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OECD-Wirtschaftsausblick: Euroraum würde von einer zweiten Infektionswelle sehr hart getroffen
Seit fast einem Jahrhundert hat die Welt keine so schwere Rezession erlebt wie jetzt, ausgelöst durch die Covid-19-Pandemie. Die Schäden für Gesundheit, Wohlbefinden und Arbeitsplatzsicherheit der Menschen sind enorm. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle OECD-Wirtschaftsausblick.
Auch wenn die Einschränkungen jetzt gelockert werden, ist die konjunkturelle Erholung sehr brüchig, insbesondere mit Blick auf eine mögliche zweite Infektionswelle. Der Studie zufolge ist entscheidend, dass die Regierungen die Gesundheitssysteme stärken und Bürgern sowie Unternehmen die Umstellung auf die Zeit nach der Pandemie erleichtern.
Eindämmungsmassnahmen haben vielerorts zu wirtschaftlicher Not geführt
Die von den meisten Regierungen eingeführten Eindämmungsmassnahmen waren notwendig, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Zahl der Todesopfer möglichst klein zu halten. Gleichzeitig aber haben sie die wirtschaftliche Aktivität in vielen Branchen zum Erliegen gebracht und vielerorts zu grosser wirtschaftlicher Not geführt.
Regierungen haben ausserordentliche Massnahmen ergriffen
Die Regierungen haben ausserordentliche Massnahmen ergriffen, um die Gesundheitssysteme ihrer Länder zu stärken, das Einkommen von Bürgern zu sichern, Unternehmen zu stützen und die Finanzmärkte zu stabilisieren.
OECD publiziert zwei mögliche Szenarien
Da wenig Aussicht besteht, dass noch in diesem Jahr ein Impfstoff in grossem Umfang verfügbar sein wird, und auch darüber hinaus die Lage von aussergewöhnlich vielen Unsicherheiten geprägt ist, hat sich die OECD entschlossen, in diesem Wirtschaftsausblick zwei Szenarien vorzustellen, die sie als gleich wahrscheinlich erachtet: eines, in dem das Virus unter Kontrolle gehalten wird, und ein anderes, in dem es im späteren Jahresverlauf 2020 zu einer zweiten heftigen Infektionswelle kommt.
Bei einer zweiten Infektionswelle bricht das globale BIP 2020 um 7.6% ein
Sollte es zu einer erneuten Infektionswelle und infolge dessen einem erneuten Lockdown kommen, wird die globale Wirtschaftsleistung 2020 um 7.6% einbrechen, bevor sie 2021 wieder um 2.8% ansteigt, prognostiziert die OECD. Die Arbeitslosigkeit wäre in den OECD-Ländern auf ihrem Höhepunkt doppelt so hoch wie vor der Krise. Auch das kommende Jahr verspräche für die Arbeitsmärkte nur wenig Erholung.
Bei deren Verhinderung dürfte das globale BIP 2020 um 6% schrumpfen
Kann eine zweite Infektionswelle verhindert werden, so dürfte die globale Wirtschaftsleistung 2020 um 6% schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit in den OECD-Ländern steigt nach diesem Szenario von 5.4% 2019 auf 9.2% 2020 an.
Bei einer zweiten Infektionswelle schrumpft das BIP im Euroraum 2020 um 11.5+%
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des strengen und relativ langen Lockdowns in Europa werden besonders stark sein. Wenn es zu einer zweiten Infektionswelle kommt, wird das BIP im Euroraum in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als 11.5% schrumpfen. Kann eine zweite Welle vermieden werden, wird es voraussichtlich um mehr als 9% schrumpfen. Die Wirtschaftsleistung der USA würde um 8.5% bzw. um 7.3% zurückgehen, diejenige Japans um 7.3% bzw. um 6%.
BIP von aufstrebenden Volkswirtschaften bricht mit zweiter Infektionswelle massiv ein
In einigen aufstrebenden Volkswirtschaften wie Brasilien, Russland und Südafrika stehen die Gesundheitssysteme unter enormem Druck, was die durch den Einbruch der Rohstoffpreise bereits schwierige Lage verschärft. Ihre Wirtschaftsleistung würde im Szenario einer zweiten Infektionswelle um 9.1% (Brasilien), 10% (Russland) bzw. um 8.2% (Südafrika) einbrechen; im günstigeren Szenario um 7.4% bzw. 8% und um 7.5%. Die Wirtschaftsleistung Chinas und Indiens ist vergleichsweise geringer betroffen: Im Szenario einer zweiten Infektionswelle dürfte das BIP um 3.7% (China) bzw. 7.3% (Indien) schrumpfen, im Falle des günstigeren Szenarios 2.6% bzw. 3.7%.