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Abstract
Zeitgeist ist ein Analysemodell zur Eruierung aktueller Trend- und
Neuwörter im deutschen Sprachraum und deren Bezug zu zeitlichen
Grossereignissen anhand der Artikel deutschsprachiger Tages- und Wochenzeitungen
im Internet.
Projekttitel
Zeitgeist 1.0
Autor
<email-pii>

Projekt 1.0

What it is all about?
Beim vorliegenden Projekt handelt es sich um einer in einem grsseren
Themenkomplex eingegliederten Untersuchung, inwieweit die Entstehung
aktueller Trend- und Neuwrter bzw. deren Verschwinden den Zeitgeist
einer Gesellschaft reflektieren knnen.
Fragestellungen und Thesen
# Der inflationäre Gebrauch von sogenannten Trendwörter
ist ein Spiegelbild des Zustandes und der Veränderungen in der
Gesellschaft
# Wie sieht das Profil eines potentiellen Trendwortes aus? Was sind
dessen Qualitäten? Wie unterscheidet es sich von einem alltäglichen
Begriff
# Was lässt sich über die Vergänglichkeit eines Trendwortes
sagen?
# Wie eng sind Trendwörter mit Ereignissen verknüpft?
# Wie gut eignen sich Online Zeitungen als Quelle zur Eruierung von
Trendwörtern?
# Welche künstlerischen Strategien lassen sich aus den gewonnen
Erkenntnissen heraus entwickeln?
Ein Analysemodell
Im Vordergrund steht die Selektion von Worten im geschriebenen Sprachgebrauch,
die zu plötzlicher Aktualität gelangen, deren Verwendungszusammenhang
sich über die Zeit verändert haben oder die eine konträre
Bedeutung angenommen haben.
Der inflationäre Gebrauch von Wörter ist bei dieser Untersuchung
von grossem Interesse. Das Analysemodell Zeitgeist übernimmt
dabei die Aufgabe, diese Wörter zu erkennen, Prozesse aufzuzeigen
und Verknüpfungen erkennbar zu machen.
Verfolgt wird die Eigendynamik eines Wortes von seiner Entstehung
bis zu seinem Verschwinden. Wer hat es "erfunden", wer hat
ihm eine neue Bedeutung gegeben, wer und für welche Themenbereiche
wird das Wort adaptiert oder gar zweckentfremdet? Wie ist die Terminologie
des Wortes, welches Ereignis hat es in den alltäglichen Sprachgebrauch
driften lassen?
Bedeutung der Medien
Über die Rolle der geschriebenen Medien auf dem Internet - die
die Datenquelle für diese Untersuchung liefern - sollen ebenfalls
Aussagen gemacht werden können. Wann wird ein Wort medial ausgereizt,
in allen möglichen Zusammenhängen benutzt oder sogar so
exzessiv gebraucht, dass ein Überdruss bei den Lesern provoziert,
der ein Wort verschwinden lässt? Werden Worte heute grundsätzlich
in kürzeren Zeitperioden intensiver benutzt und verschwinden
dann nur, um gleich wieder mit neuere Bedeutung an anderem Ort zu
erscheinen? Was sind die Möglichkeiten und Fähigkeiten der
Medien in Bezug auf das Kreieren von Trendwörtern? Wo liegen
die Mängel der Medien im Umgang mit Worten und wann bekommt die
ganze Sache eine Eigendynamik, die bis zu Katastrophen führen
kann?
Worthandel?
Steht uns die Kapitalisierung des Wortes kurz bevor? Gehen wir davon
aus, dass sich in naher Zukunft potentielle Trendwörter schon
in ihrem Anfangsstadium erkennen lassen. Was würde dies bedeuten?
Könnte man dieses Wissen zu Geld machen oder könnte die
so gewonnene Macht über ein Wort missbraucht werden? Nahe liegen
würde in dieser Beziehung vor allem das Ausschlachten dieser
"sexy" Wörter für Brands, trendy Werbekampagnen
Domainregistierungen usw. Oder umgekehrt: Wie kann ich meine "verstaubte"
Marke zu einem hypen Trendwort machen, mit unzähligen, positiven
und modernen Konnotationen prägen und damit das Unterbewusstsein
von Konsumenten manipulieren?
Erkenntnisinteresse
Wo liegen also die Stärken eines Analysemodells zur Eruierung
von Trend- und Neuwörtern? Was lässt sich aus den gewonnen
Daten herauslesen und wie kann man diese neugewonnen Erkenntnisse
dazu nutzen, künstlerische Modelle zu entwickeln, die die oben
erwähnten Fragen thematisieren oder eine überraschende,
humoristische, subversive oder kritische Erweiterung bzw. Umdeutung
dieser Thematik zum Ziel haben?
Projektphase 1.0
In einer ersten Phase geht es darum ein Analysemodell zu entwickeln,
über das Trend- und Neuwörter bestimmt werden können.
Was sind die Parameter, nach denen sich solche Wörter eruieren
lassen? Wie können die gewonnen Daten auf eine einfache Art visualisiert
werden: sprich Daten- und Informationsarchitektur?
Die Entwicklung der Applikation Zeitgeist 1.0 ist ein erster Schritt
in diese Richtung. Anhand der Software Zeitgeist lassen sich Trendwörter
d.h. der überdurchschnittliche Gebrauch von Wörtern erkennen
und nach ihrer zeitlichen Veränderung in einer Karte visualisieren.
Zeitgeist soll helfen, Prozesse bzw. Abhängigkeiten aufzuzeigen
und verständlich zu vermitteln.

Software

Die Software Zeitgeist ist eine lokale Anwendung, die auf einer zweidimensionalen
Visualisierung von Daten beruht.
Die Entwicklung dieser Applikation ist noch nicht abgeschlossen. Erst
durch den Gebrauch werden Annahmen bestätigt oder verworfen.
Notwendige Änderung werden direkt implementiert, neue Releases
werden folgen.
Die Applikation Zeigeist
Das Interface von Zeitgeist besteht aus folgenden fnf Hauptbereichen:
# Wahlmglichkeiten des Wortkorpora
# Wahlmglichkeiten der Rubriken
# Visualisierungskarte
# Spezifische Suchfunktion
# Top 10 von Trendwrtern und Events
Wortkorpora und Wahl der Rubriken
Über das Menu Wortkorpora lassen sich die Wortquelle auf bestimmten
Zeitschriften eingrenzen. Als Korpora werden Wortdatenbanken bezeichnet,
in denen Wörter des aktuellen Sprachgebrauchs gesammelt werden,
dass sie nach ihrer Häufigkeit und ihrem Verwendungs-Zusammenhang,
den Kollokatoren (Verwendungszusammenhang), unterschieden werden können.
Man hat die Möglichkeit alle deutschsprachigen Presse-Erzeugnisse
auf dem Netz oder nur eine gewünschte Zeitung, nach Trend- und
Neuwörtern zu durchsuchen. Zudem lassen sich auch die Suche in
verschiedenen Rubriken definieren. Es gibt folgende Rubriken: Politik,
Wirtschaft, Kultur, Sport, Feuilleton, Vermischtes.
Visualisierungskarte
Die einzelnen Trendwörter werden in der Karte anhand eines Graphs
visualisiert. Fährt man mit dem Mauszeiger über ein bestimmtes
Wort, so lassen sich zahlreiche Tagesinformationen auslesen. So werden
die Anzahl der überdurchschnittlichen Nennungen visualisiert
und auch ihre Aufteilung pro Rubrik wird über Balkendiagramme
und Prozentzahlen angezeigt.
Ein wichtiges Feature ist die Aktivierung einzelner Rubriken. Hiermit
lassen sich - beim jeweils aktivierten Trendwort - ebenfalls über
kleine, im Graph integrierten Balkendiagramme, die Nennungen pro Rubrik
visualisieren. So kann man die Entwicklung eines bestimmten Wortes
genauer analysieren: in welcher Rubrik es entstanden ist, wann ein
Transfer in eine andere Rubrik stattgefunden hat oder in wie vielen
Rubriken insgesamt, das Trendwort verwendet wird.
Doch nicht nur die Verknüpfung der Trendwörter zu den verschiedenen
Rubriken wird visualisiert, sondern auch die Verbindung des Wortes
zu jeweiligen Grossereignissen wird aufgezeigt. So lässt sich
aus der Karte herauslesen, ob beim Transfer der Wörter von einer
Rubrik in die andere, auch die direkte Verknüpfung zu einem Wort
gekappt wird und plötzlich neue Events damit beschrieben werden.
Dies würde wiederum die Vermutung bestätigen, dass das Wort
durch eine bestimmten Anlass bereits so stark konnotiert ist, dass
es sich auch in anderen Kontexten verwenden lässt, dass vom Leser
ein gewisse Vorwissen voraussetzt. Kurz: das Wort hat eine Popularitätspunkt
erreicht, an dem es sich weiterentwickeln kann.
Suchfunktion
Über die Suchfunktion kann man nach bestimmten Trendwörtern
suchen und sich die Erwähnungen in den verschiedene Zeitungsberichten
anzeigen lassen. Auf diese Weise hat man einen direkten Link zu den
Online Zeitungen und kann das Wort im original Kontext sehen.
Top 10
Hier lassen sich die zehn erfolgreichsten Trendwörter und die
Events mit den meisten Verknüpfungen aus einer Liste herauslesen.
Die Wörter bzw. Events sind mit dem Graph in der Karte verbunden.
So kann direkt über die Liste in die Visualisierungskarte wechseln
und sich die Daten in grafischer Form ansehen.

Parameter

Um ein Trendwort zu eruieren werden bis dato in der Applikation Zeitgeist
folgende Parameter gemessen:
# Die Anzahl überdurchschnittlicher Nennungen pro Tag
# Die Anzahl der Erwähnungen im Titel, Header oder Fliesstext
# Die Anzahl der Erwähnungen in verschiedenen Rubriken
# Die Verknüpfungen zu verschiedenen Events
# Die gesamte Zeitperiode seit Erkennung als Trendwort
# Der Neologismus Faktor des Wortes
# Die Anzahl der Nennungen in verschiedenen Zeitungen (u.a. geographischer
Aspekt)

Download

Konzept
Zeitgeist 1. 0 [PDF]
Flash Demoversion
Zeitgeist 1.0 [.swf]

Recherche

Informationsvisualisierung
http://www.usableweb.com
collection of links about information architecture, human factors, user
interface issues, and usable design specific to the World Wide Web
http://www.cybergeography.org
Visualising Information Spaces
http://www.cs.umd.edu/
University of Maryland, Interaction Computer Lab
http://sla.cw.net
http://www.skyscraper.org
http://www.webmap.com
http://www.historywired.si.edu
http://www.smartmoney.com
http://www.visualinsights.com
Einige Beispiele fr gelungene Informationsvisualisierungen
Semantik/Linguistik
http://www.ifi.unizh.ch
Morphologieanalyse und Lexikonaufbau
http://www.ids-mannheim.de
Institut für Deutsche Sprache
http://www.gfds.de
Gesellschaft fr deutsche Sprache
http://www.pons.de
Wie kommen Wrter ins Wrterbuch?
http://www.theatlantic.com
A selection of terms that have newly been coined, that have recently acquired new currency,
or that have taken on new meanings.
http://www.ifi.unizh.ch/CL
Computational Linguistics at the Universtiy of Zurich
http://www.linse.uni-essen.de
Links zur Computerlinguistik

Metaebene

Aufgabenstellung
Medien/Katastrophen - Media Blunders
Dozent: Ingo Gnther
Inhalt: Medien sind einerseits durch ihre Fähigkeiten / Möglichkeiten
definiert. Sie lassen sich aber auch negativ definieren im Sinne ihrer
Mängel. Medieninstrumente /-komplexe werden auf ihre
Vermarktung zugeschnitten. Dabei geht oft einiges schief. Wir werden
die Katastrophen fehlgeschlagener, fehlkalkulierter, unausgereifter,
überreifer, implodierender, explodierender, falsch eingesetzter,
schiefgegangener, ruinierter Medientechnologien und -konzepte beobachten
und sezieren. Dazu gehören nicht nur technologische, sondern
auch regulatorische, ökonomische und soziale Patzer.
Ziel des Projektes ist es, vor allem aber auch durch künstlerische
Spekulation in der Lage zu sein,
sowohl unmögliche als auch praktikable Modelle zu rekonstruieren.
Solche Modelle wären etwa: Die Modellierung von Katastrophen,
Warnsystemen (Early Warning etc.) von Nuclear Early Warning bis Stock
Exchange Trading inhibitors/limiters oder Katastrophen-Generators.
Projektanlage
Meine Semesterarbeit Zeitgeist positioniert sich in einem grösseren
Themenkomplex. Ich bin auf der Suche nach alltäglichen Prozessen
(in der Sprache, in der Stadt, in den Medien, im Netz), die unsere
Gesellschaft repräsentieren. Diese Fragestellung hat sich meiner
Meinung nach mit aufkommen ganz neuer Strategien - vor allem im virtuellen
Raum - entscheidend geändert. Wir verarbeiten Daten (Informationen),
generieren selber welche und finden immer seltener die Freiheit, uns
aus diesem System rauszulösen und andere Standpunkte einzunehmen.
Gerade die Beobachtungshaltung, das Analysieren und Reflektieren von
Prozessen, würde uns aber neue Horizonte eröffnen.
Wo lassen sich demnach typische Strukturen unseres Verhaltens oder
auch ganz allgemeiner Prozesse erkennen, was für ein Mehrwert
hat eine genaue Analyse und welche neuen - künstlerischen und
subversiven Ideen lassen sich daraus generieren. Und zu guter letzt,
wie verhält es sich mit dem Rückfluss solcher neuen Ansätze
in den beobachteten und analysierten Prozess?
Das Produkt
# Ausarbeitung einer Informationsarchitektur zur Verarbeitung der
gewonnen Daten: Wie lassen sich möglichst viele Daten auf engem
Raum (Computerbildschirm) visualisieren und lesbar machen. Wie können
die Parameter, Funktionen und Visualisierung einer Software zur Analyse
von Trend- und Neuwörtern gestaltet werden?
# Realisierung einer Demoversion von Zeitgeist, um die Abläufe
und Funktionen aufzuzeigen.
# Dokumentation der Arbeit auf dem Netz - eben diese Website hier.
Ausblick
Ein Ziel in naher Zukunft wäre die Umsetzung des Konzepts Zeitgeist
in einen funktionstüchtigen Prototypen (z.B. mit kleinerem Wortkorpora).
Was lässt sich aus dem Experiment rauslesen? Bestätigen
sich die Thesen, werden die Fragestellungen beantwortet und was lässt
sich aus den gewonnen Daten genieren? Dabei wären positive als
auch negative Szenarien zu begrüssen und würden reichlich
Raum bieten, aufbauend auf Zeitgeist den von mir angestrebten Themenkomplex
weiter zu verfolgen.