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Von Michelangelos Plan blieb außer der Ausschmückung des Kuppelraumes die Anlage der hinteren Kirchenteile und vor allem die herrliche Kuppel, deren Krümmungslinie und schöne Verhältnisse das immer wieder nachgeahmte Vorbild für die meisten Kuppelbauten bis zu unserer Zeit bilden. Die Einzelheiten rühren von den verschiedenen Bauleitern besonders der letzten Zeit her, und es ist deshalb verständlich, daß eine vollkommen einheitliche Wirkung nicht entstehen konnte.
Durch den Anschluß des Langhauses ist auch die von Bramante beabsichtigte Wirkung des Innern beeinträchtigt worden, und man muß, um sich dieser bewußt zu werden, den Mittelraum von einem der Querarme aus betrachten.
Es ist nicht zu leugnen, daß Viele von der Peterskirche bei dem ersten Anblick und Betreten enttäuscht werden. Die gewaltige Kuppel kommt aus den obenerwähnten Gründen in der Nähe nicht zur vollen Geltung, man muß sie von ferne schauen, um das Riesenhafte derselben zu ermessen. Das Innere erscheint auch beim ersten Anblick kleiner, als es ist, zum Teil deshalb, weil die wuchtige Vorderseite einen ungewöhnlichen Eindruck von Größe macht, hauptsächlich aber, weil man nicht sofort einen augenfälligen Maßstab für die inneren Verhältnisse findet, wie einen solchen die reiche Gliederung und das Schmuckwerk in gotischen Kirchen geben. Man muß diesen Maßstab erst durch Betrachtung der Einzelteile gewinnen, dann freilich stellt sich bald das Gefühl der unendlichen Weite ein.
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Michelangelos Nachfolger. Daß die weitere Entwicklung der römischen Baukunst nur durch Michelangelo bestimmt wurde, erscheint begreiflich. Die bei der Peterskirche beschäftigten Baukünstler waren sämtlich Schüler oder wenigstens begeisterte Verehrer Michelangelos und schöpften fast alle mehr oder weniger aus seinem Geiste die Gedanken für ihre eigenen Werke. Dabei wurde nun von Vielen das Aeußerliche und Gewagte, das Abweichen von der strengen Gesetzmäßigkeit, als Hauptsache betrachtet. Es wurden aus Michelangelos Werken Regeln abgeleitet, die er nie gegeben und nie zu geben beabsichtigt hatte. Michelangelo schuf, wie jeder große Meister, der jeweiligen Aufgabe entsprechend, für jedes Werk eigene Regeln, nur unter Beibehaltung bestimmter fester Grundsätze. Die Nachfolger suchten gerade umgekehrt die Aufgabe den Regeln unterzuordnen.
^[Abb.: Fig. 445. Lucca della Robbia: Maria mit Kind und Engeln.
Florenz. Nationalmuseum.] ¶
Vignola. Zu diesem Kreise von «Theoretikern», bei denen das Lehrhafte und Berechnende die freie Erfindungsgabe einengte, gehört vor allem Giacomo Barozzi, genannt Vignola (1507-1573),
der auch als Verfasser größerer Lehrbücher von Bedeutung ist. Von Julius III. war er mit dem Bau der Villa des Papstes, die «Vigna di Papa Giulio» betraut worden. Vignola war hier jedoch mehr Ausführer, als selbständiger Erfinder, da der Plan wahrscheinlich vom Papste selbst mit Benutzung von Gedanken Bramantes, Rafaels u. a. entworfen wurde. Von bedeutenderen eigenen Bauten ist das Schloß Caprarola bei Viterbo zu nennen (Fig. 426) und in Rom die Kirche «del Gesu», welche für eine ganze Reihe von Kirchenbauten vorbildlich wurde (Fig. 427). Vignola kann als der hauptsächlichste Vermittler der Kunstweise Michelangelos betrachtet werden, da er, abgesehen von seinen Schriften, in den Bauwerken allgemeinverständlicher war, als der Hauptmeister selbst. Der kleinere Geist ist eben leichter zu erfassen als der große, und kann daher auch eher Schule machen.
Für Vignola war ausschließlich die Antike maßgebend und vor allem der römische Baumeister und Schriftsteller Vitruvius, auf dessen Schriften auch sein eigenes Lehrbuch fußte. Er hatte für das Verhältnis der einzelnen Bauglieder zu einander aus den Werken der Antike bestimmte Verhältniszahlen herausgerechnet und diese zu Regeln verwendet. Das Grundmaß war der Durchmesser eines unteren Säulenschaftes, daher denn auch für die ganze Einteilung der Baukunst die fünf Säulenordnungen (dorisch, jonisch, korinthisch, römisch, etruskisch oder toskanisch) maßgebend sind. Während Vignolas Vorgänger die Verhältnisse nach ihrem eigenen künstlerischen Gefühl regelten, hält er sich ausschließlich an das «ausgerechnete Gesetz». Dieser Mangel an künstlerischer Freiheit, die völlige Unterordnung unter die verstandesmäßige Rechenkunst prägt sich auch in den Werken Vignolas aus, welche oft ziemlich nüchtern und schwunglos erscheinen, obwohl die Einzelheiten von
^[Abb.: Fig. 446. Andrea della Robbia: Wickelkind.
Florenz. Kinderspital.]
^[Abb.: Fig. 447. Andrea della Robbia: Die Heimsuchung.
Pistoja. S. Giovanni.] ¶