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Warschau: Kerez-Projekt definitiv am Ende?
Die Stadt Warschau hat mitgeteilt, dass sie den Vertrag mit Christian Kerez für den Neubau des Museums für Moderne Kunst aufgelöst hat.
Gestern hat die Stadt Warschau mitgeteilt, dass sie den Vertrag mit Architekt Christian Kerez für den Neubau des Museums für Moderne Kunst in Warschau aufgelöst hat. Vor einigen Tagen habe Kerez einen Brief geschrieben, in dem er mitteilte, dass er das Projekt nicht weiter bearbeiten werde, erläuterte Vizestadtpräsident Jacke Wojciechowicz in der «Gazeta». Ausserdem habe Kerez weitere Forderungen gestellt, unter anderem 2 Millionen Zloty (570'000 Franken) für frühere Leistungen. Damit habe er sich offensichtlich zurückgezogen und den Vertrag gebrochen, meinte der Vizestadtpräsident.
Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Architekten war von Anfang an schwierig. So gab es Auseinandersetzungen um das Honorar, und lange nach dem Wettbewerb verlangte die Stadt in einer Projektänderung zusätzlich den Einbau eines Theaters ins Gebäude. Solche Dinge passierten eben, meinte Kerez gegenüber der «Gazeta», sogar der Planer der Oper in Sydney war entlassen worden. Er wolle nicht der Prügelknabe sein. In seinem Brief schrieb Kerez, dass er die Arbeiten am Projekt wieder aufnehmen werde, wenn die Stadt ihre Probleme gelöst habe.
So gab es Schwierigkeiten mit der Verwaltung der Metro, die zurzeit die Linie 2 baut, die das Grundstück für das Museum kreuzt. Die Metro habe laut Kerez immer wieder Baupläne des Museums verlangt. Dabei sei es doch normal, dass die Pläne erst erstellt würden, wenn die Baubewilligung vorliegt. Und dies sei wiederum nicht möglich, weil der Investor des Museums (die Stadt und der polnische Staat) noch nicht Eigentümer des gesamten Baugrundstücks sei, da es noch Auseinandersetzungen mit früheren Eigentümern gebe. Erst kürzlich musste die Stadt einen Teil des unter den Kommunisten verstaatlichten Areals an die früheren Besitzer zurückgeben. Für den Bau des Museums müsste sie dieses nun zurückkaufen, doch entsprechende Verhandlungen hätten nicht stattgefunden, sagte Kerez.
Anfang Jahr hatte die Stadt Kerez ein Ultimatum gestellt: Entweder gibt er bis im Juni das Bauprojekt ab oder der Vertrag wird aufgelöst. Nun löst die Stadt den Vertrag schon vor dem Termin auf. Es habe keinen Sinn gehabt zu warten, es sei ja klar, dass Kerez das Projekt nicht abliefern werde, sagte Pawel Baranski, der Direktor der städtischen Bauverwaltung, die das Projekt beaufsichtigt. Die Stadt will nun gerichtlich gegen den Architekten vorgehen.
Er habe immer den Eindruck gehabt, dass die Stadt nach Gründen suche, das Museum nicht bauen zu müssen, sagt Kerez in der «Gazeta». Vize-Stadtpräsident Wojciechowicz streitet das ab; er sei ein Anhänger des Projekts gewesen und bedauere es sehr, dass es nicht zu Stande komme.
Wie weiter? Für drei Jahre wird das Museum im heutigen Möbelgeschäft «Emilia» grössere provisorische Räume erhalten. Theoretisch könnte Kerez' Projekt von jemand anderem realisiert werden, doch ist fraglich, ob sich dafür jemand finden liesse. Der Ausweg wäre ein neuer Wettbewerb. Laut «Gazeta» sei im Rathaus zu hören, dass das Museum an einem anderen Ort gebaut werden könnte.