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Frühes Trauma wirkt sich auf den Stoffwechsel der Nachkommen aus
Schlimme Erlebnisse in der Kindheit können sich nicht nur auf die Psyche auswirken, sondern verändern offenbar auch die Blutzusammensetzung der Betroffenen. Und diese potenziell gesundheitsschädlichen Effekte scheinen sich auch auf deren Nachkommen zu übertragen. Eine Studie von Forschenden um die Neuroepigenetik-Professorin Isabelle Mansuy von der Universität Zürich hat erstmals gezeigt, dass frühe Traumata mit Stoffwechselkrankheiten bei den Nachkommen der Traumatisierten in Verbindung stehen. Die Epigenetik befasst sich damit, wie die Aktivität von Genen gesteuert wird, also ob ein Erbfaktor ruht oder arbeitet.
Die Forschenden verwendeten ein etabliertes Mausmodell für Kindheitstraumata. Demgemäss wird das Trauma von Mäuserichen an ihre männlichen Nachkommen weitergegeben. Um zu ermitteln, ob sich das frühe Trauma auf die Blutzusammensetzung auswirkt, führten die Forschenden eine umfassende Analyse durch und fanden zahlreiche signifikante Unterschiede zwischen dem Blut der traumatisierten Tiere und demjenigen der Mäuse in der Kontrollgruppe, die normal aufgewachsen waren. Besonders auffällig waren Veränderungen im Fettstoffwechsel – die traumatisierten Tiere wiesen etwa bestimmte mehrfach ungesättigte Fettsäuren in höherer Konzentration auf. Die gleichen Veränderungen beobachteten die Forschenden auch bei den Nachkommen der traumatisierten Mäuserichen. Als die Forschenden das Blut der betroffenen Tiere in nicht traumatisierte Mäusemännchen injizierten, entwickelten auch deren Nachkommen die Symptome eines Traumas – gemäss den Forschenden ein eindrücklicher Beweis dafür, dass das Blut Stressbotschaften an die Keimzellen, also an die Spermien und Eizellen, weiterleitet.
Die Forschenden untersuchten daraufhin, ob dieselben Effekte auch bei Menschen beobachtet werden können. Hierzu analysierten sie in einem pakistanischen SOS-Kinderdorf Blut und Speichel von 25 Kindern, deren Vater gestorben war und die getrennt von der Mutter aufwuchsen. Im Vergleich zu Kindern aus intakten Familien waren bei diesen Kindern ebenfalls mehrere Faktoren des Fettstoffwechsels erhöht. «Die traumatischen Erfahrungen dieser Kinder sind sehr gut vergleichbar mit unserem Mausmodell und ihr Metabolismus weist ähnliche Blutveränderungen auf», schreibt Isabelle Mansuy.
Weltweit leiden bis zu einem Viertel der Kinder unter Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung, die im späteren Leben zu Krankheiten führen können. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein Trauma im frühen Leben nicht nur die psychische, sondern auch die körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter generationenübergreifend beeinflusst, etwa den Fettstoffwechsel und den Zuckerhaushalt. Das Verständnis der biologischen Prozesse dahinter könnte dabei helfen, die späten Folgen von Traumata abzumildern.
Van Steenwyk, G., Gapp, K., Jawaid, A., Germain, P., Manuella, F., Tanwar, D., Zamboni, N., Gaur, N., Efimova, A., Thumfart, K., Miska, E. & Mansuy, I.(2020). Involvement of circulating factors in the transmission of paternal experiences through the germline. The EMBO Journal. doi: 10.15252/embj.2020104579
Kommentare
Superbe recherche et sujet----tel un gène de la poisse ! c'est terrifiant et terriblement interessant, mais que faire?? Là existe t'il une quelconque résilience??----j'aimerai le croire !
Merci pour cette recherche qui met l’accent sur les conséquences transgenerationnelles des traumas et leur retentissement psycho somatique .