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PRO JUVENTUTE WÄDENSWIL IM WANDEL DER ZEIT
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1995 von Froukje Bachmann
Seit der Gründung des Pro-Juventute-Bezirks Wädenswil vor achtzig Jahren haben sich hier fünf Präsidentinnen und Präsidenten sowie acht Bezirkssekretärinnen und Bezirkssekretäre mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Ziele der Stiftung Pro Juventute eingesetzt. Der Rückblick zeigt einige markante Stationen seit 1915 auf.
1915
Am 24. November 1915 wird in Wädenswil der Pro-Juventute-Bezirk Wädenswil-Richterswil-Schönenberg-Hütten gegründet. Der Erlös aus dem Markenverkauf 1915 beträgt 1848.05 Franken. Er wird hauptsächlich zur Bekämpfung der Tuberkulose eingesetzt.
1926
In der Region werden rund 3000 Kilogramm Obst gesammelt und an Kinder im Engadin, Urnerland, Wallis und Berner Oberland verteilt. Bis zur Aufhebung des Autofahrverbots im Kanton Graubünden müssen die Obstsendungen an der Kantonsgrenze vom Auto auf von Pferden gezogene Wagen umgeladen werden. − Anschaffung von 50 Büchern «Am Lebensquell», als Hilfsmittel für Eltern zur sexuellen Aufklärung der Kinder. Pro Juventute finanziert Schönenberg und Hütten die Abgabe von Zahnbürsten an neu eintretende Primarschüler. − Die bereits 1916 in Wädenswil eingerichtete Mütterberatung der Pro Juventute steht nun auch den drei Berggemeinden zur Verfügung.
1931
Ein Sekundarschüler, der «zu Mittag nur ein Stück Brot isst, weil er gegen nur sehr geringes Kostgeld bei einem Bauern wohnt», bekommt in der «Sonne»
auf Kosten von Pro Juventute – für 80 Rappen pro Tag – genug Suppe und Brot.
1933
Nach dem Brand des Kinderheims Bühl
(10. November 1932) sichert Pro Juventute dem Heim einen Beitrag von 3600 Franken zu für die Anschaffung von Schulmöbeln. − Im Hobelraum des Schulhauses Glärnisch
wird auf Kosten von Pro Juventute ein Holzspielsachenkurs für arbeitslose Väter durchgeführt.
1934
Intensive Beschäftigung mit dem Problem der Jugendarbeitslosigkeit.
1938
Pro Juventute richtet auch in Richterswil eine Mütterberatung ein.
Seit der Erstausgabe der Pro-Juventute-Marken im Jahre 1913 wählte man heimatbezogene Sujets. 1930 wurde die 1918 begonnene Serie der Schweizer Kantonswappen abgeschlossen.
1939
Es gibt immer noch viele Gesuche für Kurbeiträge an Kinder mit Tuberkulose. Die Beiträge schwanken zwischen 50 Rappen und 2 Franken pro Tag.
1941
Die Stiftung Pro Juventute wird mit der Sammlung «für einen nationalen Anbaufonds für Klein- und Bergbauern zur Beschaffung von Saatgut und Ackergeräten» betraut. Für den Anbaufonds müssen im Bezirk 3500 Abzeichen verkauft werden.
1946
Eröffnung einer Freizeitwerkstatt in Wädenswil. An die Gesamtkosten von 7000 Franken leistet Pro Juventute einen Beitrag von 1000 Franken. In Schönenberg errichtet die Stiftung eine Mütterberatungsstelle; in Hütten unterstützt sie Kinder mit Wolle für Strümpfe und mit Unterwäsche.
1950
Die Obstsammlung erreicht mit 12‘000 Kilogramm ein Spitzenresultat. Bäuerinnen von Schönenberg können während der strengen Sommerarbeit ihre Kinder in der von Pro Juventute eingerichteten Kinderkrippe unterbringen.
1951
Nach Hütten (seit 1946) und Schönenberg (seit 1947) macht nun auch Wädenswil den Versuch mit einem neuen Markenverkaufssystem. Gemäss Rücksprache mit dem Verwalter der Molkerei
verteilen die Milchmänner die Flugblätter in die Haushaltungen. Schulkinder sammeln die Bestellungen wieder ein.
Porträts, Trachten und Bergblumen zierten die Pro-Juventute-Marken der 1940er Jahre.
1952
Gleiches Verkaufssystem wie 1951, aber «ohne die Milchmänner, die sich teilweise etwas widerspenstig benahmen».
1958
Einrichtung einer Mütterberatungsstelle in Hütten.
1959
507 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen die von Pro Juventute angebotene «Elternschulung» zu den Themen Strafen, Pubertät und Aufklärungsgespräche. Die Inseratkosten belaufen sich auf 50 Franken; die Honorare bewegen sich zwischen 35 und 45 Franken.
1961
Pro Juventute leistet einen Beitrag von 500 Franken an den Bau des neuen Pfadiheims in Richterswil und organisiert in Wädenswil einen Kurs zum Thema «Das Kind in Schulalter».
1962
Die Sekundarschule Wädenswil kann das Abfüllen der Markenkuverts aus Zeitgründen nicht mehr übernehmen. Die Elternkurse werden nur noch mässig besucht.
1965
Kinder aus Wädenswil und Richterswil, die an Muskelschwund und Asthma leiden, erhalten Beiträge an Kur- und Erholungsaufenthalte, unter anderem in der Alpinen Kinderklinik in Davos.
1972
Die Verteilung der Pro-Juventute-Elternbriefe hat sich gut eingespielt. Hütten erhält einen Beitrag an die Schülerbibliothek.
1975
In Wädenswil wird die «Gemeinschafts-und Freizeitanlage Untermosen»
(GEFU) gegründet. Maschinen und Werkzeuge der Pro-Juventute-Freizeitwerkstätte gehen geschenkweise an die GEFU über. Für ein Spielhaus stellt Pro Juventute 4000 Franken zur Verfügung.
1977
Nach einem Kurs von Pro Juventute über «Projektbegleitung für freiwillige Mitarbeiter» kommt es zur Gründung des Frauentreffs Au
und der Kinderplauschgruppe Hangenmoos.
1981
Eröffnung einer von Pro-Juventute-Mitarbeiterinnen gegründeten Ludothek in Wädenswil.
1984
Gründung von Ludotheken in Hütten und Schönenberg.
1985
Die Arbeitsgruppe Elternbildung führt eine sehr gut besuchte sechsteilige Vortragsreihe mit Diskussion zum Thema «Sucht, Drogen und Prophylaxe» durch.
1986
Start des Pro-Juventute-Projekts «Aktivierung von Eltern in Wädenswil», später Elterninfo «WIEGEblatt» (Wädenswiler Interessen-Gemeinschaft Eltern), mit finanzieller Beteiligung der Stadt Wädenswil.
1989
Einführung eines für den ganzen Pro-Juventute-Bezirk Wädenswil einheitlichen Markenbestellsystems, das der Schule weniger Zeitaufwand, aber Pro Juventute leider einen merklichen Rückgang der Bestellungen beschert.
1990
Das 75-Jahr-Jubiläum des Pro-Juventute-Bezirks wird mit einem Malwettbewerb für Kinder zum Thema «Ich gestalte eine Pro-Juventute-Briefmarke» begangen.
1995
Der Pro-Juventute-Bezirk Wädenswil kann auf achtzigjährige erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Allein von 1978 bis 1995 wurden 309‘000 Franken aufgewendet für Hilfe an Kinder, Jugendliche, Familien, Elternbildung, Gesundheitsförderung und Suchtprophylaxe, für Freizeit und Spiel, drei Ludotheken sowie für Projekte in den Bereichen Jugendhilfe, Jugendheime, Jugendvereine und Jugendinstitutionen.