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Die Uni Freiburg lädt am 10. Dezember zu einem Erinnerungsabend an den deutschen Schriftsteller W. G. Sebald ein. Nebst einer Lesung und Musik erzählt die ehemalige SP-Grossrätin Gertrud Aebischer-Sebald aus dem Leben ihres vor zwanzig Jahren verstorbenen Bruders.
Winfried Georg Sebald, der seine beiden Vornamen ablehnte und deshalb in der Öffentlichkeit unter W.G. bekannt wurde, ist einer der international bekanntesten Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, der rege und kontrovers diskutiert wird. Der Sohn deutscher Eltern wurde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Allgäu geboren. Sein Vater war Hauptmann in der Wehrmacht. Schon als Jugendlicher empörte sich Sebald über das Schweigen der Vätergeneration über die Kriegsereignisse und den Holocaust.
Und so wurde es zu seiner Lebensaufgabe, sich dagegen aufzulehnen. Er begann, die Vergangenheit literarisch zu rekonstruieren. Durch Werke wie «Die Ringe des Saturn» und «Austerlitz» erlangte er ab den 1990er-Jahren Bekanntheit und wurde vielfach ausgezeichnet, so unter anderem mit dem Heinrich-Böll-Preis und dem Heinrich-Heine-Preis. Am 14. Dezember 2001 starb er infolge eines Herzinfarktes bei einem Autounfall.
«Flucht» in die Schweiz
Aus Anlass des 20. Todestages Sebalds veranstaltet das Germanistik-Departement der Universität diesen Freitag nun einen Abend der Erinnerung. Im Zentrum stehen nicht nur seine Texte, wie Mitorganisatorin und Germanistin Emily Eder erklärt, sondern auch der Mensch Sebald. Denn, was wenige wissen, Sebald lebte von 1965 bis 1966 in der Stadt Freiburg, wo er an der Uni das Lizenziat in Germanistik erwarb. Er war zu seiner älteren Schwester Gertrud Sebald-Aebischer gezogen, die hier bei einem Sprachaufenthalt ihren Mann kennengelernt und geheiratet hatte. «Er kam aus Protest in die Schweiz», erzählt Eder. Denn zu jener Zeit wurden in Frankfurt die Auschwitz-Prozesse geführt und Sebald kritisierte, dass die Universität Freiburg in Breisgau, wo er vorher studiert hatte, die Entnazifizierung nicht vollzogen hatte.
Während einem Jahr lebte Sebald in der Saanestadt und fühlte sich seiner Schwester zufolge hier «sehr wohl, frei und unbeobachtet». Danach wanderte er nach England aus, wo er später als Literaturprofessor und Schriftsteller tätig wurde. Gertrud Sebald-Aebischer, die in den 1970er- und 80er-Jahren für die SP im Grossen Rat sass und heute in Ependes wohnt, wird am Freitagabend im Centre Le Phénix von ihrem Bruder und seiner Zeit in Freiburg berichten.
Erinnerungskultur
Die Organisatoren betreiben mit dem Gedenkanlass somit ein Stück Erinnerungskultur, wie es auch die Werke Sebalds tun. «Sie basieren auf dem Zeugnis seiner Familiengeschichte und bewegen sich auf der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation», erklärt Emily Eder. «Sebald macht weder bei seiner für ihn typischen Einbindung von Fotografien in den Büchern noch in den Texten selber Quellenangaben.» Mit dem Anlass wollen das Departement für Germanistik und sein Professor Ralph Müller zudem Wissenschaft einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Geschichte und das Werk Sebalds bieten sich dafür geradezu an. «Denn es gibt niemand, der keine eigene Familiengeschichte hat», sagt Eder.
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