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Abschied: Fernseh-Pionier
Aus der Abdankungs-Ansprache
An Carl Zibungs Abdankung sprach Josef Burri und setzte seine biografischen Ausführungen fort:
"Carl Melchior Zibung wurde dann einer der Pioniere des Schweizer Fernsehens. Schon 1952 [als 22-jähriger] ist er zu diesem [...] neuen Medium gestossen. In der Anfangszeit, als das Fernsehen noch wenig strukturiert war und der Pioniergeist die Entwicklung des Mediums bestimmte, hat er für zahlreiche Informationssendungen gearbeitet und sein Erfindungsreichtum, seine Innovationsfreude, seine Begeisterungsfähigkeit und sein zweihundertprozentiger Einsatz haben manchen Programmen den Stempel aufgedrückt. [...]
Eine dieser frühen Sendereihen hiess "Unter Einschluss der Öffentlichkeit"; sie behandelte gestellte, also fiktive Gerichtsfälle mit echten Richtern, Anwälten und Staatsanwälten. Diese Sendeform fand damals weitherum Beachtung und wurde im In- und Ausland mehrfach kopiert.
So arbeitete Carl als Aufnahmeleiter [...], dann als Produktionsleiter, als Regisseur und Redaktor. [...] Schliesslich leitete er das Ressort Reise, Verkehr und Feuilleton. Als er 1964 einen Film über das Eidgenössische Departement des Inneren realisierte, erhielt er dafür Anfang 1965 den persönlichen Dank des damaligen Departement-Vorstehers, Bundesrat Hans-Peter Tschudi [SP, BS]. Ein Zitat aus diesem Brief möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
'Sie haben sich mit grosser Hingabe in die vielfältigen Aufgabengebiete eingearbeitet und sie im Kommentar sehr geschickt beschrieben. Die Sendung leistete staatsbürgerliche Aufklärungsarbeit, weil sie dem Zuschauer den Umfang und die Schwierigkeiten der von den Bundesbehörden zu erfüllenden Verpflichtungen nahe brachte. Ich möchte Ihnen meine Anerkennung für Ihr hervorragendes Werk aussprechen. Besonderen Dank schulde ich Ihnen für das Wohlwollen, mit welchem Sie meine Person und mein Wirken gewürdigt haben.'
1966 verliess Carl Melchior Zibung das Fernsehen für einige Jahre, arbeitete zunächst als Werbechef bei Oerlikon-Bührle, dann bei der Firma Häusermann. Bei Oerlikon-Bührle ist er übrigens ausgeschieden, als es im Umfeld des Biafra-Krieges zu einer öffentlichen Kontroverse kam und er seine Tätigkeit aus ethischen Gründen nicht mehr weiterführen konnte.
1971 [41-jährig] machte er sich als Produzent und PR-Fachmann selbständig, und zwar mit der Firma Bild+Ton AG, deren Geschäftsleiter er war. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Gesellschaft für Lehr- und Lernmethoden, deren Präsident er 1974 wurde.
Schon 1973 holte ihn der damalige Fernsehdirektor Guido Frei wieder zum Fernsehen zurück [...] als Ausbildungschef. Die fernseh-interne Ausbildung war unter seiner Ägide sehr praxisbezogen. [...] Als die Ausbildungsdienste von Radio und Fernsehen zusammengelegt wurden, war es für Carl ein schwerer persönlicher Schlag, dass er nicht die Gelegenheit erhielt, die neue Funktion als Ausbildungsleiter beider Medien zu übernehmen.
Doch neue Aufgaben warteten auf ihn: Als es in den siebziger Jahren darum ging, das Vorabendprogramm [...] zu verstärken [...] erhielt er vom damaligen Abteilungsleiter für Kultur und Gesellschaft [...] das Mandat zur Entwicklung eines neuen Vorabendmagazins. 'Karussell' hiess diese neuartige Sendung, und er wurde ihr erster Leiter. Carl hat es verstanden, ein junges Team um sich zu scharen [...] und seine diplomatischen Fähigkeiten in der Vermittlung zwischen einer nicht sehr flexiblen Technik, einer ins Kraut schiessenden Bürokratie und einer von Ideen und Erfindungsreichtum strotzenden Redaktion waren bis zum äussersten gefordert.
In dieser Zeit stellten sich bei ihm erhebliche gesundheitliche Störungen ein. Ein hartnäckiger und heimtückischer Virus-Infekt hemmte seine hoffnungsvolle Laufbahn, sodass er die Funktion als Leiter der Sendung 'Karussell' aufgeben musste. 1980 übernahm er die Leitung des Programmverkaufs und ab 1986 bis zur Pensionierung 1992 wirkte er als Dokumentalist beim Aufbau einer Sport-Bilddokumentation.
Zum Schluss [...] möchte ich einen ehemaligen Arbeitskollegen Carls zitieren, der wie kein zweiter mit der beruflichen Laufbahn von Zibi verbunden war. Es ist dies der Schauspieler, Fernsehregisseur und Übersetzer Ettore Cella, seit vielen Jahren pensioniert und noch immer aktiv. Anlässlich der Pensionierung von Carl Zibung sagte er:
'Du warst und bist für mich immer, im Guten und im Bösen, ein treuer Kollege gewesen, auf den man sich verlassen konnte. Ich weiss, dass du immer und überall, wo du Fuss fassen konntest, voller Ideen auftratest und befruchtend wirktest. Schau, manchmal wird man dafür belohnt, manchmal abgelehnt oder sogar bestraft. Das macht nichts, das gehört zu unserm Leben. Es geht mal auf- und mal abwärts. Wichtig ist, dass man beides überlebt und für sich das Beste daraus macht. Denn das Leben geht weiter, und wir wollen das Leben geniessen!' "
Ernst Ostertag, Januar 2011