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Meldungen «Gedenken an die Opfer des Tsunami-Unglücks in Japan» beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 11. März 2019 beanstandeten Sie eine Nachrichtenmeldung (Radio SRF) vom 11. März 2019 über die Gedenkfeierlichkeiten zum 8. Jahrestags des verheerenden Unglücks in Japan.[1]Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandungwie folgt:
«SF1 hat heute, den 11. 3. 2019 mehrmals behauptet, es hätte beim Unglück in Fukishima 20'000 Tote gegeben. Ich habe regerchiert: nirgends wurde auch nur annähernd ein solche Zahl erwähnt. Können sie mir erklären wie sie auf diese Zahl gekommen sind? Sollten sie die Toten des Tsunami gemeint haben, bitte ich sie um eine Berichtigung. Eine Weiterverbreitung dieser Fehlinformation behalte ich mir selbstverständlich vor.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für Radio SRF antwortete Frau Karin Britsch, Redaktionsleiterin Nachrichten, Teletext, Info3:
«Besten Dank für die Gelegenheit, Stellung zu nehmen zur Beanstandung von Herrn X. Er kritisiert eine Nachrichtenmeldung vom 11. März 2019 und macht implizit geltend, das Sachgerechtigkeitsgebot (Art. 4 RTVG) sei verletzt worden.
Gerne nehme ich zur Beanstandung wie folgt Stellung:
Anlass für die Nachrichtenmeldung waren die Gedenkfeierlichkeiten zum 8. Jahrestag des verheerenden Unglücks am 11. März 2011 in Japan. Ein Erdbeben um 14:46:23 (Ortszeit), das ungefähr zwei Minuten dauerte, löste einen Tsunami aus, welcher die Küstenregion im Nordosten Japans verwüstete und auch das Kernkraftwerk in Fukushima stark beschädigte.
In der Meldung vom 11. März 2019 nannten wir die von Herrn X beanstandete Zahl von rund 20`000 Todesopfern, die das Unglück forderte. Anders als von Herrn X beanstandet, erwähnten wir in der Meldung aber durchaus, dass die betroffenen Menschen ihr Leben aufgrund der Folgendes Erdbebensund des Tsunamiverloren haben.
Hier die Originalmeldung, wie wir sie am 11. März 2019 morgens um 9 Uhr erstmals ausgestrahlt haben:
An vielen Orten in ganz Japan haben Menschen eine Schweigeminute abgehalten - im Gedenken an die Opfer der Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011.
Nach dem Erdbeben und dem Tsunami damals starben rund 20'000 Menschen. Im Atomkraftwerk Fukushima kam es zum Super-Gau. Bis die Atomruine zurück gebaut ist, dürfte es noch Jahrzehnte dauern.
Mehr als 50'000 Menschen können noch immer nicht zurück in ihre Heimat - ob sie dies je können, ist unklar.
Die Meldung wurde in exakt dieser Form fünf Mal[2] gesendet. Im Nachrichtenteil der Informationssendung «Rendezvous am Mittag» strahlten wir eine leicht gekürzte Version aus, durchaus aber mit dem Zusatz, dass die Menschen Opfer des Erdbebens und des Tsunami wurden:
An vielen Orten in Japan haben Menschen eine Schweigeminute abgehalten - im Gedenken an die Opfer der Tsunami-Katastrophe vor acht Jahren.
Nach dem Erdbeben und dem Tsunami starben damals rund 20'000 Menschen. Im Atomkraftwerk Fukushimakam es zum Gau. Bis die Atomruine zurück gebaut ist, dürfte es noch Jahrzehnte dauern.
Schliesslich wurde die Nachricht noch einmal in noch einer etwas weiter gekürzten Version in den Nachrichten um 22 Uhr gesendet, auch erneut mit Verweis darauf, dass die Menschen aufgrund des Erdbebens und des Tsunami starben:
In Japan haben die Menschen der Opfer der Tsunami-Katastrophe vor acht Jahren gedacht. Diese hatte auch die folgenschwere Havarie im Atomkraftwerk Fukushimaausgelöst. Durch das Erdbeben und den Tsunami am 11. März 2011 starben rund 20'000 Menschen.
Woher aber hatten wir die von Herrn X beanstandete Zahl von rund 20`000 Todesopfern?
Aufgrund des bei uns geltenden Zwei-Quellen-Prinzips stützten wir uns auf die Informationen mehrerer Nachrichtenagenturen, die sich ihrerseits auf offizielle Behördenangaben bezogen haben. Die Deutsche Presseagentur und die Schweizerische Depeschenagentur, dpa/sda schrieben übereinstimmend:
«Fukushima (sda/dpa) - Mit Gebeten und einer Schweigeminute hat Japan der Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor acht Jahren gedacht. Um 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr MEZ) legten die Menschen bei einer staatlichen Gedenkzeremonie in Tokio sowie an vielen anderen Orten eine Schweigeminute ein. Zu dem Zeitpunkt hatte am 11. März 2011 das Beben die Region Tohoku im Nordosten des Landes erschüttert. Eine gigantische Flutwelle bäumte sich damals an der Pazifikküste auf und walzte alles nieder: Häuser, Häfen, Schulen, Friedhöfe. Dörfer, Städte und riesige Anbauflächen versanken in den Wasser- und Schlammmassen. (...) Rund 20 000 Menschen kamen in Folge der Flutkatastrophe ums Leben. Im Atomkraftwerk FukushimaDaiichi ereignete sich zudem ein Super-GAU. Bis die Atomruine zurückgebaut ist, wird es noch Jahrzehnte dauern.»
Die japanische Wirtschaftszeitung «Nikkei Asian Review»[3]präzisierte:
FUKUSHIMA/TOKYO -- As memorial services for the thousands killed in the Great East Japan Earthquake are held across Japan Monday, more than 50,000 people remain displaced and the country is spending more on power eight years after the disaster. On March 11, 2011, a Friday, an earthquake struck off the coast of northeastern Japan, triggering a tsunami that killed 15,897 people, according to the National Police Agency. There were 2,533 people still missing as of Friday. The number of fatalities exceeds 22,000 when including deaths related to the disaster, such as people who died because of deteriorating health conditions while living in shelters.
While people displaced by the disaster has sharply decreased from more than 340,000, there are still 52,000 people living in shelters, including roughly 32,600 residents of Fukushima Prefecture. Fukushima is where the Fukushima Daiichi nuclear power plant experienced a triple meltdown after the tsunami breached seawalls near the plant.
Die Nachrichtenagentur afp s chrieb von 18`500 Menschen, die aufgrund der Naturkatastrophe starben und erwähnte weitere 3`700 Menschen, die an Folgen der Tragödie starben und derer am 11. März 2019 ebenfalls gedacht wurde:
«Le Japon a commémoré lundi le séisme et le tsunami qui ont tué quelque 18.500 personnes le 11 mars 2011, une catastrophe naturelle dont la dimension tragique a été amplifiée par un accident nucléaire à Fukushima. (...) Par ailleurs, du fait de conditions très dures d'évacuation et de vie découlant de la catastrophe naturelle ou de l'accident nucléaire, les décès par la suite de 3.700 personnes sont considérés comme découlant du drame, et l'hommage de lundi leur était aussi destiné.»
Fazit:
Für die Nachrichtenredaktion von Radio SRF sind Fakten relevant, die sich auf mindestens zwei Quellen stützen. An ihnen orientieren wir uns bei unserer Berichterstattung. Auch im vorliegenden Fall haben wir das getan, wir haben sorgfältig geprüft und die Sachlage meines Erachtens korrekt wiedergegeben. Aus diesem Grund bin ich überzeugt, dass unsere Berichterstattung am 11. März 2019 nicht gegen das Radio- und Fernsehgesetz verstossen hat. Wir bitten Sie daher, sehr geehrter Herr Blum, diese Beanstandung abzulehnen.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Meldung. Nachrichtenmeldungen müssen kurz, sachlich und richtig sein. Dies war hier der Fall, denn die Meldung beachtete eine klare Hierarchie:
- In erster Linie teilte sie mit, dass in Japan der Opfer der Tsunami-Katastrophe acht Jahre zuvor gedacht wurde.
- In zweiter Linie erinnerte sie daran, dass damals nach dem Erdbeben und dem Tsunami rund 20'000 Menschen starben.
- In dritter Linie erwähnte sie, dass es im Atomkraftwerk Fukushima zum GAU kam.
Radio SRF hat also in keinem Moment behauptet, dass der Atomkraftwerk-GAU 20'000 Tote zur Folge gehabt habe. Die Zahl der Opfer des Tsunami stützte sich auf mehrere Quellen. Ich kann mich daher voll und ganz Frau Britsch anschliessen. Infolgedessen kann ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Roger Blum, Ombudsmann
[2]Um 9 Uhr auf SRF1, SRF2, SRF4 News, Musikwelle; um 9.30 Uhr SRF 4 News, um 10 Uhr auf allen Ketten, um 10.30 Uhr auf SRF4 New.
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