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Gestaltung | Architektur | Künste
Kim Spieser, 2003 | Lachen, SZ
Das Ziel dieser Arbeit ist, einen von Hand gezeichneten, animierten Kurzfilm im Coming-of-Age-Genre zu kreieren. Der praktische Teil besteht darin, den ganzen Prozess der Entwicklung eines Animationsfilms umzusetzen, d. h. eine Geschichte zu entwickeln, das Design zu gestalten, die Geschichte zu animieren, die Musik zu komponieren, den Film zu vertonen und zu schneiden. Der theoretische Teil der Arbeit befasst sich mit der Dokumentation des gestalterischen Entwicklungsprozesses und der Theorie, auf der die Entscheidungen basieren.
Fragestellung
Um erfolgreich einen Animationsfilm zu kreieren, stellte ich mir drei Fragen, die die theoretische, praktische und kreative Umsetzung eines animierten Kurzfilmes behandeln: (I) Was sind die einzelnen Entwicklungs- und Prozessschritte bei der Herstellung eines Animationsfilmes? (II) Wie kann ich diese Schritte technisch/methodisch umsetzen? (III) Wie kann ich die Coming-of-Age-Thematik durch das Animationsmedium am besten transportieren?
Methodik
Um mir einen Überblick über das Thema Animation zu verschaffen, las ich mich in die Fachliteratur ein. Die dabei gewonnenen theoretischen Grundlagen vertiefte ich durch Interviews mit zwei Animatoren. Dadurch konnte die Theorie kritisch aus der Perspektive von Experten diskutiert werden. Dies war für mich wichtig, da es sich hierbei um eine praxisorientierte Arbeit handelte und die vorhandene Literatur nicht genügend Praxiswissen enthielt. Die Entwicklung der Geschichte startete damit, ein Gefühl für das Coming-of-Age-Genre zu bekommen, indem das Genre der Coming-of-Age-Filme analysiert und interpretiert wurde. So konnte ich später auch bewusst entscheiden, welche gebräuchlichen Elemente dieses Genres ich verwenden wollte und welche nicht. Die Filmanalysen bildeten, zusammen mit meinem Tagebuch, die Inspirationsquelle für die Geschichte des Kurzfilmes. Der grobe Entwurf wurde auf einem Zeitstrahl, ausgedehnt auf die Ziellaufzeit von zwei Minuten, mittels Notizzetteln dargestellt. So konnte ich das Gerüst der Geschichte aufbauen. Die Funktion der Notizzettel war, dass die Ideen nicht zu stark ausgearbeitet wurden. Dadurch blieb die Flexibilität bestehen, um die Geschichte immer wieder zu optimieren. Parallel zur Entwicklung der Geschichte begann ich, das Charakterdesign zu entwickeln. Anschliessend wurde ein Storyboard erstellt, das den Kurzfilm bereits in einer gefestigteren Form zeigt. Um die Geschichte auf Verständlichkeit, Fliessfähigkeit und Emotionalität zu prüfen, erstellte ich ein Animatic. Das entwickelte Farbkonzept verstärkte die gewünschte Emotionalität und half, die Gemütslage der Protagonistin visuell darzustellen. Für die Emotionalität wurde auch auf andere Ausdrucksmittel wie die Komposition der Musik und die Einsetzung von Animationsregeln zurückgegriffen. Dabei habe ich gezielt diejenigen Regeln eingesetzt, die dem Stil und der Thematik des Filmes entsprechen. Ich habe die von Hand gezeichnete Animationsform der digitalen vorgezogen, da sie dem Charakter des Kurzfilms eher entspricht. Die Geschichte wurde auf einem Leuchtpult von Hand animiert und dann in Adobe Premiere Pro zusammengefügt. Um zu testen, wie der Kurzfilm ankommt, wurde er einem Testpublikum vorgeführt. Schlussendlich wurden solange Verbesserungen durchgeführt, bis das Ergebnis meinen Vorstellungen entsprach.
Ergebnisse
Das Ergebnis ist der Kurzfilm «Becoming An Adult» mit einer Laufzeit von drei Minuten und 50 Sekunden. Der Film besteht aus insgesamt 540 Bildern und 18 Hintergründen.
Diskussion
Mir gelang es, die Entwicklungs- und Prozessschritte erfolgreich umzusetzen. Die Handlung oder die Bedeutung der Geschichte zu transportieren, gelang mir teilweise. Bei dem älteren Publikum löste der Kurzfilm zum Teil Irritation aus, da es ihm schwer fiel, die Symbolik zu verstehen und nachzuvollziehen. Dies war mir im Voraus bewusst. Ich habe die Symbolik aber bewusst beibehalten, denn ich habe die Haltung, dass das Ziel eines Filmes nicht sein sollte, dass ihn alle vollkommen verstehen, sondern dass er bei allen ein Gefühl auslöst.
Schlussfolgerungen
Durch diese Arbeit veränderte sich meine Beziehung zum Filmmedium. Ich lernte, dass man, um einen guten Film zu machen, jeden Schritt und jede Entscheidung hinterfragen muss, wobei die Kernwerte des jeweiligen Filmes beibehalten werden müssen. Das gilt bis zu scheinbaren Kleinigkeiten wie das Einhalten oder Brechen von Klischees oder der Wahl des Equipments (z. B. bei den Tonaufnahmen). Man muss sich vorher bewusst sein, dass jede Entscheidung den Film auf irgendeine Weise beeinflusst.
Würdigung durch die Expertin
Michaela Müller
Von A bis Z selbst gemacht hat Kim Spieser ihren von Hand gezeichneten Animationsfilm über das Erwachsenwerden. Akribisch hat sie sich alle nötigen Schritte erarbeitet, von der Story über das Charakterdesign bis zum stimmigen Farbkonzept. Auch für die Tonspur ist sie verantwortlich und komponiert und singt den berührenden Schlusssong selbst. Schwierigkeiten überwindet sie, indem sie sich Rat bei professionellen Animationsfilmern holt und ihr Vorgehen anpasst. Das Feedback des Testpublikums zeigt, dass ihr persönlicher Film dem Anspruch, Emotionen auszulösen, mehr als gerecht wird.
Prädikat:
hervorragend
Sonderpreis Lucerne Festival
Kantonsschule Ausserschwyz, Pfäffikon
Lehrer: Daniel Bütler