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Ab und zu haben wir auf unserer Reise rotbraun-uni-gefärbte, schlanke Kälber gesehen und uns über deren Rasse und Ernährungszustand gewundert. Josy Lang wusste des Rätsels Lösung.
Ein Friesian-Kalb wird mit fünf Tagen verkauft, der Erlös liegt bei 20 Australischen Dollar (13 Fr.). Diese Kälber werden direkt geschlachtet und zu Petfood (Tiernahrung) oder in Babybrei verarbeitet.
Wagyu - Alternative zu Friesian
Weil dies ein sehr schlechtes Geschäft ist, wurde nach Alternativen gesucht, wobei der Geburtsablauf immer noch einfach sein soll. Nun wird auf Wagyu-Samen gesetzt. Die Kälber werden bis 100 Kilogramm gehalten und dann für 500 Dollar (332 Fr.) weiterverkauft.
Die Wagyu werden rund vier Jahre gemästet. Das Fleisch wird anschliessend vorwiegend nach Japan exportiert. Und weder die Friesian noch die Wagyus landen so jemals in Feedlots.
Farmer spricht Klartext
Nach unserem Besuch bei der Lang Farm fuhren wir wieder zur Küste und passierten die weltberühmte und sehr touristische Great Ocean Road. Weiter führte unsere Reise Richtung Adelaide und Kangeroo-Island. Auf dem Weg querten wir eine Getreide-Region mit riesigen Feldern und Silos. Immer wieder sahen wir Beef-Herden und Schafe auf den abgeernteten Getreidefeldern, wo sie die Stoppeln frassen.
Wir trafen auf einen Farmer, der gerade seine Tiere in die Yard («Laufhof») trieb. Er erklärte uns, dass der Transporter die Tiere bald abhole. Am Folgetag werden sie dann geschlachtet. Er hat uns kurz ein paar wichtige Fakten aufgezeigt: Bei den Tieren handelt es sich um 18- bis 20-monatige Ochsen sowie unträchtige Rinder.
Mit etwa sieben Monaten werden die Tiere kastriert und enthornt (Hörner sind auf dem Markt sehr unbeliebt). Der Schlachterlös liegt bei rund 1600 Australische Dollar (1065 Fr.). Seine 43 Tiere, die er gerade verkauft hat, waren die letzten Wochen auf einem Luzerne-Feld. Die Getreidestoppeln würden zum Überleben reichen, aber nicht um Gewicht zuzulegen, sagt er. Seine Tiere kämen kaum in Feedlots, das sei für ihn zu teuer.
Tiere früher geschlachtet
Auch er hat über die Trockenheit und den daraus resultierenden Problemen gesprochen. Zu wenig Wasser und Futter für seine Tiere, eine schlechte Ernte und vieles mehr.
Das Verladen ging anschliessend relativ zügig voran. Die Tiere hatten in den Augen eines Schweizer Landwirts extrem wenig Platz, doch der Australier machte sich da wenig Sorgen. Über Nacht würden sie abgeladen, so könnten sie sich vom Transport-Stress erholen, bevor sie geschlachtet werden.
Ich habe ihn gefragt, was es emotional bedeute, wenn nun die Tiere zum Schlachter müssen. Seine Antwort war: «Einige waren vielleicht noch etwas leicht, doch ich wollte sie lieber jetzt geben, bevor das Feuer kommt. Tiere, die durchs Feuer gingen, will niemand mehr!»
Brand zerstört der Traum
Als wir wegfuhren, waren wir waren ein wenig perplex über die Antwort des Farmers. Das nächste grosse Ziel war nun Kangeroo Island. Eine grosse Insel südlich von Adelaide mit einer riesigen Artenvielfalt. Wir planten vier Tage für diesen Höhepunkt unserer Reise ein. Doch daraus wurde nichts. Das Buschfeuer auf der Insel breitete sich rasant aus und es wäre viel zu gefährlich gewesen.
Traurig suchten wir einen Campingplatz. Die Frau an der Reception wirkte nervös. «Wir sollen keine Angst haben», meinte sie, «es werde nicht brennen, aber falls ein Feuer ausbricht, sollten wir uns wie folgt verhalten…». Überall hingen Zettel, was man im Brandfall tun muss. Und der Feuergong war aufgehängt.
Medien zum ersten Mal konsultiert - ein Schock
Wir wussten, dass die Brandgefahr auf der höchsten Stufe war. Und plötzlich wurden auch wir von dieser Unruhe angesteckt. Immer wieder konsultierten wir Website, um zu erfahren, wo aktuell Buschbrände wüteten. Sonst verzichten wir bewusst auf die Medien, abgesehen von Whats App. Wir machten dann doch eine Ausnahme und sahen uns einige News-Sendungen an.
Völlig geschockt von den Bildern merkten wir, dass hinter uns die absolute Katastrophe herrscht. Mallacoota, dieses wunderschöne Dorf, wo wir die Kängurus so nahe sahen und zum ersten Mal einen Koala hörten, brannte lichterloh. Auch im Gebiet vom Mais-Bauer und dem Farmer mit den zahmen Kühen wüteten Feuer. Ich kann die Gefühle kaum in Worte fassen. Für einen Moment dachte ich an die schöne Schweiz, wo es solche Probleme nicht gibt und wie schön es doch wäre, wenn…
Der zweite Teil dieses Blog-Eintrags folgt am Donnerstag