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Schloss-Strasse 15
Die ehemalige Metzgerei Oesch ist ein Wohnhaus von 1923 mit Metzgerei, ehemals mit Remise und Stall. Massivbau in prägnanten Heimatstilformen. Hauptfassade mit Eckquaderung, fassonierter Ründi und kleinem Balkon. Im Osten originaler Quergiebel mit kleiner Ründi. Laden im Eingang über die Ecke, 1966 umgebaut. Nach 2014 Umnutzung des Parterres zu Wohnräumen mit Atelier und Laden.
Metzgerei und Käserei
Der Beruf des Metzgers kann weit zurückverfolgt werden. Das Metzgen erfolgte direkt im Auftrag des Bauern und zu seinen Gunsten. Der Käse wurde vorerst auf der Alp hergestellt. Dass in der Region Märkte (W10) und im Dorf Läden entstanden, war ein Ausdruck der zunehmenden Arbeitsteilung.
Metzgerei
Die erste heute fassbare Metzgerei entstand im Bau, der den Löwen mit seinem Dependenzgebäude verbindet. Der Verbindungstrakt von 1856/58 wurde als Metzgereiladen verwendet. Die letzte Metzgerei an dieser Stelle, die Metzgerei Gerber, bot bis Oktober 1972 Fleischwaren feil. Das Wohnhaus mit Metzgerei an der Schloss-Strasse 15 wurde 1923 von Metzger Friedrich Stuker anstelle eines Seilereischuppens gebaut. Vorher betrieb er eine Metzgerei im Nebengebäude des ersten Restaurants Rebstock an der Schulhausstrasse 6. 1941 übernahm Walter Oesch die Metzgerei. 1972 folgte sein Sohn Fritz Oesch, der die Metzgerei 2007 an Sascha Walthert vermietete. 2011 wurde die Metzgerei geschlossen. Fritz Oesch machte aus der Metzgerei einen hygienisch einwandfreien Betrieb mit klaren Abläufen. Nach dem Schlachtraum folgte unmittelbar die Abstandhalle. In diesem ersten Kühlraum wurden die gehäuteten und ausgeweideten Tiere zwischengelagert. Im nächsten Raum, der Zerlegerei, wurden sie ausgebeinelt, also von den Knochen befreit und in Einzelstücke zerlegt. Im zweiten Kühlraum – hier herrschte eine Temperatur von 2 Grad – wurden sie dann gelagert und anschliessend entweder in Salzwasser konserviert oder geräuchert. Aus hygienischen Gründen waren alle diese Räume geplättelt. Fritz Oesch bildete im Laufe der Jahre 50 Lehrlinge aus – sei es
im Metzgereibereich oder im Laden. Zu seinen Spezialitäten gehörten neben der Burehamme selber produzierte Wurstwaren. Metzgerei um 1925 | Bild: Stiftung Luftbild Schweiz, Walter Mittelholzer Eine weitere Metzgerei wurde an der Thunstrasse 9 betrieben. Zuerst von Vater und Sohn Schindler. Schindler junior betrieb nicht nur den Laden, er ging mit seinem Fleisch auch auf den Markt. Nach der Familie Rutschi übernahmen 1994 Christian und Paul Dällenbach die Metzgerei und führten sie bis 2016 weiter, bevor sie wegen Nachfolgeproblemen den Betrieb einstellen musste.
Käserei
Ab Mitte des 19. Jh. wurde die Milchwirtschaft auch im Tal wichtig (W5). Das führte 1815 zum Bau der ersten Talkäserei in Kiesen. 1852 kam diejenige von Diessbach dazu. Sie stand vorerst im Büchsenschmiedgraben. Zwischen 1862 und 1864 wurde sie an die Schulhausstrasse 3 verlegt und erfuhr in der Folge mehrere Umgestaltungen. Die Käsefabrikation wurde nun ganzjährig betrieben. Im Winter 1879/80 betrug das tägliche Milchquantum 400 kg, womit im Verlaufe des Winters 20‘000 kg Magerkäse hergestellt werden konnten. 50 kg davon kosteten 34 Franken. Im Sommer 1880 wurden täglich etwa 1500 kg Milch abgeliefert. Damit konnten 30‘000 kg Fettkäse hergestellt werden und zwar zu Fr. 85.– per 50 kg. 1904 wurde die Käsefabrikation eingestellt. Der Liter Milch kostete zu jener Zeit 13 Rappen. Ab 1910 gelangte die Milch von der Milchsammelstelle zur Milchsiederei Stalden (heute: Nestlé Konolfingen). Zur Zeit liefern 16 Bauern aus Oberdiessbach (inkl. Aeschlen und Bleiken) jährlich rund 1,2 Mio Liter Milch, die von der Aare Milch AG übernommen wird. Zur Milchsammelstelle gehörte vermutlich schon länger auch ein Laden. Dieser wurde von der Käserei-Genossenschaft Oberdiessbach um 1998 an Dritte verpachtet. Hier werden neben Käse und Milch alle Nahrungsmittel des täglichen Bedarfes angeboten.Im Übrigen gibt es an der Thunstrasse 17 auch eine Firma, die Käsehandel betreibt. Sie wird bis heute von der Chr. Eichers Söhne AG (gegründet 1904) geführt.
Zur Zeit wird im Dorf kein oﬀenes Fleisch mehr verkauft. Neben dem Angebot des Grossverteilers gibt es auch kleinere, mobile Angebote. Oder der Kunde lässt sich das Fleisch direkt vor die Tür liefern. Erhalten geblieben ist uns aber die Milchsammelstelle mit der angeschlossenen Dorf-Chäsi.