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Im Jahr 1700 bemerkte Don Francesco Filippi Indelicati, Pfarrer von Gioia del Colle, dass eine rote Rebsorte viel früher reifte als die anderen, bereits Mitte August. Diese Rebe wurde im lokalen Dialekt „Zagarese“ genannt, wurde aber gerade wegen ihrer frühen Reife vom lateinischen „Primativus“ in „Primitivo“ umbenannt. Primitivo verbreitete sich später von Gioia del Colle bis in die heutigen Provinzen Lecce und Tarent und dann bis zum Salento. Aus agronomischer Sicht ist der Primitivo eine recht anspruchsvolle Rebe, da er sowohl auf lange Dürreperioden als auch auf übermässige Feuchtigkeit empfindlich reagiert. Seine dunkelblauen, reich blühenden Beeren sind mittelgross und sehr dicht beieinander, in einer sehr kompakten Traube. Die Feuchtigkeit, die zwischen den Beeren eingeschlossen bleibt, kann die Bildung von Schimmelpilzen verursachen, daher benötigt der Primitivo ein trockenes und warmes Klima mit intensiven, aber kurzen Regenfällen, damit die Beeren schnell trocknen können und trocken und gesund bleiben. Der Primitivo wird oft als Schössling angebaut, was eine sehr geringe Produktion, aber von extremer Qualität garantiert. Es handelt sich um eine Weinrebe, die dazu neigt, sehr langlebig zu sein, und es ist möglich, sogar über 80 Jahre alte Reben zu finden, die noch auf freiem Fuss stehen. Die Eigenschaften der Intensität und des Körpers der aus dem Primitivo gewonnenen Weine, zusammen mit seiner hohen (wenn auch nicht sehr konstanten) Produktivität, haben dazu geführt, dass sie in der Vergangenheit hauptsächlich als Verschnittweine verwendet wurden. Erst in jüngerer Zeit hat der Primitivo durch die Arbeit an der Ertragsreduzierung, die Rückkehr zu traditionellen Anbauformen (apulischer Alberello) und den Einsatz präziserer Weinbereitungstechniken zu wirklich bemerkenswerten Produkten geführt, die von der breiten Öffentlichkeit wiederentdeckt wurden. Der so erzeugte Primitivo hat im Allgemeinen eine intensive und tief rubinrote Farbe mit violetten Schattierungen, die mit zunehmender Alterung zum Granatrot neigen. Der Duft ist von roten Früchten wie Schwarzkirsche, Brombeere, Pflaume, mit mehr blumigen Noten von Veilchen. Die Reifung im Holz verleiht ihm würzige Noten, darunter Zimt, Kakao, schwarzer Pfeffer und Lakritze. Am Gaumen ist er warm, voll und einhüllend, mit zarten Tanninen und guter Nachhaltigkeit.