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Das Holzscheit mit der Leine
Obwohl der Luftdruck heute in der Schweiz etwas tiefer lag als am Vortag, wirkte das Hoch doch wieder etwas stärker. Die üblichen Verhältnisse bei Hochdruckwetter im Winter haben sich quasi wieder eingenistet. Im Mittelland wehte zudem die Bise mit Böenspitzen von 10 bis maximal 24 Knoten. Knoten? Ja genau, Knoten. Diese stehen übrigens im Zusammenhang mit einem Holzscheit und einer Leine. Hä?! Verstehen Sie auch nur noch Bahnhof?
Hochnebel
Nach Abzug der Störung vom Vortag hat das Hochdruckgebiet mit Kern bei den Benelux-Ländern das Wetterzepter wieder ganzheitlich übernommen. Die Luft trocknete auch in den östlichen Landesteilen ab, sodass es in der Nacht auf heute zunächst mehrheitlich klar war. Aufkommende Bise schob in der zweiten Nachthälfte den Hochnebel aus dem süddeutschen Raum übers Flachland, teilweise auch an die Voralpen. Allerdings geschah dies erst spät in der Nacht, sodass die Temperatur teils deutlich tiefer sank als vorhergesagt.
Der Tag begann also vor allem über dem Flachland mit Hochnebel. Seine Obergrenze lag zu Beginn zwischen etwa 900 und 1200 m ü.M., und stieg dann am Vormittag insbesondere über der Ostschweiz zeitweise auf 1300 bis knapp 1400 m ü.M. Das lag zum einen daran, dass die Bise leicht zulegte, zum anderen waren aber auch Wellenbewegungen an der Oberkante des Hochnebels für den zeitweiligen Anstieg verantwortlich.
Da die Bise in den Höhenlagen der Hochnebelschicht aus Osten, am Morgen teilweise sogar aus Südosten wehte, lockerte der ohnehin recht dünne Stratus am Vormittag vor allem an den östlichen und zentralen Voralpen sowie im östlichen Mittelland auf oder wandelte sich in Stratocumuli um.
Mancherorts in den genannten Gebieten breitete er sich in der Folge allerdings vorübergehend wieder etwas aus, weil es an der Inversion aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung und Durchmischung zu einigen Ausbreitungen kam. Ausserhalb der Hochnebelgebiete war es ganztags wolkenlos. Lediglich am Morgen zogen zwischen dem Tessin und dem Oberengadin einige hohe Wolkenfelder durch.
Kanalisierung der Bise
Im Mittelland erreichte die Bise Böenspitzen zwischen 10 und 15, lokal 20 Knoten, am westlichen Genfersee zwischen 17 und 24 Knoten. Für die Bisenverstärkung in Richtung Genferseeregion ist jeweils der Kanalisationseffekt verantwortlich. Er entsteht, weil der Abstand zwischen dem Jurabogen und den Voralpen von Nordost nach Südwest immer geringer wird und die Luftströmung dadurch kanalisiert wird. Zugegeben, heute war dieser Effekt nur schwach ausgeprägt.
Denselben Effekt haben Sie sicher auch schon beobachtet, beispielsweise in einem Bach: das Wasser strömt jeweils schneller durch eine engere Stelle des Bachbetts hindurch, als dies vor oder nach der Engstelle der Fall ist.
Knoten
Knoten? Was ist das eigentlich für eine Geschwindigkeitsangabe? Nun, in der Meteorologie wird die Windgeschwindigkeit normalerweise in ebendiesen Knoten angegeben. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Seefahrt, der die Geschwindigkeit eines Schiffes angibt. Ein Knoten entspricht einer Seemeile pro Stunde. Das kommt also ungefähr 1.8 km/h gleich (eine Seemeile beträgt ca. 1.8 km).
Der Ursprung dieser Geschwindigkeitsangabe geht ungefähr bis ins 17. Jahrhundert zurück. GPS und dergleichen gab es damals natürlich noch nicht. Wie also konnte man damals die Geschwindigkeit eines Schiffes angeben?
Dazu warfen die Seeleute ein Holzscheit ins Wasser, an dem eine Leine befestigt war. Die Leine war alle 7 Meter mit einem Knoten versehen. Nun zählte man die Anzahl an Knoten, die durch die Hand glitten, während eine Sanduhr ablief. Üblicherweise dauerte die Sanduhr 14 Sekunden. Zählte man zum Beispiel drei Knoten während diesen 14 Sekunden, so fuhr das Schiff mit drei Knoten. Die Seefahrer wiederholten die Messung in regelmässigen Abständen, um eine halbwegs brauchbare Durchschnittsgeschwindigkeit zu ermitteln.
So, hoffentlich ist nun der Knoten mit dem Gesagten zu den Knoten gelöst 😉. Um übrigens Knoten annäherungsweise in die allgemein gebräuchlichere Einheit km/h umzurechnen, kann man die Anzahl Knoten verdoppeln und anschliessend von diesem Wert 10 % abziehen.