Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03160.jsonl.gz/1917

Die Schweiz und die Ukraine haben kurz nach der Unabhängigkeit der Ukraine im Dezember 1991 diplomatische Beziehungen aufgenommen und Botschaften im jeweils anderen Land eröffnet. Die Beziehungen sind gut, sind jedoch in vielen Bereichen noch ausbaufähig.
Bilaterale Beziehungen
Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen
Die Ukrainepolitik der Schweiz hat zwei Schwerpunkte: Unterstützung des Reformprozesses sowie Engagement im Bereich der Friedenspolitik.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Im Vergleich mit westeuropäischen Ländern weist der bilaterale Handel der Schweiz mit der Ukraine noch Entwicklungspotential auf.
Die Handelsbilanz ist traditionell positiv für die Schweiz. Die Eidgenossenschaft exportiert vorwiegend pharmazeutische Produkte, Maschinen, Produkte der Uhrenindustrie, Edelsteine, -metalle und Bijouterie und landwirtschaftliche Produkte in die Ukraine. Die Importe aus der Ukraine bestehen hauptsächlich aus Edelsteinen/ Edelmetallen, Textilien/Bekleidung, Maschinen, landwirtschaftlichen Produkten und unedlen Metallen.
Daneben sind in der Schweiz verschiedene Vertretungen (Hauptsitz, Handelsvertretung) ukrainischer Unternehmen domiziliert. Die Schweiz gehört zu den zehn grössten Investoren in der Ukraine. Zwei bis drei Schweizer Unternehmen sind traditionell unter den zehn grössten Steuerzahlern in der Ukraine.
Für die Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine von Bedeutung ist das EFTA-Freihandelsabkommen, das seit Juni 2012 in Kraft ist.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Die Forschungsrahmenprogramme der EU sind das zentrale Kooperationsinstrument zwischen der Schweiz und der Ukraine. Zum Stand des aktuellen Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020:
Das Programm SCOPES (Scientific co-operation between Eastern Europe and Switzerland), das gemeinsam vom SNF und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert wird, fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Forschungsgruppen und Institutionen in der Schweiz und in Osteuropa (inkl. Ukraine). Dabei werden folgende Partnerschaften gefördert: Institutional Partnerships, Joint Research Projects, Preparatory Grants, Conference Grants, Valorisation Grants. Die laufende SCOPES-Phase (2013-2016) ist vertraglich garantiert. Ein Nachfolgeprogramm ist in Vorbereitung, die Rahmenbedingungen sind aber noch offen.
Forschende und Kulturschaffende aus der Ukraine können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.
Friedensförderung und Menschliche Sicherheit
Die Schweiz setzt sich dafür ein, dass sich die politische Situation in der Ukraine stabilisiert und eine friedliche Konfliktlösung erreicht werden kann. Dies geschieht via Unterstützung für die politischen Vermittlungsanstrengungen, in erster Linie via Minsk-Prozess. Die Schweiz unterstützt die Umsetzung der unter ihrem OSZE-Vorsitz 2014 ausgearbeiteten Minsker Vereinbarungen und arbeitet eng mit dem deutschen OSZE-Vorsitz 2016 und dem Vorsitz Österreichs 2017 zusammen.
Schweizer Experten in den Bereichen Mediation, Waffenstillstand, Amnestiefragen und Humanitäres helfen mit, politische Lösungen für den Ukrainekonflikt auszuarbeiten und umzusetzen.
Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Durch die Kooperationsstrategie 2015-2018 wird das Schweizer Engagement in der Ukraine weiter verstärkt. Die Schweiz engagiert sich dafür, dass u.a. die Dezentralisierung und nachhaltiges Wirtschaftswachstum gefördert werden. Die Schweizer Unterstützung konzentriert sich namentlich auf die folgenden vier Kernbereiche:
- Gouvernanz und Friedensförderung
- Gesundheit
- Energieeffizienz und nachhaltige Stadtentwicklung
- Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung
Die Schweizer Kooperationsstrategie 2015-2018 für die Ukraine beinhaltet Aufwendungen von ca. CHF 100 Mio, welche in Zusammenarbeit durch AMS, DEZA und SECO in Programmen umgesetzt werden. Seit dem Jahr 2015 ist auch die Humanitäre Hilfe der Schweiz vornehmlich durch Direktaktionen in der Ukraine aktiv. Sie orientiert ihre Aktionen an den unmittelbaren Bedürfnissen in der Ostukraine, beidseits der Kontaktlinie.
Kulturaustausch
Der Kulturaustausch in den Bereichen Musik, Film, Theater und Literatur hat sich vertieft. Die Schweizerische Botschaft in Kiew unterstützt verschiedene Projekte. Ein besonderes Profil hat das Erscheinungsbild der Schweiz im Rahmen der Frankophonie und der «Settimana italiana», aber auch an zahlreichen nationalen Festivals.
Schweizerinnen und Schweizer in der Ukraine
2015 waren 215 Schweizerinnen und Schweizer bei der Schweizerischen Botschaft in Kiew angemeldet.
Geschichte der bilateralen Beziehungen
Die Kontakte zwischen der Schweiz und der Ukraine reichen bis in die Zarenzeit zurück. Damals war das Gebiet der heutigen Ukraine ein Auswanderungsziel für Schweizer. So entstand vor rund 200 Jahren die Kolonie «Zürichtal» auf der Halbinsel Krim. Wenig später gründeten Westschweizer Weinbauern in der Gegend von Odessa die Kolonie Neu-Lancy, die bis heute existiert. Im späteren 19. Jh. zählten Bündner Zuckerbäcker zu den Besitzern namhafter Konditoreien und Cafés in Kiew, Odessa und Charkow.
Die Anerkennung der Unabhängigkeit der Ukraine durch die Schweiz erfolgte am 23.12.1991. Bern und Kyiv haben beinahe unmittelbar nach der Unabhängigkeit der Ukraine im Dezember 1991 Botschaften im jeweils anderen Land eröffnet. 1993 wurden der Schweizer Botschafter in Kiew und der ukrainische Botschafter in Bern akkreditiert. 1996 trat ein bilaterales Abkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit in Kraft. Seit 1992 und unterzeichneten die Schweiz und die Ukraine zahlreiche Abkommen in verschiedenen Bereichen der Zusammenarbeit.