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Rabĕner,
Gottlieb Wilhelm, Satiriker, geb. zu Wachau bei Leipzig, [* 2] besuchte die Landesschule in Meißen, [* 3] wo er einen innigen Freundschaftsbund mit seinen Mitschülern Gellert und Gärtner schloß, studierte seit 1734 in Leipzig Jurisprudenz, trat dann ins Büreau eines Steuereinnehmers zu Leipzig und wurde 1741 als Steuerrevisor des Leipziger Kreises angestellt. Das durch häufige Reisen beschwerliche Amt hielt ihn nicht von schriftstellerischer Thätigkeit ab, zu der ihn Talent und Neigung antrieben.
Seine ersten belletristischen Aufsätze (darunter auch seine einzige Satire in Versen: »Beweis, daß die Reime in der deutschen Dichtkunst unentbehrlich sind«) erschienen in Schwabes »Belustigungen des Verstandes und Witzes«; später gehörte er zu den thätigsten Mitarbeitern der »Bremer Beiträge«, die seit 1744 erschienen. 1753 wurde er als Obersteuersekretär nach Dresden [* 4] versetzt, wo er bei dem Bombardement der Stadt 1760 mit dem größten Teil seiner Habe auch seine Manuskripte einbüßte, und nach dem Frieden zum Steuerrat ernannt.
Als solcher starb er in
Dresden.
Rabener zählte neben
Gellert zu den populärsten deutschen Schriftstellern seiner Zeit.
Seine
Schriften, die in etwa 25
Jahren 11
Auflagen erlebten, gehören durchaus
der satirischen
Gattung an
und sind, formell betrachtet und in sprachlicher Hinsicht mit den meisten frühern und gleichzeitigen Prosawerken der deutschen
Litteratur verglichen, ausgezeichnet durch
Klarheit, Reinheit und Gleichmaß der
Darstellung. Der
Geist einer ruhigen, auf Redlichkeit
und Wohlwollen gegründeten Heiterkeit waltet in ihnen, und dieser
Sinn ist es, um dessentwillen
Rabener noch
in
Goethes
Schätzung so hoch stand.
Dagegen ist der satirische
Gehalt seiner
Schriften überaus gering anzuschlagen. Wie in Bezug auf die
Stoffe seiner
Satiren nicht
über die
Dinge und
Menschen der gemeinen Alltäglichkeit hinausgriff, wie er einzig für den hausbackenen Philisterverstand
schrieb und auf diesen allein wirken wollte, so ist auch sein allezeit zahmer
Witz recht eigentlich aus
der platten Spießbürgerweltanschauung erzeugt, und seine satirische
Freiheit hielt sich (was er in seinem
Bericht »Vom
Mißbrauch der
Satire« ausdrücklich selbst anerkannte) zu jeder Zeit in dem damals sehr engen
Kreis
[* 5] der bürgerlichen
Interessen und wagte
sich nie höher hinauf. Dabei ist gleichwohl nicht zu leugnen, daß
Rabener auf die
Masse des Lesepublikums seiner Zeit eine bildende
Wirkung geübt hat, die sehr hoch anzuschlagen ist.
Ausgaben seiner
Satiren erschienen
Leipzig 1751-55, 4 Bde.; »Sämtliche
Schriften« daselbst 1777, 6 Bde. (neueste Ausg.,
Stuttg. 1840, 4 Bde.). Seine
Briefe, von ihm selbst gesammelt, gab nach seinem
Tod E. F.
Weiße (Leipz. 1772) heraus.