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Valençay, mit einer jährlichen Rente von 1 Mill. Frank, als Aufenthaltsort anwies. Hier brachte er über vier Jahre in einförmiger Zurückgezogenheit ohne alle Kunde von den Vorgängen in Spanien, [* 2] wo das Volk sich für ihn erhob, in Gesellschaft seines Bruders Don Karlos zu; Wollust und bigotter Religionseifer beherrschten ihn mehr und mehr. Erst gegen Ende 1813 bot Napoleon Ferdinand die Krone wieder an, und auf Grund des Vertrags vom 11. Dez. kehrte Ferdinand im März 1814 nach Spanien zurück, wo er mit Begeisterung empfangen wurde. Er stieß hier sofort die Verfassung von 1812 um und ließ eine blutige kirchliche und politische Reaktion mit Inquisition und Tortur eintreten, sah sich jedoch durch den Aufstand vom Januar 1820 genötigt, 7. März die Konstitution der Cortes von 1812 wiederherzustellen, die er dreimal feierlichst beschwor; als aber durch die bewaffnete Dazwischenkunft Frankreichs 1823 die absolute Gewalt in Spanien wiederhergestellt wurde, kehrte Ferdinand wieder zum alten System zurück.
Ferdinands zweite Gemahlin, Maria Isabella Franziska, Tochter des Königs Johann VI. von Portugal, starb 1818, seine dritte, Josephe, Tochter des Prinzen Maximilian von Sachsen, [* 3] 1829; zum viertenmal vermählte er sich mit Marie Christine, Tochter des Königs beider Sizilien, [* 4] Franz' I., die ihm die jetzige Exkönigin von Spanien, Isabella II., und 1832 die Prinzessin Luise, jetzige Herzogin von Montpensier, gebar. Durch den Einfluß seiner vierten Gemahlin bestimmt, verwirklichte er die von den Cortes 1822 beantragte Aufhebung des salischen Gesetzes durch eine sogen. pragmatische Sanktion, welche die alte kastilische kognatische Erbfolge wiederherstellte.
Schwer erkrankt, übertrug der König im Oktober 1832 seiner Gemahlin die Leitung der Staatsgeschäfte, worauf sich ein freisinnigeres Regierungssystem geltend machte. Der karlistisch gesinnte Minister Calomarde, der den fast bewußtlosen König ein Dekret, welches die Pragmatische Sanktion von 1830 aufhob, hatte unterzeichnen lassen, mußte flüchtig werden, und Ferdinand erklärte 31. Dez. selbst jenes Dekret für erschlichen und übernahm wieder die Regierung selbst; doch starb er schon 29. Sept. d. J.
Vgl. Baumgarten, Geschichte Spaniens vom Ausbruch der französischen Revolution (Leipz. 1865-71, 3 Bde.).
32) Kardinalinfant, dritter Sohn des Königs Philipp III. von Spanien, geb. erhielt 1619 die beständige Administration des Erzbistums Toledo [* 5] und bald darauf den Kardinalshut, [* 6] sollte 1633 dem Kaiser in Deutschland [* 7] mit einem Heer zu Hilfe kommen, sandte aber von Italien [* 8] aus die eine Hälfte unter dem Befehl des Herzogs von Feria voraus, während er selbst die Werbungen fortsetzte und einen alten Zwist zwischen den Genuesen und dem Herzog von Savoyen beilegte. Er vereinigte sich sodann im September 1634 mit der Armee des Königs von Ungarn [* 9] und wohnte der Schlacht bei Nördlingen [* 10] bei, worauf er sich im April 1635 nach den Niederlanden wandte.
Hier wußte er durch kleinen Krieg die Fortschritte der übermächtigen französisch-holländischen Armee aufzuhalten, überschritt im Juni 1636 die französische Grenze, zwang La Capelle zur Übergabe, drang siegreich bis Corbie vor, mußte sich aber mit Verlust mehrerer fester Plätze wieder zurückziehen. 1637 suchte er vergeblich das von dem Prinzen von Oranien belagerte Breda zu entsetzen, dagegen erfocht er den glänzenden Sieg bei Kalloo über den Grafen Wilhelm von Nassau und erzwang die Aufhebung der Belagerung von Geldern. In den folgenden Feldzügen von 1639 und 1640 mußte sich Ferdinand auf die Defensive beschränken. Den Feldzug von 1641 eröffnete er mit der Wegnahme von Lens, starb aber am Fieber in Brüssel. [* 11]
[Toscana.]
33) Ferdinand I., Großherzog von Toscana, aus dem Haus Medici, Cosimos I. vierter Sohn, geb. 1549, wurde 1562 Kardinal und erlangte am päpstlichen Hof [* 12] einen bedeutenden Einfluß. Nach dem Tod seines Bruders Franz (1587) übernahm er die Regierung des Großherzogtums; er belebte den gesunkenen Handel, durch den er selbst große Reichtümer erwarb, betrieb die Arbeiten an dem von Cosimo I. begonnenen Hafen von Livorno, [* 13] wo er spanische Juden aufnahm, und setzte sich in gutes Einverständnis mit den italienischen Staaten. Gegen Spanien war er sehr zurückhaltend und lehnte sich an Frankreich an; Heinrich IV. von Frankreich unterstützte er während des Kriegs gegen die Ligue. Nachdem er seiner geistlichen Würde entsagt, vermählte er sich 1589 mit Christine von Lothringen, die ihm einen Sohn, Cosimo II., gebar. Ferdinand starb
34) Ferdinand II., Großherzog von Toscana, Sohn Cosimos II. und Enkel des vorigen, geb. 1610, folgte 1621 seinem Vater in der Regierung unter Vormundschaft seiner Mutter, der Erzherzogin Magdalene, und seiner Großmutter, denen vier Räte beigesellt waren. Er selbst ergriff 1628 die Zügel der Regierung, geriet aber wieder in die Abhängigkeit von Spanien, die sein Großvater gebrochen, und von der Priesterschaft, konnte überhaupt in den vielfachen Wirren jener Zeit seine Selbständigkeit nach außen nicht behaupten und starb wegen seiner Milde und seiner Freundlichkeit von allen seinen Unterthanen geliebt, obgleich seine Schwachheit dem Land Wunden geschlagen hatte, die zu heilen es langer Zeit bedurfte.
35) Ferdinand III. Joseph Johann Baptist, Großherzog von Toscana, aus dem Haus Habsburg-Lothringen, zweiter Sohn des Großherzogs Leopold, geb. erhielt unter der Leitung des Marchese Manfredini eine ausgezeichnete Erziehung und ward, als nach dem Tod Josephs II. sein Vater Kaiser wurde, Großherzog; er suchte Handel, Künste und Wissenschaft zu fördern u. wußte den Gesetzen Geltung zu verschaffen. Die französische Republik erkannte er 1792 an und suchte sich in den Koalitionskriegen neutral zu halten, wurde aber 1793 durch Rußland und die Drohungen Englands, Livorno zu bombardieren, wenn er seiner Neutralität nicht entsage, zur Koalition gegen Frankreich gezwungen, verließ dieselbe jedoch wieder, als die Franzosen Piemont besetzten, und schloß mit Frankreich Frieden.
Erst als Frankreich die Unabhängigkeit Italiens [* 14] immer mehr bedrohte, näherte er sich dem Wiener Kabinett, wurde daher durch das Einrücken französischer Truppen in Florenz [* 15] gezwungen, 1799 sich nach Wien [* 16] zu flüchten, mußte im Lüneviller Frieden (1801) auf Toscana verzichten u. erhielt dafür durch den Vertrag von Paris [* 17] das neu geschaffene Kurfürstentum Salzburg. [* 18] Als dieses im Preßburger Frieden von 1805 an Österreich [* 19] und Bayern [* 20] kam, erhielt er Würzburg, [* 21] das zum Kurfürstentum und infolge seines Beitritts zum Rheinbund zum Großherzogtum erhoben wurde. Durch den Pariser Frieden vom erhielt er Toscana mit einigen Vergrößerungen wieder, mußte noch einmal seine Residenz verlassen, als Murat 1815 in Toscana einfiel, kehrte jedoch schon 20. April d. J. dahin zurück. Er starb Ferdinand war in erster Ehe vermählt mit Luise, der Tochter des Königs beider Sizilien, Ferdinand I., in zweiter, seit 1821, mit der Prinzessin Marie, der Tochter des ¶
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Prinzen Maximilian von Sachsen. Ihm folgte sein einziger Sohn, Leopold II.
Vgl. Emmer, Erzherzog Ferdinand III., Großherzog von Toscana, als Kurfürst von Salzburg (Salzb. 1878).
36) Ferdinand IV., Großherzog von Toscana, ältester Sohn des Großherzogs Leopold II. von Toscana u. der Prinzessin Marie Antonie von Neapel, [* 23] Enkel des vorigen, geb. ward nach liberalen Grundsätzen erzogen und vermählte sich mit der Prinzessin Anna von Sachsen, die aber, nachdem sie ihm eine Tochter, Maria Antonia, geboren, schon starb. Da er schon während der sardinisch-französischen Vorbereitungen zum italienischen Krieg mit Neapel die Neutralität Toscanas verabredet hatte und sein Vater Leopold II. deshalb durch das Drängen der mittelitalienischen Patrioten nicht zu bewegen war, gegen Österreich ins Feld zu ziehen, so brach eine Revolution aus, in deren Folge die großherzogliche Familie nach Bologna floh und sich von da nach Wien begab. Nachdem Leopold II. zu gunsten seines Sohns der großherzoglichen Würde entsagt, ward dieser nun der legitime Fürst, konnte aber freilich seine Rechte bloß durch Protest gegen die piemontesische Herrschaft ausüben. Er lebt, seit 1868 mit der Erzherzogin Alice, Tochter des verstorbenen Herzogs Karl III. von Parma, [* 24] vermählt, gewöhnlich auf einer Villa am Bodensee in der Nähe von Lindau [* 25] oder in Salzburg.
[Württemberg.]
37) Ferdinand Wilhelm, Herzog von Württemberg-Neustadt, Sohn des Herzogs Friedrich von Württemberg-Neustadt, geb. trat, in der Mathematik und Kriegskunst gründlich geschult, früh in dänische Kriegsdienste und focht sodann von 1683 bis 1687 in kaiserlichen Diensten gegen die Türken und Franzosen; bei Neuhäusel wurde er 1685 schwer verwundet. Nachdem er 1690 die dänischen Hilfstruppen für Wilhelm III. in Irland befehligt und mit seinem jüngern Bruder, Karl Rudolf, viel zur Unterwerfung der Insel beigetragen, zog er 1692 mit denselben Truppen nach den Niederlanden gegen die Franzosen und zeichnete sich besonders bei Steenkerken und Neerwinden aus.
Zum General der holländischen Infanterie und zum Obersten in der königlichen Leibgarde ernannt, vereitelte er 1694 durch geschickte Verteidigung von Nieuport die Anschläge der Franzosen und trug im folgenden Jahr nicht wenig zur Eroberung von Namur [* 26] bei. Nach dem Frieden wurde er Gouverneur von Sluys und des ganzen holländischen Flandern. 1698 übernahm er im Dienst König Augusts II. von Polen als Generalfeldmarschall den Oberbefehl über die polnisch-sächsischen Truppen in der Ukraine gegen die Türken, die er zur Abtretung eines Stücks von Podolien an Polen zwang, und 1700 befehligte er in Holstein gegen die Schweden. [* 27] Er starb in Sluys.