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Inhaltsverzeichnis
Radioaktive Abfälle
Die radioaktiven Abfälle der Schweiz stammen zur Hauptsache aus fünf Kernkraftwerken, aber auch aus Medizin, Industrie und Forschung. Es wird zwischen hochaktiven Abfällen und abgebrannten Brennelementen (HAA/BE), langlebigen mittelaktiven Abfällen (LMA) sowie schwach- und mittelaktiven Abfällen (SMA) unterschieden. Zurzeit befinden sich diese Abfälle in Zwischenlagern im Kanton Aargau und bei den Kernkraftwerken. Die Kernenergiegesetzgebung schreibt vor, dass die in der Schweiz anfallenden radioaktiven Abfälle grundsätzlich in der Schweiz in einem geologischen Tiefenlager entsorgt werden müssen. Verantwortlich dafür sind die Verursacher dieser Abfälle, also die Kernkraftwerkbetreiber und der Bund, der für die Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung zuständig ist. Diese Entsorgungspflichtigen haben zur Wahrnehmung der Aufgabe 1972 die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) gegründet.
Der grösste Teil der radioaktiven Abfälle der Schweiz stammt aus den Kernkraftwerken Beznau I und II, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg. Die in den Reaktoren eingesetzten Brennelemente müssen nach etwa fünf Jahren ausgetauscht werden, da ihr Brennstoffgehalt nicht mehr gross genug ist und sich Spaltprodukte gebildet haben. Die verbrauchten Brennelemente werden etwa fünf Jahre in Nasslagern (Abklingbecken) abgekühlt und danach in Transportbehältern ins Zwischenlager gebracht (Wiederaufarbeitung ist gesetzlich verboten). In Betrieben der Industrie sowie in der Medizin und Forschung entstehen weitere radioaktive Abfälle, beispielsweise in Füllstandsmessungen oder bei der Tumorbestrahlung. Auch diese Abfälle werden grösstenteils in Zwischenlagern gesammelt, bis ein Tiefenlager zur Verfügung steht.
Die Berechnungen gehen davon aus, dass ein Volumen von rund 90'000 m3 an radioaktiven Abfällen in geologischen Tiefenlagern eingelagert werden muss (entspricht in etwa dem Volumen der Bahnhofshalle Zürich). Dabei machen die schwach- und mittelaktiven Abfälle rund 90 Prozent des Volumens aus. Die hochaktiven Abfälle beinhalten 99 Prozent der Radiotoxizität der Abfälle.
Zwischenlagerung
Bis die radioaktiven Abfälle in ein geologisches Tiefenlager verbracht werden, lagern die Abfälle aus den schweizerischen Kernkraftwerken im Zwischenlager in Würenlingen (ZWILAG) oder im Zwischenlager des Kernkraftwerks Beznau (ZWIBEZ). Dort kühlen die hochaktiven Abfälle während etwa 40 Jahren soweit ab, bis sie in ein geologisches Tiefenlager gebracht werden können. Die Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung lagern im Bundeszwischenlager in Würenlingen.
Tiefenlager
Radioaktive Abfälle enthalten ein Gemisch aus radioaktiven Atomen. Bis der radioaktive Zerfall soweit fortgeschritten ist, dass die Abfälle für Mensch und Umwelt nicht mehr schädlich sind, sind sehr lange Zeiträume erforderlich (100'000 Jahre für schwach- und mittelaktive Abfälle, eine Million Jahre für hochaktive Abfälle). Während dieser Zeit sollen die radioaktiven Abfälle durch Einlagerung in geeigneten geologischen Schichten im Untergrund – in sogenannten geologischen Tiefenlagern – von der Lebenswelt ferngehalten werden.
Lagertypen
Bei der geplanten Tiefenlagerung in der Schweiz unterscheidet man zwischen zwei Lagertypen:
- HAA-Lager: ein Lager für hochaktive Abfälle und abgebrannte Brennelemente, in dem die Abfälle für eine Million Jahre von der Lebenswelt ferngehalten werden
- SMA-Lager: ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle, in dem diese für 100'000 Jahre von der Lebenswelt ferngehalten werden
Es werden also zwei Lagerstandorte gesucht. Es besteht dabei die Möglichkeit, dass ein sogenanntes Kombi-Lager realisiert wird, dass also beide Lagertypen am selben Standort gebaut werden.
Aufbau eines Tiefenlagers
Ziel des geologischen Tiefenlagers ist der Einschluss der radioaktiven Abfälle in einem Gestein mit besonders guten Rückhalteeigenschaften für radioaktive Teilchen (Radionuklide), in der Schweiz im Opalinuston. Dieser liegt in der Nordschweiz als Gesteinsschicht in der für ein Tiefenlager notwendigen Tiefe von 400 bis 900 Metern vor und soll für die Einlagerung der Abfälle genutzt werden. Diese werden in der Oberflächenanlage angeliefert, in Endlagerbehälter verpackt und ins Tiefenlager gebracht. Dort werden die Abfälle in einem Stollensystem eingelagert, so dass sie bis zum Abklingen der Radioaktivität auf entsprechend niedrigere Werte keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen (im Falle von schwach- und mittelaktiven Abfällen für 100'000 Jahre, hochaktive Abfälle für eine Million Jahre). Das Tiefenlager verfügt über zwei weitere Zugänge zum Lager, die sogenannten Nebenzugangsanlagen. Über den Betriebsschacht wird Aushubmaterial aus dem Tiefenlager an die Erdoberfläche transportiert, und es wird Baumaterial ins Tiefenlager gebracht. Über den Lüftungsschacht wird die Belüftung des Lagers sichergestellt.
Standortsuche
Für die Suche nach geeigneten Standorten in der Schweiz für die beiden Lagertypen eines Tiefenlagers (SMA-Lager und HAA-Lager) hat der Bundesrat im Jahr 2008 den Sachplan geologische Tiefenlager gestartet. Der Sachplan wird vom Bundesamt für Energie geleitet und befindet sich derzeit in der letzten von drei Etappen und soll bis 2030 abgeschlossen sein.
Mögliche Standortgebiete für Tiefenlager
Erdwissenschaftliche Untersuchungen der Standortgebiete
Die drei Standortgebiete werden in Etappe 3 des Auswahlverfahrens erdwissenschaftlich genauer untersucht, unter anderem mit seismischen Messungen und mittels bis zu 2000 Metern tiefen Sondierbohrungen. Von besonderem Interesse ist dabei die Gesteinsschicht des Opalinustons, des Wirtgesteins für die radioaktiven Abfälle. Die Nagra hat 2018 mit den Bohrungen angefangen – in Nördlich Lägern in den Gemeinden Bülach und Stadel, in Zürich Nordost in den Gemeinden Trüllikon und Marthalen. Pro Standortgebiet sind bis fünf Bohrstandorte geplant, wobei die Anzahl der tatsächlich ausgeführten Bohrungen vermutlich geringer ausfallen wird. Nach Abschluss und Auswertung der detaillierten erdwissenschaftlichen Abklärungen wird die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) voraussichtlich 2022 bekannt geben, für welche Standortgebiete (oder für welches Standortgebiet im Falle eines Kombilagers für HAA/BE und SMA) sie beim Bundesrat Rahmenbewilligungsgesuche für geologische Tiefenlager einreichen will.
Beteiligung des Kantons bei der Standortsuche
Der Kanton Zürich hat seine Haltung und Meinungen seit Beginn des Sachplans ins Verfahren eingebracht. Er unterstützt das Bundesamt für Energie bei der Durchführung des Auswahlverfahrens und die beiden Zürcher Standortregionen Nördlich Lägern und Zürich Nordost in fachlichen Fragen. Er setzt sich für ein transparentes und faires Auswahlverfahren ein, wobei die Sicherheit bei Planung, Bau und Betrieb der geologischen Tiefenlager immer an erster Stelle steht.
Informationsplattform für die Bevölkerung
Im Hinblick auf das zunehmende Informationsbedürfnis der betroffenen Zürcher Bevölkerung rund um die Standortsuche für geologische Tiefenlager hat der Kanton im April 2021 eine massgeschneiderte Kommunikationsplattform lanciert: Auf www.tiefenlager-zh.ch sind gut verständliche Informationen, insbesondere zum zeitlichen Ablauf der bisherigen und künftigen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Tiefenlager-Standortsuche zu finden. Neuigkeiten sind dort kompakt zusammengefasst. Es werden fachlich abgestützte Antworten auf die wichtigsten Fragen geliefert, und es kommen Stimmen aus der Region zu Wort.
Ansprechpersonen
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Weiterführende Informationen
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