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Wenn man Konsolen-Gamer nach ihrer Lieblingskonsole fragt, wird wohl Nintendo's NES oder SNES oft genannt. Sobald es aber in den 3D-Bereich geht dürfte Segas Dreamcast zu den am meisten genannten Maschinen gehören. Weshalb genau? Kommerziell war die Dreamcast nicht sehr erfolgreich, und EA, einer der wichtigsten Spiele-Publisher, hat sie nie unterstützt. Und trotzdem… Wer kein Dreamcast-Fanboy ist, ist kein echter Gamer.
Drei Dinge machen die Dreamcast zu einem interessanten System. Erstens war es die letzte Spielkonsole vom ehemaligen Konsolen-Giganten und Haupt-Nintendo-Feind Sega. Zweitens ist die Dreamcast eine der innovativsten Konsolen aller Zeiten. Und drittens gibt es wohl keine andere Konsole, die mit so wenig publizierten Spielen so viele geniale Titel für sich verbuchen kann. Und dann ist da natürlich auch noch die ganze Geschichte darum, wie Sony die Dreamcast gebodigt hat.
Sega
In den späten 80ern und frühen 90ern gab es im europäischen und amerikanischen Konsolen-Markt zwei relevante Firmen: Sega und Nintendo. In jeder Migros standen zwei spielbare Systeme nebeneinander: Segas Megadrive mit Sonic, und Nintendos NES oder SNES mit Super Mario. Kids waren entweder Sonic-Fans oder Mario-Fans, und nicht wenige Spielplatz-Prüglereien hatten ihren Ursprung in der Frage, wer nun besser sei - der superschnelle Sonic, oder der, hm, superfette Mario. Ja, ich gebe es zu, ich war ein Sonic-Jünger. Mario? Bah. Der sollte mal ein paar Monate in einen Fitness-Club; gegen Sonic kommt er zumindest nicht an.
Und dann kam die PlayStation.
Während Nintendo mit der N64 und später dem Gamecube einigermassen im Konsolen-Geschäft blieb, war Segas Strategie wirr und erfolglos. 1991 kam zuerst die Mega-CD, eine CD-Erweiterung des Megadrives. Dann kam die 32X, eine weitere Erweiterung des Megadrive mit einem besseren Prozessor. Das Megadrive wurde durch das Megadrive II ersetzt, und das Mega-CD erhielt ebenfalls eine zweite Version. Als nächstes versuchte Sega sich mit der Sega Saturn, einer gänzlich neuen Konsole mit 32-Bit-chip. Gleichzeitig blieb das Megadrive mit allen Erweiterungen und sogar das alte Master System im Verkauf. Kein Sega-Fan konnte mit den ständigen Hardware-Releases mithalten, und Sega war nicht in der Lage, all die verschiedenen Systeme zu supporten. Auch Third-Party-Developers gaben Segas Systeme bald auf.
Im September 1999 sollte sich das alles ändern. Nur noch eine Hardware-Plattform, und dafür die innovativste auf dem Markt. Das war die Idee der Dreamcast.
Innovation
Die Dreamcast war die erste Konsole mit einem standardmässig eingebautem Modem und einem modernen Online-System (die Dreamcast hatte sogar einen Web-Browser mit Maus und Keyboard). Weil Sega gebräuchliche Hardware verbaute, konnte trotz tiefem Preis eine Grafikqualität erreicht werden, die anderen Konsolen dieser Zeit weit überlegen war. Der Controller der Konsole hatte Analog-Trigger, die für Rennspiele besonders gut geeignet waren, und konnte mit einem VMU ausgestattet werden, welches jedem Controller einen kleinen Bildschirm verlieh - das war insbesondere bei lokalen Multiplayer-Spielen cool, weil so jeder Spieler Informationen sehen konnte, welche den anderen Spielern verborgen blieben (z.B. Spielkarten in Sonic Shuffle).
Der Fisch-Controller der Dreamcast war eine frühe Version der Wii-Remote (ja, man konnte damit sogar Tennis spielen), und eine reihe von coolen Eingabegeräten (nicht zuletzt die vielen Lichtpistolen und Steuerräder) machten die Dreamcast zu einer genialen Arcade-Konsole.
Die Hardware-Power der Dreamcast machte zum ersten mal Cel-Shading möglich. Jet Set Radio war ein wahres Fest für die Augen.
Auch andere Titel wie Samba de Amigo oder Seaman waren innovativ, sahen gut aus, und machten enorm Spass. Neben der Dreamcast-Version von Soul Calibur sah jeder PlayStation-Prügler aus, als hätte ein Betrunkener auf den TV gekotzt.
Und dann war da Shenmue. Das mit 70 Millionen US$ damals teuerste Spiel aller Zeiten wurde auf 3 CDs ausgeliefert und hat für alle Zeiten verändert, was Spieler von einem Videospiel erwarten.
Auch Sonic war zurück. Die beiden Sonic Adventure-Spiele waren Sonics erste 3D-Games - und viele behaupten, dass es zugleich auch die letzten guten Sonic-Games waren.
Andere Dreamcast-Games wie Phantasy Star Online oder Virtua Tennis sind auch heute noch wichtige Videogame-Franchises. Und noch eine bekannte Spiele-Serie hatte auf der Dreamcast ihren Anfang. Metropolis Street Racer von Bizarre Creations war de facto die erste Version von Project Gotham Racing.
Auch das EA die Konsole nie unterstützte war kein Problem. Segas eigene Sport-Spiele waren der EA-Konkurrenz sowieso weit überlegen, und Dreamcast-Besitzer haben die EA-Absenz nie gross gespürt.
Die Dreamcast hatte nie besonders viele Games, aber keine andere Konsole hat einen so hohen prozentualen Anteil an genialen, innovativen, lustigen, hübschen und ganze einfach nur guten Games.
Sony
Innovative Hardware, tiefer Preis, geniale Spiele… Und trotzdem war der Dreamcast nie der Erfolg beschieden, den Sega gebraucht hätte. 2001, nur zwei Jahre nach dem Release der Konsole, zog Sega sich aus dem Hardware-Markt zurück. Dabei hat sich die Dreamcast gar nicht so schlecht verkauft. Mit 10.6 Millionen verkauften Konsolen in zwei Jahren steht die Dreamcast eigentlich recht gut da.
Was genau Sega zu diesem Entschluss bewegt hat ist nachträglich nicht klar. Klar ist aber, dass Sony eine wichtige Rolle gespielt hat.
Schon bevor die Dreamcast auf den Markt kam investierte Sony viel darin, die Dreamcast zu diskreditieren. An der E3 2000 nahm Sony der Dreamcast den Wind aus den Segeln. Um die Gamer vom Kauf einer Dreamcast abzuhalten wurden Preis, Release-Datum und die technischen Daten der PS2 veröffentlicht. Insbesondere die Tatsache dass die PS2 einen DVD-Spieler enthält hielt viele Gamer vom Kauf einer Dreamcast ab.
Aber auch die gezeigten Spiele waren fantastisch. Vor allem Metal Gear Solid 2 war für viele Gamer ein Grund, auf die PS2 zu warten statt sich eine Dreamcast zu besorgen.
Die wenigen tatsächlich zum PS2-Release veröffentlichten Games waren eher mies und auch die Grafikfähigkeiten der PS2 blieben weit unter dem, was Sony versprochen hatte - die PS2-Spiele sahen weit schlechter aus als ihre Dreamcast-Versionen. Die PS2 hatte ausserdem nur zwei Controller-Ports und kein Online-System. Alles in allem war die PS2 zumindest in den ersten Jahren eine enorme Enttäuschung, die in keiner Weise Sony's Hype gerecht wurde. Aber das spielte bereits keine Rolle mehr. Zu diesem Zeitpunkt war die Dreamcast schon auf dem absteigenden Ast; die Gamer hatten an Sony's Hype geglaubt und die Dreamcast fallen gelassen.
Aber Sony war nicht das einzige Problem der Dreamcast. Ein weiteres Problem machte Sega zu schaffen: Raubkopierer. Die CDs der Dreamcast konnten recht einfach kopiert werden; trotz der zunächst guten Verkaufszahlen der Konsole blieben die Verkaufszahlen der Spiele teilweise unter den Erwartungen. Das Problem wurde in neueren Versionen der Konsole behoben; die Lösung kam aber zu spät.
2001 wurde Sega, einer der zwei ehemaligen Hardware-Giganten im Konsolen-Markt, zu einer reinen Software-Firma. Die Dreamcast war eine der letzten wirklich fantastischen Konsolen für uns Hardcore-Gamer. So long, Dreamcast, and thanks for all the fish.
Und Heute?
Die Dreamcast gehört zu den System, deren Kauf sich auch heute noch lohnt. Die grosse Auswahl an genialen und einzigartigen Spielen macht die Dreamcast zu einer Konsole, die man noch immer gerne mal aus dem Schrank rausholt und an den TV steckt. Wenn ihr also irgendwo eine auf dem Flohmarkt findet: Greift zu! Es gibt wenig Konsolen die mehr Spass bieten als die Dreamcast. Gamespot hat eine Liste von Dreamcast-Titeln, die in jede Sammlung gehören.
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