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| Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)

Buch 1
Traktat XIV. Von der Auferstehung.
Inhaltsangabe
Das Thema von der Auferstehung der Toten wurde in der altchristlichen Literatur und wohl auch in der altchristlichen Predigt vielfach erörtert. Die Einwände, die Zeno entgegengehalten werden, sind wohl durchweg populärer Natur gewesen, und in populärer Form bewegt sich auch seine Darlegung. Sein philosophisches Material hat er größtenteils Tertullian (De resurrectione carnis) und Laktanz (Institutionen 1. VII), die Bibeltexte größtenteils den Testimonia des Cyprian HL Buch c. 58 entnommen.
Wer die Auferstehung leugnet, leugnet damit seine zukünftige Seligkeit. Solche Leugnung entstammt meist der Furcht vor dem zukünftigen Gericht wegen begangener Verbrechen. Sie widerspricht sogar der Weisheit dieser Welt; denn schon Plato sprach von der Unsterblichkeit. Um wie viel mehr ist sie Glaubenspflicht für den Christen! (Kap. 1.) Zunächst ist der Beweis zu führen, daß die Seelen mit dem Zerfall des Leibes nicht untergehen, sondern in einen Ort der Strafe oder des Friedens verwiesen werden; daran kann sich erst der Glaube schließen, daß auch das Sichtbare (der Leib) nicht ganz untergehen wird. Die Heiden, die das Letztere nicht glauben, glauben im Widerspruch dazu, ihren Toten Nahrungsmittel bringen zu müssen. Die Philosophen haben sich hauptsächlich mit der Seele beschäftigt und vertraten in Widerlegung einzelner Theorien die Unsterblichkeit derselben. Noch weitergehend haben die Dichter in der Unterwelt einen Ort für die Gottlosen im Tartarus und einen Ort für die Guten im Elysium angenommen (Kap. 2). Der Christ hat verschiedene Beweise für das Fortleben der Seele nach dem Tode. Ein solcher Beweis liegt bei den Besessenen vor, deren böse Geister sich durch die Beschwörung vielfach [S. 185] als die Geister von Verstorbenen zu erkennen geben (Kap. 3). Noch überzeugender sind die Beispiele aus der Heiligen Schrift, wie sie in dem Erscheinen des Geistes des toten Samuel vor Saul, in dem Erscheinen von Moses und Elias bei der Verklärung des Herrn, in der Zwiesprache des reichen Prassers in der Hölle mit dem armen Lazarus in der Seligkeit vorliegen (Kap. 4). Der Herr selbst hat dem rechten Schacher nach dem Tode das Paradies verheißen. Und vor allem ist Jesus selbst auferstanden und hat dadurch der menschlichen Natur, die er angenommen hatte, die Auferstehung gesichert (Kap. 5). Darum ist die übertriebene Trauer, wie sie sich bei Christen vielfach um die Toten findet, unberechtigt (Kap. 6). Es ist ja auch an und für sich leichter, etwas, was schon war, wieder herzustellen, als etwas neuzuschaffen. Gott ist es ja eigen, das zu wirken, was unmöglich scheint (Kap. 7). Auch Beispiele aus der Natur zeigen, daß aus dem Tode Leben sprießt. Solche Beispiele bieten die Sternschnuppen, die unter- und wieder aufgehende Sonne, der Mondwechsel (Kap. 8). Ein Beispiel besonderer Art ist der Vogel Phönix (Kap. 9), sowie das in die Erde gelegte und aufgehende Saatkorn (Kap. 10). Bei der Auferstehung ist ein Unterschied zwischen der Auferstehung der Gerechten und Ungerechten (Kap. 11). Daran schließt sich die Frage nach der leiblichen Gestalt der Auferstehenden. Bei der Auferstehung wird nicht das Fleisch als solches vernichtet. Dasselbe wird schon auf Erden durch die Taufe gereinigt und auf das himmlische Ziel eingestellt und erweist sich durch die Mitteilung des Heiligen Geistes fähig, die Seligkeit zu verdienen (Kap. 12). Ein Analogon hierfür bietet der wilde Ölbaum, der durch die Aufpfropfung eines edlen Reises zum Olivenbaum wird (Kap. 13). Die Frage, ob der Mensch noch zu erkennen ist, wenn das Fleisch untergeht, beantwortet sich dahin, daß das Fleisch nur das Spiegelbild der Seele des Menschen ist, daß vom Leib nur das Unnütze untergeht, das andere [S. 186] umgestaltet wird, das Wesen unberührt bleibt. Solang der Gerechte lebt, ist er im Zustand der Strafe. Nach dem Tode erwartet ihn die ewige Seligkeit (Kap. 14).