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Isaiah Berlin, die Freiheit und ihre Feinde
Marcel Alexander Niggli
41Isaiah Berlin (1909 in Riga geboren und 1997 in Oxford gestorben) ist für alle, die sich für Freiheit interessieren, die zentrale Referenz. Es gibt keinen Text von ihm, der die Lektüre nicht lohnen würde.
Hier wollen wir nur auf zwei Bücher hinweisen:
Da ist einmal Liberty (incorporating four essays on liberty), neu herausgegeben von Henry Hardy, Oxford University Press 2002.
Helvétius, Rousseau, Fichte, Hegel, Saint-Simon, de Maistre: Feinde der menschlichen Freiheit.
Der Band enthält die vier wichtigsten Essays von Berlin über die Freiheit, die 1969 zum ersten Mal erschienen ist. Zentral darin ist natürlich die berühmte Unterscheidung von negativer und positiver Freiheit, also einerseits Freiheit von etwas und andererseits Freiheit zu etwas, das er in Two Concepts of Liberty entwickelt hatte, eine immer noch fundamentale Unterscheidung, die erlaubt, wirklich liberale von kollektivistischen Positionen zu unterscheiden.
Der andere Band heisst Freedom and its betrayal: Six enemies of human liberty, ist ebenfalls von Henry Hardy 2002 bei Princeton University Press neu herausgebracht worden, und widmet sich der Analyse von sechs wichtigen Philosophen der Moderne: Claude Adrien Helvétius (1715–1771), Jean-Jacques Rousseau (1712–1778), Johann Gottlieb Fichte (1762–1814), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831), Henri de Saint-Simon (1760–1825) sowie Joseph de Maistre (1753–1821), allesamt Freiheitsfeinde. Bei einigen dieser Personen dürfte ihre Freiheitsfeindlichkeit relativ bekannt sein (etwa Hegel, Saint-Simon oder de Maistre), bei anderen weniger (Helvétius, Fichte). Aus Schweizer Perspektive dürfte v.a. die Analyse Rousseaus interessieren, weil die alte Pelzmütze ja immer als Held der Demokratie präsentiert wird, was er ganz gewiss nicht ist und was von Berlin wunderbar dargestellt wird. Wenn ein Schweizer Held der Freiheit benötigt würde, so wäre eher Benjamin Constant (1767–1830) geeignet, dem die Unterscheidung von negativer und positiver Freiheit einiges verdankt und der ja bereits 1819 in seiner Schrift «De la liberté des Anciens comparée à celle des Modernes» die Rousseausche Position kritisch analysiert hatte.
Wer immer sich also mit Freiheit auseinandersetzt, kann nur enorm gewinnen durch die Lektüre der beiden Bände Berlin’s. Sie seien allen wärmstens ans Herz gelegt.