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Die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung unterstützen die Entlastung des Stadtgebietes vom überregionalen Durchgangsverkehr, die mit der Eröffnung der Westumfahrung Zürich erreicht wurde. Zudem wird der Quell-/Zielverkehr der Stadt Zürich möglichst lange auf dem übergeordneten Autobahnnetz kanalisiert. Die flankierenden Massnahmen umfassen im Wesentlichen die Umgestaltung der Seebahnstrasse zu einer innerstädtischen Hauptverkehrsstrasse, die Umgestaltung der ehemaligen Transitachse West-/Sihlfeld-/Bullingerstrasse zu verkehrsberuhigten Quartierstrassen und der Rückbau der Birmensdorferstrasse zwischen Waldegg und Triemli inklusive Umgestaltung Triemli. Vor allem für den Fuss- aber auch den Radverkehr resultierten wesentliche Verbesserungen.
Projektbeschrieb
Die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung unterstützen die Entlastung des Stadtgebietes vom überregionalen Durchgangsverkehr, die mit der Eröffnung der Westumfahrung Zürich (Uetlibergtunnel) erreicht wurde. Zudem wird der Quell-/Zielverkehr der Stadt Zürich möglichst lange auf dem übergeordneten Autobahnnetz kanalisiert. Die flankierenden Massnahmen umfassen im Wesentlichen die Umgestaltung der Seebahnstrasse zu einer innerstädtischen Hauptverkehrsstrasse sowie die Umgestaltung der ehemaligen Transitachse West-/Sihlfeld-/Bullingerstrasse zu verkehrsberuhigten Quartierstrassen und den Rückbau der Birmensdorferstrasse zwischen Waldegg und Triemli.
Organisation
Auftraggeber: Tiefbauamt Stadt Zürich, Amt für Verkehr Kt. Zürich und Bundesamt für Strassen
Verkehrskonzept: Ernst Basler + Partner
Vorstudie / Vorprojekt, Bauprojekt FlaMaWest, Verkehrsplanung, Gestaltung: Metron AG
Verkehr / Tiefbau: Heierli Ingenieurbureau AG
Verkehrstechnik / Planung: Ingenieurbüro Roland Müller
Wirkungskontrolle Westumfahrung und A4 Knonaueramt: ARGE SNZ / Bühlmann
Ausführungsplanung und Bauleitung Los 1: IG WWB (Wepf / WKP / Basler&Hofmann AG)
Ausführungsplanung und Bauleitung Los 2: IG SNZ / Preisig AG
Ausführungsplanung und Bauleitung Los 3: Ingenieurbüro Heierli AG
Vorgehen
Die Strassenplanung der 1950er-Jahre sah vor, drei Autobahnen bis ins Stadtzentrum zu führen und am Platzspitz zu verknüpfen. Das «Expressstrassen-Ypsilon» erwies sich aber als technisch, finanziell und politisch nicht realisierbar. Die Bundesversammlung ergänzte 1971 das Nationalstrassennetz mit einer nord-westlichen Umfahrung von Zürich. Um die Bedürfnisse des ständig wachsenden motorisierten Individualverkehrs zu befriedigen, wurden in der Zwischenzeit als provisorische Nord-Süd-Verbindung mitten durch die Stadt bestehende Strassenzüge zur «Westtangente » ausgebaut, die aus zwei zweispurigen Ästen im Einbahnverkehr bestand. Dieses Provisorium sollte in der Folge beinahe 40 Jahre Bestand haben, denn in der Zwischenzeit setzte ein langer und umstrittener Planungs-, Projektierungs- und Realisierungsprozess ein. Erst 1988 genehmigte der Bundesrat die generellen Projekte für die Umfahrung Birmensdorf, den Uetlibergtunnel und das Verkehrsdreieck Brunau. Das Ausführungsprojekt mit dem Bericht zur Umweltverträglichkeit wurde im Herbst 1991 öffentlich aufgelegt. Der Regierungsrat stimmte 1993 dem bereinigten Ausführungsprojekt zu. Dagegen wurden von verschiedenen Seiten Verwaltungsgerichtsbeschwerden erhoben. 1996 verpflichtete das Bundesgericht den Kanton Zürich, flankierende Massnahmen zum Schutz der Stadtquartiere und Dörfer auf die Eröffnung der durchgehenden Autobahnverbindung hin zu planen. Auf dieser Basis konnte die Sicherung der Entlastungswirkung auf dem Strassennetz im Stadtzürcher Sihlfeldquartier angegangen werden.
Mit der Strategie «Stadträume 2010», die Anfang der 2000-er Jahre gerade in Bearbeitung war, stand der Stadt Zürich ein hervorragendes Instrumentarium zur Verfügung um den Stadtraum wieder stärker als Lebensraum zu nutzen. Grundlage dieser Strategie ist ein hierarchisch angelegter Plan, der die Stadträume in quartier-, stadt- oder landesweit bedeutsame Zonen einteilt. So werden die Sihlfeldstrasse als quartierweit und der Bullingerplatz als stadtweit bedeutende Räume eingestuft. Diesen konnten mit einer ruhigen, eleganten Gestaltungssprache qualitätsvolle öffentliche Verkehrsräume zugeordnet werden.
Zeitraum
1991: Auflage des Ausführungsprojekts Westumfahrung Zürich. Es gehen 292 Einsprachen ein.
1996: Urteil des Bundesgerichts, das den Kanton Zürich verpflichtet, flankierende Massnahmen zum Schutz der Stadtquartiere und Dörfer auf die Eröffnung der Autobahn hin zu planen.
2001: Der Regierungsrat des Kantons Zürich genehmigt das Gesamtkonzept der flankierenden Massnahmen.
2006: Planauflage Vorprojekt im Frühling; Planauflage Bauprojekt Ende Jahr.
04/05/2009: Eröffnung der Westumfahrung Zürich A3. Gleichzeitig wird in der Stadt Zürich mit der ersten Etappe der flankierenden Massnahmen begonnen.
02/08/2010: Eröffnung Seebahnstrasse im Gegenverkehr.
24/05/2012: Einweihung der umgestalteten entlasteten Strassen.
Umsetzung
Die flankierenden Massnahmen umfassen im Wesentlichen:
Finanzierung
Strassenoberfläche: CHF 60 Mio. (Kostenteiler: Bund 60%, Kanton 24%, Stadt Zürich 16%)
Unterhalt / Werkleitungen / Kanalisationen: CHF 40 Mio.
Gesamtinvestitionskosten: CHF 100 Mio.
Bewertung der Jury
Nach eingehender Diskussion fiel der Entscheid einstimmig: Der «Flâneur d'Or 2014» geht nach Zürich. Die flankierenden Massnahmen zur Zürcher Westumfahrung sind aus Sicht der Jury ein Meilenstein für den Schweizer Fussverkehr. Das Quartier erhielt mit der Westumfahrung nach 40 Jahren Durchgangsverkehr eine neue Chance – mit den flankierenden Massnahmen wurde sie konsequent genutzt. Für Zürich ist das ein Schritt weg von der autogerechten Stadt hin zu einem Stadtraum, der sich am Quartierleben, der Aufenthaltsqualität und den Bedürfnissen der Fussgänger/innen orientiert.
Das Hauptaugenmerk legt die Jury auf die gelungene Umgestaltung von West-, Sihlfeld- und Bullingerstrasse. Früher Teile einer stark befahrenen Transitachse, sind diese heute verkehrsberuhigte Quartierstrassen. Die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung stehen für die Jury sinnbildlich für eine erfolgreiche Rückeroberung des städtischen Raums zugunsten des Langsamverkehrs. Der massiv reduzierte motorisierte Verkehr fährt auf verengten Fahrbahnen. Wer zu Fuss geht, bewegt sich auf grosszügigen Boulevards. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist es möglich, Strassencafés zu betreiben, Ladentüren offen zu lassen, gemütlich den Strassen entlang zu schlendern oder mit den Nachbarn auf offener Strasse zu plaudern. Eine offene, durchlässige Gestaltung schafft parkähnliche Strassenräume mit Kiesbelägen, Bäumen und Sitzbänken. Zwei neue Plätze und der umgestaltete Bullingerplatz werden zu neuen Quartierzentren. Mit der Attraktivierung der Verbindungen im Quartier werden auch bestehende Grünräume und Plätze wie der Bullingerhof, die Fritschiwiese oder der Idaplatz neu in Wert gesetzt. Damit führt das
Wohnquartier den Beweis, dass städtische Dichte und Lebensqualität keineswegs Gegensätze sind.
Die Stadt und der Kanton Zürich sowie das Bundesamt für Strassen haben mit gehörigem Mitteleinsatz ein deutliches, preiswürdiges Zeichen zugunsten fussverkehrsgerechter städtischer Infrastrukturen gegeben. Sie haben konsequent gehandelt, indem das Massnahmenpaket ohne Aufschub, direkt nach Eröffnung der neuen Umfahrung umgesetzt wurde. Verschiedene Elemente, wie die Überquerung der Hardstrasse beim Hardplatz ohne Lichtsignalanlage zeugen von Mut.
Die flankierenden Massnahmen zeigen beispielhaft, wie mit einem ganzen Strauss an Eingriffen die Chance einer Verkehrsentlastung als Steilpass für neues Leben in einem Quartier genutzt werden kann.