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Damián Ortega ist 1967 in Mexiko geboren. Seit der letzten Biennale in Venedig wird sein künstlerisches Schaffen international stark beachtet. In der Gruppenausstellung im Arsenale, die von Gabriel Orozco kuratiert wurde, zerlegte der Künstler seinen VW Käfer komplett in alle Einzelteile und hängte diese an die Zimmerdecke, so dass der Eindruck eines technischen Diagramms in 3D entstand.
Ortega arbeitet in unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen, wie Skulptur, Installation, Fotografie und Video. Ortegas Arbeit befasst sich mit den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen für den Transformationsprozess von Rohstoffen in Handelsgüter (und umgekehrt), wie er innerhalb der industriellen Produktion und im alltäglichen Gebrauch stattfindet. Noch bis vor kurzem lebte Ortega in Rio de Janeiro, wo er eine ebenso umfangreiche wie auch subjektiv motivierte Untersuchung über die favelas durchführte. Diese labyrinthartig gewachsenen, improvisierten Wohnviertel der ärmsten Bevölkerungsschichten, finden sich im Randgebiet vieler grosser Städte in Ortegas Heimatland und sind in dieser Form typisch für lateinamerikanische Länder.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Basel ist die erste grosse Einzelausstellung von Damián Ortega in Europa. In der Ausstellung werden zwei neue skulpturale Arbeiten des Künstlers zu sehen sein. Die erste Arbeit, die für den Saal 4 von Ortega entwickelt wurde, ist der Clay Mountain, ein vier Meter hoher Lehmhaufen in Form eines Vulkans, eine monströs Konstruktion, eine aggressive eschatologische Arbeit: „Ich bin sehr interessiert an der Referenz zum Hotel Palenque von Robert Smithson, am Zusammentreffen von Ursprung und Ende im gleichen Moment, als eine Art dialektischer Prozess. Ich bin sicher, Smithson hat hier besonders an die Maya-Kultur und an die prä-kolumbianische Kultur Mexikos und Südamerikas gedacht. Die Götter sind aus Stein und Lehm gemacht, versehen mit Vögeln und Schlangen, Sonne und Mond. Das Weite und das Nahe zur gleichen Zeit.“ (Damián Ortega)
Im grossen Saal 5 wird Ortega die Iglesia en Rotación aufbauen. Diese raumfüllende Skulptur beruht auf dem Grundriss einer schlichten Barockkirche mit einer Kreuzform und einem Kreis in dessen Zentrum, der aus Mauern von übereinander gestapelten Ziegelsteinen nachgestellt wird. Wie ein futuristisches Gemälde wird der Grundriss simultan in vier verschiedenen Phasen aufgefächert. Die Wände werden mit den Ziegelsteinen in unterschiedlichen Höhen errichtet, so dass eine Staffelung entsteht, die es ermöglicht, die grosse Installation zum Teil zu übersehen und damit das neue Muster wahrzunehmen, das aus der Rotation der Grundform entsteht.
Die ursprüngliche Idee der Kreuzform des Kirchengrundrisses mit einem stabilen Zentrum geht hier verloren. Iglesia en Rotación ist ein ironisches Spiel mit der katholischen Vorstellung einer statischen Weltordnung, deren Zentrum durch die Tradition des Glaubens garantiert ist. Die kühle, industrielle Präsenz der Ziegel mag auch an die minimalistischen Skulpturen Carl Andres erinnern. Aber Ortegas Konzept ist dramatischer aufgeladen. So scheint die erste Kathedrale aus der Längswand des Ausstellungsraums heraus zu rotieren, an deren Aussenseite als unsichtbares Pendant die Elisabethenkirche von Basel lokalisiert ist, ein Umstand, der für Ortega Teil seiner komplexen Inszenierung ist: „Am Ende kann man durch das Labyrinth laufen, wie durch eine Ruine oder eine Ziegelfabrik. Eine futuristische Skulptur. Man bewegt sich vor und zurück in architektonischer Zeit.“
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Schwabe Verlag, Basel mit einem visuellen Essay von Damián Ortega, einem Text von Russell Ferguson, Deputy Director for Exhibitions and Programs und Chief Curator an der University of California, Los Angeles, Hammer Museum, vom Künstler ausgewählte Auszüge aus einem neuen Buch über die Favelas von der brasilianischen Autorin Paola Berenstein Jacques, sowie eine Einführung von Adam Szymczyk, Direktor Kunsthalle Basel.
Für die grosszügige Unterstützung der Ausstellung danken wir:
Heivisch