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Bösch Joseph, Architekt, Stadtbaumeister, 1839-1922
Architekt, Stadtbaumeister 1871-1875
Lehre als Zimmermann und Schreiner, 1858-61 Studium am Eidg. Polytechnikum in Zürich bei Gottfried Semper. Anschliessend arbeitete Bösch bis 1865 im Atelier Semper, wo er mit der Bauführung für den Innenausbau des Polytechnikums und die angliederte Sternwarte betraut wurde. 1866-69 war er als Bauführer für die Schweiz. Nordostbahn tätig. Nach Aufenthalten in Wien und Budapest wurde Bösch 1871 Stadtbaumeister von Winterthur. In seine Amtszeit bis 1875 fallen neben einem nicht ausgeführten Vorprojekt für den Bau des Technikums seine wichtigsten architektonischen Werke: der Umbau des Rathauses und das Neuwiesen-Schulhaus in Winterthur. 1875-1905 unterrichtete Bösch als Professor für Baufächer am Kantonalen Technikum in Winterthur.
Im gesamten Werk Böschs ist der Einfluss Sempers spürbar. Dies äussert sich nicht nur in der konsequenten Anwendung der Neurenaissance, sondern auch in der direkten Übernahme von Bautypen ("Italienisches Landhaus" für sein eigenes Wohnhaus in Winterthur) und Gestaltungsprinzipien (Ausschmückung des Winterthurer Rathauses mit Neurenaissance-Sgratfiti und Dekorationen in pompeianischem Stil). Mit dem Umbau des barocken Rathauses durch den Einbau einer modernen Ladenpassage in Neurenaissance-Formen schuf Bösch eine städtebaulich gelungene Lösung. Das wenig später entstandene Neuwiesen-Schulhaus ist im Vergleich dazu einem strengeren Spätklassizismus verpflichtet. Das Vorbild Sempers kommt auch in Böschs Lehrtätigkeit am Technikum zum Ausdruck, wo das Schwergewicht auf dem Studium der Antike und der italienischen Renaissance lag.