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"Hier sterben mehr Menschen an Drogen und Alkohol als an radioaktiven Strahlen", erklärt Kiril. Er zeigt auf das Grab seines besten Freundes, der an einem allzu feuchtfröhlichen Abend vom Balkon in den Tod gestürzt ist.
2016 gedenkt die Welt der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 30 Jahren. Statt die Folgen des Unfalls zum wiederholten Mal in Erinnerung zu rufen, habe ich beschlossen, mich der Zukunft zuzuwenden und drei Jahre lang der Jugend von Slawutytsch zu folgen: Der jüngsten Stadt der Ukraine, der Stadt, die nach dieser Katastrophe aus dem Boden gestampft wurde.
In meiner Reportage kommt Yulia vor, die sich vor meiner Kamera vom Teenager zu einer jungen Erwachsenen entwickelt hat. Im Laufe der Monate hat die Jugendliche Partys, Eroberungen für einen Abend und viel Alkohol gegen eine Arbeit, Verantwortung und ein Leben als verheiratete Frau eingetauscht. Sie und ihre Freunde liessen mich an dieser entscheidenden Lebensphase teilhaben, in der man entscheidet, was man aus seinem Leben machen will, wo und mit wem. Eine Wandlung, die das Land ebenfalls kennt, das sich schmerzhaft von seinem Nachbarn Russland befreit. Die Jugend von Slawutytsch, wie jene des ganzen Landes, muss die Fehler ihrer Eltern wieder gutmachen und eine heitere und erfolgreiche Zukunft aufbauen.
Slawutytsch wurde inmitten eines Waldes, 40 km vom Unglücksreaktor entfernt gebaut, und gab sich als eines der letzten Fenster der grossen Sowjetunion aus. Seit das Atomkraftwerk im Jahr 2000 aufgehört hat, Strom zu produzieren, hängt seine Zukunft nur noch vom Bau des neuen Sarkophags ab, der 2017 fertiggestellt sein soll, und von den verschiedenen Subventionen, welche diese strategisch wichtige Stadt mit ihrer sehr begrenzten Perspektive erhält.
Bilder und Text: Niels Ackermann
(Diese Reportage wurde mit dem Swiss Photo Award 2016 und dem Nachwuchsförderpreis in der Kategorie Reportage ausgezeichnet.)