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Rio de Janeiro, 19. Februar 2007
Im völlig ausverkauften Sambódromo von Rio de Janeiro fand gestern die erste Nacht der Paraden statt, bei der vor allem Viradouro, Mangueira und Vila Isabel begeisterten. Die erste der sechs Sambaschulen war Estácio de Sá, die im vergangenen Jahr aus der Zweitliga in die Grupo Especial aufgestiegen war. Die Schule brachte eine Neuauflage des Sambas “Ti ti ti do Sapoti“ von 1987, die das Publikum sofort mitsingen konnte. Der Umzug selbst wurde korrekt durchgeführt, jedoch ohne grossen Luxus bei den allegorischen Wagen und den Kostümen.
Die zweite Schule, Império Serrano, liess die Stimmung wieder etwas abflauen, obwohl das Thema der Gleichheit der Menschen vielversprechend war. Império Serrani brachte dabei geniale Persönlichkeiten in die Avenida Sapucaí wie Albert Einstein, Frida Kahlo und den durch Lepra verstümmelten berühmten Barock-Bildhauer Aleijadinho. Das Publikum kam erst wieder in Fahrt mit den ersten Takten der Sambaschule Mangueira, die die Geschichte der portugiesischen Sprache in Brasilien, die Einflüsse des Latein, der Índios und der Afrikaner präsentierte.
Gefeiert wurde schon die Eröffnungskommission, die mit Buchstabentafeln durch die Avenida tanzte, die zu immer neuen Wörtern zusammengestellt wurden. Die Hauptattraktion aber war die vierte Schule, Viradouro, mit dem Karnevalisten Paulo Barros, der seit 2004 bei der Schule Unidos da Tijuca durch eine unglaubliche Kreativität aufgefallen war und ganz neue allegorische Wagen voller Menschen vorgeführt hatte, die die kunstvollen Vehikel in lebende Bilder verwandelten. Sein Wechsel zu Viradouro brachte der Sambaschule aus Niterói nun den wohlverdienten Applaus und nicht enden wollende “Champion!“-Schreie. Zum Thema Spiele beeindruckte Viradouro mit einer riskanten Neuheit in der Avenida, indem sie die Percussiongruppe auf einen allegorischen Wagen marschieren liess.
Ein anderer Wagen fuhr auf dem Kopf mit den Rädern nach oben durch die Avenida zum Zeichen, dass Viradouro das Blatt wenden und den Wettkampf um den besten Samba gewinnen will. Das Publikum tobte angesichts der neuen Ideen und der Choreographien auf dem Boden der Avenida und auf den Wagen. Die nachfolgende Schule Mocidade hatte es da schwer mit ihrem traditionellen Umzug, der die Industrialisierung kritisierte und das brasilianische Kunsthandwerk würdigte. Nur die für seine Spitzenqualität berühmte Percussion der Schule überzeugte die Zuschauer. Die letzte Sambaschule der Nacht, die Vorjahressiegerin Vilsa Isabel, riss das Publikum aus der Müdigkeit kurz vor dem Morgengrauen mit ihrer gelungenen Parade zum Thema Metamorphosen.
Annette Runge für BrasilienPortal