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Im sozialen Bereich sowie in der Bildung wird häufig von Lösungsorientierung gesprochen. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Meint es, dass man bei Problemen jeweils nach Lösungen sucht? Nicht wirklich. Der Lösungsorientierte Ansatz hat vor allem damit zu tun, «wie» man nach Lösungen sucht. Der Kern des lösungsorientierten Ansatzes hingegen liegt im Fokus. Hier ein Beispiel für ein lösungsorientiertes Vorgehen:
Kurze Beschreibung des Problems
Klare und ausführliche Beschreibung des Zielzustandes
Erkennen und Nutzen von Ressourcen
Erkennen von Ausnahmen und Wertschätzung von kleinen Schritten
Planung von ersten Schritten
Evaluation mit der Frage: Was hat funktioniert?
Was im lösungsorientierten Ansatz in der Regel nicht gemacht wird, ist die ausführliche Analyse des Problems. Weil es oft nicht nötig ist, das Problem genau zu verstehen. Häufig kann man es gar nicht umfassend verstehen, weil zu wenig über mögliche Einflussfaktoren bekannt ist.
Was sind Vorteile des lösungsorientierten Ansatzes?
Zuerst einmal umgeht man die hemmende Wirkung, die eine ausgedehnte Analyse des Problems manchmal mit sich bringt (die Problemtrance). Zweitens spart man Zeit, denn sorgfältige Problemanalysen sind zeitaufwändig. Drittens aktiviert man von Anfang an die für die Problemlösung notwendigen Ressourcen. Zur Veranschaulichung folgt ein konkretes Beispiel.
Mitarbeitende eines Wohnheims setzten Vorgaben nur kurzfristig um
In einem Wohnheim stellt die Teamleitung fest, dass mehrere Mitarbeitende während der Sitzungen bestimmte Vorgaben akzeptieren, diese jedoch im Alltag oft nicht oder nur für kurze Zeit umsetzen. Trotz wiederholtem Ansprechen durch die Teamleitung ändert sich das Verhalten nicht. In der Beratung erarbeitet die Teamleitung ein Vorgehen mit dem lösungsorientierten Ansatz.
Sie beginnt damit, das Team nach Situationen zu fragen, in denen die Umsetzung der Vorgaben erfolgreich ist. Diese Reflexion hilft, positive Ausnahmen zu identifizieren und von ihnen zu lernen. Es stellt sich heraus, dass es durchaus Zeiten gibt, in denen die Mitarbeitenden die Vorgaben gut umsetzen. Die Untersuchung dieser erfolgreichen Momente bringt wertvolle Erkenntnisse.
Die Teamleitung ermutigt die Mitarbeitenden, über ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten nachzudenken, die zur erfolgreichen Umsetzung der Vorgaben beitragen können. Durch gezielte Fragen werden individuelle Stärken herausgearbeitet und diskutiert, wie diese effektiv genutzt werden können. Dieser Schritt fördert das Bewusstsein für die eigenen Ressourcen und deren Einfluss auf die Erfüllung der Vorgaben.
Anschliessend arbeitet die Teamleitung mit dem Team daran, kleine, aber erreichbare Ziele zu setzen. Sie konzentrieren sich auf eine spezifische Vorgabe und überlegen gemeinsam, welche kleinen Schritte unternommen werden können, um diese konsequent umzusetzen. Diese Herangehensweise führt dazu, dass die Mitarbeitenden sich weniger überfordert fühlen und motivierter sind, die Vorgaben einzuhalten.
Auf einem Plakat im Büro werden die Erfolge für alle sichtbar festgehalten. Dies stärkt das Vertrauen und die Motivation des Teams und fördert eine positive und lösungsorientierte Atmosphäre.
Zudem bittet die Teamleitung die Mitarbeitenden um Vorschläge, wie sie sich gegenseitig unterstützen und zur Rechenschaft ziehen können. Dies führt zu einem konstruktiven Austausch und zur Entwicklung von Strategien, wie regelmässiges Feedback und gegenseitige Hilfe bei der Umsetzung.
Durch dieses lösungsorientierte Vorgehen gelingt es dem Team, aktiv die Veränderung mitzugestalten, die eigenen Ressourcen zu nutzen und sich für die Umsetzung der Vorgaben verantwortlich zu fühlen. Diese Herangehensweise fördert nicht nur die Einhaltung der Vorgaben, sondern stärkt auch den Teamgeist und die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden, was zu einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitssituation führt.
Ist der lösungsorientierte Ansatz immer der beste?
Nein. Es gibt auch Situationen, in denen ein multisystemischer Ansatz erforderlich ist, zum Beispiel bei der Verarbeitung von Emotionen oder wenn eine offensichtliche Lösung erst durch vertieften Erkenntnisgewinn deutlich wird. Eine Beratungsperson kann Vorschläge machen und dann zusammen mit der Kundin/dem Kunden prüfen, welche Vorgehensweise am zielführendsten ist.