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San Jose – Big Sur / Gorda (Pickup) – San Simeon Village (59 km) – Oceano (97 km) – Santa Maria (41 km) – Carpinteria (133 km) – Port Hueneme (58 km) – Chula Vista (40 km / Zug / Bus)
Mehr oder weniger gut ausgerüstet ging es wieder zurück auf’s Fahrrad. Da die Zeit bis Ende September (US-Visum) knapp wurde, fuhren mich Josef und Alene (begleitet von den Dackeln Hymie und Rusty) über die Hügelkette ans Meer und dann noch ein rechtes Stück auf der Küstenstrasse nach Süden. Am frühen Nachmittag stieg ich dann wieder auf – und hatte schon nach guten fünf Minuten Fahrzeit wieder eine “Panne”. Schliesslich stellten sich meine Befürchtungen als unbegründet heraus. Mit dem eben erst reparierten Wechsler (bzw. dessen Aufhängung) war alles in Ordnung. Es hatte sich lediglich die Kette hinter dem Blatt verklemmt 😉 Nach einem kurzen Einrollen ging’s gleich wieder in die Hügel entlang der Küste. Ich hatte zu Beginn ganz schön zu kämpfen, nach einer Stärkung in Ragged Point lief es dann besser – wohl vor allem weil es jetzt bergab ging. Kurz vor San Simeon hielt ich bei einem Aussichtspunkt an, um einen kurzen Blick auf eine Seeelefantenkolonie zu werfen. Die tiefe Sonne trieb mich aber weiter. Schliesslich musste ich doch meine Lampen montieren, bevor ich San Simeon Village bereits im Dunkeln erreichte. Ich entschied mich drum für Zimmer statt Zelt.
Big Sur war nur einer der auffallend zweisprachigen Bezeichnungen. So “müsste” es ja eigentlich Big South oder Sur Grande heissen. Allerdings hiessen aber auch die Aussichtspunkte nicht mer viewing points sondern vista points. Das war eigentlich auch bezeichnend für die Bevölkerung. Während in den Städten das US-Amerikanische überwiegt, traf ich im Umland und in den Dörfern mehrheitlich auf Mexikaner, mexikanische Supermercados usw. Wie auch andere Teile der USA gehörte Kalifornien früher zu Mexiko. Die Auseinandersetzung zwischen Mexiko und den USA begann ca. 1845 mit der Annexion von Texas durch letztere. Nach einem vorgetäuschten Angriff der Mexikaner (Wikipedia) erklärten die USA den Krieg. Alta California versuchte, sich durch Abspaltung von Mexiko aus der ganzen Sache rauszuhalten, worauf dann aber amerikanische Siedler die Unabhänigkeit der Republik Kalifornien proklamierten. Welch ein Durcheinander! Mexiko verlor den Krieg und musste ca. die Hälfte seines Hoheitsgebietes an die USA abtreten. So waren die Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Nevada, New Mexico, Texas, Utah und Teile von Colorado vormals mexikanisch. Interessant ist nun die immer wieder auftretende Meinung der Amerikaner, es gäbe zu viele Latinos (speziell Mexikaner) in den USA. Da das natürlich kein Zustand ist, schlug ich vor, sie könnten ja einfach die damals annekdierten Gebiete wieder zurückgeben und schon wäre das Problem gelöst – fanden sie dann überraschenderweise aber auch nicht so toll 😉
Nun, weiter ging’s jedenfalls auf US-Territorium nach Süden. In Oceano traf ich zur Abwechslung mal am frühen Abend ein, nur um dann beinahe eine Stunde mit der Campingplatzsuche zu vertrödeln. Ich hatte aber immerhin noch Tageslicht und mein Nachbar mit riesigem Wohnmobil lud mich gleich zu einem Glas Wein ein. Feuerchen anzünden, essen und dann zeitig ins Zelt.
Am nächsten Morgen war es ziemlich neblig und das Aussenzelt entsprechend nass. Nach zweimal im Schlafsack umdrehen kam die Sonne dann auch schon hervor. Ich brannte das restliche Feuerholz vom Vorabend ab (ja, diesmal unter dem Tisch gelagert!), frühstückte und las ein “bisschen”, während das Zelt trocknete. Bereits kurz vor Mittag, sah ich zwei andere bepackte Radler vorbeisausen und gab mir schliesslich einen Ruck. Eine grosse Schlaufe als Umweg fahren fand ich dann doof. So bog ich gleich zu Beginn auf die Alternativroute ab – und wurde nach kurzer Zeit mit einer 13%-Steigung belohnt. Für die Biker unter den Lesern: Mit ca. 50 – 55 kg an Fahrrad und Gepäck ist das steil! Kurz nach der Steigung überholten mich die anderen beiden wieder. Sie hatte bestimmt 15 min Vorsprung und waren zudem schneller unterwegs. Also hat sich die Abkürzung fahrzeitmässig doch gelohnt. In Guadalupe kamen mir die zwei dann mit ihren Einkäufen vom Supermercado wieder entgegen. Sie waren auf dem Weg zum Park für’s Mittagessen. Eigentlich eine tolle Idee. Also auch was einkaufen und hinterher. Es stellte sich dann heraus, dass wir uns schon mal getroffen hatten. Damals während der Notoperation an meinem Velo in Coos Bay waren sie aber noch zu viert unterwegs. Die beiden aus Ventura mussten wohl zurück an die Arbeit. Die beiden verbliebenen Radler (Ostkanada und Yukon) überlegten, wie sie weiterwollten, entschieden sich schliesslich, gleich dort zu bleiben. Ich musste aber weiter. An der Abzweigung nach Santa Maria entschloss ich mich, dorthin zu fahren. So könnte ich die paar höheren Hügel entlang des Hwy 1 umfahren und später auf dem flacheren Hwy 101 weiterfahren. In Santa Maria angekommen musste ich aber feststellen, dass ich mit dem Velo nicht auf den 101 durfte. Schliesslich nahm ich mir ein Zimmer und schwamm dafür noch ein paar Längen im Motelpool.
Wieder einmal machte ich mich etwas spät auf den Weg. Schliesslich erklärte mir jemand, wie ich über die Hügel direkt nach Santa Barbara komme. Mit dem Umfahren wurde es also nichts – im Gegenteil waren diese Hügel sehr viel höher 🙁 Immerhin konnte ich mich den ganzen Tag über einen ordentlichen Rückenwind freuen 🙂 Erst ging’s noch durch einige Weingüter, später wurde die Landschaft immer trockener. Unterwegs erinnerte mich eine kleine “Eingeborene” daran, dass ich jetzt wohl wieder besser die Schuhe ins Innenzelt nehme. In Los Olivos machte mir der Ladenbesitzer dann Mut: Es gehe zwar noch zwischendurch ein bisschen rauf, mehrheitlich aber bergab. Naja, also wenn ich von zuhause (ca. 430 müM) über den Gotthard nach Italien ans Meer fahre, geht’s ja auch mehrheitlich runter… Am frühen Abend kam ich dann nach einer langen rasanten Abfahrt – genau, so hoch ging’s noch rauf – in Santa Barbara an. Beim Znacht versuchte ich, eine Unterkunft zu buchen. Das Hostelbett im Schlafsaal für US$ 47 fand ich dann aber doch übertrieben. So reservierte ich ein Zimmer in Carpinteria und fuhr nochmals ca. 20 km weiter – eigentlich etwas mehr als nötig, die 1 1/2 km bergauf (und danach wieder zurück) nach der verpassten Abzweigung halfen nicht wirklich 😉 Schliesslich erreichte ich das Motel und konnte mein Zimmer beziehen.
Nun konnte ich zwar entlang den Stränden (und teilweise unendlichen Wohnmobilkolonnen) radeln. Allerdings spürte ich vor allem den Vortag und meine Oberschenkel fühlten sich an, als würden sie gleich explodieren. Nach einem Imbiss in Oxnard fuhr ich noch nach Port Hueneme, damit ich am nächsten Tag bereits auf der Ausfahrtsroute aus der Stadt war. Ich suchte mir ein Zimmer und machte einen kleinen Spaziergang am ordentlich windigen Strand.
Durch die paar kürzeren Etappen war ich etwas ins Hintertreffen geraten. So beschloss ich, nochmals eine Nacht zu bleiben. Den freien Tag nutzte ich vor allem, um einen Bus nach San Diego, ein Footballspiel der dortigen Chargers und ein Motelzimmer in Chula Vista zu buchen.
Am nächsten Vormittag machte ich mich auf zum Busbahnhof, der wieder etwas zurück in Oxnard lag. Dort sollte ich mein Fahrrad wieder mal in einen Karton verpacken. Busbetreiber Greyhound hatte aber keine Kartons, während Amtrak seine nur für den Zugverkehr ausgab. Also stornierte ich den Bus und nahm den Zug. Das hatte den angenehemen Nebeneffekt, dass ich nichts auseinander schrauben musste und Fahrräder auf der Surfliner-Strecke gratis transportiert werden. Das Motel 6 fand ich dann mehr oder weniger auf Anhieb. Nur war ich nach der Wegbeschreibung bei Jack in the Box wohl ein bisschen zuviel im Kreis gegangen und prompt in die falsche Richtung geradelt. Schliesslich konnte ich aber doch mein neu renoviertes Zimmer beziehen.
Am Sonntag war dann mal wieder Sport angesagt. Nachden Fussballspielen in Vancouver und San Jose wollte ich mal schauen, weshalb die Einheimischen American Football (für die Sportbanausen: American Football wird hauptsächlich mit den Händen gespielt) so toll finden. Also die Cheerleader sahen – zumindest vom gefühlten 100. Stock – gut aus und zeigten ein paar tolle Choreographien. Mit dem Spiel selber konnte ich nicht viel anfangen. Fünf Sekunden Spiel. Danach neu aufstellen und überlegen: 2 min! Sehr überrascht war ich, dass ich die Atmosphäre sogar in den Nordamerikanischen Fussballstadien emotionaler empfunden habe. Es gab zwar Gebrüll bei vielversprechenden Spielzügen und vor allem Touchdowns, Sprechchöre, Fangesänge usw. waren aber im Grossen und Ganzen Fehlanzeige. Hinter die Geheimnisse des Spiels und dessen Popularität zu kommen, braucht wohl etwas mehr Zeit. Nach über zwei Stunden in der prallen Sonne hatte ich dann genug und so nahm ich nach 3 Quarters den Zug zurück, der idealerweise direkt vor dem Motel stoppte. Zurück packte ich dann schon mal meine Siebensachen für die Weiterreise.
Zum Abschluss meiner Reise besuchte ich öfters mal die unzähligen (Fastfood-) Ketten. Neben den bekannteren wie Mc Donald’s, Burger King und Starbucks gab’s da noch Jack in the Box, Thank God it’s Friday, Taco Bell, Wendy’s, Arby’s, Denny’s, Kentucky fried chicken, Pizzahut oder Domino’s Pizza. Die Namen der anderen vermutlich ca. 80% habe ich vergessen 😉 Natürlich konnte ich nicht alle ausprobieren und in Mexiko wird das Essen hoffentlich wieder etwas hochwertiger – auch wenn in einigen dieser Ketten auch “normales” Essen zu bekommen war.