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K. Marx kritisierte die "politische Oekonomie" im Kapital. Der Ausdruck "politische Oekonomie" steht für eine Auffassung der merkantilistischen Bewegung (17. Jhd), die dem Staat ein Interesse der Vermögensbildung zuschrieb. (In der aktuellen Politik der Schweiz gibt es Rechtsformen für öffentliche Institutionen (zb der Zweckverband), die Vermögensbildung verbieten. Die Staaten sind ohnehin alle verschuldet, sie betreiben sozusagen negative Vermögensbildung). "Politisch" bezeichnete "nicht privat". Der Merkantilismus wurde durch die Oekonomie von A. Smith (und D. Ricardo) aufgehoben, der sie nicht mehr als politische bezeichnete, weil das Wort politisch eine andere Bedeutung bekommen hatte. K. Marx bezeichnete die Smith'sche Oekonomie dagegen wieder - jetzt im neuen Sinn des Wortes (siehe Politik) - als politische Oekonomie, weil er mit seiner Kritik ein politisches Ziel verfolgte - und das logischerweise seinen Gegnern auch zuschrieb. Die Neoklassiker (etwa A. Marshall) lassen sich als Reaktion auf die Politisierung verstehen. Sie stellen (in naturwissenschaftlich-mathematischer Aanlogie) Methoden (etwa Messungen von Angebot und Nachfrage) ins Zentrum, die sie für politikfrei halten. John Maynard Keynes hat dann den Kreis geschlossen, indem er Geldprozesse als zentralstaatsbankliche Steuerung begriff, also vollends politisch machte.

Hintergrund:
Die Merkantilisten haben den Staatshaushalt erfunden und eine Oekonomie, die diesen Haushalt beschreibt. Sie haben diese Oekonomie als politisch(e) bezeichnet, weil die Oekonomie davor (seit Aristoteles den Ausdruck prägte) private Haushalte beschrieb (so etwa den Haushalt des Königs, dem zwar das ganze Reich gehört, der aber trotzdem nur ein privates Vermögen hatte). In der heute üblichen Sprache der Oekonomie wird anstelle von politischer Oekonomie von Volkswirtschaft gesprochen, während die privaten Haushalte als Betriebswirtschaft beschrieben werden.
K. Marx bezeichnete sein Werk als "Kritik der politischen Oekonomie". Seine Kritik besteht aus einem Vergleich von verschiedenen "Volks-Haushaltungen". In kapitalistischen Gesellschaft gibt es Giralgeld, Zins und Lohn, in jener kommunistischen Gesellschaft, die K. Marx zum kritischen Vergleich herangezogen hat, gibt es keinen Lohn, weil die Unterscheidungen, die die marxsche Wertlehre begründen, aufgehoben sind.
Diejenige "Selbst"beschreibung (klassische Oekonomie), in welcher Giralgeld als Geld behandelt wird, passt zu den Verhältnissen, in welchen das tat-sächlich passiert. Die Zentralbanken (und mit ihnen zusammenarbeitende Banken) verhalten sich in dieser National-Oekonomie so, wie wenn Giralgeld Geld wäre, indem sie Giralgeld - auf sogenannten Sichtkonten - umstandslos mit Geld verrechnen.
Die klassische-kapitalistische Oekonomie wird von K. Marx vor allem als Lohn-Gesellschaft kritisiert, während andere Kritiker (bereits vor K. Marx etwa T. Doubleday) den Focus auf Giralgeld und Zins legten. Das kapitalistische Bankgeschäft etwa ist ohne die politische Fiktion Giralgeld schwer vorstellbar, obwohl es als Zins-Geschäft erscheint. In der jüdischen Tradition etwa (Juden, Christen, Muslime, .., in der katholischen Kirche beispielsweise bis 1983 !) ist das Zinsnehmen moralisch ausgeschlossen und nur durch Reformationen möglich gemacht. Man kann sich also - jüdisch oder christlich - ein Welt ohne Giralgeschäft gut - sogar als gute Welt - vorstellen, aber nach der Reformation eben auch eine reformierte Welt mit Banken. Wer Zins nimmt, muss eine Vorstellung davon haben, wo Zins herkommen könnte. Giralgeld ist eine solche Vorstellung. Die (politische) Frage (die verschiedene Kapitalkritiker trennt) ist, ob Giralgeld jenseits von Lohnarbeit praktizierbar wäre. Man kann diese Fragen in den je eigen-en/tlichen Geldbegriff verschieben.
Der Ausdruck Politische Ökonomie (von den griechischen Wörtern politeia = „gesellschaftliche Ordnung“, oikos = „Haus“, „Hauswirtschaft“ und nomos = „Gesetz“) wurde von Antoine de Montchrétien, einem Vertreter des Merkantilismus, geprägt und bezeichnete die Wirtschaftslehre des (absolutistischen) Staates, während Ökonomie vorher nur die Hauswirtschaft bezeichnete.
"Um es ein für allemal zu bemerken, verstehe ich unter klassischer politischer Ökonomie alle Ökonomie seit W. Petty, die den innern Zusammenhang der bürgerlichen Produktionsverhältnisse erforscht im Gegensatz zur Vulgärökonomie, die sich nur innerhalb des scheinbaren Zusammenhangs herumtreibt," (MEW 23:95, Anm. 32) ? William Petty: A Treatise of Taxes and Contributions. 1662, Economic Writings. 1, Bd. I
Das Bearbeiten grundlegender ökonomischer Fragestellungen theoretischer Natur wurde nach allgemeiner Auffassung im Merkantilismus begonnen. Eine echte akademische Debatte gab es zu dieser Zeit allerdings noch nicht. Thomas Mun war einer der frühesten ökonomischen Autoren und schrieb bspw. über Handelsbilanzen zweier Länder. Auch Jean-Baptiste Colbert war einer dieser frühesten Autoren, er beschäftigte sich mit Staatseingriffen in die Wirtschaft. Drei wichtige frühe theoretische Autoren waren vor allem William Petty, John Law und John Locke, die erste theoretische Erkenntnisse über bspw. Geldumlauf und Geld bzw. Banknoten (Assignaten) veröffentlichten.
Die Physiokraten entwickelten erste systematische Ansätze zur Erklärung volkswirtschaftlicher Strukturen und Prozesse. Der Tableau économique von Francois Quesnay ist die erste Darstellung des Wirtschaftskreislaufs, aus dem später die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) bzw. das volkswirtschaftliche Rechnungswesen entwickelt wurde.
Nach der merkantilistischen und physiokratischen Epoche entstand mit Adam Smith, David Ricardo, Jean-Baptiste Say und anderen Autoren die Klassische Nationalökonomie. Vor allem Smiths Werk Der Wohlstand der Nationen (Originaltitel: „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“) ist ein bis heute bedeutendes Grundlagenwerk der Volkswirtschaftstheorie. In diesem fasst er bereits (auch von anderen) entwickelte Theorien zusammen und formuliert eine Struktur volkswirtschaftlicher Zusammenhänge. Smiths bedeutendster Beitrag ist das Konzept der "unsichtbaren Hand", welches das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf einem freien Markt darstellt. Das nach Say benannte Saysche Theorem besagt, dass jedes Angebot sich seine Nachfrage selbst schafft. Ricardo entwickelte das Konzept der Arbeitsteilung und der komparativen Kostenvorteile zweier Länder und beschrieb, warum Handel sich positiv auf die Wirtschaft und die Faktorallokation zweier Länder auswirkt.
[österreichische Schule zum Zins]
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