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Die Konzepte von “Mann” und “Frau” sind auch sprachlich geformt.
Die Konzepte von “Mann” und “Frau” sind auch sprachlich geformt.
Im öffentlichen Diskurs wird unter dem Schlagwort „Gendern“ weitgehend eine grammatische Kategorie verstanden – die Wortendung -innen und die Verwendung von Sternchen oder Doppelpunkt. Die Abbildung von Geschlecht in der Sprache geht allerdings weit darüber hinaus. Wir müssen die Frage nach einem gendergerechten Sprechen umfassender denken: Es muss auch dort ansetzen, wo das Verhältnis zwischen den Geschlechtern durch stereotype Zuschreibungen konstruiert und mit Auf- bzw. Abwertungen verbunden wird.
Die französische Philosophin Simone de Beauvoir erkannte schon vor über 70 Jahren, dass die Rolle der Frau im Geschlechterverhältnis ein reines Konstrukt ist: Die ungleiche Stellung zwischen Mann und Frau sei nicht auf einen biologischen, sondern einen gesellschaftlichen Ursprung zurückzuführen. Simone de Beauvoir nahm damit erstmals die heutige Differenzierung zwischen Sex und Gender vor, indem sie zwischen Biologie und sozialer Prägung unterschied. Die Zuschreibung, was als „männlich“ oder „weiblich“ gilt, erfolgt also von aussen und hat sich über Jahrhunderte gesellschaftlich entwickelt und manifestiert. Wir sprechen dabei von einer binären Konstruktion der Geschlechter, der so genannten Zweigeschlechtlichkeit à la „Adam und Eva“.
Die Unterteilung in diese zwei Gruppen (männlich, weiblich) wird dadurch problematisch, dass ihnen auch ein unterschiedlicher Status zugeschrieben und damit unterschiedlicher Wert beigemessen wird. Zudem trauen sich in den letzten Jahren immer mehr Menschen jenseits der klar abgegrenzten Kategorien „männlich“ und „weiblich“, ihre Identität auszuleben. Diese Konzepte bilden also nicht mehr die gesellschaftliche Realität ab. Trotzdem haben sie weiterhin eine starke, normierende Wirkung in unserer Gesellschaft – auch weil wir sie permanent in unserem alltäglichen Sprechen reproduzieren. Denn kulturelle Gewohnheiten werden durch Sprache ausgedrückt und dadurch verfestigt. So sind auch die Konzepte von „Mann“ und „Frau“ sprachlich geformt: Durch Benennungen (Substantive: Mann, Frau, Vater, Mutter, Bürohengst, Klatschtante, Familienvater, Karrierefrau), durch Zuschreibungen von Eigenschaften (Adjektive: stark, analytisch gilt als männlich; emotional, freundlich gilt als weiblich) und durch Zuschreibungen von Handlungen (männlich als Aktiv-Rolle, weiblich als Passiv-Rolle).
Die Ordnung der Geschlechter zieht sich durch sämtliche sprachliche Ebenen bis hin in die Strukturen von Sätzen, beispielsweise bei Vergleichsfragen. Ich werde z.B. immer wieder gefragt: Führen Frauen anders als Männer? Selten bis nie wird gefragt: Führen Männer anders als Frauen? Solche Vergleichsstrukturen erlauben einen Rückschluss darauf, was wir als Norm wahrnehmen („Männer sind diejenigen, die führen“). Hier können wir bewusst sprachlich ansetzen und mit neuen Ausdrucksweisen an der ungleichen Ordnung der Geschlechter rütteln.
Kategorie
News
Publiziert am
14.07.2022
Hashtag
#DieWirtschaftsfrau #DWF #Politik #Gender #Geschlecht #Stereotypen #Zweigeschlechtlichkeit
Dr. Simone Burel
Dr. Simone Burel ist Geschäftsführerin der LUB GmbH, die sie 2015 auf Basis ihrer
Dissertation über die Sprache der DAX-30-Unternehmen gegründet hat. LUB
optimiert die Prozesse ihrer Kund:innen in den Bereichen Leadership, CSR, Gender &
Diversity, Customer Care und Change.