Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03294.jsonl.gz/873

Ein Verlustschein bestätigt, dass ein Gläubiger im Rahmen eines Zwangsvollstreckungsverfahrens nach dem Schweizer SchKG ganz oder teilweise einen Verlust erlitten hat. Es existieren verschiedene Arten von Verlustscheinen, wie der Pfändungsverlustschein, der Konkursverlustschein und der Pfandausfallschein. Diese werden je nach der spezifischen Situation des Schuldners oder Gläubigers ausgestellt. (1) Entgegen der weitverbreiteten Annahme sind Verlustscheine nicht zwangsläufig wertlos. Eine professionelle Bewirtschaftung kann sie durchaus wertvoll machen. Leider wird die Bewirtschaftung von Verlustscheinen häufig aufgrund dieser landläufigen Meinung vernachlässigt, was oftmals zu erheblichen finanziellen Einbussen führt.
Angesichts des stetigen Anstiegs verschuldeter Personen und der zunehmenden Anonymität der Schuldner, die in der grossen Masse entsteht, wird ein effizientes Management von Verlustscheinen immer wichtiger. Eine effiziente Bewirtschaftung von Verlustscheinen kann dazu beitragen, die finanziellen Herausforderungen für die öffentlichen Haushalte zu mindern und die Verluste wesentlich zu reduzieren.
Eine Studie des Bundesamtes für Justiz aus dem Jahr 2021 zeigt, dass durchschnittlich rund 15-30% der Verlustscheinforderungen durch aktive Bewirtschaftung zurückgeführt werden können. Ohne oder nur mit unregelmässiger Bearbeitung der Verlustscheine ist laut Erfahrungen der IMEK mit einer Rückführungsquote von deutlich unter 10% zu rechnen. Die Erfolgsquote der IMEK über alle Mandate und mehrjährige Bewirtschaftung liegt bei rund 30%. Am Beispiel einer Vertragsgemeinde zeigt sich, dass durch passive Bewirtschaftung in den letzten 10 Jahren jährlich etwa 0-5% der Forderungen wieder eingetrieben wurden. Durch die Bewirtschaftung des Portfolios durch die IMEK konnten in weniger als 12 Monaten etwa 15% der Forderungen wieder eingetrieben werden. Bei einer durchschnittlichen mittelgrossen Gemeinde mit Verlustscheinforderungen zwischen 1-5 Millionen Franken entspricht dies einem Gegenwert von 150.000 - 750.000 CHF – ein Betrag von erheblicher Bedeutung für jede Gemeinde. (2)
Ein praktisches Beispiel für die Verlustscheinbewirtschaftung bietet der Kanton Zürich, der die Verwaltung von rund 3.700 Verlustscheinen ausgelagert hat, um sie effektiver und wirtschaftlicher zu bearbeiten. (3)
Es ist selten, dass sich eine verschuldete Person freiwillig meldet, um ihre Schulden zu begleichen. Oft hoffen diese Personen darauf, dass ihre Forderungen in Vergessenheit geraten und verjähren. Daher ist es umso wichtiger, die finanzielle Situation dieser Personen regelmässig zu überprüfen und den Schuldner kontinuierlich an die Schuld zu erinnern.
Die effiziente Bewirtschaftung von Verlustscheinen ist somit von kritischer Bedeutung für die finanzielle Stabilität der öffentlichen Verwaltungen. Durch die effektive Verwaltung dieser Forderungen können nicht nur Einnahmen erhöht, sondern auch künftige Ausfälle durch ein straffes, aber stets faires Inkasso reduziert werden.
Abonnieren Sie unseren Newsletter für mehr Blog-Beiträge wie "Effektiven Bewirtschaftung von Verlustscheinen".