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Die Historische Sammlung besitzt eine beträchtliche Waffen- und Rüstungssammlung aus vielen Jahrhunderten.
Die Sammlung der Waffen und Rüstungen besteht aus über 2'200 Objekten. Die Waffen reichen vom Schwert aus dem Grab von Friedrich von Tarant, welcher in der Schlacht bei Sempach 1386 gefallen ist, bis hin zum Maschinengewehr Mod. 1911 der Schweizer Armee. Daneben eine grosse Fülle von spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Rüstungen.
Luntenschlossmuskete
Luntenschlossmuskete
- wohl Aarau, 1618
- wohl Segesser (HS)
- Eisen, Holz
- Länge 160 cm, Kaliber 17.5 mm
- Inv. Nr. K-1212
Beschreibung
Muskete mit achteckigem, glattem Lauf und 13 cm langem Röhrenvisier und Luntenschloss. Der Deckel der Pfanne fehlt. Auf dem Lauf ist die Jahreszahl 1618 eingraviert. Die Marke zeigt einen Adler in Bronze, darunter zweimal die rechtsstehende Bronzemarke. Am beschädigten Kolben ist ein Adler eingebrannt. Sie wurde vermutlich von Waffenschmied H. Segesser in Aarau hergestellt.
Verwendung
Bis 1899 wurde das Gewehr, zusammen mit anderen Waffen, im Turm Rore in Aarau aufbewahrt. Der Turm aus dem 13. Jahrhundert, eines der ältesten Gebäude in Aarau, diente ab dem 16. Jahrhundert als Amts- und Verwaltungsgebäude. Wohl im 19. Jahrhundert trug man dort Waffen zusammen, die im Besitz des Kantons Aargau waren. 1899 wurde die Sammlung historischer Waffen ins kantonale Antiquarium des Gewerbemuseums in Aarau übergeführt.
Kontext
Die Muskete ist die Bezeichnung für ein Gewehr des 16.-18. Jhs. unabhängig vom Schlossmechanismus (Lunten-, Rad- oder Steinschloss). Davon abgeleitet ist das Wort "Musketier". Im 16. Jh. waren sehr schwere, mit einem Luntenschloss bestückte Ausführungen gebräuchlich. Um die Brustharnische zu durchschlagen, wurden Geschosse von drei Lot Gewicht verwendet. Der Schwere der Waffe wegen legte man sie beim Schießen auf eine so genannte Gewehr- oder Musketengabel auf, ein U-förmiges Eisen am Ende eines in den Boden gerammten Stabes.
Das Luntenschloss ist ein seit 1410/20 gebräuchlicher Schlossmechanismus der ersten Vorderlader, der im Wesentlichen so funktioniert, dass eine glosende Lunte bei Betätigung des noch nicht hahnförmig ausgebildeten Abzugshebels an die mit Zündkraut gefüllten Pfanne herangeführt wird, das sich entzündet und, durch eine Bohrung mit der im Lauf befindlichen Pulverladung verbunden, auch diese entzündet und damit die Kugel aus dem Lauf treibt. Vom Luntenschloss leitet sich der Ausdruck "Lunte riechen" ab. Das Wild konnte bei günstigem Wind die glosende Lunte auf weite Distanz wahrnehmen und flüchten. Das Luntenschloss wurde vom System des Radschlosses abgelöst. Während die Nobilität auf der Jagd bereits seit 1515/17 Radschlossbüchsen verwendeten, war das Luntenschlossgewehr beim Militär noch lange in Gebrauch.
Schwert, Grabbeigabe
Schwert, Grabbeigabe
- um 1386
- Eisen, geschmiedet
- Gesamtlänge 99 cm, Klingenlänge 74.5, Gewicht 1250 g
- Inv. Nr. K-1795
Beschreibung
Birnförmiger Knauf, gebogene Parierstange, auf der Klinge befindet sich eine beidseitig tauschierte Marke. Eine Tauschierung ist eine Verzierung aus Buntmetall- oder Edelmetall-Intarsien (Einlagen) in metallenen Oberflächen. Die Klinge ist ohne Rinne.
Herkunft/Kontext
Das Schwert stammt aus der Gruft des Friedrich von Tarant in der Klosterkirche Königsfelden. Friedrich von Tarant (andere Schreibweise: Tharandt) starb in der Schlacht bei Sempach 1386 auf habsburgischer Seite. Im Januar 1386 nahm Luzern zuerst das Entlebuch und die Kleinstadt Sempach in sein Burgrecht auf, danach die Städtchen Meienberg, Richensee und Willisau. Die österreichischen. Amtsleute reagierten darauf mit Gewalt. Herzog Leopold III. bereitete einen Gegenschlag vor. Er sammelte seine Truppen bei Brugg. Dies liess auf einen Angriff auf Zürich schliessen, die Truppen zogen aber in Richtung Luzern. Am 9. Juli traf dieses Heer oberhalb von Sempach unverhofft auf die von Zürich abgezogenen Truppen der Orte Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden, und es kam zur offenen Feldschlacht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es den zahlenmässig unterlegenen und in unvorteilhafter Stellung überraschten Eidgenossen unter dem Oberbefehl Petermanns von Gundoldingen, das habsburgisch-österreichische Heer vernichtend zu schlagen.
Friedrich von Tarant wurde in Königsfelden zusammen mit gefallenen Schlachtgenossen beigesetzt. Das Schwert wurde Friedrich als ritterliches Standesabzeichen ins Grab gelegt. Die Gräber wurden 1739 geöffnet und das Schwert ging ins Kantonale Antiquarium über.
In der Klosterkirche Königsfelden befindet sich eine 1692 angefertigte Malerei die Friedrich von Tarant kniend zeigt.
Das Schwert ist zurzeit in der Dauerausstellung " Rittertum und Adel "auf Schloss Lenzburg zu sehen.
Waffenrock für Arzt Hugo Remund
Waffenrock für Arzt Hugo Remund
- Bern, 1914-1918
- Zürcher & Engler
- Wolltuch, Seide, vergoldete Knöpfe, Metallösen
- Länge 68 cm
- Inv. Nr. K-18072.1
Beschreibung
Waffenrock zu Schweizer Militäruniform, wurde im Ausgang getragen. Himmelblauer Waffenrock mit schwarzem Vorstoss. Rechts und links über der vertikalen Brustnaht hat es je fünf angenähte Knöpfe in vertikaler Reihe, und am rechten und linken Rockvorderteil je eine Reihe Knopflöcher. Der Rock ist tailliert geschnitten mit einer Taillennaht. Die Vorderteile sind schräg geschnitten, die oberen Enden befinden sich auf der Schultervorderseite. Die Ärmelenden sind zurückgeschlagen. Der Stehkragen ist schwarz mit einem blauen Bord und die Epauletten zeigen zwei Blumen mit Schweizer Kreuz und die Zahl "68". Der Rock ist mit schwarzer Seide gefüttert und auf der Innenseite mit den Initialen "HR" versehen. Die Ärmel sind mit heller, gestreifter Seide gefüttert. Die rechte Vorderseite kann auf der Rockinnenseite mit einer Öse befestigt, der Kragen mit Ösen geschlossen werden. Auf der Innenseite der Nackenpartie ist eine Etikette des Herstellers angebracht: "Zürcher & Engler Berne".
Herkunft/Kontext
Der Rock stammt aus der Zeit des 1. Weltkrieges, ein Fotoalbum des Donators zeigt ihn mit seinem Besitzer Hugo Remund. Hugo Remund war Arzt und wurde 1914 zum Oberleutnant befördert. Er diente im Füsilier-Bataillon 68. Er wurde wurde 1888 geboren und war seit 1949 Bürger von Lenzburg, zuvor von Riedholz, Solothurn. Sein Vater erwarb die Obere Mühle in Lenzburg, wo Hugo Remund aufwuchs. Später bewohnte die Familie Remund das Steinbrüchlihaus in Lenzburg. Hugo Remund machte eine steile Militärkarriere im Sanitätsdienst der Schweizer Armee. 1941 wurde er Chefarzt des Schweizerischen Roten Kreuzes. 1950 quittierte er seinen Dienst. 1970 starb Remund in Zürich.