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05.05.2021
Refluxkrankheit: Operation als Alternative zu jahrelanger Medikamenteneinnahme
Im Interview mit Dr. med. Mischa C. Feigel vom Zürcher Referenzzentrum für Refluxchirurgie (ZRZR) werden die häufigsten Fragen zum Thema Refluxkrankheit beantwortet.
Was versteht man unter Reflux?
Unter einem Reflux versteht man das Zurückfliessen von Magensäure und/oder Mageninhalt in die Speiseröhre. Ein zu weiter bzw. zu lockerer Übergang zwischen Speiseröhre und Magen und/oder ein Zwerchfellbruch sind damit fast immer vergesellschaftet.
Was sind die typischen Symptome von Reflux?
Klassische Symptome sind z.B. ein Brennen hinter dem Brustbein (Sodbrennen), ein weiteres typisches Symptom ist ein Druckgefühl im Oberbauchbereich. Im Liegen kommt es nicht selten auch zu einem Zurückfliessen von Magensäure und/oder Mageninhalt bis in den Hals- oder Mundbereich sowie zu Hustenanfällen («Verschlucken»).
Wer erkrankt an Reflux?
Etwa 25% der westlichen Bevölkerung leidet mindestens einmal im Leben unter Refluxsymptomen. Es ist lediglich bekannt, dass eine Bindegewebsschwäche ursächlich an einer Refluxkrankheit mitbeteiligt ist. Des Weiteren führt Nikotin und Alkohol zu einer funktionellen Erweiterung des Speiseröhren-/Magenüberganges. Ein erhöhter Druck im Bauchraum (Übergewicht) kann eine Refluxkrankheit ebenfalls negativ beeinflussen
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Man sollte den Arzt aufsuchen, wenn Refluxbeschwerden mit einfachen Massnahmen nicht innerhalb von 6-8 Wochen in den Griff gebracht werden können (z.B. frühes Nachtessen, Kopfende des Bettes hochstellen) oder diese immer wieder auftreten.
Was sind die ersten Behandlungsoptionen?
Behandelt wird primär immer konservativ wie oben erwähnt (z.B. Ernährungsumstellung, frühes Nachtessen, Kopfende des Bettes hochstellen, Nikotin- und Alkoholabstinenz, Gewichtsreduktion) und medikamentös, heutzutage vorzugsweise mit sog. Protonenpumpenhemmern (PPI).
Was tun, wenn sich die Beschwerden trotz Protonenpumpenhemmern nicht beheben lassen?
Eine zuverlässige Hemmung der Säureproduktion lässt sich mit PPI’s meistens sehr gut erreichen. Die Probleme, die durch den ungenügenden Verschluss des Überganges zwischen Magen und Speiseröhre herrühren, bleiben aber oftmals weiter bestehen. Diese mechanischen Probleme (Rückfliessen von Mageninhalt bis in den Hals- oder Mundbereich) sind mit Medikamenten allein nicht zu lösen. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass PPI’s langfristig nicht unerhebliche Nebenwirkungen bzw. unerwünschte Begleiteffekte haben (z.B. Osteoporose, Vit.B12-Mangel, Nierenerkrankungen, bakterielle Fehlbesiedlung im Dünndarm durch die fehlende Magensäure u.a.). Bei Notwendigkeit einer langfristigen Einnahme von PPI’s und/oder zusätzlich mechanischen Refluxproblemen sollte stets eine chirurgische Behandlung in Betracht gezogen werden.
Was genau ist die Idee einer Operation?
Die Operation zielt darauf ab, den Reflux zu verhindern oder zumindest so stark zu verringern, dass keine Medikamente mehr eingenommen werden müssen.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Es existieren verschiedenste Operationsverfahren, die alle den «Verschlussmechanismus» zwischen Speiseröhre und Magen verbessern bzw. verstärken. Dazu gehören alle Verfahren mit Manschettenbildung (sog. Fundoplikatio), spezielle Magnetbänder und die von uns bevorzugte modifizierte BICORN-Operation.
Was sind die Vorteile des modifizierten Bicorn-Verfahrens – und bieten Sie nur diese Technik an?
Der grosse Vorteil des modifizierten BICORN-Verfahrens besteht darin, dass dabei die normalen anatomischen Verhältnisse wieder hergestellt werden, ohne dass eine künstliche Manschettenbildung (mit Anteilen des obersten Magenabschnittes) gebildet werden muss. Eine solche wirkt wie ein Ventilmechanismus («Einbahnstrasse»). Bei den Operationen mit Manschette besteht zwar ein sehr guter Refluxschutz, aber die Möglichkeit aufzustossen («Rülpsen») und zu erbrechen ist nicht mehr gegeben, was ausserordentlich unangenehm ist. Dies im Gegensatz zur modifizierten BICORN-Operation ohne Manschettenbildung, wo diese Nebenwirkungen nicht vorhanden sind. Der Refluxschutz ist hier allerdings ebenso effektiv wie bei den Operationen mit Manschettenbildung. Auf ausdrücklichen Wunsch bieten wir selbstverständlich auch alle anderen Anti-Refluxoperationen (mit Manschette) an. Die Erfahrung von mittlerweile 25 Jahren Refluxchirurgie und weit über 1000 operativen Refluxeingriffen befähigen uns dazu. Allerdings haben wir in den letzten 6 Jahren ausschliesslich modifizierte BICORN-Operationen gemacht.
Auf die Magnetbänder gehe ich nicht ein, da wir dieses Verfahren als nicht opportun ansehen.
Was sind die Nachteile/Risiken einer solchen Operation?
Jede Operation birgt gewisse Risiken. Das modifizierte BICORN-Verfahren wird stets laparoskopisch durchgeführt und ist, in den Händen eines erfahrenen Refluxchirurgen, ausserordentlich risiko- und komplikationsarm. Der Spitalaufenthalt nach der Operation beträgt lediglich 1-2 Tage.
Ist das Problem durch die Operation endgültig behoben?
Die Refluxkrankheit sollte nach der chirurgischen Sanierung «geheilt» sein. Auf Grund der Tatsache, dass es sich aber u.a. auch um ein Problem des «schwachen Bindegewebes» handelt (ähnlich wie beim Krampfaderleiden), besteht die Möglichkeit, dass, unabhängig des gewählten Verfahrens, nach Jahren wieder ein leichter Säurereflux auftritt. Dieser kann dann, allerdings nur im Bedarfsfall und nicht als Dauertherapie, mit PPI’s symptomatisch behandelt werden. Die mechanischen Refluxprobleme treten nach der modifizierten BICORN-Operation allerdings auch nach Jahren praktisch nicht mehr auf.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter dem Fachgebiet Viszeralchirurgie.
FMH für Chirurgie, spez. Viszeralchirurgie
Zürcher Referenzzentrum für Refluxchirurgie (ZRZR)
Tel. +41 43 499 16 99
<email-pii>
www.refluxkrankheit.ch