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Schon seit längerem lag es in der Luft, dass die norwegische Regierung möglicherweise neue Konzessionen für die Postschiff-Route entlang der norwegischen Küste erteilt. Seit letztem Freitag ist es definitiv: Für mindestens die Periode von 2021 bis 2030 wird nebst dem aktuellen Lizenzinhaber Hurtigruten ASA neu auch die Firma Havila entlang der norwegischen Küste Schiffs-Liniendienste anbieten können. Verkehrsminister Ketil Solvik-Olsen erklärte laut dem norwegischen Portal «E24», dass die Regierung einerseits sicherstellen wollte, dass weiterhin ganzjährig 34 Häfen an der Küste mit Personen und Fracht angefahren werden, und dass man nun mit der Schaffung von Konkurrenz dieses Angebot für die Kunden verbessern wolle. Hurtigruten und Havila würden künftig sowohl miteinander kooperieren als auch konkurrieren müssen.
Total waren von der norwegischen Regierung drei Verträge mit insgesamt 11 Routen ausgeschrieben. Künftig wird Hurtigruten mit sieben Schiffen unterwegs sein und Havila mit vier Schiffen. Beide Reedereien befahren dieselbe Route, wie bisher von Bergen bis nach Kirkenes und zurück, allerdings an unterschiedlichen Tagen. Die vom norwegischen Staat ausbezahlten Gelder bleiben in der Summe gleich - bei der Postschiffroute handelt es sich ja vor allem um eine für grosse Teile der norwegischen Bevölkerung wichtige Versorgungs- und Verbindungsroute, und nur in zweiter Linie um eine touristische Kreuzfahrtroute. Das heisst, es werden jährlich 788 Millionen Kronen (umgerechnet knapp 97 Millionen Franken) für den Betrieb der Küstenroute ausbezahlt - nunmehr aber an zwei Unternehmen, die sich diese Summe teilen müssen.
Wer ist die Havila Shipping?
Ab 2021 erhält Hurtigruten also Konkurrenz durch die Reederei Havila Shipping, welche in Besitz des norwegischen Reeders Per Sævik ist. Dieser war bisher vor allem als Offshore-Reeder bekannt (Havila hat 23 Offshore-Schiffe für Untersee-Bauprojekte, Bohrplattform-Versorgung etc.) und hat bislang keinen Personentransport betrieben. Das Unternehmen mit Sitz in Fosnavåg, nahe Alesund, bewarb sich dennoch im Januar 2018 offiziell um eine Lizenz ab 2021 und erhielt nun prompt den Zuschlag.
Die Reederei wird nun vier nagelneue Schiffe bauen, welche exklusiv auf den Postschiffrouten zum Einsatz kommen. Diese sollen Platz für 600 Personen anbieten und über Hybrid-Antrieb, LNG und Akkutechnik verfügen. Weitere Details sind nicht bekannt; auch nicht, welche Werft die Schiffe bauen soll. Der norwegische Staat freut sich aber bereits, dass die Schadstossemissionen entlang der Küste dank dem Einsatz neuerer Schiff ab 2021 um ein Viertel gesenkt werde.
Was bedeutet das nun für die Hurtigruten?
Durch die neue Konkurrenz muss sich nun auch Hurtigruten, welche die Postschifflinie an der norwegischen Küste seit 1893 exklusiv bediente, Gedanken über die künftige Ausrichtung machen. Konzernchef Daniel Skjeldam wird im «E24» folgendermassen zitiert: «Die Verhandlungen mit der Regierung waren zäh und viele potenzielle Konkurrenten schieden früh freiwillig aus, weil sie davon ausgingen, dass man die Küstenschifffahrt nicht gewinnbringend betreiben kann. Der nun entstehende Preiskampf wird für unser Unternehmen Konsequenzen haben. Wie diese aussehen, werden wir nun in Ruhe abklären.»
Durchgesickert sind aber bereits erste Massnahmen: So werden die drei grössten Schiffe der Hurtigrutenflotte - die MS Trollfjord, die MS Midnatsol und die MS Finnmarken - künftig nur noch kommerzielle Routen zwischen Bergen und Kirkenes fahren. Das heisst, sie werden auf der Route nur noch bestimmte Häfen anfahren und sich vermehrt für Kreuzfahrtkunden aus aller Welt öffnen, und dafür nicht mehr im Lokalverkehr für die norwegische Bevölkerung unterwegs sein. Des Weiteren dürfte Hurtigruten ihr sehr erfolgreiches Segment mit Expeditionskreuzfahrten in die Arktis und in andere Meere noch weiter ausbauen. Zwei Expeditionsschiffe mit Hybrid-Antrieb, die Roald Amundsen und die Fridtjof Nansen, sind bereits in Bau und werden ab 2019 in Dienst gehen.
Unter dem Strich wird Hurtigruten also, aus Sicht von Nicht-Norwegern, stärker zum klassischen Kreuzfahrtunternehmen werden. Entlang der norwegischen Küste dürften dann mit den drei grossen Schiffen nur noch berühmte Orte wie Alesund, Trondheim, der Geirangerfjord oder das Nordkap bei Honningsvaag angefahren werden, während kleine Orte wie Båtsfjord oder Brønnøysund nur noch mit den kleineren Schiffen im regulären Linienverkehr angefahren werden. Damit verliert die klassische Hurtigruten-Reise etwas von ihrem ureigenen Charme, aber wird natürlich für grössere Kundengruppen attraktiv. Wer will, kann sicher auch künftig noch mit den kleineren Hurtigrutenschiffen - oder mit den neuen Havila-Schiffen - die lange «Schönste Seereise der Welt» erleben.