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Geschichte der Kirche
Im 14. Jahrhundert wurde die der heiligen Agatha geweihte Kapelle errichtet. Da archäologische Unterlagen fehlen, sind die Ausmasse der damaligen Kapelle unbekannt.
Im Jahr 1662 Renovation des Turmes. Bei dieser Gelegenheit wurden zwei neue Glocken angeschafft.
1767 Gutenswil, das kirchlich zu Uster gehörte, kommt zur Kirchgemeinde Volketswil. Dies machte eine Vergrösserung der Kirche notwendig, das Kirchenschiff wurde um ein Drittel nach Westen verlängert.
1860 die alten Glocken werden zu einem 4-stimmigen Geläute durch Conrad Bodmer aus Neftenbach umgegossen. Diese vier Glocken mit einem Gesamtgewicht von 1875 kg versehen ihren Dienst bis zum heutigen Tag.
1912 Innenrenovation der Kirche, insbesondere neue Bestuhlung, neuer Plättliboden im Schiff und Chor, sowie ein neues Wandtäfer im Schiff und eine neue Treppe auf die Empore. Gesamtkosten gemäss Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates von der Sitzung vom 19. Februar 1914, Fr. 12683.72. Damals wurde ein Staatsbeitrag von Fr. 1250.- gesprochen.
1930 Renovation Bauten Kirchturm. Das Dachgebälk des Kichendaches in seiner vorderen Rundung (Chor) erwies sich vielfach schlecht infolge durchdringender Nässe. (siehe Antrag der Kirchenpflege an die Kirchgemeindeversammlung) Totalkosten Fr. 9'001.--.
1956 Renovation der Kirche, die bis auf die Grundmauern abgebrochen wird. Dies wurde nötig, da die schwere Last des Kirchendaches auf die Deckenbalken abgestützt war. Infolge dieser Fehlkonstruktion bildeten sich Risse in der an den Deckenbalken befestigten Gipsdecke, von welcher sich kleinere Stücke lösten. Trotz der grossen Renovation die Fr. 350'000.-- kostete, ist der Grundriss und die äussere Form der Kirche fast gleich geblieben. Der Dachstuhl wurde um 30cm gehoben, die Zifferblätter wurden vergrössert, der Hals des Dachreiters wurde verkürzt und nach Westen verschoben, während die Helmspitze nun 5m höher hinaufragt und eine neue Wetterfahne trägt. Das Innere der Kirche wurde total verändert. Der Chorbogen wurde beseitigt, die neue Orgel auf die Rückseite verlegt wodurch die Kirche zu einem Raum zusammengefasst wurde. Die Empore, welche früher fast bis in die Mitte des Schiffs hineinragte wurde verkürzt und tiefer gelegt. Der Taufstein des Bildhauers Franz Fischer sowie die bekannten Kirchenfester von Max Hunziker sollen auch nicht unerwähnt bleiben.Einzig die Kirchenbänke und die Kanzel wurden von der alten Kirche übernommen.
2007 Sanierung der Glockenanlage: Ersetzen der Glockenklöppel, Ersetzen der Steuerung, sowie der Läutmaschinenanlage
Die Kirchenfenster von Volketswil
Bei der Renovation von 1956/57 wurde auch an die Ausschmückung der Kirche Volketswil mit neuen Farbfenstern gedacht. Die damalige Baukommission betraute in der Folge den Zürcher Glasmaler Max Hunziker mit der Aufgabe, unsere Kirchenfenster zu gestalten. Unseren Wunsch, die Darstellungen möchten eine sichtbare Beziehung zum «Unser Vater» haben, hat der Künstler auf die ihm eigene, hervorragende Art und Weise erfüllt. Von 1962 bis 1966 entstanden so in der Werkstatt des Glasbearbeiters Karl Ganz in Zürich unsere elf herrlichen Kirchenfenster, die unsere Dorfkirche - noch mehr - als eines der schönsten Gotteshäuser weit herum erscheinen lassen.
Wir begnügen uns hier mit einer knappen Beschreibung der Fenster, in der Meinung, dass jede eingehende Auslegung nur dem eigenen Erlebnis jedes Betrachters vorgreifen und der inneren Auseinandersetzung mit den Bildern Abbruch tun würde. Gemalte Kirchenfenster haben heute nicht den Sinn, den Kirchenraum in ein mystisches Dämmerlicht einer Kathedrale zu tauchen. Neben freilich beabsichtigten Beleuchtungs- und Blendungskorrekturen und rein dekorativen Eigenschaften sollen sie vor allem die Kraft haben, den Beschauer zum äusseren und inneren Sehen zu verlocken und damit eine wertvolle Illustration zu manchem Bibel- oder Predigtwort zu sein. Es ist kaum etwas Zufälliges oder Unbeabsichtigtes in den Bildern Max Hunzikers zu sehen. Die folgende kurze Beschreibung soll also nur als Hinweis, als Mittel zu einer Anfangsbeziehung zu den Bildern dienen. Man wird mit der Zeit überraschend viel herauslesen.
Das Mittelfenster hinter dem Taufstein zeigt als mit vielen Farb- und Bildsymbolen geschmückte Schriftscheibe den Text des «Unser Vater». Die Farben wechseln, je nachdem ein Wort Irdisches oder Göttliches nennt. Die eingestreuten Blumen sind Symbol des Aufblühens unseres besonderen Verhältnisses für die eine oder andere Bitte. Die Taube kennen wir als Symbol des heiligen Geistes. Am Bildfuss können die zwei Gestaltenreihen die 24 Stunden (das Gebet soll ja eine Tag- und Nachtbeziehung des Christen zu Gott sein), vielleicht auch das Spiegelbild einer um das Christus Symbol Alpha und Omega versammelten Gemeinde bedeuten. Weitere Christus-Symbole finden wir auf verschiedenen Fenstern: Lamm, Ähre, Weinstock, Kreuz usw.
Hinter der Kanzel ist der Baum als Zeichen des Lebens mit der Bedeutung «Wort» und «Gesetz Gottes» zu sehen, daneben zwei Wächter-Engel mit barmherzig verstecktem Schwert. Die Flamme am Bildfuss lodert als Zeichen der Verkündigung hinter der Kanzel wohl am rechten Ort.
Das Fenster links zeigt uns eine Fülle von Versöhnungs-Symbolen: den Engel, die fallenden Blutstropfen, den Kelch des Abendmahls, den Regenbogen (Bund Gottes mit den Menschen, Sinnbild des Friedens und der Versöhnung), das Lamm Gottes und dahinter die Darstellung des neuen Jerusalem aus der Offenbarung des Johannes.
Die nächsten zwei Fenster enthalten, einander gegenübergesellt, den Wein und das Brot, links mit dem Gemeindewappen von Volketswil ausgeschmückt, rechts mit der Andeutung, der Unendlichkeit des Wechsels von Werden und Vergehen, vom zwingenden Aufgehen eines Samenkorns in einer neuen, fruchtbringenden Pflanze. Das Rad ist Sinnbild der Ewigkeit und des verschlossenen Paradieses, das aber für uns noch einen Sinn bekommt, wenn wir uns als ganze Menschen speichenartig ausrichten lassen auf das Zentrum, auf Christus. Die Vögel sind hier wohl Symbol für die echte, christliche Sorglosigkeit.
Das folgende Fensterpaar erinnert uns an die Kreuzigung des Herrn und gegenüber an die Geburt und die Familie, die eine bildlich betonte, gottbeschützte Institution ist.
Weiter rückwärts finden wir links das Fenster der Versuchung mit verschiedenen Zeichen der verdrehten und verkehrten Wahrheit um den Versucher herum und im Hintergrund. Er hat drei Gesichter: Eines ist auch auf den Besucher gerichtet. Gegenüber ist ein Bild der Geborgenheit: unser Dorf unter Sternen und selbst auch auf einem Stern. Ein Stern unter unendlich vielen Sternen: nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Wahre Kleinode sind auch die hintersten Scheiben. Unten links wieder das Lamm als Symbol Christi, rechts die gefalteten Hände, durch die zutraulichen Vögel als einem dem Irdischen entrückten, seligen Beter zuhörig bezeichnet. Oder symbolisieren die Vögel die gedankliche Verbundenheit mit dem Schöpfer? Aehnliches empfindet man auch auf der Empore, wo rechts ein durch das Kreuz gezeichneter Mensch (Gesicht beachten!) die Geborgenheit des Engels sucht.
Gegenüber ist die Bedeutung der Orgel- und Musikempore in unserer Kirche besonders fein unterstrichen. Hieronymus, der Uebersetzer der Bibel in die lateinische Sprache, bezeichnete Christus als Summus Musicus, als Meister aller Musiker. Auch Luther hat die Musik als eine der schönsten Gaben Gottes empfunden.
Wer sich beim Vertiefen in die Bilder Max Hunzikers über die Symbolsprache in der kirchlichen Malerei näher orientieren möchte, sei auf die kleine Symbolfibel von Klementine Lipfer (Verlag Johann Stauda, Kassel, 1957 verwiesen, die einem auch beim Studium vieler anderer, mittelalterlicher Kirchen eine wertvolle Hilfe sein kann.
Hans G. Arter