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Das Gemeindewappen ist Ausdruck der Eigenständigkeit. Es stellt in seiner Verwendung ein Urkundssymbol oder eine Art Hoheitszeichen dar. Für dessen Wahl ist die Gemeindeversammlung zuständig. Es geniesst eidgenössischen Rechtsschutz. Die Verwendung von
Gemeindewappen ist nicht so alt, wie man gelegentlich vermutet. Bis 1803 führten im Aargau vor allem Städte Wappen, dazu noch einige Ämter und nur vereinzelt Gemeinden.
Das heutige Gemeindewappen von Beinwil (Freiamt) zeigt eine stilisierte, grüne Linde mit fünf Blättern und ebensovielen Wurzeln auf gelbem Grund. Dieses Wappen ist in Anspielung auf die geographische Lage der Gemeinde am Lindenberg entstanden. Wir können aber auch weiter philosophieren und die Gestaltung des Wappens nach freiem Ermessen wie folgt deuten: Der Lindenbaum ist jahrhundertealtes Symbol der Gemeinschaft. Unter diesem Bau trafen sich seit jeher Leute zum Gespräch. Es wurde Gericht gehalten und es kam sogar zum Abschluss von Friedensverträgen. Die Linde ist und war im Leben der Menschen ein Ort der Freude und des Friedens. "Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken und tanzen und fröhlich zu sein", sagt Martin Luther, "denn die Linde ist uns ein Freunde- und Friedebaum".
Bei dieser Auslegung verbindet sich im Gemeindewappen von Beinwil (Freiamt) wahrlich eine grosse Verpflichtung und Verantwortung gegenüber Bevölkerung und Mitmenschen. Das Archivium Murense von Pater Leodegar Maier präsentierte 1734 als Gemeindewappen einen stehenden Geistlichen auf weissem Grund, wohl St. Burkard mit weissem Gewand, rotem Kasel und schwarzer Mütze. Dieses Wappen ist von der politischen Gemeinde jedoch nie geführt worden. Das älteste uns bekannte Siegel von 1803 zeigt eine stilisierte Linde. Spätere Siegel enthalten jeweils einen undefinierbaren Laubbaum mit heraldisch fehlerhaften Farben und Zugaben wie Freiheitshut, seitlichen Zweigen oder eidgenössischem Kreuz. Das Verständnis für die Wappensprache und die Wappensymbolik ging nach dem Untergang des "Ancien régime" 1798 vielfach verloren oder verfiel der Geschmacklosigkeit. Erst in neueren Zeichnungen weist der Baum wieder Lindencharakter auf (Die Gemeindewappen des Kantons Aargau, 1915). Seit dem Jahre 1933 bemühte sich die Gemeinde um die Neuschöpfung eines heraldisch einwandfreien Gemeindewappens. 1948 wurde die Schildfarbe auf gelb gewechselt, "damit das Hoheitszeichen auf den Feuerwehrhelmen besser zur Geltung komme". Durch Dekret des Grossen Rates vom 15. November 1950 ist der Ortsname "Beinwil bei Muri" mit Wirkung ab 01. Januar 1951 offiziell in "Beinwil (Freiamt)" abgeändert worden. Der Gemeinderat sah sich daher veranlasst, neue Stempel und Siegel anzuschaffen. Bei dieser Gelegenheit liess er eine neue Wappenzeichnung herstellen, die nun eine stark vereinfachte Linde zeigt. Diese erfreuliche Neugestaltung des Wappens fand auch den Beifall der aargauischen Wappenkommission. Das neue Gemeindewappen erlebte rechtzeitig auf das Kantonsjubiläum 1953 hin seine Taufe. Im Jahre 1967 wurden die Aargauer Gemeindewappen gesamthaft überprüft und in ihrer endgültigen Form bereinigt (Felix Hofmann). Heraldische und graphische Verbesserungen sollten die Wappen auch auf Distanz wirken lassen. Bei dieser Gelegenheit erhielt die Linde von Beinwil (Freiamt) eine zusätzliche Wurzel. Seither schöpft sie ihre Kraft aus fünf Erdadern. Die fünf Blätter und fünf Wurzeln der Linde sind eher zufällig gewählt und weisen keine belegbaren Beziehungen zu den fünf Ortsteilen der Gemeinde auf. Allerdings liesse sich eine solche Deutung des Wappens ebenfalls rechtfertigen und vertreten.
Eine Besonderheit ist aus dem Ortsteil Wiggwil zu erwähnen. Wohl aus besonderem Traditionsbewusstsein heraus hat sich die Bevölkerung dieses Weilers – zwar inoffiziell – ein eigenes Dorfwappen gegeben. Als Vorlage diente das Familienwappen der Gessler, welches farblich leicht umgestaltet wurde und auf blauem Grund einen silbernen Querbalken mit zwei überliegenden sowie einem unter-liegenden silbernen Stern(en) aufweist. Der erste bekannte Gessler mit diesem Wappen (goldener Querbalken und Sterne) und wohl auch berühmteste Einwohner von Wiggwil war im Jahre 1250 "Ulrich dictus Gessylarius de Wicwile", ab 1251 "Ulrico Gessilerio de Meginberc". Diese Familie hat sich grosse Verdienste um das Haus Habsburg erworben. Das "eigene" Dorfwappen ziert sowohl die beiden Dorfbrunnen als auch die Giebelseite des 1992 neu erstellten Forsthauses des Gerechtigkeitsvereins von Wiggwil im Waldstück "Kreuzboden". Auch die Bewohner von Wallenschwil verwendeten in früheren Zeiten ihr "eigenes" Dorfwappen. Ein letzter Beweis ist uns auf dem alten, baufälligen Wasserreservoir in den "Holzeren" erhalten geblieben. An der Brunnstube wacht eine in Stein gemeisselte Eule (heute leider beschädigt). Kein Wunder, haben die Wallenschwiler das stolze und sagenumwobene Wappentier zum Symbol ihrer Eigenständigkeit gewählt, stammte doch die frühere Ortsbevölkerung vorwiegend von der ehemaligen Waldsiedlung "Houwelen" beziehungsweise "Uhuwiler" ab. Daraus ist auch das uralte Dorfgeschlecht der "Huwyler" entstanden.
1987 / 1999 / 09.2006
Huwyler Erhard, Gemeindeschreiber