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Zwei Seelen, Zwillinge, waren sich sehr nahe. Sie kamen auf die Welt und verbrachten ihr Leben zusammen. Immer waren sie füreinander da. Eine dieser Seelen war ein Mädchen mit Down-Syndrom. Der andere Zwilling, ein Junge, liebte das Mädchen sehr. Trotz seiner Behinderung, trotz seinem Anders-Sein. Auch das Mädchen fühlte sich so wunderbar mit ihm und liebte ihn. Denn es wusste genau, dass es geliebt wurde. Es selber liebte sich so sehr. Es konnte machen, was es wollte. Es konnte tanzen, singen, glücklich oder auch traurig sein. Es konnte wütend sein oder auch ganz fröhlich. Es konnte einfach alles sein. Es durfte alles sein. Das Mädchen durfte aus seinem Herzen heraus leben. Und wurde deswegen von Herzen geliebt….. von sich selber und von seinem Zwillingsbruder.
Aber die beiden befanden sich in einer Blase. In einer Blase, die nur sie beide betreten konnten. Der Junge hatte Zugang auch zur Aussenwelt, das Mädchen nicht. Er konnte sehen und spüren, dass die Aussenwelt das Mädchen mit seiner Andersartigkeit nicht verstehen konnte. Er konnte sehen und spüren, wie es ausgegrenzt und ausgelacht wurde. Er konnte sehen, wie es mit seiner reinen Herzenergie nicht akzeptiert wurde. Das Mädchen konnte das alles nicht sehen. Denn es lebte in seiner eigenen Welt. Es spürte nichts anderes als sich selbst und seinen geliebten Bruder. Es sah und spürte, wie es um seinetwillen geliebt wurde. Es wurde nicht nur geliebt für das, was es tat, sondern für das, was es war. Und sein Herz jubelte immerzu.
Der Junge jedoch konnte beide Seiten sehen. Und das machte ihn traurig. Er liebte das Mädchen so sehr. Und zu sehen, wie es ausgegrenzt wurde, macht ihm schwer zu schaffen. Wie konnten die anderen Menschen dieses so reine Herz nicht sehen? Wieso liebten die anderen Menschen dieses wunderbare Wesen nicht auch? Bald hatte er so viel Kummer. Und auch das Mädchen bemerkte, dass sein Bruder traurig wurde. So beschloss es, zu sterben, um diesem Kummer ein Ende zu bereiten. Der Junge blieb alleine zurück und das machte ihn nur noch trauriger. Er hatte seine Liebe verloren.
Das Mädchen aber beschloss, im nächsten Leben die Erfahrung mit anderen Menschen zu machen. Es beschloss, nicht mehr nur in einer Blase zu leben, sondern sich mit anderen Menschen zu verbinden. Es wollte erfahren, wie es ist, nicht mehr nur um seinetwillen geliebt zu werden. Es wollte erfahren, wie es ist, wenn die Menschen einen verurteilen, für etwas, was man ist oder tut. Es wollte herausfinden, wie es ist, aus der Einheit herauszufallen, um mit anderen Augen zu sehen. Es wollte herausfinden, wie es ist, wenn es sich nicht mehr selber liebt, sondern diese Liebe nur von aussen erfahren muss.
So war dann das Mädchen in einem weiteren Leben gelandet, in dem genau dies alles geschah. Es wurde verurteilt für Sachen, die es in den Augen anderer nicht hätte machen sollen. Auch das Mädchen selber urteilte über sich selber und andere Menschen. Es liebte sich nicht mehr nur für sein Sein. Im Gegenteil, es lehnte sich selber ab, weil die anderen Menschen es auch ablehnten. Es wurde nicht geliebt.
Und so begann dieser neue Kreislauf. Herausgefallen, oder besser gesagt, selber herausgestiegen aus dieser Blase der Liebe mit seinem Zwillingsbruder, wollte das Mädchen diese Liebe nun wieder finden. Viele Leben hatte es damit verbracht, sie wieder zu finden. Es versuchte sich anzupassen, sich in irgendwelche Muster zu pressen. Es versuchte zu gefallen um jeden Preis. Es machte Fehler, fiel hin, stand wieder auf. Aber diese Liebe fand es nirgends mehr.
Bis dem Mädchen irgendwann im Verlaufe vieler Leben wieder einfiel, dass es die Liebe niemals im Aussen finden kann. Plötzlich wusste es: „Diese Liebe finde ich einzig und allein in meinem Innersten, in meinem Herzen.“ Und es begann, all die Hindernisse, die es vor seinem Herzen aufgestellt hatte, niederzureissen. Immer näher kam es seinem Herzen. Das Mädchen fühlte sich immer leichter, beschwingter und freier. „Bald schon werde ich am Ziel sein.“ Die Vorfreude stieg ins Unermessliche. Und siehe da, da war sie, tief verborgen in seinem Herzen sass sie da. Die Liebe. Geduldig und voller Freude wartete sie auf das Mädchen. Und als sie einander endlich trafen, nahmen sie sich in die Arme. Die Liebe gab dem Mädchen alles, was sie war. Sie gab sich ihm selber hin. Und das Mädchen war wieder diese Liebe. Endlich hatte es sich selber gefunden.
Und als es seine Liebe in sich selber gefunden hatte, fand es auch seinen so geliebten Zwillingsbruder wieder. Auch er war auf der Suche nach seiner Liebe. Auch er hatte sie in sich selber gefunden. Da verstand er das Mädchen. Da wusste er, was es gefühlt hatte am Anfang dieser Geschichte. Und er wollte dieses Gefühl nun mit ihm teilen. Von da an gingen sie gemeinsam ihren Weg weiter.
Und was passierte währenddessen im Aussen? Die Leute konnten das Mädchen schon wieder nicht verstehen, sie grenzten es aus, sie lachten über es. Aber nicht lange. Denn dieses Mal blieb das Mädchen nicht in seiner Blase sitzen. Nein, es ging raus. Es ging auf die Menschen zu und erzählte ihnen von dieser Liebe. Und die Menschen betrachteten das Mädchen. Und plötzlich verstanden sie und machten sich auch auf den Weg zu ihrer Liebe, die sie für immer verloren geglaubt hatten…… ♥♥♥
© Bernarda