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Zürich 1 Mai 1871.
Es darf hochverehrter Gönner und Freund! ein eigenthümlicher Zufall genannt werden, daß, als ich heute Morgen vom Bahnhofe, wo unsere letzten Worte dem Gotthard gegolten haben, auf mein Bureau kam, dort der beiliegende Brief Gonzenbach's lag. Ich glaube Ihnen denselben ohne Verzug mittheilen zu sollen. Eines Commentars ist das Benehmen Sella's nicht bedürftig. Weil man es ablehnte, mit Grattoni ein Geschäft abzuschließen, das, jetzt eingegangen, den Character einer eigentlichen Tripotage gehabt hätte, hat Sella eine douloureuse impression empfangen & will er nun eine négociation diplomatique mit Deutschland beginnen, um eine veränderte Repartition der Subventionen herbeizuführen!! Ich denke, es wird Ewr. Excellenz | erwünscht sein, von dieser Sachlage Kenntniß zu erhalten, um sie in Berlin signalisiren zu können. Ich hege das volle Vertrauen, daß Bismark nunmehr eine diplomatische Campagne in Szene setzen wird, welche die große Frage der Überschienung der Mitte der Centralalpen Europa's aus dem Sumpfe kleinlicher Machinationen & schmutziger Plusmachereien emporheben & einer raschen, abschließlichen Lösung entgegenführen wird. Da ich die Überzeugung habe, daß die Regierung des deutschen Reiches, wie die Dinge gegenwärtig liegen, allein zum Handeln berufen ist, so habe ich Gonzenbach ersucht, seine Abreise nach Florenz einstweilen zu verschieben.
Um Ewr. Excellenz gänzlich zu orientiren, lege ich diesen Zeilen eine Abschrift des Schreibens bei, welches Gonzenbach unter meiner Einwirkung an Grattoni gerichtet hat. Darf ich Sie bitten, die beiden Beilagen nach gemachtem | Gebrauche wieder an mich zurückgelangen zu lassen.
Ich reise Morgen (Dienstag) mit Zug 16, also um 2 Uhr 19 Min., durch Baden. Sollten Sie mich zu sprechen wünschen, so könnte ich den Zug ohne Schwierigkeit etwas länger als die vorgeschriebene Zeit in Baden zurückhalten. Würden Sie eine längere Unterredung mit mir für angezeigt halten, so könnte ich mich, wenn auch nur schwer, einrichten schon mit Zug 212, somit auf 12 Uhr 28 Min., nach Baden zu kommen, um sodann mit Zug 16, somit um 2 Uhr 20 Min., weiter zu reisen. In diesem Falle würde ich Sie um telegraphische Benachrichtigung biten.
Indem ich Sie bitte, mich Ihrer liebenswürdigen Fräulein Tochter angelegentlich emphehlen zu wollen, verbleibe ich in aufrichtiger Verehrung
Ihr freundschaftlich ergebener
Dr A Escher|
P. S.
So eben sehe ich, daß die Copie des Schreibens an Grattoni vorübergehend nicht in meinen Händen, sondern in denjenigen des Secretärs des Gotthardausschusses ist. Ich werde sie mit einem spätern Zuge nachfolgen lassen.