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„Willst du den Körper heilen, musst du zuerst die Seele heilen“
Platon
Das Wort Psychosomatik besteht aus den zwei griechischen Worten: psyche (Seele) und Soma (Körper). Es bezeichnet das Wechselspiel zwischen seelischen und körperlichen Vorgängen. Die fortwährende Korrespondenz zwischen Körper und Seele spiegelt sich auch in zahlreichen Sprichworten wieder: „Etwas auf dem Herzen haben“ (Herz und Psyche), „Wut im Bauch haben“ (Magen und Psyche), „Sich in die Hosen machen“ (Darm und Psyche), „Den Halt verlieren“ (Bewegung und Psyche). Eine psychosomatische Reaktion ist an sich eine normale und gesunde Form des Erlebens. Zu psychosomatischen Beschwerden kommt es erst, wenn diese Reaktionen besonders häufig sind oder lange andauern. Das kann zu starkem Leidensdruck und zu Leistungseinschränkungen führen.
Folgende Stresssituationen können sich auf unsere psychische Gesundheit negativ auswirken und psychosomatische Beschwerden auslösen:
Solche Belastungen werden auch Stressoren genannt. Die betroffene Person bewertet die Situation als äusserst wichtig für ihr eigenes Leben, sieht sich aber nicht in der Lage, sie zubewältigen. Ein solches wahrgenommenes Missverhältnis zwischen den Anforderungen und den verfügbaren Ressourcen löst in den Sinnesorganen Erregung aus, die über Nervenbahnen in das Gehirn geleitet werden. Aufgrund des aufgestiegenen Angstgefühls schlägt das Gehirn Alarm. Dabei werden Adrenalin und Cortison ausgeschüttet, was eine gesteigerte Bereitstellung von Energie und Reserven zur Folge hat. In solchen akuten Stresssituationen sind wir uns unseres psychischen Leidens bewusst. Wir sind nervös, beunruhigt, niedergeschlagen, verärgert über uns selbst und über andere, gereizt und konfliktanfällig. Wir sind um unsere psychische Gesundheit besorgt.
Auf den akuten Stress, welchen wir erfolgreich bewältigen können, folgen längere Erholungsphasen, in denen sich unser Körper wieder regenerieren kann. Wenn uns das aber nicht gelingt und der Stress andauert, werden diese Erholungsphasen immer kürzer oder treten gar nicht mehr auf. So kann akuter Stress in chronischen Stressübergehen und es kommt zur Überforderung. In dieser Phase nehmen wir unsere psychischen Beschwerden immer weniger bewusst war, gewöhnen uns sozusagen daran. Gleichzeitig distanzieren wir uns von anderen, meiden soziale Kontakte, verlieren Freude, Interesse und Schwung. Umso mehr treten die körperlichen Beschwerden in den Vordergrund: Wir fühlen uns krank.
Folgende Störungsgruppen werden unterschieden:
Funktionale Störungen: Hier handelt es sich um psychisch bedingte Störungen körperlicher Funktionen, ohne dass eine organische Schädigung vorliegt. Dazu zählen z.B.: Herz-Kreislaufstörungen, Atemnot, Schwitzen, Reizmagen, Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz, Sensibilitäts-und Empfindungsstörungen (sehen, riechen, hören, verstärkte Schmerzempfindung) usw. Die Betroffenen erleben ihre „Seele“, das heisst ihre Bedürfnisse und Gefühle nicht mehr direkt, sondern nur noch verfremdet, über ihren Körper. Sie sind meistens überzeugt, eine körperliche Erkrankung zu haben und suchen medizinische Hilfe. Nach zahlreichen Untersuchungen (CT, EKG usw.), diversen Diagnosen und Therapien werden keine ausreichenden organischen Ursachen festgestellt und dem Patienten wird eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen. In der Psychotherapie lernen sie ihr Leiden vom Körperlichen und vom Seelischen her zu verstehen und zu verändern.
Psychosomatische Störungen im engeren Sinne: Das sind Organschädigungen oder organisch bedingte Störungen körperlicher Funktionen, bei denen soziale und psychische Faktoren eine bedeutende Rolle bei der Auslösung, Aufrechterhaltung oder Verschlimmerung der Störung spielen. Dazu zählen z.B.: Blutdruckstörungen, Magengeschwür, Darmgeschwür, Tinnitus, Hörsturz, Schwindel, Morbus Crohn usw. In solchen Fällen empfiehlt es sich, parallel sowohl eine medizinische als auch eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen.
Somatopsychische Erkrankungen: Dies sind psychische Störungen als Folge körperlicher Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt, Bandscheibenvorfälle, Diabetes, usw.