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Grundlagen
Das Jahr 2022 war gemäss MeteoSchweiz das wärmste und regional sonnigste Jahr seit Messbeginn 1864. Vor allem die regional ausgeprägte Trockenheit im Sommer bei gleichzeitig sehr hohen Temperaturen mit drei Hitzewellen (bei einer Hitzewelle beträgt die mittlere Tagestemperatur an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils mindestens 25 Grad) stellte für die Landwirtschaft eine Herausforderung dar. Im Dezember 2022 blieben die Temperaturen vom 1. bis am 18. verbreitet unter der Norm 1991-2020. In dieser Periode fiel Schnee bis in die Niederungen. Das letzte Monatsdrittel zeichnete sich durch weit überdurchschnittliche Temperaturen aus, die teilweise auf mehr als 10 Grad anstiegen. In dieser Phase gab es in der westlichen Landeshälfte kräftige Niederschläge. Die hohen Temperaturen liessen den Schnee bis in höhere Lagen von 1300 bis 1600 Metern schmelzen.
Pflanzenbau
2022 fiel die Ernte von Nahrungsmittelgetreide mit 429 Kilotonnen durchschnittlich aus (Tabelle 2.1). Die Trockenheit verhinderte insgesamt Spitzenerträge, sicherte jedoch eine hohe Qualität des Erntegutes. Die Ernte von Futtergetreide fiel mit 411 Kilotonnen schwach aus, da vor allem der Körnermais unter der Trockenheit litt und kaum Auswuchsgetreide in den Futterkanal floss. Körnerleguminosen wurden mit 14,9 Kilotonnen deutlich mehr geerntet als 2021. Die Ernte vermag jedoch nicht an die früheren Jahre anzuknüpfen. Bei den Ölsaaten glänzte der Raps mit guten Erträgen und ermöglichte die bisher grösste Ölsaatenernte mit insgesamt 112 Kilotonnen. Die Zuckerrübenernte 2022 dürfte mit geschätzten 1,67 Millionen Tonnen Rüben ähnlich wie 2019 ausfallen. Bemerkenswert sind die tiefen Zuckergehalte, insbesondere in der Westschweiz (Tabelle 2.3). Die Gemüseproduktion lag im November mit 27 493 Tonnen höher als in den beiden Vorjahren (Tabelle 2.6).
Milchwirtschaft
Im Oktober hat die produzierte Milchmenge mit 271,8 Kilotonnen trotz den gestiegenen Produzentenpreisen gegenüber dem Vorjahr um 3,8 % abgenommen (Tabelle 3.1). Im Oktober wurde v.a. weniger Milch für die Käseproduktion verwertet (Tabelle 3.2). In der Produktion ergaben sich relevante Zunahmen beim Frischkäse und bei der Industrieware (Tabelle 3.4). Bei den meisten anderen Käsesorten ist die Produktion rückläufig.
Viehwirtschaft
Der Rindviehbestand hat im November gegenüber dem Vorjahr um 0,4 % zugenommen (Tabelle 4.1). Gleichzeitig hat der Milchkuhbestand um 1,5 % abgenommen. Nachdem von August bis Oktober - ausser in der Kategorie Stiere - mehr Gross- und Kleinvieh geschlachtet worden war als im Vorjahr, lagen im November die Schlachtzahlen generell tiefer als im Vorjahr (Tabelle 4.5). Das durchschnittliche Schlachtgewicht der Schweine lag um 2,7 % höher als im Vorjahr und stieg auf rekordverdächtige 93,4 Kilogramm pro Schlachttier. Mit Ausnahme der Stiere (+0,3 %) lagen in allen anderen Kategorien die Durchschnittsgewichte tiefer als im Vorjahr (Tabelle 4.4). Entsprechend ging die inländische Produktion von Rindfleisch im November gegenüber dem Vorjahr um 3,9 % zurück und jene von Kalbfleisch um 8,7 % (Tabelle 4.7). Beim Schweinefleisch betrug die Abnahme 3,8 % und beim Schaffleisch 10,2 %. Weiter zugenommen hat im November die Produktion von Schlachtgeflügel, gegenüber dem Vorjahr um 4,6 % (Tabelle 4.9). Die Eierproduktion lag im November unter dem Vorjahresniveau und nahm im Jahresvergleich um 6,9 % ab (Tabelle 4.10).
Aussenhandel
2022 wurde bis Ende November viel Getreide importiert (Tabelle 5.1). Kumuliert beträgt die Zunahme gegenüber dem Vorjahr 20,6 %. In absoluten Mengen ergaben sich die grössten Zunahmen beim Weizen und beim Mais. Die Käseexporte lagen auch im November mit 7855 Tonnen tiefer als im Vorjahr, dieses Mal um 5,8 % (Tabelle 5.6). Die durchschnittlichen Preise sind im Käseaussenhandel deutlich angestiegen. Bei den Produktionsmitteln wurden im Jahr 2022 bis Ende November mehr Saatgut, Futtermittel und Pflanzenschutzmittel aber weniger Stroh und Düngemittel importiert (Tabelle 5.15). Wertmässig nahmen jedoch nur die Importe von Saatgut und Stroh ab. Der Wert der importierten Maschinen und Geräte stieg um 1,1 % an, was teuerungsbereinigt einer Abnahme entsprechen dürfte. Die Durchschnittspreise sind v.a. beim Dünger und den Futtermitteln deutlich angestiegen.
Preise
Die Preise von Stieren, Ochsen und Rindern haben im Dezember 2022 leicht nachgegeben, lagen aber immer noch auf Vorjahresniveau (Tabelle 6.3). Auch die Preise für Verarbeitungstiere gaben leicht nach, lagen jedoch immer noch deutlich über dem Niveau der beiden Vorjahre. Die Preise für Schlachtkälber konnten im Gegensatz zum Verlauf in den beiden Vorjahren Ende Jahr ausser im Bio-Bereich nochmals leicht zulegen (Tabelle 6.4). Die Tränkerpreise gingen im Dezember erwartungsgemäss weiter zurück und lagen unter dem Vorjahresniveau (Tabelle 6.5). Bei den Schweinen und Jagern blieben die Probleme und damit die sehr tiefen Preise bestehen (Tabelle 6.6). Nach den Preisrückgängen in den Vormonaten konnte die Preise für Lämmer und Schlachtschafe im Dezember das Niveau des Vormonats halten (Tabelle 6.8). Die Milchpreise gingen im November erwartungsgemäss leicht zurück (Tabelle 6.9). Der Verkehrsmilchpreis lag jedoch um 6,94 Rappen pro Kilogramm über dem Vorjahrespreis. Der Produzentenpreisindex lag im November um 3,9 % höher als im Vorjahr. Ohne die Probleme im Schweinesektor wäre der Anstieg noch deutlicher. Die Einkaufspreise landwirtschaftlicher Produktionsmittel lagen im November um 9,9 % höher als im Vorjahr (Tabelle 6.13). Während die Teuerung bei den Verbrauchsgütern inzwischen stagniert steigen die Preise für Investitionsgüter weiter an. Die Kaufkraft der Landwirtschaftsbetriebe ist entsprechend im Jahr 2022 deutlich gesunken (Tabelle 6.18). Auf den Weltmärkten hat sich die Preissituation in den letzten Monaten etwas entspannt (Tabellen 6.21, 6.22 und 6.24).