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Was „Nordzustellung“ ist und welche Probleme damit jedes Jahr in Jakutien auftreten, weiß wohl jeder Einwohner der russischen Republik Jakutien. Ende letzten Jahres veröffentlichte die Redaktion von News.Ykt.Ru eine Reihe von Berichten darüber, wie die Bewohner abgelegener Dörfer des Bezirks Allaichovsky Ulus für ein Jahr fast ohne frische Lebensmittel leben mussten. Die aktuelle Situation mit dem Herbstimport von Gemüse sei ziemlich angespannt, sagten die Bewohner der Arktis gegenüber der Nachrichtenplattform News.Ykt.Ru.
Neulich ist ein Lastkahn mit Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten und anderen Gegenstände in Chokurdy angekommen. Die mitgebrachten Produkte sollten auf die Siedlungen des Bezirks verteilt werden, insbesondere in die abgelegenen Dörfern Olenegorsk, Russkoye Ustye, Nychal und Chkalov. Aufgrund der Verschlechterung der Situation auf dem Fluss Indigirka war es jedoch nicht mehr möglich die verderbliche Fracht auf dem Wasserweg zu transportieren.
Lieferprobleme sind seit Jahren bekannt
„Das Problem mit der Lieferung von Gemüse und Obst besteht seit mehreren Jahren“, sagte Galina Krivoshapkina, die Leiterin des Dorfes Olenegorsk. „Im Frühjahr dieses Jahres kam ein Vertreter von Yakutopttorg, dem staatlichen Unternehmen, welches schwer zugängliche Siedlungen mit Lebensmittel beliefert, zu uns. Er meinte, dass das Unternehmen die Probleme mit den Lieferungen selbst lösen würde. Jetzt haben wir erfahren, dass das Gemüse mit einem An-2 Flugzeug zu uns fliegen wird.“
Sie erklärt weiter: „Aber aufgrund des Fehlens einer Start- und Landebahn in Olenegorsk wurde uns angeboten, Lebensmittel mit dem Fallschirm abzuwerfen. Zuerst dachten wir, sie machten Witze, denn ein Windstoß könnte die Ladung in den Wald blasen oder die Fracht würde bei der Landung zerquetscht. Dann verliert das Gemüse seine Attraktivität oder verwandelt sich vollständig in „Brei“.“
Allein nach Olenegorsk sollen auf Wunsch der Anwohner mehr als vier Tonnen Gemüse geliefert werden. Eine weitere Lieferung von Gemüse wird auch im Dorf Chkalov erwartet. Laut dem Chef Alexei Nikolaev hat die Verwaltung bereits einen Platz für den Abwurf und Landung von Waren vorbereitet.
„Diese Methode der Versorgung ist natürlich ungewöhnlich, aber ich stimme ihr zu. Ich bin selbst ehemaliger Flieger und weiß, wie alles läuft. Zuvor wurden auch Lebensmittel und Ausrüstung für geologische Expeditionen importiert. Natürlich wäre es bequemer, wenn ein Helikopter alles auf einmal bringen würde. Aber was können wir tun? Wir haben die Landestelle vorbereitet und warten auf den Flieger. Ich stimme jeder Art von Transport zu, die Hauptsache ist, Qualitätsprodukte für die Menschen zu bringen“, sagt der Chef von Chkalov.
Laut dem Chef des Bezirks Allaikhovsky Ulus, Yakov Eliseev, gab es in abgelegenen Dörfern noch nie Landeplätze für Flugzeuge.
„Die Lieferung erfolgte immer mit Mi-8-Hubschraubern, die im Prinzip keine Landebahn benötigen. Flugzeuge kamen nur im Winter. Anstelle von Fahrwerken hatten sie Skier und die Landung erfolgte immer auf zugefrorene Seen“, meinte Yakov Eliseev.
Trotz der schwierigen Lieferbedingungen seien die Lebensmittelpreise im normalen Rahmen, sagt der Chef des Bezirks Allaikhovsky Ulus. Ein Kilogramm Kartoffeln kostet 80 Rubel, Zwiebeln 75 und so weiter. Die Preisreduktion erfolgt aufgrund der Subventionierung des Transports durch die Regierung der Republik.
Heiner Kubny, PolarJournal