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Charles Höhn, der Gemeindepräsident von Bonstetten ZH, ist aus gesundheitlichen Gründen per sofort von seinem Amt zurückgetreten. Die Gemeinde im Knonaueramt war wegen eines Sorgerechtfalles in die Schlagzeilen geraten.
Er habe seinen Rücktritt der Bevölkerung anlässlich einer Gemeindeversammlung diesen Dienstag persönlich mitgeteilt, sagte Höhn am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Er bestätigte einen Bericht des "Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern". Wer sein Amt vorübergehend übernimmt, ist noch offen. Ein definitiver Nachfolger dürfte diesen September gewählt werden.
Hintergrund für den Rücktritt sei der Medienrummel um seine Person. "Mein Arzt hat mir den Schritt dringend nahegelegt", sagte Höhn. In Gesprächen mit Medizinern habe sich klar herauskristallisiert, dass ihm die mediale Berichterstattung an die Nerven gegangen sei.
Die Gemeinde hatte für Schlagzeilen gesorgt, als ein 61-jähriger Mann im Februar 2010 seinen vierjährigen Sohn in einem Winterthurer Hotelzimmer umgebracht hatte. Die Behörden hatten ihm die Obhut übertragen, obwohl er einst versucht hatte, seinen Sohn aus erster Ehe zu töten. Wegen Mordversuchs war der Mann in den neunziger Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Ein Expertenbericht, den die Zürcher Justizdirektion in Auftrag gegeben hatte, kam Anfang Februar 2011 zum Schluss, die Behörden in Bonstetten hätten Fehler gemacht. Die Gemeinde habe sich mit dem Vater, einem Schweizer, solidarisiert. Die Mutter des Knaben, eine Brasilianerin, sei in eine Nebenrolle gedrängt worden - nicht zuletzt wegen ihrer Tätigkeit als Prostituierte.
Für Höhn könnte der Fall ein rechtliches Nachspiel haben. Gegen ihn läuft eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung. Ob es zu einer Anklage kommt, ist offen.