Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03128.jsonl.gz/1476

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte EGMR in Strasbourg hat am 2. Februar 2016 entschieden, dass die sogenannte gemischte Methode der Invalidtätsbemessung menschenrechtswidrig ist: Urteil Di Trizio c. Suisse vom 02.02.2016 (7186/09).
Die gemischte Methode kam bislang bei Personen zur Anwendung, die ohne ihre gesundheitliche Beeinträchtigung teilweise erwerbstätig wären und daneben in einem anerkannten Aufgabenbereich tätig wären (in der Regel im Haushalt). Zuerst wurde bei dieser Methode ermittelt, zu wie viel Prozent jemand berufstätig war. Sodann wurde mit der Methode des Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich bestimmt. In einem zweiten Schritt wurde durch einen Betätigungsvergleich die Einschränkung im Aufgabenbereich (meist Haushalt) ermittelt. Debei wurde das Pensum im Aufgabenbereich dadurch bestimmt, dass von 100% der Prozentsatz des Erwerbspensums abgezogen wurde.
War jemand beispielsweise zu 60% erwerbstätig, so betrug das Pensum im Aufgabenbereich nur 40% (100% - 60%), ungeachtet der Grösse des Haushalts!
Die gemischte Methode führte regelmässig zu geringen Invaliditätsgraden bei Teilzeiterwerbstätigen. Dies hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte nun als konventionswidrig qualifiziert.