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Wann und wo schreiben Sie Ihre Kolumne meistens?
Zuhause am Esstisch oder im Bett.
Woher holen Sie die Inspirationen für die regelmäßigen Kolumnen?
Ich passe auf, höre meinen Freundinnen und Freunden zu, inhaliere Gegenwart und sauge das Internet ein, durch das bei mir auch viele internationale Medien fließen.
Auf welche Ihrer Kolumnen hatten Sie die heftigsten Reaktionen, mit welchem Thema haben Sie die Erregung am stärksten getroffen?
Ich habe schon über 3000 Kolumnen geschrieben und darauf immer wieder heftige Reaktionen. Worauf sehr stark reagiert wurde: eine Kolumne im „Falter“, in der ich beschrieb, wie die Polizei die Tür einer kleinen Wohnung, die mir gehört, eintrat, um eine syrische Flüchtlingsfrau, die dort wohnte, zu verhaften.
Setzen Sie Social Media zur Verbreitung Ihrer Kolumnen ein?
Häufig, aber nicht immer.
Viele Kolumnisten sind nicht Journalisten, sondern „Quereinsteiger“. Haben sie den Journalisten unter den Kolumnisten etwas voraus und wenn ja was?
Ich glaube nicht. Journalistinnen haben ihr Handwerk gelernt und können recherchieren, das schadet auch einer Kolumne nicht.
Oft werden ältere Journalisten zu Kolumnisten. Ist das eine Art Altenteil, indem man nicht mehr so viel recherchieren muss und locker vom Hocker alles schreiben kann?
Wahrscheinlich. Ich habe schon Mitte 20 mit dem Kolumnieren und Kommentieren angefangen.
Tragen Kolumnen mit ihrer Zuspitzung, ihrer Pointierung und oft auch Provokation zur Polarisierung bei? Mit anderen Worten: vertragen sich Kolumnen mit differenzierten, abgewogenen mittleren Positionen?
Sie können harmonieren, müssen aber nicht.
Müssen gute Kolumnen kurz sein oder können sie auch eine halbe Seite füllen?
Meine Lieblingslänge sind 2500 bis 3000 Zeichen, ich finde, das reicht völlig, um eine Geschichte zu erzählen. Kürzer schreibe ich aber auch gern.
Wie erklären Sie sich die immer stärkere Stellung von Kolumnen in Zeitungen und Zeitschriften?
Die Leserinnen haben gern klare Unterstützung bei der Meinungsbildung. Sie wollen Haltung, Kolumnen bieten ihnen das.
Und worauf führen Sie den Erfolg Ihrer eigenen Kolumne zurück? Was ist Ihre USP? Was schätzen die Medienkonsumenten an Ihren Texten besonders und was unterscheidet diese von anderen?
Ich habe Humor und Haltung, und ich riskiere immer wieder etwas, das sich andere nicht trauen. Aber vor allem ist mein kolumnistisches, literarisches Ich nicht perfekter als meine Leserinnen, ganz im Gegenteil. Ich lasse die Leute dabei zusehen, wie ich immer wieder am Alltag scheitere, und ich glaube, das mögen sie.