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Ausgehend vom Beispiel des Corona-Virus informierte Infosperber am 19. Oktober darüber, dass Faktencheck-Organisationen im Dienste der USA handeln und sich von staatsnahen Organisationen finanzieren lassen. Am 16. Dezember schreibt die NZZ von «Interessenkonflikten», «mangelnder Transparenz» und von «Orientierung an behördlichen Informationen».
NZZ-Auslandredaktorin Pauline Voss stützte sich bei ihrer Recherche vorwiegend auf zwei Quellen: Erstens auf ein soeben veröffentlichtes Protokoll einer siebenstündigen staatsanwaltschaftlichen Vernehmung von Anthony Fauci, dem medizinischen Chef-Berater der Präsidenten Trump und Biden. Zweitens auf Datenbanken des International Fact-Checking Network IFNC. Das IFNC ist die Dachorganisation von mehr als hundert «journalistischen» Faktencheck-Organisationen. Geleitet wird das IFNC vom privaten Poynter Institute, einer Journalistenschule in Florida.
«Masken können das Infektionsrisiko sogar erhöhen»
Die NZZ listete Beispiele von Informationen auf, welche das IFNC in den ersten Monaten der Pandemie als Fake News brandmarkte: Einerseits leicht erkennbare Falschmeldungen wie «Bleichmittel oder Sonnenlicht helfen gegen Covid-19». Andererseits warnte das IFNC vor einem Video, das Masken als Schutzmittel empfiehlt. Die Faktenchecker begründeten ihren Befund wie folgt: «Die amerikanische Gesundheitsbehörde empfiehlt Masken nicht für die Allgemeinheit.» Das IFNC zitierte als Beleg auch den Leiter dieser Behörde, der gesagt habe, Masken könnten «das Infektionsrisiko sogar erhöhen».
Etwas später galt diese Aussage dann als Fake News.
Dieses Muster wiederholt sich bei zahlreichen Faktenprüfern: Der Check einer Information besteht lediglich im Abgleich, was Behörden oder staatliche Institutionen wie die WHO oder das Robert-Koch-Institut dazu sagen.
Einseitiges Faktenchecken
NZZ-Redaktorin Pauline Voss kommt zum Schluss:
«Auffällig ist, wie geschärft das Gespür der Faktenchecker des IFNC für Desinformation ist, wenn diese etwa aus russischen oder rechtsgerichteten Kreisen stammt, und wie unkritisch sie im Gegensatz dazu die WHO und westliche Gesundheitsbehörden zitieren, als handle es sich bei deren Aussagen um absolute, unantastbare Wahrheiten, die niemals Eigeninteressen folgten.»
Der Einfluss des Poynter Institute/IFNC ist gewaltig: Das IFNC zertifiziert Faktencheck-Organisationen in westlichen Ländern, darunter etwa correctiv.org in Deutschland, «Maldita» in Spanien, «Pagella Poitica» und «Facta» in Italien, «Full Fact» in Grossbritannien oder die «Agence France-Press» in Frankreich. Damit eine Faktencheck-Organisation lukrative Aufträge von Facebook oder Google bekommen kann, benötigt sie ein Zertifikat des IFCN.
Interessenkonflikte und Finanzierung selten offengelegt
Beim Poynter Institute/IFNC sei «der Interessenkonflikt besonders deutlich», schreibt die NZZ. Diese Zertifizierungsorganisation von Faktencheckern habe im Jahr 2020 von einem staatlichen Fonds in den USA 700‘000 Dollar entgegengenommen und sich gleichzeitig beim Bestimmen von Fake News massgeblich «an behördlichen Informationen orientiert».
Infosperber hatte weitere Finanzquellen zitiert, die das Poynter Institute/IFNC selber angibt, allerdings nennt es nicht die jeweilige Höhe der Beiträge:
- Das von der US-Regierung finanzierte National Endowment for Democracy (NED);
- die Luminate – Omidyar Network Foundation;
- die Bill & Melinda Gates-Stiftung;
- die George Soros Open Society Foundation
- die Google News Initiative;
- Facebook.
Stiftungen wie das NED oder die Open Society sind bekannt dafür, aussenpolitische Ziele der US-Regierung zu unterstützen (Infosperber berichtete darüber). Sie finanzierten manche oppositionelle Bewegungen in Ländern, in denen US-feindliche Regierungen an der Macht waren. Das zeigten Wikileaks Enthüllungen.
Die Omidyar Network Foundation unterstützt finanziell viele Medien und auch Faktenprüfungs-Organisationen. Pierre Omidyar ist der Gründer von Ebay. Seine Gruppe ist beispielsweise der grösste einzelne Sponsor von Correctiv.
Facebook, einer der Sponsoren des IFNC, hat fast ein Jahr lang Meldungen blockiert, die in Frage stellten, dass das Corona-Virus von Tieren stammt.
Correctiv stützte sich oft ausschliesslich auf Auskünfte und Darstellungen der deutschen Regierung und des Robert-Koch-Instituts, wenn es um Kritik an Corona-Massnahmen der Behörden ging.
Intransparentes «Faktenchecken» von Bildmaterial für ARD, ZDF, SRF, BBC, Reuters, Facebook und Twitter
Es ist nachvollziehbar, dass grosse Medien zusammenarbeiten, wenn es darum geht, Filmmaterial und Bilder des internationalen Geschehens auf ihren Wahrheitsgehalt aufwändig zu überprüfen.
Im Jahr 2019 gründeten führende Medienkonzerne die Trusted News Initiative TNI. Ende 2020 beschloss die TNI, insbesondere «schädliche Desinformation über Impfstoffe zu bekämpfen». Laut Voss kooperieren in der TNI «Medienhäuser wie die BBC, die «Washington Post», Reuters, aber auch Twitter, Google und der Facebook-Konzern Meta». Meinungen, wonach die Corona-Impfung die persönliche Freiheit einschränke oder Informationen, wonach Covid-19 gar nicht so gefährlich sei, müssten als Falschinformationen eliminiert werden.
In der Schweiz ist die Radio- und Fernsehgesellschaft SRG Mitglied der TNI. Ein SRG-Sprecher erklärte gegenüber der NZZ, das Schweizer Fernsehen und Radio könne von dieser «Verifizierung von Quellen und der Bekämpfung von Desinformation» profitieren.
Die NZZ kritisiert, dass die TNI im Geheimen operiere und keine Angaben über die als Fake News deklarierten Informationen und deren Quellen bekanntgebe. Die TNI habe weder eine Webseite noch veröffentliche sie Berichte über ihre Arbeit: «Auf mehrmalige Anfrage bei der federführenden BBC erhält man nach neun Tagen einige glattpolierte, zitierbare Zeilen, die auf die gestellten Fragen kaum eingehen.»
Öffentlich einsehbare Leitlinien, welche die Klassifizierung von Fake News definieren und ihr damit Regeln auferlegen, würden bei der TNI nicht existieren. Die NZZ weiter: «Die mangelnde Transparenz der TNI erstaunt, die ja schon im Namen [«trusted»] den Anspruch erhebt, Vertrauen schaffen zu wollen.» Gerade bei der Zusammenarbeit mit Social Media könne es zu Interessenkonflikten kommen, wenn etwa Facebook oder Twitter, wie in den USA geschehen, «sich bei der Moderation ihrer Inhalte an Wünschen von Behörden oder Wahlkampfteams orientieren.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.