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Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Krankheiten, die es gibt. Der Begriff selbst ist ein allgemeiner Begriff, der Erkrankungen und Probleme des Herzens und der Blutgefäße beschreibt. Sie sind eine der, wenn nicht sogar die häufigste Todesursache weltweit. Im Jahr 2019 waren 32 % der Todesfälle weltweit auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, wobei 85 % dieser 32 % auf Herzinfarkte entfielen. Es gibt verschiedene Arten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die Symptome variieren, je nachdem, welche Krankheit gerade aktiv ist. Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren für diese Krankheiten. Sie können durch Alter, Genetik, Geschlecht, Tabakkonsum, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, falsche Ernährung, schlechten Schlaf, Luftverschmutzung und vieles mehr entstehen.
Möchten Sie mehr darüber erfahren? Lesen Sie den Artikel von Dr. François Ricou weiter.
Die Herz-Kreislauf-Krankheiten stellen ein ernstes Problem für die Volksgesundheit dar, da sie weltweit die erste Todesursache sind. Man schätzt, dass in der Schweiz pro Jahr 28’000 Menschen einen Herzinfarkt erleiden, 12’000 einen Schlaganfall und 8’000 einen Herzstillstand.
Trotz der enormen Fortschritte, die sowohl in der präventiven wie in der kurativen Behandlung dieser Erkrankungen gemacht werden, zeigen die Vorhersagen, dass ihr Einfluss in den kommenden Jahren nicht zurückgehen wird. Es ist daher sehr wichtig, alles daran zu setzen, um diesen Krankheiten, die ein grosses gesundheitliches Problem im Sinne des Leidens für die betroffenen Personen, aber auch im Sinne der Kosten für die Gesellschaft darstellen, besser vorzubeugen, sie besser zu erkennen und zu behandeln.
Die Herz-Kreislauf-Krankheit entwickelt sich langsam über Jahrzehnte. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass sowohl die präventiven wie die therapeutischen Massnahmen genauso wirksam sind, wenn sie zu einem späten Zeitpunkt im Leben getroffen werden. Es ist also niemals zu spät, um sich zu bessern.
Die Krankheit betrifft das gesamte Herz-Kreislauf-System, manifestiert sich aber vorzugsweise im Bereich der Hirngefässe, der Herzkranzarterien (Koronargefässe) und der Beinarterien.
Was verstopft die Arterien?
Die in der Wand dieser Arterien vorhandenen Ablagerungen bestehen aus Cholesterin, Calcium und Entzündungszellen (Makrophagen). Diese verschiedenen Elemente, welche die atherosklerotischen Plaques bilden, verändern sich ständig im Laufe der Zeit. Diese Entwicklung wird stark durch weitere hinzukommende Faktoren, die sogenannten “kardiovaskulären Risikofaktoren” (Rauchen, Diabetes, arterieller Bluthochdruck, Cholesterin, sitzende Lebensweise), beeinflusst und kann jederzeit durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten (Raucherentwöhnung, an tierischen Fetten arme Ernährung) oder eine Behandlung modifiziert werden.
Welche Folgen hat die Atherrosklerose
Zusammen mit einem Mangel an körperlicher Bewegung führen diese atheromatösen Ablagerungen zunächst zu einer Verhärtung und Verdickung der Arterien mit der Folge einer Erhöhung des arteriellen Blutdrucks (arterielle Hypertonie), die bei Personen von über 65 Jahren sehr häufig ist. Durch ihr Fortschreiten werden diese Ablagerungen eine Verengung der arteriellen Gefässe (arterielle Stenose) verursachen. Wenn sie ein gewisses Ausmass erreicht, führt die Stenose zu einer Verminderung der Blutmenge, die in die Gewebe gelangt, und somit der Sauerstoffversorgung. Nun ist aber der Sauerstoff, der von den roten Blutkörperchen transportiert wird, ein für alle Organe unverzichtbares Element: Sie können nur sehr kurze Zeit ohne Sauerstoff (Ischämie) funktionieren oder überleben.
Wer hat das grösste Risiko?
Verschiedene Faktoren – die sogenannten kardiovaskulären Risikofaktoren (Rauchen, Diabetes, arterielle Hypertonie, Cholesterin, sitzende Lebensweise) – sind an der Bildung der atherosklerotischen Plaques beteiligt. Die schädliche Wirkung dieser verschiedenen Faktoren ist nicht nur additiv, sondern multiplikativ. Während Frauen bis zur Menopause durch die Hormone relativ geschützt sind, steigt ihr Risiko in der Folge und erreicht im Alter von ca. 70 Jahren das der Männer.
Schädigung des Gehirns
Die von der Arteriosklerose am stärksten betroffenen Hirngefässe sind die Kopfschlagadern (Karotiden). Diese grossen Gefässe, die im Bereich des Halses verlaufen, führen das Blut zum Gehirn, das ständig versorgt werden muss, da es – wie das Herz – nicht aufhören darf zu funktionieren. Die sich bildenden Ablagerungen verengen die Arterie allmählich immer mehr, bis sie letztendlich durch die Entwicklung eines Gerinnsels (Thrombus) verstopft werden kann. Auch die durch eine Verengung verursachten Turbulenzen des Blutstroms können zur Entstehung kleiner Thrombozyten-Aggregate auf der Oberfläche der Plaque führen.
Diese Zellen, die normalerweise dazu bestimmt sind, Mikroverletzungen der Gefässe zu verschliessen, bilden also Gerinnsel von einigen Millimetern Durchmesser, die dann vom Blutstrom in die Hirngefässe mitgerissen werden, die sie verstopfen (Embolie). Die Folgen sind im Allgemeinen dramatisch, weil das Hirngewebe, das keinen Sauerstoff mehr erhält, innerhalb weniger Minuten abstirbt (Schlaganfall oder Gehirnschlag). Darüber hinaus kann die Funktion der betroffenen Region (Sprache, Bewegung eines Teils des Körpers) kann im Allgemeinen nicht von einer anderen Region des Gehirns übernommen werden. Die Folge ist ein bleibender Defekt ausser in den Fällen, in denen die Obstruktion durch Weiterwanderung oder natürliche Auflösung des Gerinnsels von kurzer Dauer ist (transitorische ischämische Attacke).
Es ist daher äusserst wichtig, schnellstens einen Arzt aufzusuchen, wenn man – auch nur vorübergehend – ein Gefühlloswerden oder eine flüchtige Lähmung eines Beins oder eines Arms, eine vorübergehende Störung der Sprache oder des Sehens verspürt, damit eine genaue Diagnose gestellt und eine vorbeugende Behandelung eingeleitet wird.
Schädigung des Herzens
Die koronare Herzkrankheit ist die Erkrankung des Herzens, die nach dem 50. Lebensjahr am häufigsten auftritt. Sie ist die Folge einer Verringerung des Durchmessers der Koronargefässe, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen. Wenn der Sauerstoffbedarf bei körperlicher Anstrengung oder bei Stress steigt, können diese Gefässe nicht mehr die notwendige Blutmenge herbeiführen. Der “unterversorgte” Herzmuskel leidet und dies kommt in Schmerzen in der Brust, die oft in den linken Arm ausstrahlen, der sogenannten Angina pectoris (oder Angor), zum Ausdruck. Häufig manifestiert sich der Sauerstoffmangel jedoch nicht durch Schmerzen, sondern durch eine einfache “Atemlosigkeit”, die sich durch das schlechte Funktionieren des unzulänglich durchbluteten Herzmuskels erklärt (Ischämie). Die Ischämie kann sich auch durch einfache Übelkeit, Schmerzen im Kiefer und ein sehr vages Beklemmungsgefühl in der Brust bemerkbar machen. Man muss also auf jedes neue Symptom achten, das bei Anstrengung oder Gefühlsbewegungen auftritt und Ausdruck einer Herzischämie sein kann.
Wenn diese Verengungen schlimmer werden, treten bei immer bescheideneren Anstrengungen und manchmal sogar in Ruhe klinische Symptome auf. Und wenn die Arterie sich schliesslich verstopft, stirbt der Herzmuskelbereich ab, den sie versorgt, es kommt zu einem Infarkt. Der Schmerz ist im Allgemeinen stärker und vor allem länger anhaltend (über 30 Minuten) als bei der Angina pectoris, kann aber auch weniger typisch sein, manchmal kann es sich sogar um einen vollkommen ‘stummen’ Infarkt handeln.
Schädigung der Beine
In den Beinen führt die Verengung der Arterien beim Gehen zu Krämpfen in den nicht ausreichend mit Blut versorgten Muskeln, die dazu zwingen, die Schritte zu verlangsamen oder die Anstrengung zu unterbrechen; daher kommt auch der Name dieser Störung: intermittierendes Hinken. Obwohl die Folgen anfänglich nicht so dramatisch erscheinen wie im Bereich von Gehirn oder Herz, kann die Verschlimmerung der Erkrankung zu einer derartigen Verminderung der Sauerstoffversorgung führen, dass es den Geweben selbst in Ruhe an Sauerstoff fehlt und es schliesslich zu einer Nekrose (Gangrän) kommt.
Diagnostische Hilfsmittel
Bei Störungen im Bereich der Koronararterien oder der Beine führt man im Allgemeinen eine Belastungsuntersuchung durch, während der man versucht, die Symptome zu reproduzieren; gleichzeitig wird nach anderen objektiven Symptomen gesucht. Wenn der Belastungstest den klinischen Verdacht bestätigt, und auch zur Untersuchung des Gehirns, greift man auf ein Mittel zurück, das es gestattet, die Arterie direkt darzustellen. Hierbei wird es sich entweder um eine Ultraschalluntersuchung (Echographie der Karotiden oder der Beine) oder eine Angiographie handeln.
Präventive Behandlung
Wenn der Verdacht auf eine Atherosklerose besteht, muss man zunächst die Risikofaktoren für die Entwicklung der Krankheit ermitteln; dies sind:
• Rauchen
• Diabetes
• arterielle Hypertonie
• zu hoher Cholesterinspiegel
• sitzende Lebensweise
Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil sind die möglichen Massnahmen in fortgeschrittenem Alter ebenso wirksam, wenn nicht sogar wirksamer. Es ist also nie zu spät, den Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzubeugen!
Kurative Behandlung
Auch wenn es keine kurative Behandlung der Herz-Kreislauf-Krankheit gibt, lassen sich die Risiken des Auftretens schwerer akuter Ereignisse (Infarkt, Schlaganfall) stark reduzieren und das Fortschreiten der bereits bestehenden Läsionen verlangsamen bzw. man kann sogar deren Rückgang bewirken.
Wenn die Krankheit eingetreten ist, besteht ihr grösstes Risiko im Auftreten einer Embolie oder eines Arterienverschlusses. Diesem Phänomen kann durch eine Behandlung mit Aspirin vorgebeugt werden, die in jedem Fall eingeleitet werden muss. Dieses in kleinen Dosen (100 mg, das heisst 5x weniger als eine normale Aspirin-Tablette) verabreichte Medikament vermindert die Adhäsion (das Zusammenkleben) der Blutplättchen und senkt das Risiko eines akuten Ereignisses um 50%. Wenn die Krankheit Symptome verursacht, muss man auf Behandlungsansätze zurückgreifen, die eine ungenügende Durchblutung wiederherstellen. Bei einem akuten Ereignis hängen die Fristen, innerhalb derer behandelt werden muss, vom betroffenen Organ ab: einige Minuten im Fall des Gehirns, einige Stunden im Fall des Herzens. Es ist daher sehr wichtig, dass wir alle die Manifestationen der Krankheit rasch erkennen, um unverzüglich – auch im Fall eines Zweifels – über die Telefonnummer 144 ärztliche Hilfe zu holen.
Bei einer chronischen Erkrankung wird die Behandlung zum einen darauf abzielen, den Blutstrom in der Arterie durch Erweiterung des verengten Gefässes zu erhöhen: Dies kann durch Medikamente (Vasodilatatoren) geschehen, aber auch, wenn dies misslingt, mittels Ballonkatheter oder Bypass-Chirurgie, durch die Entwicklung der kleinen Gefässe, welche die defekte Arterie ersetzen (Lauftraining), und durch die Verhütung der Aggregation der Blutplättchen, die das Gefäss teilweise verstopfen (Aspirin); zum anderen durch eine Senkung des Bedarfs der Organe, insbesondere auf kardialer Ebene, durch die Senkung des arteriellen Blutdrucks und der Herzfrequenz mit Hilfe von Arzneimitteln.
Zur Vermeidung der Entstehung einer Herz-Kreislauf-Krankheit muss man:
• für regelmässige körperliche Aktivität sorgen (Laufen, Velo: 3-4 Std./Woche)
• mit dem Rauchen aufhören (oder erst gar nicht anfangen…)
• für eine Ernährung sorgen, die wenig tierische Fette, aber reichlich Fisch und Ballast-stoffe enthält
• regelmässig den Cholesterinspiegel, den Blutzucker (Diabetes) und den arteriellen Blutdruck messen
In einem Wort: sich für sich selbst interessieren!
Zur Vermeidung der Verschlimmerung einer Herz-Kreislauf Krankheit muss man:
• die oben genannten Massnahmen noch ernster nehmen
• 100 mg Aspirin pro Tag einnehmen
• ein Statin zur Senkung des Cholesterins anwenden