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Bei den Bodenbelastungen unterscheidet man zwischen physikalischen (mechanischen), chemischen (stofflichen) und biologischen Belastungen.
Unter die physikalischen Bodenbelastungen fallen vor allem die Bodenversiegelung, Bodenverdichtung und die Bodenerosion.
Über verschmutzte Luft, Niederschläge und Ablagerung von Stäuben, über Mineral- und Hofdünger, die Verwertung und illegale Entsorgung von Abfällen, Pflanzenschutzmittel etc. gelangen bedeutende Mengen an Schadstoffen auf und in die Böden (chemische Bodenbelastung).
Biologische Bodenbelastungen sind Belastungen durch gentechnisch veränderte, krankheitserregende oder standortfremde und invasive Lebewesen.
Diverse Nutzungsansprüche an die knappe Ressource Boden
Der Mensch nutzt den Boden in verschiedener Art und Weise. Neben der Nutzung zur Nahrungsmittelproduktion und der Holznutzung wird Boden zunehmend für Siedlungen und Verkehrswege verbraucht. Zudem ist ein Teil der Fläche der Schweiz aus natürlichen Gründen ohne Boden: Gewässer (Seen, Flüsse, Tümpel usw.), Fels, Firnflächen und Gletscher. Die Begrenztheit des Bodens und die wachsenden, diversen Nutzungsansprüche können zu Nutzungskonflikten führen.
Bauwerke zerstören Boden dauerhaft
Durch den Bau von Verkehrswegen, Häusern und Industriebauten wird der Boden unwiederbringlich zerstört und wasserdicht verschlossen, was als Bodenversiegelung bezeichnet wird. Folgen sind örtlich erhöhte Wasserabflüsse bei Starkregen anstelle von Versickerung. Damit steigt die Gefahr von Hochwasser bei Bächen und Flüssen.
Flächenverbrauch im Kanton St.Gallen
Die 2026 Quadratkilometer grosse Fläche des Kantons St.Gallen besteht fast zur Hälfte aus landwirtschaftlich genutztem Weid-, Wies- und Ackerland. Ein knappes Drittel der Kantonsfläche ist bewaldet, und etwa ein Achtel der Gesamtfläche des Kantons fällt auf Gewässer oder Fels. Ein Zehntel der Fläche wird als Siedlungsfläche genutzt. In Bezug auf die nutzbare Fläche beträgt der Anteil der Siedlungsfläche gar ein Fünftel.
Siedlungs- und Verkehrsflächen vermindern Landwirtschaftsfläche
Laut Arealstatistik des Bundes hat die Siedlungsfläche im Kanton St.Gallen innerhalb von 24 Jahren (1985 bis 2009) um rund 3800 Hektaren zulasten der landwirtschaftlich genutzten Flächen zugenommen. Von den 3800 Hektaren wurden allein 18 Prozent im Wahlkreis Rheintal überbaut, 16 Prozent im Wahlkreis St.Gallen. 65 Prozent dieser Versiegelung wurde durch die Ausdehnung der Fläche für Wohnbauten erzielt. Anders ausgedrückt: Es wurde in einem Vierteljahrhundert fast die Fläche der Gemeinde Bad Ragaz für die Erstellung von neuen Wohnungen verbaut!
Das nachfolgende Diagramm zeigt die prozentuale Zunahme an Siedlungsflächen bezogen auf die Gesamtfläche des jeweiligen Wahlkreises. Die grösste Zunahme fand mit rund fünf Prozent in den Wahlkreisen Rorschach und Rheintal statt.
Weitere Gründe für die Zunahme der Versiegelung
Neben dem wichtigsten Grund für die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen, dem erhöhten Wohnflächenanspruch, tragen auch andere Gründe zur Bodenversiegelung bei:
- erhöhte individuelle Mobilität
- Ausbreitung von Industrieanlagen, Freizeit- und Einkaufszentren
- Vermehrte Asphaltierung und Betonierung von Zufahrtsstrassen, Parkplätzen und Lagerflächen
Dichter Boden verringert Bodenfruchtbarkeit
Fruchtbarer Boden ist porenreich und gut durchlüftet. Durch das Befahren von Böden verdichtet sich der Boden. Luftaustausch, Wasserhaushalt und Wurzelwachstum werden beeinträchtigt. In der Folge sinkt der pflanzenbauliche Ertrag und der Aufwand für die Bewirtschaftung nimmt zu.
Bodenverdichtung stört Wasserregulierung
Verdichtete Böden nehmen weniger Niederschlagswasser auf, vernässen rasch und trocknen langsam ab. Das Niederschlagswasser fliesst vermehrt oberflächlich ab, was somit das Hochwasser- und Erosionsrisiko erhöht.
Schwere Maschinen als Hauptverursacher
Bodenverdichtungen sind in erster Linie die Folge von schweren Maschinen auf nassen Böden. Bodenschäden hinterlassen auch unsachgemässe Erdbewegungen in der Bauwirtschaft und falsche Anbauverfahren in der Land- und Forstwirtschaft.
Natürliche Bodenerosion belastet Boden bereits stark
Die natürliche Bodenerosion ist der übermässige Abtrag von Oberboden durch Wind und Wasser. Weltweit gesehen ist dies heute eine der bedeutendsten Bodenbelastungen überhaupt. Jährlich bilden die Schweizer Böden pro Hektare eine Tonne Humus. Ein Unwetter kann im schlimmsten Fall an einem einzigen Tag mehr als das 100-Fache davon wegspülen.
Sinkende Bodenfruchtbarkeit und Eutrophierung als Folge
Der abgeschwemmte Boden ist nährstoffreich und kann in intensiv bewirtschafteten Regionen zu einer Überdüngung von Seen (Eutrophierung) führen. Auf dem Acker hingegen fehlen diese Nährstoffe. Und das Pflanzenwachstum leidet unter dem Verlust des humusreichen Oberbodens.
Intensive Landwirtschaft beschleunigt Bodenerosion
Die zusätzlich menschenverursachte Bodenerosion ist hauptsächlich auf eine intensive Land- und Forstwirtschaft zurückzuführen. Übermässige Gewichtsbelastungen durch schwere Maschinen oder fehlende Pflanzendecken auf brachliegenden Äckern und übernutzten Weiden verstärken die Erosion. Das Ausmass der natürlichen Bodenverluste kann durch ungünstige Bodenbearbeitung und Anbauverfahren um das 10- bis 50-Fache verschärft werden.
Erosionsprobleme im Kanton St.Gallen
Im westlichen Kantonsgebiet wird heutzutage weniger Ackerbau betrieben als früher. Hier sind die Erosionsprobleme gering. Hingegen ist im östlichen Kantonsgebiet der Ackerbau vor allem in der Rheintaler Ebene weitverbreitet. In dieser Region ist die innere Erosion (Verschlämmung) der schluff- und tonreichen Schwemmlandböden ein Problem. Die hier häufig vorkommenden Moorböden werden trotz ihrer Empfindlichkeit drainiert und ackerbaulich genutzt. Dadurch beschleunigt sich der Torfabbau und die Böden sacken in sich zusammen.
Im Graswirtschaftsgebiet des Kantons treten Erosionsprobleme aufgrund der geschlossenen Pflanzendecke und der Abwechslung von Schnitt- und Weidenutzung seltener auf als im Sömmerungsgebiet (Alpweiden). Dort ist meist die permanente Beweidung steiler Hänge mit schweren Tieren und bei nassen Bodenverhältnissen Ursache der Erosion. Es bilden sich ausgeprägte Viehwege, die Grasnarbe wird beschädigt, in den Trittlöchern sammelt sich Wasser und die Hänge kommen ins Rutschen.
Schadstoffanreicherung im Boden mit Folgen
Schädliche Stoffe im Boden stellen – je nach Ausmass der Belastung - eine akute oder langfristige Gefährdung dar. Viele Schadstoffe werden nur sehr langsam oder gar nicht abgebaut und reichern sich deshalb in den Böden an. Die Folgen sind:
- Gehemmtes Wachstum von Kulturpflanzen mit Ernteeinbussen als Folge
- Schädigung der Bodenlebewesen
- Gefährdung der Gesundheit von Mensch und Tier durch schadstoffhaltige Nahrungspflanzen
- Verunreinigung des Trinkwassers
Problematische Schadstoffgruppen
Wichtige Schadstoffgruppen sind Schwermetalle (Blei, Kupfer, Cadmium, Zink) und andere anorganische Schadstoffe (z.B. Arsen), schwer abbaubare organische Schadstoffe wie polychlorierte Biphenyle (PCB), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Dioxine sowie Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Arzneimitteln und Radionukliden.
Diffuse Schadstoffeinträge
Kleine, aber stetige Einträge von Schadstoffen aus Abgasen können langfristig gefährlich werden. Diese Stoffe werden über die Luft eingetragen und können daher von weit her stammen. Die Entwicklung dieser diffusen Bodenbelastung wird im Rahmen der kantonalen Bodenüberwachung (KaBo) über längere Zeiträume verfolgt.
Direkte Schadstoffeinträge
Böden im Nahbereich von Siedlungsgebieten, Strassen und Eisenbahnlinien werden durch den Eintrag von Schadstoffen über die Luft auch direkt belastet. Ebenso gelangen in Rebbergen und Schrebergärten durch den Einsatz von schwermetallhaltigen Pflanzenschutzmitteln und Düngern Schadstoffe direkt in den Boden. Jede Nutzung belastet den Boden unterschiedlich. Die Messergebnisse der kantonalen Bodenüberwachung geben Auskunft über den aktuellen Bodenzustand der verschiedenen Nutzungstypen:
- Schadstoffbelastung im Siedlungsraum
- Schadstoffbelastung in Rebbergen
- bei Schiessanlagen
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Gesunder Boden lebt
In einer Handvoll Erde tummeln sich mehr Bodenlebewesen als Menschen auf der Erde! Diese Lebewesen sind die Grundlage der Biodiversität auf der Oberfläche und sie sind eng mit den Organismen, die auf dem Boden leben, verknüpft.
Belastung der Bodenorganismen führt zu Biodiversitätsverlust
Sehr hohe Schadstoffgehalte können Bodenorganismen so stark stören, dass der Boden wichtige Funktionen verliert. Ein Boden, in welchem keine Lebewesen mehr leben und arbeiten können, kann herunterfallende Blätter oder Dünger nicht mehr zersetzen und speichern. Somit entstehen auch keine Nährstoffe mehr, die an die Pflanzen abgegeben werden können. Gehemmtes Pflanzenwachstum und Absterben der Pflanzen ist die Folge. Die Biodiversität nimmt ab.
Nicht nur hohe Schadstoffgehalte können zu einer Armut an Bodenlebewesen führen. Auch Verdichtungen, Erosion und eine zu intensive Landwirtschaft können solche Auswirkungen zeigen.
Gefahr auch durch Neobiota
Die Vielfalt einheimischer Bodenorganismen kann auch durch fremde Lebewesen, sogenannte Neobiota, bedroht sein. Diese eingeschleppten Pflanzen oder Tiere nehmen in ihrem neuen Lebensraum so viel Platz ein, dass die ursprünglichen Lebewesen vertrieben werden oder zugrunde gehen. Dies führt zu einem Ungleichgewicht der ober- und unterirdischen Biologie und kann viele Folgen haben.
Der Schwarzkopfregenwurm breitet sich aus
Vor mehr als 50 Jahren wurde der Schwarzkopfregenwurm mit Pflanzen aus dem Mittelland ins Toggenburg eingeschleppt. Im feuchten Obertoggenburg auf 1000 Meter Höhe scheint es ihm besonders zu gefallen. In grosser Zahl pflügt er den Boden um. Diese Tätigkeit verwandelt die Böden im Frühling und im Herbst in Morastfelder, welche praktisch nicht mehr zu bewirtschaften sind. Mit einer Ausbreitungsgeschwindigkeit von vier Metern pro Jahr wandert der Wurm in neue Gebiete ein. Aber auch durch unsachgemässe Bodenverschiebungen werden die unerwünschten Würmer verschleppt.
Bodenorganismen brauchen Pflege
Es ist daher wichtig, dass nicht nur der Boden an sich geschützt wird, sondern auch die Lebewesen darin. Am besten gedeihen diese, wenn sie genügend, aber nicht zu viel Wasser und Luft haben und regelmässig mit organischer Substanz (Ernterückstände, Laub, Stroh, Kompost, …) gefüttert werden.