Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03266.jsonl.gz/264

Annuaire du Club Alpin Français
Die Hauptpublication des französischen Alpenclubs zeichnet sich auch dieses Jahr aus durch eine große Vielseitigkeit des Arbeitsgebiets. Doch ist der alpine Charakter mehr betont, als in einigen der früheren Jahrgänge. Unter der Bezeichnung „ Courses et Ascensions " findet man allerdings auch wieder Artikel wie: En Corse et en Sardaigne, une Exeursion ä Hamman Mescoutine, le Moncayo, le Zab, de Trieste ä Corfou, sur la Cöte de Norvege, autour de Terre Neuve, die mehr touristisches und geographisches Interesse haben. Auch die Promenade archeologique aux ruines de Timgad ( unter den Abhandlungen ) bewegt sich nicht gerade in alpinen Regionen, und der Bericht unseres Clubgenossen M. E.A. Martel über seine Troisieme campagne sous terre: Fin de l' exploration du puits de Padirac; exploration du Causse de Gramat, gehört wohl nur wegen der Kühnheit der Forscher und der Abenteuerlichkeit ihrer Fahrten hieher. Dagegen finden wir doch Berichte über bedeutendere alpine Leistungen: Mont-Perdu und Mont-Blanc von Mr. Ch. Durier, autour des sources de l' Isere von Mr. H. Ferrand ( mit nützlichen Bemerkungen über die Nomenclatur der Grenzkette zwischen Col de la Galise und Aiguille de la Grande Sassiere ); la Chaine des Sept Laux ( im Dauphine ) von M. H. Dulong de Rosnay; la Pointe de la Gliere ( Tarentaise ) von M. L. Madamet; Ascensions dans les Alpes Nigoises von M. Valentin de Gor-loff. Der Artikel: „ Le Linththal et le Tödi par Mnl° Aline Martel " hält nicht ganz, was der Titel verspricht; es ist eine sympathische Beschreibung des Hintergrundes des Linththales von Thierfehd ( consequent Thierfeld geschrieben ) bis Sandalp. Der Tödi konnte wegen schlechtem Wetter nicht versucht werden.
Besonders werthvoll und actuell sind zwei größere Arbeiten: Construction de l' Observatoire du Mont-Blanc von M. Joseph Vallot, enthaltend die Geschichte seiner Mont-BIanc-Studien bis Ende 1890, eine durch die Tüchtigkeit, den Opfermuth und die Bescheidenheit ihres Verfassers gleich ansprechende Arbeit; und die Ascension scientifique du Mont-Blanc ( 17.23. August 1890 ) von M. J. Janssen, in welche der bekannte Astronom von Meudon die merkwürdige Sänften- und Schlittenfahrt von Pierre-Pointue auf den Gipfel erzählt und die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchung mittheilt, zu welcher er sich „ die Integrität der intellectuellen Kräfte " durch so heroische Mittel gesichert zu haben glaubt. Es ist nicht an uns, diese Resultate zu kritisiren, es will uns nur vorkommen, daß die physiologischen Bemerkungen pag. 421 ff. mehr zuversichtlich als überzeugend seien. Wir versprechen uns hierüber mehr von der zu erwartenden Publication des Herrn Vallot über seine jahrelangen Beobachtungen.
In der Rubrik: Sciences et Arts finden wir ferner eine Studie: Les variations periodiques des Glaciers frangais, par le prince Roland Bonaparte, angeregt durch die Forel'schen Publicationen in unserm Jahrbuch und nach dem gleichem System. Es ist sehr zu begrüßen, daß auch in den französischen Alpen und in den Pyrenäen diese Beobachtungen regelmäßig gemacht werden sollen. Resultate kann man natürlich von der ersten Campagne noch nicht erwarten; immerhin scheint, bereits constatirt, daß die Gletscher des Viguemale und Mont-Perdu sich im Anfang des Wachsthums befinden.
Wir nennen ferner zwei technische Artikel über topographische Aufnahmen: Sur l' emploi de la regle ä eclimetre du colonel Goulier von M.*:H. Vallot und Releves hypsometriques nach barometrischen Beobachtungen von Mitgliedern berechnet von Lieut.Colonel Prudent.
Unter den Miscellaneen wird unsere Leser wohl am meisten interessiren die Erzählung einer Jungfraubesteigung von M. Ch. Massin und eine recht gute Notiz über das Schwalmerenmassiv ( im Berner Oberland ). Auch der Schilderung einer Ersteigung der Meije bei ungünstigen Schneeverhältnissen und mit einer Dame ( Mm0 Thorant ) von M. E. Thorant wird man erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden, etwa wie einem Rennen mit Hindernissen. Die Schlußbemerkung freilich: „ il sera suffisamment de-montre que les femmes qui veulent peuvent, en montagne, autant que les hommes ", haben wir mit ungalantem Kopfschütteln gelesen.
Die Illustrationen sind zahlreich und im Ganzen gut; bei zweien der Aquarelldrucke aus Norwegen wollen wir annehmen, daß die Originalfarben discreter waren, als das Pacsimile.
Die Anzahl der Sectionen betrug am 20. Juni 1891: 44, der Mitglieder 5602; die letztere hat sich gegenüber dem Vorjahr etwas gehoben.
Bed.