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Neugeborene Kälbchen sollen ab 1. November mindestens drei Wochen im Betrieb gehalten werden, in dem sie geboren worden sind. Darauf hat sich die Fleischbranche geeinigt, um für Mast und Zucht nicht geeignete Tiere vor dem zu frühen Tod zu bewahren.
Die "Branchenlösung Tränkekälber" tritt am 1. November in Kraft, wie Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, in einer auf seiner Webseite veröffentlichten Mitteilung schreibt. Über die Vereinbarung berichteten mehrere Medien.
Ohne Kalb keine Milch
Damit eine Kuh Milch gebe, müsse sie jedes Jahr kalben, schrieb Proviande. Doch nicht alle Kälber eigneten sich für die Nachzucht und würden darum kurz nach der Geburt verkauft, etwa für die Mast. Doch Kälber von Hochleistungs-Milchkühen liefern weniger Fleisch. Mastbetriebe haben deshalb weniger Interesse an ihnen.
"Das gilt zum Beispiel bei Rassen wie Red Holstein, Holsteinern oder Jersey", sagte Peter Schneider, Geschäftsleitungsmitglied von Proviande. Die Tiere würden immer leistungsfähiger. Ebenfalls berücksichtigt werden müssten das Wegfallen der Tierhaltungsbeiträge und der tiefe Milchpreis.
Bei Zweinutzungsrassen wie dem Schweizer Braunvieh stelle sich das Problem dagegen nicht, sagte Schneider. "Unsere Philosophie ist, die Tiere mit Respekt zu behandeln." Auch auf einem Milchwirtschaftsbetrieb solle es möglich sein, neugeborene Kälber mindestens 21 Tage zu behalten, bevor sie verkauft würden.
Bleiben die Jungtiere länger auf dem Geburtsbetrieb, hat das aus Sicht der Produzenten mehrere Vorteile: Die Tiere können nach der Geburt besser versorgt werden, sind gesünder und robuster und können für die Mast vorbereitet werden. Mit Biestmilch wird das Immunsystem der nach der Geburt besonders anfälligen Tiere gestärkt.
Breit abgestützt
Einen Mindestpreis für Fleisch von Kälbern, die mindestens 21 Tage auf dem Geburtsbetrieb gelebt haben, enthält die Branchenlösung nicht. Angebot und Nachfrage bestimmten den Preis, sagte Schneider. Die Preise seien qualitätsabhängig, und Fixpreise für schlechtere Qualitäten seien nicht empfehlenswert.
Die Branchenlösung ist laut Proviande breit abgestützt. Neben Proviande sind der Schweizer Viehhändlerverband, der Schweizerische Kälbermästerverband, Bell Schweiz AG, Micarna SA, Ernst Sutter AG sowie der Milchproduzentenverband und der Bauernverband beteiligt. Auch der Schweizer Tierschutz (STS) unterstütze die Branchenlösung.
Namentlich der STS hatte kritisiert, dass es vorkomme, dass Halter von Hochleistungs-Milchkuhrassen Kälber gleich nach der Geburt töteten, um die Kosten für die immer weniger rentable Mast zu sparen. Betroffen seien vor allem Stierkälber.