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Die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie (LHON) ist eine Neuropathie, die mit zentraler und zentrozäkaler Visusreduktion einhergeht und auf Mutationen der mitochondrialen DNA zurückzuführen ist. Die entsprechenden Gendefekte zeigen eine unvollständige Penetranz. Eine kausale Therapie ist bis dato nicht verfügbar und während in frühen Stadien der Erkrankung Sehhilfen eingesetzt werden können, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, erblinden die meisten Patienten schließlich völlig. In Ausnahmefällen kommt es zur Spontanremission.
Erste Beschwerden treten in der Regel in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter auf, ohne dass bis zu diesem Zeitpunkt Auffälligkeiten in der Entwicklung der Betroffenen zu verzeichnen wären. Wegen der unvollständigen Penetranz der zugrunde liegenden Gendefekte liefert die familiäre Anamnese nicht immer Hinweise auf eine erbliche Erkrankung.
Patienten werden gewöhnlich aufgrund unilateraler Sehstörungen vorstellig. Ein gestörtes Farbsehen ist häufig das erste Anzeichen der Erkrankung. Es betrifft in erster Linie Rot- und Grüntöne, zunehmend aber auch Gelb- und Blautöne [1]. Diese Dyschromatopsie wird von Patienten als verminderte Wahrnehmung von Farbkontrasten beschrieben. Diese Beschwerden gehen einer Einschränkung des Sichtfeldes durch Skotoma voraus, die zentral und zentrozäkal auftreten und im Laufe der Zeit an Dichte und Größe zunehmen. Nach einigen Wochen oder wenigen Monaten treten ähnliche Beschwerden dann auch auf dem bisher unbeeinträchtigten Auge auf [2]. Etwa ein Viertel der Patienten berichtet allerdings über ein gleichzeitiges, bilaterales Einsetzen der zuvor beschriebenen Symptome. Das Sehvermögen der LHON-Patienten nimmt über mehrere Monate progressiv ab, um sich dann auf einem sehr geringem Level zu stabilisieren. Für einen Großteil der Betroffenen liegt die finale Sehschärfe unter 0,1 bzw. 20/200. Der Prozess ist nicht schmerzhaft.
Selten leiden LHON-Patienten unter kardiologischen Pathologien oder neurologischen Defiziten [3].
Eine gründliche Anamnese kann wertvolle Hinweise auf ein hereditäres Leiden geben, dass mütterlicherseits weitergegeben wird [4]. Dazu muss unter Umständen mehr als eine Generation aufgearbeitet werden, denn nur etwa die Hälfte der Männer und nur jede zehnte Frau, die die entsprechenden Defekte der mitochondrialen DNA trägt, erkrankt tatsächlich [5].
In der ophthalmologischen Untersuchung von LHON-Patienten fällt eine peripapilläre teleangiektatische Mikroangiopathie mit dilatierten, stark gewundenen Gefäßen auf [6], ohne dass in fluoreszenzangiographischen Untersuchungen ein Austreten von Farbstoffen zu beobachten wäre. Des Weiteren ist eine Schwellung der Nervenfaserschicht rund um den Sehnervenkopf erkennbar. Diese Befunde wurden bereits vor vielen Jahren als pathognomonisch für die LHON beschrieben [7]. Neueren Erkenntnissen zufolge können diese Befunde aber auch bei Personen erhoben werden, die LHON-assoziierte Gendefekte tragen, wobei diese Umstände nicht zwangsläufig einen bevorstehenden Ausbruch der Krankheit anzeigen [8] [9]. Auch kann es nach der Stabilisierung des Zustandes bei geringer Sehschärfe vorkommen, dass die genannten Anomalien schließlich nicht mehr festzustellen sind. Entsprechende Untersuchungen liegen vor, was die Schwellung der retinalen Nervenfaserschicht betrifft, die mittels optischer Kohärenztomographie beurteilt werden kann: Während in frühen Stadien der Erkrankung die oben erwähnte Schwellung vorliegt, nimmt die Dicke der Nervenfaserschicht sukzessive ab, während retinale Ganglienzellen untergehen und Nervenfasern atrophieren. In späten Stadien der LHON dominiert die Atrophie des Sehnerven das Bild.
Mittels molekularbiologischer Untersuchungen kann die Diagnose bestätigt und die kausale Mutation identifiziert werden. Dabei ist zu beachten, dass der Erkrankung verschiedene Mutationen zugrunde liegen können und auch bei gesunden Menschen eine bestimmte Variabilität besteht [10].