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Federico Balli (1854-1889)
Federico Balli ( 1854-1889 ) Obwohl in begüterten städtischen Verhältnissen in Locarno aufgewachsen, war Federico Balli sein Leben lang eng mit seinem Heimattal, dem Valle Maggia, verbunden geblieben. Seine Mitbürger sagten von ihm:
« Er war ein unverfälschter Maientaler ( Valmaggese ), sowohl dem Geiste wie dem Herzen nach. Wenige kannten und liebten dieses Tal so wie er. » Der Präsident des Tessinischen Alpenclubs, zu dessen begeisterten Begründern Federico Balli seinerzeit gehört hatte, sagte in der Grabrede:
« Er war ein Bergsteiger des Herzens und der Tat, und als ich die Initiative zur Gründung einer kantonalen Bergsteigervereinigung ergriff, war er sofort dabei und betätigte sich als wertvoller Mitarbeiter. Noch im Juni ( 1889 ) schrieb er mir: Für alles, was den Alpinismus betrifft, bitte ich, mich stets als loyalen und unverbrüchlichen Freund dieser Bewegung zu betrachten. Meine Gesundheit, die bereits vor zehn Jahren eine schwere Einbusse erlitten hat, ist heuer von einem neuen schweren Schlag betroffen worden. Immerhin hoffe ich, trotzdem bald wieder zu den Bergen zurückkehren zu können. Sollte dies indessen nicht möglich werden, so werde ich trotzdem für immer mit unserem Club verbunden bleiben, für dessen Gedeihen, zum Wohle unserer Heimat, jeder seinen bestmöglichen Beitrag zu leisten hat. » Leider hat der allzu frühe Tod jede weitere Mitarbeit dieses wertvollen Menschen zunichte gemacht.
Im Jahre 1886 hat Federico Balli mit Advokat Antonio Zanini aus Cavergno die höchste Erhebung der Campo Tencia-Gruppe vom Val Prato aus bestiegen und ist ostwärts nach Dalpe hin- untergelangt. Rückkehr nach Cavergno über den Passo Campolungo. Der ausführliche Bericht findet sich im ersten « Jahrbuch » des Tessiner Alpenclubs ( CAT ). Die schlechten Erfahrungen mit einem als « Führer » angeworbenen Jäger haben in der Folge das Problem der Führerausbildung zur Diskussion gebracht.
Weitere Beiträge sind im dritten « Jahrbuch » von 1888 zu finden. Da ist einmal ein Aufruf zur Rettung eines wertvollen Gemäldes ( Kreuzigung Christi ) von Borgnis, das in Cimalmotto der Vergessenheit und dem Verfall anheim fiel. Balli hielt dafür, dass im Kunsterlebnis die wertvollste Ergänzung des Naturempfindens enthalten sei. So sagt er:
« Der Genuss der Natur, meiner Ansicht nach der Hauptzweck des Bergsteigens, findet in der Würdigung und im Genuss eines Kunstwerkes seine eigentliche Vollendung. » Weiter fügt er bei:
« Mag man auch noch so ermüdet und verschwitzt von der Tour ins Tal zurückkehren, der Anblick eines guten Gemäldes treibt einem wieder neues Blut ins Gehirn, lässt das Herz höher schlagen und, wenn die Glückseligkeit überhaupt von dieser Welt wäre, möchte man glauben, sie in diesem Moment errungen zu haben. » Als weiterer Beitrag findet sich ein biologischer Aufriss über den Maientaler Vorläufer des Bergsteigens, Antonio ( 1828-1860 ) aus Cavergno. Als Sohn eines Gemsjägers, der den Jungen bis auf den Gipfel des Basodino mitnahm, sammelte er in der Jugendzeit die Mineralien des Bavonatals. Zum Ingenieur promoviert, wurde ihm, trotz seiner Jugend und der Tatsache, dass er Ausländer war, das Kommissariat des Katasteramtes des Kreises Susa im Piémont anvertraut. Da sich unter den Schmugglern und Wilddieben des Val d' Ala niemand fand, der die nötige Courage für Hochtouren aufbrachte, führte Tonini im Alleingang wichtige Erstbesteigungen durch: Mte. Collerin oder Pointe de Chalanson ( 3462 m ), Uja di Mondrone ( 2964 m ) und Uja di Ciamarella ( 3676 m ). Am 25. Juni 1860 stürzte er auf dem Agnello Gletscher in eine Spalte. Eine Zeitlang vermochte er sich durch Verspreizen gegen die Spaltenwände vor dem Versinken im Eiswasser zu bewahren. Da aber die beiden Begleiter innert nützlicher Frist nicht zu helfen verstanden, starb der kühne Maientaler im Schmelzwasser.
Die Herausgabe der « Jahrbücher » des Tessiner Alpenclubs erlitt in den Jahren 1890-1893 zufolge des zähen politischen Ringens einen Unterbruch. Als 1894 die Tradition wieder aufgenommen wurde, widmete man das die Reihe fortsetzende « Jahrbuch » dem Andenken von Federico Balli, der mit Feder und Tat die Sache des Bergsteigens im Tessin kräftig gefördert hat. Giuseppe Ritter