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Zuerst Deutschland, dann Polen, Haiti – und jetzt Burma: Die Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessur für Weltliteratur wird ihrem Namen zunehmend gerecht: Die 1947 in Mandalay geborene burmesische Autorin Wendy Law-Yone wird im Herbstsemester 2015 die vierte Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessorin an der Universität Bern. Sie lebt heute in London und unterrichtet an der School of Oriental and African Studies. Neben der Bürgerrechtlerin Aung San Suu Kyi ist sie eine der wichtigsten Stimmen Burmas weltweit.
Zu den zentralen Themen in Law-Yones Werk gehören die Erfahrungen der Diktatur und des Exils. Ihre beiden ersten Romane «The Coffin Tree» (1983) und «Irrawaddy Tango» (1993) sind denn auch vom spannungsgeladenen Leben zwischen Ost und West geprägt. Als in Burma das Militär 1962 putschte, war Wendy Law-Yone ein 15-jähriges Mädchen. Ein Jahr später wurde ihr Vater, der charismatische Gründer und Herausgeber der liberalen Zeitung «The Nation», verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Seiner Tochter gelang dagegen nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt 1967 die Flucht.
Rückkehr nach über 30 Jahren
Zunächst hielt sich Wendy Law-Yone in verschiedenen Ländern Südostasiens auf, ehe sie in Florida studierte und dann über zwei Jahrzehnte in Washington lebte. 2001 kehrte sie nach über 30 Jahren erstmals wieder für mehrere Monate nach Burma zurück, um dort für das 2013 veröffentlichte autobiografische Buch «Golden Parasol. A Daughter’s Memoir of Burma» zu recherchieren. Darin rekonstruiert sie das Leben ihres Vaters, der nach der Haftentlassung seine letzten Jahre im Exil in Thailand und später als Redner und Kolumnist in den USA verbrachte. In der Geschichte ihrer Familie spiegeln sich die koloniale und postkoloniale Geschichte des Landes. Als erstes ihrer Werke wurde «Golden Parasol» 2015 auch in burmesischer Sprache veröffentlicht.
In ihrem Seminar und in diversen öffentlichen Veranstaltungen in der Schweiz wird Wendy Law-Yone die dramatischen Veränderungen asiatischer Gesellschaften anhand aktueller Literatur aus Burma, China, Indien, Nepal und Pakistan beleuchten.