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Der Finanzstabilitätsbericht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) schlug am Donnerstag an der Schweizer Börse wie eine Bombe ein. Angesichts der Verflechtungen der Schweizer Grossbanken mit dem europäischen Bankensektor könnte eine Verschärfung der Krise auch den Schweizer Grossbanken substanzielle Verluste bescheren.
Neben einem weiteren Abbau von Risiken solle die Credit Suisse einen Dividendenverzicht oder sogar eine Kapitalerhöhung ins Auge fassen, empfiehlt die SNB. Die Aktie der Credit Suisse (CS) schloss an der Schweizer Börse am Donnerstag über 10 Prozent im Minus, diejenige der UBS verbuchte nur noch einen minimalen Verlust.
"Das ist eine völlige Übertreibung der Finanzmärkte", sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im Video-Interview mit cash zum Kurssturz der CS-Aktie. "Im Finanzstabilitätsbericht wurden keine Zahlen verwendet, die nicht öffentlich zugänglich sind. Über die Zahlen diskutieren die meisten Agenturen und öffentlichen Organisationen seit längerem", so Jordan weiter.
CS noch verbesserungsfähig
Die UBS und die Credit Suisse betonen am Donnerstag in Stellungnahmen, dass sie sehr gut kapitalisiert seien. Die CS schreibt, sie sei eine der bestkapitalisierten und refinazierten Banken der Welt. Die verschiedenen Positionen der SNB und der Banken seien "nicht unterschiedliche Wahrnehmungen, sondern unterschiedliche Perspektiven", sagt Jordan zu cash. "Es stimmt, dass die CS beim regulatorischen Kapital sehr gut kapitalisiert ist. Wir wissen auch, dass sich die Definition des regulatorischen Kapitals über die Zeit ändern wird."
Und Jordan weiter: "Wir haben darauf hingewiesen, dass vor dem Hintergrund der Krise das verlustabsorbierende Eigenkapital weiter aufgebaut wird und dass sich die Grossbanken, insbesondere die Credit Suisse, hier noch verbessern könnten." Es sei ihm aber wichtig, dass man einen Gesamteindruck erhalte. "Es hat auch sehr viele positive Punkte über die Grossbanken im Finanzstabilitätsbericht."
Zwar gehören Credit Suisse und UBS gemessen an den derzeit gültigen Vorschriften mit Eigenkapitalquoten von 15,6 Prozent und 18,7 Prozent tatsächlich zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt. Aber da ist Kapital miteingerechnet, das nicht zur Deckung von Verlusten herangezogen werden kann.
Jordan schläft gut
Werden die schärferen Regeln von Basel III zugrunde gelegt, liegen die Eigenkapitalquoten nach SNB-Angaben mit 5,9 Prozent und 7,5 Prozent unter dem weltweiten Branchendurchschnitt. Die neuen Basel-III-Vorschriften müssen erst bis 2019 voll umgesetzt werden, aber nach Ansicht der SNB stellen sie aus wirtschaftlicher Sicht schon im heutigen Umfeld die richtige Messlatte dar.
Die in der Schweiz aufgekommenen Diskussionen über Sinn und Zweck der Euro-Kursuntergrenze helfe den Devisenmärkten sicher nicht, sagt Jordan im Video. "Aber ich glaube, es herrscht an den Devisenmärkten kein Zweifel darüber, dass die Nationalbank diesen Mindestkurs auch in Zukunft durchsetzen will."
Die Nationalbank habe ein Team von 25 Devisenhändlern, die Kurse würden rund um die Uhr beobachtet. Auf die Frage, ob der Nationalbankpräsident angesichts des andauerden Drucks auf die Kursuntergrenze und wegen der innenpolitischen Diskussionen um diese Massnahme noch gut schlafen kann, sagt Jordan: "Ich kann Sie beruhigen. Ich schlafe noch immer sehr gut."
Zum cash-Video-Interview mit Thomas Jordan