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Nachruf
Wolfgang Pinkwart ist im Juni dieses Jahres verstorben. Sein langjähriger Freund Urs Keller gedenkt ihm in einem Nachruf.
In Schlesien geboren und in der Nähe von Frankfurt aufgewachsen, entschloss sich Wolfgang Pinkwart nach dem Besuch von Volkshochschule und Gymnasium für eine Kochlehre mit Zusatzausbildung als Kellner. Die dabei erworbenen fachlichen Grundkenntnisse der Hotellerie wandte er in verschiedenen Stellen in Deutschland, England sowie der Schweiz an, wo er in Leysin auch die Réceptions- und Sprachschule besuchte.
Anstellungen in Montreux und Interlaken an der Réception, sowie ab 1969 in Zermatt, als Empfangschef und Vizedirektor im Seiler Hotel Mont Cervin, folgten. 1971 wurde dem damals knapp 30-jährigen die Direktion im Seiler Hotel Monte Rosa, dem traditionellen Stammhaus der Seiler Hotels, als Nachfolger von Frau Hildy Eberhard, welche dieses Haus über 25 Jahre geführt hatte, übertragen; drei Jahre später die Leitung des Flaggschiffes der Seiler Hotels, das «Mont Cervin».
Bedingt durch die Übernahme weiterer Betriebe in Zermatt, die Verstärkung des Immobilienbereiches sowie die Ausdehnung der Management Tätigkeit ins Rhonetal wurde Wolfgang Pinkwart ab 1982 mit der Generaldirektion der Seiler Hotels beauftragt. Ab 1993 übernahm er zusätzlich erneut die Direktion des Hotels Mont Cervin (heute Palace) bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2007.
«Man muss Freude haben am Umgang mit Gästen, mit Menschen, flexibel und innovativ, und bereit sein, auf ein schönes Stück Privatleben zu verzichten». Diese Aussage von Wolfgang Pinkwart in einem vor mehreren Jahren gewährten Interview umschreibt treffend den Hintergrund seines beruflichen Erfolges. Er nahm seine Rolle als aufmerksamer, liebenswürdiger Hotelier, der von seinen Gästen und seinen Mitarbeitern geschätzt und verehrt wurde, mit überdurchschnittlichem Einsatz, aber auch mit Vergnügen wahr. Als vielseitig interessierter, ständig präsenter Gastgeber alter Schule war es für ihn selbstverständlich, jeden seiner Gäste persönlich zu kennen, und dank seines legendären Namensgedächtnisses persönlich anzusprechen. Mit tatkräftiger Hilfe seiner Gemahlin Claire, sowie den zahlreichen langjährigen Mitarbeitern wusste er jeden – ob alter oder neuer Gast – bestens zu umsorgen. Als Praktiker und engagierter Allrounder kannte er sich in sämtlichen Facetten der gehobenen traditionellen Ferien-Hotellerie bestens aus, und er war der Inbegriff des Leitspruches aus der Gründerzeit der Seiler Hotels: «Den Gästen Gutes tun – Hospitality by heart.»
Als Hotelier und später Generaldirektor der Hotels war er sich über die Wichtigkeit der finanzpolitischen und zielorientierten langfristigen Entscheidungen und der steten Instandhaltung und Erneuerung der traditionellen Betriebe im Klaren. Dabei halfen ihm auch seine beeindruckenden Kenntnisse in der Gastronomie und Önologie, das hohe Qualitätsniveau der Hotels unter seiner Leitung zu wahren. Eine Herzensangelegenheit war ihm die grösstmögliche Qualität der gebotenen Dienstleistungen und die bewusste Nachwuchsförderung auf allen Stufen und in sämtlichen Abteilungen. Er hat im Rahmen seiner Tätigkeit während 38 Jahren Wesentliches zum Erfolg der Seiler Hotels beigetragen.
Die berufliche Tätigkeit stand für ihn an oberster Stelle, doch nahm er sich zusammen mit seiner lieben Claire auch regelmässig und liebevoll Zeit für seine beiden Töchter Karin und Claudia. Letztere konnte er mit dem Virus «Hotelier» auch für seinen eigenen Beruf begeistern. Daneben nahm er sich regelmässig Zeit, sich seinen sportlichen Vorlieben zu widmen: beim regelmässigen Schwimmen, bei Bergtouren und beim Wandern, beim Ski- und Velofahren konnte er Abstand vom Alltag gewinnen und den Kopf lüften, wie man so schön sagt. In seiner Ferienwohnung auf der Riffelalp verbrachte er mit der Gemahlin, den Töchtern, Enkeln und Schwiegersöhnen oft und gerne Zeit, vor allem nach seiner Pensionierung.
Seinen Kollegen war er ein interessierter, lieber und humorvoller Freund und ein Vorbild als pflichtbewusster, respektvoller Hotelier, der sich auch gerne regional und national für touristische Belange einsetzte und diese kritisch, doch immer wohlwollend, begleitete.
Während der vielen Jahre gemeinsamer Tätigkeit haben Wolfgang und ich oft zusammen gelacht, etwa wenn es darum ging, gewisse Abläufe oder Aktivitäten zu hinterfragen. Einer seiner Lieblingsausdrücke war dabei: «Kleinvieh macht auch Mist!»
Mir persönlich war Wolfgang während fast 30 Jahren nicht nur Kollege und Vorgesetzter, sondern auch ein verständnisvoller, lieber und humorvoller Freund und Mentor, der immer für mich Zeit hatte, und welchen ich sehr vermissen werde.
Lieber Wolfgang, Du wirst uns immer in bester Erinnerung bleiben, und wir werden uns oft und gerne an die gemeinsam verbrachte Zeit errinnern!