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MEIN #SPRACHTIPP FÜR BESSERE TEXTE: RELATIVSATZ UND APPOSITION
Viele Studierende haben Mühe mit Relativsatz und Apposition. Insbesondere die richtige Kommasetzung bereitet Kopfzerbrechen. Im Folgenden wird in aller Kürze gezeigt, dass die korrekte Verwendung von Relativsatz und Apposition (inkl. Kommasetzung) keine Hexerei ist.
A) WAS IST ÜBERHAUPT EIN RELATIVSATZ?
Unter einem Relativsatz versteht man einen Nebensatz, der mit einem relativischen Anschluss eingeleitet wird. Das konjugierte Verb steht wie in allen Nebensätzen am Satzende. Der relativische Anschluss ist entweder ein Relativpronomen oder ein Relativadverb. Das scheint kompliziert, ist es aber nicht. Hier für jede der beiden Formen ein Beispiel:
ANSCHLUSS MIT RELATIVPRONOMEN
«Das Buch, das ich gestern in der Stadt gekauft habe, liegt auf dem Küchentisch.»
Zuweilen folgt noch eine Präposition vor dem Relativpronomen:
«Das Buch, in dem ich während einer Stunde gelesen habe, liegt auf dem Küchentisch.»
ANSCHLUSS MIT RELATIVADVERB
«Die Stadt, wo ich das Buch gekauft habe, wird im Sommer von vielen Touristen besucht.»
«Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?»
WORAUF DU BEIM RELATIVSATZ BESONDERS ACHTEN SOLLTEST
ERSTENS:
Die Kommasatzung
Ein Relativsatz wird immer mit einem Komma eingeleitet. Ist der Relativsatz Teil eines Hauptsatzes, endet er auch mit einem Komma.
«Das Buch, das ich gestern in der Stadt gekauft habe, liegt auf dem Küchentisch.»
ZWEITENS:
Die inhaltliche Gewichtung
Der Hauptgedanke gehört in den Hauptsatz, der Nebengedanke in den Relativsatz. Überlege Dir, was wichtig ist und was nicht. Hier zwei Beispiele:
«Das Buch, aus dem ich viel gelernt habe, habe ich aus der Universitätsbibliothek.»
«Aus dem Buch, das ich aus der Universitätsbibliothek habe, habe ich viel gelernt.»
Erkennst Du den Unterschied? Im ersten Satz steht die Universitätsbibliothek im Vordergrund, im zweiten der Lernerfolg.
DRITTENS:
«Der, die, das» oder «welcher, welche, welches»?
Relativsätze, die mit «welcher, welche, welches» eingeleitet werden, klingen hölzern. Die Formulierungen «welcher, welche, welches» sollten daher vor allem in der gesprochenen Sprache vermieden werden, in Texten tauchen sie hingegen immer wieder auf. (Damit Deine Texte nicht gespreizt daherkommen, verzichtest Du am besten auch in Texten auf «welcher, welche, welches».)
B) WAS VERSTEHT MAN UNTER EINER APPOSITION?
Appositionen sind substantivisch nähere Bestimmungen, die im gleichen Fall stehen wie die Substantive oder Pronomen, zu denen sie gehören. Im Grunde sind Appositionen nachträgliche Präzisierungen, die Relativsätze ersetzen und durch Komma abgetrennt werden. Abgesehen von der Zeichensetzung, handelt es sich bei Appositionen somit in erster Linie um ein Stilmittel.
Beispiel:
Statt zu schreiben
«Herr Müller, der unser Deutschlehrer ist, kommt heute zu spät in den Unterricht.»
kannst Du Dich eleganter ausdrücken, indem Du Dich einer Apposition bedienst und den Sachverhalt wie folgt zum Ausdruck bringst:
«Herr Müller, unser Deutschlehrer, kommt heute zu spät in den Unterricht.»
Statt zu schreiben
«Zürich, die Stadt, die im Sommer von vielen Touristen besucht wird, liegt an einem See.»
kannst Du Dich eleganter ausdrücken, indem Du den Sachverhalt über Appositionen zum Ausdruck bringst:
«Die Stadt Zürich, im Sommer von vielen Touristen besucht, liegt an einem See.»
Deutlicher zeigen sich die Vorzüge des Stilmittels Apposition, wenn man den folgenden Satz betrachtet:
«Panta rhei bedeutet‚ alles fliesst. Es handelt sich dabei um einen auf den griechischen Philosophen Heraklit zurückzuführenden Aphorismus, der zur Kennzeichnung seiner Lehre dient, dass niemand zweimal in denselben Fluss steigt.»
Umformuliert mit Apposition lautet der Satz:
«Panta reih, alles fliesst, ein auf Heraklit zurückgeführter Aphorismus zur Kennzeichnung seiner Lehre, der zufolge niemand zweimal in denselben Fluss steigt.»
Als Ergebnis lässt sich somit festhalten, dass die Apposition als Stilmittel wesentlich zur Verdichtung des sprachlichen Ausdrucks beiträgt.
Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich