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Worum geht es? In der spanischen Metropole Barcelona werden immer wieder sehr hohe Feinstaubwerte gemessen. Mittels Initiativen soll das Stadtbild umgestaltet werden. Seit März 2020 wurden rund acht Hektar in der Stadt vom Autoverkehr befreit und umgewandelt in Trottoirs, Spielplätze, Velowege oder Restaurantterrassen. Die Behörden argumentieren, dass die Menschen mehr Platz brauchen, um sich nicht mit Covid-19 anzustecken.
Worunter leidet Barcelona? Seit Jahren ist die schlechte Luftqualität ein Problem, vor allem was die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid betrifft. Teils sei diese so hoch, dass eine «rötliche Glocke» über der Stadt hänge, sagt die freie Journalistin Julia Macher. So fahren etwa allein durch die Neustadt Eixample jeden Tag 350'000 Autos.
Was sind die Pläne? Durch sogenannte Superblocks sollen bis 2030 weite Teile von Eixample verkehrsberuhigt und der Verkehr umgeleitet werden. Dabei werden mehrere Strassenzüge zusammengelegt und für den Durchgangsverkehr gesperrt. Es werden auch Gehsteige verbreitert und Parkplätze reduziert. Während der Pandemie habe die Stadtverwaltung mit taktischem Urbanismus an vielen Orten Tatsachen geschaffen, so Macher. Gehwege seien verbreitert worden, indem man ein Stück von der Strasse abgezwackt und mit gelber Farbe Gehwege drauf gepinselt habe. Parkplätze seien in Terrassen für Cafés verwandelt worden.
Wie begründet die Regierung die Veränderungen? «Es geht vor allem um ein politisches Programm», sagt die Journalistin. Seit 2015 ist in Barcelona eine linksalternative Regierung am Ruder. Bei den damaligen Wahlen verkündete die Koalition, Barcelona den Bürgerinnen zurückgeben zu wollen und es in eine grünere, fussgängerfreundliche Stadt umzuwandeln. Die ersten Superblocks wurden bereits während der ersten Legislaturperiode errichtet. Bis 2023 will man vier dieser grünen Achsen, auch «Superilles» genannt, fertigstellen.
Hat die Regierung bisher die Gesundheit der Bevölkerung vernachlässigt? Der Gesundheitsaspekt ist mehr ins Zentrum gerückt. Journalistin Macher nennt zwei Gründe: Das Bewusstsein für gesundheitspolitische Themen, das während der Pandemie gestiegen ist und die wissenschaftliche Evidenz. «Eine jüngere Studie aus Barcelona belegt einen Zusammenhang zwischen schlechter Luft und den geringeren kognitiven Leistungen bei Schulkindern.» Und eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt: Barcelona könnte jährlich 600 Tote vermeiden, wenn die Schadstoffbelastung immer so gering wäre wie 2020.
Was sagt die Bevölkerung? Die Reaktionen sind laut Macher gespalten. Taxifahrer befürchten, dass sie nicht mehr richtig fahren können. Einige Geschäfte und Gewerbeverbände rechnen mit Verlusten. Für Pendler könnten gerade die reduzierten Parkplätze ein Problem sein. Viele Stadtbewohnerinnen und -bewohner finden das Konzept aber gut. «Sie träumen von einer 15-Minuten-Stadt, in der man alles Wichtige in einer Viertelstunde zu Fuss erreichen kann.»
Sind die Befürchtungen berechtigt? Inwieweit die Befürchtungen der Kritiker der Pläne berechtigt seien, werde die Zeit zeigen, so die Journalistin Macher. «Veränderungen eröffnen immer auch andere unternehmerische Chancen. Aber das dauert lange.» Dass es lange dauert, habe auch die Pandemie gezeigt. Barcelona leidet beispielsweise immer noch sehr unter dem Einbruch des Tourismus.