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Seit es Menschen gibt, werden Kriege geführt. Aber erst seit 70 Jahren sind in den Genfer Konventionen Regeln für die Zivilbevölkerung und zivile Einrichtungen festgehalten. Das Humanitäre Völkerrecht schützt die Opfer und verbietet die grausamsten Waffen. Seine Geschichte ist eng mit der Gründung des Roten Kreuzes und der Schweiz verknüpft.
Durch seinen eindringlichen Erfahrungsbericht nach der Schlacht von Solferino vor 160 Jahren erreichte Henry Dunant, dass 16 Staaten einen internationalen Vertrag unterzeichneten. Durch die aktive Lobbyarbeit Dunants folgte diese Einigung innerhalb von nur fünf Jahren. Es war die erste Genfer Konvention zum Schutz von verletzten Soldaten von 1864. Auch die Absicht nationale Rotkreuzgesellschaften zu gründen wurde 1864 - ein Jahr nach der Gründung des IKRK - zum ersten Mal festgehalten. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts folgten zwei weitere Konventionen zum Schutz von Schiffbrüchigen und von Kriegsgefangenen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Staaten bereit, sich gemeinsam für ein weiteres internationales Übereinkommen auszusprechen und die drei bestehenden zu überarbeiten: 1949 wurde die Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung beschlossen. Folglich wurden erstmals vor 70 Jahren der Schutz und die humanitäre Hilfe für Zivilisten in bewaffneten Konflikten klar geregelt. Die vier Genfer Konventionen, die drei Zusatzprotokolle von 1977 und 2005 sowie das Gewohnheitsrecht bilden die Basis des Humanitären Völkerrechts. Die Schweiz ist Depositarstaat der Genfer Konventionen und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes ist die Hüterin des Humanitären Völkerrechts.
Eine Studie des IKRK hat 2016 die breite Bevölkerung zu ihrer Haltung gegenüber dem Humanitären Völkerrecht befragt. Zwei Drittel der Menschen denken, es macht Sinn, dem Krieg Grenzen zu setzen. Gewalt gegen medizinisches Personal wird nicht akzeptiert. Eine überwiegende Mehrheit der befragten Bevölkerung beurteilt Angriffe auf Spitäler, Ambulanzen und medizinisches Personal klar als falsch.
«In solch beunruhigenden Zeiten ist es ermutigend, dass eine grosse Mehrheit der Menschen glaubt, dass die Regeln des Krieges relevant sind.» (Peter Maurer, People on war, Studie 2016)
Es gibt auch heute viele Herausforderungen rund um Kriegssituationen, die an die internationale Gemeinschaft gestellt werden. Die Lösungen sind nicht einfach. Staaten bestehen auf ihre interne Sicherheit, humanitäre Bedürfnisse kommen da oft an zweiter Stelle.
Eine zwischen 2011 und 2019 durchgeführte Analyse des IKRK und der Schweiz hat ergeben, dass sich Staaten heute schwertun, neue Regeln für bewaffnete Konflikte zu vereinbaren und die Einhaltung der Regeln zu überprüfen. Aber alle sind sich einig: Die bestehenden Regeln sind richtig und wichtig! Das Humanitäre Völkerrecht ist eine verhältnismässig junge Errungenschaft der Menschheit. Wir tun gut daran, uns weiter dafür einzusetzen.