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1994 Projekt und Realisation
Der in den 60er-Jahren erbaute Wohnteil der Strafanstalt Saxerriet ist als offene, weder von Mauern noch einem Zaun eingefriedete Anlage konzipiert. Die Aufgabenstellung im Wettbewerb umfasste die Neuerstellung aller Zellentrakte sowie die Erweiterung des Versorgungs- und Verwaltungsteiles unter Einbezug des bestehenden Ökonomiegebäudes.
In einem Rechteck eingeschlossen, steht der klar strukturierte neue Wohnbereich der Anlage in bewusstem Kontrast zum gegenüberliegenden Arbeitsbereich. Ein von den Zellentrakten und dem erweiterten Ökonomiegebäude gebildeter Hof ist der neue Mittelpunkt der Anstalt. Er ist der Erschliessungsraum zwischen den einzelnen Trakten und bietet zudem Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten der Insassen. Gezielte Durchbrüche zwischen und unter den Zellentrakten hindurch stehen der strengen Geometrie des Hofes gegenüber, diesen strukturierend und in verschiedenen Bildausschnitten den Blick freigebend auf die Weite der Rheintalebene und die dahinter liegenden Bergzüge. Die spezielle Situation der Insassen in der Strafanstalt Saxerriet - eingeschlossen zu sein ohne umgrenzende Mauern - wird auf diese Weise thematisiert. Verstärkt wird diese Thematik durch die raumgreifende Gebärde, mit welcher sich der Hof gegen den Freizeitbereich im Norden öffnet, und auch durch die Bepflanzung, welche die beiden Bereiche überlagert und so miteinander verknüpft.
Die innere Organisation der einzelnen Gebäude richtet sich nach der Logik der Gesamtanlage: Gegen den Innenhof sind die gemeinschaftlich genutzten Räume sowie die Erschliessungszonen gerichtet – die Zellen hingegen orientieren sich gegen aussen, so dass der einzelne Insasse wahlweise am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen oder aber sich zurückziehen kann.
Die Realisierung der Anlage erfolgt in zwei Etappen. Durch die Erstellung der neuen Zellentrakte im Süden der bestehenden Anlage, kann der Anstaltsbetrieb während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten und auf das Erstellen von Provisorien weitgehend verzichtet werden.