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Platz für maximal 60 Personen.
Der grosse Saal ist Parterre, hell, ruhig, mit Sicht und Türen zum Garten.
Es hat Tische und Stühle für maximal 60 Personen. Für Tagungen eignet sich eine Hufeisenbestuhlung mit Rednerpult, oder ein Rechteck. Für Vorträge können Stuhlreihen aufgestellt werden mit Rednerpult vorne.
Auf Verlangen können wir einen Hellraumprojektor, einen Flip-Chart, einen Dia-Projektor und ein CD/Kasettengerät zur Verfügung stellen.
Raumgrösse: 74 m²
Preise:
Halber Tag* = 180 CHF;
Ganzer Tag = 280 CHF; Vor- und Nachmittag = 280 CHF; Nachmittag und Abend = 280 CHF;
Ganzer Tag inkl. Abend = 330 CHF
Alexej Georgewitsch von Jawlensky (1864-1941) In “Ein Künstler arbeitet in einer Tradition”, schrieb Jawlensky. “Ich bin geborener Russe. Meiner russischen Seele war immer nahe die altrussische Kunst, die russischen Ikonen, die byzantinische Kunst, die Mosaiken von Ravenna, Venedig, Rom und die romanische Kunst. Alle diese Künste hatten meine Seele immer in eine heilige Vibration gebracht, da ich dort eine tiefe, geistige Sprache fühlte. Diese Kunst war meine Tradition.” Ein langer, arbeitsamer und strenger Weg war es jedoch, bis Jawlensky diese Tradition mit den modernen Mitteln des 20. Jahrhunderts eigenständig weiterentwickeln konnte.
Als Sohn einer Familie des russischen Erbadels, wurde Alexej Georgewitsch von Jawlensky am 13. März 1864 in Torschok geboren. Er kam bereits zehnjährig nach Moskau, um eine standesgemässe Schulbildung zu erhalten und die Militärlaufbahn zu beschreiten. Von einer Kunstaustellung zutiefst erschüttert, begann er sich mit sechzehn Jahren für die Malerei zu interessieren und konnte sich ihr, als junger Leutnant nach St. Petersburg umgezogen, schliesslich mehr und mehr widmen. An der Kunstakademie legte er sich seine malerischen Grundkenntnisse zu, besuchte die Kunstschätze der Hauptstadt und lernte in den Salons Künstler und Künstlerinnen kennen, auch Helene Neznakomova, die er viele Jahre später heiraten wird. 1896 zog Jawlensky, zusammen mit der Künstlerfreundin Marianne Werefkin, die zwei Jahrzehnte seine enge Partnerin war, und mit zwei weiteren Malerfreunden nach München. An der geschätzten Azbe-Malschule in München lernte Jawlensky drei Jahr lang, bevor er freischaffend zu arbeiten begann. Mit andern russischen Malern war er in der “Lukasbruderschaft” vereinigt. Diese fühlte sich einer symbolistischen Kunstauffassung und der deutschen Romantik verpflichtet, die eine enge Verbindung von Kunst und Leben aus einer rein ästhetischen Weltanschauung anstrebte. Jawlensky fand früh seinen eigenständigen Weg und wurde 1910 mit kubistisch geprägten Arbeiten berühmt. Zusammen mit Kandinsky gründete er die “Neue Künstlervereinigung München”, die mit ihren Ausstellungen von ungewohnt modernen Werken für viel Aufregung sorgte. Als aber Kandinsky und Franz Marc sich schon bald daraus lösten und den “Blauen Reiter” formierten, ging Jawlensky eigene Wege, blieb ihnen aber zeitlebens verbunden.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte einen tiefen Einschnitt: Jawlensky musste als Russe Deutschland innert 48 Stunden verlassen und liess sich in der Schweiz nieder, zuerst in St. Prex am Genfersee, danach in Ascona, wo er bis 1921 lebte. Er lernte die Malerin Emmy Scheyer kennen, die ihr eigenes Schaffen aufgab und sich ganz seiner Kunst widmete und ihn bis ans Lebensende begleitete. Ein Interesse an indischer Religiosität und östlicher Mystik bewegte ihn in diesen Jahren in der Schweiz. Vom Bemühen um Synthese, Harmonie und Vollkommenheit in Inhalt, Farbe und Form geleitet, vom Suchen eines Gleichgewicht zwischen Quadrat, Kreis und Dreieck geführt, stiess Jawlensky nach “Variationen über ein landschaftliches Thema” zu seinem genuinen Thema vor: das menschliche Antlitz. Schon in seiner frühen fauvistischen Phase vor dem Ersten Weltkrieg nahmen die stark farbigen Köpfe eine bedeutende Stellung ein. 1917 entdeckte er aber seine eigenen Stilelemente und eröffnete mit seinem Antlitz “Urform” eine Serie von Gesichtern, die immer mehr eine strenge, reduktionistische und konstruktive Gestalt erhielten. Er wandte sich in einer grandiosen Einseitigkeit immer tiefer und vollkommener dem Angesicht zu und widmet sich über ein Jahrzehnt allein diesen ins Geistige, Zeitübergreifende hineinweisenden Gesichtern. Er legte sein ganzes Bestreben in die Ausdruckskraft der Farben, um die Tiefen des individuell Seelischen auf dem Angesicht zur Darstellung zu bringen – in einer möglichst objektiven Gestalt. Es entstanden die hochstilisierten “mystischen Köpfe”, wie wir sie hier bei uns im Saal betrachten können. In seiner letzten Schaffensphase ab 1934 jedoch zerbricht Jawlensky diese “Ideal-Form”. So malte er – mit durch Lähmungen gezeichneten Händen – die “Meditationen”: diese kleinformatigen Antlitze, die durch schwarze, frei hingesetzte, kreuzförmige Linien strukturiert und in starken, oft dunkeln, mit expressiven Pinselstrichen gestalteten Farbflächen gehalten sind. In ihrer Kombination von Gesetzmässigkeit und Spontaneität sind sie Träger von verschiedenen menschlichen Empfindungen und Situationen, die von Mal zu Mal Bild werden.
Seit 1921 lebte Jawlensky in Wiesbaden, zusammen mit seiner Frau Helene und seinem Sohn Andreas. Den Ruf ans Bauhaus nach Weimar, wo inzwischen Kandinsky und Klee Lehrer geworden waren, lehnte er mit der Begründung ab, Kunst sei nicht lehrbar. Diese beiden Bauhaus-Lehrer, sowie Feininger und Jawlensky schlossen sich 1924 aber zur “freien Gruppe der Blauen Vier” zusammen, um ihre künstlerischen Ideen zu verbreiten: Das “Geistige in der Kunst”, dessen Ausdruck für sie die Farbe Blau war, sollte – in der bewussten Fortführung des “Blauen Reiters” aus der Münchner Zeit – “verkündet” werden. Trotz zunehmender Lähmungserscheinungen an Händen und Knien seit 1929 blieb Jawlenskys Schaffensdrang ungebrochen. Trotz Konfiskationen seiner Bilder durch die Nazis – einige Werke werden in der Münchner Ausstellung für “entartete Kunst” gezeigt – erreichte er mit den rund 700 “Meditationen” einen letzten Höhepunkt. Er schreibt dazu folgende Worte: “Ich sitze und arbeite. Das sind meine schönsten Stunden. Ich arbeite für mich, nur für mich und meinen Gott. Die Ellbogen schmerzen dabei sehr. Oft bin ich wie ohnmächtig vor Schmerzen. Aber meine Arbeit ist mein Gebet, aber ein leidenschaftliches, durch Farben gesprochenes Gebet. Ich leide. Ich muss viel arbeiten, und ich tue das. Gott weiss, wie lange ich den Pinsel noch halten kann. O Gott! Ich arbeite mit Ekstase und mit Tränen in den Augen, und ich arbeite so lange, bis die Dunkelheit kommt. Dann bin ich erschöpft, und ich sitze unbeweglich, halb ohnmächtig und mit schrecklichen Schmerzen in den Händen. O Gott! O Gott! Ich sitze, und die Dunkelheit umhüllt mich, und die schwarzen Gedanken kriechen auf mich zu. Und von allen Wänden fliessen die Farben. Ich bin allein. Die Stille summt, und ich höre, wie mein Herz bebt. Allein! Allein!” Ganz ans Bett gebunden, konnte Jawlensky in den letzten vier Lebensjahren vor seinem Tod 1941 nicht mehr malen. Seine einzigartige, auf Vertiefung gerichtete Kunst aber wurde ein unverzichtbarer Beitrag des Kunstschaffens im 20. Jahrhundert.
Die fünf “mystischen Köpfe” im Saal von Links nach Rechts, begleitet mit Aussagen von Jawlensky:
Symphonie in Rosa, 1929 “Es war mir notwendig, eine Form für das Gesicht zu finden, da ich verstanden hatte, dass die grosse Kunst nur mit religiösem Gefühl gemalt werden soll. Und das konnte ich nur in das menschliche Antlitz bringen.”
Inneres Schauen – Rosiges Licht, 1926 “Das Gesicht ist für mich nicht ein Gesicht, sondern der ganze Kosmos. Im Gesicht offenbart sich der Kosmos.”
Rot-Weiss-Gold 1927 “Ich habe doch keine Flügel zum Fliegen. Vielleicht nur in meiner Kunst. Dann aber immer nach oben, so hoch wie ich nur kann. Ich suche dort Licht und Ruhe.”
Wasser und Licht, 1928 “Gesichter sind für mich nur Hinweise, um in ihnen anderes zu sehen: das Leben der Farbe, erfasst von einem Leidenschaftlichen, einem Verliebten.”
Abend,1931 “Einige Köpfe sind tragisch, aber nie böse. Mehr Leid als Tragik.”
Und zum Schluss: “Meine Köpfe müssen ebenso wie Wein liegen und reifen, dann werden sie besser schmecken und auch verstanden werden.”
Literatur:
- Detlev Rosenbach, Alexej von Jawlensky. Leben und druckgraphisches Werk, Galerie Rosenbach 1985.
- Alexej von Jawlensky, A Catalogue Raisonné of the Oil Paintings, 3 Bände, Beck-Verlag 1993.
- Alexej von Jawlensky, Köpfe – Gesichte – Meditationen, 1970.