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Hochgeachteter Herr Präsident!
Ich bin Ihnen für Ihre verehrliche Zuschrift vom 22 d. zum lebhaften Danke verpflichtet. Ich bedaure nur, durch vielseitige Correspondenz Ihre schwere Arbeitslast noch vermehren zu müßen; aber bei der Verfolgung unsrer großen Aufgabe geht es wohl nicht anders, indem Ihr einsichtsvoller Rath & Ihre unermüdliche Bethätigung unentbehrlich sind. –
In dem Briefe, den ich diesen Zeilen beizufügen mir erlaube, erneuert Hr. Koller seinen Wunsch um Mittheilung der populären Brochure. Ich bin aber ganz mit Ihnen einverstanden, daß hiezu der Zeitpunkt noch nicht vorhanden ist & daß es zwekmäßiger sein wird, dem in Italien vorhandenen Bedürfniße in der von Ihnen angedeuteten Weise Genüge zu thun. Ich werde ihm in diesem Sinne schreiben. |
In einem mir heute zugekommenen Schreiben kommt Hr. Koller übrigens auch selbst auf ein ähnliches Auskunfts mittel. Er wünscht nämlich von dem in der N.Z.Z. er schienenen Résumé des technischen Gutachtens eine italienische Uebersetzung in mehrern Exemplaren zu erhalten, indem dieses Résumé, von dem er erst jetzt Kenntniß erhalten, sich für die italienischen Zeitungen vortrefflich eigne. Ich habe den Brief dem Hrn. Generalsekretär übermacht, um entweder durch eine geeignete Persönlichkeit in Zürich, oder durch Hrn. Dr. Cattaneo1 in Lugano eine Uebersetzung zu Handen v. Hrn. Koller anfertigen zu laßen. –
Hr. Koller findet sodann auch eine ähnliche Behandlung des kommerziellen Gutachtens für erwünscht. Ich werde durch 2 Hrn. G. Pfyffer eine solche Arbeit entwerfen laßen & sie sodann, wenn sie brauchbar ist, Hrn. Koller übermitteln. Da indeßen verschiedene Darstellungen wünschbar erscheinen, so dürfte vielleicht Hr. Stokar auch mit einem Entwurfe betraut werden. –
Vor Erhalt Ihrer geschätzten Zuschrift habe ich auf den wiederholten Wunsch v. Hrn. Koller einem | hiesigen Blatte einige Notizen über die unrichtigen Mittheilungen des «Bund» zugehen laßen. Es wird aber das für Italien wenig Werth haben, da daselbst außer dem «Bund» wenig Schweizerblätter gehalten werden & der «Bund» selbst seine unrichtigen Darstellungen schwerlich berichtigen wird. In der Schweiz kennt man, wie Sie ganz richtig bemerken, die einseitige Stellung des «Bund» so allgemein, daß seine schiefen Darstellungen wenig verfangen werden. –
Sehr angenehm ist es mir, daß Sie meine Zusammen stellung der klimatologischen Verhältniße Hrn. Dir. Stoll zur definitiven Redaktion übergeben haben, da derselbe zunächst im Falle ist, die betreffende Mittheilung mit dem Ganzen in gehörigen Zusammenhang zu bringen & es vor trefflich versteht, eine Sache in das rechte Licht zu stellen.
Ueber die Verhältniße der Teßinischen Bahnen ent hält der beifolgende Brief v. Hrn. Koller einige Andeutungen. Es fehlt aber noch Vieles bis zur voll ständigen Klarheit. Merkwürdigerweise scheinen die neuen Unternehmer selbst die Verhältniße der Londoner Gesellschaft nicht näher zu kennen. Ich werde mich, soweit | meine Verbindungen reichen, weiter zu erkundigen trachten. Sehr gerne bin ich bereit, zur Besprechung dieses wichtigen Punktes eine Commissionssitzung anzusetzen & gewärtige von Ihnen aus die Bezeichnung des Tages, der Ihnen genehm ist.- 3
Wie Sie aus dem Schreiben des Hrn. Koller gefälligst entnehmen wollen, ist derselbe der Ansicht, daß die meteoro logischen 4 Beobachtungen zwischen Altdorf & Andermatt doch noch angeordnet werden sollten. Ich behalte mir vor, diesen Gegenstand bei unsrer nächsten Zusammenkunft einer nochmaligen kurzen Erörterung zu unterwerfen & bemerke vorläufig nur, daß ich der Ansicht des Hrn. Koller nicht recht beipflichten kann. –
Ihrem Wunsche 5 entsprechend werde ich heute noch dem Hrn. Bürgermeister Stehlin Ihre verehrl. Zuschrift mitzutheilen die Ehre haben. Inzwischen benutze ich diesen Anlaß, Sie neuerdings meiner ausge zeichnetsten Hochachtung zu versichern.
Ihr freundschaftl. ergebener:
J. Zingg.
Luzern den 23 Jan. 1865.