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Die saudi-arabische Mode will sich auf der internationalen Bühne weiterentwickeln. Aus diesem Grund organisierte der saudi-arabische Thronfolger Mohammed bin Salman (MbS) kürzlich eine Doppelveranstaltung während der Pariser Herrenmode- und der Haute Couture-Woche.
Zum einen wurde zwischen dem 24. und 27. Juni, also mitten in der Men's Fashion Week, ein Showroom in der Cité de l'Architecture et du Patrimoine eingerichtet. Zu sehen waren saudische Marken und Konfektionskollektionen für Damen, Herren und Unisex, von denen viele in Saudi-Arabien hergestellt wurden. Vom 3. bis 5. Juli fand dann eine Couture-Schau im Hôtel Marcel Dassault statt, das das Auktionshaus Artcurial im Herzen des "Goldenen Dreiecks" von Paris beherbergt.
Diese beiden Veranstaltungen wurden von dem Programm "Saudi 100 Brands" vorangetrieben, das von der saudischen Modekommission ins Leben gerufen wurde. Die Kommission wurde im Jahr 2020 unter der Aufsicht des saudi-arabischen Kultusministeriums eingerichtet. All dies ist Teil einer umfassenderen Strategie, die das Ministerium verfolgt. Wie es in einer Pressemitteilung heißt, führt die Region einen "kulturellen Wandel an, um ein reichhaltiges Ökosystem zu entwickeln, das die Kreativität fördert, das wirtschaftliche Potenzial des Sektors freisetzt und inspirierende neue Ausdrucksformen hervorbringt".
Burak Cakmak, CEO der Fashion Commission, sagte: „Indem wir die saudische Mode auf der Pariser Modewoche präsentieren, helfen wir unseren Designer:innen, ihren rechtmäßigen Platz auf der Weltbühne einzunehmen. Von Haute Couture über Herrenmode bis hin zu Schmuck und Accessoires - wir laden alle ein, zu entdecken, was die saudische Mode zu bieten hat. Ich bin zuversichtlich, dass sich unsere Gäste von der neuen Generation saudischer Designer:inne inspirieren lassen werden, die mit ihren zeitlosen Kreationen neue Maßstäbe setzen.“
Er betonte auch den Wunsch, die Reichweite der saudischen Mode auf globaler Ebene zu erweitern und bestätigte ihre Entwicklung mit Zahlen. Bis 2025 wird ein Wachstum von über 32 Milliarden US-Dollar (29 Milliarden Euro) erwartet.
Obwohl dies eine Premiere für Paris war, ist die Stadt des Lichts nicht die einzige Modehauptstadt, in die das Programm Saudi 100 Brands investiert hat. In 2022 und 2023 wurde saudische Mode auch in Mailand im Rahmen der Messe White Milano ausgestellt.
Viele der gezeigten Stücke gehörten zum Segment der " Modest Fashion ", das Kleidungsstücke umfasst, die ursprünglich für muslimische Frauen entworfen wurden, aber auch von Menschen christlichen und jüdischen Glaubens getragen werden. Die Präsenz von Modest Fashion in den Ausstellungsräumen ist vor allem auf den Einfluss der Fashion Commission zurückzuführen, die unter anderem dafür sorgen will, dass die Modeindustrie den saudischen Werten und Traditionen verpflichtet ist.
Mode als Teil des Plans "Vision 2030"
Die Entwicklung der saudischen Mode steht im Einklang mit dem Ziel der "Vision 2030" Saudi-Arabiens. Dieser 2016 gestartete umfassende wirtschaftliche und soziale Modernisierungsplan zielt darauf ab, die Aktivitäten des Königreichs über das Öl hinaus zu diversifizieren und auszuweiten. Dazu soll der Anteil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) außerhalb des Ölsektors von 16 auf 50 Prozent erhöht und der Beitrag des Privatsektors zum BIP von 40 auf 65 Prozent gesteigert werden. Schließlich zielt die Strategie auch darauf ab, den Anteil der Frauen an der Erwerbsbevölkerung von derzeit 22 Prozent auf 30 Prozent zu erhöhen.
Einem im März 2023 von der Modekommission veröffentlichten Bericht zufolge soll der saudische Modesektor bis 2022 1,4 Prozent des BIP des Königreichs erwirtschaften, was einer Bruttowertschöpfung von 12,5 Milliarden US-Dollar entspricht. In dem Dokument heißt es, dass diese Wertschöpfung hauptsächlich durch den Konsum in Verbindung mit Groß- und Einzelhandelsaktivitäten generiert wird.
Mit Blick auf die Beschäftigtenzahlen informiert das Dokument, dass Schätzungen zufolge bis 2022 "das Mode-Ökosystem 1,8 Prozent der gesamten saudischen Erwerbsbevölkerung ausmachen und 230.000 Menschen beschäftigen wird". Die Mehrheit dieser Arbeitskräfte ist weiblich (52 Prozent).
Für eine erfolgreiche Entwicklung des saudischen Modesektors muss das Königreich in der vorgelagerten Wertschöpfungskette investieren und seine Kapazitäten in der Produktion von Bekleidung und Textilien sowie in der Produktentwicklung erhöhen. Derzeit ist das Land stark von importierten Rohstoffen und Fertigprodukten abhängig. Obwohl im Bereich der Rohhäute, des Leders und der synthetischen Textilien bereits gewisse Ressourcen vorhanden sind, bleibt dieser Bereich weitgehend ungenutzt und ist aus technischer Sicht nicht innovativ genug.
Die Modelandschaft in Saudi-Arabien weist heute einen hohen Anteil an importierten Produkten,hauptsächlich aus China, auf. Obwohl die Bekleidungsexporte zwischen 2012 und 2021 um 11 Prozent zunahmen, stiegen die Importe im gleichen Zeitraum um 42 Prozent.
Neben der Produkt- und Branchenentwicklung werden auch andere Aktionspunkte zur Förderung der Entwicklung umgesetzt: Bildung und Kreativität, Einzelhandel, Storytelling und Veranstaltungsorganisation sowie Nachhaltigkeit. 2018 organisierte Saudi-Arabien seine allererste Modewoche.
Im Juni trafen sich Prinz Mohammed bin Salman und Präsident Emmanuel Macron, um die Beteiligung des saudischen Staates an der Organisation der Weltausstellung 2030 zu unterstützen. Während der saudische Staatschef wegen seiner Rolle bei der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 noch als Paria auf dem internationalen Schachbrett galt, wurde der Mann inzwischen begnadigt. Laut France 24 ist MBS seit der Invasion in der Ukraine im Februar 2022 aus seiner globalen Isolation herausgetreten, um sich mit führenden Politiker:innen zu treffen.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.fr