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Syrien vor dem Konflikt
SOS-Kinderdorf hilft den Familien in Syrien stark zu bleiben (Foto: C.Alfarah).
Im Jahr 2010 hatte die Arabische Republik Syrien eine Bevölkerung von ca. 22,5 Mio., 2,5 Mio. lebten in der Hauptstadt Damaskus. Im Land lebten verschiedene ethnische und religiöse Bevölkerungsgruppen.
In den Jahrzehnten vor 2011 arbeitete die Regierung daran, das Leben der Bevölkerung durch leichteren Zugang zu Bildung und Gesundheit zu verbessern. Obwohl die Armutsrate gesunken ist, blieb sie immer noch hoch. Offiziell leben 12 % der Bevölkerung in Armut. Die Situation spitzte sich insbesondere in den ländlichen Gebieten zu. Zudem war Syrien die Heimat von rund 1,4 Mio. Flüchtlingen aus dem Irak und rund einer halben Million Palästinensern.
Gewaltsam vertriebene Familien
Im März 2011 begannen die Proteste mit der Forderung nach mehr Demokratie. Die Proteste eskalierten und schlugen letztendlich in Gewalt um, als oppositionelle Gruppen gegen jene der syrischen Ba’ath Partei kämpften. Die Sicherheitslage verschlechterte, und der Konflikt betraf Millionen von Syrern.
Im Jahr 2013 verloren immer mehr Menschen ihren Lebensunterhalt und ihre Häuser. Im April waren laut Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der UNO rund 3,6 Mio. Menschen vertrieben worden und benötigten humanitäre Hilfe. Jene Menschen, die die Hilfe am dringendsten benötigten, lebten zumeist in den am stärksten von der Gewalt betroffenen Gebieten und waren deshalb auch nur schwer erreichbar. Zudem hatten mehr als 1,2 Mio. Menschen Syrien verlassen und Zuflucht in den Nachbarländern gesucht. Diese Zahlen sollten durch den anhaltenden Konflikt weiterhin ansteigen.
Für diejenigen Familien, die in Syrien geblieben sind, wurde das Leben sehr hart. Viele haben Gewalt erfahren. Diejenigen, die ihr Zuhause verloren haben, leben nun bei Verwandten oder wurden in Schulen oder öffentlichen Gebäuden untergebracht. Es gibt einen zunehmenden Mangel an sauberem Trinkwasser. Infolgedessen fürchten Hilfsorganisationen vor Ort den Ausbruch von Krankheiten. Für Familien wird es auch zunehmend schwieriger, medizinische Hilfe zu erhalten, und Medikamente sind Mangelware. Der Mangel an Insulin lässt viele Menschen leiden. Schätzungsweise sind 430.000 Syrer an Diabetes erkrankt, 40.000 davon sind Kinder.
Verlorene Kindheit
Ungehindert spielen – einige der vertriebenen Kinder in unserer Obhut, die einen sicheren Ort gefunden haben, um ihre Kindheit zu genießen (Foto: R. Muhrez)Vor den Aufständen war Syrien demographisch gesehen ein junges Land, mit einer Bevölkerung, in der 35 % unter 14 Jahren waren. Zu diesem Zeitpunkt waren Kinderarbeit und Menschenhandel in Teilen Syriens ein bereits erkanntes Problem.
Berichten von Hilfsorganisationen zufolge wird eine zunehmende Anzahl von Kindern nun zur Arbeit gezwungen, oder sie werden als Kindersoldaten rekrutiert. In Konfliktzeiten brauchen Kinder mehr Schutz.
Die Kindheit geht verloren, wenn Familien aus ihren Häusern vertrieben werden, wenn ein Kind Zeuge von gewalttätigen Szenen wird oder wenn die Ausbildung unterbrochen wird. In vielen Gebieten ist es gefährlich, nach draußen zu gehen. Aktivitäten, die früher für Kinder selbstverständlich waren – in die Schule zu gehen oder im Park zu spielen – sind nicht mehr möglich. An die 2.400 Schulen wurden zerstört, und andere wurden zu Notunterkünften.
Zu Kindern, die besonders gefährdet sind, zählen jene aus Familien mit geringen Einkommen oder die aus Minderheitenfamilien stammen, Kinder mit Behinderungen, Kinder aus Familien, in denen es keinen Ernährer mehr gibt. In diesen Fällen sind die Familienbande von entscheidender Bedeutung. Verwandte unterstützen Familien, die ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage verloren haben. Kinder, die ihre Eltern verlieren, werden oft von überlebenden Verwandten aufgenommen.
SOS-Kinderdorf in Syrien
SOS-Kinderdorf ist seit Mitte der 1970er Jahre in Syrien tätig. Es wurden zwei SOS-Kinderdörfer gebaut. Eines in El Assal, in der Nähe von Aleppo, und das andere in Qodsaya, nahe Damaskus. Unsere Organisation unterstützt auch lokale Familien und Kinder durch das Familienstärkungsprogramm.
Seit August 2012 stellen wir ein Nothilfeprogramm für die am meisten gefährdeten Menschen zur Verfügung. Wir arbeiten mit verschiedenen Behörden, UN-Agenturen und lokalen NGOs sowohl in den ländlichen als auch städtischen Gebieten rund um Damaskus, Aleppo, Latakia, Homs, Daraa und Tartous zusammen. Um die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung zu decken, haben wir Lebensmittel, Medikamente zur Grundversorgung und Hygieneartikel verteilt. Wir bieten psychologische und pädagogische Unterstützung für Familien und Kinder zur Verfügung zu stellen.
2012 wurden die SOS-Kinderdorf-Familien aus dem SOS-Kinderdorf Aleppo aufgrund der Kämpfe evakuiert. Seitdem leben die Familien im SOS-Kinderdorf Qodsaya.
Das SOS-Nothilfeprogramm unterstützt auch syrische Flüchtlinge, die in den Libanon geflüchtet sind.
Im Dezember 2014 eröffneten wir in Damaskus aufgrund der steigenden Anzahl von Kindern ohne elterliche Betreuung eine provisorische Kindertagesstätte. Bis zu 20 Kinder finden dort ein sicheres, liebevolles Zuhause und werden von einer SOS-Kinderdorf-Mutter betreut. In der Zwischenzeit versucht SOS-Kinderdorf ihre Familien zu finden. Ist dies nicht möglich bleiben die Kinder in unserer Obhut.