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Als ihre Eltern nach dem Krieg nach Deutschland zurückkehren, versucht die Jüdin Anita G. (Alexandra Kluge), in der DDR eine Arbeit zu finden. Jedoch sind ihre Bemühungen vergebens und der Job als Telefonistin unbefriedigend, sodass sie in den Westen flüchtet, um dort eine bessere Arbeit zu finden. Sie versucht sich als Krankenschwester und später als Verkäuferin, was ihr zunächst einen anständigen Lohn bringt. Als sie bei einem Diebstahl ertappt wird, wird sie von ihren Vorgesetzten wie eine Aussätzige behandelt und aus ihrer Wohnung heraus geschmissen. Ohne einen richtigen Schulabschluss und eine Ausbildung kommt sie aber nicht weit, sodass nun abermals der Umzug in eine andere Stadt ansteht. Auch andere Jobs sind nicht auf Dauer und Anita verliert diese.
Durch Zufall lernt sie den Ministerialrat Pichota (Günther Mack) kennen und wird zu seiner Geliebten. Auch wenn der Politiker verheiratet ist, bleibt sie bei ihm, des Geldes wegen, aber auch wegen der zahlreichen Dienstreisen, auf denen Anita ihn begleitet. Nachdem sie jedoch herausfindet, dass sie von ihm schwanger ist, wendet sich ihr Glück nochmals.
Überlegungen zur Zeit danachIn Alexander Kluges Abschied von gestern sehen bis heute viele Kritiker und Filmhistoriker einen der wichtigsten Filme des deutschen Kinos der 60er Jahre. Auf den Filmfestspielen in Venedig wurde der Film, der bisweilen an Werke wie Die Geschichte der Nana S. von Jean-Luc Godard erinnert, mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Mit Godard verbindet Kluges Kino einige Aspekte, wobei die formalen Aspekte nur einen kleinen Teil ausmachen, denn beiden ist eine kritische Sicht auf beide Seiten eines Themas eigen. Die Gegenwart wird für die Figuren zu einem Hürdenlauf, bei dem sie ihr eigenes Leben meistern wollen in einer Kultur, die ihr eigenes Erbe noch nicht einmal annähernd aufgearbeitet hat. Kluge verweist auf die Rolle des Vergessens und des Verdrängens in der deutschen Nachkriegsgesellschaft und erzählt vom Schicksal eines Menschen, der nur versucht menschenwürdig zu leben.
Ähnlich wie Godard nutzt Kluge Elemente des Dokumentarischen und bisweilen gar des Theaters, um seine Geschichte zu erzählen. Viele Dialoge wie auch die Inszenierung mancher Szenen, beispielsweise der zwischen Anita und Pichota, erinnern an ein Theaterstück, während dokumentarische Elemente dem Schicksal der Protagonistin etwas Authentisches verleihen. Einer linearen Handlung entzieht sich Kluge und ist näher dran an der Vernehmung im Gerichtssaal, mit der Abschied von gestern eröffnet. Bezüge werden deutlich, Geschehnisse klar und nüchtern beleuchtet, und sind dabei teils so hart wie die Fragen des Richters, der unnachgiebig nachbohrt bei der Angeklagten, die auch diese Niederlage in ihrem Leben mit gesenktem Kopf akzeptiert. Das ist sie also, die Zeit nach dem Krieg, den Konformismus der 1950er und dem Wirtschaftswunder, in der man mit viel beschäftigt zu sein scheint, nicht aber mit dem Menschen, vor allem nicht jenen, die den Anschluss verloren haben.