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Tinguely für Karola
12. März – 20. Juni 2010 (verlängert bis 22. August 2010)
Die Schenkung Prof. Dr. Roland Bieber in Erinnerung an Karola Mertz-Bieber
Die Schenkung von Prof. Dr. Roland Bieber in Erinnerung an Karola Mertz-Bieber erweitert die Sammlung des Museum Tinguely mit Briefzeichnungen aus den Jahren 1970 bis 1988. Wir zeigen eine Auswahl von 29 Werken aus dieser Schenkung.
Karola Mertz wurde am 28. Mai 1942 in Rom geboren. Mit ihren beiden Schwestern wuchs sie in Italien auf. Nach dem Abitur in Berlin begann sie ein Sprachstudium, das sie mit der Prüfung zur Konferenzdolmetscherin abschloss. Diesen Beruf übte sie nach Stationen freiberuflicher Tätigkeit in Rom und Paris bis zum Jahre 2000 beim Europäischen Parlament in Strassburg, Luxemburg und Brüssel aus. Im Jahre 2001 erkrankte sie. Sie starb am 9. Juli 2007 nach einem mit aller Kraft und grosser Würde geführten Kampf um ihr Leben. Auf dem Friedhof von Arlesheim bei Basel ist sie begraben. Sie war in zweiter Ehe mit Roland Bieber verheiratet.
Mit Tinguely teilte Karola Mertz Neugier, Phantasie, Freude am Leben und an den Verbindungslinien der deutschen und französischen Sprache, aber auch das Wissen um Grenzen und Abgründe. Karola Mertz und Jean Tinguely begegneten sich erstmals im Jahre 1969 in Berlin. In den folgenden Jahren schrieb Jean Tinguely zahlreiche „Bilderbriefe“ an Karola. Nach seiner schweren Erkrankung im Jahre 1984 wurden die Briefe seltener. Der letzte Brief datiert aus dem Jahre 1988, drei Jahre vor seinem Tod.
Diese besondere Art der Mitteilung, in der dem Text nur eine Funktion innerhalb der bildlichen Wirkung zukommt, versandte Tinguely an Freunde und Mitarbeiter. Auf die Frage, was ihm Brief¬schreiben –zeichnen bedeute, antwortete Tinguely: „Das ist Kontakt – Antiisolationismus entspricht – resultiert aus der Gedankenübermittlung Ich denkefühle die Angeschriebene(n) ich bin beim „Schreib“ Partner“.
Die Briefzeichnungen Jean Tinguelys sind einerseits Briefe mit einem ganz konkreten Inhalt, (Verabredungen, Berichte über Ausstellungen und Happenings oder ganz einfach ein Neujahrs- oder Ostergruss), und daneben aber auch Zeichnungen, Collagen, Gouachen und Bilder. Text und Bild vereinen sich zu einem Ganzen, das Rückschlüsse zulässt auf die Befindlichkeit des Schreibers – und auf seine Beziehung zum Empfänger oder zur Empfängerin. Die Briefe Tinguelys an Karola Mertz (respektive Goretzko, wie sie damals hiess), zeichnen sich durch eine sehr feine, im Werk des Künstlers selten sorgfältige Ausarbeitung aus. Tinguelys Zuneigung zu Karola wird offensichtlich.