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Eiko Behrens
Die Antikenrezeption des preussischen Klassizismus um 1800 am Beispiel des Mausoleums der Familie von Hoym im Schloßpark zu Dyhernfurth/Schlesien.
Forschungsgegenstand
Die Arbeit widmet sich der baugeschichtlichen Untersuchung des Mausoleums der Familie von Hoym im Kontext der Schloß- und Parkanlage Dyhernfurth in Schlesien (heute poln. Brzeg Dolny, pow. Wolzów).
Schloß Dyhernfurth bei Breslau, ursprünglich für den schlesischen Oberamtskanzler und Freiherrn Georg Abraham von Dyhrn als kleines barockes Herrenhaus an der Oder errichtet, gehörte seit 1770 zum privaten Besitz von Carl Georg Heinrich Graf von Hoym (1739-1807), des preussischen Provinzialministers für Schlesien. Hoym wurde 1770 durch Friedrich II. in sein Amt berufen und war bis zu seinem Tod im Jahre 1807 einer der einflussreichsten Beamten im altpreussischen Staat. Als dirigierender Minister von Schlesien führte und formte er die neue Provinz über einen Zeitraum von mehr als 35 Jahren. Unter anderem galt er als einer der ersten und wichtigsten Förderer des jungen schlesischen Baumeisters Carl Gotthard Langhans, der im Auftrag Hoyms Schloß Dyhernfurth in den Jahren 1771 bis 1790 umgebaut, erweitert und im neuen klassizistischen Stil überformt hat.
Bereits vor 1770 hatte sich Langhans bei Bauprojekten engagiert, die Graf Hoym als höchster Kammerbeamter und unmittelbarer Vertreter der königlichen Macht in Schlesien ausführen liess. Langhans wurde gleichsam Hoyms wichtigster Berater in gestalterischen Fragen. Scheinbar genoss er dabei recht große Freiheiten und konnte seinen künstlerischen Geschmack durchsetzen. Ein dankbares Feld für Langhans' Experimente mit Architektur und Gartenanlagen wurde die alte barocke Residenz in Dyhernfurth. Um das Jahr 1771, also unmittelbar nach der Erwerbung durch Hoym, begann bereits die erste Umbauphase, die dem neuen Besitz - noch ganz im Geiste des Barock - einen repräsentativeren Charakter verleihen sollte. Dies geschah u.a. durch den Ausbau des bestehenden Palastes in eine Anlage mit Ehrenhof und Zufahrtsallee. Der Umbau bestand darin, das einfache barocke Corps des Logis um zwei niedrigere Seitenflügel zu erweitern, während Fassaden und Innenräume umgestaltet wurden. Das neue "Attische Gewand" des Schlosses zeugte bereits vom fortschrittlichen frühen Klassizismus in Schlesien und einem stilistischen Durchbruch in Langhans' Schaffen.
Durch Carl Gotthard Langhans wurde der vorhandene kleine Barockpark nun in eine der schönsten und ersten Gartenlandschaften Preussens verwandelt, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im neuen englischen Stil entstanden sind. Als Vorbild diente der durch Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff geschaffene Wörlitzer Park bei Dessau. Das in mehreren Erweiterungsphasen auf eine Gesamtfläche von etwa siebzig Hektar angewachsene Ensemble wurde durch differenzierte gärtnerische Gestaltung, eine Vielzahl künstlicher Wasserläufe und durch ein komplexes System aus Wegen und Alleen in unterschiedlichste Themen- und Funktionsbereiche aufgegliedert. Neben zahlreichen Pavillons, Schmuckbauten und Denkmalen, einer Försterei, einer Fasanerie, einer Eremitage, einer Wassermühle und einer Seidenraupenzucht, liess Minister Hoym auf dem Parkgelände sogar einen eigenen Weinberg samt Aussichtshaus anlegen.
Auch die Parkbauten, welche innerhalb der zweiten und dritten Umbauphase zwischen 1780 und 1800 errichtet wurden und von denen heute ausser einer Wassermühle nur noch Ruinen und Fragmente erhalten blieben, werden mehrheitlich dem Langhansschen Œvre zugeschrieben.
Den wohl qualitätvollsten Bau im Dyhernfurther Schloßpark stellt jedoch das heute nur noch in ruinösem Zustand erhaltene Mausoleum der Familie von Hoym dar. Es gilt als ein Entwurf des Langhansschülers Friedrich Gilly (1772-1800) und bildete mit seiner Errichtung in den Jahren 1800-1802 zugleich den Abschluß der dritten und letzten Umbauphase des Dyhernfurther Schloßparks. Der schlichte, aus massiven Sandsteinquadern gefügte, dorische Prostylos-Tempel wurde anlässlich des Todes der ältesten Tochter des Grafen Hoym, Antoinette Wilhelmine Gräfin Maltzan, 1799 in Auftrag gegeben und im Jahr 1802 fertiggestellt. Nach seiner Einweihung diente das Mausoleum bis zu seiner Zerstörung im Kriegsjahr 1945 als Begräbnisstätte der Familie von Hoym.
Durch die unverfälschte dorische Ordnung, seine bewusst überhöhten monumentalen Proportionen, seine Materialität und die konsequent archaische Bauausführung "nach Art der Alten" unterscheidet sich das Hoymsche Mausoleum in Stil und Ausdruck sehr deutlich von allen anderen Bauwerken, die während dieser Periode in Dyhernfurth realisiert wurden. Stattdessen erinnert der scharfkantige, massive und auf einfachste geometrische Formen reduzierte Baukörper an die Idealentwürfe jenes als "Revolutionsarchitektur" bezeichneten Klassizismus, wie wir ihn unter anderem aus Gillys Entwürfen kennen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich hierbei um das weltweit einzige noch erhaltene Bauwerk Friedrich Gillys handelt, welches im kunsthistorischen Diskurs - ähnlich der zuvor beschriebenen Arbeiten von Carl Gotthard Langhans - bisher kaum die gebührende Beachtung fand, begründet die Relevanz dieser Forschungsaufgabe.
Forschungsziel
Anhand der vorhandenen Fragmente und auf Basis bislang unveröffentlichten Materials, dass sich in polnischen Archiven und im Nachlass des ehemaligen schlesischen Landeskonservators Richard Konwiarz befand, sollen die Bau- und Entwicklungsphasen dieser kunstgeschichtlich so bedeutenden Parklandschaft erforscht und wissenschaftlich aufgearbeitet werden, um das Werk mit zeitgenössischen Beispielen dieser Periode vergleichen und es innerhalb des Langhansschen Œvres einordnen und bewerten zu können.
Im zweiten, vertiefteren Teil der Forschungsarbeit wird eine Baumonographie des Mausoleums der Familie von Hoym entstehen, die das bislang unerforschte Bauwerk wissenschaftlich analysieren und in seinem kunsthistorischen und zeitgeschichtlichen Kontext betrachten soll. Auch soll die bislang noch unbewiesene und nur durch wenige Quellen unterstützte Vermutung, dass der Entwurf dieser Grabstätte auf den Architekten Friedrich Gilly zurückgeht, eingehend untersucht werden.
Vor Ort werden im Rahmen einer bauarchäologischen Untersuchung die Reste des Ruhetempels und sämtliche noch erhaltenen Fragmente freigelegt, vermessen und fotographisch aufgenommen. Die Auswertung des so gewonnenen Materials soll u.a. die Grundlage für eine detaillierte Objektbeschreibung liefern und darüber hinaus als Basis für die zeichnerische Rekonstruktion der einzelnen Bauteile dienen.
Im Ergebnis soll eine wissenschaftliche Arbeit entstehen, welche die Essenz aller verfügbaren Quellen und Materialien zum Dyhernfurther Schloß- und Parkensemble darstellt und die gewonnenen Erkenntnisse in einem bau- und kunsthistorischen Kontext - dabei insbesondere im Œvre der Architekten Carl Gotthard Langhans und Friedrich Gilly - betrachtet und bewertet.
Laufzeit: seit 2007