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Toyota Tundra – es bleibt kompliziert
Toyota stellt den neuen Tundra vor. Und muss gleichzeitig die Kundschaft vertrösten, die auf den neuen Land Cruiser wartet.
Es ist ja immer etwas schwierig, nicht nur in der Automobilgeschichte, mit diesen Ersten, Besten, Grössten, Für manche Automobile gibt es einen ganz klaren Geburtstag, der Ford Mustang kam am 17. April 1964 zu Welt, der Chevrolet Camaro am 28. Juni 1966. Beim Toyota Land Cruiser ist das alles, in einer Beziehung würde man sagen: kompliziert.
Denn eigentlich baute Toyota seinen ersten Geländewagen, den AK, schon 1941; das war aber eine simple Kopie eines Bantam, jener Urversion des Jeep. 1951 kam dann tatsächlich das auf den Markt, was wir heute als ersten Land Cruiser betrachten können, der BJ. Damals eine noch ganz unverfängliche Bezeichnung, stand das B für den Motor (einen 3.4-Liter-Sechszylinder, der sonst in leichten Lastwagen verwendet wurde) und das J für Jeep, Genau, Jeep, denn genau so sah der BJ ja auch aus (man nennt das Reverse Engineering).
Dass dieses J auch heute noch für sämtliche Geländewagen-Baureihen von Toyota verwendet wird, ist das einzige, was seit 70 Jahren Bestand hat. Mit einer Serienproduktion warteten die Japaner nämlich noch bis 1953 zu. Und 1954 musste auch der Name geändert werden, Willys Overland hatte sich den Begriff Jeep sichern lassen. Toyota nannte seine Geländewagen fortan Land Cruiser (eine gewisse Inspiration vom Land Rover wird auch gar nicht erst dementiert).
Der Erfolg kommt mit dem J4
Der BJ, der bis 1955 gebaut wurde, war kein Erfolg. Auch der Nachfolger, der J2, zerriss noch keine grossen Stricke, vom J3 wurden nur 60 Stück hergestellt. Aber dann kam 1960 der J4 auf den Markt und alles wurde anders. Nicht bloss, dass dieses Modell bis 1986 mit nur geringen Veränderungen gebaut wurde (in Brasilien unter dem Namen Bandeirante sogar bis 2001), es hob das ganze Unternehmen Toyota auf eine ganz neue Stufe. Der J4 war das ultimative Geländefahrzeug, Kastenrahmen, Starrachsen, Blattfedern, unzerstörbare Technik; Damals wurde der Mythos geboren, dass man mit einem Land Cruiser nicht nur überall hinkommt, sondern (fast) immer auch wieder zurück. (Die Bilder unten zeigen den neuen 300er-Land-Cruiser.)
Der Nachfolger des J4 war der J7, der 1984 vor. gestellt wurde. Und der übrigens auch heute noch gebaut wird, nur noch für Nischenmärkte zwar, aber immerhin (nein, Blattfedern gibt es unterdessen tatsächlich keine mehr). War der J4 quasi unzerstörbar, so war der J7 die Steigerung davon - es gibt Exemplare mit 4 Millionen Kilometern. Man muss da aber unterscheiden zwischen den Light Duty und den Heavy Duty, Letztere waren die waren Arbeitstiere.
Mit dem J5 begann ein neues Kapitel in der Land-Cruiser-Geschichte: Es kamen die Station Wagon. Also das, was man heute als SUV bezeichnen würde. War der J5 noch nicht verweichlicht, wurde spätestens der J6 dann im Vergleich zum J7 zum Schattenparkierer. Von diesen SUV gibt es noch reichlich mehr, den J8 (ab 1989), den J9 (ab 1998), den noch aktuellen J20 (seit 2007). Auf der anderen Seite fungieren der J9 (ab 1996), der J12 (ab 2002) und der J15 (seit 2009). Das mit den genauen Bezeichnungen sei hier gar nicht erst angesprochen, das ist nicht bloss kompliziert, sondern beinhaltet für das genau gleiche Fahrzeug auf unterschiedlichen Märkten teilweise sehr verwirrliche Benennungen.
Der Tundra
Nein, der Tundra ist kein Land Cruiser. Das 1999 eingeführte Fahrzeug ist einfach ein Full-Size-Pick-up, er wird in den USA gebaut und teilt sich noch so manches Teil mit dem deutlich kleineren Tacoma. Dieser Tage wurde die 3. Generation vorgestellt, wir zeigen die Bilder hier. Doch was hat das nun mit dem neuen Land Cruiser zu tun, der 300er-Serie, die früher im Jahr präsentiert worden war?
Der 300er ist der Nachfolger des J20, also: die weichgespülte Variante (von einem Nachfolger des Arbeitsgerätes J15 wird zwar gesprochen, aber man weiss noch nichts Genaueres). Das Ding ist riesig - und es kommt auch nicht nach Europa. Nein, es kommt nicht nach Europa. Und noch bevor die ersten Fahrzeuge überhaupt ausgeliefert werden, muss Toyota schon eingestehen, dass es extreme Lieferfristen geben wird. Aus Australien, einem der wichtigsten Märkte überhaupt, heisst es: vier Jahre!
Der Tundra nun, der ja kein Land Cruiser ist, kommt aber auch mit dem dem komplett neuen 3,5-Liter-V6-Twinturbo aus dem komplett neuen Land Cruiser. Davon wird es zwei Versionen geben, die Basis mit 389 PS und 649 Nm. Und eine Hybrid-Variante mit 437 PS und 790 Nm. Die Frage ist nun: Warum kann Toyota den Land Cruiser nicht liefern (es heisst: Halbleiter-Mangel), den Tundra aber anscheinend schon, noch dieses Jahr?
Die Amerikaner, schon völlig verzweifelt, weil es keine neuen Land Cruiser gibt, haben keinen Tag, nachdem der Tundra vorgestellt worden war, bereits erste Vorschläge für Um- und Aufbauten konstruiert. Ja, es ist kompliziert. Leider. Auch, weil der Tundra ja ebenfalls nicht in die Schweiz kommt, leider.
Text: Peter Ruch; Photos: Toyota.