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Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach ruft auf Twitter einmal mehr die Apokalypse aus. Nach einer schweren Coviderkrankung könne das Gehirn um 20 Jahre altern, hält er aufgeregt fest. Die Studie, auf die er sich bezieht, ist ein Zufallsprodukt und besteht aus reinen Mutmassungen. Aber das reicht Lauterbach völlig.
«Schwere COVID Erkrankungen gehen oft mit sehr deutlichen Einschränkungen der Denkfähigkeit einher. In Tagen kann das Gehirn um 20 Jahre altern. 4. Impfung schützt zuverlässig vor schweren Verläufen. Ältere und Menschen mit Risikofaktoren sollten sie nutzen.»
Soweit Karl Lauterbach in einer seiner jüngsten Offenbarungen. Bei ihm fragt man sich angesichts seines Ausstosses auf Twitter gelegentlich, ob er seine Aufgabe als Gesundheitsminister eigentlich als Nebenjob wahrnimmt.
Lauterbach bezieht sich bei seinem sicher in höchster Atemlosigkeit verfassten Tweet auf eine Studie, die an einem englischen Spital durchgeführt wurde und in der Zeitschrift «Clinical Medicine» publiziert wurde.
Die Untersuchungen basieren auf dem Zeitraum zwischen März und Juli 2020, beteiligt waren 46 Personen. Oder kurz gesagt: Lange her und sehr marginal. Aber Lauterbach stürzt sich auf alles, das ruft: Gefährlich! Ausser natürlich, eine inhaltlich sehr viel relevantere Studie spricht von Problemen nach der Impfung. Er ist ziemlich wendig, wenn es darum geht, etwas zu ignorieren.
Was besagt diese Studie (um den Begriff gönnerhaft doch weiterhin zu verwenden)? Sie «deutet auf einen Zusammenhang zwischen schwerem Covid-19, das einen Krankenaufenthalt erfordert, und Defizite der kognitiven Funktion hin», die einige Monate lang anhalten können. Was in der Lauterbach-Sprache heisst: Man verliert sein Gedächtnis bis zum Tod. Wobei, was heisst hier «man»? Ganze Heerscharen!
Die Autoren relativieren ihre Ergebnisse sicherheitshalber gleich selbst. Um das, was da angeblich passiert, wirklich einordnen zu können, bedürfe es «weiterer Forschung». Man hat also in einer Gruppe von 46 Personen bei einer «signifikanten Minderheit» (sprich: bei einer Minderheit) gewisse Einschränkungen festgestellt, wobei über die restliche Krankengeschichte dieser Leute nichts bekannt ist und schiebt nach, dass das alles noch völlig unbelegt ist. Sprich: Man weiss eigentlich nur, dass man nichts weiss.
Es ist eine von tausenden von medizinischen Studien, die an einer verschwindend kleinen Gruppe von Leuten durchgeführt werden und deren möglicherweise rein zufällige Ergebnisse dann einfach mit viel Brimborium zu einer möglichen Erkenntnis zusammengefasst werden, nur um danach nachzuschieben, dass sich das alles noch nicht belegen lässt. Aber vielleicht hat ja jemand Lust, das nachzuholen?
Immerhin ist dieses Detail sogar Karl Lauterbach aufgefallen, was ihn aber leider nicht davon abhält, weiter ins Panikhorn zu blasen:
«Obwohl der Beweis noch aussteht, ist es überwältigend wahrscheinlich, dass eine überstandene schwere COVID Erkrankung im Alter das Demenzrisiko erhöht.»
Falls jemand hier später gerne Gesundheitsminister von Deutschland werden möchte, hier die Anleitung: Nimm eine Studie, die nichts besagt, gib zu, dass nichts davon bewiesen ist, stelle die Ergebnisse aber dennoch als «überwältigend wahrscheinlich» dar. Wichtig: Nicht einfach «wahrscheinlich», sondern eben «überwältigend wahrscheinlich». Woher das Adjektiv kommt? Bitte fragen Sie den Mann doch selbst.
Wobei das Wort ja durchaus passt. Karl Lauterbach, immerhin das steht fest, lässt sich von allem überwältigen, was seine ganz persönliche Angst nährt. Und was ihm eine Chance bietet, sein Ego in der Öffentlichkeit zu füttern.