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Warum sich manche nicht riechen können, und was dran ist am Mythos Knackpo: eine kurze Geschichte zur Partnerwahl zwischen Kitsch und Evolutionspsychologie.
«Aber natürlich sind Männer simpler gestrickt als Frauen», sagte Miranda. «Männer wollen ganz offensichtlich nur das eine.» Sie strich sich sanft eine Locke aus ihrem Gesicht, und ihre haselnussbraunen Haare glitten durch ihre Finger wie Seide.
Alexander stiess hörbar einen tiefen Atemzug durch seine markante Nase. «Ach, kommen Sie, Frau Doktor Heartwell. Sie wissen doch so gut wie ich, dass sich die meisten Männer ebenfalls nach einer vollkommenen Liebe sehnen.»
«Sind Sie sich da ganz sicher, Professor Everhart?», flüsterte Miranda und hob eine Augenbraue. «Und wie erklären Sie sich die Studie von Clark and Hatfield?»
Ein zögerliches Lächeln spielte um Alexanders Lippen, als versuchte er, seine Gefühle zu verbergen. Seine Augen glänzten, während er nach den richtigen Worten suchte. «Die Studie ist doch veraltet», sagte er matt und lehnte sich im Designerstuhl des «Convention-Cafés» zurück. «Sie wurde 1989 durchgeführt.»
Miranda hob ihr Kinn und presste ihre sonst so vollen roten Lippen zu einem schmalen Lächeln zusammen. «Aber Herr Professor! Sie wollen mir doch nicht weismachen, dass sich Millionen Jahre evolutionäre Prägungen innert weniger Jährchen ändern? Oder gilt für Männer neuerdings das Prinzip ‹Survival of the sexiest›?»
Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr Miranda fort: «Das Ergebnis dieser Studie würde vielleicht heute nicht mehr so deutlich ausfallen, weil sich heute kaum mehr so viele Männer derart offen zu ihren Wünschen bekennen. Aber dennoch wirft sie bei der Partnerwahl ein scharfes Licht auf die Männer.»
Für einen langen Moment lang war es still zwischen der Paarpsychologin Dr. Miranda Heartwell und dem Psychiater Prof. Dr. Dr. Alexander W. Everhart.
Die Worte hingen in der Luft, und zum ersten Mal seit ihrem Kennenlernen an der psychologischen Fachtagung über die Liebe vor etwas mehr als einer Stunde schwiegen die beiden. Bis sich der Professor-Doktor-Doktor aus seinem Stuhl im «Convention-Café» erhob, bereit zu gehen.
Die Realität überragt das Klischee
Richtig: Miranda und Alexander sind erfunden. Wie auch der fünftägige Liebeskongress, an dem sich die beiden am zweiten Tag begegnet sein sollen. Die Studie von Clark und Hatfield aber gibt es. Und die hat es in sich.
Russel D. Clark und Elaine Hatfield von der Universität Texas fragten 1989 tatsächlich junge Männer und Frauen, ob diese bereit wären, noch am selben Tag mit einer ihnen völlig unbekannten Person Sex zu haben.
75 Prozent der Männer bejahten.
Von den gefragten Frauen war keine bereit.
Die Studie zeigt geradezu überdeutlich, dass Männer und Frauen recht unterschiedlich ticken. Die Realität übertrifft halt manchmal sogar das Klischee.
Um zu illustrieren, wonach sich Frauen und Männer bei der Partnerwahl sehnen, ist die Zugabe einer Prise Kitsch ein probates Mittel. Denn die universellen und wissenschaftlich belegten Mechanismen beim Kennenlernen und Liebeswerben sind den karikierenden Beschreibungen eines Groschenromans recht ähnlich.
Um im Folgenden mehr über das Wesen der Liebe, über den unsichtbaren Code der Attraktivität und über das erfolgreiche Liebeswerben zu erfahren, kehren wir deshalb zu Miranda und Alexander zurück. Wir drehen dazu die Uhr um etwas mehr als eine Stunde retour zum Anfang ihrer Geschichte. Beachten Sie: Erfunden sind nur der Schauplatz und die Kunstfiguren. Alle im Weiteren beschriebenen Vorlieben, Experimente, Studienergebnisse und Zitate der Wissenschafter sind echt.
Das Dreieck der Liebe
Dr. Miranda Heartwell trat aus dem Vortragssaal 3a in die Helligkeit der Convention Hall. Sie war noch ganz benommen von den vielen Dreiecken, die sie im Impulsreferat «Was ist Liebe?» gesehen hat.
Die Natur der Liebe zu erforschen, ist von Belang, da Liebesbeziehungen massgeblich zu unserem Wohlbefinden beitragen. Aus ihrer therapeutischen Praxis weiss Miranda aber auch, dass Liebe ein komplexes und zuweilen verwirrendes Gefühl ist, das sich kaum in Worte fassen lässt.
Die Liebe zweier Teenager etwa ist eine andere als die Liebe eines Paares in den Dreissigern mit unerfülltem Kinderwunsch oder die Liebe eines homosexuellen Paares, das seit vierzig Jahren in einer Fernbeziehung lebt. Entsprechend existieren zahllose Definitionen über das, was die Liebe sein könnte, ohne das Gefühl vollständig zu erfassen.
Im Vortragssaal 3a wurde denn auch ein Modell vorgestellt, das seit seiner Entwicklung in den 1980er Jahren mehrere Abwandlungen erfahren hat. Im Ursprung ist es aber so einfach und einleuchtend, dass es in der Fachwelt bis heute als ein wichtiges Erklärungsmuster verwendet wird.
«Die Dreieckstheorie der Liebe» stammt vom Cornell-Professor Robert Sternberg und greift die Metapher des Dreiecks auf. An dessen Ecken liegen die drei Hauptkomponenten der Liebe: Intimität, Leidenschaft und Engagement.
Intimität beschreibt das Gefühl von Nähe, Verbundenheit und Vertrautheit zwischen Partnern. Leidenschaft umfasst das emotionale Verlangen und die Anziehungskraft, von den Schmetterlingen im Bauch bis zum sexuellen Verlangen. Und Engagement repräsentiert den Willen und die Absicht, sich langfristig für eine Beziehung einzusetzen, auch in schwierigen Zeiten füreinander da zu sein. (Siehe Grafiken.)
Anhand dieser drei Hauptkomponenten lassen sich acht Kombinationen im Dreieck ablesen.
Eine Kombination aus hoher Intimität, niedriger Leidenschaft und hohem Engagement deutet beispielsweise auf eine «partnerschaftliche Liebe» hin, wie sie bei vielen langjährigen Paaren zu beobachten ist, bei denen das tiefer liegende Verständnis füreinander wächst, während das Verlangen bis zur schieren Inexistenz abnimmt.
Die vollendete Liebe hat drei gleich lange Seiten
Ein Spezialfall ist das gleichseitige Dreieck. Geometrisch sind alle seine drei Seiten gleich lang. Entsprechend sind im Liebesmodell von Sternberg alle drei Hauptkomponenten gleich stark ausgeprägt. Es versinnbildlicht, wovon alle träumen: die grosse, einzig-wahre, «vollkommene Liebe».
Auf dem Weg zum «Convention Café» dachte Miranda darüber nach, was für ein Liebesdreieck Charles wohl von ihrer Zeit zusammen gezeichnet hätte. Es wäre vernichtend klein und spitz: geringe Intimität, hohe Leidenschaft, nahezu null Engagement. Charles war Mirandas Ex-Affäre, anfänglich war er in Gesprächen mit ihren Freundinnen «der Sexgott», später «die bindungsunfähige Triebmaschine», weil es ihm an Engagement fehlte. Miranda war über ihn hinweg gewesen, noch bevor sie ihn vor einem halben Jahr schasste.
Die Wunschliste der Frauen ist lang
Im «Convention-Café» bestellte sich Miranda einen mittelgrossen Flat White mit Haferdrink. Während sie darauf wartete, dachte sie darüber nach, um wie viel einfacher ihr Liebesleben wäre, wenn sie den idealen Partner genauso zusammenstellen könnte wie ihren Lieblingskaffee.
Dabei sind Mirandas Wünsche durchaus konventionell. Ehrlich, verständnisvoll und humorvoll sollte ihr Traummann sein. Das sind Eigenschaften, die sich sozusagen alle Frauen und Männer in einer hetero- oder homosexuellen Partnerschaft wünschen.
Zudem sollte Mr. Right drei bis sechs Jahre älter sein als sie. Und grösser. Auch das entspricht bei Frauen einer Grundregel. Oder einer «evolutiven Präferenz», wie es der Evolutionspsychologe Andreas Hejj sagt, Autor des Buches «Traumpartner», ausdrückt, weil sich der Wunsch auf eine Vorliebe bezieht, die als evolutionäres Muster in unseren Genen abgespeichert wurde und viele unserer Vorstellungen und Handlungen unbewusst prägt. Bei der Körpergrösse lautet die Präferenz: «Frauen wollen an ihrem Partner hochschauen, Männer nicht», sagt Hejj. Unter 700 Liebespaaren, die er in München untersuchte, war nur bei einem einzigen die Frau grösser.
Selbstverständlich ist Mirandas Wunschliste, typisch Frau, deutlich länger. Sie enthält Merkmale, die sie sich als gebildete, finanziell selbständige und selbstbewusste Frau ungern eingesteht. Die Paarpsychologin möchte eine egalitäre Beziehung führen, gleichzeitig will sie, dass ihr Traummann sie bei den finanziellen Mitteln und dem Status überragt. Der Grund ist evolutionspsychologisch einfach, sagt Hejj. Als Frau ist sie darauf bedacht, dass ihr Partner für sie und ihren Nachwuchs sorgen wird, während sie sich um die Brutpflege kümmern muss.
Wie wichtig der Zugewinn von Wohlstand und Status für eine Frau bei der Wahl des Partners ist, zeigte der Doyen unter den Paarforschern, der Amerikaner David Buss, in den späten 1980er Jahren. Er befragte auf sechs Kontinenten und in 37 Kulturen 10 047 Menschen. Das Resultat: Frauen bevorzugen weltweit einen Partner mit einem höheren Einkommen und höherem Status. Die wenigsten Frauen zeigten sich bereit, einen Mann zu heiraten, der weniger gebildet oder finanziell weniger erfolgreich ist als sie selbst. Dieser Befund hat sich bis heute in anderen Studien immer wieder bestätigt.
«Wir sind den frühen Anpassungen durch die Evolution keineswegs sklavisch ausgeliefert», sagt Hejj. «Wir haben zum Glück ja eine Grosshirnrinde und können jederzeit bewusst Nein zum biologischen Programm sagen. Allerdings ist es nicht möglich, sich bewusst zu verlieben.»
Der «Knackpo» ist für Frauen ein wichtiges Indiz
Miranda hob die Tasse an ihre Lippen und kostete einen Schluck vom Flat White. Die Wärme des Getränks umhüllte sie wie eine zarte Umarmung, während die Aromen von frisch geröstetem Kaffee und cremigem Haferdrink ihre Sinne betörten.
Der Mann ihrer Träume hat zuweilen etwas Dominantes. Viele Frauen wünschen sich das. «Dahinter steckt mitunter der Wunsch nach Schutz», sagt der Evolutionspsychologe Hejj. Ein ganzer Mann muss nämlich «eine steinzeitliche Horde unter Kontrolle halten können», sich nötigenfalls bestimmt und selbstsicher zwischen seine Familie und herannahende Feinde stellen.
Er muss deshalb mentale und körperliche Stärke zeigen. «Er benötigt dazu kein Sixpack», sagt Hejj, aber eine gewisse Fitness muss erkennbar sein. Am leichtesten lässt sich diese gemäss dem Evolutionspsychlogen bei einem Mann an der Form und Festigkeit seines Gesässes beurteilen. Am Mythos des «Knackpos» scheint demnach etwas wahr zu sein. «Frauen achten oft auf den Po eines Mannes, auch wenn sie es nicht zugeben», sagt Hejj.
Ist der Mann auch sonst von attraktivem Äusseren, ist das aus Sicht der Frau nett. Denn Schönheit wird in unserer Kultur seit der Antike gleichgesetzt mit gut und gesund und seit Charles Darwin mit guten Genen. So glänzt etwa das gesunde Haar, wallend beim Salonlöwen, beim Feldherrn kurz und gleissend wie das Fell eines Panthers. Und bei der Frau fliessend und lang und die Fertilität betonend.
Doch im Gegensatz zur Tierwelt mit ihren Räder schlagenden Pfauen spielt beim Menschen die Schönheit des Männchens eine untergeordnete Rolle. Aus einem einfachen evolutiven Grund: Ist ein Mann wohlhabend, aber fettleibig und stirbt er früh an einem Herzinfarkt, ist paarungsbereiter Ersatz schnell gefunden, wenn Frauen signalisieren, dass sie den neuen Mann sexuell attraktiv finden. Nur die Dauer der Brutpflege, die sollte das Statusmännchen möglichst überdauern.
Miranda warf einen flüchtigen Blick auf ihre Golduhr. Noch etwas mehr als eine halbe Stunde bis zum nächsten Impulsreferat. Ihr Blick schweifte über die bunte Menge der Kongressteilnehmer, doch ihr Herz war bei ihren eigenen Gedanken.
Es mag ernüchternd klingen, ist leider wissenschaftlich belegt: Der äusseren Attraktivität eines Mannes messen Miranda und im Stereotyp all die anderen Frauen dieser Welt weniger Wert bei als seinem Status. «Frauen heiraten auch einen weniger Attraktiven, wenn der Status nur hoch genug ist», schreibt Manfred Hassebrauck in «Die Gesetze der Partnerwahl».
Der deutsche Sozialpsychologe und Beziehungsforscher beschreibt darin eine Studie, die das untermauert: Frauen sollten aufgrund von Fotos angeben, ob sie mit einem abgebildeten Mann Kaffee trinken wollen, mit ihm abends ausgehen möchten oder gar Sex haben wollen. Bei all diesen Aktivitäten zogen die Frauen den am wenigsten schönen Mann einem deutlich besser aussehenden vor – sofern eine Luxus-Uhr an seinem Handgelenk prangte oder er in Designerkleidern steckte. «Der Status eines Mannes», schreibt Hassebrauck, «kann also Mängel bei der körperlichen Attraktivität leicht kompensieren.»
Der Kinderwunsch der Frauen verlangt Tatendrang
Damit sich eine Frau für einen Mann nicht nur interessiert, sondern für ihn entflammt, muss er in der Regel «seinen Ehrgeiz, seine Willenskraft und seinen Tatendrang demonstrieren», sagt der Evolutionspsychologe Andreas Hejj. Vor allem aber muss er zeigen, dass er entschlossen ist, alle seine Ressourcen einer einzigen Frau und deren Nachkommen zuführen zu wollen. «Er sollte deshalb wenigstens so aussehen, als ob er kinderlieb und treu ist.»
Dass kinderliebende Männer in der Gunst der Frauen höher stehen, zeigt eine Studie der amerikanischen Neurowissenschafterin Peggy La Cerra aus dem Jahr 1994. Sie bat Frauen, Fotos von Männern in verschiedenen Situationen zu betrachten und die Männer in ihrer Attraktivität zu bewerten.
Das Ergebnis: Männer, die positiv mit einem Kind interagierten, wurden als besonders attraktiv eingestuft. Während Männer, die ein weinendes Kind ignorierten, die schlechteste Bewertung erhielten. Umgekehrt gab es bei den Männern keine signifikanten Unterschiede in ihrer Bewertung von Frauen. Eine attraktive Frau blieb attraktiv, unabhängig davon, ob sie mit einem Kind interagierte oder nicht.
Dass sich Männer weniger stark als Frauen für Kinder interessieren, hat diverse Gründe. Mitunter arithmetische: Ein Mann produziert pro Stunde rund 5 Millionen Spermien, eine Frau während ihres Lebens rund 400 reife Eizellen. Theoretisch gebärt eine Frau (ohne Mehrlingsgeburten) maximal 25 bis 30 Kinder, bei einem Mann ist die Anzahl gegen oben länger offen. Moulai Ismail, der Blutrünstige, etwa, im frühen 18. Jahrhundert Sultan von Marokko, hat, wenn man’s glaubt, präzise 888 Kinder gezeugt.
Weil die Brutpflege für eine Frau weitreichendere Konsequenzen hat als rein biologisch beim Mann, will die Wahl des richtigen Partners wohlüberlegt sein. Das zeigt sich auch bei Seitensprüngen, wo Frauen selektiver vorgehen.
Die Männer schlafen beim Seitensprung gegen unten
Fremdgänger setzen im Allgemeinen auf Masse statt Klasse. Sie erhöhen dadurch die Chance, ihr Erbgut zu verbreiten. Sie schlafen gegen unten und nehmen sich Frauen als Bettgenossinnen, die sozial schlechter dastehen als sie selbst und objektiv weniger attraktiv aussehen als ihre feste Partnerin. Klassische Beispiele lieferten zwei ehemalige US-amerikanische Präsidenten: Thomas Jefferson, der mit Sally Hemings anbändelte, der Sklavin seiner Ehefrau. Oder Präsident Bill Clinton, der seine Finger im Oval Office nicht von der Praktikantin Monica Lewinsky lassen konnte.
Frauen folgen einem anderen Stereotyp: «In ausserehelichen Beziehungen wählen sie attraktiver aussehende Männer», sagt der deutsche Evolutionspsychologe Thomas Junker. Das Prinzip dahinter: Den Mann mit dem hohen Status haben sie geheiratet, «nun gönnen sie sich neben dem Mann mit dem Wohlstandsbauch noch den knackigen Gärtner als Extra», sagt der Autor des Buchs «Die verborgene Natur der Liebe». Sollte ein Kind aus der ausserehelichen Beziehung hervorgehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es ein schönes wird. Was die Chance erhöht, dass der Statusmann das Kuckuckskind in seinem falschen Vaterstolz als sein eigen Fleisch und Blut annehmen und aufziehen wird.
Das manipulierte Selbstwertgefühl macht mutig
Mirandas Blick schweifte wie ein zarter Hauch über die Gäste an den Bistrotischen, bis er auf einem schlanken Mann ruhte. Er suchte nach einem freien Platz und bewegte sich in ihre Richtung. Mit einer angedeuteten Kopfbewegung lud sie ihn ein, sich zu ihr zu setzen. Galant fragte er, ob der Platz noch frei sei, und nahm mit einem charmanten Lächeln Platz.
Ob er tatsächlich so selbstbewusst ist, wie er gerade wirkte?, fragte sich Miranda. Oder war sein souveränes Verhalten nur eine Reaktion auf die angedeutete Einladung?
Miranda erinnerte sich an eine wegweisende Studie aus den 1970er Jahren. Diese offenbarte, wie sehr die Selbst- und Fehleinschätzung das Verhalten gegenüber anderen beeinflusst. Die Versuchsleiter Ralph L. Baral und Sara Beth Kiesler manipulierten das Selbstwertgefühl von Männern, indem sie ihnen nach einem fingierten Test einen falschen Intelligenzquotienten bekanntgaben.
Anschliessend stiessen die Männer in einem Nebenraum «ganz zufällig» auf attraktive und weniger attraktive Frauen. Sie waren Lockvögel der Versuchsleiter, die mit einer versteckten Kamera filmten, was die Männer mit den Frauen machten. Die Männer mit dem angeblich tiefen IQ plauderten mit den mittelmässig bis unattraktiven Frauen. Die Männer mit dem vermeintlich hohen IQ sprachen mit gestählter Brust mit den attraktiven Frauen und baten diese häufig um ihre Telefonnummer, um sie später wieder zu treffen.
Gespräche haben immer Wechselwirkungen. Miranda wusste das. Deshalb lächelte sie dem Professor Doktor Doktor Everhart, der am Nachmittag selber ein Referat halten würde, immer mal wieder zustimmend oder aufmunternd zu und zeigte ihm durch ein gelegentliches «Interessant» oder ein anerkennendes Nicken, dass sie seine Gesellschaft genoss. Er erwiderte sein gesteigertes Interesse seinerseits mit wohlfeilen Komplimenten. Miranda fühlte sich klug und forsch und sexy.
Unbewusst hatte Miranda bereits eine Entscheidung getroffen. Sie fand Professor Doktor Doktor Alexander W. Everhart sympathisch. Er konnte zuhören, Fragen stellen, und ab und an blitzte sein Humor auf.
Die Vorentscheidung fällt in 100 Millisekunden
Sehen sich zwei Menschen zum ersten Mal, entscheiden die ersten Blicke über Vertrauenswürdigkeit, Status, Ressourcen und über die körperliche Attraktivität des Gegenübers. Und auch darüber, ob grundsätzlich die Türe offen steht, sich in jemanden zu verlieben. Laut dem Psychologen Sacha Schwarz, einem langjährigen engen Mitarbeiter des deutschen Paarforschers Manfred Hassebrauck, «reichen 100 Millisekunden aus, um die physische Attraktivität zu ermitteln».
Dazu wird als Erstes das Gesicht beurteilt. «Je durchschnittlicher es ist, als umso attraktiver wird es eingestuft», sagt Schwarz. Werden mehrere Frauengesichter fotografisch oder computergeneriert übereinandergelegt, entsteht durch die Anpassung an das arithmetische Mittel ein solches Durchschnittsgesicht. Als besonders schön wird dieses empfunden, weil es symmetrischer und dadurch harmonischer ist. «Es wirkt vertraut und vertrauenswürdig», sagt Schwarz.
Ebenfalls unbewusst abgecheckt wird bei der Beurteilung des Gesichts dessen Symmetrie, die evolutiv auf eine gute Gesundheit schliessen lässt. Und wie männlich, weiblich oder jugendlich es wirkt. Die Kosmetikindustrie weiss das mit ihrem Versprechen auf schier ewige Jugend zu nutzen.
Bemerkenswerterweise wirken fast vollständig ausgeglichene Gesichter aber nicht als besonders schön. Sie stossen gar auf Ablehnung. Sie wirken «maskenhaft, emotionslos und kalt».
In den ersten Sekunden des Kennenlernens wird auch sogleich die Körperform beurteilt: Als attraktiv bei Männern gelten grundsätzlich eine muskulöse Statur, eine definierte Körperstruktur und ein athletisches Erscheinungsbild. Ein V-förmiger Oberkörper mit breiten Schultern und einer schmalen Taille wird häufig als «ein Zeichen von Stärke und Männlichkeit» betrachtet, sagt der Evolutionspsychologe Andreas Hejj.
Bei den Frauen gilt ein wohlproportioniertes Verhältnis zwischen Hüfte und Taille, das als «Sanduhrfigur» bekannt ist, als attraktiv. Diese Körperform werde mit «Weiblichkeit, Gesundheit und Fruchtbarkeit» in Verbindung gebracht, sagt Hejj. Wichtig ist diese Körperform für den Mann aber aus einem anderen Grund, sagt der Evolutionspsychologe. Sie signalisiert ihm, dass die Frau nicht schwanger ist. «Zumindest nicht in einem fortgeschrittenen Stadium.»
Und, ja, die Brüste spielen bei der Beurteilung einer Frau ebenfalls eine Rolle, weil der Mann «unter Steinzeitbedingungen sicher sein musste, dass seine Kinder nicht verhungern werden, wenn er einmal nicht erfolgreich von der Jagd heimkehrte», sagt Hejj. Die im Brustfett enthaltenen Energiedepots können in Muttermilch umgewandelt werden. Heute ist der Busen als sekundärer Geschlechtsteil reizvoll, im Wissen, dass es fürs Stillen Säuglingsnahrung gibt und die Frauen mit Silikoneinsätzen das Augenmerk auf sich lenken können.
Zu betonen ist, dass Schönheit und Attraktivität trotz allen Prägungen durch die Menschheitsgeschichte in vielem subjektiv sind und dass persönliche Vorlieben und kulturelle Einflüsse eine wichtige Rolle spielen. Denken wir nur an die ausgeprägten Frauennasen in Filmen von Pedro Almodóvar. Oder an die asymmetrischen Gesichtszüge von Joaquin Phoenix, die durch die Narbe über der Oberlippe noch hervorgehoben werden. Oder an die unterschiedlichen Gesässformen von Frauen in Europa, Afrika, Lateinamerika oder Asien. «Letztendlich ist es die Vielfalt und Individualität, die die Welt der physischen Attraktivität so faszinierend und einzigartig macht», sagt Hejj.
Die Bedeutung der ersten 30 Sekunden
Der Evolutionspsychologe betont gleichzeitig aber auch, dass sich innerhalb von 30 Sekunden unbewusst entscheidet, ob Frau und Mann eine erhöhte Chance haben, um zusammenzukommen.
Diese Entscheidung zeigt sich in subtilsten Gesten oder Mimiken, deren die Beteiligten nicht gewahr sind. Hejjs Kollegin Christiane Doemer-Tranitz lud für ihr kognitives Experiment in Deutschland Abiturienten beider Geschlechter ein und hielt ihr Kennenlerngespräch per Video fest. Anschliessend analysierte sie deren Verhalten in Millisekundenschritten.
Das Muster, das sich zwischen den Testpersonen abzeichnete, war bei allen Paaren stets gleich und ging vom Mann aus. Er musste innerhalb der ersten 30 Sekunden eine individuelle, kaum wahrnehmbare Bewegung ausführen, wie etwa ein unscheinbares, unbewusstes Zucken oder Abspreizen eines Fingers. Die Frau reagierte darauf ihrerseits mit einer ihr eigenen, kaum wahrnehmbaren, ihr ebenfalls unbewussten Geste. Wiederholte sich dieses Doppelspiel dreimal, so signalisierte die Frau nach dem Gespräch, dass sie den Mann sympathisch fand und gerne wieder treffen würde. Kam es nicht zu diesen sechs subtilen Gesten oder vollführte sie nur der Mann, oder antwortete die Frau nur ein- oder zweimal auf seine Kleinstbewegung, kam es zu keiner Fortsetzung, erklärt Hejj. «Das Ganze verlief völlig unbewusst für beide.» Entweder mögen sich Mann und Frau, oder sie sind nicht füreinander bestimmt.
Stimmen beide Parteien positiv zu, folgt laut Hejj der nächste Schritt. «Dann ergreift der Mann das Wort.» Nicht aus einem machohaften oder bevormundenden Verhalten heraus (Mansplaining), sondern weil sich der Mann vor der Frau beweisen muss. «Während er spricht, prüft sie, ob er witzig ist.» Denn Humor gilt insbesondere bei einem jungen Mann als Indikator dafür, dass er über die Ressourcen verfügt, um später in der Gesellschaft eine höhere Stellung einzunehmen. «Die Frau will zudem in Erfahrung bringen, ob er sie verbal kitzeln und zum Lachen bringen kann. Frauen mögen es, geistig stimuliert zu werden.»
Der Eigengeruch zeigt das genetische Potenzial
Treffe das ein, kämen Frau und Mann einander näher, sagt Hejj. «Und dann kommt die Stunde der Wahrheit: durch den Geruch.» Jeder Eigengeruch ist so individuell wie ein Fingerabdruck.
Im genetisch determinierten Eigengeruch steckten Informationen wie eine akute oder chronische Erkrankung, sagt der Evolutionspsychologe. Aber auch Informationen darüber, gegen welche Parasiten, Pilze, Bakterien und Viren jemand widerstandsfähig ist. «Wenn nun die Frau – vereinfacht dargestellt – einen Schutz gegen die Gruppe B trägt und der Mann Schutzträger derselben Gruppe ist, haben sie genetisch gesehen schlechte Karten, ihre Widerstandskräfte zu erweitern», sagt Hejj. Dann riecht er ähnlich wie sie selbst, und dann kann sie ihn buchstäblich nicht riechen. Das ist ein Fingerzeig der Natur, sagt Hejj. Es bedeutet nicht, dass sich die beiden nicht mögen oder dass sie keine guten Geschäftspartner werden können. «Aber ins Bett sollten sie auf alle Fälle nicht gehen.» Bei einem anderen Mann mit der Schutzgruppe A hingegen liegt sie richtig.
Um das herauszufinden, muss der Eigengeruch für die Nase überhaupt feststellbar sein. Deshalb tun sich Frauen und Männer einen Liebesdienst, «wenn sie gepflegt und gewaschen, aber definitiv unparfümiert zu einem Date erscheinen. Sie ersparen sich dadurch womöglich eine spätere, gravierende Enttäuschung», sagt Hejj. Der aufgesprühte Duft könnte ein wichtiges Kriterium in der Partnerwahl sozusagen vernebeln.
Bahnbrechende Erkenntnisse bezüglich Eigengeruch und Gene förderte der Schweizer Verhaltensbiologe Claus Wedekind zutage. Er führte das sogenannte «T-Shirt-Experiment» durch. In diesem trugen die männlichen Probanden T-Shirts mehrere Tage lang und liessen ihren natürlichen Körpergeruch darauf. Die Studienteilnehmerinnen wurden danach gebeten, an den benutzten T-Shirts zu schnuppern und ihre Vorlieben zu äussern. Das Experiment ergab, «dass Menschen den Geruch von Personen bevorzugen, die sich von ihnen in wichtigen Immungenen unterscheiden», sagt Wedekind. Eine bunte Mischung dieser Gene würde dem Immunsystem gemeinsamer Nachkommen erlauben, ein breiteres Spektrum von Krankheitserregern zu erkennen. Das hätte eine Stärkung der Abwehrkräfte zur Folge.
Miranda liess sich tief ein auf ihr Gespräch mit Alexander. Sogar das ersehnte Impulsreferat «Triebe und Hiebe der Liebe» ging vergessen. Aber auf einmal war ihr, als verändere sich etwas in Alex’ Gesicht. Sogar unter dem wenig schmeichelhaften Licht der Deckenleuchten erschienen ihr seine Züge noch ausgeprägter, männlicher und sein Lächeln strahlender. Im Hintergrund erklang «Claire de lune» von Claude Debussy.
Ein Hauch von Aufregung durchflutete sie, und Miranda spürte, wie ihr Herz schneller schlug. In der nüchternen Atmosphäre des «Convention-Cafés» wurde ihr klar, dass sie den Mann, den sie noch gar nicht richtig kannte, in einem neuen, besonderen Licht sah.
Was Miranda gerade widerfuhr, belegt eine Studie aus Wien aus dem Jahr 2017: Musik macht Männer für Frauen attraktiver. Manuela Marin zeigt, dass eine Frau je nach Musik in ihrer Wahrnehmung von Männergesichtern beeinflusst wird. Die Musikpsychologin testete dies, indem sie Klaviermusik von Brahms, Chopin und Schubert vorspielte. Dazu zeigte sie den Frauen Fotos von Männergesichtern und liess sie deren Attraktivität bewerten. Und ob sie die Männer zu einem Date treffen wollten.
«Je komplexer und erregender die Musik war, desto ausgeprägter war der Effekt auf die sexuelle Anziehung», sagt Marin. Das Gleiche traf auf den Wunsch nach einem Date zu. Komplexere Klaviermusik wie Robert Schumanns «Traumes Wirren» (Fantasiestücke, Op. 12) löste beispielsweise einen stärkeren Wunsch nach einem Date aus als Edvard Griegs «Andante molto» aus der Klaviersonate in e-Moll, Op. 7. Den Versuch führte sie auch mit Männern durch, diese zeigten aber «keine nennenswerte Beeinflussung durch Musik».
Über den Grund dazu kann Marin nur spekulieren: Charles Darwin vermutete, dass Musik sich durch sexuelle Selektion entwickelt hat, da die Fähigkeiten zum Musizieren gute Gene nahelegen. «Die Fähigkeiten zum Musizieren könnten auch auf gute Gene hindeuten, ähnlich wie Vögel in der Paarungszeit durch ihren Gesang ihre genetische Qualität zeigen möchten.» Dadurch ist das Balzen durch Musik wahrscheinlich Männchensache, während sich die Weibchen darauf kaprizieren können, bezirzt zu werden.
Während Miranda dem Professor zuhörte, umkreisten Fragen ihrer Wirkung ihren Verstand. Was, fragte sie, liess Männer für Frauen schwärmen? War es ihr bezauberndes Lächeln? Ihre Anmut? Oder vielleicht doch etwas Tieferes?
Als sie so darüber nachdachte, bemerkte sie, wie Professor Doktor Doktor Everhart sie ansah, als würde er jedes Geheimnis ihrer Seele ergründen wollen. Seine Augen waren wie zwei Ozeane, tief und geheimnisvoll, und sie konnte förmlich spüren, wie ihre eigenen Augen in seinem Blick versanken.
Die Männer sind in ihren Wünschen eindeutiger
«Männer sind in ihren Wünschen oftmals klarer, aber auch begrenzter als Frauen», sagt der Evolutionspsychologe Thomas Junker. Ihr Verlangen konzentriert sich auf Schönheit, Jugendlichkeit und Erotik – Merkmale, die mit ihrer eigenen Reproduktionsfähigkeit verbunden sind.
In Umfragen nennen Männer wie Frauen oft Ehrlichkeit und Treue als erstrebenswerte Eigenschaften. Darüber hinaus suchen Männer bei ihren Wunschpartnerinnen nach Unternehmungslust, Freundlichkeit und Intelligenz.
Zudem ist die Traumfrau durch Generationen, Kulturen und Zeiten hindurch kleiner und jünger. Eine weltweite Studie untersuchte die männlichen Alterspräferenzen genauer. Unabhängig vom kulturellen Hintergrund der Befragten zeigte sich ein konstantes Muster: Männer um die 20 akzeptierten eine Partnerin, die zwei Jahre älter ist als sie selbst. Mit 40 Jahren strebten sie eine Partnerin an, die mindestens zwei Jahre jünger ist, aber auch bis zu zwölf Jahre jünger sein durfte. Über 60-Jährige bevorzugen Partnerinnen, die bis zu 15 Jahre jünger sind.
Die Bedeutung von Gegensätzen und Ähnlichkeiten
Um herauszufinden, welche Kriterien Frauen und Männer bei der Wahl eines Partners am stärksten priorisieren, griffen die US-Amerikaner Douglas Kenrick und Norman P. Li in die psychologische Trickkiste. Anstatt die Testpersonen wie üblich zu befragen und ihre Vorlieben aufzulisten, stellten sie ihnen eine fiktive Währung zur Verfügung. Mit dieser konnten sie verschiedene Eigenschaften oder Merkmale für ihren Wunschpartner kaufen.
Solange die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer über ausreichend Geld verfügten, erstanden sie intelligente, humorvolle, freundliche und ehrliche Partner oder Partnerinnen. Wurde das Budget verknappt, so dass sie nur noch die nötigsten Eigenschaften erstehen konnten, setzten sie komplett andere, klare Prioritäten. Frauen bevorzugten dann bei ihren Partnern Status und Wohlstand, während Männer ihr fiktives Geld für weibliche Schönheit ausgaben.
Was aber kennzeichnet denn nun eine glückliche Beziehung? Sind es die Gegensätze, die sich anziehen? Oder gilt: Gleich und Gleich gesellt sich erfolgreich? Die kurze Antwort lautet: beides stimmt.
Unterschiede sind genetisch wichtig. Und: Unterschiede mit vielen Reibungsflächen können «zu kurzen, auch sexuell sehr befriedigenden Beziehungen führen», sagt Hejj. «Denn es ist kein Problem, ob danach beim Frühstück die Frau das Gelbe vom Ei nimmt und er das Eiweiss.»
Wenn jedoch Partner in ihren Wertehaltungen und Weltanschauungen zu unterschiedlich sind, wenn sie über keine gemeinsamen Interessen und keine gemeinsame Sprache verfügen, wird es kompliziert. Sie werden sich übereinander ärgern und längerfristig nichts Schönes haben, worüber sie sich miteinander austauschen können. Eine gute Beziehung sei eine, in der man mit der Partnerin oder mit dem Partner einen Grossteil der eigenen Persönlichkeit frei leben kann. Aber letztlich, sagt Hejj, «ist jede Liebe ein Geheimnis».
Das pralle Ende
Etwas hatte sich zwischen Miranda und Alexander verändert. Mit einem Mal ging es zwischen ihnen hitziger zu und her. Als beträfen die vorher so achtsam gewählten Worte nun nicht mehr den eigentlichen Inhalt ihres Schlagabtauschs. Es war, als ginge es um alles.
Miranda warf Alexander einen durchdringenden Blick zu.
«Aber natürlich sind Männer simpler gestrickt als Frauen», sagte sie. «Männer wollen ganz offensichtlich nur das eine.» Sie strich sich sanft eine Locke aus ihrem Gesicht, und ihre haselnussbraunen Haare glitten durch ihre Finger wie Seide.
«Ach, kommen Sie, Frau Doktor Heartwell. Sie wissen doch so gut wie ich, dass sich die meisten Männer ebenfalls nach einer vollkommenen Liebe sehnen.»
«Sind Sie sich da ganz sicher, Professor Everhart?», flüsterte Miranda und hob eine Augenbraue. «Und wie erklären Sie sich die Studie von Clark and Hatfield?»
Alexander betrachtete sie, ein wenig jünger als er, klug und so voller Leben und Schönheit. Er konnte nicht leugnen, dass Miranda auf eine gefährlich attraktive Art faszinierend war.
Die Worte hingen in der Luft.
Alexander hörte sein Herz pochen, so laut, dass er sicher war, Miranda könnte es ebenfalls hören. Dann erhob er seinen durchtrainierten Körper majestätisch aus seinem Stuhl, bereit zu gehen.
Mit einer anmutigen Bewegung streckte er seine Hand aus, die mit ihren schlanken Fingern wie geschaffen schien, um virtuos über die Tasten eines Pianos zu gleiten.
Schweigend erhob sich nun auch Miranda, strich ihren Rock glatt und ging einen Schritt auf ihn zu.
«Sie haben unrecht, Miranda», sagte Alexander entschieden. «Männer wollen nicht nur das eine.» Sie legte ihre Hand in seine und gemeinsam durchmassen sie die Convention-Hall.
Die beiden wurden am Kongress nicht wieder gesehen. Aber am goldenen Knauf seiner Senior Suite, so munkelt man, zeigte der Türhänger auf Rot: «Bitte nicht stören».