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Die Familie der Ananasgewächse (Bromeliaceae) bietet für Pflanzensammler viele dauerhafte Pflanzenarten mit Vorzügen wie geringe Grösse, mässige Pflegeansprüche, attraktiv und bestens kombinierbar mit anderen Pflanzen.
Namentlich die Gattung Tillandsia lässt sich mit Sommeraufenthalt im Freien auch ohne Gewächshaus oder Terrarium erfolgreich kultivieren. Sie brauchen die Wurzeln nur zur Verankerung. Die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser erfolgt über die Blätter. Wasser wird von einigen Arten in verdickten Blattbasen gespeichert. Von den südlichen USA bis nach Bolivien, auch auf den Antillen, wachsen sie überall, wo genügend Sonne und Feuchtigkeit zur Verfügung stehen: auf Baumästen und Felsen, oft auch auf Telefondrähten und sogar an Säulenkakteen, wenn in der Gegend genügend Morgennebel auftritt.
Die Arten mit zwiebelähnlich bauchigem Habitus sind hohl und werden in der Natur von Ameisen bewohnt. Die Ameisen schützen die Pflanze und ernähren sie mit Kot. Wir sollten es vermeiden, diese Pflanzen mit Wasser vollaufen zu lassen, denn sie faulen leicht. Besser also mit abwärts geneigter Rosette befestigen.
Von Oktober bis Mai hängen wir sie ans sonnigste Fenster und duschen sie wöchentlich. Das tägliche Benebeln mit Regenwasser ist so nicht nötig und wir schonen Möbel und Teppiche. Von Mai bis Oktober sind sie gerne draussen an einem Ort mit einigen Stunden Sonne, dem Wind und Regen ausgesetzt, aber geschützt vor kalten Nord- und Ostwinden.
Die Haltung im Terrarium ist nur erfolgreich mit viel Licht, einem Ventilator und kalkfreiem Wasser.
Obwohl sie empfindlich auf Dünger reagieren können, so ist kein Dünger doch zu wenig. Deshalb gebe ich oft einen Zehntel der auf der Flasche angegebenen Standardmenge eines guten Flüssigdüngers in das Wasser, mit dem ich sie überbrause oder in das ich sie tauche.
Die Blüte wird bei starken Pflanzen durch die Jahreszeiten ausgelöst. Oft ist es Trockenheit zusammen mit niedrigeren Temperaturen.
Abbildung 1 : Den Ursteckling dieser Tillandsia bergeri habe ich in den siebziger Jahren in einem spanischen Garten von einer Palme gepflückt, die rund um den Stamm ein massives Tütü dieser Art trug. Bei mir blüht sie meist im Frühjahr.
Abbildung 2: Sie ist sehr vermehrungsfreudig. Bei mir bewährt sie sich als Bodendecker unter einer Kumquat, wo sie hilft, das Unkraut kurz zu halten.
Abbildung 3 : Die Tillandsia caulescens blüht seitlich aus einem Schwert roter Brakteen. Mit viel Licht hält sich das Rot recht lange. Nach der Blüte erfolgt der Neutrieb direkt neben dem Blütenstand, so dass sie allmählich übehängende Stämmchen bildet.
Abbildung 4 : Das Louisianamoos Tillandsia usneoides wächst rund um den Golf von Mexiko. Es hängt wie Flechtenbärte von den Bäumen. Es wurde früher als Verpackungsmaterial für zerbrechliche Waren an stelle von Holzwolle verwendet. Dicke Zöpfe faulen innen oft. Bei Kälte sollten sie trocken sein oder hereingenommen werden. Auch wenn es so aussieht, sie wuchern nicht, so dass Verluste sich nur langsam wieder auswachsen.
Abbildung 5: Ein Teilpflänzchen macht nur jeweils eine wenige Millimeter kleine Blüte.
Abbildung 5: Die Blätter der Tillandsia albertiana sind zweizeilig angeordnet. Die wenigen, leuchten roten Blüten öffnen sich meist nacheinander über mehrere Wochen. Sie ist grün und deshalb etwas weniger sonnenhungrig als die silbrige Verwandschaft.
Abbildung 5 : Die Tillandsia stricta blüht im Sommer wie im Winter.
Abbildung 6 : Die Tillandsia flabellata blüht im Terrarium immer wieder. Sie macht wenige, dafür aber grosse, knallrote Blüten, die wahrscheinlich für Kolibris zugeschnitten sind.
Abbildung 7 : Den Namen dieser Tillandsie habe ich noch nicht herausgefunden. Allen Sammlern sei hier noch empfohlen, die Namen auf den Etiketten zu verifizieren, entweder mit einem Fachbuch oder mit der Internet-Recherche, denn oft stimmen sie nicht. Selbst auf dem Internet findet man Fotos mit falscher Unterschrift und ich bin nicht 100%ig sicher, dass alle meine Namen korrekt sind.
Abbildung 8 : Nochmals eine T. stricta. Diese Art ist von natur aus recht variabel im Habitus sowohl der Blätter wie auch der Blütenstände.
Abbildung 9 :Diese T. brachycaulos hat mir ein Freund von seiner Costa Rica Reise mit nach hause gebracht. Schon bevor die Blüten erscheinen färben sich die meisten Laubblätter in ein leuchtendes Rot um, das sich bei guter Besonnung sehr lange hält.
Abbildung 10: Makroaufnahme der Blüten von T. brachycaulos.
Abbildung 11 : Eine attraktive und Platz sparende Variante: aufgebunden an Stäben, die mit Moos oder Kokosfasern umwickelt sind.
Abbildung 12 : In der näheren Verwandtschaft der Tillandsien gehört diese wasser speichernde Dyckia, die ich als mariner-lapostolii gekauft habe. Sie erinnern mit den silbrigen Schuppen stark an Tillandsien, sind aber stark bedornt.
Abbildung 13: Nahaufnahme der Dornen. Sie sind so hart und spitz, dass sie bei der geringsten Berührung die Haut durchdringen, so dass Blut austritt.
Abbildung 14: Im Gartencenter findet man ganzjährig beeindruckende Bromelien wie diese Guzmania conifera. Sie beanspruchen aber viel Platz und für die Weiterkultur ein Gewächshaus. Ich entsorge sie deshalb, wenn nach Monaten der Blütenstand unansehnlich wird.
Abbildung 15 : Schon meine Mutter pflegte erfolgreich über viele Jahre die Billbergia nutans, die so verbreitet auf den Fensterbrettern ist, dass sie sogar einen deutschen Namen erhalten hat: Bogenhanf. Sie steht ganzjährig im Haus und blüht immer wieder. Alle paar Jahre muss sie ausgetopft und die verblühten Rosetten entfernt werden. Schon wenige Monate nach dem Eintopfen der Kindel setzen diese den Blütenreigen fort.
Abbildung 16 : So sieht das aus, wenn ich mit Beute vom Gartencenter heimkehre. Nicht winterharte Pflanzen müssen klein sein und bleiben, sonst finde ich kein Plätzchen für sie.