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Wegen der Topographie in den Bergen, der Anpassung an die verschiedenen Gesteinsarten und ihrer Grösse gelten Staudämme als Megabauten und dienen in vielen Ländern als Statussymbole. Die Drei-Schluchten-Talsperre in China, der Hoover Dam oder der Staudamm Grande Dixence hierzulande sind Beispiele dafür. Sie werden zur Energiegewinnung, als Trinkwasserspeicher und Hochwasserschutz genutzt. Aber sie verstossen oft gegen Nachhaltigkeitskriterien und bedrohen die Existenz vieler Menschen.
Unglücke
Schlimme Unglücke passieren durch Erdrutsche. Die dadurch entstehenden Flutwellen, die über die Mauer schwappen, können viele Menschen töten und Häuser, Strassen und ganze Orte zerstören. Auch Dammbrüche kosten Menschenleben und richten schwere Umweltschäden an. Vergleicht man die Energiequellen anhand ihrer direkten tödlichen Folgen ist Wasserkraft am gefährlichsten: Nur durch die Einberechnung der indirekten Todesfälle - wie durch Luftverschmutzung bei Kohle und Öl - ist die Gewinnung der Energie durch Wasserkraft nicht die risikoreichste Energiequelle.
Soziale Probleme
Um Talsperren zu errichten und das Land fluten zu können, müssen meist tausende Menschen umgesiedelt werden. Gerechnet auf die bisher gebauten Staudämme liegt die Zahl der umgesiedelten Menschen bei ungefähr 80 Millionen weltweit.
Zudem können Grenzkonflikte um die Wasserverfügbarkeit und die Wassernutzung entstehen- wie zuletzt etwa im Himalaya. Effekte hat das Aufstauen des Wassers auch auf die Landnutzung, und landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Am Nil brachte die regelmässige Nilüberschwemmung den nährstoffreichen Schlamm auf die Felder. Durch die Stauanlagen bleiben die Überschwemmungen aus und die Erde bleibt unfruchtbar. Auch haben Stauwehre einen Einfluss auf die Fischerei: Durch die Abgrenzung der Flussabschnitte können die Fische nicht mehr wandern. Zwischen den Flussabschnitten findet kein Austausch zwischen den Arten mehr statt, die Laichplätze können nicht erreicht werden und die Netze der Fischer bleiben leer.
Facts:
80% der erneuerbaren Energien sind Wasserkraft. Ein Fünftel des weltweit produzierten Stroms stammt aus Wasserkraft.
Der Drei-Schluchten-Staudamm in China ist 185 Meter hoch und der dahinterliegende Stausee ist über 600 Kilometer lang. Er umfasst die zweifache Wassermenge des Bodensees. Das Wasserkraftwerk ist mit seiner installierten Generator-Leistung das größte der Erde.
Ökologische Folgen
Ein grosses Problem bei Staudämmen ist die sich selbst verstärkende Erosion. Diese setzt ein, wenn Wasser unkontrolliert durch eine Schwachstelle – wie zum Beispiel Risse in den Betonplatten - fliesst. Durch die enorme Kraft des Wassers erweitert sich die Lücke, so dass mehr Wasser durchströmt und immer mehr Material wegreisst. Viele der Staudämme wurden im 20. Jahrhundert gebaut. Damals unterschätzte man die Kraft der Erosion erheblich. Viele grössere Staudämme sind nun von dieser Materialabtragung bedroht (u.a. der grösste Staudamm der USA in Oroville oder der Mossul-Staudamm im Irak).
Auch kann eine Erosion ganzer Inseln und Deltalandschaften im nachfolgenden Flussabschnitt geschehen, da die Talsperre die Sedimente abfängt. Die talwärts liegende Landschaft trocknet aus, die Habitate für Tiere und Pflanzen gehen verloren. Durch die Fragmentierung der Flüsse wird die Wanderung der Arten verhindert und Biodiversität geht verloren.
Gerade in Schwellenländern, die einen hohen und steigenden Energiebedarf haben, braucht es immer mehr Staudämme. Diese werden dort ohne entsprechende Gutachten gebaut. Das ganze wird durch Interessenkonflikte zwischen den Grossbauunternehmern und Betreibern der Anlage, die Geld verdienen wollen, und der Umweltverbände weiter verschärft.
Green Washing
Aber auch in der Schweiz ist die Wasserkraft keineswegs unproblematisch. Die Erhöhung der Mauer beim Grimselpass zum Beispiel führte zu erfolgreichen Protesten zum Schutz des angrenzenden Hochmoors, das vom höheren Wasserspiegel überflutet würde.
Ausserdem wird - durch den günstigen Einkauf von Atom- und Kohlestrom aus dem europäischen Ausland - Wasser in den Pumpspeichersee nach oben gepumpt. Zu Zeiten des Spitzenverbrauchs wird er dann wiederum teurer verkauft. Für die Pumpen wird aber mehr Energie benötigt, als durch den Antrieb der Turbinen gewonnen wird. So dient der Stausee zwar als Stromspeicher und ist rentabel für die Elektrizitätswerke, er ist aber weder CO2-neutral noch wirklich effizient. Die Erzählung vom sauberen Strom rückt in diesem Zusammenhang in die Nähe von Green Washing.
Problem: Das Wasser ist ein klimawirksames Gas
Aus den grossen Stauseen verdunstet mehr Wasser als es das aus freifliessenden Gewässern tun würde. In der Atmosphäre ist auch H2O ein klimawirksames Gas. Die Reservoire sind aufgrund ihrer grossen Volumina zudem meistens sehr sauerstoffarm. Das fördert Zersetzungsprozesse, die dann Methan und CO2 freisetzten. Im Vergleich zu fossilen Energiestoffen geht man davon aus, dass bei Wasserkraft ein dreissigstel der Menge an CO2 in die Atmosphäre abgegeben wird. Methan, das ungefähr 50mal so klimawirksam wie CO2 ist, entsteht bei den Zersetzungsvorgängen.
Bleibt zu sagen: Trotz dieser Einwände bleiben Staudämme eine nachhaltigere Energielösung als fossile Brennstoffe – vor allem, wenn sie wiederum mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Doch darüber dürfen ihre diversen Nachteile und Gefahren nicht vergessen gehen. Auf dem Weg zu einer ökologisch nachhaltigen Energieversorgung gibt es vorderhand keine Instantlösungen, und alles läuft darauf hinaus, dass mit der Reduktion des Energiebedarfs am meisten gewonnen wäre.