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Föhn vor der Kaltfront
Nach einer ruhigeren Zwischenhochphase zog heute ein Tiefdruckgebiet von Irland zu den Beneluxstaaten. Ein damit verbundenes Frontensystem hat im Tagesverlauf die Alpennordseite erfasst. Während der Südwestwind vor allem über dem Jura stetig zunahm, hatte sich durch den starken Druckfall in den nördlichen Alpentälern kräftiger Föhn eingestellt.
Meist klare Nacht
Nachdem gestern die instabile und feuchtere Polarluft allmählich ostwärts abgezogen war, baute sich über dem Alpenraum ein kleines Zwischenhoch auf. Damit nahm die Bewölkung zuerst in den westlichen, später auch in den östlichen Landesteilen ab. Obwohl während der Nacht immer wieder hohe Wolkenfelder vorüberzogen, vermochten diese die Abstrahlung nicht wesentlich zu dämpfen. Die Temperaturen sanken deshalb verbreitet auf -1 bis -3 Grad. Aufgrund des lebhaften und teils stürmischen Westwindwetters der vergangenen Tage blieben die Temperaturen zuvor drei Nächte in Folge jeweils deutlich im positiven Bereich.
Neuer Wolkenaufzug
Das Zwischenhoch wirkte allerdings nicht lange. Bereits zum frühen Morgen hin zog von Westen her ausgedehnte und zunehmend dichte hohe Warmfrontbewölkung auf. Bis gegen Mittag verschwand die Sonne zeitweise auf der ganzen Alpennordseite hinter dem einheitlichen Wolkengrau.
Der Aufzug der Warmfrontbewölkung zeigte sich heute mal wieder richtig «schulbuchmässig».
Föhn in den Alpentälern
Durch die Verlagerung des Tiefs von Irland Richtung Beneluxstaaten setzte nördlich der Alpen Druckfall ein, der zu einem zunehmenden Südüberdruck führte. Die Druckdifferenz zwischen Lugano und Kloten betrug bis zu 10 hPa. Dadurch kam in den nördlichen Alpentälern im Tagesverlauf der Föhn auf. Dieser brachte in der kompakteren Warmfrontbewölkung einige Lücken zustande, so dass sich die Sonne wieder zeigen konnte.
Bis zum Redaktionsschluss um 17 Uhr erreichte der Föhn meist Windspitzen von 60 bis knapp 80 km/h, in Vaduz 92 km/h. Die Temperatur stieg dabei bis gegen 13 Grad an. In Altenrhein kam der Föhn ebenfalls kurzzeitig auf, wodurch die Temperatur vorübergehend auf 13 Grad stieg.
Im Vorfeld des zum Tief gehörenden Störungssystems nahm die Südwestströmung vor allem über dem Jura, aber auch im westlichen Mittelland und über den westlichen Voralpen deutlich zu und erreichte teilweise Sturmstärke. In Neuenburg oder Delsberg wurden Böenspitzen über 90 km/h, auf dem Chasseral sogar bis 123 km/h registriert. In Delsberg wie auch in Basel brachte der Südwestwind ebenfalls föhnige Effekte und liess die Temperatur auf 12.8 bzw. 13.9 Grad ansteigen. Im Vergleich dazu wurden im übrigen Mittelland nur gerade Höchstwerte um 8 Grad erreicht.
Weiterer Wetterverlauf
Am Nachmittag erfasste die abgeschwächte Warmfront von Westen her die Schweiz, während es im Süden und in weiten Teilen Graubündens noch ziemlich sonnig blieb. Mit dem Niederschlagseinsatz im Westen lag die Schneefallgrenze bei etwa 1200 Metern und stieg am vor der Kaltfront teilweise bis gegen 1800 Meter an. Weiter ostwärts wird sich die Warmluft kaum bemerkbar machen, da sie nach Süden abgedrängt wird. Am Abend überquert dann die Kaltfront von Westen her den Jura.
Weil die Höhenkaltluft praktisch zeitgleich mit der Kaltfront einfliesst, erfolgt eine rasche Labilisierung der Luftmasse. Dabei können in den Abendstunden durchaus einzelne Gewitter und/oder Graupelschauer in Erscheinung treten. Auf jeden Fall wird der West- bis Nordwestwind zuerst im Flachland, später insbesondere auch in den Alpentälern Windspitzen von 70 bis 90 km/h erreichen. Mit der Kaltfront wird sich der Niederschlag bis Mitternacht zum Alpennordhang konzentrieren und die Schneefallgrenze auf 900 bis 1100 Meter absinken.