die von Mahé Drysdale, welche er an der WM 2009 in Poznan (06:33 min) aufstellte. Davon müssen stets 93% erreicht werden: das ergibt 07:00 min als Maximum für die Selektion. Nun, ich fuhr 07:02.24 min und mir wurde verwehrt, in Bled am Weltcup zu starten. Lange Verhandlungen führten dazu, dass ich schliesslich am Freitag an der Internationalen Regatta von Bled starten durfte. Zum Glück mit den gleichen Athleten und somit super aussagekräftig für mich und meine Performance. Das Wochenende ging vorbei und der einzige männliche Brasilianer, der ein Podestplatz erreichte, war ich. Meine Kamaraden erreichten kaum den A-Final in ihrer Klasse. Alle reagierten überrascht. Das hatten sie mir nicht zugetraut. Für mich egal, ich wollte an den nächsten Weltcup nach Varese, Italien. So startete ich in Varese. Und schloss auf Platz 16 ab. Erstes Mal im C-Final mit 3 Rennzeiten unter den magischen 93%.
Nun, wir waren schon voller Euphorie, dass wir im Juli nach Toronto fahren würden, um Brasilien an den PanAm-Games zu vertreten. Doch erreichte mich die Nachricht, dass sie den 2.- Platzierten aus der Selektion in Rio dahin mitnehmen würden. Die Frage nach dem Warum wurde nicht beantwortet. Zum Glück durfte ich dennoch in Luzern am Weltcup teilnehmen. Ich liess mich nicht beirren und trainierte weiter. Das Resultat in Luzern war leider nicht so erfreulich; ich beendete das Rennen auf Platz 17.
Die Resultate von Toronto wurden präsentiert und zu meinem Erstaunen schnitten die Brasilianer so schlecht ab wie noch nie zuvor. Ich fragte nach und man sagte mir, raues und nicht ihr eigens Material hätten zu diesem Abschluss geführt. Ich fragte scheu, wer nun an die Weltmeisterschaften fährt? Wir mussten nicht lange warten und die zu Zusage war da. Jedoch erfuhr ich, dass drei Trainern von Brasilien gekündigt wurden. Begründung: Ziele nicht erreicht. Und jetzt war mir klar, weshalb ich nie finanzielle Unterstützung bekam. Als nach den Spielen London 2012 ein Projekt lanciert wurde, hatte man Athleten ausgesucht, die das Potenzial haben, Brasilien zurück an die Spitze zu führen. Da wurden Gelder für mehr als 3 Jahre gesprochen. Und da war nicht vorgesehen, dass ein Brasilianer in Europa plötzlich das Feld aufmischen würde. Vermutlich deshalb auch immer diese Diskussionen. Der Präsident wollte mich und diejenigen, denen das Geld für die Vorbereitung zugesichert wurden, wollten nicht. Kurz, erst nach 2 Jahren wurde mir bewusst, weshalb.
Die WM fand statt, wir waren dabei, der Verband übernahm das erste Mal die Aufwände, alle waren zufrieden. Das Resultat wäre bestimmt besser ausgefallen, als letzter im C Final, jedoch war ich sehr angespannt und dadurch schlief ich sehr schlecht. Nächte von 4 Stunden ergaben sich, um dann gegen die Weltspitze anzutreten. Nun, was vorbei ist, ist geschehen und wir machen es einfach besser das nächste Mal. Und die Chance kriege ich bestimmt.
Ich wünsche Euch eine ganz besinnliche Adventszeit, schöne Weihnachten und «en guete Rutsch is 2016»! Mögen alle Eure Vorsätze geschehen.
Der Wädenswiler Steve Hiestand trainiert zur Zeit auf sein grosses Ziel, die Olympiade 2016 in Rio, hin. Unterstützen auch Sie ihn auf seinem Weg nach Rio, indem Sie Mitglied werden im «Gönnerverein Steve Hiestand». Für CHF 100 pro Jahr sind Sie dabei! Weitere Infos unter www.stevehiestand.ch.