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Maria Fierz ist zusammen mit Mentona Moser und Marta von Meyenburg eine frühe Förderin und Fachfrau der Sozialarbeit. Sie leitet über Jahrzehnte die Zürcher Frauenzentrale und setzt sich für die Rechte der Frauen und für eine freiheitliche und soziale Politik ein.
Maria Fierz (1878-1956) wuchs in einer grossbürgerlichen Zürcher Familie auf. Ihr Grossvater Heinrich Fierz (1813-1877), Textilfabrikant und Financier, war freisinniger Nationalrat und ihr Vater Carl Fierz (1852-1892) vermachte der Stadt Zürich das Schloss Schwandegg als Sitz des Landesmuseums. Da die Eltern ihr verwehrten, ein Studium zu absolvieren, ging Maria Fierz auf Anraten von Mentona Moser nach London, um sich dort von 1901 bis 1903 am „Women’s University Settlement“ zur Sozialarbeiterin ausbilden zu lassen. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Settlement-Bewegung unterhielten in armen Arbeitervierteln Betreuungs- und Beratungsstellen und gingen damit weiter als die bis dahin üblichen Hausbesuche bei bedürftigen Personen.
Nach ihrer Ausbildung kehrte Fierz gemeinsam mit Moser nach Zürich zurück. Zusammen betätigten sie sich im Gemeinnützigen Frauenverein, suchten aber gleichzeitig nach einer Möglichkeit, die in Grossbritannien erlernten Fürsorgemethoden auch in der Schweiz zu verbreiten. In der Folge initiierten und leiteten sie die „Kurse zur Einführung in weibliche Hilfstätigkeit für soziale Aufgaben“ in Zürich. Die Ausbildung legte den Schwerpunkt nach Vorbild der Settlement-Bewegung auf die Betreuung sowie auf Hilfe zur Selbsthilfe. Da die offene Fürsorge in Zürich nur schwach ausgebaut war, musste die soziale Betreuung grösstenteils in Heimen und Anstalten stattfinden. Neben ihrer Tätigkeit in der Fürsorgeausbildung absolvierte Maria Fierz ein Praktikum bei der „Freiwilligen- und Einwohner-Armenpflege Zürich“, wo sie auch den administrativen Teil der Fürsorge kennenlernte.
Ab 1910 führte Fierz die Frauenfürsorgekurse mit Mosers Nachfolgerin Marta von Meyenburg weiter. Zusammen bauten sie das Bildungsangebot für Sozialarbeit aus und gründeten 1920 die Soziale Frauenschule Zürich, als deren Vorstandsmitglied Fierz bis 1948 fungierte. Die Fürsorgekurse wurden zunächst von Frauen besucht, die sich freiwillig und unentgeltlich in der Fürsorge engagierten. Zu dieser ersten Gruppe von Schülerinnen kamen zunehmend Teilnehmerinnen hinzu, welche die Kurse als Vorbereitung für eine soziale Berufstätigkeit nutzten. Die Fürsorgekurse und die Schule trugen damit zur Professionalisierung der Fürsorge als „Sozialarbeit“ und zur Entwicklung von qualifizierter, spezifisch weiblicher Berufstätigkeit bei.
Neben der Sozialarbeit engagierte sich Maria Fierz in zahlreichen gesellschaftspolitischen Anliegen. 1908 wurde sie als erste und einzige Frau sowohl in die Zentral- als auch in die Aufsichtskommission der „Freiwilligen- und Einwohner-Armenpflege der Stadt Zürich“ gewählt. 1913 verliess sie die Organisation wegen Meinungsverschiedenheiten wieder, amtete aber ab 1928 in deren Nachfolgeorganisation, der Kommission für Armenpflege der Stadt Zürich. Von 1917 bis 1944 leitete sie die Zürcher Frauenzentrale, die im gleichen Gebäude wie die Soziale Frauenschule untergebracht war und sich zum Ziel genommen hatte, einen Beitrag an das Gemeinwohl zu leisten und den bürgerlichen Frauen neue Berufsfelder zu erschliessen. Die Frauenzentrale koordinierte die Tätigkeiten weiblicher Fürsorgeorganisationen, bot Beratungsgespräche für Frauen an und unterhielt eine Mütterschule (1942-1977). Von 1935 bis 1940 gehörte Fierz zudem dem Vorstand des Bundes Schweizerischer Frauenvereine an. Durch ihr langjähriges Engagement für die Frauenberufe und die Gleichberechtigung der Frauen wurde sie zu einer wichtigen Exponentin der schweizerischen Frauenbewegung.
Stärker politisch ausgerichtet war die Initiierung von „Frauengruppen zur sozialen Verständigung“ nach dem Landesstreik von 1918, bei denen sich in den Zürcher Quartieren Frauen aus dem Bürgertum und aus der Arbeiterschaft versammelten und eine klassenübergreifende Verständigung anstrebten. Als in den 1930er-Jahren die Frontenbewegung erstarkte, engagierte sich Fierz in der gesamtschweizerischen „Arbeitsgemeinschaft Frau und Demokratie“ (1933), die sich gegen antidemokratische und faschistische Strömungen stark machte.
Literatur / Bibliographie / Bibliografia / References: Matter Sonja (2011), Der Armut auf den Leib rücken: Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit in der Schweiz (1900–1960), Zürich ; Ruckstuhl Brigitte, Ryter Elisabeth (2014), Beraten, Bewegen, Bewirken: Zürcher Frauenzentrale 1914-2014, Zürich ; HLS / DHS / DSS: Maria Fierz
(12/2016)