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Franziskaner berichtet über Irak-Aktion
An die 150 Personen haben an dem Vortrag des französischen Franziskanerpaters Jean-Marie Benjamin im Pfarrsaal zu St. Peter in Freiburg teilgenommen. Eingeladen hatte die «Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter» (Acat). Der 54-jährige Jean-Marie Benjamin ist auch Cineast und Musiker.
Er komponierte unter anderem die Unicef-Hymne. Letztes Jahr ist im Lausanner Verlag Favre sein Buch «Irak, l’apocalypse» erschienen. Über dieses Land hat er auch drei Filme gedreht.
Iraks zerstörte Infrastruktur
Der Franziskanerpater berichtete in Freiburg in erster Linie über seinen von ihm initiierten Flug nach Bagdad, bei dem er von drei Italienern begleitet war. Sie hätten den Flug unternommen, um «eine Bresche in das mörderische Embargo zu schlagen», betonte er.
Zum ersten Male seit den bald zehn Jahren dauernden Sanktionen gegen den Irak hat ein nicht-irakisches Flugzeug die von Amerikanern und Briten verhängte Flugverbotszone durchquert, erläuterte Benjamin die Bedeutung des Flugs.
Dabei vertrat er die Meinung, dass das Flugverbot gegen das Völkerrecht verstosse und von der Uno nicht abgesegnet sei. Mit dem Flug von Amman nach Bagdad seien also keine Embargobestimmungen der Uno verletzt worden. Er will die Aktion möglichst bald mit einem grösseren Flugzeug wiederholen und kündigte an, prominente Persönlichkeiten mitfliegen zu lassen.
Schulen zerstört
Jean-Marie Benjamin zitierte in seinem Vortrag Zahlen der Unesco zur Situation im Irak:53 Prozent der schulpflichtigen Kinder haben keine Möglichkeit zum Schulbesuch, denn von den ursprünglich 10334 Schulen des Landes seien über 8000 zerstört oder verwüstet. Der Referent, der das Land in den vergangenen Jahren mehrfach bereist hat, stützte sich auf Berichte der Unicef und der FAO, als er beklagte, dass «im Irak jeden Monat 5000 Kinder an Hunger, an Krankheiten und an den Folgen des Einsatzes von Waffen mit angereichtertem Uran sterben».
Der Geistliche nannte den Irak «ein Konzentrationslager mit 22 Millionen Insassen». Am schlimmsten sei, dass das Embargo verhindere, die Verseuchung grosser Gebiete des Iraks durch angereichertes Uran zu beseitigen, das von Waffeneinsätzen während des Krieges herrührt, und den Betroffenen medizinische Hilfe zukommen zu lassen.
Den Spitälern fehle es an Medikamenten, berichtete Jean-Marie Benjamin. Er habe gesehen, wie ein Kind ohne jegliche Betäubung am Blinddarm operiert worden sei. Da auch alliierte Soldaten von den Folgen des Uran-Einsatzes betroffen sind, zeigte sich der Referent zuversichtlich, dass man sich im Westen über die Folgen des Embargos bewusst wird und dieses bald aufgehoben wird.