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(hierzu Karte »Verbreitung der
[* 3] wichtigsten Pflanzengruppen
[* 4] der Erde«, mit Text), dasjenige Gebiet
der Botanik, welches die Verteilung des Pflanzenreichs auf der Erde sowie die daraus für die verschiedenen Gegenden sich ergebenden
Vegetationsverhältnisse und die Erforschung der diesen Erscheinungen zu Grunde liegenden Ursachen zum Gegenstand hat. Die verschiedenen
Pflanzenarten sind auf der Oberfläche der Erde nicht gleichmäßig verteilt. In erster Linie wird dies
durch die klimatischen Verhältnisse und zwar hauptsächlich durch die Verteilung der Wärme
[* 5] auf der Erde bedingt; denn die
unter den gleichen Breitengraden liegenden Gegenden zeigen eine gewisse Gleichheit in ihrem Vegetationscharakter, während
in verschiedenen entlegenen Breitengraden die Pflanzendecke der Erde bedeutende Verschiedenheiten darbietet.
Diese Erscheinung führt zur Annahme der pflanzengeographischen Zonen auf der nördlichen und südlichen Halbkugel, welche nach
ihren gleichen Temperaturverhältnissen u. den Hauptcharakteren ihrer Vegetation festgestellt worden sind. Die letztere stimmt
zwar in ihren Einzelheiten nicht im ganzen Umfang jedes um die Erde laufenden Gürtels überein; aber in
ihren Hauptzügen zeigt sie ein einheitliches Gepräge, welches in dem Gesamtbild, das die Pflanzenwelt der einzelnen Erdgegenden
gewährt, und in dem Vorherrschen bestimmter Pflanzenformen sich ausspricht, daher man diese Zonen auch durch gewisse Pflanzenformen
botanisch charakterisiert. Wir unterscheiden folgende acht Zonen:
6) Die subarktische Zone oder Zone der Nadelhölzer,
[* 8] vom 58. bis 66.° nördl. und südl. Br., hat vorherrschend Koniferenwälder,
die nur von einigen Laubbäumen, besonders von Weiden und Birken, begleitet werden.
Die durch die vertikale Verteilung der Wärme bedingten Veränderungen der Vegetationsverhältnisse nach der Höhe über dem
Meer nötigen zur Annahme bestimmter Regionen der vertikalen Pflanzenverteilung. Wie wir in Gebirgsgegenden,
von der Ebene in vertikaler Richtung aufsteigend, im allgemeinen dieselbe Abstufung der Temperatur wiederfinden, wie sie beim
Vorschreiten gegen die Pole zu stattfindet, so besteht auch ein Parallelismus der pflanzengeographischen Zonen mit den vertikalen
Regionen der Pflanzenverteilung, so daß die unter dem Äquator bis zur Schneegrenze reichenden Gebirge die
Analoga der Vegetationscharaktere wie der Klimate der ganzen Erde darbieten, die von dem Äquator entfernten Gebirge aber in
ihren verschiedenen Regionen immer nur die von ihnen aus gegen die Pole zu liegenden Zonen repräsentieren, bis endlich in den
arktischen und Polarzonen die Schneeregion immer näher an das Meer herunterrückt und damit die ganze
Vegetation den Charakter der Hochgebirge annimmt. Wir unterscheiden in den SchweizerAlpen
[* 10] folgende fünf Pflanzenregionen:
1) Die Kulturregion, von der Ebene am Fuß der Nordabhänge bis 550 m, auf der Südseite bis 700 m, wird charakterisiert durch
die vorherrschende Kultur von Obst und Wein, welche die Wälder zumeist verdrängt hat, sowie durch Einmischung
von südlichen Florenbestandteilen.
2) Die Waldregion, bis zu 1350 m auf der Nordseite, bis 900 m in der Südschweiz, stimmt mit der vorigen im allgemeinen
überein, unterscheidet sich aber durch das Fehlen des Weins von jener und wird durch die hauptsächlich aus
Buchen, auf der Südseite aus Kastanien bestehenden Laubwälder charakterisiert. An der obern Grenze verschwindet der Obstbau
ganz.
5) Die Region der Alpenkräuter oder obere alpine Region, von 2300 m bis zum Kamm und den Gipfeln des Gebirges, ist die Heimat
der eigentlichen Alpenpflanzen (s. d.). Ihnen schließen sich noch als letzte Vertreter der Holzpflanzen
nur wenige Zoll hohe Weiden an. Da die Gletscher stellenweise weit herabreichen, so sind sie oft unmittelbar von der üppigsten
Vegetation umgeben. Selbst die eigentliche Schneelinie, welche in den nördlichen Alpen bei 2700, in den südlichen Zentralalpen
bei 3000 m anzunehmen ist, stellt noch nicht die oberste Grenze der Vegetation dar.
In denAlpen kommen Silene
[* 16] acaulis, Ranunculus glacialis u. a. noch über 3000 m vor, und besonders sind es Moose
[* 17] und steinbewohnende
Flechten, welche nebst der Alge des roten Schnees hier die letzten Spuren vegetabilischen Lebens darstellen. Die Übereinstimmung
der obern Pflanzenregionen mit den entsprechenden Zonen der nordischen Flora geht noch über den allgemeinen
landschaftlichen Vegetationscharakter hinaus und zeigt sich sogar in dem Auftreten einzelner identischer Arten.
Wenn man ohne Rücksicht auf die die Physiognomie der Erdoberfläche bedingenden Gesamtcharaktere der
Vegetation alle diejenigen Länder und Gebirgsregionen zusammenfaßt, über welche eine bestimmte Pflanzenart verbreitet ist,
so erhält man ihren Verbreitungsbezirk oder ihr Areal, das durch bestimmt gerichtete Linien, die Vegetationslinien, umschlossen
wird. Verhältnismäßig wenige Pflanzen, welche man kosmopolitische nennt, sind über die ganze Erde zerstreut;
zu diesen gehören hauptsächlich Kryptogamen, einige Wasser- und Schuttpflanzen.
Die meisten Pflanzen haben verhältnismäßig beschränkte Verbreitungsbezirke; manche bewohnen nur ein eng begrenztes Gebiet,
z. B. eine Insel oder ein einzelnes Gebirge; man bezeichnet ein solches Vorkommen als Endemismus. So wächst z. B. Wulfenia
carinthiaca nur auf der Kuhwegeralp in Kärnten. Die Verbreitung der meisten Pflanzenarten ist wiederum
durch die klimatischen Verhältnisse bedingt, indem sie im allgemeinen in der Richtung der Parallelkreise viel beträchtlicher
als in derjenigen der Längengrade ausgedehnt ist und in manchen Fällen sogar einen den Isothermen folgenden Gürtel rings
um die Erde bildet.
Dies wird jedoch gegen den Äquator hin wegen der großen räumlichen Ausdehnung,
[* 19] die hier die Zonen annehmen,
immer unvollständiger und seltener.
Mit der Abhängigkeit der Vegetation von den Temperaturverhältnissen hängt auch die
Unterbrechung der Verbreitungsbezirke mancher Pflanzen zusammen. So treten viele der Hochgebirgspflanzen erst wieder in einer
oft weit entfernten horizontalen Zone auf. Der Fall, daß dieselben Arten in den entsprechenden Klimaten
der nördlichen und südlichen Hemisphäre auftreten, ist verhältnismäßig selten.
Doch kommen nach R. Brown im südlichen Australien
[* 20] ungefähr 40 unsrer europäischen Spezies wiederum vor. Um die Verbreitung
der einzelnen Pflanzenarten auf der Erde zu erklären, hat die Pflanzengeographie die Hypothese aufgestellt, daß, ähnlich
wie dies für das Menschengeschlecht angenommen wird, auch jede Pflanzenart nur in einem oder wenigen Individuen an irgend
einem Zentralpunkt ihres Verbreitungsbezirks entstanden sei und sich erst mit ihrer Vervielfältigung über ihr gegenwärtiges
Areal allmählich ausgedehnt habe.
Sie greift dabei auf die geologischen und klimatischen Verhältnisse der der Jetztzeit vorhergegangenen
Erdperioden zurück und leitet so z. B. die Übereinstimmung der nordischen Flora mit der der höhern Gebirgsregionen Mitteleuropas
aus der Eiszeit
[* 21] ab, wo die Gletscher weit nach Süden reichten und ganz Mitteleuropa eine arktische Flora besaß, welche sich
später in die kältern Gegenden und Regionen zurückziehen mußte. Auch der geologisch nachweisbare oder
wahrscheinliche frühere Zusammenhang jetzt durch Meere getrennter Kontinente die in gewissen Pflanzenarten übereinstimmen,
wird zur Erklärung herangezogen.
Aber es müssen auch wirkliche Pflanzenwanderungen angenommen werden. Die wichtigsten Verbreitungsmittel der Pflanzen sind:
4) Die Einwirkung des Menschen, durch welchen mit oder ohne Absicht bedeutende Veränderungen in den Verbreitungsbezirken
der Pflanzen herbeigeführt worden sind. Vor allem gilt dies von den Kulturpflanzen, aber auch von Unkräutern und andern Pflanzen,
welche unter den verschiedensten Verhältnissen Verbreitung fanden. - Auch die Gattungen und selbst viele Pflanzenfamilien
zeigen bestimmte Verbreitungsbezirke, die natürlich meist weiter als die ihrer Arten sind. Dabei kommt
vielfach das Verhältnis vor, daß eine Gattung in verschiedenen Ländern oder Erdteilen durch verschiedene Arten vertreten ist.
Für manche
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Ein besonderer Zweig der Pflanzengeographie, welcher Pflanzenstatistik heißt, hat es mit den numerischen Verhältnissen des
Vorkommens der Arten, Gattungen und Familien der Pflanzen zu thun. Die Zahl der bis jetzt bekannten Pflanzenarten
beträgt wenigstens 100,000, wovon auf die Phanerogamen ungefähr 80,000, auf die Kryptogamen über 20,000 kommen. Da aber noch
viele Erdstriche botanisch wenig oder selbst gar nicht durchforscht sind und auch in den bekanntern Ländern besonders von
Kryptogamen noch fortwährend neue Arten aufgefunden werden, so darf man die Zahl der wirklich auf der
Erde existierenden Pflanzenarten auf 200-300,000 schätzen.