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Am 28. Januar 1967 feierte eine Gruppe theaterbegeisterter junger Leute im damaligen Postkeller eine denkwürdige Première. Dies war die Geburtsstunde des Kellertheaters Bremgarten. In den mehr als fünfzig Jahren seither ist es nicht nur längst vom Keller in den zweiten Stock aufgestiegen. Im Gang durch die Jahrzehnte hat es sich immer wieder gewandelt und ist so auch nach mehr als einem halben Jahrhundert jung geblieben.
Am 28. Januar 1967 war Première im Postkeller unter der damaligen Post und dem Hotel Krone in Bremgarten. In der Inszenierung von Heinz Koch brachte dort eine theaterbegeisterte Gruppe junger Leute zwei Einakter zur Aufführung: „Frühere Verhältnisse“ von Johann Nestroy und „Der Hund im Hirn“ von Curt Goetz. Entgegen anfänglicher Skepsis wurde die Inszenierung ein Erfolg, die Gruppe entschloss sich dranzubleiben. Das Kellertheater Bremgarten war geboren. Es folgten schon im gleichen Jahr zwei weitere Inszenierungen und in den folgenden Jahren jeweils mindestens zwei. Schon seit dem ersten Jahr standen auch Gastspiele auf dem Programm. Als erster Gast trat der Kabarettist Alfred Rasser mit „Zivilcourage“ auf. Ihm folgten bekannte Namen wie Franz Hohler, Emil Steinberger, Hanns Dieter Hüsch oder Reinhard Mey.
Der Postkeller hatte schon einmal Bühnengeschichte gemacht. Von 1958 bis 1962 brachte dort das „Cabaret Brämestich“ frischen Wind in das Bremgarter Kulturleben. Der Raum war jedoch sehr eng und bot bloss beschränkte technische Möglichkeiten. Nur mit viel Improvisation kam das Theater über die Runden. Als dann auch noch die Post Eigenbedarf anmeldete, wurde es höchste Zeit, sich nach einem neuen Lokal umzusehen. Um dabei gegen aussen glaubwürdiger auftreten zu können, gründeten die Theaterleute den Verein Kellertheater Bremgarten. Als ersten Präsidenten wählten sie Othmar Schaufelbühl, als Architekt und zudem Bremgarter Ortsbürger eine Idealbesetzung. Er konnte die Ortsbürgergemeinde Bremgarten, die Besitzerin des sanierungsbedürftigen Schellenhauses, davon überzeugen, das Haus umzubauen und dort Räume für das Theater zur Verfügung zu stellen. Er legte dafür auch gleich die Pläne vor und leitete danach den Umbau.
Allerdings konnte sich das Kellertheater nicht einfach ins gemachte Nest setzen. Der Verein übernahm ein Viertel der Kosten für den Umbau. Diese 150‘000 Franken brachte er zur einen Hälfte durch Sachsponsoring von Handwerkern sowie den Honorarverzicht des Architekten und anderer Planungsfachleute zusammen. Für die andere Hälfte leisteten die Vereinsmitglieder rund 3‘000 Stunden Fronarbeit auf der Baustelle.
Am 22. September 1973 war es so weit. Mit der Première von Shakespeares Komödie „Liebe leidet mit Lust“ zog das Kellertheater in die neuen Räume im zweiten Stock des Schellenhauses ein. Weil der Name Kellertheater bereits zu einer Art Marke geworden ear, behielt man ihn bei. Seither bietet Bremgarten die Rarität des vielleicht weltweit einzigen Kellertheaters im zweiten Stock.
Schon wenige Jahre nach der Gründung des Kellertheaters Bremgarten hatte Heinz Koch, der Initiant der Eröffnungspremière, die Theatertruppe verlassen. Seither prägte für rund ein Jahrzehnt Willy Haller als künstlerischer Leiter das Programm. Ende der 1970er Jahre verliess er aber wegen Meinungsverschiedenheiten das Kellertheater und gründete später sein eigenes „Theater am Spittel“, welches bis 1998 Bestand hatte. Das Kellertheater machte weiter, nun unter kollektiver Leitung durch den Vorstand. Es hielt sein Angebot an Eigeninszenierungen und Gastspielen aufrecht. Nach wie vor brachte es, wie schon im Jahrzehnt zuvor, pro Saison zwei, manchmal sogar drei Eigeninszenierungen heraus. Erst gegen Ende der 1980er Jahre konzentrierte man sich auf jeweils eine einzige Inszenierung, vor allem weil ein grösseres Angebot nicht mehr finanzierbar wurde. Eine der Konstanten in der Geschichte der Eigeninszenierungen blieb der Bühnenbildner Peter Spalinger. Seit 1971 realisierte er für die meisten Inszenierungen das Bühnenbild – immer unentgeltlich. Inzwischen sind es weit über 50 Bühnenbilder geworden.
Zur Saisoneröffnung im September 1991 fand sich innerhalb des Kellertheaters auf Initiative von Willy Müller eine Figurentheatergruppe zusammen. Sie nahm die Tradition der Märcheninszenierungen aus den Anfängen des Kellertheaters wieder auf, nun eben in Form des Figurentheaters. Die Gruppe erarbeitet noch immer selber ihre Stücke. Auch das Bühnenbild und die Figuren entstehen innerhalb der Gruppe. Geleitet wird sie seit den Anfängen von Kurt Reber.
Der Beginn des fünften Lebensjahrzehnts des Kellertheaters fiel nicht nur mit einer Renovation des Schellenhauses zusammen, welche den Theatersaal mit einem Lift erschloss und dem Theater zusätzliche rückwärtige Räumlichkeiten verschaffte, die dringend benötigt wurden. Damals stiess auch eine junge Generation theaterbegeisterter Leute zum Kellertheater und gab ihm in der Folge wichtige neue Impulse. Mit dem „Jugendspielclub infiziert“ bieten sie inzwischen ein umfangreiches Theater-Kursprogramm für Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen an. Aus den Reihen von „infiziert“ herausgewachsen, entstand 2015 mit der „Jungen Bühne“ eine weitere Eigeninszenierungssparte. Die Beteiligten erarbeiten die Stücke selber und experimentieren dabei auch mit neuen Formen des Theaters. „Nacht“ im Jahr 2015 und „Wald:Park“ 2016 waren die ersten beiden Inszenierungen dieser Sparte.