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Es geschah eines Nachts in London
Eigentlich sollte »UnGlück« die Geschichte jenes älteren Herrn werden, den ich vor vielen Jahren zufällig in einem Restaurant nahe der Bayswater Road in London bemerkt hatte. Ganz kurz bloß konnte ich ihn, der in ein Gespräch vertieft war, beobachten. Dies genügte aber, in mir einen unauslöschlichen Eindruck zu hinterlassen.
Der Betreffende war, als ich ihn erblickte, in eine Diskussion mit einer jungen Frau vertieft, die ihm gegenüber saß. Aus dem wenigen, was ich zu erkennen glaubte, schloss ich: Da debattierte ein Professor mit einer seiner Studentinnen. Ich begann eine fiktive Biografie des Unbekannten zu schreiben. Es entstand die Idee, ihn unglücklich sein zu lassen, obwohl ich nicht behaupten könnte, er habe bedrückt ausgesehen. Seine Gattin, legte ich fest, würde ein Geschäft führen und oft ziemlich spät nach Hause zurückkehren. Deshalb konnte er in aller Ruhe mit seiner Lieblingsstudentin in diesem einfachen griechischen Lokal sitzen und sich unterhalten.
Augenblicklich reifte in mir die Absicht, die gesamte Geschichte ausschließlich in dem einen Zimmer spielen zu lassen, das seine Frau den »Salon« nennen würde: Ein großer Raum, ziemlich unpersönlich eingerichtet, jedenfalls nicht wohnlich, nicht das Glück begünstigend oder Nähe schaffend. Er müsste kühl wirken, dieser Salon, so unterkühlt, wie ihre Beziehung war.
Mit der Zeit formte sich eine Geschichte, die nicht ohne Traurigkeit auskommt, da sie nicht zuletzt vom Unglück handelt. Es entstanden viele Versionen. Doch eines veränderte sich nicht, da dies seit dem Beginn meiner Arbeit an diesem Text feststand: Zu Beginn der Geschichte steht er am Fenster. Schließlich deutete alles darauf hin, dass seine Frau an diesem Abend ums Leben käme. Und der Professor fände nach diesem grässlichen Vorfall ein neues Glück.
Doch da sträubten sich in mir vorerst die Nackenhaare.