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Doch wer ist die 25-jährige Sportlerin? Einige kennen sie vielleicht vom Nidwaldner Lauf am 07. Mai, wo sie in 35:37 Min. einen neuen Streckenrekord über die 10 km aufstellte. Im Sommer reihte sie an diversen Zentralschweizer Bergläufen Sieg um Sieg aneinander und im September konnte sie sich schliesslich für die Trail-WM 2022 in Thailand qualifizieren. Nach dieser Selektion entschied sich Selina, ihre Lizenz über die LA Nidwalden zu lösen. Sie ist aber nicht nur im Laufen erfolgreich, sondern auch auf dem Velo sehr schnell unterwegs. Samira Odermatt hat die Multisportlerin Ende Oktober befragt:
Samira: Was sind bis jetzt deine grössten sportlichen Erfolge?
Selina: Also, resultatmässig sind es klar der 2. Platz an der Berglauf SM 2022 und der 3. Platz an der Cross SM 2022. Aber da ich für beide Wettkämpfe nicht gezielt trainiert habe, sondern die Resultate sehr unerwartet erreichte, würde ich sie nicht als „Karrierehighlight“ bezeichnen, auch wenn sie das eigentlich sind.
Auch auf dem Fixie (Rennvelo mit einem Gang, ohne Bremse und ohne Leerlauf) konnte ich schon viele Rennen gewinnen, aber auch hier habe ich nur aus Spass und nicht aus Ehrgeiz teilgenommen.
Weitere persönliche Highlights sind internationale Strassenrennen, an denen ich teilnehmen durfte. Beispielsweise bei der Tour de Feminin in Tschechien oder Setimana Ciclista Valencia in Spanien. Weiter durfte ich an Rennvelorennen für die Schweizer Nationalmannschaft starten, auch wenn ich nie in der Nationalmannschaft war. Resultatmässig bin ich bei diesen Rennen jedoch nie in die Top 20 gefahren.
Wie gross ist dein Trainingsumfang auf dem Velo und beim Laufen?
Ich habe weder einen Trainingsplan noch eine bestimmte Anzahl Kilometer oder Stunden, welche ich pro Woche trainieren möchte. Aber ich trainiere in 6-7 Velotrainings etwa 13-16 Stunden und in ein bis zwei Lauftrainings ungefähr 1.5-2.5 Stunden pro Woche. Im Jahr mache ich etwa 16’000 Kilometer mit dem Velo und 1’000 Kilometer zu Fuss. Im Idealfall, also wenn ich die Zeit und Energie dazu habe, mache ich zudem pro Woche 90 Minuten Krafttraining mit Eigengewicht.
Tendenziell ist der Umfang der Velotrainings abnehmend, dafür laufe ich mehr. Insgesamt nehmen die Trainingsstunden von Jahr zu Jahr ab, weil ich die Zeit nicht mehr habe.
Wie bist du zum Radsport gekommen und wieso wechselst du jetzt eher zum Laufen?
Mit 17 Jahren habe ich mit Rennvelofahren angefangen und kurz darauf auch mit Biken. Aber das Biken ist nie meine grosse Passion geworden, da ich zu viele Stürze und zu wenig Talent hatte. Mit Rennvelofahren habe ich angefangen, weil ich keinen Sport gemacht habe und dachte, ich sollte etwas machen. Also habe ich angefangen mit dem Velo Touren zu machen. Bei diesen Touren wurde ich immer von anderen Velofahrern überholt. Also dachte ich mir, dass ich auch ein Rennvelo brauche, um so schnell wie die anderen Velofahrer zu sein. So habe ich eigentlich per Zufall angefangen, denn in meinem Umfeld hat niemand Ausdauersport oder Rennvelofahrten gemacht.
Gelaufen bin ich schon immer, jedoch nie konstant und ich war immer wieder nach kurzer Zeit verletzt, sodass ich nach 3–4-mal joggen wieder ein Jahr Pause gebraucht habe. Jetzt konnte ich seit Januar 2022 ohne Verletzung regelmässig joggen und habe deshalb schnell Fortschritte erzielt. Das ist natürlich sehr motivierend und ich hoffe, dass diese verletzungsfreie Phase anhält.
Du wurdest für die Trail WM vom 4.- 6. November 2022 in Chiang Mai in den Disziplinen «uphill» und «up and down» selektioniert. War dies schon länger ein Ziel von dir oder war die Selektion überraschend?
Nein, es war kein Ziel von mir. Ich habe mich im März 2022 bewusst entschieden keinen Kaderantrag für das Trailrunning zu stellen, was bedeutet, dass man nicht an Trainingslager, an Förderung oder an internationalen Einsätzen interessiert ist. Erstens weil ich mich physisch nicht gut genug fühlte. Zweitens weil die EM an einem Datum war, an dem ich wusste, dass ich nicht teilnehmen kann. Einerseits weil ich an diesem Tag ein Fixie Rennen hatte und andererseits war ich im Masterthesis-Stress. Wenn man nicht an der EM teilnimmt, kann man eigentlich auch nicht an die WM.
Nach dem Zieleinlauf von der Berglauf SM hat mich aber der Nationalcoach gefragt, ob ich nicht doch nach Thailand kommen möchte, wofür ich bei den Selektionsrennen für die WM teilnehmen soll. Ich dachte, ich kann ja mal zumindest beim «up and down» Selektionsrennen mitmachen und dann mal schauen, was rauskommt. Beim «uphill» Selektionsrennen konnte ich aufgrund einer beruflichen Terminkollision nicht teilnehmen. Und ja, schlussendlich hat es irgendwie trotzdem gereicht mich für beide Rennen zu selektionieren, auch wenn dies nie das Ziel war.
Du hast einen Masterabschluss in Gesundheitswissenschaften und Technologie (ETH Zürich) und jetzt arbeitest du in einem 80% Pensum als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Bern. Bekommst du Unterstützung, um deine Sportarten auszuüben? Ich bin Shop-Athletin beim Achermann Sport Alpnach, das heisst ich mache Werbung für sie und erhalte als Gegenleistung Rabatte auf ihre Produkte. Deshalb bin ich auch durch Martin Filliger zur LA Nidwalden gekommen. Zudem werde ich von «cool down», ein Schweizer Unternehmen, welches Produkte für die Therapie von Verletzungen mit Kälte herstellt, unterstützt. Ausserdem kann ich bei Kylin Lee Achermann zur Massage gehen.
Was sind deine nächsten Ziele?
Da ich jetzt nach Thailand gehen darf, ist es sicher ein Ziel, dort Erfahrungen zu sammeln und mich für die Trail WM 2023 in Österreich zu qualifizieren. Grundsätzlich habe ich nicht wirklich ein Ziel, sondern möchte einfach das machen, was mir Spass macht und gleichzeitig andere zu mehr Bewegung motivieren.
Hast du bestimmte Erwartungen oder Wünsche an die LA Nidwalden?
Nein, ich habe keine Erwartungen. Momentan bin ich fast immer in Bern und selten in Obwalden. Deshalb ist es sehr schwierig an einem Training teilzunehmen. Ich finde es trotzdem sehr toll, wenn ich bei einem Innerschweizer Verein Mitglied sein darf, und ich möchte mich nicht zu fest auf Bern fokussieren.