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Wir erkundeten unterdessen die Stadt in Richtung Boulevard Pincarré und setzen uns in der Nähe des Palace du Justice auf einer Terrasse an der Sonne an einen Tisch. Offenbar ignorierte man uns als nicht reservierte Gäste mit einer späten Bedienung. Alsdann setzten wir unsere Exkursion der Esplanade entlang in Richtung des Stadtzentrums fort und erreichten bald die mächtige hoch gotische Cathédrale St. Etienne mit den berühmten Chagall Fenstern als optischer Höhepunkt der Kunst. Alsdann folgten wir den diversen gut erhaltenen klassischen Häuserfassaden in der Altstadt in Richtung Pont des Morts an der Mosel. Sicher hätte man noch unzählige andere schöne und interessante Orte dieser ca. 3'000 jährigen Stadt besuchen können. Doch In Anbetracht der fortgeschrittenen Tageszeit beschränkten wir uns auf die Aussenansicht des Centre Pompidou hinter dem Bahnhof.
1. Tag, von Metz nach Perl: 67 km
Nach dem Frühstück telefonierten wir 2-mal der Reiseorganisation um sicher zu stellen, ob die Lieferung der Fahrräder funktionieren wird. Nach einiger Verspätung überreichte uns ein flotter Deutsch-sprechender Herr die Fahrräder. Nach der Einstellung der Sattelhöhe, transportierte er unsere Koffer nach Perl.
Schliesslich verliessen wir Metz über die Ponts des Morts und folgten rechtsufrig dem mit Auen und Industriezone durchsetzten Kanal entlang. Unterwegs begegneten wir zwei radfahrenden Franzosen, welche sich verwundert nach unserm Vorhaben erkundigten. Einer davon war völlig untrainiert, wohlbeleibt und mit schlechter Ausrüstung unterwegs. Wenig später begegnete uns vor Modellange ein pensionierter sehr gesprächiger Franzose. Er war ein ehemaliger Angestellter der hier stillgelegten Stahlindustrie. Er informierte uns auf seine Art und Weise über die Sehenswürdigkeiten unterwegs und empfahl uns sehr die linke Luxemburgische Uferseite.
Wir passierten am Eingang des still gelegten ehemaligen Hochofens von Uckrange vorbei und peilten Thionville an. Dort hielten wir nach ca. 30 km Fahrt für die Mittagspause an und verzehrten auf der Parkmauer der Roserie unser Picknick. Gigantisch wirkten von weitem schon die vier Kühltürme des Kernkraftwerks Cattenom. Unser Fahrradweg wechselte auf die rechte Seite bis Mailing. Dann kämpften wir gegen den Wind linksufrig weiter bis Conz an Sierck, dem (Château des Ducs de Lorraine), vorbei bis Apach. Nach einer beachtlichen Steigung erreichten wir endlich unser Hotel Hammes am Dreiländergrenzort Perl vis à vis von Schengen.
Leider fehlten hier die „Tante Emma“ Läden, denn dieser Ort besteht nur aus Hotels, neuen Häusern, einigen Sportvereinen und Schulhäusern. Schliesslich fanden wir unsern Proviant nur unten in einem gigantischen Shoppingzentrum.
2. Tag, Perl nach Trier: 54 km
Am nächsten Morgen überquerten wir die Mosel und fuhren ohne sichtbare Landesgrenzen linksufrig auf der Luxemburgischen Seite durch Schengen. Nach weniger als 30 Minuten erreichten wir schon Remich. Ein Streifzug durch die alten Gassen lohnte sich schon der Architektur der Häuser wegen. Später durchquerten wir einige Orte mit ungewohnten Namen wie Stadtbredimus, Ehnen, Wormeldange und wechselten bei Grevenmacher die andere Seite, um bei Wasserbillig um für ein Picknick zu unterbrechen.
Dieser Grenzort befand sich zwischen Luxemburg und Deutschland. Glücklicherweise zeigte unser Tacho die Erfolgsmeldung, der schon zurückgelegten Strecke an, und nach mehr als 10 Kilometern erblickten wir schon die ersten Häuser von Trier. Wenig später überquerten wir die Römerbrücke und erreichten nach 57 Kilometern Fahrt unser Hotel Römerhof mit Blick auf die Stadt.
Bald machten wir uns zu Fuss auf in Richtung Stadt. Oh lala, es war Samstag und es wimmelte so sehr mit Besuchern auf den Plätzen. Auf dem Hauptmarktplatz fanden diverse Veranstaltungen und Kinderbelustigungen statt.
Wir bestaunten einige der schönen Fachwerk bauten und speziell den Dom. Wogegen wir seine Innenausstattung als uneinheitliches Durcheinander von verschiedenen Baustilen empfanden. In dieser dichten Menschenmenge ermüdeten wir bald und begaben uns zur berühmten Porta Nigra. Das Tschu-Tschu Bähnli kam uns gerade gelegen um uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Trier zu zeigen. Nach abschliessenden Rundgang trafen wir gerade richtig zu einem schmackhaften Abendessen im Hotel Römerhof ein.
3. Tag, Trier nach-Piesport: 55.7 km
Noch im Morgennebel, üblicherweise ca.um 9.00 Uhr, starteten wir linksufrig auf wenig befahrenen Strassen bis Pfalzel. Ein kultureller Stopp führte uns zum ältesten Steinhaus in Deutschland, welches 300 Jahre n.Chr. gebaut wurde und seitdem immer bewohnt war.
Bei Schweich überquerten wir die Brücke nach rechts und gönnten uns eine Pause. Gleichzeitig besichtigten wir etwas später bei Mehring die römische Villa Urbania. Wir wechselten wieder über dieselbe Brücke nach links und schauten uns bei Pölich die römischen Wasserleitungen an.
Weiter folgten wir nach Thörnich und wechselten zum rechten Moselufer, wo wir im Restaurant zur alten Fähre einen herrlichen Putenspiess vom Holzofengrill assen. Unterdessen strömten unzählige Menschen zu Fuss oder per Rad an uns vorbei, welche die sonntäglichen Strausswirtschaften mit Wein Degustationen besuchten. Die Fahrradwege waren mit bummelnden Menschen völlig verstopft. Für uns galt beim Fahrradfahren im Strassenverkehr die Null-Toleranz für Alkohol, und wir mussten deswegen den Weingenuss auf den Abend verschieben.
Je schöner der Ort, desto eher radelten wir an Campingzonen wobei und überholten beim Vorbeifahren immer wieder Jogger und wohlbeleibte wackelig fahrende Oldies.
Bergaufwärts radelten wir durch etliche Weinberge an dem schönen und ältesten Mosel- Weindorf Leiwen vorbei, bis wir in Piesport das Hotel Moselblick bei der Moselbrücke erreichten. Am Abend erkundeten wir zuerst die Umgebung auf der Moselbrücke. Beim anschliessenden Dorfspaziergang fielen mir einzelne schöne alte dunkle mit bunten Blumen geschmückte Schieferhäuser auf. Manchmal stiegen beidseitig unendlich steile und zahlreiche Rebberge an der stark schlängelnden Mosel empor. Man mochte sich fragen, wer alles diesen Wein trinken wird?
4. Tag, Piesport nach Traben -Trarbach: 42.8 km
Wir starteten wieder im herbstlichen Morgennebel auf der rechten Uferseite. In Wintrich kauften wir unsern Lunch. Von weitem präsentierte sich am Ufer der prächtige Ort Bernkastel-Kues. Es wurden stündlich Moselschifffahrten angeboten. Ein lohnender Unterbruch brachte uns auf‘s Moselschiff, und wir liessen auf dem Wasser die Gegend an uns vorbeiziehen. Hinterher besichtigten wir das von Touristen überflutete schmucke Städtchen. Wir staunten über diese entzückenden und prächtigen Gässchen mit den hübsch herausgeputzten und mit Blumen geschmückten Fachwerkhäuschen! Manche Weinproduzenten schreiben ihre Firmennamen direkt am Weg an.
Später beim Vorbeifahren auf der rechten Uferseite an einem Weinberg bei Kröven, las ich verwundert „Kröver Nacktarsch“ Über diese seltsame Namensgebung kursieren verschiedene Geschichten. Wir fuhren bis Traben-Trarbach hinein, bogen nach rechts ab und fuhren 3 km bergwärts im Wald der Strasse entlang, bis wir vor dem renovierten Hotel Jungwald stoppten. Nachdem wir wir das neue schöne Zimmer bezogen hatten, stiegen wir beim Wildsteinbad auf dem Wanderweg ca. 90 Minuten lang 300 Meter bis zur Anhöhe bei der Passstrasse zu einem interessanten Aussichtpunkt. Zwar war die von mir vorgesehene Moselschlaufe kaum sichtbar. Dazu hätten wir unten am Ort in Richtung Burg aufsteigen sollen. Schliesslich lohnte sich dieser einsame Ausflug mit Blick in die Ferne auf andere plafonierte Höhen im Moseltal. Alsdann stiegen wir zum Restaurant zur der alten Stadtmühle hinunter und genossen mit herrlichem Federweissen (Sauser) und Moselwein unser feines Nachtessen.
5. Tag, Traben- Trarbach nach Cochem: 59.9 km
Vergebens suchten wir wieder einen Lebensmittelladen. Es gab hier nur Hotels, Restaurants oder Schnickschnack- Boutiquen. Also so überquerten wir die Brücke und fuhren linksufrig nach Bullay, wo wir in einer Bäckerei mit Kaffee unseren Lunch kauften. Auf einer sonnenbeschienen Bank am Moselufer bei Ediger fanden wir einen gemütlichen Rastplatz. In der Metzgerei ergänzten wir unsern Lunch mit einem Eis.
Beim nächsten Fotostopp zwängte ich mich zwischen die Wohnwagen hindurch um die Aussicht nach Beilstein festzuhalten. Auf dem Fahrradweg in Richtung Cochem überholten wir wieder viele wackelige langsame Fahrradfahrer, welche um den Campingplatz herum radelten. Bald erblickten wir von weitem ein wunderschönes Märchenschloss und wenig später Cochem. Die Tische der Strassencafés waren mit Besuchern überfüllt. So vielen Menschen begegneten wir schon lange nicht mehr. Nach dem Einchecken im sehr neuen modernen Hotel Jungmüller, besichtigten wir den schmucken Ort mit den Fachwerkbauten und schönen Plätzen.
Sogleich begaben wir in Richtung Reichsburg und nahmen an einer interessanten Burgführung teil. Deren Innenausstattung und Geschichte der Gründerfamilie Ravené bildeten einen beeindruckenden Höhepunkt dieser Reise.
6. letzter Fahrradtag von Cochem nach Koblenz 51.4 km
Wir durchquerten wieder linksufrig Wohnwagengelände und verschlafene Dörfer mit Weinherbergen und Hotels. Bei Treis wechselten wir wieder zum rechten Moselufer. Bei Gohndorf überquerten wir zur linken Uferseite und unterquerten vor Winningen eine spektakulär hohe Autobahnspannbetonbrücke. Alsdann radelten wir durch unendliche Weinberge und kämpften gegen den Wind. Nach Winningen sassen wir auf einer Rebmauer mit Blick hinunter auf die Mosel und verzehrten unseren Lunch.
Bald durchquerten wir vor Koblenz den wenig attraktiven Vorort Güls. Dort wechselten wir über die Brücke nach rechts und suchen an der Uferseite nach unserm chiquen Hotel Contel. Nach dem Bezug des Zimmers, ein wenig später promenierten wir am Ufer bis zum Zusammenfluss von Mosel mit dem Rhein entlang. Bald erreichten wir die Gondel mit prächtiger Sicht auf die Stadt zur Festung Ehrenbreitstein. Dort im Gelände befanden sich etliche Ausstellungen, Cafés und Museen. Nach einiger Zeit, fuhren wir müde mit der Gondel zur Stadt hinunter und liessen uns gleichfalls wie in Trier vom TschuTschu-Bähnli die Stadt zeigen.
Leider findet man heute relativ wenige Bauwerke im Originalzustand. Viel wurde verändert, weil der letzte Weltkrieg massive Schäden angerichtet hatte. Zum Abschluss dieser Reise gönnten wir uns im Argentinischen Restaurant auf dem Stadtplatz ein saftiges Steak mit köstlichem Wein.