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Grein (2894 m)-Piz Cavel (2944 m)-Piz Tgietschen (2858 m) und im W. vom Rundwall der Garvera (2371 m), dem Piz Muraun (2899 m) und den über dem Valesagletscher tronenden Spitzen (Piz Cazirauns, Piz Senteri und Piz Stavelatsch). Am N.-Hang der Garvera liegt auf einem mit erratischen Blöcken übersäten Plateau der von Forellen bevölkerte Alpsee Laus (1600 m), der seine Entstehung der Stauung durch zwei Moränen verdankt und dessen Abfluss erst durch eine Kluft und dann über eine Felsenstufe zu Thal eilt. Südl. vom Thal ragen, schon vom Thaleingang aus sichtbar, der Piz Vial (3166 m), Piz Gaglianera (3122 m) und Piz Valdraus auf, die alle mit bedeutenden Gletscherfeldern geschmückt sind.
Hinten spaltet sich das Thal in Val Lavaz und La Greina, von denen jenes nach W. zieht und, grossartige Alpenbilder aufweisend, unter dem mehr als 2 km langen Lavazgletscher (dem grössten Eisfeld der Gaglianeragruppe) endigt. Der andere Thalarm führt in die sog. Fronscha, einen auf hoher Stufe gelegenen Felsenzirkus mit steilen Wänden und tosenden Wasserstürzen, auf den das SW. und W. gerichtete, 2 Stunden lange, grüne Hochthal La Greina folgt. Abgeschlossen wird es von dem in richtiger Hochgebirgswelt liegenden Greinapass (2360 m), der nach Val Camadra und in das Obstgartenland von Olivone hinunter führt (von der Alp Camona unterm Diesrutpass bis zur Passhöhe 1½ und von da bis Olivone 5 Stunden). In neuester Zeit wird die Greina für einen Alpendurchstich neben dem Splügen wieder viel genannt.
Aus dem Somvixerthal leiten folgende Pässe in die benachbarten Alpen- und Thalgebiete hinüber: Der Uebergang von Surrhein und Val durch die Alp de Naustgel s. der Garvera in etwa 2400 m nach der Alp de Soliva, Soliva und Curaglia im Medelserthal oder durch die Alp Soliva direkt hinunter nach Disentis;
die Fuorcla de Valesa aus der Alp Valesa im NW.-Richtung, s. vom aussichtsreichen Piz Muraun, nach Plattas und Curaglia;
die Fuorcla Lavaz (2509 m) von Tenigerbad aus in 7-8 Stunden durch Val Lavai und den Hintergrund des Thälchens von Plattas nach Curaglia (mit grossartigem Einblick in die Gletscherpracht des Piz Medel);
die Fuorcla de Stavelatsch (2553 m) vom Hauptthal durch die Alp Valesa nach Val Lavaz im S.;
der eben genannte Greinapass;
der Diesrutpass (2424 m) aus dem Hintergrund des Somvixerthales und dem Greinapassthal nach Puzatsch-Vrin-Lugnez;
die Fuorcla de Ramosa (2650 m) vom obern Somvixerthal s. am Piz Cavel vorbei durch Alp Ramosa nach Puzatsch-Vrin;
das Caveljoch (Fuorcla de Cavel; 2536 m) n. vom Piz Cavel aus dem obern Somvix nach Villa im Lugnez (Tenigerbad-Villa 7 Stunden) und endlich der sanfte Uebergang von Tenigerbad über den Culm und die Alp de Nadels nach Rinkenberg und dem Vorderrhein.
Der das Thal durchfliessende Somvixerrhein hat von der Stelle der Vereinigung der Bäche aus dem Val Lavaz und aus dem Thal der Greina bis Surrhein ein Gefälle von etwa 490 m oder 6%. Nach Lauterburg ( Uebersicht der schweizer. Wasserkräfte; Vorbericht. Bern 1890) beträgt die gesamte Fallhöhe des Somvixerrheins 1331 m, die gesamte Bruttowasserkraft 5537 PS und die produktive Wasserkraft 277 PS. Das Thal ist eng und sowohl an seiner eigenen Ausmündung als an derjenigen der beiden grössten Quellthäler durchschluchtet.
Das Somvixerthal ist meist in Serizitphyllite und -gneis, sowie auch in echten Gneis eingeschnitten, aus welch letzterm zwischen der Alp Valtenigia und der Fronscha und auch im Val Lavaz ein aus dem Medelserthal herüber reichender grosser Stock von Granitgneis und Granit hervorbricht. Am Piz Cavel sö. der Alp Valtenigia tritt Felsitfels und -schiefer auf. In der Gegend des Tenigerbades schliessen die Serizitphyllite und -gneise eine enge Mulde von Verrucano, Anthrazitschiefer, Rötidolomit und dunkeln Liasschiefern ein, die über die Alp Nadels quer durch das Thal zur Garvera hinreicht.
In den serizitischen Phyllitschiefern des Thalvordergrundes zieht ein aus der Gegend s. Truns kommendes schmales Band von Talk- und Chloritschiefern südwestwärts über den Somvixerrhein. Oberhalb Val, auf der Alp Gargialetsch s. vom Piz Nadels und w. vom Piz Grein, so wie im Val Lavaz sind noch bedeutende Moränenreste vorhanden, während man im Thalhintergrund schöne Gletscherschliffe und Erosionskessel beobachten kann. Am Fuss der Schutthalden, besonders auf der rechten Thalseite der Gegend von Il Run, fliessen reiche und schöne Quellen. Das Tenigerbad verdankt seinen Ursprung und Ruf einer bittersalzhaltigen Gipsquelle, die im triadischen Rötidolomit entspringt (Analyse von Prof. Richard Meyer 1877). Viele Teile von Gebirg und Thal sind reich an Mineralien, besonders die Alp Nadels, wo u. a. Bleiglanz, Zinkblende und Antimonglanz gefunden werden und Spuren eines frühern Bergbaues existieren. Die Liasschiefer am Greinapass liefern Versteinerungen.
Der Thalweg geht über das wie das ganze Thal zur Gemeinde Somvix gehörende Dorf Surrhein auf der linken Seite des Somvixerrheins hin, da die rechte Seite steile Felsen zeigt und oft durchschluchtet erscheint. Bald zeigen sich die Häuser und Berghütten von Val mit einer Kapelle (1212 m), worauf man über die Höfe Clavadials und Salva Pleuna nach dem Tenigerbad (Tenji, Bagn Sumvitg; 1273 m) gelangt. Dieser idyllische Ort mit alter Kapelle hat zwei Hotels (Kurhaus), grosse Waldungen und schöne Spaziergänge und ist jetzt allsommerlich gut besucht.
Hier erscheint der Thalboden erweitert und auch am stärksten bewohnt (Tenigerbad, die beiden Hofgruppen Rosas, weiter hinten 11 Run). Nachdem das Thal hinter Rosas Dado sich eingeengt hat, erweitert es sich bei der angenehm gelegenen Häusergruppe Run (1295 m) neuerdings, um nun derart über die Alpen Valtenigia und Pleun Burschina bis zur Thalgabelung sich zu erstrecken, worauf es steil zur Fronscha einerseits und ins Val Lavaz andrerseits hinaufgeht. Am Eingang des Somvixerthales pflanzt man noch Getreide und Kirschbäume, während das enge Thal weiter oben nur wenig Kulturboden aufweist. Dagegen hat es ausgedehnte Wälder und im Hintergrund und den Seitenthälern schöne Alpweiden. Reich ist das Thal an Vogelarten, sowie an botanischen und entomologischen Seltenheiten. Viele und hübsche Sagen. Bewohnt ist das Somvixerthal nur wenig; Surrhein ist das einzige eigentliche Dorf dieses Teils des Bündner Oberlandes.
Bibliographie:
Theobald, G. Das Bündner Oberland. Chur 1861. - Theobald, G. Naturbilder aus den rät. Alpen. 3. Aufl. Chur 1893. - Heim, Alb. Geologie der Hochalpen zwischen Reuss und Rhein. (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. 25). Bern 1891. - Tarnuzzer, Chr. Illustr. Bündner Oberland. (Europ. Wanderbilder. 256). Zürich 1903.
[Dr. Chr. Tarnuzzer.]