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Johann Peter Hebels Balsthal
«Ein junger Schweizer aus Balsthal kam in spanische Dienste, hielt sich gut und erwarb sich einiges Vermögen. Als es ihm aber zu wohl war, dachte er: will ich oder will ich nicht? – Endlich wollte er, nahm eine hübsche, wohlhabende Spanierin zur Frau und machte damit seinen guten Tagen ein Ende. – Denn in den spanischen Haushaltungen ist die Frau der Herr, ein guter Freund der Mann, und der Mann ist die Magd. Als nun das arme Blut der Sklaverei und Drangsalierung bald müde war, fing er an, als wenn er nichts damit meinte, und rühmte ihr das fröhliche Leben in der Schweiz und die goldenen Berge darin, er meinte die Schneeberge im Sonnenglast jenseits der Klus; und wie man lustig nach Einsiedeln wallfahrten könne und schön beten in Sasseln am Grabe des heiligen Bruders Niklas von der Flue, und was für ein grosses Vermögen er daheim besitze, aber es werde ihm nicht verabfolgt aus dem Land. Da wässerte endlich der Spanierin der Mund nach dem schönen Land und Gut, und es war ihr recht, ihr Vermögen zu Geld zu machen und mit ihm zu ziehen in seine goldene Heimat.»
Johann Peter Hebel: Seltsame Ehescheidung (1811)
Mit Witz und Poesie: Die «Seltsame Ehescheidung» gehört zu Johann Peter Hebels (1760-1826) Kalendergeschichten, die als eine Mischung aus «lehrreichen Nachrichten und lustigen Geschichten» für ein breites Publikum gedacht waren. Als Hebel 1807 zum Redakteur ernannt wurde, verdoppelte der «Rheinländische Hausfreund» seine Auflage auf mehr als 40'000. Hebel hat für das Blatt rund 350 Glossen, Unterweisungen, Rätsel und Geschichten geschrieben. Heute mag er ein Geheimtip sein – einst haben seine Texte Zeitgenossen wie Jean Paul und Goethe begeistert, später Gottfried Keller, Leo Tolstoi, Elias Canetti und W. G. Sebald. Wenn das keine Empfehlungen sind!
Wie aber geht die Geschichte mit der Spanierin und dem Schweizer aus Balsthal aus? Als die beiden zur Grenze zwischen Spanien und Frankreich kommen, wechselt der Ehemann, bisher völlig unter der Knute, den Ton: «Frau, wenn's dir recht ist, bis hieher haben wir's spanisch miteinander getrieben, von jetzt an treiben wir's deutsch.» Von einem Busch reisst er einen zünftigen Stecken ab und liest ihr damit «ein langes Kapitel aus dem Balsthaler Ehe- und Männerrecht vor, und als sie alles wohlverstanden hatte, fragte er sie: »'Willst du jetzt mit, welsche Hexe, und guttun, oder willst du wieder hin, wo du hergekommen bist?'» Die Frau willl zurück in die Heimat, der Mann ebenso, und so teilen sie, immerhin, die Habe und ziehen dann je ihres Weges. Hebels Schluss- und Merksatz: «Im Reich Hispania machen's die Weiber zu arg, aber in Balsthal doch auch manchmal die Männer. Ein Mann soll seine Frau nie schlagen, sonst verunehrt er sich selber. Denn ihr seid ein Leib.» (BP)
Balsthal liegt eingebettet in die Gebirgszüge des Solothurner Juras zwischen Weissenstein und Wasserfallen und mitten im regionalen Naturpark Thal, der eine nachhaltige Entwicklung der Region fördern möchte. Der Weg in den Naturpark führt durch die enge Klus von Balsthal. Doch dahinter eröffnet sich ein grossartiges Naturerlebnis: die sanften Hügelzüge des Jura. Burgruinen zeugen von seiner Bedeutung für den Säumerverkehr. Wer nach Kultur sucht, wird im Museum «Haar und Kamm» fündig, das sich als touristisches Gesamtkonzept versteht und eine Vielzahl an Veranstaltungen bietet.