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Was ist abgereichertes Uran? - Johanna Haidvogl-Werder 25.08.2006 19:57

Nachdem ich auf Grund meines in der "Basellandschaftichen Zeitung" veröffentlichten "Stanpunktes" zu den Folgen der Bombardierungen mit den sogenannten Mini-Nukes verschiedentlich angefragt wurde, woher denn das abgereicherte Uran stamme, möchte ich hiermit einige zusätzliche Erläuterungen zu diesem Thema darlegen.
Natürliches Uran, das wie andere Erze aus der Erde abgebaut wird, ist ein Gemisch verschiedener Uranisotope: Es besteht zu 99,28% aus Uran-238, zu 0,72% aus Uran-235, zu 0,0054% aus Uran-234. Die Kerne der Atome bestehen aus Neutronen und Protonen. In der Regel sind es gleich viele. Protonen und Neutronen eines Atoms bestimmen die Masse bzw. das Gewicht. Wenn die Zahl der Neutronen (Teilchen ohne Ladung) grösser ist als die der Protonen (Teilchen mit positiver Ladung), spricht man von Isotopen. Isotopen sind meist radioaktiv. So enthalten der Wasserstoff und die Kohlenstoffverbindungen, die beide den Hauptanteil in allen Organismen ausmachen, einen radioaktiven Anteil, der allerdings sehr gering ist.
Abgereichertes Uran (DU): Seine eminente Bedeutung in der zivilen und militärischen Nukleartechnik (Kernkraftwerke zur Stromerzeugung, Nuklearwaffen) hat das Uran dadurch erlangt, dass das Isotop 235U ein sogenanntes Spaltmaterial darstellt, das heisst, Kerne des Isotops 235U können sich nicht nur spontan spalten, sie können sich auch spalten, wenn sie von einem Neutron getroffen werden; bei dieser Spaltung werden dann wieder Neutronen freigesetzt, die weitere 235U–Kerne spalten können und so ermöglichen, dass eine selbsterhaltende Kettenreaktion in Gang kommt.
Für die meisten Anwendungen in der Nukleartechnik reicht der vergleichsweise geringe 235U-Anteil von 0.711% im Natururan nicht aus. Daher ist eine Anreicherung erforderlich: Dabei werden die Isotope des Natururans in ein Gemisch mit mehr 235U und eines mit nur noch wenig 235U aufgeteilt; der Vorgang heisst Isotopentrennung. Der Anteil mit mehr als 0.711 % 235U wird angereichert, der andere abgereichert genannt. Üblicherweise wird auf einen Restgehalt von ca. 0,2-0,3% 235U abgereichert. Abgereichertes Uran ist also einfach ein Abfallprodukt der Herstellung von Brennstäben für Kernkraftwerke und nukleare Schiffsantriebe bzw. der Herstellung von hoch angereichertem Uran für Atombomben.
Radioaktivität des abgereicherten Urans: Radioaktive Atomkerne zerfallen unter Aussendung von Strahlung in Atomkerne eines anderen Elements. Ein Mass für diese Aktivität ist das Becquerel (Bq). Eine Aktivität von 1 Bq bedeutet, dass ein Zerfall pro Sekunde stattfindet. Es werden verschiedene Arten von Kernzerfällen unterschieden. Bei einem α-Zerfall sendet der Atomkern ein α-Teilchen, bestehend aus zwei Protonen und zwei Neutronen aus. Bei einem β-Zerfall emittiert der Atomkern ein Elektron, ein sogenanntes β-Teilchen. Sowohl α- als auch β-Zerfälle können von Gamma-Strahlung, einer hochenergetischen elektromagnetischen Strahlung begleitet sein. Alle drei hier zur Diskussion stehenden Uranisotope senden bei ihrem Zerfall α-Teilchen aus. Die α-Aktivität von Natururan beträgt ca. 25'000 und diejenige von DU ca. 15'000 Bq pro Gramm. Die α-Aktivität von DU ist also um rund 40% tiefer als diejenige von Natururan.
Die beim α-Zerfall des Urans neu entstehenden Kerne, die Zerfallsprodukte, sind nicht stabil, sondern zerfallen ihrerseits wieder, meist unter Aussendung von β-Teilchen. Zur Aktivität von Uran muss somit die Aktivität der Zerfallsprodukte hinzugerechnet werden. Die β-Strahlung der Zerfallsprodukte von Natururan und von DU ist praktisch gleich intensiv und beträgt etwa 25'000 Bq pro Gramm.
Die Wirkung von DU auf Natur und Menschen kann sich somit jeder selbst vorstellen. Bedenkt man, dass Tausende von Tonnen Bomben mit diesem abgereicherten Uran abgeworfen wurden (im Kosovo, in Afghanistan, 1991 und 2003 im Irak und jetzt erneut im Libanokrieg) dann liegt durchaus eine ähnliche Wirkung wie bei Tschernobyl vor. Die Radioaktivität ging damals auch um die ganze Erde, das wird mit diesen Kriegen nicht anders sein. Wen wundert es da, wenn die Krebserkrankungen auch bei uns zunehmen; gleichzeitig stellt sich die Frage, wie lange es beim Fortschreiten der Bombardierungen dauert, bis die jetzt von britischen und deutschen Ärzten im Irak festgestellten, in dieser Form noch nie dagewesenen und ein alarmierendes Ausmass annnehmenden grauenhaften Missgeburten auch in Europa zu verzeichnen sein werden. Dagegen nimmt sich der CO2 -Ausstoss geradezu harmlos aus. Und wo sind die Umweltschutz-Organisationen und die Grünen, die gegen diese Schweinerei protestieren?