Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/3346

«Son of a Preacher Man» war der grösste Hit von Dusty Springfield. Ihr Leben war rastlos. Ihre Karriere führte über grosse Bühnen, aber auch durch etliche Talsohlen. Am Mittwoch wäre sie 75 Jahre alt geworden.
Die «New York Times» bezeichnete Dusty Springfield einmal als beste «Popsängerin Grossbritanniens». Andere Musiker schwärmten von ihrer einzigartigen Soul-Stimme. Elton John sagte einmal: «Ich glaube, sie ist die grösste weisse Sängerin, die es je gab».
1968 hatte Dusty Springfield mit «Son of a Preacher Man» ihren grössten Hit. Noch heute – 15 Jahre nach ihrem Tod — ist die gebürtige Londonerin damit regelmässig im Radio zu hören. Und unter zahllosen Covern gehört «Där Sohn vom Pfarrär» der Walliserin Sina zu den gelungensten.
«Sie war Englands Pop-Queen, eine extravagante Erscheinung mit Soul in der Stimme und den Augen einer Sphinx. Sie liebte glamouröse Auftritte und das Drama grosser Songs, doch verbarg sich unter all ihrem Make-up und den überdimensionalen Perücken ein verletzliches, von irrationalen Ängsten und Selbstzweifeln geplagtes Mädchen», schrieb der «Rolling Stone» 2005 über Springfield.
In den 1960er Jahren war sie mit blonder Bienenkorbfrisur, künstlichen Wimpern, üppigen Lidstrichen und exzentrischen Roben zudem zur Stil-Ikone geworden. Doch so sehr Dusty Springfield es auch versuchte, sie konnte ihre innere Zerrissenheit nicht verstecken. Ihre einzigartige Stimme offenbarte ihre Verletzlichkeit.
Sie hatte schreckliche Angst davor, auf der Bühne zu stehen. Ihre Extravaganz war genau wie ihr Künstlername der Versuch, eine Person verschwinden zu lassen, mit der sich die Sängerin bis zum Ende ihres Lebens nicht anfreunden konnte. «Ich fühlte mich wie ein hässliches, fettes Kind aus der Arbeiterklasse», hatte Dusty Springfield einmal gesagt.
Den Wunsch nach einer grosse Bühnenkarriere spürte sie schon früh. Als Teenager begann sie in den 1950er Jahren, in der Garage ihres Elternhauses in Hampstead im Londoner Norden an ihrem Gesang zu arbeiten. Ihr Vater machte es sich zum Hobby, ihre Lieder per Radio in die Wohnungen der Nachbarn zu senden.
Dusty Springfield jobbte in einem Plattenladen. Dort sang sie jeden Song mit, der über die Theke ging. 1958 kam sie per Zufall zu den Lana Sisters. 1960 gründete sie mit ihrem Bruder Tom Springfield und Tim Field das Folktrio The Springfields und hatte damit erste Erfolge in den USA.
1964 startete sie dann ihre Solo-Karriere und wurde noch im selben Jahr mit «I only want to be with you» und «Wishin' and hopin» zum weltweiten Star. Ihren grössten Hit «Son of a preacher man» nutzte Quentin Tarantino 1995 noch einmal im Soundtrack seines Kult-Films «Pulp Fiction».
In den 1970er Jahren ging es für Dusty Springfield bergab. Ihr Leben war geprägt von einer tragischen Ruhelosigkeit. Sie lebte teilweise in den USA. «Es gibt immer noch ein anderes Motel auf dem Weg. So lange das Leben etwas bietet, interessiert mich das.»
Diese Neugier war nicht immer positiv. Es gab Phasen, da benahm sie sich glänzend daneben. In einigen Hotels hatte sie Hausverbot, weil sie regelmässig Porzellan zerdepperte. Sie prügelte sich mit Jazz-Schlagzeuger Buddy Rich und sprach offen über ihre angebliche Bisexualität.
Nach Jahren voller Alkohol, Drogen und Flops liessen sie die Pet Shop Boys 1987 bei «What Have I Done to Deserve This?» mitsingen und verhalfen ihr zu einem spektakulären Comeback in die Charts.
Kurz nach der Veröffentlichung ihres Albums «A Very Fine Love» 1994 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Am 2. März 1999 starb Dusty Springfield, sechs Wochen vor ihrem 60. Geburtstag. (can/sda/dpa)