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René Stammbach strebt nach dem höchsten Amt in der Tenniswelt. Am Freitag will er Präsident des Internationalen Tennisverbands ITF werden. In sein Wahlprogramm gehören Pläne für eine neue Form des Davis Cup und für ein neues Turnier für die Besten der vier Grand-Slam-Turniere.
An Ideen mangelt es René Stammbach nie. Der rührige Präsident von Swiss Tennis wirbelt an allen möglichen Fronten. Am Freitag will sich nun der 59-Jährige in Santiago de Chile zum Präsidenten des Internationalen Tennisverbandes ITF wählen lassen, als Nachfolger des Italieners Francesco Ricci Bitti, der den Verband seit 1999 führt. «Meine Chancen liegen bei 25 Prozent», sagt Stammbach.
Entscheidend sei wohl, dass er die erste Runde überstehe. Dazu brauche er 104 der 415 möglichen Stimmen. «Mein Potenzial liegt so zwischen 90 und 130 Stimmen», schätzt der Aargauer Unternehmer. Sollte er die erste Hürde genommen haben, sehe es gut aus. «Ich kann dann mit vielen Stimmen von ausgeschiedenen Konkurrenten rechen», sagt Stammbach, der den Spanier Juan Margets, den aktuellen Vizepräsidenten, als härtesten Konkurrenten bezeichnet.
Wird Stammbach gewählt, will er neue Ideen einbringen. So möchte er den Davis Cup für die Männer und den Fed Cup für die Frauen nur noch alle zwei Jahre ausspielen. «Dann brauchen wir nur noch zwei Termine pro Jahr», erklärt er. Beispielsweise im Frühjahr die erste Runde, die Viertelfinals im Herbst und im Jahr darauf zu denselben Terminen Halbfinal und Final.
Die Endspiele der Männer und Frauen sollen dann an einem neutralen Ort gemeinsam ausgetragen werden. «Mit meinem Vorschlag werden zwei Wochen im Jahr frei, eine davon will ich mit einem Grand-Slam-Cup füllen», sagt Stammbach. Ähnlich wie bei den World-Tour-Finals sollen dort die besten Acht der Grand-Slam-Turniere teilnehmen. Stammbach will mit beiden Veranstaltungen rund 30 Millionen Franken generieren. Die fliessen teilweise in die Verbände, an die Spieler und verschiedene Projekte der ITF.
In der Schweiz vermarktete Stammbach den Davis-Cup, schickte die 110 Zentimeter hohe und 105 Kilogramm grosse Trophäe auf eine Tour de Suisse. «Wir besuchten mehr als 50 Stationen», sagt Nicolas Bichsel, Marketingchef von Swiss Tennis. «Die Tour war ein Erfolg, an manchen Orten haben sie den Pokal fast gefressen», erzählt Bichsel.
Weil viele Leute die Trophäe berühren wollten, die 70 Silberplatten auf denen die Finals festgehalten werden, stellte ihn Bichsel meist in einer Plexiglasbox aus. «Mit einer siebenstelligen Summe ist der Cup versichert», sagt er. In Spezialboxen werde der vierteilige Pokal transportiert, zwei Mann brauchen jeweils eine halbe Stunde zum Auf- oder Abbau. Mit 200'000 Franken spielte die Tour weniger Geld für den Nachwuchs, als Stammbach erhofft hatte. Doch ist Bichsel zufrieden. «Es kamen viele Kinder, das ist wichtig fürs Projekt Kids-Tennis.»
«Wir sind die Ersten, die den Cup vermarkteten», sagt Stammbach. Er werde in einem Handbuch seinen Kollegen diese Strategie weiter vermitteln. «Die Idee kam mir beim offiziellen Nachtessen nach dem Davis-Cup-Sieg in Lille», verriet er.