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Die kulturellen Gepflogenheiten sind schon immer über nationale Grenzen hinausgegangen und sind mal mehr, mal weniger heftig dort aufeinandergetroffen, wo sich menschliche, koloniale, geopolitische und wirtschaftliche Interessen kreuzten. Aufgrund der verschiedenen historischen und politischen Traditionen ist der französischsprachige Raum bestens geeignet, um die Beziehungen zwischen dem Französischen und der Globalisierung zu studieren. Das neue «CAS Études francophones», welches die FernUni Schweiz ab dem 1. September 2021 anbietet, soll interdisziplinäres Wissen über diese sich ständig verändernde Welt vermitteln.
Diese einzigartige Weiterbildung ist in vier Module unterteilt, die einen übergreifenden Zugang zur Frankophonie bieten. Das Verhältnis zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen dem «französischen» Zentrum und den «französischsprachigen» Randgebieten wird aus postkolonialer Sicht untersucht. Die Hervorhebung der widersprüchlichen Vorstellung, die französische Sprache zu teilen, ermöglicht essenzielle Überlegungen zu den Ungleichheiten, die aus der Kolonialzeit herrühren, und zur Auseinandersetzung mit dieser Geschichte. Das «CAS Études francophones» ermöglicht es, die Herausforderungen wie Migration, Kulturwirtschaft, künstlerische Austausche, die Herkunft von Archiven oder auch das künstlerische Schaffen im französischsprachigen Raum zu verstehen.
Neben den unverzichtbaren theoretischen Kenntnissen bietet das CAS zusätzlich eine praktische und auf den Beruf vorbereitende Komponente. Heutzutage ist es für Berufstätige überaus wichtig, hochwertige Kompetenzen im Bereich der kritischen Analyse von kulturellen Produktionen, in der Dokumentenrecherche und im Bereich Digital Humanities zu erwerben. Der Schwerpunkt liegt daher auf der Erarbeitung kritischer Betrachtungen der Dokumentenverwaltung (in Papierform und audiovisuell) sowie auf den Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung bei der Bündelung von Kulturgütern im Bereich des französischsprachigen Raums.
Studierende können dank eines Forschungsteams, das aus einer Forscherin aus der Schweiz und einem Forscher aus Senegal besteht und durch Matthieu Gillabert geleitet wird, mit digitalisierten und kommentierten Dokumenten arbeiten. Dieses Projekt führt eine Bestandsaufnahme der Archive aus den 1970er Jahren durch, die im Zusammenhang mit dem französischsprachigen Raum stehen, insbesondere mit den Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Senegal.
Ausschliesslich online und mit einer umfangreichen pädagogischen Betreuung bietet das «CAS Études francophones» maximale Flexibilität. Es wurde speziell für Berufstätige entwickelt, die sich im Bereich Frankophonie und weiter gefasst in Bezug auf die globalen kulturellen Herausforderungen spezialisieren möchten und gleichzeitig Vollzeit arbeiten.
Die Globalisierung wirft viele kulturelle Fragen für unsere Gesellschaft auf: koloniales Erbe, Multikulturalismus, Andersartigkeit, regionale Besonderheiten, Austausch. Nun ist die Frankophonie aufgrund ihrer kolonialen Geschichte und ihrer globalen Dimension ein Raum, der all diese Probleme umfasst. Die Frankophonie zu studieren, ist der Versuch, diese kulturelle Globalisierung besser zu verstehen. Es bedeutet auch, Horizonte zu eröffnen, um Situationen leichter vergleichen zu können, die geographisch weit voneinander entfernt liegen.
Wie spricht man über eine Naturkatastrophe im Wallis und in Port-au-Prince? Wie integrieren französischsprachige Staaten Migranten auf sprachlicher Ebene?
Gemeinsam mit Prof. Dr. Claude Hauser haben wir diese Weiterbildung auch aus der Beobachtung heraus entwickelt, dass es keine interdisziplinäre Weiterbildung zum Thema Frankophonie gibt. Sie bleibt den Literaturwissenschaften vorbehalten oder ist eng mit der Arbeit offizieller Institutionen verbunden. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Frankophonie ein sehr viel grösseres Studiengebiet umfasst und dass internationale Organisationen weit davon entfernt sind, ihre gesamte Reichweite und Komplexität widerzuspiegeln.
Es gibt zwei wichtige Besonderheiten. Einerseits ist das CAS eine Art Werkzeugkoffer, der es den Studierenden ermöglicht, sich mit theoretischen Konzepten und historischen Analysen vertraut zu machen, um die Funktionsweise des französischsprachigen Raums mitsamt seinen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Dimensionen besser zu verstehen.
Wir möchten Fachleute ausbilden, die anschliessend in der Lage sind, kritische Überlegungen über die französischsprachige Welt zu erarbeiten. Die Fragen der kolonialen Vergangenheit, der Identitätsbewegungen oder der Migrationen sind sehr aktuell und erfordern einen globalen Ansatz, um sie vollständig erfassen zu können. Wir haben uns nicht nur für eine interdisziplinäre Lehre, sondern auch für eine Lehre, die Brücken zwischen der Wissenschaft und dem künstlerischen Schaffen herstellt.
Andererseits soll es diese Weiterbildung ermöglichen, sich in die französischsprachige Welt von morgen zu versetzen: Kann man ein umfassenderes Verständnis dieses Raums fördern mit wissenschaftlichen Analysen, künstlerischen Werke sowie Digitalisierung des Kulturerbes?
Zusammen mit den Studierenden nutzen wir theoretische Kenntnisse, um digitalisierte Archive zu analysieren und Arbeiten von jungen Forscherinnen und Forschern sowie Künstlerinnen und Künstlern zu evaluieren, die sich für den Prix Richard Mille/CEQF «La francophonie en débat» beworben haben. Das Ziel besteht darin, dass die Studierenden ihre neu gewonnen Kenntnisse einbringen.
Ein Lehrteam, das verschiedene Fachgebiete wie Kulturgeschichte, postkoloniale Studien, Migrationen zusammenführt, hat die pädagogischen Inhalte der vier Module ausgearbeitet.
Da die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem französischsprachigen Raum multidisziplinär sind, haben wir ein wichtiges audiovisuelles Instrument erstellt, indem wir Filmbeiträge mit internationalen Fachleuten beispielsweise zu postkolonialen Fragen, zu literarischen Strömungen, zur Attraktivität der Frankophonie in Mitteleuropa oder des Französischen in mehrsprachigen Kontexten produziert haben.
In den verschiedenen Modulen treten zum Teil die gleichen Lehrbeauftragten auf, was die Kohärenz dieser Weiterbildung stärkt. Darüber hinaus erhalten die Studierenden einen exklusiven Zugang zu den aktuellsten Überlegungen zum französischsprachigen Raum.