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Zweieinhalbtausend Füchse leben in Berlin, ca. 4'000 in München und Wien, 15'000 in der "National-Park-Stadt" London. Die Natur holt sich die Stadt zurück und so gibt es wohl bald mehr Stadtfüchse als Landfüchse. In Berlin sind es 2.75 pro Quadratkilometer, aber in Bristol schon 30 (!). Diese verfuchsten Städte...
Die beiden Autorinnen und Herausgeberinnen haben in ihrem durchaus liebevollen Porträt die Beziehung des Fuchses zum Menschen durch die Jahrhunderte untersucht und dabei auch neue Entwicklungen erfasst. Denn tatsächlich hat sich das Bild des Fuchses in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts radikal verändert. War Meister Reinecke schon bei Goethe ein eher negativ besetztes Fabelwesen, wird er in heutigen, moderneren Kinderbüchern oder Filmen ("Der Fantastische Mr. Fox") zunehmend positiv dargestellt. "So viel Fuchs war noch nie", schreiben die beiden. Auch wenn er noch zu keinem Schoßhündchen geworden ist, wie ein Foto von Jürgen Teller mit Charlotte Rampling und einem lebenden Fuchs auf dem Schoß suggeriert, so ist doch festzustellen, dass der Fuchs nicht nur für die Kunst zunehemend attraktiver wird. "Zum einen aristokratisch, zum anderen prekär", liegt es vielleicht an seiner "diskontinuierlichen Erscheinung", seiner angedichteten Schläue und List, die ihn für Bewohner des 21. Jahrhunderts sympathischer macht, weil wir selbst so geworden sind?
Nicht zuletzt mit "Der kleine Prinz" begann eine Umwertung des Fuchses, denn Antoine Saint-Exupéry machte ihn zum Weisen in seinem 1943 erschienen Werk: "Das Wesentliche ist für das Auge verborgen... Man sieht nur mit dem Herzen gut, etc.". Eine Aufwertung erhielt das schlechte Image des Fuchses aber schon durch Goethe, der sich in der Nachdichtung der Reineke-Fabel mit dem Fuchs beschäftigte, sein Stadthaus in einen Fuchsbau umgebaut und sich selbst als "Fuchs" oder "alten Merlin in seinem Dachsbau" bezeichnete habe. Auch im Fernen Osten, in Japan, hat der Fuchs eine ganz besondere Reputation, gilt er doch als Versinnbildlichung der sinnlichen Frau, wie etwa der Ausdruck Kitsune nahelegt. "Komm (ki) du wie immer (tsune) mit mir schlafen" wird das Wort hergeleitet und - wir erraten es bereits - auch eine erotische Komponente in das Fuchsbild miteinbezogen. Der Fuchs ist in Japan übrigens auch das einzige Tier, das Nachkommen mit Menschen zeugen könne - zumindest in den Fabeln und Legenden. Was dann übrigens Kitsune-ochi bedeutet, lässt sich in dieser wunderbaren und unterhaltsamen Monographie über das wohl weitverbreiteste Tier der Welt nachlesen. Kafka meets Kitsune.
Katrin Schumacher und Judith Schalansky erzählen ein neues Märchen, "das der Mensch sich vom wilden Tier erzählt" und skizzieren deutlich das Spiegelbild des Rätsels, das wir uns selbst sind. Illustrationen und Fotografien aus Vergangenheit und Gegenwart ergänzen diese wunderbare Monographie, die allein Meister Reineke gewidmet ist.