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Die Römer gelangten seinerzeit auch nach Ormalingen im oberen Baselbiet. Darauf wiesen schon lange verschiedene Relikte hin, die der Boden im Laufe der Zeit freigab. So fand man an gewissen Stellen, namentlich auf Buchs, beim Pflügen immer wieder Ziegel oder Mauerreste aus alter Zeit. Form und Machart der Ziegel deuteten auf römischen Ursprung. Den Nachweis, dass dies auch bei den Mauern der Fall ist, erbrachte schliesslich Fritz La Roche (1868–1948), ab 1893 Pfarrer in Ormalingen.
Nachdem im Herbst 1906 bei einer kleineren Grabung Hinweise auf ein grösseres Gebäude gefunden worden waren, führte Pfarrer La Roche «aus Auftrag der Basler Historischen Gesellschaft» 1907 von November bis Anfang Dezember mit einem Arbeiter, zeitweise auch mit zwei die eigentliche Ausgrabung auf Buchs durch.
Die Ausgrabung lockte zahlreiche Neugierige an. Eine Notiz in der «Volksstimme von Baselland» vom 20. November 1907, in deren Verfasser mit Kürzel L wir Pfarrer La Roche selbst sehen dürfen, klärte das Publikum über den Sinn und Zweck des Unterfangens auf und präsentierte erste Resultate. «Bis jetzt», schrieb La Roche, «ist auf Buchs ein Gebäude von ca. 700 m² Bodenfläche aufgedeckt worden.»
Man habe es «mit einer römischen Villa zu tun, wie solche da und dort als Landsitze oder Bauernhöfe erbaut wurden, immer auf den schön gelegenen Anhöhen, wie denn auch hier die prächtige Rundsicht geradezu überrascht. Über die Zeit der Bewohnung gab eine schon letztes Jahr gefundene Münze Aufschluss; dieselbe stammt etwa aus dem Jahre 150 unserer Zeitrechnung.»
Kein «Schatzgraben»
Damit niemand auf falsche Ideen kam, machte La Roche auch klar, dass es sich bei den Ausgrabungen «nicht um ‹Schatzgraben› oder dergleichen handelt»; es sei «auch bisher kein Gegenstand von einigem Wert ans Tageslicht gekommen».
Für Pfarrer La Roche war Letzteres allerdings kein Grund, am Sinn der Grabung zu zweifeln. Denn: «Da unsere Kenntnis römischer Bauart und Lebensweise, besonders in unseren Gegenden, noch keine vollständige ist, so kann jede Ausgrabung auch nur von Fundamenten neue Aufschlüsse geben und bisherige Vermutungen der Gelehrten bestätigen – oder auch umstossen.»
Die bei der Ausgrabung gewonnenen Erkenntnisse publizierte La Roche 1910 in der «Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde». Sein Fazit: In Ormalingen stand «eine Villa rustica von grossen Ausmassen (45 m Länge und reicher Ausstattung)». Sämtliche Räume verfügten über bemalten Verputz. Besonders hübsch scheinen die Malereien im Vorraum zum einzigen beheizbaren Zimmer gewesen zu sein: «Das Zimmer muss einen überaus fröhlichen Eindruck gemacht haben.» La Roche war sich auch bewusst, nur Teile der Villa ausgegraben zu haben: «Obschon der Grundriss nach Norden hin keinerlei Fortsetzung zeigt, so muss doch nördlich des jetzt gefundenen Hauptbaues noch ein Zubehör stecken, vermutlich das Bad.»
Mit modernen Methoden
Die Reste des Bads wurden nun diesen Sommer vorübergehend freigelegt. Nachdem nämlich feststand, dass auf Buchs gebaut werden soll, setzten zuerst die Archäologen den Spaten an. Dabei fanden sie ein Badegebäude mit einem beheizbaren Aufenthaltsraum sowie Warm- und Kaltwasserbecken. Reste von bemaltem Wandverputz und Marmorplatten zeugen von der einstigen Pracht der Anlage.
Nach Auskunft von Reto Marti, dem Leiter Archäologie und Museum BL, war die Grabung abgesehen von einem Spielstein «relativ fundarm», was darauf hindeute, dass die Anlage vor ihrer Aufgabe sorgfältig geräumt worden sei. Nichtsdestotrotz freut er sich auf die Endauswertung der Grabung, handelt es sich doch um das erste modern untersuchte Bad einer Römervilla im Baselbiet.
Gefreut über die neuen Erkenntnisse hätte sich wohl auch Pfarrer La Roche. Ob er nach seiner Ormalinger Zeit an weiteren Ausgrabungen beteiligt war, ist mir nicht bekannt. Von 1910 bis 1916 wirkte er als Pfarrer in Unterkulm AG, anschliessend bis 1938 als Sekretär und Bibliothekar der Basler Mission. Er starb betagt am 31. Juli 1948.
Fritz La Roche: «Römische Villa in Ormalingen», in: «Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde», Nr. 9 (1910), S. 77–94