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Gregor und der Kalender
Ugo Boncompagni wurde am 1. Januar 1502 geboren. Seine Laufbahn begann er als Professor der Rechtswissenschaft in Bologna. Mit 70 Jahren wurde der Jurist zum Papst gewählt und gab sich den Namen Gregor XIII. Im zehnten Jahr seines Pontifikats (am 24. Februar 1582) erliess er die Bulle «Inter gravissimas» – einen Erlass von weitreichender kulturhistorischer Bedeutung.
Mittels besagter Bulle führte die Römisch-katholische Kirche eine längst fällige Kalenderreform durch. «Wir beseitigen den alten Kalender und schaffen ihn gänzlich ab, und wir wünschen, dass alle [ ] den neuen Kalender [ ] einführen und allein ihn nutzen sollen», so die besagte Bulle. Papst Gregor, ein Vertreter und Verfechter der Gegenreformation, reformierte nicht die Kirche dafür den Kalender. Anstelle des alten Julianischen Kalenders – benannt nach Julius Cäsar – setzte er einen neuen in Geltung, den nach ihm benannten und bis heute massgebenden Gregorianischen Kalender. Dieser neue Kalender hatte den Vorteil, um einiges genauer zu sein als der alte.
Im Julianischen Kalender ist jedes Jahr im Vergleich zur effektiven Jahresdauer elf Minuten und vierzehn Sekunden zu lang. Diese Abweichung summierte sich im Laufe der Jahrhunderte. 1582 waren es bereits zehn Tage. Deshalb ordnete Papst Gregor an, «dass von dem Monat Oktober des Jahres 1582 zehn Tage [ ] herausgenommen werden». Auf den 5. folgte deshalb unmittelbar der 14. Oktober.
Als Folge dieser aufsummierten Abweichung hatte sich auch die Tagundnachtgleiche, bzw. der astronomische Frühlingsanfang, mehr und mehr verschoben. Anstatt am 21. März war sie 1582 bereits am 11. März, was wiederum die Kirche in Verlegenheit brachte bei der Bestimmung des korrekten Osterdatums, von dem aus bekanntlich alle beweglichen kirchlichen Feiertage berechnet werden. Denn seit dem ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 gilt: Das Osterfest wird am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlings-Vollmond gefeiert.
Damit die durch die Kalenderreform neu erlangte Genauigkeit mit den Jahren nicht wieder verlorenging, liess Gregor die Schalttagsregelung präzisieren: Alle Jahre, die ohne Rest durch vier teilbar sind, sind Schaltjahre; alle Jahre, die ohne Rest durch hundert teilbar sind, sind keine Schaltjahre; alle Jahre, die ohne Rest durch 400 teilbar sind, sind Schaltjahre. Also: 2008 : 4 = 502. 2008 ist folglich ein Schaltjahr. 2100 hingegen ist keines, 2400 dagegen ist wieder eines. Und wer diese Zeilen gelesen hat, wird dann jenseits von Zeit und Raum sein.
Pfr. Claudio Jegher, Interlaken