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Indiens Errungenschaft: Benennung der Covid-Mutationen nach dem griechischen Alphabet
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Indiens Errungenschaft: Benennung der Covid-Mutationen nach dem griechischen Alphabet
In den sozialen Medien wird nun mehrfach behauptet, es gebe gar keine indische Corona-Variante. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kenne keine indische Variante mit der Bezeichnung B.1.617. Ein Schreiben des indischen Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie soll diese These belegen.
Die Behauptung ist falsch. Indien bestreitet nicht die Existenz der Variante B.1.617. Die Behörde wehrt sich lediglich gegen den Begriff «indische Variante». Stattdessen soll die offizielle wissenschaftliche Bezeichnung verwendet werden.
Viren verändern sich im Laufe der Zeit – so auch Sars-CoV-2. Die WHO überwacht diese Veränderungen. Je nach Eigenschaften einer Mutation ist diese eine Variante von Interesse (Variants of Interest VOIs) oder eine besorgniserregende Variante (Variants of Concern VOCs).
Besorgniserregende Varianten sind schneller übertragbar oder verändern die epidemiologische Lage nachhaltig. Gegebenenfalls ist auch die Virulenz erhöht, oder das Krankheitsbild wird nachhaltig verändert. Bereits vorher getroffene Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie können je nachdem ihre Wirksamkeit verlieren.
Die Varianten von Interesse weisen genetische Veränderungen des Virus auf. Diese können möglicherweise Viruseigenschaften wie Übertragbarkeit oder die Schwere der Krankheit beeinflussen oder vom Immunsystem umgangen werden. Eine Mutation zählt zudem als Variante von Interesse, wenn die Häufigkeit in mehreren Regionen und Ländern zunimmt bei gleichzeitig steigenden Fallzahlen. Allenfalls kann eine VOIs die epidemiologische Lage beeinflussen und ein Risiko für die globale öffentliche Gesundheit darstellen.
Im Oktober 2020 wurde die Mutation B.1.617 zum ersten Mal in Indien entdeckt, welche die Delta-Variante, B.1.617.2, hervorbrachte. Seit April 2021 beobachtet die WHO die Untervariante B.1.617.2 als Variante von Interesse, seit Mai gilt die Delta-Variante als besorgniserregend.
Am 21. Mai 2021 veröffentlichte das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie ein Schreiben, adressiert an die sozialen Medien. Die Behörde bittet die Plattformen, Beiträge mit der Bezeichnung «indische Variante» zu entfernen. In der Mitteilung wird ebenso darauf hingewiesen, dass die WHO den Begriff «indische Variante» nicht mit B.1.617 verbinde.
Das Schreiben verweist auf eine Pressemitteilung des indischen Gesundheitsministeriums vom 12. Mai 2021. Darin heisst es, die WHO habe B.1.617 als weltweit besorgniserregende Variante eingestuft. Die Existenz dieser zuerst in Indien entdeckten Mutation bestreitet die indische Behörde nirgends. Sie stört sich lediglich an deren Bezeichnung. Eine Google-Recherche zeigt, dass die WHO mehrheitlich von der «Variante, die ursprünglich in Indien identifiziert wurde» spricht.
Ende Mai veröffentlichte die WHO eine Medienmitteilung zur Namensgebung der Sars-CoV-2-Varianten. Neu werden diese nach dem griechischen Alphabet bezeichnet. Dies dient als Erleichterung, da die komplizierten wissenschaftlichen Namen in der Berichterstattung fehleranfälliger sind.
Dieses System der Namensgebung soll die Stigmatisierung und Diskriminierung der betroffenen Länder und Regionen vermeiden. Wie Brigitte Nerlich von der Universität in Nottingham bereits im Februar schrieb, eignen sich länderspezifische Namen für «negatives Framing». Dies könne mit ausländer- und migrantenfeindlichen Einstellungen einhergehen.
Die WHO beschäftigte sich schon vor der Pandemie mit der Namensgebung von Infektionskrankheiten. Negative Assoziationen sollen aufgrund der Bezeichnungen verhindert werden, um negative Auswirkungen auf Handel und Tourismus zu minimieren sowie kulturelle, soziale und ethische Gruppen nicht zu verletzen.
Aktuelle Lage in der Schweiz: Seit Anfang Juli 2021 ist die Delta-Variante in der Schweiz die am häufigsten vorkommende Variante. Etwa 96 Prozent aller Covid-Fälle waren Anfang August auf Delta zurückzuführen. Im Juli 2021 berichteten mehrere Medien, dass eine neue Mutation in Europa und auch in der Schweiz angekommen sei: die Lambda-Variante. Sie wurde ursprünglich in Südamerika entdeckt.
Facebook-Post:
(archiviert: https://archive.ph/epLuq)
WHO: Liste der Covid-Varianten und Definition «Variante von Interesse» und «besorgniserregende Variante»:
(archiviert: https://archive.ph/Y8jDW)
Deutsches Primatenzentrum (DPZ): Sars-CoV-2-Variante B.1.617:
(archiviert: https://archive.ph/6Yn9V)
Mitteilungen der indischen Behörde:
- Mitteilung des Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie, 21.05.2021:
- Medienmitteilung: Benennung der Varianten von Sars-CoV-2, 31.05.2021:
(archiviert: https://archive.ph/Mf7UP)
Google-Recherche:
(archiviert: https://archive.ph/rZh1A)
WHO:
- Medienmitteilung: Benennung der Varianten von Sars-CoV-2, 31.05.2021:
(archiviert: https://archive.ph/v1NOA)
- Übersicht der Varianten:
(archiviert: https://archive.ph/IQs1g)
- Q&A zu den Covid-Varianten:
(archiviert: https://archive.ph/IeFkH)
- Best Practices für die Namensgebung von Infektionskrankheiten:
Artikel aus «Nature Microbiology», 09.06.2021:
(archiviert: https://archive.ph/3WxPr)
Artikel der Universität Nottingham, 19.02.2021:
(archiviert: https://archive.ph/kBmxr)
BAG:
- Covid-Situationsbericht Woche 30, 04.08.2021 (Download):
(archiviert: https://web.archive.org/web/20210809095001/https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/mt/k-und-i/aktuelle-ausbrueche-pandemien/2019-nCoV/covid-19-woechentlicher-lagebericht.pdf.download.pdf/BAG_COVID-19_Woechentliche_Lage.pdf)
- Statistik der Virusvarianten:
20 Minuten: Lambda in der Schweiz:
(archiviert: https://archive.ph/yxZUR)
Deutsche Welle: Ausbreitung Lambda:
(archiviert: https://archive.ph/expXR)
Kontakt Faktencheck-Team: <email-pii>