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Der frühere Schweizer Topläufer Stéphane Lambiel bestritt an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver im Alter von 24 Jahren seinen letzten Wettkampf. Sein Debüt an einem Grossanlass hatte er an der EM 2001 gegeben - eine mehr oder weniger normale Karriere im Eiskunstlauf.
Lukas Britschgi dagegen nimmt kurz vor seinem 24. Geburtstag am 17. Februar erstmals bei Olympia teil. Im Dezember 2018 gewann er den ersten seiner drei Schweizer Meistertitel, danach nahm er im Januar erstmals an einer EM teil.
«Ich legte den Fokus auf den Sport im Vergleich zu anderen relativ spät», begründet Britschgi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA den späten Einstand an einem Grossanlass. «Ich trainierte schon vorher intensiv, Ambitionen hatte ich aber sicher nicht, bevor ich zwölf war.»
Zudem benötigte er lange, bis er den Doppel-Axel beherrschte. Das war erst mit 14, in einem Alter, in denen andere schon Dreifach springen. Ob dabei eine Rolle spielte, dass er sich körperlich ebenfalls später als andere entwickelte, «weiss ich nicht».
Wie auch immer, auf jeden Fall stand er nach dem Durchbruch mit dem Doppel-Axel rasch alle Dreifach-Sprünge. Mittlerweile dreht er den Toeloop vierfach und kombiniert diesen mit dem Dreifach-Toeloop.
Zu eintönig
Britschgi trainierte lange in Frauenfeld unter dem Russen Alexej Pospelow. Mit der Zeit wurde es ihm dort zu eintönig, weshalb er sich nach Alternativen umschaute. Er ging immer regelmässiger nach Oberstdorf, wo er nun seit «etwa zwei Jahren» wohnt.
Sein Trainer im bayerischen Oberallgäu ist Michael Huth, der grosse Erfolge mit Carolina Kostner (Weltmeisterin 2012 und fünffache Europameisterin) gefeiert hat und auch Tomas Verner zum EM-Titel (2008) führte.
Dementsprechend viel Erfahrung bringt Huth mit. «Das ist enorm wichtig, er weiss, wie man gewisse Situationen handhabt», sagt Britschgi. «Es geht bei mir nicht mehr gross um die Technik, sondern um eine gute Saisonplanung und dann vor allem um weiche Faktoren. Diese machen den grossen Unterschied aus.»
So arbeitet Britschgi punktuell auch mit einem Mentaltrainer zusammen und visualisiert er viel. Die mentale Stärke ist für ihn das mit Abstand wichtigste Puzzleteil der Leistung. Denn praktisch alle würden ähnliche Programme laufen.
Persönliche Bestleistungen als Ziel
An der letztjährigen WM in Stockholm erreichte er Rang 15, eine Platzierung, mit der er «nie gerechnet» hatte. Damit löste er das Ticket für Peking. An der EM im Januar in Tallinn wurde er Elfter, obwohl er mit seinen Auftritten nicht zufrieden war. Das unterstreicht die enormen Fortschritte, die er gemacht hat.
Für die Winterspiele setzt er sich keine Klassierung zum Ziel, vielmehr möchte er in beiden Programmen, sofern er sich für die Kür der besten 24 qualifiziert, eine persönliche Bestleistung laufen, «was sicher machbar ist.» Schliesslich ist der Gesamtwert für die einzelnen technischen Elemente höher als in der vergangenen Saison.
Gänsehaut bei der Eröffnung
Die speziellen Umstände in Chinas Hauptstadt beeinträchtigen ihn nicht gross, er fühlt sich wohl. Die Trainings liefen sehr gut und bei der Eröffnungsfeier erlebte er beim Einlaufen einen «überwältigenden Gänsehaut-Moment. Es war eine Riesen-Erfahrung, die ich nie mehr vergessen werde.» Die Vorzeichen für das Kurzprogramm sind also vielversprechend.