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Die Armeeführung hat in den 1920er-Jahren erkannt, dass das Bedrettotal ein Schwachpunkt im Verteidigungsdispositiv in der Gotthard-Region darstellte. Italien hat nach dem ersten Weltkrieg eine für grössere Motofahrzeuge befahrbare Strasse durch das Val Formazza und das Val Toggia hinauf zum San Giacomopass gebaut. Die Strasse endet abrupt genau dort, wo die Schweizer Grenze verläuft. Beim schweizerischen Hoheitszeichen beginnt ein Wanderweg. Die Schweiz hat sich trotz Aufforderung von Italien immer geweigert, eine Strassenverlängerung hinunter ins Bedrettotal in Angriff zu nehmen. Die Schweiz war an einer neuen Passstrasse aus militärstrategischen und wirtschaftlichen Gründen nicht interessiert. Die Schweizer Armeeführung befürchtete, dass die italienische Armee ihre Artillerie in Reichweite der Gottahardfestungen in Stellung bringen könnte. Auch ein infanteristischer Angriff durch das Valle di Morasco und über den Griespass wollten die Militärs nicht ausschliessen.
1935 war die Konzeptplanung abgeschlossen. Von 1936 bis 1939 wurde die aus 30 einzelnen Bauwerken bestehende Festungsanlage im Raum San Giacomo fertiggestellt. Das gesamte Baumaterial wurde mit Maultieren zu den einzelnen Baustellen transportiert. Der Transport des Baumaterials und die Bauarbeiten im offenen Gelände waren in einer Höhenlage von über 2'000 m ü.M. zeitweitweise von schwierigen Wetterbedingungen begleitet. Schnee und Eis sind in dieser Höhenlage nicht nur im Winter zu erwarten.
Das Artilleriewerk Grandinagia war 1939 einsatzfähig. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Festung zu einem Infanteriewerk umgerüstet und die Festungskanonen durch schwere Maschinengewehre ersetzt.z
Die Infanteriewerke verfügten meistens nur über Infanteriewaffen wie Panzerabwehrkanonen und Maschinengewehre.
Das Artilleriewerk Grandinagia war das Herzstück im Verteidigungsdispositiv des Generalstabs der Schweizer Armee für den Raum Bedrettotal. 6 Artilleriestellungen und 1 Beobachtungsbunker wurden in einen Felsrücken nördlich des Berges Pizzo Grandinagia gebaut. Das Fort Grandinagia liegt rund 1,6 km nordnordöstlich der Passhöhe des San Giacomopasses.
Die ursprüngliche Bewaffung des Artilleriewerks Grandinagia (Armeebezeichnung A 8444) bestand aus zwei 7,5-cm-Festungsartilleriekanonen und vier schweren Maschinengewehren.
Zum Schutz der Artilleriewerks wurde rund 600 m südwestlich der Festung nahe der Kapelle ein ehemaliges Zollhaus zu einer kleinen Kaserne ausgebaut und mit drei Infanteriebunkern (Armeebezeichnung A 8442) ergänzt. Die Maschinengewehre, eines davon auf einer Lafette, zielten in Richtung des San Giacomopasses und des Cornotales.
1948 wurden für die Versorgung der Artillerie- und Infanteriewerke von All'Aqua (1'614 m ü.M.) aus zwei Militärseilbahnen bergwärts gebaut. Die westliche Seilbahn führte in zwei Sektionen über den Punkt 2'128 auf der Alpe di Formazzora nach Punkt 2'254 bei San Giacomo. Eine weitere Sektion verband die Mittelstation bei Punkt 2'128 mit dem unteren Eingang der Festung Grandinagia. Eine weitere Militärseilbahn führte weiter östlich von All'Aqua aus zu ihrer Bergstation auf rund 1'920 m ü.M. am Osthang des Val Cavagnolos.
Das ehemalige Zollhaus bei San Giacomo wurde zu einem militärischen Blockhaus mit Schlaf- und Wohnräumen, sanitären Anlagen, einer Küche, einem Vorratsmagazin und einem Kohlevorratskeller ausgebaut. Die Aussenmauern wurden gleichzeitig wesentlich verstärkt und zwei Maschinengewehrstellungen mit talabwärts gerichteter Schussrichtung eingebaut. In Richtung des San Giacomopasses wurde zwischen dem Blockhaus und der Kapelle ein Infaneriebunker mit drei Maschinengewehrstellungen gebaut. Zwei der drei schweren Maschinengewehre waren auf den San Giacomopass ausgerichtet. Im Infanteriebunker befand sich eine Mannschaftsunterkunft, ein Magazin, die Telegrafenzentrale, zwei Wasserreservoire und ein Filterraum. Jede der drei Geschützstellungen war mit je einer Gasschleuse abgedichtet. Beim Bunkereingang befand sich eine zusätzliche Gasschleuse. Die giftigen Geschützgase, welche beim Abfeuern der Munition entstanden, wurden im Filterraum neutralisiert.
Das Verhalten der Luftströme im Innern einer ausgedehnten Armeefestung stellte die Bauingenieure vor grosse Herausforderungen. Je nach Wetterbedingungen (Föhn- oder Bisenlage) zirkuliert Frischluft anders durch die Kavernen.
Auf der nördlichen Talseite wurde auf der Alpe di Manió rund 2'200 m Höhe die beiden Artilleriestellungen Manegorio 1 und 2 in den Fels gebaut. Die Festung wurde mit zwei 7,5-cm-Festungsartilleriekanonen bestückt. Diese Geschütze waren auf den San Giacomopass gerichtet. Die beiden Stellungen wurden im Vorfeld durch einen Infanteriebunker mit schweren Maschinengewehren geschützt.
Im Talgrund wurden zur Sicherung der Verbindungsstrasse ins obere Bedrettotal bei Cioss Prato, Ronco-Selva und Ronco-Munda weitere Geschützstellungen gebaut. Die Nufenenpassstrasse existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Passstrasse wurde erst 1969 eröffnet.
Die Westbatterien in der Festung Sasso da Pigna östlich der St. Gotthardpasshöhe waren ebenfalls auf den San Giacomopass gerichtet.
Die Waffen der Infanteriebunker am Nufenenstock im Cornotal waren auf den Griespass gerichtet.
Die Festungsabteilung 6 und Festungsabteilung 17 waren mit der Verteidigung des Gotthardpasses beauftragt. Die Festungsabteilung 6 betreute die Artilleriestellungen bei San Carlo und Sasso da Pigna auf dem Gotthardpass. Die Festungsabteilung 17 war für die Artillerie- und Infanteriestellungen in Motta Bartola, in Airolo und Fieud sowie in Grandinagia und Manegorio zuständig. Die Festungsabteilungen 6 und 17 waren als Teil des Gebirgsarmeekorps 3 in die Festungsbrigade 23 und das Festungsregiment 23 integriert.
Zwei der 15 cm Festungsartilleriekanonen 42 in der Festung «Sasso da Pigna» auf dem Gotthardpass waren auf den San Giacomo-Pass gerichtet. Mit «Fondo del Bosco» im «Forte Airolo» und «Motto Bartola» entstanden auf der Südseite des St. Gotthardpasses weitere Artilleriewerke.
Der Zweite Weltkrieg dauerte von 1939 bis 1945.
Nach 1990 wurden neben den oben erwähnten Gotthardfestungen auch zahlreiche andere Festungen aus der Geheimhaltung entlassen. Die Festungen hatten durch die Weiterentwicklung der Militärtechnologie und den dadurch resultierenden veränderten Abwehrstrategien ihre militärische Bedeutung verloren. Viele Festungen und Verteidigungsanlagen in der Gotthardregion wurden nach ihrer Deklassifizierung als Sperrstellen von nationaler Bedeutung eingestuft. Die Festung Sasso da Pigna auf der Gotthardpasshöhe wurde in die Themenwelt «Sasso San Gottardo» integriert und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die ehemalige Festung San Carlo wurde zum Erlebnis- und Seminarhotel «La Claustra» umgebaut. Das Hotel wurde inzwischen wieder geschlossen.
Um die Artilleriestellungen herum wurde ein Netz mit Infanteriebunkern und Beobachtungsposten eingerichtet. Die Infantriebunker hatten die Aufgabe, Angriffe von infanteristischen Truppen im Vorfeld der Artilleriestellungen abzuwehren. Die Beobachtungepsosten informierten die Leitstellen über verdächtige Bewegungen im Gelände.