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Nicht das Tennismatch, sondern häufig repetitive Haushaltstätigkeiten oder monotones Arbeiten am Computer führen zum Tennisarm. Abwechslung ist angesagt.
Herr Preuss, woher kommen Ausdrücke wie «Tennisarm» oder auch «Golferellbogen»?
Ein typischer Bewegungsablauf beim Tennis besteht darin, das Handgelenk zu strecken und den Ball scharf zu spielen. Im Medizin-Jargon heisst das: Streckung des Handgelenks unter Last. Man muss sich eigentlich nur die Funktion der dazu nötigen Muskeln oder Sehnen vorstellen, deren Ansatz am äusseren Ellenbogengelenk angesiedelt ist. Wird dieser Ansatz überreizt, entsteht der Tennisarm. Verwandt dazu nennt man die Reizung des inneren Ellenbogens den «Golferellbogen», weil beim Golfen viele Bewegungsabläufe mit einer verstärkten Beugung des Handgelenks verbunden sind.
Wer ist gefährdet, einen «Tennisarm» zu bekommen?
Beim «Tennisarm» – oder genauer «Tennisellbogen» – handelt es sich um einen Reizzustand aufgrund einer Überlastung der Sehnenansätze am äusseren Ellenbogen: Somit kann es grundsätzlich jeden treffen, der diesen Ansatz über kurz oder lang überlastet. Zu den häufigsten Auslösern gehören repetitive Haushaltstätigkeiten oder monotones Arbeiten am Computer. Auch Schneeschieben, handwerkliche Arbeiten oder Gartenarbeiten wie Heckenschneiden können einen «Tennisarm» auslösen.
Kann man vorbeugen?
Sicherlich ist besonders für Tennisspieler eine saubere Schlagtechnik wichtig; ansonsten sollte man schauen, dass man monotone, lang andauernde Tätigkeiten meidet, welche eine immer gleiche Bewegung der Hand erfordern. Ansonsten immer wieder Pausen machen und Ellbogen leicht anwinkeln – etwa beim Arbeiten am Computer.
Schonen oder «Zähne zusammenbeissen»?
Definitiv schonen! Ignorieren und weitermachen, womöglich noch unter Schmerzmitteleinwirkung, wäre in etwa so, wie beim Auto die brennende Ölkontroll-Leuchte zuzukleben und weiter Gas zu geben ...
Stellen Sie sich eine Armlänge entfernt vor eine Wand, den erkrankten Arm der Wand zugewandt. Legen Sie die Handfläche auf die Wand, die Finger zeigen nach unten. Drücken Sie sanft gegen die Wand, um ihre Muskeln zu dehnen. Halten Sie diese Position 30 Sekunden. Wiederholen Sie das Stretching drei Mal. Machen Sie diese Übung einmal täglich.
Was kann man gegen die Schmerzen tun?
Es geht besonders im Anfangsstadium darum, möglichst konsequent für Ruhe zu sorgen und mit entzündungshemmenden Massnahmen den Heilungsprozess zu fördern. Kühlen, salben, bandagieren und tapen sind Möglichkeiten. Aber auch Akupunktur und Physiotherapie unterstützen die Heilung. Kleinere Übungen können ebenfalls unterstützend wirken (siehe Box).
Was halten Sie vom Einsatz von Kortison beim Tennisarm?
Meines Erachtens wird deutlich zu oft und zu früh Kortison gespritzt. Der langfristige Nutzen dieser Spritzen wird ohnehin sehr kritisch diskutiert. Für die Patienten ist es natürlich eine sofortige Erleichterung; die Langzeitergebnisse sind aber nicht erfolgsversprechend. Man sollte möglichst mit konservativen und schonenden Massnahmen starten und invasive Methoden wie Cortison- oder Botulinumtoxin-Spritzen sowie Operationen als letzte Massnahmen ins Auge fassen.
Strecken Sie Ihren Arm gerade aus, so dass die Finger gegen den Boden zeigen. Packen Sie die Hand mit der anderen Hand und pressen Sie den Daumen gegen die Handfläche. Drücken Sie den Handrücken so, dass das Handgelenk stärker gebeugt wird. Halten Sie diese Position 30 Sekunden. Wiederholen Sie das Stretching drei Mal. Machen Sie diese Übung einmal täglich.
Einmal «Tennisarm» – immer wieder «Tennisarm»?
Ein klares Jein – wer einmal ein Überlastungssyndrom hatte, läuft sicherlich eine höhere Gefahr, wieder an einem Tennisellenbogen zu erkranken. Es gilt also auf jeden Fall, die bestehende Reizung sehr gewissenhaft auszukurieren und nicht zu früh wieder mit Training oder Belastungen anzufangen.
Hat das Alter einen Einfluss?
Eher nicht – es kann Sportler oder Menschen jeder Altersklasse bei entsprechender Überlastung treffen. Grundsätzlich muss man aber eine saubere Diagnostik und Untersuchung voranstellen, weil ähnliche Schmerzen unter anderem auch durch Probleme in der Halswirbelsäule, Blockierung der ersten Rippe oder anatomische Veränderungen am Ellenbogen bedingt sein können.