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Spekulationen im Fall Strauss-Kahn: Das Verfahren gegen den Ex-IWF-Chef wegen Vergewaltigungsvorwürfen könnte laut einem Anwalt der Klägerin schon in wenigen Tagen eingestellt werden.
Darf er bald zurück nach Frankreich? Das Verfahren wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen den früheren Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, könnte in den kommenden Tagen ganz oder teilweise eingestellt werden. Diese Einschätzung gab einer der Anwälte der Klägerin, eines Zimmermädchens aus New York.
Er gehe davon aus, dass das Verfahren vollständig oder in einigen Punkten zu den Akten gelegt werde, sagte Anwalt Kenneth Thompson der US-Tageszeitung «New York Times» vom Samstag. Eine Entscheidung wird am kommenden Dienstag erwartet.
Thompson sagte der Zeitung, Staatsanwalt Cyrus Vance habe seine Mandantin, das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo, für Montag vorgeladen. «Wenn sie nicht eine Einstellung des Verfahrens vorbereiten würden, dann müssten sie sie auch nicht treffen», sagte der Anwalt.
Sein Kollege Douglas Wigdor wollte sich an den Spekulationen nicht beteiligen. Die Ermittler hätten in ihrer schriftlichen Vorladung an Diallo für Montag jedoch einen «sehr negativen und herabwürdigenden» Ton angeschlagen.
Ehemalige Staatsanwälte rechnen mit Ende des Verfahrens
Für Dienstag ist eine weitere Anhörung in New York in dem Fall angesetzt. Es wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft dann mitteilt, ob sie das Verfahren fortführen oder einstellen will.
Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg befragte ehemalige Staatsanwälte in New York nach ihrer Einschätzung und berichtete am Samstagabend, dass die Rechtsexperten von dem bevorstehenden Ende des Verfahrens ausgehen würden. Nach Meinung der Experten dürfte Vance die Anklage schon bei dieser Anhörung zurückziehen.
Der Grund sei, dass der Ankläger die Tat mangels Glaubwürdigkeit der einzigen Zeugin nicht zweifelsfrei nachweisen kann. Die Frau beschuldigt Strauss-Kahn, sie am 14. Mai in einem New Yorker Hotel zum Oralsex gezwungen zu haben. Sie soll aber laut früheren Angaben der Staatsanwaltschaft bereits unter Eid gelogen haben.
Diallo reicht Zivilklage ein
Erst am Freitag hatte es neuen Wirbel um den Fall gegeben, als mehrere Medien über angebliche Geldforderungen Diallos für eine Schliessung der Akten berichteten. Die Anwälte der Frau wiesen diese Berichte jedoch als falsch zurück.
Sollten sich Verhandlungen über Geldforderungen bestätigen, würde die Position Diallos weiter geschwächt. Angesichts der Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Einwanderin aus Guinea fordern Strauss-Kahns Anwälte eine Einstellung des Verfahrens. Der frühere IWF-Chef plädierte vor Gericht auf nicht schuldig.
Vor knapp zwei Wochen hatte Diallo zudem Zivilklage gegen Strauss-Kahn eingereicht. Sie fordert eine Entschädigung in nicht genannter Höhe. Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu den neuen Medienberichten nicht äussern.
Strauss-Kahn war aufgrund der Anschuldigungen in New York verhaftet und angeklagt worden. Er war daraufhin gezwungen, als Direktor des IWF zurückzutreten.
(tno/sda)