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Der weibliche Zyklus ist ein komplex reguliertes Phänomen, das sich bei Frauen ab der Pubertät und bis zur Menopause ungefähr alle 28 Tage zyklisch wiederholt. Verschiedene Hormone dienen der Hauptregulation des weiblichen Zyklus. Der weibliche Zyklus ist klinisch sehr wichtig, da fast jede Frau in irgendeiner Form mindestens gelegentlich darunter leidet. Zudem war der Fokus der medizinischen Forschung lange nicht darauf ausgelegt, Beschwerden im Zusammenhang mit der Menstruation zu behandeln. Diese wurden weitläufig als normal anerkannt, was vermutlich insbesondere mit der lange männerdominierten Forschungsbranche zu tun hat. Zum Glück eröffnen sich hier immer mehr Möglichkeiten. Dennoch bleiben Menstruationsbeschwerden komplex zu behandeln, da sie sehr multidimensional und zudem subjektiv sind. Das bedeutet, dass sich die Beschwerden bei Frauen extrem vielfältig äussern. Es gibt auch einige Symptome, bei denen nicht final bestimmt werden kann, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen Menstruation und Symptom besteht.
Evolutionär betrachtet ist der weibliche Zyklus ein faszinierendes Phänomen. Der weibliche Körper bereitet sich damit jeden einzelnen Monat auf eine Schwangerschaft vor. Wenn man von ungefähr 400 Zyklen ausgeht und eine Frau zwei Kinder hat, sind die möglichen Schmerzen, die der Zyklus während der Menstruation mit sich bringen kann, also in über 99% der Fälle theorethisch überflüssig! Der weibliche Körper muss sich jedoch jeden Monat gleich auf eine Schwangerschaft vorbereiten, weil es keine Signalmoleküle (Hormone) gibt, die signalisieren, dass keine Befruchtung stattgefunden hat. Zudem wäre der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zu langsam und zu wenig stark, wenn er erst mit der Befruchtung einsetzen würde.
Der weibliche Zyklus besteht genau genommen aus zwei anatomisch getrennten Zyklen, die sich jedoch zeitlich überlagern. Es gibt den ovariellen Zyklus im Eierstock und den endometrialen Zyklus in der Gebärmutterschleimhaut. Diese zwei Komponenten spielen zusammen und sind aufeinander abgestimmt. Im Eierstock reift bekanntlich die Eizelle, die ungefähr am 14. Tag des Zyklus im Rahmen des Eisprungs in den Eileiter abgegeben wird. Nach dem Eisprung ist die Eizelle nur maximal 24 Stunden befruchtungsfähig. Der Weg zum Uterus (= Gebärmutter) dauert für die Eizelle jedoch ungefähr eine Woche. Das bedeutet – was häufig nicht bekannt ist –, dass die Befruchtung, also die Verschmelzung zwischen Spermium und Eizelle nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter stattfindet. Wenn eine Befruchtung stattfindet, teilt sich die sogenannte Zygote auf dem Weg zum Uterus bereits. Im Uterus nistet sich der etwa eine Woche alte Embryo (in diesem Stadium Morula genannt) dann ein. Die Gebärmutterschleimhaut muss bis zur Ankunft der Eizelle, oder im Falle einer Befruchtung der Morula, perfekt vorbereitet sein, was viel Zeit braucht. Das ist der eigentliche Grund für die Monatsblutung. Der Körper kann nicht erst mit der Schleimhautproduktion zur Aufnahme des Embryos beginnen, wenn die Befruchtung geschehen ist!
Dieses schematische Bild veranschaulicht den ovariellen und den endometrialen Zyklus nebeneinander und zeigt auch die dominanten Hormone sowie ihren Verlauf (bezogen auf die Sekretionsmenge) während des weiblichen Zyklus. Es zeigt zudem auch den Temperaturanstieg um ca. 0.5° nach der Ovulation.
Primär regulieren vier Hormone den weiblichen Zyklus. FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) regulieren das Ovar und werden von einer Drüse im Gehirn an das Blut abgegeben. Östrogen und Progesteron, welche als Reaktion auf FSH und LH vom Follikel im Ovar abgegeben werden, wirken unter anderem auf den Uterus. Die Spitzen von LH und FSH um den Eisprung zeigen, dass sie wichtig sind für dessen Regulierung.
Im Ovar wird aus dem Anteil des Follikels, der bei der Ovulation nicht abgegeben wird, der sogenannte Gelbkörper. Er ist gelb, weil er viele Lipide und Cholesterin eingelagert hat. Cholesterin wird benötigt, da es die Ausgangssubstanz von Östrogen und Progesteron ist, welche der Gelbkörper produziert. Bei einer Befruchtung sezerniert der Embryo sehr früh (bereits einige Tage nach der Befruchtung) das sogenannte Humane Choriongonadotropin (=HCG, ein weiteres Hormon). Dieses Hormon wirkt auf den Gelbkörper und bewirkt, dass dieser nicht degradiert. Denn normalerweise, das heisst ohne Befruchtung, degradiert der Gelbkörper analog zur Gebärmutterschleimhaut. Das ist eine weitere Parallele zwischen ovariellem und endometrialem Zyklus.
Das HCG bewirkt also, dass der Gelbkörper bestehen bleibt. Dieser bildet fortan hohe Spiegel von Progesteron, welches wiederum auf die Gebärmutterschleimhaut wirkt. Der Gelbkörper wird etwa bis zur 10. Schwangerschaftswoche benötigt, danach übernimmt die Plazenta die Funktion der Progesteronsekretion. Übrigens ist das HCG auch das Molekül, das für Schwangerschaftstest herangezogen wird, da es nur vom Embryo produziert wird und somit eindeutig auf eine Schwangerschaft schliessen lässt.