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Sima Chengzhen (647–735) war der zwölfte Patriarch der daoistischen Shangqing-Schule. Unter seinem Patriarchat erfuhr die Geschichte des Shangqing-Daoismus eine frappierende Wendung. So verlegte er den Hauptsitz der Schule vom Mao-Berg auf den Tongbo-Berg im Tiantai-Gebirge. De facto handelte Sima Chengzhen auf kaiserliches Geheiss. Um als spiritueller Meister glaubwürdig zu bleiben, musste er jedoch den Eindruck erwecken, die Schulsitzverlegung nicht aus politischen Gründen, sondern auf Grund von spirituellen Erwägungen betrieben zu haben. Hierzu griff er zurück auf die Legende des Wang Ziqiao, der Zentralfigur des Shangqing-Pantheons. Wang Ziqiao wurde als Herrscher über das Jinting-Unsterblichenparadies auf dem Tongbo-Berg verehrt, so dass sich der Tongbo-Berg als heiliger Ort der Shangqing-Schule darstellen liess. Ferner musste Sima Chengzhen erklären, warum der Schulsitz erst durch ihn auf den Tongbo-Berg verlegt wurde. Hierzu brachte er sich selbst mit Wang Ziqiao in Verbindung. Andeutungen, die in dieser Sache gemacht werden, lassen sich dahingehend interpretieren, dass Sima Chengzhen selbst als der Unsterbliche Wang Ziqiao dargestellt werden soll, der vorübergehend aus dem Jinting-Paradies heraustrat, um den Hauptsitz der Shangqing-Schule an den rechten Ort zu holen. In der vorliegenden Arbeit werden die wesentlichen Quellen bezüglich dieser auf Sima Chengzhen zurückgehenden Ideologie übersetzt und ausgewertet.