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Stan Wawrinka kann heute der 30. Spieler in der Open Era werden, der mindestens zwei Grand-Slam-Titel gewinnt. Er ist im heutigen Final gegen Novak Djokovic der Aussenseiter, aber einer mit Selbstvertrauen und einem Plan.
Ein bisschen gleicht die Ausgangslage bei diesem French Open jener von vor knapp anderthalb Jahren, als Wawrinka das Australian Open gewann. Auch damals siegte er im Viertelfinal gegen ein Schwergewicht, nämlich Novak Djokovic. In dieser Woche eliminierte er im gleichen Stadium Roger Federer. Und vor dem Final ist er erneut Aussenseiter. Aber längst nicht mehr so klar wie in Melbourne. Vor dem Erfolg im Australian-Open-Final gegen Rafael Nadal hatte er gegen den Spanier zwölfmal ohne Satzgewinn verloren.
Beide dürften heute ziemlich nervös sein, vermutet Wawrinka. Djokovic hat zwar bereits acht Grand-Slam-Titel gewonnen und steht zum 16. Mal in einem Final. Doch für den Serben geht es um viel. Er hat sich stark unter Druck gesetzt und seit geraumer Zeit bereits, den erstmaligen Sieg beim French Open als grosses Ziel auserkoren. Nach dem Erfolg gegen Rafael Nadal im Viertelfinal scheint der Weg frei zu sein. An einem anderen als dem neunfachen spanischen French-Open-Sieger zu scheitern, wäre für den 28-Jährigen eine besondere Enttäuschung.
Roland Garros ist der letzte Major-Titel, der im noch fehlt. Er würde ihm ermöglichen in einen exklusiven Kreis von Spielern vorzustossen. Nur sieben Spieler haben alle Grand-Slam-Turniere mindestens einmal gewonnen und nur vier davon in der Open Era (seit 1969): Rod Laver, Andre Agassi, Roger Federer und Rafael Nadal. Der Zeitpunkt scheint für Djokovic ideal, schliesslich befindet er sich in Topform, hat die letzten 28 Matches für sich entschieden.
«Seine Resultate sind herausragend», sagt Wawrinka. «Er hat alle grossen Titel in diesem Jahr gewonnen. Er spielt das beste Tennis seiner Karriere.» Seit der Finalniederlage Ende Februar in Dubai gegen Roger Federer hat Djokovic nicht mehr verloren. Seine Saisonbilanz lautet bislang 41:2 Siege. In Roland Garros marschierte er ohne Satzverlust in den Halbfinal. Dort aber zeigte Andy Murray, dass auch der bisherige Überflieger verwundbar ist. Der Schotte forderte ihn über fünf Sätze.
Wawrinka weiss genau, was ihn heute erwartet. Er kennt Djokovic, er weiss, was zu tun ist: «Ich muss versuchen, seinen Rhythmus zu brechen, ihn mit harten Schlägen aus der Balance zu bringen.» Wichtiger noch ist aber, dass der 30-jährige Weltranglisten-Neunte die Erfahrung aus einem Grand-Slam-Final besitzt und mit solchen Drucksituation in den letzten gut zwei Jahren gelernt hat umzugehen. (si/cma)