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Das schmerzverzerrte Gesicht einer Frau zieht die volle Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Die radikale Komposition von Josef Müller-Brockmanns (1914–1996) Plakat aus dem Jahr 1960 fokussiert ganz auf diese Fotografie und ergänzt sie mit zwei Wörtern: «weniger Lärm». Damit setzte Müller-Brockmann ein markantes Signal gegen die Lärmverschmutzung, die ab den 1950er-Jahren immer mehr zum Thema wurde.
Als Symbol des Fortschritts wurden Auto und Flugzeug ab den 1930er-Jahren gefeiert. Technikfaszination und Geschwindigkeitskult fanden dabei auch im Plakat zu neuem Ausdruck. Mit seinen bekannten Präventionsplakaten im Auftrag des Automobil Club Schweiz rückte Josef Müller-Brockmann in den frühen 1950er-Jahren hingegen die Gefahren der neuen Mobilität in den Blick. In Zusammenarbeit mit Ernst A. Heiniger (1909–1993) und später Serge Libiszewski (geb. 1930) konzentrierte er sich dabei erstmals auf die Fotografie. Eine durch Blowup-Effekte erzielte Dramatik verfehlte dabei nicht ihre Wirkung. Ebenfalls in den 1950er-Jahren wurde auch die Lärmbelästigung ein Thema, wobei zunächst Bau- und Fluglärm im Vordergrund standen. Für sein Plakat weniger Lärm setzte Müller-Brockmann wiederum ganz auf die Fotografie und die überdimensionale Darstellung eines Gesichts. Die um 50 Grad gedrehte Aufnahme einer Frau, die sich beide Ohren zuhält, ist so in die Bildfläche eingezwängt, das der gesamte Körper den im Gesicht ausgedrückten Schmerz wiederholt. Die angeschnittenen Arme ergeben eine Diagonale, die sich mit der aus Kopf und Typografie gebildeten Linie zum ablehnenden Kreuz ergänzt. Die vermeintliche Einfachheit der Komposition macht gerade ihre durchschlagende Wirkungskraft aus, die andere Entwürfe Müller-Brockmanns für diesen Auftrag nicht entsprechend einlösten. Es ist daher kaum ein Zufall, dass das Plakatmotiv immer wieder aufgegriffen wurde, so beispielsweise in einem Protestplakat gegen die Südanflüge von 2003. (Bettina Richter)