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Lebensraum Auenwald
Auenwälder sind ein äusserst wertvoller Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt. Es gibt verschieden ausgeprägte Auenwälder, manche stehen regelmässig unter Wasser, andere werden nur periodisch geflutet oder bleiben jahrelang trocken. In einem mehrmonatig überschwemmten Gebiet wachsen diesen Verhältnissen angepasste Bäume und Sträucher wie Weiden und Erlen. Beispielsweise kann die Silberweide problemlos ein halbes Jahr im Wasser stehen. Diese Flächen werden als Weichholzauen-, Grauerlenauenwälder und (Erlen-)Bruchwälder bezeichnet. An Standorten mit nur periodischer Überflutung gedeihen andere Baumarten mit härterem Holz besser. Sie bilden die Hartholzauenwälder mit den Baumarten Eiche, Ahorn, Ulme und Esche. In den Auen sind neben den nassen oder feuchten auch trockene, nährstoffarme Standorte vorhanden: Auf den alten Kiesbänken finden sich die seltenen lichten Föhrenwälder.
In der Schweiz sind Auenwälder sehr selten geworden. Dies hauptsächlich aufgrund der Verbauung von natürlichen Fliessgewässern. An der Alten Aare sind insbesondere die Weichholzauenwälder durch die seit der Juragewässerkorrektion weitgehend fehlenden Flussdynamik seltener geworden. Die veränderten Bedingungen, hauptsächlich die fehlenden temporären Überflutungen, führten dazu, dass sich die ehemaligen Weichholzauenwälder zu Hartholzauenwäldern entwickelten.
Massnahmen an der Alten Aare
Die Entwicklung neuer Weichholzauen- und Bruchwälder kann gefördert werden, indem angrenzend an den Gewässerlauf Boden abgetragen wird. So kommt der Boden auf das Niveau der jahreszeitlichen Wasserstandsschwankungen zu liegen und wird wieder häufiger überflutet. Diese Massnahme wurde auch an der Alten Aare im Rahmen des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts an mehreren Standorten ausgeführt. Je nach Niveau und Überflutungsdauer sollen sich wieder Weichholzauenwälder, Grauerlenauenwälder oder Erlenbruchwälder entwickeln können. Gleichzeitig wurden die Uferbereiche der Alten Aare vielseitiger, da der Bodenabtrag nicht über die ganze Fläche gleichförmig erfolgte. Zudem wurden im Uferbereich Holzstrukturen wie Wurzelstöcke und Baumstämme eingebaut, um unterschiedliche Strömungsverhältnisse zu erzeugen und generell die Lebensraumvielfalt zu erhöhen.
Traditionelle Bewirtschaftung
In Auenwäldern wurde früher traditionell die Mittelwaldbewirtschaftung, auch «Schachliwirtschaft» genannt, betrieben. Bei dieser Bewirtschaftungsform werden die stärksten und vitalsten Bäume, vor allem Eichen, geschont. Diese sogenannten Überhälter lieferten das nötige Bauholz. Andere schneller wachsende Bäume und Sträucher wurden alle 15 bis 30 Jahre auf den Stock gesetzt und als Brennholz genutzt. Die regelmässige Brennholznutzung führte dazu, dass im Wald immer Bereiche in unterschiedlichsten Entwicklungsstadien vorhanden waren: Offene Flächen, lockerer Aufwuchs aus Stockausschlägen wie auch geschlossener Niederwald. Diese unterschiedlichen Standorte bezüglich Lichteinfall und Strukturen boten Lebensraum für eine Vielfalt an Pflanzen, Insekten, Vögel und Säugetiere. Die Mittelwaldbewirtschaftung fördert die Biodiversität im Auenwald. Deshalb wird durch finanzielle Anreize angestrebt, diese traditionelle Nutzungsform aufrecht zu erhalten.
Tierparadies Auenwald
Dank wiederkehrender Erhebungen der Vogelwelt an der Alten Aare ist bekannt, dass sich im Gebiet gut 60 verschiedene Brutvogelarten aufhalten. Rund ein Drittel dieser Arten sind als «Auen-Arten» zu bezeichnen. Damit diese teilweise gefährdeten Arten, wie z. B. der Eisvogel, die Waldohreule oder der Sperber weiterhin die Alte Aare besiedeln, ist die Erhaltung der abwechslungsreich ausgestalteten Reviere von grosser Bedeutung. Einige Arten benötigen abgestufte und strukturreiche Waldränder, Uferböschungen oder Gebüschsäume und dornenreiche Hecken, andere eher lichte Waldpartien oder grosse, abgestorbene Bäume (Höhlenbäume). Der Eisvogel benötigt zur Anlage seiner Bruthöhle steile, grabbare Uferböschungen.
Durch die Aufwertungsmassnahmen haben bisher insbesondere die Vogelarten zugenommen, welche sich in den Seitengerinnen und im abwechslungsreich gestalteten Lauf der Alten Aare wohlfühlen. Die genannten «Auen-Arten» können mit ergänzenden Massnahmen und gezielter Pflege von Gehölzstrukturen weiter gefördert werden.
Der Biber ist in den 1990er-Jahren ins Gebiet zurückgekehrt. Im Gebiet der Alten Aare findet er den nötigen Platz und kann sich – ohne grosse Probleme zu verursachen – entfalten. An der Alten Aare sind alle Reviere besetzt und es können überall Spuren der Arbeit des fleissigen Landschaftsgestalters angetroffen werden.