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1944 trat Toni nach einem Probespiel als Orchestergeiger ins Winterthurer Stadtorchester ein (ein qualitativ hochstehendes Konzert-Symphonieorchester ohne Theaterdienst) und trat zu Sylvester 1944 bereits als Solist auf. Erfreut über diese Anstellung planten meine Eltern ihre Hochzeit und suchten sich eine Wohnung. Wegen sozialer Forderungen der Orchestermusiker und des schweizerischen Musikverbandes wurde den beiden jüngsten Mitgliedern des Orchesters unerwartet auf Ende des ersten Vertragsjahres gekündigt, weshalb sogar die Hochzeit verschoben werden musste (dafür konnte am 8. Mai 1945 der Friedenstag gefeiert werden).
Am 5 Juli 1945 fand dann die verschobene Hochzeit doch noch statt. Die "Hochzeitsreise" führte nach Zermatt, resp. ins Hotel Riffelalp, wo Toni kurzfristig einen Sommerjob annahm.
Dann stiess er auf das Inserat: "Orchestergeiger für das Berner Stadtorchester gesucht" (heute Berner Sinphonieorchester). Er bewarb sich und wurde sofort engagiert. So kamen meine Eltern 1945 nach Bern und bis 1952 lernte er als Orchestergeiger die Werke der grossen Meister kennen, sowohl im Konzertsaal als auch in Kirchen und im Theater. Leider war die Besoldung im Berner Stadtorchester zu klein, um davon leben zu können. Die Musiker erteilten nebenbei Musikunterricht, dirigierten Blasmusiken, spielten Tanzmusik etc. So hatte auch Toni schon bald eine Schar Musikschüler (darunter war auch meine Gotte, die heute mit ihrer Familie im Wallis wohnt).
Am Radio ertönten die grossen Unterhaltungsorchester aus Amerika und England (z.B. Glenn Miller, Mantovani und andere) mit guter, moderner Unterhaltungsmusik. Getreu nach dem im Münster Bern verewigten Spruch "mach's na" verhandelte Toni mit dem Radio Bern, engagierte geeignete Kollegen aus dem Symphonieorchester, schrieb Arrangements und begann mit Aufnahmen. Die erste Radiosendung unter dem Titel "beliebte Melodien auf neue Art mit dem Streichorchester Toni Leutwiler" wurde am 27. Juni 1946 ausgestrahlt. Dieses Streichorchester brachte harte Aufbauarbeit. Es bestanden weder Musiknoten noch Erfahrungen bei Tonaufnahmen. Toni musste damals fast alles selbst erledigen (komponieren, arrangieren, kopieren, herausschreiben von Orchesterstimmen, dirigieren, Funktion als Tonmeister ausüben, Sendeprogramme schreiben etc.). Dies dauerte bis 1956 an (später auch unter dem Titel "Toni Leutwiler präsentiert seine neusten Arrangements"). Das Echo war überraschend: neben lobender Kritik im Inland interessierten sich nun auch ausländische Radioensembles für seine Kompositionen (z.B. Paris, Nizza, Torino, Berlin, Stuttgart, Dornbirn, Kopenhagen etc.).
Toni Leutwiler jun.
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