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Rapperswil-Jona: Schurkenliebe
Was den amnestierten russischen Oligarchen Michail Chodorkowski bewogen hat, in Rapperswil-Jona ein Gesuch für Wohnsitznahme zu stellen, ist unklar. Er hat sich bisher dazu nicht geäussert. Es darf also spekuliert werden.
Sind es familiäre Gründe? Seine Kinder sollen ja in St. Gallen die private Nobelschule Institut am Rosenberg besuchen. Sind es geschäftliche Gründe? Da hat Rapperswil-Jona immerhin schon gute Erfahrungen mit Oligarchen. Höchst diskret wurde 1987 der Südafrikaner Jürgen Hasse in der Rosenstadt untergebracht. Er war Direktor und Mitinhaber der milliardenschweren Ölhandelsfirma Marimpex. Diese versorgte über Hamburg den Apartheidstaat und dessen Armee mit Öl, das illegal von Tankern auf hoher See auf andere umgeladen wurde. Wegen des Uno-Embargos musste Marimpex in die Schweiz umziehen, die damals noch nicht Mitglied der Vereinten Nationen war. Für den Kanton St. Gallen hat sich die Ansiedlung der Firma in der mit Mauern und Videokameras abgeschirmten Seevilla Centum Prata in der stillen Kempraterbucht gelohnt. Hinter dem Maschinenbaukonzern Bühler in Uzwil war Marimpex zweitgrösste Steuerzahlerin. Nach einem desaströsen Irandeal stellte die Firma die Geschäftstätigkeit 1993 ein.
Chodorkowski wird das Ölgeschäft kaum wiederaufnehmen wollen. Aber es bietet sich etwas anderes an, mit dem der Oligarch zwar kein Geld verdienen, aber doch sein Ego befriedigen kann: Das Schloss Rapperswil sucht eine neue Nutzung. Bis jetzt ist dort das Polenmuseum mit einer verstaubten Ausstellung aus der Epoche des Kalten Kriegs untergebracht. Einige formale Änderungen, und daraus wird ein Anti-Putin-Museum. In Zeiten der Krimkrise eine zukunftsträchtige politische Investition.