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Rund 8000 Wissenschaftler haben sich zusammengeschlossen, um die weltweit meist bedrohten Tiere und Pflanzen zu identifizieren. Das Resultat, eine Liste von hundert gefährdeten Arten aus 48 Ländern, wurde jetzt im Buch „Priceless or Worthless?“ („preis-los oder wert-los?“) publiziert. Dieser Titel spielt darauf an, dass die meisten der Spezia in akuter Gefahr sind, weil sie keinen direkten Nutzen für den Menschen haben und deshalb nicht ausreichend geschützt werden. Wie Oscar Wilde schon sagte: „Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.“ Jonathan Baillie, Direktor für Artenschutz an der Zoological Society of London, macht darauf aufmerksam, dass der Artenschutz immer mehr zu einer „Was kann die Natur für uns tun?“-Haltung tendiert. Um auch vermeintlich nutzlose Arten zu schützen, müsse ein Umdenken stattfinden. Die Gesellschaft müsse erkennen, dass jedes Leben für die Natur einen Wert besitze, auch wenn der Nutzen für den Menschen nicht immer offensichtlich erscheine. Jede Art erfüllt eine bestimmte Funktion in der Natur und trägt auf ihre Weise zum Funktionieren sensibler, komplexer Ökosysteme bei.
"Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert."
Oscar Wilde
Von vielen der bedrohten Arten ist nicht genau bekannt, wie viele Exemplare noch existieren. "Alle aufgelisteten Arten sind einzigartig und unersetzlich. Wenn sie verschwinden, kann kein Geld der Welt sie zurückholen", erklärt Ellen Butcher von der ZSL. Aufgeführt ist beispielsweise das Zwergfaultier, das aufgrund seines eingeschränkten Lebensraumes stark bedroht ist. Das kleinste und langsamste Faultier der Welt kommt einzig auf der "Escudo Island" in Panama vor. Auch der Löffelstrandläufer, ein kleiner Vogel, der durch seinen vorne verbreiterten Schnabel auffällt, und die seltene "Ghost Orchid" ("Geister-Orchidee") stehen auf der Liste. Die speziell gemusterte Madagassische Schnabelbrustschildkröte ist durch den illegalen Handel und die Bedrohung ihres natürlichen Lebensraums gefährdet. Es soll noch weniger als 200 Exemplare geben.
In den meisten Fällen ist der Mensch für die Ausrottung der Arten verantwortlich. Während für einige Arten die Trockenlegung von Feuchtgebieten, Waldrodungen, die Überfischung, die Verdrängung durch invasive Arten oder der illegale Handel die Tiere und Pflanzen in ihrer Existenz bedroht, wird das Verschwinden anderer auf den Klimawandel zurückgeführt.
Die Herausgeber der Studie sind jedoch davon überzeugt, dass viele Arten durch gezielte Schutzmassnahmen vor dem Aussterben bewahrt werden können. In der Vergangenheit konnten so bereits das Przewalski-Pferd, der Buckelwal und andere Arten der roten Listen gerettet werden. In der Publikation werden deshalb zu jeder Spezies konkrete Schutzmassnahmen aufgeführt, welche oft gleichzeitig auch zum Erhalt zahlreicher anderer Arten beigetragen würden. Mit dem Fokus auf die meistbedrohten Arten wollen die Forscher aber bewusst dazu aufrufen, das Existenzrecht eines jeden Lebewesens auf unserem Planeten zu respektieren und zu schützen, ohne dabei über dessen Wert bzw. dessen Wertlosigkeit zu urteilen.
Weiterführende Informationen/Quellen:
“Priceless or Worthless?” - Das Buch der hundert meist bedrohten Tierarten der Welt.
Die rote Liste der bedrohten Tiere (IUCN: International Union for the Conservation of Nature)
Zoological Society of London (ZSL)