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›Der Stille Ozean‹
Durch äussere Umstände sieht sich Ascher genötigt, seinen Arztberuf nicht mehr auszuüben, seine Familie und die Stadt vorläufig zu verlassen und ein leeres Bauernhaus in der Südsteiermark zu mieten. Er beobachtet die Natur, die Menschen und sich selbst. Die Leute gewöhnen sich rasch an ihn, da er nichts von ihnen will, und so nimmt er teil an ihrem Leben; an der Ernte, an der Jagd, an einer Wahlveranstaltung, an einem Todesfall, an einer Hochzeit. Er gerät in ein Leben, das von den Jahreszeiten, von Traditionen und Aberglauben und von der Armut beherrscht wird.
Ascher beobachtet den Himmel, die Landschaft und die mikroskopisch kleinen Dinge, den Menschen nähert er sich in unverstellter Weise. Er erfährt von der Schwere ihrer Arbeit, von ihrem Mangel an ärztlicher Versorgung und beruflichen Alternativen, von der Enge ihrer Verhältnisse, die Gewalt erzeugt, von ihren kleine Freuden und von ihrem Fatalismus den Dingen und den Wechselfällen des Lebens gegenüber. Roth beschreibt keine Idylle und keine Verherrlichung des Landlebens: So löst der Tollwutverdacht eine Orgie des Tötens aus, und die Jagd wird zur politischen Parabel von Aggression. Dennoch bleibt Ascher, weil er erlebt hat, dass diese Menschen ihn brauchen.
›Der Stille Ozean‹ ist ein Roman, in dem sich jemand auf die Suche nach den anderen macht. Ascher leidet an deren Elend und kommt so zu sich selbst. Roth erzählt diese Geschichte in einer ganz klaren und ruhigen Sprache, die den Beobachter zugunsten des Wahrgenommenen vergessen lässt. ›Der Stille Ozean‹ ist ein Kunstwerk von seltener Eindringlichkeit und ein grosses Dokument der faszinierenden Ruhe gelebter Menschenliebe.
Gerhard Roth, 1942 in Graz geboren, lebt als freier Schriftsteller in Wien und der Südsteiermark. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Erzählungen, Essays und Theaterstücke, darunter den 1991 abgeschlossenen siebenbändigen Zyklus ›Die Archive des Schweigens‹. Anschliessend erschienen die Bände des ›Orkus‹-Zyklus: die Romane ›Der See‹, ›Der Plan‹, ›Der Berg‹, ›Der Strom‹ und ›Das Labyrinth‹, die literarischen Essays über Wien ›Die Stadt‹ sowie die beiden Erinnerungsbände ›Das Alphabet der Zeit‹ und ›Orkus‹. Zuletzt erschien der Roman ›Grundriss eines Rätsels‹.
Für sein Werk wurde Gerhard Roth mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Jakob-Wassermann-Preis, dem Jeanette-Schocken-Preis, dem Jean-Paul-Preis, dem Hoffmann-von-Fallersleben-Preis sowie mit dem Grossen Österreichischen Staatspreis.
Literaturpreise:
u.a.:
Preis der »SWF-Bestenliste«,
Alfred-Döblin-Preis
Marie-Luise-Kaschnitz-Preis
Preis des Österreichischen Buchhandels
Bruno-Kreisky-Preis 2003
Grosses Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien 2003
Jakob-Wassermann-Preis 2012
Jeanette-Schocken-Preis 2015
Jean-Paul-Preis 2015
Grosser Österreichischer Staatspreis 2016
Hoffmann-von-Fallersleben-Preis 2016