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Trink Wasser und bleib gesund
Unser Körper braucht Wasser
Unser Körper ist ständig von einem Mangel an Flüssigkeit bedroht. Jeden Tag verlieren wir 2,5 Liter Wasser in Form von Urin, Schweiss, Wasserdampf in der ausgeatmeten Luft und Flüssigkeit im Stuhl. Wenn die Zufuhr den Verbrauch ersetzt, ist die Wasserbilanz ausgeglichen. Ist die Zufuhr unzureichend, wird die Bilanz negativ, und wir leiden an Wassermangel oder Dehydratation.
Das kann sehr schnell geschehen. Wir können ziemlich lange ohne feste Nahrung leben (bis zu sechs Wochen oder länger, wie das therapeutische Fasten belegt), nicht aber ohne Wasser. Nach drei Tagen ohne freies oder gebundenes Wasser droht bereits schweres Organversagen, nach zwei oder drei weiteren Tagen der Tod.
Da uns meist reichlich Wasser zur Verfügung steht, denken wir nicht daran, wie kurz der Zeitraum ist, den wir ohne Trinken aushalten, und wie kurz infolgedessen der Weg zur Dehydratation und zum Tod ist.
Obwohl der Durst uns sagt, wann und wie viel wir trinken müssen, nehmen wir heutzutage nicht immer die Wassermenge auf, die wir brauchen, um optimal gesund und vital zu bleiben. Diese ungenügende Versorgung mit Wasser reicht zwar nicht aus, um den Tod herbeizuführen, aber sie ist gross genug, um der Gesundheit zu schaden. Wie eine Pflanze, die bei Wassermangel welkt und verkümmert, verliert auch der Mensch seine Kraft und wird krank, wenn er nicht genug trinkt. Leider werden die Folgen oft nicht mit einem Wassermangel in Verbindung gebracht.
Die allgemeine Dehydrierung des Körpers löst zwei schwere Stoffwechselstörungen aus, und die Folgen sind all die Beschwerden auf die wir später noch eingehen werden. Diese beiden schweren Störungen sind die verlangsamte Enzymfunktion und die Selbstvergiftung.
Verlangsamte Enzymfunktion
Enzyme haben die Aufgabe, zahlreiche biochemische Reaktionen auszulösen, die für die Körperfunktionen notwendig sind. Dafür brauchen sie unter anderem eine wässrige Umgebung und viel Platz. Einem Enzym fällt es umso schwerer, seine Aufgabe zu erfüllen, je mehr andere Enzyme und Substanzen, auf die sie einwirken oder die durch ihre Aktivität entstehen, sich im selben Milieu befinden. Ebenso ungünstig ist es, wenn die organischen Flüssigkeiten dick und konzentriert, also zähflüssig sind. Eine solche zunehmende Viskosität ist aber die unvermeidliche Folge eines Wassermangels. Die verlangsamte Enzymfunktion lähmt also nach und nach alle organischen Lebensprozesse – Zum Beispiel Reparaturen oder Bildung von Hormonen – die für die Gesundheit des Organismus notwendig sind.
Selbstvergiftung
Das zweite grosse Problem mit dem der Körper bei Dehydrierung konfrontiert ist, ist das der Selbstvergiftung.
Jeden Tag bilden die Zellen Stoffwechselprodukte, die vor allem mit Hilfe des Wassers ausgeschieden werden. Der Schweiss besteht zu 99 % aus Wasser, der Urin zu 95%, die ausgeatmete Luft und der Stuhl zu 80%.
Die Ausscheidung hört jedoch nicht auf, wenn wir dem Körper die Flüssigkeit vorenthalten, die er braucht, um optimal zu arbeiten. Sie geht weiter, aber mit weniger Flüssigkeit. Die Urinmenge nimmt ab, und der Urin wird dichter; der Schweiss ist stärker konzentriert, der Stuhl trocken und hart. Unter diesen Bedingungen werden zwangsläufig weniger Toxine ausgeschieden. Die Abfallprodukte sammeln sich allmählich in den Ausscheidungsorganen an, überziehen die Wände der Blutgefässe und „verstopfen“ die Organe. Der Toxingehalt des Blutes und der Zellularflüssigkeiten nimmt zu. All diese Faktoren tragen zur Selbstvergiftung des Organismus bei, die in der Naturmedizin als Ausgangspunkt aller Krankheiten gilt.
Die verlangsamte Enzymfunktion und die Selbstvergiftung zusammen lösen all die Störungen aus, die für Wassermangel typisch sind.
Akuter und chronischer Wassermangel
Die meisten Menschen fühlen sich nicht betroffen, wenn von Dehydratation die Rede ist. Sie denken dabei nur an die rasche und intensive Dehydratation, die verirrte Wüstenreisende erleiden können. Aber es gibt noch eine andere Art von Dehydratation, die man chronisch nennen kann, weil sie nicht so plötzlich und heftig eintritt wie die akute. Die chronische Dehydratation ist heutzutage weit verbreitet und betrifft Menschen, die zu wenig trinken.
Die dabei auftretenden Beschwerden sind zwar nicht so ausgeprägt wie bei der akuten Dehydratation, sind jedoch dennoch vorhanden. Dazu gehören Müdigkeit und chronischer Energiemangel, Verstopfung, gewisse Arten von Bluthochdruck, Gastritis, Magengeschwüre, Übergewicht, zahlreiche Ekzeme, zu hoher Cholesterinspiegel, ein Teil der Blaseninfektionen, Rheumatismus, usw. (verschiedene Ursachen können eine gleiche Krankheit auslösen, die eben genannten Beschwerden sind nicht ausschliesslich durch chronische Deshydration verursacht).
Müdigkeit und Energiemangel
Die Dehydratation im Gewebe verlangsamt die Aktivität der Enzyme, und zwar auch jener Enzyme, die Energie erzeugen. Die Energieproduktion kann bei chronischer Dehydratation derart reduziert sein, dass der Betroffene sich nicht einmal mehr aufrecht halten kann. Er bleibt bewegungslos in einem schläfrigen oder bewusstlosen Zustand liegen. In weniger ernsten Fällen führt die chronische Dehydratation zu ständiger Müdigkeit, die sich oft negativ auf die Arbeit und die Lebensfreude auswirkt.
Sobald ein Mensch in diesem Zustand wieder genügend trinkt, kehrt seine Energie zurück. Die ausreichende Wasserzufuhr fördert die Aktivität der Enzyme und somit die Energieproduktion. Darum berichten die meisten Menschen von neuer Kraft und neuem Elan, wenn sie wieder genügend trinken.
Verstopfung
Wenn der Speisebrei in den Dickdarm gelangt, enthält er noch eine Mensche Wasser, damit der Stuhl nicht zu hart wird. Überschüssiges Wasser wird von der Darmwand so lange resorbiert, bis der Stuhl seine normale Konsistenz aufweist und mühelos ausgeschieden werden kann.
Bei chronischer Dehydratation kann dieser Wasserentzug jedoch extrem sein. Da der Organismus nicht genug Wasser von aussen bekommt, versucht er es sich mit allen Mitteln zu beschafften. Unter anderem entzieht er einigen Körperteilen Wasser, um es anderen zur Verfügung zu stellen. Wenn dann beispielsweise der Dickdarm mehr Wasser resorbiert als gewöhnlich, wird der Stuhl trocken und hart und ist schwer auszuscheiden.
Verstopfung, die auf chronische Dehydratation zurückzuführen ist, lässt sich nur beheben, indem ihre Ursache beseitigt wird, das heisst, indem der Betroffene im Laufe des Tages mehr trinkt. Dann hört der Körper auf, dem Stuhl zu viel Wasser zu entziehen, und eine normale Ausscheidung wird wieder möglich.
Der Durst
Mit Hilfe des Durstes verhindert der Organismus eine Dehydratation. Er ist ein Alarmsignal, das jedes Mal ertönt, wenn der Körper an Wassermangel zu leiden beginnt. Der Durst veranlasst uns zu trinken, und zwar so viel, dass der Wassermangel ausgeglichen wird. Das Durstgefühl ist daher schwach bei leichtem und heftig bei starkem Wassermangel. Wenn wir den Durst nicht stillen, wird er nach und nach stärker, denn der Körper verliert auch im Zustand der Dehydratation weiter Wasser, weil er es zur Ausscheidung der Toxine und zur Regelung seiner Temperatur durch Perspiration braucht.
Wir spüren den Durst im Mund, nicht im Magen oder Bauch. Die Mundschleimhaut, der Rachen, die Stimmritze und die Zunge fühlen sich dann unangenehm trocken an.
Sobald wir genügend Wasser getrunken haben, um den Mangel auszugleichen, verschwindet der Durst. Aber selbst wenn wir viel Wasser auf einmal trinken, wird in dieser Situation noch kein Harn ausgeschieden, wie es unter normalen Umständen der Fall ist. Die Harnausscheidung beginnt erst, wenn das getrunkene Wasser den Flüssigkeitsbedarf des Körpers überschreitet.
Das Durstgefühl ist ein Alarmsignal des Körpers, das jeder beachten sollte. Aber es gibt Menschen, die nur selten durstig sind. Wenn man sie fragt, behaupten sie, nie Durst zu haben und daher sehr wenig trinken. Dafür gibt es zwei Hauptgründe.
Der erste Grund ist die wiederholte Missachtung des Durstes. Wenn wir uns daran gewöhnt haben, auf den Durst nicht zu reagieren, wird er mit der Zeit schwächer und die Folgen – trockener Mund, Heiserkeit usw. – sind nicht mehr so deutlich zu spüren. Dies funktioniert ähnlich wie bei Menschen, die häufig heisse Teller tragen müssen, zum Beispiel Kellner. Da sie nicht auf das brennende Gefühl in den Händen reagieren, gewöhnen sie sich an diese Hitze und sind nach einiger Zeit sogar in der Lage, sehr hohe Temperaturen auszuhalten.
Wer wenig trinkt, erträgt den Durst also immer besser und nimmt die Alarmzeichen des Körpers nicht mehr so deutlich wahr. Das gilt aber nur für das Gefühl, nicht für die Folgen. Obwohl sie nicht durstig sind, leiden diese Menschen unweigerlich an chronischem Wassermangel.
Der Verlust des Durstgefühls kommt bei Kindern selten, bei Erwachsenen ziemlich oft und bei alten Menschen häufig vor. Letztere können einen trockenen Mund haben und dennoch kein Bedürfnis verspüren zu trinken, oder sie merken gar nicht, dass sie trinken sollten.
Es gibt noch einen zweiten Grund, der zu einem Verlust des Durstgefühls führen kann: Wir verwechseln Durst und Hunger. Wir bringen diese beiden Empfindungen manchmal durcheinander, obwohl sie verschieden sind. Wenn wir den Durst regelmässig durch Essen stillen, wird das Durstgefühl schwächer, oder wir nehmen es nicht mehr als solches wahr.
Zum Glück können wir das Durstgefühl wie jede physiologische Funktion wiederherstellen. Es genügt, wenn wir uns zwingen, normal zu trinken, selbst wenn wir nicht durstig sind. Nach einigen Tagen werden wir zu unserer Ueberrschaung feststellen wie durstig wir sind, obwohl wir bereits getrunken haben.
Christopher Vasey