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Am 17. Februar wurde ein gemeinsamer Bericht des World Wildlife Fund WWF und wissenschaftlicher Partnerorganisationen über die «Whale Highways», die wichtigsten Migrationsrouten der Wale und ihre Schnittpunkte mit menschlichen Wirtschaftsaktivitäten, veröffentlicht. Das schwierigste Gebiet in russischen Gewässern ist die Beringstraße.
Deshalb soll der Schiffsverkehr in der Beringstraße, der Tschuktschensee und in anderen engen Bereichen der Nordmeerroute zur Sicherheit der Wale eingeschränkt werden. Dies teilte der Pressedienst des World Wildlife Fund (WWF) Russia gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, unter Berufung auf einen wissenschaftlichen Bericht mit. Nach Angaben von WWF Russia werden auch Untersuchungen zum Unterwasserlärm vor der Küste von Tschukotka durchgeführt, um zu verstehen, wie er sich auf Wale auswirkt.
„Um die Schiffsrouten zu rationalisieren und das Risiko von Notfällen in der Meerenge der Beringstrasse zu verringern, hat die internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) 2018 auf Anregung Russlands und der Vereinigten Staaten ein spezielles Schema für den Schiffsverkehr in der Beringstrasse verabschiedet. Um die Wanderrouten von Walen und anderen Meeressäugern so frei wie möglich zu halten, ist es notwendig, dass diese Regeln von allen Schiffen eingehalten werden, da der Verkehr durch die Meerenge stark zunehmen wird. Zur Diskussion steht außerdem die Schaffung eines speziellen Gebiets, welches Schiffe rund um die Big Diomede Island im Zentrum der Meerenge meiden sollten“, heißt es in dem Bericht.
Auch die benachbarte Tschuktschensee und die Beaufortsee sind wichtig für den Schutz der Wale. Derzeit wird unter Beteiligung von WWF Russia die Möglichkeit diskutiert, der Meerenge und einigen Gebieten dieser Meere den Status eines besonders sensiblen Meeresgebiets zu verleihen. Dies wird es ermöglichen, auf internationaler Ebene ein flexibles Regime zur Regulierung der Schifffahrt in diesen Gewässern zu schaffen, um die Meeresumwelt zu erhalten. Darüber hinaus führt der WWF Russia Untersuchungen zum Unterwasserlärm vor der Küste von Tschukotka durch, um zu verstehen, wie er sich auf Wale auswirkt.
„Neben der Beringstraße gibt es in der russischen Arktis mehrere weitere Gebiete, in denen sich sowohl für Schiffs- als auch für Meeressäuger-Migrationsrouten ein „Engpass“-Effekt bildet. Dies sind insbesondere das Kara-Tor und die Vilkitsky-Straße. Es ist auch notwendig, Regeln für die Bewegung von Schiffen in diesen Gebieten zu schaffen, die die Möglichkeit von Kollisionen und anderen Bedrohungen für Tiere verringern würden“, fügte der WWF hinzu.
Zum ersten Mal wurden die Routen von 845 Walen, die als Ergebnis der Satellitenüberwachung erfasst wurden, im Rahmen des Berichts auf einer einzigen Karte markiert. Analysiert wurden in den letzten 30 Jahren Forschungsergebnisse von mehr als 50 Wissenschaftlerteams aus aller Welt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Bedrohungen für die Wale jedes Jahr ernster werden. Industrielle Verschmutzung, Schiffswracks, Unterwasserlärm, nicht nachhaltige Fischerei und der Klimawandel wirken sich auf Wale, ihre Lebensräume und Nahrungsquellen aus. Allein der Beifang in Fischernetzen tötet jährlich bis zu 300’000 Meeressäuger.
Die Autoren des Berichts stellen fest, dass sich drei Routen in der Beringstraße kreuzen, die in den nächsten 20 Jahren stark befahren werden: die Nordmeerroute, die Nordwestpassage und die Transpolare Seeroute in der Beringstrasse. Dies ist die einzige schmale, nur 83 km breit und mit einer Fahrrinnentiefe von 35 Meter seichte Meerenge, die den Pazifik mit dem Arktischen Ozean verbindet. Jedes Jahr versammeln sich hier bis zu Hunderttausende Meeressäuger, die von Norden nach Süden und zurück schwimmen. Dazu gehören Grau-, Grönland- und Buckelwale, Finnwale, Zwergwale, Orcas, Belugawale, Walrosse und andere Robben. Aufgrund der schrumpfenden Eisdecke in der Arktis im Sommer hat sich die Schifffahrt in der Region in den letzten zehn Jahren verdoppelt, von 262 Schiffspassagen im Jahr 2009 auf 494 im Jahr 2019.
Heiner Kubny, PolarJournal
Website zur Studie – Wale in der Beringstrasse