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Die Anfänge der Tanguten lagen im 7. Jahrhundert n. Chr. in den heutigen Provinzen Gansu und Ningxia, an der Grossen Mauer südlich des Ordos-Plateau (Steppen- und Wüstenlandschaft in der heutigen Inneren Mongolei). Damals dominierten noch die Tibeter, die 680 n. Chr. in Konkurrenz mit den Tang-Chinesen die Region beherrschten. Hundert Jahre später, 786 n. Chr. verzeichnet man immer noch eine Invasion von Tibetern. Neben diesen hatten die Tanguten auch Uiguren, Tuyuhun, Schatuo und natürlich Chinesen als Nachbarn. Das Herrscherhaus leitete sich von den Tabgatsch ab.
Tuoba Sigong ( 895 n. Chr.) und die Nachkommen seiner Brüder. Nachdem mit der Li Herrscherfamilie eine Löslösung von China mit Li Renfu (reg. 909-33 n. Chr.) begann, der 909 n. Chr. auch eine Invasion der Schatuo aufhielt und sich sicherheitshalber dem Liang-China unterwarf, behauptete sich sein Sohn Li Yichao (reg. 933-35 n. Chr.) gegen eine erneute militärische Einmischung der Schatuo, deren spätere gegründete Tang-Dynastie 923-36 n. Chr. ganz Nordchina beherrschte. Li Yiyin (reg. 935-67 n. Chr.) folgte auf seinen Bruder, der 943 n. Chr. eine Rebellion seiner Verwandten überstand. Zu dieser Zeit bildete der Pferdeverkauf ins umsturzgeplagte China eine wesentliche Wohlstandsgrundlage. Mit dem Aufstieg der Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.) in China begann ein Nachfolgeproblem bei den Tanguten. Der Sohn von Li Guangrui (reg. 967-78 n. Chr.) war minderjährig, und sein Onkel Li Jibeng regierte für ihn. Gegen die chinesische Einmischung erhob sich ein entfernter Cousin, der Abenteurer Li Jiqian (1004 n. Chr.), der rechtzeitig vor den Song floh und sie mittels diverser Attacken mit Hilfe verbündeter Clans schliesslich Stück um Stück zurückdrängte. Wesentlich war, dass die Song-Dynastie auf Handelsbeschränkungen (Pferde, Metall, Salz) setzte, was die Clans erbitterte und Li Jiqian Zulauf verschaffte.
Die Tanguten gründeten um 982 n. Chr. das Reich Xi Xia bzw. das Westliche Xia im Raum der heutigen chinesischen Provinzen Gansu und Ningxia mit Zentrum Yinchuan. Es war ein Vielvölkerstaat, bewohnt von Tanguten, Uiguren, Chinesen und Tibetern. Die Führungsspitze des Staates bildeten die Tanguten, Nachkommen der Tabgatsch und der Tuyuhun. Es gab in ihrem Staat entsprechend verschiedene Lebensformen: sowohl Ackerbauern, Pferdezüchter als auch Karawanenhändler, Nomaden und Halbnomaden. Die tangutische Sprache gehörte zur Gruppe der Qiang-Sprachen, zum Sinotibetischen. Die Qiang sind heute eine Minderheit, die vor allem in Sichuan leben, ursprünglich aber aus Quinghai stammen.
994 n. Chr. verloren sie zwar Xiazhou an die Song, konnten aber 1002 n. Chr. die westlicher gelegene Stadt Lingzhou (heute Lingwu) im Autonomen Gebiet Ningxia zurückerobern, was die Song schliesslich zum Frieden zwang. Lingzhou wurde neue Hauptstadt (Yinchuan). Li Jiqian gilt als Dynastiegründer, als Taizu (Kaiser). Er war aber zunächst noch den Liao untergeordnet, denen er sich 986 n. Chr. unterwarf (Heiratsallianz 989 n. Chr.). 1003 n. Chr. versuchte er, die Stadt Liangzhou (heute Wuwei) in der Provinz Gansu einzunehmen, die von Pan-lo-chih ( 1004 n. Chr.), dem damaligen Führer der tibetischen Liu-ku und Che-lung, kontrolliert wurde. Die Tibeter traten für ihre Verbündeten ein und brachten Li Jiqian 1004 n. Chr. um Sieg und Leben. Ihm folgte sein Sohn Li Deming (reg. 1004-32 n. Chr.). Dieser Herrscher ging gegen die Uiguren in Gansu vor, das er nach mehreren erfolglosen Feldzügen 1028 n. Chr. erobern konnte. Die Liangzhou-Tibeter vertrieben 1015 n. Chr. seine Armee, welche Liangzhou deshalb nur kurzzeitig besetzt hielten. Die Wirtschaft der Tanguten belebte sich weiterhin, 1007 n. Chr. liessen die Chinesen wieder Handel zu, 1026 n. Chr. wurden auch private Märkte in den Grenzprovinzen erlaubt. Nur beim Salzhandel hatte man wenig Chancen. Der dritte Herrscher war Li Yuanhao (reg. 1032-48 n. Chr.), welcher das Tangutenreich zum Machthöhepunkt führte Der ehrgeizige Li Demings konnte im Winter 1032 n. Chr. schliesslich Liangzhou erobern. Danach ging er 1035/36 n. Chr. erfolglos gegen die Tibeter (Chin-tang bzw. die Tsung-ko-Tibeter) vor. In seiner Jugend studierte Li Yuanhao buddhistische Texte, was sich nun in vielen Reformvorhaben niederschlug. Eine davon war die Entwicklung einer für ihre Sprache geeigneten Schrift, der Xixia-Schrift, durch den Gelehrten Yeli Renrong um 1036 n. Chr. Das Alphabet der Tanguten oder Xi Xia genannt entwickelte sich aus der Schrift der Chinesen und der Khitan. Im Weiteren disziplinierte er die recht dezentral organisierten Armee. Schliesslich legte er sich mit dem Song China an, indem er im diplomatischen Verkehr eine Gleichstellung mit dem Liao-Kaiser forderte und 1038 n. Chr. seine eigene Xia-Dynastie ausrief. Die Tanguten siegten im Krieg 1039-44 n. Chr. in drei grösseren Schlachten, erschöpften aber ihre Kräfte, zumal auch die Liao gegen sie standen. Schliesslich gab sich Li Yuanhao in dem 1044 n. Chr. mit dem Vertreter der Song, Fan Zhongyan, ausgehandelten Vertrag mit dem Titel chu zufrieden, erhielt aber relativ hohe Tributzahlungen an Seide, Silber und Tee. Das Tangutenreich Xi Xia war aufgrund der Schwäche der Song-Dynastie seit dem 11. Jahrhundert n. Chr. von China unabhängig, aber ein Satellit der chinesischen Kultur. Sie beherrschten den Handel und Schmuggel entlang der Seidenstrasse, ihr Haupthandelspartner war aber China. 1044 n.Chr. musste das Song-China sogar Tributzahlungen (Seide, Silber, Tee) an die Tanguten leisten. Li Yuanhao wurde im Zusammenhang mit Familienstreitigkeiten (Degradierung der ersten Kaiserin aus der Yeli-Sippe und ungeklärte Nachfolgefrage) ermordet. Er hatte keinen gleichwertigen Nachfolger, und der Staat stagnierte.
Der Aufstieg des Jin-Reiches der Jurchen (Vorfahren der Mandschu) brachte die Tanguten in Schwierigkeiten und schnitt sie vom einträglichen Handel mit Südchina ab. Gleichwohl kontrollierten sie noch einen bedeutenden Abschnitt der Seidenstrasse und stellten damit ein lohnendes Ziel für die Mongolen dar. Nach einer erfolglosen Belagerung der Hauptstadt 1209/10 n. Chr. unter Li Anquan (reg. 1206-11 n. Chr.) wurde ihnen ein schwerer Tributfrieden mit Heeresfolge auferlegt. Die Tribute waren offenbar zu hoch, denn es gab einen grossen Mangel an Kamelen, was Handel und Wirtschaft nachhaltig schädigte. Im Jahr 1226/27 n. Chr. rebellierten die Tanguten unter ihrem langjährigen Kanzler Asagambu gegen die kriegserprobten Mongolen. Im Jahr 1226/27 n. Chr. wurde der Staat Xi Xia von den Mongolen endgültig besiegt. Sie blieben in einer offenen Feldschlacht auf dem vereisten Gelben Fluss siegreich und eroberten anschliessend sämtliche Städte und massakrierten deren Einwohner. Der letzte Tangutenherrscher wurde nach der Kapitulation der Hauptstadt hingerichtet.