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Zu Gleichstellung bei der AHV gehören aber genauso eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Lohngleichheit. Auch dafür setzte ich mich ein.
Heute liegt das Rentenalter der Frauen bei 64 Jahren und das der Männer bei 65 Jahren. Diese Ungleichheit gab es nicht immer. Als die AHV 1948 eingeführt wurde, lag das Rentenalter sowohl für Frauen als auch für Männer bei 65 Jahren. Erst mit der 4. AHV-Revision 1957 beschlossen die Politiker – Frauen waren noch nicht stimmberechtigt – eine Senkung des Frauenrentenalters auf 63 Jahre. Mit der 6. Revision 1964 wurde die Eintrittsschwelle sogar auf 62 Jahre herabgesetzt. Die damaligen Gründe für die Senkungen des Frauenrentenalters sind völlig aus der Zeit gefallen. So wurde unter anderem argumentiert, dass man das weibliche Geschlecht schützen müsse. Es wurde argumentiert, dass die Frau «physiologisch dem Mann gegenüber im Nachteil» sei.
Auch in anderen, mit der Schweiz vergleichbaren Ländern gab es in der Vergangenheit unterschiedliche Rentenalter für Frauen und Männer. Bis 2018 hatten jedoch nebst der Schweiz nur vier der insgesamt 30 OECD-Staaten noch nicht beschlossen, das Rentenalter anzugleichen: Ungarn, Israel, Polen und die Türkei. Sie alle gelten nicht als Vorbilder in Sachen Gleichstellung.
Seit 2008 haben zehn OECD-Staaten das Rentenalter harmonisiert. Reiche, mit der Schweiz vergleichbare Länder haben es geschafft, ihre Rentensysteme zu reformieren – Der Trend zur Harmonisierung des Rentenalters ist klar. Die Schweiz gehört zu den letzten fünf OECD-Ländern, die das Rentenalter noch nicht angeglichen haben. Nach zwanzig Jahren Diskussion ist es höchste Zeit, dass die Schweiz endlich nachzieht – mit einer Vorlage, welche die Frauen in der Übergangsgeneration absichert, was absolut zentral ist!
Ich sage darum überzeugt JA zur AHV 21. Zu echter Gleichstellung gehören aber genauso eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Lohngleichheit. Auch dafür setzte ich mich ein.
Die Teilnahme von Eltern am Arbeitsmarkt ist erschwert, weil die Rahmenbedingungen für die frühkindliche Betreuung nicht ausreichend gegeben sind. Es werden negative Arbeitsanreize geschaffen, welche die Erwerbstätigkeit der Frauen beeinträchtigen. Es braucht eine erschwingliche und qualitativ hochwertige ausserfamiliäre Kinderbetreuung, damit Verbleib sowie (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben für alle Frauen möglich wird. Auch der Bund steht hier in der Verantwortung zur Finanzierung, trägt er doch sonst die Folgekosten mit, wenn Frauen weniger erwerbstätig sind. Aktuell läuft hier eine wichtige Vernehmlassung der WBK des Nationalrats. Echte Gleichstellung bedeutet rasch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Doch damit nicht genug. In Art. 8 Abs. 3 der Bundesverfassung ist klar festgehalten: «Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.» Die offiziellen Statistiken zeigen jedoch eine andere Realität: Die Lohnabrechnung der Frauen ist im Durchschnitt jeden Monat um 1’512 Franken tiefer als jene der Männer (2018). Dafür gibt es teilweise Erklärungen, die nicht auf Lohndiskriminierung zurückzuführen sind. Aber ganze 45% des Lohnunterschieds können nicht erklärt werden. Das kann mit Blick auf die Gleichstellung nicht einfach so hingenommen werden. Mit der Revision des Bundesgesetzes über die Gleichstellung von Frau und Mann (GlG) gelang ein wichtiger Schritt in Richtung Lohngleichheit. Arbeitgebende sind neu zu einer Lohngleichheitsanalyse verpflichtet. Entscheidend ist, dass das neue Gesetz sofort umgesetzt und in der Analyse aufgedeckte Lohndiskriminierungen konsequent korrigiert wird. Nur wenn Frauen denselben Lohn für dieselbe Arbeit verdienen, ist dieser auch rentenversichert und kann überhaupt eine höhere Altersrente angespart werden.
Christina Bachmann-Roth, Präsidentin Die Mitte Frauen, Vorstandsmitglied alliance F