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1969 zeigte das Kunstmuseum Basel die erste Einzelausstellung von Joseph Beuys (1921–1986) in der Schweiz. 1977 erwarb das Museum das 1974 entstandene Werk THE HEARTH (Feuerstätte). An drei Wänden des Raums sind Metallstäbe angelehnt – entsprechend der Primzahlen von eins bis elf. Zur Installation gehören drei mit Kreide beschriftete Wandtafeln: Die eine weist das Wort «Feuerstätte» in Bezug zum Umriss der irischen Landkarte auf; die beiden weiteren zeigen Notizen von Beuys zu einem 1974 in England gehaltenem Vortrag, bei dem er über die Umgestaltung der Gesellschaft sprach. Ein Handwagen mit einem zerlegten Kupferstab – von Beuys «Eurasienstab» genannt –, ein weiterer Stab in Form eines Spazierstocks mit Filz umwickelt liegen im Raum. Ein langer Kupfer- und Eisenstab ist hinter den Stäben an der Wand abgelegt.
THE HEARTH (Feuerstätte) entstand in einer Zeit, in der es Beuys überzeugend gelang, seine künstlerischen und politischen Ideen durch Materialien in räumlichen Situationen zusammenzubringen. Die Wandtafelzeichnungen und die Anordnung der Stäbe lassen an eine Versammlung denken. Kupfer, Eisen und Filz verwendete Beuys aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften, Wärme zu leiten und zu speichern. Ganz ähnlich sah er das Potenzial sozialer «Energie» , die notwendig wäre, um politische Systeme gemeinsam zu verändern.
Presse und Öffentlichkeit beachteten und diskutierten das Engagement des Kunstmuseums für das Werk von Joseph Beuys seit Ende der 1960er Jahre. Besonders heftige Wellen provozierte 1977 der Ankauf der hier präsentierten Installation THE HEARTH (Feuerstätte). Als anstössig empfunden wurde zum einen die nicht auf den ersten Blick verständliche Konstellation von Materialien. Für Beuys müsse man «neu sehen lernen» und die bisherigen, konventionellen Vorstellungen von Kunst übergehen. Zum anderen wurde der Preis, der für die Installation bezahlt wurde, 300‘000 Franken, als viel zu hoch empfunden.
Insbesondere die Basler Fasnacht bot ein Ventil, um dem Unverständnis auf ironische Weise Luft zu machen. Zwei kunstaffine Mitglieder der Clique Alti Richtig, die heute international bekannten Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, luden Beuys ein, aktiv an der Fasnacht 1978 teilzunehmen. Auf Vorschlag von Beuys trug die Clique ein Kostüm aus Filz, das nach dem Vorbild eines Multiples von Beuys genäht worden war, ergänzt durch Stäbe, wie Beuys sie für THE HEARTH (Feuerstätte) angefertigt hatte. An der Fasnacht 1978 und im Jahr danach entstand unter Anleitung des Künstlers die Installation Feuerstätte II, die ihre abschliessende Form aus einem geschichteten Stapel der Filzanzüge sowie der als Ring zusammengefassten Stäbe erhielt.
Die elf Vitrinen von Joseph Beuys beinhalten eine Vielzahl von kleinen Skulpturen und Gegenständen, die eigenständige Werke, Multiples und Relikte von spektakulären Performances des Künstlers sind. Ende der 1960er Jahre, als Beuys die Aufhebung traditioneller Kunstformen wie Skulptur und Zeichnung zu Gunsten seines erweiterten Kunstbegriffs besonders intensiv vorantrieb, wurden Vitrinen zu einem seiner bevorzugten künstlerischen Mittel. Sie erwiesen sich als ideale Gefässe, um Fragmente seines vielteiligen Werks in verdichteter Form zueinander in Beziehung zu setzen.
Die Gruppe der Vitrinen wurde in dieser Konstellation erstmals 1998 unter dem Titel Laboratorien der Imagination in Basel ausgestellt.
2021 – im 100. Geburtsjahr von Joseph Beuys – haben Dr. h.c. Maja Oeri und ihre Söhne Hans Emanuel und Melchior Oeri das Kunstmuseum Basel äusserst grosszügig beschenkt: In Erinnerung an den frühen Sammler und langjährigen Freund des Künstlers Hans U. Bodenmann sind die elf Vitrinen dauerhaft in die Sammlung des Kunstmuseums übergegangen.
Die elf Vitrinen und das Basler Beuys-Konvolut sind im Kunstmuseum Basel | Neubau dauerhaft im 1. Obergeschoss ausgestellt.