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Seit über 20 Jahren verfasst Anneliese Ermer psychiatrische Gutachten über Täterinnen und Täter. Eine aufwändige Sache. Mit Peter Hans Kneubühl beispielsweise, hat sie über 10 Stunden gesprochen.
Kneubühl war am Freitag vom Gericht als schuldunfähig verurteilt worden und soll eine stationäre Therapie beginnen. Der Rentner, der 2010 einen Polizisten schwer verletzt hat, verteidigte sich vor Gericht selber und befragte die Gutachterin Anneliese Ermer. «Eine spezielle Situation, anderthalb Stunden dauerte die Befragung. Über mein Gutachten hat Peter Hans Kneubühl 120 Seiten verfasst.»
Stundenlange Gespräche und Tests führen zu einem Gutachten
Anneliese Ermer versucht, die Menschen über die sie ein Gutachten erstellt, möglichst gut kennen zu lernen. Dabei führt sie stundenlange Gespräche - zum Teil auch mit Verwandten und Kollegen - und führt Tests durch.
«Dabei kann es schon vorkommen, dass einem ein Beschuldigter sympathischer ist als der andere. Aber man muss die professionelle Distanz wahren.» Und wenn sie sich nicht sicher sei über eine Person, dann schreibe sie dies im Gutachten.
Trotz den Abgründen, die sich in den Gesprächen mit den Beschuldigten auftun, glaubt Anneliese Ermer an das Gute im Menschen:
Das sei gut so, denn sonst wäre diese Aufgabe nicht zu bewältigen, sagt die Psychiaterin.