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Walter Kuster – nie gehört! Ein Werk ist zu bestaunen, von dem man bisher kaum Kenntnis hatte, im Tal-Museum Engelberg und in einem schön gemachten und geschriebenen Bildband.
„In Ortisei in den Dolomiten fand kürzlich eine internationale Sprungkonkurrenz statt, an der sich hauptsächlich italienische und österreichische Springer beteiligten. Die Schweizer Springer hatten keine Lizenz zur Teilnahme an dieser Sprungkonkurrenz erhalten, weil die Schanze in Ortisei nicht den schweizerischen Normen über Sprungschanzen entspricht. Der Engelberger Springer Walter Kuster, der sich in Ortisei befand, konnte deshalb nur ausser Konkurrenz springen. Dabei erzielte er die ausserordentliche Sprunglänge von 81 m, eine Länge, die auf italienischen Sprungschanzen bis anhin noch niemals erreicht worden war. Walter wurde, wie italienische Blätter berichten, von dem zahlreichen Publikum, das der Sprungkonkurrenz beiwohnte, stürmisch gefeiert und von dem ebenfalls anwesenden italienischen Kronprinzen Umberto wegen seiner hervorragenden Leistung persönlich beglückwünscht.“
Das konnte man 1934 unter dem Titel „Ein Engelberger Skispringer in Italien“ lesen. Und nun ist die Zeitungsnotiz abgedruckt in einem Buch über diesen weit springenden Engelberger, das zur neu eröffneten Ausstellung im Tal Museum Engelberg erschienen ist: „Walter Kuster 1912 – 1943. Fotograf, Filmer, Skispringer.“ Walter Kuster? Nie gehört, nicht wahr. Einerseits sozusagen ein Vorspringer von Walter Steiner und Simon Ammann. Einer, der immer weiter fliegen wollte, wenn es die damaligen Schanzen nur erlaubt hätten. 1935 stellte Kuster auf der Mammutschanze von Ponte di Legno in der lombardischen Provinz Brecia mit 91 Metern einen neuen Rekord auf, und wieder hatte er ausser Konkurrenz springen müssen, weil ihm der Schweizer Verband die Lizenz verweigert hatte.
Die lieben Verbände und Behörden! Auch als Filmer hatte Kuster damit zu kämpfen. 1942 erhielt er von der Schweizerischen Zentrale für Verkehrsförderung (heute Schweiz Tourismus) Auftrag und Geld, einen Film über die Schweizer Bergbahnen zu drehen. Die herrschende Militärzensur verunmöglichte jedoch viele Aufnahmen, weil das Militär befürchtete, auf den Aufnahmen könnten auch militärische Stellungen und Objekte zu sehen sein. Der Film blieb unvollendet, am 23. November 1943 starb Walter Kuster an den zu spät diagnostizierten Folgen einer Verletzung, die er sich beim Skispringen zugezogen hatte.
Nun ist das Lebenswerk von Walter Kuster, seine Filme, Fotos, Sprünge und Ideen, aus der Versenkung geholt worden. Ida Kuster hatte den Nachlass ihres Bruders dem Tal Museum Engelberg übergeben. Und wieder ist einmal ein Werk zu bestaunen, von dem man bisher kaum Kenntnis hatte, im Museum selbst sowie in einem schön gemachten und geschriebenen Bildband. „Das wilde Leben zwischen gestern und übermorgen“: So ist einer der Beiträge überschrieben, die Leben und Werk eines Mannes würdigen, der nicht nur mit den Ski an den Füssen abgehoben hat.
Und was war vorgestern? Da gewann die 24-jährige Sabrina Wildmüller aus Sargans das Weltcup-Skispringen in Hinterzarten im Hochschwarzwald mit einem Sprung auf genau 100 Metern. Das Springen am Samstag war erst das zweite mit diesem Status gewesen, vorher hatte es noch keine Weltcup-Konkurrenzen für Frauen gegeben. Auf die zweite Weltcupprüfung in Hinterzarten aber habe Sabrina Windmüller, die sich in Magglingen zur Sportlehrerin ausbilden lässt, gestern Sonntag verzichten müssen, schreibt der „Tages-Anzeiger“ in der Rubrik „Überraschung des Wochenendes“ von heute Montag: „In Andermatt begann ein Schneesportkurs, Swiss-Ski hatte sich vergeblich um eine Dispens für den ersten Tag bemüht…“
Walter Kuster 1912-1943. Fotograf, Filmer, Skispringer. Mit Texten von Matthias Christen, Nicole Eller Risi, Lea-Maria Infanger, Klaus Merz und Christoph Schwyzer. Verlag Martin Wallimann, Alpnach 2012, Fr. 45.-
Ausstellung im Tal-Museum Engelberg: bis 15. April und vom 30. Mai bis 9. September 2012; www.talmuseum.ch