Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03240.jsonl.gz/883

Health
Eine Studie aus den USA zeigt, dass Mütter, denen eine Abtreibung verwehrt wurde, auch Jahre später noch massiv darunter leiden.
Nicht erst seit der deutsche Politiker Jens Spahn im Februar angekündigt hat, eine Studie in Auftrag zu geben, die sich mit den negativen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen beschäftigt, und der Senat von Alabama vergangenen Monat ein Gesetz verabschiedet hat, das Abtreibungen in fast allen Fällen verbietet, ist das Thema omnipräsent.
Seit Jahren schon streiten sich Abtreibungsbefürworter und -gegner auf der ganzen Welt darüber, ob Abtreibungen bei Frauen zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Doch wissenschaftlich fundierte Belege fehlten weitgehend – bis jetzt.
Erste Langzeitstudie
Nun ist nämlich die erste Langzeitstudie zum Thema erschienen – mit sehr eindeutigen Ergebnissen: Frauen, denen eine Abtreibung verwehrt wurde, geht es fünf Jahre später mehrheitlich schlecht.
Für die Studie analysierten Forscherinnen und Forscher der Universität Kalifornien die Daten von 874 Frauen, die sich in den Jahren 2008 bis 2010 in verschiedenen US-Kliniken über Abtreibungen informiert hatten. 711 der Teilnehmerinnen haben eine Abtreibung durchführen lassen und 163 der Frauen das Kind bekommen, nachdem ihnen eine Abtreibung – wegen der Gesetzeslage oder familiären Umständen – verweigert wurde.
Chronische Angstzustände
Alle Frauen wurden regelmässig zu ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit befragt. Das Krasse: Die Frauen, die ungewollt ein Baby bekommen hatten, litten deutlich häufiger unter chronischen Angstzuständen und einem allgemein schlechten Gesundheitszustand, als diejenigen, die abgetrieben hatten. "Das Argument, dass Abtreibungen Frauen schaden, lässt sich mit unseren Daten nicht halten", so der Hauptautor der Studie Lauren Ralph im Interview mit dem "Time"-Magazin.
Das ist aber noch nicht alles: Die Forscherinnen und Forscher stellten ausserdem fest, das von den Frauen, die gegen ihren Willen ein Kind austragen mussten, während der Geburt mehr gestorben sind als üblich. Das Sterblichkeitsrisko während einer Schwangerschaft liege bei 0.1 Prozent, so Lauren Ralph. Bei Frauen, die nicht abtreiben konnten, liegt das Risiko laut Studie bei 1.2 Prozent.
Die Studie macht wieder einmal deutlich, wie verheerend es ist, dass weltweit immer noch so vielen Frauen das Recht auf Abtreibung verweigert wird.