Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03417.jsonl.gz/2807

Der zweite Weltkrieg hat auch in Brasilien seine Spuren hinerlassen. Dort kämpfen die “soldados da borracha”, die Gummi-Soldaten nach wie vor um die Anerkennung ihres Einsatzes und um Ausgleichszahlungen. Allerdings lässt sich der brasilianische Staat Zeit damit, die Männer, die zur Gewinnung des Latex rekrutiert wurden, auszuzahlen. Das Latex war in Kriegszeiten indes ein wichtiger Rohstoff.
Um die weltweite Kriegsindustrie mit dem wertvollen Gummi zu versorgen, wurden in Brasilien 1943 über 55.000 junge Männer zum Militär gerufen. Mehr oder weniger freiwillig meldeten sich vor allem Männer aus dem trockenen Nordosten Brasiliens. Sie sollten im Amazonas-Regenwald Latex gewinnen. Da der damals größte Gummiproduzent zum feindlichen Japan gehörte, hatten die USA beschlossen, die Produktion in Brasilien zu verstärken. Nach einem Pakt zwischen den beiden amerikanischen Ländern sollten im Amazonas-Gebiet jährlich 45.000 Tonnen Latex gezapft werden.
Die Männer sollten ihrem Vaterland dienen, wie es in der Kriegspropaganda hieß. Allerdings erwarteten sie Sklaven ähnliche Bedingungen und ein für sie völlig unbekannter, dichter Regenwald. Es wird geschätzt, dass mindestens 30.000 der „Gummi-Soldaten“ bis zum Ende des zweiten Weltkrieges an tropischen Krankheiten, wie dem Gelbfieber oder Malaria, Schlangenbissen und Jaguar-Attacken gestorben sind.
Anders als ihre Landsmänner, die mit Waffen in Europa in den Krieg gezogen sind, wurden sie im Dschungel des Amazonas einfach vergessen. Die meisten der Überlebenden sind nie mehr in ihre Heimat, den trockenen Nordosten Brasiliens zurück gekehrt. Erst 1988 wurden ihnen als Rente zwei Mindestlöhne zuerkannt, während die anderen Ex-Soldaten neben medizinischer Versorgung und anderen Vergünstigungen sieben Mindestlöhne erhalten.
Heute sind nur noch 5.500 der „soldados da borracha“ am Leben. Die hochbetagten Ex-Soldaten träumen davon, dass auch ihr Einsatz endlich anerkannt wird. Der brasilianische Kongress hat ihnen unlängst eine Entschädigung von umgerechnet etwa 7.500 Euro zugesprochen, doch ist offen, wann diese ausgezahlt werden. Die Vereinigung der „Soldados da Borracha“ kämpft hingegen für eine Entschädigung in Höhe von 114.000 Euro und hat den brasilianischen Staat wegen Verletzung der Menschenrechte verklagt. Darüber hinaus fordert sie rückwirkend eine Anerkennung und Auszahlung der den „Soldaten“ zustehenden arbeitsrechtlichen Leistungen.