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Nierenersatztherapie
Dialyse und Nierentransplantation im Überblick
Autor: Dr. phil. Bernhard Spring
Die Nierenersatztherapie wird angewendet, wenn die Nieren nicht mehr in der Lage sind, harnpflichtige – also vom Körper nicht mehr benötigte – Stoffe und Flüssigkeit in ausreichendem Mass aus dem Blut zu filtern. Das ist bei einer Niereninsuffizienz im Endstadium der Fall, wenn die Nierenleistung maximal zehn Prozent beträgt und die Organe weniger als 15 Milliliter Blut pro Minute filtern. Die Nierenfunktion muss nun anderweitig organisiert werden, um eine lebensgefährliche Anreicherung von Abfallstoffen im Blut zu vermeiden.
Es gibt zwei Formen der Nierenersatztherapie: Die Blutwäsche (Dialyse) ist ein medizinisches Verfahren zur künstlichen Blutreinigung und Wasserausscheidung. Bei der Nierentransplantation wird das erkrankte Organ hingegen durch eine leistungsfähigere Spenderniere ausgetauscht.
Nierenersatztherapie ohne Niere: die Dialyse
Die Dialyse nutzt den Vorgang der Osmose, um das Blut zu reinigen. Dabei wird das Blut über eine durchlässige Membran an einer speziellen Flüssigkeit (dem Dialysat) vorbeigeleitet. Zwischen Blut und Dialysat besteht hinsichtlich der Inhaltsstoffe ein Konzentrationsunterschied, wodurch im Blut vorhandene Stoffe in das Dialysat fliessen. Umgekehrt können bei Bedarf wichtige Salze, die dem Dialysat beigefügt werden, in das Blut übertreten.
Es gibt zwei verschiedene Formen der Dialyse:
- Hämodialyse: Hierbei wird das Blut ausserhalb des Körpers in einem Dialysegerät gereinigt. In der Regel muss die Dialyse – meist in einem spezialisierten Gesundheitszentrum – alle zwei Tage vorgenommen werden und beansprucht vier bis acht Stunden. Bei einer langfristigen Anwendung erfolgt die Blutentnahme über einen künstlichen Zugang, um die Gefässe zu entlasten.
- Peritonealdialyse: Bei dieser Methode wird das Dialysat in den Bauchraum gegeben, wo die Osmose über das gut durchblutete Bauchfell stattfindet. Die Spülflüssigkeit wird mehrmals täglich manuell und/oder mithilfe eines Apparats (meist nachts) ausgetauscht.
Beide Formen der Dialyse müssen medikamentös begleitet werden, etwa mit Gerinnungshemmern. Die Nierenersatztherapie kann sehr belastend sein, weil sie mitunter zu einem Abfall des Blutdrucks, Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen und anderen Beschwerden führen kann. Ausserdem schränkt sie den Alltag zum Teil erheblich ein und verlangt eine umsichtige Planung der beruflichen Tätigkeit und der Freizeitaktivitäten.
Neue Freiheiten durch die Nierentransplantation
Alternativ zur Dialyse kann die Nierenfunktion von einem Spenderorgan übernommen werden. Dafür wird das durch eine Tot- oder Lebendspende gewonnene Organ operativ mit der Beckenarterie und -vene sowie mit der Harnblase verbunden. Um die Operationszeit und damit die Belastung für den Organismus gering zu halten, verbleiben die beiden eigenen Nieren meist im Körper.
Wie jede Operation birgt auch die Nierentransplantation einige Risiken wie etwa Blutungen oder Wundheilungsstörungen. Auch kommt es in seltenen Fällen vor, dass das implantierte Organ seine Arbeit verspätet aufnimmt oder ganz inaktiv bleibt. Dann muss die Dialyse fortgeführt werden.
Um ein Abstossen der körperfremden Spenderniere durch das Immunsystem zu vermeiden, müssen nach der Transplantation lebenslang immunsuppressive Medikamente eingenommen werden. Dadurch werden die Abwehrkräfte künstlich geschwächt. Um die Gefahr einer Infektion gering zu halten, sollten Betroffene die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen wahrnehmen. Ausserdem empfiehlt es sich, auch kleine Infektionsherde, beispielsweise durch eine Zahnerkrankung, frühzeitig und konsequent zu behandeln.
Die Nierentransplantation bietet Betroffenen deutlich mehr Freiräume als die Dialyse, zum Beispiel bei der Ernährung. Um die Blutfilterung zu unterstützen, muss während der Dialyse auf eine salz-, kalium- und phosphatarme Kost geachtet werden. Auch die tägliche Trinkmenge sollte gering gehalten werden, um Wassereinlagerungen vorzubeugen. Derart strenge Einschränkungen sind nach einer Nierentransplantation nicht nötig. Trotzdem sollte auf eine ausgewogene Kost geachtet werden, um eine erneute Erkrankung der Nieren, etwa durch Diabetes oder Bluthochdruck, zu vermeiden. Auf Alkohol und Nikotin sollte ganz verzichtet werden.
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