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FV-93 | Die Interaktion zwischen Digitalisierung und demographischem Wandel und deren Auswirkungen auf den Schweizer Pharmasektor
Prof. C. Wunsch, M. Buchmann
Ziele des Projektes
Aufbauend auf einem während der Dissertation von Manuel Buchmann entwickelten Modelles für die gesamte Schweizer Wirtschaft, sowie dessen Weiterentwicklung im Vorgängerprojekt dieser Studie, analysieren wir die Interaktionen zwischen Digitalisierung und demografischem Wandel und ihre Auswirkungen auf die Pharmabranche.
Realisierte Schritte
Der aktuelle Stand der Literatur wurde analysiert und eine Lücke festgestellt. In einem oft verwendeten Ansatz wird die Digitalisierung – versinnbildlicht durch Roboter – als eine Art Kapital definiert, das in direkter Konkurrenz zum Produktionsfaktor Arbeit steht. Es wird also angenommen, dass einmal in einen Roboter investiert wird, und dieser dann eine Arbeitskraft ohne weitere Inputs für immer ersetzen kann. Ein wichtiger zu erwartender Effekt in einem multisektoralen Modell ist aber, dass die Digitalisierung zu einem Anstieg der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus der ICT-Branche führen sollte, nicht nur durch die einmalige Produktion von Robotern, sondern auch deren Wartung, die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz sowie andere Aspekte der Digitalisierung. Um diesem Effekt Rechnung zu tragen haben wir eine alternative Modellierung entwickelt, die Roboter nicht als Kapital, sondern als Vorleistung der ICT-Branche betrachtet. Gemeinsam mit den Co-Autoren Marcel Mérette und Patrick Georges (beide University of Ottawa) wurde diese Modellierung erfolgreich in eine Version des Modells der Vorgängerstudie implementiert. Ebenso wurde als Vergleich die traditionelle Art der Modellierung in die Modellstruktur des existierenden Modells implementiert. Um die wirkenden Zusammenhänge besser identifizieren zu können, wurde die Dimensionalität des Modells deutlich reduziert und einige Komponenten aus der Modellstruktur entfernt. Der resultierende Vergleich stellt die Grundlage für die geplante akademische Publikation dar. Das detaillierte Modell, welches auch den Pharmasektor enthält, ist als konkretes Anwendungsbeispiel geplant. Diese Arbeiten befinden sich in der Abschlussphase. Als zusätzliche Erweiterung und potenzielles zweites akademisches Paper wird aktuell die Digitalisierungskomponente weiterentwickelt, indem ein Lebenszyklus
für Digitalisierungsprodukte (Software) unterstellt wird. Software trägt zunächst zu einem starken Produktivitätsgewinn bei, verliert aber über die Jahre an Nutzen, bis sie vom Unternehmen mit einer neuen Software ersetzt wird.
Ergebnisse
Ein Vergleich der verschiedenen Modellversionen zeigt, dass die Art und Weise, wie Digitalisierung modelliert wird zu signifikanten Unterschieden in den Ergebnissen führt. Beide Versionen – die traditionelle Interpretation von Robotern als Kapital und die neue Interpretation von Digitalisierung als laufende Vorleistung – bilden einen relevanten Aspekt der Digitalisierung ab. Insbesondere die neu entwickelte Interpretation von Digitalisierung als Vorleistung zeigt, dass Digitalisierung nicht in allen Fällen zu einer Abschwächung des demografisch bedingten Fachkräftemangels führt, sondern in gewissen Branchen mit einer Zunahme des
Fachkräftebedarfs zu rechnen ist. In allen realitätsnahen Modellversionen dominiert der Effekt des demografischen Wandels aber den Effekt der Digitalisierung, es wird also trotz Digitalisierung in einem Grossteil der Branchen – darunter auch die Pharmabranche - zu einer Zunahme des Fachkräftemangels kommen. Ebenso resultiert in allen Modellversionen ein negativer Effekt auf das Wirtschaftswachstum, welcher aber in den Versionen mit Digitalisierung weniger ausgeprägt ist.
Publikationen
Eine akademische Publikation ist im Verlauf des Jahres 2022 geplant. Eine Weiterentwicklung des Modells wird aktuell geprüft und könnte ggf. zu einer zweiten akademischen Publikation führen.