Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/801

Waldnutzung Schweiz
Home
Aufgrund der vorherrschenden Forstpolitik werden im Mittelland vermehrt Laubbäume angepflanzt. Es bestehen daher Befürchtungen, dass mittel- bis langfristig der Nachschub an Fichten zurückgehen könnte. In den alpinen Regionen sind zwar mehrheitlich Fichten und Tannen heimisch, jedoch ist die Bewirtschaftung dort schwieriger, teurer und teilweise gar nicht erwünscht (etwa dort, wo der Wald Schutzfunktionen übernimmt). Das führt letztlich zu einer Verteuerung des Rohstoffs, zu einer Verknappung und allenfalls zu einem höheren Import von benötigten Holzschnitzeln aus dem Ausland.
Die besagte Aufforstungspraxis folgt der Überzeugung, dass überall nur natürlich vorkommend Baumarten anzupflanzen seien. Im Mittelland sind dies vor allem Buchen sowie andere Laubbäume und eben kaum Fichten. Das mag die Naturfreunde freuen, welche eine möglichst naturnahe, naturgemässe und intakte Waldlandschaft herbeisehnen.
Das Problem aber ist, dass sich die einheimische Waldwirtschaft die Chance vergibt, Rohstoffe für inländische Abnehmer bereitzustellen, welche einen Bedarf an Industrieholz haben. Denn aus Buchen und anderen Laubbäumen lässt sich zwar Zellstoff gewinnen, jedoch nicht derselbe Typ wie aus Fichten und Tannen. Es lassen sich daher auch nicht mehr dieselben Papiere herstellen. Es ist anzunehmen, dass die benötigten Holzschnitzel dann noch stärker importiert werden müssen, denn es ist nicht davon auszugehen, dass die Papierindustrie einfach ihr Produktionsprogramm umstellt, bloss weil gewisse Kreise eine Wiederaufforstung mit endemischen Laubbäumen im Mittelland bevorzugen.
Man muss sich also entscheiden zwischen einem gewissen Ausmass an Bereitstellung von industriell nutzbarem Holz und der Bereitstellung von naturgemässen Erholungsräumen, welche aber kaum irgendwelchen Zusatznutzen erzeugen können. Und last but not least ist das alles eine Frage des "Sich-Leisten-Könnens". Industriell nicht nutzbarer Wald ist letztlich teurer als industriell nutzbarer Wald, weil er trotzdem unterhalten werden muss, aber keine Aussichten auf Rohstoffeinkommen gewährleistet.