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Es war sehr eng im Gemeinschaftsraum des Breitsch-Träffs am vergangenen Dienstag. Weit über 100 Personen, einige ältere Semester und auffallend viele Junge, drängten sich auf und neben den viel zu knappen Sitzgelegenheiten. Sie waren gekommen, um über die «Idee des Kommunismus» zu diskutieren.
«Der Sozialismus ist gescheitert, der Kapitalismus ist bankrott, was kommt als Nächstes?», hatte der kürzlich verstorbene englische Politologe Eric Hobshawn geschrieben. Während Monaten hatte sich eine Gruppe politisch interessierter Leute in Bern mit neueren Publikationen zu diesem Thema befasst. Als Ergebnis dieser Diskussion formulierte der pensionierte HKB-Professor Beat Schneider 18 umfangreiche Thesen zur «Idee des Kommunismus». In seiner Journal-B-Kolumne vom 14. Oktober hat Simon Küffer diese Thesen zusammengefasst. An der Veranstaltung im Breitsch-Träff wurden sie zur Diskussion gestellt.
Es war nicht zu erwarten gewesen, dass über derart grundlegenden Fragen kurzfristig Einigkeit hätte erzielt werden können. Warum der sogenannte «Realsozialismus» gescheitert ist, was es mit der «Arbeiterklasse» auf sich hat, wo die Ansätze einer neuen Gesellschaftsordnung zu finden sind - darüber und über weitere grundsätzliche Thesen bestanden durchaus unterschiedliche Auffassungen. Einig waren sich die Anwesenden aber in einem Punkt: Dass eine Alternative dringend notwendig ist.
Als Gesellschaft, die auf egalitärer Gerechtigkeit beruht, beschreiben die Thesen diese Alternative. Sie umfasst die feministische Idee der Gleichwertigkeit von Frau und Mann ebenso wie die Überwindung des im Kapitalismus anerzogenen Egoismus und die Freiheit von Fremdbestimmung. Sie zeichnet sich aus durch Intoleranz gegenüber Autoritarismus, Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt.
Die Voraussetzungen, eine solche Gesellschaft zu realisieren, seien noch nie so gut gewesen wie heute, heisst es in den Thesen weiter: Technisch gesehen wäre es kein Problem, die gesamte Weltbevölkerung zu versorgen, die Zerstörung der Umwelt zu beenden und dabei auch noch die erforderliche Arbeitszeit stark zu reduzieren. Ein «luxuriöser» Kommunismus sei heute durchaus realisierbar.
Eitle Wunschvorstellungen? Leere Worte ohne realen Hintergrund? Die Anwesenden sahen es anders. Sie wollen weiter diskutieren und nach Handlungsvorschlägen suchen. Am 6. Dezember soll die Diskussion am gleichen Ort fortgesetzt werden. Sie ist offen für alle, die an dieser Auseinandersetzung teilhaben wollen.