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Dankmotive im Hochgebet
Frage: Bei welchen Gelegenheiten und auf welche Weise können persönliche Dankmotive beim Hochgebet genannt werden?
Antwort:
Das Einfügen von aktuellen, persönlichen Motiven des Dankes im Kontext des Hochgebetes ist erlaubt für Messfeiern mit Kindern sowie für Messen im kleinen Kreis.
Gemäss Kindermessdirektorium (1973) haben die Dankmotive vor dem „Dialog der Präfation" ihren Platz (Nr. 22). Wie sie eingeführt werden sollen, wird aber nicht gesagt.
Stimmiger erscheint die Variante, die die Liturgische Kommission der Schweiz in der im Auftrag der Bischöfe herausgegebenen Handreichung für Messen „für bestimmte Personenkreise und in Gruppen" (1971; Nr. 52) vorsieht: Die Dankmotive werden vor der Präfation genannt, also nachdem der Priester im Eröffnungsdialog zum Dank aufgefordert und die Versammlung mit der Antwort „Das ist würdig und recht" ihre Bereitschaft dazu geäussert hat.
Diese Abfolge lässt sich mit dem Aufbau anderer liturgischer Gebete vergleichen, namentlich mit den Orationen und dem Fürbittgebet. Die Gebete beginnen jeweils mit der Gebetseinladung durch den Vorsteher/die Vorsteherin. Danach wird allen Mitfeiernden Zeit gegeben, aktuelle, persönliche oder gemeinschaftliche Anliegen still oder ausdrücklich (in Wort und Zeichen) Gott anzuvertrauen. Diese Intentionen werden sodann durch das Vorstehergebet weitergeführt und abgeschlossen.
Konkret lässt sich die Einfügung der Dankmotive ins Hochgebet etwa auf folgende Weise gestalten. Nach dem Einleitungsdialog bleibt der Priester im Sprechduktus den Versammelten zugewandt: „Es gibt Vieles, wofür wir zu danken haben: das Leben, die Gesundheit, die Menschen, die mit uns leben ... Dank ist etwas ganz Persönliches. Darum halten wir jetzt eine kurze Stille, in der jede und jeder an das denken kann, wofür er oder sie ganz persönlich Gott Dank sagen möchte. Und wer will, darf seinen Dank auch vor uns aussprechen, damit wir alle miteinander seinen Dank vor Gott tragen." Wenn nach einem Augenblick der Stille niemand das Wort ergreift, kann der Priester selbst ein persönliches Dankmotiv nennen. Dann finden vielleicht andere den Mut, auch etwas zu sagen. Falls einmal ungeschickte Formulierungen in eine falsche Richtung weisen, kann ein überleitender Satz den Zusammenhang wieder herstellen. Wenn niemand mehr etwas sagt, leitet der Priester zur Präfation über: „Wir danken dir, heiliger Vater, für alles, was du uns schenkst, durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus ..." oder er beginnt direkt mit der Präfation: „In Wahrheit ist es würdig und recht, ..." Diese Form lässt sich auch realisieren, wenn der Einleitungsdialog und die Präfation gesungen werden.
Ist die Gottesdienstgemeinde mit dem Element nicht vertraut, kann es in der Feier selbst eingeführt werden, etwa indem die Predigt vom Danken handelt und dabei angekündigt wird, dass nachher ein persönlicher Dank ausgesprochen werden kann, so dass sich die Teilnehmenden schon während der Gabenbereitung dazu Gedanken machen können.
Wie beim Fürbittgebet ist aber neben dieser spontanen, auch eine vorbereitete Variante möglich: Aktuelle Dankmotive aus der Gemeinde werden im Vorfeld gesammelt, schriftlich festgehalten und dann im Gottesdienst vom Lektor/von der Lektorin vorgetragen.
Das Einfügen von Dankmotiven erweist sich als eine wertvolle Form der Teilnahme aller am Hochgebet. Die individuelle Lebensgeschichte und die gemeinsame Geschichte und Situation der Versammelten, die feiernd Kirche bilden, werden in den grösseren Kontext der Heilsgeschichte Gottes gestellt. Die Aktualisierung kann den Teilnehmenden den Zugang zum Hochgebet erleichtern. Eigentlich erstaunlich, dass das Element nicht häufiger praktiziert wird.
Josef-Anton Willa (28.8.2014)