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Weder ein Château noch ein imposantes Landgut kann der passionierte Winzer André Perret sein Eigen nennen. Das in der Gemeinde Chavanay, nur wenige Kilometer südlich von Condrieu direkt an der Route Nationale 86 gelegene Gebäude, in dem seine Kellerei untergebracht ist, gleicht eher einem Handwerksbetrieb als den Arbeits- und Produktionsräumlichkeiten eines Winzers, dessen Weine zu den Vorzeigekreszenzen des Gebiets zählen.
Der studierte Biologe Perret ist denn auch kein Mann der grossen Worte. Ihm haftet die sympathische Bescheidenheit eines Berufsmannes an, der nicht seine Person, sondern das Resultat seiner Arbeit in den Vordergrund stellt.
Auf Unverständnis gestossen
Auf 2,5 ha seiner zur Appellation Condrieu gehörenden Toplage «Chéry» gedeiht auf steilstem, unwegsamem Gelände sein voluminöser Viognier-Cru. «Als ich 1982 mit dem Weinbau anfing, war ein Grossteil dieser erstklassigen Reblage verbuscht und mit waldartigem Gestrüpp überwachsen», erinnert sich Perret. «Niemand wollte mehr in diesen Steillagen, die man nur in Handarbeit bewirtschaften kann, Reben anbauen. Die wenigen, die es wie ich dennoch taten, wurden als durchgeknallte, weltfremde Idioten angesehen.»
Tatsächlich hat die sich südlich an die Côte Rotie anschliessende kleine Appellation Condrieu, die sich über sieben am rechten Rhoneufer liegende Gemeinden erstreckt, eine wechselhafte Vergangenheit hinter sich. Die auf den steilen, unzugänglichen Hängen kultivierte weisse Sorte Viognier bringt zwar einzigartige, komplexe Weine mit einem intensiven, aromatischen Bouquet hervor, doch ihr kapriziöser Charakter und die extrem steilen, mit bröckligen Schiefer- und Glimmerstücken durchsetzten Hänge waren der Grund, weshalb ihre Kultivierung in der Nachkriegszeit einer wachsenden Zahl von Weinbauern als unattraktives, wenig lohnendes Unterfangen erschien. Und nachdem 1956 Fröste in den Rebbergen schwere Schäden angerichtet hatten, beschlossen viele, ihre erstklassigen Reblagen aufzugeben. «In den 1960er Jahren betrug die Gesamtrebfläche der seit 1940 existierenden Appellation Condrieu noch 12 ha, und die edle Rebsorte Viognier stand kurz vor dem Aussterben», erzählt Perret.
Viognier-Rebe kommt zurück
Doch in den letzten Jahren hat die Viognier-Rebe eine Renaissance erlebt. Nicht nur ist in der Appellation Condrieu inzwischen die Rebfläche wieder auf rund 130 ha angewachsen. Auch in anderen Weinländern Europas und in Übersee hat die Viognier-Rebe Fuss fassen können. Aber nirgendwo bringt sie Weine von vergleichbarer Opulenz und Finesse hervor wie in den Steilhängen von Condrieu.
Neben den 4,5 ha Rebfläche, die Perret in der Appellation Condrieu bewirtschaftet, kultiviert er weitere 5,5 ha in der sich im Süden anschliessenden und teilweise noch überlappenden Appellation Saint-Joseph. Diese folgt 60 km lang dem Lauf der Rhone und grenzt ihrerseits an die kleine Appellation Cornas. Auf den rund 1000 ha Rebfläche dominiert – wie in den gegenüberliegenden, linksufrigen Anbaugebieten Hermitage und Crozes-Hermitage – die rote Syrah-Traube, die hier im nördlichen Rhonetal hochkarätige Weine von beeindruckender Strahlkraft und Eleganz ergeben kann. Perret keltert seine beiden Syrah – einen «normalen» sowie die aus alten Reben gekelterte Cuvée «Les Grisières» – mit Trauben, die aus dem Überlappungsgebiet der beiden Appellationen Condrieu und Saint-Joseph auf leichten sand- und granithaltigen Böden reifen. Sie verbinden – jeder auf seine Art – Kraft und Eleganz, Saftigkeit und aromatische Dichte und präsentieren sich bereits in ihrer Jugend als zugängliche, viel Trinkspass bereitende Gewächse mit einem vorteilhaften Preis-Genuss-Verhältnis.
«Chéry» mit 15 Volumenprozent
Der Condrieu-Cru «Chéry» dagegen ist ein Weinmonument, dies drückt sich auch in seinem Preis aus. War er jedoch in den Jahrgängen 2004 und 2005 nicht nur üppig-stoffig, sondern zugleich auch saftig und elegant, so zeigt sich der 2006er als fülliger Brocken mit ausserordentlich hohem Alkoholgehalt von 15 Volumenprozent, was ihn ein bisschen aus dem Gleichgewicht bringt und die Trinkfreudigkeit beträchtlich schmälert. War dies gewollt? «Gewiss nicht!», winkt Perret ab. «2006 blies vor der Ernte zwei Wochen lang ein starker Südwind, der den Trauben viel Wasser entzog und zu einer ungewollt hohen Zuckerkonzentration führte», erläutert Perret. Und fügt an: «Der 2007er wird sich wieder weniger fett präsentieren.»