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In Grönland hatte sich schon seit längerem ein politischer Machtkampf entwickelt. Der ehemalige Regierungschef und Vorsitzende der Regierungspartei Siumut, Kim Kielsen, war im Oktober nur knapp einem Misstrauensvotum des Parlaments entgangen. Doch die Querelen sowohl innerhalb der Partei wie auch bei den Koalitionspartnern endeten mit der Abwahl Kielsens als Parteivorsitzender und vorgezogenen Neuwahlen. Und die haben ein kleines Erdbeben gebracht: Die bisher regierenden Sozialdemokraten verlieren ihre Macht an die Opposition, die links-grüne Partei Inuit Ataqatigiit IA, die nun auch den Premierminister stellen werden.
Im grönländischen Parlament, dem Inatsisartut, wird die IA mit 12 Sitzen stärkste Partei, gefolgt von der bisher regierenden Siumut-Partei, die 10 Sitze behält. Die restlichen 9 Sitze gehen an die zentralistisch-populistische Naleraq-Partei (4), die Demokraten (3) und die unionistische Atassut-Partei (2). Insgesamt hatten sich nach offiziellen Angaben 189 Kandidaten für die 31 Sitze im Parlament angemeldet. Von den 41’126 stimmberechtigten Grönländern hatten 27’079 ihre Stimme abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 65.8 Prozent entspricht. Im neugewählten Parlament werden 10 Frauen vertreten sein, 56 hatten sich zur Wahl gestellt. Die Neupartei Nunatta Qitornai, der ehemalige Koalitionspartner der Siumut, schaffte den erneuten Sprung ins Parlament nicht.
Überraschend für viele war nicht der Machtwechsel im Parlament, sondern die Tatsache, dass der ehemalige Premier Kim Kielsen mehr Stimmen bei der Parlamentswahl auf sich vereinen konnte als Erik Jensen. Dieser hatte Kielsen im letzten November bei einer Partei-internen Wahl als Parteivorsitzenden abgelöst. «Ich werde als Vorsitzender weitermachen, trotz des Resultats», erklärte Jensen gegenüber der Zeitung Sermitisaq. Mehr Einigkeit herrscht bei der neuen Regierungspartei, wo der Vorsitzende Múte Bourup Egede ein Glanzresultat aufweisen konnte und mehr als 42 Prozent aller Parteistimmen erhielt. Mit dem Sieg wird seine Partei zum zweiten Mal nach 2009 – 2013 die Regierung Grönlands übernehmen und die Geschicke des Landes leiten.
Der Machwechsel im grönländischen Parlament kommt nicht völlig überraschend. Denn die bisher regierende Siumut-Partei und Kim Kielsen waren in den vergangenen Monaten immer stärker in die Kritik gekommen. Dabei ging es um Bergbau und Fischerei, zwei zentrale Aspekte in der grönländischen Politik. Auch die partei-internen Diskussionen um Entscheidungen Kielsens hatten ihre Schatten vorausgeworfen. Doch Erik Jensen will von einer Stagnierung oder sogar Paralysierung nichts wissen. Die Partei werde nun abwarten und sehen, ob und was die neue Rgeierungspartei für eine Koalition anbieten werde. Auch die anderen Parteien stehen für Koalitionsgespräche bereit. Rein rechnerisch sieht sich die Naleraq und der ehemalige Premier Hans Enoksen als möglicher Partner. Er betont auch gegenüber den Medien, dass seine Partei in den vergangenen Jahren eine gute Zusammenarbeit mit der IA gepflegt habe. Bisher hat sich Múte Bourup Egede noch nicht geäussert, mit wem Koalitionsgespräche aufgenommen werden soll. Sicher ist, dass mit dem Wahlergebnis ein neuer politischer Wind wehen wird, der in dieser Zeit richtungsweisend sein wird. Denn in Grönland wird sich nicht nur das natürliche Klima langsam ändern.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal