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Ruine Schiedberg
Der Name „Schiedberg“ erscheint erst um 1570. Lokal hiess der Hügel immer „casti“, in römisch-frühmittelalterlicher Zeit „castrum“ und in prähistorisch-rätischer Zeit wohl „patnal“.
Der Ort war von der mittleren Bronzezeit (ca. ab 1500 vor Chr.) bis zur späten Eisenzeit (1. Jh. vor Chr.) und dann wieder von der römischen Kaiserzeit (ca. 200 nach Chr.) bis zum Spätmittelalter (14 Jh.) besiedelt.
Zur Zeit des Bischofs Tello (765) war Schiedberg im Besitz der churrätischen Familie der Viktoriden (Zacconen), eine befestigte Burganlage, nebst dem Herrenhof auf dem nahen Bregl da Heida.
Im Hochmittelalter erscheinen die ersten Feudalherren von Sagogn, wohnhaft auf Schiedberg: 1137 Chuno de Sagannio, einer der ersten Edlen Churrätiens. Diese Familie teilte sich dann in die Zweige von Wildenberg, Frauenberg, Fryberg, Greifenstein und wahrscheinlich auch Belmont.
Zeitweise wohnten auf Schiedberg (Herren und Dienerschaft) bis zu 60 Personen. Die Burg wurde vermutlich im Krieg von 1352 zwischen den Herren von Belmont und denen von Werdenberg zerstört.
Text: Platta Pussenta-Projekt, Dr. Martin Bundi
Ruinaulta (Rheinschlucht)
Begonnen hat die Geschichte der Ruinaulta mit dem gewaltigen Flimser Bergsturz vor etwa 10’000 Jahren. Mit über 10’000 Kubikmetern Fels ist er der grösste Bergsturz der Alpen, einer der bedeutendsten weltweit. Das Tal wurde durch eine mehrere hundert Meter dicke Schuttmasse auf über 50 km2 vollständig aufgefüllt, der Rhein auf der Höhe von Ilanz aufgestaut. Im Laufe der Jahrtausende bahnte er sich seinen Weg durch die Bergsturzmassen – und formte so die Rheinschlucht – die Ruinaulta.
Erforschen Sie die Ruinaulta auf eigene Faust – es ist einfacher und spannender denn je! In den Wäldern führt ein dichtes Wanderwegnetz und verschiedenste Bike-Touren zu den Highlights, den Waldseen und schönsten Aussichtspunkten. Dank vieler neuer Wegweiser wissen Sie stets, wo Sie sich befinden, wo es lang geht und wie lange es noch geht. Auf zahlreichen Informationstafeln erfahren Sie Wissenswertes über Schlucht, Geologie, Flora und Fauna.
Die über 300 Meter tiefe und rund 14 Kilometer lange Schlucht mit den bizarren Felsformationen und dem wilden Rhein können Sie auch gemütlich zurückgelehnt mit der Rhätischen Bahn bestaunen oder ganz aktiv und naturnah mit Paddel und Schlauchboot bezwingen.
Die Rheinschlucht beginnt bereits in der Nähe von Sagogn und kann ein Stück weit von der Station Sagogn/Valendas aus entlang dem Rhein durchwandert werden.
Aussicht auf die bizarren Felsformationen.
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche wurde im Jahre 1743 erbaut. Für die Bauvorbereitungen waren die Herren Jakob Casutt und Ludwig Castell verantwortlich. Der Baumeister Jakob Krättli hat dann zusammen mit der reformierten Kirchgemeinde die Kirche erbaut. Es ist ein schlichter Bau mit einer zwiebelförmigen Kirchturmspitze.
Platta Pussenta, Runcal
Die Steinplatte weist Überreste einiger künstlich geschaffener Schalen auf (Schalenstein). Es handelt sich vermutlich um Vertiefungen, die von einem vorrömischen heidnischen Volk (ev. den Rätern) erstellt wurden, um hier seinen Göttern Opfer darzubringen. Der Stein erhielt den Namen „Platta Pussenta“ (mächtige Platte).
Im Laufe der Zeit verschob sich der Name auf einen Zeichenstein ca. 500 m weiter nordostwärts, wo die vier Gemeinden Schluein, Sagogn, Laax und Falera aneinander grenzen. Dieser Punkt liegt direkt am alten Oberländer Talweg. Ein Megalith mit Kreisritzungen befindet sich östlich davon auf Gebiet von Laax.
Mehrere Sagen nehmen auf die Platta Pussenta bezug. Ein Sprichwort lautet: „Platta Pussenta, Cresta Munteina und Piz Mundaun gelten mehr als Brescia und Mailand“.
Neben der Platta Pussenta kreuzen sich zwei historische Wege: die alte Landstrasse durch die Surselva von Laax nach Schluein (im Gebrauch bis im 9. Jh.) und der Verbindungsweg von Sagogn über Plaun Larisch-Runcal-Gonda nach Falera.
Text: Platta Pussenta-Projekt, Dr. Martin Bundi
Mulin
Die Gebäude lagen neben der Brücke am Weg in die Maiensässe von Planezzas, Foppas und Tuora; dieser Weg galt bis im Spätmittelalter (ca. 1390) als Transitstrasse ins Bündner Oberland und führte von Trin über Pitrun-Conn-Tuora-Mulin-Sagogn-Castrisch nach Ilanz.
Die fotographische Reprokuktion in Mulin hält die Situation um 1902 fest: Oben rechts ein Einfamilienhaus, darunter links die Mühle mit Wohnung im Obergeschoss und Stube und Gartenwirtschaft im Untergeschoss, links davon ein kleines Unterkunftshaus für Arbeiter (die damals die Linienführung der Rhätischen Bahn bauten), vor diesem Bau das Sägereigebäude (um 1905 durch ein kleines Elektrizitätswerk ergänzt, welches den elektrischen Strom für die Gemeinden Sagogn und Valendas lieferte), daneben die Gerstenstampfe.
Weiter einwärts in Richtung Spaleus existierte einst eine zweite Mühle, genannt die „Obere Mühle“. Im Mühlenareal zweigte links vom Bach bis etwa um 1920 eine Wasserleitung für die Bewässerung der Wiesen in Bargaus ab; Reste davon sind noch sichtbar.
Das Mühlenareal von Mulin dokumentiert die Bedeutung der einstigen land- und forstwirtschaftlichen Ökonomie: Korn mahlen und Holz sägen, die technischen Prozesse in der Verarbeitung der zwei bedeutendsten Rohstoffe der vorindustriellen Zeit.
Text: Platta Pussenta-Projekt, Dr. Martin Bundi
Katholische Kirche
Durch die Kirchenrenovation hat man herausgefunden, dass mindestens vier wesentliche Bauetappen von Vorgängerkirchen sich am heutigen Ort der Marienkirche in Sagogn befinden. Die Älteste stammt aus dem 4. oder 5. Jahrhundert. Die Grundfläche der Kirche ist über 1500 Jahre identisch geblieben, was eine Ausnahme in Mitteleuropa ist, wo die Kirchen anfänglich klein waren und dann immer grösser wurden. Die Kirche in Sagogn war für das damalige Einzugsgebiet erstaunlich gross. Bei der Restaurierung wurde ein Kalkmörtelboden aus dem Jahre 1634 -1640, von vier Gruftanlagen durchbrochen, freigelegt. Man hat daraufhin auf weitere Grabungen verzichtet. Der Mörtelboden passt einzigartig zur künstlerischen Ausstattung der Barockkirche. Die Wandmalereien sind das Werk des Meisters Giovanni Battista Macolino aus dem Val San Giacomo. Die Decken- und Wandmalereien von Macolino in der Kirche Sagogn zeigen im Kt. Graubünden den umfassendsten originalen Bestand hochbarocker Malerei: Ja er dürfte im Alpenraum kaum seinesgleichen haben!
Kapelle Sogn Giacun
Der bestehende Bau der Kapelle S. Giacun datiert von ca. 1503 und war eine Stiftung eines Jon Clau Pitscheri von Laax, der auch ein Glöcklein und die Kirchzierden schenkte.
Die Kapelle ist ein einfacher Bau mit Gewölbe und dreiseitigem Abschluss. Er enthält einen bescheidenen Altar mit einem Bild der Muttergottes zwischen S. Jakob und S. Johannes. Dieser Altar war ein Geschenk der Familie de Cabalzar von 1670. Vermutlich stand schon vor 1500 eine einfache Kapelle am gleichen Ort.
Der S. Jakobskult breitet sich im Hochmittelalter (12./13. Jh.) in den alpinen Regionen stark aus, insbesondere in frisch gerodeten Waldlandschaften. Das ist denn auch typisch für Laax, das erst im 11./12. Jahrhundert zu einer eigentlichen Dorfsiedlung wurde. S. Jakob ist Schutzpatron der Wanderer und Piger. Der Weg, der hier am Rande der gewaltigen Schlucht des Ual Draus vorbeiführt, ist ein alter Verbindungsweg zwischen Sagogn und Laax; Berg- und Alpweg für Mensch und Tier, aber auch Weg der Toten (Via da morts), weil die Laaxer bis 1524 auf diesem Wege ihre Toten zum Friedhof der Pfarrkirche von Sagogn trugen.
Der eigentliche Totenweg zweigt kurz unterhalb der Kapelle nach rechts ab und wird von da an auch „Via denter craps“ (Weg zwischen den Steinen)genannt. Er führt zuerst am Rande der Wiesen mit dem Namen Signina, entlang einer Rodungsinsel, die 765 „Secanina“ hiess, was gemähtes Wiesland bedeutet.
Text: Platta Pussenta-Projekt, Dr. Martin Bundi
Casti Aspermont
Das Casti Aspermont in Sagogn blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im berühmten Testament von Bischof Tello von 765 – der ersten Urkunde in Rätien – ist von‘ einer „sala muricia in castro“ die Rede. Umstritten ist unter Historikern bis heute, ob damit primär die heute verfallene Burg Schiedberg oder eben auch das Casti Aspermont, gelegen am Dorfplatz im Vitg dado in Sagogn, gemeint war. Erwiesen ist allerdings – dies haben jüngste endrochronologische Untersuchungen des Archäologischen Dienstes Graubünden ergeben – dass das Casti Aspermont bereits im 13. Jahrhundert über einen mächtigen Turm verfügte. Das elegante Saalhaus wurde 1672 durch die Castelli an den Turm angebaut.
Auf dem Platz vor dem Casti übten im Mittelalter die bischöflichen Ministerialen unter einer Esche die niedere Gerichtsbarkeit über alle bischöflichen Untertanen im Bündner Oberland aus – und zwar je am Montag nach S. Johann (24. Juni) und nach S. Hilarien (21. Oktober). Noch heute erinnert der romanische Flumamen Fraissen (Esche) an diese Zeit.
4 Besitzerfamilien haben das Casti geprägt und repräsentieren in faszinierender Weise ihre damalige Zeit:
Die erste Familie – die Jochbergs – haben bedeutende Schriftgelehrte hervorgebracht (unter ihnen vor allem Gallus Jochberg) und stehen für die humanistische Aufgeklärtheit der Renaissance. Die lateinische Lebens- und Repräsentationsfreude verkörperten die Castelli, welche das Casti um manchen architektonischen Reiz bereichert haben – so die barocke Zwiebelhaube auf dem Turm und den bemerkenswerten Rittersaal. Die Castelli bekleideten alle bedeutende Ämter der Zeit: Landvogt von Maienfeld, Landrichter des Grauen Bundes und Podestä von Morbegno. Der Rebell Gallus, der zum Schock der Familie zum Protestantismus überlief und sich fortan Castell nannte, blieb ohne nachhaltige Wirkung.
Den republikanischen Geist des Dienstes an der Res Publica lebten die Steinhauser, welche in Anton Steinhauser u.a. einen bedeutenden Regierungs- und Nationalrat und Mitbegründer der RhB hervorgebracht haben. 1977 hat Dr. Andreas Kuoni a.Verwaltungs-gerichtspräsident, das Casti von den Erben der Senza Tuor-Steinhauser übernommen und mit dem Architekten Rudolf Olgiati umfassend renoviert. Heute ist Wolfram Kuoni, Zürich / Sagogn, Eigentümer.
Anfragen für Besichtigungen sind zu richten an
Wolfram Kuoni: Tel. 044 361 00 10.
Text: Dr. Martin Bundi aus dem Buch „Casti Aspermont, Mauern, Köpfe und Ideen“ Herausgeber: Wolfram Kuoni
Bregl da Heida
Es handelt sich um eine karolingische Saalkirche mit hufeisenförmiger Apsis, welche als die im Tello-Testament von 765 erwähnte S. Columbanskirche identifiziert wird. Columban ist auch der Schutzpatron von Sagogn und figuriert im Wappen der Gemeinde.
Wahrscheinlich war S. Columban eine Privatkirche der mächtigen churrätischen Familie der Victoriden, die in der Nähe, auf Bregl, ihren grossen Herrenhof besassen, der im Tello-Testament detailliert beschrieben ist.
Der ausgedehnte Herrenhof umfasste nebst einem heizbaren Wohnhaus und Ökonomiegebäuden samt Wasserleitung in seiner Umgebung Gemüse- und Obstgärten sowie Rebberge. Unterirdische Mauerreste, die von S. Columban ausgehen, deuten auf die Dimensionen des Herrenhofs hin; erst künftige archäologische Grabungen werden genauere Auskünfte bringen.
Die Grafik auf Bregl informiert über die ausgegrabene Kirche. Das Areal ist im Besitze des Kantons Graubünden und steht unter Schutz der schweizerischen Eidgenossenschaft.
Text: Projekt Platta Pussenta, Dr. Martin Bundi