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Afrikanischer Wildhund
Lycaon pictus
© 1990 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Hunde»)
Kopfrumpflänge: 75 - 100 cm
Schulterhöhe: 60 - 75 cm
Gewicht: 15 - 30 kg
«Gemalter Wolf» bedeutet der wissenschaftliche Name des Afrikanischen Wildhunds - eine wirklich treffende Bezeichnung für dieses buntgefleckte Mitglied der Hundefamilie!
Afrikanische Wildhunde leben in Rudeln, die sich aus durchschnittlich sieben oder acht Erwachsenen und ihren Nachkommen zusammensetzen. Das Familienleben der Afrikanischen Wildhunde ist überaus harmonisch. Allerdings besteht innerhalb jedes Rudels eine feste Rangordnung sowohl unter den Männchen als auch unter den Weibchen. Jedes Rudel hat also eine Leithündin und einen Leitrüden. Alle Tiere sind aber so betont freundlich zueinander, dass die Forscher oft wochen- und monatelang beobachten müssen, um festzustellen, wer von den Hunden in einem höheren und wer in einem tieferen Rang steht.
Die Heimat der Afrikanischen Wildhunde sind die weiten, mit Büschen und Bäumen durchsetzten Grasländer Afrikas, die man «Savannen» nennt. Man hat sie aber auch schon auf dem höchsten Berg Afrikas, dem Kilimandscharo, in 5600 Metern Höhe angetroffen. Und hin und wieder sieht man die hochbeinigen Hunde mit den grossen, runden Ohren in den dürren Randzonen der Wüste Sahara umherstreifen. Hauptsache, sie treffen auf ihren Jagdausflügen genügend Beutetiere an, damit alle Rudelmitglieder satt werden.
Am häufigsten machen die Afrikanischen Wildhunde Jagd auf mittelgrosse Gazellen, oft aber auch auf Gnus und andere grosse Antilopen und manchmal sogar auf Zebras, welche annähernd zehnmal soviel wiegen wie sie selbst! Auf ihren Pirschgängen, zumeist in den kühlen Stunden um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, traben die Afrikanischen Wildhunde oft über Strecken von 20 bis 30 Kilometern. Dies scheint sie überhaupt nicht zu ermüden. Und auch die abschliessende Hetzjagd, bei der sie ihr Beutetier oft über mehrere Kilometer hinweg mit 50 Stundenkilometern Geschwindigkeit verfolgen, scheint für sie ein «Pappenstiel» zu sein. Nicht von ungefähr gelten diese meisterhaften Langstreckenläufer als die weitaus erfolgreichsten Jäger der afrikanischen Savanne!
Das Jahr der Afrikanischen Wildhunde verläuft nicht gleichmässig, sondern ist «zweigeteilt»: Neun Monate im Jahr streifen die gefleckten Jäger kreuz und quer in ihrem grossflächigen Wohngebiet umher und übernachten jeweils dort, wo die Nacht sie überrascht. Die restlichen drei Monate entsagen sie dann diesem Vagabundenleben: Sie lassen sich bei einer verlassenen Erdferkel- oder Warzenschweinhöhle nieder, bauen diese für ihre Zwecke noch etwas aus und ziehen dort ihre Jungen auf.
Die Leithündin bringt als einziges Weibchen im Rudel Junge zur Welt, und der Vater ist immer der Leitrüde. Die Jungenzahl pro Wurf ist recht gross: Durchschnittlich werden sieben, oft aber auch zehn oder elf und gelegentlich sogar bis 16 Welpen geboren.
So viele Jungen können natürlich nur überleben, wenn alle Rudelmitglieder bei der Aufzucht tüchtig mithelfen. Tatsächlich kümmert sich nicht nur das Elternpaar um den Nachwuchs. Auch alle anderen Familienangehörigen sorgen vorbildlich und unermüdlich für die Welpen, sobald diese im Alter von drei bis vier Wochen ihre ersten Erkundungsausflüge vor die schützende Wohnhöhle machen. Wachsam begleiten sie die dickbäuchigen Jungen mit ihren krummen Beinchen überall hin. Und wenn das Rudel auf Jagd geht, so bleiben immer zwei bis drei von ihnen als «Babysitter» bei den Kleinen zurück. Das ist gar keine leichte Aufgabe: Die Welpen erkunden nämlich unermüdlich all die reizvollen Gegenstände in ihrer Umgebung. Immer wieder überfallen sie Ameisen und andere Kleintiere und führen mit herumliegenden Fellstückchen erbitterte Kämpfe aus. Denn früh übt sich, was ein erfolgreicher Savannenjäger werden will!
Im Alter von zehn bis zwölf Wochen trinken die Jungen bereits keine Muttermilch mehr, sondern ernähren sich vom Fleisch, das ihnen die Erwachsenen heimbringen. Nun zeigen sie zunehmend Interesse an den Jagdausflügen des Rudels, und eines schönen Tages laufen sie dann erstmals mit. So geht das sesshafte Leben des Rudels zu Ende; es beginnen neun Monate des freien «Herumzigeunerns».
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