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Barbara Ehrenreich Blutrituale. Ursprung und Geschichte der Lust am Krieg München: 1997.
John Keegan Die Kultur des Krieges Berlin: Rowohlt Berlin Verlag, 1995. 600 Seiten.
Eine Kulturgeschichte des Krieges, die von der Antike bis ins 20. Jahrhundert reicht.
Cora Stephan Das Handwerk des Krieges Berlin: Rowohlt Berlin Verlag, 1998. 320 Seiten.
Was trieb Männer jahrtausendelang dazu, immer wieder und oft auch noch voller Begeisterung in den Krieg zu ziehen?
Martin van Creveld Die Zukunft des Krieges München: Gerling Akademie Verlag, 1998. 350 Seiten.
Versuch, die Entwicklung der Kriegsführung seit 1945 (Guerillakrieg, Vietnam etc.) historisch zu erklären.
Martin van Creveld Aufstieg und Untergang des Staates München: Gerling Akademie Verlag, 1999. 520 Seiten,
Krieg und Kriegführung im Zusammenhang mit der Entstehung und Behauptung der Nationalstaaten.
Kann es einen gerechten Krieg geben? Oder zumindest einen gerechtfertigten? Und welchen Anforderungen müsste ein solcher allenfalls genügen? In der Beurteilung der umstrittenen Frage so genannter humanitärer Militärinterventionen kommen naturgemäss recht unterschiedliche, jeweils wohlbegründete Standpunkte zum Vorschein.
Doch damit ist nur ein aktueller Aspekt herausgegriffen: "Der Vater aller Dinge"* oder zitiert aus dem Einleitungsreferat zumindest "der Vater fast aller Worte" war das Thema des letztjährigen Philosophicums Lech. Mehrere PhilosophieprofessorInnen, aber auch Kunst- und Medienwissenschaftler, eine Juristin, ein Politologe und ein Pädagoge lasen im österreichischen Städtchen die Hauptreferate der viertägigen Veranstaltung.
Eine viel versprechende Zusammensetzung. Frauen waren wieder einmal krass untervertreten. Immerhin zeigt die Qualität ihrer beiden Beiträge, dass sie gewiss keine Alibifunktion ausübten. Die gesammelten Referatstexte liegen nun in Buchform vor.
In den zwölf Vorträgen wird allerhand geboten, zuweilen auch nur gestreift: Von nicht alltäglichen Fragestellungen wie "Was verbindet Krieg und Pädagogik?" über provokative Thesen (etwa: "Religion ist Krieg") bis hin zu anekdotischen Nebenbemerkungen (z.B. darüber, dass der vor gut 200 Jahren geprägte Begriff Vandalismus, wie er bis heute verwendet wird, auf einem Fehler beruht und eben auf die Plünderung Roms durch die Vandalen gerade nicht zutrifft).
Unbequeme Tatsachen und dem Mainstream zuwider laufende Einsichten werden da ohne viel Rücksicht auf Tabus, auf linke oder rechte Ideologien präsentiert. Wozu auch vorbehaltlose Zustimmung erheischen, wenn es darum geht, zum Nachdenken und zum Diskutieren anzuregen? Es mag vielleicht nicht alles nahtlos aneinander passen, aber die Beiträge sind auf solidem Niveau und doch so verfasst, dass sich auch LaiInnen keineswegs durch die Texte kämpfen müssen (die zahllosen Anmerkungen und Literaturhinweise lassen sich ja locker überspringen). Nicht allzu oft finden sich in der heutigen Publikationsflut knappe 250 Seiten, die sich derart lohnen.
(pida)Konrad P. Liessmann (Hrsg.): Der Vater aller Dinge Paul Zsolnay Verlag, Wien 2001.
Am Anfang war der Krieg. Diese Aussage mag stimmen, wenn man den Anfang mit der Geschichte der Menschheit gleichsetzt. Früher war Krieg für die meisten Menschen etwas Selbstverständliches, ein Mittel zum Überleben, sobald sich die Menschen zu grösseren Gemeinschaften zusammenschlossen. Es gab zwar schon in der Antike Kunstschaffende, die in Bild und Text die grausamen Seiten des
Krieges festhielten.
Seit der Aufklärung gilt Krieg generell als etwas Schlechtes und ist so gesehen eine junge Erfindung. Wenn man Frieden nicht nur als Abwesenheit von Krieg betrachtet, beinhaltet er eine Gesellschaftsordnung, die für eine bestimmte Zeit von verschiedenen Ländern oder Völkern als gerecht anerkannt wird. Dass Krieg oft Bestandteil einer solchen Ordnung ist, zeigt der Militärhistoriker Michael Howard in seiner komprimierten Universalgeschichte "Die Erfindung des Krieges". Sie beginnt in der frühen Feudalzeit mit dem Kapitel "Priester und Fürsten", erzählt von "Völkern und Nationen", stellt "Idealisten und Ideologen" vor und endet bei den heutigen Kriegen mit "Tomahawks und Kalaschnikows". Historisch gesehen hatten Kriege verschiedene Ursachen und Auslöser, doch in jeder Schlacht zwang die stärkere Partei ihre Gegner, die Waffen zu verbessern oder die Heere zu verstärken. So bildeten sich Kriegereliten, deren Interessen die Kultur eines Volkes stark beeinflussten. Sie errichteten immer wieder neue gesellschaftliche und politische Ordnungen. Howards Geschichtslektion setzt im achten Jahrhundert ein, als Stammesvölker aus dem Osten nach Westeuropa eindrangen. Er beschreibt, wie die Landesherren mit der Kirche zusammenspannten und wie mit der Krönung von Karl dem Grossen und der Bildung des römischen Reiches deutscher Nation eine neue Weltordnung begann. Sie sollte in den folgenden 1200 Jahren noch einige Male abgelöst werden.
Nach innen schufen diese Ordnungen jeweils Frieden, nach aussen rechtfertigten sie den Krieg. Je besser die militärische Elite ihr Handwerk verstand, um so grösser war die Chance, ihre Macht und ihre Ländereien auszuweiten. Der Krieg, so sagt Howard, beginnt in den Köpfen der Menschen, und das gilt auch für den Frieden. Es ist immer eine Minderheit, die erkennt, dass die Güter nicht gerecht verteilt oder einzelne Schichten oder Gruppen ausgebeutet und diskriminiert werden. Früher setzte sich diese Minderheit aus Menschen zusammen, die unabhängig waren, eine hohe Bildung und viel Musse besassen.
Mit der französischen Revolution änderte sich die alte Ordnung grundlegend. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sollte für alle BürgerInnen gelten. Ziel war eine gerechte Gesellschaft, doch statt dessen weiteten sich die Kriege aus und wurden immer grausamer.
Michael Howard schildert die Phasen von einer Weltordnung zur andern bis in die heutige Zeit. Frieden ist immer noch zeitlich und regional beschränkt, vergleichbar mit einer Verschnaufpause in einem Wettlauf um wirtschaftliche und militärische Macht.
(cz)Michael Howard: Die Erfindung des Friedens. Über den Krieg und die Ordnung der Welt. Verlag Zu Klampen, Lüneburg 2001
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