Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03441.jsonl.gz/474

Eugen Meier
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 4. Oktober 1928
Maurer
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Kaspar Meier und der Elisabeth Gaetzi.
Lebensbeschreibung[1]
Br. Eugen wurde zwei Tage vor Weihnachten 1900 als ältestes Kind von Bauern in Quarten am Walensee geboren. Schon mit drei Jahren verlor er seine Mutter. Sein Vater heiratete ein zweites Mal und bald danach verkaufte er sein Heimwesen zu Quarten. Er liess sich zuerst in Engelburg, dann in Bazenheid nieder und erwarb schliesslich ein kleineres Bauerngut zu Niederwil bei Gossau (St.Gallen). In der Familie erhielt Kaspar Meier eine christliche Erziehung.
Nach der Primar- und Sekundarschulbildung, arbeitete zuerst eine Zeit lang als Schifflifüller in einer Automatenstickerei, begann dann mit sechzehn Jahren eine kaufmännische Lehre im Stickerei-Exportgeschäft Grüninger & Cie. in Bruggen und besuchte nebenbei in St. Gallen die Handelsschule. Trotz guter Erfolge und Zeugnisse sagte ihm jedoch die Arbeit in Büro und Ferggerei nicht zu. Er brach die Lehre ab und arbeitete vorübergehend in einer Drechslerei, dann in einer Sägerei, dann infolge Erkrankung seines Vaters in der Landwirtschaft, nachher eine Zeit lang in einer Bleicherei. Er erhielt so Einsicht in verschiedene Arbeitsgebiete. Sein Ideal aber war seit der Bubenzeit der Maurerberuf gewesen und so begann er mit Erlaubnis seines Vaters im Mai 1919 bei Baumeister Roth in Bazenheid die Lehrzeit als Maurer, wo er nun ganz im Element war.
Nach Vollendung der Lehre betätigte er sich an verschiedenen Arbeitsplätzen als Maurer, machte zwischenhinein in Brugg die Sappeur-Mineur-Rekrutenschule und fand schliesslich dauernde Beschäftigung bei Meister Schlauri in Zuckenriet (Niederhelfenschwil). Von hier aus arbeitete er öfters im Kloster Glattburg, was für seine Berufsentscheidung bedeutungsvoll war. Er wurde auf das Klosterleben aufmerksam gemacht; und eine Konventualin des Klosters, die Schwester von Br. Andreas Brühwiler, legte ihm den Gedanken nahe, selbst auch ins Kloster zu gehen, und zwar nach Engelberg. Sie hatte im wesentlichen Punkt Erfolg: Meier entschloss sich nach Rücksprache mit dem Hausgeistlichen, Klosterbruder zu werden, jedoch nicht in Engelberg, sondern in Einsiedeln.
Nach Abschluss des nächsten Militärdienstes klopfte er dort an die Klosterpforte und erkundigte sich nach den Aufnahmebedingungen. Da jedoch der Instruktor der Laienbrüder abwesend war, und da man durchblicken liess, ein Sattler wäre dermalen willkommener als ein Maurer, verliess der enttäuschte Klosterkandidat Einsiedeln mit dem festen Entschluss, überhaupt nicht ins Kloster zu gehen. Bei solchem Vorhaben hatte der junge Mann aber nicht mit der Überzeugungskraft der Klosterfrauen gerechnet; denn als er nach einiger Zeit wieder nach Glattburg zur Arbeit kam, erklärte ihm seine dortige Gönnerin, nun sei ihr Gebet erhört worden, er gehöre eben nach Engelberg. Vor kurzem sei P. Robert von Engelberg da gewesen und habe erklärt, dass man dort einen Maurer gerade gut brauchen könnte - es war im Herbst 1926, zu Beginn der grossen Engelberger Bauzeit.
Nochmals musste der stramme Bursch, der in seinem Fach mehr und mehr ein Meister geworden war, sich als besiegt erkennen; nach Rücksprache mit Pfarrer Krapf in Niederwil, der ihm ebenfalls Engelberg empfahl, kam Kaspar Meier am Gallustag 1926 zu Abt Basil Fellmann und bat um Aufnahme ins Kloster. In der folgenden Nacht schlief er zwar keine Minute, weil eine sonderbare Angst ihn quälte. Er nahm jedoch sein Wort nicht zurück, sondern trat im Frühling 1927 als Kandidat in Engelberg ein, fest entschlossen, sein Leben und Arbeiten inskünftig ganz Gott zu weihen. Im August des gleichen Jahres leistete er in der Mineurkomp. II. den letzten Militärdienst und begann dann am 4. Oktober sein Noviziat. Es verlief ohne Berufsschwierigkeiten, sodass der junge Ordensmann im Herbst 1928 mit dem Klosternamen Eugen die einfachen und drei Jahre später die feierlichen Gelübde ablegen konnte.
Br. Eugen war im Kloster war ein Arbeiter von ungewöhnlicher Ausdauer und hervorragender Gediegenheit. Die Arbeit war ihm nicht Last und Zwang, sondern wirkliche Freude und innere Befriedigung. Jeder Augenblick wurde restlos ausgenützt; Ferien- und Erholungstage musste man dem Unermüdlichen eher aufdrängen als anbieten, weil sie ihm in seinem Eifer fast zwecklos und überflüssig schienen. Und was Br. Eugen arbeitete, war immer hochwertig. Ob er an vornehmer und sichtbarer Stätte werkte oder in einer Scheune, immer musste alles solid gebaut sein, bevor der Arbeitsplatz verlassen wurde. An diesem guten Grundsatz hielt er immer fest, nicht aus Eigensinn oder Eitelkeit, sondern aus Überzeugung. Er hat sich mit seinen Arbeiten in der Kirche, im Kloster, im Kollegium, in der Grafenortskapelle, auf den Pachtgütern, in Fischingen, ein Denkmal gesetzt, das nachhaltig war.
Trotzdem war Br. Eugen in erster Linie Ordensmann. Frühmorgens, schon vor der allgemeinen klösterlichen Tagwacht, stand er auf, betete, nahm dann an den religiösen Übungen der Brüder teil, ministrierte und kommunizierte. Es wäre menschlich gewesen, wenn ein Mann von so starker Begabung und Arbeitskraft es seine Mitbrüder und Vorgesetzten irgendwie hätte fühlen lassen, dass er etwas leiste und für das Kloster etwas bedeute. Solche Anwandlungen lagen ihm aber fern. In den Tagen der Krankheit war es seine einzige Sorge, dass er dem Kloster zu viel Auslagen verursache und nichts mehr leisten könne. Sein ganzes Tun und Denken war ein kostbarer Beweis, dass bedeutende Menschen immer demütig und bescheiden bleiben können.
Im Genuss von Speise und Trank, Ruhe und Erholung war Br. Eugen der Mann strenger Selbstbeherrschung und wirklicher Aszese. Er hatte aber Sinn für gesellige Fröhlichkeit, spielte Mandoline und versuchte sich auf der Geige, hatte Freude an den Blumen, den Vögeln und den schönen Bergen. Er starb nach einer Erkrankung am 5. November 1952.
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 39, 1952/53, S. 19-22, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf von Br. Eugen Müller in: Titlisgrüsse 39, 1952/53, S. 19-22.