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Eine CD, die Anfang der 90er zu scheinbar riesigen Stückzahlen in den CD Geschäften zu finden war, war die damalige Auskopplung zu Stay Tuned, die mit vielen Songs und nur 2 Tracks von Bruce Broughton ausgestattet war. Scheinbar riesig deshalb, weil CD wie auch Film schlichtweg kaum Interesse schürte und in den Regalen wie Blei lag.
Fast 20 Jahre später hat Intrada es geschafft Broughtons Score herauszubringen, in all seiner Diversität, also auch mit den Stücken, die der Komponist für die unzähligen TV-Schnipsel schrieb. Stay Tunederzählt von einem TV-Junkie, der lieber vor der Mattscheibe sitzt als mit seiner Frau etwas zu unternehmen. Als eines Tages ein windiger Typ an seiner Haustüre erscheint und ihm eine Satelittenschüssel und einen Riesen-TV mit 666 Kanälen andreht, ist es um Roy geschehen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Teufelsding holt ihn und seine Familie direkt in die Welt der Fernsehbilder und schmeisst sie in unzählige Abenteuer, Spielshows, Soaps und was-haste-nicht-gesehen.
Bruce Broughton begründet den Antrieb den Film zu machen darin, weil Peter Hyams’ Ausflug ins Komödienfach, für den er zuvor an drei Filmen beteiligt war (Monster Squad, Presidio und Narrow Margin), ein eher seltener ist. „If he was interedted in such a project, I was definitely interested“, wie er im Booklet schreibt. Der andere Grund liegt darin, dass der Film Broughton die Perspektive bot für all die TV-Parodien kleine Scores-im-Score zu schreiben. Davon ist auf der CD so einiges zu hören: The Imaginery TV Suites: Star Track, Driving Over Miss Daisy, Northern Overexposure usw., die geschickterweise ans Ende der CD plaziert wurde. Aber auch im Score selber sind noch vereinzelte Teile enthalten wie etwa in The 3:10 to Yuma oder Sayonara, Mrs. Seidenbaum.
Etwas was Broughton ebenfalls beherrscht und mit viel Freude ausführt (Tiny Toons, Roger Rabbit) sind Cartoonmusiken, eine solche ist im sechseinhalb Minuten dauernden We’re Cartoons zu hören, einem Segment das von Chuck Jones inszeniert wurde.
Der Score selber ist melodisch mit einigen komikhaften Sprengseln gehalten. Das marschartige Titelthema findet dabei häufig Verwendung. Nach dem Thema (Main Title) ist ein erster kleiner Hinweis auf den Komödienaspekt zu hören, wenn Broughton einen Thereminsound verwendet. Ein weiteres Thema hat Broughton für den zwielichtigen Charakter des Spike geschrieben, der den TV-Junkie und seine Familie in seinen TV-Kanal transportiert. Spikes Musik (The Dish) ist im ersten Teil passend hinterlistig und zweideutig ausgefallen, ehe Broughton sich für einen mystisch-gefahrvollen Anstrich entscheidet (ein Synthieklang à la Star Trek I – III ist hier ebenfalls zu hören). Stay Tuned ist nicht nur Komödie pur, auch spannende und dramatischere Passagen wie die Tracks A Bumpy Ride oder Gordon Bashing oder geheimnisvolles wie It Ate my BMX haben Platz. Klar, hie und da muss der Komponist den Geschehnissen auf der Leinwand (und dem Bildschirm eben) Tribut zollen und die typischen Komödientwists und –turns kommen zum Vorschein (That’s My Bike!, You ave Tits). Aber insgesamt ist der Scoreteil von Stay Tuned erstaunlich gut anzuhören, filmbedingt abwechslungsreich und locker flockig. Kein umwerfendes Werk und Klassen von Broughtons besten Arbeiten entfernt, aber nett und für „Broughtonisten“ wie mich eine schöne Zugabe in der Discografie des Komponisten.
STAY TUNED Bruce Broughton Intrada Special Collection 52:01 Min. / 27 Tracks Limitiert auf 1500 Stk.