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Die Anzahl der historischen Gärten im Kanton Tessin ist überraschend vielfältig und weit grösser, als bei einer ersten Bestandesaufnahme angenommen worden ist. Dies dank dem subtropischen Klima, der Seenähe und den genügenden Niederschlagsmengen, die eine immergrüne Vegetation mediterranen und asiatischen Ursprungs möglich machen. Zahlreich sind die Ähnlichkeiten mit den nahen italienischen historischen Gärten, zum Beispiel des Langensees.
Viele Parkanlagen sind allerdings zurzeit nur schwer identifizierbar – wegen fehlender oder wenig sorgfältiger Pflege; andere haben ihre ursprüngliche Pracht bereits zurückerhalten; für andere wiederum liegen Pläne zur Wiederherstellung und teilweiser öffentlicher Benutzung vor. Viele historische Gärten, welche in Privatbesitz waren, sind heute allgemein zugänglich, nur wenige wurden von Anfang an als öffentliche Anlagen konzipiert.
Die bis heute älteste, dokumentierte Anlage (noch unveröffentlicht) befindet sich in Riva San Vitale am unteren Luganersee. Es handelt sich um den von einer hohen Mauer umschlossenen Park der Casa Della Croce, in unmittelbarer Nähe der berühmten Kirche Santa Croce (1591). Bereits 1594 erwähnt und zu Beginn des 18. Jahrhunderts gerühmt, wies der untere Teil der Anlage ursprünglich eine regelmässige Struktur aus der Spätrenaissance auf. In den folgenden Jahrhunderten erstellte Terrassierungen, Wasserspiele und Brunnen haben die Anlage in einen romantisch geprägten Garten verwandelt.
Für die historisch wichtige Anlage liegt ein Projekt des Landschaftsarchitekten Andrea Branca vor, das eine partielle Rückführung in den Originalzustand – besonders für den unteren Teil aus der Spätrenaissance – vorsieht und auch eine teilweise Öffnung für das Publikum nicht ausschliesst.
Bild: Andrea Branca, Minusio