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Die Reichspolizeiordnung von 1577 übertrug das Recht zur Erteilung von Moratorien, und zwar bis zu dem Zeitraum von fünf
Jahren (daher der AusdruckLiterae quinquennales, »Quinquennalien«),
dem Landesherrn. Die deutsche Partikulargesetzgebung aber
gab dies Recht vielfach den Obergerichten, oder sie verlangte doch für die Erteilung eines Moratoriums
durch den Regenten die Mitwirkung der Gerichte. Auch kannte die deutsche wie die außerdeutsche Gesetzgebung die Erteilung von
Moratorien für ganze Bevölkerungsklassen, z. B. für Kaufleute, und für ganze Länder und Landesteile, insbesondere nach
einem Krieg. Neuere Verfassungsurkunden erklärten derartige Eingriffe in die Privatrechtsverhältnisse für unstatthaft.
Das Einführungsgesetz zur deutschen Zivilprozeßordnung (Art. 14) hat die bestehenden Vorschriften über Moratorien in den
einzelnen deutschen Staaten beseitigt, und ebenso erklärt das Einführungsgesetz zu der deutschen Konkursordnung (§ 4) die
Vorschriften über die landesherrliche oder gerichtliche Bewilligung einer allgemeinen Zahlungsstundung für aufgehoben.
Dies würde jedoch nicht ausschließen, daß ein Spezialgesetz in der Folgezeit einmal auch in Deutschland
[* 3] eine solche aussprechen könnte, wie dies in Frankreich während des deutsch-französischen Kriegs durch mehrere Moratoriengesetze
geschehen ist.
Vgl. Jaques, Die durch die französischen Moratorienverfügungen hervorgerufenen Regreßfragen (Wien
[* 4] 1872).