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Von JÁNOS MOSER.
Im Jahr 1940 erschuf Edmond Hamilton (1904 – 1977) seinen Romanhelden Captain Future. Hamilton, der neben E. E. Smith gemeinhin als „Vater der Space Opera“ gilt, gelang damit ein toller Wurf. Nicht nur erfreute sich die Figur grosser Beliebtheit, es sollten in Folge auch über 17 Geschichten rund um den Rotschopf erscheinen, die bis heute in viele Sprachen übersetzt wurden. Der erste Roman, Captain Future and the Space Emperor, kam wie damals üblich in Heftchenform raus. Curtis Newton, so der bürgerliche Name des Helden, wird darin vom „Präsidenten der Erdregierung“ dazu beauftragt, den kolonisierten Jupiter von einer mysteriösen Seuche zu befreien, welche die Menschen in grässliche Affenwesen verwandelt. Verursacher dieses – wie es heisst – „Atavismus“ – ist ebenjener Space Emperor, ein behelmter Schurke in schwarzer Kleidung à la Darth Vader. Curtis‘ Freunde sind ein Androide, ein Gehirn in einem Reagenzgefäss und ein Roboter namens Grag.
Muskeln im Anzug
So illuster die Figuren sind, so ist auch die Sprache. „Der eisige, unheimliche Hauch einer viele Millionen Meilen entfernten Bedrohung durchwehte das weiträumige, sanft erleuchtete Büro in einem der gewaltigsten Wolkenkratzer New Yorks“, heisst es im ersten Satz. Oder: „Curt Newton war ein hochgewachsener, athletisch gebauter junger Mann. Er war über einen Meter achtzig gross, besass widerspenstiges rotes Haar, und seine breiten, geschmeidigen Schultern sprengten beinahe die Jacke seines grauen Kunstseidenanzugs.“ Als amerikanischer Superheld par excellence reist Captain Future so in seinem tränenformigen Raumschiff zum Jupiter, vermöbelt unterwegs mühelos ein paar Weltraumpiraten und macht sich daran, das Geheimnis um den “Sternenkaiser“ (so die deutsche Übersetzung) zu lösen. Dabei dürfen natürlich sein detektivischer Möchtegernscharfsinn, nette technische Gimmicks, eine hilflose Sekretärin und Eingeborenenstämme nicht fehlen. Im Gegensatz zu anderen Helden nutzt der selbsternannte „Wizard of Science“ die meiste Zeit über einen schonenden Betäubungsstrahl aus der Laserpistole, statt die Gegner zu töten. Spannend bleibt es trotzdem; denn der Sternenkaiser scheint sich zu dematerialisieren und an beliebigen Orten auftauchen zu können. Natürlich steckt dahinter am Ende nichts weiter als „Science“. Davon darf man am Ende der Geschichte noch viel mehr bestaunen, denn im Anhang des Hefts befinden sich Erklärungen zu den Charakteren, eine fiktive Besiedlungsgeschichte des Jupiter (Kolonisierung: 2005) und Informationen zu einer nicht näher genannten Technikausstellung.
Jeder kann mitmachen
Worum sich heutige, progressive Literaturmagazine abmühen, ist bei Captain Future Programm: Hamilton fordert die Leser auf den letzten Seiten dazu auf, ihm Vorschläge zu schicken, wie die Geschichte weitergehen soll. Der Dialog zwischen Leser und Autor ist so von Anfang an angelegt und erreicht, wenn auch nicht eine Internetcommunitiy, so doch ein gewisses Mass an Interaktivität und freier Entwicklung. „Science“ bildet den Kitt dieser Gemeinschaft; die Wissenschaft wird hier im breitesten Sinne als Vehikel zur Erfüllung von Träumen, als zukünftiges Versprechen statt als ernste Angelegenheit gesehen (endlich!). Ob Michael Polanyi sowas meinte, als er von der scientific community sprach, ist fraglich. Aber eine spielerische Überlegung wert.
In den frühen Achtzigern wurde im Fernsehen zudem eine Captain Future-Animéserie für Kinder ausgestrahlt.