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Steif und starr End's Februar
Die Kaltluft hatte auch heute weite Teile Mittel- und Osteuropas fest im Griff. Die aktuelle Kältewelle dauert aber nur kurz, und die kälteste Phase dürfte bald „überstanden“ sein.
"Eingefrorene" Wetterlage
Im Vergleich zum Vortag gab es bei der Wetterlage grossräumig gesehen keine wesentlichen Veränderungen. Auch am Dienstag lag nämlich der Alpenraum zwischen dem dominierenden Bodenhoch mit Kern über Nordskandinavien und einem flachen Tief über dem Mittelmeer, das sich weiter ostwärts verlagerte und abschwächte.
Mit dieser Konstellation blieb auch die Zufuhr trockenkalter Festlandluft nach Mitteleuropa aufrechterhalten. In der Höhe erstreckte sich ein ausgedehnter Trog vom Nordwesten Russlands bis zur Iberischen Halbinsel und nach Italien. Innerhalb dieses Troges zeigten sich zwei Minima, eines mehr oder weniger stationär über der nördlichen Adria und ein zweites über der Ostsee bzw. dem Baltikum. Dieses zog im Tagesverlauf weiter westwärts und erreichte bis am Abend Norddeutschland.
Im Bereich dieser Höhentiefs kam es zu Hebungsvorgängen, die beispielsweise an der Ostküste Mittelitaliens bis etwa Bari recht effizient Schneefall produzierten, im Hinterland der Marken sogar 58 Zentimeter Neuschnee. In Süditalien sorgten sie für Schnee, Regen und Gewitter. Auch in der Ostseeregion haben heftige Schneeschauer den Winter zurückgebracht. So konnte sich verbreitet eine Schneedecke bilden, örtlich reichte es gar für mehr als 20 Zentimeter. Auch im Südosten Englands, in Teilen Spaniens, im Hinterland von Südfrankreich sowie in Südosteuropa schneite es zum Teil kräftig.
Auch in der Deutschschweiz gab es von gestern Abend bis heute Morgen gebietsweise schwachen Schneefall, insbesondere vom Zürcher Oberland über die Region Zürichsee und Zugersee bis ins Napfgebiet. Die Mengen waren zwar sehr gering, trotzdem blieb vielerorts ein Flaum Neuschnee liegen, sodass der Winterdienst aufgeboten wurde.
Kalt in der Nacht
In der teils klaren, teils bewölkten Nacht sanken die Temperaturen verbreitet noch etwas tiefer als in der vorangegangenen Nacht auf Montag. Im Mittelland war es – abhängig von der Verteilung der Hochnebelfelder - nur wenig kälter (im Schnitt um 1 Grad tiefer). Im Wallis hingegen sanken die Minima deutlich tiefer (3 bis 11 Grad) als in der Vornacht, während der die ausgedehnte hochnebelartige Bewölkung die Abstrahlung stark reduzierte. Auch in Graubünden und im Tessin gab es längere Aufklarungen als in der Vornacht und somit tiefere Temperaturen (1 bis 5 Grad kälter).
In den Niederungen der Alpennordseite betrugen die Tiefstwerte auf Dienstag demnach -9 bis -11 Grad, in den höher gelegenen Alpentälern wurde -22 bis -28 Grad gemessen, in den Hochalpen blieb das Quecksilber erst bei -27 bis -29 Grad stehen.
Kalt in der Höhe
Die tiefen Temperaturen zeigen sich auch auf der Grafik des Ballonsondenaufstiegs von Payerne von Dienstagnacht. Die auf der Höhe von 850 hPa (rund 1500 m ü. M.) gemessene Temperatur betrug -18.2 Grad. Betrachtet man nicht den ganzen Winter, sondern nur die Zeit ab Mitte Februar, so war dies der zweitkälteste Wert. Nur im 1971 gab es anfangs März mit -18.9 Grad einen knapp tieferen Messwert. Die absolut tiefste Temperatur auf 850 hPa über den ganzen Winter gesehen wurde anfangs Februar 1956 mit -27.2 registriert.
Auch was die Tagesmitteltemperaturen betrifft, sind gestern und heute vor allem auf den Bergstationen zum Teil ausserordentlich tiefe Werte für die zweite Februarhälfte verzeichnet worden. Auf dem Weissfluhjoch war es gestern mit -25.4 Grad die zweittiefste Tagesmitteltemperatur nach 1971 (Messbeginn 1959), auf dem Corvatsch heute mit -27.2 Grad die zweittiefste nach 1993 (Messbeginn 1979).
Wenn man allerdings den ganzen Monat Februar betrachten würde, sind an langjährigen Messreihen keine Monatsrekorde zu erwarten, da der heftige Kälteeinbruch von Anfang Februar 1956 einfach nicht zu toppen ist.
Wer sich für weitere Informationen zum Klima des zu Ende gehenden Monats interessiert, der in Berglagen zu den kältesten der vergangenen 30 Jahre gehört, findet diese auf folgendem MeteoSchweiz-Blog
Kalt am Tag
Der Dienstag geht an den meisten Messstationen der Schweiz mit einem weiteren Eistag in die Statistik ein. Eine Ausnahme machte wiederum das Tessin, wo die Höchsttemperaturen von Biasca bis Lugano knapp über Null Grad anstiegen. Ansonsten blieb es überall den ganzen Tag frostig kalt. Die Höchstwerte erreichten in der Deutschschweiz -5 bis -7 Grad, in der Westschweiz und im Wallis -3 bis -5 Grad. In den Bergen oberhalb von 2000 Metern verharrte das Quecksilber unter -20 Grad. Im Vergleich mit dem Vortag lagen die Maxima ähnlich oder leicht darüber, da etwas weniger kalte Luft einsickerte. Am Jura und im Wallis hingegen waren sie leicht tiefer, im Jura wegen deutlich verminderter Sonneneinstrahlung und im Wallis wegen deutlich tieferen Minima, die tagsüber trotz viel Sonne nicht mehr kompensiert werden konnten
Die Kältewelle dürfte vielerorts wahrscheinlich ihren Höhepunkt in der Nacht auf Mittwoch erreichen. Dies hängt allerdings stark von der Verbreitung der hochnebelartigen Bewölkung und den entsprechenden Abstrahlungsbedingungen ab.
Kalt mit Bise
Der Druckgradient über Mitteleuropa schwächte sich am Dienstag etwas ab, sodass der Nordostwind tagsüber etwas weniger stark blies als noch am Vortag. Die höchsten Böen wurden wiederum in Kamm- und Gipfellagen der Voralpen und Alpen sowie über dem Jura und im westlichen Mittelland erreicht mit 50 bis 80 km/h, im zentralen und östlichen Mittelland waren es „nur“ noch Spitzen von 30 bis 40 km/h. Auch mit dieser etwas schwächeren Bise ging natürlich die Kälte immer noch durch Mark und Bein.
Kalt auch mit Sonne
Die hochnebelartige Bewölkung war auch am Dienstag unterschiedlich verteilt. In den westlichen Landesteilen zeigten sich bereits am Morgen grössere Lücken und auch die ausgedehnteren Hochnebelfelder am Jura, im Drei-See-Land und vom südlichen Genferseegebiet bis ins Unterwallis lockerten sich im Laufe des Vormittags auf und wandelten sich in flache, ausgedehnte Quellwolken um.
In den übrigen Alpen und auf der Alpensüdseite dominierte trotz ein paar Wolken tagsüber die Sonne. In der Nordwestschweiz sowie in den zentralen und östlichen Landesteilen hingegen zeigten sich zwar anfangs auch ein paar Lücken, durch die sich die Sonne zwängte.
Im Laufe des Tages sickerte aber aus Nordosten wieder etwas feuchtere Luft ein, sodass sich die Wolkendecke eher wieder ausbreiten und verdichten konnte. In den Bisenstaugebieten den zentralen und östlichen Voralpen entlang blieb die feuchte Schicht auch am Dienstag am hartnäckigsten.
Die Obergrenze lag anfangs über dem Mittelland bei 1400 bis 1800 Metern, in den Voralpen bei 1700 bis 2200 Metern und stieg im Tagesverlauf auf einen Bereich zwischen 2000 und 2500 Metern.
Gebietsweise fielen auch am Dienstag ein paar Schneeflocken daraus, sie vermochten aber kaum anzusetzen. Darüber zogen aus Osten schubweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder vorüber, die aber die Einstrahlung nicht wesentlich einschränkten.