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In der NHL werden jetzt die neuen Verträge angeboten und unterschrieben. Weil San Jose der Cap-Raum ausgeht, könnten andere Teams Timo Meier ein Angebot machen. Mit einer Vertrags-Variante die kaum mehr genutzt wird.
Die San Jose Sharks haben Erik Karlsson zum teuersten Verteidiger der NHL-Geschichte gemacht. 11,5 Millionen Dollar erhält der 29-jährige Schwede ab diesem Sommer. Das ist für ihn lukrativ, macht die Cap-Situation für die Sharks aber nicht unbedingt einfacher.
Mit dem neuen Vertrag von Karlsson hat San Jose für die nächste Saison noch 16,3 Millionen Dollar an Cap-Space zur Verfügung. Das ist unter der Annahme, dass der Salary Cap nächstes Jahr bei 83 Millionen Dollar liegen soll. Mittlerweile gibt es auch Anzeichen, dass er rund eine Million tiefer liegen könnte.
Die Sharks wollen mit dem restlichen verfügbaren Geld auch noch mit Captain Joe Pavelski, Joe Thornton, Kevin Labanc, Joakim Ryan und eben Timo Meier verlängern.
Der Schweizer hat noch keinen Vertrag für die nächste Saison und ist ein Restricted Free Agent (RFA). Das bedeutet, er darf eigentlich nur mit dem Team verhandeln, das seine Rechte hält. Das sind momentan die San Jose Sharks, die ihn 2015 an neunter Stelle gedraftet haben.
Nun gibt es aber für andere Teams eine Möglichkeit, sich Restricted Free Agents anderer Mannschaften zu schnappen, sie wird nur äusserst selten genutzt. Sie nennt sich «Offer Sheet».
Natürlich ist es aber nicht ganz so einfach. Der Spieler wechselt im Normalfall nicht ohne Gegenleistung. Je nachdem, wie teuer der neue Vertrag ist, gibt es eine entsprechende Kompensation. Die geht von einem Drittrunden-Pick für Verträge zwischen 1,39 und 2,11 Millionen bis zu vier (!) Erstrundenpicks für Verträge über 10,56 Millionen.
Und alle Draftpicks müssen die eigenen sein, und nicht von anderen Teams via Trade erworbene Rechte. Das heisst, wenn ein Team beispielsweise Mitch Marner, dessen neuer Vertrag ziemlich sicher über zehn Millionen sein dürfte, ein Offer Sheet anbietet, verliert es die Erstrundenpicks für 2020, 2021, 2022 und 2023.
Aber zurück zu Timo Meier: Warum sollte gerade jetzt die Gelegenheit so gut sein, um sich den Schweizer zu schnappen?
Einerseits hat der 98-Kilo-Brocken seine beste NHL-Saison hinter sich. In 98 Spielen erzielte der 22-jährige Herisauer 35 Tore und insgesamt 81 Punkte (inklusive Playoffs). Er ist ein moderner Powerflügel, der in den nächsten Jahren sogar noch besser werden kann. Andererseits ist es eben die schwierige Cap-Situation der Sharks, die dafür spricht.
General Manager Doug Wilson hat wohl vor, Meier einen Übergangs-Vertrag (engl. «bridge contract») von zwei Jahren zu einer Lohnsumme von drei bis vier Millionen jährlich anzubieten. Wenn nun ein anderes Team ein Offer Sheet von sechs bis acht Millionen anbietet, kann San Jose möglicherweise gar nicht mehr mitziehen. Zumindest nicht, ohne andere, teils wichtige Spieler ziehen lassen zu müssen.
Dass ein Spieler von Meiers Kaliber bereits in so jungen Jahren «auf dem Markt» ist, ist äusserst selten. Dennoch scheint es unwahrscheinlich, dass es ein Team tatsächlich versuchen wird. Offer Sheets sind nämlich äusserst selten.
Zum letzten Mal wurde 2013 ein Offer Sheet ausgesprochen. Damals versuchten die Calgary Flames Ryan O'Reilly von Colorado wegzulocken. Die Avalanche hat die Offerte allerdings ausgeglichen. Seit 2007 als Dustin Penner von Anaheim zu Edmonton wechselte, kam kein Offer Sheet mehr durch.
Vielmehr scheint sich ein ungeschriebenes Gesetz eingebürgert zu haben, dass man es nicht mehr mit Offer Sheets versucht. John Chayka, GM bei den Arizona Coyotes sagt zwar: «Es gibt immer mehr Geld für die jungen Spieler. Das wird irgendwann auch Offer Sheets nach sich ziehen.»
Dennoch scheinen die General Manager Angst zu haben, ihren Berufskollegen auf den Schlips zu treten. Sie wollen nicht, dass sie sich bei der nächsten eigenen Vertragsverhandlung vor «Revanche-Offer-Sheets» fürchten müssen.
Ob sie die Teams auch im Fall von Timo Meier daran halten, werden wir in den nächsten Wochen sehen.