Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03551.jsonl.gz/2389

Ein lang gereiftes Werk
Dreissig Jahre hat es gedauert, bis Tom G. Warrior mit Triptykon beendet, was er vor ebendieser Zeit mit Celtic Frost angefangen hat: die Vollendung der Requiem Trilogie. Die erscheint nun bei Century Media erstmals komplett in Form des Albums Requiem (Live At Roadburn 2019).
Das Album wird in verschiedensten Versionen veröffentlicht, teilweise auch mit DVD. Mir liegt die Standardversion ohne Filmaufnahmen vor, so dass sich das Review auschliesslich auf den Auditoteil der Veröffentlichung bezieht.
Die Geschichte des Requiems
Begonnen hat alles im Jahr 1987 als auf Celtic Frosts Into the Pandemonium der Track „Rex Irae (Requiem)“ erschien. Bereits damals hatte die Band die Idee, ein dreiteiliges Requiem, eine Totenmesse, zu komponieren. Allerdings liess Tom den Zeitplan für die restlichen Teile bewusst offen und unverbindlich. Klar war damals nur, dass das Requiem in näherer Zukunft vollendet werden sollte und alle drei Teile zusammengefasst auf einer EP veröffentlicht werden sollten. Die Auflösung der Band machte diesem Plan vorerst einen Strich durch die Rechnung aber nach der Wiedervereinigung im Jahr 2001 nahm Tom die Arbeit wieder auf. Das Ergebnis war „Winter (Requiem, Chapter Three: Finale)“ auf dem Album Monotheist, der letzten Veröffentlichung vor der endgültigen Bandauflösung. So dauerte es schliesslich weitere lange Jahre bis Walter Hoeijmakers, der Gründer des Roadburn Festivals mit Triptykon in Kontakt trat und das Festival als Plattform zur Uraufführung eines komplettierten Requiems vorschlug. Dieser Input führte schliesslich zur Entstehung des dritten und letzten Teils „Grave Eternal (Requiem, Chapter Two: Transition)“ und zum dritten Album Triptykons.
Die Musik des Requiems
Soviel also zu den Hintergründen der Entstehung. Wenden wir uns nun der Musik zu auf Requiem (Live At Roadburn 2019). Die wurde von Beginn weg für Band und Orchester geschrieben und dieser Aspekt weist auch schon zu einer der grössten Stärken des Albums. Das Zusammenspiel zwischen Band und Orchester funktioniert nämlich auf unglaublich natürliche Art und Weise. Die beiden Teile verschmelzen vollkommen zu einer Einheit, gehen fliessend ineinander über und lassen dadurch einen Gesamtklang entstehen, der mehr ist, als einfach nur Band plus Orchester. So gehen besonders die ersten beiden Tracks wunderbar auf in dieser Symbiose. Für die Orchesterparts konnte das auf Jazz und Pop spezialisierte Metropole Orkest aus den Niederlanden unter der Leitung von Jukka Isakkila gewonnen werden, während die klassischen Arrangements von Florian Magnus Maier erarbeitet wurden. Trotz den schwierigen Aufnahmebedingungen bei einem Festivalauftritt, ist ein tadellos abgemischtes Album mit einem guten Sound entstanden. Genremässig wäre vielleicht die Bezeichnung Symphonic Doom Metal angebracht, wobei die Beschränkung darauf viel zu kurz greift.
Hervorzuheben ist neben dem Klang auch die Struktur der Kompositionen und des Albums an sich. Aufgeteilt in drei Songs, bildet „Grave Eternal (Requiem, Chapter Two: Transition)“ mit über einer halben Stunde Laufzeit den Kern von Triptykons neustem Album. Das Stück selbst ist wiederum in drei Abschnitte unterteilt, die sehr grob gesehen jeweils ungefähr einen Drittel davon einnehmen. Das einleitende „Rex Irae (Requiem, Chapter One: Overture)“ steht vor diesem 32-minütigen Brocken und die zwei Stücke sind ohne Unterbruch miteinander verbunden. Das ergibt in der Summe 39 Minuten Musik am Stück. Eine Dauer, die vom Hörer Aufmerksamkeit fordert. Kompositorisch werden unzählige Facetten verarbeitet, mal klingt das Album düster und brütend, dann wieder entspannt und verträumt. Sehnsüchtige Trompeteneinsätze werden abgelöst von schwelenden Gitarren bevor Violinen beruhigend einlullende Parts übernehmen. Die der Musik innewohnende Dynamik (also die Anwendung verschiedener Lautstärken als Gestaltungsmittel) erzeugt gleichzeitig eine Spannung und unterstützt die strukturelle Gliederung. Die präsentierte Nichtlinearität verlangt dabei nach einer Beschäftigung mit der Gesamtheit der Kompositionen, um das Werk richtig erfassen zu können. Dennoch ist es Triptykon gelungen, eine Nachvollziehbarkeit zu erreichen, die das Requiem sehr zugänglich macht ohne in oberflächliche Muster abzugleiten.
So weit so gut, aber es zeigen sich auch einige Kritikpunkte. So bringt die Veröffentlichung als Livealbum auch ihre Schattenseiten mit sich. Zwischen dem zweiten und dem dritten Song des Requiems applaudiert nämlich leider das Publikum. Nicht dass ich den Musikern den Applaus nicht gönnen würde, aber die Schlussnote von Track Nummer Zwei ist kaum verklungen, da wird bereit geklatscht. Als Hörer reisst einem das regelrecht aus der vorher aufgebauten Stimmung. Zudem trennt es den dritten Teil ab von den beiden vorherigen, so dass er im Endeffekt etwas angehängt wirkt. Dieser Umstand wird noch unterstützt dadurch, dass „Winter (Requiem, Chapter Three: Finale)“ mit seiner orchestralen Ausrichtung eine andere Charakteristik aufweist. Weiter hätte diesem Part, der ja das Finale des ganzen Werks darstellt, eine umfangreichere Dynamik gutgetan, um das Album intensiv abzurunden. Die Intensität an sich ist ein weiterer Punkt, bei dem noch Potential vorhanden ist. Hin und wieder hört sich die Darbietung etwas zu entspannt an, so dass der zwingende Aspekt der Musik verlorengeht. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass Triptykon den Spannungsbogen nicht immer ganz aufrechterhalten können. Ein Aspekt, der bei einer solchen Komposition zentral ist.
Das Fanzit zu Triptykon – Requiem (Live At Roadburn 2019)
Triptykon legen uns hier ein ambitioniertes Werk vor, das in seiner Gesamtheit zu überzeugen weiss. Das Album schafft es, avantgardistisch ohne schräg und eingängig ohne gefällig zu sein, muss sich aber dennoch etwas Kritik gefallen lassen. Damit komme ich auf 8 Punkte für das lang gereifte Requiem.