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Als Filigranarbeit werden feine Goldschmiedearbeiten aus Metallfäden mit aufgesetzten Metallperlen oder gekordelten Drähten bezeichnet. Der Begriff Filigran wird auch für weitere feingliedrige Dekorationsform genutzt (wie beispielsweise die des Ziseleurs oder Eisenschneiders).
Inhaltsverzeichnis:
Geschichte
In der Filigranarbiet werden neben Metallperlen und gekordelten Drähten teilweise auch Bänder verwendet, was heute noch vor allem bei indischen und anderen asiatischen Metallarbeiten beliebt ist.
Filigranarbeit war bei den italienischen und französischen Metallarbeiten von 1660 bis Ende des 19. Jahrhunderts populär. Sie sollte nicht mit den Ajouré-Schmuckarbeiten verwechselt werden, denn unter dieser Technik versteht man das Bohren von Löchern in Gegenständen aus Blech.
Das deutsche Wort Filigran stammt vom Lateinischen „Filum“, was soviel wie Faden oder Draht bedeutet und „Granum“ Korn, was im Sinne einer kleinen Perle übersetzt werden kann. Die lateinischen Worte ergaben „filigrana“ auf Italienisch und wurden zum Französischen „filigrane“ im 17. Jahrhundert.[1][2]
Obwohl die Filigranarbeit sich zu einem speziellen Zweig des modernen Schmucks entwickelt hat, war sie ursprünglich ein Teil der tagtäglichen Arbeit des Juweliers. Der gesamte Schmuck der Etrusker und Griechen (außer der, der für das Grab gedacht war und daher einen substanzlosen Charakter hatte) wurde durch das Zusammenlöten hergestellt. So wurde das Gold eher aufgeschweißt, als es durch Ziselieren oder Gravieren zu verändern.[3]
Antike Arbeiten
Archäologische Funde im alten Mesopotamien weisen auf, dass die Filigranarbeit seit 3000 v. Chr. existierte. Ganz speziell in der Stadt Midyat in der Provinz Mardin im oberen Mesopotamien wurde eine Form der Filigranarbeit mit Silber- und Golddrähten im 15. Jahrhundert entwickelt, die als „telkari“ bekannt ist. Bis heute produzieren erfahrene Handwerker in dieser Region weiterhin feine „telkari“-Stücke.
Die ägyptischen Juweliere verwendeten Draht sowohl zum Festlegen und Verflechten auf dem Hintergrund oder für anderweitig angeordnetes Jour. Mit der Ausnahme von Ketten kann man jedoch nicht sagen, dass die Filigranarbeit viel von ihnen praktiziert wurde. Ihre Stärken waren eher in ihrer Cloisonné-Arbeit und ihrer gegossenen Ornamente zu sehen. Viele Arbeiten sind jedoch rund-geflochtene Goldketten aus feinem Draht, wie jene Ketten, die immer noch von Filigranarbeitern in Indien gemacht werden und als Trichinopoly-Ketten bekannt sind. Von einigen dieser Ketten hängen kleinere Ketten aus feinerem Draht mit winzigen Fischen und anderen Anhängern daran.
Bei Schmuckstücken aus phönizischen Gebieten, wie Zypern und Sardinien, wurden Muster aus Golddraht mit größter Sorgfalt auf einen Goldgrund aufgebracht. Jedoch kam diese Kunst erst vom 6. bis 3. Jahrhundert v. Chr. bei der griechischen und etruskischen Filigranarbeit zur ihrer höchsten Perfektion. Einige Ohrringe und anderer persönlicher Schmuck, welcher in Mittelitalien gefunden wurde, wird im Louvre und im britischen Museum aufbewahrt. Fast alle wurden mit Filigranarbeit hergestellt. Einige Ohrringe haben die Form von Blumen im geometrischen Design, die von einem oder mehreren Kränzen umgeben werden und jeder Kranz wurde aus kleinsten Golddraht-Spiralen hergestellt. Diese Art der Verziehrung variiert durch kleine Unterschiede in der Anzahl oder der Anordnung der Spiralen. Aber die Federn und Blütenblätter der modernen italienischen Filigranarbeit gibt es nicht bei diesen alten Designs. Ab und zu, aber nur selten, sind die Filigrangegenstände selbsttragend und werden nicht auf Metallplatten aufgebracht.
Das Museum der Eremitage in Sankt Petersburg enthält eine erstaunliche Sammlung skythischen Schmucks aus den Gräbern der Krim. Viele Armbänder und Halsketten dieser Sammlung sind aus gedrehtem Draht. Einige haben bis zu sieben geflochtene Reihen mit Spangen in der Form von Tierköpfen in getriebener Arbeit. Andere sind Fäden mit großen Goldperlen, die mit Spiralen, Knoten und anderen Mustern aus Draht auf die Oberflächen gelötet werden.[4] Im britischen Museum gibt es ein Zepter, wahrscheinlich einer griechischen Priesterin, welches mit geflochtenem und vernetztem Gold bedeckt ist und mit einer Art korinthischen Kapitell und grünem Glas verarbeitet wurde.
Asien
Es ist wahrscheinlich, dass in Indien und verschiedenen Teilen Zentralasiens die Filigranarbeit bereits vor sehr langer Zeit und ohne jegliche Änderung im Design praktiziert wurde. Ob die asiatischen Juweliere von den Griechen beeinflusst wurden, die sich auf diesem Kontinent ansiedelten, oder aufgrund ähnlicher Traditionen unterrichtet wurden, weiß man nicht. Aber es ist sicher, dass die indischen Filigranarbeiter die gleichen Muster wie die alten Griechen hatten und diese bis zum heutigen Tag gleich anwenden. Wandernden Handwerkern wird viel Gold gegeben, welches gewogen, in einem Topf mit Holzkohle erhitzt, zu Draht gehämmert und dann im Hof oder auf der Veranda des Hauses des Arbeitgebers nach den Entwürfen des Künstlers verarbeitet wird. Sehr feine Körner oder Perlen und Späne von Gold, kaum dicker als ein Haar, die aus Goldplatten vorstehen, sind immer noch verwendete Methoden der Ornamentik.
Cuttack, die größte Stadt des ostindischen Bundesstaats Odisha, verfügt über traditionelle Filigranarbeit. Es ist als „tarakasi“ in der Oriya-Sprache bekannt und die meisten Filigranarbeiten stellen Gottheiten dar. Aufgrund des Fehlens von Förderungen und modernen Designideen, stirbt diese Kunst langsam aus. Ein Unternehmen unter der Leitung von Nina Ganatra erfindet Designs, um diese Kunst wiederaufleben zu lassen. Auch bemerkenswert ist die Silber-Filigranarbeit in Karimnagar im benachbarten Andhra Pradesh.[5]
Mittelalterliches Europa
Zu späteren Zeiten kann man viele Sammlungen mittelalterlicher Schmuckarbeit-Reliquien finden, wie z.B. Umschläge für Bibeln. Diese wurden entweder in Konstantinopel des 6. bis 12. Jahrhunderts oder in europäischen Klöstern hergestellt, in denen man die byzantinische Goldschmiedearbeit studierte und nachahmte. Abgesehen davon, dass diese Objekte mit Edelsteinen besetzt wurden, die poliert, aber nicht in Facetten geschliffen wurden, wurden diese oft mit Filigranarbeit verziert. Große Goldflächen wurden manchmal mit angelöteten Schnörkel aus Filigranarbeit bedeckt; und Eckstücke der Buchumschläge, oder die Platten von Reliquien wurden häufig aus komplizierten Stücken Flechtwerk mit Emaille-Verkrustungen hergestellt. Die byzantinische Filigranarbeit wies gelegentlich kleine eingesetzte Steine bei den Kurven oder Knoten auf. Beispiele für solche Verziehrungen können im Victoria und Albert Museum und in britischen Museen gefunden werden. Ein Beispiel hierfür ist das Kreuz von Lothar von Aachen.
Im Norden Europas waren die Sachsen, Briten und Kelten seit bereits einer frühen Periode sehr geschickt in mehreren Arten der Goldschmiedearbeit. Bewundernswerte Beispiele für filigrane Muster aus Golddrähten der angelsächsischen Gräber können im britischen Museum angesehen werden, vor allem eine Brosche von Dover und ein Schwertgriff von Cumberland. Der Staffordshire-Schatz aus angelsächsischem Gold und Silber (geschätzt auf 700 unserer Zeitrechnung), welcher in einem Feld in Staffordshire England am 5. Juli 2009 gefunden wurde, enthält zahlreiche Beispiele sehr feiner Filigranarbeit, welche vom Archäologen Kevin Leahy als „unglaublich“ beschrieben werden.
Die irische Filigranarbeit des Insular-Zeitraums ist kreativer im Design und weist eine Vielzahl an Muster auf. Die Royal Irish Academy in Dublin verfügt über eine Reihe von Reliquien und persönlicher Schmuckstücke, bei denen die Filigranarbeit die hauptsächliche und bemerkenswerteste Verziehrung ist. Die Tara-Brosche wurde kopiert und nachgeahmt und ihre Form und Verziehrung ist weitum bekannt. Statt der feinen Goldfäden-Locken oder -Spiralen zeichnet sich die irische Filigranarbeit durch zahlreiche Designs aus, bei denen ein Faden durch seltsame Knoten und Verwirrungen führt, die einander über große Flächen hinweg ausgleichen. Der lange Faden erscheint und verschwindet ohne seine Kontinuität zu unterbrechen. Die beiden Enden werden oft in den Kopf oder Schwanz einer Schlange oder eines Monsters hineingearbeitet.
Die Reliquie mit der „Glocke von St. Patrick“ ist mit verknoteter Filigranarbeit in vielen Varianten bedeckt. Ein Kelch mit zwei Henkeln, der so genannte „Ardagh Chalice“, der in der Nähe von Limerick im Jahre 1868 gefunden wurde, wurde mit Filigranarbeit dieser Art und mit außerordentlicher Feinheit geschmückt. Zwölf Platten an einem Band um den Körper des Gefäßes, Platten auf jedem Henkel und um den Fuß des Gefäßes zeigen eine Reihe von verschiedenen Designs von charakteristischen Mustern auf, in feinen filigranen Drahtarbeiten an der Vorderseite des Repoussé-Boden.[6]
Ein Großteil der mittelalterlichen Juwelenarbeit auf Reliquien, Kreuzen, Krummstäben und anderer kirchlicher Goldschmiedearbeit wurde in ganz Europa bis in das 15. Jahrhundert mit Wölbungen und Schmuckleisten der Filigranarbeit umgesetzt. Die Filigranarbeit in Silber wurde von den Mauren von Spanien während des Mittelalters mit großem Geschick ausgeübt und von ihnen auf der ganzen Halbinsel eingeführt und etabliert. Von dort aus wurde sie auch in die spanischen Kolonien in Amerika gebracht. Die portugiesische Filigranarbeit aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist von außerordentlicher Komplexität[7] und Silberfiligranschmuck mit zartem und künstlerischem Design wird immer noch in großen Mengen im ganzen Land hergestellt.
Die Herstellung verbreitete sich auf den Balearischen Inseln und unter der Bevölkerung im Mittelmeerraum. Sie wird immer noch in ganz Italien und in Portugal, Malta, Mazedonien, Albanien, den Ionischen Inseln und vielen anderen Teilen von Griechenland ausgeübt. Die Filigranarbeit der Griechen weist unterschiedlich dicke Drähte im Wechsel mit größeren und kleineren Wölbungen und Perlen auf, und ergeben so großen Kopfschmuck, Gürtel und Brustschmuck. Silberne Knöpfe in Filigran-Drahtarbeit werden von den Bauern in den meisten Ländern getragen, die diese Art von Schmuck produzieren.
Silberbroschen und Knöpfe in Filigranarbeit werden auch in Dänemark, Norwegen und Schweden hergestellt. Kleine Ketten und Anhänger werden oft bei dieser nördlichen Filigranarbeit aufgenommen.
Eine sehr eigenartige Filigranarbeit wurde nach der Schlacht von Magdala von Abessinien nach Großbritannien gebracht: Armschutz, Hausschuhe und Tassen, von denen sich einige Stücke heute im Victoria and Albert Museum befinden. Sie wurden aus dünnen Platten aus Silber hergestellt, über die die Drahtarbeit gelötet wurde. Die Filigranarbeit wird durch enge Abstände des einfachen Musters unterteilt und die Zwischenräume werden aus vielen Mustern gearbeitet und teilweise mit kleinen Perlen in festgesetzten Abständen besetzt.
Methoden der Herstellung und Verwendung
Man könnte sagen, dass die Kunst darin besteht, feine biegsame Metallfäden zu drehen, zu kordeln und zu flechten und diese an ihren Berührungspunkten und den Berührungspunkten mit dem Boden zu verlöten. Das Ganze passiert mit Hilfe von Flussmittel, wie Borax, und unter Verwendung eines Blasrohrs. Wenn granulierte Motive gewünscht sind, werden kleine Perlen traditionell aus Edelmetalldraht oder Feinblech hergestellt, welche in kleine Stücke geschnitten, mit Flussmittel gemischt und in kleine Löcher eines Kohleblocks platziert werden (oder einem anderen geeigneten feuerfesten Material). Dann werden sie mit einem Blasrohr (oder heutzutage mit einer Lötlampe) geschmolzen. So rollen sich diese klitzekleinen Stücke Draht zusammen und nehmen natürliche Kugelformen an, die sich nur leicht voneinander unterscheiden.[8][9] Kleine Perlen oder Kugeln des gleichen Metalles werden oft in Spiralen, an Verbindungen oder in Abständen angebracht, durch welche sie die Filigranarbeit effektiv herausheben. Die heiklere Arbeit wird generell durch Rahmen aus dickerem Draht geschützt.
Broschen, Kreuze, Ohrringe, Knöpfe [10] und andere persönliche Schmuckstücke aus moderner Filigranarbeit werden in der Regel durch Bänder aus quadratischem oder flachem Metall unterteilt, damit sie in Form bleiben. Schmuckdesign in Filigranarbeit und deren Dreh- und Löttechnik kann auch bei anderen Metallarbeiten angewandt werden, wie schmiedeeiserne Hängewandhalter und silberfarbenen Türen.
Beispiele für antike Arbeiten sind die Zimmer des britischen Museums mit Goldverzierung, das Louvre und die Sammlung im Victoria and Albert Museum. Die Sammlung im Victoria and Albert Museum enthält ein großes und sehr vielfältiges Sortiment von modernem italienischen, spanischen, griechischen und anderen Schmuck, der für die Bauern der verschiedenen Länder hergestellt wurde. Sie verfügt auch über interessante Beispiele für die Arbeit aus dem 19. Jahrhundert in granuliertem Gold von Castellani und Giuliano. Zahlreiche keltische Arbeiten können in den Museen in Dublin und London bestaunt werden.
Granulierte Arbeit
Ein paar Worte müssen über die granulierte Arbeit hinzugefügt werden. Solche Verziehrungen bestehen aus winzigen Perlen und Kügelchen aus Gold, die aufgelötet werden, um Muster auf einer Metalloberfläche zu bilden. Die Granulierung wurde von den mesopotamischen Handwerkern ausgeübt. Von den Sumerern geht man aus, dass sie diese Technik der Metallverarbeitung als erste anwandten. Deren Verwendung war in Ägypten nur sehr selten.[11] In Zypern tritt sie in einem frühen Zeitraum auf, wie beispielsweise auf einem Goldanhänger aus Enkomi (10. Jahrhundert v. Chr.), welcher im im britischen Museum zu sehen ist. Der Anhänger hat die Form eines Granatapfels und weist ein Dreiecksmuster auf, welches aus mehr als 3.000 einzeln aufgelöteten winzigen Kügelchen besteht. Sie tritt auch auf Schmuck aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. in Kamiros auf Rhodos auf. Aber verglichen mit den Kügelchen auf etruskischem Schmuck sind diese Kügelchen groß. Fortunato Pio Castellani, der den antiken Schmuck der Etrusker und Griechen mit der Absicht dieses antike Design nachzustellen zu seinem Fachgebiet machte, konnte dieses besondere Verfahren des feinen Lötens lange Zeit nicht nachstellen. Er überwand die Schwierigkeiten schließlich, als er eine traditionelle Schule für Handwerker in Sant’Angelo in Vado entdeckte. Durch deren Hilfe konnte er seine bekannten Nachbildungen herstellen.
Personalisierung
Durch die Filigranarbeit können Schmuckstücke personalisiert und ganz individuell werden. Auch wenn Filigranarbeit heute nicht mehr so oft anzutreffen ist, sind doch die (antiken) schmuckstücke echte Schmuck-Unikate und einmalig. Es gibt jedoch heutzutage andere Möglichkeiten, seinen Schmuck zu personalisieren.
Quellen[1] Oxford Dictionaries entry for „filigree“ http://oxforddictionaries.com/definition/english/filigree
[2] Online Etymology Dictionary http://www.etymonline.com/index.php?term=filigree
[3] Castellani, Alessandro (1861). A Memoir on the Jewellery of the Ancients. Jackson and Keeson.
[4] See the „Antiquites du Bosphore Cimmerien“, by Gille, 1854; reissued by S. Reinach, 1892, which contains careful engravings of these objects.
[5] Arts & Crafts : Wisps of silver“. The Hindu. 2004-11-11. Retrieved 2013-02-07.
[6] Earl of Dunraven (1873). „On an Ancient Chalice and Brooches Lately Found at Ardagh, in the County of Limerick“. The Transactions of the Royal Irish Academy (Royal Irish Academy). 24 (Antiquities): 433–455.
[7] examples in the Victoria and Albert Museum
[8] Maryon, Herbert (1971). „Filigree“. Metalwork and Enameling (5 ed.). Dover Press. pp. 53–55.
[9] Higgins, Reynold Alleyne (1980). Greek and Roman Jewellery (2 ed.). University of California Press. p. 20. ISBN 9780520036017.
[10] Elements of a German filigree button, made c. 1880 image from Victoria & Albert Museum jewelery collection
[11] de Morgan, J.; J. Legrain, G. Jéquier (1903). Fouilles à Dahchour en 1894-1895. Vienna, Austria: Adolphe Holzhausen.