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Die Englische Kirche gehört zur Geschichte und Tradition von Zermatt. Sie ist eng verbunden mit den britischen Gästen, die zu den ersten gehörten, die das Matterhorns sehen und erleben wollten.
Für Zermatt ist die "English Church" Bestandteil der Ortsgeschichte. Die 1870 eingeweihte Kirche repräsentiert auch das "Goldene Zeitalter des Alpinismus". Während der Pionierzeit des Zermatter Tourismus im 19. Jahrhundert stellten die Engländer den weitaus grössten Teil der Besucher dar.
Kirchenpläne und Matterhorn-Erstbesteigung
Bereits ab 1862 wurden im Hotel Monte Rosa und im Hotel Mont Cervin protestantische Sonntagsgottesdienste für englischsprachige Gäste gehalten. Erste Pläne für den Bau einer Englischen Kirche entstanden im Mai 1865, und gleichzeitig wurde eine Spendenliste ausgelegt. Die beiden Hoteliers Alexander Seiler und Joseph Clemenz trugen sich als Erste auf die Liste ein, obschon beide katholisch waren. Sie entsprachen damit ganz ihrer ökumenischen und weltoffenen Haltung. Im selben Jahr, am 14. Juli 1865, schaffte der Brite Edward Whymper die Erstbesteigung des Matterhorns. Von der aus sieben Männern bestehenden Seilschaft kehrten aber nur drei ins Dorf zurück.
Das tragische Ende der Erstbesteigung des Matterhorns, bei der u.a. Lord Douglas und Douglas R. Hadow zu Tode gekommen waren, konnte die Initiative zur Errichtung eines eigenen Gotteshauses nicht beeinträchtigen, sondern verstärkte diese umso mehr. Der Marquis von Queensberry, das Oberhaupt der Familie Lord Francis Douglas, und die Verwandten von Douglas R. Hadow spendeten sogleich grosse Summen. Schon fünf Jahre nach Beginn der Spendenliste, am 29. Juni 1869, konnte der Grundstein für die Englische Kirche gelegt werden. Ein Jahr danach, am 29. Juni 1870, fand der erste Gottesdienst statt.
Gedenktafeln erzählen Geschichten
Im Inneren dieser historischen Kirche sind zahlreiche Gedenktafeln für Bergsteiger vorzufinden, die besonders eng mit Zermatt und seinen Bergen verbunden waren. Unter dem Hochaltar sind die Gebeine von Reverend Charles Hudson, der bei der Erstbesteigung des Matterhorns ebenfalls abstürzte, beigesetzt.
Die seelsorgerische Betreuung der protestantischen Gäste Zermatts wird heute durch die Intercontinental Church Society gewährleistet. Die aus England stammenden Geistlichen wechseln alle zwei Wochen und haben auch heute noch eine wichtige Aufgabe. Der Alpine Club of Great Britain feierte im Jahr 2007 sein 150-jähriges Bestehen in Zermatt. Eine Zeremonie wurde selbstredend auch in der English Church abgehalten.
Das Bethaus liegt im Weiler Furi, bei einer kleinen Gruppierung von alten Häusern, inmitten von Alpenwiesen. Es ist klein und steht für die Einkehr der ehemaligen Säumer, bevor sie über den Theodulpass Richtung Süden gingen.
Das Bethaus auf dem Furi steht am alten Saumweg von Zermatt über den Theodulpass und wurde 1747 von drei Brüdern aus der Familie Furrer erbaut. Das Bethaus liegt etwas ausserhalb des Weilers
Furi, auf rund 1'900 m Höhe. Auf dem alten Chorgitter standen ihre Initialen: M.M.F., J.F. und P.J.F. Es ist ein kleiner Barockbau, eigentlich keine Kapelle, in der normalerweise auch keine Messe
gelesen werden durfte. Er ist der Schmerzhaften Muttergottes geweiht, und das Patronatsfest ist am Freitag vor der Karwoche. Den Altar ziert eine eindrückliche Pietà – Kreuzabnahme Jesu.
Strahlenkranz und Schwert sind abhanden gekommen. An der Altartafel ist als Antependium (= Vorhang aus Stoff vor oder an den Seiten des Altarunterbaus) ein Teil des alten Traghimmels angebracht.
Der Chor wird durch ein schmiedeisernes Chorgitter geschützt.
Bei der Renovation 1986 wurden die vier schönen Farbfenster von Marion Cartier geschaffen und der Kapelle geschenkt. Sie zeigen Maria bei der Weissagung des Simeon (Chor), Maria auf der Flucht nach Ägypten (Schiff), Maria begegnet dem Kreuz tragenden Jesus (rechts der Türe) und Johannes unter dem Kreuz (links der Türe). Decke und Türe sind ebenfalls von 1986.
Viele Zermatter und Zermatterinnen pilgerten früher zur Gottesmutter aufs Furi, um ihre Sorgen und Leiden vor ihr auszubreiten.
Die Gemeinde Zermatt hat keine evangelisch-reformierte Kirche, sehr wohl aber eine evangelisch-reformierte Kirchgemeinde. Die Gottesdienste finden jeweils im Theosaal des katholischen Pfarreizentrums statt
Die Kapelle Blatten steht auf einer kleinen Anhöhe, "auf den Blatten". Das ist eine Felsplatte im gleichnamigen Weiler unterhalb Furi, auf 1'740 m Höhe gelegen. Sie ist eine der bekannteren Kapellen von Zermatt und direkt aus den Gondeln des Matterhorn Express zu sehen.
Die Barockkapelle mit eingezogenem Chor entstand 1640. Ursprünglich befand sich der Eingang auf der Nordseite, wo die Umrisse noch heute gut sichtbar sind. Er wurde 1704 auf die Ostseite verlegt und mit einem Vorzeichen (Vorbau), einer massiven Pfeilerarkade, geschützt. Beim Franzoseneinfall 1798 sollen die Bewohner von Blatten und Zum See ihre bescheidenen Waffen im Estrich dieses Vorzeichens versteckt haben. 1983 wurde das Gotteshaus innen und aussen renoviert und die rötliche Bemalung angebracht. Noch im 20. Jahrhundert pilgerten die Gläubigen in zwei Prozessionen nach Blatten. Der "lange Umgang" (bedeutet Prozession, Bittgang), mit einer Vesper unweit der Kapelle, führte über Moos zur Dorfkirche zurück.
Maria, die Rosenkranzkönigin
Die Kapelle mit einem Kreuzgewölbe aus Stein ist Maria, der Rosenkranzkönigin, geweiht. Der kleine Altar aus früher Barockzeit, ein einstöckiges Retabel, zeigt die Muttergottes in einem Strahlenkranz, dessen Spitzen in stilisierten Rosen enden. Die fünf Engelsköpfe entsprechen den fünf Gesetzen und die fünfzehn Rosen den Geheimnissen des Rosenkranzes.
Bekrönt ist der Altar mit einer einfachen Statue des heiligen Josef. Die ursprüngliche Madonna fehlt – sie war lange durch eine Gipsfigur ersetzt – aber der Zermatter Priester Oswald Perren schenkte der Kapelle die heutige süditalienische Madonna. Die Muttergottes trägt das Jesuskind auf dem Arm. Ein stabiles Chorgitter schützt Altar und Statue vor Diebstahl und Zerstörung. Die bleiverglasten Fenster lassen Sonne und Licht in den Raum. Ein schlichter Kreuzweg ohne Inschriften schmückt das Kapellenschiff.
Die Kapelle in Findeln ist dem Pilgerpatron Jakob gewidmet und gehört zu der Gruppe der älteren Zermatter Kapellen. Der Flügelaltar ist eine kunsthistorische Besonderheit im Oberwallis.
Findeln, der wohl sonnigste Weiler in der Umgebung von Zermatt, muss schon früh eine Kapelle gehabt haben. Sie liegt auf rund 2'100 m Höhe. Der schriftlich überlieferte Flurname "zer altu Kapällu" etwas weiter hangaufwärts lässt darauf schliessen. In den Zeiten, als die Landwirtschaft noch den Haupterwerbszweig bildete, pilgerten die Zermatter nach längeren Regenperioden zur Zeit der Heuernte nach Findeln, um Sonnenschein zu erflehen, letztmals 1954.
Die heutige Kapelle im unteren Teil von Findeln, "ze Gasse", wurde entweder 1691 oder 1697 – die letztere Jahreszahl steht auf dem Tuffsteinbogen, der die Eingangstüre umrahmt – als einfacher Blockbau mit eingezogenem Chor erbaut. Sie ist dem heiligen Jakobus dem Älteren geweiht. Zuerst taucht sie als einfaches Bethaus ohne Altar in den Akten auf. Bei der bischöflichen Visitation 1765 wurde befohlen, das durch ein Erdbeben fast gänzlich zerstörte Bethaus zu renovieren und mit einem passenden Altar auszustatten.
Kunsthistorische Besonderheit
Im 17. Jahrhundert eroberte der Barock das Oberwallis und stattete Kirchen und Kapellen neu aus. Auch aus der Pfarrkirche mussten die gotischen Schreine weichen. So kam vermutlich 1772 – diese Jahrzahl steht über dem Chorbogen – der frühere Muttergottesaltar der Kirche hinauf nach Findeln. Dieser spätgotische Flügelaltar aus dem frühen 16. Jahrhundert ist eine kunsthistorische Besonderheit im Oberwallis. Darum ist die Kapelle im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von regionaler Bedeutung (KGS Inventar) eingetragen
Die Kapelle Gornergrat "Bernhard von Aosta" ist eine der meistbesuchten Kapellen von Zermatt. Gäste aus allen Ländern der Erde entzünden hier Kerzen und lassen diesen stillen Ort der Bergwelt auf sich wirken.
Seit dem Bestehen des Kulmhotels auf dem Gornergrat Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Sommer die Sonntagsmessen im Speisesaal des Hotels gelesen. Der Bischof äusserte den Wunsch nach einer Kapelle. 1950 wurde der Bau realisiert. Die Kapelle ist im Besitz der Burgergemeinde und steht auf knapp 3'100 m Höhe.
Bernhard, Mauritius und Theodul
Die Kapelle ist ein Blockbau mit eingezogenem Chor, doppeltem versetztem Dach und einem Glockenturm als Dachreiter über dem Eingang. Sie ist dem heiligen Bernhard geweiht. Aussen weist sie einen groben, grauen und der Umgebung angepassten Verputz auf. Tatsächlich kann die Kapelle leicht übersehen werden. Sie liegt am Fussweg zwischen Hotel und Bergbahnstation. Wer von dort aus direkt mit dem Lift zum Hotel fährt, könnte sie verpassen.
Der Innenraum hat eine Holzdecke und Steinplatten als Boden. Die Fenster sind ohne Glasmalereien, rechts vom Eingang befindet sich ein Beichtstuhl. Das Altarbild besteht aus reliefartigen, geschnitzten Holzfiguren. Sie zeigen in der Mitte den heiligen Bernhard von Aosta, links den heiligen Mauritius (Schutzpatron des Kantons Wallis) und rechts den heiligen Theodul. Den Abschluss des Altarbildes bildet eine Krone aus Alpenblumen. Der Tabernakel ist mit Traubenranken verziert, und die Altartafel besteht aus Steinplatten mit einem Kreuz.
"Heilige Katharina von Alexandrien". Z'mutt, Zmutt oder Mutt ist ein in sich geduckter, über 500 Jahre alter Weiler. Im Zentrum steht die kleine weisse Kapelle. Ein Blick hinein gehört zum entspannenden Wanderausflug von Zermatt nach Zmutt.
Der Weiler Zmutt liegt eine knappe Wegstunde von Zermatt entfernt im Südwesten auf 1'936 m. Als "Mutt" bezeichnet der alte Zermatter Dialekt eine gerundete Kuppe an einem Felsabhang. Der Weiler
birgt neben dem "Weissen Haus" aus dem Jahre 1595 eine rechteckige Barockkapelle mit eingezogenem Chor und einem Glockentürmchen über dem Eingang. Sie ist der heiligen Katharina, der zweiten
Landespatronin, geweiht. Ein Ort der Stille, den mit grosser Vorliebe die Schäfer der Region zum Beten aufsuchten.
Auf der sonnenverbrannten Eingangstüre steht die Jahrzahl 1727, die wohl als Baujahr gedeutet werden kann. Das Schiff mit seinen zwei Fenstern nach Süden weist eine Holzdecke auf, während der Chor eine Art Kreuzgewölbe aus Stein besitzt, das in einem Kreis endet.
Altertümliches Deutsch
Das Barockaltärchen mit der Kapellenheiligen ist schlicht gehalten, die Titelfigur umrahmt von zwei einfachen Säulen ohne Verzierungen. Die heilige Katharina ist mit Schwert und einem zerbrochenen Rad dargestellt, weil bei ihrer Hinrichtung das Rad zerbrochen sein soll. Flankiert ist die Figur von zwei Frauengestalten mit dem Palmzweig der Märtyrerinnen. Da aber die Attribute fehlen, lässt sich nicht sagen, um welche Heiligen es sich handelt. In der Bekrönung findet sich die Schmerzensmuttergottes.
An den Wänden des Schiffes hängen Kreuzwegbilder. Deren Beschriftung ist in einem eigentümlichen Deutsch verfasst. Man beachte die Schreibweise.
Sie thront ganz alleine, etwas abseits des Hotels Riffelalp Resort, hoch über Zermatt, auf 2'222 m. In der Familienkapelle der Hoteliersfamilie Seiler können Gäste im Sommer an Samstagen der Messe beiwohnen.
Die Kapelle auf der Riffelalp wurde 1886 von Alexander Seiler und dessen Gemahlin Catharine Seiler-Cathrein erbaut und am 3. Juli 1887 eingeweiht. Sie steht bis heute im Privatbesitz der Familie Seiler und ist nur bedingt zugänglich. Das recht ansehnliche Gotteshaus mit eingezogenem Chor, einem Glockentürmchen und einem kleinen Vordach über dem Eingang ist weiss getüncht und dem heiligen Herzen Jesu geweiht. An der Aussenmauer links und rechts neben der Eingangstüre wurden zwei Gedenktafeln an die Erbauer mit Widmungen in französischer Sprache angebracht. Die Kapelle weist verschiedene neugotische Elemente auf, so der Altar, die Spitzbogenfenster und der Chorbogen.
Auch heute noch Kapelle der Hoteliersfamilie Seiler
Die Titelfigur des Altars, eine Herz-Jesu-Statue, ist flankiert von Statuen der Muttergottes und vermutlich der heiligen Rita. Zwei farbige Glasfenster mit der Muttergottes und dem heiligen Josef lassen Licht in den Chor. Die Fenster im Schiff sind aus hellem Glas ohne Malereien. An den Wänden finden sich Verzierungen und Gedenktafeln verschiedener Mitglieder der Familie Seiler.
Sie steht auf einer Anhöhe, direkt im Angesicht des Matterhorns, auf 2'590 m Höhe. Der Ausblick von der Kapelle Riffelberg "Bruder Klaus" auf das Matterhorn und ins Tal hinunter sind unvergesslich. Die Kapellen-Umrisse sind dem Weisshorn nachempfunden.
Die Kapelle wurde im August 1961 von Arthur Elchinger, Bischof von Strassburg, eingeweiht. Sie steht im Besitz der Burgergemeinde. Patron ist der heilige Nikolaus von Flüe, einer der Schutzpatrone der Schweiz. Der Architekt Ferdinand Pfammatter entwarf die Pläne. Die Umrisse entsprechen fast deckungsgleich dem Weisshorn, dem pyramidenartigen Viertausender auf der anderen Talseite.
Der Moderne verpflichtet
Der moderne Bau unterscheidet sich deutlich von den Barockkapellen der verschiedenen Weiler rund um das Dorf. Natursteinmauern werden durch Glasfenster unterbrochen. Das Dach ist nach vorne verlängert und schützt den Eingang. Im Turm, einem spitzen Dreieck gleich, hängt eine kleine Glocke. Der Innenraum ist hell, bedingt durch die grossen Fenster. Natursteinmauern wechseln mit Holztäfelung ab. An der rechten Seite befindet sich eine Bruder-Klaus-Statue. Der Altar ist aus Sandstein mit einem schmiedeisernen Tabernakel und den Symbolen der Eucharistie aus Email und einem Kreuz aus Bergkristall.
Bild aus Barcelona
1964 schenkte Hans Schäffer, Besitzer der weltbekannten Galerie in New York, ein prächtiges Altarbild, ein Gemälde, das um 1400 in Barcelona geschaffen wurde. Es war ursprünglich wohl Teil eines Flügelaltars aus einer katalanischen Kirche. Es stellt die Gottesmutter auf einem eckigen Thron mit dem göttlichen Kind auf den Armen dar. Auf beiden Seiten sind je vier singende und musizierende Engel. Das Ganze wird abgeschlossen durch blattartige Zierformen und einen gotischen Spitzbogen.
Die Kapelle "Maria zum Schnee" nahe der Bergbahnstation Schwarzsee ist ein Kleinod in der harten Bergwelt. Sie liegt direkt am Schwarzsee (2'552 m). Das kleine Gotteshaus spiegelt sich bei Windstille im klaren, dunklen See.
Da wo heute die Kapelle "Maria zum Schnee" steht, soll der Sage nach früher ein Standbild der Muttergottes gestanden haben. Die kleine Kapelle am Schwarzsee geht zurück auf ein Versprechen von
zwei Zermattern. Sie hatten sich auf dem Theodulgletscher im dichten Nebel hoffnungslos verirrt. Nach ihrer Rettung sollen sie anstelle des Bildstöckleins ein Gebetshaus errichtet haben. Man
nimmt an, dass die Kapelle im frühen 18. Jahrhundert gebaut wurde.
Die Kapelle "Maria zum Schnee" wurde zu einem beliebten Wallfahrtsort, und anlässlich des Patronatsfestes am 5. August strömen Einheimische und Gäste nach Schwarzsee, um dort unter freiem Himmel die Messe zu feiern. Auch wird schon früh berichtet, dass die Zermatter bei Dürre und Wassernot im Frühsommer in einer Prozession die Gottesmutter aufsuchten, um für Regen zu beten. Ebenso suchten unglückliche Ehefrauen im Gebet vor dem Gnadenbild der Mutter Gottes Trost und Hilfe.
Auch heute beliebter Wallfahrtsort
Oft begeben sich Wanderer und Einheimische zur stillen Einkehr zur kleinen Kapelle und entzünden eine Gedenkkerze. Das Patronatsfest vom 5. August erfreut sich grosser Beliebtheit.
Literatur
"Zermatter Sagen und Legenden", Karl Lehner, 1982 neu aufgelegt, Verlag ZAP, Brig, ohne ISBN-Nummer
Die Kapelle Winkelmatten "Zur Heiligen Familie" ist ein Kleinod, das am Ende des Dorfes im Quartier Winkelmatten liegt. Viele Hochzeitspaare wählen diese Kapelle für ihre Vermählung.
Die 1607 erbaute Kapelle ist eine verkleinerte Kopie der alten Dorfkirche und wahrscheinlich eine späte Wiedergutmachung der Zermatter an die Bewohner von Winkelmatten. Der Sage nach wäre beinahe dem Weiler Winkelmatten die Ehre zuteil geworden, Standort der Pfarrkirche zu werden. Doch es kam anders: Die schlauen Zermatter sollen nachts die Werkzeuge, die schon auf dem Bauplatz bereitstanden, ins Dorf gebracht und dies den verdutzten Bewohnern von Winkelmatten am anderen Tag als überirdischen Fingerzeig und himmlische Willensäusserung gedeutet haben.
Das Prunkstück der Kapelle ist der Barockaltar, der um 1730 von Anton Sigristen aus Arvenholz geschnitzt wurde. Im Zentrum des Retabels steht die Heilige Familie. Über der Statue von Josef und Maria öffnet sich je eine Muschel, und das Jesuskind steht unter Engelsköpfen und einer Krone, aus der eine zierliche Madonna herausragt. Zwei gedrehte Säulen mit Akanthusgewinde auf beiden Seiten bilden den Rahmen für die Heilige Familie. Die Bekrönung des reich vergoldeten Altares besteht aus Wolken, Strahlen und Ornamenten. Zwei Engel öffnen die Vorhänge eines Baldachins. Er gibt den Blick frei auf die Heiliggeisttaube im Strahlenkranz und das dahinterliegende Rundfenster.
Alter Brauch für junge Paare
Ein alter Brauch hat diese Kapelle zum beliebten Wallfahrtsort junger Paare auserkoren. Für die Fasnacht suchten sich die jungen Zermatter eine Tänzerin. Man tanzte und feierte mit ihr die "alte Fasnacht". Am Fest des heiligen Josef ging man miteinander nach Winkelmatten, und damit waren die gegenseitigen Verpflichtungen zu Ende. Jene aber, die am Ostersonntag nochmals gemeinsam nach Winkelmatten wanderten, galten als sichere Hochzeitspaare.
Die Kapelle Zum See, die jüngste der Zermatter Kapellen, ist der heiligen Barbara gewidmet. Die kleine Kapelle steht beim Weiler Zum See, wo es zwar keinen See gibt, dafür aber saftige Alpweiden und kleine Wäldchen.
Der Weiler Zum See (auf rund 1'750 m gelegen) war von alters her rund acht Monate im Jahr bewohnt und trotzdem der einzige, der keine Kapelle besass. Seine Bewohner hatten schon lange den Wunsch, an diesem Ort ein Gotteshaus zu errichten. 1962 erklärten sich die Bewohner des Weilers bereit, ihre Mithilfe und ihre Mittel zur Verwirklichung dieser Idee zur Verfügung zu stellen. 1963 konnte mit dem Bau begonnen werden, und am 5. Juli 1964 wurde die Kapelle eingeweiht und der Pfarrei von Zermatt durch die Arbeitsgemeinschaft schuldenfrei geschenkt.
Die heilige Barbara schützt vor Gewittern
Die Kapelle ist der heiligen Barbara geweiht, die vor Gewittern und plötzlichem Tod schützt. Das schmucke Gotteshäuschen ist ein Blockbau im Stil der Kapellen aus dem 17./18. Jahrhundert mit eingezogenem, etwas verlängertem Chor. Die Kapelle entstand nach Plänen des Basler Architekten Hermann Dietrich.
Der Walliser Kunstmaler Paul Monnier schuf die Glasmalereien der Fenster. Diejenigen auf der linken Seite stellen in gelb-rot-braunen Tönen die heilige Maria, die heilige Katharina und die heilige Rita dar. Diejenige auf der rechten Seite in blau-grünen Farben zeigen den heiligen Josef, den heiligen Wendelin und den heiligen Augustinus. Als Altar dient ein schlichter Granittisch. An der dahinter liegenden Mauer hängt ein Gemälde der Kapellenheiligen Barbara. Zwei schmiedeiserne Gitter trennen den Chor von der dahinter liegenden Sakristei.
In der Pfarrkirche St. Mauritius von Zermatt herrscht ein reges religiöses Leben – die Kirche gehört zu den lebendigsten im ganzen Oberwallis. Einheimische und Gäste aus aller Welt besuchen die Messen.
1285 wird die Pfarrkirche St. Mauritius zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Man kann davon ausgehen, dass die Kirche zu dieser Zeit noch ein kleines, bescheidenes Gotteshaus war. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie mehrfach vergrössert und renoviert. Die Vorgängerin der jetzigen Pfarrkirche wurde vermutlich um 1587 im sogenannten italienischen Baustil errichtet. Ursprünglich standen drei gotische Altäre in der Pfarrkirche. Dem Trend der Zeit folgend wurden sie im 18. Jahrhundert durch Barockaltäre ersetzt. Auf der Südseite der Kirche befanden sich der Friedhof und das Beinhaus aus dem Jahre 1651.
Die neue Kirche von 1913
Zuerst wollten die Zermatter keine neue Kirche. Doch nach der Gemeindeabstimmung vom 13. November 1910 konnte mit der Realisierung des ehrgeizigen Vorhabens begonnen werden. Der Architekt Adolf Gaudy aus Rorschach entwarf die Pläne für den Neubau. Am 6. Juni 1916 weihte Monsignore Joseph Mariétan, Bischof von Bethlehem und Abt von St. Maurice, die neue Kirche ein. Der erste Sonntag im Monat Juni wird darum jedes Jahr als Kirchweihfest gefeiert. 1920 wurde die Kirche ausgemalt, 1925 konnte die Turmuhr installiert werden. Die grosse Orgel von 1926 und drei neue Glocken im Jahre 1932 schlossen den Kirchenbau ab. Die heutige Kirche steht weiter östlich als ihre Vorgängerin.
Totalrenovation 1980
Zur 700-Jahr-Feier der Pfarrei 1980 unterzog Pfarrer Eduard Imhof die Kirche einer Totalerneuerung. Innen wurde einiges verändert, u.a. wurden die Beichtstühle und Zweierbänke in den Seitengängen sowie die Kanzel entfernt, Zelebrationsaltar und Ambo errichtet, die Stationen des Kreuzweges ausgewechselt und die Taufkapelle in eine Muttergotteskapelle umgewandelt. Chor und Gewölbe erhielten neue Deckengemälde. Das Deckengemälde "Arche Noah" im Zentrum des Kirchenschiffes stammt aus dem Jahr 1980 und wurde von Paolo Parente aus Florenz geschaffen.
Schützenswerte Objekte
Die Kirche St. Mauritius ist im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von regionaler Bedeutung (KGS Inventar) eingetragen. Dies wegen der Altäre und wegen des Taufsteines.