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Die meisten, die bereits längere Radtouren absolviert haben, kennen das unangenehme Kribbeln in den Händen danach. Noch störender sind da nur ganz eingeschlafene Hände. Wer dies kennt, sollte es einmal mit einer veränderten Sitzposition probieren. Zeigt sich keine Besserung, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Die häufigste Ursache für eingeschlafene Hände ist eine Fehlhaltung der Hände am Fahrradlenker und der gesamten Sitzposition. Eine der häufigsten Fehlhaltungen ist die zu starke Ulnardeviation (Bild 2) und/oder die zu starke Dorsalextension (Bild 4) der Hände am Lenker. Bilder 1 und 3 zeigen die normale Haltung.
Bild 2 zeigt das zu starke Abknicken im Handgelenk nach lateral (Ulnardeviation). Man muss hier darauf achten, dass das Handgelenk mit dem Arm eine Achse bildet (Bild 1). Bild 4 zeigt das zu starke Abknicken im Handgelenk nach oben (Dorsalextension). Bei Bild 3 ist dargestellt, dass auch hier das Handgelenk mit dem Arm eine Achse bilden soll.
Wenn die typischen Haltungsfehler korrigiert worden und das Einschlafen der Hände oder sogar die Schmerzen nicht verschwunden sind, können verschiedene Syndrome die Ursache sein. Die häufigsten Krankheitsbilder sind das Karpaltunnelsyndrom, das Ulnarisrinnensyndrom und das Loge-de-Guyon-Syndrom.
Karpaltunnelsyndrom
Beim Karpaltunnelsyndrom verengt sich der Nervenkanal durch eine dauerhafte Fehlstellung der Arm- und Handpartie und es kommt zu einem starken Druck auf die darin liegenden Nervenstränge (Nervus medianus). Das mit dem Syndrom verbundene Kribbeln, die Taubheit und die Schmerzen treten zunächst an Zeigefinger und Daumen auf, können sich im weiteren Verlauf aber von der gesamten Hand über den Unterarm bis hin zur Schulter ausbreiten. Ein Indiz für das Karpaltunnelsyndrom liefert hier auch das Einschlafen der Finger in der Nacht.
Ulnarisrinnensyndrom
Beim Ulnarisrinnensyndrom kann durch eine stete, fehlerhafte Armhaltung eine Schädigung des Ellennervs (Nervus ulnaris) verursacht werden. Der Ellennerv verläuft in einer Rinne des Ellenbogens, der sogenannten Ulnarisrinne. Die Nervenregion um den umgangssprachlich bezeichneten „Musikantenknochen“ ist besonders empfindlich, da die Ulnarisrinne nur von wenig Bindegewebe umgeben und geschützt ist. Wird der Ellenbogen also zu lange angewinkelt, führt die Haltung zu einer Engstelle der dort lokalisierten Nerventunnel und in Folge zu einem eingeklemmten Ulnarisnerv. Der Betroffene leidet an Taubheit sowie Schmerzen am Handrücken, Ringfinger und Kleinfinger. Besonders auffällig ist hier die Ausweitung des tauben Gefühls auf die Handballen des kleinen Fingers. Weil aufgrund ihrer dauerhaften Arm(-fehl)haltung am Fahrradlenker besonders Profi- und Hobbyradfahrer unter dem Syndrom leiden, wird die Erkrankung auch Radfahrerlähmung genannt.
Loge-de-Guyon-Syndrom
Beim Loge-de-Guyon-Syndrom besteht eine Schädigung des Nervus ulnaris an der Kleinfingerseite (ulnar) des Handgelenks. Sie geht mit Empfindungsstörungen und der Lähmung von Hand- und Fingermuskeln einher. Eine häufige Ursache ist die berufs- oder sportbedingt langandauernde oder wiederholte Kompressionen, wie nach langem Radfahren oder bei wiederholtem Hämmern mit dem Kleinfingerballen (Hypothenar). Seltenere Ursachen sind Durchblutungsstörungen, Stoffwechsel- und Hormonschwankungen, Erkrankungen des peripheren und zentralen Nervensystems und psychische und neurologische Erkrankungen.
Konservative Therapien
Wenn eine der oben genannten Diagnosen gestellt wurde und die Symptome durch Korrektur der Halteposition am Velolenker nicht verschwinden, sollten zunächst konservative Therapiemassnahmen angewendet werden. Hier kommen beispielsweise die Hand-/Ergotherapie oder eine auf Hände spezialisierte Physiotherapie in Frage. Spezielle Behandlungsmethoden sind spezifische Manualtechniken zur Detonisierung (Entspannung), Ultraschallbehandlung inklusive Medikament (zum Beispiel Voltarensonophorese), Wärmeapplikationen, Bürsttherapien zur Desensibilisierung (Beruhigung des vegetativen Nervensystems) oder Anpassung von Neoprenbandagen und Schienen.
Wenn dies alles nicht hilft, stehen auch verschiedene Operationsverfahren zur Entlastung der jeweiligen komprimierten Nervenstrukturen zur Verfügung. Glücklicherweise sind aber die meisten Fälle durch eine Korrektur der Sitz- oder Velolenkerposition lösbar oder allenfalls durch die obengenannten Therapiemassnahmen behandelbar. Operationen sind sehr selten notwendig.
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