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Antimōnsulfide
(Schwefelantimon),
Verbindungen des
Antimons mit
Schwefel.
Dreifach-Schwefelantimon (
Antimonsulfür) Sb2S3
findet sich in der
Natur als
Antimonglanz (Grauspießglanz) und wird aus dem
Erz durch einen einfachen
¶
forlaufend
Seigerungsprozeß in Tiegeln oder Flammöfen abgeschieden. Das Produkt kommt als Spießglanz (Spießglas, Antimonium crudum, Stibium sulfuratum nigrum) in den Handel und bildet eine strahlig kristallinische, graphitfarbene, metallglänzende, abfärbende Masse vom spez. Gew. 4,62, ist sehr leicht schmelzbar, flüchtig, löst sich in Salzsäure unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff zu Antimonchlorid, verwandelt sich beim Erhitzen an der Luft unter Entwickelung von schwefliger Säure in Antimonoxyd, verpufft mit Salpeter zu antimonsaurem Kali, explodiert sehr heftig mit chlorsaurem Kali und liefert beim Erhitzen mit Eisen [* 3] metallisches Antimon.
Man benutzt es zum Ausbringen des Goldes aus goldhaltigem Silber, zu Feuerwerkssätzen, Zündpillen für Patronen, in der Veterinärpraxis
und zur Darstellung von Antimonpräparaten. Im Orient benutzen es die Frauen seit dem Altertum zum Bemalen
der Augenbrauen.
Antimonsulfür wird auch durch Zusammenschmelzen von Antimon mit Schwefel erhalten und aus Brechweinstein- oder
Antimonchloridlösung durch Schwefelwasserstoff als orangerotes Pulver gefällt; mit kohlensaurem Kali gekocht, bildet es ein
Schwefelsalz und antimonigsaures Kali, und aus dieser Flüssigkeit scheidet sich beim Erkalten der Mineralkermes
(Stibium sulfuratum rubeum), ein Gemisch von Schwefelantimon mit Antimonoxyd, ab, welches im vorigen Jahrhundert ein sehr beliebtes
Arzneimittel war und auch jetzt noch offizinell ist, namentlich aber zum Vulkanisieren des Kautschuks benutzt wird.
Fünffach - Schwefelantimon (Antimonpersulfid, Goldschwefel) Sb2S5 wird aus Fünffach-Chlorantimon
durch Schwefelwasserstoff gefällt und durch Zersetzung des sulfantimonsauren Natrons (Schlippeschen Salzes) Na3SbS4 + 9H2O
mit Säure dargestellt. Letzteres Salz
[* 4] entsteht beim Kochen von
Antimonsulfür (Spießglanz) mit Natronlauge
und Schwefel und kristallisiert in großen, farblosen Kristallen; mit Schwefelsäure
[* 5] gibt es Goldschwefel, Schwefelwasserstoff
und schwefelsaures Natron. Der Goldschwefel (Stibium sulfuratum aurantiacum, Sulfur auratum antimonii, Sulfur
stibiatum aurantiacum) bildet ein geruch- und geschmackloses, in Wasser unlösliches, orangefarbenes Pulver, löst sich in
Schwefelalkalien, Alkalien und Ammoniak und dient als Expektorans bei Katarrh und kruppöser Pneumonie, auch zum Vulkanisieren
des Kautschuks.