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Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland
Am 16.04.2015 finde ich in der Rheinischen Post 2 Artikel zur Kirchenpolitik. Die Zeitung erscheint hier in Nordrhein-Westfalen und vor allem am Niederrhein, dem Gebiet längs der niederländisch-deutschen Grenze, in einer Gegend, die traditionell katholisch ist. Sie ist also eine Zeitung, die, man kann sagen, der Kirche wohlwollend gegenübersteht. Die erwähnten Artikel zeigen mir wieder einmal, wie weltfremd in meinen Augen diese Religionsgemeinschaft ist. Ob das dazu gehört?
Der eine Artikel ist auf der Kommentarseite direkt hinter dem Titelblatt unter der Rubrik „Persönlich“ zu lesen und hat die Überschrift „Georg Gänswein ... über Benedikts Gedanken zum Tod“. Der Bischof ist Privatsekretär des im Kloster lebenden bisherigen Papsts Benedikt. Für mich interessant ist der Satz: „Dass er als Titularbischof dem untergegangenen Urbs Salvia vorstehen kann, mag unbefriedigend sein.“
Daraus ergeben sich für mich folgende Fragen:
1. Was ist ein „Titularbischof“
2. Wieso braucht eine untergegangene Stadt einen Bischof?
3. Wo und was war „Urbs Salvia“?
Titularbischof?
In meinem Lexikon steht unter dem Stichwort Titularbischof: „Auf den Titel einer nicht mehr bestehenden Diözese geweihter Bischof, ohne Jurisdiktion (Weihbischof)“.
Es hat also etwas mit der Hierarchie in der katholischen Kirche zu tun. Ein Bischof wird traditionell auf eine Diözese (Bistum) geweiht, der er vorsteht. Die Administration der Kirche erfordert aber auch „Manager“, die den hierarchischen Rang bekleiden, aber nicht unbedingt einem heute existierenden Bistum, einem Verwaltungsgebiet, vorstehen. Da aber ein Bischof immer mit einem solchen „verbunden“ sein muss, ist der Begriff „Titularbischof“ eingeführt worden. Der Träger auf dieser hierarchischen Stufenleiter soll den gleichen Rang wie seine Kollegen bekleiden, und deshalb wird er Bischof eines nicht mehr existierenden Verwaltungsbezirks. Dass er in einer untergegangenen Diözese keine Aufgaben mehr ausüben kann, ist unbestritten. Ich verstehe jetzt den oben angeführten Satz aus der Zeitung; dieser Titel ist nicht unbedingt befriedigend.
„Urbs Salvia“?
„Urbs“ weist auf „urban“ hin, also auf eine Stadt.
Bekannt ist der päpstliche Segen „Urbi et orbi“, „der Stadt (Rom) und dem Erdkreis“. Die alten Römer gründeten ursprünglich mit einem bestimmten Ritual eine ummauerte Stadt, die „Urbs“ genannt wurde. Später galt die Bezeichnung nur für Rom, wie aus der Bezeichnung für den Segen zu ersehen ist.
„Salvia“ ist die lateinische Bezeichnung für den Salbei, eine Heil- und Zierpflanze. Was war die dem Salbei gewidmete Stadt?
Ich erfahre im Internet: „Die archäologischen Überreste der im 1. Jahrhundert v. Chr. begründeten römischen Stadt von Urbs Salvia liegen unweit der modernen Stadt Urbisaglia, 15 km südwestlich von Macerata. - Im 1. Jahrhundert. n. Chr. war Urbs Salvia die mächtige Geburtsstadt vieler wichtiger und bekannter Persönlichkeiten. Trotz alledem wurde sie zwischen 409 und 410 n. Chr. von den Westgoten von Alarich zerstört.“
Ein Besucher findet noch ein fast unzerstörtes Amphitheater aus den Jahren 75‒76 nach unserer Zeitrechnung sowie Reste eines Wandelgangs, einer Zisterne und eines anderen Theaters vor.
Nicht „die Stadt“ braucht den Bischof, der Bischof braucht eine Stadt!
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Der zweite Artikel handelt von der Aufforderung an die „Katholiken in aller Welt“, „im Hinblick auf die Bischofssynode einen Fragebogen zum Thema Familie zu beantworten.“ Die Einsendefrist dazu sei am Vortag des Erscheinens dieses Artikels abgelaufen, liest man. Eine Zusammenfassung der Einsendungen wird interessant werden.
Die „Gretchenfrage der Synode, vielleicht sogar die des Pontifikats“ wird bereits vorab formuliert: „Wie viel Einfluss darf die Wirklichkeit auf die theologische Wahrheit haben?“ Dass die deutsche katholische Kirche „eine hervorragende Rolle“ bei der Beantwortung hat, wird durch den Hinweis auf den deutschen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, „als Fels in der Brandung gegen eine mögliche Aufweichung von Doktrin und Seelsorge“ gegeben.
Damit scheint eine Antwort auf die „Gretchenfrage“ aus deutscher Sicht bereits gegeben zu sein. Nämlich: „Kein Einfluss!“
Quelle
Rheinische Post, Düsseldorf, 16.04.2014, S. A2 und B 5 „Kultur“.
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