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40 m hohe Betonmasten
Freiburger Firma erobert Quebec
Zwölf 40 m hohe Leitungsmasten aus Beton kann die Firma Gram SA in Villeneuve FR nach Kanada liefern. Sie will den Beweis antreten, dass schweizerischer Tiefbau noch exportiert werden kann.
Von ARTHUR ZURKINDEN
Seit 1964 hat sich die Firma Gram SA auf Betonprodukte spezialisiert. Besondere Aufmerksamkeit hat sie dabei der Herstellung von Leitungsmasten für den Transport von Elektrizität geschenkt. Im Jahre 2000 hat sie mit der Firma Hydro Quebec Kontakte aufgenommen, wie Direktor Albert Ghiraldi, der das Unternehmen seit 20 Jahren leitet, am Freitag an einer Medienkonferenz mitteilte. Das kanadische Unternehmen beabsichtigte den Kauf von 40 m hohen Leitungsmasten aus Beton, welche neuartigen, extremen Belastungen standhalten sollen. «Geplant wurde die Errichtung von zwölf aussergewöhnlichen Masten für eine Pilotanlage in einem Standort mit ganz speziellen Anforderungen», führte er weiter aus.
Eine 1:1-Prüfung
Um den Auftrag zu erhalten, musste Gram SA den technischen Nachweis einer 100-prozentigen Produktzuverlässigkeit liefern. Albert Ghiraldi fand aber in der Schweiz keine Prüfstelle, welche das angeforderte Qualitätszertifikat hätte aushändigen können. Deshalb sei beschlossen worden, eine Prüfung «eins zu eins» durchzuführen. «Das Problem lag darin, dass die Prüfung die Kleinigkeit von 500 000 Franken kosten würde», sagte Ghiraldi. Hydro Quebec sei aber von der höchst professionellen Arbeitsweise der Gram SA überzeugt und habe sich bereit erklärt, die Kosten für diese beeindruckende Qualitätsprüfung zu übernehmen.
Zerstörungsprüfung
Laut Ghiraldi wurde im vergangenen Jahr ein 40 m hoher, zweiteiliger Mast mitsamt Fundament für eine Zerstörungsprüfung errichtet. «Ein Tragwiderstand von 1,2 sollte erreicht werden. Der Mastbruch erfolgte aber bei 1,65, also bei 150 Prozent des geforderten Grenzwerts», berichtete Ghiraldi weiter und konnte mitteilen, dass Gram SA den Auftrag (1,5 Mio. Franken) erhalten habe und nun beschäftigt sei, diese Leitungsmasten zu fertigen.
Laut Ghiraldi hat sich das Freiburger Unternehmen die Frage gestellt, was zu tun sei, wenn sich nach der Errichtung der Pilotanlage der kanadische Markt für Leitungsmasten tatsächlich öffnet: «Bauen wir eine Fabrik in Kanada? Treten wir die Lizenz ab? Gehen wir eine Partnerschaft mit einer kanadischen Gesellschaft ein? Streben wir eine Integration unserer Firma in eine internationale Gruppe an, die sich aufs Bauwesen spezialisiert hat? Eröffnen wir ein Ingenieurbüro in Kanada und arbeiten mit einem Partner der Branche zusammen?» Laut Ghiraldi denkt die Gram SA auch an die Öffnung des chinesischen Marktes, zumal in China ebenfalls eine grosse Nachfrage an Leitungsmasten entstehen werde.
«Die Geschäftsleitung wird sich rasch für Optionen entscheiden müssen», betonte Ghiraldi. «Die Entwicklung des Unternehmens kann einzig durch qualitativ hoch stehende Partnerschaften gesichert werden. Geldmittel müssen möglicherweise aufgetrieben werden. Fest steht, dass sich eine solche Gelegenheit sicher nicht ein zweites Mal im Leben einer KMU anbietet», gab er zu verstehen.
Ein FEW-Auftrag
Albert Ghiraldi konnte an der Medienkonferenz auch über einen zweiten Grossauftrag berichten. So konnte am vergangenen Donnerstag ein erster Vertrag mit den FEW Ensa für 500 000 Franken abgeschlossen werden, dies für einen Markt von 3,5 Mio. Franken. Aufträge in Millionenhöhe würden dem Freiburger Unternehmen zweifelsohne gut tun, denn es hatte in letzter Zeit mit einigen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie am Rande der Medienkonferenz zu vernehmen war. Weil vor einer Woche eine bedeutende Baustelle in Genf verschoben werden musste, informierte die Geschäftsleitung das Personal, dass während einigen Monaten zehn bis zwölf Stellen auf dem Spiel stünden. Ein entsprechendes Gesuch für eine technische Arbeitslosigkeit sei beim Amt für den Arbeitsmarkt gestellt worden.