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|JOST HERBIG DER FLUSS DER ERKENNTNIS|
|Hoffmann und Campe. 1991.

Begriffe als Werkzeuge des Denkens
Täglich verwenden wir Begriffe wie »die Warme«, »das Pferd« oder »der Mensch«. Ohne uns darüber bewußt zu ein, daß es Abstraktionen sind, denen in der Wirklichkeit nichts entspricht, reden wir, als wären es reale Dinge. Wer sich am Strand sonnt, meint »die Wärme« auf der Haut zu spüren - so wie eine Handvoll Sand, die er sich auf den Bauch streut. Sprechen wir von »dem Pferd« oder »dem Menschen«, dann erscheinen vor unserem inneren Auge konkrete Gestalten mit bestimmten Merkmalen. Wir wissen, wie »das Pferd« oder der Mensch« aussieht. Tatsächlich würden wir aber auf der ganzen Erde vergeblich nach »der Wärme«, »dem Pferd« oder »dem Menschen« suchen.
Mit den Sinnen nehmen wir immer nur einzelne Gegenstände wahr,
zum Beispiel den Ackergaul »Susie« draußen auf der Wiese
oder die Kaffeetasse, die vor uns steht. Nicht anders sehen wir immer nur
»diesen Baum« und nicht »den Baum«. Berühren
wir ihn, dann spüren wir, daß er sich hart anfühlt, »die
Härte« spüren wir nicht. Wir sehen, daß die aus Griechenland
mitgebrachte Schildkröte »Aristoteles« sich im Gras bewegt.
»Die Bewegung« sehen wir nicht. Mit der Haut fühlen wir
die Eigenschaft »warm« dieses Ofens und dieser Tasse. »Das
Warme« spüren wir nicht. Wir kosten diese Feige und diesen Löffel
Honig und schmecken »süß«. »Das Süße«
schmecken wir nicht. Wir hören eine bestimmte Tonfolge, die wir als
harmonisch empfinden. »Die Harmonie« hören wir nicht.
Ebensowenig nehmen wir »den Raum« oder »die Kraft«
wahr. Wir sehen und tasten immer nur spezifische räumliche Qualitäten
einzelner Gegenstände. Wir spüren immer nur Einwirkungen spezifischer
Kräfte, etwa die Kraft, mit der ein schwerer Koffer unseren Arm nach
unten zieht. »Die Schwerkraft« dagegen spüren wir nicht.
Auch nehmen wir nicht »die Materie« oder »das Lebewesen«
wahr. Was wir wahrnehmen, ist die spezifische Substanz dieses Exemplars
von Aristotelesí Metaphysik oder des schnarchenden Dackels »Waldi«.
Obwohl in der Ilias häufig von Pferden die Rede ist, »das Pferd« als Abstraktum für eine Gattung mit bestimmten charakteristischen Merkmalen kommt dort nicht vor. Homer beschreibt immer nur einzelne Pferde. Wie Bruno Snell (I975) nachgewiesen hat, verwandte Homer keine Abstraktionen, sondern nur Vorstufen dazu. Eine solche Vorstufe ist der mythische Name. Als Vorstufe des Abstraktums »Furcht«, phobos, tritt der Phobos auf, der Scheucher. Diese bildhafte Vorstellung eines haaresträubenden Dämons erscheint als Abstraktum in modernen Begriffen »Klaustrophobie« wieder, der krankhaften Angst vor geschlossenen Räumen.
Die »Zwietracht« liefert ein weiteres Beispiel. Bei Homer ist auch sie kein Abstraktum , sie tritt leibhaftig auf: Im Auftrag des Göttervaters Zeus erscheint die »grausame Zwietracht« mit den Zeichen des Krieges in Händen unter den Griechen Als Göttin Eris, Schwester des Kriegsgottes Ares, stachelt sie; auf dem »ungeheuren und schwarzen Schiff« des Odysseus stehend, »mit lauter und schrecklicher Stimme« die verzagenden Kämpfer an (Ill. II.3).
Abstrakte Begriffe, so hat Snell (I975) gezeigt, erscheinen erst mit der Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens im 6. und s.Jahrhundert. Wissenschaft setzt Abstraktion voraus. Nur Abstraktionen erlauben es, das Allgemeine zu bezeichnen, das Gruppen individueller Dinge und Lebewesen verbindet. Und Gesetzmäßigkeit läßt sich nur erkennen, indem man das Allgemeine untersucht, das Gruppen gleicher Gegenstände verbindet und von anderen unterscheidet.
Um wissenschaftlich zu denken, muß man vom Besonderen, vom Individuellen
absehen. Wer den Begriff »das Pferd« verwendet, sieht von allem
Individuellen des einzelnen Pferdes ab. Er erfaßt eine Gruppe von
Tieren mit einer Anzahl gemeinsamer, unveränderlicher Merkmale: eine
spezifische Gestalt, ein bestimmtes Verhalten, Pferdegeruch und das Wiehern
im Unterschied zum Blöken, Muhen und Meckern anderer vierbeiniger
Grasfresser usw. Analog zogen die griechischen Denker, als sie von »dem
Warmen« redeten, die speziellen Merkmale warmer Gegenstände
von konkreten Dingen ab. Substanz, Gestalt, Größe, Ort, Verhalten,
Geruch und Farbe verschwanden. Von so unterschiedlichen Phänomenen
wie Sonne, Herd, Feuer, Pferd und Atem blieb nur die allgemeine Eigenschaft
»warm« übrig. Substantiviert zu »das Warme«
nahm die verallgemeinerte Eigenschaft warm dinghaften Charakter an. Auf
diese Weise ließen sich wissenschaftliche Theorien über das
entwickeln, was alle warmen Gegenstände verbindet.
Um zu erkennen, wie Abstraktionen und neue Begriffe zu Werkzeugen der
Erkenntnis wurden, seien zunächst die biologischen Grundlagen untersucht.
In der Rückseite des Spiegels hat Konrad Lorenz die evolutionäre
Herkunft unserer Fähigkeit dargestellt, zu abstrahieren und Begriffe
zu bilden: Die Ursprünge des begrifflichen Denkens liegen für
ihn in fünf verschiedenen Teilfunktionen, die evolutionär unabhängig
voneinander entstanden sind:
Beschränken wir uns auf die erste dieser fünf Teilfunktionen. Die Abstraktionsleistung der Wahrnehmung erlaubt es, Gegenstände unter wechselnden Bedingungen wiederzuerkennen. Im Pferd »Susie« sehen wir ein und dasselbe Tier, gleichgültig ob wir es aus der Nähe betrachten oder von ferne sehen, im Stehen oder im Lauf, von vom, schräg von vorn, von der Seite oder von hinten, in der Sonne oder im Schatten. Haben wir uns seine Erscheinung eingeprägt, dann erkennen wir es, ohne nachzudenken, wieder.
Diese Fähigkeit, Susie unter wechselnden Bedingungen als ein und dasselbe Tier zu identifizieren, beruht auf einem komplizierten inneren Verrechnungsmechanismus. Auf unserer Netzhaut hinterläßt das Tier jedesmal ein anderes Bild. Einmal ist dieses Bild groß, ein anderes Mal klein, langgestreckt oder verkürzt, es hat vier oder nur zwei Beine, einmal erscheint es in fahlem Braun, dann wieder rötlich oder gar schwarzbraun. Außerdem verschiebt sich das Netzhautbild mit der Bewegung unserer Augen. Würde Richtungskonstanz nicht für eine Korrektur sorgen, dann entstünde der Eindruck, die Gegenstände und nicht die Augen bewegten sich. Der Datenstrom, der unsere Sinnesorgane erreicht, sei weitaus chaotischer als das was wir wahrnehmen, hat Gerhard Vollmer in seinem lesenswerten Buch Evolutionäre Erkenntnistheorie(1975) bemerkt. Ohne daß wir uns dessen gewahr werden, abstrahiert ein angeborener innerer Verrechnungsmechanismus von den ständig wechselnden äußeren Bedingungen. Er beruht auf mehreren Konstanzleistungen wie Dingkonstanz, Farbkonstanz und Richtungskonstanz. Sie lassen uns die Dinge trotz wechselnder Umweltbedingungen als konstant wahrnehmen und sichern so die Identität der Gegenstände in unserer Wahrnehmung. Lorenz sieht in dieser Konstanzleistung der Wahrnehmung die evolutionäre Vorläuferin der noch erstaunlicheren und komplexeren Fähigkeit der Gestaltwahrmehmung. Wir sind imstande, nicht nur beim Einzelding, sondern auch bei einer ganzen Gattung von Dingen vom wechselnden Erscheinungsbild abzusehen. Auf diese Weise erkennen wir das Gemeinsame. Die individuellen Merkmale der Einzeldinge treten zurück. Sie erscheinen als ein sich verändernder Hintergrund, vor dem sich, in Lorenzí Worten, eine »allen Vertretern der Gattung gemeinsam anhaftende und für sie alle konstante Gestaltqualität« abhebt, etwa die Gestalt »Pferd«. Indem wir individuelle, zufällige Merkmale als unwesentlich weglassen, erkennen wir allgemeine »Gestalten«.
Am Beispiel des einjährigen Sohnes eines Kollegen zeigt Lorenz (I973) - und das ist für ihn der springende Punkt -, daß diese »höchste Leistung der Konstanzmechanismen ... ursprünglich von rationaler Abstraktion durchaus unabhängig« sei. Sie ist angeboren. Wenn der kleine Adam Hunde richtig als »Wauwau« bezeichnete, habe er keinesfalls die wissenschaftliche Bestimmungsformel von Canis familiaris L. abstrahiert. Ebensowenig habe er zuvor die Begriffe Säugetiere und Vogel gebildet, »als er die Angehörigen dieser Klassen als »Wauwau« und »Pipi« ansprach, wobei er eine große Gans und einen winzigen Laubsänger ebenso richtig in die Klasse der Vögel einordnete wie seine neugeborene Schwester in die der Säugetiere. Ganz sicher wird in solchen Fällen vom kleinen Adam ein Name einer unmittelbaren Gattungsqualität verliehen.«
Vermutlich hätte ein moderner Forscher feststellen können, daß auch der kleine Homer ein Pferd instinktiv richtig in die Gruppe der »Hüüüüjahs« und nicht der »Pipis« oder »Wauwaus« - bzw. in deren altgriechisches Äquivalent - eingeordnet hat. Aber auch nachdem er aufgewachsen und zum größten Sänger seiner Zeit geworden war, bildete er nicht das Abstraktum »das Pferd« als den Inbegriff aller Tiere einer bestimmten Gestalt. Er erkannte nur individuelle Pferde, die er durch spezifische Eigenschaften, Merkmale und Herkunft charakterisierte: »leichtfüssig «, »schwer« und daher weniger schnell, »glänzend«, »pylische Abstammung« usw.
Dass Homer nur individuelle Pferde beschrieben hat, verweist auf den wichtigen Unterschied zwischen der Gattungsqualität »Pferd« und dem Abstraktum »das Pferd«. Pferd zu sein war in Homers Welt noch selbstverständlich. Die Zuordnung zur Gattungsqualität ist schon im Begriff»Pferd« enthalten. Indem er nur von einzelnen Pferden sprach, gab Homer zu erkennen, daß er ähnlich wie Lorenzí kleiner Gewährsmann vorging: Angeborene Gestaltwahrnehmung abstrahierte automatisch vom Individuellen. Auf dieser biologischen Ebene des Erkennens charakterisierte Homer das einzelne Tier über seine Gattungszugehörigkeit als »Pferd«.
Der Begriff »das Pferd« dagegen stellt eine weiterentwickelte Stufe des Abstrahierens dar. Solche Abstraktionen bildet nur, wer bewußt das Gemeinsame bezeichnen will, das alle Pferde verbindet, um etwa den Unterschied zu »dem Hund« oder »dem Rind« herauszustreichen. Setzt man das Verfahren fort, so wird deutlich, daß auf diese Weise künstliche »Gestalten« geschaffen und dann auch »erkannt« werden.
Abstrahiert man von den individuellen Merkmalen einzelner Gattungen wie »das Rind«, »das Pferd«, »der Hund« usw., dann erkennt man charakteristische Merkmale, die diese Gattungen tragen, nicht aber Vögel oder Reptilien: Sie gebären lebende Junge, die von der Mutter gesäugt werden. Um den Begriff »das Säugetier« zu bilden, abstrahiert man daher von allem, was die einzelnen Gattungen dieser Gruppe unterscheidet: die Hörner des Rindes, das Bellen des Hundes, die Hufe des Pferdes usw.
Indem man den Begriff »das Säugetier« bildet, schafft man eine künstliche Gestalt. Sie stellt nicht wie »das Pferd« lediglich ein Abstraktum dessen dar, was die Gesamtheit individueller Pferde verbindet. Vielmehr erfaßt sie die Angehörigen verschiedener Gattungen als Mitglieder einer gemeinsamen Obergruppe »das Säugetier«, von der es in Wirklichkeit kein einziges Exemplar gibt. Zweck dieses Abstrahierens ist es, allgemeinere Zusammenhänge zwischen einzelnen Phänomenen zu erkennen. Wer den Begriff »das Warme« bildet, sieht von allem ab, was die kaum überschaubare Vielfalt warmer Gegenstände unterscheidet. Das Individuelle, das die verschiedenen Angehörigen der Gruppe warmer Dinge sonst auszeichnet, interessiert nicht. Von Interesse ist nur die gemeinsame Qualität »warm«. Er tut dies, um etwa die Ursachen oder die Wirkungen von Wärme zu erforschen. Sein Ziel ist wissenschaftliche Erkenntnis.
Abstrahieren als Voraussetzung wissenschaftlichen Denkens beruht daher - unter anderem - auf angeborenen Fähigkeiten wie der Abstraktionsleistung der Wahrnehmung, Gestaltwahrnehmung und Begriffsbildung. Aber die Abstraktion und der Begriff selbst sind kulturelle Leistungen.
In der Natur gibt es »das Tier« ebensowenig wie »das
Pferd«. Bevor man den Begriff »das Tier« bilden kann,
muß man zunächst erkennen, was »Tiere« miteinander
verbindet und was sie von Pflanzen und unbelebten Dingen trennt. Erst nachdem
die entsprechenden Begriffe gebildet sind, lassen sich biologische Vorgänge
von physikalischen unterscheiden.
Gemeinsam war, wie der im 6.Jahrhundert gebildete Begriff für Tier Zoon, »das sich Bewegende« , ausweist, die Fähigkeit, sich aus eigenem Antrieb zu bewegen. Und diese Fähigkeit kommt schon bei Homer in Gestalt des Eigenschaftswortes »zoos«, das heißt »sich frei bewegen können«. Aber für die griechischen Denker war diese Zuordnung schwieriger, als sie uns erscheint. Bevor sie den Begriff »zoon« bilden konnten, mussten sie eine ganze Anzahl grundlegender Unterschiede erkennen.
Uns erscheint eine solche Begriffsbildung als selbstverständlich. Ebenso wie aus der Eigenschaft »kalt« problemlos »das Kalte« werden konnte, mußte nur das Eigenschaftswort »zoos« in den Rang des Dingworts »zoon« befördert werden. Doch um diesen Weg zu beschreiten, mußten griechische Denker erkennen, was ein Tier von unbelebten Dingen trennt. Wir würden sagen, »kein Problem, das weiß doch jedes Kind. Ein Hund bewegt sich aus eigenem Antrieb, während ein Tisch geschoben werden muß.« Und natürlich wußte auch Anaximander, daß er einen Hund herbeipfeifen konnte, einen Tisch dagegen schieben mußte. Sein Verhalten, so könnte man einwenden, zeige, daß er wußte, Tiere bewegen sich aus eigenem Antrieb, Dinge dagegen nicht. Doch die Denker des 6.Jahrhunderts unterschieden nicht zwischen bewegenden Kräften und bewegten Dingen. Daher konnten sie auch nicht die Eigenschaft des Sich-Bewegens zum Kriterium dessen machen, was ein Tier und was ein Ding ist. In der Vorstellungswelt der Denker zwischen Anaximander und Heraklit waren Bewegung und Veränderung Qualitäten der belebten und der unbelebten Materie. Nach dem gleichen Prinzip, nach dem Hunde laufen und neue Hunde zeugen, schienen auch Pfeile zu fliegen, aus verdampfendem Wasser »Luft« - Wasserdampf- zu entstehen und aus brennendem Holz »verdünnte Luft«. Alles, was sich veränderte, war für diese Denker Ausdruck ein und desselben Bewegungsprinzips: Ortsveränderung, sei es aus eigenem Antrieb oder unter der Einwirkung einer äußeren Kraft; Veränderung des physikalischen Aggregatzustands wie das Verdampfen von Wasser; chemische Umwandlungen wie das Verbrennen von Holz; biologische Veränderungen wie das Wachstum einer Pflanze aus dem Samen - all das wurde als Ausdruck eines der Materie innewohnenden Bewegungsprinzips verstanden. Die Frage nach dem Wesen dieses rätselhaften Prinzips stellte sich zunächst nicht. Für Thales, Anaximander, Anaximenes und Heraklit war die Fähigkeit zur Bewegung eine Eigenschaft der Materie. Aus diesen Gründen konnte der Begriff für Tier zoon, das Sich-Bewegende, erst in der zweiten Hälfte des 6.Jahrhunderts entstehen. Erst nachdem der Unterschied zwischen belebter und unbelebter Materie, zwischen bewegenden Kräften und bewegten Dingen deutlich geworden war, konnte die Eigenschaft des Sich-frei-Bewegens als das charakteristische gemeinsame Merkmal aller Tiere verstanden werden. Am Anfang dieser begrifflichen Unterscheidung zwischen bewegenden Kräften und bewegten Dingen standen Metaphern. Die Vorstellung bewegender Kräfte erschien zuerst bei Empedokles und bei Anaxagoras. Für den einen waren »Liebe« und »Haß« Bewegungsursachen, für den anderen war es der »Geist«. Uns erscheint eine solche metaphorische Bezeichnung von Kräften als ziemlich naiv. Aber darüber entgeht uns, daß in diesen Begriffen erstmals das aktive Prinzip der Kraft, Bewegung zu verursachen. erfaßt wurde. Und diese begriffliche Fixierung war notwendig, um zwischen bewegenden Ursachen und bewegten Dingen zu unterscheiden.
Erst nachdem man den Unterschied zwischen Kräften und unbelebten Dingen erkannt und begrifflich fixiert hatte, konnte auch aus der Eigenschaft des Sich-Bewegens der Begriff »Tier« gebildet werden - zoon, das Sich-Bewegende. Und dieser Begriffwiederum war die Voraussetzung einer Wissenschaft von den Tieren. Zoologie und Physik als getrennte Wissenschaften konnten erst entstehen, nachdem das Gemeinsame aller Tiere begrifflich als »zoon« fixiert und gegenüber unbelebten Dingen abgegrenzt worden war.
Neugeschaffene Begriffe bezeichneten so nicht nur neue Erkenntnisse, sie wurden selbst zu Werkzeugen des Erkennens. Der Weg zur Erkenntnis, so läßt sich die Methode der frühen griechischen Denker charakterisieren, führte über Beobachtung, kausales Denken, Abstraktion und Begriffsbildung. Indem sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Phänomenen erkannten und in Begriffe faßten, legten sie die Fundamente des wissenschaftlichen Denkens.
Wissenschaft ist nur möglich, wenn zwischen Dingen und Eigenschaften,
zwischen bewegenden Kräften und bewegten Dingen, zwischen Lebewesen
und unbelebten Dingen sowie zwischen Geist und Materie unterschieden wird
(vgl. Snell 1975)