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Einkommen, Armut und Lebensbedingungen im Jahr 2021 In der Schweiz war 2021 jede zwanzigste Person materiell und sozial benachteiligt
02.05.2023 - Die neue Quote der materiellen und sozialen Deprivation beschreibt den Anteil Personen, die aus finanziellen Gründen auf wichtige Güter, Dienstleistungen und soziale Aktivitäten verzichten müssen. Im Jahr 2021 betraf dies in der Schweiz 5,2% der Bevölkerung oder rund 448 000 Personen. Die Armutsquote war mit 8,7% fast auf dem gleichen Niveau wie vor der Covid-19-Pandemie. Der allgemeine Lebensstandard in der Schweiz gehört weiterhin zu den höchsten Europas. Dies sind einige Ergebnisse der Erhebung 2021 über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) des Bundesamtes für Statistik (BFS).
Die Quote der materiellen und sozialen Deprivation ist eine Weiterentwicklung der bisher publizierten Quote der materiellen Entbehrung und ersetzt diese sowohl in der Schweiz als auch auf europäischer Ebene. In der Schweiz lag sie 2021 mit 5,2% deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 11,9%. Von unseren Nachbarländern wies nur Österreich eine tiefere Quote auf (4,4%). In Deutschland (9,0%), Italien (11,3%) und Frankreich (11,4%) lag sie dagegen deutlich höher. Am höchsten war die Quote der materiellen und sozialen Deprivation in Rumänien (34,5%), am tiefsten in Schweden (3,5%).
Die häufigste Art der Deprivation betraf in der Schweiz wie bis anhin die Unmöglichkeit, innerhalb eines Monats unerwartete Ausgaben von 2500 Franken begleichen zu können. Fast ein Fünftel der Bevölkerung (18,9%) lebte in einem Haushalt, der dazu nicht in der Lage war. Neu werden weitere Bereiche berücksichtigt, die Rückschlüsse auf die Möglichkeiten der sozialen Teilhabe zulassen. So mussten 7,9% der Bevölkerung aus finanziellen Gründen auf regelmässige kostenpflichtige Freizeitaktivitäten verzichten, 3,5% konnten sich nicht von Zeit zu Zeit neue Kleider kaufen, und 3,0% konnten es sich nicht leisten, mindestens einmal pro Monat Freunde oder Familie zum Essen oder Trinken zu treffen.
Armutsquote kaum von der Pandemie beeinflusst
Im Jahr 2021 (Einkommen 2020) waren 8,7% der Bevölkerung oder rund 745 000 Personen in der Schweiz einkommensarm. Die Armutsquote war damit fast gleich hoch wie vor der Covid-19-Pandemie (2020: 8,5%; 2019: 8,7%). Wie in den Vorjahren sind ausländische Personen, Alleinlebende, Personen in Einelternhaushalten, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung und Personen in Haushalten ohne Arbeitsmarktteilnahme besonders häufig von Einkommensarmut betroffen.
Die Armutsquote der erwerbstätigen Bevölkerung liegt seit 2019 stabil bei 4,2%. Demnach erzielten 2021 rund 157 000 Personen trotz Erwerbsarbeit kein Einkommen über der Armutsgrenze.
Die Armutsgrenze wird von den Richtlinien der Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) abgeleitet und betrug 2021 durchschnittlich 2289 Franken im Monat für eine Einzelperson und 3989 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern. Davon müssen die Ausgaben des täglichen Bedarfs (Essen, Hygiene, Mobilität etc.) sowie die Wohnkosten bezahlt werden, nicht jedoch die Prämien für die obligatorische Krankenversicherung. Diese werden wie die Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und allfällige Alimente vorgängig vom Haushaltseinkommen abgezogen.
Weiterhin hoher Lebensstandard im europäischen Vergleich
Der allgemeine Lebensstandard wird anhand des medianen verfügbaren Äquivalenzeinkommens gemessen, wobei die Preisniveauunterschiede zwischen den Ländern korrigiert werden. In der Schweiz war dieses Einkommen 2,7-mal so hoch wie in Griechenland, 1,5-mal so hoch wie in Italien, 1,3-mal so hoch wie in Frankreich und 1,1-mal so hoch wie in Deutschland und Österreich. Trotz des hohen Preisniveaus in der Schweiz war der Lebensstandard der Bevölkerung also höher als in den Nachbarstaaten und der Mehrheit der EU-Länder. Auch die durchschnittliche Zufriedenheit in Bezug auf das jetzige Leben, gemessen auf einer Skala von 0-10, erreichte in der Schweiz einen vergleichsweise hohen Wert von 7,9. Diese war im Jahr 2021 nur in Österreich noch höher (8,0) als in der Schweiz.
Zusätzliche Informationen wie Grafiken finden Sie in der nachfolgenden PDF-Datei.
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