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Vom 14. Juni 2002 bis am 30. März 2003 wird in der Villa Flora Winterthur die Ausstellung "Der Sämann – Vincent van Gogh" gezeigt. Den Kern der Ausstellung bilden die Werke van Goghs aus der Sammlung Hahnloser, die einen zusammenhängenden Ueberblick über den Werdegang dieses Künstlers vom dunkeltonigen Frühwerk bis zu den leuchtenden Gemälden der Spätzeit geben. Im Mittelpunkt steht dabei "Der Sämann" von 1888, der in seiner vielfältigen Bedeutung unter anderem eine Identifikationsfigur des Künstlers ist. Zum Ereignis wird die Ausstellung auch durch die Leihgabe von Gästebildern aus den Museen von Boston, Philadelphia, Amsterdam, Bern und Winterthur.
In den letzten Jahren haben wir uns auf thematische Ausstellungen konzentriert, in denen die Künstlergruppe der "Nabis" im Vordergrund stand - "Die Sehnsucht nach dem Paradies", "Intime Welten - das Interieur bei den Nabis" und "Die Nabis und das moderne Paris - Bonnard, Vuillard, Vallotton und Toulouse-Lautrec". Obwohl sich das Hauptaugenmerk von Hedy und Arthur Hahnloser auf diese Künstler sowie auf die "Fauves" richtete, betteten sie beide Gruppen später in die Werke von Künstlern der vorhergehenden Generation ein, die als "Väter der Moderne" galten, war ihnen doch durch den Umgang mit ihren Malerfreunden bewusst geworden, wie viele Anregungen sich die Nabis und die Fauves bei Cézanne, Redon, Gauguin und van Gogh geholt hatten.
So soll unsere neue Reihe mit monographischen Ausstellungen einigen dieser Maler gelten. Vor allem die Werke Vincent van Goghs bilden einen so wichtigen Bestandteil der Sammlung Hahnloser, dass der Wunsch entstand, sie einmal im Zusammenhang zu zeigen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Die Bilder geben einen Ueberblick über den Werdegang des Künstlers vom dunkeltonigen Frühwerk bis zu den unter dem überwältigenden Eindruck des gleissenden Lichts des Südens entstandenen Gemälden der Spätzeit, in denen van Gogh eine expressiv gesteigerte Liniensprache entwickelte und die Farbe in ihrer eigenen, vom Naturvorbild unabhängigen Ausdruckskraft einsetzte. Nach seiner Vorstellung sollte das Bild "eine symbolische Sprache allein durch die Farbe" sprechen.
Im Mittelpunkt unserer Ausstellung steht eines der wichtigsten Bilder der Villa Flora, der im Oktober 1888 gemalte "Sämann", der in seiner vielfältigen Symbolik unter anderem eine Identifikationsfigur des Künstlers ist. Nachdem van Gogh seine frühen Ambitionen aufgeben musste, als Prediger des Evangeliums "ein Sämann des Worts" zu sein, verstand der spätere Maler seine Bilder als "Saat, die in das Feld der öffentlichen Meinung gesät wird".
Die Eigenmacht der Farbe bestimmt auch das zweite bedeutende Werk in der Villa Flora, das im September 1888 entstandene "Le Café de nuit". Der grelle Rot-Grün-Kontrast und die expressiv übersteigerte Perspektive bringen das Elend und die spannungsgeladene Atmosphäre dieses Ortes "schrecklicher menschlicher Leidenschaften" zum Ausdruck. Inspiriert zu dieser trostlosen Darstellung der durch Trunksucht zerstörten Menschen wurde van Gogh von Tolstois "Macht der Finsternis" und Zolas "L'Assommoir", aber zugleich sah er in diesem Ort auch eine aus der Not geborene Zufluchtsstätte für heimatlose und erfolglose Künstler, die ebenfalls Ausgestossene seien.
Wir freuen uns, die Werke aus der ehemaligen Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler mit bedeutenden Gästebildern aus dem Van Gogh Museum Amsterdam, dem Kunstmuseum Bern, dem Museum of Fine Arts Boston, dem Philadelphia Museum of Art sowie dem Kunstmuseum Winterthur bereichern zu können. Abgerundet wird dieses eindrucksvolle Ensemble durch japanische Holzschnitte, Zeichnungen, Graphiken und Bilder einiger der von van Gogh besonders bewunderten Künstler wie Delacroix, Daumier, Millet und Monticelli sowie durch Gemälde der von ihm beeinflussten "Fauves" Manguin, Marquet und Matisse.
Die Gästebilder werden gestaffelt zu sehen sein. Im ersten Quartal (14. Juni bis 29. September 2002) begegnen sich die Familienporträts "Augustine Roulin und ihr Baby Marcelle" aus dem Philadelphia Museum of Art und "Joseph Roulin" aus dem Kunstmuseum Winterthur sowie die Saint-Rémy-Landschaft "Terrains labourés, effet de matin" aus dem Museum of Fine Arts Boston. Im zweiten Quartal (1. Oktober bis 30. Dezember 2002) trifft das Winterbild "Gelée blanche, d'après Millet" aus dem Van Gogh Museum Amsterdam auf die Sommerlandschaft "Soir d'été" aus dem Kunstmuseum Winterthur. Das dritte Quartal (2. Januar bis 30. März 2003) steht im Zeichen der "Sonnenblumen" aus dem Kunstmuseum Bern, während "Soir d'été" weiterhin den "Sämann" der Hahnloser/Jaeggli Stiftung begleiten wird.
Ursula Perucchi-Petri
Die Villa wird ab Herbst 2018 umfassend renoviert und erweitert, weshalb bis zur Wiedereröffnung 2022 keine Ausstellungen gezeigt werden können. Die Werke der → Hahnloser/Jaeggli Stiftung sind vorübergehend im Kunstmuseum Bern zu sehen.
Der Trägerverein Flora organisiert Veranstaltungen, begleitet die Renovationsphase und wird die Aktivitäten der Villa Flora vor und nach der Wiedereröffnung ideell und finanziell tatkräftig unterstützen. Helfen Sie mit, werden Sie Mitglied.