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«Musik ist in New Orleans viel mehr als nur eine Anreihung von Klängen und Noten. Musik ist die harmonische Verbindung zwischen Generationen», schreibt Irvin Mayfield in seinem Buch. Feste, verbunden mit Musik: Nirgendwo sonst in Amerika gibt es diese einzigartige Tradition.
«Musik ist etwas Alltägliches»
Irvin Mayfield wuchs auf in einem afroamerikanischen Viertel von New Orleans und kam schon als Kind mit den Brass Bands und den Strassenparaden in Berührung. Ganz selbstverständlich. «Musik ist etwas Alltägliches», erklärt er. «Jeder ist Teil dieser Kultur. Jazz ist in der Unterschicht von New Orleans entstanden. Jeder macht mit, jeder gehört dazu.» Gerade dieses Demokratische sei so besonders an New Orleans, erklärt Irvin Mayfield.
Irvin Mayfield sog diese Atmosphäre auf: So begann er auch schon früh, sich für die Trompete zu interessieren. Genauer: für die Trompeter. Er erinnert sich noch genau daran, wie Cousins seines Vaters auf der anderen Seite seines Hauses jammten.
So cool wie Trompeter sein
Die Musiker gehörten damals zur Band von Fats Domino. Ein Trompeter hatte grosse Koteletten. Der Musiker kam aus dem Haus und liess Flüssigkeit aus seiner Trompete entweichen. Der kleine Irivin war damals noch keine zehn Jahre alt und fand das richtig «cool».
Dann spielte sein bester Freund – er soll verdammt gut ausgesehen haben – Trompete und betörte damit die Mädchen. Da musste Irvin Mayfield unbedingt das Instrument haben, das auch sein Vater spielte – allerdings nicht professionell. «Ich möchte wie mein Freund Jeffrey eine Trompete mit glänzenden Knöpfen», sagte er. Sein Vater antwortete: «Wenn ich dir eine kaufe, dann unter einer Bedingung: Du spielst Trompete während deiner ganzen Schulzeit.»
Als Irvin Mayfield die ersehnte Trompete endlich hatte und zu üben anfing, merkte er, dass das Spielen ziemlich schwierig war. Am liebsten hätte er alles gleich hingeschmissen. Doch sein Vater war sehr streng. Mayfield musste sich fügen und weiterspielen.
Grosse Liebe New Orleans
Im Buch erzählt Irvin Mayfield, wie die Trompete und die Musik, seinen Vater und ihn zusammenschweissten. Sein Vater hat ihm die erste Trompete geschenkt, ihn zum Spielen ermutigt und ihn in die Algiers Brass Band eingeführt. Dort hat sich Irvin Mayfield, so schreibt er, mit seinen elf Jahren inmitten dieser «steinalten Männer» erst mal fehl am Platz gefühlt. Doch allmählich gewöhnte er sich an die betagten Musiker. Sie brachten ihm den traditionellen New-Orleans-Jazz bei, ihnen verdankt er die Begeisterung.
Das letzte Kapitel widmet Irvin Mayfield seinem Vater, der trotz vieler Aufrufe, die Stadt zu verlassen, während des Hurrikans Katrina in New Orleans bleib und ums Leben kam. Dazu schreibt Irvin Mayfield: «Wie kann man da überhaupt leben, hallte es durchs ganz Land. Doch diese nichtsahnenden Rufe verwandelten sich bald in Verständnis und Einheit. Ob reich oder arm, schwarz oder weiss – es hat alle getroffen, alle sind heimatlos geworden.»
Ein Buch für einen Musikclub
In der Musik und vor allen Dingen im New-Orleans-Jazz fand Irvin Mayfield Trost. «Genau wie Wasser», fügt er hinzu, «lässt sich die Musik nicht aufhalten, wenn sie einmal im Fluss ist. Musik bewegt, Musik reinigt, Musik stärkt, Musik ist Leben.»
Sein Buch «New Orleans Jazz Playhouse» widmet Irvin Mayfield seinem Club: 300 Seiten, gebunden, aufwendig gestaltet mit beeindruckenden Schwarz-Weiss-Fotos von Irvin Mayfield, mit Bildern von Musikern auf der Club-Bühne. Im Club Jazz Playhouse an der Bourbon Street finden 365 Tage im Jahr Konzerte statt. Die sieben beigefügten CDs sind an sieben Tagen im Jazz Playhouse entstanden. Sie fangen die dynamische Live-Atmosphäre des Clubs ein.
Buchhinweis
Irvin Mayfield: «New Orleans Jazz Playhouse», Basin Street Records, 2015.