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Der Erfolg der Swissair war bei der Gründung vor 90 Jahren noch nicht absehbar. Die Schweiz als kleines Alpenland war nicht gerade dafür prädestiniert, im internationalen Airline-Geschäft einmal eine grössere Rolle zu spielen.
Dazu kam: Fliegen war in den 30er Jahren noch ein Abenteuer und überhaupt nicht rentabel. Daher drängte der Bund die beiden Schweizer Fluggesellschaften Ad Astra und Balair zur Fusion, drohte mit Subventionskürzungen.
Kleines Land, grosse Airline
Die Swissair wurde am 26. März 1931 auf Druck der Behörden gegründet. Darüber hinaus hat der Bund der Swissair aber recht viele Freiheiten gelassen, sagt Historiker Benedikt Meyer, der die Geschichte der Schweizer Fluggesellschaften aufgearbeitet hat.
Die Swissair konnte die Flugzeuge kaufen, die Sinn machten und die Destinationen anfliegen, die rentierten.
Das sei ein klarer Vorteil gewesen, gegenüber anderen Airlines wie zum Beispiel der Air France, die nur französische Flugzeuge kaufen durfte und unlukrative Kolonien anfliegen musste.
Benedikt Meyer
Historiker
Benedikt Meyer ist freier Historiker und Autor. Seine Dissertation erschien unter dem Titel «Im Flug. Schweizer Airlines und ihre Passagiere 1919-2002» im Chronos Verlag. Es ist die bisher umfassendste Untersuchung Schweizer Luftfahrtgeschichte.
Der Staat habe sich in der Schweiz aber nicht nur weniger eingemischt, als in anderen Ländern, er habe auch weniger Subventionen bezahlt. «Das hat dazu geführt, dass die Swissair sich von Anfang an am Markt orientierte und überlegte, wie sie die Menschen zum Fliegen bringen», so der Historiker.
Die Rolle der Stewardessen
So hat die Swissair 1934 als erste Fluggesellschaft Europas auf eine eigene Stewardess gesetzt. Aus einem einfachen Grund.
Damals hatten die Leute noch Angst vor dem Fliegen, man musste sie ermutigen und ihnen sagen, dass Fliegen sicher ist.
Das machte man indem man eine junge Frau mitfliegen liess, so Meyer. «Wenn die das kann, dann können das Bankdirektoren sicher auch, dachte man sich damals.»
Die Swissair setzte damals viel Effort in die Ausbildung guter Stewardessen. Weil diese bis Mitte der 60er Jahre ledig sein mussten, war der Abgang gross, doch neue Kandidatinnen standen jeweils Schlange. Stewardess bei der Swissair galt bei vielen jungen Frauen als Traumberuf, auch wenn es immer mehr Passagiere zu betreuen gab.
«Unsere Swissair»
Das Fliegen war lange Zeit den Reichen vorbehalten. Dennoch war die Swissair schon in den 50er und 60er Jahren sehr beliebt bei der Schweizer Bevölkerung, wurde ein Stück Nationalstolz. Viele Menschen sprachen von «unserer Swissair».
Benedikt Meyer erklärt sich das mit der Symbolkraft der eigenen Fluggesellschaft: «Die Swissair stand für den internationalen Erfolg der Schweiz.» Und das sichtbarer als andere Branchen. «Man sah, wie die Swissair Jahr für Jahr neue Destinationen erschloss, wie man das Schweizerfähnchen an neuen Orten der Welt setzten konnte. Das zeigte, wie die Schweiz international erfolgreich war, sich vernetzte. Und das machte die breite Bevölkerung stolz.»
Die Swissair war die Schweiz
Diese Sichtbarkeit ist neben dem Erfolg für Meyer entscheidend, wenn es darum geht, den Mythos Swissair zu erklären. Die Swissair habe die Schweiz sehr gut repräsentiert in der Welt.
Die Fluggesellschaft war auch für die offizielle Schweiz ein wichtiges Aushängeschild, betont Meyer. Die Schweiz und Swissair, das wurde nicht nur in einem Namen genannt, das habe sich auch physisch vermischt. «Oft hatte man eine Swissairvertretung und die Botschaft im selben Gebäude. Das war alles sehr nahe.»
Das Ende kam auf leisen Sohlen
Ab 1970 stagnierte der Gewinn, ab 1990 wurde es dann mit der Liberalisierung des Luftverkehrs in Europa wirklich schwierig.
Plötzlich hatte man nicht mehr die längeren Spiesse, wie die anderen. Sondern eher die Kürzeren.
Bei Versuchen mit Fusionen und dem Aufkauf anderer Fluggesellschaften machte die Swissair keine besonders gute Falle, so Meyer, bis es dann 2001, für die breite Bevölkerung überraschend, zum Grounding kam.