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Tun wir das, dann stellen wir fest, dass wir zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen und kognitiven Tätigkeiten unterscheiden können. So ist es beispielsweise nicht dasselbe im Kopf eine komplizierte Rechenaufgabe zu lösen, wie sich an den letzten Sommerurlaub zu erinnern, oder das Bouquet eines Weines zu riechen.
Was all diese Zustände jedoch zu teilen scheinen ist, dass sie eine qualitative Komponente haben; eine „wie es ist“ oder „wie es sich anfühlt“ Komponente. Beispielsweise ist es qualitativ anders die Farbe Gelb zu sehen, als die Farbe Blau zu sehen; oder es ist anders Parfüm zu riechen, als Klaviermusik zu hören.
In einem Aufsatz vom Jahre 1982 entwickelte der Philosoph Frank Jackson ein Gedankenexperiment, welches in der Bewusstseinsdebatte oft diskutiert wurde. In dem Gedankenexperiment wächst eine Wissenschaftlerin unter Bedingungen heran, die ihr nur schwarz-weiss Eindrücke liefern. Unter diesen Umständen lernt die Wissenschaftlerin alle wissenschaftlichen Fakten über Farbwahrnehmung. Eines Tages sieht sie dann eine rote Tomate und, so Jackson, lernt dabei etwas neues, was sie noch nicht wusste. („Ach SO sieht rot aus!“)
Die Aussage des Gedankenexperimentes ist, dass keine Informationen über den Sehapparat, elektromagnetische Wellen (Licht) oder Tomaten Mary das Wissen überliefern können, wie es ist eine rote Tomate zu sehen.
In seinem Aufsatz „What RoboMary Knows“ kritisiert Daniel Dennett das Gedankenexperiment von Jackson, und bezeichnet es als „intuition pump“: Eine Geschichte die unsere Intuitionen anregt. Dennetts Problem mit Jacksons Gedankenexperiment ist, dass es seiner Meinung nach zu den falschen Intuitionen führt. Gemäss Dennett könnte man die Geschichte auch so erzählen, dass Mary, wenn sie eine rote Tomate sieht NICHT überrascht ist, und NICHTS Zusätzliches lernt. Genauso wie wir nichts Zusätzliches lernen, wenn wir rote Tomaten sehen – wir kennen die Erfahrung bereits. Dennets Argument für diese Version der Geschichte ist, dass Mary ja bereits die Veranlagung dafür hat, die Erfahrung zu haben, diese aber einfach noch nicht herbeigeführt wurde, weil sie nie eine rote Tomate sah. Die Erfahrung könnte, laut Dennett, jedoch auch anders herbeigeführt werden, zum Beispiel durch eine gute Beschreibung. Seine Analogie hier ist, dass wir, hätten wir noch nie ein Dreieck gesehen, uns ein solches aufgrund einer Beschreibung wahrscheinlich vorstellen könnten. Dies erscheint plausibel, aber es ist nicht klar, ob es für jede Art von Erfahrung gilt.
Die eigentliche Frage ist jedoch: Ist es relevant, ob Mary die Erfahrung von „eine rote Tomate sehen“ macht, wenn sie eine rote Tomate sieht, oder wenn sie sich auf Grund einer Beschreibung eine Tomate vorstellt? Die Kernfrage bei Erfahrung ist, was sie eigentlich sind. Wir können beispielsweise Gehirnaktivitäten messen, währendem unsere Testpersonen eine rote Tomate betrachten. Doch wie stellen wir die Verbindung von Messdaten zu einer subjektiven Erfahrung her? Wie kann ich sicher sein, dass die Erfahrung einer Person damit korreliert, was ich messe? Zu den Erfahrungen der anderen Person habe ich keinen direkten Zugang, und es scheint, als bliebe die wahre Natur der Erfahrungen ein unlösbares Rätsel, oder doch nicht?
Über die Autorin
Beitrag von Franziska Wettstein, wiss. Mitarbeiterin von Philosophie.ch