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20:03:2014
Der Karriereweg von Simona de Silvestro ist ein Stück Emanzipation
Okay, man kann sich drüber streiten, ob man Simona de Silvestro und das, was sie tut, nun gut findet oder nicht. Fakt aber ist, dass die junge Draufgängerin gerade wieder im Begriff ist, Geschichte zu schreiben – mit der Verpflichtung des Rennstalles Sauber für die Formel 1.
Cornelia Forrer
Eine echte Rennfahrerkarriere beginnt mit dem Kartsport. Was schon Schumi eine einzigartige Karriere ebnete, war auch bei Simona de Silvestro nicht anders. Gerade mal 14 geworden, startete der Teenager durch, doch nur um mit 16 die Kartsport-Karriere schon wieder aufs Eis zu legen. Der Formelsport war ihr eigentliches Ziel. Mit Renault ging sie, knapp süsse 17 geworden, ihre erste Saison an den Start und wurde 20. der Gesamtwertung. Im
Begriff, die USA zu erobern und bessere Trainingsbedingungen zu bekommen, wanderte de Silvestro aus. Sie entschied in dieser Saison zwar kein
Rennen für sich, erhielt aber trotzdem die Chance, einen Wechsel in die höhere Atlantic Championship und zum Walker Racing-Team zu machen.
Mit dem späteren Wechsel zu Newman Wachs Racing kam der erste Sieg in der Atlantic Championship und der achte Rang der Gesamtwertung. Für das Team Stargate Worlds, zu dem sie mit 19 Jahren wechselte, erzielte sie vier weitere Siege und gesamthaft fünf Podestplätze. Nach dem vorletzten Rennen führte de Silvestro gar die Meisterschaft an, wurde aber von Champion John Edwards und vom Teamkollegen Jonathan Summerton noch knapp überholt. Der dritte Schlussranglistenplatz lag aber dennoch drin, da die Rennfahrerin kein Rennen hinter den ersten Zehn beendet hatte.
Ab 2010 begannen für die Rennfahrerin die IndyCar Series. Simona de Silvestro startete für das HVM Racing Team und führte das Feld dank einer neuen Strategie lange Zeit an. Probleme mit Bremsen, Zwischenfälle bei Rennen, Unfälle und Verletzungen waren weitere Holpersteine, die das Durchstarten der Rennfahrerin behinderten, doch liessen sie sie niemals ihren Traum aus den Augen verlieren: die Teilnahme an Formel-1-Rennen, in der Königsklasse. Simona de Silvestro wurde als zweitbester Neuling nach Alex Lloyd in den IndyCar Series geehrt und für eine weitere Saison verpflichtet. In Saint Petersburg erzielte sie zum neuen Saisonauftakt den vierten Platz und hatte im Duell gegen Tony Kanaan immer die Chance auf einen Podestplatz.
Mit der schnellst gemessenen Rennrunde in Sao Paulo schaute die Welt bald wieder auf die junge Schweizerin, die aufgrund einer Startkollision aber schon neun Runden zurücklag. Ein Unfall in Indianapolis, nach dem die 23-Jährige im brennenden Auto auf der Strecke blieb, das Fahrzeug aber selbständig verliess, brachte ihr ein durch die Ärzte auferlegtes Startverbot für den Rest der Saison. De Silvestro versuchte es dennoch, aber erfolglos. Die Saison beendete sie schliesslich nur auf dem 20. Platz, doch eine neue IndyCar-Saison folgte, in der die Rennfahrerin von Lotus unterstützt wurde. De Silvestro erhielt hier als Erste die Möglichkeit, ihr IndyCar-Chassis mit einem Lotus-Motor zu testen. Der Motor war aber schwächer als die Motoren von Chevrolet und Honda, so war de Silvestro nicht in der Lage, Rennzeiten innerhalb der 105-Prozent-Regel zu fahren und wurde zehn Runden vor Schluss aus dem Rennen genommen. Sie hatte erreicht, dass keine Fahrer mehr mit Lotus-Motoren fuhren, eine immens wichtige Erkenntnis für ihren Rennstall, doch eine herbe Rennenttäuschung für sie selbst.
„Wer echten Kampfgeist besitzt, der lernt und startet weiter“, muss das Lebensmotto dieser mutigen Frau sein. Testfahrten für KV Racing Technology, ein Vertrag für die IndyCar Series 2013 und zwei neue Hauptsponsoren hatte die junge Rennfahrerin aufgrund ihrer Testfahrten gewonnen. Die bei ihrem Auto schneller als bei den Konkurrenten abgefahrenen Reifen, machten zwar einem Sieg in Saint Petersburg in der neuen Saison nach zwei vielversprechenden dritten Plätzen im Qualifying wieder einen Strich durch die Rechnung, sodass de Silvestro auf die sechste Gesamtposition zurückfiel. Nach Baltimore war sie wieder Fünfte, Zweite nach Houston und landete damit erstmals 2012 auf dem IndyCar-Podest, übrigens nach Sarah Fisher und Danica Patrick als dritte Frau weltweit. De Silvestro beendete die Saison 2013 erfolgreich und unterlag mit 35 Punkten Unterschied ihrem Teamkollegen Tony Kanaan, der das Indianapolis 500 gewonnen hatte, nur knapp.
Man bedenke, dass Simona de Silvestro vielen Mädchen und Frauen, die von einer Rennfahrerinnenkarriere träumen, den Weg ebnet und gleichzeitig beweist, dass auch Frauen schnell und erfolgreich sind. De Silvestro verlor ihr IndyCar-Cockpit bei KV Racing Technology nach der letzten Saison, als sie auf dem 13. Schlussrang endete, gewann aber gleichzeitig für die jetzige Saison einen Vertrag mit Formel-1-Rennstall-Besitzer Sauber als Affilated Driver (zugehörige Fahrerin), mit dem Ziel für 2015 eine Formel-1-Superlizenz zu erhalten und den Mädchentraum wahr zu machen. Das überraschende Engagement der jungen Schweizerin gab Sauberchefin Monisha Kaltenborn bekannt, die Grosses mit der nun 25-Jährigen vor hat. Sie sei eine ausgesprochen talentierte Rennfahrerin mit viel Potenzial, so Kaltenborn. „Es war immer mein Traum, in die Königsklasse zu kommen. Und ich freue mich ganz besonders, weil ich diese Chance in einem Schweizer Team erhalte“, sagte de Silvestro vor den Medien zu ihrem Engagement.
Der klassische Weg vom Kart-Sport heraus, habe ihr das nötige Standvermögen für die "Macho-Branche" gelehrt, ist die Rennfahrerin sich sicher. Der Motorsport sei nun mal eine Männerwelt, in der sie selber sich aber wohl fühle. Dass es nicht mehr Frauen im Rennsport habe, liege nicht am fehlenden Talent, sondern an den seltenen Interessentinnen. Mit dem Generationenwechsel an der Spitze der Rennställe ändere sich aber auch die Akzeptanz. Im modernen Management gelte das Leistungsprinzip. Es brauche Fahrerinnen, die nicht nur aus Alibi-Gründen beschäftigt würden. "Schliesslich tragen alle Helme und Anzüge, man sieht also nicht, ob ein Mann oder eine Frau im Wagen steckt", sagt die Schweizerin. Am Ende zähle nur der gute Job.