Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03147.jsonl.gz/403

Was ist Gestationsdiabetes?
Wenn Sie schwanger sind, nie zuvor Diabetes gehabt haben und nun (meist im zweiten oder dritten Trimester) einen zu hohen Blutzuckerwert aufweisen, nennt man das Gestationsdiabetes. Das von Ihrem Körper produzierte Hormon Insulin arbeitet nicht genug, um die Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, denen sie Energie spenden kann. Die meisten Frauen mit Gestationsdiabetes haben sofort nach der Niederkunft keinen mehr. Aus diesem Grund nimmt man an, dass Schwangerschaftshormone dafür verantwortlich sind.
Wie bekommen Frauen Gestationsdiabetes?
Das kann die Wissenschaft noch nicht definitiv beantworten. Aber es ist bekannt, dass Sie diese Krankheit mit höherer Wahrscheinlichkeit entwickeln, wenn Sie:
- Übergewicht haben,
- eine familiäre Vorgeschichte mit Diabetes haben (z. B. zuckerkranke Eltern oder Geschwister),
- bereits Kinder haben, die bei ihrer Geburt mehr als 4 kg wogen,
- in früheren Schwangerschaften Gestationsdiabetes oder andere Komplikationen hatten,
- über 35 sind.
Wie häufig kommt Gestationsdiabetes vor?
Weltweit nimmt die Zahl von Frauen mit Gestationsdiabetes zu. Die Wissenschaft weiss nicht warum, aber bestimmte ethnische Zugehörigkeiten sind mehr davon betroffen als andere. Es mag zum Teil an der wachsenden Fettleibigkeit von Frauen schon vor der Schwangerschaft liegen.
Kann ich irgendetwas tun, um mein Gestationsdiabetes-Risiko zu verringern?
Ja. Zwar liegen manche Faktoren wie Alter und Familiengeschichte ausserhalb Ihrer Kontrolle, aber zum Glück gibt es auch Dinge, die Sie unternehmen können, um Ihr Risiko, an Gestationsdiabetes zu erkranken, zu senken.
- Halten Sie ein gesundes Gewicht. Achten Sie bereits vor der Schwangerschaft auf ein gesundes Gewicht und dann auf Gewichtszunahmen, die innerhalb des empfohlenen Rahmens liegen. Führende Wissenschaftler sind sich einig, dass es weder für Sie noch für Ihr Baby gesund ist, wenn Sie während der Schwangerschaft zu viel zunehmen. Das kann auch das Geburtsgewicht Ihres Kindes direkt beeinflussen. Manche Frauen mögen glauben, dass sie das Beste für Ihr Baby tun, wenn sie ordentlich viel zulegen, aber Studien zufolge erhöhen sie damit ihre Wahrscheinlichkeit, an Gestationsdiabetes zu erkranken.
- Bleiben Sie in Bewegung. Selbst wenn Sie vor Ihrer Schwangerschaft nicht besonders sportlich waren, ist es nicht zu spät, jetzt noch eine Aktivität zu beginnen. Jüngste Studien haben ergeben, dass eine gemässigt aktive Lebensweise gesund für werdende Mütter ist. Aber wie immer: Wenn Sie nicht sicher sind, was Sie unbedenklich tun können, klären Sie das mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
- Ernähren Sie sich ausgewogen. Denken Sie darüber nach, was und wie viel bei Ihnen auf den Teller kommt. Wenn Sie die richtigen Mengen der fünf Lebensmittelgruppen (Früchte, Getreide, Gemüse, Fleisch/Fisch und Milchprodukte) zu sich nehmen, liefern Sie Ihrem Körper alle Nährstoffe und Kalorien, die er für Ihre Schwangerschaft und die Gesundheit Ihres Kindes braucht.
- Erwägen Sie Myo-Inositol und Probiotika. Neue Forschungsergebnisse haben ergeben, dass die Einnahme von Myo-Inositol das Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, senken kann, insbesondere wenn es bereits erhöht ist. Die genaue Wirkungsweise ist noch nicht vollständig geklärt, aber wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Myo-Inositol die Fähigkeit von Geweben (wie Muskeln und Fett) verbessert, Glukose aus dem Blut in die Zellen zu schaffen, denen sie Energie liefern kann. Myo-Inositol kommt auf natürliche Weise in tierischen und pflanzlichen Zellen vor und ist in vielen frischen Früchte- und Gemüsesorten enthalten. Die Einnahme von Probiotika kann dazu beitragen, die Bakterien in Ihrem Verdauungstrakt ins Gleichgewicht zu bringen. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Probiotika-Arten möglicherweise das Risiko für Gestationsdiabetes verringern.
Werde ich getestet?
Ja, bei den Vorsorgeuntersuchungen werden routinemässig zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche Bluttests auf Gestationsdiabetes durchgeführt. Viele Frauen haben nämlich weder die oben angeführten Risikofaktoren noch irgendwelche Symptome. Falls bei Ihnen ein erhöhtes Risiko vorliegt, empfiehlt Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin möglicherweise, sich schon früher testen zu lassen.
Muss ich Medikamente einnehmen, falls ich an Gestationsdiabetes erkranke?
Nicht unbedingt. Es ist wichtig zu wissen, dass man Schwangerschaftsdiabetes in den Griff bekommen kann. Vielleicht genügt eine Umstellung Ihrer Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, um Ihre Blutzuckerwerte wieder in einen gesunden Bereich zu bringen. Aber manchmal muss auch etwas eingenommen werden, dazu kann Sie am besten Ihr Arzt oder Ihre Ärztin beraten.
Schadet Gestationsdiabetes meinem Baby?
Nicht, wenn er erfolgreich behandelt wird. Gelingt es, die Blutzuckerwerte unter Kontrolle zu halten, bleiben die meisten Mütter und Kinder gesund. Bei unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes und einem dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegel gelangt die überschüssige Glukose durch die Plazenta ins Blut Ihres Babys und zwingt seinen Körper, mehr Insulin zu produzieren. Dieser zusätzliche Zucker + Insulin machen dick. Daher kann das Baby insbesondere am Oberkörper zu sehr wachsen. Darüber hinaus kann das von Ihrem Baby produzierte zusätzliche Insulin dazu führen, dass es bei der Geburt einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel hat, der behandelt werden muss.
Aber ist Grösse bei einem Baby nicht ein Zeichen für gute Gesundheit?
Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Wenn Ihr Baby zu gross ist, bestehen ernsthafte gesundheitliche Gefahren. Im Mutterleib können grosse Babys Schwierigkeiten haben, in den Geburtskanal zu gelangen. Auch im weiteren Verlauf der Geburt kann es zu Komplikationen kommen und einige grosse Neugeborene haben Probleme mit der Atmung.
Kann Gestationsdiabetes meinem Baby auch beim Aufwachsen noch schaden?
Ja, das kann bei fehlender Behandlung passieren. Erhöhte Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, ein grosses Baby zur Welt zu bringen. Babys, die bei der Geburt bereits vergleichsweise gross sind, haben ein höheres Risiko, als Kinder – und daraus folgend auch als Erwachsene – übergewichtig zu werden.
Was kann ich tun, wenn ich an Gestationsdiabetes erkranke?
Befolgen Sie diesen 6-Stufen-Plan zur Kontrolle Ihres Schwangerschaftsdiabetes:
- Kennen Sie Ihren Blutzuckerspiegel. Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, wie Sie Ihre Blutzuckerwerte überwachen können und in welchen Bereichen sie nüchtern am Morgen sowie nach den Mahlzeiten liegen sollten.
- Ernähren Sie sich gesund. Wir sind alle verschieden, daher sollten Sie sich einen individuellen ernährungswissenschaftlichen Speiseplan aufstellen lassen, der alle von Ihrem Körper benötigten Kalorien und Nährstoffe (insbesondere Kohlenhydrate, Eiweiss und Fett) enthält.
- Achten Sie auf die empfohlene Gewichtszunahme während der Schwangerschaft.
- Behalten Sie eine gemässigte sportliche Betätigung bei unter Aufsicht Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin.
- Nehmen Sie die Medikamente, die Ihnen verschrieben wurden, gewissenhaft ein.
- Gehen Sie zu allen Vorsorgeuntersuchungen, damit Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihr Baby vermessen und sein Wachstum überwachen kann.
Sources
American Diabetes Association. Standards of medical care in diabetes. Diabetes Care 2014; 37:Supplement 1.
American Association of Diabetes Educators. (2003). Core Curriculum for Diabetes Educators (CDE). Chicago: AADE.
The American College of Obstetricians and Gynecologists. Practice Bulletin: Gestational Diabetes Mellitus. Obstet Gynecol 2013; 122:406-16.
Barrett HL, Callaway LK, Nitert MD. Probiotics: a potential role in the prevention of gestational diabetes. Acta Diabetol 2012; 49:S1-S13.
Celentano C, Matarrelli B, Mattel P et al. Myo-inositol supplementation to prevent gestational diabetes mellitus. Curr Diab Rep 2016; 30, doi 10.1007/s11892-016-0726-6.
Crawford TJ, Crowther CA, Alsweiler J. Antenatal dietary supplementation with myo-inositol in women during pregnancy for preventing gestational diabetes. Cochrane Database Syst Rev 2015; 17:doi: 10.1002/14651858.CD011507.pub2.
Crowther CA, Hiller JE, Moss JR et al. Effect of treatment of gestational diabetes mellitus on pregnancy outcomes. Australian Carbohydrate Intolerance Study in Pregnant Women (ACHOIS) Trial Group. N Engl J Med 2005; 352:2477-86.
Croze ML, Soulage CO. Potential role and therapeutic interests of myo-inositol in metabolic diseases. Biochimie 2013; 95:1811-27.
Hod M, Kapur A, Sacks D et al. The international federation of gynecology and obsetetrics (FIGO) initiative on gestational diabetes metllitus: A pragmatic guide for diagnosis, management and care. Int J Gynaecol and Obstet 2015; 131:S173-S211.
IOM (Institute of Medicine) and NRC (National Research Council) (2009). Weight Gain During Pregnancy: Reexamining the Guidelines. Washington DC: The National Academies Press.
Isolauri E, Rautava S, Collado MC et al. Role of probiotics in reducing the risk of gestational diabetes. Diabetes Obes Metab 2015; 17:713-9.
Jiwani A, Marseille E, Lohse N, Damm P et al. Gestational diabetes mellitus: results from a survey of country prevalence and practices. J Matern Fetal Neonatal Med 2012; 25: 600-10.
Laitinen K, Poussa T, Isolauri E and the Nutrition, Allergy, Mucosal Immunology and Intestinal Microbiota Group. Probiotics and dietary counselling contribute to glucose regulation during and after pregnancy: a randomised controlled trial. Br J Nutr 2009; 101:1679-87.
Landon MB, Spong CY, Thom E et al. A multi-center, randomized trial of treatment for mild gestational diabetes. Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development Maternal-Fetal Medicine Units Network. N Engl J Med 2009; 361: 1339-48.
Luoto R, Laitinen K, Nermes M et al. Impact of maternal probiotic-supplemented dietary counseling on pregnancy outcome and prenatal and postnatal growth: a double-blind, placebo-controlled study. Br J Nutr 2010; 103:1792-9.
Metzger BE, Gabbe SG, Persson B et al. International association of diabetes and pregnancy study groups recommendations on the diagnosis and classification of hyperglycemia in pregnancy. Diabetes Care 2010; 33:676-82.
Muktabhant B, Lumbiganon P, Ngamjarus C et al. Interventions for preventing excessive weight gain during pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2014; doi: 10.1002/14651858.CD997145.pub2.
Muktabhant B, Lawrie TA, Lumbiganon P et al. Diet or exercise, or both, for preventing excessive weight gain in pregnancy (Review). Cochrane Database Syst Rev 2015; doi: 10.1002/14651858.CD007145.pub3.
Santamaria A, Di Benedetto A, Petrella E et al. Myo-inositol may prevent gestational diabetes onset in overweight women: a randomized, controlled trial. J Matern Fetal Neonatal Med 2015; doi: 10.3109/14767058.2015.1121478.
World Health Organization. Diagnostic criteria and classification of hyperglycemia first detected in pregnancy. World Health Organization 2013.
World Health Organization. Diabetes Fact Sheet. World Health Organization 2016.
Last revised: August, 2016