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Living Box Wolken ⁄ Küblis ⁄ 2003
NEUBAU NIEDRIGENERGIEHAUS
Pajola, 7240 Küblis
Bauherrschaft: Meredith & George Wolken-Williams
Auszeichnung: 3. Rang Holzbaupreis Graubünden 2004
Das Grundstück liegt am Hang über der Obergasse, der ehemaligen prättigauer Talstrasse. Talseitig der Obergasse reihen sich Bauernhäuser mit angebauten Ställen. Im Westen, am Auslauf des Hanges, steht ein markantes Patrizierhaus, die Pajola. Gegen Norden schliesst ein Feld von beliebigen Einfamilienhäusern an. Der örtliche Quartierplan ermöglicht Terrassenhäuser. Ein schwebender terrassierter Solitär, erwies sich in den Modellstudien als tragfähigster Entwurfsansatz. Das Abheben des Körpers wurde durch Sonderbauvorschriften, welche die Gemeindeversammlung mit grossem Mehr annahm, ermöglicht.
Schnitt
Der Entwurfsansatz, das Gebäude vom Boden abzuheben, erlaubt es auf einfache Weise, in den geologisch schwierigen Grund zu fundieren und die Wiese unter dem Haus zu belassen. Auf längs in den Hang betonierten, gestuften, unsichtbaren Fundamentstreifen steht eine feine Stahlkonstruktion aus marktüblichen feuerverzinkten Walzprofilen, die den Wohnteil mit unbehandelter Fichtenaussenschalung und den Technikkubus mit Duripanelbeplankung trägt. Von einer Betonplattform, die gleichzeitig als Parkfeld dient gelangt man über eine Stahlbrücke in das Haus Wolken. Parallel zum Hang zieht sich eine Erschliessungs- und Bäderschicht durch das Gebäude, die im Westen auf Balkonen endet. Das Wohngeschoss dockt im Norden an diese Schicht an und überragt die Westbalkone. Über die vollflächige Südverglasung gelangt man auf die Dachterrasse, die sich über den südlich angeordneten Schlaf- und Arbeitsräumen befindet. Die Grundrissdisposition und das fixe Mobiliar richtet sich nach den Bedürfnissen einer weltoffenen Familie mit drei Kindern.
Die Holzkonstruktion ist aus Elementen des Living Box Baukastens der vierten Generation zusammengesetzt. Die Konstruktionen wurden für die Verwendung von einheimischem Massivholz optimiert. Die Living Box Elemente sind auch für den Bahntransport ausgelegt. Das Tragskelett besteht aus Fichtenstützen 16/16 und Holzverbunddeckenelementen. Stabilisiert wird das Skelett mit Stahlspannkreuzen, die an peripheren Brettschichtholzeinbindern verankert sind. Die Holzverbund-deckenelemente dienen als Speichermasse für die Sonnenenergie. Da die Elemente (im neu entwickelten Umkehrverfahren) auf Stahlrütteltischen vorfabriziert werden, entfällt die verlorene Holzschalung. Die Betonuntersicht der Elemente erlaubt dadurch eine wesentlich vergrösserte Aufnahmefläche für Sonnenenergie. Die werkseitig eingefärbte Hartbetonoberfläche dient als Fertigboden.
Erdgeschoss
1.Untergeschoss
2.Untergeschoss
Die Hüllelemente sind nicht tragend ausgebildet. Sie werden als Curtain Wall am und auf dem Tragskelett befestigt. Sie sind demontabel und können bei einem Anbau wiederverwendet werden. Die Wandelemente sind hochgradig isoliert und werden mit fertiger innerer und äusserer Oberfläche eingebaut.
Die Bewohnerinnen und Bewohner einer Living Box leben, salopp ausgedrückt, in einem auf menschliche Bedürfnisse optimierten Treibhaus. Trotz «magerer» Sonneneinstrahlung im Dezember und Januar verbraucht das Haus Wolken vier mal weniger Heizenergie als ein Minergiehaus (acht mal weniger als ein konventionelles Haus). An optimalen Sonnenlagen können Living Boxes mit bis zu 1/30 der Heizenergie eines konventionellen Hauses betrieben werden. Möglich werden diese Werte durch integrale Planung der Baukomponenten. Die hochgedämmte und luftdicht ausgeführte Gebäudehülle packt das Nutzvolumen wie ein Pullover ein. In die Hülle eingesetzte Fenstermodule bestehen aus Spezialgläsern, die in gedämmte Fensterprofile eingebaut werden. Die grossen Sonnenenergiemengen, die durch die Fenster in das Haus gelangen, werden in den Decken und Böden (dem Beton der Verbundelemente) gespeichert. Eine Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung verhindert das Ablüften der Energie und sorgt für frische Raumluft. Die Warmwasserproduktion erfolgt über eine Kleinstwärmepumpe, deren Wärmequelle die Restenergie der Hausabluft ist. Durchwegs besser als die Minergiegrenzwerte gedämmte Hüllelemente, kombiniert mit der ausgeklügelten Physik der Speichermasse und modernsten Haustechnikgeräten machen das Haus Wolken zum Direktgewinnhaus.
Der Innenausbau in durchgefärbtem MDF, Sperrholz, Chromstahl und Glas unterstützt die Leichtigkeit der Tragstruktur und der Hüllelemente. Die Zwischenwände sind nichttragend ausgebildet. Sie können entfernt werden. Das Haus kann sich den ändernden Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner anpassen. Für die Installationen wird zum Einen eine Installationszone (Nördliche Wand der Erschliessungszone) für Sanitär-, Kanalisations-, WRG Lüftungs- und Elektroleitungen bereitgestellt, die installationsfrei als Büchergestell, Schrank etc. dienen kann. Ein umlaufender Kanal entlang der Fassade nimmt die Feinverteilung der Elektroinstallationen auf.
Holzbau: ruwa holzbau, Küblis
Bauingenieur: Jon Andrea Könz, Zernez
Energieplaner: Andrea Rüedi, Chur
Fotografie: Tom Kawara, Zürich