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Weg-Wort vom 23. September 2021
Das Talent war im alten Babylonien und auch zur biblischen Zeit eine Gewichtseinheit, die sich daran bemass, wieviel ein Mann tragen konnte. Daraus wurde nach und nach auch eine Währungseinheit, indem dieses Gewicht – rund zwanzig Kilogramm – in Silber aufgewogen wurde. Das war eine gewaltige Summe Geldes. Ein Tagelöhner hätte für ein Talent mehr als zehn Jahre arbeiten müssen.
Im Gleichnis von den Talenten erzählt Jesus von einem Mann, der drei Dienern Talente anvertraute, fünf bzw. zwei oder eines. Zwei wirtschafteten damit und konnten ihrem Herrn bei seiner Rückkehr das Doppelte zurückgeben. Der dritte Diener hatte das eine Talent aus Angst vergraben und gab es ohne Zuwachs zurück. Dafür wurde er in die Dunkelheit geschickt, während die anderen beiden am Freudenfest teilnehmen durften.
In der Regel wurde das Gleichnis so verstanden, als sei der reiche Herr Gott. Er fordere von jeder Person Rechenschaft, wie diese ihre Fähigkeiten und Begabungen zum Wohle aller eingesetzt habe, und dann spreche er sein Urteil über sie. Ich habe mich immer gefragt, wie dieses Gottesbild zum guten Vater passt, zu dem Jesus uns beten gelehrt hat.
Jesus erzählt das Gleichnis im Hinblick auf das Himmelreich. Damit meint er nicht nur einen jenseitigen Ort, sondern das erlöste Leben überhaupt. So gesehen schildert das Gleichnis das bittere Bedauern darüber, dass man aus Angst seine Möglichkeiten und seine Lebendigkeit vergraben hat. Der Heilige Irenäus von Lyon schrieb einmal: «Die Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch.» Gott will in uns Freude und Leben in Fülle verwirklicht sehen. Das ist wahrlich eine befreiende Botschaft!