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Aus den historischen Erdbebenbeobachtungen der vergangenen 400 Jahre sowie den instrumentellen seismologischen Daten der letzten 30 Jahre geht klar hervor, dass das untere Rhonetal zwischen Martigny und dem Genfersee eine nicht zu vernachlässigende, natürliche Erdbebenaktivität aufweist. Davon zeugen Erdbeben wie jenes bei Aigle (1584), dem Lac d’Emosson oder im Mont Blanc Massiv (1905), die eine makroseismische Intensität von VII erreichten und somit als Schadenbeben einzustufen sind. Die deutlich schwächeren aber oberflächennahen Erdbebenserien im Val d’Illiez der Jahren 1953/54 und 1994/96 stehen in Zusammenhang mit dem Befüllen des Lac de Salanfe. Sie zeigen, dass die Erdkruste in diesem Bereich unter Spannung steht und unter Umständen bereits kleinere Störungen des Spannungsfeldes oder der hydrologischen Verhältnisse genügen, um seismische Ereignisse auszulösen.
Im Grundsatz gilt, dass Tiefengeothermieprojekte grosse, aktive tektonische Verwerfungen nicht direkt hydraulisch zu beeinflussen sollten. Obwohl in den Jahren 2005/06 sehr kleine, wahrscheinlich oberflächennahen Beben bei Lavey-Village aufgetreten sind, kann im unmittelbaren Umfeld von Lavey-les-Bains aufgrund der vorhandenen seismologischen Daten keine aktive Verwerfungszone identifiziert werden. Der verfügbare Zeitraum von wenigen Jahrzehnten ist jedoch im Vergleich zu den Wiederkehrzyklen von Erdbeben auf einer bestimmten Verwerfung sehr klein (in der Schweiz betragen diese oft tausende bis zehntausende von Jahren). Die lokale seismologische Überwachung ermöglicht, bereits kleinste Veränderungen in der natürlichen Seismizität schnell zu erfassen und zu beurteilen, ob möglicherweise ein Zusammenhang mit den geotechnischen Aktivitäten im Rahmen des Geothermieprojektes besteht. Der SED informiert AGEPP sowie die Öffentlichkeit in Echtzeit über solche Veränderungen.