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Adventskalender 8: «Bücher die ich mehrmals lese.»
Josef B. Senn
Es kommt oft vor, dass ich ein Buch zur Hand nehme und dieses lese – man kann auch sagen »verschlinge«. Es gibt Bücher, die ich zur Hand nehme und lese – praktisch »Satz für Satz«. Das meint: jeder Satz impliziert Fragen, die ich mir dann selbst zu stellen habe – «Verstehst Du, was der Autor schreibt?», «Kannst Du seinen Gedankengängen folgen?», «Wo ist seine Ansicht einzuordnen?», «Besteht eine Kausalität zu einer realen Existenz?», «Was will der Autor genau mitteilen?» – und im eigenen Auftrag versuche Antworten auf diese Fragen zu finden.
Den Kriminalroman »Der Richter und sein Henker« einer der drei grossen Kriminalromane welche Friedrich Dürrenmatt geschrieben hat, ist ein Beispiel dafür, wie ich mich – bei ausserordentlichem Interesse – mit einem Text beschäftige. Eine Liste aller im Text vorkommenden Personen und ihren gegenseitigen Beziehungen wird erstellt, jedes Kapitel wird schriftlich zusammengefasst und dokumentiert. Am Ende des Buches versuche ich eine Graphische Darstellung der Geschichte zu erstellen.
Es gibt natürlich sehr wenige Bücher, die ich auf diese, doch etwas längerdauernde Weise lese, zu verstehen versuche, darüber in Gedanken beginne zu philosophieren. Meine meist in Angriff genommenen Schriftstücke sind schon eher bei mathematisch bildender Literatur zu finden. Meist autodidaktisch auf bestehendem Wissen dieser Wissenschaft durch »interne Forschung und Entwicklung« auszubauen ist eigentlich eine meiner Freizeitbeschäftigungen. Wenn man den grossen Mathematikern und Philosophen ein wenig Zeit widmet, kommt man doch etwas ins grübeln.
«Mathematik und Philosophie, eine Schnittmenge?» «Was bedeuten denn so Begriffe wie »unendlich gross«, oder »unendlich klein«, was ist »Null«, was ist »Nichts«?» «Wo fängt was an und wo hört dies, wenn es dann noch dasselbe ist, auf, oder hört immer alles auf und beginnt gleichzeitig immer wieder neu?» – Dies sind die Fragen die mich dann beschäftigen.
Bücher, wie die von Friedrich Dürrenmatt lese ich immer Mal wieder; Bücher, die mindestens einen Zusammenhang haben – einen Link zur Mathematik herstellen -, sind meine stillen Begleiter. Die Menge all dieser Bücher hat vor etwa einer Woche um ein Element zugenommen. Es handelt sich dabei um das Essay »Gegen Null – Eine mathematische Phantasie« verfasst vom schwedischen Philosophen Lars Gustaffson. – Nein ich bin mit Lesen dieses Buches nicht fertig, ich stehe noch am Anfang, denn was der Autor wie zu sagen hat, ist nicht trivial, sondern benötigt eine intensive geistige Auseinandersetzung mit seinen in den Text projezierten Gedanken.
Man stelle sich das etwa so vor: «Laut Wahrscheinlichkeitsrechnung tendiert das Ereignis unserer Existenz gegen Null – und doch sind wir da.» – Fantastischer Gedanke! Das Universum ist gemäss Präzisionsmessungen knapp 14 Milliarden, die Erde etwa 4,6 Milliarden Jahre alt. Die Menschheit soll sich etwa vor 2 Millionen Jahren »in Gang gesetzt« haben und ich, ich zähle knapp 59 Jahre. Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser und ich sind da, und dies obwohl, wenn man das so genau betrachtet, Zufälle gigantischen Ausmasses sind.
Danken wir unserem Schöpfer für all das, was er uns in jedem Augenblick gibt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr – Wohlergehen, Gesundheit und Freude am Existierenden. Josef B. Senn
Bild-Quellen:
Bild A: Buchdeckel
Bild B: Buchdeckel