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Hans Christian Andersens Kaiser mit Kleider-Fimmel kommt dem heutigen Publikum etwas exotisch vor. Der Grund ist beispielsweise auf Gruppenfotos von Politikern oder Wirtschaftskapitänen sichtbar: Der klassische dunkle Anzug mit Krawatte ist heute sozusagen die Uniform des „besseren Herrn“ – ziemlich stereotyp, nur geringfügige Abweichungen sind möglich. Warum da so ist, untersucht Sabina Brändli in ihrem Buch „Der herrlich biedere Mann“.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war genau vorgeschrieben, wer was tragen durfte. Je höher der soziale Rang, desto prächtiger die Kleidung. Die Wende kam mit der französischen Revolution: Der schlichte dreiteilige Anzug des Bürgertums wurde zum Symbol der Abgrenzung gegen den Adel mit seinem Kleider-Pomp. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts etablierte sich das Bürgertum immer mehr (anstelle des Adels) als die staatstragende Schicht, wodurch sich auch sein Anzug allgemein durchsetzte. Je einheitlicher und spartanischer der Männeranzug wurde, insbesondere der Frack, desto mehr wurde die Haute Couture eine Domäne der Frauen (es gibt nichts schlimmeres, als wenn bei einem festlichen Anlass zwei Frauen das gleiche Kleid tragen!…). Männer, die sich zu sehr herausputzen (sogenannte Dandys), geraten leicht in den Verdacht der Homosexualität – es sei denn, es handelt sich um Uniformen.
Eigentlich schade, dass man als Mann heutzutage so wenig Spielraum hat!