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«Besseres Gold» – eine schweizerische Initiative
Versuch einer nachhaltigen Wertschöpfungskette von der Mine bis zum Markt
Bedeutung für die Praxis
- Im Juli 2012 konkretisierte die OECD ihre Wegleitung betreffend Due Diligence im Hinblick auf den Rohstoff Gold. Auch wenn die darin enthaltenen Empfehlungen nicht juristisch verbindlich sind, ist dennoch zu erwarten, dass sie Auswirkungen auf den Goldmarkt haben und damit Relevanz für die Schweiz entfalten werden.
- Mit der «Better Gold Initiative (BGI)», die voraussichtlich im Frühjahr 2013 implementiert wird, versucht die Schweiz eine Vorreiterrolle in den laufenden Umsetzungsbemühungen einzunehmen.
Ausgangspunkt: Due Diligence Guidance der OECD
2011 veröffentlichte der Ministerrat der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre «Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas». Diese juristisch nicht verbindlichen Empfehlungen sollen Unternehmen helfen, Mineralien oder Metalle gerade auch in Krisengebieten verantwortungsvoll abzubauen und zu verwerten. Das Ziel der Empfehlungen ist zum einen, Unternehmen für dringliche Menschenrechtsfragen in diesem Wirtschaftssektor zu sensibilisieren und insbesondere möglichen mittelbaren und unmittelbaren Finanzierungsbeiträgen der Unternehmen zu bestehenden bewaffneten Konflikten vorzubeugen. Zum andern verfolgen die Empfehlungen die Absicht, eine transparente Zuliefererkette von der Mineraliengewinnung bis zum fertigen Marktprodukt zu etablieren.
Sonderfall Gold
Der ursprüngliche Bericht enthielt einen eigenständigen Annex zu den Rohstoffen Zinn, Tantal und Wolfram; im Juli 2012 folgte ein ergänzender Bericht zum Rohstoff Gold. Als besonderes Problem bei der Goldgewinnung wurde die Einbindung selbständiger Mineure und kleiner Mineurgesellschaften, die nur über rudimentäre Ausrüstung verfügen (sog. «Artisanal and Small-scale Gold Mining», kurz ASGM), in den Due-Diligence-Prozess ausgemacht. Zur Veranschaulichung der Bedeutung des ASGM kann auf folgende Zahlen des UNO Umweltprogramms (United Nations Environment Programme UNEP) abgestellt werden: ASGM macht ca. 12-15% der Goldgewinnung weltweit aus, was jährlich rund 400 Tonnen Gold entspricht. Die Anzahl der Minenarbeiter in diesem Sektor wird auf 10-15 Millionen geschätzt, wovon rund 3 Millionen Frauen oder Kinder sind. Gerade im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen offenbaren sich gravierende Mängel, die mit den gesundheitsgefährdenden Arbeitsmethoden zusammenhängen. So wird zur Goldgewinnung durch ASGM weiterhin in erheblichem Mass Quecksilber eingesetzt. Ein zentrales Anliegen der OECD-Bemühungen ist es daher, die Integration dieses im Schwarz- und Graumarkt tätigen Minen-Zweiges in die «formal economy» zu erreichen, was u.a. durch die Integration in die Due-Diligence-Prozesse der weiterverarbeitenden Unternehmen erreicht werden soll. Gleichzeitig würde dadurch ein Beitrag an die Nachhaltigkeit des gesamten Wirtschaftssektors geleistet.
Die «Better Gold Initiative»
Im Zusammenhang mit den Verhandlungen um den Zusatzbericht zum Rohstoff Gold meldete sich erstmals die «Better Gold Initiative» (BGI) zu Wort, eine geplante Private-Public-Partnership (PPP) zwischen der Swiss Better Gold Association (SBGA) und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Als Mitglied der SBGA ist bisher insbesondere die Metalor Technologies SA in Erscheinung getreten, eine weltweit führende Anbieterin auf dem Gebiet der Edelmetalle mit Sitz in der Schweiz.
Das Ziel der Initiative ist es, die nachhaltige Entwicklung in den Mienenarbeitergemeinschaften mittels marktpreislicher Anreizsetzung unter gleichzeitiger Nachfrageschaffung für ASGM Gold in der Schweiz zu fördern. Gleichzeitig soll damit Transparenz in der Zulieferkette und die grundsätzliche Nachverfolgbarkeit des Goldes erreicht werden, um Korruption, Menschenrechtsverletzungen im Gewinnungsprozess und Konfliktfinanzierung durch die Transaktion von Gold vorbeugen zu können. Räumlich will sich die Initiative in einer Pilotphase auf Peru beschränken (beginnend mit der bereits Fair Trade zertifizierten SOTRAMI Mining Organisation).
Erreicht werden sollen die Ziele der Initiative mittels folgender Komponenten:
- Konsolidierung und Verkürzung der Zuliefererkette
Etablierung von Due Diligence Prozessen, Technische Unterstützung, Vorfinanzierung etc.
- Unterstützung und Implementierung der bestehenden Zertifizierungssysteme
u.a. FAIRTRADE/Fair Mined; Responsible Jewellery Council „Code of Practice“ und „Chain of Custody“ Zertifizierung
- Policy Dialog mit Peru
sowohl auf staatlicher als auch auf regionaler Ebene
- Anreizsetzung für Nachfrage nach „better gold“ in der Schweiz
Verknüpfung von Marken, Verkäufern und Investoren mit den Anbietern; Prioritäre Adressaten: Uhrenindustrie
Ausblick
Die praktischen Umsetzungsarbeiten zur OECD-Wegleitung betreffend Due Diligence haben gerade erst begonnen. Die «Better Gold Initiative» versucht, diesbezüglich eine gewisse Vorbildfunktion einzunehmen, was aufgrund der starken Involvierung des Wirtschaftsstandorts Schweiz in den Goldhandel und die Goldverarbeitung auf der Hand liegt. Das Projekt befindet sich aktuell noch in der Planungsphase: Auf der Angebotsseite laufen Abklärungen bezüglich potentieller Partner vor Ort sowie auf der Nachfragseite mit branchenspezifischen Stakeholdern in der Schweiz. Ein definitiver Entscheid des SECO über den Umfang der Initiative soll Ende Jahr gefällt werden. Mit der tatsächlichen Implementierung ist nach jetzigem Fahrplan frühestens für das Frühjahr 2013 zu rechnen. Dann wird sich zeigen, inwiefern sich das aus Menschenrechtsperspektive grundsätzlich positiv zu bewertende Instrumentenset in der Praxis bewähren wird.
31.10.2012