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Hinweis auf eine Publikation von Wilfried Haeberli (Geografisches Institut Uni ZH) und Rolf Weingartner (Geografisches Institut Uni Bern)
Gebirge werden oft als natürliche "Wassertürme" (water towers) bezeichnet, weil sie die schnell wachsende Bevölkerung in den vorgelagerten Tiefländern mit essentiellem Süsswasser versorgen. Die Hochgebirge mit Gletschern und ausgedehnten Permafrostzonen bilden die Kernregionen dieser Wassertürme. Das Abschmelzen ihrer Eismassen als Folge des globalen Temperaturanstiegs verändert nicht nur diese Funktion, sondern hat auch auf den verschiedenen räumlichen Skalen weitere oftmals negative Auswirkungen: Auf der lokalen Skale werden mit dem weiteren Zurückschmelzen der Gletscher glazial erodierte topographische Hohlformen oder „Übertiefungen“ freigelegt, welche sich mit Wasser füllen und unter anderem auch für die Wasserkraftnutzung eignen. Das schafft nicht nur neue Nutzungsmöglichkeiten, sondern weckt auch Begehrlichkeiten. Gleichzeitig nimmt die Gefährdung durch Bergstürze, Rutschungen und Murgänge durch instabil werdende Hänge im auftauenden Permafrost zu. Solche Ereignisse können in Seen Flutwellen auslösen. Vor dem Hintergrund der Klimaänderung wird sich das Abflussverhalten glazial geprägter Flüsse stark verändern. Auf der regionalen bis kontinentalen Skale herausfordernd ist die teilweise dramatische Abnahme der sommerlichen Abflüsse und deren zunehmende Variabilität von Jahr zu Jahr – mit weitreichenden Konsequenzen für die Wasserversorgung der Tiefländer. Auf globaler Ebene tragen die abschmelzenden Gletscher entscheidend zum Meeresspiegelanstieg bei, beispielsweise bereits mit 26 mm in der Periode 1961 -2015.
Die Veränderungen der glazial geprägten Hochgebirge führen zu langfristigen Auswirkungen über Jahrzehnte, Jahrhunderte und sogar Jahrtausende hinweg. Schwerwiegende Folgen sind bereits jetzt unvermeidlich und für kommende Generationen unumkehrbar. Mitigation und eine nachhaltige Anpassung sind dringend notwendig. Entsprechende Planung sollte besser jetzt als später beginnen. Die Anpassung muss auf einer umfassenden Systemanalyse einschliesslich sozio-ökonomischer Aspekte beruhen. Dies führt zu einem kritischen Punkt, nämlich der Frage, wie man diese dringend notwendigen Schritte in die Tat umsetzen kann, oder anders ausgedrückt, welches sind die Gründe, dass auf allen räumlichen Skalen wenig bis nichts geschieht? Die Wissenschaft ist nach wie vor zu stark fragmentiert: Die Klimaforschung konzentriert sich vor allem auf klimatische und natürliche Prozesse, soziale und wirtschaftliche Fragen müssen aber noch verstärkt mit einbezogen werden. Auf der politisch-administrativen Seite braucht es Leitbilder, aus denen sich operative Ziele und Regulierungsinstrumente ableiten lassen. Aus realpolitischer Perspektive mögen solche Forderungen utopisch erscheinen. Aber ohne eine übergeordnete Gesamtstrategie kann den kommenden grossen Herausforderungen niemals ausreichend Rechnung getragen werden; dies gilt in besonderem Masse auch für die Hochgebirge und ihr Umland.