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1782-1842
Am Übergang zu einer neuen Zeit
Um 1800 zählt die Stadtgemeinde Zug 2'400 Einwohnerinnen und Einwohner, der ganze Kanton 12'000. Zug ist rein katholisch. Die alte Ordnung mit Gnädigen Herren und Untertanen ist soeben zusammengebrochen. Die Stadt ist immer noch befestigt; jeden Abend werden die Stadttore geschlossen. Die nächsten Städte Zürich und Luzern sind selbst für die schnellsten Verkehrsmittel mehrere Stunden weit entfernt.
1782/83 wird am Kolinplatz über der alten Stadtmetzg das erste ständige Theaterlokal eingerichtet.
1782–1842: Theaterlokal auf der Metzg
Unten werden die Ochsen geschlachtet - oben die Helden
Zug hat eine alte Theatertradition: Schüleraufführungen im Zeughaus oder in der Zimmerhütte, wandernde Schauspieler, die sich auf primitiven kleinen Bühnen produzieren, Volkstheater unter freiem Himmel. Am 14. und 15. September 1672 wird auf dem Kolinplatz mit grösstem Aufwand und Pomp vor über 3'000 Zuschauern das «Eydgnössische Contrafeth» des Zugers Johann Kaspar Weissenbach gesungen und gespielt; die halbe Stadt wirkt mit. Aber erst 1782/83 wird auf Kosten der Stadt ein ständiges Theaterlokal eingerichtet. Das bescheidene «Comoedi-Haus» befindet sich im ersten Stock oberhalb der alten Stadtmetzg (heute Polizeiposten). Es wird mit der Wirtschaft zum Widder durch einen Gang verbunden, damit dortige Zimmer als Garderoben benützt werden können. Für Bühne, Proszenium, Musikerbank und Publikum stehen vielleicht 100 Quadratmeter zur Verfügung.
Die Theatergesellschaft Zug wird gegründet
1808 wird aus dem Kreis der Stadtbürgerschaft die private «Theatergesellschaft Zug» gegründet. Das Hauptziel: Alle Mitglieder üben sich wöchentlich im Vortragen und Theaterspielen und bringen von Zeit zu Zeit Stücke zur Aufführung. Zweckartikel von 1809: «Die Mitglieder bilden unter sich als warme Freunde des Schönen und Guten einen eng geschlossenen, vertrauten Zirkel. Ihre offenen, unverhohlenen Zwecke sind: gemeinschaftlich mit den besten theatralischen Produkten und auch andern vorzüglichen Gedichten bekannt zu werden, in Stunden der Musse durch eine angenehme, für Kopf und Herz interessante Unterhaltung zu gewinnen, Geschmack und Kritik zu erwerben.» Von Anfang an sind auch Frauen Gesellschaftsmitglieder. 1809 werden die ersten Musikliebhaber aufgenommen. Sie verpflichten sich zu wöchentlichen Übungen und einem monatlichen Konzert im Kreis der Gesellschaft. Die Leitung hat der Musikdirektor. Der Name «Theatergesellschaft Zug» wird aber ausdrücklich beibehalten.
Einfache Laienbühne
So wichtig es war, dass Zug über ein ständiges Theaterlokal verfügte, so bescheiden muss man sich die Ausstattung vorstellen. Ein Inventar von 1810 erwähnt den Leinenvorhang, der an einem Seil hängt, die Bank für die Musiker und die vorhandenen Dekorationen und Kulissen, die zum Beispiel eine Bauernstube, den Kerker, eine Gruft, den Tempel oder in Form einer Gipsdecke den blauen Himmel darstellen. Stolz ist man auf die Einrichtung mit «künstlichem Licht»: bei der Musikantenbank Öl-Schüsselchen und Lichtschirme aus Blech, für die Dekorationen und Kulissen kleine blecherne Öl-Ampeln und «Kerzen-Anhänker». Ihre Kostüme müssen die Spielenden grösstenteils selbst anschaffen. Es gibt einen Souffleur und Statisten («Figuranten»). Der Unterdirektor ist verantwortlich, dass die Veränderungen des Bühnenbilds, die Auftritte der Spielenden und alle hinter den Kulissen zu erzeugenden Effekte («Donner, Blitze, Gerassel etc.») zur richtigen Zeit erfolgen. Den Blitz erzeugt man, indem Bärlapp-Blütenstaub über eine Kerzenflamme geblasen wird.
Zeitstrahl
(1789 Französische Revolution)
(1798 Französische Truppen besetzen die Schweiz)
(1804 Schillers Wilhelm Tell)
1808 Gründung der Theatergesellschaft Zug
(1808 Beethovens 5. Sinfonie)
1810 Erste Aufführung: «Das Gastrecht», Tragödie von Friedrich Wilhelm Ziegler
(1817 Letzte Hungerkrise im Kanton Zug)
1818 Erstmalige Bezeichnung als «Theater- und Musikgesellschaft Zug»
1829 Aufführung von Schillers Tell durch die Theatertruppe Joseph Lingg
(1834 Erste zugerische Fabrik in Unterägeri)
(Text: Peter Hoppe)