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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch
16. Den Glauben des Fragestellers weist er ab, nicht die Worte.
Sehen wir also zu, was der Fragesteller außer dem Gut-sein gesagt hat; er spricht nämlich: „Guter Meister, was soll ich Gutes tun?”1 Zwei Dinge hat er also zugleich bezeichnet: gut und Meister. Und weil er es nicht zurückweist, gut genannt zu werden, so hat er notwendig dies [S. 83] zurückgewiesen, daß er guter Meister genannt wurde. In der Weise aber weist er es zurück, guter Meister genannt zu werden, daß er eher den Glauben des Fragestellers zurückweist als dies, daß man ihm die Bezeichnung Meister oder gut zuspreche. Der Jüngling war nämlich etwas eingebildet wegen der Beobachtung des Gesetzes; er wußte nichts von dem Endziel des Gesetzes, das Christus ist; er glaubte durch seine Werke gerechtfertigt zu sein; er erkannte nicht, daß er (Christus) zu den verlorenen Schafen Israels gekommen sei,2 und daß es dem Gesetz unmöglich sei, durch den Glauben der Rechtfertigung die Gläubigen zu retten.3 So fragt er denn den Herrn des Gesetzes und den eingeborenen Gott wie einen Meister der gewöhnlichen Gesetze und der im Gesetz verzeichneten Gebote. Der Herr wies also diese Bekundung eines falschgerichteten Glaubens ab, daß er als Meister des Gesetzes gefragt werde, und er antwortete: „Was nennst du mich gut?” Um genau zu bezeichnen, in welcher Weise er als gut zu erkennen und zu bekennen sei, fügte er hinzu: „Niemand ist gut als nur der eine Gott.” Er verwarf nicht die Bezeichnung des Gut-seins, wenn sie ihm als Gott zugesprochen wurde.
1: Mark. 10, 17.
2: Matth. 15, 24.
3: Röm. 8, 3.