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diejenige der Gemeinden weit übersteigt (476 Schulen auf 281 Gemeinden), erleichtert den Kindern namentlich in den Gegenden mit zerstreuter Siedelung den Schulbesuch und begünstigt die strikte Durchführung des Obligatoriums.
Die Lehrer und die 8 Schulinspektoren werden vom Staat ernannt, die Schulkommissionen dagegen von den Gemeinderäten, mit Ausnahme von je einem Mitglied, dessen Wahl sich der Staat vorbehält. Die Besoldung des Lehrpersonales steht heute etwas über dem Gesamtmittel der Schweiz und beträgt gesetzlich in barem Gelde für die Lehrer 1300 Fr. und für die Lehrerinnen 1100 Franken im Maximum; rechnet man dazu noch freie Wohnung, Garten- und Pflanzland und Brennholz, die zusammen einen Wert von 200 Franken darstellen, so erhält man eine Maximalbesoldung von 1500, bez. 1300 Franken. Die Hauptarbeit fällt der Schule im Winter u. Frühjahr zu; pro Jahr werden mindestens 40 Wochen Schule zu je 5 ganzen Schultagen gefordert. Unter den 476 Schulen des Kantons zählt man 353 Schulen mit französischer und 123 mit deutscher Sprache, ferner 125 Knaben-, 118 Mädchen- und 233 gemischte Schulen. Von den 20477 Primarschülern des Kantons waren 11001 Knaben und 9476 Mädchen.
Primarschulunterricht wird ausserdem noch in den Asylen, Waisenhäusern, freien Schulen, Pensionnaten, Instituten etc. erteilt. Die 11 Bezirksschulen (6 französische und 5 deutsche) haben einen besonders für die Bedürfnisse der Landwirtschaft bestimmten erweiterten Lehrplan. Es bestehen 7 Sekundarschulen: je eine in Bulle, Romont, Châtel Saint Denis, Estavayer, und Murten und zwei (Mädchen- und Knabensekundarschule) in Freiburg. Von diesen Schulen können diejenigen mit dem ausgebildetsten Lehrplan den Progymnasien anderer Kantone an die Seite gestellt werden.
Das kantonale Lehrerseminar in Hauterive zählte 1900 in 4 Klassen und einem Vorkurs 75 Zöglinge; ein kantonales Lehrerinnenseminar fehlt, dagegen bestehen noch 4 private Seminare. Die 1834 gegründete Alterskasse für Primar- und Sekundarlehrer zählt heute 522 Mitglieder, von denen 107 Beiträge beziehen, und hat einen Barbestand von 294714 Franken. Der Staat leistet an sie einen jährlichen Beitrag von etwa 10000 Franken. Die Ruhegehälter, die zuerst nach 20 Dienstjahren jährlich 70 Franken betrugen, sind 1881 durch Gesetz auf 300 Franken für 35 Dienstjahre erhöht worden und stellen sich heute auf 500 Franken nach 31 Dienstjahren.
Dem höheren Unterricht dienen das Kollegium St. Michael und die Universität in Freiburg. Hilfsmittel für den Unterricht sind das naturhistorische Museum (mit je einer Abteilung für Physik u. Naturwissenschaften), das Kunst- und historische Museum (mit je einer Abteilung für Archäologie, alte und moderne Kunst, Münzwesen und historische Denkmäler), das Museum Marcello, das pädagogische Museum, das Gewerbemuseum und verschiedene Bibliotheken. Die Totalsumme der kantonalen Primarschulfonds beträgt 4767888 Franken; für das Kollegium St. Michael und die Universität bestehen eigene Stiftungen.
Gesundheits- und Unterstützungswesen.
Der Kanton Freiburg zählte im Jahr 1900 38 Aerzte (davon etwa 30 in den Städten), 18 Apotheker, 5 Zahnärzte und 143 Hebammen. In den Städten kommt auf etwa 1000 Ew. und auf dem Lande auf etwa 4000-5000 Ew. je ein Arzt. Der Kanton ist reich an Kranken- und Versorgungsanstalten: Irrenheilanstalt Marsens, mit allem Komfort und nach den neuesten wissenschaftlichen Forderungen eingerichtet;
Spitäler in Freiburg und Meyriez;
Bezirksspitäler und Armenhäuser in Billens, Attalens, Bulle, Châtel Saint Denis, Estavayer le Lac (Stäffis), Freiburg, Greierz, Riaz und Tafers;
Waisenhäuser in Burg, Freiburg, Gauglera, Montet, St. Wolfgang und Sâles;
Alterasyle in Auboranges, Bulle, Châtel Saint Denis, Freiburg, Gurmels, Treyvaux etc.;
Anstalt St. Nikolaus in Drognens für verwahrloste Kinder, Taubstummenanstalt St. Joseph in Greierz etc. Einen wichtigen Zweig der öffentlichen Verwaltung bildet das Unterstützungs- und Armenwesen.
Die Gesetzgebung hat auf eine Verbindung der privaten mit der staatlichen Wohltätigkeit derart hingearbeitet, dass heute das gesamte Armenwesen unter der Aufsicht des Staates steht. Die Gesamtausgaben von Staat, Gemeinden, Armenhäusern u. verschiedenen Stiftungen zum Wohle der Armen betrugen im Jahr 1899 nahezu 2 Millionen Franken, d. h. 17 Franken pro Kopf der Bevölkerung; schon die von den Gemeinden allein für diese Zwecke aufgewendeten Summen ergeben 5,51 Franken auf einen Einwohner. Das gesamte Armen- und Unterstützungswesen ist während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutend vervollkommnet worden.
Militärwesen.
Im Jahre 1901 stellte der Kanton Freiburg zum eidgenössischen Heer folgende Truppen:
Somit Auszug und Landwehr zusammen 9150 Mann. Rechnet man dazu noch den Landsturm mit 12319 Mann, so erhalten wir eine effektive Truppenstärke von 21469 Mann. Daneben bezahlen 12190 Mann Militärsteuer. Von den 1460 Rekruten und Zurückgestellten, die sich 1901 zur Rekrutierung stellten, sind 682 oder 46,8% diensttauglich befunden, 137 zurückgestellt und 641 endgiltig untauglich erklärt worden.
Gewerbe und Industrie.
Der Kanton Freiburg macht keinen Anspruch auf die Bezeichnung eines Industrielandes im modernen Sinne dieses Wortes. Doch sind die mit der Landwirtschaft zusammenhängenden Handwerke und Gewerbe immerhin von einer nicht geringen Bedeutung. Im 15. Jahrhundert war dagegen die Stadt Freiburg einer der wichtigsten industriellen Mittelpunkte des Landes, und das Freiburger Tuch und Leder erfreute sich zu jener Zeit europäischer Berühmtheit. Die Lederindustrie allein beschäftigte 700 Gesellen u. die Tuchindustrie wohl ebensoviel; 20000-30000 Tuchballen gingen damals ¶
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alljährlich aus den Tuchwebereien des Uechtlandes hervor. Mit Deutschland, Italien und Frankreich stand Freiburg in ausgedehnten Handelsbeziehungen, u. zur Erleichterung der Ausfuhr bestanden in Genf und Zurzach grosse Niederlagen. Diese Blütezeit dauerte bis nach den Burgunderkriegen, dann begann der Niedergang der Industrie, der so weit ging, dass sie heute blos noch durch die Strohflechterei u. einige wenige Fabriken vertreten ist. Neuestens scheint es, als ob die industrielle Tätigkeit im Kanton sich wieder neu beleben werde, indem dank der neugeschaffenen Elektrizitätswerke bereits eine Anzahl von neuen Fabrikbetrieben entstanden ist.
Die Strohflechterei und Strohhutfabrikation beschäftigt trotz des diesbezüglichen schlechten Geschäftsganges im Greierzerland, im Oberland des Sensebezirkes und in einem Teil des Saanebezirkes noch eine grosse Zahl von Arbeitern und bringt jährlich noch beträchtliche Geldsummen ins Land. Ferner ist die Zurichtung und Ausfuhr von Bauholz für den Kanton eine bedeutende Einnahmequelle; das Holz wird ferner in zahlreichen Schreinereien und in der Parketteriefabrik zu La Tour de Trême auch im Lande selbst verarbeitet.
Lange Jahre hindurch hatte der Kanton Wolltuch, Leinwand und Leder ausgeführt; nachdem diese Industriezweige dann eine Zeit lang gänzlich eingegangen waren oder sich auf die in sehr bescheidenem Massstab und mit Hilfe des veralteten Handwebstuhles betriebene Herstellung von Barchent und Halbleinen beschränkten, scheinen sie jetzt wieder zu neuer Blüte gelangen zu wollen. Tuchfabriken und Gerbereien sind in Freiburg und in andern Gegenden des Kantons neu entstanden, und der primitive Webstuhl macht allmählig der Arbeit in den Fabriken Platz.
Schwach entwickelt ist die Uhrenindustrie, die einzig in der Uhrenfabrik von Montilier einigermassen nennenswert vertreten ist; daneben besteht an verschiedenen Orten, besonders im Bezirk Broye auch eine gewisse Anzahl von Uhrsteinschleifereien. Die Glashütte in Semsales findet für ihre weit bekannten Produkte leichten Absatz. Auch die schon 1411 erwähnte Papierfabrik in Marly ist wohl bekannt u. erfreut sich ihrer vorzüglichen Fakrikate wegen eines grossen Abnehmerkreises; ferner arbeitet in Marly noch eine Fabrik zur Herstellung von patentierten elektrischen Akkumulatoren für Beleuchtungs-, Kraftübertragungs-, Telegraphen-, Telephon-, Läutanlagen etc. Sehr geschätzte Chokolade liefern die noch nicht lange Zeit bestehenden Fabriken in Broc und Villars sur Glâne, Teigwaaren die zwei Fabriken in Pérolles und Sainte Apolline (Gemeinde Villars sur Glâne).
Die Konservenfabrik zu Saxon hat in Kerzers (Chiètres) ein Zweiggeschäft gegründet, das in vollem Betrieb steht. Grosse mechanische Ziegeleien arbeiten in Düdingen, Lentigny u. Fétigny. Freiburg hat eine Kunstdüngerfabrik. Ferner sind noch eine grosse Anzahl von anderen, kleineren Fabriken über verschiedene Gebiete des Kantons verteilt. Am standen im Kanton Freiburg 77 Fabrikbetriebe mit zusammen 2344 Arbeitern unter der eidgenössischen Fabrikaufsicht. Technische Bildung vermitteln das Technikum (École des Arts et Métiers) zu Freiburg, die Berufssekundarschule, die Korbmacher- u. Buchbinderschule, verschiedene gewerbliche Unterrichtskurse etc.
Im Kanton bestehen eine Reihe von Wasser u. Elektrizitätswerken, die Licht und Kraft liefern: Werk Magerau (La Maigrauge), das von Ingenieur Ritter 1872 an der Saane bei Freiburg erbaut und eingerichtet worden ist. 1888 kaufte es der Staat um die Summe von 650000 Franken der Wasser- und Forstverwaltung ab;
er liess zahlreiche Verbesserungen vornehmen und gestaltete namentlich die Kraftübertragungsanlagen um.
Heute schöpfen die Pumpen des Werkes in je 24 Stunden 5733 m3 Wasser;
die Kraft wird durch den elektrischen Strom an 56 Elektromotoren von je 0,1-100 HP oder von zusammen 350 HP und an 4615 elektrische Lampen von zusammen 64800 Kerzen oder etwa 600 HP abgegeben.
Die Magerau ist ausschliesslich staatliches Institut. Das 1893 von einer Aktiengesellschaft unter Beihilfe der Stadt Bulle ins Leben gerufene Werk von Galmiz (Charmey) liefert der Stadt Bulle und 8 umliegenden Ortschaften elektrisches Licht und für 11 Motoren von zusammen 70 HP die nötige Triebkraft. 1896 entstand das Werk von Montbovon mit einer Kraft von 3000 HP, die vermittels dreier Leitungen nach Montreux und Umgebung, nach Châtel Saint Denis und Semsales und endlich auf dem Weg durch das obere Greierz und über Bulle nach Mézières und Romont im Broyethal geführt wird.
Das grösste Werk des Kantons befindet sich in Hauterive; es umfasst drei Teile: das Stauwerk von Thusy an der Saane (unterhalb Pont la Ville), den Zuleitungskanal und die Einrichtungen in Hauterive selbst. Es wird acht Generatoren von je 1100 HP erhalten, die je nach Massgabe des Bedürfnisses eingerichtet werden sollen;
zunächst sind blos 4 Turbinen mit 1100 HP montiert.
Das am Jaunbach gelegene Werk von Broc ist Eigentum der Chokoladefabrik Cailler; es besitzt zwei mit Dreiphasenstrommaschinen in Verbindung stehende Turbinen von je 550 HP und eine dritte von 50 HP, die zur Beleuchtung der Fabrik u. des Dorfes Broc verwendet wird. Von 1800 verfügbaren HP werden 1150 ¶