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Hier finden Sie aktuelle als auch weiter zurückliegende Infos von unseren Aktivitäten und Projekten.
- Jahresversammlung vom 20. August 2011: Kurzbericht
- Halbjahresbericht der EIAG Dezember 2009: Stipendien, Nothilfe und Kleinkredite
- Berichte von "Betroffenen":
Rosa Victoria
Rosa Victoria ist Direktionssekretärin in der Landwirtschaftsschule von Rivas. Sie hat zwei Kinder im Alter von 9 und 10 Jahren. Ihr Mann ist meist arbeitslos, ab und zu findet er für ein paar Tage Beschäftigung als Hilfsarbeiter, verdient dann rund zwei Dollar pro Tag. Die Arbeitslosenquote in Nicaragua liegt bei 60%. Darum sucht er immer wieder Arbeit im Nachbarland Costa Rica. Zur Zeit der Kaffee- oder der Zuckerrohrernte ist dort Arbeit zu finden. Die Einkünfte der Familie reichen knapp zum Überleben. Rosa Victoria und ihr Mann Max besitzen einen Hausteil, der aber sehr baufällig ist. Leider ist es ihr kaum möglich, Ersparnisse anzulegen und die nötigen Reparaturen vorzunehmen. Wir haben ihr geholfen, einen Teil des Hausdaches zu reparieren. Wir baten sie auch, uns zu beschreiben, wie sie lebt, was sie bedrückt und worüber sie sich freut. Die Landwirtschaftsschule besitzt eine Digitalkamera, darum verfügen wir auch über Fotos.
Rosa
Victoria
berichtete uns:
Meine Mutter und mein Vater wohnen ebenfalls in Rivas. Wir sind 10 Geschwister, aber nur ein Bruder und ich haben eine feste Anstellung. Wir zwei unterstützen unsere Eltern. Mein Vater ist arbeitslos. Meine Mutter hat Herzbeschwerden und Probleme mit dem Blutdruck. Sie braucht täglich Medikamente im Wert von zwei Dollar. Meine Freude und mein Lebenssinn sind meine zwei Kinder: Kimberly ist 9 Jahre alt und Emmanuel zählt 10 Jahre. Sie teilen mit mir Freude und Leid. Ich hoffe darauf, dass sie ein besseres Leben haben werden. Sie sind beide gute SchülerInnen und ich unterstütze sie bei ihren Schularbeiten.
Vor zwei Monaten habe ich eine Toilette kaufen und an das Abwassersystem anschliessen können. Das WC steht zwar ziemlich frei im Raum, ein Vorhang sorgt für etwas Intimität. Das schöne ist aber, dass wir nicht mehr über den Hinterhof das alte Plumpsklo aufsuchen müssen. Der Hinterhof ist in der Regenzeit meist voller Pfützen und nachts hatten wir Angst, nach draussen zu gehen. Der Fussboden unseres Hauses ist aus Erde. Als die beiden Kinder noch klein waren, krabbelten sie auf der Erde herum und ich hatte oft Angst, sie würden sich so Krankheiten holen, die mit einem sauberen Boden vermeidbar wären. Vielleicht kann ich eines Tages einen Betonboden einbauen, das wäre schon ein schöner Fortschritt.
Als nächstes werde ich versuchen, das Dach der Küche zu erneuern. Die traditionellen nicaraguanischen Gerichte lassen einen viel Zeit in der Küche verbringen. Ich habe keinen Kühlschrank und muss darum das Essen täglich neu zubereiten. Meine Kinder Kimberly und Emmanuel, mein Mann Max und ich danken euch ganz herzlich für die Unterstützung.“
Doña Juanita aus Ochomogo
Vor 25 Jahren fand in Nicaragua der Kreuzzug gegen den Analphabetismus statt. Man brachte es damals fertig, die Zahl der Analphabeten auf 12% der Bevölkerung zu senken. Heute ist der Anteil der Leseunkundigen wieder bei 46% angelangt. Vor allem sind Frauen von diesem Übel betroffen. Darum haben wir Frauen vom Frauenhaus Rivas beschlossen, diesen Compañeras das Lesen und Schreiben beizubringen.
Doña Juanita aus Ochomogo ist 55 Jahre alt, sie hat an unseren Kursen teilgenommen und erzählt anschliessend, wie sich ihr Leben dank der Fähigkeit lesen und schreiben zu können verändert hat.
„Ich habe damals vor 25 Jahren an der Alphabetisierung teilgenommen. Leider habe ich in der Zwischenzeit das Gelernte wieder vergessen. Als ich hörte, dass das Frauenhaus einen Kurs anbot, meldete ich mich sofort, denn ich hatte es satt, ständig meine Nachbarin zu bitten, mir die Briefe meiner Kinder, die in Costa Rica leben, vorzulesen. Heute kann ich stolz sagen, ich kann lesen und schreiben.
Früher hatte ich Angst, meine Kinder in Costa Rica zu besuchen, hatte Angst, mich zu verirren, fürchtete mich vor dem Ausfüllen der Grenzformulare und unterliess es darum, die Kinder zu besuchen. Nachdem ich aber den ersten Kurs besucht hatte, wagte ich es, ins Nachbarland zu reisen. Ich war noch nie dort und hatte nur die Adresse meiner Kinder bei mir. Ich erinnere mich, wie ich schweissnasse Hände hatte, aber ich fand die Wohnung meiner Tochter auf Anhieb. Ich war so glücklich.
Ich sehe die Welt mit andern Augen, jetzt da ich lesen kann. Es ist wie wenn man mir eine Binde von den Augen genommen hätte. Darum sage ich allen Frauen: Es ist nie zu spät, etwas zu lernen, man muss es nur wollen. Die Hoffnung ist das letzte, was man verliert. Mit 55 Jahren habe ich lesen und schreiben gelernt: ich fühle mich wie neu geboren.“

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