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Vor Zeiten wohnte in seiner Nähe ein Mägdlein, das sein Herz einem jungen Hirten geschenkt hatte. An den hellen Abenden nun, wenn des Mondes Licht um die schwarzen Wipfel der Tannen spielte und seine silberne Furche durch das Wasser zog, wanderten die beiden die kurze Strecke zum Seelein, bestiegen einen Kahn und verträumten dort manch freundliche Stunde ihres jungen Lebens.
Da fiel der Hirte, als er einst mit einer Bürde Heu von den Flühen niederstieg, über eine Felswand zu Tode. Von der Zeit an war das Mägdlein untröstlich. In mitternächtlicher Stunde schlich es sich oft zum Seelein, ruderte hinaus bis zur Mitte und überliess sich hier seinem Schmerze, indem es den Himmel in heissem Flehen um die Wiedergabe des Geliebten bat oder haderte über sein grausames Schicksal. So verwirrten sich allmählich des Kindes Sinne. Vergeblich mahnten die Eltern, die nächtlichen Besuche aufzugeben – eine geheimnissvolle Macht zog die Unglückliche immer wieder an den Ort zurück, wo sie früher so glücklich gewesen.
Eines Morgens fand man Schiff und Mägdlein auf des Seeleins Grund. Das Wasser aber, das sich bisher kaum vom Wasser anderer Seen unterschieden, war plötzlich tiefblau geworden: Es seien, also sagten die Leute, die Tränen des armen Mägdleins, die seinen blauen Augen entquollen.