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|Abt Joachim Opser (1577-1594)

Abt Joachim Opser
Joachim Opser, 1577-1594. Geboren ca. 1548 in Wil. Profeß am 17.6.1563. Sein Vater, Michael, fürstäbtlicher Kanzler, Bürger von St. Gallen, war aus Glaubensgründen nach Wil ausgewandert. Im Frühling 1564 Immatrikulation an der Universität Dillingen. Studien am Jesuitenkolleg Claramontanum in Paris von 1570 bis Frühling 1574. Hier wurde er Zeuge der Bartholomäusnacht, über deren Ereignisse er Abt Otmar in zwei bewegten Briefen berichtete. Nach St. Gallen zurückgekehrt, betätigte er sich als Seelsorger und Prediger. Am 8.4.1576 wird er als Dekan bezeichnet. Zum Abt erwählt wurde er am 29.1.1577. Konfirmation durch Papst Gregor XIII. am 16.4.1578, Benediktion in Rorschach am 24.6.1578 durch Weihbischof Balthasar Wurer von Konstanz. Am 27.11.1578 durch Beat a Porta und das Churer Domkapitel als Weihbischof mit dem Recht der Nachfolge nach Chur postuliert. Am 30.1.1579 approbierte Gregor XIII. diese Postulation. Als Auswärtiger stieß er jedoch in Bünden auf Widerstand, so daß Abt Joachim nach Beratung mit den Schirmorten Luzern und Schwyz es vorzog, die Berufung abzulehnen. Am 10.9.1579 erschien Nuntius Bonhomini zu einer mehrtägigen Visitation in St. Gallen, wobei sich allerdings einige Mißverständnisse ergaben. Mehrmals konnte er auch Nuntius Paravicini in St. Gallen begrüssen. 1588 verbot er, um Kämpfe zwischen Landsmännern zu vermeiden, den fremden Kriegsdienst. Als Schiedsrichter amtete er im sog. Kalenderstreit zwischen Appenzell und der Stadt St.Gallen. Um 1590 ergaben sich Spannungen mit einem Teil des Konvents, der ihm ungebührlichen Lebenswandel vorwarf und gleichzeitig Erleichterungen im Ordensleben forderte. Der vom Nuntius mit der Schilderung der Auseinandersetzungen beauftragte Sekretär Cornelius Pozzo mußte schließlich einsehen, daß die gegen den Abt erhobenen Verdächtigungen unbegründet waren. Der Abt hatte indes in der Frage der Disziplin dem Konvent Konzessionen zu machen. Es wurden ihm für die Ökonomie auch vier Administratoren beigegeben. In finanzielle Bedrängnis geraten, mußte Abt Joachim klösterliche Besitzungen in Neu-Ravensburg und Wangen im Allgäu veräußern. In den letzten Lebensjahren war er von einem langwierigen Magenleiden gequält. Anläßlich der Pestepidemie von 1594 schickte er die meisten Mönche teils nach Schwarzenbach, teils nach St. Johann, während er selbst in St.Gallen ausharrte. Auf der Kanzel vom Schlag getroffen, verschied er am 24.8.1594. Begraben wurde er auf der linken Seite des Münsterchors beim St.-Benedikts-Altar. Abt Joachim, der sich mit wechselhaftem Erfolg um die Einpflanzung des Trienter Reformgeistes in St. Gallen bemüht hatte, hinterließ sein geistig-geistliches Testament in einer Schrift unter dem Titel "Liber exercitiorum spiritualium ...".
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)