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Das Jugendrotkreuz
Im März 1921 wurde in Genf auf Initiative der Liga der Rotkreuzgesellschaften die erste Jugendsektion des Landes gegründet. Allerdings dauerte es danach rund 20 Jahre, bis diese vom SRK vollständig anerkannt wurde. Auf nationaler Ebene wurde das Jugendrotkreuz (JRK) erst im Oktober 1949 lanciert. In der Schweiz dauerte es somit relativ lange, bis sich das Jugendrotkreuz etablieren konnte. In über 50 Ländern bestanden damals schon seit mehreren Jahren Jugendorganisationen des Roten Kreuzes.
Die Rolle der Schule
Die Jugendbewegung war zunächst nur in der Westschweiz aktiv. Die Vermittlung der Grundlagen der Hygiene und der politischen Bildung sowie eine Sensibilisierung für die gegenseitige Unterstützung bildeten die Basis der Jugendsektionen. Diese entwickelten sich rasch, vor allem auch dank der Zusammenarbeit mit der Lehrerschaft. Das Programm des JRK wurde teilweise in die schulischen Ziele integriert. Mit Unterstützung der Westschweizer Schulbehörden entstanden innert kürzester Zeit 24 Jugendgruppen. Am 31. Dezember 1950 bestanden in der Westschweiz 150 solche Jugendgruppen.
Um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, verteilte das JRK in über 5000 Schulen spezielle Bildkalender. Schon bald dehnte es seine Tätigkeit auch auf die Deutschschweiz aus. Dabei verfolgte es vor allem zwei Ziele: Zum einen sollte bei den Jugendlichen das Bewusstsein für die Solidarität gegenüber den Mitmenschen geweckt werden, zum anderen sollten neue Kräfte für das SRK gewonnen werden, das heisst künftige Führungspersonen und Freiwillige. Allgemeiner ging es dem JRK darum, zur moralischen Stärkung der Jugendlichen beizutragen und ein Gegengewicht zu gewissen, als egozentrisch betrachteten Strömungen jener Zeit zu bilden. 1953 brachte Dr. Lauener, der Präsident der Jugendrotkreuzkommission, die damaligen Befürchtungen in einer Rede zum Ausdruck:
«Dabei denke ich an die gegenwärtige Tendenz, die Kinder zu verzärteln. Es ist beunruhigend zu beobachten, wie sich diese Tendenz zunehmend verbreitet. Zieht man so nicht lauter egoistische und asoziale Wesen heran, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein werden? Diese Befürchtung ist keineswegs unberechtigt. Deshalb ist es unsere Pflicht, alles zu versuchen, um dagegen anzugehen. Wird die Schule dazu in der Lage sein, wenn dies den Eltern und der Familie nicht gelingt?»
Da in der Schule das staatsbürgerliche Bewusstsein entwickelt und das Zusammenleben erprobt wird, bot sie eine ideale Basis, um den Jugendlichen das JRK nahezubringen. So wurden den Lehrkräften Unterrichtsmaterial zu den humanitären Zielen des Roten Kreuzes und zu den Herausforderungen zur Verfügung gestellt, die sich der Organisation damals stellten. Die beteiligten Schulklassen setzten sich nicht nur theoretisch mit humanitären Fragen auseinander, sondern wurden im Rahmen von sozialen Aktivitäten auch in der Praxis aktiv.
Entwicklung eigener Projekte
Im Lauf der Jahre wurden die Tätigkeitsbereiche des JRK immer vielfältiger. Die ursprünglichen Ziele hingegen veränderten sich nicht: Stärkung des Bewusstseins für die gegenseitige Unterstützung, Förderung der Hygiene, der Gesundheit und der Ersten Hilfe sowie Aufbau von Freundschaften über die Landesgrenzen hinaus. Kurz gesagt ging es darum, zu helfen und zu dienen. Mit der Zeit wurden auch grosse Projekte realisiert. 1965 wurde der Behindertencar, der spätere Carissimo, in Verkehr gesetzt: Er konnte dank dem Engagement von Schulkindern aus der ganzen Schweiz finanziert werden. Im gleichen Jahr wurde in Italien ein Ferien- und Bildungszentrum für Jugendliche eingeweiht, die «Casa Henry Dunant» in Varazze.
Die Beziehungen zwischen der Jugendbewegung und dem SRK wurden immer enger. 1973 wurde das JRK zur Jugendabteilung des SRK. Seit 1983 organisiert der Schweizerische Militär-Sanitäts-Verband (SMSV) jedes Jahr am Schwarzsee im Kanton Freiburg ein Ausbildungs- und Ferienlager (AULA). Den teilnehmenden Jugendlichen werden dort Kenntnisse in Erster Hilfe vermittelt. 2006 richtete die Geschäftsstelle des SRK das Kompetenzzentrum Jugend ein und übertrug ihm die Aufgabe, die Jugendorganisationen des SRK zu vernetzen.
Unterdessen besteht in fast allen grossen Städten des Landes ein Jugendrotkreuz. Über 3500 Jugendliche engagieren sich in der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft, und landesweit sind rund 100 Gruppen der Help-Samariterjugend entstanden. 2013 wurde die junge Baslerin Danielle Breitenbücher (Jahrgang 1988) als Vertreterin des Jugendrotkreuzes in den Rotkreuzrat gewählt – ein Symbol für die gelungene Integration der Jugend in das SRK.