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Zu Tradition und Geschichte der Beludschen
Der Lebensraum der Beludschen Die Vorstellung, dass Beludsch Teppiche und Flachgewebe aus Beludschistan kommen müssen, ist falsch. In diesem Gebiet, in das sich Iran, Afghanistan und Pakistan teilen, leben wohl viele Beludschen. Das Haupther-stellungsgebiet der Beludsch Arbeiten erstreckt sich aber entlang der iranisch-afghanischen Grenze, von Sabsawar, Mesched im Norden bis nach Zahedan im Süden.
Ihre soziale Ordnung Jeder Beludsch gehört einer Familie an. Mehrere Familien bilden eine Phara oder auch Takar (Untersippe); mehrere Pharas zusammen lassen einen Bolak (Sippe) entstehen und mehrere Bolaks wiederum einen Tuman (Stamm). Dem autoritären Tumandar (Stammesführer) unterstehen die Mukaddams (Sippenführer). Ale diese sozialen Ränge sind vererbbar. Die Familie des Tumandar gehört stets zu einer besonderen auserwählten Sippe, die Phaghlogh (Haus des Turbans) genannt wird. Die Autoritätswürde wird mit dem Tragen eines besonderen Turbans bekräftigt.
Nach Beludsch-Tradition knüpfend
Die Beludschen, die Teppiche knüpfen, leben hauptsächlich in Chorassan, einige auch in Sistan. Zusätzlich zu den im 11. Jahrhundert eingewanderten Beludschen berichtet A.C. Edwards – und er beruft sich dabei auf einen gewissen Sadjdjadi aus Mesched, der eine Autorität unter den Nomaden in Chorassan war –, dass die Beludschen im 18. Jahrhundert durch Nadir Schah von Beludschistan nach Chorassan gebracht worden seien. Diese gelten als die eigentlichen, die alten Beludschen Chorassans. Eine zweite Einwanderung um 1890 wurde durch eine Hungersnot in Sistan ausgelöst.
Die Timuri
Wichtige Erzeuger von Teppichen in Beludsch-Tradition sind Angehörige der Stämme, die als «Timuri» bekannt sind. Sie leben überwiegend in Afghanistan und Chorassan. Timur bedeutet wörtlich: «dem Timur zugehörig» bzw. «von Timur abstammend». Timur Lang (1336–1405) ist als Eroberer Asiens in die Geschichte eingegangen. Er selbst führte seine Abstammung auf Dschingis Khan (1155–1227), den Eroberer und Begründer des mongolischen Weltreiches, zurück.
Teppichformate: Art und Grösse der Teppiche und Flachgewebe richten sich nach nomadischen Lebensgewohnheiten und nach den Massen des Beludsch-Zeltes.
Zeltteppich (Ghali, Ghalitsche, Germetsch)
Die Bodenfläche im Beludsch-Zelt wird während des normalen Tagesablaufs selten mit Textilien belegt. Zu beachten ist, das als Bodenbelag grobe, dunkle Filzmatten verwendet werden oder auch aus dunklem Ziegenhaar gewobene «Zeltplanen», die nicht mehr zur Zeltbedachung taugen. Darüber werden Teppiche ausgelegt – meistens bei Besuch. Die Masse dieser Zeltteppiche: Ghali: 115–215 x 230–350 cm, meist gewebt. Ghalitsche: 85–130 x 140–230 cm
Sofreh für jeden Zweck Sofreh ist ein allgemeiner Ausdruck für Flachgewebe kleineren Formates. Die durchschnittliche Grösse der Belutsch Sofreh beträgt 60 bis 100 cm in der Breite und 150 bis 250 cm in der Länge. Sofreh wurden in verschiedensten Techniken hergestellt, wobei geknüpfte Partien in der Bordüre vereinzelt auch im Feld vorkommen. Wir unterscheiden Sofreh in ihrer Funktion: Schmal und längliche Sofreh wurden als Esstücher verwendet. Quadratische bis ca 150 cm Querseite sind sogenannte «Sofreh Ardi» – Brotteigtuch – oder «Sofreh nan-pazi», das Brottuch (nan = Brot, pazi = backen). Quadratische ab 150 cm Seitenlänge sind sogenannte «Roukorsi» oder «Sofreh ru-korsi», Tuch über dem Ofen.
Kissen (Balischt) Diese ausgesprochen Beludsch spezifischen Erzeugnisse sind auf der Vorderseite geknüpft, auf der Rückseite gewoben, 45–55 cm breit und 70 –150 cm lang.
Packtaschen (Chordschin) Kleider und Haushaltgegestände werden in diesen Taschen aufbewahrt und transportiert. Es gibt sowohl rechteckige als auch quadratische Aufbewahrungstaschen.
Salztasche (Namakdan) Diese Taschen dienen zum Aufbewahren von Salz und haben ein flaschenartiges Format.