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Medizinische Fakultät. Emilie Louise Frey war die erste Studentin der Universität Basel und somit auchder medizinischen Fakultät. Sie immatrikulierte 1890 und war ebenfalls die erste Frau, die an der Universität Basel promovierte (1896).
Erst 1893 - drei Jahre nach Emilie Louise Freys Studienbeginn - schrieben sich die nächsten Frauen fürs Medizinstudium an der Universität Bsel ein: Anna Köttgen aus Liestal (1867 - 1909) und Adèle Weissenberger aus Riehen (1872 - 1965). Anna Köttgen war somit die erste Baselbieter Studentin an der Universität Basel. Die vierte Studentin war wiederum eine Baselbieterin: Der aus Sissach stammenden Serena Buser gelang es, Studium und Betreuung von Schwester und erkrankter Mutter zu vereinen. Sie immatrikulierte sich 1897 an der medizinischen Fakultät.
Dass die ersten Studentinnen an der Universität Basel Medizin studierten, ist damit zu erklären, dass die Ausübung der medizinischen Tätigkeit, Pflegen und Heilen, ins damalige Bild der üblichen weiblichen Aufgaben gehörte. Nebst den Arbeiten im Haus, sollte die Frau in erster Linie erzieherische und fürsorgerische Tätigkeiten verrichten. Zusätzlich dürften wirtschaftliche Überlegungen zur Studienwahl beigetragen haben: Als Ärztin bestanden gute Möglichkeiten, eine eigene Praxis zu eröffnen und so wirtschaftlich selbstständig zu werden.
Ziel: wirtschaftliche Selbstständigkeit und befriedigende berufliche Tätigkeit. Den ersten drei Studentinnen der Universität Basel ist eines gemeinsam: Ihre Eltern entstammten dem Mittelstand, der zukunftsorientiert dachte und deshalb ihre Töchter in der Berufswahl unterstützen. Ziel war ihnen, dass ihre Töchter durch ihren Beruf wirtschaftlich selbstständig wurden und eine befriedigende Tätigkeit ausüben durften. Die Töchter ihrerseits wollten sich nicht mit der Rolle als auf die Ehe wartende Tochter abfinden, sonder strebten nach Unabhängigkeit und Erfüllung im Beruf.
1901: Erste Studentinnen an der philosophischen Fakultät. Erst elf Jahre nach der Zulassung der ersten Frau an der medizinischen Fakultät der Universität Basel immatrikulierten sich die ersten Studentinnen an der philosophischen Fakultät. Die erste Studentin war die Baslerin Adèle Stoecklin (1876 - 1960). Eigentlich wollte Adèle Stoecklin Jura studieren, eventuell auch Botanik. Ihr Vater war der Ansicht, dass die Zeit für eine Frau in diesen Studiengängen noch nicht reif sei. Sie entschied sich daher für Germanistik. Im gleichen Jahr begannen die Baselbieterin Margaretha Plüss (1881 - 1967) ihr Studium der Chemie und Julia Gisi (1881 - 1977) dasjenige der Zoologie. Julia Gisi promovierte als erste Frau an der philosophischen Fakultät.
Grund dafür, dass zwischen der ersten Medizinstudentin und den ersten Studentinnen an der philosophischen Fakultät elf Jahre vergingen, ist in den unterschiedlichen Berufsaussichten zu sehen: Während Ärztinnen nach Abschluss des Studiums eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen konnten, änderte sich für die Studentinnen der philosophischen Fakultät wenig. Auch ohne Universitätsstudium stand ihnen die Möglichkeit der Ausbildung als Lehrerin offen. Mit dem Abschluss an der Universität waren sie weiterhin, Lehrerinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen oder später Journalistinnen. Eine selbstständige Tätigkeit hatten sie nicht in Aussicht.
1918: Erste Studentin der juristischen Fakultät. Ruth Speiser (1893 - 1976) war die erste Frau, die in Basel Jura studierte. Als 25jährige holte sie die Matura nach und immatrikulierte sich im gleichen Jahr, 1918, an der juristischen Fakultät der Universität Basel. Sie war zudem auch die erste Frau, die als Juristin promovierte (1922) und das Anwalts- und Notariatspatent erwarb (1925). DAs baselstädtische Advokaturgesetz von 1910 sah weitblickend vor, dass sowohl Schweizer Bürger als auch Schweizer Bürgerinnen zum Examen zugelassen werden, wenn sie die Bedingungen dazu erfüllten.
1920: Erste Studentin an der theologischen Fakultät. Ruth Speisers Schwester, Marie Speiser (1901 - 1986), immatrikulierte sich 1920 als erste Frau an der theologischen Fakultät und schloss 1929 als erste Theologin an der Universität Basel das Studium ab.
Der späte Beginn des Frauenstudiums an der juristischen und theologischen Fakultät macht deutlich, dass es sich um Fakultäten handelte, die sich nur schwer vom traditionellen Frauenbild lösen konnten oder wollten: "Mulier taceat in ecclesia" ("Die Frau hat in der Kirche / in der Öffentlichkeit zu schweigen", 1. Kor. 14,34)
Berufsaussichten 1925. 35 Jahre nach Beginn des Frauenstudiums an der Universität Basel studierten 971 Männer und 139 Frauen, was einem Frauenanteil von 12,5% entspricht. 1925 untersuchte die Akademikerinnen Vereinigung Basel die berufliche Stellung der Akademikerinnen. Die Untersuchung zeigt auf, dass Akademikerinnen in fast allen Berufen Fuss fassen konnten. Viele Frauen haben aber auch infolge Familiengründung die berufliche Tätigkeit aufgegeben. Oft auch betätigten sie sich als Mitarbeiterinnen ihres Mannes, beispielsweise als Gehilfin oder Stellvertreterin des Arztgatten.