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Moshé Feldenkrais studierte Ingenieurwissenschaften, studierte Physik an der Sorbonne, arbeitete am Institut Pasteur mit den Nobelpreisträgern Joliot-Curie an der ersten Kernspaltung in Frankreich, forschte in den Bereichen Neuro- und Verhaltensphysiologie sowie Neuropsychologie, war zwanzig Jahre lang Judolehrer und der erste Europäer, der den schwarzen Gürtel erhielt. In dieser Zeit traf er auch Kano Jigoro, den Begründer des Judo.
Ab 1952 begann Feldenkrais seine Methode intensiv auszuarbeiten und gründete in Israel sein eigenes Institut und ab 1960 bildete er Feldenkrais-Lehrer und –Lehrerinnen in der ganzen Welt aus.
«Wir handeln dem Bild nach,» sagt Feldenkrais, «das wir uns von uns machen. Ich esse, gehe, spreche, denke, beobachte, liebe nach der Art, wie ich mich empfinde. Dieses Ich-Bild, das einer von sich macht, ist teils ererbt, teils anerzogen; zu einem dritten Teil kommt es durch Selbsterziehung zustande.»[1] Ererbt haben wir unsere biologischen und physischen Eigenschaften: Gestalt und Nervensystem, Skelett, Muskulatur, Gewebe, Haut und Sinne. Erziehung formt unser Denken, Handeln und Reagieren, wie es für ein Leben in der Gesellschaft wünschenswert ist. Selbsterziehung ist häufig unser aktivster Teil und bestimmt, wie wir die Erziehung aufnehmen: was wir lernen und was nicht, was wir verweigern und was wir uns nicht aneignen wollen. Erziehung und Selbsterziehung wechseln sich ab, beeinflussen sich und uns ein Leben lang.
Wenn wir den Wunsch haben, ein bestimmtes Verhalten oder Handel zu verändern, beispielsweise um bessere sportliche Leistungen zu erreichen, aber auch schmerzliche Bewegungen oder körperliche Behinderungen zu verändern, dann müssen wir am Bild von uns selbst etwas ändern, damit wir alternative Bewegungsmuster finden und neu erlernen können.
[1] Moshé Feldenkrais (1978): Bewusstheit durch Bewegung. Suhrkamp Taschenbuch, S. 19
Um den Menschen das zu ermöglichen, hat Feldenkrais ein pädagogisches Konzept entwickelt, das auf zwei Wegen des Selbstlernens beruht. «Bewusstheit durch Bewegung» ist ein Lernprogramm, das die KursteilnehmerInnen unter Anleitungen des Feldenkrais-Lehrers für sich lernen. Dabei geht es nicht um Körperübungen im herkömmlichen Sinn, wie etwa Gymnastik. Alles dreht sich um das Nachspüren von vielen winzigen Bewegungen des eigenen Körpers. Und der inneren Wahrnehmungen, die sie erzeugen, um schliesslich jene besondere Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Körper zu erlernen, die er braucht, um seine volle Beweglichkeit zu erlangen, sich zu erhalten und sich wohlzufühlen.
Mit «Funktionaler Integration» wird die Erkundungsarbeit beschrieben, die unter Anleitung der TherapeutInnen die KlientInnen mit ihrem Körper leistet. Sie geschieht in Einzelbehandlungen, die den körperlichen Gegebenheiten und persönlichen Bedürfnissen der Klientin bzw. des Klienten angepasst werden. Auch hierbei geht es im Prinzip um dieselben Ziele: Den Bewegungen, Sinnesempfindungen, dem Gefühl und Denken durch Bewegungserfahrung nachzuforschen, um sie zu verändern und weiterzuentwickeln.