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Im Roman «Cyrano de Bergerac» von Edmond Rostand leidet die Hauptfigur unter ihrer grossen Nase. In der neuen Verfilmung hat Cyrano nun eine ganz gewöhnliche Nase. Gespielt wird er von Peter Dinklage, bekannt aus «Game of Thrones».
Sein «Makel» im Film ist nicht die Nase, sondern sein Kleinwuchs. Das mache die Figur nahbarer, sagt Dinklage im Interview.
Der Film «Cyrano» in der Kurzkritik
Cyrano (Peter Dinklage) ist ein begabter Kämpfer und begnadeter Poet. Er scheint selbstbewusst, schämt sich aber für sein Aussehen. Er bezeichnet sich selbst als Monster.
Deshalb will er seiner Angebeteten Roxane (Haley Bennett) seine Liebe nicht gestehen. «Die Welt toleriert keinen wie mich neben einer grossen, schönen Frau», sagt er.
Als Roxane ihm anvertraut, dass sie sich in den gutaussehenden Christian (Kelvin Harrison Jr.) verliebt hat, hilft Cyrano ihm, Roxanne zu umwerben. Indem er in Christians Namen poetische Liebesbriefe schreibt.
Diese Verfilmung von «Cyrano» ist romantisch, kitschig und pompös. Musical-Fans dürften ihren Spass haben, für alle anderen ist der Film etwas zu viel des Guten.
In den bisherigen Verfilmungen und Bühnenadaptionen von «Cyrano de Bergerac» hatte die Hauptfigur stets eine übertrieben grosse Nase. «Sehr oft sind das sehr gutaussehende Darsteller mit einer angeklebten Nase», sagt Dinklage: «Nach dem Auftritt können sie diese abnehmen und ganz normal weiterleben.» Ihn habe das immer irritiert.
Dabei stecke in der Geschichte von Cyrano mehr, sagt Dinklage: «Wenn man die künstliche Nase weglässt, bleibt dieses universelle Gefühl, nicht gut genug für die Liebe zu sein oder nicht zurückgeliebt zu werden. Dieses Gefühl kennen alle, egal wie sie aussehen.»
Mehr Rollen abseits der Norm
Peter Dinklage ist 1,35 Meter gross. Damit ist er einer der wenigen bekannten Schauspielerinnen und Schauspieler, deren Aussehen von gängigen Normen abweichen.
Laut Weltgesundheitsorganisation haben 15 Prozent der Weltbevölkerung eine Form von Behinderung. In Filmen sind diese Menschen aber nicht proportional vertreten.
«Cripping up» – gespielte Behinderungen
Noch immer wird häufig sogenanntes «Cripping up» betrieben. Das bedeutet, dass eine Schauspielerin oder ein Schauspieler ohne Behinderungen einen Menschen mit Behinderungen spielt.
Wie zum Beispiel Eddie Redmayne als Stephen Hawking in «The Theory of Everything». Oder Kinderdarsteller Jacob Tremblay, der für das Drama «Wonder» geschminkt wurde, als hätte er das Treacher-Collins-Syndrom, das zu Deformationen des Gesichtes führt.
Lange Drehtage, zu grosse Belastung?
Als Grund für die Besetzung von Darstellenden ohne Behinderungen wird oft die zu grosse Belastung während der langen Drehtage genannt. Diese könne man Menschen mit Behinderungen nicht zumuten.
Das sei eine Ausrede, sagen Aktivistinnen und Aktivisten. Ob jemand so lange arbeiten kann oder nicht, komme auf die Person an. Man müsse im Vornherein abklären, was möglich ist.
Superheldinnen und Sex-Szenen
Es gibt viele Beispiele dafür, dass Menschen mit Behinderungen sehr wohl Figuren spielen können, bei denen die Behinderung nicht zentral ist. Die gehörlose US-Amerikanerin Lauren Ridloff etwa spielt im Action-Film «Eternals» eine Superheldin.
Und Schauspieler George Robinson ist Tetraplegiker. In der britischen Serie «Sex Education» übernimmt er eine wichtige Nebenrolle – samt Sexszene.
Oder eben Peter Dinklage als poetischer Held Cyrano. Der Anfang sei gemacht, ist er überzeugt. Aber es gebe noch viel zu tun: «Wir erfinden gerade neu, wer was tun kann. Wir müssen diese Wand durchbrechen, die uns limitiert. Wer hat die Regel aufgestellt, dass beispielsweise Angebetete in Film und Fernsehen immer klassisch gut aussehen müssen?»
Auf dem Weg zu mehr Inklusion und Vielfalt auf der Leinwand macht die neue Verfilmung von «Cyrano» einen weiteren Schritt.
Kinostart 3. März 2022