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<h2>SubmittedText<h2><p>85-90 Prozent der Personen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit humanen Papillomaviren (HPV), die zu diversen Krebserkrankungen führen können. Um HPV-Infektionen zu eliminieren sind Impfraten von mind. 80 Prozent notwendig. In der Schweiz liegen diese deutlich tiefer, v.a. bei Männern (49%) und es gibt erhebliche Unterschiede in der Durchimpfung zwischen den Kantonen. Die Impfraten waren während der Pandemie, gemäss Gountas et al. (2023), rückläufig. Die steigende Impfskepsis und ein lmpfrückgang wurde auch in der NZZ vom 24. März 2023 geschildert, wonach die Zahl der Impfungen gegen MMR eingebrochen ist.</p><p>Eine Früherkennung steht nur für Zervixkarzinome zur Verfügung, für alle anderen HPV-bedingten Krebsarten nicht. Daher ist die genderneutrale HPV-Impfung besonders wichtig, da es Hinweise gibt, dass die Inzidenz von HPV-assoziierten Tumoren bei beiden Geschlechtern zunimmt. Dies zeigt sich in der hohen lnzidenz von Kopf-Hals-Karzinomen bei Männern, wovon ausgegangen wird, dass über die Hälfte durch HPV ausgelöst werden.</p><p>Die Impfung schützt nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs und zervikalen Neoplasien, sondern reduziert womöglich auch das Risiko für Frühgeburten sowie die Inzidenz von rezidivierenden Larynxpapillomatosen bei Kleinkindern.</p><p>In der Schweiz gibt es keine Strategie zur Elimination von HPV-Infektionen. Die Stärkung der Prävention gegen HPV hat ein hohes Potenzial, um Kosten einzusparen.</p><p>Ein systematisches Impfmonitoring fehlt allerdings, um die Wirkung von Impfkampagnen zu evaluieren.</p><p>Bezugnehmend auf meine lp. (20.4499) vom 15. Dezember 2021 ersuche in den Bundesrat zu den folgenden Fragen Stellung zu nehmen:</p><p>- Wann wird die HPV-Impfung für Jungen/Männer zwischen 11-26 Jahren als Basis-Impfung empfohlen?</p><p>- Wie hoch ist die lnzidenz an HPV-bedingten Kopf-Hals-Karzinome bei Männern?</p><p>- Wie will der Bund die Elimination von HPV-Infektionen erreichen?</p><p>- Wann gedenkt der Bundesrat ein systematisches Impfmonitoring einzuführen?</p><p>- Wie will der Bundesrat die Durchimpfung erhöhen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1.&nbsp;Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen zurzeit daran, die Empfehlung zur Impfung bei Jungen als Basisimpfung zu überarbeiten. Diese Arbeiten sind voraussichtlich im Verlauf 2024 abgeschlossen.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>2. Das Nationale Institut für Krebsepidemiologie und Registrierung (NICER) sammelt und publiziert die Daten zur Krankheitslast von Krebserkrankungen in der Schweiz. Das NICER gibt für Karzinome am Oropharynx, Tonsillen und Zungengrund (ICD-10 Codes C01, C09-10) bei Männern für den Zeitraum 2015-2019 288 Fälle pro Jahr und eine Inzidenz von 5.39/100'000 an. Diese Krebslokalisationen im Kopf-Hals-Raum können u.a. auf HPV-Infektionen zurückgeführt werden.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>3. Auf Grund der sehr leichten Übertragung und hohen Durchseuchung in der Bevölkerung ist eine Elimination der HPV-Infektion nicht möglich. Es kann jedoch eine Reduktion der Krankheitslast durch eine Sensibilisierung und Erhöhung des Wissensstandes in der Bevölkerung zu HPV und HPV-assoziierten Erkrankungen sowie konsekutiv eine Erhöhung der Durchimpfungsraten erreicht werden. Die Weltgesundheitsorganisation hat in ihrer «Cervical Cancer Elimination Strategy» ein Durchimpfungsziel von 90% für Mädchen bis 2030 definiert. Dabei geht es jedoch nicht um die Elimination von HPV sondern um die Elimination von Gebärmutterhalskrebs.</p><p>&nbsp;</p><p>4. Das Monitoring der HPV-Impfung, das vom BAG koordiniert wird, erfolgt im Rahmen des etablierten kantonalen Durchimpfungsmonitorings für Jungen und Mädchen im Alter von 16 Jahren.</p><p>&nbsp;</p><p>5. HPV als Erreger und die Impfung gegen HPV sind Teil zweier nationaler Strategien: der Nationalen Strategie zu Impfungen (NSI) und des Folgeprogramms «Stopp HIV, Hepatitis B und C - Nationales Programm gegen sexuell übertragbare Infektionen» (NAPS, Arbeitstitel), welches derzeit erarbeitet wird.</p><p>Die Bevölkerung optimal vor impfverhütbaren Erkrankungen zu schützen, ist ein generelles Ziel der NSI. Dabei werden möglichst hohe Durchimpfungsraten angestrebt. Um dies zu erreichen, ist die Information der Bevölkerung über HPV als Krankheitserreger sowie die Entstehung HPV-assoziierter Krebserkrankungen und das Wissen über die präventive Möglichkeit einer Impfung elementar. Dieser Ansatz wird über die Bereitstellung von Informationsmaterial für die Bevölkerung und die Gesundheitsfachpersonen verfolgt.<span style="color:black;">&nbsp;</span>Um eine adäquate, für die verschiedenen Zielgruppen gut verständliche Kommunikation sicherstellen zu können, werden aktuell&nbsp;sämtliche Kommunikationsaktivitäten zum Impfen unter dem Dach der NSI neu konzipiert bzw. weiterentwickelt und ab 2024 koordiniert realisiert.&nbsp;Entsprechend wird auch das Informationsmaterial zur HPV-Impfung an die modernen Standards, insbesondere auch in Bezug auf die Nutzung von digitalen Informationsquellen sowie die zielgruppenspezifische Kommunikation angepasst.&nbsp;</p><p>Ausserdem ist der niederschwellige Zugang zur Impfung von grosser Bedeutung. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Kantone, da diese bei der Impfthematik für die Umsetzung zuständig sind. Die HPV-Impfung wird im Rahmen von kantonalen Programmen ohne Kostenbeteiligung für die empfohlenen Altersgruppen angeboten.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Das Folgeprogramm «Stopp HIV, Hepatitis B und C - Nationales Programm gegen sexuell übertragbare Infektionen» (NAPS, Arbeitstitel), welches bis Ende 2023 vom Bundesrat verabschiedet werden soll, fokussiert wie das Vorgängerprogramm Nationales Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (NPHS) im Bereich Impfungen auf die Information und Promotion. Hierbei steht der chancengerechte Zugang zu Information und Beratung sowie Impfungen gemäss den Empfehlungen des Schweizerischen Impfplans im Vordergrund. Zusätzlich soll der niederschwellige Zugang zu Impfangeboten gefördert werden, insbesondere für besonders gefährdete Personengruppen.</p>