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Die ungeheuerliche Behauptung lässt sich durch die Hochrechnung von Suiziden (beispielsweise mit Rattengift) in Sri Lanka überhaupt nicht stützen. Trotzdem wird die Behauptung durch Gegner von Pflanzenschutzmitteln ständig wiederholt. Erst kürzlich wurde sie wieder in der Publikation «Das Gift und wir» der Bio-Stiftung Schweiz verbreitet. Auf Seite 207 heisst es, dass laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO hochgiftige Pestizide jedes Jahr 220’000 Todesfälle verursachen würden. Und der Text geht dann sogar noch über die Behauptung hinaus. Unter dem Hinweis, dass die Zahlen aus dem Jahre 1990 stamme, heisst es wörtlich, dass sie «dem heutigen Ausmass der Problematik nicht ansatzweise gerecht werden». Das ist jedoch völliger Unfug, weil schon die Grundlage falsch ist.
Der Umweg einer Zahl
Tatsächlich wurden die über 200’000 Todesfälle in einem Dokument der Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung des UNO-Menschenrechtsrats in einem offiziellen Dokument aus dem Jahr 2017erwähnt. Auf dieses Dokument beziehen sich Kritiker von Pflanzenschutzmitteln bei ihren Anschuldigungen gerne. Die erwähnte Zahl beruht jedoch nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern sie stammt ursprünglich aus einer Veröffentlichung des Arbeitsmediziners Jeyarajah Jeyaratnams aus dem Jahr 1985. Die Zahl wurde im Verlauf der Zeit in diversen Arbeiten und Studien immer wieder zitiert, wobei nicht immer auf den Ursprungstext verwiesen wurde. So schaffte es die Zahl über mehrere Umwege in das besagte UNO-Dokument. Dies kann der Wissenschaftsjournalist Ludger Wess in seiner äusserst interessanten Herleitung belegen.
Untersuchung von Suiziden
Jeyaratnams erwähnt die Zahl im Zusammenhang mit Vergiftungen aufgrund von Suizidversuchen. Seine Datengrundlage bilden Patientenakten aus Sri Lanka aus dem Jahr 1979. In einem Gedankenexperiment hat er die Fälle global hochgerechnet, um die Problematik zu verdeutlichen. Dabei kam er auf die Zahl von etwa 220’000 Toten. Es handelt sich dabei also um eine Schätzung der Anzahl Selbstvergiftungen in suizidaler Absicht und nicht um Todesfälle durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Diese Tatsache wird bei polemischen Schuldzuweisungen von Pestizidkritikern gerne verschwiegen.
Bei korrekter Anwendung sicher
Dass mit Pestiziden sorgsam umgegangen werden muss ist klar. Die von Aktivisten propagierten Alternativen wie Permakultur, homöopathische oder sogar mystische Praktiken zur Pflanzenstärkung sind gegen viele Schädlinge aber leider unwirksam. Gute wissenschafts- und evidenzbasierte Anbaupraxis, bei der richtig angewendeter Pflanzenschutz ein Tool im Werkzeugkasten der Landwirte ist, hilft bei der Bekämpfung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten, um die Ernten zu schützen. Biozide, die die Nahrungsmittel bei Lagerung und Transport vor Frassschädlingen und Pilzbefall schützen, sind nach der Ernte unerlässlich, um die Lebensmittelsicherheit zu garantieren – ebenso wie Desinfektionsmittel. Ein Verbot von Pestiziden – also Pflanzenschutzmitteln und Bioziden – hätte auf die Welternährung verheerende Folgen. Hungersnöte und Lebensmittelpreise würden stark zunehmen. Riesige Naturlandflächen müsste in Ackerland umgewandelt werden. Das kann nicht das Ziel der Kritiker der Agrarunternehmen sein.
Fakt ist:
Die Zahl von 200’000 Pestizid-Toten pro Jahr stammt aus einem Dokument des Arbeitsmediziners Jeyarajah Jeyaratnams aus dem Jahr 1985. Sie bezieht sich auf Vergiftungen durch Pestizide (beispielsweise Rattengift) in suizidaler Absicht und stellt einen globalen Schätzwert aufgrund von Daten aus Sri Lanka dar. Damit lässt sich die Behauptung, wonach der landwirtschaftliche Gebrauch von Pestiziden für so viele Tote verantwortlich sei nicht belegen.