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Tobias Schönrock, M.A.
Referentin: Prof. Dr. Fabienne Liptay
Das Dissertationsprojekt untersucht die Konstruktion, Funktions- und Gebrauchsweisen von Nadeltonverfahren im Kontext von Film und Kino sowie das damit verbundene Wissen im deutschsprachigen Raum.
Berücksichtigt werden zum einen all jene Prozesse, die die Einführung und Verwendung von Nadeltonformaten in den zeitgenössischen Infrastrukturen der Produktion, Distribution und Aufführung von Tonfilmen begleiteten. Diese historische Zeitspanne ist begrenzt bis circa 1935. Zum anderen werden heutige Praktiken und Wissensformationen analysiert, die das Erinnern, die Sicherung und die Sichtbarmachung von Nadelton als historisches und obsoletes Format betreffen, wie in der Konservierung von physischen Materialträgern und Geräten, ihrer Dokumentation, der Restaurierung von Nadeltonfilmen und Nadeltonsystemen.
Kurzlebige Technologien wie Nadeltonverfahren sind trotz ihrer schnellen Obsoleszenz mit den dominanten Praktiken der Standardisierungen verbunden, insofern sie verdrängt wurden von anderen Technologien, die fortlebten. Die Dissertation betont daher die Gleichzeitigkeiten und (Dis-)Kontinuitäten der Mediengeschichte sowie die potentielle Ergebnisoffenheit historischer Situationen am Beispiel einer spezifischen lokal und zeitlich eingrenzbaren Technologie.
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt schliesslich auf dem Aufbau, der Pflege und dem Transfer von Wissen im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Nadeltonverfahren. Damit rückt die Dissertation ein spezialisiertes, historisch situiertes, teilweise «gelebtes» Wissen aus den Bereichen der Filmproduktion, -vorführung und -archivierung in den Vordergrund, das der filmwissenschaftlichen Forschung mitunter schwer zugänglich ist. Auf diese Weise kommt auch das Arbeitsleben der konkreten Anwender:innen selbst in den Blick.