Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03138.jsonl.gz/2282

Das Qualitätsprodukt hat seinen Preis!
Für Kuba ist die Zigarrenproduktion und dessen Export einer der wichtigsten Treiber der heimischen Wirtschaft. Kubanische Zigarren müssen höchsten Qualitätsvorschriften genügen, welche u. a. vorschreiben, dass nur die besten Tabakblätter für die Zigarrenproduktion verwendet werden dürfen. Die Anbaumöglichkeiten für Tabakpflanzen, welche den Qualitätsvorschriften gerecht werden, beschränken sich auf lediglich vier Anbaugebiete – Vuelta Abajo – Semi Vuelta, Partido, Vuelta Arriba.
Die Ressourcenknappheit sowie die Qualitätsvorschriften schmälern das Angebot, welchem eine ständig zunehmende Nachfrage gegenübersteht. Volkswirtschaftlich wie aber auch geschmacklich, begründet dieser Sachverhalt die höheren Preise für die exklusiven kubanischen Zigarren.
Alter und Reifung kubanischer Zigarren
Im Gegensatz zu Honduras, Nicaragua, Dom. Republik oder auch Mexiko, leidet Kuba unter Kapazitätsproblemen, welche auf die beschränkte Anbauflächen sowie die hohe Nachfrage zurückzuführen ist. Kubanische Zigarren werden somit kurze Zeit (wenige Monate) nach ihrer Herstellung sofort exportiert. Im Gegensatz zu den nicht kubanischen Zigarren, welche teilweise mehrere Jahre reifen können, bevor sie exportiert werden, kommen die kubanischen Zigarren fast zu jung und etwas zu wenig gereift auf unseren Markt.
Obwohl die Reifung des Tabaks vor dessen Rollung zur Zigarre erfolgen muss, können zu junge Zigarren trotzdem einen leicht bitteren Geschmack aufweisen, welcher durch den noch nicht verflüchtigten Stoff Ammoniak zurückzuführen ist. Bekannte Methoden diesem bitteren Geschmack entgegen zu wirken, ist einerseits das Ausdampfen und andererseits die mehrjährige Lagerung und somit kontrollierte Nachreifung der kubanischen Zigarren. Das Ausdampfen des bitteren Geschmacks passiert während dem Rauchen indem man die Zigarre an der zuerst abgestrichene Glut mit dem Jet Flame Feuerzeug erhitzt und den Rauch durch die Zigarre bläst. Dieser Vorgang wird ein paar mal wiederholt in der Hoffnung die Bitterstoffe durch die chemische Reaktion (verbrennen) zu vernichten. Weitaus komfortabler und auch eleganter ist eine mehrjährige Lagerung von jungen kubanischen Zigarren im eigenen Humidor. Je nach eigener Vorliebe für den Geschmack einer Zigarre kann unterschiedlich gelagert werden oder aber die Zigarren auch direkt verkostet werden. Hier bewegen wir uns in einem sehr individuellen Bereich und jeder Zigarrenliebhaber soll seine eigenen Wege finden die feinen kubanischen Zigarren zu genissen. Möchten Sie aber dennoch selber lagern (was ich persönlich empfehle), dann lesen Sie bitte weiter.
Aging kubanischer Zigarren
"Aging" ist das englische Wort für "altern" und bedeutet in der Welt der Zigarren die kontrollierte Lagerung und Reifung der Zigarre um diese von bitteren Stoffen zu befreien, resp. diese im Geschmack zu intensivieren oder nach den eigenen Vorlieben zu verändern.
Beim aging dreht sich der ganze Clou um ein paar wenige Parameter, welche jedoch möglichst genau und vor allem konstant eingehalten werden sollten. Durch eine falsche Lagerung können die Zigarren wortwörtlich zerstört werden. Aber keine Angst das passiert nicht schnell, sondern in der Regel nur durch Grobfahrlässigkeit oder hat aber seinen Ursprung in einem Fehler des Zigarrenrollers. Vergessen Sie nie, dass die Zigarre ein Naturprodukt ist und von Hand durch einen Zigarrenroller hergestellt wird.
Temperatur - Luftfeuchtigkeit - Luftzirkulation - Licht - Lagerort
Für eine kontrollierte Langzeitlagerung ist es wichtig, dass Sie sich zu Beginn gut überlegen wo und wie Sie ihre Schätze lagern möchten. Auf eine Lagerung in Tupperware Kisten gehe ich hier nicht ein und möchte auch gleich zu Beginn davon abraten. Die fehlende Luftzirkulation und das zu ofte öffnen der Kisten um die Luftfeuchtigkeit zu überwachen sind nur zwei negative Faktoren, welche kubanische Zigarren nicht verdient haben.
Sofern Sie nicht über einen elektrisch befeuchteten, luftzirkulationsgesteuerten und temperierten Lagerraum verfügen, genügt auch ein normaler Humidor, welcher natürlich Ihren Bedürfnissen resp. Lagermengen angepasst ist (Grösse). Vorweg möchte ich Sie darauf hinweisen, dass sie beim Humidor am falschen Ort sparen würden. Achten Sie beim Kauf auf die Spezifikationen bezüglich verbauter Materialien (Zedernholz), Luftzirkulation und Befeuchtungselement sowie auf das Hygrometer. Ein ordentlicher Humidor wird beinahe ein Leben lang halten!
Sind die Zigarren im Humidor angelangt, kann die Langzeitlagerung beginnen. Die Temperatur im Humidor oder Lagerraum sollte einen Wert von 21 Grad Celsius nicht übersteigen. Tiefere Temperaturen sind problemlos möglich, achten Sie aber stets auf den Luftfeuchtigkeitsgehalt im Humidor. Bei einer kurzfristigen Lagerung darf die Luftfeuchtigkeit je nach Geschmacksvorlieben auch ruhig mal gegen 75% gehen. Bei der Langzeitlagerung hat sich jedoch eine Bandbreite von 68% bis 70% etabliert und bewährt. Haben Sie diese beiden Werte im Griff gilt es sicher zu stellen, dass diese nicht Schwanken. Ändernde Verhältnisse stören den Reifeprozess der Zigarren und können diese im Extremfall sogar zerstören. Dies ist ein weiterer Grund weshalb Sie besser etwas mehr in ihren Safe investieren sollten.
Weiter ist es wie auch wie für die Lagerung von Spirituosen schädlich wenn die Zigarren dem Tageslicht ausgesetzt sind. Lagern Sie wenn möglich an einem dunklen Ort bspw. im Keller wo Sie in der Regel auch die dafür nötige und einigermassen konstante Temperatur vorfinden können.
Die Luftzirkulation simuliert einerseits ein natürliches Klima und verhindert auch den gefürchteten Schimmelbefall. Wenn sie in Ihrem Humidor über keine automatische Luftzirkulation verfügen, dann genügt ein regelmässiges (alle zwei Wochen) öffnen des Humidors für rund 2-3 Minuten. Wenn Sie es mit dem Lüften übertreiben, riskieren sie den Verlust von Aromen!
Die oben beschriebenen Parameter sind grundsätzlich allgemein gültig und werden von Zigarrenliebhabern +/- eingehalten. Das +/- bezieht sich dabei auf die Verpackung der Zigarren. Zigarren befinden sich einzeln, in Tubos, in Kisten oder in Kabinetkisten (Aufzählung nicht abschliessend) im Humidor. Grundsätzlich ist es ratsam Zigarren für die Langzeitlagerung in den Holzkistchen zu belassen und diese nicht einzeln zu Lagern. In Kistchen oder auch in alu Tubos sind die Zigarren besser geschützt und reagieren auf veränderte Verhältnisse langsamer.
Lagerdauer - Degustation
Bei der Lagerdauer befinden wir uns wieder in einem sehr individuellen Bereich. Hierfür kann ich nicht mehr als von Faustregeln sprechen. Zigarren sind verschieden wie die Geschmäcker der Geniesser. Um die perfekte Lagerdauer zu finden, kommen sie um Zwischen-Degustationen nicht herum. Zum Glück!
|Einzelne Zigarren:||Bis 2 Jahre|
|Kistchen:||Bis 5 Jahre|
|Kabinetkistchen:||Bis 10 Jahre|
Daraus resultiert auch die Möglichkeit, sofern Sie ungeduldig werden sollten, die Zigarren, wenn diese noch nicht den gewünschten Geschmack aufweisen resp. noch leicht bitter schmecken, aus den Kistchen zu entfernen und einzeln zu lagern. Dies ist nicht zwingend empfehlenswert, passiert mir jedoch ab und zu mal.
Gerne beraten wir Sie auch persönlich in Ihrem Vorhaben oder hören uns Ihre Erfahrungen im Umgang mit der Langzeitlagerung von kubanischen Zigarren an.
Natürlich können Sie Zigarren auch länger wie die empfohlenen Lagerdauern lagern, nur wird sich dadurch in Regel nichts mehr am Geschmack der Zigarre ändern.