Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03294.jsonl.gz/2570

Historical and anthropological research into gender liminality started in the mid-1970s by analyzing cultural forms and historical constellations in which constructions of gender exceeded a binary framework. These early contributions helped us understand that the binary gender system is neither universal nor innate but rather a historically and culturally specific construction. Categories subsequently forged in order to name the variability of gendered identities include same-sex, gender liminality, third gender, and transgender, among many others.
In the West, the term ‘transgender’ has increasingly come to be employed since the 1990s as ‘an umbrella term for an imagined community of transsexuals, drag queens, butches, cross-dressers, stone butches, androgynes, diesel dykes or berdache – a European colonialist term’ (Feinberg, 2006: 206). Even taking into account its complex and conflictive associations, the concept of ‘transgender’ has increasingly been used by various gender identities for self-definition purposes, at least in public and academic ambits. In parallel, criticism has also mounted against this ‘Western imposition’ over local categories minimizing their differences, even as diverse gender identities have begun appropriating the terminology. Thus, whereas in the 1990s regional identity formations such as travestis, kathoeys, hijras, or fa’afafine, still continued referring to themselves through native categories, more recently they have invoked the concept of transgender with increasing frequency.
Even taking into account the need to observe cultural particularities, undoubtedly the current moment of late capitalism presents challenges to our ways of approaching these identities, as ‘traditional’ identities are being re-adapted to new contexts. In the course, we will analyse these changing terminologies (now often alternating local with global nomenclatures) in the context of constructions of politicized sexual identities, as in struggles for civil rights. Another central phenomenon, which today allows us to think of these identities as irrevocably plugged into the global, are technological transformations: on the one hand, in relation to communications (including the transmission of images and forms of consumption); on the other hand, in relation to biomedical technologies. Biomedical technologies have not only transformed the life expectancies but also the modes of subjectivation amongst diversely gendered populations. As Rabinow and Rose put it, with these new technologies ‘we see the birth of new modes of individualization and conceptions of autonomy with their associated rights to health, life, liberty and the pursuit of happiness that is increasingly understood in corporeal and vital terms’ (Rabinow and Rose, 2006: 204).
Selected
Bibliography:
Halberstam, Judith (1998) Female Masculinity. Duke University Press: Durham.
Herdt, Gilbert (1993) Third Sex, Third Gender. Beyond Sexual Dimorphism in Culture and History. Zone Books: NY.
Jacobs, Sue-Ellen, Wesley Thomas, and Sabine Lang. (1997) Two-Spirit People. University of Illinois Press: Urbana.
Parker, Richard and Peter Aggleton (1999)Culture, Society and Sexuality. A Reader. UCL Press: London.
Stryker, Susan and Stephen Whittle (2006) The Transgender Studies Reader. Routledge: NY-London.
Valentine, David. (2007) Imagining Transgender. An Ethnography of a Category. Duke University Press: Durham.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
Das Ethnologiekolloquium besteht aus wöchentlichen Vorträgen und anschliessender Diskussion von einer Vielzahl unterschiedlicher Referenten. Dabei werden sowohl externe Referenten eingeladen als auch Mitarbeiter des ISEK - Ethnologie. Die Studierenden erhalten so Einblick in die aktuelle ethnologische Forschung und haben die Möglichkeit, die Arbeit von Professoren und Dozierenden über die Universität Zürich hinaus näher kennen zu lernen.
Von den Studierenden, die sich diese Veranstaltung mit 2 KP an das Studium Generale anrechnen lassen möchten, werden folgende Leistungen erwartet: Regelmässige Präsenz, zwei Sitzungsprotokolle und eine Hintergrundrecherche zu einer der vortragenden Personen (je 500-600 Wörter). Die studentischen Leistungen werden von Sandra Bärnreuther betreut.
Es gelten die Richtlinien Akademisches Arbeiten.
Abgabe: jeweils bis spätestens zwei Wochen nach dem entsprechenden Vortragstermin, elektronisch an <email-pii>
Anrechenbarkeit:
BA: Studium Generale
Unter dem Label „ontological turn“ finden derzeit spannende Debatten in der Ethnologie statt. Der ontological turn wurde nicht nur als „major theme“ der Jahreskonferenz 2013 der American Anthropological Association identifiziert, sondern ist auch Thema der neusten Sonderausgabe von Tsantsa, der Zeitschrift der Schweizerischen Ethnologischen Gesellschaft.
In diesem Seminar lesen wir grundlegende Texte von AutorInnen, die sich zum ontological turn zählen bzw. damit in Verbindung gebracht werden (Descola, Viveiros de Castro, Latour, Mol, Hacking etc.). Obwohl der ontological turn ganz allgemein als Interessensverlagerung von epistemologischen hin zu ontologischen Fragen beschrieben wird, umfasst der Begriff verschiedene Herangehensweisen und stellt keinen einheitlichen Ansatz dar. Während des Seminars lernen wir zwei Strömungen des ontological turn kennen – AnthropologInnen und VertreterInnen der Science and Technology Studies – die auf unterschiedliche Art zum akademischen Diskurs beigetragen haben. Dabei diskutieren wir philosophische Grundlagen (z.B. Epistemologie, Ontologie(n)) und beschäftigen uns detailliert mit theoretischen Debatten (u.a. konzeptuelle Selbstbestimmung, Multinaturalismus, Multiplizität, Kultur und Ontologie) sowie deren Konsequenzen für grundlegende Konzepte in der Ethnologie (z.B. Natur/Kultur, Intentionalität, agency, Humanismus, Moderne). Darüber hinaus steht die Frage im Vordergrund wie sich der ontological turn ganz konkret sowohl in methodologischer als auch politischer Hinsicht auf ethnologische Forschung auswirkt.
Das Seminar wird als Lektürekurs durchgeführt. Es wird erwartet, dass Studierende die Pflichtlektüre (ca. 50 Seiten pro Woche) sehr gut vorbereiten und sich aktiv am Seminar beteiligen. Ich freue mich auf anregende Diskussionen!
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
Die biologische « Kunde des Menschen » bedient sich grosser Sammlungen menschlicher Schädel, Skelette, Mumien, aber auch von Haaren, Haut und Feuchtpräparaten, um die Variabilität des Menschen weltweit zu erfassen und vergleichend zu untersuchen. Die Aufbewahrung dieser Sammlungen, die im Laufe von Jahrhunderten gebildet wurden, steht in einem Spannungsverhältnis mit heutigen Vorstellungen über den korrekten Umgang mit Toten. Weiterhin sorgt der koloniale Kontext, in dem viele dieser Überreste gesammelt wurden, für ethische Probleme. Aus aller Welt brachten Forscherinnen und Forscher Überreste nach Europa zur Bereicherung anthropologischer Sammlungen. Wie der Fall der Sarah Baartman zeigt—ihre Überreste wurden 2002 vom naturhistorischen Museum in Paris nach Südafrika überführt—können solche Museumsobjekte im Rahmen der Erinnerungs- und Trauerarbeit postkolonialer Staaten zu politischen Symbolen werden.
In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit der Geschichte und gegenwärtigen Diskursen rund um solche Sammlungen. Der Schwerpunkt liegt auf menschlichen Überresten als wissenschaftliche Objekte der biologischen Anthropologie. Welche Objekte wurden zu welchen Zeiten, nach welchen Kriterien und zu welchen Zwecken gesammelt? Wie kamen menschliche Knochen aus Kolonien in europäische Museen? Worin bestehen die ethischen Probleme, die durch solche Sammlungen heute entstehen? Diesen und anderen Fragen werden wir im Rahmen des Seminars nachgehen. Als Lernziel sollen Studierende das Thema der menschlichen Überreste in wissenschaftlichen Sammlungen und Ausstellungen aus verschiedenen Perspektiven betrachten können und befähigt werden, ein kritisches Urteil zu bilden.
Literaturhinweise zum Einlesen:
Berner, Margit;Hoffmann, Anette;Lange, Britta: Sensible Sammlungen. Aus dem anthropologischen Labor, Hamburg: Fundus-Bücher 2011.
Krüger, Gesine: „Moving Bones: Unsettled Histories in South Africa and the Return of Sarah Baartman“, in: Jobs, Sebastian (Hg.), Unsettling History. Archiving and Narrating in Historiography, S. 233-250, Frankfurt am Main: Campus Verlag 2010.
Rassool, Ciraj: „Knochengedächtnis. Menschliche Überreste, Recht und National Heritage in Südafrika“, in: Sommer, Marianne (Hg.), Biohistorische Anthropologie. Knochen Körper und DNA in Erinnerungskulturen, S. 164-199, Berlin: Kulturverlag Kadmos 2011.
Anrechenbarkeit:
BA: thematische Gebiete
Die Vorlesung Einführung 1 vermittelt ein Grundverständnis und einen Überblick über die Gegenstandsbereiche der Ethnologie. Sie dient Studierenden dazu, einen ersten Einblick in die thematische Breite des Faches sowie in seine Veränderungen im Laufe der letzten Jahrzehnte zu gewinnen. Neben den zentralen Fragestellungen und Debattenfindet auch eine kurze Einführung in die theoretischen und methodischen Traditionen des Faches statt, die die Studierenden dann im zweiten Semester genauer kennen lernen werden. Die wichtigsten Gegenstandsbereiche werden – nach dem Assessmentjahr – als Kernbereiche weiter vertieft.
Alle Lehrstuhlinhaberinnen und-inhaber unterrichten diese Veranstaltung gemeinsam. Am Ende des Semesters wird eine einstündige Prüfung durchgeführt. Prüfungstermin und –ort wird den Studierenden über die UZH-Emailadressen rechtzeitig kommuniziert, die Form der Prüfung wird im Verlauf des Semesters erläutert.
Anrechenbarkeit:
BA: Einführung in die Ethnologie 1 für Studierende im Hauptfach 120, Nebenfach 60 und Nebenfach 30
Kultur, Gesellschaft, Macht, Reflexivität, Gender, Globalisierung... beim Lesen ethnologischer Texten begegnen wir einem grossen Repertoire von grundlegenden Konzepten, die in der Lehre zu einem gewissen Grad als bekannt voraus gesetzt werden, deren Bedeutung sich Studierende wie Forschende gleichzeitig immer wieder erarbeiten müssen. Diese Vorlesung bietet eine Einführung in einige wichtige Key Concepts der Ethnologie und diskutiert die Bedeutung und Tragweite dieser Begriffe. Es geht dabei nicht einfache um Definitionen, sondern vor allem um eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Arten und Weisen, wie und warum EthnologInnen diese Konzepte verstehen und benutzen, sowie um die Frage, wie sich ihre Bedeutungen mit der Zeit geändert haben.
Alle Lehrstuhlinhaberinnen und-inhaber unterrichten diese Veranstaltung gemeinsam. Am Ende des Semesters wird eine einstündige Prüfung durchgeführt. Prüfungstermin und –ort wird den Studierenden über die UZH-Emailadressen rechtzeitig kommuniziert, die Form der Prüfung wird im Verlauf des Semesters erläutert.
Anrechenbarkeit:
BA: Einführung in die Ethnologie 1 für Studierende im Hauptfach 120 und Nebenfach 60
Im Juni 2015 eröffnete das Völkerkundemuseum der Universität Zürich eine Ausstellung, welche Fotografien von der Schweizer Ethnologin Florence Weiss zeigt, die in den 1970er Jahren in Papua Neuguinea geforscht hat. Neben ihrer Dissertation gingen aus dieser Forschung mehr als 10`000 Negative und Diapositive hervor. Die Ausstellung rückt einen Teil dieser Fotografien ins Zentrum und nimmt dadurch auch die fotografierende Ethnologie – als eine Ethnologie, welche sich nie vollends von der Fotografie gelöst hat – genauer in den Blick. Als eine mehrheitlich über Text kommunizierende Fachdisziplin scheint für die Ethnologie der Stellenwert visueller Medien und Daten oftmals zweitrangig und nicht selten bleiben Fotografie und Film als Beiwerk illustrierender Natur zu einem Text.
In Anlehnung an die Ausstellung möchten wir uns im Seminar fragen, ob diese Zweitrangigkeit dem Potential visueller Daten gerecht wird. Möglichkeiten, Grenzen und Wert visuell generierter Daten sollen dabei neu hinterfragt und ermittelt werden.
Einführend wird im Seminar ein Blick in die Geschichte vorgenommen und geschaut, woher dieses Verhältnis stammt. Dabei soll nicht nur die Visuelle Anthropologie – als die sich explizit zum Visuellen bekennende Ethnologie – betrachtet werden, sondern vor allem auch die fotografierende und filmende Ethnologie. Dadurch soll auch der heutige Umgang mit Fotografie und Film kritisch hinterfragt und reflektiert werden. Wann filmen oder fotografieren wir, zu welchem Zweck, mit welchem Ziel und für wen? Was passiert mit den generierten Daten? Und welche Fragestellungen liessen sich eigentlich durch visuelle Daten beantworten und welche Inhalte könnten visuell transportiert und vermittelt werden?
Anhand praktischer Übungen zu einem selbst erarbeiteten Thema sollen die Studierenden prüfen, welche Möglichkeiten und Grenzen die Fotografie oder der Film ihnen bietet.
Vorausgesetzt werden Grundkenntnisse in Video-, Ton- oder Fototechnik sowie initiatives Arbeiten.
Einführende Literatur:
Pink, Sarah. 2007. Doing Visual Ethnography. London / Thousand Oaks / New Delhi / Singapore: Sage Publications.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
Until recently Eastern Europe was considered to be a homogeneous region behind the iron curtain. However, the large body of post-socialist literature revealed that so called eastern bloc, apart from communism as the main type of political and ideological organization, had never represented a politically, culturally and economically homogeneous entity. Neither in the aspect of property rights and economic organization, nor in the aspect of social, cultural and religious practices, art and literature, or human rights.
After the collapse of communism, which symbolically began with the fall of the Berlin wall in 1989, the transition towards liberal democracy and capitalism has overtaken the whole of Eastern Europe and many countries inside this region took their own path of development and change. Some countries have performed fast and continuous adaptations to new circumstances such as Estonia and Baltic states in general, and some lag behind such as the Ukraine, Moldova or Balkan countries.
The aim of this seminar is to offer a comprehensive understanding of the region of Eastern Europe in its complexity and heterogeneity. The seminar will provide students with an overview of the most important economic, political and social aspects of socialism and post-socialism. Likewise, the seminar, apart from drawing on the regional and cultural distinctiveness of Eastern Europe, will inevitably go beyond the regional realms towards understanding the European Union and its existing influence on Eastern European countries and their future.
Anrechenbarkeit:
BA: Regionalmodul Europa
MA: Thematisches bzw. Regional-Modul
Im ersten Teil dieser Veranstaltung werden wir uns in historischer Perspektive mit der Stellung Nepals in Südasien, der nepalesischen Staatsbildung sowie dem Kastenwesen und der Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen befassen. Als Beispiele behandeln wir auf der Basis von Community Studies hochkastige Indonepalesen, Sherpas, Magars und Kiranti. Im zweiten Teil befassen wir uns mit Nationalismus und Ethnizität seit Ende der 1980er Jahre wobei wir auf die ausgewählten Gruppen der Tharu und der Thakali eingehen werden. Im dritten Teil wenden wir uns aktuellen Entwicklungen zu beginnend mit dem Bürgerkrieg (1996-2006) und seinen Nachwehen. Je nach Interesse können weitere aktuelle Entwicklungen wie Migration, Dalit-Bewegung, Kinderarbeitsproblematik, Christianisierung oder die Erdbebenkatstrophe im Frühjahr 2015 eingehender behandelt werden. In der Mitte der Veranstaltung ist ein Tag mit zeitgenössischen Filmen über und aus Nepal vorgesehen.
Anrechenbarkeit:
BA: Regionalmodul Südasien
MA: Thematisches bzw. Regional-Modul
In diesem Modul werden verschiedene Aspekte eines Kernbereichs der Ethnologie behandelt. Es geht in der Wirtschaftsethnologie um eine Vielzahl zentraler Fragen unseres Daseins wie der Nutzung natürlicher Ressourcen und deren Verteilung, den Strategien zur Einkommens- und Überlebenssicherung von Menschen, den Motiven ihrer Handlungsweise und der Zusammensetzung sozialer Netzwerke wie auch der unterschiedlichen Gestaltung von Eigentumsrechten und Ausbeutungsverhältnissen auf lokaler wie globaler Ebene.
Im Modul werden zum einen unterschiedliche Formen der Produktionsweise in Gesellschaften, zum anderen verschiedene Formen von Tausch und Konsum besprochen werden. Theoretische und methodische Aspekte der Wirtschaftsethnologie werden anhand von ethnographischen Beispielen besprochen.
Die Vorlesung ist eine Pflichtveranstaltung im Rahmen des HF 120 (BA). Es wird empfohlen die Kernbereiche nach Möglichkeit im zweiten Studienjahr zu besuchen, da sie die Grundlage vieler Fragestellungen darstellen, die in spezialisierten Seminarveranstaltungen behandelt werden.
Die Vorlesung beinhaltet die Lektüre der folgenden Ethnographie (die Kenntnis der Ethnographie ist Bestandteil der Schlussprüfung):
― Ensminger, Jean (1992): Making a Market: The Institutional Transformation of an African Society. Cambridge: Cambridge University Press.
Anrechenberakeit:
BA: Kernbereich II
In diesem Lektüreseminar werden neuere theoretische Texte und Debatten in der Ethnologie gemeinsam diskutiert. Es geht dabei um zentrale Fragen des Faches und der Sozial- und Kulturwissenschaften im Allgemeinen. Weshalb verhalten sich Menschen so, wie sie sich verhalten? Was unterscheidet und was vereint uns? Wie entsteht soziale Ordnung und was ist der Ursprung von Ungleichheit? Was ist Kultur und warum haben wir Religion?
Zugleich statten uns diese Begriffe und Debatten mit dem nötigen Instrumentarium aus, um gegenwärtige Prozesse des gesellschaftlichen Wandels und globaler Transformationen zu analysieren und zu verstehen. Im Fokus des Seminars werden deshalb neben einleitenden Grundlagentexten vor allem auch solche Beiträge stehen, die theoretische Ansätze mit empirischen Beispielen und spezifisch ethnologischen Zugängen verknüpfen.
Die Veranstaltung kann als MA-Seminar Theorie (Pflicht im Hauptfach und NF 30) oder als freies Seminar im Rahmen des Master-Studiums gebucht werden. Studierende im Studium Generale werden nach Absprache zugelassen. Ziel des Moduls ist es in mündlicher und schriftlicher Form den Umgang mit theoretischen Texten und Diskussionen zu üben. In jeder Sitzung werden wir ein oder zwei Texte besprechen, wobei jeweils ein/e Studierende/r diese in Form eines Inputreferats vorstellt und anschliessend die Diskussionsleitung übernimmt. Die schriftliche Leistung besteht aus dem Verfassen von zehn Kurzzusammenfassungen (ca. 500 Wörter) der gemeinsam diskutierten Texte, die jeweils zur entsprechenden Sitzung zu verfassen und abzugeben sind.
Je nach Zusammensetzung der Teilnehmenden wird dieses Seminar auf Englisch oder Deutsch stattfinden.
Anrechenbarkeit:
MA: Masterseminar Theorien / Thematisches bzw. Regional-Modul
Der Beginn des 21. Jahrhunderts scheint die Welt in ganz grundlegender und, wie es vielen erscheint, zerstörender Art zu verändern. In diesem Seminar werden wir uns mit diesen Prozessen ökonomischen und sozialen Wandels beschäftigen. Es geht dabei primär um die Auswirkung von globalen Transformationen auf der lokalen Ebene und den Strategien der Betroffenen. Dies beinhaltet eine grosse Breite unterschiedlicher Phänomene wie beispielsweise Fragen der ländlichen Entwicklung, die Neuordnung von industriellen Arbeitsmärkten oder der Einzug der Marktwirtschaft in ehemals sozialistischen Gesellschaften.
Als theoretischer Anker werden wir uns dabei mit Modellen der institutionalistischen Analyse auseinandersetzen. Diese betonen einerseits die Handlungsoptionen und -motive der individuellen Akteure, andererseits auch deren soziale Einbindung und Aspekte der Machtverteilung im Rahmen institutioneller Gegebenheiten. Akteure sind demnach immer durch bestehende Regelwerke eingeschränkt, jedoch zugleich – in unterschiedlichem Masse – befähigt diese zu nutzen und für ihre eigenen Zwecke zu modifizieren. Da jeder ökonomische und soziale Wandel zugleich Gewinner und Verlierer kreiert, fokussiert die institutionalistische Perspektive auf Prozesse und Mechanismen, die das Zusammenspiel zwischen individuellen Interessen, sozialer Einbettung und Machtasymmetrien bestimmen.
Die Veranstaltung ist als eine Art Forschungsseminar geplant. Nach einem einleitenden Teil, in dem wir die theoretischen Grundlagen einführen und diskutieren, sollen diese auf ihre Nützlichkeit für empirische Fallbeispiele geprüft werden. Teilnehmende wählen gemäss ihren jeweiligen Interessen thematische und regionale Schwerpunkte, die im Verlauf des Semesters zu eigenen Projektideen ausgearbeitet werden sollen. Die dazu recherchierte Literatur wird dann, in Absprache mit dem Dozenten, mit Hilfe der diskutierten theoretischen Ansätze analysiert. Wichtige Fragen, die wir besprechen werden, sind dabei: Wer sind die relevanten Akteure bzw. Gruppen von Akteure? Wie sehen die institutionellen Rahmenbedingungen aus und wer profitiert davon? Welche Akteure haben ein Interesse und die Möglichkeiten einen Wandel von ökonomischen und sozialen Institutionen voranzutreiben?
Neben dem Lesen der gemeinsam diskutierten Texte wird von allen Teilnehmenden eine eigene Recherche zum von ihnen gewählten Thema und dessen Ausarbeitung in Form von Referat und schriftlicher Arbeit erwartet.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
Die Vorlesung vermittelt Einblicke in die vielfältigen Methoden und theoretischen Ansätze der ethnologischen Beschäftigung mit materieller Kultur und praktischem Wissen. Ziel der Lehrveranstaltung ist die Annäherung an ein aktuell sehr dynamisches und sich stark entwickelndes Forschungsfeld, in dem man sich international mit Wissen, Nichtwissen oder Wissensverlust, mit Könnerschaft und Fertigkeit, mit Stoffen und Materialitäten, mit Körpertechniken und Arten des fühlenden Sich-Bewegens in von Menschen geschaffenen Räumen und Landschaften, oder aber mit de-skilling befasst. Es geht in der Vorlesung um soziotechnische Systeme, Wissensdiversität, um vielfältige Formen der Abbildung und Lesbarkeit von Gesellschaft im Materiellen, um historische Zusammenhänge und die Wirkweisen von Technik und Materialität, um apprenticeship und Methoden des Lernens, Praktizierens und Weitergebens von sozial-technischem Wissen, oder um die Frage, welche Folgen der Rückzug der Hand und der global zunehmende Ersatz des Menschen durch Maschinen hat und haben wird. Idealerweise entdecken Studierende in dieser Vorlesung Chancen einer Annäherung an materielle Kultur und praktisches Wissen im Alltag der Feldforschung. Es wird die Möglichkeit zu praktischen Übungen geboten.
Einführende Literatur/Einführender Vortrag:
Hahn, Hans-Peter: Materielle Kultur in den Kultur- und Sozialwissenschaften. In: Stefanie Samida, Manfred K. H. Eggert und Hans Peter Hahn (Hrsg.): Handbuch Materielle Kultur. Bedeutungen - Konzepte – Disziplinen. Weimar: Verlag J.B. Metzler 2014, S. 1-12.
Prof. Trevor Marchand: The Pursuit of Pleasurable Work, an Anthropology of Craft and Craftspeople. Inaugural Lecture, SOAS. Veröffentlicht am 04.01.2013. S. https://www.youtube.com/watch?v=8olh8EDam-I(ab Minute 16.20)
Übungen zur Vorlesung
Im HS15: Mehr als Honig. Erkundungen in die Ethnologie einer süssen Köstlichkeit / „Treffen sich zwei Musikkulturen...“ Von der musikalischen Begegnung der Kulturen und der Schwierigkeit, sie theoretisch zu fassen / Einführung in die Urbanethnologie am Beispiel China
Im FS16: Soulfood. Essen und Migration. Einführung in ein aktuelles Forschungsfeld der Ethnologie der Ernährung
Anrechenberakeit:
BA: Kernbereich IV: Materielle Kultur, praktisches Wissen, Kunst (zusammen mit einer Übung im HS15 oder FS16)
Von 25’000 Bienenarten der Ordnung Hymenoptera, der Hautflügler, sind etwa 1’000 Arten sozial organisiert. Weltweit existiert Wissen über die Möglichkeiten der Nutzung ihres Honigs (wie auch des Wachses). Doch es geht heute um weit mehr als nur um Honig. Aktuelle Meldungen, z.B. über das grosse Bienensterben, oder auch über globale Stadtimkerei, haben die Apikultur in den Fokus der Öffentlichkeit und auch der Ethnologie gerückt. Dabei hat die Ethnologie in ihren methodisch-theoretischen Möglichkeiten der Erforschung indigenen Wissens und im interdisziplinären Dialog über indigenous knowledge, heute die Chance, wesentliche Beiträge zur Problematik des Bienensterbens zu liefern. Denn neben Varroa, Pestiziden, gentechnisch veränderten Pflanzen, „Killerwespen“ und „Blütenwüsten“ wird inzwischen auch der Verlust von Wissens- und Praxisdiversität, der Rückgang von bisher meist eher still praktizierten lokalen Kulturen des Honigjagens, der Wildbienenausbeute und des Imkerns als eine sozio-kulturelle Dimension des Bienensterbens angeführt.
Der Kurs bietet – nach einer praktischen Einführung in die Grundlagen der Api- und Meliponinikultur – Einblick in aktuelle Forschungsfelder einer Ethnologie der Bienenhaltung und wendet sich speziell bekannter, (noch) vorhandener Wissensdiversität und ihren technischen, sozialen, ökonomischen und religiös-weltanschaulichen Ausprägungen zu, einschliesslich neuen Formen der Bienenhaltung, der industriellen Apikultur aber auch der aktuellen Bienenforschung. Ein wesentliches Ziel des Kurses wird sein, gemeinsam relevante Forschungsfragen rund um Ursachen und Formen des Drucks, unter den die Bienen wie auch die Imker in vielfältiger Weise geraten sind, zu bestimmen und daraus gegebenenfalls am Ende des Kurses ein gemeinsames Papier zu formulieren. Lehr- und Lernziele sowie Leistungsnachweise werden zu Beginn der Lehrveranstaltung bekannt gegeben, zentrale Texte rechtzeitig vor Kursbeginn auf OLAT gestellt. Teilnehmende werden gebeten, sich frühzeitig um die Terminplanung zu kümmern, da extern stattfindende Pflichttermine anberaumt werden. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Dozentin.
Zur Einführung und Info:
Diskussion „Le sentier du miel“ zum 13. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Ethnobiologie 2012, unter: http://www.dailymotion.com/video/xrgt5h_plateau-web-tv-rencontre-avec-des-apiculteurs-du-monde-entier_tech
Marla Spivak: Why bees are disappearing. https://www.youtube.com/watch?v=dY7iATJVCso (Publiziert am 17.09.2013)
Crane, Louise: Bees: The Honey Producers. In: Crane, Eva: A Book of Honey. Oxford: Oxford University Press 1980, pp. 1-23.
Anrechenbarkeit:
BA: Seminar: Thematische Gebiete / Übung: Kernbereich IV: Materielle Kultur / Praktisches Wissen / Kunst (NUR ZUSAMMEN MIT DER VORLESUNG KERNBEREICH IV im HS15)
Theorien sind Denkgerüste, die Forschenden dazu dienen, Phänomene aus einem bestimmten Blickwinkel betrachten und verstehen zu können. Ihre Relevanz erhalten Theorien erst in ihrer Anwendung: Im akademischen Forschungsalltag werden Theorien debattiert, geprüft, angewendet, ggf. erweitert oder revidiert und häufig entstehen aus der Diskussion etablierter Theorien neue, innovative Ansätze und Perspektiven. Diese Produktion und Produktivität von theoretischen Ansätzen wird im Mittelpunkt des Seminars stehen. Anhand von aktuellen Artikeln aus ethnologischen Fachjournalen werden wir uns im Laufe des Seminars der theoretischen Vielfalt in der Ethnologie annähern.
Ziel des Seminars wird es sein, theoretische Ansätze aus den Artikeln herauslesen, ihre Produktivität nachvollziehen und schliesslich kritisch kommentieren zu können. Im Verlauf des Seminars werden entsprechende Grundkompetenzen (Texte im Hinblick auf ihren theoretischen Gehalt referieren, einen Vortrag Koreferieren, ein auf die Theorie konzentriertes wissenschaftliches Abstract schreiben, einen kritischen Review schreiben, eine Diskussion über einen Text aufbauen und leiten, Diskussionsbeiträge vorbereiten) intensiv geübt.
Einführende Literatur (zur 1. Sitzung bitte lesen):
Bloch, Maurice: Where did Anthropology Go? Or the need for ‘human nature’. In: Bloch, Maurice [ed.]: Essays on Cultural Transmission. LSE Monography on Social Anthropology. Oxford: Berg 2005, pp. 1-20.
Anrechenbarkeit:
MA: Masterseminar Theorien / Thematisches bzw. Regional-Modul
Decision is a core concept in anthropology. Actions are commonly perceived as being rooted in decisions and thus the flow of social life also seems to derive some of its dynamics from decisions. Although decisions are such a central concept in anthropology, the nature of decisions remains largely unexplored. We will read some texts from within and from without anthropology which try to shed some light onto the phenomenon of decision making. Some questions will provide us with points of orientation. We have to clarify which phenomena we would usefully denote by the notion of decision making. We will have to inquire into the question if all decisions are being taken in the same way or if there are a variety of ways of decision making, individual as well as collective. If so, we have to ask further, under which conditions do specific ways of making decisions occur? Furthermore, in how far can processes of decision making be generalized or should we also be aware of the possibility that decision making is so neatly tied to the individual that generalisation becomes difficult?
Anrechenbarkeit:
MA: Thematisches bzw. Regional-Modul
In den Gruppen A,B,C des Grundlagenkurses werden wissenschaftliche Arbeitstechniken behandelt. Die Grundlagen des wissenschaftlichen „Handwerkes“werden hier praktisch eingeübt: Es geht u.a. um Probleme beim Zitieren und Paraphrasieren, korrektes Bibliographieren, das Abwägen konträrer Standpunkte, die Erarbeitung sinnvoller Forschungsfragen und um die verschiedenen Textarten, mit denen wir umgehen: Abstract, Textbesprechung, Disposition. Darüber hinaus versuchen wir aber nicht nur das „wie“ sondern auch das „warum“ spezifischer wissenschaftlicher Arbeitsweisen zu thematisieren um so ein umfassenderes Verständnis wissenschaftlichen Arbeitens zu ermöglichen. Die Studierenden erledigen in den Stunden und während des Semesters verschiedene Aufgaben.
Relevante Materialien für die Sitzungen sowie Leitfäden für das Erledigen der schriftlichen Aufgaben werden von den Dozierenden auf OLAT hochgeladen.
Anrechenbarkeit:
BA: Einführung in die Ethnologie 1 für Studierende im Hauptfach
Neben wissenschaftlichen Artikeln sind Monographien zentraler Bestandteil der Ethnologie. In den Übungsgruppen (Monographien) A,B,C,D,E werden die wissenschaftlichen Techniken des Lesens und Schreibens miteinander verbunden. Dies geschieht in erster Linie durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit einer Monographie, einer exemplarischen ethnologischen Forschung, sowie der Diskussion ihrer späteren Rezeption und ihrer aktuellen Relevanz. Die Studierenden erledigen während des Semesters verschiedene schriftliche Aufgaben. Grundlage aller Übungsgruppen ist die Monographie von Frederik Barth (1959) Political Leadership Among Swat Pathans. Die Monographie muss für diese Übung von allen Studierenden angeschafft werden. Die Buchhandlung Klio (www.klio-buch.ch) hält Exemplare vorrätig.
Zusätzliche relevante Materialien für die Sitzungen sowie Leitfäden für das Erledigen der schriftlichen Aufgaben werden von den Dozierenden auf OLAT hochgeladen.
Anrechenbarkeit:
BA: Einführung in die Ethnologie 1 für Studierende im Hauptfach 120, Nebenfach 60 und Nebenfach 30
Migration ist seit jeher ein globales Phänomen mit vielen lokalen Gesichtern und Geschichten. Ab der Mitte des 19. Jahrhundert haben insbesondere die internationale kapitalistische Arbeitsteilung und die Entstehung von Nationalstaaten die politische Relevanz von Migration und die lebensweltlichen Erfahrungen von Migrant_innen weltweit angetrieben und verändert. Auch das interdisziplinäre Feld der Migrationsforschung ist seit ihrer Entstehung in dieser Zeit eng verstrickt mit den Aufgaben von modernen Nationalstaaten, legitime Bevölkerungen zu formieren, Grenzen zu ziehen, volkswirtschaftliche Ziele zu erreichen und die eigene Autorität zu sichern.
In diesem Seminar richten wir einen kritischen, anthropologischen Blick auf die vielfältigen –lokalen und transnationalen – migratorischen Regime und Erfahrungen sowie auf die politische Epistemologie der Migrationsforschung selbst.
Wir diskutieren grundlegende Konzepte der sozial- und kulturwissenschaftlichen Migrationsforschung wie Assimilation, Transnationalismus, Multikulturalismus und Diaspora. Durch die kritische Lektüre klassischer und ethnographischer Texte evaluieren wir die analytischen Potentiale und die politischen Implikationen dieser Konzepte.
Anhand von Ethnographien über Illegalität, Grenzregime, Humanitarismus, hochqualifizierter Migration sowie unterschiedliche, staatliche und regionale Migrationsregime verorten wir das empirische Potential und die kritische Perspektive der Sozial- und Kulturanthropologie in der interdisziplinären Migrationsforschung.
Schliesslich analysieren wir gemeinsam empirisches Material aus dem Alltag sowie aus aktuellen politischen Debatten, um die besprochenen Forschungsansätze zu veranschaulichen und anzuwenden.
Lernziele:
- Studierende können die grundlegenden Konzepte der Migrationsforschung zueinander in Bezug setzen und voneinander abgrenzen.
- Studierende können anthropologische Ansätze und Perspektiven im interdisziplinären Feld der Migrationsforschung verorten.
- Studierende können öffentliche und wissenschaftliche Debatten über Migration anhand anthropologischer Konzepte einordnen und kritisch hinterfragen.
Anrechenbarkeit:
MA: Thematisches bzw. Regional-Modul
Das Verhältnis der Ethnologie zur kolonialen Vergangenheit ist ein höchst vertracktes. Die Disziplin ist entstanden und gewachsen in Zeiten, in denen koloniale Herrschaft noch kaum als grundsätzlich problematisch galt, und die meisten Ethnologen operierten bis über die Mitte des 20. Jh. hinaus ganz selbstverständlich in kolonial geprägten Verhältnissen.
Im anschliessenden Prozess der Dekolonisierung ergab sich daraus für die Disziplin ein Stigma, welches mit der Bezeichnung "handmaiden of colonialism" auf eine griffige Formel gebracht worden ist. Mit dem Aufstieg der 'Postcolonial Studies' ist die Sicht auf die Ethnologie als durch die koloniale Vergangenheit kompromittierte Wissenschaft verfestigt worden und die Aufarbeitung dieser Vergangenheit entsprechend ein drängendes Anliegen.
In diesem Seminar werden wir versuchen, dazu einen Beitrag zu leisten. Dafür ist es nötig, erst einmal eine differenzierte Vorstellung der europäischen Expansion und ihrer verschiedenen Epochen zu gewinnen, resp. der unterschiedlichen Dynamiken die daraus in verschiedenen Teilen der aussereuropäischen Welt resultierten. Dann soll die Rolle, die Ethnologen in diesem Zusammenhang gespielt haben, eingehend erörtert werden, mit einem Fokus auf der ersten Hälfte des 20. Jh., als die Ethnologie bereits klare Konturen entwickelt hat. Dann wird die Auflösung der Kolonialreiche und der Übergang zu post- und 'neokolonialen' Verhältnissen eingehender thematisiert, auch dies mit besonderer Berücksichtigung der Stellung und Position der Ethnologen in diesem Prozess.
Schliesslich wird die Herausbildung der postkolonialen Perspektive im späteren 20. Jh. Thema sein, die die heutige Sicht auf die koloniale Vergangenheit entscheidend geprägt hat. Wichtige Beiträge von Ethnologinnen und Ethnologen in diesem Feld werden kritisch beleuchtet. Ziel des Seminars ist es, eine differenzierte Sicht auf das Verhältnis der Ethnologie zu den historischen Bedingungen ihrer Entstehung zu gewinnen und den Sinn für die Neben- und Nachwirkungen dieser Verstrickungen zu schärfen.
Zur Einführung
empfohlen:
Stephen Feuchtwang: The Colonial Formation of British Social Anthropology. In: Talal Asad (ed.): Anthropology and the Colonial Encounter. London: Ithaca Press 1973.
Peter Pels: The Anthropology of Colonialism: Culture, History and the Emergence of Western Governmentality. Annual Review of Anthropology 26 (1997): 163-183. Georg Steinmetz: Defensive Anthropology. Postcolonial Studies 17 (2014): 436-450.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
Die urban anthropology wurde in den letzten Jahrzehnten durch die global stattfindende Urbanisierung zu einem bedeutenden Forschungsfeld für die Ethnologie. Besonders in sich rasch urbanisierenden Ländern wie China sind Forschungsfragen zunehmend eingebettet in städtische Kontexte. Die Verstädterung beinhaltet weit mehr als Bevölkerungswachstum und offensichtliche Veränderungen in der gebauten Umwelt, wie eine steigende Anzahl von Baustellen, Einkaufszentren, Bürogebäuden und Wohnsiedlungen. Neben diesen materiellen Veränderungen in der städtischen Landschaft führt Urbanisierung auch zu einer Transformation der sozialen, kulturellen, räumlichen und ökonomischen Praktiken. Nach einer Einführung in das Forschungsfeld der urban anthropology mit zentralen aktuellen theoretischen Ansätzen nähern wir uns der urban anthropology Chinas an. Ziel des Kurses ist es, einen Überblick über wesentliche ethnologische Themen der Urbanisierung am Beispiel China zu erarbeiten, zum Beispiel im Hinblick auf folgende Aspekte:
Materialien über Entwicklungen in verschiedenen Städten von Guangzhou über Kunming bis Ürümqi zur Verfügung. Der Kurs bietet einen Überblick über das Forschungsfeld urban anthropology mit besonderer Berücksichtigung Chinas und einem Fokus auf der Transformation der materiellen Texturen städtischen Lebens.
Einführungsliteratur:
Pardo Italo, Prato Giuliana B. 2013. «Discussions and Comments. Forum on Urban Anthropology». Urbanities 3(2): 79-132.
Omahna Manfred. 2013. «Kulturanthropologie und Architektur. Episteme temporärer Begegnungen», in: Rolshoven Johanna, Omahna Manfred (Hg.), Reziproke Räume. Texte zu Kulturanthropologie und Architektur, S. 40-49. Marburg: Jonas Verlag.
Fleischer, Friederike 2010. Suburban Beijing. Housing and Consumption in Contemporary China. Minneapolis: University of Minnesota Press.
Zhang Li 2006. «Contesting Spatial Modernity in Late-Socialist China». Current Anthropology 47(3): 461-476.
Anrechenbarkeit:
BA: Seminar: Thematische Gebiete; Übung: Kernbereich IV: Materielle Kultur / Praktisches Wissen / Kunst (NUR ZUSAMMEN MIT DER VORLESUNG KERNBEREICH IV im HS15)
Dieses Seminar soll eine erste Orientierung im sehr weitläufigen und heterogenen Feld von ‚Religion in Indien‘ geben und eine Grundlage für die ethnologische Auseinandersetzung mit regionalspezifischen und historisch gewandelten religiösen Stilen schaffen. Dazu orientiert sich das Seminar an zwei Kernfragen: 1. Wie verhalten sich in Indien entwickelte religiöse Stile zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im 20./21. Jahrhundert? 2. Welche Praktiken stellen ‚Religion‘ in Indien und in Regionen, die indischen Migrantinnen als Lebensmittelpunkt dienen, her? Anhand von Einführungsliteratur und Fallstudien erarbeiten wir im Seminar zentrale Konzepte, die eine Analyse ‚indischer‘ Religion ermöglichen, wobei die Konstruktionen des Verhältnisses von Religiosität zu Räumlichkeit im Kontext transnationaler Migration diskutiert werden.
Erfolgreiche AbsolventInnen des Kurses können
Vorbereitende
Literatur zur Einführung
Fuller, C. J. (1976): Kerala Christians and the Caste System. In: MAN (N.S) II, 53-70.
Malinar, Angelika (2009): Hinduismus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
Simpson, Edward (2003): Migration and Islamic reform in a Port Town of Western India. In: Contributions to Indian sociology (37), 83-108. Vertovec, Steven (2000): The Hindu Diaspora. Comparative Patterns. London, New York: Routledge.
Vertovec, Steven (2000): The Hindu Diaspora. Comparative Patterns. London, New York: Routledge.
Das Seminar bietet eine Einführung in die wichtigsten historischen Etappen und literarischen Strömungen der modernen indischen Literatur mit einem Fokus auf die Hindi-Literatur. Es werden repräsentative Werke aus verschiedenen Epochen und aus unterschiedlichen Genres in Übersetzungen gelesen und deren historischen und kulturellen Kontexte anhand ausgewählter Sekundärliteratur diskutiert. Die Veranstaltung kann auch ohne Hindi-Kenntnisse besucht werden. Eine Liste der Autoren und
Werke wird zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt und die Details des Leistungsnachweises werden in der ersten Sitzung besprochen.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete (zusammen mit VL Moderne indische Literatur)
Mit mehr als 2`000 Sprachen und Kulturen und mit über einer Milliarde Menschen ist „Afrika“ kein Ort, den wir in einem einzigen Semester studieren können. Anstatt eines enzyklopädischen Überblicks werden wir im Seminar lediglich einige Schlaglichter auf die Vielfalt auf dem Kontinent werfen und dabei vor allem etwas über Ethnologie lernen: Durch die Auseinandersetzung meist westlicher AutorInnen mit unterschiedlichen kulturellen Phänomenen in Afrika wurden einige weitreichende theoretische Ansätze formuliert, die zum Teil bis heute in der Wissenschaft kritisch diskutiert werden. Wir werden uns einige dieser „klassischen“ Texte der Ethnologie Afrikas ansehen und dabei auch nachverfolgen, wie sich die ethnologische Auseinandersetzung mit den „Anderen“ verändert hat. „Hexerei“ in Afrika zum Beispiel galt zur Zeit der imperialen Ausbeutung einigen Wissenschaftlern als „Beweis“ der Irrationalität und kulturellen Unterlegenheit der Menschen in Afrika. Später forderte das Denksystem der „Hexerei“, wie es der britische Ethnologe Evans-Pritchard untersuchte, unsere gängigen Vorstellungen von Rationalität und insgesamt unser Weltbild heraus. Und heute erscheint „Hexerei“ in Afrika vielen AutorInnen nicht mehr als Relikt einer „traditionellen“ Vergangenheit, sondern als ausdrücklich „moderne“ Antwort auf gesellschaftliche Verwerfungen im globalen Kapitalismus.
Wenn wir uns im Seminar also einzelne Themen herausgreifen werden wir stets kritisch untersuchen, in welchem machtpolitischen Kontext ein kulturelles Phänomen in Afrika untersucht wurde, und in welche wissenschaftlichen Diskurse diese Untersuchung mündete. Viele dieser Texte wurden von Ausländern geschrieben, meist Europäern oder Amerikanern. Diesen Perspektiven von „aussen“ werden wir einige Perspektiven von Autoren aus Afrika gegenüberstellen.
Einige „Schlaglicht-Themen“ werden sein:
Einführende Literatur
Ferguson, James 2006. Global shadows. Africa in the neoliberal world. Durham, London: Duke University Press.
Anrechenbarkeit:
BA: Regionalmodul Subsaharisches Afrika
MA: Thematisches bzw. Regional-Modul
Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Geschichte, Gattungen und literarischen Bewegungen der modernen indischen Literatur seit dem 19. Jh. Der Schwerpunkt liegt auf der Hindi-Literatur. Ausgehend von einer Betrachtung der älteren literarischen Traditionen Nordindiens (insbesondere die Literatur der bhakti-Traditionen) werden die Kontexte der Formierung des modernen Hindi als Literatursprache erörtert (Kolonialherrschaft, Sprachpolitik, Beziehung zwischen Hindi und Urdu, neue Formen der Öffentlichkeit, Journalismus). Es werden dann die wichtigsten Autoren und Autorinnen sowie die literarischen Gattungen und literaturtheoretischen Positionen des 20. Jh. (vor und nach der indischen Unabhängigkeit) vorgestellt. In der Vorlesung werden auch die Beziehungen zwischen literarischen Werken und dem Hindi-Film anhand ausgewählter Beispiele berücksichtigt.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete (zusammen mit Übung Texte zur modernen indischen Literatur)
Der Begriff „Natur“ kann viele unterschiedliche Bedeutungen haben. Halten wir eine Sache für gegeben und unveränderlich, so erscheint sie uns „ganz natürlich“. Wollen wir uns vom Alltagsstress in den Städten erholen, gehen wir gerne „in die Natur“. Verfechterinnen der Rechte so genannt indigener Gruppen beschreiben deren Lebensweise gerne als „im Einklang mit der Natur“, Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe bezeichnen diese als „widernatürlich“. In wissenschaftlichen Kreisen wird derweilen debattiert, welche Verhaltensweisen des Menschen „natürlich“ und welche „erlernt“ seien, und nicht zuletzt definieren wir unser Fach gerne als Kulturwissenschaft – im (vermeintlichen) Gegensatz zu den Naturwissenschaften. Jede dieser Bedeutungen kann aus unterschiedlichen Gründen sehr problematisch sein, daher wurde der Begriff „Natur“ und seine Bedeutungen in der Ethnologie auch immer wieder diskutiert, hinterfragt und kritisiert.
Dieses Seminar soll einen Überblick verschaffen über diese verschiedenen Debatten in der Ethnologie. Auseinandersetzen werden wir uns dabei unter anderem mit der politischen Ökologie und der Frage, wie „Natur“ von verschiedenen Gruppen auf unterschiedliche Art und Weise angeeignet wird, mit Tim Ingolds Kritik an biologischen und sozialwissenschaftlichen Evolutionstheorien, mit konstruktivistischen Ansätzen von Natur als soziales Konstrukt, mit der feministischen Kritik am Naturbegriff, mit anthropologischen Arbeiten zum Verhältnis zwischen Menschen und Tieren, mit Bruno Latours Beobachtungen in Laboren von Naturwissenschaftlern, mit dem „ontological turn“ und der Idee, dass es verschiedene Arten des Seins gibt, und schliesslich mit Donna Haraways „cyborg anthropology“ und der „multi-species anthropology“, der Erweiterung sozialanthropologischer Forschung auf andere Lebewesen.
Der Kurs richtet sich an alle Studierenden, die sich gerne mit teils anspruchsvolleren theoretischen Texten aus verschiedenen Forschungskontexten auseinandersetzen und durch die Beschäftigung mit dem Begriff „Natur“ Einblicke in viele wichtige theoretische Debatten der Ethnologie gewinnen möchten.
Ausgewählte Literatur:
Biersack, Aletta und James B. Greenberg (Hrsg.). 2006. Reimagining Political Ecology. Durham: Duke University Press
Castree, Noel und Bruce Braun (Hrsg.). 2001. Social Nature. Malden: Blackwell
Descola, Philippe. 2013. Beyond Nature and Culture. Chicago: University of Chicago Press
Haraway, Donna. 1991. Simiens, cyborgs and women: the reinvention of nature. London: Routeledge
Ingold, Tim. 2000. The perception of the environment: essays on livelihood, dwelling and skill. London: Routeledge
Latour, Bruno. 1993. We have never been modern. Cambridege, Mass.: Harvard University Press
Soper, Kate. 1995. What is Nature? Malden: Blackwell
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
Jedes Jahr füllen sich vor Weihnachten die Regale der grossen Supermärkte mit diversen Konsumgütern passend zum Feiertag, europäische Grossbanken bieten ihren Kunden Sharia-konforme Finanzprodukte an und religiöse Organisationen eifern auf dem „Markt der Religionen“ um Gläubige. All diese Phänomene und Prozesse haben eines gemeinsam, sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen Religion und Ökonomie.
In diesem Seminar setzten wir uns anhand von sozialwissenschaftlicher Literatur mit diesem Spannungsfeld auseinander. Während dem ganzen Semester begleiten uns zwei zentrale Fragen: Wie beeinflusst die Religion das ökonomische Verhalten und welchen Einfluss hat die Wirtschaft auf religiöse Praktiken und Institutionen. Nach einer einführenden Auseinandersetzung mit den Religions- und den Ökonomiekonzepten in der Ethnologie beschäftigen wir uns im ersten Block des Seminars mit der Religionsökonomie (economy of religion). Die Religionsökonomie versucht verschiedene Konzepte aus der Wirtschaftswissenschaft sowie verschiedene Marktmodelle auf die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Religion anzuwenden. Wir diskutieren die Vor- und Nachteile der Religionsökonomie sowie die Anwendbarkeit solcher Theorien in einer ethnologischen Forschung. Im zweiten Block des Seminars (ca. 2/3 des Semesters) setzen wir uns mit dem Spannungsfeld zwischen Religion und Ökonomie anhand von konkreten, ethnographischen Fallbeispielen auseinander. Dabei behandeln wir unter anderem Themen wie Halal (Produktion, Zertifizierung und Märkte), Islamic Finance, Zakat, Kommodifizierung und Vermarktung von religiösen Gütern, Tausch, Globalisierung und transnationale religiöse Organisationen.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
In diesem Seminar werden wir uns intensiv mit zeitgenössischen Forschungsarbeiten über die Region Südasien beschäftigen. Im Vordergrund stehen Themen aus der Medizin-, Politik und Rechts-, Wirtschafts- und Religionsethnologie. Außerdem findet das Seminar im Zusammenhang mit dem South Asia Forum (SAF) statt, einer Vortragsreihe, die ab dem Herbstsemester 2015 regelmäßig am ISEK-Ethnologie angeboten wird. In diesem Rahmen haben wir vier EthnologInnen eingeladen, die mit uns ihre aktuellen Forschungen in Indien über Biotechnologien und Stammzellforschung (Aditya Bharadwaj), Polizei (Julia Eckert), Arbeiterstädte (Christian Strümpell) und Blutspende als religiöse Gabe (Jacob Copeman) diskutieren werden. Nach einer Einführung in das jeweilige Themengebiet über zwei Sitzungen werden wir einen nicht veröffentlichten Text (work in progress) unserer Gäste lesen und diesen mit ihnen in der dritten Sitzung besprechen. Im Anschluss an die Diskussionen mit unseren Gästen (am 7.10., 28.10., 25.11. und 16.12.) werden wir in gemütlicher Runde auch nach dem Seminar weiter diskutieren, wozu alle Studierenden herzlich eingeladen sind.
Es werden keine Vorkenntnisse über die Region vorausgesetzt, wir erwarten jedoch, dass sich Studierende intensiv mit der Pflichtlektüre befassen (ca. 20-30 Seiten pro Woche) und Freude am wissenschaftlichen Austausch haben. Interessierte buchen bitte das Modul bis zum 9. September, da vor Seminarbeginn bereits Materialien via OLAT zirkuliert werden. Die Pflichtlektüre für die erste Sitzung ist online frei verfügbar:
Berger, P. 2012. Theory and ethnography in the modern anthropology of India. HAU: Journal of Ethnographic Theory 2 (2): 325–57.
Wir freuen uns auf anregende Diskussionen!
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
In diesem Seminar erarbeiten wir uns Prinzipien der Auswertung qualitativer Interviewdaten. Das Seminar ist so konzipiert, dass Auswertungsmethoden an studentischen Forschungsdaten erlernt werden können. Ein Fokus liegt dabei auf Narrativen Interviews und (Teilnehmender) Beobachtung, da diese Methoden im Rahmen eines qualitativen Methodenseminars (Nichtreligion in der Schweiz) im FS 2015 erprobt wurden. Die Forschungswerkstatt ist aber offen für alle Studierenden, die an der Interpretation von empirischen Forschungsdaten arbeiten wollen und an grundlegenden Prinzipien der qualitativen Datenauswertung interessiert sind.
Je nach TeilnehmerInnenzahl, werden vielleicht nicht alle Studierenden mit eigenem Material vertreten sein. Sollte Interesse bestehen, eigenes Material einzubringen, kontaktieren Sie uns bitte noch vor dem ersten September 2015. Die Literatur zu den Methoden wird im Vorfeld im OLAT bereitgestellt. Die Veranstaltung findet zwei-wöchentlich als Doppelveranstaltung statt. Zur Seminarleistung gehört eine schriftliche Auswertung von empirischem Material.
Wir freuen uns auf Studierende mit Interesse an Methoden und der Freude daran, sich im Seminar mit verschiedenem empirischem Material auseinanderzusetzen.
Anrechenbarkeit:
MA: Thematisches bzw. Regional-Modul
Diese Veranstaltung beschäftigt sich mit einem politisch-ökonomischen System, das als Rivale den kapitalistischen Gesellschaften jahrzehntelang gegenüberstand und Anfang der 90er Jahre zu einem Ende kam. Es umfasst einen grossen geographischen Raum, vor allem in Asien und Europa, der für Ethnologen erst seit dem Ende des Sozialismus zugänglich geworden ist. Innerhalb dieses Raumes unterschieden sich die Umsetzung und Praxis der grundlegenden politischen und ökonomischen Ideologie wie auch die Prozesse der Transformation zu einem zu einem kapitalistischen System deutlich voneinander.
Ziel der Veranstaltung ist es, sich über Ethnographien des Alltags einen Überblick zu verschaffen und zu verstehen, wie dieses System funktionierte und das Leben von Menschen bestimmt und geprägt hat. Die Spuren der Vergangenheit sind in vielen Lebensbereichen noch gegenwärtig, werden von vielen in Erinnerung gerufen, vermisst, aber auch kritisiert. Wie die Zeit nach dem Sozialismus als Post-Sozialismus gelebt, erfahren und überlebt wird, und wie ein System das Leben als Ganzes geprägt hat, wird in dieser Veranstaltung thematisiert.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete
Spätestens seit der als origins controversy in die Fachgeschichte eingegangenen Debatte um die kulturelle Herkunft afro-amerikanischer spirituals sind die musikalischen Begegnungen verschiedener Kulturen und ihre Produkte zu zentralen Themen der Musikethnologie avanciert.
Die Vielzahl der Begriffe, auf die man in der entsprechenden Forschungsliteratur trifft („Akkulturation“, „Hybridität“, „Synkretismus“, „Interkulturalität“, „Transkulturalität“, „World Music“, „Fusion“ etc.), zeugt aber nicht nur von der Diversität der seitdem untersuchten Fallbeispiele, sondern vor allem von der Uneinigkeit, die im Fach darüber herrscht, wie musikalische Kulturkontakte und ihre Produkte theoretisch am adäquatesten zu fassen sind (und ob das Konzept des musikalischen Kulturkontaktes angesichts des Bedeutungswandels, den der Kulturbegriff in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat, überhaupt noch angemessen ist).
Auf Grundlage einer Auswahl fachgeschichtlich bedeutsamer Monographien aus der Musikethnologie und den popular music studies sollen im Verlauf des Seminars die verschiedenen Ansätze, mit denen die musikalischen Begegnungen verschiedener Kulturen in den letzten Jahrzehnten untersucht wurden, vorgestellt und diskutiert werden.
Anrechenbarkeit:
BA: Seminar: Thematische Gebiete; Übung: Kernbereich IV: Materielle Kultur / Praktisches Wissen / Kunst (NUR ZUSAMMEN MIT DER VORLESUNG KERNBEREICH IV im HS15)
Khmer ist die offizielle Sprache Kambodschas und wird von über 15 Millionen Kambodschaner in Kambodscha, sowie mehreren Millionen von Khmer-sprechenden Minderheiten in Thailand, Vietnam sowie in den USA, Frankreich und anderen westlichen Ländern gesprochen.
Die Khmer-Sprache gehört zur austro-asiatischen Gruppe. Unter dem französischen Protektorat von 1859 bis 1949 versuchte die französischen Behörden in Indochina, die Khmer-Schrift durch lateinische Schriftzeichen zu ersetzten. Aufgrund der Massenproteste der buddhistischen Mönche wurde dieser Plan verworfen.
Die Khmer-Grammatik ist sehr einfach. Es gibt kein Geschlecht und Numerus. Die Verben bleiben gleich, ob Einzahl oder Mehrzahl, ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Die Auskunft über die Anzahl und Zeit ergibt sich aus dem Zusatz von Zahlwörtern und zeitlichen Adverbien im Satz.
In der Khmer-Sprache gibt es zahlreiche Fremdwörter, die aus dem Sanskrit und Pali stammen. In der Vergangenheit haben die Khmer gut Beziehungen mit den Bevölkerungen im Südindien gepflegt. Sanskrit wurde durch Brahmanisten und Mahayana-Buddhisten sowie Pali durch Theravada-Buddhisten von Indien nach Kambodscha gebracht.
In diesem Sprachmodul werden die Studierenden zuerst die Khmer-Konsonanten und Vokalzeichen kennenlernen. Danach können sie den Wortschatz und Satzbildung erlernen.
Die Khmer-Sprache ist eng verbunden mit der Kultur, Tradition und Gesellschaft. Deswegen richtet sich dieser Kurs an alle Studierenden, welche sich vertieft mit Kambodscha auseinandersetzen möchten. Die Studierenden werden mit dem Kurs eine wichtige sprachliche Grundlage erwerben und die alltägliche Sprache gut üben, damit sie sich mit Kambodschanern austauschen können.
Der Besuch des Sprachmoduls Khmer I (HS 2015) und Khmer II (FS 2016) ist Voraussetzung für eine Teilnahme an der geplanten Forschungsexkursion nach Kambodscha im Sommer 2016.
Anrechenbarkeit:
BA: Sprachmodul
In diesem Seminar geht es um eine intensive Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, Dilemmas und Kontroversen in der empirischen Feldforschung. Wir werden uns anfangs mit den „dunkl(er)en“ Kapiteln der ethnologischen Fachgeschichte befassen und auch im Lauf des Seminars sogenannte Grauzonen der heutigen Ethnologie thematisieren. Vor allem aber werden wir versuchen Fallbeispiele und Dilemmas nicht nur ethisch zu beurteilen, sondern diese auch in der Praxis des Forschens und im Feldforschungsalltag zu verorten.
Wo liegt die Grenze zwischen Wissenschaft und Aktivismus, oder zwischen Informant und Freund? Wie präsentiert man sich selbst im Feld, ob fern oder „zuhause“? Wie geht man mit interkulturellen Unterschieden um, die einem ungefragt auferlegt werden? Welche Möglichkeiten und Begrenzungen bieten uns verschiedene Forschungsmethoden, und wir uns selbst, als Forschungsinstrument?
Ziel des Seminars ist es, sich über Ursachen und Wirkungen bewusst(er) zu werden, die im Feld auf Forschende zukommen und auch durch sie erzeugt werden können. Breitere gesellschaftliche Zusammenhänge, sowie auch das eigene Handeln in komplexen Situationen, werden wir aus verschiedenen Perspektiven heraus betrachten, um ethische Probleme besser kennen und einschätzen zu lernen. Das Seminar bietet eine praktische Übung zum Diskutieren und (selbst-)kritischen Nachdenken über Ethik und Forschungspraxis, und über Lösungen und Handlungsspielräume in prekären Situationen im Feld.
Anrechenbarkeit:
BA: Thematische Gebiete