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Vanguard : Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte sind wir der Meinung, dass die Märkte in den Schwellenländern wieder zu Wachstum zurückkehren und Interesse generieren können.
Von Nick Eisinger, Fondsmanager für Schwellenländer-Anleihen bei Vanguard
Dies wird jedoch von einer Reihe von Faktoren abhängen, die zum jetzigen Zeitpunkt eine Rolle spielen könnten, darunter die Massnahmen der Fed, die Entwicklung des US-Treasury-Marktes, der US-Dollar und natürlich die Inflation. Unter der Annahme eines allmählichen Anstiegs der US-Staatsanleihen-Renditen halten wir das allgemeine Bild einer Erholung der Märkte in den Schwellenländern für valide, auch wenn die Erholung noch mit Unsicherheiten behaftet ist, die nicht nur mit dem Pandemieverlauf, sondern auch mit dem Inflationsrisiko und der Straffung der Geldpolitik zusammenhängen. Allerdings haben die Anlagen in den Schwellenländer schon teilweise auf eine Straffung der Fed reagiert, da die Normalisierung ihrer Politik bereits angekündigt wurde.
Schliesslich wurde die Geldpolitik in den meisten Schwellenländern bereits schrittweise gestrafft, und viele Regierungen bemühen sich um die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen. Diese Bemühungen deuten darauf hin, dass die makroökonomischen Ungleichgewichte aufrechterhalten und ein Zustand der Widerstandsfähigkeit gegenüber Schocks geschaffen werden soll. Vor diesem Hintergrund sehen wir mehr Chancen in den Devisenmärkten der Schwellenländer, wobei Länder wie Russland und Teile Mittel- und Osteuropas (MOE-Staten) aufgrund der Zinserhöhungen der Zentralbanken nun ein besseres Carry aufweisen. Weitere Gelegenheiten bieten sich in Schwellenländer-Währungen mit niedrigeren Renditen, d.h. dort, wo die Normalisierung der Geldpolitik noch im Gange ist (z.B. ungarischer Forint, tschechische Krone, polnischer Zloty) oder wo die Bewertungen günstig sind (z.B. koreanischer Won).
Vorsichtig bleiben wir hingegen bei Krediten, wo wir nur einen begrenzten globalen Wert sehen, aber wir sehen weiterhin eine Menge relativer Werte oder Auswahlmöglichkeiten in verschiedenen Ländern und verschiedenen Teilen der Kreditkurve, und wir sind auch auf eine Welle von Neuemissionen im Herbst vorbereitet, die unserer Meinung nach in einigen Ländern gute Einstiegslevels bieten werden. Auch bei den Zinssätzen bleiben wir insgesamt vorsichtig, obwohl es einige Länder gibt, in denen sich der Zyklus der geldpolitischen Straffung dem Ende zuneigt, wie z. B. Russland, die jetzt attraktive Einstiegspunkte bieten, oder in denen es eine gute Risikoprämie am langen Ende der Zinskurven gibt, wie z. B. in Südafrika oder Indonesien.
Es bestehen jedoch weiterhin makroökonomische Risiken, die genau beobachtet werden müssen, um herauszufinden, welcher Weg eingeschlagen werden muss, um den Aufschwung bestmöglich zu fördern. Angesichts verschiedener globaler Makro-Risikofaktoren wie Inflationsängsten in den USA (und weltweit), einem stärkeren US-Dollar, der Besorgnis über das Tapering der US-Notenbank, der anhaltenden Ausbreitung von Covid-Fällen in den Schwellenländern und einer uneinheitlichen Impfbilanz halten wir an einem neutralen Beta fest.
Aufgrund dieser Faktoren ist es unserer Meinung nach riskant, einen aktiven Fonds in sehr direktionale oder makroökonomische Wetten zu investieren, zumal die Bewertungen nicht besonders überzeugend sind. Andererseits sind wir nach wie vor sehr aktiv im Bereich der Relative-Value-Strategien (Handel mit Kreditkurven, Länderdifferenzierung, Währungen vs. Zinsen vs. Krediten usw.) und versuchen beim Aufbau unserer Portfolios stets, konzentrierte und korrelierte Risikofaktoren zu vermeiden.
Quelle: BondWorld