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Ein Zwischenlager – acht Kilometer lang und drei Kilometer breit.
Fleconbag steht für «Flexible Container Bag», flexible Containersäcke. Die schwarzen, überdimensionierten Plastiktüten stehen überall in den kontaminierten Gebieten. Manchmal aufgereiht am Strassenrand, manchmal achtlos abgeladen, doch meist ordentlich aufeinandergestapelt in langen Reihen auf Feldern deponiert. Ein Sack fasst einen Kubikmeter verstrahlten Dreck.
Die Idee der Regierung ist es, rund um das AKW Daiichi ein Zwischenlager für die Fleconbags einzurichten, die mit mehr als 8000 Becquerel pro Kilogramm strahlen (vgl. «Grenzwerte in Japan und der Schweiz»). Das Zwischenlager in Daiichi wird dereinst riesig sein: Am Ende wird es acht Kilometer lang und drei Kilometer breit. Um den weniger verseuchten Dekontaminierungsabfall müssen sich die Gemeinden selber kümmern. Noch wissen diese nicht genau, was sie damit tun sollen. Einen Teil der Erde werden sie vermutlich im Strassenbau einsetzen. Um die Menge zu reduzieren, wird alles verbrannt, was sich verbrennen lässt. In jeder betroffenen Gemeinde wird eine separate Verbrennungslage gebaut.
In Japan gibt es für den radioaktiven Dekontaminierungsmüll einen wichtigen Grenzwert: 8000 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg). Ist etwas stärker belastet, gilt das Material als radioaktiver Abfall, um den sich die nationalen Behörden kümmern. Der übrige Dekontaminierungsabfall bleibt in den Gemeinden. Was sie damit tun, ist ihnen überlassen. Ein Becquerel steht für einen radioaktiven Zerfall pro Sekunde, gibt also die Aktivität einer spezifischen Menge eines Radionuklids an. Im konkreten Fall geht es um Cäsium. In der Schweiz existiert für Cäsium ein sogenannter Freigrenzwertvon 800 Bq/kg – alles, was weniger belastet ist, darf man wie gewöhnlichen Abfall wegwerfen. Was stärker strahlt, muss speziell entsorgt und ins Zwischenlager für nuklearen Abfall nach Würenlingen gebracht werden. Zurzeit wird die Schweizer Strahlenschutzgesetzgebung überarbeitet. Der Freigrenzwert für Cäsium soll auf 100 Bq/kg gesenkt werden.
Mit Zustimmung des Bundesamts für Gesundheit darf ausnahmsweise Material, das den Freigrenzwert um bis das Hundertfache übersteigt (konkret 80 000 respektive 10 000Bq/kg), in einer herkömmlichen Deponie entsorgt werden; das können zum Beispiel Altlasten aus der Uhrenindustrie sein wie mit Radium verseuchte Erde. In der Region von Fukushima wird der brennbare Dekontaminierungsabfall in Verbrennungsanlagen entsorgt, um das immense Volumen zu reduzieren. Die radioaktive Asche kommt in eine Deponie, in der auch chemische Abfälle gelagert werden. Asche, die allerdings mit mehr als 100 000 Bq/kg strahlt, soll im Zwischenlager – das rund um das Unglücks-AKW Daiichi geplant ist – eingelagert werden. Nicht brennbares Material, wie die Unmengen an kontaminierter Erde, soll ebenfalls in diesem Zwischenlager deponiert werden, wenn es mit mehr als 8000 Bq/kg strahlt.
Fotos, Multimedia, Redaktion: Fabian Biasio
Texte und Recherche: Susan Boos
Übersetzungen: Chihaya Koyama Lüthi,
Masato Yamamoto, Ai Furuya
Musik: Peter Grob (Violine)
Masako Sawai
Kenta Sato
Syunji Miura
Ruiko Muto
Kenichi Hasegawa
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