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Robert Walsers Werk ist in nennenswerter Weise erst seit den 1970er Jahren wiederentdeckt worden. Die Figur des Aussenseiters und die gesellschaftskritische Vorstellung des weggesperrten Dichters entwickeln seither faszinierende Facetten. Aber es ist vor allem die abgründige Leichtigkeit seiner Sprache, das Spiel zwischen Ernst und Ironie, das bis hin zur Ununterscheidbarkeit von Sinn und Unsinn reicht, die in den letzten drei Jahrzehnten zahlreiche KomponistInnen zur Auseinandersetzung mit Walsers Texten angeregt haben. Helmut Oehrings Tagebuchmusik «Gunten» (2008) und Michel Roths «Der Spaziergang» (2007) bilden zwei Beispiele für höchst unterschiedliche musikalische Begegnungen mit Robert Walser. Im Gespräch mit dem Musikwissenschaftler Roman Brotbeck äussern sich die Komponisten zu ihrem Verhältnis zu Walsers Erzählweise. Helmut Oehring, 1961 in Ost-Berlin geboren, wurde für sein Schaffen mit dem Hindemith- und dem Schönberg-Preis ausgezeichnet. In «Gunten» nach Walsers Roman «Jakob von Gunten» (1909) thematisiert er die Verschiedenartigkeit optisch sichtbarer und hörbarer Sprache. Michel Roth, 1976 in Altdorf geboren, in Luzern und Basel Dozent zeitgenössischer Musik, wurde für die Komposition «Der Spaziergang» für zwei Baritone und Orchester mit dem BMW-Kompositionspreis der Musica viva München (Bayerischer Rundfunk) ausgezeichnet. Das Podiumsgespräch bildet den Beginn zu einem zweitägigen Walser-Zyklus in der Dampfzentrale.