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Anbau von GVO-Pflanzen in der Schweiz: Was würde das für die Bauern bedeuten
Ende 2013 läuft das Moratorium für den Anbau von Gentech-Pflanzen in der Schweiz aus. Wird damit die «Koexistenz» von gentechnisch veränderten und nicht veränderten Kulturen wieder zu einem Thema? Studien geben Auskunft über die Zwänge und die Kosten der Koexistenz. Parallel dazu wird die Verlängerung des Moratoriums im Parlament vorbereitet.
Im Rahmen eine EU-Projektes hat das FiBL ein Kostenmodell entwickelt, das die Kosten und die Zwänge der Koexistenz für die Produzenten von GVO-Mais und Nicht-GVO-Mais ermittelt. Das Kostenmodell wurde in den vier Fallstudiengebieten Küssnacht am Rigi SZ, Lonay VD, Aigle VD und Obfelden ZH angewendet. Als Modellpflanze wurde Bt-Mais ausgewählt, der eine Resistenz gegen den Maiszünsler aufweist und in der EU zum Anbau zugelassen ist. Im Modell kann der Anteil von GVO-Mais von 10 Prozent bis 90 Prozent variiert werden und es können verschiedene Isolationsdistanzen (von 50 Meter bis 350 Meter) zwischen GVO-Maisfeldern und Nicht-GVO-Maisfeldern angenommen werden.
Die Studie ergab, dass in jeder Region die Produktionskosten für alle Landwirte steigen, wenn der Anbau von GVO-Mais beginnt (10 Prozent Anbau von GVO-Mais). Alle Landwirte müssen jetzt Zeit aufwenden, um Isolationsdistanzen zu vereinbaren. Die Vermischung von Bt-Mais und Nicht-GVO-Mais muss unbedingt vermieden werden. Dies bedingt, dass die zwei Produzentenkategorien sowie alle Mitglieder der Branche im Voraus zu folgenden Themen Vereinbarungen treffen:
- Saatgutwahl
- Benutzung von separaten Maschinen für die Saat und die Ernte (oder gründliche Reinigung der Maschinen, die gemeinsam benutzt werden)
- Transport
- Lagerung
- Kontrolle der GVO-Freiheit vom Feld bis zum Kraftfutter für das Vieh.
Steigt der Anbau von GVO-Mais an und wird er zum dominanten Anbausystem, steigen die Kosten der Produzenten von Nicht-GVO-Mais stark an und sinken die Kosten der Produzenten von GVO-Mais stark.
Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais bringt Vorteile, falls der Maiszünslerdruck sehr hoch ist. Dies ist in der Schweiz heute nur in einzelnen Gegenden der Fall wie zum Beispiel im Broyetal, denn die biologische Bekämpfung des Maiszünslers hat hier eine ungenügende Wirkung. In den übrigen Gegenden verursacht der Anbau von Bt-Mais zusätzliche Kosten und keine zusätzliche Gewinne für beide Maisproduzentenkategorien.
Isolationsdistanzen
Um zu gewährleisten, dass der GVO-freie Mais (der neben GVO-Mais angebaut wird) die maximal zulässigen GVO-Gehalte nicht übersteigt, ist das Anlegen von minimalen Isolationsdistanzen erforderlich. Diese schwanken von 250 Meter bis zu 400 Meter, je nach EU-Land. Sogar mit Distanzen über 1000 Meter sind „Verunreinigungen“ im Nicht-GVO-Mais nicht auszuschliessen. Es ist zweifelhaft, ob die Koexistenz auch mit sehr hohen Isolationsdistanzen funktionieren kann, denn sie bedingt ein Kontrollsystem, das gewährleisten kann, dass alle Isolationsdistanzen immer eingehalten werden. Auf Feldern in den Isolationszonen ist kein Maisanbau möglich, was die Gestaltung der Fruchtfolge erschwert.
Die Koexistenz kostet etwas!
Wird der GVO-freie Mais nicht auf dem Hof verfüttert sondern verkauft, fallen neue Kosten für die Analytik an, um zu beweisen, dass der Mais GVO-frei ist. Pro Probe muss mit bis zu 300 Franken gerechnet werden. Würde man verlangen, dass der GVO-Mais-Produzent diesen Beitrag zahlt, würde der durch den Verzicht auf Trichogramma-Behandlung eingesparte Betrag von rund 150 Franken mehr als aufgefressen. Je höher die Isolationsdistanzen sind, desto weniger sind Analysen beim Nicht-GVO-Mais notwendig. Es sind die Nicht-GVO-Mais-Produzenten, die das grösste finanzielle Risiko tragen würden. Die grössten Einbussen für einen Nicht-GVO-Mais-Produzenten treten dann auf, wenn er seinen Mais aufgrund der gefundenen Rückstände zum Beispiel von Bioware in konventionelle Ware umklassieren muss. Körnermais ist da ein gutes Beispiel: Der Preis für Biomais ist doppelt so hoch wie der Peis für konventionellen Mais.
Wer soll die Koexistenzkosten tragen?
Weltweit werden diese Kosten von der Handelskette getragen, die keine gentechnisch veränderten Organismen nachfragt. In der Schweiz gibt es bis heute keine Regelung, die festgelegt, ob die GVO-Branche (vom Landwirt über den Verarbeiter bis zum Händler) oder die Nicht-GVO-Branche die durch die Koexistenz verursachten Einkommenseinbussen tragen muss. Diese Sachlage ist sehr problematisch.
Die Motion Ritter
Die vorläufige Lösung des Problems wird hoffentlich mit der Motion Ritter kommen. Nationalrat Markus Ritter hat im Februar 2012 eine Motion eingereicht, wonach das Moratorium bis 2017 weitergeführt werden soll. Diese Motion wurde von 122 Parlamentariern unterzeichnet. Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung sowie die landwirtschaftlichen Organisationen befürworten diese Lösung.
Autoren: Bernadette Oehen und Maurice Clerc, FiBL
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 04.05.2012