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Der von der UNESCO am 6. September 2016 veröffentlichte Weltbildungsbericht stellt unmissverständlich fest, dass Bildung ein Schlüsselfaktor für eine wirklich nachhaltige Entwicklung ist. Dieser Begriff umschreibt das Ideal einer verantwortungsbewussten Gesellschaft, die die Integration der am stärksten Benachteiligten anstrebt. Es handelt sich um einen dreidimensionalen Begriff, der soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte umfasst. In dieser Konfiguration spielt der universelle Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung eine zentrale Rolle. Der Zugang hängt zwar ab von Fortschritten in anderen Bereichen der Entwicklung (Gesundheit, Hygiene, Beschäftigung, Umwelt usw.), doch er trägt auch ganz wesentlich zu diesen Fortschritten bei.
Das im Bericht vertretene «transversale» Verständnis von Bildung greift das Bildungskonzept der Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung auf, die im September 2015 von der Staatengemeinschaft verabschiedet worden war. Die DEZA steht voll hinter diesem Konzept. Die neue Bildungsstrategie, die die DEZA in Kürze genehmigen wird, sieht vor, Bildung noch stärker mit anderen Entwicklungsfaktoren zu verknüpfen.
Umweltbewusstsein und Abbau von Ungleichheiten
Der Bericht mit dem Titel «Education for people and planet» (Bildung für die Menschen und den Planeten) spricht sich beispielsweise dafür aus, in den Lehrplänen verstärkt auf den Klimawandel und seine Auswirkungen sowie auf die erforderliche Energiewende einzugehen, damit die Bürgerinnen und Bürger kritischer und umweltbewusster werden. Diesbezüglich bietet der Weltbildungsbericht 2016 eine Fülle von Informationen. Beispielsweise erwähnt er ein Aufklärungsprogramm über die Natur, das in einem Kindergarten in Botsuana auf der Grundlage des überlieferten Wissens der indigenen San entwickelt wurde. Die Eltern und andere Mitglieder der Gemeinschaft leisteten Beiträge zum Curriculum, und der Unterricht in der lokalen Sprache erleichterte die Aneignung des Wissens erheblich.
Eine weitere grosse Herausforderung ist der Abbau von Ungleichheiten. Auch hier ist Bildung ein Schlüsselfaktor. Hochwertige und allen zugängliche Bildung ist der Garant für eine gerechtere Gesellschaft. Sie trägt dazu bei, die Gefahr von Gewalt und Konflikten zu reduzieren, namentlich in sogenannten fragilen Kontexten, in denen es wiederholt zu Krisen kam oder in denen die Institutionen kaum oder nicht mehr funktionsfähig sind. Umgekehrt kann eine stärkere Vertretung der Frauen in der Politik wieder mehr Interesse für Schulbildung wecken, wie eine in Indien durchgeführte Untersuchung zeigt. In den 16 bevölkerungsreichsten Bundesstaaten hatte die Zunahme der weiblichen Abgeordneten um 10% einen Zuwachs der Primarschulabsolventinnen um 6% zur Folge. Viele dieser Mädchen (und ihre Eltern) haben solche kämpferischen Frauen zum Vorbild.
Lebenslanges Lernen
Bildung beschränkt sich nicht auf die Schule. Der Bericht weist auch auf die mittlerweile weit verbreitete Überzeugung hin, dass Bildung ein lebenslanger Lernprozess ist und dass man die Grundkompetenzen (lesen, schreiben, rechnen und den heute unerlässlichen Umgang mit dem Internet) nicht nur in der Schule erwirbt. Es sind alternative Bildungsangebote erforderlich, die den Bedürfnissen der Menschen entsprechen, die aus dem System ausgeschlossen wurden. Dazu gehören Jugendliche, die nie eine Schule besucht haben (oder wieder zur Schule gehen wollen), Arbeitnehmende des informellen Sektors und bestimmte ethnische Minderheiten wie etwa nomadisch lebende Bevölkerungsgruppen.
Der Bericht ruft nicht nur dazu auf, möglichst vielen Menschen Grundkenntnisse zu vermitteln, sondern auch dazu, die Berufsbildungsgänge regelmässig zu revidieren, um die Qualifikationen der Absolventinnen und Absolventen den Erfordernissen der Gesellschaft und des Arbeitsmarkts anzupassen.
Drei Projektbeispiele
Die DEZA stimmt diesen Feststellungen voll und ganz zu. Sie spielt von jeher eine führende Rolle in der internationalen Debatte über die Zukunft der Bildung. Hierbei stützt sie sich auf ihre Erfahrungen mit innovativen Ansätzen und mit erfolgreichen Projekten auf mehreren Kontinenten.
In Westafrika zum Beispiel finanziert die DEZA seit 2012 ein umfangreiches grenzüberschreitendes Bildungsprogramm für Viehzuchtgemeinschaften in sieben Ländern der Sahelzone. Für das Programm wurden massgeschneiderte Lernmodule entwickelt, die die herkömmlichen und im Wesentlichen auf städtische Berufe zugeschnittenen Lehrpläne ergänzen. In diesen Modulen werden die Viehzüchter unter anderem auf die Konflikte aufmerksam gemacht, die durch die Anwesenheit ihrer Herden auf Ackerland entstehen können.
In Mali bricht nahezu jedes zweite Kind die Primarschule ab. Hier unterstützt die DEZA die Einführung von Schnellkursen, die Kindern, welche den Schulbesuch – in manchen Fällen wegen des Ausbruchs von Konflikten – abbrechen mussten, eine erneute Einschulung erlauben. Für die Viehzuchtgemeinschaften im Norden des Landes wurde mit mobilen Schulen eine andere Lösung entwickelt: Lehrkräfte und Schulmobiliar folgen den Gemeinschaften auf ihren Wanderungen.
Auf dem Westbalkan arbeitet die DEZA seit Langem partnerschaftlich mit dem Roma Education Fund zusammen, der Romakinder bereits im Vorschulalter in das Schulwesen integrieren will. Es gibt nach wie vor erhebliche Probleme (namentlich in Bezug auf den Schulabbruch), doch die Initiative hat bemerkenswerte Ergebnisse vorzuweisen: Zwischen 2005 und 2015 haben 235000 Romakinder und ‑jugendliche sowie 375 000 Elternpaare dieses Integrationsangebot genutzt.
In den kommenden Jahren wird die DEZA ihre Mittel für Bildung und Berufsbildung noch erhöhen und dabei fragilen Kontexten Vorrang geben. Zu diesem Zweck wird sie die mit dem Privatsektor bestehenden Partnerschaften ausbauen und so die Finanzierungsquellen diversifizieren.