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Bahía de Todos os Santos
Nachdem wir wieder einmal einen VOLVO-Mechaniker an Bord hatten, der an einer Diode rumfummelte und etwas Luft in den Dieselfilter liess und damit alle unsere Motorenprobleme für behoben befand und wir unsere Dieseltanks aufgefüllt hatten, verliessen wir am 4. Januar 2018 Salvador Richtung Norden in die Bahía hinein. Hier oben im Recôncavo, der wegen der konkaven Form so genannten Gegend gibt es ein paar schöne Inseln, die wir besuchen wollten. Die Kolonisten bauten hier auf diesem fruchtbaren Land Zuckerrohr und Tabak an. Die einheimische Bevölkerung wurde zur Sklavenarbeit gezwungen und als sich herausstellte, dass das nicht ausreichte, wurden Sklaven aus Afrika importiert. Zwischen 1550 und 1850 wurden mindestens 3,6 Millionen Sklaven nach Brasilien gebracht.
Unsere Ankerbucht lag geschützt zwischen der Ilha dos Frades, der Ilha de Bom Jesus und weiteren kleinen Inseln und Sandbänken. Geborgen verbrachten wir hier den Abend und die folgende Nacht.
Tschüss Sonne, war wieder ein schöner Tag.
Der nächste Morgen zeigte die Schönheit dieses Platzes
…sondern drei Guaràs oder Scarlet Ibis, zu deutsch Scharlachsichler (Eudocimus ruber) oder Guarà-piranga in der Sprache der Tupi-Indianer. Dieser Vogel lebt vor allem in einem schmalen Küstenstreifen entlang der nördlichen Küste Südamerikas sowie auf Trinidad, deren Nationalvogel er ist. Zudem kommt er hier in einem ganz kleinen Gebiet vor. Hier galt er 1950 als ausgestorben. Wegen seiner roten Federn wurde er gejagt, weil sich diese auf Damenhüten und andern Dekor-Utensilien so schön präsentierten. Auch die Eier und das Fleisch dieser Vögel war begehrt. Zudem wurden aufgrund der Urbanisation die Mangrovenwälder, ihr Lebensraum zerstört. Erst 1977 kannte man im Küstenstreifen von Paranà wieder 3 Paare. 1986 waren dann in Cubatão, dem Küstengebiet um São Paulo etwa 100 Exemplare bekannt.
Anderntags besuchten wir mit unserem Dinghi beide Inseln. Zuerst machten wir halt im Norden von Bom Jesus. Nach einem Bummel durch das Dörfchen und einem Mittagessen am Strand, ging es weiter nach dos Frades an den Loreto Strand.
Mittagessen am Schatten
schönste Strände
Vorbei an Bom Jesus… …in die Mündung des Rio Paraguaçu
Dann machten wir KAMA* bereit um weiterzuziehen. Durch viele Sandbänke hindurch erreichten wir die Mündung des Rio Paraguaçu. Mit dem letzten Schiebestrom fuhren wir diesen hoch, erreichten aber den vorgesehenen Ankerplatz nicht mehr vor dem Eindunkeln. So ankerten wir nordöstlich der Ilha do Arromba im Canal do Dentro. Ein nicht ganz einfacher, dafür einsamer Platz nahe der Mangroven.
Hier verbrachten wir die Nacht in absoluter Stille und Abgeschiedenheit.
Beim ersten Büchsenlicht verliessen wir diesen Platz und fuhren die letzte Strecke den Strom hinauf bis nach Maragogipe. Dort wartete schon die Marisol. Wir ankerten in deren Nähe mitten im Fluss. Ein Grund Maragogipe zu besuchen ist der samstägliche Markt. Von weit her kommen die Bauern, noch häufig mit Eselskarren, um ihre Produkte feil zu bieten. Ein emsiges Treiben durchflutet die ganze Stadt. Die Jungs der Stadt transportieren die eingekaufte Ware mittels Schubkarren zu jeder beliebigen Adresse.
Gefischt wird hier mit Einbäumen.
Die Saveiros dienen noch immer als Transportmittel. Erstaunlich sind die seglerischen Leistungen dieser Schiffe, nicht zuletzt auch zurück zu führen auf die Fähigkeiten ihrer Mannschaften mit den lokalen Wind- und Stromverhältnissen umgehen zu können. Die Übersetzung von Saveiro bedeutet nichts anderes als kleines, längliches Boot. Warum Volkswagen einer ihrer VW’s Saveiro nennt? Keine Ahnung.
Auf dem Markt im Maragogipe
Ausgestattet mit vielen exotischen Früchten und Gemüsen verliessen wir anderntags unseren Ankerplatz. Nicht ohne einen Umweg zum Kloster Saõ Francisco zu machen fuhren wir den Fluss wieder hinunter, überquerten die Bahía und legten uns im bereits bekannten Itaparíca vor die Sandbank.
Die Ilha Frances, wo sich der Fluss teilt.
Schönste Strände entlang dem Fluss
Halt, kurz bevor wir Itaparica erreichten, trafen wir auf ein Fischerboot vor Anker mit drei darin heftig winkenden Fischern. Sie hatten eine Motorenpanne und konnten sich nur mit dem Anker vor dem Abtreiben retten. Klar doch, dass wir sie auf den Haken nahmen und sie zum Hafen schleppten.
Die Sandbank kurz bevor sie wieder ganz in den Fluten verschwindet.
Wir genossen die Annehmlichkeiten dieser Ecke, den Sundowner, die Sandbank, das gute Wasser. Dieses gute Wasser war so gut, dass wir uns anderntags an den Steg legten um unsere Tanks zu füllen. Das Wasser floss allerdings nur spärlich aus der Leitung. Wir mussten bis zum nächsten Morgen warten bis die Quelle die Brunnen wieder gefüllt hatte.
vv
Und dann, nach dem Sonnenuntergang errwachten die Gassen wieder zu vollem Leben. Selbst hier in dieser eher beschaulichen Ecke geht es nicht ohne die ohrenbetäubenden Trios Elétricos, den fahrbaren, bahíanischen Karnevalsbühnen mit ihren megagrossen Lautsprechern. Aber ein authentisches Merkmal brasilianischer Lebensfreude.
Die Gelegenheit am Steg zu liegen nutzten wir aber auch um unsere Ankerkette neu zu markieren. Alle zehn Meter gab es eine neue Farbmarke. Damit lässt sich beim Ankern kontrollieren, wie viel Kette schon gesteckt wurde. Das war eine echte Büez bis wir die 120 m Kette auf dem Steg, dann markiert und wieder im Kasten hatten. Katja hat die Markierungen ins Logbuch übertragen wohl wissend um unsere altersbedingte? Abnahme unserer Erinnerungsfähigkeit. Danke.
Am 10. Januar, 2018 verliessen wir frühmorgens unseren Platz um weiter zu ziehen. Bei eher unfreundlichem, ruppigen Wetter verliessen wir an Salvador vorbei die Bahía de Todos os Santos aufs offene Meer hinaus um unserern Weg Richtung Süden fortzusetzen.