Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03359.jsonl.gz/2714

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der für sein grosses Maul die Quittung kassierte. Der das aber mit ebenso grosser Fassung trägt.
Football-Fan Chris Matthew ist sich sicher: Sein Team wird Meister. Die hoch favorisierten Winnipeg Blue Bombers werden den Grey Cup gewinnen. Also kündigt er seinen Freunden an, er werde erst dann wieder lange Hosen anziehen, wenn die Bombers den Pokal in die Höhe stemmen.
Das war im November 2001 vor dem Final gegen die Calgary Stampeders. Dem Final, den die Winnipeg Blue Bombers dann halt eben doch verloren haben. Und so trug Chris Matthew weiterhin kurze Hosen und er trägt sie immer noch, denn die Blue Bombers unterlagen noch in zwei weiteren Finals.
Matthew hat zwar mit niemandem gewettet, aber er will zu seinem Wort stehen. «Manchmal schauen mich die Leute schon an, als wäre ich ein Ausserirdischer», gab er zu. Er mache nur dann eine Ausnahme, wenn er zu einer Beerdigung gehe, bei der die Angehörigen nichts von seiner Angewohnheit wüssten. «Aber wenn sie davon wissen, dann trage ich selbst zur Beerdigung Shorts.»
Nun wäre der Spleen des Kanadiers mit Wurzeln in Schottland kein Kuriosum, würde Winnipeg in der Karibik liegen. Aber das tut es nicht. Zwischen November und März zeigt das Thermometer dort konstant Temperaturen unter dem Gefrierpunkt an. «No brain, no pain», müsse das Motto sein, wenn man nicht daran denke, schmerze es auch nicht.
Seine Gattin sei die Einzige, die es manchmal satt habe, dass er nur in Shorts herumlaufe. Etwa damals, als dem Paar wegen des Dresscodes der Eintritt in ein Restaurant verwehrt wurde – ausgerechnet im warmen Mexiko. «Mir ist es mittlerweile egal», sagt Ehefrau Darla jedoch. Ihr Mann jammere zwar, aber sie denke, er möge die Aufmerksamkeit. «Wenn wir draussen laufen, ich in einen Pelzmantel gehüllt und er in kurzen Hosen, schauen die Leute natürlich. Ich schaue zurück und bestätige ihnen, dass mein Mann ein Idiot ist.»
2012 wurde Matthews pensioniert, zuvor war er Lehrer. Einer, der in Shorts unterrichtete und auch so zu Abschlussfeiern erschien, wie er bei TSN verriet. «Die Schulleiter waren sehr zuvorkommend und die Schüler fanden das cool, es gab keine Probleme.»
Vielleicht hat der Alltag in kurzen Hosen bald ein Ende. Die Winnipeg Blue Bombers sind erstmals seit 2011 in den Final um den Grey Cup eingezogen, am Sonntag geht es gegen die Hamilton Tiger-Cats. Noch vor dem Halbfinal gab sich der «Shorts Guy» lässig. Sein Team habe ihn zu oft hängen lassen, als dass er gleich aufgeregt sei, meinte er bloss. «Wenn sie den Cup nicht gewinnen, ist das auch in Ordnung. Ich lebe nun seit bald 20 Jahren so. Für das Wohl des Teams und das Wohl aller anderen Bombers-Fans hoffe ich aber natürlich schon auf einen Sieg.» Es wäre der erste Triumph seit 1990.
Chris Matthew hat sich so sehr an das Leben in kurzen Hosen gewöhnt, dass er es vielleicht so weiterleben wird, selbst wenn die Blue Bombers den Grey Cup gewinnen. «Ich würde mal einen Tag lange Hosen anziehen, damit ich sagen kann, ich hätte es gemacht. Aber dann würde ich wahrscheinlich gleich wieder in meine Shorts steigen.»