Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/1582

Sinnesorgane
(Sinneswerkzeuge), diejenigen Einrichtungen im tierischen Körper, welche demselben von den Zuständen der Außenwelt, zum Teil auch von denen des eignen Ichs, Kunde geben. Sie gehören stets entweder ganz oder in ihren wesentlichen Teilen der äußern Haut [* 2] an, liegen jedoch bei weitem nicht alle unmittelbar auf der Oberfläche des Körpers, sondern sind oft tief in Höhlungen desselben zurückgezogen; allein auch dann entstehen sie während der Embryonalentwickelung des betreffenden Tiers immer aus einem Stück der äußern Haut. Im einfachsten Fall, bei einzelligen Tieren, ist der ganze Organismus mit Empfindung ausgestattet, sind also keine besondern S. entwickelt; bei mehrzelligen und vielzelligen hingegen tritt eine Arbeitsteilung in der Art ein, daß nur ein Teil der Hautzellen besonders empfindlich wird. Es kommt so bei den meisten Tieren ein Hautsinnesapparat, bestehend aus vielen über die Haut verbreiteten Sinneszellen, zu stande, welcher durch ebenso viele feine Nervenfasern mit andern, gewöhnlich mehr im Innern des Körpers gelegenen Zellen, den Ganglienzellen, [* 3] in Verbindung steht; in letztern werden alsdann die Empfindungen zum Bewußtsein gebracht (s. Nervensystem).
Diese Sinneszellen reagieren auf äußere Reize (Berührung etc.), sind also vorzugsweise Tastwerkzeuge, und tragen meist zur Erhöhung der Empfindlichkeit auf ihrer Außenfläche feine Haare, [* 4] welche den Anstoß des berührenden Körpers auf die Zelle [* 5] selbst sicher übertragen. Die S. höherer Ordnung zur Erzeugung ganz bestimmter Empfindungen entstehen in der nämlichen Weise und zeichnen sich vor den Tastorganen gewöhnlich nur durch andre Form der Zellen, auch wohl noch durch Nebenapparate etc. aus: so die Sehorgane durch Linsen zur Lichtbrechung, die Hörorgane durch Hörsteine etc. Gemeinschaftlich sind aber auch diesen die Grundzüge ihres Baues, nämlich die Sinneszellen mit den von ihnen ausgehenden Nervenfasern.
Hiernach sind die S. nichts als die Endungen der sensibeln Nerven, [* 6] und man kann sagen: die Form und Beschaffenheit der Riechzellen in der Nase [* 7] bedingt die Fähigkeit zu riechen, die der Hörzellen im Ohr [* 8] diejenige zu hören etc. Bei den niedern Tieren kennt man viele Apparate, welche anatomisch als S. gedeutet werden müssen, ohne daß man über ihre Funktion ins klare gekommen wäre; solche werden oft einfach als Tastorgane verschiedener Art bezeichnet. Keinesfalls ist es nötig, daß die bei den höhern Tieren, z. B. dem Menschen, bekannte Fünfzahl der Sinne (Gefühl, Geschmack, Geruch, Gehör, [* 9] Gesicht) [* 10] bei den niedern Tieren eingehalten werde, vielmehr lassen sich recht gut noch mehr Sinne (z. B. zur Empfindung von elektrischen Zuständen) bei ihnen vorhanden denken, während vielfach auch weniger vorhanden sind, wie denn z. B. ein eigentlicher Geruchssinn nur bei Luft atmenden Tieren möglich ist und Ohr, Nase, selbst Auge [* 11] manchmal fehlen oder nur unvollkommen entwickelt sind. Ebenso wenig übrigens brauchen die höhern S., wie es bei den Wirbeltieren meist der ¶
mehr
Fall ist, am Kopf zu liegen, vielmehr gibt es Tiere, deren Ohren sich im Schwanz befinden. Vgl. die Litteratur bei Sinne.