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Es kann einem ja als ganz populistisch ausgelegt werden, wenn man die Bücher von Nick Hornby verschlingt, als wären sie Tannenhonig. Egal. Der 1957 geborene Engländer schafft es, Männerthemen so darzustellen, dass sich der Leser, also ich beispielsweise, darin wiederfindet. Der Roman «High Fidelity» versetzte mich in die achtziger Jahre, genauer: in meinen Stammplattenladen, der längst nicht mehr existiert. Das war ein höhlenartiger Ort, wo Wildfremde unvermittelt miteinander über eine seltene Single-B-Seite diskutierten; ein Ort, wo VinyljägerInnen obskuren japanischen Fehlpressungen auf der Spur waren. Der Roman «Fever Pitch» ist, soweit ich weiss, das einzige wirklich geglückte Fussballbuch: das Match-Tagebuch eines Arsenal-Fans, dem man beim Aufwachsen, beim Erwachsenwerden und -sein und beim steten Leiden mit seinem damals über Jahre erfolglosen Verein zusehen konnte. Plötzlich dämmert mir, weshalb ich es ewig im Zürcher Letzigrundstadion ausgehalten habe: um mich durch stete Enttäuschung auf die raren und kurzen Momente des Glücks vorzubereiten. «About a Boy» schliesslich begleitet mich zurzeit beim Zugfahren, auch dies eine Adoleszenzgeschichte: Der zwölfjährige Marcus, ausgestattet mit einer musiktherapeutisch tätigen depressiven Mutter, freundet sich mit dem Privatier und Single Will an, der sich ziellos durch die Welt shoppt und von den Tantiemen eines Weihnachtslieds lebt, das sein Vater 1938 schrieb. Und der zudem vorgibt, Vater eines zweijährigen Jungen zu sein, um in einer Gruppe Alleinerziehender nach Frauenherzen zu angeln. Natürlich kommt alles ganz anders als von Will geplant, und Marcus, der mit seiner Mutter frisch von Cambridge nach London umgezogen und als unmodische Brillenschlange in der Schule völlig isoliert ist, begeistert sich allmählich für Kirk O’Bain, der, wie Will dem Jungen erklärt, Kurt Cobain heisst und Sänger von Nirvana ist und ganz anders singt als Joni Mitchell, Bob Marley und was die Mutter sonst noch hört. Nick Hornby erzählt die verschlungenen Wege der männlich-menschlichen Existenz mit viel Humor und Mitgefühl, er beobachtet seine Figuren genau, und er liebt sie. Was will man mehr?