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Der Ex-Tiger wirkte nach dem Ausscheiden des HC Lugano wie ein Häufchen Elend
Benjamin Conz war beim Ausscheiden des HC Lugano im Rennen um den Einzug in den Playoff Halbfinal ein Faktor. Das Jahr in Lugano hat den Jurassier in seiner Entwicklung zurück geworfen.
Es hat einen Grund, weshalb erfahrene und umsichtige Coachs selbst die talentiertesten Nachwuchs-Torhüter mit Bedacht und Umsicht an ihre Aufgabe heranführen. Nur ganz selten wird ein junger Torhüter derart forciert wie Benjamin Conz. Der 20-jährige kam in der für ihn gerade abgelaufenen Saison in allen 56 Spielen zum Einsatz, und erreichte in der Qualifikation eine Fangquote von 91,17 Prozent, kam in den 6 Playoff-Partien gegen Gottéron jedoch lediglich noch auf 88,55 Prozent (Quelle: www.nationalleague.ch). Sein Gegenüber Christobal Huet erreichte eine Fangquote von 91,25 Prozent. In der letztlich entscheidenden 6. Partie der Viertelfinal-Serie fand Gottéron, das zu diesem Zeitpunkt mit 0:2 zurück lag, durch einen haltbaren Treffer von Adam Hasani (23.) wieder ins Spiel zurück. Und unmittelbar nach dem Ausgleich durch Alain Birbaum nach exakt 31,26' leistete sich Conz den folgenschweren Fehler, der zur erstmaligen Führung Gottérons nur 17 Sekunden nach dem Ausgleich führte. Pavel Rosa erzielte den Treffer zwischen den Beinen von Conz hindurch, nachdem dieser den Puck hinter dem Tor an Christian Dubé verloren hatte. Die Fribourger kamen also fast geschenkt zu dieser Führung, welche sie danach zwar nochmals abgeben. Sie gewannen das Spiel schliesslich in der Verlängerung doch noch.
Benjamin Conz brachte nun hintereinander zwei Teams in die Playoffs, welche im Jahr zuvor noch die Playouts bestreiten mussten. In der Saison 2010/11 hexte Conz die Tiger mit einer Fangquote von 90,84 Prozent in die Playoffs, und hielt diesen Wert auch in den Playoffs beinahe aufrecht (90,57 Prozent). Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass Conz bis zum Spiel vom 22. Januar 2011, als die Tigers in Rapperswil die Playoffs definitiv sicher stellten, in 40 Spielen auf einen Gegentor-Schnitt von 3,025 kam, danach für den Rest der Qualifikation auf einen Schnitt von 4,0 zurück fiel, und sich in den Playoffs in dieser Hinsicht nur unwesentlich steigerte (auf 3,75 Tore pro Spiel). Auch in Langnau hielt also Benjamin Conz seine insgesamt tolle Leistung nicht in jeder Beziehung bis zum Schluss durch, was mit Sicherheit auch mit der Leistung seiner Vorderleute zu tun hatte.
Entwicklung von Conz für «Besitzer» Chris McSorley kein Thema?
Die Saison in Langnau hat dem jungen Jurassier mit Bestimmtheit nicht geschadet. Sie hat ihm trotz grosser Belastung genützt. Zusammen mit einem Team von Desperados, welchem die Experten kaum den Ligaerhalt zutrauten, schaffte Conz völlig sensationell den Sprung in die Playoffs. Aber in Lugano schien «Super-Benjamin» irgendwie verloren. Er war plötzlich nicht mehr der Rückhalt eines Desperado-Teams, sondern hütete das Tor hinter einer Defensiv-Abteilung von überschätzten, überbezahlten und zum teil überalterten Stars, welche die Schuld für ihr Versagen einmal mehr auf den Torhüter abwälzten. Im Jahr zuvor sah auch Stanley-Cup – Sieger David Aebischer hinter Nummelin und Co. uralt aus, was damals kaum ein Experte mit der Leistung von Aebischers Vorderleuten in Verbindung brachte. Mit psychischer Gewalt (Androhung der Ersatzbank in Genf) murkste der profitgierige Servette-Mitbesitzer Chris McSorley im letzten Frühling Conz, welcher gerne in Langnau geblieben wäre, zum HC Lugano. Offenbar war dem Genfer Hockeygeneral die Entwicklung von Conz keine Überlegung wert. Langnaus letztjähriger Playoff-Held hat in der Saison 2011/12 keine erkennbaren Fortschritte gemacht. Doch wer weiss, was die Erfahrung im Umgang mit überschätzten und überbezahlten Stars in Zukunft wert sein wird. Derzeit ist jedoch Conz' spielerische Zukunft noch offen.
Daniel Steiner strafte Kritiker Lügen
Ein anderer Ex-Tiger spielte im Tessin eine weitaus bessere Rolle, als ihm dies viele zugetraut hätten. Gemäss der Meinung von Experten sollte Daniel Steiner nur in Langnau funkionieren. Seine Gastspiele in Zürich und Rapperswil verliefen unglücklich, also musste das Experiment im Star-Ensemble von Lugano zum Scheitern verurteilt, so das Urteil diverser Fachleute. Diese übersahen allerdings, dass Steiner bei den ZSC Lions bis zu seiner schweren Hirnerschütterung ein wichtiger Leistungsträger war, danach aber lange brauchte, um wieder an sein früheres Leistungsvermögen anzuknüpfen. Steiner erreichte in der Qualifikation beachtliche 35 Skorerpunkte (16 Tore, 19 Assists), und war damit viertbester Skorer des Teams. Und auch in den Playoffs punktete er (1 Tor, 2 Assists = 3 Punkte). Nach dem Spiel war Steiner verständlicherweise enttäuscht: «Es ist einfach schade, wenn man mit einem Team mit so viel Potential in den Playoffs kein einziges Heimspiel gewinnen kann. Ich fühle mich leer und bin völlig enttäuscht.» Angesprochen auf seine persönliche Saisonbilanz meinte er nur: «Dafür ist es noch zu früh. Rufen Sie mich nächste Woche an, dann machen wir eine Bilanz.» FANTIGER nimmt dieses Angebot gerne an, wird ausführlich mit Daniel Steiner sprechen und das Ergebnis dieses Gesprächs der interessierten Leserschaft zur Kenntnis bringen.