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Emil Medardus Hagner
Biografie
Der Märchenmaler Emil Medardus Hagner wurde am 11. Oktober 1921 in Zürich geboren. Seine Mutter Katharina Gyr arbeitete vor der Heirat als Dienstmädchen und Fabrikarbeiterin (Perlenpoliererin).
Sein vermeintlicher Vater (E. M. war ein "Kuckucksei") war Ausläufer bei der Post und stammte vom Volk der Fahrenden.
Emil Medardus Hagner hatte in seiner Kindheit einige sehr schlimme Erlebnisse erfahren, die ihn schwer traumatisierten.
Das Zeichnen wurde deswegen bereits in seiner Kindheit zu einem wichtigen Rückzugsort für ihn. Er beschreibt dies in seinen Jugenderinnerungen so:
„…die vielen Klagen, Tränen und tristen Geschehnisse vermochte ich nur durch meine individuellen Träume zu überwinden, die immer mehr die Gestalt von Märchenbildern annahmen und mich trösteten. So geriet ich in die intime Beschäftigung des Malens hinein, um mir mein eigenes tristes Dasein zu stärken und meine Phantasie zu hegen und zu pflegen. Was mir auch zeitweise gelang.“
So zeichnete er schon sehr viel als Kind. Und in der Schule porträtierte er für seine Schulkollegen die „Süffel“ aus dem Quartier.
Er war Autodidakt. Seine einzige künstlerische „Ausbildung“ war der Vorkurs der Kunstgewerbeschule und der Beginn einer Lehre als Filmplakatmaler, die er aber abbrach.
Ebenso begann er eine Lehre als Dekorateur bei Heiner Hesse, dem Sohn des Dichters Hermann Hesse. Obwohl er auch diese Lehre nicht beendete, blieb er sein Leben lang mit Heiner Hesse befreundet.
Mit 20 Jahren kam er in die Rekrutenschule, wo er sich so subtil verweigerte, dass er für Monate in die psychiatrische Klinik Burghölzli kam.
In dieser Zeit begann er seine ersten, eigenwilligen Märchenbilder zu malen.
1947 lernte er, bei einer kurzfristigen Arbeit als Keramikmaler, seine zukünftige Frau Ruth kennen.
1953 heirateten die Beiden.
1954 besuchte er sein grosses Vorbild Alfred Kubin in Zwickledt, eine sehr wichtige und prägende Begegnung für ihn. Mit ihm tauschte er auch Arbeiten aus.
Er las sehr gerne Reiseberichte über fremde Länder und Völker und phantasierte sein Leben lang vom auswandern an die verschiedensten Orte der Erde. Diese Träume lebte er in seinen Zeichnungen aus, denn reales
auswandern war ihm unheimlich.
Er nahm Kontakt zu Kilcher auf, mit der Fantasie, nach Alaska auszuwandern.
Kilcher, der tatsächlich Leute suchte, die zu ihm nach Alaska auswanderten, besuchte ihn in Zürich, merkte dann aber schnell, dass Emil Medardus seine Träume gar nicht verwirklichen wollte.
Der Kontakt zu Kilcher veranlasste Emil Medardus allerdings dazu, die Geschichte vom „Schneider Huck aus Alaska“ zu schreiben und zu zeichnen. Diese erschienen bei der Luzerner Zeitung, die damals von Laure Wyss geleitet wurde.
Da er sich aber nicht anpassen konnte, nahm das bald ein Ende.
Danach arbeitete er wieder in den verschiedensten Berufen (von Kulissenschieber über Bademeister bis zur Curling-Hilfskraft).
Sobald Geld da war, kündigte er oder "machte blau" (wie er das nannte), um zu malen oder zeichnen.
1956 kam seine Tochter Serpentina zur Welt.
1961, als sein erster Sohn Camille Medardus geboren wurde, ging dieses “Bohemedasein“ langsam zu Ende.
Die Verantwortung für seine kleine Familie zwangen ihn zu einer Festanstellung als technischer Zeichner.
1963 erblickte sein zweiter Sohn Matthias Daphnis das Licht der Welt.
Seine Freunde, der Maler Fritz Hug und der Karikaturist Hans Ueli Steger, unterstützten ihn finanziell und wurden seine Sammler. Steger überredete den Verleger Daniel Keel, die Bildergeschichten von „Huck“, die Emil Medardus für Laure Wyss gezeichnet hatte, herauszugeben. Diese kamen 1965 als Kinderbuch „Huck geht nach Alaska“ im Diogenes-Verlag heraus. Es hatte aber nur einen bescheidenen Erfolg, da es die Leute stark an Comics erinnerte, und Comics damals noch sehr verpönt waren.
Sein Leben war geprägt durch Wechsel von normalen Phasen, Phasen von Depressionen, fixen Ideen und Einbildungen, sowie Alkoholproblemen.
Seine Vorstellungen enthielten Schönes, wie zum Beispiel seinen festen Glauben an die Existenz von Naturgeistern. Er war überzeugt davon, dass Elfen unter seiner Türschwelle wohnen würden und winkte dem Flieder zu, weil er glaubte, das Fliedermütterchen darin zu sehen.
Sehr oft waren seine Einbildungen aber alptraumhaft.
Im Alter von 57 Jahren erlitt er einen schweren, psychischen Zusammenbruch. Danach verschlimmerten sich seine Wahnvorstellungen.
Seine Seele erholte sich nicht mehr. Er wurde frühzeitig aus dem Arbeitsleben als technisch Zeichner entlassen und erhielt eine Invalidenrente.
Im Alter war er als Original in Zürichs Altstadt fast ein wenig bekannt.
Öfters sass er mit Krüsi zusammen in der Bodega, als dieser noch unbekannt war. Und früher, als Krüsi noch Alprosen an der Bahnhofstrasse verkaufte, kaufte er immer ein Sträusschen und hielt einen Schwatz mit ihm.
Er nannte sich "Märchenmaler von Zürich" und zeichnete in den Beizen für die Leute, die er sympathisch fand seine "Wildmanndli", oder schenkte ihnen einen der Edelsteine, welche er immer zuhauf in seiner Jackentasche trug und über deren Heilkraft er genau Bescheid wusste.
Er konnte an keiner Tanne oder Eibe vorbeigehen, ohne sie zu berühren und steckte sich immer Blätter, Zweige und Heilkräuter auf seinen Hut, da er fest daran glaubte, dass sie ihm Kraft gäben.
Am 7. Dezember 1999 starb er in Zürich.
Eine Erklärung was ihn zu seiner Kunst antrieb steht in einer seiner Auf- zeichnungen:
„Meine Einbildungen das heisst Phantasie, die zu überwuchern droht, spielt mir oft die grässlichsten Streiche, indem sie zusehends in die Realität eingreift, diese verfälscht und nicht mehr wahrnehmen will. Darum erzeugt sie auch diese zahllosen, entsetzlichen Ängste, der Realität nicht gewachsen zu sein. Hingegen: Wenn es mir immer wieder gelingt, die Phantasie im Bilde oder auch schriftlich zu bannen, so bin ich von diesen Qualen erlöst.“
Unten eine Aufzeichnung von ihm: