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Foie gras, auch Stopfleber genannt, spaltet die Meinungen: Vielerorts wird die Qualpastete als angebliche Delikatesse wahrgenommen, während ein Grossteil der Menschen in anderen Regionen weiss, dass Foie gras ein Tierqualprodukt ist. Denn für Stopfleber werden Gänse und Enten misshandelt und auf grausamste Weise gequält. Aus diesem Grund ist die Herstellung des Produkts in vielen Ländern verboten – auch in der Schweiz.
Dennoch werden in einigen Ländern weiterhin zahllose Tiere für Foie gras gequält und getötet. Ihre kranke, verfettete Leber wird für den menschlichen Verzehr exportiert – und unter anderem auch in die Schweiz eingeführt. Erfahren Sie hier mehr über die tierquälerische Herstellung von Foie gras und über tierfreundliche Alternativen.
Zwang, Gewalt und körperliches Leid – so grausam ist die Produktion von Stopfleber
Foie gras, auch Stopfleber genannt, ist die krankhaft vergrösserte Fettleber von Enten und Gänsen. Das Qualprodukt wird erzeugt, indem die Tiere mittels sogenanntem Stopfen zwangsernährt werden – dadurch schwillt ihre Leber bis auf das Zehnfache ihres Normalgewichts an. [1]
- Diese gewaltsame Zwangsernährung beginnt, wenn die Vögel 8 bis 10 Wochen alt sind. Sie erstreckt sich über einen Zeitraum von 12 bis 21 Tagen. Im Alter von etwa 90 Tagen werden die Tiere getötet.
- Beim sogenannten Stopfen wird zwei- bis dreimal am Tag ein Rohr gewaltsam in die Speiseröhre der Enten und Gänse gestossen, über das 800 bis 1.000 Gramm fetthaltiger Getreidebrei in ihren Magen gepumpt werden. [2] Übertragen auf den Menschen entspricht das einer täglichen Nahrungsaufnahme von 15 Kilogramm.
Während heimische Gänse und Enten es meist akzeptieren, Nahrung von Menschen zu erhalten, «halten sich [Vögel] von Personen fern, die ihnen Nahrung geben wollen», wenn dies unter Zwang geschieht:«… und auch wenn sie nicht in der Lage sind, sich zu bewegen, so versuchen sie doch, zu entkommen». [3] Selbst in Käfigen fixierte Enten «wenden ihren Kopf von der Person ab, die ihnen unter Zwang Nahrung verabreichen will». [4]
Zu den Auswirkungen des Stopfens gehören eine starke Gewichtszunahme, die Verfettung der Leber und Verletzungen, die während des Stopfens verursacht werden. Dies führt zu folgenden krankhaften Symptomen:
- Atemnot
- Halsverletzungen
- Hepatitis steatica (Leberschwäche)
- Knochenbrüche
- Leberblutungen
- Herzversagen [5]
Zahlreiche Tiere sterben aufgrund von verfetteter Leber, Verletzungen und Herzversagen, das durch die Tortur ausgelöst wird. Die übrigen werden getötet, kurz bevor sie an den Folgen des Stopfens von selbst sterben. Bei Enten und Gänsen auf sogenannten Stopfleberfarmen ist die Sterblichkeitsrate bis zu 20-mal höher als bei Tieren, die unter normalen Lebensbedingungen aufwachsen. [6]
Gänse und Enten teils in Käfigen eingepfercht
- Bei den Produktionsstätten handelt es sich häufig um verdreckte Hallen, in denen viele Vögel auf engstem Raum in Käfigen gehalten werden.
- Zum Stopfen werden sie meist in Kleingruppen oder einzeln in enge Käfige gepfercht, in denen sie nicht aufstehen, sich umdrehen oder die Flügel ausstrecken können.
Gänse und Enten sind soziale Tiere, die in festen Hierarchien zusammenleben, gerne spielen, schwimmen und hingebungsvoll für ihren Nachwuchs sorgen. In den Produktionsstätten der Stopfleberindustrie können sie diese natürlichen Verhaltensweisen jedoch in keiner Weise ausleben.
Aufgrund der katastrophalen Haltungsbedingungen versuchen die Vögel vielmehr, sich gegenseitig zu verletzen. Um das zu verhindern, werden die Schnabelspitzen männlicher Küken kurz nach der Geburt auf schmerzhafte Weise abgetrennt – eine grausame Praktik, die für Hennen in der Schweizer Eierindustrie beispielsweise bereits verboten wurde.
Kurz nach der Geburt getötet: Millionen «wertlose» weibliche Küken
Männliche Enten entwickeln eine grössere Leber mit weniger Nerven und Blutgefässen. Daher werden weibliche Küken in der Stopfleberindustrie meist direkt nach der Geburt am Fliessband aussortiert und lebend in einen Schredder geworfen. Teilweise werden sie auch in Kisten entsorgt, in denen sie verhungern.
Damit endet ihr kurzes Leben bereits nach wenigen Stunden qualvoll. [2] Jedes Jahr werden allein in Frankreich über 14 Millionen weiblicher Entenküken auf diese Weise getötet. [7]
Der Mythos der angeblich tierfreundlichen Stopfleber
Einige Experimentator:innen behaupten, dass Enten und Gänse durch eine künstliche Verkürzung der Sonnenstunden und durch Nahrungsentzug aus eigenem Antrieb unnatürlich grosse Nahrungsmengen zu sich zu nehmen. Doch das entspricht nicht der Realität, denn freiwillig würden die Vögel niemals so viel essen, wie ihnen unter Zwang verabreicht wird.
Tatsache ist: In der Stopfleberindustrie werden Tiere gequält, viele sterben an den Folgen der Leberverfettung. [8] Auch vermeintlich tierfreundliche Alternativen zu Enten- und Gänseleber sind mit erheblicher Tierquälerei verbunden – nicht zuletzt, weil die Tiere schliesslich alle getötet werden. Sie erleiden das gleiche grausame Schicksal wie alle Tiere, die für die Produktion tierischer Erzeugnisse für die menschliche Ernährung ausgebeutet werden.
Foie gras in der Schweiz: Wie sind Produktion und Verkauf geregelt?
Obwohl der Politik bekannt ist, dass es sich bei Stopfleber um ein Tierqualprodukt handelt, ist in der Schweiz seit über 40 Jahren lediglich die Herstellung von Foie gras verboten – Einfuhr und Verzehr hingegen sind erlaubt. Die Produktion ist gemäss Artikel 20 der Schweizer Tierschutzverordnung von 2008 nicht mit dem Schweizer Tierschutzrecht vereinbar und daher untersagt [9]. Dennoch ist ein striktes Importverbot aus Ländern wie Frankreich momentan nicht geplant. Aufgrund einer Motion, die vom Nationalrat angenommen wurde, wurde das Thema zwar diskutiert, doch vom Bundesrat abgelehnt – Konsument:innen sollten stattdessen einen «informierten Kaufentscheid» fällen. [10]
In der Schweiz gibt es einen regelrechten Foie-gras-Graben: Während in der Deutschschweiz kaum Nachfrage nach der Stopfleber von Gänsen und Enten besteht, gilt das Produkt in der Romandie bis heute als angebliche Delikatesse – und nicht als das Qualprodukt, das es eigentlich ist. [11]
70 Prozent: Mehrheit der Bevölkerung in der Schweiz konsumiert keine Stopfleber
Umfrageergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede in den verschiedenen Schweizer Regionen: In der Romandie konsumieren 71 Prozent der Menschen Foie gras, im Tessin 49 Prozent und in der Deutschschweiz 15 Prozent.
In der französischsprachigen Schweiz wird Foie gras oftmals zu speziellen Anlässen serviert, beispielsweise an Weihnachten. Allein dafür leiden und sterben Tausende Enten und Gänse. [6]
Ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung ist sich nicht bewusst, dass die konventionelle Herstellung von Foie gras in der Schweiz verboten ist. Dies könnte einer der Gründe sein, warum viele Schweizer:innen nach wie vor ein unrealistisches Bild von der tierquälerischen Produktion haben.
Der offensichtliche Widerspruch zwischen Produktionsverbot und dem erlaubten Verkauf von Foie gras verleitet Verbraucher:innen zum Konsum dieses Qualprodukts – sehr zum Leidwesen Tausender Tiere. [6]
In Deutschland wurde ein Stopfleberverkäufer im Dezember 2022 erstmals zu einer Geldauflage von 500 Euro verurteilt, nachdem PETA den Mann mit dem Vorwurf der Beihilfe zur Tierquälerei angezeigt hatte.
Stopfleber verursacht so viel Tierleid, dass ihre Produktion in vielen Ländern verboten ist. Ihren Verkauf in den gleichen Ländern dennoch zu erlauben, verstösst gegen das Tierschutzgesetz. Diese Tatsache könnte auch in der Schweiz und in anderen Ländern ähnliche strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.
Produktion vielerorts verboten, doch Schweiz lässt importieren
Die Produktion von Stopfleber ist so grausam, dass sie nicht nur in der Schweiz, sondern in fast allen EU-Staaten verboten ist oder nicht mehr praktiziert wird.
Dennoch ist sie in den folgenden Ländern der EU weiterhin erlaubt:
- Frankreich
- Spanien
- Ungarn
- Bulgarien
- Regionen in Belgien
Seit 2016 ist die Schweiz mit rund 250 Tonnen Hauptabnehmerin von Stopfleber aus Frankreich. [12]
In anderen Regionen der Welt ist die Produktion von Foie gras ebenfalls verboten, darunter Argentinien, Indien, Israel, Australien, Kalifornien und die Türkei.
Zunehmende Ablehnung: Keine Delikatesse, sondern ein Tierqualprodukt
Immer mehr Konsument:innen erkennen das Tierleid, das sich hinter Foie gras verbirgt. Sogar in Frankreich lehnen die Menschen das Qualprodukt zunehmend ab. Zudem haben verschiedene Städte wie Grenoble und Strassburg angekündigt, bei offiziellen Anlässen keine Stopfleber mehr zu servieren.
Immer mehr Restaurants, Sterneköch:innen, Geschäfte und Onlineshops setzen auf tierfreundliche pflanzliche Alternativen zu Foie gras.
Helfen Sie, das Tierleid zu beenden
Probieren Sie tierfreundliche Alternativen zu Foie gras und entdecken Sie die Vielfalt der veganen Küche. Wie wäre es beispielsweise mit der veganen Foie gras des Sternekochs Alexis Gauthier? Oder mit der veganen Bio-Pastete Joie gras? Überzeugen Sie sich vom köstlichen Geschmack tierleidfreier Alternativen, die im Übrigen auch gesund sind.
Helfen Sie zudem, den Import des Qualprodukts in die Schweiz zu beenden. Unterzeichnen Sie hierzu bitte die Eidgenössische Volksinitiative für ein Importverbot für Stopfleber:
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Quellen
[1] Unité de Recherches Avicoles, «Production de Foie Gras, Gavage et Bien-être», Institut National de la Recherche Agronomique, 5. April 2005
[2] Mirror (20.10.2014): Shocking video shows hundreds of live ducklings ‘thrown into mincer‘ on cruel ‘foie gras farm‘, https://www.mirror.co.uk/news/world-news/shocking-video-shows-hundreds-live-4468027 (eingesehen am 21.03.2023)
[3] Broom/Rochlitz (18.10.2015): The Welfare of Ducks during Foie gras Production, Cambridge University Animal Welfare Information Service8) Lou Horton, Understanding the Behavior of Domestic Geese, Acorn Hollow Bantams
[4] Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare (16.12.1998): Welfare Aspects of the Production of Foie Gras in Ducks and Geese, https://ec.europa.eu/food/system/files/2020-12/sci-com_scah_out17_en.pdf (eingesehen am 21.03.2023)
[5] Hirt, Almuth/Maisack, Christoph/Moritz, Johanna (2016): Tierschutzgesetz. Kommentar, S. 172 f.
[6] 1. Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare (1998): «Welfare Aspects of the Production of Foie Gras in Ducks and Geese», https://web.archive.org/web/20201101073517/https://ec.europa.eu/food/sites/food/files/safety/docs/sci-com_scah_out17_en.pdf (eingesehen am 22.03.2023)
[7] 1. Agreste, 2021. Statistique agricole annuelle (SAA) 2020, données définitives, 62 p. (p. 23), https://agreste.agriculture.gouv.fr/agreste-web/download/publication/publie/Chd2114/C&D%202021-14_SAA%202020%20Chiffres%20d%C3%A9finitifs.pdf (eingesehen am 23.3.2023)
[8] Duncan et al. (2009): The Scientific Case Against Foie Gras, https://spca.bc.ca/wp-content/uploads/foie-gras-scientific-report.pdf (eingesehen am 21.03.2023)
[9] Haab, Martin (2020): Importverbot für tierquälerisch erzeugte Stopfleber, https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203021 (eingesehen am 21.03.2023)
[10] Wattenhofer, Reto (2022): Foie gras: Nationalrat macht sich für Importverbot stark, https://www.aargauerzeitung.ch/news-service/inland-schweiz/tierquaelerisch-erzeugte-produkte-stopfleber-verstoesst-gegen-schweizer-recht-konsumenten-sollen-das-wissen-ld.2257253 (eingesehen am 21.03.2023)
[11] SRF (2017): Der «Foie-Gras-Graben» trennt die Schweiz, https://www.srf.ch/news/schweiz/umstrittene-delikatesse-der-foie-gras-graben-trennt-die-schweiz (eingesehen am 21.03.2023)
[12] STOP GAVAFE SUISSE (2018): Foie gras producing and importing countries: the Good, the Bad and the Ugly, https://en.stopgavagesuisse.ch/post/foie-gras-producing-and-importing-countries-the-good-the-bad-and-the-ugly-1 (eingesehen am 21.03.2023)