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Frau Dr. Isabelle Pache, Fachärztin für Gastroenterologie und Hepatologie, erklärt, in welchen Fällen man einen Arzt aufsuchen sollte, wenn man Blut im Stuhl findet.
Frau Dr. Pache, was kann dazu führen, dass man Blut im Stuhl hat?
Der Verlust einer kleinen Menge roten Blutes (weniger als ein Esslöffel) ist in den meisten Fällen auf ungefährliche Probleme wie Hämorrhoiden oder Fissuren im Analbereich zurückzuführen. Allerdings können sich daraus immer andere Probleme wie Polypen oder Krebs entwickeln.
Beim Thema Blut im Stuhl spricht man von «rotem Blut» oder «schwarzem Blut»: Worin besteht der Unterschied?
Bei schwarzem Blut handelt es sich um Blut, das mehr oder weniger «verdaut» ist, da es längere Zeit im Verdauungstrakt verblieben ist. Es stammt also aus einer Quelle, die sich oberhalb der zweiten Hälfte des Darms befindet. Wenn es sich allerdings um eine starke Blutung handelt, kann das Blut nicht so schnell verdaut werden und wird rot ausgeschieden. In einem solchen Fall geht es den Betroffenen meist schlecht, das heisst, sie werden vielleicht bewusstlos, da sie eine sehr grosse Menge Blut verlieren. Wenn man schwarzes Blut bemerkt, sollte das umgehend untersucht werden. Dasselbe gilt, wenn man sehr viel rotes Blut verliert. Und wenn es neben der Blutung noch zu einem Unwohlsein kommt, muss man unbedingt die Rettung rufen (Sanitätsnotruf, 144).
Kann man «mit einem Blick» ein ungefährliches von einem ernsthaften Problem unterscheiden?
Diese Störung sollte man auf keinen Fall verharmlosen, vor allem, wenn sie sich verstärkt oder häufiger auftritt, wenn es weitere Symptome gibt (veränderte Form oder Häufigkeit des Stuhls, Schmerzen, ungewollter Gewichtsverlust), wenn die Symptome nach dem 50. Lebensjahr auftreten oder wenn bei nahen Verwandten Darmkrebs oder Polypen aufgetreten sind.
Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Zunächst wird vom behandelnden Arzt eine örtliche Untersuchung durchgeführt. Je nach Symptomen, oder wenn man ein erhöhtes Risiko für eine schwere Erkrankung feststellt, überweist man die Person für eine Untersuchung mit speziellen Geräten, wie etwa eine Darmspiegelung, an entsprechende Fachärzte.
Gehört bei einem Verdacht auf Darmkrebs das Auftreten von Blut im Stuhl zu den ersten Anzeichen? Wie kann man ihn erkennen, wenn kein Verdacht besteht?
Darmkrebs ist eine häufige Erkrankung. Jedes Jahr treten in der Schweiz etwa 1600 neue Fälle auf. Bei Männern ist er die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebsart. Bei einer frühzeitigen Behandlung sind die Heilungschancen gut. Unglücklicherweise ist Blut im Stuhl eher ein Symptom, das relativ spät auftritt. In den meisten Fällen entwickelt sich Krebs aus einem Polypen (eine Wucherung, die allmählich im Darm heranwächst). Gemäss internationalen Empfehlungen sind deshalb Vorsorgeuntersuchungen ratsam, um diese Polypen entfernen zu können, bevor sie sich zu Krebs entwickeln.
In der Schweiz haben mehrere Kantone ein Vorsorgeprogramm eingeführt und laden Einwohner zwischen 50 und 70 Jahren ohne Symptome regelmässig ein, entweder ihren Stuhl auf Blut untersuchen oder direkt eine Darmspiegelung durchführen zu lassen. Selbstverständlich sollte man bei Blutungen oder ungewöhnlichen Symptomen nicht auf diese Einladung warten, sondern schnellstmöglich zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen.
In manchen Fällen sprechen Ärzte von «verstecktem Blut». Worum handelt es sich dabei?
Unter verstecktem Blut, das sich durch eine spezielle Stuhluntersuchung feststellen lässt, versteht man eine geringe Menge Blut, die mit blossem Auge nicht erkennbar ist. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine Früherkennungsmethode für Darmkrebs. Deshalb wird sie alle zwei Jahre durchgeführt. Allerdings stellt sie auch leichte Blutungen aufgrund von Hämorrhoiden oder sehr festem Stuhl fest, und einige Tumore und Polypen bluten nur unregelmässig, darum kann sie die Patienten in falscher Sicherheit wiegen.
Und wenn man auf dem Toilettenpapier Blutflecken bemerkt?
Blutflecken auf dem Toilettenpapier hängen hauptsächlich mit Hämorrhoiden oder Verletzungen des Analkanals wie Fissuren zusammen. Wenn sie allerdings erstmalig auftreten, daneben noch andere Symptome oder ein erhöhtes Darmkrebsrisiko vorliegen, sollte man dieses Symptom nicht verharmlosen und den behandelnden Arzt aufsuchen.
Wodurch entstehen Hämorrhoiden?
Bei Hämorrhoiden handelt es sich um vergrösserte Gefässe im Rektum (der letzte Teil des Darms) oder Anus, ähnlich den Krampfadern, die bei einigen Personen an den Beinen auftreten. Wenn sie im Rektum auftreten, nennt man sie interne Hämorrhoiden. Treten sie im Umfeld des Anus unter der Haut auf, handelt es sich um externe Hämorrhoiden. Diese Probleme sind sehr häufig und betreffen etwa die Hälfte der Bevölkerung. Durchfall oder Verstopfung, langes Sitzen auf der Toilette während des Stuhlgangs, Schwangerschaft, Fettleibigkeit oder eine ballaststoffarme Ernährung sind einige Faktoren, die das Entstehen von Hämorrhoiden begünstigen.
Wie kann man sie behandeln?
Die wichtigste Behandlung besteht in einer gesunden Lebensweise mit einer ballaststoffreichen Ernährung, bei der man ausreichend trinkt und sich regelmässig körperlich betätigt. Im Fall einer Entzündung kann man auf Salben oder Zäpfchen zurückgreifen, die rezeptfrei in der Apotheke oder auf Verschreibung erhältlich sind. Auch zwei bis drei warme Sitzbäder pro Tag können zur Linderung beitragen. Bei sehr starken Schmerzen kann eine Behandlung mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder nichtsteroidalen Entzündungshemmern notwendig sein. Im Falle einer Verstopfung kann die Einnahme von Abführmitteln hilfreich sein, um die Schmerzen während des Stuhlgangs zu mindern.
Und das reicht aus?
Wenn die Symptome nicht zu stark sind, kann eine örtliche Behandlung ausreichen, um die Symptome innerhalb weniger Tage zu verbessern. Bei sehr starken Schmerzen, wenn die Symptome häufig auftreten oder es zu einer starken Blutung kommt, sollte man schnellstmöglich den behandelnden Arzt aufsuchen. Bei Bedarf kann dieser die Person an entsprechende Fachärzte überweisen, wie etwa auf Proktologie spezialisierte Gastroenterologen oder proktologische Chirurgen.
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.
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