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Erfordernisse
Die Lehrperson muss gewisse disziplinarische Rahmenbedingungen schaffen, welche gemeinsames Lernen ermöglichen. Sie versteht es, 20 Kinder oder Jugendliche dazu anzuleiten, einander zuzuhören, miteinander und voneinander zu lernen und weiss dabei zugleich, dass dieses aufmerksame Zuhören nicht immer möglich sein wird.
Antinomische Disziplin
Bemühen und Streben der Lehrkraft sind wichtiger als absolute Zielerreichung, was aber trotzdem heissen kann, dass die Lehrperson Schreien und unaufmerksames Verhalten in gewissen Situationen energisch verbietet und abstellt. Dieses Verständnis von Disziplin als Voraussetzung für einen fruchtbaren Unterricht habe ich ein antinomisches genannt.
Die Lehrperson weiss, dass sie zur Erreichung der im Lehrplan vorgegebenen Ziele auf der Einhaltung von Disziplin bestehen muss, sonst ist sie verloren. Aber sie weiss auch zugleich, dass es Schlimmeres gibt auf dieser Welt, als einer Aufforderung des Lehrers zu widersprechen oder diese zu überhören. Antinomisches Denken ermöglicht eine gelassenere Haltung im Umgang mit disziplinarischen Forderungen in der Schule: Ich weiss als Lehrperson, dass ich im Sinne der Lernzielerreichung auf der Ausführung meiner Anordnungen bestehen muss, aber keine "Rebellion" von Schülerinnen- oder Schülerseite berechtigt mich zu jähzornigem Insistieren oder gar zur Ohrfeige.
Als Lehrperson muss ich darauf achten, dass mein Wort in der Schule gilt, aber wenn ich nur noch darauf bestehe, dass mein Wille im Schulzimmer geschehe, wenn sich meine Optik auf die Vollstreckung meines Willens verengt, dann erniedrige ich mich selber zum Vater Höss, der seinem Sohn Rudolf beibrachte, dass "Wünsche oder Anordnungen der Eltern, der Lehrer, Pfarrer usw., ja aller Erwachsenen bis zum Dienstpersonal unverzüglich durchzuführen bzw. zu befolgen" sind.
Disziplin in der Schule
Als Lehrperson in den bestehenden Strukturen des heutigen Bildungswesens auf der Ausführung meiner Vorgaben zu bestehen, ist legitim und sinnvoll, aber wer nur und ausschliesslich auf der Einhaltung von Disziplin besteht, ist eine Pedantin, ein Pedant ohne jegliche Flexibilität, ohne Humor.
Entscheidend ist die situationsgemässe Art und Weise, Disziplinforderungen zu stellen und damit umzugehen. Disziplin in der Schule ist nicht Selbstzweck, sondern dem Ziel untergeordnet, Kompetenzen und Verfügungskraft über sich selbst, somit Selbstdisziplin zu fördern. Ein solches Verständnis von "Disziplin" könnte man ein "antinomisches" nennen. Es will sich von einem neokonservativen Verständnis von Disziplin abgrenzen, das linear ein Mehr an Disziplin, Ruhe und Ordnung fordert und sich von einer Rückkehr zur "guten alten Zeit" Rettung verspricht.