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"Im Leben eines jeden jungen Mannes gibt es eine Eve Babitz. Meistens ist es Eve Babitz.", soll Earl McGrath, der spätere Chef von Rolling-Stone-Records, damals über sie gesagt haben. Aber das ist natürlich nur die machistische Sichtweise auf eine Frau, die viel mehr als nur ein Groupie war: Journalistin, Partygirl, Künstlerin, Muse und eine begabte Schriftstellerin noch dazu, wie das vorliegende Buch mit ihren Beobachtungen über das Leben in Hollywood/L.A. beweist. "Die Privilegien von Schönheit sind unermesslich", wusste schon Jean Cocteau. Aber mehr noch ist es Babitz’ Stil, der begeistert.
"L.A. Woman"
"Ich lebe und segle dahin, bereit für die Faust, die durch die Windschutzscheibe knallt. Oder das ganz große Ding!", schreibt sie an einer Stelle und man ist gewillt, ihr abzunehmen, dass es nicht ihr Kopf ist, der da durch diese Scheibe knallt. Jim Morrison, der Sänger der aus Los Angeles stammenden Rockband The Doors soll einer ihrer Männer gewesen sein und für ihn habe sie sogar seine hautengen und berühmten Lederhosen entworfen, die Morrison mit Vorliebe trug. Aber auch Plattencover anderer berühmter Bands jener Epoche stammen von Eve Babitz. In einem lässigen Ton ("Textur", wie sie schreibt) erzählt sie vom Leben und Sterben in L.A. wie es nicht einmal Charles Bukowski zu Wege brachte. Der "Sound" ihrer Worte trifft die ausgelassene Stimmung der Sechziger so gut, dass sich der Rhythmus des Songs "L.A. Woman" von den Doors dagegen wie ein Kinderreim ausnimmt. Jim Morrison soll ihn ihr gewidmet haben, so die Legende.
Das Hollywood der Patentochter von Strawinsky
Was Chet Baker mit seinem "light, airy style, lyrical but also rythmic, detached but also sensuous" für den Jazz war, war Eve "Ivy" Babitz für Prosa, zitiert Tino Hanekamp eine Rezension der Vanity Fair im Nachwort zur vorliegenden Ausgabe. "Es sind die Rahmen", schreibt sie, wohl auch in Bezug auf die eingangs erwähnte bestechliche Schönheit, "die einigen Dingen Bedeutung verliehen haben (...). Der Inhalt entfaltet sich immer aus dem Rahmen heraus." Van Gogh, Picasso, Strawinksy: "Die Leute haben ihnen geglaubt; es ist die Verpackung." Über eine Freundin ihres Vaters schrieb sie: "Sie ist die Bachfuge eines Kommentars zur Realität dessen, was vor ihr abläuft." Eve Babitz war dazu wohl das Klavier.