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Auf dem internationalen Parkett war das Jahr 2022 gelinde gesagt wenig erfreulich. Nicht so für die Astronomie: Ende 2021 wurde das James-Webb-Weltraumteleskop ins All geschossen; im Januar erreichte es seine Umlaufbahn. Ab Juli 2022 lieferte der Nachfolger des Hubble-Weltraumteleskops erste Aufnahmen. Einige davon sind hier in dieser Auswahl der schönsten Weltraumbilder des Jahres zu sehen.
NGC 6302, auch «Käfer-Nebel» oder auf Englisch «Butterfly Nebula» genannt, ist rund 4000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das hübsche Gebilde, abgelichtet vom Hubble-Teleskop, ist ein planetarischer Nebel – diese haben nichts mit Planeten zu tun, sondern bestehen aus einer Hülle aus Gas und Plasma, die ein alter Stern am Ende seiner Entwicklung abstösst.
Diese Aufnahme des James-Webb-Teleskops zeigt NGC 3132, auch bekannt als «Südlicher Ringnebel». Auch bei diesem etwa 2000 Lichtjahre von der Erde entfernten Nebel handelt es sich um einen planetarischen Nebel. Sein Durchmesser misst nahezu ein halbes Lichtjahr; er expandiert mit einer Geschwindigkeit von rund 15 Kilometern pro Sekunde (54'000 km/h). Der helle Stern in der Mitte ist der Begleiter des sterbenden Sterns, von dem die Gas-Hülle stammt.
Die Balken-Spiralgalaxie NGC 1512 ist 33 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und hat einen Durchmesser von rund 110'000 Lichtjahren (weniger als unsere Milchstrasse mit 170'000 bis 200'000 Lichtjahren). Im Gegensatz zu den meisten Galaxien, die keine Ringe aufweisen, hat NGC 1512 gleich deren zwei: einen Kernring, der das Zentrum umgibt und hell leuchtet, und einen zweiten, der hier in der Nähe des Bildrandes zu sehen ist. Er verbindet die Enden eines diffusen Balkens, der horizontal durch das Zentrum der Galaxie verläuft.
Dieses vom Hubble-Teleskop aufgenommene und künstlerisch nachbearbeitete Bild zeigt die als N11 bekannte Region in der Lokalen Gruppe der Galaxien – eine Galaxiengruppe, zu der auch die Milchstrasse und die Andromedagalaxie gehören. N11 liegt in der Nachbargalaxie der Milchstrasse, der Grossen Magellanschen Wolke.
Der als NGC 6357 katalogisierte Hummer-Nebel beherbergt in der Nähe seines Zentrums den offenen Sternhaufen Pismis 24. Hier werden ungewöhnlich helle und massereiche Sterne gebildet. Dass der rund 8000 Lichtjahre entfernte Hummer-Nebel, der diesen Namen seiner Form und Farbe verdankt, so rot leuchtet, liegt an der Emission von ionisiertem Wasserstoffgas.
Diese Aufnahme stammt eigentlich noch aus dem letzten Jahr – der Astrofotograf Gerald Rhemann schoss sie passenderweise am 25. Dezember. Sein Bild gewann den Wettbewerb des Royal Observatory Greenwich um das schönste Astronomie-Foto des Jahres 2022. Die Aufnahme zeigt, wie ein Stück des Kometenschweifs sich ablöst und vom Sonnenwind weggetragen wird. Der Komet Leonard (C/2021 A1) wurde erst im Januar 2021 entdeckt; er kam der Erde am 12. Dezember 2021 am nächsten.
Auch diese Aufnahme von Andrew McCarthy nahm am Wettbewerb des Royal Observatory Greenwich teil. Sie zeigt unsere Sonne; den Feuerball, der unsere Erde mit Wärme und Licht versorgt.
Der Rosetten-Nebel, ein diffuser Emissionsnebel, befindet sich im Sternbild Einhorn und wird vom offenen Sternhaufen NGC 2244 in seinem Zentrum zum Leuchten gebracht. Diese Aufnahme von Alpha Zhang stammt aus der Shortlist des Wettbewerbs des Royal Observatory Greenwich.
LDN 43, aus offensichtlichen Gründen auch Fledermaus-Nebel genannt, ist einer der gruseligsten bekannten Nebel im All. Die Molekülwolke, die sich in etwa 1400 Lichtjahren Entfernung befindet, erinnert an eine gigantische Fledermaus, die durch eine dunkle Halloween-Nacht fliegt. Die 12 Lichtjahre lange kosmische Fledermaus ist eine Sternentstehungsstätte; die hellen Lichter in ihrem «Körper» sind dichte Gasknoten, in denen sich gerade neue Sterne gebildet haben.
>>> Die Aufnahme in grösserer Auflösung gibt es hier.
Noch ein Teilnehmer am Wettbewerb des Royal Observatory Greenwich: Wir sehen den Nebel IC 1848 und seinen Kern, IC 1871, fotografiert von Nan Wang und Binyu Wang. Die Fotografen nennen das Bild «Ein kleiner Teufel auf dem Kopf eines Drachen». Das Gebilde wird auch «Seelen-Nebel» genannt; es handelt sich um einen Emissionsnebel im Sternbild Kassiopeia, der rund 7500 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Neben dem Seelen-Nebel liegt der Herz-Nebel. Beide werden manchmal als «Herz und Seele» bezeichnet.
NGC 6888 im Sternbild Schwan ist besser bekannt als «Sichel-Nebel» oder «Mondsichel-Nebel». Dieser Emissionsnebel ist das Ergebnis von Schockwellen, die vom Wolf-Rayet-Stern WR 136 ausgehen. Wolf-Rayet-Sterne sind die freigelegten Kerne ehemals massereicher Sterne. Diese Aufnahme von Bray Falls nahm auch am Wettbewerb des Royal Observatory Greenwich teil.
Dieser Nebel ist das erste Objekt auf der berühmten Liste des französischen Astronomen Charles Messier und trägt darum die Bezeichnung M1. Bekannter ist er als «Krebs-Nebel» oder «Krabben-Nebel». Es handelt sich um den 6500 Lichtjahre entfernten Überrest einer Supernova, die im Jahr 1054 auf der Erde beobachtet wurde. Die Aufnahme vereint Bilddaten aus dem gesamten elektromagnetischen Spektrum und präsentiert sie als sichtbares Licht. Der helle Punkt in der Bildmitte ist der Krebs-Pulsar, ein Neutronenstern, der sich 30 Mal pro Sekunde dreht.
Hier sehen wir den Krebs-Pulsar im Zentrum des Krebs-Nebels. Er ist der helle Fleck in der Mitte des Gaswirbels. Der Pulsar treibt die Emission des Nebels wie ein kosmischer Dynamo an, indem er eine Schockwelle durch das umgebende Material jagt, die dessen Elektronen beschleunigt. Der Neutronenstern – der kollabierte Überrest der Supernova, die 1054 auf der Erde beobachtet wurde – hat mehr Masse als die Sonne und ist so dicht wie der Kern eines Atoms. Die äusseren Teile des Krebsnebels sind die sich ausdehnenden Überreste der in der Supernova abgesprengten Hülle des Sterns.
Die Wagenrad-Galaxie (ESO 350-40 oder PGC 2248), die wir hier auf einer Aufnahme des Webb-Teleskops sehen, gehört zu den Ring-Galaxien, deren Licht vornehmlich aus einem Ring von jungen Sternen stammt. Die Galaxie im Sternbild Sculptor ist eine halbe Milliarde Lichtjahre entfernt – das Licht, das wir jetzt sehen, wurde ausgestrahlt, als auf der Erde das Leben gerade vom Meer aus das Land eroberte. Ihren Namen hat die Galaxie von den wie Speichen anmutenden Armen, die vom Zentrum zum Ring reichen. Sie ist das Resultat einer galaktischen Kollision: Eine kleinere Galaxie raste durch ihr Zentrum und zog mit ihrer Schwerkraft Sterne und Gas der grösseren Galaxie zum Zentrum hin. Dadurch wurde eine Sternentstehungs-Welle ausgelöst, die sich nach aussen ausbreitete.
M94 oder NGC 4736 ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Jagdhunde, die schätzungsweise 16 Millionen Lichtjahre von der Milchstrasse entfernt ist. Die Nahaufnahme des Hubble-Teleskops hebt den kompakten, hellen Kern der Galaxie, die auffälligen inneren Staubspuren und den bläulichen Ring aus jungen, massereichen Sternen hervor. Die Sterne im blauen Ring sind wahrscheinlich alle weniger als 10 Millionen Jahre alt, was darauf hindeutet, dass M94 sich in einer Phase schneller Sternentstehung befindet.
Der Adler-Nebel (M16 oder IC 4703) weist mehrere markante Staubsäulen auf – sie sind als «Säulen der Schöpfung» bekannt, weil sich an ihrer Spitze neue Sterne befinden. Auf dieser Aufnahme des Hubble-Teleskops ist eine davon zu sehen – sie erinnert ein wenig an eine ausserirdische Fee. Diese Fee ist freilich zehn Lichtjahre gross und strahlt heisser als gewöhnliches Feuer. Die Staubsäule, die rund 7000 Lichtjahre entfernt ist, wird in den nächsten 100'000 Jahren wahrscheinlich verdampfen.
4,6 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt befindet sich im Sternbild Ursa Major eine Guppe von Galaxien, die als Cheshire-Cat-Gruppe bekannt ist – in Anspielung auf die Grinse-Katze in Lewis Carrolls «Alice im Wunderland». Die Aufnahme – sie stammt aus dem Jahr 2015, war aber das «Astronomy Picture of the Day» der NASA am 11. Mai – zeigt einen speziellen Effekt, nämlich eine Gravitationslinse. Dabei wird das Licht von weit entfernten Galaxien durch ein massereiches Objekt verzerrt. Die grosse Masse besteht aus Dunkler Materie und den beiden grossen Galaxien, die die Augen der Katze bilden, sowie der kleineren, die ihre Nase darstellt. Die kreisförmigen Bögen bestehen aus dem verzerrten Licht von vier verschiedenen Hintergrundgalaxien.
Birkenpollen an Orten mit hoher Luftverschmutzung sind laut einer neuen Studie möglicherweise allergener als Birkenpollen aus Gebieten mit sauberer Luft. Gemäss Einschätzung von unabhängigen Forschenden reichen die Daten der Studie aber nicht aus, um diese These ausreichend zu belegen – Massnahmen in Städten seien trotzdem angebracht.