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Beim letzten Workshop zum Investieren in Aktien fragte ein Teilnehmer: «Warren Buffet z.B. setzt aber weniger auf Diversifikation, mehr auf fokussiertes Anlegen». Das stimmt natürlich, Warren Buffet hat einen Home-Bias für die USA, macht aber seit Jahren den ganzen Tag auch nichts anderes, als sich mit Anlegen zu beschäftigen, und schaut man genauer hin, dann werden auch da nicht alle Eier in einen Korb gelegt. Dass man beim Anlegen nicht alles auf eine Karte setzen soll, ist weitgehend bekannt, aber wie funktioniert «Diversifikation» eigentlich, was für Möglichkeiten und Modelle gibt es, vor allem auch mit kleineren Beträgen? Hier ein paar Gedanken und Tipps dazu.
Es gibt unterschiedliche Arten von Diversifikation, im Finanzbereich wird darunter verstanden, dass Geld auf verschiedene Anlageformen, Märkte, Branchen, Währungsräume verteilt wird. Wenn z.B. eine Anlage gerade nicht so gut abschneidet, kann dies durch eine andere aufgefangen werden, die dann gerade eine gute Rendite abwirft. Durch diese Mischung vermindert man das Ballungsrisiko, das entsteht, wenn man z.B. nur auf ein Unternehmen oder eine Branche oder Land setzen würde.
Ziel bei der Diversifizierung ist nicht nur, die Rendite zu steigern, sondern eine effiziente Mischung aus Rendite und dafür in Kauf genommenes Risiko zu erreichen. Anders formuliert, soll entweder für ein gegebenes Risiko die Rendite maximiert oder für eine angestrebte Rendite das Risiko minimiert werden. Dafür betrachtet werden in der Theorie drei Faktoren: zukünftige Rendite, die Schwankungsbreite der Rendite als Ausdruck des Risikos und die Entwicklung der Anlagen zueinander (Korrelation). In der Praxis kann man die Anlagen auf ganz unterschiedliche Arten diversifizieren, z.B.:
Das Konzept geht auf den Ökonomen und Nobelpreisträger Harry Markowitz zurück, welcher 1952 mit seinem Papier «The Portfolio Selection» im Journal of Finance die theoretischen Grundlagen beschrieben hat und später für seine Arbeit zur Modernen Portfolio Theorie (MPT) den Nobelpreis erhielt. Für alle, welche dies im Detail nachlesen möchten – das Buch heisst: «Portfolio Selection. Die Grundlagen der optimalen Portfolio Auswahl», FinanzBuch Verlag.
Der grösste Knackpunkt an den theoretischen Modellen ist das Schätzproblem: Es wäre Zufall, heute die zukünftig erwarteten Renditen richtig zu schätzen. So gibt es eine Reihe von weiteren Theorien, welche versuchen, dies zu umgehen, z.B. das Separationstheorem von Tobin, das besagt, dass in der Theorie AnlegerInnen nur 2 Portfolios brauchen, ein risikoloses und ein risikobehaftetes. Oder das Capital Asset Pricing Modell (CAPM) von William Sharpe, welches rät, die risikoreichen Anlageklassen ins Verhältnis ihrer Marktwerte zu setzen. Machen beispielsweise Aktien 50% aller globalen Vermögenswerte aus, so sollte das sogenannte Marktportfolio ebenfalls aus 50% Aktien bestehen.
So interessant all diese Modelle auch sein mögen, in der Praxis sind sie wegen der Schätzfehler alle eher schwer anwendbar. Praktischer scheint das naive oder gleichgewichtete Portfolio (1/N Portfolio), welches nichts anderes besagt, als dass man sein Geld auf verschiedene Anlageklassen gleichgewichtig verteilen kann und damit Resultate erzielt. Untersucht wurde dies von Robert und Richard Michaud (Efficient Asset Management – A practical guide to stock portfolio optimization), aber auch anderen Ökonomen.
So beschreibt Klaus W. Wellershoff in seinem Buch «Plädoyer für eine bescheidenere Ökonomie» diesen Ansatz und testet in seinem Experiment ein 1/6 Portfolio gegen die wichtigsten Strategiefonds der grössten Schweizer Banken der Risikokategorie «ausgewogen» retrospektiv über einen Zeitraum von 27 Jahren. Das Resultat ist interessant: Im getesteten Zeitraum hat das naive Portfolio eine um «60% höhere Rendite eingespielt, wobei der maximale Einbruch in der Finanzkrise bei 16% im Vergleich zu den 29% des Industriedurchschnitts betragen hatte» (Plädoyer für eine bescheidenere Ökonomie, S. 183)
Wichtig ist, dass diese naive Methode natürlich auch Nachteile hat, so wird bei der Gleichaufteilung z.B. dem individuellen Risikoprofil keine oder nur wenig Rechnung getragen und man muss natürlich auch die passenden Anlageklassen wählen – im Beispiel waren dies Schweizer Obligationen, Immobilien, Aktien und Geldmarkt zusammen mit Aktien und Obligationen aus dem Rest der Welt.
Egal welches Modell man wählt, nicht alle Eier in den gleichen Korb zu legen scheint sinnvoll und kann helfen, das Risiko zu minimieren und die Rendite zu steigern. Als einer der häufigen Anlagefehler wird somit auch der sogenannte «Home-Bias» genannt, welcher dazu führt, dass wir vorzugsweise in Unternehmen im eignen Land investieren, oder nur in Branchen und Sektoren, die uns bekannt sind. So haben Studien von UBS gezeigt, dass z.B. unsere Pensionskassen einen durchschnittlichen Anteil an Schweizer Aktien von 30% aufweisen. Allerdings sieht es im Ausland bei den Pensionskassen auch nicht viel diversifizierter aus.
Spannend ist, dass die Schweiz gerade für diesen häufig beschriebenen Anlagefehler eine Art Sonderfall darstellt. In ihrer Studie «Die Schweiz ist Trumpf» zeigt die Raiffeisenbank, dass ein heimisches Portfolio in der Corona-Krise resistenter abgeschnitten hat. Als Modell vergleichen wir ein Schweizer Muster-Portfolio mit einem globalen. Beide bestehen zu gleichen Teilen aus Aktien und Anleihen und zeigen beim Vergleich seit 2008 in Schweizer Franken eher geringe Renditeunterschiede: Das Schweizer Portfolio verbuchte ein Plus von rund 64% (+3,91% p.a.), das globale Portfolio einen Zuwachs von 58% (+3,59% p.a.).
Gründe für diesen Sonderfall sind vor allem die Robustheit des Schweizer Frankens v.a. auch in Krisenzeiten sowie die globalen Unternehmen im Swiss Performance Index, in welchem viele Weltmarktführer enthalten sind, welche einen grossen Teil ihres Geschäftes im Ausland abwickeln. Da es bei der Diversifizierung aber nicht nur um Rendite geht, sondern auch darum, das Risiko zu mindern und allenfalls zukünftige Chancen wahrzunehmen, würden einem reinen Schweizer Portfolio wichtige Branchen wie z.B. die Technologieunternehmen, E-Mobilität etc. fehlen. Zudem hat man wegen der Dominanz der grossen wie Nestlé und Roche allenfalls Ballungsrisiken.
Wie man sieht, ist es mit der Diversifikation nicht ganz so einfach und ein Allgemeinrezept gibt es nicht, da dies immer auch zur persönlichen Situation und zum Risikoprofil passen sollte. Nach all der Theorie hier ein paar ganz praktische, nicht abschliessende Tipps:
Wie man sieht, gibt es auch bei der Diversifikation keine einzelne, allein selig machende Lösung, sondern unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen. Auf welche Methoden setzt ihr, um eure Anlage optimal aufzustellen? Ist es Welt-ETF, setzt ihr auf Schweiz, oder bevorzugt ihr gewisse Branchen, Länder, Modelle und Theorien?