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und Val de Ruz. Die kleinen Bäche der übrigen Landesteile (Thäler von Le Locle, La Chaux de Fonds, La Brévine, Les Ponts etc.) verschwinden meist nach kurzem Lauf in Felstrichtern und speisen dann zusammen mit dem versickernden atmosphärischen Wasser die längs dem Ufer des Neuenburgersees (Serrières, Monruz, La Raisse) oder am Gehängefuss der Thäler zutagetretenden Stromquellen, wie z. B. die der Combe Garot, der Noiraigue, des Sucre, von Môtiers, von Buttes, der Sourde am Pont de la Roche, der Raisse bei Fleurier und der Areuse im Felszirkus von Saint Sulpice, welch' letztere in ihrer Wasserführung zwischen 220 und nahe an 100000 Sekundenlitern schwankt.
Man kennt jetzt das Einzugsgebiet von mehreren dieser Quellen ziemlich genau, so namentlich dasjenige der Areuse, das mehr als 140 km2 Fläche hat und den schweizerischen Teil des Thales von Les Verrières (exkl. die in den Doubs mündende Morte) und die ganze Mulde von La Brévine bis über La Chaux du Milieu hinaus umfasst. Die durchschnittliche Wasserführung der Areusequelle entspricht genau der von dieser Fläche absorbierten Regenmenge, die entweder direkt vom Kalkboden aufgesogen oder indirekt von den ohne Ausnahme im Boden verschwindenden Bächen abgeführt wird.
Mehrere dieser Bäche ergiessen sich in den Lac des Taillières, dessen Wasser ebenfalls durch einen Trichter unterirdisch abfliesst. Diese Tatsachen sind durch eine Reihe von Färbungsversuchen festgestellt worden. Desgleichen führt die Quelle der Noiraigue das gesamte Sickerwasser des vertorften Hochthales von Les Ponts und La Sagne und der es begleitenden Gehänge zu Tage, was schon aus ihrer bernsteingelben Farbe erhellt und dann auch noch durch mehrere am Trichter (emposieu) von Le Voisinage bei Les Ponts de Martel vorgenommene Färbungsversuche experimentell bewiesen worden ist. Es dient also nur der kleinere Teil des auf Boden des Kantons Neuenburg fallenden Regenwassers zur Speisung von oberirdischen Wasseradern, während der grössere Teil die unterirdischen Kanäle bilden hilft, die sich meist auf den undurchlässigen Argovienmergeln sammeln, indem sie im oberen Jurakalk welcher diese Mergel überlagert weitausgedehnte Spalten und Höhlennetze füllen, um dann in den eben genannten Stromquellen (sources vauclusiennes) ihr Wasser wieder ans Tageslicht treten zulassen.
Dieses kann mehrfach auch als Trink wasserverwendet werden, so z. B. in den Gorges de l'Areuse, deren Sammelgebiet vor jeder Ansteckungsgefahr sicher ist, da es entweder keine Siedelungen trägt oder dann gute Filtrationsverhältnisse hat. Andere Quellen, wie z. B. die der Areuse und der Noiraigue, sind dagegen für solche Zwecke unbrauchbar, weil sie mit den meist torfigen Oberflächenwassern in einem zu direkten Zusammenhang stehen. Die zahlreichen kleineren Quellen kommen meist aus der Kontaktfläche von Neocom mit den darunter gelagerten Mergeln des Hauterivien und Purbeck oder auch aus Ablagerungen von Moränenschutt.
Aus allen eben geschilderten Verhältnissen folgt, dass die höhern Regionen des Kantons sich mit nur wenigen, schwachen und dazu oft noch versiegenden Quellen zufrieden geben oder auch das Regenwasser in Zisternen auffangen und daher mit dessen Verbrauch sparsam sein müssen. Erst seit etwa 20 Jahren haben es die Bedürfnisse grosser Ortschaften notwendig gemacht, mit Aufwand von grossen Kosten Quellwasser aus tiefern Regionen auf künstlichem Weg herbeizuschaffen. So beziehen z. B. La Chaux de Fonds und die Stadt Neuenburg heute ihr Trinkwasser aus den Quellen in der Schlucht der Areuse (Molliaz, Combe Garot etc.).
[Dr. H. Schardt.]
Klimatische Verhältnisse.
Der mannigfaltigen topographischen Gestaltung des Terrains entsprechend zeigt der Kanton Neuenburg trotz seiner geringen Ausdehnung sehr verschiedenartige klimatische Verhältnisse. Drei Typen derselben lassen sich deutlich unterscheiden: 1. Das milde Klima des Seegeländes. Hier wird im Sommer die Luftwärme gesteigert durch die Rückstrahlung der der SO.-Seite, also der Sonne ausgesetzten Gehänge. Der See ist nicht gross genug, um durch den Austausch mit den über ihm gelagerten weniger stark erwärmten Luftschichten eine nennenswerte Abkühlung zu bewirken. Im Winter vermag anderseits der Einfluss des Sees die Erkaltung der Luft über dem Gelände nicht wesentlich zu mildern, zumal zu Zeiten, wo die Bise herrscht, welche vom See her einen ganz ungehinderten Zutritt hat.
Als Vertreter dieser Zone kann die meteorologische Station Neuenburg betrachtet werden, welche auf der dortigen Sternwarte, etwas abseits der Stadt, seit 1864 geführt wird. Die aus der Periode 1864-1900 abgeleiteten Monatsmittel der Temperatur finden sich in nachstehender kleiner Tabelle. Das mittlere Jahresmaximum von Neuenburg stellt sich auf 30,4°, das mittlere Minimum auf -11,6° C. Die beobachteten absoluten Extreme sind 34,0° und -17,0° C. Als Folge der Konfiguration des Terrains und der dadurch bedingten Erwärmungsverhältnisse macht sich am Seegelände und über dem See ein Lokalwind, genannt Joran, stark bemerkbar. Er tritt an Sommerabenden sehr häufig, zuweilen aber auch während des Tages auf. Es ist ein sogenannter Fallwind, der die kühle Luft der engen, meist bewaldeten und um mehrere Stunden des Tages in der Insolation verkürzten Thäler der Berghänge in die stark erwärmte Niederung hinausführt. Es geschieht dies häufig plötzlich ¶