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DIE ÖSTERREICHISCHE SCHAUSPIELERIN ELISABETH TRISSENAAR IST GESTORBEN
15.01.2024 Die am 13. April 1944 in Wien geborene österreichische Schauspielerin Elisabeth Trissenaar (Bild) ist am 14. Januar 2024 in Berlin gestorben. Sie feierte im Lauf ihrer Karriere sowohl am Theater als auch in Film und Fernsehen Erfolge. Nach dem Abitur besuchte sie das Max-Reinhardt-Seminar in Wien, dann führte sie ihr erstes Engagement 1964 in das Ensemble des Stadttheaters Bern. 1974 begann in Frankfurt ihre Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder, unter dessen Regie sie in Filmen wie "Bolwieser", "Die Ehe der Maria Braun", "In einem Jahr mit 13 Monden" und in der Verfilmung von Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" arbeitete. Hauptrollen spielte sie unter anderem in Robert van Ackerens "Das andere Lächeln" und "Die Reinheit des Herzens" sowie im Oscar-nominierten Film "Bittere Ernte" und in Xaver Schwarzenbergers "Franza". Verheiratet war Elisabeth Trissenaar seit 1965 mit dem 2022 verstorbenen Regisseur Hans Neuenfels. (*)
Bild: Elisabeth Trissenaar, 2008 - Foto: User:MatthiasKabel, https://commons.wikimedia.org/wiki/User:MatthiasKabel (Ausschnitt) - Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en - Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elisabeth_Trissenaar03.jpg
Kulturstadträtin Kaup-Hasler zum Tod von Elisabeth Trissenaar
"Die von Elisabeth Trissenaar gespielten Frauenrollen lesen sich wie ein Katalog der dramatischen Weltliteratur, von Sophokles bis Goethe, von Kleist, Strindberg, Ibsen bis Wedekind und Garcia Lorca: Fräulein Julie, Nora, Hedda Gabler, Medea, Iphigenie, Elektra, Penthesilea. Elfriede Jelinek schrieb ihr gar ein Stück auf den Leib", meint Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler angesichts der Meldung vom Tod der großen, aus Wien stammenden Schauspielerin.
"Diesen dramatischen, großen Frauenfiguren gab 'die Trissenaar' einen Körper, eine Stimme – wagemutig und mit furioser Wucht und feiner Ironie nicht das Alltägliche, sondern das Fremde im Selbst dieser Grenzgängerinnen suchend."
"Mit Hans Neuenfels, den sie am Max-Reinhardt-Seminar kennenlernte, verband Elisabeth Trissenaar eine enge, jahrzehntelange Lebens- und Arbeitsbeziehung. Als Schauspielerin prägte sie die gesamte deutschsprachige Theaterszene und entfachte bei Vielen die Liebe für diese Kunstform", so Kaup-Hasler. "Unvergessen bleiben auch ihre Arbeiten für den Film, namentlich die Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder. Verdichtet wird hier ihre Fähigkeit spürbar, Figuren mit Zartheit und Stärke in einer fesselnden Mischung darzustellen."
"Als große Tragödin und ebenso eindrucksvolle wie elegante Darstellerin vor der Kamera bleibt auch ihr filmisches Vermächtnis unvergessen. Für ihr Lebenswerk gilt ihr unser aller Anerkennung", so Grünen-Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer.
red, wien.ORF.at/Agenturen
Eine Trissenaar konnte selbst Kleists Sprache nicht irritieren
Sie war Wienerin. Das konnte man leicht vergessen, denn ihre Karriere führte zwar ans Burgtheater und zu den Salzburger Festspielen - aber über den weiten Umweg etlicher deutscher Schauspielhäuser. Dorthin war sie mit ihrem Mann gezogen, den sie beim Studium am Wiener Reinhardt-Seminar kennengelernt hatte, und der ihr prägender Wegbegleiter auch als Regisseur werden sollte: Hans Neuenfels.
Wilhelm Sinkovicz
Ex-Buhlschaft Elisabeth Trissenaar gestorben
Trauer um Elisabeth Trissenaar: Die Schauspielerin, die in den 1980er-Jahren unter anderem als Buhlschaft im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen zu sehen war, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.
Adabei Österreich
Jelinek schrieb Stück für Trissenaar
Die österreichische Dramatikerin und Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schuf für Trissenaar das Stück "Jackie und andere Prinzessinnen", in dem sie am Deutschen Theater Berlin die Rolle der Kennedy-Witwe Jackie O. spielte. Regie führte - wie in Dutzenden anderen gemeinsamen Produktionen - Ehemann Neuenfels.
Mit wilder, unausrottbarer Liebe
Sie spielte bei Fassbinder im Film und bei ihrem Mann Hans Neuenfels im Theater. Jetzt ist Elisabeth Trissenaar im Alter von 79 Jahren gestorben.
Christine Dössel
Die Gedanken sind ein Spiel
Eine Extremistin der Leiden, die trotz erregungsfiebriger Grandezza stets auf dem Boden der Texte stand (…)
Fraulich, hochgewachsen und elegant war Elisabeth Trissenaar die große Tragödin des deutschen Theaters. Als traumtänzelnde Expertin für Figuren, die nicht zu fassen sind, in denen sie sich trotzdem verlieren und mit denen sie über sich hinaus schweben konnte – stets sie selbst und doch eine ganz andere.
Irene Bazinger
Die dramatisch Magische
Sie war eine Ausnahmekünstlerin und zeitlebens eine selbstbewusste Kämpferin. (…)
In früheren Zeiten hätte man sie eine Diva genannt. Natürlich war die groß gewachsene, von ihrer mächtigen Lockenmähne gekrönte Elisabeth Trissenaar in den Theater- und Filminszenierungen ihres Mannes Hans Neuenfels immer die Primadonna. Aber keine "assoluta", keine absolute Göttin, sondern selbst als bewunderte Protagonistin ein Kind der sehr säkular um mehr Theaterdemokratie und feministisch-solidarische Frauenbilder kämpfenden späten Sechzigerjahre. Elisabeth Trissenaars Autorität gründete allein auf ihrer künstlerischen Begabung, und die ist nie ganz demokratisch gesät.
Peter von Becker
Frauen mit Ecken, Kanten und Neurosen
Bei den Salzburger Festspielen war Trissenaar mehrfach die Buhlschaft im "Jedermann". Sie spielte große Frauengestalten wie Ibsens "Nora" und "Hedda Gabler", Kleists "Penthesilea" und Euripides’ "Elektra", Gretchen in Goethes "Faust", Warja in Tschechows "Der Kirschgarten", Lessings "Emilia Galotti" oder Strindbergs "Fräulein Julie".
In Fassbinders "Bolwieser" spielte Trissenaar 1976 die untreue Ehefrau eines Bahnhofsvorstehers. Auch in seinen Werken "In einem Jahr mit 13 Monden" (1978), "Die Ehe der Maria Braun" (1979) und als Lina in der Verfilmung von Döblins "Berlin Alexanderplatz" (1980) war sie zu sehen. Sie spielte keine glatten Rollen, sondern Frauen mit Ecken, Kanten und Neurosen.
feb / dpa
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