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Andreas Kotte: Theatergeschichte. Eine Einführung. UTB, Böhlau Verlag Wien, Köln, Weimar. 434 Seiten.
Aus dem Prolog
Im Gegensatz zu anderen einbändigen Werken ähnlicher Ausrichtung widmet sich dieses Buch den Problemen der Theatergeschichte und der Theatergeschichtsschreibung. Unter Theatergeschichte wird der Prozess des Entstehens und Vergehens von Theaterereignissen in einem gesellschaftlichen Umfeld gefasst, unter Theatergeschichtsschreibung die schriftliche oder abbildende Reflexion darüber. Theatergeschichte und Theatergeschichtsschreibung verlaufen seit einigen tausend Jahren stets in einem spannungsgeladenen Wechselverhältnis, das auf der Seite der Theaterpraxis von selbstgenügsamer Langmut, auf der Seite des Diskurses aber von zuweilen hektischer Anziehung und Abstoßung, Anbetung und Verurteilung, kurz: von Herausstellen und Verbergen geprägt ist. Es gibt mehrere ein- bis zehnbändige Überblicksdarstellungen der Theatergeschichte, die ein zusammenhängendes Bild des Gegenstandes bieten. Die schmaleren Bände fassen dabei jeweils die voluminöseren Werke abstrahierend zusammen, indem nicht mehr am Beispiel argumentiert wird und Problematisierungen entfallen. Vom Organismus bleibt dessen Skelett übrig, der Vorgang gerinnt zur Information. Das Wagnis einer weiteren einbändigen Einführung in die Theatergeschichte lohnt sich daher nur dann, wenn einige Studierende und Interessierte eine knappe, konkrete Problematisierung überhaupt noch fordern, die Quadratur des Kreises, und andererseits ein Konzept gefunden wird, dessen Nachteile die Vorteile nicht paralysieren. Wie soll das Bild des Gegenstandes Theatergeschichte entstehen: durch lineare Reduktion oder exemplarische Darstellung, durch Schrumpfung oder Collage? Muss es ein scheinbar einheitliches Bild sein oder darf es ehrlich fragmentarisch bleiben?