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Testkäufe im Wallis: ungefilterter Zugang zu online-shops
Medienmitteilung vom 16.02.2023
Die Pandemie hat den Aufschwung des Online-Handels weiter befeuert. Um herauszufinden, ob bei Verkäufen im Internet das Mindestalter respektiert wird, führte Gesundheitsförderung Wallis 2022 eine Testkaufkampagne für Alkohol, Nikotinprodukte und legale Cannabisprodukte (CBD) in Online-Shops durch. Das Ergebnis ist eindeutig: Bei 132 Tests, die in schweizerischen und französischsprachigen Online-Shops durchgeführt wurden, wurde nur ein einziges Mal ein Ausweis verlangt.
Dies unterstreicht die Versäumnisse von Internetseiten beim Jugendschutz. Der Markt für diese Produkte muss zwingend besser reguliert werden, um sicherzustellen, dass die geltenden Gesetze angewendet werden, und um die Öffentlichkeit weiterhin für diese Art von Verkäufen zu sensibilisieren.
Walliser Premiere: Virtuelle Testkäufe
Aufgrund der Pandemie konnten die Testkäufe nicht vor Ort durchgeführt werden. Um sich in die Situation der jungen Walliser*innen, die in Online-Shops einkaufen, hineinzuversetzen, wurden die Testkäufe erstmals online durchgeführt. Letztere verfolgen ein doppeltes Ziel: Es geht darum, sich ein Bild von der aktuellen Situation im Hinblick auf den Verkauf von Alkohol, Nikotinprodukten und legalen Cannabisprodukten in den Online-Shops zu machen und um die verschiedenen Filter, die von Online-Verkaufspunkten zur Kontrolle des Alters der Kundinnen und Kunden eingerichtet werden, zu dokumentieren.
Ergebnisse
Insgesamt wurden 100 Tests auf schweizerischen Websites und 32 auf französischen, belgischen und kanadischen Websites durchgeführt. Nur auf einer einzigen Internetseite wurde ein Ausweis verlangt, um das Alter des Käufers oder der Käuferin zu kontrollieren.
Im Rahmen der Tests galt die Regel, dass Shops, die einen Filter wie beispielsweise ein Ankreuzfeld vom Typ «Ich bin älter als 18 Jahre» auf ihrer Website anzeigten, den Test bestanden, obwohl Jugendliche in diesem Schritt hinsichtlich ihres Alters lügen können.
Beim Alkohol respektierten 52 % der schweizerischen Online-Shops das Gesetz und verweigerten den Verkauf von alkoholischen Getränken an Jugendliche unter 18 Jahren. Bei Nikotinprodukten und legalen Cannabisprodukten verboten 81 % bzw. 75 % den Verkauf an Minderjährige.
Es gibt allerdings einen grossen Unterschied zwischen Online-Shops, die ihren Sitz in der Schweiz haben, und jenen mit Sitz im Ausland. Die Ergebnisse der schweizerischen Internetseiten sind für alle Produktkategorien besser: Spirituosen (52 % bestandene Tests im Vergleich zu 44 %), Nikotinprodukte (81 % im Vergleich zu 71 %), legale Cannabisprodukte (75 % im Vergleich zu 44 %).
Wiederaufnahme der Praxistests
Im Jahr 2023 werden die Praxistests wiederaufgenommen. Gemäss der kantonalen Planung werden die Regionen Vallée d’Illiez, Salentin, Haut-Plateau und Goms für den Jugendschutz sensibilisiert. Bis 2025 wird Gesundheitsförderung Wallis gemäss der Planung den gesamten Kanton abgedeckt haben.
Notwendigkeit einer gesetzlichen Grundlage für Online-Testkäufe
Yvonne Feri (Aargau, SP) reichte beim Bundesrat eine Interpellation ein, in der sie Auskünfte zu den getroffenen Massnahmen verlangte, um gegen die Verstösse bei den Online-Testkäufen vorzugehen. In seiner Antwort weist der Bundesrat darauf hin, dass es zurzeit keine gesetzliche Grundlage gibt, um unter einem fiktiven Namen eine Bestellung aufzugeben. Er verweist darauf, dass die Einführung einer solchen Grundlage im Rahmen der Zollgesetzrevision im Lebensmittelgesetz vorgesehen ist.
Zahlen zum Konsum (Schweizer Suchtpanorama, Walliser Gesundheitsobservatorium, Studie HBSC, Umfrage GFW & Unisanté)
Alkohol: Im Jahr 2023 nahm der Alkoholkonsum vor allem bei den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen zu (15 bis 24 Jahre), in den höheren Altersgruppen ging er eher zurück.
Im Jahr 2018 tranken 21,7 % der Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren in der Schweiz mindestens gelegentlich Bier. Bei der Verteilung auf die Sprachregionen ist der Anteil in den lateinischen Regionen (24,4 %) höher als in den deutschsprachigen. Bier ist das meistkonsumierte alkoholische Getränk in dieser Altersgruppe, gefolgt von Spirituosen/Likören (14,2 %), Wein (13,3 %) und Alcopops (9,8 %).
Im Jahr 2014 gaben im Wallis 15 % der Mädchen und 18 % der Jungen zwischen 11 und 15 Jahren an, bereits mindestens einmal betrunken gewesen zu sein.
Tabak: Im Wallis gaben 3 % der 11-Jährigen an, mindestens einmal pro Woche zu rauchen. Dieser Anteil steigt auf 11,15 % bei den 15-Jährigen. Von den täglichen Raucherinnen und Raucher haben 57 % vor dem 18. Altersjahr mit dem Rauchen angefangen.
Bei einer Befragung im Jahr 2022 zur Nutzung und zur Repräsentation von Einweg-E-Zigaretten bei jungen Westschweizer*innen gaben 59 % der Teilnehmenden an, diese bereits konsumiert zu haben.
Zugang zu den Produkten: Von den Schweizer Jugendlichen im Alter von 15 Jahren, die in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken haben, hatten rund 20 % diesen Alkohol selbst in einem Geschäft, einem Kiosk, einer Bar oder einem Restaurant gekauft, obwohl der Verkauf an diese Altersgruppe verboten ist. Bei Tabak beträgt dieser Anteil etwas weniger als 50 %.
Gesundheitsförderung Wallis
Gesundheitsförderung Wallis ist die Referenzorganisation für Prävention, Gesundheitsförderung und Lungentherapie im Wallis. Als ein gemeinnütziger Verein hat sich Gesundheitsförderung Wallis zum Ziel gesetzt, die Gesundheit der Walliser Bevölkerung in allen Lebensabschnitten nachhaltig zu fördern, um Chancengleichheit zu schaffen.
Pressekontakt
Carmen Tonezzer, Präventionsbeauftragte Sucht, Gesundheitsförderung Wallis, 079 124 34 05, Gesundheitsförderung Wallis