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Kürzlich war ein Freund zu Besuch, und nach dem Kaffee kamen wir auf Familienfragen zu sprechen. Genauer gesagt auf ein Problem, das sich in unserer bubenlastigen Familie besonders drastisch stellt: das Ärgernis, dass die Klobrille jeweils, na ja, wie soll ich sagen – dass da eben nach dem Pinkeln eine Sauerei herrscht.
Der Freund hörte sich unsere Sorgen an. Dann sagte er: «Entschuldigung, ich brauche einen Moment», und zog sich auf unser Klo zurück. Das sieht ihm ähnlich, denn er ist Physiker und daher gewohnt, bei der Lösung solcher Aufgaben streng methodisch vorzugehen. Oder sagen wir: Er packt eine Aufgabe grundsätzlich theoretisch an und überprüft seine Lösung dann im praktischen Experiment. Zugleich ist unser Freund, was bei Physikern eher selten vorkommt, ein Witzbold. Nach ein paar Minuten hören wir die Spülung, und er kommt zurück, freudig ein Stück Toilettenpapier in der Hand schwenkend.
Darauf steht:
Wir blicken verdutzt auf die Formel und fragend ins Gesicht unseres Freundes.
Er grinst und erläutert seine Gleichung: «S steht für Streuverlust. Den wollen wir minimieren», doziert er. Der Streuverlust er-gebe sich aus Aufprallenergie (Ae) dividiert durch Zielgenauigkeit (Z). Je höher die Auf-prallenergie und je kleiner die Zielgenauigkeit, desto grösser der Streuverlust – und umgekehrt. «Klar so weit?», fragt er. Klar.
Die Zielgenauigkeit, fährt er fort, setze sich zusammen aus eher statischen Ele-menten, nämlich Talent (T), Übung (Ü), Geduld (G) und Konzentration (K) dividiert durch die festen physikalischen Grössen Mündungsbeschaffenheit (Mü) und Rohrdurchmesser (rD). Je geringer also Talent und so weiter im Verhältnis zu den Eigenschaften des Auslasses, desto kleiner die Zielgenauigkeit. «Könnt ihr folgen?» Natürlich. Die Aufprallenergie wiederum ergebe sich aus den eher dynamischen Elementen Druck (Dr) und Austrittsenergie (aE) multipliziert mit der Fallhöhe (F).
Aha, logisch. Und jetzt? «Ihr müsst euch überlegen, welche Variable ihr beeinflussen wollt und könnt, um den Streuverlust zu verkleinern.» Kaum beeinflussbar seien die Faktoren Mündungsbeschaffenheit, Rohr-durchmesser sowie Druck und Austrittsenergie. Mhm, versteht sich.
Meine Frau und ich überlegen eine Weile ohne Resultat. Schliesslich räuspert sich unser Freund: «Ich würde den Faktor F empfehlen. Geht der gegen null, reduziert sich auch S gegen null.» – «Hinsetzen! Das ist die Lösung!», bricht es aus der besten aller Ehefrauen heraus. «Quod erat demonstrandum», ergänzt unser Freund selbstzufrieden.
Seit diesem Abend wissen wir, was zu tun wäre – mathematisch sauber hergeleitet und unumstösslich bewiesen. Nun bleibt bloss noch ein Problem: Wir brauchen eine Methode, wie wir das in unserem Haushalt auch durchsetzen können. Sicher gibt es auch dafür eine Formel – nur gefunden haben wir sie noch nicht.