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Vorspann (Auslöser):
Die ganz einfache und auf der Hand liegende - aber deshalb natuerlich auch leicht uebersehbare Loesung liegt in der Leitunterscheidung des Radikalen Konstruktivismus: erkennen/erfinden. Im Radikalen Konstruktivismus gibt es gar kein Erkennen. Er ist keine Erkenntnistheorie, sondern eine Kritik an den Erkenntnistheorien. Das kein Erkennen vorgesehen ist, ist auch keine Zuschreibung noetig. Aber das ist nicht nur durchschaut, sondern gerade der Witz des Radikalen Konstruktivismus.
Fragen
Wenn es doch eine ganz einfache und auf der Hand liegende Lösung gibt, dann frage ich mich: wo ist dann das Problem?
Gibt es zu diesem Problem funktional-äquivalente Lösungen?
Git es zur Lösung eine Mehrheit von Problemen?
Wenn es kein "Erkennen" >>gibt<<, wozu dann eine "Kritik der Erkenntnis-theorie(n)"?
Gibt es so etwas wie eine Kritk von Entdeckungstheorien - also Nachfolgeeinrichtung für Erkenntistheorien?
Handelt es sich bei der Leitdifferenz erkennen/erfinden um einen ontologischen, einen logischen, einen biologischen oder soziologischen Unterschied?
Wenn keine Zuschreibung (Mangels Erkenntnis) noetig ist, warum wird dann der "Erfinder" ständig zur Verantwortung gemahnt?
Ist der Erfinder ein psyschische oder ein soziales System?
Wie verhält sich der Begriff "Beobachtung" zur Unterscheidung "erkennen/erfinden"? Wie verhält sich der Begriff "Wissen" zur Unterscheidung von "erkennen/erfinden"? Wie und wozu braucht eine Gesellschaft von (menschlichen?) "Erfindern" noch "Wissen" (oder gar : Wissenschaft) ?
Kann man nicht einfach die Erfindung der neuzeitlichen Wissenschaft wieder Wegerfinden - und was tritt an ihre Stelle?
Wie wird im Rahmen der Leitunterscheidung von erfinden/entdecken die Grundfrage der Soziologie - Wie ist soziale Ordnung möglich? - gelöst?
Verdankt sich der Unterschied von erfinden/entdecken einer Erfindung oder einer Entdeckung und ist die Fortschreibung dieser Unterscheidung hinreichend erfinderisch (oder: unentdeckbar), um seine Entdeckung (oder Erfindung) auch in der Zukunft genießen zu können.
Handelt es sich bei der Unterscheidung von erkennen/erfinden um einen (binären) Gegensatz, so dass man durch Negation der einen Seite auf die andere Seite (und umgekehrt) kommt?
Gibt es so etwas wie "Programmierung" und "Codierung" im Kontext dieser Leitunterscheidung?
Führt diese Leitunterscheidung - wie andere binäre Codes - zur Ausdifferenzierung eingenständiger Sozialsysteme?
Ist diese Unterscheidung von entdecken/erfinden eine weltuniversale Unterscheidung? Gibt es einen ausgeschlossenen Dritten, der sich dieser Unterscheidung nicht fügt und gerade deshalb von ihr profitiert?
Ist die Unterscheidung von entdecken/erfinden wiedereintrittfähig, so das auf der Seite der Entdeckung oder auf der Seite der Erfindung die Einheit der Untercheidung reflektiert werden kann?
Kann man erfinden lernen und lehren? Kann man Erfindungen kritisieren und überprüfen. Gibt es Qualitätsstandards für Erfindungen?
Ist die Differenz von erkennen/erfinden eine kommunikative oder eine bewuste Differenz? Wie ist das Verhältnis von Kommunikation und Bewußtsein im Hinblick auf diese Differenz zu denken?
Hat sich empirisch seit der Entdeckung/Erfindung dieser Differenz das Sozialsystem Wissenschaft merklich verändert ?
Wer (und wie) wird mit der Differenz von entdecken/erfinden zum Schweigen und wer zum Reden gebracht?
Eignet sich innerhalb der Differenz von entdecken/erfinden die System/Umwelt-Unterscheidung noch zur Fortsetzung von und zur Strukturierung von Entdeckungs-/Erfindungszusammenhängen oder gibt es hierfür tragfähige Erfindungsalternativen? Sind diese schon entdeckt/erfunden worden?
Gibt es eigenständige autopoietische Erfindungs/Entdeckungs-Systeme? Und: Wozu braucht man noch Buecher - wenn man doch "erfinden" kann? Oder anders: Hat die Erfindung des Buchdrucks zu strukturellen Veränderungen hinsichtlich der Erfindung von Erfindungen geführt?
Wie geht die Leitdifferenz von entdecken/erfinden mit dem Problem der Selbstreferenz von Sinn um?
Wenn - im Hinblick auf ihre Leitunterscheidung von erkennen/erfinden - im Konstruktivismus ohnehin klar ist, dass Erkenntis eine Konstruktion ist[1], dann stellt sich doch die Frage:
- auf wen oder was wird die Konstruktion zugerechnet (Mensch, Bewußtsein, Kommunikation, Gehirn, Leben)
- haben wir es mit monokontexturalen oder polykontexturalen Konstruktionen zu tun, mit einem Erfinder/Konstrukteuer oder einer Mehrheit von Konstrukteuren/Konstrukteurstypen (Systemtypen)
- Gibt es dabei unterschiedliche Differenztypen (Unterschiede/Unterscheidungen) ?
- Gibt es im Hinblick auf Differenztypen ein Zusammenspiel - etwa derart, dass das Gehirn Unterschiede "anliefert", die dann von anderen Systemen in/durch sinnhafte Unterscheidungen transformiert werden?
- wie sieht die Autopoiesis des Erfinders aus?
- wie wird die Stabilität und Reversibilität von Konstruktionen im Zeitlauf gesichert (Wissen)
-wie wird denn die Differenz von erkennen/erfinden konstruktivistisch in die Differenz von Beobachtung/Operation umgesetzt
- wenn Erkennen nicht mehr heißen kann, dass interne Konstruktionen mit der externen Umwelt (Welt) übereinstimmen (Abbildung/Repräsentation), woran macht sich die Qualität oder der Qualitätsmangel von Erkenntnis (die Möglichkeit des Scheiterns) fest?
- wie wird das unlösbare Problem der Übereinstimmung von Innen und Außen, von Denken und Sein, Subjekt und Objekt reformuliert? Welche Reformulierungs- möglichkeiten gibt es - etwa wenn man den Sinnbegriff zugrunde legt : Sachdimension (Innen/Außen), Sozaildimension (Alter/Ego), Zeitdimension (Vorher/Nachher, Alt/Neu)