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In Inside Daisy Clover spielt Natalie Wood die Rolle eines jungen Hollywoodstars in den 30er Jahren mit all den Problemen, die ein Teenager-Mädchen, das zu Ruhm kommt, durchmachen muss. Auch ihre Liebe mit Wade (Robert Redford in einer frühen Rolle), dem männlichen Jungstar des Studios, ist nicht von Glück umgeben. Er verlässt sie noch in der Hochzeitsnacht. Die Beziehung mit ihrem Manager, Raymond Swan, wird immer belastender für Daisy und als ihre Mutter stirbt, die Swan in eine psychiatrische Klinik abschob, bricht für sie eine Welt zusammen. Der Film wurde 1965 von Robert Mulligan inszeniert und basiert auf einer Geschichte von Gavin Lambert, der Jahre später eine Biografie über die viel zu früh verstorbene Schauspielerin verfasste.
Inside Daisy Clover kam weder bei den Kritikern noch beim Publikum besonders gut an, insbesondere die Rezensenten vergaben zum Teil vernichtende Noten. Kein Wunder also ist der Film heute eher selten gesehen. Immerhin schauten drei Oscarnominationen heraus, wobei diejenige für Ruth Gordon (Rosemary’s Baby) in der Nebenrolle als Daisys Mutter, die auffälligste war. Ihre Ende der 40er Jahre scheinbar beendete Karriere erhielt einen neuen Aufschwung.
André Previn wurde früh für Inside Daisy Clover engagiert um drei Songs, die im Film interpretiert werden sollten, zu schreiben. Nur zwei davon schafften es schliesslich in die Endversion. Previn war zu jener Zeit längst ein gemachter Mann, 4 Oscars, ein Dutzend Nominationen, Engagements als Dirigent in London etc.
Es war einer der letzten Filmmusiken des Komponisten, der sich auf Jazz, Adaptionen und die „ernsthaftere Musik“ zu konzentrieren begann und laut Booklet, u.a. nur noch Filme machte, damit seine Frau Dory, an Songs für Filme arbeiten könne (André und Dory Previn schrieben zum Beispiel gemeinsam „Song from Two for the Seesaw-Second Chance“ und die Lieder für Valley of the Dolls). Die Previns liessen sich nur 5 Jahre nach Inside Daisy Clover scheiden, doch ihr Lied für Clover, „You’re Gonna Hear from Me“, wurde später von Stars wie Liza Minelli, Sinatra und Streisand ins Repertoire aufgenommen. Natalie Wood, die die beiden Songs (der andere ist „The Circus is a Wacky World“) im Film „performed“, ereilte das selbe Schicksal wie schon in ihrer Rolle in West Side Story: Ihr Gesang wurde durch den einer professionellen Sängerin ersetzt. Jackie Ward, die Woods Gesang bereits in The Great Race einsang, wurde dafür enggiert. Zum Missfallen von Wood übrigens, die sich wünschte endlich auch als Sängerin akzeptiert zu werden. Nur einige wenige Anfangstakte mit Woods Stimme verblieben im Film.
Was sich auf CD teilweise fast wie ein Musical anhört, ist in der Tat ein „normaler“ Score mit Songs, die im Film aus handlungstechnichen Gründen gesungen werden (zum ersten Mal wird „You’re Gonna Hear from Me“ z.B. in einem Plattenstudio zu Probeaufnahmen gesungen). Previns Score besitzt aber auch so ein bisschen Musicalfeeling.
Sein an Stellen zurückhaltend skeptische Hauptthema für Daisy Clover, das den gesamten Score durch als Beziehungspunkt fungiert, manchmal nur von einem Saxophon intoniert, aber erst am Ende seine volle, ausladende Entfaltung erfährt, ist ein Beispiel an gutem dramaturgischem Einfühlungsvermögen des Komponisten und widerspiegelt das Auf und Ab des Charakters von Daisy Clover.
Previns ursprünglicher Anfangstitel wurde nach Testscreenings allerdings von ihm neu orchesriert und erhielt einen beschwingteren, zirkusmässigen Anstrich. Die ursprüngliche Version ist auf Disc 1 als „alternate Score“ zu hören. Nur selten verwendet er das Songthema von „You’re Gonna Hear from Me“ im Score, so etwa in „Don’t Go Yet“. Für den zwielichtigen Swan, gespielt von Christopher Plummer, verwendet Previn ein simples Motiv mit rhythmischer Grundstruktur. Dieses Motiv wird immer wieder auftauchen und den bedrohlichen Charakter Swans unterstreichen. Ein weiterer markanter Punkt ist das Liebesthema für Wade und Daisy („Wade“). Interessant ist die Verwendung von Swans Motiv im Track „Wade and Daisy“, mit dem Wade unterschwellig als Handlanger Swans identifiziert wird. Previns Score zeigt einige faszinierend psychologischen Aspekte auf, ohne aber die Faszination und Tiefe eines The Four Horsemen of the Apocalypse oder die Leichtigkeit des Seins eines Two for the Seesaws zu erreichen. Für Previn-Fans ist die CD sicher eine schöne Addition, wer sich in Previns arbeiten neu einfinden möchte, dem aber seien eher obengenannte Arbeiten empfohlen. Die Sequenzierung in chronologischer Form ist hier ausserdem nicht so praktisch, da Gesangsnummern und source music, die etwa Stücke für im Film gezeigte Trailer untermalen, den Hörfluss doch hemmen.
Die FSM CD kommt im Doppelpack mit dem originalen Filmscore (60 Min.) und einem nicht verwendeten Teil (11 Min.) auf Scheibe 1, dem damals veröffentlichten Soundtrackalbum (31 Min.) sowie Demos, Screen Test Songs etc. auf Scheibe 2. Begleitet wird die Doppel-CD von einem sehr informativen, kurzweilig geschriebenen Booklet mit Infos zum Film und Score von Scott Bettencourt und Track-by-Track Angaben von Lukas Kendall.
Phil, 1.6.2009
INSIDE DAISY CLOVER André Previn FSM Silver Age Classics Vol. 12 No. 5 CD 1: 70:47 / 34 Tracks CD 2: 78:23 / 28 Tracks Limitiert auf 3000 Stk.