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Der Schweizerische Hörbehindertenverband Sonos wurde 1911 von Eugen Sutermeister als «Schweizerischer Fürsorgeverein für Taubstumme» gegründet. Ein Jahr später wurde der Verein Träger der 1907 ebenfalls von Sutermeister gegründeten «Schweizerischen Taubstummenzeitung». 1933 schloss sich der Verein mit der «Schweizerischen Vereinigung für Bildung taubstummer und schwerhöriger Kinder» zum «Schweizerischen Verband für Taubstummenhilfe» zusammen. Im Jahr 1954 übernahm der Verband die Trägerschaft der Berufsfachschule für Lernende mit Hör- und Kommunikationsbehinderung (BSFH) in Zürich-Oerlikon. In den Jahren 1960 und 1978 folgten weitere Umbenennungen des Verbandes zu «Schweizerischer Verband für Taubstummen- und Gehörlosenhilfe» bzw. «Schweizerischer Verband für das Gehörlosenwesen», bis im Jahr 2002 der Namenswechsel zu «Sonos» stattfand – dannzumal allerdings noch mit dem Namenszusatz «Schweizerischer Verband für Gehörlosen- und Hörgeschädigten-Organisationen». Im November 2017 übernahm Sonos die Plattform «hearZONE», eine Firma von Menschen mit einer Hörbehinderung, die seit 2013 Sensibilisierungskampagnen und Öffentlichkeitsarbeit im Interesse von Menschen mit einer Hörbehinderung leistet. Mit der Übernahme folgten wichtige Änderungen im Dachverband und seit dem Beschluss der ausserordentlichen Delegiertenversammlung im Januar 2018 heisst der Verband «Sonos – Schweizerischer Hörbehindertenverband».
Dem Dachverband Sonos gehören heute 43 Mitgliederorganisationen an; er setzt sich dafür ein, Barrieren für Hörbeeinträchtigte und Gehörlose abzubauen. Ferner bietet Sonos Unterstützung bei der wirtschaftlichen und sozialen Eingliederung von Menschen mit Hörbeeinträchtigung, koordiniert berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung und sorgt zusammen mit Partnern für die Sicherstellung des bedürfnisgerechten Dolmetscherdienstes.
Der Bildbestand von Sonos ist grösstenteils Eugen Sutermeister zu verdanken, welcher bei den meisten Aufnahmen selbst hinter der Kamera stand. Sutermeister wurde am 16. November 1862 in Küsnacht am Zürichsee geboren. Mit vier Jahren erkrankte er an einer schweren Hirnhautentzündung, deretwegen er sein Gehör verlor. Auf Wunsch seines Vaters absolvierte Sutermeister eine Lehre als Graveur mit anschliessender Gesellenzeit an verschiedenen Orten. Die Unzufriedenheit mit seinem Beruf stürzte Sutermeister in eine Krise. Seine Eltern schickten ihn daraufhin in verschiedene Gehörlosenanstalten und -heime. Bei einem Kuraufenthalt in Bad Boll lernte Sutermeister seine spätere Ehefrau Susanna Bieri kennen. 1894 kehrte Eugen Sutermeister in die Schweiz nach Bern zurück, wo er eine Stelle als Gehilfe in einer Buchhandlung antrat. Zwei Jahre später, im Oktober 1896, heirateten Susanna Bieri und Eugen Sutermeister. Kurze Zeit arbeitete er bei der Eidgenössischen Landestopographie als Kupferstecher. Aus gesundheitlichen Gründen musste er die Anstellung wieder aufgeben und wagte danach den Schritt in die Selbstständigkeit. Er eröffnete in Aarau einen kleinen Verlag, in dem er zunächst mehrere Zeitschriften für Hörende herausgab. Schliesslich erschien mit «Lieder eines Taubstummen» seine erste eigene Publikation, auf welche noch zwei weitere Liederbändchen folgten. Ausserdem wirkte Sutermeister ab 1903 als kantonaler Taubstummenprediger von Bern.
Eugen Sutermeister schwebte schon seit Längerem die Herausgabe einer eigenen Taubstummenzeitung für die Schweiz vor, welche den Kontakt zwischen den oftmals weit verstreut lebenden Gehörlosen und deren Weiterbildung fördern sollte. Auf eigenes Risiko gab Sutermeister schliesslich am 1. Januar 1907 die erste Nummer der «Schweizerischen Taubstummenzeitung» heraus. Er blieb bis zu seinem Tod Redaktor der Zeitung, die später «Gehörlosenzeitung» hiess.
Bei seiner Tätigkeit als bernischer Taubstummenprediger und -fürsorger stiess Sutermeister jedoch zunehmend an seine Grenzen. Deshalb veröffentlichte er 1910 eine Broschüre mit dem Titel «Fürsorge für erwachsene Taubstumme in der Schweiz – Denkschrift und Aufruf an das Schweizervolk». Das Echo auf die Publikation war derart positiv, dass sich im März 1911 ein Initiativ-Komitee bildete, dem unter anderem ein Bundesrat, National- und Ständeräte, Ärzte und Pfarrer angehörten. Aus dieser Initiative entstand am 2. Mai 1911 der «Schweizerische Fürsorgeverein für Taubstumme». Eugen Sutermeister wurde als Zentralsekretär und Susanna Sutermeister als Aktuarin gewählt.
Im Rahmen seiner vielseitigen Tätigkeiten im Gehörlosenwesen sammelte Eugen Sutermeister bereits ab 1896 diverses Bild- und Schriftmaterial und brachte dieses in seiner privaten Bibliothek unter. Er pflegte Kontakte im In- und Ausland und besuchte Landesbibliotheken und Staatsarchive, um Dokumente einzusehen und diese teilweise von Hand abzuschreiben. Er besichtigte Schulen und Heime für Gehörlose und machte fotografische Aufnahmen von den Institutionen und Einzelpersonen. Im Jahr 1929 veröffentlichte Eugen Sutermeister mit dem zweibändigen Titel «Quellenbuch zur Geschichte des Schweizerischen Taubstummenwesens: ein Nachschlagebuch für Taubstummenerzieher und Freunde» sein Lebenswerk. Auf rund 1’440 Seiten mit 400 Bildern legte er dar, was er in seiner bisherigen Tätigkeit recherchiert, zusammengetragen oder selbst geschrieben hatte. Neben dem Quellenbuch publizierte Sutermeister weitere Schriften, führte Briefwechsel mit Behörden, Fachleuten und Gehörlosen und wurde regelmässig an Tagungen und Kongresse als Referent eingeladen.
Am 8. Juni 1931 starb Eugen Sutermeister an den Folgen einer Herzschwäche in Bern. Susanna Sutermeister starb vier Jahre später. Sie unterstütze zeitlebens ihren Ehemann bei seiner Arbeit, indem sie ihn unter anderem auf Reisen ins In- und Ausland begleitete und als Vermittlerin und Beraterin für Gehörlose wirkte.
Der Bildbestand des Schweizerischen Hörbehindertenverbands Sonos im Sozialarchiv umfasst rund 460 Glasdias, von denen etwa ein Drittel auch als Papierabzüge vorhanden ist. Einen Grossteil des Bestandes machen sechs Fotoalben aus, welche von Sutermeister persönlich angelegt wurden und mehrheitlich Abzüge der Glasdias beinhalten. Ein Fotoalbum mit dem Titel «Die Schweizerischen Taubstummen-Anstalten und -Heime in Wort und Bild» erstellte Sutermeister für die Landesausstellung 1914. Das Album wurde an der Landesausstellung für die BesucherInnen zur Ansicht ausgelegt und zeigte Aufnahmen von damaligen Gehörlosenanstalten und -heimen in der Schweiz sowie von Gottesdiensten und Kongressen der Gehörlosen. Die weiteren fünf Alben entstanden zu einem späteren Zeitpunkt. Sutermeister porträtierte in ihnen detailliert das Gehörlosenwesen von der Jahrhundertwende bis in die 1920er Jahre im In- und Ausland. Neben den Gehörloseninstitutionen und deren BewohnerInnen sind oftmals die zahlreichen «Taubstummenbünde und -vereine» während ihrer Aktivitäten oder die unterschiedlichen Berufsbilder von Gehörlosen abgebildet. Einige der Aufnahmen finden sich auch im 1929 erschienenen Lebenswerk von Sutermeister, dem «Quellenbuch zur Geschichte des Schweizerischen Taubstummenwesens», wieder. Ausserdem sind einige private Aufnahmen von Eugen und Susanna Sutermeister vorhanden, welche das Paar beispielsweise daheim mit Gästen oder in den Wanderferien zeigen.
Neben diesen Fotos aus der Vor- und Frühzeit des Verbandes sind noch Aufnahmen aus den 1980er und 1990er Jahren vorhanden, die vermutlich für die Öffentlichkeitsarbeit verwendet wurden. Sie zeigen verschiedene Alltagssituationen von Gehörlosen, beispielsweise einen Arztbesuch oder ein Bewerbungsgespräch. Ausserdem sind rund 40 Objekte aus der Frühzeit der Verbandstätigkeit vorhanden, wobei es sich grösstenteils um Karten, Foto- oder Lauttafeln handelt.