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Publiziert: 9 Juni 2014
Ohne den Einfluss der schillernden lombardischen Familie Visconti wäre das Tessin heute ein anderes.
“Ein Bellinzona und ein Tessin ans Licht zu bringen, das anders ist als jenes, das wir kennen und lieben”, ist das Ziel der Ausstellung “Bellinzona und das Herzogtum von Mailand – die Rückkehr der Visconti” im Castelgrande der Kantonshauptstadt. Es ist eine Rückblende auf eine der mächtigsten Familien Italiens, die lange Zeit die Lombardei beherrschte und vor allem im Norden des Stiefels, auch im heutigen Tessin, starken Einfluss ausübte. Schon im 11. Jahrhundert besassen die Visconti Ländereien am Lago Maggiore. Der lebendigste kulturelle und politische Einfluss dieser Familie aufs Tessin, aber auch die erbittertsten Streitigkeiten mit den Eidgenossen, fielen ins 14. und 15. Jahrhundert.
In jener Zeit, die auch den Beginn der Renaissance markiert, war der Name "Visconti" an allen Herrscherhöfen Europas ein fester Begriff. Durch eine Mischung aus Klugheit und Diplomatie, aber auch aus Machtgier und Grausamkeit, war die Familie aufgestiegen, hatte kontinuierlich immer mehr Land erobert, erheiratet, erkauft. Mal kämpften sie auf Seiten der Kirche, mal gegen sie. Der Mailänder Bernabò Visconti war Papst Urban V so verhasst, dass er den Lombarden 1363 exkommunizierte und einen Kreuzzug gegen ihn ausrief. Dennoch stieg Bernabòs Nachfolger Gian Galeazzo zum Mächtigsten der Familie auf. Er legte den Grundstein zur Kathedrale von Mailand, förderte die Universität Pavia, gründete dort die erste Bibliothek und liess die Universität Piacenza wiederherstellen. Er herrschte als ausgezeichneter, wirtschaftlich denkender Verwalter. Doch seine Träume gingen weit darüber hinaus: Ganz Italien wollte er in die Hand bekommen. Bis vor Florenz schaffte er es. Wer weiss, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn Gian Galeazzo nicht 1402 im Alter von 55 Jahren an der Pest gestorben wäre...
Die vielfältigen Exponate der Ausstellung im Castelgrande sind Leihgaben italienischer wie auch Schweizer Museen, Bibliotheken und Archive. Alte Schriftstücke dokumentieren die Macht des Herzogsgeschlechts im heutigen Tessin. Um ihre Ländereien zu schützen, verzichteten die Visconti auf die Hochtäler im Norden und bauten die Festungen in Bellinzona zum unüberwindlichen Bollwerk aus. Andere Stücke erinnern an die berühmte Schlacht bei Giornico 1478 gegen Gian Galeazzo Sforza, dessen Mutter eine Visconti war. Damals vertrieb eine kleine eidgenössische Schar von 575 Mann, darunter 400 Einheimische, mit List, Tapferkeit und Glück das aus 10’000 Soldaten bestehende Mailänder Heer aus der Leventina, dem Ticino-Tal zwischen Airolo und Biasca. Dies begründete die Schweizer Vorherrschaft im Herzogtum.
Ergänzt werden die alten Stücke durch aufwendige Kopien und Rekonstruktionen prächtiger Kleidungsstücke der Familie Sforza-Visconti, aber auch von Geschmeide jener Glanzzeit, in der das Herzogtum Mailand als europäisches Zentrum der Goldschmiede- und Webereikunst sowie der Malerei galt. “Nur wenn wir die Taten und Schöpfungen unserer Vorfahren kennen, können wir unsere Wirklichkeit, unsere Gegenwart bereichern”, so der Veranstalter, Bellinzona Turismo, über die Ausstellung.
Preis
Regulär CHF 15,- Ermässigt CHF 7,50 Familien CHF 20,-
bis 9. November Mo bis So 10.00-18.00 Uhr, im Juli und August bis 19.00 Uhr