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Do you speak science? Englisch als Sprache der Wissenschaft
Viele Vorlesungen an der Universität werden inzwischen auf Englisch gehalten, und ein Grossteil der wissenschaftlichen Fachliteratur ist auf Englisch geschrieben. Mehr und mehr Studierende verfassen ihre Abschlussarbeiten auf Englisch. Inzwischen hat sich sogar ein ganz eigener Markt rund um das Thema „academic writing“ etabliert mit Büchern, Ratgebern und speziellen Kursen. An Englisch kommt man in der Wissenschaft nicht mehr vorbei; aber warum eigentlich und was bedeutet das?
In der Antike waren Griechisch und Latein in Europa die Sprachen der Gelehrten. Latein setzte sich durch und blieb bis zur Aufklärung die dominante Sprache der Wissenschaft und der geistigen Eliten. Erst im 18. Jahrhundert kamen nationale Sprachen im wissenschaftlichen Gebrauch auf, doch bis zum zweiten Weltkrieg gab es keine dominante Sprache. Bis vor 100 Jahren musste man also als Wissenschaftler Englisch, Deutsch und Französisch zumindest problemlos lesen können.
Der Aufstieg des Englischen
Nach dem zweiten Weltkrieg etablierte sich Englisch mehr und mehr als gemeinsame Sprache in der Wissenschaft. Dies nicht zuletzt, weil während des Nationalsozialismus viele deutschsprachige Wissenschaftler und Intellektuelle nach England oder in die USA ausgewandert waren. Hierdurch gab es nicht nur plötzlich weniger deutschsprachige Forschung, sondern Deutsch war auch moralisch negativ behaftet. Natürlich spielte jedoch die voranschreitende Globalisierung die wichtigste Rolle für den Erfolg des Englischen. Durch die internationale Vernetzung und Technologisierung der Gesellschaft und den allgemeinen Zugang zu Bildung, welcher lange nur Eliten vorbehalten gewesen war, stieg die Zahl der Wissenschaftler drastisch. Dies hatte zur Folge, dass es nicht mehr nur wenige intellektuelle Zentren gab. Es entwickelte sich ein weltweiter Arbeitsmarkt und Erkenntnisaustausch unter Wissenschaftlern. Hier war Englisch der kleinste gemeinsame Nenner.
Englisch als gemeinsame Wissenschaftssprache – nur von Vorteil?
Der grosse Vorteil der Lingua franca Englisch besteht eindeutig in der einfachen Kommunikation und im problemlosen Erkenntnisaustausch zwischen Wissenschaftlern unterschiedlicher Nationalitäten. Natürlich hängt der Gebrauch des Englischen auch immer mit der jeweiligen Fachdisziplin zusammen. Denn viele Sozialwissenschaftler streichen hervor, dass ihre Forschungsthemen oft sehr national geprägt sind im Vergleich zu etwa naturwissenschaftlichen Fächern und es insofern angebrachter ist, Forschungsergebnisse in der Nationalsprache zu veröffentlichen.
Nachteile sehen Wissenschaftler bei der Dominanz des Englischen vor allem darin, dass sich so keine nationalen Fachsprachen mehr entwickeln und also schlichtweg für viele Dinge keine Begriffe vorhanden sind. Dies führt soweit, dass Vorlesungen oder Konferenzen mit ausschliesslich deutschsprachigen Teilnehmern trotzdem auf Englisch gehalten werden. Inzwischen müssen auch fast 80 % der Forschungsanträge im deutschsprachigen Raum auf Englisch verfasst werden, obwohl diese nur von deutschen Muttersprachlern bearbeitet werden. Gerade bei komplexen Sachverhalten wäre es jedoch für das Verständnis oft wichtig, Dinge in der eigenen Muttersprache erklären zu können. Dies gilt nicht nur für Wissenschaftler unter sich oder in Vorlesungen für Studierende. Es ist auch wichtig, dass komplexe Erkenntnisse auf verständliche Weise der breiten Allgemeinheit vermittelt werden können und die Gesellschaft sich bewusst ist, wie wichtig Wissenschaft und Forschung sind. Der Trend, dass nationale Sprachen in der Wissenschaft an Wichtigkeit verlieren, lässt sich aber wohl in absehbarer Zeit nicht aufhalten.
SimplyScience – Einfach Wissenschaft!
Wissenschaft ist nicht einfach („simple“), aber SimplyScience.ch versucht, auch komplizierte Zusammenhänge in möglichst verständliche Sprache zu fassen. Wir sind fasziniert von Experimenten und Forschung und möchten diese Begeisterung weitergeben. Auf dieser ganzen Website geht es also einfach („simply“) um Wissenschaft!
Was bedeutet das für Nachwuchsforscherinnen und -forscher?
An Englisch führt in einer wissenschaftlichen Karriere kein Weg vorbei! Schon bei Studienbeginn hast du in vielen Fächern Vorteile, wenn deine allgemeinen Englischkenntnisse auf einem hohen Niveau sind, denn die Hürde des spezifischen Fachjargons kommt erst noch. Selbst wenn Englisch nicht dein Lieblingsfach ist – ein vertrauter Umgang mit der Sprache wird dir erleichtern, dass du viele Fakten auf Englisch lernen musst.
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