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Zum Garten des Schlosses von Versailles gehörte ein Labyrinth mit farbigen Brunnen und Wasserspielen. Während der reich geschmückte Irrgarten die Zeit leider nicht überdauert hat, wurden Abbildungen der Brunnen und die dazugehörigen Geschichten glücklicherweise in einem Buch festgehalten. Eine Ausgabe befindet sich im Besitz der ETH-Bibliothek und trägt auf dem Buchdeckel ein Supralibros mit dem Wappen des französischen Königs Ludwig XIV.
Für die Brunnen im Labyrinth von Versailles dienten die Fabeln des Äsop als Inspirationsquelle. Der französische Schriftsteller Charles Perrault hatte die Idee, diese Springbrunnen in einem Buch zu verewigen. Die Texte der Fabeln wurden von Isaac de Benserade, Dichter am Hofe des Sonnenkönigs, in Vierzeiler umgewandelt. Die Aufgabe, die Springbrunnen detailgetreu wiederzugeben, übernahm der Lothringer Zeichner und Radierer Sébastien Le Clerc.
Das Buch ist auf Französisch in drei Auflagen erschienen und wurde später auch in andere Sprachen übersetzt. Die ETH-Bibliothek besitzt ein Exemplar von 1679 aus der Bibliothek von Ludwig XIV. Auf der Vor- und Rückseite des Buchdeckels prangt das goldene Wappen des französischen Königs mit den drei Lilien unter der Krone. Weitere solche Provenienzmerkmale sind auf der Plattform E-Pics im Katalog „Ex meis libris“: Provenienz alter Drucke zu finden.
Der Garten von Versailles
Der Lustgarten von Versailles stellte die Krönung der Entwicklung des Barockgartens im 17. Jahrhundert dar. Zahlreiche Wasserbecken, Bassins, Fontänen und Kaskaden betonten die Pracht des königlichen Gartens. André Le Nôtre, der oberste Gärtner von Ludwig XIV., hat in Zusammenarbeit mit Louis Le Vau und Charles Le Brun, die Gärten von Versailles konzipiert und ein Vierteljahrhundert lang daran gearbeitet. Unterschiedliche Interpretationen von Geschichte, Kunst, Theologie und auch Literatur flossen in die Gestaltung ein.
Das Labyrinth
Das seinerzeit berühmte Labyrinth von Versailles bestand aus einer Fläche von etwas mehr als einem Hektar, das sich im Petit Parc des Schlosses von Versailles befand. Die Pläne für den Irrgarten wurden von Le Nôtre selbst entwickelt und zusammengestellt. Es befanden sich 39 Springbrunnen im Labyrinth, die mit farbig bemalten, von namhaften Künstlern angefertigten Bleiguss-Figuren versehen waren und Themen aus den Fabeln des Äsop von Jean de La Fontaine darstellten. B
Das Labyrinth war außerordentlich reich geschmückt und den Angehörigen des Hofstaates vorbehalten. Es handelte sich dabei nicht um einen üblichen Irrgarten, bei dem es einen Zielplatz zu finden galt, vielmehr bestand die Aufgabe darin, den Weg so zu wählen, dass jeder Brunnen genau einmal erreicht wurde. B
Da die Pflege des Labyrinths teuer und aufwändig war, geriet es zeitweise in einen schlechten Zustand und wurde schliesslich 1774 vollständig entfernt. So verdanken wir es dem Buch von Charles Perrault, dass wir uns heute trotzdem noch einen Eindruck des Labyrinthes mit den prächtigen Brunnen machen können.
Quelle:
Perrault, Charles: Labyrinte de Versailles. Paris : Imprimerie Royale (Mabre Cramoisy), 1679. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 6808, https://doi.org/10.3931/e-rara-7586