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Die Asiatische Tigermücke stammt ursprünglich aus Südostasien und hat sich weltweit ausgebreitet. Seit 2003 ist sie auch im Kanton Tessin heimisch. Das Projekt erfasste das Vorkommen dieses Insekts und weiterer gebietsfremder Stechmückenarten in der Schweiz und schuf damit die Grundlagen, um das aktuelle Risikopotenzial für die Gesundheit der Bevölkerung und für die Umwelt einzuschätzen.
Pilotprojekt zur Anpassung an den Klimawandel «Nationales Programm zur Überwachung der Asiatischen Tigermücke»
Ausgangslage
Der ursprüngliche Lebensraum der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) liegt in Südostasien. Mit dem zunehmenden internationalen Handels- und Reiseverkehr und als Folge des Klimawandels hat sich diese Mückenart weltweit ausgebreitet. Sie kommt seit 1990 in Norditalien, seit 2003 im Tessin und seit 2015 auch in Graubünden (südliches Misox) vor. Es ist anzunehmen, dass die Tigermücke in weitere Regionen der Schweiz eingeschleppt werden wird. Weil sie Krankheiten wie Dengue und Chikungunya übertragen kann, stellt sie ein potenzielles Gesundheitsrisiko dar. In der Schweiz fehlte bisher eine systematische Überwachung dieser und ähnlicher Stechmücken.
Ziele
Um festzustellen, auf welchen Wegen die Tigermücke und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) in die Schweiz gelangen und wie sie sich hier ausbreiten, sollten entlang der Hauptverkehrswege Fallen aufgestellt werden. Die gesammelten Daten sollten es ermöglichen, das aktuelle Risikopotenzial für Mensch und Umwelt abzuschätzen und allfällige Massnahmen zur Kontrolle einzuleiten. Durch die Zusammenarbeit mit den betroffenen Behörden sowie durch Informationsaktivitäten sollte die Sensibilität für die Problematik erhöht werden.
Vorgehen
- Festlegen der Fallenstandorte
- Stellen der Fallen an Knotenpunkten des Personen- und Frachtverkehrs in der ganzen Schweiz (Autobahnraststätten, Flughäfen, Rheinhäfen) und Einsammeln der Proben
- Auswerten der gesammelten Proben
- Austausch und Bewertung der Resultate mit einer Begleitgruppe aus Schweizer und internationalen Experten
- Jährliches Wiederholen des Monitorings
- Erarbeiten von Informationen und Empfehlungen für Bundesbehörden, kantonale Umwelt- und Gesundheitsämter und die Bevölkerung
Ergebnisse
Die Resultate zeigen, dass die Asiatische Tigermücke in den Jahren 2014 bis 2016 nicht nur im Tessin vorkam, sondern auch regelmässig nördlich der Alpen aufgetreten ist. Dabei stellt die Autobahn A2 (Chiasso–Basel) die wichtigste Route für die passive Verschleppung dieser Mückenart dar. Die Ergebnisse lassen zudem eine ähnliche Rolle für die San Bernardino-Route vermuten. Aus der Bevölkerung wurden 2015 erstmals auch Funde im Raum Basel gemeldet. Die dortigen klimatischen Bedingungen sind denjenigen von Freiburg im Breisgau (Deutschland) sehr ähnlich, wo 2014 eine lokal begrenzte, stabile Tigermückenpopulation entdeckt worden ist. Es muss deshalb auch in Basel mit der Möglichkeit einer permanenten Ansiedlung der Asiatischen Tigermücke gerechnet werden.
2007 wurde in der Schweiz erstmals die Asiatische Buschmücke nachgewiesen. Diese hat sich in der Folge im gesamten deutschsprachigen Mittelland verbreitet und kommt, wie die Überwachung gezeigt hat, in zunehmender Dichte vor. Parallel dazu wurden 2015 und 2016 nördlich der Alpen erstmals auch einzelne Funde der invasiven Koreanischen Stechmücke (Aedes koreicus) vermeldet. Beide Arten sind gut an das lokale Klima im Mittelland angepasst, und es ist nicht auszuschliessen, dass sich auch die Koreanische Stechmücke flächendeckend ausbreiten und dauerhaft etablieren wird. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass diese Arten aus Sicht der öffentlichen Gesundheit deutlich weniger relevant sind als die Asiatische Tigermücke.
Fazit
Aufgrund der Resultate der mehrjährigen nationalen Überwachung, der Erfahrungen aus dem grenznahen Ausland und der Entwicklung von Verkehr und Klima dürfte die Schweiz in zunehmendem Masse vom Problem gebietsfremder invasiver Stechmücken betroffen sein. Die nationale Überwachung soll deshalb weitergeführt werden. Parallel dazu soll die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden auf Ebene Bund und Kantone gestärkt werden, um die Verbreitung der Tigermücke und anderer gebietsfremder invasiver Stechmücken so lange wie möglich zu verhindern oder, wo es dafür zu spät ist, zumindest einzuschränken.
Projektträger: Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut
Pilotgebiet: Ganze Schweiz
Laufzeit: 2014 - 2016
Begleitung: Bundesamt für Umwelt
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 13.10.2017