Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03261.jsonl.gz/804

Seit Montag gehört die Position 1 der Weltrangliste erstmals seit 18 Jahren nicht mehr einem der «Big Four» (Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Murray). Stattdessen grüsst Daniil Medwedew vom Thron – ein Russe.
Noch sind Medwedew, Andrej Rublew (ATP 6) und Co. auf der Tour genehm. Die Frage ist aber, ob russische Tennisspielerinnen und -spieler noch lange mittun dürfen. So kündigte die ukrainische Topspielerin Jelina Switolina an, nicht gegen eine Russin oder eine Belarussin auf den Platz zu gehen.
Schon in der Nacht auf morgen Mittwoch (Schweizer Zeit) ist im mexikanischen Monterrey, wo Switolina als Nummer 1 gesetzt ist, so eine Begegnung vorgesehen. Die Auslosung bescherte der Ukrainerin ein Duell mit der Russin Anastassija Potapowa.
Switolina forderte den Internationalen Tennisverband (ITF) und die beiden Profitouren der Frauen (WTA) und Männer (ATP) dazu auf, den Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu folgen. Dieses empfahl am Montag «schweren Herzens» allen Verbänden, russische und belarussische Sportler und Offizielle nicht zu Wettkämpfen zuzulassen.
Sollte dies aus organisatorischen oder rechtlichen Gründen kurzfristig nicht möglich sein, solle sichergestellt werden, dass die Athleten nur als neutrale Sportler oder neutrale Mannschaften zugelassen werden. «Es dürfen keine nationalen Symbole, Farben, Flaggen oder Hymnen gezeigt werden», so das IOC. Die WTA und die ATP tun sich noch schwer damit, Entscheidungen zu treffen. Bei Übertragungen aus Monterrey wurde die Landesflagge ausgeblendet, das Kürzel «RUS» hingegen wurde gezeigt:
Ein Turnier der zweitklassigen Challenger-Serie in Moskau wurde von der ATP abgesagt.
Es dauerte ein wenig und benötigte den Widerstand zahlreicher nationaler Verbände, doch letztlich entschieden der Weltverband FIFA und der europäische Verband UEFA: Alle russischen Mannschaften werden bis auf Weiteres vom Spielbetrieb ausgeschlossen.
Das betrifft sowohl das Männer-Nationalteam, das in einem Monat die Playoffs für die WM 2022 in Katar bestritten hätte, als auch das Frauen-Nationalteam. Es wäre im Sommer der erste Gegner der Schweiz an der EM in England gewesen. Betroffen vom Ausschluss ist zudem Spartak Moskau, das nicht zum Europa-League-Achtelfinal gegen RB Leipzig antreten darf. Der Final der Champions League findet nicht wie vorgesehen in Wladimir Putins Heimstadt St.Petersburg statt, sondern in Paris.
Der FC Basel darf seinen Stürmer Fedor Chalov weiterhin einsetzen. Der Winter-Neuzugang ist der einzige Russe in der Super League, Ukrainer spielen nicht in der höchsten Schweizer Liga. Vom FIFA-Bann sind nur russische Teams betroffen, aber nicht russische Fussballer anderswo. Die bekanntesten sind Monaco-Offensivspieler Alexander Golowin und Alexej Mirantschuk von Atalanta Bergamo.
Die Nationalmannschaften von Russland und Kriegspartner Belarus sind bis auf Weiteres von allen Wettbewerben ausgeschlossen. Der Weltverband IIHF reagierte damit auf den unmissverständlichen Protest zahlreicher nationaler Verbände. Zudem wurde Russland die U20-WM, die Ende Jahr in Nowosibirsk anstand, entzogen.
Jokerit Helsinki und Dinamo Riga zogen sich aus der russischgeprägten Liga KHL zurück. Bereits haben Jokerit-Spieler, die sich eben noch für die Playoff-Serie gegen Spartak Moskau vorbereitet hatten, anderswo unterschrieben. So wechselte Verteidiger Tommi Kivistö zu den ZSC Lions.
Bereits vergangene Woche wurde der Grand Prix von Russland in Sotschi abgesagt. Das Rennen war im September terminiert. Die Formel-1-Bosse reagierten auf Aussagen von Fahrern. So betonte beispielsweise Weltmeister Max Verstappen: «Man sollte nicht in einem Land Rennen fahren, das sich gerade im Krieg befindet.»
Der Motorsport-Weltverband FIA entscheidet heute Dienstag, ob er russische Sportler ausschliessen soll. In der Formel 1 fährt mit Nikita Masepin ein Rennfahrer aus Russland. Dessen Zukunft in der Königsklasse ist beim Rennstall Haas ohnehin auf der Kippe: Der Hauptsponsor Uralkali gehört Masepins Vater, einem Freund Wladimir Putins. Sein Filius kam nur dank Sponsorengeld zu einem Cockpit. In diesen Tagen will das Haas-Team entscheiden, wie es weitergeht.
Der Weltverband FIS, der sämtliche Ski- und Snowboard-Weltcups durchführt, hat die russische Flagge und Hymne verboten. Das heisst: Sportler aus Russland und Belarus dürfen antreten, aber wie bei Olympia nur als neutrale Athleten. Alle in den Ländern geplanten Veranstaltungen wurden abgesagt.
Betroffen ist weniger Ski alpin, dafür insbesondere der Langlauf. Olympiasieger Alexander Bolschunow und seine Kolleginnen und Kollegen sind in Norwegen nicht willkommen. Dort finden die nächsten Weltcuprennen statt und die Russen kündigten an, daran teilnehmen zu wollen. Bei den Frauen führt die Russin Natalja Neprjajewa im Gesamtweltcup.
Update 14.00 Uhr: Die FIS hat beschlossen, Athleten aus Russland und Belarus bis Ende Saison auszuschliessen.
Der Weltverband IBU entschied gleich wie die FIS – und zog sich den Zorn der betroffenen Sportler zu. Die Biathleten aus Russland und Belarus kündigten an, unter diesen Umständen auf weitere Weltcup-Einsätze in diesem Winter zu verzichten. Als «rechtwidrig, unvernünftig und kategorisch inakzeptabel» bezeichnete der russische Verband die Entscheidung, Sportler bloss als neutrale Athleten antreten zu lassen. Zuvor hatte Estland, wo der Weltcup in Otepää gastiert, angekündigt, keine Russinnen und Belarussen ins Land einreisen zu lassen.
Die Haltung des IOC dürfte für viele Verbände massgeblich sein. So schloss etwa der europäische Handballverband EHF alle russischen und belarussischen Teams vom Spielbetrieb aus. Die Schweizer Frauen-Nati hätte in zwei Monaten in der EM-Qualifikation gegen Russland gespielt, nun ist offen, wie die Quali-Gruppe gewertet wird.
Der Schwimm-Weltverband FINA sagte bald anstehende Anlässe in Russland ab. Über die Durchführung der Kurzbahn-WM im Dezember in Kasan ist noch nicht entschieden worden.
Definitiv nicht in der Hauptstadt der Republik Tatarstan wird die Volleyball-WM stattfinden. Der Weltverband FIVB nahm Kasan das Turnier, das im August/September stattfinden sollte, weg.
Nachtrag 14.00 Uhr: Die International Skating Union (ISU) hat alle Athleten aus Russland und Belarus von ihren Wettkämpfen ausgeschlossen. Das betrifft auch die Eiskunstlauf-WM in Montpellier in drei Wochen. Im vergangenen Jahr holten russische Athleten sechs von zwölf möglichen WM-Medaillen, dabei Gold, Silber und Bronze bei den Frauen. Bei Olympia feierten die Russinnen einen Doppelsieg, der vom Dopingskandal der Viertplatzierten Kamila Valieva überschattet wurde.