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Chartūm
(Khartum), Hauptstadt des ehemals ägypt.
Sudans, in 385 m Höhe, am linken Ufer des
Blauen
Nils dicht vor seiner
Vereinigung mit dem
Weißen
Nil, ist eine Schöpfung
Mehemed-Alis von
Ägypten,
[* 2] der das elende Dorf
Chartum seit 1823 zur
Stadt ausbauen ließ und 1830
zum Sitz des
Generalgouverneurs des von ihm eroberten
Sudans bestimmte. Der Ort blühte als der
südlichste Hauptposten des ägypt.
Handels durch seine günstige
Lage rasch
auf und wurde der Mittelpunkt
des gesamten
Handels von Nordostafrika; die Zahl der Bewohner wurde 1882 auf 70000 geschätzt.
Inmitten einer baum- und strauchlosen Sandebene gelegen und von Erdwerken umgeben, bildete
Chartum eine einförmige,
schmutziggraue
Masse von Häusern aus
Luftziegeln, mit einer Hauptstraße und großen (mit Weizen,
Palmen
[* 3] und Citronbäumen bepflanzten) Gärten. Zwei ansehnliche, ganz nach europ. Art gebaute Regierungsgebäude,
die Moschee, ein Lazarett, eine
Kaserne mit einem Pulvermagazin, die kath. Missionsanstalt nebst Schule, eine kath.
und eine kopt.
Kirche waren die einzigen solid erbauten
Gebäude.
Das Klima ist bei der großen Hitze (nachmittags durchschnittlich 39°, zuweilen über 46° C. im
Schatten)
[* 4] und bei der ungemeinen Feuchtigkeit der Luft während der Regenzeit sehr erschlaffend und ungesund. Mit
Ägypten
bestand Post- und Telegraphenverbindung;
Briefe erreichten
Kairo in
[* 5] 22
Tagen. In neuerer Zeit war
Chartum der Ausgangspunkt verschiedener
Entdeckungs- und Eroberungsexpeditionen nach den südl. Nilländern, z.B.
der von Samuel
Baker. Auch Missionen hatten sich dort niedergelassen; die kath. Mission, zugleich Sitz
des
Bistums von Nigritien, entstand 1846 durch die Bemühung des österr.
Marienvereins, die protestantische durch die
Brüder von Crischona bei Basel.
[* 6] Die Haupteinfuhrartikel für den
Sudan waren Gewehre,
Pulver,
Blei,
[* 7] Jagdrequisiten,
Spirituosen, engl. grobe Baumwollstoffe,
Glasperlen. Die Ausfuhr bestand in
Elfenbein aus den
Ländern des
Weißen
Nils, dann Gummiarabikum, Sennesblättern und
Tamarinden aus
Darfur,
Strauß- und Marabutfedern,
Häuten. Auch der
Sklavenhandel, obwohl bereits seit den vierziger Jahren gesetzlich verboten, hatte
bis in die letzte Zeit
in
Chartum noch einen Hauptsitz.
Von aus wurden seit den fünfziger Jahren die obern Nilgebiete nach und nach dem ägypt.
Handel erschlossen; bei den dahin entsandten halb Raub-, halb Handelszügen waren große Kapitalien
Chartumer Kaufleute
beteiligt; ihr Hauptzweck war die Erwerbung von Elfenbein, aber den Hauptverdienst brachte nebenbei der
Sklavenhandel. –
Während des
Mahdi-Aufstandes (s.
Sudan) fiel die Stadt in die
Hände der Mahdisten, nachdem
sie
Gordon Pascha seit dem verteidigt hatte, zwei
Tage bevor die
Vorhut des Entsatzheers unter Lord Wolseley die
Stadt erreichte.
Gordon selber fand hierbei seinen
Tod. Durch den Fall von
Chartum wurden die Aufständischen Herren des
Sudans.
–
Vgl. Ohrwalder, Aufstand und Reich des Mahdi im Sudan (Innsbr. 1892).