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Biologie | Umwelt
Melina Vogelmann, 2000 | Laufen, BL
Der Schaumnestbau des Betta splendens ist essenziell für seine erfolgreiche Reproduktion, da darin erst die Eier und später die Jungtiere gepflegt werden. Meine Arbeit beschäftigt sich damit, Faktoren zu untersuchen, die potenziell zu einem vermehrten Schaumnestbau führen könnten und somit eine gezieltere und erfolgreichere Zucht in Menschenhand ermöglichen. Die beiden Faktoren, auf die ich mich in dieser Arbeit fokussiere, sind (I) der visuelle Kontakt zu männlichen Artgenossen über verschiedene Zeiträume und (II) die Botenstoffzugabe männlicher, weiblicher und artfremder Tiere. Mithilfe mehrwöchiger Tests wurden Daten gesammelt, die darauf hinweisen, dass beide Faktoren positive Auswirkungen auf den Schaumnestbau haben können.
Fragestellung
Die übergeordnete Fragestellung der vorliegenden Arbeit lautet: (I) Gibt es Methoden, die den Schaumnestbau des Betta splendens positiv beeinflussen können? Genauer: (II) Hat der Sichtkontakt zu männlichen Individuen oder die Botenstoffzugabe männlicher, weiblicher oder artfremder Tiere einen positiven, neutralen oder negativen Einfluss auf die Schaumnestbauaktivität?
Methodik
Für die beiden Versuche (Sichtkontakt und Botenstoffzugabe) wurde mit jeweils zwölf männlichen Individuen gearbeitet. Davon dienten sechs als Testgruppe, die dem Faktor ausgesetzt wurden und sechs Individuen als Kontrollgruppe, um einen Bezug zwischen anderen Umwelteinflüssen und dem angewandten Faktor ausschliessen oder herstellen zu können. Fünf Tage lang wurden die Tiere der jeweiligen Versuchskomponente ausgesetzt, und täglich wurde notiert, welche Tiere ein Schaumnest bauten. Danach folgten zwei Tage Pause, um den Tieren Zeit für eine Erholung vor dem nächsten Versuch zu geben. In der darauffolgenden Phase wurde die Testgruppe mit der Kontrollgruppe getauscht, um einen Gewöhnungseffekt auszuschliessen. Dann wurde der Versuch mit der gleichen Komponente wiederholt. Die aus den Versuchen resultierenden Ergebnisse wurden in Form von Balkendiagrammen in Excel erstellt und ausgewertet.
Ergebnisse
Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass sowohl der Sichtkontakt als auch die Botenstoffzugabe positive Auswirkungen haben. Sichtkontakt in einem Zeitfenster von 30 Minnuten bis drei Stunden führt zu einem vermehrten Schaumnestbau. Deutlich wurde auch, dass mit Sichtkontakt ab einem Zeitraum von mehr als drei Stunden bis 24 Stunden der Schaumnestbau abnimmt. Für das Zeitfenster von drei Minuten bis 30 Minuten konnte weder eine vermehrte Zunahme noch ein Ausbleiben des Schaumnestbaus festgestellt werden. Zusammenfassend kann man festhalten, dass der Sichtkontakt im richtigen Masse zu einem vermehrten Schaumnestbau führen kann. Bei der Botenstoffzugabe zeigt sich ein ähnlich differenziertes Bild. Die Zugabe sowohl männlicher wie auch weiblicher Botenstoffe führt zu einem verstärkten Bau von Schaumnestern, wohingegen bei der Zugabe artfremder Botenstoffe kaum Schaumnestbau beobachtet werden
konnte.
Diskussion
Die durchgeführten Experimente zeigen eine Tendenz: Es gibt durchaus Methoden, die zu einem positiven Einfluss auf den Schaumnestbau führen können. Zu beachten ist allerdings, dass die Versuchstiere auch von anderen Komponenten, wie dem jahreszeitlichen Wechsel, der Temperatur, der Wasserqualität oder Ähnlichem, beeinflusst worden sein könnten, da es sich bei Versuchen mit Lebewesen um ein komplexes System handelt. Zudem sollte man für statistisch aussagekräftige Daten mit einer grösseren Anzahl an Versuchstieren arbeiten. Dennoch zeigen die erhobenen Daten trotz geringer Stichproben wichtige Trends, die in der Aquarienbranche Anwendung finden können.
Schlussfolgerungen
Abschliessend lässt sich sagen, dass die Experimente eine deutliche Tendenz aufweisen und weiteren Folgeexperimenten eine Richtung geben. In weiteren Versuchen könnten man sich noch genauer mit der Eingrenzung der beschriebenen Faktoren und deren Bestätigung in einem grösseren Versuchsfeld beschäftigen.
Würdigung durch die Expertin
Dr. Carolin Sommer-Trembo
Die Arbeit von Melina Vogelmann zeichnet sich durch viel Selbstständigkeit und Kreativität, sowie durch ihre Liebe zu ihren Versuchsfischen aus. Das jahrelang angesammelte Hintergrundwissen über Biologie, Verhalten und Zucht der im Fokus stehenden Kampffische erlaubte es Melina, zwei interessante Faktoren zu identifizieren und deren potentiellen Einfluss auf die Fortpflanzung systematisch und unter Berücksichtigung guter wissenschaftlicher Praxis zu testen. Trotz limitierter Stichprobengröße, zeigen Melinas Resultate klare Trends auf, die durchaus Anwendung im Aquarienhandel finden könnten.
Prädikat:
sehr gut
Gymnasium Laufental-Thierstein
Lehrerin: Dr. Karoline Knapinski