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Wie Mechthild von Magdeburg und Gertrud die Grosse (von Helfta) hatte die Zisterzienser–Nonne Mechthild von Hackeborn(1241 – 1299) religiöse Visionen, die die wachsende weibliche Spiritualität des 13. Jahrhunderts prägten und reflektierten. Mechthild von Hackeborns Visionen, die im Liber specialis gratiae (Buch der besonderen Gnade) im Kloster Helfta (bei Eisleben in Sachsen Anhalt) schriftlich festgehalten sind, sprechen von einer mystischen Vereinigung, in der die Nonne auch die kirchlichen Funktionen eines Priesters übernahm. Als Sprachrohr göttlicher Wahrheiten konnte Mechthild ihre Schwestern im Konvent anleiten.
Die intellektuell und musikalisch begabte und für ihre Zeit hoch gebildete Mechthild unterrichtete die jüngeren Schwestern, vertonte Gebete, und war als Vorsängerin des Konvents tätig. Wahrscheinlich hat sie auch ihre 15 Jahre jüngere Schülerin und Freundin Gertrud (später »die Grosse«) zum Schreiben ermuntert. Am wichtigsten war aber ihre Tätigkeit als sensible geistliche Ratgeberin für Nonnen und männliche Geistliche sowie für Menschen aus dem weltlichem Bereich.
Wie
andere Mystikerinnen hatte Mechthild von Hackeborn seit Jahren Gesichte, bevor
sie jemals darüber sprach. Sie war immer kränklich und litt unter Kopfweh, aber
als sie mit 50 schwer erkrankte und von anderen gepflegt werden musste, begann
sie, über ihre Visionen zu sprechen
In Mechthilds Gesichten gibt es eine mächtige väterliche Gottheit; Jesus ist zugleich aufrichtender Richter und deswegen eine Quelle „süssen Trosts“. Trotz asketischer Einstellung wird die materielle Schöpfung bejaht. Mechthild gebraucht das Bild der Braut Christi, macht aber keine Anspielung auf die stereotype klerikale Darstellung der Frau als Symbol des Fleisches, der Begierde oder der Schwäche.
Ihre Visionen unterscheiden auch nicht zwischen »männlichen« oder »weiblichen« religiösen Funktionen, sondern übermitteln eine Zuversicht, die von ihrem ihr bewussten direkten Bezug zur Gottheit herrührt.
Die Visionen der Mechthild von Hackeborn sprechen mit Autorität und Selbstbewusstsein. Sie bestätigen die Bedeutung des Konvents und der kirchlichen Ordnung, beanspruchen aber zugleich für sich »die klerikalen Rollen des Bindens und Lösens und unterlaufen damit… die … Ausgrenzung der Frauen von der Autorität des Geistlichen.
„Meine Seele vergnügt sich in göttlichem Genusse, schwimmend in der Gottheit wie ein Fisch im Wasser oder ein Vogel in der Luft; und kein Unterschied ist zwischen dem Gottgenusse der Heiligen und der Einung meiner Seele, als dieser, dass sie in der Freude, ich in der Pein ihn geniesse« (krank und ohne »Gottes Besuch«).