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Nach der Schliessung des Cabaret Voltaire führten die Dadaisten mit der Veröffentlichung der Collection Dada ihre bewährte Zusammenarbeit weiter. In dieser bibliophilen Reihe edierten sie ab Juli 1916 – zunächst im Monatstakt, später in loser Folge und zeitlich über Dada Zürich hinaus – illustrierte Gedicht- und Textbändchen. Phantastische Gebete versammelt Texte, die Richard Huelsenbeck im Cabaret Voltaire und an der 1. Dada-Soirée im Zunfthaus zur Waag vorgetragen hatte. Auf der Bühne suchte er die Konfrontation, trat aggressiv, provokativ, ekstatisch auf, in der Hand ein Stöckchen aus Rosenholz und zur Seite die Kesselpauke. Seine Auftritte waren aufregend. Tristan Tzara beschrieb in seiner nachgedichteten Chronique zurichoise gar, dass sie im Aufruhr des Publikums endeten: «on apporte la grosse caisse, Huelsenbeck contre 200, Ho-osenlatz accentué par la très grosse caisse et les grelots au pied gauche – on proteste on cire on casse les vitres on se tue on démolit on se bat la police interruption.» Wie kein anderer attackierte Huelsenbeck frontal durch Blasphemien, Literaturparodien und erhob das Gebet ins Phantastische. Die mehrfachen Refrains in Worten und Silben («es schliesset der Pfarrer den Ho-osenlatz rataplan rataplan den Ho-osenlatz und das Haar steht ihm au-aus den Ohren») sind zugeschnitten auf den «Dada-Drummer» Huelsenbeck, der in den «Negerrhythmen» ein archaisches Verhältnis zur Wirklichkeit suchte.
In drei Publikationen der Reihe Collection Dada erschienen in Zürich Arbeiten von Hans Arp mit jeweils verschiedenem Charakter: Den figürlichen Zeichnungen in Schalaben schalabai schalamezomai folgten in Phantastische Gebete symmetrische, in sich ruhende Holzschnitte, die in Vingt-cinq Poèmes zu bewegten biomorphen Formen mutierten. Die symmetrischen Holzschnitte, die auch Dada 1, Programmblätter und Dada-Briefschaften um 1916-1917 illustrieren, sind der Ausdruck einer radikalen persönlichen Ordnung, die «das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle herstellen sollte» (Hans Arp). Ohne Referenz an vorhergehende avantgardistische Bewegungen, in Ablehnung von Ölmalerei, Naturalismus und Mimesis schuf Arp in der elementaren Symmetrie der Holzschnitte eine ganz eigene Zeichenwelt. Während Dada Berlin kam es 1920 zu einer zweiten, erweiterten Auflage von Phantastische Gebete, illustriert mit Zeichnungen von George Grosz.
Auflage: gemäss späteren Aussagen von Richard Huelsenbeck «keinesfalls mehr als 500». Preis: sFr. 3.-Maschinenbütten. Der Titelholzschnitt ist auf rotes Maschinenpapier gedruckt (14,7 x 9,2 cm) und auf das Titelblatt zwischen dem typographischen Text aufmontiert. Auf dem Titelblatt eigenhändige Widmung in Tinte «Für Tristan Tzara Herzlichst R Huelsenbeck», in Bleistift signiert «Hans Arp». Es gibt eine Variant-Ausgabe dieser Gedichte mit einem anderen Titelholzschnitt, der unmittelbar auf den Umschlag gedruckt ist. Provenienz: Hans Bolliger, Zürich, 1984.