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39 Prozentpunkte wahrscheinlicher war in einem beliebigen Jahr vom 15. bis ins 20. Jahrhundert die Beteiligung eines Landes an einer kriegerischen Auseinandersetzung, wenn im jeweiligen Jahr eine Königin das Land führte und nicht ein König. Zu diesem Ergebnis kommt ein im Jahr 2020 erschienener Artikel in der renommierten Fachzeitschrift «Journal of Political Economy», der den kurzen Titel «Queens» trägt. Die Autoren analysieren den Zusammenhang zwischen dem Geschlecht des politischen Oberhauptes und der Beteiligung an Kriegen für 18 politische Einheiten von 1480 bis 1913, die mindestens einmal in diesem Zeitraum von einer Königin regiert wurden.
Über alle berücksichtigten politischen Einheiten und Jahre hinweg betrug die Wahrscheinlichkeit, dass eine politische Einheit in einem Jahr in eine kriegerische Auseinandersetzung verwickelt war, 30 Prozent. Und Königinnen lagen entsprechend substanziell über diesem Durchschnittswert. Aber wie lässt sich dies erklären? Frauen sind alles andere als dafür bekannt, persönlich eher zu Gewalt zu neigen als Männer.
Die Autoren finden empirische Hinweise auf zwei Mechanismen. Erstens wurden Königinnen als leichtere Opfer als Könige wahrgenommen, insbesondere wenn sie unverheiratet waren. Dazu passt ins Bild, dass unverheiratete Königinnen sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als ihre unverheirateten männlichen Kollegen in einem Krieg wiederfanden, den sie selbst nicht initiiert hatten. Sie wurden also häufiger angegriffen.
Zweitens wurden Kriege damals vor allem geführt, um den eigenen territorialen und ökonomischen Machtbereich auszuweiten. Verheiratete Königinnen waren eher geneigt, ihre Ehepartner mit Regierungsgeschäften zu betrauen – beispielsweise als militärische Oberbefehlshaber –, als ihre verheirateten männlichen Pendants. Verheiratete Könige strebten diese Art der Arbeitsteilung seltener an, möglicherweise aufgrund lang etablierter Geschlechterrollen. Verheirateten Königinnen gab die Arbeitsteilung zwischen ihnen und ihren vertrauenswürdigen Ehepartnern mehr Raum, um den Versuch zu unternehmen, durch Kriege Ländereien zu erobern und die eigene wirtschaftliche Machtposition auszubauen.
Anders, als vielleicht vermutet werden könnte, waren Königinnen nicht die nobleren Könige, sondern wie ihre männlichen Kollegen politische Wesen ihrer Zeit.