Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03314.jsonl.gz/1004

Zu den Grundlagen einer wissenschaftlichen Arbeit gehört das Suchen und Finden von sich auf das gewählte Thema beziehender Literatur. Die Auswertung der bei dieser Recherche gefundenen Literatur stellt zwar im Wesentlichen einen gesonderten Arbeitsschritt dar, befindet sich aber auch in einem organischen Verhältnis zur Literaturrecherche. Die Bewertung, ob die recherchierten Publikationen für die Bearbeitung einer wissenschaftlichen Fragestellung relevant sind, können nämlich über Erfolg oder Misserfolg der Arbeit entscheiden. Deshalb ist es bei der Literaturrecherche für eine wissenschaftliche Arbeit nicht nur wichtig, sorgfältig und systematisch vorzugehen, sondern auch quellenkritisch bewertend.
Der Literaturrecherche muss bei der Erstellung des sich auf die Arbeit beziehenden Zeitplans ausreichend Raum gegeben werden. Die Phase der am Anfang der Bearbeitung stehenden Literaturrecherche sollte mindestens einem Zehntel der Gesamtbearbeitungszeit entsprechen. Damit ist die Recherche aber keineswegs abgeschlossen. Denn im Verlauf des Bearbeitungsprozesses können immer wieder Hinweise auf bisher noch nicht berücksichtigte Literatur auftauchen. Auch kann sich zunächst für die Bearbeitung der Fragestellung als relevant eingestufte Literatur als doch nicht tauglich erweisen.
Es hat sich bei der Literaturrecherche als hilfreich erwiesen, eine Recherche-Dokumentation zu führen. Darin sollte eine unter Umständen ständig erweiterte Auflistung der in Frage kommenden Informationsquellen wie Bibliotheken, Datenbanken, Websites oder Archive sowie die Titel von Publikationen, in denen Hinweise auf relevante Literatur vermutet werden, stehen. Ausserdem gehört in eine solche Dokumentation ein Protokoll, in dem sämtliche Rechercheschritte festgehalten sind. Mithilfe dieser Arbeitsdokumentation wird das Risiko verringert, den Überblick zu verlieren. Wichtig ist auch, die Literaturrecherche nicht schon dann zu beenden, wenn eine Information gefunden ist, die nach erstem Anlesen verspricht, die Fragestellung erschöpfend abzudecken.
Bei der eigentlichen Recherche empfiehlt es sich, sich nicht nur auf eine Recherche-Möglichkeit zu beschränken, sondern verschiedene Recherche-Methoden anzuwenden. So erhöht eine Kombination aus Recherche in nichtdigitalisierten Papier-Publikationen (z. B. in einer Hochschul-Fachbereichsbibliothek, über Fernleihe) mit Internetrecherche (z.B. Online-Katalog einer Universitäts-Zentralbibliothek, Datenbanken von Stiftungen, www.scholar.google.de) die Chance, alle relevanten Informationen zu bekommen. Der persönliche Besuch von Bibliotheken und Archiven eröffnet zudem die Möglichkeit, fachkundiges Personal vor Ort nach Rat zu fragen.
Ein Grundsatz der Literaturrecherche ist es, vom Allgemeinen zum Speziellen vorzugehen. Das heisst, zunächst ist allgemeine Literatur zum Fachgebiet des Themas zu suchen. Das können Monographien, Handbücher oder Fachgebietsbibliographien sein. Hier finden sich dann eventuell Hinweise auf weiterführende Spezialliteratur, die nach dem Schneeballsystem wieder Hinweise geben. Allerdings birgt das Schneeballsystem die Gefahr, neueste Publikationen zu übersehen. Dabei kann es sich insbesondere um themenspezifische Artikel in Fachzeitschriften handeln. Die Kategorie der wissenschaftlichen Fachartikel ist aber überaus wichtig, da es sich bei diesen Texten durchweg um aktuelle und nach wissenschaftlichen Standards belegbare Informationen handelt. Hier ist eine systematische Recherche in Veröffentlichungsverzeichnissen der einschlägigen in- und ausländischen Fachzeitschriften angezeigt. Überaus nützliche Hilfsmittel bei der Literaturrecherche und –bewertung sind z. B. in Fachzeitschriften veröffentlichte, systematische Übersichten („Literaturreviews“) zum gewählten Thema.