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Geistlich unterernährt
«Sprache ist sehr wichtig, denn sie macht aus, wer wir sind, was uns als Naskapi einzigartig macht», sagt Amanda Swappie, Sprachexpertin und Übersetzerin. «Ohne unsere Sprache wären unsere Kultur und unsere Traditionen nicht die gleichen. Darum tue ich, was ich tue: die Sprache für die kommenden Generationen erhalten. Die Kinder müssen ihre Muttersprache sprechen, denn wenn wir die Sprache verlieren, verlieren wir uns selbst, unsere Identität, den Kern unseres Wesen.»
In ganz Kanada kämpfen die einheimischen Indianer darum, ihre Sprachen zu retten. In vielen Gemeinschaften sind es nur die Älteren, die ihre Muttersprache noch ziemlich fliessend sprechen.
Diese Situation hat mehrere Gründe. Während der meisten Zeit des 20. Jahrhunderts untergrub die Regierung den Gebrauch der indigenen Sprachen, indem sie 150 000 Kinder aus den Indianerfamilien herausnahm und sie in Internatsschulen unterbrachte, wo die Muttersprachen verboten wurden und leider auch Missbrauch weit verbreitet war. Darüber hinaus sprechen die Jugendlichen der heutigen Indianer immer weniger ihre Sprachen, da sie durch Fernsehen und Online-Geräte ständig mit Englisch und Französisch in Berührung kommen.
Jetzt hat die Regierung eine Kehrtwende vollzogen. Sie will dazu beitragen, die Indianersprachen wiederzubeleben, als Geste der Versöhnung und Entschuldigung, nachdem sie in den Internatstragödien eine üble Rolle gespielt hat. Die Indianer erkennen zunehmend, wie wichtig ihre Sprachen sind für die Entwicklung, das Wohlbefinden und die Versöhnung in der Sprachgemeinschaft.
Mehr als 1000 Naskapi leben heute in ihrer Gemeinde Kawawachikamach im Nordosten der Provinz Quebec, umgeben von Wäldern und Sümpfen. Bevor sie sich 1983 hier niederliessen, wanderte die Gruppe durch den Norden von Quebec und Labrador und folgte riesigen Karibuherden. Auch heute jagen und fischen viele Naskapis.
Seit Jahrzehnten arbeiten die Naskapi daran, ihre Sprache wiederzubeleben und zu fördern. Vor vierzig Jahren traten sie an SIL-Linguisten heran und baten sie, die Grundlagen der Grammatik und ein Wörterbuch für das Naskapi zu erarbeiten.
Heute laufen mehrere Aktivitäten im Naskapi-Projekt.
Das Wörterbuch ist zwar vergriffen, aber online verfügbar. Im Jahr 2018 begannen die Arbeiten an der umfangreichen Überarbeitung und Erweiterung. Etwa 1000 bisher nicht gesammelte Wörter wurden aus neu aufgenommenen Naskapi-Legenden und -Geschichten und aus der Bibelübersetzung hinzugefügt.
«Diese Geschichten bieten einen Bezug zur eigenen Vergangenheit. Vor der Linguistik begannen wir, sie zu sammeln. Viele Geschichten beinhalten auch historische Zeitzeugenberichte sowie Beschreibungen des Naskapi-Gebietes», erklärt der Linguist Bill Jancewicz.
«Wir lernen unsere Sprache Naskapi in der Schule, und wir verwenden sie auch aktiv im Alltag», betont Shannon Uniam, eine überzeugte Befürworterin der Revitalisierung von Naskapi, die seit sechs Jahren unterrichtet. «Ich bin eine Mutter und wir als Gemeinschaft müssen das Naskapi-Volk mit seiner Sprache und Kultur bewahren. Es ist meine Pflicht, dazu beizutragen. Die Naskapi sind meine Gemeinschaft, mein Leben, meine Sprache, meine Kultur», sagt Uniam. «Das sage ich meinen Kindern die ganze Zeit. Ob die Schüler die Mathe-Bingo auf Naskapi spielen oder ihr Silbenalphabet lernen, der muttersprachliche Unterricht im Klassenzimmer ist entscheidend für die Zukunft der Gruppe.»
Das Naskapi ist verwandt mit den Cree-Sprachen. Ihre Schrift wurde in den 1830er Jahren vom methodistischen Missionar James Evans entwickelt. Ihre Buchstaben stellen Silben dar, d.h. jedes Schriftzeichen steht für eine Silbe. Die Naskapi betrachten die Silbenschrift als Teil ihrer kulturellen Identität. Der Ausschnitt zeigt den Anfang des Matthäus-Evangeliums.
Weniger bekannte Sprachen wie das Naskapi erforschen und ihre Verwendung fördern steht im Mittelpunkt von SIL und von dem, was SIL in den letzten 85 Jahren getan hat.
Quellen
Text: SIL, Fotos: SIL und Alan Hood