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Die schlechtesten US-Präsidenten
Für viele Leute ist es schon lange klar: Donald Trump ist der bisher schlechteste Präsident der USA. Doch das ist «extrem unfair», wie Trump wohl selbst twittern würde. Erstens hat Trump noch mindestens dreieinhalb Jahre Zeit, um Amerika wieder zu gross zu machen. Und zweitens wird es erst in einigen Jahrzehnten möglich sein, das Wirken des 45. US-Präsidenten angemessen zu beurteilen.
Die 44 Vorgänger von Trump lassen sich jedoch bewerten. Im Ranking-verliebten Amerika gibt es eine Tradition der Präsidentenbeurteilung, obwohl es sehr schwierig ist, unterschiedliche Epochen zu vergleichen. Zudem ist Geschichtsschreibung immer politisch. Es gibt republikanische Listen und demokratische Listen. Auch der Forschungsstand und der Zeitgeist spielen eine Rolle. Trotzdem hat sich ein Konsens etabliert bei der Frage nach den Tops und den Flops. Das spiegelt sich etwa in der «Presidential Historians Survey 2017» des TV-Senders C-SPAN.
«Mein Gott, dieser Job ist die Hölle»
91 Historiker bewerteten die US-Präsidenten anhand von zehn Kriterien, wie etwa Leadership in Krisen, Wirtschaftskompetenz, moralische Autorität, Visionen/Agendasetting oder auch Einsatz für Rechtsgleichheit für alle Menschen – immer unter Berücksichtigung des historischen Kontextes.
Das Präsidentenranking 2017 des TV-Senders C-SPAN. (Quelle: Youtube/C-SPAN)
Als schlechtester Präsident in den letzten hundert Jahren gilt Warren G. Harding (1865–1923). Der Republikaner war 1921 ins Weisse Haus gezogen, zweieinhalb Jahre später verstarb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Harding stand für eine isolationistische Aussenpolitik als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg und für eine wirtschaftspolitische «Laissez faire»-Haltung. «Zurück zur Normalität», hatte der einflussreiche Zeitungsverleger aus Ohio im Wahlkampf versprochen. Normalität in seiner kurzen Amtszeit waren vor allem Skandale. Seinen Freunden hatte der Präsident lukrative Posten zugeschanzt. In den Medien war bald von der Ohio-Gang die Rede. Hardings engster Beraterstab, Justiz- und Innenminister, hohe Beamte – sie alle waren in Korruptionsaffären verwickelt. Angeblich wusste er nichts von den Gaunereien seiner Leute. Harding selbst zeigte wenig Lust am Regieren. Vielmehr widmete er sich nächtelangem Zechen und Pokern oder seinen ausserehelichen Liebschaften. «Mein Gott, dieser Job ist die Hölle», wird Harding, der 29. US-Präsident, in Biografien zitiert.
Scheitern auf ganzer Linie
Für viele Historiker gilt Harding als der Schlechteste in der US-Präsidentengeschichte, die 1789 mit George Washington begonnen hatte. Die «Presidential Historians Survey 2017» nennt aber drei noch miesere Präsidenten: Franklin Pierce, Präsident 1853–1857, Andrew Johnson, Präsident 1865–1869, sowie James Buchanan, Präsident 1857–1861. Johnson entging haarscharf einem Amtsenthebungsverfahren, er liegt aber noch vor Buchanan, der als schlechtester US-Präsident aller Zeiten gilt.
James Buchanan (1791–1868) hatte als Diplomat, Kongressabgeordneter und Aussenminister Karriere gemacht, bevor er 1857 ins Weisse Haus zog. Der demokratische Politiker hatte das Pech, dass seine Präsidentschaft in die Zeit stark zunehmender Spannungen zwischen den Nord- und den Südstaaten fiel. Buchanan scheiterte als Krisenmanager und Integrationsfigur. Die tiefe soziale und politische Spaltung zwischen den beiden Lagern, insbesondere in der Sklavenfrage, sollte schliesslich zum Sezessionskrieg (1861–1865) führen. Bei seiner Antrittsrede hatte Buchanan die Sklaverei noch als ein Thema «von wenig praktischer Bedeutung» bezeichnet, dabei hatten schon zwei Jahre zuvor in Kansas bürgerkriegsähnliche Konflikte zwischen Befürwortern und Gegnern der Sklaverei begonnen. Wenig Glück und Geschick hatte der US-Präsident auch bei der Bewältigung einer schweren Wirtschaftskrise. Zudem lieferte er sich einen Streit mit den Mormonen in Utah.
Nach dem schlechtesten kam der beste
Buchanan, zermürbt und verbittert, verzichtete auf die Kandidatur für eine zweite Amtszeit. Bei der Amtsübergabe im März 1861 sagte Buchanan einen denkwürdigen Satz zu seinem Nachfolger: «Wenn Sie so glücklich sind, das Präsidentenamt anzutreten, wie ich es bin, dass ich es verlassen kann, dann sind Sie ein wirklich glücklicher Mann.» Buchanans Nachfolger war der Republikaner Abraham Lincoln, der in allen Rankings als bester US-Präsident der Geschichte gilt. Im Bürgerkrieg führte Lincoln den Norden zum Sieg über den Süden, und er stellte die Einheit der Nation wieder her. Lincolns Politik führte 1865 auch zur Abschaffung der Sklaverei. Buchanan hatte sich längst aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Der 15. Präsident starb einsam im Alter von 77 Jahren. Der US-Journalist Robert Strauss hat letztes Jahr ein Buch über Buchanan veröffentlicht. Der Titel: «Worst. President. Ever.».
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