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Als 1939 die Sowjetunion und Nazideutschland Osteuropa unter sich aufteilten, wurde die Region Šalčininkai, die administrativ zu Weissrussland gehörte, wieder an Litauen zurückgegeben. Folglich musste ein neuer Grenzverlauf definiert werden. Bei der Festlegung im Kreml lag Stalin’s Pfeife auf der Karte. Da niemand wagte sie anzurühren, wurde die Grenzlinie kurzerhand darum herum gezeichnet.
Dies ist die Geschichte, welche die lokale Bevölkerung über den Ursprung des Grenzverlaufs erzählt. Sie zeigt, wie willkürlich und unnatürlich die Grenze den Menschen erscheint. Das einst grenzübergreifende Leben wurde auseinandergerissen und Familien und Freunde voneinander getrennt. Gemeinsam genutzte Kirchen und Schulen wurden für viele unzugänglich und der Besuch bei früheren Nachbarn und Freunden enorm erschwert.
Seit dem EU Beitritt Litauens 2004 trennen streng bewachte Grenzzäune die zwei Länder. Denn die Grenze zwischen Litauen und Weissrussland ist nicht nur die Trennlinie zwischen zwei Staaten, sondern zugleich auch Aussengrenze der EU sowie Grenze des Schengen- und des NATO-Raums. An dieser Grenze befindet sich auch das Gebiet rund um das Dorf Dieveniškės. Dieses liegt in einem schmalen Zipfel Litauens, der etwa 25 Kilometer in das weissrussische Territorium hineinragt.
Auch in diesem Gebiet dominiert die Grenze das Leben der Menschen. Für einen Grenzübertritt benötigen sie ein Visum, dessen Preis von 180 Euro oftmals ihr monatliches Einkommen übersteigt. Die meisten der sowjetischen Kolchosen sind verlassen und zerfallen und Jobmöglichkeiten für junge Menschen sind kaum vorhanden. Die junge Generation zieht weg. Zurück bleiben meist alte Menschen, die sich die Zeiten der Sowjetunion zurückwünschen. Trotz ihres hohen Alters arbeiten viele Bewohner auf den Feldern, da das Pensionsgeld alleine nicht ausreicht zum Leben.