Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03341.jsonl.gz/1813

Musk verteidigt Übernahme von Solar-Firma und beleidigt Anwalt
Der Tesla-Chef sieht keinen Interessenkonflikt, auch wenn er damals Vorsitzender von beiden Unternehmen war. Wie so häufig, wird er im Streit persönlich.
Der Tesla-Vorstandsvorsitzende Elon Musk hat vor Gericht die Übernahme des Unternehmens SolarCity verteidigt. Musk bestritt am Montag im US-Staat Delaware jeglichen Interessenkonflikt und erklärte, er habe durch die Übernahme auf Aktienbasis nichts gewonnen, weil er Papiere beider Unternehmen besitze. Musk war zum Zeitpunkt der Übernahme 2016 der grösste Anteilseigner bei SolarCity und deren Vorsitzender. Als der finanzielle Erfolg ausblieb, erhoben Aktionäre von Tesla Klage.
Der Milliardär äusserte sich gewohnt kämpferisch und wurde dabei wie schon in der Vergangenheit auch persönlich. «Ich glaube, Sie sind ein schlechter Mensch», sagte Musk an einen Anwalt der Aktionäre gewandt, Randall Baron, der nach möglichen Fehlern bei der Übernahme fragte. «Ich habe grossen Respekt vor dem Gericht, aber nicht vor Ihnen, Sir», fügte er später hinzu.
Baron versuchte vor Gericht dazulegen, dass Musk sein Unternehmen praktisch im Alleingang führt und darum auch für alle Fehler die Verantwortung trägt. Er präsentierte eine Videoaufnahme, in der Musk erklärt, er führe alle seine Firmen am liebsten allein, weil er es nicht möge, wenn ihn jemand zwinge etwas zu tun, das er nicht tun wolle. Musk sagte dagegen am Montag, er wolle von nichts der Chef sein. «Ich ziehe es vor, meine Zeit mit Design und Technik zu verbringen», erklärte er.
Vor der Übernahme bezeichnete Musk den Deal mit einem Wert von 2,5 Milliarden Dollar als einen Selbstläufer, schliesslich werde sich der führende Hersteller von Elektroautos mit einem Hersteller von Solarmodulen zusammenschliessen, die auch E-Fahrzeuge laden könnten. Die Kläger führten an, bei dieser Einschätzung habe Tesla fundamentale Schwächen von SolarCity ignoriert. Ausserdem seien die von Musk versprochenen Gewinne ausgeblieben.
In sieben Aktionärsklagen, die in einer zusammengefasst wurden, wird angeführt, dass die Tesla-Direktoren ihre treuhänderischen Pflichten verletzten, als sie sich Musks Wünschen beugten und dem Kauf des angeschlagenen Unternehmens zustimmten. Die Kläger sprechen von einem klaren Interessenkonflikt, da SolarCity von Musk und zwei seiner Cousins, Lyndon und Peter Rive, gegründet wurde.
Musk erklärte dazu, SolarCity habe seine Ziele nicht erreicht und Marktanteile verloren. Das seien aber nur vorübergehende Rückschläge. Hintergrund sei, dass sich Tesla voll darauf konzentriert habe, die Produktion des Model 3 voranzutreiben. Die Verteidigung verwies darauf, dass SolarCity bereits in den Plänen von Tesla enthalten war, als Musk 2006 seinen Masterplan für den Elektroautohersteller vorgestellt habe. Damit unterstrich er, dass der Zusammenschluss der Unternehmen zehn Jahre später keine Notlösung war, wie die Kläger behaupten.
Im vergangenen August genehmigte ein Richter einen Vergleich im Wert von 60 Millionen Dollar, mit dem die Ansprüche gegen alle Vorstandsmitglieder von Tesla ausser Musk ohne Schuldanerkenntnis beigelegt wurden. Damit blieb Musk, der sich weigerte, einen Vergleich zu schliessen, als einziger Angeklagter übrig. Der Prozess, der am Montag begann, war für März letzten Jahres angesetzt worden, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben.