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Die Frage der Genossenschaften
tai. Nach den Vorstellungen des Mieter-Aktionskomitees sollten die Genossenschaften in den Mieterstreik hineingezogen werden, indem diese die Zahlung der Hypothekarzinsen verweigerten. Genossenschaften müssten sich in die Gesamtfront der kämpfenden Arbeiterschaft einreihen.
Der Mieterstreik stellte das Aktionskomitee vor die Frage, wie man mit Häusern im öffentlichen Besitz und mit Genossenschaftswohnungen umgehen sollte. Auch wenn in solchen Häusern die Mietzinse einige Prozent tiefer sind, würden auch hier riesige Spekulationsgewinne, hohe Profite der BauspekulantInnen und MateriallieferantInnen einkalkuliert, schrieb das Mieter-Aktionskomitee. Für die MieterInnen sei es ganz unwesentlich, ob die horrenden Mietsummen an die öffentliche Hand oder an die Genossenschaftsverwaltung geht. «Auch in den städtischen, staatlichen und Genossenschaftshäusern stehen die Mietzinse in einem krassen Missverhältnis zur Lage der Mietermassen.» Darum müssten «gemeinnützige» Häuser ebenfalls in die Zinsabbaubewegung einbezogen werden. Nur müsse die Form des Kampfes der MieterInnen etwas anders sein.
Die Forderung nach Herabsetzung der Mietzinse wäre in den städtischen Wohnungen eine höchst politische Forderung, weil hier unmittelbar eine politische Behörde entschied. Darum müssten hierbei die Forderungen der MieterInnen mittels der Kommunistischen Partei (KP) gestellt werden. Die KP hätte die Pflicht, die Frage der Herabsetzung der Mietzinsen in den städtischen Häusern als politische Tagesforderung aufzustellen und sie zu erkämpfen. Entsprechend machte die KP diese Forderung Teil ihres kommunistischen Wahlprogramms für die Kantonsratswahlen 1932.
Waffe des Hypothekenstreiks
Bei den Baugenossenschaften sah die Sache anders aus, weil es sich nicht um eine politische Behörde handelt. Hier gelte es, Druck auf die Verwaltungen zu machen, die sich entscheiden müssen, ob sie für oder gegen die Zinsabbaubewegung sind. Feindselige Genossenschaftsverwaltungen müssten neugewählt werden, forderte das Mieter-Aktionskomitee. Die Genossenschaften selber sollten sich dem Aktionskomitee anschliessen. Eine Genossenschaft mit proletarischer MieterInnenmehrheit könne dann den Kampf für die Herabsetzung der Mietzinse verbinden mit einer Aktion für eine Herabsetzung der Kapitallasten, des Hypothekarzinssatzes. Die Genossenschaft soll analog dem Mieterstreik die Zahlung der Hypothekarzinse einstellen, «bis der Kapitalgläubiger sich bereit erklärt, seine Ansprüche auf Zinstribut um einen Betrag herabzusetzen, der das finanzielle Gleichgewicht der Genossenschaft auch bei Herabsetzung der Mietzinse um 25 Prozent gewährleistet». Die Senkung der Mietzinse soll in einer Genossenschaft also durch die Senkung der Hypothekarzinse mittels «der Waffe des Hypothekenstreiks» ausgeglichen werden. Im harten Kampf um die Vorherrschaft in den Genossenschaften sollen Fraktionen der Mieteraktion gebildet werden. «Dieser Kampf von Klasse gegen Klasse spielt sich heute auf den verschiedenen wirtschaftlichen Fronten ab, es ist der gleiche Kampf wie derjenige gegen Lohnabbau, gegen Arbeitslosigkeit (…) etc. Aber es kann nicht bezweifelt werden, dass der Klassenkampf auf der Mieterfront heute mehr als auf jeder anderen Front geeignet ist, neue Massen in die Gesamtfront des Klassenkampfes hineinzuziehen», schrieb Itschner, der Anführer des Zürcher Mieterstreiks.
Die Frage der Herabsetzung der Mieten in den Genossenschaften sei Teil der Frage des Verhältnisses von Genossenschaften und Klassenkampf: «Die Genossenschaft muss verbunden sein mit der Gesamtfront der kämpferischen Arbeiterschaft. Nur dann hat sie eine proletarische Existenzberechtigung. Andernfalls wird sie zum Instrument im Dienste der kapitalistischen Ordnung. Eine engste Verbindung mit dem Gesamtkampf der ArbeiterInnenklasse ist notwendig. Die Genossenschaft soll natürlich nicht blind auf den bürgerlichen Staat drauflosstürmen. Sie muss am Leben bleiben, aber ihr Leben muss dem revolutionären Kampf dienen. Mietzinsherabsetzungen müssen Hand in Hand gehen mit der Herabsetzung der Kapitallasten der Genossenschaften. Das wirksamste Mittel zur Herabsetzung der Hypothekarzinsen ist der Hypothekarstreik der Baugenossenschaften» Der Hypothekarstreik müsse dabei als die notwendige Ergänzung und Verstärkung des Mieterstreiks verstanden werden.
Unvernünftig?
Der Vorschlag des Aktionskomitees wurde in den Genossenschaften diskutiert, fand aber keine Zustimmung bei den Leitungen. Der (sozialdemokratische) Baupräsident der Baugenossenschaft Röntgenhof schrieb in seinem Jahresbericht: «Die kommunistische Mieterstreikaktion (übrigens ein Bluff von ein paar unverantwortlichen Elementen) wird hoffentlich keinen Genossenschaftsmieter Interesse ablocken. Den Theorien, welche sie im ‹Kämpfer› entwickeln, wie jener, die Baugenossenschaften sollen die Hypotheken nicht mehr verzinsen, kann doch kein vernünftiger Mensch beipflichten, es sei denn, er wünsche den Zusammenbruch der Genossenschaften.»