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Erste urkundliche Nennung 1150 (gem. Kläui & Schobinger), 1212 (UBZ 1, 375) als Seebach, dann 1247 als Sabach (gelesen im Helvetischen Eidgenössischen Lexikon von Johann Blunschi, Zug). Heute nördlichstes Quartier von Zürich. Der Dorfname wird gedeutet als «Ort am Bach, der aus dem See fliesst». Die Deutung von Kläui & Schobinger ist, wenn auch nicht völlig befriedigend, so doch kaum zu widerlegen, denn man findet sie dutzendfach im Umkreis von 800 Kilometern auch für andere Seebach-Orte, die alle in gleicher oder sehr ähnlicher Weise gedeutet werden.
Der Name hat sich vom Bach auf das Dorf übertragen, doch geschah dies möglicherweise schon unter den Kelten, nur ist dieser Name nicht überliefert. Die Ã?bertragung des keltischen Namens auf das alemannische Dorf dürfte durch eine Ã?bersetzung zu Stande gekommen sein und zwar erst einige Zeit nach der mutmasslichen Dorfgründung zwischen 800 und 900 n. Chr.. Bei den Alemannen hiess der Ort ursprünglich «Dorf» und der Katzenbach «Dorfbach». Noch heute sagen alt eingesessene Seebacher ihrem alten alemannischen Dorfkern «Dorf». Diese Aussage wird gefestigt durch die Dorfteile Ausserdorf und Hinterdorf oder Dörfli in Ã?rlikon.
Etwa 1300 Jahre vor den Alemannen lebten im heutigen Seebach aber bereits die zugezogenen Kelten. Sie hatten eine eigene Sprache und nannten den Bach in ihrer Sprache anders. Da der keltische Bachname nicht bekannt ist, kann diese Vermutung nicht gestützt werden, sondern bleibt eben nur eine Vermutung. Dieser Bachname dürfte sich sekundär auf ihre kleine Siedlung, welche sich vermutlich an der heutigen Stoffelstrasse befand, übertragen haben. Während der ganzen Zeit seit 525 v. Chr. bis zur Ankunft der Römer dürfte sich daran kaum mehr etwas geändert haben. Falls schon die alte keltische Siedlung diesen Namen trug, wäre zudem noch nicht eindeutig gesichert, von welchem Bach der Name übertragen wurde, denn damals war der Binzmühlebach näher bei der Siedlung und auch noch wasserreicher als der Katzenbach.
Als die Römer bei ihrem Machtantritt den winzigen keltischen Weiler um 14 v. Chr. übernahmen, haben sie ihn vermutlich mit einer Mutatio ergänzt, ansonsten liessen sie wohl alles beim Alten. Da nur wenige Spuren von den Römern übrig blieben, haben diese entsprechend grosse Bedeutung, allen voran aber nicht die Streufunde, sondern die drei Römerstrassen von Ã?rlikon nach Glattbrugg, von Seebach nach Affoltern und von Seebach nach Rümlang. Diese wären nie gebaut worden, wenn die Römer in Seebach nicht einen Gutshof betrieben hätten. Auch nach dem Abzug der Römer um 402 n. Chr. dürfte sich kaum viel geändert haben, ausser dass sich der unbekannte alte Dorfname vielleicht ein wenig der nunmehr gallorömischen Zunge angepasst hat. Diese Ã?nderung dürfte aber geringfügig gewesen sein und sie wäre nur sehr spekulativ rekonstruierbar, da die Kelten in aller Regel ihre Sprache nicht schrieben.
Nach der Ankunft der ersten alemannischen Siedler in Seebach gegen das Jahr 800 hat sich auch nichts geändert, denn die Alemannen bauten sich ihren ersten Weiler auf der Nordseite der Buhn, anfänglich eher oben, später auch am Bach. Sie nannten ihren Weiler anfänglich «Thoruf», welches sich zu «Doref» und über «Deref» dann zu «Dorf» verschliff. Thoruf bedeutete damals «Ort, wo man sich trifft». Im Wort «treffen» verbirgt sich noch heute die alte Form thoruf. Den dortigen Bach nannten die alten Seebacher «Thorufbah», welcher sich zu «Dorefbah» und über «Derefbah» (das h ist behaucht auszusprechen) dann zu «Dorfbach» verschliff. Das war um 800. Als sich die Alemannen und die gallorömischen Siedler Seebachs näher kennen lernten und zu vermischen begannen, übersetzten die Alemannen den alten gallorömischen Dorfnamen ins Deutsche und bildeten daraus den Ortsnamen, welcher fortan für alle Dorfteile galt, nämlich «Seebach».
Diese Entwicklung war vermutlich um 950 abgeschlossen. Da aber die beiden Siedlungen weiter bestanden, behielt der alte alemannische Teil die Bezeichnung «Dorf» bei, während die alte gallorömische Siedlung ein paar hundert Meter weiter an den Binzmühlebach verlegt wurde. Dieser Ortsteil bekam den neuen Namen «Binzmühle». Der dortige Bach wurde nun neu nach der dortigen Mühle «Binzmühlebach» genannt. Danach wurde um 1200 ennet dem Katzenbach ein weiterer Weiler errichtet, welchen man «Ausserdorf» nannte. Dieser Name dürfte sich aber kaum vor 1400, eher gegen 1550 entwickelt haben. Der Ortsname Seebach übertrug sich um die gleiche Zeit sekundär auf den bisherigen Dorfbach. Dieser stufenweise Namenbildungsprozess könnte erklären, warum die Seebacher ihren heutigen Hauptbach noch bis um etwa 1850 Seebach nannten, während er bei den Affoltemern von Anfang an Katzenbach hiess, wo man ihn nach dem See benannte.
Mit dieser Verfeinerung der Deutung wird man der erheblich älteren Geschichte Seebachs gerecht, die heute gute 2550 Jahre zurückreicht. Sie vermag zudem endlich zu klären, warum der Katzenbach in Seebach stets einen anderen Namen trug. Sie vermag auch die durchgehende Besiedlung Seebachs zu untermauern, denn für die Namensentwicklung und die Weitergabe derselben, wäre eine solche zwingend notwendig. Da diese Namen bis in die heutige Zeit Bestand hatten, darf die Siedlungskontinuität angenommen werden, denn wer hätte sie sonst übermittelt?
Ausgangspunkt für diese Ã?berlegungen sind die bis heute überlebenden Ortsnamen «Dorf», «Ausserdorf», «Seebach» sowie der schriftlich überlieferte «Dorfbach», die drei aufgefundenen keltischen Hügelgräber und die Aussagen des Römerforschers Walter Drack, der stets einen römischen Gutshof in Seebach postulierte. Im weiteren die von Ferdinand Keller auf dem Bühl aufgefundenen Fundamente aus Tuffstein, die «Strasse zur Burg», die uralten Flurnamen in der Gegend des Hürsthofs, die nachgewiesenen drei Römerstrasse usw.
All dies zeigt auf, dass über viele Varianten spekuliert werden kann, jedoch stets verbunden mit dem Nachteil, dass es für keine Variante ausreichend befriedigende Belege gibt. Fazit: Die eingangs erwähnte Deutung ist auch heute noch die Glaubhafteste, trotz ihrer Mängel.
Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln: Auf schwedisch heisst Seebach Sjöbäck (sprich Schöbäck), auf Finnisch Järvenpuro, auf holländisch Zeebeek usw.
Quellen: - OGS-eigene - Ernst Benninger 2001, 94 - «Unser Seebach» 1983, 11-13, Anne Kustermann - Neujahrsblatt Zürich 11, 1964, Walter Drack - usw.