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Der Niederwald ist eine seit dem Mittelalter existierende Form der Waldbewirtschaftung. Diese frühe Form der Waldbewirtschaftung diente zur kontinuierlichen Deckung des Bedarfs an Brenn- und Kohlholz (vgl. Burschel & Huss, 1997). Seine zusätzlichen Nutzungsweisen orientierten sich an den vorherrschenden Baumarten. So ist für Niederwälder die Gewinnung von Rinde und Bast, die Futternutzung oder die Nutzung als Bienenweide nachgewiesen.
Im Niederwald werden die Bäume nach einer Umtriebszeit von 10–40 Jahren gefällt. Viele Bäume verfügen in diesem vergleichsweise jugendlichen Alter über die Fähigkeit, aus dem Stock wieder auszutreiben. Die Bewirtschaftung geschieht folglich über Stockausschläge. Damit sind die Triebe aus bestehenden schlafenden Knospen oder neu gebildeten Knospen am Rande von Schnittflächen frischer Stöcke gemeint. In Rücksicht darauf findet der Holzschlag im Winterhalbjahr statt, wenn der Baumstock und die -wurzel mit genügend Nährstoffen versorgt sind. Die daraus entstehenden Sprossen können auf das bestehende Wurzelsystem des eingeschlagenen Mutterbaums zurückgreifen (vgl. Dengler, 1990).
Die Niederwaldwirtschaft hatte einen massgeblichen Einfluss auf die Zusammensetzung der Baum- und Strauchschicht, insoweit sich besonders Baumarten durchsetzten, die langanhaltend die Fähigkeit hatten, nach kurzfristiger Produktionszeit wieder aus dem Stock auszuschlagen.
Eine besondere Bewirtschaftungsform des Niederwalds ist der seit dem 15./16. Jh. etablierte Eichenschälwald. Der nur aus Eichen bestehende Ausschlagwald lieferte neben dem Nutzholz vor allem Rinde, die in der gewerblichen und später industriellen Produktion als Gerbstoff Verwendung fand. Der Eichenschälwald verlor im 19. Jh. seine wirtschaftliche Bedeutung wegen ertragreicher Konkurrenzprodukte wie der Quebracho-Arten aus Südamerika und der Wattle aus Südafrika, nicht zuletzt aber auch wegen synthetisch hergestellter Produkte (vgl. Schütt, Schuck& Stimm, 1997).
Literatur:
Burschel P., Huss, J. (1997). Grundriss des Waldbaus. Ein Leitfaden für Studium und Praxis (2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Berlin: Parey.
Dengler A. (1990). Waldbau. Baumartenwahl, Bestandesbegründung und Bestandespflege (6. Auflage), Hamburg: Parey.
Schütt, P.; Schuck, H.J. & Stimm, B. (Hrsg.) (1992). Lexikon der Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systemik wichtiger Baum- und Straucharten. Landsberg: Lech.