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Interview: Tobias Hüberli
Fotos: Njazi Nivokazi
Bei Ihren Marken arbeiten Sie immer wieder mit Symbolen der Mayakultur. Was hat es damit auf sich?
Oscar Valladares: Die Zivilisation der Maya erstreckte sich von Mexiko über Guatemala bis nach Honduras. Honduras war damals ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum. Wenn man die Ruinen von Copan besucht, die Statuen, Altare und Tempel sieht, spürt man eine spezielle Energie. Ich gründete meine Firma 2012, also in dem Jahr, als der Maya- Kalender endete und die Welt unter- gehen sollte. Meine erste Zigarrenserie hiess deshalb 2012 und war auf 2012 Kisten limitiert. In jeder Box hatte es eine Zigarre, die in ein zusätzliches Tabakblatt gehüllt war, diese war für den 21. Dezember 2012, also den Tag des Weltuntergangs, reserviert. Ich versuche, meine Zigarren immer mit Kunst, Kultur oder Musik zu verbinden, also mit einer Geschichte, über die man reden kann.
Aus besagter in Tabak gehüllten Zigarre entstand 2013 Ihre erste reguläre Serie, Leaf by Oscar. Sie war der Anfang von vielen überraschenden Kreationen.
Zu Beginn sagten mir die Leute, ich sei verrückt, Tabak als Einlage in Zigarren- boxen zu verschwenden. Aber die Idee kam gut an. Und dann fragten mich die Konsumentinnen und Konsumenten ständig, was als Nächstes kommt. Ich wurde förmlich dazu gedrängt, neue Wege zu gehen. Bei der Serie Raw Dog habe ich zum Beispiel das Deckblatt komplett weggelassen. Damit wollte ich zeigen, wie eine Zigarre schmeckt, die nur von einem Umblatt zusammengehalten wird. Man kann sie problemlos rauchen. Der Longfiller zieht gut und hat Geschmack.
Welche Art Chef sind Sie?
Ich versuche immer, das Unmögliche möglich zu machen. Als ich mit meiner eigenen Firma startete, sagten viele, dass es nicht klappen werde, weil ich nicht aus einer Tabakfamilie stammte. Ich tat es trotzdem. Später, als ich keine Zigarrenkisten bekam, gründete ich eine eigene Produktion. Und als ich mehr Tabak brauchte und nicht die richtige Qualität erhielt, begann ich, selber Tabak anzubauen. Immer wenn mir je- mand sagt, dass ich etwas nicht erreichen kann, mache ich mich sofort dran, das Gegenteil zu beweisen.
Woher nehmen Sie das Selbstvertrauen?
Bei Rocky Patel lernte ich nicht nur alle Arbeitsschritte kennen, von der Produktion über den Vertrieb bis zum Einzelhandel, sondern auch zahlreiche sehr erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele von ihnen sind mittlerweile bei mir angestellt. Aber ja, Sie haben schon recht. Man braucht Eier, um so etwas durchzuziehen. Wenn man etwa entscheidet, vier Hektaren Tabak anzupflanzen, und die Sache geht schief, gefährdet das die Zukunft der ganzen Firma.
Wie blendet man eine gute Zigarre?
Zuerst einmal muss man die Unterschiede der einzelnen Tabake verstehen. Im vulkanischen Boden rund um Estelí wächst etwa ein kräftiger Tabak mit vielen Pfeffernoten, im honduranischen Jamastran hingegen ist er cremig und süsslich. Anschliessend geht es darum, eine tolle Kombination zu finden, ähnlich wie das ein Koch auch tut. Am wichtigsten ist jedoch, dass man nur Tabak verarbeitet, der korrekt und vor allem ausreichend fermentiert wurde.
Und woran erkennen Sie das?
Gut fermentierter Tabak belegt weder die Zunge noch hinterlässt er einen Nachgeschmack im Gaumen. Vor allem aber ist sein Charakter, ob süss oder cremig, voll ausgebildet. Wir fermentieren sämtliche Tabake für unsere Zigarren selbst, nur so können wir die Qualität sicherstellen.
Von welchen Dimensionen reden wir da?
Aktuell habe ich etwa 550 Tonnen eigenen Tabak in diesem Prozess. Dabei verarbeite ich unseren honduranischen Tabak etwas anders.
Was heisst das konkret?
Normalerweise gibt man dem Tabak sofort Wasser bei, schnürt die Blätter zu Bündeln zusammen und schichtet sie zu tonnenschweren Pilones auf. Durch die Fermentation erwärmt sich der Tabak, weshalb die Zigarrenstapel relativ oft umgeschichtet werden, damit sie nicht zu heiss werden. Bei unseren Tabaken schichten wir die losen Blätter ebenfalls zu einem Stapel, geben im ersten Jahr aber kein Wasser bei. Die Fermentation geht so sehr viel langsamer vonstatten. Erst nach zwölf Monaten bündeln wir die Blätter und geben Wasser bei. Der gesamte Prozess dauert bei uns über zwei Jahre, aber anschliessend ist der Tabak perfekt für die Weiterverarbeitung. Vom Anbau bis zur fertigen Zigarre vergehen bei uns vier Jahre. Und wenn der Longfiller gerollt ist, lagern wir ihn nochmals acht Wochen bei uns, bevor er ausgeliefert wird.
Haben Sie beim Blenden einer neuen Zigarre die aktuellen Markttrends im Hinterkopf?
In dieser Hinsicht mache ich es mir sehr einfach. Denn wenn man 20 Leute nach ihrer Meinung fragt, kriegt man ebenso viele verschiedene Antworten. Ich verwende besten Tabak und blende, was mir selbst schmeckt. Andernfalls wird man nie fertig.
Wie viele Zigarren stellen Sie pro Jahr her?
Zurzeit sind es etwa sieben Millionen Zigarren, wobei wir rund 75 Prozent in die USA liefern. Der Markt ist dort in den letzten Jahren stark gewachsen. Aber auch in Europa läuft es gut.
Hierzulande gibt es Ihre Longfiller seit vier Jahren zu kaufen. Wie nehmen Sie den Schweizer Markt wahr?
Es ist ein wichtiger Markt für uns. Die Rückmeldungen sind sehr gut und wir konnten den Umsatz jedes Jahr steigern. Viele Länder in Europa scheinen mir offen für Zigarren aus der sogenannten Neuen Welt zu sein. Für uns ist das eine grosse Chance.
Welchen Longfiller haben Sie als Nächstes geplant?
Ich arbeite an einer neuen Zigarre, die Anfang Jahr rauskommen wird. Das Ganze ist aber noch ein Geheimnis. Und da mein Sohn Santiago heuer zehn Jahre alt geworden ist, habe ich ihm mit der Marke Santiago Valladares eine Zigarre gewidmet, die im Herbst auf der Intertabac präsentiert wurde und die es nur in Europa zu kaufen gibt.
Santiago Valladares wurde also speziell für die europäischen Geniesserinnen und Geniesser konzipiert?
Allerdings. Sie ist mittelkräftig, und auch der Zug darf deshalb etwas strenger sein. Ansonsten ist sie wohl meine erste klassische Zigarre ohne Tabak in der Kiste oder sonstige Spielereien.
Und was sagt Ihre 15 Jahre alte Tochter dazu?
Die ist tatsächlich etwas neidisch. In den Schulferien arbeitet sie bereits in der Fabrik mit. Und nun hat sie beschlossen, mit 18 Jahren ihre eigene Zigarre zu machen.
Oscar Valladares (44) wuchs in Teguci galpa, der Hauptstadt von Honduras, auf und studierte Tourismus. Nach der Ausbil dung organisierte er Touren in ganz Latein amerika, insbesondere auch zu Zigarrenfabri kanten. In dieser Zeit wurde ein gewisser Rocky Patel auf ihn aufmerksam. Für diesen leitete Valladares anfangs die Zigarren distribution in Honduras und bald darauf sämtliche Märkte in Lateinamerika sowie der Karibik. Dazu kamen Aufgaben in der Verpackungs und Qualitätskontrolle des US-amerikanischen Zigarrenherstellers. 2012 machte sich Valladares mit der Firma Oscar Valladares Tobacco & Co. selbstständig. In der Schweiz gibts seine Longfiller seit vier Jahren. Importiert werden sie von der Hartl Premium Tobacco GmbH. Zurzeit erhältlich sind die Linien Leaf by Oscar, Altar Q, Island Jim, Brotherhood, Heaven & Hell, 2012, Plan B, Big Johny, Ciseron, Wild Hunter und Raw Dog.