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Dissertation of Elizabeth Waterhouse
Processing Choreography. A longitudinal Study of William Forsythe's Choreography "Duo" (1996-2018)
Was passiert, wenn TänzerInnen miteinander tanzen? Die Herausforderung, das zu beschreiben, was sich im Tanzen zwischen zwei TanzpartnerInnen unausgesprochen, unsichtbar und unbeachtet vollzieht, bringt die Tanzwissenschaftlerin Prof. Dr. Christina Thurner (Universität Bern), die Soziologin Prof. Dr. Priska Gisler (Hochschule der Künste Bern) und die Tänzerin Elizabeth Waterhouse, ein früheres Mitglied der Forsythe Company, zu diesem Forschungsprojekt zusammen. Am Beispiel von William Forsythes Choreografie Duo und deren rhythmischen Koordinationsprozessen untersucht das Projekt die Interaktionen zwischen Tänzern als produktiven/zu entschlüsselnden Mikrokosmos.
Das Forschungsprojekt widmet sich den Arbeiten des US-amerikanischen Choreografen William Forsysthe, einem der wichtigsten und dabei kontrovers betrachteten Choreografen im Feld des zeitgenössischen Tanzes in Europa. Im Fokus wird dabei die Choreografie Duo stehen – ein Duett, das 1996 für das Ballett Frankfurt geschaffen und 2015 für die „Life in Progress“-Tour der französischen Tänzerin Sylvie Guillem überarbeitet wurde. Das Duett, das entweder von zwei weiblichen oder zwei männlichen Tänzern getanzt werden kann, beruht auf virtuosen Verschiebungen zwischen synchronen und asynchronen Bewegungen, die sich ohne Berührung oder Narration ereignen. Die Tänzer stimmen ihre Bewegungen zeitlich ab, indem sie hörbar atmen, so performen sie, was sie als geteilte Konversation oder ‚song’ beschreiben.
In diesem Forschungsprojekt soll Duo aus der Perspektive der TänzerInnen untersucht werden: Wie wird Synchronizität erzeugt und zwischen den Tänzern geteilt? Wie formt der choreografische Prozess von Duo die Subjektivität der Tänzer? Um diese Fragen zu erforschen, wird Elizabeth Waterhouse die Probenarbeit und Performances von Duosowohl empirisch als auch anhand von Videomaterial analysieren und ausserdem Interviews, die sie während des Projekts mit den Tänzern, mit dem Komponisten sowie dem Choreografen durchgeführt hat, in ihre Forschung miteinbeziehen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Methodologisch verbindet das Projekt Vorgehensweisen der Tanzwissenschaft und der Soziologie mit Forschungen zu entrainment- und Synchronisationsprozessen in den Naturwissenschaften. Das Konzept des entrainment öffnet in den Geisteswissenschaften ein noch neues Forschungsfeld. Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt auf eine Verortung/Kontextualisierung dieses Konzept in den Geisteswissenschaften und sucht dieses am Beispiel der Analyse des virtuosen entrainment in der Choreografie Duo sowohl für die einschlägigen naturwissenschaftlichen Forschungen als auch für die Tanzwissenschaft und die grundlagenorientierte Praxisforschung produktiv zu machen
Supervisors
Prof. Dr. Christina Thurner, Universität Bern, Institut für Theaterwissenschaft
Prof. Dr. Priska Gisler, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Intermedialität, Hochschule der Künste Bern HKB