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Originalpublikation im Nebelspalter am 15. Juni 2021
Entgegen ständig wiederholter Warnungen, die Klimaerwärmung führe zu steigenden Unwetterkosten, zeigen Daten für die Schweiz, dass es keinen signifikanten Trend gibt.
Woher kommt diese überraschende Erkenntnis? Sie lässt sich herauslesen aus der «Unwetterschadens-Datenbank», die von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) geführt wird. In diesem der ETH angegliederten Institut werden seit 1972 die jährlichen Schäden aus Hochwasser, Murgängen, Rutschungen und Sturzprozessen berechnet. Schäden aus Ereignissen also, deren Ursachen, wie beispielsweise Dauerregen, Gewitter oder schmelzender Permafrost, vom Klimawandel abhängig sind.
Die hier gezeigte Grafik stammt von der Webseite des WSL. Sie zeigt die Schadenssumme dieser Naturkatastrophen in Milliarden Schweizer Franken pro Jahr seit 1972.
(Klick auf Grafik vergrössert diese)
Auffällig sind die massiven Unterschiede zwischen den Jahren. Zum Beispiel wurde die Schweiz im August 2005 von einem «Jahrhunderthochwasser» heimgesucht, das eine Rekord-Schadenssumme von 3 Milliarden Franken verursachte, während im nachfolgenden Jahr 2006 die Schäden vierzigmal geringer waren.
Neben diesen Schwankungen aber stellt sich grundsätzlich die Frage, ob solche Kosten bei wachsender Bevölkerung, steigendem Wohlstand und Teuerungsdifferenzen überhaupt vergleichbar sind? Genau das haben die WSL-Forscher geklärt, das Resultat ist aus der Grafik ersichtlich: Die blauen Balken entsprechen den sogenannt nominellen Kosten, also dem, was man in den betreffenden Jahren direkt bezahlt hat. Die braunen Balken zeigen die hinzugefügten Korrekturkosten, die sich aus den Faktoren Demografie, Teuerung und BIP-Wachstum ergeben, wenn man die Frage stellt: Was würde das Unglück, das 1978 stattgefunden hat, heute für Kosten verursachen? Beide Balken zusammen ergeben die sogenannt normalisierten Kosten. Erst mit diesen ist ein sinnvoller Vergleich über die Zeit möglich.
Was man bezüglich Langzeittrend intuitiv aus der Grafik ablesen kann, wird durch die Forschung bestätigt: Den leicht steigenden nominalen Kosten aus Unwetterschäden in der Schweiz stehen normalisierte Kosten gegenüber, die eine leicht sinkende Tendenz aufweisen. Obwohl beides nach wissenschaftlichen Kriterien keine signifikanten Langzeittrends sind, ist das Fazit doch klar: Der einzig sinnvolle Kostenvergleich mit den normalisierten Werten zeigt, dass so die Schäden im Durchschnitt leicht abnehmen.
Man kann die Grafik aber auch noch aus anderer Optik betrachten: Um die Volatilität der Werte zu glätten, wählt man einen Vergleich von Jahrzehnten miteinander. So gesehen fällt die letzte Dekade 2010-19 dadurch auf, dass erstens alle Jahre deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 0.3 Milliarden liegen, und dass sie zweitens bei der kumulierten Schadenssumme den geringsten Wert aller Dekaden aufweist.
Es ist eine faszinierende Geschichte: Obwohl immer mehr Menschen mit immer mehr Wohlstand und auch Luxus in der Schweiz leben, gelingt es uns durch präventive Schutzmassnahmen immer besser, uns vor Unwettern zu schützen. Und wenn man die Zahlen richtig interpretiert, ist es in diesem Bereich falsch, wenn behauptet wird, der Klimawandel führe zu steigenden Kosten. Aber nicht nur das, denn dazu kommen die Schlussfolgerungen aus meinem letzten Grafik-Beitrag vom 7. Juni über «Immer weniger Todesfälle wegen Naturgefahren».
In Kenntnis der Resultate aus beiden Untersuchungen kann man unserer Umweltministerin Simonetta Sommaruga nur zurufen: Stoppen Sie Ihre alarmistischen Warnungen über die negativen Folgen einer Klimakrise, die für uns alle schon spürbar seien! Das Gegenteil ist richtig: Nach WSL-Daten nimmt die Anzahl und die dadurch verursachten Todesfälle bei Naturgefahrenprozessen ab, und auch die Unwetterschäden nehmen nicht zu.