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1789 entstand aus einer ehemaligen Hammerschmiede aus dem Jahr 1660 am St. Alban-Teich eine Textilfabrik. Neben einer Seidenzwirnerei gehörten Wohnungen, Magazine, Stallungen und Scheunen zum Areal. 1821 baute Felix Sarasin am anderen Ufer einen grossen Fabrikationsbetrieb mit einer Baumwollspinnerei. Sein Sohn Ludwig August Sarasin liess sich 1829 etwas oberhalb der Industriesiedlung «Neue Welt» eine Fabrikantenvilla bauen.
Für den Entwurf engagierte er seinen Freund Melchior Berri. Dieser kam eben erst von seiner Italienreise zurück. Wohl ganz nach dem Sprichwort «wenn einer eine Reise tut… so kann er was erzählen» schlugen sich seine Eindrücke der italienischen Renaissance in den Ideen zur Gestaltung der «Villa Sarasin», wie diese damals noch hiess, nieder. Die Motive von Andrea Palladio und Filippo Brunelleschi übersetzt er auf seine Weise. Beispielsweise hat das Gebäude eine offene Erdgeschosshalle oder einen Säulenportikus vor dem Eingang. Den Bereich über der offenen Halle allerdings nutzt Berri als verglaste Laube, eine über lange Zeit wohl typische Basler Architektur. Auf einen üblichen Gutsbetrieb allerdings wird zugunsten eines englischen Gartens verzichtet. Neben der Villa gestaltete Berri auch einen Brunnen.
In den Innenräumen finden wir eine ganze Auswahl an verschiedensten Oberflächen, wie sie im Grundrissplan detailliert zu sehen sind. Neben Bodenplatten in den unterschiedlichsten Verlegemustern und Farbgebungen, gibt es auch Mosaik oder Parkett und diverse Tapeten. Die originalen Wandmalereien sind nicht mehr erhalten. Belichtet werden die Innenräume über eine über weite Teile regelmässige Befensterung und einen zentralen Lichtgadenaufsatz.
Den Namen «Villa Ehinger» erhielt das Gebäude durch eine spätere Hochzeit einer der beiden Sarasin-Töchter. Von 1969 bis 1972 wurde die Villa durch Wilfrid und Katharina Steib renoviert. Im April 2010 sprach der Landrat einen Kredit von 2.8 Mio CHF für tiefgreifende Arbeiten. Die Gebäudehülle wurde energetisch saniert, die Fenster und Dacheindeckung ersetzt. Ebenfalls wurden Massnahmen zur Erdbebenertüchtigung ergriffen. Verschiedentlich sind auch Arbeiten an den Natursteinen durchgeführt worden. Seit Oktober 2011 sind die Arbeiten abgeschlossen. Die Räume dienen nun dem Musik-Unterricht des Gymnasiums Münchenstein.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Villa Ehinger Münchenstein
Adresse: Baselstrasse 31, 4142 Münchenstein
Architektur: Melchior Berri
Baujahr: 1829/30
Renovation: 1969-1972 (Wilfried und Katharina Steib)
Instandsetzung: 2011 (Generalplanerteam Fierz Architekten Plus+)
Funktion: Fabrikantenvilla, heute Musik-Unterrichtsräume
Fotos:
– © Simon Heiniger, Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler Basel-Landschaft