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Eine "Route Napoléon" gibt's nicht nur in Südfrankreich, sondern nun auch im Thurgau; sie ist allerdings nicht ausgeschildert.
Hoffentlich bleiben Sie - anders als Napoleon I. - nach dieser "Route Napoléon" noch länger als 100 Tage in Amt und Würden!
Eigentlich müssten Sie gar keine Karte mehr auf die Wanderung mitnehmen - aber der Swisscom-Empfang ist in dieser Region derart schlecht, dass Sie sich nicht auf ihn verlassen können. Speichern Sie die Karte deshalb schon vor der Wanderung, damit Sie sie dann offline aufrufen können.
Der Weg ist nicht schwer zu finden, auch wenn er nicht ausgeschildert ist. Am schwierigsten ist vielleicht gleich der Beginn der Wanderung in Salenstein, deshalb finden Sie den entsprechenden Kartenausschnitt hier noch vergrössert:
Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, diese Wanderung zu begehen, abzuändern oder abzukürzen.
Starten Sie beim Schloss Arenenberg. Es liegt nahe der Bahnstation Mannenbach-Salenstein und verfügt auch über einen grossen Parkplatz.
Vielleicht besuchen Sie als Auftakt ja gleich das Napoleonmuseum; es öffnet allerdings erst um 10 h.
Schon bald kommen Sie beim Schloss Salenstein vorbei, das zu napoleonischer Zeit Charles Parquin gehörte. Er war es, der zusammen mit Louis Napoleon den Bau des historischen Napoleonturms an die Hand genommen hatte.
Als Besitzer dreier Schlösser (Wolfsberg, Salenstein, Sandegg) geriet er allerdings in finanzielle Schwierigkeiten und liess zum Beispiel das halbe Schloss Salenstein abbrechen, um Unterhaltskosten zu sparen.
Frühlingsputz à la française...
Durchs wildromantische Rütelitobel gelangen Sie zur Burgruine Sandegg, von der leider nur noch die Grundmauern erhalten sind.
Louise Cochelet, die Kammerdienerin der Königin Hortense, hatte es damals für sich gekauft - bis es nach der Heirat mit Charles Parquin auch in dessen Besitz gelangte.
Übrigens hauste 1000 Jahre zuvor ein Vogt namens Sintlaz auf der Burg - er hatte seinen Besitz, vor allem die Insel Reichenau, auf Geheiss des fränkischen Verwalters Karl Martell dem Mönch und Klostergründer Pirmin zu überlassen. Die Reichenau hiess denn früher auch die "Sintlaz-Au".
Eugène hatte das Schloss 1821 erbauen lassen, starb allerdings bald darauf an Krebs.
Erhaschen Sie über den Weg über die Ebni einen Blick des Schlosses Eugensberg. Es trägt den Namen von Prinz Eugène, dem Bruder von Königin Hortense.
Das Schloss steht im Moment zum Verkauf. Haben Sie nicht zufälligerweise
30 Millionen übrig...?
Steigen Sie zum Schützenhaus Salenstein beim Adelmoos auf und beachten Sie dort die Aussicht auf die Reichenau und den Untersee: diese Sicht können Sie nur noch eine Stunde später vom Turm aus toppen!
Im Forstwerkhof Ermatingen (bei "Anderbach") gibt's ein WC und eine Grillstelle.
Bei "Grossanlässen" nehmen Sie bitte vorgängig Kontakt auf mit <email-pii>.
Nach zweieinhalb Stunden gelangen Sie dann zum buchstäblichen Höhepunkt und Ziel Ihrer Wanderung, zum neuen Napoleonturm bei Hohenrain.
Auf dieser Webseite finden Sie alles Wissenswerte zum alten und zum neuen Turm sowie zur Aussicht und zum Panorama.
Beim Napoleonturm gibt es keine Verpflegungsmöglichkeit und nicht einmal ein WC... Retten Sie sich deshalb ins Restaurant Alpenblick in Gunterswilen.
Beweisen Sie der Wirtin, dass die auf dem Turm die Namen der Berggipfel gut auswendig gelernt haben - hüten Sie sich aber vor Hochstaplerei: Frau Wittwer kennt sich aus!
Das Schloss Wolfsberg war vor 200 Jahren eine Fremdenpension des Arenenbergs, die von Charles Parquin geführt wurde: Sie wissen ja jetzt, er war Mitinitiator des historischen Napoleonturms.
Der Wolfsberg ist heute ein Ausbildungszentrum der UBS. Besichtigen Sie das Parquin-Haus und die wunderschöne Terrasse also in "dezenter" Weise, in gebührender Rücksicht auf Seminare, Kurse und Bankgeheimnisse!
Besuchen Sie auch den neu renovierten und sehr eindrücklichen Eiskeller aus napoleonischer Zeit gleich neben der Strasse.
In Ermatingen steigen Sie in der "Auberge Napoléon" ab, dem Gasthaus Adler mitten im Dorfzentrum.
Es war damals die "Stammbeiz" von Louis Napoleon - sagen wir einmal eine der wichtigsten von vielen.
Wenn Sie nicht im "Napoleonstübli" dinieren, werden Sie in der Wirtsstube unter den gestrengen Blicken von Napoleon I. ein Napoleon-Bier trinken!
(im Moment ist der Adler allerdings wegen eines Todesfalls geschlossen)
Werfen Sie noch einen Blick in die Kirche Ermatingen: Hier fand 1837 die Abdankungsfeier für Königin Hortense mit 2'000 Trauergästen statt. - 1867 schenkte Louis Napoleon, mittlerweile Kaiser Napoleon III., der Kirchgemeinde Ermatingen ein neues Uhrwerk mit doppeltem Stundenschlag. - Schade, heute tönt's wieder wie jedes andere, nämlich 8 Mal um 8 Uhr...
Als ÖV-Benützer nehmen Sie in Ermatingen wieder den Zug.
Sonst geht es aber nochmals zu Fuss weiter, am besten dem See-Wanderweg nach. Kühlen Sie Ihre müden Beine im Strandbad Ermatingen (der "schönsten Badi am Bodensee") ab und wärmen Sie sich hinterher mit einem Kaffee gleich wieder auf.
Nachher geht's bald den "Zickzack-Weg", wie wir ihn hier nennen, wieder hoch Richtung Arenenberg.
Im unteren Teil am Waldrand zweigen Sie aber rechts ab durch den Wald in den restaurierten Schlosspark:
Lustwandeln Sie auf Hortenses Spuren durch die Garten- und Parkanlagen des Schlosses.
Geniessen Sie noch die Aussicht von der Schlossterrasse aus - ein ganz besonders schöner Aussichtspunkt, wie Königin Hortense selbst immer wieder betont hatte.
Heutzutage machen hier die meisten der durchlauchten Herrschaften und holdseligen Schlossdamen in Ermangelung eines königlichen Hofmalers halt ein Selfie...
Im Bistro "Louis Napoleon" stillen Sie nun Ihren letzten (mittlerweile etwa fünften) Durst.
Hier schliessen sich also der geschichtsträchtige Kreis und die Wanderroute wieder...
Sie werden feststellen: So viel "Napoleon" bekommen Sie sonst nirgends in fünf Stunden!
Und wenn Sie diese Wanderung als Sonntagmorgen-Jogging planen, starten Sie so, dass Sie genau um 9 Uhr auf dem Turm sind: dann hören Sie von allen Seiten die Kirchenglocken, die den Sonntag oder den Gottesdienst einläuten.