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Neben dem Bahnhof ein Skelett
Während den Sommermonaten wurde in Lavin der Bahnhof ausgebaut. Welche Fundstücke sich neben dem Bahnhof befanden, wusste zu Beginn der Bauarbeiten jedoch niemand.
Der Bahnhof Lavin im Unterengadin sollte behindertengerecht ausgebaut werden. Dafür wurde der Bahnhof während sieben Monaten im Sommer gesperrt. Das Bauprogramm war eng, die Zeit knapp.
Was keiner zu Beginn der Bauarbeiten wusste: Neben dem Bahnhofsgebäude würden die Bauarbeiter später die Überreste zweier alter Gräber finden. Dies berichtet Martin Arpagaus, Projektleiter Bahnprojekte der Rhätischen Bahn, in einem Blogeintrag auf deren Website.
Direkt bei der berühmten Kirche San Güerg
Ein Teil der Bauarbeiten war eine neue Entwässerung des Areals. Wie Martin Arpagaus berichtet, stürzte während den Bauarbeiten ein Teil der Friedhofsmauer der Kirche San Güerg ein. Die RhB-Gleise führen nämlich unmittelbar am Friedhof der Kirche vorbei.
Die Kirche San Güerg in Lavin ist mit ihren restaurierten Malereien von 1490 bis 1500 eines der berühmtesten Kunstdenkmäler Graubündens.
Ein Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes des Kantons sei vor Ort gewesen und habe die entsprechenden Stellen an der Friedhofsmauer genau untersucht.
Ziemlich alt
«Direkt unterhalb der Grasnarbe bei der alten Friedhofmauer kamen dann auch erste Knochen und zwei Gräber zum Vorschein», schreibt Arpagaus weiter. Bei einem der beiden Gräber wurden ein Schädel sowie die Schulter und Rippen der linken Skelettseite freigelegt. Dass es sich um ein Grab handelte, zeigte eine alte, steinerne Grabplatte. Die gefundenen Skelettteile seien nach West-Ost ausgerichtet gewesen. «Der Kopf lag im Westen, das Individuum blickte demnach nach liturgisch Osten». Im zweiten Grab sei genau das Gleiche der Fall gewesen.
Das gefundene Skelett befand sich nicht weit unter der Erdoberfläche:
Auch in tieferen Erdbereichen wurde während den Bauarbeiten verschiedene Strukturen gefunden. Arpagaus schildert: «So zum Beispiel Holzkohlestücke, welche auf eine mögliche Feuerstelle hindeuten und auch menschlich geformte Gräben.»
Mit Hilfe der Radiokarbondatierung wurde das Alter der Holzkohlefragmente und Bodenproben festgestellt. Beide Proben datieren um 1100 bis 1400 vor Christus und sind somit der Frühbronzezeit zuzuordnen.
Wie Arpagaus im Blogeintrag schreibt, wurde die Friedhofsmauer nach Abschluss der Untersuchungen wieder aufgebaut. Dies geschah durch den archäologischen Dienst und die Fachstelle für Denkmalpflege.