Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03166.jsonl.gz/3330

Philosophie des Mittelalters (pme)
Die Philosophie des Mittelalters umfasst den langen Zeitraum zwischen dem fünften und fünfzehnten Jahrhundert. Daher erstreckt sie sich auf eine große Anzahl von Autoren, Texten und philosophischen Themen. Diese werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, abhängig von den theoretischen Interessen, die die Entwicklung der Philosophie in dieser Zeit prägen, abhängig auch vom philosophischen und kulturellen Hintergrund der behandelten Autoren. Als entscheidende Epoche zwischen Antike und Moderne war das mittelalterliche Denken Hüter der philosophischen Tradition der griechischen Antike, der alten lateinischen und spätantiken Tradition, sowie der jüdischen und arabischen Tradition des Mittelalters. In der Tat ist es den großen Übersetzungsunternehmen des Mittelalters zu verdanken, dass ein umfangreiches Erbe von philosophischen und wissenschaftlichen Texten Eingang in die abendländische Kultur gefunden haben und den folgenden Jahrhunderten übertragen worden sind. Durch diese Vermittlung haben der Aristotelismus sowie Teile der platonischen und neuplatonischen Tradition, von den Denkern des Mittelalters aufgenommen und überarbeitet, die abendländische Philosophie gespeist und bereichert und haben sie bis heute inspiriert.
Das Studium der Philosophie des Mittelalters ist somit ein notwendiger Schritt für das Verständnis der Geschichte der Ideen in der abendländischen Kultur. Die Lehre im Bereich der mittelalterlichen Philosophie bietet eine Einführung in eine Vielzahl von Autoren und Texten, sowohl in thematischer Perspektive (Erkenntnistheorie, Metaphysik, Naturphilosophie, Ethik) als auch in historischer (Kontextualisierung und "Vernetzung" der besprochenen Theorien).
-
Lehre und Forschung
In der Lehre des mittelalterlichen Denkens wird besonderer Wert auf das 13. und 14. Jh. gelegt. Aus dem 13. Jh. werden insbesondere Denker wie Thomas von Aquin, Giles von Rom, Petrus Johannes Olivi oder Dietrich von Freiberg untersucht, die Systeme von grossem philosophischen Interesse entwickelt haben, welche die wichtigsten Ergebnisse repräsentieren, zu denen die Philosophie jener Zeit in ihrer Interaktion mit der Theologie geführt hat. Aus dem 14. Jh. werden Denker wie Duns Scotus, Meister Eckhart, Dante Alighieri und William von Ockham behandelt, die die Entwicklung der Philosophie durch äusserst bedeutende Beiträge in den Bereichen der Metaphysik, Ethik, Erkenntnistheorie, Logik und Philosophie der Natur geprägt haben. Als Erben früherer Spekulationen, haben diese Autoren sich gleichwohl von diesem Erbe abgegrenzt und dabei wichtige Perspektiven in Richtung auf die Moderne geöffnet.
Im Bereich der Forschung steht seit längerem die Beteiligung an einem internationalen kritischen Editionsprojekt der Werke von Franziskus von Marchia (14. Jh.) im Vordergrund, was zur Veröffentlichung von bereits drei Bänden geführt hat, sowie das aktuelle Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds zum Thema "Materie und Raum im mittelalterlichen Denken. Elemente für eine Archäologie des modernen Denkens."
Die Philosophie des Mittelalters engagiert sich zudem an der Arbeit der Buchreihen Vestigia (in Zusammenarbeit mit Prof. Filip Karfik, antike Philosophie), Dokimion und Scrinium friburgense des Mediävistischen Instituts.
-
Mitarbeitende
- Tiziana Suarez-Nani, o.Prof.
- Nicolas D’Andrès, Ober-Ass.
- Valentin Braekman, dipl.Ass.
- Aurora Panzica, Dokt. SNF
- Anik Sienkiewicz-Pépin, Dokt. SNF