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Die Liste der Gerechten unter den Völkern enthält auch Schweizer, die für die Rettung von Juden während der Zeit des Nationalsozialismus von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt wurden.
Gerechte unter den Völkern aus der Schweiz
Carl Lutz
In Budapest war Carl Lutz von 1942 bis 1945 mit der Leitung der Schutzmachtabteilung der Schweizer Gesandtschaft betraut und vertrat die Interessen von zwölf kriegführenden Staaten. In Zusammenarbeit mit Raoul Wallenberg, dem apostolischen Nuntius Angelo Rotta, dem IKRK-Delegierten Friedrich Born und weiteren Diplomaten gelang es, Zehntausende von Schutzbriefen, Auswandererzertifikaten und Kollektivpässen auszustellen. Dadurch konnten die meisten Budapester Juden, die zudem in über hundert Schutzhäusern Aufnahme fanden, vor der Deportation bewahrt werden. 124‘000 Juden überlebten den Krieg; etwa die Hälfte verdankt Carl Lutz ihr Leben. Im sogenannten Glashaus (6. Etappe der "Grand Tour of Switzerland in Hungary) an der Vadász utca 29 in Budapest, dem Zentrum der Judenrettungsaktion des Schweizer Vizekonsuls Carl Lutz im Zweiten Weltkrieg, hat die Carl-Lutz-Stiftung Budapest einen Gedenkraum geschaffen. Im jüdischen Viertel finden sich zudem eine Gedenkstätte sowie eine Strasse (Carl Lutz rkp.) entlang der Donau auf Pesterseite, in der Höhe der Margareteninsel.
Gertrud Lutz
Ehefrau von Carl Lutz. Während ihr Ehemann Carl Lutz und seine Leute Schutzbriefe für Tausende von Juden ausstellten und so vor der Deportation in die Vernichtungslager retteten, besorgte Gertrud Lutz Nahrungsmittel, kochte und pflegte Kranke im Keller der Schweizer Gesandtschaft, das zu dieser Zeit als Versteck diente. Nach der Scheidung ihres Ehemannes konnte die unermüdliche Gertrud beweisen, dass sie nicht nur «die Frau an seiner Seite» war. Sie führte ihre humanitäre Mission unbeirrt fort. Sie setzte sich für die Hilfsorganisation Schweizer Spende ein, war unter anderem im damaligen Jugoslawien, Finnland und Polen tätig und kam dann zum Kinderhilfswerk Unicef. Im armen Nordosten Brasiliens betreute sie ab 1951 Ernährungssprogramme und baute Mütterheime auf. Ihre berufliche Laufbahn beendete Gertrud Lutz als Unicef-Vizepräsidentin in Paris.
Peter Zürcher und Ernst Vonrufs
Gegen Kriegsende ernannte Vizekonsul Carl Lutz, die Schweizer Industriellen Peter Zürcher und Ernst Vonrufs zu seinen Vertretern in der «Abteilung Fremde Interessen» der Schweizer Gesandtschaft in Pest. Lutz befürchtete, von seinem Domizil in Buda nicht rasch genug handeln zu können, um die unter Schweizer Obhut stehenden Juden zu schützen. Zürcher und Vonrufs erledigten ihre Aufgabe geschickt und mit viel Courage.
Friedrich Born
Friedrich Born hat in dunkler Zeit Zivilcourage gezeigt. 1944 wurde der in praktischer Rotkreuz-Arbeit völlig unerfahrene Friedrich Born (geb. 1903 in Langenthal), zum Leiter der IKRK-Delegation in Budapest und somit als Nachfolger von Jean de Bavier, ernannt. Zur Unterstützung der Arbeit seiner Delegation beschäftigte er vorwiegend Juden. Born richtete Krankenhäuser, Kinder- und Waisenheime und Volksküchen für die ungarischen Juden ein und stellte diese Einrichtungen unter den Schutz des Roten Kreuzes. In den rund 60 Kinder- und Waisenheimen konnten ca. 7000 bis 8000 Kinder versorgt werden. Born erhielt vom IKRK die Befugnis, Schutzpapiere für die betroffenen Menschen auszustellen. Er arbeitete ferner mit den konsularischen Vertretungen lateinamerikanischer Staaten in der Schweiz zusammen, um durch die Ausstellung von Immigrationspapieren dieser Länder weiteren ungarischen Juden Schutz vor den Repressalien und der Deportation durch die Nazis zu ermöglichen. Leider konnte Born den grössten Teil der Deportationen durch seinen Einsatz nicht verhindern. Es gelang ihm allerdings den Abtransport der letzten Konvois aufzuhalten, wodurch er ca. 7500 Menschen das Leben rettete. Weitere 3000 bis 4000 ungarische Juden entgingen durch ihre Tätigkeit für die IKRK-Delegation dem Transport in die Konzentrationslager.
Harald Feller
Harald Feller unterstützte Carl Lutz bei der Rettung von Juden unter schweizerischem Schutz. Feller arbeitete eng mit den anderen neutralen Gesandtschaften zusammen, um mit ständigem Druck auf die Regierung die Beendigung der Verfolgung und Deportation der Juden zu erreichen. Feller schützte die Mitglieder der schwedischen Gesandtschaft, welche Zielgruppe der Pfeilkreuzler waren, indem er ihnen gefälschte Schweizer Pässe und Unterkunft bereitstellte. Gegen Ende des Krieges versteckte Feller Dutzende von Juden im Keller seiner konsularischen Residenz in Budapest. Im Februar 1945 verhafteten die Sowjets Feller und einen weiteren Mitarbeiter der Schweizer Gesandtschaft und schickten sie nach Moskau. Beide wurden im Februar 1946 im Austausch für zwei Piloten, die in der Schweiz abstürzten, zurückgebracht.
Hildegard Gutzwiller
Wurde 1934 als Lehrerin im Sacré-Cœur-Kloster Sophianum in Budapest angestellt. Während des 2. Weltkrieges rettete sie durch die Aufnahme ins Kloster zahlreiche Flüchtlinge vor der Deportation. Die Räumlichkeiten des Klosters standen zu dieser Zeit unter dem diplomatischen Schutz der Schweiz und des Vatikans. Gutzwillers Name figuriert auf der Ehrentafel der Grossen Synagoge in Budapest.
Otto Haggenmacher
Von Oktober 1944 bis Februar 1945 hatte der Geschäftsmann Otto Haggenmacher über dreissig jüdische Kinder in seiner Villa in Buda versteckt, verpflegt und vor der Deportation bewahrt. Er tat dies in Zusammenarbeit mit dem ungarischen Pastor Gábor Szethlo. Die Eltern dieser Kinder sind grösstenteils in den Vernichtungslagern umgekommen. Die finanziellen Aufwendungen zahlte Haggenmacher aus seinem Privatverdienst.
Eduard Benedek Brunschweiler
Auch der Schweizer Geschäftsmann Eduard B. Brunschweiler erhielt posthum die Medaille, die an Gerechte unter den Völkern vergeben wird. Im Oktober 1944 hatte er das Kloster Pannonhalma im Zentrum Ungarns unter die Aufsicht des Roten Kreuzes gestellt. Dadurch konnte er Tausende Menschen retten, darunter 30 jüdische Kinder.