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Der Öffentlichkeit wenig bekannt ist die wesentliche Rolle, die der Handelsplatz Schweiz und hier vor allem die Genfer Banken bei der Finanzierung des globalen Rohstoffhandels spielen. In diesem Geschäft profilieren sich nicht nur Schweizer Gross- und Kantonalbanken, sondern auch Auslandsbanken, die über ein weltumspannendes Netzwerk verfügen.
Rasche Finanzierung
Die Rolle der Banken besteht darin, Unternehmen bei grenzüberschreitenden Transaktionen mit Rohstoffen finanzielle Unterstützung zu leisten. Diese Firmen, meistens Töchter von Industriekonzernen oder reine Handelsgesellschaften, agieren als Bindeglied zwischen Produzenten und Verbrauchern. Sie stellen die Rückverfolgbarkeit der Waren, die Logistik, den Transport und den Verkauf an den Endkäufer sicher.
Finanziert werden die Geschäfte mit kurzfristigen Krediten über 30 bis 180 Tage, in erster Linie Bürgschaften (Kreditbrief, Stand-by, Garantien), die durch die zugrundeliegenden Rohstoffe besichert sind. Mit der Finanzierung der Transaktionen garantieren die Banken den Unternehmen eine Flexibilität, die sie angesichts der auf dem Spiel stehenden Beträge sonst nicht hätten.
Zum besseren Verständnis dieses Aspekts sei darauf hingewiesen, dass Erdöl Ende der 1990er-Jahre bei etwas unter 10 Dollar pro Fass notierte, 2008 ein vorübergehendes Hoch von knapp 150 Dollar erreichte und heute rund 80 Dollar kostet. Gleichzeitig ist der Wert der Ladung eines Öltankers von 20 Mio Dollar Ende des letzten Jahrhunderts auf heute 150 Mio Dollar gestiegen.
Genf ist seit langen Jahren auf die Finanzierung von Rohstoffgeschäften spezialisiert und hat mit der Zeit auch Makler aus London angezogen. Heute sind in der Region mehr als 500 Handelsunternehmen tätig, die rund 6000 Mitarbeiter beschäftigen. Heute wird ein Drittel des weltweiten Erdöl- und Getreidebedarfs über die Handelsfirmen am Genfersee abgewickelt. Im Getreide- und Zuckerhandel belegt Genf weltweit Rang 1 und im Baumwollhandel ist es europaweit die Drehscheibe Nummer 1.
Vor zügiger Entwicklung
Die Ende 2008 ausgebrochene Wirtschaftskrise hat den Rohstoffhandel zwar stark gebeutelt, doch hat sich die Situation mit der Aufhellung des Konjunkturhimmels wieder stabilisiert. Der Welthandelsorganisation zufolge dürften die weltweiten Exporte 2010 volumenmässig um 9,5% steigen. Auch wenn dieses Wachstum es nicht erlaubt, bereits dieses Jahr das Niveau vor der Krise zu erreichen, sollte es die Konsolidierung der Wirtschaft fördern.
Die Indikatoren deuten heute alle auf eine allmähliche Verbesserung der Lage hin und lassen hoffen, dass sich das Finanzierungs- und Rohstoffgeschäft in der Schweiz und insbesondere in Genf zügig entwickeln wird.