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Die "natürlichen" Grenzen des Imperium Romanum
Das Römische Reich galt lange Zeit als Musterbeispiel für eine rationale Grenzplanung unter Einbeziehung ‚natürlicher’ Grenzen: Rhein oder Donau seien von den Römern dazu benutzt worden, eine klare Trennlinie zwischen ihrem Herrschaftsraum und dem Barbaricum zu markieren. Diese Vorstellung muss aufgrund jüngerer Forschungen modifiziert werden: Entgegen der Vorstellung einer zentralen imperialen Strategie sind die Kontingenzen bei der Entstehung der Reichsgrenzen stärker zu betonen, vor allem aber wurden diese Grenzen von den Römern, die das Imperium als Weltreich ohne Grenzen verstanden, nicht als Ende römischer Herrschaft gedeutet, weder in politisch-militärischer noch in ökonomischer oder kultureller Hinsicht. Dies galt gleichermassen für ‚natürliche’ Grenzen und für ‚künstliche’ Grenzen wie den Limes. Die Umdeutung der römischen Grenzen in der Forschung ist auch auf die Anwendung kulturgeographischer Konzepte ("Grenzräume") zurückzuführen.