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10. Januar 1942
An General Catroux
Für den Fall, dass die Offensive der Alliierten in Libyen im französischen Nord-Afrika keine Folgen hat, und angenommen, dass der Feind nicht demnächst im Orient eine Offensive startet, ziehe ich in Betracht, vom 15. März an bedeutende französische Truppenverbände nach Südrussland zu entsenden. Diese würden an den für dieses Frühjahr geplanten Operationen der Alliierten auf diesem Kriegsschauplatz teilnehmen. Das Komitee freies Frankreich hat sich diesbezüglich mit der sowjetischen Regierung geeinigt, die den starken Wunsch nach unserer Unterstützung zum Ausdruck gebracht hat. Die politische und militärische Bedeutung unseres Handelns in Osteuropa wird Ihnen gewiss bekannt sein.
Andererseits hat die britische Regierung, insofern die Sache sie betrifft, grundsätzlich ihre Einwilligung gegeben.
Der nach Russland geschickte französische Truppenverband bestünde aus folgenden Einheiten:
a) Eine leichte Division bestehend aus einer Aufklärungsabteilung, drei oder vier Infanteriebataillons, wovon ein europäisches und ein nordafrikanisches, eine Artillerieabteilung mit zwei Batterien, je ein Sonderkommando Pioniere, Übermittler und Logistiker, alle so gut wie möglich mechanisiert und motorisiert. Es handelt sich um die leichte Division, die im Moment in Syrien und in Libanon stationiert ist.
b) Ein Sonderkommando von 40 französischen Jagdfliegerpiloten, das von der derzeit in England stationierten Luftwaffe zur Verfügung gestellt wird.
Die von den unter Ihrem Kommando stehenden Truppen gelieferten Teile würden sich vom 15. März an via Täbris in Bewegung setzen.
Um im Nahen Osten auch nach dem Abzug der zweiten leichten Division dennoch einen genügend grossen Kern an französischen Truppen zu garantieren, habe ich beschlossen, zwei gute senegalesische Bataillone und eine Batterie aus den Truppen des freien französischen Afrikas unverzüglich in den Orient zu entsenden. Dies ohne Einfluss auf die Zahl der von Ihnen verlangten senegalesischen Ersatzkräfte. Ich rechne zudem damit, dass ich Ihnen vom 1. März an aus England 200 gut ausgebildete und angeleitete Motorrad-, Übermittlungs-, Panzer- und Artillerie-Spezialisten sowie 20 Aspiranten entsenden kann.
Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir so schnell wie möglich Ihre Ansicht über all das mitteilen könnten. Es ist natürlich klar, dass die Frage dann einer vertieften Bearbeitung durch Ihren Generalstab bedarf.
General de Gaulle
Der folgende Text, welchen die Autoren des Buches dem Dokument beigesellt haben, ist als Leserführung gedacht und spricht jeweils de Gaulle selber an, um die historische Situation in Erinnerung zu rufen, in welcher jener das Dokument verfasste.
10. Januar 1942: Am Vortag haben Sie [gemeint ist de Gaulle] die in Liverpool stationierte Flotte der freien französischen Streitkräfte besucht. Dank dieser Flotte hat sich Saint-Pierre-et-Miquelon dem «Freien Frankreich» [France Libre] 14 Tage früher angeschlossen. Sie haben verstanden, dass Frankreich an allen Fronten präsent sein muss und weder gegenüber Freunden noch Alliierten Konzessionen eingehen kann, wenn es seine Stellung entwickeln und halten will. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, die damit noch fünf Monate zuwarten wollen, hat die Sowjetunion das «Komitee freies Frankreich», das das «Freie Frankreich» regiert, zwei Tage nach dessen Gründung anerkannt. Das von Stalin installierte Regime hat Ihnen nie gefallen, aber der Krieg gegen Hitler muss gewonnen und gleichzeitig die Allianzen des «Freien Frankreichs» ins Gleichgewicht gebracht werden. Deshalb bringen Sie die freien französischen Streitkräfte im Land der Sowjets zum Einsatz. In zehn Tagen werden Sie auf Radio London die französisch-sowjetische Solidarität preisen. Ende Februar werden die Piloten des «Freien Frankreichs» an der russischen Front gegen die deutschen Truppen kämpfen.
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